Darmstädter Tagblatt 1924


26. Juni 1924

[  ][ ]

Einzelnummer 10 Goldpfennige
*
A
A

2r
A
Bezugspreis:
Anzeigenpreis:
Bei wöchentlich Tmaligem Erſcheinen vom 1. Jun
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
bls 30. Junf 2.18 Goldmark und 22 Pfennig
27 mm breite Zeile im Kreiſe Darmſtadt 20 Goldpfg.

Albtragegebühr, abgeholt 2,25 Goldmark, durch die
Agenturen 2.40 Goldmark frei Haus. Poſfbezugs=
preis
ohne Beſtellgeld monatlſch 2.30 Goldmark.
WVerantwortlichkeit für Aufnahme von Anzeigen an
Beſtimmten Tagen wird nicht übernommen. Nicht=
verſcheinen
einzelner Nummern infolge höherer Gewalt
berechtigt den Bezieher nſcht zur Kürzung des
Bezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen durch
Fernruf ohne Verbindlichkelt für uns. Poſiſcheckonto:
Frantfurt a. M. 4301.

Morgenzeitung der Landeshauptſtadt

Wöchentliche illuſtrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X berſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe Darmſt. Tagbl. geſfattet.
Nummer 176
Donnerstag, den 26. Juni 1924.
187. Jahrgang

Finanz=Anzeigen 30 Goldpfg., Rellamezeile (92 mm
breit) 4 Goldmark. Anzeigen von auswärts 30 Goldpfg.
Finanz=Anzeigen 45 Goldpfg., 92 mm breite Reklame=
zelle
4.50 Goldmark. Alle Preiſe in Goldmart
(4 Dollar 420 Mar). Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr, Streik uſw., erliſcht
ede Verpſichtung auf Erfüllung der Anzeigen=
aufträge
und Leiſtung von Schadenerſatz. Bei
Konkurs oder gerichtlicher Beſtreibung fällt ſeder
Rabatt weg. Bankionto: Deutſche Bank und Darme
ſtädter 8 Nationalbank.

Die Lage im beſetzten Gebiet.
Die Forderungen Frankreichs.
Es erweiſt ſich immer wieder als nötig, darauf hinzuweiſen,

Kommerzielle Garantien. Sicherheitsgarantien. Aufrechterhaltung der interalliierten
Militärkontrolle. Spezialkontrollſyſiem auf den rheiniſchen Eiſenbahnen. Ein Schutzpakt.

Paris, 25. Juni. Hadas berichtet aus Brüſſel zu den
franzöſiſch=belgiſchen Beſprechungen: Für Frankreich ſeien unter
anderem auch kommerzielle Garantien unerläßlich.
Deutſchland müſſe nicht nur den im Sachverſtändigenplan vor=
gefehenen
Organen die Obligationen und Aktien der internatio=
malen
Eiſenbahngeſellſchaft und die Induſtrieobligationen über=
geben
, ſondern dieſe auf 11 bzw. 5 Milliarden geſchätzten Werte
müßten auch ſo flüſſig gemacht werden können, daß ſie den Alli=
jerten
unmittelbare finanzielle Unterſtützung von größerem Um=
fang
böten. Es ſei noch zu beſtimmen, in welchem Maße die Auf=
gabe
der Pfänder im Ruhrgebiet, ſich gleichmäßig mit dieſer
Flüſſigmachung vollziehen könnte. Dieſe Frage wurde anſchei=
niend
in Chequers nur geſtreift. Dort verſtändigte man ſich, wie
es ſcheine, nur im Prinzip über die Opportunität finanzieller
wder wirtſchaftlicher Garantien anſtelle militäriſcher Garantien,
Da die letzteren im allgemeinen nur wenig produktiv, dagegen
geeignet ſeien, internationale Konflikte hervorzurufen. Unab=
hängig
von den Reparationen verlange Frankreich Sicher=
heitsgarantien
. Die Aufrechterhaltung der in=
keralliierten
Militärkontrolle werde geboten ſein,
Folange Deutſchland nicht eine genaue Beſtandsaufnahme ſeiner
Müſtungen gebe, die durch die Einſtellung der interalliierten Kon=
krolle
ſeit der Beſetzung des Ruhrgebietes notwendig gemacht
uverde. Erſt dann, wenn Deutſchland die ſehr gemäßigten
Bedingungen der Botſchafterkonferenz (!) unter=
Zeichnet habe, könne die Kontrolle dem Völkerbund überlaſſen
averden, wie es der Friedensvertrag vorſehe. Man habe Anlaß
gu der Hoffnung, daß die in Chequers von Herriot und Mac=
Honald aufgeſetzte franzöſiſch=engliſche Note, die heute von bei=
Den alliierten Botſchaftern übergeben worden ſei, die deutſche
Regierung veranlaſſen werde, den ihr auf dem Gebiete der Mili=
kärkontrolle
geſtellten Forderungen nachzukommen. Wäre dem
nicht ſo, ſo werde der engliſche Premierminiſter nicht minder ent=
ſſchloſſen
ſein, wenn es ſich um Taten handele. Andererſeits
nnüßte im Hinblick auf die Sicherheit der Beſatzungstruppen ein
Spezialkontrollſyſtem auf den rheiniſchen
Eiſenbahnen organiſiert werden. Wenn dieſe verſchiedenen
Probleme gelöſt worden ſeien, wäre es, wie man annehme, die
Abſicht Herriots, die ſo erzielte Entſpannung dazu zu benutzen,
eine Art moraliſcher Abrüſtung in Europa herbeizuführen. Man
könnte vorſichtig in Etappen vorgehen, zunächſt einen Schutz=
pakt
zwiſchen Frankreich, England, Belgien und Italien ab=
chließen
und dann im gegebenen Augenblick dieſen Vertrag auf
Deutſchland ausdehnen, um endlich zu einem gegenſeitigen
Silfspakt unter der Aegide des Völkerbundes zu kommen. Aber
dies ſei natürlich eine Arbeit auf lange Sicht, um die ſich die maß=
gebenden
franzöſiſchen Perſönlichkeiten mit Ueberzeugung, je=
doch
ohne Illuſionen zu bemühen gedächten.

* London, 25. Juni. (Priv.=Tel.) Der Daily Telegraph
Hringt noch folgende Einzelheiten zu der Unterredung Herriot=
Macdonald: Herriot wolle, ſo raſch wie möglich die Schuld
Deutſchlands an Frankreich mobiliſieren, um ſie in kommerzieller
Weiſe ausnutzen zu können. Er wird deshalb ſo raſch wie mög=
Lich für die Mobiliſierung der Anleihe eintreten und glaubt, dafür
ſogar Sicherheiten in London und Neu=York erlangen zu können.
Herriot will denſelben Plan verfolgen wie der tſchechiſche Außen=
miniſter
Beneſch, nämlich:
1. einen Garantiepakt unter den alliierten Mächten zuſtande=
zubringen
,
2. einen ähnlichen Pakt zwiſchen den Alliierten und Deutſch=
land
unter dem Schutz des Völkerbundes erzielen,
3. eine Bündnisſchaft zwiſchen allen Mächten, die ſich am
Völkerbund beteiligen.
Das Blatt erklärt, daß Macdonald entgegen den verbreiteten Ge=
rüchten
Herriot keinerlei ſchriftliche Verſprechungen gemacht hätte
und fügt hinzu, daß der von Herriot beabſichtigte Plan noch
lange nicht von Macdonald in allen Einzelheiten geteilt werde.

Herriots Reparationsplan.

* Paris, 25. Juni. (Priv.=Tel.) Der Intranſigeant macht
die Feſtſtellung, daß Herriot in der Zeit vom 12. Mai bis 13. Juni
einen Plan zur Löſung des Reparations= und Sicherungsproblems ab=
gefaßt
hatte und dieſen Plan nun bei ſeinem Aufenthalt in Chegeuers
dem engliſchen Premierminiſter auseinanderſetzte. Er habe es er=
reicht
, daß Macdonald gegen dieſen Plan zur Löſung des Repara=
tionsproblems
keinen ernſthaften Einwand erhoben habe. Als Herriot
dann aber verlangte, daß Großbritannien einen ſchriftlichen Garantie=
pakt
eingehe, lehnte Macdonald dieſe Forderung glatt ab, mit der Be=
gründung
, daß ſeine Miniſterkollegen und das Parlament ihm nicht bei=
pflichten
würden. Hierauf wurde über die evtl. Zufluchtnahme zum
Völkerbund verhandelt und die Notwendigkeit feſtgeſtellt, den Bund zu
verſtärken. Weiter faßte man die Möglichkeit ins Auge, daß im Not=
falle
die Mitgliederſtaaten des Völkerbunds die Verwendung ihrer
Land= und Seeſtreitkräfte zugeſtehen. Dann wurde beſchloſſen, ge=
mieinſam
im September die Reiſe nach Genf anzutreten. Man kam
ſerner überein, daß Deutſchland in den verſtärkten Völkerbund aufge=
nommen
werde und zog in Betracht, daß ihm evtl. ein Platz im ſtän=
digen
Völkerbundsrat zugeſprochen werde. Herriot brachte dann noch
die in ſeinem Plan enthaltenen Vorſchläge, betr. die Beſetzung des
linken Rheinufers zur Sprache, konnte aber nicht die Zuſtimmung
Macdonalds gewinnen, da der engliſche Premierminiſter von vorn=
herein
eine beſtimmte Auffaſſung vertrat, die er zu ändern nicht in der
Lage ſei.

Nach dem Brüſſeler Korreſpondenten des Journal des Debats
werden gewiſſe Blättermeldungen, die eine Einmiſchung des Völker=
Hundes in das Neparationsproblem in Ausſicht ſtellen, in amtlichen
Kreiſen in allem dementiert.

Das Echo der Miniſterbeſprechungen.
Zwei Ideologen.

Paris, 25. Juni. (Wolff.) Zu den Londoner und
Brüſſeler Miniſterbeſprechungen ſchreibt der Gau=
lois
: Wir wollen nicht peſſimiſtiſch ſein, aber wir ſehen es nicht
ohne Befürchtung mit an, daß heute die ſchwierigſte und ernſteſte
von allen Verhandlungen, die bis heute geführt wurden, von
zwei Ideologen aufgenommen werden, die zu friſch im
Amte ſind, um ſchon die nötige Zeit gehabt zu haben, die kom=
plizierten
Probleme gründlich durchzuarbeiten, die ſie löſen wol=
len
. Unſere belgiſchen Freunde, die ſich nicht mit Worten ab=
ſpeiſen
laſſen, ſcheinen unſere Meinung zu teilen und beunruhi=
gen
ſich wie wir mit Recht darüber, daß die Sicherheit Belgiens
und Frankreichs in die Hand des Völkerbundes gegeben wer=
den
ſoll.

Sentimentale Ergüſſe‟.

Das Echo de Paris ſchreibt: Die Reiſe Herriots iſt zu
Ende; aber ſie iſt nur das Vorſpiel zu neuen Reiſen. Hoffen
wir, daß in Zukunft würdigere Formen gewahrt werden. Wüßte
man auch nichts von dem Inhalt der Beſprechungen, ſo werde
man ſchon angeſichts ihres äußeren Verlaufes ſich nur ſchwer
einer lebhaften Unruhe erwehren können. Dieſer Miniſter, der
nach London reiſt, ohne Zeit gefunden zu haben, ſich mit ſeinem
politiſchen Direktor über die Schwere der Verpflichtungen zu be=
ſprechen
, die er unterſchreiben wolle. Dieſe Pfeifenausflüge auf den
Wieſen von Chequers mit ihren Rudeln von Photographen, dieſe
ſentimentalen Ergüſſe, die durch den Phraſenſchwall nur ſchlecht
den Mangel an Feſtigkeit und Ungenauigkeit des Gedankens ver=
hüllen
, alles das ſind Bilder, die die Alliierten in den Augen
Berlins diskreditieren und die Deutſchen ermutigen können.

Nollet zum Rücktritt bereit?

Der Eclair glaubt an einen Sieg Macdonalds. Die
Schwäche des pazifiſtiſchen Herriot, ſchreibt das Blatt, die un=
widerſtehlich
den Sieg herbeiführe, ſei ohne Entſchuldigung. Man
muß trotz alledem noch hoffen, daß ſich im Parlament Männer
finden, die das Land hierüber aufklären. Poincaré habe ver=
ſprochen
, ſein Werk zu verteidigen; er müſſe ſprechen und, wenn
notwendig, Unterſtützung bei dem Präſidenten Doumergue ver=
langen
, der geſchworen habe, die Rechte Frankreichs nicht in Mit=
leidenſchaft
ziehen zu laſſen. Was General Nollet anlange,
dem wohl bekannt ſei, was ſich in Deutſchland abſpiele, habe
geſtern ein im allgemeinen gut unterrichteter Abgeordneter be=
hauptet
, er habe Herriot, dem Glorreichen bereits
zweimal ſeinen Rücktritt angeboten. Dieſer habe
ihn nur durch das Verſprechen halten können, daß er nicht das
militäriſche Programm zur Ausführung bringen werde, das er
in ſeinem Brief an den lieben Blum auseinandergeſetzt habe.

London, 25. Juni. (Wolff.) Daily Telegraph zufolge
wird in britiſchen Kreiſen erklärt, daß die Mitteilungen, Mac=
donald
habe Herriot als Ergebnis der Unterredung in
Chequers eine ſchriftliche Zuſage gegeben, unbegründet ſei. Er
habe lediglich die mündliche Zuſage erneuert, die er Theu=
nis
und Hymans und in ſeiner Yorker Rede auch Frankreich ge=
geben
habe.

Die Beurteilung der Reiſe Herriots.

* Paris, 25. Juni. (Priv.=Tel.) Nach der Rückkehr
Herriots betrachtet man in Pariſer diplomatiſchen Kreiſen
lebhaft das Ergebnis der erſten Konferenz. Die Mehrheit
ſcheint ganz befriedigt zu ſein, während die Oppoſition
die optimiſtiſche Anſicht der Mehrheit in keiner Weiſe telt, ſowohl
was die äußere, als auch die innere Politik anbelangt. Die Rechte
und das Zentrum glauben nicht an ein Defenſiv=
bündes
mit England und ſtehen auf der Ueberzeugung,
daß die Aeußerungen Herriots in Brüſſel bezüglich der
Verſprechungen Englands in dieſem Punkte die Abſicht Mac=
donalds
übertrieben hätten. Die hauptſächlichſten Argu=
mente
zu dieſer Annahme der Rechtsparteien ſind folgende:
1. Macdonald war ſtets für die Reviſion des Ver=
ſailler
Friedensvertrages und gegen jedes
Bündnis, das England an das Schickſal anderer Länder
bindet. 2. Er hat ſich im Unterhaus nicht im gleichen Sinne ge=
äußert
wie Herriot. 3. Theunis und Hymans laſſen kein
Wort von dieſem Pakt in dem Communiqué verlautbaren. Im
Senat will Poincaré die Verteidigung ſeiner Politik gegen Her=
riot
energiſch aufnehmen. Bezüglich der früheren Politik würde
das Feuer auf Herriot ſogar aus den Reihen ſeiner Freunde
eröffnet werden, denn Briand hat die Abſicht, Herriot über die
Aufhebung der Geſandtſchaft beim Vatikan zu interpellieren.

Noch keine Entſcheidung über die Militär=
Kontrollnote.

Berlin, 25. Juni. Die Entſcheidung über die Militär=
kontrollnote
iſt im heutigen Miniſterrat noch nicht gefallen. Die
Miniſter traten im Reichstag nur zu einer zwangloſen Beſpre=
chung
zuſammen, ohne ſich über die Grundlagen der deutſchen
Antwort zu verſtändigen. Der Text wird vermutlich in einer
Kabinettsſitzung am nächſten Donnerstag feſtgelegt werden, ſo
daß die Antwort ſelbſt am Freitag etwa überreicht werden könnte.
Für den Montag ſind die Miniſterpräſidenten der Länder nach
Berlin gebeten, um Mitteilungen der Reichsregierung über den
Stand der Verhandlungen zu dem Sachverſtändigengutachten
entgegenzunehmen.

daß trotz allerlei Anzeichen einer ſich anbahnenden Entſpannung
von einer merklichen Beſſerung der Lage im beſetzten Gebiet
gleichwohl nicht geſprochen werden kann. Wo man von einer
Milderung des beſtehenden Zuſtandes ſprechen kann, handelt es
ſich faſt durchweg um recht beſcheidene Einzelheiten, die an ſich
zwar erfreulich ſind, aber an dem Geſamtbild wenig ändern.
Erfreulich iſt zum Beiſpiel, daß der Rheiniſche Provinzialland=
tag
jetzt wieder in Düſſeldorf tagen kann. Erfreulich iſt auch die
Freilaſſung eines Teiles der Verurteilten und die Rückführung
der Gefangenen aus St. Martin de in Gefängniſſe des beſetz=
ten
Gebietes. Als ein erfreuliches Anzeichen beginnender End=
ſpannung
kann ſchließlich die Aufhebung des Ausweiſungsbefehls
gegen den Regierungspräſidenten von Aachen, Rombach, den
Oberbürgermeiſter von Aachen, Farwick, und verſchiedene andere
Bürgermeiſter des Aachener Bezirks angeſprochen werden. Dem=
gegenüber
ſteht jedoch die Zahl der rückgängig gemachten Aus=
weiſungen
in gar keinem Verhältnis zu der Zahl der noch Aus=
gewieſenen
. Die engliſche Regierung hat die Zahl der noch aus=
gewieſenen
Familienhäupter kürzlich mit 40 000 beziffert. Dieſe
Zahl dürfte richtig ſein, und mit Hinzurechnung der Familien=
angehörigen
dürfte ſich eine Geſamtzahl der noch Ausgewieſenen
von rund 100 000 Köpfen ergeben. Was die Freilaſſung der Ge=
fangenen
betrifft, ſo iſt erſt kürzlich darauf hingewieſen worden,
daß ſich noch mehr als 1000 Gefangene in den Gefängniſſen des
beſetzten Gebietes befinden. Bedenklich muß auch die Erklärung
der franzöſiſchen Regierung ſtimmen, die Unterſchiede zwiſchen
den politiſchen Gefangenen und den nach ihrer Anſicht gemeinen
Verbrechern machen und ſich eine Regelung von Fall zu Fall vor=
behalten
will. Daß die Franzoſen die Grenze für den Begriff
politiſcher Gefangenen ſehr eng ziehen und zu den gemeinen
Verbrechen eine ganze Reihe nach deutſcher Anſicht rein politiſcher
Delikte rechnen, dürfte bekannt ſein. Demgegenüber muß daran
erinnert werden, daß der Reichsminiſter des Aeußern Dr. Streſe=
mann
ſelbſt verſchiedentlich betont hat, daß jeder deutſche Ge=
fangene
, der aus Gründen der Vaterlandsliebe eine Tat gegen
die Beſatzungstruppen begangen hat, nicht gleichgeſtellt werden
kann einem gemeinen Verbrecher, und daß deshalb die Wohl=
taten
, die politiſchen Gefangenen zuteil werden, auch denjenigen
zuteil werden müſſen, die aus nicht unedlen Motiven gehandelt
haben. Bevor wir alſo nicht den Beweis haben, daß die Grenze
für die Freilaſſung der politiſchen Gefangenen und die Rückkehr
der Ausgewieſenen nicht ſo eng gezogen wird, wie es nach den
Worten Herriots befürchtet werden müßte, ſcheuen wir uns, von
einer weſentlichen Beſſerung der Verhältniſſe in dieſer Beziehung
zu ſprechen.

Was die Verwaltung betrifft, ſo wird man auch in deren
rein perſönlichen Konſtruktion, wie ſie jetzt durch die Rücknahme
einiger Ausweiſungen angebahnt worden iſt, keine Beſſerung
erblicken können, wenn nicht auch in materieller Beziehung die
Wiederherſtellung vertragsmäßiger Verhältniſſe erfolgt. Wenn
das Dawes=Gutachten die Wiederherſtellung der wirtſchaftlichen
und finanziellen Souveränität Deutſchlands vorſieht, ſo muß
von deutſcher Seite darauf hingewieſen werden, daß es mit dem
Begriff der wirtſchaftlichen und finanziellen Souveränität des
Staates auf alle Fälle unvereinbar iſt, wenn diejenigen kriegs=
ähnlichen
Verhältniſſe, wie ſie ſich nach dem paſſiven Widerſtand
entwickelt haben, nicht von vornherein beſeitigt werden. Die Wie=
derherſtellung
der geſetzmäßigen und vertragsmäßigen Verwal=
tungseinheit
im beſetzten Gebiet iſt daher ebenſo eine Selbſtver=
ſtändlichkeit
, wie die Räumung des Ruhrgebietes.

Leider ſind wir von der Erfüllung dieſer Selbſtverſtändlich=
keit
durch die Beſatzungsmächte noch weit entfernt. Bei den Ver=
handlungen
in Verſailles war den Deutſchen verſprochen worden,
daß die Rheinlandkommiſſion nur berechtigt ſein ſollte, Verord=
nungen
mit Geſetzeskraft zu erlaſſen, wenn ſolche Verordnungen
ſich zur Sicherheit und zum Unterhalt der Beſatzungstruppen not=
wendig
erweiſen würden. An alle dieſe und andere Beſtimmun=
gen
hat ſich die Beſatzungsbehörde jedoch ſchon vor dem Ruhr=
konflikt
und beſonders nach demſelben nicht mehr gehalten. Eine
Unzahl von Ordonnanzen iſt ergangen, die auf allen möglichen
Gebieten des wirtſchaftlichen, politiſchen und finanziellen Lebens
in unſere Verhältniſſe ſowie in die deutſche Verwaltung ein=
greifen
, ohne daß irgendwie erkennbar iſt, daß dieſe Ordon=
nanzen
notwendig ſind zur Sicherheit oder zum Unterhalt der
Beſatzungstruppen. Es gibt beinahe kein Gebiet, das nicht etwa
Gegenſtand geſetzgeberiſcher Experimente der Beſatzungstruppen
geweſen iſt. Seit dem Ruhrkonflikt haben die Beſatzungsbehör=
den
die Vertragsbaſis ſchließlich auch der äußeren Form nach
verlaſſen, indem die ſogenannten Kampfordonnanzen nicht mehr
von der einzig zuſtändigen Stelle, der Rheinlandkommiſſion, ſon=
dern
von gewiſſen Vertretern gewiſſer Regierungen erlaſſen wur=
den
, und zwar lediglich auf Grund direkter Anweiſungen der be=
treffenden
Regierungen. Allem Anſchein nach denkt man jetzt in
Paris an eine Aufhebung ſpeziell dieſer Art der Ordonnanzen.
Demgegenüber muß von deutſcher Seite ſchon jetzt mit allem
Nachdruck betont werden, daß es uns keineswegs genügen würde,
wenn lediglich die ſogenannten Kampfordonnanzen aufgehoben
würden, ohne daß die urſprüngliche Baſis des Rheinlandabkom=
mens
zurückgewonnen wird. Solange das Rheinlandabkommen
nicht wieder voll und ganz in Kraft tritt und das ganze Be=
ſatzungsregime
ſich ausſchließlich nach dieſem Abkommen richtet,
kann an eine Durchführung des Sachverſtändigengutachtens von
deutſcher Seite nicht gedacht werden. Leider iſt von einer Rück=
kehr
der franzöſiſchen Regierung auf die alleinige Baſis des
Rheinlandabkommens in der Programmerklärung Herriots nicht
die Rede.

Es iſt weiter notwendig, daß auch die Tätigkeit der franzöſi=
ſchen
Kriegsgerichte auf die vertragsmäßige Baſis zurückgeführt
wird, und daß Eingriffe der Beſatzungsbehörden in unſere eigene
Rechtspflege aufhören. Gerade in dieſer Beziehung haben ſich
im beſetzten Gebiet geradezu abnorme Zuſtände herausgebildet.
Die Beſatzungsbehörde ſchreckt weder vor einem Eingreifen in
ſchwebende Verfahren mag es ſich um zivile oder Strafſachen
handeln zurück, noch macht ſie ſich etwas daraus, von deutſchen
Gerichten rechtmäßig verurteilte Verbrecher wieder auf freien Fuß
zu ſetzen, ja es exiſtiert ſogar eine beſondere Ordonnanz, in der
ſich die Rheinlandkommiſſion das Recht zuſpricht, jede Strafe
aufzuheben, jedes Gerichtsverfahren zu ſiſtieren, jede Strafvoll=
ſtreckung
ungültig zu machen. Ehe das nicht von Grund auf ge=

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 26. Juni 1924

ändert wird, wäre jeder Optimisſnus eine unverzeihliche Leicht=
fertigkeit
.
Unhaltbar ſind auch die Zuſtände auf rein verwaltungstech=
niſchem
Gebiet. Die Rheinlandkommiſſion maßt ſich das Recht
an, jede Beamtenernennung von ihrem placet abhängig zu
machen. Kein Beamter darf ein Amt antreten, ohne von der
Rheinlandkommiſſion ausdrücklich zugelaſſen zu ſein. Die For=
derungen
verſchiedener untergeordneter Organe der Rheinland=
kommiſſion
gehen jetzt ſogar dahin, daß ſie die periodiſche Ein=
reichung
genauer Liſten über die Zahl der Beamten, die Zu= und
Abgänge in der Beamtenſchaft, über den Beamtenbedarf, über
alle Verſetzungen und über ſonſtige bis ins Kleinlichſte gehende
Einzelheiten verlangen. Schließlich haben die franzöſiſchen und
belgiſchen Beſatzungsbehörden im Laufe der Zeit nicht nur die
deutſchen Verwaltungsorgane immer mehr und mehr zurückge=
drängt
und geknebelt, ſie haben vielmehr auch ihrerſeits das
ganze Gebiet mit einem Syſtem von Bezirks= und Kreisdelegier=
ten
überzogen, die (urſprünglich lediglich als Verbindungsorgane
zwiſchen den deutſchen Behörden und den Beſatzungstruppen ge=
dacht
) ſich heute faſt ausſchließlich zu Kontrollinſtanzen entwickelt
haben, in deren Händen die ganze Macht und Verwaltung liegt.
Wie ungeheuer korrupierend dieſe Durchdringung der deutſchen
Verwaltung mit einer fremden Verwaltung wirkt, hat ſich wohl
am beſten in der Zeit des Separatiſtenterrors gezeigt.
Erwähnt werden müſſen ſchließlich auch noch die ungeheuren
Anforderungen, insbeſondere der franzöſiſchen Inſtanzen an
Bauten, Truppenübungsplätzen und dergleichen. Dieſe Forde=
rungen
der Beſatzungsbehörden, ſpeziell im Fall Düſſeldorf, ha=
ben
kürzlich zu Vorſtellungen der deutſchen Regierung in Paris
und zu einem Meinungsaustauſch zwiſchen den beiden Kabinet=
ten
geführt, die eine befriedigende Löſung bisher nicht gefunden
haben, da General Degoutte für anderweitige Unterbringung
der Truppen durch die bekannten unerhörten Beſchlagnahmun=
gen
ſtädtiſcher und Privatgebäude in Düſſeldorf ſorgte, die Lage
der Stadt ſich alſo nicht im geringſten gebeſſert hat. Gerade die=
ſer
Fall kann wohl als ſymptomatiſch für die ganze gegenwärtige
Lage des beſetzten Gebiets gelten. Wird hierin durch den Kabi=
nettswechſel
in Paris eine Beſſerung eintreten?
L. S.

Herriot vor dem Miniſierrat.
Paris, 25. Juni. (Wolff.) Miniſterpräſident Herriot hat
heute vor dem Miniſterrat über ſeine Beſprechungen mit Macdonald,
Theunis und Hymans Bericht erſtattet. Nach Schluß des Miniſterrats
erklärte Herriot auf Befragen, daß er ſehr befriedigt ſei von der Ab=
ſendung
der franzöſiſch=engliſchen Note in der Frage der Militärkon=
trolle
. Es habe ſich darum gehandelt, nicht eine Geſte zu machen, ſon=
dern
eine Tat zu vollbringen. Darauf allein komme es an. Wir ha=
ben
Grund, fügt Herriot hinzu, zu der Annahme, daß Deutſchland
akzeptieren wird.
Der Vorſitzende des Senatsausſchuſſes für Auswärtige Angelegen=
heiten
, Senator Hubert hatte heute vormittag eine Unterredung mit
Herriot, in der, wie Havas mitteilt, verſchiedene Fragen über die
franzöſiſche Außenpolitik geſtellt wurden. Herriot, der am Donnerstag
im Senatsausſchuß eine Erklärung abgeben wird, hat die Abſicht be=
kundet
, ſich vor dem ganzen Senat auszuſprechen. Dementſprechend
wird Senator Hubert morgen in der Senatsſitzung eine Anzahl Fra=
gen
über Art, Ergebniſſe und Folgen der Beſprechungen von London
und Brüſſel ſtellen.
Das Ergebnis von Brüſſel.

Vom Tage.
Die auf den Stichtag vom 24. Juni berechnete Großhandels=
indexziffer
des Statiſtiſchen Reichsamts ergibt gegenüber dem
Stand vom 17. Juni (117) einen Rückgang auf 112,6 oder um
3,8 Prozent.
Am Freitag vormittag finden in Düſſeldorf Verhandlun=
gen
zwiſchen der Micum und der Sechſerkommiſſion
über eine evtl. Verlängerung der Mieumverträge ſtatt.
Das zwiſchen der Induſtrie und der Handelskammer Bochum
einerſeits und der Micum andererſeits beſtehende Abkommen
vom 25. März 1924 iſt bis zum 15. Juli verlängert worden.
Der Auswärtige Ausſchuß des Reichstages iſt für Don
nerstag, vormittag 9 Uhr, einberufen worden.
Die Einigungsverhandlungen in der Lohn= und Arbeits=
zeitfrage
für die rheiniſch=weſtfäliſche Großinduſtrie
die in Hamm unter dem Vorſitz eines Vertreters des Reichsarbeits=
miniſteriums
ſtattfanden, ſind ergebnislos verlaufen.
Die vereinigten republikaniſchen Verbände und die
republikaniſchen Parteien veranſtalteten, am Grabe Walther
Nathenaus in Oberſchöneweide eine Kundgebung.
Das Reichswirtſchaftsminiſterium beabſichtigt, auf dem
ihm vom Ausſchuß gewieſenen Wege vorzugehen und eine Verlänge=
rung
des Ermächtigungsgeſetzes beim Reichsrat zu
beantragen.
Die interall’ierte Rheinlandkommiſſion hat die Ausweiſung
desRegierungspräſidenten der Pfalz, Dr. Mattheus
zurückgenommen. Dr. Mattheus wird demnächſt den Regierungs=
ſitz
wieder von Heidelberg nach Speher verlegen.
Die Verwaltung der Königshütte gibt durch Anſchlag bekannt,
daß die Hüttenverwaltung gezwungen ſei, der geſamten Beleg=
ſchaft
zu kündigen und die Hütte gänzlich zu ſchließen.
Der Figaro glaubt zu wiſſen, zum Nachfolger General Nollets
im Vorſitz der interalliierten Militärkontrollkommiſſion werde General
Walſch ernannt werden.
Im engliſchen Unterhaus erlitt die Regierung eine neue Niederlage
während der gegenwärtigen Tagung und zwar bei Abſtimmung
über die Vorlage wegen Regelung des Londoner Verkehrs mit
195 gegen 168 Stimmen.
Muſſolini hat der Nationalmiliz den Auftrag zur
Demobiliſerung erteilt.
In Warſchau ſind wiederum zahlreiche Kommuniſten ver=
haftet
worden, wobei die Polizei Inſtruktionen aus Moskau gefun=
den
haben ſoll. In Zietone bei Warſchau wurden 30 Kommuniſten
verhaftet.
Die Sowjetregierung teilte durch Vermittlung der ſchwedi=
ſchen
Geſandſchaft dem ſchweizeriſchen Bundesrat ihren Beitritt
zum Weltpoſtverein mit. Der Bundesrat beſchloß, davon die
Mitgliedſtaaten in Kenntnis zu ſetzen.
Nach einer Meldung der Chicago Tribune aus Neu=York iſt ein
Abkommen über die Regelung der polniſchen Schulden
bei den Vereinigten Staaten abgeſchloſſen worden, die ſich auf
etwa 135 Millionen Dollar belaufen. Die Grundzüge der Regelung
ſind dieſelben wie bei dem amerikaniſch=engliſchen Abkommen.
Der Brüſſeler Sonderberichterſtatter des Petit Pari=
ſien
meldet, daß in Bezug auf die Micumverträge ge=
ſtern
auf der Brüſſeler Konferenz beſchloſſen wurde, daß, wenn
die Gültigkeit des Abkommens zu Ende geht, die Micum in
Düſſeldorf volle Freiheit habe, über eine Verlängerung
des Abkommens bis zum 16. Juli zu verhandeln.

Paris, 25. Juni. (Wolff). Der Brüſſeler Korreſpondenz
des Temps faßt auf Grund von Mitteilungen von im allge=
meinen
gut unterrichteten belgiſchen Kreiſen die Ergebniſſe der
Brüſſeler Beſprechung in der Reparationsfrage wie folgt zu=
ſammen
:
1. Die belgiſchen Miniſter hätten ſich mit der Einberufung
einer interalliierten Konferenz am 16. Juli in London einver=
ſtanden
erklärt. Dieſe Konferenz werde einen techniſchen Charak=
ter
haben und ihr Programm werde ſtreng auf den Sachverſtän=
digenbericht
beſchränkt ſein. Der Meinungsaustauſch von Che=
zuers
und Brüſſel habe ſich auf allgemeine Grundſätze bezogen.
2. Die Klärung der Frage werde bis zum 16. Juli durch den
interalliierten Sonderausſchuß oder auf diplomatiſchem Wege
zwiſchen den Regierungen erfolgen.
3. Paris und Brüſſel ſeien darüber einig, daß über den
Zeitpunkt, an dem ſämtliche Bedingungen des Sachverſtändigen=
berichtes
erfüllt ſeien und die Franzoſen und Belgier ihre wirt=
ſchaftlichen
Pfänder im Ruhrgebiet und Rheinland aufgeben,
die Reparationkommiſſion zu entſcheiden habe.
4. Die militäriſche Räumung des Ruhrgebiets werde in zwei
Etappen erfolgen. Die Beſatzung werde zunächſt unſichtbar ge=
ſtaltet
und dann aufgehoben werden, nachdem ein größerer Teil
der deutſchen Induſtrieobligationen untergebracht ſei.
5. Was die Garantien für die Durchführung anlangen, ſo
habe Theunis ſeinen Vorſchlag der Sanktionsgarantien wieder
aufgenommen. Hiernach werde, wenn nötig, der Kontrolleur an
die Stelle der deutſchen Verwaltungsbeamten treten und ſelbſt
die Steuern einziehen bzw. Beſitzrechte verwalten. Die Kontrolle
werde ſich auf dieſe Weiſe automatiſch in eine Sanktion um=
wandeln
. An dieſer Formel ſcheine man feſtgehalten zu haben,
und ſie erſcheine den Engländern annehmbar. Man bemühe ſich,
die Amerikaner an der deutſchen Eiſenbahngeſellſchaft zu inte=
reſſieren
. Die Sicherheit auf den rheiniſchen Eiſenbahnen,
namentlich was die Kontrolle der Hauptſtrecken der Rheinlande
und des Ruhrgebiets anlange, ſo glaube man, daß dieſe Frage
an die Sachverſtändigen berwieſen worden ſeien.
W

Haltloſe Anſchuldigungen gegen den Reichspreſſechef.
Berlin, 25. Juni. Bei der heutigen Verhandlung gegen
den Redakteur Joſef Sonntag wegen Beleidigung des Reichs=
preſſechefs
, Miniſterialdirektor Dr. Spiecker, vor dem erwei=
terten
Schöffengericht in Berlin=Schöneberg nahm der Angeklagte
Sonntag die gegen den Reichspreſſechef erhobenen Vorwürfe bei
Beginn der Sitzung in vollem Umfange mit dem Ausdruck des
Bedauerns zurück. Zwecks reſtloſer Aufklärung des geſamten,
den Behauptungen Sonntags zugrunde liegenden Tatbeſtandes
wurde jedoch ſeitens der Antragſteller der Eintritt in die Be=
weisaufnahme
gefordert. Am Schluſſe dieſer gab Sonntag eine
formulierte Erklärung folgenden Wortlauts ab: Ich habe die den
Gegenſtand der Anklage bildenden Mitteilungen auf Grund mir
damals glaubrürdig erſcheinender Angaben dritter, wie ich aus=
drücklich
hervorheben möchte, ohne jegliche geldliche oder anders
geartete Gegenleiſtung veröffentlicht. Meine Gewährsmänner
die mir verſtrochen hatten, die urkundlichen Beweiſe für ihre An=
ſchuldigungen
zu erbringen, haben mich hinterliſtig getäuſcht und
vollſtändig im Stiche gelaſſen. Sie haben trotz mehrfacher Auf=
forderung
mir keinerlei Beweismaterial zur Verfügung ſtellen
können. Durch die heutige Beweisaufnahme, insbeſondere durch
die eidliche Zeugenvernehmung des Reichskanzlers a. D. Wirth,
Geheimrat Strauß, Oberbürgermeiſter Scheidemann und des
Nebenklägers Miniſterialdirektor Dr. Spiecker, iſt die völlige Un=
glaubwürdigkeit
meiner Gewährsmänner erwieſen, da die Be=
weisaufnahme
in allen Punkten die Unrihtigkeit ihrer Behaup=
tungen
ergeben hat. Ich nehme daher alle gegen Spiecker er=
hobenen
Vorwürfe als unwahr und widerlegt mit dem Ausdruck
des Bedauerns zurück. Ich bitte den Reichskanzler und den
Nebenkläger, mit Rückſicht auf die vorſtehende Erklärung die
gegen mich geſtellten Strafanträge zurückzunehmen und ver=
pflichte
mich, ſämtliche gerichtlichen und außergerichtlichen Koſten
des Verfahrens zu tragen. Hierauf wurden die Strafanträge
zurückgezogen und das Verfahren durch Gerichtsbeſchluß ein=
geſtellt
.
4

*Heſſiſches Landestheater.
Das große Abſchiednehmen im Schauſpiel fand geſtern mit
Fritz Valk in Strindbergs Karl XII. ſeinen Abſchluß.
Valk kam vor mehreren Jahren von Lübeck, wenn wir uns
recht erinnern, nach Darmſtadt. Seine erſten Rollen bekundeten
eine klare, intellektuelle Auffaſſung der dramatiſchen Geſtalten,
doch war ſein Spiel oft unbeweglich und wenig nüanziert. So
konnte wohl ſein Thy als ſtarre Verkörperung des Schickſals
durch Hamſuns Spiel des Lebens ſchreiten, und auch mit Ib=
ſens
unerbittlichem Brand ließ ſich dieſe Unbeweglichkeit ver=
einigen
. Einer Geſtalt wie Shakeſpeares Richard III. wurde
ſie dagegen nicht in vollem Maße gerecht. Es ergab ſich hieraus
die Neigung Valks, die Geſtalten ähnlich wie Adam Antes
ſeine früheren Plaſtiken ins Ueberlebensgroße zu ſteigern,
ſie zur Monumentalität zu erheben, wie beiſpielsweiſe den Prä=
ſidenten
Walter in Kabale und Liebe‟. Im Laufe der Ent=
wicklung
gelang es dem Künſtler, dieſe Feſſeln zu brechen und
ſich zu einer ſtärkeren Nüanzierung und Gelöſtheit des Spieles
durchzuringen. Entſcheidendes Zeichen dafür war ſein luſtig=
beweglicher
Zuckerbäcker in Flekkers Haſſan. Als ſchöne und
große Leiſtungen ſchloſſen ſich Strindbergs Karl XII. der von
Vorſtellung zu Vorſtellung künſtleriſch wuchs, ſowie Shakeſpeares
Lear und Shylok an. In Bergers Saul fand Valk eine
ſeiner Natur glänzend liegende Aufgabe und rettete durch ſeine
ausgezeichuete Darſtellung die ſchwache Tragödie bei der Urauf=
führung
vom Untergang.
Als Künſtler wie als Menſch hat ſich Fritz Valk, der jetzt
an das Staatstheater nach Berlin geht, in ſeiner Darmſtädter
Tätigkeit allſeitige, herzliche Sympathien erworben, die bei dem
geſtrigen Abſchied wärmſten Ausdruck fanden.

Schloß Lichtenberg i. O.
Von Hildegard Rüdt.
Als ich zum erſtenmal die lichte Burg im Kranz der Nachbar=
hügel
grüßte, trug ich noch leichte Kinderſchuhe und ſah im dunk=
len
Grün ein Märchenſchloß. Wenn der volle Mond ſeine milch=
weißen
Schleier um die hellen Mauern wob, ſah ich Erlkönigs
Töchter ihren geſpenſtigen Reigen tanzen, und die knorrigen
Baumwurzeln, die
de über dem Weg liegen, verwandel=

ten ſich mir am hellichten Tag in braune Erdmännlein und hilf=
reiche
Gnomen. Stätten, wo wir als Kind vielleicht zum erſten=
mal
den Herzſchlag der Natur leiſe puilſen hörten, verlieren ihren
geheimnisvollen Zauber niemals ganz, und die Bande, die das
Kinderglück einſt wob, wollen nicht zerreißen
Schon brauen Abendnebel über den duftenden Wieſen, und
über den Giebeln des Schloſſes ſteigt die ſilberne Mondſichel auf,
als wir durch das dunkle Burgtor ſchreiten, um unſere reiſe=
müden
Glieder bald im Schlafe neu zu ſtärken. Wir ſollen dies=
mal
Schloßgäſte ſein, denn der Beſitzer des einzigen Gaſthauſes
am Ort hat auch die Räume des Schloſſes in ſeine Herberge ein=
bezogen
. Ich hälte es für meine Pflicht, in der Lichtenberger
Chronik noch einmal die Geſchichte des alten Baues nachzuleſen,
deſſen Dach uns ſo freundlich deckt, aber die Natur fordert ihre
Rechte und das Buch entfällt leiſe meiner Hand. Während die
Ahnfrau des alten Katzenellnbogener Grafengeſchlechts draußen
durch die dunklen Gänge geht, führt mich ein freundlicher Traum
in die Vergangenheit und in die Halle des alten Schloſſes, das
vor beinahe hundert Jahren den Stürmen der Zeit völlig zum
Opfer fiel. Graf Diether II., deſſen Gaſtfreundſchaft in weitem
Umkreiſe bekannt war, gibt ein Feſt, und ein froher Kreis von
Rittern und Frauen lauſcht dem Lied eines Namenloſen,, das
auf der Harfe Walthers von der Vogelweide erklingt und um
das die Wipfel uralter Bäume rauſchen werden, ſo lange noch
Tugend und reine Minne im Menſchenherzen eine Stätte finden:
bist min, ich bin din:
des solt gewis sin,
bist beslozzen
in minem herzen:
verlorn ist daz glüzzelin:
muost immer drinne sin.
Ein anderes, doch ein düſteres Bild: In der Schloßkapelle läu=
ten
die Trauerglocken, und als ſchwarzgekleidete Knappen einen
Sarg durchs Hoftor tragen, bricht die Schloßherrin in lautloſem
Schmerz zuſammen. Bei einem Turnier Friedrichs des Schönen
in Baſel fand Diether der Vierte, der Tapferſte unter den Lich=
tenberger
Grafen, einen frühen Tod, und das Haus des Glüückes
wird für die junge Gattin eine Stätte treuen Gedenkens und
einſamer Trauer
Ich ſehe deutlich Windlichter durch den dunklen Schloßhof
huſchen. Ketten klirren, vermummte Richter ſprechen ihren ſtren=
gen
Spruch, es bricht ein Stab, und Schergen legen die Binde
wieder um die Augen des Unglücklichen, der der finſteren Ge=

Rummer 176.

Herriots Heimfehr.

Von unſerer Berliner Redaktion.

Der franzöſiſche Miniſterpräſident Herriot, iſt nach ſeinen
Rundbeſuch in London und Brüſſel wieder nach Paris zurück
gekehrt. Gleichzeitig hat auch Herr v. Hoeſch, der deutſche Bot
ſchafter, wieder ſeinen Poſten angetreten. Man wird alſo an
nehmen dürfen, daß jetzt die Verhandlungen über das Sachver=
ſtändigengutachten
und ſeine Auswirkung in das letzte entſchei
dende Stadium eingetreten ſind. Allerdings, was Herriot erreicht
hat, berechtigt zu weitgehendem Optimismus gewiß nicht. J
London iſt er zwar von Macdonald freundlich aufgenommen
worden. Die beiden Miniſterpräſidenten verſtehen ſich auch ſchon
um deswillen gut, weil ihre ideologiſche Einſtellung mancherke
Berührungspunkte gibt. Ihr belgiſcher Kollege Theunis dagegen
iſt eine ganz andere Natur, der weniger nach ideellen als nach
materiellen Geſichtspunkten urteilt. Der Verſuch Maedonalds,
die Frage der militäriſchen Sicherheiten durch verwaſchene Er=
klärungen
dem Völkerbund zu überweiſen, hat ſchon bei Herriot
nur geringes Entgegenkommen gefunden, bei Theunis dagegen
iſt er auf ausgeſprochene Ablehnung geſtoßen. Die Dinge liegen
alſo ſo, daß England und Frankreich ſich zwar an=
ſcheinend
genähert haben, daß ſie aber von einem
durchgearbeiteten Programm für die Londoner
Konferenz noch weit entfernt ſind. Daß ſie zudem
durch ihr Sondervorgehen in der Militärkon=
trollfrage
Belgien und Italien etwas ver
ſchnupft haben und daß außerdem Belgien ſeine eigenen Weg
zu gehen droht. Wir ſind alſo von einer Verſtändigun
noch recht weit entfernt, zumal auch Theunis darauf z
ſpekulieren ſcheint, daß Herriot in Frankreich nur eine vorüber
gehende Erſcheinung ſein wird. Er hat, das geht aus mancherl.
Berichten hervor, die gerade in den letzten Tagen an amtlicher
Stelle eingelaufen ſind, innenpolitiſch nicht ſehr glücklich operier=
ſo
beim Sturze Millerands, der zwar ein parlamentariſcher Er.
folg war, aber auf dem Lande draußen als ein Verfaſſungsbruch
angeſehen wird, und beim Abbruch der Beziehungen zum Vati=
kan
, der alles, wvas klexikal und damit chauviniſtiſch war, vor den
Kopf ſtieß, und ſo die neue Regierung in ihrer Bewegungsfrei=
heit
ſtark einſchränkte.
Um ſo vorſichtiger wird Herriot in den Verhandlungen mit
Deutſchland ſein, um ſich keine neue Blöße zu geben. Wenn
man hinzu nimmt, daß er zweifellos ein Mann iſt, der das Beſt
will, aber doch ziemlich weich veranlagt iſt, ſo beſteht immerhin
die Gefahr, daß er ſich von ſeinem Wege abdrehen läßt und eines
Tages in Paris neue Ueberraſchungen entſtehen können, wie ſte
Briand ſeinerzeit in Cannes erlitt. Das eine iſt jedenfalls ſicher,
daß die Hoffnungen, die man auf einen raſcher
Fortgang der Verhandlungen glaubte legen zu kön=
nen
ſich kaumerfüllenwerden. Wir bewegen uns immer
wieder in dem eireulus vitioſus, daß Deutſchland auf dem Boder
des Sachverſtändigengutachtens ſtehen bleibt und alſo heute ſchor
für den Beginn ſeiner Leiſtungen die Wiederherſtellung ſeiner
Wirtſchaftseinheit und ſeiner inneren Hoheitsrechte im Zu=
ſammenhang
mit der Räumung des Ruhrgebietes verlangt, wäh=
rend
Frankreich und Belgien jedenfalls, ſoweit die Räumung im
Frage kommt, von uns den Beginn der Erfüllung, von Englass
dagegen militäriſche Sicherheiten verlangen. England drückt num
wieder auf Deutſchland, daß es ſich in den Völkerbund aufneh=
men
laſſen ſoll, um die militäriſchen Sicherheiten einfacher zu
geſtalten, während Deutſchland ſeinen Eintritt in den Völkerbund
von beſtimmten Vorausſetzungen abhängig macht.
So greift ein Rad in das andere. Der Kreis wird immer
größer, aber er ſchließt ſich nicht. Praktiſch würde das darauf
hinauslaufen, daß wir Poſition um Poſition erkämpfen müſſen.
Die Erfolge, die wir erreichen können, werden uns nicht in de
Schoß fallen und es werden auch, nachdem von Deutſchland die
Vorausſetzungen für das Inkrafttreten des Sachverſtändigengut=
achtens
geſchaffen ſind, vielleicht noch Monate vergehen, bis ſich=
die
Erfolge dieſer Politik abzuzeichnen beginnen. Die deutſche
Regierung hat neuerdings in Paris und London mit
nicht mißzuverſtehender Deutlichkeit erklärt, daß ſie gewillt
iſt, den hohen Preis der Annahme des Sachverſtändigengutachtens
mit ſeinen hohen Belaſtungen zu zahlen, um Rhein und Ruhr
frei zu bekommen, daß aber die Arbeit der Sachverſtän=
digen
zwecklos geweſen ſein würde, wenn man uns
nicht einmal ſoweit entgegenkommt, daß die
Grundbedingungen des Verſailler Vertrages
zu unſeren Gunſten wieder hergeſtellt werden,

Der Hauptzweck des Genfer Beſuchs.

London, 24. Juni. Reuter zufolge kann bezüglich der ge=
planten
Londoner Konferenz noch nicht mitgeteilt werden,
welche Mächte vertreten ſein oder wenn die Einladungen beſtimmi
verſandt werden. Hauptzweck des Genfer Beſuches
Macdonalds und Herriots ſei, zu zeigen, daß das ge=
ſamte
Gewicht Frankreichs und Großbritanniens für die Vermeh=
rung
der Wirkſamkeit und des Anſehens des Völkerbundes ein=
geſetzt
werden ſolle. Ein weiterer Punkt ſei die Aufnahme
Deutſchlands in den Völkerbund und die Frage, wie weit es für
Frankreich möglich ſei, ſich mit der Behandlung von deutſch= fran=
zöſiſchen
Fragen durch den Völkerbund zu begnügen.

richtsbarkeit der Heiligen Feme zum Opfer fällt . . . Doch die
Geiſter der Finſternis weichen, und ich ſehe den Meiſter Stein=
metz
mit ſeinen Geſellen eine neue Burg errichten, die den Land=
grafen
von Heſſen gehören ſoll. Die furchtbare Zeit des Dreißig=
jährigen
Krieges, wo in den Jahren 1635/36 die Peſt ihrem
dunklen Bruder unter den in den Schloßhof Geflüchteten eine
grauſige Gefolgſchaft warb, erſpart mir die Traumfrau glück=
licherweiſe
, denn durch die weitgeöffneten Fenſter dringt die
friſche Morgenluft.
Ein ſüßes Lied aus kleiner Vogelbruſt weckt mich zu früher
Stunde. Mit dem Schatten der Nacht ſind auch die Geiſter der
Vergangenheit geflohen, und ſelbſt der Aktenſtaub, der vor der
Verlegung des Landgerichts nach Neinheim in dem Schloſſe hei=
miſch
war, findet in den hohen, luftigen Räumen, die heute dem
Fremden Erholung bieten, keine Ritze mehr. Ich trete an da=
erkerartige
Fenſter und blicke über das liebliche Fiſchbachtal gei
Süden, denn der Heimat gilt mein erſter Morgengruß. M
ſchlichten Odenwalddörflein Lichtenberg, das im Schutze des
Schloſſes friedlich atmet, krähen die Hähne, und aus einem
Bauernhaus flattert die erſte fröhliche Rauchfahne. Da wird es
Zeit, daß wir auch an die leibliche Atzung denken, die uns me
Kurhaus Schellhaas werden ſoll.
Das Bollwerk, jener ſpaſſige dicke Turmwächter aus allel
Zeit, den früher die Ringmauer der Burg noch umſchloß, weiſt
uns den Weg zu dem einzigen Spaziergang, den uns das Weile
nicht verdirbt. Er führt eine Stunde durch den ſchattigen Bert=
wald
zur Hütte Kernbach, wo das freundliche Forſthaus=Käiche‟
ſchäumende Milch aufträgt und eine ſiolze Hühnerfamilie die
Broſamen pickt, die von den Tiſchen der Gäſte fallen. Ein Mal
hat ſeine Staffelei aufgeſtellt, um dieſem Waldidyll ein kleiſee
Kunſtwerk abzulauſchen. Ob er die Seele des deutſchen Waldes
wohl auf die Leinwand zwingt?
Nicht nur das Rieſengebirge hat ſeinen Berggeiſt. Uehe
die Felder des Odenwaldes ſehe ich Odins Raben fliegen, un"
ſchwarze Wetterwolken tragen einen goldenen Saum. Nachli
tags zucken die Blitze und krachen die Donner, und das wie
Heer raſt in Hagelſchauern und pfeifenden Winden über de
Land, allen voran mit lautem Hifthornklang der Rodenſteie.
um ſeiner verfallenen Burg, die drei Wegſtunden von Lichtenye.
entfernt liegt, einen feuchtfröhlichen Beſuch abzuſtatten. S
foppt uns der Geiſt des Odenwaldes, und ſelbſt die weihevhn.
Orgelklänge, die zu Ehren des Chriſtengottes aus dem 2.
kirchlein von Niedernhauſen gen Himmel ſteigen, können. "

[ ][  ][ ]

Nummer 176.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 26. Junf 1924

Spaniſche Mark=Leidtragende
Von unſerem Korreſpondenten.
Madrid, im Juni.
Es konnte melancholiſch ſtimmen (weil wir dem ſpaniſchen
2 olke für Hilfe und Teilnahme in ſchwerſter Zeit deutſcher Nach=
tiegsnot
ſo zu Dank verpflichtet ſind), eine antideutſche Kam=
tagne
erleben zu müſſen, bei der die Tonart ſich manchmal zu
ſchr an der Pariſer Boulevard=Preſſe ein Muſter nahm. Es iſt
inzwiſchen mit dieſem Thema wieder ſtiller geworden; aber
de Sache und Urſache beſteht fort und muß auch bei uns einmal
b=ſprochen werden.
Es muß gleich vorausbemerkt werden, daß von einer
Deutſchfeindlichkeit in Spanien auch in dieſem Zuſammenhange
n.cht die Rede ſein kann, und daß im weiteren Verlauf der Preſſe=
d
batte gerade von ſpaniſcher Seite energiſcher Widerſpruch ge=
gen
die Angriffe auf Deutſchland laut geworden iſt. Als der neue
prächtige Südamerikadampfer des Norddeutſchen Lloyd mit ſei=
nem
ſpaniſchen Namen Sierra Cordoba die nordſpaniſchen
FEifen anlief, wurde er mit den gewohnten Sympathiekundge=
bringen
empfangen; und auch ſonſt iſt die Teilnahme an den
Schickſalen, Nöten und Leiſtungen der deutſchen Wiſſenſchaft
g eich geblieben. Man will in geiſtiger und wirtſchaftlicher Hin=
ſicht
keineswegs von Deutſchland los, ſondern man will die alten
Verbindungen enger machen. Spaniſche Geſchäftsleute und
Eirtſchaftsverbände haben bei der Regierung Vorſtellungen er=
epben
, zwecks Aufhebung des Zuſchlagszolles auf deutſche Wa=
ren
, und auch ſonſt ließe ſich allerlei Freundliches mitteilen.
Freilich iſt aus ſpaniſchen Geſchäftskreiſen auch wieder jene
Xreſſekampagne hervorgegangen, und der Satz Geſchäft iſt Ge=
ſwäft
gilt eben auch im deutſchfreundlichen Spanien. Spaniſche
Feſchäftsleute oder Rentner haben durch Käufe von Papiermark
üver 800 Millionen Peſeten verloren. Das iſt kein Pappenſtiel,
or auch Spanien in einer Wirtſchaftkriſe lebt; und wenn auch
8oer Peſeto von ſeiner erſten ſtolzen Nachkriegshöhe herabgeſun=
kini
iſt, ſo ſind doch 800 Millionen in dieſem Gelde eine große
rmme. Ferner befinden ſich in ſpaniſchem Beſitz auch zahl=
riche
deutſche Immobilien (Zinshäuſer, Villen, Grundſtücke), die
i der Zeit des Markſturzes für wenige Peſeten erworben wer=
on
konnten; aber die Spekulation auf eine Aufwertung dieſes
sſitzes iſt illuſoriſch geworden.
So hatte ſich ein Schutzverband ſpaniſcher Markbeſitzer und
eir: Verein ſpaniſcher Grundbeſitzer in Deutſchland gebildet, der
einie in Madrid, der andere in Barcelona, mit Mitgliedern in
glen anderen Orten. Dieſe Verbände wollten einen offiziellen
ſpaniſchen Schritt in Berlin durchſetzen.
Das Problem iſt, ſchon wegen der guten Beziehungen zwi
ſioen Spanien und Deutſchland, ernſt und heikel. Aber die Spa=
iſer
werden einſehen müſſen (Unbefangene tun es ſchon), daß
de Verluſte an der deutſchen Mark und Wirtſchaft für Deutſch=
(imid ſelbſt noch furchtbarer geweſen ſind, als für ſpekulierende
Zutsländer. Das Finanzorgan Economiſta hat den ſpaniſchen
arkbeſitzern daher auch den Rat gegeben, ſich mit dem Zwangs=
tf
dieſer Ereigniſſe abzufinden. Auch die angeſehene Eſpana
Conomica y Financiera hat vor mehreren Wochen dieſen
=Xandpunkt vertreten. Eine erquickende Caballero=Geſinnung
tartt aus den Ausführungen eines anderen Blattes hervor, worin
zfſagt wurde: Die ſchärfſten Anwälte der enttäuſchten Mark=
Täubiger halten einen Proteſt und Entſchädigungsanſpruch bei
har deutſchen Regierung offenbar für eine mutige Tat. Wir da=
yigen
meinen, daß ſolche Drohung gegen ein hilfloſes Land nie=
nals
ehrenvoll geweſen iſt. Das von Hunger geplagte, von
zauſamen Feinden gequälte Deutſchland erinnert uns an einen
orn Wucherern ruinierten und umzingelten Ariſtokraten, der noch
arf dem Sterbebett zur Preisgabe ſeiner letzten Habe gezwun=
zm
werden ſoll.
Dieſes Zitat, nicht mehr ganz neu, verdient aufgehoben zu
verden, als ein Zeichen, daß der Spanier uns gegenüber, die
Enterliche Tradition ſeiner Kultur wahrt. Auch ſonſt hat man
ſäwer die Angriffe den Kopf geſchüttelt und ſogar franzöſiſchen
Einfluß dahinter vermutet. Entſtanden ſind dieſe Angriffe erſt
nrchdem die Stabiliſierung der deutſchen Währung endgültig
vim Traum einer Aufwertung der Papiermark beſeitigt hatte und
echdem man an Hand der Währungsreform glauben konnte, daß
Teutſchland damit auch ſchon wirtſchaftlich in guter Form ſei.
Diir wiſſen, daß dem nicht ſo iſt, und daß die Stabiliſierung der
Mährung die Wirtſchaftskriſe immer ſchärfer zum Ausdruck
brängt; aber es gibt eben überall Leute, die uns das bißchen Er=
halung
nicht gönnen und ihre verfehlten Spekulationen für wich=
ürer
halten. Das wäre noch menſchlich begreiflich; ſehr wenig
terlich aber war es, wenn aus der Verärgerung heraus da und
rt die zehnjährige deutſche Not; für die gerade Spanien ſo viel
ilnahme bewieſen hat, jetzt plötzlich geleugnet wird. Wenn
umn etwa behauptet, die Entwicklung einzelner induſtrieller An=
a
en und des Schiffbaues, oder der Bau der Nord=Südbahn in
Barlin ſeien für einen Schuldner unerlaubte Luxustaten. Sind
derin den Schreibern ſolcher Betrachtungen die Schilderungen
dieitſchen Elends ſchon wieder entfallen, die auch in ſpaniſchen
Zritungen zu leſen waren? Lieſt man dort nicht heute noch von
nuitſchem Beamtenabbau, Lohnabbau und von unſerer Arbeits=
ſigkeit
? Schließlich iſt man gerade in Spanien urteilsfähig
geiug geweſen, um zuzugeſtehen, daß Deutſchland weder die
Inuptſchuld am Kriege, noch (erſt recht nicht) die Schuld an deſ=
ent
Folgen trägt.

Lord Parmoor für Aufnahme Deutſchlands
in den Völkerbund.
London, 25. Juni. (Wolff.) Zur Begrüßung des aus Genf
von der Tagung des Völkerbundsrats zurückgekehrten Lord Par=
moor
veranſtaltete, die engliſche Liga für den Völker=
bund
ein Frühſtück. Bei dieſem ſagte Lord Parmoor, er zögere nicht
zu erklären, daß es ſowohl vom Standpunkt der Stärkung des Völker=
bunds
, wie der Intereſſen des deutſchen Volkes von größter
Wichtigkeit wäre, daß die deutſche Republik ſo früh
wie möglich Mitglied des Bundes würde. (Beifall.
Mitglieder des Völkerbundsrats hätten ihm einmütig erklärt, daß ſie
den Eintritt Deutſchlands in den Völkerbund befürworten würden, ſo=
bald
die Verhandlungen über die Ausführung des Sachverſtändigen=
gutachtens
zu einem befriedigenden Abſchluß gelangt ſeien. Er ſei der
Anſicht, daß, wenn Deutſchland im Völkerbund zugelaſſen ſei, keine
Schwierigkeit mehr beſtehe, daß es auch dauerndes
Mitglied des Völkerbundsrats werde. (Beifall.) Lord
Parmoor erklärte weiter, daß die Kontrolle über die Ent=
waffnung
Deutſchlands aus den Händen der interalliierten
Kontrollkommiſſion auf den Völkerbund übergehen ſolle,
damit dieſe Angelegenheiten unter völlig unparteiiſchen Bedingungen
unterſucht werden könnten.
Einigung über den Eiſenbahnarbeiter=Tarifbertrag.
Berlin, 25. Juni. In den letzten Tagen haben neue Verhand=
lungen
zwiſchen der Reichsbahnverwaltung und den Beamtenorganiſa=
tionen
über die Frage der Dienſtdauervorſchriften bei der Reichsbahn
begonnen. Wie wir hören, wird ſich das Direktorium der Reichsbahn
heute mit dieſer Frage beſchäftigen und eine Stellungnahme zu den
Forderungen der Organiſationen präziſieren, worauf im Laufe der
Woche weitere gemeinſame Verhandlungen ſtattfinden werden.
Zwiſchen der Hauptverwaltung der Reichsbahn und den vertrag=
ſchließenden
Organiſationen iſt es im Laufe des geſtrigen Dienstags
zu einer Einigung über die Schaffung des neuen Tarifvertrages für
die Eiſenbahnarbeiter gekommen. Die Vereinbarungen wurden durch
beiderſeitige Unterzeichnung eines Schlußprotokolls endgültig beſtätigt.
Der Tarifvertrag tritt am 1. Auguſt in Kraft und läuft vorläufig bis
zum 31. März 1925. Er weicht in weſentlichen Beſtimmungen von den
bisherigen Arbeitsbedingungen, wie in der Frage des Erholungsur=
laubs
, der Arbeitszeit und der Feiertagsbezahlungen zu Ungunſten
der Arbeitnehmer ab.
Die Perſonalverhältniſſe bei der Deutſchen
Reichsbahn.
Berlin, 24. Juni. Einer Korreſpondenzmeldung zufolge
wird dem Reichstag in dieſen Tagen der Geſetzentwurf
über die Regelung, der Perſonenverhältniſſe
bei der Geſellſchaft Deutſche Reichsbahn zu=
gehen
. Die Rechts= und Perſonenverhältniſſe werden danach
durc) die von der Geſellſchaft zu erlaſſende Perſonalverordnung
geregelt. Die Reichsbahnbeamten ſind danach ausdrücklich unter
Vorbehalt von Widerruf und Kündigung auf Lebenszeit ange=
ſtellt
. Beſoldung, Wartegeld, Ruhegehalt und Hinterbliebenen=
verſorgung
regelt die Perſonalverordnung, dergleichen Urlaub
und Arbeitszeit. Die Reichsbahnbeamten haben zur Vertretung
ihrer Intereſſen gegenüber der Geſellſchaft die gleichen geſetz=
lichen
Rechte und Pflichten, wie die übrigen Reichsbeamten
gegenüber der Reichsverwaltung. Die Geſellſchaft übernimmt
die im Dienſt der Deutſchen Reichsbahn vorhandenen Beamten
und Arbeiter mit den beſtehenden Rechten und Pflichten. Den
Reichsbahnbeamten werden an Beſoldung, Wartegeld, Ruhe=
gehalt
und Hinterbliebenenverſorgung die Anſprüche gewähr=
leiſtet
, die ſie als Reichsbeamte hatten.
Vor der Kabinettsbildung in Bayern.
München, 25. Juni. Nach der München=Augsburger
Abendzeitung dürfte ſich das Kabinett Held etwa folgendermaßen
zuſammenſetzen: Held: Miniſterpräſident und Aeußeres, Matt
Kultus, Gürtner: Juſtiz, Stützel: Inneres, Krausnek: Finanzen,
Meinel: Handel, Oswald: Soziales und Fehr: Landwirtſchaft.
Der bayeriſche Landtag tritt am Freitag nachmittag wieder
zu einer Plenarſitzung zuſammen. Es iſt jedoch noch fraglich, ob
in dieſer Sitzung die Wahl des Miniſterpräſidenten vorgenom=
men
werden kann, da die heute vormittag über die Beſetzung
der Reſſortminiſterien geführten Beſprechungen noch nicht zu
einem definitiven Ergebnis führten. Die bayeriſche Volkspartei
behielt ſich die Entſcheidung über die Beſetzung des Innen=
miniſteriums
bis Donnerstag abend vor. Bei den bisher für das
Innenminiſterium genannten Kandidaten handelt es ſich im
weſentlichen um Kombinationen; eine definitive Zuſage iſt von
keinem der Genannten ergangen.
Infolge der bevorſtehenden Wahl des Abg. Heldt zum bayeriſchen
Miniſterpräſidenten wird ein neuer Vorſitzender der Landtags=
fraktion
der Bayeriſchen Volkspartei gewählt werden,
und zwar vorausſichtlich der Hochſchulprofeſſor Dr. Wohlmuth.
Die Vorbereitung der Einladungen zur Konferenz.
London, 25. Juni. (Wolff.) Die Einladungen zu der inter=
alliierten
Konferenz am 16. Juli werden vorbereitet. Die Ver=
einigten
Staaten werden eingeladen, Vertreter in der Eigen=
ſchaft
zu entſenden, wie ſie die amerikaniſche Regierung für angebracht
hält. Japan wird, wie bei früheren Gelegenheiten, ebenfalls zur
Teilnahme aufgefordert. Man hofft, daß Muſſolini perſönlich zur
Konferenz kommt.

vitenden Elemente an dieſem Tage nicht mehr beſänftigen.
Umi ſo leuchtender ſteigt die Sonne auf, um uns den Tag
des Abſchieds zu vergolden. Er ſchenkt mir die fchönſte Andachts=
tunde
der Einſamkeit im Lichtenberger Schloßpark. Eine Weile
ſitze ich traumverloren am runden Steintiſch in einer Laube, durch
derren dichtes Blättergerank das Sonnenlicht nur gedämpft
Areinfällt. Tauſend Stimmlein ſchwirren neben mir am Gras,
durch die Luft ſurren Käfer und tanzende Mücken, und die Vögel
m. dichten Unterholz wiſſen nicht mehr, ob ſie den ſchönen Tag
m.t einer zierlichen Romanze, mit einem kecken Schelmenliedchen
der im ſeligen Zwiegeſang preiſen ſollen. Durch Jasmin= und
Holunderbüſche führt der Weg in ein Birkenwäldchen, deſſen
Lihtung einen herrlichen Ausblick nach Norden gewährt. Die
Landſtraße ſchlängelt ſich wie ein weißes Band durch Wieſen und
Felder nach Groß=Bieberau und Reinheim; von dorther grüßt
dim Bergkegel des Otzbergs nachbarlich herüber, und die höchſten
Erhebungen des Odenwaldes und der Bergſtraße winken den
fernen Gipfeln des Taunus zu. Hier mag einſt der Burgherr
lelichtenden Auges geſtanden ſein und die Arme ausgebreitet
haben, um ſein Land in Liebe zu umfangen. Hier ſtand aber auch
die Burgfrau und winkte mit ihrem weißen Tüchlein den Scheide=
gruß
, wenn er auszog, die Heimat gegen die Welſchen zu ver=
tei
=digen. Und wenn ſie dann den blonden Knaben, der zu ihren
Flißen ſtielte, ſtürmiſch ans Herz zog, ſchaute das Kind die
Mutter wohl mit großen Augen an, denn auf ſeine blühende
Wange war eine Träne gefallen".
Aus dem Leben des erſten Miſſionars
in Grönland.
Auts Hans Egede. Die Erforſchung von Grönland (Band 8 der
Scmmlung Alte Reiſen und Abenteuer). Geh. G.=Z. 2,5, geb.
G.=Z. 3,2. Brockhaus, Leipzig.
Den 27. Oktober fuhr ich mit meinen Söhnen zu Grönländern
i der Nachbarſchaft, um bei ihnen zu bleiben, ſo lange wie es
möglich wäre, denn ich ſah kein anderes Mittel, ihre ſchwere
Ewrache zu erlernen als beſtändigen Umgang mit ihnen. Ich
wrußte, wie hart und beſchwerlich es war, ſich lange bei ihnen auf=
zmhalten
, da in ihren Häuſern große Unreinlichkeit und unerträg=
ſcher
Geſtank herrſchte. Wenn es regnete, tropfte es überdies ſtark
iu Haus. Für ein kleines Geſchenk nahmen ſie uns aber gern auf

Eines Abends wurde ich infolge des üblen Geſtankes, den der
ſtinkende Speck und andere Sauerei im Hauſe verurſachte, ſo un=
päßlich
, daß ich etlichemal brechen mußte. Das Aergſte aber war,
daß man bei ihnen ſehr von Läuſen, deren ſie ſehr viele haben,
geplagt wurde.
Einmal kamen abends zwei Grönländer zu Beſuch. Als ſie
erfuhren, daß einer ihrer Verwandten geſtorben ſei, begannen ſie
eine Weinzeremonie. Ich wollte mich in dem Nebenhaus zur
Ruhe begeben, ſie riefen aber, ich ſolle kommen. Nachdem ich mich
wie die anderen niedergeſetzt hatte, wurde das Licht ausgelöſcht.
Einer der beiden Fremden, der ſich für einen Angekok ausgab,
fing mit den andern, auch den Weibsleuten, an zu ſingen, wovon
ich jedoch nichts verſtand. Hierauf ſpielte er auf ſeiner Trommel,
ſchrie und ſchlug auf ausgetrocknete Seehundfelle, die um ihn
herum lagen, wodurch ein poſſierlicher eigentümlicher Laut ent=
ſtand
. Bisweilen redete er auch zu den andern; ich verſtand es
jedoch nicht. Er hatte, wie ich bemerkte, außen vor dem Hauſe
einen aufgeſtellt, der ihm antworten ſollte, wenn etwas von innen
gefragt würde, als ſei er der Torngarſuk. Ich tat, als verſtünde
ich dies nicht, und fragte die neben mir ſaßen, was dies wäre und
was es bedeuten ſollte. Sie ſagten, es wäre der Torngarſuk, das
iſt ein Geiſt oder einer von den Toten, von dem er verſchiedenes
früge, was ſie und ihre Beſchäftigung beträfe. Sie fragten mich,
ob ich nicht bange wäre. Ich antwortete, daß ich vor ihrer Gauke=
lei
, die nur Lügerei ſei, nicht bange ſei. Sie ſagten aber: Es iſt
der Torngarſuk, mit dem er redet. Die Gaukelei wurde faſt die
ganze Nacht hindurch getrieben; ſie ſchien aber mehr ein Luſtſpiel,
denn eine teufliſche Kunſt zu ſein.
Ich nahm das Anerbieten von zwei jungen Menſchen an, bei
mir zu bleiben, nachdem ich einen andern wieder hatte wegſchicken
müſſen, der ſehr eigenſinnig war. Durch den beſtändigen Umgang
mit ihnen hoffte ich die Sprache immer mehr zu erlernen. Ich
verſuchte auch, ihnen das Schreiben beizubringen; anfangs lern=
ten
ſie eifrig, da ich ihnen für jeden Buchſtaben, den ſie gelernt
hatten, einen Angelhaken verſprochen hatte. Später aber wurden
ſie des Uebens müde. Sie ſagten, ſie wüßten nicht, wozu dies
nützen ſolle; auf dem Meer zu fahren, Seehunde zu jagen und
Vögel zu ſchießen, bringe Nutzen und Vergnügen. Uns aber war=
fen
ſie vor, wir ſäßen den ganzen Tag da und malten mit der
Feder, guckten in Bücher und taugten zu nichts.
Anno 1723. Am 26. Januar erzählten einige Nachbarn, daß
ein Angekok gekommen ſei und dieſen Abend ſeine Kunſt zeigen
wolle. Wir ſollten auch hinkommen. Da ich antwortete, es ſeien


Seite 3.
Beamtenfragen
vor dem Deutſchen Reichstage.
* Berlin, 25. Juni. (Eigener Bericht.)
Am Regierungstiſche: Finanzminiſter Dr. Luther.
Präſident Wallraf eröffnet die Sitzung um 3.30 Uhr und gibt
die Zuſammenſetzung des Ständigen Ausſchuſſes bekannt. Aufſehen er=
regt
die Mitteilung, daß der kommuniſtiſche Abg. Katz vom Vorſitzen=
den
des Rechtsausſchuſſes gewählt worden iſt. Dieſe Wahl iſt erfolgt,
nachdem der Abgeordnete Katz ausdrücklich die Erklärung abgegeben
hatte, daß er die Geſchäftsordnung des Reichstags beachten werde.
In dritter Leſung werden ohne Ausſprache das deutſch= pol=
niſche
Abkommen über den oberſchleſiſchen Grundbeſitz, das ab=
geänderte
Quartierleiſtungsgeſetz und die Neuregelung der
Strandungsordnung verabſchiedet.
Auf der Tagesordnung ſtehen dann die 31 Anträge und Interpel=
lationen
, betr. die Beamtenbeſoldung und Dienſtverhältniſſe.
Das Haus beſchließt, daß von jeder Fraktion nur ein Redner ſpre=
chen
ſoll und die Redezeit auf eine halbe Stunde begrenzt wird.
Abg. Morath (deutſchvölk.) berichtet über die Verhandlungen des
Hauptausſchuffſes. Dieſer hat einen Antrag angenommen, wonach die
von der Regierung zur Verfügung geſtellten Mittel zur Erhöhung der
Grundgehälter der Gruppen 16 verwendet werden ſollen. Ferner ſollen
allgemein für alle Beamtengruppen Erhöhungen der Kinder= und der
Frauenzulagen erfolgen.
Abg. Schmidt=Stettin (deutſchnatl.) erklärt ſich mit den Ausſchuß=
anträgen
einverſtanden und hebt beſonders die Wichtigkeit der Erhöh=
ung
der ſozialen Zulagen hervor. Der Redner wünſcht Wiedereinſtel=
lung
der Wartegeldempfänger und dafür weitere Entlaſſungen von An=
geſtellten
. Es müſſe Rückſicht genommen werden auf Verſorgungsbe=
rechtigte
und Kriegsbeſchädigte. Notwendig ſei die baldige Aufhebung
der Urlaubsbeſchränkungen, ſowie die Verlängerung der Arbeitszeit.
Das Penſionsweſen müſſe einer gründlichen Reform unterzogem werd
Abg. Steinkopf (Soz.) betont die Fehlerhaftigkeit der letzten
Beſoldungsordnung und beantragt, der Regierung die Ermächtigung zu
entziehen und die weitere Durchführung der Perſonalabbauverordnung
ſo lange auszuſetzen, bis ein entſprechendes Geſetz verabſchiedet iſt.
Abg. v. Guerard (Ztr.) beantragt die Modifizierung des Beam=
tenrechts
. Eine ganz unverſtändliche Maßnahme ſei der Abbau der
örtlichen Sonderzuſchläge im beſetzten Gebiet. Es müſſe entſchieden ver=
urteilt
werden, wenn ausgewieſene Beamte in der Beförderung zurück=
geſetzt
werden. (Lebh. Zuſtimmung.) Es muß ſelbſtverſtändlich ſein,
daß alle ausgewieſenen Eiſenbahnarbeiter nach ihrer Rückkehr wieder
eingeſtellt werden. (Beifall.) Die Beſoldungsfrage bedürfe einer gründ=
lichen
Nachprüfung. Die unteren Beamten dürften nicht auf das bloße
Exiſtenzminimum angewieſen ſein. Der Redner ſtimmt dem Ausſchuß=
antrag
zu und wünſcht eine öffentliche Erklärung, daß mit dem Per=
ſonalabbau
jetzt Schluß gemacht werde.
Abg. Eichhorn (Komm.) begründet einen Antrag, der den Aus=
ſchußantrag
dahin ändern will, daß die Gehaltsgruppen 17 und die
Gruppen über 13 beſeitigt werden ſollen und die Beſoldung mit den
Sätzen der Gruppe 8 beginnen ſoll.
Abg. Morath (D. Vpt.) bezeichnet es als unerträglich, wenn das
Lebenseinkommen der höheren Beamten niedriger wäre als das der
niederen Beamten. Die Art der Regelung durch die Regie=
rung
aber gebe zu ſcharfen Beanſtandungen Anlaß. Es ſei
Pflicht gerade der höheren Beamten, gegen die unzureichende Beſoldung
des unteren und mittleren Beamten Einſpruch zu erheben. Dem Aus=
ſchußantrag
ſtimmt der Redner zu, wenn er auch dieſe Regelung für un=
zulänglich
hält. Die Einwänder der Regierungsvertreter gegen die Ge=
haltserhöhung
man dürfe nicht Lohnbewegungen der Arbeiter und
Angeſtellten hervorrufen ſeien nur bis zu einem gewiſſen Grad be=
rechtigt
. Man hätte eben nicht von der Einheitsfront der Beamten. An=
geſtellten
und Arbeiter reden ſollen. Es habe ſich bei den Verhandlun=
gen
wieder gezeigt, daß Sozialzulagen allzu leicht auf
die Grundgehälter drücken. Darum ſeien Sozialzulagen ab=
gelehnt
worden. Der Redner verlangte weiter eine Abänderung der
Perſonalabbauverordnung.
Abg. Rahl (Nat.=Soz.) behauptet, die Freiheit der Beamtenſchaft
ſei nie ſo geknebelt worden wie in dem republikaniſchen Deutſchland,
und in erſter Linie würden völkiſche Beamte abgebaut.
Abg. Dauer (Baher. Vpt.) bedauert, daß es im gegenwärtigen
Augenblick nicht möglich ſei, für die Beamten mehr herauszuholen. Den
Beamten des beſetzten Gebietes habe man viel verſprochen, aber
wenig gehalten.
Auf Vorſchlag des Vizepräſidenten Dr. Bell wird beſchloſſen, die
Beamtenausſprache noch in dieſer Sitzung zu Ende zu führen. Die Ab=
ſtimmung
über ſämtliche Anträge ſoll aber erſt morgen gegen halb 12
Uhr erfolgen.
Abg. Brodauf (Dem.) wirft der Regierung vor, daß ſie gerade
die Regierungsparteien dadurch in Verlegenheit gebracht habe, daß ſie
mit ihrer neuen Beſoldungsordnung die geſamte Beſoldungs=
politik
der letzten Jahre über den Haufen geworfen
habe.
Abg. Lüzke (Wirtſch. Vgg.) verlangt, daß den Gruppen 16 un=
bedingt
das Exiſtenzminimum geſichert werde.
Abg. Kunze (Deutſchſoz.) nennt die letzte Beſoldungsregelung der
Regierung das Unſozialſte, das man ſich denken könne; aber die zu er=
wartenden
Beſchlüſſe des Reichstags würden bei den mittleren und den
unteren Beamten einen Sturm der Entrüſtung erregen, weil ſie völlig
unzureichend ſeien.
Damit ſchließt die Ausſprache. Die Abſtimmung findet am
Donnerstag ſtatt.
Das Haus vertagt ſich auf Donnerstag, 10 Uhr: Abſtimmung über
die Beamtenanträge, Sozialpolitiſche Anträge und ſozialiſtiſche Inter=
pellationen
über die Wirtſchaftskriſe und Arbeitsloſigkeit.
Schluß gegen 9 Uhr.

lauter Lügen, erwiderte er, ich vermöchte dergleichen nicht zu tun,
denn der Angekok, der infolge ſeiner Kunſt in der vorigen Nacht
im Himmel geweſen ſei, habe dort keine Spur von mir geſehen.
Er habe aber ein altes Weib geſehen, das den Kopf eines Kablu=
nak
in der Hand gehalten hätte, und einen Hund, der an den
Knochen einiger Kablunaken genagt hätte. Zu unſerer Beluſti=
gung
gingen wir abends jedoch hin. Der Verlauf war der gleiche
wie das vorige Mal. Sie erzählten uns dann auch einige Fabeln
und Gaukeleien.
Anfang März beſuchte ich die am weiteſten im Innern des
Meerbuſens wohnenden Wilden. Die Weibsbilder empfingen uns
mit Geſang. Es gilt dies bei ihnen als große Ehrenbezeugung
gegenüber den Fremden und als Zeichen, daß man bei ihnen
willkommen iſt. Die Grönländer im Meerbuſen fangen viele
Rotfiſche, ſodaß ſie im Winter weit beſſer leben als die, welche
am Meer wohnen. Dieſe fangen dafür aber allerhand Seevögel,
deren Federfelle ſie zu Unterkleidern verarbeiten. Die Grönlän=
der
hatten große Begierde, die bibliſchen Bilder zu ſehen und
von den göttlichen Dingen zu hören. Ein kleiner Knabe, der zu
mir kam, trug ein Stück verfaultes Holz am Hals. Als ich fragte,
zu was es nützte, antwortete der Vater, es ſolle Glück bringen.
Eine alte Frau trug den Kinnbackenknochen eines Fuchſes und
einen Rabenfuß, wie ſie ſagte, gegen den Tod. Als ich ihnen
auseinanderſetzte, daß dies nutzlos und ungöttlich ſei, riſſen ſie
die Amulette vom Halfe und warfen ſie weg.
Am 9. März kamen einige unſerer Nachbarn, um allerhand
Sachen bei uns anzufertigen. Als ich fragte, warum ſie dies nicht
zu Haus machten, antworteten ſie, da einer der Ihrigen geſtorben
ſei, dürften ſie dies nicht zu Haus machen, um beim Nahrungs=
erwerb
kein Unglück zu erleiden.
Am 14. April ſahen wir das erſte Schiff nach Norden vorüber=
fahren
. Auch die Grönländer verließen ihre Winterquartiere, um
während des Sommers in Zelten zu wohnen und umherzuſtreifen.
Ein Grönländer, der in der Nähe wohnte, verſtieß ſeine Frau,
da ſie arg und böſe wäre, und nahm ſich eine andere. Sie ſagten,
daß es bei ihnen Sitte wäre, ihre Weiber wegzujagen, wenn ſie
nicht nach ihrem Sinn wären.

* Zu dem Bach=Konzert in der Stadtkirche am Mon=
tag
wird uns berichtigend mitgeteilt, daß die Solovioline an
Selle der verhinderten Frau Pfuhl=Flöring von Herrn Kammer=
muſiker
Jäger geſpielt worden iſt.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 2G. Juni 1924.

Seite 4.

*Die Ausgewieſencn.
Uns wird geſchrieben:
In den Kreiſen der Ausgewieſenen ſieht man den kommenden
politiſchen Verhandlungen mit größter Spannung entgegen.
Zwar hat der franzöſiſche Miniſterpräſident Herriot ausdrücklich
davon geſprochen, er wolle in der Frage der Zurückberufung der
Ausgewieſenen und Befreiung der Gefangenen Gerechtigkeit
üben, aber bald darauf hat er den Ausſpruch getan, es ſollten
die kleinen Beamten und Angeſtellten, die ja eigentlich nichts
getan hätten, zurückberufen werden, bei den anderen ſolle von
Fall zu Fall geprüft werden. Das iſt keine Gerechtigkeit. Wer
wurde denn eigentlich ausgewieſen? Zunächſt viele Eiſenbahn=
und Poſtbeamte, weil ſie lediglich der Anweiſung ihrer Regie=
ung
nachgekommen waren. Daß man dieſe jetzt, wo der Nuhr=
krieg
aufgehört hat, freigibt, iſt doch eigentlich ſelbſtverſtändlich,
mögen ſie nun untere, mittlere oder höhere Beamte ſein. Dann
wurden andere Beamte wie Richter, Lehrer, Leiter höherer Lehr=
anſtalten
, vor allem aber auch ſehr viele Privatleute, wie Nechts=
anwälte
, Aerzte, Kaufleute, Fabrikanten uſw., ausgewieſen, die
überhaupt nichts getan hatten, was man etwa als feindliche
Handlung hätte auslegen können. Keiner dieſer Ausgewieſenen
kann einen Grund hierfür angeben. Denunziation? Mag ſein,
dann aber kann nur die Geſinnung denunziert worden ſein,
denn hätten Tatſachen vorgelegen, hätte man den Betreffenden
doch vor ein Kriegsgericht geſtellt. Nein, ohne Verhör, bei Nacht
und Nebel wurden ſie aus ihren Betten geholt, mußten Haus
und Hof, Beruf und Geſchäft innerhalb einer Stunde verlaſſen;
Gründe wurden niemals angegeben.
Nun meldet ein Mainzer Blatt, die Kreisdelegierten ſeien
angewieſen, eine Liſte derjenigen Ausgewieſenen aufzuſtellen, die
der Rückberufung würdig ſeien. Dieſe Nachricht gibt zu erneu=
ten
Befürchtungen Anlaß; aber auch der Grund der Aus=
veiſung
derjenigen, die nicht zu den Beamten des paſſiven
Widerſtandes gehören, ſchimmert hier deutlich hervor. Frank=
reich
hat noch vor einem Jahr feſt an die Rheiniſche Republik
geglaubt. Da mußten vorher diejenigen aus dem Rheinland
heraus, die ihrer Geſinnung und Charakteriſtik nach als Gegner
dieſes Planes zu fürchten waren und dieſelben will man nicht
wieder hineinlaſſen, weil der Plan noch immer nicht aufgegeben
iſt. Eine Maßnahme wie die Vertreibung von Haus und Hof
kommt in anderen Staaten nur bei todeswürdigen Verbrechen
in Anwendung, und wir Deutſchen ſollen im eigenen Vaterlande,
faſt 6 Jahre nach dem ſogenannten Friedensvertrage, uns eine
derartige Demütigung von einer fremden Nation gefallen laſſen?
Ausgewieſen werden, lediglich weil man deutſch denkt? Wenn
Frankreich dieſes Unrecht nicht einſieht, muß das demokratiſche
Deutſchland, ja die ganze Welt ihm klar machen, wie infam ſeine
Handlungsweiſe iſt. Hier geht es nicht um das Wohl und Wehe
einiger Hunderter oder Tauſender, es geht um die Würde und
Ehre des ganzen detſchen Volkes. Darum iſt mit Recht die Zu=
rückberufung
der Ausgewieſenen und Befreiung der Gefangenen
ein Ehrenpnkt genannt worden, der die ſelbſtverſtändliche Vor=
ausſetzung
für unſere Annahme des Gutachtens iſt; es muß aber
auch mit unbedingter Zähigkeit hieran feſtgehalten werden.
Die Unſicherheit in der Pfalz.
Raubverſuche franzöſiſcher Soldaten.
Landau, 24. Juni. Die Bevölkerung von Landau und
Umgebung, die bekanntlich ſchon im Mai unter Raubüber=
fällen
bewaffneter Marokkaner, ſchwer zu leiden
hatte, iſt durch Raubverſuche von zwei weißen fran=
zöſiſchen
Soldaten und eines franzöſiſchen Ziviliſten
erneut in große Unruhe verſetzt worden. Trotz Anzeige bei der
Militärbehörde ſind die Täter noch nicht ermittelt worden.

Der Graff=Prozeß in Stettin.
Stettin, 25. Juni. Nach der Eröffnung der heutigen Ver=
handlung
werden zunächſt die eingetroffenen Briefe des in
Aachen verurteilten Schupobeamten Grabert an Fräulein Gabriel
verleſen. Hierauf wird Waffenmeiſter Leiphold vernommen,
dem die in der Friedrichsſchule im Luftſchacht gefundene Waffe
zur Begutachtung vorgelegt worden war. Der Zeuge ſtellte da=
mals
feſt, daß der Lauf nach dem Gebrauch gereinigt ſein mußte,
da keinerlei Spuren von Roſt ſich zeigten. In Uebereinſtimmung
mit einem ſpäter abgegebenen Gutachten eines belgiſchen Ober=
ſten
hat Leiphold ſchon damals feſtgeſtellt, daß die Waffe gewiſſe
Merkmale trage, die ſich an den abgeſchoſſenen Patronen genau
abzeichnen müßten. Auf Einwurf des Verteidigers, daß das
Gutachten nicht vorliege, ſtellt der Generalſtaatsanwalt feſt, daß
man bei den belgiſchen Behörden den Antrag geſtellt hatte, Ver=
treter
an der Verhandlung teilnehmen zu laſſen, ſowie dem Stet=
tiner
Gericht die Waffenbücher auszuliefern und auch das bel=
giſche
Gutachten dem deutſchen Gericht zugänglich zu machen.
Alle drei Anträge ſeien abgelehnt worden.
Der Terror in Oberſchleſien.
Warſchau, 25. Juni. (Wolff.) Bei Beratung des Haus=
halts
für das Innenminiſterium ſagte der deutſche Abgeordnete
Kronig=Lodz über den Terror in Oberſchleſien, die Zuſtände dort
ſeien geradezu ſchrecklich. Es gehe ſo weit, daß deutſche Theater=
aufführungen
geſprengt würden. Sogar deutſche Gewerkſchafts=
verſammlungen
würden auseinandergejagt. Die Vertrauens=
männer
der deutſchen Organiſationen würden von der Bevölke=
rung
ſo terroriſiert, daß ſie ihre Funktion nicht ausüben könn=
ten
. Auf der Straße dürfe nicht deutſch geſprochen werden. Der
Terror in Oberſchleſien gehe ſo weit, daß beſondere Liſten der=
jenigen
Eltern zuſammengeſtellt würden, die den Antrag auf
Errichtung einer Minderheitsſchule unterzeichnet hätten. Es
käme ſogar vor, daß ſich der Staatsanwalt an den Vorſtand der
Inſurgentenverbände wende, um deſſen Gutachten über zu ver=
haftende
Perſonen einzuholen.
Die Penſionsrechte der öſterreichiſchen
Bundesangeſtellten.
Wien, 25. Juni. In der geſtrigen Ausſchußſitzung der Beam=
tenorganiſationen
, die ſich mit der neuen Beſoldungsordnung beſchäf=
tigte
, hatte der Finanzminiſter Kienböck über die Neuregelung der Pen=
ſionsrechte
der Bundesangeſtellten erklärt, daß die volle Penſion, die
bisher 90 Prozent der Geſamtbezüge betrug, nunmehr auf 78.3 Proz.
der Geſamtbezüge herabgeſetzt werden ſolle. Gleichzeitig ſoll die volle
Dienſtzeit von 30, bzw. 35 Jahren auf 35, bzw. 40 Jahre erhöht wer=
den
. Der Finanzminiſter ſtimmte zu, daß die durch die Beſoldungs=
ordnung
feſtzulegenden Bezüge vom 1. Mai rückwirkend gemacht wer=
den
. Die Erklärung des Finanzminiſters über die Verlängerung der
Dienſtzeit und die Einſchränkung bei der Neubemeſſung der Penſions=
bezüge
haben in der Angeſtelltenſchaft und in parlamentariſchen Krei=
ſen
, beſonders bei den Großdeutſchen, Unruhe hervorgerufen und zu
einer gewiſſen Spannung, in der innerpolitiſchen
Lage geführt. Es wird wohl anerkannt, daß die Vorſchläge der Re=
gierung
unter dem Druck der Genfer Beſchlüſſe erfolgt ſind. Man er=
klärt
jedoch, daß wegen der berechtigten Forderungen der Veamten=
ſchaft
ein Kompromiß mit den finanziellen Möglichkeit des Staates ge=
funden
werden müßte. Im Zuſammenhang mit dieſen Schwierigkei=
ten
fand, den Blättern zufolge, heute eine Sitzung der großdeutſchen
Parteileitung ſtatt, an der außer den Abgeordneten auch die großdeut=
ſchen
Miniſter teilnahmen.

Rummer 176.

Eine Unterredung mit Theunis.
Die Entwaffnung und Ausbeutung geht weiter.
Paris, 25. Juni. (Wolff.) Der Sonderberichterſtatter des
Matin hatte geſtern kurz vor der Abreiſe Herriots nach Paris
eine Unterredung mit dem belgiſchen Miniſterpräſidenten Theu=
nis
. Es entwickelte ſich folgendes Frage= und Antwortſpiel:
Wann wird man das Ruhrgebiet militäriſch
räumen? Macdonald hat nach dieſer Richtung nichts ver=
langt
und nichts vorgeſchlagen. Man ſieht für ſpäter eine Ab=
änderung
des Charakters der Beſetzung nach
einem Plan vor, den General Degoutte auf Verlangen Poincarés
ausgearbeitet hat, aber nur wenn Deutſchland be=
zahlen
wird.
Was verſtehen Sie unter zahlen‟? Wir verſtehen
darunter, daß nicht nur die Bons und die Obligationen, die von
Deutſchland unterzeichnet wurden, uns überliefert werden, ſon=
dern
, daß dieſe Titel durch einen befriedigenden Beginn der
Plazierung vollkommen marktfähig, alſo kommerziell gewor=
den
ſind.
Wann werden Sie aufhören, das Ruhrgebiet auszu=
beuten
? Wenn durch die reſtloſe Inkraftſetzung des Sach=
verſtändigenberichts
die Pfänder, die wir in den Händen halten,
in allgemeine Pfänder des Deutſchen Reiches, wie
ſie der Bericht vorſieht, umgewandelt worden ſind. Als
Garantien werden wir alle die fordern, die der Bericht
vorſieht und die ſind beträchtlich und auch noch poli=
tiſche
Garantien, die durch ein vorangegangenes Einver=
ſtändnis
zwiſchen den Gläubigerregierungen begründet werden
ſollen.
Man hat von einem Akt geſprochen, der von den Deutſchen
gezeichnet werden, und der an die Stelle gewiſſer Ab=
ſchnitte
des Verſailler Vertrages treten ſoll.
Ein vollkommener Irrtum. Wir ſehen nichts vor, noch
haben wir irgendetwas anzunehmen, das einer Erneuerung des
Vertrages ähnlich ſieht. Der Akt, von dem man ſpricht, wird
einfach ein Protokoll ſein, das notwendig iſt, weil durch die
Organe, die die Sachverſtändigen vorgeſehen haben, man viele
Rechte überſchreitet, die uns der Vertrag gibt, ſo wie er in dem
Briefe Clemenceaus an Graf Brockdorf=Rantzau erläutert wor=
den
iſt. Clemenceau hat verſprochen, daß ſich die Alliierten nicht
in die Verwaltung des Deutſchen Reiches einmiſchen werden.
Das Protokoll wird alſo nicht nur nicht eine Verminderung
unſerer Rechte herbeiführen, ſondern ſie im Gegenteil
vermehren.
Wird man feſt bleiben in Bezug auf die Kontrolle der
ſtrategiſchen Eiſenbahnlinien? Abſolut. Bel=
gien
wie Frankreich werden einig ſein, um dieſe Verhandlungen
mit England zu Ende zu führen.
In welchem Maße ſind die Alliierten bereit, die Sorge der
Sicherheit dem Völkerbund zu überlaſſen?
Für den Augenblick in keinem Maße. Die Entwaffnung
Deutſchlands wird mit Strenge durchgeführt
werden. Die Rolle des Völkerbundes wird ſpäter darin be=
ſtehen
, dem Sicherheitspakt zwiſchen Frankreich und Belgien
einen internationalen Wert und einen internationalen Rahmen
zu geben.

Ihre Verlobung beehren ſich anzuzeigen
Lieſel Luther
Fritz Kloos
Mainz, z. Zt. Darmſtadt, 25. Juni 1924

Eliſabethenſtift

Roßdörferſtr. 50

(*18362

Für die uns anläßlich unſerer
goldenen Hochzeit
in ſo reichem Maße erwieſene Aufmerk=
ſamkeit
und Liebe, insbeſondere auch für
die erhebende Einſegnung des Herrn
PfarrerBeringerſprechen wir aufdieſem
Wege unſeren herzlichſten Dank aus.
J. Gieſinger und Frau
Heinheimerſtr. 53.
(18400

Trautes Heim.
Geb. Beamt.= Kriegs=
witwe
, 51 J., evang.,
äußerſt rüſtig, geſund,
in jeder Beziehung
häuslich und tüchtig,
möchte lieben, guten,
gebild. Herrn kennen
lernen als Lebens=
gefährten
.
Zuſchriften unter
V 55 an d. Geſchäfts=
ſtelle
ds. Bl. (*18454

Strümpfe w. angeſtr.,
Wolle geſtellt Roß=
dörferſtr
. 23, I. (*sn
P

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Unſere herzensgute Mutter,
Schwiegermutter, Großmutter,
Schweſter und Tante, Frau
Eliſe Schmitt Ww.
geb. Weber
iſt heute früh von ihrem ſchweren
Leiden durch den Tod erlöſt
worden,
(8282
In tiefer Trauer:
Daniel Emil Schmitt
Luiſe Schmitt, geb. Jaeger
und drei Enkel.
Darmſtadt, Worms,
den 25. Juni 1924,
Die Einſegnung findet vor der
Ueberführung nach Worms, Don=
nerstag
nachmittag 4 Uhr, in der
Kapelle des alten Friedhofs,
Nieder Ramſtädter=Straße, ſtatt.

Dankſagung.
Für die erwieſene Teilnahme
beim Heimgange unſeres lieben
Entſchlatenen, ſowie für die vie=
len
Blumenſpenden ſagen wir
allen herzlichſten Dank. Insbe=
ſondere
gilt unſer Dank Herrn
Pfarrer Vogel für die troſtreichen
Worte am Grabe, ſowie der frei=
will
. Sanit=Hauptkolonne vom
Roten Kreuz, der Gewerkſchaft
der Beamten, dem Ev. Arb.= u.
Handwerkerverein u d Direktion
der ſtädt. Betriebe für die Kranz=
niederlegung
.
Darmſitadt, den 25 Juni 1924.
Frau Marg. Dieter, geb. Friedrich
*18428
Stiftſtr. 27.

Todes=Anzeige.
Heute entſchlief plötzlich und unerwartet meine über
alles geliebte Frau, die treuſorgende Mutter meiner Kinder
Frau Kätchen Gräf, geb. Lich
Darmſiadt, Gießen, 24. Juni 1924.
Mülſerſtr. 41, I.
183
In tiefem Schmerz:
Ludwig Gräf, Rechnungsrat und Kinder.
Beerdigung in der Stille in Gießen. Blumenſpenden, ſowie ſonſiwelche
Beileidskundgebung dankend abgelehnt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrich=
tiger
Teilnahme bei dem Hinſcheiden
unſerer lieben Entſchlafenen, Frau
Gertrude Müller, Allen herzlichen
Dank.
(*18451
Familie Brehm, Duisburg.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Heimgang unſerer
teueren Entſchlafenen, ſowie für die
Kranzſpenden und beſonders für die
troſtreichen Worte des Herrn Pfarrer
Rückert herzlichen Dank. (*18344
Im Namen der
trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Weigert
Margarethe Klöß, geb Weigert
und Angehörige.

Leichen=
Transportwagen
gebraucht, beſpannbar, ſehr günſtig
abzugeben. Anzuſehen bei

Wagenbau Reeg
Groß=Umſtadt.

Sommersprossen!
Selbſt bei größter Sonnenglut wirkt
Créme Edelweiß
garant ſchnell u. ſicher. Orig. Kruke 3.
Parma-Schönheitswasser
beſchleunigt d. Wirkung weſentlich. Fl.
3.. Beide Artikel ärztl. empf. u. unſchädl.
Frau Eliſabeth Blancke
Hannover, Volgersweg 63. (IV,8042 F

Augenarzt Dr. Ollendorff
ist zurückgekehrt.
Frankfurterstr 42 (Augenklinik)
Sprechst.: 9½1, 2½5 Uhr
(auch für die Mitglieder sämtlicher
Kr.-Kassen u. Ersatzkassen), (K,7965

Meine Frau war über
50 Jahre mit einer
häßlichen

behaftet. Kein
geſundes Fleckchen hatte ſie auf
dem Leibe. Durch Zucker’s Patent=
Medizinal=Seife wurden die Flechten
in 3 Wochen beſeitigt. Dieſe Seife iſt
Tauſende wert. E. W. Dazu Zuckooh=
Creme (nicht fettend und fetthaltig).
In allen Apotheken, Drogerien und
Parfümerien erhältlich.

Heirat.
Dame, tüchtig im
Haushalt, evang., mit
angen. Aeuß., heiter.
Gem. u. tadell. Verg.,
wünſcht Herrn i. guter
Poſition, 35-45 Jahre
alt, kennen zu lernen.
Gemütl. Heim vor=
handen
. Ausführl.,
n. annon. Angebote
unt. U 128 an die
Geſchäftsſt. (*18258

Geb. Witwe
anf. 50, v. K., m. fein
Ausſteuer wünſcht b.
illeinſt. ält. Herrn die
Haushalt. zu führen.
Heirat n. ausgeſchl.
Vertr. Ang. nicht
anonym u. U 144
Geſchäftsſt. (18309

Holid. Fräul.
häusl. erzogen, 38 J.
wünſcht ſich zu
verheiraten.
Witwer mit 1 Kind
icht ausgeſchloſſen.
Angeb. unt. V 37 an
die Geſchſt. (*18413

Frl. in Stell., 27 J.
ilt, gute Verg., ſchöne
Frſchein., doch hier
fremd, ſucht auf d.
Wege mit ſolid. Herrn
bek. zu werden zw
ſp. Heirat. Angeb. u
V 4 Geſchſt. (*18327

Heirat.
Hübſche 24j. Mühlen=
u
. Gutsbeſitzerstocht.
mtt 200 000 Gmk. Bar=
ermögen
wünſcht
ſich mit Herrn auch
ohne Verm. bald zu
verheiraten dch. Frau
Sander, Berlin C 25.
(I. Bln,8267)

Herrſchaftliches
Schlafzimmer
(helleichen) m. groß.
Spiegelſchrank und
groß. Toilettentiſch
ſehr preisw. zu verk.
Näh. Herdweg 95,
Gartenhaus. (*18461

Billiger
Möbelverkauf.
Kompl. Schlafzim.
neu, kompl. Küchen=
einrichtungen
, Nuß=
baum
Betten m. Ma=
tratzen
von 30 GM.an,
Roßhaar=,Kapok= und
Wollmatratzen, Pfei=
lerſchränke
, Kommo=
den
, 1 u. 2 t. Kleider=
ſchränke
m. Weißzeug=
abtl
., Spiegel, Divan,
Sofa, Tiſch., Blumen=
Rauch= u. Ziertiſche.
Möbel An= u. Verkauf
Kunkel, Wienerſtr. 8
Teleph. 2497 (*13456

Trumeau
u. 1tür. Kleiderſchr.
zu verk. Eliſabethen=
ſtraße
23, III. (*18434

Fahrſtuhl
gepolſt. a. federn. m.
Gummiber. preisw.
zu verkauſen. (*18455
Grafenſtraße 26 I.

Kleiner
neuer Gasherd
m. Backofen (Junker
E Ruh) zu verkauf
Anzuſehen Friedrich=
ſtraße
14, I. (*18323

Motorrad
21 PS., Leerlauf,
Gänge, ſehr gut er=
halten
, zieht 2 Per=
ſonen
aus dem Srand,
umſtändeh preisw.
zu verk. Anzuſeh. ab
Uhr abends Roß
dörferſtr. 21, II. (*

1 Adler=
Motorrad
mit Getriebe
2 neue Herrenfahr=
räder
verk. (*18416
Georg Schwörer
Grafenſtr. 6

Eichler=Motorrad
2½ PS.
Franzani=Motorrad
3 PS., faſt neu
Amo=Motorrad
2 PS., gebr., zu verk
Ingenieurbüro
Wilh. Hock
Heidelbergerſtraße 44
Teleph. 2090. (*1845

Damenrad zu verk.
(Markenr ). Anz.v. 6an
Heinheimerſt 84, III.

Ein 4 PS.

fahrbereit, m. kleiner
Reparatur, ganz billie
zu verkaufen. (8268
Näh. Geſchäftsſtelle.

1 F. N. neues
Motorrad
3 PS. Getriebe, zwei
Gänge, 1Grade= Mo=
torrad
, Steuer und
Führerſch. frei, preis=
wert
abzug, (rieedf
Kranichſteinerſtr. 11

Plano
(Marke Berdux, Mün=
chen
), dunkel eichen
großes Konzert= In=
ſtrument
zu vk. (*nea
P. Kraft, Karlſtr.,
Ecke=Steinackerſtraße

Klavier
ſchw., gut. Inſtrum.,
billig zu verkaufen.
Näh. Geſchſt. (*18445

Kinderwag Kind.
Bettſtelle und großer
Schließkorb billig zu
verkauf. Inſelſtr. 19,
Hinterhs, III. (*18288

Aus laufender Fab=
rikation

Damen= und
Zu verkaufen Herrenrahmen
1 Photoapparat, 9/12, für Groſſiſten und

1 Spiegel m. Goldr., Händler abzugeben. (
60/100, 1weißlack. Bett/Kranichſteinerſtr. 11
mit Matr., alles faſt Faſt n. Stahlmatr.
neu, billig zu verk. f. 15 z. vk. (*18289
Näh. Geſchſt, (*18446) Wenckſtr, 84, I.

Faſt neue

LGemicten
Angebote u. V 19
Geſchäftsſt. (*18374

6 Zentner
Roggenmehl
ill z verk. Angeb u.
U131 Geſchſt. (8193

Eine Fuhre (18358
Heu zu verk.
Bolfhaus, Böllenfalltor.

Brillantkollie
aus Platin, für
Hälfte d. Wertes
verkaufen Zu e
Geſchäftsſt. Ceus

Hochf. Kinder=
wagen
all. Art
weit unt. Ladenpreis
zu vk. Kaffenberger,
Riedeſelſtr. 39. (*18423

Schuhmachermaſchine
(Singer) bill. z. verk.
od. gegen Herrenrad
zu tauſch. geſ. Anzu=
ſeh
. Rundeturmſtr. *
(Laden). ( 18311

Guterhaltener
Brennabor=Kinder=
Liege=Wagen
zu verk. Gutenberg=
ſtraße
33, I. (r1832ickt

2 P. D.=Halbſchuhe,
gelb u. grau (Gr. 37)
zu verkaufen (*18292
Schuchardſtr. 4, I. r.

Bücher!
Künſtler=
karten
!
Pſych.=ſex. Werke,
Photos, Hefte der
Schönheit, Lotte
Herrlich, Rich. Un=
gewitter
, ſowie Sit=
tenromane
und Aehn=
liches
umſtändehalber
preiswert zu verkauf.
Näheres: Holze
ſtraße 17, I. (18308

Hlee
Morgen zu verkf.
Nieder=Ramſtadt
Kirchſtr. 41. *18256
Achtung!
1 Grabeinfaſſung
für Einzelgrab, da=
ſelbſt
1 Grabſtein,
Natur=Granit, Vor=
deranſicht
geſchliff.,
Höhe 1,20 m, bill.
zu verkaufen. An=
zuſehen
von 5 Uhr
ab abends (826
Eberſtadt b. D.
Mingſtraße 15.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 26. Juni 1924.

Seite 5.

Die Diplomatiſchen Akten des Auswärtigen Amtes 1871-1914.
Eimorierter erſtmaliger Abdruck neuer Ookumente aus der jetzt erſcheinenden III. Reihe der großen Aktenpublikation des Auswärtigen Antes.*)

Deutſchlands Stellung zu England
im Burenkriege.
Intervention und Garantiefrage.
DVG. Cowes Auguſt 1895 jenes perſönliche Miß=
terſtändnis
zwiſchen Kaiſer Wilhelm II. und dem engliſchen
Fremierminiſter Lord Salisbury (vgl. Band 10, Kap. LX, der
Tktenſammlung des Auswärtigen Amtes) und die Krüger=
zepeſche
vom 3. Januar 1896 erſcheinen als Markſteine auf dem
Bege, den das deutſch=engliſche Verhältnis im erſten Jahrzehnt
des neuen Kurſes gegangen iſt. Dies iſt jedoch keineswegs ſo
4t deuten, als ob nun die deutſche Politik etwa ſeit 1895 eine
immer entſchiedenere, bewußt englandfeindliche Richtung einge=
ſhlagen
habe. Die ſpäteren Allianzverhandlungen, der Jangtſe=
Tertrag, aber auch die folgenden aus Band OVl der diploma=
tſchen
Dokumentenſammlung entnommenen Stücke legen ein
eugnis davon ab, daß Deutſchlands Beziehungen zum britiſchen
Aeiche noch immer durchaus freundſchaftliche geweſen ſind, und
daß zumal im Burenkriege, zur Zeit jener keineswegs Splendid
zwlation‟ Englands, trotz der eindringlichen Bemühungen ande=
ter
Mächte, gemeinſam gegen den Friedensſtörer vorzugehen,
das Deutſche Reich um ſo eher von Anfang an ſeine korrekt neu=
t
ale und loyale Haltung bewahrte, als jene anderen Mächte den
deutſchen Beſitzſtand in Europa in unzweideutiger Weiſe nicht
nmal garantieren mochten.
Der Staatsſekretär des Auswärtioen Amtes Graf von Bülow
an den Botſchafter in Petersburg Fürſten von Radolin.
Telegramm. Reinkonzept.
Ar. 41.
Berlin, den 3. März 1900.
Graf Murawiew hat hier im Auftrage Seiner Majeſtät des Kaiſers
9ikolaus durch Grafen Oſten=Sacken den Gedarken anregen laſſen, ob
C. nicht möglich ſein würde, dem ſüdafrikaniſchen Kriege durch eine ge=
n
einſame Vermittelung von Rußland, Frankreich und Deutſchland ein
Ende zu machen. Die hier von Graf Oſten=Sacken übergebene Eröff=
fung
lautet folgendermaßen:
Le Cabinet Impérial est davis, guſen vue des evenements du jour
du Succes récent des armes Anglaises, 1e moment. serait venu pour
Is Puissanges Continentales plus partieulierement interessces auk afkaires
1-Afrique, de chereher 2 sonjurer les grafes conscquenges que pourrait
aroir pour rösultat Uee rasement complet des républiques Sudakrieaines.
Ime pression amicale des Gouvernements euronéens aJant nour butz de
nrettre fin 4 1a lutte sanglante en Afrique, se présenterait d autant plus
d=sirable, aue Lopinion publigue dans tous les pays sympathisant
unanimement 2 1a dslense heroigue du fialeureuk peuple des Boers pour
Ne conservation de leur independanse se sent revoltée de 1indikkerense
des Gouvernements, devant leur lutte inegale contre 1a puissance de 1a
G-ande-Bretagne. Ie moment se presente sous des couleurs d autant
pus kavorables aue le theätre des hostilltés aJant eté transporté des
pesessions anglaises akriogines dans 1Btat lübre de 1Orange, ou les
amses anglaises viennent de remporter une Victoire de nature 4 Satisfaire
D amour propre national. Pour le Cas au les Gouvernements d Allemagne
g. de France eympathiseraint 4 Lidse dune pression amicale 4 ekercer
srr 1Angleterre, 1e Cabinet Impérial, en coovérant 4 Uentente entre
TAllemagns et 1a France pour atteindre le but indiaus, ne se rekuserait
rus, de son cöte, 4 ekerser son appui moral 4 ung detre repondant
aus prineipes humanitaires, prolesses par les Puissanges 4 la Contérence
L-ternationale de La Haye.
Dieſe Anregung, welche der Ausdruck der edlen und menſchenfreund=
l
hen Geſinnungen Seiner Majeſtät des Kaiſers Nikolaus iſt. kann uns
um ſo weniger überraſchen, da ſie naturgemäß aus der Stellung folgt,
nelche den Zaren veranlaßte, die Friedenskonferenz im Haag zuſammen=
z
berufen. Dieſe leitende Stellung bringt es auch mit ſich, daß Seine
Arajeſtät der Kaiſer Nikolaus zunächſt von ſich aus ermittelt, welche Auf=
yahme
der Friedensgedanke bei der Regierung Ihrer Majeſtät der
Königin Viktoria findet.
Was Deutſchland betrifft, ſo möchte ich ſchon heute ohne Bezug=
nahme
auf die vorliegende Frage ganz allgemein und prinziviell bemer=
km
. daß die deutſche Politik die Möglichkeit von Verwicklungen mit
arderen Großmächten und namentlich mit anderen Seemächten beſon=
ders
ſorgfältig vermeiden muß, ſo lange wir nicht der Haltung unſeres
Nruchbarn Frankreich ſicher ſind. Dieſe Sicherheit würde nur durch eine
Amachung geboten werden, durch welche die vertragſchließenden Mächte
ſich für eine längere Reihe von Jahren ihren europäiſchen Beſitzſtand
gugenſeitig garantieren. Eine ſolche Abmachung iſt daher für uns die
uotwendige Vorbedingung, um zu erwägen, ob wir uns in neue und
geit ausſehende Kombinationen einlaſſen können.
Auf allerhöchſten Befehl Seiner Majeſtät des Kaiſers erſuche ich
Crv. pp., ſich in dieſem Sinne gegenüber dem ruſſiſchen Miniſter des
Aeußern auszuſprechen.
Bülow.
Trr ſtellvertretende Botſchafter in London Geſandter Graf v. Metternich
an den Reichskanzler Fürſten von Hohenlohe.

Mit Erlaubnis des Auswärtigen Amtes und der Deutſchen Verlagsgeſellſchaft für Politik und Geſchichte bringen wir
nachſtehend aus den jetzt erſcheinenden neuen Bänden 1315 des großen amtlichen Aktenwerkes eine weitere Folge von Doku=
menten
zum Vorabdruck.

Entzifferung.
London, den .. März 1900.
Ar. 127.
(Eingegangen am 5. März.)
Wie ich erfahren, hat Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales
ſi vor einigen Tagen verſchiedenen Parlamentsmitgliedern gegenüber
in folgendem Sinne über deutſch=engliſche Beziehungen geäußert:
Seine Majeſtät der Kaiſer, ſowie die deutſche Regierung hätten
Gigland während des ſüdafrikaniſchen Krieges das größte Entgegen=
kummen
gezeigt und wiederholt Beweiſe von ihrer Sympathie für Eng=
latd
geliefert. Seine Majeſtät der Kaiſer verſtehe die ſüdafrikaniſche
Frage von Grund aus und wiſſe genau, daß es ſich dabei nicht um die
Goldminen Transvaals handele, wie die öffentliche Meinung des Kon=
iments
zu glauben ſchiene, ſondern um die Frage, ob England weiter
die prädominierende Macht in Südafrika bleibt oder von einer Afri=
fmerrepublik
ganz und gar verdrängt werden ſelle. England dürfe
ncht vergeſſen, daß es ſowohl dem kürzlichen Beſuch Seiner Majeſtät
des Kaiſers in England als auch der Haltung der deutſchen Regierung
im allgemeinen zu verdanken ſei, wenn keine Interbention ſeitens der
Finde Englands ſtattgefunden habe. ) An die deutſche Preſſe ſolle man
ſich hier möglichſt wenig kehren, die Hauptſache bleibe, daß die deutſche
Negierung England freundlich geſinnt ſei. Niemand könne leugnen,
daß dieſelbe ſich in den traurigen Tagen, welche England durchzumachen
gchabt habe, als treuer und zuverläſſiger Freund erwieſen hätte.
Metternich.
Randbemerkung Kaiſer Wilhelms II.:
2) Bravo! ſehr gut und ganz richtig.
Schlußbemerkung des Kaiſers:
Donnerwetter! Das iſt doch außerordentlich viel für den Prinzen
von) W(ales); ſoweit hat er ſich noch nie für uns engagiert! Ich bin
ihnn zu hohem Danke verpflichtet. Die Korreſpondenz dürfte doch wohl
Stvas zu ſeiner Anſicht beigetragen haben.
Der Konſul in Pretoria Biermann an das Auswärtige Amt.
Telegramm en elair. Konzept.
Pretoria, den 10. März 1900.
Ar. 10.
Auf Erſuchen der hieſigen Regierung melde ich, daß die Regierungen
dem Republiken um die freundſchaftliche Vermittelung der Kaiſerlichen
Regierung zur Herſtellung des Friedens bitten. Gleiches Erſuchen iſt
dem Vertretern anderer Mächte zugegangen. Regierung bittet ferner,
der öſterreichiſchen und ſchweizer Regierung die gleiche Bitte zu über=
mEtteln
. Empfangskeſtätigung.
(gez.): German, Konſul, Pretoria.
Die Große Politik der Europäiſchen Kabinette 18711914.
2ritte Reihe: Die Politk der Freien Hand. Im Verlage der Deut=
ſipen
Verlagsgeſellſchaft für Politik und Geſchichte m. b. H. in Berlin
R. 8.

Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes Graf von Bülow
an den Konſul in Pretoria Biermann.
Telegramm en clajr. Konzept.
Nr. 11.
Berlin, den 10. März 1900.
(Abgegangen am 11. März.)
Die Regierung Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers wird gern
bereit ſein, bei freundſchaftlicher Vermittelung mitzuwirken, ſobald die
Grundbedingungen einer ſolchen vorhanden ſind, d. h. ſobald feſtgeſtellt
iſt, daß beide Gegner dieſelbe wünſchen. Darüber, ob auf engliſcher
Seite dieſer Wunſch gegenwärtig vorhanden iſt, werden die beiden ſüd=
afrikaniſchen
Regierungen ſich entweder direkt in London oder durch die
guten Dienſte einer dritten Regierung Auskunft verſchaffen können, die
keine eigenen wichtigen Intereſſen in Südafrika wahrzunehmen hat.
Letztere Vorausſetzung trifft bei einer Anzahl von Staaten in Europa
und außerhalb Europas zu, jedoch nicht bei Deutſchland. Jeder derartige
Schritt der deutſchen Regierung würde daher den Verdacht erwecken, daß
wir andere als humanitäre Zwecke verfolgen, und das dadurch vermehrte
Mißtrauen würde der Sache des Friedens nicht förderlich ſein.
Dem Wunſche der ſüdafrikaniſchen Regierungen, ihre Bitte um Ver=
mittelung
auch an die öſterreichiſch=ungariſche und die ſchweizeriſche Re=
gierung
, deren Intereſſen durch das deutſche Konſulat in Pretoria wahr=
genommen
werden, gelangen zu laſſen, iſt ſelbſtredend ſofort entſprochen
Bülow.
worden.
Bei der Erörterung der Interventionsfrage im ſüdafrikani=
ſchen
Kriege hatte die deutſche Regierung Rußland wiſſen laſſen,
daß von einem gemeinſamen Vorgehen Rußland=Frankreich=
Deutſchland gegen England überhaupt nur dann die Rede
ſein könne, wenn der Status quo auf dem europäiſchen Feſtland
gewahrt, d. h. vor allem Frankreich ſich zu einer wirklichen
de jure=Anerkennung des Frankfurter Friedens bequemen
würde.
Der Botſchafter in Petersburg Fürſt von Radolin
an den Vortragenden Rat im Auswärtigen Amt von Holſtein.
Privatbrief. Unſignierter Auszug in Abſchrift.
St. Petersburg, den 11. März 1900.
In meinem heutigen Bericht über die Interventionen habe ich bei
der Garantiefrage vermieden, zu ſagen, daß, als Graf Murawiew mir
ſagte: Kein Miniſterium in Frankreich würde vierundzwanzig Stunden
am Ruder bleiben können, wenn es den deutſchen Wünſchen bezüglich
der Garantie entgegenkommen wollte er hinzufügte: Die elſaß= loth=
ringiſchen
Anſprüche laſſen die Franzoſen um keinen Preis fallen.
Ich wollte dieſes heikle Thema in meilem Bericht nicht erwähnen und
habe es daher umſchrieben, namentlich, nachdem man mir ſeinerzeit von
Berlin aus geſchrieben hatte, wir erkennen keine elſaß=lothringiſche
Frage an. Er, der Miniſter, hat auch nicht von einer elſaß= lothringi=
ſchen
Frage geſprochen, ſondern nur von den Anſprüchen der Franzoſen
auf dieſe Länder. Er meinte ferner, daß neben jener Angelegenheit
auch die bosniſche und die ſchleswigſche Frage aufgerollt würden und
Uz aus ſolchen Verhandlungen nahezu ein Kongreß ſich entwickeln
müßte. Das alles habe ich in meinem Bericht etwas modifiziert, um
Radolin.
keine unnützen Gegenbemerkungen zu provozieren.
Der Stellvertretende Botſchafter in London Geſandter Graf von
Metternich an den Reichskanzler Fürſten von Hohenlohe.
Ausfertigung.
London, den 28. März 1900.
Nr. 215.
Wie ich erfahre, hat Lord Rothſchild infolge der ihm zugegange=
nen
Mitteilung aus Paris, Deutſchland verſuche Frankreich und Ruß=
land
zur Interbention im ſüdgfrikaniſchen Kriege zu bewegen, ſtelle
aber dabei ganz exorbitante Forderungen für ſich ſelbſt, ſich erkundigt,
worin dieſe Forderungen wohl beſtänden, worauf ihm aus Paris die
Antwort zugegangen iſt, daß Deutſchland von der franzöſiſchen und
ruſſiſchen Regierung die Garantierung des vermanenten Beſitzes von
Elſaß=Lothringen verlangt habe.
Lord Rothſchild hält dieſe Nachrichten für ruſſiſchfranzöſiſche In=
trigen
, um zwiſchen Deutſchland und England Mißtrauen zu erwecken.
P. Metternich.
Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes Graf von Bülow
an den Stellvertretenden Botſchafter in London Geſandten.
Grafen von Metternich.
Nicht abgegangener Erlaß. Konzept.
Berlin, den 31. März 1900.
. . . Ich reſümiere kurz.
1. Wir haben bis heute niemanden zu keiner Zeit und in keiner
Form Anträge oder Sondierungen gemacht im Sinne einer antiengli=
ſchen
Aktion.
2. Wir haben unſere Ablebnung des neulichen formellen ruſſiſchen
Antrags auf freundſchaftliche Vermittlung damit motiviert, daß wir
nicht wüßten, ob der eine kriegführende Teil, nämlich England, die
Vermittlung wünſche, und daß nach diesſeitiger Anſicht es die Auf=
gabe
des Zaren, als des Einberufers der Haager Friedenskonferenz,
ſein würde, deswegen in London zu ſondieren.
3. Ganz unabhängig von dieſer ſchwebenden Frage, ganz allge=
mein
und prinziviell haben wir bei mehreren Anläſſen, wo unſere Mit=
wirkung
für Ziele der franzöſiſchen Politik in Anſpruch genommen
wurde, unſere Ablehnung in die Form gekleidet, daß ein Zuſammen=
gehen
in wichtigen Fragen nur denkbar ſei, wenn die Verbündeten ſich
ihren Beſitzſtand gegenſeitig formell garantierten.
Ew. pp. ſtelle ich anheim, das vorſtehende Material da zu ver=
wenden
, wo es von Nutzen ſein kann, d. h. wo Sie keiner feſten vor= Belgien
gefaßten Meinung begegnen.
Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes Graf von Bülow
an den Stellvertretenden Botſchafter in London Geſandten
Grafen von Metternich.
Telegramm. Konzept.
Berlin, den 1. April 1900.
Nr. 131.
Antwort auf Bericht Nr. 215 vom 28. v. Mts.
Die franzöſiſche Mitteilung iſt eine Lüge. Die
deutſche Regierung hat weder offiziell noch offiziös, etwa durch Mit=
telsperſonen
verſucht, Frankreich und Rußland zur Intervention im
ſüdafrikaniſchen Kriege zu bewegen.
Dagegen ſind an uns ſeit Jahr und Tag, ſowohl vor wie nach
Ausbruch des Transpaalkrieges, mehr als einmal Anregungen von
verſchiedenen Seiten herangetreten, welche bezweckten, die Mitwirkung Schweden
Deutſchlands für die Bildung einer antiengliſchen Kontinentalaruppe
zu gewinnen. Auf die übrigen Anregungen dieſer Art will ich hier
jetzt nicht eingehen, ſondern nur erwähnen, daß am 13. Februar d. J.
ein bekannter deutſcher Publiziſt, welcher Beziehungen in Paris hat,
mir mitteilte, die franzöſiſche Regierung habe, wie er höre, für ihre
auswärtige Politik den leitenden Grundſatz, daß über die meiſten
außereuropäiſchen Fragen eine Verſtändigung zwiſchen Deutſchland und
Frankreich möglich ſei. Die franzöſiſche Regierung wiſſe jedoch nicht, der Schiffbautätigkeit in Deutſchland gegenüber
wie die betreffenden Verhandlungen einzuleiten ſein würden, da man der beſte Gegenbeweis für die beſonders im Ausland aufge=
in
Berlin nicht geneigt ſcheine, deswegen die Initiative zu nehmen.
Aus dieſem Grunde ſtehe der ſeit vielen Jahren als däniſch= franzöſi=
ſcher
Agent bekannte Herr Hanſen bereit auf den erſten Wink nach
Berlin zu kommen und ſich mir zur Verfügung zu ſtellen. Gewinne z
alsdann aus meinen Beſprechungen mit Herrn Hanſen die franzöſiſche laſſen worden. Großbritannien baut wieder in großem Umfange
Regierung den Eindruck, daß wirklich ein Boden zum Zuſammengehen
vorhanden ſei, ſo werde der franzöſiſche Botſchafter in Berlin als=
bald
die entſprechenden Inſtruktionen erhalten.
Ich habe die Unterredung mit Herrn Hanſen abgelehnt, dies hat 2
jedoch die franzöſiſche Preſſe nicht verhindert, mit verdeckten, oder auch j
mit offenen Worten, z. B. im Gaulois vom 16. März, die Behaup=
tung
aufzuſtellen, Deutſchland habe wegen Bildung einer antiengliſchen
Gruppe ſondiert.
des lehnte die deutſche Regierung aus dem Willen zur ſtrikten ſchwung ſeiner Schiffahrt eine relativ erhebliche Zunahme aufzu=
Neutralität und Loyalität heraus auch den Empfang einer bei
den Mächten herumreiſenden Buren=Deputation ab.

Der Staatsſekretär des Auswärtigen Amtes Graf von Bülow
an Kaiſer Wilhelm II.
Ausfertigung.
Berlin, den 29. Dezember 1900.
Euerer Kaiſerlichen und Königlichen Majeſtät beehre ich mich al=
leruntertänigſt
zu melden, daß Dr. Leyds, der ſich zurzeit mit der
Burendeputation in St. Petersburg aufhält, wo ihm auch die Ehre
eines Empfanges bei Seiner Majeſtät dem Zaren zuteil geworden iſt,
nachſtehendes Telegramm an mich gerichtet hat:
Die Deputation der ſüdafrikaniſchen Republiken, Euerer Exzel=
lenz
Abweſenheit von Berlin im Augenblick ihrer Durchreiſe lebhaft
bedauernd, erſucht mich, das beifolgende Telegramm durch Euere Exzel=
lenz
gütige Vermittlung an Seine Majeſtät den Kaiſer weiterbeför=
dern
zu wollen.
Die ehrfurchtsvoll unterzeichneten Abgeſandten der ſüdafrikaniſchen
Rebubliken, in beſonderem Auſtrage ihrer Negierungen, bei den ver=
ſchiedenen
Mächten den Gedanken einer Friedensvermittlung anzuregen
und, wenn möglich, eine ſolche zu erwirken, nähern ſich Euerer Maje=
ſtät
mit der alleruntertänigſten Bitte, ſie der Gnade eines Empfanges
teilhaftig werden zu laſſen. Selbſt wenn auch unter den obwaltenden
Umſtänden Euere. Majeſtät allerhöchſtderen Einfluß in gedachtem
Sinne geltend zu machen nicht für wünſchenswert erachten, hoffen doch
die Abgeſandten im Hinblick auf die wiederholten freundſchaftlichen
Beziehungen Euerer Majeſtät zu den Republiken und in der feſten
Ueberzeugung, daß Euere Majeſtät gern helfen würden, den Frieden in
Südafrika wiederherzuſtellen, daß Allerhöchſtdieſelben verſtatten, vor
ihrer Rückkehr nach Südafrika Euerer Majeſtät alleruntertänigſt huldi=
gen
zu dürfen.
A. Fiſcher, Abgeſandter der Südafrikaniſchen Republik
und des Oranje=Freiſtaats.
C. H. Weſſels, Abgeſandter des Oranje=Freiſtaats.
A. D. Wolmerans, Abgeſandter der Südafrikaniſchen Republik.
Euerer Exzellenz gehorſamſter
Leyds.
Mit Rückſicht auf die von Euerer Majeſtät bereits mehrfach geäu=
ßerte
Willensmeinung geſtatte ich mir, Allerhöchſtdenſelben den ehr=
furchtsvollen
Vorſchlag zu unterbreiten, mich ermächtigen zu wollen,
den Geſandten Transvaals in freundlicher Weiſe dahin zu beſcheiden,
daß Euere Majeſtät durch die bereits getroffenen Manöverdiſpoſitio=
nen
verhindert ſeien, die Burendeputation zu empfangen.
Bülow.
Bemerkung Kaiſer Wilhelms II. am Kopf des Schriftſtücks:
Einverſtanden 30/XII. 1900 W.
Aufzeichnung des Vortragenden Rats im Auswärtigen Amt
von Lindenau.
Reinſchrift.
Berlin, den 5. November 1900.
Es dürfte ſich empfehlen, dem niederländiſchen Geſandten mündlich
und vertraulich zu ſagen, daß auf die auch hier eingegangene Vorſtel=
lung
der Transpaaldelegierten eine Antwort nicht beabſichtigt werde.
Vielleicht würde es von guter Wirkung ſein, dem Geſandten das Mar=
ginal
Seiner Majeſtät des Kaiſers ganz vertraulich zu zeigen.
Da auf ſeiten der Buren immer noch die Hoffnung zu beſtehen
ſcheint, eine Anlehnung bei Deutſchland zu finden, ſo möchte es ſich
empfehlen, die Gelegenheit zu benutzen, um dem niederländiſchen Ge=
ſandten
in eindringlicher Weiſe zu ſagen, wir hätten nicht unterlaſſen,
den Buren guten Rat zu erteilen, ſolange es noch Zeit geweſen ſei.
Von einer Agitationsreiſe des Präſidenten Krüger durch Deutſchland
aber könnten wir uns nicht den mindeſten Vorteil für deſſen Sache
verſprechen, und wir würden es deshalb nur im Intereſſe ſowohl Krü=
gers
, als auch der niederländiſchen wie der deutſchen Regierung gele=
gen
finden, wenn die niederländiſche Regierung ſeinerzeit den ihr doch
unzweifelhaft zuſtehenden Einfluß auf den Präſidenten Krüger, dahin
geltend machen würde, denſelben von ausſichtloſen Verſuchen abzuhal=
ten
, im jetzigen Stadium der Frage den deutſchen Einfluß zu ſeinen
Gunſten und gegen England mobil machen zu wollen.
Lindenau.
Der Weltſchiffbau 1924.
Innerhalb der Weltwirtſchaft und der Einzelwirtſchaften der
am Welthandel beteiligten Länder nimmt der Weltſchiffbau
eine bedeutſame Stellung ein. Ein Ueberblick über die Stapel=
läufe
in den wichtigſten Ländern während des 1. Quartals 1924,
verglichen mit dem Ergebnis des letzten Quartals 1923, führt zu
intereſſanten Aufſchlüſſen. Die Weltſtapelläufe in den Monaten
Januar bis März 1924 belaufen ſich nach Lloyds Regiſter auf
214 Schiffe mit 550 246 Br. R.T. und überſteigen damit die Er=
gebniſſe
des letzten Quartals 1923 um 200 000 Br.R. T., beweiſen
alſo deutlich den Aufſchwung des Weltſchiffbaus in
dieſem Jahre. Der Hauptanteil fällt auf England, wie fol=
gende
vergleichende Ueberſicht zeigt. (Die Zahlen in Klammern
ſind die Vergleichszahlen vom 4. Quartal 1923.)
1. Quartal 1924:
Zahl der Schiffe:
Br.=R.=To.

Großbritannien 126 (35) 361 508 (114588) 1 () 1980 Brit. Kolonien 3 (5) 2905 (3997) Danzig 1 (2) 165 (1560) Dänemark 8 (8) 14962 (18569) Frankreich (7) 22 490 (35 480) Deutſchland 14 (22) 2847 (68 041) Holland 8. (4) 6918 (14 280) Italien 4 (3) 23 830 (7 203) Japan 12 (9) 29 083 (21 107) Norwegen 2 (11) 1900 (12987) Spanien ( 3 720 () Portugal (1) (693) (4) 7400 (5950) Vereinigte Staaten 26 (16) 47 532 (27550) Man ich 550 246 (331 993). Der erheblichen". Zunahr me an engliſchen Stapel=

läufen um mehr als 200 Prozent ſteht ein ſtarker Rückgang
tauchten Behauptungen über die Gefahr der deutſchen Schiffbau=
konkurrenz
. In Deutſchland ſind im 1. Quartal nur zirka 38 Pro=
zent
der Tonnage des im letzten Quartal 1923 vom Stapel ge=
für
ausländiſche Rechnung. Es betreibt ſehr ſcharfe Konkurrenz
zur Hebung ſeiner Schiffbauinduſtrie gegenüber dem Ausland.
Neben England weiſen die Vereinigten Staaten eine Erhöhung
ihrer Stapelläufe um 20 000 Br. R.T. auf, trotzdem gerade die
amerikaniſche Schiffahrt alles andere als Mangel an Schiffsraum
Bülow. hat. Frankreich zeigt eine nachlaſſende Bautätigkeit, während Ita=
Wie den gefährlichen Interventionsvorſchlag des Zweibun= lien durch ſein Subſidienſyſtem und den unverkenndaren Auf=
weiſen
hat. Japan rangiert ebenfalls unter den Ländern mit zu=
nehmenden
Stapelläufen.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Tatinſtädler Tagblatt, Donuerstag, den 26. Junf 1924.

Rummer 176.

Nur Hoch heute!

Pie Sintelut
Großes amerikanisches Sensationsdrama in 5 Akten mit
Helen Chadwick, Richard Dix
Laisehen as Ard Faun
Kriminaldrama in 5 Akten, in den Hauptrollen:
Maud Manon, Alfred Abel, Hermann
Valentin, Rudolph Forster, H. Felik

Trachtenkest

OPOMA

Lieferung innerhalb Starkenburg
zu Vorzugspreisen (8140a
040-Masoninentavrlk
DARMSTADT
Pallaswiesenstraße 160.

G. T. V. Almrausch‟ Darmstadt
vom 28. Juni bis 2. Juli 1924
auf dem Festplatz Exerzierplatz Rheinstraße
Samstag, 28. Juni, abends 71/, Uhr: Abholen der
Fahne vom alten Schloß. 8 Uhr: Festkommers
mit feierlicher Fahnenenthällung.
PROGRANM
Großes Festkonzert
ausgeführt von der Musikvereinigung Harmonie unter
Leitung ihres Dirigenten Herrn Kammervirtuosen
L. Kümmel. Vorführung historischer und Ehren-
tänze
verschiedener Trachtenvereine. Vorträge erster
Künstler vom Landestheater
Sonntag, den 29. Juni, vorm. 111 Uhr Früh-
Konzert im Garten der Vereinigten Gesellschaft.
Punkt //,3 Uhr Großer
Trachtenäug
vom alten Bahnhofsplatz durch Rheinstr., Parade-,
Theater-, Ernst-Lndwigsplatz, Ernst-Lndwigstraße,
Ludwigsplatz, Elisabethen-, Saalbaustraße, Marien-
platz
, Neckar-, Rheinstr. zum Festplatz. Dortselbst
Großes Festkonzert
ausgeführt von 3 Kapellen u. Schrammelmusik.
Fortsetzung der historischen und Ehrentänze.
Preisverteilung.
Wein Kaffee Enzian Eis Bierzelte
Bratwürste vom Rost.
Großer Juxplatz mit verschiedenen Ueberraschungen.
Weiteres Programm für die nächsten Tage folgt.
(8252
Kartenvorverkaufsstellen:
Verkehrsverein Ernst-Ludwigsplatz, H. P. Leuthner,
Ernst-Ludwigsplatz, Friseur Fröhling, Rheinstraße,
Hansa-Hotel, Rheinstr., Zigarren-Gesch. Funk, Neckar-
straße
, Zigarren-Gesch. Marchand, Heidelbergerstraße,
Friseur Merkert, Saalbaustr., Hut-Schild, Elisabethenstr.

Gebrauchte Möbel
aller Art (6522a
O Ernst-Ludwigstrasse O
Hinterhaus
verkauf von 2 bls 6 Uhr.

Haben
Sie Stoff?
Schneidermeiſter fer=
tigt
elegante Herren=
garderobe
unter Ga=
rantie
für Sitz und
Verarbeitung zu bil=
igſten
Preiſen an.
Zuſchriften u. U 141
an die Geſch. ( 18268

Herde
werden ſofort repa=
riert
u. ausgemauert.
W. Zimmer
Gardiſtenſtr. 11., (eune

Beſſ. Herrenwäſche z.
Waſchen, Bügeln w.
ang., daſelbſt jed. Art
Flickarb. Saalbauſtr.
6, Mſde, r. (e18254

Union-TheaterlResidenn-Theater

Nur noch heute Donnerstag
Mibelungen I. Teil:
Siegfried‟
Anfang letzte Abendvorstellung 1,8 Uhr.
Ab Freitag: (18440
Mibelungen H. Teil:
Kriemhilds Rache‟

Das Licht um
Mitternacht
Detektiv-Roman in 5 Akten
Hauptdarsteller:
Max Landa
Artistentreue
Schauspiel in 4 Akten
In der Hauptrolle:
Hanne Brinkmann und
Bruno Kastner.

Der Vorverkauf zu

TSelatigerr . 1ei
Kriemhilds Rache
beginnt heute v. 10 12 u. ab 2½a Uhr an der Kasse des
UNTON.THEATER
Es werden nur soviel Karten ausgegeben, wie Sitzplätze vorhanden sind.
Sichern Sie sich jetzt schon Karten, Vergünstigungen sind aufgehoben, (*18449

Kragen=, Hemden=, Bluſenwäſcherei
Rei n go 1 d
liefert ſchnell gut und billig
Die Wäſche wird auch abgeholt
Telephon 236 Reingold Telephon 736
Wilhelminenftraße 6 Kranichſieinerſtraße 28

Saalbau.
(825
Heute
Donnerstag-Konzert
mit Festbeleuchtung Anfang 8 Uhr Fr. von Flotow.
Sämtliche Passepartout-Karten müssen mit
dem Stempel F. Micklev u. R. Ludwig ver-
sehen
sein. Vereinskarten mit Vorzugs-
preise
können b. R. Ludwig Zigarrengeschäft,
Karlstraße in Empfang genommen werden

Suten u. Beuler
Jakob Skurnik, Wendelſtadtſtr. 28, Tel. 1791.(*

AUSSTLLLONZ
von Aguarien und Terrarien einschließl.
großer Tier- und Pflanzenschau in der
Gärtnerei Schneider (Inhaber Kühn)
Schwanenstraße 39
vom 29. Juni bis 6. Juli 1924
Die Ausstellung ist v. 9-7 Uhr ununterbrochen geöffnet
Eintritt 40 Pfg. Kinder 20 Pfg.
Verein für Aguarien- und Ter-
rarienkunde
Hottonia‟.

Landestheater.
Großes Haus.
Zuſatzmiete VIII2,
Martha
Anfang 7, Ende 10 Uhr.
Preiſe: 0,808 Mk.
Kleines Haus. (V‟‟
Keine Vorſtellung.

TOT

trinkt man
echt Berliner Weissbier?

des Odenwaldgaues (D. T.)
am 28., 29. u. 30. Juni 1924 in
Beerfelden i. Odw.
Samstag, den 28. Juni 1924: Feſtkommers
auf dem Feſtplatz mit turneriſchen Son=
dervorführungen
ſowie großem Pracht=
Feuerwerk.
Sonntag, den 29. Juni 1924: Vormittags
Wetturnen mit anſchließender Gedächt=
nisfeier
am Grabmal des Odenwälder
Turnvaters F. W. Zitzer. Nachmittags
großer Feſtzug, Schauturnen ſowie
Volksbeluſtigungen aller Art auf dem
Feſtplatz.
Montag, den 30. Juni 1924: Turneriſche
und ſportliche Vorführungen ſowie
Volksbeluſtigung.
(IV. 8261
Reich aus geſtatteter Juxplatz.

im
Café-
Restaurant 95
Schlossg. 2.

Zur gold. Rose

Rleines Haus. 633tmdt
Sommerſpielzeit
Bruno Harprecht
Eröffnung:
Samstag, 28. Juni
Wenn der junge
Wein blüht.

Laſtauto=Transporte
nach allen Richtungen
Be= und Entladen von Waggons
übernimmt bei billigſter Berechnung
Wilhelm Schwab
Beſſungerſtr. 88 / Laſtautobetrieb /Tel. 622

Tel. 1997.
Wefnaf2f53f5253f523
Anfertigung eleganter
Herrengarderoben
erſtklaſſige Arbeit, billigſte Berechnung
Maßſchneiderei
W. Waldherr
Schuchardſtraße 11, II. (7890egie

Damen= und
Herren=Kleider
werden in kurzer Zeit
735a
gereinigt, gefärbt und gebügelt
Trauergarderobe
wird ſofort gefärbt
Billigſte Preiſe!

Färberei Reingold
ninenſtr.
Kranichſteinerſt

Couserven glas verschliesser

erhältlich Rossdörferstrasse 102
Nachahmungen weise man zur
Die Gen.-Agentur.

Gartenbau=
verein

Darmſtadt.
Samstag, 28. Juni,
nachm. 4½ Uhr,
Beſichtigung des
Botaniſchen
Gartens
unter Führung des
Herrn Garten= In=
ſpektors
Purpus.
Zuſammenkunft am
Eingang in der Roß=
dörferſtraße
(8249
Der Vorſtand.

Für Architekten.
liche Kunſtzeit=
ſchrift
. (Architek urw
Reißbretter, Reißſch.
etc. bill. z. verk. Lager=
hausſtr
. 16, I. (1829

nimmt ein 10
Wer Tage alt. Kind
in Pflege an? (18384
Angebote u. V 29
an die
eſchäftsſt

Herzensditte.
Wer nimmt von einer
armen Mutter ein 10
Tage altes Kind für
eigen an?
Angebote u. V 2
R3

100 cm breit
Damen=Kleiderſtoffe
in reizenden, bunten Streifen für
*Bluſenröcke 4
Haus=, Straßen=, Touren= und Sportkleider
Indanthrenfarbig
daher licht=, luft,, waſch=u. tragecht
Qualitäts=Ware

per

Meter M. 2.95

Woog, 25. Juni 1924
Taſſerhöhe 3,83
Luftwärme 182 C
Zaſſerwärme vorm
7 Uhr 210 C.

Georg Hein
Teinen= und Bwollwaren=Kleiderſioffe
Tuchlager
Ernſt=Ludwigſtraße 20, I.. Telephon 2984

Steigen Sie nur eine
Treppe und Sie ſparen
Auf Wunſch lege bei einer An=
viel
Geld!"
zahlung das Gekaufte zurück!

8257

Kirſchenenterricht!
Franzöſiſch Engliſch
30hälhebe StenographieMaſchinenſchreiben
Deutſche Kprachlehre
krauben,
zu jeder Tageszeit, bei gründl. Ausbildung=
Stachelbeeren HansSchlöſſer
Schwanenſtraße 30, I. (*16836
zum Einmachen,

nur Ia Qualität,
tußerſt ſolider Preis.
Beſtellungen bei:
A. Jakobi,
Karlſtraße 26, (*18382
P. O. Schnell,
Heidelbergerſtraße 47.
Sofortige Lieferung.

Halbſtück=
Fäſſer
aus Kaſtanienholz
preiswert abzugeben.
Juan Prim
Wein=Import
Darmſtadt
Mathildenpl. 8. (7962a

Paßbider
in einer Stunde (200a
billig und gut.
Thiele Nachf.
nur Bleichſtr 9. Tel. 1912.

Triumph=
Motorräder
ſofort billigſt
lieferbar (eda
J. Donges& Wieſt.

Frucht
Presse
verleiht
ſtundenweiſe
Hugo Neurohr,
Haus= u. Küchen=
geräte
,
Wenckſtraße 2, Ecke
Pankratiusſtr.
eleph. 2950. (8280

Neue und ge=
brauchte

Säcke, waſſerdichte u.
Sommerpferde=
decken
, neue u. ge=
brauchte
Wein=, Gar=
ten
= u. Jaucheſäſſer,
ſowie Bütten
empfiehlt zu be=
deutend
herab=
geſetzten
Preiſen
Max Fabian,
Darmſtadt,
Aliceſtraße 3. (*18303

23 Stück oberheſſiſche,
etwas reife ſpeckige
Handkäſe nur 1Mk.,
friſche grüne Erbſen,
3 Pfd. nur 1 Mk., bei
L. Stilling Wtw.
Hochſtraße 4, (*18358

Jagd.
für Nähe Darmſtadt
(Bahnſtation), guter
Wildſtand, wird noch
Teilhaber angenom=
men
. Ang. u. V 14
an d. Geſchſt. (* 18360

Dir verkauf. an
Hauſiererm. Händler
ein glänzenden gang
baren Artikel zu ganz
außergewöhnl. billig.
Preiſen. Adreſſe zu
erfr. Geſchſt, (*18398

Wihein Mohk. Dumſat
Zimmergeſchäft u. Sägewerk
Kirſchenallee 93
übernimmt
Zimmerarbeiten.

jeder Art,

03a

Lohnſchnitt
auf neueſten Maſchinen.

Bekanntmachung.
Vom 1. Juli ds. Js. ab, gelangen
die
Fahrſcheinheftchen
10 Fahrſcheine für 14 Teilſtrecken gültig,
zur Wiederausgabe. Die Heftchen ſind zum
Preiſe von 1.80 für 1 Stück beim Schaffner,
ſowie bei den öffentlichen Fahrkarten=
Rr4
Verkaufsſtellen erhältlich.
Darmſtadt, den 25. Juni 1924,
Heſſiſche Eiſenbahn=A.=G.

Nicht

laſſen

durch Angebote billiger Ramſchware. Le=
der
im Ausſchnitt, Gummiſohlen und Ab=
ſätze
und ſonſtige Schuhbedarfsartikel in
nur beſten Qualitäten kaufen Sie am
0a
billigſten im
Spezialgeſchäft carlabt.
Alexanderſtraße 16.

Herrenſohlen u. Fleck 4 Mk.
normale Größe
Damenſohlen u. Fleck 3 Mk.
Nur bei
Thalheimer & Söhne
Arheilgerſtraße 66. (72734
Verarbeitung von prima Kernleder.

R

Bauzwecke
billig abzugeben, da überzählig:
3 Stch. Flacheiſen 4 4 m lang, 40X20 mm
A 4,5 m lang, 80 X10
A 4,5 m lang, 100X12
A 6 m lang. 120 X10
3 U-Eiſen 4 12 m lang. Normalprofil 12
14
A 14 m
2
6 Winkeleiſen 6,5 m lang, 50X50 X5 mm
3 faſt neue moderne Dauerbrandöfen
ca. 1000 m Eiſendraht 57 mm Drchm.
1 Stab Rundeiſen 75 mm Drchm. 6300 19=
1 Stab gez. Rundeiſen 70 mm Drchm. 6800 1h=
Angebote unter V 26 a. d. Geſchäftsſtelle

Autogaragen
Motorradgaragen
aus Wellblech, feuer= und diebes
ſicher, zerlegbar, transportabel, ab
Lager lieferbar. Angebote u. Pro=
(FV,7391
ſpekte koſtenlos.
Gebr. Achenbach, G. m. b. K.
Eiſen= und Wellblechwerke
Weidenau=Sieg, Poſtfach Nr. 420
(Weſtf., unbeſ. Gebiet)

[ ][  ][ ]

Rummer 126.

Daztuſtä"

bli.

Aus der Landeshaupiſtadt.

Seite 3.

Darmſtadt, 26. Juni.
Tagesordnung für die öffentliche Sitzung des Heſſiſchen Verwal=
tungsgerichtshofes
am Samstag, den 28. Juni 1924, vormittags 9 Uhr.
1. Vorbereitendes Verfahren gegen den Polizeiwachtmeiſter Philipp
Steinbach und Genoſſen in Worms wegen Mißbrauch der Amtsge=
walt
; hier Vorentſcheidung.
Heſſ. Landestheater. In der heutigen Aufführung von Martha
ſingt Martha Bommer vom Staatstheater in Wiesbaden die Partie
der Lady. In der Partie des Lionel tritt Ludwig Weller zum letzten
Mal vor ſeinem Ausſcheiden aus dem Verband des Landestheaters auf.
Für dieſe Vorſtellung gilt die zur Vollmiete B gehörige Zuſatzmiete VIII.
DDie gültigen Eintrittskarten können noch heute vormittags von 912½
Uhr und nachmittags 3½6½ Uhr gegen Vorzeigung der Mietquittung
an der Hauptkaſſe eingetauſcht werden.
Alexis af Enehjelm wird ſich am Freitag, den 27. Juni, als Canio
im Bajazzo vom Darmſtädter Publikum verabſchieden. Dieſe Auf=
führung
fäut den zur Vollmiete C gehörigen Zuſatzmieten IV und X zu.
DDie für die Vorſtellung gültigen Eintrittskarten können heute, Donners=
stag
und morgen, Freitag, gegen Vorlage der Mietquittung an der
Hauptkaſſe in der Zeit von 912½ Uhr und 3½6½½= Uhr in Empfang
genommen werden. In der am Samstag ſtattfindenden Aufführung
won Lortzings Beiden Schützen wird Paul Peterſen vor ſeinem
Ausſcheiden aus dem Verband des Landestheaters, dem er 14 Jahre an=
gehörte
, zum letzten Male als Wilhelm vor das Darmſtädter Publikum
Treten.
Fräulein Martha Ziegler, eine geborene Darmſtädterin, die vor
Xurzem als Luiſe in Kabale und Liebe mit ſchönem Erfolg gaſtierte,
wurde für drei Jahre an das Düſſeldorfer Schauſpielhaus Dumont=
indemann
verpflichtet.
Sommerſpielzeit Bruno Harprecht. Die noch nicht abgeholten
Mietkarten für die diesjährige Sommerſpielzeit im Kleinen Haus kön=
men
von heute an nur noch vorm. von 101 Uhr an der Kaſſe des
Kleinen Hauſes eingelöſt werden. Die erſte Mietvorſtellung der Mon=
gagsmiete
findet am Montag, den 30. Juni, ſtatt und bringt Björnſons
Puſtſpiel Wenn der junge Wein blüht . . . ." in der Premieren=
Beſetzung.
Im Donnerstagkonzert im Saalbau gelangen u. a. zum Vortrag:
Duverture z. Op. Stradella von Flotow, Fantaſie aus Hoffmanns
Erzählungen von Offenbach, Divertiſſiment aus Die Meiſterſinger von
Michard Wagner, Ouverture z. Op. Tell von Roſſini, Auszüge aus Das
UGlöcklein des Eremiten von Mailhart. Es ſei an dieſer Stelle nochmals
Darauf hingewieſen, daß das Konzert von dem verſtärkten Philharmoni=
chen
Orcheſter unter Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley aus=
Beführt wird.
Palaſt=Lichtſpiele. Der Herr der Steppe, einer der berühm=
keſten
amerikaniſchen Fox=Filme, der Freitag im Palaſt=Theater zu ſehen
Fein wird, ſchildert das Schickſal eines wilden Hengſtes, der ſich mit un=
erhörter
Zähigkeit allen menſchlichen Verſuchen, ihn zu bändigen und
Dienſtbar zu machen, widerſetzt, bis er auf jenen Mann ſtößt, dem es
Hurch liebevolles Verſtändnis gelingt, ſich die Anhänglichkeit des pracht=
Dollen Tieres zu ſichern. Von beſonderem Intereſſe dürfte es ſein, daß
Tom Mix; der ſich mit dem Wunderpferd Tony in die Hauptdarſtellung
keilt, ſämtliche halsbrecheriſchen Reiterſtücke perſönlich ausführt. Wer
Eſt Tom Mix? Der galante Tollkopf!. Der Liebling aller Völker! Ame=
rikas
berühmter Cowboy, Kaliforniens verwegenſter Reiter, ein Mann,
Ser Laſſowerfen und ſchießen kann wie kein zweiter in Colorado und trotz
aller Nauheit ein Gentleman, deſſen natürliches Spiel, deſſen Liebens=
evürdigkeit
und kraftvolle Männlichkeit im Verein mit ſeinen fabelhaften
Deiſtungen ſich ebenſo ſchnell die Herzen des deutſchen Publikums er=
Sbern wird, wie es in der ganzen Welt bisher geſchah. Ans Fabelhafte
aber grenzen die Leiſtungen ſeines Hengſtes Tony, der, von Natur mit
iner faſt übernatürlichen Klugheit ausgeſtattet, ſeinen Herrn und Meiſter
Tom Mis durch ein faſt unglaublich zu nennendes inſtinktartiges Mit=
Fpiel unterſtützt.
Preisgekrönt. Auf der vom 21. bis 23. Juni 1924 in Darmſtadt
rtattgefundenen Fach=Ausſtellung für Küferei und verwandte Berufs=
gzuppen
wurde der Firma Ph. Mayfarth u. Co., Frankfurt a. M.,
viederum für ihre bekannt erſtklaſſigen Erzeugniſſe in Preſſen und
Mühlen die Goldene Medaille zuerkannt.
* Troſtloſe Lage der Aſſeſſoren in Heſſen. Man ſchreibt uns:
Die Aeſtellungsverhältniſſe der Beamtenanwärter in Heſſen, ins=
Seſondere der Gerichts=, Regierungs= und Studienaſſeſſoren,
waben ſich im Laufe der letzten Jahre derart verſchlechtert, daß
vie Lage als geradezu troſtlos angeſehen werden muß. Schon
ange vor me Abbau hat man Anſtellungsſperre eintreten laſſen,
o daß in manchen Berufen ſeit faſt zwei Jahren kein Aſſeſſor
rnehr angeſtellt wurde. Die Laſt des alsdann eingetretenen
Perſonalabbaues wurde im weſentlichen auf die Aſſeſſoren ab=
gewälzt
, indem man niemand mehr anſtellte, obwohl ausreichend
Stellen frei wurden, da man andererſeits Beförderungen zu
Oberräten, Direktoren und Präſidenten ausſprach, und hiermit
fiberwiegend die abgebauten höheren Stellen beſetzte, ja ſogar
neue Stellen in einzelnen Reſſorts ſchuf. Ja, es wurden nicht
inmal die in dauernder Verwendung befindlichen Aſſeſſoren an=
geſtellt
, obwohl dadurch dem Staat keinerlei Mehrkoſten entſtan=
Den wären. Da es ſich bei den hierdurch betroffenen Aſſeſſoren
mberwiegend um Kriegsteilnehmer und Kriegsbeſchädigte han=
Helt, haben dieſe Maßnahmen eine maßloſe Verbitterung ausge=
Löſt, ein Zuſtand, deſſen Verlängerung zwangsläufig eine Rück=
wirkung
auf die Dienſt= und Arbeitsfreudigkeit ausüben muß.
Die Aſſeſſoren, im Alter bis zu 36 Jahren, legen in den heutigen
Beiten natürlich den allergrößten Wert auf die relative Siche=
rung
, die ihnen die Anſtellung bietet, damit ſie endlich, und zwar
auch die nicht mit beſonderen Glücksgütern geſegneten, in die
Lage kommen, ſich einen eigenen Hausſtand und eine Familie
gründen zu können. Es dürfte an der Zeit ſein, daß dies an
maßgebender Stelle endlich begriffen wird.
Die Mutterberatungsſtunde der Zentrale für Mutter= und Säug=
lingsfürſorge
in Heſſen in Beſſungen kann bis auf weiteres nicht ſtatt=
inden
, da Schwierigkeiten in der Beſchaffung geeigneter Räume beſtehen.
Zentrale der Kam.=Vereinigungen Garde=Drag. 23. Die Vor=
ſcände
der Regimentsvereine in Darmſtadt werden erſucht, Einladungen
fir die Kam.=Verein. Garde=Drag. 23, Hauptgruppe Darmſtadt an Herrn
Poſtinſpektor Hauck, Kranichſteinerſtraße 54, I, adreſſieren zu wollen.
Gartenbau=Verein Darmſtadt. Wie aus der Anzeige erſichtlich,
findet am kommenden Samstag die erſte der ſommerlichen Veranſtal=
tungen
, ein Beſuch des Botaniſchen Gartens ſtatt. Der allen Mitgliedern
durch ſeine intereſſanten Vorträge wohlbekannte Freund unſeres Ver=
ins
, Herr Garteninſpektor Purpus, hat in liebenswürdigſter Weiſe
die Führung übernommen, ſo daß den Teilnehmern ein beſonderer
Senuß bevor ſteht und rege Beteiligung empfohlen werden kann.
Der Verein für Aquarien= und Terrarienkunde Hottonia ver=
anſtaltet
, wie kürzlich berichtet und aus der heutigen Anzeige erſichtlich,
eine Ausſtellung von Aquarien und Terrarien. Die mannigfachen Be=
hälter
, die naturgemäß eingerichtet ſind, laſſen die munteren Lebeweſen
in ihrer ganzen Friſche und Farbenpracht und die Pflanzen in ihrer
vollen Schönheit erſcheinen. Fiſche, Reptilien und Pflanzen ſind von
den einheimiſchen bis zu den ſelteſten ausländiſchen Exemplaren ver=
reten
. Sogar der ſonſt nur in den Zoos zu findende Alligator (amerk.
Krokodil) iſt als Jungtier zu ſehen, gar nicht zu reden von dem Ochſen=
roſch
, deſſen Gebrüll vermöge ſeiner Größe dem eines Ochſen nicht
nachſteht. Daß es auch Fiſche gibt, die nicht ablaichen, ſondern leben=
Sige Jungen zur Welt bringen, iſt eine Seltenheit, die uns ebenfalls
die Ausſtellung zu bieten vermag. Was insbeſondere infolge der Im=
Sortſchwierigkeiten an lebenden Tieren nicht gezeigt werden kann, ſoll
eine fachmänniſch angelegte und gut ausgeſtattete Präparatenſammlung
ergänzen. Mit der Ausſtellung iſt noch eine beſondere Pflanzenſchau
nußerhalb der aufgeſtellten Becken verbunden. Jedenfalls iſt ein Beſuch
der Ausſtellung lohnend und im Intereſſe der Allgemeinbildung ſehr
zu empfehlen. Der Eintritt iſt ſo gering gehalten, daß der Beſuch
elbſt den Minderbemittelten ermöglicht iſt.

* Die Kaper= und Kreuzerfahr en des Mii
Ccſtern abend
ſprach auf Veranlaſſung des Jungdeu’ſchen Ordens und zum Beſten
ſeines Geuſenhilfswerks (Volksküchen) in der Turnhalle am Woogs=
platz
Feuerwerksleutnant a. D. Goerke über die Kaper= und Kreu=
zerfahrten
der Möwe, eines der ehrenvollſten Kapitel aus der Hel=
dengeſchichte
unſerer Kriegsmarine. Der Saal war nicht ſo gefüllt,
wie man hätte erwarten können und wie es die friſchen, anſchaulichen
und von echtem deutſchem Seemannshumor gewürzten Schilderungen
des Vortragenden verdient hätten. Das ſchöne Wetter, das Uebermaß
von Veranſtaltungen in der letzten Zeit und die Ankündigung, daß es
nur Lichtbilder, aber keinen Film zu ſehen gäbe, mögen an dem
ſchwachen Beſuch ſchuld ſein. Dafür war auch in dem Abendvortrag die
Jugend erfreulich ſtark vertreten. Neben verſchiedenen kleineren Fahr=
ten
hat die Mowe unter der ſchneidigen Führung von Graf Dohna
zwei größere Kreuzerfahrten unternommen, die ſeinerzeit großen Er=
folg
hatten. Wenn auch die Vorführung der Lichtbilder und ihre
Klarheit durch die Kleinheit der zur Verfügung ſtehenden Leinwand
etwas llitt, ſo brachten ſie doch, im Anſchluß an den packenden Vortrag
des Redners, den er an Hand einer Weltkarte hielt, von ihm mit knap=
pen
Worten erläutert, der gefpannt lauſchenden Zuhörerſchäft ein le=
bendiges
Bild von dem heldiſchen Kampf unſerer blauen Jungens, dem
guten, kameradſchaftlichen Geiſt an Bord und der ritterlichen Kampfes=
weiſe
auch den erbittertſten Feinden gegenüber. Seinen Höhepunkt er=
reichte
der Vortrag in der Darſtellung des Kampfes der Möwe mit
einer feindlichen Ubootsfalle auf der Heimfahrt. Leck und in Brand
geſchoſſen, 1500 Tonnen eingedrungenes Waſſer im Schiffskörper,
konnte man nach tagelangem Kampf gegen die eindrängenden Waſſer=
maſſen
erſt am vierten Tage überhaupt an die Bekämpfung des Feuers
herangehen. Und doch gelang es, aus eigener Kraft beider Elemente
Herr zu werden und nach 120tägiger Kriegsfahrt mit reicher Beute an
Gefangenen und wertvollem Material durch alle feindlichen Boſtenket=
ten
hindurch Schiff und Beſatzung in den Heimathafen zurückzubringen
in die deutſche Heimat die die Möwe ſchon verloren glauben mußte.
Ein Rückblick, ſo ſchloß der Redner, auf die ruhmvolle Zeit deutſcher
Seevergangenheit, eine Mahnung und Aufrüttelung an die Gegenwart,
ein Ausblick und eine Hoffnung auf eine nicht allzuferne Zukunft, in
der es auch einmal wieder eine Deutſchlands Stellung und Weltgel=
tung
entſprechende deutſche Flotte geben muß, erfüllt vom Geiſte der
alten blauen Jungens!
H. W. W.
Preuß.=Süddeutſche Klaffenlotterie. Bekanntlich ſpielt ſich die
gegenwärtig laufende Staatslotterie wieder, wie in Vorkriegszeiten, in
fünf Klaſſen ab. Die Ziehung der Haupt= und Schlußklaſſe (5. Klaſſe)
beginnt am Mittwoch, den 9. Juli und dauert bis zum 26. Juli. Die
Erneuerungsfriſt läuft am 2. Juli ab, worauf alle Intereſſenten auf=
merkſam
gemacht ſeien, damit ſie ihr Los nicht verfallen laſſen, da dieſe
Klaſſe die Hauptgewinnchancen bietet. In der bereits gezogenen
4. Klaſſe wurden die Endzahlen das ſind die beiden letzten Zahlen
jeder Nummer 03, 05 und 10 gezogen, mit welchen Gewinnen, iſt bei
den zuſtändigen Einnehmern zu erfahren. Der Hauptgewinn von 100 000
fiel auf Nr. 65 710, 50 000 auf Nr. 168 105 und je 10 000 auf die Nr.
28 905 und 217 710.
Arbeits=Jubiläum. Am letzten Samstag feierte der Ofenſetzer=
gehilfe
Adam Stieglitz bei der Firma K. Kohl, hier, ſein 25jähriges
Arbeitsjubiläum. Der Jubilar wurde ſowohl von der Firma als auch von
ſeinen Kollegen geehrt und beſchenkt.
Eigenartiger Selbſtmord. Geſtern Abend hat ſich im Hallen=
ſchwimmbad
eine 40jährige Frau in der Badewanne durch einen Schuß
ins Herz das Leben genommen. Der Grund dürfte in einem unheil=
baren
Leiden zu ſuchen ſein.
Selbſtmord. In der Nacht zum Samstag hat ſich auf der Mathilden=
höhe
dahier ein in der Stiftsſtraße wohnender 18 Jahre alter Student
aus Norwegen durch eine Kugel in den Kopf erſchoſſen. Die Beweg=
gründe
für die Tat ſind noch nicht bekannt.
Lokale Veranſtaltungen.

Die biernnier erſcheinenden Nofizen ſind aus
m leinem Falle irgendwie

h als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
Beſprechung oder Kritk.

Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darmſtadt.
Heute Vorbeſprechung der Oberheſſen=Wanderung in der Brauerei von
Schul (Schloßgaſſe).
Deutſche Demokratiſche Partei Beamten= und
Arbeitnehmer=Ausſchuß. Freitag, den 27. Juni, im Parteilokal Mit=
gliederverſammlung
. Tagesordnung: Bericht über die Eiſenacher Tagung.
Das Jubiläumsfeſt des Vereins ehemal. 6ler
findet nicht, wie angegeben, am 6. 7. ſtatt, ſondern am 6. und 7. Sept.

Parlamentariſches.

Geſtern nachmittag fand unter Führung von Prof. Röſſler eine
Beſichtigung der landwirtſchaftlichen Verſuchsſtation ſtatt, an der ſich
neben der Regierung der größte Teil der Abgeordneten beteiligte.
Aus den Parteien.
Abſchiedsfeier der D. V. P. für Abg. Profeſſor
Dr. Schian. Der Abgeordnete der Deutſchen Volkspartei Prof. Dr.
Schian wird nach langen Jahren eines außerordentlich erfolgreichen und
verdienſtvollen Wirkens Gießen und Heſſen verlaſſen. Aus dieſem An=
laß
hatte die Ortsgruppe Gießen der D.V.P. die Parteifreunde letzten
Sonntag zu einer Abſchiedsfeier eingeladen. Die Veranſtaltung, die von
Profeſſor Dr. Krausmüller geleitet wurde und neben hunderten von
Mitgliedern der Gießener Ortsgruppe zahlreiche Parteifreunde aus dem
ganzen Land in dem feſtlich mit Blumen geſchmückten Saal des Geſell=
ſchaftshauſes
vereinigte, geſtaltete ſich zu einer eindrucksvollen Kund=
gebung
des Dankes und der Verehrung für den Scheidenden.
Als Vorſitzender des Landesverbandes ergriff zuerſt Abg. Dingel=
dey
das Wort. Er ſchilderte mit warmen Worten Profeſſor Schian
als führenden Politiker der Deutſchen Volkspartei in Heſſen und als
hochgeſchätzten Freund und Berater. Die Verdienſte Schians ſtänden
feſt. In den traurigen Wochen, die im Gefolge der Revolution über
das Land kamen, war Schian einer der Erſten, der mit vernehmlicher
Stimme zur Selbſtbeſinnung aufrief und den Weg nationalen Wieder=
aufſtiegs
zeigte. In all den Jahren, die dann folgten, habe ſich Schian
als getreuer Mitarbeiter bewährt und keinerlei perſönliche Mühen ge=
ſcheut
. Sein Wirken ſei allein in der hingebenden Liebe zum Vaterland
begründet geweſen. Mit tiefem Schmerz ſehe die Deutſche Volkspartei
ihn nunmehr von dannen ziehen. Als Vorſitzender der Ortsgruppe
Gießen belegte Profeſſor Dr. Krausmüller, die beſonders gute
Zuſammenarbeit, die Profeſſor Schian mit der Parteiorganiſation ſei=
nes
Wohnortes ſtets gepflegt habe. Zum Zeichen des Dankes wurde
der ſcheidende ſeitherige Abgeordnete zum Ehrenmitglied der Ortsgruppe
Gießen ernannt und ihm als Erinnerungsgabe ein Oelgemälde, Alt=
Gießen darſtellend, überreicht. Abg. Dr. Oſann würdigte ſodann
noch Schian als ein führendes, allgemein geſchätztes Mitglied innerhalb
der Landtagsfraktion, und einen zielſicheren Vertreter in den verſchie=
denen
Ausſchüſſen; ſeinen Rat werde man künftig ſicherlich noch oft
vermiſſen.
Namens der Frauen dankte Fräulein Biernbaum, M. d. L., und
gedachte dabei auch der Familie Profeſſor Schians, der der Politiker
und Parlamentarier ſo manches Mal habe fernbleiben müſſen. Auch
aus den vielen Schreiben, die zur Verleſung gebracht wurden, ſo u. a.
ſeitens der Stadt Gießen und der Landesuniverſität, kam immer wieder
zum Ausdruck welcher allgemeinen Wertſchätzung Schian ſich erfreuen
durfte. Als Vertreter der Ortsgruppe Schlitz der D.V.P. überreichte
Pfarrer Böckner als Zeichen treuen Gedenkens ein Album mit den
ſchönſten Anſichten ſeiner alten Stadt.
In bewegten Worten dankte Profeſſor Schian für die vielen
Beweiſe der Verehrung und Anhänglichkeit. Mit ſeinem Dank verband
er erneut ſein politiſches Glaubensbekenntnis zur Deutſchen Volkspartei
In dieſer Partei habe er immer arbeiten können, ungehemmt, getreu
dem Leitſatze: Das Vaterland über die Partei‟. Dieſe Arbeit im Dienſt
der Deutſchen Volkspartei habe ihm eine große innere Bereicherung
gebracht, für die er ſtets dankbar ſein werde.
Die Anſprachen umrahmten erleſene künſtleriſche Darbietungen,
einer kleinen Kapelle, eines Frauenchors und Deklamationen, denen
reicher Beifall zuteil wurde. Auch für leibliche Genüſſe war beſtens
geſorgt. Die freundlichen Veranſtalter ernteten hierfür noch beſonderen
Dank. So bekräftigte dieſe Abſchiedsfeier in ihrem harmoniſchen Ver=
lauf
bei allen Teilnehmern das ſtolze Gefühl der Zugehörigkeit zur
großen Geſinnungsge einſchaft der Deutſchen Volkspartei.

*f

Präſident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.25 Uhr.
Am Regierungstiſch: Staatspräſident Ulrich, die Miniſter
Henrich und v. Brentano.
Die Generaldebatte über den Staatsvoranſchlag wird fortgeſetzt.
Abg. Dr. Oſann (Dtſch. Vp.): Im Laufe der letzten Beratung
haben ſich große Veränderungen der einzelnen Poſitionen des Etats
vollzogen. Wenn die neue Regelung der Beamtenbeſoldung nicht ge=
kommen
wäre, hätte der Etat einen Ueberſchuß von 10 Millionen au u=
weiſen
gehabt, die man dann im Intereſſe der Steuerzahler hätte ver=
wenden
können. Die Beamtengehälter ſind als ein weſentlicher Faltor
revolutionierender Art im Etat erſchienen. Von allen Seiten des
Hauſes iſt betont worden, daß dieſe unſoziale Neuregelung der Beam=
tengehälter
unter gar keinen Umſtänden aufrecht erhalten werden kann.
Unſere Regierung hat ſich ziemlich ſklaviſch an die Sätze des Reiches
gehalten und meint nicht davon abgehen zu können. Andere Staaten
haben das nicht getan. Sowohl in Sachſen, wie auch in Baden ſind an=
dere
Wege gegangen worden, und wir haben jetzt die Genugtuung, daß
auch die Reichsregierung eine andere Geſtaltung der Gehaltsverhält=
niſſe
, insbeſondere der Klaſſe 1 bis 5 ins Auge gefaßt hat. Auch die
Reichsregierung hat einſehen müſſen, daß dieſe in allen Landtagen
empfundene unſoziale Geſtaltung nicht aufrecht erhalten werden kann.
Wir werden hoffentlich in den nächſten Tagen eine Vorlage auf dem
Weg über das Reich erhalten, durch die die Beamtengehälter zum
mindeſten in den genannten Klaſſen aufgebeſſert werden. Wir haben
die Hoffnung, daß dieſe Aufbeſſerung, die keine übermäßig große ſein
kann, einen Mindeſtbetrag von 40 bis 50 Mark monatlich erreicht.
Wir verlangen auch heute noch den Abbau in den höheren Stellen, und
wir wollen es offen ſagen, wir wollen die Revolutionsgewinnler aus
den höheren Stellen bringen. Wir verlangen die Einſchränkung des
ganzen Apparates der Zentralbehörden. Redner ſetzt ſich ſodann für
den Abbau des Landesamts für das Bildungsweſen beſonders ein und
kommt auf die geſtrigen Aeußerungen des Staatspräſidenten zu ſpre=
chen
. Der Staatspräſident, ſo fuhr der Redner fort, hat geſtern einen
Ton angeſchlagen, der ſeiner Würde nicht ganz entſpricht. Als Staats=
präſident
iſt er nicht der Erwählte von ſozialdemokratiſchen Wählern,
ſondern der Repräſentant des ganzen Staates. Wir ſind der Auffaſ=
ſung
, daß der Staatspräſident derartige Ausdrücke, wie Ochſentour,
die er insbeſondere den höheren Beamten gegenüber gebraucht hat,
nicht anwenden dürfte. Nach unſerer Ueberzeugung ſind ſie nicht rich=
tig
und es nützt ſeiner eigenen Würde nicht, wenn er derartige, ihm
vielleicht aus früheren Zeiten liegende Worte ausſpricht. Abg. Dr.
Oſann bezeichnet ſodann die Angriffe der Linken gegen die Regiments=
feiern
als unbegründet, und betont, daß man damit genau das Gegen=
teil
von dem erreiche, was man beabſichtigt. Die Mißachtung der Re=
publik
, von der Abg. Reiber geſprochen habe, ſei leicht erklärlich. Er
achte jeden, der aus ſeiner früheren Ueberzeugung Republikaner ſei.
Der Herr Staatspräſident habe bereits in früheren Jahren, in denen
er im Landtag aufgetreten ſei, ſich als Republikaner bekannt, und das
ſei eine perſönliche Ueberzeugung, vor der man Achtung haben müſſe.
Daß die Regierung ſo wenig geachtet erſcheine, komme daher, daß ſehr
viele erſt im November 1918 ihre republikaniſche Seele entdeckt hätten.
Abg. Dr. Werner (deutſchnatl.) unterſtreicht die Ausführungen
derjenigen Redner, die die wirtſchaftliche und ſteuerliche Notlage klar=
gelegt
hätten. Der Herr Staatspräſident habe ſeinen früheren Stand=
punkt
der Diktatur verlaſſen, genau ſo wie er es mit der Frage des
Einminiſterſyſtems in Heſſen getan habe. In früheren Jahren habe die
Sozialdemokratiſche Partei die Diktatur des Proletariats vertreten. Sie
würde auch heute noch dafür einſtehen, wenn ſie dazu in der Lage
wäre. Die Revolution ſei gemacht worden. Eine Herabſetzung der
Zahl der Landtagsabgeordneten ſei im Intereſſe der Sparſamkeit er=
wünſcht
. Auf die Frage des Schutzzolls übergehend, betont Redner,
man dürfe den Schutzzoll nicht vom Geſichtspunkt der Verteuerung
aus betrachten. Der Wucher an der Frankfurter Frucht= und Geldbörſe
müſſe mit allen Mitteln bekämpft werden. Seine Partei ſetzte ſich für
das Berufsbeamtentum ein. Abg. Schreiber habe eine Liebe, die in
zwei Teile zerfalle, die poſitive Liebe ſei die Frankfurter Zeitung und
die negative Liebe die Deutſchnationale Volkspartei. Den Dawesbericht
habe ein nordamerikaniſcher Sozialiſt als den ſchlimmſten Betrug ſeit
den 14 Punkten Wilſons bezeichnet. Ueber die Wimpfener Vorgänge
habe die Darmſtädter Zeitung einen ganz falſchen Bericht gebracht. Er
wiſſe nicht, aus welchem Born ſie den wundervollen Bericht geſchöpft
habe. Die Deutſchen Tage ſchadeten niemand etwas. Das könne Abg.

kratiſchen Partei vergeſſen. Wenn man erſt einmal da anfange, dann
ſei das beutſche Volk auf dem
er Ge
nhalt ſei
man bereits ſo weit gekommen. Da ſei nur noch einer übrig geblieverr=
Seine Partei lehne die internationalen Verträge nicht ab. Sie ſetze
ſich für die Volksgemeinſchaft ein und lehne den Klaſſenſtaat und Klaſ=
ſenkampf
ab. Sie trete für ein völlig nationales Deutſchland ein, in
welchem die Fremdkörper ausgemerzt ſeien. Das ſei kein Raſſenhaß,
ſondern deutſche Liebe. Die Rechte und Linke ſei durch zwei Welt=
anſchauungen
getrennt. Sie allein würden einen Kampf auszutragen
haben, wobei die Mitte zerrieben werde. Aus der Vermählung des
chriſtlichen und völkiſchen Gedankens werde das neue Deutſchland ge=
boren
.
Staatspräſident Ulrich: Die vergangene Kriegszeit und Revo=
lutionszeit
beweiſt, daß wir national ſind, aber nicht nationaliſtiſch.
Wir wollen eine Verbindung, eine Verſtändigung unter den Nationen.
Er hoffe, daß das Kabinett Herriot die Möglichkeit gebe, zu verhandeln
und ſich zu verſtändigen, was beſonders im Intereſſe des beſetzten Ge=
biets
erforderlich ſei. Die großen Worte der Rechten bedeuteten
nichts weiter, als das Verdecken der eigenen Schwäche. Von der Rech=
ten
werde die Ablehnung des Sachverſtändigengutachtens gefordert, ſie
habe aber noch nicht erklärt, was geſchehen ſolle, wenn es abgelehnt
würde. Die deutſche Regierung habe mit Recht den Weg eingeſchlagen,
der eingeſchlagen werden müſſe, um zur Ruhe zu kommen, Europa den
Frieden zu geben und dem deutfchen Volk die Möglichkeit der Entwick=
lung
. Die heutige Note der engliſchen und franzöſiſchen Miniſterprä=
ſidenten
zeige deutlich, daß man jenſeits des Kanals und der Vogeſen
wiſſe, welche Kräfte im Gange ſeien. Die Miniſterpräſidenten würden
zu dieſer Frage am nächſten Samstag in Berlin Stellung nehmen. Er
gebe offen zu, daß er mit Schuld daran ſei, daß die Stellungnahme der
Miniſterpräſidenten erfolge. Es ſei hiſtoriſch falſch, von ewigen Erb=
feinden
zu ſprechen. Dr. Oſann gegenüber müſſe er betonen, daß er
ſtets es verſtanden habe, die Würde des Hauſes und ſeine eigene Würde
zu wahren. Er habe mit dem Ausdruck Ochſentour, der nicht von
ihm ſtamme, das Berufsbeamtentum nicht angreifen wollen. Zu der
geſtrigen Erklärung des Abg. Kindt erklärt er, daß Abg. Kindt genau
wiſſe, daß eine Gerichtsverhandlung zur Klärung der Frage nicht mög=
lich
ſei.
v. Brentano wendet ſich gegen den Vorwurf des Abg. Kindt,
daß ſeitens des Miniſteriums des Innern der ſozialdemokratiſchen
Jugend 600 Mark aus Staatsmitteln überwieſen worden ſeien. Er bittet
den Abg. Kindt, ſich noch einmal zu orientieren und ſich davon au
überzeugen, daß es ein Irrtum ſei. Das Miniſterium des Innern habe
niemals 600 Mark einer ſozialdemokratiſchen Jugend gegeben. Er ſei
bereit, das Material zur Verfügung zu ſtellen. Die Verteilung des
Volksopfers geſchehe durch den Landesausſchuß und zwar nach einem
beſtimmten Schlüſſel. Das Miniſterium ſei nur der Verteiler von
Summen, die feſtgeſetzt worden ſeien.
In der nun eintretenden Pauſe tritt der Aelteſtenrat zuſammen.
Dr. Greiner (Kom.): Wir finden keinen großen Unterſchied
zwiſchen der vergangenen Monarchie und der heutigen Republik. In
beiden herrſcht das Kapital. Der Kampf gegen die Unterdrückung der
Arbeiterſchaft hat maßlos zugenommen, ſodaß heute das Proletariat
unter der Herrſchaft des Kapitals noch ſchlimmer zu leiden hat wie
früher. Die Republik iſt bei den Arbeitern in Mißkredit geraten. Sie
hat einen Punkt nach dem andern von ihrer Poſition verloren. Sie
hat den Achtſtundentag, die größte Errungenſchaft der Revolution
preisgeben müſſen. Unſer Kampf gilt dem Syſtem. Sie von links
hoffen auf eine neue Politik Frankreichs. Wir glauben nicht daran.
Abg. Kindt: Ich werde die Angaben des Herrn von Brentano
nachprüfen. Der Herr Finanzminiſter hat kürzlich in der vorletzten
Sitzung gemeint, ich hätte durch meine Worte Heſſen geſchadet. Er ver=
wechſelt
ſich bzw. das heſſiſche Miniſterium mit dem Staate Heſſen. Ich
gebe zu, daß ich den Herrn Miniſtern, von denen ich ſprach, geſchadet
habe. Aber mir ſteht Deutſchlands Wohl und Deutſchlands Intereſſe

Tede Unterhaltung, ja selbst eine flüchtige Begegnung wird unästhetisch empfunden,
J wenn dem Munde ein übler Hauch entströmt. Mitunter ruft wohl auch eine Magen-
verstimmung
unangenehmen Mundgeruch hervor, meist ist aber eine unsaubere und
vernachlässigte Mundhöhle die Ursache. Deshalb gurgele man fleißig mit Odol. Odol
ist eine wundervolle Mund-Erfrischung. Odol dringt in alle Falten und Fältchen der Schleim-
haut
ein und wirkt noch lange nach dem Gebrauche den Gärungs- und Fäulnisprozessen
entgegen. Diese einzigartige Wirkung machte Odol zu dem, was es für die ganze Kulturwelt
geworden ist; das nachweislich beste Mittel zur Pflege der Zähne und des Mundes.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Dariſtä

Tagblat, T.

i 1924

Rummer 176.

höher als das Intereſſe eines heſſiſchen Miniſteriums. Der Herr
Staatspräſident war ſich über meine Erklärung immer noch nicht ganz
klar. Es mag wohl ſein, daß der Staatspräſident gar nicht verſtehen
kann, daß man reine Abſichten haben kann mit einem derartigen An=
griff
, daß man nicht nach der Perſon fragt, ſondern nur nach der
Sache. Ich meine wenn ich meine Perſon ſo zur Verfügung ſtelle, wie
ich es getan habe am 10. und 12. Dezember und geſtern wieder, ſo
könnte man wohl anerkennen, daß ich zum mindeſten im guten Glauben
gehandelt hätte, worauf ich jetzt verzichte.
Der Herr Staatspräſident hat hier geſagt: Der Staat wird nicht
gegen mich klagen, obwohl ich mich zur Verfügung geſtellt habe und es
wird keiner der betreffenden Herren, die in Frage kommen, gegen mich
klagen. Das habe ich gewußt, weil ich wußte, daß ich im Recht bin und
daß man auf der andern Seite genau weiß, daß man beim Prozeß her=
einfallen
wird.
Der Herr Staatspräſident hat gemeint, ich hätte Volksgenoſſen in
höchſte Gefahr gebracht. Der Herr Staatspräſident weiß ſo genau wie
ich: dieſer Prozeß ſpielt ſich in Darmſtadt hinter verſchloſſenen Türen
ab, ohne daß ein Zeuge aus Rheinheſſen herübergeholt zu werden
braucht mit Ausnahme vielleicht des Oberregierungsrats Dr. Strecker.
Der Herr Staatspräſident hat gemeint, ich hätte zum erſten Mal hier
geſagt, daß ich die Oeffentlichkeit in Anſpruch nehmen werde. Ich hätte
in der Sitzung, in der er präſidierte, zugegeben, daß ich nicht auf=
treten
würde. Ich erinnere daran, daß es ſich damals nur um Dinge
gehandelt hat, die in jener Sitzung vorgegangen ſind und daß ich aus=
drücklich
erklärte, was ich vorher und draußen auf der Straße erfahre,
deshalb laſſe ich mir keinen Maulkorb umlegen. Ich erinnere den Herrn
Staatspräſidenten und erinnere den Herren, der in der Sitzung den
Vorſitz geführt hat, daß ich am 30. November klipp und klar erklärt habe,
ich werde mit der Sache an die Oeffentlichkeit gehen. Der Herr Staats=
präſident
meint, ich ſolle gegen ihn klagen. Ich werde das nicht tun.
Es wäre ſehr einfach, den Beamten die Ausſage zu verbieten und ich
ſäße dann da.
Nachdem die Regierung die Schwäche ihrer Poſition in dieſer Weiſe
wie heute zugeſtanden hat, brauchen wir keinen weiteren Beweis und
brauchen auch kein Gerichtsverfahren in dieſer Angelegenheit mehr.
Die Schlacht iſt für Sie, meine Herren von der Regierung, verloren.
Was nun die Drohung des Staatspräſidenten anlangt.
Ich habe 24 Jahre meines Lebens in Südweſtafrika verbracht, dort
mit allen Regierungsſtellen und Privaten verkehrt. Ich habe nichts ge=
tan
, was das Licht zu ſcheuen braucht, auch in Deutſchland nicht. Wenn
der Herr Staatspräſident von zentnerſchwerem Material gegen mich
geſprochen hat und wenn er geſagt hat, ich ſolle artig ſein, ſo kann ich
mir nicht denken, daß jemals in dieſem Hauſe ein infamerer Angriff
(Ordnungsruf) auf die Ehre eines Menſchen gemacht worden iſt wie
dieſer, und ich kann nur ſagen: Durch dieſe Andeutung hat mich der
Staatspräſidenten gezwungen, zu verlangen, daß dies Material auf den
Tiſch des Hauſes gelegt wird.
Des weiteren wirft der Redner dem Staatspräſidenten vor, daß
er die Würde des Hauſes verletzt habe. Wenn der Staatspräſident
kein anderes Mittel gegen ſachliche Angriffe habe als Dinge aus dem
Privatleben, dann möge er tun, was er nicht laſſen könne,
Staatspräſident Ulrich: Herr Abg. Kindt hat am wenigſten recht,
mir Verletzung der Würde des Hauſes vorzuwerfen, weil er es nicht
verſteht, ſeine eigene Würde zu wahren. Ich beziehe mich auf eine
Gerichtsverhandlung, die vor kurzem ſtattgefunden hat und in der feſt=
geſtellt
iſt, was er in dieſer Richtung geleiſtet hat. Damit iſt für mich
zunächſt die Sache erledigt. Wenn der Abg. Kindt tut, als wenn er nichts
davon wüßte, was die Spatzen von den Dächern pfeifen, muß ich das
ſeiner naiv kindlichen Art zuguteſchreiben. Die weiteren Ausführungen
des Redners ſind leider nicht zu verſtehen.
Staatspräſident Ulrich wendet ſich gegen das in ganz Deutſchland
vorhandene Mißtrauen gegenüber der heſſiſchen Regierung. Im übrigen
ſind ſeine Ausführungen bei der Unruhe des Hauſes und dank der un=
günſtigen
Lage der Journaliſtentribüne nicht zu verſtehen.
Abg. Kindt: Herr Staatspräſident ich habe geſagt: Die Zeugen
für dieſe Dinge ſind hier in Darmſtadt, im unbeſetzten Gebiet. Die
Verhandlung kann alſo ſtattfinden, ohne daß Zeugen aus dem beſetzten
Gebiet kommen mit Ausnahme von Regierungsrat Dr. Strecker, der
gewiß keine Gefahr bei den Franzoſen läuft, wenn er hierher gerufen
wird. Das Mißtrauen gegen die heſſiſche Regierung iſt übrigens nicht
von mir ausgegangen, nicht zurückzuführen auf meine Aeußerungen,
ſondern auf die Taten der heſſiſchen Regierung ſelbſt.
Ich kenne keine Gerichtsverhandlung, bei der ich etwas zu verbergen
hätte. Wenn ſie da eine Verhandlung vor dem Mieteinigungsamt
meinen, kann ich Ihnen ſagen: Behauptungen ſind noch keine Beweiſe.
Ich erkläre nunmehr die Behauptungen, die dort aufgeſtellt worden ſind,
für eine Verleumdung.

Staatspräſident Ulrich: Ich habe feſtzuſtellen, daß der Herr
Kindt genau weiß, was ich gemeint habe. Das genügt mir vollkommen
und könnte Ihnen auch genügen. Er hat es als Verleumdung bezeichnet,
Ich erkläre Ihnen, daß das, was vorgekommen iſt, keine Verleumdung
iſt, ſondern Feſtſtellungen, was Sie nicht beſtreiten können. Der Herr
Kindt hat jetzt wiederum den Herrn Oberregierungsrat Dr. Strecker
in einer Weiſe bloßgeſtellt, daß ich das zurückweiſen muß. Es iſt auch
nicht wahr, daß hier alle Zeugen zu haben ſind. Aber wenn das wahr
wäre, würden neue Zeugen hinzukommen müſſen, um Ihre Unterſtellun=
gen
und Verdächtigungen zurückzuweiſen.
Nach einer kurzen Erwiderung des Abg. Kindt, bei der ein alles
übertönender Lärm entſteht, der minutenlang anhält, ohne daß der
Präſident mit der Glocke und Stimme ſich Geltung verſchaffen kann,
tritt das Haus in die Einzelberatung ein. Erſt nachdem der Präſident
einen Teil der Vorbemerkung verleſen hat, tritt Ruhe ein.
Die Kapitel 1 bis 10 des Staatsvoranſchlages werden mit Aus=
nahme
der Kapitel 7, 9 und 10, die zurückgeſtellt werden, debattelos
einſtimmig angenommen.
Schluß der Sitzung 12,50 Uhr. Nächſte Sitzung Donnerstag, vor=
mittags
9 Uhr.

Sonnwendfeiern.

Sonnwendfeier des deutſchvölkiſchen Turn=
vereins
Jahn

Man ſchreibt uns: Der ſtrömende Regen vom Samstag vormittag
hatte manchen wankelmütig gemacht. Die Erinnerungen des Vorjahres
wirkten noch ſtark nach. Immerhin ſtand mehr als ein halbes Hundert
Turnbrüder und =Schweſtern am Abend auf der Höhe bei Lützelbach
um den brennenden Holzſtoß. Lieder und Sprüche leiteten die Feier
ein, deren Mittelpunkt des Detwarts Feuerrede bildete. Seine
Rede klang aus in einer trützigen Kampfanſage an den Geiſt, der den
Frieden zu Verſailles ſchuf. Hinaus in die Mitternacht klang die
Weiſe Ein feſte Burg iſt unſer Gott. Noch manch ſchöner Spruch,
manch edles Bekenntnis folgte aus jugendlichem Munde. Einzeln und
paarweiſe ſprang man über den verglimmenden Brand. Nachdem das
Feuer erloſchen war, ſang man das Lied: Ade zur guten Nacht, und
ſuchte dann die Scheune des gaſtlichen Hauſes Roßmann auf, das dem
Verein ſchon ſo oft gaſtliche Aufnahme gewährte.

Sommerſonnenwende des 9. Kreiſes der O. T.
auf dem Hemsberg bei Bensheim.
Main=Rheingau Deutſche Turnerſchaft.
Lange ſchon raunte es durch die Reihen der Turnerjugend im Mit=

telrheinkreiſe, was auf dem Hemsberg am 21. Juni Großes werden
ſollte. Und es iſt ſchön geworden, unübertrefflich ſchön in ſeiner ſchlich=
ten
Erhabenheit, dieſes machtvolle Feuer mit all den tauſenden Tur=
nerinnen
und Turnern darum, ſchweigend, die Blicke gebannt, und im
Tiefſten ſinnend nach den Worten des Turnbruders Bender über die
Bedeutung dieſer Feierſtunde, das Bild einer Jugend die über Ver=
gänglichem
das Unvergängliche ſucht, die im ewigen Leben der ſchaf=
fenden
Natur die lebendige Seele des eigenen Seins findet, ſie in höch=
ſter
Opferfreudigkeit dem Volke und ſeiner Heimat zu weihen. Das iſt
das Bild der Deutſchen Turnerjugend, wie ſie da oben verſammelt
war. Die Feuerſprüche und all die kraftvollen Worte ſprühten wider
von dieſem Geiſt, um ſo wertvoller und markiger, da ſie aus der
Ueberzeugung tauſender Jugendherzen geſprochen wurden, die nicht
ſuchen nach weltfremden, ſchöngeformten Ideen, ſondern nur nach dem
deutſchen Volk, deſſen Merkmale Schlichtheit, Treue und Kraft ſind.
Von demſelben Geiſte getragen erfolgte eindrucksvoll die Wimpel=
weihe
am flammenden Holzſtoß, während droben auf des Berges
Spitze der trotzige Bismarckturm aufſprühte in rotflammendem Licht,
gleichſam ein Symbol künftiger Zeit, in der auch Bismarcks Trutzgeiſt
wieder aufglühen ſoll aus der Finſternis unſerer Tage. Und dann
gings heimwärts in die gaſtlichen Quartiere, durch die mitternächtig
ſchweigenden Wälder, in die friedlichen Dörfer, mit dem tiefen Er=
leben
der verrauſchten Stunde im bewegten Herzen, das all die Lieder
auf die jungen Lippen legte, die noch lange aus dunklen Tälern nach=
hallten
.
Kaum ein Weg fand ſich am Morgen, wo nicht die ſangesfrohen
Gruppen, mit den flatternden Wimpeln, nach dem Auerbacher Schloß
zogen, wo ſich alle einfanden, um die Johannisfeierſtunde zu begehen.

Spezial=Neparaturwerhſtätte
für
(8150a
Fahrräder
Fachmännige Bedienung, ſolide Preiſe.
Eigene Löt= und Schweißanlage.
Fahrradhaus Gg. Hahn & Co.
Fahrradſchloſſermeiſter
Große Ochſengaſſe 12.

Heue Emder-Matiesheringe!
Poſt= u. Bahnverſand.
Die in ganz Deutſchland bekannten,
wegen ihres vorzüglichen Geſchmackes be=
liebten
und zarten erſten Emder= Matjes=
heringe
ſind ab Mitte Juni wieder liefer=
bar
. Ein Poſtfäßchen mit ca 25 Stück
Inhalt koſtet Mr. 4. franko. Bei größeren
Bezügen (Bahnverſand) verlange man
Spezialofferte.
( 7904ism
Der Verſand erfolgt unter Nachnahme.
Jch. Klaassen, Salzheringsgroßhandlung
Emden 2 (a. d. Nordſee). Gegr. 1882.
Spezialität: Poſtverſand v.Emder=Heringen.

Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift
Darmſtadt

Eryolungshaus Etim Ramſtadt

bei Nieder=
unmittelbar
am Hochwald gelegen, nimmt
erholungsbedürftige Damen der gebildeten
Stände und ältere Ehepaare auf.
Chriſtliche Hausordnung. Gute
Verpflegung. Mäßige Preiſe.
Anmeldungen an die
Vorſteherin des Hauſes Elim
bei Nieder=Ramſtadt. (8234

Am Montag, den 30. Juni 1924, vor=
mitt
. 11 Uhr, werden im Hofe der Polizei=
Wachtabteilung Babenhauſen zwei über=
zählige
Pferde öffentlich meiſtbietend gegen
Barzahlung verſteigert.
0d.

Zu kaufen
geſucht.

Mannfeſter, raſſereiner Schäferhund, Rüde
m. Stammbaum (inögl. Polizeihunddreſſur
Alter 12 Jahre., Staupe muß nachweis= W(k. 3100
lich überſtanden ſein. Angebote, auch aus von Großhandlg. auf
reellen Händlerkreiſen, unter U 129 an die 3 Monate zu leihen
Geſchäftsſtelle erbeten. Angebote m. Phan= geſucht. Angeb. unt.
taſiepreiſen bleiben unberückſichtigt. (*18267 U 142a, d. Geſchäfts=
(*18286
ſtelle.
a

Baßorf-Raucher
ertäft Sie bekannten Qualitätsmarken
AAU PUNKT..8
WALAseO...O0
wieter in BlECHPACKUING und im
zurterckgsſiehen Brmat.

Buntbewegtes Leben durchflutete bald alle Räume des alten Schloſſez
wo Gruppe auf Gruppe froh begrüßt eintraf. Und dann ſang die
Kreisſängerſchaft machtvolle Chöre. Einzelvorträge einiger Sange=
riegen
ſchloſſen ſich an, und Turnbruder Bender fand in feurig=jugerd
lichem Schwung packende Worte über die Bedeutung der Feier, de
Sieg des Lichtes über die Finſternis in der Natur, dem der Sieg de
Lichtes in jedem deutſchen Herzen und im ganzen deutſchen Volke fol
gen ſoll, aus der Seele einer reinen und reifen Jugend heraus, die 1
ihrer ſchlichten Schönheit zur Volksſeele emporwachſen ſoll. Da ve
ſtand die Jugend ihren Führer, und es war ein heilig Geloben 1
allen Herzen, wie es die Blicke verrieten. Darauf hatte die frohe
Jugend das Wort; ſie redete und ſang ſchöne Worte und echte Lie
der und ſie ſpielte und tanzte Volkstänze, ſchön und ſchlicht, unte
lachender Sonne im alten Burghof. Und dann wars vorbei und da
Scheiden kam. Heimwärts gings unter dem Scheidegruß der Zurück)
bleibenden. Keiner der Teilnehmer wird die Schönheit des Oden
waldes vergeſſen und die Gaſtfreundlichkeit ſeiner Bewohner, die zunſ
guten Teil mitgeholfen haben, der Jugend dieſe herrlichen Tage z
bereiten. Auch das iſt Dienſt am deutſchen Volke, der Jugend, die
Wege der Erneuerung und der Ertüchtigung ſucht, zu helfen, daß
dieſe finde. Das Verdienſt, in dieſem Sinne mit vollem Erfolg gewirſ
zu haben, darf die D. T. mit dieſer Feier für ſich in Anſpruch nehmen,
Iſt auch die Feier mit all ihrer lauten Freude verrauſcht, ſo zieht ſie
doch im Stillen ihre Kreiſe, und unter der Decke des haſtenden Al=/
tags findet die deutſche Jugend langſam und ſicher die reine Seele derſ=
ewigen
Natur mit ihrer unendlichen Schönheit und Wahrheit. Undf
das iſt das Wertvollſte!
T. H.

Die Sonnenwendfeier des Deutſchordens
auf dem Otzberg.

Man ſchreibt uns: Zu einer machtvollen Kundgebung für den
Deutſchorden geſtaltete ſich die Sonnenwendfeier der Ballei Starkenburgſuh
auf der Feſte Otzberg. Von nah und fern waren die Brüder herbeig=
ſtrömt
, um einige erhebende Stunden in Bruderkreiſen zu verleben.
Nach Einzug der Komture, Banner und Wimpel nahm Orden=
bruder
Berck die feierliche Weihe des Banners der Kommende Diebur),
ſowie der Wimpel der Gefolgſchaften Reinheim und Roßdorf vor. A. folgte die Nagelung und die Uebergabe des Banners an den
Komtur der Kommende. Der Geſang Was iſt des Deutſchen Vater/
land ſchloß die ſchlichte, aber erhebende Feier, die beſonders wirkungs
voll ſich durch den vornehm ausgeſchmückten Burghof geſtaltete. Unte=
einem
Wald von blühenden Wachholderbäumen war das mit den altenſi
Reichsfahnen und friſchem Eichengrün gezierte Rednerpult aufgeſtellt, ſ
Weißgedeckte Tiſche mit herunterhängendem Ordenskreuz waren für deß
Komture und Gäſte aufgeſtellt. Maleriſch ſtanden die Banner und Wimſ
pel hinter dem Komturtiſch.
Nach einer Anſprache des Balleikomturs, der die Aufnahme einerf
großen Anzahl neuer Ordensbrüder voranging, ergriff Ordensbruder
Kindt, lebhaft begrüßt, das Wort zu ſeiner zur Einigkeit wahnenden
Feuerrede. Hellauf loderte auf dem Turm das Johannisfeuer, weit ſichv
bar zum Zeichen dafür, daß hier Deutſche zuſammengekommen warer,
um ein altes germaniſches Feſt zu begehen. Nach Abſingen des Liedes
Flamme empor ergriff der Großkomtur des Deutſchordens, Major
Appuhn, das Wort zu einem Ueberblick über die politiſche Lage. Die
Rede ſchloß mit dem Deutſchlandlied, deſſen vierter Vers Dennoch!
Deutſchland über Alles! beſonders wuchtig in den alten Gemäuern dieſer Fllen
Feſte in die ſtille Johannisnacht hinausſchallte. Hierauf verlas der Groß ki
komtur eine einſtimmig angenommene Eingabe an den Reichskanzler/
Bis zum frühen Morgen blieben die Ordensbrüder auf der Burg in
froher Stimmung verſammelt. Beſonders zu begrüßen war es, daß
Vertreter bayeriſcher Organiſationen der Einladung des Ordens gefolgt
waren und ſich an der Feier beteiligten. In all den Ordensbrüdern,
die die Otzbergfeier miterlebt haben, wird dieſe ſtille Nacht eine ſtolze
Zuverſicht zurückgelaſſen haben, daß der Orden auf dem richtigen Wege Hit
iſt, ein neues deutſches Vaterland mit aufzubauen.
Lt.

Bad-Salzhausen
(Oberhessen, unbesetztes Gebiet)
Herz- und Nervenheilbad Rheuma und Frauenleiden
Hotel Kurhaus

Thermalbäder, Inhalatorium und Höhensonne im Hause,
Prospekt auf Wunsch.

Zwel künstlerlsch
eingericht. Zimmer
in Darmstadt
bequem, abgeſchloſſen, mit
eigener Garten=Veranda und
Eingang, Komfort, günſtigſte
Lage Herdweg, zu angemeſ=
ſenem
Preiſe zu vermieten.
Auskunft erteilt: Goehle,
Herdweg 58.
(*18315

81ssaf War

Heidelbergerſtr. 136
2 St., b. Barth, zwe Imp
ſchön möbl. Zimmer
(Wohn= u. Schlafzim=
mer
),gute Lage, elektr.
Licht, an ruhig, Herrri
per ſof. oder ſpäter
zu verinieten (*18386

Bohnungstauſch g

Beſchlagnahmfreie
3 Zimmerwohnung
eventl. gegen Abſtandszahlung per ſofort

oder ſpäter geſucht. (*1837
Angebote unter V 27 a. d. Geſchäftsſtelle

EEgafc.
ſchneil förd. Untericht
in engliſcher Sprache
Angebote unter V 1:
an die Geſchſt. (*18364

Darlehen
werden von reeller
Finanzierung günſtig,
ſchnell u. diskret ver=
mittelt
. Gefl. Anfrage
(Rückporto) erbet. an
Willy Better, Frunk=
furt
a. Main, Oberin
ſpektor a. D., Weil=
bacherſtr
. 29. (M.8203

D
in jeder Höhe auszu=
leihen
nur gegen
Sicherheit. Antrag=
ſteller
hat Unterlagen
der Sicherheit, bei
Grundſtücken genaue
Beſchreibung, Taxe,
Feuerverſichernng u.
20 G.=M. Gebühren
einzuſenden. (11.8247
Schmitt=Kaufmann,
Immobilien,
Frankfurt a. M.
Zeil 38.

4000

ſofort u. 8000 am
15. Juli vom Selbſt=
geber
gegen 1. Hypo=
theken
=Sicherh. aus
zuleihen.
18395
Angebote u. V 33
an die Geſchäftsſt.

Wer leiht 300 Gold=
mark
auf pünktliche
Zinszahlung. Angeb
V13Geſchſt, (*18349

1000 Mk. Einlage
ſuche von 5 Uhr nachm
ab Mittätigkeit. An
geb. u. V. 3 Geſchſt=

3000 Mk.

aufferſte Hypothek für
23 Jahre feſt geſ.
Reele Angebote u.
V11Geſchſt. (*18347

kätig od. ſtill, mit ca,
5000 Mk Einlage
für rentables Fabri=
kationsgeſchäft
am
Slatze. Angebote u.
V 31 Geſchſt. (*18402

Darlehen

Mk. 800.
auch in kleineren Be=
trägen
, gegen aller=
beſte
Zinſen und Ia
Sicherheit auf kurze
Zeit zu leihen geſucht.
Angebote unter V 7
an die Geſch. ( 18346

200 Mark
zu leihen auf 2 Mon
Sicherheit und gute
Zinſen, evtl. als Anz
auf Tafelklavier. An=
gebote
unter U 126
Geſchäftsſt. (*18319

1000 G.-.
von ſol. Fabrikgeſchäft
gegen gute Sicher
heit für 2-3 Mon. zu
leihen geſucht. Gefl.
Angeb. u. V 56 ar
die Geſchſt. (*18453

vorerſt bis zu Mk. 10 000. Einlage nur
an reellem, nachweisbar rentablem Ge=
ſchäft
oder Unternehmen. Angebote unter
U125 an die Geſchäftsſtelle. (*1825Im

Wf5

Denhadel

in Fabrik geſucht.
Erforderlich 20000 Gm.
Unternehmen iſt gut eingef. elektr.
Spez.=Fabrik. Nähe Frankfurta. M.
Reingewinn jährlich nachw. 100
150%: Evtl. Kauf des ganzen
Unternehmens nicht ausgeſchloſſen.
Ernſthafte Inter, erhalten Auskunft
unter V 24 a. d. Geſchäftsſt. (8245

Wohnungs=
tauſch

GießenDarmſtadt.
In Gießen wird eine
67 Zimmer= Woh=
nung
in beſter Lage
angeboten.
In Darmſtadt ent=
ſprechende
Wohnung
in guter Lage geſucht.
Freiburg i. Baden
Darmſtadt.
In Freiburg in herr=
licher
Lage 5 Zim=
mer
mit reichl. Zu=
behör
angeboten.
In Darmſtadt geſucht
Wohnung m. gleicher
Zimmerzahl in guter
Lage, (8279
Angebote an das
BWohnungstauſch=
buro
. J. Slückert,
Bleichſtr 29.

4 Zim.
Geboten: Zubeh.
I. St., Gas, Bleich=
platz
, Veranda, ge=
ſunde
freie Lage.
5 Z. Zub
Geſucht: Gas und
elektr. Bed. Angeb.
unt. S 58 a. d. Ge=
ſchäftsſtelle
. (7732a

Wohnungs=
angebot

Tauſch.
Tauſche meine
4 Zimmerwoh=
nung
m. Küche,
Bad in ſchöner
Lage, hier, geg.
eine große 6 bis /
7 Zimmerwoh=
nung
und zahle
Extravergütung
Angeb. erbitie
u. V. 58 an d.
Geſchſt. (8276ds

Auswärt. Wohn.

Kl. Landhaus

mit gr. Garten, geg
Höchſtgebot zu verm
Näh. Geſchſt. (*1827

Laden
m. Zimmer zu verm
für jedes Geſchäft ge
eignet. Angebote u
V 20 Geſchſt. (*1837

flüchtlingen

die zurückkehren woll
iſt Gelegenheit ge
boten, ihre Wohnung
in Darmſtadt geger
eine ſchöne Wohnung
in beſter Lage von
Nainz z. tauſch. Ang. u
103 Gſchſt. (*1eeeic

Wohnungs=
tauſch
.
Freiburg i. B. 5 B.,
Friedberg (Oberh.
* Z., Offenbach 3 Z.
gegen gleiche oder
ähnliche in Darm=
ſtadt
zu tauſchen.
Näh. bei Götz Nachf.
5. Schwarzbach,
Abt. Wohnungstauſch,
Darmſtr. 31.
Teleph. 1989. (*18381

Geſchäfts= u. gr.
Lager=Ränme
Nähe Markplatz ſof.
günſt. abzug. Zu ver=
mieten
: gr. trockene
Lagerräume n Büros.
Näher. Dingeldein=Huf
nagel, Eliſabettenſtr.5
Teleph. 3065. (*1844:

Vornehm. möbl

Zimm., ſof. beziehbar.
Fremdenheim, Hügel=
ſtr
. 15, Laden. (79662

Sehr gut eingerichtet.
Zimmer für zwei
Perſonen
und ein gleiches für
eine Perſon
zu verm. an Kauf=
leute
oder Beamten.
J. Glückert, Bleich=
ſtr
. 19 (Wohnungst.)

2 g. möbl. Zimmer,
A
Wohn= u. Schlafzim.
ſeparat. Eing., el. L.
u. Balkon, zu verm.
Näh. Geſchſt. (*

2 beſſere Herren
finden gemütliches
Heim
gut möbl. Wohn= u.
Schlafzimmer i. gut.
Hauſe. Ang. u. V12
Geſchäftsſt. (*18339

Sonniges, ſchön möbl.
Einzelzimmer,
mit elettr. Licht verſ.;
z. 1. Juliz. vm. Seriba,
Heidetbergerſtr. 65, I..(*

Itiftſtraße 35, 1. St.;
bei Zinke, möbliertes
Zimmer mit Penſion
zu vermieten. (*18387

Während der
Schulferien
f. 34 Wochen 2 möbl.
B. mit 4 Betten nebſt
Kinderbett u. Küchen=
einr
. i. hint. Odenw.
zu verm. Näheres in
der Geſchſt. (*18387

Wilhelmſtraße 28 in
g. Hauſe 2 möbl.
Zimmer (Wohn= und
Schlafz.), verſeh. mir
Ofen u. elektr. Licht,
an geb., ſolid. Herrn
zu verm. Bettwäſche
uſw. und Bedienung
werden geſtellt; aus
Wunſch volle Ver=
pflegung
. Näheres
nur nachmitt, zwiſch,
2 u. 6 Uhr bei
Rückwerd. (*18302

Znäbl Zimm.

mit Küchenbenutz. in
guter Lage abzugeb.
Gefl. Anerb. unter
V46 an dieGeſchäfts=
ſtelle
erbeten. (*18424

Heidelbergerſtr. 77, II
b. Schmalervach. Schlaf=
u
. Wohnz., möbl., mit
Küchenben, an kinderl.
Ehep. zu vm. (*18:26

Wohn= und Schlaf=
zimimer
, part,, ſof. an
Einzelherrn zu verm.
Näh. Geſchſt. (*18421

Schön möbl. 3 Zim.=
Wohnung mit Küche
günſtig zu vermieten.
Angeb. unt. V 54 an
die Geſchſt. (*184858

Wohn= und Schlafz=
zuvermieten
. Plößer,
Heinheimerſtr. 16, I. I. (*

[ ][  ][ ]

Mummer 176.

Aus Heſſen.
+ Arheilgen, 25. Juni. Da Herr Georg Spengler 5. zum Beige=
ſeLneten
gewählt wurde, tritt für ihn der Erſatzmann Franz Leonhardt,
Freher, (Vereinigte ſozialdemokratiſche Partei) in den Gemeinderat ein.
neler 24. Juni, der als heſſiſcher Jugendtag feſtgeſetzt wurde, iſt hier
ca der ſeither üblichen Weiſe durch größere und kleiner Spaziergänge
eter Schulklaſſen in die fernere und nähere Heimat gefeiert worden,
nFobei Geſänge und Vorträge der Kinder die Feier verſchönerten.
Siie Heuernte hat hier ihren Anfang genommen. Dieſe Woche wurde
e= allgemein mit dem Mähen des Graſes begonnen. Wie man hört,
illt die Ernte in anbetracht des vorzüglichen Wetters auch entſprechend
imbit aus. Das hieſige Arbeiterſportkartell hält kommenden Sonntag
mlinen erſten Sportwerbetag ab. Das Programm weiſt ein 10 Kilometer=
vläadrennen
auf der Frankfurterſtraße, ein Langſamfahren auf der Darm=
erüdterſtraße
, Volkstänze der Schülerinnen an den verſchiedenen Plätzen
iſts Ortes und einen Werbelauf mit Ziel Gaſthaus zum Löwen auf.
Ufaſelbſt findet um 11 Uhr vormittags Platzkonzert ſtatt. Um 3 Uhr
ſuchmittags wird ein Umzug die Sportler und Turner nach dem Sport=
ſaatz
im Elſee führen, woſelbſt turneriſche und ſportliche Vorführun=
ſin
, ſowie Muſik= und Geſangsvorträge für Abwechſlung ſorgen werden.
H. Eberſtadt, 25. Juni. Der Jugendfeiertag iſt am geſtrigen Tage
n den Schulen in Geſtalt von Ausflügen der einzelnen Klaſſen be=
gngen
worden, und daher nach außen hin kaum in Erſcheinung getreten.
EM ſie Gemeinde hatte wiederum einen großen Johannisweck geſtiftet,
hir den Kindern viele Freude machte. Der Obſtmarkt erfreute ſich am
Hontag, und auch heute, eines regen Zuſpruchs. Am Montag waren
rka 100 Zentner, heute zirka 60 Zentner Kirſchen angefahren worden,
mſ, alle umgeſetzt werden konnten. Die Notierungen bewegten ſich immer
glrch zwiſchen 2 und 30 Pfg. Pilze und Erdbeeren waren auch zum
n=arkt gebracht worden, die Nachfrage war indeſſen gering. Das
Urchenkonzert, welches am Sonntag Abend hier ſtattfand, bot einen
Ften Genuß und war über Erwarten ſtark beſucht.
H. Eberſtadt, 25. Juni. Sängerfeſt. Der Geſangverein Ger=
inia
trifft zurzeit die letzten Vorbereitungen für ſein vom 5. bis 7.
li ſtattfindendes 30jähriges Jubiläum, welches in Form eines großen
laldfeſtes gefeiert werden wird. Es werden etwa 30 auswärtige Ver=
ge
, vornehmlich ſolche des Odenwald=Sängerbundes, erwartet. Am
eimstag, den 5. Juli, finden in den Sälen Zum Schwanen und Zum
argſträßer Hof die üblichen Kommerſe ſtatt. Am Sonntag alsdann
ſoßes Wecken, Abholen der auswärtigen Vereine mit Muſik, Feſtzug,
ſangsvorträge, Feſtreden, Tanzbeluſtigung auf dem herrlichen Feſt=
eitz
im Walde, Tanzbälle in den beiden bereits genannten Sälen. Der
ſhontag wird das Feſt in Geſtalt einer Nachfeier im Walde mit Tanz,
uſik, Geſangsvorträgen, Volksbeluſtigungen und Feuerwerk beſchließen.
Von der Bergſtraße, 23. Juni. Ein billiger Schoppen!
ar Wein wird billiger! Aber nicht nur in Birkenau und in der Pfalz,
ſſidern auch an der Bergſtraße. Wie der Wirt J. Metzger in Zwingen=
Liehs beg mitteilt, verzapft er ſchon ſeit 14 Tagen Prima Halbe für 25,
Maeind ſeit kurzem ſogar für 20 Pfg.
2e/ 8 Groß=Bieberau, 24. Juni. Fohlen=Auktion. Am Diens=
ſotz
! ſtar, den 1. Juli, findet hier auf Brauereihofe eine große Pferde= und
dieſe ählen=Auktion ſtatt. Die Auktion wird von der Pferdezüchter=Ver=
Griß eigung Groß=Bieberau und Umgebung veranſtaltet.
Lindenfels, 25. Juni. Auch in dieſem Jahr iſt der Beſuch der
ſommergäſte ſehr gut. An Penſionspreiſen werden 47 Mark
v Tag gezahlt. Infolge der günſtigen Witterung iſt der Andrang der
Eſte manchmal derartig, daß kein Bett mehr zu bekommen iſt und in
ſhnachbarten Orten für Unterkunft geſorgt wird.
Hirſchhorn, 22. Juni. Ueberfahren und getötet. Der 48
It. lIhre alte Taglöhner Ludwig Rechner aus Reiſenbach ſprang von
ſeem Kraftwagen ab, wurde von dem Anhängewagen überfahren und
aitt dadurch ſo ſchwere Verletzungen, daß er alsbald ſtarb.
Heddesheim, 23. Juni. Eine Tat der Verzweiflung beging in=
ſſoge
drohender Wohnungsräumung die 33 Jahre alte Arbeiterehefrau
Aria Lederle von hier, indem ſie ſich nachts am Schriesheimer Bahn=
üergang
auf die Schienen warf. Durch den heranbrauſenden Zug wurde
ſe Unglücklichen der Kopf vom Rumpfe getrennt. Frau Lederle, eine
ſgeürtige Polin, hinterläßt zwei Mädchen im Alter von 4 und 5 Jahren.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, ben 26. Juni 1924,

Seite 9.

Dieburg, 24. Juni. Vom 28.30, d. M. findet das 4. Bundesſchie=
ßen
der Odenwälder Schützenvereinigung, Mitglied des Deutſchen
Schützenbundes, zur Einweihung der neuen Schießſtände der Schützen=
geſellſchaft
1857 Dieburg e. V. hier ſtatt. Außer den Feſtſcheiben Die=
burg
und Odenwald gelangen Meiſterſcheiben für Freihand und Auf=
gelegt
(175 Meter), eine Jagdſcheibe (60 Meter) und Kleinkaliberſcheiben
(15 Meter) zur Aufſtellung. Die Preiſe beſtehn in Geldbträgen (75 Pro=
zent
der Einlagen), Ehrenplaketten und Ehrengaben, die zum größten
Teil von den Damen, Mitgliedern und Freunden des Vereins geſtiftet
wurden, ſowie ein Ehrenpreis von der Stadt Dieburg. Neben, dem
Preisſchießen wird Sonntag, den 29. d. M., nachmittags und abends, auf
der benachbarten Fohlenweide ein Volksfeſt abgehalten. Muſik, Geſang
und Tanz werden zur Feſtſtimmung beitragen. Die Preisverteilung
findet jedoch erſt Sonntag, den 6. Juli, im Saalbau Mainzer Hof zu
Dieburg, beim Feſtball ſtatt. Viele Schützenbrüder haben bereits ihr
Kommen zugeſagt, um in der alten Feſtſtadt Dieburg ein paar frohe
Stunden zu verbringen. Die Vorbereitungen laſſen, wenn auch der alte
Petrus ein gutes Geſicht dazu macht, einen ſchonen Verlauf des Feſtes
erwarten.
Aus dem hinteren Odenwald, 25. Juni. Die Heidelbeerernte
iſt voll im Gange. Klein und Groß iſt auf den Beinen, um die reichen
Erträgniſſe einzuheimſen. Bezahlt wird für das Pfund 28 Pfennig.
*+ Offenbach, 24. Juni. Die hieſige Milchgenoſſenſchaft
gibt bekannt, daß ſie in der Lage iſt den Milchpreis herabzuſetzen.
Vollmilch koſtet nun ab Verkaufsſtelle 30, frei Haus 32 Pfg. je Liter.
Die bisherigen Preiſe waren 34 und 36 Pfg. Außerdem empfiehlt die
Genoſſenſchaft täglich friſchen Rahm, deutſche däniſche und hol=
ländiſche
Butter Margarine, Pflanzenfette und
Käſe zum billigſten Tagespreiſe. Die Milch= und Fettnot dürfte damit
in unſerer Stadt endgültig behoben ſein, und es erſcheint überflüſſig,
die Verordnungen des Landes und des Reiches über den Verkehr mit
Milch, die bis zum 15. Juli verlängert ſind, noch länger aufrecht zu er=
halten
. Nachdem der hieſige Turnverein zu Pfingſten das
Jubelfeſt ſeines hundertjährigen Beſtehens feiern konnte, konnte
der Gewerbeverein am Sonntag ſeines achtzigjährigen
Beſtehens gedenken. Der Stenographenverein Gabelsberger begeht
am erſten Sonntag im Juli feſtlich den fünfzigſten Jahrestag ſeiner
Gründung. Mit dieſer Feier wird ein Wettſchreiben des Ver=
bandes
Heſſen und Heſſen=Naſſau der Gabelsberger verbunden ſein.
+ Groß=Gerau, 24. Juni. Neue Gemeinderäte. Als Ge=
meinderäte
wurden verpflichtet: Ludwig Raiß, Georg Hill und Fritz
Lämmermann.
* Biſchofsheim, 22. Juni. Liedertag. Heute mittag fand hier
ein großer Kritik=Liedertag ſtatt, woran ſich 10 Männergeſangvereine
beteiligten. Veranſtaltet war das Wertungsſingen von dem rührigen
Geſangsquartett Arion
Mainz, 25. Juni. Raub. Einem jungen Mädchen wurde auf dem
unteren Zahlbacherweg von einem Burſchen die Handtaſche geraubt.
Auf der Kirchweihe in Zahlbach wurde der Straßenräuber geſtellt. Er
war noch im Beſitz eines Armbandes, das in der Taſche gelegen hatte,
die Taſche ſelbſt hatte er nicht mehr im Beſitz.
Mainz, 25. Juni. Wie in anderen großen Städten, ſollen auch hier,
wie wir erfahren haben, von nächſtem Monat ab die Leichen mittels
Auto zum Friedhof gebracht werden.
Worms, 23. Juni. Neue Gräberfunde. Auf der ſtädti=
ſchen
Bauſtelle an der Textorſtraße war früher ein großes Gräberfeld
und eine ſtattliche Anſiedlung aus der jüngeren Steinzeit entdeckt wor=
den
; am vergangenen Mittwoch zeigte ſich ein zweites Grab, das jedoch
bedauerlicherweiſe zerſtört war, ehe die Bauleitung davon Kenntnis er=
hielt
und die Muſeumsdirektion benachrichtigen konnte. Zum Glück hatte
man wenigſtens die Beigaben in Sicherheit gebracht: Eine größere
ſchwarze und eine kleinere braune neolithiſche Urne mit hübſchen Orna=
menten
; beide freilich in Scherben, doch ſoviel erhalten, daß ſie wieder
zuſammengeſetzt und zu ganzen Gefäßen ergänzt werden können.
BürſteZt, 25. Juni. Der Bauder hieſigen Kirche ſchreitet,
dank der Opferfreudigkeit der hieſigen Einwohnerſchaft, rüſtig vorwärts.
Gießen, 24. Juni. Die ſchweren Regen der letzten Tage haben die
Heuernte ſehr geſtört und geſchädigt. Die wolkenbruchartigen Regen
ließen das Waſſer der Lahn und ihrer Nebenflüſſe ſo ſteigen, daß die
Wieſentäler überſchwemmt wurden und das gemähte Heugras davon=
ſchwamm
. In manchen Gemarkungen mußte die Polizei einſchreiten und
das Betreten der Wieſen verbieten, damit eine gerechte Verteilung der
angeſchwemmten Grasmaſſen erfolgen konnte. In manchen Teilen Ober=
heſſens
, z. B. bei Nidda und Stockheim iſt die Verwirrung in den

flachen Wieſentälern der Nidda und Nidder noch größer. Hier hat auch
noch Hagel und Sturm furchtbar gewütet und beträchtlichen
Schaden an den Saaten und Obſtbäumen angerichtet. Das Obſt liegt
maſſenhaft auf der Erde. Die Dickwurzäcker wurden abgeſchwemmt, ja
Stein und Schlamm fanden den Weg bis auf den Bahnkörper, ſo daß ein
Zug längere Zeit am Weiterfahren gehindert war.
Friedberg, 24. Juni. Die Heſſ. Vereinigung für Volks=
kunde
hält nächſten Samstag im Lehrerſeminar ihre Hauptverſamm=
lung
ab. Da eine ſehr wichtige Tagesordnung zu beraten iſt Aen=
derung
der Satzungen und anderes ſo iſt ein ſtarker Beſuch zu er=
warten
. Abends finden im Singſaal des Seminars ein Konzert und
Vorträge ſtatt. Eine Gedächtnisfeier zu Ehren der Ge=
fallenen
der Auguſtinerſchule fand geſtern in der Schule
ſtatt. Direktor Dr. Allendorf hielt die Feſtrede, und Schüler der Anſtalt
brachten den Rütliſchwur aus Tell zur Vorführung. Anſchließend hielt
Profeſſor Dr. Dreher einen Vortrag über Die Auguſtinerſchule im Spie=
gel
deutſcher Reichsgeſchichte‟. Bemerkt ſei, daß die Anſtalt auf ihr nahe=
zu
400jähriges Beſtehen zurückblickt.
8 Lich (Oberheſſen), 21. Juni. Marktverlegung. Der
wegen Seuchengefahr damals ausgefallene Licher Pfingſtmarkt wird
nunmehr am Montag, den 30. Juni, als Schweine= und Krämermarkt
abgehalten. Dadurch hat auch der für den 14. Juli vorgeſehene ſogen.
Licher Sommermarkt eine Verlegung erfahren. Dieſer findet jetzt am
28. Juli, verbunden mit einer Bullen=Auktion ſtatt.
Lich, 24. Juni. Die Goldene Hochzeit feierte im nahen Ober=
heſſen
der Landwirt Schott bei voller Rüſtigkeit. Pfarrer Ahlheim
aus Münſter hielt einen Gottesdienſt zu Ehren des Jubelpaares ab.
Grosser Briefmarken-Verkauf
iM (TV. 8200
Mütutfutff
BesteGelegenheit zur Existenzgründung. BesteKapitalanlage. Briefmarken
sind in kommenden Zeiten oft weit wertvoller wie Geld dasie internationale,
in der ganzen Welt anerkannte, dauernd steigende Werte darstellen.
sollen zu Köln
Am 17. Jali 1924. nachmittags 3 Uhr bexinnend,
a. Rh. im Ge=
werbehaus
mehrere tausend Kilo Briefmarken der ganzen Welt (von
Missionen, Klöstern, Regierungen usw.) nicht sortiert, daher mit vielen
Seltenheiten, nach Gewicht verkauft werden. Interessenten erhalten
sofort versiegelte Original-Probe-Kilos.
1 Original Probe-Kilo Nr. 1, ca. 15000 Stück mit 1000-4000
Verschiedenen kostet Mk. 21.
1 Original Probe-Kilo Nr. 2, ca. 15 000 Stück mit 2000-6000
Verschiedenen kostet Mk. 42
1 Original Probe-Kilo Nr. 3, Ca. 15000 Stück mit 3000-8000
Verschiedenen kostet Mk. 84.
1 Original Probe-Kilo Nr 4, Ca. 15000 Stück mit 4000-10000
Verschiedenen kostet Mk. 168
1 Original Probe-Kilo Nr. 5, ca. 15000 Stück mit 5000-12000
Verschiedenen kostet Mk. 336.
1 Original Probe-Kilo Nr. 6, ca. 15000 Stück mit 6000-15000
Verschiedenen kostet Mk. 672.
An wertvollen Briefmarken-Sammlungen können zur Zeit sofort
kreibleibend geliefert werden:
Sammlung Nr. 11 mit über 3000 Verschiedenen 63 Mk.
Sammlung Nr. 12 mit über 5000 Verschiedenen 252 Mk.
Sammlung Nr. 13 mit über 10000 Verschiedenen 840 Mk.
Sammlung Nr. 14 mit über 20000 Verschiedenen 3360 Mk.
Kasse im Voraus auf Postscheckkonto Köln 531 06 zoll- u. portofrei. Nach-
nahme
3 Mk mehr. Umtausch der Dabletten und nicht einwandfreien
Marken innerhalb 12 Monaten ohne Nachzahlun gestattet, daher jedes
Risiko ausgeschlossen, F
Für fast jeden bis jetzt ausgeführten Auftrag ein freiwilliges Dank-
schreiben
. Die Nachbestellungen und Dankschreiben zählen nach Tau-
senden
. Die Dankschreiben liegen im Original zur Einsicht offen.
Briefmarken-Ein-u. Ausfahr-Gesellsch. m. b. H., Köln, Gewerbehaus
Alteetes und grösstes Unternehmen dieser Art in allen Ländern der
Erde. Derzeitiges Lager über 10000 Kilo Briefmarken der ganzen Welt.
Fernsprecher Rheinland 3375.

hwanderer=Motorrad 320 Gm.
NNSU Motorrad. . . . 420 Gm.
Imperia=Motorrad . 400 Gm.
(Steuer und Führerſchein frei)
2 Mars=Motorräder ſowie

2 Autoreifen, 26X3, billigſt.
Günſtige Zahlungsbedingungen.
genieur- u. Handelsbüro
Hoktum & Mainzer 822
Darmſtadt Kopenhagen.

Preisabſchlag!
Ofenfertig gehacktes, prima
Buchenholz
etwas Eichen liefert in Fuhren frei ar
Haus per Zentner 1.50 Mk.
Günſtige Zahlungsbedingungen.
Arthur Sobernheim
Bleichſtraße 40. Tel 603. (6977a
linverkauf täglich von 812 u.

Für die Hallenbauten des Auoparks
Ainer Sand ſollen die
* Anſtreicherarbeiten

WHennnche Oeroingang.
m öffentlichen. Wettbewerb. vergeben
rden. Die Verdingungsunterlagen
igen in der Bauabteilung des R.V.A.
inz=Stadt, Münſterplatz 2, Erdgeſchoß
Zumer 7, in der Zeit von 912 und
5 Uhr zur Einſicht auf und werden
gen Erſtattung der Herſtellungskoſten
onge Vorrat reicht, zum Betrage von
ſ.=Mk. abgegeben.
Die Angebote ſind verſchloſſen und
m der Aufſchrift: Anſtreicherarbeiten
mopark Kleiner Sand bis ſpäteſtens
Annerstag, den 10. Juli 1924, vor=
ntags
10 Uhr, dem R. V.A. Mainz=
Idt portofrei einzureichen, woſelbſt
ſn) die Eröffnung rechtzeitig eingegan=
ſoer
Angebote ſtattfindet. (J.Ft. 8217
Zuſchlagsfriſt 14 Tage.
Richsvermögensamt Mainz=Stadt.

Die Lieferung von rund 2000 cbm
Sotter, Korngröße 4 cm, aus Baſalt,
Maphyr oder gleichwertigem Material
M Munitionsdepot Uhlerborn, ſoll ganz
id in einzelnen Loſen öffentlich vergeben
beden. Erſter Liefertag Station Uhlerborn,
Juli 1924. Tägliche Liefermenge höch=
tn
3 100 cbm, wöchentlich 600 cbm. An=
ſchte
mit Proben und Angabe der Druck=
eſigkeit
bis 1. Juli 1924, vorm. 9 Uhr,
m Amt, Zimmer 22, einreichen. Er=
ung
in Gegenwart etwa erſchienene
werber. Einheitspreis trennen nach
Merial frei Waggon Verſendeſtation
ſicht bis Uebergangsſtation beſetztes Ge=
* und Fracht ab letzterer Station bis
Strion Uhlerborn (Rheinheſſen).
Erfüllungsort für Zahlungen, Rechts=
titigkeiten
uſw. Mainz. Bieter muß all=
eine
und techn. Bedingungen aner=
ien
, welche beim Amt zur Einſicht
(J.Ff.8218
Wiegen.
Mainz, Schillerſtraße 19, 23. Juni 1924.
Nchsvermögungsgmt Mainz Lank

Wäsche
z. Waſchen, Bügeln
u. Ausbefſern wird
angenommen. Auf
Wunſch wird auch ab=
geholt
. Ang. u. V 18
Heſchäftsſt. (*18372

Ausbeſſern, Neuan=
fertigen
von Wäſche,
Kleider aller Art, wd.
noch angenommen in
und außer dem Hauſe.
Näheres in der Ge=
ſchäftsſtelle
. (*18249

Eilige
Paßbilder
Photogr. Werkſtätte
Schuchardſtr. 14, part
Offen v. 97Uhr. (*ena

Ein alleinſtehender
penſioniert. Beamter
findet gute Fürſorge
und Wohnung bei
einer beſſeren Witwe
auf dem Lande nahe
Darmſtadt. Angeb
unter U 123 an die
Geſchäftsſt. (*18253

für meine
Suche Tochter, 16J
alt, zum 1. JuliAuf=
nahme
in einem vor=
nehm
. Töchterheim.
Angebote u. V 15
Gefchäftsſt. (8233md

alt., gebr.
Suche Kranken=
fahrſtuhl
mit guterh.
Geſtell. Angebote
unter U 143 an die
828
Geſchäftsſt.

Fliegenfänger
Aeroxon
Scheuertücher
kaufen Wiederver=
käufer
und Händler
am billigſten bei
Jean Kredel Nachf.
Großhandlung
KRG
Rheinſtr.

Nohrliegeſtuhl
zu kaufen geſucht,
Angebote unt. V 16
Geſchäftsſt. (*18365

12 Perſer=Brücken
zu kaufen geſucht.
Angebote unter V 52
an die Geſchäftsſtelle
ds. Blattes. (*18441

Neues Damenrad
von Privat zn k. geſ
Moſt, Karlſtr. 65½

Geſucht
4 guterhaltene
Lederſtühle.
Angeb. unt. V 47 an
die Geſchſt, (*184

M

251

Bamenedäsche
zu besonders billigen Preisen

Damenhemd
aus gut. Renforcé mit Barmer Bogen 1.50
Damenhemid
aus solidem Renforce, Trägerfagon,
2333
Hohlsaumarbeit .
Damenhemd
aus laCret. mit eleg. Stickereiverzier. 200
Damenbeinkleid
1.00
sol. Stofte, Barmer Bogenverzierung.
Damenbeinkleid-
aus
la Cret. mit eleg. Stickereiverzier, &00
Damen-Nachtiacke
aus la Creton mit Umlegekragen. .U.U0
Prinzeß-Röcke
in nur guter Verarbeit., mit Stickerei-
verzierung
u. hohem Stickereivolant U.-FU

Gemusterte
Rohseide
imit., in neuer Ausmust. Mtr.

1.90

YAIIIZOI Taoilnäde
Darmstadt Guggenheim & Marx Marktplatz

Garnitur
mit Seſſel, äußerſter
Preis zu kf. geſucht.
Angebote u. U 139
Geſchäftsſt. (*18271

Flaſchen=Ankauf
W. Feldmann
Karlſtr. 73 (*18324ds

Scheibenbüchſe
8 mm, zu kauf. geſ
Angeb. mit Preis=
angabe
unter U 140
Geſchaftsſt. (*18270

Gut erh. größerer
Reiſehoffer
zukaufen geſ. Angeb
mit Preis und Grö=
ßenangabe
u. V 9an
d. Geſchäftsſt. (*18342

Flurgarderobe
pol. Kleiderſchr. oder
Spiegelſchrank zu kf
geſ. Ang. u. U 135
Geſchäftsſt. (*1828

Gute eingeſpielte
Konzertgeige
zu kaufen geſucht. An=
gebote
mit Preisan=
gabe
unter V 22 an
die Geſchſt. (8241d.

Zu kanfen geſucht:
1primagut mittelgr.
blauer oder heller
Anzug.
Baumgärtner Ale=
xanderſtr
. 7, I. (*18383

EntlaufenF

Grau=weiß geſcheckte
Katze mit Jungen
entlaufen.
Geg. Belohn. abzug
Alexanderſtr. 18. (*

Ferkel und
Läuferſchweine
lig, zum
Verkau
Hochmann
Pfungſtadt Bornmühl

Gute einj. Milchziege
zu verkaufen. (*1824
Näh. Mornewegſt. 27

Haſen zu verkaufen
Stiftſtr. 79, p. (*183

Schöne
Rottweilerhündin
1Mon., m. Stammb
(Eltern mehrmals m
1. Pr. präm.) bill.
verk. Näh. Schwanen=
ſtraße
65, III. /1829

Geſunder kräftig
Wachhund zu ve
Karl)t
828

Tierausstopferei
E. Achen, Rheinſtr. 41
präpariert Tiere und Vögel naturgetreu
und dauerhaft. Annahme von Fellen zum
Gerben auf Pelz. (*18391

Ans deu Amtsverkündigungen des Kreisamts
Darmſtadt und den Bekanntmachungen des
Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 großer Wirtstiſch. Ein
grauer Mantelgürtel. 1 goldene Brille mit
Horngeſtell in ſchwarzem Klappfutteral.
1 Paar graue Damenhandſchuhe. 1 alte
graue Schildmütze, 1 gelber Kindernuller.
Portemonnaie mit 59 Pfg. 1 kleines
Kettchen mit rotem kleinen Anhänger. Eine
ſilberne viereckige Damenuhr. Eine Anzahl
verſchiedene Schlüſſel, Zugelaufen: Ein
Rehpinſcher.

Pflaſterſteinlieferung.
Die Lieferung von 4500 Tonnen Nor=
malpflaſterſteinen
, 500 Tonnen Klein=
pflaſterſteinen
ſowie 150 Tonnen Moſaik=
ſteinen
ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedin=
gungen
liegen bei dem unterzeichneten
Amte, Zimmer Nr. 5, während der Dienſt=
ſtunden
zur Einſicht offen. Auch werden
dort die Angebotſcheine abgegeben.
Angebote, ſind bis Mittwoch, den
18. Juli Ifd. Js., vorm. 11 Uhr, bei
unterzeichneter Stelle einzureichen.
Darmſtadt, den 23. Juni 1924.
Tiefbauamt. (St. 8248

Einträge in das Handelsregiſter Ab=
teilung
A: Neueintragung am 18. Juni
1924: Firma: Willi Fuchs, Wurſt=
und Fleiſchwarenfabrik, Darmſtadt.
Inhaber: Willi Fuchs, Metzgermeiſter
und Kaufmann in Darmſtadt. Aende=
rungen
: Am 14. Juni: Firma: Mathias
Kattler, Darmſtadt: Charlotte Kattler
und Kaufmann Ernſt Kattler, beide in
Darmſtadt, ſind in das Geſchäft als per=
ſönlich
haftende Geſellſchafter eingetreten.
Die offene Handelsgeſellſchaft hat am
1. Januar 1924 begonnen: am 19. Juni
1924: Firma: Chemiſch= Pharmazeuti=
ſches
Laboratorium Dr. Ensgraber
& Co., Darmſtadt: Die offene Handels=
geſellſchaft
iſt aufgelöſt. Geſchäft ſamt
Firma iſt auf den ſeitherigen Geſellſchaf=
ter
Dr. Friedrich Ensgraber in Darm=
ſtadt
als Einzelkaufmann übergegangen;
am 20. Juni 1924: Firma: Johannes
Schäfer, Darmſtadt: Kaufmann Rudolf
Ringler in Darmſtadt iſt in das Geſchäft
als perſönlich haftender Geſellſchafter
eingetreten. Die offene Handelsgeſell=
ſchaft
hat am 1. April 1924 begonnen.
Die Firma iſt geändert in: Schäfer &
Ringler. Die Prokura der Johannes
Schäfer Ehefrau iſt erloſchen; Firma:
Rudolf, Ringler, Darmſtadt: Die
Firma iſt erloſchen. Firma: Faßben=
der
& Co., Darmſtadt: Kaufmann Jo=
hannes
Faßbender in Darmſtadt iſt aus
der Geſellſchaft ausgeſchieden; am 21. Juni
1924: Firma: Gündner=Lang, Darm=
ſtadt
: Joſef Geſing, Kaufmann in Darm=
ſtadt
, iſt zum Prokuriſten beſtellt.
Darmſtadt, den 23. Jun: 1924.
Amtsgericht I.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dounerstag, den 2G. Juni 1924.

Rummer 176.

Reich und Ausland.
Unpolitiſche Tagesſchau.
Nicht nur der Mount Evereſt reckt unbeſiegt ſein ſtolzes Haupt in
die Wolken. Auch der Nordpol iſt bis jetzt noch von keines Menſchen
Fuß betreten worden. Die Erforſchung jener Eisregionen wollte be=
kanntlich
Amundſen mittels Flugzeug bewerkſtelligen. Der Plan war
bereits in allen Teilen ausgearbeitet, und alle Vorverſuche waren abge=
ſchloſſen
. Zuletzt beſtanden nur noch Unſtimmigkeiten über den einzu=
ſchlagenden
Weg. Am Montag meldete der Kopenhagener Politiken,
daß Amundſen nun endgültig ſeine frühere Abſicht, Kopenhagen und
Kriſtiania zu berühren, aufgegeben habe. Der Flug ſollte jetzt von Piſa,
über Zürich-BergenTromſöSpitzbergen ſtattfinden. Die äußerſt
ſchwierige Flaggenfrage war ebenfalls zur allſeitigen Zufriedenheit ge=
löſt
worden: der Start ſollte unter norwegiſcher Flagge vor ſich gehen,
doch während des Fluges über den Pol ſollten die Farben aller drei
beteiligten Nationen geführt werden, alſo neben den norwegiſchen auch
die italieniſchen und amerikaniſchen. Wie ein Blitz vom heiteren Himmel
mutet inmitten dieſer Vorbereitungen zum Aufſtieg die Nachricht an, die
der Secolo aus Piſa meldet:
Amundſens Nordpolexpedition geſcheitert.
Dieſes Unternehmen iſt nun nicht wie die Mount Evereſt=Expedition
an dem Widerſtand der zu bezwingenden Naturkräfte zerbrochen, ſon=
dern
es wurde aus finanziellen Schwierigkeiten aufgegeben. Es war all=
mählich
laut geworden, daß die Expedition die beſonders zu dieſem
Zwecke konſtruierten Flugzeuge nicht bezahlen könne. Daraufhin ſind
die norwegiſchen Piloten und der Amerikaner Dewiſon kurz vor der Ab=
ſchiedsfeier
, die für die aufſteigenden Flieger vorgeſehen war, abgereiſt.
Um die angeſetzte Feier nicht gegenſtandslos werden zu laſſen, wurde
die Abſchiedsfeier von den Organiſationen in eine Trauerfeier umge=
wandelt
. In allen Zeitungen prangen noch die Bilder der kühnen Nord=
polfahrer
und oben am Nordpol brummt verſchlafen ein Eisbär.
Auf der großen Thereſienwieſe in München war ein Zirkus an=
gekommen
. Alles was Beine hatte, mußte bei den Aufbauarbeiten mit=
helfen
. Beſonders die vierbeinigen Angeſtellten des Zirkus, drei Ele=
fanten
, mußten tapfer zugreifen. Mit ihren Rüſſeln ſchleppten dieſe
rieſige Balken heran. Ein Filmoperateur benutzte die günſtige Ge=
legenheit
, die Elefanten bei der Arbeit aufzunehmen. In unmittelbarer
Nähe der Arbeitsſtätte drehte er luſtig ſeinen Kurbelkaſten. Das ver=
droß
Charly, den tüchtigſten der drei Elefanten, und als er eben un=
beladen
und ungeleitet an die Aufladeſtelle zurückkehrte, ſteuerte er mit
einem kräftigen Trompetenſtoß auf den zu Tod erſchrockenen Film=
operateur
zu. Die Leier entſank ſeinen Händen, als er das Ungetüm
vor ſich ſah, und er wußte nicht, ob er davonlaufen oder ſich dem Dick=
häuter
auf Gnade und Ungnade ergeben ſollte. Der Elefant jedoch ſchob
das halb ohnmächtige Filmmännchen mit ſeinem Rüſſel behutſam beiſeite
und ſtellte ſich an deſſen Platz. Dann faßte er die Kurbel und filmte‟.
So wirkte
der Elefant als Filmoperateur.
Aber lange dauerte der Spaß nicht. Der Elefant geriet, erfreut über
die neue Betätigung, ſo in Ekſtaſe, daß er bald nur noch die Kurbel mit
ſeinem Rüſſel in der Luft herumdrehte. Jetzt endlich kam der Wärter
und holte den übermütigen Charly ſcheltend zu vernünftiger Arbeit.
Der verunglückte Filmoperateur aber ſchlich mit den kläglichen Ueber=
reſten
ſeines Appgrates von dannen.

Die Karlsruher Tagung des Deutſchen
Gaſiwirteverbandes.
fm. Karlsruhe. Am Dienstag, vormittags 9 Uhe, begann im
feſtlich geſchmückten Koloſſeumſaale die Delegiertentagung im Rahmen
der 49. Tagung des Deutſchen Gaſtwirtsverbandes. Verbandsvorſitzender,
Herr Emil Köſter=Berlin begrüßte die zahlreich erſchienenen Ver=
treter
aus allen Teilen des Reiches und gab der Hoffnung Ausdruck,
daß die Tagung einen harmoniſchen und fruchtbringenden Verlauf
nehmen möge. Der Deutſche Gaſtwirtsverband ſei ein Machtfaktor im
politiſchen und wirtſchaftlichen Leben geworden, den die Regierungen
nicht überſehen dürften. Damit wurde in die Tagesordnung der ordent=
lichen
Hauptverſammlung der Abgeordneten eingetreten, die mit der

Erſtattung des Kaſſenberichts und der Vorlage des Haushaltsvoran=
ſchlags
ihren Anfang nahm. Der Verbandsbeitrag wurde für die Mit=
glieder
der dem Preußiſchen Landesverbande angehörigen Vereine auf
vierteljährlich 1. Rentenmark und für die Mitglieder aller anderen
Landesverbände auf 0,80 Nentenmark feſtgeſetzt. Der Geſchäfts= und
Kaſſenführung wurde ſodann Entlaſtung erteilt; ſämtliche Mitglieder
derſelben wurden wieder gewählt. Als Tagungsort des 50. Deutſchen
Gaſtwirtstages wurde Breslau beſtimmt. Im weiteren wurde über die
Bildung eines Wahlfonds für die Reichstagswahlen beraten. Der Ver=
bandsvorſitzende
Köſter=Berlin führte dazu u. a. aus, daß es im
Intereſſe der Wahrung der berechtigten Belange des deutſchen Gaſt=
wirts
unbedingt notwendig ſei, einen Wahlfonds zu ſchaffen, um auch
im Reichstag geeignete Vertreter an einflußreicher Stelle unterzubringen.
Es komme vor allem darauf an, in den Steuerausſchüſſen vertreten zu
ſein. Nur durch große Opferfreudigkeit könne es gelingen, ſich von
politiſcher Beeinfluſſung ſeitens der Parteien zu befreien. Die erſt=
malige
Beteiligung des Deutſchen Gaſtwirtsverbandes an den Reichs=
tagswahlen
vom 4. Mai habe gezeigt, daß ohne ausreichenden Wohlfonds
keine Erfolge zu erringen ſeien. Der Antrag des geſchäftsführenden
Ausſchuſſes gehe dahin, zum Zwecke einer wirkſameren Beteiligung des
Deutſchen Gaſtwirtsverbandes an den Reichstagswahlen einen Wahl=
fonds
in der Weiſe zu bilden, daß 20 Prozent aller Verbandsbeiträge
einem der Verwaltung der Verbandsleitung unterſtehenden Wahlfonds
überwieſen würden. Der preußiſche Landesverband bildet für ſich einen
Fonds für die Wahlen zum preußiſchen Landtag in der Weiſe, daß 5
Prozent der preußiſchen Verbandsbeiträge dieſem Fonds zufließen ſollen.
Nach längerer Ausſprache, in der das Für und Wider lebhaft erörtert
wurde, fand der Antrag mit Mehrheit Annahme. In dieſem Zuſammen=
hang
iſt eine Bemerkung des Verbandsvorſitzenden zur hannoverſchen
Frage erwähnenswert, in welcher er mitteilte, daß der Deutſche Gaſt=
wirtsverband
das hannoverſche Mitglied Nolte, das erklärte, die Gaſt=
wirtsintereſſen
nur innerhalb der Hannoverſchen Partei vertreten zu
wollen, zwar als Kollegen ſchätze, aber als Welfen nicht für vertre=
tungs
= und verhandlungsfähig erachte. Runge=Köln gab ſeiner Ver=
wunderung
über den hannoverſchen Separatismus Ausdruck.
Zur Verhandlung ſtand weiterhin ein Antrag des Hauptvorſtandes,
der die Hauptgemeinſchaft der Hotel=, Gaſt= und Schankwirteorgani=
ſationen
aufheben und den beſtehenden Vertrag kündigen will. Während
die Leitung ſich ihrer Verantwortung bewußt geweſen wäre, hätte man
auf der anderen Seite ſtets das Beſtreben gezeigt, ſelbſt in den wichtig=
ſten
Standesfragen eigene Wege zu gehen. In der Ausſprache wurde
einer gütlichen Verſtändigung das Wort geſprochen. Der Antragſteller
wies darauf hin, daß mit dem Antrag der Zweck verfolgt werde, die
Gegenſeite zu einer engeren Arbeitsgemeinſchaft zu veranlaſſen. Mit
einer Mehrheit von 112 Stimmen wurde der Antrag angenommen.
Zur Beratung ſtanden ferner Anträge des Provinzialverbands
Rheinland, welche verlangen, daß die Regierungsbezirksverbände mit
4000 vollzahlenden Mitgliedern Sitz und Stimme im großen Vorſtand
erhalten ſollen, ferner lagen Anträge vor über eine Reviſion der Ver=
bandsſatzungen
, über den Pflichtbezug der Zeitung Das Gaſthaus
über die Errichtung einer Preſſe= und Wirtſchaftsſtelle und über den
Rechtsſchutz. Nach Erledigung und Annahme dieſer Anträge wurde
die Sitzung geſchloſſen.
Ordentliche Hauptverſammlung des Landesverbandes Preußen.
fm. Karlsruhe. Die 49. Tagung des Deutſchen Gaſtwirtever=
bands
, welche hier in den Tagen vom 23. bis 27. Juni ſtattfindet, wurde
am Dienstag nachmittag mit der ordentlichen Hauptverſammlung des
Landesverbands Preußen des Deutſchen Gaſtwirteverbands eröffnet.
Die Tagesordnung umfaßte fünf Punkte, die ohne weſentliche Aus=
ſprache
eine raſche Erledigung fanden. Nach einer kurzen Eröffnungs=
anſprache
des Verbandsvorſitzenden Köſter=Berlin erſtattete Verbands=
direktor
Haugg=Berlin Bericht über das preußiſche Geſetz, betr, die
ſtaatlichen Verwaltungsgebühren. Nach kurzen Bemerkungen wurde
beſchloſſen, beim preußiſchen Miniſterium des Innern eine Ermäßi=
gung
der Verwaltungsgebühren zu verlangen, ferner ſoll dem preußi=
ſchen
Landtag ein Antrag unterbreitet werden, in welchem die Aufhe=
bung
des Geſetzes, welches den heutigen Verhältniſſen nicht mehr ent=
ſpreche
, gefordert wird. Ein zweiter Antrag befaßte ſich mit der Auf=
hebung
der Beſchränkung der öffentlichen Luſtbarkeiten, ein dritter mit
der Aufhebung der Sabbathverordnung in Hannover, wonach an den
Tagen vor hohen Feiertagen Luſtbarkeiten uſw. nicht ſtattfinden dür=
fen
. Sämtliche Anträge fanden einſtimmige Annahme. Der geſchäfts=
führende
Vorſtand wurde beauftragt, hierzu die nötigen Schritte beim
preußiſchen Miniſteriun zu tun. Im Anſchluß an die Hauptverſamm=
lung
des Landesverbandes Preußen hielt die Sterbeunterſtützungskaſſe
des Deutſchen Gaſtwirteverbands eine kurze Sitzung ab, die über die
Erhöhung der Sterbeunterſtützung Beſchluß faßte.

Bei der Eröffnung der Gaſtwirte=Fachausſtellung kam es zu einem
unliebſamen Zwiſchenfall. Als die Feuerwehrkapelle, die nach der
offiziellen Eröffnung im Ausſtellungspark konzertierte, das Deutſchland=
lied
ſpielte, ſtanden die drei linksſtehenden Stadträte Bauer, Töpper
und Schwerdt nicht auf, was zu Auseinanderſetzungen führte. Als die
Kapelle dann die Wacht am Rhein intonierte, ertönte vom Tiſch der
drei Stadträte ein ſchriller Pfiff und im Nu hatte ſich eine Keilerei
entwickelt, bei der Stadtrat Bauer verprügelt und in eine Pfütze ge=
worfen
wurde.

Geſchäftliches.
Die Leibbinden= und Korſettfabrik Gündner=
Lang, dahier, die die hieſige Stadt um einen neuen Geſchäftszweig
bereicherte, unter Ueberwindung des Währungszerfalls, der Kredit=
und Raumnot, neben anderen Nöten dieſer Zeit, konnte erfreulicher=
weiſe
, abgeſehen von der Gründungszeit, die den Kriegsjahren zum
Opfer fiel, jetzt nach Ablauf von 5 Betriebsjahren eine erhebliche Ge=
ſchäftserweiterung
vornehmen. Die Zahl ihrer Angeſtellten und Arbei=
ter
, bzw. Arbeiterinnen, wuchs von zirka 50 auf 80 Perſonen. Das
Unternehmen iſt auf die alleinige Initiative der Mitinhaberin Frau
Emma Lang, geb. Gündner, hier, zurückzuführen, die unter gütiger
Mitwirkung des bereits verſtorbenen Herrn Frauenarztes San.=Rat
Dr. Machenhauer, deſſen Name die betr. Fabrikate tragen, eine nun=
mehr
in ganz Deutſchland dominierende Neuheit der erwähnten
Branche in bezug auf Formenſchönheit, Bequemlichkeit und Hygiene
auf die Beine ſtellte. Der Aufbau des Unternehmens, die Organiſa=
tion
, der Einſchlag überhaupt, iſt das Werk des Bruders und Mitin=
habers
der Genannten, Herrn Ernſt Otto Gündner. Die Firma ver=
ſchweigt
übrigens nicht, daß ſie in dem ſich geſteckten Ziele ſtets auf die
verſtändnisvolle Unterſtützung der Stadtverwaltung rechnen durfte,
Ein weſentlicher Anteil an dem mächtigen Fortſchritt dieſer jungen
Fabrik iſt nicht zuletzt in dem guten Einvernehmen zwiſchen Geſchäfts=
leitung
und Perſonal zu ſuchen.

Hornhaut, Schwielen und Warzen
beſeitigt ſchnell.
ſicher, ſchmerz=
und gefahrlos AdKIPOT
Aerztlich empfohlen. Millionenfach be=
währt
. In Apotheken und Drogerien erbältlich. Gegen Fußt
ſchweiß, Brennen und Wundlaufen Kukirol=Fußbad,
Engel=Apotheke Dr. E. Merck; Drogerien: Beſſunger=Drogerie, Inh.
W. Hartlaub, Beſſungerſtraße 1; Anton Fiſcher, Frankfurterſtraße 14,
Gg. Liebig & Co, Nachf., Luiſenſtr. 4: Apotheke Logel, Eliſabethen=
ſtraße
30; Martins=Drogerie, Pankratiusſtraße 41; Ph. Secker Nachf.;
Ludwigshöhſtraße 1; C. Watzinger Nachf., Wilhelminenſtraße 11; Chr.
Schwinn, Rheinſtraße; G. Hübner, Karlſtraße 56.
(V.1078

Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherſage für Freitag, 27. Juni:
Fortdauer des beſtehenden Wetters, vereinzelt Gewitterbildung.
Tageskalender. Donnerstag, den 26. Juni.
Landestheater, Großes Haus, Anf. 7 Uhr, Ende 10 Uhr ( Zu=
ſatzmiete
VIII*): Martha. Kleines Haus: Keine Vorſtellung.
Städt. Saalbau: Konzert. D. H. V., abends 8½ Uhr,
im Feierabendſaal: Lichtbildervortrag Ausſichten deutſcher Aus=
wanderer
in Südamerika. Union=, Reſidenz=Theater, Palaſt=
lichtſpiele
: Kinovorſtellungen.
Verſteigerungskalender. Freitag, den 27. Juni.
Grasverſteigerung; Zuſammenkunft ½9 Uhr vorm., Hir=
tenwieſenſchneiſe
.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſt
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußd enſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtade.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten

Geſchäftshaus
in beſter Lage, mit
altrenommiertem
Kolonialwaren=
geſchäft
,
ſofort z. übernehmen
u. beziehbar für 30000
Goldmark bei entſpre=
chender
Anzahlg. ver
käuflich. Näheres dch.
Braun & Lohrmann
Immobilien=Verwertung
Heinrichſt, 34, Fern=
18284
517.

In Zell, Kr. Erback
Einfam.=Haus m. G.
z. verk. Näh. perſ. b.
Eigentümer (EifND2om
Gg. Zeltner,
Im Steingrund
Herrſchaftl.
Einfamilien haus
Wilhelmſtr. 38
mit 12 Zim., reichl
Nebenr., allen Be=
queml
., groß. Garten
u. Stallgeb., iſt weg=
zugsh
unt günſt. Be
ding, zu verkaufen u.
alsbald zu beziehen.
Näh. daſelbſt. (*17dsm

Freie
4 Zimmer=Wohnung
b. Kauf einer klein.
Villa ( 17500) er
Tauſch. Angeb. unt
F.V.T. 551 a. Rudolf
Mofſe, Frankfurt am
Wr
Main.

In Darmſtadt
od. Umgeg. (*1
kl. Villa od. Landh.
m. fr. Wohn. gegen
bar z. kf. geſ. Ang. a
Dr. Maring, Haupt=
poſtlagernd
, Mainz

Kl. Haus
m. Garten i. äußerer
Lage z. kf. geſ. Anz.
1500 u. monatlich
100. Angeb. u. V 35
Geſchäftsſt. (*18407

Herrſch. Einfamilien=
Haus m. ſof. bezhb.
4=Z.=Whg. z. k. gef.
Ang. m. Pr. u. Chiff.
U. 18 an die Ge=
ſchäftsſt
. (E17934gm

Einfamilienhau=
mit
etwa 7-8 Zim.
u. den üblich. Neben=
räumen
, insbeſondere
Bad uſw., in guter,
ſchöner Lage zu kauf.
geſucht. (18396dg
Angebote m. Preis=
angabe
u. Zahlungs=
bedingungen
u. V 34
an die Geſchäftsſt.

Nicht allzu großes
Geſchäftshaus im
Zentrum der Stadt
mit freiwerdender
56 Zimmerwohng.
zu kaufen
geſucht. Angeb. unt.
V 50 an die Ge=
ſchäftsſtelle
. (*18437

Eingefr. Bauplatz
mit ſchön. Baumbe=
ſtand
i. Vill.=Viertel
Eberſtadt zu vk. Löſch,
Tannenſtr. 45. (*18330

42 m lang 9,65 m
tief, mit 4000 qm Ge=
lände
, einſtöckig, in
ſehr guter Lage, direkt
an einem Bach, 10
Min. von der Bahn,
günſt. Arbeitskräfte,
iſt Umſtände halber
bei ſehr günſtigen
Verkaufsbedingungen
zu verkauf. Näheres
Geſchäftsſteile, (8196

Grosshandelstirmn
m. rationell eingerichtetem Fabrikbetrieb,
vollbeſchäftigt, iſt mit ſämtlichem Inventar,
ausgedehnter Kundſchaft und großen Auf=
trägen
uſw. an raſch entſchl. Käufer für
25000 G=Mk. zu verk. Seith. Beſitz, bleibt
evtl. als Geſchäftsführer in der Firma.
Angebote u. V 45 Geſchäftsſtelle. (*1842

Deutsche Kraftrad-Meisterschaft undl. Preis
bei dem Industrie-Straßenrennen in Schleiz
15. Juni 1924

Vertretung ist neu zu vergeben

8083

Nähe Tintenviertel
2½ſt. 4 Zimmerhaus
m. Bad, 3 Balkonen,
Vor= u. Hintergarten
m. Obſtb., elektr. Licht,
Telephon uſw für
28 500 bei 20 000
Anzahlg, alsbald zu
verk. Wohng, wird
demnächſt leer. Ang.
von Selbſtkäuf unt.
V. 6 Geſchſt. (18322

Zu verkaufen Villen;
Einfamilienhiuſer,
Penſion hier,Bergſtr.
u. Odenwald, Privat=
u
. Geſchäftshäuſ. mit
Lad. u. Wohn. Hotels,
Penſionen, Kaffees=
Wirtſchaft., Güt. uſw.
Näher. Dingeldein= Huf=
nagel
. Immobilien=
büro
, Eliſabethenſtr 5,
Teleph. 3065. (*18443

Geſchäftshäuſer,
Etagenhäuſer,
Einfamilienhäuſer,
Villen
in Darmſt u. Umgeb.
hat ſtets anzubiet, das
Immobilienbüro
A. Brück
Ernſt=Ludwigſtr. 21, I,
Telephon 1778.
NB. Auch Verkaufs=
angebote
ſind mir
immer erw. (*18462

Morgen großes
Grundſtück
mit Obſtbäumen, in
Nieder=Ramſtadt, an
d. Loh gelegen
(Baugelände), ſofort
zu verkaufen. Ange=
bote
unter U 136 an
die Geſch. (*18281

Junges, tüchtiges
Ehepaar
ſucht Geſchäft, gleich
welcher Art ( Lebens=
mittel
, Zigarren) zu
pachten.
Ang. unt. U 138 an
die Geſchſt. (*18276

Kleines, gutgehendes
Lebensmittel=
Geſchäft
billig zu verk. ((
Kahlertſtr. 31, 1. Sk.

Komplett eir gericht,
Kakosweber.i f. Fa=
brikat
, v. Fußma.
iſt wegen Erkrankung
unt, günſtig. Beding:
zu verpachten ob. zu
verk. Groß. Kunden=
kr
. u. Arbeitskr. vorh,
Erf. Kapital 35000

[ ][  ][ ]

Rumter 126.

Däriſtädter Tagblatt, Dotterstag, den 26. Juni 1924.

Seite 11.

Sport, Spiel und Turnen.

Heſſen, Perein für Leibesübungen,
Darmſiadt.
* Deu Verein hat nun von der Forſtbehörde einen ausreichenden und
geeigneten Platz für ſeine Uebungszwecke und für Veranſtaltungen ge=
pachtet
. Der Platz befindet ſich weſtlich der OSwaldſchen Fabrik an der
Rheinallee, iſt völlig eben und umfaßt 9 Morgen. Die Ausmaße für
Laufbehn u. a. ſind feſtgelegt. Mit der Herſtellung der Bahn und Um=
zäunung
ſoll alsbald begonnen werden. Die Beſchaffung der Geldmittel
erfolgt durch Umlage auf die verdienenden Mitglieder und Ausgabe von
Bauſteinen, die bereits fertiggeſtellt ſind. Die Arbeitskräfte werden vom
Verein geſtellt. Es wird zwar noch manchen Tropfen Schweiß und
manche Sorge koſten, bis das ſeither benutzte Uebungsfeld mit einer
fportgerechten Anlage eingetauſcht werden kann. Mit Ausdauer, großer
Willenskraft und der nötigen Begeiſterung wird aber auch dieſes Werk
geſchaffen werden, beſitzt der Verein doch ſchon eine ganz erkleckliche
Zahl arbeitsfreudiger Mitglieder. Donnerstag (heute), abends 8 Uhr,
findet im Bürgerhof, Verſammlung der Leichtathleten zwecks Arbeits=
einteilung
ſtatt. In der Monatsverſammlung am Freitag, den
27. Juni 1924, abends 8 Uhr, im Bürgerhof wird Herr Pieplow hier
einen Radiovortrag, ergänzt durch Radiokonzert (übermittelt von der
Frankfurter Sendeſtelle) zu Gehör bringen.
Fußball.
F. C. Eintracht Phönix Karlsruhe, Liga, 1:4 (1:8).
Eintracht hat mit der Ligamannſchaft des F. C. Phönix Karlsruhe
einen guten Griff getan. Die Mannſchaft war beſtrebt, ein ſchönes Spiel
vorzuführen, was ihnen auch in jeder Beziehung gelang. Es war eine
Luſt, dem Spiel mitzuzuſehen, ein flaches Zuſpiel von Mann zu Mann.
Nun zum Spiel ſelbſt: Phönix findet ſich anfangs nicht ganz zurecht, es
mag wohl der kleine Platz ſchuld geweſen ſein, der ihnen etwas unge=
wohnt
war. Doch bald klappte die Maſchine. Die Eintracht= Verteidi=
gung
hat ſchwer zu ſchaffen, entledigt ſich aber ihrer Aufgabe voll und
ganz. Karlsruhe kann bald in Führung gehen. Eintracht gleicht kurz
darauf durch Elfmeter wegen Faul aus, den Frey ſchön plaziert. Bis
zur Pauſe können die Gäſte noch zweimal erfolgreich ſein. Eintracht
hat jetzt manche Torgelegenheit, doch weiß niemand, ſie auszunützen.
Bauer, im Tor der Einheimiſchen hält ſchön, doch kann er nicht ver=
hindern
, daß der Gegner ſeinen Vorſprung noch um eines vergrößert.
Mit 4:1 Toren für Phönix endet das prächtige Spiel. Den Gäſten ſei
an dieſer Stelle nochmals gedankt für das ſchöne Spiel, das ſie vorführ=
ten
, und mögen ſie einen guten Eindruck aus Darmſtadt mitgenommen
haben. Die Eintracht=Mannſchaft ſpielte eines ſeiner beſten Spiele, jeder
Mann tat ſeine Schuldigkeit.
F. C. Eintracht I Germania Eberſtadt I, 3:0 (2:0).
Eberſtadt mit Erſatz konnte gegen die Eintracht=Mannſchaft wenig
ausrichten. Das Spiel war meiſtens in der Hälfte des Gegners. Nun
durch Schußunſicherheit des Sturmes der Einheimiſchen wurde das
H.H.
Reſultat nicht höher.
Süddeutſcher Verbandspokal.
Die beiden Vorſchlußrundenſpiele zum Süddeutſchen Verbandspokal
ergaben Siege der favoriſierten Mannſchaften. 1. F. C. Nürnberg gegen
F.C. Pforzheim 5:1, Kickers=Stuttgart gegen München 1860 6:0. Die
beiden ſiegreichen Mannſchaften beſtreiten am kommenden Sonntag das
Endſpiel.

Handball.

Turnv. Seeheim Tgd. Darmſtadt 1846, 0:7 (0:4).
Am vergangenen Sonntag trafen ſich die erſten Mannſchaften oben=
genannter
Vereine in einem Pokalſpiel auf dem Tgd.=D.=Platze. Nach
erfolgtem Anpfiff gelingt es Darmſtadt ſchon in der 5. Minute das erſte=
mal
einzuſenden. Auch Seeheim drängt oft heftig, jedoch ſcheiterte jeder
Verſuch an Darmſtadts jugendlichem Torhüter und der guten Verteidi=
gung
. Die Einheimiſchen waren unzweifelhaft die beſſere Mannſchaft,
was auch aus dem hohen Refultat leicht erſichtlich iſt. Schiedsrichter
Becker=Gresheim leitete das Spiel zur allgemeinen Zufriedenheit. W. L.
Deutſche Handballmeiſterſchaft.
Im zweiten Zwiſchenrundenſpiel um die Meiſterſchaft der D.S.B.
ſtanden ſich in Hagen Sportfreunde=Breslau und Hagen 05 gegenüber.
Die Breslauer ſiegten erwartungsgemäß und zwar mit 3:1. Sie haben
nunmehr am 6. Juli in Berlin mit dem Polizei=Sportverein Berlin
den Titelkampf zu beſtreiten.
Tennis.
Juniorenwettſpiel DarmſtadtHeidelberg.
Am letzten Sonntag kamen die Junioren des Heidelberger
Tennisklubs nach Darmſtadt, um gegen die ſieggewohnte Jugend=
mannſchaft
des hieſigen Tennis= und Eisklubs anzutreten. Obwohl die
Gegner im Durchſchnitt viel jünger waren als die Darmſtädter Spieler,
zeigten ſie eine für ihr Alter erſtaunliche Spielſtärke. Allerdings konn=
cen
ſie den turnierſtarken Darmſtädtern keineswegs den Sieg ſtreitig
machen. Den Heidelberger Damen gelang es zwar, ihre Gegnerinnen
zu ſchlagen, aber ſämtliche Herren mußten im Einzel= und Doppelſpiel
Niederlagen in Kauf nehmen. Für Darmſtadt ſpielten die Damen
Hedderich und Schmidt und folgende Herren: Eſche, Werner, Beeck,
Samesreuther, H. Heß, Freſenius, Gläſſing, Hartmann und Lichtenſtein.
Die Ausgeglichenheit Darmſtadts trat wieder deutlich dadurch hervor,
daß es den letzten Spielern der Mannſchaft beſonders leicht gelang, das
Spiel für ſich zu entſcheiden. Die hieſigen Junioren ſiegten mit 25:3
Punkten, 52: 9 (!) Sätzen und 339: 166 Spielen.

Motorfahren.
Ergebnis der 24=Stundenfahri.
N. S.u., Lancia, Maybach und Stoewer gewinnen die Teampreiſe,
Die kleinen Opel=Wagen beſtbewertet.
Von unſerem Sonderberichterſtatter Siegfried Doerſchlag.
Der überraſchende Ausgang der 24=Stundenfahrt des Frankfurter
Automobilklus: 40 ſtrafpunktfreie Teilnehmer ſtellte die Veranſtalter
vor eine ſehr ſchwierige Aufgabe. Entweder, es gab bei dieſer 24= Stun=
denfahrt
40 Sieger (und das war ſportlich wie techniſch=propagandiſtiſch
ein Unding), oder es blieb bei Innehaltung der Ausſchreibung, die
eine Geſchmeidigkeitsprüfung für die ſtrafpunktfreien Fahrzeuge zur
Feſtſtellung des Endergebniſſes vorſah. Der Frankfurt A. C. wählte den
Weg der Geſchmeidigkeitsprüfung, obwohl viele Teilnehmer ſich dagegen
ſträubten. Auf Grund dieſer Geſchmeidigkeitsprüfung wurde dann das
Endergebnis beſtimmt.
Es bringt inſofern eine Ueberraſchung, als die beſten Wertungs=
faktoren
von den kleinſten Wagen erzielt wurden; die beiden 4 PS=
Opel=Wagen, mit Jörns und Hans v. Opel am Steuer, die
ſchon die 24=Stundenprüfung hervorragend durchgehalten hatten, er=
wieſen
ſich auch als die geſchmeidigſten, d. h. dieſe kleinen Wägelchen
(die Liliputaner aller 24=Stunden=Fahrzeuge) kamen dadurch zu dem
höchſten Wertungsfaktor, daß ſie ſchon vermöge ihres leichten Ge=
wichts
die Bedingung: 100 Meter Langſamfahrt im direkten Gang,
danach 500 Meter Schnellſtfahrt ohne Umſchaltung, am beſten erfüllten.
Die Teampreiſe für ſtrafpunktfreies Durchhalten der 24=Stundenfahrt
mit drei Wagen des gleichen Fabrikats fielen an N. S. U., Lancia,
Maybach und Stoewer. N.S.U. brachte die Höchſtzahl der von
einer Marke gemeldeten Fahrer an den Start und alle ſtrafpunktfrei
ans Ziel. Sechs N. S.I. geſtartet, ſechs N. S.U. erfolgreich in ſchwerer
24ſtündiger Prüfung, das iſt ein Erfolg, auf den die Neckarſulmer
Fahrzeugwerke ſtolz ſein dürfen, umſomehr, als er nicht durch Fabrik=
kanonen
gewonnen wurde, ſondern mit Ausnahme der Gebrüder Glöck=
ler
durch Privatfahrer. Die italieniſchen Lancia=Wagen haben bei
ihrem erſten teammäßigen Debut in Deutſchland einen ausgezeichneten
Eindruck hinterlaſſen; daß einer dieſer Wagen von einer Dame, Frau
Folville, durchs Ziel gebracht wurde, mag beſonders bemerkt ſein.
Die Maybach=Wagen fuhren mit uhrwerkmäßiger Regelmäßigkeit
und rechtfertigten durch ihr vorzügliches Durchhalten ihren Ruf als
Qualitätswagen aus Edelmetall und Edelarbeit. Wie favoriſiert ſie für
die Geſchmeidigkeitsprüfung immer waren durch ihr ſchweres Gewicht
als bequeme Reiſewagen waren ſie gehandikapt. Daher kamen ſie auch
z. B. an die Wertungsziffern der kleinen Opelwagen nicht heran.
Stoewer bewies durch das glänzende Durchhalten ſeines Dreigeſtirns
Cleer=Frankfurt, Kordewan=Stettin und Strauß=Frankfurt erneut ſeine
allbekannte Zuverläſſigkeit. Für die Schnelligkeit der Stoewer=Wagen
ſprachen die hervorragenden Rundenzeiten, die bei Tag und Nacht alle
drei Stoewer=Fahrer auf der Taunusſtrecke erzielten.
Ob eine Geſchmeidigkeitsprüfung unter den gegebenen Umſtänden
das Gegebene war, das Endreſultat einer 24=Stundenfahrt zu erzielen,
muß immerhin bezweifelt werden. Ein Berg= und ein Flachrennen für
die ſtrafpunktfreien Fahrer wäre ſportlicher und wahrſcheinlich auch ein=
wandfreier
geweſen. Da aber die Ausſchreibung eine Geſchmeidigkeits=
prüfung
vorſah, war es ſelbſtverſtändlich, daß dieſe auch durchgeführt
weden mußte.
Alle 40 ſtrafpunktfreien Teilnehmer erhalten echt=goldene Medaillen.
Die ſieben Fahrer, die auch alle 24 Stunden durchgehalten, aber infolge
Verſpätungen Strafpunkte erhalten haben, bekamen ſilberne Medaillen
bzw. Plaketten. Zuſatzpreiſe, errechnet aus dem Ergebnis der Geſchmei=
digkeitsprüfung
erhalten folgende Teilnehmer:
Erſte Preiſe, Klaſſe 4: Karl Jörns auf Opel; Klaſſe B:
Siebel auf Simſon; Kl. C: Maurice Folville auf Lancia; Kl. E: Cleer
auf Stoewer; Kl. P: Zwick auf Maybach; Kl. G: Wölcke auf Maybach.
Zweite Preiſe, Klaſſe 4: Hans v. Opel auf Opel; Kl. B:
W. Wendel auf N. S.U.; Kl C: Reif auf Simſon=Snora; Kl. E:
Schultze=Steprath auf Benz; Kl. P: Otto Hofmann=Leipzig auf May=
bach
; Kl. G: Willy Hof auf Mercedes.
Dritte Preiſe, Klaſſe 4: Franken auf Faun; Kl. B: Gruber
auf N.SU.; Kl. C:: Giſchel auf Preſto; Kl. E: Lauprecht auf Benz;
Kl. E: Schobinger auf Maybach.
Vierte Preiſe, Klaſſe 4: Hartlieb auf Falcon, Kl. B: Birk
auf Rabag=Bugatti; Kl. C: Kordewan auf Stoewer; Kl. E: Schmitt
de Giorgi auf Adler,
Deutſch=Däniſche Fernfahrt.
Die 2106 Km. lange Zuverläſſigkeitsfahrt durch Deutſchland iſt von
dem Dänen Bertram Rasmuſſen auf einem belgiſchen 2200 Kubikzenti=
meter
F. N.=Wagen als Erſter beendet worden, der in der Nacht vom
Samstag zum Sonntag um 1,59 Uhr nach 38 Std. 59 Min. die Grenz=
ſtation
Kruſag erreichte. Seine Durchſchnittsgeſchwindigkeit betrug an=
nähernd
60 Km. Erſt um 4,25 Uhr traf J. Hedegaard=Schou auf 1560
Kubikzentimeter Fiat ein, dem 4,54 Uhr die erſten Motorradfahrer F.
Primgaard Nielſen auf 998 Kubikzentimeter Harley Davidſon und Joh.
Lundſtröm auf 1290 Kubikzentimeter Huderſon als nächſte folgten. Bis
7,08 Uhr paſſierten die Grenzſtelle noch Henry Erlind (2157 Kubikzenti=
meter
Eſſex), Knud Danielſon (3030 Kubikzentimeter Willys Knight)
und der F.N.=Motorradfahrer Walter Schmidt. Dieſe ſieben Teilnehmer
ſetzten dann die Reiſe in vorgeſchriebener Geſchwindigkeit nach der
Motorradbahn Glostrup bei Kopenhagen fort, wo die Fahrt ihren end=
gültigen
Abſchluß fand. Hier traf die Nachricht ein, daß auch die beiden
Mabecofahrer Weichelt und Gubela, zuſammen mit den Nimbusfahrern
J. Peterſen und Ch. Krog die Fahrt überſtanden hätten und in der
Grenzſtelle eingetroffen ſind.

Der Triumphzug der Sieger von Monza.
Berlin, 24. Juni. Geſtern vormittag um 11 Uhr trafen die Sie=
ger
von Monza auf N.A.G.=Wagen auf der Avusbahn im Grunewald
ein; von dort fuhren ſie, gefolgt von einer großen Anzahl anderer
Automobile, nach dem Berliner Rathaus. Die Fahrt geſtaltete ſich zu
einem förmlichen Triumphzug. Die über und über mir Staub bedeckten
Wagen verſchwanden in kürzeſter Zeit unter den Blumen= und Kranz=
ſpenden
. Am Brandenburger Tor hatten ſich große Menſchenmaſſen ein=
gefunden
, die die Sieger mit Hochrufen begrüßten. Auch vor dem Rat=
hauſe
wartete iene vieltauſendköpfige Menſchenmenge auf die Ankunft der
ſiegreichen deutſchen Italienfahrer. Oberbürgermeiſter Böß begrüßte
im Nathauſe die beiden Automobiliſten und wies auf die Bedeutung
ihres Sieges für die deutſche Automobilinduſtrie hin, zumal, da es ſich um
einen Serienwagen handelte, wie er täglich verkauft würde. Schließlich
bot er den Siegern einen Willkommenstrunk der Stadt Berlin, eine bis=
her
ungewöhnliche Ehrung für eine ſportliche Leiſtung.
Däniſch=deutſche Fernfahrt.
Von den 26 in Flensburg geſtarteten Teilnehmern haben 15
den 1216 Kilometer entfernten Wendepunkt Breslau erreicht, und
zwar der erſte Fahrer in der Nacht vom Freitag zum Samstag um
halb 12 Uhr nachts. Schon auf der Fahrt nach Berlin waren einige
Fahrer ausgeſchieden, ſo Hjalmar Peterſen mit dem einzigen deutſchen
Wagen (Dixi), der bei Hamburg gegen eine geſchloſſene Schranke fuhr.
Der Wagen ging in Trümmer, der Beiwagen wurde ſchwer verletzt.
Unter den 15 in Breslau angekommenen Bewerbern befinden ſich auch
die beiden Mabecofahrer Gubela und Weichelt. Alle anderen Teilnehmer
ſind däniſcher Herkunft mit ausländiſchen Maſchinen.

Schwimmen.

Leipziger Wettſchwimmen.
Die großen Schwimmwettkämpfe des Poſeidon=VfB. Leipzig ver=
liefen
am erſten Tage bei windigem, trüben Wetter recht glatt. Sämt=
liche
Meldungen wurden erfüllt. Im 200 Meter Bruſtſchwimmen
konnte Rademacher erſt nach Kampf Sommer bezwingen. Erna Murry
enttäuſchte. Sie wurde von Frl. Bille einwandfrei geſchlagen. Die
geſchwommenen Zeiten waren im allgemeinen recht ſchlecht. Die Re=
fultate
: 2. Seniorenſtaffel 4mal 100 Meter: 1. ASV. Breslau 5:18,2.
Juniorbruſt 100 Meter: 1. Götzſch (Dresden) 1:32,8. Damenbruſt=
ſtafel
3mal 100 Meter: 1. Bille=Hamburg 5:02: Juniorrücken 100
Meter: 1. Beſecke=Erfurt 1:35. Seniorbruſt 200 Meter: 1. Rade=
macher
=Magdeburg 2:55,4; 2. Sommer=Köln 2:56. Seniorſeite 100
Meter: 1. Benecke=Magdeburg 1:15,6. 100 Meter Damen: 1. Leh=
mann
=Dresden 1:2,8. 2. Rücken 200 Meter: 1. Neugebauer=Breslau
1:23,4. 200 Meter Freiſtil: 1. Skamper=Köln 2:47,8 Alleingang.
2. Bruſtſtaffel 3mal 100 Meter: 1. ASV. Breslau 2:24. Damenbruſt
100 Meter: 1. W. Simon=Hamburg 1:27. Jugendfreiſtilſtaffel 3mal
100 Meter: 1. Boruſſia Sileſia Breslau 3:39. Juniorlagenſtaffel 4mal
100 Meter: 1. Stein=Leipzig 5:49,2; 200 Meter Freiſtil: 1. Kunze= Leip=
zig
2:40,6. 1. Freiſtilſtaffel 3mal 100 Meter: 1. N. S. V.=Breslau
3:27,4. Waſſerball: Stern LeipzigStadtmannſchaft Dresden 6:1
(4:1). Die Ueberraſchungen des zweiten Tages waren die Niederlagen
von Rademacher und Skamper. Erſterer ließ ſich im 100 Meter Bruſt=
ſchwimmen
von Sommer ſchlagen, während Skamper im 100 Meter
Rückenſchwimmen Boddin=Breslau den Vortritt laſſen mußte. Im
großen Leipziger Springen feierte Wieſel ſeinen 200. Sieg. Hellas=
Magdeburg gewann die 4mal 100 Meter Senior=Lagenſtaffel um den
Preis des Völkerſchlachtdenkmals zum dritten Male und damit endgültig.
Die Reſultate: Senior=Lagenſtaffel, 4mal 100 Meter: 1. Hellas= Magde=
burg
5:16,2 2. A. S. V.=Breslau. 100 Meter Damen Rücken: 1. Simon=
Hamburg 1:34. Ermunterungslagen, 4mal 100 Meter: 1. Poſeidon=
V. f. V. Leipzig 5:39,6; 100 Meter Freiſtil: Cordes=Magdeburg 1:09,6z
2. Stüber=Leipzig 1:10. Kurze Strecke, 100 Meter: 1. Dahlem=Breslau
1:07,6; Großes Leipziger Springen: 1. Wieſel=Leipzig 57,6 Punkte;
2. Plumans=Köln 43,80 Punkte; 200 Meter Bruſt: 1. Weiß=Nürnberg
3:15; 1. Senioren=Bruſtſtaffel, 3mal 100 Meter: 1. ASV.=Breslau
4:22,6. Erm. Freiſtilſtaffel, 3mal 100 Meter: 1. Poſeidon=Leipzig 3:57
100 Meter Rücken: 1. Boddin=Breslau 1:21,4; 2, Skamper=Köln. 4mal
100 Meter Damen=Lagenſtafel: 1. Stern=Leipzig 6:34. Turmſpringen:
1. Müller=Leipzig 52,6; 2. Plumans=Köln. 100 Meter Bruſt: 1. Sommer
Köln 1:19; 2. Rademacher=Magdeburg 1:20. Vereinsmehrkampf:
1. Rhenus=Köln 52,4 Punkte; 2. Stern=Leipzig. Waſſerball: Hellas=
MagdeburgSachſenmannſchaft 5:0.

Leichtathletik.

Berliner Hochſchulmeiſterſchaften.
Die Berliner Hochſchulmeiſterſchaften in der Leichtathletik hatten
trotz ungünſtiger Witterung recht achtbare Ergebniſſe. Die Sieger
waren: Herren: 100 Mtr.: Klähn 11,5 Sek., 400 Mtr.: Renell 52,2
Sek., 1500 Mtr.: Kretſchmann 4:29,2, 5000 Mtr.: Todt 16:55, 110 Mtr.
Hürden; Anton 17,6 Sek., 4mal 100 Mtr.: Deutſche Hochſchule für
Leibesübungen 46,4 Sek., Olymp. Staffel: dieſelbe 4:01,2. Diskus:
Goeldel 32,85 Mtr. Kugek: Goeldel 10,83 Mtr., Speer: Schnurr 50,86
Mtr., Hochſprung: Goeldel 1,75 Mtr., Weitſprung: Maack 6,77 Mtr.,
Stabhoch: Goſſow 3,30 Mtr. Fünfkampf: Schnurr 250 P. Damen:
100 Mtr.: Frl. Paſſavant 13,9 Sek., Hochſprung: dieſelbe 1,42 Mtr.,
Kugel: Frl. Köhler 7,33 Mtr., Dreikampf: Frl. Paſſavant 66 P., 4mal
100 Mtr.: D. H. f. L. 56,6 Sek.

v. allen Hautunreinigkeiten u. Hautaus-
schlägen
, wie Blütchen, Mitesser, Finnen,
9 Pickel usw. d. tägl. Gebrauch der echtene
Nteckenpfer3.-Jeestwefel-Riſe /
v. Bergmann & Co., Radebenl. Uberall erh.
Parfümerie Th. Frank, Elisabethenstr. 9, Drogerie Gg. Hübner, Karl-
str
. 56, Parfümerie W. Hermes, Luisenstr. 8, Parfümerie Gust. Kanzler,
Schulstr. 12 Central-Drogerie A. Logel, Elisabethenstr. 30, Apotheke
E. Merck, obere Rheinstr., Parfümerie Müller & Sohn, Ludwigsplatz 1,
Parfümerie H. Ortmann, Wilhelminenstr. 13, Parfümerie Friedr, Till-
mann
, Elisabethenstr. 21. In Leeheim: Georg Cisinger.

DiodbSau

in
allen

Handen

Damen-Strümnfe
schwarz und farbig . . . p. Paar 1.45, 958,
Herren-Sooken
p. Paar 1.40, 789,
grau und farbig . . .
Anaben-Sporthemden
aus besten Zephirstoffen . . . . 3.75, 3.50
Striokbinder
959, 75 9,
prachtvolle Streifenmuster .

Einige Beispiele:

für Oberhemden
Perkal u. Zephire
jeder Rest 3½ m
3.75, 3.25,

Roh-Mossel

80 cm breit, gute, bewährte Qualität
... Meter

Husseline
in großer Auswahl . . . . Meter 1.2
Frottéstoffe
grau und hellgrundig .
Meter 2.90,
Handtuchstoffe
gute Onalitäten
... Meter 1.10, 95 9, G
Kostüm-Röcke
Frotté u. andere Stoffarten, Meter 8.75, 6.
Are
Damen-Hüte
flott garniert

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tegblatt

26. Juni 1924 Nr. 176

Handel und Wandel in Heſſen.
Konkurſe. Ueber das Vermögen der Firma Winter u.
Wilhelm G. m. b. H., Fabrikation feiner Lederwaren, zu Mühlheim
a. M., wurde am 20. Juni das Konkursverfahren eröffnet. Konkurs=
verwalter
iſt Rechtsanwalt Schloß zu Offenbach a. M. Konkursforde=
rungen
ſind bis zum 30. Juli 1924 bei dem Gericht anzumelden. Beſtel=
lung
eines Gläubigerausſchuſſes am Samstag, 19. Juli. Prüfung der
angemeldeten Forderungen am Samstag, 13. September, beim Heſſiſchen
Amtsgericht in Offenbach.
Mainzer Aktienbrauerei in Mainz. Nach dem Ge=
ſchäftsbericht
übte naturgemäß der völlige Zuſammenbruch unſerer Wäh=
rung
auch auf das Braugewerbe ſeine unheilvollen Wirkungen aus. Die
nach Verſtändigung in den Verbänden jeweils vorgenommenen Bier=
preiserhöhungen
konnten dem ſprunghaften Niedergang der Mark immer
erſt verſpätet folgen, blieben dadurch ſtets hinter dem Wiederbeſchaf=
fungspreis
des Bieres zurück und führten ſo laufend zu Verluſten. Der
dadurch hervorgerufene Konſumrückgang wurde im beſetzten Gebiete
noch weſentlich verſchärft durch die das ganze Jahr hindurch andauern=
den
Verkehrsſchwierigkeiten und die nahe Grenzſperre. Die Schuldver=
ſchreibungen
vom Jahre 1889, welche bekanntlich ſeinerzeit als Bonus
an die Aktionäre entgeltlos ausgegeben wurden, wurden gekündigt, weil.
die Koſten des erforderlichen Neudruckes der Kuponsbogen den Anleihe=
betrag
überſtiegen hätten. Von den Teilſchuldverſchreibungen vom
Jahre 1902 und 1907 ſind dagegen nur die planmäßigen Kapitalabzah=
lungen
von zuſammen 85 000 Mark zur Ablöſung gebracht worden und,
ſoweit ſie erhoben waren, auch zur Heimzahlung gelangt. Die Steuer=
leiſtung
der Geſellſchaft betrug im Geſchäftsjahre 1922/23 insgeſamt
90 126 101 594 058 Mk. Der Rohüberſchußbetrag war 716 441 345 099,85
Mark. Hiervon gehen ab an Abſchreibungen für Geſchäftseinrichtungen
57 298 866,70 Mk., ſo daß ein Neingewinn von 716 384 046 233,15 Mk.
verblieb, wozu noch ein Vortrag aus dem vorigen Jahre von 424 374,08
Mark kam, der auf neue Rechnung vorgetragen werden ſoll. Die Ab=
ſchlußbilanz
und Betriebsrechnung für 1922/23 (Papiermarkbilanz) gibt
über den Stand und inneren Wert des Unternehmens wenig Aufſchluß.
Von Intereſſe iſt daher die Umſtellungsbilanz für 1. November 1923
(Goldmarkbilanz), die in objektiver Weiſe einen Ueberblick über die Divi=
dendenpolitk
der Geſellſchaft gibt. Die Goldmarkeröffnungsbilanz ver=
zeichnet
auf der Aktivſeite Grundſtücke und Gebäude 3 880 000 Mk., Wert=
papiere
55 800 Mk., Kaſſenvorrat und Bankguthaben 4724 Mk., Vorräte
an Bier, Malz, Hopfen uſw. 314 324 Mk., Geſchäftseinrichtungen 198 000
Mark, Wirtſchaftshäuſer 2 Millionen Mk., Schuldner 24 610 Mk. Die
Paſſivſeite verzeichnet ein Stammkapital von 3 300 000 Mk.. Namens=
aktien
8000 Mk., die geſetzliche Rücklage beträgt 750 000 Mk. An So i=
derrücklagen
ſind vorhanden 1 510 000 Mk. Außerdem weiſt die Paſſiv=
ſeite
Teilſchuldverſchreibungen von 1902 mit 91 500 Mk., und vom Jahre
1907 mit 102 050 Mk. auf. Die Reſtkaufſchulden auf Wirtſchaftshäuſer
betragen 152 715 Mk., Gläubige= einſchließlich Steuerrückſtänden 459 151
Mark, gekündigte Schuldverſchreibungen von 1889 81 630 Mk., und aus=
geloſte
Teilſchuldverſchreibungen 12 412 Mk. In der Goldmarkeröff=
nungsbilanz
ſind die Immobiliarkonten nach dem Bericht des Aufſichts=
rats
zu den ſchon ſeinerzeit ungemein abgeſchriebenen Vorkriegs= Gold=
werten
unter weiterer Berückſichtigung der fortgeſchrittenen Benutzungs=
entwertung
äußerſt mäßig angeſetzt. Nach den gleichen Grundſätzen er=
folgte
auch die Bewertung des geſamten Geſchäftsinventars. Die abge=
ſchriebenen
Werte geben bei der Umſtellung auf Goldmark wiederum
den alten Betrag für das Stammkapital, und auch die Rücklagen konnten
ungeſchmälert erhalten bleiben, während Zuſammenlegung des Aktien=
kapitals
und Aufzehrung aller Reſerven die Signatur der meiſten Um=
ſtellungsbilanzen
darſtellen. Die Ausſichten für das neue Geſchäftsjahr
können noch nicht beurteilt werden. Sein Ergebnis hängt von der Frage
ab ob eine endgültige Stabiliſierung der Währung gelingt und ganz
beſonders davon, ob ſich das wirtſchaftliche Leben im beſetzten Gebiete
wieder hebt, wenn ſich die Verkehrslage beſſert.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
w. Die Geldbewegung bei der Reichshauptkaſſe.
Nach einer Ueberſicht über die Geldbewegung bei der Reichshauptkaſſe
vom 11.20. Juni betrug die Summe der Einzahlungen 180 974 108
Goldmark, die der Auszahlungen 182 635 854 Gmk., mithin der Zuſchuß=
bedarf
1 661 746 Gmk. Der Erlös aus der Begebung von Nentenmark=
ſchatzwechſeln
belief ſich am 10. Juni 1924 auf 134 121 572 und am 20.
Juni 1924 auf 237 498 218 Gmk., mithin iſt eine Zunahme vom 11.20.
Juni von 103 376 646 Gmk. zu verzeichnen.
w. Zollpolitiſche Maßnahmen ſtatt Einfuhrver=
bote
. Wie wir hören, will das Reichswirtſchaftsminiſterium die Politik
der Einfuhrverbote durch zollpolitiſche Maßnahmen erſetzen. Das Mini=
ſterium
legte dem wirtſchaftspolitiſchen Ausſchuß des Reichswirtſchafts=
rats
den Entwurf einer Verordnung vor, der zur Anpaſſung an die ſehr
erheblich veränderte Situation auf dem Weltmarkt und zur Erreichung
eines Erſatzes für die aufzuhebenden Einfuhrverbote teilweiſe ziemlich
erhebliche Zollerhöhungen vorſieht. Der Ausſchuß faßte zu dem Ent=
wurf
einen Beſchluß, worin unter Ablehnung der Geſetzesvorlage der

Grundgedanke als nichtig anerkannt wird, durch Schaffung eines In=
ſtrumentes
für die kommenden Handelsvertragsverhandlungen die Vor=
ausſetzung
zur Beſeitigung der Einfuhrverbote zu ſchaffen. Der Reichs=
wirtſchaftsrat
empfiehlt daher eine rechtzeitige Erneuerung des Ermäch=
tigungsgeſetzes
für vorübergehende Zollerleichterungen, deſſen Geltungs=
dauer
am Monatsende abläuft, auf ausreichende Dauer.
w. Die Statiſtik über den deutſchen Außenhandel.
Wie mitgeteilt wird, weiſt die vom Statiſtiſchen Reichsamt vorgelegte
Statiſtik über den deutſchen Außenhandel, die allerdings kaum mehr als
eine Statiſtik des Außenhandels im unbeſetzten deutſchen Gebietes iſt,
einen Paſſivſaldo von 350 Millionen Mark für Mai aus. Die Einfuhr
betrug 870 185 000, die Ausfuhr 516 217 000 Goldmark. Aus dieſen Zif=
fern
geht hervor, daß ſowohl die Einfuhr als auch die Ausfuhr eine
nicht unbeträchtliche Steigerung erfuhren. Dieſe Steigerung iſt aller=
dings
bei der Einfuhr größer als bei der Ausfuhr. Insbeſondere hat
ſich die Einfuhr von Fertigwaren erhöht.
w. Die Lage im Holzgewerbe. Vom Arbeitgeberverband
des Holzgewerbes wird uns mitgeteilt: Im Holzgewerbe wurden ſeit
der Kündigung des Mantelvertrages zwiſchen den Parteien außerordent=
lich
ſchwierige Verhandlungen wegen einer Abänderung des Vertrags=
verhältniſſes
geführt, wobei insbeſondere die Arbeitszeit und die Ferien=
frage
ſtark umſtritten waren. Nachdem bereits einige wenige Bezirks=
verträge
zum Abſchluß gekommen waren, waren nunmehr auch die zen=
tralen
Mantelvertragsverhandlungen ſoweit geführt worden, daß der
Generalverſammlung des Arbeitgeberverbandes für die Holzinduſtrie
und des Holzgewerbes, die am 21. Juni in Frankfurt a. M. ſtattfand,
eine Kommiſſionsvorlage unterbreitet werden konnte. Die Generalver=
ſammlung
kam jedoch zur Ablehnung dieſer Vorlage; hierfür waren
insbeſondere die vorgeſehenen Beſtimmungen über die Einſtellung und
Entlaſſung, die Arbeitszeit, über den Arbeitslohn und die Ferien maß=
gebend
.
Warenmärkte
w. Frankfurter Getreidebörſe vom 23. Juni. Amt=
liche
Notierungen. Preiſe je 100 Kilo: Weizen Wetterau 16,2516,75,
Roggen 1515,50, Sommergerſte für Brauzwecke 16,5017, Hafer inl.
15,5016, Weizenmehl ſüddeutſches Spezial Null 27,2528,75, Roggen=
mehl
22,7523,50, Weizen= und Roggenkleie 8,258,75.
w. Berliner Produktenbericht. Für Roggen zeigte ſich
heute für Mitteldeutſchland etwas mehr Nachfrage, das Angebot hat ſich
jedoch zurückgezogen oder fordert erheblich höhere Preiſe, die aber nicht
bewilligt werden. Das Geſchäft war in dieſem Artikel etwas größer, in
Weizen dagegen unverändert klein. Für Hafer beſtand verſtärkte Nach=
frage
nach guten Qualitäten. Wenigerg ute Ware iſt reichlich angeboten.
Weizenmehl bleibt dauernd ſehr ſchwer verkäuflich, dagegen war Rog=
genmehl
etwas mehr gefragt.

Banken.
Die Ungariſche Nationalbank begann ihre Tätigkeit
ohne jede Feierlichkeit. Die Uebernahme der Geſchäfte erfolgte reibungs=
los
. Mit der Aufnahme der Tätigkeit der Nationalbank hat die Aus=
gabe
von ungedeckten Banknoten aufgehört, ſo daß der endgültige Noten=
umlauf
2520 Milliarden Papierkronen beträgt. Die Bank von England
hat als Vorſchuß auf die Auslandsanleihe 4 Millionen Pfund der Natio=
nalbank
überwieſen, ſo daß ſie ihre Tätigkeit mit 50 Millionen Gold=
kronen
beginnt.
Börſen.
* Frankfurter Börſe vom 25. Juni. (Eigener Bericht.)
Der ſehr gemäßigte Ton der heute veröffentlichten engliſch=franzöſiſchen
Note und die leichte Entſpannung, die der Geldmarkt, wenigſtens ſoweit
es ſich um tägliche Börſengelder handelt, ſeit einigen Tagen zeigt, üb=
heute
einen günſtigen Einfluß auf die Börſe aus. Am Aktienmarkte
waren Anfangs oberſchleſiſche Werte und auch einzelne weſtliche Montan=
aktien
bevorzugt, während die übrigen Aktienmärkte im allgemeinen bei
kleinen Kursbeſſerungen ein freundlicheres Bild boten. Die anfäng=
lichen
Kursbeſſerungen gingen jedoch bei völliger Geſchäftsſtille im Ver=
laufe
der Börſe zum größten Teil wieder verloren; dagegen zeigte der
Rentenmarkt heute ſowohl für inländiſche als auch für ausländiſche An=
leihen
eine noch größere Regſamkeit als geſtern. Das Hauptintereſſe
konzentrierte ſich auf Kriegsanleihe, die unter Schwankungen und wohl
unter Mitwirkung von Exekutionen bis zu 164 Millionen Proz. gehan=
delt
wurde. Aber auch ausländiſche Renten waren lebhafter und durch=
weg
feſter als geſtern, wenn auch Türken ihre Höchſtkurſe nicht ganz be=
haupten
konnten. Es ſcheint, als wolle ſich die Spekulation neuerdings
wieder ſtärker dem Rentenmaukt zuwenden, da die Berichte aus Induſtrie
und Handel nach wie vor noch ungünſtig lauten und für die nächſten
Monate die Wirtſchaftslage noch als ſehr ungeklärt zu betrachtet iſt.
Otavi waren nach der Dividendenerklärung ſchwächer, Baltimore und
Kanada etwas unter den geſtrigen Kurſen angeboten, dagegen Diamond
Shares weiter gefragt bis 15,5. Nach längerer Pauſe wurden Siegener
Eiſen heute mit 15 erſtmals wieder notiert. Die Nachbörſe war für

Aktien feſter; ſo wurden Deutſche Bank mit 88½4, Diskonto Komman=
dit
88½ geſucht. Kriegsanleihe wurde bis 173 gehandelt. Im freien
Verkehr beſtand Intereſſe für Ruſſen=Renten, von denen 02er mit
1880er mit 3 und Ruſſen=Konſols mit 6,5 gehandelt wurden. Sonſt hörte
man hier noch: Beckerſtahl 2, Beckerkohle 42/, Benz 2/, Krügershall 3,
Memeler Zellſtoff 90, Petroleum 9, Raſtatter Waggon 2, Ufa 4½.
w. Berliner Börſenbericht. Die Tendenzentwicklung an
der Börſe nahm ungefähr den gleichen Verlauf wie geſtern. Wenn auch
in einigen Papieren die Verkaufsluſt noch überwog, ſo beſtand doch über=
wiegend
Kaufneigung, ſo daß bei allerdings wenig erheblichen Kursver=
änderungen
die Stimmung als gut bezeichnet werden kann. Die Kurs=
veränderungen
hielten ſich wiederum in recht engen Grenzen und gingen
nur bei wenigen Papieren über 1 Bill. Proz. hinaus. Da beſondere
Anregungen nicht vorlagen, blieb der Geſchäftsumfang nach wie vor un=
bedeutend
. Die Spekulation wandte ihr Intereſſe einigen Spezialwer=
ten
zu, ohne dabei allerdings nachhaltige Erfolge zu erzielen. In Kriegs=
anleihe
fand bei neuerdings erheblichen Umſätzen die Aufwärtsbewegunig
ihre Fortſetzung. Der Kurs ſchwankte zwiſchen 145 bis 160 bis 150.
Für Kanada=, Pazifik= und Baltimore=Aktien erhielt ſich bei allerdings
geringeren Umſätzen und unveränderten Kurſen das Intereſſe. Für
Schantungbahnaktien, die ihren verhältnismäßig beſcheidenen Kursſtand
ungefähr verdopeln konnten, iſt das Intereſſe neu erwacht. Am Geld=
markt
iſt das Angebot größer geworden, was auch für Monatsgeld gilt.
Bei Deviſen hat der ſtändige Rückgang der Anforderungen zu der er=
freulichen
Entwicklung geführt, daß der Zufluß an Exportdeviſen bei
der Reichsbank die Anforderungen bereits U rſchreiten.

Deviſenmarkt.

Vfe
Brief R
Geld Ve
Brief Miefe
tiert Amſterdam=Rotterdam .. 157,21 157.39 157.21 157.99 voll Brüſſel=Antwerpen ....." 19.45 19.55 19.15 19.25 voll Chriſtiania. . . . . . . . . . . . . 56.46 56.74 56.46 56.74 voll Kopenhagen".
V 70,72 71.08 70.72 71.08 voll Stockholm. 110.97 111.53 111.12 111.68 voll Helſingfors 10.46 10.62 10.46 10.52 voll. Italien". 18.15 18.25 18.10 13.20 voll London". 18.14 18.23 18.105 18.195 voll. New=York. 4.19 421 4.19 421 voll Paris.. 22.49 22.61 21.99 22.11 voll Schweiz.. 74.16 74.54 74.16 74.54 voll Spanien. 56.16 56.44 56.16 66.44 voll Wien (i. D.=Oſterr, abg.). 5.91 5.93 5.91 5.93 voll Prag.. 12.37 12.43 12.395 12.455 volk Budapeſt.. 5.19 5.21 5.91 5.21 voll Buenos=Aires. 1.355 1.365 1.345 1.355 voll Bulgarien. .065 3.085 3.015 3.035 voll Japan". G.705 1.715 1.715 1.725 voll Rio de Janeiro, 0.44 0.45 0.44 0.45 voll Belgrad.. 4.89 491 4.84 4.86 voll Liſabon. 11.62 11.68 11.62 11.68 voll Danzig". 72.56 72.92 72.42 72.78 voll

Berliner Kurſe. (Eigene telegr, Meldung.)
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 000000.

Aktiengeſ. für Anilinfr. 9125
AſchaffenburgerZellſtoff
Augsb.=Nürnb. Maſch..
Berl.=Anhalt=Maſchinen 4750
Berl. f.Elektr. W. vorzug./ 3875
Bismarckhütte .......
Braunkohlen=Briketts".
Bremer Vulkan ......
Wolle. . .. . . . . / 69100
Chem. Heyden ......."
Weiler ......."
Deutſch=Atlant. Tel.. . .
Deutſche Maſchinen. . .
Deutſch=Niedld. Tel. .. / 10750
Deutſche Erdöl ......"
Deutſche Petroleum ..
Dt. Kaliwerke .......
Dt. Waffen u. Munit ion
Donnersmarckhütte ..
Oynamit Nobel ....."
Elberfelder Farben. . ..
Elektr. Lieferung ....
R. Friſter ........"
Gaggenau Vorz. .. . . .
Gelſenk. Gußſtahl ....
Geſ. f. elektr. Untern...
Halle Maſchinen ..
Han. Maſch.=Egeſt.

24. 6. 25. 6. 24. 6. 25. 6. 9375 Hanſa Dampfſch. . . . . . 880o 8750 16000 15500 Hemoor Zement ..... 31000 31600 17660 18000 Hirſch Kupfer .. 16750 17000 4300 Höſch Eiſen ........." 30000 29000 3625 Hohenlohe Werke. . . .. 15500 16100 Kahla Porzellan ..... 5750 5500 15000 16000 Lindes Eismaſch. . . . . . / 5400 5500 39500 39560 Lingel Schuh .. . . . . ." 1700 1000 69000 Linke u. Hofmann .. .." 9125 9250 1960 2000 L. Loewe u. Co. .. . . . . / 69500 6125 9750 10000 C. Lorenz..........." 3125 3500 8375 8750 Meguin ............" 8900 8900 3750 3750 Niederländiſche Kohle. 26000 26250 12500 Nordd. Gummi ......" 0375 0250 35500 35300 Orenſtein. . . . . .. .. ... 10125 11125 Rathgeber Waggon. . . 3100 3100 26750 26500 Rombacher Hütten. . . . 10400 10125 68775 68000 Roſitzer Zucker ......." 22000 21500 74000 65000 Rütgerswerke ......." 8500 8500 5125 5306 Sachſenwerk ....... 1900 1300 10125 10100 Sächſiſche Gußſtahl . .. 14750 15000 9509 9600 Siemens Glas ......." 9600 9900 287. 2900 Steaua Romana ... . . 5000 5500 Ver. Lauſitzer Glaz ... 912, 9250 Volkſtedter Porzellan.. 4u0) 4100 14900 15250 Weſtf. Eiſ. Langendreer 9700 10500 8000 Wittener Gußſtahl .. 17000 16000 44000 41500 Wanderer=Werke. 6500 6300

Frankenkurs in London: 82.10
18.00
Markkurs

Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aktien.
Franzjurter Kursbericht vom 25. Juni 1924,
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.

Europäiſche Staatspapiere,
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe ..........."
.........
..........
3½%
.....
Dollar=Goldanleihe per 1935 ..
1932..
Dollar=Schatzanweiſungen ...."
4½% II. u. V. Schatzanweiſg.
4½%HI..
4%Dt. Schutzgebiet v. 0,8-11u.13
v. 14

Sparprämienanleihe .. . . . . . . .
Zwangsanleihe .... .. . . . . . ..."
4% Preuß. Konſols ........."

8½%
...
4% Bad. Anl. unk. 1935 ......"
3½% v. 1907 ......."
1896 ......."
4% Bahern Anleihe ....
81

Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rck. 26 ....
.
816% Heſſen Reihe XXXVI.
untilgb. b. 28.. . . . . . . . . . . ."
4½ Heſſen unk. 1924...
...
3½%

42 Württemberger alte ......
b) Ausländiſche.
5% Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
v. 1902 ..........."
. ...
5% Bulgar. Tabak 1902.. ... ..
1/, % Griech. Monopol .......
4½%0 Oeſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918 ............."
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
5. 1914 ............."
4% Oeſt. Goldrente ........."
4% einheitl. Rente ......"
5% Rum. am. Rente v. 03....
4½% Goldrente v. 13 ...."
4% am. Goldrente konv.
4% am. v. 05 ......."
4% Türk. (Admin.) v. 1903....
4½ (Bagdad) Ser. L..
II..
4%
4½ v. 1911, Bollanl. ..
4½% Ung. Staatsr. v. 14 ....
4½ Goldrente ........"
Staatsr. v. 10 ....
4%
Kronenrente .. .. ..
4%
Außereuropäiſche.
5% Mexik. amort. innere . . . . . ."
konſ. äuß. v. 99.. . . .
5
4½ Gold v. 04, ſtfr. . . . .
konſ. inner. .. . .. .."
3%
Irrigationsanleihe .
41
Eamaulipas, Serie l.....
5

24. 6.
0,134
0,75
4,2
42.
76.,75
0068
1.2

0.,12

0235
0.2721

0.41
0,4
4,2
850 T
034
9.305
0.34

Oblig. v. Transportanſt,
49 Cliſabethbahn ſtſr. . . . . . .
4% Gal. Carl Ludw.=Bahn..
5% Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtfr.

1,5

1,5
0,570

5.,75
55I.
U/g

12,75

0.52
0.825
6,65

25, 6.

0.160

4,2
4,2
76,5

0.07
1,75

0,12

0.32
0,368

046
4,2

840
0.25

0,35
0.42

0,76

5,5


2.25

83
G
Geis
4,25

0,58
0,82)
6,85

2,6%6 Alte Oeſt. Südb. (Lomb. )
2 6%Neue
4½ Oeſt. Staatsb. v. 1883 ....
3% Oeſt.
1. b. 8. En..
9. Em. ...
v. 1885 ...."
3% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
4% Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
4½% Anatolier I............"
3% Salon. Conſt. Jonction ..."
3% Salonique Monaſtir ......"
5% Tehuantepee. . . . . . . . . . . .."
4½% .........."
Nach Sachwert verzinsl.
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwrtanl. v. 23
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
I. Em. . . .
.
5% Ffter. Pfandbr.=Bk. Goldobl.
...
II. Em. . . . . . .
6% Großkraftwerk Mannheim
Kohlenwertanl. v. 23.. .. ..."
6% Heſſ.Braunk.=Rogg. Anl. b. 23
5%Neckar A.=G. Stuttgart Gold=
anl
. v. 23................."
5% Pfälzer Hyp.=Bank. Gold=
Pfdbr. v. 24...... . ..... ..."
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
5% Roggenwert=Anl. . .
5% Rhein. Hypot.=Bank Gold=
Pfdbr. v. 24 ............."
5% Rhein=Main=Donau Gold=
anl
. v. 23 .............."
)% Sächſ. Braunk.=Anl. v. 23
Ser. I u. II..............
5% Sächſ. Roggenwertanl. v. 23
5% Südd. Feſtwertbk. Goldobl,
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt. . . .
Bank für Brauinduſtrie ......"
Barmer Bankverein. . . . . . . . . .
Bayer Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft ..."
Commerz= und Privatbank ...
Darmſtädter u. Nationalbank ..
Deutſche Bank .............."
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank 2,75
Deutſche Hypot.=Bank Mein.. ..
Deutſche Vereinsbank ........"
Disconto=Geſellſchaft .. . . . . ..."
Dresdner Bank. . . . . . . . . . . . .."
Frankfurter Bank ..........."
Hypotheken=Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mitteldeutſche Creditbank. . . . . .
Oeſterreichiſche Ereditanſtalt ...
Reichsbank=Ant. . . . . . . . . . . . .."
Rhein. Creditban . ..........."
Hypothekenbank ......"
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Weſtbank .. . . . . . .. . . .. ......
Wiener Bankverein .........."
Bergwerks=Aktien.
Berzelius .. . ..............."
Bochumer Bergb. ..... ... ..."
Buderus. . . . . . . . . ... . . ......
Dt. Luxemburger ...... . . . . . . 41,75
Eſchweiler Bergwerks=Akt. . . . .
Gelſenkirchen Bergw. .... . . . ."
Harpener Bergbau.... . . . .. .."

r M
Tauſend M Mil
ohne Umſaz X rationiert.

24. 875 8.75 8 75 6,75 16,75 9.25 1.05 1.05 37 38 10,25 18 1.9 1.65 24 2,5 2.9 3,1 1,1 1 12 1a 1.3 0,85 1,05 1.25 1.95 22,5 3,5 3,5 1 6.5 7.25 7.5 0,34 0.35 7.9 Ol. 1,6 2,3 11.75 11.75 1.75 19 0.32 0,325 26 30 1.4
1.45
6,1 6,1 0,3 0,3 0.25 0,25 3,6 3,9 43,5 64,5 665 46,75 54.75

Kaliwerke Aſchersleben .. . . . . ."
Salzdetfurth . . . . . . .
Weſteregeln ......."
Klöcknerwerke (abg. Lothr. Hüitte)
Mannesmann Röhren ........"
Mansfelder ...
Oberbedarf ................."
Oberſchleſ. Eiſen (Caro) ......"
Otavi Minen u. Eb.=Ant. ....
Phönix Bergbau ............"
Rhein. Stahlwerke ...
Riebeck Montan.. . . .

Rombacher Hütte .. . . . . . . . . .."
Tellus Bergb.=u. Hütten=Akt. . .
Ver. Laurahütte . . . . . . . . .."
Aktien induſtr. Anternehmung.
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . . .
Löwenbräu München ........"
Schöfferhof (Binding)........"
Werger ...

Akkumulat. Berlin .. ........."
Adler & Oppenheimer ......."
Adlerwerke (v. Kleher)......."
A. E. G. Stamm.. . . . . . . .
6% Vorzug Lit.A ...
5% Vorzug Lit. B...
Amme Gieſecke & Konegen ...."
Anglo=Continental=Guano .. . .."
Anilin Bln.=Treptow. . . . . . . . .
Aſchaffenburger Zellſtoff ....."
Badenia (Weinheim) ........."
Badiſche Anilin= n. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach ......
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen ..
Baldur Piano. . . . . . . . . . . .
Baſt Nürnberg ............"
Bahriſch. Spiegel ...........
Beck & Henkel CCaſſel) ........
Bergmann El. Werke ........."
Bing. Metallwerke ...........
Brockhues, Nieder=Walluf.....
Eementwerk Heidelberg. ... ..."
Karlſtadt . . . . . . . .
Lothringen (Metz).
Chem. Werke Albert. ........"
Griesheim Elektron ...."
Fabrik Milch .........."
Weiler=ter=mer .. ... ..."
Daimler Motoren ............"
Deutſch. Eiſenhandel Berlin ..
Deutſche Erdöl .............."
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt..
Dingler, Zweibrücken ........"
Dresdener Schnellpreſſen ....
Dürkoppwerk (Stamm) ....
Düſſeld. Ratinger (Dürr) ...."
Dyckerhof & Widm. Stamm ...
Eiſenwerk Kaiſerslautern ....
8. Meher fr. ......
Elberfelder Farbw. v. Baher ..
Kupfer=u. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs.=Geſ. .... ..
Licht und Kraft . .. . . ..
Elſäſſ. Bad. Wolle. ..........."
Emag, Frankfurt a. M... . . . ..
Email.=& Stanzw, Ullrich ....
Enzinger Werke .... . ... . . . . ."
Eßlinger Maſchinen .........."
Ettlingen Spinnerei ........."
Faber, Joh., Bleiſtift ......

24. 6: 25. ( 6,75 6,6 100. 11 25,5 26,75 P 2,3 10,75 24 23.25 24,5 25 22 22,25
10 1.4 1.45 47g 5 175 18,5 29,75 29,5 9,75 19" 11 20 1.3 1.45 6,5 6,7 2,4 2,6 1.5 2 1.7 2.,2 8,6 9. 10 15,5 16 0,8 0,8 127, 122/, 10,1 10,1 9,5 9,5 1 1 1.75 1,6 9,5 10.5 1,62 1,65 3.9 6,625 4,5 4,25 28 32 10 10 7.8 7.8 9.3 85 2,25 2.,2 3,0 34,5 * 12.1 12.1 3,4 11
1,3
2,4 2.3 2 1.9 0,85 0,85 1.25 1. 10 10½ 9,6 6.5 6.9 4,6 0,25 02: 2.3
2,8 4,1 z0 7.9

Faber & Schleicher .........."
Fahr, Gebr., Pirmaſens ....."
Felten & Guilleaume, Carlsw.. .
Feinmechank (Fetter). ........"
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M..
Frankfurter Gas.... . . . . . . . . ."
Frankfurter Hof............."
Frf. Maſch. Pokorny & Wittek.
Fuchs. Waggon Stamm . . . . ."
Ban;. Ludwig. Mainz ......."
Geiling & Cie..............."
Germania Linoleum .. . . . . . . ."
Gelenkirchen Gußſtahl ......."
Goldſchmidt, Th. . ... .... ...
Gotha Waggon .............."
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach. . .
Grün & Bilfinger ..........."
Hammerſen (Osnabrück) ......
Hanfwerke Füſſen ..........."
Heddernheimer Kupfer ......."
Heyligenſtaedt, Gießen .......
Hülpert Armaturenf. . . . . . . . . ."
Hindrichs=Auffermann. . . . . . . .
Hirſch Kupfer u. Meſſ. ..... .."
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben ............."
Holzmann, Phil. ............"
Holzverk.=Induſtr. ...........
Hydrometer Breslau ......."
Fnag ............. ........."
Junghans Stamm. . . . . . . . . . .
Karlsruher Maſchinen ........"
Karſtadt R... .. .. ..........."
Klein, Schanzlin & Becker ...
Knorr, Heilbronn .... ........"
Kolb & Schüle Spinn. . . . . . . .
Konſervenfabrik Braun ......"
Krauß & Co., Lokom. . . . . . . . .
Lahmeyer & Co. ............"
Lech, Augsburg ............"
Lederw. Rothe .............."
Lederwerke Spicharz ........"
Lingel, Schuhw. Erfurt ....."
Löhnberger Mühle .........."
Lüdenſcheid Metallw. .... . ..
Luther, Maſch.=u Mühlenbau..
Lux’ſche Induſtrie ..........."
Mainkraftwerke Höchſt......."
Meguin, Butzbach ..........."
Metallgeſ. Frkft. . . . . . . . . . . . . .
Meyer, Dr. Paul..........."
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M..
Moenus Stamm .. . . .. .. .. . ."
Motorenfabrik Deutz ........."
Motorenfabrik Oberurſel ....."
Neckarſulmer Fahrzeugwerke. ..
Neckarwerke Eßl. Stamm . . . . .
Oleawerke Frankfurt a. M.. . . .
Beters Union Frankfurt a. M.
Pfälz. Nähm., Kayſer ........"
Philipps A.=G. ........ .. . .."
Porzellan Weſſel ............"
Reiniger, Gebbert & Schall. . .
Rhein. Elektr. Stamm .. . . . . . .
Metall Vorzüge . .. . . .."
Rhenanie, Aachen ..........."
Riedinger, Maſchinen .........
Rückforth, Stettin ..........."
Rütgerswerke ..............."
Schleußner (Frankfurt a. M.) ..
Schneider & Hanau.. . . . . . . . .
Schnellpreſſen Frankenthal. . . .
Schramm Lackfabrik. . . . . . . . . .
Schriftgießerei Stempel, Ffm.
Schuckert Elektr. (Nürnberg) ..

24. 6. 25, 6 3,55 3.95 4.05 4.05 17.5 18,75 10 10,75 11 1.2 4,3 z 21. 0,65 0.71 0.35 0,55 0.45 7.4 7.6 833 PI. 97la 14 133, 3.3 8.25 8ie 721 8,6 8,7 5,9 6.1 19 2,2 275 3,3 3,6 3,75 17 17 1.9 1,9 9,5 95l, 2 2,05 5.9 5.8 4,6 5 1.15 1.35 47 5,25 2,1 2,2 1,6 1.3 19 2,4 2.7 29 6,5 0,65 0,61 3.1 6,2 7.75 8,35 48. 18 2 1,5 2.15 3,5 3,5 1,6 1.55 1,4 5 54 7= 9.3 9" 10,25 11,1
0,6 0.61 1,75 1,8
11 12 4 4.45 3.4 275 2,7 1. 1.25
1.05 6.5 1,25 1,25 4.1 4,5 4 10 0,46 8l. 1.4 2,5 3,35 3.25 1 6,5 6,6 29

Schuhfabrik Berneis=Weſſel ..."
Schuhfabrik Herz............"
Schuhf. Leander Offenbah ..."
Schultz, Grünlack, Rd3h... .. . . .
Seilinduſtrie Wolff .........."
Sichel & Co.. Mainz........."
Sie nens Elektr. Betriebe ... ..
Siemens Glasinduſtrie .......
Siemenz & Halske.. . .. . .. . . .
Stöckicht=Offenbah=Gummi .. .
Süddeutſche Immobilien ....."
Thüring. elektr. Lief.=Geſ., Gotha
Uhrenfabrik Furtwängler ....."
Beithwerke in Sandbah .....
Verein f. Chem. Induſtr. Frkft.,
Verein deutſch. Olfabr. Mannh.
Faßfabriken Caſſel ...
Gummifabr. Bln.=Frkf..
Pinſelfabr. Nürnberg ..
Ultramarin ... . . . . . . ..
Zellſtoff Berlin .......
Vogtländ. Maſch. Vorzüge ....
Stämme . . . .
Voigt & Haeffner Stämme . . .
Voltohm, Seil.............."
Wayß & Freytag. . . . . . . . . . ..."
Wegelin Rußfabrik .........."
Zellſtoff Waldhof Stamm .. .."
Zuckerfabr. Waghäuſel........
Frankenthal ......"
Heilbronn.. .
Offſtein ...
Rheingau..
Stuttgart ..

Transport=Aktien.
Deutſche Eiſenb.=Geſ. Fftm.
Schantung E. B. ........."
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ.
Hapag (Paketfahrt) .......
Nordd. Lloyd. . .

Darmſtädter Werte,
Bahnbedarf .. . . . . . . .. . ..."
Dampfkeſſel Rodberg. . .. ...
Helvetia Konſervenfabrik. . . .
Gebr. Lutz ............. ...
Motorenbfarik Darmſtadt . . .
Gebr. Roeder ............."
Venuleth & Ellenberger ..."

Unnotierte Aktien.
Apt . . . . . . . . ... .. ...........
Beckerkohle. . .. .
V
Beckerſtahl .. . . . . . . . .. . . .....
Benz..... . ... ..............
Brown Boveri..............
Chem. Andreae ...."
Deutſche Petroleum,
Diamond Shares.
Entrepriſe ....
Falconwerke .. . . .... . ..... ..
Großkraftw. Württemb. (Growag)
Unterfranken (ufra) ..
Hanſa Lloyd ......"
Hero Conſerven ....
Holſatiawerke, Alkona:
Kabe: Rheydt..
Krügershall Kali...
Metall Starkenburg
Otto & Quanz....
Raſtatter Waggon .........
Tegtil=Ind. Barmen (Tiag)...."
Ufa Film ..... . . . . . . .. . .....

26, 6
25
1.9
0.41
2,6
3,33
4.9
40
0,052
1,6
4,4
5,9
1,75

1,5
1,2
175
1.75
6,4
2.4
2,9
2,5
2.3
2.1

2
1,2
0,575
9,1
21
0.120
0.230
0.660
0.500
6,240
*
2:/*
*
41
Zi.

25.
1.85
0:49
3.7
5,6
38
0.052
1,9
4,5
2,5
2,6
5.9
15
1,75
2.18
8.1
9.
1.15
1,2
1.9
18
1,7
6,75
2.5
2.95

2,6
2.B

17,5
67
28.5
21%,
4B

0,8
4.7
B

4.3
2,5
13
0,507
95
18,5
24
0,200
0.160
0.N5
0,550
2,75
2,5
2.046
1,2
2

[ ][  ][ ]

Rummer 126.

Darmſtädter Tagblatt, Dounerstag, den 2G. Juni 1924,

Seite 13.

1I)

Das deutſche Herz.
Roman von Adolf Schmitthenner.
(Nachdruck verboten.)
So wurde dem Einheimiſchen ſein gutes Recht auf eine an=
fäindige
Totenklage reichlich zuteil. Die Fremden wurden mit
kitiſchen Augen beguckt und begutachtet, und die älteren Bürger
ſugten zueinander: Die Unkoſten müſſen von der Herrſchaft be=
zuhlt
werden.
Plötzlich rief jemand: Alleweile fahren der Junker und ſeine
7rau herüber. Der Junker und ſeine Frau! rief es.
7Seine Frau auch? Ja, ſeine Frau!
Und nu wandten ſie alle den Leichen den Rücken zu, Frau
etapf nicht ausgenommen, und die vorhin am übelſten daran
u aren, waren jetzt die vorderſten und konnten am beſten ſehen.
9 eim geſtrigen Einzug war die neue Herrin nur den wenigſten
zu Geſicht gekommen, denn die kurze Straße durch das Städtlein
u ar vom Zug der ritterlichen Gäſte und ihrem Gefolge angefüllt,
uid das alte Karmeliterkirchlein war gar klein. Darum dräng=
tn
ſich jetzt alle, die Frau zu betrachten.
Sie ſtand neben ihrem Gatten im Nachen. Die beiden
großen, ſchönen Menſchen, er in ſeiner jugendfriſchen Männlich=
pkit
und ſie in ihrer blühenden Jugend, boten einen Anblick,
wie ihn das Volk gerne und herzlich genießt. Ein ſauberes
AZeibsbild! ſagten die Leute zueinander; ein kleines Mädchen
frltete andächtig die Hände und betete: Lieber Gott, mach mich
f omm, daß ich zu dir in den Himmel komm:! Und ein andres
ef: Sie fahren durch einen Regenbogen hindurch.
Da Friedrich alle Fährleute auf dem jenſeitigen Ufer ver=
mrutete
, hatte er den Hannes vom unteren Tore mitgenommen,
damit er ihn und ſein Weib hinüberrudere. Der Burſche hatte
rährend der Ueberfahrt wohlweiſe Reden geführt über die Ver=

derblichkeit der Muſik, über die Gottloſigkeit der Muſikanten und
über die Gefahren des Weltlebens für Leib und Seele. Als ſie
gelandet waren und der Junker mit ſeiner Gattin durch das
auseinanderweichende Volk auf die Leichen zuging, hielt es
Hannes für ſeine Pflicht, dem Paare das Ehrengeleite zu geben
und auf alles Wiſſenswerte aufmerkſam zu machen.
Ich, wenn ich etwas zu ſagen hätte, erklärte er vor dem
aufhorchenden Volk, während Friedrich und Urſula ergriffen vor
den Leichen ſtanden, ich tät ein Geſetz geben: Wer Muſik machen
will, hat jedem, der ſie hören muß, einen Batzen zu zahlen und
der Herrſchaft auf Martini einen Gulden. Da liegt der Johannes
Stapf; der hat nie nichts geglaubt, ſonſt wäre er nicht in der
Johannisnacht auf den Neckar.
Die Erwähnung ihres Gatten erinnerte die Frau Stapf an
ihre Pflicht. Sie warf ſich auf ihren Mann und ſchrie: Da ſteh‟
ich Wittfrau mit meinen fünf Kinderlein und du gehſt fort, du
armer Teufel!
Der Hannes ſchüttelte mißbilligend den Kopf und meinte:
Unſer Herrgott hätte keine Weibsleut ſchaffen ſollen. Wie ein
Mann, der bekunden will, daß er an dem Vorgange, dem er leib=
lich
anwohnen muß, keinen Titeil nimmt, ſchaute er in die Krone
eines Lindenbaumes hinauf, während der Junker und ſeine
Gattin mit der Witwe redeten; als dieſe Unterbrechung vorüber
war, ſtellte er ſich vor die Toten, und mit einer vorſtellenden
Handbewegung fuhr er fort: Dies iſt der Brummbaß von
Affolterbach. Iſt Euch der Jakob Henner in Rothenberg bekannt?
wandte er ſich an Urſula; mit dem iſt er Geſchwiſterkind. Der
dort mit den dicken Backen und dem offenen Mund ſtammt aus
Katzenbach. Dem ſein Großvater iſt einmal auf dem Wege nach
Mosbach einem Wildfräulein begegnet, das hat ihn eingeladen,
er ſolle am Weihnachtsabend in das Binauer Schloß kommen . . ."
Friedrich gebot ihm mit einer Handbewegung Schweigen.

Dann faßte er ſeine Gattin an der Hand und führte ſie vor die
Leiche des Knaben. Das iſt er, ſagte er leiſe und trat zurück.
Urſula beugte ſich über den armen jungen Trompeter, jah
ihm ins Angeſicht und faltete die Hände. Zuerſt lag Neugier
und Spannung in ihrem Antlitz, dann wurde Ergriffenheit und
Schmerz daraus; aus ihren weitgeöffneten Augen quollen Trä=
nen
und fielen auf das Angeſicht des Toten. Friedrich legte ihr
die Hand auf die Schulter; da richtete ſich in die Höhe, ging an
die Kirchhofmauer und brach einen Strauß wilder Roſen. Es
dauerte eine Weile, bis ſie die ſcheuen Kinder aus ihrem ſtache=
ligen
Haus gefangen geholt hatte. Friedrich ſprach derweilen
mit dem Schultheißen von Hirſchhorn über die Verſorgung der
Familie des Schiffers. Dabei lächelten ſeine beobachtenden
Augen dem Beginnen der Gattin freundlich zu, und als ihr
Blick dem ſeinen begegnete, rief er ihr halblaut zu: Der Dank
für ſeine Blumengabe! Hannes aber, von einer aufhorchen=
den
Kinderſchar umgeben, erläuterte die Poſaune durch Auf=
ſchlüſſe
und Anmerkungen.
Als Urſula vor die Leiche des Knaben trat, erblickte ſie
eine merkwürdige Geſtalt, die geſenkten Kopfes oben am Raine
hart an der Mauer kniete und mit gefalteten Händen inbrünſtig
betete. Beim erſten Aufblick wußte ſie, daß es der Einſiedler
Leonhard war. Mit Grauen ſah ſie auf die ſich leiſe bewegen=
den
Lippen und gedachte an die Seufzer und Klagen, die ſie
in der vergangenen Nacht gehört hatte. Unwillkürlich flüſterte
ſie: Mutter! Da ſchaute der Jüngling auf und die beiden
betrachteten ſich mit forſchenden Augen. Zwiſchen ihnen lag,
von dem Einſiedler den Frauen zugeſtreckt, der tote Trompeter.
Die Augen, die vorhin offen geſtanden hatten, waren jetzt zu=
gedrückt
und die Arme waren kreuzweiſe übereinander gelegt.
Mutter! wiederholte Leonhard und ſchaute Urſula bedeu=
tungsvoll
an.
(Fortſetzung folgt.)

Zutsten: 250 g ungesalzene Butter
Dr. Oetker’s Sandtorte, oder Marsarine, 250 g Zucker, 125 g
Weizenmehl, 125 g Dr. Oetker=Gustin, 4 Eier, 1 Teelöffel voll von Dr. Oetker-
Vanillin=Zucker, 1 Messerspitze voll von Dr. Oetker‟ Backpulver Backin,
KZubereitung; Mchl, Gustin und Backin werden gut gemischt. Die Butter wirc

DACKCHENBPEG.

etwas erwärmt und schaumig gerührt. Dann gibt man Zucker und Vanillin=Zucker)
hinzu. Hierauf ein Ei und etwas von der Mehlmischung. Ist daser gut verrührt.
wieder ein Ei und etwas von der Mehlmischung, bis die Eier und d.- Mehl verd
braucht sind. Die Masse wird in eine mie Butter ausgestrichene Form gegeben und
bei mittlerer Hitze rund 1 Stunde gebacken, Sandtorte hält scb lange Zeit frisch, II.K.8239

Weiblich

Vertrauens=
ſtellung
.
Gebild. Dame mit
12jährig, Bankpraxis,
niergiſch und arbeits=
reudig
, auch i. Haus=
halt
durchaus erfahr.,
ſeicht, geſt. auf beſte
Beugn., neuen Wir=
tingskreis
. Ang. unt.
F 1 Geſchſt. (*18320

icht
Mädwen Laufdienſt.
=Namſtädterſtr. 3, Manſ.

Jg. Frau
. Beſchäft, nachmitt.
ui einem Kind. Ang
V. 36 Gſchſt. (*10

Fräulein, 28 J. alt
das kochen kann, u.
ebe z. Kindern hat,
ucht Beſchäftig, tags
Angebote unt
122 an die Ge=
45
Mäftsſtelle.

Junge Frau
ſtüchtig im Haush., er=
ſrahr
, im Kochen und
Flicken, ſ. bis nachn
Zeſchäftigung. An
133 Geſchſt. ( 18261

elt Frau ſ. Stellung
s Haushälterin aufs
nd. Ang. u. U 127
äftsſt. (*18246

res (18438
Mädchen
iit guten Zeugniſſen
aucht zum 1. 7. Stellg
w. netten Leuten An=
geb
. u. V 49 Geſchſt.

lch suche
Per 1. August ert. auch später
tüchtige
Verkäuferin

für Kurz-, Strumpf- und
Wollwaren
Herz Hachenburger
Sohn
Rheinstrasse 1

Suche Stützen,
Köchinnen, Hausmäd=
chen
, Aelt. Alleinmäd=
chen
, d. koch, können,
Haushälterin für hier
u. auswärts, Küchen=
mädch
. Frau Dingeldein,
gewerbsm. Stellen=
bureau
, Eliſabethen=
ſtr
. 5, Teleph. 3065 (*

Schulentlaſſenes
Mädchen
aus guter Familie z.
uusfahren eines Kin=
des
geſucht. Held,
Bleichſtr. 43 (*18450

Stenotypiſtin
mit guter Schulbildung und Berufspraxis
zum Eintritt am 1. Juli von hieſiger Fabrik
geſucht.
Bewerbungen mit Lebenslauf und Zeugnis=
abſchriften
unter V 10 an die Geſchäftsſtelle
erbeten.
(8231

Fleiß,, ordentliches
Mädchen
per 1. Juli geſ. Näh.
Innaſtr. 2. (*18336df

Jg. Mädchen
aus beſſ. Familie für
Haush. tagsüber geſ.
Vorzſt. 3-4 Uhr nachm.
Inſelſtr. 43, p. (*18265

Fräulein
mit gut. Handſchrift
perfekt in Steno=
graphie
und Schreib=
maſchine
, per 1. Jult
geſucht. Angeb. unt.
V 53 an die Ge
1852
ſchäftsſtelle.

Lehrmädchen
Lehrling
geſucht. / 18259
G. Kanzler, Schulſt. 12
Damen=u. Herren=Friſeur

Perfekte. Weißzeug=
mäherin
hat noch Tage
rei. Angeb. u. U 134
SHeſchäftsſt. (*1 262

Männlich

Junger Sattler
ucht Beſchäftig, hier
d. auswärts. (*1842
Karl Kohlmann
b. Obei=Ramſtadt

Lehrling
nit gut. Schulbildung
ucht Stellg. in kauf=
nänn
. Beſchäftigun=
m
2. Jahre.
Angebote unt. V.
an die Geſchäftsſt.
Offene Stellen
Weiblich

Dame mit höhere
Schulbildg", bewan
Sert in Buchführung
Lind Schreibinaſchin
CAdler Nr. 7) f. nach
rnittags 37 geſucht.
Angebote mit Ge=
Jaltsanſprüchen unt.
U 144 an die Ge
Hchäftsſtelle. (*1830
Zeugnls=Abſchriften
Bäumer’s (5886a
Maſchinenſchreibſtube.
Rheinſtr. 8. Tel.1223.
Nur Qualitätsarbeit!

Suche zu bald. Ein=
tritt
oder ſp ter ein
beſſeres, in all Haus=
arbeit
, Nähen und
Bügeln erfahrenes
Hausmädchen.
Angeb. m. Zeugnis=
abſchriften
an Fran
H. Weber, Auer=
bach
i. H., Linden=
(8120gid
haus.
chtiges
Alleinmädchen
mit gut. Zeugniſſen
per 1. Juli geſ. (822
Wendelſtadtſtr. 40,

Suche
perf. Herrſchaftsköch.,
Stützen, d koch, könn.,
Hausmädch., die ſchon
in Herrſchaftsh. war.
Kinderfrl. zu großen
Kindern, ält, Allein=
mädch
., die koch könn.
Zimmer,Haus=u
chenmädch., Servier=
frl
. f. hieru ausw. Frau
Hinna Dingeldein, ge=
werbsm
. Stellenb., Eliſa=
bethenſtr
. 5. Tel. 3065.(*
Ehrl. fleiß. Perſon
für Küchenarbeit ſo=
fort
geſucht (*1846
Schuſterg 3, Reſtaur.

Arzt ſucht Hilfe
für Sprechſtunden u.
baushalt. Auskunft
in der Geſchſt. (*18371
Man

Tücht. Kaufmann
z.Neueinricht, d. Büch=
ſowie
Lohn= uſw.
Steuerberech., Schreib=
maſch
. f. nachm. oder
Abendſt. geſ. Ang. m.
Geh.=Anſpr. u. V 30
Geſchäftsſt. (*18403df

Tüchtiges (*18394
Alleinmädchen
f. Küche u. Haush. geſ
Eliſabethenſtr 68, I

Tüchtiges, ſauberes
Mädchen vom Lande
mit gut. Zeugn. ge
Lohn 30 Mk. (*18394
Herdweg 50

ſcht ein tücht
Mädchen
für Küche und Hau=
in
Anfang Auguſt
Pfarrer Marx
Aliceſtraße 13. (825(
Junges Mädchen
von 8 Uhr bis nach
d. Spülen geſ. (*eu
Hoffmannſtr. 39, pt.

Bei vollſt. Familien=
anſchluß
ſ. fleiß, in=
telligentes
(*18404df
Mädchen
zu 2 Perſ als Haus=
tochter
in beſſ. Haus=
halt
geſ. Jetz. Mädch.
üb. 6 Jahre i. Hauſe.
Fr. E. Weiler
Nühlſtraße 60.

Haub. Mädchen
od. Frau geſucht
täglich, außer Sams=
tags
u. Sonntags von
28½10 Uhr vorm.
Waldſtr. 4, pt. (*18273

Fleißiges, ehrliches
Mädchen
für Hausarbeit tags
über geſucht. (*1826=
Dr. B. Will,
Zimmerſtraße 3½

das ſelbſtändig
einem Haushalt
vorſtehen kann,
gut bürgerl. zu
kochen verſteht,
per ſof. geſucht.
Nur ſolche mit
prima Referenz.
werden berück=
ſicht
u. wollen
ſich melden
Wilhelminen=
ſtraße
52,
1 Stock. (8242

Unter=Vertreter
geſucht f. d. Vertrieb
guteingef, kosmetiſch.
Fabrikate. Angebote
mii Bild, Lebenslauf
u. Zeugnisabſchrift an
E. Tuchtfeldt
Darmſtadt
Emilſtraße 17. (*1deim

R
Maſchinentechniker
mit guten Empfeh=
lung
. findet dauernde
Stellung. Alesführl.
Angeb. ſind zu richten
unter U 130 an die
(B8197
Geſchſt.

Bei Wirtſchaften allerbeſtens
eingeführter
Dertteket
evtl. früherer Wirt
bei hoher Proviſion geſucht. (8264
Georg Jaeger
Brezelfabrik
Heidelberg
Kaiſerſtr. 41
Kaiſerſtr. 41

Durchaus tüchtige
Beintt u. Beraigpoleler
Anletiee, Bruhniler
and Srimmer
werden eingeſtellt.
(7979
Arnold & Sohn
Ecke Erbacherstraße
E nächſt dem Schwimmbad.

Altrenommierte
Weinbrennerei n. Likörfabrik
mit Eſſigſpezialitäten ſucht tüchtigen,
gut eingeführten
8246

für Darmſtadt und Umgebung. An=
gebote
unter V 25 a. d. Geſchä tsſtelle.

Rheiniſcher
Berſicherungs=Konzern
mit neuzeitlichen Verſicherungsformen
in Leben, Feuer, Einbruch=Diebſtahl,
Transport= u. Auto=Kasko errichtet für
die Provinz Starkenburg eine
Generalagentur
unter günſtigen Bedingungen.
Bei Induſtrie und Handel gut einge=
führten
Herrn wird weitgehendſte Selb=
ſtändigkeit
ſowie gute Bezüge geboten.
Angebote mit Referenzen unter V 57
(M. 8266
an die Geſchäftsſtelle.

Serten ung Samen
welche redegewandt ſind, finden lohnende
Nebenbeſchäftigung. Angebote unter U 132
*18264
an die Geſchäftsſtelle.

Hauſierer
geſucht.
P. Hotz,
Auerbach i. H.

Zum Verkauf eines
konkurrenzloſen Ge=
brauchsartikels
, der
von jedermann ge=
kauft
wird, werden
für d. Straßenverkau
Straßen=
händler

ſofort geſucht. (8237
Großer Verdienſt
garantiert.
Näheres durch H.
Brand, Frankfurt
a. Main, Grüneſtr. 38.

Ree
z. Einkaſſieren von Bei=
frägen
alsb. geſ. Beck=
ſtraße
55 part. (*1834

2 Aſphalteure
ſofort geſucht (*18455
Hügelſtraße 89,
Blank & Co-

Vertreter
bei Landwirten nach=
weislich
beſtens ein=
geführt
, geſ. (*18304
Angebote u. U 145
an die Geſchäftsſt.

Tüchtiger, ſelbſtänd.
Inſtallateur
B8198
geſucht.
J. Nohl.
Martinſtraße 24.

Selbſtändige, ältere
Heizungsmonteure
geſucht.
B819
J. Nohl,
Martinſtraße 24.

Köchin

g. Frau,
Reſtaurationsküche
perfekt führen kann,
gegen hohen Gehalt
und gute Behandlung
ſof. geſucht. Näheres
Frankfurter Hof,
Ecke F ankfurter und
Landwehrſtr. (*18356

Für klein. bürgerl.
frauenl. Haushalt wd.
eine zuverl. (*18252
Stütze,
die alle Hausarbeiten
auszuführ. gewillt iſt
u. kochen kann, zum
bald. Eint geſ. Ang.
u. U 19 Geſchäftsſt.

Geſucht
wird zum 1. Juli ein
tüchtiges (*18277
Alleinmädch.
Kalbfuß
Wilhelminenſtr. 29, u11

Aroßes Aufsehen
erregen meine Preiſe und Qualitäten in:

Achtung

Erwerbsloſe!
Hohen Verdienſt er
zielen Sie durch Ver=
kauf
meines Haus=
haltartikels
, (*8194
Paul Hotz,
Auerbach i. H.,
Schützenhof.

Hoher
Verdienſt
durch Vertretung ge
werbl. u. ſchriftliche
Heimarbeit uſw.
Verlag W. Haug,
Cannſtadt, Moltkeſt. 82
(IV 8202

Aelteren Herrer
(penſ Beamte)
delche über großen
Bekanntenkreis ver=
fügen
, iſt Gelegenhei
zu lohnendem Ver
dienſt geboten. Ang.
u. U137 a. Geſchäfts=
(*18276
telle.

Zum Vertrieb eines
konkurrenzloſen Ge=
brauchsartikels
, der
von jedermann ge
kauft wird, werden
z. Beſuch d. Privat
kundſchaft in Darm=
ſtadt
u. Umgeg. ſofort
Proviſions=
vertreter

geſucht.
Großer Verdienft
garantfert.
Mittel zur kleinen
Lagerübernahme ſind
erforderlich. Näheres
durch H. Brand, Frank=
furt
a. M., Grüne=
ſtraße
38.

Schuhmacherlehrling
eſucht. Kadel, Ar=
heilgerſtr
. 1. (*1835

4201400 G.M.

Speiſezimmer, von den einfachſten bis zu den
ſchwerſten Ausführungen . . . .
Standuhren
Herrenzimmer
440 G.M.
Schlafzimmer
280380 G.M.
Küchen, natur laſiert.
190450 G.M.
Einzelmöbel, Kinderbetiſtellen, Patentmatratzen, extra gute Art, alle
Größen, 15 G.=M., Chaiſelongues mit und ohne Decken, Sophas,
Klubmöbel, Matratzen, alles in nur erſtklaſſiger Ausführung und
beſten Materialien.
Beſichtigung meines Tagers erbeten ohne Kaufzwang
Ihr Gang lohnt ſich.

Möbelmagazin Hummel
Woogsplatz 3
Eigene Werkſtätte
Telephon 707

Einſtellxaum
für Motorrad. Nähe
Kies= und Beckſtraße
eſucht. Ange
iesſtr. 129, II.

Laden

in gut. Lage ſofo
geſ. Ang unt. U 10
an d. Geſchſ.

Laden
guter L
zu mieten geſucht.
Angebote unt. V. 38
Geſchäftsſt. ( 184 12dE

Für priv. Benutzur
geſucht ein
Weinkeller
mäß. Größe. Ange

Stud.=Verein
ſucht groß. Koll
v!
eb. unt V 44 a=
die

ſchſt. (*184

Anſtänd, Frau ſucht
leeres Zimmer
auch geg. Hausarbeit.
Angeb. unt. V 48 an
die Geſchſt. (*18419

Student, ält. Semeſt.;
ſucht aufſof. ſch. möbl.
Zimmer, wenn mög=
lich
mit elektr. Licht.
Angeb. unt V 39 an
die Geſchſt. (*18415

2 gut möbl.

mit je einem Bett im
Tintenviertel zu mie=
ten
geſucht. (8275
Angebote an
J. Glückert
Wohnugstauſchbüro
hſtraße 3

Große (*18335
5=Zimmerwohn.
m. Garten gegen Ab=
ſtandszahlg
. geſucht.
Frnu D. Dvechsel
Heildelbergerſtr. 83.

Ruh. Student
ſucht ſchön möbliert.
Zimmer ſofort oder
zum 1. Juli. Ang. u.
V 32 Geſchſt. (*18401

Möbl. Zimmer
für 12 Monate von
Herrn geſucht Ang. u.
V 23 a. Geſchſt, (8944

Von Bayern hierher
verſetzter Beamter
ſucht 9
möbliertes ZImiel
für längere Zeit
in der Nähe des Ver=
ſorgungsamtes
. An=
geb
. unter V 21 an
die Geſchſt (18369

Ordentlicher junger
Mann ſucht einfach

am liebſten ſofort be=
ziehbar
. Werte An=
gebote
mit Preisan=
gabe
u. V 2 an die
Geſchäftsſtelle (8230

R
Betriebsleiter zum
1. Juli einfach möbl.

Zimmet.
Käſefabrik
Schießhausſtr. 70. (*

Reparaturen
an Rolläden
u. Ja’g ſien
werden v. Fuchmann
gut und billig ausge=
führt
Beſtellungen
nimmnt Her
Pädagog=
Grö4 ſtraße 6

entgege

(*18238ik

Brennholz
Buche und Eiche
geſchnitten per Ztr.
1,30 Mk.,
nfertig
1,35 Mk. liefert frei
aus
Sch. Kämmerer 4. A
Pfungſta
Eberſtädterſtraße 46.

[ ][  ]

Erhsltlich in Apotheken, Drogerien usw.

Seite 14.

Darmſtädter . g

Matt, Dontie Bte.1, drA 2ü. Juni 4324,

Nummer 126.

Verkänfeß
K
Prachtvolles Herren=
zimmer
, Schlafzim=
mer
, Küchen, auch
einzeln, ſehr billig
zu verkauf. (euzid
Schreinerei
Arheilgerſtr. Nr. 92. Eine noch guterhalt.
Kücheneinrichtung
zu verkaufen 8216
Junghänel,
Schreinerei
Landgraf=Philipp=
Anlage 12. Ein
neuies Gaielongue zu veikaufen. 718375
Ludwigshöhſtraße 84. 2ſchläf. Bettſtelle
mit Sprungr u. Zteil.
Seegr.=Matratze, für
40 zu vk. (*18296
Steinſtraße 6, pt. Ein Beit
1tür. Kleiderſchr.
zu verkaufen. Mühl=
ſtraße
24, II., I. (18376 zu
Ein Bett verkauf
Hügelſtraße 89,/ zeie Gebr. vollſt. Vett
zu verkaufen. Rieger=
platz
7, II links. (7en 2 Schränke, einer mit
Glasſcheiben, einer
mit Schiebetür, auch
als Ladentheke zu
verwenden, 2 hohe
Stehleitern, 1 4räd.
Wagen, Holzrahmen,
Tiſchplatte, Diele und
Böcke, 1 eiſerne Wage
mit Ketten und Ver=
ſchied
. z. verk. (18333
Saalbauſtraße 22. Gut erh. Gasherd m.
Tiſch, Anzug f. mittl.
Figur zuverk. (*18379
Beſſungerſtr. 112, I. Guterhaltene
Kücheneinrichtung
preisw. zu vk. Gervi=
nusſtr
. 70, II. (18250 Leere Sierkiſten bill.
abzug. Eierhandl. p.
Ruppert, Holzſtr. 20. (* Gr., faſtneuer (18390
Amerik, Ofen
(Riesner) zu verkauf.
Hermannſtraße 8, von
2 Uhr ab vorzuſpr. Damenrad
neu, ſehr billig zu
verkauf. Liebigſtr 48,
1Treppe lks. Gunzmd Tee.
1 Zylinder, 8 FS., m.
Boſchbeleuchtnng,
billig zu verk. (dr
Grafenſtraße 43. Neues (18380
Herren=Fahrrad
weit unt. Ladenpreis
ſow. gut erh. Cutaway
m. Hoſe zu verkaufen.
Müller, Müllerſtr. 21.
Anzuſehen v. 13 Uhr

Neues u. gebrauchtes
Damenrad
Herrenrad
ſpottbillig abzugeben.
Maurer, Neckarſtr. 4,
Hinterhaus. (18367

O Arinsen das ansdren Anlcnansck Haashaft

zu den denkbar niedrigsten Preisen!

Porzellan

weiß, echt Por-

Teller Feston, tiek u. Hlach
Toller Strohmuster, Feston.
Ubertassen sellan ...."
1a880h mit Untertasse, weig
Dessertteller weis
m. Untertasse, echt Porz.;
13886l1 mod. Kantendekore .
mit Untertasse, Goldrand
Täg8eh hohe oder niedere Form

für 6 Pers.,
Haffee-BerTIc6 steil, dekor. 3.50
für 12 Pers.,
Hahee-BerTIe6 wB.,echt Porz, 8.90
Luckerdosen mit Beckel. .. 189
Baneidren eeht Borzelan ... 759

Steingeg
Teller tiet und 1ach ..5 Stuek 959
Schüsseln gros, rund, gerippt 959
Milehtöpfe - Liter, dekoriert . 989
Teekannen sehr bilig .. .9, 759
453
Salzmetzen dekoriert.
oval, mit Deckel, de-
959
TOrFInen koriert....
Sata-Schüsseln punt, 8 Staek 1,95
dek.,m. Aufschr. 1
Gewurntonnensst. 1 Satz, Satz 1.50
Waschbecken ereme, grog . 1.25
Waschbecken dekor, grog . 1.65
créme oder dek.
.. . . 1,65, 1.00
Waschtrüge

Tonnen-Garnituren
16teilig, dekoriert, enorm billig

8.50

Glas
Wassergläßer gerippt . .. 129
Kowpotteller ... .a Sstaet 759
Butterdosen mit Deekel ... 35g
Likörserniee steils .... .1.75
Kompottschüsseln
st. 2.50
6 Stück im Satz".
689
Kuchenteller gros
Blumenrasen . . . . Stüek g5, 753
Hopskrüge 1Liter 853, 3 Liter 759
Tabletts -..... . .staek 589
Kinkochgläger bestes Fabrikat
2 Liter
55,J 60 J 65J 70, 85.3
Honigglägar mitschraubdeekel 15 9
Geleegläser ALiter
159

gebt. Fahräder
billig zu verkaufen,
Nieder=Beerbach.
Untergaſſe 18. (*18269

faſt neues Triumph=
Motorrad.
2,5 P.S., tadellos im=
ſtande
, f. 600 z. verk.
Bleichſtr. 5, Werkſtat.

Flottweg
Motorrad
f. 350 z. verk. Frank=
furterſtr
. 40, I. (18351

Einige noch neue gr.
und kl. elektr.
Lampen
billig zu verkf. Neue
Niederſtr. 15, I., I. (

Gut erh.
Waſchmaſchine
billig zuverk. Wiener=
ſtraße
56, II. (1825r

Herd (rechts) billig
zu verkaufen (*18272
Frankfurterſtr. 58, pt.

Warenhaus
Geschwister

(8277

Eine Anzahl ſtarke
zum Verſand geeig=
nete
Ho zſtoffkaſten,
ca. 60 X 60 X50 ctm
groß, hat abzugeben
2091 Wronter.

Gasöfen (Kamine),
gr. u. kl. Tiſche, Gar=
tenmöbel
, eiſ. Blu=
mentiſche
, Kochkiſte,
Tafelwaage. Gas=
lamp
n, Lederkoffer,
Nachtſtuhl, Räder f.
Fahrrad,kompl., Luft=
gewehr
, alte Steh=
uhr
u. Verſchiedenes
zu verk. Mühlſtr. 32,
parterre. (*18388

Gelegenheitskauf!
Guterh. vberbayer,
Tracht billig zu verk.
Preis 4045 Mark,
Näh. Geſchſt. (E18329

Verſch. Damen= u.
Knabenkleider zu
verk. v. 122. Näh.
Geſchäftsſt. (*18255

Arndt, Schrotmühle,
div. Damenſchuhe
3738, verſchied. Da=
menkleider
, Kinder=
hüte
u. Mützen, Man=
tel
für 14 j. Mädchen
billigſt. (18285
Schulſtraße 14, II.

2 tadelloſe (18355
Anzüge
blau und braun mit
Lilaſtreifen ſ. preisw.
zu verkf. Anzuſ. von
4 Uhr nachm. ab bei
Hort, Beſſungerſt 88½

Doppelflinte
Kal. 16, guterh. preis=
wertzuverkauf
. (18414
Wittmannſtv. 19, III.

Tampf: Bettfedern=
Reiuigungs maſchine
zu verkaufen, mit od.
ohne Arbeitswagen
(Teilzahlung/. (*18405
Bensheim
Neckarſtraße 11.

1 Photoapparat
9X12, für 15 Mark,
1 Kinderbettſtelle
zu verkaufen. (*18410
Beſſungerſtr. 70, Stb.

Mehr. Zentner
Kartoffeln (18345
(Ztr. 2 ) abzugeben.
Pallaswieſenſtr. 45.

In ſtrammer Eispackung eingetroffen:
Seelachs i. Schnitt . . . . Pfd. 35 Z
Kablian i. Schnitt . . . . Pfd. 40 J
Schellfiſch, Rotzungen, Seehecht
Rheinſalm, Blaufelchen
Aus meiner Rheinfiſcherei:
Lebende Aale, Schleien, Karpfen
Barben, neue Matjes=u. holl. Heringe
Ludwig Mösinger
42 nur untere Eliſabethenſtr. 42
367 Telephon 367. (8256

zum

Paßbilder für die Reiſe
in nur beſter Ausführung
bei billigſter Berechnung.
Photoar.=Atelier Cartharius
Ludwigsplatz 6 (6279a) Telephon 1703
(7714a
Ständige
Ankaufsstelle
von Brillanten, Gold= u. Silber=
waren
, Perſerteppichen, Kunſt=
gegenſtänden
:: :: :: befindet ſich
Pädagogſtraße 2, Tel. 1202.

neben
der Darmſtädter

rachtenſe
für Groß und Klein das Allerbeſt!
Beachten Sie unſere Ausſtellung
u. Nationalbank R. D. Scfemnog, ſtr. 20

(8263

Rhein=

Anker
Olaes Pfeil
Naumanns Germania

die geſt Jahrrehnten
bevorzugten Fahrräder
für Sport und Beruf.
August Zürtz
Fernsprecher 2952 / Schuchardstr. 1
Nur erstkl. Bereifung.
Ersatz- u. Zubehörteile stets um Lager
Fachmännische Reparatur-Werkstätte.
6686a

Wir übernehmen:
Die Einziehung von Forderungen,
Die Erteilung von Auskünften auf alle Plätze,
Rechts= und Sachrat in kaufm. Angelegenheiten
Treuhandfunktionen
(7695a

Auskunftei und
Telephon 376

Merkur
Inkaſſo=Inftitut für Handel
Karl Bauer

und Gewerbe
jetzt Rheinſtr. 26.

H.o.0. L.OK. W.
Motorräder

b Lager oder kurzfriſtig lieferbar.

Herren= und Damenräder
Marke Viktoria und Phänomen, billigſt bei
Konrad Hirſch, Ober=Ramſtadt
Aliceſtraße 13
Telepbon 67
Aelteſtes und leiſtungsfähigſtes Geſchäft der
Branche im vorderen Odenwald. Gut ein=
gerichtete
Reparatur=Werkſtätte für Fahr=
und Motorräder. (7875a

Mngſce
Wer fertigt Kiſſen=
einſätze
in Hardanger=
Arbeit an? Matertal
wird geſtellt. Angeb.
m. Preis u. 1147 an
Geſchäftsſt. (*18317

2tadell erh. Sommer=
anzüge
f. gr., ſchl. Fig.,
1 Cutavay m. geſtr.
Hoſe, 1 Sommer=
mantel
(Raglan), 1
Zylinder, Hüte, ſow.
viele Bände unterh.
Lektüre ſ. bill. z. verk.
Lagerhausſtr. 16, I. (*

Bettfedern-
Reinigung
(elektriſcher Betrieb)
Inletts, Drelle, Bettfedern, Daunen
Metall=, Holz= u. Kinderbettſtellen
Spiralmatratzen in allen Gröden
Neuanfertigen und Aufarbeiten
aller Betten und Polſtermöbel
Jakob Heymann
Tapezierermeiſter, Beſſungerſtr. 55 (B,2399

Meroedes Sohreibmaschinen
Senta‟ Büro- und Reise-Schreibmaschinen
Büro-Möbel

erster Spezialfabriken
sofort lieferbar.

Karl Bauer,
Telephon 376.

(5969
Bürobedarf
Rheinstraße 26.

Dei keiliand weiſt man Was man hat.
Die schlechte Leite hat man at!
*) Das ist wirklich Kernseife, die hohe
Schaumkraft und daher großes Reini-
gungsvermögen
besitzt. Sie wird auch
nicht, wie so viele andere Seifen, aus
Tran, Tierleichenfett, Wasserglas, Herings-
6l usw. hergestellt.
Zu haben bei: Oelzentrale, Karlstr. 62,
Brandstädter, Ecke Erbacher- u. Mühlstr.,
Germann, Grafenstr. 35, Hefermehl Nachf.,
Ecke Niederramstädter- und Kiesstraße.
Verkaufsbüro Darmstadt, Hoffmann-
straße
19, Tel. 2414.
Herst. Melitaad- Seifenin-
dustrie
4-d., Mauaheim.
esctet 94
geschöttt
Tonane
(Hellignch
F. 8030