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Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Wöchentliche illuſtrierte Beilage: „Die Gegenwart”, Tagesſpiegel in Bild und Wort
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſi. Tagbl.” geſtattet.
Nummer 138
Sonntag, den 18. Mai 1924.
187. Jahrgang
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Rabatt weg. Bankkonto: Deuiſche Bank und Darme
ſtädter 8 Nationalbank.
Briefwechſel zwiſchen London und Paris.
„Poincarés Teſiament und letzter Wille.”
London, 17. Mai. (Wolff.) Der diplomatiſche
Bericht=
erſtatter des Daily Telegraph ſchreibt, das von Poincaré
als Premierminiſter und Außenminiſter eines zurücktretenden
Kabinetts eingeſchlagene ungewöhnliche Verfahren, an Mac
donald ſeinen letzten Willen und ſein Teſtament
bezüglich der Regelung der Reparationsfrage zu überſenden,
habe in London eine gewiſſe Ueberraſchung
her=
vorgerufen. Der herzliche Ton des Schreibens Poincarés
werde natürlich gewürdigt, aber es würde vom Standpunkt der
künftigen Beziehungen des britiſchen Kabinetts zum Nachfolger
Poincarés ſchwierig ſein, die Anſichten und Beweisgründe, die
dieſer gegeben, als etwas anderes zu behandeln, als individuelle
Kundgebungen eines Staatsmannes, deſſen Perſönlichkeit
Ach=
tung einflöße und der immer noch eine beträchtliche
Anhänger=
ſchaft in ſeinem eigenen Lande beſitze.
Was will Poincaré?
Paris, 17. Mai. (Wolff.) Zu dem Briefwechſel
Macdonald-Poincaré bemerkt das Oeuvre: warum
laſſe Poincaré heute, wo er nur noch
interimiſti=
ſcher Miniſterpräſident ſei, ſich einfallen, eine Politik zu
fixieren, in großen Zügen eine Verſtändigung zu
be=
treiben? Poincaré werde ſich Angriffe zuziehen. Man werde
ſich fragen, warum er das alles nicht früher getan habe.
Fürchtet er etwa, das Urteil, das ihn treffen
könne an dem Tage, wo der öffentlichen Meinung ſämtliche
Akten des Prozeſſes bekannt gegeben würden und wolle er
ſich einen mildernden Umſtand ſichern, oder
be=
abſichtige er, ſeinem Nachfolger denſelben
Streich zu ſpielen, der Briand bei der Rückkehr
von Cannes geſtürzt habe, oder beſchäftige ſich
Poincaré bereits mit der Zuſammenſtellung
ſei=
ner demnächſtigen Anklagerede? Falls es zutrifft
daß in dem Schreiben Poincarés des längeren von der
Ruhr=
frage die Rede ſei und Poincaré hier als Miniſterpräſident
ſpreche, könne man leicht die Verlegenheit begreifen, wenn er
nicht den glücklichen Einfall gehabt hätte, Macdonald zu
antwor=
ten ehe er ſeinen letzten Brief erhalten hatte.
Fortſetzung des Meinungsaustauſches.
Paris 17. Mai. (Wolff.) Der Matin will in der Lage
ſein, zu verſichern, daß es ſehr wahrſcheinlich ſei, daß der
Mei=
nungsaustauſch zwiſchen Poincaré und Macdonald fortgeſetzt
werde, ohne der Handlungsfreiheit der künftigen franzöſiſchen
Regierung vorzugreifen. Man könne aber eine größere Anzahl
Fragen, die für das franzöſiſch=britiſche Einverſtändnis nötig
ſeien, aufklären. Dieſe Aufklärungsarbeit, die im Vorteil aller
intereſſierten Länder liege, werde fortgeſetzt werden, weil
Mac=
donald ſelbſt dazu geneigt ſcheine. Man könne aber jetzt ſchon
erklären, daß das ſchließliche Uebereinkommen zwiſchen Paris
und London außer Zweifel ſei und Poincaré ſeinem Nachfolger
am Quai d’Orſay eine ebenſo klare wie günſtige Situation
hin=
terlaſſen werde.
London, 18. Mai. (Wolff.) Maedonald wünſcht
nicht, daß der Plan einer Zuſammenkunft der Alliierten ſcheitere.
Er hegt den Wunſch, ſelbſt nach Paris zu fahren,
um mit dem franzöſiſchen Miniſterpräſidenten zuſammenzutreffen,
da die Schwierigkeiten, denen dieſer gegenüberſtehe, größer ſeien
als ſeine eigenen.
Die Pariſer Kriſenſtimmung.
Paris, 17. Mai. (Wolff.) Der ſozialiſtiſche Abg. Alexandre
Varenne hat in Clermont=Ferrand dem Vertreter der Havas=
Agentur zur Frage der Kabinettsbildung erklärt,
nach ſeiner Anſicht könne gar kein Zweifel darüber beſtehen, die
Weigerung der Sozialiſten, ſich an der
Regier=
ung zu beteiligen, würde unweigerlich zur Folge haben,
daß der republikaniſche Sieg vom 11. Mai ſabotiert werde. Die
meiſten am Sonntag gewählten ſozialiſtiſchen Abgeordneten
hät=
ten mindeſtens ebenſoviele radikale, wie ſozialiſtiſche Stimmen
erhalten. Die ungeheure Mehrheit, die für ſie geſtimmt hätte,
erwarte, daß ihre Abgeordneten zuſammenarbeiten. Das habe
man ihnen in den Wahlverſammlungen erklärt. Es wäre für
die Wähler der Linken eine große Enttäuſchung, wenn die vor
ihren Augen beſiegelte Einheit zerſtört würde, ſobald die neue
Kammer zuſammentrete.
Der ſozialiſtiſche Abg. Moutet, der mit dem Abg.
Her=
riot auf einer Liſte gewählt worden iſt, hat geſtern folgende
Erklärung abgegeben:
Ich bin dafür bekannt, daß ich mich nicht von anderen
Rück=
ſichten leiten laſſe, als den Intereſſen meines Landes oder den
Intereſſen meiner Partei. Ich gebe mich zu keinem Manöver
her, das geeignet wäre, die Lage Herriots hinſichtlich der
Bil=
dung der künftigen Regierung zu erſchweren. Als man geſtern
offen erklärte, der Führer der radikalen Sozialiſten ſei
entſchloſ=
ſen, die Regierung auf alle Fälle zu bilden, wollte ich ſofort
nach Lyon reiſen, um ihn zu fragen, ob er ſeine Anſicht ſeit
Mon=
tag, an welchem Tage wir uns verlaſſen haben, geändert habe,
aber vorher habe ich Vertraute Herriots interpelliert, die mir
erklärten, er ſei bereit, habe aber ſicher ſeine Anſicht nicht
geän=
dert. Ich kann alſo erklären, daß Herriot nur in Gemeinſchaft
init den Sozialiſten die Kabinettsbildung übernehmen werde
oder überhaupt nicht.
Das Programm für den ſozialiſtiſchen Landesparteitag.
Paris, 17. Mai. (Wolff.) Der auf den 1. und 2. Juni
einberufene außerordentliche Landesparteitag der ſozialiſtiſchen
Partei wird folgende Tagesordnung haben: 1. Die politiſche
Lage und die Partei, 2. Aenderungen in der Zuſammenſetzung
des geſchäftsführenden Ausſchuſſes der Partei infolge der Wahl
von einzelnen ſeiner Mitglieder zu Abgeordneten, 3. das Budget
Der Partei, 4. das Parteiblatt.
Franzöſiſche Bündnispolitik.
Doumergue für ein Bündnis zwiſchen
Frankreich und England.
TI. London, 17. Mai. Die „Morning Poſt”
ver=
öffentlicht eine Erklärung des franzöſiſchen Senatspräſidenten
Doumergue, der in dieſer den Wunſch nach Abſchluß
eines engen Bündniſſes zwiſchen Frankreich
und Großbritannien ausſpricht. Er erklärt, daß die
Entente cordiale zum Schutze der beiden Länder nicht ausreiche.
Ein jeder vernünftige und patriotiſche Engländer und Franzoſe
könne ſich der Erkenntnis nicht verſchließen, daß die Gründe, die
für den Zuſammenſchluß der beiden Länder während des
Krie=
ges maßgebend waren, auch heute noch ins Gewicht fallen.
Ob=
wohl die Verbündeten den Sieg davongetragen hätten, behaupte
Deutſchland, nicht geſchlagen zu ſein, und angeſichts der
Tat=
ſache, daß Deutſchland ſeit 1919 nichts getan habe, ſeine
Ver=
pflichtungen zu erfüllen, und dazu ſeine Geſinnung nicht geändert
habe, müſſe man die Frage aufwerfen, ob Deutſchland tatſächlich
beſiegt worden ſei. Die Revanchegelüſte
Deutſch=
lands würden den Frieden der Welt nicht ſtören, wenn
Frank=
reich und England einig blieben. Beiden Ländern würde
die=
ſelbe Gefahr drohen, wenn die Entente nicht aufrecht erhalten
bliebe oder nicht durch ein inneres Bündnis erſetzt würde.
Macdonald für eine Abrüſtungskonferenz.
TU Paris, 17. Mai. Wie „Newyork Herald” meldet,
ließ Macdonald, durch den amerikaniſchen Botſchafter in
London dem Präſidenten Coolidge erneut Vorſchläge
zur Einberufung einer interalliierten
Ab=
rüſtungskonferenz, die ſich hauptſächlich mit
Marine=
fragen ſowie Verwendung giftiger Gaſe befaſſen ſoll,
unter=
breiten. Macdonald legt Wert darauf, daß dieſe Konferenz von
Amerika einberufen wird und glaubt, daß nach der Niederlage
des bloc nationa) in Frankreich die Ausſichten einer ſolchen
Kon=
ferenz günſtiger ſein werden als noch vor 14 Tagen.
Ein zweites Schreiben Poincarés an Macdonald.
Paris, 17. Mai. (Wolff.) Zwiſchen der engliſchen und
franzöſiſchen Regierung wird weiter verhandelt, um die
Prü=
fung des Planes der Experten trotz der Aenderung der
politiſchen Lage in Frankreich nicht zu verzögern. Bekanntlich
hat Poincaré bereits am 14. Man an den engliſchen
Premier=
miniſter ein langes Schreiben gerichtet, in welchem er den
fran=
zöſiſchen Standpunkt klargelegt hat. Gleichzeitig ſchrieb der
eng=
liſche Premierminiſter an den franzöſiſchen Miniſterpräſidenten.
Nach neueren Meldungen aus London iſt die Havas=Agentur
jetzt in der Lage, mitzuteilen, daß Poincaré ſofort ein
zweites Schreiben an den britiſchen
Premier=
miniſter abgeſandt hat, welches dieſem geſtern durch
Ver=
mittlung des franzöſiſchen Botſchafters überreicht wurde.
Snowden über die franzöſiſchen Wahlen.
London, 17. Mai. (Wolff.) Schatzkanzler Snowden
kam in einer geſtern abend gehaltenen Rede auch auf die
fran=
zöſiſchen Wahlen zu ſprechen. Er gab der Hoffnung
Aus=
druck, daß, welche Regierung auch immer in den nächſten Wochen
in Frankreich gebildet werden würde, ſie im Geiſte eines
herz=
lichen Einvernehmens mit Großbritannien und den übrigen
Alli=
ierten zuſammenarbeiten würde, um den Sachverſtändigenplan
zu verwirklichen. Er glaube, daß alle in Betracht kommenden
Regierungen, mit Einſchluß der deutſchen, von Herzen bereit
ſeien, daran mitzuarbeiten, daß der Plan erfolgreich durchgeführt
würde.
Die Forderungen der Partei Briands.
Paris, 17. Mai. (Wolff.) Der geſchäftsführende
Aus=
ſchuß der ſozial=republikaniſchen Partei (Painlevé—Briand) hat
eine Reſolution angenommen, in der erklärt wird, die Partei
weigere ſich, an jeder Regierung ſich zu beteiligen, die nicht
fordere:
1. daß der Präſident Millerand demiſſioniere,
2. daß die Arrondiſſementswahlen wieder
her=
geſtellt werden,
3. daß eine vollkommene Amneſtie bewilligt wird,
4. daß die Umſatzſteuer beſeitigt und durch eine
Ver=
mögensſteuer erſetzt wird,
5. endlich, daß die freundſchaftlichen
Verhandlun=
lungen mit den Alliierten zur raſchen
Rege=
lung des Reparationsproblems und der
Sicherheitsfrage auf Grund des
Sachver=
ſtändigen=Programms durchgeführt werden.
Erſte Zuſammenkunft des
Reichsbahnaus=
ſchuſſes am 22. Mai.
Paris, 17. Mai. (Wolff.) Die Reparationskommiſſion
hat nach Verſtändigung mit der deutſchen Kriegslaſtenkommiſſion
heute beſtimmt, daß die erſte Zuſammenkunft des
Organiſations=
ausſchuſſes für die deutſche Reichseiſenbahngeſellſchaft am
kom=
ienden Donnerstag, den 22. Mai, in Paris ſtattfinden ſoll. In
dieſem Ausſchuß iſt bekantlich die deutſche Regierung vertreten
durch Staatsſekretär a. D. Bergmann und Staatsſekretär Vogt
vom Reichsverkehrsminiſterium. Staatsſekretär Bergmann iſt
bereits geſtern in Paris angekommen. Er hatte heute vormittag
eine erſte Unterredung mit dem franzöſiſchen Mitglied des
Orga=
niſationsausſchuſſes Leverve,
Die Woche.
Ein Ereignis von weittragendſter Bedeutung für die geſamte
europäiſche Politik: die franzöſiſchen Wahlen vom 11. Mai haben
eine ſchwere Niederlage Poincarés gebracht. Mit einer
Ent=
ſchloſſenheit, die weit über die Erwartungen hinausging, hat das
franzöſiſche Volk dem bis dahin faſt Allmächtigen die Gefolgſchaft
verſagt. Die „größte Geiſel”, den „größten Feind der Ruhe und
des Glücks Frankreichs”, ſo nannte ihn am Vorabend der
deut=
ſchen Wahlen die „Ere Nouvelle”, das Organ Caillauxs. Iſ
noch ſchärfere Kritik möglich? Herr Poincaré hat die
Konſe=
quenzen gezogen, und trotzdem die parteipolitiſchen Verhältniſſe
in Frankreich ja anders liegen als bei uns, trotzdem dort ein
„ſtarker Mann” ſich unter Umſtänden ſeine eigene Mehrheit
ſchaffen kann, darf heute wohl doch damit gerechnet werden, daß
die Demiſſion Poincarés zum 1. Juni zum mindeſten ein
vor=
läufiges Verſchwinden in der Verſenkung bedeutet. Nicht gegen
eine Partei, ſondern gegen den Mann richtete ſich das
Volks=
urteil. Die Pariſer Boulevard=Preſſe und auch die offiziöſe
Havas=Agentur ſuchten es zuerſt ſo darzuſtellen, als ob das
Wahlergebnis lediglich auf innerpolitiſche Urſachen zurückzuführen
ſei. Im Intereſſe der zukünftigen franzöſiſchen Außenpolitik ein
durchaus verſtändlicher Verſuch, der jedoch — wie das Echo in
der geſamten Welt bewies — niemanden überzeugen konnte, und
beſonders in den angelſächſiſchen Ländern läßt die Preſſe der
verſchiedenſten Richtungen unverhohlene Befriedigung erkennen.
Wenn man in Paris behauptet, daß die auswärtige Politik
Poincarés von der übergroßen Mehrheit des franzöſiſchen Volkes
gebilligt worden ſei, da ja auch die Angehörigen der radikalen
Partei Poincarés Ruhrpolitik gutgeheißen hätten, ſo geht dieſes
Argument durchaus fehl. Herr Herriot, der Führer des
ſieg=
reichen Linksblockes, hat ſtets mit Bezug auf die Ruhraktion
erklärt, daß es nach ſeiner Ueberzeugung andere Mittel zur
Löſung der Reparationsfrage gegeben hätte, daß er aber als
guter Franzoſe davon abgeſehen hätte, die Stellung der
Regie=
rung durch ſeine Oppoſition zu ſchwächen, nachdem einmal die
franzöſiſchen Fahnen im Nuhrgebiet aufgepflanzt worden ſeien.
Herr Poincaré hat ſeine Demiſſion eingereicht und in Paris
ver=
handelt man über ſeine Nachfolgeſchaft. Daß jede franzöſiſche
Regierung im Ziel ſich nicht allzu ſehr von ihren
Vorgänge=
rinnen unterſcheiden wird, darüber ſollte man ſich ganz klar
ſein, daß aber auf alle Fälle nach der ſchweren Niederlage des
bloc national die Methoden der franzöſiſchen Außenpolitik
ſich ändern werden, kann ohne unangebrachten Optimismus
an=
genommen werden. Illuſionen ſind ſtets gefährlich. Mag der
neue franzöſiſche Miniſterpräſident Herriot, Briand oder Painlevé
heißen, die Liquidierung des latenten europäiſchen
Kriegszuſtan=
des iſt ein ungeheuer ſchwieriges Problem.
Die belgiſchen Miniſter und auch Herr Beneſch aus Prag
weilen zurzeit in Italien, um mit Herrn Muſſolini über die
europäiſche Lage zu ſprechen. Man macht in London jetzt keinen
Hehl mehr daraus, daß die anglo=belgiſche Chequers=Konferenz
ein völliges Fiasko war und daß ohne die Abkehr der
franzö=
ſiſchen Wähler von Poincaré das Schickſal der Entente und auch
des Dawes=Planes beſiegelt geweſen wäre. Die belgiſchen
Miniſter haben jetzt Gelegenheit gehabt, Herrn Muſſolini über
ihre Eindrücke in Paris und Chequers zu berichten, und vielleicht
wird Herr Beneſch den Eindruck gewinnen, daß er nicht gerade
zur guten Stunde nach Italien gekommen iſt. Die Furcht vor
Rußland ſoll das Staatenſyſtem der Kleinen Entente erweitern
und noch enger zuſammenſchließen, und man möchte auf dieſem
Umwege eine neue europäiſche Mächtegruppierung anbahnen,
der Frankreich, Italien, die Kleine Entente, Polen und auch
Ungarn angehören ſollen. Herr Muſſolini galt bisher überall.
als ein kühler Realpolitiker von einigem Format. Beſtätigt ſich
dieſe Annahme, ſo dürfte Herr Beneſch mit ſeinem merkwürdigen
Plan nicht allzu viel Glück haben. Eine neue
Mächtegruppie=
rung in Europa liegt durchaus nicht außerhalb des Bereichs der
Möglichkeiten, aber wenn ſie zuſtande kommt, dürfte ſie etwas
anders ausſehen, als ſie ſich Herr Beneſch jetzt ausmalt.
In dieſem Zuſammenhang iſt der deutſch=ruſſiſche
Zwiſchen=
fall zu werten. Daß man in Berlin den größten Wert darauf
legt, die ganze Angelegenheit möglichſt ſchnell und reſtlos aus
der Welt zu ſchaffen, iſt verſtändlich. Zu wünſchen allerdings
wäre es, daß man über dieſem begreiflichen Beſtreben auch nicht
einen Augenblick vergißt, daß das Intereſſe an einer
Bereini=
gung des Konfliktes auf der anderen Seite mindeſtens ebenſo
groß iſt und daß man die in Moskau beliebte Methode des Bluffs
entſprechend wertet. Juſt an dem Tage, an dem eine feierliche
Proteſtnote der Sowjetregierung in Berlin eintraf, gelang es
der Berliner Polizei, den deutſchen Kommuniſten Bozenhardt
in der Wohnung eines Mitgliedes der ruſſiſchen
Handelsvertretung zu verhaften.
Die europäiſche Geſamtſituation hat ſich ſeit dem 11. Mai
zweifellos etwas geändert. Unendlich viel, ja faſt alles, hängt
für uns davon ab, daß die derzeitige Regierungskriſis alsbald
die Löſung findet, welche es ermöglicht, tatkräftig auf dem mit
Erfolg bisher gegangenen Wege fortzuſchreiten. Die bisherige
Taktik der Deutſchnationalen berechtigt leider nicht zu übergroßem
Optimismus. Obwohl ihnen mehr als einmal die Frage
vor=
gelegt worden iſt, wie ſie ſich zu den großen und entſcheidenden
Fragen unſerer Außenpolitik ſtellen, hat man ſich bisher lediglich
immer wieder auf die ſattſam bekannte Forderung nach dem
Rücktritt der gegenwärtigen Regierung und Einſtellung aller
mit dem Sachverſtändigen=Gutachten im Zuſammenhang
ſtehen=
den Vorarbeiten beſchränkt. Man kann ſich des Eindruckes nicht
erwehren, daß die Fortführung der bisherigen Politik der reinen
Verneinung nichts anderes iſt, als eine Ausgeburt ſtarker
Ver=
legenheit, eine Anſicht, die um ſo mehr an Wahrſcheinlichkeit
ge=
winnt, nachdem man hört, daß im deutſchnationalen Lager die
Anſichten ziemlich weit auseinandergehen, ſobald es ſich darum
handelt, poſitive Vorſchläge zu machen. Man ſpricht ſtändig von
der kommenden Reichsregierung unter deutſchnationaler
Füh=
rung. Es wäre ſehr zu begrüßen, wenn dieſe nebelhaften
Rede=
wendungen nun endlich etwas greifbarere Geſtalt annehmen
würden, insbeſondere, wenn man etwas klarer ſagen wollte,
welche Parteien und insbeſondere welche
Per=
ſönlichkeiten dieſe neue Regierung bilden ſollen.
Nicht ganz unwichtig wäre dann ſchließlich auch noch die
Frage, welche Politik dieſe neue Regierung unter
deutſch=
nationaler Führung zu machen gedenkt. Da es ſich ſchließlich
doch um nicht weniger handelt, als um die Exiſtenz des Deutſchen
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924.
Seite 2.
Reiches, ſo iſt es vielleicht doch nicht ſo ganz unberechtigt, wenn
Vom Tage.
man dieſe beſcheidene Frage aufwirft. Denn die tröſtliche Ver=
ſicherung, daß ſich das alles ſchon finden werde, wenn nur erſt
einmal die Fᛋ5 jetzige Regierung verſchwunden ſei, wird
mög=
licherweiſe doch nicht allen Gläubigen genügen.
Die Engländer ſprachen einſt vom „fair plap”, das man
der Arbeiterregierung nach ihrem Wahlerfolg geben müſſe. „
Fai=
play” auch für die Deutſchnationalen! Sind ſie in der Lage,
eine neue Regierung mit tragfähiger
parlamenta=
riſcher Baſis zu präſentieren, ſo wird hoffentlich des
Deut=
ſchen Reiches Präſident die beredten Ausführungen Herrn Dr.
Wirths, der in der „Germania” vor Staatsſtreichgelüſten der
Deutſchnationalen warnt, nicht allzu tragiſch nehmen.
Vorerſt aber iſt man offenbar noch lange nicht ſo weit, und
wenn daher die Reichsregierung zunächſt noch abwartend im
Amt bleibt und dadurch ein untragbares Interregnum vermeidet,
ſo kann ihr das deutſche Volk dafür nur dankbar ſein. M.
*Bayern.
Parlamentariſcher Auftakt.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
München, 17. Mai. Im bayeriſchen Landtag hat heute
das parlamentariſche Leben der neuen Seſſion ſeinen
inoffiziellen Anfang genommen. Die
Landesvorſtand=
ſchaft der Bayeriſchen Volkspartei trat heute zu
Be=
ratungen zuſammen, denen inſofern hochpolitiſche
Be=
deutung zukommt, als in ihnen die Richtlinien für die
politiſche Arbeit der Partei im bayeriſchen
Landtag und im Reichstag für die nächſte Zeit
gegeben worden ſind. Der bayeriſche Miniſterpräſident Dr.
v. Knilling wohnte den Verhandlungen am Nachmittag bei
mußte ſich jedoch am Abend zu einer niederbayeriſchen
Ausſtel=
lung nach Paſſau begeben. Die übrigen Miniſter, die der Partei
angehören, folgen den Verhandlungen auch weiter. — Man
kam heute lediglich dazu, die Träger der Landesmandate
feſtzu=
ſtellen, die auf die Bayeriſche Volkspartei entfallen. Unter ihner
befinden ſich u. a. der Präſident des bayeriſchen Landtags
Kö=
nigsbauer, der wegen eines Unfalls aus dem Wahlkampf
aus=
fcheiden mußte, der Präſident des Landesfinanzamts München.
Speck, der bekannte landwirtſchaftliche Führer. Dr. Horlacher
Ferner wurden die ſeitherigen Abgeordneten. Mader, Strodel
und Frau Ammann als Träger der Landesmandate auserſehen.
Die politiſche Ausſprache wurde abgebrochen und wird am
Sonn=
tag zu Ende geführt.
Auch die erſten Fraktionsſitzungen ſind
nun=
mehr angeſetzt worden. Als erſte Fraktion des Landtags
tritt die völkiſche am 20. Mai auf den Plan. Sie hat das
Fraktionszimmer der Demokratiſchen Fraktion zugewieſen
erhal=
ten, die bekanntlich nur in einer Stärke von drei Mitgliedern
wieder im bayeriſchen Landtag erſcheint. Dieſer Vorgang ver
anlaßt den Bayeriſchen Kurier zu der, wohl ſcherzhaft ſein
ſol=
lenden Bemerkung, ob man daran denke, den Demokraten eine
Telephonkabine als Fraktionszimmer zuzuweiſen, die für ihre
Stärke genügen dürfte. — Die Bayeriſche Volksparte
tritt am 23. Mai zu ihrer erſten Fraktionsſitzung zuſammen.
Das in München verbreitete Gerücht, Admiral von Tirpitz
werde auf ſein Reichstagsmandat im Wahlkreiſe Oberbayern—
Schwaben verzichten, wird nunmehr von der München=
Augs=
burger Abendzeitung offiziell als unzutreffend erklärt. Das
Blatt verweiſt auf einen Beſchluß der Vorſtandſchaft der
Deutſch=
nationalen Volkspartei, der alle auf der Reichsliſte ftehende
Ab=
geordnete verpflichte, Mandate in ihrem Wahlkreis anzunehmen.
* Das Verfahren gegen Kahr, Loſſow und
Seißer eingeſtellt.
München, 17. Mai. (Priv.=Tel.) Die
Staatsanwalt=
ſchaft hat bekanntlich während des Hitlerprozeſſes ein
Er=
mittlungsverfahren gegen, die Herren Kahr,
Loſſow und Seißer eingeleitet, das ſich auf die
ſcheinbare Mitwirkung der drei Herren bei dem Unternehmen
Hitlers am 8. November, daneben aber auch wegen der in dem
Prozeß zur Sprache gekommenen Pläne zur Errichtung eines
Tirektoriums für das Reich, in Verbindung mit norddeutſchen
Treibereien, erſtreckte. Dieſes Verfahren iſt nunmehr, wie uns
zuverläſſig mitgeteilt wird, eingeſtellt worden.
Außer=
dem wurde während des Hitlerprozeſſes ein Verfahren gegen
Oberleutnant Braun, vom Reichswehrinfanterieregiment Nr. 19,
und gegen den Oberleutnant der Landespolizei von Godin
we=
gen der Zuſammenſtöße am Odeonsplatz eingeleitet. Dieſes
Verfahren ſteht vor dem Abſchluß.
Neue deutſche Geſandte im Ausland.
Berlin 17. Mai. Der bisherige Dirigent der
Perſonal=
abteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Kuhlmann, iſt, wie
wir erfahren, zum deutſchen Geſandten in Guatemala
ernannt worden. Wie wir weiter erfahren, ſteht die
Er=
ſiennung des bisherigen Leiters der Perſonalabteilung,
Mini=
ſterialdirektor Dr. Gneiſt, zum Geſandten in Buenos Aires bevor.
Wie wir von zuſtändiger Stelle erfahren, gilt der in Berlin gefällte
Schiedsſpruch für den Ruhrbergbau, nicht für das
ſächſi=
ſche Kohlenrevier, vielmehr ſind die Verhandlungen hierüber
noch nicht abgeſchloſſen.
Wie das Kölner Landesfinanzamt mitteilt, hat die
Rheinland=
kommiſſion die Anwendung der 2.
Steuerwotvevord=
nung mit rückwirkender Kraft ab 1. April genehmigt.
Die „Zeit” hört, daß mit Ungültigkeitserklärung der
Reichstagswahlen in Oberſchleſien zu rechnen ſei. Die
dort von der deutſchen Wirtſchaftspartei eingereichte Liſte ſei von der
Wahlleitung zurückgewieſen worden. Die Wirtſchaftspartei habe dagegen
proteſtiert. Sollte dem Proteſt ſtattgegeben werden, ſo müßten die
geſamten Wahlen in Oberſchleſien nochmals vorgenommen werden.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskoſten (
Er=
nährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft ſich
nach den Feſtſtellungen des Statiſtiſchen Reichsamts für Mittwoch, den
4. Mai auf das 1,16b illionenfache der Vorkriegszeit.
Gegen=
über die Vorwoche (1,15 Billionen) iſt demnach eine Steigerung
von 0,9 v. H. zu verzeichnen.
Der Polizeipräſident von Berlin hat aufgrund der Verordnung
über den zivilen Ausnahmezuſtand die „Rote Fahne” nebſt ihrem
Montagsblatt „Die Rete Fahne am Montag” und das Kopfblatt „Die
Rote Fahne für die Provinz Brandenburg und die Lauſitz” vom 17. Mai
bis 14. Juni verboten.
Am Montag und Dienstag findet im Reichspoſtminiſterium
eine Konferenz ſämtlicher Präſidenten und Oberpräſidenten der
Oberpoſtdirektionen ganz Deutſchlands ſtatt, in der Fragen der
Bilanz=
aufſtellung, des Beamtenabbaues, der Verbeſſerung des
Telephonver=
kehrs, der Einziehung von Telephongebühren und der Paketbeförderung
uſw. behandelt werden.
Die neue Pariſer Kammer wird am Sonntag, 1. Juni,
nachmittags 3 Uhr, eröffnet.
Nach einer Havasmeldung aus Sofia hat der ehemalige
Miniſter=
präſident Danew in der Debatte über das Budget des Auswärtigen
ſich als überzeugter Anhänger einer weitergehenden Annäherung
zwi=
ſchen Südſlawien und Bulgarien erklärt.
Nach einer Meldung aus Konſtantinopel hat die ruſſiſche
Mo=
bilmachung in der größten Stille an der beßarabiſchen
Grenze begonnen.
Berliner Beratungen.
Das Gutachten im Reichskabinett.
Berlin, 17. Mai. Das Reichskabinett beſchäftigte ſich in
ſeiner geſtrigen Sitzung mit dem Gutachten der Sachverſtändigen
und den ſich daraus ergebenden deutſchen Geſetzesvorlagen
konnte fedoch zu keinen Beſchlüſſen kommen, da die Vorarbeiten
der Reſſorts noch nicht weit genug gediehen ſind.
Mittelparteien und Deutſchnationale.
Berlin 17. Mai. In der geſtrigen Beſprechung der
Füh=
rer der drei Mittelparteien ſind keine beſtimmten Beſchlüſſe
ge=
faßt worden. Die politiſche Lage wurde in einem Sinne
beſpro=
chen, der etwa wie folgt ſkizziert wird: Der grundlegende
Gedanke, der in den Mittelparteien vorherrſcht, geht
dahin, daß man allſeitig ein Zuſammenwirken mit den
Deutſchnationalen in der neuen Regierung für
wünſchenswert hält. Als weſentliche
Voraus=
etzung dafür wird bekannt, daß man unbedingte
Klar=
heit über den außenpolitiſchem Kurs zu haben
wünſcht, den die Deutſchnationalen verfolgen
wollen. Es iſt davon die Rede, daß die bürgerlichen
Mittel=
parteien ein außenpolikiſches Programm
aus=
arbeiten, das zur Grundlage der vorausſichtlich
bevor=
ſtehenden Verhandlungen wit den Deutſchnationalen dienen
kann. Nur eine kleine Gruppe der Demokraten ſcheint die
Ab=
ſicht zu haben, ſich an einem großen Bürgerblick nicht zu
beteili=
gen. Dieſer würde aber, da die Bayern zweifellos daran
teil=
nehmen, dann auch noch die Mehrheit haben, wenn einige
Demo=
kraten zur Oppoſition übergehen ſollten. Im Zentrum machen
ich noch gewiſſe Strömungen geltend, die einen
ausſchlaggeben=
den Einfluß der Deutſchnationalen auf die neue Regierung
ver=
mieden ſehen möchten. In der Frage des Rücktritts der
etzigen Regierung ſcheint gegenwärtig die Meinung
vor=
zuherrſchen, daß das Kabinett erſt beim Zuſammentritt des
Ple=
nums ſeine Aemter niederlegt. Die nächſte
Zuſammen=
kunft der Parteiführer der Mitte ſoll am nächſter
Montag ſtatfinden. Inzwiſchen werden die Beſprechungen
innerhalb der einzelnen Fraktionen über die gleiche Frage
fort=
geführt.
Beſprechung der Zentrumsführer.
Berlin, 17. Mai. Heute vormittag trat im Reichstag der
Parteivorſtand des Zentrums zuſammen, um ſich über die
poli=
tiſche Lage zu beſprechen. An der Beſprechung nahmen auch der
Reichskanzler und der Reichsarbeitsminiſter teil. Man
beſchäf=
tigte ſich mit der politiſchen Situation. Beſchlüſſe wurden nicht
gefaßt. Auch in der Beſprechung des Zentrumsparteivorſtandes
war man der Auffaſſung, daß erſi die Parteien in
Fraktions=
ſitzungen eingehend zu den politiſchen Fragen Stellung nehmen
müßten.
Der Herzton deutſcher Frömmigkeit.
400 Jahre evangeliſches Gefangbuch.
Von Pfarrer Theodor Knolle=Wittenberg,
Generalſekretär der Luther=Geſellſchaft.
Am heutigen Sonntag, den 18. Mai, wird, wie
be=
kanntlich, in ganz Deutſchland das vierhundertjährige Ge
dähtnis des erſten deutſchen evangeliſchen Geſangbuches
feſtlich begangen.
Karfreitag in Mendriſio, dem Schweizer Oberammergau.
Das Gebirgsſtädtchen ſtellt in ſeinen engen Gaſſen Jeſu Paſſion
zür Schau. Transparente überall, an Fenſtern und Balkonen;
Triumphbogen überwölben mit Leidensſzenen die Straßen. Am
Abend iſt’s ein großes Leuchten, überſtrahlt von den vielen
Tau=
fenden Glühlampen, die die Umriſſe der hochgelegenen mächtigen
Hathedrale an Pfeilern und Faſſade, Uhr und Glocke bis hinauf
zum Turmkreuz umſäumen. Und dann durch dieſen Lichterglanz
hindurch die Prozeſſion, in der in immer neuen Gruppen von
Männern und Frauen, Jugendlichen und Kindern, Prieſtern
und Laien, Fahnen und Symbolen die einzelnen Embleme und
Werkzeuge der Paſſion ſinnfällig umhergetragen werden. Und
doch inmitten all dieſes Aufwandes und Aufgebotes, vor all die
ſer Eindringlichkeit und Lebendigkeit religiöſer Anſchauung fehlte
uns eins die innerſte ſeeliſche Berührung mit dem ernſten
Dul=
der am Kreuz, vor deſſen erlöſender Marter alles Spiel und alle
Kunſt in Nichts zerfällt. Wir ſehnten uns nach dem Herzton der
Frömmigkeit. Wir hätten alles gerne drangegeben, wenn wir
in feiernder Gemeinde hätten ſingen können: „O Haupt voll Blut
und Wunden”.
Es iſt nicht zufällig, ſondern im Weſen des Proteſtantismus
begründet, daß Luther der neuen Gemeinde nach dem deutſchen
Neuen Teſtament als erſtes das Deutſche Geſangbuch gab. Die
Religion des Wortes als des Mittlers des geiſtigen Lebens muß
ihre Kunſt vor allem im Geſang haben. Es iſt nicht richtig, der
Reformation eine Verkürzung und Verarmung des Kultus und
der kirchlichen Kunſt zuzuſchreiben. Soviel der Prophet der
Wahrheit an Worten falſchen Scheines zerſchlagen mußte, ſovie
hat doch der Künſtler in ihm ſelbſt wieder aufgebaut im vollen
Bewußtfein des innigen Zuſammenhangs der Religion mit der
Kunſt. Das furchtbare Geſchehnis der Verbrennung der zwei
Auguſtinerinönche zu Brüſſel hat dem trotzigen Manne den Mund
geöffnet zu dem erſten „neuen Liede” Und nun ſtrömen ihm
in der lurzen Zeit vom Herbſt 1523 bis zum Frühjahr 1924 Lie=
der und Melodien in ſolcher Fülle vom Herzen, daß er mit zwei
Driteln aller ſeiner Lieder den Grundſtock eines Geſangbuches
bilden kann. Wundervoll, wie hier dem Bedürfnis der Gen=s ent
gegenkommt. Noch klingt aus ſeinen Schriften und Briefen der
Weckruf in die Lande nach „Deutſchen Poeten”, „Deutſchen
Ge=
ſängen”, „Deutſchen Pſalmen”, „Wir ſuchen aller Orten Dichter.”
Da iſt er ſelbſt ſchon der beſte Dichter geworden, deſſen Lieder
nach Uhlands Wort „aus der reichen Schöpfung Gottes tönen,
die im Herzen und in der Stimme des Menſchen wirkt‟. Nicht
nur Dichter ward er, aum Sänger, der vielen ſeiner Lieder die
Melodie erfand. In der Einheit des Singens und Sagens, von
Wort und Weiſe war er der größte aller Meiſterſinger, wie ihr
Spangenberg nannte. Aber nun auch nicht nur ſchöpferiſcher
Dichter und Sänger, ſondern gleichzeitig ordnender Sammler,
der den reichen Ertrag eines kurzen Liederfrühlings ſofort in
den Dienſt der Gemeinde ſtellte.
Das beſte Geſangbuch des Jahres 1524 hat Luther ſelbſt
herausgegeben und dabei gerade die feierliche Geſtaltung des
Gottesdienſtes durch den Geſang ins Auge gefaßt. Gleich das
Vorwort betont den innigen Zuſammenhang von Kirche und
Kunſt. „Ich bin nicht der Meinung, daß durchs Evangelium
ſollten alle Künſte zu Boden geſchlagen werden und vergehen
wie etliche Uebergeiſtliche vorgeben, ſondern ich wollte alle Künſte
fonderlich die Muſik, gerne ſehen im Dienſte des, der ſie gegeber
und geſchaffen hat.‟ Die Auswahl und Anordnung der Liede:
beſtätigt dieſen Zuſammenhang. Neben den Kampf= und Lehr
liedern nehmen die eigentlichen Feierlieder, die dem Gange des
Kirchenjahres folgen und der kultiſchen Kunſt dienen ſollen, den
bei weitem breiteſten Raum ein. Und dieſe Lieder ſind zunächſt
ür den Chor beſtimmt. Er ſoll der Gemeinde ins Herz ſingen.
Nicht ſchön und reich genug konnte dem Reformator der
Ge=
ſang ſein. Vier= und fünfſtimmig, manchmal in mehreren
Faſ=
ſungen, ließ er ihn durch den kurfürſtlichen Kapellmeiſter Johann
Walther aus Torgau ſetzen. Wie fern Luther von blindem
Puri=
tauereifer oder nüchterner Pädagogik war, zeigt die Aufnahme
lateiniſcher Lieder, deren ſchönen Klang er nicht miſſen wollte.
Was bedeutete dieſe Reform des Gottesdienſtes durch das
Geſangbuch? Max Reger, der katholiſche Komponiſt, hat
ein=
mal geſagt: „Die Proteſtanten wiſſen gar nicht, welchen
muſika=
liſchen Schatz ſie an ihren Chorälen beſitzen.” Nun, ſie wußten
es einſt, als der Weg zum Pfarramt häufig über das Kantorat
führte, als der Kantor in den Lateinſchulen unmittelbar dem
Rektor im Range nachgeordnet war, als jede Stadt ihre Kantorei
Rummer 138.
Der Schiedsſpruch im Bergbau
abgelehnt.
Die Revierkonferenz der Bergarbeiter.
Eſſen, 17. Mai. Wie der alte Bergarbeiterverband mitt
teilt, haben der Verband der Bergarbeiter Deutſchlands und der
Gewerkverein chriſtlicher Bergarbeiter den geſtern in Berlin ge
fällten Schiedsſpruch einſtimmig abgelehnt.
Erregung bei den Chriſtlichen Bergarbeitern.
Bochum, 17. Mai. Die am 17. Mai in Bochum tagende av
G.=V. des Gewerkſchaftvereins Chriſtlicher Bergarbeite
Deutſchlands für das Ruhrgebiet nahm nach ganz kurzer Beratun
folgende Entſchließung einſtimmig an: Der in Berlin gefällt=
Schiedsſpruch zur Ausſperrung im Ruhrbergbau hat i der
Ge=
werkſchaft eine ungeheure Entrüſtung und Erregun
hervorgerufen. Den Manteltarif nehmen wir mi
den vorgeſehenen Aenderungen an. Das Ueberarbeitsab
kommen lehnen wir ab, da nicht mehr von Ueberarbeit, ſon
dern von Mehrarbeit geſprochen wird. Ferner kann kein Menſch der
Bergleuten zumuten, ungefähr ein Jahr lang Ueberarbeit ohne jeds
Vergütung zu leiſten. Auch die Verlängerung der
Arbeits=
zeit für Kokereiarbeiter, die nach dem Schiedsſpruch vor
28. April auf wöchentlich 56 Stunden herabgeſetzt war und durch den
neuen Schiedsſpruch auf 65 Arbeitsſtunden verlängert worden iſt, i
für uns nicht annehmbar. Die im Ueberarbeitsabkommen feſt
geſetzte Friſt iſt entſchieden zu lang und bedeutet eine weitere
Verſchlech=
terung des am 28. April gefällten Schiedsſpruchs. Außerder
fehlt im Berliner Schiedsſpruch eine befriedi
gende Regelung der Lohnfrage. Es iſt auch im Schieds
ſpruch keine Maßnahme getroffen, die ausgeſperrten Bergarbeiter vor
Maßnahmen ſcharfmacheriſcher Unternehmer zu ſchützen. Wir ſind
be=
reit, Ueberarbeit aus volkswirtſchaftlichen Gründen zu leiſten, wenn ſie
als ſolche anerkannt und bewertet wird. Auch ſind wir nach wie vo
entſchloſſen, die auf Grund des Tarifvertrages und der Arbeitsordnung
feſtgelegte Arbeitszeit anzunehmen und demzufolge unſere Arbeit zu
verrichten. Darum fordern wir die Bergwerksunternehmer auf, die
Ausſperrung aufzuheben und die Betriebe wieder zu öffnen. An di
Regierung und die parlamentariſche Vertretung de
deutſchen Volkes richten wir das dringende Erſuchen
die Unternehmer evtl. zur Eröffnung ihrer
Be=
triebe zu zwingen, damit die große Kataſtrophe von unſeren
Volke abgewendet wird.
Ein Teſegramm an den Reichskanzler.
Bochum, 17. Mai. Die vier Bergarbeiterver
bände traten nach der Revierkonferenz zu einer Beſprechung
zuſammen, in der beſchloſſen wurde, folgendes Telegramm
an den Reichskanzler zu ſenden:
Bergarbeiterkonferenz hat Schiedsſpruch betreffs
Manteltarif angenommen, Mehrarbei
einſtimmig abgelehnt, weil kein beſonderer
Lohn=
zuſchlag vorgeſehen. Lohnerhöhung ſowie
Drei=
ſchichtenfyſtem für durchgehende Betriebe wurde ab.
gelehnt.
Die Aufnahme der Ablehnung in Berlin.
Berlin, 17. Mak. Die ablehnende Haltung ſowohl de=
Verbandes der Chriſtlichen Bergarbeiter als auch des Alte
ſozialdemokratiſchen Bergarbeiterverbandes hat in
hieſigen politiſchen, wirtſchaftlichen und auch gewerkſchaftlichen Kreiſen
ſtarkes Aufſehen erregt. Man war ſich in Kreiſen der Betei
ligten auf Grund des Verlaufes der Verhandlungen darüber im Klaren,
daß die Annahme des unter großen Schwierigkeiten zuſtande gekommener
Schiedsſpruches auf beiden Seiten auf ſehr erhebliche Schwierigkeiter
ſtoßen werde, dorh hatte man immerhin nicht erwartet, daß die Stellung
nahme der Bergarbeiterverbände, darunter beſonders des Chriſtlichen
Verbandes, ſo ſchroff ausfallen würde, wie dies nun der Fall iſt. Fü
das Schiedsſpruchverfahren waren alle Vorkehrungen getroffen, um ei
unparteiliches Verfahren bis zum Schluß durchzuführen. Wie wir zu
verläſſig erfahren, iſt der von dem Reichsarbeitsminiſterium bei den
Ver=
handlungen vorgeſchlagene unparteiiſche Präſident Hausmann von beiden
Seiten als der geeignete Mann anerkannt und ſeiner Ernennung zuge
ſtimmt worden. Der von Arbeitgeberſeite als zweiter Unparteiiſche g
nannte Miniſterialdirektor Kralck und der von Arbeitnehmerſeite
vor=
geſchlagene Direktor vom Reichskohlenrat, Löffler, haben in vorbildliche
Weiſe ihres Amtes gewaltet. Dem Schiedsgerichtshof gehörten von be
den Seiten je 5 Beiſitzer an, ſodaß die Standpunkte beider Seiten inne
halb der dreitägigen Verhandlungen rückhaltlos zum Ausdruck kommer
konnten. Auf der anderen Seite iſt nicht zu verkennen, daß das
Frage ſtehende Problem das ſchwierigſte iſt, was in der Nachkriegsze
auf ſozialem Gebiet zur Löſung gebracht werden mußte. Es ſpielen
hier ſoziale, gewerkſchaftliche, auch ſtarke außen= und innenpolitiſche
Fra=
gen und vor allem Fragen der finanziellen Tragfähigkeit der deutſo
Unternehmer mit, wie ſie in dieſer unlösbaren Verknüpfung nur ſelt
auftreten. Daß hierbei nicht ohne weiteres eine beide Teile befriedigende
Löſung geſchaffen werden konnte, verſteht ſich von ſelbſt. Der
Schieds=
ſpruch ſelbſt iſt in ſeiner Geſamtheit von dem ganzen eingeſetzten Schieds
gericht beſchloſſen, in ſeinen Einzelheiten mit wechſelnder Majorität
feſt=
gelegt worden.
und Kurrende hatte. Sie wußten es, als ein Joh. Seb. Bad
ſeine Kantaten auf dem Choral aufbaute und ſeine Paſſions
muſiken aus kunſtvollſter dramatiſcher Geſtaltung immer wieder
in die unendliche ſchlichte Tiefe des Chorals einmünden ließ. Sie
wußten es, wenn mitten in den Schreckniſſen des dreißigjährigen
Krieges der Choral eine neue Blüte erlebte, wenn insbeſondere
ein Paul Gerhardt das tiefverwundete Vaterland durch ſeine
echten und innigen Volkslieder aufrichtete. Sie wußten es, wenn
in der Zeit des Pietismus „Die Stillen im Lande” einen neuen
Liederfrühling erlebten, wenn Graf Zinzendorf ſeine künſtleriſche
Begabung in vielen Liedern den ſchlichten Feiern der Bruder
gemeinde dienen ließ, wenn der rheiniſche Bandwirker
Ter=
fteegen in ſeinem „Blumengärtlein” den reformierten Kreiſen
Lieder ungemein zarter lyriſcher Myſtik bot. Auf allen
Höhen=
punkten evangeliſcher Kirchengeſchichte triumphierte der Choral.
Erſt die Aufklärungszeit hat mit ihrer nüchternen und
ver=
ſtandesmäßigen Einſtellung die Choralpoeſie zurückgedrängt und
die Ausgeſtaltung des gottesdienſtlichen Lebens durch ihn
ge=
hemmt. Was damals verloren ging, iſt bisher noch nicht wieder
eingeholt worden. Heute wiſſen allerdings die meiſten
Prote=
ſtanten nicht, was ſie am Choral haben, nicht nur nach ſeinem
muſikaliſchen, auch nach ſeinem religiöſen und gottesdienſtlichen
Werte.
Und wenn nun heute aus der Zerriſſenheit unſeres modernen
Lebens der ſehnſüchtige Ruf nach Feier und Anbetung, nach
Stille und Weihe in den evangeliſchen Gottesdienſten laut wird,
wenn man Reformen in der Liturgie verlangt, Kultus und Kunſt
wieder in engere Beziehung zu einander bringen will, dann ſollte
man in erſter Linie auf den unendlich reichen Schatz des evange
liſchen Geſangbuches zurückgreifen, und aus ihm die Elemente
heben, die — dem Weſen proteſtantiſcher Kirchenmuſik entſpre
chend — die beſte Gewähr für eine feiernde Vertiefung des
Gotesdienſtes bieten. Nicht die römiſche Meſſe, nicht indiſche
Kulte können uns Vorbild ſein ,der evangeliſche Choral in der
ganzen breiten Fülle ſeiner Harmonien, in der tiefen Stille
ſei=
ner Glaubenserfahrungen ausgeſchöpft und in unſere Liturgie
hineingeſtellt, wird Wunder der Erneuerung unſerer
Gottes=
dienfte tun und uns zu Feierſtunden verhelfen, die dem tiefſten
Sehnen unſeres Geſchlechtes entſprechen und ihm zu einer
wahr=
haft proteſtantiſchen Erbauung verhelfen.
Luther gab der Gemeinde unmittelbar nach dem Neuen
Teſtamente das Geſangbuch, Bibel und Choral — ſie bilden auch
heute die Säulen der Kirchenxeform und Kultuserneuerung.
Nummer 138.
* Regenwolken am Welfenhimmel.
Zur beutigen Vorabſimmung in Hannover.
Von
Siegfried Doerſchlag.
Lüneburg, 15. Mai.
Ihren roſenroten Optimismus haben die Welfen nach dem
Ausgang der Reichstagswahlen verloren. Trotz allem inneren
Sträuben beginnt doch auch in den welfiſch geſinnten Maſſen die
Erkenntnis aufzudämmern, daß die Werbearbeit und der ganze
Abſtimmungsrummel umſonſt geweſen iſt. Statt Stimmen zu
gewinnen, haben ſie im Verhältnis zu den letzten Wahlen
Reichstagswahl im Juni 1920 und Preußenwahl im Februar
1921) Stimmen verloren. Dazu gerade in jenen Kreiſen, die ſie
für ihre Domänen hielten. Schon heute will daher ſcheinen,
als ob das zum Erfolg der Vorabſtimmung und ſomit zur
Vor=
nahme der Hauptabſtimmung erforderliche Drittel der Stimmen
aller Wahlberechtigten nicht erreicht werden wird. In einem
aber fand ich alle Gegner und alle Befürworter des
Abſtim=
mungsantrages, welchen Parteien ſie immer angehören mochten,
einig: im Wunſche, daß bei einem Erfolg der Vorabſtimmung
die Hauptabſtimmung unverzüglich vorgenommen werden müſſe
und nicht erſt nach Ablauf langer Wochen oder Monate.
Wer Lage und Stimmungen kennt, wird dieſen Wunſch der
Bevölkerung begreiflich finden. Das Gegeneinander im
Wahl=
kampf, das ſchwere Geſchütz, das die Agitation aufgefahren hat,
die gegenſeitige Verhetzung in Wort und Schrift, im offenen
Wahlkampf und in der Werbearbeit von Haus zu Haus hat in
der Bevölkerung eine ſo feindſelige Stimmung geſchaffen, daß
Familienleben, Erwerbsleben, Zutunftspläne uſw. durch
Ent=
remdung und durch Ungewißheit der Lage getrübt worden ſind.
Im Kreiſe alteingeſeſſener hannoverſcher Adelsfamilien hat es
benſo wie im Kreiſe niederſächſiſcher Bürgerfamilien infolge
der gegenſätzlichen Meinungen über die Frage: Freiſtaat oder
preußiſche Provinz? Konflikte gegeben. Redner und Zeitungen
beleidigen ſich gegenſeitig. Jede der beiden Parteien behauptet,
mit ihrer Politik allein dem Vaterlande dienlich zu ſein.
Metho=
den und Durchführung des Abſtimungskampfes ſind oft geſchmack
los. Die Welfen appellieren an die Heimatsliebe und
Heimats=
treue der Bevölkerung. „Verräter” nennen ſie die, die nicht für
die Verſelbſtändigung Niederſachſens ſind. Jede Gegenäußerung
wird als „beſtellte Mache”, als „von Noske bezahlte Arbeit”
hin=
geſtellt. So iſt es trotz der leidenſcha tlichen Art der
Nieder=
achſen ſchon zu Tätlichkeiten und zu Verſammlungsſprengungen
gekommen. Wie die Völkiſchen, ſo entſenden auch die Deutſch=
Hannoveraner (Welfen) ihre Stoßtrupps und
Sprengkomman=
dos in die Verſammlungen.
Den Welfen ſtehen zur Durchführung ihrer Wahlarbeit
offenkar reichlichere Mittel zur Verfügung als den
preußen=
treuen Parteien. In allen Dörfern kleben die Welfenplakate,
täglich bringt die geſamte hannöverſche Provinzpreſſe welfiſche
Werbeanzeigen und Verſammlungsanzeigen welfiſcher
Ver=
ſammlungen. Die Welfenredner fahren im Auto im Lande
um=
her — die preußentreuen Parteien ſind weſentlich ſparſamer.
Die Welfen veranſtalten öffentliche Sammlungen, obwohl dieſe
nicht genehmigt ſind, und ſchreien Zeter und Mord, wenn ein
preußiſcher Landrat oder ein Bürgermeiſter dieſe zur
Bekämp=
fung ſeines Staates und ſeiner Behörde geſammelten Mittel
konfiszieren läßt. Mitunter hat dieſe welfiſche Werbetätigkeit
zur Sammlung von Propagandamitteln etwas geradezu
Rüh=
rendes an ſich.
Für die Deutſch=Hannoveraner war die wichtigſte
Perſön=
lichkeit in ihrem Abſtimmungskampf der Reichstagsabgeordnete
Graf Bernſtorff=Wehningen. Er zog und zieht noch wie ein
Parteiſekretär von Ort zu Ort und ſpricht allabendlich in einer
anderen Stadt oder anderem Dorf. Er genießt in beſonderem
Maße das Vertrauen der Landbevölkerung. Sein plötzlicher
Mandatsverzicht zugunſten des Schneidermeiſters Siewers iſt
überraſchend gekommen und hat auf die welfiſch geſinnte
Land=
bevölkerung nicht günſtig gewirkt. Vielfach wird ſein
Mandats=
rücktritt als Zeichen dafür betrachtet, daß die Deutſch=
Hanno=
veraner ihre Sache als verloren anſehen. Hätten die Welfen
noch andere Redner von der Qualität und Art des Grafen
Bern=
ſtorff gehabt (und nicht hetzeriſche Agitatoren, ſtreitbare,
radau=
luftige Paſtöre, die ſich als Agitatoren ſehr unchriftlich benehmen,
Phantaſten u. a. m.) — um ihre Sache ſtünde es weſentlich
gün=
ſtiger. Ihre Agitation hat den Fehler gemacht, anſtatt poſitiv
zu ſein, ſich mit negativer Kritik, Beſchimpfungen des Oberpräſi
denten Noske, der „verjudeten” Berliner Regierung,
Verun=
glimpfungen aller, die nicht welfiſch geſinnt ſind, zu beſchäftigen.
Werbearbeit aber darf nicht in Miesmacherei ausarten. Auch
nicht in ſinnloſe Verhetzung. Das aber war der Kardinalfehler
der Welfenpropaganda. Nur Dr. Graf Bernſtorff hat ihn
ver=
mieden.
Nicht überall ſind Parteien=Arbeitsgemeinſchaften gegen die
deutſch=hannoverſchen Loslöſungsbeſtrebungen zuſtande
gekom=
men. Im allgemeinen finden wir aber doch ein in der
Ableh=
tung der Welfenforderung einiges Zuſammenwirken aller
Par=
teien, von der S. P. D. bis zu den Deutſchvölkiſchen. Endlich
einmal kochen die Parteien nicht mehr ihre Parteiſuppen,
ſon=
dern laſſen ihre Redner für deutſche Einheit ſprechen, für ein
ſtarkes Preußen und damit für ein ungeſchwächtes Reich. Das
iſt ſo ziemlich das einzig Erfreuliche an dieſem
Abſtimmungs=
kampf.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924.
Seite B.
Bebel und der Kronprinz und andere, die von den welfiſchen
Loslöſungsbeſtrebungen durchaus nichts wiſſen wollten, ſind von
der welfiſchen Agitation ſkrupellos als Kronzeugen für den
Föde=
alismus zitiert worden. Der Kronprinz hat ſich energiſch gegen
die ihm gemachten Unterſtellungen verwahrt. Im ganzen
Ab=
ſtimmungsgebiet wimmelt es von Erklärungen und Aufrufen.
Ein bei der Landbevölkerung populärer Oekonomierat, Hinke=
Oetzfelde, hat ſoeben einen Aufruf für die Welfen erlaſſen. Bei
meinem Beſuch des Führers der Deutſchnationalen im Bezirk
Lüneburg, dem Staatsſekretär a. D. Heinrichs, finde ich dieſen
bereits mit Abfaſſung eines Gegenaufrufs beſchäftigt . . . ſo folgt
hier Schlag auf Schlag.
Im ſogenannten „Wendland” im Kreiſe Dannenberg (dem
öſtlichſten Grenzkreiſe des Plebiszitgebiets, deſſen Bevölkerung
ſehr welfiſch geſinnt iſt) begegne ich einem Bäuerlein, das
an=
dächtig den Wahlaufruf des Herrn Oekonomierats Hinke ſtudiert.
Sein Nachbar fragt den Bauer, ob er den Aufruf dieſes Herrn
Hinke befolgen wird. Darauf im ſchönſten niederſächſiſchen Platt,
und indem das Bäuerlein auf den als Plakat angeſchlagenen
Mahnbrief Hindenburgs zeigt: „Nö . . . de olle Hindenburg hav
ſägt, wi ſollen Preußen bleiben. Un e wird all recht han.”
Mahnung Hindenburgs an die Hannoveraner.
Berlin, 17. Mai. Die „Deutſche Tageszeitung” und die
„Kreuzzeitung” veröffentlichen im Fakſimile eine Mahnung
Hindenburgs an die Hannoveraner, in der es heißt:
Preußen iſt, wie die Geſchichte und der Blick auf die Karte lehrt,
das Rückgrat Deutſchlands. Wer die Not der Jetztzeit dazu
ausnutzen will, Preußen zu ſchwächen, vergeht ſich daher am
ganzen deutſchen Vaterland, und muß die Verantwortung für
alle Folgen dieſes Schrittes tragen. Ich hoffe aber feſt, daß am
18. Mai das deutſche Nationalbewußtſein uns von einem ſolchen
Fehltritt bewahren wird.
Die Entwicklung des Arbeitsmarktes.
Zunahme der Beſchäftigung unter erſchwerten
wirtſchaftlichen Bedingungen.
Berlin, 17. Mai. In den letzten Wochen hat ſich die allmähliche
Zunahme der Beſchäftigung in den meiſten
Indu=
ſtrien fortgeſetzt, doch vollzog ſich der
Geſchäfts=
gang unter erſchwerten wirtſchaftlichen
Bedingun=
gen. Die Berichte der Handelskammern, der wirtſchaftlichen
Fachver=
bände und der Landesämter für die Arbeitsvermittlung ſowie die
beſon=
deren Meldungen von rund 2000 einzelnen Induſtriebetrieben über die
allgemeine wirtſchaftliche Lage zeigen deutlch, daß bei den derzeitigen
Bedingungen der deutſchen Volkswirtſchaft die füngſte günſtigere
Ent=
wicklung des Arbeitsmarktes eine beſſere Wirtſchaftslage nicht
ohne weiteres beweiſt. Durch das diesjährige ſpäte C nſetzen der
Früh=
jahrsmitterung vermochte die Landwirtſchaft und zune auch das
Bau=
gewerbe den deutſchen Arbeitsmarkt im April ſtärt uls in den
Vor=
nonaten zu entlaſten. In den meiſten Zweigen der Induſtrie ſteigerte
ſich zwar im April und Mai der Auftragseingang noch weiter, aber
gleichzeitig mehrten ſich auch die ungünſtigen Anzeichen der
wirtſchaftlichen Lage. Die Zahlungseingange wurden
ſchlechter; die Reichsbank mußte die Kreditgewährung
einſchränken (7. April). Damit wurde die Nachfrage nach
Kredit bei den privaten Geldgebern dringlicher und die
Kre=
ditſätze erhöhten ſich weiter. Hinzu kam für viele
Induſtrie=
zweige eine Zunahme der Geſtehungskoſten infolge der
Verteuerung der Rohſtoffe und der Halbfabrikate.
Vor allem konnte ſich die ſchwere Gefahr, welche der deutſchen
Volkswirt=
ſchaft aus den dauernden hohen Aufwendungen für die Einfuhr erwächſt,
im April nicht mindern, weil ſich der Auslandsabſatz auch in den letzten
Nonaten nicht beſſerte. Der Kapitalmangel wirkte ſich beſonders in der
Metall=, Maſchinen= und Textilinduſtrie dahin aus, daß vielfach im
Er=
teilen neuer Aufträge zurückgehalten wurde. Ein völliger Wandel
be=
finnt ſich zu vollziehen. Der Unternehmer ſtellt nicht mehr wie früher
in Zeiten lebhaſteren Geſchäftsganges ſpätere Liefertermine, ſondern
ſetzt ſie weſentlich kürzer feſt, um einen ſchnelleren Kapitalumſchlag zu
erzi len. Der Produktionsprozeß wird zum Teil durch die vermehrte
Einſtellung von Arbeitskräften beſchleunigt. (Im Maſchſinenbau betrug
die Zunahme der Beſchäftigten im April gegen den Vormonat 4 Prozent.)
Umgekehrt verſuchen die Beſteller die Abnahme wie die Zahlungstermine
hinauszuſchieben und widerrufen ſelbſt erteilte Beſtellungen, wie jetzt
zum Teil in der Textilinduſtrie. Es muß unter allen dieſen Umſtänden
vorſichtig bewertet werden, wenn die Zahl der unterſtützten Erwerbsloſen
vom 15. April bis zum 1. Mai im unbeſetzten Gebiet neuerdings eine
nicht unerhebliche Abnahme, nämlich von rund 470000 auf 307 000,
er=
fahren hat."
Kundgebung der Ausgewieſenen.
Berlin, 17. Mai. Der Reichsverband der
Aus=
ewieſenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr erläßt
folgende Kundgebung:
Die am Fuße des Otzberg verſammelten Mitglieder
des Reichsverbandes der Ausgewieſenen und Verdrängten von
Rhein und Ruhr ſtellen vor aller Welt feſt, daß über 130000
wegen Erfüllung ihrer vaterländiſchen Pflichten von Haus und
Hof Vertriebene nach Jahr und Tag noch immer von der Heima
verbannt ſind und daß über 1200 Gefangene aus gleichem Grunde
in Gefängniſſen ſchmachten, obgleich der paſſive Widerſtand von
der geſamten Bevölkerung des beſetzten Gebietes längſt
aufge=
geben iſt. Sie fordern die geſamte geſittete Welt auf
dahin zu wirken, daß die Ausgewieſenen in ihre Heimat
und Wohnſtätten ſowie zu ihrer Berufstätigkeit zurückkehren
können und die Gefangenen freigelaſſen werden.
Beneſch in Rom.
Erklärungen über die künftigen Beziehungen
zwiſchen Italien und der Tſchechoſlowakei.
Rom, 17. Mai. (Wolff.) Bei einem Empfang der
Preſſe=
vertreter erklärte der tſchechiſche Außenminiſter Beneſch, bereits
im Auguſt 1923 habe ſich bei der Zuſammenkunft mit
Muſſo=
lini gezeigt, daß in den beiderſeitigen Geſichtspunkten ein herzliches
Einvernehmen beſtand, weil ihnen die Aufrechterhaltung des Friedens in
Mitteleuropa, die gewiſſenhafte Beachtung der Verträge und die immer
herzlichere und tiefere Beſſerung der Beziehungen zwiſchen Italien und
der Tſchechoſlowakei zu Grunde lagen. Der Miniſter fuhr fort: „Ich
lege Wert darauf, für die öffentliche Meinung in Italien feſtzuſtellen,
daß die Haltung der Tſchechoſlowakei immer
grad=
inig und gleichartig geweſen iſt. Unſere von freundſchaftlichen
Gefühlen für Italien geleitete Politik hat niemals Abweichungen oder
Schwankungen erfahren. Seit Auguſt iſt dann ein neues und glückliches
Ereignis für Italien und die Tſchechoſlowakei eingetreten, nämlich die
endgültige Regelung der adriatiſchen Frage und der
Freundſchaftsvertrag zwiſchen Italien und
Süd=
lawien. Ich bin darüber ſehr glücklich, weil ich immer den Wunſch
gehabt habe, daß dieſe unmittelbare und herzliche Verbindung zuſtande
käme, und ich würde mich ſehr freuen, wenn auch die
Tſchechoflo=
wakei der italieniſch=ſüdſlawiſchen Entente
bei=
treten könnte. Ich werde mit Muſſolini über die
poli=
hiſchen und wirtſchaftlichen Argumente ſprechen.
Die politiſchen Fragen können in vier Punkte zuſammengefaßt
wer=
den, und zwar ſind dies
Die politiſchen Fragen können in 4 Punkte zuſammengefaßt werden.
2. Aufrechterhaltung der Ordnung in
Mittel=
europa, zu der wir unſererſeits durch eine immer größere
Verbeſſe=
rung der Beziehungen zu unſeren Nachbarn beitragen werden,
3. müßten für den Fall, daß ſich in Zukunft
Meinungsverſchieden=
heiten oder Schwierigkeiten ergeben, Italien und die
Tſchecho=
lowakai von jetzt ab gewiſſe Abmachungen treffen, nach
denen beide Mächte, und zwar jede in ihrer Sphäre, gemeinſam an der
Beilegung der Schwierigkeiten arbeiten, die etwa den Frieden nach dem
Geiſt der Verträge und Ordnung in Zentrale ſtören könnten,
4. hat die Tſchechoſlowakei gegenwär wo der
Freundſchafts=
vertrag zwiſchen Italien und Südſlawien eine vouendete Tatſache
gewor=
den iſt, als Verbündeter Südſlawiens und als Freund
Italiens den Wunſch, dieſer Verbindung durch ein
italieniſch=
tſchechoſlowakiſches Abkommen beizutreten in einer
ſolchen Form und ſolchen Modalitäten, die am paſſendſten und
zweck=
mäßigſten erſcheinen werden.
In Beantwortung einer Anfrage erklärte Beneſch dann, die
Tfchecho=
ſlowakei habe kein Intereſſe an den von Italien und Frankreich
getroffe=
nen Abmachungen, und Italien könne ſich auch nicht für ein
Sonderab=
kommen zwiſchen der Tſchechoſlowakei und Fraukreich intereſſieren, daß ſich
zuf eine andere Axt von Problemen, die durch die deutſche Frage
be=
herrſcht werden, bezieht. Schließlich erklärte der Miniſter, er beabſichtige,
die Frage des Handels und der Eiſenbahnen zwiſchen
Trieſt und der Tſchechoſlowakei endgültig zu regeln,
ferner die Frage der Kriegsſchulden der
Tſchecho=
lowakei an Italien für die Aufſtellung der tſchechoſlowakiſchen
Legionen, rnd einige wirtſchaftliche Rohſtoffragen.
Die Kriſe innerhalb der fasziſiiſchen Partei.
* Rom 17. Mai. (Priv.=Tel.) Die Rückkehr des
Miniſter=
präſidenten Muſſolini von ſeiner Sizilienreiſe nach Rom wurde,
wie nurmehr feſtſteht, nicht nur dadurch veranlaßt, daß er in
dieſen Tagen ſeine ſchon längſt beſchloſſene Zuſammenkunft mit
den belgiſchen Miniftern Theunis und Hymans abhalten werde
und daß er der Eröffnung der internationalen Auswanderer=
Konferenz in Rom beiwohnen wollte, ſondern auch durch
ge=
wiſſe Vorgänge in der fasziſtiſchen Partei, die
von den italieniſchen Blättern mit großem Intereſſe kommentiert
werden. Es handelt ſich um eine ſogenannte
Revi=
ſionsbewegung innerhalb der fasziſtiſchen Partei. Dieſe
Reviſion ſoll ſich nicht nur auf das Programm der Partei
be=
ziehen, ſondern auch auf die Perſonenvertretung der Partei in
der Regierung, gegen die von einflußreicher Seite nunmehr
Intriguen geſponnen werden. Es erſcheint nicht
ausge=
ſchloſſen, daß dieſe Bewegung eine ſolche Stoßkraft bekommen
wird, daß in allerkürzeſter Zeit auch mit einer Kriſe im
Ka=
binertt Muſſolini und vor allem mit dem Rücktritt des
gegenwärtigen Finanzminiſters Stefani gerechnet
wer=
den muß, gegen den ſich dieſe Umtriebe in erſter Linie richten.
Zu den Angriffen auf dieſen vertrauten Mitarbeiter Muſſolinis
müſſen ſowohl politiſche als auch wirtſchaftliche Gründe
her=
halten. Das amtliche Organ der Fasziſten, der „Populari
d’Ita=
lia”, ſpricht von einer Afronde innerhalb der Reihen der Partei.
Ueber die geradezu wilde und leidenſchaftliche
Kam=
pagne gegen den Finanzminiſter herrſcht auch in
nichtfasziſtiſchen Kreiſen und unter den politiſchen Gegnern des
Stefani Verwunderung und Ueberraſchung. Als Sprachrohr der
öffentlichen Meinung gegenüber, dieſen Ereigniſſen gibt das
„Giornale d’Italia” ſeiner Auffaſſung dahingehend Ausdruck, daß
ein derartig heftiger Kampf gegen einen der hervorragendſten
Miniſter ſachlich unverſtändlich ſein muß. Aus dem Umſtande,
daß der Miniſterpräſident Muſſolini ſelbſt kurz vor den
italie=
niſchen Wahlen der großen finanzpolitiſchen Rede von Stefani
in Mailand beigewohnt habe, ſei doch wohl anzunehmen, ſo
ſchreibt das Blatt, daß Muſſolini mit ſeinen Geſichtspunkten und
Richtlinien durchaus einverſtanden ſei. — Im Zuſammenhang
damit erſcheint auch die Tatſache von Bedeutung, daß der
Generaldirektor der Bank von Italien, Stringer,
der Regierung den Wunſch mitgeteilt hat, die Leitung der Bank
endlich dem ſtaatlichen Einfluß zu entziehen.
* Zum Tode Emanuel Reichers.
Mitten aus ſchaffensfreudigen Zukunftsplänen rief am 15.
Mai ein Herzſchlag den Mitſchöpfer jener letzten großen Epoche
des deutſchen Theaters ab, die wir angeſichts der Armut des
gegenwärtigen Zuſtandes faſt ſchon als klaſſiſch empfinden. Wohl
war er Mitbegründer und Verkünder der naturaliſtiſchen Theorie.
Wie er ſie auffaßte, zeigt ein Paſſus in einem Brief an Hermann
Bahr, in dem es heißt: „Die moderne Stimmung will —
Wahr=
heit des Ausdrucks — die Illuſion wirklicher Menſchen,
Men=
ſchen, mit denen wir leben, ſo daß wir ſie erkennen, ſo daß wir
glauben müſſen, ihnen ſchon einmal begegnet zu ſein; — dazu
hilft uns der Naturalismus, indem er uns das Pathos
abge=
wöhnt und die Schauſpielkunſt wieder auf die gefunden Beine
der Natürlichkeit ſtellt.” Aber Reicher war nicht nur Schöpfer
der Theorie, ſondern auch Herr ihrer Geſetze, und ſeine eminente
Vitalität verhinderte glücklicherweiſe, daß er in theoretiſcher
Gebundenheit erſtarrte. So reifte er mit den Dichtern und den
Ideen ſeiner Zeit und „verkörperte” nicht nur die ſtärkſten und
ausdrucksvollſten Geſtalten Ibſens und Hauptmanns als einer
der Erſten, ſondern gab ihnen das Leben und den Geiſt, der ſie
zum Ferment einer Entwicklung werden ließ, deren Früchte wir
angeſichts des troſtloſen Tiefſtandes der gegenwärtigen
Produk=
tion bereits faſt als klaſſiſch anzuſehen uns gewöhnt haben.
Seine wahrhaftige Menſchlichkeit ſchuf die Brücke, auf der das
Kulturgewiſſen der letzten Jahrzehnte den Abgrund überſchritt,
der zwiſchen der ſtupiden Verketzerung erſtmaliger Geſtaltungen
Hauptmannſcher und Ibſenſcher Menſchen und der ernſten
Er=
chütterung liegt, mit der auch uns die Vergegenwärtigung der
dort zuerſt geſtellten Probleme immer noch packt.
Sein geſtalteriſcher Elan zwang ihn, ſeinen Wirkungskreis
zu erweitern. Dazu gründete er in Berlin eine „Theaterſchule‟
in der er viel von ſeinen Abſichten und Erfahrungen weiter geben
und fruchtbar machen konnte. Eben jetzt war er aus Amerika
heimgekehrt, vollk von Plänen, demnächſt dorthin zurückzukehren
und für deutſche Kunſt und Weſen in Amerika zu wirken. So
hat ihn der Tod überraſcht, ehe noch ſeine Kraft und
Schaffens=
freudigkeit abzublühen begann und in dem Bewußtſein eines
erfüllten und reichen Lebens, deſſen Reichtum die beſten
künſt=
leriſchen Erlebniſſe unſerer Jugendjahre zu bezeugen fortfahren
werden,
* Mai=Schöpfung.
Von Anton Hartmann.
Die Sonne, die am Maimorgen die Himmelsdecke durchbricht,
refreut und ſegnet mit liebender Obhut die nach Liebe
ſtürmen=
den Menſchenkinder. Im Aether findet das Auge ein Aufleuchten
chöner Farben, die träumend erwacht ſind. Herzen, die Ruhe
in ſich gefunden, dürſten nach Farbenſchönheiten, die gleich vielen
tanzenden Gebirgsquellen zur Erfriſchung einladen. Keine
haſ=
ſende Gefahr ſchlummert in den Naturtiefen, die vorhanden, um
das Leben aller Menſchen zu verſchönern.
Menſchen, die in der Maienzeit, an der Wirklichkeit der
Naturſchönheiten zweifeln, müſſen trotz Zweifel an ihre
Schön=
heit glauben, weil auf allen Gipfeln, Höhen und in Straßen
eine allumfaſſende Farbenſchönheit ihren Thron erbaut, auf dem
ſie die Erlebniſſe ſchöner Tage veredelt. Die Frühlings=Geſtalten
des Natur=Eros, die die Naturſchönheiten geboren, ſind uns
fremd, wenn wir ihre Blütenpracht und Farbenherrlichkeiten im
Schoße des Naturalls, in dem wir leben, nicht ſehen können.
Augen darben im Dunkel, weil ihr Blick Farbenſonnen geſucht,
ohne eine Sehnſucht nach ihnen gehabt zu haben.
Maimorgen — Maigeſang — Maiduft — Mailuft!
Mai=
trank, der geſchöpft von reinen Mädchenhänden aus den im
Sonnengold ſich aufbäumenden Felſenquellen, die genährt von
Mairegenkügelchen, löſcht den Jünglingsdurſt. Maiwaſſerwellen,
die den Menſchen ihre Türen, Fenſter und Schlöſſer erbrachen
erlaben die aus der Einſamkeit des Winters Befreiten mit kühlen
Getränken, die als Schöpfungsſaft in den Blumenſtengeln
wan=
dern. Alles freut ſich, ſogar die Luft, der doch alles einerlei ſein
müßte und die in den Wintermonaten unſere Fenſterſcheiben
mit Blumen und Märchenrieſen bemalte, um dadurch den Leben
ſuchenden Augen den Ausblick zu verſperren. Es freut ſich die
Braut auf den Hochzeits=Einzug des Bräutigams, und die
Tier=
lein, Pflanzentöchter und Eichenmänner freuen ſich auf die
Heimkehr der in weiten Welten, über weit ausgedehnten Meeren
wohnenden Maikäferfamilien, denen die Königsmutter Natur
ein Veilchenſchlößlein, mit roten Roſenziegeln, im blühenden
Lilienreich auf ſchwebenden Morgentaufalten erbauen ließ. Die
Farben=Orgeln der in Sonnen lebenden Himmel ermuntern mit
ihren zartgeſtimmten Tonverſchiedenheiten die auf Felſen ſitzende
und in Felſenſchluchten hineinglotzende Trauer. Herzen ſuchen
Herzen, mit denen ſie ſich im Schatten der Maibirken verſtehen
und liebend erkennen lernen.
Die neugeborene, bei ihrer Geburt wachgewordene Liebe
vieler Menſchen klopft leiſe, aber noch unerfahren, an das noch
in ſeinem Liebesgeburtsſchlaf träumende Herzlein an. Wach
ge=
worden, ſehen, ſoweit das ſich entfaltende Auge ſehen kann, die
Liebesblicke, die durch die Liebe der Maiſonnen ſehend geworden,
in die ſie liebenden Augentiefen hinein. Feuer brennt da, wo
man Feuer liebt. Schatten bleiben vor den Helligkeiten ſolcher
Feuerflammen ein in das Nichts zerfallendes Nichts. Nirgends
Frieden und Freude — nur in der in uns wachgewordenen
Liebe. Glückſeligkeiten der Maimorgenſtille ſind Kronen, die
man in der Frühlingsftille findet.
Was ſucht der Menſch, wenn er in dem Glück der Menſchen
ein eigenes gefunden? Er ſucht das Kleid der Schöpfung,
das, wenn Morgenſonnen ihre Strahlen ausſenden unter den
Schleierſpitzen des Taues, all das ſchlafende Leben lebendig und
ſchön macht. Das Schöpfungskleid verbirgt den Schöpfer,
der heiliger als Mädchenlippen und Mannesſtolz und der nicht
fallet in das Meer des Nichts, wie wir, wenn unſer Leben mit
dem der Erfüllung hat geendet.
Schöpfung iſt die Maienwelt, die um uns bewundert
unſere Hülle, in der wir liebend uns umfaſſen dürfen und ſehend
uns auf Höhen auch erkennen ſollen als Schöpfungsglied der
Weltenſchöpfung . . . Schaut heute —wo die Sonnen liebend
ihre eigene Schöpfung, die in dem Boden wachgeworden und die
nach Sonnen ruft und nach guten Menſchen, die ihr Farbenſpiel
mit dem Spiel ihrer Blicke bewundern, eh Junihitze ihr
Farben=
gelächter ſtört.
ieh, Auge
Schau, Meuſch.
ühl, Herz:
Was um euch ſteht und blüht und brauſend ins Geheimnis
„Schöpfung” übergeht — als Traum, den alle einmal miterlebt!
Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Die in den Nöten der Inflationszeit wegen der
Koſten=
frage eingeſtellten Arbeiten an der auf 12 Bände angelegten
ſiebenten Auflage von „Meyers Lexikon” ſind wieder
auf=
genommen worden und werden ſo gefördert, daß der erſte Band
im November d. J. erſcheinen kann.
Emil Jannings, Hanna Ralph
in dem 5aktigen Drama
ig
Der Aler d. ultderg
Lotte Neumann, Johannes
Riemann in dem 4akt. Lustspiel
„Mur noch heute und morgen!
EilNas Tarlin
Sensations-, Zirkus- und Abenteuer-Drama in 7 Akten.
In den Hauptrollen:
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Arnold Korff / Hans Albers
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Lustspiel in 2 Akten mit
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Künstler-Konzert
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Schöner schattiger
Garten
Konzert
Allee-Restaurant
Rheinstr. 101
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Speisenfolge für Sonntag, 18. Mai:
Mk. 1.20
Mk. 0.80
Krattbrühe mit Einlage
ſchweinebrat
Salzkartotfeln — Spinat.
Mk. 1.50
Suppe
Wiener Schnit
Gebackene Kartoffeln
alot
Oh
K
Ab 4 Uhr:
ff. Biere im Ausschank — Offene u. Flaschenweine
Bohnenkaffee — Schlagrahm — Kuchen
vorstärktes)
NZERT T Orchester 4
K. HEIDENREICH
A
Zur Richigſiellung!.
In den hieſigen Tageszeitungen erſchienen
in der Mittwochs=Ausgabe Inſerate,
unter=
zeichnet J. A. Mickleg, wonach ſich hier
ein Heſſiſcher Muſikerbund am 10. 5. 1924
gebildet hat.
Angeführt wurde dabei, daß der Bund
in das Vereinsregiſter eingetragen ſei.
Wie wir durch Einſicht in das
Vereins=
regiſter feſtſtellen konnten, entſpricht dies
nicht den Tatſachen und ſiellt damit eine
bewußte Irreführung des Publikums dar.
Alle hier in Darmſtadt anſäſſigen
frei=
ſiehenden Berufsmuſiker ſind im
unterzeich=
neten Verband organiſiert und im
Philharmoniſchen Orcheſter Darmſtadt
Geſchäftsführer: A. Jung, Taunusſtraße 55
zuſammengeſchloſſen.
Das Philharmoniſche Orcheſter iſt das
einzig beſiehende Berufsmuſiker=Orcheſter in
Darmſiadt.
Orcheſter bezw. Kapellen Mickleg, Hauske
und Weber beſtehen nicht und haben in der
Nachkriegszeit nie beſianden.
(*14303
Ortsverwaltung Darmſtadt des
Deutſchen Muſiker=Verbandes
J. A.: Hager.
SHag
Westf. Schinken in Burgunder
Makkaronf übergeustet
Mk. 3.—
Ihe
ei nie Sie
net
V
Mest
Schinken in Burgunder
geust
Makkaronl
zerl. Butter
Stangenspa
Rhabarbertörtchen
Aufruf
zur Beteiligung an der 60jähr. Gründungsfeier
des ehem. Fußart. Reg. Generalfeldzeugmeiſter (Brandenb.) Nr. 3 auf
dem Feſthallengelände in Frankfart a. M.hm 7.—9.Juni 1924 (Pfingſten)
Vorläuſige Feſifolge:
Empfang der auswärtigen Katneraden am Bahnhof
Samstag: Abends: Begrüßungs=Feſtkommers mit
Unterhaltungs=
programm.
Gedächtnisfeier, gemeinſchaftliches Mittageſſen.
Sonniag: Konzert, Unterhaltungen und Tanz bis Abend.
Gemeinſchaftlicher Ausflug nach der Saalburg mit
Montag:
Muſik.
An allen 3 Tagen ſpielt die Kapelle des ehem. Regiments. Ausführliche
Einzel=
heiten der Feſtfolge werden mit der Feſiſchrift und Feſtabzeichen am Hauptbahnhof
Frankfurt a. M. ausgegeben.
(J, 6515
Anmeldungen, auch für Angehörige und Freunde, zur Teilnahme werden an die
Regiments=Vereinſgung Fußart.=Reg. 3 Gfz. Frankfurt am Main, Laubeſtraße 16,
bis ſpäteſtens 1. Juni 1924 erbeten. Anmeldungen zum gemeinſchaftlichen
Mittag=
eſſen (M. 1.50) müſſen mit angegeben werden. Die Zuſage iſt verbindlich.
An alle Angehörige des Regiments und deſſen Feldformationen ergeht die
herz=
lſche und dringende Bitte, ſich äußerſt zahlreich an der Feier zu beteiligen, um
der=
ſelben einen würdigen Verlauf zu ſichern. Freiwillige Spenden werden auf Poſiſcheck=
Konto No, 55780 Amt Frankfurt a. M. erbeten.
Der Feſtausſchuß.
Pension Kronprinz.
Bad Saluschlirf. Fel. 19. Beste Ver
pflegung, schönste Lage, dir. a. Walde.
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Der Vorſtand.
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Donnerstag, 22. Mai 1924,
abends 8 Uhr
N
Laodd dr anotern
Geistliche Lieder
Karten zu 1 Mk. in den Muſikalienhandlg.
und abends an der Kirche. (*14473
Viele reiche
Aus-
länderinnen, viele ver
mög, deutscheDamen
1. m. Realitäten,
Be-
sitz ete, wünschen
Hefrat. Ausk,
kosten-
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Vermög. Stabrey.
Berlin 113,
Stolpische-
strasse 48 (6130a
Anſtändig. Fräul.,
J. alt, evgl., des
Alleinſeins mude, w.,
da es ihr an
Herren=
bekanutſchaft fehlt, m.
einem Herrn in ſich.
Stellung bek. zu w.
zw. Heirat.
Kom=
lette 3=Zimmer.=Wg.
u. Ausſt. vorh. Ang.
m. Bild u. L. 122 an
d. Geſchäftsſt. (*1486
Witwer (1 K.),
Ge=
ſchäftsm. m. gutgeh
G., w. ſol., geſ. Frl.
im Alter v. 28-33 J.
z. I. zwecks bald.
Heirat.
Vermögen erw, a.
in. erf. Diskr. zugeſ
MNur ernſtgem., nicht
anonyme Zuſchr. m.
genauer Angabe der
Verh. u. I. 145 ar
ss die Geſchſt. (14578
Fürſtenſaal (Grafenſtraße)
Freitag, 23. Mai 1924, abends 7.30 Uhr
II. Portragsabend der Privat=Klavierklaſſe
WILLY RENNER
Mitwirkende:
Waltraut Biſchoff, Ingeborg Felgner,
Herta Reiſchel, Ilſe Rißmann (
Frank=
furt a. M.), Käte Wiß Frankfurt a. M.),
H. Rothenhöfer/Frankf.a M.) Th Lauck,
Fritz Kullmann (Frankfurt a. M.)
Jbach=Konzertflügel von Heinrich Arnold,
(6569
Wilhelminenſtr. 9
Karten zu G.=M. 2.50, 1 50 und 1.—
zuzüglich Steuer bei Konzert=Arnold,
Wilhelminenſtr. 9, u. an der Abendkaſſe.
V=
Tanzinsiitut Johanna Georg
Ballettmeisterin, Rheinstr. 41, III.
Monrag: Beginn eines Kursus .
(*14549
n. einige Damen erwünscht.
Botreffen wir uns heute nachmittag?
Beim Eiskappes
Holzſtraße 22. (53992
Treffpunht der Feinſchmecker.
e
hat ſtets in friſcher Brauereifüllung ab
Kühlraumlager abzugeben (*14300s8
armſtädterſtraße 10.
um"
Crunſtadt.
Nummer 138.
Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 18. Mai.
Für Wohnungsſuchende.
Die Stadt Darmſtadt will zur Behebung der Wohnungsnot
eimen Weg beſchreiten, der anderorts mit Erfolg beſchritten
wor=
den iſt. Sie will nämlich Wohnungsſuchende, die über ein
ge=
wiſſes Kapital verfügen, an der Geldbeſchaffung beteiligen. Bei
ſinem erſten Verſuch handelt es ſich um den Ausbau einer
Bau=
ſücke in der Kittlerſtraße zwiſchen den Häuſern Nr. 35 und 45.
Dort ſollen acht ſehr geräumige Dreizimmerwohnungen und vier
ſebenfalls ſehr geräumige Vierzimmerwohnungen errichtet
wer=
den. Wer auf dieſe Wohnungen reflektiert, muß ſich der
Stadt=
urwaltung gegenüber verpflichten, für eine Dreizimmerwohnung
300 Mark und für eine Vierzimmerwohnung 10 000 Mark als
Darlehen zu geben. Dieſes Darlehen wird innerhalb 10
Mo=
naten fällig und iſt monatlich ein Zehntel einzuzahlen, ſobald
die Bauten begonnen ſind. Es wird verzinſt mit 6 Prozent und
zt mindeſtens 5 Jahre unkündbar zu belaſſen. Die Miete wird
uf Grund dieſes Zinsſatzes und der geſamten Koſten berechnet
und nur die tatſächlichen Aufwendungen der Stadt für Steuern
md Abgaben, Unterhaltung und Verwaltung zugerechnet.
An=
jegerbeiträge kommen dabei nicht in Berechnung. Die ſtädtiſche
grundſteuer bleibt für die nächſten drei Jahre unberechnet. Alle
Pohnungsſuchende, die über das erforderliche Kapital verfügen,
verden gebeten, ſich im Stadthaus, Zimmer 51, zu melden.
Kommt genügend viel Kapital zuſammen, dann ſollen auch
roch weitere Bauten damit finanziert werden.
— Löns=Morgenfeier heute Sonntag, vormittags 11.15 Uhr
pünkt=
ich, in der Aula der Landesbaugewerkſchule (Neckarſtraße). Ulla
Woigts=Gerdau ſingt Löns=Lieder, am Flügel begleitet von Karl.
dietrich. Dr. Hermann Bräuning=Oktavio, der Begründer
ſieſer Morgenfeiern in Darmſtadt, wird aus Löns Dichtungen (
Wehr=
volf; das zweite Geſicht u. a.) leſen, um daraus Leben und Werk des
914 gefallenen Dichters erſtehen und miterleben zu laſſen. Eintritt für
dermann frei; nach 11½ Uhr hat niemand mehr Zutritt.
— Richard Wagner=Verein. Frau Johanna Heſſe iſt leider
Frankt, ſo daß ihr für Montag, den 19. Mai, angekündigter
Lieder=
bend ausfallen muß. Die gelöſten Eintrittskarten behalten für den
Nitte Juni vorgeſehenen nächſten Vereinsabend, das
Abſchieds=
onzert Alexis af Enehjelms, Gültigkeit.
— Aenne Osborns Abfchieds=Tanzabend. Am Montag, den 19. Mai,
bends 8 Uhr, findet im Kleinen Haus ein Tanzabend von Aenne
Os=
orn mit neuem Programm ſtatt, das Tänze nach Werken von
Beet=
ſoven, Bach, Schumann, Muſſorgsky, Seriibine u. a. umfaßt.
Bortragsabend des Evangeliſchen Bundes. Es wird vielen
will=
ymmen ſein, daß der Darmſtädter Arzt Dr. Happich dafür
gewon=
en worden iſt, daß er den am letzten Montag bei der Verbandstagung
er evangeliſchen Frauenvereine Heſſens gehaltenen Vortrag über
Geſundheit, Ehe und Familie” vor weiteren Kreiſen
un=
erer Stadt wiederholt. Die Fragen des geſchlechtlichen Lebens ſind
unmehr, infolge der weitgehenden Aufklärung, zumal auch durch
Kino=
ſorführungen in Fluß gebracht, ja aufgewühlt worden, ſo daß diele
eunruhigt ſind. Darum iſt es notwendig, daß ein zuverläſſiger,
ern=
er und wirklich ſachkundiger Führer auf dem Gebiete der Tiefen des
ebens uns die Augen öffnet für das, worauf es ankommt. Die den
ſortrag hörten, haben berichtet, daß er ihnen ein Erlebnis war. Der
ſortragsabend, findet Mittwoch, den 21. Mai, abends 8½ Uhr, im
ſtealgymnaſium ſtatt. Der Eintritt iſt frei.
Heſſiſcher Penſionärverein, Ortsgruppe Darmſtadt. Man ſchreibt
ns: Der zur Vertretung der Intereſſen der Ruheſtandsbeamten und
interbliebenen gegründete Penſionärverein hat bisher durch ſeine
Tätig=
lit neben dem Beamtenbund und beſonders durch ſeinen Anſchluß an den
eichsverband deutſcher Nuheſtandsbeamter wohl einige Klagen ſeiner
Mitglieder ſtillen können, aber noch immer ſind viele berechtigte
For=
erungen unerfüllt geblieben. Dahin gehören beſonders die vollſtändig
ngerechtfertigte Scheidung der aus dem Amte geſchiedenen Beamten in
4penſivnäre und Neupenſionäre, ſowie die Feſtſetzung des Wohnungs=
WSes nach Ortsklaſſe B. Um den Forderungen des Reichsverbandes im
ntereſſg der alten und von der Not der Zeit ganz beſonders hart
be=
ängten ehemaligen Diener des Staates ſtärkſten Nachdruck zu verleihen,
ein Zuſammenſchluß aller Nuheſtandsbeamten erforderlich. Zu dieſem
weck ladet der Verein zu ſeiner ordentlichen Hauptverſammlung, die
Nittwoch, den 21. Mai, nachmittags 3 Uhr, im Kaiſerſaal, Grafenſtra
attfindet, alle in Darmſtadt und Umgebung wohnenden
Ruheſtands=
amten, gleichviel ob Mitglieder oder Nichtmitglieder, mit der Bitte um
ſihlreiches Erſcheinen freundlichſt ein.
— Die Stenographenvereinigung „Gabelsberger”, Eliſabethenſtr. 52,
elche ſich bei dem anläßlich des 3jährigen Stiftungsfeſtes des
Stenogra=
zenvereins Seeheim von dieſem Verein, abgehaltenen Wettſchreiben
be=
iligte, konnte von den teilgenommenen Vereinen wiederum mit den
leſten Preiſen heimkehren. 14 Teilnehmer, hauptſächlich in den oberen
bteilungen, erhielten 3 Ehrenpreiſe und 11 erſte Preiſe; ein weiterer
hrenpreis in 200 Silhen ging infolge einer Fehlentſcheidung verloren.
jeſer Erfolg iſt wohl der beſte Beweis, in welch hervorragender Weiſe
Stenographie bei der Vereinigung gepflegt wird. Nachſtehend die
reisträger: 200 Silben: 1. Pr. Friedel Neinhart, Heinrich Böhmann.
0 Silben: Ehrenpreis Gretel Metzger, 1. Pr. Anny Hieb. 160 Silben:
hrenpreis Emma Morgenroth, Ludwig Kräuter, 1. Pr. Anny Beck,
uny Unger, Eliſabeth Wald, Martha Semmelmann, M. Partzſch. 120
ilben: 1. Pr. Maria Klotz. 100 Silben: 1. Pr. Käthe Moewes. 80
ilben: 1. Pr. Willi Fickert.
Gartenbauverein. Die letzte Monatsverſammlung vor der
Som=
erpauſe wurde zum großen Teil ausgefüllt durch einen Vortrag des
errn Prof. Völſing, unſeres langjährigen früheren Vorſitzenden.
Leb=
aſt begrüßt von ben zahlreichen Zuhörern, verbreitete er ſich eingehend
r die Eingriffe des Menſchen in das Naturleben, die zu einem Kampf
ſpiſchen Natur und Kultur führen. Pflanzen und Tiere werden in
die=
m Streit zurückgedrängt oder gar ganz ausgerottet. Die Verdrängten
füſſen deswegen beſonders geſchützt werden, allenthalben machen ſich
aturſchutzbewegungen, bzw. der Heimatſchutz notwendig und werden
hn den Regierungen und Naturſchutzvereinen gefördert und geſtützt.
ine große Zahl von Lichtbildern der ſog. Natururkunden unterſtützten
n Redner bei ſeinen Darlegungen. Seltener gewordene Tiere und
flanzen gehören zu dieſen Natururkunden, ihre Vorführung im Bilde
und die zugehörige Beſchreibung bieten uns manchen Genuß und geben
uregung zu weiteren Betrachtungen und Forſchungen nach dieſer
ichtung. Die Schönheiten der Natur, die wir dabei kennen lernen,
ſihren dann von ſelbſt dazu, den Naturſchutz fördern zu helfen. Im
aturſchutzpark, deren größter der Yellowſtone=Park in den Vereinigten
taaten iſt, ſucht man die Natur in ihrer urſprünglichen Eigenart zu
halten. Kleinere Anlagen dieſer Art gibt es auch bei uns, wie z. B.
der Lüneburger Heide, in den Alpen, in der Umgebung von
Offen=
ich und auch bei uns in Darmſtadt auf dem Kühkopf. — Die
geſchäft=
ſchen Mitteilungen des Vereinsvorſitzenden bezogen ſich auf die
Klein=
irten (Pachtzahlung, Bewerbung um Kleingärten, Bearbeitung und
berntung der Kleingärten nur durch die Pächter ſelbſt), ferner auf das
ommerprogramm des Vereins, auf die Vereinszeitſchrift und auf die
ertilgung von Schädlingen, wie z. B. der Stachelbeerblattweſpe, die
hon wieder verheerend auftritt. (Gegenmittel: Solbar Uraniagrün,
homasmehl), und der Wühlmäuſe (Sokialkuchen als Vertilgungsmit=
Eine Verloſung von Blumen und dergleichen erfreute zum Schluß
och manche Teilnehmer.
Tagesordnung zur Sitzung des Kreisausſchuſſes des Kreiſes
armſtadt am Mittwoch, den 21. Mai 1924, nachmittags 3 Uhr: 1.
Be=
ſwerde des Andreas Peter Eſſinger zu Nieder=Beerbach gegen den Be=
Auß des Gemeinderats vom 20. Februar 1924 wegen Verweigerung des
Sholzes. 2. Ortsbürgernutzen; hier: Beſchwerde des Bürgermeiſters
üickert, Ober=Ramſtadt, gegen den Gemeinderatsbeſchluß vom 24. März
94 auf Grund des Art. 97 der Landgemeindeordnung, 3. Klage i. S.
3 Verlegers Keck und Gen. von Ober=Ramſtadt gegen die Gemeinde
ber=Ramſtadt wegen Anfechtung eines Gemeinderatsbeſchluſſes.
lage i. S. des Schreiners Otto Geiger zu Darmſtadt gegen die Stadt
darmſtadt, Lohnbeſchlagnahme zur Unterſtützung der Witwe Charlotte
eiger betr. 5. Geſuch des Franz Henn zu Eberſtadt, Neue Darmſtädter
traße 148, um Erteilung der Konzeſſion zum Betrieb eines Cafés.
Neufeſtſetzung der Badezeit im Hallenſchwimmbad. Wie aus der
Anzeigenteil erfolgten Bekanntmachung der Direktion der ſtädt.
Be=
jebe erſichtlich, iſt die Badezeit im Städt. Hallenſchwimmbad von
den 19. d. M. ab, von 9 Uhr vormittags bis 7½ Uhr nach=
Nache echen De derni aif eie e eie d ieunch
Schluß der Geſchäftszeit ein Bad zu nehmen. Die eingetretene heiße
Vitterung hat zu einer lebhaften Steigerung des Badeverkehrs, im
allenſchwimmbad geführt, ungeachtet des am 15. d. M. eröffneten
adebetriebs im Woog, gewiß ein Zeichen dafür, daß unſer
Hallen=
chwimmbad feine Anziehungskraft für viele Bewohner unſerer Stadt
eibehält und ausdehnt.
Orpheum. Der Kartenvorverkauf findet ſtatt: Verkehrsbureau
oir 10—12 Uhr, Orpheumskaſſe ab 3 Uhr.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924.
Seite 5.
Die Eröffnung der Südweſtdeutſchen Kunſtausſtellung
Darmſtadt 1924.
Bei wundervollem Sonnenwetter fand geſtern vormittag die
Eröffnung der diesjährigen Darmſtädter Kunſtausſtellung im
Olbrichhauſe auf der Mathildenhöhe ſtatt. Vertreter der
heſſi=
ſchen Regierung, ſowie der beteiligten Staaten Baden und
Würt=
temberg, ferner der Stadt, der Hochſchule, des Parlaments und
der Künſtlerorganiſationen hatten ſich zur Eröffnung
eingefun=
den, die ſchlicht und anſpruchslos geſtaltet war. Im Roſenhof
fanden ſich die Geladenen zuſammen, und einen Schimmer von
Feierlichkeit ſpann nur die Sonne und der Ausblick auf die
wundervolle, im lebendigen Sprießen prangende Natur um den
Akt. Der Natur, die ewig jung, ewig lebendig und ewig neu
bleibt, und die ewig — ſtillos iſt.
Die Eröffnungsanſprache hielt der Vorſitzende der
Arbeitsgemein=
ſchaft
Bürgermeiſter Mueller:
Meine Damen und Herren! Der bildende Künſtler von heute fühlt
ſich als Stiefkind des Schickſals. Er hat die bittere Empfindung,
ver=
laſſen und vergeſſen zu ſein, — vom Staate insbeſondere ignoriert zu
werden als eine unter den jetzigen Verhältniſſen mehr oder weniger
überflüſſige Erſcheinung. Der Architekt und der Kunſtgewe=bler unter
uns — ſo meint er — hat wenigſtens noch die Möglichkeit einer
ge=
diegenen, ſtagtlicherſeits geſicherten Ausbildung, wenn ihn ſein Beruf
auch heute kaum ernähren kann. Mir aber, dem freien Künſtler, fehlt
auch ſie; denn der hungernde Meiſter kann keinen Nachwuchs erziehen.
Wenn man dem Künſtler ſagt, daß dem Staat die Mittel fehlen,
ihm zu helfen, dann erwidert er, daß das ſo lange eine Ausrede ſei,
als derſelbe Staat für die darſtellende Kunſt alljährlich Hunderttauſende
opfere, ohne mit der Wimper zu zucken.
Der Einwand erſcheint auf den erſten Blick kaum widerlegbar.
Denn tatſächlich verwendet der notleidende Staat für das Theater
er=
hebliche Mittel, und niemand wird behaupten wollen, daß die bildende
Kunſt weniger wichtig oder wertvoll ſei als die darſtellende. Bei
nähe=
rem Zuſehen ergibt ſich aber doch, daß der Einwand nicht ganz ſchlüſſig
iſt. Der bildende Künſtler vergißt, daß er unter den früheren
nor=
maleren Verhältniſſen eine ſtaatliche Hilfe kaum gebraucht hat, während
die darſtellende Kunſt immer auf ſie angewieſen war. So hat
ſich der Staat ſeit ſchlechthin unvordenklicher Zeit auf dieſe einſeitige
Unterſtützung eingeſtellt; ſie iſt zu einer Tradition geworden, die dem
Staat und dem Staatsbürger ſelbſtverſtändlich erſcheint und geläufig
iſt. Mit dieſer Tradition jetzt zugunſten der bildenden Kunſt zu brechen,
wäre alſo eine Zurückſetzung, die das Theater kaum verdient hat. Aber
ſelbſt eine Einſchränkung dieſer Unterſtützung wäre nicht zu vertreten,
weil ſie nur auf Koſten der Qualität geſchehen könnte. Das will auch
der bildende Künſtler nicht. Was er will, das iſt, daß der Staat ſich
der ſchweren Gefahr bewußt werde, die der bildenden Kunſt droht, wenn
er ihr nicht über die gegenwärtige ſchwere Zeit hinweghilft. Man kann
verſtehen, daß der Staat, der ſeine Not hat, ſein Budget zu balancieren
an die Uebernahme ihn neu belaſtender kultureller Aufgaben nur zögernd
herantritt. Mit dem Druck unſerer troſtloſen politiſchen und
wirtſchaft=
lichen Verhältniſſe mochte auch die Auffaſſung, wenn nicht entſchuldigt,
ſo doch erklärt werden, daß es jetzt nur darauf ankomme, die nackte
Exiſtenz ſicherzuſtellen. Gottſeidank begegnet man dieſer, eines
Neger=
ſtammes würdigen Anſicht heute nicht mehr. Es beſfeht keine
Meinungs=
verſchiedenheit mehr darüber, daß wir nur als Kulturvolk eine
Exiſtenz=
berechtigung haben.
Was müßte nun der Staat tun, um der ihm heute gegenüber der
bildenden Kunſt erwachſenen Verpflichtung gerecht zu werden? Er ſollte
auch dem freien Künſtler eine gediegene Ausbildung ermöglichen durch
Schaffung von Lehrateliers und Bereitſtellung von Atelieräumen. Und
er ſollte dem begabten Künſtler auch ein beſcheidenes Auskommen ſichern
durch Erteilung von regelmäßigen Staatsaufträgen, auch auf dem
Ge=
biet des Kunſtgewerbes. Von größter Wichtigkeit iſt die Belebung der
Bautätigkeit; von ihr aus wird am beſten und umfaſſendſten der ganze
Komplex der bildenden Kunſt belebt und befrucht
Was der Staat bisher ſchon für die freie Kunſt getan hat, das war
im weſentlichen die Unterſtützung unſerer Ausſtellungen auf der
Mathil=
denhöhe; eine natürliche Ergänzung dieſer Tätigkeit iſt eine großzügigere
Bewilligung von Mitteln zum Ankauf von Kunſtwerken, auch für das
Landesmuſeum.
Ich möchte mich der Hoffnung hingeben, daß der heſſiſche Staat,
der auch dieſe Ausſtellung unkerſtützt hat, wofür ihm aufrichtiger Dank
geſagt ſei, auch an die eben von mir angedeuteten weiteren Aufgaben
entſchloſſen herantreten wird und herantreten kann. Auch weitherzige
Bewilligungen würden ſicher nur einen kleinen Prozentſatz deſſen
aus=
machen, was das Landestheater an Zuſchüſſen erfordert. Eines
eigent=
lichen Appells an den Staat bedarf es kaum. Er kennt dieſe Aufgaben
ſelbſt und hätte ſie beſtimmt ſchon früher in Angriff genommen, wenn
es ihm möglich geweſen wäre.
Was ich im allgemeinen vom Staat geſagt habe, gilt mit einiger
Einſchränkung nach Umfang und Intenſität auch von den Städten. Wenn
ich hier insbeſondere der Stadt Darmſtadt ein Wort anerkennender
Dankbarkeit namens der bildenden Künſtlerſchaft fagen darf, ſo wird
man mich nicht mißverſtehen, weil ich ſelbſt Mitglied der ſtädtiſchen Ver=
waltung bin. Denn die Stadt Darmſtadt hat tatſächlich in
allerſchwie=
rigſter Zeit immer wieder das ihr irgend Mögliche getan, um der
bil=
denden Kunſt zu dienen. Es macht insbeſondere unſerer
Stadlverord=
netenverſammlung alle Ehre, daß ſie die immerhin recht erheblichen
Mittel zur Finanzierung dieſer Ausſtellung einſtimmig bewilligt
hat. Wo wird man anderwärts ein ſo leuchtendes Bikd abſoluter
Einig=
keit in einer wichtigen kulturellen Frage finden?
Auch der Reichsregierung ſei herzlicher Dank geſagt, daß ſie das
Zuſtandekommen dieſes Unternehmens materiell und ideell gefördert
hat. — Wir haben in dieſem Jahr die Ehre und Freude; württembergiſche
und badiſche Kunſt als liebe und willkommene Gäſte begrüßen zu können.
Im Verein mit Werken unſerer heſſiſchen Künſtler wird ſo ein
feſſeln=
des Bild ſüdweſtdeutſchen Kunſtſchaffens gegeben. Schmerzlich empfinden
wir dabei das Fehlen Elfaß=Lothringens, auch der Rheinpfalz, die
frei=
lich doch nicht unbertreten iſt, da in Profeſſor Haueiſens Adern
bekannt=
lich pfälziſches Blut fließt.
Erfreulich iſt, daß in Baden und Württemberg alle großen
Künſtler=
verbände ſich an der Beſchickung beteiligt haben, in Karlsruhe hat eine
gemeinſchaftliche Jury von Vertretern aller Richtungen ſtattgefunden,
während in Stuttgart die einzelnen Verbände für ſich juriert haben.
Bedauerlich iſt, daß in der heſſiſchen Abteilung die Künſtler der
Darm=
ſtädter Sezeſſion fehlen. Gleichwohl wird man kaum ſagen können,
daß Heſſen lückenhaft vertreten ſei.
Gegenüber der vorjährigen Deutſchen Kunſtausſtellung, die
bekannt=
lich neben einer begeiſtert zuſtimmenden Kritik eine leidenſchaftliche
Ab=
lehnung erfahren hat, iſt das Geſamtbild dieſer Südweſtdeutſchen
Kunſt=
ſchau, obgleich alle Richtungen ziemlich gleichmäßig vertreten ſind,
weſent=
lich einheitlicher und ruhiger; man möchte ſagen: weniger aufregend.
Dabei zeigen ſich beſonders in der heſſiſchen Abteilung deutliche Einflüſſe
vom letzten Kunſtſommer. Vielleicht iſt uns ganz von ſelbſt heute
man=
ches geläufig geworden, was uns noch im vorigen Jahre als eine
an=
fechtbare Manier erſchien. Bei allem Fortſchritt in der Entwicklung
unſerer jungen Künſtler, den wir mit Genugtuung, feſtſtellen dürfen,
macht ſich andererſeits in erfreulicher Weiſe auch eine entſchiedene
Ab=
kehr von ungeſunden Bizarrerien ganz unmißverſtändlich geltend. Wir
ſpüren allenthalben ein intenſives und klarblickendes Wollen, das ſowohl
in der Art der Behandlung des Gegenſtändlichen wie in der Kraft und
Tiefe der Farbe zum Ausdruck gelangt.
Es wird intereſſant ſein, das zeitgenöſſiſche Kunſtſchaffen der drei
Länder, das trotz des verhältnismäßig beſcheidenen Umfanges der
ein=
zelnen Abteilungen eben in den Werken ihrer beſten Vertreter deutlich
erkennbar iſt, in Vergleich zu ziehen und feſtzuſtellen, ob ähnliche
Grund=
anſchauungen und Richtungswege vorhanden ſind oder nicht.
„Ich will der Diskuſſion der Kritiker in der Preſſe nicht vorgreifen.
Aber das eine glaube ich doch ſagen zu können, daß dieſe Ausſtellung
einen unverwüſtlichen Lebenswillen und Schaffensdrang und ein
ehr=
liches Streben zeigt.
So ſeien ihr denn die beſten Wünſche mit auf den Weg gegeben.
Sie, meine Damen und Herren, die Sie zu dem feierlichen
Eröffnungs=
akte in feſtlicher Stimmung und Erwartung erſchienen ſind, heiße ich mit
herzlichem Danke willkommen, beſonders die Herren Repräſentanten
des württembergiſchen und badiſchen Bruderlandes, die hohen Behörden,
die Vertreter auswärtiger Städte und unſerer Stadt, beſonders auch die
Vertreter der Preſſe die ja nie verſagt, wo es gilt, zu Kulturfragen und
Kulturäußerungen Stellung zu nehmen. Die auch nie verſagt, wenn
es gilt, Kultur zu fördern und bedrohte Kultur zu ſchützen. Viele, die
nicht erſcheinen konnten, haben herzliche Grüße und Wünſche geſandt,
ſo die Herren Staatspräſidenten von Württemberg, Baden und Heſſen.
Der Reichskunſtwart ſandte folgendes Telegramm: „Leider
perſön=
lich an Teilnahme zur Eröffnung verhindert, danke ich für die
Eimn=
ladung und wünſche der Ausſtellung trotz ſchwieriger Zeit im Intereſſe
ſüdweſtdeutſchen Kunſtlebens erfolgreichen Verlauf. Reichskunſtwart
Redslob.” — Und nun erkläre ich namens des Ausſchuſſes die
Südweſt=
deutſche Kunſtausſtellung 1924 für eröffnet! (Lebhafter Beifall.)
An die Anſprache ſchloß ſich ein Rundgang durch die
Aus=
ſtellung.
Im Anſchluß an die Eröffnungsfeier fand im Vortragsſaal
der Städtiſchen Akademie für Tonkunſt in beſcheidenem Rahmen,
aber höchſt reizvoll arrangiert, ein gemeinſames Eſſen ſtatt. Herr
Bürgermeiſter Mueller nahm hierbei Gelegenheit, herzliche
Worte der Begrüßung beſonders an die Vertreter der Staaten
Baden und Württemberg und deren Künſtler zu richten und der
Hoffnung Ausdruck zu geben, daß dieſer erſte Verſuch
gemein=
ſamen Zuſammenarbeitens zu weiteren führen möge. Sein Hoch
galt den auswärtigen Gäſten.
In deren Namen erwiderte Herr Oberregierungsrat
Schwörer=Karlsruhe, der auch den Dank der badiſchen
Re=
gierung und deren Grüße zum Ausdruck brachte. Auch er hege
den Wunſch, daß die angeknüpften Beziehungen ſich immer enger
geſtalten möchten, zum Beſten fruchtbaren Kunſtſchaffens. M. St.
RDV.Poſtpaket und Expreßgut. Wie man ein Poſtpaket aufgibt,
weiß jedermann. Was aber Expreßgut iſt, weiß außer wenigen
Ge=
ſchäftsleuten faſt niemand. Expreßgut iſt die ſchnellſte Güterbeförderung
auf der Eiſenbahn. Expreßgut kann man an jedem Gepäckſchalter,
ſo=
lange er geöffnet iſt — auf großen Bahnhöfen alſo während der ganzen
Nacht — gegen Zahlung der Expreßgutfracht nach faſt allen deutſchen
Stationen aufgeben. Man ſchreibt auf das Paket den Empfänger und
den Bahnhof und füllt eine Eiſenbahnpaketkarte aus, die man am
Schalter erhält. Expreßgut wird mit den ſchnellſten Zügen, auch mit faſt
allen D=Zügen, befördert und geht auf Uebergangsſtationen auf den
nächſten Anſchlußzug über. Es reiſt infolgedeſſen weſentlich ſchneller als
ein gewöhnliches Poſtpaket, das nur mit beſtimmten Zügen (meiſt
Per=
ſonen= und beſonderen Poſtzügen) befördert wird und auf den
Ueber=
gangsbahnhöfen häufig einige Zeit liegen bleiben muß. Vielfach iſt die
Beförderung des Expreßgutes ſogar ſchneller als die der dringenden
Poſtpakete, die dreifache Gebühr koſten. Freilich darf ein Nachteil nicht
verſchwiegen werden: in den meiſten — nicht in allen — Orten werden
die Poſtpakete ohne beſondere Gebühr dem Empfänger ins Haus
ge=
fahren, Expreßgut dagegen wird meiſt von der Bahn nicht zugeſtellt,
ſondern der Empfänger wird von der Ankunft benachrichtigt und muß
die Sendung am Gepäckſchalter ſelbſt abholen. In den Bezirken einiger
Süddeutſcher Reichsbahndirektionen, beſonders in Württemberg, erfolgt
die Zuſtelluing ſchon jetzt durch bahnamtliche Rollfuhrunternehmer.
Mit dem Verfahren wird z. Zt. auch in einigen anderen Bezirken ein
Verſuch gemacht. Bewährt er ſich, ſo wird vorausſichtlich allgemein die
Zuſtellung gegen eine mäßige Gebühr erfolgen. Die Koſten der
Be=
förderung als Poſtpaket und Expreßgut laſſen ſich ſchwer vergleichen,
da die Poſt nur drei Entfernungszonen (bis 75, bis 375 und über 375
Kilometer) hat, während die Expreßgutfrachten ziemlich gleichmäßig
mit der Entfernung wachſen. Außerdem richten ſich bei der Poſt die
Gebühren genau nach dem Gewicht (3. ,5 6, 7, 8 uſw. bis 20 Kilogramm),
dagegen wird bei Expreßgut das Gewicht auf 5, 10, 20, 30 ufw.
Kilo=
gramm aufgerundet. Auf weite Entfernungen iſt infolgedeſſen das
Poſt=
paket regelmäßig billiger, während im Nahverkehr und beſonders bei
ſchweren Stücken die Poſt vielfach teurer iſt. So koſten z. B. 5. 10, 20
Kilogramm auf 100 Kilometer Entfernung (bei der Poſt wird die
Luft=
linie, bei der Bahn der Bahnweg zu Grunde gelegt) als Poſtpaket 80
Pfg., 1.30 Mk. und 3,20 Mk., als Expreßgut nur 40 Pfg., 80 Pfg. und
1.50 Mk. Landwirtſchaftliche Erzeugniſſe (Butter, Eier, Käſe, Obſt,
Beeren, friſches Gemüſe) werden bis 100 Kilometer zum halben
Expreß=
gutſatz — Mindeſtfracht 40 Pfg. — befördert, ſo daß für ſie Expreßgut
faſt durchweg billiger als Poſtpaket iſt. Endlich wird bei Verluſt von
Expreßgut (außet bei ſog. Koſtbarkeiten) der volle nachgewieſene Wert
erſetzt, während bei gewöhnlichen Poſtpaketen nur feſte Höchſtbeträge
erſetzt werden. Hiernach iſt es Frage des einzelnen Falles, ob die
Be=
förderung als Poſtpaket oder als Expreßgut zweckmäßiger iſt.
Fahrplanverbeſſerungen. Ab Montag, den 19. d. M.,
verkeh=
ren auf der Strecke Seeheim—Bickenbach die Abendzüge: 3575
Seeheim ab 8.40 Uhr, Bickenbach an 8.58 Uhr nachm., 3576 Bickenbach
ab 9.10 Uhr, Seeheim an 9.26 Uhr ngchm., die bisher nur Sonn= und
Feiertags befördert wurden, täglich. In Bickenbach beſteht Anſchluß
nach und von Darmſtadt.
— Im Kinderheim Stohl, Kreis Eckernförde in Holſtein (an der
Oſtſee) ſind Plätze frei. Der Preis für eine ſechswöchentliche Kur beträgt
nmeldungen vormittags zwiſchen 12 und 2 Uhr in der
75 Mark. 2
Faſanenſtraße 23, Berlin=Charlottenburg.
— Bezirksſchöffengericht. Wegen Kuppelei hatten ſich die
Wirts=
eheleute Jak. Heß „Zum Gambrinus” in Eberſtadt zu
verant=
worten. Bei verſchloſſenen Türen wurde unter Beiziehung einer
grö=
ßeren Zeugenanzahl verhandelt. Urteil: 500 Mark
Geld=
ſtrafe,
Wochenſpielplan des Heſſiſchen Landestheaters
vom 18. bis 25. Mai 1924.
Großes Haus.
Sonntag: 6 Uhr: „Aida”. Oper von Verdi. C20. Preiſe:
bis 10 Mk.
Montag: 7 Uhr: „Fiesco”, Schauſpiel von Schiller.
Sonder=
mieten 14 (12), 17 (12), Schülermiete weiß 9. Preiſe:
0,80 bis 8 Mk.
Dienstag: 7 Uhr: „Cavalleria ruſticana”. Oper von Mascagni.
Hierauf: Neu einſtudiert: „Der Bajazzo”. Oper von
Leoncavallo. E 20. Preiſe: 1 bis 10 Mk.
Mittwoch: 7 Uhr: „Saul”. Tragödie von Ludw. Berger. B21,
b10. Preiſe: 0,80 bis 8 Mk.
Donnerst.: 7 Uhr: „Louis Ferdinand”. Schauſpiel von Unruh.
C21, c9. Preiſe: 0,80 bis 8 Mk.
Freitag: 7 Uhr: „Hans Heiling”. Oper von Marſchner. D21,
Schülermieten blau 10 und grün 10. Preiſe: 1 bis
10 Mk.
Samstag; 7 Uhr: Gaſtſpiel des deutſch=ruſſiſchen Theaters;
„Der blaue Vogel”. Preiſe: 1 bis 10. Mk.
Sonntag: 7 Uhr: „Madame Butterfly”. Oper von Puceini,
F 21. Preiſe: 1 bis 10 Mk.
Kleines Haus.
Sonntag: 7 Uhr: Bürger Schippel”. Komödie von
Stern=
heim. Zuſatzmiete II 10. Preiſe: 0.,80 bis 4 Mk.
Montag: 8 Uihr: Tanzabend Aenne Osborn. Preiſe: 1—5 Mk.
Dienstag: 7½ Uhr: „Der Liebestrank”. Schwank von
Wede=
kind. Zuſatzmiete X 9. Preiſe: 0,80 bis 4 Mk.
Mittwoch: 7 Uhr: „Aleſſandro Stradella”. Oper von Flotow.
Zuſatzmiete 1X9. Preiſe: 0,90 bis 4,50 Mk.
Donnerst.: 7 Uhr: „Die heimliche Ehe‟ Oper von Cimaroſa.
Zuſatzmiete 1 10. Preiſe: 1 bis 5 Mk.
Freitag: 7 Uhr: Gaſtſpiel des deutſch=ruſſiſchen Theaters;
„Der blaue Vogel”, Preiſe: 1 bis 5 Mk.
Samstag: 7 Uhr: Neu einſtud. u. neu inſzeniert: „Datterich”.
Lokalpoſſe von Ernſt Elias Niebergall.
Sonder=
miete 11 (12).
Sonntag: 7 Uhr: „Was Ihr wollt”. Luſtſpiel von
Shake=
ſpeare. Zuſatzmiete IIT 10. Preiſe: 0,80 bis 4 Mk.
— Heſſiſches Landestheater. Die Angehörigen der Vollmietreihen
werden darauf hingewieſen, daß die Mietpreiſe für den letzten (ſechſten)
Mietabſchnitt bis längſtens Freitag, den 23. Mai zu entrichten
ſnd. Für die Vollmieten der Buchſtaben B und C endigt die
Zahlungs=
friſt jedoch ſchon vorher, und zwar an dem Tage, an dem ſie nach dem
bekannt gegebenen Wochenſpielplan die 21. Vorſtellung erhalten (für B
alſo am Mittwoch). Die Mietkarten werden nur von der Hauptkaſſe
abgegeben, die vormittags von 9—121 Uhr und, ausgenommen
Sams=
tags, auch nachmittags von 3½—5 Uhr geöffnet iſt. — Um etwaige
Unklarheiten zu vermeiden, wird noch einmal beſonders darauf
aufmerk=
ſam gemacht, daß die heutige Aufführung von „Bürger Schippel” im
Kleinen Haus der Zuſatzmiete II zufällt.
Seite 6.
* Die Handelskammer Darmſtadt
hatte für geſtern nachmittag zu einer intereſſanten Veranſtaltung
ein=
geladen, die eine erhebliche Anzahl bedeutender Wirtſchaſtler Heſſens duktionskonzeſſionen, weil es ſtark danach ſtrebt, ſeine Produktion zu
zuſammenführte und die ſicher von großem Wert für alle Beteiligten
war. Es waren eingeladen und vertreten: Staatspräſident Ulrich eben.
und die heſſiſche Staatsregierung, die Reichsbehörden, das heſſiſche Par= der Kleinhandel zu 83 Prozent in Händen Privater. Es gibt heute noch
lament und die Stadtverwaltung, die Hochſchule, die Mitglieder der
Landwirtſchafts= und die Handwerkskammer, ferner die ſämtlichen
wirt=
ſchaftlichen Organiſatioren der Induſtrie, des Großhandels und
Einzel=
handels, die Preſſe u. a. m.
die Erſchienenen und wies kurz darauf hin, daß der eigentliche Zweck
der Veranſtaltung ſei, einmal die Vertreter der Behörden und der ſchaftsfragen und führte dann Zahlen aus dem Außenhandel mit den
verſchiedenen Wirtſchaftsorganiſationen menſchlich zuſammenzuführen
und andererſeits zu danken für die verſchiedentlichen Einladungen, die
an die Handelskammer und ihre Unterorganiſationen im Laufe der Zeit 44 Prozent des ganzen ruſſiſchen Außenhandels.
ergangen ſind.
die Wirtſchaftsverhältniſſe Rußlands,
zu dem der Generalſekretär der ruſſiſchen Wirtſchaftskommiſſion
Pieper ſich bereit erkläut hatte, der aber infolge der jüngſten Ereig= Ordnung und Zucht. Die Polizei funktioniert ausgezeichnet, ſo daß
niſſe in Berlin und ihrer Folgen abſagen mußte. Dafür übernahm Herr
Fabrikant Schenck ſelbſt das Referat, der kürzlich längere Zeit in
Rußland geweilt hat, um die wirtſchaftlichen Verhältniſſe dort zu
ſtudie=
ren. Seine Ausführungen trugen faſt durchweg perſönlichen Charakter
und beſchränkten ſich im weſentlichen auf die in Moskau gemachten
Erfahrungen. Danach ſteht feſt, daß Rußland unter der Diktatur des
Proletariats ſteht, einer kleinen Partei, die die Macht, die ſie brutal
ausübt durch Terror und Schreckensherrſchaft, der Tatſache verdankt,
daß ſie die Militärmacht feſt in der Hand hat. Das hat einen Vorzug,
nämlich den, daß das, was die Regierung will, unbedingt und
rückſichts=
los ausgeführt wird. Der Nachteil dieſer Regierungsausübung iſt
natur=
gemäß, daß Gehorſam ſich nur auf die Furcht vor brutaler
Ge=
walt gründet. Kein Menſch hat zum anderen Vertrauen, keine Schicht
der Bevölkerung zur anderen. Dieſen Nachteil fühlt in erſter Linie das
Wirtſchaftsleben, das naturgemäß auf Vertrauen aufgebaut
ſein muß. Lenins Energie hat tatſächlich Erſtaunliches geleiſtet, aber
jeder Beſchluß, jedes Dekret bedarf zu ſeiner Ausführung einer hinter
ihm ſtehenden Macht. Es ſcheint, daß dieſes Regierungsgebäude auf
großer Grundlage beruht, in Wirklichkeit iſt es aber nur die kleine
kom=
muniſtiſche Partei, und wenn dieſe eines Tages verſagen ſollte, muß
das ganze Gebäude zuſammenbrechen.
Politiſchen und wirtſchaftlichen Reminiſzenzen aus den Jahren nach
der Umwälzung in Rußland, die mehr oder weniger bekannt ſind, iſt zu
entnehmen, daß Lenin rechtzeitig die große Gefahr erkannt hat, die
der zunächſt geübten Behandlung der ruſſiſchen Bauernſchaft lag, die
auf der Grundlage der Naturalwirtſchaft aufgebaut war, die dazu führte,
daß die landwirtſchaftlich bebaute Fläche ebenſo zurückging, wie der
Ertrag der bebauten Fläche. Im März 1921 ſtellte ſich Lenin dann auf
die Kapitalwirtſchaft um und kämpfte dieſe Wirtſchaftsgrundlage gegen
alle Widerſacher durch. Freilich ließ er zunächſt kein Privatkapital zu,
ſondern nur Staatskapital, aber immerhin kam er zur vordem viel
geſchmähten Kapitalwirtſchaft. Dadurch wurde die Hungersnot beendet,
die Produktion auf allen Gebieten wurde gehoben, das ruſſiſche Volk
lebte nuf. Die Anbaufläche vergrößerte ſich zuſehends. Im Jahre
hatte ſich ein ſtarkes Mißverhältnis in der Bewertung der
landwirt=
ſchaftlichen und der induſtriellen Erzeugniſſe herausgebildet, das bis zum
Januar 1924 ebenfalls gebeſſert war, allerdings eben auch nur durch
Machtſpruch des Staates.
Die Geſamtproduktion iſt bei weitem noch nicht genügend, auch nicht
für die ruſſiſchen Anforderungen, über die die unſerigen weit
hinaus=
gehen. Im allgemeinen leidet alles unter allzu großer Ueberorgani=
Handelsverkehr treten, alles geht über den oberſten Wirtſchaftsrat, dem
Kraſſin vorſteht, der ehedem Direktor bei Siemens=Schuckert war.
keiten auf Perſonen, die in Deutſchland ſtudiert und Examen beſtanden widme er ſein Glas.
haben und ſich lebhaft dieſer Zeit und der Lehrer beſonders in
Darm=
ſtadt erinnern.
Eine für jeden, der Verbindung mit Rußland ſucht, wichtige
Eigen=
erreichen will, muß viel Zeit haben; wer es eilig hat, erreicht nichts.
Wer mit Rußland arbeiten will, muß mit der Berliner Han= ſei die deutſche Betſchaft vorzüglich aufgezogen.
Darmſtädter Dagblatt, Sonntag, deit 18. Maf 1924.
delsvertretung arbeiten; direkter Verkehr iſt kaum und nur in
geringen Sonderausnahmen möglich. Das ruſſiſche Handelsmonopol
beſteht und wird vorläufig ſicher nicht gemildert, noch weniger aufgehoben,
was man im Grunde genommen Rußland nicht übelnehmen kann.
Ueber=
haupt gibt Rußland nicht gerne Handelskonzeſſionen, viel lieber Pro=
Der Großhandel liegt zum größten Teil in Händen des Staates,
eine Unmenge Arbeitsloſer und viel Elend und Hunger in Rußland.
Handelskammer, die Vorſtände ſämtlicher Handelskammem Heſſens, die Die Währung geht auch in Rußland einer Feſtigung entgegen. Die
Notenpreſſe iſt ſtillgelegt, der Sowjetrubel iſt ſtabil, allerdings iſt die
Frage, wieweit dies aufrecht erhalten werden kann, nicht zu beantwor=
Herr Fabrikant Schenck begrüßte im Namen der Handelskammer ten, da das Staatsbudget noch lange nicht bilanziert werden kaan.
Im weiteren verbreitete ſich der Redner über Arbeiter= und
Gewerk=
verſchiedenen Staaten an. Danach hat Deutſchland doch ein erheblich
ſtarkes Intereſſe an dem Handel mit Rußland, es beſtritt vorübergehend
Aus den allgemeinen und kulturellen Beobachtungen des Vortra=
Im Mittelpunkt der Veranſtaltung ſtand ein Vortrag über genden intereſſiert noch folgendes: Die urſprünglich ſcharfe Bekämpfung
der Religion iſt eingeſtellt und die orthodoxe Kirche iſt wieder im
Zu=
nehmen. Für die Allgemeinbildung wird viel getan, jedoch ſteht faſt
alles unter Zenſur, beſonders ſtark die Preſſe. Im allgemeinen herrſcht
auch Sicherheit gewährleiſtet iſt. (Die Beobachtungen erſtrecken ſich faſt
ausſchließlich auf Moskau.) Diebſtahl und Gewalttätigkeit werden ſtreng Freunde der Geſangskunſt des leider von Darmſtadt ſcheidenden
Te=
beſtraft. Der Schnaps het ſeine frühere große Rolle verloren. Das
Leben ſpielt ſich nicht in Wirtshäuſern, ſondern gaſtfrei in der Familie, derſänger nochmals zu hören. Der Künſtler trägt in der evangel.
Mar=
ab. Die Geſinnungsſchnüffelei blüht noch immer üppig und ſicher iſt
man hiergegen nur in ſeinen vier Wänden.
Lebhafter Beifall wurde dem Vortragenden gezollt. Herr Stadtv.
Kalbfuß ſprach dem Redner Dank aus und eröffnete eine
Ausſprache,
in der verſchiedene Fragen beantwortet wurden, von denen noch
mit=
geteilt ſei, die Lebenshaltung iſt ſehr teuer, beſonders die Textilwaren,
Rummer 138.
Herr Vürgermeiſter Mueller entſchuldigte das Fernbleiben des
Herrn Oberbürgermeiſters und dankte namens der Stadt für die
Ein=
ladung, die die Veranſtaltung im Allgemeinintereſſe freudig begrüßs.
Sein Hoch galt der Darmſtädter Handelskammer.
Den unterhaltenden Teil des Abends würzten Kunſtgenüſſe gen
auserleſener Art. Die Herren Konzertmeiſter Drumm und
Aleri=
af Enehjelm übertrafen ſich ſelbſt in ganz wundervollen Leiſtung
und ernteten geradezu begeiſterten Beifall. Herr Carlo Emmel be
gleitete die Künſtler feinſinnig am Klavier.
Im weiteren Verlauf des Abends entwickelte ſich bei einem Glaf
Bier ein reger Gedankenaustauſch, während deſſen die verſchiedene=
Gruppen mehrfach wechſelten. Dieſer und der animierte Verlauf de
geſamten Veranſtaltung bezeugten, daß der Zweck des Abends in jed
Beziehung gelungen war.
Um das Arrangement der Veranſtaltung hat ſich beſonders Her
Kahlert verdient gemacht. Der „wirtſchaftliche‟
Teil des Abends
in den Händen des Herrn Schiel (Hotel zur Poſt) und fand ebenfall
allſeitige Anerkennung.
M. St.
Herr Kalbfuß leitete dann mit kurzer herzlicher Anſprache über
zu dem zweiten Teil der Veranſtaltung, einem geſelligen
Bei=
ſammenſein, mit dem das Endziel verbunden ſei, daß mehr oder
weniger fühlbare Scheidewände zwiſchen den einzelnen Organiſationen
und gegenüber den Behörden fallen mögen, damit ein gemeinſchaftliches
Zuſammenwirken aller Stände, der Wirtſchaft und der Behörden im
Intereſſe des Wiederaufbaues gewährleiſtet werde und man ſich
menſch=
lich nähertreten könne.
Herr Wirtſchaftsminiſter Raab ſprach namens ſeines
Miniſte=
riums den Dank für die Einladung aus, ſtreifte kurz die wichtigſten
Wirtſchaftsfragen und ſprach den Wunſch aus, daß der heutige Abend
dazu beitragen möge, dieſe ſchwierigen Fragen zu allſeitigem
Zufrieden=
ſein löſen zu können. (Beifall.)
Nach einer etwa halbſtündigen Pauſe, während welcher ſich die
Teil=
nehmer in dem reizvollen Garten der Loge ergingen, wurde ein
ein=
faches Abendeſſen an Einzeltiſchen eingenommen, die ſehr geſchickt ſo
arrangiert waren, daß tatſächlich die „Geſellſchaft
durcheinandergewür=
felt” war. Offizielle Reden ſollten nicht mehr gehalten werden, doch
ließ ſich das nicht ganz umgehen. Herr Geh. Rat Bamberger, der
Vorſitzende der Handelskammer Mainz, dankte mamens dieſer für die
Einladung und erinnerte an die Zeiten vor dem Kriege, da oftmals bei
einer Flaſche Wein ſich die ſchwierigſten Probleme leichter löfen ließer
als in vielen offiziellen Verhandlungen. Er begrüße darum beſonders
freudig dieſe Veranſtaltung, die ſicher allſeitigem Beſten dienen werde.
Redner hob dann die harmoniſchen Beziehungen der Mainzer
Handels=
ſation und Bureaukratismus. Man kann mit Rußland nicht direkt in kammer zur heſſiſchen Regierung hervor und gab dem Wunſche
Aus=
druck, daß es bald möglich ſein werde, den Herrn Staatspräſidenten
wie=
der einmal in Mainz zu begrüßen, und daß die nächſte Veranſtältung
Ueberhaupt ſtößt man vielfach in Rußland bei führenden Perſönlich= dieſer Art in Mainz ſtattfinden könne. Dem guten Einvernehmen
Herr Fabrikant Schenck holte kurz unlieb Unterlaſſenes nach:
Die deutſche Botſchaft in Moskau. Dieſe funktioniere heute
ganz ausgezeichnet unter Graf Brockdorff=Rantzau und Legationsrat
tümlichkeit iſt die, der Ruſſe hat kein Gefühl für die Zeit. Wer etwas Hilger, der Diplem=Ingenieur (1) (Darmſtadt!) ſei und beinahe
gut funktioniere wie ein Juriſt. (Heiterkeit.) Beſonders wirtſchaftlich
Kunffnottzen.
Ueber Werte, Künfſier und künfleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſiehenden Erwchung
geſchiebt, bebält ſich die Redahton ibr Arteil vor.
— Am kommenden Donnerstag werden die Muſikfreunde und di
riſten Herrn Alexis af Enehjelm Gelegenheit haben, ihn als Lie
tinskirche die 6 Gellert=Lieder von Beethoven, 7 geiſtliche Lieder von
Hugo Wolf und Finnländiſche Lieder in deutſchen Umdichtungen von Kar
Ewald vor. (Siehe Anzeige.)
Lokale Veranſkaltungen.
Die bierunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchließlſch als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritl.
— Chriſtl. Verein junger Männer, E. V., Alexander
ſtraße 22 (Infanteriekaſerne, 1. Hof links). Nächſten Sonntag, abend
4 Uhr, ſpricht Sekretär R. Frank über: „Den Willen zum Leben=
Alle jungen Männer ſind zu dem Abend herzlich eingeladen.
— Neue Poſtwertzeichen. Wie uns mitgeteilt wird, har das
Reich=
poſtminiſterium nunmehr mit der Ausgabe neuer Werte der ſeit kurze
Zeit kurſierenden Rentenbriefmarken begonnen. Es handelt ſi
hierbei zunächſt um einen 40 Pfg.=Wert, der in olivgrüner Farbe,
auf weißem Waffelmuſterpapier gedruckt, das Bild des Reichsadlers zeig
Weiterhin ſind zwei Wertſtufen in Höhe von 60 und 80 Pfg. in V.
bereitung. Desgleichen iſt eine Freimarke zu 2Mk. erſchienen
Die Marke, in der Art der Wartburgmarke, ein liegendes Rechteck, weiß
im Mittefeld auf netzartigem Grunde das Bild der Stadt Köln auf, dere
Stadtname auch auf den „Wolken rechts angebracht iſt. Die mit einen
zirka 1 mm breiten Nande umgebene Marke zeigt unter dem Stadtbilde
die Initialen: „Deutſches Reich”, auf dem Grunde rechts und links di
Wertziffer, die in Buchſtaben auch nochmals auf der oberen Randleiſt
lesbar wird. Die Marke wird in Bogen zu 50 Stück geliefert.
Ragt.6
Heſſiſch. Landestheater, Kleines Haus
Montag, den 19. Mai, abends 8 Uhr
—
Einmaliger Tanzabend
Aenne Osborn
8. Beethoven, Bach, Schumann, Seriabine, Mouforsky
Am Flügel: Paul Meher, Frankfurt.
(*14537
Koſtüme: Paul von Huken, Frankfurt. — Preiſe 1—5 Mark.
ag
MoMmttemttt derrſtt
V
*
Ein Paar ſaß in der Garienlaube
Und wiegte ſich im Liebestraume,
So ſtill vergnügt, kaum iſt’s zu ſagen,
Doch drückt das Weibchen eine Plage.
Schatz, jetzt mußt du mir’s verſprechen,
Mit einer Gewohnheit abzubrechen;
Stets muß die Damen ich beneiden,
Deren Schatz ich ſeh’ ſo fein gekleidet.”
Deine Kleider kaufen wir bei Hörr,
Schwör es mir bei deiner Ehr.
Nicht länger laß ich mich beſchämen,
Von deinen Freunden dich verhöhnen.
Von Hörr hat Fritz einen Anzug an,
An deſſen Feinheit kommt kaum einer ran,
Seine Frau ſagt mir den niedrigen Preis.
Vor Zorn ward ich ganz kreidebleich.
Mr
hervorragend ſolider, rein erſiklaſſiger Herren= und Knabenkleidung. Große Mengen treffen
fortgeſetzt ein. Geringe Waren führen wir grundſätzlich nicht. Nicht Zeitungs= und Schaufenſter=
Kunſipreiſe, ſondern die dauernde Schönheit und Stabilität unſerer Kleidung iſt die
kometen=
artige Wirkung, die alle Menſchen lehrt, daß unſere Preiſe die niedrigſten ſind.
Oerder D
Grafen=
N. 9u 2
Große helle Verkaufsräume.
[ ← ][ ][ → ]Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924.
Seite 3.
Aus Heſſen.
Griesheim, 17. Mai. Am vergangenen Sonntag feierten der
Orts=
gerichtsmann und Landwirt Valentin Nothnagel II, und ſeine
Ehe=
frau Adelheid, geb. Poſeiner, im Kreiſe ihrer Familie und in völliger
geiſtiger und körperlicher Rüſtigkeit das Feſt der Goldenen Hochzeit.
Gleich=
zeitig blickt der Jubilar in dieſem Jahre auf eine 16jährige Tätigket als
Mitglied des hieſigen Ortsgerichts zurück. — Der Richtſatz für die
Be=
wertung der landwirtſchaftlichen Grundſtücke für die
Ge=
markung Griesheim iſt vom Finanzamt auf 2800 Mark pro Hektar
feſt=
geſetzt worden. — Die „drei Eisheiligen” ſind in dieſem Jahre
ohne die gefürchteten Nachtfröſte vorübergegangen.
— Ober=Ramſtadt, 16. Mai. (Gemeinderatsſitzung.) Zum
erſten Punkt der Tagesordnung ſtand die Anſtellung eines Feldſchützen.
Da kürzlich ebenfalls in Perſonalfragen ſeitens des Gemeinderats
be=
ſchloſſen worden war, daß in allen dieſen Angelegenheiten künftig bei
Abſtimmungen nur die abſolute Stimmenmehrheit maßgebend, ſein
foll, wurde die Beratung des vorſtehenden Punktes abgeſetzt, um
zwiſchen=
zeitlich eine Entſcheidung des Kreisamts über die Rechtsfrage der
Ab=
ſtimmung auf Grund der Landgemeindeordnung herbeizuführen. — Mit
der Verlegung der oberen Adlergaſſe nach der vom Kreisbauamt
vor=
gelegten Skizze erklärt ſich der Gemeinderat einverſtanden. Die Pläne
follen nunmehr offengelegt werden.
Je ein Geſuch des Philipt
Neubert I. und Georg Göbel um Abgabe von Baugelände werden der
Bankommiſſion überwieſen. — Die Anträge des Johs, Friedrich, Konrad
und Wilhelm Finger um Abgabe von Baugelände in der Adlergaſſe
neben dem Anweſen Heinz werden abgelehnt, da die Gemeinde das
fragliche Gelände ſelbſt benötigt. — Nachdem vor einiger Zeit die
Er=
weiterung des Ortsbauplanes in Flur 34 am Holzpfad beſchloſſen
wor=
den iſt, ſoll nunmehr bei dem Vermeſſungsamt Darmſtadt Antrag auf
Herſtellung eines Teilortsbauplanes geſtellt werden. Ferner ſoll im
Einvernehmen mit der Baukommiſſion ein Verzeichnis über diejenigen
Privatbauplätze innerhalb des Orts aufgeſtellt werden, die zur eventl.
Enteignung als Baugelände geeignet erſcheinen. — Bekanntlich war
die Erhebung einer Sonderſteuer vom bebauten Grundbeſitz durch die
Gemeinde in der letzten Gemeinderatsſitzung abgelehnt worden.
Darauf=
hin hat das Kreisamt in einer Verfügung auf die Konſequenzen dieſes
Beſchluſſes aufmerkſam gemacht und nochmalige Beſchlußfaſſung
emp=
fohlen. Bei der heutigen Abſtimmung wurde die Erhebung der
Sonder=
ſteuer durch die Gemeinde in Höhe der ſtaatlichen Sätze mit 9 gegen
6 Stimmen beſchloſſen. — In der Frage der Durchführung der
Bau=
ſtraße zur Wehrſtraße am Anweſen des Auguſt Wiener genehmigte der
Gemeinderat einen Vorſchlag des Kreisamts und hebt damit ſeine
frü=
heren Beſchlüſſe auf. — Dem Auguſt Wiener wird Befreiung von der
Vorſchrift der A.B.O. über die Aufführung von Buandmauern
gegen=
über dem Gemeindegelände erteilt. — In der Angelegenheit Matthes
Nieder=Modau gibt der Bürgermeiſter dem Gemeinderat das Urteil des
Schöffengerichts Darmſtadt im Wortlaut bekannt. Das Kreisamt Darm=
ſtadt ſoll nunmehr zu der Rechtsfrage nochmals gehört werden. — Die
erforderlichen Kanalreparaturen in der Aliceſtraße werden zur
Aus=
führung genehmigt, die Lieferungen und Arbeiten ſollen öffentlich
ver=
geben werden. — Die durch den Ausbau der oberen Adlergaſſe
erforder=
ichen Pflaſterarbeiten ſowie das Stellen der Randſteine ſollen
öffent=
lich vergeben werden, ebenſo die Arbeiten bei Herrichtung einer
Woh=
nung im Anweſen Walter. — Der gewerblichen Fortbildungsſchule wird
für die Anſchaffung eines Vervielfältigungsapparates ein Zuſchuß von
) Mark aus der Gemeindekaſſe bewilligt. — Für die nicht eingelöſten
Abfuhrſcheine über erſteigertes Holz wird den Steigerern eine letzte
Friſt bis 1. Juni b. J. eingeräumt, nach dieſem Zeitpunkt findet
Ver=
ſteigerung der betreffenden Holzmenge ſtatt. — Den ſeitens der Finanz=
und Wohlfahrtskommiſſion bewilligten Erlaſſen und Stundungen von
Gemeinde=Grund= —nd Gewerbeſteuer im Rechnungsjahr 1923 wird
ſei=
tens des Gemeinderats Genehmigung erteilt. — Hierauf wird in die
ne Sitzung eingetreten.
* Nieder=Namſtadt, 15. Mai. Nach einer dieſer Tage ſtattgefundenen
Beſprechung des Kreiswohlfahrtsamtes mit den hieſigen
zu=
ſtändigen Stellen ſteht nunmehr endgiltig feſt, daß die bereits in vorigem
Jahre mit großem Erfolg durchgeführten örtlichen Solbadekuren auch in
dieſem Jahre wieder eingeführt werden. Der Beginn der Badekuren iſt
auf den 30. Juni I. Js. feſtgeſetzt. Dadurch, daß ſich die Kur dieſes Jahr
nur auf Kinder von Nieder=Ramſtadt, Traiſa und Waſchenbach erſtreckt,
wird es möglich, daß die Zahl der zur Kur zuzulaſſenden Kinder
bedeu=
tend größer ſein wird als im letzten Jahre. Die Ausſuchung der
Kin=
der findet durch den Schularzt ſtatt. Die Anſtalt für Epileptiſche hat ſich
in liebenswürdiger Weiſe wiederum bereit erklärt, ihre Einrichtungen
zur Verfügung zu ſtellen; auch iſt bereits Vorſorge getroffen, daß die
er=
forderlichen Mittel zur Durchführung der ſich an die Kur anſchließenden
Speiſung bereit geſtellt ſind. Es iſt ſomit die Gewähr gegeben, daß auch
in dieſem Jahre die Kur wiederum einen erfolgreichen Abſchluß findet.
Auerbach, 16. Mai. Erholungsheim Waldruh‟. Die
ſo prächtig gelegene „Waldruh” im Mühltal, früher Villa Eimer, die ſeit
vielen Jahren Frankfurter Mädchen als Erholungsheim diente, iſt von
der Blauen Kreuz=Vereinigung käuflich erworben worden. Seitheriger
Beſitzer war Herr Amtsgerichtsrat Schuchardt=Frankfurt a. M., und ſtand
unter der Verwaltung von Fräulein Offenhäußer. Viele junge und ältere
Mädchen fanden alljährlich während der Frühjahrs= und Sommermonate
in herrlicher Waldesluft neue Stärkung und Erholung, und werden ſich
viele derſelben des Aufenthalts in der „Waldesruh” gern erinnern.
Von der Bergſtraße, 17. Mai. Obſtausſichten. Eine ſehr
gute Kirſchenernte iſt zu erwarten. Infolge des günſtigen Wetters geht
die Entwickelung der Kirſche raſch vorwärts und haben wir ſchon bald
reife Frucht zu erwarten. Auch Pfirſiche gibt es reichlich, dagegen wird
der Zwetſchenertrag ein geringer werden. Birn= und Aepfelbäume ſind
gut behangen und werden, ſoweit ſie im letzten Jahre nicht trugen, eine
gute Ernte liefern. Johannisbeeren gibt es ſehr viele.
* Wixhauſen, 15. Mai. Gemeinderatsbericht. Die
Son=
dergebäudeſteuer für das Rechnungsjahr 1924 wird zum zweiten Male
einſtimmig abgelehnt in Anbetracht, daß dieſe Steuer vollſtändig
unge=
recht verteilt iſt und hauptſächlich nur die geringere Bevölkerung treffen
würde. In Betreff der geplanten Bahnſtraße (Verlängerung der
Bahn=
hofſtraße)) wird der Beſchluß vom 9. Auguſt 1923 aufgehoben, in dem
die Seegartenſtraße vom Punkt 8 ab auf Straßenbreite weſtlich verlegt
wurde und wird der Vorſchlag der Kreisbehörde, die geplante Bahnſtraße
Gemälde-Ausstellung
hlesiger und auswärtlger Künstler
Eröffnung: Dienstag, den 20. Mai
KUNSTSALON SONNTHAL.
Elisabethenstrasse 28
ſo zu verlegen, daß ein Geländeſtreifen von 10 Meter zwiſchen Straße
und Bahnkörper liegt, gutgeheißen. Vom Kreisamt wird vorgeſchlagen,
die Hundeſteuermarke auch in den Landgemeinden einzuführen, was
aber als unnötige Belaſtung einſtimmig abgelehnt wird. Als Auf=
wandsentſchädigung für den Vorſitzenden des Ortsausſchuſſes beſchließt
der Gemeinderat 10 Mark. An dem Bache ſoll eine Badegelegenheit
geſchaffen werden und eine Kommiſſion ſoll ſich die Sache anſehen und
geeignete Vorſchläge machen. Hierauf werden noch Armenſachen
er=
ledigt.
Offenbach, 17. Mai. Zwiſchen der Reichseiſenbahn und
der Stadtverwaltung hat ſich uerwartet eine
Meinungs=
verſchiedenheit entwickelt, die zweifellos beſſer vermieden
wor=
den wäre. Die Bauleitung der Eiſenbahn iſt genötigt, bei dem Umbau
des Bahnhofes ſtädtiſches Gelände zu benutzen, um darauf
Abſper=
rungszäune, Gerüſte uſw. zu errichten. Beſonders iſt dies beim
Bau des neuen Eilgüterſchuppens an der Kreuzung der
Tul=
penhof= und Sprendlinger Landſtraße nötig geworden. Durch die
Ver=
zögerung im Bau, die durch den Geldmangel der Reichsbahn verurſacht
war, wird das ſtädtiſche Gelände ſchon faſt ein Jahr von der Bahn
be=
nutzt. Die Stadt erhebt für eine derartige Benutzung eine Gebühr, und
ſo fordert ſie nun auch von der Eiſenbahn eine Vergütung von 8000
Goldmark. Für dieſen Betrag kann man eben 40. Bauhandwerker vier
Wochen entlohnen, und da die Bahn in gewiſſem Sinne auch für die
Stadt baut ſo iſt es erklärlich, daß ſich die Reichsbahnverwaltung
wei=
gert, den angeforderten Betrag ſo ohne weiteres zu bezahlen. Sollte
aber gleichwvohl die Stadtverwaltung auf ihrer Forderung beſtehen
blei=
ben, ſo wird ſchließlich die Stadtverordnetenverſammlung die
Nicht=
erhebung der Summe beſchließen müſſen. Auf jeden Fall iſt der
Streit=
punkt nicht geeignet, das gute Einvernehmen zwiſchen Reichseiſenbahn=
und Stadtverwaltung während des Umbaues des Bahnhofes zu fördern.
Andere Bauherren beklagen ſich ebenfalls über zu hohe Geländemieten,
die von der Stadt angefordert werden. Das ungünſtige Wetter der
letz=
ten Zeit verzögerte faſt überall die Fertigſtellung der angefangenen
Ar=
beiten und doch kommt zu der Unluſt zum Bauen auch das ſtrenge
Vorgehen der Stadt gegen die Unternehmer. Jede
Gemeindeverwal=
tung müßte aber doch ihr Möglichſtes tun,, die Bauluſt zu fördern, um
dadurch die Wohnungsnot ſo viel als möglich zu mildern.
Offenbach, 16. Mai. Im Alter von 73 Jahren berſchied
hier infolge eines Schlaganfalles der ehemalige, Lehrer an der
Knaben=
mittelſchule Friedrich Weingärtner. Er war lange Jahre der
einzige altkatholiſche Lehrer Offenbachs. Seit zwei Jahren lebte
er im Ruheſtande. Die Beſtattung fand auf ſeinen Wunſch, in aller
Stille ſtatt.
Aus Starkenburg, 17. Mai. Es iſt in der erregten Zeit der
Reichstagswahlbewegung wohl wenig bemerkt worden, daß
ſich kurz vor der Wahl auf dem Gebiete des heſſiſchen
Volksſchul=
weſens grundſätzlich wichtige Ereigniſſe vollzogen haben. Das
Zentrum hat endlich erreicht, wonach es ſeit langem ſtrebte. Man ſprach
ja ſchon vor einiger Zeit auch in dieſem Blatte die Befürchtung aus,
daß der evangeliſche Fachmann im Kreisſchulamt Dieburg durch
einen ſolchen aus dem katholiſchen Bekenntnis erſetzt werden
ſolle, und nun iſt nicht nur das Befürchtete eingetreten, ſondern auch
im Kreiſe Bensheim iſt man in dieſer Richtung vorgegangen. Zwei
überwiegend evangeliſche Kreiſe ſind damit, was den Fachmann
im Kreisſchulamt betrifft, dem evangeliſchen Volksteil auf ewig
verloten gegangen. Das Zugeſtändnis, das man damit dem Zentrum
machte, wird nie wieder rückgängig gemacht werden. Man weiß, daß die
Demokraten in der Regierung gegen die Auslieferung der
Aufſichts=
ſtellen in den betreffenden Kreisſchulämtern an das Zentrum waren.
Die Sozialdemokratie vertrat den Standpunkt, das Zentrum habe
An=
ſpruch auf dieſe Stellen, und ſie verhalf, damit die gegenwärtige
Regie=
rung erhalten blieb, dem Fordernden zum Erfolg. Es verdient
feſtge=
halten zu werden, daß die Sozialdemokratie, die grundſätzlich auf
dem Boden der weltlichen Schule ſteht, die beiden Kreiſe
Schul=
fachleuten auslieferte, die grundſätzlich auf dem Boden der
Be=
kenntnisſchule ſtehen, während wir in Heſſen, auch mit
Zu=
ſtimmung der Sozialdemokratie, immer noch die gemeinſame Schule
(Simultanſchule) haben.
Mainz=Koſtheim, 15. Mai. Unſere Gemeinde hat im kommenden
Monat Juni drei Jubiläumsfeſte zu verzeichnen. Am 1. Juni 80jähriges
Jubiläum des M.=G.=Verein 1844, verbunden mit Liedertag. Am 7.—9.
Juni 25jähriges Jubiläum des M.=G.=Vereins Liederkranz, verbunden
mit großem nationalen Geſangswettſtreit. Am 28.—29. Juni 25jähriges
Jubiläum vom Schifferverein Mainz=Koſtheim.
Mainz=Koſtheim, 15. Mai. Der Main iſt durch die anhaltende
Wärme wieder in ſein altes Strombett zurückgegangen. Die vollſtändig
unter Waſſer gelegenen Ufer links und rechts des Stromes ſind wieder
paſſierbar, jedoch ſteht in den Kellern der am Waſſer liegenden Häuſer
noch erheblich Waſſer, was aber bei dem ſtändigen Rückgang des
Main=
waſſers auch langſam zurückgeht. Der durch die Ueberſchwemmung
ange=
richtete Sachſchaden auf den Feldern iſt ſehr groß. Der Floßverkehr
macht ſich nun allmählich wieder bemerkbar, denn tagsüber kommen
ver=
einzelte Floßzüge ſtromabwärts.
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Seite 8:
Darmſtädter Tagblatt, Sountag, den 18. Mak 1924,
Rummer 188.
Reich und Ausſand.
Der Zwiſchenfall von Schmitten.
Ueber den Zwiſchenfall von Schmitten im Taunus gibt uns das
dor=
tige Bürgermeiſteramt folgende Darſtellung: Am Donnerstag abend
ziwſchen 7 und 8 Uhr erſchienen an dem etwa 1200 Meter von der Grenze
des beſetzten Gebiets oberhalb Schmittens gelegenen Weiher zwei
fran=
führten eine Büchſe mit
zöſiſche Soldaten, um dort zu fiſchen. E
Sprengſtoff bei ſich, mit dem ſie den Fiſchen nachſtellen wollten. Der
Re=
vierförſter, der den Vorgang von ſeiner in der Nähe befindlichen
Be=
hauſung beobachtete, gab den Beiden zu verſtehen, daß das nicht ſtatthaft
ſei. Dieſer Aufforderung gaben die Franzoſen keine Folge, und als der
Förſter ſie in energiſcher Weiſe nochmals zum Verlaſſen des Geländes
aufforderte, griff der eine der Franzoſen in die Taſche, zog ein Meſſer
und drang damit auf den Förſter ein. Auf ſeine Hilferufe eilten zwei
Einwohner aus Schmitten und auch der Sohn des Förſters herbei, der
aus ſeinem Gewehr zwei Schrotſchüſſe auf den Angreifer abgab.
Wäh=
rend der eine Franzoſe ſich auf der Reiſenberger Chauſſee ins beſetzte
Gebiet flüchtete, zog ſich der verwundete, auf dem Waldweg über die
Grenze zurück. Geſtern erſuchte der franzöſiſche Delegierte von
König=
ſtein den Bürgermeiſter von Schmitten, an die Grenze zu kommen und
Aufklärung über den Vorfall zu geben, andernfalls würde Schmitten
be=
ſetzt werden.
Unfall auf dem Frankfurter Hauptbahnhof.
Geſtern früh 7.10 Uhr ereignete ſich im hieſigen
Hauptperſonenbahn=
hof ein Unfall, der glücklicherweiſe gut ablief. Beim Rangieren der
Kurswagen der D=Züge 47 und 247 wurden die Schlafwagen des D 47
und der Speiſewagen des D 247 durch Flankenfahrt leicht geſtreift und
angehoben. In den beſchädigten Wagen befanden ſich keine Reiſenden.
Es ſind überhaupt keine Verletzungen
vorgekom=
men. Urſache des Unfalls war ein mißverſtandenes Signal. Die
Gleis=
anlagen wurden nicht beſchädigt. Durch den Unfall erlitten beide Züge
eine Verſpätung von 20 Minuten.
Radio=Sonderausſtellung.
In den Räumen des Stuttgarter Handelshofes iſt dieſer Tage im
Beiſein des Staatsſekretärs v. Bredow vom Reichspoſtminiſterium die
Radio=Sonderausſtellung durch den Staatspräſidenten Rau eröffnet
wor=
den. Die Ausſtellung iſt gleichzeitig als Meſſe für Fabrikanten und
Händ=
ler gedacht.
Schweres Hagelwetter.
Nach einer Blättermeldung aus Stutgart ging geſtern über
Augs=
burg und Mittelſchwaben ein ſchweres, halbſtündiges Hagelwetter nieder,
das an den in Blüte ſtehenden Obſtbäumen und auf den Feldern großen
Schaden anrichtete. In manchen Gegenden iſt die Obſtbaumblüte
voll=
ſtändig vernichtet. Auch iſt großer Waſſerſchaden zu beklagen.
Tödlicher Unfall.
Der bei dem Hofbeſitzer Thomſen in Levshöh bei Kappeln
bedien=
ſtete 17 jährige Knecht Albert Grunow wurde von einem jungen
Pferd geſchlagen und erlitt einen ſchweren Schädelbruch. Ohne das
Bewußtſein wiedererlangt zu haben, iſt er bald nach ſeiner Einlieferung
ins Krankenhaus verſtorben.
Beſatzungsbehörde und Radio.
Laut Verordnung Nr. 71 der Interalliierten Rheinlandkommiſſion
bedarf der Verkauf und die Errichtung von drahtloſen Empfangsſtationen
einer Genehmigung. Die Genehmigung iſt auch in verſchiedenen Fällen
erteilt worden. Die franzöſiſchen Behörden geben nun bekannt, daß es
notwendig erſcheint, keine neuen Genehmigungen zu erteilen, da die
Er=
fahrung gezeigt habe; daß die Uebermittelung militäriſcher
Radionach=
richten durch die Anweſenheit pribater Radivempfangsſtationen geſtört
werde.
Der deutſchſprechende franzöſiſche Abgeorbnete.
Der in Metz gewählte kommuniſtiſche Abg. Huber, der während des
Krieges als Feldwebel im deutſchen Heere gedient haben ſoll, ſoll nach
franzöſiſchen Blättermeldungen nur der deutſchen Sprache mächtig ſein.
Einige Pariſer Morgenblätter haben Erkundigungen eingeholt, ob es
dem Abgeordneten geſtattet werden könne, in deutſcher Sprache („
Natio=
nal” ſagt in elſäſſiſcher) das Wort zu ergreifen. Nach dem Matin iſt das
nicht möglich, ſchon deshalb nicht, weil keine Stenographen vorhanden
ſeien, die die Rede aufnehmen könnten. Huber hätte, ſo ſchreibt das
Journal, als er die Kandidatur übernahm, annehmen müſſen, daß die
einzige offizielle Sprache in Frankreich die franzöſiſche ſei. Er könne
alſo nicht eine andere auf der franzöſiſchen Tribüne anwenden. Es werde
ihm alſo das Wort entzogen werden, wenn er eine andere Sprache
ge=
brauche, ja, es könne hierdurch ein Zwiſchenfall geſchaffen werden, ſofern
das Mandat für ungültig erklärt würde, da, wenn er ſich nicht franzöſiſch
ausdrücken könne, er im Grunde genommen unfähig ſei, ſein Mandat
auszuüben.
Ein neues ſchweres Eiſenbahnunglück in Italien.
Die Flugzeuge werden nach Spitzbergen auf dem Luftweg kommen. D.
Flugzeuge werden bei Texel in Holland und in Kopenhagen Zwiſcher
landungen vornehmen. Auf dem Kopenhagener Landungsplatz in
Koven=
hagen können die Flugzeuge am 6. oder 7. Juni erwartet werde=
Sobald es das Wetter erlaubt, wird der Flug über eine Strecke bro
3300 Kilometern angetreten. Die Maſchinen ſind mit Doppelmotor,
ausgerüſtet und die Durchſchnittsgeſchwindigkeit wird unter allen Un
ſtänden nicht weniger als 150 Kilometer betragen. Sobald wir den
P=
erreicht haben werden, fliegen wir in gerader Linie nach Alaska weite
Wir werden bei Point Barrow landen. Hier gibt es eine Fläche vou
einer Million Quadratmeilen, die noch nie ein Menſch erforſcht ha,
Wir werden aus unſeren Benzin= und Oeidepots, die in Point Barroy
liegen, unſere Vorräte auffüllen und nach Süden, in Richtung der
zivil=
ſierten Welt weiterfliegen.
9
Ein ſchwerer Bandenüberfall in Indien.
Nach einer Meldung aus Delhi hat eine Bande von 100 Eingeborene
an der nordweſtlichen Grenze bei Kotazam eine britiſche
Polizeiabteilun=
angegrifſen. Es ſoll 11 Tote und 3 Verwundete gegeben haben. Außex,
dem hatte die Bande 10 Gefangene gemacht.
Geſchäftliches.
Wegen der großen Geldknappheit hat die bekannt=
Schuhfabrik Conrad Tack u. Cie. A.=G. in Burg, ohne Rückſicht auf die
Selbſtkoſten, nochmals eine große Menge eigenen Fabrikates ſtark im
Preiſe ermäßigt. Unſere Leſer brauchen alſo heute das ſo knappe Gely
nicht für minderwertige Schuhwaren anzulegen, ſondern haben in de
hieſigen Verkaufsſtelle der Schuhfabrik eine ſeltene Gelegenheit, wei
unter Marktpreis einzukaufen. Man beachte das Inſerat in dieſer
Nummer, in welchem Preis=Beiſpiele genannt ſind, wie ſie einzig billig
daſtehen.
Kommuniſtiſcher Gewaltakt.
Oberhauſen. In der geſtrigen Nacht drangen 60 bis 70
Ar=
beiter gewaltſam in die Zeche Radbod ein, mißhandelten die Wächter und
Notſtandsarbeiter und verſuchten, dieſe von den Zechenanlagen zu
ver=
drängen. Auf die Hilferufe der Mißhandelten ſchritt die Polizei ein und
zerſtreute die Ruheſtörer. Zehn der Beteiligten wurden feſtgenommen.
Ein ehem. Kriegsminiſter zu Gefängnis verurteilt.
Nürnberg. Das Schwurgericht verurteilte den Sozialdemokraten
Schneppenhorſt, der unter der Regierung Hoffmanns bayeriſcher
Kriegs=
miniſter war, wegen fahrläfſigen Falſcheides zu 6 Monaten Gefängnis,
Bewährungsfriſt wurde ihm verſagt.
Landwirtſchaftliche Ausſtellung.
Die große landwirtſchaftliche Ausſtellung in Danzig, deren Dauer
auf vier Tage vorgeſehen iſt, wurde heute nach einer Beg
jungsanſprache
des Herrn Ziehm=Lieſſau durch den Senatspräſidenten Dr. Sahm eröffnet.
Aus dieſem Anlaß waren u. a. neben dem Generalkonſul des Deutſchen
Reiches Vertreter des Generalkonſulates der Republik Polen, Vertreter
der Landwirtſchaftskammern, der Züchter=Vereinigung aus dem
Freiſtaat=
gebiet, aus Deutſchland und Polen, unter ihnen u. a. der langjäbrige
Vorſitzende der weſtpreußiſchen Landwirtſchaftskammer von Oldenburg=
Januſchau erſchienen. Heute, am Eröffnungstage, war die Ausſtellung
bereits von über 10 000 Perſonen beſucht, zumeiſt Freiſtaatsangehörigen;
es waren aber auch eine große Anzahl Beſucher aus Pommerellen,
Kon=
greßpolen und Deutſchland anweſend. Abends fand im Friedrich=
Wil=
helm=Schützenhaus in Danzig ein Begrüßungsabend ſtatt.
Deutſcher Seemannsſtreik in Aberdeen.
London. Nach einer engliſchen Blättermeldung liegen 10 deutſe
Dampfer in Aberdeen feſt. Ihre Beſatzungen ſind in einen Proteſtſtreit
getreten, weil ihrer Forderung, Entlohnung in engliſcher Währung, nicht
entſprochen wurde.
Der heute Mitternacht von Rakek gegen Italien abrollende Simplon=
Expreßzug iſt auf der Strecke Laibach—Trieſt, an der Station Preſtranek
auf einen Laſtzug aufgefahren. Die Bemühungen des Lokomotibführers
und des Heizers, den mit einer Geſchwindigkeit von 70 Kilometern
durch=
fahrenden Zug durch Gegendampf vor dem Zuſammenſtoß zu bewahren.
blieben erfolglos. Vier Waggons wurden zertrümmert. Der
Lokomotiv=
führer und der Heizer des Expreßzuges konnten ſich durch Abſpringen
von der Lokomotive retten. Bei dem Zuſammenſtoß wurden vier
Per=
ſonen getötet und fünf ſchwer verletzt. Unter den Verwundeten befindet
ſich auch das Perſonal der Schlafwagengeſellſchaft. Der dienſttuende
Be=
amte hat ſich erſchoſſen. Die Urſache des Zuſammenſtoßes war eine falſche
Weichenſtellung.
170 Menſchenopfer bei dem Erzerumer Erdbeben.
Aus Konſtantinopel wird gemeldet, daß dem Erdbeben in der Gegend
von Erzerum, das mehrere Dörfer vernichtete, insgeſamt 170
Menſchen=
leben zum Opfer gefallen ſind.
Amundſens Nordpolflug.
Der Polarforſcher Roald Amundſen gewährte einem Mitarbeiter der
Politiken” ein Interview, in dem er folgende Erklärungen über ſeine
Nordpolexpedition gab: „Ich habe noch einiges in Kriſtiania zu erledigen.
Von dort begebe ich mich ſo ſchnell wie möglich nach Spitzbergen um
alles bereit zu haben. Wir bekommen ein eigenes Expeditionsſchiff, einen
richtigen Eismeerfahrer, der bei Tromſö liegt und mit einem guten
Radioſender ausgerüſtet iſt. Was die Baſis der Expedition anbelangt,
wäre es am beſten, wenn man bis zur Eisgrenze vordringen und die
Flugmaſchinen erſt dort in Betrieb ſetzen könnte. Dieſen Gedanken
müſſen wir jedoch aufgeben.
Es bleibt alſo nur die Däniſche Inſel,
die Inſel, die auch der Ausgangspunkt Andrés und Wellmanns war.
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Gute Stimmung iſt im ganzen Hauſe, wenn der Tag
mit einer guten Taſſe Kaffee beginnt. Einen erprobten Rat möchter
wir Ihnen dafür geben: Man nehme Pfeiffer u. Dillers Kaffee=Eſſen
zu Bohnen, Korn, Gerſte oder Malz, dann erhält man ein Getränk
das allen mundet. Voll und rein im Geſchmack, dabei wohlbekömmlich
ſpart man dabei noch ganz erheblich. Pfeiffer u. Dillers Kaffee=Eſſen,
iſt ein Erzeugnis aus reinen Zuckerſtoffen, dem nicht nur voller Gehalt
und ſtarke Färbekraft innewohnt, ſondern es veranlaßt auch, daß di=
Grundſtoffe von Bohnen, Korn, Gerſte oder Malz vollkommen aus
genutzt werden. Darin liegt der hohe Wert der Pfeiffer u. Dillers
Kaffee=Eſſenz.
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in 5½ Monaten 48 Pfund ſamerik. Gewicht) ab, ohne irgendwelche
nachteilige Wirkung zu bemerken. Aus freiem Antriebe, um auch meinen
Mitmenſchen behilflich zu ſein, laſie ich Ihnen dieſe Zeilen zugehen,
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„Sennora”. — Löns=Morgenfeier, 11,15 Uhr, in der Aula
der Landesbaugewerkſchule. — Reichsbund der Kriegsbeſchädigten
und =hinterbliebenen, nachmittags 2 Uhr ab Böllenfalltor:
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denkbar schonendste Behandlung des Waschgutes sichern.
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und zugleich billig waschen, so ist es unerläßlich, Persil allein
und ohne jede Beigabe von Seife und Seifenpulver zu verwenden.
— Versuchen Sie es bei Ihrer nächsten Wäsche einmal so und
befolgen Sie die nachstehende einfache Vorschrift, dann
waschen Sie wirklich billig und bequem und haben eine Wäsche,
wie sie nicht schöner sein kann.
E.653
[ ← ][ ][ → ]Nummer 138.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag
den 18.
Seite 9.
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Eine Frage des Vertrauens!
Sie wissen, dass nur der Umsatz eine Ware
empfehlt, weil ein Umsatz, wie wir ihn haben,
nur bei anerkannter Güte des Gebotenen möglich
ist. Nicht die Anzahl der Verkaufsstellen ist
mass-
gebend für die Billigkeit des Erzeugnisses, sondern
die Kalkulation, die man bei der Preisauszeichnung
zugrunde legt.
Wir haben nicht nur „eine grosse Menge Artikel
stark im Preise ermässigt” sondern
Unser
ganzes Warenlager
um volle 20 Prozent
herabgesetzt
und zwar schon zu einer Zeit, als andere Geschäfte
noch nicht im entferntesten daran dachten, der
allgemeinen Geldknappheit Rechnung zu tragen.
Auch der von Gehässigkeit strotzende Neid auf
unsere Riesen-Erfolge einer weniger
leistungs-
fähigen Konkurrenz vermag die unerschütterliche
Treue und Anhänglichkeit, die uns Aro des auf
seinen Vorteil bedachten Publikums mit Recht
entgegenbringt, nicht zu erschüttern.
Der zwanzigprozentige Rabatt bleibt auch die
ganze nächste Woche bestehen, daher bitten wir
nochmals nach Möglichkeit um Besuch in den
Vormittagsstunden, da an den Nachmittagen,
speziell gegen Ende der Woche, der Andrang
zu-
meist beängstigend ist.
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wird die Badezeit von 9 Uhr vorm. bi
71/, Uhr nachm. feſtgeſetzt. Währen
dieſer Zeit iſt für Frauen Dienstag
und Donnerstags das Heilbad und
Dienstags die große Schwimmhalle,
geöffnet. Donnerstags iſt Familien
(st656
bad.
Darmſtadt, den 17. Mai 1924.
Direhtion der ſtädt. Betriebe,
Bekanntmachung.
Die Lieferung der Brennſtoffe (
Nuß=
kohlen, Eiform= und Braunkohlenbriketts!
für das Finanzamt, Poſtamt und
Zoll=
amt in Reinheim i. O. wird hiermit,
öffentlich ausgeſchrieben. Die für die
einzelnen Dienſtſtellen erforderlichen Men
gen und Sorten ſowie die Lieferungs
bedingungen ſind unter Beifügung von
Rückporto und 50 Pfg. bei der unteg
zeichneten Stelle bis ſpäteſtens 22. Mai
1924 ſchriftlich zu erfragen. Angeboie,
müſſen ebenfalls bei dem unterzeichneten
Amt portofrei und verſchloſſen bis ſpäte
ſtens 30. Mai 1924 eingegangen ſein.
Nach dem 22. Mai 1924, bezw. dem
30. Mai 1924 eingehende Anfragen und
Angebote können nicht mehr berückſich=
(6508
tigt werden.
Reinheim i. O., den 16. Mai 1924.
Finaſkzamt Reinheim i. O.
Klingelhöffer.
Beilage zum Darmſtädter Tagblatt
Nummer 138
Sonntag, 18. Mai
1924
Sunndags=Noochmiddags=Bedrachdunge.
Offener Schreiwebrief an den neigebackene
Landestherjader=Scheneral=Indendand!
P. P.
Sehr verehrlichter Herr Scheneral=Indendand!
Wirdichſter unter den Wirdichſten!
Auserwehlter unter den Auserwähldeſten!
Ewree Hochwohlgeboren!
Liewer Freund un Kubferſtächer!
Brämiſſis Brämidendiß!
O Iſſis un Oſſiriß!
Kwo wadiß!
Ridder, dreier Schweſternliebee
Effnet Eich dies Herz, Juchhä,
Fordert keine andere Triebee,
Denn es macht mir Schmerz. Juchhä!
Schbät kommt ihr, doch ihr kummt.
Der weide Wäg endſchuldicht eier Seimen!
Was lange währt, werd gut!
Heinrich, mir kraut for dir!
Sein oder Nichtſein, das iſt hier die Frage!
Haſt du zunacht geſpiſſen, Däßdemona,
Dann greif hinein ins volle Menſchenläwen!
Die ſcheenen Dage von Arrangſchuwetz
Sind nun vorrieber!
undndrmmmmmn
Cich iſts bekannt, was wir bedirfen,
Vor allem aber laßt genug geſchehn,
und friſch gewagt, iſt halb gewonnen!
Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Grenze:
Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Vogd!
Ja, das Geld iſt nur Schimäre!
Am Golde hängt, nach Golde drängt
Der gude Menſch in ſeinem dunklen Drange!
Wir ſind der Knobf nicht an Fordunens Mitze.
Ward je in ſolcher Laun ein Weib gefreit?
Sei mir gegrießt, mein lieber Schwan von Avalon,
Mit Godd dritt ein — bring Glick herein,
Ernſt iſt das Läben, heiter die Kunſt,
Macht fort, das Spiel kann beginnen,
Die Pfärde ſind geſaddelt!!!
Eroe!!!
No, Herr Scheneralindendand, was ſage Se zu dere boediſche
Begrießung? Un deß is eichentlich noch gor nix, deß hab ich ewe
nor ſo aus em Stächreif gedicht, un ich kann’s noch beſſer.
Frei=
lich, ſo gut wie de Geede un de Schiller un de Klaader=Hörr kann
ich’s noch net ganz, indem weil die 8 Dichte ſo gewiſſermaße
fawericksmeßig bedriwwe hawwe, odder vielmehr noch bedreiwe,
währendem ich eichentlich mei Gedichte nor ſo neweher mache
dhu, un nor bei beſunners feierliche Gelegenheide, wie zum
Bei=
ſpiel Ihne. Awwer dann kumme mer die Vers nor ſo zugefloge
un die Bleifedder ſchießt iwwer’s Babier wie e geelter Blitz. Un
ſo hott mich aach die Nochricht vun Ihne Ihrm Kumme zu dem
Gedicht diräckt dransbiriert, Herr Scheneralindendand; und
ſchließlich waaß ich aach, wos ſich geheert, un daß mer mit Leit
vun Ihne Ihrm Schlag eichentlich nor uff=em fimffießiche
Jambe=
fuß verkehrn kann. Awwer daß kann ich Ihne ſage, Herr
Schene=
ralindendand, Sie ſin de Erſte, den wo ich agedicht hab, un do
kenne Se ſich was druff eibilde. Jawohl! Un wann aach net
lauder fimffießige Jambefieß drinn vorkumme in mein Gedicht,
wie beiſpielsmeßig im Schiller ſeine Sache, ſo hab ich deß blos
deßhalb gemacht, daß es net haaßt, ich wollt em Schiller was
noochmache; odder daß gor ganer glaabt, ich hedd deß Gedicht
dem Klaader=Hörr abgeſchriwwe. Deß ſin alles mei eichene
Ge=
danke, jawohl, un wann’s aach im erſte Momend e bische komfus
ausſieht, ſo kann ich deß net ennern, deß is bei äxbräßjoniſtiſche
Gedichte ſo, die wo ſo diräckt aus de Fißion eraus geborn werrn,
die hawwe all ſo e bißche en Stich ins Verrickte. Awwer nor
ſo=
lang, bis daß mer’s gewehnt is. No, un ich denk, Herr
Scheneral=
indendand, mir zwaa werrn uns ſchun anennanner gewehne.
Un ſo drick ich Ihne unbekannterweis im Geiſt die Hand un
haaß Ihne bei mir willkumme, un ſag: Gen Dag, nemme Se
Blatz un mache Se ſich’s gemietlich uff meim Sofa (awwer gewe
Se acht, die aa Sprungfädder is e bißche aus em Leim), un jetzt
wolle mer emol en Stoß mitnanner redde!
Alſo, Herr Scheneralindendand, es freid mich, daß Se deß
Stellche an unſerm Landestherjader agenumme hawwe, Sie
hawwe mer dodemit en ſchwere Dorn aus em Fuß gezoge, dann
ſchließlich weer deß Peſtche noch an mir henke gebliwwe. Un
dere Uffgab fiehl ich mich dann doch net gewachſe. Daß Sie
awwer die Korraſch hawwe, Herr Scheneralindendand, un wolle
unſerm Deßbiskarrn widder aus em Dräck ziehe, deß zeigt mer,
daß doch noch e bißche was vun dem vielverläſterte
Miledaris=
musgeiſt in Ihne ſtecke dhut, dann Sckldad warn Se jedenfalls
aach un hawwe noch die Kriegsaddickel induß, wo’s drinn haaßt:
Mut bei allen Dienſtobliegenheiten!
Un der geheert dezu, Herr Legal, dann nehmlich, offe un frei
erausgeſagt: unſer Landestherjaderbredder, die wo bekanntlich
die Welt bedeite, die ſin ſaumeßich aus em Leim; mitunner
ſo=
gar diräckt aus Rand und Band. Eichentlich ſin unſer
Landes=
therjaderbretter des reinſte Exaldiergeräd, odder, wie die Landſe
als geſagt hawwe, de „griene Dood”, mer kann Hals un Baa
bräche. — Un in dieſem Sinne: Hals= un Baabruch, Herr
Scheneralindendand! Sie werrn en ſehr needich brauche kenne!
(Engſtliche Gemieder, die wo maane, deß weer e Uverſchemtheit,
dene will ich gleich ſage, daß ſe ſich net zu allderiern braiche,
Hals= un Baabruch, deß haaßt in de Kuliſſeſprach ſoviel als wie:
alles Gudel un is de allerheechſte Wunſch. Alſo richt Eich denooch,
Ihr, die wo Ihr mein Schmus läſe dhut: Wann Ihr eme
Kinſt=
ler emol ebbes winſche wollt un Ihr ſagt valleicht „viel Glick”,
dann kann’s Eich baſſiern, daß Eich ſoe Kinſtler wege
Achdungs=
verletzung verklage dhut. Hals= un Baabruch mißt=derr ſage,
dann am Therjader winſcht mer ſich immer des Gegedaal.) Alſo,
Herr Scheneralindendand: Hals= un Baabruch! Un wann deß
for unſer Verhältniſſe noch net ganz reiche ſollt, dann ſtift ich vun
mir aus noch e paar Leiſte=, Nawwel= un Rohrbrich dezu.
Hof=
fentlich reich’s dann —
De Guſtibuß non eſt dißbudandum!. Deß is ladeiniſch un
haaßt ſoviel als wie: de Doode ihrm Geſchmack ſoll mer nis
Schläächtes nochſage! — Deßdewäge wolle mer iwwer den
ver=
floſſene Indendand kaa Wort mehr verliern. Ihne awwer, Herr
Legal, micht ich in Bezugnahm vun wäge unſerm Geſchmack
gleich ſage: Kunſthonich hawwe mer genug un Kunſtbudder aach,
mir meechte deſſentwege widdermol ſpiern, wie richdiche
Ho=
nich ſchmeckt un werklich Budder. Richte Se ſich alſo mit Ihne
Ihre moraliſche Läwensmiddelhannlung denooch ei! — Mir
Darmſtädter Klaaſtädter kenne den allzuſchaffe Hoguh net
ver=
drage uff die Dauer, un Sie wiſſe jo ſelbſt; was aam net ſchmeckt,
bekimmt gam aach net. Dhun Se deßhalb unſerm verehrliche
Publigumm nir uffdränge, wann es ſich degege ſtraibt. Dodemit
will ich net ſage, daß Se nu alle Dag Ihne Ihre Koſtgenger mit
uffgewärmte Kohl un klaſſiſche Kadoffelſubb zu kumme brauche.
Es derf ruhich als emol ebbes uff de Speiſekadd ſteh, was e bißche
wildelt. Awwer wie geſagt, alles was in Sack geht!
Odder mit annere Werter geſagt: die Kunſt ſoll uns erhewe,
erſchiddern odder erheidern. Awwer wann’s aam hebt, un wann
mer maant, mer mißt aus em Therjader gleich ins Schwimmbad
geh, ſo kann mir kagner eiredde, daß mer en Kunſtgenuß gehatt
hett. Nooch eme richdiche Kunſtgenuß is es aam annerſter! Un
deſſentwäge kann Ihne niemand en Vorworf mache, Herr Legal,
daß unſere junge Dichterſcheneratzion im Dorchſchnitt nir
Geſun=
des mehr eifellt, un daß die meiſte mit ihre zweifellos
iwwer=
zwerche Fandaſie nor ihrn Gefalle dra hawwe, wann ſe recht dief
im Dreck un Schlamm erumwiehle kenne. Awwer uffzufiehrn
brauch mer’s net, un uff die krankhafte Ausgeburde vun ere
ver=
dorwene Fandaſie verzichte mer im voraus.
Awwer verſtehn Se mich net falſch, bidde, Herr Scheneral=
Indendand, ich will domit net geſagt hawwe, daß mer an unſerm
Landestherjader die frieher for e Hoftherjader vorgeſchriwwe
ge=
weſene höfiſche Rickſichte widder eifiehrn ſoll; de Himmel ſoll
uns awwer vor=em diräckte Gegedaal bewahrn, nemlich vor=ere
lächerliche berjerliche Edigedd, dann die möbbſelt in de meiſte
Fäll ganz gewaldich un ſchillert in alle Farwe wie e doder Has,
wann er vier Woche im Keller henkt. No, Herr Legal, ich hab
des Vertraue zu Ihne, daß Se net aaſeidich veralagt ſin,
un den entſprechende Riecher hawwe for die moderne dichteriche
Erzeichniſſe. Aach e Therjaderdiräckter hott eichentlich nor e Amt
un kaa Maanung, un er ſoll deß Amt unbaddeiiſch, odder
meints=
wege unbaddeibollidiſch ausiewe. Un er ſoll deßhalb, wie ich in
meim Begrießungsgedicht ſchun ſo ſchee un dräffend geſagt hab,
„eneigreife ins volle Menſcheläben”, Un wann unſer heidich
Kunſt aach ſchließlich weider nix is wie e Modeſach, un noch e
fragwerdich owwedrei, ſo miſſe mer uns doch mit=er
ausenanner=
ſetze. Un eme richdiche Dichter verzeiht mer aach emol en „Fo
ba”, wie die Englenner ſage, wann ſe in Barieß emol ins
Fädd=
näbbche drete. Un for allem, Herr Legal, dhun Se aach unſere
ächte un werkliche Humoriſte un Sadiericker die Gunn a, aanerlei
zu welchere Nichdung un Baddei ſe ſich zehle. Bloß Zuckerbrod
odder bloß Hölderlin dhut’s heit net, ſundern unſer Zeit brauch
die Narrnbritſch, daß er’s ſchwazz un blau vor de Aage werd.
Awwer, wie geſagt, es muß die Britſch ſei vun=eme Narr, der
net bloß ſein Spaß hott am Druffklobbe, ſundern dem des Herz
blude dhut bei dem Geſchäft! . .."
Vielleicht derf ich Ihne, Herr Legal, aach gleich uff unſer
Darmſtädter Lokalpoſſe hieweiſe, die wo ja vun jeher
vum Therjader aus wie e Stiefkind behannelt worde is, mit
Aus=
nahm vun e paar mehr odder weniger gelungene Uffiehrunge
vum Niewergall ſeine zwaa Sticker. Awwer deß ſin aach ſchun e
paar Johr her, dann de Herr Haddung hott ſich nir dodrauß
ge=
macht, obgleich ſei eigene Palladiene Vordräg iwwern
Niewer=
gall un ſei Sticker gehalte hawwe un hawwe Uffſätz geſchriwwe
in de Zeidungen un hawwe gedha, als wie wann ſie erſt de
Niewergall zum Niewergall gemacht hette. Die arme Derkelcher
hawwe in ihre kindliche Unſchuld gor net gemerkt, daß ſe mit all
ihrm Geſchwätz un Geſchreibſel — Fröſch in de Ziegelbuſch
ge=
drage hawwe. Die hawwe in ihrer Iwwerheblichkeit aus unſerm
Niewergall e Mode mache wolle, un wie=ſen geheerich
ausgezug=
gelt hatte — hawwe=ſen links lieje loſſe. Vielleicht, Herr Legal,
nemme Se ſich em Niewergall widder a”, un wann net, dann
mache Se wenigſtens de Vereine, die wo en uffiehrn wolle, kaa
Schwierichkeite — wie’s in de letzte Zeit geſchehe is.
„Ernſt iſt das Läben, heider die Kunſt”, Herr Legal, hab
ich in meim Begrießungsgedicht geſagt, un do mecht ich Ihne en
diesbeziegliche Wunſch vun meine Freundin Fränzel
Bohnekräu=
tel, die wo ewe Niernberg unſicher macht, unnerbreide, nemlich
in Bezugnahm vun wäge de Obberädde. Gewiß, unſere
mo=
derne Obberäddelibbrediſte fellt nir „Aſtendiches” mehr ei, un
die ſogenannte Kommboniſte mache die „entſprechend” Muſick
dezu; awwer mir hawwe noch en ganze Schwudd alte
Obbe=
rädde, und wann Se die mit derſelbe Luſt un Lieb erausbringe,
wie mer annern frogwerdiche Erzeichniſſe erausgeſtellt hott, dann
werd Ihne de Dank vun de Darmſtädter Bevölkerung ſicher ſei,
un aach in de Kaſſ werrn Se’s ſpiern.
Dann noch was, Herr Scheneralindendand. Gehn Se aach
emol dem iwwerrickſe Kuliſſebollſchiwißmuß e bißche zu Leib, der
wo maant, mer mißt aach im Therjader alles uff de Kobb ſtelle,
ſodaß mer als emol uff de Biehn nor an de Schauſpieler ihre
Baa ſieht, wo unne un owwe is. For die Klinkerditzcher hawwe
mer werklich kaa Geld, ganz abgeſähe devo, daß mer
iwwer=
haubt kaan’s hawwe, ſundern daß mer zurzeit mit eme recht
bedrächtliche Iwwerſchuß an Unnerbillans uns groß dhu kenne.
Un wann ich alſo in mein Gedicht geſagt hab: „Mir ſind der
Knobf nicht an Fordunens Mitze”, ſo hott des abſolut ſei
Rich=
dichkeit, ich glaab eher, daß mir des Schweißledder ſind an dere
Fordung ihre Kabb. Alſo, geſpart muß werrn an unſerm
Muſe=
dembel, un des kann aach geſchehe, ohne daß des kinſtleriſche
Nif=
foh drunner leide dhut. Un ich mecht Ihne bidde, Herr Legal, do
emol recht grindlich un ohne viel Lärm um Nichts des Licht in
die Finſterniß ſcheine zu loſſe. Es is net needich, daß jeder Fätze,
der wo noch an’s alte Reſchiem errinnert, unner alle Umſtend
vermorkſt muß werrn. Ich for mei Daal leg abſolud ſo kaan
große Wert uff die arſchidäckdoniſche Dabbeziererskunſtſtickcher,
die wo uns ſo was wie e äxbreßioniſtiſch Deckeratzion vordeiſche
ſolle. Noch weniger Gefalle kann ich dro finne, wann unſer
Solo=
perſonal iwwer goddwaaß wieviel Drebbeſtaffele, Verſatzſticker
un Poddeſte krawwele muß, un bei dene Kledderturn immer in
de Gefahr ſchwebt, es Gnick zu breche. — Wann ich ins Therjader
geh, will ich in erſter Linie was heern, un wann uns e Dichter
was zu ſage hott, kann mer uff die dikoradiefe
Ausſtaddungs=
mät jer Verzicht leiſte, die wo weider nir wie en Haufe Geld koſte
un aan Wert hawwe. Unner uns geſagt, ich hab immer des
Ge=
fiehl, als wann der Mann, der wo bei dene Therjaderſtickcher die
„Ausſtattung” ausdenke dhut, als wann der ſein Uhtz mit aam
dreiwe wollt. Awwer for en derardich koſtſpieliche Uhtz dank ich.
Es kann ſei, daß ich net „gebild” genug bin, um deß zu verſteh:
awwer wann ich gebild genug bin, un als Zwangsakzionärin de
Jwwerſchuß an Unnerbillanz mitdrage helfe derf, ſo halt ich mich
aach for gebild genug, mein Semft dezu zu gewwe.
Daß mer aach uff die Schnabbsiddee kumme is, am
Ther=
jader fors Perſonal e Kondrolluhr azuſchaffe, deß werrn Se
vielleicht aach ſchun geheert hawwe. Hedd mer die frieher
ageſchafft un hett ſe dem verfloſſene Indendand in die Stubb
gehenkt, ich glaab, do weern mer heit beſſer dro. — Awwer no,
ſie is nu emol do, die Kondrolluhr, un muß jetzt aach verbraucht
werrn. Vielleicht hilft die Ihne emol for Ordnung ſorje,
hin=
ner de Biehn, wo deß ſehr needich is, damit mer emol waaß, wer
Koch un wer Kellner is, un aach vor de Biehn, damit die
ver=
ehrliche Publigimmer net glaawe, ſie kennte kumme wann ſe
wollte un kennte aam mit ihre zwaaſchleefriche Maalboodcher uff
de gewixte Stiwwel erumdrete un kennte ſich während de
Vor=
ſtellung uffiehrn, daß mer glaabt, mer weer im Zoologiſche
Gadde bei de Fidderung ſemtlicher Raubdiern.
So, Herr Scheneralindendand, deß weer for heit emol ſo des
Gröbſte, was ich uffem Herz hatt, ſpeter werrn mer weider ſehe.
Un ſo winſch ich Ihne vum ganze Herze noch emol zu Ihre neie
Stell: Hals= un Baabruch!
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribbdumm! Was aam ewe all for
Menſche=
raſſe uffſtoße in Darmſtadt, 3 is geradezu merkwerdich. Kimmt
do am letzte Sunndag mei Zwangsmiedern in mei Stubb geſterzt
un rieft: „Ei, wiſſe Se’s dann ſchun, die „Schlaraffe” ſin in
Darmſtadt!“ — „Wer richts?” haw=ich geſagt, „deß ſin die
land=
wertſchaftliche Eggonomie=Aggrarier, die hawwe hier e paar gude
Dag genoſſe, daher der Name Genoſſenſchaftsdag, was weider?!”
„Quatſch,” ſeegt=ſe, „die maan ich net, gehn Se mol nooch
em Saalbau zu, do kenne Se ſe ſehe.” — No, ich hab mei
Ka=
boddche uffgeſtilbt un bin losgeſtoche. Wie ich mich eweil am
Saalbau erumgedrickt hab, ſin mer dann aach e paar
merkwer=
diche Eirobäer uffgefalle, die ich in meine Unkenntnis for
Kom=
muniſte ageguckt hab, dann ſie hatte all e groß rot Ledderſcheib
im Knobbloch un e weiß Nodel am Rockkrage. Wann aaner de
annern geſehe hott, hawwe ſe ſich per „Lulu” tiduliert und hawwe
gedha, als wann ſe ſich ſchun zwaahunnert Johr kenne dhete.
Ihrm Aeißere nooch zu urdaale hawwe ſe mer allerdings net
de Eidruck gemacht, als wann’s „Schlaraffe” weern, dann dodezu
geheern doch vor alle Dinge mol die entſprechende dicke Baich
un Geſichter, die wo glenze, als hett mer ſe mit=ere Späckſchwart
abgeriwwe. Awwer wann ich mer die ſo ageguckt hab, do hatt
ich deß Gefiehl, daß dene die gebratene Dauwe net ſo mir=
nir=
direnir ins Maul flieje dhete — was vielleicht bei dene annern
de Fall geweſe ſei mag.
No, mei Neigierd war emol geweckt, un wann’s dich Kobb
un Krage koſt, hab ich gedenkt, in de Saalbau mußte, um hinner
dene ihr Schlich zu kumme, dann do ſcheint mer ebbes net ganz
ſauwer zu ſei. Wann ich aach kaa gelernter Bollezeihund bin,
awwer wie mer ohne geſehe in de Saalbau kimmt, deß waaß ich
dann doch. Un im Stille hab ich mich ſchun druff gefraad, do e
ſtaatsgefehrlich Klombodd ufzudecke un widdermol im
Handum=
drehe die Rebublick zu redde. — Damit ich’s gleich ſag: es war
nir mit dere Rebublickredderei. Deß Schlimmſte war, daß ſe alle
Aageblick „Ehre!” gerufe hawwe. Awwer dodewege kann mer
ſchließlich kaa Verſammlung ſprenge, odder wie die als geſagt
hawwe „e Sibbung”, dann in dene „Sibbunge”, in dene wo mer
in de letzte Woche drei geweſe is, do hawwe ſe ſich ganz annere
Sache zugerufe!
Im Gegedaal, die Sibbung hott en ſehr wohlduende Eiffluß
uff mich ausgeiebt, un ich bin haamgange un hab gedenkt: wann
ſich doch all die deitſche Brieder, die nor des beſte, for unſer
Vaderland wolle, ſo verſteh dhete, wie die aus alle Gaue,
Ge=
werwe un Klaſſe zuſammegewerfelte „Schlaraffe” — dann dhete
mer in Deitſchland werklich läwe wie im Schlaraffeland . ...
We
Die glückliche Geburt
T eines geſunden Jungen zeigen
hocherfreut an
Lndwig Klier und Frau
Margarete, geb. Beckenhaub
Darmſtadt, Rhönring 22, I.
Al
Käthe Röder
Auguſt Hofſommer
Verlobte
Reichelsheimi. O. Darmſiadt
18. Mai 1924
A
Ihre Verlobung zeigen an
Elisabeth Dieh
Ludwig Hess
Darmstadt. den 18. Mai 1924
(6490
eute berſchied unſere liebe Frau
und Mutte
Mathilde Buß
geb. Hoffmann
Um ſtilles Belleid bitten: (6576
Dr. Fritz Buß
Franz Buß u. Frau Sophie
geb. Heumann
Die Beiſetzung findet Montag,
den 19. Mai, 3 Uhr nachm. von
der Kapelle des alten Friedhofes
Niederramſtädterſtr. aus ſtatt.
Am Freitag verſchied ſanft
nach längerem Leiden im 65.
Lebensjahre
Frl. Helene Beck
Die trauernd. Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 16. Mai 1924.
Die Beerdigung findet am
Diens=
tag, den 20. Mai, um 11 Uhr, auf
dem FriedhofNieder=Ramſtädter=
(*14548
ſtraße, ſtatt.
Allen Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Nachricht, daß
meine herzensgute Frau, unſere
innigſtgeliebte Tochter, Schweſter
und Schwägerin
Frau Kath. Veit
geb. Schieferſtein
im blühenden Alter von 23 Jahren
Freitag morgen 3½ Uhr nach
dreiwöchentl. ſchwerem
Kranken=
lager im Alice=Hoſpital ſanft
ent=
ſchlafen iſt.
Darmſtadt, den 16. Mat 1924
Mathildenpl. 2.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Adam Veit
Familie Schleferſtein n. Angeh
Familie Becker nebſt Angehör.
Die Beerdigung findet Montag
den 19. Mai, nachmittags 8 Uhr,
auf dem Waldfriedhof ſtatt.
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Tochter, Schweſter und Enkelchens
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ſeren innigſten Dank. Beſonderen
Dank dem Herrn Pfarrer von der Au
für die troſtreichen Worte, dem Herrn
Lehrer Horſt und den Schulkindern
für den Geſang und Niederlegung
des Kranzes, für die vielen Blumen=
und Kranzſpenden, ſowie denen, die
ihr die letzte Ehre erwieſen haben.
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grö=
ßeren Orte des Bezirks tüchtiger in der
Glasverſicherungsbranche beſtens verſierter
Beamter geſucht.
Betätigung in allen übrigen
Ver=
ſicherungszweigen iſt möglich.
Pensionsberechtigung
Angebote von Fachleuten mit
Zeugnisab=
chriften und Angabe von Referenzen werden
unter F. A. 5. 973 an Rudolf Moſſe,
Frankfurt a. M., erbeten.
Generalvertreterbeihohen Proviſionen
an allen größeren Plätzen geſucht.
(I,6517
[ ← ][ ][ → ]Rummer 138.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924.
Seite 13.
Sport, Spiel und Turnen.
Fußball.
Sportverein Darmſtadt, Reſerve — Fußballverein Weinheim, Reſerve.
Das auf heute mittag um 2 Uhr auf dem Stadion feſtgeſetzte Spiel
obiger Mannſchaften fällt aus, da Weinheim ſeime Maunſchaft von den
Verbandsſpielen zurückgezogen hat. — Um 4 Uhr findet dagegen das
Sbiel der Ensgraber=Maunſchaft gegen „Germania”=Pfungſtadt, wie
be=
reits an dieſer Stelle mitgeteilt, ſtatt.
Sportplatz=Werbetag.
Der diesjährige Sportplatz=Werbetag des Süddeutſchen
Fußball=
verbands iſt für den Odenwaldbezirk dem Sportverein 1913 König
über=
tragen worden und findet au 25. Mai d. J. ſtatt. Der genannte
Verein verbindet damit gleichzeitig die Einweihung ſeines Sportplatzes,
den er ſich endlich mit Aufbietung ſeiner geſamten Kräfte, unter
teil=
weiſer Mitwirkung der Gemeinde, geſchaffen hat. Unter Mitwirkung
des Sportvereins 1898 Darmſtadt, deſſen glänzende und geachtete
Liga=
mannſchaft ſowie Leichtathletikabteilung auf den Plan treten, erſtere
um ein Propaganda=Fußballſpiel gegen eine Auswahlmannſchaft des
Odenwaldes auszutragen, letztere um auf dem Gebiete der Leichtathletik
ihr vorzügliches Können zu zeigen, verſpricht dieſer Tag zu einem
be=
deutſamen Greignis für unſere Sportbewegung zu werden. Der
Oden=
wald wird ſich hier Rechenſchaft über da3 Anſachſen der
Sportbe=
wegung geben und auch den Fernſtehenden aufs neue zeigen, daß der
edle Sportgedanke auf geſunder idealer Grundlage ſich aufbaut und
weiter entwickelt, ſeinen Anhängern zum Segen und zur wahren
Be=
friedigung gereichend. Es iſt nur bedauerlich, daß die Erkenntnis der
hohen ſittlichen und erzieheriſchen Werte des Sportgedankens von
man=
chen Kreiſen nicht voll gewürdigt oder erkannt werden, und gerade im
Odenwald iſt noch manches brach liegende Feld zu bebauen, auch wenn
es jetzt noch unwirtlich iſt. Gibt es etwas ſchöneres, als ein
friſch=
fröhliches Spiel der Jugend auf dem grünen Raſen?. Als Vertreter des
Süddeutſchen Fußballverbandes wird Herr Staatsanwalt Dr. Mickel=
Darmſtadt erſcheinen.
Handball.
„Heffen”, Verein für Leibesübung.
Die komb. Mannſchaft der Heſſen hat am Sonntag morgen ein
Treffen mit einem Gegner des beſetzten Gebiets. Die 1. Mannſchaft des
T.V. Biſchofsheim bei Mainz kommt als Gaſt nach Darmſtadt. Die
Gegner der „Heſſen” zählen in der 4=Klaſſe des Rheingaus zu den beſten
Mannſchaften und für die „Heſſen” wird es ein heißes Ringen geben.
Das Spiel findet von 1211—/=12 Uhr auf dem
Hochſchulſport=
platz ſtatt.
P.
1. Tgde. Beffungen 65 — 1. Hochſchulmannſchaft 6:4.
Am Freitag, den 16. Mai, abends, trafen ſich auf dem Sportpla
der T.G.B. 1865 die 1. Mannſchaften dei Hochſchule Darmſtadt und d.
T.G.B. 65. Kurz nach 7 Uhr ſtellten ſich beide dem Schiedsrichter. Nac
einem kräftigen gegenſeitigen Gut Heil nimmt das Spiel ſeinen Anfang
Insbeſondere iſt noch zu erwähnen, daß die Akademiker zum erſten
Male zu einem Weckſpiel antraten. Trotzdem legten ſie einen
lobens=
werten Eifer an den Tag, der ſicher bei weiterem Zuſammenſpiel
der=
ſelben die erwünſchten Erfolge einbringen wird. Die
Hochſchulmann=
ſchaft wählte den Wind als Bundesgenoſſen, um beſſer zu einem
Er=
folg zu kommen, mußte aber doch nach wenigen Minuten die Führung
an die Beſſunger abgeben. Trotz der Verteidigung der H. die immer
gut die Situation klärre und ſtets auf dem Damm war, konnte nicht
ver=
hindert werden, daß ihr Torhüter bis zur Halbzeit dreimal das Leder
aus dem Netz holen mußte. So wurden mit dem Reſultat 3:0 für
ſeſſungen die Seiten gewechſelt. Nach Wiederbeginn macht ſich eine
kleine Ueberlegenheit der H. bemerkbar. Cs kam ein überlegenes
Stel=
kungs= und Zuſammenſpiel ihrerſeits zur Geltung. Die Beffunger
Hin=
termannſchaft, ſowohl Verteidigung als auch Läuferreihe, waren dem
überaus flinken Sturm des Gegners nicht mehr gewachſen, was ſicher
auf die Verausgabung in der erſten Halbzeit zurückzuführen iſt. So
kam es, daß die H. noch vier unhaltbare Tore werfen konnte. Nur der
glänzend arbeitende Torwächter des Platzvereins verhinderte eine
höhere Torzahl. Gegen Ende des Spiels verſtand es Beſſungen doch
durch mehrere wohleingeleitete Durchbrüche, die noch 2 Tore
einbrach=
ten, den Sieg zu erringen. Im allgemeinen hätte Beſſungen, nach
ſei=
nen vorausgegangenen Spielen, ein beſſeres Zuſammenipiel zeigen
dürfen. — Gleichzeitig ſei noch an dieſer Stelle auf das am Sonntag,
den 18. Mai, in Seeheim gegen Tv. Seeheim ſtattfindende erſte
Pokal=
ſpiel hingewieſen. Nach all den biher erzielten Ergebniſſen iſt ein
äußerſt ſpannender Kampf zu erwarten.
Motorſport.
Kſeinauto=Rennen im Taunus am 25. Mai.
Zu dem Rennen am 25. Mai 1924 hat der Frankfurter
Verkehrs=
verein einen Sonderverkehr mit Autobus, die je 22 bis 26 Perſonen
faſſen, eingerichtet. Es werden drei Autobuſſe punkt 6 Uhr ab
Schau=
ſpielhaus am 25. früh und drei um dieſelbe Zeit ab Bahnhofsplatz nach
der Tribüne am Kloſter Tron unterhalb der Saalburg abfahren.
Die=
ſelben Wagen werden nach der Rückkunft ab Frankfurt einen
Pendel=
verkehr bis zur Saalburg aufrechterhalten, ebenſo wird ein Pendelverkehr
ab 7 Uhr von der Endſtation der Frankfurt—Homburger Lokalbahn
(Linie 25) nach Kloſter Tron bzw. der Saalburg eingerichtet.
Auch die Frankfurter Lokalbahn A.G. wird ihren Betrieb auf das
Rennen einſtellen und Sonderzüge fahren laſſen, die vom Schauſpielhaus
abgehen um 5.30, 5.40, 6.00, 6.15, 6.30 uſw. alle ½ Stunde. Für
die Züge um 8, 9 und 10 Uhr werden Vorzüge eingelegt.
Bezüglich des Eiſenbahnverkehrs finden noch Verhandlungen ſtatt
um Extrazüge laufen zu laſſen. Der fahrplanmäßig Frühzug nach
Hom=
burg—Wehrheim—Uſingen wird bis an die äußerſte Belaſtungsgrenze
verſtärkt und ein Vorzug in gleicher Stärke zur Abfahrt bereitgehalten.
Das Rennen berührt in keinem Punkte das beſetzte Gebiet, ſodaß alſo
die Erreichung eines jeden Punktes an der Rennſtrecke möglich iſt.
Am Mittwoch fand in Berlin eine Sitzung zwiſchen dem
Reichsver=
band der deutſchen Automobil=Induſtrie und dem Allg. Deutſchen
Auto=
mobil=Club ſtatt, um die zwiſchen den beiden Verbänden beſtehenden
Meinungsverſchiedenheiten zu beſeitigen. Erfreulicherweiſe wurde in
dieſer Sitzung eine volle Einigung in allen Punkten erzielt, ſodaß für die
Zukunft ein erſprießliches Zuſammenarbeiten der beiden führenden
Ver=
bände geſichert iſt. Unter Berückſichtigung, daß infolge dieſer Differenzen
die eine oder andere Meldung zum Kleinauto=Rennen von ſeiten der
Fabriken zurückgehalten würde, hat man den Nennungsſchluß zu dem
Aleinauto=Rennen auf den 19. Mai verlegt.
Radfahren.
Heſſiſch=Naſſauiſcher Nadfahrer=Bund
Der Heſſiſch=Naſſauiſche Radfahrer=Bund, insbeſondere der
Rad=
fahrerverein Wörrſtadt, treffen zurzeit große Vorbereitungen zu dem
3. Bundesfeſte, das in dieſem Jahre hei Gau 1 (Rheinheſſen) und zwar
am 12, 13. und 14. Juli in Wörrſtadt in großem Umfange ſtattfindet.
Unſer Bund, welcher ſich am 21. März 1920 im Brauhaus zur Sonne
in Mainz gründete, iſt im Laufe dieſer Jahre zu einem mächtigen
Nad=
fahrerverbande, dem ausſchließlich Landvereine angehören, angewachſen.
Von damals 14 Vereinen, welche dieſen ſchönen Entſchluß zur Tat werden
ließen, iſt heute der Bund auf nahezu 100 Vereine angewachſen. Der
Bund iſt in ſechs Gaue eingeteilt: Gau 1 (Rheinheſſen). Gau 2 (Ried),
Gau 3 (Odenwald), Gau 4 (Kreis Dieburg=Offenbach), Gan 5 (Naſſau)
und Gau 6 (Kinzig).
Außer dem großen Bundesfeſte am 12.—14. Juli in Wörrſtadt, finden
in den einzelnen Gauen die ſogenannten Gaufeſte in Nieder=Saulheim
am 22. Juli, in Griesheim am 8. und 9. Juni, in Klein=Auheim a. M.
am 25. und 26. Mai, und in Erbenheim am 27. Juli ſtatt.
Es werden an dieſen Feſten, insbeſondere dem Bundesfeſte, der
herr=
liche Radſport in allen ſeinen Teilen zur vollkommenen Ausführung
gelangen. Beſonders der Saalſport, enthaltend ſechſer und achter Schul=,
Schau=, Damen=, gemiſchter=, und den im Bunde hohe Blüte treibenden
Kunſtreigen auf Saal und Tourenmaſchinen erfährt in dem H. N. R. B.
beſondere Pflege.
Ganz neu ſind die von einigen erſtklaſſigen Radfahrervereinen des
Bundes in dieſer Saiſon vorgeführten hochintereſſauten Steuerkopfreigen.
Des weiteren ſtehen die vortrefflich geführten Radballſpiele in hoher
Blüte und viele Rivalen wetteifern in dieſem Jahre um die
Bundes=
meiſterſchaft, welche ebenſo wie ſämtliche Reigenarten auf dem
Bundes=
feſte am 12. und 13. Juli in Wörrſtadt zur Austragung kommen.
Für die Rennfahrer finden verſchiedene Straßen= als auch
Bahn=
rennen in dieſem Jahre ſtatt. Am 18. Mai erfolgt das
Eröffnungs=
rennen auf der Opelbahn bei Rüſſelsheim, am 15. Juni „Großer
Straßenpreis — Rund um Rheinheſſen”, am 3. Auguſt die Austragung
des Herbſtmeiſterſchaftsrennens auf der Opelbahn und am 31. Auguſt
die Austragung der Bundesſtraßen=Meiſterſchaft. Für dieſe Nennen
ſind neben Medaillen und Geldprämien nuch wertvolle Ehrenpreiſe
vor=
geſehen.
Alles in allem wird in unſerem Heſſiſch=Naſſauiſchen Radfahrer=Bund
der Radſport in allen ſeinen Teilen aufs beſte und in reichhaltigem
Maße gepflegt. — Die geſchäftsführende und ſportliche Bundesleitung iſt
rein ehrenamtlich, was zur Folge hat, daß der Jahresbeitrag prv Kor
nur 1 Mark beträgt.
Allen noch fernſtehenden Radfahrervereinen iſt Gelegenheit geboten
ſich hier zweckmäßig anzuſchließen. Insbeſondere die rheinheſſiſchen Vet
zine, die, wie unlängſt ein Berichterſtatter im „Mainzer Anzeiger” be
auptete, in viele Verbändchen zerſolittert ſind, iſt beſonders zu empfel
en, dieſem Zuſtande eine Schranke zu ſetzen und dem Beiſpiel von 3.
größeren rheinheſſiſchen Radfahrer=Vereinen zu folgen, welche als Gau 1
im H. N. R. B. gut zuſammengeſchloſſen ſind.
Turnen.
„Die deutſche Turnplatte‟.
Turnen nach einer Schallplatte! Gymnaſtik nach Befehl und Muſik
ohne Lehrer! Mancher wird lächeln. Aber dieſe Neuerung in
Deutſch=
land bedeutet keinen Rückſchritt, wenn auch techniſche Schwierigkeiten
nicht ohne weiteres zu überwinden ſind. Es iſt ja eine bekannte
Tat=
ſache, daß längſt nicht alle, die eine gewiſſe Willigkeit den Leibesübungen
gegenüber haben, in den Vereinen zuſammengefaßt ſind. Sie verſuchen,
in ihren Freizeiten zu Haus nach irgend einem Shſtem Freiübungen
auszuführen. Daß eine eiſerne Beharrlichkeit dazu gehört, auf die
Dauer nicht nachzulaſſen, weiß jeder, der allein, ohne Anregung von
außen, ohne die Möglichkeit des Vergleichens mit andern, recht und
ſchlecht ſeine täglichen Uebungen vornahm. Nur zu oſt erlahmt die
Energie, und der guie Vorſatz zerſchellt an den Klippen der
Bequemlich=
ſeit und einer gewiſſen Müdigkeit, weil der Anreiz fehlt. Dieſer wichtige
Punkt bildet eine weſentliche Grundlage für die Cxiſtenzberechtigung der
„Deutſchen Turnplatte‟. Denn es ſteht außer Zweifel, das die Muſik,
die die Platte zu den Uebungen wiedergibt, ein mehr oder weniger
großes Bewegungsbedürfnis und auch Bewegungsfreude im Menſchen
wachruft. Dadurch wird es allen Beſitzern von Sprechapparaten
ermög=
licht, tägliche Uebungen unter dem Zwang eines Befehls und nach
Muſik vorzunehgten. Und daß die menſchliche Pfyche im allgemeinen
einen derartigen Anreiz, vornehmlich in dieſem Falle, benötigt, iſt wohl
unverkennbar.
Im Auftrage der Deutſchen Hochſchule für Leibesübungen hat nun
Dr. Erich Klinge drei doppelſeitige Platten hergeſtellt, die zwölf
Haupt=
übungen enthalten. Aus der großen Menge guter Uebungen iſt eine
Auswahl getroffen worden, die die Grundforderungen einer phyſiſchen
Höherentwicklung nach dem allgemeinen Grundgeſetz der Spannung und
Entſpannung und den Bedingungen der Verkürzung und Dehnung der
Muskulatur, der Entwicklung der Kraft durch Widerſtand, der
Schnell=
kraft und der Reaktionsfähigkeit beachten. Ebenſo gut hätten auch
andere Uebungen zu einer derartigen Gruppe zuſammengeſtellt werden
können. Es handelt ſich alſo keineswegs um den Verſuch eines neuen
Syſtems. Auch das Laufen iſt zu ſeinem Necht gekommen; denn
dieſe phyzſiologiſch wichtige Uebung durfte nicht fehlen. Auf die
Atem=
führung iſt ebenfalls großer Wert gelegt worden.
Um die richtige Ausführung ſicherzuſtellen, enthält die Innenſeite
des Albums, in welchem die drei Platten ſich befinden, die gedruckte
Uebungsbezeichnung ſo, wie ſie von der Platte wiedergegeben wird und
daneben in Schwarzbildern die wichtigen Stellungen und Haltungen
jeder Uebung. Da auch eine moderne, durchaus einwandfreie Fachſprache
verwandt worden iſt, ſo beſteht die nicht unbegründete Hoffnung, daß
es auf dieſe Weiſe möglich wird, die große Maſſe mit richtiger
Turn=
ſprache und phyſiologiſch zweckmäßigen Bewegungen bekannt zu machen.
Bei guten Sprechapparaten iſt es durchaus möglich, eine ganze Abteilung
nach den Platten üben zu laſſen.
Boxen.
Ein glänzender Sieg Röſemanns.
Der hannoverſche Schwergewichtsboxer Röſemann, der in letzter
Zeit ſeine Form unter der Schulung des deutſchen Meiſters Samſon=
Körner erheblich verbeſſerte, erſtritt bei den Bremer Boxkämpfen am
Freitag einen bedeutungsvollen Sieg. Als Gegner ſtand ihm der
Eng=
länder Iſage Ingleton, einer der drei Schwergewichte, die von Tex
ORourke auf Koſten eines engliſchen Konſortiums als Gegner für
Welt=
meiſter Dempſey herangebildet werden ſollen, gegenüber. Die
unge=
heure Schlagkraft Röſemanns wurde dem Engländer ſchon in der erſten
Nunde zum Verhängnis. Nach 1 Min., 15 Set. hatte Röſemann ſeinen
Gegner, der vorher dreimal bis „neun” unten war, endgültig erledigt.
Meehe
Material=, Einigungs=, Drefſurprüfungen und Jagdſpringen,
Anläßlich der Frankfurter Woche vom 25. Mai bis 1. Juni findet
am 28. und 29. Mai, ab 3 Uhr nachmittags, im Hippodrom zu
Frank=
furt a. M. ein Turnier ſtatt. Veranſtalter: Frankfurter Sportkartell
mit Unterſtützung der vereinigten Frankfurter Offizierverbände. Das
Turnier beſteht aus Material=, Einigungs=, Dreſſurprüfungen und
Jagd=
ſpringen. Vorprüfungen für das Turnier bereits am 27. Mai nachm.
und am 28. und 29. Mai vorm. ebenfalls im Hippodrom. Die
vereinig=
ten Frankfurter Offizierverbände werden für das Turnier eine Reihe
von Preiſen ſtiſten; ſie erhalten für ihre Mitglieder und deren Damen
an beiden Turniertagen Karten zum ermäßigten Preiſe von 3 Mark
für den Platz. Anmeldung der Karten bei Major Hennig, Frankfurt a. M.
Wilhelmſtraße 22, oder durch die Vorſitzenden der Offiziervereine.
Trabrennen zu Ruhleben.
Die am Freitag wvieder in ſtattlicher Zahl erſchienene
Traberge=
meinde bekam durch die Teilung des Herrenfahrens ſogar neun Rennen
zu ſehen. Zur, Derbh=Probe” über den langen Weg von 2800 Metern
ſtellten ſich fünf Dreijährige dem Starter. Trainer Großmann ſpannte
Lucullus an und gewann mit dieſem ſehr leicht in der in Anbetracht des
ſtarken Windes und der langen Diſtanz verhältnismäßig guten
Kilome=
terzeit von 1:33,1. Florian beſetzte zum Schluß den zweiten Platz,
nachdem Hetman und Fels ſich einen ſcharfen Kampf um die Führung
geleiſtet hatten, in dem beide Pferde gleich oft anſprangen.
Franken=
ſtein büßte ſeine Chaneen ſchon am Start durch zahlreiche Fehler ein.
Die Reſultate: Akazien=Preis, 2300 Mark. 2200 Meter: 1. Stall
Waldows Harlekin (Kozal), 2. Federnelke, 3. Idealiſt. Tot.: 84: Pl.: 20,
59,19. F: Palme 1., Bella, Dawſon, Nathan 4., Erſter Wolferſomer,
Baron Zoo, Quelle 4., Tafna. 4—1 Lg.
Rotdorn=Rennen,
2000 Mark, 2300 Meter: 1. Stall Frehas Wildkatze (Grube), 2. Altgold,
3. Corona Me. Kinnetz. Tot.: 15; Pl.: 13,21,23. F.: Dompfaff 1.,
Peralta, Natter, Olleyz B., Prinzeß Bertha. 6—1 Lg. — Birken=
Preis, 200 Mark. 2400 Meter: 1 Abteilung: 1. E. Perks Berthold
(Beſ. 2. Bismarck, 3. Maikönigin 1. Tot.: 36; Pl.: 13,14,14.
F.: Lumpi, Ypſilanti, Kronprinz 1., Walfiſch, Karueval, Prinz Kuckuck,
Allertony. 3—11, Lg. — 2. Abteilung: 1. Stall Wafs Hartenfels (A.
Frömming) 2. Schlips, 3. Nebel. Tot.: 41; Pl.: 14,15,24. F.:
Zeit=
geiſt, Angriff, Heideroſe B. Nachtfalter, Simplex (als 3. disqu., 80 Proz.
zur.), Oſtermagda, Albatros. 3—1 Lg.
Linden=Preis, 3000
Mark 2500 Meter: 1. M. Bauers Axworthy (J. Mills), 2. Franko 1.,
3. Cobra. Tot.: 13; Pl.: 10,11 12. F.: Gawein (als 1. disqu. 80 Proz.
zur.), Johannisfeuer, Oſtermagda. Ackelei B., 1½—1 Lg. — Derby=
Probe, Ehrenpreis und 5000 Mark, 2800 Meter; 1. Geſt. Bindows
Lucullus (Großmann), 2. Florian, 3. Hetman. Tot.: 18; Pl. 16,28,
F.: Fels (4), Frankenſtein. 6—½
Lg.
Kaſtanien=Preis,
200 Mark, 2000 Meter: 1. Stall Dahas Stugxt Webbs (W.
Buhr=
neſter), 2. Libanon 3. Manfred. Tot.: 38; Pl.: 19,22,56. F.:
Gud=
un 2., Falter, Sybill, Prinz Adbell, Leichtſinn, Frundsberg, Paul B.
2—1½ Lg. .
Ahorn=Preis, 2000 Mark, 2400 Meter: 1. E.
Verts Batſchari (Beſ.), 2. Elſe Bl., 3. Gineri. Tot.: 40; Pl.: 16,31,64.
F: Kryſtall K., Niagara I., Ilimiene, Kreolin (2. nal. d. Ziel),
Herz=
könig, Mirabellis, Zu Ende. 6 Lg.
Buchen=Preis, 2600 Mk
2500 Meter: 1. Stall Lindts Hartſtein (Ringius), 2. Verdun, 3. Dr.
Bingen. Tot.: 152: Pl.: 1111.10. F.* Ballſpieler (als 1. disqu.,
80 Proz. zur.), Falſtar, Odyſſeus, Fafner J., Langobarde.
Durch=
bruch. 3 Lg.
Unſere Vorausſagen.
Hoppegarten:
1. Sonnenſtrahl-Labrador; 2. Palamedes—
Da Capo; 3. Bajuvare—Eigilbert; 4. Fundin—Monfalcone; 5. Iſchida;
6. Abendwolke—Habakuk; 7. Döberitz—Alarid.
Leip=ig: 1. Columbus—Piaſki: 2. Geheimbund—Waffenbund;
3. Padeg—Carl Heinz; 4. Schnucki II. — Mein Leopold; 5.
Lehns=
graf-Cicero; 6. Granit—Gemsjäger; 7. Fichte—Kekrozſa.
Horſt=Emſcher: 1. Lazarus-Bundesbruder; 2. Seejungfer
—Gollub; 3. Ratgeber—Serenade;
it:
. Grenzſchutz—Mannesmut
5. (Seejungfer)—Dorian—Idealiſt; 6. Freigeiſt—Liebhaber; 7. Gorgo
—Anitra.
München=Niem: 1. Südwind—Glockenſtahl; 2.
Raſtelbin=
der—Emilio; 3. Rübezahl—Szepike; 4. Odebb—Stall Krauſe; 5.
Tau=
rus—Strumen; 6. Pippin—Satyr; 7. Sankt Lisko—Morgentau.
Flugfport.
18. Deutſcher Luftfahrertag.
Breslau, 13. Mai. Vom 21. bis 25. Mai wird in Bueslau der
18. deutſche Luftfahrertag des Deutſchen Luftfahrt=Verbandes e.
V. auf Einladung des Magiſtrats der Stadt und der Schleſiergruppe
des Deutſchen Luftfahrt=Verbandes ſtattfinden.
Es hat ſeine beſondere Bewandtns, daß dieſe Tagng gerade nach
Schleſien gelegt iſt. Die von allen Seiten von feindlichen Grenzen
um=
gebene Provinz, um die wohl das meiſte und beſte Preußenblut gefloſſen
iſt, fühlt ſich, nicht mit Unrecht, trotz des Verluſtes von Oberſchleſien,
in den Fragen der Luftfahrt beſonders ſtiefmütterlich von Land und
Reich behandelt. Während Polen die geraubten Teile Schleſiens durch
eine Fluglinie feſt mit der Landeshauptſtadt verbindet, geſchieht für
Deutſch=Schleſien nichts. Statt deſſen fliegt die Compagnie Franeo=
Roumaine von Prag nach Warſchau trotz des Widerſpruchs der
Reichs=
regierung, täglich mehrmals in jeder Richtung über Schleſien.
Der Luftfahrertag, die Generalverſammlung des Deutſchen
Luft=
fahrer=Verbandes, ſoll den durch 20 ſchleſiſche Luftfahrtvereine zum
Aus=
druck gebrachten Willen zur Luſtgeltung der Landes= und Reichsregierung
in eindrucksvoller Weiſe zu Gehör bringen.
Den aus dem Reiche zuſammenſtrömenden Luftfahrern wie den
Be=
hörden und Preſſevertretern wird ein geſchloſſenes Bild von der
Tätig=
keit der Schleſiergruppe des Deutſchen Luftfahrt=Verbandes gegeben
werden.
Am 21. Mai wird die Segelflugſchule in Hirſchberg beſucht.
Gleich=
zeitig findet ein ſchleſiſcher Modellwettbewerb daſelbſt ſtatt.
Am 22. und 23. finden in Breslau Sitzungen des Vorſtandes, des
Vorſtandsrats und der Ausſchüſſe ſtatt. Ballonaufſtiege und
Flugwett=
bewerbe ſind vorgeſehen.
Am 24. findet die Vollverſammlung ſtatt, während der 25. zu einem
Beſuch des Schleſiſchen Vereins für Luftfahrt in Frankenſtein und des
Waldenburger Flugvereins benutzt werden ſoll. Hierbei ſoll das wenig
bekannte, aber landſchaftlich ungemein reizvolle Waldenburger Bergland
gezeigt werden.
Im Schleſiſchen Hof der Fürſtlich Pleßſchen Badeverwaltung zu Bad
Salzbrunn, einer der großartigſten Hotelanlagen Deutſchlands, ſoll die
bedeutungsvolle Tagung ihren Abſchluß finden.
Der Schleſiſche Verkehrsverband wird durch Führungen durch die
Schätze der Kunſt und der Landſchaft dafür ſorgen, daß die Reiſe nach
Schleſien ſich lohnt. Beſonders aber wird auch die betriebstechniſche
Aus=
ſtellung in Breslau zu der Reiſe locken. Sie iſt durch eine Ausſtellung
der optiſchen Induſtrie und eine beſondere Abteilung für
Luſtlichtbild=
weſen und Kartographie verſtärkt worden.
Nse
Zahnschmerzen gehören zu den gräßlichsten Peinigungen, sind aber leicht zu verhüten, wenn die Zähne
regel-
mäßig und richtig gereinigt werden, In den allermeisten Fällen rühren Zahnschmerzen von einem hohlen Zahne
her. Das Hohlwerden der Zähne hat seine Ursache in Fäulnis- und Gärungsprozessen im Munde, da diese den
ersten Anstoß zur gefürchteten Zahnfäule geben. Hieraus folgt klar, daß man Fäulnis- und
Gärungs-
prozesse im Munde verhindern muß, wenn man seine Zähne vor Hohlwerden schützen will. Das erreicht
man sicher, wenn man sick an antiseptische (fäulnisfeindliche) Mundspülungen mit Odol gewöhnt. Wir
möchten aber nicht mißverstanden werden. Wir wollen nicht etwa ein Universalmittel gegen Zahnschmerzen
Darsteilung von Zühnen, die- anpreisen; Odol ist zur töglichen Reinhaltung und Pflege der dähne bestimmt und kein Zahnschmerzmittel.
Wir sagen nur, daß Zahrschmerzen in den allermeisten Fällen durch hohle Zähne hervorgerufen werden, und daß
man das Hohlwerden der Zähne durch eine konsequente Mundpflege verhüten kann und vernünftiger Weise verhüten muß. Wichtig ist,
daß die Mundpflege konsequent täglich und mit einer wirklich antiseptischen Flissigkeit vorgenommen wird. Die vieltach übliche
Reinigung mit Zahnpulver oder Zahnpasta allein ist ungenügend, da die gefährlichsten Fäulnisherde (Rückseiten der Backenzähne,
Zahnspalten) dabei unbehelligt bleiben. Als unbedingt sicher antiseptisch wirkend hat sich Odol bewährt. Odol reinigt Mund
und Zähne von allen die Zähne zerfressenden Stoffen und Fäulnisprodukten. Wer konseguent morgens, mittags und abends den Mund
mit Odol spült, ist gegen Fäulnis- und Gärungsprozesse ein für allemal gefeit, Wir raten deshalb eindringlichst und mit gutem
Gewissen allen, die ihren Mund und ihre Zähne intakt erhalten wollen, sich an eine regelnäßige Mundpflege mit Odol zu gewöhnen.
hohl bezw. angefressen sind.
Nate
[ ← ][ ][ → ]Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924.
Nummer 138.
der Wissenschaft und Pragis über den dasenbrenner
Prof. Dr. Bunte von der Lehr- und Versuchsanstalt des
Dentschen Vereins der Gas- und Wasserkachmänner
e. V., Karlsrnhe, Tgb.-Nr. 929 vom 20. Juli 1923,
kommt zu glelch günstigen Besultaten wie die
Phy-
sikal. tochn. Reichsanstalt. Er sagt u. 4.:
„Verwendet wurde Mischgas verschiedenen Heizwertes und
Wassergas. Die Versuche wurden nach den Normen des Deutschen
Vereins von Gas- und Wasserfachmännern ansgeführt. Bei
Ankoch-
versnchen mit Attlinger Wassergas konnten andere Vormalkocher
nicht benutzt werden, da die Flamme immer zurückschlug.
Ueber-
bliekt man die Versnchsergebnisse, 80 fällt vor allem der hohe
Wirkungograd in die Angen.
Ein solch hoher Nutzeſſeltt wurde unseres
Wissens mit keinem Kocher erzielt.
Selbst mit Wassergas wurde ein verhältnismäßig günstiger
Wir-
kungserad erreicht. Die Vortkochrersnche Helen ebentalls sehr
zufriedenstellend aus."
Physikalisch-Technische Reichsaustalt, Abteilung III P. T. R. 482
vom 23. MHärz 1923:
Die Wirkangen des Kochers wurden nach den Normen des
Deutschen Vereins der Gas- und Wasserfachmänner in der Weise
bestimmt, daß 2000 g Wasser in einem Alnmininmtopf von 20‟
auf 95 erwärmt wurden, wobei der Druck auf 45 wm
ge-
halten wurde:
Die Jentrale für Gasrernertuns Berlin vchreibt 1. 4:
„Unsere mit den Brennern vorgenommenen Versuche ergaben
durchmeg günstige Resnltate. Namentlich erwies sich, daß die
Brenner dieser Konstruktion sehr wenig durch die Gasaualitäten
beeindnßt sind. Selbst mit reinem Wassergas trat kein
Zurück-
schlagen ein .. . . . . Der Clasenbrenner darf zweifellos als eine
sehr erfrenliche Erscheinung auf dem Gebiete der Gaskocher
an-
gesprochen werden. Er zeichnet sich dureh Verwendbarkeit bei
verschiedenartigster Gasbeschaffenheit aus, ist gegen
Druckunter-
schied unempündlich und läßt ohne Gefahr des
Zurückschlagen=
eine sehr weitgehende Kleinstellung zu.”
Durch Fortkochversuche wurde ermittelt, daß zur Deckung
der Strahlungs- und Leitungsverluste von Kocher und Topf in einer
Stunde 25,1 Itr. das verbraucht wurden.
R
Verkaufsstellen für Roeder-Gasherde mit Clasenbrenner:
Wiihelm Hu
Georg Kell, Elektrotechn. Institut, Elisabethenstr. 36
ation, Karlstr. 39
Adolf Kling, Installationsgeschäft. Grafenstr. 35
-Ramstädterstr. 54
Reiner & ch
abethenstr. 33
G. W. Roth, Spenglerei und Installation, Moosbergstr. 97
Jakob Schele
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nN. [ ← ][ ][ → ]
Nr. 19, Sonntag, 18. Mai 1924
Der neue Werther
Von Dr. E. Menſch.
Alſo, ſo etwas gibt es noch, ungeachtet all der ſchweren,
un=
imherzigen Nöte, die auf der Seele des deutſchen Menſchen
zuchten?! Die Bedingung für den „neuen Werther” iſt
aller=
ngs die, daß er dem alten, dem Goetheſchen, nicht ähnlich ſehe,
d dieſe Bedingung erfüllt tatſächlich der Roman des im
Welt=
tieg gefallenen Dichters Hermann Löns „Das zweite
Ge=
ſcht” um den herum ſich ſchon eine kleine Literatur gelegt hat,
je für und wider zu der Hauptfrage Stellung nimmt. Das
genartige, Neue in ihr iſt, daß die weibliche Häuptfigur, oder
felmehr das Urbild zu dieſer, ſich ſelbſt in den Erörterungen
Wort gemeldet hat, nicht etwa für ſogenannte Richtigſtellungen
der Aufklärungen, ſondern zu einem tiefinnerlichen Bekenntnis,
ſſen zarte Keuſchheit uns mit dem Zauber einer deutſchen
ſiuhlingsnacht umſpinnt. Aus dem von Swaantje Swantenius
lieferten Beitrag zu dem tragiſchen Liebesroman, der zwiſchen
e und dem Dichter geſpielt hat, iſt unter der Aufſchrift „Her
unn Löns und die Swantje” (Deutſche Landbuchhandlung,
rlin SW 11) dann wirklich ein Idyll geworden, das man wohl
dem Kleinodenſchrein unſerer feinen literariſchen Koſtbarkeiten.
rgen darf.
Löns hat ſelbſt die Maske ſeines „Helmold Hagenrieder”
ge=
tet, hat es nahen und fernen Freienden zugeſtanden, daß er,
hvor er das erreichte, „was ungeſucht ſo manche fanden”, ein
biegergrab . . ., daß er, der glücklich verheiratete Mann, an der
ig=unſeligen Liebe zu einer jungen Baſe, deren Vater er den
ihren nach hätte ſein können, phyſiſch zuſammengebrochen. ſei.
as iſt gar nicht ſo etwas Unwahrſcheinliches. Phantaſiemenſchen
ſter Ordnung leben ein reicheres Leben als die
Durchſchnitts=
ſite und können ſich in eine Herzensleidenſchaft mit einer Kraft
neinarbeiten, die dem Philiſter ewig unverſtändlich bleiben
ird. Hagenrieder, den es mit allen Faſern ſeines Seins zu
im reinen, herbfungfräulichen Weſen hinreißt, findet nicht die
füllung ſeiner Sehnſucht, weil, wie er meint, in dem Mädchen
viel anerzögen Dornenhaftes ſtecke und ſie ſich nicht, wie viele
dere Frauen, die er längere oder kürzere Zeit beſeſſen hat, ihm
triebhaftem Impuls ergibt. Und Löns bekennt geradezu in
Tagen der Friedloſigkeit: „Alles, was ſich Dame ſchimpft,
neir vollkonmmen unangenehm.‟ Darin ſteckt jener kraſſe
ſannesegoismus, der keuſche Zurückhaltung bei dem Weibe, ſo=
Id ſie ſich ſeinen Wünſchen entgegenſtemit, ſofort als Unnatur
ſandmarken möchte, obſchon ein dunkler Inſtinkt ihm ſagt, daß
efriedigung, materielle Befriedigung ſeiner Sehnſucht zugleich
e Tod dieſer Sehnſucht ſein und die große, allgewaltige Liebe
f das Niveau einer Epiſode herabdrücken würde. Das
ge=
hte, ſtürmiſch umworbene Mädchen kennt ihren Dichterhelden
Grunde beſſer, als er ſich ſelbſt, wenn ſie ſchreibt: „Sie
wantie) wußte mit graufamer Schärfe, gab ſie ſich Hermann
klich zu zeigen, wie es ſein übermächigter Wille und ihre heiße
be forderten — dann wäre ſie nicht mehr die geweſen, die
rmann liebte. Sein Glaube an die Reinheit der Frau wäre
mit für immer zerbrochen. Und gerade dieſer Glaube mußte
n erhalten werden!” Sie hört, wie in ihrer Umgebung ſogar
von die Rede iſt, ob man, damit Hermann ſeine alte
Schaffens=
ft wieder gewänne, ihm nicht vielleicht Swaantje „opfern” ſolle.
ſich die Gattin des Dichters; die großzügige Grete, denkt ſchon
die Möglichkeit dieſes Auswegs. Denn was liegt ſchließlich
einer geknickten Mädchenblüte, wenn es ſich um unſterbliche
chterwerke handelt!! Als ob im Licht der Ewigkeit eine
un=
ſrbliche Seele, die ſich vor innerer Schädigung bewahren will,
ht ebenſo viel wöge wie ein Kunſtwerk! Hagenrieder=Löns
ſtte allen Grund gehabt, viel Licht und Glanz ſeiner ſogenann=
„„unglücklichen” Liebe abzugetvinnen, denn erſtens war ihm
s Wunder gelungen, durch ſeine lodernde Leidenſchaft das
dealbild eines anderen aus der Seele des geliebten Mädchens
verdrängen und in ſeine Kreiſe hinüberzuziehen, und ſodann
frurteilte ihn Swgantje nicht zur Verbannung, gönnte ihm den
undſchaftlichen Verkehr mit ihr, war in feinſinniger
Frauen=
t auf Sympathiebeweiſe bedacht, und um die Weihnachtszeit,
r höchſten Liebeszeit im Jahre, wählt ſie für ihn eine Gabe, die
in erkennen läßt, daß ihre Seele bei der Auswahl beteiligt
ge=
eſen iſt. Aber leider gehört Hagenrieder zu den
Gewalt=
enſchen, bei denen es heißt: Alles oder nichts. Mit dem
erzicht auf den körperlichen Beſitz nimmt ſeine Melancholie
ſoteske Formen an, und wenn er dann, ein mit fauſtiſcher
ſelbſtquälerei behafteter niederdeutſcher Don Juan, von
Liebes=
nuß zu Liebesgenuß flüchtet, ſo wirkt zwar der künſtleriſche
diederſchlag all dieſer im „Zweiten Geſicht”
zuſammen=
tragenen Erlebniſſe nicht „unſittlich” — gegen welchen Vor=
Nicht wer ſo ſchon jauchzt und lacht
Braucht dein Geben und dein Lachen!
Denen niemand Freude macht,
Oenen ſoliſt du Freude machen.
Frida Schanz.
wurf die Löns=Gemeinde ſich mit Recht auflehnt (ſiehe Wilhelm
Schenkels Studie über Hermann Löns „Zweites Geſicht”
Land=
buchhandlung, Berlin)), aber es erſchüttert unſeren Glauben, daß
Swaantje für Löns die eine die unſterbliche Geliebte,
geweſen iſt, neben welcher alie anderen weiblichen Weſen
ver=
blaſſen. Goethes Werther treibt dem tempiſchen Ausgang
mit zwingender Notwendigkeit zu, ſeine Leiden wirken noch
heute erſchütternd, weil der Held alle Betäubungsmittel und
Sicherheitsventile verſchmäht.
Swaantje hat den Hochgewinn aus ihrem Liebesroman zu
retten gewußt, wenn ſie ihre kleine, eindrucksvolle Erzählung
mit den Worten ſchließt: „Nur das eine ſoll hier noch ſtehen
wie Swaantje doch eine heimliche Krone trägt, geflochten aus
den ſcharfen Dornen ihres Leides und den Roſen ihrer Liebe.”
* Soll man ſich nur „ſtandesgemäß” kleiden?
Man hört oft aus dem Munde von Damen ſcharf
verurtei=
lende Worte über die „verſchwenderiſche” Art unſerer
Dienſt=
mädchen von heute, ſich zu kleiden, und es muß auch zugegeben
werden, daß dieſe Mädchen, ſowie Fabrikarbeiterinnen und
Handlungsgehilfinnen oft einen Aufwand mit ihrer Kleidung
treiben, der über ihre finanziellen und geſellſchaftlichen
Verhält=
niſſe weit hinauszugehen ſcheint. Iſt das berechtigt?
Nun, ſoweit die Geldfrage in Betracht kommt, ſicherlich nur
dann, wenn die Ausgaben für Nahrung und dringende Fälle
nicht unter denen für die Kleidung leiden. Es iſt natürlich
ver=
kehrt, wenn ein junges Mädchen, das ſelbſtändig für ihren
Unter=
halt zu ſorgen hat, ihr ganzes Einkommen den Launen der Mode
opfert. Es müßte deshalb das Beſtreben einer jeden
Klardenken=
den ſein, Einnahmen und Ausgaben immer in das richtige Ven
hältnis zu bringen. Die Klagen indeſſen, die man vom
geſell=
ſchaftlichen Standpunkt aus wider den erwähnten Luxus erhebt,
vollte man vernünftigerweiſe nicht beachten, weil auch die
Toi=
lettenausgaben der bürgerlichen Ehefrauen und ſelbſt der Damen
beſſerer Stände ſich in den letzten Jahrzehnten unzweifelhaft
erhöht haben.
Man braucht nur einmal eine Großſtädterin und eine Dame
aus einer kleinen Stadt neben einander zu ſtellen, um ſofort
er=
kennen zu können, wie ungleich größer der Kleiderſtaat der
erſte=
ren gegenüber der letzteren ſelbſt bei weit geringerem
Einkom=
men und geringerer geſellſchaftlicher Stellung iſt. Aus dieſem
Grunde ſchon iſt es unberechtigt, einzelnen Berufsklaſſen
beſon=
ders Vorwürfe zu machen. Es kommt aber noch hinzu, daß ſich
unſere geſellſchaftlichen Verhältniſſe überhaupt verſchoben haben,
daß wir auch in Standesfragen liberaler geworden ſind, und auch
die angeſchnitene Frage will liberal beurteilt ſein: Handelt es
ſich doch in der Hauptſache in den erwähnten Berufszweigen um
Mädchen, die um ihr tägliches Brot ſchwer arbeiten müſſen, und
für die, die ſich gut kleiden, oft das einzige Vergnügen iſt. Wenn
ein beſcheidener Luxus dazu beiträgt, ihnen das Leben zu
ver=
ſchönen, ſo iſt der Mehraufwand gegen früher durchaus zu
ent=
ſchuldigen.
*Die Frau im ſozialen Leben
Politiſche Maßregelungen deutſcher Frauen.
Die Generalſekretärin der D.V.P. für Weſtfalen=Nord, Frau
Ramlow, wurde von den Franzoſen verhaftet. — In Kaaden
Tſchechoſlowakei) mußte die Vorſitzende des D.N.=Frauenbundes,
Frau Weber, eine Gefängnisſtrafe von drei Monaten antreten
wegen einer in einer Verſammlung getanen Aeußerung, die
eigentlich nichts anderes enthielt als die Aufforderung an die
deutſchen Hausfrauen, in erſter Linie deutſche Geſchäftsleute und
Gewerbetreibende zu unterſtützen. Die Strafe iſt durch einen
Faſttag alle 14 Tage verſchärft.
Als erſte Dozentin der Univerſität Halle
wurde Dr. phil. Betty Heimann als Privatdozentin für das Fach
der indiſehen Philologie zugelaſſen.
Darmſtädter Tagblatt
Die Hausfrau als wirtſchaftliche
Großmacht
Als kürzlich in Berlin die „Zentrale der
Haus=
rauenvereine Groß=Berlins”, in der ſich 37 Vereine
zuſammengeſchloſſen haben, ihre große Frühjahrstagung abhielt,
ergab ſich als entſcheidender Geſamteindruck einmal, daß die
Hausfrauenvereine im letzten Jahrzehnt eine wahrhaft
erſtaun=
liche Organiſations= und Aufklärungsarbeit geleiſtet haben, und
zum anderen, daß die Hausfrau aus ihrer früher von ihr
beklag=
ten Stellung als Aſchenputtel erlöſt iſt und als eine neue
volks=
wirtſchaftliche Großmacht ſchon anerkannt iſt und es immer mehr
ſein wird. Die Berliner Tagung zeigte vor allem, daß die
Haus=
frauen, geleitet und gefördert von ihren Organiſationen, aus dem
Rahmen der eigenen Häuslichkeit hinausgewachſen ſind in das
Bewußtſein der großen volks= und weltwirtſchaftlichen
Zuſam=
menhänge. Hinausgewachſen nicht in dem Sinne, daß ſie ihren
eigenſten Pflichtenkreis als eng und unbedeutend gering achten,
ſondern im Gegenteil die Millionen der Haushaltungen, deren
Führung in Frauenhänden liegt, in ihrer Geſamtſumme als
volkswirtſchaftlichen Faktor von höchſter Wichtigkeit erkennen,
der ſich mit einzuſtellen hat in die Kräfte, die das Staatsweſen
tragen und fördern. Dieſe Erkenntnis gibt Blickweite und
Ver=
antwortungsbewußtſein.
Volkswirtſchaft und Staatsführung ihrerſeits erkennen mehr
und mehr die wirtſchaftspolitiſche Bedeutung des
Hausfrauen=
ſtandes als eines Berufes an, der den ſchaffenden Ständen
eben=
bürtig zur Seite zu ſtellen iſt. Nicht nur, daß namhafte
Behör=
den ſich auf der Tagung vertreten ließen, die unter der trefflichen
Leitung der erſten Vorſitzenden, Frau Charlotte Mühſam
einen ausgezeichneten Verlauf nahm, ſondern führende Männer
der Landwirtſchaft — Landesökonomierat Keyſer — und der
Wirtſchaft —Reichstagsabgeordneter Kulenkampff — gaben
in Vorträgen wichtige Ueberblicke, ernſthafte Darlegungen
ſchwer=
wiegender Probleme, die die Geſamtheit angehen und für das
Wohl und Wehe des deutſchen Volkes von entſcheidender
Bedeu=
tung ſind. Der Einzelhandel ſeinerſeits, zu dem die
Haus=
rau als Verbraucherin in direkter Beziehung ſteht, hatte ſich der
Tagung ebenfalls zur Verfügung geſtellt. Eine warenkundliche
Ausſtellung der bedeutendſten Firmen der Leipziger Straße iſt
als belehrende Veranſtaltung zuſtande gekommen, durch die man
den Werdegang der einzelnen Waren — Textilien, Lederwaren,
Optik, Nahrungsmittel uſw. — verfolgen konnte. Der Schau
lag vor allem auch der Gedanke zugrunde, das unter der Not der
Kriegs= und Nachkriegszeit einesteils, unter der zerrüttenden
Wirkung der Inflation andererſeits verloren gegangene Gefühl
für Qualitätsarbeit wieder zu beleben, der Schlenderwirtſchaft,
dem Einkauf der ſogenannten „billigen” in Wahrheit aber
teuren Waren ein Ende zu machen, den Sinn für das Echte
wie=
der zu wecken.
Wie man ſieht, eine große Aufgabe hatte ſich die Zentrale der
Hausfrauenvereine für ihre Tagung geſtellt. Sie hat ſie —
die=
ſen Eindruck haben alle Teilnehmerinnen mitgenommen —
glän=
zend gelöſt, dank der hervorragenden Führung und dank der
un=
ermüdlichen Mitarbeit der Vereine wie der Wirtſchaftskreiſe, die
ihre Perſönlichkeiten zu der Tagung entſandten und die
durch=
weg an den Verhandlungen regen und befruchtenden Anteil
nahmen.
Aber auch die Hausfrauen ſelbſt zeigten, daß ſie beſtrebt ſind.
ihre Erfahrungen und ihr Wiſſen in regem geiſtigem Austauſch
ſich gegenſeitig zunutze zu machen. Es ſprach die Hausfrau des
anders als der ſtädtiſche organiſatoriſch zu leitenden
Landhaus=
halts, es ſprach eine Frau über Weſen, Wirken und Wirkung der
Hausfrau als ſeeliſcher Mittelpunkt des Hauſes, es ſprach eine
Vertreterin der Nothilfe über die Mitarbeit der Hausfrau an den
Aufgaben der Wohlfahrt — kurz, über Kochtopf und Staubwedel
allein iſt die Hausfrau in ernſter Selbſtſchülung hinweg in ihre
Pflichten als Teil der erzeugungs= und verbrauchspolitiſchen
Geſamtheit der nationalen Wirtſchaft hineingewachſen und
ar=
beitet in bewußter Verantwortung mit an ihnen. — Neben der
geiſtigen Arbeit, die die Tagung in Vorbereitung und
Durch=
führung forderte, kam auch Geſelligkeit an einem Abend zu Recht,
und das Büfett, das den Teilnehmerinnen köſtliche Erfriſchungen
bot, zeigte, daß die Gaſtgeberinnen durchaus nicht in
volkswirt=
ſchaftlichen Theorien verſanden, ſondern in der Praxis den
Koch=
löffel ebenſo gut zu gebrauchen verſtehen, wie die Generationen
vor ihnen.
Die gehorſame tote Nonne
Eine Kloſterſage.
Von G. D. Schumacher.
Auch nachdem Schweſter Philomena bereits geſtorben war,
ſie das, was Mater Thereſa ihr befahl. Es geſchah alſo ein
under — und es bewies nur ihre Demut und Heiligkeit.
Meine Großmutter meinte, daß dieſes Wunder ſich im Kloſter
ſenholt in der Altmark ereignet habe, als ihre Mutter, alſe
eine Urgroßmutter, ein kleines Mädchen geweſen ſei.
In jenen Tagen vor der Säkularifation ſtand das Kloſter
ſenholt noch in hoher Blüte, war dicht mit Nonnen beſetzt und
aß außerordentliche Geldmittel zur Unterhaltung des Kloſters
d zur Armenpflege im großen Maßſtabe. Heute iſt da lein
loſter mehr zu finden — nur noch eine verfallene Kapelle, in
ſelcher in einem Sarge die auffallend langen Gebeine der
gehor=
men Nonne gezeigt werden.
Hier hatte das Wunder ſich ereignet. Das Vorhandenſein
Sarges und der Gebeine beſtätigen die Geſchichte nur.
Die kam ſo:
Das Fräulein Philomena von Soltwedeln war die Tochter
ſnes ſehr reichen Grundherrn in der Altmark. Sie war von ſehr
bher Geſtalt — einer den alten Ahnenbildern nach beſtehende
igentümlichkeit des Geſchlechtes von Soltwedeln — aber ſie war
ſch ſehr lieblich und ſchön. Ein Ritter namens Wehro von der
olderecken war in Liebe zu ihr entbrannt — betrog und verließ
aber, nachdem auch ſie begonnen hatte, ſeine Leidenſchaft zu
twidern. Der von der Holderecken war Bibliothekar an einer
oßen Gelehrtenſchule, man hätte ihm alſo nicht zugetraut, daß
Philomena hintergehen würde.
Dies eben veranlaßte das Mädchen, ins Kloſter zu gehen.
ſort ergab ſie ſich einer ſo innigen Frömmigkeit, einem ſo
außer=
dentlichen Gehorſam, daß Mater Thereſa ſie allen anderen
oinen als Muſter hinſtellte. Was immer ihr geheißen wurde,
tat es.
Eines Tages rüſtete man im Kloſter Eyſenholt zu einer Feier
ur die „Heilige Kümmernis”. Unter dem ganzen Durcheinander
von Behängen, und Blumengewinden, die die Schweſtern dazu
herrichteten, erbleichte Philomena plötzlich und fiel ohnmächtig
zurück. Als ſie wieder zu ſich gekommen, klagte ſie, daß ſie die
morgige Feier nun nicht mehr erleben könne, da ihr letztes
Stünd=
lein nahe bevorſtehe — ſie wiſſe dies.
Einige Stunden ſpäter lag Schweſter Philomena denn auch
im Büßerhemd auf ihrem armen, harten Lager, ſterbend umringt
von den betrühten Nonnen. Sie ſtarb, wie ſie vorhergeſagt, ohne
daß eine Krankheit vorausgegangen war.
Der bevorſtehenden Feierlichkeit wegen mußte ſie noch in der
ſelbigen Nacht beigeſetzt werden. Sie richteten im Chor ein
wür=
diges Grab für ſie her und ſchickten zum Tiſchler nach einem
Sarge.
Der Sarg kam und mit ihm der Verdruß! Da Schweſter
Phi=
lomena, wie geſagt, ſehr hoch gewachſen war, hatte ſie in dem
Sarge nicht Platz. Der Tiſchler hatte zwar die richtigen Maße
erhalten, ſich aber wenig danach gerichtet, weil er ſie für falſch und
nur in der Eile gegeben, betrachtet hatte. Kurz, Schweſter
Philo=
mena paßte nicht in den Sarg. Als der Abend kam und keine Zeit
mehr zur Beſchaffung eines längeren Sarges war, da ſchien guter
Rat teuer. Da lag Schweſter Philomena und ihre Füße ragten
ein langes Stück über den Sarg hinaus .. . . ."
Die Nacht kam raſch . . . was tun?
Da ging eine weiße alte Nonne zur Mater Thereſa hin und
beriet ſich leiſe mit ihr.
Wie, wenn ſie der toten Nonne befehlen würde, ſich kürzer
zuſammenzuziehen und dem Sarge anzupaſſen!? Wie Philomena
im Leben ſtets von vorbildlichſtem Gehorſam geweſen, ſo würde
ſie es wohl auch im Tode noch ſein! Es kam auf einen Verſuch
an. Mater Thereſa ſah dies ein und ordnete nach einigem Zögern
die Verbringung des Sarges mit der Toten in den Chor an.
Nachdem die Kerze über dem Bilde der „Heiligen Kümmernis
angezündet worden war und alle Kloſterinſaſſinnen ſich rings um
den Sarg aufgeſtellt hatten, ſprach Mater Thereſa langſam, ernſt
und feierlich zu der Toten:
Meine Tochter! Wie du im Leben Allen ein Beiſpiel von
Ge=
horſam und Demut geweſen, ſo ſei es auch jetztl So befehle ich
dir hiermit, dich in deinem Sarg ſo zu verkürzen und ihm wohl=
anzupaſſen, auf daß wir dich endlich beerdigen können. Hernach
reaujescat.”
Und ſiehe — vor den Augen Aller wurde da Schweſter
Philo=
menas Leichnam kürzer — die Füße zogen in ſich ſelbſt zuſammen,
bis ſie mit hohlem Gepolter in den Sarg hineinfielen . . . .".
Da lag ſie nun im Sarge, als ſei er nach Maß für ſie
ange=
fertigt worden.
Sie begruben die gehorſame tote Nonne unter dem Chor,
wo ihre geſegneten, zuſammengeſchrumpften Gebeine noch heute
liegen.
Roſen
Von Emmy Bekker.
(Nachdruck verboten.)
Leiſe, bebend, weinend, klagend, voll Temperament und
Leidenſchaft, in Jubel und Glück, voll bitterſter Not zogen ſie
durch den Garten, ſtarben und erwachten jäh im Strauch unter
blühenden Roſen in träumender Sommernacht.
Wer waren ſie, die ſolche Macht beſaßen?
Wer waren ſie, die Roſen weckten? Und das Lied, es ſtarb,
die Geige verſtummte. Schatten huſchten an verhängten Fenſtern
vorüber, noch ein Lachen, noch ein Laut, das Licht erloſch. In
tiefer, dunkler Nacht lag das Schloß derer von Wreden.
Doch nein, dort oben brannte noch ein Licht. Konnte ſie nicht
ſchlafen die junge Baroneſſe? War ſie noch wach?
Gedämpft fiel der Schein der kleinen, niedlichen Lampe auf
den tiefen, weichen Teppich, auf koſtbare, zierliche Möbel, au
zjartfarbene Bilder in goldenen Rahmen, auf weiße vom Wind
bewegte Gardinen in kühlender Sommernacht, und der Hauch der
Roſen lag unſichtbar darinnen.
War es der Strauß, der dort ſtand? Oder ſandten aus
ſtil=
lem Garten ihren Gruß blühende Roſen, erwacht in träumender
Sommernacht.
Hatten ſie eine Seele?
Die Baroneſſe ſprang auf. Ja, ſie hatten eine Seele, und
ihre Hände umſchlangen weich die blühenden Roſen zum Kuſſe
ſich neigend, und dann erloſch das Licht.
Nr. 10, Sonntag, 18. Mal 1924
Kn c
* Die weiße Frühlings=
und Sommer=Mode
Weißwollene Frühjahrs= und
Sonmerkleider uachen den
hauchſeinen Batiſt”, Volle,
Mulle und Chiffougewändern,
wie es ſcheiut, ſehr erſolgreiche
Nonkurrenz. Sie ſehen aber
auch gauz eutzückend aus, zwenn
ſie mit weißſeidenen Treſſen
be=
ſetzt, reich zut glänzenden
Perl=
mütterkuöpfen geſchmückt, der
Hautztmobeforderung” ſolgend.
hier und da einfarbige Vorſtöße,
Paſpelierungen, Plenden oder
die wieder hochmodernen
ſei=
dengeſtickten, dreiecligen ſogen.
„Fliegen” aufweiſen, die ueiſt
den Abſchluß von dieſen
Stüf=
chen, Wieſen, Treſſeubeſätzen oder
Schrägſtreiſen bilden. Gauz
be=
ſonders vornehut wirken dieſe
Ke
zeiſtvollenen
Sommergelväu=
der aus Wollſtoſf, wvenn
ſein=
gebrannte Pliſſes das
Aittel=
kleid rechts und links, vorn und
iur Nücken in ſeiner ſouſt ganz
ſchlichten, geraden Form höchſt
eſſektvoll unterbricht oder
ſchür=
zeuartige Serpeitinvolguts mit
Umrandungen oder zwei bis
drei Beſätzen von ſchmaler,
wei=
ſer, Seidentreſſe eine Kaſſak
vortäuſchen. Schließlich darf ein
brittes, ſehr vornehmes Modell
nicht unertwähnt bleiben; ein
weißes Gabardine=Kleid mit
prauge oder paſtellblauen
Bleu=
den in ſich ſtändig
verringern=
der Breite und gleichmäßigen
Abſtänden bls haudbreit vom
tiefgegürteten Leibcheurand
ge=
ſetzt, ebenſolchen felngebrannten
Pliſſees im Jnnern des glockig
ausfallen den Aerutels und
eben=
ſolchem ſehr ſchmalem Pliſſee
aut linksſeitlichent Schluß, das
ſcheinbar durch eine Neihe dicht
geſetzter, reinweißer
Perlmutter=
knöpfe ſternförmig mit dem
gleſchſarbigen Faden zuie der
abſtechende Beſatz ſeſtgenäht
ſiud. Halsausſchnit und Leib=
Paſpel.
An den duſtigen weißen
Som=
mergewändern iſt der letzt beſchriebene Blendenbeſatz ebenfalls
viel zu ſiuden. Nameutlich in einen kräſtigen Schwefelgelb,
Geliotrop, Fraiſefarbeu, Azurblau, Moſtfarbig, Orauge.
Neſeda=
grün und Giſtgrün von ſehr aparter Wirkung. Die Nöcke au
die=
ſen. Aleidern ſiüud den ſchlichten, glatten Leibchen faſt
ausnahms=
los nach Art der Stilkkleider, wenn auch nicht ſo weit wvie dieſe,
augereihe. Der halblauge Aexmel, der an ihneu faſt immer
vor=
wiegt, zeigt entwveder wellig, ja vielfach ſehr reichfallenden
Ser=
peutinvolgut mit nach hinten zwei bis dreiſacher Preite oder
einen ſchlichten Aufſchlag, der au ſeiner aufſteigenden ſtyppfen
Ecke durch eine Neihe dicht geſetzter Perlmutterknöpfe gehalten
wird. Der gleiche Schmuck begleitet ein links ſeitliches
Stoff=
oder Spitzeufichu am markierten Schluß der Schlupfbluſe oder
ſteigt in zwei Aeihen, rechts und links am Vodertel, vom
Leib=
chenrand aufwärts bis zur Mitte der Bruſt in die Höhe, wenn
nicht hier in gleicher Anordnung Spitzen=, Stickerei= oder
Klöppel=
einſat eingefügt wurde, der dann auch den lleberrock, den
Ser=
peutinvolaut in ziemlicher Breite oder die dreiviertellange
Kaſak=
bluſe auft Unteren Naude zwirkungsvoll unterbricht, die dann als
einzigen ſarbigen aut Sommerkleide immer unerläßlichen
Schmuck eine ziemlich breite Schärpe um die Hüſte aufweiſt, die
linis ſeitlich mit ſteil aufrechtſtehender Schlupſe und kurzen,
flot=
ten Enden zu einer Schleife geordnet iſt.
Will eine Trägerin in einem der beſchriebenen
Sommer=
gewänder höchſte Elegauz und Voruehmheit zeigen, dann muß
ſowvohl der Hut, wie der Schirnt völlig übereinſtimmend damit
gearbeitet ſein. Der erſtere alſo mit dem duſtigen Stoff des
Aleides überſpannt ſeint und aus deut farbigen Stoff gefertigte
große kunſtvolle Phantaſieblüten, gauz flach aufliegend, als
Gar=
nitur erhalten, oder dicke, runde, üppige Noſen, voll und ſchwer,
rechts oder links auf der Kreupe aufliegend. Der dazu gehörige
Schirm erhält entweder im Juneru dichtpliſſiertes oder in
Volauts ſtuſeniveiſe übereinanderſallendes farbiges Futter unter
weiſtem Schlrurdach, oder umgekehrt dieſes aus dichten Pliſſees
geſertigt und iur Julneri andersfarbig, doch immer zum Kleide
Wildgemüſe
Von
Eenſt Edgar Neimärdes.
Es wächſt in keinem Garteir
und iſt auf keinem Markt und
Iint
in keinen Grünkranladen zu
kaisen. Die gütige Natur läßt
es auf Wieſen und in Wäldern
hervorſprießen, und unſere
Vor=
ahren haben es gut gekannt.
das wilde Gemüſe, das ſo billig
und dabei geſund und nahrhaft
t. Zwar gehört ein weuig
Keuntnis dazu, es zu finden,
mit etwas gutem Willen aber
erwirbt man ſie leicht. Heute,
vo das Gartengemüſe recht
teuer iſt, zuß man zu den
Sit=
ten unſerer Vorfahren
zurück=
kehren, die die Gaben der
Na=
tur beſſer als wir auszunuten
verſtanden. — Ein heute uur
wenig bekanntes, nahrhaftes
und ſchmackhaftes Gemüſe, das
einſt viel gegeſſen wurde, lie
fern die jungen Blätter und die
kleingeſchnittenen Blütenſtenge!
des Löwenzahns (Tarara
cum officinale), auch wohl
Weg=
lattich geuannt. Es läßt ſich
daraus, namentlich in
Verbin=
dung mit anderen Frühlings
kräutern, eine vorzügliche, wohl ?
ſchmeckende Suppe zubereiten!
Als Heilpflanze ſtand der 239
wenzahn einſt ebenfalls zull
hohem Anſehen, er galt alsl
magenſtärkendes Mittel, wurdd
bei Leberbeſchwverden, nament!
lich aber bei Krebsleiden häuftal 11
gebraucht und deshalb Krebs”4 20
blume genannt. — Zu den Ge
müſepflanzen zählte mau ehel
mals vor allem die dem Wald
meiſter verwandten Labkräul
ter (Galium verum uſtw.), dic 2e M 1
im Geſchmack dem Spinat ähn” bon 0c
lich ſind. Die alten Nömer verd Budel
ußerte.
wendeten ſie bereits, Pliniu4
lobt ihren feinen Geſchmack, und
ranchlen
in den Pflanzenbüchern des 121 ud der
chenrand zeigen an dieſen Mo= Die Biugen-Modelle sind von der Virma Becker, Vornehme Blusen, Wilhelminenstrasse 17 bereitete man aus den verſchiel Menuma
dellen nur einen gauz ſchmalen Sonnenschirm-Modelle 1924 von der Virma Karl Jordan, Schirmfabrik, Arnst- Ludwigstragse 24 denen Arten der Melde (Atrid bellhien
V. 4.
(Schluß.)
einen Mückſchluß auf ihren Voruamen geſtattet. Derſelbe
Vuch=
ſtabe grinſt einem uuter Umſtäuden auch von den Schuhſpitzen
in Palleitenſchituck eſitgegen. Ju der Stiliſierung der Lettern
macht ſich ſo ettwas wie ein neuter Jugend=Stil (unſeligen Au=
paſſen, abgeſüttert.
Pariſer Modebrief
Von Alſred Nichard Meyer.
Schon ans Mauiſche grenzt die Mode, ſein Monogramm
überall recht ſichtbar anzuoringen. Von weitem ſieht man an
der Bluſeutaſche jeder Daute eineit beſtimntten Buchſtaben, der
denkens) beuterkbar nur ins Exotiſche unigebogen. Derſelbe
Unfug hat iun die Herreulmtode übergegriſſenl. Auf der Schlips=
Uadel, weuint ſie ulicht juſt auf irgendivelche Juſiguten der
Olym=
pilſchen Spiele abgeſtimmt iſt, praugt protzig die Juitiale des
Voruamens. Selbſt das Schlüſſelbund, deit Man bisher als
Ge=
brauchsgegeuſtand recht wuenig Beachtuug ſchenkte, muß mit dem
erſten Buchſtaben ſeines Beſtiters gezeichtet ſein, wezin es
An=
ſpruch darauf uachen zwill, modern zu ſein. Natürlich muß es
aus edlerem Metall beſtehlen, aut liebſten aus Gold. Auf den
Ziggrettenetuis kauu miau jetzt Graphologie treiben; denn hier
hat der gauze= Name des leibenſchaftlichen Nauchers von ſeiner
eigenen Hand geſchrieben und daun ſauber eingraviert zu ſtehen.
„Nalſen ſtud Schall und Nauch?. In Paris zurzeit ſicher nicht.
Der zaunigfaltigſte Farbeuluxus wird mit den kleinen
ſei=
denen Einſteck Taſcheutichern getrieben, deren Zwek es gauz
beſtimtttt nicht iſt, unter Umſtänden die Naſe zu bedienen,
ſon=
dern vielnehr einzig: als bunter Tupfen aus kigiuſter Taſche
hervorzulugen. Bei dent Dauten wird dieſes Tüllchelchen auch
zvohl in eilnen Arureiſent oder in die Haudbanduhr eingebunden,
desglelchen zuelt öſter noch in die zu kleinerenr Unfaug
zurück=
gekehrte Handtaſche, die hauptſächlich Schminke, Libpenſtiſt,
Puder und Quaſte, Spiegel, Geldſcheine und Notizblock
aufzu=
beiwpahrent hat, bauebent aber, deit Zuge der Zeit eutſprechend,
ſozuſagen guch ſein Abgehlentuch eit Muiniature haben muß. Die
indiuiduelle Stimmuug des modiſchen Menſchen ſpricht ſelbſt
aus dieſen allerkleiuſteit Kleinigkeiten, die viele von uns für
höchſt iberflüſſig halten zverden.
Für die Bluſenmode gilt immer noch die langtaillige Form,
die über dem Nock getragen wird. Es iſt kein Zweiſel, daß dieſe
Art Aluſe elegant wirkt und mit dem Nock zu einem einheitlichen
Gauzen verſchmilzt.
Die farbige Blufe, gleichviel ob aus Seidentrikot, Crepe de
Chine oder Crepe Georgette oder einfach aus zartfarbigem Viole,
muß in der Farbe oder in der Garnitur ſtets irgendwie mit dem
Nock harmonieren, es darf bei aller geſtatteten Farbenfreudigkeit
keine unerfreulichen Kontraſte geben. Deshalb muß bei einer
far=
bigen Bluſe die Garnitur ſtets ſehr dezent gehalten ſein. Sehr
geſchmackvoll wwirkt — falls die Garnitur in Stickerei beſteht —
eine feine Perlſtickerei zwiſchen mit Seide geſtickten Ornamenten.
Die Perlen werden entweder in dem neutralen Milchweiß oder
Schwarz oder in einem zur Grundfarbe paſſenden Ton gewählt
und meiſt in kleinen Zwiſchenräumen aufgenäht. Sie beleben
durch ihren ſchillernden Glanz jede Stickerei ganz
außerordent=
lich. Außer Stickerei ſind es vor allem die vielen verſchiedenen
Arten von Hohl= und Ziernähten, die als Schmuck der elegauten
Bluſe erwählt werden und ſich in Erepe de Chine beſonders duſtig
ausnehmen und — wenin es ſich um fadengerade anzubringende
Ziernähte handelt —, möglichſt mit der Hand ausgeführt ſein ſollen.
An weißen Bluſen ſieht man häufig ſarbige Blenden.
Nand=
abſchlüſſe, ſchmale Kragen oder Gürtel, die ſehr gut wirken und
die wveiße Mluſen auch für diejenigen kleidſam machen, die ſonſt
Weiß nicht geru tragen.
Daß in der Bluſenmode äußerſte Schlankheit Trumpf iſt,
zeigen unſere heutigen Abbildungen. Um die Hüften (die
eigent=
lich überhaupt nicht vorhanden ſein dürfen) ſchließen ſich die
Bluſen vollſtändig glatt und kugpp der Figur an. Einerlei ob
ſie nun die noch immer oder immer wpieder beliebte Jumperform
hat, ob ſie als Weſtenbluſe mit ſchlichtem vorderen Knopfſchluß
auſtritt oder mit kurzem Schöſichen gearbeitet iſt, ſie umſchließt
ſtets am unteren Nande den Körper ſo eng wie möglich. Dadurch,
daß ſie in der Tallengegend ein wenig ausladet, was meiſt durch
ſeitliche Querenſchnitte und leicht eingereihte obere Nänder,
mauchmal auch durch vorn und rückwärts abgenähte Querbiſen,
die ſeitlich ausſpringen, erreicht wird, täuſcht ſie die von der Mode
geſorderte Schlankheit der Hüften, die der Körper nicht immer
beſitzt, vor. Der Verſchluß dieſer Aluſen, deſſen unterer Nand
uöglichſt nicht unterbrochen werden ſoll, iſt häufig etwas
prob=
lematiſch. Man bewerkſtelligt ihn größteuteils auf uröglichſt
un=
ſichtbare Weiſe durch einen längeren Schlitz au der liunken
Seiten=
naht, die Bluſe wird im übrigen über deu Kopf geſtreift.
Bild 1 zeigt einen 16 teiligen Sonnenſchirm in rotem Tafſet
mit augeſchuittenem Bogen: Nand, Staugeu und Nähte innen
mit ſchmaler Nüſche in Crepe uaroqugiue beſetzt, dicker
geſchnit=
ter Holzknopf in der Tönung des Stoffes, gleiche kurze Spitze.
Bild 2 iſt ein 12teiliger Schiru in beige Taffet mit zuei
10 Zeutimeter breiten aufgeſetzten gepufftent Volauts in braun
Tafſet; gerader dicker Griff in ſchwediſcher Birke mit elfenbein=
und ſchildpattſarbenen Anopf und gleicher kurzer Spitze.
Bild 3 hat einen Dezug aus gelbem Taffet mit eingeleſenent
und ausgebogten Crepe de Chine überlegt, au deut ſich eine 12
Zentimeter breite, ſchwal pliſſierte Volgut aus gelbem Taffet
auſchließt, als Griff iſt eiu gelblich getönter geſchnitter Beingriff
mit gedrehtem Virkenteil derſvendet.
Der lederne Sonnenſchirm
Der Sonnenſchirm war bisher ein duftiges und zartes
Ge=
bilde, das gerade durch die Leichtigkeit der verwvendeten Stoſfe
entzückte. Aber auch der Sonnenſchiru muß einmal ganz anders
wverden, und ſo wird er denn jetzt aus Leder hergeſtellt. Das
klingt zwar merkwürdig, aber ivenn maut dieſe eutzückenden
Schirme aus feinſtem Chebreauxleder ſieht, dvſe ſie ſich in ihrer
roten, grünen oder königsblauen Pracht vor den erſten
Sonnen=
ſtrahlen öffnen, ſo vergißt man die Schwere des Materials.
Natürlich zußt auch der (riff deutentſprechend ettwas ſtabiler
ſein, als es früher der Fall war. Im übrigen ſind die ledernen
Sonnenſchirme praktiſch, da ſie ſehr viel beſſer als jeue
durch=
ſichtigen Stofſe der Vergaugenheit vor deu tkeugterigen
Sonnen=
ſtrahlen ſchützen, und außerdent ſind ſie — modern.
V.
1.
Jahrhunderts finden wir ſi0 4Nude
unter den Gemüſepflanzen auft Strecke u
geführt. — Schon im Altertunt Darmnit
uig fit
plex), die namentlich auf Schutt/ Deſtelte
fettem oder ſalzhaltigem Boden,) zurich
am Seegeſtade, in Steppen und an wüſten Plätzen gedeiht, ein/ Geſog
ſchmackhaftes Gemüſe. Die ſog. Küchenmelde wurde einſt vielfachl
in Gärten gezogen, bis der Spinat ſie verdrängte, der aus den
Orient ſtammt, durch die Araber nach Spanien gelangte und vo
dort auch zu uns kam. Die Zubereitung der Melde iſt dieſelbel 4.M
wie beim Spinat, nur darf man die Herzblätter ihres manchmal
bitteren Geſchmacks wegen nicht mit verwenden. Als Spinaterſat
kummt weiterhin auch die Brenneſſel in Betracht, derer 78
junge Triebe ſchon bei den Griechen und Nömern des klaſſiſcher gücher g
Zeitalters als Gemüſe zubereitet wurden. Unſere Vorfahren
ſcwere
kochten ſie entweder allein als eine Art Spinat oder zuſammer gutgeſct
mit Fleiſch, das dadurch beſonders weich und zart wird und einer muſte ſch
vorzüglichen Geſchmack bekommt. Natürlich muß man beimlie du Ne
Pflücken der Breuneſſel und bei ihrer Verarbeitung bis zum Akz Nonturten
lochen Handſchuhe überziehen. — Eines der wohlſchmeckendſter
und geſündeſten Wildgemüſe iſt der Ampfer (Numex), von dem
es verſchiedene eßbare Arten gibt, als bekannteſte den Sauer t
ampfer, der ein dem Spinat im Geſchmack ſehr ähnliches Gemüff
liefert. Man findet ihn überall auf Wieſen und jedes Kind kenn/!
ihn. Früher wurde bei uns eine Ampferart, der Gartenampfer)
engliſcher Spinat genannt, als Gemüſepflange angebaut. Naſ
mientlich die Mönche züchteten Ampfer in den Kloſtergärten.
Ein ſchmackhalter Salat läßt ſich aus der einſt ebenfalls in Gärte!
wachſenden, heute nur noch wild vorkommenden Nauke (Erue fadeus
ſativa), Hunderauke, herſtellen, einer dem Kohl ähnlichen Pflanzc
Ihres ſtarken Eiſveiß= und Stärkegehalts wegen bereitet
man in früherer Zeit aus der Wurzel, des Pfeilkraute
(Sagittaria ſagitifolia), das auf Teichen oder am Rande fließen
der Gewäſſer zu finden iſt, ein vorzügliches Gemüſe. Leicht z
erkennen iſt das Pfeilkraut an ſeinen eigenartigen, ſchmalen, dreilt
ſpitzigen Blättern. In China, wo das Pfeilkraut viel gegeſſer
wird, hat man durch Züchtung beſonders ſtarke Wurzelknoller
erzielt. — Bei deu Nömern erfreute ſich der Wegwart (Cichol
rium), auch Wegtarte oder wilde Cichorie genannt, als Giel
müſepflanze großer Beliebtheit. Plinius nennt die Pflauze wilde
Endivie und Karl der Große veranlaßte ihren Anbau in größe
rein Umſang.
* Der zeitgemäße Haushalſin,
Frühlingsſchmarren mit Schnittlauchſoße
Zu dieſer ſättigenden Mittags= oder Abendmahlzeit werden alt
backene Semmieln in kalten Waſſer eingeteicht, gut ausgedriick 4
auf 3 Semmell 1 Ei, 44 Liter Milch, Salz, das nötige Mehl un
1 Taſſenkopf voll feingewiegte Frühlingskräuter, wie Brunnenn
oder Gartenkreſſe. Sauerampfer. Peterſilie, Schafgarbe, Löwenl
zahu U. ä. M., gekechnet. Aus dieſeit Teig werden nicht zu dünnel
flache Kuchen gebacken, dieſe mit zwei Gabeln in Stücke geriſſent
nochmals unter ſtändigem Wenden abgebacken und mit folgendel
Soße aufgetragen: 14 Liter Waſſer, 2 Eßlöfſel Eſſig, 2 Eßlöffell
Salatöl, etwas Salz und Pfeffer, ſowvie 2 gehäufte Eßlöffel Mehl
werden ſcharf verquirlt, auf dem Feuter bis zum Dickwerden gel
rührt und darauf mit 2 Eßlöffeln zerkleinertem Schnittlaug
verrührt.
Pikante Makkaronipaſtete. Die nicht zu klein gel
brochenen, in ſchtwachem Salzwaſſer wueichgekochten Maklaron”
werden abgetropſt und eine Lage davon in die gefettete Speiſe
form getan. Eine helle Mehleinbreune wird mit Zwiebeln und
Gewürz gemiſcht und mit Milch aufgefüllt. Einen gewäſſerten
Salzhertug eutgrätet zuan und wiegt ihn nicht zu fein. Büchſent! 8
fleiſch wird in kleine Würfel geſchnitten, Uleber die Makkaron”
lage legt maut Fleiſch= und Heringsſtückchen, füllt etwas Soßl
darüber, die übrigen Makkaroni als Oberſchicht darauf, bedech
ſie völlig mit Soße und bäckt das Gericht gut drei Viertelſtunde
im heißen Oſen.
sell.
Speiſezettel.
Sonntag:=Spargel=Peterſiliengemüſe mit gek. Ninderbruſt.
Moutag: Thüringer „Dätſcher” mit Dörrobſt.
Dienstag: Gebackene Nudeln mit Ahabarber.
Mittiwpoch: Frühliugsſchmarren zit Schnittkauchſoße,
Donnerstag: Spinat mit Bratkartoffeln.
Freitag: Fiſchragout von Scelachs.
Samstag: Dicke Haferflocken mit Nhabarber und Biutzucket
Rummer 138.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, deu 18. Mai 1924.
Seite 13.
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A
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Das am 11 Mat d2, 38. „Mund um die Ludwigshoge
vom V. C. D. ausgeſchriebene Rennen (zu unrecht für den ſeitherigen Gau 9, Beweis=
Bundeszeitung vom 8. Mai 1924) hat mit einem Mißakkord geendigt, der ſich da urch
äußerte, daß der Darmſtädter Radſport=Club 1919 gehandicapt wurde, da Tauſende
von Zuſchauern auf dem Standpunkte ſtehen, daß nicht Herr Emmerich vom V.C.
Frankfurt a. M. als Preisträger, ſondern Herr Walkenhorſt vom D. R.C. als erſter Sieger
und Herr Ganß D.R.C. als zweiter in Frage kommt, da Herr Emmerich anſtatt 5 nur
* Runden gefahren hat. Es iſt erwieſen, daß eine einwandfreie Kontrolle auf der
Strecke und am Ziel von Seiten des Veranſtalters nicht gehandhabt wurde. D
Darmſtädter Radſport=Club hat an dieſem Tage den Beweis erbracht, daß ſich die
Rennmannſchaft unter Leitung ſeines Rennfahrwartes Jakob Haller und ſeines allſeits
beliebten Trainers Hugo Walkenhorſt zur Zeit ſchon in beſter Form befindet. Leider
ging für die Mannſchaft des D.RC. das Rennen auch nicht ganz ohne Unfälle und
Defekte ab, ſodaß mancher, der die beſte Ausſicht hatte einen Platz zu belegen, dadurch
zurück eworfen oder zum Aufgeben gezwungen wurde. Nach Richtigſtellung des oben
Beſagten iſt das Ergebnis folgendes:
1. Hugo Walkenhorſt D.RC.
(mehrfacher Meiſter)
(Kettendefekt)
DRC.
2. Ludwig Ganß.
V. C. D.
(Faborit des V. C.D. Bergmeiſter 1923)
3. Ernſt Wolf
4. Möſer, Germania Frankſurt (gegen den von Seiten der Frankfurter
Remn=
fahrer Proteſt eingelegt wurde)
5. Ranis, V.C. Frankfurt a. M. (mehrfacher Gaumeiſter und Rekordmann)
Motorräder
PS. u. 2 PS. neueſte
Modelle, ſofort
liefer=
bar.
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Donges & Wieſt.
Paßbilder
in einer Stunde (”a
billig und gut.
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Wer liefert täglich nur Bleichſtraße 3.
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Vollmilch
aller Art
ins Haus (obere beſeitigt diskret und
Rheinſtr.)? Ang. u. billigſt; auch werden
T. 23 Geſchſt. (646388e Hunde u. Hühner
D=
v. Schmutz u. Ungez.
ziegenmilch
ſofort befreit. (e14524
morgens und abends, Herm. Broßmann
Sandbergſtr. 35
wv. abgegeben. (14494
Frankfurter Str. 105. (früh. Mil.=Desinfekt.)
Poſtkarte genügt.
Bauzeichnungen. .
D. R. C.
H. Beher
D.RC.
7. Döhren
ſcher D.R.C. kam trotz dreimaligem Sturz als 10. durchs Ziel. Neſter D R.C. wegen
hwerer Verwundung durch Sturz, ſowie Dieter und Offenthal D.R.C. wegen Defelte
usgeſchieden. Beher, der ſich in guter Form befindet, erlag dem Endſpurt und
ußte ſich daher mit dem 7. Platz begnügen; auch den Fahrern Döhren und Fiſcher,
e das Rennen ſchneidig beſtritten, gebührt große Achtung, zumal ſie mit ſehr ſtarker
nkurrenz zu jämpfen hatten.
Der D.R.C. pflegt neben ſeinem Wanderſport beſonders den Rennſport und iſt
m Fahrer Gelegenheit gegeben, der ſich dem Rennſport widmen will, dortſelbſt
einer gründlichen Ausbildung zu unterziehen. Bei dieſer Gelegenheit wird auf
Wanderpreis=Rennen des D.RC. „Rund um die Ludwigshöhe” am zweiten
igſtfeiertag hingewieſen, und folgt hierüber näheres an dieſer Stelle.
(6570
Darmſtädter Radſport=Club 1919.
Doooesobooosoeoeeooeooosoooooeooooeoeeoooeeeooo
Lichtpaufen,
Koſtenvoranſchläge,
Bauabrechnungen
auch ſtundenweiſe als
Nebenbeſch. billigſt.
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bildung sind nicht
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nach unserer Methode
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Prof. G. Langenscheidt
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mit unbedingter Sicher
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ben, sprechen und
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stehen. Sie sind schon
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der Lage, sich zu
ver-
ständigen und einfache
Briefe zu schreiben, also
Ihre Kenntnisse
tatsäch-
lich nutzbringend
anzu-
wenden. — Vertrauen
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18. Mai 1924 Nr. 134
Handelsblatt
Jahrestagung des Pereins Deutſcher
Maſtinendau=Anftänen.
Die diesjährige Mitgliederverſammlung des Vereins. Deutſcher
Maſchinenbauanſtalten wurde durch eine Anſprache des Vorſitzenden des
Vereins Generaldirektor Dr.=Ing. ehrenhalber W. Reuter eröffnet
Sodann erſtattete Herr Karl Lange, ſtellvertretender Geſchäftsführer
des Vereins, Bericht über die augenblickliche Lage des Maſchinenbaues.
Nach ſeinen Ausführungen macht ſich die augenblickliche Kriſe im
deut=
ſchen Wirtſchaftsleben für den Maſchinenbau durch ſeine Verbundenheit
it allen Vorgängen des deutſchen Wirtſchaftskörpers beſonders fühlbar.
Die Ruhrbeſetzung hat den Maſchinenbau als Abnehmer ſchwer
getrof=
fen. Die bedrängte Lage der Ruhrgebietes macht ſich im Fehlen der
Aufträge der großen Werke für den Maſchinenbau ſtark fühlbar. Da ein
großer Teil der Maſchinenfabriken im beſetzten Gebiete ſelbſt liegt, iſt
der Maſchinenbau durch die monatelange Stillegung, die Abſchnürung
vom Auslande und vom unbeſetzten Deutſchland ſchwer geſchädigt
wvor=
den. Ein Abkommen mit der Micum abzuſchließen, gelang infolge der
ſchwierigen Verhältniſſe der Metall verarbeitenden Induſtrie erſt
ſehr=
ſpät, ſo daß die Inbetriebſetzung der Werke nur langſam möglich war.
Die hohe Abgabe an der Grenze des beſetzten Gebietes und andere
Be=
fatzungsmaßnahmen bilden für die Maſchineninduſtrie an Rhein und
Ruhr eine fortdauernde erhebliche Belaſtung. Der Markſturz im
letz=
ten Vierteljahr des vergangenen Jahres war für den Maſchinenbau
durch ſeine langen Lieferfriſten beſonders verhängnisvoll. Die
inzwi=
ſchen eingetretene Belebung des Arbeitsmarktes betrifft in erſter Linie
die Verbrauchsinduſtrien und wird daher in dem verarmten Deutſchland
nicht von Dauer ſein können. Eine dauernde Beſſerung der Lage des
Maſchinenbaues kann nur bei einer kräftigen Belebung der deutſchen
Exportinduſtrie eintreten, von der aber ein nennenswerter Aufſchwung
noch nicht zu verzeichmen iſt. Die deutſche Induſtrie iſt nicht nur durch
höhere Produktionskoſten als die des Auslandes belaſtet, ihre
Abſatz=
möglichkeiten werden auch dirch die Unmöglichkeit, ſo langfriſtige
Kre=
dite wie die ausländiſche Konkurrenz an die Abnehmer zu gewähren,
durch beſonders gegen Deutſchland gerichtete Zollſchranken und
Be=
laſtungen und durch das Fehlen von Handelsverkrägen mit anderen
Staaten ſtark erſchwert.
Das Ziele, dieſe unnatürlichen Verhältniſſe zu beſeitigen, kann nur
durch bewußtes Zuſammenarbeiten zwiſchen Regierung, Handel und
Induſtrie erreicht werden. Die Steuergeſetzgebung der Regierung hat
in der Vergangenheit oft die Erkenntnis von der beſonderen Bedeutung
der verarbeitenden Induſtrie vermiſſen laſſen. Der Maſchinenbau
for=
dert ferner eine Frachttarifpolitik, die es den Ausfuhrinduſtrien
er=
möglicht, auf dem Weltmarkt zu konkurrieren. Um im Auslandsgeſchäft
wettbewerbsfähig zu ſein, iſt ferner die Gewährung langfriſtiger
Kre=
dite notwendig. Dringend geboten iſt daher Erleichterung in den
Kre=
ditbedingungen für produktive Unternehmungen. Bei dieſen
Beſtrebun=
gen zum Wiederaufbau des Außenhandels bedarf der Maſchinenbau der
nachdrücklichſten Unterſtützung ſeiner Schweſterinduſtrien, vor allem der
Rohſtoffinduſtrie. Die enge Zuſammengehörigkeit dieſer beiden
Indu=
ſtrien, beſonders in Hinſicht auf ſeine Preispolitik, hat das letzte Jahr
gezeigt. Hohe Eiſenpreiſe führen Exportunfähigkeit der Eiſen
verarbei=
tenden Induſtrie herbei, was unmittelbar auf die Beſchäftigung der
Eiſen ſchaffenden Induſtrie ſeine Rückwirkung ausübt. Mäßige
Preis=
politik der Eiſen ſchaffenden Induſtrie und der Gießereien iſt
Voraus=
ſetzung für die Erhaltung ſtabiler Verhältniſſe und der
Konkurrenz=
fähigkeit des Maſchinenbaues auf dem Weltmarkte. Die Eiſenpreiſe in
eutſchland dürfen nicht höher als die Weltmarktpreiſe ſein. Der
Ma=
ſchinenbau, der an der Haltung und Stärkung der deutſchen
Rohſtoff=
induſtrie beſonders intereſſiert iſt, ſetzt ſich beſonders für ein
verſtänd=
nisvolles Zuſammenarbeiten der Verbraucher und Erzeuger in der
jetzi=
gen ſchweren Zeit ein. Der Wiederaufbau des deutſchen Außenhandels
und eine Beſſerung der Wirtſchaftslage Deutſchlands werden ſich nur
durch ein enges, verſtändnisvolles Zuſammenarbeiten aller Zweige des
deutſchen Wirtſchaftslebens erreichen laſſen.
Es folgten Anſprachen der Vertreter von Behörden und der Gäſte.
Reichswirtſchaftsminiſter Hamm weiſt darauf hin, daß das Gedeihen
des Maſchinenbaues der Maßſtab iſt für das Blühen der geſamten
In=
duſtrie. — In Vertretung des Reichsverkehrsminiſteriums betonte der
Staatsſekretär im Reichsverkehrsminiſterium Kumbier die enge
Ver=
knüpfung zwiſchen Wirtſchaft und Verkehr, der ſich bewußt in den Dienſt
der Allgemeinheit, der Wirtſchaft und der Induſtrie ſtellen muß. —
S folgte dann ein Bericht über die Sachverſtändigengutachten zu der
Reparationsfrage vom geſchäftsführenden Präſidialmitglied des
Reichs=
verbandes der Deutſchen Induſtrie Herrn Geheimrat Dr. Bücher,
den wir bereits veröffentlicht haben.
Die weltwirtſchaftliche Zukunft
der Maſchineninduſtrie.
Ueber dieſes Thema ſprach Herr Profeſſor Dr. Ernſt Schultze
Direktor des Weltwirtſchaftsinſtituts (Leipzig), auf der diesjährigen
Jahrestagung des Vereins Deutſcher
Maſchinen=
bauanſtalten in Berlin. Er legte folgendes dar
Die Maſchine hat ſich die Welt erobert, ſie hat Produktion und
Ver=
kehr aller Erdteile vervielfacht. In den letzten Jahren vollends iſt die
Induſtrialiſierung auch der überſeeiſchen Länder mit unheimlicher
Schnelligkeit fortgeſchritten. Die Ausfuhr der alten
Exportinduſtrielän=
der iſt dadurch auf eine harte Probe geſtellt. Wenn z. B. Auſtralien
1911 aus Großbritannien und Irland 126 000 Paar Schuhe bezog, 1921
aber nur noch 2727 Paar, ja wenn die von ihm mittlerweile begründe
ten 432 Schuhfabriken ſchon 1918 für mehr als 800 000 Pfund Sterling
Schuhe und Stiefel ausführte, hauptſächlich nach Neuſeeland, ſo liegt es
auf der Hand, daß der fünfte Weltteil der engliſchen Schuhfabrikation
als Abſatzmarkt verloren gegangen iſt. Nicht minder breitet ſich die
Textilinduſtrie in Ueberſee aus, die Ausfuhr aus Weſteuropa und
Nord=
amerika hat bas Nachſehen. Andererſeits erhielten die Maſchinenfabriken
zahlreiche Beſtellungen, bis die ſchwere Wirtſchaftskriſis, die im
Früh=
jahr 1920 begann, der Ausdehnung der jungen Induſtrien in den
Roh=
ſtoffländern Schranken ſetzte. Da gleichzeitig die bodenſtändigen
Indu=
ſtrien unter der Kriſe zu leiden hatten, traten die Gefahren zutage, die
in Kriſenzeiten auch der Maſchineninduſtrie drohen.
Welche Faktoren werden das Schickſal des Maſchinenbaues in
Zu=
hunft beſtimmen? Die Induſtrialiſierung wird fortſchreiten, trotz
Rück=
ſchlägen, wie ſie eben letzthin eingetreten ſind. Jede
Maſchinenausfuhr=
induftrie aber, die ſich mit der Herſtellung von gewöhnlichen Maſchinen
begnügt, wird in Kriſenzeiten ſchwer heimgeſucht werden. Das gleiche
gilt von den Ländern, deren Maſchinenbau nicht danach ſtrebt, die beſten
Erzeugniſſe zu liefern. Insbeſondere iſt die Zukunft des deutſchen
Ma=
ſchinenbaues wie der geſamten deutſchen Induſtrie abhängig, in welchem
Maße es ihnen gelingt, ihre Lieferungen auf ſolcher Höhe zu halten,
daß der durch treffſichere Konſtruktionen und anerkannt gediegene
Ar=
beit errungene Vorſprung vor dem Auslande erfolgreich verteidigt wird.
Güte und Preiſe der deutſchen Maſchinen müſſen denen der
Wettbewerbs=
länder überlegen bleiben. Nur dann können Zollſchranken erfolgreick.
überſprungen werden. Und an Zollſchranken wird es auch für Maſchinen
nicht fehlen, obwohl die Wirtſchaftspolitik der Staaten, die eine neue
Induſtrie bei ſich ein)flanzen wollen, zunächſt ſich des Mittels bedienen
werden, Maſchinen zollfrei hereinzulaſſen oder dafür Zollerleichterungen
zu gewähren. Sehr bald dürfte ſich aber in den ſich induſtrialiſierenden
Ländern der Wunſch regen, auch den Maſchinenbau großzuziehen, ſodaß
ſie dann auch fremde Maſchinen hohen Zöllen unterſverfen.
So muß der Maſchinenbau, will er ſelbſt Ausfuhrinduſtrie ſein
unabläſſig nach Vervollkommnung ſtreben. Eu muß die Beweglichkeit
in techniſcher und kaufmänniſcher Hinſicht als Leitſtern betrachten. Er
muß der Pionier des Fortſchritts ſein. Um aber verbeſſerte und
ver=
vollkommnete Maſchinen zu bauen, muß er in engſter Wechſelwirkung
mit der einheimiſchen Induſtrie ſtehen. Ein hochentwickelter
Maſchinen=
bau iſt nur denkbar in einem Lande, das ſelbſt zahlreiche Maſchinen
benutzt und daher unaufhörlich neue Erfahrungen über das
Maſchinen=
weſen in Produktion, Verkehr und anderen Tätigkeiten ſammelt. Der
einheimiſchen Induſtrie wird dadurch für alle Produktionszweige eine
Förderung zuteil, deren Bedeutung ſich kaum überſchätzen läßt.
Wird doch der Wettbewerb der Induſtrieländer immer mehr
zu=
nehmen. Der alte Glaube iſt dahin, daß die Länder Weſteuropas nebſt
Nordamerika dauernd allein für die Induſtriearbeit ſich eigneten. Auch
die wärmeren Erdgebiete werden durch die Maſchine erobert, zumal
ſeit=
dem die Kraftgewinnung nicht mehr an die Dampfmaſchine gebunden
iſt. Die gewaltigen Kraftquellen auch der Tropen reizen zu
wirtſchaft=
licher Nutzung. Der Rohſtoffreichtum der Länder der ſüdlichen
Halb=
kugel fordert zur induſtriellen Verarbeitung an Ort und Stelle heraus.
Wie eine geniale Erfindung den Ort eines ganzen Produktionszweiges
verlagern kann, zeigt das Schwefelgewinnungsverfahren von Fraſch
das in wenigen Jahren die Schwefe gewinnung in den Vereinigten
Staaten, die früher gar keinen Schwefel gewannen, an die Spitze brachte,
während ſie in Sizilien mit dem Tode ringt.
Auch die Nahrungsmittelherſtellung wird, beſonders für leicht
ver=
derbliche Nahrungsmittel (Obſt und Fiſche), durch maſchinelle Arbeits=
Berfahren (Konſerveninduſtrie, Gefriertechnik) ganze Gebiete erobern,
die heute noch kaum für den Weltmarkt liefern, wie die Philippinen.
Einen beſonderen Anreiz zur Begründung oder Verpflanzung von
In=
duſtrien werden niedrige Löhne bieten, zumal, wenn ſie mit geſchickter
Arbeit Hand in Hand gehen, wie dies beſonders in China und Indien
der Fall iſt. Wo dazu noch der Vorteil niedriger Steuern tritt, wie
ebenfalls in China, wird zugleich mit der ausländiſchen Induſtrie das
zwiſchenſtaatliche Kapital angelockt werden, während Steuerdruck es
vertreibt.
Schutzzölle werden das ihre tun, um die Induſtrialiſierung zu
för=
dern. Dieſe aber wird noch lange gleichbedeutend ſein mit
Maſchinen=
einfuhr — ſo lange nämlich, wie es gelingt, die Maſchinen zu
vervoll=
kommnen, ſie billiger zu machen oder ihre Produktion zu ſteigeen. Noch
ſind ſolche Fortſchritte durchaus möglich, wie der Vortragende im
ein=
zelnen ſchilderte. Nicht zum wenigſten ſtellt der Ausbau der
Schutz=
vorrichtungen der Verbeſſerung bedeutſame Aufgaben, auch für die
Maſchinenausfuhrinduſtrie, obwohl ſie größtenteils nach Ländern mit
unvollkommener ſozialer Geſetzgebung liefern wird. Eine
Maſchinen=
induſtrie, die es als eherne Regel b=trachtet, nur unfallſichere Maſchinen
zu liefern, wird auf die Dauer über andere mit geringerem
Verant=
wortungsgefühl ſiegen.
Ziehen wir die Folgerungen für die deutſche Maſchineninduſtrie.
Sie muß, will ſie den Weltmartt dauernd beliefern, den Bau
hochwerti=
ger Maſchinen in den Vordergrund ſtellen, für deren Erzeugung der
deutſche Ingenieur und der deutſche Arbeiter ganz beſondere Eignung
beſitzen. Zugleich wird ſie damit der deutſchen Induſtrie die beſten
Arbeitsmittel liefern. Qualitätsarheit und Verantwortungsgefühl
wer=
den gerade in dem ſcharfen Wettbewerb einer ſich weiterhin ſchnell
indu=
ſtrialiſierenden Welt den Sieg davontragen.
Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Die Eiſen= und Stahlwareninduſtrie im Monat
April 1924. Dem Eiſen= und Stahlwaren=Induſtriebund wird über
die Lage ſeines Induſtriezweiges aus den einzelnen Bezirken wie folgt
gemeldet: Hagener Bezirk: Die Geſchäftslage im April 1924
hat ſich gegen den März wenig verändert. Die Beſchäftigung hätte wohl
eine Belebung erfahren können, wenn die Betriebe die Möglichk it
gehab=
hätten, ſich Kapital oder Kredit zu beſchaffen. War dadurch der Rahmen
der induſtriellen Betätigung eng umgrenzt, ſo kommt hinzu, daß der
außerordentliche Wettbewerb und das gegenſeitige Wegholen der
Auf=
träge in allen Zweigen der Eiſenfertigwareninduſtrie die Preiſe allgemein
ſehr niedrig hielt. Das Sachverſtändigen=Gutachten, das vor allem die
feſte Umgrenzung der Reparationsverpflichtungen vermiſſen läßt und das
dem deutſchen Erwerbsleben Laſten untragbaren Umfanges auferlegt,
kann in keiner Weiſe dazu beitragen, den beſtehenden Peſſimismus der
Eiſenfertigwareninduſtrie zu beſeitigen. — Remſcheider und
Vel=
berter Bezirk: Die eingegangenen Berichte laſſen eine erfreuliche
Belebung des deutſchen Inlandgeſchäftes in Werkzeugen, Schlöſſern,
Be=
ſchlägen und Kleineiſenwaren erkennen. Der Umſatz hat ſich gehoben.
Die Geſchäftsausſichten erſcheinen nicht unbefriedigend. Das
Auslands=
geſchäft iſt dagegen immer noch gedrückt und ſchwieriger. Die Micum=
Laſten machen ſich, je länger ſie dauern, um ſo drückender bemerkbar,
zumal die hohen Reichs= Staats= und Gemeindeſteuern den Umſatz ganz
erheblich vorbelaſten. Allgemein bedenklich iſt die Geldknappheit und in
Verbindung damit die gewaltige Verteuerung der Kredite. —
Schmal=
kalder Bezirk: Der vergangene Monat April ſtand auch hier in
ſteigendem Maße unter dem Zeichen der Geldknappheit. Der Export
iſt zurückgegangen, weil die Preiſe der deutſchen Induſtrie für das
Aus=
land zu hoch find. Die Beſchäftigung für das Inland iſt im hieſigen
Bezirk im allgemeinen gut; die Zahl der Erwerbsloſen hat, abgenommen.
Rohmaterial wird im ganzen genügend angeliefert. Die Preisſteigerung
von Stahl und Eiſen im erſten Teil des Monats wurde allerdings ſehr
drückend empfunden, da ſie in den Verkaufspreiſen nicht oder nur
un=
genügend zum Ausdruck gebracht werden kann. Arbeitseinſtellungen
infolge unerfüllbarer Lohnforderungen blieben nicht aus. Die der
hieſigen Induſtrie durch einen Schiedsſpruch des Arbeitsminiſters
aufge=
zwungenen höheren Löhne werden wohl allgemeine Preisſteigerungen
nach ſich ziehen müſſen. Ob dabei der Beſchäftigungsgrad erhalten
blei=
ben wird wie bisher, oder ob nicht vielmehr manche Aufträge
zurück=
gezogen werden und die Hereinnahme anderer Aufträge unmöglich
wer=
den wird, muß abgewartet werden. — Süddeutſchland: Die
Ge=
ſchäftslage im Monat April entſprach ungefähr der des Vormonates.
Der Auftragseingang hat ſich erhalten, ſodaß die Beſchäftigung in
ver=
ſchiedenen Zweigen als befriedigend bezeichnet werden kann. Die
Ver=
kaufspreiſe ſind gedrückt. Es müſſen oft Aufträge hereingenommen
wer=
den, die äußerſt ungünſtig liegen, damit auch in der nächſten Zeit die
Beſchäftigung aufrechterhalten werden kann.
Erwerbsgeſellſchaften.
* Gardinenfabrik Plauen A.=G. Plauen i. V. Die
Geſellſchaft beruft a. o. G.=V. zum 13. Mai. Auf der Tagesordnung
ſteht u. a. die Vorlage und Genehmigung für eine zum 1. 1. ds. Js.
aufgeſtellte Goldbilanz und die gleichzeitige Herabſetzung des Grund=
Kapitals. Außerdem ſollen die im Februar 23 geſchaffenen 3700 Stüc
Genußſcheine zur Rückzahlung gekündigt werden. Wie zu dieſen
Ver=
trägen von gut unkerrichteter Seite verlautet, beabſichtigt die
Verwal=
tung das Grund=Kabital, das zur Zeit aus 18 Mill. Stamm= und
Mill. Vorzugs=Aktien beſteht, im Verhältnis 10:1 auf 1,9 Mill.
Goldmark zuſammenzulegen. Die konvertirten
Goldmark=
aktien werden alſo unter Zugrundelegung des geſtrigen Berliner
Kurſes (5 Bill. Proz.) noch nicht ganz 50 Proz. des Goldmark=Pari=
Standes erreichen. Das Aktienkapital der Geſellſchaft betrug vor dem
Kriege 1,4 Mill. Mark bei einem Kurſe Ende Juni 1914 von 165 Proz.
ſodaß die Bewertung des ganzen Unternehmens ſich 1914 alſo auf
Mill. Goldmark gegenüber einer gegenwärtigen Bewertung von
0,9 Mill. Goldmark ſtellte. Einen einigermaßen ſicheren Schluß auf die
gegenwärtigen Vermögenswerte und Nentabilität der Geſellſchaft unter
veränderten wirtſchaftlichen Verhältniſſen wird man natürlich erſt dann
ziehen können, wenn die Eröffnungsbilanz und der Prüfungsbericht
der Verwaltung tatſächlich vorliegen. Die Kündigung der Genußſcheine,
die in der letzten Jahresbilanz mit 185 000 Papiermark zu Buche ſtanden,
erfolgt, wie gerüchtweiſe verlautet, um die gleichzeitige
Goldumſtel=
lung nicht unnötigerweiſe zu komplizieren und evtle. Belaſtungen der
Geſellſchaft tunlichſt zu vermeiden. Der Geſchäftsgang wird zur Zeit
als befriedigend bezeichnet, jedoch würde die Beſchaffung der norwendigen
Rohmaterialien neuerdings unter erheblichen Schwierigkeiten zu leiden
haben.
Warenmärkte.
* Von den ſüddeutſchen Waren= und
Produkten=
märkten. Die Unſicherheit an den Warenmärkten hielt an, da ſie
nach wie vor unter der Geld= und Kreditnot, verſchärft durch die
Ab=
wickelung der Frankenverpflichtungen im Metall=, Textil= und
Produk=
tenhandel, ſeufzen. Es zeigt ſich immer mehr, daß ſich die geſamte
deut=
ſche Wirtſchaft in der Hereinnahme von Waren, auf denen man ſitzen
blieb, um ſich gegen etwaige Valutaverluſte zu ſchützen, übernommen
hat, ohne daß man dabei die Erforderniſſe der Währungspolitik und
ihre energiſche Handhabung genügend in Rechnung ſtellte. Als dann
die Reichsbank die Kredite am 7. April mit Gewalt ab”roſſelte war man
darauf weder vorbereitet, noch hatte man ſeine geſchäftlichen
Maß=
nahmen irgendwie darauf eingerichtet. Die Folge iſt ein Anſchwellen der
Wechſelbeſtände, die nicht diskontiert werden und damit eine
Verſtär=
kung der Immobiliſierung. Seitdem nunmehr die in Franken
aus=
geſtellten Akzepte für Metalle, Textilien und franzöſiſches Mehl fällie
geworden ſind, ohne daß es möglich war, die erforderlichen Franken
beſtände zu erhalten, fing es an den verſchiedenſten Stellen an im
Ge=
bälk zu kniſtern. Mon wird froh ſein, wenn die Verpflichtungen (zu
Ultimo Mai und Medio Juni glücklich überſtanden ſind. Für den
Ge=
treidehandel brachten die ſich häufenden Mehlverſteigerungen die
Nebenerſcheinung mit ſich, daß die deutſchen Mühlen infolge ihres
ver=
ringerten Abſatzes als Käufer ſich vom Markte völlig zurückhalten. Wo
laufende Verpflichtungen zu erfüllen ſind, muß man ſich deshalb wohl
oder übel von der Ware trennen mit dem Erfolg, daß die Getreidepreiſe
etzt ſeit Wochen immer weiter abbröckeln. Unter dieſem Geſichtspunkte
iſt es für die Verbraucher beſonders erfreulich, daß der amtliche
Charak=
ter, den die Münchener Produktenbörſe bekommen hat und die
damit verbundene Stellung unter Staatsaufſicht auch eine Ueberraſchung
der Preisfeſtſetzung in der Richtung mit ſich bringt, daß die
bekanut=
zugebenden amtlichen Börſenpreiſe den an der Börfe tatſächlich
gezahl=
ten Preiſen entſprechen. Die Münchener Preisnotierungen haben damit
ohne Zweifel für die ſüddeutſchen Märkte eine erhöhte Bedeutung
er=
langt.
Brotgetreide war vernachläſſigt; immerhin glaubt man, daß
nach Abwicklung der franzöſiſchen Mai= und Junikontrakte die
Ver=
hältniſſe ſich ändern könnten, zumal die Warenbeſtände ſich
notgedrun=
gen immer weiter verringern. Gerſte iſt mit zurückgegangen, da die
Brauereiakzepte ſchwer unterbringlich waren; auch Hafer neigte nach
unten und iſt mit 14—15 Mark ab Stationen die 100 Kilogramm
an=
geboten. In ausländiſchem Getreide vermochte ſich nennenswertes
Ge=
ſchäft angeſichts des Dediſenmangels nicht zu entwickeln. Angeboten
waren Plataweizen, 79 Kilogramm je hl., ſeeſchwimmend, zu 11,35 fl
eif Rotterdam, auf ſpätere Abladung zu 11,50—11,60 fl., Roſario, 79
Kilogramm, ſeeſchwimmend, zu 11,60 fl., auf ſpätere Abladung 11,90
Manitoba I, Maiabladung 12,60 fl., Juniabladung 12,50 fl., ſeeſchwim
mend 12,75 fl., die 100 Kilogramm eif Rotterdam; rheinſchwimmend
13,10 fl. eif Mannheim; Manitoba II, auf Juniabladung 12,20
a.
Manitoba III, Juniabladung 11,90 fl., eif Rotterdam; Mais, Laplat
ſeeſchwimmend, 10,25 fl.. Juli—Auguſt, Auguſt—September, Septemben
bis Oktober=Abladung fl. 8,75 die 100 Kilogramm eif Rotterdam.
n der Donnerstag=Börſe wurden wieder gegen 500 Tonnen
aus=
ländiſches und auch ſüddeutſches Mehl verſteigert. Man bezahlte dabe
u. a. für 100 Tonnen holländiſches Roggenmehl, hier eingetroffen, bal
frei Mannheim, 65/68 Prozent Ausmahlung, 64—66,5 Fr.; fün
Tonnen amerikaniſches Durum Patent=Weizenmehl, 4,65 Doll., War
in Karlruhe lagernd, 15 Tonnen franzöſiſches Weizenmehl, 52 Fr.,
Tonnen franzöſiſches Weizenmehl, in Koblenz lagernd, 80 Fr., 30 Ton
nen franzöſiſches Weizenmehl, fleur d’eportation, 83 Fr. ab Grenze
Für die kommende Montagsbörſe ſind bereits zwiſchen 400 und /)
Lonnen Mehl, meiſt argentiniſcher und kanadiſcher Herkunft, zur Ver
ſteigerung angekündigt. Die ſüddeutſchen Mühlen hielten an ihren
Forderungen von 28,25 Mark für Weizenmehl, Spezial 0, 23 Mark fü
Roggenmehl, feſt; die zweite Hand bot zu 25,5 bzw. 19,5—20 Mark je
100 Kilogramm an.
Futtermittel lagen angeſichts des durch die Wärme gefördet
ten übpigen Standes der Kleefelder und Wieſen in Süddeutſchland
ruhiger bei rückgängigen Preiſen. Man verlangte für die 100 Kilogramm
Weizenkleie 9—10 Mk., Roggenkleie 8,75—9,25 Mk., Weizenfuttermehl
11—12 Mark, Roggenfuttermehl 10—10,5 Mark je nach Fabrikat;
Haferſchalenmelaſſe 9—9.25, Torfmelaſſe, ab beſetztem Gebiet, 8,90 M
Trockenſchnitzel 11,5—12,Seſamkuchen 20—21, Rapskuchen 10—11 Mark
die Preiſe für Biertreber und Malzkeime gaben gegen die Vorwoche
etwa 1 Mark nach. Von Bayern lagen Angebote vor zwiſchen 11 und 1
Mark die 100 Kilogramm in Leihſäcken, ab ſüddeutſchen Stationer
wurden Malzkeime mit etwa 12 Mark die 100 Kilogramm ohne Sad
gehandelt. Auf Antrag der Mannheimer Produttenbörſe hat de
Reichsernährungsminiſter verfügt, dem hieſigen Futtermittelimpe
einen Betrag Deviſen zum Zwecke der verſtärkten Einfuhr von ſtar
eiweißhaltigen Kraftfuttermitteln ſowie Futtergerſte und Mais vor
zugsweiſe zur Verfügung ſtellen. Der einzelne Importeur hat jeweils
den Nachweis zu führen, daß er eine dem anzufordernden Deviſenbetrag
entſprechende Menge Kraftfuttermittel oder Futtergetreide gegen
De=
viſen eingekauft und in Mark verkauft hat.
dülſenfrüchte hatten wenig Geſchäft, blieben aber im Preiſe
behauptet. Man verlangt für die 100 Kilogramm ab ſüddeutſchen Stati.
onen: grüne Erbſen 32—33 Mark, Viktorigerbſen 35 Mark, fränkiſch
gereinigte Linſen 63 Mark, kleine Linſen 56 Mark, farbige Bohnenn
28 Mark, weiße Donaubohnen 34 Mark, Haferflocken 27 Mark.
Für Malz erwartet man aus der ſommerlichen Witterung beſſere
Nachfrage von den noch nicht völlig gedeckten Brauereien und angeſichts
der geringen Vorräte für die Sommermonate höhere Preiſe. Aus dieſer
Erwägung heraus ſollen einzelne Mälzereien jetzt wenig Neigung z
neuen Abſchlüſſen zeigen. Verlangt wurden für die 100 Kilogramm
39—40 Mark; ab Bayern und Würtremberg lagen um etwa 1—2 Mar
billigere Angebote vor. Der Abruf durch die Brauereien iſt in den
letz=
ten Tagen erwas lebhafter geworden.
Am Hopfenmarkt ſcheint die rückläufige Bewegung vorläufig
beendet; die Preiſe ſchwankten zuletzt zwiſchen 650 bis 750 Mark ja
Zenkner, erſte Koſten; für einige Poſten von badiſchen Händlern
ver=
kaufte Hopfen waren Preiſe nicht zu erfahren. Die Arbeiten mit den
jungen Pflanzen gehen gut borwärts. Man iſt allerorts, wo die
An=
lagen nicht durch die Ueberſchſlvemmungen der letzten Wochen gelitten M
haben, mit dem Ziehen des Drahtes oder dem Stangenſetzen beſchäftie
Die Pflanzen haben gut überwintert und zeigen kräftige Triebe. In
alten Hopfen ruht das Geſchäft. Nach amerikaniſchen Hopfen iſt etwas/ 1
mehr Nachfrage bei etwvn 350 Mark der Zentner, nachdem ſich die Braue= A
reien überzeugt haben, daß dieſer Hopfen zum Verſchnitt mit einheimi
ſchen Hopfen für Schenkbiere geeignet iſt.
von Aner
Die 1923er Tabake befinden ſich in der Maifermentation, Larm
Sandblätter und Heubſttabake verſprechen ein brauchbares
Schneide=
bote
material zu geben, dagegen die Zigarrentabake recht kräftig und be= Geſchäft
dürfen einer längeren Lagerung bis zur Verarbeitung. Im Handel iſt
es immer noch ruhig; die Preiſe ſind für alle Tabake weichend infolge Boog,
der Geldknappheit. 9ipen underändert. Eine in Karlsruhe abgeha
Kaſſe
tene Beſprechung von V tretern der Tabakpflanzerſchaft hat beſchloſſen,
Nie
der Regierung eine Denkſ” rift zu den Vorſchlägen der
Sachve=
rſtändigert Fat
über die Einführung eines deutſchen Tabakmonopols einzureichen und G 6Uhr
gleichzeitig die 2
behaltung der ihnd S öle und Beit Roas2)
juſtigung des inländiſchen Tabaks zu empfehlen
76
In der in Speher abgehaltenen Frühjahrshauptverſammlung, de
AR0
Landesverbandes Bayern des Tabakbauvereins wurde mitgeteilt,
von den vom Reichswirtſchaftsminiſterium der Landwirtſchaft zur Ber= ,
fügung geſtellten 400 000 Goldmark etwa 25 000 Mark auf den Tabat
bau entfallen. Die Kreisbauernkammer der Pfalz hat 1500 Mark für den
pfälziſchen Tabakbau bewilligt. Die Verſammlnug, beſchloß, die beſten PW
Leiſtungen im pfälziſchen Tabakbau durch Verleihung eines Diploms
zu ehren. Von dem Tabakmonopol befürchtet man ſehr ungünſtige ie md
Wirkungen.
billig zu
wb. Berliner Produktenbericht. Im Produktenverkehr 0.
ſeigte ſich bei im allgemeinen unveränderter hochgradiger Geſchäftsſtille qwie
für Roggen etwas Nachfrage ſeitens der auswärtigen Mühlen. Was Schm
Weizen anlangt, ſo wird in Sachſen ziemlich viel Material für hieſige Teſeob
und andere Mühlen in Kähne geladen= Gerſte, Hafer, Futterſtoffe und
Hülſenfrüchte waren bei wenig veränderten Preiſen ziemlich umſatzlos./ Schrei.
76
Das Mehlgeſchäft hat ſich bei nachgebenden Forderungen noch nicht ge
beſſert.
i oſch
Börfen.
Bade
* Frankfurter Börſe vom 12. bis 17. Mai 1924. (Eiges üt er
ner Bericht.) Die ſchwere Stimmungsdeprefſion, die ſeit langem auf der
Börſe laſtet, fing in der abgelaufenen Woche langſam an zu weichen
das Ergebnis der franzöſiſchen Wahlen, das die Ausſichten auf eine
Ver=
ſtändigung in der Reparationsfrage auf der Baſis der Sachverſtändigen
tachten weſentlich verbeſſert hat, machte an der Börſe um ſo größeren
Eindruck, als es völlig überraſchend kam, und bot beſonders dem Maykte ” kaufe
der weſtlichen Montanwerte eine ſtarke Anregung. Es ſetzten auf dieſem ſt, I.
Gebiet lebhafte Käufe ein, die teilweiſe auf rheiniſch=weſtfäliſche Indr
Sſtenl
kreiſe, teilweiſe auch auf ausländiſche Jntereſſenten zurückgeführt wurden
und recht beträchtliche Kursſteigerungen zur Folge hatten. Die
Speku=
lation war umſo eher geneigt, ſich dieſer Kaufbewegung anzuſchließen, als
der Geldmarkt wenigſtens für tägliches Börfengeld augenblicklich eine
ge=
wiſſe Erleichterung zeigt. Es darf dabei allerdings nicht außer Acht
ge=
laſſen werden, daß dieſe größere Geldflüfſigreit wohl nur
vorübergehen=
der Art ſein dürfte, da die allgemeine ſchwere Kapitalnot und
Kredit=
kriſis, wie die täglichen Fälle von Schwierigkeiten und Inſolvenzen in
Handel und Juduſtrie beweiſen, noch keineswegs überwunden ſind. Di=
Unternehmungsluſt an der Börſe blieb denn auch in der Hauptſache au
die Berufsſpekulation beſchränkt, während das Publikum nach wie vor
größte Zurückhaltung übte, ſodaß das Geſchäft nur ſehr langſam einer
etwas größeren Umfang gewinnen konnte. Neben Montanwerten waren,
noch die Aktien des Anilin=Konzerns, ferner die dem Stinnes=Konzern
angehörenden Elektrizitätswerte und einige Spezialpapiere ſtärker
ge=
ragt, während der Einheitsmarkt kursmäßig noch weniger von dem
Stimmungsumſchwung profitiert hat. Der Schluß der Woche löſte zwar
einige Gewinnrealiſationen aus, im ganzen blieb die feſte Haltung der
Börſe davon aber unberührt und das Geſchäft erfuhr ſogar zuletzt noch
eine nicht unweſentliche Belebung.
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Rummer 138.
Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Maf 1924.
Seite 19.
Der Mann mit dem Pelz.
3)
Detektiv=Roman von J.
Davids.
(Nachdruck verboten.)
Es ſchien, als ob Jackſon am folgenden Morgen alles Leid,
das er am vorhergehenden Tage empfunden, wieder vergeſſen
hätte. Sein Aeußeres zeigte nichts Beſonderes. Wie gewöhnlich
par er morgens um 9 Uhr auf Scotland Yard, wo er den
ver=
chiedenen Inſpektoren Anweiſungen erteilte.
Hunderſon, der dem Detektiv gegenüberſaß, fiel es auf, daß
Fackſon ruhiger war wie gewöhnlich. Seine Stimme klang
gelaſ=
eney, zu ſeinen Ausführungen hatte er heute doppelt ſo viele
Zeit notwendig wie ſonſt. Auch war er zurückhaltender wie
ge=
vöhnlich. Seinen Kampf hatte er ausgeſtritten. Er hatte ſich mit
iner Gelaſſenheit in das Schickſal, das ihn betroffen,
hineinge=
unden, die jeden, der den inneren Streit gekannt, hätte
über=
aſchen müſſen.
Nachdem er an ſeinem Schreibtiſch Platz genommen hatte,
ief er den Diener herbei, der einen Brief an Miß Stewans
be=
orgen ſollte. Keinen Vorwurf hatte er ihr darin gemacht über
as, was er in dem verrufenen Kabinett geſehen, nichts hatte er
ber all das geſchrieben, nur in wenigen kühlen Worten teilte er
hr mit, daß ſeine Tätigkeit ihn zurzeit zu ſehr in Anſpruch
jehme, um den bisherigen Verkehr fortſetzen zu können. Er
ankte ihr für die angenehmen Stunden, die ſie miteinander
ver=
ſebt, doch bat er ſie, ihn nicht mehr zu beſuchen.
Ein wenig hoffte Jackſon aber doch, daß Helene nach
Emp=
ang dieſer Zeilen zu ihm kommen werde, um ihm Aufſchluß über
fhr Verhalten zu geben. Doch Miß Stewans erſchien nicht.
Nach Verlauf einer halben Stunde kehrte der Diener zurück
ind berichtete, daß er den Brief beſorgt habe.
Wer kann in
jichſten Tagen
„Was tat die Dame, als ſie den Brief geleſen hatte?” frug er
im gewöhnlichen Tone eines Unterſuchungsrichters.
„Sie lachte, Mr Jackſon, den Brief aber zerknüllte ſie und
warf ihn dann beiſeite. Hierauf gab ſie mir einen Schilling und
ſagte, daß ich gehen könne.”
„Lachte ſie wirklich?”
„Ja, gewiß,” antwortete der Diener, „der Inhalt des Briefes
ſchien ſie zu beluſtigen.”
Von dieſem Augenblicke an trat eine Entfremdung zwiſchen
Jackſon und Miß Stewans ein. Der Gedanke aber, daß es doch
eine Perſon gab, die er einmal geliebt habe, ja noch liebte, war
für ihn trotz allem beſeligend. Dieſes Glück konnte auch John
Gillis ihm nicht rauben.
Gegen Mittag trat dichter Nebel ein, der den Verkehr auf
den Straßen ſtark beeinträchtigte. Am nächſten Tage war der
Nebel noch dichter und verhinderte den Straßenverkehr faſt ganz.
Autos wie Straßenbahnen fuhren ſehr langſam, während der
Schein der elektriſchen Lichter ſich nur gering durchzuſetzen wußte.
Gegen 9 Uhr abends war in den Straßen noch kaum jemand
an=
zutreffen. Entweder war man zu Hauſe geblieben oder hatte ſich
zum Theater, in ein Kino oder einen Klub begeben
Die Londoner Polizei aber war auf dem Poſten. Auf den
verſchiedenen Stationen befanden ſich nur wenige Mannſchaften;
die meiſten durchkreuzten die ſonſt ſo geſchäftigen Straßen. Einige
führten einen Hund mit ſich, um, wenn es nötig war, doch eine
Verfolgung aufnehmen zu können.
Am Hauſe des Detektivs Jackſon öffnete ſich um 9 Uhr die
Türe und, gefolgt von Hunderſon, trat derſelbe hinaus auf die
Straße. Beide trugen lange Regenmäntel und hatten eine tief
ins Geſicht gezogene Mütze aufgeſetzt.
„Schlechtes Wetter, um jemanden zu verfolgen”, brummte
Hunderſon, während er einen Augenblick ſtehen blieb, um eine
Zigarre anzuzünden.
„Wir brauchen niemanden zu verfolgen” bemerkte Jackſon.
„Ich weiß, wohin der Dieb das geſtohlene Gut bringen will.
Haben Sie Ihren Browning bei ſich?"
„Sogar zwei Exemplare”, antwortete Hunderſon. „Sind denn
die Burſchen, die wir aufſuchen wollen, ſo gefährlicher Art?
„Der Dieb nicht,” ſagte Jackſon, neben dem Inſpektor
hin=
ſchreitend, „wohl aber ſein Chef . . . John Gillis.
Hunderſon antwortete nicht, warf aber dem Detektiv einen
vielſagenden Blick zu.
„Es iſt zwar kein ruhmbolles Ende für einen ſolchen
Ban=
diten, wenn wir ihn nur als Hehler auf friſcher Tat erwiſchen
und ihn zur Rechenſchaft ziehen. In Amerika hat er auch
reich=
lich auf dem Kerbholz. „Obendrein”, ſo fuhr er bedächtig fort,
„habe ich genug von ihm und trage größtes Verlangen, mit ihm
abzurechnen. Sie müſſen nur nicht auf ihn ſchießen, Hunderſon.
Er kann mir noch große Dienſte leiſten, und . . .
Wieder machte Jackſon eine Pauſe, wie das ſeine
Gewohn=
heit war, dann fuhr er fort: „Damit ich es nicht vergeſſe,
Hunder=
ſon, ich habe hier einen Bericht für die Preſſe. Es wäre mir lieb,
wenn Sie perſönlich denſelben an die „Times” beſorgten. Er
muß um 11 Uhr heute abends noch veröffentlicht werden.”
(Fortſetzung folgt.)
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Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 18. Mai 1924,
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