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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
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Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſtattet.
187. Jahrgang
Nummer 182
Mittwoch, den 2. Juli 1924.
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Die Peglängerung der Micum=Verträge.
Die finanzielle Anſpannung der Kohlenzechen. — Die Reichsregierung übernimmt die Hälfte
der Micumlaſien.— Die Micum beſteht aufunbegrenzte Verlängerung. — Monatliche Kündigung.
Maßnahmen des Bergbaus.
Die Stellungnahme der Reichsregierung.
Berlin, 1. Juli. Die Auffaſſung der zuſtändigen
amt=
ichen Stellen zur Verlängerung der Micumverträge läßt ſich
olgendermaßen zuſammenfaſſen:
Die Belaſtung des rheiniſch=weſtfäliſchen
Steinkohlenberg=
jaues durch die Micumverträge hat bewirkt, daß die Preiſe für
heiniſch=weſtfäliſche Steinkohlen das Niveau der inländiſchen
Brennſtoffpreiſe überſtiegen und daß in der letzten Zeit auch die
Weltmarktpreiſe überſchritten wurden. Der Bergbau iſt
gezwun=
gen, einſchneidende Maßnahmen zu treffen, um die infolge der
ſohen Preiſe eingetretene Abſatzſtockung auszugleichen. Es
kom=
nen nur zwei Maßnahmen in Frage:
Betriebseinſchrän=
ungen oder Preisſenkung. Es iſt zu hoffen, daß aus
nnerpolitiſchen und wirtſchaftlichen Gründen der zweite Weg
ge=
vählt wird, wenn auch nicht verkannt werden kann, daß die
Be=
aſtung des rheiniſch=weſtfäliſchen Kohlenbergbaues durch eine
Herabſetzung der Preiſe noch vergrößert wird, weil die
Abwäl=
ung auch nur eines Teiles der Micumlaſten auf die Verbraucher
dann nicht mehr möglich ſein wird.
Berlin, 1. Juli. Die Verhandlungen zwiſchen der
Sech=
er=Kommiſſion und der Micum in Düſſeldorf über die
Verlängerung der am 30. Juni ablaufenden Micumverträge
ge=
talteten ſich außerordentlich ſchwierig und drohten bis zum
etzten Augenblick mit einem ergebnisloſen Abbruch zu
ndigen. Die Reichsregierung hatte bekanntlich ſchon vor dem
5. Juni bei der franzöſiſchen und belgiſchen Regierung
bean=
ragt, an die Stelle der Abmachungen zwiſchen der Micum und
en privaten Kohlenzechen Vereinbarungen zwiſchen den
betei=
igten Regierungen treten zu laſſen. Die Reichsregierung hatte
ür dieſen Fall in Ausſicht geſtellt, daß ſie ſelbſt die
Kohlenliefe=
ungen wieder übernehmen und an der Finanzierung mitwirken
zürde. Dieſer Antrag wurde jedoch durch die Note der
franzö=
ſchen und belgiſchen Regierung vom 26. Juni abgelehnt mit
em Hinweis, daß es ſich nur um techniſche Vereinbarungen
andle, die auch mit der Micum getroffen werden könnten, und
ſaß die Micum Inſtruktionen erhalten habe, alle begründet
er=
cheinenden Anträge der deutſchen Induſtriellen zu
berückſich=
igen. Bei den Verhandlungen zwiſchen der Sechſerkommiſſion
nd der Micum am 28. Juni hat es ſich von Anfang an gezeigt,
aß die Micum die Möglichkeit einer Beteiligung Frankreichs
nd Belgiens an einer Finanzierung der Kohlenlieferungen, für
ie bei den vorangegangenen diplomatiſchen Beſprechungen in
Jaris eine Ausſicht eröffnet worden war, nicht verfolgten, und
aß ſie im weſentlichen auf einer unveränderten
Ver=
ängerung der Mieumverträge beſtehen will, und zwar auf
ine kalendermäßig unbegrenzte Zeit. Die von der Micum
an=
ebotenen Erleichterungen der Kohlenſteuer und einiger
kebenprodukte waren ſo geringfügig, daß ſie nur etwa ein
Zehn=
i der geſamten Micumlaſten ausmachten. Dieſe
Erleichterun=
en waren überdies an die Bedingung geknüpft, daß die
Micum=
erträge bis zum Inkrafttreten des Sachverſtändigengutachtens
der bis zum 1. Oktober verlängert werden. Sollte das
Sachver=
ändigengutachten bis dahin nicht in Kraft treten, ſo ſollten die
Ferträge ſtillſchweigend, jedoch mit Kündigungsrecht,
weiterlau=
n. Die Kohlenzechen haben dieſes Verlangen nicht annehmen
innen, da ſie, wie allgemein anerkannt, durch die
ſiebenmonati=
en Micumlaſten in eine ſo angeſpannte Finanzlage gekommen
nd, daß ſie eine weitere Belaſtung von 50 bis 100 Millionen
Kark nicht weiter tragen können. Die Reichsregierung glaubte,
en Kohlenzechen daher eine Verlängerung der Micumverträge
uf deren eigene Koſten allein nicht weiter zumuten zu können.
ndererſeits könnte die Reichsregierung es nicht zulaſſen, daß im
alle des Abbruchs der Verhandlungen das beſetzte Gebiet
euen Sanktionen, Willkürakten und Betriebsſtillegungen
ausge=
tzt werde, und daß im beſetzten Gebiet Konflikte
heraufbeſchwo=
en würden, die auf die geſamte politiſche Situation kurz vor
em Zuſammentritt der Londoner Konferenz die
verhängnisvoll=
en Folgen hätten haben müſſen. Die Reichsregierung erklärte
ch daher dem Kohlenbergbau gegenüber bereit, für Juli
ie Hälfte der Micumlaſten zu übernehmen
un=
er der Vorausſetzung, daß die von der Micum in Ausſicht
ge=
ellten unzureichendem Erleichterungen noch erweitert werden
nd daß die Verlängerung der Micumverträge auf Juli
be=
hränkt wird. Die Reichsregierung hat ſich aus den oben
argelegten Gründen zu einer finanziellen Beihilfe für
inen Monat entſchloſſen, obwohl die Finanzlage des Reichs
ne ſolche Beihilfe auch nur für einen Monat an ſich nicht
zu=
ßt. Eine Beihilfe für eine längere oder gar unbegrenzte Zeit
nn bei der Finanzlage des Reiches nicht verantwortet werden.
ie Reichsregierung hat nicht unterlaſſen, von der Tatſache der
nanziellen Beihilfe die franzöſiſche und belgiſche Regierung noch
ährend der Verhandlungen mit der Micum zu unterrichten
nd ſie um eine entſprechende entgegenkommende Weiſung an
Micum zu bitten. Gleichwohl iſt die Micum von
hrem Stndpunkt der Verlängerung auf
unbe=
renzte Zeit nicht abgegangen. Das einzige, was ſie
tgeſtanden hat, iſt, daß die Verträge jeweils zum Monatsſchluß
ekündigt werden können. Die Sechſerkommiſſion mußte
ſchließ=
ch am 30. Juni in ſpäter Nachtſtunde dies annehmen in der
Er=
ägung, daß ihr immerhin die Möglichkeit geblieben iſt, durch
ne Kündigung ihre Verpflichtungen gegenüber der Micum auf
ie Zeit zu beſchränken, für die ihr eine finanzielle Beihilfe des
keichs zugeſtanden war, nämlich für Juli.
Der Verlauf der Meumverhandlungen hat bewieſen, wie
be=
echtigt der ſeit Wochen dringend vorgebrachte Wunſch der
keichsregierung war, über dieſe Frage von Regierung zu
Regie=
ung zu verhandeln. Es iſt nicht richtig, daß es ſich in Düſſeldorf
ur um techniſche Fragen, wie es in der franzöſiſch=belgiſchen
Intwortnote heißt, handelt. Der Konflikt in der Mieum=
frage im gegenwärtigen Augenblick wäre nicht auf die
tech=
niſche Frage der Kohlenlieferungen beſchränkt geblieben, ſondern
hätte die weiteſten Auswirkungen auf die
allge=
meine Politik gehabt, die die Micum als techniſche
Be=
hörde nicht berückſichtigen konnte oder wollte. Da obendrein
an=
geſichts der Londoner Konferenz und im Hinblick auf die
allſeiti=
gen Bemühungen für eine möglichſt raſche Wirkſammachung des
Sachverſtändigengutachtens die Reichsregierung damit
rechnen muß, daß der Uebergangszuſtand mit Ablauf Juli ein
Ende findet, hat ſie der Sechſerkommiſſion heute
an=
heimgegeben, das Abkommen ſchon jetzt zu
kün=
digen.
Ermäßigung der Kohlenpreiſe um 20 Prozent
Eſſen, 1. Juli. In der heute im Städtiſchen Saalbau
abgehaltenen Verſammlung der Vertreter des
Ruhrkohlenberg=
baues, die bis ½7 Uhr abends dauerte, wurde eine
Ermäßi=
gung der Kohlen= und Kokspreiſe um 20 Proz.
gegenüber den bisherigen Preiſen beſchloſſen. Die
Ermäßi=
gung tritt mit dem 1. Juli 1924 in Kraft.
Danach ſtellen ſich die Preiſe nunmehr wie folgt:
Förder=
grußkohle 15,50 Goldmark, Förderkohle 16,50 Goldmark,
Stück=
kohle T 22.— Goldmark, Nußkohle I und IT 22,50 Goldmark,
Nußkohle III 22.— Goldmark, Gas= und Gasflammkohle:
För=
dergaskohle 15,50 Goldmark, Flammförderkohle 16,50 Goldmark,
Grußflammförderkohle 17,50 Goldmark, Stückkohle T 22.—
Gold=
mark, gewaſchene Nußkohle I und II 22,50 Goldmark, Eßkohlen:
Fördergrußkohle 15,50 Goldmark, Förderkohle (25proz.) 16.—
Goldmark, gewaſchene Nußkohle I und II 28,50 Goldmark, Koks:
Hochofenkoks 27.— Goldmark, Gießereikoks 28.— Goldmark, Bra=
Koks 33.— Goldmark, Briketts 1. Qualität 21,50 Goldmark,
2. Qualität 20,50 Goldmark, 3. Qualität 19,50 Goldmark.
Rückkehr der Ausgewieſenen.
Zu den durch das Wolffſche Telegraphenbüro dieſer Tage
verbreiteten Meldungen, daß den Ausgewieſenen mit wenigen
Ausnahmen die Rückkehr ins beſetzte Gebiet franzöſiſcherſeits
geſtattet ſei, muß ergänzend bemerkt werden, daß es ſich dabei
ausſchließlich um das Ruhrgebiet handelt. Im
altbeſetzten Gebiet arbeiten die franzöſiſchen Behörden leider
weſentlich langſamer. Von etwa 11000 Familienoberhäuptern,
die insgeſamt aus Rheinheſſen ausgewieſen waren (dazu kommen
noch etwa 23 000 Angehörige) hattenbis zum 26. Juni nur ca.
1200 Familienoberhäupter die Rückkehrerlaubnis erhalten. Am
26. Juni faßte die Rheinlandkommiſſion einen Beſchluß, nach dem
für das geſamte altbeſetzte Gebiet 7000 Familienoberhäupter
die Rückkehrerlaubnis erhalten. Durch einen weiteren Beſchluß
vom 27. Juni wurden ſchließlich die Ausweiſungen von weiteren
2= bis 3000 Familienoberhäuptern, insgeſamt 10 000 Köpfen,
zurückgenommen. Da die Zahl der Ausgewieſenen im
altbeſetz=
ten Gebiet mehr als 120 000 beträgt, ſo kann von einer
allge=
meinen Rückkehrerlaubnis für die Ausgewieſenen, ſoweit es das
altbeſetzte Gebiet angeht, leider durchaus noch nicht geſprochen
werden. Die Ausweiſungen während des Ruhrkrieges ſtellten
eine brutale franzöſiſche Kriegsmaßnahme dar. Wenn heute in
Paris wirklich ernſthaft der Wille beſteht, den Ruhrkrieg zu
liquidieren, ſo müßte die reſtloſe Aufhebung aller Ausweiſungen
eine Selbſtverſtändlichkeit ſein.
Wie uns von zuverläſſiger Seite mitgeteilt wird, hat die
franzö=
ſiſche Provinzdelegation heute eine Liſte, enthaltend die Namen von
7000 Ausgewieſenen, darunter über 2000 Pfälzern, gegenüber
denen die Ausweiſungsbefehle endgültig zurückgenommen
werden, überſandt. Die Bürgermeiſterämter des beſetzten Gebiets ſind
beauftragt, den auf dieſer Liſte ſtehenden Ausgewieſenen
Identitäts=
karten auszuſtellen. Die Identitätskarten, die noch mit einem
beſonde=
ren Ausweis der Provinzdelegation verſehen werden, werden den
ein=
zelnen auf der Liſte ſtehenden, namentlich bezeichneten Ausgewieſenen
zugeſandt. Durch dieſes Verfahren iſt alſo den zur Nückkehr
zugelaſſe=
nen Ausgewieſenen eine ſchnelle Rückkehr in ihre Heimat
geſichert. Die ſonſtigen für die Einreiſe in das beſetzte Gebiet
gel=
tenden Beſtimmungen kommen alſo für die betreffenden Perſonen nicht
in Betracht.
Vorausſetzungen für die Rückkehr der
Ausgewieſenen.
Berlin, 1. Juli. Der Reichstagsausſchuß für die beſetzten
Ge=
biete beſchloß in ſeiner Nachmittagsſitzung folgendes:
1. Mit ihrer Familie ausgewieſene Beamte, Angeſtellte und
Ar=
beiter des Reiches, der Länder, der Gemeinden, die im unbeſetzten
Ge=
biet Wohnung und Beſchäftigung haben, ſind, ſoweit nicht dringende
Intereſſen des Dienſtes entgegenſtehen, erſt dann zur Rückkehr
verpflich=
tet, wenn eine ausreichende Wohnung und den Beamten ein Amt, den
Angeſtellten und Arbeitern eine entſprechende Beſchäftigung zugewieſen
werden kann.
2. Die Anwendung der Verordnung des Reichspräſidenten über die
vorläufige Unterbringung von Ausgewieſenen vom 14. Juni 1923 im
unbeſetzten Gebiet iſt herbeizuführen.
3. Die Reichsregierung hat dafür zu ſorgen, daß den Ausgewieſenen
ihre früheren Wohnungen, ſoweit ſie nicht für andere Zwecke der
Be=
ſatzung oder Regie beſchlagnahmt ſind, bei der Nückkehr wieder zur
Ver=
fügung geſtellt werden.
4. Die Reeichsregierung hat ferner dafür zu ſorgen, daß im
beſetz=
ten Gebiet freiſtehende, frei werdende oder durch Beſchlagnahme frei
zu machende Wohnungen in erſter Linie den zurückkehrenden
Ausgewie=
ſenen und entlaſſenen Gefangenen zur Verfügung geſtellt werden.
5. Die im beſetzten Gebiet begonnenen Reichseigenwohnungsbauten
ſind beſchleunigt zu vollenden.
Paris, der Patikan und
(Elſaß=Lothringen.
Xxx. Paris, den 30. Juni.
Von beſonderer Seite wird uns geſchrieben:
Herriot hat bei ſeinem Beſuch in Chequers, wie die Pariſer
Preſſe als geſchichtliche Denkwürdigkeit verzeichnete, die für einen
Demokraten beſonders merkwürdige Ehre genoſſen, im Bett der
Königin Eliſabeth zu ſchlafen und am Tiſche des Diktators
Cromwell über ſeine ſtaatsmänniſche Zukunft zu grübeln. Es
ſcheint ihm bei dieſen Gelegenheiten plötzlich manches in einem
anderen Lichte erſchienen zu ſein, als er es bei ſeiner erſten Rede
als Miniſterpräſident ſehen zu müſſen geglaubt hatte. Seit
die=
ſer Rede gibt es nämlich auch für die Pariſer Oeffentlichkeit eine
elſaß=lothringiſche Frage. Im Grunde gab es natürlich dieſe
elſaß=lothringiſche Frage ſchon längſt, ſchon damals, als
Poin=
caré beim Einzug der Franzoſen und im Anblick des
Jubel=
empfanges durch die Elſäſſer, die gerne vom beſiegten Lande zu
dem der Sieger hinüberwechſelten, die des harten Lebens in einem
durch die Blockade ausgehungerten Staate und im unmittelbaren
Hinterlande des Kriegsſchauplatzes müde waren, die eine
wider=
ſpruchsvolle, ſtändig wechſelnde deutſche Politik hatten über ſich
ergehen laſſen müſſen, als er damals im vollen Siegergefühl und
doch nicht ohne leiſes Bangen vor allerlei Ungewißheiten einer
richtigen Volksabſtimmung das Wort ausſprach: „Le plébiseite
est kait” (die Volksabſtimmung iſt vollzogen). Der tiefſte Sinn
aber dieſer elſaß=lothringiſchen Frage iſt die Stammeseigenart
dieſes Volkes, die ſich unendlich ſchwieriger einer Angleichung
wird unterziehen laſſen als Verwaltungsformen und andere
Aeußerlichkeiten. In Deutſchland wird man jedoch gut daran
tun, von dieſer Kernfrage des Problems die Hände zu laſſen.
Die geſchichtliche Bedeutung der Vorgänge in dem ehemaligen
Reichslande zwingt dennoch, von ihnen in ſachlicher Darſtellung
zu berichten und ſie zu verzeichnen. Es ſind gerade die
chauvi=
niſtiſchen franzöſiſchen Politiker, die mit einer unverkennbaren
Schadenfreude über angeblich grobe Schnitzer der Herriotſchen
Politik von einem Sturm in Elſaß=Lothringen melden und
ſchrei=
ben, während doch bisher dieſer heikle Gegenſtand als eine
An=
gelegenheit galt, über welche die Vorſicht zu reden und zu
ſtrei=
ten verbot.
Die Frage ſelbſt iſt doppelt und dreifach verwickelt geworden
dadurch, daß ſie heute mit einer außenpolitiſchen und einer
kon=
feſſionellen verknüpft iſt. Es handelt ſich um die Beziehungen
Frankreichs zum Vatikan. Auch Frankreich hat ſeinen
Kultur=
kampf gehabt; zu einer Zeit, da Elſaß=Lothringen im
Staats=
verband des Deutſchen Reiches war, zu einer Zeit alſo, da die
innerpolitiſche und religiöſe Geſchichte Frankreichs an Elſaß=
Lothringen vorbeiflutete. Es waren in Frankreich weniger
kon=
feſſionelle Kräfte, die damals gleichzeitig mit dem Kampf
zwi=
ſchen Staatsgewalt und kirchlicher Herrſchaft gegeneinander
auf=
traten, ſondern es war der Kampf des „Laizismus” gegen den
kulturellen Einfluß des Klerus, der Kampf ſämtlicher
unkirch=
lichen, auch der aus dem Katholizismus durch Herkunft und
Er=
ziehung ſtammenden Kreiſe gegen das katholiſche Schulweſen,
der Kampf des republikaniſchen Freidenkertums gegen die mehr
konſervative, zum großen Teil auch monarchiſtiſche Staats= und
Bildungsauffaſſung. Der franzöſiſche Kulturkampf wogte mit
ſtärkſter Sturmgewalt zu einer Zeit, da das Deutſche Reich und
das im Schoße dieſes Reiches geborgene Elſaß=Lothringen die
Kulturkampfzeit längſt hinter ſich, beinahe ſchon vergeſſen hatte.
Allerdings hatte der Klerus des Reichslandes ſeine
Widerſtands=
ſtimmung gegen die Reichspolitik zum Teil gerade durch den
deut=
ſchen Kulturkampf ſich verſteifen laſſen, weil die damaligen
Aus=
einanderſetzungen als ein Streit vor allem des angeblich
preu=
ßiſch=proteſtantiſchen Geiſtes gegen den „Ultramontanismus”
(wenn wir uns der damaligen befehdeten Ausdrucksweiſe der
Kürze halber bedienen wollen) ausgedeutet wurde. Während
aber in Frankreich der laiziſtiſche Streit mit noch ganz anderer
Rückſichtsloſigkeit von ſtaatlicher Seite tobte, wurde das
Reichs=
land von Frankreich nicht (was meiſtens unbequemer ſich
bemerk=
bar macht) regiert, ſondern, um die Erinnerung an Frankreich
werbend wach zu halten, ſchwärmeriſch umſchmeichelt.
Heute iſt das anders. Die gemeinſame ſtaatliche, kulturelle
und verwaltungstechniſche Geſtalt Frankreichs wird dem Elſaß,
wird Lothringen ſeit ſeiner Einverleibung immer dringlicher
aufgenötigt. Die Parteigänger des franzöſiſchen Nationalblocks
heucheln aber, wenn ſie es ſo hinſtellen, als ob die Regierung
Herriot eine grundſätzlich neue Politik eingeleitet habe, wenigſtens
wenn wir hier von der elſaß=lothringiſchen Frage im beſonderen
ſprechen. Es handelt ſich beſtenfalls um einen Unterſchied des
Zeitmafes und auch der Aufrichtigkeit. Die leitenden Männer
auch des Nationalblocks ſind meiſtens nach ihrer politiſchen
Lauſ=
bahn laiziſtiſcher Herkunft und Ueberlieferung. Die
Wieder=
anknüpfung der diplomatiſchen Beziehungen zum Heiligen Stuhl
und damit, wenigſtens der Form nach, die Wiederanerkennung
einer gewiſſen Staatshoheit des Vatikans war nur das Mittel zu
dem Zweck, ſich das diplomatiſche Tummelfeld beim Heiligen
Stuhl zugänglich zu machen und den moraliſchen Einfluß des
Papſtes ſich möglichſt wohlwollend zu erhalten. Es war
gleich=
zeitig eine Verbeugung vor den kirchlich geſonnenen Kreiſen
Frankreichs, die an Nationalismus ſchon vor dem Kriege, ganz
beſonders aber während des Krieges und nach dem Kriege alle
anderen übertrafen.
Das Elſaß war im Hinblick auf ſeine Beziehungen zum
Hei=
ligen Stuhl unter deutſcher Herrſchaft mit ganz beſonderer
Scho=
nung behandelt worden. Man taſtete nicht an das überkommene
Konkordat. Nun aber kommt Herriot und verſucht mit einem
Schlag, im erſten Sturm und Drang des der Linken
wieder=
gegebenen Machtgefühls, das durchzuſetzen, was freilich die
an=
deren vor ihm ebenfalls, aber mehr hintenherum zu erreichen
ge=
trachtet hatten. Die anderen hatten mit der Entſendung
Wetter=
l68 an die Botſchaft beim Vatikan, dieſes Einſpänners unter den
elſäſſiſchen Klerikern, der ſtets die Kirchen= und
Schuleingliede=
rung Elſaß=Lothringens in das franzöſiſche Allgemeingefüge
ver=
fochten hatte, die Bande des Konkordates von außen löſen
wol=
len. Gegen die Aufhebung der diplomatiſchen Vertretung
Frank=
reichs beim Vatikan ſind ſie allerdings mit dauerhafterer
Auf=
faſſung aus den Gründen, die für ſie bei der Einrichtung dieſes
Poſtens den Ausſchlag gegeben hatten. Die vorſichtigere
Behand=
lung der kirchlichen Fragen in Elſaß=Lothringen durch den
Natio=
nalblock war hauptſächlich auch dem Umſtand zu verdanken, daß
das ehemalige elſäſſiſche und lothringiſche Zentrum, wenigſtens
durch ſeine Abgeordneten in der franzöſiſchen Kammer ſich
bis zu den letzten Wahlen alles beherrſchenden Regierungsginhpe
angeſchloſſen hatte. Im übrigen ſind auch mit gleicher Heftigkeit
die proteſtantiſch=religiöſen Kreiſe in Elſaß=Lothringen gegen die
Trennung von Schule und Kirche.
Nun aber ſind die paar von der Linken in Elſaß=Lothringen
gewählten Abgeordneten plötzlich hier in Paris mit der
Behaup=
tung, ſie ſeien in dieſem Falle die wahren Vermittler der
allge=
meinen Stimmung im Oſten, aufgetreten und haben dadurch
viel=
leicht auch ihre politiſchen Freunde der jetzigen Kammermehrheit
irregeführt; es bleibt allerdings, da die elſäſſiſchen Abgeordneten
doch ſchwerlich über die wahre Stimmung im Unklaren ſein
konnten, die Frage offen, ob ſie ſich nicht zu einer Irreführung
der öffentlichen Meinung in Innerfrankreich von den Heißſpornen
der jakobiniſchen Ueberlieferung mißbrauchen ließen.
Denn das eine muß ſtets bedacht werden, daß gerade die
franzöſiſche Linke ihre national=revolutionäre Herkunft mit
dem Gedanken der „einen und unteilbaren Republik” ſtets
be=
ſonders zu betonen geneigt iſt; ſie iſt es, die ſeit der großen
Revo=
lution den Zentralismus Frankreichs geradezu gewaltſam
be=
trieben und durchgeführt hat, während Leute wie Maurice
Bar=
res, während die Rohaliſten immer für den ſogenannten „
Regio=
nalismus” eintraten. Für die ſozialiſtiſchen Abgeordneten des
Elſaß, bei ihrem Verlangen nach einer reſtloſen Eingliederung
der Oſtprovinzen in Frankreich, iſt nun die unbequeme Lage
ent=
ſtanden, daß die aus deutſcher Zeit überkommenen ſozialen
Ein=
richtungen auch nach ihrem Urteil den innerfranzöſiſchen
über=
legen ſind; ſie winden ſich um dieſe von ihnen bisher ſtets
gepre=
digte Auffaſſung mit der Forderung, der von Herriot in ſeiner
erſten Rede trotz der entgegenſtehenden ſtaatfinanziellen
Beden=
ken auch Rechnung getragen wurde, herum, daß eben dieſe
ſozia=
len Verſicherungs= und anderen Einrichtungen auf ganz
Frank=
reich übertragen werden müßten.
Die Fragen der ſtädtiſchen Selbſtverwaltung, die gleichfalls
deutſches Erbgut iſt und ſo ganz dem franzöſiſchen
Verwal=
tungsaufbau widerſtrebt, bilden auch noch einen Streitpunkt für
ſich. Wo man das elſaß=lothringiſche heiße Eiſen anfaſſen will,
brennt es nicht nur heftig auf die Haut, ſondern man findet es
an Blöcke angekettet, die viel tiefer, als es den erſten Anſchein
hat, vermauert ſind. Wie verwickelt und in ſich widerſpruchsvoll
die Verhältniſſe und Stimmungen im Elſaß= und Lothringen
ſind, ſcheint aber auch Herriot raſch klar geworden zu ſein, wenn
er jetzt vor der Erörterung im Parlament plötzlich auf eine
er=
mutigende Adreſſe zur kulturellen und verwaltungstechniſchen
Eingliederung, die vom Kolmarer Stadtrat an ihn ergangen war,
plötzlich ſehr, ſehr abwiegend antwortet und die ſorgfältigſte
Rückſicht auf die ganz beſonderen Verhältniſſe dem Willen zur
raſchen und reſtloſen Verſchmelzung voranſtellt.
Vom Tgge.
Der Reichspräſident empfing den neuernannten königlich
däniſchen außerordentlichen Geſandten und
bevoll=
mäichtigten Miniſter, Kammerherrn Zahle, zur Entgegennahme ſeines
Beglaubigungsſchreibens. Bei dem Empfang war in Vertretung des
Reichsminiſters des Auswärtigen Miniſterialdirektor von Schubert
zu=
gegen.
Zur Frage des Achtſtundentages hat die
ſozialdemo=
kratiſche Fraktion im badiſchen Landtag einen Antrag
eingebracht, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß 1. die
Reichs=
regierung das Waſhingtoner Abkommen in Kürze ratifiziert und 2. die
Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. Dezember 1923 aufgehoben
wird.
Die Nationalliberale Korreſpondenz ſchreibt zu der Frage der
großen Koalition in Preußen bei den Beſprechungen, die
innerhalb der Landtagsfraktion der Volkspartei geführt worden ſind,
ſeien bisher noch keine Beſchlüſſe gefaßt worden. Der Fraktion werde
alles weitere vorbehalten. Meinungsverſchiedenheiten innerhalb der
Fraktion über dieſe Fragen beſtünden nicht.
Bei den Knappſchaftswahlen im Ruhrgebiet ſind für
den Alten Bergarbeiterverband 56 008, für den Chriſtlichen
Gewerk=
verein 34 650, für die Union der Hand= und Kopfarbeiter 29 241, für die
Hirſch=Dunckerſchen Gewerkſchaften 1883 und für die Polen 2575
Stim=
men abgegeben worden.
In Breslau wurde der Führer des Stahlhelmbundes,
der frühere Leutnant Rathsmann, unter dringendem
Spionage=
verdacht verhaftet.
Das franzöſiſche Kriegsgericht in Wiesbaden hat in
einer einzigen Sitzung 180 Deutſcheverurteilt, die das beſetzte
Gebiet betreten haben, ohne um die Einreiſe nachgeſucht zu haben.
Das norwegiſche Folkething entſchied ſich endgültig mit 81 gegen
23 Stimmen, mit dem 1. Januar 1925 Chriſtiania in Oslo
um=
zutaufen.
Die Verhandlungen zwiſchen der engliſchen und der
Sowjet=
regierung ſind als geſcheitert zu betrachten, da den
Englän=
dern das Angebot der Nuſſen zu niedrig war. Die Ruſſen wollten nur
eine Summe von 25 Prozent der angemeldeten Forderungen zur
Ver=
teilung bringen.
Die Staatseinnnahmen Großbritanniens betrugen
Nollets Nachfolger in Berlin.
General Walſh
Präſident derinteralliierten Kontrollkommiſſion
U. Paris, 1. Juli. Der heute vormittag
zuſammenge=
tretene Miniſterrat hat den General Walſh auf Vorſchlag
des Kriegsminiſters als Nachfolger des Generals
Nollet zum Präſidenten der Interalliierten
Militärkontroll=
kommiſſion in Berlin ernannt.
Der Miniſterrat hat ferner die Wiedereinſtellung des
Gene=
rals Sarrail angeſichts der Verdienſte, die er während der
Marneſchlacht und ſpäter als Oberkommandierender der
Orient=
armee geleiſtet hat, beſchloſſen. Ein entſprechender Geſetzentwurf
wird von dem Kriegsminiſter demnächſt eingebracht werden.
General Sarrail war bekanntlich bei Clemenceau in Ungnade
gefallen und im Jahre 1917 wegen Ueberſchreitung der
Alters=
grenze aus dem Dienſt entlaſſen worden. Das 1919
heraus=
gegebene Geſetz, das für ſämtliche kommandierenden Generale
Ausnahmebeſtimmungen vorſah, war auf ihn nicht angewendet
worden.
Liquidierung der ruſſiſchen Handelsvertretung.
Berlin, 1. Juli. Die ruſſiſche Telegraphen=Agentur teilt
mit: Die Handelsvertretung entließ heute 60, ihrer Angeſtellten,
außerdem kommandierte ſie 12 Perſonen nach anderen Ländern
ab. Ein Tagesbericht der Handelsvertretung ſtellt feſt, daß der
deutſch=ruſſiſche Konflikt bis zum 1. Juli noch nicht beigelegt
worden iſt. Die Handelsdelegation mußte daher ihre Arbeiten
einſtellen.
Die Bergbaukreiſe über die Micum enttäuſcht.
Berlin 1. Juli. Aus bergbaulichen Kreiſen wird folgendes
mitgeteilt: Die Regelung des Micumabkommens hat in den Kreiſen
des Bergbaues große Enttäuſchungen ausgelöſt. Man hatte auf Grund
der Erklärungen Herriots mehr Entgegenkommen erwartet. Die
zu=
geſtandenen Erleichterungen kommen den Werken nicht zugute, da über
den Umfang der Erleichterungen hinaus eine Kohlenpreisherabſetzung
erfolgt, die eintreten muß, um den Abſatz der Ruhrkohle zu
ermög=
lichen. Die drohenden Betriebsſtillegungen können nur durch Zunahme
des Abſatzes vermieden werden. Die Kreditfrage iſt nicht gelöſt. Den
Werken bleibt weiterhin eine für ſie nicht tragbare Belaſtung. Die
Ver=
längerung in der Klauſel bis zum Inkraftreten des Sachverſtändigen=
Gutachtens bedeutet einen Druck auf die Annahme der durch das
Ab=
kommen bedingten Maßregeln.
ſchwebende Schuld beläuſt ſich auf nahezu 800 Millionen Pfund
Sterling, dies bedeutet eine Zunahme von beinahe 24 Millionen ſeit
dem 31. März.
Kammer und Senat in Paris haben die verlangten
Budgetzwölftel des recouvrablen Budgets, worunter ſich auch die
Koſten für die Ruhrbeſetzung befinden, nach einigen
un=
weſentlichen Abſtrichen genehmigt.
Die Auslandskommiſſion des franzöſiſchen
Se=
nats hat ein neues Mitglied von Bedeutung erhalten, Poincaré.
Der Senator Shubito erklärte, daß er aus der Kommiſſion austrete, um
für Poincaré Platz zu machen. Dieſer Vorſchlag wurde, wie in einigen
Zeitungen zu leſen iſt, mit Enthuſiasmus aufgenommen.
Die Lage in Weſtmarokko hat ſich für die Spanier
wieder verſchlechtert. Eine Anzahl Kanibalenſtämme hat ſich
gegen die Spanier erhoben. Große Verſtärkungen werden herangezogen.
Die neuen italieniſchen Miniſter wurden vom König
vereidigt und werden nunmehr ihre Poſten antreten. Die Liſte
der neuen Staatsſekretäre ſoll heute vom Miniſterrat feſtgeſetzt werden.
Zaglul Paſcha hat in der Kammer mitgeteilt, daß er ſich mit
ſeinen Kollegen über die Frage ſeines Nücktrittsgeſuchs befaßt und
be=
ſchloſſen habe, im Amte zu bleiben, um für Aegypten und den
Sudan die volle Unabhängigkeit zu erwerben. Dieſe Mitteilung wurde
mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
Ein amerikaniſches Kanonenboot hat Befehl erhalten, von
Hongkong nach Hoihau (2) zu fahren, um eine Unterſuchung gegen die
jüngſt erfolgte Exmordung des amerikaniſchen Miſſionars
an=
zuſtellen.
Das Waſhingtoner Schwurgericht hat in den Fällen des
vermaligen Sekretärs des Innern, Fall, und der Petroleummagnaten
Sinelair und Doheny in der Angelegenheit der Petroleum=
Kon=
zeſſionen Anklage erhoben. Doheny jun. iſt ebenfalls angeklagt.
Die bayeriſchen Bahnen und das Reich.
* München, 1. Juli. (Priv.=Tel.) Die Folgen des
Dawesſchen Gutachtens bezüglich der Verwaltung der
Reichs=
verkehrsanſtalten haben mehrere Anträge im bayeriſchen
Land=
tag veranlaßt, die dahin abzielen, die durch den Uebergang der
bayeriſchen Bahnen an das Reich drohenden Nachteile
abzuwen=
den, ſoweit ſie im Zuſammenhang mit der Durchführung der
Vorſchläge des Dawes=Gutachtens entſtehen könnten. Die
An=
träge lauten zum Teil auf Rückgabe der vom Reich noch nicht
bezahlten Bahnen an Bayern bzw. auf die Verweigerung der
Zuſtimmung zu den Maßnahmen, die zur Erfüllung des
Gut=
achtens bezüglich der Bahnen getroffen werden müßten.
Han=
delsminiſter von Meinel warnte vor übereilten Beſchlüſſen. Erſt
die Mitteilungen, die morgen in der Miniſterpräſidentenkonferenz
in Berlin zu erwarten ſeien, könnten Grundlagen für eine
Be=
urteilung der richtigen Wege bieten. Außerdem lägen ja auch
Zuſagen vor, Bayern zu hören, ehe endgültige Beſchlüſſe über
die Reichsbahn getroffen werden. Ommerhin ſtimmte auch der
Miniſter einem die übrigen Anträge erſetzenden Antrag, der
Koalitionsparteien zu, wonach die Zuſtimmung Bayerns und
derungen in der Vervaltung
der übrigen Eiſenbahnländer
der Reichsbahn als notwendig bezeichnet wird, ferner eine rein
unitariſtiſch=internationale oder rein fiskaliſche Verwaltung der
Bahn abzulehnen iſt. Auch beſchloß der Ausſchuß, daß die alten
Rechte der früheren bayeriſchen Verkehrsangeſtellten
vertrags=
gemäß auch ſpäter zu wahren ſeien.
*Batzern.
Das Schweigegebot im Landtag.
* München, 1. Juli. (Priv.=Tel.) Der Verfaſſungsaus!
ſchuß des bayeriſchen Landtags hat heute die Frage erörtert, w.
der Landtag ſich zur Erklärung der Kommuniſten, da
Schweigegebot bei vertraulichen Beſprechungen zu mit
achten, ſtellen wolle. Die Kommuniſten erklärten, als die Ford
rung auftrat, ſie von vertraulichen Beſprechungen auszuſchließer
ſie wollten nur dann das Schweigegebot als nicht verbindli
betrachten, wenn es ſich um wichtige Arbeiterintereſſen handl
Das verfing natürlich bei den übrigen Parteien nicht. Man wi
die Geſchäftsordnung dahin abändern, daß jederzeit die Mitte
zur Verfügung ſtehen, ſich vor Schaden durch Bruch des Schweig
gebotes zu bewahren. Für die heutige Sitzung wurde die nötie
Zurückhaltung geübt.
Um den Pizepräſidenten im bayeriſchen Landta=
* München, 1. Juli. (Priv.=Tel.) Nachdem der kommu
niſtiſche Abgeordnete Federle zu den Sozialdemokraten über
getreten iſt, hat die ſozialdemokratiſche Landtagsfraktion ihre
Anſpruch auf den erſten Vizepräſidenten erneuert, ſo daß ſich de
Aelteſtenausſchuß des Landtags heute mit dieſer Forderung z.
beſchäftigen hatte. Die Mehrzahl der Fraktionen iſt nicht abge
neigt, den Sozialdemokraten den erſten Vizepräſidentenpoſten
zuzugeſtehen, jedoch wünſcht die Bayeriſche Volkspartei, daß de
Abg. Auer vorgeſchlagen werde. Vorausſetzung für die Wah
eines Sozialdemokraten zum erſten Vizepräſidenten wäre aller
dings, daß der völkiſche Abg. Dr. Dörffler von dem Poſter
zurücktritt.
Held’s Nachfolger in der Bayeriſchen
Volfspartei.
* München, 1. Juli. (Priv.=Tel.) Die Fraktion de
Bayeriſchen Volkspartei hat anſtelle des zum Miniſterpräſidenter
gewählten Dr. Held den Abg. Dr. Wohlmuth zum erſten Vor
ſitzenden gewählt.
Krupp in Rußland.
Von der Firma Krupp erhalten wir folgende Zuſchrift:
Die franzöſiſche Preſſe zu überzeugen, daß wir nicht irt
irgend einem verborgenen Winkel der Erde Waffen für einen
Rachekrieg ſchmieden, iſt nach unſeren Erfahrungen unmöglich
Mehr als fünf Jahre lang haben wir derartige, immer wieder
aufgeſtellte Zweckmeldungen dementiert, und wir ſind es
eigent=
lich leid geworden, gegen Leute zu ſtreiten, die die
Wahrhei=
nicht wiſſen wollen. Was ſich jedoch neuerdings der „Temps”
aus Warſchau erichten läßt, iſt ſo erſtaunlich, daß man
nich=
recht weiß, glaubt der „Temps” das wirklich oder will er dafür
ſorgen, daß in dieſer trüben Zeit der Sinn für Humor nicht ganz
verloren geht.
„Auf einem Terrain von 26 000 Hektar im Donez=Gebiet, das
ihm von der Sowjet=Regierung überlaſſen worden iſt, wollte
Krupp angeblich Muſterfarmen errichten. Der größte Teil dieſes
rieſigen Geländes iſt bereits mit Eiſenhüttenwerken und
Werk=
ſtätten zur Erzeugung von Kriegsmaterial bedeckt, und dieſe ver
mehren ſich noch andauernd. Man mache ſich klar, was das
be=
deutet! Die Kruppſchen Werke in Eſſen, die nicht gerade zu den
kleinſten der Erde gehören, beſitzen 120 Hektar überbaute Fläche
Und nun hat Krupp in weniger als zwei Jahren in Rußland
bald 26 000 Hektar mit nagelneuen Werkſtätten geradezu
ge=
pflaſtert.”
Dieſes Vertrauen in die Leiſtungsfähigkeit von Krupp iſt
wirklich ehrenvoll.
Aber wir haben unſere Erfahrungen. Wenn wir jetzt ſagen
an der Geſchichte iſt kein wahres Wort, wir haben in Rußland
nicht Drachenzähne, ſondern Roggen und Weizen geſät, ſo glaubt
das in Frankreich kein Menſch. Deshalb wollen wir einen neuen
Weg betreten. Hiermit wird der Berichterſtatter des „Temps”
von uns zu einer Studienreiſe durch unſer ruſſiſches Pachtgebiet
eingeladen. Wir werden unſere Verwaltung in Manytſch
an=
weiſen, den edlen Polen gaſtfrei und nach der Sitte des Landes
aufzunehmen, wobei er freilich des Wudkis entraten muß, denn
dieſes ehemals ſo beliebte Nationalgetränk iſt nunmehr in
Ruß=
land verboten. Aber das kann der Berichterſtattung nur
förder=
lich ſein, denn er wird mit klarem Blick erkennen, was dort
be=
trieben wird, er wird auch nichts doppelt ſehen und wird nicht
eine primitive Reparaturwerkſtatt für landwirtſchaftliche
Ma=
ſchinen, in der ſich zuvei kleine Drehbänke, drei Bohrmaſchinen,
eine Shapingmaſchine 1..Id — horribile dictu — ſieben
Schraub=
ſtöcke im Geſamtwert von 15 959 Mark befinden, für eine
Waffen=
ſchmiede von rieſiger Größe halten. Auf eine kleine Bedingung
unſererſeits wird der Berichterſtatter ſicher gerne eingehen.
Ein=
tauſend Schweizer Franken ſoll er vor Antritt ſeiner Reiſe bei
einem Schweizer Bankhaus deponieren, und die hat er zugunſten
armer Ruhrkinder verloren, wenn ſich herausſtellt, daß er ſich
bei ſeiner Berichterſtattung an den „Temps” „geirrt” hat; findet
er dagegen ſeine Behauptungen beſtätigt, ſo hat die Firma
Krupp als Sühne für ihren Frevelmut 100 000 Schweizer
Fran=
ken dem gleichen Zwecke zuzuführen.”
R mne
* Kſopſtock.
Von
Dr. H. Schulz, Freiburg.
Heuſe, am 2. Juli 1924, feiern wir die 200. Wiederkehr von
Friedrich Gottlieb Klockſtocks Geburtstag. Wir feiern damit
zu=
gleich die Geburtsſtunde eines großen Dichters und eines großen
Befreiers. Als Dichter des „Meſſias”, als Verfaſſer der Bardiete
und der Freundſchafts= und Cidlioden iſt uns allen Klopſtock
wohl bekannt, aber nicht gegenwärtig. Klopſtocks Dichtungen
haben aufgehört, in unſerer Mitte zu leben, wir kennen ſie dem
Namen nach, reihen ſie in den Entwicklungsgang unſerer
deut=
ſchen Literatur ein und laſſen es dabei bewenden. Schon Leſſing
ſtellt mit der Unbarmherzigkeit ſeiner Verſtandesſchärfe in einem
ſeiner Epigramme dieſe Tatſache feſt: „Wer wird nicht einen
Klopſtock loben! Doch wird ihn jeder leſen? Nein! Wir wollen
weniger erhoben und fleißiger geleſen ſein.”
Ganz ſo negativ, wie Leſſing das Nichtgeleſenwerden
Klop=
ſtocks auffaßte, können wir es aber nicht nehmen — lebt ſein Werk
doch als Wirkung fort, als Befreiung zu einer ganz neuen
Ge=
fühls=, Gedanken= und Ausdruckswelt in unſerer deutſchen
Lite=
ratur. Klopſtock iſt nicht der erſte, der die Feſſeln empfand, die
der Rationalismus dem Gefühlsüberſchwang eines ſtark
emp=
findenden Herzens angelegt hatte, nein, ſein Schaffen erwuchs
geradezu aus dem Kampf, den zwei Schweizer Dichter, Bodmer
und Breitlinger, mit ihrem Gegner Gottſched um dieſe Freiheit
des Herzens und der Phantaſie in der Dichtung ausfochten. Sie
blieben in ihren theoretiſchen Schriften die Sieger über die alte
Schule, aber erſt Klopſtock iſt der eigentliche Ueberwinder und
Bahnbrecher, denn er ſetzte in die Tat um, was Bodmer und
Breitlinger in der Theorie erkämpft hatten. Sein „Meſſias” iſt
die ſtärkſte Ausſtrahlung eines befreiten, ſtimmungs= und
ge=
fühlsreichen Herzens, er iſt ganz Gefühl, ganz Empfinden.
Epi=
ſches Geſchehen wird bei ihm lyriſch umgebogen und die
Meſ=
ſiade iſt weniger die Erzählung vom Leiden und Sterben des
Herrn, als deren lyriſche Verklärung. Das Herz und das Gefühl
hatten über den Verſtand geſiegt und ſich in ihrem neuen
Er=
leben eine ganz neue Sprache geſchaffen. Gerade das aber iſt es,
was Klopſtock unſterblich macht, worin ſeine Perſönlichkeit und
ſein Schaffen in zartem, feinem Geiſtesſchwingen noch weiterlebt
und weiterwirkt. Neue Fülle und neuer Klang, eine niegeahnte
Erhabenheit und Stärke des Ausdrucks erhob ſeine Sprache über
die aller zeitgenöſſiſchen Dichter und löſte eine neue Lyrik aus,
von Goethe bis Novalis, bis Hölderlin.
Wie ſtark Anſchauung und Gefühl bei ihm zu einer höheren
Einheit verſchmolzen, zeigt, um ein Beiſpiel zu geben, ſeine
Er=
zählung von der Wirkung des Gebets Chriſti und Gottes
Ant=
wort im. „Meſſias”:
„Alſo ſtrach er und ſchwieg. Indem die Ewigen ſprachen,
Ging durch die ganze Natur ein ehrfurchtvolles Erbeben.
Seelen, die jetzo wurden, noch nicht zu denken begannen,
Zitterten und empfanden zuerſt. Ein gewaltiger Schauer
Faßte den Seraph, ihm ſchlug das Herz, und um ihn lag wartend,
Wie vor dem nahen Gewitter die Erde, ſein ſchweigender Weltkreis.
Sanftes Entzücken kam allein in der künftigen Chriſten
Seelen, und ſüßbetäubend Gefühl des ewigen Lebens
Wie groß muß das religiöſe Erlebnis eines Herzens geweſen
ſein, das Gedanken und Worte zu dieſer Höhe und Intenſität der
Empfindung zu ſteigern vermochte, und wie viel Stärke und
Bildhaftigkeit liegt in der Schilderung des Himmels an anderer
Stelle:
„Mitten in der Verſammlung der Sonnen ſtrahlet der Himmel,
Rund, unermeßlich, des Weltgebäus Urbild, die Fülle
Jeder ſichtbaren Schönheit, die ſich gleich flüchtigen Bächen
Ringsum durch den unendlichen Raum nachahmend ergießt.
Wenn er wandelt, ertönen von ihm auf den Flügeln der Winde
An die Geſtade der Sonnen des Wandelnden Harmonien
Rauſchend hinüber. Die Lieder der göttlichen Harfenſpieler
Schallen mit Macht, wie beſeelend darein. So vereiniget ſchweben
Töne vor dem, der das Ohr gemacht hat, und Preiſe vorüber.
Wie ſein freudiger Blick an ſeiner Werke Geſtalten
Sich ergötzt, ſo vergnügten ſein Ohr die Geſänge des Himmels.”
Wohl wurde es vielen von Klopſtocks Zeitgenoſſen ſchwer,
mit dieſem Flug der Gedanken mitzukommen. Perſiflagen auf
ſeine Gefühlsausbrüche und ſeine ſprachlichen Neuſchöpfungen
wie Schönaichs „Neologiſches Wörterbuch” vermochten jedoch
nicht den ungeheueren Einfluß von Klopſtocks Dichterſprache
zu=
rückzudämmen. Mit fliegenden Fahnen gingen die jungen Dich=
terbünde, die Bremer Beiträger, der Göttinger Hain auf
Klop=
ſtocks Seite über. Seine Sprache, ſeine Gefühlsinhalte wie
Vater=
land, Freundſchaft und Religion übernahmen ſie in ihre eigenen
Werke und „klopſtockiſch” wurde ihr künſtleriſches Ideal. „
Klop=
ſtockiſch” waren auch die Erſtlingswerke Goethes und Schillers,
auch ihnen brachte der „Meſſias” die Auslöſung ihres Genies in
eine von allem Irdiſchen enthobene Dichterſprache. Reimloſigkeit
und freier Rhythmus iſt die Form, in der die ſtärkſte und
ekſta=
tiſchſte Lyrik der Folgezeit ihre Auswirkung gefunden hat über
Goethe—Novalis—Hölderlin bis zu Richard Wagner, ja bis zu
Stephan George. Ueber dieſen weiten Umweg werden wir aber
auch zum Ausgangspunkt zurückzufinden vermögen, indem das
Verſtändnis, das wir den ſogenannten „modernen‟ Dichtern
ent=
gegenbringen, uns wieder zurück zu ihrem großen Anreger und
Erlöſer in Form und Sprache bringt und uns ermöglicht, der
rein literariſchen Wertung Klopſtocks eine Verlebendigung des
Dichters an die Seite zu ſtellen.
„Schön iſt, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht,
Auf die Fluren verſtreut, ſchöner ein froh Geſicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt . . ."
So beginnt eine der am meiſten bekannten Oden des Dichters
„Der Züricherſee” (1750) und entrollt uns in den Eingangszeilen
ſchon die ganze Geſtaltungskraft und den Empfindungsreichtum
Klopſtocks, der ſich aus der Betrachtung der Natur emporſchwingt
zum Lobe ihres Schöpfers, die Natur wird der Reſonanzboden,
auf dem die Töne ſeiner heiligſten Gefühle widerklingen: Freude,
Lenz, Ruhm, Unſterblichkeit, und ausklingen in begeiſterten
Wor=
ten über die Freundſchaft:
„Aber ſüßer iſt noch, ſchöner und reizender
In dem Arme des Freunds wiſſen ein Freund zu ſein;
So das Leben genießen,
Nicht unwürdig der Ewigkeit!“
Naturerlebnis wird dem Dichter zum Ausgang für letzte,
hei=
ligſte Gefühle von Gott und Unſterblichkeit, ſein Empfinden hebt
ſich überall über die Einmaligkeit zu Allgemeinheit. Liebe und
Vaterland binden ihn mehr an den Stoff ſelbſt in ſeinen
un=
ſterblichen Cidlioden:
Die Antwort der Reichsregierung auf die Forderungen der
Alliierten in der Entwaffnungsfrage iſt am 30. Juni
veröffent=
licht worden. Die Alliierten haben die deutſche Aeußerung bis
zum letzten Junitag befriſtet; durch das gemeinſame Schreiben,
das Macdonald und Herriot bei ihrer Begegnung in Chequers
an den deutſchen Reichskanzler gerichtet haben, war der Verſuch
gemacht worden, die Reichsregierung zu einer entgegenkommen=
den Stellungnahme zu veranlaſſen. Deutſchland unterwirft ſich
der Schlußkontrolle und ſpricht die Erwartung aus, daß ſie im
verſöhnlichen Geiſte erfolgen und bis zum 30. September beendet
ſein möge. Das Reichskabinett hat für ſeine Note die Form eines
Briefes gewählt welchen der deutſche Botſchafter in Paris, Herr
v. Hoeſch, an den franzöſiſchen Miniſterpräſidenten richtet. Das
grundſätzlich Bedeutſame an der deutſchen Antwort iſt die
Feſt=
ſtellung, daß allein der ſich in letzter Zeit kund tuende neue Geiſt
in der Politik der Alliierten Deutſchland bewogen habe,
geſchrie=
benem und ungeſchriebenem Recht zuwider eine nochmalige
Nachprüfung ſeines Rüſtungsſtandes, oder vielmehr ſeines
Ent=
waffnungsſtandes, zu billigen. Auf eine ausdrückliche Forderung,
daß dieſe Kontrolle unter allen Umſtänden die letzte ſein müſſe,
hat die Reichsregierung verzichtet. Sie bedient ſich jedoch
aus=
drücklich des Wortes „Schlußkontrolle” und ſpricht die Erwartung
aus, daß nach dem 30. September das im Artikel 213 des
Ver=
ſailler Vertrages vorgeſehene Verfahren (Nachprüfung des
Rüſtungsſtandes durch einen Völkerbundsausſchuß) ſtattfinden
werde.
Das Gefühl dafür, daß die uns auferlegte abermalige
mili=
täriſche Kontrolle unſere nationale Würde verletze und große
Er=
bitterung im Volke hervorrufen werde, iſt nicht auf die
ſogenann=
ten „Rechtsparteien” beſchränkt. Bei früheren Anläſſen hat die
Reichsregierung hervorgehoben, daß ſie nicht in der Lage ſei, die
meiſt ſehr ſelbſtbewußt auftretenden ausländiſchen
Kontrollkom=
miſſionen vor Entrüſtungsausbrüchen des deutſchen Volkes
aus=
reichend zu ſchützen. Dieſer Vorbehalt gilt ſelbſtverſtändlich auch
heute noch. Jeder Eingeweihte weiß, daß es nicht eigens zu dem
Zwecke zitierte „nationaliſtiſche Organiſationen” ſind, welche den
Kontrollorganen gelegentlich den Zutritt in die revidierenden
der Werke und die Arbeit dort verwehren; es iſt vielfach eine gerade
ten recht linksorientierte Belegſchaft, welche ſich dagegen empört, daß
Selbſtverſtändliches und klar zutage Liegendes immer wieder
aufs neue feſtgeſtellt werden ſoll. Jedenfalls haben die beiden
Träger der ſogenannten neuen Aera in den alliierten Ländern,
die Herren Macdonald und Herriot, durch ihr dringendes
Schrei=
ben vom 23. Juni die faktiſche und die moraliſche Verantwortung
dafür übernommen, daß die Schlußkontrolle ohne ernſte
Zwi=
ſchenfälle verläuft.
Es iſt zu erwarten, daß Frankreich, als der Hauptintereſſent
an der deutſchen Entwaffnung, den größten Teil des
Kontroll=
perſonals ſtellen wird. Weiter iſt zu erwarten, daß der auf
die=
ſem Gebiete höchſt ſachverſtändige franzöſiſche Kriegsminiſter
Nollet bereits heute einen langen Wunſchzettel ausgearbeitet hat,
den er ſeinen Beauftragen migeben wird. Wenn Herriot nach
der Begenung von Chequers die ungewöhnliche
Sachverſtändig=
leit ſeines Kriegsminiſters rühmte und als eine Bürgſchaft dafür
hinſtellte, daß die Kontrolle ſachgemäß erfolgen werde, ſo iſt
deut=
cherſeits darauf zu erwidern, daß wir uns von den Organen
Nollets allerlei Nebenabſichten und Extratouren zu
vergewär=
igen haben. Bei jeder „Beſichtigung” kann man die Erfahrung
nachen, daß ein übelwollender Vorgefetzter etwas zu tadeln
fin=
det, wenn er etwas zu tadeln finden will. Vermutlich werden
die Schlußkontrolleure einen langen Bericht über ihre
Beobach=
ungen abfaſſen. Dabei beſteht die Gefahr, daß ſie Kleinigkeiten
ufbauſchen, Einzelbeobachtungen verallgemeinern und darüber
ſinaus noch ihre tendenziöſe Phantaſie walten laſſen. Die mit
ingehaltenem Atem lauſchende nationaliſtiſche Oppoſition in
Frankreich wird ſich ſolche „Feſtſtellungen” nicht entgehen laſſen,
hne beim Kabinett Herriot darauf zu dringen, daß zuſätzliche
Erhebungen gemacht werden. So eindeutig ſind die Erklärungen
derriots und Maedonalds nicht geweſen, daß ſie gegen ſolche
forderungen einen haltbaren Damm darſtellen. Die Zumutung
er Alliierten, Deutſchland ſolle eine nochmalige militäriſche
Kon=
rolle über ſich ergehen laſſen, kennzeichnet ſich als eine Intrige
er Anhänger Poincarés und Millerands. Die geſtürzten
Män=
er haben geſchickt an den Abrüſtungsfanatismus Macdonalds
ppelliert und es durchgeſetzt, daß für die nächſten drei Monate
ine reichlich ſprudelnde Quelle von Konfliktsſtoff angeſchlagen
ourde. Zur Beruhigung der Welt und zur Erleichterung der
keparationsabwicklung trägt die Deutſchland bevorſtehende
Revi=
on jedenfalls nicht bei.
Aufrichtige Anerkennung iſt der Formulierung der deutſchen
(ntwortnote zu zollen. Was dort über die Notwendigkeit der
Zolksertüchtigung, über den erzieheriſchen Charakter der
allge=
ieinen Wehrpflicht und über die einſeitige Entwaffnung eines
inzigen Volkes geſagt worden iſt, iſt bei aller Sachlichkeit doch
öchſt eindrucksvoll. Allen denjenigen Deutſchen, welche der
ſchlußkontrolle mit ſchmerzlicher Empörung, aber auch mit
ern=
er Sorge entgegenſehen, iſt es immerhin ein gewiſſer Troſt, daß
um erſten Male ſeit langer Zeit die Rechtslage und das deutſche
ntereſſe in der Abrüſtungsfrage nicht ſchamhaft verſchwiegen
ſorden ſind. Wenn wir die Nachprüfung unſeres
Rüſtungsſtan=
es hinter uns haben, wird die Gegenſeite keinen plauſiblen
frund mehr dafür vorbringen können, daß ſie ſelbſt ſich der
Ent=
haffnungsidee unterwirft und den übermäßigen, den friedlichen
ſedarf weit überſteigenden militäriſchen Apparat abbaut.
„Unerforſchter, als ſonſt etwas den Forſcher täuſcht,
Iſt ein Herz, das die Lieb empfand . .
nid in dem leichteren, beinahe ſangbaren „Roſenband‟:
„Im Frühlingsſchatten fand ich ſie,
Da band ich ſie mit Roſenbändern.
Sie fühlt es nicht und ſchlummerte.
Ebeſiſo ſtofflich gebundener iſt er in ſeiner „Ode auf die
Köni=
n Luife” von Dänemark. Es iſt dies ein ergreifender Geſang
If den Tod der hochverehrten Frau.
Selten feſſelt den Dichter, der in ſeinem Leben ſo ſehr in der
Lirklichkeit ſtand, deſſen Freude Reiten, Schwimmen, Wandern
ar, dieſe reine Wirklichkeit ſo ſtark, daß ſie Ausdruck in ſeinem
chaffen fand. Wüßten wir nicht aus biographiſchen Quellen von
eſem Zug zur Naturhaftigkeit und Wirklichkeitsbejahung in
lopſtocks Weſen, ſeine Oden, ſein „Meſſias” müßten uns auf
uz andere Bahnen leiten. Nur die Oden „Der Eislauf” (1764)
id ſpäter „Winterfreuden” (1797) beſingen des Leben, den
ugenblick.
Der eigentliche Klopſtocks war aber der Dichter, der, immer
If dem Höhepunkt der Gefühle ſchwebend, in letzter Begeiſterung
e Feſſeln des Stofflichen abſtreifend, ſein Genie in rein geiſtige
phären erhob. Als ſolcher kann er uns in ſeinem eigenſten
jeſen auch heute noch, und beſonders heute, in ſeinen Werken
im Erlebnis werden, indem wir, getragen von ſeiner ſtarken,
angvollen Sprache, dem Gefühlsinhalte ſeiner Oden folgend,
der Höhe ſeiner Gefühle und Empfindungen uns emportragen
ſſen, einer Höhe, die in der Ode „Die Frülingsfeier” zu
voll=
deter Geſtaltung kommt:
„Umwunden wieder, mit Palmen
Iſt meine Harf umwunden; ich ſinge dem Herrn!
Iſt Alles Allmacht und Wunder Alles.
Mit tiefer Ehrfurcht ſchau’ ich die Schöpfung an,
Denn Du
Namenloſer, Du
Schufeſt ſie!
Lüfte, die um mich weh’n und ſanfte Kühlung
Auf mein glühendes Angeſicht hauchen,
Euch, wunderbare Lüfte,
Sandte der Herr, der Unendliche!”
Muffolini geht nicht nach London.
* Mailand, 1. Juli. (Priv.=Tel.) In Rom verlautet,
teilnehmen werde, ſondern ſich durch den Finanz= ches. Die Unterredung verlief folgendermaßen:
miniſter de Stefanie vertreten laſſen wolle, der von
der italieniſchen Botſchaft und den Sachverſtändigen unterſtützt und wohl auch das deutſche Inland vielfach die An
werden ſoll. Die außenpolitiſchen Gründe, die für dieſen
Ent=
ſchluß, der übrigens noch nicht endgültig feſtſteht, maßgebend
waren, werden, in einem Artikel der Mailänder „Serra” wie
folgt auseinandergeſetzt: Muſſolini hätte ſicher nicht verfehlt, an erklart ſich dieſer Widerſpruch?
der Londoner Konferenz teilzunehmen, wenn ſie einen entſchieden
oder vorwiegend politiſchen Charakter tragen würde, der zuerſt
von Herriot und Macdonald auch ins Auge gefaßt wurde. Man auseinanderhalten. Aber auch die augenblickliche Kaſſenlage hat ſich in
ſönlichkeit im Kabinett, in der Hauptſache wegen der ökonomiſchen öffeatlichen Körperſchaften umfaſſen, alſo z. B. auch der Länder, der
und finanziellen Fragen, die auf der Konferenz verhandelt
wer=
den ſollen. In dem Artikel, der aus Rom ſtammt, heißt es wei= haben des Reiches hatte ſeinen Höhepunkt am 13. Juni mit etwa
ter, der große Optimismus der internationalen 450 Millionen Mark erreicht, und iſt ſeitdem ſo geſunken, daß es heute
dem erſten Interview Herriots entferne und je näher man
hinaus getan, und man weiß nicht, wie der Sachverſtändigenplan
in die Wirklichkeit umgeſetzt werden ſoll. Alle ſagen: „Wir men aus etwa 130 Millionen Goldmark Erlöſen aus der Begebung
kurz=
wollen, und ob es möglich iſt, die verſchiedenen Intereſſen mit=
Erwartung. Heute iſt es aber anders, denn die Mailänder
Miniſterkonferenz iſt unfruchtbar geblieben.
Das Pariſer Echo der deutſchen Kontrollnote.
Paris, 1. Juli. (Wolff.) Die deutſche Antwortnote in der
Entwaffnungsfrage wird von der Morgenpreſſe eifrig beſprochen.
Der Matin ſchreibt: Welche Meinung man auch über den Geiſt
dieſes Dokumentes haben mag, man muß die weſentliche Tatſache her= ins ungeheure geſtiegenen Geldnot iſt. Für dieſes tägliche Geld, das ſich
vorheben, daß Deutſchland annimmt. Das Reich verlangt die
Verſiche=
rung, daß dieſe Inſpektion am 30. September zu Ende geht. Wie es
ſcheint, wird man ſie ihm nicht geben können.
Der Petit Pariſien ſchreibt: Eines unſerer Sprichwörter
ſagt: „Wer zuviel beweiſen will, beweiſt nichts”. Indem die deutſche
Regierung unzweideutig ihren guten Willen bekunden will, iſt ſie ſo
weit gegangen, daß ſie auch den Schein leugnet. Wenn alles richtig
wäre, warum ſind dann ſeit mehr als einem Jahre die Mitglieder der
Kontrollkommiſſion behindert worden, ihre Aufgaben durchzuführen?
Der Gaulois ſagt: Seitdem die Anweſenheit der Gendarmen
ſeinen ganzen Zyuismus wiedergefunden.
Der Figaro behauptet, Deutſchlands Taktik beſtehe darin, daß
es mit Pauken und Trompeten verkünde, welche ungeheuren
Konzeſſio=
nen es mache, und daß es dabei doch Widerſtand leiſte.
auf dem Wege der Pazifierung. Man müſſe blind ſein, wenn man
leugnen wollte, daß durch dieſe Note ein ſchöner Erfolg auf das
Akti=
vum der neuen franzöſiſchen Außenpolitik geſchrieben werden könne.
Die Ere Nouvelle ſchreibt: Berlin nehme die Bedingungen,
die in der Note Herriots und Macdonalds geſtellt wurden, an und das
ſei das Weſentliche.
Das Jonrnal meint, Vorſicht ſei um ſo mehr am Platze, da,
wenn Deutſchland dieſe letzte Enquete annehme, es nicht einmal deren
illuſoriſchen Charakter verheimliche.
Der Quotidien urteilt: Wenn Reichskanzler Marx und ſeine
Kollegen Deutſchland nicht im Sinne der Demokratie orientierten,
wür=
den Herriot und Macdonald Gefahr laufen, an der internationalen
Wie=
derverſöhnung vergebens zu arbeiten.
Der Petit Pariſien ſagt, der Ton mache die Muſik. Wenn
man das zulaſſe, dann könne die deutſche Antwort als befriedigend
an=
geſehen werden. Aber es ſei unmöglich, alle Behauptungen dieſer Note
ruhig hinzunehmen.
England und die deutſche Antwortnote.
U. London, 2. Juli. Eine Reutermeldung beſagt, daß man in
gut unterrichteten engliſchen Kreiſen die deutſche Antwortnote, betreffend
die Wiederaufnahme der Militärkontrolle als zufriedenſtellend anſieht.
Die Note laſſe den Wunſch Deutſchlands erkennen, mit den Verbündeten
in dieſer Frage zuſammenzuarbeiten. Doch ſei es unmöglich, das Ende
der Kontrolle auf den 30. September feſtzuſetzen. Es wird geltend
ge=
macht, daß man ſich durch eine beſtimmte Friſt nicht binden laſſen könne.
SchweizerStimmen zur deutſchen Antworinote
TU. Baſel, 1. Juli. Der entgegenkommende Inhalt, der ganze
Ton der deutſchen Antwortnote in der Frage der
Militär=
kontrolle wird auch in der ſchweizeriſchen Preſſe als gutes Omen
für die Zukunft begrüßt. So ſchreiben die Baſler
Nachrich=
ten: Die mit Spannung erwartete deutſche Note betr. die
Militär=
kontrolle erfüllt die Erwartungen derer, die auf eine Entſpannung
hoff=
ten. Es darf konſtatiert werden, daß die deutſche Regierung in ihrer
Note den gleichen herzlichen Ton anzuſchlagen verſtauden hat, wie die
Note Herriots und Maedonalds. Die Neue Züricher Zeitung
ſagt: Die deutſche Regierung nimmt — und das iſt im Intereſſe der
fortſchreitenden Entſpannung und des Friedens in höchſtem Maße zu
begrüßen — die von der Botſchafterkonferenz verlangte nochmalige
Generalinſpektion an und ſpricht nur die Hoffnung aus, daß ſie möglichſt
raſch durchgeführt und ſpäteſtens am 30. September abgeſchloſſen werde.
Auf Grund dieſer Zuſage möchte man hoffen, daß die Frage der Milit
ir=
kontrolle nun endlich einer vernünftigen Löſung nahe gebracht wird. Schwierigkeiten bereiten.
* Die Tagung der „Deutſchen Dendrologiſchen Geſellſchaft”
(Vorſitzender: Major a. D. Dr. h. c. Graf Fritz von Schwerin,
Wendiſch=Wilmersdorf bei Thyrow) findet vom 4. bis 9. Auguſt
in Münſter i. W. und Umgebung ſtatt. Ausflüge mit
Beſichti=
gungen der Schlöſſer und Parke: Burgſteinfurt des
Für=
ſten zu Bentheim und Steinfurt; Coesfeld des Fürſten und
Rheingrafen zu Salm=Horſtmar; Velen des Grafen von
Lands=
berg=Velen und Gemen; Dülmen des Herzogs von Croy;
Buldern des Freiherrn Heereman von Zuydtwyck finden im
Anſchluß an die eigentlichen geſchäftlichen und wiſſenſchaftlichen
Sitzungen der Geſellſchaft ſtatt. Deren Arbeits= und
Forſchungs=
gebiet ſind nämlich die Einbürgerung fremder Nutzpflanzen und
die Gehölzkunde. — Das alte Münſter, nebenbei bemerkt,
eine der ſchönſten der altertümlichen Städte Deutſchlands, wird
überhaupt in dieſem Sommer und Herbſt der Schauplatz
zahl=
reicher wiſſenſchaftlicher uſw. Veranſtaltungen, Verſammlungen
und Tagungen ſein. Gleichzeitig mit der vorgenannten D. D. G.
tagt dort die „Deutſche Geſellſchaft für
Garten=
kunſt, Gruppe Weſtfalen.” Anfang September findet in
Mün=
ſter der „Deutſche Archivtag” ſtatt und hieran ſchließt ſich,
am 9. September und an den folgenden Tagen, die
Hauptver=
ſammlung des „Geſamtvereins der Deutſchen
Ge=
ſchichts= und Altertumsvereine‟.
* Straßenlärm als muſikaliſche Anregung. In Londoner
Künſtlerkreiſen iſt der italieniſche Violinvirtuoſe Alfredo Nardi,
der ſich unbeſchadet ſeiner Blindheit in den Londoner Straßen
wie ein Sehender zurechtfindet, eine allbekannte Erſcheinung.
Anläßlich eines Konzerts, in deſſen Verlauf auch einige
Kom=
poſitionen von Nardi zu Gehör kamen, wurde er von dem
Redakteur eines Londoner Blattes interviewt. Der Komponiſt,
der gern von der Freundſchaft ſpricht, die ihn mit Liſzt, Maſſenet
und Tſchaikowſky verband, erklärte dem erſtaunt aufhorchenden
Journaliſten, daß er nirgends beſſer arbeite, als wenn er in den
verkehrsreichſten Straßen von London herumſpaziere. „Dabei
ſind mir die ſchönſten muſikaliſchen Einfälle gekommen. Ich
be=
fand mich eines Tages im Piccadilly=Zirkus neben der Station
der Untergrundbahn. Der Lärm und das ohrenbetäubende
Ge=
räuſch klang an mein Ohr, wie ein Hymnus des brauſenden
Lebens und gab mir das Grundmotiv für die Kompoſition die
ich unter dem Titel „Die Stadt London” habe erſcheinen laſſen.”
Eine Unterredung mit Or. Luther.
Berlin, 2. Juli. Der Berliner Vertreter des „Nieuwe
Rotter=
daß Muſſolini nicht an der Londoner Konferenz damſche Courant” berichtet ſeinem Blatt über eine Unterredung mit
dem Neichsfinanzminiſter Dr. Luther über die Finanzlage des
Rei=
hat das Ausland
Frage: Aus den letzten
Reichsbankauswe=
gewonnen, daß die
Andererſeits haben
Finanzlage des Reiches außerordentlich günſtie
g des Steuer.
Sie, Herr Miniſter, vor einigen Tagen in ei
ausſchuſſes des Reichstags die Gunſt dieſer Finanzlage beſtritten. Wie
Antwort: Bei Beurteilung der Finanzverhältniſſe des Reiches
muß man die Finanzlage und die augenblickliche Kaſſenbewegung genau
der Zwiſchenzeit bereits erheblich geändert. Zunächſt, muß ich darauf
denke daher daran, de Steſanie mit der Vertretung Italiens zu hinweiſen, daß die im Reichsbankausweis genannten allgemeinen Zahlen
beauftragen. de Stefanie iſt neben Muſſolini die wichtigſte Per= nicht nur das Guthaben des Reiches, ſondern die Guthaben aller anderen
preußiſchen wirtſchaftlichen Betriebe und dergleichen mehr. Das
Gut=
nur uoch etwa 300 Millionen Goldmark umfaßt. Dieſer Abfall von
Lage verblaſſe immer mehr, je weiter man ſich von rund 150 Millionen Goldmark erklärt ſich daraus, daß in der
Zwiſchen=
zeit etwa 120 Millionen Rentenmark=Zwiſchenwechſel des Reiches
einge=
an die Londoner Konferenz herankomme. Tat= löſt worden ſind und das Reich auch im übrigen zur Deckung ſeiner
lau=
ſächlich hat man noch nicht einen Schritt über den Dawesplan fenden Bedürfniſſe 30 Millionen Goldmark hat abziehen müſſen. Die
jetzt noch vorhandenen rund 300 Millionen Goldmark ſetzen ſich
zuſam=
nehmen ihn an”, aber nicht, ob und wie ſie den Plan annehmen friſtiger Rentenmarkſchatzwechſel, aus 100 Millionen Goldmark
Forde=
rungen an die Nentenbank, die ebenfalls kurzfriſtig ſind und aus dem
Guthaben der Reichsdruckerei (Betriebsfonds) von 10 Millionen. Der
einander in Einklang zu bringen. Darüber weiß niemand etwas, dann noch verbleibende Reſtbetrag von 60 Millionen Goldmark iſt a.s
Als Muſſolini und Theunis vor nun nahezu einem Monat über einziger Betriebsfonds für die innere Verwaltung mit rund 8
Milliar=
dieſe Fragen verhandelten, war man in Italien voll freudiger den Jahresumſatz völlig unzureichend, ſo daß auf ſeine dauernde
Auf=
füllung durch kurzſriſtige Kredite geſehen werden muß.
Frage: Dann iſt es aber doch nicht recht verſtändlich, daß das
Reich in der Zwiſchenzeit ſein Guthaben aus dem Verkauf von
Renten=
markſchatzwechſeln derartig hoch hat anſchwellen laſſen.
Antwort: Dieſer Vorgang hängt mit der ganzen Lage unſerer
Wirtſchaft zuſammen. Wie Ihnen bekannt, gibt es zurzeit in Deutſchland
verhältnismäßig viel tägliches Geld. Ich unterſtreiche hierbei das Wort
„verhältnismäßig”, weil ja das allgemeine Bild Deutſchlands das einer
bei den Banken ſammelt, ſuchen die Banken naturgemäß kurzfriſtige
An=
lagen zu haben. Zu dieſem Zweck werden in ſteigendem Maße
Schatz=
wechſel des Reiches gerne genommen. Dieſe Art der Geldaufnahme war
inſoweit durchzuführen, als eine vorſichtige Finanzverwaltung auf die
Unſicherheit der politiſchen Lage Rückſicht nehmen und deshalb einen
notdürftigen Betriebsfonds herſtellen mußte, ſolange damit gerechnet
werden konnte, daß der Fonds, ſoweit er vom Reich nicht benötigt wurde,
der Wirtſchaft wieder zugute kam. In dem Umfange, in dem dieſe
Vor=
ausſetzungen nicht mehr zutrafen, hat das Reich die Ausgabe
kurzfriſti=
ger Schatzwechſel einſtellen müſſen. Selbſtverſtändlich iſt es klar, daß aus
dem Erlos ſolcher kurzfriſtiger Schulden die Verpflichtungen des
Rei=
nicht mehr zu befürchten ſei, habe Deutſchland ſeine ganze Anmaßung, ches nicht wirklich bezahlt werden können. Vielmehr kann das Reich
Zahlungen nur inſoweit leiſten, als dieſen Zahlungen dauerhafte
Ein=
nahmen in Geſtalt von Steuern oder langfriſtigen Anleihen
gegenüber=
ſtehen.
Frage: Wie ſtellt ſich denn unter den von Ihnen ſoeben ent=
Das Deuvre ſchreibt, die Note bedeute einen großen Fortſchritt wickelten Geſichtspunkten die wirkliche Finanzlage des Reiches dar?
Antwort: Der dem Reichstag kürzlich zugeleitete Haushaltplan
für 1924 weiſt einen Fehlbetrag von 470 Millionen
Gold=
mark auf. Wenn das Reich bisher immer noch zahlungsfähig
geblie=
ben iſt, ſo beruht das darauf, daß in dem ſeit dem 1. April laufenden
Rechnungsjahr noch gewiſſe Beträge aus den in den Wintermonaten
eingegangenen Steuern und aus den Darlehen, die die Rentenbank
ge=
ſetzmäßig dem Reich gegeben hat, entnommen werden konnten.
Frei=
lich ſtehen dieſen Beträgen gegenüber die Aufwendungen, die das Reich,
um ſeine Währung zu erhalten, zum Ankauf der Goldanleihe hat machen
müſſen. Andererſeits iſt aber das Geſamtergebnis der Steuern in den
erſten Monaten des Rechnungsjahres etwas günſtiger geweſen. Nur
da=
durch und durch dauernd fortgeſetzte Ausgabendroſſelungen iſt es
über=
haupt möglich geweſen, bisher die Laſten zu tragen, die uns durch die
immer noch andauernde Beſetzung des Rhein= und Ruhrgebietes,
ein=
ſchließlich der Vorenthaltung der dortigen Zolleinnahmen uſw., immer
noch auferlegt ſind, obgleich im Sachverſtändigengutachten auf das
deutlichſte dargelegt iſt, daß die deutſche Wirtſchaft dieſe Laſten nicht
aufzubringen vermag. Wie recht das Sachverſtändigengutachten hierin
hat, geht daraus hervor, daß die Lage der deutſchen Wirtſchaft beginnt,
wirklich verzweifelt zu werden. Ich brauche nur auf den Widerhall
hin=
zuweiſen, den auch in den Reichstagsverhandlungen der letzten Wochen
die Fülle der Steuer=Stundungs= und Steuererlaſſungsanträge gefunden
hat. Ich muß deshalb mit größter Sorge in die Zukunft blicken. Nach
den Schätzungen, die vor einigen Tagen gemacht wurden, wird das Neich
am 1. Oktober einen Fehlbetrag von etwa 140 Millionen Goldmark
ha=
ben, zu deſſen Abdeckung weder Steuern möglich ſind, noch langfriſtige
Anleihen bisher in Ausſicht ſtehen.
Frage: Iſt in dieſen vorausſichtlichen Fehlbetrag die Summe
eingerechnet, die das Reich ſich bereit erklärt hat, zur Ermächtigung der
Juli=Reparationen an Kohlen der Ruhrinduſtrie als Beitrag zur
Ver=
fügung zu ſtellen?
Antwot: Dieſer Betrag iſt in dieſer Summe ſelbſtverſtändlich
nicht eingerechnet, da nach Nachrichten, die bisher aus dem Ausland
vor=
lagen, die Reichsregierung vor einigen Tagen nicht damit gerechnet hat,
daß Frankreich und Belgien trotz der bevorſtehenden Neuregelung der
Reparationslage während des Monats Juli eine unverkürzte
Weiter=
lieferung der bisherigen Kohlen= und Koksmenge und zwar ohne
fran=
zöſiſche und belgiſche Mithilfe verlangen würden. Nur um vor aller
Welt zu zeigen, daß Deutſchland äußerſte Anſtrengungen zu machen
be=
reit iſt, um das Ziel des Sachverſtändigengutachtens nicht mehr
gefähr=
den zu müſſen, hat die Reichsregierung ſich zu einer Beihilfszahlung im
Juli an die Induſtrie entſchloſſen, für die eine finanzielle Berechtigung
in keiner Weiſe beſteht. Die Aufbringung der Deckung wird nicht geringe
* Eine Nordpol=Expedition mit geringen Mitteln. Zehn
unternehmende junge Leute aus Erith in Kent haben die
Ab=
ſicht, dieſe Woche mit dem Schoner „Baltai” unter dem
Kom=
mando des Kapitäns Grettier Allgarrſon, eines Irländers, eine
Nordpolfahrt auszuführen. Sie werden meteorologiſche
Wahrneh=
mungen und Unterſuchungen für die Regierungen von England,
der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Dänemark
an=
ſtellen. Sie haben den Plan, die Hinreiſe über Island nach
Nowaja Semlia zu machen, von wo ſie den Verſuch unternehmen
werden, Franz=Joſephs=Land zu erreichen. Zurück geht die
Fahrt Oſtgrönland und Labrador entlang nach Newyork als
End=
beſtimmung. Der Schoner iſt unter der Waſſerlinie mit
Stahl=
platten verſtärkt, um dem Druck des Eiſes widerſtehen zu können.
Die Expedition wird auch Filmaufnahmen machen. Die jetzige
Fahrt iſt als Vorbereitung für eine Expedition im nächſten Jahr
gedacht, die ſich bis zum Nordpol erſtrecken ſoll.
* Ein neuer Straßenbahnwagen. Eine aus Amerika ſtammende
Neuerung, die auch für das Straßenbahnweſen auf dem
Kon=
tinent von Bedeutung werden kann, iſt ſoeben in London
ein=
geführt worden. Es handelt ſich um den neuen Typ eines
Straßenbahnwagens, der mit ſelbſttätig wirkenden Apparaten
ausgerüſtet iſt, die das gefährliche Auf= und Abſpringen während
der Fahrt unmöglich machen. Bei jedem Haltepunkt betätigt
der Schaffner des Straßenbahnwagens einen Hebel, der
auto=
matiſch die Türen öfſnet und die Trittſtufen des Wagens zum
Straßennivegu herabläßt. Nachdem die Fahrgäſte ausgeſtiegen
oder eingeſtiegen ſind, zieht eine zweite Bewegung des Hebels
die Stufen wieder herauf und ſchließt die Wagentüren. Der
Wagen kann nicht in Bewegung geſetzt werden, ſolange die Türen
geöffnet ſind, und ebenſo wenig iſt es möglich, die Türen zu
öffnen, wenn der Wagen fährt.
Die Fritz Neuter=Gedenkfeier. Der 50. Todestag des großen
plattdeutſchen Dichters Fritz Reuter wird an ſeinem Grabe in
Eiſenach feierlich begangen werden. Die Gedenkfeier iſt mit
einer Tagung des „Allgemeinen Plattdeutſchen Verbandes”
ver=
knüpft, deſſen 180 Vereine daran teilnehmen werden. Der
Vor=
ſitzende des Verbandes Hermann Quiſtorf hält die Gedenkrede
am Grabe. Die bedeutendſten niederdeutſchen Vortragskünſtler
werden bei den Feierlichkeiten, die vom 11. bis zum 14. Juli
ſtattfinden, mitwirken.
Seite 4.
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 2. Juli.
Rathausumbau.
Wir erhalten folgende bemerkenswerte Zuſchrift:
Die Stadtverwaltung der Stadt Darmſtadt trägt ſich zurzeit mit
Bauplänen — Bauplänen von einer Großzügigkeit, die ſich angeſichts der
Finanzlage der Stadt, angeſichts der troſtloſen Lage von Handel und
Induſtrie in keiner Weiſe rechtfertigen laſſen. Wie aus dem
Sitzungs=
bericht der Handelskammer, der in Nr. 179 des „Darmſtädter Tagblatt”
am 29. Juni veröffentlicht wurde, hervorgeht, plant die Stadt den Umbau
des alten Nathauſes, des Marktplatzes uſw. Das ſind Baupläne, deren
Durchführung Hunderttauſende von Goldmark verſchlingen würden.
Die Baupläne der Stadt ſind folgende: Das alte Rathaus ſoll
völ=
lig umgebaut werden. Der Rauthausumbau ſoll ſich von der
Keller=
ſohle bis an den Dachfirſt erſtrecken, die Decke des Rathausſaales ſoll
herausgenommen und eine hochgewölbte Decke, ähnlich wie in der
Turnhalle am Woogsplatz, eingezogen werden. Mit dem Umbau des
Rathauſes ſoll gleichzeitig der von manchen Seiten ſchon lange gehegte
Wunſch, nach Errichtung eines Ratskellers ſeine Verwirklichung finden.
Als weitere Folge des Rathausumbaues iſt die Verlegung des
Markt=
platzes geplant. Vor dem Rathaus ſelbſt ſollen Gartenterraſſen
ange=
bracht, der Marktbrunnen ſoll bis nahe an das Schloß vorgeſchoben
wer=
den, und hübſche gärtneriſche Anlagen ſollen ihn umſäumen. Durch
der=
artige bauliche Veränderungen würde naturgemäß eine Verlegung des
Marktplatzes notwendig werden.
Daß die Stadt den Rathausumbau demnächſt vollziehen will,
bewei=
fen die Kündigungen, die der Oberbürgermeiſter am 19. Juni den drei
Ladenbeſitzern im Rathaus zugehen ließ. In dieſen Schreiben wird den
Firmeninhabern ihr Laden im alten Rathaus zum 1. Oktober 1924
ge=
kündigt.
Ueber die Baupläne der Stadt ließe ſich reden, wenn Darmſtadt eine
Großſtadt wäre, in der der einzelne die finanzielle Auswirkung
der=
artiger Projekte nicht ſo fühlbar zu ſpüren bekäme wie gerade hier.
Es ließe ſich auch darüber reden, wenn wir noch die Zeiten von 1914
hätten. Die tatſächliche Ausführung des Rathausumbaues in der
jetzi=
gen ſchweren Zeit der Not würde nichts anderes als eine Vergeudung
der Geldmittel der ſteuerzahlenden Einwohner Darmſtadts bedeuten.
In faſt allen Stadtverordneten=Sitzungen, auf öffentlichen Kongreſſen
uſw., hat die Stadtverwaltung ſtets die Parole ausgegeben: „Sparen!”
— „Sparen!” — und noch einmal „Sparen!” Wie laſſen ſich derartige
Unſummen verſchlingende Projekte mit dieſer Spar=Parole in Einklang
bringen?
Die Finanzlage der Stadt iſt abſolut nicht roſig. Das
weiß jeder Bürger. Das weiß insbeſondere die Stadtverwaltung. Hat
doch erſt kürzlich in einer Stadtverordnetenſitzung im Verlauf einer
zweiſtündigen Ausſprache über die Finanzlage der Stadt in
Anweſen=
heit des Beig. Buxbaum der Beig. Daub von Anleiheverhandlungen
der Stadt mit Intereſſenten in den Vereinigten Staaten geſprochen, die
keineswegs mit Optimismus getränkt waren. Jedermann weiß, daß
man unter den heutigen Verhältniſſen keinerlei Ausgaben machen kann
und ſoll, die nicht unumgänglich erforderlich ſind, und dieſes um ſo mehr,
als wir in wirtſchaftlicher Hinſicht höchſt kriſenvollen Zeiten
entgegen=
gehen. Auch die Stadtverwaltung ſollte das wiſſen. Beigeordneter
Daub bemerkte übrigens in der letzten Stadtverordnetenſitzung, daß
höchſtwahrſcheinlich noch ein 7. und 8. Ziel der Grund= und
Gewerbe=
ſteuer erhoben werden müßte. In dieſem Zuſammenhang iſt die
Beur=
teilug der Finanzgebarug der Stadt Darmſtadt durch Handel und
Induſtrie von Intereſſe. Eine dahingehende Entſchließung aus dem
Sitzungsbericht der Handelskammer Darmſtadt lautet:
„Es iſt ubedingt zu mißbilligen, daß die Stadt, angeſichts der
troſtloſen Lage von Handel und Induſtrie, ſich mit Umbauplänen für
das alte Nathaus den Marktplatz uſw. trägt, Objekte, die mehrere
hun=
derttauſend Mark verſchlingen werden. Die Kapitalknappheit bei allen
Gewerbetreibenden, die heute ſchon die Mehrzahl ihrer Steuern nicht
aus Einkommen, ſondern aus der Subſtanz ihrer Unternehmen bezahlen,
gebietet der Stadt unbedingt, derartige Pläne fallen zu laſſen. Eine
Er=
höhung der Gewerbeſteuer darf keinesfalls in Betracht kommen, die
Her=
abſetzung der derzeitigen Sätze iſt vielmehr eine Notwendigkeit.”
Mit Steuerzetteln allein iſt alſo derartigen Ausgaben nicht
beizu=
kommen. Die Steuerſchraube iſt ohnehin ſcharf genug angezogen und
die Liſte derjenigen, die jetzt ſchon keine Steuern mehr zahlen können,
wächſt täglich. Es kann abſolut keine Rede davon ſein, große Darlehen
zu hohem Zinsfuß lediglich zu dieſem Zwecke aufzunehmen. Im übrigen
gibt es ja auch noch in Darmſtadt eine Stadtverordnetenverſammlung.
Ihr liegt ein Genehmigungsantrag in der ganzen Angelegenheit bis jetzt
noch nicht vor. Als im Februar an die ſtädtiſche Verwaltung die
An=
frage erging, ob die Verlegung der Bücherhalle mit den Vorbreitungen
für den Ratskeller=Bau zuſammenhänge, erklärte Beig. Buxbaum,
daß man gar nicht daran denke. Inzwiſchen ſind nun bereits die Pläne
den Fraktionen zugegangen, und die Mieter der Läden im Rathaus
haben ihre Kündigung erhalten. Es liegt nun die Gefahr nahe, daß
die Genehmigung durch die Stadtverordnetenverſammlung wie ſchon ſo
oft nachträglich erteilt werden ſoll. Das darf nicht geſchehen. Die
Stadt=
verordnetenverſammlung darf nicht erſt vor eine vollendete Tatſache
ge=
ſtellt werden. Sie hat das Recht über die Vorbereitungen zu dieſen
Projekten gehört zu werden, und die Pflicht, als berufene Vertreterin der
Bevölkerung, die Anſichten der Bürgerſchaft zum Ausdruck zu bringen
und ihre Intereſſen zu wahren. Die Stadtverordnetenverſammlung
muß die Initiative ergreifen. Sonſt darf ſie ſich nicht wundern, wenn
ſie eines Tages infolge einer gewiſſen autokratiſchen Strömung
inner=
halb der Stadtverwaltung ganz an die Wand gedrückt wird.
Darum iſt es Aufgabe der Stadtverordnetenverſammlung, von der
Verwaltung die Erklärung zu verlangen, daß angeſichts der jetzigen
un=
ſicheren finanziellen Verhältniſſe die Umbaupläne der Stadt auf eine
Reihe von Jahren zurückgeſtellt werden.
— Antrag auf Aufhebung der Fremdenſteuer in Darmſtadt.
In der Stadtverordnetenverſammlung am kommenden
Donners=
tag ſteht die Frage der Aenderung der Fremdenſteuer zur
Be=
ratung. Die Fraktionen der Deutſchen Volkspartei und der
Zen=
trumspartei haben hierzu beantragt, die Fremdenſteuer in der
Stadt Darmſtadt aufzuheben.
Milchpreis. Uns wird geſchrieben: Nachdem der von der
Preis=
prüfungsſtelle in den letzten Tagen als angemeſſen bezeichnete
Straßen=
verkaufspreis von 30 Pfg. pro Liter von einem Teil der Händler
igno=
riert worden iſt, auch die Regierung dringend eine nochmalige
Verhand=
lung mit den Landwirten und den Händtern empfohlen hatte, fand am
Montag nacnniltag eine abermalige eingehende Ausſprache zwiſcken den
Beteiligten ſtatt. Die Vertreter der Landwirtſchaft erklärten ſich
ſchließ=
lich bereit, den Stallpreis allgemein um 2 Pfg. pro Liter herabzuſetzen.
Da der Kleinverkaufspreis ſeither 34 Pfg. betrug, wovon ſeither noch
31. Pfg. der Stadt für die Verbilligung von Milcy für Minderbemittelte
abzuliefern waren, hätte ſich der Kleinverkaufspreis nunmehr auf
32 Pfg. geſtellt. Die Stadt hat aber ſeit dem 15. Juni auf ihre Gebühr
verzichtet, ſo daß der Preis damit auf 31½ Pfg. hätte ſinken müſſen. Um
zu einer Einigung zu gelangen, erklärte der Vertreter der Stadt, daß
man auch einen Kleinverkaufspreis von 31 Pfg. gutheißen wolle. Die
Händlerſchaft lehnte aber dieſes Angebot ab und forderte 32 Pfg. als
Straßenverkaufspreis. Damit ſind die Verhandlungen tatſächlich
geſchei=
tert. Die ſtädtiſche Preisprüfungsſtelle ſteht nach wiederholter
eingehen=
der Prüfung der Marktlage und der Verhältniſſe in den angrenzenden
Wirtſchaftsgebieten — übrigens auch im Einklang mit der Auffaſſung
der Vertreter der Regierung — auf dem Standpunkte, daß ein
Straßen=
verkaufspreis von 30 Pfg. nach wie vor als angemeſſen bezeichnet
wer=
den muß. Die Bevölkerung wird daher gebeten, jede Mehrforderung
zur Anzeige zu bringen, damit das Gericht in der Lage iſt, im Einzelfall
zu prüfen, ob ein Verſtoß gegen die Preistreibereiverordnung vorliegt.
Außerdem ergeht an die Bevölkerung hierdurch die dringende Bitte,
ihren Miſchverbrauch, ſoweit es irgend tragbar erſcheint, einzuſchränken,
ſolange der angemeſſene Preis nicht anerkannt wird. Nur dann kann
damit gerechnet werden, daß der Milchpreis ſich in normaler Bahn hält,
— Sommerſpielzeit Bruno Harprecht. Heute, Mittwoch, und
mor=
gen Donnerstag, finden die beiden letzten Aufführungen von Björnſons
Wenn derjunge Wein blüht” in der Premierenbeſetzung ſtatt.
Die Vorſtellung am Donnerstag iſt die erſte Mietvorſtellung der
Don=
nerstagsmiete. — „Alt=Heidelberg” Meher=Förſters
entzücken=
des Luſtſpiel, wird für Freitag und Samstag unter Franz Sauers Regie
vorbereitet. — Am Sonntag ſpielt Bruno Harprecht zum erſten
Male in dieſer Spielzeit, und zwar den „Meiſterboxer”, den er
ſeit ſechs Wochen mit dem denkbar größten Erfolg allabendlich in Berlin
ſpielt. Nur mit den größten Schwierigkeiten iſt es Bruno Harprecht
ge=
lungen, von Berlin loszukommen, da man ihn, angeſichts des
Bomben=
erfolgs als „Meiſterboxer”, unbedingt während des ganzen Sommers
dort halten wollte. Der Kartenverkauf beginnt heute, Mittwoch.
— Das „Neue Künſtlerkartell” wird in Anbetracht der wirtſchaftlichen
Lage in der Zeit vom 5. Oktober bis Mitte November auf der
Mathil=
denhöhe eine ſtrenge Qualitätsausſtellung kleinverkäuflicher Werke,
um=
faſſend Malerei, Kleinplaſtik und Graphik in eigener Regie
veranſtal=
ten. Durch dieſe Regie wird zum erſtenmal angeſtrebt, eine direkte
Füh=
lungnahme zwiſchen den Künſtlern und dem kaufenden Publikum
herzu=
ſtellen, was für beide Teile nur von Vorteil ſein wird. Zur Ausſtellung
ſind nur die dem Kartell angehörigen Künſtlerverbände zugelaſſen. Nähe=
Einſendung uſw. wird noch rechtzeitig bekanntgegeben.
Fe2 iber
Darmſtädter Tugblatt, Mintwuch, de. 2. Zuli 1924.
Rummer 182.
r. Ausſtellung des Vereins für Aaugrien= und Teitistieſkunde
„Hottonia‟ Darmſtadt. „Die Natur iſt weder ein Belſchemel” — ſo
begann der Vorſitzende ſeine Begrüßungsrede bei der Cröffnung
Sonn=
tag vormittag — „noch eine Vorratskammer oder eine Studierſtube,
ſondern ſie iſt unſer aller gemeinſame Heimat, in der ein Fremdling zu
ſein, jedermann Schande und Schaden bringt.‟ Das ſind die Worte des
bekannten Naturforſchers Noßmäßler, der als der Vater der Aquarien=
und Terrarienkunde gilt. Im Jahre 1856 veröffentlichte er in der Brentano, Henrich und Raab.
„Gartenlaube” ſeinen Aufſehen erregenden Artikel „Der See im Glaſe‟
worin er zur Einrichtung von Aquarien ermunterte, weil er darin ein
Mittel erblickte, naturwiſſenſchaftlichen Sinn im Volk zu wecken und zu
pflegen. Ein Jahr darauf erſchien das bekannte Buch „Das Aquarium”.
dung der größeren Vereine in Hamburg, Berlin, Leipzig uſw. wieder
auf, durch deren rege Tätigkeit die Aquarien= und Terrarienbewegung
einen ungeahnten Aufſchwung nahm. Heute hat ſich die Erkenntnis
Bahn gebrochen, daß das Aquarium und Terrarium einem höheren
Zweck dienen will, als nur als Salonzierde zu gelten. Ein eingehendes
Studium eröffnet uns einen weiten Blick in die Natur mit all ihren
Schönheiten, von der Goethe ſagt, daß ſie auf allen Seiten nur
Mehr=
heiten enthält. — Der Naturfreund kennt keine Tierquälerei, und Liebe
zur Natur und ihren Geſchöpfen ſchon ins Kinderherz zu pflanzen, iſt
der beſte Tierſchutz. Freilich muß ein Behälter ſo eingerichtet ſein, daß
die Tiere die eingebüßte Freiheit nicht vermiſſen und das Leben bei uns
naturgemäß eingerichtet ſein, und hier iſt die Natur ſelbſt der
Lehr=
meiſter. Schuſterkugeln oder Goldfiſchgläſer ſind zu verwerfen, das
ſind Marterkaſten, hauptſächlich aber, wenn ſie keinen einzigen
Pflanzen=
weig aufweiſen. Tiere und Pflanzen gehören zuſammen, und dieſe
Zuſammengehörigkeit kann nur in einem ſchönen großen Becken
erfol=
gen. Die Fiſche, wie überhaupt alle Tiere, atmen Sauerſtoff ein und
Kohlenſäure aus, die Pflanzen dagegen nehmen Kohlenſäure auf und
ſcheiden Sauerſtoff aus. Dieſes Wechſelverhältnis iſt alſo eine
unbe=
dingte Naturnotwendigkeit. Die in der Ausſtellung eingerichteten
Becken enthalten ſämtlich dieſe Bedingungen. Bei den vorhandenen
Tieren (Fiſchen, Reptilien uſw.) unterſcheiden wir zwiſchen
ein=
heimiſchen und ausländiſchen, das gleiche gilt auch von den Pflanzen.
Die Behälter ſind ſämtlich ſo eingerichtet, daß bei den Tieren auch die
in deren Heimat und nächſter Umgebung vorkommenden Pflanzen
ver=
treten ſind. Die einheimiſchen Fiſche uſw. halten ſich in kaltem Waſſer,
während die Exoten Heizung und Durchlüftung haben müſſen. Alles
dieſes iſt in der Ausſtellung angebracht, wie überhaupt in Bezug auf
fachmänniſche Muſtergültigkeit nichts mangelt. An den einzelnen
Be=
hältern iſt der Inhalt der Beſetzung genau verzeichnet, außerdem
wer=
den die Aufſichtsperſonen die noch gewünſchte Aufklärung geben.
Jedenfalls lohnt ſich ein Beſuch der Ausſtellung, die, alles in allem
be=
trachtet, von großer Liebe zur Aquarien= und Terrarienbewegung
zeugt und die in ſehr vorteilhafter Weiſe von der wundervollen
Pflan=
zenausſchmückung der Gärtnerei Schneider (Beſ. Kühn) bereichert und
ergänzt wird. — Mit Rückſicht auf den ſtarken Beſuch dürfte es ſich
empfehlen, nach Möglichkeit die Vormittagsſtunden zu wählen.
Eine neue Errungenſchaft der Filmtechnik!
Heſſiſches Landestheater: Großes Haus
Von Samstag, den 5. Juli ab, täglich 2mal
DerSprechendeFilm
Preiſe: 0.50 bis 5.00 Mark
(8541
— Richard=Wagner=Verein. Auf den Alexis af Enehjelm=
Abſchiedsabend heute um 8 Uhr ſei nochmals aufmerkſam
ge=
macht. Sämtliche noch vorhandenen Plätze ſtehen auch Nichtmitgliedern
zum Verkauf zur Verfügung.
— Donnerstags=Konzert im Städtiſchen Saalbau. Morgen,
Don=
nerstag, findet das 3. Donnerstags=Konzert, diesmal mit Tanz, ſtatt.
Die Leitung des Orcheſters der Philharmonie, das bedeutend verſtärkt
und mit Orcheſtermuſik ausgeführt wird, liegt in den Händen des Herrn
Obermuſikmeiſters Mickleh. Das vergangene Donnerstags=Konzert war
ſehr gut beſucht. Die Leiſtungen fanden große Anerkennung ſeitens
des vielhundertköpfigen Publikums. Beſonders wurden die Muſikſtücke
„Die Meiſterſinger, von Nürnberg”, von R. Wagner, ſowie „Tell”,
Ouvertüre von R. Wagner, mit großem Beifall aufgenommen.
— Vereinigung früherer Leibgardiſten. Wie aus der heutigen
An=
zeige erſichtlich, iſt der am 3. d. M. in der Reſtauration Sitte
ſtattfin=
dende Leibgardiſtenabend ein Herrenabend. Die Hauskapelle wird dieſen
Abend in altgewohnter Weiſe verſchönern; auch iſt für ſonſtige
Unter=
haltung beſtens geſorgt. Alle Kameraden, ob ehemaliger Offizier
Un=
teroffizier oder Gardiſt, ſind herzlichſt eingeladen. Freunde und Gönner
der Vereinigung können eingeführt werden.
— Familientag Dieffenbach. Mit hoher Befriedigung darf die
Familie Dieffenbach auf den Verlauf ihres dritten Familientages am
letzten Sonntag zurückblicken. Waren doch wieder über 50 Glieder im
Mozartſaal verſammelt, als der Altersvorſitzende: Forſtrat Dr. Ludwig
Dieffenbach, die Tagung eröffnete. In ehrenvoller Weiſe gedachte man
dann des im letzten Jahre heimgegangenen Herrn Prof. Dr. Otto
Weins=
heimer. Oberlandesgerichtsrat Dieffenbach gab einen intereſſanten
Ueber=
blick über die Fortſchritte in der Familiengeſchichte mit beſonderer
Berück=
ſichtigung dr Wappenfrage, über die ſich eine lebhafte Debatte entſpann.
Auch an muſikaliſchen Darbietungen zwiſchendurch fehlte es nicht, ſo wurde
die Feier diesmal auf eine beſondere künſtleriſche Höhe gehoben durch den
ſeelenvollen Vortrag von zwei Violin=Duetten von Mozart und Spohr,
dargeboten von Frl. Eliſabeth Dieffenbach und Herrn Willy Heuſer. Ein
fröhlicher Toaſt auf den verdienſtvollen Vorſitzenden, von Profeſſor Knoll
ausgebracht, beſchloß die harmoniſch verlaufene Feier.
— Ortsgewerbeverein und Handwerkervereinigung. Wir verweiſen
auf die heutige Anzeige, betr. die Beſichtigung der Zündholzfabrik
L. Nungeſſer, vormals Chr. Büttel, und der Brauerei Juſtus
Hilde=
brand, Pfungſtadt. Da die Betriebe ſchon um 4 Uhr geſchloſſen und
die=
ſelben noch im Betrieb vorgeführt werden ſollen, ſo iſt die frühe
Ab=
fahrt um 1.28 Uhr ab Hauptbahnhof unbedingt erforderlich.
— Ev. Jugendgemeinſchaft. Eine rechte Freude hat am letzten
Montag, den 21. ds., Herr Privatdozent Dr. Noack uns mit ſeinem
ſchönen Vortrag über das „Volkslied” gemacht. Er ließ ſeine Entſtehung
ordentlich vor uns aufleben und weckte ein unmittelbares Verſtändnis
für das geſunde herbe Lied, das mit ſtarken Schritten einhergeht,
gegen=
über dem Gaſſenhauer oder dem rührſeligen, ſchmalzigen Volksgeſang.
So hat er uns den Inſtinkt geſchärft für das wirklich Wertvolle aus dem
Schatz des Alten und der Flut des Neuen und unſer
Verantwortungs=
bewußtſein erhöht in dem Gedanken, daß es Aufgabe der
Jugendbewe=
gung iſt, durch das von ihr neuentdeckte Volkslied eine Brücke zu
ſchla=
gen von hoher Kunſt zu ſchlichtem Volksempfinden. Die Jugend ſelber
ſang einige Lieder, freute ſich aber beſonders einiger prächtiger alter
Lieder, die Herr. Dr. Noack uns ſelber noch ſchenkte.
Poſtaliſches. Druckſachen zu 3 Pf, dürfen handſchriftliche oder
mit Stempelabdruck hergeſtellte Angaben nicht enthalten. Es iſt aber
geſtattet, eine innere, mit der äußeren übereinſtimmende Aufſchrift
hand=
ſchriftlich oder mechaniſch anzugeben, ſowie in gleicher Weiſe Firma,
Namen, Stand und Wohnort nebſt Wohnung des Abſenders, ſeine
Fern=
ſprechnummer, die Telegrammaufſchrift und den Telegrammſchlüſſel,
ſowie ſein Poſtſcheck= oder Bankkonto nachzutragen oder zu ändern. Alle
anderen ſchriftlichen oder mechaniſchen Vermerke, wie z. B.
Buchungs=
nummern innerhalb des gedruckten Teils, Abſendungstag, Zahlen,
Namen von Reiſenden, Unterſtreichungen, Anſtreichungen,
Durchſtrei=
chungen uſw. machen die Volldruckſache zu einer Teildruckſache oder zu
einem Brief und unterwerfen ſie dadurch der höheren Gebühr für eine
Teildruckſache (mindeſtens 5 Pf.) oder der Briefgebühr.
Heſſiſcher Landtag.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſchelnenden Nofizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
im keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kriti.
— Großes heſſiſches Volksfeſt in Trautheim. Am
Samstag, den 5., Sonntag, den 6. Montag, den 7., und Dienstag, den
8. Juli: Großes heſſiſches Volksfeſt in Trautheim.
—D. O.=B. Herrenabend, 8 Uhr abends, im Reſtaurant „
Bürger=
hof” mit Vortrag. (Siehe Anzeige.)
Aus den Parteien.
— Deutſche Demokratiſche Jugendgruppe.
Mitt=
woch abend: Heimabend. Vorleſung aus Schriften Rathenaus.
Jugendgruppe der D. V. P. Heute Mittwoch, 8.15. Uhr,
im Feierabend: Unterhaltungsabend mit muſikaliſchen und literariſchen
Darbietungen.
Darmſtadt, 1. Juli.
Vizepräſident Soherr eröffnet um 10½ Uhr die Sitzung.
Am Regierungstiſch: Staatspräſident Ulrich, die Miniſter po
Abg. Blank (Ztr.) verlieſt eine kleine Anfrage, betr, die Uebe
ſchwemmungsſchäden in Rheinheſſen.
Miniſter Raab erwidert darauf daß Beſichtigungsreiſen ſtattgefut
Die Begeiſterung ließ jedoch leider nach und flammte erſt nach Grün= den hätten, um die Schäden feſtzuſtellen. Vertreter der Regierun
hätten nicht daran teilnehmen können, weil ſie keine Einreiſeerlaubn
haben. Vertreter von Behörden im beſetzten Gebiet haben ſich dahi
ausgeſprochen, daß im Kreis Bingen ein Sommerdamm errichtet we
den müßte. Die Mittel hierzu ſollen vom Landtag angefordert
we=
den. Bei der ſchlechten Finanzlage des Staates kann nur den Geſche
digten ſtaatliche Hilfe gewährt werden, deren Exſtienz bedroht iſt.
Au=
ſtaatliche Ländereien ſind in großem Umfang von den Waſſerſchäde
betroffen worden.
Darauf tritt das Heus in die Debatte über Kap. 19 (Staatspräf
dent) ein.
Abg. Dingeldey (Dtſch. Vpt.) bemerkt zu den Ausführunge
nicht als Gefangenſchaft empfinden. Zu dieſem Zweck müſſen die Becken des Abg. Kaul aus Anlaß der Rede des Staatspräſidenten am Freita
zu der Militärkontrolle, Abg. Kaul habe ſie als eine Notwendigkeit be
zeichnet. Damit kein Mißverſtändnis aufkomme, betone er, daß de
Deutſche Volkspartei dieſe Angelegenheit für ſehr bedeutſam halte. De
.Herr Staatspräſident ſei ohne jeden Vorbehalt für die Militärkontroll
eingetreten. Die Antwort der Reichsregierung bringe in aller Schärf
zum Ausdruck, daß ſie eine Verletzung der Gefühle des deutſchen Volke
ſei. Davon ließen die Worte des Staatspräſidenten nichts erkenner
Redner kommt dann auf die Zurücknahme der Ausweiſungen zu ſpr”
chen und betont, daß es mit der Aufhebung der Ausweiſungsbefehl
allein leider noch nicht getan ſei. Die Zahl der Ausgewieſenen, dene
nunmehr die Rückehr geſtattet werde, die Zahl der Gefangenen, dene
die Freiheit wiedergegeben werden ſolle, ſei ſo groß, daß wir vor de
Frage ſtünden, was ſie eigentlich mit der Freiheit anfangen ſollen. Si
fänden ihre Wohnungen größtenteils von den Beſatzungsmächten be
ſetzt. Wir ſprechen die Erwartung aus, ſo fuhr der Redner fort, da
die heſſiſche Regierung in Berlin mit aller Energie und größtem Nach.
druck ſich immer wieder dafür einſetzt, daß mit der Durchführung de
Beſtimmungen des Sachverſtändigengutachtens die Freimachung der von
franzöſiſchen Beamten, Angeſtellten und Militärperſonen beſchlagnahm
ten Wohnungen für die Ausgewieſenen Hand in Hand geht. Darübe
hinaus muß auf das allerernſteſte und nachdrücklichſte gefordert wer
den, daß irgendwelche bureaukratiſchen Schwierigkeiten gegenüber der
Wünſchen der Ausgewieſenen auf Rückkehr in ihre Wohnung oder au
Zuweiſung von Wohngelegenheit nicht geduldet werden. — Im parla
mentariſchen Syſtem kann das Mißtrauen gegen hohe politiſche Beamt
nur dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß das Gehalt abgelehn
wird. Urſprünglich war in dem Kapitel 19 der Poſten eines ſtaatlicher
Preſſeamtsdirektors vorhanden, deſſen Notwendigkeit gerade von uns
bezweifelt und deſſen Streichung wir wiederholt verlangt haben. Da
mals wurde darauf hingewieſen, daß der Poſten unentbehrlich ſei, wir
haben dann geſehen, daß der Inhaber dieſes Poſtens, der Herr Abg
Bornemann, von dem Poſten dieſes Preſſeamts hinüber auf den frei
gewordenen Poſten des Miniſterialrats wechſelte. Man verſuchte gegen
über den Einwendungen der Oppoſition wegen der Notwendigkeit eines
ſolchen Preſſeamts und der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der
Stelle ſeines Inhabers auf verhältnismäßig einfache Weiſe dadurch zu
entgehen, daß man den Inhaber dieſes Poſten auf eine andere, im
Etat vorgeſehene Stelle, nämlich des Miniſterialrats, hinüberſetzte
Das iſt die Entſtehung des Poſtens des Miniſterialrats im
Staatsmini=
ſterium in ſeiner heutigen Geſtalt. Wir machen unſere Einwendune
heute um ſo ſtärker geltend, als wir der Auffaſſung ſind, daß der
Mini=
ſterialrat im Staatsminiſterium nicht die nachgewieſenen Qualifikationen
beſitzt, die für dieſen Poſten wünſchenswert wären. — Kein Menſch
kann irgend einem Abgeordenten oder irgend einem Beamten einen
Vorwurf daraus machen, wenn er bei irgend einer Gelegenheit ein Hock
auf die Republik ausbringt. Die Verhältniſſe im Fall Wimpfen liegen
aber doch ganz anders. Sie liegen ſo daß, während ein anderer eine
Nede auf die deutſche Volksgemeinſchaft gehalten und ein Hoch auf das
deutſche Vaterland ausgebracht hat, als Gegendemonſtration hinein in
dieſes Hoch ſeitens des Herrn Abg. Bornemann das Hoch auf die
Repu=
blik ausgebracht worden iſt. Wenn geſagt worden iſt, daß in der
Vor=
bringung dieſer Dinge eine perſönliche Animoſität liege, ſo muß ich das
zurückweiſen. Es handelt ſich nicht um die perſönlichen Privatverhältniſſe
des Abg. Bornemaun, die hier nicht zur Diskuſſion ſtehen, ſondern um
Die Frage der Qualifikation für einen hohen politiſchen Poſten mit
be=
ſonderer Verantwortung.
Der Präſident verlieſt einen Antrag der Kommuniſten betr.
Auf=
hebung der vom Reichspräſidenten erlaſſenen Verordnung über die
Be=
ſchränkung der Preſſefreiheit.
Abg. Dr. Werner (Dntl.) verlangt Maßnahmen der Regierung
zur Verhinderung der Hausſuchungen im beſetzten Gebiet und beklagt
ſich darüber, daß im beſetzten Gebiet Redner der nationalſozialiſtiſchen
Nichtung nicht auftreten dürfen. Er fordert Maßnahmen gegen die
Wohnungsnot der zurückkehrenden Ausgewieſenen und ſetzt ſich für
einen energiſchen Kampf gegen die Kriegsſchuldlüge ein. Die Angriffe,
die gegen ihn als Pädagogen und Beamten gemacht wurden, weiſt er
entſchieden zurück. Ich bin der Meinung, ſo führt Redner aus, daß
meine Stellung als Pädagoge und meine Stellung als Beamter hier
nichts zu tun haben. Ich bin weder Pädagoge noch Beamter, ſondern
bin gewählt auf Grund des allgemeinen, geheimen und direkten
Wahl=
rechts und bin lediglich als Abgeordneter der Kritik zugänglich.
Red=
ner kommt dann auch auf die Vorgänge in Wimpfen zu ſprechen und
be=
zeichnet die Unterbrechung ſeiner Rede durch den Ruf: „Es lebe die
Nepubli!” als eine Taktloſigkeit, die ſelbſt von Abgeordneten der Linken
als ſolche empfunden wurde. Für die Deutſchnationale Partei ſei nicht
die Frage, ob Monarchie oder Republik, das Ausſchlaggebende, ſondern
nur das Wohl des deutſchen Volkes.
Der Vorſitzende verlieſt einen Antrag Dingeldey und Genoſſen, den
Betrag für den Poſten des Miniſterialrats Bornemann zu ſtreichen.
Auch der Bauernbund hat einen diesbezüglichen Antrag eingebracht.
Abg. Hofmann (Ztr.) ſpricht gegen dieſe Anträge aus
prin=
zipiellen Bedenken. Er fordert eindringlich weitgehendſte Fürſorge für
die zurückehrenden Ausgewieſenen und wendet ſich gegen die Annahme,
daß die Reichsregierung das Sachverſtändigengutachten bedingungslos
annehme.
Abg. Dr. Greiner (Komm.) wendet ſich gegen die Verordnung
des Reichspräſidenten betreffs Verſchärfung der „Preſſebeſtimmungen
und bezeichnet ſie als eine Aufhebung der Preſſefreiheit, als ein
„Schandverbot”, Redner ſetzt ſich ſodann für die Annahme des
Amneſtie=
geſetzes ein. Er erwartet von der heſſiſchen Staatsregierung, daß ſie
ſich mit aller Energie dafür einſetzt, daß die Amneſtiegeſetze erlaſſen
werden. Er fordert, daß alle politiſchen Gefangenen in Freiheit geſetzt
und alle politiſchen Strafverfahren niedergeſchlagen werden. Er
be=
zeichnet es als eine unerhörte Schmach, daß im Mainzer
Kommuniſten=
prozeß deutſche Volksgenoſſen durch deutſche Polizei den franzöſiſchen
Gerichten ausgeliefert wurden. Er fragt, ob von ſeiten der heſſiſchen
Regierung irgend etwas geſchehen ſei, um den Verurteilten in irgend
einer Weiſe die Strafe zu erleichtern und diejenigen zu brandmarken,
die ſie ausgeliefert haben.
In einer perſönlichen Bemerkung erklärt Abg. Glaſer (Bbd.)
daß die Erklärung des Abg. Lückel (Soz.), er habe geſagt, daß die
Aus=
gewieſenen im Gelde ſchwimmen, nicht ſtimme.
Abg. Kindt (Dntl.) betont, daß beſonders die Ausgewieſenen in
Mainz außerordentlich ſchlecht mit Wohnungen bedacht würden, und
bittet, dafür zu ſorgen, daß ſie berückſichtigt würden. Die Regierung
habe nicht den Mut aufbringen können, ihn zu verklagen.
Staatspräſident Ulrich: Ich habe mir vorgenommen gehabt, alle
Provokationen abzulehnen. Ich muß aber doch noch zu dem, was ich
gehört habe, einiges ſagen. Es hat ſich angehört, als wenn die Herren,
die den Angriff auf den Miniſterialrat Bornemann gemacht haben, als
wenn die der Klub der Harmloſen geweſen wären. Mir das einreden
zu wollen, iſt ein ſtarkes Stück. Ich weiß, was Sie gegen
Miniſterial=
rat Bornemann ſagen, das gilt mir. Der ganze Angriff gilt dem
Staatspräſidenten, und ich nehme Ihnen das gar nicht übel. Ich würde
recht unglücklich ſein, wenn Sie meine Herren von rechts mit dem, was
ich tue, einverſtanden wären. Ich würde dann anehmen, ich machte eine
Portion Dummheiten, die ich nicht verantworten könnte vor meinem
eigenen Gewiſſen. Der Antrag des Bauernbundes geht dahin, die
Stelle des Miniſterialrats zu ſtreichen. (Abg. Glaſer, Bbd.: Wir wollen
ſparen!) Meine Herren! Sie wollen ſparen. Der Herr Kollege, der
eben den Zwiſchenruf, gemacht hat, kommt immer damit. In
dem=
ſelben Augenblick eber, wo es ſich darum handeln würde über die
Staatsunterſtützung für den Großherzog abzuſtimmen, würde er kein
Wort von Sparen ſagen. Man komme mir nicht mit Sparen. Da
ſpa=
ren Sie an einem ganz falſchen Ende. Was ſoll denn werden, wenn Sie
mir den Miniſterialrat ſtreichen? Die Arbeit muß gemacht werden.
Warum ſtellen Sie nicht den Antrag auf ein Miſtrauensvotum gegen
mich?. Ich muß aber feſtſtellen, daß ich, ſolange ich auf dieſem Poſten
ſtehe, auch die Entſcheidung darüber habe und haben muß, wer die
Arbeit, die mir durch die von Ihnen gefaßten Beſchlüſſe auferlegt
wer=
den erledigen ſoll. Herr Dr. Oſann hat geſagt, dem Miniſterialrat
fehle ſachlich die Qualifikation. Ich ſtelle vor dem Hauſe feſt, daß Herr
Miniſterialrat Bornemann vom Anfang ſeiner Tätigkeit an durchaus
ſeine Schuldigkeit getan, durchaus den Anſprüchen, die an ihn zu ſtellen
waren und geſtellt wurden, genügt hat, und daß es durchaus unwahr
Rummer 182,
zu ſprei
befehlt
denen
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r der
er
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den
uns
Das
nfrei=
gegen=
boch
iſt und hiermit entſchieden zurückgewieſen wird, daß er ſachlich die
Qua=
lifikation nicht hat. (Abg. Dr. Oſann: Der Verfaſſungsentwurf hat es
bewieſen.) Der Staatspräſident wendet ſich gegen einen
Zwiſchen=
ruf des Abg. Oſann und ſpricht von einem „halben Engländer”, womit
er ein Mitglied der Deutſchen Volkspartei meint. (Leider waren dieſe
ſeine Ausführungen von der Tribüne aus nicht zu verſtehen.) Der Fall
Wimpfen beweiſe, daß Miniſterialrat Bornemann durchaus qualifiziert
ſei, die Intereſſen der Republik zu vertreten. — Was die
Ausgewieſe=
nen und Gefangenen anlange, werde die Regierung, wo ſie könne, für
direkte materielle Hilfe ſorgen. Er habe ſchon immer dahin gewirkt,
daß man den Ausgewieſenen gegenüber alles tue, was irgend möglich
ſei. Der Staat könne kleinere Beihilfe geben, aber die großen Bauten,
die notwendig ſeien, könnten nur vom Reich gemacht werden. —
Auf dem Gebiete des Beamtenrechts könne nichts geſchehen, da im Reich
man ſich fortgeſetzt mit dieſer Materie beſchäftige und nicht weiter
komme. — Was die Kriegsſchuldlüge anlange, ſo werde, was in dieſer
Richtung möglich ſei, getan. „Ich ſtehe noch, ſo fuhr der Staatspräſident
fort, auf meinem früheren Standpunkt. Allein, ſolange die Archive
der Feindländer nicht geöffnet ſind, ſolange wir nur unſere deutſchen
Archive geöffnet haben, ſolange ſind wir nicht in der Lage, den anderen
Nationen durch ihre eigenen Archive den Beweis zu erbringen, daß ihre
Behauptungen den hiſtoriſchen Tatſachen nicht entſprechen. Das muß
geſchehen. Daß wir auch die Militärkontrolle geſtatten, beweiſt, daß
wir ein völlig reines Gewiſſen haben. Für mich iſt durchaus klar, daß
eine Ablehnung des Sachverſtändigengutachtens gleichbedeutend geweſen
wäre mit neuem furchtbarem Jammer und furchtbarem Elend, unter
dem gerade wir in Heſſen, und beſonders das beſetzte Gebiet, gelitten
hat. Was die politiſche Meinungsfreiheit des Beamten anlangt, ſo habe
ich bereits öfters erklärt, daß der politiſchen Auffaſſung der Beamten
von der Regierung aus keinerlei Schwierigkeit gemacht wird, und ich
bin überzeugt, daß nicht ein einziger Beamter auftreten kann, der
irgend=
wie berechtigte Klagen in dieſer Richtung vortragen könnte. — Bei
der Regierung iſt man der Meinung, daß ſich die Verordnung des
Reichs=
präſidenten, deren Aufhebung der Antrag Dr. Greiner verlangt, gegen
die Gewaltätigkeit und den Terror richtet, und daß deshalb nicht die
Rede davon ſein kann, daß dieſe Verordnung die Preſſefreiheit
ver=
nichten würde. In der Frage der Amneſtie werde er das Mögliche zu
erreichen ſuchen. — Wenn man uns, der Regierung, vorwirft, wir
hätten nicht den Mut, vor Gericht zu gehen, um die Ausführungen des
Abg. Kindt gegen den Oberregierungsrat Dr. Strecker prüfen zu laſſen,
dann liegt das auf derſelben Linie auf der eine Menge ſeiner
Aus=
führungen liegt. Er weiß, daß uns der Mut dazu nicht fehlt, und er
weiß auch ganz genau, daß mir ſpeziell dazu der Mut nicht fehlt. Wenn
er aber ſich beklagt, daß ich auf ſeinen offenen Brief keine Antwort
ge=
geben habe, ſo habe ich auch hier einfach zu erklären, daß er auch da
ganz genau weiß, daß eine Antwort, wie ich ſie ihm gegeben häte, für
ihn derart geweſen wäre, daß er doch nicht befriedigt geweſen wäre.
Wir haben die Frage erörtert und ſind zu der Ueberzeugung gekommen,
daß wir in der Lage geweſen wären, den Nachweis zu führen, daß der
Vorwurf gegenüber Oberregierungsrat Dr. Strecker ohne jede
Unter=
lage iſt ohne jede Bedeutung. Aber wir mußten und werden davon
Abſtand nehmen, weil wir verhindern müſſen, daß weiteren Perſonen
Schwierigkeiten entſtehen.
Abg. Engelmann (Soz.) tritt für das Sachverſtändigengutachten
und für eine Verſtändigungspolitik ein. Ich würde, ſo erklärt er an
Stelle der Regierung den Abg. Kindt verklagen. Was in dieſer Sache
geſchehen iſt, kann das Licht der Oeffentlichkeit vertragen.
In der Paufe, nach 12 Uhr, tritt der Finanzausſchuß zuſammen.
Abg. Frau Roth (Komm.) erklärt ſich gegen die Annahme des
Sachverſtändigengutachtens und übt an den Wimpfener Vorgängen
ſcharfe Kritik.
Abg. Kindt (Dnatl.) wendet ſich zunächſt gegen die Angriffe des
Staatspräſidenten und erklärt, daß er weder an dem Ausflug nach
Jugenheim teilgenommen, noch das Märchen von Wimpfen ſelbſt erlebt
habe. — Der Kampf gegen die Kriegsſchuldlüge müſſe von der
Regie=
rung, alſo auch vom ganzen deutſchen Volk aufgenommen werden. Die
im Saalbau, die ſehr gut beſucht geweſen ſei, hätte nicht
Kundgeb=
die Erlaubnis bekommen, die Veranſtaltung auf dem Marienplatz
vorzu=
nehmen. Die Schuldlüge ſei die Grundlage des Verſailler
Schandver=
trages. Wir haben ein reines Gewiſſen. Aber es nutzt nichts, wenn
wir es nicht dauernd der Welt in die Ohren ſchreien. Wir haben das
Sachverſtändigengutachten nicht abgelehnt. Aber wir daben zuerſt die
Erfüllung der Ehrenpunkte verlangt, zu der auch die Räumung des
Ruhrgebietes gehört. Zum Glück gehört zu der Annahme des
Sachver=
ſtändigengutachtens eine verfaſſungsmäßige Zweidrittel=Mehrheit.
Wenn der Staatspräſident meint, er müſſe Abſtand davon nehmen,
Auf=
klärung zu verlangen, dann irrt er. Es wird der Tag kommen, — da
Darmſtädter Tagblatt, Mitttoch, den 2. Juli 1924.
er ja die drei ſozialdemokratiſchen Zeitungen verklagt habe —, an dem
er das Material vorbringen werde. Er werde dafür ſorgen, daß es
durch die Preſſe in die Oeffentlichkeit komme. Als er dieſen Kampf
auf=
genommen habe, ſei ihm von allen Seiten Material zur Verfügung
ge=
ſtellt worden. Seine Angriffe richteten ſich ja nicht gegen
Oberregierungs=
rat Dr. Strecker, ſondern gegen die Regierung.
Abg. Dr. Oſann (DVP.): Von meiner Fraktion bin ich
beauf=
tragt, gegenüber den Angriffen des Herrn Staatspräſidenten Stellung zu
nehmen. Und als Oppoſitionspartei muß ihr die Berechtigung
zuge=
ſprochen werden, daß wir nicht allein die Miniſter, ſondern auch die
höheren Beamten der Regierung einer Kritik unterziehen. Wir wiſſen
uns dabei fern von jeder perſönlichen Animoſität. Wir haben die
Ver=
pflichtung, zu reden, wenn wir der Ueberzeugung ſind, daß im
Staats=
miniſterium eine Perſönlichkeit ſteht, die weder ſachlich, noch nach den
Vorgängen in Wimpfen qualifiziert erſcheint, den hohen Poſten
einzu=
nehmen. Bei einem Urteil über Perſönlichkeiten bedarf es keiner
Ve=
weiſe, ſondern es genügt die Zuſammenfaſſung derjenigen Anſichten, die
man im Laufe der Zeit über eine ſolche Perſönlichkeit gewonnen hat. Es
bedarf nicht der juriſtiſchen Beweiſe, ſondern nur der Vorkommniſſe, die
geſchehen ſind, aus denen man ſich ein Urteil bildet über das, was eine
ſolche Perſönlichkeit leiſtet. Redner betont ſodann die Untauglichkeit des
Verfaſſungsentwurfs und fährt fort: Zu früheren Zeiten wäre ein
ſol=
cher Beamter nicht an der Stelle belaſſen worden. Der betreffende Herr
war auch früher Preſſereferent und übt dieſes Amt noch aus. Es mag
ſein, daß man gerade bei der Preſſe nicht die Angriffsmittel hat, wie in
allen anderen Fällen, weil die Artikel anonym erſcheinen. Wir kennen
aber den Stil. Wir ſind mit dem Stil abſolut nicht einverſtanden.
Des=
halb haben wir auch die Verpflichtung, der Perſönlichkeit gegenüber
Stel=
lung zu nehmen. Vor nicht allzu langer Zeit hat es ſchwerer Mühe
be=
durft in dem Miniſterium der Juſtiz, daß zwei höhere Beamte befördert
wurden. Sie ſollten nur desavouiert und degradiert werden wegen
ihrer Zugehörigkeit zur Deutſchen Volkspartei. Es iſt uns auch nicht
un=
bekannt, daß derjenige, der den Hauptwiderſtand geleiſtet hat, der
Mini=
ſterialrat aus dem Staatsminiſterium geweſen iſt. Wir haben dafür auch
Zeugen. Ich bin der Ueberzeugung, daß außer dem Bauernbund, der
Deutſchnationalen Volkspartei auch das Zentrum ſeine Stimme gegen ihn
erheben würde, wenn es ſich um die Koalition handeln würde. Wir
ſind von vornherein dagegen geweſen, daß dieſer Poſten gerade mit
dem damaligen Preſſereferenten beſetzt wurde. Der Preſſerefernt hatte
einen Privatvertrag und konnte deshalb jederzeit entlaſſen werden.
Daß er dann als Miniſterialrat an eine Stelle geſetzt wurde, für die
er die geeigneten Unterlagen nicht beſaß, hat uns damals ſchon
beſchäf=
tigt. Wir haben dagegen geſprochen und geſchrieben. Noch viel
ſchlim=
mner iſt es aber, daß der Staatspräſident ein Mitglied unſerer Partei
einen halben Engländer genannt hat. War es eine giftige Bemerkung,
ſo war es eine taktloſe Bemerkung, war es aber eine Herabſetzung einer
in unſeren Reihen ſtehenden Perſönlichkeit, die als halber Engländer
bezeichnet werden ſollte, ſo habe ich keinen parlamentariſchen Ausdruck
für eine derartige Aeußerung. (Lebhafte Zwiſchenrufe der Linken.)
Daß eine derartige Beleidigung, eine derartige Anzweiflung der natio=
Der Antrag der Kommuniſten wird angenommen.
Der Antrag Sturmfels, daß die Landesbeamten in Uniform neben
der heſſiſchen die ſchwarz=rot=goldene Kokarde zu tragen haben, wird
gegen die Rechte und die Kommuniſten angenommen.
Schluß der Sitzung 1,55 Uhr.
Nächſte Sitzung Mittwoch, vormittags 9 Uhr,
nalen Geſinnung, eine derartige Verunglimpfung eines Mitgliedes
un=
ſerer Partei von unſerer Partei nicht ertragen werden kann, erklären
wir mit aller Schärfe. Wir werden ihm (dem Staatspräſidenten) mit
aller Deutlichkeit ſagen, daß wir jede perſönliche Beziehung mit ihm
abzubrechen haben, wenn er nicht erklärt, daß er irgendwelche perſönliche
Angriffe nicht dabei im Auge gehabt hat. Das muß ſeitens der Fraktion
erklärt werden, und ich ſpreche auch hier als Sprecher meiner Fraktion.
Abg. Frau Birnbaum (Dtſch. Vpt.) ſetzt ſich für den Kampf
gegen die Kriegsſchuldlüge ein.
Abg. Kaul (Soz.): Der Abg. Dr. Oſann hat durch ſeine
Erklä=
rung zum Fall Bornemann gezeigt, daß dieſe von einer perſönlichen
Ani=
moſität gegen den Abg. Bornemann diktiert iſt. Redner beſchäftigt ſich
ausſchließlich mit den Ausführungen Dr. Oſanns.
Abg. Dr. Greiner (Komm.) bezeichnet die Erklärung des
Staats=
präſidenten auf die Anfrage ſeiner Fraktion als ungenügend.
Abg. Dingeldey (Otſch. Vpt.) betont, daß die Ausführungen
Dr. Oſanns auf Fraktionsbeſchluß erfolgten.
Abg. Dr. Werner (Ontl.) ſpricht über das
Sachverſtändigengut=
achten, gegen die Preſſeknebelung, und betont, daß die völkiſche
Be=
wegung nur durch die Knebelung ſtark werde.
Abg. Frau Roth (Komm.): Wir ſind gerne bereit, dieſer
Regie=
rung ein Mißtrauensvotum auszuſprechen.
Das Kapitel 19 (Staatspräſident) wird darauf gegen die Stimmen
der Rechten und Kommuniſten angenommen.
Der Antrag der Deutſchen Volkspartei und des Bauernbundes wird
abgelehnt.
— Das vom Sportverein 1898 am 21. Juni angeſagte
Brilgsc=
feuerwerk mußte wegen ungünſtiger Witterung ausfallen. Es findet
nun am Donnerstag, den 3. Juli, ſtatt.
— Nückkehr der Kinder aus Steiermark. Dem Zentralverband
deut=
ſcher, Kriegsbeſchädigter, Kriegsteilnehmer u nd Kriegshinterbliebener,
Ortsgruppe Darmſtadt, iſt es gelungen den aus Steiermark
zurückkehren=
den Kindern einen würdigen Empfang zu bereiten. An dem Empfang
beteiligen ſich der Radſportklub, ſowie Spielleute und Muſik.
Zahlrei=
ches Erſcheinen aller Mitglieder iſt unbedingte Ehrenfache. (Alles nahere
ſiehe heutige Anzeige.)
— Möblierte Zimmer. Der Verband der Zimmervermieter ſchreibt
uns: In unſerer letzten Mitteilung war der Junipreis für ein
einfach möbliertes Durchſchnittszimmer mit
gewöhn=
licher Bedienung, aber ohne Frühſtückzubereitung, Bettwäſche,
Stiefel=
wichſen und Kleiderreinigung, unter der Vorausſetzung, daß es ſich um
nur einen Bewohner handelt, auf 14½ Mk. berechnet 77 Mk. für den
Raum, 3 Mk. für die Möbel, 4 Mk. für Bedienung, 50 Pfg. für
Putz=
mittel). Es wird ſich nach den Grundlagen dieſer Berechnung
empfeh=
len, an den 14½ Mk. auch für Juli feſtzuhalten, obwohl die
eigent=
lichen Wohnungsmieten ſich in dieſem Monat von 38 Prozent der
Friedensmiete auf 40 Prozent erhöhen. Zu beachten bleibt aber, daß
es ſich bei dem genannten Normalſatz von 14½ Mk., der ſich auf
Grund=
lagen ſtützt, die ſ. Z. mit der Stadtverwaltung vereinbart worden ſind,
um den Preis für ein einfach möbliertes Durchſchnittszimmer handelt,
und daß für ein wirklich dürftiges Zimmer entſprechend weniger,
für ein wirklich beſſeres Zimmer entſrrechend mehr anzuſetzen iſt.
Wieviel, das richtet ſich im einzelnen Fall nach deſſen beſonderen
Um=
ſtänden. Daß hierbei auch die Größe des Zimmers eine gewiſſe (wenn
auch nicht die alleinige) Rolle ſpielt, ſo iſt es erwünſcht, daß die in
unſerer, (feden Montag 4 Uhr in den Räumen des Hausfrauenbunds
(frühere Artilleriekaſerne, Heidelberger Straße, Eingang Wilhelmſtr.)
Anfragenden die Maße des Zimmers (Länge und Breite) angeben
können. Dieſe Maße, und daneben auch die Maße der nicht
unter=
vermieteten Zimmer, ſind auch nötig, um den vielen wegen der
Steuer=
frage Auskunft Wünſchenden den ungefähren Betrag des den
Untermieter treffenden Anteils an der ſtaatlichen und ſtädtiſchen „
Son=
derſteuer vom bebauten Grundbeſitz” angeben zu können.
Die gewöhnlichen ſtaatlichen und ſtädtiſchen
Grund=
ſteuern ſind lediglich von dem Hauseigentümer zu tragen
und dürfen von dieſem nicht auf die Wohnungsinhaber verteilt werden,
kommen alſo auch für die Untermieter nicht in Frage. Es iſt
merk=
würdig, daß über dieſe ſchon ſo oft erläuterten Fragen noch vielfach
Unklarheiten beſtehen.
Hausbriefkaſten. Die Notlage des Reiches und der Rückgang des
Verkehrs haben es erforderlich gemacht, die Zahl der Briefträger zu
vermindern. Hierdurch haben den einzelnen Briefträgern größere
Be=
zirke zugeteilt werden müſſen, was zur Folge hat, daß die Beſtellungen
nicht mehr mit der wünſchenswerten Schnelligkeit durchgeführt werden
können. Das wirkſamſte Mittel zur Beſchleunigung der Bri=fbeſtellung
hat das Publikum ſelbſt in der Hand; es beſteht in der Anbringung
von Hausbriefkaſten an den Eingängen der Wohnungen. Denn nicht
nur das Warten des Briefträgers auf das Oeffnen der Tür, das
wieder=
holte Klingeln uſw. fällt überall da weg wo ein Hausbriefkaſten
an=
gebracht iſt, ſondern es ſind auch in den Fällen, wo niemand zu Hauſe
angetroffen wird, keine wiederholten Gänge zu machen.
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Vohn. z. tauſch. geſ.
gen größ., gleiche,
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Vohnungstauſch
Mainz — Darmſtadt.
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illig zu verm (*io
Lagerhausſtr. 16, I.
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arlſtr. 65, II., bei
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Seite 6.
Dytuſtätiet 2
Mit ah, din 2. Jali 1924.
Rummer 182.
Aus Heſſen.
Kundgebung des Reichsverbands der Ausgewleſenen.
Bad Nauheim, 29. Juni. Der Reichsverband der
Ausgewieſe=
nen, „Landesverband Heſſen” hat heute im Konzertſaale zu Bad
Nau=
heim folgende Kundgebung erlaſſen:
Dem Vernehmen nach ſoll die Rücknahme der Ausweiſungsbefehle
im altbeſetzten und Einbruchsgebiet bevorſtehen. Hierbei ſollen 75
Aus=
gewieſene, meiſt höhere Verwaltungsbeamte, von der Rückkehr
ausge=
ſchloſſen ſein. Ueberdies ſoll die Rücknahme der Ausweiſung nicht die
Wiederzulaſſung zum Amt einſchließen. Wir erheben Einſpruch dagegen,
1. daß die Ausgewieſenen nicht ausnahmslos zurückkehren ſollen;
2. daß die Aufhebung der Ausweiſung für die Beamten, Angeſtellten und
Arbeiter nicht die ſofortige Dienſtaufnahme in ſich ſchließt. Wir
ver=
langen grundſätzlich, daß alle Beamte in leitender Stellung mit den ihnen
unterſtellten Beamten, Angeſtellten und Arbeitern zurückkehren, und
weiter, daß vor der Rückkehr die früheren Wohnungen aller
Ausgewieſe=
nen freigemacht oder gleichwertige Wohnungen ihnen zur Verfügung
geſtellt werden. Wir verlangen endlich, daß alle Gefangenen freigelaſſen,
und daß alle Strafen und Strafverfahren niedergeſchlagen werden.
* Arheilgen, 1. Juli. Einer unſerer älteſten Ortsbürger, der auch
in der Umgegend ſehr bekannte Dachdeckermeiſter Heinrich Beck I., iſt hier
im 84. Lebensjahre entſchlafen. Ein großer Leichenzug gab dem
Ver=
ſchiedenen das letzte Geleite. — Vom ſchönſten Wetter begünſtigt verlief
der Sportwerbetag des Arbeiter=Sportkartells auf die beſte Weiſe.
Be=
ſonders gefielen die Vorführungen der Schülerinnen auf verſchiedenen
Plätzen des Ortes, auch wurden die turneriſchen Aufführungen am
Nach=
mittag auf dem Sportplatz „im Elſee” mit großem Beifall aufgenommen.
+ Neu=Iſenburg, 1. Juli. Eine Geſellſchaft junger Leute
aus unſerer Stadt rüſtet ſich zu einer Fahrt in den Schwarzwald. Auf
die Frage, ob denn alle auch die nötige Zeit zur Reiſe hätten,
ant=
wortet einer mit den bezeichnenden Worten: „Die eine Hälfte hat
ge=
rade Ferien, die andere ſtreikt!‟ Da füllt man allerdings die
Zeit bis zur Wiederaufnahme der Arbeit mit der Wanderung in den
Schwarzwald gut aus, wenn man ſonſt das nötige Kleingeld hat.
Unſere Stadt zahlt ja wöchentlich Unverheirateten 5, Verheirateten
10 Mark aus, ſofern ſie an dem Portefeuillerſtreik beteiligt
ſind, und das iſt immerhin ein kleiner Zuſchuß.
+ Neu=Iſenburg, 30. Juni. Die Wahlbewegung zu unſerer
Bür=
germeiſterwahl, die am kommenden Sonntag ſtattfindet, kommt
nun etwas mehr in Fluß. Der ſozialdemokratiſche Kandidat,
Gemeinde=
ratsmitglied Wilhelm Arnoul ſtellte ſich bereits ſchon vergangene Woche
den Wählern in öffentlicher Wählerverſammlung vor. Der einzige
Be=
werber von bürgerlicher Seite, der ihm gegenüberſteht, iſt ſein leiblicher
Vetter, Bankbeamter Georg Heinrich Arnoul, ehemals ebenfalls
Mit=
glied des Gemeinderats. Er gehört der Demokratiſchen Partei an und iſt
von den Demokraten und der Deutſchen Volkspartei gemeinſam
aufge=
ſtellt. Er wird heute zum erſtenmal in einer Verſammlung zu den
Wäh=
lern reden. Zentrum Deutſchnationale und Kommuniſten haben ihre
Stellung noch nicht öffentlich bekannt gemacht. Wie man hört, erhebt
das Zentrum für Wahlhilfe zu Gunſten des Demokraten Anſpruch auf
den nächſtenden zu wählenden Beigeordneten. Die Deutſchnationalen
werden ſchließlich auch den bürgerlichen Kandidaten unterſtützen. Die
Kommuniſten ſcheinen mit dem Gedanken zu ſpielen, den
Reichstagsab=
geordneten Ebner als Zählkandidaten aufzuſtellen. Ein zweiter
bürger=
licher Bewerber, der von einer parteiloſen Gruppe auf den Schild
er=
hoben werden ſollte hat ſeine Bewerbung bereits als nicht beſtehend
er=
klären laſſen. Es iſt dies der bisherige Verwalter des
Bürgermeiſter=
amts, der Verwaltungsinſpektor Konrad Ahl. Er hätte auch als
bür=
gerlicher Kandidat gegen die beiden eingeborenen Arnouls einen ſchweren
Stand gehabt. Wer nun von den beiden Vettern den Sieg davontragen
wird, iſt durchaus ungewiß. Wenn auch bei politiſchen Wahlen
Sozia=
liſten und Kommuniſten hier das Uebergewicht haben, ſo wird bei der
Bürgermeiſterwahl doch mehr der Mann des perſönlichen Vertrauens,
der Mann der Ordnung und der Erfahrung gewählt. Dieſe Vorzüge
be=
ſitzt der bürgerliche Arnoul in reichem Maße. Zudem erinnert ſich die
Wählerſchaft noch recht gut des verfloſſenen ſozialiſtiſchen Bürgermeiſters,
der ſich den Angriffen der Kommuniſten auf ſeine Geſchäftsführung da=
durch entzog, datz er ſein Amt vor Ablauf der Amtszeit niederlegte. Mag
nun die Wahl ausgehen, wie ſie will; es wird wieder ein Nachkommen
der einſtigen Gründer unſerer Stadt an die Spitze der Verwaltung
treten.
II. Offenbach, 29.
(Stenvarnbientag) Am 5. und 6. Jul
findet hier der 44. Verbandstag des Heſſiſch=Raſſauiſchen Verbandes
Gabelsbergerſcher Stenogradhen in Verbindung mit dem 50jährigen
Jubiläums des Stenographenvereins „Gabelsberger” Offenbach ſtatt.
Hierzu iſt folgendes Feſtprogramm in Ausſicht genommen. Samstag,
den 5. Juli, nachmittags 4½ Uhr, Sitzung des Verbandsvorſtandes
und der Bezirksleiter im Parkhotel Degenhardt: abends 8 Uhr,
Ver=
treterverfammlung im Parkhotel Degenhardt. Sonntag, den 6. Juli,
vormittags 9 Uhr, Wettſchreiben in den Techniſchen Lehranſtalten und
der Schule am Franzöſiſchen Gäßchen (beide Schulen am Iſenburger
Schloß); vormittags 9—11½ Uhr: Für die Feſtgäſte, die ſich an dem
Wettſchreiben nicht beteiligen, Beſichtigung der Sehenswürdigkeiten;
Zuſammenkunft am Iſenburgev Schloß um 9 Uhp vormittags;
vor=
mittags 11½ Uhr: Oeffentl. Feſtverſammlung im Emelkahaus Großer
Biergrund; Feſtvortrag des Ehrenmitglieds des Vereins Offenbach,
Herrn Regierungrat Dr. Müller=Braunſchweig über „Stenographie und
Kultur”, nachmittags 1½ Uhr: Feſteſſen im Gartenſaal des Parkhotels
Degenhardt; nachmittags: 31/ Konzert im Garten des Parkhotels
Degen=
hardt (im Gartenſaal Tanz); nachmittags 5 Uhr: Verkündigung des
Wettſchreib=Ergebniſſes und Verteilung der Ehrenpreiſe im Garten des
Parkhotels Degenhardt; abends 8 Uhr Jubelfeier und Ball des
feſt=
gebenden Vereins aus. Anlaß ſeines 50jährigen Beſdehens unter
Mit=
wirkung namhafter Offenbacher und Frankfurter Künſtlex in den
Räumen der Turnhalle des Turnvereins in der Goetheſtraße).
p- Groß=Umſtadt, 1. Juli. Einen genußreichen Familienabend
hatte am letzten Samstag der hieſige „Männergeſangverein”, ſeinen
aktiven und inaktiven Mitgliedern bereitet. Herr Reallehrer Frey hatte
ein auserleſenes Programm zuſammengeſtellt. Die dargebotenen Chöre
wurden durchweg gut vorgetragen. Fräulein Minna Kiſſel aus
Heil=
bronn a. N. ſang mit ihrer klangvollen Sopranſtimme mehrere Lieder
von Mendelsſohn ſo ſchön weich und zart, ſodaß ihr reicher Applaus
und ein wundervoller Blumenſtrauß als Lohn für ihren lieblichen
Ge=
ſang zuteil wurde. Die künſtleriſchen Darbietungen der Oberrealſchüler
Koch, z. Z. in Kleeſtadt (Violine) und Krauß=Groß=Umſtadt (Klavier)
berechtigen zu großen Hoffnungen. Nicht unerwähnt dürfen die
Ver=
dienſte des Präſidenten Gg. Reichwein um den Verein bleiben.
Gemüt=
liche Stimmung hielt die Gäſte bis in die frühen Morgenſtunden
zu=
ſammen. Man trennte ſich mit der Befriedigung, wieder einmal einige
frohe Stunden verlebt zu haben und mit der Hoffnung, daß Fräulein
Kiſſel aus Heilbronn bald wieder hier ſingen möge.
O Neuſtadt i. O., 1. Juli. Am kommenden Samstag, 5. Juli, abends
9 Uhr, konzertiert der Mainzer Mänergeſangverein Konkordia im
Gaſt=
hauſe „Zum Ochſen‟ Ein reichhaltiges und abwechſlungsreiches
Pro=
gramm wird dieſen Abend zu einer Feierſtunde künſtleriſchen Genuſſes
machen. Die Chöre ſtehen unter der fachmänniſchen Leitung des Herrn
Chordirektors Schacher vom Mainzer Stadttheater. Weitere andere
hervorragende Kräfte desſelben Kunſtinſtituts helfen auf geſanglichem
wie rezitatoriſchem Gebiete den Abend verſchönern. Wir heißen heute
ſchon den Mainzer Bruderverein herzlich willkommen und hoffen und
wünfchen, daß es ihm in unſerem ſchönen Breubergerlande gefallen möge.
Von der Bergſtraße, 1. Juli. Beſpritzen der Reben. Die
Heſſ. Lehr= und Verſuchsanſtalt für Wein= und Obſtau teilt mit, das
kräf=
tige Wachstum der Reben mache eine weitere Beſpritzung mit einer
1—1½proz. Kupferkalkbrühe nötig. Auch das Schwefeln könne ſofort
vorgenommen werden.
Hirſchhorn, 30. Juni. Geländer. Beim Feuerbergtunnel wurde
die Leiche eines nur mit einer Badehoſe bekleideten Mannes aus dem
Neckar gezogen. Der Ertrunkene fand am Fronleichnamstage beim
Ba=
den im Neckar den Tod und konnte erſt heute gelnädet werden.
Lampertheim, 30. Juni. Milchtag. Hier wurde vor kurzem
ein ſogen. „Milchtag” eingerichtet. Die Mitglieder des hieſigen
Ziegen=
zuchtvereins machten ſich nämlich erbötig, jeden Sonntagnachmittag die
Kinder unbemittelter Eltern mit warmer Milch zu bewirten. Bäcker,
Metzger und Freunde der Veranſtaltung ſorgen dabei für Brötchen,
Würſtchen, Kakao, Kuchen u. dgl. Etwa 600 Kinder nehmen an dem
Mahle teil. Es iſt eine wahre Luſt, den Kindern zuzuſehen, wie es
ihnen ſchmeckt. Nach der Bewirtung ergötzt ſich die Jugend in
ver=
ſchiedenen Gruppen mit Spiel, Aufführung von Reigen uſw. zur
Freude der Zuſchauer. Bei dem erſten „Milchtag” half ſogar eine
Muſikkapelle die Feſtlichkeit verſchönern. Durch die rührige Tätigkeit
des Vorſtandes hat ſich die hieſige Ziegenzucht zu hoher Blüte entwickelt
und einen wahren Wetteifer unter den Mitgliedern erweckt. Auf
Ver=
anlaſſung des Ziegenzuchtvereins wurde ſogar im hieſigen Kino ein
Lichtbildervortrag über Ziegenzucht abgehalten, der für Belehrung viel
Anregung bot und ſich als ſehr praktiſch und nachahmenswert auch für
andere Vereine erwies.
Piblis, 27. Juni. Fohlenauktion. Am Donnestag, 3. Juli,
vormittags 10 Uhr, findet in Biblis durch die Pferdezüchtervereinigung
Biblis, anerkannt von der Landwirtſchaftskammer, auf der Fohlenweide
eine Fohlenauktion der Landwirtſchaftskammer für Heſſen ſtatt. Zun
Auktion gelangen zirka 40 Saug=, 1=, 2= und 3jährige Fohlen der Belgie=
und Oldenburger Raſſe, welche Landwirten gehören. Der größte Teil
der Fohlen ſtammt von Stammbuchſtuten des Heſſ. Pferdeſtammbuchs
und alle von Beſchälern des Heſſ. Landgeſtüts ab. Es bietet ſich alſo hier
für Züchter und Händler Gelegenheit, erſtklaſſiges Zuchtmaterial aus
Züchterhand direkt zu kaufen. — Biblis ſelbſt iſt Station. Die Fohlen
können direkt mit der Bahn verladen werden. Nähere Auskunft erteilen
die Herren Valentin Jakob Friedrich in Nordheim, Valentin Rais XIII.
zu Biblis und die Landwirtſchaftskammer in Darmſtadt.
Aus dem Weſchnitztal, 1. Juli. Billige Kartoffeln. Wi
berichteten kürzlich, daß Händler den Zentner Kartoffeln für 4.50 ℳ
an=
bieten. Wie wir hören, kann man an der Bergſtraße gute, ausgeleſene
Ware ſchon für 3 ℳ haben.
k-, Gießen, 1. Juli. Der langjährige Leiter der Univerſitätsbücherei,
Geheimrat Prof. Dr. Haupt, feierte ſeinen 70. Geburtstag. Er hat
ſich um den Ausbau der Bücherei ſehr verdient gemacht; unter ſeinen
Leitung wurde auch ein Bibliotheksneubau errichtet, der heute zu den
techniſch und künſtleriſch beſten in Deutſchland gehört und eine Zierdg
unſerer Stadt darſtellt.
b. Friedberg, W8. Juni. Der ſeit über 50 Jahren beſtehende „Geſſiſſche
Vereinigung für Volkskunde” hielt heute im Singſaale des
Lehrerſemi=
nars ihre diesjährige Hauptverſammlung ab, die von dem Vorſitzenden,
Hern Dr. Georg Faber, ſeit kurzem Seminardirektor in Friedberg,
ge=
leitet wurde. Aus dem von dem Vorſitzenden erſtatteten Jahresbericht
war zu erſehen, daß die Vereinigung auch durch die Not der Zeit mit
großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Durch den Währungsverfall
iſt das Vermögen verloren gegangen, doch durch das Eingreifen der
„Notgemeinſchaft der deutſchen Wiſſenſchaft”, durch Beihilfe der Provinz
Oberheſſen und vermögender Mitglieder, beſonders im Auslande, konnte
das Schlimmſte abgewendet werden und das Weiterbeſtehen der
Ver=
einigung und der von ihr herausgegebenen „Blätter für Volkskunde‟
iſt geſichert. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 676, der Jahresbeitrag
für Heſſen 2 Mk., ſonſt 3,15 Mk. Auch die nun folgende
Rechnungs=
ablage ergibt wenigſtens kein hoffnungsloſes Bild; wenn auch das frü
here Vermögen verloren iſt, ſo ergibt ſich doch durch die neuen
Mit=
gliedsbeiträge und freiwillige Spenden ein dermaliger Kaſſenbeſtand
von zirka 940 Mk. Die Vorſtandswahl ergab die Wiederwahl des Herrn
Dr. Georg Faber, Direktor des hieſigen Lehrerſeminars, zum
Vorſitzen=
den. Dadurch muß der Sitz der Vereinigung von Gießen nach
Frid=
berg verlegt werden. Zum Schriftführer wurde Herr Studienaſſeſſor
Dr. Krämer gewählt. An die Hauptverſammlung ſchloß ſich ein
unter=
haltender Teil an, deſſen Hauptpunkt ein Vortrag des Herrn Pfarrers
Rühl aus Reichelsheim in der Wetterau über das Thema „Bauerndorf
und Landſtädtchen” war. Redner zog eine intereſſante Parallele zwiſchen
dem Leben und Anſchauungen eines Vogelsberger Dorfes, in dem er
früher ſeines Amtes waltete, und einem Wetterauer Landſtädtchen, das
jetzt ſeine Wirkungsſtätte iſt. Der Vortrag, der intereſſante Einblicke
in das Seelenleben der Stadt= und Landbewohner gewährte, erregte
allgemeines Intereſſe. Herr Profeſſor Keller, Herr Profeſſor Hepding
und Herr Studienrat Kuhn erweiterten das Gehörte noch durch manche
intereſſanten Einzelheiten. Der Seminariſtenchor unter Leitung des
Herrn Muſikdirektors Müller gab durch eine Anzahl vortrefflich
vor=
getragener Volkslieder dem Vortrag eine ftimmungsvolle Umrahmung.
Von Intereſſe war es noch, zu erfahren, daß die von der Vereinigung
geplante und bereits begonnene Herausgabe einer heſſiſchen
Flurnamen=
ſammlung auch finanziell geſichert iſt.
I. Altenhain (Kreis Schotten), 1. Juli. Beim Heumachen
verunglückte der Fuhrmann Dietz von hier. Er ſtürzte vom
hochbeladenen Heuwagen und wurde überfahren. Bruſt, Unterleib und
Wirbelſäule wurden vollſtändig zerquetſcht, ſo daß der Tod auf der
Stelle eintrat.
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O
(2ür die zahlreſchen Geſchenke und
OBlumen anläßlich unſrer Silbernen
Hochzeit ſagen wir allen, insbeſondere
dem Bürger=Geſangverein Beſſungen,
unſeren innigſten Dank. (*19065
Zalob Schäfer und Frau.
Darmſitadt, Sandbergſtr. 7.
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Geſtern vormittag 11 Uhr
ver=
ſchied plötzlich mein lieber Gatte
und unſer Vater
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Verwandten, Freunden und
Be=
kannten die ſchmerzliche Mitteilung,
daß heute abend ¼7 Uhr mein
lieber Mann, unſer treuſorgender
Vater, Bruder, Schwiegerſohn,
Schwager und Onkel
Johannes Will
Schuhmachermeiſter
im Alter von 63 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Eliſe Will und Kinder.
Darmſtadt, 1. Juli 1924.
Die Beerdigung findet Mittwoch,
den 2. Juli, um ½4 Uhr, auf dem
(*18962
Waldfriedhof ſtatt.
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Herr
Georg Schanz
plötzlich und unerwartet infolge
eines Schlaganfalles ſanft
ver=
ſchieden iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
Die trauernden Hinterbliebenen:
In deren Namen
Amalie Schanz, geb. Sommer
Käthe Schanz
Elſe Schanz.
Darmſtadt, den 30. Juni 1924,
Heinheimerſtr. 84,
Die Beerdigung finder
Donners=
tag, den 8. Juli, nachm. ½5 Uhr,
auf dem Friedhof an der Nieder=
Ramſtädter Straße ſtatt. (8543
Todes=Anzeige.
Heute iſt mein innigſtgeliebter
Mann, der treuſorgende Vater
ſeines einzigen Kindes
Fritz Weitzen
von ſeinem ſchweren mit größter
Geduld ertragenen Leiden im kaum
vollendeten 27. Lebensjahre durch
einen ſanften Tod erlöſt worden,
In tiefſtem Schmerz:
Leny Weitzen, geb. Jacobi, u. Kind.
Darmſtadt, den 30, Juni 1924.
Gutenbergſtr. 66.
(*19055
Die Beerdigung findet auf Wunſch
des Verſtorbenen in der Stille ſtatt.
Blumenſpenden dankend verbeten.
Heute verſchied nach kurzem Teiden unſere
geliebte, treubeſorgte Mutter, Großmutter,
Schwiegermutter, Schweſter, Schwägerin
und Tante
Frau
Eliſabethe Brenner
geb. Eidmann
im 76. Lebensjahre.
Richen (Mühle), den 3. Juli 1924.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ludwig Brenner
Familie Georg Brenner III.
Uin
Dſe Beerdigung findet Donnerstag, den 3. ds. Mis.,
nachmittags 3 Uhr, ſtatt.
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Gründlicher Klavier=
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Gewiſſenhaften, geb.
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gabt. Angb. u. W 90
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Statt beſonderer Anzeige.
Heute abend 10 Uhr verſchied
im nahezu vollendeten 65.
Lebens=
jahre infolge eines Schlaganfalles
mein lieber treuer Mann, unſer
Bruder, Schwager und Onkel
Hert Jakob Bolz
Hochbauaufſeher i. R.
Im Namen d. trauernd Hinterbliebenen:
Gertrude Bolz Ww., geb. Kunkel
Darmſtadt, den 30, Juni 1924
(8554
Soderſtraße 48,
Die Beerdigung findet in Dieburg
am Donnerstag, den 3. Juli, 3 Uhr,
vom Hauſe Spitalſtraße 23 aus ſtatt.
Dankſagung.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe
wohl=
tuender Teilnahme beim Heimgang
unſerer lieben Mutter
Frau
Eliſabeth Eichenauer
verwitw. Heibert
danken herzlichſt
(*19045
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 1. Juli 1924.
Von 3.—13. Inli
verreist.
Für die ſo vielen Kranz= und
Blumenſpenden und Teilnahme
an unſerem ſchweren Verluſt
und Allen, welche das letzte
Ge=
leit gegeben, ſpreche ich auf
dieſem Wege im Namen der
trauernden Hinterbliebenen
mei=
nen herzlichſten Dank aus.
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Rummer 182.
Darmſtädter Tagblatt. Mittwoch, den 2. Juli 1924,
Seite 7.
Reich und Ausland.
* Südweſideutſche Jagd=Ausſiellung vom
1. — 15. Zuli 1924 in Frankfurt am Main.
Sonderbericht unſeres Korreſpondenten.
Ca. Frankfurt a. M., den 1. Juli 1924.
Unter zahlreicher Beteiligung der Freunde der grünen Farbe, der
Behörden und der Preſſe wurde heute vormittag die
Südweſt=
deutſche Jagdausſtellung im Zoologiſchen Garten durch eine
kurze Anſprache von Direktor Dr. Priemel eröffnet. Unter
Ueber=
windung ganz beſonderer Schwierigkeiten war es Dr. Priemel, dem
ver=
dienſtvollen Leiter des Zoologiſchen Gartens, unterſtützt beſonders von
Inſpektor Acker. Ingenieur Fritz und Forſtmeiſter Fleck, ſowie
einem Stab bewährter Jagdfachleute, gelungen, die Vorarbeiten zu
die=
ſer Ausſtellung, die erſte in ihrer Art, durchzuführen, an der ſich neben
anderen Vereinigungen auch der Heſſiſche Jagdklub in
hervor=
ragendem Maße beteiligt hat.
Im Mittelpunkt der Ausſtellung ſtehen edle Beuteſtücke, die manches
alte und doch ewig junge Jägerherz im Buſen höher ſchlagen laſſen
wer=
den. Jagdtrophäen von Rotwild. Damwild, Rehwild, Schwarzwild
ud aus den Kolonien zieren die Wände mit auserleſenen Stücken, ſo daß
den Preisrichtern ein ſchweres Stück Arbeit bevorſteht. Der Heſſiſche
Fagdklub iſt mit einer viel bewunderten Kollektion von Geweihen,
Gehörnen, einer Jagdfahne, Jagdlappen und 12 Glaskäſten jagdlich
be=
lehrenden Inhalts vertreten. Die kleine, aber gehaltvolle Ausſtellung
bedeutet gleichzeitig eine Ehrung des verſtorbenen Ehrenvorſitzenden,
Kommerzienrats Dr. Guſtav Hickler, dem verdienten Förderer des
deutſchen Weidwerks, von dem viele Stücke ſtammen. Außer
Schaufel=
hirſchgeweihen von beſonderer Schönheit ſehen wir Abdrücke von
Wild=
ſpuren und Loſungen von jeder Wildart. Karl. Hagenbeck=Stellingen
zeigt ſechs Hirſchgeweihe und zwei Sibiriſche Angali von beſonderer
Schönhett. S. K. H. der Großherzog Ernſt Ludwig von
Heſſen iſt mit einer Geweihſammlung von im Kranichſteiner Park
er=
legtem Wild vertreten. Das Jagdmuſeum des Schloſſes Kranichſtein, dem
am 10. Juli unter Führung des Herrn Oberjägermeiſters
Beſondere Erwähnung verdienen auch die ſeltenen ſchönen
ſelbſter=
legten afrikaniſchen Jagdtrophäen des Freiherrn von Goldſchmidt=
Rothſchild.
In zwei beſonderen Abteilungen wird eine jagdhiſtoriſche und eine
jagdkriminaliſtiſche Ausſtellung, letztere unter Leitung des bekannten
Gerichtsſachverſtändigen Prof. Dr. Popp, vorgeführt, auf die wir
noch ausführlicher zurückkommen werden.
Von beſonderen Veranſtaltungen der Ausſtellung ſei noch das vom
8. bis 10. Juli ſtattfindende Tontaubenſchießen, ſowie die Vorführung
von Jagd= und Jagdlehrfilmen erwähnt. Die Deutſche Jagdkammer wird
am 8. Juli den Jagdlehrfilm „Das deutſche Weidwerk” vorführen, die
Ufa wird den Film „Mit unſeren Zugvögeln nach Afrika” und den
Jagdſpielfilm „Horrido” zeigen.
Als eines der poſitiven Ergebniſſe der Ausſtellung darf heute ſchon
die geſtern auf Anregung von Herrn Ferd. Haas=
Gſottſchnei=
der erfolgte Gründung einer Arbeitsgemeinſchaft der
jagd=
lichen Verbände von Frankfurt a. M. und Umgegend
gebucht werden, die den, gerade bei den Jägern ſo dringend
not=
wendigen Zuſammenſchluß und die Ausſchaltung vieler unötiger
Reib=
ungen zum Ziele hat. Wir ſind ermächtigt, mitzuteilen, daß der
An=
ſchluß und die Mitarbeit der heſſiſchen Jäger beſonders willkommen iſt.
An die Veranſtaltung ſchließt ſich eine Ausſtellung von Firmen der
Jagd= und Sportartikelbranche an. Einzelne Firmen beſonders
hervor=
zuheben, wäre ſo unbillig, wie das Verlangen ſämtliche Firmen hier zu
erwähnen. Es ſei daher nur kurz feſtgeſtellt, daß alles was ein
Jäger=
herz erfreuen könnte, vom Gewehr bis zum Faltboot, und vom Jagdglas
bis zum Angelgerät von führenden Firmen zur Schau geſtellt iſt.
Der Ausſtellung ſelbſt aber wollen wir recht guten Erfolg wünſchen,
dient ſie doch zwei Zwecken; einem ideellen, der Hebung des edlen
deut=
ſchen Waidwerks und, wenn man ſo ſagen will, einem materiellen, der
Stärkung ds Jubiläumsfonds des Zoo zum Ankauf neuer Tiere. In
dieſem Sinne — Weidmannsheil!
Schulungswoche des Deutſchen Frauenausſchufſes zum Kampf gegen die
Schuldlüge.
Eiſenach. Am 28. Juni, dem zehnjährigen Gedenktage von
Serw=
jewo, zogen die Teilnehmer der Schulungswoche hinauf zur
Wart=
burg. Im großen Saal des Wartburgreſtaurants fand eine Ausſprache
über die Behandlung der Kriegsſchuldfrage ſtatt. Prof.
Dr. Rahn=Berlin hielt ein zuſammenfaſſendes Referat. In der
Aus=
ſprache gaben Geh. R. Paaſche, Profeſſor Karo, Oberſt Schwerdtfeger,
Dr. Emmy Voigtländer, Dr. Roſa Kempf und a. wertvolle Anregungen.
Es wurde beſchloſſen, kurze Richtlinien für den Kampf gegen die
Schuld=
lüge herauszugeben und ſie durch die dem Frauenausſchuß
angeſchloſſe=
nen Organiſationen in möglichſt weite Kreiſe zu leiten.
Nachmittags wurde unter Führung des Meininger Spielleiters Dr.
Homburg ein Tellſpiel von Schülern und Schülerinnen der
Gemeinde=
ſchulen und höheren Schulen dargeſtellt. Leider kennte es wegen des
un=
ſicheren Wetters nicht im Freien aufgeführt werden, ſondern der große
Saal im Fürſtenhof mußte herhalten. Trotz des ſtimmungsloſen
Hinter=
grundes einer Bühne ohne Kuliſſen gelang es den jugendlichen
Dar=
ſtellern, Höhepunkte, leidenſchaftlich bewegten Maſſenempfindens zu
er=
zielen. Der große und der kleine Tell traten ſicher und temperamentvoll
auf. Das Publikum ſpendete reichen Beifall. Der Geſang
vaterlän=
diſcher Lieder leitete den zweiten Teil der Feier ein.
Frau Clara Wende ſchilderte ergreifend die Not, in die unſer
Vater=
land infolge des Diktates von Verſailles geraten iſt. Mit großer Wärme
erhob ſie den Ruf nach Einigkeit. Nur wenn das ganze Volk einig ſei in
dem Kampf gegen die Lüge von Verſailles, werde es gelingen, uns vor
dem Untergang zu retten.
Abends fand eine öffentliche Verſammlung in der „Phantaſie” ſtatt,
die Berichten aus den entriſſenen und bedrohten Gebieten gewidmet war.
Dr. Gertrud Wolf=München ſprach von der ſchweren Not der Pfälzer
und deren innigem Wunſch, von Deutſchland verſtanden zu werden, mit
ihm in Verbindung zu bleiben. Frau Klara Wleineck=Berlin ſchilderte
als Oberſchleſierin den Abſtimmungskampf in ihrer Heimat und die
ſchweren Ungerechtigkeiten, die dort von den Polen verübt worden ſind.
Frau Kläre Degener berichtete von ihrer Vertreibung aus der
Oſtmark und dem deutſchen Leide, das dort herrſcht. Frau Elſe
Fro=
benius gab Bilder aus Oeſterreich, dem durch Verſailles von uns
ge=
trennten Bruderlande, das in treuer Freundſchaft an uns hängt und
vorbildlich in ſeiner Selbſthilfe iſt. — Daß wir um unſerer entrechteten
und abgetrennten Brüder willen nicht vom Kampf gegen die Schuldlüge
laſſen dürfen, war die Erkenntnis dieſes erſchütternden Abends.
Am Sonntag, 29. Juni, fand bei ſtrahlendem Sonnenwetter unter
den alten Bäumen des Stadtparks ein Feſtgottesdienſt ſtatt. Feldpropſt
Dr. Schlegel ſprach markige Worte über den Text: „Die Wahrheit wird
euch frei machen.‟ Der katholiſche Geiſtliche d’Eſtant mahnte zur
Einig=
keit, zum fraulichen Liebeswirken in höchſter Not. Proteſtanten und
Katholiken ſangen abwechſelnd die Geſänge ihres Ritus und gaben ein
Bild der Einmütigkeit — vorbildlich für alle, die durch Parteihader und
Mißgunſt in ihrem Wirken fürs Vaterland gehemmt ſind. Am
Nach=
mittag pilgerten die Tagenden unter Führung von Frau Amalie Noth
zur Hohen Sonne und genoſſen dankbar die Schönheit des Thüringer
Landes, das ihnen in dieſen Tagen ſo viel Gaſtfreundſchaft geboten hat.
Verkehrsausſtellung in München.
* München. Unter Beteiligung des Reichspoſt= und
Reichseiſen=
bahnminiſteriums, ſowie zahlreicher Weltfirmen Deutſchlands, wie Krupp,
Zeppelin u. dgl., ſoll im nächſten Jahre auf einem großen
Ausſtellungs=
gelände in München eine allgemeine Deutſche Verkehrsausſtellung
ver=
anſtaltet werden. Die Beſprechungen dazu begannen am Montag. Herr
Staatsſekretär v. Frank, der Leiter des Reichsverkehrsminiſteriums,
Ab=
teilung Bayern, verwies auf die große Werbekraft einer ſolchen
Ausſtel=
lung, die aller Welt dartun ſoll, daß auch jetzt noch, zur Zeit unſerer
Niederlage und wirtſchaftlichen Depreſſion, das deutſche Verkehrsweſen
Muſtergültiges zu zeigen habe. Die Stadtgemeinde München wird einen
Kredit von 400 000 Goldmark und einen Zuſchuß von 150 000 Gmk. für
das Unternehmen zur Verfügung ſtellen. Da im nächſten Jahre auch
ſonſt große Veranſtaltungen, ſo u. a. die Eröffnung des Deutſchen
Mu=
ſeums und bedeutende Kongreſſe gerade aus dem Verkehrsweſen,
ſtatt=
finden, verſpricht die Ausſtellung einen nennenswerten Erfolg.
8 218.
Wiesbaden. Nach zweitägiger Verhandlung gegen die Aerzte
Dr. Werner und Dr. Jacobi, die wegen fahrläſſiger Tötung und
ver=
ſuchter Abtreibung vor Gericht ſtanden, beantragte der Staatsanwalt
gegen Dr. Werner eine Gefängnisſtrafe von einem Jahr, gegen Dr.
Jacobi eine ſolche von acht Monaten. Das Gericht erkannte unter
Zu=
billigung mildernder Umſtände wegen verſuchter Abtreibung und
Bei=
hilfe dazu mit fahrläſſiger Tötung gegen Dr. Werner auf neun Monate
Gefärgnis, gegen Dr. Jacobi auf ſechs Monate Gefängnis. Die beiden
Aerzte hatten an der ledigen Margarete Hoffmann aus Winkel einen
unerlgubten Eingriff vorgenommen, der trotz ſofortiger Hilfe eines
tele=
phoniſch ſehnell herbeigerufenen Chirurgen, der das Mädchen ins
Kran=
kenhaus überführte und bas Menſchenmöglichſte verſuchte, die
Unglück=
erhalten, zum Tode der Hoffmann führte.
liche am Le
* Unpolitiſche Tagesſchau.
Nach einer Meldung aus Baſel ereignete ſich im Bahnhof Buchs
ein Eiſenbahnunfall,
der aber glücklicherweiſe ohne ſchlimmeren Folgen blieb. An dem von
Oeſterreich kommenden Orient=Expreßzug wurde ein Lokomotivwechſel
vorgenommen. Die abgekoppelte öſterreichiſche Lokomotive fuhr durch
ein Verſehen ihres Führers dem abfahrenden Expreßzug in die Flanke.
Der zweitletzte Schlafwagen wurde von der in voller Fahrt befindlichen
Lokomotive ſtark geſtreift, und dem letzten Wagen, einem mit 18
Per=
ſonen belegten Schlafwagen, wurde die eine Seitenwand auf eine Länge
von etwa 3 Metern glatt weggefegt. Die meiſten Schlafwagenabteile
ſtürzten zuſammen und begruben die ſchlafenden Reiſenden unter den
Trümmern. Wie durch ein Wunder blieben alle Reiſenden völlig
un=
verletzt. Nur einer von ihnen trug von dem furchtbaren Schreck einen
Nervenſchock davon. Die öſterreichiſche Lokomotive entgleiſte, wurde
jedoch nur leicht beſchädigt.
In der Nähe von Sandkrug kam es zu einem
Zuſammenſtoß zweier Memeler Dampfer.
In der Dämmerung wurde der Dampfer „Beethoven” durch
Unachtſam=
keit der eigenen Führung von dem Dampfer „Franz” Achterſchiffs
ge=
rammt und ſank in wenigen Minuten. „Franz” erlitt eine größere
Be=
ſchädigung am Bug und war genötigt, die eigenen Paſſagiere und die
vom „Beethoven” übernommenen Leute an Land zu ſetzen.
Warſchauer Meldungen zufolge befand ſich die Stadt Kowno mehrere
Stunden lang im Kriegszuſtand. Angeblich wegen brutaler
Behand=
lung der Gefangenen brach in dem mitten in der Stadt gelegenen
Ge=
fängnis eine allgemeine Meuterei aus. Die Wärter
wur=
den überwältigt, in Feſſeln gelegt und mißhandelt. Darauf
verbarri=
kadierten ſich die Meuterer und verteidigten ſich ſtundenlang gegen alle
Angriffe, bis ſie ſchließlich nach längerem Feuergefecht von Panzerautos
zur Einſtellung des Kampfes gezwungen wurden. Ueber ſechzig
Sträf=
linge darunter viele zum Tode verurteilte volniſche Schwerverbrecher,
brachen aus, wurden aber zum größten Teil bald wieder aufgegriffen.
Römiſche Blätter berichten, daß die italieniſchen Flieger die Abſicht,
den Nordpolflug durchzuführen, durchaus noch nicht aufgegeben hätten.
Wenn ſich Amundſen nicht an dem Flug beteiligen wolle und könne,
dann würden ſie eben den
Nordpolflug ohne Amundſen
ausführen. Amundſen ſei nur dadurch in finanzielle Schwierigkeiten
ge=
raten, weil er auf drei Jahre das Recht über jede Veröffentlichung und
jede bildliche oder kinematographiſche Aufnahme über den Flug einzig
und allein für ſich beanſpruchte, aber dieſe Forderung bei den
italieni=
ſchen Teilnehmern nicht durchſetzen konnte. — Da hat man ſich alſo
wie=
der einmal um das Fell des Bären geſtritten, den man noch gar nicht
erlegt hatte. — Der italieniſche Pilot Locatelli iſt jetzt die
Haupttrieb=
feder des Unternehmens.
OlONONONONONONONOKONONOIO
Sammlerleibenſchaft.
Aachen. Der Sohn achtbarer Eltern aus Haaren war von einer
derartigen Freimarkenſammlerwut befallen, daß er, um eine mit
Nach=
nahme beſtellte koſtbare Freimarkenſammlung einzulöſen, bei einer
Bank 14060 Mark unterſchlug. Dafür war er ſchon mit 9 Monaten
Gefängnis beſtraft worden. Kaum war der Menſch, der im zwanzigſten
Lebensjahre ſteht, wieder frei, als er verſuchte, ſich in den Beſitz einer
anderen wertvollen Sammlung zu ſetzen, indem er dem Beſitzer ſtark
mit Strychnin verſetzten Weinbrand anbot. Der Unglückliche, der mr
wenig von dem Zeug trank, wird zeitlebens an den Folgen zu tragen
haben. Das erweiterte Schöffengericht beſtrafte den Sammelwütigen
mit drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverluſt.
Ein „Schwabenſtreich”.
Uehlingen (Amt Waldshut). Eine Geſellſchaft junger Leute,
von denen einige dem Biere zu ſehr zugeſprochen hatten, erlebten
kürz=
lich ein kleines Abenteuer. Einer von ihnen, ein Schwäblein, ſtieg,
ohne daß die Anweſenden es bemerkten, aus dem Fenſter des Lokals,
in der Meinung, das Bett vor ſich zu haben. Nach wenigen Minuten
hörte man aus der rauſchenden Schlücht Hilferufe. Man forſchte nach
und fand den wackeren Schwaben bis an den Hals im Waſſer ſtehen.
Nach mühevoller Arbeit konnte er gerettet werden. Nach dem Sprung
von etwa 6 Metern in das kühle Naß der Schlücht war freilich der
Nauſch verflogen.
Paris die teuerſte Stadt.
Bisher wurde Wien als die teuerſte Stadt bezeichnet. Neuerdings ſcheint
ihm Paris den Rang ſtreitig zu machen. Die Preiſe dort ſollen
erheb=
lich höher ſein, als in Wien. Ein gutes Zimmer in einem erſten Hotel
koſtet 120 bis 150 Fr., ein einfaches Mittageſſen in einem vornehmen
Reſtaurant 50 bis 70 Fr., ohne Getränke, eine beſſere Zigarre 7 Fr.,
ein einfaches Damenkleid etwa 3500 Fr., ein reicher ausgeſtattetes, das
Doppelte. Der Geſchäftsverkehr ſtockt, Fremde ſind nur in geringer
Zahl zu bemerken. Nach der Statiſtik ſoll Paris von Fremden zwar
überfüllt ſein, es macht aber durchaus keine Schwierigkeiten ein
Unter=
kommen zu finden, die Nachfrage ſcheint daher nicht allzu groß zu ſein.
Die Vergnügungslokale ſind entvölkert, ſelbſt zu Premieren zeigen die
Theater klaffende Lücken und die Rennen in Auteuil und Longchamps.
entbehren der früheren Zuſchauermenge und der gewohnten Eleganz.
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.”
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion feinert!
Der=
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des 8 21 Abf. 2 des Preſſegeſehzes i vollem Umfange
der Einſender verantwortich.) — Einſendungen, die nicht verwendet werden. Mnmen micht
zurdckgeſandt, die Ablebnung nicht begründet werden.
— Eine große Geſchmacksloſigkeit leiſtet ſich zurzeit die Kapelle
Kümmel auf dem Trachtenfeſt. Sie ſpielt ohne Scheu den franzöſiſchen
Militärmarſch „Le Regiment de Sambre et Meuſe de R. Planquette‟,
Dieſer Marſch iſt der richtige franzöſiſche Gloiremarſch, der neben der
Marſeillaiſe die erſte Stelle im franzöſiſchen Militarismus und
Natio=
nalismus einnimmt. Ich kenne allein 15 Ausgaben für alle möglichen
Inſtrumente und Orcheſter und vom Tenor bis zum Choeur 4 4 Voix
conforme au défilé national. Wir Deutſche dürfen in uſerem
eigenen Lande im beſetzten Gebiet noch nicht einmal das harmloſe
„Deutſchland, Deutſchland über alles” ſingen, in dem kein Menſch
an=
gegriffen wird. Was würde erſt einer Kapelle geſchehen, die in
Frank=
reich „Die Wacht am Rhein” ſpielte! — Lernen wir denn trotz aller
Ohrfeigen gar nichts von unſeren Feinden?
W.
in Marktbreit am 5. und 6. Juli
OlONONONOKONOKONOLONONONO
Blonde Indiauer.
— Ein amerikaniſcher Forſcher, Richard O. Marſh, iſt nach einer
langen Forſchungsreiſe in die wenig bekannten Gebiete von Darien (an
der öſtlichen Hälfte der Meerenge von Panama gelegen) nach Balboa
gekommen. Marſh will nach Waſhington abreiſen, wo er dem Inſtitut
Smithſon über ſeine Arbeiten Bericht erſtatten wird. Er ſchmeichelt ſich,
eine Aufſehen erregende Entdeckung gemacht zu haben: er hat im oberen
Tal des Fluſſes Chucuraque weiße Indianer gefunden. Marſh
beſtätigt uns, daß ſeine Indianer nicht nur weiße Hautfarbe haben,
ſon=
dern daß ſie einen rein fkandinaviſchen Typus haben und daß ihr
Häupt=
ling blondes Haupthaar trägt. Nach allem iſt es ſehr wohl möglich,
daß vor mehreren Jahrhunderten kühne Seefahrer an die amerikaniſche
Küſte geworfen wurden, ins Landesinnere vordrangen und ſich „
indiani=
ſiert” haben. Denn es iſt nicht zweifelhaft, daß viel früher als Kolumbus
europäiſche Seefahrer nach der neuen Welt gekommen ſind.
Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Donnerstag, den 3. Juli.
Zunehmende Bewölkung, zeitweiſe auffriſchende Winde, wärmer,
mit Gewittern und Regenfällen iſt zu rechnen.
He
Vandestheater, Kleines Haus, Sommerſpielzeit Bruno Harprecht,
abends 8 Uhr: „Wenn der junge Wein blüht”. — Union=, Reſidenz=
Theater, Paalſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen. — Trachtenſchau
(Exerzierplatz) nachm. 4 Uhr: Großes Kinderfeſt; abends:
Schluß=
konzert. — Oeffentl. Proteſtverſammlung der
Klein=
gartenbautreibenden, abends 8 Uhr, im Saale des Hanauer Hofes.
Verſteigerungskalender, Donnerstag, den 3. Juli 1924.
Mobiliarverſteigerung, vorm. halb 10 Uhr und nachm. halb
3 Uhr, Ernſt=Ludwigſtraße 9.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Polltik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Struel
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußdlenſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuble
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtade.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten
Der Stand des internationalen Luftverkehrs.
Die Entwickelung des Luftverkehrs in den letzten fünf Jahren,
ver=
glichen mit der allgemeinen Kenntnis über ſeinen gegenwärtigen Stand,
zeigt ein kraſſes Mißverhältnis — mit anderen Worten, die
volkswirt=
ſchaftliche Bedeutung des gegenwärtigen durch Flugzeuge vermittelten
Verkehrs muß weit größeres Intereſſe für ſich beanſpruchen, als dies
bisher der Fall war.
Es iſt naheliegend, daß wir uns und der Allgemeinheit
Rechen=
ſchaft darüber ablegen, was in den verfloſſenen Jahren im Luftverkehr
erreicht wurde und welche Erwartungen ſich hieran knüpfen laſſen.
Zu=
gleich ſoll Klarheit darüber geſchaffen werden, auf welchen Grundlagen
der weitere Ausbau des Flugverkehrs erfolgen muß. Was das
orga=
niſatoriſche Gebiet anbetrifft, ſo ſind dort ſo reiche
Erfahrun=
gen jeder Art gemacht worden, daß mit der Beſeitigung der zweifellos
heute noch vorhandenen Mängel und Lücken ein kurzer Friſt ſicher zu
rechnen iſt. Die nach der anfänglichen Hochflut übrig gebliebenen
weni=
gen Verkehrsunternehmungen verfügen über ein geſchultes techniſches
und kaufmänniſches Perſonal, deſſen Heranbildung um ſo ſchwieriger
war, als faſt alle Kräfte, die ihrer Vorbildung nach zur Verwendung
im Luftverkehr befähigt waren, aus Staatsbetrieben, insbeſondere auch
aus der bekanntlich zur Wirtſchaftlichkeit nicht erziehenden Schule der
Kriegsluftfahrt hervorgegangen waren. Für alle Vorgänge innerhalb
des Luftverkehrs und ſeiner Entwicklung ſind Methoden gefunden
wor=
den, die die Ergebniſſe ſtatiſtiſch und rechneriſch einwandfrei erfaſſen,
praktiſch auswerten und wirtſchaftlich anwenden laſſen. Die mit den
Verkehusunternehmungen arbeitenden Paſſage= und Speditionsagenturen
ſind mit dem Weſen des Luftverkehrs vertraut, ſo daß in dieſer
Be=
ziehung ſich der Verkehr ohne Hemmungen glatt abwickelt. Die
zumin=
deſt für den wirtſchaftlichen Betrieb der nächſten Jahre notwendigen
engen Beziehungen und Verbindungen des Luftverkehrs zu
Handels=
unternehmungen aller Art ſind in weitgehendem Maße aufgenommen
worden.
Was die Technik und Wirtſchaftlichkeit anbetrifft, ſo
ſind Verkehrsflugzeuge vorhanden, die auf Grund der praktiſchen
Er=
fahrungen tatſächlich als die Vorläufer des Verkehrsflugzeuges der
Zu=
kunft gelten können. Unſere modernen Konſtruktionsmethoden bringen
das techniſch vollkommenere, vergrößerte Verkehrsflugzeug mit
verbeſſer=
tem Benzinmotor und in naher Zukunft mit dem weſentlich
betriebs=
ſichereren Schwerölmotor, wobei es gelingen wird, dem Flugzeug eine
Kraftquellenreſerve mitzugeben, welche ihm die völlige Betriebsſicherheit
gewährleiſtet.
Die Frage, ob der Flugverkehr auch ſchon wirtſchaftlich genügend
ſei, kann heute noch nicht beſtimmt bejaht werden. Das wird aber
nie=
manden enttäuſchen, der die Geſchichte der Verkehrsmittel kennt. Das
Dampfſchiff hat lange gebraucht, um den Segler zu verdrängen, und die
Poſtkutſche hat lange gegen die Eiſenbahn gekämpft, ehe ſie aus Mangel
an Wirtſchaftlichkeit unterlag. Heute ſtehen wir am Endpunkte des
Ent=
wicklungsweges der Eiſenbahn. Die Geſchwindigkeit kann nicht mehr
weſentlich geſteigert werden. Hier übernimmt das Flugzeug mit
logi=
ſcher Notwendigkeit die Aufgabe der Schnellbeförderung von Perſonen,
Poſt und wichtigen Gütern. Damit liefert es ſeinen Anteil zur Hebung
des Wirkungsgrades der geſamten Wirtſchaft.
Auf der neulich ſtattgefundenen Flugzeugausſtellung in
Prag waren außer der tſchechiſchen Heimatinduſtrie die drei
führen=
den Nationen des europäiſchen Luftverkehrs vertreten: Deutſchland,
England und Frankreich. Dem Beſucher der vorjährigen Gotenburger
Internationalen Flugzeugausſtellung bot ſich, rein techniſch geſprochen,
in Prag — außer einer guten Orientierung über die ſehr agile und
hoffnungsvolle tſchechiſche Induſtrie — nichts Neues. Keineswegs iſt
dieſer Umſtand darauf zurückzuführen, daß keine techniſchen Fortſchritte
vorliegen, ſondern die Erklärung hierfür iſt darin zu ſuchen, daß, ſo
lange ſich der Bau ziviler Verkehrsflugzeuge nicht die ſeiner Bedeutung
entſprechende Stellung erobert, militärpolitiſche Intereſſen einer
Schau=
ſtellung techniſiher Errungenſchaften wenig günſtig gegenüberſtehen. So
ſtellte ſich der Fortſchritt des internationalen
Luft=
verkehrs in Prag eigentümlicherweiſe in erſter Linie durch
Statiſti=
ken dar, welche zivar bereits vorher mehr oder weniger bekanut waren,
aber erſt durch die Gegenüberſtellung im gleichen Naume intereſſante
Vergleiche boten.
Statiſtik des flugplanmäßigen Verkehrs 1920—23.
(Europa mit aſiatiſchen und afrikaniſchen Anſchlüſſen.)
Erzeugungsland der
Flugzeuge
Beförderungsziffer in To.
(Paſſagiere, Poſt, Fracht)
Tourenzahl ſetzt ſich zuſammen aus: Fracht, Poſt, Paſſagieren
(1 Paſſagier — 60 Kilogramm).
Beweiſen die angeführten Zahlen einen von Jahr zu Jahr ſehr
bemerkenswerten Fortſchritt im bisherigen Luftverkehr, ſo geht aus der
folgenden Zuſammenſtellung das Verkehrsnetz des Sommers
1924 hervor:
Luftverkehrsnetz 1924.
(Europa mit aſiatiſchen und afrikaniſchen Anſchlüſſen.)
I. Zwiſchenſtaatliche Linien erſter Kategorie.
1. Toulonſe—Dakar.
2. Paris—Bukareſt (bzw. Warſchau).
3. Genf-Budapeſt.
4. London-Baſel.
5. London—Berlin.
6. Berlin (bzw. Königsberg)—Helſingfors.
7. Berlin—Moskau.
8. Stockholm—Teheran.
II. Zwiſchenſtaatliche Linien zweiter Kategorie
1. London-Paris.
2. London—Köln.
3. London—Notterdam-Kopenhagen.
4. Paris-Brüſſel.
5. Danzig—Lemberg (bzw. Krakan).
6. Lauſanne—Lyon.
III. Innerſtagtliche Verkehrslini
1. Antibes—Ajaccio.
2. Mancheſter—London.
3. Southampton—Guernſeh.
4. Hannoder — Bremen (bziv. Hamburg).
5. München—Frankfurt a. M.
6. Prag — Preßburg (bzw. Kaſchau).
Bei den bisherigen politiſchen Verhältniſſen Europas bedeutet die
Schaffung eines derartigen Netzes eine große Tat. Die Ueberwindung
der militärpolitiſchen Hinderniſſe war faſt ſchwieriger als die der
tech=
niſchen. Sollten die Erwartungen der letzten Wochen
bezüglich der Befriedung Euvopas ſich
bewahrhei=
ten, ſo wäre mit Beſtimmtheit damit zu rechnen, daß der Ausbau
nunmehr ein raſches Tempo einſchlägt. Es iſt anzunehmen, daß dann
auch die Löſung der rein techniſchen Fragen, ſo vor allem die Schaffung
des für die Wirtſchaftlichkeit des Luftverkehrs notwendigen
Großflug=
zeuges, bald vor ſich geht.
Darmſtädter Tagblatt
Handel und Wandel in Heſſen.
Friedrich Schömbs A.=G., Offenbach a. M. Das
erſte Unternehmen, von dem bekannt wird, daß es ſeine Aktien
auf Goldmark umgeſtellt hat, iſt die Aktiengeſellſchaft
Friedrich Schömbs. Durch Generalverſammlungsbeſchluß vom
24. April 1924 iſt das Grundkapital auf 52 000 Goldmark
herabgeſetzt. Das Grundkapital iſt in 2000 Stamm= und 600
Vorzugsaktien zu je 20 Goldmark eingeteilt. — Die
Geſchäfts=
aufſicht iſt zur Abwendung des Konkurſes über zwei weitere
große Geſchäfte angeordnet worden. Ueber das Vermögen einer
Leder=
warenfabrik wurde am 24. Juni das Konkursverfahren
eröffnet.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Ablieferung von Ausfuhrdeviſen. Der
Han=
belskammer Darmſtadt liegt ein Merkblatt über die Ablieferung
von Ausfuhrdeviſen vor, welches auf deren Büro eingeſehen
werden kann. Das Merkblatt kann auch, unter dem
Geſchäfts=
zeichen I 1887 24, durch die Reichsdruckerei, Berlin, bezogen
werden.
Erwerbsgeſellſchaften.
w. Elektrizitäts=A.=G. vorm. Lahmeyer u. Co.,
Frankfurt a. M. In der ordentlichen Generalverſammlung der
Elektrizitäts=A.=G., vorm. W. Lahmeher u. Co., Frankfurt a. M., in
der 8 Aktionäre mit 10 000 000 Mark Vorzugsaktien und 86 819 000 Mk.
Stammaktien vertreten waren, wurden die Anträge der Verwaltung
genehmigt und beſchloſſen, das Geſchäftsjahr von April bis März auf
Juli bis Juni zu verlegen und den ausgewieſenen Ueberſchuß von rund
45 000 Billionen Mark auf neue Rechnung vorzutragen. Die der
Amts=
dauer nach ausgeſchiedenen Aufſichtsratsmitglieder Dr. Walter vom
Rath, Direktor R. Haas und Kommerzienrat Dr. P. Mamroth wurden
wiedergewählt.
Verſicherungsweſen.
w. Aus dem Gerling=Konzern. Nach dem vorläufigen
Bericht betrugen im Jahre 1923 bei den Intereſſengeſellſchaften des
Gerling=Konzerns die Prämieneinnahmen aus Sachverſicherungen
10 098 330. Goldmark und die bezahlten und ſchwebenden Schäden
ins=
geſamt nur 2 706 461 Goldmark gleich 28,6 Prozent der
Prämienein=
nahmen. Nach Abzug der Verwaltungskoſten verbleibt ein Ueberſchuß
von 5 209 256 Goldmark, der als Prämienübertrag für laufende
Wag=
niſſe voll in Reſerve geſtellt wird, ſodaß die Prämienreſerve alsdann
51,6 Prozent beträgt. Im laufenden Jahr haben ſich ſeither die
Prä=
mieneinnahmen in der Sachverſicherung nahezu verdreifacht. Sie
be=
trugen für die fünf Monate Januar bis Mai insgeſamt 7 847 400
Gold=
mark gegen 2 755 700 Goldmark im Vorjahr. Die flüſſigen Mittel
be=
laufen ſich zurzeit auf rund zwei Millionen Dollar. Der Bericht betont
eine ſtarke Entwicklung des inzwiſchen neu aufgenommenen
Lebensver=
ſicherungsgeſchäfts, in dem der Gerlingkonzern in wenigen Monaten
Abſchlüſſe über rund fünfzig Millionen Dollar erzielt.
Banken.
w. Würktembergiſche Vereinsbank, Sturtgart.
Die 55. ordentliche Generalverſammlung der Württembergiſchen
Vereins=
bank, in welcher nom. 140 365 400 Mk. Aktien vertreten waren, hat
ſämt=
liche Anträge des Aufſichtsrats einſtimmig angenommen. Die
ſtatuten=
gemäß aus dem Aufſichtsrat ausgeſchiedenen Herren Direktor Max
Doertenbach, Kommerzienrat Dr. Karl Jahr, Geh. Kommerzienrat Hugo
Rümelin, Direktor Dr. E. G. von Stauß, wurden wiedergewählt. Neu
in den Aufſichtsrat wurden gewählt die Herren Geh. Kommerzienrat
Otto Fiſcher, Stuttgart, Fritz Häuſer, Stuttgart, Vorſitzender des
Auf=
ſichtsrats der Fritz Häuſer=A.=G., Backnang, Hugo Jacobi, Direktor der
Jacob Jacobi=A.=G., Stuttgart, Kommerzienrat Eugen Rau,
General=
direktor der Vereinigten Seifenfabriken=A.=G., Untertürkheim,
Kommer=
zienrat Guſtav Wurſter, Direktor der Mechaniſchen Baumwollſpinnerei
und Weberei Bayreuth, Bayreuth. In der der Generalverſammlung
folgenden Aufſichtsratsſitzung wurde Herr Direktor. Dr. E. G. von
Stauß zum erſten und Herr Kommerzienrat O. Fiſcher zum zweiten
Vorſitzenden des Aufſichtsrats gewählt.
w. A. Schaaffhauſen’ſcher Bankverein A.=G. In
der Sitzung des Aufſichtsrates des A. Schaaffhauſen’ſchen Bankvereins
A.=G. und in deſſen anſchließend abgehaltener Generalverſammlung
am 27. Juni wurde der Abſchluß für das Geſchäftsjahr 1923 vorgelegt
und genehmigt. Das Gewinn= und Verluſtkonto ſetzt ſich wie folgt
zu=
ſammen (in Millionen Mark); Vortrag aus 1923 7, Zinſen und
Pro=
viſionen 2 198 003 771 949, zuſammen 2 198 003 771 956, Handlungsunkoſten
einſchl. Tantiemen und Gratifikationen 1922 464 776 223, Steuern
275 338 995 733, zuſammen 2 198 003 771 956. Die Hauptpoſten der Bilanz
per 31. Dezember 1923 betragen (in Millionen Mark): Aktiva: Kaſſe,
fremde Geldſorten, Kupons und Guthaben bei Noten= und
Abrechnungs=
banken 2 897 704 960 000, Wechſel und unverzinsliche Schatzanweiſungen
1 405 047 960 000, Noſtroguthaben bei Banken und Bankfirmen
24 397 631 810 000, Reports und Lombards gegen börſengängige
Wert=
papiere —, Vorſchüſſe auf Waren und Warenverſchiffung 34 161 420000,
Eigene Wertpapiere 1000 000, Konſortialbeteiligungen 1 000 000.
Dau=
ernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen 1000 000.
Schuldner in laufender Rechnung (Millionen Mark): a) gedeckte
12 709 544 160 000, b) ungedeckte 8897 823 000 000, zuſammen
21 607 367 160 000. Aval=Schuldner 1 354 474 990000, Bankgebäude
1000 000. Paſſiva (Millionen Mark): Gläubiger 50 341 917 309 000,
Aval=Verpflichtungen 1 345 474 990 000. Im Hinblick auf die in
zehn=
jähriger Dauer ſeit Verbindung des Inſtituts mit der Diskontogeſellſchaft
bewährte Selbſtändigkeit ſeiner Verwaltung iſt Herr Dr. Solmßen, der
den Zuſammenſchluß der beiden Banken durchgeführt hat, aus dem
Vorſtande in den Aufſichtsrat übergetreten und zu deſſen ſtellvertretenden
Vorſitzenden gewählt worden. Der Vorſtand, an deſſen Spitze Herr
Pferdmenges ſteht, ſetzt ſich nunmehr aus Herren zuſammen, die ſämtlich
in Köln anſäſſig ſind.
Wirtſchaft des Auslandes.
— Die Aufwertungsfrage in Dirol. Zur
Aufwertungs=
frage finden jetzt auch in Dirol und Vorarlberg Verſammlungen
ſtatt, die im Intereſſe der kleinen Sparer und Kleinrentner die
Aufwer=
tung der vor November 1918 erworbenen Werttitel, insbeſondere der
Kriegsanleihen, bezwecken, wobei dieſe Aufwertung den jetzigen
Ver=
mögensverhältniſſen der einzelnen Bewerber entſprechen ſoll. Dieſe neue
Bewegung iſt auf einige Entſcheidungen von Wiener Gerichten
zurückzu=
führen, die Urteile in obigem Sinne fällten.
w. Vorkriegseigentum in der Südafrikaniſchen
Union. Die Südafrikaniſche Intereſſenvertretung e. V. macht erneut
darauf aufmerkſam, daß die Friſt zur Geltendmachung von Anſprüchen
mit dem 31. Dezember dieſes Jahres abläuft. Nach dieſem Termin ſind
die Anſprüche verfallen. Eine neu erſchienene Verfügung der
Süd=
afrikaniſchen Regierung ſieht eine gegen die bisherige Entſchädigung
günſtigere Behandlung der Anſprüche des Vorkriegseigentums vor in
Fällen, in denen der geſamte Liquidationserlös, den ein Antragſteller
zu beanſpruchen hat, 20 Pfund Sterling nicht überſteigt. Derartige
Be=
träge werden in Zukunft ſtatt in Kredit=Zertifikaten in bar abgegolten
und der Abzug des ſüdafrikaniſchen Kuſtos beträgt nur 1 Prozent, ſtatt
bisher 11 Prozent. Das Abwicklungsverfahren bleibt im übrigen
un=
verändert.
Warenmärkte.
w. Amtliche Notierungen der Frankfürter Börſe,
Abteilung Getreide, vom 1. Juli 1924. Getreide, Hülſenfrüchte und
Biertreber ohne Sack, Weizenmehl., Roggenmehl und Kleie mit Sack.
Preis je 100 Kilogramm. Weizen (Wetterau) 16.25—16.75, Roggen 15.25
bis 15.75, Sommergerſte für Brauzwecke 16.50—17.00 Hafer (inländiſch)
15.50—16.00, Hafer (ausländiſch) —.—, Weizenmehl, ſüdd. Spezial 0
27.50—28.50, Roggenmehl 22.75—23.50, Weizen= und Roggenkleie 8.25
bis 8,75. Tendenz feſter.
w. Berliner Produktenbericht. Die feſte Haltung am
Produktenmarkt, hauptſächlich für Roggen, übertrug ſich auch auf den
heutigen Verkehr. Roggen wird allgemein von den inländiſchen
Müh=
len gekauft, da das Roggenmehlgeſchäft ſich jetzt befriedigend geſtaltet.
Das Angebot von auswärts bleibt ſchwach, ſodaß ſowohl für die
Noh=
ware als auch für Mehl höhere Preiſe bezahlt wurden. Die gleichzeitig
ſich anbahnende Beſſerung im Weizenmehlgeſchäft hat auch die Lage
für Weizen ſelbſt etwas gebeſſert. In Gerſte, Hafer und Futterſtoffen
blieben die Umſätze beſchränkt, die Preiſe behaupten aber ihren Stand.
Börſen.
* Frankfürter Börſe vom 1. Jüli. (Eigener Bericht.)
Die Haltung der heutigen Börſe war anfänglich durchweg feſter.
Ins=
beſondere die Aktienmärkte zeigten eine ſtärkere Belebung und es wurden
im allgemeinen kleine Kursbeſſerungen erzielt. Im Vordergrunde des
Intereſſes ſtanden hauptſächlich Rütgerswerke=Akt., die bei 11,6
gehan=
delt wurden, dann weiverhin Bad. Anilin mit 13½, Elberfelder Farben
mit 103 und Höchſter mit 10½. Auch für deutſche Renten beſtand nach
wie vor wieder Intereſſe, doch vermochten ſich hier die Höchſtkurſe nicht
zu halten. 5proz. Kriegsanleihe die vorbörslich bis 410 umgeſetzt
wor=
den war, wich im Verlauf der Börſe auf 320 zurück. Auch die übrigen
deutſchen Renten wurden nach anfänglicher Feſtigkeit ſpäter ſtärker
rea=
liſiert und gingen zum Teil unter die geſtrigen Schlußkurſe zurück. Im
weiteren Verlauf der Börſe beeinträchtigten Berichte von einem ungün=
2. Zuli 1924 Nr. 182
tung. Der Kaſſamarkt war zum Teil etwas feſter. Im freien Verkehr,
der wieder recht ſtill war, hörte man nachſtehende Kurſe: Becker=Stahl
1½, Becker=Kohle 2½, Benz 2, Brown Boveri 1,3, Entrepriſes 28
Gro=
wag 0,160, Hanſa Lloyd 0,550, Kaiſer Waggon 0,250, Krügershall 31.,
Memeler Zellſtoff 90, Petroleum 12, Raſtatter Waggon 2, Ufa 5:),,
w. Berliner Börſenbericht. Die der Börſe ſeit einiger
Zeit innewohnende verhältnismäßige Feſtigkeit prägte ſich auch heute in
der Kursbildung deutlicher aus, weil die Verlängerung der
Micumver=
träge bis 10. Auguſt, die bekanntlich aus politiſchen Gründen erfolgen
mußte, wenigſtens unter gewiſſen Erleichterungen für die deutſche
In=
duſtrie geſchehen iſt. Das Geſchäft zeigte Anſätze zu einer Belebung, die
in Kursſteigerungen von 1 bis 3 Villionen und vereinzelt auch 5
Billio=
nen Prozent für führende Montanwerte, weniger aber für die Mehrzahl
der übrigen Dividendenpapiere zum Ausdruck kam. Dieſe Anſätze zu
einer Geſchäftsbelebung verſchwanden aber wieder und die Börſe
ver=
fiel im großen und ganzen wieder in die bisherige Geſchäftsſtille, als
bisher allerdings unbeſtätigte Gerüchte von Zahlungsſchwierigkeiten bei
einer bekannten großen holländiſchen Bank, die ausgedehnte Beziehungen
auch zu deutſchen Banken und zur deutſchen Geſchäftswelt unterhält,
verbreitet wurden. In der bisherigen Begeiſterung der Spekulation
für Kriegsanleihen iſt eine gewiſſe Ernüchterung feſtzuſtellen; der Kurs
wurde zwar vorbörslich noch bis über 400 getrieben, bewegte ſich dann
aber während der Börſe zwiſchen 345 und 325, womit gleichzeitig ein
Nachlaß an dem bisherigen ſtürmiſchen Geſchäft und damit auch an der
Anziehungskraft auf die Beſucher aus den übrigen Börſenſälen
feſtzu=
ſtellen war. Auch andere deutſche Renten lagen bei abbröckelnden
Kur=
ſen ſtiller. Am Geld= und Deviſenmarkt iſt die Lage unverändert
ge=
blieben.
Oeviſenmarkt.
VeGeld
Briel
Brief
Geld Vee
—tiert Amſterdam=Rotterbam .. 157.60 158.50 15751 12.29 voll Brüſſel=Antwerpen ....." 19.35 19.45 19.15 19.25 voll Chriſtiagnia. .......... 56. 26 50.54 65.96 56.24 voll Kopenhagen .........." 6843 68.77 65.98 66.32 voll Stockholm ....
D 111.12 11l.68 111.0s 11.58 voll Helſingfors ..........." 10.45— 1031— 10.45— 10.51- voll Italien.
oc 18.10— 13.20— 18.075 18.175 voll Lonvon
aoooo-a- 18.13— 18.22— 18,095 18.185 voll New=York ........... .." 4.19 4.21 4.19 4.21 voll Paris..
VD 22.19— 22.31— 21.25. 31.95— voll Schweiz
. 74.16 74 54 74.41 74.79 voll Spanien ... . .. . ......." 56.16 66.44 56.06 56.34 voll Wien (i. D.=Oſterr, abg.). 5.92— 5.94— 5 91 5.93 voll Prag ......... ... .. ... 12.35— 12.41— 12.29 — 12.35 — voll Budapeſt.
" " 5.09 voll Buenos=Aires. . . . . . . . . ." 134 155. 134 1.355 voll Bulgarien.
T 3.06— 3.07— 3.05 — 3.07— voll Japan
.- 1.765 1.776 1.765 1.775 voll Rio de Janeiro ........ 0.44— 0.45 — 0.45 — 0.46 — voll Belgrad..
D 4.815 4.835 1.63 — 4.85— voll Liſſabon. 11.47 11.53 11.47 11.53 voll Danzig 72.52 72.83 voll
Berliner Kurſe. (Eigene telegr. Meldung.)
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 000000.
Aktiengeſ. für Anilinfr.
elſchaffenburger Zellſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch..
Berl.=Anhalt=Maſchinen
Berl. ſ.Elektr. W.vorzug.
Bismarckhütte
Braunkohlen=Briketts „
Bremer Vulkan ....
Wolle. ......
Chem. Heyden ...
Weiler ...."
Deutſch=Atlant. Tel..
Deutſche Maſchinen. . .
Deutſch=Niedld. Tel. .
Deutſche Erdöl ......."
Deutſche Petroleum ..
Dt. Kaliwerke .......
Dt. Waffen u. Munit ion
Donnersmarckhütte .. .
Dynamit Nobel ......
Elberfelder Farben. . ..
Elektr. Lieferung ....."
R. Friſter .........."
Gaggenau Vorz. ....
Gelſenk. Gußſtahl ...."
Geſ. f. elektr. Untern.. .
Halle Maſchinen.
Han. Maſch.=Egeſt.
1. 7.
8500
33000
18250
31500
172,0
6309
5500
2100
9325
6:00
3u00
8:00
26250
0250
12125
3125
10325
21300
11400
1000
17400
11500
4800
11000
6500
Frankenkurs in London: 83.45
Markkurs
181/8
Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aktien.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.
Frankfürter Kursbericht vom 1. Sult 1o24.
Europäiſche Staatöpapiere,
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe .......
4½
...
8½%
3‟
Dollar=Goldanleihe per 1935 .
„ 1932..
Dollar=Schatzanweiſungen
4½% V. u. V. Schatzanweiſg.
4½% HI.—X.
4% Dt. Schutzgebiet v.0,8-11u. 13
v. 14
Sparprämienanleihe .... ....."
Zwangsanleihe .. . . . . . . . . . . . .
4% Preuß. Konſols ........."
B½½ „ „ ..."
„
8%
4% Bad. Anl. unk. 1935 ......"
8½% „ v. 1907 ......"
„ . 1896 ......."
8%
4% Bahern Anleihe ........."
.....
8½
4½ Württemberger alte ......" 0.6
0.575 1,55
0.5
b)Ausländiſche.
5% Bosnien L.-E.=B. v. 1914..
5% L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
4½ v. 1902 .........
69 Bulgar. Tabat 1902.. ... .
1/ % Griech. Monopol.
4½%0 Oeſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918
4½%. Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
v. 1914
470 Oeſt. Goldrente. ........
4% „ einheitl. Rente ......"
5% Rum am. Rente v. 03 ..
4½% Goldrente v. 13 ..
4½ am. Goldrente konv.
4½ „ am v. 05
4% Türk. (Admin.) v. 1903..
4½ (Bagdad) Ser. I
„ II
„ v. 1911 Zollanl.
42
%o Unz. Staatsr. v 14 ...
Goldrente ......."
Staatst. v. 10 ....
Kronenrente .. . . ..
4%
Außereuropäiſche.
6% Mextl. amor innere . .
fonſ. äuß. v. 99... . .
5%0
Golo v. 04. ſtfr. . . . .
konf. inner.
Frrigationsanleihe
½ Tamaulipas Serie l...
Oblig. v. Transportanſt.
4½ UZſbethbahn ſtfr.
4½ Gal. Carl Luow.=Bahn.
5% Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtfr.
30. 6.
0.350
0,51
116
4,2
4,2
77,5
155 Md
3,2
0,2
0.,008
0.515
053
0.505
0,79
5,9
0,6
1
3
R.
2,75
5.25
4,9
1. 7.
0,33
0,68
4,2
72,5
28
0,21
0.0132
0,47
0..9:
0,65
(5.
1. b. 8. Em..
„ 9. Em. ....
v. 1885 ...."
2.6% Alte Oeſt. Südb. (Lomb.
263Neus „
4% Oeſt. Staatsb. v. 1883 ....
38 Oeſt.
„
3% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Neß.
4½ Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
4½0 Angtolier I............"
3% Salon. Conſt. Jone ion ..."
3½ Salonique Monaſtir ......"
5½ Tehuantepec. . . . . . . . . . . . ."
4½% „ „........
Nach Sachwert verzinsl.
Schuldverſhreibungen.
59 Badenv. Kohlenwrtanl v. 23
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
Em.
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
II. Em
6% Großkraftwerk Mannheim
Kohlenwertanl v. 23
5% Heſſ.Braunk.=Rogg. Anl.v. 23
5½Neckar A.=G. Stuttgart
Gold=
anl. v. 23..
5%0 Pfälzer Hyp.=Bank. Gold=
Pfdbr. v. 24..
5%0 Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
Roggenwert=Anl.
58 Rhein. Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. b. 24
5%0 Rhein=Main=Donau
Gold=
anl. v. 23
5% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23
Ser. 1 u. II....."
5% Sächſ Roggenwertanl. v. 23
5% Südd. Feſtwertbk. Goldobl,
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt. . . .
Bank für Brauinduſtrie ......
Barmer Bankverein.
Bayer Hyvotheken= u. Wechſelb.
Berliner Hanoelsgeſellſchaft
Commerz= und Privatvank
Darmſtädter u. Nationalbank".
Deutſche Bank.
Deutſche(fffelten= u. Wechſelban!
Deurſche Hypot.=Bank Mein..
Deutſche Vereinsbank ........
Disconto= Heſellſchaft ........."
Dresoner Bank. . . . . . . . . . ....
Fruankfurter Bank
bypotheken=Bank.
Metallbant.
Mitteldeutſiche Creoitbank. . . ..
Oeſterrei hiſche Creoitanſtalt ...
Reichsbank=Ant. .. . . . . . . . . ..."
Rhein. Creoitvan
Hypothetenbank
Süddeutſhe Disconto=Geſellſch.
Weſtbank .. . .. . . .... . .......
Viener Banberein ........"
Bergwerk3=Aktien.
Berzelius .. . . ... ..........."
Bochumer Bergb. ..... .. . . . ."
Buderus. . . . . . . . . . . .. . . ....."
Dt. Luxemburger ............"
Eſchweiler Bergwerk=Akt. . ...
Gelſenkirchen Bergw. .... . . .."
Harpener Bergbau... . . . . . . .."
30 6
10
1.05
47
10.5
2.15
11
17
1.35
2,3
1,35
1.1
13
24.5
3 5
7.25
8,5
3,1
1,4
0.4
8,7
4l.
1.45
12,4
2.2,
0,310
36,
1.55
—
6,25
0.309
0.335
3,2
44.25
63
45
62.25
9.9
1.1
47
10,25
2,2
35
3.15
11
1,8
1.25
13
1.5
24,75
1
*4
0.305
8,71
3,1
12.5
2:
0,3
35,5
3,35
6,1
0,3
0.241
3,5
8,2
43,75
66
47,25
63
Kaliwerke Aſcheréleben .. .. . .."
Salzdetfurth .. . . . . .
Weſteregeln ......
Klöcknerwerke (abg. Lothr. Hütte)
Mannesmann Röhren ........"
Mansfelder ................."
Oberbedarf ................."
Oberſhleſ. Eiſen Caro) ......"
Otavi Minen u. Eb.=Ant. ....
Phönir Bergbau ............"
Rhein, Stahlverke ...........
Riebeck Montan.. ... ... . . . .
Romba her Hütte .. . .. .......
Tellus Bergb.=u. Hütten=Akt. . .
Ver, Laurahütte . . .
ohne Umſa; X —rationierk,
Tauſend. M— Willionen,
Aktien induſtr. Unternehmung
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . !
Löwenbräu München ........
Schöfferhoſ (Binding)........
Werger ......
Akkumulat. Berlin .. . ... .."
Adler & Oppenheimer .......
Adlerwerke (v. Rleher) ......."
A. E. G. Stamm. . . . . . . .
6%. Vorzug Lit. 4 ..."
5% „ „ „ Vorzutg Lit. B...
Amme Gieſecke Konegen ....
Anglo=Continental=Guano .....
Anilin Bin.=Treotov.. . . . . . . .
Aſchaffenburger Zellſtoff .....
Babenla (Weinhein) ........
Badiſhe Anilin= n. Sodafabrik".
Bad. Maſchf. Durlach .... ....
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen..
Baldur Piano. .. . . . ........"
Baſt Nürnberg ........"
T.
Bagriſch Sviegel ............
Beck & Henkel (Caſſel) ........
Bergnann El. Verke .........
Bing. Netallverke ...........
Brockhues, Nieder=Walluf...."
Senentwerk beioelberg.
„ „Karlitapt
Bothringzen (Meßz).
Chem. Werke Albert.
Griesheim Elektron ....
„ Faueif Nilh..........
Beiler=ter= ner .. ... .."
Daimler Notoren ........."
Deutſch. Eiſenhandel Berlin ..
Deutſche Eroöl
Dt. Kold= u. Silberſ heideanſt.
Dingler, Zweibrücken .. . . . . .."
Drezdener S hnelloreſſei ....
Durkopowerk ( Stamnſ .. . . ..
Düſſelo. Ratinger (Dürr) .....
Dyckerhoſ & Widm. Stamm .. .
Siſenwerk Kaiſerslautern ...."
L. Neher fr. . . . . . ."
Elberfelder Farbv. v. Baher..
Kupfer= u. Meſſingw
Elektr. Lieferungs.=Geſ. ......
Licht und Kraft . . . . . ..
Elſäſſ. Bad. Bolle...... ....."
Emag, Frankfurt a. M... . . . ..
Email. & Stanz v. ullrich ....
Enzinger Werke .............
Eßlinger Maſchinen ..........
Ettlingen Spinnerei ........."
Faber, Joh., Bleiſtift .......
3.9) 36 13 13,2 3,25 3.1 1.15
— 1.7 2.5 2.25 0,80 1,1 10 10 0,325 9,7 6.8 64 5,5 5,753 0,275 1 0,67 2., 2.1 9,75 41
— 3.9 8,25
Faber & Schleicher .........."
Fahr, Gebr., Birmaſens ....."
Felten & Guilleaume, Carlsw...
Feinme hank (Fetter).... . ....
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M..
Frankfurter Gas... . . . . . ..
Frankfurter Hof.......
Fkſ. Naſh. Pokorny & Wittek.
Fu h3, Waggon Stann .....
Ban; Ludvia, Mainz .......
Geiling & Cie. ..............
Germania Linoleum .. .. . . ..."
Gelenkirchen Gußſtahl ......."
Goldſchmiot, Th. .. .. . ... ....
Gotha Waggon.... ........."
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſ hinenf. Durlah. . .
Grün & Bilfinger .
.
Hammerſen (O3nabrück) ......"
Hanfwerke Füſſen ..........."
Heddernheimer Kupfer ......."
Geyligenſtaedt. Gießen ......."
Hilvert Armaturenf. . . . . . . . . .
Hindrichs=Auffermann. . .. .. ..
Hirſch Kupfer u. Neſſ. .... . .."
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben ............."
Holzmann, Phil. ...... .. . .."
Holzverk.=Induſtr. ...........
5yoroneter Breslau ......."
Fnag .. .... .. ... . . .........
Junghans Stamm . . . . . . . . . . .
Karlsruher Maſ hinen ........"
ſirtiot R.
Klein, Schanzlin & Becker ...
Knorr, Geilbronn............
Kolb & S hüle Svinn. .......
Konſervenſabrik Braun ......"
Krauß & Co., Lokom. . . . ... . .
Lah neyer & Co. ...... .. ....
Leh. Augsburg ............."
Leder v. Rothe .............
Leder verke Spi harz ........"
Lingel. Shuhv. Erfurt .. .. .."
Löhnberger Lihle .........."
Lüdenſ heio Metallv. ... . . .."
Luther, ſtaſ h.= Kühlenbau..
Lur’ſhe Induſtrie ...........
Ralnkraft verke hö hſt ......."
Neguin. Bußba h .........."
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Moenu3 Stann .. . . . . . . . . .."
Motorenfabril Deu z.........
Motorenfadrif Oberurſel ....."
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Neckar verte Eßl. Sta nn.....
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Peters Union Frankfurt a. M.
Pfälz. Nähn., Kayſer ........"
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Riedinger, Maſ hinen ........."
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..... 12 13 Beckerkohle. . ... .... .. . . . . . .." 4,2 4,2 Bekerſtahl .. . . . . . . . . . . .. .. .. 4,3) Benz.... . .. 3,0 Bro vn Boveri 1,5 Chem. Andreae 1,5 1,5 Deutſche Petrolenm.
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7.23 Entrepriſe.
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4,9 Großkraftw. Württemb. ( Growag) 0.170 0,16) 2.7 Unterfranken (ufra) ..... ...." Hanſa Lloyd
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1.95 Krüger”hull Kali 2,7 2.9 Metall Starkenburg 3,5 3.45 Otto & Quarz..
:. 31, 25 Raſtatter Waggon ..........." 6,1 6.1 Textil=Fnd. Barmen (Tiag)...." 23 30 ufa Filn ...."
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Hummer 182.
Seite 9
Der Anteil bei den Genoſſenſchaften.
Von
Eduard Butzmann, Berlin.
Die Genoſſenſchaft erfreut ſich im Wirtſchaftsleben beſonders
dadurch großer Beliebtheit, daß der Geſchäftsanteil ſehr niedrig
bemeſſen werden kann. Die großen damit verbundenen Vorzüge
bergen aber zugleich gewiſſe Gefahren in ſich. Darum iſt es
Pflicht jedes Genoſſen, ſich an dem Leben ſeiner Genoſſenſchaft
nach jeder möglichen Richtung hin zu beteiligen. In der
Wahr=
nehmung der ihm zuſtehenden Rechte und Erfüllung der ihm
obliegenden Pflichten fördert er am beſten die Aufgaben der
Ge=
goſſenſchaft und dient damit zugleich auch ſich ſelbſt. Wir haben
n Deutſchland Genoſſenſchaften, welche, wie die Konſumvereine,
Hunderttauſende zu ihren Mitgliedern zählen. Dieſe große
Mit=
gliederzahl iſt natürlich nur dadurch möglich, daß der
Geſchäfts=
inteil ſehr niedrig, alſo zum Beiſpiel mit 10 oder 20 Mark
be=
neſſen iſt. Die Beliebtheit wird dadurch noch gefördert, daß die
Anteile ſelten in voller Höhe einzuzahlen ſind, vielmehr eine
iatenweiſe Bezahlung geſtattet wird. Neben dieſen großen
Kon=
umgenoſſenſchaften beſtehen die vielen kleinen Genoſſenſchaften,
velche hauptſächlich die kleinen Gewerbetreibenden zu ihren
Mit=
gliedern zählen. Bei dieſen ſind die Anteile in der Regel höher
jemeſſen, ſo daß die geringere Zahl durch einen höheren Anteil
der einzelnen Genoſſen einen Ausgleich erfährt.
Bei den zuerſt genannten Genoſſenſchaften, welchen die große
Maſſe darum beizutreten pflegt, weil ſie ihr den billigen Einkauf
von Lebensmitteln und Gegenſtänden des täglichen Bedarfs
ge=
tatten, wird wohl ausnahmslos von jedem Genoſſen nur ein
ein=
iger Anteil erworben. Es liegt keinerlei Bedürfnis dafür vor,
haß ein Genoſſe mehrere Anteile erwirbt, weil die Anteile ſelbſt
inen nennenswerten Gewinn nicht bringen. Dies würde auch
ſem Weſen der Genoſſenſchaft widerſprechen. Die Genoſſen ſollen
uus dem Zuſammenſchluß durch den preiswerten Bezug ihres
Bedarfes Vorteile haben und dürfen niemals in der Erlangung
iner hohen Verzinſung ihres Anteils den Grund zum
An=
chluſſe an die Genoſſenſchaft ſehen.
Bei den kleineren Genoſſenſchaften handelt es ſich bezüglich
ſer Abſicht und der Ausführung zum Beitritt zu einer Genoſſen=
Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 2. Juli 1924.
ſchaft dagegen um ganz anders geartete Gründe. Kommt auch
für dieſe eine hohe Verzinſung der Anteile nicht in Frage, weil
dieſelbe durch die Satzungen gewöhnlich auf ein niedriges Maß
beſchränkt iſt, ſo liegen doch andere gewichtige Gründe dafür vor,
nach Möglichkeit mehrere Anteile zu erwerben. Bei den in der
Geſellſchaftsform der Genoſſenſchaft zuſammengeſchloſſenen
klei=
nen Gewerbetreibenden handelt es ſich zumeiſt um die Erzielung
geſchäftlicher Vorteile für die Genoſſen. Je nach der Höhe ſeiner
Beteiligung werden gewöhnlich auch die Rechte des Genoſſen
bemeſſen, was man ſich am leichteſten durch einige Beiſpiele klar
machen kann.
Sehr häufig führt die Abſicht der Kreditbeſchaffung die
Kleingewerbetreibenden zu einer Genoſſenſchaft zuſammen. Iſt
der Anteil für den einzelnen Genoſſen auf 100 Mark feſtgeſetzt,
ſo wird nach der Höhe der darauf geleiſteten Einzahlung
ge=
wöhnlich der Kredit bemeſſen. Sehen die Satzungen zum
Bei=
ſpiel einen Kredit in doppelter Höhe des geleiſteten Betrages für
den Anteil vor, ſo ergibt ſich ganz von ſelbſt, wieviel Anteile der
Einzelne erwerben muß, um die für ſeine Zwecke notwendigen
Kredite bei der Genoſſenſchaft erlangen zu können. Für den
kleinen Handwerker mag es genügen, einen Anteil zu beſitzen,
weil er nur aus Intereſſe zur Sache der Genoſſenſchaft ſeiner
Berufskollegen angehört und nur für den Notfall die
Inanſpruch=
nahme eines Darlehens in Ausſicht genommen hat. Für den
Genoſſen mit größerem Geſchäftsbetriebe aber kann ein
Dar=
lehen von wenigen hundert Mark keine Rolle ſpielen. Er wird
ſich alſo mit zehn oder zwanzig Anteilen an der Genoſſenſchaft
beteiligen, vielleicht auch noch mit mehr, wenn die Satzungen
dieſen Wünſchen nicht ein Ziel ſetzen. Es bedarf keiner
Ausfüh=
rungen, daß die dadurch ermöglichte Aufnahme von Darlehen in
Höhe von 1900 oder 2000 oder noch mehr Mark für den Genoſſen
eine außerordentlich große Bedeutung beſitzt.
Unter den heutigen Verhältniſſen einer beiſpielloſen
Geld=
knappheit und einer ſehr mangelnden Bereitwilligkeit der
Her=
gabe von Darlehen können die Genoſſenſchaften ſolche
Bedin=
gungen kaum noch erfüllen. Es gibt natürlich Genoſſenſchaften,
die genug zahlungskräftige Genoſſen haben, um im Beſitze der
Geldmittel zu ſein, dem ein Darlehen verlangenden Genoſſen ein
ſolches in doppelter Höhe des Anteils bewilligen zu können. Iſt
dieſe Zahl, wie dies bei der heutigen Geldlage ganz natürlich
er=
ſcheint, aber ſehr groß, ſo kann die Genoſſenſchaft ohne fremde
Hilfe de an ſie geſtellten Anforderungen nicht gerecht werden.
In der unter dem Namen Preußenkaſſe bekannten Preußiſchen
Zentralgenoſſenſchaftskaſſe haben die Genoſſenſchaften das große
Kreditinſtitut, welches ihnen die erforderlichen Kredite gewährt,
ſoweit dieſes Inſtitut von der Würdigkeit der Genoſſenſchaft
überzeugt iſt. In den dafür geltenden Grundſätzen ſind nun die
Gefahren begründet, welche oben ſchon angedeutet wurden.
Die Preußenkaſſe macht nämlich die Gewährung von
Kre=
diten davon abhängig, daß die Genoſſen ein beſtimmte Haftung
übernommen haben, wenn die Genoſſenſchaft mit einem
Kredit=
begehr an das Inſtitut herantritt. Dagegen iſt grundſätzlich
nichts einzuwenden, weil man der Preußenkaſſe natürlich das
Recht nicht beſtreiten kann, nur den Kreditſuchern Darlehen zu
geben, welche ein Mindeſtmaß der Sicherheit bieten. Hier wird
jedoch die bedenkliche Forderung aufgeſtellt, daß die
Genoſſen=
ſchaften von ihren Mitgliedern die ſatzungsmäßige Feſtlegung
einer Haftpflicht fordern, welche in der zehnfachen Höhe des
Ge=
ſchäftsanteils liegt. Es würde alſo ein kleiner Gewerbetreibender,
welcher zehn Anteile zu je 100 Mark beſitzt, eine Haftpflicht von
10 000 Mark zu übernehmen haben. Zu einer ſolchen Leiſtung iſt
derſelbe aber nicht fähig, die Haftung ſteht alſo nur auf dem
Papier.
Ebenſo wie bei dieſen Kreditgenoſſenſchaften liegen die
Ver=
hältniſſe bei denen, welche den gemeinſamen Einkauf von
Roh=
ſtoffen oder Halbfabrikaten zur Verarbeitung als Geſchäftszweck
haben. In jedem Fall muß eine derartige Forderung eines
gro=
ßen Kreditinſtituts verurteilt und dringend davor gewarnt
wer=
den, auf dieſem Wege weiter zu wandeln. Unſer
Genoſſenſchafts=
weſen iſt geſund, wird aber durch Feſtſetzung der Haftung auf
zehnfache Höhe des Anteils einer Belaſtungsprobe ausgeſetzt,
welcher es bei längerer Fortdauer der augenblicklichen
Wirt=
ſchaftskriſe allzu leicht erliegen könnte. Der Kreditgeber muß ſich
ſagen, daß die ſchematiſche Heraufſetzung der Haftſumme ihm
keinerlei Sicherheiten zu bieten vermag. Er iſt nicht in der
Lage, die Leiſtungsfähigkeit der einzelnen Genoſſen zu prüfen
ind ſtellt mit der Feſtſtellung der Haftſumme multipliziert mit
der Zahl der Genoſſen eine Berechnung auf, welche keinerlei
Be=
rechtigung hat. Wenn auf ſolcher Baſis Darlehen gegeben
wer=
den, ſo wird damit zugleich die Exiſtenz vieler kleiner Leute aufs
Spiel geſetzt. Darum ſei jeder Genoſſe darauf bedacht, nicht zu
viele Anteile zu übernehmen unter Beſchränkung ſeiner
Haft=
pflicht auf die gleiche Höhe.
Palast-Lichtspiele
Hur noch heute und morgen!
Kanise de Lafalliere
Historisch-dramatisches Filmwerk
8464imc)
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König Lndwig XIV. von Frankreich Fritz Dellus
Königin Maria Theresia von Frankreich Eva Speyer
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Mutter Lndwigs XIV. Olga Engl
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Herzogin von Orleans Erna Morena
„. . . Emml Schaefk
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Jugendgeliebter Ernst Hofmann
Graf von Gniche . . . . . . Hans Waßmann
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8
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Morgen, den 3. Juli
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Stadion
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ausgeführt vom
Philharmoniſchen Orcheſter
(tuwer 8
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Sommerſpielzeit
Brund Harprecht
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Der Vorſtand.
Ortsgewerbeverein u.
Hand=
werkervereinig. Darmſtadt.
Am Donnerstag den 3. Juli 1924, nachm.
Beſichtigungen
der Zündholzfabrik L. Nungeſſer, vorm.
Chr. Büttel, und der Brauerei Juſtus Hilde=
brand, Pfungſtadt.
Abfahrt 1: Uhr Hauptbahnhof 4. Klaſſe
852
nach Pfungſtadt.
„Hriemkilds Nache‟ Artistentreue
7 spannende Akte
Musik von Gottfried Hupperts
Orchesterleit.: Kapellmeister Georg Belbert
Besidenz-Thenter
Das Lichkum
Mitternacht
Detektirroman in 5 Akten
Hanptdarsteller: Max Landa
Schauspiel in 4 Akten
In der Hanptrolle:
Hanne Brinkmann und
Bruno Kastner
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5 Pfund täglich ℳ 0,40
10 „
ℳ 0,60
Friedr. Stumpf, Eishandlung
B. M. Hachenburger,Kohlenhdlg.
Aug. Orlemann, Kohlenhdlg.
Oberwaldhaus
Jeden
Mittwoch, Samstag u. Sonntag,
nachmittags 4½½ Uhr beginnend
Garten-Konzert
mit verstärktem Orchester
Gondelfahrten auf dem Teiche
Eintritt frei
Eis
Paßbilder
in einer Stunde (va
billig und gut.
Thiele Nachf.
nur Bleichſtr 2. Tel. 1912
nimmt noch an bei
ſorgfältiger Behand
lung u. bill. Preifen.
E. Sujatta
b. Bröning, Markt 4,
Hinterh. 2 T. (Emd
DO
Trachtenfeſt
Ab 4 Uhr:
Große Kinderbeluſtigung
mit verſchiedenen Überraſchungen
Kinderpolonäſe im Feſiplatz
Bei eintretender Dunkelheit:
Tampionzug der Kinder nach dem
Markt=
platz mit Muſik
Großes Feuerwerk
Allgemeiner Tanz
Eintritt frei! * 2 Uhr Schlußmarſch
8547
Eintritt frei!
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Continental,
beſte deutſche
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Donges & Wieſt
Grafenſtr. 43. (5880a
e. G. m. b. H.
Umſtändehalber findet die für Mittwoch,
den 2. Juli, bekannt gegebene
Generalverſammlung
Donnerstag, den 3. Juli
abends 8½ Uhr
im „Perkeo” ſtatt.
Für den Aufſichtsrat:
Weber: I. Vorſitzender.
8521
annnannnanEsiiangnenäaken
Boltenfättror
Sportplatz Reſtaurant
Heute Mittwoch, ab 8 Uhr
Abend=Konzert.
NB. Dem verehrlichen Publikum
zur Kenntnis, daß das
Philhar=
moniſche Orcheſter am letzten
Sonntag abend in meinem
Gar=
ten konzertieren wollte, und wveil
zu Beginn des Konzertes die
Beteiligung des Publikums nicht
in dem gewünſchten Maße war,
hat das obige Orcheſter das
feſt=
geſetzte Konzert willkürlich
aus=
fallen laſſen.
(8551
nungunanunnaſienuugnnunnn-
Der Zentralverband deutſch.
Kriegsbe=
ſchädigter, Kriegsteilnehmer und
Kriegs=
hinterbliebener (Ortsgruppe Darmſtadt)
erſucht ſeine Mitglieder nebſt Angehörigen
zum Empfang der Ninder, Mittwoch, den
2. d8. Mts. 7” abends, am Hauptbahnhof
Südausgang, zu erſcheinen.
Der Vorſtand. (*18958
Geſtickte 6091a
Vereinsfahnen . Hausfahnen
A. J. Schlegel, Luiſenſtraße 10
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Mittwvoch, den 2. Juli 1924.
Nummer 182.
Sport, Spiel und Turnen.
Pferdeſport.
Das deutſche Derby.
Anmarſch. — Derbyſieger 1924.
Der Tag der Entſcheidung unſerer wertvollſten und
bedeutungsvoll=
ſten Vollblutprüfung war von trübem Wetter begleitet. Vor Beginn der
Rennen ſetzte ſogar etwas Regen ein. Aus allen Teilen des Reiches
waren die Pferdeliebhaber herbeigeeilt um Zeuge des 56. Deutſchen
Derby zu ſein, aber der Beſuch, ſo groß er auch war, erreichte nicht im
Entfernteſten die Zuſchauermaſſe, die im Inflationsjahr 1923 nach
Ham=
burg=Horn gepilgert waren. Die erſten drei Rennen gingen ohne
ſon=
derliche Aufregung vorüber. Sans Atout gewann leicht das Hammer=
Rennen, Hampelmann fertigte Barde, den Bezwinger eines Augias, im
Renard=Rennen zum Schluß ſpielend ab und der Jenfelder Ausgleich
en=
dete mit dem Ueberraſchungsſieg von Antiope, die ihren wenigen
An=
hängern über 36faches Geld einbrachte. Dann begann die Spannung der
Maſſen auf das höchſte zu ſteigern. 17 Pferde wurden als Starter zum
Derby angezeigt, mit Ausnahme von Mädchenjäger liefen alſo alle
vor=
her angekündigten Kandidaten. Die Hauptbewerber präſentierten ſich
ſämtlich in beſter Verfaſſung, nur Monfalcone ſah man es an, daß er
nicht genügend durchgearbeitet iſt. Der Oppenheimer hatte denn auch im
Rennen nichts zu beſtellen. Sein Stall hätte wahrſcheinlich beſſer daran
getan, den Hengſt in der Box zu laſſen. Bei der Aufſtellung am 2400
Meter=Start hatte Grenzſchutz die Innenſeite. Neben dieſem lagen
Bardes Bruder, Caprivi, Da Capo, Anmarſch, Lüderbach, Dorn 2,
Han=
nar und Falſum. Oſtrea hatte Startplatz 11, Hornbori 13, Monfalcone
15, ganz außen ſtanden Wippize und Bafur. Nach kurzem Aufenthalt
gelang ein guter Ablauf. Bafur wurde ordergemäß ſofort an die Spitze
getrieben und führte in ſcharfer Fahrt vor Grenzſchutz, Hannar,
Rück=
grat, Falſum, Wippize und Hornbori, hinter dem der Reſt mit Caprivi
und Da Capo am Schluß geſchloſſen folgte. Im erſten Bogen riß
Bar=
des Bruder eine Stange um. Gegenüber ging Falſum auf den dritten
Platz hinter Bafur und Grenzſchutz. Ende der Seite, wo Monfalcone
bereits mit der Peitſche getrieben werden mußte, verbeſſerte Idomeneus
ſeinen Platz. An der vorletzten Ecke lag einen Moment Falſum in
Front, wurde aber ſchnell von Idomeneus überholt. Oſtrea hatte ſich
bereits an die dritte Stelle vorgearbeitet. Hannar und Anmarſch folgten
hier als nächſte, während Bafur zurückfiel. In die Gerade bog
Ido=
meneus zuerſt vor Falſum, Oſtrea, Hannar, Anmarſch, Grenzſchutz,
Bar=
des Bruder und Hornbori. Hier ging Oſtrea an Idomeneus vorbei im
gleichen Augenblick legte ſich aber Anmarſch an die Gurte der
Wein=
bergſchen Stute. Hinter Idomeneus lagen klar zurück Hannar und die
außen aufkommenden Hornbori und Caprivi. An der Diſtanz machte
ſich Anmarſch von Oſtrea frei und gina mit anderthalb Längen
Vor=
ſprung als leichter Sieger unter dem Rieſenbeifall der Maſſen durchs
Ziel. Der mehr und mehr aufgekommene Hornbori mußte ſich mit dem
dritten Platz hinter Oſtrea begnügen. — Das Derby 1924 gehört der
Vergangenheit an. Ob es dem beſten Pferd den Sieg gebracht hat, läßt
ſich ſchwer ſagen, denn der geſunde Monfalcone hätte ſicher ein anderes
Rennen geliefert. Andererſeits wurde Hornbori ſehr lange im
Hinter=
treffen gehalten und kam erſt nach vorn, als es nichts mehr zu
gewin=
nen gab. Das ſoll aber die Leiſtung von Anmarſch nicht ſchmälern, um
ſo weniger, als ſich nach langer Zeit wieder einmal ein kleinerer Beſitz
in die Siegerliſte des Derbys eintragen darf. Herr A. Stierheim, der
Anmarſch ſein eigen nennt, konnte ſich der vielen Glückwünſche kaum
er=
wehren. Trainer A. Reith, der den Hengſt erſt in dieſem Jahre in
Ar=
beit bekommen hatte, führte den Sieger, auf dem Jockey R. Torke
wie=
der einmal einen Meiſterritt abſolviert hatte, freudeſtrahlend zur Wage
zurück. Beſitzer, Trainer und Reiter konnten um ſo glücklicher ſein, als
alle zum erſten Male im Derby erfolgreich waren. Die Zeit des
Ren=
nens von 2:36,6 iſt recht gut. Nicht unerwähnt ſoll bleiben, daß auch
die Zucht der Herren A. und C. von Weinberg wieder einmal auf einen
ſtolzen Triumph zurückblicken kann, denn ſowohl der Sieger und Oſtrea,
als auch Hornbori ſind Erzeugniſſe ihres Deckhengſtes Fervor.
An=
marſch iſt in Weilerhof von den W. Biſchoffſchen Erben aus der in
England geborenen, 1912 nach Deutſchland eingeführten Mutterſtute
Amande gezogen.
Die Ergebniſſe: Hammer=Rennen, 5000 ℳ, 1400 Meter:
1. b. Oppenheims Sans Atout (Raſtenberger); 2. Hanſa (O. Schmidt);
3. Traumdeuter (Brown); 4. Eigilolf (Jentzſch). Tot.: 16; Pl.: 11.17,8,7.
F: Negulna, Licht=Alberich, Landreſt, Armadilla. 1—1½ Lg. —
Renard=Rennen, 15 000 ℳ, 2800 Meter: 1. Geſt. Pünſtorfs Hampelmann
(D. Schmidt); 2. Barde (Teichmann); 3. Perikles (Kaſper). Tot.: 15;
Pl.: 11,12. F.: Rinaldo, Hausfreund. 2—3 Lg. — Jenfelder Ausgleich,
6000 ℳ, 1600 Meter: 1. G. Baals Antiope (Balke); 2. Enver (Korb);
3. Feafeuer (Huguenin). Tot.: 366; Pl.: 115,29,46; F.: Araliada (4),
Per Dark, Humboldt. Türmer, Goldſtrom, Mädchenjäger, Chere cherie,
Olifant, Mazeppa, Makte, Tingel=Tangel, Varus, Coeur Bube. Hals—
½—Hals. — Deutſches Derby, 100 000 ℳ 2400 Meter: 1. A.
Stier=
heims Anmarſch (Torke); 2. Oſtrea (D. Schmidt); Hornbori (Janek).
Tot.: 51; Pl.: 16,24,16. F.: Idomeneus (4), Caprivi (5), Hannar (6),
Dorn 2 (7), Bardes Bruder (8), Da capo, Lüderbach, Sternklar, Rück=
grat, Falſum, Monfalcone, Wippize, Grenzſchutz, Balfur. Leicht 1½—1
—1—. Lg. — Bergfelder=Rennen 5000 ℳ, 1000 Meter: 1. Sulzber=
gers Marzellus (Raſtenberger); 2. Spaniola (O. Schmidt); 3. Frigga
(M. Schmidt). Tot.: 69; Pl.: 15,12,30. F.: Törnade, Edelreis,
Gei=
ſenheim, Lakai. 1—½—Hals. — Horner=Ausgleich, 10 000 ℳ, 2100
Me=
ter: 1. L. und W. Sklareks Williger (Jentzſch); 2. Manlius (O. Schmidt);
3. Kairos (Korb). Tot.: 46; Pl.: 19,19,46. F.: Sonnenkönig,
Champ=
fleuri, Eichkatze, Bajuvare, Tara Hill, Seeräuber, Rotdorn, Lobredner,
Dunſt, Soto Teddy=Bär Quarta. 1—1½—1 Lg. — Marienthaler=
Rennen 6000 ℳ, 1800 Meter: 1. v. Negeleins Pikdame (D. Schmidt);
2. Chriſtel (Hugeunin); 3. Tuan Fang (Torke). Tot.: 35; Pl.: 14,43,45.
F.: Kili (4), Stummer Teufel, Salvator, Jungfernrede, Damenweg,
Anfang. 2—2—½ Lg.
Eventualquoten im Deutſchen Derby.
Monfalcone 31, Hornbori und Bafur 38, Anmarſch 51, Grenz=
ſchutz 67, Falſum 126, Oſtrea 158 Caprivi 296, Da capo und Lüderbach
350 Hannar 414, Idomeneus 476, Bardes Bruder 718, Sternklar 1785,
Rückgrat 1841, Wippizo 2577, Dorn 2. 6801.
Rennausſchreibungen und Nennungen.
Auch der Verein für Hindernisrennen (Karlshorſt) gibt jetzt
die Propoſitionen für ſeine zehn Tage umfaſſende Sommerveranſtaltung
bekannt, die mit einer Reihe großer Prüfungen „zwiſchen den Flaggen”
aufwartet. Die Hauptrennen an den einzelnen Tagen ſind: 26. Juli:
Silberner Humpen (7500 Mk., 4000 Meter); 30. Juli: Matadorenpreis
(9000 Mk., 3400 Meter); 3. Auguſt: Großes Berliner Jagd=
Rennen (30 000 Mk., 5000 Meter); 10. Auguſt: 7000. Rennen (9000
Mark, 4000 Meter); 16. Auguſt: Deutſches Jagd=Rennen (12000 Mk.,
4400 Meter); 21. Auguſt: Großes Stuten=Jagd=Rennen
(12 000 Mt., 4000 Meter); 28. Auguſt: Deutſches Hürden=Rennen (12000
Mark, 3000 Meter); 4. September: Kronen=Preis (15 000 Mk., 5000
Meter); 7. September: Haupt=Jagd=Rennen (30000 Mk., 4000
Meter); 11. September: Schmidt=Pauli=Jagd=Rennen
(20000 Mk., 5500 Meter). Alle vorgenannten Rennen ſind außerdem
mit zum Teil ſehr koſtbaren Ehrenpreiſen ausgeſtattet. — Der Kölner
Rennverein hat für den 10. Auguſt einen Tag ganz großen Sports
vorbereitet. Hier ſind Preis von Köln (Ehrenpreis und 30000
Mark, 2200 Meter), Rheiniſches Zucht=Rennen (Ehrenpreis und 15 000
Mark, 1000 Meter) für Zweifährige ſowie Fabian=Preis in gleicher
Preishöhe über 1600 Meter Ereigniſſe, die auch auf die nichtweſtdeutſchen
Ställe ihre Anziehungskraft nicht verfehlen dürften. — Für den
Gro=
ßen Preis von Berlin (70 000 Mk., 2400 Meter), der am 13. Juli
auf der Grunewaldbahn zur Entſcheidung gelangt, ſind 37 Unterſchriften
eingegangen. Selbſtverſtändlich ſind alle Pferde von Klaſſe genannt
worden. Wir heben nur die Meldungen der Dreijährigen Monfalcone,
Hornberi, Anmarſch, Falſum, Fundin, Caprivi, Hannar, Lüderbach und
Oſtrea, ferner die der älteren Pferde Augias, Ganelon, Barde, Träumer,
Guenolé, Staffelſtab, Perikles, Hampelmann und Eigelbert hervor.
Erhöhung der Totaliſator=Anteile.
Das Preußiſche Miniſterium für Landwirtſchaft har verfügt, daß mit
Rückſicht auf die ſchwierige finanzielle Lage der Rennvereine ab 1. Juli
1924 von der beſonderen, der Staatskaſſe zufließenden Abgabe in Höhe
von 1 Prozent für die Berliner Vereine und von 2 Prozent für die
Provinzrennvereine abgeſehen werden ſoll. Die Rennvereine werden
alſo nunmehr, nachdem ihnen in dem bisherigen Verlauf des Jahres
nur 9 bzw. 13 Prozent ihres Totaliſatorumſatzes belaſſen worden waren,
wieder wie im Vorjahre volle 10 bzw. 15 Prozent für ihre Zwecke
ver=
wenden können.
Rudern.
41. Oberrheiniſche Regatta.
Für die 41. Oberrheiniſche Regatta am 5. und 6. Juli auf dem
Neckar bei Mannheim haben 24 Vereine 150 Boote mit 664 Ruderern
Motorſport.
* Avus=Kleinautorennen.
Ein techniſches Fiasko.
Der Beſuch ſtand im Gegenſatz zur Beteiligung. Etwa 10 000
Zu=
ſchauer mögen draußen zwiſchen Berlins Häuſermeer und
Grunewald=
fichten auf der Avus geweſen ſein, — klein waren die Felder zu Beginn
der Rennen, winzig am Schluß. Einerſeits hatte die ſchwere Wirtſchafts=
lage hemmend auf die Beteiligung der deutſchen Fabriken gewirkt,
an=
dererſeits waren einzelne, von Fabriken für die Kleinautorennen in
Aus=
ſicht genommene Fahrzeuge nicht rechtzeitig fertig geworden, und
ſchließ=
lich wagten einige Werke Fahrzeuge in den Kampf zu ſchicken, an denen
bis zum Augenblick des Starts gebaut und gebaſtelt wurde. So machte
denn die Veranſtaltung techniſch den Eindruck des Improviſierten und
endete ſchließlich, nachdem im Rennen der 5 PS=Wagen zeitweilig nur
ein einziger Wagen im Rennen lag, mit einem Fiasko. Die Fafag=Wagen,
die im Training einen guten Eindruck gemacht hatten, blieben dem Start
der 4 PS=Wagen fern. Rennen 1 (Wagen bis 4 PS) ſchien vom Start
weg eine gute Beute des Apollo=Stromlinienwagens mit Slevogt am
Steuer werden zu wollen. Slevogt lag ſchon in der zweiten Runde mit
etwa 2½ Kilometer Vorſprung an der Spitze; plötzlich aber ließ er nach,
Ego, mit Fahrmeiſter Klein am Steuer, ging an die Spitze, wurde aber
dann von dem Plutowagen des Privatfahrers Gockenbach
über=
holt. Der Gockenbachſche Pluto (Erhardt=Werke) blieb nunmehr ſieghaft
in Front und beendete das 196,5 Kilometer lange 10=Runden=Rennen in
103 Minuten 44,2 Sekunden mit einer Durchſchnittsgeſchwindigkeit von
118 Kilometer — für einen Wagen von nur 4 Steuer PS eine
hervor=
ragende Leiſtung! — als Sieger. Zweiter wurde in 106 Minuten 45,1
Sek. der Ego=Wagen Vizefahrmeiſter Kleins, der gleichfalls ein
ausge=
zeichnetes Rennen geliefert hatte. An dritter Stelle landete der Baer=
Wagen unter Führung Kurt Umbachs mit 111 Min. 53,1 Sek. Fahrzeit
vor dem von Köhler geführten Plutowagen. Die drei Alfi=Wagen
ſchie=
den ſchon in den erſten Runden aus; ein Fahrzeug des Alfi=Teams tat
einen Sprung über die Barriere der Südkurve, der für die Inſaſſen
ver=
hältnismäßig glimpflich verlief. Auch der Apollo erreichte nicht das Ziel.
— Im Nennen 2, für Wagen bis 5 Steuer=PS, begann ſchon in der
er=
ſten Runde das mit Spannung erwartete Duell zwiſchen NSU. und
Brennabor. Fettkenheuer auf Bob blieb ſchon in der zweiten Runde auf
der Strecke. Klöble auf NSU., Sieger des letztjährigen Herbſtrennens,
die Spitze, ging an den NSU.=Wagen vorbei und blieb bis zur ſechſten
Runde vorn ſtets dicht gefolgt von Scholl auf NSU. Klöble hatte Reifen
wechſeln müſſen und ſchien auch mit dem Kompreſſor Schwierigkeiten
zu haben. Jakobs auf Brennabor überfuhr einen Kilometerſtein und
ward am Ziel rundenlang nicht mehr geſehen. Auch Eduard Reichſtein
auf Brennabor kam nach der vierten Runde nicht mehr wieder. Nach der
ſechſten Nunde hat Scholl auf NSU. die Spitze erobert. Mitzlaf fällt
weit zurück. Der Spitzenwagen fährt mit 127,5 Kilometer
Durchſchnitts=
geſchwindigkeit. Der führende NSU.=Wagen verliert allmählich
Beſtand=
teile ſeiner Karoſſerie. Nachdem ſchon verſchiedene Blechſtücke auf der
Strecke geblieben ſind, bricht dem NSU. in der neunten Runde der ganze
Karoſſerieſchwanz ab, — trotzdem fährt er weiter. Weniger forciert, aber
deſto eindrucksvoller und gleichmäßiger geht der Freia=Wagen mit
Direk=
tor Schuh am Steuer über die Bahn. Schon hat er ſich die zweite
Poſi=
tion erobert, da verkündet der Sprecher: der Freia gibt auf. Nun liegt
nur noch ein einziges Fahrzeug im Rennen, der NSU. von Scholl, der
ſein Tempo aber auf 104 Kilometer herabgemäßigt hat. Zum allgemeinen
Gaudium kommt Jakobs, der ſeit der zweiten Runde nicht mehr zu ſehen
war, wieder ins Rennen. Dann auch der Seifertſche NSU. Als Schuh
auf Freia merkt, daß noch etwas zu holen iſt, dreht auch er wieder an
und fährt langſam aber ſicher weiter. Das Rennen wird monoton"
Runde die Avus umkreiſend, Seifert auf NSU. geworden. Schuh kam
durch ſein Wiedereinſpringen noch zum 3. Preis vor dem alten
Flieger=
champion Jacobs, der ſchließlich einſam die Bahn umkreiſte, um das
Rennen wenigſtens zu beenden. Der Ausklang dieſer 125 Kilometerfahrt
war wenig erfreulich. Deutſchlands Kleinwageninduſtrie wird gut tun,
jene Wagen, die ſie in öffentliche Wettbewerbe ſchickt, vorher beſſer auf
Herz und Nieren zu prüfen, als diesmal. Der 29. Juni war techniſch
eine Blamage, bis auf die Reifenprüfung, die einen Doppelſieg für
Con=
tinental=Cord ergab.
Die Ergebniſſe: Klaſſe A (bis 4 Steuer=PS. 196,5 Kilometer:
1. Gockenbach (Pluto) 1:43:44,2; 2. Klein (Ego) 1:46:45; 3. Fiedler
(BFA.) 1:51:53,2; 4. Köhler (Pluto) 1:54:06,2; 5. Fiſcher (Pluto) weit
zurück; 6. v. Horn (Nug) weit zurück. — Klaſſe B (bis 5 Steuer=PS)
255.2 Kilometer: 1. Scholl (NSU.) 2:06:48; 2. Seiffert (NSU.) 2:55:49;
3. Schuh (Freia) 3:08:56.
Ringen.
Turngemeinde Dieburg—Athleten=Verein Vorwärts=Groß=Zimmern.
Am Samstag Abend fand im Kaiſerſaal der Rückkampf zwiſchen
der „Turngemeinde Dieburg” und dem Athleten=Verein „Vorwärts”
Groß=Zimmern ſtatt. Um 9 Uhr ſollte der Kampf beginnen in 7
Gewichts=
laſſen. Endlich um 10½ Uhr, als das Publikum ſchon über die Hälfte
den Saal verlaſſen hatte, fanden ſich 4 Sportkollegen der Turngemeinde
Dieburg ein, um die Sportanhänger einigermaßen zufrieden zu ſtellen.
Kreismeiſter Sattig erſchien überhaupt nicht, ebenſo Schaub und Heck.
In 6 Gewichtsklaſſen wurde gerungen. Zuerſt betraten Hornung D.
und Schönig Gr.=3. die Matte im Bantamgewicht. Schönig konnte
Hornung oft der Niederlage nahe bringen, auch Hornung führte einen
ſchönen Ueberſtürzer aus, jedoch konnte er Schönig nicht gefährlich
werden, weil Schönigs Rettung ſehr oft ſeine gute Brückenlage iſt, ſomit
verlief dieſer Kampf unentſchieden. Stenger D. und Weidner Gr.=3.
ringen im Federgewicht. Weidner war ſtets im Angriff und beſiegte
ſeinen Gegner in 2,55 Min. durch Doppelnelſon. Das Leichtgewicht
ver=
trat Kreismeiſter Enders D. gegen Herbert G.=3. Enders konnte
Her=
bert keine Minute gefährlich werden, dagegen machte Herbert einige
ſchöne Schleuderer. Enders entging durch ausrücken aus der Matte
ſeiner Niederlage. Auch dieſer Kampf verlief unentſchieden. Im
Mittel=
gewicht A lieferten ſich Zilch D. und Fröhlich G.=3. einen ſchönen Kampf,
da aber beide Gegner in der Kampfesweiſe gleich waren, endete auch
dieſer Kampf ergebnislos. In der 2. Halbzeit gab es eine Aenderung.
An Stelle von Schönig trat Boller, einer der gefürchteſten Ringer im
Bantamgewicht. Er konnte ſchon in 1,10 Minuten den faſt 10 Pfund
ſchwereren Hornung durch Untergriff von vorne auf beide Schultern
legen. Im Federgewicht ſiegte Weidner wieder über Stenger in 7.40 Min.
durch Halbnelſon. Enders und Fröhlich ringen 10 Min. unentſchieden,
auch hier war Enders wieder Ausrücker Reſultat 10:4 für Groß=Zimmern.
Zilch und Ohl zeigten einen ſchönen Schauringkampf. Zum Schluß
machten die beiden Vereinskameraden Boller und Schönig einen ſehr
ſchönen techniſchen Schauringkampf.
Leichtathletik.
Großkampftag im Deutſchen Stadion. — Beſtleiſtungen.
Die Jubiläumsveranſtaltung des Verbandes Brandenburgiſcher
Athletik=Vereine am Sonntag im Deutſchen Stadion hatte bei ſchönſtem
Wetter die herrliche Kampfbahn mit ihren Rieſenausmaßen bis auf das
letzte Plätzchen gefüllt. Zirka 50 000 Zuſchauer bei leichtathletiſchen
Wett=
kämpfen iſt eine Rekordziffer, die nicht nur in Deutſchland vereinzelt
da=
ſteht. Auch ſonſt gab es Rekordleiſtungen in Fülle. Faſt die geſamte
Klaſſe der deutſchen Leichtathleten gaben ſich in Stelldichein. Mit dem
äußeren Erfolge hielt auch der ſportliche Schritt, denn auf der ganzen
Linie gab es prächtige Kämpfe, die in den Staffeln ihren Höhepunkt
erreichten. Leider konnten jedoch die angeſagten Rekordverſuche des
deutſchen Meiſters Houben nicht zur Durchführung gelangen, da dieſer
ſich beim Training eine leichte Sehnenzerrung zugezogen hatte. Wenn
Houben trotzdem die 100 Meter in überlegener Manier in 10,8 Sek.
hin=
ter ſich brachte, ſo ſtellt dieſe Leiſtung der überragenden Klaſſe des
Sprinters aufs neue das beſte Zeugnis aus. Ganz hervorragende
Leiſt=
ungen gab es in der 3mal 1000 Meter Staffel für
Verbanssmannſchaf=
ten, da alle drei Erſtplazierten weit unter der deutſchen Rekordzeit
lie=
fen. Da jedoch die erſten beiden Auswahlmannſchaften waren, mußte
der Rekord an die für Süddeutſchland laufende Mannſchaft von
Mün=
chen 1860 vergeben werden, die 7:51,8 benötigte. Nach dem erſten
Wech=
ſel hatte Weſtdeutſchland die Spitze, jedoch kam Brandenburg bis zum
zweiten Wechſel in Führung. Der dritte Brandenburger, Langkutſch,
verlor aber wieder die Spitze an den Weſtdeutſchen Ufer und ſomit den
Sieg. Vier Läufer legten hier ihre 1000 Meter unter Rekordzeit zurück,
Böcher=Weſtd. in 2:29 6, Langkutſch=Berlin in 2:30,4, Schömann=Berlin
in 2:31,8 und Klotz=Weſtd. in 2:31,5. Die erſtmalig in Deutſchland
ge=
laufenen 200 Meter Hürden ſahen den Charlottenburger Lohniger in
28,3 Sek. in Front, eine Zeit, die als erſter deutſcher Rekord über dieſe
Strecke regiſtriert wird. Als Schaunummer des Tages gab es die Große
Nationale Jugendwettkämpfe.
Schwimmen.
Der D.S.C. „Jung=Deutſchland” in Köln.
Wie bereits kurz berichtet, war die erſte Mannſchaft des D.S.C.
„Jung=Deutſchland” anläßlich des Verbandsoffenen des S.V. „Rhenus”
in Köln am Start. Der auf dieſem Feſt gebotene Sport war — wie
dies bei dieſem Veranſtalter nicht anders zu erwarten war —
hervor=
ragend. So waren denn auch die ſportlichen Ergebniſſe in jeder
Bezieh=
ung erſtklaſſig. Ein Weltrekord und ein deutſcher Rekord, von
wohl=
bekannten Namen aufgeſtellt; Sommer „Rhenus”=Köln ſchwimmt in
der glänzenden Zeit von 1,17,6 für 100 Meter Bruſt einen neuen
Frei=
waſſer=Weltrekord und unſer Darmſtädter Berges ſtellt unter dem Jubel
der Zuſchauer einen neuen deutſchen Freiwaſſer=Rekord über 1000 Meter
bel. auf in der ganz hervorragenden Zeit von 14,47. Berges gewinnt
außerdem ſicher die 200 Meter bel. in 2,32,4 mit 12 Sek. Vorſprung.
Daß „Jung=Deutſchland” auch in ſeinen Mannſchaftsleiſtungen zu den
an erſter Spitze ſtehenden deutſchen Schwimmvereinen aufgerückt iſt,
beweiſt das bemerkenswerte Abſchneiden Darmſtadts in den
Sprint=
ſtaffeln. Hier konnten die Darmſtädter in der 1. bel. Staffel 4X50 Mtr.
hinter „Rhenus” „Poſeidon”=Köln und „Hellas”=Magdeburg den S.C.
Magdeburg 96 und „Poſeidon”=Leipzig glatt ſchlagen in 2,06,8,
wäh=
rend es in der 2. bel. Staffel 3X50 Meter gelang, hinter „Hellas” und
„Berlin 89” auch „Poſeidon”=Köln und drei weitere Konkurrenten
ab=
zufertigen. Man kann nach dem Verlauf dieſes Feſtes nur noch mehr
geſpannt ſein auf die Reſultate der am 12. und 13. Juli in Darmſtadt
ſtattfindenden Schwimm=Wettkämpfe, die, wie bereits in der Montag=
Nummer ausgeführt, ſämtliche Größen Deutſchlands bis auf „Hellas”=
Magdeburg in Darmſtadt vereinen.
Nachſtehend die Ergebniſſe: 1. bel. 200 Mtr.: 1. Fr. Berges,
„J.=D.” 2,32,4; 2. W. Nuß, Eſſen, 2,/44,4. 1. bel. 100 Mtr.: 1. E.
Freis, Köln, 1,05,4; 2. H. Eicker, Köln, 1,05,8; 3. F. Berges, „J.=D.”,
1,06,1.
Die Schärfe dieſes Rennens wird erſichtlich aus den Zeitdifferenzen,
in denen die erſten 3 ans Ziel gelangen; Berges ſchwimmt, trotzdem en
auf der ganzen Bahn in die grelle Sonne ſehen muß, eine glänzende Zeit.
2. bel. Staffel 3X50 Mtr.: 1. „Hellas”=Magdeburg, 1,34,3; 2.
Ber=
lin 89, 1,37,6; 3. „J.=D.‟ 1,38,4 (Scriba, Ihrig, Gils);,
1. bel. 1000 Mtr.: 1. F. Berges, „J.=D.‟, 14,47 (Rekord); 2. E.
Vier=
kötter, Köln, 14,55,7.
Dr. H.
Fußball.
Sp.=Vgg. 04 Arheilgen, 1. Jad. — Sp.=V. Meſſel, 1. Jgd.
Am Sonntag trug die 1. Jugend das fällige Verbandsſpiel gegen die
ehe e e egeie
aus. Kurz zur Halbz=4 verhilft der Halblinke Arheilgens ſeinem Verein
zur Führung. In der zweiten Halbzeit geſtaltet Arheilgen das Spiel
überlegen. Je zwei Tore von Halblinks und Mittelſtürmer ſind die
Früchte ſchöner Flachkombination. Meſſel erzielt durch haltbaren Schuß
das zweite Tor. Der beſte Teil der Meſſel Jugend war die Verteidigung.
Ihr Abſeitsſtellen war geradezu vorbildlich. Arheilgen ſtellte eine
ziem=
lich ausgeglichene Mannſchaft. Hier war Verteidigung und Sturm der
beſte Teil der Mannſchaft, während die Läuferreihe ihren Sturm in der
erſten Halbzeit nicht genügend unterſtützte. Die 1. Jugend der Sp.=Vgg.
04 Arheilgen ſteht zurzeit an führender Stelle in ihrem Bezirk. W.
Jubiläumsſtaffel, bei der jede Mannſchaft aus Flugzeug, Läufer,
Mokor=
radfahrer, Schwimmerin, Läufer, Reiter, Radfahrer und Kraftwagen
beſtand. Unter dem Beifall der Menge konnte nach abwechslungsreichem
Verlaufe der Berliner Sportklub als Erſter durchs Ziel gehen. Noch
zwei weitere deutſche Rekorde mußten ihr Leben laſſen. Bedarff=
Düſſel=
dorf, der im 7500 Meter=Laufen ein großes Rennen lief, verbeſſerte mit
23:54,5 die bisherige Höchſtleiſtung um 14,5 Sek. und in der
Schweden=
ſtaffel für Verbandsmannſchaften, war es die für Süddeutſchland
lau=
fennde, ſiegreiche Mannheimer Turngeſellſchaft, die mit 1:58,2 den
Rei=
gen der Nekordleiſtungen ſchloß. — Die Reſultate: 3mal 200 Meter
Jugendſtaffel: 1. S. C. Charl. 1:09,3; 1000 Mtr. Vorg.: 1. Siebke=
Ber=
lin (60 Mtr. Vorg.) 2:34,4; 2. Bluhm=Köpenick (60 Mtr.); 3. Müller=
Zehlendorf (Mal). — 3mal 1000 Mtr. Staffel für
Verbandsmannſchaf=
ten: 1. Weſtdeutſchland 7:43,6; 2. Brandenburg 7:46,2; 3.
Süddeutſch=
land, München 1860 7:51,8 (Rekord). — 100 Mtr. für Akademiker: 1. Dr.
Reinhardt=Hamburg 11,3 Sek.; 2. Treppe=Berlin; 3. Dr. Boldt=Breslau,
— 800 Mtr. f. Markv.: 1. Franke=Werder 2:10,9. — 200 Mtr. Hürden:
1. Lehninger=Charl. 28,3 Sek. (Rekord); 2. Kaſten=Berlin 1 Mtr.;
3. Hebel=Mannheim 5 Mtr. zur. — 100 Mtr.: 1. Houben=Crefeld 10,8
Sek.; 2. Schlöske=Brandenb. 2 Mtr.; 3. Hinze=Steglitz Bruſtbreite; 4.
Pampe=Zehlendorf. — 400 Mtr.: 1. Schmidt=Berlin 50,1 Sek.; 2. Gertz=
Koblenz 4 Mtr.; 3. Renell=Berlin 1,5 Mtr.; 4. Mattonet=Düren. — Berl.
Frauenſtaffel, 400 200, 100, 100 Mtr.: 1. Berl. S.C. 1:56,/4; 2. Preußen=
Stettin; 3. S. C. Charl. — 4mal 400 Mtr.: 1. Bar Kochba=Berlin 3:37,3.
750 Mtr.: 1. Bedarff=Düſſeldorf 23:54,5 (Bekord); 2. Frandſen=
Oldenloe 130 Mtr.; 3. Walpert=Magdeburg 70 Mtr.; 4. Brauch=Berlin
140 Mtr. zur. — Stabhochſprung: 1. Bleiſe=Steglitz 3,65 Mtr.; 2.
Leh=
niger=Charl. 3,60 Mtr. — Speerwerfen: 1. Zimmermann=Breslau 55,06
Mtr.; 2. Krellenberg=Hamburg 54,38 Mtr.; 3. Grothe=Berlin 46,65 Mtr.
— Große Fußballerſtaffel: 2000 Mtr. (11 Mann beliebig): 1. V.f.R.
1907=Berlin 4:19,8. — 4mal 100 Mtr.: 1. Hamb. Sportverein 43,4 Sek.;
. Preußen=Krefeld 1 Mtr.; 3. Deutſcher S.C.=Berlin. — 800 Mtr.
Hin=
dernis: 1. Gräfe=Duisburg 2:41,7; 2. Kummetz=Brandenburg; 3.
Oſter=
hoff=Hamburg. — Schwedenſtaffel: 1. Süddeutſchland (Mannh.
Turnge=
ſellſchaft) 1:58,2 (Rekord); 2. Nordd.; 3. Weſtd.
Die für den 13. Juli vorgeſehenen nationalen Jugendwettkämpfe
des Sportvereins 98 ſind nach Bekanntwerden des Schwimmfeſtes an
dieſem Termin in Darmſtadt auf den 27. Juli verlegt worden.
Wie ſchon mehrfach hervorgehoben, iſt es die Leichtathletikabteilung
des Sportvereins 98, die durch ihr jährliches Veranſtaltungsprogramm
eine gewiſſe Syſtematik in den Aufbau der Wettkampfveranſtaltungen
brachte. Neben den großen Herrenwettkämpfen — dieſe fielen leider
dieſes Jahr der Geldknappheit zum Opfer — treten jetzt gleichberechtigt
die nationalen Jugendwettkämpfe. Die Bezeichnung nationale
Jugend=
wttkämpfe beſagt weiter nichts als, daß die ausgeſchriebenen 2
tt=
kämpfe offen für alle Vereine Deutſchlands ſind, — die Schwimmer
ſage Verbandsoffen — im Gegenſatz zu begrenzten Veranſtaltungen
von Bezirkswettkämpfen. Der Termin mußte noch in den großen Ferien
Preußen uſw.) liegen, die ſchon am 4. Auguſt zu Ende ſind, um den
Schüler von weither bequeme Reiſemöglichkeit zu geben. Der
Veranſtal=
ter ſelbſt will mit dieſem Jugendſportfeſt zwei Aufgaben erfüllen: 1. dem
Sportgedanken der allgemeinen deutſchen Jugend zu dienen und 2. der
noch fernſtehenden Darmſtädter Jugend eine großartige
Werbeveran=
ſtaltung aufzuzeigen. Daher iſt für die Veranſtaltung der Eintritt frei,
ſodaß wir heute ſchon mit einem Maſſenbeſuch rechnen. Mit der
Er=
füllung der erſten Aufgabe dem Sportgedanken zu dienen, iſt der
Ver=
ein an die erſte Stelle der Athletikvereine Deutſchlands getreten. Wenn
er die beſten in der deutſchen Leichtathletikjugend zu einer
Wettkampf=
ſchau vereinigt, ſo iſt als Verdienſt anzurechnen, daß er in ſelbſtloſer
Weiſe der deutſchen Jugend die Möglichkeit der ſportlichen Betätigung
geſchenkt hat.
Die zweite Aufgabe hat mehr lokales Intereſſe, aber iſt von um ſo
größerer Bedeutung für unſere Stadt. Die Zahl der Ausübenden
im Verhältnis zu den Schülern unſerer, Stadt iſt viel zu gering, erſt
recht zu gering, wenn man die Zahlen im Verhältnis anderer Städte
kennt. Woran dieſes Mißverhältnis liegt, ſoll im Einzelnen
ununter=
ſucht bleiben.
Es gibt nur ein Mittel der Erziehung: das iſt das Beiſpiel! Nicht
vorpredigen ſondern vorleben.
In dieſem Punkt ſind wir den anderen weit zurück. Der Verein
als ſolcher kann ſelbſtverſtändlich nur das tun, was in ſeinem
Wirkungs=
bereich liegt. Er veranſtaltet Wettkämpfe in muſtergiltiger Abwicklung
und ermöglicht, daß ſie jedermann zugänglich ſind. Leider mußten wir
aber ſchon öfters die Beobachtung machen, daß die führenden
Perſön=
lichkeiten, die Lehrkräfte, denen die körperliche Erziehung der Jugend
anvertraut iſt, die Veranſtaltungen mieden, obwohl eine Teilnahme im
Sinne eines Erlaſſes des Landesamts für das Bildungsweſen liegen
würde. Wir können dieſe Verhältniſſe nicht ändern, ſondern die Jugend
nur du unſere Tat gewinnen.
Denn dieſen einen Grundſatz wollen wir beſonders der
Darm=
ſtädter Jugend einhämmern:
Die Tat iſt alles, nichts ſind Worte!
Und welch beſſeres Mittel zu dieſer Charakterbildung gäbe es, als
die Vorbereitung und den ſportlichen Wettkampf ſelbſt, und den wollen
wir der Darmſtädter Jugend zeigen!
Rummer 182.
deu 2. J li 1924.
Seite 11.
Das deutſche Herz.
Roman von Adolf Schmitthenner.
(Nachdruck verboten.)
„Ich gebe dir für jedes einen Weißpfennig.”
„Das iſt zu viel,” ſagte das Mädchen. „So teuer ſind ſie nicht.”
„Nimm nur! Und halte dein Körbchen her.”
Sie ſchüttelte den Inhalt des grünſeidenen Beutelchens über
ie Eier und legte dann das geleerte darüber.
„Verteile das unter die Kinder in Zwingenberg. Das
Beu=
elchen ſelber gehört dir.”
„Wie ſollen wir,s denn verteilen?” fragte das Mädchen.
„Wie ihr wollt,” ſagte Urſula traurig. „Fragt euern Lehrer.”
Sie winkte den Kindern Abſchied zu und ritt zu ihrem
Gat=
en. Je länger ſie mit den Kleinen geſprochen hatte, deſto mehr
rückte ſie die unbezwingliche Schwermut ihres Gemahles, die ſie
ihlte, obgleich ſie ihn nicht anſah.
Sie ritt dicht an ſeine Seite und ſagte zu ihm:
„Ich habe dir noch etwas zu erzählen, das wird dich ſicherlich
roh machen. Ich weiß es ganz gewiß.”
Ihre Augen ſtrahlten.
„Ich ſag” es dir, wenn wir allein ſind. Heute noch, und hier
och. Zuletzt kommt das Beſte.”
„Das Beſte?” fragte er langſam und ſah ſein Weib traurig an.
Sie ritten unter der Burg hin längs der Straße, an deren
tergſeite ſich die Hütten an die Felſen lehnten, während der
ndre Rand vom Neckar beſpült wurde. Gegen Ende des Dorfes
ogen ſie in den Burgweg ein und hatten nun zu ihrer Linken
ie Hinterſeite der Häuſer oder kleine, niedrige Hütten, die
da=
or gebaut waren, zur Rechten aber den ſteil aufſteigenden
felſi=
en Berg.
Die Pferde ſchritten rüſtig aus, und die Reiter kamen raſch
die Höhe.
„Iſt es nicht ſchön hier?” fragte der Junker ſein Weib.
„Sehr ſchön; aber in Hirſchhorn iſt es ſchöner.”
„Oh, ſieh doch, wie der Wald hier ſo groß ſteht, und er ſteigt
inauf bis über den Gipfel der Berge. Solchen Wald hat niemand
treit uine breit. Schau zurück, wie der Neckar dahereilt zwiſchen
den inadpen grünen Wieſen und wie er nun im herrlichen Bogen
geht, und dann entgleitet und flutet er in die Einſamkeit des
Waldes hinein. Hier habe ich die ſchönſten Tage meiner Kindheit
erlebt. Dort drüben habe ich den erſten Auerhahn erlegt.”
„Wie alt warſt du da?‟
„Zwölf Jahre alt,” ſagte Friedrich nach einer Pauſe. Es
war im Frühling 1589.”
Ein Schatten flog über ſein Geſicht. Urſula biß ſich auf die
Lippen.
Da dröhnten raſch hintereinander drei Schüſſe von den drei
Kartaunen auf dem Wall.
„Wir ſind da!” rief Friedrich. Seine Stirne war wieder klar
und ſeine Augen leuchteten.
„Siehe da, das liebſte unter all meinen Häuſern!”
Zwiſchen dem Gebüſch der Abſtürze treten nackte Felſen
mächtig hervor. Von wildem Walde umwogt ruht Zwingenberg
auf ſtolzem Geſims. Düſter und drohend blickt es herab,
unheim=
lich wie ſein Name.
„Heil der Herrin von Zwingenberg!” rief Friedrich, als ſie
in den Schloßhof ritten.
Er reichte dem Burgvogt die Hand, ſtieg ab und hob ſein
Weib aus dem Sattel.
„Laß ſieden und braten rief er munter. „Der Imbiß von
Eberbach liegt lange hinter uns. Wir haben Hunger und Durſt!“
„Und nun ſieh, Urſulal. Der neue Torbau! Und hier die
Schnecke! Iſt die nicht zierlich? Nun geht es in den innerſten
Hof. Schau einmal den Brunnen! Gefällt er dir nicht? Iſt das
Traubengehänge nicht ſchön um die Muſchel herum? Das hat ein
Gipskünſtler aus Heidelberg gemacht. Und ſieh, hier iſt das Meer
und nebendran das Morgenland. Sie, der Walfiſch ſpeit gerade
den Jonas aus. Ich weiß nicht, wer mehr zu bedauern war,
der Fiſch oder der Prophet. Gefällz dir es ticht? Sieh, das
habe ich mir ſelbſt ſo alles ausgedacht.”
„Es iſt hier ſtattlich und ſtolz,” ſagte Urſula, „aber ſo finſter
und ſo kalt. Kein Sonnenſtrahl kommt in dieſen Hof.”
„O, die Burg hat auch ſonnige Stuben. Wir gehen jetzt
die Schnecke hinauf und ſehen uns alles an. Hierherein gehen
wir zuletzt, denn da ſpeiſen wir. Hier iſt das Schlafzimmer, iſt
das nicht hell und luftig? Schau doch, da ſchauen wir in die
Wolfsſchlucht hinunter."
„Oh, iſt die wild!“
„Ja, herrlich wild! Im Winter kommen die Wölfe in Rudeln
da herunter. Schier aus dem Bette können wir ſie ſchießen.”
„Ja, kommen ſie hier herein? Ich danke.”
„Nein! Aber wir rücken unſre Betten an das Fenſter,
zwi=
ſchen uns legen wir ein geladenes Gewehr.”
„Ich danke.”
„Warum denn nicht? Und wenn wir des Morgens
auf=
wachen, ſchauen wir ſchnell zum Fenſter hinaus und ſchießen
einen Wolf. O, die Jagd! Die Jagd! Hier wird mein Weib eine
Jägerin!“
So redete er ſich immer mehr in eine aufgeregte Heiterkeit
hinein, und alles, was er ſagte, verriet die Abſicht, ihr den
Auf=
enthalt in Zwingenberg ins hellſte Licht zu ſtellen.
Als ſie auf der Zinne des Bergfriedes ſtanden, zeigte er ihr
alle Teile der Burg und ihrer Wehre, dann breitete er die Arme
aus und rief: „Alles, was du ſchauſt, iſt dein und mein.”
„Der Himmel nicht” erwiderte ſie.
„Der iſt Gottes,” ſagte er und ergriff ihre Hand. „Darum
iſt auch der Himmel dein und mein.”
(Fortſetzung folgt.)
Das
TOABELLA-
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einWunder-Ei zum Kopwwaschen
Heutige Einträge in das
Handels=
giſter, Abteilung 4: Aenderung bei der
irma: A. Le Cog & Co., Darmſtadt:
eſchäft ſamt Firma iſt auf die A. Le Cog
Co. Aktiengeſellſchaft in Darmſtadt
bergegangen. Die Firma wird hier
ge=
ſſcht. Die Prokura des Georg Heinrich
rnſt Hermes iſt erloſchen. Abteilung B:
eueintrag: Firma: A. Le Cog & Co.
lktiengeſellſchaft. Sitz: Darmſtadt.
egenſtand des Unternehmens: Handel
tit Saaten, Vegetabilien, Drogen, Ge
eide, Hülſenfrüchten und anderen
Jaren, welche mittelbar oder
unmittel=
ar der Ernährung von Menſchen und
ieren dienen, ſowie Aufbereitung,
Zu=
chtung, bezw. Herſtellung und Vertriel
ieſer Waren. Grundkapital: 50 000
Gold=
jark. Vorſtand: Ernſt Hermes, Kauf
lann in Darmſtadt. Der
Geſellſchafts=
ertrag iſt am 11. April 1924, bezw. an
5. und 26. Juni 1324 feſtgeſtellt. Die
eſellſchaft wird vertreten: a) wenn der
orſtand aus einem Mitglied beſteht,
on dieſem, b) wenn der Vorſtand aus
vei oder mehreren Mitgliedern beſteht
on zwei Mitgliedern des Vorſtandes
nem Mitglied des Vorſtandes und
nem Stellvertreter oder einem
Mit=
ied des Vorſtandes und einem
Pro=
triſten, oder von zwei ſtellvertretenden
titgliedern des Vorſtandes, oder einem
tellvertreter des Vorſtandes und einem
rokuriſten. Der Aufſichtsrat iſt
be=
chtigt, wenn der Vorſtand aus
mehre=
n Mitgliedern beſteht, einzelnen
Mit=
jedern des Vorſtandes die Befugnis zu
erleihen, die Geſellſchaft allein zu
ver=
eten. — Das Grundkapital iſt
einge=
ilt in 20 Aktien zu je 1000 und 300
ktien zu je 100 Goldmark, die zum
ennbetrage ausgegeben werden. Auf
de Aktie iſt, ſoweit nicht andere als
urch Barzahlung zu leiſtende Einlagen
dungen ſind, der Nennbetrag in vollen
mfange bar einbezahlt und im Beſitze
8 Vorſtandes. Die Aktien lauten
ge=
jäß 8 183 Abſ. 1 H. G.B. auf Namen.
Der Vorſtand beſteht aus einer oder
jehreren Perſonen, welche der
Aufſichts=
gt beſtellt. In gleicher Weiſe erfolgt
je Beſtellung von Stellvertretern des
orſtandes. Die Generalverſammlung
ſird durch den Aufſichtsrat oder den
orſtand durch einmaliges Ausſchreiben /Ehrl., ält. Mädchen,
dem Geſellſchaftsblatt berufen. Alleſw kochenk., ſuchtgute
on der Geſellſchaft ausgehenden
Bekannt=
jachungen erfolgen durch Einrücken in
en Deutſchen Reichsanzeiger. Die
Mit=
ründerin Suſanne Schombert bringt
(s Einlage auf das Grundkapital das ſelbſt, empfiehlt ſich
on ihr bisher unter der Firma A. Le Cog
Co. zu Darmſtadt betriebene Geſchäft
ebſt Firma in die Geſelſchaft ein auf Frau Flickenſübern, auch f. ganze
rundlage des dem Geſellſchaftsvertrage Waſchen und Putzen, oder halbe Tage das
eigefügten Inventars woſtr 25000 Ang. W 100 Gſchſt. E Beitrag, von Büchern
ſoldmark Aktien gewährt werden. Die
ründer, die ſämtliche Aktien übernom= nimmt Flickarbeit an, Heimarbeit. Gefl.
ten haben, ſind: 1. Friedrich Schombert
Litwe, Suſanne, geborene Hager in Rhönring 95, III. (w die Geſchſt. (*19103
ſarmſtadt, 2. Dr. jur. Alfred. Hirſch,
aufmann in Frankfurt a. M., 3. Adam
Zeckerle, Kaufmann in Mainz, 4. Wil= mit Erfahrung im Lohn= und Steuerweſen
Ibſt. Den erſten Aufſichtsrat bilden: feld. Angebote unter W 108 Geſchſt. (*19048
Bandirektor Heinrich Kredel in
Darm=
adt, 2. Direktor Karl Kahlert daſelbſt,
Amtsgerichtsrat Dr. Wilhelm Mahr
aſelbſt, 4. Kaufmann Adam. Weckerle
: Mainz, 5. Kaufmann Dr. jur. Alfred
irſch in Frankfurt a. M. Von den mit
er Anmeldung der Geſellſchaft
einge=
eichten Schriftſtücken, insbeſondere von poſten, das gut
weiß=
em Prüfungsberichte des Vorſtandes nähen kann. Lohn
nd Aufſichtsrats ſowie der Reviſoren, 30 Mk. und gute
Ver=
ann bei dem unterzeichneten Gerichte,
on dem Prüfungsbericht der Reviſoren/erb. Taunusſtr. b, I.,
uch bei der Handelskammer Darmſtadt
Einſicht genommen werden.
Darmſtadt, den 28. Juni 1924.
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teilung 4: Aenderungen: Am 23. Juni
1924: Firma: Adolf Kahn, Darmſtadt:
Die Prokura des Ferdinand Kahn iſt
er=
loſchen; am 26. Juni 1924: Firma:
A. Kleber, Darmſtadt: Die Geſellſchaft
iſt aufgelöſt und die Firma erloſchen;
Firma: Ibel & Lotz, Plakat=,
Eil=
boten= und Reinigungs=Inſtitut,
Darmſtadt: Geſchäft ſamt Firma iſt auf
Kaufmann Philipp Lotz in Darmſtadt
übergegangen. Philipp Lotz Ehefrau,
Eliſe, geborene Seibert in Darmſtadt,
iſt zur Prokuriſtin beſtellt. — Neueintrag
am 28. Juni 1924: Firma: Ingenieur=
und Handelsbüro Hottum u.
Main=
zer. Offene Handelsgeſellſchaft, Sitz:
Darmſtadt. Perſönlich haftende
Geſell=
ſchafter: Jugenieur Philipp Hottum und
Kaufmann Amand Mainzer, beide in
Darmſtadt. Die Geſellſchaft hat an
April 1924 begonnen.
Darmſtadt, den 28. Juni 1924.
Amtsgericht I.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Mitttosch, den 2. Juli 1924.
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Goldmark-Eröffnungsbilanz
am 1. Januar 1924
3531)
. 600 39 289 27 89 289 27
Mitgliederbewegung: Zugang 1657; Abgang 29; Bestand 3666.
Im Geschäftsjahr hat sich das Geschäftsguthaben um 38 756 660
Mark vermehrt; die Haftsumme um 36 326 300 Mark. Am Schlusse
des Geschäftsjahres hatten sämtliche Genossen für 36 660 000 Mark
Haftsumme aufzukommen. Vom 1. Januar 1924 ab sind die 3666
Genossen auf 3666 Geschäftsanteile zu je 20 Rentenmark
ver-
pflichtet, und sie haben für eine Haftsumme von 73 320
Renten-
mark aufzukommen.
Darmstadt, den 30. Juni 1924.
Beamtenbank Darmstadt
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht
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