Einzeinummer 10 Goldpfennige
Bezugspreis:
a* wöchentiſch Tmaligem Erſcheinen vom 1. Junl
N: 30. Junk 248 Goldmark und 22 Pfennig
un tragegebühr, abgeholt 2.25 Goldmark, durch die
ü enturen 2.40 Goldmark frei Haus.
Poſtbezugs=
ſuetz ohne Beſfellgeld mongtiſch 2.30 Goldmart.
drantwortliſchkeſt für Aufnahme von Anzelgen aon
ſekimmten Tagen wird nicht übernommen.
Nicht=
liächeinen einzelner Nummermn infolge höberer Gewalt
ſerechtigt den Bezſeher nicht zur Kürzung des
6zugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtelungen durch
Famnrf ehne Verbindlichkeit für uns.— Poſiſcheckonto:
Franfurt a. M. 1304.
Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeskauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 172
Sonntag, den 22. Juni 1924.
187. Jahrgang
Anzeigenpreis:
27 mm breite Zeile im Keiſe Darmſtadt 20 Goldpfg.
Finanz=Anzeſgen 30 Goldpſag, Reſſamezeiſe (92 mm
breitl Goldmart. Anzeigen von auswärts 30 Goldpfg.
Finanz=Anzeigen 45 Goldpfa, 92 mm breite
Nellame=
zeſe 4.50 Goldmark. Alle Preiſe in Goſdmart
(t Dollar — 420 Marhl. — Im Falle höherer
Gewalt, wie Krieg, Aufruhr. Streiſt uſw. erſiſcht
jede Verpſiſchtung auf Erfüllung der
Anzeigen=
auſträge und Leſtung von Schadenerſoh. Bei
Konkurs oder gerſchtlicher Beſtreibung fällt ſeder
Nabat weg. Banſionio: Deuſche Ban und Dame
ſtädter 8 Naionalbant.
Herriots Londonreiſe.
7Britiſches Rätſelraten über den Charakter der
Unterredung.
n in Begleitung ſeines Kabinettschefs im Außenminiſterium
Vergery um 10 Uhr über Calais nach London abgereiſt.
Nach einer Havasmeldung aus London iſt Herriot heute
ſrtend um ½7 Uhr mit halbſtündiger Verſpätung auf dem
Vik=
oria=Bahnhof in London angekommen. Er war vom Dol=
Tnetſcher Camerlynk ſowie dem Kabinetschef und ſeinem Privat=
Tretär begleitet. Eine große Menſchenmenge brachte dem
fran=
üniſchen Miniſterpräſidenten Opationen dar.
Paris, 21. Juni. Havas meldet aus London: Die Reiſe
zerriots nach London iſt ohne den geringſten Zwiſchenfall
ver=
autfen. Während der ganzen Fahrt von Paris nach Calais hat
öerriot mit General Nollet und Peretti della Rocca Beratungen
zpflogen. Im Laufe dieſer langen Beratungen hat der
Mini=
trpräſident mit ſeinen Mitarbeitern die Feſtlegung aller Punkte
ſprochen, die er Maedonald im Namen der franzöſiſchen
Re=
yerung auseinanderſetzen will und die ſich ſowohl auf die
Repa=
rions= wie auch die Sicherheitsfrage beziehen.
London, 21. Juni. (Wolff.) Im Mittelpunkt des
iFentlichen Intereſſes ſteht die Ankunft des
franzöſi=
chen Premierminiſters in London. Der Pariſer
6 richterſtatter der „Weſtminſter Gazette” ſchreibt, daß
anſchei=
luntd Macdonald für das Geheimnis verantwortlich ſei, das die
kirteredung in Chequers umgeben werde. Herriot habe geſtern
— britiſchen Korreſpondenten in Paris zu ſich berufen und
(hnen die Mitteilung der Downingſtreet vorgeleſen, in der
ſich ſei.
Dem Pariſer Berichterſtatter der „Times” zufolge erklärte
zrrriot bei ſeiner geſtrigen Unterredung mit den
Preſſevertre=
em, er beabſichtige, gerade heraus und offen zu ſprechen,
viel=
eicht allzu offen. Dem Berichterſtatter zufolge werde Herriot
ineifellos Macdonalds Aufmerkſamkeit auf die Frage der
ſrcherheit Frankreichs als einer Frage von größter
hwdeutung lenken. Es werde erwartet, daß er ſeine Haltung
ur die Informationen gründen werde, die von den Generalen / Die Lage der Stadt Düſſeldorf in kultureller und wirtſchaft=
2. Uet und Degouttte geliefert wurden, und daß er auf die
Not=
zmdigkeit der Aufrechterhaltung der interallierten Militär=
Se vollendet iſt. Was die künftige Sicherung Frankreichs
eren Angriffe betreffe, ſo werde wahrſcheinlich ein
befriedigen=
e: Erſatz für die Sicherheit geſucht werden, die Frankreich in
Ferſailles in dem geſcheiterten engliſch=franzöſiſchen Pakt
ge=
uren wurde. Der Widerwille des britiſchen Volkes gegen
nolich erkannt und verſtanden, es ſeien jedoch in einigen Kreiſen
eFfnungen vorhanden, daß gleichartige Garantien in den
Ga=
gntiepakten und unter der Kontrolle des Völkerbundes gefun= gebäude in der Mühlenſtraße, das Karlshaus, der Kunſtpalaſt,
er werden könnten.
Ein deutſches Memorandum für Chequers.
onalds mit Herriot hat, wie wir von zuſtändiger Stelle er= ihrer zuſtändigen Schulen verhindert ſind. Ihr Unterricht mußte
zren, die deutſche Regierung durch den
Bot=
chafter in London ein eingehendes Memorandum dem ganzen Stahlhof, einem großen Teil des Loewe=Hauſes und
berreichen laſſen, in dem die Stellungnahme der
Re=
terung zu der Frage der Durchführung des Sachverſtändigen= Ställe, Schuppen und Garagen. Zur Unterbringung von
Gene=
zutachtens unter Begründung an Hand ausführlichen
Mate=
iaks klargelegt wird. Es handelt ſich hierbei um ein Vorgehen,
nie es deutſcherſeits ſchon früher vor bedeutſamen
Verhand=
mgen der Allierten angewandt wurde. Eine Veröffentlichung
nrechungen des deutſchen Geſandten in Paris mit Herriot als waren, iſt es notwendig geworden, zur Unterbringung dieſer
Fa=
ſzundlage benutzt wurde, iſt vorerſt nicht beabſichtigt.
Mutmaßungen des „Petit Pariſien.”
Baris, 21. Junt. Wolff! Der „Petit Pariſien” ſpricht daß der durch dieſe Requiſitionen für die Stadt geſchaffene
Zu=
ch über die Fragen aus, die in Chequers zwiſchen Macdonald ſtand auf die Dauer ganz unhaltbar iſt.
nd Herriot behandelt werden könnten. Sie ſeien von
zweier=
ſedeutung die Allierten einmütig anerkannt hätten.
Was die Ausführung des Dawesplanes betrifft, ſchaftlichen Leben der Stadt durch die zahlreichen Beſchlagnah=
Habe die franzöſiſche Regierung ſchon ihre Abſicht kundgege= men von Fabrikgebäuden und anderen öffentlichen. Gebäuden
in, die Wirtſchaftseinheit des Deutſchen Neiches wiederherzus entſtehen. Ich erinnere nur daran, daß durch die Beſchlagnahme
tllen, ſobald Deutſchland das durch den Sachverſtändigenaus= des Kunſtpalaſtes die Durchführung der für dieſen Sommer
ge=
huß aufgeſtellte Programm ausgeführt habe. Der Punkt, über planten großen Kunſtausſtellung unmöglich ſein wird, und daß
in man ſich einigen müſſe, ſei die militäriſche Beſetzung. Die die für das wirtſchaftliche Leben der Stadt Düſſeldorf ſo
wich=
imzöſiſche Regierung habe erklärt, daß nach dem
Sachverſtän=
genbericht die Wiederherſtellung der deutſchen Wirtſchaftsein= können. Gerade die Wohlhabendſten meiner Mitbürger ſehen
ſt keineswegs den Verzicht auf die militäriſche Beſetzung in ſich durch die unerträglich gewordenen Einquartierungslaſten
ch ſchließe. Macdonald habe, obgleich er die Beſetzung des veranlaßt, ihren Wohnſitz von Düſſeldorf zu verlegen, wodurch
uhrgebiets niemals anerkannt habe, den belgiſchen Miniſtern, der Stadt erbebliche Einnahmen verloren gehen.
kärt, er wolle nicht auf die Vergangenheit zurückommen, und
je unſichtbar ſei, möglich wäre. Dieſe Beſetzung hätte progreſſiv, daß von der geplanten Verlegung des Artillerieregiments nach
uch Maßgabe der Erfüllung der Verpflichtungen durch Deutſch= hier Abſtand genommen wird.
und zu Ende zu gehen. Was noch geſtern möglich geweſen ſei,
ſcht einen Tag länger im Ruhrgebiet zu verbleiben, als
not=
ſen dig ſei.
Kritik an Macdonald.
London, 21. Juni. (Wolff.) Der diplomatiſche
Bericht=
ſtutter des „Daily Telegraph” ſchreibt, Maedonald habe
verſtehen gegeben, daß überhaupt keine
Informatio=
en über ſeine Unterredung mit Herriot für die
ſreſſe ausgegeben wverden. Dieſes Verfahren ſtehe in einem
i amen Widerſpruch zu ſeinem früheren Eintreten für eine
offene Diplomatie. Die britiſche wie die franzöſiſche öffentliche
Meinung ſeien berechtigt, zu wiſſen, wohin ihre Länder geführt
werden. Die Geſchicke der Nationen könnten nicht ausſchließlich
einzelnen Staatsmännern überlaſſen werden. Kein britiſcher
Paris 21. Juni. (Wolff.) Miniſterpräſident Herriot Premierminiſter habe ſich in der Behandlung von Problemen
dieſer Art in dem Maße iſoliert, wie es Macdonald tue, und
zwar zunächſt gegenüber ſeinen Kollegen und den
Sachverſtän=
digen anderer Aemter, als der von ihm verwalteten, zum
Bei=
ſpiel des Schatzamtes, und dann gegenüber der öffentlichen
Mei=
nung, die ihren Ausdruck in der Preſſe findet. Der
Bericht=
erſtatter weiſt darauf hin, daß Herriot nicht ebenſo verfahre. Der
franzöſiſche Premierminiſter habe ſich vor kurzem zugunſten der
offenen Diplomatie und des Vertrauens zur Preſſe
ausgeſpro=
chen. Kein franzöſiſcher Premierminiſter der letzten Zeit, nicht
einmal Poincaré, hat es je gewagt, die Preſſe und die
öffent=
liche Meinung unbeachtet zu laſſen. Die Beſchränkungen, die
der britiſche Premierminiſter ſeinem franzöſiſchen Kollegen gern
auferlegen möchte, müßten ihn in eine beſonders, ſchwierige
Stellung bringen.
Die Einquartierungslaſten.
Drohender Ruin der Stadt Düſſeldorf.
Wie man ſich erinnern wird, hat die franzöſiſche
Beſatzungs=
behörde in Düſſeldorf, trotz des wiederholten Proteſtes der
Stadt, vor etwa einem Monat zahlreiche ſtädtiſche und private
Baulichkeiten zur Unterbringung von Truppen beſchlagnahmen
laſſen. Dieſe durch kein dringendes Bedürfnis gerechtfertigten
Beſchlagnahmungen haben die Stadt Düſſeldorf in eine geradezu
kataſtrophale Lage gebracht und das wirtſchaftliche und kulturelle
Nacdonald erllärt, daß die Konferenz perſönlich und vertrau= Leben der Stadt aufs ernſtlichſte gefährdet. Die
Stadtverwal=
tung hat daher neuerdings an die Beſatzungsbehörden folgendes
Schreiben gerichtet:
An den
Herrn General Douchy,
z. d. Hand des Herrn Chefs des Büros für Zivilangelegenheiten,
Hier.
Herr General!
licher Beziehung iſt durch die außerordentlich große Garniſon,
die wohl die größte des beſetzten Gebiets und vielleicht der Welt
vrtrollkommiſſion in Deutſchland dringen werde, bis ihre Auf= ſein dürſte und jedenfalls in keinem Verhältnis zu der Größe
der Hilfsquellen der Stadt ſteht, eine überaus bedrängte, kaum
noch erträgliche geworden. Zur Unterbringung der Truppen
ſind, außer den Kaſernen der früheren deutſchen Garniſon,
ein=
ſchließlich des Bezirkskommandos, des Proviantamts, des
Laza=
retts, eine Anzahl ſtaatlicher und kommunagler Gebäude, wie die
ine bindende Militärkonvention werde in Frankreich Zollämter, die Eiſenbahnbetriebsämter, das Landgerichtsgebäude
am Königsplatz, ein Teil des Amtsgerichtsgebäudes, das Schloß
Jägerhof, die kommunale Polizeiſchule, das
Polizeiverwaltungs=
der größte Teil der Tonhalle, die Konzertſäle des Zoologiſchen
Gartens und ein Teil des Schlachthofes beſchlagnahmt worden.
Auch ſind für die Unterbringung der Truppen 19 Schulgebäude
mit 304 Klaſſenräumen, 13 Turnhallen und ſonſtigen Nebenräu=
Berlin, 21. Juni. (Radiodienſt.) Zu der Beſprechung Mac= men, beſchlagnahmt worden, wodurch 8947 Schüler am Beſuch
in anderen Schulen erfolgen. An Privatgebäuden ſind außer
des Mannesmann=Hauſes, 14 Fabriken und gewerbliche Anlagen
vollſtändig und 12 teilweiſe beſchlagnahmt worden, ferner 102
rälen, höheren Offizieren und Büros ſind weiterhin 40. ganze
Privathäuſer in Anſpruch genommen, ferner 1660 Quartiere für
verheiratete Offiziere und Unteroffiziere der Garniſon und 3600
Quartiere für ledige Angehörige der Beſatzungstruppen.
Durch die neuerdings erfolgte Beſchlagnahmung der ſog.
ez umfangreichen Schriftſtückes, das auch in den geſtrigen Be= Schupokaſerne, in der annähernd 150 Familien untergebracht
milien ſechs weitere Schulen in Anſpruch zu nehmen. Die
Kin=
der, die bisher in dieſen Schulen ihren Unterricht erhielten,
kön=
nen anderweitig zunächſt jedenfalls nicht unterrichtet werden und
entbehren daher jeden Schulunterrichts. Es liegt auf der Hand,
Ich brauche Ihnen, Herr General, wohl nicht zu ſchildern,
7 Art: die einen beträfen die Ausführung des Sachverſtän= welche nachteiligen Folgen für die Erziehung der Jugend durch
genberichts und die anderen das Sicherheitsproblem, deſſen die vorerwähnte Inanſpruchnahme von Schulgebäuden entſtehen.
Ebenſo wird Ihnen, Herr General, ohne weiteres klar, ſein,
welche außerordentlichen Nachteile dem induſtriellen und wirt=
Ich bitte Sie, Herr General, daher nochmals auf dringendſte,
tan müſſe daraus ſchließen, daß ein Einverſtändnis auf der Ihren ganzen Einfluß dahin geltend zu machen, daß eine Ver= u. a. auch zwei die Intereſſen der Deutſchen in den geraubten
trurndlage einer auf das Minimum herabgeſetzten Beſetzung, minderung der Garniſon Düſſeldorf eintritt und insbeſondere, Oſtgebieten berührende Fragen behandelt, nämlich die Frage der
Eine gerechte Verteilung der Einquartierungslaſten auf das
züufſe auch heute noch möglich ſein, da Herriot die Abſicht habe, geſamte beſetzte Gebiet iſt zur Erhaltung des wirtſchaftlichen und ein Abkommen genehmigt, welches die Anſiedler mit einer
Ge=
kulturellen Lebens der Stadt Düſſeldorf unbedingt erforderlich.
Genehmigen Sie, Herr General, den Ausdruck meiner
vor=
züglichſten Hochachtung.
i. V.: gez. Geuſen.
Die bedrohliche Lage der Stadt Düſſeldorf dürfte in obigem
Schreiben genügend klargeſtellt ſein. Sie erheiſcht dringende Ab= 1
hilfe. Wird die franzöſiſche Beſatzungsbehörde ſich dazu
bereit=
finden?. Hier iſt die erſte Gelegenheit, bei der Herr Herriot
zei=
gen kann, ob es ihm mit ſeiner Ankündigung, mit der Politik
Poincarés zu brechen, wirklich ernft iſt.
Die Woche.
Am Mittag des 14. Juni übernahm der Sieger vom 11. Mai
die Bildung der franzöſiſchen Regierung, noch am Spätabend
des gleichen Tages gab er die Zuſammenſetzung ſeines Kabinetts
offiziell bekannt, und bereits am Dienstag gab Herr Herriot
vor der franzöſiſchen Kammer die mit Spannung erwartete
Regierungserklärung ab. „Angeſichts des heutigen Standes der
Dinge in Deutſchland und der Notwendigkeit nicht allein
Frank=
reichs, ſondern aller Völker, ſich gegen eine neue Offenſive des
nationaliſtiſchen Alldeutſchturts zu ſchützen, halten wir es nicht
für möglich, das Nuhrgebiet zu räumen, bevor die Pfänder, wie
ſie von den Sachverſtändigen vorgeſehen ſind, deren
Be=
richt wir ohne Hintergedanken annehmen, mit
gerechten und wirkſamen Garantien für die Durchführung
kon=
ſtituiert und den zu ihrer Verwaltung befugten internationalen
Organiſationen übergeben ſind. Wir halten es auch für nötig,
daß die Entwaffnung Deutſchlands von den Allierten
gemein=
ſam überwacht und ſobald wie möglich durch die Aktion des
Völkerbundes kontrolliert wird.”
Wenn man dieſe Sätze, welche den Kernpunkt der ganzen
Erklärung bilden, ſoweit ſie ſich auf die Reparationsfrage
be=
zieht, nur ihrem Wortlaut nach anſieht, ſo muß man ſagen, daß
ſie ſtarke Aehnlichkeiten aufweiſt mit Poincaréſchen Erklärungen.
Aber nicht allein auf die Worte kommt es an, ſondern auf das,
was hinter den Worten ſteht, und gerade in Deutſchland ſollte
man ſich nüchternes Urteil nicht durch Voreiligkeiten trüben
laſſen. Bereits die Kammerdebatte über die
Regierungserklä=
rung gab Herriot Gelegenheit, ſeine Stellung zur Ruhrbeſetzung
etwas näher zu präziſieren. Auf eine Anfrage der Rechten
erklärte er, daß die Ruhrbeſetzung, wenn man ſie von der
Durchführung der Beſtimmungen des Sachverſtändigent=
Gutachtens abhängig machen wollte, 37 Jahre dauern müßte.
Wir haben ſchon mehrfach ausgeführt, daß die Stellung des
neuen franzöſiſchen Kabinetts inſofern recht ſchwierig iſt, als
es bei der geiſtigen Einſtellung des franzöſiſchen Volkes zu
nationalen Fragen die Gefahren keinen Augenblick unterſchätzen
darf, die ihm von der ſtarken Oppoſition unter Führung eines
Poincars drohen. Im Intereſſe, der künftigen Entwicklung
Europas wäre es jedoch beſſer geweſen, wenn Herr Herriot ſich
gerade in der entſcheidenden Frage etwas deutlicher ausgedrückt
hätte. In ſeiner Regierungserklärung hat der franzöſiſche
Miniſterpräſident davon geſprochen, daß er den „demokratiſchen
Geiſt” bei allen Völkern ermutigen und unterſtützen werde, auf
den er ſich ſelbſt berufe. Wenn man dies aus der franzöſiſchen
Terminologie ins Deutſche überſetzt, ſoll es doch wohl heißen,
daß man verſuchen werde, bei den anderen Völkern (alſo
ins=
beſondere doch wohl Deutſchland!) den Einfluß derjenigen Kreiſe
zu ſtärken, welche auf eine friedliche Verſtändigung der
euro=
päiſchen Völker hinarbeiten. Wenn das die Abſicht Herriots
iſt, ſo ſollte er ſich ſagen, daß eine unzweideutige Erklärung von
maßgebender franzöſiſcher Stelle über die Frage der Räumung
des Ruhrgebietes die allgemeine Lage ganz weſentlich klären
würde. Auch in Frankreich weiß man mittlerweile, daß eine
wirkliche Löſung der Reparationsfrage nur durch Mitwirkung
Deutſchlands zu erreichen iſt. Das Gutachten legt aber dem
deutſchen Volk Laſten von ſo ungeheuerlicher Schwere auf, daß ſie
einfach untragbar ſind, wenn nicht die Gewähr dafür beſteht, daß
durch dieſe Opfer wirklich der Weg zur Freiheit gebahnt wird,
ganz abgeſehen davon, daß das Gutachten ja die
Wiederherſtel=
lung der deutſchen Verwaltungshoheit — undenkbar unter der
Drohung franzöſiſcher Bajonette — geradezu zur Vorausſetzung
macht.
Beſonders bedenklich iſt die Stellung Herriots in der Frage
der Militärkontrolle, die ſchon in der Berufung Nollets zum
Kriegsminiſter zum Ausdruck kam. Man will offenbar die —
vertragswidtige — Fortſetzung der Militärkontrolle zur
Voraus=
ſetzung für die kommenden Verhandlungen machen. Auf der
anderen Seite aber beſteht die Gefahr, daß die Forderung der
Militärkontrolle in Deutſchland eine ſo allgemeine Erbitterung
hervorruft, daß dadurch der Fortgang der
Reparationsverhand=
lungen zum mindeſten überaus erſchwert, wenn nicht gar völlig
in Frage geſtellt wird. In der Tat iſt es für das deutſche Volk
einfach untragbar, wenn jetzt nach Jahren fürchterlichſter
Be=
drückung durch die Franzoſen franzöſiſche Offiziere in Uniform
in Deutſchland umherreiſen.
Herriot iſt nach England gereiſt, um mit dem
Miniſterpräſi=
denten Großbritanniens die Fühlung aufzunehmen, und es iſt
intereſſant, daß man in England der heutigen Begegnung mit
betontem Optimismus entgegenſieht. Die Hauptſache, ſo ſchreibt
die „Weſtminſter Gazette”, ſei nach wie vor die Einigung der
Allierten über die zukünftige Behandlung Deutſchlands. In
dieſer Beziehung aber ſeien die Ausſichten ſo hell, wie ſie zur
Zeit Poincarés ſchwarz geweſen ſeien. Es beſteht kein Zweifel,
daß die engliſch=franzöſiſchen Beziehungen ſich in den letzten
Wochen ganz weſentlich verbeſſert haben, und es wird gut ſein,
wenn wir wieder mit einer engliſch=franzöſiſchen Einheitsfront
uns gegenüber rechnen. So ſchreiben die „Times”: „Der neue
Faktor ſei jetzt eine ganz veränderte Lage Frankreichs.
Herriot habe ein Programm aufgeſtellt, das ſich in weſentlichen
tige Muſterſchau vorausſichtlich nicht wird abgehalten, werden Punkten von dem unterſcheide, was man zur Zeit Poinearés
unter der Politik Frankreichs verſtand. Was das Nuhrgebiet
be=
treffe, ſo heiße die Formel jetzt nicht länger: „Keine Näumung,
bevor Deutſchland zahle”, ſondern „Keine Räunung, bevor der
Sachverſtändigen=Bericht verwirklicht worden iſt”.
Der Völkerbundsrat in Genf hat in ſeiner Schlußſitzung
Entſchädigung der deutſchen Anſiedler und die polniſchen
Maß=
nahmen gegen diejenigen Deutſchen, über deren
Staatsangehö=
rigkeit zurzeit noch verhandelt wird. In der erſten Frage wurde
ſamtſumme von 2,7 Millionen Goldfranken entſchädigt, während
in der zweiten Frage Polen eine ganz unzweideutige Rüge
er=
hielt wegen ſeiner entgegen der feierlichen Verſicherung des
polniſchen Vertreters Kozminſki eingeleiteten Gewaltmaßnahmen.
Es iſt bekannt, daß im Völkerbundsrat der franzöſiſche Einfluß
überwiegt. Auch die Erledigung von Fragen zweiter Ordnung
kann in der Politik manchmal von ſymptomatiſcher Bedeutung
ſein.
In Rom hat die Ermordung des ſozialiſtiſchen Abgeordneten
Matteotti und die ungeheure Erregung, welche im Gefolge ganz
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 22. Juni 1924.
Nummer 172,
Italien von den Alpen bis Sizilien ergriff, ein grelles Licht
darauf geworfen, daß auch dort manches „faul im Staate
Däne=
mark”. Inwieweit die Stellung Muſſolinis durch dieſe
Ereig=
niſſe erſchüttert iſt, inwieweit ſie alſo möglicherweiſe
Rückwir=
kungen, auf die geſamte europäiſche Politik ausüben werden,
läßt ſich zurzeit allerdings noch nicht überſehen.
In Verlin arbeitet man mit Nachdruck an der Ausarbeitung
der Geſetzentwürfe, die eine Durchführung des Sachverſtändigen=
Gutachtens erfordert. Eindringlich hat der deutſche
Reichs=
außenminiſter nochmals am vergangenen Sonntag in
Karls=
ruhe die Auffaſſung der deutſchen Reichsregierung dargelegt..
Es wäre wahrlich zu wünſchen, daß man ſich auch auf Seiten
der Oppoſition in Zukunft ruhiger Ueberlegung zugänglicher
erwieſe als bisher. In wie ſtarkem Maße die parteipolitiſche
Zerriſſenheit Deutſchlands die Aktionsfäihgkeit hemmt, zeigt am
beſten die eine Tatſache, daß man in Bayern 2½ Monate
nach der Landtagswahl noch immer nicht in der Lage
war, eine Regierung zu bilden. Dificile est satiream non
seribere!
Daß unſere unſeligen parlamentariſchen Verhältniſſe zum
Teil auch in unſerem Wahlrecht begründet ſind, liegt auf der
Hand, und es iſt daher zu begrüßen, daß das Reichskabinett
dieſer Tage beſchloſſen hat, die Wahlreform=Novelle, über die
ſchon vor den Reichstagswahlen geſprochen wurde, nunmehr
bei den geſetzgebenden Körperſchaften einzubringen. Mit Recht
wendet man gegen das bisherige Syſtem ein, daß die großen
Wahlkreiſe und in Verbindung damit die langen
Vorſchlags=
liſten höchſt unerfreuliche Begleiterſcheinungen mit ſich bringen,
daß insbeſondere eine perſönliche Fühlungnahme zwiſchen
Abge=
ordneten und Wählerſchaft ſo gut wie ausgeſchloſſen iſt. Ueber
den Platz auf der Liſte entſcheidet nicht (ſo ſehr die perſönliche
Tüchtigkeit als lokale und Berufsrückſichten. Mehr und mehr
ſchwindet die Möglichkeit, geeigneten parlamentariſchen
Nach=
wuchs in den Reichstag zu bringen. Die Weimarer Verfaſſung
verlangt grundſätzlich ein unmittelbares Wahlrecht. Die
Liſten=
wahl in ihrer heutigen Geſtalt iſt geradezu ein indirektes
Wahl=
recht, und zwar ein ſchlechtes. Das Problem der Wahlreform
liegt darin, die Verhältniswahl ſo umzugeſtalten, daß die
Per=
ſönlichkeit bei den Wahlen wieder in den Vordergrund tritt.
Dies aber kann nur geſchehen durch Bildung kleinerer
Wahl=
kreiſe, die in ihrer Größe etwa den alten Reichstagswahlkreiſen
entſprechen würden. Es iſt zu hoffen, daß das deutſche Volk
und insbeſondere der deutſche Reichstag aus dem jammervollen
Elend der letzten Jahre genug gelernt hat, um den unbedingt
notwendigen Reformen keine Schwierigkeiten in den Weg zu
M.
legen.
DieOſtfahrt der deutſchen Journaliſten
Die Preſſetagung in Königsberg.
Königsberg, 21. Juni. Die Tagung des
Reichsver=
bandes der deutſchen Preſſe begann am Freitag mit einem
Begrüßungsabend in den Räumen des Blutgerichts im Schloß. Der
Vorſitzende des Königsberger Bezirksverbandes Dr. Rauchenplat
begrüßte die Erſchienenen, darunter die Vertreter der Regierung und
vieler Korporationen, den Oberpräſidenten Sihr, den
Oberbürger=
meiſter Dr. Lohmeyer u. a. Dr. Rauſchenplat wies auf die
nationalpolitiſche Bedeutung der Oſtfahrt der
deutſchen Journaliſten hin und auf die Aufgaben, die der
deutſchen Preſſe gegenüber der Provinz Oſtpreußen erwüchſen. Redner
ſchloß mit dem Dank an die Gäſte aus dem Reich und der Provinz.
Or. Zarres an den Reichsverband der deutſchen Preſſe.
Sturtgart, 21. Juni. Der an der hieſigen Tagung des Vereins
Deutſcher Zeitungsverleger teilnehmende Reichsminiſter Dr. Jar=
res hat an den in Königsberg tagenden
Reichsver=
band der deutſchen Preſſe folgendes Telegramm
gerichtet: „Leider verhindert, an Ihrer Tagung teilzunehmen,
ſende ich aus dem Schwabenlande den deutſchen Preſſevertretern in der
Oſtmark herzliche Grüße und wünſche Ihren Beratungen beſten Erfolg.”
Die Franzoſenherrſchaft in der Pfalz.
Landau, 21. Juni. Der Abgeordnete Bernzott und Gen.
(Baher. Volkspartei) hat im Baheriſchen Landtage folgende Anfragen
eingebracht: Im Bezirk Landau ſind in den Abendſtunden zahlreiche
Ueberfälle auf deutſche Einwohner vorgekommen, die
überfallen, niedergeſchlagem und beraubt wurden und dabei zum Teil
er=
hebliche Verletzungen davontrugen; ein deutſcher Gendarm wurde durch
einen Revolverſchuß ſchwer verwundet. Die Bevölkerung iſt durch die
Vorgänge ſehr beunruhigt, um ſo mehr als die am Abend die
Land=
ſtraßen paſſierenden Bewohner unbewaffnet ſich ihrer Angreifer nicht
er=
wehren können. Sind der Staatsregierung dieſe Vorgänge bekannt?
Iſt ſie bereit, den Beſatzungsmächten von den Vorfällen Kenntnis zu
geben und auf diplomatiſchem Wege raſcheſtens zu veranlaſſen,
daß der Bevölkerung genügend Schutz zuteil wird, damit ſolche
Vor=
kommniſſe durch entſprechende Maßnahmen verhindert werden?
Iſt der Staatsregierung bekannt, daß durch die Schaffung eines
großen Truppenübungsplatzes in der Südpfalz die
dor=
tigen Gemeinden häufig Einquartierungen zu ertragen haben und dieſe
Bewohner ſeit Jahr und Tag vom Reich nicht entſchädigt wurden? Iſt
die Staatsregierung bereit, raſcheſtens zu veranlaſſen, daß die in
Mit=
leidenſchaft gezogenen Bewohner baldigſt entſchädigt und für die
Zu=
kunft die Einquartierungslaſt vermindert werde?
Iſt der Staatsregierung bekannt, daß während der
ſeparatiſti=
ſſten Herrſchaft Pfälzer Geſchäftsleuten und anderen Bewohnern
ihr Eigentum weggenommen wurde und ſie heute noch ohne jede
Ent=
ſchädigung ſind? „Iſt die Staatsregierung gewillt, Schritte zu tun, daß
die vorliegenden Entſchädigungsverſuche baldigſt geprüft und die
Be=
troffenen entſchädigt werden?
Iſt die Staatsregierung bereit, über die Vorgänge bei der
Auf=
löſung der ſogenannten Pfalzdienſtſtelle in Heidelberg.
dem Landtag in öffentlicher Sitzung und, wenn Staatsintereſſen dagegen
ſprechen, in einer vertraulichen Sitzung der pfälziſchen Abgeordneten
und der Fraktionsführer Aufſchluß zu geben und in eine Beſprechung
der Lage der Pfalz einzutreten?
Vom Tage.
Botſchafter bon Hdeſch iſt geſtern abend zwecks Berichterſtattung
nach Berlin gereiſt.
Die Reichsindexziffer für die
Lebenshaltungs=
koſten Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung
beläuft ſich nach den Feſtſtellungen des Statiſtiſchen Reichsamts für den
18. Juni auf das 1,12=Billionenfache der Vorkriegszeit gegenüber der
Vorwoche von 1,13 Billionen; iſt demnach eine Abnahme von 0, 9
Prozent zu verzeichnen.
Bei der Wiesbadener Regierung iſt die Nachricht
eingegangen, daß das ſeinerzeit gegen die Einreiſe und
die Amtsübernahme eingelegte Veto gegen den
Regierungs=
präſidenten Dr. Häniſch von der Interalliierten Kommiſſion
zurück=
gezogen worden iſt.
Die Verhandlungen über die Danziger
Regie=
rungsbildung ſind geſcheitert.
Wie wir erfahren, ſchließt der Etat des Auswärtigen
Amts für 1924, der demnächſt dem Reichstag zugehen wird, mit
einem Zuſchuß von rund 11 Millionen Goldmark ab. Den Ausgaben
von rund 37 Millionen Mark ſtehen Einnahmen in Höhe von rund
26 Millionen Mark gegenüber. Neu im Etat iſt der Botſchafterpoſten
in der Türkei.
ſein privates und öfentliches Leben der letzten Jahre einzuſetzen.
Muſſolini hat die Verbreitung des Oeuvre in
Ita=
lien verboten, weil das Blatt beſonders ausführliche und
ent=
ſtellte Berichte über die Matteottiaffäre veröffentlicht hat.
Die franzöſiſch=ruſſiſchen Beziehungen.
Paris, 21. Juni. (Wolff.) Auf Veranlaſſung von
Miniſter=
präſident Herriot hat nach dem „Matin” geſtern im Quai d’Orſay
eine erſte Konferenz in der Frage der franzöſiſch=ruſſiſchen
Be=
ziehungen ſtattgefunden. Zu ihr waren die Vertreter der
fran=
zöſiſchen Intereſſenten eingeladen. Da die Konſultation
mög=
lichſt weitgehend ſein ſoll, ſind die Intereſſentengruppen
aufge=
fordert worden, beſondere Informationen zu liefern. Die noch
nicht berufenen Gruppen ſeien erſucht worden, ſich an das
Außenminiſterium zu wenden.
Breitſcheid in Paris.
Tagungderdeutſchen Zeitungsverleger
Reichsminiſter Dr. Jarres über das
Journaliſtengeſetz.
Stuttgart, 21. Juni. Offizieller Bericht von der Tagung des
Vereins Deutſcher Zeitungsverleger:
In Gegenwart des Reichsminiſters des Innern Dr. Jarres, des
Chefs der Preſſeabteilung der Reichsregierung Dr. Spiecker, des
Prä=
ſidenten, Thilo vom Reichspoſtminiſterium, mehrerer württembergiſcher
Miniſter und ſonſtiger Vertreter von Behörden begrüßte heute
vormit=
tag der Vorſitzende des Vereins Deutſcher Zeitungsverleger,
Kommer=
zienrat Dr. Krumbhaar=Liegnitz die 30. Hauptverſammlung des
Vereins, unterHinweis auf ihre Bedeutung als Jubeltagung und teilte
der Arbeiterſchaft der Badiſchen Anilin= und Sodafabrik hinter ſich zu
haben, erliten bei den Betriebsratwahlen in dieſer Fabrik eine
Nie=
derlage.
Der Hauptausſchuß des preußiſchen Landrags beendete
die Beratung des Haushalts der Bergverwaltung und nahm einen
An=
trag aller Parteien an, die Arbeiter und Angeſtellten des
Saarberg=
baus in Wahrung ihrer nationalen Geſinnung mit allen Kräften zu
un=
terſtützen und alle Opfer des franzöſiſchen Terrors im deutſchen Bergbau
unterzubringen und gegen alle Angehörigen des deutſchfeindlichen
Saar=
bunds, die ſich in preußiſchen Staatsdienſten befinden, diſziplinariſch
einzuſchreiten.
Das eſthniſche Parlament hat nun auch den zweiten, am
27. Juni 1923 in Reval abgeſchloſſenen Vertrag, der die mit dem
Weltkrieg zuſammenhängenden Fragen regeln ſoll ratifiziert.
Der erſte dieſer Verträge, das deutſch=eſthniſche Wirtſchaftsabkommen,
wurde bereits im Dezember 1923 angenommen. Deutſcherſeits ſtehen
die beiden Verträge auf der Tagesordnung der nächſten
Reichstags=
ſitzung.
Miniſterpräſident Herriot iſt geſterm nachmittag um 2 Uhr in
Calgis eingetroffen und um 2.25 auf dem Paſſagierdampfer
Invicta nach Dover weitergefahren.
Wie ein Wochenblatt berichtet, beabſichtigt der ehemalige Präſident
der Republik Millerand ſeine Kandidatur für einen der freien
Sitze in der Academie Francaiſe aufzuſtellen.
Miniſterpräſident Herriot hat am Freitag den Leiter, der
franzöſiſch=belgiſchen Eiſenbahnregie im beſetzten Gebiet,
dert wären. Der Vorſitzende ſchlug dann die Abſendung eines
Begrü=
ßungstelegramms an den Ehrenpräſidenten des Vereins, Dr. Robertz
Faber=Magdeburg vor, was mit großem Beifall beſchloſſen wurde,
Dr. Krumbhaar ging dann im einzelnen auf die außerordentliche
Ent=
wicklung des vergangenen Geſchäftsjahres ein und ſtellte mit Genugs
tuung feſt, daß der Verein zurzeit nicht mehr gezwungen iſt, ſeine ganzé
Tätigkeit und Arbeitskraft auf die Bewältigung wirtſchaftlicher und
ma=
terieller Fragen einzuſtellen, ſondern ſich wieder in weit höherem Maßs
als bisher den großen geiſtigen und ethiſchen Belangen des
Zeitungs=
weſens zuwenden kann. Redner berührte dann auch noch dis Frags
des Journaliſtengeſetzes.
Reichsminiſter „Jarres ging dann, nachdem er namens der
Reichsregierung für die Einladung gedankt hatte, auf diefe Frage näher
ein und führte aus, es beſtehe ein gewiſſer Gegenſatz der
Auffaſſung zwiſchen den Verlegern und der
Re=
gierung. Daß das ganze Preſſegeſetz neu geregelt
werden müſſe, unterliege keinem Zweifel, wohl aber beſtänden
Mei=
nungsverſchiedenheiten über die Neuregelung der Rechtsverhältniſſe der
Schriftleiter. Faſt ſämtliche Parteien des Reichstags ſtänden auf dem
Standpunkt, daß dieſe Frage einer geſetzlichen Regelung bedürfe und
ein entſprechender Parteiantrag liege bereits vor. Der vor einiger
Zeit herausgegebene Referentenentwurf wolle den Gegenſtand lediglich
in die Diskuſſion werfen, er habe aber das Reichskabinett noch nicht
beſchäftigt. Die Reichsregierung werde das Ergebnis der heutigen
Beratungen abwarten, um dann mit den Spitzenorganiſationen beider
Seiten in Verbindung zu treten, denn nur ſo könne der Weg gefunden
werden zur Aufrechterhaltung einer Preſſe, wie wir ſie bisher
gehabt=
hätten, die ſich eines Hochſtandes erfreue, um den die ausländiſche
Die Times meldet aus Paris, die de jure=Anerkennung
der Sowjetregierung durch die franzöſtſche
Regie=
rung werde vermutlich Ende Juni bekanntgegeben.
Der Präſident der Republik Frankreich, Doumergue hat
ſei=
nen Vorgänger Millerand empfangen. Dieſer erwiderte ihm den
Beſuch, den Doumergue am Tage ſeiner Wahl durch die
Nationalver=
ſammlung dem ehemaligen Präſidenten gemacht hatte.
Der frühere italieniſche Unterſtaatsſekretär Finei hat den
Kam=
merpräſidenten gebeten, einen Unterſuchungsausſchuß über
ſtengeſetz ſolle gefunden werden. Gewiß müſſe der Verleger einen
bedeutenden und in vielen Punkten endgültigen Einfluß auf die Zeitung
behalten; andererſeits aber müſſe nicht nur das Arbeitsrechtsverhältnis
des Schriftleiters, ſondern auch ſein berufliches. Anſehen ſo gehoben
werden, daß wirklich ein kraft= und wertvoller Schriftleiterkranz dem
Verleger zur Seite ſtehe. Wir werden in objektiver Würdigung der
bei=
derſeitigen Belange dasjenige vorſchlagen, was wir im Intereſſe der
deutſchen Preſſe, der Verleger und der Schriftleiter für notwendig
hal=
ten. Der Miniſter gedachte dann, ebenſo wie ſchon vorher der
Vor=
ſitzende des Vereins Deutſcher Zeitungsverleger, der aufopferungsvollen
Hingabe der Verleger im beſetzten Gebiet an das Vaterland und
teilte mit, daß bisher 40 Verleger zwangsweiſe die Heimat verlaſſen
mußten, und daß über 500 Zeitungen im beſetzten Gebiet durch
Gewalt=
akte unterdrückt worden ſeien.
„Regierung und Preſſe.”
Die Morning Poſt meldet, in Kapſtadt werde erwarter, daß
General Smuts am Sonntag ſeinen Rücktritt einreichen werde.
Nach einem Telegramm aus Mexiko hat der engliſche
Ge=
ſchäftsträger Cummins die Stadt verlaſſen. Die
britiſche Fahne wurde auf dem Legationsgebäude
einge=
zogen.
Zwei Mitglieder der Mount Evereſt=Expedition
haben bei dem letzten Verſuch, den noch nie erreichten Gipfel des
Ber=
ges zu erreichen, ihr Leben eingebüßt.
Nach der Rede des Reichsminiſter Dr. Jarres ergriff Profeſſor Dr.
Julius Ferd. Wolf=Dresden, zweiter ſtellvertretender Vorſitzender
des Vereins Deutſcher Zeitungsverleger, das Wort zu einem
umfaſſen=
den und großzügig angelegten Vortrag über das Thema
Regie=
rung und Preſſe‟ Er ſchilderte an Hand der Geſchichte des
Zei=
tungsweſens und der Preſſegeſetzgebung in den Kulturländern, wie es
immer zum Unheil für Volk und Staat ausgeſchlagen iſt, wenn die
Geſetzgeber verſucht haben, die Preſſefreiheit durch theoretiſche, direkte
oder indirekte Einflüſſe zu beſchränken. Seit dem Wormſer Edikt gegen
Paris 21. Juni. Breitſcheid hat ſich einem Vertreter des Deuvre
gegenüber über den Zweck ſeines Aufenthaltes in Paris geäußert. Er
ſagte, er halte ſich hier weder in offizieller noch in offiziöſer Weiſe auf
und ſei lediglich nach Pavis gekommen, um ſich mit Herriot, den er vor
2 Jahren bennen gelernt habe, rein perſönlich über die internationale
Lage zu unterhalten. Breitſcheid fügt hinzu: Ich glaube, daß der
Reichstag den Sachverſtändigenbericht annehmen wird. An der
Regie=
rungserklärung hebt Breitſcheid die Stelle hervor, die ſich auf die
Räu=
mung des Ruhrgebietes bezieht. Nach ſeiner Auffaſſung ſeien keine
Pfänder und Garantien im Sachverſtändigenbericht, und wenn Pfänder
ergriffen werden ſollten, ſo ſei das ein Grund zu neuen
Schwierig=
keiten und neuen Auseinanderſetzungen. Breitſcheid ſpricht ſich dann
gegen die Wiederaufnahme der Militärkontrolle aus, die die
öffent=
liche Meinung in Deutſchland ſehr demütige. Die deutſche Regierung
habe hinſichtlich der Note betreffend die Militärkontrolle in Deutſchland
noch keinerlei Beſchluß gefaßt, doch ſei Breitſcheid ſicher, daß ſie alles tun
werde, um zu verhüten, daß die Frage der Kontrolle die
Verſtändigungs=
möglichkeiten beeinträchtigen könne. Zum Schluß ſagte Breitſcheid: Ich
glaube, daß die beſte Sicherheit für Frankreich ſich aus einer Politik
der Verſöhnlichkeit zwiſchen beiden Ländern ergeben wird.
zuſammenhängende Urteilsweiſe des engliſchen Volkes in ſeinen
tieſ=
gründigen Ausführungen auf
Der Vortrag des Prof. Wolf löſte einen in der Geſchichte der
Haupl=
verſammlungen des Vereins Deutſcher Zeitungsverleger bisher faſt
kaum gekannten Beifall aus. Es wurde beſchloſſen, den Vortrag durch
Druck der breiteſten Oeffentlichkeit bekannt zugeben.
Im Anſchluß an dieſen Vortrag wurde in die Beratung des
ge=
ſchäftlichen Teils der Hauptverſammlung eingetreten, wobei
insbe=
ſondere die Frage des Journaliſtengeſetzes behandelt wurde.
Nachmit=
tags beginnen die Beratungen der Delegiertenverſammlung.
Im weiteren Verlauf der Tagung nahm Dr. Simon=Frankfurt
a. M. Vorſitzender des Arbeitgeberverbands für das ganze
Zeitungs=
gewerbe, in ausführlicher Rede Stellung zur Frage des
Journaliſten=
geſetzes. Er ſchilderte die Schwierigkeit und teilweiſe Unmöglichkeit die
Begriffe öffentliches Intereſſe, Preſſe, Redakteur und Verleger
eindeu=
tig und erſchöpfend zu verhandeln. Beſonders ſcheine es unmöglich, die
allerperſönlichſten Beziehungen von Verleger und Redakteur, die nur
uf gegenſeitigem, keinem Geſetz unterworfenen Vertrauen beruhen
ge=
ſetzlich zu erfaſſen. Nötig und wünſchenswert aber ſei es, zur
Siche=
rung der Redakteure bei Arbeitsunfähigkeit und Alter und für den Fall
des Todes für ihre Hinterbliebenen, den zu ihrem Beruf nötigen
Ideg=
lismus von außen her zu ſchützen und zu fördern.
Dr. Carpe=Berlin hob beſonders drei Geſichtspunkte hervor.
E=
wies auf die Gehaltregulierung hin, die nach ſeiner Meinung ſeit Ende
der Inflation in einem für die Journaliſten durchaus günſtigen Sinn
gelöſt worden ſei. Ferner ſtellte er die Beziehungen zwiſchen Verleger
und Redakteur als ganz individuell und auf geiſtigen und Charakter=
grundlagen beſtehend hin, und hob weiter beſonders die Reinheit der
deutſchen Preſſe hervor. Er bekannte ſich als Gegner des Journaliſten=
geſetzes und rief der Regierung zu: „Hände weg vom Journaliſten=
geſetz!
Reichsminiſter Dr. Jarres nahm nochmals zu längeren
Ausfüh=
rungen das Wort, um den Standpunkt der Regierung darzulegen, die
einen Ausgleich zwiſchen den einander entgegenſtehenden Anſchauungen
erſtrebe. Ihm erwiderten noch Dr. Jänicke=Hannover und Prof,
Wolf=Dresden, der in ſeinem Schlußwort nochmals entſchieden die
Aufaſſung der deutſchen Verleger betonte. Damit war die Frage des
Journaliſtengeſetzes erledigt und die Verſammlung wandte ſich den
üb=
rigen Arbeitgeberfragen zu. Die ausſcheidenden Mitglieder des Vereins
wurden durch Zuruf einſtimmig wiedergewählt. Ebenſo wurden die
vor=
geſchlagenen Satzungsänderungen angenommen.
*Konzert.
F.N. Der vierte Beethoven=Abend des Drumm=
Quar=
tetts hatte wieder zahlreiche Muſikverſtändige in das Kleine
Haus des Landestheaters gelockt. Auch heute gab eine
Gegen=
überſtellung von Frühwerk (Op. 18 Nr. 6), reifer Kunſt (Op. 59
Nr. 1) und ſpäter, weit in die Gefilde der Romantik reichender
Kompoſition Gelegenheit, die ungeheure Entwickelung zu
be=
ſtaunen, die ſich hier im Lebenswerk eines einzigartigen Genies
und unermüdlichen Geiſteskämpfers kund tut. Die vorzüglichen
Künſtler, die Herren Drumm, Scheidhauer, Sprenger und
Andreae, waren vom erſten Ton ab mitten im Darſtellen, trotz
der großen Aufgaben, die beſonders die Rieſenformen der beiden
letzten Quartette an Weite des Aufbaus und Tiefe des Erfaſſens
ſtellen. Kaum irgendwo machte ſich eine kleine Ermüdung geltend
dadurch, daß einmal ein Zuſammenklang nicht völlig rein, ein
Rhythmus nicht ganz klar in Erſcheinung trat. Froh, heiter,
oft mit dem Eſprit Haydns, trugen ſie das Quartett aus Op. 18
vor. Vergleicht man ſeine Art der Themenausnutzung mit der
in den beiden anderen Werken, ſo iſt hier noch alles durch rein
muſikaliſche Rückſichten der Klangſchönheit, logiſchen Folge des
Formaufbaus bedingt, während in Op. 59 der Wille, die
Geiſtig=
keit die Durchführungen entſtehen läßt. Nun ſind es innere
Vorgänge, die der Rückſicht auf äußere Vollendung das
Gleich=
gewicht halten und den eigentlichen Antrieb zum Schaffen
bil=
den. Und in voller Stärke ſiegt dies Innenleben in den
Spät=
werken des Tauben. Die Dankſagung eines Geneſenen an die
Eottheit gehört zu dem Subjektivſten, was es in der Tonkunſt
gibt, und ihre hehre Herbheit kam durch den Vortrag der
Künſt=
ler ganz beſonders zur Geltung. Drumm iſt ſeit dem Winter
des Beethoven=Jubiläums noch ſtrenger, größer im Ton und
rücktſichtsloſer in der Freiheit der Auffaſſung geworden. Für
Beethoven iſt das von beſonderem Wert. Der begeiſterte Beifall
war darum im vollſten Maße berechtigt.
* Ooſtoſewski über Oeutſchland.
Von Dr. Fritz Gerathewohl.
Wenn je eines Dichters Werk aus Sinn und Sehnſucht
ſeines Volkes heraus entſtand, ſo war es das Werk Doſtejewskis.
Was durch ihn Geſtaltung fand, war die ruſſiſche Seele in ihren
Tiefen und Höhen, ihrer Kraft und Schwäche, ihrem Glauben
und Unglauben. Wohl erkannte der ſcharfſinnige Politiker in
Doſtejewski ſchon in den ſiebziger Jahren, daß ſein Volk an
einem Endpunkt ſtand, und „über dem Abgrund ſchwankte‟ —
wie Mereſchowski in der Einleitung zu des Dichters politiſchen
Schriften ſagt, einem Bande der vortrefflichen Doſtojewski=
Aus=
gabe des Verlages R. Piper u. Co. München — aber er war
überzeugt, daß Rußland die Kriſe überwinden, auf ſich ſelbſt
be=
harren und ſeiner Beſtimmung treu bleiben werde. Das
ruſſi=
ſche Bauerntum, verbunden mit ruſſiſchem Chriſtentum, ſchien
ihm unerſchöpflich an Kraft, imſtande, aus ſich ſelbſt heraus eine
neue Welt zu gebären. Doſtojewski war in ſeinen reifen Jahren
Nationaliſt von unerſchöpflicher Begeiſterung für ſeines Volkes
Miſſion. „Jedes große Volk”, ſo ſagt er im Tagebuch eines
Schriftſtellers, „glaubt und muß glauben, daß in ihm und nur
in ihm allein die Rettung der Welt liegt, daß es bloß lebt, um
an die Spitze aller Völker zu treten und ſie zu dem letzten Ziele,
das ihnen allen vorbeſtimmt iſt, zu führen Der große
Eigen=
dünkel, der Glaube, daß man das letzte Wort der Welt ſagen
will und kann, iſt das Unterpfand des höchſten Lebens einer
Nation”
Dieſen Glauben nahm er für ſich und ſein Volk in Anſpruch
und er beſtimmte ihn, gegen alle anzukämpfen, die nach ſeiner
Anſicht das ruſſiſche Volk von der Verwirklichung ſeiner Idee
abbringen wollten. Dieſen Glauben aber fühlte er auch in
einem anderen Volke lebendig, dem deutſchen.
Im Mai des Jahres 1877 veröffentlichte Doſtojewski einen
Aufſatz über „Die deutſche Weltfrage‟. Scharf trennte er darin
Deutſchlands Aufgabe von der des Weſtens; zu proteſtieren
gegen romaniſche Kultur iſt Deutſchlands Beſtimmung ſeit zwei
Jahrtauſenden. Darin ſieht er den charakteriſtiſchen Zug dieſes
„großen, ſtolzen und beſonderen Volkes”, daß es ſich niemals
mit der äußerſten weſtlichen und europäiſchen Welt hat
vereini=
gen wollen. Es ſuchte von jeher ſeine eigenen Wege zu gehen,
wenn es auch — nicht ausſprach. Der Glaube daran, daß es
einſtens imſtande ſein werde, dieſes „Wort” zu ſagen und damſt
die Menſchheit zu führen, war nach des Ruſſen Meinung im
Deutſchen immer lebendig.
Das „deutſche Wort” wäre unſer „ſcharf formuliertes, eige
nes Ideal”, der „poſitive Erſatz für die vom Deutſchen zerſtörte
altrömiſche Idee‟.
Aus der Beſtimmung des deutſchen heraus, gegen die weſt
liche Kultur zu proteſtieren, glaubt Doſtojewskii auch die Eine
gung der deutſchen Stämme verſtehen zu können: mit der
franzo=
ſiſchen Revolution ſucht die weſtliche Welt ſich in eine „nene
Wahrheit umzugebären”, gegen die der germaniſche Geiſt nichts
zu ſagen vermochte. Dieſer ahnte die Gefahr, die ihm drohte,
ahnte, daß er „keinen Körper und keine Form für ſeinen
Aus=
druck” hatte. Das Schickſal war ihm günſtig: er fand den ihm
notwendigen feſten Organismus, der es ihm möglich machle
im Kampf mit Eiſen und Blut ſich in der Welt zu behauptel
Wird aber dieſer Organismus von ewiger Dauer ſein, o
fragt ſich Doſtojewski, wird er nicht wieder an ſich ſelbſt zer
fallen? Die große Maſſe der Deutſchen iſt leichtſinnig genug
ſich darüber keine Gedanken zu machen; aber ein kleiner
Krel=
einſichtiger Politiker begann ſehr bald nach Beendigung de
deutſch=franzöſiſchen Krieges darüber nachzuſinnen. An ihre
Spitze glaubt der Dichter Bismarck zu erkennen. Er, der „Geniak
Mißtrauiſche” weiß wohl, daß die römiſche Gefahr noch nich
gebannt iſt, er ſieht Deutſchlands Aufgabe noch nicht vollende.
ſein Wort noch nicht geſprochen. Frankreich iſt augenblicklig
eſchlagen, jetzt gilt es für ihn, die weſtliche Idee an ihrer
Qucl=
zu erfaſſen, in Rom. Das Papſttum will Bismarck beherrſchen
darum ſein Bündnis mit Italien, darum auch ſeine katholikelg
feindliche Politik in Deutſchland.
Seite 3.
Rummer 172.
* Der Anſchlag auf den
Abgeordneten Matteotti.
Von unſerem Korreſpondenten.
Dr. Z. Rom, den 19. Juni 1924.
Heute, wo die Lage ſich einigermaßen aufzuklären beginnt,
gan man eine genauere Chronik der Vorfälle geben, als die
er=
en eiligen Notizen.
Am Dienstag, den 10. d. M. wurde der ſozialiſtiſche
Abge=
hionete Matteotti von fünf Unbekannten in der Gegend des
ibers angegriffen, als er ſich von ſeiner Wohnung ins
Parla=
nnt begeben wollte.
Er beabſichtigte, dort eine Oppoſitionsrede zu halten gegen
ſie Regierung, worin ſchwerwiegende Enthüllungen über einige
Tochſtehende Perſönlichkeiten der faſziſtiſchen Politik gemacht
wer=
er ſollten. Der Abg. Matteotti, von der Zahl ſeiner Angreifer
berwältigt, konnte nicht verhindern, daß dieſe ihn in ein
bereit=
ſehendes Automobil riſſen und entführten. Am darauffolgenden
age rief zwar die Nachricht, daß Matteotti nicht nach Hauſe
nückgekommen war, Ueberraſchung hervor, aber noch keine
be=
undere Beſtürzung, um ſo weniger, als von ſeiten der Polizei
ſiernand Verdacht ſchöpfte und daran dachte, nach dem
Vermiß=
n zu ſuchen. Als die erſten Nachrichten, daß Matteotti
ver=
hwunden ſei, in der Oeffentlichkeit bekannt wurden, ſetzte ſich die
reſſe in fieberhafte Bewegung, um Licht in die Angelegenheit
bringen, die ſich mehr und mehr als entſetzliches Verbrechen
uſchleierte.
Eine ſtürmiſche Sitzung der Kammer ſpitzte die ganze
poli=
che Situation vollends zu, ſo daß jeder Gefahr Tür und Tor
bffnet wurde. Aber am darauffolgenden Tage gelang es dem
niſterpräſidenten, die Aufregung zu dämpfen, mit der
Zuſiche=
ing, daß die Schuldigen rückſichtslos der verdienten Strafe
zu=
führt werden ſollten, und die Kammer vertagte ſich auf
unbe=
imte Zeit.
Inzwiſchen ſchritten die Nachforſchungen der Polizei fort
er dem Druck der geſamten Preſſe, ja der geſamten
Bevöl=
ng. Von einer gemeinſamen Empörung gefaßt, wirkte alles
ammen, und ſo gelang es ſehr ſchnell, zunächſt einmal das
uto feſtzuſtellen, mit Hilfe deſſen die Entführung ausgeführt
orden war und den Weg, den es zurückgelegt hatte, ſowie die
Fſonen, die das Verbrechen tatſächlich ausgeführt hatten.
Je=
dch gelang es bis heute noch nicht, die Leiche des Ermordeten
finden, über deſſen Schickſal die ſchrecklichſten Vermutungen
n Umlauf ſind. Es wurde darauf eine Reihe von Perſonen
ihaftet, die alle beſchuldigt wurden, an der Ausführung des
erbrechens mittelbar oder unmittelbar beteiligt zu ſein und die
uun Teil, wie Dumini, Putato, Mazzuoli, Volpi und Viola, der
olizei längſt bekannt waren, als zum Bodenſatz der faſziſtiſchen
artei gehörig.
So wurde die öffentliche Meinung von dem fürchterlichen
Iſpdruck befreit, den das Unerhörte des Verbrechens auf ſie
aus=
zubt hatte, denn man begriff, daß die Verhafteten Menſchen
taren, die eigentlich ſchon außerhalb der Geſetze ſtanden. Was
ſooch ſofort klar wurde, war, daß hinter den Kuliſſen Leute
ſinden, die im öffentlichen Leben ſehr bekannt waren und viel
enannt wurden, und unter dieſen in erſter Linie Finzi der
irerſtaatsſekretär im Miniſterium des Innern, und Roſſi,
er Preſſechef der Reichskanzlei, ſowie Filipelli, der
Direk=
u der Zeitung „Il Corriere Italiano”
Der Miniſterpräſident gab eine Probe großer
Entſchloſſen=
li, als er am Samstag Finzi und Roſſi aufforderte, ihre Ent=
Uſſuingen einzureichen. Am gleichen Tage trat Filipelli von
ſei=
z! Stellung zurück. So klärte ſich die Situation bis zu einem
wiſſen Grade wieder auf.
Die Perſönlichkeit Matteotti.
Giaomo Matteotti war in den letzten Zeiten im politiſchen Leben
einer beſonders hervortretenden Geſtalt geworden. Er war
ſchließ=
nicht mehr nur Sekrteär ſeiner Partei, ſondern ihr eigentlicher
eiseler und Organiſator. Kein Angehöriger irgend einer Partei war
roie er befähigt und berufen, das Für und Wider des politiſchen
minpfes auf der Grundlage von Dokumenten zu führen, die
Miß=
tänche und Gewalttätigkeiten, die in der gegenwärtigen Situation
wirr Gipfel erreichten, mit Tatſachen und untrüglichen Unterlagen zu
Heeichten.
Matteotti war Parteimann und überaus zäher Kämpfer; ſeine
ſeien und Schriften beweiſen, von welch heißem Verlangen nach
Wahr=
tit er bei all ſeinen Handlungen beſeelt war und der Bericht, den er
ie die Bilanz des Jahres 1922—1923 der Kammer vorlegte, iſt das
tdrutendſte Dokument aus jener Zeit der Anſtrengungen aller
Par=
ter zum finanziellen Wiederaufbau des Landes.
Matteotti gehörte zum rechten Flügel ſeiner Partei und war keines=
/s der extreme Radikale und der rabiate Umſtürzler, den ſeine
faſzi=
ſſceren Gegner und ihre Mitläufer aus ihm machen wollten, um ihn
iſtr wirkſamer angreifen zu können. Er war durch und durch
Real=
tlEiker und ſeine Natur drängte ihn, der Regierung nicht in
un=
fustbarer Polemik entgegenzutreten, ſondern ihr konkrete Vorſchläge
ehegenzuſtellen, Maßnahmen anzuzeigen und vorzuſchlagen, und all
ts, ohne je dabei die Möglichkeit ihrer Verwirklichung aus dem Auge
zlaſſen. Keiner war weiter von vagen Ideen und leerem Gerede
ent=
fuc wie er. Er war ganz von unſtillbarem Durſt nach klarer
Prä=
zierung und Verwirklichung durchdrungen.
Mutig bis zur Unerſchrockenheit trotzte er und verachtete die Dro=
Engen und Ränke, die ſich in der letzten Zeit gegen ihn erhoben
Iten.
Seit einem Jahr war er mit der Zuſtimmung der älteſten und
an=
eHenſten Angehörigen ſeiner Partei das, was man im Engliſchen
ep” nennt, d. h. ihr „Einpeitſcher” und eigentlicher Organiſator,
E iſt es, dem man die jüngſte Einſtellung zu verdanken hät, die, ohne
f die ſozialiſtiſchen Ideale zu verzichten und auch ohne von vornherein
* Möglichkeit eines Zuſammenſchluſſes des Proletariats (jedoch unter
2isſchluß aller kommuniſtiſchen Elemente) zurückzuweiſen, unter
Be=
tarng der Notwendigkeit des demokratiſchen Prinzips der „
Confede=
zione del Lavoro” (Arbeiterbund) autonome Rechte zugeſtand und
t endgültige Beſchlüſſe faßte und prinzipielle Entſcheidungen traf, um
uter Reſpektierung aller Rechte und Freiheiten und unter Kultivierung
Inwieweit Doſtojewski in Bismarck die wahren Gründe
ih. bleibe dahingeſtellt. Recht gab ihm die Geſchichte darin, daß
den deutſchen Kampf gegen den Weſten in ſeinen Jahren noch
ichtfür beendet anſah. Ob er auch Recht behält, wenn er meinte,
eutſchland werde auf ewig mit der weſtlichen Welt, in Konflikt
ſhen, in dieſem Kampf aber nicht Untergang finden, ſondern
in Ende ſein Ideal verwirklichen? oder ob er ſich hierin täuſchte
in Ende ſein Ideal verwirklichen? Oder ob er ſich hierin täuſchte
Goethe auf dem Schlachtfeld von Jena
im Jahre 1807.
Ein, ſächſiſcher Landprediger in der nächſten Nähe von
ena, der die Kriegszeit von 1806 bis 1815 miterlebt hat,
reibt von ſeinen Erlebniſſen in dieſen Kriegsjahren: „Im
Fühling des Jahres 1807 wollte ich das Schlachtfeld beſehen
ud ſtieg den hohen, ſteilen Apoldger Berg hinauf, auf deſſen
ſipfel, dem ſog. Windknollen, man Napoleon zu Ehren oder
telrnehr zur Aufnahme der vielen Beſucher einen kleinen
Tem=
t! erbaut hatte. Als ich in denſelben trat, fand ich darin den
ſeheimrat von Goethe, dem bekannt zu ſein ich die Ehre
utte. Er kam mir mit ſeiner gewöhnlichen Freundſchaft
ent=
tgen, und da er eben im Begriffe war, einigen Damen in ſeiner
Zegleitung den Verluſt der Schlacht zu erklären, ſo vernahm ich
ſlgendes: „Als die Franzoſen bemerkten, daß der Windknollen
uht beſetzt war, wagten es 20 Mann, hinaufzuſchleichen, um zu
ſyeni, ob ſie dort Fuß faſſen könnten. Kaum hatten die
preu=
iſcen Huſaren in dem gegenüberliegenden Dörfchen Iſſerſtadt
bemerkt, als ſie auch ihren Rittmeiſter um die Erlaubnis
lten, dieſe Wagehälſe den Berg hinunterzuſtürzen. Er wagte
ger nicht, dieſe Erlaubnis aus eigener Machtvollkommenheit zu
tben, ſondern ſchickte nach Kapellendorf an den Feldmarſchall
ſingen, dieſer aber an den
Ober=
ſüt ſten von Hohenlo‟
raunſchweig in Haſſenhauſen, und
ᛋdherrn, den Herzag
Zzblatt, Senntag, den 22. Junf 1324.
vater
(hen Gefühle den Einheitsſozialismus in den Rahmen
der Nation e lzuordnen
Matteotti hatte gerade eine neue bedeutende Rede über die Finanzen
des Landes in Vorbereitung, von der er einigen Freunden die großen
Richtlinien mitgteilt hatte, und es iſt leicht möglich, ja ſogar
wahrſchein=
lich, daß, obgleich ihm nichts ferner lag, als die Herbeiführung von
Skan=
dalen, er die Abſicht hatte, neuerdings vollzogene, finanziell bedeutende
Regierungsakte zu beleuchten, der Grund für die Gerüchte im
faſziſti=
ſchen Lager über bevorſtehende ſchwere Anklagen war.
Er war Gegner des Faſzismus im Rahmen der Geſetze, von hoher
Idealität erfüllt, wie ſelbſt der faſziſtiſche Abgeordnete Delcroix (der im
Krieg das Augenlicht und beide Hände verloren hat) zugeſtand, aber
niemals war er Feind ſeines Vaterlandes, und während er die Regierung
bekämpfte, war weder in ſeinen Schriften noch in ſeinen Reden, weder in
der Heimat noch im Ausland, jemals auch nur ein Wort, das geeignet
geweſen wäre, ſeinem Vaterland zu ſchaden.
Sein vornehmſtes Beſtreben war immer die feſte Grundlage ſtabiler
Finanzen, die Italien unter den größten Opfern in der Vergangenheit
errungen hatte und die ihm mit Vertrauen in die Zukunft des Landes
erfüllten.
Regierungsmaßnahmen.
Kaum hatte der Miniſterpräſident die Fäden des
Geheim=
niſſes in der Hand, als er mit der Entſchloſſenkeit zur Tat ſchritt,
die man immer an ihm bewundert hatte, ohne daß er dabei
irgendwelchen Gefühlen Einfluß auf ſeine Entſchlüſſe geſtattete.
Finzi wird in ſeinem Haus bewacht, da im Volk Gerüchte
ver=
breitet ſind über ſeine politiſche Tätigkeit, nach denen er
Inter=
eſſe gehabt hätte an der Beſeitigung Matteottis. Er wollte ſich
zum Beweis ſeiner Unſchuld einem Ehrenausſchuß der
faſziſti=
ſchen Kamermehrheit ſtellen, was von dieſer jedoch abgelehnt
wurde. Filipelli, der geflohen war, wurde im Motorboot, als
er eben nach Frankreich wollte, im Golf von Genua verhaftet,
während der Rechtsanwalt Naldi, früher Direktor der Zeitung
„Il Tempo”, der Filipellis Flucht begünſtigt hatte, in Rom
ver=
haftet wurde.
Roſſi, ebenfalls geflohen, wird verfolgt und man iſt ihm
auf der Spur. Volpi wurde auf dem Comerſee verhaftet, als
er eben in die Schweiz wollte. Der Generaldirektor der
Poli=
zei, De Bono, wurde entlaſſen und durch den Präfekten
Man=
cada erſetzt. Auch der Präfekt der Provinz Rom wurde ſeines
Amtes enthoben.
Geſtern abend hat der verſammelte Miniſterrat das
Mini=
ſterium des Innern an den bisherigen Kolonialminiſter
Feder=
zoni übertragen, während Muſſolini interimiſtiſch das
Kolonial=
miniſterium übernimmt.
Der Abgeordnete Federzoni iſt hochgeachtetes Mitglied der
Rechten, alter Nationalſozialiſt und bekannt wegen der
Redlich=
keit ſeiner Geſinnung. Er bietet wohl die beſte Garantie, daß
das Miniſterium des Innern geſäubert wird.
Mit der Uebergabe der Unterſuchung an die Gerichtsgewalt,
die ſie mit allen Mitteln betreibt, und mit den obengenannten
Maßnahmen auf politiſchem und adminiſtrativem Gebiet hat die
Regierung ihre Pflicht getan und den erſten Moment der Panik
und Beſtürzung, in die ſie ſelbſt verfallen ſchien, glücklich
über=
wunden.
Alle Verſuche, die öffentliche Ordnung zu ſtören, ſind an der
Haltung des Landes geſcheitert, das ſich über alle
Parteiunter=
ſchiede hinweg eins erklärt hat mit ſeinem Miniſterpräſidenten.
Das Volk iſt überzeugt, daß die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen
wird, und daß die Leiche Matteottis, von dem ja nun wohl als
ſicher angenommen werden muß, daß er auf barbariſche Weiſe
ermordet worden iſt, aufgefunden wird.
Die Ruhe iſt völlig wiederhergeſtellt und die ganze Nation
folgt mit Anteilnahme dem Werk Muſſolinis, der beſtrebt iſt, die
oberen Reihen ſeiner Anhänger unweigerlich zu reinigen durch
Neuordnung der Regierung und der faſziſtiſchen Partei, die von
einigen Gewiſſenloſen ſo ſchwer verraten wurde,
Das Geſtändnis Duminis.
TU. Rom, 21. Juni. Der Hauptſchuldige bei der
Ermor=
dung Mateottis, Dumini, hat geſtern ein volles Geſtändnis
ab=
gelegt. Er ſagte aus, daß die Mordtat auf Veranlaſſung des
Preſſechefs im Miniſterium des Innern, Roſſi, des Direktors des
Corriere d’Italiano”, Filipelli, und des zuletzt verhafteten
Marinelli vollbracht worden ſei. Mateotti ſei ſogleich tot geweſen.
Sein Leichnam ſei hinter eine Hecke geworfen und ſpäter
ver=
brannt worden.
Die Erregung in Italien dauert an.
EU. Rom, 21. Juni. Mateottis Leiche iſt unauffindbar.
Bei der Polizei laufen faſt täglich anonyme Anzeigen ein, von
denen man nicht weiß, ob ſie dazu dienen ſollen, Licht oder
Ver=
dunkelung zu ſchaffen. Ein neuer Zeuge ſoll behauptet haben,
daß die Leiche in der Nähe des Ufers des Vicoſees verſcharrt
geweſen ſei, aber, als das Verbrechen ans Tageslicht kam, von
Bekannten anderswohin gebracht wurde.
Ein Zeichen des Eingreifens des neuen Miniſters des
Innern iſt ein ſtrenger Befehl an alle Polizeidirektoren, mit
allen Mitteln, die ihnen zu Gebote ſtehen, gegen die in den
letz=
ten Tagen einſetzende Sabotage der Oppoſitionspreſſe durch die
Faſziſten der Provinz anzugehen. In Bologna, Florenz, Turin
und anderen Städten ſuchten die Faſziſten bei der Ankunft die
Züge auf, riſſen die Opoſitionszeitungen aus den Wagen und
zerſtreuten ſie. In Neapel kam es zu ſchweren Zuſammenſtößen
zwiſchen der Bevölkerung und den Faſziſten.
Zwei Japaner ermzordet.
San Pedro (Kalifornien), 21. Juni. (Wolff.) Auf den
Schießplätzen bei Port Arthur wurden die von Kugeln
durchbohrten Leichen zweier Japaner gefunden.
es kam ein Verbot zurück. Aus den 20 Franzoſen waren
inzwi=
ſchen 200 geworden. Neue Anfrage, neue Sendungen, neues
Verbot. Nun hatten ſich die 200 Mann zu einem ſtarken
Regi=
ment vermehrt. Die Preußen brannten vor Begierde, ſie
an=
zugreifen, der Fürſt erhielt aber zur Antwort ein noch ſtrengeres
Verbot bei Verluſt ſeines Kopfes; denn es ſollten die Feinde
durchaus nicht bei Jena gereizt werden, um ſie nach
Haſſen=
hauſen zu ziehen, und dort wollte man en bataille rangée (in
Schlachtordnung, d. h. wie es unter Friedrich d. Gr. geſchehen
war) nach alter preußiſcher Art ſchlagen. So waren denn die
Franzoſen bald in großer Maſſe oben auf den ſteilen Bergen,
von denen ſie leicht hätten abgehalten werden können. Als der
Fürſt bald nach dem Beginn der Schlacht ſehen mußte, daß er
eine überlegene Macht gegen ſich hatte, ſchickte er den General
Rüchel, welcher mit der Reſerve in dem Gehölz Webicht vor
Weimar ſtand, „daß er ihm zu Hilfe kommen möchte. Aber
Rüchel kam nicht, obwohl er dreimal aufgefordert wurde. Um
ſich für eine wirkliche oder vermeintliche Zurückſetzung, die er
früher im Kriege am Rhein, vom Fürſten erlitten zu haben
glaubte zu rächen, wollte er ihn die Schlacht verlieren laſſen, um
ſie dann wieder herzuſtellen und den Ruhm allein zu haben.
Als er endlich kam, fand er ſchon alles in Flucht und
Verwir=
rung, er kommandierte: „Linke Schulter vor! Feuer!” und war
kaum zu überzeugen, daß er Preußen auf Preußen ſchießen
ließ. Der eingebildete Wiederherſteller der verlorenen Schlacht
mußte mit den Fliehenden fliehen.”
So weit Goethe. „Der Beſtürzung in Weimar kam nichts
gleich als der Mangel an Lebensmitteln. Was noch
daran zu finden war, gehörte den Siegern. Der damalige
Re=
gierungsrat, ſpätere Präſident von Ziegeſar ſchätzte ſich glücklich,
noch eine Semmel bei dem Bäcker gefunden zu haben, die er der
regierenden Herzogin in ſeiner Taſche heimlich zutrug. Herzog
Bernhard hatte nichts zu eſſen als eine Rübe von einem Acker
in ſeines Vaters Lande.”
Ein Notjahr von beſonderer Härte war alſo auch das
Jahr 1807!
Römheld.
Franzoſen und Separatiſſen.
Eine wichtige Dokumentenveröffentlichung.
Die bisher von uns veröffentlichten Dokumente haben den
eindeutigen Beweis erbracht, daß der Kreisdelegierte der
Inter=
alliierten Rheinlandkommiſſion in Bingen den Separatiſten die
Waffen geliefert hat. Sie haben ferner gezeigt, wie unter den
Augen dieſes doch ſonſt ſo verordnungskundigen Herrn ſich ein
militäriſcher Betrieb abgeſpielt hat, der, wäre er nicht von
ſeinen ſeparatiſtiſchen Freunden und Brüdern geübt worden,
„eine Gefährdung der Sicherheit der Beſatzungsarmee”
darge=
ſtellt hätte, was für den Beteiligten lebenslängliche Kerkerhaft
und ſchwerſte Drangſalierungen zur Folge gehabt hätte.
Die heute von uns veröffentlichten Urkunden 29 a—e, die
wir den „Beiträgen zur Geſchichte des Separatismus in
Rhein=
heſſen” entnehmen, beweiſen, daß die franzöſiſche Delegation in
Bingen dem Kommando der Rheiniſchen Miliz volle Verpflegung
zur Verfügung geſtellt hat. Von Bezahlung iſt keine Rede.
Un=
entgeltlich wurde ihnen alles geliefert. Das nennt der
Franzoſe „wahre Neutralität”
Anlage Nr. 29.
Rheiniſche Republik
Bingen, 15. November 1923.
Kreisamt Bingen.
Beſcheinigung.
Wir ermächtigen hiermit Herrn Max Bleiſtein, die Geſchäfte
des Furier=Unteroffiziers zu übernehmen und bitten, ihn mit
den näheren Weiſungen zu betrauen.
gez.: Dr. Klein.
Im Verkehr mit der Delegation.
Anlage Nr. 29 a.
Rheiniſche Republik
Bingen, den 23. Nov. 1923.
Kommando der Miliz.
An die Delegation Bingen.
Der bevollmächtigte Furier=Unteroffizier Bleiſtein iſt
hier=
mit berechtigt, für 25 Mann folgende Lebensmittel in Empfang
zu nehmen:
20 Brote, 5 Kilo Fleiſch, 50 Kilo Kartoffeln, 2 Kilo Fett,
1½ Kilo Kaffee, 1 Kilo Zucker, 1 Kilo Dörrgemüſe, 1 Kilo Mehl,
2 Kilo Salz.
Baaden, Kapitän.
Anlage Nr. 29b.
Rheiniſche Republik
Bingen, den 25. Nov. 1923.
Kommando Bingen.
An die Delegation Bingen.
Der bevollmächtigte Furier=Unteroffizier Bleiſtein iſt
hier=
mit berechtigt, für 50 Mann folgende Lebensmittel in Empfang
zu nehmen, und zwar für Samstag und Sonntag:
40 Brote, 10 Kilo Fleiſch, 100 Kilo Kartoffeln, 4 Kilo Fett,
3 Kilo Kaffee, 2 Kilo Zucker, 2 Kilo Dörrgemüſe, 2 Kilo Mehl,
1 Kilo Salz.
Baaden, Kapitän.
Anlage Nr. 29 c.
Bingen, den 26. Nov. 1923.
Rheiniſche Republik
Kreisamt Bingen.
An die Delegation hier.
Der bevollmächtigte Furier=Unteroffizier Bleiſtein iſt
hier=
mit berechtigt, für 20 Mann für zwei Tage folgende
Lebens=
mittel in Empfang zu nehmen:
40 Brote, 15 Kilo Fleiſch, 150 Kilo Kartoffeln, 5 Kilo Fett,
4 Kilo Dörrgemüſe, 3 Kilo Mehl.
Capitän.
Anlage Nr. 29 d.
Rheiniſche Republik
Bingen, den 26. Nob. 1923.
Kreisamt Bingen.
An die Delegation hier.
Der bevollmächtigte Furier=Unteroffizier Bleiſtein iſt
hier=
mit berechtigt, für 20 Mann folgende Lebensmittel in Empfang
zu nehmen:
20 Brote, 6 Kilo Fleiſch, 70 Kilo Kartoffeln, 2½ Kilo Fett,
2½ Kilo Dörrgemüſe, 2 Kilo Mehl.
Capitän.
Anlage Nr. 29e=
Rheiniſche Republik
Bingen, den 28. Nov. 1923.
Kreisamt Bingen.
An die Delegation hier.
Der bevollmächtigte Furier=Unteroffizier Bleiſtein iſt
hier=
mit berechtigt, für 20 Mann für zwei Tage folgende
Lebens=
mittel in Empfang zu nehmen:
25 Brote, 10 Kilo Fleiſch, 75 Kilo Kartoffeln, 4 Kilo Schmalz.
Immer noch Kriegsgerichtsurteile.
Berlin, 21. Juni. Von dem franzöſiſchen
Kriegs=
gericht in Landau wurde der Student Ludwig aus
Mannheim wegen angeblicher Spionage und
Geheim=
bündelei zu einem Jahr Gefängnis und die Studenten
Herrgot und Serfiling zu je zwei Jahren Gefängnis
und 5000 Mark Geldſtrafe verurteilt. Ludwig hat im März in
einem Paddelboot die beiden anderen Studenten, die keine
Päſſe hatten, von dem pfälziſchen Ufer in das unbeſetzte
Gebiet hinübergeſetzt. Aus dieſer Tatſache konſtruierte
das Kriegsgericht Spionage und Geheimbündelei.
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
fm. Der Fall Cortolezis. Seinerzeit hatte der aus
Mitgliedern der Regierung und Stadtverwaltung
zuſammen=
geſetzte Verwaltungsrat des Badiſchen Landestheaters den auf
Lebenszeit lautenden Vertrag des Operndirektors Fritz
Corto=
lezis gekündigt, weil der Künſtler gegen, wie es heißt, wichtige
Intereſſen des Landestheaters verſtoße. Cortolezis beantragte
daraufhin beim Münchener Bühnenſchiedsgericht eine
einſtwei=
lige Verfügung, die ihm die Weiterführung ſeines Dienſtes
er=
laubt. Das Bühnenſchiedsgericht entſchied zugunſten
Corto=
lezis‟. Durch dieſe Entſcheidung iſt zweifellos eine Verſchärfung
der Kapellmeiſterkriſe eingetreten, inſofern, als es damit dem
Operndirektor geſtattet iſt, weiterhin ſeinen Dienſt auszuüben.
Der lebenslängliche Vertrag Cortolezis' ſtammt übrigens —
entgegen Annahmen, die in der Oeffentlichkeit beſtehen — nicht
aus dem Jahre der Revolution, ſondern vom 1. Oktober des
Jahres 1922. Intereſſant dürfte nun das weitere Verhalten
des Verwaltungsrats des Landestheaters angeſichts dieſer
Ent=
ſcheidung ſein.
Buchanzeigen.
Das Kaiſerbuch. Ein Epos in drei Teilen von Paul Ernſt. Erſter Teil,
Die Sachſenkaiſer. (Verlag der Hochſchulbuchhandlung Max Hueber,
München.)
Es iſt an ſich ein gigantiſches Unternehmen, ein Epos von dieſem Umfang
zu ſchreiben, ein Unternehmen aber, das nach dem vorliegenden erſten
Band, der Autor unbedingt zu meiſtern ſcheint. Die Form ſeiner
Dich=
tung iſt bei ſtarker Kernhaftigkeit, oft auch Derbheit, klau und feſſelnd,
gedanklich und hiſtoriſch erſchöpfend. Nirgends byzantiniſch, abgeſehen
von der dichteriſchen Freiheit, durchaus hiſtoriſch und dennoch eigene
feſſelnde „Dichtung” gebend. Der erſte Band beginnt mit einer fauſtiſchen
Zueignung, geht dann aus über Herzog Wittekind, Ludwig das Kind,
König Heinrich und Heinrich den Vogler, über Otto, Ludolf und Byzanz
bis zu Ottos Tod. Man darf auf die Fortſetzung des umfangreichen
Werkes geſpannt ſei
M. St.
Seite 4.
2Z. Zun 1924.
Rummer 172.
Londoner Beief.
Von unſerem Londoner Kordeſpondenten.
v. Kr. London, Mitte Juni.
Herzlichen Dank für die
liebe=
vollen Aufmerkſamkeiten
anläß=
lich unſerer Vermählung
Leo Krämer und Frau
Gretel, geb. Kuhl
Raffe 9
Todeg=Anzeige.
Gottes Wille hat heute in
der Frühe meine liebe Frau
Frau Ilſe Monjé
geb. Holzamer
aus dem Leben abberufen.
Darmſtadt,
Heppenheim a. d. B.,
18073 Holzamerhaus,
21. Juni 1924.
Robert Monjé.
die Beerdigung findet am
Mon=
ag, /4 Uhr, vom Trauerhauſe
(Heppenheim) aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teil=
nahme, die zahlreichen Kranzſpenden,
insbeſondere Herrn Pfarrer Beringer /
für die tröſtenden Worte am Grabe
bei dem Heimgang unſerer lieben
Ent=
ſchlafenen danken wir hiermit herzlichſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Kröh.
18040
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrich=
tiger Teilnahme bei dem Hinſcheiden
meines lieben Sohnes ſage ich und
meine Familie herzlichen Dank.
Frau J. Bopp Ww.
Sandbergſtr. 33.
3121
Dr. Beoler
8132
Me
Paßbilder
Photogr. Werkſtätte
Schuchardſtr. 14, part.
Offen v. 9-7Uhr (52ma
.6. 44.
Bitte Brief ab=
(*18102
holen
Wer ſchließt ſicheinem
freigeiſt.
Familien=
rkel zw. gemeinſ.
Spazierg., Leſeabd.
c. an. Ang. u. U 73
a. d. Gſchſt. (*18101gi
Gebild. junge Dame,
flottes Aeußere, aus
gzuter Familie, wünſcht
Lebenskamerad
nicht unter 30 Jahren,
kennen zu lernen.
Beamter bevorzugt
Vollſtänd. Ausſt und
Vermögen (liegende
Güter) vorhanden.
Zuſchr. m. Bild
er=
bitte u. U 76 an die
Geſchäftsſtelle. (8146
Geb. junge Dame, m.
angen. Aeuß, (ſchlank,
mittelgroß) ev., gr.
Muſik= und
Natur=
freundin, häuslich
er=
zogen, tadell.
Ver=
gangenheit, gemütl.
ſeim vorhanden, w.
geb. Herrn m. vorn.
Charakter, in ſicherer
Stellung zw. Heirat
kennen zu lern. Alt.
26-36 J., Diskr. zugeſ.
u. verl. Ang. u. U 42
Geſchäftsſt. (*18030
Alleinſtehend, kinderl.
Witwer
von niemand abh.,
m. größ. eig. Anw.
in einem Städtchen
i. Odw., ſucht Frau
oder Witwe zwecks
Heirat kennen z. lern.
58 J. alt, ev. Auch
Einheir. n. ausgeſchl.
Ang. u. U 78 a d.
Geſchäftsſtelle. (8148
Viele reiche
Aus-
länderinnen, viele
vermög. deutsehe
Da-
men, a. m. Realitäten,
Besitz ete., wünschen
Heirat. Ausk
kosten-
los. Herrena, uch ohne
Vermög. Stabrey
Berlin 113,
Stolpiche-
strasse 48. (7570a
Das Pfingſtfeſt hat neben einer Reihe großer öffentlicher
Luſtbarkeiten eine politiſche Saure=Gurkenzeit gebracht. Das
Parlament hat ſich auf 10 Tage vertagt und der
Premiermini=
ſter Macdonald iſt auf Urlaub nach Schottland gefahren. Der
König hat in Aldershot eine große Parade abgenommen und,
gäbe es nicht den Streik auf den Untergrundbahnen, ſo würde
England den Eindruck vollkommener politiſcher Ruhe machen.
Indeſſen darf man ſich durch dieſe Anzeichen politiſcher Stille
nicht zu dem Glauben verführen laſſen, daß die Politik
einge=
ſchlafen wäre. Im Gegenteil, die Erfahrung beweiſt, daß gerade
dieſe feiertäglichen Ruhepauſen zur Vorbereitung politiſcher
Neugruppierungen benutzt werden. Wenn man auch ſagen kann,
daß das Kabinett Macdonald menſchlichem Ermeſſen nach für
die nächſten Monate geſichert iſt, ſo iſt damit nicht geſagt, daß
die Oppoſition und die nicht in der Oppoſition befindlichen
Gegner der Regierung eingeſchlafen wären. Im Gegenteil: es
gärt in allen Parteien. Der Untergrundbahnſtreik iſt ein Zeichen
dafür, daß auch die radikalen Elemente in der Arbeiterpartei
mit der gegenwärtigen, durch die Verhältniſſe bedingten
poli=
tiſchen Zurückhaltung keineswegs zufrieden ſind. Daß man in
konſervativen Kreiſen der gegenwärtigen Regierung bei der
erſten ſich bietenden günſtigen Gelegenheit ein Bein ſtellen
möchte, braucht nicht beſonders betont zu werden. Aber der
Schlüſſel der Lage liegt nach wie vor bei den Liberalen, die ſich
mit dem Entſchluß, eine Arbeiterregierung ins Leben zu rufen,
politiſch zwiſchen zwei Stühle geſetzt haben. Stürzt man die
Negierung heute oder ſpäter, ſo iſt mit größter
Wahrſcheinlich=
keit mit Abwanderung eines großen Teils der liberalen
Stim=
men zu rechnen. Sowohl die Arbeiterpartei wie die
Konſer=
dativen würden den Vorteil haben, und wenn auch vielleicht das
Geſamtergebnis einer Neuwahl cein von den gegenwärtigen
Mehrheitsverhältniſſen nicht weſentlich verſchiedenes Bild
er=
geben würde, inſofern nämlich weder Arbeiterpartei noch
Kon=
ſervative die Mehrheit erringen würden, ſo iſt die Ausſicht, die
gegenwärtige Politik mit ſtark verminderter Mandatsziffer
be=
treiben zu müſſen, nicht beſonders lockend. Einzig unſicher iſt
in dieſer Rechnung der Faktor Lloyd George. Lloyd George
könnte unter Umſtänden mit ſeinen Anhängern in die
Oppoſi=
tion übergehen. Man vermutet, daß er alles daranſetzen wird,
um dem gegenwärtigen Miniſterpräſidenten die Teilnahme an
einer internationalen Konferenz unmöglich zu machen. Ihn
läßt der Ruhm Macdonalds nicht ſchlafen. Und er hofft, mit
einem ſolchen Vorgehen gleichzeitig die Führung der liberalen
Partei an ſich reißen zu können, der der alternde Aſquith nicht
mehr ganz gewachſen iſt. Da die Mehrheit der Regierung, wie
die letzte entſcheidende Abſtimmung im Unterhauſe bewies, recht
brüchig geworden iſt, könnte er in der Tat mit einigen 30 bis 40
Abgeordneten eine Niederlage der Regierung herbeiführen.
Jedenfalls rechnet man mit dieſer Möglichkeit im Konſervativen
Lager und hofft, auf dieſe Weiſe das Odium eines
Regierungs=
ſturzes vermeiden zu können.
Man begreift im Lager der Oppoſition ſehr wohl, daß es
gegenwärtig vor allem darauf ankomen muß, den Eindruck
politiſcher Böswilligkeit zu vermeiden. Das Arbeiterkabinett
ſoll nicht eines gewaltſamen Todes ſterben. Es ſoll an ſeiner
eigenen Unfähigkeit zu Grunde gehen. Innerpolitiſch iſt dieſes
Ziel zum großen Teile ſchon heute erreicht. Weder für die
Ar=
beitsloſen, noch für die Löſung der Wohnungsfrage, noch für die
Wiederherſtellung des induſtriellen Friedens iſt irgend etwas
Weſentliches erreieht oder etwas Neues in Ausſicht geſtellt
wor=
den. Es bleibt heute nur noch die Rückſicht auf die
außenpoli=
tiſche Lage, die die Ausdehnung der Schonzeit rechtfertigt.
Alle dieſe Fragen werden zurzeit weiter erörtert und man
kann annehmen, daß nach dem Wiederzuſammentritt des
Par=
laments die endgültige Entſcheidung über die für die nächſten
Monate zu verfolgende politiſche Linie fallen wird.
Alles in allem kann man alſo ſagen, daß die engliſche
Poli=
tik auf Abwarten eingeſtellt iſt. Man ſieht zu, wie ſich die Dinge
innerhalb des eigenen Reiches wie außerhalb entwickeln werden.
Man iſt zu dieſer Politik um ſo mehr imſtande, als die
aus=
wärtige Politik Macdonalds im weſentlichen eine gradlinige
Fortſetzung der konſervativen Politik darſtellt. Man weiß, daß
eine Weltkonferenz das Ziel der Macdonaldſchen Träume iſt
Aber gerade im Hinblick auf die innerpolitiſche Lage erſcheint es
zweifelhaft, ob man ihm dieſen Erfolg gönnen wird.
Hetzfeldzug gegen Deutſchland.
Die angeblichen deutſchen Rüſtungen.
undMMtitt
SAsnloler Twag.
„chiitzenftrauce 5. Tel.936
Darmstadt.
Tapeten hochaparte
Auswahl für alle 7:
Räume• Wandstoffe
:5: Linkrusta 8:
Jdaal=
matten
TALIBM
Der Graff=Prozeß in Stettin.
Radiodienſt.
Berlin, 21. Juni. Der Reichswehrminiſter Dr. Geßler
hatte mit einem Vertreter der Hearſt=Preſſe heute eine
Unter=
redung, in welcher er ausführte: Mit Beginn der
Regierungs=
kriſe und Zurückdrängung der Rechtsparteien hat in
Frank=
reich ein ſyſtematiſcher Preſſefeldzug eingeſetzt,
deſſen Ziele auf der Hand liegen. Er beabſichtigt, erneut die
Weltmeinung durch die Lügenmeldungen über angebliche deutſche
Rüſtungen zu vergiften. Von dem „Matin” und der „Daily
Mail” in Szene geſetzt, von allen franzöſiſchen
Zei=
tungen gierig aufgegriffen und auch von der
eng=
liſchen Preſſe mehr oder minder kritiklos wiedergegeben, ſind
eine Reihe von Artikeln und Nachrichten erſchienen, die
Ueber=
ſchriften tragen wie: „Deutſchlands militäriſche Wiedergeburt”
oder „Ausbildung junger Jahresklaſſen” oder „Das
Krümper=
ſyſtem” oder „Die Mobilmachung iſt fertig”. Schließlich
ver=
ſteigt ſich der „Matin” zu der kühnen Behauptung:
Deutſchland iſt moraliſch und materiell für eine ſofortige
Mobil=
machung bereit.
Dieſe Meldungen ſollen in der Welt den Anſchein erwecken,
als ob in Deutſchland ein fieberhafter
Rüſtungs=
wahnſinn eingeſetzt hätte, und das zu einer Zeit, wo
Deutſch=
land ebenſo wie alle anderen am wahren Frieden intereſſierten
Mächte für die endgültige Durchführung der brennenden
wirt=
ſchaftlichen Fragen eine ruhige und unvergiftete Atmoſphäre
benötigt. Alle dieſe Nachrichten entbehren natürlich jeder
Grund=
lage. Deutſchland hat abgerüſtet. Es fehlt ihm
jede materielle Möglichkeit, einen Krieg zu
füh=
ren. Frankreich hat ein Heer von mehr als
700 000 Mann, Deutſchland ein ſolches von nur
100 000. Frankreich hat ſchwere Artillerie, Tanks, Tauſende
von Flugzeugen. Deutſchland hat alle dieſe Waffen nicht, ohne
die ein Krieg heute überhaupt nicht geführt werden kann. Es
wäre für die ſo wichtigen Entſcheidungen der nächſten Wochen
überaus ſchädlich, wenn dieſer Hetzfeldzug, der
zugeſtandener=
maßen die Beſprechungen zwiſchen Herriot und Macdonald in
Checquers beeinfluſſen ſoll, von Erfolg gekrönt wäre und wenn
die Atmoſphäre der kommenden Verhandlungen unter der
Wir=
kung dieſes Giftes ſtände.
Stettin, 21. Juni. Heute wird zunächſt Fräulein
Ga=
briel vernommen, eine Freundin des von den Belgiern
ver=
urteilten Schupobeamten Grabert. Nach Schilderung der
Zeu=
gin ſei Grabert nicht als Mitſchuldiger anzuſehen, da ſie mit
ihm in der fraglichen Zeit zuſammen war. Nach dem Verhör
ſagte einer der Belgier unter Bedrohung mit der Waffe zu ihr,
was ſie da geſagt habe, werde ſie bereuen. Die Zeugin iſt aber
zu der Hauptverhandlung in Aachen nicht geladen worden. Die
dann vernommenen Eltern der Zeugin Gabriel beſtätigen im
allgemeinen die Schilderung ihrer Tochter auch. Zwei weitere
Zeugen können bekunden, daß Grabert an dem fraglichen Abend
mit Fräulein Gabriel zuſammengetroffen ſei. Auf eine
Zwi=
ſchenfrage erklärt Hauptmann Häder, daß Grabert Gelegenheit
gehabt habe, zu entfliehen. Es wurden noch einige Zeugen
ver=
nommen, die, ſoweit ſie verhäftet waren, die Schilderung ihrer
Kameraden von der Art der Verhandlungen bei der
Zeugenver=
nehmung durch die Belgier beſtätigten. Der Schupobeamte
Möricke beſtätigte, daß er am Nachmittag vor der Erſchießung
des belgiſchen Oberleutnants an der Pollmannsecke mit
Gra=
bert zuſammen war. Der Zeuge kann aber nicht ſagen, ob die
Angeklagten an Grabert herangetreten und ihn über den Fall
Schmilewski befragt hätten. Die Verhandlung wurde auf
Mon=
tag vertagt.
Reichskanzler Marx über die Völkerbundfragen
London, 21. Juni. Der Berichterſtatter des „Daily
Tele=
graph” hat geſtern von hochſtehenden Perſönlichkeiten im Reiche
maßgebliche Aeußerungen über die zukünftige deutſche Politik
erhalten, die in engliſchen Regierungskreiſen erhebliches
Auf=
ſehen erregen. Reichskanzler Dr. Marx erklärte, daß die
Frage des Eintritts Deutſchlands in den Völkerbund noch nicht
reif für die Diskuſſion ſcheine. Die Frage werde erſt akut
wer=
den, wenn der Völkerbund den Eintritt aller Nationen,
ein=
ſchließlich Rußlands, möglich machen werde, und wenn
Deutſch=
land die gleichen Rechte zugebilligt werden, wie anderen
Natio=
nen. Deutſchland könne Aufforderungen, dem Völkerbund
bei=
zutreten, die begleitet ſeien von irgendwelchen Beſchränkungen
deutſcher Rechte, und die Deutſchland nicht zugleich einen
ſtan=
digen Sitz im Völkerbundsrat ſichern, nicht annehmen. Die
deutſche Regierung ſei durchdrungen von dem Gedanken einer
Solidarität der Völker. In dieſem Sinne habe ſie wiederholt
ihre Zuſtimmung zu den Grundſätzen des Völkerbundes
ge=
macht. Die organiſatoriſchen und ſonſtigen Mängel des
Völker=
bundes ſeien aber derartig, daß die deutſche Regierung in dem
Völkerbund nicht einmal eine Annäherung an die eigenen Ideale
zu erblicken vermöge. Aus dieſem Grunde beeilt ſich die
Regie=
rung keineswegs, dem Genfer Völkerbund beizutreten.
An=
dererſeits lehnt ſie den Eintritt in den Völkerbund, nicht ab,
wenn dieſer Eintritt vom Völkerbund gewünſcht werden ſollte.
Bisher hatte Deutſchland ſich über dieſe Frage gar nicht zu
ent=
ſcheiden.
Ablehnung des Eſſener Schiedsſpruches in
der Metallinduſtrie.
Eſſen, 20. Juni. In der am 18. Juni ſtattgefundenen
Sitzung der Zentralleitung und des Bezirksausſchuſſes des
Chriſtlichen Metallarbeiterverbandes wurde nach eingehender
Beratung der am 13. Juni in Eſſen gefällte Schiedsſpruch in der
Lohn= und Arbeitszeitfrage abgelehnt. Es beſteht demnach die
Gefahr neuer Arbeitskämpfe in der Metallinduſtrie.
Ooooooboooooboeoog
Kommandit-Gesellschaft
Überraſchende
Heilerfolge
erzielen Sie bei Nervenleiden aller Art,
Grippe,Kopfſchmerzen,Rheumatismus,
Gicht, Ischias, Ohrenleiden, Leber=,
Gallenleiden, Nierenleiden,
Magen=
geſchwür, alte Beinleiden, Krämpfe,
Fallſucht, Bleichſucht, Blutarmut,
Schwächezuſtände, chron.
Stuhlverſtop=
fung, Aſthma, Flechten,
Arterienver=
kalkung, Blähungsbeſchwerden,
Blaſen=
leiden, Drüſen, Engliſche Krankheit,
Frauenleiden, Haarausfall, Herzleiden,
Lähmung, alter Huſten, Magenkrampf,
Schwindel, Schlafloſigkeit uſw., ſpeziell
für ganz veraltete Fälle, — Eine
Be=
handlung wird Sie davon überzeugen!
Heilinſtitut für Magnetismus,
Augendiagnoſe, Nervenmaſſage.
Zahlreiche Dankſchreiben vorhanden.
Langjährige Praxis. Geringes Honorar.
Sprechſtunden: 9½—12 Uhr, 2—5 Uhr,
Sonntags 9—12 Uhr.
M. Schießlinger
geprüfter Magnetopath
Viktoriaſtraße 25 (Ecke Landwehrſtraße)
(*18088
Behandele wieder die Mitglieder
sämtlicher Krankenkassen
u. Ersatzkassen. (18013
Dr. Binder
Haut- und Harnkrankheiten
Frankfurterstr. 1e
10—1, 3—5 Uhr
Mi 7 55 5ſ r
N0
Kaumtann
die ſeit Jahrzehnten bewährten
Näh=
maſchinen für Haushalt u. Gewerbe
Auguſt Zürtz
Fernſprecher 2952. Schuchardſtr. 1.
Fachmänniſche Reparaturwerkſtätte
für alle Fabrikate u. Syſteme. (6874a
Leo Lammertz=Nadeln.
V
V
8OO.
TAEO
Fernruf 2169
Alexanderstr. 5
Sooosooobeooooo
Wir empfehlen uns für:
Bücherrevisionen + Aufstellung von
Gold-Bilanzen * Um- und
Neugrün-
dungen + Sanierungen +
Kapitals-
vermittelungen, wobei wir dem
Geld-
geber für fachmännisch einwandtreie
Unterlagen sorgen *
Treuhandge-
schäfte u. Sachverwaltungen jeder Art.
(*18045
Oooggoooooooot
Ia Qualität
billig abzugeben
Ripper
Erbacherſtr. 12. (59949
Magerkeit.
Schöne, volle
Körper=
form durch unſere
oriental. Kraftpillen
(für Damen
pracht=
volle Büſte),
preis=
gefr. m. gold.
Me=
daille u. Ehrendipl.
in kurzer Zeit große
Gewichtszun. — 25
Jahre weltbekannt.
Garant, unſchädl. —
lerztl. empfohlen.
Streng reell. Biel=
Dankſchr. Preis Packg.
(100 Stück) G.=M. 2,75
Porto extra.
Poſt=
anweiſung od. Nachn
D. Franz Steiner
& Eo., G. m. b. H.,
Berlin W 30/9 —In
Darmſtadtzuhaben
i. d. Medizinal=
Dro=
gerie Beckenhaub
Schulſtraße. (IV.3954
Am Donnerstag, den 26. Juni 1924, werden wir
in Frankfurt a. M., Laboratorium der Univerſitäts=
AugenRlinik beim Städt. Krankenhaus
Frankfurt a. M. —
Sachſenhauſen
Eſchenbacherſtraße 14
anweſend ſein, um nach
der Natur (II.00
künſtliche Augen
für die Patienten
anzu=
fertigen u. einzupaſſen.
F. Ad. Müller Söhne
Wiesbaden
Anſtalt für künſtliche Augen.
Um Verwechslungen mit ähnl. Namen zu vermeld./
ditten wir auf Namen und Zeit genau acht, z. woll,
TRAURINGE
Eigene tugenlose Fabrikation
in 8, 14 und 18 Kar.
Anfertigung und Umarbeiten feiner
Juwelenstücke sowie alle Reparaturen
und Gravierungen in eigener Werkstätte
Spez.: Schwer versilberte Tischbestecke
aus ersten Fabriken (66314
Juwelier
Hermann Macholdt, Schulstr.
beſeit.
Krätzur gan fofort
unauff.,mild unſchädl.
Jucken u. faſt
alleHaut=
leid. Drog.
Becken=
haub, Schulſtr. Auch
Verſd.
(4289a
Damen- U. eisel
Herren-Rahmen
emaill. komplett, täglich eintreffend
E. Senft, Darmstadt
Friedrichstr. 18
Tel. 3429
[ ← ][ ][ → ]Ammer 122.
Aus der Landeshauptſiadt.
Daruſtädt 2
Seite 5.
Darmſtadt, 22. Juni.
Diplom=Ingenieur=Tagung in Darmſtadt.
Dev erſte Vortrag wurde von Herrn Dipl.=Ing. Carl Weihe,
frankfurt, Dozent für Geſchichte der Technik an der Techniſchen
Hoch=
ſchule, gehalten, und zwar über das Thema: „Die kulturellen
Aufgaben des Ingenieurs‟. Er ging von einem allgemeinen
Strukturſchema der Kultur aus, aus dem ſich ergab, daß man unter
Kaultur nicht die Betätigung einiger Kräfte des Menſchen, etwa lediglich
der ethiſchen oder der äſthetiſchen, zu verſtehen hat, ſondern daß man
von wahrer Kultur nur dann reden kann, wenn alle im Menſchen
ſchhlummernden Kräfte ausgebildet ſind und zur Auswirkung kommen.
Demgemäß kann man drei große Hauptgebiete menſchlicher
Betätigun=
uiterſcheiden: Geiſtesarbeit, Wirtſchaftsarbeit, Seelenarbeit. In
die=
ſen drei Gebieten wirken die einzelnen Kräfte nach den verſchiedenſten
Richtungen, ſich gegenſeitig unterſtützend, teilweiſe aber auch ſich
gegen=
ſeitig widerſtrebend. Wenn von einer Vollkultur die Rede ſein ſoll, ſo
müſſen alle dieſe Kräfte im Gleichgewicht ſein, oder, in der Sprache des
Technikers ausgedrückt, das aus demſelben Punkt, dem
Kulturmittel=
punkt angreifenden Kräfte konſtruierte Krafteck muß in ſich geſchloſſen
ſein. Die Spenglerſche Anſicht, daß notwendig jede Kultur untergehen
mäiſſe, ſei hinfällig. Die untergegangenen Kulturen waren eben keine
Vollkulturen, ſondern hatten ſich lediglich auf die Ausbildung einiger
Kräfte des Menſchen gelegt, ohne das harmoniſche Gleichgewicht aller
Kräfte anzuſtreben.
Die Technik tritt als ein Teil der Geiſtes= und der
Wirtſchafts=
wbeit mit als Kulturfaktor auf, und zwar als einer der
weſent=
lichſten, denn ſie bildet die Grundlage aller Kultur und ſie iſt auch ihre
hauptſächlichſte Förderin. Die Technik darf allerdings nicht lediglich
als Geldverdienmaſchine benutzt werden, ſondern es muß eben
ent=
ſprechend ihrer Bedeutung für die Geſamtkultur auch ihre richtige
Ein=
rihung in das geſamte Kulturgeſchehen erfolgen. Dementſprechend
etſtehen für den Ingenieur eine Reihe von Kulturaufgaben. Die erſte
davon iſt die Betätigung in der Technik ſelbſt, denn ohne Technik
findet der Menſch weder Muße noch Kraft, ſich ſonſt kulturell zu
be=
tätigen, ganz abgeſehen davon, daß die heutige Lage in Deutſchland
iſt, daß nur durch erfolgreiche techniſche Arbeit einer vollſtändigen
Verſklavung des deutſchen Volkes vorgebeugt werden kann. Aber nicht
allein in der techniſchen Arbeit darf der Techniker aufgehen, ſondern er
hat auch die Verpflichtung, ſich mit dem Problem Menſch zu beſchäftigen.
Es ſind alſo ſoziale und ethiſche Aufgaben, die an ihn herantreten
und die namentlich auf die Stellung des Arbeiters in der Fabrik abzielen.
Der Ingenieur, insbeſondere der akademiſche Ingenieur, hat
gewiſſer=
maßen als Zwiſchenglied zwiſchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
aus=
gleichend und verſöhnend zu wirken und beide Teile von übertriebenen
Forderungen abzuhalten. Schließlich hat der Ingenieur auch die
Auf=
gabe, darüber zu wachen, daß die Werke der Technik auch vom
Schön=
heitsſtandpunkt aus befriedigend ſind. Die Kunſthat bisher die Technik
eiſt ſehr wenig behandelt, obwohl gerade künſtleriſches und techniſches
Schaffen viel Aehnlichkeit haben, da ſie beide derſelben Wurzel, dem
Schöpferdrang des Menſchen, entſpringen.
„Der Verband Deutſcher DiplomIngenieure pflegt in ſeiner
Zeit=
ſchrift „Technik und Kultur”, die unter der Schriftleitung des
Vortragen=
den ſteht, insbeſondere die Grenzgebiete der Technik, und ſucht durch
dieſe Zeitſchrift Aufklärung über die Bedeutung der Technik für die
Kaltur zu ſchaffen und Verſtändnis für die Technik als Kulturfaktor zu
Nrbreiten.
Wiederhelebung der Bauwirtſchaft durch ſteuerliche
Be=
gänſtigungen. Nach einer Verfügung des Heſſiſchen Miniſteriums
der Finanzen an die Finanzämter iſt die für die
Rechnungs=
ihre 1924, 1925 und 1926 zu veranlagende ſtaatliche
Grund=
ſteuer von Wohnungsneubauten auf Antrag niederzuſchlagen.
Eritſprechendes gilt für den verhältnismäßigen Teil der
Grundſteuer von ſolchen Neubauten, die nur zum Teil
Bohnzwecken dienen und für das aus dem Um= oder Ausbau
zicker Gebäude zu Wohnzwecken ſich etwa ergebende Mehr an
Brundſteuer, falls der Steuerwert des Gebäudes ſich durch den
U—n= oder Ausbau um mindeſtens 10 000 Mark erhöht. Aus=
„Rchloſſen von der Begünſtigung ſind Gebäude oder Gebäudeteile,
die nicht Wohnzwvecken dienen, ferner ſolche, die vor dem 1. April
D24 bezugsfertig wurden und ſolche, deren Neu=, Um= oder
Atsbau nach dem 31. Dezember I. J. begonnen wird.
Bezüg=
iich der ſtädtiſchen Grundſteuer iſt zu bemerken, daß gemäß
dimn Beſchluß der Stadtverordneten=Verſammlung für alle in
dmi Jahren 1924 und 1925 fertiggeſtellten Wohnhausbäuten
drei=
ſührige Steuerfreiheit gewährt wird. Auch findet ein Erlaß aller
Ariliegerbeiträge ſtatt.
* Regelung der Preisauszeichnung für Tabak und Tabakwaren.
B3her haben die Gerichte nicht einheitlich die Frage beurteilt, ob
Zi=
farren, Zigaretten und ſonſtige Tabakwaren als Gegenſtände des
täg=
ichen Bedarfs anzuſehen ſind oder nicht. Für Gegenſtände des
täg=
ichen Bedarfs beſteht nämlich die Preisauszeichnungspflicht im
Schau=
er ſter des Händlers, nicht aber für Waren, die nicht „tägliche
Bedarfs=
rikel” ſind. Das Reichswirtſchaftsminiſterium hat nun dieſe ſtrittige
ßrage endgültig durch eine Verfügung geregelt, welcher ſie das
Gut=
ichten der Tabakzeitung „Zigarren= und Zigaretten=Spezialiſt” (
Dres=
ter) zugrunde gelegt hat, nach welchem geringwertige Tabakwaren als
9 genſtände des täglichen Bedarfs anzuſehen, alſo
preisauszeichnungs=
flichtig ſind, während Zigarren im Werte von über 25 Pfg.,
Zigaret=
er im Werte von über 15 Pfg. je Stück, ſowie Rauchtabak, der mehr
IIs 30 Mark je Kilogramm im Kleinverkauf koſtet, dem
Preisauszeich=
runigszwang nicht unterliegen.
— Sonderzug nach Schleſien. Der Schleſierverein Darmſtadt ſchreibt
us: In der Nacht vom 10. auf 11. Juli fährt ab Frankfurt a. M.
210 Uhr nachts ein Sonderzug nach Schleſien mit dem Endziel
Bres=
ar. Ankunft des Zuges am 11. Juli in Görlitz 1.58 nachm..
Lau=
jart 3.04 nachm., Hirſchberg 4.11 nachm., Dittersbach 5.17 nachm.,
Walden=
urg 5.28 nachm., Nieder=Salzbrunn 5.41 nachm., Königszelt 6.06
hends, Breslau 7.01 abends. Fahrkarten zu bedeutend ermäßigtem
Sreiſe gibt es nur nach Hirſchberg (43 Mk.), Waldenburg (45 Mk.) und
Sreslau (45 Mk.). Die Preiſe gelten für Hin= und Rückfahrt 3. Klaſſe.
Die Fahrkarten haben 8 Wochen Gültigkeit und kann die Rückfahrt in
terhalb dieſer Zeit mit jedem Zuge des täglichen Verkehrs erfolgen.
Inſchlüſfe nach Oberſchleſien in Breslau, evtl. auch in Hirſchberg für
ie Richtung Camenz-Neiſſe. Anmeldungen von Zugteilnehmern ſind
aldigſt an den Vorſitzenden des Schleſiervereins, Oberſtadtſekretär
Zaſſitta, Beſſunger Straße 99, 2. Stock, zu richten.
CAbreßbuch 1924. Das in dem Adreßbuch aufzunehmende
Ge=
verberegiſter liegt in der Zeit vom 23. bis einſchl. 28. Juni
m Stadthaus, Zimmer 23, zur Einſicht offen. Intereſſenten werden
ebeten, Einſicht zu nehmen, damit eventuelle Aenderungen
vorgenom=
nen werden könne
— Automsbillandplage an Sonntagen. Die immer mehr
anwach=
ende Zahl der Automobile läßt die Schattenſeite eines an ſich
be=
rißensverten Verkehrsmittelfortſchritts namentlich an Sonntagen
be=
unders ſcharf heraustreten. Die badiſche Regierung hat ſich daher
be=
ugen geſehen, den Kraftwagenverkehr an Sonntagen zu Gunſten der
icht= und lufthungrigen Wanderer und Ausflügler entſprechend
einzu=
chränken, beziehungsweiſe in beſtimmten Gebirgsgegenden ganz zu
erbieten. Der Abgeordnete Dr. Werner (deutſchnatl.) beantragt
da=
er beim Landtag, die Regierung zu erſuchen, raſcheſtens in Erwägung
u ziehen, inwieweit der heſſiſche Staat dem Beiſpiel folgen könnte.
— Heffiſches Landestheater. Die heutige Neuinizenierung von Bizets
Carmen” iſt die letzte gemeinſame Arbeit von Guſtav Hartung und
7. C. Pilartz in Darmſtadt. — In der heute im Kleinen Haus
ſtatt=
indenden Aufführung von „Bürger Schippel” verabſchiedet ſich Franz
Schneider, der an das Schauſpielhaus in Frankfurt a. M. verpflichtet
ſt, vom Darmſtädter Publikum. — Eliſabeth Stieler und Walter
ſteymer treten in der am Montag ſtattfindenden Aufführung von
Boethes „Urfauſt” als Gretchen und Fauſt zum letzten Male vor
— Das Drumm=Quartett gibt am Montag, den 23. Juni, 7 Uhr
ibends, im Kleinen Haus ſeinen 5. Beethovenabend. Zur
Auf=
übrung gelangen: Streichquartett Op. 18 Nr. 5, Streichquartett Op. 74
und Streickquartett Op. 131.
Sonntag:
Montag
Dienstag:
Mittwoch;
Donnerst.:
Freitag:
Samstag:
Sonntag
Sonntag:
Montag:
Samstag
Nan Ees -eittffsi-RLrn
vom 22. bis 29. Juni 1924.
Großes Haus.
6 Uhr: „Carmen” Oper von Bizet.
Neuinſzenie=
rung Guſtav Hartung.) Zuſatzmiete X 11. Preiſe:
1,50 bis 15 Mk.
7 Uhr: „Urfauſt”, Schauſpiel von Goethe.
Schau=
ſtielmieten a 12 und b12. Preiſe: 0,70 bis 7 Mk.
7 Uhr: „Carmen” Zuſatzmieten T12 und VIT 12.
Preiſe: 1,20 bis 12 Mk.
7 Uhr: „Karl XII”. Schauſpiel von Strindberg.
E23, c12 und e 12. Preiſe: 0,70 bis 7 Mk.
7 Uhr: „Martha”. Oper von Flotow. Zuſatzmiete
VITT12. Preiſe: 0,80 bis 8 Mk.
7 Uhr: „Cavalleria ruſticana”, Oper von Mascagni.
Hierauf: „Der Bajazzo”. Oper von Leoncavallo.
Zuſatzmieten IV 12 und X12. Preiſe: 1 bis 10 Mk.
7 Uhr: „Die beiden Schützen”. Oper von Lortzing.
Zuſatzmieten IIT 12 u. TX 12, Schülermiete gelb 10.
Preiſe: 0,80 bis 8 Mk.
6 Uhr: „Carmen”. E24. Preiſe 1,50 bis 15 Mk.
(Letzte Vorſtellung der Spielzeit.)
Kleines Haus.
7 Uhr: „Bürger Schippel”, Kombdie von
Stern=
heim. Zuſatzmiete TX 11. Preiſe: 1 bis 5 Mk.
7 Uhr: Fünfter (letzter) Beethoven=Abend des
Drumm=Quartetts. Preiſe: 1, 2, 3 Mk.
Eröffnung der Sommerſpielzeit Bruno Harprecht:
„Wenn der junge Wein blüht” Von Björnſon.
Mit Robert Nhil vom Deutſchen Schauſpielhaus in
Hamburg a. G.
— Verbandstag der Mitteldeutſchen Küferinnungen. Wie wir
be=
reits mitteilten, ſind aus Anlaß des Verbandstages der Mitteldeutſchen
Küferinnungen der große Saal der Turnhalle am Woogsplatz und
meh=
rere Nebenräume zu einer großen Ausſtellung von Erzeugniſſen des
Küfereigewerbes umgewandelt worden, die noch am heutigen Sonntag
und am morgigen Montag beſichtigt werden kann. Die Ausſtellung,
die auch Erzeugniſſe verwandter Berufsgruppen,
Haushaltungsgegen=
ſtände uſw. bietet, iſt von 9 Uhr vorm. bis 7 Uhr abends geöffnet und
ſehr ſehenswert. Geſtern vormittag fand in Gegenwart zahlreicher
Ver=
treter von Behörden und geladener Gäſte die feierliche Eröffnung ſtatt.
Der Vorſitzende des Veranſtaltungsausſchuſſes des Ortsgewerbevereins
und der Handwerkerinnung, Herr Obermeiſter Kraus, wies in ſeiner
Anſprache auf den Zweck des Unternehmens hin und begrüßte die
Er=
ſchienenen. Dann übernahm der Obermeiſter der Küfer=Zwangsinnung
in Darmſtadt die Ausſtellung, richtete ebenfalls herzliche Worte der
Be=
grüßung an die Gäſte und erklärte die Ausſtellung für eröffnet. Dieſem
Akte ſchloß ſich ein Rundgang an, wobei die Ausſtellungsgegenſtände
mit großem Intereſſe beſichtigt wurden.
— Johannisfeier der Buchdrucker. Wie alljährlich feiert der hieſige
Bezirksverein des Verbandes der Deutſchen Buchdrucker das Johannisfeſt
zum Gedächtnis ſeines Altmeiſters Gutenberg im Saale der
Turn=
gemeinde am Woogsplatz am Samstag, den B8. Juni 1924, abends
8 Uhr. Die zur Ausarbeitung des Feſtprogramms gewählte Kommiſſion
bietet die Gewähr dafür, daß ein der Würde dieſes Tages entſprechendes
Programm zur Aufführung gelangt.
Ev. Jugendgemeinſchaft. Es wird noch einmal auf den Vortrag
des Herrn Privatdozenten Dr. Noack über das „Volkslied”
hingewie=
ſen, der Montag, den 23. Juni, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus in der
Kiesſtraße, ſtattfinden wird.
E Raubmord, 700 Mark Belohnung. Das Verbrechen, das
am 17. Juni in Offenbach aufgedect wurde, hat inſofern ſeine
Aufklärung gefunden, als man nunmehr die Perſonalien des
Mannes ermitteln konnte, der dem verbrecheriſchen Anſchlag zum
Opfer gefallen iſt. Wie wir bereits am Freitag gemeldet haben,
wurde am 17. Juni im Main zwiſchen Frankfurt und Offenbach
(an der Offenbacher Schleuſe, Gemarkung Offenbach) die Leiche
eines jungen Mannes gefunden, deſſen Hände auf dem Rücken
ſtark gefeſſelt waren. Bei dem Toten wurden keinerlei
Wert=
ſachen gefunden. Er iſt zweifellos beraubt und in den Main
geworfen worden. Aeußere Verletzungen wies die Leiche nicht
auf. Zum Feſſeln wurde eine 3 Millimeter dicke, vierdrahtige
gute, mehrere Meter lange Hanfkordel verwandt, wie ſie zum
Verſchnüren ſchwerer Pakete benutzt wird. Die Art der
Feſſe=
lung läßt auf eine gewiſſe Gewandtheit im Verſchnüren ſchließen.
Bei dem Toten wurde u. a. eine Hotelkarte des Hotel Savoy,
Frankfurt, Zimmer 88, gefunden. In der Nacht vom 11. auf
12. Juni hat in fraglichem Zimmer der Kaufmann Ernſt Henke
gewohnt. Seine Angehörigen haben den Ermordeten als den
Ernſt Henke anerkannt. Henke hat am Morgen des 12. Juni
gegen 10 Uhr das Hotel Savoy verlaſſen. Ueber ſein Verbleiben
bis zu ſeiner Ermordung fehlt bis jetzt jeder Anhalt. In der
Nacht vom 12. auf 13. Juni (Donnerstag auf Freitag) gegen
½3 Uhr vormittags hörte ein Fiſcher, der etwa 150 Meter
ober=
halb des erſten Schleuſentores im Main angelte, gellende
Hilfe=
rufe. Etwa an der gleichen Stelle, von der die Rufe kamen,
wurde die Leiche ſpäter gefunden. Gleich darauf kam ein Mann
ſchnell laufend den Main entlang, der auf die Frage des Fiſchers,
was los ſei, antwortete: „Es iſt nichts los. Dort unten ſind
Menſcher” und nach Offenbach weiter lief. Die Perſonalien des
Mannes, der als Täter in Betracht kommt, lauten: Zirka 180 bis
185 Zentimeter groß, blonden ſtarken Schnurrbart, ſchwarzer
weicher Filzhut, gelbbraune Weſte (Strickweſte?), dunkler Rock
und ebenſolche Hoſe. Der Mann ſprach Dialekt hieſiger Gegend.
Es iſt anzunehmen, daß Henke mit dem oder den Tätern (
mög=
licherweiſe kommen mehrere in Betracht) in Lokalen geweſen
und vielleicht betrunken gemacht worden iſt. Henke war in
Frankfurt nicht bekannt, hatte dort auch keine Bekannten. Es
iſt von beſonderer Wichtigkeit, feſtzuſtellen, wo ſich Henke am
12. Juni aufgehalten hat und mit wem er zuſammen war.
Henke war Reiſender für die Zigarettenfabrik. Gebr. Schmidt
u. Co. in Stuitgart und hatte ſeinen Wohnſitz in Iſerlohn. Auf
die Ermittlung des oder der Täter hat die Staatsanwaltſchaft
Darmſtadt eine Belohnung von 700 Goldmark ausgeſetzt. Wer
in der Lage iſt, zweckdienliche Mitteilungen zu machen, möge
dieſe der Staatsanwaltſchaft Darmſtadt mitteilen.
Der Einbruch bei dem Freiherrn von Oettinger hat teilweiſe
ſeine Sühne gefunden. Im November v. J. hat dieſer Einbruch großes
Aufſehen erregt, wurden doch für nicht weniger als 45 000 Goldmark
Schmuck und Wertgegenſtände von den Tätern erbeutet. Den emſigen
Ermittlungen der Kriminalpolizei gelang es, zwei Perſerteppiche, eine
Ledermappe und ein Herrenhemd zu ermitteln, wodurch die Spur auf
den vielfach vorbeſtraften 26jährigen Händler Georg Schüßler von
Frankfurt gelenkt wurde, und mit dieſem war wegen Begünſtigung
der ebenfalls von Frankfurt ſtammende Monteur Wilhelm Kretz
ange=
klagt. Beide leugneten bis aufs äußerſte, jedoch Gerichtschemiker Prof.
Dr. Popp aus Frankfurt erbrachte die Indizienbeweiſe, und ſo wurde
Schüßler zu 3 Jahren Zuchthaus, abzüglich 6 Monate Unterſuchungshaft,
zu fünfjährigem Ehrverluſt verurteilt. Kretz erhielt 1 Monat
Ge=
fängnis.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſcheinenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten.
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritik.
— Vortragsgemeinſchaft techn.=wiſſenſchaftlicher
Vereine. Am Mittwoch, 25. Juni, 8 Uhr abends, Lichtbildervortrag
üiber „Eiſenbahnunfälle und deren Verhürung”, (Siehe Anzeige.)
2,
Pſchaftliche Zentralgenoſſenſchaft,
Darmſiadt.
Die 34. ordentliche Generalverſammlung der Landwirtſchaftlichen
Zentralgenoſſenſchaft e. G. m. b. H., Darmſtadt, die geſtern vormittag
kurz nach 10 Uhr vom Vorſitzenden des Aufſichtsrats der Genoſſenſchaft,
Beiſer, Gutsbeſitzer in St. Johann (Rheinheſſen) eröffnet wurde,
erfreute ſich eines guten Beſuches. Aus allen,Gauen des Heſſenlandes
waren die Vertreter der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften
herbei=
geeilt, um ihr Intereſſe an der Tagung zu bekunden. Der Vorſitzende
gab ſeiner Freude darüber ſichtbaren Ausdruck in herzlichen
Be=
grüßungsworten an die Vertreter der Behörden und an die
Genoſſen=
ſchaftsvertreter. Beſonders gedachte er der notleidenden Bauernſchaft
im beſetzten Gebiet und der Ausgewieſenen, für die er ſchöne Worte
des Troſtes und des Dankes hatte, und denen er die beſten
Segens=
wünſche für die Zukunft mit auf den Weg gab. Der Vorützende ging
dann kurz auf die ſchwere wirtſchaftliche Kriſe ein, die die Landwirtſchaft
durchgemacht hat und zurzeit noch durchmacht, und appellierte an den
ernſten Willen der Genoſſenſchaftsmitglieder, die Genoſſenſchaft wieder
auf eine geſunde Baſis zu bringen zum Wohl, der Landwirtſchaft und
nicht zuletzt zum Wohl des geſamten deutſchen Vaterlandes.
Anſchließend brachte der Vorſitzende des Vorſtandes, Direktor
Berg=Darmſtadt, den Geſchäftsbericht (ſ. Nr. 167) zur Kenntnis.
Er=
wähnt ſei noch, daß der Warenumſatz gegen früher um 50 Prozent
zurückblieb, was auf die Abdroſſelung der beſetzten Gebiete
zurückzu=
führen iſt. Bemerkenswert iſt ferner, daß der Umſatz der erſten 5
Mo=
nate des Jahres 1924 bereits den Geſamtumſatz des Jahres 1923
über=
ſteigt. Zur Papiermarkbilanz führte Herr Direktor Berg an, daß das
Inventar und die Lagergebäude mit 27 408 802 915 Millionen Mark
ab=
geſchrieben wurden, ſo daß in der Papiermarkbilanz Inventar und
Lagergebäude mit einer Mark bewertet wurden und überhaupt nicht
mehr aufgeführt wurden. Die Papiermarkbilanz per 31.
De=
zember 1923 verzeichnet (alles in Millionen Mark auf der Aktivſeite)
einen Kaſſenbeſtand von 47 293 597 781, Deviſen 29 840 150 000,
Wert=
papiere 40, Warenbeſtände 771 169 350 000, Debitoren 210 978 279 200,
Bankguthaben 68 688 760 000 und Beteiligungen 250 000 098, während
die Paſſivſeite an Reſerven 247 Kreditoren 332 204 754 000,
Wechſel=
verbindlichkeiten 500 000 000 000 und an Reingewinn 296 219 182 860 Mk.
aufweiſt.
Die Goldmarkbilanz hat die Papiermarkbilanz zur
Grund=
lage und ſtimmt mit dieſer beſonders bei den Poſten Kaſſe, Reichsbank,
Poſtſcheckkonto, Warenbeſtände, Deviſen und Landesgenoſſenſchaftsbank
überein. 1 Billion Mark iſt in der Bilanz 1 Goldmark gleich. Neu
er=
ſcheinen in der Bilanzbewertung Gebäude und Inventar. Die
Immo=
bilien ſtehen mit 315 000 Mk. in der Bilanz, welcher Wert unter den
heutigen Verhältniſſen aus ihnen zu erzielen iſt. Das genau
aufge=
ſtellte, ſehr wertvolle Inventar iſt mit 29 061 Mk. angegeben. An
Paſ=
ſiven ſtehen gegenüber Reſerven 500 000 G.=Mk., Wechſelverbindlichkeiten
500 000 G.=Mk., Kreditoren 332000 204,75 G.=Mk. Hierzu kommen noch
140 21 G.=Mk. an Geſchäftsguthaben der Mitglieder, die durch
Aufwer=
tung entſtehen. Der Ueberſchuß an Papiermark=Reingewinn wird auf
neue Rechnung vorgetragen.
Ueber die Geſchäftsausſichten iſt zu ſagen, daß ſie günſtig
ſind. Auch die Landwirtſchaftliche Zentralgenoſſenſchaft ſteht im
Zei=
chen des Abbaues. Die Zahl der Angeſtellten und Arbeiter wurde
ver=
mindert, und man iſt dabei, die Ausgaben mit den Geſchäftserträgniſſen
in Einklang zu bringen. Den geſunden wirtſchaftlichen Sinn, der in
der Genoſſenſchaft zu Hauſe iſt, charakteriſiert nichts treffender als die
folgenden Sätze des Vorſitzenden: „Je ſchärfer auf den Pfennig geſehen,
je rationeller gearbeitet wird, deſto beſſer wird die Kriſe überſtanden
werden. Es kommt weniger darauf an, viel Vermögen aus der
Infla=
tionszeit herüberzuretten, als vielmehr darauf, produktive Arbeit zu
leiſten. Es gibt nur ein wirkſames Mittel, ſich den veränderten
Ver=
hältniſſen anzupaſſen, und das iſt, die Ausgaben mit den eigenen
Mit=
teln in Einklang zu bringen.”
Der Bericht des Aufſichtsrats wurde genehmigt. Ebenſo Punkt 3
der Tagesordnung: Beſchlußfaſſung über die Genehmigung der
Jahres=
rechnung und Bilanz, ſowie die Verwendung des Papiermark=
Rein=
gewinns, und Punkt 4: Beſchlußfaſſung über die Genehmigung der
Goldmarkeröffnungsbilanz für den 1. Januar 1924. Dem Vorſtand und
Aufſichtsrat wurde Entlaſtung erteilt. Die durch Ablauf der
Wahl=
peribde ausſcheidenden Vorſtands= und Aufſichtsratsmitglieder werden
einſtimmig wiedergewählt. Die Zuſammenlegung der
Ge=
ſchäftsanteile wurde beſchloſſen, und zwar wurde der Antrag des
Aufſichtsrats angenommen, wonach die Zahl der Geſchäftsanteile im
Verhältnis von 2:1 zuſammenzulegen iſt. Dabei ſich ergebende
unge=
rade Zifern ſind nach oben abzurunden. In Goldmark
feſt=
geſetzt wurden die Haftſumme und die
Geſchäfts=
anteile. Die diesbezüglichen Anträge des Aufſichtsrats wurden
an=
genommen. Der Geſchäftsanteil wurde auf 300 Goldmark und die
Haft=
ſumme auf 3000 Goldmark feſtgeſetzt. Der Geſchäftsanteil iſt in zwei
Raten einzuzahlen, die erſte Hälfte zum 31. Dezember ds. Js., der Reſt
zum 31. Dezember des Jahres 1925. Die zweite Hälfte iſt
unverzins=
bar. Das Geſchäftsguthaben der Mitglieder nach dem Stande vom
31. Dezember 1923 iſt aufzuwerten, d. h. Einzahlungen bis zum 31.
De=
zember 1917 werden als Goldmarkeinzahlungen betrachtet. Einzahlungen
im Jahre 1918 werden 1 Mk. mit 50 Pf. umgerechnet. Einzahlungen
vom 1. Januar 1919 ab werden über den jeweiligen Dollarſtand am
Tage des Eingangs der Zahlungen in Goldmark umgerechnet. Iſt der
Aufwertungsbetrag höher als die nach der Zuſammenlegung
vorhan=
dene Geſchäftsanteilſumme, dann ſind ſo viele weitere Anteile zu
er=
werben, daß eine Herauszahlung des überſchießenden
Geſchäftsgut=
habens nicht in Frage kommt. Wird die hiernach erforderliche
Ueber=
nahme weiterer Geſchäftsanteile abgelehnt, ſo fließt der entſprechende
Betrag der Betriebsrücklage zu.
Hierauf folgte der Bericht über die derzeitige
Ge=
ſchäftslage, den Direktor Strasburger erſtattet. Aus dem
Bericht iſt hervorzuheben, daß, wenn die Verhältniſſe ſich nicht ändern,
der Umſatz im zweiten Halbjahr ganz erheblich zurückgehen wird, da
die Spanne zwiſchen dem Preis für landwirtſchaftliche Produkte und
dem Anſchaffungspreis für landwirtſchaftliche Betriebsmittel viel zu
hoch iſt. — In der dann folgenden Ausſprache wurden von
verſchiede=
nen Seiten Beſchwerden, Wünſche und Anregungen vorgebracht, denen
von ſeiten der Vorſtandſchaft Beachtung geſchenkt wurde.
Größeres Intereſſe beanſpruchte das Referat des Herrn Direktors
Berg=Darmſtadt über „Genoſſenſchaftliche
Viehverwer=
tung”, Pflicht der Landwirtſchaft ſeiles, ſo heißt es in dem Referat,
die Ernährung des Volkes ſicherzuſtellen. Jeder müſſe durch Steigerung
ſeiner Ertragswirtſchaft dazu beitragen, das Land von der Einfuhr
aus dem Ausland unabhängig zu machen. Der Einzelne ſei dazu nicht
imſtande, wohl aber die Genoſſenſchaft. Um dieſes Ziel zu erreichen,
müſſe die Genoſſenſchaft zur Selbſthilfe greifen. Nur durch die
Selbſt=
hilfe könne die Landwirtſchaft ihre wirtſchaftliche Lage verbeſſern. Ein
gangbarer Weg zu dieſem Ziel ſei die genoſſenſchaftliche Viehverwertung.
Der Vortragende ſtützte ſich bei ſeinen Ausführungen auf eine Schrift
des Bürgermeiſters Schröder von Elbenrod, die ſich eingehend mit
der genoſſenſchaftlichen Viehverwertung befaßt, und weiſt auf die
Er=
fahrungen hin, die man ſchon in den Städten mit der
genoſſenſchaft=
lichen Viehverwertung gemacht hat, u. a. in Frankfurt a. M., Berlin,
Köln, Chemnitz und Bremen.
Der Referent verlas dann ein Nundſchreiben, das die
genoſſenſchaftliche Viehverwertung betrifft und an die
Mitglieder geſandt werden ſoll. Darin heißt es unter anderem:
„Die gegenwärtigen Verhältniſſe im Viehabſatz haben uns
veran=
laßt, die genoſſenſchaftliche Viehverwertung in den beiden Provinzen
Oberheſſen und Starkenburg aufzunehmen. Die erſte Vorausſetzung
für eine erfolgreiche gemeinſame Verwertung von Vieh iſt eine geſicherte
Abſatzmöglichkeit durch direkten Verkauf des Viehs an Großſchlächter
auf den Schlachthöfen.‟ Die von einer Schweſternorganiſation bereits
ſeit 15 Jahren in Frankfurt a. M. auf dem Viehhof eingerichtete „
Zen=
tralgeſchäftsſtelle für Viehverwertung” ſoll mitbenützt werden. Die
Viehverwvertung ſoll mit dem Abſatz von Schweinen und Kälbern
begin=
nen und ſpäter auf Großvieh, ſowie die Beſchaffung von Nutz= und
Zuchtvieh ausgedehnt werden. Des weiteren gibt es Aufſchluß über die
Verladung und Behandlung des Viehs während des Transpouts und
nach der Ankunft am Beſtimmungsort. An einer anderen Stelle des
Rundſchreibens heißt es: „Auf dem Viehhof erfolgt der Verkauf nach
Lebendgewicht, und zwar nur gegen Bezahlung. Der Verkaufserlös
ſwird den Verkäufern ſofort nach dem Verkauf überwieſen. Bis zum
Verkauf an dem Beſtimmungsmaukt behalten die Ablieferer das
Eigen=
tumsrecht an ihrem Vieh. Die Ortsgenoſſenſchaften ſowohl als auch
Flottweg=
Motorräder
1 PS. u. 2 PS. neueſte
Modelle, ſofort
liefer=
bar.
(5882a
Donges & Wieſt.
Hu
Im Anfertigen ſämtl.
Damen= u. Kinder=
Garderoben
mpf. ſich Engraf,
Gervinusſtr. 40,III.
Seite 6.
die Zentralgenoſſenſchaften üben lediglch Kommiſſionstätigkeit aus. Um
die Eigentümer gegen Verluſte (Traysport= und Schlachtverluſte) zu
ſchützen, werden die Tiere verſichert.”
Zweck der genoſſenſchaftlichen Viehrsrwertung ſoll eine beſſer
Be=
lebung im Viehabſatz, eine angemeſſene Preisbildung und die
Ausſchal=
tung der Zwiſchenhändler ſein. Die Landwirtſchaft hofft, auf dieſe
Weiſe die Preisſpanne zwiſchen dem Fleiſchpreis in den Städten und
dem Lebendgewichtpreis auf dem Lande auszugleichen.
Der Vortrag fand den ungeteilten Beifall der Verſammlung. Es
wurde dann folgende Reſolution einſtimmig
ange=
nommen:
„Mit Rückſicht auf die durch die wirtſchaftlichen Verhältniſſe
be=
dingte allgemeine Abſatzſtockung und die Tatſache, daß:
1. Der Erlös aus den tieriſchen Erzeugniſſen eine
Haupteinnahme=
quelle für die große Mehrheit der heſſiſchen Landwirtſchaft bildet;
2. die Landwirte keinen Einfluß auf die Preisbildung im
Vieh=
handel auszuüben vermögen, die vielmehr — abgeſehen von der
Markt=
lage — in den Händen des Viehhandels liegt, und
3. der Zwiſchenhandel Formen angenommen hat die nicht nur
preisdrückend für den Produzenten, ſondern auch fleiſchverteuernd für
den Verbraucher wirken,
hält es die 34. ordentliche Hauptverſammlung für dringend geboten, den 1. Juli, vormittags 10 Uhr, findet in Groß=Bieberau i. Odw. (Kr.
daß der Genoſſenſchaftsviehabſatz ſofort durch die landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften in die Wege geleitet wird.”
Nach einer kurzen Ausſprache, in der das lebhafte Intereſſe der
Ausdruck kam, und nach einſtimmiger Annahme einiger weiterer An=
Stiftungsfeſt früherer Leibgardiſten.
tag ihr 20jähriges Stiftungsfeſt, verbunden mit Fahnen= Groß=Vieberau, und die Landwirtſchaftskammer Darmſtadt.
weihe. Das Feſt begann geſtern mit einem Konzert, das urſprünglich
im Garten des Saalbaues ſtattfinden ſollte, aber wegen der
ungünſti=
gen Witterung in dem großen Saal abgehalten wurde, der dicht beſetzt unreife Stachelheeren gegeſſen und erkrankte. Unter gräßlichen
Schmer=
war. Von weit her waren ehemalige Angehörige des Leibregiments
herbeigekommen. Unter den Gäſten waren das Großherzogspaar, als
Vertreter der Stadt Bürgermeiſter Mueller ſowie viele Vertreter
an=
ziert. Der Beamtenverein ehemaliger Militärmuſiker unter Leitung
von Herrn Georg Greilich leitete den Abend ein mit dem Marſch „Alte
Kameraden” von C. Teike, der mit lebhaſtem Beifall aufgenommen
wurde. Nachdem dann die Klänge von Webers „Freiſchütz”=Ouvertüre
verklungen waren, hielt Herr Rechtsanwalt Kalbhenn eine Anſprache, in
der er das Großherzogspaar, die Vertreter der Regierung, den
Vertre=
ter der Stadt, ſowie die anderen Gäſte begrüßte. Er wies in zündenden und Frank an der hieſigen Volksſchule ſind zu Rektoren beför=
Worten auf Ziel und Zweck der Vereinigung hin, die Erinnerung an
das Regiment wachzuhalten, Vaterlandsliebe und Kameradſchaft zu ganzen Landes werden dieſe Beförderungen beſonders auch deshalb
pflegen. Lebhafte Beifallskundgebungen folgten dieſen Ausführungen,
worauf der muſikaliſche Teil des Programms ſeine Fortſetzung fand.
Trompete in der Entfernung von P. Dierig (Soliſt Herr W. Dickel= bewährte ältere Lehrer zu Nektoren befördert, die ſich bereits in der
mann); u8 kommt ein Vogel geflogen”, ein deutſches Volkslied im Stile
älterer und neuerer Meiſter von S. Ochs. Der zweite Teil des Pro= geſtanden iſt. Das iſt bei den beiden hieſigen Ernennungen der Fall.
gramms brachte noch „Zwei alte heſſiſche Märſche” von Landgraf
Lud=
ſchen Fahnenmarſch; ferner „1813” Tongemälde von Saro; „An der
ſchönen blauen Donau” Walze von J. Strauß; „Soldatenleben”
Ma=
növerbild von Kéler=Béla, ſowie zum Schluß den „Zapfenſtreich mit
Gebet”.
beginnt im Rummelbräu ein Volkskonzert.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 22. Juni 1924,
Nummer 173.
Aus Heſſen.
=a= Griesheim, 21. Juni. Bei dem am vergangenen Sonntag in
Dieburg ſtattgefundenen Geſangswettſtreit errang der hieſige
Geſang=
verein „Liedertafel” bei ſehr ſtarker Konkurrenz in der 3.
Land=
klaſſe mit 172 Punkten den 4. Preis und im Klaſſenehrenſingen mit
91 Punkten den Ehrenpreis.
z Eberſtadt, 21. Juni. Marktmeiſter. Zum Markt= und
Wiegemeiſter für den hieſigen Obſtmarkt iſt Jakob Schweitzer
kreis=
amtlich verpflichtet worden.
* Eberſtadt, 21. Juni. Obſtmarkt. Der geſtrige 2. Tag des
Obſtmarktes erfreute ſich ebenfalls eines guten Zuſpruches, ſo daß alle
Vorbedingungen für ein gutes Gelingen gegeben ſind.
t. Waſchenbach, 21. Juni. Am 24. d. M. feiert der in weiten
Krei=
ſen bekannte Landwirt Philipp Schneider 1. in völliger körperlicher
und geiſtiger Friſche ſeinen 70. Geburtstag. Der Jubilar
ver=
richtet noch jeden Tag ſämtliche landwirtſchaftliche Arbeiten und iſt ſeit
42 Jahren Abonnent des Darmſtädter Tagblatts.
— Groß=Bieberau, 21. Juni. Fohlenauktion. Am Dienstag,
Dieburg) auf dem Brauereihofe eine Pferde= und Fohlenauktion der
Pferdezüchtervereinigung Groß=Bieberau und Umgebung, anerkannt von
der Landwirtſchaftskammer für Heſſen, ſtatt. Zur Auktion gelangen
Mitglieder an der genoſſenſchaftlichen Viehverwertung ſichtlich zum Saug= und 1=, 2= und Zjährige Fohlen der belgiſchen und
oldenburgi=
ſchen Naſſe, welche Landwirten gehören. Der größte Teil der Fohlen
träge des Aufſichtsrats wurde die Generalverſammlung geſchloſſen. B=r., ſtammt von Stammbuchſtuten des Heſſiſchen Pferdeſtammbuchs und
Be=
ſchälern des Heſſiſchen Landgeſtüts ab. Es bietet ſich alſo für Züchter
und Händler hier Gelegenheit, erſtklaſſiges Zuchtmaterial aus
Züchter=
hand direkt zu kaufen. Groß=Bieberau iſt ſelbſt Station und die
Foh=
len können dort mit der Bahn verladen werden. Jede nähere Auskunft
Die Vereinigung früherer Leibgardiſten feiert Samstag und Sonn= erteilt der Vorſitzende der Züchtervereinigung, Herr Ludw. Schönberger, und einen abgetragenen, hellrauen Sackanzug, olivarüne Sportmütze,
— Erbach i. Odw., 20. Juni. Anunreifem Obſt geſtorben
iſt das 12jährige Töchterchen einer hieſigen Familie. Das Mädchen hatte
zen ſtatb das Kind innerhalb eines Tages.
r Babenhaufen, 19. Juni. Die höhere Bürgerſchule und
derer Behörden. Das Podium war reich mit Fahnon und Wappen ge= Volksſchule veranſtalten kommenden Montaa (23. Juni), vormittags, Arbeitgeber der Provinzen Heſſen=Naſſau und Oberheſſen fand hier im
gemeinſam ihr Jugendfeſt auf dem Feſtplatz des Kriegervereins.
Sportliche Uebungen, Wettkämpfe, Stabübungen Maſſenchöre
vorgetra=
gen von den Schülern der vereinigten oberen Klaſſen der beiden
Schu=
len. Gedichtvorträge und Volkstänze der Mädchen verheißen ein frohes
Jugendfeſt.
dert worden. Von der Lehrerſchaft unſerer Stadt und wohl auch des
freudig begrüßt, weil durch ſie der Grundſatz, daß möglichſt jeder Lehrer
ſchließlich einmal Rektor werden ſoll, ohne die älterer Lehrerſchaft des
Auf der Spielfolge ſtanden die nachſtehenden Stücke: Melodien aus der geſamten Landes in ihren Bezügen zu beeinträchtigen, bewußt zur An=
Operette „Der Vogelhändker” von C. Zeller; „Auf der Wacht” Lied für wendung zu kommen ſcheint. Dies kann nur geſchehen, wenn man nur
Gehaltsgruppe befinden, die den Rektoren an großen Vollsſchulen
zu=
wig Ulll, von Heſſen, und zwar einen Parademarſch und einen heſſi= bedeutend erweitert worden und macht jetzt den Eindruck einer zeit= Bäume ſind mit den Gewehen der Froſtſpinner bedeckt. Die Ausſichten
gemäßen Bodeanlage.
Ein Spazſergang auf die Marſtenhöhe
gehört mit zu den ſchönſten Annehmlichketen Darmſtadts, wenn man
Heute vormittag 11 Uhr iſt im Saalbaugarten Frühkonzert und ſich durch „Kulexin” vor den aufdringlichen und läſtigen Schnaken
ge=
nachmittags halb 3 Uhr die Fahnenweihe in der Stadtkirche. Um 4 Uhr ſchützt hat. Frauen und Kinder ſind beſonders dankbar dafür. Näheres des u. krättigendes Fohimbin-Hlormon-Präparat. Fachärztlich
begut-
im heutigen Anzeigenteil.
(S128
* Groß=Gergu, 21, Kunf. Unfall. Einer hieſigen Landwirtsfrau
wurde auf dem Felde von einer durch Inſektenſtiche unruhig gewordenen
Kuh ſo unglücklich mit einem Horn in den Leib geſtoßen, daß ſie eine
zirka 8 Zentimeter breite Wunde davontrug, die vernäht werden mußte.
Die Frau liegt noch im Krankenhaus, befindet ſich aber auf dem Wege
der Beſſerung.
* Groß=Gerau, 21. Juni. Eine üble Verwechslung. Als
dieſer Tage ein Landwirt vom Felde nach Hauſe kam und, um ſeinen
Durſt zu löſchen, nach einer Flaſche griff, bekam er unglücklicherweiſe
eine Flaſche voll Salmiakgeiſt in die Hände. Ehe er den Frrtum merkte,
hatte er ſich ſchon ſchwere innere Verletzungen zugezogen. Dennoch ſchemtt.
die Verwechſleung gut abgegangen zu ſein, denn er befindet ſich außer
Gefahr.
X Godbelau, 21. Juni. Philippshoſpital. Die Landes=
Heil= und Pflegeanſtalt Philivpshoſpital errichtet einen Neubau, der
große Stallanlagen vorſieht. Der Neubau ſoll u. g. eine
Schweineſtal=
lung für 100 Schweine und eine Futterküche enthalten.
Alzeh, 18. Juni. Frecher Schwindel. Hier hat ein gewiſſer
Willy Häniſch aus Zweibrücken einen frechen Schwindel verübt. Häniſch
war früher Angeſtellter der Pfälziſchen Volksbühne in Zweibrücken. Mit
Formularen dieſes Vereins und ſonſtigen Papieren ausgerüſtet, hat er
es in Alzey verſtanden, Geſchäftsleute zu täuſchen. Er ſetzte einen
Vor=
verkauf für Paſſionsſpiele ins Werk, legte das ganze auf breiter Baſis
und recht großzügig an, und hat ſo im Vorverkauf einige hundert Mark
eingenommen, mit denen er das Weite ſuchte. Abgereiſt iſt er in Alzeh
am Sonntag, den 15. Juni, nachmittags. Er iſt mittelgroß, hat
dunkel=
blondes, gelocktes Haar, rundes Geſicht, braune Augen, trägt
dunkel=
randige Hornbrille, hat ſchlechte Vocderzähne, die er beim Lachen und
Sprechen durch Vorhalten der Hand vor den Mund zu verdecken ſucht.
Er reiſt in Geſellſchaft ſeiner angeblichen Gattin, einer mittelgroßen
Blondine, friſches Geſicht hellblaue Augen. Gekleidet war der
Schwind=
ler bei ſeiner Abreiſe in hellbraune Sporthoſe, die er in Alzeh kaufte
ebenfalls neu. Die Begleiterin trug orangefarbenen Jumper, grün
ge=
ſtreift und Lederhut. Beide ſtehen in den er Jahren. Die
Krimingl=
polizei wird gebeten, nach dem Schwindlerpaar zu fahnden und deſſen
Feſtnahme zu veranlaſſen. Meldung an die Polizeiverwaltung Alzeh
erbeten. Um Nachdruck wird erſucht.
— Bad=Nauheim, 20. Juni. Die Hauptverſammlung der
im Heſſen=Naſſauiſchen Wirtſchaftsverbande vereinigten kommunglen
Stadthauſe unter Leitung des Vorſitzenden Bürgermeiſter Müller von
Marburg ſtatt. In dem Verbande ſind über 60 Kommunen vereinigt,
die einſtimmig der Auffaſſung waren, daß der Verband ſeine Aufgaben
im abgelaufenen Geſchäftsjahre zum Nutzen der Allgemeinheit erfüllt
habe. Gegenſtand der Beſprechungen war der Ruhelohn, die tarifliche
+ Neu=Ffſenburg, 20. Juni. Man ſchreibt uns: Die Lehrer Dern Regelung der Gehalts= und Arbeitsbedingungen der kommunalen
An=
geſtellten und die lohnpolitiſchen Aufgaben der Kommunen in der
kom=
menden Zeit.
Aus der Wetterau, 19. Juni. Der Stand der Fluren iſt
dank des günſtigen Wetters ein guter zu nennen. Beſonders die
Kar=
toffel= und Zuckerrübenfelder zeigen einen prächtigen Stand. Das
gleiche gilt von Hafer und Gerſte. Das Wintergetreide, Roggen und
Weizen, hat ſich beſſer entwickelt, als man im Frühjahr hoffte.
Aller=
dings hat der Weizen auf feuchten Aeckern infolge Auswinterung
ge=
litten. Die Heuernte hat begonnen und ſie liefert heuer einen Ertrag,
wie wir ihn ſeit Jahren nicht hatten. Die Kirſchenernte iſt im Gange,
8 Rüſſelsheim, 21. Juni. Das Volksbad des Heimatvereins iſt der Ertrag unter mittel. Aepfel wird es nicht viele geben, ganze
auf Zwetſchen ſind gering, nur die Birnbäume verſprechen eine gute
Ernte.
E
SATYRIN zustände, ger. Neurgothenie ein
guresen=
gchtet und sehr empkohlen. In jeder Apotheke erhältlich. (I.K,373a
mrten
Zuter
sim
für Last-Kraftwagen
ebenbürtig in Konstruktion und Haltbarkeit den
Reifen
für
Fahrräder
Motorräder
und Automobile
Die Weltmarke bürgt für Qualltätl
n.
Vorkriegs=Stadtanleihen
u. Induſtrie=Obligationen
kauft und verkauft
Bankgeschäft
Hamhurger & Rasenihal
Berlin NW?
Unter den Linden 56, (wn
Landaufenthalt!
In f. Landhaus, herrl, Lage, f.
möbl. Zimmer
zu Verm., ertl. Kochgelegenh.
für Früähst, usn.
Haus Waldheim
Lindenfels I. O. (8033ts
M
können noch Damen teilnehmen.
Toni Hanau, Rheinſtraße 23.
Anmeldungen vormittags. (*18084
Hobelmaschinen
Bandsägen
Fraisern etc.
einzeln und kombinier
701o
Ihnen die besten Quafitäten in
wundervoller Elsganz und größter
* Preiswürdigkeit zu verkaufen,
ldarin besteht mein Stolz.
Prüfen Sie seibst!
0.80 übe neueste Muster .. Voll-Voile sparte Dessins .. b.
ſon
1.50 ar Dirndl-Zephir San
1.75
e licht- und waschecht Woll-Musseline lefe
A.
3.25
Bei größte Musterauswahl . Roh-Seide tür alle Zneeke. 6.50 Foulard 7.00
Pei prächtige Musterung . . . . . Für die Reise: Nor
Wäſ Prakt. Kostümstoffe.. Büge
ſern
6.00 al. Passende Futter in unerreicht- Auswahl (uts 116
Spezialfabrik für Hoizbearb.-Masch.
ilein e Stieſel, Fuldla m.
LOpUIGSRIATZ
Ecke Schulstrasse
Ue
Rein gol d
liefert ſchnell — gut und billig
Die Wäſche wird auch abgeholt
Telephon 736 Reingold Telephon 736
Wilhelminenſtraße 6 Kranichſteinerſtraße 28
Georg Berth) Spezial=Reparaturwerkſtätte
Darmſtadt
Maurermeiſter
b. billigſter
Mauerſteine
äaud
e
(Gröcs
Fahrräder
Fachmännige Bedienung, ſolide Preiſe.
Eigene Löt= und Schweißanlage,
Fahrradhaus Gg. Hahn & Co.
Fahrradſchloſſermeiſter
Große Ochſengaſſe 12.
ſowie emaillieren u.
vernickeln.
prompt und billigſ
Baumert
Schloßgafſe 10, leuae
Kee
B,Ohns Besger”
70
Bwerden Hühner=
V augen-Hornhaut
schmerzl entkernt,
8 sonie einsewachs.
Nägelschonendbe=
handelt, (Sait 1910er-
„famunen-F folgr. Prakis).
Samm=
lung entternter 4
b-
normitgtes. Beste Referenzen.
AUdUSF DRESCHER
Hühneraugen-Operateur
Beekerztr. 29
Beekerstr. 28
Komme auf Wunsch ins Haus.
Laſtauto=Transporte
nach allen Richtungen
Be= und Entladen von Baggond
übernimmt bei billigſter Berechnung 6
Wilhelm Schwab
Beſſungerſtr. 88 1 Laſtautobetrie5 1Fel. 624
Kummer 172.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 22. Juni 1924.
Seite 7.
Lizenzſchwindfer.
bz. Die Dummen werden nicht alle. Dieſes „goldene”
Sprich=
port iſt in der Tat ein goldenes, denn diejenigen, die es ſich
ſupellos zunutze machen, ernten Gold in Hülle und Fülle.
inter den modernen Wegelagerern, die den Sinn des
Sprich=
portes voll und ganz erfaßt haben, nehmen die Lizenzſchwindler
ine hervorragende Stellung ein. Jeder Betrüger geht von dem
frundſatz aus, gegen hohe Bezahlung nichts oder möglichſt wenig
u liefern, und dieſer Grundſatz iſt bei keiner anderen
Ver=
frecherkategorie ſo ausgeprägt wie beim Lizenzſchwindler. Und
gs Gefährliche und Beklagenswerte bei der Sache iſt, daß dieſen
freibeutern durch die Strafbehörde außerordentlich ſchwer
bei=
ukommen iſt, weil ſie mit patentamtlich abgeſtempelter Ware
andeln, deren Wert „unſchätzbar” iſt und von dem
Laienpubli=
um immer höher angenommen wird, als er in Wirklichkeit iſt.
Unter einer Lizenz verſteht man bekanntlich die Erlaubnis,
velche der Inhaber eines Patentes oder eines Gebrauchsmuſters
inem anderen erteilt, die Erfindung in einem beſtimmten
Be=
irk für ſich gewerblich zu benutzen. Für die Lizenz pflegt als
begenleiſtung eine Abgabe an den Inhaber des Schutzrechtes
ſezahlt zu werden in der Art, daß der Lizenznehmer von jedem
erkauften Stück eine gewiſſe Summe an den Lizenzverteiler zu
ihlen hat. Das heißt mit anderen Worten, wenn der Lizenznehmer
heſchäfte macht, verdient auch der Lizenzerteiler, der ſich
höch=
ſens zum Schutz gegen unfähige und böswillige Lizenznehmer
ſas eine vorbehält, daß der Lizenzvertrag erliſcht, wenn binnen
ner gewiſſen Friſt nicht ein gewiſſer Umſatz erzielt wird.
So etwa ſieht ein normaler Lizenzvertrag aus, der, wie
der vernünftiger Menſch einſehen wird, für beide Teile von
futzen iſt, wenn der Gegenſtand des Patentes oder
Gebrauchs=
nuſters beim Publikum uſw. Anklang findet. Findet er keinen
inklang, ſo verdienen eben beide Teile nichts, was dann eben
ſicht zu ändern iſt.
Dieſe Art des Lizenzgeſchäftes paßt aber dem
Lizenz=
ſchwindler abſolut nicht. Er denkt gar nicht daran, erſt
abzu=
darten, wie ſich die geſchäftliche Sache einführt, ſondern er will
iter allen Umſtänden Geld machen, ganz gleich, ob der
Lizenz=
ſehmer dabei, wie es nicht ſelten vorkomt, ſein ganzes
Ver=
nögen los wird und wirtſchaftlich vollkommen ruiniert wird.
Während der ehrliche Lizenzerteiler ſich nur mit Fachleuten
inläßt, die ihm kaufmänniſch oder techniſch eine gewiſſe Gewähr
lieten, daß ſie etwas von der Sache verſtehen, macht es der
izenzſchwindler gerade umgekehrt. Er arbeitet am liebſten mit
höglichſt ungebildeten Laien, die er auf raffinierteſte Weiſe ins
ſarn lockt und dann ſofort mit geſchickt abgefaßten Verträgen
un für alle mal bindet, bis ſie den Lizenzvertrag erfüllt und
abei in den meiſten Fällen alles verloren haben.
Zu dem Zwecke erläßt der Lizenzſchwindler eine Annonce
nit der Ueberſchrift: „Sichere Exiſtenz”, „Lebensſtellung”
Be=
uemer Nebenverdienſt” uſw. (übrigens ein ſicheres Kennzeichen
uch bieler anderen Schwindelfirmen), in welcher ein jährliches
ikommen von 10= bis 20000 Mark zugeſichert wird ohne
ranchekenntniſſe. Der Betreffende braucht nur 1000 bis 4000
Lark zu beſitzen, alles andere finde ſich dann von ſelber. Da
8 im deutſchen Vaterlande immerhin eine ganze Menge
Men=
ſhen gibt, die gern 10= bis 20000 Mark jährlich verdienen
möch=
in, ſo laufen zahlreiche Meldungen ein, unter denen ſich der
ienzſchwindler ſeine Opfer mit größter Gemütsruhe ausſucht.
Zu dieſem Zweck ſchickt er ſeine Agenten auf die Reiſe
in=
eni er jedem einen beſtimmten Bezirk überweiſt, und das Spiel
ſeg innt.
Der Agent mietet ſich im feinſten Hotel der Stadt ein
immer und ladet die verehrlichen Intereſſenten ein, ihn zwecks
ebertragung der „Sicheren Exiſtenz” zu beſuchen. Mit der
ene eines Gönners und Freundes empfängt er ſeine Kunden,
ict, ohne darauf hinzuweiſen, daß ſo und ſo viele ſich
ge=
neldet hätten und führt ſeinen geſchützten Artikel vor. Nachdem
die Vorteile desfelben in das hellſte Licht geſett ſind, erzählt
er ſeinem erſtaunten Gaſt, daß an Hand der von ihm
aufgeſtell=
ten Rentabilitätsberechnung mit Leichtigkeit 10= bis 20 000 Mark
pro Jahr zu verdienen wären, daß er dieſer Glückliche ſein ſolle,
aber — unter einer Bedingung, er müſſe ſich ſchnell entſchließen
und den Bedingungen ſeiner Firma entſprechend eine kleine
Anzahlung von 1000 bis 4000 Mark leiſten. Wenn der
Inter=
eſſent dann zweifelnd, bald das geſchützte Modell, bald den
freundlichen Wohltäter der Menſchheit betrachtet und ſchließlich
kleinlaut erklärt, daß er nicht ſo viel bares Geld flüſſig habe,
tröſtet ihn der Schwindler mit dem Hinweis, daß er in dieſem
Ausnahmefall auch Akzepte nehmen werde. Je nach der
Ueber=
redungskunſt des Gauners und der mehr oder weniger großen
Unerfahrenheit ſeines Opfers gelingt es dann meiſtens ſchnell,
den Lizenzvertrag abzuſchließen. Hiermit iſt für den
Lizenz=
ſchwindler das Geſchäft erledigt. Er händigt ſeinem Opfer den
Lizenzvertrag und das dazugehörige Modell aus, gibt ihm
An=
weiſungen, wo er die Ware beziehen kann und verſchwindet
dann möglichſt ſchnell vom Orte ſeiner Tätigkeit mit dem leicht
erbeuteten Gelde und den Wechſeln in der Taſche.
Wenn dann dev Lizenznehmer vergeblich Zeit, Geld und
Mühe aufgewendet hat, um den ganz unverkäuflichen geſchützten
Gegenſtand an den Mann zu bringen, ſo verſucht er wenigſtens
um die Einlöſung der von ihm ausgeſtellten Akzepte
herumzu=
kommen, indem er im Wechſelprozeß den Einwand des Betruges
erhebt. Aber auch hier hat der Gauner ſchon vorgebeugt, indem
er ſofort nach Erhalt der Wechſel dieſe an ein „befreundetes”
Bureau weitergegeben hat, ſo daß der § 82 der Wechſelordnung,
wonach ſich der Wechſelſchuldner nur ſolcher Einreden bedienen
kann, welche aus dem Wechſelrecht ſelbſt hervorgehen oder ihm
unmittelbar gegen den jedesmaligen Kläger zuſtehen, zu
Ungunſten des Geprellten in Kraft tritt.
Er iſt vollſtändig in der Hand des Lizenzverkäufers, deſſen
Hintermann ihn ohne Gnade auf Grund der Akzepte auspfändet.
Auch wenn ſpäter im Zivilprozeß der ganze Vertrag wegen
argliſtiger Täuſchung für nichtig erklärt wird, ſo kommt der
Geſchädigte doch höchſt ſelten wieder zu ſeinem Gelde, weil
das=
ſelbe von dem Lizenzſchwindler inzwiſchen längſt verſchoben iſt.
Reich und Ausland.
Unpolitiſche Tagesſchau.
Eine tragikomiſche Gerichtsſzene ſpielte ſich jüngſt in Moabit ab.
Einem Staatsanwaltſchaftsrat lief ſeine Frau mit einem
Haupt=
mann a. D. davon. Die Frau ſetzte die Scheidung vor Gericht durch.
Der Staatsanwaltſchaftsrat verklagte ſeine frühere Schwiegermutter,
in der er die Hauptriebfeder für den Gattenwechſel ſah, wegen
Mein=
eids. Dieſe wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Doch ganz
ohne Kampf wollte ſich
die ſtreitbare Amazone
nicht in ihr Schickſal fügen. Als ſie von einem Gerichtsdiener galant
aus dem Sitzungszimmer über den Flur des Gerichtsgebäudes geführt
wurde, ſah ſie ihren früheren Schwiegerſohn in ſiegesfroher Stimmung.
Wie der Blitz ſtürzte ſie auf ihn und ſchleuderte ihm mit zielſicherem
Blick ihre Handtaſche an den Kopf, und noch ehe es der Gerichtsdiener
hindern konnte, ſtand ſie vor ihrem Todfeind und bemühte ſich, ihm
mit den Nägeln ins Geſicht zu fahren. Dieſer ſuchte ſich natürlich die
wütende Angreiferin vom Leibe zu halten. Der Hauptmann a. D., der
dieſem Duell beiwohnte, fühlte ſich verpflichtet, ſeiner nunmehrigen
Schpiegermutter ritterlichen Beiſtand angedeihen zu laſſen und griff
ebenfalls in das Handgemenge ein, während der wackere Gerichtsdiener
noch immer ſeine Faſſung nicht wiedergewonnen hatte. Aus dieſer
höchſten Not rettete ſich der ehemalige Schwiegerſohn durch ſchleunige
Flucht in den Gerichtsſaal. Von dort aus brachte er ſich durch einen
Nebenausgang in aller Stille in Sicherheit.
Einem jungen Mann wurde zur Laſt gelegt, eine wertvolle
Hand=
taſche mit Inhalt geſtohlen zu haben. Der Verteidiger erhielt das
Wort. Obwohl die Tat des Angeklagten außer Zweifel ſtand, erklärte
der Verteidiger ſeinen Klienten, der ſein dümmſtes Geſicht aufgeſetzt
hatte, für unſchuldig. Im Verlaufe ſeiner ſenſationellen Rede führte
er mit lächelnder Miene aus, daß nicht der Angeklagte, ſondern nur
deſſen linker Arm des Diebſtahls bezichtigt werden könne, und daß daher
unmöglich der ganze Menſch beſtraft werden dürfe, wo nur ein Glied
ſchuldig ſei. Durch dieſe durchaus logiſche Entwickelung war das
Publikum verblüfft, doch der Richter erwiderte unbeirrt in demſelben
ſpöttelnden Tone, den ſein Vorredner geſchlagen hatte: „Sehr geehrter
Herr Verteidiger! Ich muß unbedingt den Scharfſinn und die
Ueber=
zeugungskraft Ihrer Darſtellung anerkennen und kann mich der Wucht
Ihrer Beweisführung nicht entziehen. Sie haben recht: Nur der linke
Arm des Angeklagten hat den Diebſtahl ausgeführt, alſo iſt auch nur
der linke Arm ſchuldig zu ſprechen. Nun wohl! Ich verurteile
dem=
gemäß den linken Arm des Angeklagten zu 2 Jahren Gefängnis. Wenn
der linke Arm des Angeklagten die Strafe abbüßen kann, vne daß er
in Perſon in die Gefängniszelle zu gehen braucht, ſo iſt auch ſo dem
Geſetze und dem Kläger Genugtuung geleiſtet.‟ Das Publikum klatſchte
ſtürmiſch Beifall. Der Verteidiger aber murmelte grinſend durch
die Zähne:
„Shilock auf dem Gerichtsſtuhl”.
Der Angeklagte machte kein dummes Geſicht mehr. Er trat vor den
Richter, ſchraubte ſeinen linken Herzarm ab und legte ihn auf den Tiſch
des Hauſes. Jetzt machte der Richter das dumme Geſicht. Unter dem
brüllenden Gelächter des Publikums machte ſich der Angeklagte
unge=
ſchoren aus dem Hauſe, während zwei ſchwer bewaffnete Gerichtsdiener
den verurteilten Holzarm in die bereit gehaltene Gefängniszelle bringen.
— Solches geſchehen im Jahre 1924 im Lande der unbegrenzten
Mög=
lichkeiten — in Amerika!
Um den Oberbürgermeiſterpoſten in Frankfurt.
Frankfurt. Außer dem bisherigen Oberbürgermeiſter Voigt
werden als Kandidaten für den Poſten des Oberbürgermeiſters noch
genannt der frühere Reichsinnenminiſter und ehemalige Bürgermeiſter
von Kaſſel Koch, der gegenwärtige Innenminiſter Dr. Jarres,
ehemali=
ger Bürgermeiſter von Duisburg, und Finanzminiſter Dr. Luther,
frü=
her Bürgermeiſter in Eſſen.
Briefkaſten.
T. R., hier. Bis 10 Uhr abends.
beseitigt sicher
Hiihneraugen
das Radilkalmittel Lebesvoht.
Hornhaut an der Fußsohle verschwindet durch
Lebewohl-Ballen-Scheiben.
Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf.
8114a
In Drogerien und Apotheken.
Man verlange ausdrücklich „Lebewohl‟‟
Tageskalender.
Landestheater, Großes Haus, Anfang 6 Uhr, Ende 9½ Uhr
(Zuſatzmiete X1): „Carmen”. — Kleines Haus, Anfang 7 Uhr, Ende
9½ Uhr (Zuſatzmiete 1X1); „Bürger Schippel”. —
Geſang=
verein Sängerluſt, Traiſa: Fahnenweihe. —
Mitteldeut=
ſcher Küferinnungsverband, 8 Uhr vormittags: Konzert
im Rummelbräugarten, von da Abmarſch mit Muſik zur
Verbands=
ſitzung im Perkeo. — Vereinigung früherer
Leibgar=
diſten, Darmſtadt, vorm. 11 Uhr: Frühkonzert im Bürgerhof, nachm.
2½ Uhr: Weihe der neuen Fahne in der Stadtkirche, anſchließend
Konzert und Tanz im Rummelbräu. — Herrngarten, 11 Uhr:
Promenadekonzert. — Vereinigte Geſellſchaft:
Garten=
konzert. — Park=Café: Konzert. — Café Aſtoria: Konzert.
— Sportplatz=Reſtaurant (Böllenfalltor); von 4—7 und
8—11 Uhr: Konzert. — Mozartſaal, abends 8½ Uhr Vortrag:
„Unſere Zeit im Lichte der Weisſagung”. — Union=, Reſidenz=,
Cen=
tral=Theater, Palaſt=Lichtſpiele: Kinoverſtellungen.
Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft: Rudolf Maupe
Verantwortlich für Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſt
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann
Verantwortlich für Schlußdienſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhle
Druck und Verlag: L. C. Wittich — ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten
MNol Nau
Arhen fürhen färhen
iſler Art Kleider, Stoffe,
Porhänge, Handſchuhe uſw.
Beſſe Ausführung
Flotte Lieferung
Billigſte Preiſe
färberei Reingold
franichſteinerſtr. 28 Wilhelminenſtr. 6
Telephon 736. (7733
Autogaragen
Motorradgaragen
aus Weilblech, feuer= und diebes
ſicher, zerlegbar, transportabel, ab
Lager lieferbar. Angebote u. Pro=
(TV,7991
ſpekte koſtenlos.
Gebr. Achenbach, G. m. b. H.
Eiſen= und Wellblechwerke
Weidenau=Sieg, Poſtfach Nr. 420
(Weſtf., unbeſ. Gebiet)
Wollen Sie bei billigſter Berechnung
Weißbinder= und
Anſtreicherarbeiten
/18geführt haben, ſo wenden Sie ſich a
Adam Finger
Gervinusſtraße 49. (7856a
Da-Ru-Da
AASAA
Rein Uberſee 250 g 75 Pfg.
D. MUMRICH
Mühlſtraße 76 und Bismarckſtraße 27,
Eingang Wendelſtadtſtr. (58902
Anfertigung eleganter
Herrengarderoben
eſiklaſſige Arbeit, billigſie Berechnung
Maßſchneiderei
W. Waldherr,
Schuchardſtraße 11, II. (7890sgid
Infolge sehr günstiger Neueinkäufe warich in der Lage,
meine Verkaufspreise auf eine neue Grundlage zu
stellen, wodurch auch weitesten Kreisen Gelegenheit
gegeben ist, sämtliche
Herfeha d. Ahaben=
Bekleidung
enorm billig einzukaufen. Um der Zeit weiter
Rech-
nung zu tragen, werden gekaufte Waren bei
entspre-
chender Anzahlung bis zur Abnahme zurückgelegt
Lieferung innerhalb Starkenburg
zu Fabrikpreisen (8140a
0d0-Masohinenfabrik
DARHSTADT
Pallaswiesenstraße 160.
Zu verkaufen:
Hakoh-Mioterrad 1½/ P.5 gefahren, faſt neu, tadelloſer Läufer;
zweiſitzig zu fahren, Preis 600 M.
Ardie-Motorrad 3 P.5.
in gutem Zuſtande, 800 Mk.
Astoria-Motorrad 3 R.5.
ſehr gut erhalten, guter Läufer, 1100 M.
M. 5. U.-Motorrad 4 P.5.
Modell 23, ſehr gut erhalten, tadelloſer Läufer
und Bergſteiger mit allem Zubehör, 1500 M.
Fahrradhaus Gg. Hahn & Co.
Fahrradſchloſſermeiſter
Große Ochſengaſſe 12. (8149go
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Sountag, ben 22. Junk 1924.
Rummer 172.
ff. Küche, Diners, Soupers
Reichhaltige Speisekarte
Mittagstisch
von 1.20 Mk. bis 2.50 Mk.
Weine erster Firmen
in Original-Abfüllung
99
Telephon 282
Inh.: E. Friebis
Telephon 283
Zentralheizung
Fließend. kaltes u. warmes
Wasser
Schön gelegene Zimmer
Prächtiger Saal für
Konfe-
renzen und Festlichkeiten
Ansohließend im Brauereianssohank prima helles und dunkles Bier / Aittagessen von 0.70 Ak. an / Reichhaltige Speisekarte. Eigene Schlächterei.
Mur noch heute und morgen!
Seelenhandel
Sechs Akte aus dem Leben eines amerik. Filmstars.
Von dem Leben der Filmstars in den großen
amerikani-
schen Ateliers wird der Schleier des Geheimnisvollen
gesogen und zum erstenmal mit der Geschichte eines
ſungen Mädchens, das aus der Verborgenheit zu dem
Rang einer berühmten Künstlerin emporsteigt, das Dasein
gezeigt, wie es wirklich ist.
(8014fsgo
Mitwirkende:
Charlle Chaplin / Douglas Falrbanks
Priscilla Dean / Grifrith / Lew cody.
Menschen u. Masken
2. Teil: Ein gefährliches Spiel
6 spannende Akte. In der Hauptrolle:
A4.
Gfe
Bezirksverein Darmstadt
Am Samstag, den 28. Junl, abends 8 Uhr
findet in dem grossen Saale der
Turn-
gemeinde CWoogsplatz)unsredlesjährlge
Johannis-Feier
mit Konzert und Tanz statt, Mitglleder,
deren Angehdrige, Freunde und Gönner
unsrerSache ladet hierzu freundllchst eln
DIE UOHANNISEEST-KOMMISSION
Verband der Deutschen Buchdrucker
Ree
Großes Haus.
Sonntag, 22. Juni
Zuſatzmiete T”.
Carmen
von G. Bizet,
Anf. 6 Uhr. Ende 2½huhr
Preiſe: 1,50—15 Mk.
Kleines Hans. (na4
Abends 7 uhr
Zuſatzmiete TXu.
Bürger Schippel
von C. Sternheim.
Preiſe: 1-5 Mark.
All
2 Minuten
„ Bahnhof
e-Restaurank
Tel. 2519
„Rummelbräu‟ Rheinst. 101
(8156
Speisenfolge für Sonntag, 22. Juni
Mk. 1.20
Mkk. 0.80
Kraftbrühe mit Hömle
Hiee
Kalbsricken
Mastochsentlelch mit Bellagen
Erbsen und Karotten in Sahne
Kantoffeln
Mk. 1.50
De Hiche
Westfällscher Schlnken
Stangensoargel, zent. Kuter
Nachtisch
Mk. 2.50
Sunpe
Mastochsenfleisch mit Belagen
Zu dem am 2. Juli im ſtädt. Saalbau ſtattfindenden
Hausfrauen=Nachmittag
Kalbsnüicken.
Blumenkohl — Geback. Kartoffeln
Eräbeeren mit Schlagsshne
verbunden mit
Rummelbräu-Spezlalbier nach Münchner und Pilsner
Art im Ausschank
Ia offene und Flaschenweine — ff. Bohnenkaffee
Eis — Schokolade — Torte — Schlagsahne"
Inh.: K. Heidenreich
GroßerHauswirtſchaftlicher Ausſtellung
laden wir die Firmen Darmſtadts höfichſt ein.
Vergebung von Ausſtellungsraum und alles Nähere zu
erfahren bei Knierim, Gutenbergſtraße 58, II.
8135
Vortragsgemeinschaft
Techn. wissenschaftl. Vereine
CMittelrheln. Arch.- & Ing.-Verein,
Hess, elektrotechn. Ges., V. D. U.
VORTRAG
Mittwoch, 25. Juni, 8 Uhr abends, Hörsaal 326 der
techn. Hochschule, Regierungsbaurat Dr. ing. Günther
über
„Eisenbahnunfälle und
4
deren Verhütung”
mit Lichtbildern.
Daran anschließend geschäftliche Sitzung der
Orts-
gruppe des V. D. J., zu der vollsähliges Erscheinen
217895)
dringend erwünscht ist.
Rheintsr. 50 Hotel Schmitz Telephon
Erstklassige preiswerte Küche!
Münchener Löwenbräu (Märzenbier) Rummelbräu
Garten in der Rheintor-Anlage
Eis / Eiskaffee / Eisschokolade (7439a
Jeden Samstag, Sonn- u. Feiertag Künstler-Konzert
Mospis und Vereinshaus
Obergaſſe 12 (nächſt der Inf=Kaſerne). Telephon 1767
Anerkannt gute Küche. Reichliche portionen. Schöne helle Räume.
* Neuhergerichtete Fremsenzitnmer mit und ohne benſion. *
Große und kleine Säle für Borträge und Konferenzen,
5387a)
Mäßige preiſe. Kein Trinkzwang.
Reichsbund d. Kriegsbeſchädigten
und Hinterbliebenen
— Ortsgruppe Darmſtadt —
Montag, den 23. Junf, abends 8 Uhr
Mitglieder Verſammlung
im Saale zum „Hanauer Hof”
Heinheimerſtraße
Tagesordnung: 1. Bericht von dem
Bundestag in Dresden.
Referenten: Lamerad Lehrer Link und
Gauleiter Momberger.
2. Verſchiedenes.
Es iſt Pflicht eines jeden Mitgliedes
zu erſcheine=
(808
Hüte
in Filz, Panama und
Stroh werden billig
gereinigt u. modern
faſſoniert, guch einz.
Band und
Schweiß=
band zu haben.
Frankfurter Hutlager
Ecke Grafen= u.
Bis=
marckſtraße. (18993
K
zu verkaufen. (B8131
Ohlyſtraße 71.
Metallbetten
Stahlmatr., Kinderbett.
dir. an Priv, Katal. 10%.
frei. Eiſenmöbelfabrik
Suhlchir.), (II,Mgrond
Die dentsche Speisenwürze darf in keiner Küche
fehlen. Pk-PyF besitzt einen sehr beachtenswerten
GEHAL T an eiweißhaltigen organischen Nährstoffen
und knochenbildenden Substanzen (Phosphate). Es
dient zur Herstellung in vorteilhaftester Weise von
Suppen, Saucen und Gemüsegerichten. Von ärztlichen
Autoritäten sowie von vielen Hausfrauenverbänden
anerkennend begutachtet
Ip allen einschlägigen Geschäften
UABAL A.-G., Berlin A u. Haunover-Linden
Generalvertretung: H. F. Dingeldein jr.
DARMSTApT
Büro und Stadtlager: Heldelbergerstr. 66
Schokolade
erhalten gegen Zahlungserleichterung Schlafzimmer,
Speisezimmer, Herrenzimmer Wohnzimmer, Küchen,
Einzelmöbel in gediegener, solider Ausführung bei
billigster Berechnung / ich bitte um gefl. Besichtigung
meines reichhaltigen Lagers, um sich von der
Aus-
wahl und Preiswertigkeit zu überzeugen
Poatiofr eisserttauut
(7944a
Inhaber der Firma Adam Karn Nachf.
Bleichstrasse Nr. 51, nächst dem alten Bahnhof
75
URIOH-HEATER
Der falsche
Dimitry
Ein Zarenschicksal in 6 Akten,
Hauptdarsteller:
Hannl Welße, Alkred Abel,
Frledrlch Kühne,
Paul Markmann
Kleinautorennen
im Taunus 1924
u1s09s) Einlager
Jackie Coogan
in dem Zirkusdrama in 6 Akten
Zirkuskind
Dtwan
95 ℳ
Vertiko
49,4
Speiſezimmer
200.4.
Küche
kiefern, naturlaſiert
rund gebaut,
Pracht=
ſtück, 260 ℳ
Schlafzimmer
260 ,
Waſchkommode
mit geſchl. Spiegel
69ℳ
Flurgarderobe
Eiche 43.4
Kleiderſchrank
eintür, 35,4
zweitür, 60,K
Spiralfeder=
Matratzen
mit oder ohne
Kegel=
federn, 12,50,
alles fabrikneu in nur
guter Ausführung u.
Qualität. (18117
Darmſtädter
Möbelzentrale
Broße Ochengaſſe 10.
Telephon 3698.
K
ſchriſten werden g. 1.
preisw. geb. Horn,
Alexander=
ſtraße 4, I. (8015 fg1
Ke
Darmſtraße Nr. 12,I.
Müller. Wäſche zum
Waſchen, Bleichen u.
Bügeln wird angen.
bei ſehr guter
Be=
handlung. (Er790zems
Suche f. m.
Schwä=
gerin v. Land, hbſch.
Erſch, einen netten
Herrn n. u. 29 J.
nur ev., m. g. Char.
a. gut. Fam., Ausſt.
u. Verm. ph., zw. ſp.
Heirat.
Nur ernſtg.. Zuſchr.
m. Bild u. T 31 an
d. Geſchſt.
(E174
Magenleidende
beinenen u. alten
Lei=
den verwend. Sie nur
„Magenol”.
Herr F. in D. ſchreib:
„Ihr Magenol iſt ein
Segen f. d.
Menſch=
heit: „Viele
Dank=
ſchreiben.— Bei
Vor=
einſendung 1.50 Mk.
Nachnahme. 50 Pfg.
mehr. Stegmeier,
Gelſenkirchen,
Bis=
marckſtr. 35. (8064sim
EiHff HE
Muttertränen
Schauspiel in 6 Akten, in der
Hauptrolle:
MaryPhlbin, House Peters
Der Urteilsspruch
Drama in 2 Akten, Hauptdarsteller:
EDDIE POL0
Resfdenz-Theuter
EHrc c echa
einige Tage
Mibelungen
I. Teil: SIEGFRIED
Pereinigte Geſellſchaft
Heute Sonntag Abend 8 Uhr
Garten-Konzert
Kavallerie=Maſik.
Leitung: Obermuſikmeiſter Rühlemann.
(e1nge7
Eintritt 50 Pfg.
Sereteotortoleensceee
Ludwigshöhe
Telephon 591
Heute nachmittag 4 Uhr
KONZERT
ausgeführt vom
Philhar=
moniſchen Orcheſier.
Leitung Herr R. Ludwig.
Der Nebengarten iſt für
Nicht=
konzertbeſucher reſerviert.
Ab 7 Uhr Tanz im großen Saal.
B.8127
Leasescereoeileees eese
Luftrurort Traifg
Behrens-Hufnagel
Koſtl. geg. Briefporto
belehr., Schriften für
Nerven=
Magen=
Lungen=
Bein= ete.
49 Kranke.
Heilbehandlung
nach 30jähr. Praxis,
überraſch. Erfolge.
Hornberger’s
Heilinſtitut
Darmſtadt,
Frank=
furterſtr. 40, (17772fg
Sonntag mittag, den 22. Juni 1924
von 3 Uhr ab
im Kurgarten und Kurſaal
EREI-KONZERT
vom Feſiplaßz
Von 31, Uhr großes
TANZ-FEST
mit modernen Tänzen soi
Tanzleitung: FrauAnnaRoſe
Pension Kronprins,
Bad Saluschlirf. Tel. 19. Beste Ver=
pklegung, schönste Lage, dir. g. Wale.
8 Minuten v. Brunnen u. Bädern, vormal
I. Nep. Besitzer D. Könt4. ſGßtds
7Z.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 92. Junf 1994.
Seite 9
Sport, Spiel und Zurnen.
Der Sport des Sonntags.
Aus der Hochflut der ſportlichen Ereigniſſe ragt im Rennſport die
Derby=Woche
Neben Augias 65 Kilo (O. Schmidt) ſtehen Eigilbert 60 (Jentzſch),
Hausfreund 60 (Bleuler), Staffelſtab 60 (Oleinik), Fundin 55½ (Blume),
Falſum 55½ (Pretzner), Moloch 51 (Raſtenberger), Grenzſchutz 51
ſolckermann) und Kili 48 (Tarras) für das Rennen in Bereitſchaft, das
Augias gegen Staffelſtab und Fundin gewinnen ſollte. Magdeburg
bietet auch am Sonntag ein ſtark beſetzes gemiſches Programm, das
in=
tereſſanten Sport verſpricht. In Weſtdeutſchland ladet Horſt=Emſcher
zur Gaſte, in Oſtdeutſchland Königsberg. In Mailand gelangt der
Große Preis von Mailand, leider ohne deutſche Beteiligung zur
Ent=
ſcheidung, und in Budapeſt das ungariſche Derby. Die Pauſe im
Ber=
liner Galoppſport füllen die Traber in Ruheleben aus, die jetzt ſogar
dazu übergegangen ſind, neun Rennen auszuſchreiben. Im
Mittel=
pmkt ſteht die Berolina für 3= bis 5jähr. inländiſche Pferde über 2800
Meter. Weiterhin iſt der Sulky noch in München=Daglfing in
Be=
vegung. — Der
Radſport
iſt durch den Konflikt zwiſchen VDR. und DRV. noch immer
brachge=
ſegt, aber ſchon in acht Tagen iſt mit der beſtimmten Abhaltung von
Berufsradrennen zu rechnen gleichviel, welchen Ausgang die
Verhand=
lungen nehmen werden. Gut beſetzte Amateur=Bahnrennen ſind in
Dortmund und Frankfurt a. M. vorgeſehen. Das Programm der
Straßenfahrer ſieht folgende Veranſtaltungen vor: „Rund durch
Tachſen” über 300 Kilometer in Leipzig (SRB.), Großer Induſtrie=
Straßenpreis in Paſina über 210 Kilometer, Askania=Preis in Zerbſt
über 125 Kilometer (DRU.) ſowie Berlin—Rheinsberg—Berlin über
125 Kilometer und die Rundfahrt durch Oberſchleſien über 244
Kilome=
er in Hindenburg für Bundesmitglieder. — Im
Automobilſport
ind zwei Veranſtaltungen von überragender Bedeutung zu verzeichnen,
die 24 Stundenfahrt im Taunus, und die Mitteldeutſche
Zuverläſſig=
keitsfahrt, die am Sonntag in Magdeburg ihren Abſchluß findet. Die
Oeſterr.=ungariſche Tourenfahrt die am 14. Juni in Budapeſt
begon=
nen hat, wird gleichfalls in Wien abgeſchloſſen. — Den
Motorradfah=
ur dürfte die Bergprüfungsfahrt auf den Feldberg, der Große
Motor=
radpreis von Norddeutſchland, der durch den Klub Braunſchweiger
Mo=
rradfahrer für DMV.=Mitglieder zum Austrag kommt, die Rennen
auf der Weißenſeer Bahn, die Märkiſche Rundfahrt über 323 Kilometer
und die Wanderfahrt durch Brandenburg am meiſten intereſſieren.
Ir der
Leichtathletik
herrſcht Hochbetrieb. Das „Internationale” der S.V. Siemens=Berlin
bringt eine Reihe guter Athleten mit Vertretern von Hakoah=Wien
zu=
ammen. Zu den von Viktoria 96=Magdeburg ausgeſchriebenen
Wett=
ämpfen entſendet der Sportverein Brandenburg ſeine erſte
Rennmann=
ſchaft, der S. C. C. zahlreiche Damen. Die Spielvereinigung Leipzig
bringt im Rahmen eines großen Sportfeſtes den Lauf „Quer durch
Leipzig” über 15 Kilometer zum Austrag, der zahlreiche Vertreter aus
illen Teilen Deutſchlands, beſonders aber aus Berlin, am Start ſehen
wrd. Houben und Bedarff, die deutſchen Meiſter im Kurz= und
Lang=
meckenlauf, gehen in Kopenhagen an den Start. — Im
Handball
nkereſſiert die zweite Zwiſchenrunde zur Meiſterſchaft der DSB. in
Hagen zwiſchen Sportfreunde=Breslau und Hagen 05. — Aus dem
Brogramm des
Fußball
een die Geſellſchaftsſpiele zwiſchen der Städteelf von Haag und
ſen 99 — Schwarz=Weiß in Eſſen, DFC.=Prag gegen Chemnitzer BC.,
NTK.=Budapeſt gegen Bremer Sportverein und der Länderkampf
ſiegypten—Oeſterreich in Wien regiſtriert. — Das Hauptereignis im
Ruderſport
ßt die Große Grünauer Regatta, die am Samstag begonnen hat, und
Imter den zehn Rennen des Sonntags ſo wichtige Prüfungen wie Kai=
Ze—Vierer, Doppelzweier v. St., Gaſt=Vierer, Verbands=Achter und
9rünauer=Vierer aufweiſt. Die 12. Regatta des Mittelrheiniſchen
Regatta=Verbands in Koblenz, die ſich gleichfalls über zwei Tage
er=
ſtreckt, ſieht die beſten Mannſchaften aus Süd= und Weſtdeutſchland im
friedlichen Wettſtreit. Das Betätigungsfeld der Ruderer iſt damit
aber noch nicht erſchöpft. Auch in Stuttgart, Küſtrin, Calbe finden
Kämpfe ſtatt. Auf der Jſar zwiſchen Tölz und München wird die
4. Deutſche Faltbootregatta abgehalten. — Die
Schwimmer
ſind in großer Zahl in Leipzig verſammelt, wo die auf zwei Tage
ver=
teilten, verbandsoffenen Wettkämpfe von SC. Poſeidon — V.f.B. vor
ſich gehen. Die Elite der deutſchen Schwimmer gibt ſich hier ein
Stell=
dichein. Unſere beſten
Tennis=
ſpieler weilen in Köln beim Turnier des dortigen Tennis=Turnier=
Klubs. Froitzheim, Hannemann, Kreutzer, Rahe, H. Kleinſchroth,
Demaſius, Kupſch, Fr. Friedleben, Frl. Weihermann, Fr. Neppach,
Fr. Kaeber uſw., um nur einige Namen zu nennen, ſtehen ſich hier
ge=
genüber. — Die Reichshauptſtadt ſteht im Zeichen der Turn=
und Sportwoche, die im Vorjahre von Oberbürgermeiſter Böß
mit ſo gutem Erfolg ins Leben gerufen wurde.
Fußball.
Sportvereinigung 04 Arheilgen.
Für den heutigen Tag hat die Sportvereinigung anläßlich des
Wjährigen Beſtehens die Ligamannſchaft von Phönix Karlsruhe
ver=
pflichtet. Phönix in kompletter Aufſtellung bietet Gewähr für
erſt=
klaſſigen Fußball. Dem Spiel voraus geht ein Verbandsſpiel der an
füh=
render Stelle ſtehenden Liggerſatzmannſchaft gegen die gleiche von
Sandhofen. Die Einweihung des Gefallenen=Gedenkſteins erfolgt um
½10 Uhr auf dem Sportplatz.
Internationale Fußballregeln.
Der International Board, die oberſte internationale Behörde für
die Ausarbeitung und Beaufſichtigung der Fußballreglements, tagte in
London unter dem Vorſitz von Pickford (England) Die von
Schott=
land vorgeſchlagenen Abänderungen bezüglich der Arbeitsregeln wurden
zum Studium an die nationalen Verbände verwieſen. Der Wettſpiel=
Paragraph 13 wurde dahin präziſiert, daß ein Wettſpiel vom
Schieds=
richter nur unterbrochen werden kann, wenn eine ſchwere Verletzung
eines Spielers vorliegt. Bei leichten Zwiſchenfällen ſoll künftig keine
Spielunterbrechung mehr erfolgen. Die Spieler ſind berechtigt, vom
Schiedsrichter die Motive ſeiner Entſcheidungen zu erfragen, dagegen
darf über die Antwort nicht diskutiert werden. Eine der wichtigſten
Aenderungen wurde hinſichtlich der Corner=Regel beſchloſſen. Ein
künftig durch direkten Schuß vom Cornerflag aus erzieltes Tor wird
anerkannt. Bisher mußte ein Eckball zuerſt von einem Spieler
be=
rührt werden, ehe ein Tor auf Eckball anerkannt wurde. Die
betref=
fenden Entſcheidungen werden den Verbänden ſofort zur Kenntnis
gebracht.
Berufsſpielertum in Oeſterreich.
Die großen Wiener Vereine ſind in einer Beſprechung
übereinge=
kommen, den derzeitigen Pſeudo=Amateurismus aufzugeben und ſich
ehrlich und offen zum Berufsſpielertum zu bekennen. Es ſoll allerdings
eine Uebergangszeit geſchaffen werden, in der in der Liga ſowohl
Amateur= wie Profeſſional=Mannſchaften ſpielen dürfen. Gleichzeitig
wurde beſchloſſen, die Gagen, die die Spieler erhalten dürfen, nach oben
und unten zu limitieren. Als Höchſtgrenze wurde fünf Millionen
Kronen (300 Mark) monatlich angeſehen. Nun wird der Verband dazu
Stellung nehmen müſſen.
Beginn der Hamburger Derbywoche.
Bis zur Mittagszeit war das Wetter heiß und ſchwül. Dann
reg=
nete es ſich nach einem kurzen Gewitter richtig ein, aber erſt nach
Be=
ginn der Rennen, ſodaß der Beſuch durch das Wetter nicht
beeinträch=
tigt werden konnte. Trotzdem wies die Bahn nicht die erwarteten Maſſen
auf. Sportlich hielt der Eröffnungstag, was er verſprochen hatte,
be=
ſonders die beiden Handicap intereſſierten in hohem Maße. Im Ulrich
von Oertzen=Rennen, führte Barde in ſchaufer Fahrt vor Anmarſch,
Augias und Hexenmeiſter II. Im Horner Bogen ging der Weinberger
auf den zweiten Platz vor Anmarſch und ſchritt Mitte der Geraden
zum Angriff auf Barde. Der Pergoleſeſohn mußte energiſch
aufgerüt=
telt werden, gewann aber leichter, als es für das Auge ſchien. Für
dieſen Sieg hat Augias im Großen Hanſa=Preis zwei Pfund mehr
zu tragen. Er ſteht hier vor einer bedeutend ſchweren Aufgabe. Den
Eilbecker Ausgleich gewann Humboldt, den moraliſchen Sieger hat man
aber in dem dreijährigen Aigilolf zu ſehen, der viel Boden gutmachen
mußte und in der Geraden zu ſpät freie Bahn fand. Felſenroſe beſetzte
den dritten Platz vor dem gut gelaufenen Mazeppa. Im Jugend=
Rennen bereitete der hochgehaltene Weiler Hermoder feinen zahlreichen
Anhängern eine Enttäuſchung. Der Fervgſohn lief noch ziemlich grün
und wechſelte mehrfach die Beine. Der Seger Nemen v. Gulliver II.,
Nona, iſt ſicher ein früh fertiges Pferd. — Die Reſultate:
Eröff=
nungs=Rennen 5000 Mark. 1200 Meter: 1. Stall Halma’s
Licht=Alberich (O. Schmidt), 2. Schirmherr (Kaſper), 3. Leiſtung
(Huguenin. Tot.: 34, Pl. 10, 10, 10. Ferner: Tamara (4), Cyane,
Maimond, Aiſha. 34—½ Lg. — König Midas=Rennen.
6000 Mark. 1800 Meter: 1. Baldauf’s Miſty Bridge (Olefnik), 2.
Pik=
dame (Torke), 3. Escorial (O. Schmidt). Tot.: 71, Pl. 12, 12, 11. Ferner:
Gnadenfriſt, Train, Wackerbart, Llewelyn. 1—Kopf. — Eilbecker
Ausgleich. 6000 Mark. 1400 Meter: 1. Geſt. Starpel’s Humboldt
(Blume), 2. Eigilolf (Jentzſch), 3. Felſenroſe (Huguenin). Tot.: 86,
Pl. 28, 32, 29. Ferner: Mazeppa (4), A:Dalk, Sapientia, Kiuma, Trajan,
Heimartreuer, Rüſtung, Salas y. Gomez, Tingel Tangel, Herzig. Kopf
—Sſ. Lg. — Ulrich v. Oertzen=Rennen. Ehrenpreis und 15000
Mark. 1600 Meter: 1. v. Weinberg’s Augias (O. Schmidt), 2. Barde
(Teichmann), 3. Anmarſch (Terke). Tot.: 10, Pl. 10, 13. Ferner:
Hexenmeiſter II. ½—3 Lg. — Jugend=Rennen. 5000 Mark.
1000 Meter: 1. Stall Kohls Namen (Franzke), 2. Hermoder (Oleinik),
3. Marzellus (F. Kaſper). Tot.: 71, Pl. 19, 13. Ferner: Aarau, Caro
Bube. ½—3 Lg. — Hammonia=Ausgleich. 8000 Mark. 2400
Meter: 1. Stall Kohls Vergleich (Blume), 2. Sonnenkönig (Tarras),
3. Eigilbert (Raſtenberger). Tot.: 114, Pl. 25, 71, 17. Ferner:
Baju=
ware (4) Sanguiniker, Lorenzo, Rotdorn, Caſſiopeja, Perſieus, General,
Ilſen, Chere Cherry. 2—1 Lg. — Hannibal=Rennen. 6000
Mark. 1600 Meter: 1. Stall Halma’s Hannar (Raſtenberger), 2. Bardes
Bruder (Oleinik), 3. Olifant (H. Müller). Tot.: 29, Pl. 15, 25. Ferner:
Palamedes, Kardinal II., Eichkatze. 1½—1½4 Lg.
Mannheimer Juli=Pferberennen.
Bei dem neu einzuführenden Sommer=Meeting in Mannheim läßt
ſich ganz verlockend für die Nennſtälle der zweite Renntag (Mittwoch,
16. Juli) an, der als „Pfälzer Weinorte=Renntag” bezeichnet wird, da
in allen 7 Rennen Gruppenſtiftungen aus den vornehmſten und
erleſen=
ſten Weinſortiments von der ſonnigen Mittelhardt gegeben ſind, durch
Weingüter, Winzerkreiſe, Winzergenoſſenſchaften und Winzervereine
ge=
ſtiftet. Es gibt wohl kein erleſenes Wachstum, das unter den
angeführ=
ten ſtolzen Namen fehlt. Dieſe guten Tropfen für den Beſitzer des
Sie=
gers ſind mehrfach außerdem auch dem Beſitzer des zweiten Pferdes und
einmal ſogar (im „Preis von Deidesheim”) dem Beſitzer des dritten
Pferdes zugedacht. Dieſer originelle Gedanke, zugleich mit den
Pferde=
rennen auch eine Propaganda für die edelſten Gewächſe unſever
pfäl=
ziſchen Heimar zu verbinden, wird ſeine Wirkung ſicherlich nicht verfehlen,
Radfahren.
Zum Bundestag in Frankfurt a. M.
Das größte bisher in Deutſchland abgehaltene Sportfeſt, die
Rad=
fahrer=Sportwoche und Bundestag in Frankfurt a. M. (31. Juli bis
10. Auguſt 1924), zu welchem auch das Ausland eine Reihe Meldungen
abgegeben hat, wird unſerem Vernehmen nach um eine Anzahl
wei=
terer ſportlicher Senſationen vermehrt. Die Leitung pflegt zurzeit
Unterhandlungen mit den Box= und Fußballverbänden, um die
deut=
ſchen Meiſter dieſer Sportarten zu Kämpfen gegen erſtklaſſige Gegner
zu gewinnen.
hervorragend bewährt bei:
Gicht, Grippe,
heuma, Nerven= und
Kopfſchmerzen.
Togal ſtillt die Schmerzen und ſcheidet die Harnſäure aus.
Kliniſch erprobt. — In allen Apotheßen erhältlich,
ithinm ad 100 Amplum.
Best. 64,3, Aeid, abet. salic., 0406½ Chin
Jschias,
(I.Mn. 6537
Zelteres Piano
zr. verkaufen.
Soder=
thaße 51 I. Nachm.
uſehen. (*17776eg
ktentaſchen
u.=8 Ia Kernleder mit
Schlöſſern und
hlüſſeln (
Laden=
breis Mk. 14.—) pro
Stück nur Mr. 8,50
rei Haus. Vertreter
onmt nächſter Tage
hierher. Reflektanten
vollen Adreſſe unter
46 an die
Ge=
ſch äftsſtelle geben.
Schreibmaſchine
farbbandlos, neues
Syſtem fabrikneu
25 Goldmark. Wey=
18054
echtſtr. 2.
Schlafzim., komplett,
„ßb.=lack.,
Spiegel=
chrank zu verk. (vione
gebr. Meſſerputzmaſch.
Gardiſtenſtraße 19
Wirtſchaft.
broßer 2 Türen=
Eisſchrank
ür 30 Mk. abzugeb.
Angebote u. U 63
Beſchäftsſt. (*1807
A
ußb. pol. Bettſtelle
a. Sprungm. u. Tiſch
u verkaufen.
Alice=
raße 22, III. Beſicht.
A
mob. ſaſt n. Backen
eſfel (Künſtlerſeſſel),
gr. Ruhebett und
jele Bücher ſ.
preis=
vert zu verkaufen. (
ſeyprechtſtraße 3.
hebr., guterh.,
weiß=
maill. Gasherd (
Roe=
er) mit Brat= u.
Back=
fen bill. z. vk. Hörr,
Na gdelenenſt. 6, B. II. (
Weinfäſſer
Neue eich. Viertelſtück
Halbſtücke
„ Stückfäſſer
. Transport
fäßchen
geinentleerte. Lager
fäſſer
prompt lieferb.,
abzug. (*17924g0
R. Fulder jr.
Darmſtadt
Gardiſtenſtraße
Vanderer=
Motorrad
4 PS., primaLäufer,
m ſtändeh. zu verk.
7hönring 93, II. (eiem
rot= u. 1 weißblüh.
Olegnder z. verkauf
haſtr. 24, III, I. (*
Eichler-
Motorrad
2½ PS., fahrbereit,
garant. zubverl., z. vk.
Getroſt, Ahaſtr. 22. (*
SB-Kleinkraftwg.
2‟/, Ps DKW-Motor,
komplett, mit elektr.
Licht, für 1400 ℳ
ab=
zugeben. Ein 6/16 Ps
Adler
4=Sitz., vorzügl.
Tou=
renwagen, f. 3500 ℳ
abzugeben. Ang. u.
U 50 Geſchäftsſt. (3021
Gebrauchtes (e120t”
Herren=Fahrrad
preisw. zu verkaufen
Heiurich=Fuhrſtr. 7, I.
Neues Damenrad
u. Sitzliegewag. z. vk.
Wienerſtr. 62, II
Einige
Korbflaſchen
zu verkauf. (*18100
S. Lehmann,
Wein=
handlg.,
Hoffmann=
ſtraße, 12.
Einige neue elektr.
Lamp. u. Bügeleiſen
zu verkaufen. Neue
Niederſtr.
Einige getragene,
guterhaltene
Herren=
kleider, für mittlere
ſtarke Figur, ſowie 1
ſchwerer Regenmantel
wird ſehr preiswert
abgegeben. Anzuſeh.
Montag am 23. d. M.
Kaſinoſtr. 12, I.
1 Cutaway für ſchl.
Figur preiswert zu
verkauf.
Roßdörfer=
ſtraße 52, b. (*1
Gut
erh. Nähmaſchine
ſchw. Halbverd. (
ein=
ſpänn.) zwei Wagen
Kornſtroh abzugeben.
Simon Vendorf, Ob.=
Ramſtadt,
Darmſtäd=
terſtr. 19.
(E1
Großes heizbares
Aquariumsgeſteill
z. verk.
Wendelſtadt=
ſtr. 28, II. (*17974
Gut erhaltener
Photo=Apparat
nur erſte Marke,9 X 12,
zu kaufen geſ.
An=
geb. mit
Markenan=
gabe u. U 60 an die
Geſchäſtsſtelle, (8123
Sonder-Angebot!
ZSTA
von:
Seidenstoffen
Bändern
Spitzen
Besätzen
Sammeten
Vollwoilestoffen
Frotté
Schleiern
Reinwollene Kinderstrümpfe schwaz O.80
Baumwollene Kinderstrümpfe weiß von O.35 an
Die Preise sind außergewöhnlich billig
Beachten Sie bitte unsere Auslagen
Seidenhaus
Stradss & Nager
Schulstraße 8 Inh. Siegfried Mav Schulstraße 8
18031
Größte
Auswahl in
Radio-
Apparaten
Zubehör- u. Einzelteilen
m.
Radio-Haus
Alexanderstr. 6
Tel. 713
Kompl. gut.
Schlaf=
zimmer zu kauf. geſ.
Angeb. unt. U 74 ar
die Geſchſt. (18112
Gut erhaltene
Korbmöbel
zu kaufen geſ. Angeb.
unt. U 47 an d.
Ge=
ſchäftsſtelle, (*18073go
Großbrauerei ſucht
Wirtſchaften hier u.
auswärts. Größtes
Entgegenkom.
Ange=
bote u. U 77 an die
Geſchäftsſt. (*18108
In Zell, Kr. Erbach
Einfam.=Haus m. G.
z. verk. Näh. perſ. b.
Eigentümer (Ftrizom
Gg. Zeltner,
Im Steingrund
Unterricht in
Einzel=
ſtunden und kleinen
Zirkeln. Gründl.
Aus=
bildg, Mäß, Honorar.
M. Naumann
Ernſt=Ludwigſtr. 23. (*
Wer
beaufſichtigt die
Hausaufgaben
eines Obertertianers
d. Realgymnaſiums?
Ageb. mit Preis pro
Monat u. U 45 an d.
Geſchäftsſt. (*18032
m
Spaniſch, Engliſch,
Franzöſiſch
Gram., Konv., Hand.=
Korr. lehrt Fr. Beck,
Wilhelminenpl. 15.
—
reine u.
Mathem. angewdt.
d. akad, gebild. Lehr=
Vorber, a. alle Ziele.
Nachh.
Wittmann=
ſtraße 30, I. (B8134
25
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 22. Juni 1924.
Rummer 122.
Ein raſendes Männchen die glühende Sonne,
Der Erde ſie blinzelt in glänzendem Kleide,
Mitgeriſſen als Weib in firahlender Wonne,
Stets die Erde hübſch tanzt in herrlichſter Weiſe.
Es ſehen die Menſchen mit Staunen das Wunder,
Die Muiter gekleidei zur Freude von Allen,
Kopf und Füße ſchneeweiß den Buſen viel bunter,
Umarmt von dem Gatten ſanft fliegt ſie im Lachen.
Sie rufen: ach Kinder, verſöhnt euch doch baldigſf,
Ihr lebt doch wahrhaftig in geiſtiger Fülle,
Sanft reicht euch die Hände, ihr ſeid doch gewaltig,
Oen Teufel zu verbannen, zu leben im Himmel.
Wer leben will einig wie Sonne und Erde,
Der kaufe bei Hörr ſich die ſtrahlenden Kleider,
Mit ihm lacht das Weibchen, denn dann ſeine Ehre
Erweitert er mächtig zur Liebe von Beiden.
Die niedrigen Preiſe
unſerer als erſtklaſſig ſolid hervorragenden Herren= und Knabenkleider bieten ſedem die Möglichkeit, ſich flott und gut zu kleiden. Geringe Waren führen wir grundſätzlich nicht
Gummimäntel — Rieſenauswahl, auch für die Reiſe in einer kleinen Handtaſche zu tragen, zuſammen 500 gr ſchwer. Gummſ=Windſacke. Imprägnierte Mäniel uſw.
Meiderrabtt
Große helle Verkaufsräume
Grafenſtraße 23½2
8144
Ke
In der Strafſache gegen den
Phi=
lipp Abel und drei Genoſſen in
Darm=
ſtadt, wegen Aufruhrs uſw. hat das
Be=
zirksſchöffengericht des Landgerichts in
Darmſtadt am 8. Mai 1924 für Recht
erkannt:
Der Angeklagte Abel wird wegen
Auflauf und wegen Beleidigung,
vorge=
ſehen durch 88 116, 185, 196, 200 St. G. B.,
zu einer Geſamtgefängnisſtrafe von 6
Wochen verurteilt.
Der Angeklagte Haller wird wegen
Beleidigung, vorgeſehen 88 185, 196 200
St. G.B., zu einer Geldſtrafe von achtzig
Goldmark oder zu zwanzig Tagen
Ge=
fängnis verurteilt.
Den Beleidigten Hilfsw. Rexroth, dem
Oberw. Schneider, Hilfsw. Hartmann
bei der heſſ. Schutzpolizei Darmſtadt
wird die Befugnis zugeſprochen, den
ent=
ſcheidenden Teil des Urteils, ſoweit es
ſich auf die Beleidigten bezieht, binnen
vier Wochen nach Rechtskraſt durch je
einmaliges Einrücken im „Heſſ.
Volks=
freund” und „Darmſtädter Tagblatt” auf
Koſten der Angeklagten öffentlich
bekannt=
zumachen.
Die Richtigkeit der auszugsweiſen
Ab=
ſchrift der Urteilsformel wird beglaubigt
und die Vollſtreckbarkeit des Urteils
be=
ſcheinigt.
Darmſtadt, den 24. Mai 1924.
gez. Unterſchrift.
Gerichtsſchreiberd. Bezirksſchöffengerichts.
Abſchrift!
Engliſch!
Wer überſ. deutſche
Geſchäftsbr. in
tadel=
loſes kaufm. engl.?
Ang. u. U 12 a. d.
Geſchäftsſt. (*17929
Woog, 21. Juni 1924.
Waſſerhöhe , 3,86 m.
Luftwärme 150 C.
Waſſerwärme vorm.
7 Uhr 200 C.
Wohnungstauſch
Beſchlagnfr. 5Zimm=
Wohnung geg.
Ver=
gütung der
Umzugs=
koſten abzug., event.
geg. andere zu
ver=
tauſchen. Näh. (8155
Wohnungtauſchbiro
Wolf & Co.
Rheinſtraße 51.
Wohnungstauſch
Mainz=
Darmſtadt
4B.=W. m.
Rheinaus=
ſicht gegen hieſige
gleichwertige. Gefl.
Ang. an deubner,
Vik=
toriaſtr. 28, II. Cunuds
Sehr ſchöne
2Zimmerwohng.
gegen jede and. größ.
zu tauſchen geſucht.
K. Müller,
Barkhaus=
ſtr. 61, II. r. Enids
In der Strafſache gegen den
Phi=
lipp Schmidt und 8 Genoſſen von Darm= /Wohn. in ſüdl.
Stadt=
ſtadt wegen Auflaufs uſw. hat das
Be=
zirksſchöffengericht in Darmſtadt am
14. Mai 1924 für Recht erkannt:
Die Angeklagten uſw.
1. Wilhelm Thier, geb. am 5. Juli
1906 zu Dieburg, Arbeiter in
Darm=
ſtadt, ledig;
2. Johann Bajus, geb. am 21. Juni
1869 zu Syrakuſe, Nordamerika,
Tag=
löhner in Darmſtadt, verheiratet,
vor=
beſtraft,
werden verurteilt:
Thier, wegen Beleidigung nach 88 185,
196, 200 St. G. B. zu einer Geldſtrafellein zu verm. (augen
von achtzig Mark, im
Uneinbring=
lichkeitsfalle mit zwanzig Tagen
Gefängnis zu verbüßen;
Bajus, wegen Beleidigung nach 88 185,
196, 200 St. G. B. zu einer Geldſtraße
von hundert Goldmark, im
Un=
einbringlichkeitsfalle mit 25 Tagen
Gefängnis zu verbüßen.
Die Angeklagten haben die Koſten
HI.
des Verfahrens zu tragen.
Den Beleidigten Wachtmeiſter
Ri=
chard Schmidt, Zehfuß und Keil! der heſſiſchen Schutzpolizei und
dem „Polizeiwachtmeiſter Schlipf
wird die Befugnis zugeſprochen, den
entſcheidenden Teil des Urteils,
ſo=
weit er die Beleidigung betrifft,
bin=
nen einer Woche nach Zuſtellung einer
Ausfertigung drei Tage lang durch
Aushang am Nathaus in
Darm=
ſtadt und einmalige Veröffentlichung
im „Darmſtädter Tagblatt” und im
„Volksfreund” auf Koſten der weger
Beleidigung Verurteilten öffentlich
bekanntzumachen.
Die Richtigkeit der Abſchrift der
Ur=
teilsformel wird beglaubigt und die
Voll=
ſtreckung der Urteile beſcheinigt. (8138
Darmſtadt, den 22. Mai 1924.
gez. Unterſchrift
Gerichtsſchreiber d. Bezirksſchöffengerichts
Tauſche meine ſchöne
3=8.=Wohng., 1. Stck.,
gegen 4= oder 5=3.. Näh. Schwebel,
Weinbergſtr. 35, I. (
Kontor und
Lagerräume
verſch. Gr. z. verm.
Wendelſtadtſtr. 40. (
Hl. Zimmerß
Liebfrauenſtr. 77, I.
bei Holeſchak, möbl.
Zimmer an ein Fräu=
Sandſtraße 14, II.,
ſchön möbl. gr. Zim.,
el. Licht, freie Lage,
1. Fuli zu verm. (elsgt
Naſinoſtr. 10, part,
möbliertes Zimmer
zu vermieten. ( 18078
Ein gut möbl.
Zimmer
an einen ſol. Herrn
zu verm. Gorr,
Ger=
vinusſtr. 39, p.
Neckarſtr. 4, b.Molter,
ſchön möbl. Zimmer
mit Penſion u.
ſepa=
ratem Eingang zum
1. Juli zu vm. /41aussg
Elektrische
Licht-, Kraft- u. Signalanlagen
durch günstige
Material-
abschlüsse
Bequeme Teilzahlungen —
Ingenieurbesuch und Voranschläge
kostenlos und unverbindlich.
Alexander Guntrum
Abtlg. Elektrotechnik
Roßdörferstr. 14.
Stiftstr. 52 Telephon 1467
AUM
kompressorlose Dieselmotoren
Jederzelt
betrlebsberelt!
Unbedingt
betrlebssicher
bel garantlert gefahrlosem Betrieb
konkurrenzlos
ratlonell
(2½ Pfg. pro Stunde)
Teind in allen Betriebsverhältnissen
in Brennstoff- u. Schmierölverbrauch
die wirtschaftlich hochwertigste Antriebskraft,
Ortsfest macht der MWM- Motor unabhängig von fremden
Kraftquellen (K.-W.-Stunde 4—6 Pfg.);
als Schiffsmotor eignet er sich für alle Schiffszwecke bis 500 PS;
als Traktor zieht er in der Ebene bis 8000 kg.
Motoren-Werke Mannheim A.-G.
vorm. Benz Abt, stationärer Motorenbau.
D D Lret
geſucht ein Gl4zems
Weinkeller
mäß. Größe. Angeb.
u. U 72 g. d. Geſchſt.
Heuboden oder ein
Teil Schener zu miet.
geſucht. Schmunk,
Mollerſtr. 1. (18039
Helle Werkſtätte
inverkehrsr L.z. miet
geſ. Näh.
Lichtenberg=
ſtraße 74, II. (1808.
3—5 Zimmer=
Wohnung
beſchlagnahmefrei, g.
Lage, eb. auch teilw
möbliert, geſucht. An
gebote an Hausm
Bitter. Deutſche
18058
Bank.
Bis 1000
G.=M. Miete
zahlt älteres kinderl
Ehepaar f. 2—3
un=
möbl. Zimmer, nebſt
Küche oder
Küchen=
benutzung. Angebote
1789
u. U2 Gſchſt.
Leeres Zimmer
für ältere Dame geſ.
Stadtt. Beſſungerſtr.
bevorzugt. N.
Schieß=
hausſtr. 7,I. (17905ss
Stiftſtraße 33, I. gr.
möbliertes Zimmer
zu verm. (iso21
Müllerſtr. 21, I. einf.
möbliertes. Zimmer
zu verm. Sauer. (*
Neue ital. Speiſekartofſelnl”
Verdelli=Zitronen
aus neuer Ernte, beſte Qualiät, große
Sendung ſtündlich eintreffend, ſowie
Zwiebeln u. alte Kartoffeln
Tagespreiſen (18076
zu billig
Georg Crössmnann
Grafenſtraße 16 Felephon 2598
Niegerplatz 12, I. ſch.
möbliertes Zimmer
elektr. Licht u. volle
Penſion ſofort zu
vermieten. (k18060
Möbl. Zimmer an
Frl. zu vermieten.
Bukowski,
Eliſabethenſt. 29. S.
AUlST
GG
Schreibmaschinen
Weitverbreitetste deutsche Marke.
Man hüte ſich vor
minder=
wertigen. Nachahmungen!
Rhein-
äller &Ober str. 39
Möbliertes Zimmer
für Verwandten in
der Nähe geſucht.
Frau Hammer,
Eli=
ſabethenſtr. 48.
Geldverkehrt
Mieece
500 Golduar:
geg. monatl. 1500 8ſ.
u. gute Sicherh. Ang.
u. U 86 Geſchſt. (e1alz=
Wer leiht auf kurze
Zeit 300 G. M.2 Ang.
u. U. 80 Gſchſt ( 1s165
200 Mark
geg. gute Zinſ. u
kurze Friſt geſ. Gefl
Ang. u. U 71 a. d.
18094
Beſchäftsſt.
deneinchanie
vergeben. Angeb. u.
U.52 Geſchſt. (uoes
Gut möbl. Wohn= u.
Schlafzim. a. ſol. G.
p. 1. Juli z. vermt.
Zu erfr.:
Noßdörfer=
ſtraße 14 bt. (E18116e
2 mbl. Zim. (
Wohn=
u. Schlafzim.), ſepar.
Eingang, mit elektr.
Licht und Balkon für
60 Mk. mon. z. vm.
Näh. Gſchſt. (18091
Gut mbl. Wohn= u.
Schlafzim, m. elektr.
L. ab 15. 6. z. vm.
Anzuſ. v. 5½ Uhr an.
Schmeel.
Heidelber=
gerſtr. 4, I. (47907
Aufheben!
Ausſchneiden!
Rufen Sie Telephon Nr. 400 an
wenn Sie einen Kranken transportiert haben wollen.
Sorg=
fältigſie Ausführung, billigſie Berechnung. Als
Transport=
mittel ſiehen Auto,„Räderbahren oder Fahrſtühle zur Verfüg.
Sanitätzwache d. freiw. Sanitäts=Hauptkolonne vom RotenKreuz
Telephon
Telephon 400
Darmſtadt, Schätzenſtraße 11.
Seotstsottct
Teilhaber.
6 Zur
beſſerenEnt=
dwicklung eines
flottgehenden
alten Stein=
8 bruchbetriebes 1
vord. Odenwald s
Owird ein „Teil=4
8 haber mit 5= bis 8
6000 Mk. alsbald 1
2 geſucht. Größere 7
8. Aufträge in
* Städten und für 8
4 Auslandsliefe=
Krungen vorhan=
*
Tden. Eilangeb
T u. U 59 an die
5 Geſchäſtsſt. 8122
Sessssstest
Gelddarlehen
jede Höhe,
Raten=
rückzahlg, ſchnellſtens
durch Neul and,
Berlin.
Heiligegeiſt=
ſtraße 7. (IV. 8102
Dame
unabhängig, m. zirka
6000 Mk. Kapital als
Teſhlſterin
für hohen. Gewinn
abwerfendes. Groß=
Unternehmen geſucht.
Angeb. unter U 37
. Geſchſt. (*18009
Heutiger Eintrag im Handelgregiſter,
Abteilung B: Firma: Heſſiſche
Rund=
funkgeſellſchaft mit beſchränkter
Haftung. Sitz: Darmſtadt. Gegenſtand
des Unternehmens: Vertrieb von
Radio=
empfangsapparaten aller Art, von deren
Zubehörteilen, ferner Montage von
Emp=
fangsanlagen und Abhaltung von
Radio=
vorträgen. Stammkapital: 5000
Gold=
mark. Geſchäftsführer: Guſtav Büſcher,
Kaufmann in Darmſtadt, Herbert
Over=
mann, Kaufmann in Frankfurt a. M.
Der Gefellſchaftsvertrag iſt am 26. März
1924 feſtgeſtellt. Sind mehrere
Geſchäfts=
führer beſtellt, ſo wird die Geſellſchaft
durch je zwei Geſchäftsführer oder durch
einen Geſchäftsführer und einen
Proku=
riſten vertreten. Jeder der
Geſchäfts=
führer Guſtav Büſcher und Herbert
Over=
mann iſt berechtigt, die Geſellſchaft alleit
zu vertreten. Die Geſellſchafter Guſtav
Büſcher in Darmſtadt und Herbert
Over=
mann in Frankfurt a. M. bringen auf
ihre Stammeinlagen, jeder zur Hälfte,
das Geſchäftsinventar des von ihnen
bisher zur Vorbereitung der Gründung
betriebenen Radio=Ingenieur=Büros, zum
angerechneten Werte von 950 Goldmark,
in die Geſellſchaft ein. Die
Bekannt=
machungen der Geſellſchaft erfolgen nur
durch den Deutſchen Reichsanzeiger.
Darmſtadt, den 14. Juni 1924.
Amtsgericht I.
(8130
Am Mittwoch, den 25. Juni
1. Js., nachmittags 3 Uhr, verſteigere
ich im Hauſe Beſſungerſiraße 93
ca. 30 Zentner (8133
graues Pachpapier
öffentlich, zwangsweiſe gegen
Bar=
zahlung. Die Verſteigerung findet
beſtimmt ſtatt.
Portner,
Gerichtsvollzieher.
Spülicht
von täglich 700—800
Verpflegungs=
teilnehmern ab 1. Juli 1924 zu
ver=
geben. Angebote ſind zum 25. ds.
Mts. bei der Polizeiwachtabteilung
Darmſtadt einzureichen. (8147
Neuer Transport
*
MeIee
oldenburger und belgiſchen
Schlags
eingetroffen.
Gebrüder Sommerfeld
(eusois
Telephon 383.
Naſäülder Ni de Reie
in nur beſter Ausführung
bei billigſter Berechnung.
Photogr.=Atelier Cartharius
Ludwigsplatz6 (6272a) Teledhon 1703.
Zimmer
mit 2 Betten für besseres Ehepaar
sofort gesucht.
Eilangebote unter U 79 an die Ge=
(8152
schäftsstelle ds. Blattes.
Eee
Büro
mit trockenem, mittelgroßem Lagerraum,
am liebſten in der Nähe des Marltes
ſofort zu mieten geſucht.
Angebote unter U 39 an die Geſchäftsſt.
Nr. 24, Sonntag,/ 22. Juni 1924
Deutſche Gegenwartsſchriftſtellerinnen
Von Dr. Ella Menſch.
Jgna Maria.
Unter dieſem Decknamen ſind in den Jahren nach
Deutſch=
ands Erniedrigung ſchon verſchiedene Bücher einer jungen
rankfurter Schriftſtellerin hinausgegangen, die ſämtlich den
arken Wirklichkeitsſinn der Verfaſſerin nebſt ethiſchem Einſchlag
hne tendenziöſe Aufdringlichkeit bekunden. An den Roman „Die
chs Matthies” ſchließt ſich „Georg Freiberg” an (
Aſchen=
orf, Münſter i. W.), ein Entwicklungsroman, in dem deutſche
haraktertüchtigkeit ſteckt. Wir verfolgen mit Teilnahme die
Lauf=
ahn eines jungen Dörflers, des Sohns eines philoſophiſch
ver=
nlagten Schäfers, der ſich durch eiſernen Fleiß und
unermüd=
chen Ehrgeiz zum Erfinder=Ingenieur und Teilhaber einer
Zeltfirma emporarbeitet. Dabei bleibt dieſem Georg Freiberg,
er auch ſeine dunklen Stunden durchpilgern muß, alles ſern,
as nach Strebertum ausſchaut. Die erſte Hälfte des Buches,
welcher uns die ſtillen, ſchlichten Menſchen aus Georgs
Hei=
natsdorf umgeben, wirken wie wenn man die friedliche
Beſchau=
ſchkeit einer Reihe Hans Thomaſcher Bilder in ſich hineinzieht.
ann wird der Schauplatz bewegter. Die Geſtalten drängen
ein=
ader, Beziehungen, auch zärtlicher Natur, knüpfen ſich und
verden wieder gelöſt, ohne daß jedoch der Held ſein Ziel aus
en Augen verliert oder ſich mit einem nicht wieder zu ſühnenden
(nrechte belaſtet. Die Frauen, die Georg Freibergs Lebensweg
leuzen, ſind in feſten Umriſſen geſchaut, am deutlichſten tritt die
ngendgefährtin Georgs, die tapfere und entſagungsmutige
Ka=
arina hervor. Und ihr zunächſt feſſelt den Leſer die Ziehmutter
teorgs, das wie aus einem Dürerſchen Holzſchnitt
heraus=
hauende treue liebe Altjungferngeſicht der Lina Damm. Jgna
karia hat in dieſem Roman ihre Begabung für das
Volks=
uuch erbracht.
Emmy Hardt.
Sie ſchreibt „aufregend”, dieſe der jüngeren Generation
an=
thörender Berliner Fabuliſtin, und ihre Stoffe, ob nun aus dem
ſorden oder dem Weſten Berlins bezogen, bergen in ſich ſchon
en Zündſtoff für Kataſtrophen. Man kann ſagen: Emmy Hardt
ihrt da fort, wo Paul Lindau aufgehört hat. Ihr Tempo aber
entſchieden beſchleunigter als das des Verfaſſers von „Arme
„üDchen” und „Zug nach dem Weſten” Angelegentlich beſchäf=
1 Emmy Hardt das Schickſal der Mädchen aus engen,
gedrück=
z Verhältniſſen, die hochkommen wollen und auf dem Pflaſter
er Weltſtadt das Glück ſuchen, wie der Zufall es ihnen gerade
ergegenträgt. Herz und Gemüt werden von dieſen
Glücksſuche=
nnen als überflüſſiger Ballaſt empfunden. Aber es kann
trotz=
im geſchehen wie in dem Roman „Satanella”, daß die
Hel=
m, die ſkrupellos die Lebensleiter emporgeſtiegen iſt, die Liebe
u) Treue und alles, was damit zuſammenhängt, als Torheit
erlacht hat, zuguterletzt ihr Herz entdeckt und es an einen
uwen, jungen Menſchen hängt, der nichts damit anzufangen
eiB. Dieſe demütigende Enttäuſchung überliefert Satanella, die
roße Egoiſtin, dem Selbſtmord.
In den Romanen „Maienſünde” und „Möblierte
kirnmer” trägt der Mann die Koſten des Spiels, der ehrliche,
ter herzige kleine Beamte, der einem auf Genuß und Luxus
ein=
eſtellten Geſchöpf ein ſchlichtes bürgerliches Heim geboten hat,
un die Erfahrung zu machen, daß die Ehefrau über ſein Daſein
hnweg aus dieſen Wänden hinausſtrebt. „Möblierte
Zim=
ger” bietet zugleich eine mit ſicherer Hand entworfene
Sitten=
ſdie aus dem modernen Babel.
DDie Trachtenbewegung in der Schweiz
Wie bei uns in Deutſchland, hat auch in der Schweiz ſchon
ſ Vorjahre eine Beſtrebung eingeſetzt, das Tragen alter, ſchöner
ſolkstrachten wieder einzuführen. Eine vom „Verein junger
kürdnerinnen” gegründete „Trachtenzentrale” unterſtützt dieſe
Eeſtrebung durch Ratſchläge, Zeichnungen, Vermittlung von
Eoffen, Schnittmuſtern uſw. Das in dieſem Jahre in Truns
hrgeſehene 500jährige Jubiläum des „Grauen Bundes” wird die
enjinſchte Gelegenheit bieten, die Fortſchritte der
Trachten=
bwegung ſowohl in einem geplanten großen Feſtzuge, wie auch
G
Kinder
Dicht drängten ſich 3 Buben zwiſchen 7 und 3 Jahren um
ba Seſſel der Mutter, um das Schweſterchen zu beſehen, das
yn die Mutter heute aus der Klinik mitgebracht hatte.
„Mutti,” ſagte Dieter, der Jüngſte, „das Schweſterchen darf
ſute mal mit meinem Baukaſten ſpielen. Gelt, da freut ſich
18s Schweſterchen, wenn ich ihm das ſage. Komm!” ermunterte
packte das kleine Aermchen und wollte das Schweſterchen mit
ſy ziehen.
„Halt, Dieterle,” wehrte die Mutter, „ſpielen kann das
Ehwweſterchen noch nicht. Und ſo feſt anpacken darf man es auch
ihr. Du zerbrichſt es ja.”
„Zerbrechen? Kann man es denn kaput machen?”
Aengſt=
h ſchaut der dicke Mann aus ſeinen großen blauen Augen das
unzige Ding auf Mutters Schoß an.
„So ſchlimm iſts nicht” tröſtet die Mutter. „Guck, ſo muß
ain ’s machen.” Sie nimmt das Knaben Hand und ſtreichelt
da=
it ſachte des Schweſterchens Geſichtlein.
„Mutti,” greift hier Uli, der zweite, ein, „doch kann man das
Ehweſterchen kaput machen. Nämlich, wenn man eine Axt
Unmt und draufhaut, da iſt’s kaput. Ja!” bekräftigt er, als er
)* Mutter entſetzten Blick ſieht.
„Weißt du, Mutti,” erklärt nun Peter, der älteſte der Drei,
5hab jetzt, wie du weg warſt, dem Uli gezeigt, wie ich mit der
11 Holz hacke, damit er mir helfen kann. Da iſt ihm jetzt die
1t noch was Neues und er meint, er muß immer davon reden.
Aer dem Schweſterchen tut er doch nichts damit, gelt Uli? Und
bin ja auch da und werd ſchon aufpaſſen. Ueberhaupt, Uli,
Axt gehört in den Holzkeller und ſonſt nirgends hin; du darfſt
nie mit heraufbringen ins Kinderzimmer, hörſt du?"
Mit zuſtimmendem Nicken nimmt Uli die Belehrung
ent=
ſgeri. Trotz des nur geringen Altersunterſchiedes iſt Peter für
: unbedingte Autorität.
Peter hat ſich wieder dem Schweſterchen zugewandt. So ſieht
nicht mehr den warmen Blick der Mutter, der nachdenklich,
ſet dankbar, auf ihm ruht. Ihr Peter, ihr Aelteſter! Faſt
Feund iſt er ihr geworden, ſeit der Vater durch ſeinen Beruf
ſelten nur zu Hauſe ſein kann; ihr Troſt geworden in
Stun=
i der Angſt und Traurigkeit, Hilfe im Haushalt und bei den
diei kleinen Brüdern. Er wird auch wachen über der kleinen
Prothea; ſie iſt deſſen gewiß. Leiſe ſtreicht ſie über ſeinen blonden
Rcke nkopf. Die Berührung weckt ihn aus ſeiner Verſunkenheit.
„Sag, Mutti, hat das Schweſterchen auch Beine und einen
lb wie wir? Und warum hat es immer die Augen zu, und
ram ſpricht es gar nicht?‟ Eine vage Erinnerung iſt in ihm,
13 Die Mutter ſchon einmal weggegangen war, um das Sc.
Wenn im Alte die Tage verfließen,
Iſt’s, wie wenn Vögel im Dämmer verſchweben.
Aber auch leichter wird dann das Leben. —
Wie ein Krug, den wir ausgießen.
Frida Schanz.
Reangannnnnndonnnne
in einer Reihe Feſtlichkeiten zu zeigen, in denen alte Sitten und
Gebräuche des „Grauen Bundes” vorgeführt werden. Auch der
bündneriſche Heimatſchutz nimmt ſich in befonderer Weiſe der
Trachtenbewegung an und hat kürzlich eine Sammlung zu dieſem
Zwecke veranſtaltet, deren reicher Ausfall jenen
Trachtenbeſtre=
bungen zugute kommen ſoll, die in beſonderer Weiſe die
vater=
ländiſche alte Landestracht wieder zu erneuter Geltung
bringen.
Babetiche in der Schul
(Oberheſſiſch.)
Lehrer: Babettche kannſt du mir wohl ſagen, wo der liebe
Gott wohnt.
Babettche: Ich waaß net.
L.: Wohin blickſt du dann, wenn du nach oben ſiehſt?
B.: An die Deck.
L.: Ja aber, was iſt denn über der Decke.
B.: Da is die Schlafſtub.
L.: Nun und was iſt über der Schlafftub?
B.: Da is widder e‟ Deck.
L.: Wieviel Decken ſind denn bei Euch?
B.: Soviel wie mer Zimmer habbe und dann habbe mer aach
noch a Bettdeck und e Tiſchdeck de Sonndaagh.
L.: Befinn dich Babettche wann du draußen ſtehſt, wo blickſt
du dann hin?
B.: Ei, in die Bääm.
L.: Nun, und was iſt denn über den Bäumen?
B.: Ei da tue die Veeſchelſcher flieſche.
L.: Nun, ich will einmal anders fragen, wo ſteht denn die
liebe Sonne?
B.: Im Leſebuch uff de zwaat: Seit.
L.: Nun, ich meine die Sonne draußen, die ſo ſchön ſcheint,
wo ſteht dann die?
B.: Ei, in de‟ Luft.
L.: Ich will anders fragen, Babettche. Was kannſt du mir
für Farben ſagen?
B.: Schwatz.
L.: Weiter.
B.: Grien.
L.: Gut, weiter.
B.: Geel.
L.: Richtig. Und was gibt es noch für Farben?
B.: Weiter gibts kei Fab.
L.: Aber beſinne dich, Babettche, es gibt noch eine ſchöne
Farbe, die du alle Tage ſiehſt, wenn du zur Schule gehſt?
B.: Ei, braun.
L.: Warum braun?
B.: Ei de Ranze von unſer Lisbeth.
L.: Nun, und was haſt du denn noch im Auge, wenn du
zur Schule gehft?
B.: Ei, de Schlaf de Moind. (Morgens.)
L.: Aber Babettche, wer iſt es denn, der dich im Schlafe
behütet und an den du denkſt, wenn du ſchlafen gehſt?
B.: Ei, unſer Lisbeth; mir ſchlafe zuſamme.
L.: Nein, Babettche, das iſt der liebe Gott, und nun weißt
du doch wo der wohnt?
B.: Ei, in unſer Schlafſtub.
L.: Nein, nein — entſinne dich einmal, du kennſt das Wort
ganz genau — Hi — hi — hi —
B.: Ei, in der Hinnergaß? Da müßt ich in doch kenne, da
wohne mir ja.
L.: Nun, Babettche — ſchäme dich, die anderen Kinder
werden es jetzt dir ſagen. Wer weiß von euch wo der
liebe Gott wohnt?
Alle: In de Kerch!
Elſa von der Lich.
Darmſtädter Tagblatt
Ferien in Sicht
Die Geldknappheit zwingt leider viele Familien, die ſich den
ganzen Winter über ſchon auf die Ferien gefreut hatten, zum
Verzicht auf dieſe. Es wird ihnen nicht leicht. Bewahre. Dazu
ſind wir zu ſehr abgeſpannt und durchaus erholungsbedürftig,
wenn es uns auch keiner von unſeren Verwandten und
Bekann=
ten „ſo recht anſieht”.
Was nun tun? Nichts! erwidern voll Bitterkeit die einen,
während die anderen jener genoſſenen Erholungsſtunden
ge=
denken, da ſie eigentlich vor= und nachher doppelte Arbeit zu
verrichten hatten, um ihrer Familie das gewohnte Behagen zu
verſchaffen und ſie für die kritiſchen Tage des Aufenthaltes am
fremden Orte erſt würdig vorzubereiten und hinterher das ſtark
Verbrauchte, durch Sonne Verblaßte und Ausgezogene an
Klei=
dungsſtücken nochmals zum Tragen in erneuertem Glanze für den
Reſt des Sommers neu vorzurichten. Dieſe Hausfrauen unter
uns, die für eine größere Anzahl Familienglieder vorzubereiten
hatten, ehe die eigentliche Sommerreiſe angetreten wurde, ſind
im Grunde ihres Herzens nicht einmal allzuſehr enttäuſcht, daß
aus der geplanten diesjährigen höchft wahrſcheinlich nichts werden
wird. „Dann gehen wir eben recht oft hinaus ins Freie und
be=
ſuchen bald dieſes, bald jenes Gartenlokal, in dem wir ebenfalls
ſtundenlang Erholung finden können.” So ſagte mir kürzlich
eine Bekannte, als wir dieſes leidige Ferienthema ſeufzend
be=
ſprachen. Was ich ihr erwiderte, möchte ich aber auch hier
wieder=
holen. Nein, dieſen Sommertags= und Feriengenuß kann ich
nicht als Erholungsaufenthalt anſehen. Der Zwang des
Still=
ſitzens, das Taſſen= und Gläſergeklirr, das nicht endenwollende
Stimmengewirr, Kinderjubel und =Geſchrei rings um uins her,
dem wir ſtundenlang beim Sitzen in ſolchem Lokal ausgeſetzt
ſind macht uns erfahrungsgemäß abgeſpannter und
erholungs=
bedürftiger, als wir dieſen Ausflug antraten. Ich weiß mir denn
doch etwas Beſſeres an deſſen Stelle zu ſetzen und wir haben
ſchon im Vorjahre oftmals die „Probe aufs Exempel” gemacht,
uns wirkliche Nervenerfriſchung und körperliche Erholung nach
anſpannender und ermüdender Wochenarbeit am arbeitsfreien
Sonntag auf unſere Weiſe zu verſchaffen. Am Samstag,
abends, nach vorangegangenem Bad, wird früh zu Bett
ge=
gangen und am Sonntag, morgens, möglichſt „der Sonne
ent=
gegengegangen” oder gefahren. Mit Straßen= oder Eiſenbahn,
die letztere noch früher als die andere zu benutzen, wird ein
Stück hinaus ins Land gefahren, wobei abwechſelnd jedes
Fa=
milienglied einmal unter den längſt feſtgeſetzten und
aufnotier=
ten Reiſezielen das ihm beſonders reizvoll erſcheinende wählen
darf. Einfach ſchlichte Kleidung geſtattet jedem Teilnehmer das
Tragen des Ruckſackes, wie das Lagern im Freien auf einem
Raſen= oder Moosteppich, am Waldrande, auf dem Wieſen= oder
Bergabhange, und meiſt finden bald auf dieſen Wanderungen
idylliſche Plätzchen, auf denen wir uns für den ganzen Tag
häuslich niederlaſſen. Hier erhält jeder vollſte
Bewegungsfrei=
heit, ſofern ihm danach gelüſtet. Mit Leſen, mit Handarbeit,
mit einem Spiel oder auch ſchlafend wird die Zeit zwiſchen
den einzelnen Mahlzeiten ausgefüllt, die Kinder und die Jugend
geht gern auf Entdeckungsreiſen aus und ſchließlich mutet man
auch ſeiner Kaſſe einmal die Einkehr in einem ländlichen
Gaſt=
hauſe zu, während ſonſt oberſtes Geſetz iſt, alle erſehnten
Gaumen=
genüſſe dem Ruckſack zu entnehmen, in dem auch alles nötige
zur Bereitung von Kaffee, Tee oder Kakao oder zum Kochen
oder Braten einiger Eier enthalten iſt. Wir haben im Vorjahre
dank dieſer Entdeckungsreiſen in der engeren und weiteren
Um=
gebung unſerer Heimat ſchon vor den Ferien vollſtändig die
Luſt verloren, draußen in mehr oder weniger weiter Ferne
un=
bekannten Naturſchönheiten nachzugehen und hatten im Herbſt,
als uns die rauhere Jahreszeit wieder mehr ans Zimmer feſſelte,
an Hand der flüchtigen Notizen, die wir uns über die einzelnen
Ziele und die dabei gemachten Erfahrungen oder Entdeckungen
gemacht, an Naturſchönheiten zu verzeichnen, wie ſie ſelbſt die
ſchönſten Ferienziele kaum in größerer Abwechſlung bieten konnten.
Vielleicht bieten dieſe meine Erfahrungen mancher meiner
Mitſchweſtern einen Anſporn zu gleichem Tun, zumal ihr und
ihrer Familie dabei die wieder eingeführten, ſtark ermäßigten
Sonntagsfahrkarten, teilweiſe ſchon am Samstag, mittags, an
gültig, Vorſchub leiſten.
ſterchen zu holen. Sie hat aber den Dieter mitgebracht. Doch
wie ganz anders ſieht der Dieter aus als dies winzige Dingelchen
hier mit dem kleinen Geſichtchen, den kohlſchwarzen Härchen, den
dünnen, zum Fäuſtchen geballten Fingerchen. Peter kann die
Sache nicht rund kriegen.
Uli und Dieter iſt das Anſchauen langweilig geworden und
ſie ſind zu ihrem Spiel zurückgekehrt. So kann die Mutter in
Ruhe mit ihrem Aelteſten reden, der immer noch zweifelnd das
Schweſterchen betrachtet. Da ſpitzte das Kleine das Mäulchen,
ſein Geſicht zieht ſich zuſammen in tauſend Fältchen, und gleich
darauf hebt es ein jämmerliches Weinen an. Peter ſchießen die
Tränen in die Augen.
„Es hat Hunger,” erklärt ihm die Mutter. Sie öffnet ihr
Kleid und legt das Kindlein an die Bruſt, wo es ſofort
behag=
lich zu ſchmatzen beginnt.
Peter ſtaunt faſſungslos dies neue Wunder an.
„Mutti, was tut es? Ißt es dich auf?”
„Nein, Bub, es trinkt.”
„Was denn?”
„Milch.”
„Aber warum trinkt es die denn nicht aus der Taſſe wie wir?”
Es ift noch zu klein dazu.”
Noch zu klein. Ja, klein, winzig klein iſt es, das
Schweſter=
chen. Noch viel, viel kleiner als Dieter und Uli, die er und Mutti
doch „die Kleinen” nennen. Ihn nennt die Mutter manchmal
„mein Großer”, und wenn er erſt groß iſt, wirklich groß, dann
wird er ebenſo groß wie der Vater ſein; das hat ihm die
Mut=
ter verſprochen. War er denn auch einmal ſo klein wie „die
Klei=
nen”? Etwa gar wie das Schweſterchen? Er weiß ſich noch zu
erinnern, daß er nicht in die Schule gegangen iſt. Damals trug
er den Anzug, den jetzt Uli trägt. Alſo muß er doch ſo groß —
oder ſo klein — wie Uli einmal geweſen ſein. Aber vorher?
Vor=
her? Gedanken drängen in ihm, für die er keine Worte finden
kann, unvorſtellbare Vorſtellungen. Geradezu ſorgenvoll wird
ſein Kindergeſicht über dem „Bemühen, einen Weg zu finden in
dieſem Dunkelen, Unbekannten.
Da ſagt die Mutter: „Als du ſo klein warſt wie das
Schwe=
ſterchen —
„War ich das? War ich wirklich einmal ſo klein?” In
atem=
loſem Erſtaunen weiten ſich Peters Augen. „Und hab auf deinem
Schoß gelegen? Und du haſt mir von dir Milch zu trinken
ge=
geben?”
Die Mutter nickt. Wie deutlich ſteht die Zeit vor ihr, als ſie,
ſelbſt noch ein halbes Kind, dies ihr erſtes Kind zur Welt brachte.
Als ſie es zum erſtenmal an ihre Bruſt legte. Faſt nur Naſe war
ſein Geſicht geweſen, und ein paar ernſte blaue Augen, die fra=
gend in die fremde Welt ſahen. Nun ſteht dies ſelbe Kind hier
neben ihr, ein ſchlankes Bürſchlein von ſieben Jahren, und taſtet
ſich mit ſeinen immer noch fragenden Augen heran an das
Wun=
der des werdenden Menſchen.
„Aber Mutti, hör, ehe ich auf deinem Schoß lag — wo war
ich da? Hab ich da eine andere Mutti gehabt?. Haſt du mich von
der gekauft?”
„Nein, Peterchen, ich war immer deine Mutti, von allem
Anfang an. Weißt du noch, wie wir im Frühling Samenkerne in
die Blumenkaſten geſteckt haben?"
„Und dann ſind die kleinen Pflänzchen herausgekommen?
Meinſt du das, Mutti?”
„So biſt du auch aus einem Samenkern geworden. Das
Samenkorn hat der liebe Gott in die Mutti hmeingelegt. In der
Mutti iſt es gewachſen, weil ihm die Mutti von allem, was ſie
gegeſſen und getrunken, immer ein bißchen abgegeben hat. Es
iſt gewachſen, bis es ein kleiner Menſch war, ein ganz richtiger
Menſch mit Kopf und Leib und Armen und Beinen und Augen
und Händchen und Härchen und allem. Das hat lange gedauert,
und die Mutti hat oft viele Schmerzen gehabt, wie das kleine
Menſchenkind immer größer geworden iſt. Dann eines Tages hat
der liebe Gott geſagt: Fertig! und hat dem Menſchlein eine Türe
aufgemacht, durch die iſt es herausgekommen ans Sonnenlicht
— ſo, wie die Pflänzchen aus der dunklen Erde herausgekommen
ſind. Weißt du nun, woher du kommſt, mein Peterbub?”
O ja, nun weiß er es. Gewachſen iſt er aus einem
Samen=
korn, in der Mutti gewachſen und in der Mutti zu einem richtigen
kleinen Menſchen geworden.
„Mutti, ſo bin ich ja eir Teil von dir!” Wie eine warme
Welle überrieſelt ihn das Bewußtſein ſo inniger
Zuſammengehö=
rigkeit. Seine Augen ſtrahlen.
„Ein Teil von dir!” wiederholte leiſe die Mutter. Und küßt
ihren Buben. —
Das Schweſterchen iſt über ſeiner Mahlzeit eingeſchlafen. Die
Mutter ſteht auf und legt es in ſein Bettchen. In verſonnenem
Träumen geht Peter hinaus in den Garten. Mit Geſchrei
be=
grüßen ihn die Brüder vom Sandhaufen her, und fünf Minuten
ſpäter iſt er ebenſo eifrig wie ſie beim Graben eines
unterirdi=
ſchen Ganges.
— Von dem Tag an fand die Mutter allabendlich etwas
auf ihrem Kopfkiſſen: eine Blume, ein Bildchen, eine Vogelfeder,
ein Steinchen oder wenigſtens ein buntes Wollſädchen oder ein
farbiges Papierſtückchen. Warum Peter das tat, hätte er wohl
kaum ſagen könne.n. Sein kleines Herz ſuchte — und fand —
darin Ausdruck für etwas, für das ſeinem Verſtand noch die
Worte fehlten.
Nck.
Nr. 24, Sonntag, 22. Juni 1924
Darmſtädter Tagblatt
K38242
H38245
MMkAtM
109½2/r
*Oas Sommerkleid ohne Aermel
In neckiſcher Laune liebt, es die Mode ſeit Jahren, es
irgendwo an Stoff fehlen zu laſſen, nur eins hat ſie dabei
ver=
ſäumt: die dadurch unbedeckten Stellen des Körpers einer
Schön=
heitskontrolle unterwerfen zu laſſen. Zuerſt kürzte ſie die
un=
tere Rocklänge mehr und mehr und brachte dadurch zwei
In=
duſtriezweige buchſtäblich „auf die Beine‟. Nie ſah man vorher
ſo luxuriös und raffiniert ausgeſtattetes Schuhwerk, nie ſo
hauch=
feine Strümpfchen, wodurch natürlich unwillkürlich der Blick nach
unten gezogen wurde. Oft ſehr reizvoll, meiſtens jedoch — nein,
meine Höflichkeit gebietet mir Schweigen! — Dann folgte die
Freilegung des Halſes, die ſich an Geſellſchaftskleidern im Rücken
ſogar bis zum Gürtelſchluß erſtreckte und beängſtigende
Perſpek=
tiven erweckte. Heute haben wir es mit einer ärmelloſen Mode
zu tun. Nicht nur Ball= und Geſellſchaftskleider, ſondern auch
Haus= und Straßenkleider bieten den ungewohnten Anblick des
ganz entblößten Armes, der bei der Arbeit ſicher praktiſche
Vor=
teile hat. Ein kleiner, mit Kimonoſchnitt angefügter Anſatz,
epaulettartig von der Achſel herabhängende Garniturteile, eine
Glockenfalbel oder die Ausſchnittblende wagen den ſchüchternen
Verſuch, wenigſtens die Armkugel zu decken. Durch dieſe
Mode=
laune iſt wiederum den Handſchuhfabrikanten Gelegenheit
ge=
boten, die Handbekleidung in phantaſtiſcher Weiſe zu geſtalten.
Denn nicht etwa in ganzer Länge wird der Arm bedeckt, nein,
in Erinnerung der Mode in den 70er Jahren, da zum
kurzärme=
ligen Ballkleid der kurze Handſchuh gehorte, trägt auch die
Mode=
dame von heute den kurzen Handſchuh mit angeſetzter Stulpe
aus Wildleder, häufig zweifarbig, im Spitzenmuſter perforiert,
mit Malerei und Stickerei bedeckt. Das Kleid ohne Aermel iſt,
wie vieles andere der heutigen Mode — entgegen der ſonſtigen
Regel — dem Kinderkleid entnommen, eine Mode, die
Selbſt=
prüfung und Urteilsfähigkeit vorausſetzt, damit nicht böſe
Zun=
gen läſtern können: „Man iſt ſo alt, wie man ſich fühlt, aber man
iſt ſo jung, wie man ſich kleidet.”
Wie reizvoll die Mode ohne Aermel ſein kann, beweiſen
unſere heutigen Abbildungen, für die Beyer=Schnitte und
Abplättmuſter erhältlich ſind.
Sehr einfach im Schnitt und beſcheiden im Material iſt das
Kleid K 38245, deſſen Garnitur einzig in der verſchiedenen
Ver=
arbeitung des geſtreiften Frottees liegt. Dem glatten Leibchen
ſind nur kleine Kimonoanſätze angeſchnitten. Erf.: etwa 2,75 m
Stoff, 110 cm breit. Beher=Schnitt für 46 cm Oberweite.
Himbeerote Chinaſeide ergibt das durchweg fein pliſſierte
Kleid K 38242, mit dunkelblauem Samtbandgürtel und
Glocken=
falbeln. Erf.: etwa 6,50 m Stoff, 100 cm breit. Beyer=Schnitt
für 46 cm Oberweite.
Das Hängerkleidchen aus lichtblauem Batiſt MK 48111 iſt
mit Säumchen, Handhohlnaht und Madeiraſtickerei geſchmückt.
Erf.: etwa 1,30 m Stoff, 80 cm breit. Beyer=Schnitt für 4 und
6 Jahre.
Zartblaue Ausſchnittſtickerei und Hohlnaht zieren das Kleid
aus korallenroſa Batiſt mit blauer Seidenſchärpe K 58 154. Erf.:
etwa 4 m Stoff, 80 cm breit. Beher=Schnitte für 44 und 48 cm
Oberweite. Beher=Abplättmuſter Nr. 20 478/II 1 m, 20 488/I
6 Stück.
Geſtickter und glatter Schleierſtoff ſind in geſchickter
Anord=
nung für das Kleid K 38 185 verarbeitet, das von einem faltigen
Stoffgürtel umſpannt wird. Erf.: 2,25 m glatter, 2,40 m
beſtick=
ter Stoff, je 100 cm breit. Beher=Schnitt für 46 em Oberweite.
Wo keine Schnittverkaufsſtelle am Ort, ſind alle Schnitte und
Muſter zu beziehen durch „Beyer=Schnitte”, Leipzig,
Rathaus=
ring 13.
Farbige Bordürenſtoffe
für Kleider und Jumper
Beginnt der handgearbeitete, gehäkelte oder geſtrickte
Jum=
per allmählig unmodern zu werden? Faſt will es uns ſo ſcheinen
wenn wir die vielen neuen Modelle dieſer Art, aus Crepe,
Maro=
cain, einfarbig durchgemuſtert oder bordürenartig gewebt,
be=
wundern. Neben naturaliſtiſchen und expreſſioniſtiſchen Motiven
werden außerordentlich viel türkiſche, rumäniſche, ſtreng
ägyp=
tiſche, japaniſche und chineſiſche Muſterungen angeboten. Die
ausgeſprochenen Bordürenſtoffe aber, aus denen auch Kleider
gefertigt werden, beſtehen aus farbigen Uniſtoffen, die einſeitig
mit ein bis zwei Hände breiter Bordüre ausgeſtattet, wie gute
Handſtickereien in Seide oder Wolle ausgeführt ſind, Selbſtredend
erübrigt ſich an Kleidern und Jumpern aus dieſen Geweben
jeder weitere Schmuck. Ganz vereinzelt nur grenzt Kleid oder
Jumper am Hals ein ſchwarzer, ſchmaler Paſpel ab, der dann
zumeiſt mit den Borden harmoniert, da faſt in jeder Muſterung
geri ge ſchwarze Effekte vorhanden ſind.
Weiß=Rot, die große Mode
im kommenden Sommer
Weiß=rot, rot=weiß, ſo marſchierten eine ganze Reihe
höchſt apart gekleideter Mannequins hintereinander auf, um in
einem gelungenen Reigen der Frauenwelt ausgiebig Gelegenheit
zu bieten, die reizvolle Wirkung dieſer beiden Farben nach jeder
Richtung hin feſtſtellen zu können. Bald war der dicht pliſſierte
Rock völlig weiß gehalten, eine lachsfarbige Bluſe, Schoß= oder
Kaſſakform, je nachdem die darüber getragene Jacke halb= oder
dreiviertellang war, zeigte weiße Aermelſchoßanſätze und
Gür=
tel, und die feuerrote loſe Jacke vorn offen, von der Seite ab
nur durch Innengürtel gehalten, weiße Aermelaufſchläge und
einen weißen Vatermörder=Kragen, zu mit rotem Chiffon
ver=
kleideter Hutrand zu weißem Hutkopf mit lachsfarbigen kleinen
Phantaſieblüten. Ein anderes rot=weißes Sommergewand wieder
zeigte eine lange weiße Kaſſakbluſe mit reicher roter
Korallen=
ſtickerei in zwei Schattierungen: lachsfarbig, feuerrot, 3
Zenti=
meter hoch am unteren Rande, 10 Zentimeter hoch am
halb=
langen, mäßig weiten Glockenärmel, daumenbreit rings um den
kleinen Halsausſchnitt, und eine ſchmale Spange an der mäßigen
ſeitlichen Faltung der Kaſſakbluſe rechts und links auf den
Hüf=
ten. Ein nur 30 Zentimeter ſichtbar werdender blutroter Rock
und eine kurze, loſe flotte Jacke in gleicher Farbe, mit weißer
Perlſtickerei handbreit rings um den Rand wie an den Aermeln
und am angeſchnittenen, hohen, ſtehenden ſchlichten Kragen, dazu
ein roter Hut mit einem Kranz weißer Stiefmütterchen, auf dem
äußerſten Rande mit einer roten länglichen Perle als
Blüten=
kelch, einer langen roten Flatterſchleife rechts ſeitlich, mit weißen
Perlmaſchen an den langen Enden, ſo zeigt ſich das zweite Modell
dieſer Art. Höchſt reizvoll, wenn auch bedeutend einfacher wie
das ſoeben beſchriebene, bot ſich eine dritte weiß=rote
Zuſam=
menſtellung. Der in ziemlich grobe, breite Pliſſeefalten gelegte,
weiß=rot geſtreifte flotte Frotteerock wurde in ſeiner zu breiter
Quetſchfalte geordneten Mitte vom Rockbund her mit fünf
ſchö=
nen, großen, roten Galalithknöpfen rechts und links geſchmückt,
eine darunter getragene rot=weiß bizarr gemuſterte Bluſe aus
bedrucktem Marocain ſtimmte mit ſeinem Hütchen, aus gleichem
Stoff gefertigt, überein, deſſen tiefrote Randunterfütterung und
ſeitliche Schlupfengarnitur wieder mit dem kurzen Sakkojäckchen
harmonierte, das, aus tiefrotem Tuch beſtehend, Aufſchläge und
Stehumlegkragen aus dem Stoff des Rockes aufwies, die wieder
mit den gleichen Knöpfen wie am Rock garniert waren. In
ähnlicher Weiſe, immer völlig übereinſtimmend, gleichviel, ob
zwei= oder dreiteilig gehalten, zeigten ſich auch die anderen
weiß=
roten, überraſchend gefälligen und äußerſt kleidſamen Modelle,
die ſicher das Entzücken unſerer Jungmädchenwelt wie aller
jugendlichen Schönen hervorrufen werden.
E. M.
*Der garnierte Sommermantel
Für die elegante Frau iſt er, dieſer auffallende Neuling unter
ſeinesgleichen, unerläßlich. Wenn kühle Tage eine wärmende
Hülle notwendig machen. Sie wird ihn mehr oder weniger
ele=
gant wählen, je nachdem er als Promenademantel oder
Abend=
mantel getragen werden ſoll. Ob ſie ihn für die Vormittagsſtunden
für Beſorgungszwecke oder für die Mittagsſtunden zum
Beſuche=
machen beſtimmt. Neben Stickereien in buntfarbiger Seide, in
Gold=
oder Silberfäden, mit Belebung durch Perlen, werden neuerdings
außerordentlich viel ſchmalſte Falten und Pliſſees in verſchiedenſter
Breite als Garnitur oder Anſatz an dieſen eleganten Mänteln
verwendet. Bei faſt völliger Faltenloſigkeit der Rückenpartie
und faſt durchweg gerader Form, ſind vorwiegend die
Vorder=
teile von der verlängerten Taille abwärts, mit Falbeln oder
Blenden, eine den Anſatz der anderen deckend, beſetzt, die
viel=
fach noch durch farbige Seiden= Tuch=, Ledervorſtöße oder
Paſpe=
lierungen belebt werden. Pliſſeebeſätze dagegen umgeben zumeiſt
den langen Mantel ringsum in ziemlicher Breite, wenn ſie nicht,
wie an einem beſonders eleganten Modell dieſer Art, einem
feinen ſchwarzen Tuchmantel, der in der Mitte ringsum
den Mantelrand mit feinem Ripsband zuſammengehalten
werden und oben und unten nur ganz wenig dann und wann
gehalten, in Tüten ausfallend, eine Garnitur, die ſich auch an
den ſehr hohen gleichartigen Aermelbeſätzen von feinem Pliſſee
wiederholte, wie an dem Halspliſſee, das rings um den Kopf
mit ſeinen ausfallenden Fältchen nach oben wie ein Stuartkragen,
auf den Schultern wie eine Tollfaltenrüſche wirkte, während das
Ripsbändchen im Nacken zu flatternder Schleife gebunden, den
eigentlichen Stehkragen darzuſtellen ſuchte, der vorn bei mäßig
tiefem Ausſchnitt ebenfalls in einem Schleifchen ausfiel. Die
gleichen Hängeſchleifchen an den Aermeln und rechts und links an
den Seiten des Mantelrockbeſatzes und eine ſehr reiche Gold= und
Silberfadenſtickerei am breit umgeknöpften Vorderteil, das ſeitlich
links mit feiner Metallſpange gehalten wurde, geſtalteten dieſen
garnierten Mantel zu einem wahren Prachtſtück vornehmſter
Eleganz.
K 38185
Der zeitgemäße Haushalt
* Entfernen von Fliegenſchmutz von
Lampen=
ſchirmen kann man mit einem kleinen ſauberen Läppchen,
das man in warmem Waſſer anfeuchtet, feſt ausdrückt und in
reinen Salmiakgeiſt tupft, die Stelle vorſichtig abreibt, bis die
Flecken verſchwunden ſind, dann mit einem zweiten Läppchen
und warmen Waſſer gut nachſpült und mit trockenem Tuch
ab=
trocknet. Es empfiehlt ſich, mit einem kleinen Muſter oder an
wenig ſichtbarer Stelle den Stoff zu prüfen auf Farbenechtheit.
Hellfarbige Sonnenſchirme im Hauſe zu
rei=
nigen. Dieſe ſo ſchwierig erſcheinende Arbeit gelingt doch
tadel=
los, wenn man den ſchmutzig gewordenen Schirm nacheinander,
geſchloſſen und offen reinigt. Zunächſt muß er freilich erſt
gründ=
lich durchnäßt werden. Am beſten geſchieht das in der Weiſe, daß
man in einem langen flachen Gefäß eine Löſung von 2 Eßlöffel
Quedlin (Drogerie) in 5—7 Liter Waſſer gut warm, ſchaumig
ſchlägt, bis das Pulver völlig gelöſt iſt, den geſchloſſenen Schirm
dann hineintaucht und mit weicher Bürſte gründlich darin
durchbürſtet, bis er ſauber iſt. Dann erſt aufſpannen, um auch
die Brüche der einzelnen Stoffteile, die immer beſonders ſchmutzig
ſind, ebenfalls gründlich zu reinigen und ſchließlich den ganzen
Schirm reichlich mit warmem Waſſer zu übergießen, um ihn
aus=
geſpannt, mit dem Griff nach unten, im Schatten zu trocknen.
Der letztere muß natürlich zur Verhütung von Beſchädigungen
durch Waſſer mit altem Leinenlappen umwunden werden.
Stumpf gewordene und von der Sonne
aus=
gebleichte Eichenmöbel aufzufriſchen. Zunächſt
reibe man die Fläche mit wollener Socke und Terpentinöl nach
der Holzfaſer ab, um alles Wachs zu entfernen. Dann bereite
man mit Spiritus und ſpirituslöslicher Braunsſcher Holzbeize
im gleichen Farbton wie die noch gut erhaltenen Flächen der
Eichenmöbel eine Löſung, die mit weichem Schwämmchen oder
dickem Wattebauſch halbnaß aufgetragen wird. Laſſe ſie gut
trocknen und bohnere dann das ganze Möbelſtück gleichmäßig
mit gutem Bohner= oder Möbelwachs, um es nach einigen
Stun=
den, tüchtig frottierend, mit wollenem Lappen blank zu reiben.
Die Uebergänge zu den noch gut erhaltenen Möbelflächen müſſen
natürlich dünner eingebeizt werden, damit keine dunkleren
Rän=
der entſtehen.
* Erfriſchender Brotbelag zum Frühſtück
oder Veſper. Friſche Erdbeeren zerdrückt man mit der Gabel
und zuckert ſie, belegt dann die (evtl. mit Butter beſtrichene)
Schwarz= oder Weißbrotſchnitte mit dem Mus, das jedoch erſt
bei Tiſch bereitet werden darf, da es ſonſt zuviel Saft zieht.
Be=
ſonders Kinder lieben die Erdbeerſchnitten und bei ſchlecht
er=
nährten Kindern mit Appetitmangel wirken dieſelben oft Wunder.
Größere Stücke Fleiſch an warmen Tagen vor
dem Verderben zu ſchützen. Hat man durch einen
gün=
ſtigen Einkauf größere Fleiſchſtücke im Hauſe, wie Filet=
Kalbs=
oder Hammelkeule uſw., ſo genügt das Einſchlagen desſelben
in einem in Eſſigwaſſer mit Salzzutat ausgewundenem
grob=
fädigem Tuche.
Sommerſuppen aus Speiſereſten. Jeder Reſt von
Kompott ſollte noch zu einer der ſo wohlſchmeckenden Kaltſchalen
verwendet werden, die namentlich am Abend gern genoſſen
wer=
den. Mit Waſſer verlängert und mit Gewürz, wie
Zitronen=
ſchale, Zimt, einigen geriebenen bitteren Mandeln uſw.
auf=
gekocht und mit Kartoffelmehl entſprechend verdickt und bis zum
Abend kaltgeſtellt, ſchmecken ſie mit eingebrocktem Zwieback
aus=
gezeichnet. Gemüſereſte dagegen ſollte man zu Abendſuppen
bei=
kochen. Mit einer hellen oder dunklen Mehlſchwitze, Sago, Gries
u. a. m. verkocht, mit Soßenreſten oder etwas gebratenem Speck
gekräftigt oder mit einer gebräunten Zwiebel gewürzt, ſchmecken
ſie ausgezeichnet und können zur Sättigung noch mit kleinen
eigroßen Schwemmklöſen gereicht werden.
Einen billigen vorzüglichen Mürbteich für
Obſttorten bereitet man wie folgt: 1 Ei verrührt man mit 2
Löffel Zucker und 1 Eßlöffel heiß aufgelöſtem Süßſtoſtff, fügt 2
Löffel zerlaſſene Butter, Margarine oder Oel bei, ferner 2 Löffel
Milch, das Abgeriebene einer halben Zitrone und rührt zuletzt
4—5 Löffel Milch darunter. Gut verknetet werden die Zutaten
(möglichſt in kaltem Raume, damit der Teich nicht flüſſig wird).
Nicht zu dünn auf dem eingefetteten Springformboden
aus=
gemangelt, ſetzt man eine kleinfingerdicke Rolle aus dem Teig
rundum, kerbt mit einer Gabel ein und belegt nun mit
Rhabal=
ber uſw.
Speiſezettel.
Sonntag: Kalbfleiſchröllchen mit Blumenkohlgemüſe.
Rote Grütze mit Saft.
Montag: Käſeſpätzle mit grünem Salat.
Dienstag: Rhabarberreis.
Mittwoch: Miſchgemüſe mit Grießklößchen.
Donnerstag: Hefeklöſe mit geſchmorten Stachelbeeren.
Freitag: Gebackener Seelachs mit pilanter Dillſoße,
Samstag: Arme Ritter mit Rhabarberkompott.
Rummer 122.
Sunndas Kadchndags Bedriackdunge.
Mir Schriftſteller miſſe mit allerhand Leit verkehrn, deß
bringt der ſunnerbare Beruf ſo mit ſich. Un daß mer aach mit
iwwerſinnliche Perſone im Verkehr ſteh, wie
beiſpiels=
meeßich mit Stadträd, mit Reichsdags= un Landdagsabgeordnede
un ſo Art Zeitgenoſſeriche, deß is hielenglich bekannt un leßt ſich
net ganz vermeide. Awwer daß ich aach emol mit werkliche
Ge=
ſpenſter, mit richdichgehende Geiſter aus de vierde odder fimfde
Diviſſion in nehere Beriehrung kumme dhet un dhet em
Freund. Datterich wieſawie gechenniwwerſteh un mit doode
Swwerborjemaaſter ſogar uff em Duhzfuß — alſo mit aam
Word, deß hett ich mer dann doch net drahme loſſe.
Was, deß glaawe Se net?! Gud, ich kann de Wahrheizbeweis
adräde, Sie ſolle ſich ſchnärrn. Ich werr Ihne zeiche un
haar=
klaa verzehle, wie deß is mit dem ogguldiſtiſche
Schbirreduwiß=
muß — haha, deß weer gelacht!
Alſo uffgebaßt: Es gibt bekanntlich noch allerhand Dinger
zwiſche Himmel un Erd, wo devo ſich unſer Schulweisheit nir
drahme loſſe leßt, hodd de Hamlädd emol beilaifich bemerkt. Un
der Spinnegigges, der mondſichdiche, der hodd deß domols aach
gor net wiſſe kenne, dann dem ſei Offehlia, die hadd bloß en
ge=
weehnliche Hick, woherngäche mei Zwangsmiedern en
richdich=
gehende iwwernadierliche Spritzer uffweiſe kann. Schawoll, deß
is e Mediumm e delleſchineeſiſch Fonomän, un die kann ſich in
jedere beſſere Meßbud for Geld ſähe loſſe. Sie werrn ſich
um=
gucke, deß is kaa Hogußboguß vun wäche Geſchwindigkeit is keine
Hexerei; o nag, die kann Geſpenſter ziddiern aus de älſte
Adreß=
picher vun Darmſtadt, alle Sorde vun Geiſter, beriehmde un
be=
richdichte, geweehnliche, außergeweehnliche un exdraordinäre.
Binne Null Komma nix leßt die Ihne maddrialiſierde Gächeſtend
dorch die Luft ſauße un ſchmeißt, ohne daß ſe mit de Hand dra
limmt, Diſch un Stiehl iwwern Haufe. Alſo mit aam Word, die
hodd de Boge haus vun wäche dene ogguldiſtiſch=ſpirreduwiſtiche
Schbojemende.
Daß es mit dere als emal net ganz richdich is in ihrm
Dwwerſtibbche, deß hab ich ja ſchun oft wahrgenumme. Zum
Beiſpiel, wann ich ſo hinnerum die Redd uffs Loſchiegeld
ge=
bracht hab, alſo do war ſe immer wie geiſtesabwäſend un hodd
ärr gebabbelt, ganz kommfuß Zaick. Un dann is mer’s awwer
gach ſchun uffgefalle, wiederholt uffgefalle, daß Sache bei mir
verſchwunne ſin, wie zum Beiſpiel mei ſchwergoldern
Dubblee=
broſch, uff e ganz unhaamlich Ard un Weis, es war als diräckt
beengſtichend. Ich hab mer deß die Zeid her als, net erkleern
kenne, awwer jetzt bin ich aus em Dhran haus, wie geſagt, mei
Zwangsmiedern is e Medjumm, un die Haamduckſern hodd net
e Word devo verrade. Un, wie ich bereits ſchun agedidde hab, ſie
hodd net bloß nadierliche, ſundern ſogar iwwernadierliche indime
Beziehunge un ſchwäzzt mit Geiſter wie mit ihresgleichen.
Deß haaßt, daß mei Zwangsmiedern ſo e iwwerricks
Bega=
wung hodd, deß ſag ich nadierlich nor Ihne, un ich bidd mer aus,
daß Se nir em Herr Dockder Zander verrade, ſunſt, wann der
ſe verwiſcht, der is imſtand un ſäwelt dere in de
Geſchwindich=
nit ſchließlich de ganze Schbirreduwißmus eraus; der hodd ſchun
imehr kranke Leit geſund un munder haamgeſchickt un hinnenooch
hodd ärjendwo doch e Stickelche gefehlt.
Aach dem Schrenk=Notzing in Minche derfe Se nix devo
ver=
lickern, der dhut ſe wie’s Gewidder addrabbiern, un dann ſin
imer ſe los. Un deß derf net ſei, unner kaane Umſtend, dann
fnann net alle Zeiche drieche, wert ſich mei Zwangsmiedern in
füre fänominale Eichenſchaft als Schwäzzmedjumm zu ere
(Aodracktzion aus, erſter Klaß. Die ſchwäzzt mit de Zeid alle
fannern Schwäzzmedjumme iwwern Haufe, die ganz Bloos, vun
1hindt bis Kaul un noch e Stick driwwer naus. Selbſt de Bäcker=
Jumaſter Finger, unſer ſprachgewaldicher Stadtbabba, un ſogar
„ee Scheherezade aus Deitſch=Siedweſt=Affrigga, die wo dene
(Landdagspaſcha neierdings allerhand Märncher uffbinne dhut,
elbſt die ſin gege mei= Zwangsmiedern die reinſte Waaſebiebcher.
forz un gut, mei Zwangsmiedern, deß gibt e Sähenswerdichkeik zu gucke un neie Brojäckde auszuſimmbeliern? Die ſolle doch erſt
Ifm Darmſtadt, die hodd Band an de Hoſe. Un die bringt Geld in emal die alte richdich verdaue!”
ſde Stadt, an dere kenne mer uns geſund mache.
Awwer ich will Ihne de Mund net lang mache, ſundern ich
Fwill Ihne de Reih naach verzehle, wie deß for ſich gange is mit
dere Geiſterſpuckerei. Alſo mir ſitze neilich emal widder ſchee bei= mächer ſage, en ſcheene Gruß vum Ohly, un wann ſe glaawe
dimnme, ich un mei Zwangsmiedern un ihr neier Freind. Mir
).wwe nemlich grad widder aan vun meine Zwangsmiedern arch uff em Holswähk. Die paar Gärde in Darmſtadt ſoll mer
ihre Gebordsdäg gefeiert. Nemlich ſchun deß mit dere ihre
Ge=
ſordsdäg, deß grenzt diräckt ſchun an’s Jwwernadierliche, an’s
Uieſtiſche. Dann kaum daß die en neie Freund hodd, baufdich, ſchun immer en Dorn im Aagg!”
ide hodd ſe aach gleich druff ihrn Gebordsdag. Meiner
Beräch=
vierunzwanzig Gebordsdäg feiern, wann ſe ſich, gißt e bißche
ſora hellt.
Alſo, mei Zwangsmiedern hodd mit ihrm neiſte Freund ihrn eme feudahle Hodäll!"
eiſte Gebordsdag gefeiert. Ich war dezu eigelade un mir
uarn ganz andernu unner uns un hawwe geiſtreiche Geſpräche
jpfiehrt un Erdbiernbohl dezu gedrunke. Speeder hawwe=mer, wie bei de Hinkel; als mit em Dodder ins kalte Waſſer — do
ſann aach Geſpenſtergeſchichte verzehlt un Friedhofsſtickelcher vergeht’s ſchun. Jawohl, ſoviel ich die Sach vun do howwe aus
um Beſte gäwwe, wo’s aam ſo recht a genehm gruſelich debeiwerd.
Wie mer die Erdbiernbohl ſchun beinah gelebbert hadde, do
dudd ſich uff gamol meine Zwangsmiedern ihr Freund als
Schbirrediſt uffgeworfe un hodd geſagt: „Schatz, ſetz dich emol uff
nein Schooß un guck emol in ganer Dur uff mei Grawadde= Fremde frage bloß, was es koſt. — Un e feudahl Hodäll? For
nadel.” Alſo mei Zwangsmiedern, net faul, ſetzt ſich dem uff de wen?! Ich hab noch net geſähe, daß aaner in de „griene Bedd=
Schooß un ſtiert in gam Stick uff dem ſei ächt Simmelie=Brill= lad” hodd kammbiern miſſe. Un iwwrichens, hodd mer aus eme
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 99. Junf 1924.
Zwangsmiedern die Aaage verdreht un hodd gekriſche: „Willäm, friedhof wenichſtens Kadoffel druff blanze — iwwer die Dickte
mich hodd’s!” Un mit dene Worde is ſe de lange Wähk in Dranſe, werd mer ſich ſpeter wunnern. Dann Eier Tonkunſtaggademie,
gefalle. Ich hab de=erſt gor net net gewißt, wie mer geſchied, wie die unner alle Umſtend in die Eliſabethenſtroß eneigepercht mußt
Seite 13.
villſte doch emol ſähe, wie die die Nadel ewäckogguldiert, vielleicht
lann ich dodebei erausbringe, wo mei Broſch hiekumme is.
2
mei Zwangsmiedern mit ihrm Freund uff meim Kannebee in
Dranſe fellt. Un ich hab deshalb gleich geſagt: „Holla, deß is
„Sinde wieder den Geiſt”, deß duld ich in meim Loſchie net!”
Awwer uff aamol hodd mei Zwangsmiedern agefange,
ärr zu babbele und hodd gerufe: „Ich bin beſäſſe, aus mir will
en Geiſt babbele!” Awwer der Schbirrediſt war gleich gewerffelt
un hodd geſagt: „Emmanuell erſcheine — was iſt dein Bagehr?!”
Do hodds mit Grawesſtimme aus meine Zwangsmiedern
ge=
klunge: „Liſäddche, noch en halwe Schobbe „Rode” un e halb
Portzion kalte Hammelsbrade . . ."
„Deß is de Datterich,” hodd der
Schbirrediſt geſagt un hodd meine
Zwangsmiedern dreimol widder die
Stern gedubbt un hodd geruffe:
„Herr Datterich, ſin Sie’s?” —
Do=
druffhie hodd mer widder den
Staa=
kohlebaß ernumme: „Aha, die
Mor=
jendviſidde gehn ſchun widder, los
— wer is dann do?” No, der
Schbirreduwiſt hodd mer jetzt en
Stumber gäwwe, als godderſprich,
ich ſollt die Unnerhaltung weider
fiehrn. „Ach, Herr Datterich,” hab
ich geſagt, „Sie entſchuldiche, ich bin
des Bienche ..."
„Wer werd dich net kenne, alt Schadeek!” — „No,” hab ich
geſagt, „Ihne Ihr aziegliche Redensarde kenne Se ſich ſparn —
wolle Se mer emal en Gefalle dhu?”
„Ich hab kaa Geld bei mer,” hodd=der gebrummt. — „
Do=
drum dreht ſich’s aach net,” hab ich geſagt, „awwer wann’s
meeg=
lich weer, ich dhet gern emol de Herr Owwerborjermagſter Ohly
ebbes frage — is er net driwwe?!"
„Freilich,” hodd de Datterich
ge=
ſagt, „der macht heid widder mit
ſeim Eelfabbdibbche uff de
Milch=
ſtroß erum un maggiert die Gächend,
daß ſich kaans verleeft, — ſoll ich
en rufe?”
„Sin Se ſo freundlich”, hab ich
ge=
ſagt. — Un was denke Se, gleich
druff hab ich em Ohly ſei Stimm
vernumme: „No, Bammbernellſen,
was hoſt=de dann for Schmerze?!”
— „Ach, Herr Owwerborjermaaſter,”
hab ich geſagt, nich wollt Ihne emal
frage, was halte Sie dann devo,
nemlich die wolle unſern alte
Ballee=
gadde zubaue!” — „Was,”
ſeegt=
derr, „ſchun widder? Hawwe die
do unne dann gor nix annerſter zu dhu, als duſchur in aa Loch
„Hab ich aach geſagt, Herr Owwer .....
„Halt’s Maul, mit deim „Herr Owwer”, beiuns werd ſich net
geſietzt,” hodd=er geſagt, nun im Jwwriche kannſte dene
Brojäckde=
dhete, domit dhete ſe de Fremdeverkehr hewe, do weern ſe
net zubaue ſundern die ſoll mer dem Verkehr erſchließe.
Deß=
dewäche ſolle ſe mal die ſchineeſich Mauer umrobbe, die war mir
„Ja, mein liewer Ohly,” hab ich geſagt, „ganz meiner
Mei=
rang nooch kann die ſo im Laaf vun eme Johr gud un gern ihr nung. Awwer die, die wo des neie Brojäckt ausgebrieht hawwe,
die ſage, der Gadde, muß unner alle ſibbzeh Umſtend zugebaut
werrn, weil’s hier an große un ſcheene Läde fehle dhet un an
„So,” hodd de Ohly geſagt, „weider nix? — No, wann bei
Eich Verſchiedene widdermal „briehich” ſin, dann macht’s doch ſo
nichdern un indräſſelos beaagabbele kann, maan ich doch,
Ihr hedd in Darmſtadt große un ſcheene Läde genug — bloß an
de zahlkräfdiche Kundſchaft fehlt’s. Dann die Eiheimiſche maane
immer noch, ſie kreegte’s in Frankfort geſchenkt, un die
andgrawwaddenadel. Ich hab ſchun im Stille gedenkt: jetzt Hodäll e Bank mache kenne, ſo kann mer ſchließlich aach aus ere
Bank e Hodäll mache. Deßhalb brauch mer net gleich en ſcheene
Gadde midde in de Stadt zuzubaue!”
„Ja,” hab ich geſagt, „Ohlyche, mir ſchwant ſo ebbes, als
wann mer bei dem Balleegadde unner zwag Meeglichkeite
dod=
ſicher uff die dritt verfellt, die wo ſich widdermal als en große
Schenieſtraach entpubbe dhut, un wo ſich hinnenooch als Katz
ohne Schwanz präſſendiert.”
„Katze ohne Schwenz habt=derr in Darmſtadt in Hill un
Fill” hodd de Ohly druff geſagt. „Bedracht Eich nor emol Eiern
Gemäldezerrkuß uff de Madhildeheeh, 3 is ſchad for den ſcheene
Kommblär. Dreiverrdel Jahr ſteht er leer un aaverrdel Jahr
gehnt niemand enei. Dodefor is die Geſchicht zu ſchad, do dhet
ich en Feſtſpielhauserſatz draus mache; ſoviel Blatz, um alle
Summer e paar mehr odder wenicher fragwerdiche Kunſtbroduckte
an die Wand zu henke, bleibt aach noch iwwrich. — Zweidens
de Neibau vun de Sparkaß, der geheert unner Glas un Rahme.
No, was ſoll ich ſage, denke Se hie, uff aamol hodd mei Do ſchlag ich vor, Ihr dhut uff den mindelſichere
Hibbodehke=
werr. Die geheert in de alte Ludwigsbahnhof, do kenne ſe
blooſe im Große un ſinge un klinge un geiche, un ſtreiche uff
Mord un Kabudd, un do brauch wenichſtens die Nachberſchaft
net zwangsmeeßich am Unnerricht daalzunemme, daß ſe for
Ver=
zweiflung an de Wend in die Heeh krawwelt. Die paar
Aemd=
cher, die wo ſich noch im Ludwigsbahnhof mehr, wie needich
braad mache, die ſchrumbele doch ſowieſo eines Dags emol ei,
wann ſe ſich aach noch ſo arch degege ſtraiwe! — No, un der
lang=
weiliche Beamdefriedhof in de Rheinſtroß, ſoll der unner
Denk=
malsſchutz geſtellt werrn? Do geheern große un ſcheene Läde
enei — wann’s ſchun emol an Läde fehlt. Domals, wie’s
um=
gebaut worrn is, hodd mer die Läde net ſchnell genug zubaue
kenne. Genau ſo, hab ich mer ſage loſſe, ſoll’s aach jetzt mit dene
Läde im Rodhaus gemacht werrn — e Glick, daß deß de J. A.
Supp mit ſeim Adlerblick net mehr zu erläwe brauch, ſunſt weer
deß ſein Dod!”
„No, un wie ſteht’s dann mit Eierm Radskeller,” hodd do de
Datterich dezwiſche gebrummt, „wann kann mer dann do de erſte
Halwe drinn verleede?”
„Wie unſer Stadträd ihr erſt geheim” Sitzung drinn
ab=
halde,” hab ich geſagt, „do werſt Du dezu eigelade, Du alter
Schnudedunker ....
In dem Momend is mer e Weiglas an de Kobb gefloge, es
hodd en Mordsſchlag gedha un die Lamb is umgefalle mitſamſt
em Diſch —
Hoffentlich is der nixnutzig Pfeil ſo rickſichtsvoll un makkt
net in die Zeidung, wie’s am annern Morjend nooch dere
ſchbirre=
diſtiſche Erdbiernbohlſitzung in meine Stubb ausgeſähe hott, deß
weer mer peinlich. Awwer ich hedd werklich net gedenkt, daß ſo
e beleidicht Geſpenſt ſo en Dorchenanner mache kennt. Un dem
Schbirrediſt ſei Grawwaddenadel war aach fort, die hodd ſich
jedenfalls der Datterich zum Adenke mitgenumme.
Under=
ſchemtheit!
Iwwrichens, in meine Stubb werd kaa Geiſterſitzung mehr
abgehalte, for die Zukunft foll mer die Stadt for derardiche
Aex=
bärrimende en geeichende Raum zur Verfiechung ſtelle.
Annern=
falls ſoll ſe ſich ihr doode Owwerborjemagſter ſelwert ebeiziddiern
un ſoll ſe ausfrage.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm. Erſtens: Iwwrichens, deß will ich
heit gleich ſage: meintwäche kenne die Geiſterbeſchwerer bei ihre
ſchbirreduwiſtiſche Teekrenscher „ziddiern” wen ſe wolle: de
Ju=
lius Zäſa odder de ſchwazze Peter, de Ludwig de Erſte odders
Jumfer Liesche, de Naboleon odder de Späckfräſſer, de
Niewer=
gall odder die Streichhelzerraab — — — wann ſe mir nooch
meim Dod mei großherzoglich=freiſtaatliche Ruh net loſſe un ich
muß uff Kummando „ſpucke” — dann ſpuck ich awwer aach! Un
net zu knabb! Ich nemm mer ärdra e „Schoorche” mit eniwwer
un ſpeutz dorch die Zeeh wie en Maurerbollier! — No, for’s
erſte bräſſiert mer’s noch net, un es gibt ja aach im Läwe ſchun
reichlich Gelächenheite, wo mer im Nodfall druffſpeutze
kann, aach wann mer kag „Geiſt” is. Wers waaß, werd’s wiſſe!
Zweidens: For die Eiladung am neechſte Sunndag zum
Gau=Tornfeſt in Owwerramſcht dank ich beſtens. Es is werklich
e groß Ehr for mich, daß ich im Feſtzug die „Germania”
mag=
giern ſoll, ich waaß deß zu ſchätze. Awwer reide? Un aach noch
uff eme Eſel? Wie dhet dann deß ausſähe: des Bienche als
Ger=
mania uff eme Eſell. Naa, wann mer die Owwerremſchder
dode=
zu kaan helzerne Rabarwerhengſt zur Verviechung ſtelle kenne,
muß ich den ehrenvolle Uffdrag dankend ablehne. uffeme Eſel
is mer die Sach e bißche zu ſchenierlich.
Drittens: Jwwrichens, es gibt aach noch annern Sache, wo
mer drufferumreide kann, de Dockder Fauſt is ſogar uff eme Faß
geridde. Allerdings, do kenne die Kiefermaaſter heid net mehr
mit; aach des Urbild vun dem Kunſtausſtellungsblaggad=
Sauer=
krautſtenner hab ich in de Tornhall vermißt. Awwer deß muß
mernn loſſe: der Middeldeitſche Kieferinnungs=Verbandsdag
der bringt Läwe in die Bud.
No, ich un de Herr Borjemaaſter Mueller, mir zwaa krieje
ewe nir geſchenkt, un mir kumme aus de Feſtifidhäde gor net
mehr eraus un aus de Verbandsdäg. Jedenfalls, wann mir
zwaa heid Awend in de Vereinigt Geſellſchaft unner de
middel=
deitſche Kiefermaaſter ſitze und bräche ere gude Flaſch de Hals,
dann wiſſe mer widdermal, was mer hinner uns hawwe un was
mer die Woch geleiſt hawwe!
Eind neiberinnf und Dmerreicht
Hodelle 1924 in nöchster Vollendung
Oberell erhältlich
WWer hätte nicht die Erfahrung gemacht, daß auch bei täglicher Reinigung mit Mundwasser die Zähne schlecht und häßlich
gefärbt bleiben? Ist das nicht ein deutliches Zeichen dafür, daß die Mundpflege mit Mundwasser und Zahnbürste nicht genügt?
Die Zähne sind oft mit einer graubraunen Schicht belegt, die den Anlaß zur Fäulnis geben kann. Da nutzt alles Mundspilen nichts
FFlier muß der mechanische Reinigungsprozeß in Anwendung kommen, der nur auf eine Art zu erzielen ist, nämlich durch tägliches
Bitrsken mit Chlorodont=Zahnpaste. Chlorodonk enthält keine schädlichen, penetrant riechenden und unangenehm schmeckenden
Chemikalien, wie Salol ete,, die die-Mundschleimhaut angreifen und den Schmelz schädigen. Chlorodont enthält mikroskopisch
Feinen; reinen, präzipitierten, kohlensauren Balk, ein seit altersher bekanntes unentbehrliches Putzmittel für die Lähne, scwie neutrale
Salze, die durch vermehrte Speichelbildung eine natürliche Mundreinigung bewirken, Deshalb ist Chlorodont wissenschaftlich längst
anerkannt und wegen seines herrlich erfrischenden Geschmacks täslich von Millionen im Gebrauch.
Im Auftrag zu ver=
Leib= u. Bettwäſche z.
Zu verkaufen ſelten
unaldflnt 1 Wcka
Liebfrauenstrasse 105
mpfiehlt sich im Anfertigen eleganter
17707dg
Dieie einkacher
Damengarderobe.
Tlunph=
Motorräder
ſofort billigſt
lieferbar Gwg
J. Dongesc Wieſt,
Waßbilder
in einer Stunde (70 und gut.
Thiele Nachf.
mer Bleichſtr 9, Tel. 1912.
Waſch. u. Büigeln
beiGar beſt. Behandl.
wird angen, H. Nothe
Geiſtberg?, II. (7843a
Sommerſproſſen
Ein einkaches
wun=
derbases Mittel reile
gern jed. koſtenlos mit
Frau W. Poloni,
Hannover 0. 73
Edenſtr.30 4A,/I,Bln ins
ſchön, ſehr gr., mod.
küinſtleriſcher (18100
Vackenlehnſtuhl
u. übernorm. großes
verſtellbar. Ruhebett
(210:160).
Weyprecht=
ſtraße Nr. 3.
Herrenzimmer
großer Bücherſchrank.
Diplomat, Schreibſeſſ,
2 hohe Stühle u. Tiſch.
nur450,4 Neckarſtr. 26,
Werkſtatt. =
kauf.: Wenig geſpielt.
Pignino;
Kinvapparat (Syſtem
Crdelmann=Münch.).
Möbel An= u. Verk.
Kunkel,
Wienerſtr. 83, (18093
finden bei
Damen 2 Damen
Mittagtiſch
für kl. Preis;
Gegen=
leiſtg. 1 St. Mithilfe.
Angeb. unt. U 84 an
die Geſchſt, (18120
Darmfkädter Tagblaft
22. Juni 1924 Nr. 172
* Süddeutſcher Holzmarkt.
Von unſerem Sonderberichterſtatter.
Mannheim, den 21. Juni.
„Ueber allen Wipfeln iſt Ruh!” muß man weniger poetiſch als
furchtbar real ſagen, wenn man einen Blick auf die gegenwärtige Lage
des Holzmarktes wirft. Es iſt eine traurige Gewißheit, die der
aufmerk=
ſame Beobachter ſchöpft, daß infolge der allgemeinen Stagnation eine
holzverarbeitende Induſtrie nach der anderen zur Kurzarbeit übergehen
oder die Tore ganz ſchließen und den Konkurs anmelden muß; gerade
auch aus Baden liegen uns Informationen vor, wonach ſchon in
kürzeſter Friſt auf dieſem Gebiete mit Ueberraſchungen zu rechnen iſt.
Die Lage der mittleren und kleinen Sägen kann dahin charakteriſiert
werden, daß angenblicklich gar nichts zu verkaufen iſt, es ſei denn, daß
man dem Käufer langfriſtige Borgfriſten einräumt. Müßten die
all=
bekannten und zum Himmel ſchreienden Zuſtände nicht endlich auch dem
„Vater Staat” und dem übrigen Waldbeſitz ans Herz legen, in ſeinen
Zahlungsbedingungen größere Rückſicht Platz greifen zu laſſen und die
augenblicklichen Beſtimmungen — ein Drittel innerhalb 14 Tagen, den
Reſt innerhalb zwei Wochen — durch Verlängerung der Schonzeit
abzu=
mildern?
Der Rundholzeinkauf iſt wohl in der Hauptſache
abgeſchloſ=
ſen, zumal die Waldbeſitzer dem Vernehmen nach ihre Abſicht, die
Sommerfällung ſtark einzuſchränken, durchführen. Trotzdem die
Rund=
holzpreiſe ſtark zurückgegangen ſind, ſind die Preiſe für
Schnitt=
waren z. T. noch darunter oder höchſtens um ein paar Mark höher,
die aber den Einſchnitt, Arbeits= und Fuhrlöhne nicht decken. Aus dem
ſtarken Mißverhältnis zwiſchen Angebot und Nachfrage erklärt ſich die
Mattheit der Tendenz und die Preisſchwankung auf den einzelnen
Pro=
duktionsgebieten und Produzentenkreiſen. Hierbei iſt wieder die
Tat=
ſache feſtzuſtellen, daß die bayeriſchen Produzenten meiſt mit viel
niedri=
geren Angeboten an den Markt kommen als die Schwarzwälder
Säge=
reien. So betrug die Spannung bei 1611” unſortierten ſägefallenden
Brettern, faul= und bruchfrei, 10 Mark und darüber; in Bayern notierte
man für die Ware 30, höchſtens 40 Mk., während im ſchwarzwälder
Er=
zeugungsgebiet 40 Mk. die unterſte Preisgrenze im Durchſchnitt
dar=
ſtellte. 21/22 Millemeter ſtarke Fichten= und Tannenholzbretter waren
bahnfrei Karlsruhe=Mannheim zuletzt bei 3—6 Meter Länge
und 5‟—8‟ Breite unſortiert zu etwa 1,70—1,80 Mk., Ia Ware zu 1,63
bis 1,90 Mark und zweitklaſſige Ware zu 1,65—1,73 Mk. an Hand je
Quadratmeter. Unſortierte ſägefallende 16. 12‟ 1½” und 2‟ Tannen=
und Fichtendielen waren ſchon von 37 Mk. an zu haben, wobei
Forde=
rungen bis zu über 50 Mark gingen. Ausſchußdielen waren zu 62—65
Mark, X=Dielen zu 52—55 Mk., „gute‟ Dielen zu 80—87 Mk. und reine
und halbreine Ware zu Preiſen über 100 Mk. angeboten. — Bahnfrei
Karlsruhe=Mannheim wurden für unbeſäumte Fichten= und
Tannen=
dielen 46—50 Mk. je Kubikmeter verlangt, ungefähr die gleichen Preiſe
für Tannen= und Fichtenbauhölzer in regelmäßigen Abmeſſungen ab
gleichen Bahnſtationen. Aeußerſt gedrückt war naturgemäß auch das
rheiniſch=weſtfäliſche Geſchäft. Hier ſtellten ſich die regulären
Großhandelspreiſe beim Verkauf ſortierter 16‟ 1‟ 5‟—12‟ Bretter,
wag=
gonfrei Mittelrhein, ohne Zoll für Ausſchußwaren 58—60 Mk., X=Ware
48—50 Mk., „gute‟ Ware 78—80 Mk. und für reine und halbreine Ware
auf 98—110 Mk.
Handel und Wandel in Heſſen.
— Odenwälder Hartſtein=Induſtrie A. G.,
Darm=
ſtadt. Die Geſellſchaft erzielte im Geſchäftsjahre 1923 einen
Betriebs=
gewinn von 54 344 Bill. Mk. (i. V. 76 827 087 Mk.) und an ſonſtigen
Ein=
nahmen 26 145 Bill. Mk. (5394 Mk.). Andererſeits erforderten
Hand=
lungsunkoſten 42 888 Bill. Mk. (43 171 094 Mk.) und Abſchreibungen 393
Bill. Mk. (3 279 388 Mk.). Es verbleibt ſomit einſchließlich 5 430 467
(59 568) Mk. Vortrag aus dem Vorjahre ein Reingewinn von 37 207
Bill. Mk. (30 441 564 Mk.). Daraus ſoll eine Dividende von 10 Gmt.
gleich 10 Billionen Papiermark je Aktie auf die 3,3 Mill. Mk.
Stamm=
aktien (i. V. 2000 Papiermark je Aktie) verteilt und der Reſt auf neue
Rechnung vorgetragen werden. In der Bilanz erſcheinen unter anderem:
Wertpapiere 18 046 Bill. Mk. (569 779 Mk.), Vorräte aller Art 16 Bill.
Mk. (18 733 900 Mk.), Außenſtände 34 646,7 Bill. Mk. (129 949 941 Mk.),
Kaſſe 7806,9 Bill. Mk. (266 693 Mk.) und Buchſchulden 23 307,9 Bill.
(117 936 208) Mark. Dem Geſchäftsbericht entnehmen wir folgende
Ausführungen: Im abgelaufenen Geſchäftsjahre hatten wir mit
erheb=
lichen Betriebsſchwierigkeiten zu kämpfen. Infolge der Abſchnürung
des linksrheiniſchen und Ruhrgebietes war es uns nicht möglich, unſere
im beſetzten Gebiete gelegenen Betriebe aufrecht zu erhalten; wir
muß=
ten ſie vielmehr in der zweiten Hälfte des Geſchäftsjahres ganz ſchließen.
Auch die Werke im unbeſetzten Gebiete hatten unter der Ruhrbeſetzung
in verſchiedener Hinſicht zu leiden, da einerſeits die Kohlenverſorgung
ſehr ſchwierig war und andererſeits wir keine Möglichkeit hatten, die
gewonnenen Materialien in unſere Hauptabſatzgebiete zu verfrachten.
Auch im übrigen Deutſchland war die Abſatzmöglichkeit ſehr beſchränkt.
da den ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden Mittel für Straßenbauzwecke
nur in ganz geringem Umfange zur Verfügung ſtanden. Nur die
Reichs=
bahn unterſtützte uns in anerkennenswerter Weiſe durch Erteilung von
Aufträgen, ſo daß es uns möglich war, die im unbeſetzten Gebiet
liegen=
den Betriebe bis in den Dezember hinein voll aufrecht zu erhalten.
Erſt in der zweiten Hälfte des Monats Dezember mußten wir auch hier
wegen Mangel an Aufträgen zu Kurzarbeit übergehen. Ueber die
Aus=
ſichten für die Beſchäftigung unſerer Werke im neuen Jahre läßt ſich
nichts vorher ſagen. Das hängt vielmehr von der weitereh Entwicklung
der wirtſchaftlichen und politiſchen Verhältniſſe ab. Zurzeit ſind wir
mit Aufträgen verſehen, die uns ermöglichen, voll zu arbeiten.
* Oelfabrik Groß=Gerau—Bremen. Das
Geſchäfts=
jahr 1923 ſchließt ab mit einem Reingewinn von 201 438 Bill. Mk., der
ohne Dividendenverteilug vorgetragen werden ſoll.
* Keramiſche Werke Offſtein und Worms A. G. in
Worms. Die ordentliche Hauptverſammlung der Geſellſchaft findet
am 28. Juni in Heidelberg ſtatt. Der Hauptverſammlung ſoll die
Jah=
resabrechnung für das Geſchäftsjahr 1923 vorgelegt, die Wahl des
Auf=
ſichtsrats erneuert und Satzungsänderungen vorgenommen werden, die
durch die Umſtellung auf Goldmark bedingt ſind.
— Faber u. Schleicher A. G., Offenbach a. M. In der
am 24. Juni anberaumten Generalverſammlung kommen außer den
Re=
gularien die Aenderung des § 16 der Statuten und Aufſichtsratswahlen
zur Beratung. Nach dem Bericht war der Beſchäftigungsgrad
befriedi=
gend, eine Arbeitseinſchränkung nur vorübergehend erforderlich. Die in
Betrieb genommene neue Gießerei hat größere Umſtellungen der alten
Werke notwendig gemacht. Der Reingewinn beträgt 15 518 (im Vorj.
11,6 Mill.) Bill. Mk. Es wird vorgeſchlagen, von der Ausſchüttung
einer Dividende abzuſehen (i. V. 4 Proz. Dividende). In der Bilanz
ſtehen alle Anlagewerte mit 1 Mk. zu Buch. Ferner werden ausgewieſen
in Bill. Mk. (Vergleichszahlen in Mill. Mk.): Waren mit 93 949 (123)
Wechſel 144 016 (),7), Schuldner 105 841 (47); andererſeits an Paſſiven:
Gläubiger 329 484 (87), darunter Anzahlungen 131 276 (54),
Bankſchul=
den 40 670 (26,7), ſonſtige Verpflichtungen 157 536. Der Reingewinn
er=
rechnet ſich aus dem Rohgewinn von 91 524 nach Abzug der Unkoſten von
36 546 (27) und Abſchreibungen an Maſchinen von 9146, Werkzeugen
7662 und Modellen von 2249 Bill. Mk.
* Gasapparat und Gußwerk A. G., Mainz. Die
Gene=
ralverſammlung genehmigte die Papiermarkbilanz und erteilte
Ent=
laſtung. Die Umwandlung der 600 000 Mk. Vorzugsaktien in
Stamm=
aktien wurde genehmigt.
— Chemiſche Werke Brockhues A. G. in
Niederwal=
luf a. Rh. Die zum 28. Juni einberufene ordentliche
Generalverſamm=
lung ſoll auch über die Umſtellung des Aktienkapitals auf Goldmark
Be=
ſchluß faſſen.
Die Wirtſchaftslage in Argentinien.
Der argentiniſche Konſul in Berlin, Oberſtleutnant Juſto
E. Diana, beurteilt die Wirtſchaftslage in Argentinien wie
folgt: Die weltwirtſchaftliche Kriſis, die dem Weltkriege infolge
ſeiner mißlungenen Liquidation folgte, hat auch Argentinien
nicht verſchont, wo ſie mit beſonderer Schärfe 1921 auftrat. Dank
ſeines geſunden Wirtſchaftskörpers befindet ſich Argentinien
jedoch bereits wieder in der Rekonvaleszenz. Die Temperatur
einer Nation iſt ihre Handelsbilanz und diejenige
Argen=
tiniens nähert ſich wieder der Norm. Die Handelsbilanz, die
früher ſtets mit einem Aktivſaldo zugunſten Argentiniens
ab=
ſchloß, zeigte 1921 den erſchreckend hohen Paſſivſaldo von 78,4
Mill. Goldpeſos, der ſich 1922 auf 13,6 Mill. Goldpeſos und 1923
noch weiter vermindert hat, ein Zeichen, daß ſich die Kriſis löſt.
Ihre Haupturſache bildete die verringerte Aufnahmefähigkeit des
kontinentalen Europas für die Produkte Argentiniens; während
man in Mitteleuropa kein Geld zur Bezahlung hatte, hielt man
in Frankreich und Italien mit den Käufen zurück, um die
Wäh=
rung nicht zu gefährden. Unter dieſer „Abſatzſtockung hatte
namentlich die argentiniſche Viehzucht zu leiden, da die
Vieh=
preiſe auf einen Bruchteil des normalen Preiſes ſanken.
Die Paſſivität der Handelsbilanz iſt auch der Grund für den
ungünſtigen Wechſelkurs der argentiniſchen Währung gegenüber
Dollar und Pfund. Da die einzige Einnahmequelle
Argen=
tiniens der Erlös ſeiner Ausfuhr iſt und es andererſeits
nam=
haſte Beträge für den Zinſendienſt ſeiner Anleihen nach
Eng=
land und Nordamerika zu remittieren hat, ſo muß, wenn — wie
gegenwärtig — die argentiniſche Einfuhr größer iſt als die
Aus=
fuhr, ſich die Währung zwangsläufig verſchlechtern. Gleichwohl
iſt der argentiniſche Peſo mit einer Golddecke von 80 Prozent
die beſtfundierte Währung der Welt (der Dollar iſt zu 31 Proz.,
das Pfund nur zu 24 Proz. durch Gold gedeckk). Die inländiſche
Kaufkraft des Peſo hat weniger gelitten als diejenige der meiſten
Währungen. Die Preiſe in Argentinier ſind gegenwärtig
nur 36 Prozent höher als 1913: gleichzeitig ſind aber die Löhne
um 71 Prozent geſtiegen, ſo daß der Reallohn weſentlich größer
iſt als vor dem Kriege. Ein Kilogramm Rindfleiſch koſtet nur
17 Centavos (24 Pfg.) gegen 39 Centavos vor dem Kriege. Die
übrigen Nahrungsmittel liegen etwa 40 Prozent über den
Vor=
kriegspreiſen. Infolge der auch in Argentinien herrſchenden
Wohnungsnot ſind die Mieten um 50 Prozent höher als 1913.
Die deutſche Einfuhr in Argentinien hat 1922 92,7
Mill. Goldpeſos betragen, d. h. mehr als vor dem Kriege (1913:
83,9 Mill., 1912: 74,2 Mill. Goldpeſos). Die argentiniſche
Aus=
fuhr nach Deutſchland hatte 1922 einen Wert von 52,8 Mill.
Goldpeſos (1913: 62,2 Mill.); ſie wächſt ſtändig. In der letzten
Zeit haben ſich die Viehpreiſe etwas erholt: Rinder für die
Herſtellung von Gefrierfleiſch koſten jetzt 90—130 Papierpeſos;
Rindshäute notieren 11½—14 Papierpeſos. Die
Getreide=
ernte 1923/24, die jetzt hereingekommen iſt, wird für die größte
gehalten, die Argentinien je zu verzeichnen hatte. Es wurden
ſchätzungsweiſe geerntet: 7058000 Tonnen Weizen, 4 800 000
Tonnen Mais, 1606 000 Tonnen Leinſaat, 1191000 Tonnen
Hafer und 276 000 Tonnen Gerſte. — Das Eiſenbahnnetz (38000
Kilometer) wird weiter ausgebaut, die Staatsbahn allein hat
3000 Kilometer in Angriff genommen, darunter eine neue
Trans=
andenbahn von Salta nach Fagoſta. Die öffentliche Schuld
Argentiniens (einſchließlich derjenigen der Provinzen und
Ge=
meinden) beträgt 3 Milliarden Papietpeſos, iſt alſo, verglichen
mit der Einwohnerzahl (10 Millionen) und den großen
natür=
lichen Hilfsquellen des Landes, relativ klein.
Wirtſchaftliche Rundſtau.
w. Reichsbankausweis. Die geſamte Kapitalanlage der
Reichsbank erfuhr nach dem Ausweis vom 14. Juni in der zweiten
Juniwoche eine Ermäßigung um 9,6 Trill. Mk. auf 2141,1 Trill. Mark.
Auf den einzelnen Anlagekonten trat eine Verſchiebung ein dergeſtalt,
daß die Rentenmarkanlage in Wechſeln und Lombarden zuſammen ſich
um 30,8 Mill. Rmk. auf 1201,5 Mill. Rmk. verminderte, während ſich
die Papiermarkanlage in Wechſeln und Lombard zuſammen um 24,6
auf 862,9 Trill. Mk. ſteigerte. Im Zuſammenhang mit der Abtragung
von Rentenmarkkrediten und mit Eingängen im Rentenmarkgiroverkehr
erhöhte ſich der Beſtand der Reichsbank in Rentenmark um 79,4 auf
413 343,3 Bill. Rmk., ſvährend der Umlauf an Rentenmark entſprechend
auf rund 1636,0 Mill. Rmk. zurückging. Auch der Umlauf an
Reichs=
banknoten erfuhr eine Verminderung, nämlich um 30,7 Trill. Mk. auf
923,6 Trill. Mk. Die fremden Gelder der Reichsbank vermehrten ſich im
ganzen um 156. Trill. Mk. auf 1001,6 Trill. Mk. Von dieſer Zunahme
entfielen auf Rmk. 117,7 Mill. Rmk. Der Goldbeſtand der Reichsband
wurde mit 448 Mill. Mk. ausgewieſen, alſo gegenüber der Vorwoche mit
einem Zuwachs von 6 Mill. Mk., der aus Goldankäufen herrührt. Der=
Darlehensbeſtand bei den Darlehenskaſſen und dementſprechend der
Be=
ſtand der Reichsbank an Darlehenskaſſenſcheinen ermäßigte ſich weiter,
wenn auch nur geringfügig, auf 0,85 Trill. Mk.
— Geſchäftsaufſicht zur Abwendung des
Konkur=
ſes. Aus den neuen, am 14. ds. in Kraft getretenen Beſtimmungen
iſt hervorzuheben:
Während der Dauer der Aufſicht iſt die Entſcheidung über Anträge
auf Eröffnung des Konkursverfahrens auszuſetzen.
Das Gericht hat zur Aufklärung die erforderlichen Ermittelungen
anzuſtellen; es kann Zeugen und Sachverſtändige vernehmen, auch eine
Gläubigerverſammlung berufen. Letztere muß berufen werden, wenn
ſie von der Aufſichtsperſon, dem Gläubigerbeirat oder von Gläubigern
beantragt wird, ſofern deren Forderungen nach Schätzung des Gerichts
zuſammen den 5. Teil der Forderungen der beteiligten Gläubiger
er=
reichen.
Vor Entſcheidung über den Antrag iſt vom Gericht, wenn
Schuld=
ner Handel= oder Gewerbetreibender oder Landwirt iſt, die zuſtändige
amtliche Vertretung des Berufs oder ein Sachverſtändiger zu hören
ſofern nicht Gefahr im Verzuge iſt. Die Vertretung hat ſich über den
Antrag ſpäteſtens vor Ablauf einer Woche zu äußern. Vor Entſcheidung
über den Antrag kann Gericht von Amts wegen dem Schuldner
beſon=
dere Verpflichtungen zur Sicherung der Gläubiger auferlegen.
Gericht beſtellt eine oder mehrere Aufſichtsperſonen. Anordnung
der Aufſicht und Namen der Aufſichtsperſon iſt im „Deutſchen
Reichs=
anzeiger”, gegebenenfalls auch in anderen Blättern, bekannt zu machen.
Die amtliche Vertretung hat ſich vor Ablauf einer Woche zu äußern,
ob die Vorausſetzungen der Geſchäftsaufſicht für vorliegend erachtet
werden. Die Aufſichtsperſon hat darauf zu achten, daß das
ſchuldne=
riſche Geſchäft, ſoweit angängig, weiter betrieben wird, vorhandene
Beſtände erweitert, eingegangene Verpflichtungen abgewickelt werden.
Die Aufſicht iſt aufgehoben:
1. Wenn ſich Gläubigerverſammlung in Mehrzahl der am
Zwangs=
vergleich beteiligten Gläubiger gegen Fortdauer des Verfahrens erklärt;
die Forderungen der Mehrzahl müſſen wenigſtens die Hälfte der
Ge=
ſamtſumme der Forderungen der beteiligten Gläubiger betragen;
2. wenn der Schuldner nicht bis zum Ablauf eines Monats ſeit
An=
ordnung einen den Erforderniſſen des § 41 Abſ. 1 genügenden Antrag
auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens einreicht. Verlängerung der
Friſt iſt bei Zuſtimmung der Mehrzahl der beteiligten Gläubiger
möglich;
3. wenn 3 Monate ſeit Anokdnung verſtrichen ſind.
Die Verordnung findet auf die am 14. Juni 1924
beſtehenden Geſchäftsauſichten Anwendung. In
die=
ſem Falle iſt auch die Veröffentlichung entſprechend dem oben Geſagten
nachzuholen; iſt die Geſchäftsaufſicht vor 1. Mai 1924
ange=
ordnet, ſo kann Gericht von ſolcher Veröffentlichung abſehen.
* Güterwagen der deutſchen Eiſenbahn. Beiden
Güterabfertigungen ſind nach einer Mitteilung der Handelskammer
Darmſtadt zum Preiſe von 1 Mk. Druckſachen zu erhalten, aus
welchen alles Wiſſenswerte über die Bauart, Beſtellung und
Ver=
wendung der Güterwagen der deutſchen Reichsbahn hervorgeht.
Die Veröffentlichung enthält in kurzer überſichtlicher Form die
Gattungszeichen und die Zeichnungen der einzelnen
Güter=
wagen ſowie die Wagenverwendungsvorſchriften, die
Beſtellungs=
vorſchriften und eine Ueberſicht der „Einheitswagen”
* Verſand von Waren nach den Ver. Staaten
von Nordamerika. Nach einem neueren amer. Geſetz muß,
wie die Handelskammer Darmſtadt mitteilt, beim Verſand von
Waren, falls dieſer nicht durch den Fabrikanten ſelbſt erfolgt,
und falls die Verſendung nicht auf einem Kaufvertrag beruht
(Tauſch, Geſchenk uſw.), folgendes von dem Verſender
ange=
geben werden: Name und Wohnort ſeines Lieferanten, Datum
ſeines Kaufs und die Summe, die er für die Ware bezahlt hat,
unter Angabe, ob in Gold, Silber oder Papier. Wenn möglich,
ſoll auch die Fabriknummer der Ware angegeben werden. —
Das amerikaniſche Generalkonſulat Frankfurt a. M. wird in
ſolchen Fällen zukünftig Begleitfakturen, die dieſen Vorſchriften
nicht genau entſprechen, nicht legaliſieren.
Erwerbsgeſellſchaften.
— Continentale Telegraphen=Company (Wolffs
Telegraphiſches Bureau A. G.). Die Geſellſchaft will ihr Kapital von
1 Million auf 800 000 Gmk. herabſetzen.
— G. Hirths Verlag A. G. in München. Die ordentliche
Generalverſammlung genehmigte die Bilanz und Gewinn= und
Verluſt=
rechnung und beſchloß, den Reingewinn von 1926 Billionen Mark auf
neue Rechnung vorzutragen. Die Verwaltung wurde entlaſtet. Die
Frage der Goldmarkbilanz wurde von der Tagesordnung abgeſetzt und
ſoll einer ſpäteren Generalverſammlung zur Genehmigung vorgelegt
werden. Mitgeteilt wurde, daß der Verlag durch die Gründung der
„Münchener Illuſtrierten Preſſe” erweitert wurde, die jetzt in 50 000
Exemplaren verſandt wird. Die Verwaltung hofft, daß die
gegenwär=
tige Wirtſchaftskriſe von dem Unternehmen überwunden werden wird,
Warenmärkie
w. Berliner Produktenbericht. Geſtern nachmittag
hatte ſich die Abwärtsbewegung der Preiſe noch fortgeſetzt. Bei ſchwachem
Beſuch war heute das Geſchäft für Brotgetreide ſehr ſtill bei wenig
ver=
änderten Preiſen. Der Abſatz in Weizen= und Roggenmehl ſtockt bei
den bisherigen niedrigen Preiſen noch immer, weshalb auch die Umſätze
in Weizen und Roggen ſehr unbedeutend blieben. Hafer war
unver=
ändert ſtark angeboten.
* Tee=Bericht per Monar Mai 1924. (Mitgeteilt von der
Firma Carl Schaller, Teeimport in Karlsruhe.) Stärkeres Angebot
geringer und geringſter Qualitäten führte ein langſames, aber über den
Monat ſtetig verteiltes Abbröckeln der Preiſe für ordinäre Tees herbei.
Für mittlere und beſſere Sorten und insbeſondere für wirklich feine
Qualitäten, welche nach wie vor ſehr knapp blieben, herrſchte lebhafte
Nachfrage zu ſtetigen und teilweiſe langſam ſteigenden Preiſen. Die
Berichte über die neue Ernte gehen durchweg dahin, daß die Produktion
zunächſt durch ungünſtige Witterung beeinträchtigt worden iſt.
Dem=
entſprechend haben die Märkte in den Produktionsländern ſpäter als
ſonſt eröffnet werden können. Auch die Verladungen haben ſpäter und
in kleinerem Umfange als im vorigen Jahre begonnen. Dies gilt
ſo=
wohl für Indien als auch insbeſondere für China, wo die Ernte 10—14
Tage ſpäter als in normalen Jahren an den Markt kommt. Leider iſt
auch in Menge wie Güte das Produkt durch die ungünſtigen
Witte=
rungsverhältniſſe beeinflußt. Da jedoch von manchen Seiten aus
an=
ſcheinend mit einer Knappheit an verfügbarer Produktion gerechnet
wird, haben die Märkte in den Produktionsländern auf einem Niveau
eingeſetzt, das erheblich höher liegt als das vorjährige. Es wird
dem=
nach anſcheinend zunächſt mit einem Heruntergehen der Preiſe in den
Konſumländern nicht zu rechnen ſein. Wenn auch der Teehandel direkt
durch die Schwierigkeiten, die ſich im deutſchen Wirtſchaftsleben während
des Monats Mai gezeigt haben, nicht berührt wird, ſo wird es ebenſo
wie alle anderen Zweige des Handels von der in vermehrtem Maße
zu=
nehmenden Kapitalknappheit betroffen. Gleich wie in faſt allen Artikeln
herrſchte auch in dem unſerigen ein faſt vollkommener Stillſtand. Es
wurde nur in kleinſtem Umfange und für den unmittelbarſten
dringen=
den Bedarf gekauft. Unter dieſen Umſtänden konnte bisher auch die
Tatſache, daß die in unſeren früheren Berichten geforderte
Deviſenzu=
teilung ſeitens der Reichsbank durchgeführt wurde, für den Teehandel
keine Erleichterung bringen.
Börſen.
* Frankfurter Börſenbericht für die Zeit vom 16.—21,
Juni 1924. (Eigener Bericht.) Der Beſchluß der Berliner
Stempelver=
einigung, zum Zwecke einer Stützungsaktion an den Effektenmärkten
einen größeren Betrag bereitzuſtellen, hat genügt, um die auf der Börſe
ſeit langem laſtende Mißtrauensſtimmung etwas zu mildern. Obgleich
bis jetzt noch in keinem Falle ein Eingreifen des Stützungskonſortiums
zu bemerken war, zeigten die Kurſe doch auf allen Gebieten eine erhöhte
Widerſtandsfähigkeit, und es war im Verlaufe der Berichtswoche eine
leichte Erholung des Geſamtniveaus zu erkennen. Es mag zu dieſer
Entwicklung mit beigetragen haben, daß der Geldmarkt augenblicklich
eine kleine Erleichterung zeigt, ſo daß der Börſe, die ja ohnehin nicht
ſehr bedeutende Beträge — die das gegenwärtige Geſchäft erfordert —
zu verhältnismäßig billigen Sätzen zur Verfügung ſtehen. In
beſchei=
denem Maße machten ſich auch Käufe zu Anlagezwecken bemerkbar, doch
kann man ſagen, daß die Beteiligung des Publikums wenigſtens an den
Aktienmärken eher noch geringer war als in den Vorwochen. Im
Gegen=
ſatz zu dem äußerſt ſtillen Aktiengeſchäft hatten die Rentenmärkte in
der Berichtswoche eine geradezu ſtürmiſche Bewegung zu verzeichnen.
Hoffnungen auf eine baldige Aufwertung der älteren Staatsanieihen,
die durch allerhand teils unkontrollierbare Nachrichten und Gerüchte
her=
vorgerufen und genährt wurden, führten dieſem Markte zahlreiche
Käu=
fer zu, und die Spekulation, deren Beſtätigungsmöglichkeiten zur Zeit
nicht ſehr zahlreich ſind, bemächtigte ſich dieſer Sache um ſo lieber, als
hier ein Engagement mit geringen Mitteln möglich iſt. In erſter Linie
waren Kriegsanleihen und Preußiſche Konſols beachtet und trotz der
äußerſt ſkeptiſchen Haltung, die ſowohl die Preſſe als auch die Mehrzahl
der Wirtſchaftspolitiker zu der Aufwertungsfrage einnahmen, hielt die
Bewegung, die verſchiedentlich zu Kursverdoppelungen geführt hat, bis
zum Ende der Woche an. Zu erwähnen iſt noch eine ſehr lebhafte
Be=
wegung in ausländiſchen, ſpeziell Ungar. Renten, die am letzten Tage
der Woche einſetzte und die Kurſe ſtark in die Höhe trieb.
Einr
OOi
Seite 15.
Darmſtädter Tagblatt, Sountne, de. 22. Jini 1924,
Rummer 122
Das deutſche Herz.
Roman von Adolf Schnitthenner.
(Nachdruck verboten.)
Er hielt die Ampel hoch, faßte ſein Weib an der Hand und
chritt vorwärts. Sie zögerte noch immer, ſo daß ihr Arm und
er ziehende ihres Gatten geſtreckt waren. Durch das auf und
u wehende Fenſter und das raſch bewegte Windlicht entſtanden
uſchende, ſtreichende, ſich beugende Schatten an der langen Wand
ſes Ganges.
Urſula ſtieß einen markerſchütternden Schrei aus und
vor=
ebeugt hielt ſie ſich zitternd feſt an ihrem Gatten.
„Sieh! ſieh! dort!” ſtammelte ſie.
„Es iſt nichts,” ſagte er erſchüttert.
„Doch! Eine Geſtalt — eine Frau iſt aus der Mauer
ge=
reten, mir in den Weg, und ſie hat die Hände erhoben, ſo,
Frie=
rich, ſo, wie du mir vorhin gezeigt haſt.”
Der Junker ſank in die Knie. Es ſträubten ſich ihm die Haare.
„Geh!” rief er, und wie ein Flüchtiger drängte er ſein Weib
n die Stube zurück.
Er ſtellte das Licht auf den Tiſch und ging einigemal im
Zim=
ner auf und nieder. Dann ging er mit feſten Schritten durch den
inſteren Gang und ſchloß das auf= und zuſchlagende Fenſter.
Ur=
ulg ergriff die Leuchte und hielt ſie ihm zum Rückweg entgegen.
in der Mitte des Ganges bückte er ſich und hob etwas vom
Bo=
en auf. Er brauchte dazu längere Zeit, als dieſes Geſchäft
er=
udert hätte. Als er das Ding in der Hand hielt, ſchüttelte er den
kopf, ſah an der Wand empor und ſchüttelte den Kopf von neuem.
Als er in die Stube trat, ſah er ſo bleich aus wie ein Menſch,
er ein Geſpenſt geſehen hat.
Urſulg bemerkte die Wandlung bei ihrem Manne und jetzt
„urde ſie ruhig und ſicher.
„Verzeih mir, Geliebter,” ſagte ſie zu ihm. „Ich war eine
=örin, aber es iſt vorbei. Laß mich dir leuchten und komm!“
Sie wollte voraus in den Gang hinein. Er aber war ans
fenſter getreten.
Sie ſtellte die Lampe auf einen Stuhl und trat zu ihm.
„Das Gewitter iſt näher gekommen. Wie es blitzt! Der ganze
himmel ein Feuer. Aber noch regnet es nicht. Das Wetter ſteht
joch hinter dem Berg.”
Friedrich ſchwieg.
„Sind auch unſere Gäſte alle gut untergebracht? Ich weiß,
ieben Herrſchaftshäuſer und zwei Wirtshäuſer haſt du dazu
ein=
erſchtet. Vortrefflich, ich weiß es, aber ich bin doch etwas in
Sorge. Meine Muhme, die Degenfeld, iſt ſo heikel.”
Wenn ich nur jemand hätte, den ich ſchicken könnte,” ſagte
Friedrich, „ſo ließe ich jetzt alſogleich den Trompeter holen, um ihn
tvas zu fragen.”
„Was haſt du mich doch über das Fragen gelehrt?” ſagte Ur=
Ua lächelnd.
„Aber alle meine Leute ſind drunten; nur der Wärtel iſt da,
felleicht auch ſein Knecht, aber wahrſcheinlich nicht.”
„So geh doch ſelbſt!“
„Ich dich verlaſſen?”
„Ioch gehe mit dir, lieber Herr!”
Friedrich zog ſie an ſein Herz.
„Nein, ich ſchicke morgen einen reitenden Boten mit einem
ledigen Gaul nach Kirchheim. Sie ſpielen dort auf. Dann iſt
er gegen Mittag hier.”
„Und nun?” fragte Urſula nach einer Pauſe. „Lieber Herr!”
„Warum ſagſt du jetzt ſo zu mir?”
„Ich weiß nicht, wie ich dich faſſen ſoll, damit du wieder —‟
Sie brach ab und wurde blutrot.
Er rührte ſich nicht.
Sie ſchmiegte ſich an ihm und flüſterte: „Es ziemt ſich nicht,
daß die Braut — komm!“
„Ja, komm!” ſeufzte er, und ging vom Fenſter.
„Wohin?” fragte ſie betreten und ſah ihn mit großen
Augen an.
„Laß mich!” ſagte er und trat wieder hinaus auf den Altan.
„Willſt du eine naſſe Braut in dein Bette tragen?” fragte ſie
ihn verwundert und folgte ihm.
Und nun ſtanden ſie wieder draußen und ſchauten hinunter
ins Tal.
Es lag ganz finſter. Die Fackeln am Strande zeigten, wie
ſchwarz die Nacht war. Das Gewitter war näher gekommen.
Un=
aufhörlich flammte es hinter den Bergen vor und das Rollen des
Donners hatte keine Pauſe. Es rauſchte in der Schloßlinde, und
ein Weben und Sauſen kam vom Walde herüber. Aber noch führte
der Sturm Staub und Bläuter mit ſich. Noch war kein Tropfen
gefallen.
Vom Strande her hörte man das Sprechen und Rufen
ar=
beitender Männer. Sie ſchlugen die Zelte ab und brachten die
Fäſſer und Kannen unter Dach und Fach. Die Häuſer der Stadt
waren noch alle erleuchtet. Die Muſik ſpielte in einem der
Wirts=
häuſer.
„Sie können nicht genug bekommen,” ſagte Friedrich. „Aber
es iſt mir lieb, daß die Muſikanten hier bleiben.”
„Grauſig ſchön müßte es ſein, in dieſer Nacht den Neckar
hinunterzufahren.”
„Schön, aber gefährlich, denn wenn die Wetterbraut in den
Neckar fällt, wird er wild. — Ich wüßte die Leute heute nacht
nicht gern auf dem Fluß. Es iſt die Johannisnacht. — Es iſt ein
wunderlich Ding. Ich glaube nicht dran, aber es ſchaudert mich
doch. — So iſt es auch mit dem Strauße hier. Es iſt ein
Wetter=
ſtrauß. Hätte er ihn mitgenommen, ſo wäre ich ruhiger. Nun
lag der Strauß in der Burg, und zwar ſeltſamerweiſe —
Friedrich brach ab.
„Was bewegt dich ſo? Ich verſteh’ dich nicht. Wovon redeſt
du?‟
Von dieſem Sträußchen hier. Der Trompeter hat es am
Wams getragen. Ich habe es wohl bemerkt. Und nun lag es
mitten im Gang, hart an der Mauer.
„Was iſt daran Wunderliches? Lieber, ich muß über dich
lächeln."
„Es ſind Himmelfahrtsblumen. Sie ſind ſelten und werden
in dieſen Tagen von den Leuten im Wald geſucht. Sie wachſen
am liebſten unter hohen Eichen, die der Blitz getroffen hat. Man
ſagt, daß ſie aus Wetterſamen ſprießen, und daß ſie bei Sturm
und Blitz Schutz gewähren. Aber wie kommt der Strauß dorthin?”
„Das iſt leicht zu erraten,” ſagte Urſula. „Der Trompeter
hat ihn verloren."
„Er hat ja den Gang gar nicht betreten! Keines Menſchen
Fuß hat ihn betreten außer mir. Die unſer Zimmer bereiteten,
kamen vom Turm hinein. Den Schlüſſel zum Gang trug ich in
der Taſche.”
„O, ich weiß,” rief Urſula; ſie rief es fröhlich, denn es war
ihr ein Anliegen, daß ihr Herr wieder froh wurde.
„Du haſt ja die Tür geöffnet, als ſie uns im Zuge
hinein=
geleiteten. Ich habe nicht hineingeſehen, denn ich verbrannte vor
Scham. Aber der Trompeter hat hineingeſchaut, und da er wußte,
daß dort unſer Brautgemach iſt, hat er die Blumen in den Gang
geworfen, damit wir ſicher ruhen in Sturm und Wetter.”
Ein greller Blitz, ein heftiger Donnerſchlag. Friedrich ſah
erdfahl aus im Wetterſchein.
„Warum gerade dorthin?” ſchrie er in das Krachen des
Don=
ners.
Als der Donner verrollte, ergriff er heftig Urſulas Hände
und drückte ſie, aber ſeine Stimme war ſanft geworden.
„O, jetzt weiß ich es,” ſagte er leiſe. „Der Herr hat’s ihn
ge=
heißen.”
Urſula ſah angſtvoll zu ihrem Gatten auf.
„Friedrich, weder ich noch du haben uns heute früh
vorge=
ſtellt, daß wir um Mitternacht auf dem Altane ſtehen würden.
Muß ich es ſein, die zum Gehen mahnt?”
Er ſchüttelte abwehrend mit dem Kopf und lauſchte ins Tal
hinaus.
Zwei Burſchen kamen ſingend vom Städtchen her, auf der
Straße, die unten an der Burg vorüberführt gen Langental.
Jeden Ton, jedes Wort konnte man verſtehen, denn das Gewitter
ſchwieg; es ſchien ſich zu entfernen.
„Wohlan, ſo heben wir wiederum an
Vom Herrn zu Handsſchuchheime,
Wie ihn der wilde Hirſchhorn erſtach
Auf dem Markt zu Heidelberge.”
Der Ritter trat ſeufzend von der Brüſtung und lehnte ſich an
die Mauer. Urſula warf ſich ihm um den Hals, dann hielt ſie
ihm in krampfhafter Heftigkeit mit beiden Händen die Ohren zu.
Er ſträubte ſich und ſie rangen miteinander. Darüber gingen
einige Strophen an dem Gehöre vorüber.
(Fortſetzung folgt.)
Sie dürfen es nicht
als Ihr Geheimnis betrachten, daß Sie Ihre Kleider, Bluſen,
Gar=
dinen uſw. nur mit den weltberühmten echten Heitmann’s
Far=
ben, Marke Fuchshopf im Stern, ſelbſt färben, ſondern Sie
müſſen es auch Ihren Freundinnen und Bekannten erzählen. (TK, 5103
Heitmann’s Farbe ſpart den Färber.
Dr THOMPSONS
I. K. 8118
Dr. Thompsons Seifenpulver (Marke Schwan) das Paket 30 Pfg.
Stellengeſuche g Raurermeiſter
der mehrere Jahre
Männlich
Weiblich
An
endfe Dame
ve gut. Umgangs
Verkauf, gleich
.Branche, ſowie
len Büroarbeit.
ge=
ugend vertraut, ſucht
ingenehme Stelle.
Ingebote u. U 51
Hutei
He ſchäftsſt.
Bebildete
junge Frau
ucht Beſchäftigung
3mal wöchentlich
achmittags in nur
eitem Hauſe. Am
ſeöſten zu Kindern
der als Vorleſerin.
Angeb. u. U 61 an
ſie Geſchſt. (*18043
Beſſ. jg. Mädch. ).
Stellg. als Haustochter
in nur gut. Hauſe bei
olk. Familienanſchl
ur grdl. Erlern., des
Zaush. Ang. u. U 55
Heſchäftsſt. (*18061
Für mein ordentl.
Zutzmädchen Bettt
autmann(
Handberg=
r 27. b. Plöſer), die
h an 3 Wochent.
be=
häft., ſ. ich Anſtellg
d. übrig. Tage, (r1u4
Zeff. Mädch. mit g.
ſeugn. ſ.Stell. i. g.
dauſe o. zu Kindern
beſſ. Frau ſ. ſtdw.
Zeſchäft. Beſſungen
raße 72, b. (E18063
Baugeſchäft ſelbſtänd.
betr ſucht Stellung
a. Maurerpol., Platz
meiſter in größ.
Be=
trieb oder ſonſtigen
Vertrauenspoſten.
Zeugnis ſt. z. Dienſt.
Angeb. u. U44 a. d.
Geſchäftsſt. (*18017
Junger Schloſſer
der ſchon auf
Motor=
wagen gearbeitet hat,
ſucht Stellg. als
Bei=
fahrer, um Prüfung
als Chauffeur zu
machen. Angeb. u
U 56 Geſchſt. (*18056
Jg. Schu macher ſ.
Be=
ſchäft, hier od. ausw.
Angebote u. U 54
Geſchäftsſt. (*18062
ASfene Eteileng
Wie amüsiert man sich?
im eleg. Strick-Kostüm
in bester Verarbeitung
für wenig Geld.. Mk.
in ein. fein. Strickweste
vom einfachsten bis
zum feinsten, von Mk.
50
an
Tal, Schmidt
Mech. Strickerei
Teichhausstraße 34 Teichhausstraße 34
od. Neben=
Exiſtenlz verdienſt
500 Mk. mtl. verdien.
Sie dch. Errichtg. ein
Poſtorſ.=Geſch, in
Al=
pakkabeſtecken. Von
d. Wohng, aus zu
er=
led. Kein Kapit,
nö=
tig. Kein Riſiko. Sof.
Verdſt. 2 Mſt. u.
An=
leitg geg. Mk 2.—,
bei Nichtgef Geld zur.
W. Stöß, Leipzig=Go
Brieſtr. 33. Poſtſchk.
Leipz. 62911.fII. Dr. ua
Weiblich
(8141
Studiker der drahtl.
Belegr. od. Herr zur
Einführung in die
Radio=
Experimentier=
technik
geſucht. Zuſchriften
unter Honorarforde
rung unt. U 83 an
die Geſchſt (*18110
mit leichter Auffa
ſungsgabe, flott
Stenotypiſtin, zum
baldigſten Eintritt ge
ſucht. Angebote mit
Bild und
Gehaltsan=
ſprüchen unt. U 70
an d. Geſchſt. (8142
frau ſucht tagsüber
Lefchäftig. Nitzert,
(*1809
jiesſtr.
fräul. nimmt
Flick=
rbeit an u. geht auch
us Flicken.
Rhön=
ing 85, III. (18033
Funge, tücht. Frau
ehtwaſchenu putzen.
Näh. Geſchſt. (*18071
Snche n. ein. Std. z.
Vaſchen und Putzen
frau Qnick,
Runde=
ur mſtraße 4, I.
Männlich—
jung. Kaufmann
ucht Stelle a. Volontär
Lebensmittelbranche
eberz.). Ang. u. U 82
n d. Geſchſt. (*18114
Sücht. Packer aufGlas
Möbel ſucht paſ
Stellung. Angeb. u.
S3 Geſchſt. (*18041
Verhäuferin
mit guter Branche
Kenntnis per Jul=
Auguſt geſucht. (8088
Wäſchehaus
Eichbergs Nachfolger
ob. Wilhelminenſtr. 2
Friſeuſe geſ.
Kfſaſ
Tagsüber
Mädchen
geſ., welch. Luſt zu
Haushaltarb, bei hoh
Lohn hat. Angeb u.
U 58 Geſchſt. (*18051
Zuverläſſ.
Häuglings=
pflegerin geſ. Ang. u.
U 65 Geſchſt. (*100
Mädchen
geſucht, muß perfek
koch. können. Eliſa
go0
bethenſtr. 68, I. (5
Fleißiges junges
Mädchen für einig
Stunden vormittags
geſucht. (*178918
Liebigſtr. 31.
Suche zu bald.
Ein=
tritt oder ſputer ein
beſſeres, in all.
Haus=
arbeit. Nähen und
Bügeln erfahrenes
Hausmädcher.
Angeb. m.
Zeugnis=
abſchriften an Frau
H. Weber,
Auer=
bach i. H., Linden=
(8120gid
auts.
N0
Angenehme Stelle
findet tagsüber
ge=
wiſſenhafte Frau od.
Mädchen in gurem
bürgerlich.
Beamten=
haushalt f. alle
Haus=
arbeiten unter
Mit=
hilfe der Hausfrau.
Auf Wunſch
Sonn=
tags frei. Zu erfrag.
in d. Geſchſt. (*18075
Zuverläſſ., jüngeres
Hausmädchen
geſucht, ſofort oder
1. Jult (*18049g1
Roquetteweg 4, II.
Suche tücht. Alleinmd
d. g. bglch, koch k., u.
ält. Hausmädch. (*12072
Karoline Beck
gewerbsmäßige
Stellen=
vermittlung, Karlſtr 25.
Lehrſtelle
bei
Damenſchneider=
meiſterin frei.
Ange=
bote unt. T 136 an
die Geſchſt. (*178471g
Jüng. Fräulein (evtl. Anfängerin)
an gewiſſenhaftes Arbeit. gewöhnt,
zur Einarbeit für kaufm. Kontor
geſucht. Gefl. Ang. mit
Zeugnis=
abſchriften (Schulzeugnis) unter
(8151
U 81 Geſchäftsſtelle.
Wein=Küfer
fleißig — nächtern, mit Behandlung von
Weinen durchaus vertrant, von hieſiger
Weingroßhandlung alsbald geſucht.
Ange=
bote mit näheren Angaben unter U 64 an
die Geſchäftsſtelle. (*18049
Zum Verkauf von
Textilwaren, Stoffen (
Bollvoi=
les, Batiſten uſw.) u. Konfektion
wird tüchtiger, bei der Kundſchaft
gut eingef ührter
*
Barleief
geſucht. Angebote unter U 48 an
die Geſchäftsſtelle. (8084
Dienſtmädchen
zu 3 erwachſ. Perſon
geſ. Hoher Lohn u.
gute Behandlg, (2100
Angebote u. U 57
an die Geſchäftsſt.
Mi 9ch
Vertreter
geeignet für abgeb.
Beamte. Angebote u.
U 49 an die
Ge=
ſchäftsſtelle, (8082
Angenehmen, hohen
— Verdienſt ——
ſichern ſich geſchäftsgew. Herren
und Damen, auch abgeb.
Be=
amten, durch Uebern des
Allein=
vertriebs unſ. patentamtl.
ge=
ſchützten Bogelſcheuche
Huſch=Huſch.
Glänzend bewährter 7 Pfg.
Ar=
tikel. Jeder Landwirt, Gärtner,
Gartenbeſitzer,Kleingärtneruſw.
iſt vielfacher Käufer.
Erforder=
liches Betriebskapital je nach der
Größe des Bezirks 400-1000 ℳ (
Ang. u. U 41 Geſchäftsſt. (8112
Sobegtddet
Tüchtige Vertreter
für Heſſen, die in Kolonialwarengeſchäften
Drogerien uſw. gut eingeführt ſind
(Drogiſten bevorzugt), wollen ausführliche
Angebote einreichen unter U 85 an die
Geſchäftsſtelle d2. Blattes.
*18118
Für ein großes Mietwohnungen=Haus imn
Zentrum der Stadt Darmſtadt wird für
ſ=
ort ein energiſcher, mit allen einſchlägige
Fragen vertrauter Herr
als Hausverwalter
geſucht, der zugleich in der Lage iſt, d
geſamten Mieten zu kaſſieren.
Schriftliche Angebote unter U 68 an die
Geſchäftsſtelle dieſes Blattes erbeten. (8137
d. ſchriſtl. Tätigk. Proſp. d. Pitalis=
Mebenerwerb Berlag, München S. 22,UMf3 7821
Tüchtiger, ſelbſtändig
arbeitender
Eiſendrehers
der auch
Schloſſer=
arbeiten verrichten
kann, für Reparatur=
Werkſtatt eines
größe=
ren hieſigen Werkes
geſucht.
Angeb. u. U 69 ar
de Geſchſt. (8139
Durchaus tüchtige
werden eingeſtellt.
(7979a
Arnold & Sohn
Ecke Erbacherstraße
D nächſt dem Schwimmbad.
Erſtklaſſigen
Vertreter
für proviſionsweiſen Verkauf für
Dauer=
ware geſucht.
Elmshorner Wurſt= u. Fleiſchwarenfabrik
Johs. Witt,
Elmshorn i. Holſt. (TV. 7998
Tüchtiger
Buchhalter (in)
geſ. Ausführl. Ang.
m. Gehaltsanſpr.
er=
bet. u. U. 43 an die
Geſchſt.
(*18024
sttets
Intelligenter Junge
uf Anwaltsbüro als
Lehrling
geſucht.
Angeb. u. U 62 an
d. Geſchäfts. (*18042
Mtttstes
Angeſehene Sachſchadengeſellſchaft, die
alle Zweige betreibt und größtem
Kon=
zern angeſchloſſen iſt
ſucht
Bezirke im Fach erfahrene
tücht. Inſpektoren
bei beſten Bezügen und Direktions=
Vertrag.
Bewerbungen von Fachleuten mit
nach=
weisbar beſten Erfolgen erbeten unter
U 40 an die Geſchäftsſtelle ds. B
Feite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 22. Juni 1924.
Rummer 172.
Goldmark 1550.—
et der
SB Kleinkraftwagen
der Wagen für alle
Aerzte, Beamte, Kaufleute.
Vertreter und Private finden Im
SB Kleinkraftwagen
2,5 P.5. DKW Motor
das bequemste, billigste und
sicherste Beförderungsmittel
in jedem Gelände
Generalvertretung:
Autozentrale Wilh. Lché
TelephonNr. 438
7956a
TAPETENK
Tenke
Salupra
Einkocher Krauss
Durchmesser des Topfes 33 cm. Höhe 32 em. Gewicht 5,5 kg.
Oualitätsvorzüge:
1. Größte Stabilität durch starkwandige
Ausführung.
2. Wandstärke des Rumpfes 0,62 mm vor
dem Verzinken.
3. Besonders verstärkter Boden mit
Rillen-
prägung. Tadelloses Aufliegen auf der
Herdplatte.
4. Der Fuß des Einsatzes ist aus einem
Stück gezogen und eingerollt.
5. Die Stäbe sind massives Rundeisen
be-
sonders stabiler Befestigung.
6. Der Deckel ist aus einem Stück
ge-
zogen, mit eingerollter Kante.
7. Die Henkel sind nicht angenietet,
son-
dern ohne Durchbrechung der
Wan-
dung elektrisch angeschweißt.
8. Kraussvollbadverzinkung gewährleistet
besten Rostschutz.
9. Sichere Verpackung u. Aufbewahrung
des Thermometers innerhalb des Topfes.
10. Vielseitige Verwendbarkeit des
Einkoch-
topfes ohne Einsatz im Haushalt.
Z die lichtechte
Wasch-
bare Tapete
m
stets vorrätig
im
8118)
Spezialgeschäft
Darmstadt
Soderstr. 19—21, Tel.7
TAPETENF
Beachten Sie beim Einkauf diese Vorzüge
und überzengen Sie sich bei:
C. Baper, Schulstraße
Gottfr. Beck, Carlstraße
Becker Nachf., Brandgasse
L. Breitwieser, N.-Ramstädterstr.
E. Crämer, Ludwigstrasse
A. Darmstädter, Sandbergstr.
A. Kling, Grefenstrasse
L. Kling, Luisenstrasse
Müller & Dilling, Casinostrasse
Reiner & Christmann, Kirchstr.
J. Rühl, Saalbaustrasse
Ph. Schaaf, Ernst-Ludwigstrasse
Ph. Schäfer, Landwehrstrasse
F. Schulz, Carlstrasse
L. Wenz, Wendelstadtstrasse
Hugo Zimmer, Schützenstrasse.
Ständige Gle
Ankaufsstelle
von Brillauten, Gold= u.
Silber=
waren, Perſerteppichen,
Kunſt=
gegenſtänden :: :: :: befindet ſich
Pädagogſtraße 2, Tel. 1202.
Oetleidungsartikel auer Ark
Wäſche und Stoffe
kaufen Sie geg. bequeme Zeilzahlung nur bei
MEVER & STERR
Darmſtadt, aalbanſtr. 2—6. (6094a
Probieren Sie bitte
Sotſtienanven=Sigätten
Da=Nu=Da Nr. 51
12 Pfg.
15 Pfg.
Da=Nu=Da Nr. 220 .
20 Pfg.
Meiſterwerk —.
A
und überzeugen Sie ſich von deren Qualität.
D. Numrich, Mühlſtraße 76
u. Bismarckſtraße 27, Eingang Wendelſtadtſtraße.
Ae
Hrnuchk.
Bevor sie Mover kanfen
Crsungrünscntt
BADEMAABEN
Elnmaliges Ausschreihen!
3400 Geschenke!
1 Motorrad der Triumphwerke A.=G., Nürnberg
1 Radioapparat Allradio, das Rundfunkgerät
m. Rückkopplung der Schuchardt=A.=G. (
Berech=
tigte Benützung der Telefunken=Patente),
1 Stehſchrank=Grammophon
1 Trichterloſes Tiſchgrammophon
1 Reiſegrammophon
15 „Nirona=Grammophone
30 Mandolinen mit Etui
25 Biolinen mit Etui und Bogen
4 Lauten
1 Gitarre
300 erſtklaſſige Mundharmonikas
20 Flaſchen Conradiner=Likör d. Mercedes=
Wein=
brennerei, Stuttgart
3000 diverſ, muſikal. Geſchenke i. Werte v. 2—3 Mk.
Jeder 15. Besteller
der einen der auf dem anhängenden Beſtellzettel
aufgeführten Gegenſtände zum
Reklamepreis von 1 Mark
(regul, Wert zwiſchen Mk. 1.50 und Mk. 3.—) kauft,
erhält eines der obigen Geſchenke,
Warten Sie nicht mit der Einſendung, denn
ſofort nach Eingang Ihrer Beſtellung wird dieſelbe
notariell numeriert und Ihnen, umgehend der auf
Ihre Nummer entfallende Geſchenkgegenſtand
mit=
geteilt.
Ihr Geſchenk erhalten Sie 1 Tag nach
Schluß=
termin, alſo am 12. Juli 1924, gratis und ſpeſenfrei
zngeſandt.
Vom Tage dieſer Veröffentlichung ab liegt bei
den öffentl. Notaren, Herren Schittenhelm & Höppel,
Stuttgart, Kronprinzſtraße, die Liſte über die Verteilung
der Geſchenke auf. Die Oeffnung und Numerierung
der eingehenden Beſtellungen erfolgt unter notarieller
Kontrolle.
Sollten mehr Beſtellungen eingehen, als der
Berechnung zu Grunde gelegt ſind, werden die
Ge=
ſchenke verdoppelt oder verdreifacht.
Der Betrag kann in bar oder Briefmarken
ein=
geſandt werden.
Bei Beſtellung auf dem Umſchlag Aufſchrift
„Reklameangebot‟
II. St. 8086
Bestellschein
Der Unterzeichnete beſtellt hiermit zum
Reklame=
preis von Mk. 1.— aus dem Verlag der Süddeutſchen
Muſikzentrale Carl Beukel, Stuttgart
Holzstrasse 14, entweder:
1 muſikaliſchen Schlager für Klavier; oder
für Salon=Orcheſter: od.
1 Akkordlehre für Gittarre und Laute; oder
1 Neuheit auf dem Gebiete der Mundharmonika,
(Nicht Gewünſchtes iſt auszuſtreichen)
Name:
Wohnung :..
Wohnort:
überzeugen Sie ſich ſelbſt
durch Beſichtigung meines Lagers von
meiner Leiſtungsfähigkeit.
Schlafzimmer in Räſter, Eiche und lackiert
Spelſezimmer in einfach. u reicher Ausfährung
Berrenzimmer in einfach. u. reicher Ausführung
Kuchen leſiert in allen Preislagen
Prima Qualitäten! Außerſte Preiſe!
Ferner:
Einzelne Schreibtiſche, 2=u. 3tür. Kleiderſchränke,
Bettſtellen, Matratzen uſw.
beſonders preiswert.
Werkſtätte für Woh=
Grorg Heverte, nungseinrichtungen
6058a) Mathildenplatz 10.
Neu u. Henſchte / Darmſtadt
Fernſprecher 1926/27 Holzhandlung Fernſprecher 1926/27
Büro und Lager: Ecke Landwehrſtraße / Kirſchenallee
(Nähe Güterbahnhof)
empfehlen ſich zur laufenden Lieferung von:
ſämtlichen Sorten Brettern u. Dielen,
Bloch=
ware, Hobelware, Kanthölzer, Latten,
Schal=
bretter, Gerüſtſiangen uſw., Bauholz nach Liſten,
Rohrgewebe für Weißbindergeſchäfte.
Vertretung und Filiallager für Groß=Zimmern und Umgegend:
Gg. Ehrhardt, Baumaterialien, Groß=Zimmern, am Bahnhof.
Telef. Nr. 381 Amt Dieburg.
582
Uenns die Kudde serdew-
Sse.
GA
erfahren Sie die Gründe der V Kursveränderungen
stets sofort aus dem täglich erscheinenden mit
wert-
vollen Beilagen ausgestatteten Börseninformationsblatt
Srg
Berliger Börpvas-
Berizkte
Der
S-
Berlin C 2. An der Spandauer Brücke 10
Verlangen Sie Probenummern!
Wir liefern ſofort:
Pa. 3kg Steinkohlen=
Stumkbrinells „0.A.
Vollbriketts, aus beſten Ruhrkohlen
beſonders geeignet für Druſchzwecke
direkt ab Fabrik Frankfurt am Main — Oſthafen
bei billigſter Berechnung.
G. m. b. H.
Frankfurt a. M., Stiftſtraße 29/31
Fernruf: Amt Hanſa Nr. 3580, Römer Nr. 997.
Lum Fenster Mirf hein Geld hinaus.
*) Wirtschaftlich ist es, für sein gutes
Geld das Beste zu nehmen und das ist
die tranfreie nicht ätzende
Dreieckkern-
seife; sie wird aus dem besten Material
hergestellt.
Zu haben bei: Oelzentrale, Karlstr. 62,
Brandstädter, Ecke Erbacher- u. Mühlstr.,
Germann, Grafenstr. 35, Hefermehl Nachf.,
Ecke Niederramstädter- und Kiesstraße.
Verkaufsbüro Darmstadt,
Hoffmann-
straße 19, Tel. 2414.
Herst.: Melliand-
Seifenin-
austrie A.-G., Mannheim.
Gegetzlich
geschütrt
Rt
F. 8030
V