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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
A
Morgenzeitung der Lanvesnauptſtadt
Wöchentliche illuftrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 1941
187. Jahrgang
Freitag, den 11. Juli 1924.
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27 mm breite Zeiſe im Kreiſe Darmſtadt 20 Goldpfg.
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breicl 4 Goldmark. Anzeigen von auswärts 30 Goldpfg.
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Rellame=
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Im Falle höherer
Gewali, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ſede Verpſichtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
aufräge und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beitreibung fällt ſeder
Rabat weg. Banfonto: Deutſche Bank und
Darm=
ſtädter 8 Nationalbank.
Die Bilanz von Paris.
kettung Herriots auf Koſien Oeutſchlands. — Macdonalds Konzeſſionen: Verzicht auf den
igliſchen Standpunkt. — Herriots Erfolg: Die Poincaré’ſche Theſe gewinnt die Oberhand. geworden, ob die große Zurückhaltung, welche Reichsregierung
Deutſchland und die Pariſer=
Konferenz.
Das Urteil Berliner Kreiſe.
Berlin, 10. Juli. Das neue, geſtern zwiſchen Macdonald
d Herriot in Paris getroffene Uebereinkommen wird
hieſigen gut unterichteten politiſchen Kreiſen ziemlich
un=
nſtig beurteilt. Man hält es für offenſichtlich, und dieſer
idruck wird durch die Kommentare der engliſchen und
ame=
iniſchen Preſſe noch verſtärkt, daß das Pariſer
Ueber=
ikommen ein neues Programm für die
Kon=
enz von London bedeutet. Macdonald habe
un=
eifelhaft nachgegeben und Herriot ſei als Sieger
der Auseinanderſetzung hervorgegangen. Das wäre ja an
für Deutſchland noch nicht von Nachteil, wenn nicht mit
Her=
auch die ſchärfere franzöſiſche Theſe bezüglich der Behandlung
Londoner Konferenz die Oberhand gewonnen hätte. Auf
erſten Blick iſt zu erkennen, daß die ſeinerzeitige
franzö=
ch=engliſche Verſtändigung von Chequers
geſtern keine Gültigkeit mehr beſitze. Das geſtrige
ereinkommen läßt ferner alle wichtigen und für Deutſchland
ſtigen Punkte des engliſchen Weißbuches offen oder ſetzt ſie
drücklich außer Kraft. Das Pariſer Uebereinkommen hebt
drücklich hervor, daß die Reparationskommiſſion nach wie vor
höchſte Inſtanz ſein ſoll; auch von einem Eingreifen des
kerbundes bei etwaigen Verfehlungen Deutſchlands, wie dies
engliſchen Weißbuch vorgeſehen war, iſt in dem Pariſer
ereinkommen nicht mehr die Rede. Als der für Deutſchland
tigſte, aber auch ungünſtigſte Punkt des Pariſer
Ueberein=
mens wird in hieſigen gut unterrichteten Kreiſen der Punkt
ſehen, wonach die interallierte Konferenz den Plan feſtſetzen
daß die wirtſchaftliche und fiskaliſche Einheit
utſchlandswiederhergeſtellt wird, ſobald (und
uf liegt der Nachdruck) die
Repayationskommiſ=
n durch Beſchluß anerkannt hat, daß der
Dawes=
zur Ausführung gebracht werde. Die
Reparationskom=
ion werde gebeten werden, Anregungen zur Aufſtellung die=
Planes zu geben und dieſen der interallierten Konferenz
ulegen. In hieſigen politiſchen Kreiſen glaubt man nicht,
ſich die deutſche Regierung mit dieſem Punkt wird
einver=
den erklären können. Denn da die aus dem Dawesgutachten
ichſenden Verpflichtungen über den „Verſailler. Vertrag
usgehen, können diefe Laſten unter keinen Umſtänden von
tſchland angenomen werden, ohne daß darüber mit
Deutſch=
wenigſtens verhandelt worden iſt. Man glaubt nicht, daß
deutſche Regierung ein neues Diktat unterſchreiben werde.
auffällig erſcheint auch, daß an keiner Stelle des Pariſer
rreinkommens davon die Rede iſt, daß die engliſche
Verein=
ng nur unter Beteiligung Deutſchlands getroffen werden
worauf bekanntlich das engliſche Weißbuch großen. Wert
Ferner iſt nicht mehr davon die Rede, daß die Näumung
Ruhrgebiets nach einem beſtimmten Termin nach der
Durch=
ung der Geſetze zum Sachverſtändigengutachten durch die
ſche Regierung erfolgen ſoll. Als das einzig Poſitive des
ſer Uebereinkommens kann vielleicht die geplante
Hinzu=
ing eines amerikaniſchen Sachverſtändigen angeſehen wer=
Leider iſt nicht geſagt, ob dieſer Sachverſtändige auch
ſtimm=
htigt ſein ſoll.
eteilte Aufnahme in der Berliner Preſſe.
für Deutſchland, ſo ſchreibt der „Berliner
Lokalanzei=
bedeuten die Pariſer Beſchlüſſe die gewollte Fortdauer der
Un=
zeit unſeres Schickſals.
die „Deutſche Zeitung” ſchreibt: Schärfſten Widerſpruch
die Beſtimmung erregen; nach der die zuſtande kommenden
Ab=
uugen die Autorität der Reparationskommiſſion nicht beeinträchtigen
e.
die Berliner Börſenzeitung” iſt der Meinung, daß das
ge Pariſer Abkommen nicht nur eine Verſchlechterung der
Beding=
des Gutachtens bedeute, ſondern es unterſtelle ſogar den Termin
die Umſtände der Befreiung der vertragswidrig beſetzten Gebiete
Belieben der Allierten und ſetze ſie den Zufälligkeiten der
engliſch=
öſiſchen Beziehungen aus.
die „Deutſche Tagaszeitung” ſchreibt: Die Ausſicht dafür,
Ubſt bei uneingeſchränkter Annahme des Sachverſtändigengutachtens
Deutſchland die politiſche Entwickelung auch nur annähernd in
on der deutſchen Regierung erhofften Nichtung ſich vollziehen werde,
immer geringer.
ie Kreuzzeitung” bringt ebenfalls ihre ſchwere Enttäuſchung
Ausdruck und ſpricht von einem vollen Rückzug Macdonalds, und
t, daß die Wege, die Herriot und Maedonald in ihrer gemeinſamen
beſchritten hätten, für Deutſchland nicht gangbar ſeien. Ein neues
könnten wir nicht annehmen.
ie „Deutſche Allgemeine Zeitung” ſchreibt:
Deutſch=
werde nach London kommen, um zu unterſchreiben, was vorgeſetzt
Herriot und Maedonald haben geſprochen. Aber Poinearé hat
die Worte ſuffliert.
Zeit”, das Organ des Außenminiſters Streſemann, dagegen
t: Die Ausſprache zwiſchen Herriot und Maedonald hätte ein gutes
nis gehabt. Sie hätte die Gefahr beſeitigt, die der Londoner
Kon=
bis in die letzten Tage ſehr ernſthaft drohte. Am bedenklichſten
ſcheint der „Zeit” zu ſein, daß bei den Vereinbarungen über die
hrung des Gutachtens von Deutſchland überhaupt nicht mehr die
iſt.
er „Vorwärts” ſchreibt: Behauptet ſich die Demokratie in Eng=
Frankreich und Deutſchland, dann kann man unbeſorgt ſein, dann
Deutſchland ſein Beſtes tun, um den Dawesplan zu erfüllen.
Ge=
trotzdem in Verſchulden, dann wird man ihm den guten Willen da=
It abſtreiten gleichviel ob die Entſcheidung durch die
Reparatione=
ſion oder durch den Völkerbund ausſchließlich zuſtande kommt.
7!
„Die geſſein vonehequers geidcker.
Beruhigung in der Pariſer Preſſe.
Paris, 10. Juli. Die geſtern veröffentlichte amtliche
Mit=
etwas mit der Regierung verſöhnt, wenn ſie auch immer noch
von einer Preisgabe der Repaxationen, Ueberhandnehmen des
engliſchen Einfluſſes uſw. redet. Ziemlich allgemein wird aber
vermißt, daß die Note nichts über die Beteiligung Deutſchlands
an der Konferenz ſage und ebenſowenig über die Beteiligung
der kleinen Allierten.
i
Der „Petit Pariſien” ſchreibt, daß dieſe Beruhigung auch
über Frankreich hinaus ſich als wirkſam erweiſen werde. Die
Verſtän=
digung, die zwiſchen Maedonald und Herriot erzielt worden ſei, und
Schriftſtück, das aus ihren Beratungen hervorging, würde in Belgien,
Mächten mit eben ſolcher Befriedigung aufgenommen werden wie in
Frankreich und England.
Das „Echo de Paris” ſchreibt: Umgeben von Ratgebern und
höchſt wahrſcheinlich beſſer über ſeine Akten unterrichtet, habe Herriot
in den Pariſer Beſprechungen ſicher die franzöſiſche Auffaſſung
wirk=
ſamer vertreten als in Chequers. Ex habe die Abfaſſung einer Note
erreicht, an die Frankreich ſich hie und da anklammern könne, um
ge=
wiſſen Druckverſuchen Widerſtand zu leiſten. Die prinzipiellen
Grund=
lagen aber ſeien nach wie vor ſchlecht. In allzuvielen Punkten ſtecke
unter der oberflächlichen Phraſeologie noch immer der Protokollentwurf
des Foreign Offiee. Es werde einen harten Kampf koſten, um
durchzu=
ſetzen, was Frankreich gebührt. Die Feſſeln von Chequers ſeien gelockert,
zerriſſen ſeien ſie noch nicht.
Der „Matin” meint: Macdonald habe das größte
Entgegenkom=
men bewieſen.
Das „Deuvre” ſchreibt: Seit 1918 habe die Entente noch keinen ſo
guten Tag erlebt. Maedonald und Herriot haben das wieder geſchaffen,
was für jedes Unternehmen unerläßlich ſei, das Vertrauen.
Der „Figaro” ſchreibt: Wieder einmal iſt zwiſchen den beiden
allierten Regierungen die Verſtändigung hergeſtellt. Madonald iſt der
Vorſtellung, die man ſich von ſeinem Charakter machte, ſeiner
Großzügig=
keit und ſeinem Gerechtigkeitsſinn, nicht untreu geworden.
Die „Ere Nouvelle” beglückwünſcht ſich zu der Feſtſtellung,
daß Macdonald nach einigen ziemlich ſcharfen Einwendungen ſich
dem vernünſtigen Standpunkt Herriots angeſchlofſen
habe. Die Bilanz des geſtrigen Tages falle zu Gunſten der franzöſiſchen
Intereſſen aus. Die Entente ſei auf einer dauerhaften Grundlage wieder
hergeſtellt.
Der „Quotidien” ſchreibt, der Wortlaut der Note ſei allzu
deutlich. Die Wahrheit ſpringe zu ſehr in die Augen. Der große
Ver=
rat, den Herriot begangen haben ſollte, erſweiſe ſich mit allzu großer
Klarheit als der eklanteſte Eufolg, als ein Erfolg von
wich=
tigen Konſequenzen, wie ihn die franzöſiſche Politik ſeit langem nicht
mehr davon getragen habe. Man müſſe dafür nicht allein dem
republi=
kaniſchen Miniſterpräſidenten Frankreichs, man müſſe auch der
eng=
liſchen Regierung dafür Dank zollen. Es ſtehe feſt, daß
Frankreich und England ſich geeinigt hätten, um die Durchführung des
*
Sachverſtändigenplans zu regeln, ohne an den ſakroſankten Verſaill
Vertrag zu rühren und ohne den Nechten der Reparationskommiſſion
den mindeſten Abbruch zu tun.
Guſtave Herve grollt in der „Vietoire”, alles in allem gehe der
Vertrag aus dieſen arbeitsreichen Verhandlungen unverſehrt hervor,
dank der heftigen nationalen Neaktion, die das groteske Schauſtück von
Chequers ausgelöſt habe. Wer nicht unverſehrt hervorgehe, das ſei der
unglückſelige franzöſiſche Miniſterpräſident, der in acht Tagen der Nation
ungeahnte Abgründe von Unerfahrenheit, Leichtſinn und Einfalt
auf=
gedeckt habe.
Optimismus in London.
* London, 10. Juli. (Priv.=Tel.) In hieſigen politiſchen
Kreiſen erblickt man in der geſtern zwiſchen Herriot und
Mae=
donald erzielten Uebereinkunft ein äußerſt günſtiges
Vor=
zeichen für die Arbeiten der Konferenz. Die
ge=
meinſame Anſicht der Regierungen wird in dem Memorandum
zuſammengefaßt, das den Regierungen Italiens, Belgiens,
Ja=
pans, Rumäniens, Portugals, Amerikas, Griechenlands und
Serbiens übermitelt werden wird. Der ſpringende Punkt
in dieſem Memorandum wird die Entſcheidung ſein, daß
der Reparationskommiſſion die Befugniſſe
übertragen werden, über Verfehlungen
Deutſch=
lands gegen die Beſtimmungen des Verſailler Vertrages zu
entſcheiden und, daß ihr deswegen ein bevollmächtigter
Vertreter der Vereinigten Staaten beigegeben wird. Dieſes iſt
die Konzeſſion, zu der ſich Macdonald in Paris verſtanden hat.
Was tut Amerika?
FU. Neu=York, 10. Juli. In Kreiſen, die der
Negie=
rung nahe ſtehen, wird, wie man aus Waſhiugton berichtet, im
Weißen Hauſe ſchon in den nächſten Stunden zu dem Wunſche
Herriots und Macdonalds hinſichtlich des Eintritts Amerikas
in die Neparationskommiſſion Stellung genmomen werden. Man
bezweifelt jedoch, daß dem bisherigen Beobachter Logan oder
irgend einem anderen amerikaniſchen Vertreter von der
Waſhing=
toner Regierung volles Stimmrecht bewilligt werde. Es wäre
höchſtens möglich, daß Logan auf ſeine eigene Verantwortung den für anderes als für den dringendſten materiellen Bedarf
hin, ohne Waſhington zu binden, mitſtimmen dürfte. Seine
Stellung würde dann der des Generals Dawes im
Sachverſtän=
digenausſchuß ähneln und auch einen gewiſſen praktiſchen Wert
haben, Amerika jedoch, wie geſagt, nicht verpflichten. Die Union
iſt andererſeits an einer Negelung der Reparationsfrage ſehr
intereſſiert, und Coolidge würde daher zweifellos die
Gelegen=
heit begrüßen, Logan oder irgend einen anderen Vertreter in
die Reparationskommiſſion zu entſenden. Dazu müßte er aber
her immer verweigert hat. Andere amtliche Kreiſe weiſen
da=
gegen auf den Sonderfrieden hin, den Amerika mit Deutſchland
geſchloſſen habe, und erklären, daß dieſem der Wunſch
Maedo=
nalds und Heriots entgegenſtehe und ihn kaum durchführbar
wenn genaue Unterlagen vorhanden wären.
Die Stimme der deutſchen Kultur.
Dr.
Von
Valther Croll, Berlin.
In den letzten Wochen ſind immer lebhaftere Zweifel laut
und Intcreſſenverbände gegenüber den
Sachverſtändigenvorſchlä=
gen bewahrt haben, auch nur taktiſch richtig geweſen iſt. Von
ſeiten derer, die eine Löſung um jeden Preis befürworteten, iſt
die Kritik an der Haltung der Regierung und der Wirtſchaft mit
dem Hinneis darauf zurückgewieſen worden, daß es „
Unbefug=
teilung über die Londoner Konferenz hat die Oppoſitionspreffe ten” nicht zukomme, ſich in die hohe Politik einzumiſchen und die
Kreiſe der Verantwortlichen zu ſtören. Im deutſchen Volk lebt
immer noch der alte Glaube an die unfehlbare
Regierungsweis=
heit, von welchem die Gegner des alten Regimes behaupten, daß
es Deutſchland zugrunde gerichtet habe. In allen parlamentariſch
regierten Ländern begrüßen es die Regierungen, wenn ihnen
von Organiſationen, Parteien oder Einzelnen Material geliefert
wird, das zwar vielleicht nicht ſofort verwertet, aber doch dann
as benutzt wird, wenn ſich außenpolitiſch die Möglichkeit dazu bietet.
Der Reichsregierung iſt bisher von keiner Stelle, die im Inlande
in den Vereinigten Staaten, in Japan und bei den anderen allierten und Auslande als urteilsfähig und gewichtig angeſehen wird,
ausführliches kritiſches Material über die in Vorbereitung
befind=
liche Reparationsentſcheidung zur Verfügung geſtellt worden.
Es muß daher vom Standpunkte jedes ehrlichen Deutſchen
begrüßt werden, daß der große Zweckverband der notleidenden
deutſchen Kulturſchicht, das „Schutzkartell”, die Initiative
ergrif=
fen hat, um noch vor Beginn der Londoner Konferenz einige der
wichtigſten Bedenken zu formulieren, welche vom deutſchen
Standpunkt gegen die Gedankengänge und die praktiſchen
Vor=
ſchläge der Sachverſtändigen zu erheben ſind. Nur Toren oder
Angſtmeier können im Ernſt befürchten, daß ſolche Kritik — wenn
ſie in würdiger und ſachlicher Form erfolgt — mehr ſchaden als
nützen wird. Das Schutzkartell für die notleidende Kulturſchicht
Deutſchlands hat die ihm angeſchloſſenen 44 Verbände deutſcher
Geiſtesarbeiter ſowie die deutſchen und ausländiſchen
Preſſever=
treter in Berlin zu einem Vortrag eingeladen, in welchem das
Sachverſtändigenprogramm vom Standpunkt der deutſchen
Bil=
dungsſchicht beleuchtet werden ſoll. — Es kann auf den erſten
Blick verwunderlich erſcheinen, warum gerade die Berufsverbände
der Gelehrten und Künſtler, der Aerzte und Anwälte, der
Inge=
nieure, Techniker und Architekten, der Volkswirte und der
Tages=
ſchriftſteller zu einer Kritik das Wort ergreifen, welche von den
politiſchen und wirtſchaftlichen Führern des deutſchen Volkes
hätte vorgebracht werden müſſen. Das
Sachverſtändigenpro=
gramm belaſtet die Wirtſchaft und ſtellt harte Anforderungen an
die Finanzen des Reiches. Es enthält aber — und das iſt der
erſte Punkt, welcher die Vertretung weiter deutſcher
Kulturſchich=
ten veranlaßte, aus ihrer Reſerve herauszutreten, Beſtimmungen,
welche für das Selbſtgefühl eines Kulturvolkes eine ſchwere
Be=
laſtung bedeuten. Warum begnügen ſich die Gläubiger
Deutſch=
lands nicht mit unſerer Zuſage, das Opfer= und
Leiſtungspro=
gramm gewiſſenhaft und nach beſten Kräften zu erfüllen? Die
uns zugedachte weitgehende Kontrolle ſchlägt doch dem
Grund=
gedanken des Gutachtens ins Geſicht, daß die Abwicklung eines
vernünftigen Reparationsplanes im Intereſſe aller beteiligten
Völker liegt, und daß ein großes Leiftungsprogramm nur in
einer Atmoſphäre ehrlichen gegenſeitigen Vertrauens durchgeführt
werden kann. Weiter iſt es eine Angelegenheit der deutſchen
Kul=
tur, ob wir auf unabſehbare Zeit das Nutzobjekt fremder Staaten
und Volksgemeinſchaften ſein ſollen, und ob es mit der Würde
eines großen Volkes vereinbar iſt, wenn man eine nationale
Ar=
beitsgemeinſchaft nach Grundſätzen etwa eines
landwirtſchaft=
lichen Rekordunternehmens zu exploitieren ſucht. Die deutſche
Kulturſchicht iſt aber auch materiell aufs lebhafteſte an einer
Ent=
ſcheidung intereſſiert, welche die wirtſchaftliche Lage des Landes
für Jahrzehnte maßgebend beeinfluſſen wird. In den Kreiſen
urteilsfähiger deutſcher Wirtſchaftspolitiker beſteht kein Zweifel
darüber, daß ſich die Unternehmungen faſt aller deutſcher
Wirt=
ſchaftszwveige während der nächſten Jahre mit den
allerbeſchei=
denſten Erträgen begnügen müſſen, und daß Einkommen und
Lebensgenuß in allen Schichten unſeres Volkes einen ſtarken
Ab=
ſtrich gegenüber der Vorkriegszeit erfahren werden. Bei dem uns
bevorſtehenden großen Abbau der Bedürfnis=Befriedigung
wer=
den die kulturellen und geiſtigen Bedürfniſſe als erſte an die
Reihe kommen. Die privaten und die öffentlichen Organe wer=
„kein Geld übrig” haben. Der bevorſtehende Reparationsvertrag
droht alſo die Einleitung einer allgemeinen, unabſehbaren
deut=
ſchen Kulturkriſe zu werden. Die in London zuſammentretenden
Staatsmänner ſollten über ihrem Suchen nach Kompromißformeln
nicht vergeſſen, daß die deutſche Kultur einer der größten und
blühendſten Zweige der Menſchheitskultur iſt, und daß es nicht
wieder die Zuſtimmung des Kongreſſes haben, die dieſer ſeit= der Befriedung der Welt dient, wenn man ein Volk auch ſeiner
geiſtigen Güter beraubt und es zum erbitterten Gegner der heute
beſtehenden Weltordnung macht. — Das ſind die Gründe, welche
das Schutzkartell der notleidenden deutſchen Kulturſchicht zu dem .
mache. Eine öffentliche Beſprechung wäre erſt dann möglich, Entſchluß gebracht haben, am 12. Juli vor aller Welt deutſche
Ideen und Bedenken zu bekennen,
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Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
Rummer 191.
Maroonalos Rechenſchansvericht.
Erklärungen Macdonalds im Unterhaus über
ſeine Pariſer Reiſe.
* London, 10. Juli. (Priv.=Tel.) Macdonald hat heute
dem Unterhaus eine Erklärung über ſeine geſtrigen
Beſprechun=
gen mit Herriot abgegeben. Er ſagte, daß in Paris eine
be=
dauerliche Lage beſtanden habe, die gedroht habe, die
ſchon geleiſtete Arbeit zu zerſtören. Die engliſche
Regierung ſei überzeugt geweſen, daß ein letzte
Anſtren=
gung notwendig ſei, um den Dawesbericht durchzuführen.
Die Londoner Konferenz müſſe unter allen Umſtänden am
näch=
ſten Mittwoch eröffnet werden. Die Lage ſei folgende: Die große
Mehrheit der öffentlichen Meinung in Frankreich würde nie
ge=
ſtatten, daß der Dawesbericht als Verſuch angeſehen werde,
den Verſailler Vertrag zuerſetzen. Andererſeits wäre
es nicht möglich, die internationalen Geldleiher zu intereſſieren,
wenn ihr Plan durch politiſche oder militäriſche
Gewalt=
ſtreiche gefährdet werden könnte. Macdonald erinnert daran
daß im Falle eines deutſchen Verfehlens ein amerikaniſcher
Ver=
treter in der Reparationskommiſſion als Vertreter der
inter=
nationalen Geldleiher ernannt werden könne. Die franzöſiſche
Regierung habe um Friſt zur Ueberlegung gebeten. Sie wünſche,
daß in letzter Inſtanz über dieſe Frage die Londoner
Konferen=
entſcheide. Es wäre wünſchenswert, daß die ſranzöſiſchen
Sach=
verſtändigen ſich mit den engliſchen ins Benehmen ſetzten, um die
Schuldenfrage zu prüfen. Im ferneren ſei die engliſche
Regierung bereit, die Sicherheitsfrage weiter zu
disku=
tieren, insbeſondere durch Vermittlung des Völkerbundes.
Mac=
donald hat auf die Anfrage eines Abgeordneten erklärt, die
Hauptfrage ſei jetzt, ob der Dawesplan in Uebereinſtimmung
mi=
den Alliierten und mit der Heranziehung Deutſchlands, wie es
notwendig ſei, durchgeführt werden ſolle oder nicht.
Poincaré inſtruiert Herriot.
TU. Paris, 10. Juli. Im Senat hat heute nachmittag die
Ausſprache über die auswärtige Politik begonnen. In einer
In=
terpellation erbat der Senator Bompard von Herriot genaue
Angaben über die franzöſiſch=engliſche Note. Hierbei ergrif
Poincaré das Wort. Er verteidigte die von ihm vertreiene
Politik und erklärte, er wolle die innere Politik nicht zum Anlaß
nehmen, der jetzigen Regierung Schwierigkeiten auf dem Gebiete
der auswärtigen Politik zu machen. Er ſtellte Herriot ein
rethoriſches Lob zu den Anſtrengungen au s, die dieſer zur
Erzielung eines Einvernehmens mit England unternommen
habe. Poincaré kam dann auf Macdonald zu ſprechen und ſtellte
feſt, daß der engliſche Premierminiſter ſeinerzeit
für die Verquickung des Reparationsproblems
mit dem interalliierten Schuldenproblem
ein=
getreten ſei.
Es ſei bedauerlich, daß er ſeine Meinung in dieſem Punkte
geändert habe. Das Sachverſtändigenprogramm
be=
deute für Frankreich ein Minimum. Es wäre
unzweck=
mäßig, Deutſchland das Recht zuzugeſtehen, zu der Londoner
Konferenz zu gehen und zu ſeinem Vorteil die Schlußfolgerungen
der Sachverſtändigen zu vermindern. Bis jetzt habe Deutſchland
noch keine der Vorlagen angenommen, die ſich aus dem
Dawesgut=
achten ergeben. Die Londoner Konferenz dürfen nicht an die
Rechte Frankreichs taſten. Die Sachverſtändigen hätten im
übri=
gen lediglich den Zahlungsmodus zu beſtimmen, ſie dürften aber
die Zahl der Annuitäten nicht einſchränken. Der
Sachverſtändigen=
plan ſei von Frankreich angenommen worden, aber nicht mit
Freuden, ſondern um zu einem guten Ende zu kommen.
Poin=
caré ſtellt feſt, daß die bisherigen Reparationspläne
verfagt haben, weil keine Garantien für deren
Durch=
führung vorhanden geweſen ſeien. Der beſte der
bis=
herigen Pläne und vor allem für Frankreich günſtiger
als der Plan Bonar Laws, ſei der Dawesplan. — Hierauf
wird die Sitzung auf 20 Minuten vertagt.
Poincaré fährt dann fort: Die Sachverſtändigen haben ſich
wohl gehütet, zu erklären, daß die Beſatzungskoſten in die
Schuld=
ziffern Deutſchlands eingeſetzt werden müßten. Sie hätten ſich
damit begnügt, daß man nicht mehr als eine gewiſſe Summe
for=
dern dürfe.. Welche Opfer man auch von Frankreich verlange, der
Dawesbericht biete Garantien, die man bisher
nicht gehabt habe. Aber die Anempfehlungen der
Sachver=
ſtändigen müßten effektiv werden. Nach ſeiner Anſicht wäre es
beſſer geteſen, daß man, bevor man zur Konferenz gefahren
wäre, gewartet hätte, bis Deutſchland begonnen habe, den Plan
auszuführen. Poincaré ſtreift alsdann die Frage, ob das Foreign
Office mit ſeiner Frage Recht habe, daß gewiſſe Beſtimmungen
des Sachverſtändigenplanes aus dem Rahmen des
Friebensver=
trages heraustreten. Er verneint dieſe Frage und erwartet, daß
Miniſterpräſident Herriot nicht den Vertrag von Verſailles
an=
taſten laſſen werde. Der Vertrag decke alle Beſtimmungen des
Sachverſtändigenberichtes. Nur möge man bedenken, daß die
Reparationskommiſſion Deutſchland nicht zwingen könne,
neuer=
liche Maßnahmen zu treffen und gewiſſe Geſetze zu votieren,
ſon=
dern die alliierten Regierungen. Auf einen Zwiſchenruf, daß die
Ruhrbeſetzung nichts eingebracht habe, erwidert er, das ſei ein
Irrtum. Man müſſe immer erſt an die belgiſchen Prioritäten
denken. Macdonald habe die Abſicht, Deutſchland gut zuzureden.
Er habe weniger Vertrauen in dieſe Methode, denn als man ſie
Deutſchland gegenüber angewandt habe, habe ſie nichts
eingetra=
gen. Er bittet deshalb dringend, daß man die Zwangsmit=
Vom Tage.
Der Reichsparteitag der deutſchvölkiſchen
Freiheits=
partei und der nationalſozialiſtiſchen Arbeiterpartei, findet
am 15., 16. und 17. Auguſt in Weimar ſtatt.
Ein Vertreter der deutſch=amerikaniſchen Schieds=
Kommiſſion Bonyntze iſt nach Berlin abgereiſt, um mit
der deutſchen Regierung über die amerikaniſchen Forderungen zu
ver=
handeln. Er hat erklärt, daß 60 Millionen Dollar bereits bezahlt ſeien
und daß noch 300 Millionen Dollar zu begleichen wären.
Der wilde Streik auf den Dillinger Hüttenwerken
im Saargebiet iſt zuſammengebrochen. Da im Zuſammenhang
mit dem Streik zahlreiche Sabotageakte verübt wurden, ſind jetzt
viele linksradikale Mitglieder der Belegſchaft
verhaf=
tet worden.
Nach einer Unterſchlagung von 100000 Rentenmark zum
Nachteil der Reichsbank iſt der Reichsbankangeſtellte Fritz
Kelle aus Hannover geflüchtet. Man vermutet, daß er nach
der Schweiz entflohen iſt.
In einer Anfrage der bayeriſchen Demokraten wird darauf hin
gewieſen, daß ſich das Bankhaus D. u. J. Neufville in
Frank=
furt a. M. in Zahlungsſchwierigkeiten befindet und daß
einer der Hauptgläubiger, die Bayeriſche Staatsbank mit 400 000
Goldmark ſei. Der Finanzminiſter erwidert, daß das Bankhaus von der
Bayeriſchen Staatsbank keine Kredite erhalten habe.
Die Weiterführung der Verhandlungen in der
Dortmunder Stadtverordnetenverſammlung iſt, in
Frage geſtellt, da die Kommuniſten, Sozialdemokraten und die
Partei der Kriegsbeſchädigten, die zuſammen die Mehrheit bilden, den
Haushaltsplan ablehnten, gleichzeitig aber Beſchlüſſe faßten, die Koſten
verurſachen, für die keine Deckung vorhanden iſt. Gegen 10 Uhr abends
verließen der Magiſtrat und die bürgerlichen
Stadtver=
ordneten den Sitzungsſaal.
Der däniſche Außenminiſter Gräf Moltke und der
nor=
wegiſche Geſchäftsträger in Kopenhagen haben das
Grön=
landabkommen unterzeichnet.
Die polizeiliche Vorunterſuchung in der Angelegenheit des
Dyna=
mitanſchlages auf das Munitionsdepot in Lemberg
ſoll ergeben haben, daß die Fäden des Anſſchlages nach
Sow=
jetrußland reichen
Auf einen ſüdſlawiſchen Zolldirektor bei einer
Inſpek=
tionsfahrt an der italieniſchen Grenze wurden mehrere Schüſſe
abgegeben, die jedoch das Ziel verfehlten. Zur Aufklärung des Falles
wurde aus Laibach eine Unterſuchungskommiſſion entſandt.
Am kommenden Montag werden ſich franzöſiſche
Sachver=
ſtändige nach London begeben, um mit den engliſchen
Sachverſtändi=
gen zuſammen die Londoner Konferenz vorzubereiten.
Der „Times” zufolge finder die Unterhausdebatte über den
Dawesbericht und die kommende interalliierte Konfereuz
auf Vorſchlag der Liberalen am nächſten Montag ſtatt.
In dem Leitartikel des „Daily Star” heißt es: die britiſche
Regie=
rung iſt im Begriffe, ein gefährliches Spiel mit dem Lande zu ſpielen,
wenn ſie es unterläßt, Kanada formell zu der alliierten Konferenz
ein=
zuladen.
Nach einer Havasmeldung aus Peking hat das chineſiſche
Ka=
binett über die Note Frankreichs verhandelt, in der dieſe
gegen das chineſiſch=deutſche Abkommen proteſtierte, da es gegen
die Beſtimmungen des Verſailler Vertrages verſtoße
Nach einer Warſchauer Meldung des „Oberſchleſiſchen Kurier” iſt es
im Verlauf der Seimdebatte über drei Reformgeſetze für
die Minderheit inden Oſtgebieten zu lebhaften
Tumul=
ten gekommen.
In Chelmsford wurde die größte Funkſtation der
Welt eröffnet. Die Station gehört der Marconi=Geſellſchaft und
wird vorläufig nur zu Verſuchen verwandt.
Der demokratiſche Konvent Amerikas hat Bryan, den
Gouver=
neur von Nebraska und den Bruder von William Jennings Bryan,
zum Vizepräſidenten gewählt
tel nicht frühzeitig fallen laſſe, die man in Händen
habe und die man eines Tages vielleicht notwendig brauche.
Deutſchland dürfe, keine neuen Vorteile aus
dem Sachverſtändigenplan ziehen. Wenn man ihm
Erleichterungen gewähre, dann ſehe man kein Ende ab.
Deutſchland könne nur am Ende der Konferenz
gerufen werden, wenn die Alliierten unter ſich vollkommen
einig ſeien und wenn die alliierten Regierungen die
Zuſtim=
mung ihrer Parlamente erlangt hätten. Vor allen Dingen
müſſe Deutſchland die notwendigen Geſetze
an=
nehmen. Poincaré gibt im übrigen auch weiterhin Miniſter
präſident Herriot im Sinne ſeiner bekannten Anſchauungen
Ratſchläge.
Zum Schluſſe ſagt Poincaré: Auf der Konferenz von
Lon=
don wird Deutſchland den Verſuch machen, den
Grundſatz der Reparationen zu leugnen. In
Deutfchland bemühten ſich alle Parteien, den Angriff auf den
Friedensvertrag fortzuſetzen. Es erkläre, daß es den Vertrag
von Verſailles gezwungen unterzeichnet habe. Deutſchland wolle
alſo die Verantwortlichkeit für den Krieg nicht tragen und
ent=
falte deshalb eine große Propaganda, um das kaiſerliche
Deutſch=
land zu entlaſten. Es weigere ſich, Reparationen zu zahlen.
Deutſchland habe den Krieg erklärt. Es habe Frankreich nicht an
der gemeinfamen Grenze angegriffen, ſondern ſei in Belgien
ein=
gefallen. Hier liege die Verantwortung für den Krieg. Als
Poincaré ſeine Rede beendigt, bereiten ihm etwa zwei Drittel
des Senates Opationen. Einige Senatoren verlangen, daß die
Nede öffentlich angeſchlagen werde. Poincars erklärt, ſie ſei zu
lang. Aber er werde einen Auszug machen, und ihn unter ſeine
Kollegen verteilen. Die weitere Beratung wird hierauf auf
mor=
gen nachmittag vertagt. Morgen wird Miniſterpräſident Herriot
das Wort ergreifen.
Am die franzöſiſche Amneſſie.
Lärmſzenen in der Kammer.
Paris, 10. Juli. (Wolff.) Die Kammer hat in ihrer he
tigen Vormittagsſitzung die allgemeine Diskuſſion über d
Amneſtiegeſetz fortgeſetzt. Juſtizminiſter Rens Renou
verteidigte den Geſetzentwurf der Regierung, indem er ausdrü
lich erklärte, die Regierung habe nicht aus taktiſchen politiſch
Gründen den Gnadenerlaß vorgeſchlagen, ſondern ledigl
aus einem rein menſchlichen Gefühl herau
Kriegsminiſter Nollet erklärte, er könne ſich nur den Bem
kungen des Juſtizminiſters anſchließen und behalte ſich vor, ſei
Stellungnahme im Laufe der Einzeldebatte zu motivieren. Le
ter Redner war der kriegsverſtümmelte rechtsſtehende Abgeor
nete About, der den Antrag der Regierung bekämpfte u
wiederum die Kritik auf die Namen Caillaux und Malvy konze
trierte. Es lam wiederholt zu lärmenden Szenen u
auch der frühere Kriegsminiſter Maginot iſt wiederum
zwungen worden, ſich gegen einen von ſozialiſtiſcher Seite au
gehenden Vorwurf zu verteiidgen. Maginot ruft dem Al
Uhry zu: Hören Sie doch auf, Dummheiten zu ſagen, ſonſt w
den Sie mich zwingen, von Ihnen zu verlangen, daß Sie
letzte Verantwortlichkeit für Ihre Worte übernehmen, und da
werden Sie raſch kneifen! Die Mehrheit proteſtiert! Schließl
verlangt der Vorſitzende der Kommiſſion, die den Antrag dur
beraten hat, Abg. Heſſe, den Schluß der Generaldebatte, wogeg
Proteſt erhoben wird. Ueber dieſen Antrag ſoll in der Na
mittagsſitzung abgeſtimmt werden.
In der Nachmittagsſitzung der Kammer wurde die Deba
über die Amneſtieanträge fortgeſetzt. Die
Regierungsparte=
verſuchten, die Debatte nach Möglichkeit abzukürzen, um
vor dem Nationalfeſt am 14. d. M. die Vorlage unter Dach
bringen. Die Oppoſition ſcheint jedoch Obſtrukti
zu üben und die Debatte auseinanderziehen zu wollen.
kam zu erregten Zwiſchenrufen; beſonders als
nationaliſtiſche Abg. Poncet das Wort ergriff, riefen die Ke
muniſten, der Redner ſei der Sozius eines deutſchen Oberſ
an der Nuhr. Als Ausfälle des Nedners gegen die Vorlage
folgten, wird er von Zwiſchenrufen unterbrochen, wobei er imr
wieder an den deutſchen Oberſten erinnert wird. Wegen
dauernden Zwiſchenrufe wurde die Sitzung geſchloſ
Miniſterrat in Paris.
TU. Paris, 10. Juli. Heute vormittag fand im El
unter dem Vorſitz Doumergues ein Miniſterrat ſtatt, bei dem
Reſultate der geſtrigen Beſprechungen zwiſchen Herriot und
engliſchen Miniſterpräſidenten erörtert wurden.
Nach Auffaſſung von Politikern, die im allgemeinen gut über
Gedankengänge der neuen franzöſiſchen Regierung informiert zu
pflegen, bedeutet das bisherige Verfahren der engliſch=franzöſiſchen
terhaltung die Einleitung einer ganz neuen und planmäßigen Po
Die Oppoſitionspreſſe hat Herriot vorgeworfen, daß er ſeine erſte 9
nach London ohne gründliche Kenntnis der Akten und ohne einen fe
Obligationsplan unternommen habe. Dieſen Behauptungen tritt
in radikalen Kreiſen energiſch entgegen und erklärt, daß im
Gege=
ein beſtimmter franzöſiſcher Plan ſich von Stufe zu Stufe entw
Von Parteifreunden Herriots wird erklärt, dieſer verſuche, einen
allen Alliierten unterzeichneten Garantievertrag zu erzielen. Anſe
ßend daran ſoll ein umfaſſender Vertrag unterzeichnet werden,
den ſich die Signatarmächte verpflichten, ihren Nachbarn nicht
a=
greifen. Dieſer erweiterte Vertrag ſoll insbeſondere auch von Deu
land unterzeichnet werden. Der Vertrag ſolle alsdann dem Völkerk
zur Ueberwachung übergeben werden. Der franzöſiſche Sicherheits
ſei in den Augen der Interalliierten ein Korrelat zur Durchführung
Sachverſtändigengutachtens, das Herriot als Element der Sicherheit
trachte.
Der Miniſterrat beſchloß darauf, die erſte Sitzung des W
ſchaftsrates morgen abzuhalten. Dieſer Rat, dem alle an
Lebenshaltung beteiligten Miniſter angehören, beſchäftigt ſich
kanntlich mit der Bekämpfung der Teuerung.
Der demokratiſche Kandidat
Von unſerer Berliner Redaktion.
Im 103. Wahlgang iſt es dem amerikaniſchen demokratiſe
Nationalkonvent gelungen, die erforderliche Zweidrittelme
heit für einen Kandidaten aufzubringen. Der frühere amer
niſche Botſchafter in London, Davis, iſt als Wettbewer
gegen Coolidge präſentiert worden, während der Bruder
ewigen Kandidaten Bryan für die Vizepräſidentſchaft kal
diert. Eine glückliche Wahl der Demokraten iſt es kaum. Da
gilt perſönlich als Gegner der Korruptionspolitik. Aber er
Ratgeber des Bankhauſes Morgan, alſo ein ausgeſproche
Vertreter der Hochfinanz. Coolidge hat alſo allen Grund,
dieſem Gegenkandidaten zufrieden zu ſein. Durch ſeine 2
ſtellung ſind die Ausſichten der Demokraten ſicher nicht 1
beſſert worden.
Die Bereinbarungen für Amerika unannehmbar.
London 10. Juli. Neuter berichtet aus London: Ein
amerikaniſche Regierungsvertreter erklärten, wenn ſie auch
ihren offiziellen Kommentaren zurückhielten, bis völlige In
mationen aus Paris vörliegen, daß die Vereinbarungen
ſchen Maedonald und Herriot, durch die die Vereinigten Stae
eine volle Stimme in der Reparationskommiſſion im Zu
menhange mit der Anwendung des Dawesberichts erha
würden, vom amerikaniſchen Standpunkte aus unannehm
ſeien.
Wir
* Konzert.
O. Das Schülerinnenorcheſter der
Viktoria=
ſchule zu Darmſtadt veranſtaltete am Mittwoch abend in
der Turnhalle der Anſtalt ein Konzert, das erfreulich
gut beſucht war und einen in jeder Hinſicht ſchönen Verlau
nahm. Das unter der umſichtigen und feinſinnigen Leitung des
Herrn Studienrats Schuchmann ſtehende Orchefter überraſchte
und feſſelte durch blühende Tongebung, prächtige Präziſion der
Einſätze und ſichtliche Luſt und Liebe zur Sache und ließ in der
abſichtlich langſamen Temponahme des Dirigenten die
Genauig=
keit und Exaktheit des Spiels beſonders hervortreten. Aufgeführt
wurden (nur durch wenige männliche Füllinſtrumente ergänzt)
durch die jungen Damen Schuberts Sinfonie Nr. 5, das Andante
aus der Erſten Sinfonie von Beethoven und Joſef Haydns
Sin=
fonie Nr. 2, welch letztere Nummer alle anderen überragte.
Soli=
ſtiſch beteiligten ſich an dem Programm zwei frühere
Schülerin=
nen der Anſtalt: die Pianiſtin Fräulein Hertha Reiſchel, die
die G=Moll=Rhapſodie Opus 79 und das Intermezzo Opus 116
Nr. 1 von Johannes Brahms, und die Sängerin Fräulein Frieda
Wagner, die drei Schubertſche Lieder mit ſchönem Gelingen
vortrugen, und Herr cand. ing. Pfaff, der Celloſtücke von
Dvo=
rak und Popper mit gutem Erfolg meiſterte. Der geſpendete
Bei=
fall war ſtark und herzlich. — Am nächſten Sonntag wird das
Konzert in Auerbach zu wohltätigem Zwecke wiederholt werden.
*Der ſtädtiſche Ratskeller in alter Zeit.
Da jetzt die Ratskellerfrage die Gemüter bewegt und das
Für und Wider in weiten Kreiſen erörtert wird, dürfte es für
alle Kreiſe von Intereſſe ſein, die Vergangenheit reden zu laſſen.
Dieſe zeigt uns, daß ein Ratskeller in unſerer Vaterſtadt nichts
neues iſt und daß unſere Altvorderen ſchon einen Ratskeller
be=
ſaßen und daß dieſer ſozuſagen zur Stadt= und Rathausgeſchichte
gehört. Die „Darmſtädter Hiſtoriſchen Kleinigkeiten” berichten
darüber auf Seite 242 wie folgt:
Der Rathauskeller und ſein Wein.
Zur Zeit der Grafen von Katzenellenbogen durfte in
Darm=
ſtadt Wein zapfen, wer da wollte und ohne alle Abgaben, voraus=
geſetzt, daß der Bürgermeiſter und Rath ihn probirt und „
uff=
richtig” befunden hatten. Später und insbeſondere unter
Land=
graf Ludwig V. durfte jeder ſeinen eigenen ſelbſtgezogenen Wein
verzapfen, nicht ſelbſtgezogenen durften aber nur die eigentlichen
Wirthe in Zapf bringen. Aller nicht ſelbſt gezogene Wein aber,
der verzadft wurde, mußte von der Stadt gekauft werden, die zu
dem Zweck bedeutende Vorräthe im Rathskeller liegen hatte, und
zur Beſergung der mit Einkauf und Verkauf des Weines
ver=
bundenen Geſchäfte in jedem Jahre neu zu ernennende
Wein=
meiſter anſtellte, denen in einer ſehr genauen Inſtruction vom
Jahre 1603 geſagt war, was ſie alles zu beachten hatten. Sie
hatten unter anderem darauf zu ſehen, daß kein Wirth ſeinen
von der Stadt bezogenen Wein vermiſchte, damit die ſtädtiſche
Weinhandlung nicht in Mißkredit komme. Dieſe Beſtimmung,
daß aller nicht ſelbſt gezogener Wein bei der ſtädtiſchen
Wein=
meiſterei gekauft werden ſollte, wurde im Laufe der Zeit
vielfäl=
tig umgangen, ſodaß der Stadtrath deshalb eine große
Be=
ſchwerdeſchrift an den Landgrafen richtete. Die Wirthe waren
mit der Beſtimmung höchſt unzufrieden. Im Jahre 1649 war es
dahin gekommen, daß Niclas Herbert, der Schwanenwirth, bat,
ſein Schild abnehmen zu dürfen, weil er „mit gutem Gewiſſen
Stadtwein nicht verzapfen könne‟. Als ſich andere Wirthe ſeiner
Erklärung anſchloſſen und die höhere Behörde ſich nicht
bereit=
willig zeigte, beſchloß der Stadtrath: „Dieweilen sententia eine
executione wie eine Glocke ohne Klippel und alſo ohne Klang;
die Wirthe dermalen zapfen zu laſſen, wie ſie wollten.” Aus dem
Rathskeller wurde natürlich auch der Wein geliefert, der bei den
verſchiedenen Amtshandlungen des Stadtraths oder der
ſtädti=
ſchen Beamten und Diener getrunken wurde. Dieſes Quantum
muß nicht unbedeutend geweſen ſein, indem z. B. im Jahre 1776
bei den beiden Schulexamen an Oſtern und im Herbſt 6 Viertel
Ohm, bei Probirung der Feuerſpritzen 5 Viertel, bei einer
Muſik=
probe an Weihnachten 2 Viertel, bei einem Brande im Schlof
9 Viertel, bei einem Brande in Bäcker Dambmanns Haus
13 Viertel 2 Maß in Anrechnung erſcheinen. 3 Viertel Ohm und
3 Maß werden auch aufgeführt, „ſo dem Krummel, Waitz und
Polizeyknecht Kehrn auf den 5 Jahrmärkten gereicht wurden”,
Mit dieſer Gratisweinlieferung aus dem Rathskeller ging
jedes=
mal auch eine von Bäckerwaaren Hand in Hand, die z. B. im
Jahre 1765 bei Bäcker Dambmann 89 fl., 1768 64 fl. 29 alb., 1777
66 fl. 20 alb. betrugen. Dabei figuriren unter andern mit dem
den Herrn Geiſtlichen gelieferten Neujahrswein 4 große Bret
für 6 fl., für die Examenwecke in der Stadtſchule jedesmal 1:
10 alb. nebſt 2 fl. 10 alb. für zwei große Kuchen.
Bis zum Jahr 1667 war der Stadtwein nur weißer W
Als in dieſem Jahre der Stadtapotheker um Erlaubniß n
ſuchte, rothen Wein wegen der Kranken auszapfen zu dürfen,
folget folgende Reſolution des Stadtraths: „Weilen es aus
diſches Gewächs und wider Herkommen, ſo könne man hi
nicht willfahren; es ſeyen auch die Weinmeiſter befehligt
gewillt, morgenden Tages ſelbſt dem publico bono zum Be
noch Rothen Wein zu fahren und vorzulegen.”
So vermeldet uns der gleiche Chroniſt, daß im alten 2
hausſaal Hochzeiten abgehalten und das der Stadt gehörige 2
geſchirr zu dieſen Zwecken hergeliehen wurde.
Wir ſehen alſo, daß ein Ratskeller für unſere Vaterſ
nichts neues ſein würde, ſondern daß hier ein Stück guter
Vergangen heit wieder erſcheint.
Ph. Webe
*Sterbende Wälder.
Man ſchreibt uns: Dem Wanderer, der in dieſen Tagen
märkiſchen Kiefernwälder in den Forſtbezirken ſüdöſtlich von
lin oder auch einzelne Gegenden des Grunewalds aufſucht,
ein Erlebnis bevor, unerwartet, unheimlich, unappetitlich:
früher ſchattenſpendende Nadelgewölbe iſt ſchütter und kahl
worden. An vielen Zweigen iſt kaum mehr eine Nadel übrig
blieben. Und überall ertönt ein zunächſt unerklärliches Raſe
und Rieſeln auf den Wegen und dem Moosboden, als regn
Sand. Aufmerkſam gemacht durch einige aus der Höhe gegen
Geſicht und ſeinen Anzug anprallende Körner hält der Wand
einen Hut auf und entdeckt ſchon nach wenigen Augenblickel
Urſache des rieſelnden Geräuſches. Es ſind harte grüne Bäll
von Raupenkot, die von den Wimpeln regnen. Tauſende,
hun=
tauſende fallen in jeder Sekunde, und das geht Tag und 9
ohne Unterbrechung, bis die Kiefern völlig abgeweidet ſind.
Iſt ein Waldſchlag nackt gefreſſen, ſo lernt man auch
Uebeltäter kennen. Denn in Maſſen, von denen ſich das Menſ”
auge ſelbſt nach Beobachtung des Kotregens keine Vorſtel
machen kann, wandern dann die etwa die Länge einer Stahl
erreichenden grün=grau geſtreiften Raupen der Kiefern=
Aummer 191.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
Seite 3.
iauf
e Botſchafterkonferenz legt ſich nicht auf einen Endtermin feſi. — Kein Abbau, ſondern nur
Fkleinerung der Kontrollkommiſſion. — Nach der Generalinſpektion Kontrolle der fünf Punkte.
Eine Streſemann=Rede auf der
Induſteie=Tagung.
Streſemann an die Adreſſen Herriots und
Macdonalds.
Elberfeld, 10. Juli. Heute nachmittag 3 Uhr wurde in
dem großen Saal des Vereinshauſes in Elberfeld die ällgemeine
Ihne auf die zu Beginn der letzten deutſchen Note dargeſtell= Mitgliederverſammlung des Eiſen= und Sta
hl=
waren=Induſtriebundes unter ſehr zahlreicher
Beteili=
ſerſchiedenen Geſichtspunkte von neuem eingehen zu wollen, gung eröffnet. Unter den Ehrengäſten bemerkte man
Reichsaußen=
ien die alliierten Regierungen mit Befriedigung davon miniſter Dr. Streſemann, Staatsſekretär Döhnhoff, Ober=
Generalinſpektion des deutſchen Rüſtungsſtandes. Abgeordneten Dr. Schneider=Koch und Dr. Hugo, Vertreter der
die Militärkontrollkommiſſion zuſtimmt. Dieſe Zuſtim= Reichsbahndirektion Elberfeld, des Landesfinanzamts Düſſeldorf,
läßt hoffen, daß die deutſchen Behörden bei der Erledigung Vertreter des Deutſchen Induſtrie= und Handelstages, der Han=
Urbeiten, deren Abſchluß auch das Ende der Aufgaben der delskammern, beſonders des beſetzten Gebietes, Vertreter der
Induſtrie, beſonders des Reichsverbandes der deutſchen
Indu=
ſtrie. Nach Begrüßung durch den Vorſitzenden und den Bei=
Weiſe werden dieſe Arbeiten ſchnell zu einem guten Ende geordneten Michgelis berichtete Fabrikant Oscar Funke aus
Hagen i. W. über die gegenwärtige Lage. Er ſtellte feſt, daß in
Die alliierten Regierungen halten es jedoch für erforderlich, der gegenwärtigen wirtſchaftlichen Lage die Induſtrie nicht in der
Reichsaußenminiſter Dr. Streſemann
eneralinſpektion das Ende der Militärkon= das Wort zu folgender Anſprache. Namens der Reichsregierung
leund den Uebergang zum RegimedesArtikel ſprach er den Dank für die an die Reichsregierung ergangene
des Vertrages darſtellt. Die deutſche Regierung kann Einladung aus. Die Lage der deutſchen Induſtrie iſt
gekennzeich=
nicht überſehen haben, daß die alliierten Regierungen im= net durch die außergewöhnlich ſtarken Kreditſchwierigkeiten und
außer der Generalinſpektion die Regelung der in der die damit zuſammenhängenden Schwierigkeiten namentlich der
ttivnote vom 19. September 1922 aufgeſtellten fünf Ausfuhrinduſtrie. Die Frage der Entwicklung der deutſchen
In=
kte verlangt haben. Die Kote der Botſchafterkonferenz duſtrie iſt zunächſt Kernproblem bei der Durchführung des
Sach=
verſtändigengutachtens geworden, von dem ſeine reibungsloſe
Durchführung abhängt. Drei Voransſetzungen ſind für
dieſe Entwicklung der Ausfuhrtätigkeit gegeben. Einmal die un=
Punkte beſchränkt werden wird. Das iſt immer der gehemmte Entwicklung unſerer weltwirtſchaftlichen Beziehungen,
punkt der alliierten Regierungen geweſen, und ſie wieder= zweitens der Wegfall der wirtſchaftlichen Hemmungen im
In=
heute, daß es unerläßlich iſt, abgeſehen von der General= land und endlich die Löſung der Kreditfrage. Nicht nur im
tion, die Regelung der fünf Punkte durch die Kontrollkom= Sinne einer Aenderung der Politik der Reichsbank, ſondern
nüberwachen zu laſſen, wobei die Einſchränkungdes des Hereinſtrömens ausländiſcher Kredite im Zuſammenhang
onals der Kontrollkommiſſionen je nach mit dem Fortfall der Deutſchland durch den Verſailler Vertrag
auferlegten politiſchen Feſſein und an dem Zuſammenhang mit
den Intereſſen der alliierten Regierungen an der Steigerung der
en würde. Die alliierten Regierungen gehen von der Auſ= deutſchen Exportleiſtungen. Für die Möglichkeit der Uebertragung
g aus, daß die deutſche Antwort nur deshalb von dieſen deutſcher Kriegsentſchädigungszahlungen iſt wohl zu hoffen, daß
Bunkten nicht ſpricht, weil die deutſche Regierung der An= die Aera der Handelsvertragsverhandlungen vor der Türe ſteht
t, daß die Bereinigung dieſer fünf Punkte ſpäteſtens gleich= und uns die wirtſchaftliche Gleichberechtigung wieder verſchafft
mit der Generalinſpektion beendet ſein ſolle. Diefe Möglich= wird. Die Herſtellung der deutſchen wirtſchaftlichen und
finan=
nn tatſächlich ins Auge gefaßt werden, da die Bereinigung ziellen Eirheit iſt das zweite Problem, das im Einvernehmen
nf Punkte nur von dem Willen der deutſchen Regierung, mit Deutſchland bei der Regelung des Sachverſtändigengutachtens
gt. In dieſem Sinne legen die alliierten Mächte den von gelöſt werden muß. Der Begriff der tvirtſchaftlichen und
finan=
utſchen Regierung zum Ausdruck gebrachten Wunſch aus, ziellen Eir heit ſchließt die Verwaltungshoheit in ſich und bedingt
ie Generalinſpektion und die Militärkontrolle bis zum die Wiederaufrichtung des Status quo vor dem Ruhreinbruch,
eptember beendet ſein ſollen. Es kann ſich hier offenbar Es können keine Zweifel darüber beſtehen, daß die deutſche
Pro=
um eine von der deutſchen Regierung den ouktion nicht gehemmt werden darf durch die Fortdauer der
mili=
erten Regierungen geſtellte, Bedingung; täriſchen Beſetzung in den nicht vertragsmäßig beſetzten Gebieten.
eln. Denn letztere ſind nicht in der Lage, im voraus zu / Die Staatsmänner Englands und Frankreichs ſind in Paris
zu=
icken, in welchem Zeitraum die Beendigung der Kontrolle ſammengekommen und haben ſich bemüht, eine Konſtruktion zu
h ſein wird. Sie faſſen alſo den von der deutſchen Regie= finden, die das Sachverſtändigengutachten nicht als außerhalb des
käußerten Wunſch ſo auf, daß die deutſche Regierung hier= Vertrages von Verſailles ſtehend erſcheinen läßt. Ohne zu dieſen
zum Ausdruck bringen wollte, daß ſie alles, was in ihrer Beſchlüſſen Stellung zu nehmen, muß jedoch feſtgeſtellt werden,
ſteht, tun wolle, um zu ermöglichen, daß die Kontrolle bis, daß die Einſchränkung der wirtſchaftlichen und finanziellen Sou=
9. September zum Abſchluß gebracht wird. Wenn dieſe veränität durch das Sachverſtändigengutachten über die
Bedin=
zung richtig iſt, ſo können die alliierten Regierungen der gungen hinausgeht, zu denen wir nach dem Verſailler Vertrag
en Regierung nur verſichern, daß ſie den gleichen Wunſch, verpflichtet ſind. Man kann uns deshalb dieſe Bedingungen nicht
und daß die Kontrollkommiſſion jetzt mit allen Kräften aufzwingen. Die Entſcheidung unterliegt letzten Endes der
Be=
ſeitragen wird, dieſen Wunſch zu verwirklichen. Es iſt je= ſchlußfaſſung des Reichstages. Für dieſe Beſchlußfaſſung des
icht möglich, jetzt ſchon das genaue Datum der Beendigung Reichstages wird entſcheidend ſein, ob der Vertrag von
Verſail=
les, auf deſſen förmlicher Durchführung inbezug auf die
Kom=
ie alliierten Regierungen ſind der Auffaſſung, daß die petenzen der Reparationskommiſſion von der Gegenſeite ſo
ent=
itäten der Durchführung der Generalinſpektion und der ſcheidender Wert gelegt wird, auch darin wieder hergeſtellt wird,
zunkte in dem Geiſt geregelt werden ſollen, in dem die letz=”, daß für Deutſchland diejenige Grenze gilt, die es nach dem
Ver=
itteilungen der alliierten Regierungen abgefaßt waren. In / ſailler Vertrag hat, und Sicherheit dafür geſchaffen werden muß,
Geiſte werden die Anregungen geprüft werden, mit denen daß aber alle darüber hinausgehenden Beſetzungen im
Luſam=
utſche Regierung an die Militärkontrollkommiſſion heran= menhang mit der Durchführing des Sachverſtändigengutachtens
wird. Die Regelung des größten Teiles der in den fünf aufhören. Nur durch eine Anerkennug dieſer Grundſätze werden
en zuſammengefaßten Forderungen hängt ausſchließlich wir bei den bevorſtehenden Abmachungen diejenigen Grundlagen
em guten Willen der deutſechn Regierung ab, mit der ſich in dieſer Verſtändigung erreichen, die eine neue Aera
wirtſchaft=
ntrollkommiſſion unmittelbar verſtändigen wird. Die alli= licher Verſtändigung an Stelle des bisherigen Syſtems der
Ge=
eilen, daß der Schluß der Operationen der Kontrolle in
Hierauf ergriff der Oberpräſident Gronowski das Wort.
eiſte und unter den Bedingungen durchgeführt werden ſoll, Er ſpricht den aufrichtigen Wunſch aus, daß es der Induſtrie und
der Note vom 28. Mai zum Ausdruck gebracht worden ſind, der Wirtſchaft gemeinſam mit der deutſchen Regierung und dem
ie Kontrolloperationen werden am 20. Juli, ganzen Volk gelingen möge, unſer Vaterland aus Not und
Demü=
gung zur Freiheit und Achtung emporzuführen.
nnen.
die Antwort auf die deutſche Note.
Beginn der Kontrolle am 20. Juli.
Berlin, 10. Juli. Die Antwortnote der
Botſchaf=
onferenz auf die Militävkontrollnote der
tſchen Regierung vom 30. v. Mts. iſt geſtern mittag
deutſchen Botſchaft in Paris zugegangen. Der
ilt der Note, die bisher nur in einem telegraphiſch
über=
lten Auszug vorliegt, iſt etwa folgender:
tnis, daß die deutſche Regierung der Durchführung bürgermeiſter a. D. Dr. Schmidt, Oberpräſident Gronowski, die
miſſion bedeuten ſoll, aufrichtig mitarbeiten wollen. Auf
irt werden können.
ides zu bemerken: Die deutſche Regierung beſtätigt in ihrer Lage iſt, ſich ſelbſt zu helfen. — Hierauf ergriff der
die ausdrückliche Erklärung der alliierten Regierungen, daß
28. Mai d. J. hat klargeſtellt, daß nach dem befriedigenden
luß der Generalinſpektion die Kontrolle auf die
gabe der Durchführung dieſer fünf Punkte
introlle zu beſtimmen.
Regierungen beehren ſich daher, der deutſchen Regierung walt ſetzt.
Der Jahrestag der Abſtimmung
in Oſt= und Weſtpreußen.
Vier Jahre ſind heute verfloſſen ſeit dem ſchweren Kampfe,
der im Nordoſten unſeres Reiches, in Oſt= und Weſtpreußen, von
der Bevölkerung um ihr Volkstum und ihre politiſche und
kultu=
relle Zugehörigkeit zu Deutſchland durch Volksabſtimmung
aus=
gefochten werden mußte. Die von fanatiſchem Haß diktierte
Ab=
ſicht der Zerſtückelung Deutſchlands hat bei den Verſailler
Be=
ratungen über den Friedensvertrag allgemein die feierlich
prokla=
mierten Friedensgrundſätze von Wilſon über den Haufen
ge=
worfen. Das Wilſonſche Friedensprogramm vom Januar 1918
beſagte ausdrücklich:
„ein urabhängiger polniſcher Staat, der die von einer
un=
zweifelhaft polniſchen Bevölkerung bewohnten Länder
um=
faſſen ſollte . . . . ſollte errichtet werden.”
Unzweifelhaft polniſche Bevölkerung! Wo war die in Maſuren
und Ermland, wo war die in Weſtpreußen? Poſen hatte man
durch Ueberfall und Gewalt genommen, Weſtpreußen war uns
bis auf die Abſtimmungsbezirke Marienwerder, Marienburg,
Stuhm und Roſenberg entriſſen worden, obwohl in dieſen
Lan=
desteilen nicht nur keine unzweifelhaft polniſche, ſondern eine
ganz unzweifelhaft deutſche Bevölkerung ſeit Jahrhunderten
an=
ſäſſig iſt und dem Lande ſeine Kultur und ſeinen Charakter
gegeben hat. Die Polen hatten in gefälſchten Karten und
Sta=
tiſtiken, in denen die Maſuren als Polen bezeichnet und ihr
Land, das nie zu Polen gehört hat, als polniſcher Boden
bean=
ſtrucht wurde, die formale Unterlage geliefert für die feſte Abſicht
der Friedensmacher, den deutſchen Oſten zu verſtümmeln. Die
ſtürmiſchen Proteſte der weſt= und oſtdeutſchen Bevölkerung
blie=
ben ebenſo unbeachtet wie die Kundgebung des oſtpreußiſchen
Provinzialrats an Wilſon.
Es blieb bei eer Entſcheidung nach den Wünſchen Polens,
und für die übriggebliebenen ermländiſchen, maſuriſchen und
weſtpreußiſchen Abſtimmungskreiſe mußte die Volksabſtimmung
organiſiert werden. Der deutſche Oſten war ſeiner Sache ſicher.
Es gab nur eine Stimme: wir gehören zu Deutſchland, wir
wöllen bei Deutſchland bleiben! Hunderttauſende, die längſt ihre
Heimat verlaſſen hatten, eilten in der Stunde der Not herbei,
um an der Verteidigung ihrer Heimat teilzunehmen. Der Gewalt
und dem Terror der Polen ſetzten die Deutſchen die feſte
Ent=
ſchloſſenheit, Einmütigkeit und Begeiſterung für ihre gute Sache
entgegen. Die ganze Bevölkerung ohne Unterſchied der Klaſſen
und Parteizugehörigkeit ging geſchloſſen und ſiegesfroh in den
Kampf für ihr Volkstum.
Der Erfolg blieb nicht aus. Der Entente wurde bewieſen,
daß es ſich um unzweifelhaft rein deutſches Gebiet handelte. Von
361 655 abgegebenen Stimmen in Südoſtpreußen entfielen 353 655
für das Verbleiben bei Deutſchland und nur rund 7000
ent=
ſchieden ſich für Polen. Auch in den Abſtimmungsbezirken
Weſt=
preußens war der deutſche Sieg vollſtändig. Für Deutſchland
wurden 93 Prozent und für Polen nur 7 Prozent der Stimmen
abgegeben. Die Maſuren und Ermländer hatten ſich mit 98,2
Prozent der Stimmen für Deurſchland entſchieden.
Das Abſrimmungsrefultat wurde in den Kampfbezirken
ebenſo wie in Preußen und im ganzen Reiche mit begeiſterter
Freude aufgenommen. Das Land iſt deutſch geblieben und wird
es bleiben bis in alle Zukunft.
Kommuniſten
vor dem Staatsgerichtshof.
Gasſparer als Handgranaten.
Leipzig, 19. Juli. (Wolff.) Der ſüddeutſche Senat
des Staatsgerictshofs iſt zu einem neuen
Tagungs=
abſchnitt zuſammengetreten. Heute wird gegen den Schneider
Lambart=Stuttgart und Genoſſen wegen Verbrechens des
verſuchten Hochverrats und Verbrechens gegen das
Sprengſtoffgeſetz verhandelt. Der Angelagte Lambart,
der nach der Anklage der Obmann für die Waffen= und
Munitionsbeſchaffung der Kommuniſtiſchen
Partei iſt, wird beſchuldigt, im Auftrag eines gewiſſen
Wal=
ter, der identiſch iſt mit dem Führer der Tſcheka,
Wollen=
berg, eine Beſtellung von Material für 100 000
Handgrana=
ten vermittelt und die Verarbeitung des Materials ſowie ſeine
Weiterleitung beſorgt zu haben. In der Tannerſchen Fabrik in
Feuerbach bei Stuttgart wurden 100 000 Meſſingzünder beſtellt,
die als Gasſparer ausgegeben wurden. Der Angeklagte
Wil=
helm Brecht. Flaſchnermeiſter in Stuttgart, hat nach der
An=
klage die als Umhüllung dienenden Büchſen beſorgt. Der
Eiſen=
dreher Guſtav Häusler aus Winnenden, der Mechaniker
Her=
mann Bayer, der Revolverdreher Lorenz Rall und der
Eiſengießer Alexander Gläſer, ſämtlich aus Stuttgart, ſollen
an der Anfertigung bzw. Weitergabe der Handgranaten mehr
oder weniger beteiligt geweſen ſein.
Der Anklagevertreter beantragte gegen die Angeklagten
durchſchnittlich Strafen von 6—8 Jahren Zuchthaus. Nach einer
zweiſtündiger Beratung wurden verurteilt: Lambart zu 8
Jahren Zuchthaus, Brecht, Bayer und Rall zu je 6 Jahren
Zucht=
haus, Häußler zu 3 Jahren Zuchthaus und Gläſer zu 1 Jahr
Zuchthaus. Den Angeklagten werden außerdem die Koſten des
Verfahrens auferlegt. Auf die Strafe werden den Angeklagten
3—6 Monate Unterſuchungshaft angerechnet.
lile, eines unſcheinbaren, im Frühling ſchwärmenden
tterlings, an den Stämmen herunter und ſuchen ſich neue
ätze. Dann kann man keinen Schritt tun, ohne die Tiere zu
tſchen. Auf manchen Waldwegen könnte man kilometerweit
m Gewürm Schlitten fahren. Viele von den hungrigen
verfehlen den Weg. Sie haben eine Telegraphenſtange für
Baum gehalten, klettern in dickem Gewimmel daran in die
und ballen ſich oben, wo ſie nicht mehr weiter können, zu
ſen Klumpen, die von weitem die Farbe eines patinierten
dachknaufes haben. Einzelne verſuchen die Reiſe auf den
gsdrähten fortzuſetzen, kommen aber nicht weit und laſſen
den Geſpinſtfäden wieder herunter, ſo daß der Draht mit
chaukelnden Leibern behängt iſt. Ganz unglaublich aber iſt
ewimmel auf dem Waldboden, wenn ein plötzlicher
Wind=
e Bäume leergeſchüttelt hat. Wenn ſich das Gezücht dann
i= und dreifach übereinander wuſſelnden Schichten um die
nie wieder zu ſammeln beginnt, kann auch Starknervigen
ſpetit vergehen.
eichzeitig mit den Raupen haben ſich in den ſterbenden
rn ein ganzer Schwarm anderer Tiere eingeſunden, die auf
fupen Jagd machen. Zwar ſcheinen die meiſten Vögel die
Raupen nicht mehr anzurühren, während Meiſen, Kleiber
aumläufer auf die jungen eifrig fanden, um ſich dann zu
ſen, wenn die Brut heranwächſt, gleich, als ob es auch
unheimlich würde. Dagegen erſcheinen in großer Zahl
remſen, Ranbfliegen und Schlupfweſpen, auf die allerdings
ihrer unſcheinbaren Geſtalt die wenigſten Wanderer achten.
en kann ein Hauptfeind der Raupen von niemand
über=
verden: das iſt der große grüne, Puppenräuber genannte
fer. Auch er erſcheint in geradezu unglaublichen Mengen
ſen Waldteilen, ſo daß der von ihm ausſtrömende
Moſchus=
auf große Strecken wahrzunehmen iſt. Der Käfer gehört
ſchönſten Vertretern ſeines Geſchlechtes, ſelbſt die Ur=
Braſiliens bieten kein Inſekt mit funkelnderem Farben=
1s es gleich ſchmelzendem Email in grün, kupferrot,
ſtahl=
lit feurigen Lichtern auf ſeinen Flügeldecken leuchtet. Vater
hat ihn „Caloſoma ſycophanta” genannt, den angeberiſchen
eib, weil er durch ſeine Anweſenheit die Raupenbrut
ver=
ielleicht hätte das Beiwort mörderiſch noch beſſer auf ihn
Denn er iſt ein Mörder aus Leidenſchaft. Eben hat er
gube mit ſeinen Freßzangen gepackt, ihr den weichen Kör=
per aufgeſchlitzt und ſih mit ihrem Blut getränkt. Dann wirft er
ſie achtlos beiſeite, ſitzt einen Augenblick, wie berauſcht von dem
Mahle, ähnlich dem Iltis, der Eine Taube gewürgt hat, um ein
paar Schritte weiter mit förmlicher Wut über die nächſte Raupe
herzufällen. Aber ſo viele dieſe Käfer auch ſchlachten, ſie ſchaffen
es nicht gegen die unendliche Menge. Der Forſtmann und der
Naturfreund werden den ſchönen Käfer nach Möglichkeit ſchonen.
Den einmal befallenen Wald kann auch dieſer ſechsbeinige
Wüte=
rich nicht mehr retten!
Es wird demnächſt viel Holz geſchlagen werden müſſen in
den märkiſchen Kiefernwäldern, denn der ſeiner Nadeln beraubte
Baum kann nicht mehr atmen und erſtickt vor unſeren Augen.
Merkwürdigerweiſe befallen die Raupen nur Bäume eines
be=
ſtimmten Alters, jüngere Schläge verſchonen ſie und auch an
ſol=
chen, die über eine beſtimmte Stärke hinaus find, ſcheint ihnen
nichts gelegen zu ſein. Aber der Forſtbetrieb kommt dieſer
Nei=
gung der Raupen ja gerade entgegen und bietet ihnen die
gleich=
mäßige Weide förmlich dar. Unſere Kiefernwälder ſind eben
nichts anderes als aus reiner Nützlichkeitsberechnung angelegte
Holzplantagen, mit einem Rechenfehler. Denn die Natur läßt
ſich auf die Dauer nicht vom grünen Tiſch aus meiſtern, und bei
ſolchen Schädlingskataſtrophen, wie wir ſie in ungemiſchten
Be=
ſtänden immer wieder erleben, erhalten wir die Quittung für
die Vergewaltigung des Waldwuchſes, für die Ausrottung alles
„unnützen” Laub= und Unterwuchſes, der den natürlichen
Schäd=
lingsbekämpfern Niſt= und Unterſchlupfgelegenheiten bietet, für
die Entfernung aller „ſtörenden” alten Hohlbäume, durch die man
die Höhlenbrüter wohnungslos gemacht und vertrieben hat.
Plötzlich ſieht dann der Parademarſchſtil der Nutzhölzer, der ſich
im fiskaliſchen Rechenbuche ſo ſchön ausgenommen hatte, in der
Wirklichkeit aus wie ein Fluch auf die menſchliche Ueberhebung.
Das iſt die Lehre der ſterbenden Wälder, eine Lehre, die man in
anderen Ländern längſt beherzigt hat.
W. S.
Unter Reinhardts Regie in Neu=Hork.
Die engliſche Ariſtokratin Lady Diana Duff Cooper,
die für die ſchönſte Frau Englands gilt, hat als Madonna in
dem von Reinhardt in Neu=York inſzenierten Myſterienſpiel
„Dgs Mirakel” das größte Aufſehen erregt und viel zu dem
großen Erfolg dieſer Vorſtellung beigetragen. Sie veröffentlicht
jetzt im Daily Expreß ihre Erinnerungen an ihre
Schauſpieler=
zeit in Amerika und erzählt dabei allerlei von Reinhardts Regie.
„Der führende Genius bei den ununterbrochenen Proben,”
ſchreibt ſie, „war Max Reinhardt. Er war der Quell der
Begeiſte=
rung, der die 600 Darſteller den ganzen Abend hindurch friſch
und leiſtungsfähig erhielt. Um ein Werk von ſo großem
Aus=
maße zu inſzenieren, muß der Regiſſeur mehr ein
Oberbefehls=
haber ſein, ein Stratege der Bühne, der große Maſſen zu
bewe=
gen weiß. Alle Eigenſchaften für eine derartige Leiſtung brachte
Neinhardt mit. Der unterſetzte kleine Mann, der mit einer
an=
genehmen Stimme ſprach und niemals in Zorn oder Erregung
geriet, beherrſchte ſtundenlang dieſe ganze vielgeſtaltige
Schau=
ſpielerſchar, ſo wie ein Meiſter des Geigenſpiels ſein Inſtrument
beherrſcht. Die ganze Zeit, während deren das Spiel geprobt
wurde, wurde zugleich die Szene aufgebaut. Das rieſige Theater
wurde nach und nach in eine Kathedrale verwandelt, und
wäh=
rend die Darſteller übten, hämmerten die Arbeiter. Es ſchien zu
Zeiten, als wenn ein Wettſtreit zwiſchen ihnen beſtände, ein
Rennen, das die Darſteller gewannen, denn die waren früher
be=
reit, als die Kathedralen . . . Als Reinhardt im Herbſt vorigen
Jahres nach Amerika fuhr, zwei oder drei Monate, bevor die
Vorſtellung begann, hatte er noch keine Darſtellerin für die zweite
weibliche Hauptrolle, die Nonne, die ſich aus Neue über die
Ge=
nüſſe der Welt ins Kloſter flüchtet und an deren Stelle im Leben
das Bild der Madonna tritt. Auf dem Schiff bemerkte er eine
junge Amerikanerin, die mit ihrer Familie reiſte, und ſofort rief.
er aus: „Das iſt die Nonne!” Erkundigungen ergaben, daß die
junge Dame Miß Roſamund Pinchot war, die Nichte des
bekann=
ten Gouverneurs von Penſylvanien, und daß ſie noch niemals
auf einer Bühne geſtanden hatte, ja daß ſelbſt der Gedanke, als
Schauſpielerin aufzutreten, ihr noch nie gekommen war.
Rein=
hardt aber ließ ſich nicht abſchrecken; er ſuchte die Bekanntſchaft
ihrer Mutter, die zunächſt glaubte, er mache ſich mit ſeinem
Vor=
ſchlag einen ſchlechten Scherz. Es ſchien abenteuerlich, einem
gänzlich unerfahrenen Mädchen die ſchwierigſte Rolle bei der
größten Aufführung anzuvertrauen, die Neu=York je geſehen.
Aber das untrügliche Auge des Kenners täuſchte ſich nicht; er
ſetzte die Verwirklichung ſeiner Idee durch und mit dem größten
Erfolg.”
ſor
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Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
Rummer 191.
(in überflüſſiger Proteſt.
Der Verein der Ausländiſchen Preſſe hat es für geſchmackvoll
gehalten, in einem Brief an den Reichskanzler und an den
Außenminiſter, der außerdem an ſämtliche Parteiführer des
Reichstags ſowie an das diplomatiſche Korps gerichtet iſt,
Be=
ſchwerde zu erheben wegen der Schwierigkeiten, die den
Auslän=
dern bei der Erteilung ihrer Paßviſa gemacht werden. Die
Her=
ren haben für ein dreimonatiges Dauerviſum eine Gebühr von
50 Mark zu zahlen. Das iſt ihnen zuviel, und infolgedeſſen haben
ſie beſchloſſen, den Verkehr mit den Reichs= und Landesbehörden
ſowie mit allen deutſchen Intereſſengemeinſchaften und
geſell=
ſchaftlichen Verbänden ſolange abzubrechen, bis dieſes „ſchwere
Unrecht” wieder gutgemacht iſt. Die Herren belieben ſich lächerlich
zu machen. Sie ſcheinen vergeſſen zu haben, daß man ſie in dem
nachrevolutionären Deutſchland reichlich verwöhnt hat, daß ſie
wie rohe Eier und bei jeder Gelegenheit beſſer behandelt wurden,
als die deutſche Preſſe. Für einen deutſchen Preſſevertreter war
es gar nicht ſo einfach, nach Weimar zur Nationalverſammlung
zu kommen. Die Ausländer fuhren einfach im Flugzeug hin und
kümmerten ſich um keinerlei Vorſchriften. Dieſe Methode möchten
ſie gerne verewigt ſehen und können nicht begreifen, daß auf dem
Gebiet langſam das Gefühl für nationale Würde zurückkehrt.
Uns iſt nichts davon bekannt, daß irgendwo im Ausland
deut=
ſchen Preſſevertretern auch nur die kleinſte Berufserleichterung
zuteil wurde. Im Gegenteil, die franzöſiſche Regierung hat die
denkbar größten Schwierigkeiten jedem deutſchen Journaliſten
gemacht, der nach Paris wollte. Und heute noch haben die
deut=
ſchen Preſſevertreter kein Reiht, das franzöſiſche Parlament zu
betreten. Wenn die Herren alſo wvirklich ſo für Parität ſind, dann
ſollten ſie erſt mal dafür ſorgen, daß in ihrem eigenen
Heimat=
land die Vertreter der deutſchen Preſſe nach Recht und Billigkeit
behandelt werden, ſie würden dann auch an die deutſche
Gaſt=
freundlichkeit größere Anſprüche machen können. Wenn ſie
da=
gegen vorziehen, ſich in den Schmollwinkel zurückzuziehen, ſo wird
ſie hoffentlich in dieſem Vergnügen niemand ſtören.
Neue Lärmſzenen im thüringiſchen Landtag.
Berlin, 10. Juli. Wie aus Weimar gemeldet wird, hat
die heutige Landtagsſitzung mit einem neuen Zwiſchenfall
begon=
nen. Der geſtern auf acht Tage ausgeſchloſſene Kommuniſt Beck
weigerte ſich, das Haus zu verlaſſen. Die Verhandlungen wurden
auf eine Stunde unterbrochen und die Tribünen geräumt.
Wäh=
rend der Pauſe erſuchten Beamte der Landespolizei den Abg.
Beck, den Saal zu verlaſſen. Da er ſich weigerte, wurde er durch
ein Kommando von zwölf Polizeibeamten hinausgebracht. Die
anderen kommuniſtiſchen Abgeordneten beſchimpften den
an=
weſenden verantwortlichen Innenminiſter. Schließlich verließ die
kommuniſtiſche Fraktion den Landtag.
Fürſorge für die Heimkehrer.
Berlin, 10. Juli. Durch Verordnung des
Reichspräſiden=
ten auf Grund des Artikel 48 Abſatz 2 der Reichsverfaſſung wird
zur Wiederherftellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
für das Reichsgebiet verordnet: § 1 der Verordnung über die
vor=
läufige Unterbringung Ausgewieſener vom 14. Juni 1923
(Reichsgeſetzblatt 1 S. 381) erhält folgende Faſſung: Die
Ge=
meinden des beſetzten und des unbeſetzten Gebietes ſind nach
Maßgabe der folgenden Beſtimmungen verpflichtet, aus den
be=
ſetzten Gebieten berdrängte, oder durch unmittelbaren Zwang
entfernte, oder aus ihren Wohnungen ausgeſetzte deutſche
Reichs=
angehörige und ihre Familien (Ausgewieſene) unterzubringen
und alle hierzu erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Dieſe
Verpflichtungen beſtehen auch dann, wenn die Ausgewieſenen in
das beſetzte Gebiet zurückkehren. § 2. Dieſe Verordnung tritt
ſo=
fort in Kraft.
Berlin, 8. Juli 1924.
gez. Reichspräſident Ebert.
Dr. Held und die Preſſe.
Die weitere Ausſprache im bayeriſchen Landtag
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
* München, 10. Juli.
Miniſterpräſident Dr. Held hat heute nachmittag die
Ver=
treter der Münchener ſowie der auswärtigen Preſſe empfangen.
Er begrüßte die Erſchienenen als Kollegen, da er ja ſelbſt aus
dem Journaliſtenberufe hervorgegangen ſei. Er würdigte in einer
längere Anſprache die Bedeutung der Preſſe für das
öffentliche Leben und kennzeichnete ihre
verantwortungs=
volle Aufgabe als entſcheidender Hilfsfaktor für die
Staatspolitik überhaupt. Die Bedeutung der Preſſe ſei
heute noch wichti er als früher, weil ſich eine wirklich
konſoli=
dierte öffentliche inung in der Nachkriegszeit allein nicht
ent=
wickeln konnte.
n der Staat als ſolcher berufen ſei, für die
Wohlfahrt des C lnen und der Geſamtheit zu ſorgen, ſo ſei es
abenfalls Pflicht ind Aufgabe der Preſſe, ſelbſt um dieſe
Wohl=
fahrt beſorgt zu ſein und die öffentliche Meinung auf dieſe
Wohl=
fahrt hinzuweiſen. Der Miniſterpräſident entwickelte dann die
Grundgedanken der von ihm beabſichtigten Staatspolitik. Nichts
liege ihm ferner, als Prteipolitik zu treiben. Es ſei heute
beſon=
ders ſchwer, erfolgreiche Staatspolitik zu treiben, weil die
Staats=
geſinnung in erſchreckendem Maße geſchwunden ſei. Da ſei es
auch eine Aufgabe der Preſſe die Staatsidee
im=
mer und immer wieder zum Ausgangspunkt der
geſamten Betrachtungsweiſe zu machen. Die
Ueberzeugung müſſe durchdringen, daß ſich die Staatsgewalt
unter allen Umſtänden durchſetzen müſſe. Er lehne es ab, ein
Polizeiregiment zu errichten, da dieſes nicht das geeignete Mittel
ſei, die Staatsgeſinnung der Bevölkerung zu wecken und ſo zu
kräftigen. Es handele ſich darum, einen Staat zu ſchaffen, in dem
ſich alle ſpohlfühlen könnten, die es wirklich gut meinten mit der
Geſamtheit der Bevölkerung und mit dem Staate als ſolchem.
Er mache kein Hehl daraus, daß er geſonnen und willens ſei, wo
nach ſeiner Ueberzeugung Kräfte ſich geltend machen, die nicht auf
die Schaffung eines feſtgefügten Staatsweſens ausgehen, unter
Umſtänden mit rückſichtsloſem Einſatz der Mittel, die dem Staat
zur Verfügung ſtehen, die Statsautorität aufrecht zu erhalten.
Am Schluſſe ſeiner Ausführungen bat der Miniſterpräſident die
Preſſe um Vertrauten und um vertauensvolle Mitarbeit. Er nahm
auch Stellung zu den ſchwebenden Fragen eines
Journa=
liſtengeſetzes. Er ſagte den anweſenden Preſſevertretern
zu, daß er zu gegebener Zeit für das Zuſtandekommen eines
ſol=
chen Geſetzes eintreten werde, denn die Unabhängigkeit der
Mei=
nung und die Regelung und Beſſerung der ideellen und
mate=
riellen Lage des Journaliſtenſtandes liege im Intereſſe des
gan=
zen Zeitungsſtandes und der geſamten Oeffentlichkeit.
*
In der heutigen Vollſitzung des bayeriſchen
Landtages ſprach in Fortſetzung der politiſchen
Ausſprache als erſter Redner der Fraktionsvorſitzende des
Bauernbundes, Abgeordneter Städele. Bemerkenswert in
ſeiner Rede war vör allem, daß er im Gegenſatz zu der Haltung
des Bauernbundes im vorigen Jahr nunmehr deſſen
Ge=
neigtheit für Verfaſſungsreformen, ausdrückte.
Lediglich in der Frage des Staatspräſidenten behalte der
Bauern=
bund ſich ſeine Stellungnahme vor. Als Intereſſenvertreter der
Landwirtſchaft forderte er für dieſe ausreichende Kredite
und wirkſame Schutzzölle. — Der Redner der
Kom=
muniſten, der frühere Gymnaſialprofeſſor Mager, ſuchte
die Berechtigung der kommuniſtiſchen Ideengänge nachzuweiſen.
Doch blieben auch hier wieder die teilweiſe ſehr lebhaften
Zwi=
ſchenrufe zwiſchen Völkiſchen und Kommuniſten nicht aus. Einer
dieſer lebhaften Szenen wurde der Präſident nur mit Mühe Herr.
— Den Schluß der erſten Rednergarnitur machte der demo=
kratiſche Abgeordnete Eiſenbeiß. Er lehnte für ſeine
Par=
tei ganz entſchieden jede Verfaſſungsänderung ab.
Seine Partei werde ſich über ihre Stellungnahme zur Regierung
von Fall zu Fall ſchlüſſig werden. Dem Juſtizminiſter
Gürtner ſtreche er das ſchärfſte Mißtrauen aus. — Morgen
wird die Ausſprache über das Regierungsprogramm fortgeſetzt
werden.
*
Verſchiedene Organiſationen der völkiſchen
Bewegung drückten Hitler aus Anlaß der Niederlegung
ſeiner Führerrolle ihre weitere Treue und Ergebenheit aus und
ſprachen die Hoffnung aus, daß er ſpäter wieder ſeine Rolle als
Führer der völkiſchen Bewegung übernehmen werde. Wenn die
„Alte Reichsflagge” dabei in ihrer Kundgebung von der
notwen=
digen Reinigung der völkiſchen Bewegung von Quertreibern und
Unbotmäßigen ſchreibt, ſo wird damit nur die Anſicht beſtätigt,
daß wohl in der Hauptſache jene Zerſplitterung und
Uneinig=
keit unter den Völkiſchen den wirklichen Grund für den Rücktritt
Hitlers darſtellt.
Aus dem beſetzten Gebiet.
„Die Geſte der Verföhnung.
Mainz, 10. Juli. Am 29. Juli vorigen Jahres verhandelte das
hieſige Kriegsgericht gegen 9 Angeklagte, von denen 5 am 25. April 1923
einen Sabotageverſuch auf den Schnellzug Paris—Wiesbaden
unternom=
men hatten, während die anderen an der Zerſtörung einer
Eiſenbahn=
telephonzelle mitgewirkt hatten. Als das Urteil bekannt wurde, das für
7 Angeklagte auf Todesſtrafe, und für die anderen auf Zwangsarbeit
lautete, meldete ſich der 32jährige Flugzeugführer Hoffmann aus Hamm,
der ohne Paß in das beſetzte Gebiet gelangt war, und erklärte, er und
andere als die Verurteilten hätten den Sabotageakt ausgeführt. Hoff
mann wurde in Mainz inhaftiert und krankheitshalber in ein Lazarett
übergeführt, aus dem er entfloh. Die Unterſuchung über die Teilnahme
Hoffmanns an dem Sabotageakt ergab für Hoffmann nichts Belaſtend
Trotzdem verurteilte ihn das Kriegsgericht in Abweſenheit wegen
Paß=
vergehens zu 5 Jahren Gefängnis. Vor einiger Zeit kam nun Hoffmann
unter falſchem Namen nach Mainz, wurde dort ermittelt und in Haft ge
ſetzt. Er beantragte jetzt gegen das Kriegsgerichsurteil
Wiederaufnahm=
des Verfahrens. Dem Antrag wurde ſtattgegeben. Das Gericht hob das
Urteil auf und verurteilte den Angeklagten wegen Paßvergehens zu
3 Jahren Gefängnis und 1000 Goldmark Geldſtrafe.
Mainz, 10. Juli. (Wolff.) Das Kriegsgericht in Mainz ver
urteilte den Studenten Werner Beſt aus Gonſenheim von der
Univerſität Gießen wegen ſeiner Mitgliedſchaft zu der im
beſetzten Gebiet verbotenen Verbindung „Hochſchulring
Deutſcher Art” und wegen der Einſchmuggelung vot
12 Gummiknüppeln zu 3 Jahren Gefängnis und 1000
Goldmark Geldſtrafe.
Dr. Schneider freigeſprochen.
Köln, 10. Juli. Der Prozeß gegen Miniſterialrak Dr
Schneider vor dem britiſchen Kriegsgericht wurde heute nachmit
tag beendet. Nach halbſtündigem Plädoyer ſeines Verteidigers
wurde Schneider in allen drei Anklagepunkten freigeſprochen.
Hughes kommt nach Berlin.
London, 10. Juli. Wie aus Waſhington gemeldet wir!
verlautet von unterrichteter Seite, daß Staatsſekretär
Hughe=
auf ſeiner Europareiſe auch Berlin beſuchen werde. Als Ta
ſeiner Ankunft in Berlin iſt der 4. Auguſt vorgeſehen. Wie ver
lautet, beabſichtigt er, in Berlin mit der deutſchen Regierun
in Fühlung zu treten. Man nimmt an, daß der Inhalt dieſe Frie,
Beſprechung hauptſächlich der Durchführung des Dawesplane, mert
gelten werde. Außerdem will Hughes auch hervorragende Ver
treter der deutſchen Induſtrie und des Handels kennen lernen.
amilienna
OO
Für die bewieſene Aufmerk=
8 ſamkeit anläßlich ihrer Silbernen
9 Hochzeit danken herzlichſt
Spenglermeiſter (Cnun
8 Karl Kämmerer u. Frau 8
K
Todes=Anzeige.
Nach langem ſchweren mit
Ge=
duld ertragenen Leiden wurde
meine liebe, unvergeßliche Gattin,
unſere treubeſorgteMutter,
Schwie=
germutter, Großmutter, Tante
und Couſine
Anna Schmit
geborene Beck
heute mittag im 57. Lebensjahre
durch einen ſanften Tod erlöſt.
Im Namen dertrauernd. Hinterbliebenen:
Adam Schmitt, Eiſenbahnoberſekretär
Darmſtadt, 9. Juli 1924
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12. Juli, vormitt. 11½ Uhr, vom
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nachlängerem Leidenmein
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guter, treuſorgender Mann,
Bru=
der, Schwager und Onkel
Carl Demmel
Werkmeiſter i. R.
In tiefem Leid:
Friedericke Demmel
geb. Abel.
Darmſtadt, 10. Juli 1924,
Beſſungerſtr. 102.
Die Einäſcherung findet Samstag,
den 12. Juli, vormittags 10 Uhr,
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Seite 5.
Sie Sißloanatiſchen Akten des Auswärtigen Antes 1871-1914.
Autorifierter erſtimaliger Abdruck neuer Ookumente aus der jetzt erſcheinenden III. Reihe der großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amies.*)
Die Gegenſpieler.
Deutſche Siaafsmänner über engliſche Staatsmänner.
Bülow und Metternich über Salisbury, Chamberlain,
Roſebery, Balfour und Grey.
DNG. Viel bewundert und viel angefeindet iſt die
Gene=
ation jener engliſchen Staatsmänner, die um die
Jahrhundert=
zende das britiſche Weltreich regierten. Bewundert, weil ſie das
and aus der abwartenden Haltung der „Splendid Iſolation”
inaus in die Bahnen eines weit um ſich greifenden
Imperialis=
aus gelenkt haben, angefeindet, weil die brutale Machtgier des
nperialiſtiſchen Zeitalters in der Politik keines Landes ſich ſo
eutlich zeigt, wie in der des England von Faſchoda und dem
zurenkriege. Aber dieſe Generation war nicht von ſo einheitlichem
ſepräge, wie ſie uns jetzt erſcheint. Neben dem
vorwärtsſtürmen=
en Temperament Joe Chamberlains ſtand der in den
traditio=
ellen Bahnen der engliſchen Politik großgewordene Lord
Salis=
ury, neben dem liberalen Staatsmann alter Schule Lord
Roſe=
ery kündigt ſich ſchon die Generation der liberalen Imperialiſten
n von der Art Sir Edwards Greys und Asquiths. Es iſt
inter=
ſant, einmal zu ſehen, wie denen, die vor 25 Jahren mit ihnen
olitik zu treiben hatten, dieſe Staatsmänner erſchienen; das
ſte hier veröffentlichte Schriftſtück aus der Aktenpublikation des
uswärtigen Amtes bringt eine Charakteriſtik der engliſchen
olitiker von der Hand Graf Bülows, der den Kaiſer auf einer
nglandreiſe begleitet hatte, das zweite iſt ein Auszug aus einem
ngeren Berichte Graf Metternichs, der den erkrankten
Botſchaf=
r Graf Hatzfeld dreiviertel Jahre in England vertreten hatte
id hierin ſeine Beobachtungen über die engliſchen
Staatsmän=
r zuſammenfaßte.
Den
Aufzeichnung des Staatsſekretärs des Auswärtigen Amtes
Grafen von Bülow, z. Z. in Windſor
Reinſchrift
inz vertraulich.
Windſor, den 24. November 1899.
. . . Die engliſchen Politiker kennen wenig den Kontinent. Sie
ſſen auch von kontinentalen Zuſtänden nicht viel mehr wie wir von
Verhältniſſen in Peru oder Siam. Sie ſind auch nach unſeren
Be=
ffen ziemlich naiv. Sie ſind naiv in ihrer unbefangenen Selbſtſucht,
er auch in einer gewiſſen Vertrauensſeligkeit. Sie glauben ſchtver an
rklich böſe Abſichten des anderen. Sie ſind ſehr ruhig, ſehr vomadig,
r optimiſtiſch. Der ſüdafrikaniſche Krieg regt die Leute in Berlin
hr auf als die hieſigen politiſchen Kreiſe. Es wird eigentlich nur
da=
geſprochen, wenn irgendein Verwandter angeſchoſſen worden iſt.
in Menſch zweifelt daran, daß England gut aus der Affäre
heraus=
amen wird. Alle Welt iſt darüber einig, daß die Regierung geſtützt
den muß, bis ſich die Situation in Afrika geklärt hat. Venn die
gierung nach großen engliſchen Erfolgen den Buren den Hals
zu=
türte, würden dies auch die liberalſten Engländer in der Ordnung
den. Wenn jedoch die Regierung nach weiteren Mißerfolgen und um
rtriebene Opfer und Koſten zu vermeiden einen leidlich ehrenvollen
eden mit den ſüdafrikaniſchen Revubliken abſchlöſſe, würden ſich auch
Jingos dem nicht widerſetzen. Man akzeptiert hier alles, was eine
ktiſche Löſung darſtellt. Das Land atmet Reichtum. Behäbigkeit,
Zu=
denheit und Vertrauen in die eigene Kraſt und Zukunft. Man
kt, daß die Leute nie den Feind im Lande geſehen haben, und gar
t glauben können, daß es je wirklich ſchief gehen könnte, weder im
nern noch nach außen. Mit Ausnahme von wenigen leading men
eiten ſie wenig und laſſen ſich alle zu allem Zeit. Es iſt ein phyſiſch
moraliſch ſehr geſundes Land. Balfour (der erſte Lord des Schatzes)
wiſſenſchaftliche und philoſophiſche Neigungen, er erinnert an deutſche
atsmänner der fünfziger Jahre; er macht einen wohlwollenden und
lichen Eindruck. Chamberlain iſt der moderne Kaufmann, ſehr
be=
mt, ſehr nüchtern, ſehr ſtkrupellos, ſehr auf ſeinen Vorteil bedacht,
Mit Erlaubnis des Auswärtigen Amtes und der Deutſchen Verlagsgeſellſchaft für Politik und Geſchichte bringen wir
nachſtehend aus den jetzt erſcheinenden neuen Bänden 16—18 des großen amtlichen Aktenwerkes eine weitere Folge von
Doku=
menten zum Vorabdruck.
D. Die Große Politik der Europäiſchen Kabinette 1871—1914.‟
Im Verlage der
Deut=
tte Reihe: „Die Politik der Freien Hand.
n Verlagsgeſellſchaft für Politik und Geſchichte m. b. H. in Ber=
W. 8.
aher dabei doch reell, weil er weiß, daß ohne Reellität ſich keine großen
Geſchäfte machen laſſen. Der Herzog von Devonſhire (Präſident des
Geheimen Nats) iſt der Typus des bequemen und vornehmen
Grandſeig=
neur, dem ſeine Jagden und Pferde wichtiger ſind als alle politiſchen
Fragen der letztere aber doch mit bon gens behandelt, wenn auch ſtets in
der Annahme, daß England immer allen anderen Mächten überlegen ſei
und nichts Ernſtliches zu fürchten habe. Mr. Goſchen (erſter Lord der
Admiralität) hat die kluge Betriebſamkeit eines deutſchen Beamten. Er
ſoll mehr für die Flotte getan haben als irgendeiner ſeiner Vorgänge=
Er ſpielt ſich natürlich auf den Vollblutengländer, betonte aber auch
den lebhaften Wunſch nach guten Beziehungen zu Deutſchland. Im
all=
gemeinen iſt es zweifellos, daß die Stimmung in England viel weniger
antideutſch iſt wie die Stimmung in Deutſchland antiengliſch. Darum
ſind diejenigen Engländer für uns am gefährlichſten, welche wie Thirol
und Saunders (die Berliner Korreſpondenten der Times) aus eigener
Anſchauung die Schärfe und Tiefe der deutſchen Abneigung gegen
Eng=
land kennen ....
B. v. Bülowv.
Der preußiſche Geſandte in Hamburg, Graf von Metternich, z. Z. in
Verlin, an den Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes Grafen v. Bülow.
Privatbrief, großenteils eigenhändig.
Berlin, den 15. Juni 1900.
Als ich am Anfang Februar d. Js. nach England kam, wurde ich
von manchen Seiten darauf aufmerkſam gemacht, daß Lord Salisbury ein
alter und gebrochener Mann ſei, der nicht mehr lange im Vordergrunde
der Geſchäfte ſtehen werde. Er iſt, wenn ich mich recht erinnere, 70
Jahre alt. Die langwierige Krankheit ſeiner Frau, welche er Anfang
des vergangenen Winters verloren hat, und an der er ſehr hina, war
ſonders m Aſange des Anerks. e Anſchen Eendlanßsrunderte,
be=
wird ihm nahe gegangen ſein. Er iſt im Herzen ein ſtolzer Patri”
*
und unter den lebenden Staatsmännern verkörperte ſich das Preſtige
Englands hauptſächlich in ihm.
Aber, wie das ſo geht im Leben, drohende Schickſalsſchläge, welche
der Menſch herannahen ſieht, bedrückten ihn oft mehr als das Eintreten
des gefürchteten Ereigniſſes ſelbſt, und durch den Tod ſeiner Frau war
unter dem heilenden Einfluß der Zeit, welcher bei alten Leuten noch
ſchneller wirkt als bei jüngeren, eine Laſt von ihm genommen, ſo daß ſich
Lord Salisbury wieder freier dem öffentlichen Leben zuwenden konnte.
Auch der Krieg nahm eine andere Wendung, der tiefſte politiſche
Baro=
meterſtand war für England vorüber, was die Unfähigkeit ſeiner
Gene=
räle verſchuldet hatte, ſchienen die reichen Hilfsquellen des Landes und
des Reiches an Geld und Menſchen wieder gutzumachen, und eine
fröh=
lichere, friſchere Stimmung bemächtigte ſich der Gemüter. Auch dies
mag dazu beigetragen haben, um Lord Salisbury aus der Lethargie
auf=
zurütteln, in die ihn Alter, Mißgeſchick und zunehmende Korpulenz zu
berſenken gedroht hatten.
Ich fand ihn, als ich ihn Mitte Februar zuerſt wiederſah, wohler
ausſehend als vor vier Jahnen. Nur der Blick iſt matter und ſein Weſen
noch unbeſtimmter, ungreifbarer, möchte ich ſagen, als ehedem. Er iſt
von der äußerſten Vorſicht des Ausdrucks geworden, und wenn er glaubt,
etwas zugeſtanden zu haben, ſo ſucht er es im nächſten Augenblick wieder
abzuſchwächen. Er war als Cunctator immer bekannt. Das Alter, die
Kriegslage, vielleicht auch Mißtrauen gegen uns, mögen dieſe
Natur=
gnlage verſchärſt haben, obwohl ich weiß, daß er mir perſönlich ſehr wohl
geſinnt iſt. Nach dem Tode ſeiner Frau hieß es, daß er abgehen wolle.
Im Februar und März hielt er im Oberhauſe Reden, die ſo ſchwach
waren, daß es von ſeinen Anhängern peinlich empfunden wurde. Lord
Roſebery zerzauſte ihn mit ſolcher Schärfe, daß es als unfair empfunden
wurde, den ſchwachen, alten Mann mit ſolcher Härte, zu behandeln.
Später hielt Lord Salisbury wieder Reden großen Stiles, und heute
ſteht er wieder obenan. Seine Partei hat von jeher viel an ihm
auszu=
ſetzen gehabt. Beſonders, daß er mit oft beißendem Hohn
Perſönlich=
keiten und Richtungen in ſeinen Reden verletzte, ohne Nückſicht auf die
Wählerſchaft. Er hat nie um die Gunſt der öffentlichen Meinung
ge=
buhlt. Unter den lebenden engliſchen Staatsmännern gilt er für den
größten. Niemand beſitzt nach Anſicht ſeiner Landsleute eine ſolche
Summe von Erfahrung in Behandlung der Staatsgeſchäfte und
beſon=
ders der auswärtigen Fragen. Vorſicht und Zurückhaltung werden ihm
als Tugend angerechnet, wenngleich es Perioden gab, wo er, wie in der
open 4oor Frage in China, von der öffentlichen Meinung zur Aktion
ge=
drängt wurde, und wo ihm Unſchlüſſigkeit vorgeworfen wurde. Das
eng=
leiſche Volk ſtürzt ſich nicht gern in unüberlegte Abenteuer, und wer es
davor zurückhält, dem weiß es auf die Dauer Dank.
Ich ſehe nicht ein, weshalb Lord Salisbury die Zügel des
Staats=
wagens aus der Hand geben ſollte, und ohne zwingenden Grund treten
wenige aus bedeutenden Stellungen zurück.
Lord Salisbury ſoll gegen die baldige Vornahme von Neuwahlen
ſein. Mr. Chamberlain iſt dafür. Einem Manne wie Lord Salisburtz
kann der naheliegende Gedanke natürlich nicht verborgen ſein, daß es
günſtiger iſt, unter dem Eindruck des glücklich beendigten Krieges Wahlen
zu machen, als wenn der Siegesrauſch verflogen iſt. Er wird ſich aber
ſagen, daß er für zwei Jahre noch feſt im Sattel ſitzt, während
Neuwah=
len ein Element der Ungewißheit in ſich bergen, und daß demſelben
viel=
leicht eine ſolche erdrückende Maforität für die unioniſtiſche Partei
er=
geben würden, daß daraus der Keim der Uneinigkeit ſich bald entwickeln
würde. Welche Verſchiebungen ſich dann ergeben würden, wo der Platz
für die konſervatihe Partei, wo die Stellung für ihn ſelbſt ſein würde,
wird auch Lord Salisbury nicht vorausſehen können.
Ich halte Lord Salisbury für einen zu bedeutenden Staatsmann, um
zu glauben, daß er ſich durch perſönliche Sympathien leiten ließe. Ich
glaube daher auch nicht, daß eu für dieſes oder jenes Land eine beſondere
Vorliebe oder Abneigung hätte. Ich halte ihn nicht für einen Feind
Deutſchlands, bin aber auch weit davon entfernt anzunehmen, daß es
uns beſonderes Vertrauen entgegenbrächte. Aus früheren Perioden mag
der Eindruck in ihm zurückgeblieben ſein, daß wir uns im Kriegsfalle
immer lieber mit unſeren mächtigen territorialen Nachbarn verſtändigen
würden als mit England, daß wir aber in der Zwiſchenzeit ganz gerne
koloniale oder andere Vorteile auf Grund einer Verſtändigung mit
Eng=
land einzuheimſen bereit ſeien. Wir werden nur dann mit Lord
Salis=
burn oder ſeinem Nachfolger eine leichte Politik haben, wenn ſich zuerſt
in England das Bedürfnis einer Spezialverſtändigung mit uns fühlbar
macht.
Ebenſowenig wie ein prinzipieller Gegner Deutſchlands dürfte Lord
Salisbury ein entſchiedener Freund Frankreichs ſein, er wird ſich aber
ebenſogut mit Frankreich wie mit uns über ſchwebende Tagesfragen
ver=
ſtändigen, wenn es ihm in ſeine Politik paßt, d. h. wenn er glaubt, daß
es im Intereſſe Englands liege .....
Mr. Chamberlain iſt in den breiten Klaſſen des engliſchen Volkes der
volkstümliche Mann, welcher England ſiegreich und zuverſichtlich in die
neuen Bahnen des Imperialismus leitet. Als leitender Miniſter in
aus=
wärtigen Angelegenheiten wird er aber bei den obeven Zehntauſend
ge=
fürchtet, weil man ihm keine ruhige Hand zutraut und man von ihm
annimmt, daß er als Roſſe= und Wagenlenker, tollkühne Dinge und
Sprünge unternehmen würde. Mr. Chamberlain wünſcht noch jer
mit Deutſchland zuſammenzugehen. Er wünſcht die kolonialen 7
en,
welche uns trennen oder nähern können, je nachdem ſie behandelt werden
in Fluß zu bringen. Er würde gern an die Ausführung des deutſch
engliſchen Abkommens über Südafrika herantreten. Nach der
Konſolidie=
rung des Gebietes, welches Rhodeſia und die beiden Burenrepubliken
mfaßt, wird ſich ſehr bald das Bedürfnis eines nahen Zuganges zum
re herausſtellen, und die Delagoabaifrage kann dann akut werden.
Mit der verſtärkten franzöſiſchen Beſatzung in Madagaskar, gegenüber
wird die engliſche Politik jene Frage, auch abgeſehen von unſerem
Ab=
kommen, lieber mit als ohne uns löſen. Die Schwierigkeit der
Ausfüh=
rung unſeres Abkommens liegt, wenn wir auch für den Aügenblick
über=
ſehen wollen, daß zunächſt das Einverſtändnis Portugals dazu
erforder=
lich iſt, in der Beſtimmung, daß pari passu vorgegangen, werden
ſoll.
mand
Jeder von beiden Teilen wird eiferſüchtig darüber wachen, daß nie
zuerſt und allein vorgehe, während der Verfall des portugieſiſchen
Be=
itzes und die natürlichen Bedingungen der Beſitzergreifung durch einen
itten, in der einen Kolonie raſcher reifen können als in der anderen.
Es wird ſchwierig ſein, die ſtückweiſe Abbröckelung zugunſten beider
Kontrahenten zu gleicher Zeit vorzunehmen, wenn das eine Stück feſter
ſitzt als das andere. Wenn die Delagoabaifrage zunächſt angeſchnitten
werden ſoll, ſo ſind wir in der vorteilhaſten Lage, daß dann England
zuerſd mit Vorſchlägen an uns herantreten muß.
Im Gegenſatz zu Mr. Chamberlain nilt Lord Roſebery als der
be=
ſont
nene und zuverläſſige Staatsmann in der auswärtigen Politik.
Kon=
ſervative wie Liberale würden ihn gern an der Spitze des Foreign Office
bequemen auswärtigen Miniſter,
ſehen. Ich halte ihn nicht für einen
obwohl ich glaube, daß er lieber mit Deutſchland als mit Frankreich oder
Rußland gehen würde. Lord Roſebery iſt ſehr von der öffentlichen
Mei=
nung abhängig, b. h. er wird ſich nicht leicht zu etwas aufraffen, wo er
nicht die ſofortige öffentliche Zuſtimmung vorausſetzt. Die beſten
aus=
wärtigen Miniſter für uns würden au
uf der konſervativen Seite Mr.
Bal=
four, auf der liberalen Seit: Sir Edward Greh ſein. . ..
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Han=
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inden
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grech=
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klei
klei=
eine
des
inge
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
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½9 Uhr: Kampfrichterſitzung, mittags
1 Uhr: Abmarſch des Feſtzuges vom
Vereinslokal zur Schwimmbahn im
Alt=
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abends ½9 Uhr Ball im Vereinslokal.
Während der Wettkämpfe findet
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[ ← ][ ][ → ]Rummer 191.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Jnli 1924.
Seite 3.
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 11. Juli.
Unzuträglichkeiten für die Empfänger im beſetzten Gebiet wird darauf
hingewieſen, daß bei dem Bahnhofspoſtamt in Mainz ſeit kurzem eine unter Zuhilfenahme des Grammophons zu löſen verſuchte. Aber völlige
findet.
tu. Der rote Perſonalausweis. Nach Artikel 10 der Verordnung
256 der Interallierten Rheinlandkommiſſion machen ſich die Perſonen
ſtrafbar, die im Beſitze eines roten Perſonalausweiſes ſind und nicht
dauernd im beſetzten Gebiet wohnen. Alle ſolche Perſonen tun daher
gut, wenn ſie ſich keiner hohen Strafe ausſetzen wollen, dieſen Paß zu
vernichten.
Schlafwagenverkehr. Die ab 1. Juni d. Js. zwiſchen Frankfurt
(Main) und München über Darmſtadt. Heidelberg, Stuttgart
verkehren=
den D=Züge 94 (Frankfurt ab 8.45 Uhr nachm., München au 7.00 Uhr
vorm, und 93 München ab 9.30 Uhr nachm., Frankfurt an 6.22 Uhr
vorm., führen einen Schlafwagen 1./2. Klaſſe, ſowie einen Schlafwagen
3. Klaſſe, ſtellen alſo eine beſonders günſtige Nachtverbindung zwiſchen
den genannten Orten dar. Trotzdem iſt ihre Benutzung zur Zeit noch
gering, weshalb auf ſie beſonders hingewieſen wird.
Nachzahlungen. Die Staatsbeamten i. N. und Hinterbliebenen
von Staatsbeamten der Beſoldungsgruppen 1—6 können die aus der
Erhöhung der Beſoldungsſätze ſich ergebenden Nachzahlungen für die
Monate Juni und Juli auf der Heſſiſchen Landes=Hypothekenbank
(Zimmer 18) am Samstag, 12., und Montag, 14. Juli, vormittags 8
bis 12 Uhr, in Empfang nehmen.
C. Die Juni=Witterung in Darmſtadt. Der erſte Monat des
dies=
jährigen meteorologiſchen Sommers war etwas zu kühl bei normalen
Niederſchlagsverhältniſſen. Das Monatsmittel der Temperatur betrug
164 Grad Celſius (0,5 unter normal), während ſich die Gegenſätze auf
27,7 am V. und 6,4 am 16. ſtellten. Sommertage gab es 5 (3 unter dem
Durchſchnitt), heitere Tage 4, trübe 7 bei einer Bewölkungsziffer von 5,5
(10 bedeutet völlige Trübung). In dieſer Hinſicht bot der Monat
nor=
male Verhältniſſe dar. Oeſtliche und weſtliche Luftſtrömungen hielten
ſich das Gleichgewicht und nur 1 Tag brachte ſtarken Wind. An 13 Tagen
fiel Regen, der im ganzen eine Niederſchlagsmenge von 60.1 Millimeter
lieferte, wovon auf den näſſeſten Tag, den 2l., der Betrag, von 19,7
Mlli=
meter kam. Da der langjährige Durchſchnitt 62,3 Mill
neter beträgt.
ſo war auch in dieſer Hinſicht der Monat normal. Gewitt
ter wurder
beobachtet. Der Barometerſtand ſchwankte zwiſchen 757.1. Milin
am B. und 739,1 am 12. während das Monatsmittel 748,1 betrug (0,90
unter normal). Die glückliche Miſchung von Wärme und Feuchtigkeit
zatte auf die Vegetation den günſtigſten Eiufluß, und die meiſt gut
aus=
gefallene Heuernte kam glücklich uuter Dach.
— Bezirksſchöffengericht. Karl Müller (ainz), Karl
Her=
nann, Ernſt. Hofer von da, Ehefrau Hartmann Wiesbaden),
Fhefrau Ludwig Edler (ainz) und Ehefrau Ludwig Franz von
da ſind der Hehlerei angeklagt. Es handelt ſich um im Sebztember 193
zei Opel in Rüſſelsheim geſtohlenes Automohilleder (im ganzen 32
tück). Die Diebe ſind bereils abgeurteilt. Die heute Angeklagten
verden, durch die Rechtsanwälte Meintzinger Mainz), Dr. Strauß
Darmſtadt), Mannheimer (Mainz), Geißner und Geh. Juſtizrat D.
ſteis (Darmſtadt) verteidigt. Bezüglich des Geiſteszuſtandes des Ernſt
öofer wird Nexbenarzt Dr. Oppenheimer (ainz) als Sachverſtändiger
ehört. Das Gutachten ſtellt Schwachſinn, kompliziert mit
Alkoholis=
aus feſt. Geiſteskrankheit im Sinne des 8 51 RStG. beſteht nicht. Al
Jachverſtändiger bezüglich des geſtohlenen Leders wird Werkmei
druber bei Opel gehört. Es handelt ſich um Rindsleder, das 2500 M
ro Quadratmeter damals wert war. Der Fachmann konnte dem Leder
nſehen, daß es Automobilleder war. Der Staatsanwalt hält die
An=
eklagten Hofer, Hermann, Müller und Franz im Sinne der Anklage
ir überführt, dagegen die Ehefrauen Edler und Hartmann für nicht
berführt; bezüglich der beiden letzteren wird Freiſprechung beantragt.
der Staatsanwalt beantragt gegen Hofer 6 Monate, gegen Hermann
Monate, gegen Müller 6 Mongte, gegen Ehefrau Franz 4 Monate
ſefängnis gegen die Ehefrauen Hartmann und Edler Freiſpreck
chung.
m. Gegenſatz zu den Ausführugen des Staatsanwalts beantragen
e Verteidiger die Freiſprechung. Das Gericht erkennt auf
Frei=
prechung ſämtlicher Angeklagten.
— Der ſprechende Film läuft nur noch morgen Freitag um 6 und
Uhr im Landestheater. Es wird in dieſem Jahre vorausſichtlich keine
Löglichkeit mehr beſtehen, ſich von dieſer großen deutſchen Erfindung
ne Vorſtellung zu verſchaffen.
Woogsſchwimmfeſt. Vom Amt für Leibesübungen wird uns
ge=
jrieben: Anläßlich des Woogsſchwimmfeſtes ſowie des
Sommernachts=
ſtes am 12. und 13. Juli d. J. werden am Samstag nachmittag 4 Uhr
rauenbad und auf der Inſel wird bis 6 Uhr aufrecht erhalten. Am
omntag iſt nur das Freibad ſowie der Inſelbetrieb geöffnet, das
rauenbad bleibt geſchloſſen. Währead der Betriebseinſchränkung ſind
e Kaſſen auf der Inſel und im Frauenbad.
— Palaft=Lichtſpiele. „Der Kaufmann von Venebig”,
pei Gegenſätzen, wie ſie größer nicht gedacht werden können,
begeg=
n wir in dieſem Schauſpiel. Hier die künſtleriſch vollkommenen
rachtbauten Venedigs im 16. Jahrhundert, üppige Laudſitze der
Um=
bung. Pracht und Mannigfaltigkeit der Trachten. Aufzüge des Dogen, geſtern zu einem parlamentariſchen Abend in den Näumen des Staats=
Wohnſitze der Juden von der Stadt abſperrten. Hier
unermeß=
her Reichtum, der durch Venedigs Macht und dem den Orient und die nahm einen ſehr harmoniſchen Verlauf.
lbe Welt umfaſſenden Handel aufgeſpeichert und ſtändig vermehrt
ute. Hier Uebermut und dort unverſöhnlicher Haß!. Jedem iſt die
bel von Shylocks Forderuag eines Pfundes Fleiſch aus der Bruſt bunden mit Konzert, Vorträgen und Feſtſpielaufführung am Samstag,
lannt, als daß ſie hier näher angeführt zu werden braucht. — Was Woogsplatz. Haupttagung: Sonntag, den 13. d. Mts. vorm. 9 Uhr, im
m Filmwerk, das die „Palaſtlichtſpiele” ab heute und nächſter Tage „Perkeo”, Alexanderſtraße 12. Hier ſtehen wichtige Standes= und
tech=
nd, daß ſämtliche Stätten, an denen ſich die Handlung abſpielt, an ſammenkunft auf der ſchön gelegenen Ludwigshöhe gewidmet ſein. Die
t und Stelle in Venedig gefilmt wurden und ſomit an Treue nicht zahlreich eingelaufenen Anmeldungen laſſen auf eine rege Beteiligung
ertroffen werden können. Unter anderem zeigt der Film die Lagune und einen guten Verlauf der Bundestagung ſchließen.
n Venedig, den Platz vor der Markuskirche, den Canale Grande mit
nem Maskentreiben an Karneval, die berühmte Treppe im Hof des Alle Jung= und Altwartburger treffen ſich Sonntag vormittag 344 Uhr
tklaſſige Filmdarſteller, wie Hennt Porten (Porzia), Werner Kraus Poſaunenchores gemeinſamer Gang zu dem um 8 Uhr in Kranich=
Uf=Münz (Lorenzo) uſw. verkörpert, es fehlt alſo nichts, um dieſem ſein bei frohem Spiel. Gäſte willkommen!
nſtwerke möglichſte Vollendung zu verleihen.
* Die im Jahre 1904 gegründete Vereinigung für gerichtliche Pſycho= uns: Sämtliche Jugendverbände, die dies noch nicht getan haben, müſſen
ſie und Pſychiatrie in Heſſen hielt ihre diesjährige Hauptverſammlung bis ſpäteſtens 15. d8. Mts. genaue Führeranſchriſten an den
Geſchäfts=
ter dem Vorſitz des Geh. Obermedizinglrats Dr. Balſer am 5. Juli, führer Max Weber. Aeußere Ninaſtraße 106, zwecks Arbeitseinteilung
r Generalſtaatsanwalt Hofmann erſchienen der der Vereinigung in der Jugendherberge, Dieburger Str. 26, von den einzelnen Bünden
nſchte und ſie des warmen Intereſſes des Miniſteriums verſicherte, alle Herhergsfragen.
heimrat Profeſſor Dr. Mittermaier und Strafanſtaltsdirektor Stumpf
lzug von Freiheitsſtrafen und verſtanden es vorzüglich, an Hand dies beſuchte Mitgliederverſammlung der Allg. Heſſ. Beamten=Sterbekaſſe
Nichtlinien die Entwickelung des modernen Strafvollzugs klarzulegen; im Fürſtenſaal zu Darmſtadt. Die Tagesordnung beſtand aus zwei
wich=
zen rückhaltloſer Anerkennung für die mannigfachen Verbeſſerungen, tigen Punkten; 1. Auflöſung der Allg. Heſſ. Beamten=Sterbekaſſe und
ifvollzugsgeſetz bedeuten möchten. Die feſſelnden Ausführungen der zwungen, ſich aufzulöſen. Die Verſammlung konnte hierüber aber nicht
ungene Veranſtaltung:
— „Bund der Kinderreichen zum Schutze der Familie”, Ortsgrupp beſchlußfähig iſt. Uieber den zweiten Punkt der Tagesordnung wurde
rmſtadt. In ſeiner letzten Monatsverſammlung im „Feierabend”
ach Sanitätsrat Dr. Maurer über den Odenwald. In intereſſanter dung der „Neuen Heſſ. Beamten=Sterbekaſſe” beſchloſſen Ueber 30
ungener zahlreicher Lichtbilder durch die Schönheiten von Verg und neugegründete Kaſſe, die große Vorteile den alten Mitgliedern ge=
Städtchen und Dörfer des Odenwaldes. Reizende Szenen aus den währt, über. Die neue Kaſſe wird auf ſicherer, wvertbeſtändiger
Grund=
ten und Gebräuchen wechſelten ab mit lehrreichen Einblicken in Hand= lage aufgebaut, ſo daß ein Zuſammenbruch ausgeſchloſſen iſt. Das
und Geberbe, Leben und Treiben der Bevölkerung in Gegenwart Reichsaufſchtsamt, das borher gutachtlich gehört worden war, hat bereits
Vergangeubeit. So manches längſt ausgeſtorbene Gewerbe, manches die Genehmigung der Neuen Heſiſchen Beanten=Sterbekaſſe auf Grund
t mehr betriebene Handwerk zon in lebensvoller. Darſtellung durch des vorgelegten Satzungzentwurfs zugeſagt. Die Neue Oeſ.
Beamten=
örer zeigte dem Nedner, wie großes Intereſſe auch in unſerer ver= chen ſind, wie die der Allg. Heſſ. Peanten=Sterbekaſſe waren, und zuar
gungsſüchtigen Zeit in veiten Kreiſen noch herrſcht für ſchöne be= fir Männer bis zu 3000 Golduark und für Frauen bis zu 1500
Gold=
ende und darum auch genußreiche Vorträge. Möchten ſich darum mark. Die aus der Allg, Geſſ. Beuuten=Sterbekaſſe übertretenden
ie er noch mit daß an den Landtag, die Negierung und Stadtver=, der Alf, beſ. BantenSterbekaſſe eryorbene Verſcherungsdater wird
6. Hierauf fand noch eine kleine Ausſprache der Mitglieden ſtatt graf=Philitzp=Anlage 14.
als Tag, der nächſten Verſammlung Freitag, den 15. Auguſt
an=
ehen
Der ſprechende Film.
— Eine neue Errungenſchaft der Filmtechnik wird uns im Großen
Hauſe des Landestheaters ſeit 5. d. M. vorgeführt. Das Ergebnis fünf=
Briefüberwachung im beſetzten Gebiet. Zur Vermeidung von jähriger Erfindungsarbeit dreier deutſcher Ingenieure, Hans Vogt, Dr.
Jo Engl und Joſef Maſſolle, 1918 begonnen, als man das Problem noch
Ueberwachung der Briefſendungen durch die franzöſiſchen Behörden ſtatt= Synchronität, d. h. zeitliche Uebereinſtimmung von Ton= und
Bildvor=
gang, war nicht zu etzielen.
fahren die Löſung der Aufgabe ermöglicht, bei dem das
kinematogra=
phiſche Bild und das Phonogramm eine organiſche Einheit bilden, d. h.
nebeneinander auf dem Bildſtreifen aufgebracht ſind.
Die ſchwachen Energien des Schalles mußten in Elektrizität
ver=
wandelt, die elektriſchen Impulſe in Licht überführt werden, um die
nur für Licht empfindliche Bromſilberſchicht des
Film=
bandes zu beeindrucken und um mit den üblichen photographiſchen
Mit=
bei der Wiedergabe in umgekehrter Weiſe durchſchritten werden. Die
Schwärzungs=Variationen des Filmbandes galt es wiederum Volkes.
in Licht, und dieſes in Elektrizität zu verſvandeln, aus der
dann der gleiche Schall, die gleichen Laute, wie ſie das menſchliche
Ohr bei der Aufnahme hörte, gleichgültig, ob Muſik oder Sprache,
wie=
der hervorgezaubert werden.
So hatte alſo Tri=Ergon, das „Werk der Drei”, eine große
Reihe techniſcher Aufgaben zu löſen, ſollte das große Ziel erreicht
werden.
A
V
Riagtag
Sonntag, den 13. Juli, und Montag, 14. Zuli 1924
auf dem Flugplatz hinter dem alten
Fried=
hof an der Nieder=Ramſtädter Straße
Der beſte deutſche Flieger Raab zeigt
Luftſpiele, Loopings, Sjurz= und
Rücken=
ffüge auf Oietrich=Sebiet=Sportfingzeugen
EAE-
Passasierfiäige
auf Junkers Metallfiugzeugen ab 6 Uhr vorm.
Preis 20 Mk.
Freiflugverloſung: Los 1 Mk.
Vorverkauf und Auskunft ſiehe Plakate
Reſtanration mit uormalen Preifen auf dem Flugplatz
Feſtkonzert
Bund Hefſiſcher Flieger E. V.
1 Sasttss) Heſſen=Flieger, Darmſtadt
Das erſte war ein neues Mikrophon, ein
Schallaufnahme=
apparat, der, wie das menſchliche Ohr, Schalleindrücke in Nervenſtröme
verwandelt, die Schallwellen in elektriſche Ströme überführt, das
Kathodophon, das zweite, elektriſche Verſtärkungen
herzu=
ſtellen, die dritte Station war die Herſtellung einer
ſchall=
empfindlichen Aufnahmelampe, die den fein vibrierenden
elektriſchen Strom in ein zitterndes Lichtbündel verwandelte, um den
vorbeilaufenden Filmſtreifen zu belichten (Ultrafrequenzlampe).
Nach dieſen Vorarbeiten konnte man daran denken, eine Bild=
Ton=Filmaufnahme zu machen.
Ein Wiedergabe=Lautſprecher muß imſtande ſein, einen
großen Raum bis zu den letzten Plätzen zu durchdringen, und ſo
deut=
lich und rein funktionieren, daß wiedergegebene Sprache klar und
ver=
ſtändlich, wiedergegebene Muſik ein Genuß iſt.
Das TriErgon” löſte auch dieſe Aufgabe. Nicht auf dem Wege,
den die Telephontechnik bisher beſchritten, gelang die Löſung. Das
it 1
Prinzip der elektroſtatiſchen Anziehung, in der Elektrotechnik ſe
alten Zeiten bekannt, kam ihnen zu Hilfe. Es gelang ihnen, unter
Be=
nutzung elektroſtatiſcher Felder ein dünnes Glimmerblatt zu lauten
Tönen zu bringen. Dieſer neuartige, trichterloſe Lautſprecher, das
Statophon, der, neben oder hinter der Projektionsleinwand
auf=
geſtellt, den Schall erzeugt, der bei dem Zuſchauer die Illuſion des
e weißen Häuschen für das Publikum geſperrt. Der Betrieb im ſprechenden und tönenden Bildes hervorruft. (Das Statophon iſt als
Wiedergabegpparat für die Nadiotelephonie von außerordentlicher
Be=
deutung.)
Möge dieſe neue Erfindung ſich weiter entwickeln und für die
Men=
ſchen zu einer Quelle der Belehrung, zu einer Spenderin froher,
genuß=
reicher Stunden werden, dem Fortſchritt der Menſchheit dienſtbar ſein!
Heſſiſcher Landtag.
* Parlamentariſcher Abend. Herr Staatspräſident Ulrich hatte
bermut und Mannigfaltigkeit der Maskenfeſte des Karnevals Glanz miniſteriums eingeladen. Zahlreiche Mitglieder der Negierung, faſt
ſämt=
r Feſte auf paradieſiſchen Landſitzen und dort die dumpfige, brütende liche Mitglieder des Parlaments und eine Reihe Preſſevertreter waren
ige der Gaſſen im Ghetto, die abends durch ſchwere eiſerne Ketten dazu erſchienen. Herr Staatzpräſident und ſeine Gattin empfingen die
Gäſte, die ſich zwanglos an Einzeltiſchen zuſammenfanden. Der Abend
— Der Bund Alter Herren der Heſiſchen Landesbaugewerkſchule
urde. Dort enges, ängſtliches Zuſammenducken der gepeinigten. Darmſtadt ruft ſeine Mitglieder zu einer für den 12. und 13. ds. Mts.
ſchimpften und brutal vergewaltigten jüdiſchen Bevölkerung. Das iſt der anberaumten Tagung nach Darmſtadt, zu der Bundesbrüder aus allen
rundton, auf dem ſich Shakeſpeares „Kaufmann von Venedig” auf= Teilen des Reiches erwartet werden. Aus dem reichhaltigen Arbeits= und
Feſtplan ſeien in der Hauptſache hervorgehoben: Begrüßungsfeier, ver=
8 Schuldners — des „königlichen Kaufmannes Antonio” — zu wohl den 12. d. Mts., abends 8 Uhr, im Saale der Turngemeinde 1846 am
ingt, einen großen und ganz eigenartigen Wert verleiht, iſt der Um= niſche Fragen zur Beratung. Der Sonntagnachmittag ſoll einer Zu=
— Aus dem C. V. J. M. Wartburg (Wartburgverein Darmſtadt).
genvalaſtes die Markuskirche. Die handelnden Perſonen ſind durch pünktlich am Ballonplatz. Von hier aus unter Führung des
Wartbura=
hhlock), Harry Liedtke (Baſſanio), Albert Steinrück (Tubal), beinz= ſtein ſtattfindenden Jugendgottesdienſt. Nach demſelben Zuſammen=
— Deutſche Jugendherbergen, Ortsgruppe Darmſtadt. Man ſchreibt
Butzbach ab. Als Vertreter des Heſſiſchen Miniſteriums der Juſtiz uſtp. ſenden. Die Zeitungen für Juni müſſen Dienstag, den 15. Juli,
mens des Juſtizminiſteriums guten Erfolg, für ihre Beratungen in Empfang genommen werden. Daſelbſt auch mündliche Auskunft über
— Allgemeine Heſſiſche Beamten=Sterbekafſe und Neue Heſſiſche
ichteten über die 19B3 aufgeſtellten reichsrätlichen Grundſätze für den Begmten=Sterbekaſſe. Am Sonntag, den 6. Juli d. J., tagte eine gut
die neuen Grundſätze dem Strafvollzug gebracht haben, wurden auch 9. Gründung der Neuen Heſſ. Beamten=Sterbekaſſe. Die erſtere iſt der
tiſche Bedenken verlautbart und einmütig der Wunſch geäußert, daß rieſigen Geldentwertung des Jahres 1993 zum Opfer gefallen. Sie iſt
ſe Prinzivien eine weitere Ctappe zu einem einheitlichen Reichs= nicht mehr in der Lage, ihre Leiſtungen aufzunehmen, und daher
ge=
rtragenden brachten den Teilnehmern der Verſammlung vieles Neue beſchließen, da die erforderliche Anzahl von Mitgliedern ſein Viertel)
d mancherlei Anregung auf einem ebenſo intereſſanten wie ſchwie= nicht anweſend war. Wegen der Auflöſung der Allg. Heſſ.
Beamten=
en Gebiet. Eine Führung durch die Zellenſtrafanſtalt ſchloß die wohls Sterbekaſſe wird daher eine zweite Mitgliederverſammlung berufen
wer=
den, die ohne Rückſicht auf die Anzahl der erſchienenen Mitglieder
eingehend von dem Vorſtand referiert und hierauf einſtimig die
Grün=
iſe führte der Redner ſeine aufmerkſamen Zuhörer an Hand wohl= Mitglieder der Allg. Heſſ. Beamten=Sterbekaſſe traten ſofort in die
rt und Bild an uns vorüber. — Der reiche Beifall der zahlreichen Sterbekaſſe ſchlieſt Verſicherungen gegen feſte Prämien ab, die die
glei=
t viele edle Freunde des Volfes der dankbaten Aufgabe unterziehen, Mitglieder haben dieſelben Beiträge wie fühe, ſallo deik Alter bei
h belehrende und erheiternde Vorträge beſonders unſere Jugend für, der damaligen Aufnahme entſprechend) zu zahlen. Hierzu kommt ein
Geniſſe embfänglich zu machen. Nachdem der Vorſitzende gedankt. Zuſchlag von 40 Prozent auf die Dauer von eiwa 10 Jahren. Die bei 1 8 Uhr, im Gartenſaal des Saalbaues, bei der Ger Nechtsanpalt
tung eint glutrgag geſtelt ſeil zwecks Herabſetzung der beſonders für auf die Wartezeit füir Auszahlung der Sterbegelder aus der neuen Kaſſe olitiſchen Intenoſſö ſtehenden Fragen ſprechen wird. Es enpfiehlt ſch
dereiche ſoimcerdchten, und unſoziglen Sonderſteuer auf Grund= angerechnet. Dus Sekretariſat der Kaſſe beindet ſich Darmſtadt, Land= rechtzeitig die Eintrittskarten auf der Parteigeſchäftsſtelle Wicelminen=
Vom Woog, 10. Juli. Waſſerhöhe am Pegel 383 w. Luftwärme
181 9. Waſſerwärma vormittaas 7 Uhr 22/C.
Darmſtadt, 10. Juli.
Präſident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.B5 Uhr.
Am Regierungstiſch: Staatspräſident Ulrich.
Das Haus fährt in der Beratung des Kap. 75 (iniſterium für
Ar=
beit und Wirtſchaft) fort.
Abg. Schott (Dtſch. Vpt.): Die Landwirtſchaft ſteht nicht ſtill. Sie
Die Erſinder erkannten, daß techniſch und praktiſch nur ein Ver= hat das Beſtreben, auf wiſſenſchaftlichem und wirtſchaftlichem Gebiet
mit=
zuarbeiten. Sie iſt beſtrebt, dem Boden ſo viel als möglich
abzuge=
winnen, um die Ernährung der Bevölkerung ſicherzuſtellen. Redner
verbreitet ſich dann über die Notlage der Landwirtſchaft und des
Wein=
baues. Arbeitskräfte ſeien zurzeit genügend vorhanden. Redner wütiſcht
in Rheinheſſen eine neue Kreiseinteilung auf Grund des jetzigen
Straßen= und Eiſenbahnnetzes.
— Die Landwirtſchaft iſt die
Nähr=
mutter unſeres Volkes. Helfen Sie mit, ſo ſchließt der Redner, daß
teln vervielfältigt werden zu können. Ein analoger Vorgang mußte, die heſſiſche Landwirtſchaft in ihrer Exiſtenz nicht weiter bedroht wird,
daß es ihr möglich iſt, weiter zu arbeiten zum Segen und Wohle des
Abg. Felder (Ztr.) ſetzt ſich für die Notwendigkeit des
Miniſte=
riums für Arbeit und Wirtſchaft ein, ſchildert deſſen Aufgaben, ſpricht
gegen den Klaſſenkampf und für eine Verſtändigung der Völker, wünſcht
einen Umhau des Zwiſchenhandels. — Die Arbeitgeber kehren zu der
Methode der ſchwarzen Liſten der Vorkriegszeit zurück. — Die
chriſt=
lichen Gewerkſchaften lehnen den ſchematiſchen Achtſtundentag ab,
ver=
langen aber mit aller Entſchiedenheit den Achtſtundentag für die
Ar=
beiter in der Schwerinduſtrie, die Bergleute und die Arbeiter in
lebens=
gefährlichen Betrieben. Bevor es die Sozialdemokratie gegeben hat,
ſind die Führer der chriſtlichen Gewerkſchaften für die verkürzte
Arbeits=
zeit eingetreten. Wenn man für die Annahme des
Sachverſtändigen=
gutachtens iſt, muß man logiſcherweiſe auch für die
Arbeitszeitverlän=
gekung eintreten. Das Angebot von Arbeitskräften iſt größer als di
Nachfrage. Da die Erwerbsloſenfürſorge zu gering iſt, ergreifen, die
Erwerbsloſen jede ſich bietende Gelegenheit und drücken den Lohn. Die
Arbeitsleiſtung hängt von der Arbeitsfreudigkeit ab, die nur bei
ent=
ſprechendem Lohn und Gehalt vorhanden ſein kann. Redner wendet
ſich ſodann gegen die Beſtrebungen, den Urlaub zu verkürzen. Die
Ar=
beiterſchaft iſt zu Opfern bereit, verlangt aber gleiche Opfer von der
Arbeitgeberſchaft. Wir bitten die Regierung, daß die
Kurzarbeiterunter=
ſtützung wieder eingeführt wird. Redner verurteilt die
Vergnügungs=
ſucht. Er fordert Richtlinien für die Wohnungsämter über die gerechte
Verteilung der Wohnungen.
Aba, Laufer (Otſch. Vpt.) Außenpolitiſche Faktoren beeinfluſſen
das deutſche Wirtſchaftsleben. Sie nehmen ihm die freie Verfügung
über ſeine Wirtſchaft und verſagen die Erfüllung unſerer Wünſche —
Das deutſche Volk war immer zur Verſtändigung bereit. Unſere
Geg=
ner wollen uns jedoch von Jahr zu Jahr in ſteigendem Maße um den
Ertrag unſeres Fleißes und unſerer Arbeit bringen. — Nur durch die
Aufwertung der Sparkaſſenguthaben wird man den Sparſinn wieder
wecken. — Mit den gedrückten Löhnen kann auf die Dauer eine
hoch=
qualifizierte und leiſtungsfähige Arbeitnehmerſchaft nicht beſtehen. —
Es iſt die Erreichung des Lohnniveaus und der ſozialpolitiſchen
Ein=
richtungen der Vorkriegszeit zu erſtreben. — Die uferloſe Vermehrung
der Zwiſchenhändler iſt mit eine der Haupturſachen der hohen Preiſe.
Die Zwangswirtſchaft auf dem Wohnungsmarkt beeinflußt die
Erſtel=
lung neuer Wohnungen. Die Einführung der Friedensmiete hat zur
zwingenden Voxausſetzung, daß man ſich zuvor klar wird, was mit den
Sonderſteuern geſchehen ſoll. Eine Behebung der Wohnungsnot und die
Erſtellung neuer Wohnräume iſt nur bei Bereitſtellung entſprechender
Mittel möglich.
Um 11.30 Uhr tritt eine Paufe ein.
Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird über das Kapitel 51:
Hoch=
bauweſen (Ausgaben 180 550 Mf.) abgeſtimmt. Das Kapitel 51 und
die zu dieſem, ſowie Kap. 52: Kunſtſtraßenverwaltutg, geſtellten
An=
träge werden einſtimmig angenommen.
Die Beratung über Kab. (5 wird ſodann fortgeſetzt.
Abg. Dr. Müller (Bbd.) ſpricht über die Auswirkungen des
Sachverſtändigenautachtens, wendet ſich gegen die Einfuhr von
Luxus=
artikeln und betont die Notlage der Landwirtſchaſt. — Wir ſind wohl
Freunde der freien Wirtſchaft, aber nicht des Freihandels. Wir
unter=
ſtützen eine vernünftige und beſonnene Sisdlungspolitik. — Das
wirt=
ſchaftlich geknebelte Deutſchland kann nur leben, wenn eine ſtarke und
geſunde Landwirtſchaft die Möglichkeit der Ernährung unſeres Volkes.
ſichert.
Schluß der Sitzung 1,20 Uhr. Nächſte Sitzung 3,15 Uhr. .
Die Nachmittagsſitzung.
Präſident Adelung eröffnet die Sitzung um 3,15 Uhr.
Abg. Delp (Soz.) tritt für die Erhöhung der Unterſtützungsſätze
für die Erwerhsloſen, Kriegsbeſchäidigten, Kriegshinterbliebenen,
Klein=
rentner und Sozialrentner ein. Nach der neuen
Neichsfürſorgeverord=
nung vom 13. Februar 1924 iſt den Ländern die Verpflichtung
aufer=
legt worden, die Unterſtützungsſätze für die genannten Gruppen in
einem Geſetz oder Verordnung feſtzulegen. Die heſſiſche Regierung
hat in einer Landesfürſorgeberordnung vom 25. April. d. J. zuar die
Beſtimmungen feſtgelegt, wie die Gemeinden bzw. Fürſorgeverbände
die Unterſtützung zu leiſten haben, ſie hat aber vergeſſen, den
Ausfüh=
rungsorganen die notwendigen Mittel zu bewilligen und zu geben.
Man ſoll den Kriegsbeſchädigten außer der Rente auch eine
Verdienſt=
möglichkeit ſchaffen. — Redner wünſcht, daß die Landesregierung bei
der Neichsregierung vorſtellig werden möge eine
Arbeitsloſenderſiche=
rung zu ſchaffen, um die Laſten der Erwerbsloſenfürſorge gleichmäßi
zu verteilen. Redner regt an, etwaige Mehrerträge aus den Steuern
der Fürſorge zukommen zu laſſen. — Er beſchäftigt ſich weiter mit
eini=
gen von dem Abg. Kindt vorgebrachten Klagen gegenüber dem
Wohl=
fahrtsamt. Er erklärt, Abg. Kindt habe ſeine Informationen,
wenig=
ſtens nach ſeinem Eindruck, von einer Mittelsverſon bekommen. Auch
der Vorſitzende der Kleinrentnerorganiſation hat bis heute noch nicht
verſucht, bei ihm oder dem zuſtändigen Amtsvorſtand bzw. dem
Beam=
ten, der die Kleinrentnerfürſorge bearbeitet, vorſtellig zu werden.
Abg. Hauck (Bbd.) begründet ſeinen zu Kap. 75 eingebrachten
Antrag: Ich beantrage, der Landtag wolle beſchließen, die
Staatsregie=
rung zu erſuchen, bei der Reichsregierung dahin vorſtellig zu werden,
daß ſie die Ausarbeitung eines Geſetzentwurfs über ein
Zinswucher=
geſetz auf dem ſchnellſten Wege in Angriff nimmt und dem Reichstag
vorlegt.
Der Abg. Kaul (Soz.) und Fraktion haben folgenden Antrag zu
Kat, 75 des Staatsvoranſchlags eingebracht: Der Landtag wolle
be=
ſchließen, die heſſiſche Regierung zu erſuchen, ſie möge bei der Neichs=
994
Abg. Hahn (Dtſch. Vpt.) beſchreibt die Notlage der deutſchen
Land=
wirtſchaft. Als Heilmittel werden angeſehen genügende Kredite,
Er=
höhung und Förderung der landwirtſchaftlichen Produktion,
annehm=
bare Preiſe und Verringerung der Steuern. Redner ſetzt ſich für eine
Beſchneidung des Zwiſchenhandels ein.
Miniſterialdirektor Uebel: Die Behauptungen einiger Herren, daß die
Notlage der Landwirtſchaft von weiten Kreiſen der Bevölkerung nicht
er=
kannt und anerkannt werde, iſt nicht richtig. Ich glaube, daß die Bedeutung
und die Notlage vollſtändig erkannt ſind. Ich habe mich bemüht, die
land=
wirtſchaftliche Produktion nach Kräften zu heben. Ich habe auch
ängſt=
lich zu verhüten verſucht, daß die landwirtſchaftliche Produktion durch
der Parteien Haß und Gunſt beeinträchtigt wird. Die Produktion der
Landwirtſchaft iſt das einzige, was vom Feinde nicht erfaßt werden
kann. Die Landwirte ſollen ſich aber auch bewußt bleiben, welch
natio=
nale Aufgabe ſie zu erfüllen haben, nämlich die Bewirtſchaftung des
heili=
gen Bodens unſeres Vaterlandes zum Zwecke der Sicherſtellung der
Er=
nährung des deutſchen Volkes. Redner betont die Wichtigkeit der
land=
wirtſchaftlichen Verſuchsſtationen uſp. und warnt vor jeder
Einſchrän=
kung und vor Abbaumaßnahmen. Er ſchildert ſodann die Bedeutung
und Aufgaben der Landwirtſchaftsämter. Sie arbeiten zuſammen mit
der Landwirtſchaftskammer.
Schluß der Sitzung 6 Uhr.
Nächſte Sitzung Freitag, vormittags 9 Uhr.
Lokale Veranſtaltungen.
Ole bborunter erſchelnenden Notizen ſind auefhlleßlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
im kelntem Faſſe irgendwie als Beſprrchung oder Krſik.
—Großes Heſſ. Volksfeſt in Trautheim. Am
Sams=
taa, Sonntag, Montag und Dienstag Heſſ. Volksfeſt in Trautheim.
Große Volksbeluſtigungen, Konzerte Feuerwverk uſtu. (Siehe Anzeige.)
— Kavallerie=Verein Darmſtadt. Samstag, 20. Juli,
abends 8½ Uhr Mitgliederverſammlung im Vereinslokal „Stadt
Ko=
burg”, Vollzähliges Erſcheinen wegen wichtiger Punkte der Tagesordnung.
Aus den Parteien.
— Deutſche Volkspartei. Wir verweiſen nochmals auf die
nächſte Mitgliederverſammlung am Montag, den 14. Juli, abends
Dingeldey. M. d. L., über die gegenwärtig im Brennpunkt des
ſtraße 5 abzuholen. Wir hoffen am 14. ds. Mts. manchen auswärtigen
Parteifreund vor allem aus der näheren Umgebung Darmſtadts
be=
grüßen zu können.
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der
Ve=
eite
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anf=
Seite 8.
Aus Heſſen.
H. Eberſtadt, 10. Juli. Das Miniſterium des Innern hat die vom
Gemeinderat beſchloſſene Abänderung des Abſ. 2 § 19 Art. 2 der
Be=
ſtimmungen über die Vergnügungsſteuer (R.=G.=Bl. 1923 I S. 583 ff.,
auf Grund des Art. 3 8 1 und 12 dieſer Beſtimmungen genehmigt. Nach
dieſer Abänderung betuägt die Steuer 50 Goldpfennige für je ein
Qua=
dratmeter Veranſtaltungsfläche; ſoweit ſie gemäß Abſ. 1 Satz 3
anzu=
rechnen ſind, wird die Hälfte dieſer Sätze in Anrechnung gebracht. Die
neuen Sätze treten ſofort in Kraft. — Nach einer Veröffentlichung des
eb. Kirchenvorſtandes können Einwendungen gegen die Kirchenſteuer
1924 nur noch bis zum 15. Juli gemacht werden. — Der geſtrige
Obſt=
markt war mit etwa 60 Körben Kirſchen beſchickt, welche bei Preiſen von
5—35 Pfg. flott abgeſetzt wurden. Die Nachfrage konnte nicht voll
be=
friedigt werden.
* Eberſtadt, 9. Juli. 80. Jubiläum des Geſangvereins
„Frohſinn”. Kaum iſt das am Sonntag abgehaltene Jubiläumsfeſt
des Gefangvereins „Germania” vorüber, ſo rüſtet man ſchon zu einem
neuen Sängerfeſte, zu den 80. Jubiläum des Geſangvereins „Frohſinn”
des älteſten Vereins ank Orte. Entgegen der urſprünglichen Abſicht wird
auch dieſes Feſt in der Hauptſache als Waldfeſt abgehalten werden. Auch
am Montag ſoll noch gefeiert werden. Zur Eröffnung des Feſtes findet
am Feſt=Samstag ein großer Feſtkommers unter Mitwirkung
auswär=
tiger Künſtler ſtatt. Als Feſttage ſind der 19., 20. und 21. Juli beſtimmt
worden. Zu dem Feſte haben bereits ein paar Nachbarvereine ihr
Er=
ſcheinen zugeſagt.
A. Eſchollbrücken, 9. Juli. Der Turnverein e. V. feiert am
kommenden Samstag und Sonntag ſein 25jähriges Stiftungsfeſt in
Ge=
ſtalt eines großen Volks= und Turnfeſtes. Samstags abends findet im
Verlauf eines Kommerſes die Ehrung der Gründer ſtatt. Am
Feſtſonn=
tag haben mehrere auswärtige Brudervereine ihr Erſcheinen zugeſagt.
A Pfungſtadt, 8. Juli. Kaninchen=Ausſtellung. Die
dies=
jährige Kaninchen=Ausſtellung, veranſtaltet vom Pfungſtädter Geflügel=
und Kaninchen=Zuchtverein, ſoll am Sonntag, den 27. Juli, abgehalten
werden.
Pungſtadt, 8. Juli. Raubüberfall. Am Sonntag morgen
wurde auf der Straße Pfungſtadt—Eberſtadt, in der Nähe der
Born=
mühle ein Zimmermann und Holzhändler bewußtlos aufgefunden. Er
ſoll geſtern nacht auf der Heimfahrt angegriffen und vom Rad geworfen
worden ſein. Da ihm ſowohl das Rad wie auch ſein Geld entwendet
wurden, ſo ſcheint em Naubüberfall vorzuliegen.
Pfungſtadt, 9. Juli. Kraftſportfeſt. Das 10jährige Stif.
tungsfeſt des Kraftſportvereins von 1914, verbunden mit Bannerweihe
hat einen ſchönen Verlauf genommen. Sämtliche Eintrittskarten waren
ausverkauft, ſo ſtark war die Beteiligung des Publikums. Die
Begrü=
ßungsanſprache hielt der Vereinspräſident, Herr Fritz Weingärtner, die
Ueberreichung des Vanners vollzog Frl. Lisbeth Crößmann, während
Frl. Leißler eine Schleife überreichte. Eine weitere Schleife wurd von
einem Sportskollegen aus Offenbach überreicht. Anläßlich des Feſtes
er=
ſchien auch eine hübſche Feſtſchrift, die beſonders eine ſehr intereſſante,
von Altbürgermeiſter Lang niedergeſchriebene umfangreiche Ortschronil
enthält.
Sch. Jugenheim, 8. Juli. Die zum Gedenken an unſere im
Welt=
kriege gefallenen Söhne und Brüder allenthalben entſtehenden Zeichen
und ragenden Male gewinnen in unſeren Tagen erhöhte Bedeutung.
Sie laſſen uns bedenken, daß Vaterland und Nation wohl hohe Begriffe
ſein müſſen, wenn ſo viele unſerer Allerbeſten freudig um ſie ihr Leben
gelaſſen haben. Und uns Ueberlebende mahnen ſie dieſe koſtbaren und
heute immer noch ſchver gefährdeten Güter mit voller perſönlicher
Hin=
gabe zu wahren. Dieſe Erwägung und Forderung fanden ihren
voll=
kommenen Ausdruck bei der Denkmalsenthullung, die am letzten Sonntag
unſer Gemeinweſen einigte zu einer ergreifenden Kundgebung der Trauer
um die gefallenen Söhne Jugenheims und zu einem weihevollen
Be=
kenntnis der unauslöſchlichen Liebe zu Vaterland und Heimat. Viele
gute und bedeutſame Worte hörte man von den Vertretern der Gemeinde
und des Kreiſes, dem Feſtredner, Herrn Rektor Weidle, einem Vertreter
der zahlreichen, hier anſäſſigen Ausgewieſenen, der ſich glücklich pries,
wieder einmal offen von Liebe zu Deutſchland reden zu dürfen, dem
Architekten und den Abgeordneten der Vereinigungen aller
Parteirich=
tungen, die faſt ohne Ausnahme den Verluſt von Mitgliedern zu
be=
klagen haben. Die gur geleitete Feier fand ihren Abſchluß im Garten
des Hotels zur „Goldenen Krone‟. Hier trafen ſich die Teilnehmer und
ganz Jugenheim zu einer im guten Sinne volkstümlichen Feier familjären
Charakters bei der in Wort und Lied die Sehnſucht nach einem freien
Deutſchland und ſeinem Rhein ſich ausſprach und muſtergültige
Uebun=
gen der Turner und Turnerinnen uns getroſt ſein ließen in der
Hoff=
nung auf ein kommendes, an Körper und Geiſt geſundes deutſches
Ge=
ſchlecht. Das Denkmal, eine Schöpfung des Darmſtädter Architekten,
Herrn Dipl.=Ing. Theiß, ſtellt in ſeiner Eigenart eine neue Zierde
Jugenheims dar. Im Eingang zu unſerem weitbekannten Heiligenberg,
in mäßiger Erhebung des Terrains und gut in die Umgebung
hineinge=
ſehen, erhebt ſich vor dem dichten Fichtenwald ein doppelt durchbrochener
Halbkreis, aus dem edlen hellen Granit unſerer Heimatberge gefügt,
und trägt an ſeinem mittleren Pfeiler ſchützend die Tafel mit den 41
Namen der gefallenen Jugenheimer. Ein freier Platz iſt vor dem
Halb=
bogen frei gelaſſen und wrrd durch eine breit geſchwungene Granittreppe
mit den Weganlagen des Aufgangs zum Heiligenberg in Verbindung
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
geſetzt. Die ganze Anlage iſt ſo völlig frei von jeder Schablone un
flachen Auffaſſung und ſo gut architektoniſch in die Umgebung
hinein=
geſtellt, daß ſie in ihrer Schlichtheit und geſunden Selbſtverſtändlichkeit
hocherfreulich wirkt.
Bensheim, 9. Juli. Schwerer Unfall. Die in ben 40er
Jahren ſtehende Kriegerwitwe Klein, eine geborene Hochſchild, iſt letzter
Tage mit ihrem Töchterchen an Gasvergiftung geſtorben. Die Frau
ſchlief mit ihren beiden Kindern, eine Tochter und ein Sohn, in einem
Zimmer in dem Gasbeleuchtung vorhanden iſt und die nicht mehr richtig
funktioniert haben ſoll. Beide kamen ſo in jammervoller Weiſe um ihr
Leben. Der Sohn konnte noch glücklich gerettet werden, liegt aber ſchwer
vergiftet darnieder. Man glaubt ihn am Leben zu erhalten. Der
ſehr=
angeſehenen Familie Hochſchild bringt man allſeits, ob dieſes ſchweren
Unglücksfalles, größtes Mitleid entgegen.
Bensheim, 9. Juli. Ehrenvoller Ruf. Dr. Glöckner vom
Bensheimer Lehrerſeminar verläßt in dieſen Tagen unſere Stadt, um in
die Dienſte der Regierung von Columbia zu treten. Als Mitglied einer
aus drei hervoragenden deutſchen Schulmännern beſtehenden Kommiſſion
hat er den Auftrag erhalten, das Volksſchul= und Lehrerbildungsweſen
in Columbia nach dem Muſter der deutſchen Schule umzugeſtalten. Als
namhafter Gelehrter, vor allem als Bearbeiter der Lorſcher
Urkunden=
ſammlungen erfreut ſich Dr. Glöckner hohen Anſehens.
— Niedernhauſen i. O., 10. Juli. Am Sonntag, 13. Juli, nachmittags
4 Uhr, veranſtaltet die Madrigral=Vereinigung des Herrn
Privatdozenten Dr. Noack zu Darmſtadt in hieſiger Kirche
ein Konzert, beſtehend aus Orgelvorträgen, Chor= und Sologeſängen.
b. Fränkiſch=Crumbach, 8. Juli. Am Sonntag nachmittag ereignete
ſich auf dem hieſigen Turnplatz ein bedauerlicher Unfall. Die jüngſte
Lochter des ausgewieſenen Bahnbeamten Spengler, von hier fiel beim
Turnen vom Reck und brach dabei den Arm. — Die Zahl der
Arbeits=
loſen iſt hier auf über 100 geſtiegen, da die Schuhfabrik ihren Betrieb
ganz eingeſtellt hat und die Zigarrenfabriken ihre Arbeiter zum größten
Teil arbeitslos gerieldet haben.
8 Gobdelau, 10. Juli. Die Beigeordnetenwahl findet am
kommenden Sonntag ſtatt. Wer von den Kandidaten den Sieg
davon=
tragen wird, ſtelt noch nicht feſt.
+ Kelſterbach a. M., 10. Juli. Der Gemeinderat hat die
Errichtung eine Sechsfamilienwohnhauſes beſchloſſen.
Kelſterbach a. M., 9. Juli. Feſtgenommen und ins
Unter=
ſuchungsgefängnis abgeführt wurde ein über 40 Jahre alter
Gelegen=
heitsarbeiter, der im Verdacht ſteht, mit noch ſchulpflichtigen Mädchen
ünerlaubten Verkehr gepflogen zu haben.
R. Mainz=Koſtheim, 7. Juli. Der V. Gau Rheinheſſen der
Deut=
ſchen Turnerſchaft hielt geſtern auf dem Turn= und Sportplatz des
Turn=
vereins von 1277 ſein 43. Gauturnfeſt ab. Die ganze Bevölkerung nahm
herzlichen Anteil an dieſem Feſte, das zu einem Volksfeſt wurde, wie es
ſchon lange kein Gauturnfeſt mehr war. Bereits am Samstag
nachmit=
tag fanden die erſten Wettkämpfe für die älteren Turner von 35 bis über
45 Jahre ſtatt, und anſchließend daran fand in altgewohnter Art die
Gauausſchuß= und Kampfrichterſitzung ſtatt, die einerſeits der
gedeih=
lichen Weiterentwickelung unſeres Turngeiſtes, andererſeits einer glatten
Erledigung der zahlreichen Wettkämpfe, und des ganzen Feſtes galten.
Inzwiſchen kamen die auswärtigen Turner und Feſtbummler in Scharen
und fanden in vielen Privatquartieren und, ſoweit dieſe nicht
ausreich=
ten, in Maſſenquartieren Untexkunft. Das eigentliche Feſt wurde am
Samstag abend durch einen Kommers eingeleitet, der außer turneriſchen
Vorführungen auch geſanglich durch den M.=G.=V. Koſtheim,
Geſang=
verein „Harmonie” und Geſangverein „Liedertafel” verſchönert wurde.
Von der Tribüne aus begrüßte der 1. Sprecher des feſtgebenden Vereins,
Herr Vogler, ſowie der Vertreter der Stadt Mainz, Herr Frenz, die
anweſenden Turner und Gäſte. Beſonders herzliche Worte fand der
Gauvertreter Biege, aus Amöneburg über die Turnſache als Volksſache
und als Dienſt am deutſchen Volk. Im Namen des Gauvorſtandes und
des abweſenden erſten Gauvertreters Schill übernahm er ſodann die
Feſtleitung und dankte dem vorbereitenden Ausſchuß für ſeine Arbeit.
Der Sonntag vormittag war von früher Morgenſtunde an ernſter
Ar=
beit gewidmet. Alles war bis ins Kleinſte gut vorbereitet, und ſo
wickelten ſich die Kämpfe flott ab. Zu den Wettkämpfen traten etwa
1000 Turner, geordnet in Ober=, Mittel= und Unterſtufen, an. Die
Pflichtübungen an den Geräten waren ſehr ſchwierig gehalten. Die
Wettkämpfer vergoſſen manchen Schweißtropfen, um einen ſchlichten
Eichenkranz zu erhalten. Am Nachmittag ſetzte ſich ein endloſer Feſtzug
in ſchönſter Ordnung nach dem Feſtplatz in Bewegung. Die Wettkämpfe
des Nachmittags riefen 90 Vereins= und Muſterriegen auf den Platz.
Auch hier wurden anregende ſchöne Leiſtungen gezeigt. Die in Maſſer
gekommenen Feſtteilnehmer konnten recht befriedigt werden. Daran
an=
ſchließend traten auf dem Feſtplatz etwa 1200 Turner zu den allgemeiner
Freiübungen an, welche unter der Leitung des Gauturnwartes Georg
Frey vorgeführt wurden. Um ½7 Uhr hatte der Berechnungsausſchuf
ſeine mühevolle Arbeit ſoweit beendet, daß die Siegerverkündigung
ſtatt=
finden konnte. Beſondere anerkennenswerte Leiſtungen hatte der
Turn=
verein Amöneburg zu verzeichnen. Dieſer konnte mehrere erſte Siege
mit nach Hauſe nehmen. Der ſchön verlaufene Tag endete mit einem
Feſtball. Am Montag fand für die hieſigen Einwohner ein Volksfeſt
ſtatt, an das ſich nachmittags ein Schüler= und Schülerinnenturnen
anſchloß.
N. Mainz=Koſtheim, 9. Juli. Am Montag, nachmittag, fiel beim
Spielen der 7 Jahre alte Sohn der Familie Reiß in den Main und
ertrank. Geſtern abend konnte das Kind als Leiche geländet werden,
Mainz, 10. Juli. Die Unterſchleife beim
Reichsver=
mögensamt Mainz. In dem Prozeß gegen die Angeſtellten des
Reichsvermögensamtes und ihre Helfershelfer wegen Unterſchleife beim
Reichsvermögensamt lautete das Urteil für Büttner auf ein Jahr einen
Monat Zuchthaus und 150 Goldmark Geldſtrafe, Petry und Günther je
1½ Jahre Gefängnis und 150 Goldmark Geldſtrafe, Hämmerlein 800
Goldmark Geldſtrafe und Hirſchſpiegel 200 Goldmark Geldſtrafe.
Wuche=
rer wurde freigeſprochen.
R. Mainz, 8. Juli. Am Sonntag nachmittag wurde in einer
Woh=
nung am Feldbergplatz bei einer franzöſiſchen Familie eingebrochen und
50 000 Franken geſtohlen. Der Täter konnte bisher noch nicht ermittelt
werden.
Mainz, 9. Juli. Beſprechung der rheinheſſiſchen
Handelskammern über Steuerfragen. Am Mittwoch fand
in der Handelskammer Mainz eine Beſprechung der Handelskammern
des beſetzten heſſiſchen Gebietes über die durch die Zulaſſung und
Durch=
führung der Steuernotverordnungen im beſetzten Gebiet geſchaffene Lage
ſtatt. Es kam allgemein zum Ausdruck, daß die ſich innerhalb eines
kurzen Zeitraumes zuſammendrängenden Steuerzahlungen von Handel
und Induſtrie, zumal bei der heute herrſchenden Kapital= und Kredit
knappheit und der überaus mißlichen Lage der Betriebe, nur unter den
denkbar größten Schwierigkeiten, wenn überhaupt, aufgebracht werden
können. In eingehender Behandlung wurden die einzelnen Reichs=,
Landes= und Gemeindeſteuern beſprochen und beſchloſſen, den zuſtändigen
Finanzbehörden begründete Anträge zu unterbreiten, die teils auf eine
Abänderung der Steuern, Verlegung der Friſten und Termine, teils auf
weitgehendſte zinsloſe Stundung und Herabſetzung der Verzugszuſchläge
hinzielen. Es konnte feſtgeſtellt werden, daß in einigen Punkten bereits
von den Finanzbehörden Entgegenkommen gezeigt worden iſt. Die
Han=
delskammern werden weiterhin bemüht bleiben, die bei der
Steuerein=
ziehung entſtehenden Härten zu mildern, ſoweit dies unter den
obwalten=
den Verhältniſſen möglich iſt.
k. Gießen, 8. Juli. Am Sonntag ertränkte ſich bei
Duten=
hofen ein junges Mädchen in der Lahn. Heute fanden Fiſcher die
Leiche mehrere hundert Meter ſtromabwärts. Es wurde feſtgeſtellt, daß
die Lebensmüde die 19 Jahre alte M. Hofmann aus Münchholzhauſen
iſt, welche in Atzbach bedienſtet war.
e= Gießen, 8. Juli. Das hieſige Reichswehrbataillon
veranſtaltet ſoeben eine Wollwoche in Verbindung mit größeren
Sammlungen von getragenen Kleidungsſtücken, Schuhen, Wäſche, Kinder=
und Säuglingswäſche. Hand in Hand damit ging der Blumentag,
welchen die hieſigen Frauenvereine ebenfalls zur Beſchaffung von Kinder
wäſche am Sonntag veranſtalteten. Die Blumenmädchen hatten Glück, da
gerade am Sonntag anläßlich des Gaufeſts der Radler viele Fremde hier
weilten. Die Reichswehrkapelle hielt bereits geſtern und heute gut be
fuchte Konzerte ab. Fahrzeuge der Reichswehr, begleitet von freiwilligen
Helfern, durchfahren die Stadt, um die Gaben abzuholen. Was eingeht,
wird dem Städtiſchen Wohlfahrtsamt übergeben und im kommenden
Winter an hilfsbedürftige Mitbürger ausgegeben.
t. Friedberg, 10. Juli. Wie von maßgebender Seite
mitge=
teilt wird, wurde der ſeitherige Kreisdirektor des Kreiſes
Fried=
berg, Herr Gräf, zum Provinzialdirektor der
Pro=
vinz Oberheſſen und zum Kreisdirektor des Kreiſes Gießen
ernannt. Ueber die Neubeſetzung der Kreisdirektorenſtelle
Fried=
berg iſt Entſcheidung noch nicht getroffen.
b. Friedberg, 8. Juli. Unter überaus zahlreicher Beteiligung der
Behörden, des Kreiſes und der Stadt Friedberg, fand heute nachmittag,
3 Uhr, in dem hieſigen Krematorium die Einäſcherung der Leiche
vrſtorbenen Provinzialdirektors Mathias ſtatt. Da die eigentl:
Leichenfeier ſchon in Gießen ſtattgefunden hatte, beſchränkte ſich die
hieſige Feier nur auf einen kurzen, aber eindrucksvollen Akt. Als
Geiſt=
licher ſprach ein Freund und Korpsbruder des Verſtorbenen, Pfarre
Bernbeck=Worms, dann legten noch Regierungsrat Göbel im Namen
des Kreiſes und Kreisamtes Friedberg, Beigeordneter Windecker Namens
der Stadt Friedberg und Major Hertel Namens der Schutzpolizei Kränze
mit ehrenden Nachrufen nieder. Der Verſtorbene hatte auch zu
Fried=
berg vielerlei Beziehungen, da ſein Großvater hier Direktor der Taub
ſtummenanſtalt und ſein Vater mehrere Jahre Kreisarzt war.
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Seite 9.
Reic und Austand.
* Unpolitiſche Tagesſchau.
Die weiteren Unterſuchungen des Förſtermordes auf dem Gur
Schen=
kendorf haben ergeben, daß der vom Kriminalkommiſſar Albrecht in Haft
genommene Otto Saſſe, auf den die Beſchreibung des geſuchten Täters
fiemlich genau paßte, und der ebenfalls ſehr verwildert iſt, nun dennoch
ticht als
der Mörder des Förſters Grünhoff
n Betracht kommt und bereits wieder auf freien Fuß geſetzt worden iſt.
AIs Täter hat man jetzt den ebenfalls 18jährigen Schlächterlehrling
Franz Saß in dringendem Verdacht. Nach Ausſage ſeines Vaters iſt der
ugendliche Franz Saß ſeit dem Mordtage verſchwunden. Der Vater, ein
hrbarer Handwerksmann, der durch den mißratenen Sohn ſchon vielen
Lummer erlitten hat, bekundet weiter, daß dieſer die geſchilderte
vier=
cige, gelbe Taſche ſelbſt in ſeiner Werkſtatt verfertigt habe, und daß er,
ſer Vater, nach allen Anzeichen, ſeinen Sohn für den geſuchten Mörder
alten müſſe. Der Flüchtige hat ſchon ſeit früher Jugend einen Hang
um Abenteuerleben, und war ſchon wiederholt für längere Zeit
ver=
chwunden. Er hatte bereits zwei Lehrſtellen als Schlächterlehrling
inne=
ehabt, doch der arbeitsſcheue Burſche lief ſeinen Lehrherren bald wieder
avon. Nachdem er längere Zeit arbeitslos war, fand er vor einigen
Vochen als Formerlehrling in einer Formerei und Eiſengießerei in
Teukölln Beſchäftigung. Am Tage vor der Tat entwendete er ſeinem
tehrherrn einen Trommelrevolver und eine Browningpiſtole, und am
Tage der Tat ſelbſt begab er ſich nicht zu ſeiner Arbeitsſtätte, ſondern
uhr nach Königswuſterhauſen. Den Schenkendorfer Forſt kennt er ſehr
ut, da er, während er arbeitslos war, oft dort hinging, um Holz zu
ammeln. Zu ſeiner 14jährigen Schweſter hat er einmal geäußert, daß
dabei eines Tages mit dem alten Förſter zuſammengeraten ſei. Auch
er ſterbende Förſter hat noch geſagt, daß er mit dem „gelben Menſchen”
hon vor einigen Monaten zuſammengetroffen ſei. Der Flüchtling, der
ur wenig Geld bei ſich haben kann, muß ſich noch in den Berliner
Wäl=
ern, jedenfalls zwiſchen Königswuſterhauſen und Neukölln, aufhalten.
da der Rundfunk ſofort in Tätigkeit trat und die in Frage kommenden
Zezirke kurze Zeit danach mit Polizei umſtellt wurden, dürfte ein
Ent=
ummen des Mörders ziemlich ausgeſchloſſen ſein.
*
Die Erregung und die Ausfälle die die Schandtaten des
Maſſen=
törders Haarmann in allen Kreiſen der Hannoverſchen Bevölkerung,
im ganzen Lande hervorgerufen haben, dehnen ſich nun in wachſendem
Naße auch gegen die dortige Polizei aus. Immer lauter werden die
nſchuldigungen, die man gegen ſie macht, und immer häufiger wirft
an ihr vor, durch zu ſpätes Eingreifen gegen einen Mann, der bereits
egen Mordverdacht verhaftek und als homoſexuell veranlagter Menſch
kannt war, deſſen Verbrechen gefördert zu haben. Die größte
Ent=
iſtung ruft jedoch der Umſtand hervor, daß die Polizei dieſen
verdäch=
gen Menſchen auch noch als Spitzel in ihren Dienſt geſtellt und ihn
idurch gewiſſermaßen in Schutz genommen hat. Die Hannoverſche
olizei ſieht ſich daher genötigt, ſelbſt
zur Mordaffäre Haarmann
der Tagespreſſe Stellung zu nehmen. Sie muß allerdings zugeben,
6 H. ihr durch Auskundſchaftungen über geſuchte Verbrecher Dienſte
leiſtet hatte. Sie gibt aber die feſte Erklärung ab, daß ſie erſt nach
* Verhaftung des H. von deſſen verbrecheriſchem Treiben Kenntnis er=
Iten hat. Trotz dieſer Verſicherung der Hannoverſchen Polizei hat ſich
s preußiſche Innenminiſterium nunmehr entſchloſſen, die Regelung
* ganzen Angelegenheit ſelbſt in die Hand zu nehmen. Mehrere
Be=
ite der Polizeiabteilung ſind von Berlin nach Hannover entſandt
wor=
n mit der Weiſung, die geſamten Maßnahmen der dortigen Polizei
dieſer Mordaffäre, insbeſondere nach der kriminaliſtiſchen Seite hin,
das genaueſte nachzuprüfen. Das gegen den Mörder eingeleitete
trafermittlungsverfahren weird auf die Ermittlungen
d Maßnahmen der hannoveraniſchen Kriminalpolizei,
erhaupt auf ihr ganzes Verhalten bei dieſer Angelegenheit,
aus=
dehnt.
Großfeuer im Frankfurter Weſthafen.
Frankfurt a. M. Morgens um 5¾ Uhr brach in einem
gro=
n Papierwarenlager im Weſthafen ein Brand aus, der das ganze
Ge=
ude mit ſeinen Vorräten ſowie einem darin befindlichen Laſtauto
völ=
vernichtete. Der Sachſchaden iſt erheblich. Die Aufräumungsarbeiten
hmen lange Zeit in Anſpruch. Perſonen kamen nicht zu Schaden.
Die Bühnentechniſche Tagung.
Beſichtigung des Wiesbadener Landestheaters.
Von unſerem Sonderberichterſtatter.
A.E. Frankfurt, 8. Jüli.
Den Abſchluß der diesjährigen bühnentechniſchen Tagung in
Frauk=
furt bildete eine Beſichtigung des bekanntlich im Bühnenhaus neu
auf=
gebauten Wiesbadener Landestheaters. Intendant Hagemann
be=
grüßte perſönlich die Mitglieder der Genoſſenſchaft Deutſcher
Bühnen=
angehöriger und die anderen Teilnehmer der Tagung, zugleich auch im
Namen des preußiſchen Kultusminiſteriums. Nach der Begrüßung durch
den Ortsverband ergriff der Leiter des Theaterumbaus, Baurat
Ber=
leth=Wiesbaden, das Wort zu einer Begrüßung der Gäſte im Namen
des Magiſtrats. Er gab dann einen Ueberblick über die Geſchichte des
Aufbaus und der dabei im wefenklichen vorgenommenen baulichen und
techniſchen Neuerungen. Der Brand war bekanntlich im März v. J.
aus=
gebrochen. Im Dezember konnte bereits wieder der Theaterbetrieb
auf=
genommen werden. Trotz des Entgegenkommens der Franzoſen waren
ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden; die Bauteile mußten von
Frankfürt per Laſtwagen herangeholt werden. Zeit und Koſten wirkten
natürlich in erſter Linie beſtimmend. An der unteren Maſchinerie iſt als
einzige weſentliche Neuerung die Umwandlung der hinteren
Ver=
ſenkung in eine Plateauverſenkung zu erwähnen. Die alte Beleuchtung
wurde durch Nundhorizontbeleuchtung ergänzt. Neu iſt auch die indirekte
Rampenbeleuchtung, die heute auch gern bei den Schauſpielern geſehen
wird.
Bezüglich des Feuerſchutzes mußten natürlich ganz beſondere
Maßnahmen getroffen werden. Im Bühnenhaus iſt eine automatiſche
Feuermeldeanlage von Siemens u. Halske eingerichtet worden. Die
Vorhangberieſelung, die ſeinerzeit nicht funktionierte, iſt jetzt mit der
automatiſchen Feuermeldeanlage in Verbindung gebracht. Bei dem
ſei=
nerzeitigen Brand ſtürzte das Dach ein, wodurch der Rauch abziehen
konnte, ſodaß alſo auch Perſonen ſich hätten unbedingt retten können.
Dies hat man bei dem Reubau zur Lehre genommen und trotz der
feuer=
polizeilichen Vorſchriften eine faſt 80 Quadratmeter große Fenſteröffnung
in der Dackkuppel angebracht. Im Fall eines Brandes öffnen ſich die
Klappen elektro=automatiſch, es entſtehen freie Abzugsöffnungen die durch
Drehklappen in den Wänden noch dermehrt werden.
Mit einer Beſichtigung der Wiesbadener Maſchinenfabrik und einer
Rheinreiſe nahm die Tagung ihr Ende. Als nächſtjähriger Tagungsort
kommt Berlin oder Wiesbaden in Frage.
Die Würzburger Tagung der deutfchen Zollbeamten.
Der „Bund deutſcher techniſcher Zollbeamten” hat auf ſeinem 22.
Bundestage in Würzburg am 14. Juni ds. Js. u. a. zu der Frage der
Neuorganiſation der Reichsfinanzverwaltung Stellung genommen.
Dieſe Frage dürfte für die deutſche Wirtſchaft von erheblicher Bedeutung
geworden ſein, nachdem das Sachverſtändigen=Gutachten neben den
Eiſen=
bahn= und Induſtrie=Obligationen als weitere Sicherheiten für die
Repa=
rationszahlungen die Einnahmen aus den Zöllen und den
Verbrauchs=
ſteuern von Alkohol. Tabak, Bier und Zucker verlangt. Weiterhin war
die Erörterung der Neuorganiſation der Reichsfinanzverwaltung in Fluß
gebracht worden, nachdem in einer Denkſchrift der bayeriſchen
Regie=
rung an die Reichsregierung über den Mangel eines geordneten
über=
ſichtlichen Finanzweſens im Reiche und in den Ländern Klage geführt iſt.
Zur Beſeitigung dieſes Zuſtandes wurde von Bayern eine Aenderung
des Finanzweſens des Reiches von Grund aus und in der Richtung
ge=
fordert, daß entſprechend der im alten Bismarckſchen Reiche geltenden
Regelung die indirektn Steuern dem Reiche, die direkten Steuern den
Ländern zuerkannt und die Verwaltung ſämtlicher Reichsſteuern den
Ländern übertragen wird.
Der „Bund deutſcher techniſcher Zollbeamten” hat daher folgende
Entſchließung gefaßt:
„Die Verreichlichung der früheren einzelſtaatlichen Zollverwaltungen
auf Grund des Artikels 83 der Reichsverfaſſung entſprach nicht nur dem
Wunſche der deutſchen Zollbeamten ſowie der Meinung führender
Män=
ner in Wirtſchaft und Politik, ſondern ſie ergab ſich naturnotwendig aus
den Aufgaben der Zollverwaltung als Vollſtreckerin einer nationalen
Wirtſchaftspolitik des Reiches.
Die Verkuppelung der Zollverwaltung mit der Verwaltung der
direkten Steuern, der Reichsſchatzverwaltung und der
Reichsbauverwal=
tung zu einer gemeinſamen, die einzelnen Glieder feſſelnden
Reichs=
finanzverwaltung mit ihrer bezirklichen Ueberorganiſation in den
Lan=
desfinanzämtern ſowie die Verſuche, die Zollverwaltung ohne Rückſicht
auf ihre ſachlichen Bedürfniſſe lediglich einer unangebrachten Gleich=
macherei zuliebe in ihrer Verwaltungs= und Perſonalorganiſation den
Verkehrsverwaltungen anzupaſſen, haben die Zollbeamten mit Sorge
erfüllt. Wie ſchon des Oefteren, erhebt auch heute der „Bund deutſcher
techniſcher Zollbeamten” ſeine warnende Stimme. Im Intereſſe einer
nationalen Wirtſchaftspolitik, die ſich nach dem demnächſtigen Ablauf der
für ſie drückenden Beſtimmungen des Verſailler Diktats durch Abſchluß
von Handelsverträgen auf der Grundlage der Meiſtbegünſtigung uſw.
wieder ermöglichen laſſen wird, fordert der „Bund deutſcher techniſcher
Zollbeamten”, damit die Zollverwaltung wieder frei von den heutigen
Rückſichten auf andere Vevwaltungszweige und ſogar fremde
Verwaltun=
gen die Maßnahmen treffen kann, die auf ſachlichem und perſönlichem
Gebiet erforderlich ſind, zur wirtſchaftlichen Geſtaltung der
Zollverwal=
tung, wie dies in den verfloſſenen hundert Jahren anerkanntermaßen
der Fall war, eine ſelbſtändige, unter fachmänniſcher Leitung ſtehende
Reichszollverwaltung.”
Ein neues ſchweres Autounglück.
St. Wendel. Ein ſchweres Automobilunglück ereignete ſich geſtern
morgen in der Nähe von St. Wendel. Von einem Verkehrsauto, das
Bergleute zur Bahn bringen wollte, riß die Kette und der Wagen fuhr
gegen zwei am Wege ſtehende Bäume. Ein junger Mann wurde
ge=
tötet, ſieben Bergleute ſchwer und einer leicht verletzt.
Wieber ein ſchweres Automobil=Unglück.
Bayreuth. Bei der Halteſtelle Röhrenſee der Lokalbahn
Bay=
reuth—Thurnau ereignete ſich ein entſetzliches Unglück. Ein vom
Schützenfeſt heimkehrendes Mietauto fuhr in voller Fahrt über den
ſchrankenloſen Bahnübergang in den einfahrenden Perſonenzug
hin=
ein. Von den ſechs Inſaſſen wurden zwei Damen und zwei Herren
ſofort getötet und bis zur Unkenntlichkeit verſtümmelt. Es ſind dies
die Fabrikantengattin Wild aus Bayreuth und zwei auswärtigen Schützen
namens Eberhard und Haller. Eine weitere Dame wurde ſchwer und
eine leicht verletzt. Das Unglück ſoll dadurch entſtanden ſein, daß der
Chauffeur im letzten Augenblick noch bremſen wollte, ſtatt mit Vollgas
weiterzufahren, um noch vor dem Zug den Bahndamm überqueren
zu können.
Geſchäftliches.
Solbad Wimpfen am Neckar. Fern vom Heſſiſchen
Mutter=
land, an der Strecke Heidelberg—Heilbronn, liegt ein köſtliches
Stück=
chen heſſiſchen Landes, das leider noch viel zu wenig von Heſſen aus
beſucht wird. Wimpfen am Neckar, das „Heſſiſche Rothenburg”,
bietet ein getreues Bild einer mittelalterlichen Stadt mit ſeiner ſtolzen
Kaiſerpfalz der Hohenſtaufen, den Arkaden, Kreuzgängen, Mäuerchen,
Toren und Türmen und den köſtlichen Brunnen. Seine heilkräftige
Sole, die waldreiche Umgebung und die prächtige Lage, 200 Meter hoch,
ſteil über dem Neckar haben es zu einem beliebten Solbad= und Luftkur=
ort und zum Ausgangspunkt für die Neckarwanderungen gemacht. Das
völlig renovierte, behaglich eingerichtete Kurhotel Mathildenbad
bietet durch ſeine angemeſſenen Preiſe einen idealen Ferienaufenthalt.
Wer einmal den Blick von den Terraſſen des Kurhauſes auf das
un=
vergleichliche Fernpanorama des burgenreichen Neckartales hat ſchweifen
laſſen, iſt des Lobes voll und ſtolz — daß es zum „Heſſenländle” gehört.
Gotte3dienſt in der Synagoge der Fſrgel. Religionsgeſellſchaft.
— Morgens
Samstag, den 12. Juli. Vorabend 7 Uhr 35 Min.
7 Uhr 45 Min. — Nachm. 5 Uhr. — Sabatausgang 9 Uhr 30 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr. — Nachm. 7 Uhr 30 Min.
Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Vorausſage für Samstag, den 12. Juli:
Allgemein heiter und warm, Neigung zu Gewitterſtrömungen.
Tageskalender.
Landestheater, Kleins Haus, Sommerſpielzeit Bruno Harprecht,
abends 8 Uhr: „Ein Fehltritt”. — Union=, Reſidenz=Theater,
Palaſt=
lichtſpiele: Kinovorſtellung.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauv=
Verantwortli
für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſ=
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußdienit: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: 2. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Rummer hat 12 Seiten
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Das Heſſ. Miniſterium der Finanzen
hat auf Grund Ermächtigung des
Finanz=
ausſchuſſes des Heſſ. Landtags, die
vor=
läufige ſtaatliche Gewerbſteuer für
1924 für die ab 1. Juli ds. Js.
fälli=
gen Ziele auf 60” der
Vorauszah=
lungen auf die Reichseinkommen=, bezw.
(8948
Körperſchaftsſteuer feſtgeſetzt.
Darmſtadt, den 8. Juli 1924.
Finanzamt Darmſtadt=Stadt.
der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe
Darmſtadt, Blumenthalſtraße 7,
Es werden hiermit gemahnt:
1. Die Beiträge der Freiwilligen und
Unſtändigen für Monat Juni:
2. Die Beiträge der Arbeitgeber für
Mo=
nat Mai.
Die Beiträge können noch ohne Koſten
bis einſchließlich Dienstag, den 15.
ds. Mts., auf unſerem Büro
einge=
zahlt werden.
Ab Mittwoch, den 16. d8. Mts.,
wer=
den bei den Freiwilligen und
Unſtändi=
gen die geſetzlichen Mahngebühren
er=
hoben. Arbeitgeber, die ſich mit den
Beiträgen für Mai im Verzuge befinden,
haben ab 16. ds. Mts. gemäß den
geſetz=
lichen Beſtimmungen 3½ Zuſchlag, für
jede Woche des Verzuges zu entrichten.
7..
oi
Mitteilung an die Ardeitgeber.
Bei den Arbeitgebern kommen jetzt
ur Erhebung die Beiträge der 4 Wochen
füir die Zeit vom 2. bis 29. Juni 1924.
Darmſtadt, den 10. Juli 1924. (8937
Der Vorſtand:
Knoblauih, I. Vorſitzender,
ſor
nK=
zuletz
ehra
und
Glan=
onaler
N viele
däiſches
Hilf
Ver=
kleider
kleider=
bern
Liſſio
mhe
Ife, di
IIt
M
h neue
n dem
iſenach
II auch
zu ſein
aubens
ecker
m. der
n mit
lautet,
itſchen
einzöll
e, die
vürde,
itſchen
baues
Han=
iltung
e der
kennt.
ffent=
V
aut=
en
en=
ahr
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8
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23,
Seite 10.
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Nummer 4
BETLAGE DES DARHSTADTER
L ATT
11. Julä 1924
Zweineue Lokomotiven
Von
Dipl.-Ing. Schaumann, Frankfurt.
In dieſem Frühjahr wurde von der Friedrich Krupp A.=G.
(Eſſen) der Bau der erſten Turbinenlokomotive fertiggeſtellt. Die
Maſchine macht zurzeit ihre Probefahrten. Eine Abnahme durch
die Reichsbahn konnte, ſoweit bekannt, wegen der Beſetzung des
Ruhrgebiets noch nicht erfolgen. Gleichzeitig mit dem Bau der
Turbinenlokomotiven ſchreitet die Arbeit an der
Vervollkomm=
nung und Vergrößerung der neuen Dieſellokomotiven fort. So
hat z. B. die Maſchinenbaugeſellſchaft Karlsruhe im Verein mit
den Badener Lokomotivfabriken einige Dieſellokomotiven
klei=
nerer Leiſtungen (30 und 60 PS.) herausgebracht und iſt zurzeit
mit der Konſtruktion größerer Einheiten beſchäftigt.
Wodurch unterſcheiden ſich nun die neuen Maſchinen von
unſeren alten bekannten Lokomotiven? Beginnen wir zunächſt
mit der Turbinenlokomotive. Schon ihr Name ſagt, daß an
Stelle des alten Antriebs, durch zwei oder mehrere
Dampf=
zylinder mit Kolben der Dampfturbinen=Antrieb geſetzt iſt. Wie
dies im einzelnen durchgeführt iſt, werden wir weiter unten
ehen. Welche Vorteile bietet nun die Dampfturbine gegenüber
der Dampfmaſchine? Man kann hier vier weſentliche Punkte
hervorheben: 1. Fortfall der Verluſte durch
Eintrittkondenſa=
tion. Während nämlich bei der Kolbendampfmaſchine der
Zy=
linderraum abwechſelnd von Friſchdampf und expandiertem
Dampf erfüllt iſt, was zu einer mittleren Temperatur der
Zy=
inderwände führt, die unter der Temperatur des eintretenden
Dampfes liegt, wird bei der Dampfturbine infolge des
gleich=
mäßigen Durchſtrömens der Dampfmenge die Wandtemperatur
die der Dampftemperatur ſein. 2. Fortfall der Verluſte durch
Endexpanſion. Aus konſtruktiven Rückſichten läßt ſich nämlich
der Dampfzylinder nicht ſo lang bauen, um die Expanſion
reſt=
os auszunutzen, während dies bei der Turbine ohne
konſtruk=
tive Schwierigkeiten möglich iſt. 3. Fortfall der Verluſte durch
Maſſenbeſchleunigung. In der Kolbenmaſchine müſſen die hin
und her gehenden Teile, wie Kolben, Kolbenſtange und
Kreuz=
opf, immer von neuem beſchleunigt werden, was Energieverluſte
bedeutet. 4. Geringerer Raumbedarf und kleineres Gewicht bei
lleicher Leiſtung.
Alle dieſe Vorteile zuſammen drücken ſich in einem
gerin=
feren Kohleverbrauch je PS.=Stunde aus. Bei der Lokomotive
ommt noch der Vorteil hinzu, daß bei der Verwendung von
Turbinen als Antriebsmaſchinen erſtmalig der
Kondenſations=
ſetrieb angewandt werden konnte. Hierdurch wird einmal ein
peſentlich höheres Wärmegefälle für die Arbeitsleiſtung nutzbar
ſemacht, andererſeits aber die Möglichkeit geſchaffen, dauernd
ſenſelben Wärmeträger, d. h. dasſelbe Waſſer, zu verwenden,
bodurch ſich wiederum bedeutende Erſparniſſe erzielen laſſen.
Zei den Kolben=Dampfauspuff=Maſchinen gehen mit jedem
aus=
uffenden Dampf beträchtliche Wärmemengen verloren.
Da=
urch, daß ſtets neues Waſſer hinzugeſetzt werden muß, das aus
en bekannten Hydranten entnommen wird und nicht enthärtet
ſt, werden durch Abſcheidung der Mineralien im Keſſel teure
Feſſelreinigungen und Reparaturen bedingt. Bei den alten
Zokomotiven ließ ſich Kondenſationsbetrieb nicht durchführen,
geil die Dimenſionen der Zylinder zu groß ausgefallen wären,
erner das Kondenſat wegen des mitgeriſſenen Zylinderſchmier=
Is nicht rein gewonnen werden konnte, wodurch wiederum teure
Feſſelreparaturen nötig geworden wären.
Nicht wo die goldene Ceres lacht
Und der friedliche Pan, der Fluren behüter
Wo das Eiſen wächſt, in der Berge Schacht
Da entſpringen der Erde Gebieter.
(Braut von Meſſina.)
*
Tauſend fleißige Hände regen,
Helfen ſich im muntern Bund,
Und im feurigen Bewegen
Werden alle Kräfte kund.
Meiſter rührt ſich und Geſelle
In der Freiheſt heil gem Schutz,
Jeder freut ſich ſeiner Stelle,
Bietei dem Verächter Trutz.
(Cied von der Glocke, Schiller, 1759—1805)
Während die Turbinenlokomotive ein Entwicklungsſtadium
in der Reihe der Dampflokomotiven darſtellt, iſt die
Dieſelloko=
motive ein neues Problem, das gleichzeitig mit der Erfindung
der Dieſelmaſchine auftauchte. Wärmewirtſchaftlich ſtellt die
Dieſelmaſchine unſere beſte Kraftmaſchine dar. Die
Energie=
umſetzung erfolgt bei ihr, wie bei allen
Verbrennungskraft=
maſchinen, von der chemiſchen über die Wärme= zur mechaniſchen
Energie in demſelben Raume, dem Zylinder. Daß man
ver=
uchte, dieſen Vorteil auch für die Lokomotiven auszunutzen,
liegt auf der Hand. Schwierig war nur die konſtruktive
Durch=
bildung, weil verlangt werden muß, daß die Maſchine in jeder
Stellung unter Vollaſt anſpringt. Dies wurde auf folgende
Weiſe erreicht: Zwiſchen der Kraftmaſchine und dem
Räder=
antrieb iſt eine elaſtiſche Kupplung in Geſtalt eines
Lenz=
getriebes eingeſchaltet. Dieſes Getriebe beſteht aus einer durch
die Dieſelmaſchine angetriebenen Oelpumpe in Verbindung mit
einer durch das Oel der Pumpe getriebenen Oelturbine. Die
Welle der Turbine iſt als Blindwelle ausgebildet und treibt
mittels Treibſtange und Kuppelſtangen die Räder an. Der
Wirkungsgrad dieſes Getriebes ſoll über 95 Prozent betragen,
ſo daß die Verluſte hierdurch nur gering ſind. Die Arbeitsweiſe
iſt nun ſo, daß die Dieſelmaſchine dauernd läuft und die
Oel=
pumpe antreibt. Wird nicht gefahren, ſo läuft das Oel durch
eine beſondere Umlaufleitung faſt reibungslos um, und der
Kraftbedarf und Brennſtoffverbrauch iſt entſpechend gering. Wird
die Oelturbine eingeſchaltet, ſo reguliert ſich automatiſch die
Füllung der Dieſelmaſchine, die Leiſtung ſteigt, die Drehzahl der
Dieſelmaſchine bleibt konſtant. Es iſt verblüffend, wenn man
zum erſten Male ſieht, wie leicht und ſtoßfrei dieſe neue
Loko=
motive anfährt. Die Geräuſche der Dieſelmaſchine ſind durch
Schalldämpfer auf ein Minimum herabgeſetzt, ſo daß auch in
dieſer Beziehung die Dieſellokomotive der Dampflokomotive
nicht nachſteht. In der Abbildung 2 iſt der Aufbau der
Loko=
motive angedeutet. Der Führerſtand (1) iſt hier in der Mitte
der Maſchine angeordnet. Eine mehrzylindrige Dieſelmaſchine
(2) treibt mittels durchgehender Welle das Lenzgetriebe (3), von
67
A
(0—GA.
S..... . . . .N. -4
13t 2
Abbildung 1. Turbinenlokomotive der Fried. Krupp A.-G.
Der Aufbau der neuen Lokomotive iſt aus der Abbildung 1
rſichtlich. Die Umſetzung der chemiſchen Energie der Kohle in
Värmeenergie erfolgt, wie bisher, in der Feuerbuchſe (1). Die
deizgaſe durchziehen in den Rauchrohren den Keſſel (2) und
eben einen Teil ihrer Wärme an das Waſſer zur
Dampferzeu=
ung ab. Der erzeugte Dampf wird dem Dom (3) entnommen,
urch Ueberhitzerrohre (4) zur Ueberhitzung noch einmal an den
Fauchgaſen vorbeigeführt und in eine der beiden unter der
kauchkammer (5) liegenden Turbinen (6, 7, Vorwärts= und
tückwärtsturbine) zur Arbeitsleiſtung geleitet. Nach dem
Ver=
aſſen der Turbine tritt der Dampf in den Kondenfator (8) und
dird hier niedergeſchlagen. Eine Pumpe (9) führt das
Konden=
at durch den Speiſewaſſervorwärmer (10) dem Keſſel wieder
u. Von der Turbine, deren Drehzahl zwiſchen 6000 und 8000
Minute liegt, wird die Energie durch Zahnradüberſetzung (11
uuf eine Blindwelle (12) übertragen. Dieſe treibt ihrerſeits
nittels der bekannten Treib= und Kuppelſtangen die Räder der
okomotive an. Um die in den Kondenſator durch
Undichtig=
eiten eingedrungene Luft zu entfernen, iſt eine beſondere
Luft=
umpe (13) vorgeſehen. Das Kühlwaſſer wird dem
Konden=
ator durch eine Kühlwaſſerpumpe (14) von dem Tender aus
ugeführt und zur Rückkühlanlage zurückgepumpt. Die
Rück=
ühlanlage (15) beſteht aus einem Behälter auf dem Tender,
er mit kleinen. Rohrſtücken gefüllt iſt, über die das Waſſer
ſerabrieſelt, während von unten durch einen Ventilator (16)
alte Luft entgegen geblaſen wird. Um ſchließlich den
erforder=
ichen Zug für die Feuerung zu erhalten, iſt ein beſonderer
Zentilätor (17) vorgeſehen, der aus der einen Hälfte der
zwei=
eiligen Rauchkammer die Heizgaſe anſaugt und durch die andere
inaus drückt. (Bei den Lokomotiven mit Auspuff wird dies
urch Düſenwirkung des austretenden Dampfes bewirkt.)
Alle Hilfsmaſchinen werden durch Zwiſchendampfentnahme
us der Hauptturbine betrieben, können aber auch mit
Friſch=
ampf geſpeiſt werden. Für die Erzeugung des Heizdampfes
t ein beſonderer kleiner Keſſel innerhalb des Hauptkeſſels
vor=
eſehen, weil dieſer Dampf nicht zurückgewonnen wird und der
Laſſererſatz aus Hydranten das Keſſelſpeiſewaſſer bald
un=
rauchbar machen würde.
Wie die Ausführungen zeigen, iſt die Lokomotive weſentlich
omplizierter als die Kolbenlokomotive, weshalb natürlich die
inlagekoſten auch entſprechend höher ſind. Für die
Wirtſchaſt=
ichkeit iſt deshalb die Lebensdauer der neuen Lokomotiven von
usſchlaggebender Bedeutung. Da die Friedrich Krupp A.=G.
ie Kohleerſparnis mit mindeſtens 20 Prozent angibt, ſo kann
eſagt werden, daß die Amortiſation der Anlage=Mehrkoſten
ald erfolgt ſein wird, ſofern nur für einen guten
Beſchäſti=
ungsgrad geſorgt wird.
dem die Kraft durch Schubſtangen auf die Räder übertragen
wird. Da die Maſchine für Vorwärts= und Rückwärtsgang
ge=
baut iſt, beſitzt ſie zwei Kühler (4 und 5) an den Stirnſeiten,
in denen das Waſſer, das zur Kühlung des Motorzylinders dient,
rückgekühlt wird.
Für die Frage der Wirtſchaftlichkeit dieſer neuen Lokomotive
ſind die Brennſtoffkoſten ein weſentlicher Faktor. Der
Brenn=
ſtoffverbrauch ſelbſt iſt gering, was ſchon durch den Hinweis
auf ihren hohen Wärmewirkungsgrad erwähnt wurde. Die
Frage iſt, ob überhaupt genügend Brennſtoff vorhanden iſt, bzw.
herbeigeſchafft werden kann, ohne vom Ausland zu ſehr abhängig
zu werden. Hierzu iſt zu ſagen, daß die neuen Erfolge auf dem
Gebiet der Kohleforſchung die Lage ſehr günſtig beurteilen
laſſen. Es iſt gelungen, mit Hilfe von hochkomprimiertem
Waſſerſtoff die Kohle faſt vollſtändig in flüſſigen Brennſtoff
um=
zuwandeln, wodurch gleichzeitig der Heizwert ganz beträchtlich
geſteigert wird. Auf dieſelbe Weiſe ſcheinen ſich minderwertige
Braunkohlenteeröle in hochwertige Brennſtoffe verwandeln zu
laſſen. Die Zukunft der Dieſellokomotive ſieht alſo unter dieſer
Berückſichtigung nicht ungünſtig aus.
Abbildung2. Diesellokomotive.
Neben dieſen beiden neuen Lokomotiven, die ſich ihr Feld
erſt erobern müſſen, ſteht die elektriſche Lokomotive, die überall
dort, wo billige Stromkräfte zur Verfügung ſtehen, Eingang
ge=
funden hat. Mit dem weiteren Ausbau der Waſſerkräfte wird
ſie die anderen Lokomotiven immer mehr verdrängen. Aber bis
ur Verwirklichung derartiger weitblickender Pläne wird noch
mancher Tag vergehen, ſo daß den nichtelektriſchen Lokomotiven
noch ein großes Arbeitsfeld offen ſteht. Es iſt deshalb nur zu
begrüßen, wenn auch auf dieſem Gebiet Fortſchritte gezeitigt
werden, wie ſie fraglos die beiden geſchilderten Lokomotivtypen
darſtellen,
Wiedergewinnung
leichtflüchtiger Stoffe.
HI. Aktive Kohle und Silica Gel-
Von
Dr.=Ing. O. Fuchs-Wollmetingen.
Es iſt das Verdienſt der Farbenfabriken vormals Friedrich
Bayer u. Co., zum Zwecke der Wiedergewinnung flüchtiger Stoffe
das Verfahren der Adſorption der Dämpfe an ſogen. aktive Kohle
ausgeſtaltet und in die Technik eingeführt zu haben. Daß
Holz=
kohle ein gutes Adſorptionsmittel für Gaſe und Dämpfe iſt, war
ſchon lange bekannt. Es ſei z. B. auf den bekannten Verſuch
hin=
gewieſen, etwas trockenes Ammoniakgas in einer oben
geſchloſ=
ſenen Röhre durch Queckſilber abzuſperren und dann ein paar
Holzkohleſtüickchen hineinzubringen: dieſe abſorbieren ſehr raſch
das Ammoniakgas, und das Queckſilber ſteigt dementſprechend
in der Röhre an, um ſie ſchließlich völlig zu erfüllen, ſofern dem
Ammoniakgas keine Luft beigemiſcht war.
Techniſche Anwendung hatte dieſe Erſcheinung in den
De=
warſchen Gefäßen mit evakuiertem Hohlmantel zum Transport
der flüſſigen Luft gefunden. Deren Vakuum verbeſſerte man
durch Hineinbringen von etwas Holzkohle, deren
Adſorptions=
wirkung infolge der tiefen Temperatur hier außerordentlich ſtark
ſt. Sehr wichtig wurde dann ſolche aktive Kohle im Krieg als
Füllmaterial für die Gasmaskeneinſätze. Die meiſten der
ver=
wendeten Gift= und Reizſtoffe werden aus der eingeſogenen Luft
durch die aktive Kohle des Einſatzes ſo vollſtändig
herausgenom=
men, daß eine brauchbare Atemluft erhalten wird. Es glückte
insbeſondere dem „Verein für chemiſche und metallurgiſche
Pro=
duktion” in Auſſig, eine beſonders wirkſame und zugleich
mecha=
niſch genügend widerſtandsfähige Kohle für ſolche Zwecke
herzu=
ſtellen. Den „Farbenfabriken” iſt es gelungen, die mechaniſchen
Eigenſchaften, die bei der Anwendung im Großen in der Technik
von erhöhter Bedeutung ſind, noch weiter zu verbeſſern.
Aehnlich wie Kohle wirkt aus Aluminiumſalzen gefällte und
in beſtimmter Weiſe getrocknete Tonerde, ferner aus Waſſerglas
durch Säuren abgeſchiedene Kieſelſäure. Allen dieſen Stoffen
iſt eine porige Struktur eigentümlich, ſie ſind durchzogen von
un=
geheuer vielen feinen Kanälen (Kapillaren), ſie beſitzen dadurch
eine Oberfläche, die vielmals größer iſt als die augenſcheinliche.
Nach Meſſungen von E. Berl und K. Andreß beſaß z. B. die
Skelettſubſtanz einer ſolchen aktiven Kohle die Dichte 1,83,
wäh=
rend die ſcheinbare Dichte des einzelnen Kohleſtückchens ſich zu
0,674 ergab, wonach alſo der auf die inneren Hohlräume
ent=
allende Anteil 63 Prozent des Geſamtraumes ausmacht. Die
aufſaugende Wirkung eines Schwammes gibt nur ein ganz rohes
Bild von der Adſorptionswirkung der genannten Stoffe, was
man u. a. daraus erkennt, daß 1 Kg. Kohle, mit einem halben
Liter einer adſorbierbaren Flüſſigkeit übergoſſen, ſich immer noch
vollkommen trocken anfühlt. Der weſentliche Unterſchied liegt in
der außerordentlichen Feinheit und gleichzeitig der großen
Menge der aufſaugenden Kapillaren bei Kohle und ähnlichen
Subſtanzen. Theoretiſche Betrachtungen ergeben in
Ueberein=
ſtimmung mit der Beobachtung, daß bei der Aufſaugung in
Ka=
pillaren von ſolcher Feinheit bezw. bei Benetzung der ungeheuer
großen „inneren Oberfläche” in Schichten von nur molekularer
Dicke eine weſentliche Erniedrigung des Dampfdruckes des
ad=
ſorbierten Stoffes erzielt wird, wie ſie vergleichsweiſe etwa nur
durch Tiefkühlung mit flüſſiger Luft erreicht werden könnte.
Aeußerlich kommt dieſe Veränderung zum Ausdruck in der
be=
deutenden Erwärmung bei der Adſorption, der ſogenannten
Be=
netzungswärme, die ſich, wenn anſtelle der Flüſſigkeit der Dampf
desſelben Stofſes adſorbiert wird, noch um deſſen
Kondenſations=
wärme vermehrt. Man kann, nach dem Vorſchlag von Berl und
Andreß, dieſe Benetzungswärme geradezu als Maß für die
Ad=
ſorptionskraft eines zu prüfenden Materials benutzen.
Der prinzipielle Unterſchied zwiſchen der Adſorption an
Kohle und der Abſorption durch ein geeignetes Abſorptionsmittel
zeigt ſich beſonders deutlich, wenn man die Aufnahmefähigkeit
beider Stoffe für einen beſtimmten flüchtigen Stoff in
verſchie=
denen Verdünnungen prüft, ſo geben E. Berl und W. Schwebel
umſeitiges Diagramm für die Aufnahme von Aetherdampf aus
Luft durch aktive Kohle und durch das von Prégeat verwendete
Kreſol.
Man ſieht daraus ohne weiteres die außerordentliche
Ueber=
legenheit der aktiven Kohle für den Fall, daß der
wiederzuge=
winnende Stoff in größerer Verdünnung vorliegt. Wäre das
Henryſche Geſetz ſtreng erfüllt, ſo müßten die Kurven für die
Beladung des Kreſols mit Aether mit ſteigendem
Aetherdampf=
gehalt der Luft geradlinig anſteigen. Die durch Verſuche
ermit=
telten Kurven weichen etwas von geraden Linien ab; auf jeden
Fall aber wird, wie ihr Verlauf zeigt, bei geringem
Aether=
gehalt der Luft durch Kreſol außerordentlich wenig
aufgenom=
nen. Die Kurven, die die Beladung der aktiven Kohle mit
Aetherdampf kennzeichnen, verlaufen gerade im Anfangspunkt
des Diagramms, für kleine Aetherdampfgehalte der Luft,
grund=
ſätzlich anders; es wird hier ſchon annähernd dieſelbe Beladung
der Kohle erzielt, wie bei vielfach höheren
Aetherdampfkonzen=
trationen, und durch die Kohle ein Vielfaches von dem
aufgenom=
men, was Kreſol unter denſelben Umſtänden aufzunehmen
ver=
mag. Außerdem verrät das Diagramm, das die Kurvenzüge für
zwei verſchiedene Temperaturen, 0 Gr. und 20 Gr. enthält, einen
weiteren Vorzug des Adſorptionsmittels vor dem
Abſorptions=
mittel: die Aufnahmefähigkeit der Kohle wird durch höhere
Tem=
peratur längſt nicht in dem Maß beeinträchtigt, wie die des
Kre=
ſols. Bei 20 Gr. büßt Kohle, im Vergleich mit 0 Gr., nur rund
25 Prozent, das Kreſol 55 Prozent ſeines Auſnahmevermögens
für Aether ein.
Während bei der Wahl eines geeigneten Abſorptionsmittels
meiſt der chemiſche Charakter des fluchtigen und des
abſorbieren=
den Stoffes von Bedeutung iſt, treten bei der Adſorption die
phy=
ſikaliſchen Eigenſchaften in den Vordergrund. Ein Stoff wird,
und zwar ziemlich gleichmäßig von allen Adſorptionsmitteln, um
ſo reichlicher adſorbiert, je ſchwerer er flüchtig und je höher ſein
Molekulargewicht iſt. Ferner zeigt ſich, daß gemäß dieſen
Ge=
ſichtspunkten ein Stoff den anderen aus dem Adſorptionszuſtand
verdrängen kann, beiſpielsweiſe alſo der Aethylalkohol, der höher
ſiedet und das größere Molekulargewicht hat, den Methylalkohol.
Durch ſtarkes Erhitzen kann man den von der aktiven Kohle
feſtgehaltenen Stoff wieder austreiben, doch ſind im Gegenſatz zu
dem Verhalten des in Abſorptionsmitteln gelöſten Stoffes, zur
vollſtändigen Austreibung Temperaturen weit über ſeinem
Siedepunkt erforderlich. Man kommt mit niedrigeren
Tempera=
turen aus, wenn man die Kohle gleichzeitig mit einem geeigneten
Gas oder Dampf ausſpült; und auf der Anwendung von
Waſſer=
dampf zu dieſem Zweck beruht das von den Farbenfabriken vorm.
Friedr. Bayer u. Co. eingeführte Verfahren. Zweckmäßig
be=
nutzt man überhitzten Waſſerdampf, um nach dem Austreiben
eine trockene Kohle zu haben, die nach erfolgter Abkühlung
ſo=
fort aufs Neue zur Adſorption verwendet werden kann.
Es hat ſich gezeigt, daß man ſogar äußerſt leichtflüchtige
Stoffe, die ſchon bei Temperaturen weit unter 0 Gr. ſieden, wie
die gasförmigen Kollenwaſſerſtoffe Aethylen (Siedepunkt — 107
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Nummer 4.
Technik der Gegenwart, Beilage des Darmstädter Tagblatt.
Freitag, 11. Juli 1924.
Grad) und Methan (Siedepunkt — 164 Gr.) an aktive Kohle auch
ohne Tiefkühlung abſorbieren kann, ſo daß durch nachheriges
Austreiben entſprechend höherprozentige Gaſe bzw. nach
mehr=
fach wiederholter Operation praktiſch reine Gaſe erhalten
wer=
den können. Die Gewinnung von Aethylen auf dieſem Wege,
z. B. aus Schwefelgaſen, iſt deswegen von Bedeutung, weil das
Aethylen als Ausgangsmaterial für verſchiedene Syntheſen einen
chemiſch wichtigen Stoff darſtellt. Das Methan hat in jedem Fall
als ſehr heizkräftiges Gas, aber auch in ſteigendem Maße für
techniſche Syntheſen Bedeutung. U. a. hat E. Berl nachgewieſen,
daß eine Methanquelle von großer Ergiebigkeit, aber ſehr
gerin=
gem Gehalt auf dem erwähnten Wege nutzbar gemacht werden
kann, nämlich die Wetterluft der Kohlengruben. Sie enthält nur
1—2 Prozent Methan (bei 6 Prozent wird die Exploſionsgrenze
erreicht, die Anlaß zu den ſchlagenden Wettern gibt), aber mit
Hilfe von aktiver Kohle kann man daraus leicht wieder
ange=
reicherte Gemiſche erzielen, die exploſionsfähig ſind (6—13 Proz.)
und in Exploſionsmotoren ausgenützt werden können.
Die techniſche Ausführung der Wiedergewinnung flüchtiger
Stoffe durch Adſorption an Kohle bedarf nur ziemlich einfacher
Einrichtungen. Die Kohle wird in ſtehende Behälter mit
Boden=
ſieb in Schichthöhe von etwa 1 Meter eingebracht und darf bei
richtiger Körnung dem Gasdurchgang keinen merklichen
Wider=
ſtand entgegenſetzen. Der Querſchnitt der Behälter wird ſo
ge=
wählt, daß die Gasgeſchwindigkeit ¼ Meter in der Sekunde nicht
überſteigt. Die mit Dämpfen beladene Luft tritt von unten her
ein und ſättigt zunächſt die unterſte Schicht; oben entweicht ſie
nur noch mit Spuren des niederzuſchlagenden Stoffes. Die Zone,
in der die Kohle geſättigt wird, ſchreitet langſam nach oben fort,
bis ſie ſchließlich die oberſte Schicht erreicht, was in den meiſten
Fällen am Geruch der nun noch in größeren Mengen in der
austretenden Luft enthaltenen Dämpfe feſtgeſtellt werden kann.
Der Behälter wird alsdann ausgeſchaltet und von oben
überhitz=
ter Dampf eingeleitet. Das austretende Gemiſch aus dem Dampf
des adſorbierten Stoffes und Waſſerdampf wird in einen Kühler
geleitet und dort niedergeſchlagen. Iſt der betreffende Stoff im
Waſſer unlöslich, ſo kann er direkt vom flüſſigen Waſſer
abge=
trennt werden; im anderen Falle erfolgt die Trennung durch
Deftillation.
Aufnahme von Aetherdampf ans der Luft
Unter Umſtänden, bei nicht zu geringer Konzentration des
wiederzugewinnenden Dampfes in dem verdünnenden Gas, kann
die Kombination beider Verfahren von Vorteil ſein, derart, daß
zuerſt ein geeignetes Abſorptionsmittel die Dämpfe bis zu einem
gewiſſen Betrag herauswäſcht und der im Gas verbleibende Reſt
durch aktive Kohle gewonnin wird. Jedes der beiden Verfahren
kommt ſo unter den für es am günſtigſten Bedingungen zur
An=
wendung, und von Abſorptionsmittel ſowohl wie von Kohle
wer=
den infolgedeſſen nur verhältnismäßig kleine Mengen benötigt.
Die aktive Kohle wird meiſt durch Verkohlen von mit
ge=
eigneten Stoffen, beſtimmten Salzen uſw. getränktem Holz,
Reinigen durch Auswaſchen uſw. und nochmaliges Erhitzen der
Kohle auf höhere Temperatur („Aktivieren”) hergeſtellt. Doch
finden ſich in der Patentliteratur auch zahlreiche Verfahren, die
von anderen Ausgangsſtoffen ausgehen, von Torf, von fertiger
Holzkohle, von Braunkohle und auch von Steinkohle uſw., und
beſondere Verfahren zur „Aktivierung” durch Behandlung mit
Dampf und oxydierenden Gaſen bei höherer Temperatur.
Von anderen ſchon genannten Stoffen mit hohem
Adſorp=
tionsvermögen für Gaſe und Dämpfe iſt bis jetzt in techniſchem
Maßſtab wohl nur das „Silica Gel” angewendet worden, eine
durch beſonderes Verfahren aus Waſſerglaslöſungen hergeſtellte
harte glaſige Kieſelſäure, und zwar zunächſt in Nordamerika. Vor
Kohle hat es den Vorteil größerer Unempfindlichkeit gegen
chemi=
ſche Einflüſſe, beſonders gegen oxydierende Stoffe, die bei höherer
Temperatur die Kohle verbrennen, aber meiſt auch ſchon bei
gewöhnlicher Temperatur eine ganz langſame Oxydation
bewir=
ken. Ob das Silica Gel an Adſorptionsfähigkeit eine gute aktive
Kohle erreicht, iſt bis zum Vorliegen vergleichender Meſſungen
noch zweifelhaft. Als Porenvolumen werden 41 Prozent des
Geſamtvolumens angegeben.
Bemerkenswert iſt das verſchiedene Verhalten von Silica Gel
und aktiver Kohle gegenüber Waſſerdampf. Während Kohle
Waſſerdampf nicht allzu ſtark abſorbiert, wodurch auch die
Ver=
wendung von Waſſerdampf zur Austreibung der an Kohle
ad=
ſorbierten Stoffe begünſtigt wird, iſt Silica Gel ein ſehr gutes
Adſorbtionsmittel für Waſſer, ſodaß es zur Trocknung der Luft
für gewiſſe induſtrielle Anwendungen, z. B. beim Hochofenbetrieb
und bei der Luftverflüſſigung, Anwendung finden kann.
Der kontinuierliche Betrieb der Wiedergewinnung von
Dämpfen mit Silica Gel wird folgendermaßen geſchildert: Das
Silica Gel wird äußerſt fein gemahlen, ſodaß es keine gröberen
Teile mehr enthält, und von dem Gasſtrom ſchwebend getragen
werden kann. Die Adſorber ſind ſtehende Röhrenkühler, in denen
das Silica Gel durch Transportſchnecke unten eingeführt und vom
Gasſtrom mit in die Höhe genommen wird. Die gleichzeitige
Küh=
lung nimmt die Adſorptionswärme weg und verbeſſert die
Ad=
ſorption. In einem ſogenannten Zyklon werden Gas und
ſuſpen=
diertes Gel mit Hilfe der Zentrifugalkraft wieder getrennt und
gelangen in einen 2. und 3. gleichgebauten Adſorber, jedoch ſo, daß
das friſche, an Dämpfen reichſte Gas mit dem Silica Gel
zuſam=
men kommt, das ſchon zwei Adſorber paſſiert hat (
Gegenſtrom=
prinzip). Nach dem Verlaſſen des letzten Adſorbers ſcheidet ein
Zyklon wieder Gas und Silica Gel; hier werden die letzten Reſte
Silica Gel noch durch Staubfilter oder dergl. aus dem Gas
ab=
getrennt. Das mit den Dämpfen geſättigte Silica Gel gelangt
in einen mechaniſchen Etagenofen mit Rührarmen, den es von
oben nach unten langſam durchwandert. Die Temperatur des
Ofens iſt ſo gewählt, daß der adſorbierte Stoff in der zur
Ver=
fügung ſtehenden Zeit völlig ausgetrieben (abdeſtilliert) wird; die
Dämpfe gelangen, ohne mit Waſſerdampf verdünnt zu ſein, in
einen Kühler und werden dort leicht kondenſiert. Das den Ofen
verlaſſende Silica Gel iſt nach erfolgter Kühlung ſofort wieder
verwendungsbereit.
Der kurze Ueberblick, der vorſtehend über die Grundlagen
und die Technik der Wiedergewinnung leichtflüchtiger Stoffe
ge=
geben wurde, liefert zugleich ein Bild ihrer zeitlichen
Entwick=
lung, das in dieſer Hinſicht charakteriſtiſch für die Entwicklung
der modernen Technik überhaupt iſt. Es iſt bemerkenswert, in
welchem Umfange die moderne Technik auf den Ergebniſſen rein
wiſſenſchaftlicher phyſikaliſcher und phyſikaliſch=chemiſcher
For=
ſchung beruht, und wie bei dem Beſtreben, ſtets vollkommenere
Arbeitsmethoden ausfindig zu machen, eines Tages phyſikaliſche
Erſcheinungen von Bedeutung werden, bei deren Entdeckung wohl
nichts ferner gelegen hat, als die techniſche
Anwendungsmög=
lichkeit,
Die neue hessische
Borapollzerverordnung
Von
Bergrat Hundt, Darmstadt.
Die Bergpolizei hat die Aufgabe, für die Sicherheit der
Grubenbaue, die Sicherheit des Lebens und der Geſundheit der
Arbeiter, den Schutz der Oberfläche im Intereſſe der perſönlichen
Sicherheit und des öffentlichen Verkehrs und den Schutz gegen
gemeinſchädliche Einwirkungen des Bergbaus zu ſorgen. Sie
wird von den Bergbehörden ausgeübt. Angeſichts der
Mannig=
faltigkeit der Gefahren des Bergbaus und der techniſchen
Viel=
ſeitigkeit der Bergbaubetriebe ſind zur Durchführung der
genann=
ten Aufgaben wohl in allen bergbehördlichen
Verwaltungsbezir=
ken Deutſchlands „Bergpolizeiverordnungen” erlaſſen worden,
welche den Bergbautreibenden, den techniſchen Beamten und den
Bergarbeitern eingehende Vorſchriften für die Führung des
Be=
triebes und ihr Verhalten bei der Arbeit geben. In Heſſen galt
bisher eine ſolche Verordnung aus dem Jahre 1876; ſie ſtammte
aus einer Zeit, in welcher der heſſiſche Bergbau noch
verhältnis=
mäßig wenig entwickelt war, und genügte daher wegen der
in=
zwiſchen eingetretenen Fortſchritte auf dem Gebiete der
eigent=
lichen Bergbautechnik und des Maſchinenweſens den heutigen
Anforderungen nicht mehr. Daher haben die Miniſterien für
Arbeit und Wirtſchaft und des Innern unter dem 7. März 1924
eine neue „Allgemeine Bergpolizeiverordnung für das Land
Heſſen” (Regierungsblatt Seite 211) erlaſſen, die an dem gleichen
Tage in Kraft getreten iſt. Die neue Verordnung iſt von der
Oberen Bergbehörde auf Grund langjähriger Erfahrungen im
heſſiſchen Bergbau und, ſoweit das die Beſonderheiten der
heſſi=
ſchen Verhältniſſe zuließen, unter Benutzung der Erfahrungen in
ähnlich gearteten deutſchen Bergbaubezirken aufgeſtellt worden.
Sie unterſcheidet ſich von der bisherigen ſchon rein äußerlich
durch den erheblich größeren Umfang. Die alten Vorſchriften
ſind durch ſie weniger ſachlich abgeändert als vervollſtändigt=
und durch neue Vorſchriften über bisher noch nicht behandelte
Gebiete ergänzt worden. So mußten z. B. die Beſtimmungen
über die Tagebaubetriebe weſentlich erweitert werden. Dieſe
haben für den oberheſſiſchen Baſalteiſenſteinbergbau, der früher
faſt ausſchließlich durch Tiefbau betrieben wurde, große
Bedeu=
tung erlangt, ſeitdem man gelernt hat, die wenig gehaltvollen
„Waſcherze” durch einen Aufbereitungsprozeß nutzbar zu machen,
und man dazu übergegangen iſt, ſie in Maſſenförderung durch
Tagebau zu gewinnen. Auch für den Braunkohlenbergbau ſpielt
die Maſſengewinnung im Tagebau eine größere Rolle als früher.
Neu iſt auch die maſchinelle Gewinnung des Abraums und der
Kohle durch Bagger, für deren Betrieb ebenfalls nähere
Vor=
ſchriften gegeben werden mußten. Ferner mußte der Abſchnitt
über „Förderung” eine bedeutende Erweiterung erfahren, da in
der alten Verordnung die modernen maſchinellen Förderarten
nicht berückſichtigt waren, insbeſondere die Förderung in Zügen
mit den Dampflokomotiven, Lokomotiven mit flüſſigem
Brenn=
ſtoff und elektriſchen Lokomotiven, ſowie die Förderung mit
Luftſeilbahnen, die jetzt ſämtlich in ausgedehntem Maße im
Bergbau Verwendung finden. Die vorherrſchend gewordene
Verwendung brifanter Sprengſtoffe — im Gegenſatz zu den alten
Pulverſprengſtoffen — im Bergbau erforderte endlich auch ſehr
viel eingehendere Vorſchriften über die Behandlung und
Lage=
rung der Sprengmittel und über die eigentliche Schießarbeit.
Neu ſind ſchließlich u. a. Beſtimmungen über Azetylenbeleuchtung,
Lagerung von Karbid und Lagerung von Mineralölen. Die
Berg=
polizeiverordnung wird demnächſt von der Oberen Bergbehörde
in Darmſtadt in einer handlichen, mit Anmerkungen und einem
Anhang verſehenen Taſchenausgabe herausgegeben werden. Der
Anhang enthält u. a. einen Auszug aus den allgemeinen, im
Reich und in Heſſen geltenden Sprengſtoffvorſchriften und die
vor einiger Zeit von der Oberen Bergbehörde aufgeſtellten Regeln
über die Ausbildung der Hauer im Bergbau.
Bn
IR 4
Fifegefaulllahlen
*
Als Slromtartef.
Je weiter wir uns in die Höhe erheben, deſto tiefer dringt
der Blick in das Waſſer ein, — eine Beobachtung, die zuerſt von=
Fliegern gemacht wurde, die in der Nähe der Küſte über das
Meer dahinflogen. Sie konnten von ihrem luftigen Wege aus
alle Unebenheiten des Bodens, Riffe, Wracks uſw. deutlich
erkennen. Noch mehr aber als das menſchliche Auge leiſtet die
photographiſche Kamera. Mit ihrer Hilfe gelingt es, vom
Flug=
zeug aus Aufnahmen von Gegenſtänden zu machen, die bis zu
zwanzig Metern unterhalb der Waſſeroberfläche liegen. Dieſe
Tatſache nützt nun die amerikaniſche Regierung aus, um die
Schiffahrt auf dem Miſſiſſippi ſowie auf anderen amerikaniſchen
Strömen ſicherer zu geſtalten. Hier änderten ſich die Verhältniſſe
ununterbrochen. Wo noch vor wenigen Wochen eine Sandbank
war, da befindet ſich heute bielleicht ein tiefer Strudel. Wo man
noch vor kurzem ungehindert hindurchfahren konnte, da ſperren
nunmehr Sandbänke den Weg. Die Dampfer ſind deshalb ſehr
flach gebaut und durchweg als Raddampfer ausgeſtaltet.
Trotz=
dem laufen ſie ſo und ſo oft auf, und es hält oſt ſchwer, ſie wieder
flott zu machen. Man will nun den ganzen Stromlauf in kurzen Verkehrsbetriebe und ihre Organiſation. Sonderheft der Verkehrs
Zwiſchenräumen, etwa jede Woche, von Fliegern überfliegen
laſſen. Die Flugzeuge ſind mit einer ſogenannten „
Reihen=
kamera” ausgeſtattet, die ununterbrochen Aufnahmen macht. Auf
den Bildern ſind dann die Unebenheiten des Flußbettes, und
Kapitäne bekommen vor Antritt der Reiſe immer die jeweils
kennen, wie ſie fahren müſſen, um raſch und ſicher zu ihrem
Ziele zu gelangen. In gleicher Weiſe ſollen auch etwaige
Ver=
änderungen an den Küſten durch regelmäßige Flüge erkundet
und dem Lotſen in Form von photographiſchen Aufnahmen
eine beträchtlich erhöhte Sicherheit für die Schiffahrt geſchaffen
wird.
Dr. A. Neuburger.
w
KURZE MITTEILUNAEN
* Die Verwendung flüſſiger Brennſtoffe zur autogenen Schweißung
iſt kürzlich dem Ingenieur Fernholz gelungen. Ein beſonders
kon=
ſtruierter Schneidebrenner geſtattet die Verwendung von Benzvol,
Ben=
zin, Petroleum u. dal. an Stelle des ſeither allgemein benutzten Azetylens
oder Waſſerſtoffs. Die Verwendung des Sauerſtoffs iſt die gleiche wie
bei dem ſeitherigen Verfahren. Das Fernholzverfahren iſt anwendbar für
Schweißungen bis 20 Millimeter Wandſtärke, Zerſchneidungen können bis
zu 300 Millimeter und darüber durchgeführt werden. Neben der
leich=
teren Beſchaffung der flüſſigen Brennſtoffe iſt ein weſentlicher Vorteil
in den geringen Koſten zu erblicken; die Erſparniſſe betragen bis zu
60 Prozent.
* Das deutſche Muſeum in München wird durch ein nach
neuzeit=
lichen Geſichtspunkten angelegtes Warmwaſſer=Fernheizwerk erwärmt
werden. In dem 700 Meter entfernten Muffat=Elektrizitätswerk der
Stadt München wird der Abdampf der zur Stromerzeugung dienenden
Dampfmaſchinen zur Anheizung von Waſſer benutzt. Das auf 40—80 0
angewärmte Heizwaſſer wird mittels elektriſch angetriebener Pumpen
durch iſolierte Nohre nach einem Zentralregulierraum im Muſeum
ge=
leitet und von dort auf die einzelnen Gebäudeteile verteilt. Von der
Größe der Anlage bekommt man einen Begriff, wenn man bedenkt, daß
die Ausſtellungsräume und Hallen 36 000 Quadratmeter Grundfläche
beſitzen. Zur Heizung der kleineren Räume dienen Radiotoren von 7000
Quadratmeter Heizfläche, die drei großen Hallen werden durch ſechs
Heizapparate mit Ventilatoren beheizt, die zuſammen eine Wirkung
von 1400 Quadratmeter Nadiatorenfläche haben. Bei großer Kälte wird
das Heizwaſſer durch Friſchdampf weiter bis auf 90” angewärmt. Große
Teile der Heizanlagen wurden von den liefernden Firmen geſtiftet,
* Die bedeutendſten amerikaniſchen Forſchungslaboratorien zählt F.
Murius in einem Auffatz in der „Technik für Alle” auf. Erſtaunlich
und beneidenswert iſt wie reichlich dieſe Inſtitute von den Stiftern —
teils Privatleuten, teils große Induſtriegeſellſchaften — ausgeſtattet ſind
und welche ungeheuere Summen ihnen jährlich zur Verfügung ſtehen,
Der praktiſche Amerikaner weiß, wie gut ſich dieſe aufgewandten
Kapi=
talien rentieren, ſind doch ſchon eine große Neihe von Erfindungen,
die dem Stifter reichlichen Gewinn einbrachten, aus dieſen Inſtituten
hervorgegangen. Auch in Deutſchland trägt die Induſtrie dem immer
mehr Rechnung. Eine Anzahl derartiger Forſchungsſtätten ſind ſchon von
dem deutſchen Großkapital, meiſt im Anſchluß an beſtehende Hochſchulen,
gegründet worden, allerdings in weſentlich beſcheidenerem Umfang als in
Amerika. Möchten weitere bald folgen!
* Die höchſtgelegene Turbinenanlage der Erde wird z. Zt. in der Nähe
der chileniſchen Hauptſtadt Santiago für eine Buntkupfermine gebaut. Die
Mine wird im Betrieb weſentlich erweitert und auf neuzeitliche
maſchi=
nelle Einrichtungen umgeſtellt. An den zahlreichen Gebirgsbächen der
Umgebung ſollen in den nächſten Jahren Waſſerkraftanlagen mir
zu=
ſammen etwa 900 P8 ausgebaut werden. Die gewonnene Kraft dient zur
Erzeugung von Druckluft für die Geſteinsbohrmaſchinen und zum
An=
trieb von Pumpen, Förderanlagen, zur Beleuchtung uſw. Die
Kraft=
anlage ſelbſt liegt auf etwa 4200 Meter über dem Meere, der höchſte
Punkt der Fernleitung auf etwa 5400 Meter. Da auch in den
Sommer=
monaten die Sihneegrenze noch auf 3800 Meter liegt, müſſen alle
Fern=
leitungen mit Kabeln hergeſtellt werden. Wegen des ewigen Schnees
ſind erhebliche Schwvierigkeiten zu überwinden . Die Anlagen der Minen
und die Kraftſtaticn ſind im Winter ganz von Schnee bedeckt und die
Belegſchaft führt während dieſer Zeit wohl verproviantiert ein
voll=
ſtändig unterirdiſches Daſein. Die große Geſchwindigkeit des Waſſers
läßt die Bäche auch im Winter nicht zufrieren. Die erſte Turbine mit
200 P8 wurde von der Firma Friedr. Haag Nachf. in Nürnberg, die
elektriſche Einrichtung von der A. E. G. geliefert.
Der deutſche Unternehmer. Auf der 2. Bundestagung des
Reichs=
bundes Deutſcher Technik in Bernburg a. d. S. hielt Univerſitäts=
Profeſſor Sommerlad=Halle einen Vortrag über die Perſönlichkeit in der
modernen Unternehmung. Der Redner zeichnete an Hand eines umfang
reichen Quellenmaterials das Bild des großen deutſchen Unternehmers,
der Perſönlichkeit, die dem gewaltigen Apparat, der ihr unterſtellt iſt,
ihre perſönliche Note aufdrückt. Männer wie Friedrich Krupp, Werner
Siemens, Ernſt Abee, Adolf Riebeck, Vorſia, Ballin und Stinnes in
ihrer Bedeutung für das wirtſchaftliche und ſoziale Leben unſeres
Staa=
tes zogen an dem geiſtigen Auge der Zuhörer vorüber. Im Gegenſatz
zu den Großunternehmern Amerikas, Englands und Frankreichs, von
denen der Amerikaner in marktmäßiger Ausnutzung ſeiner
Unterneh=
mer
mung innerlich dieſem fernſtehe, während der franzöſiſche Unternehn
das Beſtreben zeige, ſich möglichſt eng an den Staat anzulehnen,
charak=
teriſierte Profeſſor Sommerlad den deutſchen Unternehmer als
Perſön=
lichkeit im beſten Sinne des Wortes. Mit tiefem Verſtändnis für die
Wiſſenſchaft, innig verbunden mit ſeinem Werke und auf deſſen
Er=
haltung und Fortſetzung in ſeinem Sinne bedacht, mit reichem ſozialem
Verſtändnis geht die deutſche Unternehmerperſönlichkeit im Bewußtſein
der eigenen Kraft, auf ſtaatliche Hilfe verzichtend, ihren Weg. Im
Bewußtſein ihrer nationalen Pflichten hat ſie mit dem eigenen Erfolg
das Anſehen deutſchen Unternehmergeiſtes in der Welt begründet. Es
gibt keine beſſere Anerkennung für die Wertſchätzung deutſchen
Unter=
nehmergeiſtes als das Bismarckſche Prinzip bei Beginn der deutſchen
Koloniſation, das charakteriſiert wird durch die Worte: die Flagge ſoll
dem Handel folgen. So Idealiſt und Kulturfaktor, iſt der deutſche
Unternehmer das Smbol des deutſchen Weſens.
W. T. B.
* Außenhandel Deutſchlands und Straßenbaumaterial. In Zeiten
wirtſchaftlicher Not ſollte ein Volk alles daranſetzen, ſeine Inlandswerte
auszunutzen und ſich unabhängig von der Einfuhr zu machen. Zwei
Aufſätze in der Zeitſchrift „Die Stein=Induſtrie” vom 2. Juni 1924
haben das Beſtreben, in dieſem Sinne zu wirken. Baurat A. M. weiſt
darauf hin, daß mit dem zunehmenden Automobilverkehr die Anſprüche
die an die Straßendecke der Großſtadt geſtellt werden, geringer werden.
Die Gummireifen verurſachen weſentlich weniger Geräuſch als die
Eiſenreifen der Pferdefuhrwerke, ſo daß wir uns bei Verwendung von
Kleinpflaſter von der Einfuhr des Aſphalts freimachen können. 2
einem zweiten Aufſatz wird gegen eine allerdings inzwiſchen wieder
rück=
gängig gemachte Verordnung des Reichswirtſchaftsminiſters der
Vor=
wurf erhoben, daß ſie die Steininduſtrie Deutſchlands in die größte
Bedrängnis bringe. Die Einfuhr von Straßenbaumaterial war durck
dieſe Verordnung freigegeben worden und dadurch der ſchwediſchen Ko
kr
enz die Tür geöffnet. Es wird darauf hingewieſen, daß das deutſche
Material, beſonders Granit, durch gleichmäßigere Abnutzung, geringe
Verſchiedenartigkeit, da meiſt aus einem Bruch, und geringere
Sprödig=
keit dem ſchwediſchen Granit überlegen iſt. Die breitere Form hat ſich
in Berlin vorteilhafter erwieſen als die ſchmalere ſchwediſche. Die an
Geſtehungsort gleichen Preiſe werden in Deutſchland durch die teueren
Bahnfrachten gegenüber den ſchwediſchen Waſſerfrachten etwas ungünſtig
beeinflußt.
* Neuere Verſuchsergebniffe mit Spaltflügeln bei Flugzeugen gibt
G. Lachmann, Göttingen, in der Zeitſchrift für Flugtechnik un
Motorluftſchiffahrt, bekannt. Die Verſuche am Modell und am
Flug=
zeug ſelkſt haben ergeben, daß eine weſentliche Steigerung des
maxi=
malen Auftriebsbeiwertes, eine Verminderung des Profilwiderſtandes
und eine Verbeſſerung der Steuerfähigkeit bei geringer
Windgeſchwin=
digkeit erreicht wird. Die Neuerung iſt in England mit
Verkehrsflug=
zeugen und in Schweden mit Jagdeinſitzern in die Praxis übertragen
worden. Die Verſuche ſind noch nicht abgeſchloſſen, ſo daß noch weitere
Fortſchritte auf dieſem Gebiete zu erwarten ſind.
* Veleuchtung und Stromerſparnis. Die Beleuchtung in Neben
räumen erfordert meiſt eine viel geringere Helligkeit, als die
mi=
den handelsüblichen Lampen möglich iſt. Eine Sparlampe, die neuer
dings auf den Markt gebracht wird, ſoll hier Abhilfe ſchaffen und un
nötigen Stromaufwand erſparen. In die gebräuchlichen Faſſungen der
Glühlampen wird ſtatt der Lampe ein kleiner Spannungswandler ein
geſchraubt, der wie die bekannten Klingeltransformatoren den Stron
von 110 oder 220 Volt auf 8 Volt Spannung umformt. Mit dieſer
geringen Spannung wird eine kleine Glühbirne — Osram=Hocheffelt
lampe — betrieben, die eine Stromerſparnis von 80 Prozent erzielt
Aeußerlich ſtellt ſich die Vorrichtung als ein Schirm aus zwei Porzellan
ſchalen dar. Die Sparlampe iſt wie der Klingeltransformator nur be
Wechſelſtrom und Drehſtrom zu verwenden.
HEUE BÜCHER UND ZEITSCHRIETEN
techniſchen Woche, herausgegeben von Dr. Ing. Blum, Hannove!
und Dr. Ing., Dr. rer. pol. Baumann, Berlin, Verlag G. Hackebeil
Berlin SWV 68. Preis 3.— Goldmark.
Die Umwandlung der Reichsbahnen in einen Privatbetrieb und das
vor allem auch die beſte Fahrtrinne deutlich zu erkennen. Die Gutachten des Sachverſtändigen=Ausſchuſſes hat die Organiſationsfrager
der Verkehrsbetriebe in den Vordergrund des öffentlichen
Intereſſe=
gerückt. Dieſe brennenden Tagesfragen von ſachverſtändiger Feder be
neueſte Karte ausgeliefert, auf der ſie dann ohne weiteres er= handelt, bieten die Herausgeber einem großen Publikum dar. Neber
den Neichsbahnen werden auch Privatbahnen und ausländiſche Bahner
in längeren Ausführungen eingehend behandelt. Im Intereſſe eine
allgemeinen Aufklärung über die Organiſation unſerer Verkehrsbetriebe
muß dem Heft eine ſehr weite Verbreitung gewünſcht werden.
zur Kenntnis gebracht werden, ſodaß alſo durch dieſes Verfahren Die Sendung (Broadcaſting). Monatsſchrift für Kunſt, Kultur,
Wirt=
ſchaft und Technik im Funkweſen. Herausgegeben von Dr. h. e. Gra
Arco, Carl Bulcke, Prof. Dr. E. Jäckh, Verlag H. Neckendorf, Berlin
W 35. Jährlich 21— Goldmark.
Schon allein Umfang und Ausſtattung unterſcheiden die Sendung
vorteilhaft von anderen Radiozeitſchriften. Auf 170 Seiten wird nich
die Funktechnik als Sport und Liebhaberei, ſondern als Glied unſere=
Kultur und unſerer Volkswirtſchaft gewertet. Bedeutende Köpfe aus
Wirtſchaft, Wiſſenſchaft und den beteiligen Dienſtſtellen haben ſich die
Herausgeber zur Mitarbeit herangezogen. Aus der großen Zahl nenner
wir nur einige rühmlichſt bekannte, wie Graf Kayſerling, Zobeltitz
Moszkowski, Fürſt Lummer, Schlee, Thum. Dementſprechend wendet
ſich auch der Inhalt an einen hochgebildeten Leſerkreis, der Wert darau
legt, aus dem Rundfunk einen Kulturfaktor und ein wirtſchaftlich wich
tiges Verkehrsmittel zu machen.
Hier ſei noch beſonders hervorgehoben, daß in einem beſonderen
Teil die Technik der drahtloſen Nachrichtenübermittelung in vorzüglichen
Aufſätzen behandelt wird. Neben einem muſterhaften Druck enthält der
techniſche Teil zahlreiche Abbildungen in erſtklaſſiger Wiedergabe.
BERBONLICHES AUS DER TECHNIK
Die Techniſche Hochſchule in Karlsruhe ernannte den Direktor
Boveri von der Brown, Boveri u. Co., A.=G., in Mannheim zum
Dr.=Ing. e. h.
*
Der Verein deutſcher Ingenieure verlieh dem Wirkl. Geheimen
Oberbaurat Dr. phil. Dr.=Ing. e. h., Hermann Zimmermann die
Grashof=Denkmünze.
Kommerzienrat M. von Bleichert, Inhaber der Firma A.
Bleichert u. Co., Leipzig=Gohlis, wurde von der Techniſchen Hochſchule
in Dresden zum Dr.=Ing. e. h. ernannt.
Nummer 191.
Darmſtädter Dagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
Seite 13.
G
Shoth Tonet und Turnen.
Waſſerballverbandsſpiel.
Paden=Badener Auto=Flachrennen.
Dr. Tigler auf Benz=Tropfenwagen fährt die ſchnellſte Zeit des Tages.
Von unſerem Sonderberichterſtatter.
Baden=Baden, 9. Juli.
Nun konnte das Turnier richtig beginnen. In langer Reihe ſtanden
die Wagen auf der Raſtatt=Durlacher Straße und harrten des
Stard=
ſignals. Schon waren trotz der frühen Morgenſtunde Dutzende von
Be=
gleitwagen mit Sportsfreunden über die Strecke gegangen; längs der
ſWaldſtvecka hatten ſie Poſto gefaßt. Kurz vor Beginn brauſt unſer
Als letzter pfeiſt dann wenige Minuten nach 7 Uhr der Meredes=
Kom=
preſſor der Turnierleitung über die Flachbahn, und dann, ſich
fortpflan=
zend, ſchneller noch, als das ungeſtüme Tempo des Wagens, „ſie kommen”!
Staubaufwirbelnd, Steine aufſpritzend, in wilder, verwegener Jagd,
in waghalſigem Tempo dröhnt der große 2., PS Mercedes=Kompreſſor
des Holländers Wiemann=Scheveningen durch den Wald. Es iſt der
Goliath der teilnehmenden Fahrzeuge. Als zweiter raſt der
langge=
ſtreckte , P8 Otto=Wagen mit Frau Ada Otto, München, über die 5
Kilometer lange Rennſtrecke. Frau Otto hatte beim vorjährigen Turnier
in der Flachprüfung die ſchnellſte Tageszeit gefahren. Diesmal rangiert
ſie in der Geſamtgeſchwindigkeitsleiſtung aller Klaſſen erſt an vierter
Stelle. In der Klaſſe der Wagen bis 22 Steuer P8 pflückt Altmeiſter
Carl Joerns auf einem tourenmäßig karoſſierten, äußerlich
unſchein=
baren Opel den Siegeslorbeer. Zweiter hinter ihm wird — ein Meiſter
des Geſanges — der berühmte Kammerſänger Michael Bohnen, der mit
ſeinem auf einem P, PS Adler=Wagen herausgefahrenen ſchönen: E.
folge erwies, was für ein ſchneidiger Sportsmann er iſt. Irion, deſſen
Adler=Sportwagen auf drei Zylindern durchs Ziel kam, wurde Dritter
vor Franz Hoffmann, Leipzig (Elite). In der Klaſſe der Wagen bis
16 Steuer PS kam Herr Merck, Darmſtadt, auf Benz zu einem
wohl=
verdienten 1. Preis. Ihm folgte v. Wentzel=Moſſau auf Benz als Zweiter
vor Hans Ludwig Opel, deſſen Zündkerzen auch nicht mehr mittun
mochten. Heiß ging es in Klaſſe II der Wagen bis 10 Steuer PS her.
Hier richtetet ſich das Hauptintereſſe auf den Zweikampf zwiſchen dem
geuen Benz=Rumpler=Tropfenwagen von ³⁄₈o E8 mit Dr. C. Tigler
im Steuer mit dem 2., PS Mercedes=Kompreſſorwagen Noſenbergers.
Dr. Tigler hat auf ſeinem Benz=Tropfenwagen den Kampf gewonnen,
vobei immerhin bemerkt ſein mag, daß auch Roſenbergers Mercedes
jegen Schluß des Rennens durch Zündkerzeuverrußungen gehandikapt
var. Wacker hielt ſich in dieſer ſchweren Konkurrenz auch der
Achtzylin=
der Bugatti von Ludwig Fiſcher. Dr. Tiglers Zeit von 2 Minuten 11
Sekunden für 5 Kilometer entſpricht einem Durchſchnittstempo von
an=
rähernd 150 Kilometer pro Stunde, ſodaß der Benz=Tropfenwagen am
Ziel eine Höchſtgeſchwindigkeit von etwa 160—170 Kilometer entwickelte.
Es wurde ſtehend geſtartet). Dieſes Debut eines Tropfenwagens in
inem ſo ſcharf beſtrittenem Wettbewerb wie dem Baden=Badener war
lſo eine Art Senſation. Am ſchärfſten ging es im Wettbewerb der
Lagen bis 6 PS her. Hier ſtarteten 16 Wagen; 8 davon waren /,o
9 Mercedes=Kompreſſorwagen. Jeder der Kompreſſorfahrer bemühte
ch durch Draufgängertum den Gegner zu überflügeln. Vom Start bis
um Ziel blieb ſo der Kompreſſor bei Tourenzahl von über 4000
Um=
rehungen dauernd in Tätigkeit. Die Folge davon . . 2. Die mei
ekamen Zündkerzenſchäden, und nur Frau Hedda Ablon und Ernſt
jarnſteiner bekamen ihre 1½ Liter Kompreſſor=Wagen glatt über die
trecke. Ueberhaupt: das 5 Kilometer Flachrennen ſtand im Zeichen der
erſagenden Zündkerzen. Es iſt ſicherlich nicht zu hoch gegriffen, wenn ich
hätze, daß mindeſtens ein Drittel aller ans Ziel gelangten Wagen mit
ündkerzenſchäden ans Ziel kamen. Manches Teilnehmers Ausſichten
urden dadurch beeinträchtigt. Bemerkenswert nun, daß keine der
viel=
efürchteten „Induſtriekanonen” den 1. Klaſſenpreis errang, ſondern ein
rivatfahrer (allerdings einer von Rang und Klaſſe), nämlich
Ritter=
utsb eſitzer Gerhard Kluge, Königswartha. Auch ihn erreichte kurz vor
em Ziel noch eine Zündkerzenſtörung, deren ſpätes Eintreten es ihm
möglichte, Carracciola (deſſen Kompreſſor=Motor gleichfalls auf „drei
öppen” durchs Ziel hinkte, noch um ein paar Sekunden zu ſchlagen.
appler wurde Dritter vor Joſi von Ganz auf Chiribiri und vor Frau
rnes Merck und vor Schultze=Steprath, beide rauf Mercedes=Kompreſſor.
Der „Wettbewerb ging ohne Unfall vonſtatten, bis auf eine üble
olliſion, die ſich nach Beendigung der Fahrt ereignete. Da preſchte
undurchſichtigen Staub ein nicht zu den Teilnehmern gehörender
ſugatti im ſcharfen Tempo gegen einen Baum; die Inſaſſen wurden
urch Schnittwunden von der Windſchutzſcheibe ſo verletzt, daß ſie
un=
rzüglich ins Raſtatter Krankenhaus überführt werden mußten.
Tech=
iſch war die Zahl der Zündkerzenſchäden auffallend, von denen
be=
nders wieder die Kompreſſor=Maſchinen betroffen wurden, was
mög=
cherweiſe — Zufall geweſen ſein kann. Irgendwelche Schlüſſe auf die
efamtbewertung läßt das Ergebnis der Flachprüfung nicht zu, denn
r Geſamtbewertung wird es mit Formeln umgerechnet, um auch den
zwerer Fahrzeugen Chancen zu geben. Einen ganz fabelhaften
Ein=
ruck machte am Ziel der Köllnerſche Dixin=Wagen. Wenn er nicht unter
jegern zu finden iſt, ſo iſt dies anſcheinend auf nicht genügend ſchnellen
tart zurückzuführen. Auch Otto Hofmann=Leipzig fiel auf ſeinem
einen Wanderer durch hohe Endgeſchwindigkeit auf. Im Flachrennen
aren jedenfalls die Favoriten ſämtlich in Front, und wenn nicht alles
uſcht, werden ſie es auch in den anderen Prüfungen bleiben. 8. D.
Am Mittwoch, 9. Juli, abends 8½ Uhr, trafen ſich die erſten
Mann=
ſchaften des S.=V. „Nickar”=Heidelberg und des D.S.=C. „Jung=
Deutſch=
land” zu dem angekündigten Verbandsſpiel. Eine große Zuſchauermenge
hatte ſich eingefunden, um mit geſpanntem Intereſſe das Spiel zu
ver=
folgen. Die Darmſtädter Mannſchaft trat in folgender Aufſtellung an:
Sulzmann
Gils
Laun, W.
Berges
Kemmer
Orlemann
Federlin, G.
denen Heidelberg mit nachſtehender Mannſchaft entgegentrat:
Zapp
Müller
Kaufmann
Schmuck
Roſt
Egle
Link
Darmſtadt iſt am Ball. Nach kurzem Geplänkel kann Roſt, ſcharf
plaziert, für Sulzmann unhaltbar, den Ball in die rechte obere Ecke
ſchießen. Darmſtadt ſpielt nunmehr einwandfrei bedeutend überlegen
und kommt verſchiedene Male zum Schuß, jedoch ohne Ergebnis; das
Spiel iſt faſt dauernd in die Heidelberger Hälfte verlegt, jedoch bis
Halbzeit gelingt keiner Partei ein Torgewinn. Mit 1:0 für H. werden
die Seiten gewechſelt. Nach Halbzeit wird das Tempo noch verſchärfter,
Orlemann kommt gut durch und kann unhaltbar ausgleichen. H. drängt
etwas und kann durch Roſt zum zweitenmal erfolgreich ſein. Der
Darm=
ſtädter Sturm iſt jedoch unermüdlich und bald darauf ſtellt Berges durch
Nermtich uich drauls eß V. de Dol ömngl. B. un imak auf 18
Tor ſchießen kann. Mit 2:2 trennen ſich die beiden Mannſchaften.
Darmſtadt zweifellos die ſchnellere und beſſere, jedoch mehr von Pech
verfolgte, da das Ergebnis ſonſt leicht hätte anders lauten können. Her
Greiner=Frankfurt bewies von neuem, daß er unter die beſten
Waſſerballſchiedsrichter Deutſchlands zu zählen iſt. — Vor dieſem Spiel
trafen ſich die zweiten Mannſchaften von D. und H., die ſich mit einem
pgebnis von 1:0 für D. trennten. — Nach dieſem Reſultat wird man
um ſo mehr geſpannt ſein können, ob am nächſten Sonntag D. gegen den
Deutſchen Meiſter von 1919, 1. Frankfurter S.=C., trotz der
vorhergehen=
den Rennen erfolgreich ſein kann.
Dr. H.
Schwimmen.
Radfahren.
Prüfungsabnahme für das Deutſche Sportabzeichen.
Am Dienstag, den 15. Juli, findet eine Prüfungsabnahme für das
eutſche Sportabzeichen (Abteilung Radfahren) auf der Chauſſee nach
ickenbach ſtatt. Meldungen hierzu ſind an den Rennfahrwart L. Raab,
chwanenſtraße 77, zu richten, zugelaſſen werden nur ſolche Bewerber,
e im Beſitze der vorſchriftsmäßigen Papiere ſind. — Treffpunkt am
Juli, abends 6 Uhr, am Provinzial=Siechenhaus hinter Eberſtadt auf
„Siewener”.
* Chauſſee nach Bickenbach.
Handball.
Handball, Süd= gegen Weſtdeutſchland.
Das am Sonntag in Frankfurt a. M. ſtattfindende
Repräſentativ=
reffen zwiſchen den Handballmannſchaften von Süd= und
Weſtdeutſch=
nd ſieht den Weſten in folgender Aufſtellung in Tätigkeit: Kolvenbach
uru=Düſſeldorf), Frohn (Turu=Düſſeldorf), Frohn (Turu=Düſſeldorf),
olbach (Schwarz=Weiß Barmen), Kürten (Turu), Kiſelewski (
Düſſel=
rf=Eller 04) Köſter (Hagen) 05), Stammel, Bouſchen (Turu), Kramer
Schwarz=Weiß Barmen), Schenk (Schupo=Kaſſel), Scheib (Schwarz=
Weiß=
armen).
Die Schwimmwettkämpfe im Woog am 12. und 13. Juli.
Heute, am Tage vor den großen Kämpfen im Großen Woog, ſei
nochmals hingewieſen, auf die Höhe des Sports, der an den beiden
Tagen geboten wird. Die außergewöhnlich ſtarke Nachfrage nach Karten
läßt darauf ſchließen, daß der Darmſtädter Schwimmklub „Jung=
Deutſch=
land” durch die Veranſtaltung dieſer Schwimmwettkämpfe einem ſeit
lange entbehrten Bedürfnis der Sportwelt von Darmſtadt und
Um=
gebung entgegengekommen iſt. Iſt doch bereits eine Zeitſpanne von
4 Jahren verſtrichen, ſeit auf der Kampfbahn im Woog ſich anläßlich der
Deutſchen Meiſterſchaften 1920, die Beſten des deutſchen Schwimmſports
vereinten zu ſpannendſten Kämpfen; ein weiteres das Intereſſe ſteigernde
Moment ſind die glänzenden Fortſchritte, die der deutſche
Schwimm=
ſport gerade in den letzten Jahren in ſtetem Aufwärtsſteigen gemacht hat.
Man denke hier nur an die faſt uglaublichen Erfolge, die unſer
Darm=
ſtädter Rekordmann Berges in den letzten Monaten errungen hat.
An dieſen Tagen wird es den Darmſtädtern möglich ſein, ihn, der den
Fernerſtehenden nur durch Zeitungsberichte bekannt war, auf der
Kampf=
bahn im Rennen zu bewundern und ihm zu danken für die glänzende Art
und Weiſe, in der er ſchwimmeriſch unſere Vaterſtadt in ganz
Deutſch=
land vertritt. — Neben ihm ſind es die bereits bekannten Namen, die
ſich an beiden Tagen im Woog treffen werden. Mit größter Spannung
kann man dem Abſchneiden der übrigen Darmſtädter Mannſchaft
ent=
gegenſehen, die noch nie auf derart ſtarke Konkurrenz getroffen iſt.
Es kann alſo nur wiederholt empfohlen werden, ſich ſchnellſtens mit
Karten für beide Tage zu verſorgen, denn vor allem auch am Samstag
ſind Kämpfe zu erwarten, die wichtige Ausblicke gewähren auf die im
Auguſt ſtattfindenden deutſchen Meiſterſchaften.
Zur Orientierung ſei auf folgendes hingewieſen: Die „Weißen
Hä
tschen” ſind am Samstag von nachmittags 3½ Uhr und am
Sonntag von nachmittags 11 Uhr für den öffentlichen Verkehr geſperrt;
das Damenbad iſt am Samstag geöffnet, jedoch nur zugänglich von
der Treppe an der Landgraf=Georgſtraße, am Sonntag iſt das
Damen=
bad von 1½ Uhr nachmittags vollkommen geſperrt. Die Inſel iſt an
beiden Tagen zugänglich, jedoch wird die Anlegeſtelle des Ueberfahrtkahns
auf dem Süddamm in öſtlicher Richtung verlegt.
Dr. H.
Das Schwimmfeſt der Univerſität Heidelberg.
Nachdem durch das Sportfeſt für Leichtathletik die Hochſchulmeiſter
der Univerſität Heidelberg, die an der Olympia der Hochſchulen in
Mar=
burg teilnahmen, feſtgeſtellt wurden, folgten nun dieſe Woche im
Hallen=
bad die Wettkämpfe, die die Heidelberger Hochſchulmeiſterſchaften im
Schwimmen vergeben. Das akademiſche Schwimmfeſt nahm unter dem
Univerſitätsſchwimmlehrer Mang ſportlich einen befriedigenden Verlauf.
Die Mehrzahl der Sieger ſtellten die ſtudentiſchen Korporationen, die
be=
ſonders in den Staffeln und im Mehrkampf gut abſchnitten. Die
Sieger=
liſte hatte nachfolgendes Ergebnis:
Freiſtilſtaffel (4X2 Bahnen): Studenten gegen Schwimmklub.
Nikar ſichert ſich die Studentenmannſchaft (Leferenz, Zapp, Dörffel, Roſt).
Lagenſchwimmen, je 2 Bahnen: Bruſt: Dörffel (
Burſchen=
ſchaft Vineta) 41 Sek.; Seite: Clar (Turnerſchaft Chibellinia) 34,6 Sek.:
Nücken: Kalinowsky (Burſchenſchaft Allemannia) 39,2 Sek.; Freiſtil: Roſt
(Nichtinkorp.) 30,2 Sek.
Mahrkampf (2 Bahnen Schwimmen, Freiſtil, 1 Bahn Tauchen,
1 Pflicht= und 1 Kürſprung). Sieger: Heller (Turnerſchaft Chibellinia)
mit 51 Punkten 2. Schmalz (Chibellinia) mit 50 Punkten, 3. Müller
(Nichtinkorp.) mit 49½ Punkten.
Bruſtſchwimmen für Studentinnen (2 Bahnen):
He=
lene Maquet in 1,52.
Altakademikerſchwimmen (2 Bahnen)t Burgharb (
Ver=
bindung Leonenſia) 29,4.
Vagenſtaffel (4X2 Bahnen); Sieger: Chibellinia=Mannſchaft
(Kaufmann, Schmalz, Ricter, Klar).
Den Schluß des akademiſchen Schwimmfeſtes bildete ein
Uebungs=
ſpiel im Waſſerball der Hochſchulmannſchaft für die Olympia in Marburg
und der Nikarmannſchaft. Auch fand ein Prüfungsſchwimmen für das
Turn= und Sportabzeichen ſtatt. Ebenſo iſt noch bis Semeſterſchluß ein
Rettungsſchwimmkursſus vorgeſehen.
Tennis.
Große Internationale Tenniswoche in Mannheim.
15.—16. Juli Boruſſia=Berlin gegen Tennisabteilung des V. f. R.
Mann=
heim. — 17.—20. Juli Internationales Tennisturnier. — 20. u. 21. Juli
Länderwettkampf Schweden—Deutſchland.
Die kommende Woche ſtellt durch die oben angeführten
Veranſtal=
tungen einen Höhepunkt des deutſchen Tennisſports dar, und bedeutet
für Mannheim ein Ereignis, wie es ſeit dem Länderwettkampf Belgien—
Deutſchland im Jahre 1907 hier nicht mehr erlebt worden iſt. Die
ge=
nannten drei Veranſtaltungen werden die geſamte Extraklaſſe und erſte
Turnierklaſſe Deutſchlands neben hervorragenden ausländiſchen
Teilneh=
mern erſtmals wieder ſeit mehr als zehn Jahren in Mannheim
zuſam=
men führen.
Der Klubwettkampf Boruſſia=Berlin gegen V. f. R. Mannheim um
den dafür geſtifteten Wanderpokal wird die Tenniswoche würdig
einlei=
ten. Es wird hier zu ſchweren Kämpfen unſerer in Süddeutſchland
füh=
renden einheimiſchen Spieler mit der erſten Berliner Sonderklaſſe
kom=
men, deren Endergebnis völlig ungewiß iſt. Für Mannheim ſpielen: Dr.
Buß, Elka, St. Oppenheimer, Dr. B. Fuchs, Waldeck, Wetzel; für
Ber=
lin: Hannemann (deutſcher Hallenmeiſter), Hoppe, Gumpel, Bratanoff,
Prenn, Dr. Geismar. Näheres über die Feſtſetzung der einzelnen Spiele
werden wir noch bekannt geben.
Im Anſchluß an dieſes Wettſpiel nimmt das allgemeine
internatio=
nale Tennisturnier am 17. Juli ſeinen Anfang. Mehrere Meiſterſchaften
werden zum Austrag gebracht und wertvolle Ehrenpreiſe ſtehen zur
Ver=
fügung. Ihre Nennung haben bereits außer den Genannten zugeſagt die
deutſche Meiſterin Frau Friedleben, Frau Neppach=Berlin, Frl.
Hei=
mann=Breslau, Oskar Kreuzer, Lüdke, Lorenz ſowie die deutſchen und
ſchwediſchen Teilnehmer an dem darauffolgenden Länderwettkampf.
Weitere Nennungen führender Spieler werden noch erwartet.
Als Abſchluß der Tenniswoche findet am 20. und 21. Juli der erſte
Länderwettkampf Schweden—Deutſchland ſtatt. Die ſchwediſche
Mann=
ſchaft kommt direkt von der Olympiade aus Paris und wird von einev
größeren Anzahl ſchwediſcher Tennisfreunde begleitet. Die deutſche
Mannſchaft iſt noch nicht endgültig aufgeſtellt, ſodaß erſt in den nächſten
Tagen darüber nähere Mitteilungen zu machen ſind. Im geſamten
wer=
der 5 Wettſpiele ausgetragen (4 Einzelſpiele und 1 Doppelſpiel). Die
Anlage und die Plätze der Tennisabteilung des V. f. R, Mannheim
werden für dieſe Wettſpiele auf das Vorzüglichſte hergerichtet werden,
ſodaß man wohl den Anſprüchen der Spieler wie der Zuſchauer in
vol=
lem Maße gerecht werden dürfte.
Davis=Pokalſpiele.
In der europäiſchen Zone ſtehen noch drei Spiele aus. Dänemark
und die Tſchechoſlowakei ſowie Frankreich und England ſind die Gegner.
Die beiden Sieger der Vorſchlußrunde treten dann zum Endkampf an.
eten, wo die
Der Sieger des Finales hat die Reiſe nach Amerika anzu
ſiegreiche Mannſchaft der amerikaniſchen Zone auf ihn wartet. Die
Spieleinteilung in der amerikaniſchen Zone iſt wie folgt: 24., B., 26.
Juli Kuba gegen Kanada in Ottawa (Kanada); der Sieger hieraus am
31. Juli, 1. und 2. Auguſt gegen Japan in Montreal (Kanada); 31. Juli,
1. und 2. Auguſt Auſtralien gegen China in Bay Ridge (Neu=York), der
Sieger hieraus am 7., 8. und 9. Auguſt gegen Mexiko in Baltimore.
Modenpokal=Tennisſpiele.
Die Mannſchaft des Berliner Schlittſchuh=Klubs landete in Breslau
über die Vertreter des Schleſiſchen Tennisverbandes einen ganz
über=
legenen Sieg von 9:0 Punkten. Nur ein einziger Satz ging an die
Bres=
lauer, die gegen die ſtarke Berliner Vertretung nicht aufkommen konnte.
Fußball.
Spielvereinigung Fürth in Polen.
Die Mannſchaft der Spielvereinigung Fürth befindet ſich zurzeit auf
einer Reiſe durch Polen. Alle drei Spiele wurden gewonnen, gegen
Polonia=Warſchau mit 5:4, gegen F.K. Pzemyſl mit 5:4, gegen Pagon=
Lemberg mit 3:2.
Deutſche Hochſchul=Fußballmeiſterſchaft.
Die Techniſche Hochſchule Hannover, die am Samstag in Stendal die
T.=H. Charlottenburg mit 3:2 ſchlagen konnte, hat am Sonntag, den
20. Juli, im Rahmen des deutſch=akademiſchen Olympia in Marburg
gegen die T.=H. Darmſtadt, die in der Zwiſchenrunde die
Univerſi=
tät Tübingen mit 1:0 aus dem Felde ſchlug, zum Endkampf anzutreten.
Leichtathletik.
Nationale Jugendwettkämpfe am 27. Juli.
Das Wettkampfprogramm der Jugend iſt in drei Jahresklaſſen
ein=
geteilt. Die Jahrgänge 1908/09 bilden zuſammen eine Gruppe und
haben folgende Einzelkämpfe:
50 Meter=Laufen, 100 Meter=Laufen, 300 Meter=Laufen,
Weit=
ſprung aus Stand, Ballwerfen. Der Hauptgruppe (die Jahrgänge 1906/
07) bleiben folgende Uebungen vorbehalten: 100 Meter 200 Meter, 1000
Meter, Hochſprung mit Anlauf, Weitſprung, Kugelſtoßen, Speerwerfen,
und als Mannſchaftskämpfe 4mal 100 Meter und 3mal 1000 Meter
Staffel. Für dieſen Teil wurden die meiſten Wettkämpfe ausgeſchrieben,
da mit Jahrgang 06 das Jugendalter abſchließt.
Im Lebensalter von 18 bis 20 Jahren (Jahrgang 1004/05) ſieht den
Leichtathlet nochmals in einer beſonderen Klaſſe kämpfen, der Klaſſe
der
Jungmannen. Es werden beſtritten: 100 Meter, 200 Meter 400
Meter, 1500 Meter, Schwedenſtaffel (402 Meter, 300 Meter, 200 Meter,
100 Meter) und der Dreikampf aus: 200 Meter, Weitſprung,
Kugel=
ſtoßen. Die Klaſſe der Jungmannen bildet dem Uebergang zu den
offenen Wettkämpfen der aktiven Athleten. In der Jungmannklaſſe
ſind aber ſchon Leute zu finden, die den Meiſtertitel ſich erkämpft haben.
Wir ſehen alſo das Wettkampfprogramm ſo aufgebaut, daß mit dem
fortſchreitenden Lebensalter die Anforderung geſteigert wird Zuerſt
wird nur Schnellkraft gefordert, in der näcſten Klaſſe tritt aber ſchon
zum Teil neben die Schnellkraft die Dauerleiſtung, um in der letzten
Jahresklaſſe auf alle Uebungsarten überzugehen. Wir werden alſo am
Tag der Jugendkämpfe in Darmſtadt die beſte Jugend Süddeutſchlands
kämpfen ſehen, und dieſe Kämpfe werden es wert ſein, daß ſie von
jedem Jugendlichen geſehen werden.
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baues
Han=
Utung
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kennt,
ffent=
der
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hre
Darmftäbter Tagdtaft
Kande
Der Handelsvertrag mit Griechenland,
welcher auf Grund der Meiſtbegünſtigung eben in Athen abgeſihloſſen
iſt und demnächſt dem Reichstag zugehen wird, tritt nunmehr an die
Stelle des alten deutſch=griechiſchen Tarifvertrages vom Jahre 1884,
deſſen Dauer ſchon 1894 abgelaufen war und der ſeitdem mit
einjähri=
ger Kündigungsfriſt fortbeſtanden hat. — Der Güteraustauſch
zwi=
ſchen beiden Ländern war zwar bisher nicht erheblich, aber er hatte ſich
doch ſeit Beginn dieſes Jahrhunderts ſehr gehoben, und es war vor dem
Kriege Ausſicht vorhanden, daß er
Kriege von 6 auf rund 18 Millionen Mark, alſo auf das Dreifache,
ge=
ſtiegen, während die Einfuhr aus Griechenland von 10 auf 25 Millionen,
alſo auf das Zweieinhalbfache, angewachſen war. Wir lieferten nach
Griechenland Maſchinen, wollene Kleiderſtoffe, Steinkohlen, Eiſenwaren
und Oberleder, während wir von dort hauptſächlich Korinthen, Noſinen.
Wein, Feigen, Schaf= und Ziegenfelle, etwas Eiſenerz und Terpentinöl.
bezogen. — Wie ſich unter den neuen Verhältniſſen in Griechenland
unſer Warenaustauſch geſtalten wird, bleibt abzuwarten.
Erwerbsgeſellſthaften.
fm. Badiſche Tabakbau= und VerwertungsA.=G.,
Kork bei Kehl. In der G.=V. der Badiſchen Tabakbau= und
Ver=
wertungs=A.=G. Kork bei Kehl wurde mitgeteilt, daß die Geſellſchaft auch
in den ſchwerſten Zeiten der Inflation zufriedenſtellend gearbeitet hat.
Haben doch die Pflanzer auf die Ernte von 1922 nicht weniger als acht
Auszahlungen im Geſamtwert von 29 Gm. pro Zentner erhalten. Im
Laufe des Jahres 1923 ſchloſſen ſich der Geſellſchaft im badiſchen
Ober=
land und vor allem im Unterland zahlreiche weitere Pflanzergemeinden
an, ſo daß die Verwertungsorganiſation am Ende des zweiten
Geſchäfts=
jahres 105 Pflanzergemeinden mit zirka 12000 Pflanzern umfaßte. In
Karlsruhe wurde zur beſſeren Verbindung mit den Gemeinden des
Un=
terlandes eine Zweigniederlaſſung gegründet und mit der Badiſchen
Landwirtſchaftskammer ein Abkommen geſchloſſen, wonach dieſe die
ge=
ſamte Fermentation der Geſellſchaftstabake in Lohn übernommen hat.
Für das Jahr 1924 iſt eine weitere Ausdehnung des Geſchäfts zu
er=
warten.
— Tri=Ergon A.=G. in Zürich. Nach auswärtigen Blättern
wurde mit einem Aktienkapital von 2 Mill. Frs. neugegründet die Tri=
Ergon A.=G. in Zürich; ſie bezweckt den Erwerb, Ausbau und die
Ver=
wertung der geſamten ſog. Tri=Ergon=Erfindungen von Vogt, Maſolle
und Dr. Engl in Berlin auf dem Gebiete des ſprechenden Films (der
zurzeit in Darmſtadt vorgeführt wird) und der elektriſchen
Schallüber=
tragung und der dazu gehörenden Patente und ſonſtigen Schutzrechte.
Im Verwaltungsrate figurieren nur Schweizer
Ri
„ieſſen.
* Ein Radio=Ausſtellungshaus in Berlin. Die
Gemeinnützige Berliner, Meſſe=Aufbau=
Geſell=
ſchaft, die ſeit etwa Jahresfriſt an der Verwirklichung des
Meſſe=
gedankens in der Reichshauptſtadt arbeitet, hatte einen engeren
Wett=
bewerb. für die Errichtung eines „Hauſes der Radio=Induſtrie” als
Ausſtellungsgebäude auf dem Gelände am Bahnhof Witzleben
ausge=
ſchrieben, für den eine Reihe der bekannteſten deutſchen Baukünſtler
zur Teilnahme aufgefordert waren. Das Ergebnis des Wettbewerbs,
das in dieſen Tagen feſtgeſtellt worden iſt, war die Wahl des Entwurfs
von Profeſſor Heinrich Straumer, mit deſſen Ausführung
noch in dieſem Monat begonnen wird. Das „Haus der Radio=
Induſtrie” wird natürlich in erſter Linie auf den Charakter und
die Bedürfniſſe dieſer Induſtrie zugeſchnitten ſein, die dort im Herbſt
ds. Js. ihre erſte große Ausſtellung veranſtaltet, wird aber auch ſpäter
anderen Meſſen als Heim dienen. Zweifellos bedeutet die Errichtung
der erſten eigenen Meſſehalle einen energiſchen Schritt vorwärts auf
dem Wege der wirtſchaftlichen Entwicklung Berlins, die die
Gemein=
nützige Berliner Meſſe=Aufbau=Geſellſchaft zu fördern ſucht.
* Ein deutſches Meſſeſchiff. In den nächſten Monaten
wird das erſte deutſche Meſſeſchiff den Hamburger Hafen verlaſſen.
Da=
mit kommt ein ſchon lange gehegtes Projekt zur Ausführung, ein
Unter=
nehmen, das dazu beſtimmt iſt, zur großzügigen Propaganda deutſcher
Waren im Auslande zu dienen. Der Dampfer, der den Namen „
Indu=
ſtria I” führt, hat bei einem Gehalt von 80000 Tonnen Platz für 570
Ausſteller. An Bord wird ſich Poſt und Telegraph, Funkſtation, Bank=
und Wechſelſtuben, ein Schreibmaſchinenbüro, ferner eine Ausleſe der
beſten deutſchen Bücher, Zeitungen und Zeitſchriften befinden. Ein
eigener Preſſe=, Lichtbild= und Filmdienſt ſorgt während der Fahrt für
die Propaganda in den Anlegeſtationen. Auch ein Bord=Kino befindet
ſich auf dem Dampfer, dem die Verführung deutſcher Induſtrie= und
Werbefilme obliegt, wofür die Film=Zentrale A.=G., gewonnen wurde.
Als Anlegeplätze find die Häfen folgender Länder vorgeſehen: Fahrt
ab Hamburg nach Schweden. Norwegen, Dänemark, England, Spanien,
Italien, Türkei, Aegypten Vorder= und Hinter=Indien, Japan, China.
Die Dauer der Reiſe wird auf 10 Monate berechnet.
* Die Belegung der Königsberger Herbſtmeſſe.
Trotz des ſchweren Druckes, mit dem die Kreditnor die deutſche Wirtſchaft
belaſtet, war der Ausſtellungsraum, der für die Königsberger
Herbſt=
meſſe (10.—13. Anguſt) zur Verfügung ſteht, frühzeitig voll belegt, ſo
daß Wünſche vieler neuen Firmen, die in Königsberg ausſtellen wollten,
nicht mehr erfüllt werden konnten. Vor allem in der Textilbranche, bei
Schuh= und Lederwaren, ſowie bei den Nahrungs= und Genußmitteln
überſtieg die Nachfrage die vorhandenen räumlichen Möglichkeiten
er=
heblich. Da es bei der ſchwierigen Wirtſchaftslage nicht ausgeſchloſſen
iſt, daß manche Firmen ihre Meſſepläne nicht in dem geplanten
Um=
fange verwirklichen können, beſteht die Möglichkeit, daß einzelne
Inte=
reſſenten noch kurz vor der Meſſe freiwerdende Stände erhalten können.
Aber auch in dieſen Fällen können Firmen nur in der Reihenfolge, in
der ſie ſich vormerken laſſen, berückſichtigt werden.
Wirtſchaft des Ausſandes.
B. N. Das amerikaniſche Kapital in Kanada.
Amt=
liche Waſhingtoner Berichte beſagen, daß der Anteil der Vereinigten
Staaten am Außenhandel Kanadas ſtändig im Wachſen begriffen iſt.
Der Wert der amerikaniſchen Ausfuhr nach Kanada bezifferte ſich 1923
auf 652 Millionen Dollars gegen 403 Millionen Dollars in 1913,
während ſich die Einfuhr aus Kanada von 142 Millionen Döllars in
1913 auf 416 Millidnen Dollars in 1923 erhöht hat. Der zunehmende
Einfluß der Union auf das kanadiſche Wirtſchaftsleben iſt in erſter Linie
darauf zurückzuführen, daß amerikaniſches Kapital in immer ſtärkerem
Ausmaß in Kanada Anlage findet. Ungefähr 15 Prozent des ins
Aus=
land abgefloſſenen amerikaniſchen Kapitals ſind in Kanada plaziert
worden. Ein Drittel der kanadiſchen Bergwerke und der ausgegebenen
Staats= Kommunal= und Provinzial=Anleihe befinden ſich in
amerikani=
ſchem Beſitz. Wie eng die amerikaniſche und kanadiſche Wirtſchaft
mit=
einander verknüft ſind, geht daraus hervor, daß über 1000 amerikaniſche
Induſtriefirmen in Kanada Fabriken beſitzen.
Warenmarkte.
w. Amtliche Notierungen der Frankfurter Börſe,
Abteilung Getreide, vom 10. Juli. Getreide, Hüilſenfrüchte und
Bier=
treber ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit. Preis je 100
Kilo: Weizen (Wetterau) 17—17,25, Roggen 15,75—16,25,
Sommer=
gerſte für Brauzwecke 16,50—17, Hafer (inländiſch) 16—16,75, Hafer
(ausländiſch) — — Weizenmehl (ſüdd. Spezial 0) 28,50—29,25,
Noggen=
mehl 23— 23,75, Weizen= und Roggenkleie 8,65—9. Tendenz: feſt.
* Frankfurter Kleinviehmarkt. Der Auftrieb beſtand
aus 21 Ochſen, 11 Färſen und Kühen, 865 Kälbern, 250 Schafen und
1026 Schweinen. Notiert wurden noch Goldmark für den Zentner
Leben=
gewicht: Kälber 58—30, Schafe 25—35, Schweine 48—58. Marktverlauf:
Markt bei langſamer Haltung geräumt.
w. Verliner Produktenbericht. Die von der Regierung
für ſpäter geplante Einführung von Getreidezöllen und einer
even=
tuellen Ausfuhrgenehmigung für Getreide hat im ganzen Lande eine
feſte Tendenz im Produktengeſchäft hervortreten laſſen und zu einer
merklichen Steigerung der Preisforderungen geführt. Für Weizen und
Roggen bezieht ſich das ſowohl auf nahe Ware wie auf
Herbſtlieferun=
gen, für welch letztere namentlich die Küſte vielfach größere Kaufluſt
be=
kundet. Die Lage des Mehlgeſchäfts rechtfertigt die Preisſteigerung
bis jetzt nicht, da der Abſatz von Weizen= und Roggenmehl nach wie vor
ſchleppend iſt. Gerſte wurde bei knappem Angebot etwas höher bezahlt.
Für Hafer waren die Preiſe gut behauptet. Futterſtoffe hatten in
greif=
barem Material ſtilles Geſchäft. Für Herbſtlieferungen war die
Nach=
frage bei etwas höheren Preiſen etwas größer.
* Nürnberger Hopfenmarkt. Zufuhr 30 Ballen.
Um=
geſetzt wurden 20 Ballen. Die Tendenz iſt ruhig und unverändert.
Württembergiſcher Markthopfen und Hallertquer wurden zum Preiſe
von 250—300 Mark genannt.
Börſen.
* Frankfurter Börſe vom 10. Juli 1924. (Eigener
Ve=
richt.) Abgeſehen von der anfänglichen Feſtigkeit der Kriegsanleihe und
der Türkiſchen Renten verlief die heutige Börſe in ausgeſprochen
ſchwa=
cher Haltung. Die Aktienmärkte waren anfangs knapp behauptet, lagen
aber im weiteren Verlauf ſchwächer und es ſchien, als ob das
herauskom=
mende Material in der Hauptſache von der Spekulation ſtamme, die ſich
neuerdings ſtärker den Rentenmärkten zuwendet. Auch die letzteren
muß=
ten ſpäter ihre anfänglichen Kursbeſſerungen wieder vollkommen
her=
geben. Die Schlußkurſe lauten für 4prozentig Zolltürken 7 Bill. Proz.
und für Kriegsanleihe 295 Milliarden=Prozent. Stärkeres Intereſſe
beſtand heute für Städte=Anleihen, die auf die Aufwertungsfrage und
Rückzahlungsangebote hin durchweg Kursbeſſerungen erzielen konnten.
An den Aktienmärkten fiel die Feſtigkeit von Mitteldeutſche Kreditbank
auf, die von intereſſierter Seite geſucht blieben. Auch Phoenix, die mit
11. Juli 1924 Nr. 194
23,25 einſetzten, waren auf unbeſtimimte Zuſammenlegungs=Gerüchte hin
anfänglich geſucht. Kanada=Zertifikate konnten ihre geſtrige Steigerung
behaupten. Im freien Verkehr hörte man: Becker Stahl 1,25, Becker
Kohle 32/s. Benz 2, Growag 0,125, Krügershall 2,5, Memeler, Zellſtoff
75 Geld, Otto und Quantz 1,5, Petroleum 10,25, Ufa 4,5. Die
Schluß=
kurfe blieben die niedrigſten des Tages.
w. Berliner Börſenbericht. Die hervorſtechendſte
Er=
ſcheinung im Börſenverkehr bleibt nach wie vor die auf allen Gebieten,
mit Ausnahme des Rentenmarktes, herrſchende hochgradige
Geſchäfts=
ſtille. Die leichten gelegentlichen Anſätze zu einer Geſchäftsbelebung
zu dem längſt erwarteten Tendenzumſchwung ausreifen zu laſſen, dazu
wird die politiſche Lage noch als zu wenig geklärt angeſehen, zumal das
gemeinſame engliſch=franzöſiſche Vorgehen auf der bevorſtehenden
Lon=
doner Konferenz nach den neueſten Depeſchen anſcheinend auf den
Wider=
ſtand Amerikas ſtößt. Der Kursſtand der Dividendenpapiere unterlag
daher nur geringfügigen Aenderungen, wobei freilich die
Abſchwächun=
gen überwogen, die aber nur für einige Montanpapiere, bis 2 Bill
Prozent erreichten. Das einzige Gebiet etwas lebhafter ſpekulativer
Betätigung war, wie ſchon in den letzten Tagen, der Rentenmarkt. Für
Kriegsanleihe erhielt ſich bei ſchwankenden und im Verlaufe
abbröckeln=
den Kurſen das Intereſſe, obwohl die Bewegung von ihrem bisherigen
Schwung bedeutend eingebüßt hat. Gefragt blieben auch bei mäßig an
ziehenden Kurſen ausländiſche Renten, wie Türken, Ungarn und Oeſter.
reicher. Kanada vermochte ihren anfänglichen Gewinn von 2 Bill. Pro
zent weiterhin nicht aufrecht zu erhalten. Bei leicht abbröckelnden Kur.
ſen ſtagnierte dann das Geſchäft nahezu vollkommen. In der Lage an
Deviſen= und Geldmarkt ſind Veränderungen von Bedeutung nicht ein
getreten.
!
Oeviſenmarkt.
i
P
GI
Barmſtadter und Nationaldank, Kommandit=Geſeuſhaft auf uktten.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.
Kiffe Nepar Gebd Brief Geld Brief Amſterdam=Rotterdam.. „20
15. 159.0 158.2 bo/ Brüſſel=Antwerpen ..... II Chriſtiania. . . . . . . . . . . . . Kopenhagen .........." Stockholm . . . . . . . . . . . . . 111,2 1t4 Helſingfors .. . ......." 10.35 10.51. MI
99‟ BSt Italien ..............."
London .. .... . .... ... 17.86
18,165 17.94
18.2. 89 New=York .... . . . . .. ..." 4.. II Paris. . . . . . . . . . . . . . ... 21.37 2. 21.42- 21. Son Schweiz .. . . . . . . . . . . . ."
Spanien .............. 74.9 6 76. * 55.46 bon Wien (i. D.=Oſterr. abg.). 5 91: rag . ... . . . . . . ....... 12.275 123, A 2s Budapeſt. . . . . . . . . . . . .. 5.0 5.0 „0 Buenos=Aires. . . . . .... . Bulgarien. .. . . . .. ... .. 3.04 3.02 Japan . . . . . . . . . . ... .." 1.75 1.76. 17 Nio de Janeiro .. ......" 0.42— 0
0.43 Belgrad. . . . . . . . . . . . .. . 4.93= 3— vor Liſſabon .............." 19 11.5 17 1. vol Danzig ....... .. ....." 72,66 73 02 42.73
314 voll
Berliner Kurſe. (Eigene telegr. Meldung.)
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 000000.
g‟
Aktiengeſ. für Anilinfr.
AſchaffenburgerZellſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch.
Berl.=Anhalt=Maſchinen.
Berl. f.Elektr. W.vorzug
ismarckhütte . . . . . . ."
aunkohlen=Briketts.
Bremer Vulkan ......"
Wolle...... . ."
Chem. Heyden ......."
Weiler ......."
Deutſch=Atlant. Tel.. .
Deutſche Maſchinen. . .
Deutſch=Niedld. Tel. .
Deutſche Erdöl ......"
Deutſche Petroleum ..
Dt. Kaliwerke .......
Dt. Waffen u. Munit ion
Donnersmarckhütte .. .
Dynamit Nobel ......
Elberfelder Farben.. .
Elektr. Lieferung ...."
R. Friſter ..........."
Gaggenau Vorz. .. . . .
Gelſenk. Gußſtahl ....
Geſ. f. elektr. Untern..
Halle Maſchinen ....."
Han. Maſch.=Egeſt.. . . .
. 312. 320 Hohenlohe Werke. . ...
ahla Porzellan .... 1 Lindes Eismaſch. . . . . . 50 10 Lingel Schuh .. . . . .. 7091 Hofmann .. .. weu. Co. ......
L. Loc 4300 . Lorenz ..........." Neguin ..
.
hle: Niederländ
che K. 145 14500 Nordd. Gummi ......" 327 32 Orenſtein. . .
.. z00 Rathgeber Wa=
... 27 Rombacher Hütten. . . . Roſitzer Zucker ......." 2 Rütgerswerke ....." Sachſenwerk
... ichſiſche Gußſtahl. . e 3 jemens Glas ....... 9750 St
teaua Romana .. . .. 80 ſer. Lauſitzer Glas ... Volkſtedter Perzellan. 1112, 19 eſtf. Eiſ. Langendreer 7009 50 Wittener Gußſtahl .... 41500 41500 Wanderer=Werke ....." 60
Frankenkurs in London: 85.05
Markfurs „ „ 18 18
Europäiſche Staatspapiere.
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe .... ......
420
335 „ „„J
.
z
Dollar=Goldanleihe per 1935
1932..
Dollar=Schatzanweiſungen".
4½% IV. u. V. Schatzanw
4½%HI.—IK.
4½ Dt. Schutzgebiet v.0,8-11u. 13
v. 14
Sparprämienanleihe .. . . . . . ..
Zwangsanleihe .. . . . . . . . . . . . ."
% Preuß. Konſols .........
„ .........
3½% „
„..
4½ Bad. Anl. unk. 1935 ....
1907 .......
6„ „ v.
1896 .......
DS
2 Bahern Anleihe ........."
.......
8½%
Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rckz. 26 .. . . . . . . ......
F
8—16% Heſſen Reihe
I.
untilgb. b. 28 . . . . . . . . . . . . . .
49 Heſſen unk. 1924.. . . . .. ...
3½
0 ssssscos
...... ..
4% Württemberger alte ... ..."
b)Ausländiſche.
5% Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
5%
v. 1902 ...........
*8
„...........
5% Bulgar. Tabak 1902.. . . . . .
12/ % Griech. Monopol .......
4½% Oeſt, Staatsrente v. 1913
1b 1918 „.............."
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
v. 1914 .................
49 Oeſt. Goldrente ........."
4% „ einheitl. Rente ......
59 Rum. am. Rente v. 03....
4½% „ Goldrente v. 13 ...
am. Goldrente konv.
am. v. 05 ......."
Tik. (Admin.) v. 1903....
(Bagdad) Ser, I..
*
I..
ſo v. 1911, Bollanl. ...
4½% Ung. Staatsr. v. 14 ....
Goldrente .. . . . . .."
Staatsr. v. 10 ....
*
Kronenrente ......"
Siet 118 7 8 Md 0.4 3: 0,.430 0,5 0.475 0,67 0,610 — 4,2 4,2 730 730 0,6
— — 0,5 45 9,490 3,25 3.; 0.950 M Ug D 5,75 0,8 13. 2,25 — * 75 9 4,85 — 2 —
22
Außereuropäiſche.
%o Mexik. amort. innere . . . . . .
„ konſ. äuß. v. 99. . . . .
R
„ Gold v. 04, ſtfr. .. . .
„ konſ. inner. .. . . . . ."
4½%
Frrigationsanleihe .
5½ Tamaulipas, Serie I......
Oblig. v. Transportanſt.
07
4½ Eliſabethbahn ſtfr. . . . . . . . .
6 Gal. Carl Ludw.=Bahn. . . .
0.9
5% Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtfr. .. Grl. 7
T— Tauſend I— Millionen, M4 — Milliarben, aU -ohne Umſatz X —rationiert
Frankfurter Kursbericht vom 10. Juli
2,6% Alte Oeſt. Südb. (Lomb.
6%Neu=
% Oeſt. Staatsb. v. 1883 ....
8. En..
9 Oeſt. „ 1
9. Em. .. . .
„
v. 1885 ...."
deſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
Anatolier I............"
6 Salon. Conſt. Joncrion ..."
3% Salonique Monaſtir ......"
5% Tehuantepec. . . . . . . . . . . . ."
4½%
Nach Sachſvert verzinsl
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwrtanl. v. 23
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
I. Em. . . . . . . . . . . . . . . . . . ."
5%0 Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
. ........
9
roßkraftwerk Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23.......
60
Heſſ.Braunk.=Rogg. Anl. v.2
5%Neckar A.=G. Stuttgart
Gold=
anl. v. 23... .. .. .. .... . . ..
5% Pfälzer Hhp.=Bank. Gold=
Pfdbr. v. 24.. . . . . . . ..
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe.
Roggenwert=Anl.
5% Rhein, Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 .............."
5% Rhein=Main=Donau
Gold=
anl. v. 23 .............. ..
5% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23
Ser, I u. II. ... ..... . .. ..."
5% Sächſ. Roggenwertanl. v. 23
5% Südd. Feſtwertbk. Goldobl,
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt. . . .
Bank für Brauinduſtrie ......"
Barmer Bankverein. . . . . . . . . .
Bayer Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft . . .
Commerz= und Privatbank ...
Darmſtädter u. Nationalbank ..
deutſche Bank .............."
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank
Deutſche Hypot.=Bank Mein.. . .
Deutſche Vereinsbank ... ....."
Disconto=Geſellſchaft ... . . . . .."
Dresdner Bank.. . . . . . . . .. . ..
Frankfurter Bank ..........."
Hypotheken=Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . . . .. . .
Mittelbeutſche Creditbank. . . . .
Oeſterreichiſche Creditanſtalt .. .
Reichsbank=Ant. . . . . . . . . . . . . .
Rhein. Creditban ......... .."
Hypothekenbank . . . . ."
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Weſtbank ..................."
Wiener Bankverein ..........
Bergwerk3=Aktien,
Berzelius .... .............."
Bochnmer Bergb. ..... .. . . ..
Buderus. . . . . . . . . . . . . .......
Dt. Luxemburger .... . . . . ....
Eſchweiler Bergwerks=Akt. . . ..
„25 Gelſenkirchen Bergw. .... . .. ."
Harpener Bergbau.. ... .. . ...
9. 7.
7,5
1
17,5
1.25
40
9,5
1,3
2,45
3,35
1
2.1
05.
2,5
1,25
1.4
20
33
*
2.
11
0.35
342/=
0,290
0,255
3,9
Rio
43
62
9
10
2,5
825
n
9
1.25
—
9,6
3
3
195
1,29
1,4
255
3.3
6.2
0.,300
7.
4,5
2,2
G
z.
Aft
0.255
425
42,25
Kaliwerke Aſchersleben .... . ..
Salzdetfurth .......
„
Weſteregeln ......."
löckneriverke (abg. Lothr. Hütte)
Nannesmann Röhren ........"
Mansfelder ................."
Oberbedarf ................."
Oberſchleſ. Eiſen (Caro) ......"
Otavi Minen u. Eb.=Ant. ....
Bhönix Bergbau ..........."
Rhein. Stahlwerke ..........."
Riebeck Monian.. ..... ......"
Rombacher Hütte.. . . . . . . . . .."
Tellus Bergb.=u. Hütten=Akt. .
Ver. Laurahütte . . . . . . . . . . . .."
Aktien indnſtr. Unternehmung.
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . .
Löwenbräu München ........"
Schöfferhof (Binding) ........"
Werger .............."
Akkumulat. Berlin ...........
Adler & Oppenheimer ......
Adlerwerke (v. Kieher) ......."
A. E. G. Stamm. . . . . . . . .
Vorzug Lit. A ...
Z
Vorzug Lit, B..."
5% „
Amme Gieſecke & Konegen ...."
Inglo=Continental=Guano .....
lnilin Bln.=Treptow.. . . . . . . .
lſchaffenburger Zellſtoff .....
Hadenia (Weinheim)........."
Badiſche Anilin=n. Sodafabrik",
zad. Maſchf. Durlach ........"
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen..
Baldur Piano. . . . . . . . . . .. . . ."
Baſt Nürnberg .... ..... ....."
Bahriſch. Spiegel ............"
Beck & Henkel (Caſſel) ........"
Bergmann El. Werke ... ... . . ."
Bing. Metallwerke ..........."
Brockhues, Nieder=Walluf.... .
Eementwerk Heidelberg. ... . ..
Karlſtadt . . . . . . . .
„
Lothringen (Metz).
Chem. Werke Albert. . . . . . . . ..
Griesheim Elektron ...."
Fabrik Milch .........."
Weiler=ter=mer .. . .. . . .
Daimler Motoren ..........."
Deutſch. Eiſenhandel Berlin ..
deutſche Erdöl .............".
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt. .
Dingler, Zweibrücken ........"
Dresdener Schnellpreſſe ..."
Dürkoppwerk (Stamm) ... .. ."
Düſſeld. Natinger (Dürr) ....
Dyckerhof & Widm. Stamm ...
Eiſenwerk Kaiſerslautern .....
L. Meher jr. ... ...
Elberfelder Farbw. v. Baher .."
Kupfer=u. Meſſingw.
Elektr, Lieferungs.=Geſ. ......"
Licht und Kraft . . . . . ..
Elſäſſ. Bad. Wolle. . . ..... . . . ."
Emag, Frankfurt a. M.. . . . . . .
Email.= E Stanzw, Ullrich ....
Enzinger Werke ... .. . .. .. ...
Eßlinger Maſchinen .. .. . . . . ."
Ettlingen Spinnerei ........."
Faben Joh., Bleiſtift ........
23 9 4 1,3 13 17,5 15,5 8,75 * 11,5 11,5 11 19,75 19,4 1.I „1 37 8,75 — 14,5 0,6 1. 10,25 1,3 1,65 75 10,25 172 3. 8) 5,9 41 31.,75 19 10 7,25 75 34 114 10 2,8 1, 225 225 1,65 9.5 0,435 0.450 9.3
5,75 0.250 0,250 2,31 30,5 32 77
Faber & Schleicher ..... . ...."
Fahr, Gebr., Pirmaſens .....
Felten & Guillegume. Carlsiuv...
Feinmechank (Jetter)....... .."
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M..
Frankfurrer Gas.. . . . . . . . . . . ."
Frankfurter Hof ..........."
Fkf. Maſch. Pokorny &. Witte
Fuchs, Waggon Stamm .. . . .
Ganz. Ludwig. Mainz ......."
Geiling & Cie. ..............
Germania Linoleum ........."
Gelenkirchen Gußſtahl ......."
Goldſchmidt, Th. ......... ..."
Gotha Waggon.............."
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach. . .
Grün & Bilfinger ...........
Hammerſen (O3nabrück) ......
Hanfwerke Füſſen ..........
Heddernheimer Kupfer .......
Heyligenſtaedt, Gießen .......
Hilpert Armaturenf. . . . . . . . . .
Hindrichs=Auffermann. . . . . . . .
Hirſch Kupfer u. Meſſ. .. . . . ..
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben ............"
Holzmann, Phil. . ...... . . . . .
Holzverk.=Induſtr. . ..... . . . .."
Hydrometer Breslau ........"
Inag ..."
.... . . . . ..
Junghans
kamm .. . . . . . . . . .
Karlsruher Maſchinen ........"
Karſtadt 9. .. . . . . . . ... .. ...."
Klein, Schanzlin & Becker ...
Knorr, Heilbronn ............
Kolb & Schüle Spinn. . . . . . . .
Konſervenfabrik Braun ......"
Krauß & Co., Lokom. . . . . . . .
Lahmeyer E Co. ............
ech, Augsburg .. . . .. . .. ...."
Lederw. Rothe ..............
Lederwerke Spicharz ........
Lingel, Schuhw. Erfurt .. . . . ."
Löhnberger Mühle .........."
Lüdenſcheid Metallw. .... . ...
Luther, Maſch.=u Müh enbau..
Lux’ſche Induſtrie ...........
Mainkraftwerke Höchſt......."
Meguin, Butzbach ..........."
Metallgeſ. Frkft. . . . . . . . . . . . ..
Meyer, Dr. Paul .........."
Niag, Mühlenb., Frankf. a. M..
Moenus Stamm .. . . . . . . . . ..
Notorenfabrik Deut .........
Motorenfabrik Oberurſel ....."
Neckarſulmer Fahrzeugwerke . ..
Neckarwerke Eßl. Stamm . . . .
Oleawerke Frankfurt a. M.. . .
Beters Union Frankfurt a. M.
Pfälz. Nähm., Kayſer ......."
Philipps A.=G. .... . . ......"
Porzellan Weſſel ............
Reiniger, Gebbert & Schall. . .
Rhein. Elektr. Stamm . . . . . . . ."
A
tall Vorzüge ......
Rhenania, Aachen ..... .... ..
Niedinger, Maſchinen .........
Rückforth, Stettin ..........."
Rütgerswerke ....... .. ......
Schleußner (Frankfurt a. M.) ..
Schneider & Hanau.. . . . . . . . .
Schnellpreſſen Frankenthal. . . .
Schramm Lackfabrik. . . . . . . . . .
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Sichel & Co.
inz ... . . . .."
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e....
einens Glasinduſtrie ......."
ens & Halske. . . .. . . . . ..
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Gummifabr. Bln.=Frkf..
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Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Stämne .. . .
Voigt & Haeffner Stämme . . .
Voltohm, Seil..............
Wayß & Frehtag. . . . . . . . . .. . ."
Wegelin Rußfabrik ........."
Zellſtoff Waldhof Stamm .. . .
Zuckerfabr- Waghäuſel .. . . . . . ."
„ Frankenthal ......"
Heilbronn. . . . . . . . .
Offſtein ..........
Rheingau ........."
Stuttgart . . . . . . . . .
9
39,7
Ne5
e 2
„4
8
2‟
3.
2,25
2,3.
Deutſche Eiſenb.=Geſ. Fftm. . .
Schantung E. B............."
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ. ..
Hapag (Paketfahrt) .........."
Nordd. Llohd. . . . . . . . . . . . . ..." 18,5
21
11
3.8: Darmſtädter Werte. Bahnbedarf .. . . . . . ........." 0. Dampfkeſſel Rodberg. . . . . . . ." Helvetia Konſervenfabrik. . . . . . Gebr. Lutz ........ .. . . . .. . . ." Motorenbfarik Darmſtadt .. . .. Gebr. Roeder ............... Venuleth & Ellenberger ......" Unnotierte Aktien. pi...... .................. Beckerkohle.. .. . . . . . . . . . ... .. Beckerſtahl ................. Benz..... .... .... . . .. ...... Brown Boveri .............. dem. Andreae ............. Deutſche Petroleum ......... — Diamond Shares .... ........" trepriſe .. . . . . . . . . . . . .. .. — Falconwerke .......... Großkraftw. Württemb. (Gron — Unterfranken (Ufra) .........." Hanſa Lloyd .............." — Hero Conſerven".
.......... Holſatiawerke. A
na........" Kabel Rheydt .. ........ .... — Krügershall Kali ............" — Metall Starkenburg .. .. . .... — Otto & Quanz... . . . . . . . . . . .." Raſtatter Waggon ...........
Textil=Ind. Barmen (Tiag).... — ufa Filn .................."
A
[ ← ][ ][ → ]Rnmmer 191.
24)
Das deutſche Herz.
Roman von Adolf Schmitthenner.
Nachdruck verboten.)
Nachdem die Pferde ausgeſpannt und der ſchöne Fremdling
aus ſeinem Gefängnis befreit war, wurde er mühſam umgedreht,
ſo daß die Deichſel bergabwärts ragte. Zwei Zwingenberger
Bürger mußten in Frond die Nacht hindurch bei der Kutſche
wachen. Sie bekamen dafür einen Batzen, den Abendimbiß, die
Morgenſuxpe und um Mitternacht je zwei Apfelkrapfen. Nicht
allein der Junker, auch noch andere beſorgte Gemüter wachten
in der Nacht mehrmals auf und lauſchten, ob es nicht regne,
Das Wetter hielt. Am frühen Morgen wurden die Pferde
an=
geſchirrt. Urſula verließ lachenden Herzens die Burg und ſtieg
n ihr Wandelhaus. Ein Planwagen ſtand reiſefertig im Hof.
Darinnen waren Kiſten und Kaſten mit allerhand Inhalt. Auf
einem Bänklein hinter dem Kutſcher ſaßen zwei Mägde. Die eine
Javon hatte ein Kind auf dem Arm. Es war Urſa, das
Mäd=
hen, das vor dem Schloſſe im erſten Häuschen gewohnt hatte,
zis die Herrin die Verwahrloſte unter ihre Dienerinnen nahm,
um ſie zu erziehen. Der Säugling war wohl gediehen; es war
in herziges Kindchen.
Als alles in Ordnung war, rief Friedrich: Los!‟ Die
Tutſche ſetzte ſich in Bewegung und gondelte prachtvoll die
Schloß=
traße hinab. Der Planwagen raſſelte hinterher. Friedrich gab
roch einige Aufträge, dann ſprengte er den beiden Fuhrwerken
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. Juli 1924.
nach und ritt neben ſeiner Frau auf der Landſtraße, den
fröh=
lichen Neckar zur Linken, das ſchwebende Gehäuſe und den
grünen Bergwald zur Rechten, gen Hirſchhorn.
Als ſie Eberbach hinter ſich gelaſſen hatten, trieb ihnen der
friſche Märzwind, der in der Nacht von Oſten nach Nordoſten
umgeſchlagen hatte, eine graue Wolke über den Kopf, und aus
ihr ſprühten Graupenkörner und Regentropfen. Hinter der
vor=
derſten Wolke zogen andere herauf, denen man ſchon von fern
den gleichen Schabernack anſah. Friedrich zog den Wolfspelz
enger zuſammen und freute ſich, daß ſein Weib ſo warm und
wohlig thronte. Aber er dachte auch an das kleine Kindchen in
dem Planwagen. Das war denn freilich übel verſorgt. Der
Negen ſchlug von vorn und von der rechten Seite herein, und
vom Dache her troff das Waſſer aus verſchiedenen Spalten und
Löchern. Der Junker ließ den Wagen halten und griff nach dem
Kindchen. Die Tücher und Kleider waren von außen her ganz
durchnäßt. Da dauerte ihn der arme Wurm. Er ließ die Kutſche
halten und klopfte ſeiner Frau an das Fenſter. Nach einiger
Mühſal brachte ſie das kleine Verkehrsturchen auf. Es war
gerade groß genug, daß der Nitter zur Not ſeiner Frau einen
Kuß geben konnte. Der Junker beugte ſich herunter, vollbrachte
dieſes Werk und ſagte ſein Anliegen.
Da muß ich aber die Mutter auch gleich hereinnehmen.”
erwiderte Urſula, „denn wir haben noch eine Stunde Fahrzeit;
da kann mancherlei vor ſich gehen.”
Urſa gab das Kind an ihre Genoſſin und kletterte vom Wagen.
Das Kind wurde ihr heruntergereicht. Der Fuhrmann, der den
Seite 15.
Planwagen führte, ſtieg ab und öffnete den Kutſchenſchlag. Urſa
ſtieg ein und wollte ſich neben die Herrin ſetzen. Friedrich faßte
ſie am Ellbogen und bedeutete ihr, wohin ſie ſich zu ſetzen habe.
Der Kutſchenſchlag wurde geſchloſſen und die Fahrt ging weiter.
Urſula war nicht gerade erbaut durch die Anweſenheit ihrer
Namensſchweſter. Mit einem Gemiſch von Neugier und
Wider=
wille ſah ſie die Dirne an, die nicht wußte, wie der Vater ihres
Kindes hieß, weil er ihr zu ſchnell verbrannt war. Die
Geſichts=
züge ſtießen ſie ab: auch die Art, wie das Mädchen ihr Kind
liebkoſte, hatte etwas Tieriſches. Urſuka ließ ſich das Töchterchen
herüberreichen. Sie wiegte es auf den Armen, und das Herz
ſchwoll ihr bei dem Gedanken, daß ſie nun ſelber bald ein ſolches
Geſchöpf ihr eigen nennen dürfe. Sie hob das Kind in das
Licht und betrachtete ſein Antlitz. Das Muttermal über der linken
Braue ſchien gewachſen zu ſein. Wie eine aufzüngelnde Flamme
ſchlug es hinter den Augen empor. Das ſüße Geſichtchen bekam
dadurch etwas Gewaltſames und Zerriſſenes. „Wenn das
Dirn=
lein zu Jahren kommt, werden ſich die einen vor ihr fürchten,”
dachte Urſula, „den anderen wird ſie das Herz verbrennen.”
Und nun ſann ſie wieder nach über die Urſache des Males.
War es der Feuerruf oder war es der Flammenſchein? Eine
große Angſt kam über ihr Herz, denn ſie wußte, daß jener
Todes=
ſchrei, der ſie aus den Armen ihres Gatten ſchleuderte, den
innerſten Kern ihres Lebens geſchlagen hatte. Sie legte die Hand
unter ihr Herz und ſchloß die Augen.
(Fortſetzung folgt.)
o
K
A
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A4
TIA
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n diesen Hbteilungen haben wir sämtliche Preise nochmals ganz bedeutend berabgesetzt.
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bevor Sie zu uns kommen, ſich erſt bei den „Saiſon=Ausverkaufsgeſchäften” über Preislagen und Qualitäten zu informieren. Erſi dann ſind wir in
der Tage, Ihnen zu beweiſen, daß man auch ohne dieſes Reklameſchild noch weit billiger und leiſiungsfähiger ſein kann. Wir können unmöglich aus der
Fülle unſerer Rieſenläger alle Artikel aufzählen, obwohl jeder Artikel ein Schlager für ſich bedeutet. Sie müſſen ſich daher mit den nur wenigen
Bei=
ſpielen begnügen, die wir nachſiehend anführen. Was wir nicht anzeigen, finden Sie in großer Auswahl an unſeren Lägern, deshalb kommen Sie noch
heute, auch der weiteſte Weg iſt lohnend.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Juli 1924.
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