Darmstädter Tagblatt 1924


15. Mai 1924

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Nummer 135
Donnerstag, den 15. Mai 1924.
187. Jahrgang

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Rabatt weg. Bankkonto: Deutſche Bank und Darme=
ſtädter
8 Nationalbank.

Die franzöſiſche Miniſterkriſe.
Die Frage der Kabinettsbildung. Milſerands Bedingungen für die neue Regierung.
Die Forderungen der Kommuniſien.

* Die Frage der Kabinettsbildung ſteht im
Vordergrund des Pariſer Intereſſes. Man erwartet, daß Mille=
rand
, der Präſident der Republik, der dem diploma=
tiſchen
Mitarbeiter der Daily Mail zufolge von einer aus dem
neuen Mehrheitsblock zu bildenden Regierung die Beachtung
der drei nachſtehenden Grundſätze verlangt:
1. Keine Räumung des Ruhrgebietes bis zur völligen Ab=
zahlung
der deutſchen Schulden,
2. Aufrechterhaltung der franzöſiſchen Geſandtſchaft beim
Vatikan,
3. keine Anerkennung der Sowjetregierung im gegenwärtigen
Augenblick,
ſofort nach dem Beſuch des Prinzregenten von Abeſſinien ſich
mit der Frage beſchäftigen und eine Unterredung mit dem Führer
der Radikalen Herriot haben wird. Man glaubt, daß am 1. Juni,
dem Tage des Zuſammentritts der neuen Kammer, die Miniſter=
kriſe
tatſächlich gelöſt ſein wird. Es iſt allerdings noch fraglich,
ob Herriot und auch Leon Blum ſich an einer Kabinettsbildung
beteiligen werden. Man ſieht gewiſſe ſachliche Hinderniſſe und
erinnert daran, daß Herriot und Leon Blum erklärt hätten, die
Bildung eines Wahlkartells binde die beiden Parteien nicht für
die Zukunft, und unmittelbar nach den Wahlen erhalte jede
Partei ihre Händlungsfreiheit zurück. Der Block könne jetzt
nur konſtituiert werden, wenn die ſozialiſtiſche Partei ſich bereit
erkläre, an der Regierung teilzunehmen. In dieſer Beziehung
ſei aber bereits volle Klarheit geſchaffen. Die Sozialiſten hätten
beſchloſſen, bis zum 1. Jumf einen Landeskongreß abzuhalten,
auf dem dieſe wichtige Frage beſprochen werden ſolle. Es liege
auf der Hand, daß die Diskuſſion kebhaft ſein werde und daß die
Anhänger des Eintrittsin die Regierung, auf ernſtlichen
Widerſtand ſtoßenf zvürden. Die Gegner des Eintritts ſeien
zahlreich, und dann ſeien bekanntlich die Nachbarn der Sozialiſten
in der Kammer die Kommuniſten, die man nicht vernach=
läfſigen
dürfe. Dieſe aber hätten in aller Form erklärt, daß ſie
die Abſicht hätten, ſobald wie möglich von der Kammer einen
Beſchluß über folgende drei Punkte zu verlangen:
1. Die Zurückziehung der franzöſiſchen Truppen aus
dem Ruhrgebiet;
2. Wiederaufnahme der Beziehungen zu Sowjet=
rußland
und
3. allgemeine Amneſtie, die ſich auch auf die politiſch
Verurteilten und auf Caillaux erſtrecken ſoll.
Im Augenblick könne niemand ſagen, welchen Beſchluß die ſozia=
liſtiſche
Partei auf ihrem Kongreß faſſen werde. Falls Herriot
ſich weigert, das neue Kabinett zu bilden, ſpricht man in erſter
Linie von Briand.
Als Miniſterkandidaten werden ferner genannt: die Sena=
toren
de Monzie, Rene Besnard, Francois Albert, de Kerguezec
ſowie die Abgeordneten Violette, Archimbaud, Juſtin Godart,
Benazet und Louis Meyer. Dieſe gehören ſämtlich der radikalen
Partei an. Auch die Sozialiſten Leon Blum, Vincent Auriol,
Paul Boncourt, Laval und Renaudel werden als Kandidaten
genannt.
Poincarés fernere Pläne.
TU. Paris, 14. Mai. Zu den ferneren Plänen Poincarés
teilt Matin mit, daß Poincars beabſichtige, ſich für einige Zeit
aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen und daß er ſich wahr=
ſcheinlich
vom Senat beurlauben laſſen werde, um ſich an den
politiſchen Diskuſſionen nicht beteiligen zu müſſen. Poincaré
erhält von allen Seiten, insbeſondere von Amerika, Vorſchläge
zur Mitarbeit an den größten ausländiſchen Blättern. Man
erſucht ihn, ſo ſchreibt der Matin, ſich zu den künftigen Problemen
der europäiſchen Politik zu äußern und eingehend über die Er=
eigniſſe
der letzten zwei Jahre zu berichten, während der er die
Geſchicke Frankreichs leitete. Poincaré ſcheint jedoch äußerſt
ruhebedürftig zu ſein und er wird ſeine journaliſtiſche und poli=
tiſche
Tätigkeit erſt zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder auf=
nehmen
.
Die Frage der Präſidentſchaft.
Paris, 14. Mai. (Wolff.) Die linksſtehenden Blätter,
in denen die Auffaſſung der Hauptſieger der Wahlen, der Radi=
kalen
und der Sozialiſten zum Ausdruck kommt, erörtern den
geſtrigen Beſchluß des Miniſterrates und im Anſchluß daran
ebenfalls die Frage der Präſidentſchaft der Re=
publik
.
Die Ere nouvelle ſchreibt, die Lage ſei jetzt klar. Die
Republik ſei ſiegreich, die Reaktion geſchlagen. Aber gerade die
Unvermiſchtheit des Sieges erfordere auch ein klares Handeln.
Unter keinen Umſtänden dürften die Radikalen oder die Sozia=
liſten
in den Fehler der Abgeordneten von 1919 verfallen und
ſich mit mehr oder weniger Rückſicht Männer aufnötigen laſſen,
die Beziehungen zu den gegneriſchen Parteien unterhielten. Das
Miniſterium des Innern, die Polizeipräfektur von Paris und
die Präfektur des Seinedepartements müßten in Händen er=
probter
Republikaner gelangen. Die Sieger vom vergangenen
Sonntag hätten ſich eine ſehr ſtrenge Diſziplin aufzuerlegen.
Klare Entſchlüſſe, die raſch in die Tat umgeſetzt werden müßten,
ſeien es, was das Land von ihnen erwarte.
Im Ouevre ſchreibt Robekt de Jouvenel, es verlau=
tet
, daß Millerand trotz der Verpflichtungen, die er einge=
gangen
ſei, entſchloſſen ſei im Elyſee zu bleiben. Er
laſſe ſogar erklären, daß er zu dieſem Zwecke zu allem bereit ſei,
ausgenommen allerdings zu Konzeſſionen in der Frage der Be=
ſetzung
des Ruhrgebietes, der Wiederaufnahme der Beziehungen
zu Sowjetrußland und der Aufhebung der Botſchaft beim Vati=
kan
, mit anderen Worten, Millerand wäre entſchloſſen, im Ely=
ſee
die Oppoſition zu organiſieren gegen die
Regierung, die die öffentliche Meinung des Landes vertre=
ten
würde.
Im Populaire ſchreibt der Vorſitzende der ſozialiſtiſchen
Partei, Léon Blum, Millerand habe ſeinerzeit unumwunden
erklärt, entweder ihr wählt meine Leute wieder, oder ich gehe

Das Land habe die Leute Millerands davongejagt, und wie
ſollte unter dieſen Umſtänden Millerand im Elyſée bleiben kön=
nen
? Es ſcheine indeſſen, daß der Präſident der Repu=
blik
, während Poincaré begriffen habe, ſeinerſeits ſich taub
ſtelle. Seine Offiziöſen ließen bereits vernehmen, daß er be=
reit
ſei, die hohe Pflicht zu erfüllen, die ſein Amt ihm auferlege,
ſei es auch mit einer neuen Mehrheit und mit einem neuen Mi=
niſterium
. Zunächſt aber habe er gegenüber der öffentlichen
Meinung und ſich ſelbſt gegenüber die weſentliche Pflicht zu er=
füllen
, ſeine Drohung auszuführen, d. h. Wort zu halten. Es
gebe kein Spiel, bei dem man ehrlicherweiſe gewinnen könne,
ohne Verluſte zu riskieren, und bei dem man nicht, wenn man
verloren habe, ehrlich bezahlen müſſe. Aber der Urteils=
ſpruch
des allgemeinen Wahlrechts beſchränte
nicht allein auf Millerand und Poincaré, er treffe ein gan=
zes
politiſches Syſtem. Er treffe alle diejenigen, die
ſich mit ihnen ſolidariſch erklärt hätten. Im Lande habe ſich=
eine
Mehrheit gebildet mit dem Ziele, den nationalen Block
niederzuſchlagen.
Das Gewerkſchaftsblatt Le Peuple erklärt ebenfalls,
der Präſident der Republik habe ſich rückhalt=
los
in den Kampf der Parteien geſtürzt und
jetzt möchte man, daß er den Konſequenzen ent=
gehe
. Das würde unzuläſſig ſein.
Die Schwierigkeiten der Regierungsbildung.
* Paris 14. Mai. (Priv.=Tel.) Wenn die Sozialiſten
ſich bereit erklären, bei der Bildung der neuen Regierung mit=
zuwirken
, und ſie das Budget bewilligen, das ſie bisher ſtändig
ablehnten, ſo würde die neue Mehrheit die Lager des Linken
Kartells umfaſſen, zu denen noch die Linksrepublikaner hinzutre=
ten
. Es muß daran erinnert werden, daß im Namen der Radi=
kalſozialiſtiſchen
Partei und Leon Blum ſeitens der Sozialiſten
beſtimmt erklärt wurde, daß die Bildung eines Wahlkartells
keineswegs beide Parteien ſür die Zukunft verpflichte und daß
jede Partei ihre Selbſtändigkeit erhalten werde. Es wäre ver=
früht
, über die Haltung der Sozialiſten jetzt ſchon irgend welche
beſtimmte Angaben machen zu wollen. Die Parteileitung beab=
ſichtigt
jedenfalls noch vor dem 1. Juni eine ſozialiſtiſche Konfe=
renz
einzuberufen, auf der der eventl. Eintritt der Sozialiſten
in die neue Regierung und die allgemeine Parteipolitik zur
Sprache gebracht werden wird. Falls die Sozialiſten die Mit=
wirkung
an der Bildung der Regierung ablehnen, ſo würde die
Regierungsmehrheit die Radikalſozialiſten und nach links die
ſozialiſtiſchen Republikaner, ſowie nach rechts hin die Links=
republkaner
umfaſſen. Im erſteren Falle würde, ſo meint Petit
Pariſien, Herriot an die Spitze der Regierung treten, im letzteren
Falle Briand. Nach dem Eclair verlangen die Sozialiſten nicht
weniger als drei Miniſterien, Miniſterium des Innern, Finanz=
miniſterium
und Miniſterium des Auswärtigen. Dieſe Forderung
ſei von dem Führer der ſozialiſtiſchen Partei Blum formuliert
worden. Das Blatt hält es für unwahrſcheinlich, daß die So=
zialiſten
auf ihrem Kongreß zu dem Beſchluß gelangen, ſich an
der Bildung der Regierung zu beteiligen. Es dürften, bevor
die Sozialiſten aus ihrer abwartenden Haltung heraustreten,
vermutlich ungefähr 10 Monate verſtreichen. Eclair glaubt wei=
ter
zu wiſſen, daß, wenn Briand die Kabinettsbildung nicht über=
nehme
, Painlevé damit beauftragt werde.
Die Währungsfrage in Frankreich.
Gutachten der Führer der Linksparteien.
Paris, 14. Mai. Das Oeuvre hat die Führer der drei
ſiegreichen linksſtehenden Parteien, Painlevé, Herriot und Léon
Blum, über die Währungsfrage in Frankreich interviewt.
Painlevé erklärte, es ſei lügenhaft und unvernünftig,
zu behaupten, daß ein linksſtehendes Miniſterium eine Politik
des Defizits, alſo des wirtſchaftlichen Ruins für Frankreich, mit
ſich bringen werde. Die auswärtige Politik der linksſtehenden
Parteien verlange einen ſtändigen Frieden. Man trete ein:
1. für eine Friedenspolitik, um die Laſten des Bud=
gets
, beſonders die militäriſchen Laſten, zu verringern,
2. um von Deutſchland ſubſtantielle Zahlungen zu erlangen,
die nicht im voraus durch Ausführungsausgaben über=
ſtiegen
würden (gemeint ſind offenbar die Beſatzungskoſten),
3. endlich, die internationale Stabilität müſſe
ſichergeſtellt werden durch eine innere Stabilität, die dem
franzöſiſchen Franken einen annähernd unveränderlichen
Wert geben würde.
die man zu wecken verſuche, ſeien ungerechtfertigt. Die Par=
teien
der Linken würden keine lebhaftere Sorge
haben, als die Stabilität der Finanzen auf Grund geordnete des Linksblocks, 29 Kommuniſten. Schon vor der offi=
internationaler
Verſtändigung und eines allgemeinen Friedens ziellen Veröffentlichung des Geſamtreſultats und auch ſeither
zu ſichern.
Léon Blum erklärte, die finanzielle Kampagne mit Fauſt=
ſchlägen
, die im Frühjahr dieſes Jahres betrieben worden ſei,
habe nur einigen großen Banken etwas genützt, deren Huld
Spekulanten à la baisse des Franken bedroht geweſen ſeien.
Warum ſollte im Ausland das Vertrauen in den Franken ſinken, obwohl in Frankreich die Deputierten oft im Parlament ver=
wenn
Frankreich auf eklatante Weiſe die nationaliſt=
iſche
Politik Poincarés verleugnet habe? Zu be=
haupten
, daß dem ſo ſein müſſe, ſei Unſinn. Die vorübergehende
teils durch die überhaſteten, nervöſen Maßnahmen im Januar
dieſes Jahres, andernteils durch das Eingreifen einiger Groß=
banken
auf Veranlaſſung Poincarés hervorgerufen worden ſei.
Aus den angegebenen Gründen behaupte er, daß die Baiſſe noch rungsmehrheit um die 55 Linksrepublikaner, die den trechten

anhalten und ſich verſchärfen könner

* Dr. Beneſch reiſt nach Rom.
Von unſerem Prager Korreſpondenten.
Prag, 12. Mai.
Selten noch iſt einem politiſchen Ereignis von ſo vielen Sei=
ten
und in ſo widerſpruchsvoller Weiſe Deutung widerfahren,
wie der Romreiſe des tſchechoſlowakiſchen Außenminiſters Dr.
Beneſch. Die einen an der Spitze der italieniſche Senator
Dr. Benedetto Cirmeni meſſen;der Reiſe keine übermäßige
Bedeutung bei. Sie halten es für unwahrſcheinlich, daß der Be=
ſuch
den Eintritt Italiens in die tſchechoſlowakiſch=franzöſiſche
Alliance bringen könnte. Dieſen Auslegern erſcheint es aber
auch nicht glaubhaft, daß zwiſchen Italien und der Tſchecho=
ſlowakei
ein Vertrag abgeſchloſſen werden ſollte, der eine Er=
gänzung
der italieniſch=ſüdflawiſchen Alliance darſtellen würde.
Senator Cirmeni argumentiert folgendermaßen: Die Tſchecho=
ſlowakei
befindet ſich Italien gegenüber durchaus nicht in der=
ſelben
Stellung wie Südſlawien. Sie grenzt nicht an Italien
und es ſchweben zwiſchen ihr und Italien keineswegs ſo ernſte
Fragen, die eine enge Verbindung notwendig machen würden,
um einen Krieg zu vermeiden, wie etwa vor dem Jahre 1914
zwiſchen Rom und Wien, nach dem Weltkriege zwiſchen Italien
und Jugoſlawien. Sobald die Friedensverträge unterzeichnet
waren, zog es die tſchechoflowakiſche Republik, die der Hilfe
Roms nicht mehr bedurfte, freilich vor, von Italien abzurücken,
um ganz und für immer Frankreich in die Arme zu fallen. Cir=
meni
begründet ſeine Anſchauung noch mit der Tatſache, daß der
tſchechoſlowakiſche Präſident Maſaryk Monate hindurch auf
Capri weilte, ohne einen Beſuch beim italieniſchen Souverän
oder der Regierung zu planen, alſo mit der ſichtbaren Abſicht,
Italien von ſeinen offiziellen Beſuchen auszuſchließen.
Die Einſtellung der Politiker um Cirmeni mochte vor der
Belgrader Konferenz manches für ſich haben. Seitdem
aber haben ſich die Verhältniſſe weſentlich geändert und mit vol=
lem
Recht legt man heute in maßgebenden politiſchen Kreiſen ſo=
wohl
in Prag wie auch in Rom und Berlin der Reiſe Dr. Be=
neſchs
die größte politiſche Bedeutung bei, da man die deutlichen
Zuſammenhänge mit der Reparationsfrage erkennt, die mög=
licherweiſe
eine Umgruppierung der europäiſchen Mächte im
Gefolge haben wird. In Prag erklärt man, die Romreiſe Dr.
Beneſchs ſollte Finanzfragen regeln. Der tſchechoſlowakiſche
Außenminiſter ſuche Anſchluß an das unter italieniſcher Führung
ſtehende Syſtem, dem Oeſterreich und Ungarn angehört und dem
ſich Rumänien, wenn auch etwas ſchwankend, (hier ſpielt das
ruſſiſche Problem ſtark hinein!) angeſchloſſen habe. Nach einer
Meldung der Republica handelt es ſich um die Beziehungen
Italiens zur Kleinen Entente, die durch einen Anſchluß der
Tſchechoſlowakei an das italieniſch=ſüdſlawiſche Abkommen noch
enger geſtaltet werden ſollen. Auf dieſem Umwege wäre es
dann auch die Aufgabe Prags, Vermittler zu werden zwiſchen
Paris und Rom, d. h. zwiſchen der intranſigenten franzöſiſchen
Theſe einerſeits und der belgiſch=engliſch=italieniſchen Theſe an=
dererſeits
. Auch von einem Beitritt Ungarns zur Kleinen En=
tente
wird geſprochen. Die Furcht vor Rußland ſpielt eine große
Rolle, wie u. a. auch die Reiſe des rumäniſchen Königspaares
nach Frankreich und der Schweiz bewieſen. Daß das rumä=
niſch
=franzöſiſche Abkommen von ihr diktiert iſt, braucht nicht
mehr beſonders erörtert zu werden. Intereſſant iſt aber die Ver=
ſion
, daß der Beſuch Dr. Beneſchs beim Völkerbundsrat jeden=
falls
mit der Moskauer Frage im Zufammenhang geſtanden
haben ſoll. Frankreich hat ſich angeblich für den Fall einer krie=
geriſchen
Auseinanderfetzung zwiſchen Sowjetrußland, Polen
und Rumänien die Möglichkeit einer Truppenbeförderung durch
die Schweiz ſichern wollen. Herrn Beneſchs Vermittlung habe
aber zum mindeſten in der Schweizer Preſſe eine ſehr ungünſtige
Beurteilung erfahren.
Die letzte Konferenz der Kleinen Entente in Belgrad brachte
eine für die mitteleuropäiſche Konſtellation überaus intereſſante
Abkehr Südſlawiens von der ſranzöſiſchen Gefolgſchaft und im
weiteren Verfolge eine Annäherung Belgrads an Rom. Das
tſchechoflowakiſch=jugoflawiſche Verhältnis büßte dadurch nicht
unerheblich an Klarheit ein. Gerüchte über eine Spannung tauch=
ten
auf und man ſprach davon, daß das franzöſiſch orientierte
Prag eine ſüdſlawiſche italieniſche Freundſchaft nur ſehr un=
gern
ſehen könne. Dann kam der Abbruch der Wiener Konferenz,
welcher die Unlösbarkeit der beßarabiſchen Frage erwies. Der
rumäniſche König reiſte nach Paris. Die offenſichtliche Verſchär=
fung
der ruſſiſchen Gefahr ließ nunmehr eine Spannung inner=
halb
der Kleinen Entente geradezu als gefährlich erſcheinen, und
man dürfte nicht fehlgehen, wenn man die jetzige Romreiſe Herrn
Beneſchs auch mit dieſer Entwicklung im nahen Oſten in Ver=
bindung
bringt. Trotzdem, Herr Dr. Beneſch hat ſich in ſehr
ſtarkem Maße dem Quai d’Orſay verſchrieben und es kann kei=
nem
Zweifel unterliegen, daß er in erſter Linie in Rom verſuchen
wird, gewiſſe Differenzen zwiſchen Frankreich und Italien zu
bereinigen, um ſo den Weg zu bahnen für eine neue europäiſche
Mächtegruppierung, der Frankreich, Italien, die Kleine Entente,
Polen und auch Ungarn angehören ſollen.

Die Gruppierung der neuen franzöſiſchen Kammer.
TU. Paris, 14. Mai. Auf Grund der offiziellen Liſte
Herriot hat aus Lyon telegraphiert, die Befürchtungen, über die Wahlergebniſſe ergibt ſich folgende Gruppierung der
neuen Kammer: 212 Abgeordnete des Bloc National, 318 Ab=
ſind
über die politiſche Gruppierung der nächſten Kammer mehr
als 100 Liſten in Paris durch die Preſſe veröffentlicht worden,
die je nach der Auffaſſung des Blocks faſt um 60 Stimmen nach
Poincaré ſich habe erwerben wollen und die von ihren eigenen rechts oder links variierten. Die obige Zuſammenſtellung iſt
auf Grund des offiziellen Wahlergebniſſes gemacht und wird,
ſchiedenen politiſchen Gruppen beitreten als jenen, denen ſie in
ihren Departements zugehören, der Wahrheit am nächſten kom=
Baiſſe des Franken erkläre ſich aus der Inſtabilität, die eines= men. Zwei Möglichkeiten beſtehen: 1. im Falle einer gemäßig=
ten
Linkspolitik hat die Regierung 116 bis 120 Stimmen mehr,
2. für den Fall einer radikalen Linkspolitik wird ſich die Regie=
Flügel der Linksparteien bilden, verriſigern.

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Seite A.

Rumster 135.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Maf 1324,

Erklärungen Macdonalds.
Macdonald rechtfertigt ſeine Politik.
London, 14. Mai. Miniſterpräſident Ramſay Mac donald
hat geſtern in der Alberthall eine große politiſche Rede vor Arbeiter=
frauen
gehalten. Er wandte ſich gegen die Angriffe der Unioniſten und
ſagte, daß man von einer Minderheitsregierung nicht erwarten könne,
daß ſie die Arbeit der Mehrheit leiſte. Die Arbeiterpartei könne Arbei=
ten
nur in beſchränktem Umfange leiſten. Um die Grundlage künftiger
Arbeit zu legen, müſſe man Vernunft und Ueberzeugungskraft ins Feld
führen. In der Arbeiterpartei, fuhr Macdonald fort, beſtänden keine
inneren Zwiſtigkeiten. Die Arbeiterpartei ſei einig und ihr einziger
Feind ſei die allgemeine menſchliche Dummheit und die Selbſtſucht an=
derer
Klaſſen.
Macdonald über das Gutachten und die Abrüſtung.
* London, 14. Mai. (Priv.=Tel.) Macdonald gab
geſtern in einer großen politiſchen Rede in einer Londoner Ver=
ſammlung
bedeutſame Erklärungen über die Sachver=
ſtändigen
=Gutachten ab. Es ſei heute das drin=
gendſte
Problem der engliſchen Regierung, die
Sachverſtändigen=Gutachten in die Tat umzu=
ſetzen
. Es gäbe zwar in den Berichten einige Dinge, die den
Londonern nicht beſonders gefielen. Aber wo ſolle man hin=
kommen
, wenn man ſich jetzt daran mache, jede einzelne Linie
und jeden einzelnen Punkt dieſer Berichte eingehend zu prüfen?
Er wäre der Auffaſſung, daß die Regierung das einzig Nichtige
getan habe, als ſie gleich nach der erſten 24ſtündigen Prüfung
ſagte, daß die Gutachten en bloc verwirklicht werden müßten,
wodurch allein Europa wieder auf die Beine geholfen werden
könne. Weder Deutſchland, noch Frankreich oder Italien, Bel=
gien
oder England ſelbſt könnten jetzt fordern, daß jedes Detail
des Berichtes geſondert geprüft werden müſſe. Die Berichte
ſeien ein großes Ganzes. Wenn bei ihrer Ausführung
ſich Schwierigkeiten ergäben, könnte man dieſe immer noch mit
vernünftigen Aenderungen beſeitigen. Man müſſe dann alle be=
teiligten
Staaten bitten, ſo wie England die Berichte ohne Vor=
behalt
anzunehmen und alles in ihren Kräften Stehende zu tun,
um die Bedingungen und Beſtimmungen der Gutachten zu er=
füllen
, damit man ſehe, daß in der Welt noch das Recht herrſche.
Vorher ſprach Macdonald über den Wiederauf=
bau
Europas und die Abrüſtungsfrage. Sein Ziel
ſei es, ſo führte er aus, die engliſche Außenpolitik auf die Grund=
lage
freundſchaftlicher Beziehungen zu ſtellen und alle kleinen
Gründe zu überſehen und zu vergeſſen, die zu Mißverſtändniſſen
führen könnten. Er glaube, daß die Dinge ſich jetzt überall
ändern und daß die ruhige Vernunft allmählich bei allen euro=
päiſchen
Nationen zu erwachen beginne. Ueber die politiſche
Bedeutung des Wiederaufbaues ſagte er, daß es nicht angehe,
daß nur ein oder zwei Nationen ſich daran beteiligten. Sein
Herz fühle insbeſondere auch mit den kleinen Nationen Europas.
Er ſei überhaupt unbiegſamer Nationaliſt. Er berück=
ſichtige
ſtets die nationalen Intereſſen und die nationalen Cha=
raktere
. Der Nationalismus ſei Selbſtachtung,
und dicjenigen, die ſich ſelbſt hoch achten, ſeien die Beſten, um
auch andere zu achten. Die engliſche Regierung rechne nicht nur
mit den Großmächten, ſondern mit allen: Schweden, Norwegen,
Dänemark, Holland, Polen, Tſchecho=Slowakei und allen andern.
Niemand wiſſe beſſer als die kleinen Nationen, daß Militärpolitik
ſich nicht rentiere. Die großen Staaten könnten ihre Armeen
über die kleinen Staaten, ob ſie bewaffnet ſeien oder nicht, wie
Dampfwalzen hinweggehen laſſen, und jeder Schwache müſſe der
Raub des Stärkeren werden, wenn die Welt allein durch Gewalt
regiert werde. Die einzige Politik, die nationale
Sicherheit und Recht verbürge, ſei die Ab=
rüſtungspblitik
.
* London, 15. Mai. (Priv.=Tel.) Macdonald erklärte
heute im Unterhauſe auf eine Anfrage, ſolange nicht über die
Finanzberichte eine Verſtändigung erzielt ſei, habe er keine Ver=
anlaſſung
, an eine Konferenz zur Regelung der interalliierten
Schulden zu denken. Er lehne es ab, dieſe beiden Fragen mit
einander in Verbindung zu bringen. Nach den Angaben des
Star ſind amtliche engliſche Kreiſe in der Beurteilung der durch
den Sturz Poincarés geſchaffenen Lage weiterhin ſehr vorſichtig.
Die nächſte Entwicklung der franzöſiſchen Politik ſei alſo undurch=
ſichtig
und es werde keinefalls als unmöglich betrachtet, daß
Poincaré in einem kommenden Kabinett doch wieder, wenn auch
nicht eine leitende, ſo doch eine bedeutende Rolle ſpielen werde.
Im Gegenſatz zu den erſten Eindrücken ſei man in den Londoner
politiſchen Kreiſen jetzt auch zu der Ueberzeugung gekommen, daß
der Ausfall der Wahlen auf innerpolitiſche Fragen zurückzufüh=
ren
ſei. Sollte eine Kombination Herriot oder Briand zur Re=
gierung
kommen, ſo ſei zu hoffen, daß bald eine Verſtändigung
über die Finanzberichte erzielt werde, und daß eine internationale
Konferenz über die ſchwebenden Fragen nach Ablauf des kom=
menden
Sommers zuſammentreten könne.

Vom Tage.
Der preußiſche Miniſter des Innern hat die Genehmigung zu
der in Breslau für den nächſten Sonntag angekündigten großen
nationaliſtiſchen Kundgebung verſagt. Zugelaſſen iſt
allein eine Verſammlung im Saal, die vorſchriftsmäßig angemeldet
worden iſt.
Die deutſch=ruſſiſchen Verhandlungen, die ſich
formal aus dem Verhalten der behördlichen Stellen bei dem Vorfall
ergeben, werden mit dem Auswärtigen Amt von dem Vertreter des
ruſſiſchen Botſchafters, dem Botſchaftsrat Bratmann=Brodevsky, in Mos=
kau
von dem deutſchen Botſchafter mit der Sowjetregierung weiter=
geführt
.
Von zuſtändiger preußiſcher Stelle erfahren wir, daß der Leiter der
politiſchen Abteilung des Berliner Polizeipräſidiums, Oberregierungs=
rat
Weiß, bis zur völligen Klärung der Angelegenheit der ruſſiſchen
Handelsdelegation in Berlin beurlaubt wurde.
Die Wirkungen der Arbeitsruhe machen ſich im Ruhrbergbau
immer ſtörender im Eiſenbahnbetriebe bemerkbar. Die fran=
zöſiſch
=belgiſche Regie ließ bereits 36 Perſonenzüge wegen Kohlenmangels
ausfallen.
Die Mehrzahl der Bergarbeiter Ungarns befindet ſich im
Streik. Die Zahl der Streikenden beläuft ſich auf 40 000. Die Ur=
ſache
des Streiks iſt die Ablehnung der Lohnforderungen durch die
Grubenbeſitzer. Ferner ſpielt auch die Arbeitszeit eine Rolle.
In Belgrad wurden die ungariſch=jugoſlawiſchen Ver=
handlungen
eröffnet. Der Präſident der jugoflawiſchen Delegation,
ſowie der Führer der ungariſchen Delegation hielten Anſprachen, in
denen ſie den beiderſeitigen guten Willen betonten, die noch nicht ge=
regelten
Fragen zu löſen.
Nach einer Radiomeldung aus Rom hatte Muſſolini eine
Unterredung mit dem Präſidenten der tſchechoſlowakiſchen Repubilk
Maſaryk.
Miniſterpräſident Poincaré hat geſtern vormittag den franzöſi=
ſchen
Delegierten in der Reparationskommiſſion Barthou empfangen.
Das alte Pariſer Miniſterium hat, wie berichtet wird,
telephoniſch der engliſchen Botſchaft auf deren Anfrage mitgeteilt, daß
Poinearé dem Plane, am 19. Mai zu einer Zuſammenkunft mit
Macdonald nach Chequers zu kommen, keine Folge geben werde.
Da Poincars ſeinen angekündigten Beſuch in Chequers abgeſagt
hat, wird, wie man in London hört, von engliſcher Seite eine
neue Einladung an den neuen franzöſiſchen Miniſterpräſidenten
angekündigt. Men habe Zweifel, ob die Konferenz in Chequers ſtatt=
findet
oder ob ſich Ramſay Macdonald nach Paris begibt.
Nach dem Petit Pariſien ſoll Präſident Millerand die Ab=
ſicht
haben, zurückzutreten, falls der neue franzöſiſche Miniſter=
präſident
, der am 1. Juni die Nachfolgerſchaft Poincarés antreten werde,
ihm ein Programm unterbreite, das für ihn unannehmbar ſei.
Der Prinzregent von Aethiopien iſt in Marſeille an=
gekommen
. Am Freitag trifft er zu offiziellem Beſuch in Paris ein.
Das Unterhaus hat den Antrag Baldwin über die Mac Kenna=
Abgaben mit 317 gegen 252 Stimmen abgelehnt.
Aus Neu=York kommt die Kunde von dem Ableben des amerika=
niſchen
Stahlkönigs Charles M. Schwab, der ein Alter von 85
Jahren erreicht hat.

England und Rußland.
London, 14. Mai. Unterhaus. Auf die Anfrage, ob
die engliſche Regierung gegenüber der ruſſiſchen Delegation in
London eine ähnliche Haltung einnehmen werde wie die hollän=
diſche
Regierung, die ihren Verſuch, mit den ruſſiſchen Vertretern
ein Handelsabkommen abzuſchließen, wegen der Haltung der
Sowjetregierung in der Frage der Anerkennung der Vorkriegs=
ſchulden
aufgegeben hätte, antwortete Clynes, ſolange Englands
eigene Erfahrungen ein ſolches Vorgehen nicht rechtfertigen,
laute die Antwort auf dieſe Frage verneinend. Clynes fügte
hinzu, es ſei noch zu früh, irgend eine Mitteilung darüber zu
machen, ob die bisher geführten Verhandlungen zu befriedigen=
den
Ergebniſſen führten könnten.
Macdonald über Lufiverkehrspläne.
TU. London, 14. Mai. Im Unterhauſe gab Maedonald
heute wichtige Erklärungen über die Haltung ſeiner Regierung
gegenüber dem Burnaldſchen Luftſchiff=Verkehrsplan ab. Die
Regierukig habe nach eingehender Prüfung dieſen Plan verwer=
fen
müſſen. Nach Anſicht der Regierung werde durch dieſen Plan
ein gewiſſes Monopol geſchaffen. Außerdem habe ſie ihm aus
verſchiedenen Gründen finanzieller und wirtſchaftlicher Natur
nicht zuſtimmen können. Gleichzeitig jedoch teile die Regierung
die Auffaſſung ihrer Vorgängerin, daß etwas für die Entwick=
lung
des Luftſchiffweſens getan werden müſſe. Das Luftver=
kehrsminiſterium
unterſtütze daher die augenblicklich in Carding=
ton
vor ſich gehenden Verſuche mit Luftſchiffen, die erweiſen
ſollen, ob der geplante Bau von Luftſchiffen mit einem Raum=
inhalt
von 5 Millionen Kubikfuß ſich ermöglichen laſſe. Außer=
dem
werde das Luftverkehrsminiſterium den Bau von Luftſchiff=
häfen
auf dem Wege zwiſchen England und Indien betreiben.

Amerika und die Notenbank.

Beteiligung amerikaniſcher Bankiers.
Neuyork, 14. Mai. (Wolff.) Funkſpruch. Nach einer
Meldung aus Waſhington erklärte das Kuratorium des Federal
Reſerve Board, es ſei dringend nötig, daß die amerikaniſchen
Bankiers bei der Errichtung der neuen deutſchen Notenbank, wie
ſie im Dawesbericht vorgeſchlagen wird, mitwirkten und ſtellte
gleichzeitig die Miwirkung des Federal Reſerve Board in
Ausſicht.
Das Kuratorium verlangt von dem Federal Reſerve Board,
möglichſt ſorgfältig zu prüfen, wie das Problem des finanziel=
len
und wirtſchaftlichen Wiederaufbaus Europas in hilfsbe=
reitem
Geiſte zu löſen ſei, in gleicher Weiſe, wie es von der Bank
von England den anderen Zentralnotenbanken gegenüber ſchon
geſchehen ſei. Weiter ſchlägt das Kuratorium vor, daß, ſobald
die neue deutſche Notenbank gebildet ſei, die Federal Reſerve
Bank die nötigen Schritte unternehme, um das Rediskontieren
der genügend geſchützten Goldnoten zu erleichtern.
In der Erklärung heißt es dann weiter, auf Erſuchen des
Boards habe das Kuratorium den Dawesbericht ſorgfältig ge=
prüft
. Es wünſche, ſeine Bewunderung auszudrücken für die
hervorragende, durch den Ausſchuß geleiſtete Arbeit und beſon=
ders
ſeine Hoffnung, daß die Vorſchläge des Ausſchuſſes bald=
möglichſt
zur Ausführung gebracht würden. Das Kuratorium
äußert den Wunſch, der auch kürzlich von Coolidge ausgeſprochen
wurde, daß das Privatkapital und die Initiatide der Amerikaner
dieſem Plane ihre Unterſtützung leihen möchten, als Zeichen des
Wunſches der Nation, ihren vollen Anteil an der wirtſchaftlichen
Herſtellung der alten Welt zu übernehmen. Es ſei klar, daß das
Federal Reſerve Bank=Syſtem als ſolches nicht durch eine eigene
Aktion die Ausgabe und Verteilung der neuen deutſchen Anleihe
übernehmen könne, deren reichliche Unterbringung in den Ver=
einigten
Staaten eine der Vorausſetzungen des Dawesgutachtens
ſei. Auch ſollte eine ſolche direkte Hilfe durch das Federal Bank=
Syſtem nicht notwendig ſein. Es ſollte nicht ſchwierig ſein, eine
Anleihe unterzubringen, vorausgeſetzt, daß ſie genügend Sicher=
heiten
biete, um das Vertrauen des Publikums zu erlangen, und
daß der Schuldner Laſten übernommen habe im guten Glauben,
frei zu werden und ohne Hinderung an die Arbeit gehen zu kön=
nen
. Solange er die größtmöglichſten Anſtrengungen mache,
deren er nur fähig ſei, ſeien es jedenfalls ſehr wichtige Dienſte,
die das Federal Reſerve Bank=Syſtem in Bezug auf die Errich=
tung
einer deutſchen Notenbank leiſten könne.
Ferner heißt es in der Erklärung: Wenn Amerika nicht Wege
findet, die es ihm ermöglichen, ſeine wirtſchaftliche Ueberlegen=
heit
über die anderen Länder zur Wiederherſtellung der Ordn ing
einzuſetzen, ſo kann der Dollar ſeine Stellung in der Welt und
im amerikaniſchen Bank= und Geſchäftsweſen als Wechſelſtandard
nicht behaupten, und das Ausland wird in noch höherem Maße
abhängig vom Pfund Sterling. Sobald Deutſchland zur Gold=
baſis
zurückgekehrt ſei, könne auch England ohne Einſchränkung
zur Goldwährung zurückkehren, während es wenn Deutſchland
die Pfundwährung einführe, bei der Rückkehr zur Goldbaſis
nicht nur ſein eigenes Gewicht, ſondern auch das Deutſchlands zu
tragen haben würde. Wenn die deutſche Goldnotenbank ſich auf
Sterlingbaſis aufbaue, dann müſſe ſich die Welt darauf gefaßt
machen, daß dieſe Baſis und die darauf erbaute Währung un=
ſtabil
bleibe, während die Annahme der Dollarbaſis die Wäh=
rungsſtabiliſierung
in der ganzen Welt beſchleunigen werde.

Das Bankgewerbe zum Gutachten.
Berlin, 14. Mai. In einer längeren Ausführung nimmt
der Zentralverband des Deutſchen Bank= und Bankiergewerbes
Stellung zum internationalen Gutachten und kommt nach ver=
ſchiedenen
Vorbehalten, unter Betonung äußerſter Beſchleunigung
der Verwirklichung, zu dem Schluß, daß die Golddiskontbank ein
geeignetes Mittel zur dauernden Währungsſtabiliſierung ſein
könnte, wenn gewiſſe Bedingungen erfüllt ſind. Auch dem Grund=
ſatz
der Eiſenbahnſachverſtändigen kann, unter Klauſeln, zuge=
ſtimmt
werden. Beſonderer Wert wird auf die Arbeiten und
Zuſtändigkeit von neu einzuſetzenden Schiedsrichtern gelegt. Der
Grundbegriff Treu und Glauben ſteht naturgemäß auch bei
dieſer Stellungnahme im Vordergrund.
Beſchleunigte Rückkehr Muſſolinis nach Rom.
* Rom, 14. Mai. (Priv.=Tel.) Miniſterpräſident Muſſo=
lini
, der zurzeit eine Reiſe durch Sizilien unternimmt, wird ſeine
Rückkehr beſchleunigen, um am morgigen Donnerstag die inter=
nationale
Auswanderungskonferenz eröffnen zu können. Der
Corriere della Serra vermutet aber, daß bei dem Entſchluß auch
der Wunſch mitgeſprochen habe, nach der in Frankreich einge=
tretenen
politiſchen Schwenkung die Geſchäfte der Außenpolitik
ſelber zu beſorgen und außerdem der Polemik zwiſchen faſziſti=
ſchen
Blättern und den Behauptungen gegen einzelne faſziſtiſche
Perſönlichkeiten ein Ende zu bereiten.

Heſſiſches Landestheater.
Großes Haus. Mittwoch, den 14. Mai.
Martha"
Oper von F. v. Flotow.
Ueber Elfriede Mees, die als Lady gaſtierte, läßt ſich ein
endgültiges Urteil ſchwer fällen, weil ſie offenbar unter großer
Befangenheit litt. Sie kann vielleicht mehr, als ſie heute zeigte.
Sie beſitzt eine nette Erſcheinung, gutes Spiel, eine feine Art der
Auffaſſung, eine ausdrucksvolle Mimik. Die Stimme ein ſehr
hoher Sopran ſchien anfangs klein und unzureichend, gewann
ſpäter an Kraft und Tragfähigkeit. Die Tongebung war oft
flackernd, die Intonation häufig unrein, die Ausſprache unver=
ſtändlich
. Auch im Ziergeſang ſchien ſie mir nicht zu genügen. In
den lyriſchen Stellen jedoch bewies die Künſtlerin ſeeliſches
Empfinden. Nach der heutigen Leiſtung wäre, meines Erachtens,
eine Anſtellung nicht zu empfehlen.
Als Plumkett war Joſeph Schlembach eingeſprungen
mit einer Meiſterleiſtung, wie man ſie von ihm gewohnt iſt.
Die muſikaliſche Leiſtung hatte Dr. Hans J. Wedig. v. HI.

*Konzert.
N. In ihrem Volkslieder=Konzert im Städtiſchen
Saalbau erfüllte die Liedertafel=Darmſtadt vollauf die
hohen Erwartungen, die man nach dem glänzenden Verlauf des
letzten Konzertes hegen durfte. Herr K. Grim griff zwar
zum Teil auch auf früher Studiertes zurück, wie auf die fünf
mittelalterlichen Geſänge von Willem de Haan, dieſe feinſinnigen,
zu dem wertvollſten, was es für Männerchor gibt, gehörenden
Kompoſitionen, brachte aber außerdem ſo viel Neues, daß man
ſelten in einem Vereinskonzert ſo viel Chöre zu hören bekommen
dürfte. 20 Chorlieder und eine Zugabe, wahrlich eine quanti=
tativ
außergewöhnliche Leiſtung. Aber auch die Qualität war
faſt überall vorbildlich, von dem klangſchön und friſch vorge=
tragenen
Deutſchen Volksgebet, einer wirkungsvollen Kom=
Poſition des Chormeiſters ſelber, über die herrlichen Brahms=
Hegar’ſchen und de Haan’ſchen Geſänge bis zu Silcher und den
Volksliedbearbeitungen von Joſ. Werth. Einzig bei einigen der
Südſlawiſchen Dorfbilder, dieſem eigenartigen Zyklus von
Kugo Jüngſt, wo ſich Klavierbegleitung und verbindende Dekla=
mation
dem Chor zugeſellt, machte ſich eine gewiſſe Ermüdung
bei den Sängern geltend, ſo daß der Tenor an einigen Stellen
etwas abgekämpft klang. Die meiſten dieſer acht intereſſanten
und abwechflungsreichen Lieder kamen jedoch uneingeſchränkt gut
zur Wirkung.
Frau Martha Kuhn=Liebel ſang ſechs Lieder, dem Text
nach dem Volkslied angehörend, der Vertonung nach aber ganz

kompliziert ſubjektive Kunſt atmend. Mahlers Urlicht, dies
wundervolle Sinfonie=Intermezzo, ſein feinpointiertes Rhein=
legendchen
und Ravenna von O. Schoeck, bei dem ihre prachtvolle
Tiefe beſtens zur Geltung kam, und die drei Lieder von Pfitzner
waren im Klang und Vortrag vorzügliche Leiſtungen. Mit
einem Viotti=Konzert und bekannten Vortragsſtücken von Wil=
helmy
und Kreisler glänzte der junge Violinkünſtler Fritz Kitz
aus Mainz, ein in technifcher wie muſikaliſcher Beziehung reich=
begabtes
Talent. Herr H. Heiß begleitete mit gewohnter
Hingebung an die Sache und künſtleriſcher Sicherheit. Die
Rezitation war bei Herrn Georg Jöckel gut aufgehoben. Wel=
cher
allgemeinen Wertſchätzung und Anerkennung ſich die Kon=
zerte
der Liedertafel und vor allem ihre gewählten und wert=
vollen
geſchloſſenen Vortagsfolgen erfreuen, das zeigte der für
die jetzige Jahreszeit erſtaunlich gute Beſuch der Saalbau
war faſt ausverkauft und der überaus herzliche Beifall.

*Richard Strauß=Feſttage in Wien.
Uraufführung des heiteren Balletts Schlagobers.

Von unſerem Wiener Korreſpondenten.

Wien, 10. Mai.
Die Wiener Staatsoper hat dem ſechzigjährigen Richard
Strauß, ihrem Direktor, eine feſtliche Geburtstagshuldigung be=
reitet
, wie ſie wohl noch keinem lebenden Künſtler in gleicher
prangender Fülle zuteil geworden iſt. Sie brachte in einem faſt
vierzehntägigen Aufführungszyklus das geſamte theatraliſche
Schaffen des Meiſters, vom Guntram und der Feuersnot
bis zum Noſenkavalier und der Frau ohne Schatten‟. Den
Höhepunkt dieſer Feſtvorſtellungen und gleichzeitig auch ein
Gegengeſchenk des alſo Gefeierten ſollte die Uraufführung ſeines
Schlagobers.
Unter dieſen Begleitumſtänden wäre wohl zu erwarten ge= ſcher Wertigkeit. Die Reihenfolge der Wellenlängen des Sonnen=
weſen
, daß Richard Strauß ſeinen Freunden und Verehrern eine ſpektrums ergibt die Reihenfolge der politiſchen Einſtellung der
zweifache Koſtbarkeit bieten werde: ein erleſenes Juwel ſeiner / Parteien mit ihren Farben: Ultrarot Kommuniſten, Rot
ſchöpferiſchen Muſikalität und gleichzeitig eine dankbare Huldi=
gung
an dieſe Stadt, die ihn mit ſo überſtrömender Herzlichkeit
aufgenommen und ihm in den Jahren ſeiner hieſigen Wirkſam=
Schöpfung jedoch bekam man ein Ballett zu ſehen, das im Muſi=
kaliſchen
nur den Artiſten und raffinierten Techniker Richard
Strauß erkennen läßt, nicht aber den gewaltig inſpirierten
Schöpfer der Salome und Elektra, und das ſich in Idee und
Handlung kaum über das primitive Niveau des abgeſtorbenen
Tanzdivertiſſements verklungener Zeiten erhebt."
Der Titel Schlagobers erſchöpft auch ſchon den Inhalt des
niedlich=belangloſen Tauzſpieles, für deſſen ſzeuiſche Geſtaltung f 4srehrie

übrigens der Komponiſt ſelbſt ſeinem Ballettmeiſter die not=
wendigſten
Andeutungen gegeben hat. Schlagobers das
bedeutet die Wiener Konditorei mit allen ihren ſüßen Herrlich=
keiten
, es bedeutet Praliné und Marzipan, Likör und Chartreuſe,
Kaffee, Kakao und Tee in ſonderbar weitherziger Auslegung
ſogar Salzſtangerln und bayriſch Bier. Dieſe trockenen und
flüſſigen Genüſſe führen, von reizenden Tänzerinnen verkörpert,
vor dem träumenden Firmling, der ſich an Schlagobers allzu
ſehr gütlich getan, einen buntbewegten Reigen auf, geraten in
aufgeregten Kampf mit dem revolutionierenden proletariſchen
Vorſtadtgebäck und vereinigen ſich ſchließlich mit dieſem in einer
friedlich=feſtlichen Schlußapotheoſe.
Man ſieht: ein naiv=heiteres Ballett, ein toller Unſinn faſt,
der etwa auf der Linie der hiſtoriſchen Puppenfee liegt, fernab
von allen naturaliſtiſchen, expreſſioniſtiſchen, ſymboliſtiſchen Tanz=
dichtungen
der Gegenwart.
Im Muſikaliſchen zeigt Schlagobers die ſelbſtverſtändliche
geiſtreiche Anmut, die vollendete techniſche Brillanz ſeines Kom=
poniſten
, allein nur in wenigen Takten, in ein, zwei Motiven
vielleicht, ſein ſchöpferiſches Ingenium. Man vergißt beinahe,
daß der gleichen Hand, die dieſe rhythmiſche Spielerei geſchrieben,
die gewaltigen Partituren der Salome und Elektra ent=
ſtammen
und es will faſt ſcheinen, als ob der Meiſter ſelbſt
in dieſer ſo anſpruchsvoll und koſtbar ſzenierten Niedlichkeit ſich
hätte vergeſſen, von den gewaltigen Anſpannungen ſeines großen
Schöpfertums hätte ausruhen wollen. Bleibt nur die Frage
offen, ob ſich hierzu kein anderer Anlaß beſſer geeignet hätte, als
dieſer feſtlich angekündigte und gedachte Abend, der doppelte
Erwartung ernecken, doppelte Enttäuſchung bereiten mußte.
Dr. Alfred Neumann.

* Reichstagsfraktionen und Sonnenſpektrum. Es beſteht
letzten ſWerkes bedeuten, des heiteren Wiener Balletts eine intereſſante Beziehung der Reichstagsfraktionen in den
Spektralfarben der Sonne, ſowohl in phyſikaliſcher als chemi=
Sozialdemokraten (Republikanerfarbe), Orange Demokraten,
Gelb Zentrum (Kirchenfarbe, weiß und gelb), Grüngelb
Bayeriſche Volkspartei, Grün Deutſche Volkspartei ( Liberalen=
keit
ſtets gleiche Treue gehalten hat. Statt der erwarteten großen farbe), Blaugrün Bayeriſcher Bauernbund, Blau Deutſch=
nationale
Volkspartei (Konſervativenfarbe), Indigo Landliſte,
Violett und Ultraviolett Freiheitsparteien. Verbindet man
Violett mit Not, ſo ergibt ſich Purpur, was aber bekanntlich im
onnenſpektrum nicht vorfommt. Bekannt ſind auch die Gegen=
Rot und Grün, Orange und

Farben in richtigem Verhältnis
C19
eitere Schlüſſe überlaſſe ich dem
1g uud Beſehrung. J. Ludwig,

[ ][  ][ ]

Nummer 135.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1192Z.

Seite R.

Der Fall Kahr=Loſſow=Seißer.
Drahtbericht unſeres Korreſpondenten.
g. München, 14. Mai.
Verſchiedene nicht unweſentliche Feſtſtellungen nötigen dazu,
Hen Fall Kahr-LoſſowSeißer nochmals grundſätzlich zu be=
erachten
. Zunächſt wird jetzt von zuſtändiger Seite feſtgeſtellt,
Haß Herr von Seißer das erſte der an ihn gerichteten Schreiben
mit der Aufforderung zum Rücktritt überhaupt nicht, das zweite
dagegen in ablehnendem Sinne beantwortet hat. Auf die Auf=
forderung
, mit der Verkündung ſeiner Verabſchiedung zum
F1. Auguſt gleichzeitig in Urlaub zu gehen, weigerte ſich Seißer
nachdrücklich. Darauf wurde er vorläufig vom Dienſte enthoben.
Nach Mitteilungen der zuſtändigen Stellen hat Seißer ein Ein=
ſpruchsrecht
gegen dieſe Maßnahme, ſo daß damit das Verfahren
noch in der Schwebe iſt.
Die hier authentifch zugegebenen Tatſachen ſind noch um et=
was
frappierender, als die von uns auf Grund privater Infor=
miationen
gemeldeten. Aus dieſen ergibt ſich, daß der bayeriſche
Polizeioberſt den mehrfachen Verſuchen, ihn zum Rücktritt zu be=
wegen
, nicht nur paſſiven Widerſtand, ſondern aktiven Wider=
ſtand
geleiſtet hat. Daß die bayeriſche Regierung, wenn ſie nicht
jeden Anſpruch darauf verlieren wollte, die Staatsautorität zu
verkörpern, zur Amtsenthebung Seißers gezwungen wurde, be=
darf
darnach kaum noch eines Beweiſes, und es iſt ſchlechterdings
unverſtändlich, worauf Herr von Seißer ſeine mittlerweile beim
Bayeriſchen Staatsgerichtshof eingelegte Beſchwerde wegen ſei=
ner
Amtsenthebung ſtützen will. Daß er damit an die falſche
Adreſſe geraten iſt, ſei nur beiläufig erwähnt, da in dieſer Frage
allenfalls das Verwaltungsgericht entſcheiden könnte, niemals
aber der Staatsgerichtshof.
Grundſätzlich wird man feſthalten müſſen, daß alle Verſuche,
die Staatsautorität wieder aufzurichten, nur dann Erfolg ver=
ſprechen
, wenn der Hitlerputſch vom 8. und 9. November nach al=
len
Seiten liquidiert wird. Das ſchließt auch in ſich, daß alle
Perſönlichkeiten, die als Nebenregierung in dieſer Zeit neben der
verfaſſungsmäßigen Regierung beſtanden, ſämtlich aus ihren
Aemtern verſchwinden. Herr von Loſſow iſt freiwillig gegangen.
Herr von Seißer mußte gehen. Herr v. Kahr iſt zwar nicht mehr
de kacto in ſeinem Amte, aber immer noch Inhaber dieſes Amts,
da ſein Rücktritt noch nicht vorliegt. Daß es für ihn nicht gerade
ein Anſporn zum Rücktritt ſein kann, wenn das Bayeriſche
Volksgericht München allen Beteiligten des Hitlerputſches von
der anderen Seite durch vollſtändige oder teilweiſe Bewährungs=
friſten
für die geſetzlichen Mindeſtſtrafen praktiſche Strafloſigkeit
gibt, daß der Wirtſchaftstheoretiker der Hitlerbewegung, Gott=
fried
Feder, wegen Amtsanmaßung mit 50 Mark Geldſtrafe
belegt wird, iſt pſychologiſch ohne weiteres verſtändlich. Dafür
aber iſt die bayeriſche Staatsregierung nicht verantwortlich zu
machen.
Sehr bemerkenswert ſind in dieſem Zuſammenhange Dar=
iegungen
der Augsburger Poſtzeitung von anſcheinend gut infor=
mierter
Seite, in denen bezüglich des Herrn von Seißer darauf
hingewieſen wird, daß er im Generalſtaatskommiſſariat nicht bloß
polizeilich, ſondern hervorragend politiſch tätig war. Das Gene=
ralſtaatskommiſſariat
hat der Regierung als förmliche Neben=
regierung
mehr als eine peinliche Ueberraſchung bereitet. Die
Herſtellung einer Regierung mit ſtarker Gewalt und feſter Auto=
rität
ſchließt auch die Bereinigung der Perſönlichkeiten in ſich, die
m Generalſtaatskommiſſariat eine Rolle ſpielten. Es wird hier
unſeres Wiſſens zum erſten Male in der bayeriſchen Preſſe
zunz entſcheidend hervorgehoben, daß es eine Selbſtverſtändlich=
kteit
war, wenn ein bayeriſcher Polizeioberſt, ein bayeriſcher Gene=
nl
und ein bayeriſcher Regierungspräſident nicht Hochverrat be=
gangen
haben, auch wenn das Sprungbrett hingehalten wurde.
Retter des Vaterlandes ſeien die Genannten deshalb nicht, da die
derſten Schritte und Maßnahmen zur Niederſchlagung des Hitler=
lputſches
bereits beſchloſſen waren, ehe ſie aus dem Bürgerbräu=
teller
herauskamen. Ihren tatſächlichen Verdienſten aus dieſen
Tagen wird auch durch dieſe Feſtſtellung kein Abbruch getan.
Wenn hier ſchließlich betont wird, daß Herr von Kahr kein
Streber und Kleber, ſondern ein Mann reinſter Staatsgeſinnung
iſt, der aus eigenem Willen ſchon nicht mehr, oder nur zum Ab=
ſchied
in ſein Amt zurückkehren werde, ohne daß es einer amt=
ſichen
Nachhilfe bedürfte, ſo wird man dieſen Gedankengängen
und namentlich auch der in den letzten Sätzen zum Ausdruck
kommenden Anſchauung und Erwartung bezüglich des Herrn von
Kahr, nur beipflichten können. Damit möchten wir unſererſeits
die Akten über den Fall Kahr-LoſſowSeißer ſchließen, bis
Herrn von Kahrs Rücktritt auch den Schlußſtein hinter eine der
uierquicklichſten Perioden bayeriſcher Geſchichte der letzten Jahre
ſetzen wird.

*Die Darmſtädter Sezeſſion.
Ausſtellung in der Kunſthalle am Rheintor.

Der Geſamteindruck der diesjährigen Ausſtellung der Darm=
ſädter
Sezeſſion iſt bunt und vielgeſtalten, aber ſie hat, die not=
endige
Einſtellung vorausgeſetzt, unbedingt Niveau. Der
reis der künſtleriſchen Mitglieder iſt weiter gezogen, bei weitem
cht mehr auf Darmſtadt beſchränkt, und vertritt nach dem Vor=
vort
des Kataloges den Charakter einer weſtdeutſchen
ezeſſion.
Die Parterreräume der Ausſtellung ſind angefüllt mit einer
bedächtnisausſtellung des früh verſtorbenen Darmſtädter Malers
Fakob Kahn, deſſen Schaffen der Nachruf im Katalog wie
lgt charakteriſiert: Jakob Kahn wurde am 5. Dezember 1899
in Darmſtadt geboren. Mit 17 Jahren war er entſchloſſen, ſich
der Malerei zu widmen und er ſuchte ſich durch Beſuch der Mal=
Hhule die techniſchen Unterlagen zu verſchaffen; er erkannte
ſchnell die Gefahren der Akademie und entſchied ſich bald, in
unabhängiger Arbeit die notwendigen Grundlagen ſich zu er=
ämpfen
. Mit Zähigkeit ſtrebte er, nachdem die Schwierigkeit
er Verarbeitung des künſtleriſchen Erlebniſſes ihm klar gewor=
den
war, danach, ſich in Malerei und Zeichnung ſyſtematiſch zu
vervollkommnen; ſein öfterer Aufenthalt in Berlin und anderen
tädten brachte ihm dafür eine Fülle von Anregungen. In zahl=
eichen
Studien und Skizzen zu Tryptichen hat er ſich die Ideen
aufgeſpeichert, wie er ſpäter einmal ſein Thema, die Stadt, ge=
ſtalten
wollte. Von einer Verehrung Monets, Manets und
Liſſaros ſchnell zu Vincent van Gogh, deſſen Einfluß auch ſpäter
lieb, hingeführt, gewannen auf ihn allmählich Cezanne, Matiſſe
ud Vlaminck Einfluß. Was heute von ſeinem Schaffen ſelbſt
in kleiner Auswahk als bedeutſame Leiſtung bleibt, hielt er
elbſt nur für Verſuch. Kahn ſtarb am 22. Juni 1923.
Die Kollektivausftellung ermöglicht einen Ueberblick über die
künſtleriſche Entwicklung des Künſtlers und zeigt unbedingt, daß
ernſtes Streben in ihm ſteckte und eine Begabung, die offenbar
einen Zug ins Große hatte. Die Entwicklung von der Unge=
bandenheit
in der Zeichnung wie im Kolorit zum Gegenſtänd=
lichen
und zur Kultur der Farben iſt klar erkennbar.

Unter den Lebenden der Ausſteller ſind Namen vertreten,
zwar auch heute noch nicht unumſtritten ſind, die aber zähe
ernſt und vielfach nicht immer , gründend auf achtung=
tendes
Können, um Anerkennung, zum mindeſten Beachtung
ngen haben. Max Beckmann zählt zu dieſen, der mit
r großen Kollektion Schwarzweiß=Blätter in verſchiedenen
niken vertreten iſt, die den Künſtler als Zeichner zeigen, als
cher er ſicher bedeutend ſympathiſcher wirkt denn als Maler.
euß, aber ſtark, flott und ſicher iſt ſeine Linienführung, iſt

v. Knilling und die Völkiſchen.
München, 14. Mai. Die von einer Hitler naheſtehenden Stelle
im Fränkiſchen Kurier veröffentlichte Erklärung, daß die Aufgabe der
völkiſchen Bewegung lediglich in der Bekämpfung des Marxismus be=
ſtehe
und in keiner Weiſe die Zerſchlagung anderer nationaler Parteien
anſtrebe, wird von der bayeriſchen Preſſe lebhaft kommentiert. Die
Münchener Zeitung erklärt die Kundgebung für außerordentlich bedeut=
ſam
und ſpricht den Wunſch aus, daß ſie den tatſächlichen politiſchen
Willen Hitlers zum Ausdruck bringe, und daß auch ſeine Anhänger dieſen
Willen reſpektierten, denn dann könne in den innerpolitiſchen Verhält=
niſſen
Bayerns vieles beſſer werden. Das Blatt bringt die Erklärung
Hitlers im Zuſammenhang mit einem Leitartikel des Völkiſchen Kuriers,
wo auch ſchon zum Ausdruck gebracht worden ſei, daß die Kandidatur
Knillings für die Miniſterpräſidentſchaft unter gewiſſen Bedingungen
bei den Völkiſchen auf keinen allzu großen Widerſtand ſtoßen werde,
und daß, wenn die Bayeriſche Volkspartei den undeutſchen Marxismus
zur Strecke bringe, dieſer Erfolg auf ihre Beziehungen zu den Völki=
ſchen
erfreuliche Rückwirkungen haben würde. Die Münchener Poſt er=
klärt
, die Verneigung Hitlers vor der Bayeriſchen Volkspartei ziele
offenſichtlich auf einen Anbiederungsverſuch zur Bildung einer Koalition
ab. Es habe ſogar den Anſchein, als ob die Verbindung, zwiſchen der
Völkiſchen und der bisherigen baheriſchen Regierungspartei, unter der
Vorausſetzung, daß Knilling wieder an die Spitze der Regierung trete,
im Bereich der Möglichkeit liege.
Erneute Teuerungsaktion der Beamten.
* Berlin, 14. Mai. (Priv.=Tel.) In dieſen Tagen ſind
die Spitzenorganiſationen der Deutſchen Beamtenſchaft zu einer
Beſprechung über eine neue Teuerungsaktion und die Umſtellung
des bisherigen Verhandlungsausſchuſſes zuſammengetreten. Man
ging von der Erwägung aus, daß durch die Verlegung der Ver=
handlungen
über die Arbeiterbezüge aus dem Reichsarbeitsmini=
ſterium
in die einzelnen Miniſterien der Zeitpunkt gekommen ſei,
eine Einheitsfront aller Organiſationen zu ſchaffen. Es wurde
betont, daß angeſichts der Ergebniſſe der Reichstagswahlen und
im Hinblick auf die Lage der Beamtenſchaft alle Kräfte zuſam=
mengefaßt
werden müßten, um eine Beſſerung der Lage der Be=
amtenſchaft
zu erringen. Es wurde beſchloſſen, einen Verhand=
lungsausſchuß
zu wählen, in dem alle Beamtenorganiſationen
vertreten ſind, und zwar entfällt auf je 100 000 Beamte einer Ge=
werkſchaftsorganiſation
1 Vertreter. Es wurde infolgedeſſen ein
6er=Ausſchuß für die Verhandlungen mit der Regierung gebildet,
der ſofort die nötigen Vorbereitungen für einen An=
trag
auf Erhöhung der Beamtengehälter an die
Regierung einleitet. Mit dem Reichsfinanzminiſterium iſt nach
dieſer Richtung hin auch bereits verhandelt worden. Wie wir
hören, äußerte ſich das Reichsfinanzminiſterium dahin, daß den
Teuerungsverhältniſſen Rechnung getragen werden müſſe, daß
es aber notwendig ſei, zunächſt aus dem ganzen Reich Ueber=
ſichten
über die Lebenshaltungskoſten und die Beamteneinkom=
men
zu erhalten. Weiter ſoll feſtgeſtellt werden, inwieweit der
Beamtenabbau durchgeführt wurde und ob der Etat des Reiches
eine etwaige Belaſtung ertragen könne.
Die Schlageter=Gedächtnisfeier am 24. Mai.
Berlin, 14. Mai. Der Polizeipräſident hat dem unter dem
Vorſitz des Generalmajors a. D. v. d. Goltz in Berlin gebildeten Aus=
ſchuß
für die Schlageter=Gedächtnisfeier, der unter Beteiligung einer
großen Zahl vaterländiſcher Verbände am 24. Mai im Stadion eine
Schlageter=Gedächtnisfeier veranſtalten wollte, mitgeteilt,
politiſche Veranſtaltungen mit dem Ziele, ungewöhnlich große Menſchen=
mengen
an einem beſtimmten Ort unter freiem Himmel zu vereinigen,
könne er zur Zeit grundſätzlich nicht geſtatten.
Der Dank des Reichspräſidenten an Köln.
Köln, 14. Mai. Der Reichspräſident richtete an den Oberbürger=
meiſter
von Köln folgendes Dankſchreiben: Nach Berlin zurück=
gekehrt
, iſt es mir ein lebhaftes Bedürfnis, Ihnen und der Stadt Köln
meinen tiefgefühlten Dank für den herzlichen Empfang auszuſprechen,
den ich geſtern in Köln gefunden; ich habe von dem Aufenthalt bei
Ihnen ausgezeichnete und bleibende Eindrücke mitgenommen, und aus
allem, was ich ſah, die Ueberzeugung gewonnen, daß die von Ihnen ſo
zielbewußt und tatkräftig geleitete Stadtverwaltung trotz der Nöte der
Zeit die alte und uns allen ſo teuere Stadt Köln zu neuen Wegen der
Entfaltung und Entwicklung führt. Die Meſſe, die die Bedeutung Deutſchnationale Volkspartei 75 835 (15 835),
Kölns als Handelsſtadt heben wird, die Stadt= und die Hafenerweite=
rung
, welche der Induſtrie neue günſtige Möglichkeiten zweckmäßiger
Anlagen eröffnen, ſind Grundſteine dieſes neuen Abſchnittes in der alten
Geſchichte Kölns. Möge die allgemeine Geſtaltung des Wirtſchafts=
lebens
unſeres Vaterlandes für die Erfüllung all dieſer Pläne einen
günſtigen Boden geben. Mit den beſten Wünſchen für Köln wie für
Sie perſönlich, bin ich, hochverehrter Herr Oberbürgermeiſter, Ihr er=
(gez.): Ebert, Reichspräſident.
gebenſter

ſeine Kunſt mit wenigen flotten, aber ſicheren Strichen zu charak=
teriſieren
, Inhalt zu geben, der oft realiſtiſch, vielfach phantaſtiſch,
hin und wieder ſarkaſtiſch und derb=humoriſtiſch. Joſef Eberz
dann, deſſen Zeichnungen ebenfalls unbedingt ehrliche Kunſt ſind,
was von ſeinen Gemälden nicht immer geſagt werden kann.
Inſoweit wenigſtens nicht, als das Gegenſtändliche ſtark abſicht=
lich
hinter der Farbenwirkung des Kolorits in den Hintergrund
gedrängt iſt. Die italieniſchen Landſchaftsaquarelle ſind übri=
gens
ebenfalls ausgezeichnete Charakteriſtiken. Dann Rein=
hold
Ewald, der ſein ſtarkes Können in der Malerei immer
noch hinter der Sucht nach Abſtraktem verbirgt, in der Farben=
gebung
aber immer Neues, Rätſelhaftes, aber auch Schönes
ſchafft. In den Zeichnungen, die in großer Kollektion ausgeſtellt
ſind, zeigt der Künſtler ſein großes Können und hier auch über=
zeugend
ſeine Begabung in der monumental plaſtiſchen Kunſt.
Viele dieſer Zeichnungen ſind direkt plaſtiſche Studien und eben=
ſoviele
andere wirken rein illuſtrativ. Immer aber ſind ſie reich
an Inhalt und bildhaft wirkungsvoll in der Kompoſition.
Auch Carl Gunſchmann darf in dieſer Reihe genannt
werden. Seine vier großen Gemälde beherrſchen den ganzen
Oberlichtſaal trotz der Fülle und Vielſeitigkeit, die hier vertreten
iſt. Die große Kompoſition Frauen an der Stirnwand er=
ſchlägt
ihre ganze Umgebung. Wer den künſtleriſchen Entwick=
lungsgang
dieſes Künſtlers kennt, wird bewundernd vor dieſen
Gemälden ſtehen. Die warme, innerlich gefühlte reiche Farbig=
keit
des fein kultivierten Kolorits, ebenſo wie die plaſtiſche,
lebenerfüllte Formengebung und das ſichere Gefühl für monu=
mentale
Kompoſition erzwingen Anerkennung, hier wie in dem
Paar und in dem Stilleben mit Maske‟. Das Bildnis von
Frau Käthe Meißner iſt von ausgezeichneter Charakteriſtik.
Sehr fein empfunden und ebenſo fein in dem zarten Kolorit
wie ſicher charakteriſiert in der flotten, lebendigen Zeichnung
ſind die Blätter der Rheinmappe von Arthur Grimm (im
Treppenhaus). Dieſe kolorierten Zeichnungen ſind außerordent=
lich
gekonnt. Bei ſo ſubtiler Zartheit ſo ſtarken Ausdruck zu
erzielen, iſt unbedingte Kunſt. Freilich, den Gemälden (Baden=
Baden, Stilleben) gereicht die Zurückhaltung im Kolorit nicht
zum Vorteil, aber von ſtarkem Ausdruck ſind auch dieſe und von
bildhafter Wirkung.
Vielleicht darf im Anſchluß hieran Erna Pinner genannt
werden, deren feine und ſicher erfaßte Tierzeichnungen ( Radie=
rungen
, Lithographien und Zeichnungen) erſt kürzlich Gegenſtand
ausführlicher und anerkennender Beſprechung an dieſer Stelle
waren. Auch in dieſen zarten Blättern muß man die ſichere
Beobachtung der Bewegung des tieriſchen Körpers in der Frei=
heit
wie der Haustiere bewundern und die Sicherheit, mit der
die Künſtlerin mit wenigen feinen Strichen die Tiere charakteri=
ſiert
. Die Schlankheit der Antilope wie die mollige Plumpheit
Bullis, die geſchmeidig=weiche Katze wie das ſcheu=ſtolze
Dammwild,

Oeutſch=polniſcher Notenwechſel.
Berlin, 15. Mai. Die deutſche Regierung ließ wie be=
reits
gemeldet durch den Geſandten in Warſchau der polni=
ſchen
Regierung eine Note überreichen, in der auf die infolge der
ſich ſtändig wiederholenden Ausſchreitungen gegen die deutſchen
Minderheiten in Polniſch=Oberſchleſien und die für die dortigen
Reichsangehörigen beſtehenden Gefahren aufmerkſam gemacht
wird. In Beantwortung dieſer Note äußert ſich nunmehr die
polniſche Regierung, einer Meldung der Polniſchen Telegraphen=
Agentur zufolge, dahin, daß in der Republik Polen die Sicher=
heit
aller Einwohner, ohne Rückſicht auf ihre Staatsangehörig=
keit
, verfaſſungsmäßig gewährleiſtet ſei. Im übrigen bemängelt
die polniſche Regierung, daß in der deutſchen Note keine konkreten
Beſchwerdefälle aufgeführt ſeien und ſpricht gleichzeitig der deut=
ſchen
Regierung das Recht ab, in Fällen, wie den vorliegenden,
zu intervenieren.
Hierzu iſt zu bemerken, daß die deutſche Geſandtſchaft in
Warſchau nach Ueberreichung der Note eine große Zahl von ähn=
lichen
Fällen der polniſchen Regierung namhaft machte, vor al=
lem
ſolche, in denen deutſche Reichsangehörige in Polniſch= Ober=
ſchleſien
mißhandelt oder ſonſt terroriſiert wurden.
* Die beleidigten Moskowiter.
Je kühler man in Deutſchland den Zwiſchenfall in der ruſſi=
ſchen
Handelsdelegation betrachtet, deſto höher gehen die Wogen
der Empörung in Rußland. Die geſamte Preſſe ergeht ſich in
wüſten Schmähungen und Beſchimpfungen der deutſchen Regie=
rung
, die kommuniſtiſche Arbeiterſchaft muß zu umfangreichen
Demonſtrationszügen vor den deutſchen Konſulaten und Vertre=
tungen
antreten. Die Ruſſen, die mit ihrem Geſchrei über die
ihnen angetane Unbill die ganze Welt erfüllen möchten, vermeiden
aber nach wie vor, auf den eigentlichen Kern der ganzen Ange=
legenheit
einzugehen, der nämlich darin beſteht, daß ſie die ihnen
in Deutſchland gewährte Gaſtfreundſchaft mißbraucht, einem
deutſchen Verbrecher Schutz und Hilfe geboten und ſchließlich auch
noch deutſche Polizeibeamte ihrer Freiheit beraubt haben. Von
dieſem Sachverhalt wollen jedoch die Herren in Moskau nichts
wiſſen. Sie ſpielen jetzt die gekränkte Unſchuld und tun ſo, als
ob ſie auch nach der Beilegung des Zwiſchenfalls, der ihrer An=
ſicht
nach natürlich nur in einem Zukreuzekriechen des Herrn
Streſemann beſtehen kann, die Beziehungen zu Deutſchland auf
das Allernotwendigſte beſchränken wollen. Da aber auch die
übrigen Staaten bereits anfangen, die Haltung der Moskauer
Regierung ſcharf zu kritiſieren, wird dieſe ſchließlich froh ſein
müſſen, wenn ſie bei dieſer ganzen Angelegenheit mit einem
blauen Auge davonkommt.
Die Großhandelsindexziffer.
Berlin, 14. Mai. Die auf den Stichtag des 13. Mai be=
rechnete
Großhandels=Indexziffer des Statiſtiſchen
Reichsamtes ergibt gegenüber dem Stand vom 6. Mai (125,2)
einen Rückgang auf 123,8 oder um 1,1 Prozent. Von den Haupt=
gruppen
ſanken im gleichen Zeitraum Lebensmittel von 110,3
auf 108,5 oder um 1,6 Prozent; davon die Gruppe Getreide und
Kartoffeln von 92,4 auf 91,7 oder um 0,8 Prozent; Induſtrie=
ſtoffe
von 153 auf 152,4 oder um 0,4 Prozent, davon die Gruppe
Kohle und Eiſen mit 145,2 nahezu unverändert. Inlandswaren
gingen von 114,1 auf 112,8 oder um 1,1 Prozent und Einfuhr=
waren
von 180,6 auf 178,9 oder um 0,9 Prozent zurück.
* Das endgültige amiliche Ergebnis der
Reichstagswahlen in Baden.
f. Karlsruhe, 14. Mai. (Priv.=Tel.) Letzten Samstag fand
durch den Kreiswahlausſchuß die Ermittlung des endgültigen Abſtim=
mungsergebniſſes
der Reichstagswahl im 32. Reichstagswahlkreis (Baden)
ſtatt. Die Ermittelung ergab keinerlei bemerkenswerte Beanſtandungen.
Das Geſamtergebnis iſt folgendes: Stimmberechtigte 1 391 405, abgege=
bene
gültige Stimmen 941 763, abgegebene ungültige Stimmen 10 529
(1,1 Prozent). Es entfallen auf den Wahlkreisvorſchlag:
Vereinigte Sozialdemokratiſche Partei 142 801 (Reſtſtimmen 22801),
Zentrum 325 645 (25 645),
Badiſcher Landbund 71 387 (11 387),
Deutſche Demokratiſche Partei 73 882 (13 882),
Kommuniſtiſche Partei 95 564 (35 564),
Unabhängige Sozialdemokratiſche Partei 6153 (6153),
Deutſche Volkspartei 74 887 (14 887),
Häußerbund 784 (784),
Völkiſch=Sozialer Block 45 049 (45049),
Wirtſchaftliche Vereinigung des Bad. Mittelſtandes 21 424 (21 424),
Bund der Geuſen 6948 (6948),
Republikaniſche Partei 1404 (1404).
An der bereits von uns bekannt gegebenen Zahl der auf die einzel=
nen
Wahlvorſchläge entfallenden Abgeordneten auf Grund des vor=
läufigen
Geſamtergebniſſes ändert ſich nach der Ermittlung des end=
gültigen
Geſamtergebniſſes nichts.

Vielleicht darf in dieſem Zuſammenhang auch E. M. Engert
genannt werden, der die Kunſt des Scherenſchnittes als
Porträt wieder aufleben läßt, und zwar mit ungewöhnlich
ſtarkem Erfolg. Es ſind eine große Anzahl von Perſönlichkeiten
unter den Dargeſtellten, die ein Urteil nach Aehnlichkeit und
Charakteriſtikum ermöglichen, und man muß vielfach ſtaunen
über die Meiſterſchaft, mit der Engert ſeine Kunſt beherrſcht,
die er übrigens auf Beſtellung in der Kunſthalle ausübt.

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Die Speiſung von 1 Million deutſchen Kin=
dern
. Die Speiſungen des amerikaniſch=deutſchen Kinderhilfs=
werks
können, wie in der Kliniſchen Wochenſchrift mitgeteilt
wird, durch die von General Allan veranſtalteten Sammlungen
im kommenden Sommer weitergeführt werden. Die Zahl der
zur Speiſung zugelaſſenen Kinder kann von 500 000 auf 1 Million
vermehrt und die Menge der für die Einzelmahlzeit angeſetzten
Wärmeeinheiten trotzdem etwas erhöht werden; durch Zulaſſung
von Cornedbeef wird ihre Zuſammenſetzung etwas mannigfacher.
In der zweiten Hälfte des Sommers ſollen die Erholungsheime
für Kinder beſonders bedacht werden. Unter den bisher Ge=
ſpeiſten
betrug die Zahl der Schulkinder 90 Prozent.
Ergebniſſe. (Aus Thieſſen: Geopolitik und
Verſailles. Zeitſchrift für Geopolitik, Heft 4.) 1. Der Friedens=
vertrag
von Verſailles, iſt kein Friedensvertrag, d. h. er dient
durch di von ihm aufgeſtellten Regelungen nicht der Erhaltung
des Friedens unter den nebeneinander beſtehenden und beſon=
ders
den aneinander grenzenden Staaten; er hat nicht ein ſtär=
keres
, zuverläſſiges Gleichgewicht hergeſtellt, ſondern hat im
Gegenteil die Gegenſätze verſchärft und unzählige Spannungen
neu geſchaffen. 2. Vom politiſch=geographiſchen Standpunkt ge=
ſehen
iſt der Verſailler Friedensvertrag überhaupt kein Vertrag.
Außer den Tatſachen, daß der Vertrag nicht durch Verhandlun=
gen
, ſondern durch Diktat zuſtande gekommen und daß die Unter=
ſchrift
erpreßt worden iſt, ſei hier beſonders hervorgehoben:
erſtens das Fehlen des Gleichgewichts und der Gleichberechtigung
der Vertragsparteien: drei Viertel der Welt gegen einen Staat;
zweitens die Aufhebung des Staatscharakters des Deutſchen
Reiches durch den Vertrag infolge Aufhebung beſtimmter Gren=
zen
(labile Grenzen und Grenzdurchbrechungen). Dieſer Punkt
erſcheint als das wichtigſte Ergebnis gerade der politiſch= geo=
graphiſchen
Unterſuchung. Ein Vertrag, der keine beſtimmten
Grenzen ſchafft, ſondern ſie aufhebt, hebt. den Staatscharakter
eines der Vertragſchließenden und damit den Charakter des
Staatsvertrages ſelbſt auf. Solange alſo der Verſailler Frie=
densvertrag
beſteht, iſt das Deutſche Reich nach der politiſch=
geographiſchen
Auffaſſung des Begriffs kein Staat:

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924.

Rummer 135.

Konflikt im Ruhrbergbau.
Die Berliner Verhandlungen.

Die Ausreiſegebühren.
Keine Aufhebung der Verordnung.

Berlin, 14. Mai. Heute vormittag um 10 Uhr traten unter
dem Vorſitz des Reichskanzlers und unter Beteiligung der
zuſtändigen Reichs= und preußiſchen Miniſterien die Vertreter
des Zechenverbandes und der Bergarbeiterver=
bände
zur Einleitung von Verhandlungen über die
ſchwebenden Arbeitsverhältniſſe an der Ruhr
zuſammen.
Der Reichskanzler betonte, daß die Reichsregierung
volles Verſtändnis habe für die Notlage der beiden Parteien an
der Ruhr, die ſich teils aus den Nachwirkungen des Ruhrkampfes,
teils aus den Belaſtungen durch die Micumverträge und der
Kreditnot, teils aus den Teuerungsverhältniſſen und den Schwie=
rigkeiten
der Lebensverhältniſſe ergäben. Demgegenüber ſtänden
aber die wichtigen Intereſſen außen= und innenpoliti=
ſcher
Natur, die einen baldigen Abſchluß des Kampfes
zur dringenden nationalen Pflicht für beide Teile
mache. Jede Verlängerung des Kampfes vermehre die
Schwierigkeiten der Wirtſchaft, ſteigere die Kreditnot und bringe
außenpolitiſche Gefahren mit ſich in einem Augenblick,
da die Frage des Gutachtens und die Wiederaufnahme der Repa=
rationsverhandlungen
Frieden und Geſchloſſenheit in Deutſch=
land
zur Pflicht machen. Auch ſpeziell für den Bergbau würde
ein längerer Kampf die Heilung der gegenwärtigen Nöte nur
erſchweren
Nach dem Reichskanzler ſprachen im Namen der Bergarbei=
terverbände
die Abgeordneten Huſemann vom Alten Ver=
band
und Rotthäuſer vom Gewerkverein chriſtlicher Berg=
arbeiter
ſowie im Namen des Zechenverbandes Generaldirektor
Wiskott in allgemeinen Ausführungen über de Streitfall.
Im Anſchluß an die Ausſprache ſtellte der Reichsar=
beitsminiſter
die Bereitwilligkeit der beiden
Parteien feſt, im Anſchluß an die Verhandlungen über den
Manteltarif ein Schlichtungsverfahren über die ſchwe=
benden
Streitfragen zu eröffnen. Er ſchlug vor, daß ſich die
Führer der beiden Parteien ſofort zum Reichsarbeitsminiſterium
begeben möchten, um dort über die Formalitäten dieſes Verfah=
rens
Beſchluß zu faſſen. Um 2 Uhr würde man mit den Schlich=
tungsverhandlungen
beginnen können. Die Anweſenden ſtimm=
ten
dem zu.
Unter der Leitung des Reichsarbeitsminiſters, wurden beide
Parteien einig, daß der Vorſitz im Schlichtungsaus=
ſchuß
von dem Vizepräſidenten des Oberpräſidiums zu Mag=
deburg
, dem früheren Miniſterialrat im Reichsarbeitsmini=
ſterium
Hausmann übernommen werden ſoll. Hausmann,
der auch im Juni 1922 die Manteltarifverhandlungen für den
Ruhrbergbau erfolgreich leitete, hat die Wahl angenommen. Als
veitere unparteiiſche Vorſitzende wurden auf Vorſchlag der Ar=
beitgeber
Miniſterialrat Kralick auf Vorſchlag der Arbeitneh=
ner
Direktor Löffler vom Reichskohlenverband ernannt.
Außerdem ſollen dem Schlichtungsausſchuß je fünf von den
Parteien zu benennende Beiſitzer angehören. Die Schlichtungs=
kammer
tagt im Reichsarbeitsminiſterium. Die Verhandlungen
haben heute nachmittag 2 Uhr begonnen. Mitteilungen über den
Gang der Verhandlungen können nach Uebereinkunft aller Be=
teiligten
erſt nach Abſchluß des Verfahrens erfolgen.

Berlin, 14. Mai. Die Neue Berliner Zeitung will erfahren
haben, daß die Abſicht beſtehe, die Verordnung über die Erhebung einer
Ausreiſegebühr von 500 Mark wieder aufzuheben. An dieſer Nachricht
iſt, wie uns von zuſtändiger Stelle mitgeteilt wird, kein wahres Wort.
Ebenſo unrichtig iſt die weitere Behauptung des Blattes, daß die Regie=
rungen
einiger Staaten wegen der Verordnung Vorſtellungen in Ber=
lin
erhoben hätten. Richtig daran iſt nur, daß von ſchweizeriſcher und
tſchechoſlowakiſcher Seite inoffiziell auf die Schädigungen der Hotel=
induſtrie
dieſer Länder hingewieſen wurde. Im übrigen dürften dieſe
Länder ſich nicht darüber im Unklaren ſein, daß es ſich hier um eine im
Intereſſe der Stabiliſierung der Währung notwendige innerdeutſche
Maßnahme handelt. Dasſelbe Blatt hat bereits am 25. April unter
der Ueberſchrift Ein Fiasko der Auslandsſperre die Behauptung auf=
geſtellt
, daß die Zahl der von den Finanzämtern genehmigten Aus=
landsreiſen
ſeit Beginn der Wirkſamkeit der einſchränkenden Beſtim=
mungen
überhaupt nicht oder nur unweſentlich zurückgegangen ſei. Dieſe
Angaben des Blattes waren, wie nunmehr durch eine amtliche Feſt=
ſtellung
bei den Berliner Finanzämtern ſich herausgeſtellt hat, aus den
Fingern geſogen.

Die Demokraten zur Vorabſtimmung in Hannover.

Berlin, 14. Mai. Die Parteileitung der Demokratiſchen
Partei erläßt zum Volksbegehren in Hannover folgenden Aufruf:
Das oberſte Ziel der Deutſchen Demokratiſchen Partei iſt
die Stärkung der Reichsgewalt, zwecks Ermöglichung einer ſtraf=
fen
Durchführung aller im Intereſſe des deutſchen Volkes erfor=
derlichen
Maßnahmen. In einem Reich, deſſen Grenzen gefähr=
det
und deſſen Volksgefühle zerriſſen ſind, muß alles, was die Er=
reichung
dieſes Zieles hindern könnte, abgewieſen werden. In
der Schaffung eines ſelbſtändigen Hannover ſieht
die Deutſche Demokratiſche Partei keinen Weg zur Stär=
kung
des Reiches, vielmehr einen Weg, der von dieſem Ziel
wegführt. Vor allem iſt die Deutſche Demokratiſche Partei der
Auffaſſung, daß, ſolange feindliche Truppen Deutſchland beſetzt
halten, alles vermieden werden muß, was den Eindruck erwecken
könnte, als ob der deutſche Einheitsgedanke im Deutſchen Volke
nicht feſt verwurzelt ſei. Die Schaffung eines ſelbſtändigen Han=
nover
würde von den rheiniſchen Separatiſten in reichsfeindlicher
Weiſe ausgenutzt werden; ſie würde die Bevölkerung des beſetz=
ten
Gebiets vor neue ſchwere Gefahren ſtellen. Deshalb erſuchen
wir alle Demokraten und darüber hinaus alle Freunde eines ge=
ſunden
Verhältniſſes zwiſchen Reich und Ländern, am 18 Mai
dem von den Deutſch=Hannoveranern beantragten Volksbegehren
nicht zuzuſtimmen. Koch, Erkelenz, Fiſcher.

*Der Auftakt zum Reichstag.
Die Fraktionsſitzung der Deutſchen Volkspartei.

Aufruf der Rheinländer an die Hannoveraner.

Eine Geſchäftsordnung für die Reichsregierung

Berlin, 14. Mai. Wie mitgeteilt wird, hat das Reichs=
kabinett
in Ausführung des Art. 55 der Reichsverfaſſung eine
Geſchäftsordnung für die Reichsregierung beſchloſſen, welche die
Beziehungen zwiſchen dem Reichskanzler und den einzelnen
Miniſtern bei der Führung der Reichsgeſchäfte regelt und Be=
ſtimmungen
über die Unterrichtung des Reichspräſidenten und
für Kabinettsſitzungen trifft.

Berlin, 14. Mai. Der Reichsverband der Rheinlän=
der
erläßt folgenden Aufruf:
An unſere hannoverſchen Volksgenoſſen!
Die politiſchen Parteien des Rheinlandes haben ſchon im Juni
1921 in der Königswinterer Entſchließung erklärt, auf die
Volksabſtimmung auf Grund des Artikels 18 der Reichs=
verfaſſung
im Rheinland zu verzichten, ſolange rheiniſche
Gebiete beſetzt ſeien. Dabei betonten ſie gegenüber ähnlichen Be=
wegungen
in Hannover: Wir erwarten, daß auch in anderen
Landesteilen, mit Rückſicht auf die Lage des beſetzten Gebiets, die
Abſtimmungsbeſtrebungen bis zu dieſem Zeitpunkt ruhen." Zu
dieſer Entſchließung haben ſich die politiſchen Parteien am Rhein
in den letzten Tagen erneut bekannt.
Die im Reichsverband der Rheinländer zuſammengefaßten
Rheinländer im unbeſetzten Deutſchland glauben auch ihrerſeits
vor einem übereilten Vorgehen hannoverſcher Abſtimmungs=
freunde
ihre warnende Stimme erheben zu müſſen.

Von unſerer Berliner Redaktion.
Die neue Reichstagsfraktion der Deutſchen Volkspartei tro
geſtern nachmittag im Reichstagsgebäude zu ihrer erſten Sitzung
zuſammen. Es waren faft ſämtliche Abgeordnete erſchienen. Den
Vorſitz führte der bisherige Fraktionsvorſtand Dr. Scholz, der
die Sitzung mit einem Nachruf auf Hugo Stinnes er
öffnete. Es wurde beſchloſſen, von einer Wahl des Fraktions
vorſtandes abzuſehen und dieſe bis zum Zuſammentritt des
Reichstags zu verſchieben.
Außenminiſter Dr. Streſemann eröffnete dann die poli=
tiſche
Ausſprache, indem er eine eingehende Darlegung
unſerer gegenwärtigen außenpolitiſchen Si=
tuation
gab. Nachdem ergriffen dann die verſchiedenſten
Mitglieder der Fraktion das Wort, um zu der Politik des Außen!
miniſters, unter beſonderer Berückſichtigung des Sachverſtändi=
gengutachtens
Stellung zu nehmen. Sämtliche Mitglie=
derder
Fraktion ſtellten ſich einmütighinter die
Politik des Außenminiſters, betonten aber auch, daß
weiterhin das allergrößte Gewicht auf die von uns an die Gut
achten geknüpften Vorbedingungen gelegt werden müſſe.
Dann ſprach man über die Regierungsbildung und
erörterte auch den Plan zur Bildungeiner Fraktions
gemeinſchaft zwiſchen Zentrum Demokraten
und Deutſcher Volkspartei. Dieſer Plan fand aber all=
ſeitige
Ablehnung. Dagegen wurde feſtgeſtellt, daß man die
bisherige Arbeitsgemeinſchaft auch weiterhin
aufrecht erhalten müſſe.
Die Deutſche Volkspartei gibt über ihre Fraktionsſitzung in
Reichstag folgenden Bericht:
Reichstagsfraktion und Parteivorſtand der Deutſchen Volks)
partei haben am 14. Mai, in Anweſenheit der Reichsminiſten
Dr. Streſemann und Jarres, nach einem Vortrag des Abg. Drl
Scholz über die dringenden außen= und innenpolitiſchen Fragen
verhandelt. Dabei ergab ſich volle Einmütigkeit über die Ab/
hängigkeit der innerpolitiſchen Entſcheidung von der Löſung der
großen außenpolitiſchen Probleme und zugleich über die Notwen
digkeit, die Grundlinien der bisherigen Außenpolitik fortzufüh
ren. Reichstagsfraktion und Parteivorſtand billigen die grund
ſätzliche Stellungnahme der Reichsregierung in der Behandlun
des Gutachtens der internationalen Sachverſtändigen. Sie er
warten, daß die Reichsregierung nach der Annahme des Gutach
tens vor deſſen Ausführung tatkräftig die Wiederherſtellung de
finanziellen und wirtſchaftlichen Einheit des Reiches verlangt
Sie ſetzen ferner voraus, daß bei der Löſung der Reparations
fragen die Forderungen deutſcher Ehre und Freiheit erfüllt wer
den. Für den Fall des Rücktritts der Reichsregierung iſt die
Haltung der Deutſchen Volkspartei durch den nach wie vor maß=
gebenden
Beſchluß vom 12. Januar 1924 gegeben. Außen= und
innerpolitiſche Gründe erfordern die Zuſammenfaſſung der ſtaats
bejahenden bürgerlichen Parteien. Dieſes Ziel iſt nicht zu er
reichen durch die in der Preſſe erörterte Schaffung einer Frak
tionsgemeinſchaft der nationalen Mitte, die die Deutſche Volks
partei für unausführlich hält. Nicht taktiſche, ſondern ſachlich
Uebereinſtimmung in den außenpolitiſchen Lebensfragen der Na
tion ſtehen im Vordergrund der nächſten innerparlamentariſchen
Verhandlungen. Die Vorſtandswahl wurde bis zur Eröffnung
des Reichstages verſchoben.
Am Montag der nächſten Woche wird das Zentrum und an
Dienstag werden die Deutſchnationalen und Demokraten ihre
erſte Fraktionsſitzung abhalten. Am Mittwoch der nächſten Woche
wird der Reichstagspräſident mit den Fraktionsführern über di
Verteilung der Plätze im Plenum=Sitzungsſaal eine Beſprechum
abhalten. Am Samstag dieſer Woche tritt der Parteivorſtand des
Zentrums zu einer Beſprechung zuſammen.

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Mummer 135.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924.

Seite 5.

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 15. Mai.
Ernannt wurden am 6. Mai 1924: der Lehrer Albrecht Jung
zu Gammelsbach mit Wirkung vom 1. Juni 1924 ab zum Lehrer an der
Volksſchule zu Oſtheim Kreis Friedberg; der Schulamtsanwärter Otto
Langohr aus Nieder=Ohmen zum Lehrer an der Volksſchule zu Hei=
delbach
, Kreis Alsfeld. Durch Entſchließung des Landesamts für das
Bildungsweſen wurden zu Studienaſſeſſoren ernannt: die Studienrefe=
vendare
: Dr. Fritz Bender zu Darmſtadt, Georg Büttenbender
zu Gießen, Dr. Philipp Buttler in Mainz, Georg Chriſt in Darm=
ſtadt
, Hans Kraft zu Oppenheim, Karl Metz zu Gießen, Theodor
Pfaff in Dieburg, Ernſt Ratz in Gießen, Otto Schilling in Gie=
ßen
, Werner Schrader in Mainz, Fritz Tölg in Gießen, Dr. Georg
Weigand zu Darmſtadt, Dr. Ludwig Wolf zu Mainz.
Berſetzungen in den Ruheſtand. Auf Grund des heſſiſchen Per=
ſonal
=Abbau=Geſetzes vom 19. Dezember 1923 treten am 1. Juni 1924 in
den einſtweiligen Ruheſtand: der Studienrat an dem Landgraf=Ludwigs=
Gymnaſium zu Gießen Heinrich Fuchs, der Oberſtudiendirektor an
dem Ludwigs=Georgs=Gymnaſium zu Darmſtadt Dr. Ludwig Buch=
hold
, der Oberſtudiendirektor an der Oberrealſchule i. F. und Land=
wirtſchaftsſchule
zu Groß=Umſtadt Chriſtian Göckel.
Techniſche Hochſchule. Der Diplom=Ingenieur Ludwig Metz aus
Darmſtadt hat ſic an der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt der münd=
lichen
Doktor= und Jugenieurprüfung in der Abteilung für Chemie unter=
zogen
und dieſelbe ſehr gut beſtanden.
Landestheater. Heute abend wird im Großen Haus Shakeſpeares
Viel Lärm um Nichts gegeben. Im Kleinen Haus findet eine
Aufführung von Barbier von Sevilla ſtatt.
Löns=Mogenfeier Sonntag, 18. Mai, vormittags 11½ Uhr
pünktlich, in der Aula der Landesbaugewerkſchule (Neckarſtraße).
Eine junge, vielverſprechende Sängerin, Ulla Voigts=Gerdau
(Lüneburger Heide) wird, begleitet von Karl Dietrich, Löns=Lieder
ſingen. Aus Werken des 1914 gefallenen Dichters wird Dr. Hermann
Bräuning=Oktavio, der vor 2½ Jahren mit Goethe dieſe viel=
beſuchten
Morgenfeiern eröffnete, leſen, um das Leben dieſer eigenartigen
Doppelnatur in ſeiner ganzen Laſt und das Schaffen des Dichters Löns
in ſeiner wuchtigen Größe erſtehen zu laſſen. Freude am Werk und Mit=
leiden
mit dem Menſchen ſoll erheben und erſchüttern. Eintritt iſt für
jedermann frei; nach 11½ Uhr hat niemand mehr Zutritt.
In der Ausſtellung der Sezeſſion in der Kunſthalle am Rheintor
findet am Freitag, 16. Mai, abends 8 Uhr, der 2. Vortragsabend
des Herrn Dr. K. J. Obenauer (Ein romantiſches Märchen) ſtatt.
Karten an der Abendkaſſe zu 1 Mk. (Studenten und Arbeiter 50 Pfg.).
Der bisherige Beſuch der Ausſtellung war, beſonders an den Sonn=
tagen
, zufriedenſtellend. Trotz der Ungunſt der Zeiten wird viel nach
Preiſen gefragt. Schade iſt, daß die ſchönen Zeichnungen von Ewald,
Hanau, unverkäuflich ſind, denn ſie hätten ſchon des öfteren Käufer
gefunden.
Weltanſchauungsvortrag. Am Dienstag abend fand im Saal des
Realgymnaſiums der dritte Vortrag des Herrn Dr. Schweitzer=
Berlin über das Thema Relativismus ſtatt. Wie an den beiden
vorhergehenden Abenden verſtand es der Herr Vortragende auch an
dieſem Abend meiſterhaft, ſich ſeiner Aufgabe ſeinen Zuhörern gegenüber
zu entledigen. Die Gedanken eines Oswald Spengler, wie ſie in deſſen
großem geſchichtsphiloſophiſchen Werk: Untergang des Abendlandes
zum Ausdruck kommen, und die Anſchauungen eines Grafen Keyzſerling,
deſſen Namen mit dem Reiſetagebuch eines Philoſophen und mit der
Gründung der Schule der Weisheit verknüpft iſt, wurden einer kritiſchen
Berrachtung unterzogen. Es wurde hervorgehoben, wie Spenglers Buch
eit Hegel wieder den erſten großen geſchichtsphiloſophiſchen Verſuch dar=
ſtellt
, der allem modernen Hiſtorismus entgegen, wieder einmal in Jahr=
tauſenden
zu denken unternimmt. Bei Keyſerling wurde deſſen feine Ein=
fühlungsweiſe
in die ganze Problematik unſerer Zeit hervorgehoben und
ſein ſtarkes Beſtreben, nicht auf Anſichten, ſondern auf Einſichten, nicht
auf Tatſachen, ſondern auf den Sinn der Tatſachen ſich zu beziehen. Nach
dieſer rein anerkennenden Form der Darſtellung wurde ſodann in der
Stellung beider Syſteme zur Religion und zum Chriſtentum der ganze
Relativismus beider Anſchauungen herausgearbeitet. Es wurde gezeigt,
wvie Spengler trotz all ſeiner Betonung der Religion, trotz all ſeiner An=
erkennung
für das Chriſtentum doch im letzten Grund religiös indifferent
iſt. Auch bei Keyſerling wurde deutlich gemacht, wie bei deſſen rein
äſthetiſcher Denkweiſe das Chriſtentum, überhaupt die Religion, zu kurz
kommt, ja wie er das Chriſtentum zugunſten des Buddhismus zurück=
drängt
und letzten Endes ihm die Weisheit alles iſt. An Keyſerlings
Stellung zur Frau, zur Familie, zu Volk und Kirche wurde dieſe rela=
tibiſtiſche
Betrachtung nachgewieſen. Auch dieſer Vortrag zeigte bei aller
jachgemäßen Würdigung der fremden Gedankenführung, daß das
Chriſtentum doch immer noch mehr zu bieten hat als Anthropoſophen
und Relativiſten, als Steiner, Spengler und Keyſerling.
Bezirksverein Martinsviertel. Die ordentliche Generalverſamm=
lung
fand mit der vorher bekannt gegebenen Tagesordnung ſtatt. Nach
Erledigung der Tagesordnung hielt Herr Stadtverordneter Sames
einen ſehr intereſſanten Vortrag über ſtädtiſche Angelegenheiten, ins=
beſondere
über den Jahresvoranſchlag für 1924. Hier zeigt ſich, daß auch
die Stadt nicht von der ſeit 1914 erfolgten Umgeſtaltung der Verhältniſſe
berſchont wurde. Deutlich ſprechen die Zahlen, die eine vollſtändige Ver=
ſchiebung
der Einnahmen und Ausgaben ſeit dieſer Zeit erkennen laſſen.
Wer mit Intereſſe die Wandlung, die innerhalb der Stadtverwaltung
eingetreten iſt, verfolgt, wundert ſich nicht über die Verſchiebung der
Ausgaben, die durch den verlorenen Krieg und ſeine Folgen in geradezu
verheerender Weiſe auf unſere Einwohner drückt. Beſonders ſei er=
wähnt
, daß die Verwaltungskoſten in dieſem Zuſammenhang, die ſozialen
Laſten uſw. mit den Einnahmen nicht in Einklang zu bringen ſind, da
bor 1914 Darmſtadt viele Steuerzahler hatte, welch letztere heute ihres
Vermögen beraubt und nicht nur keine Steuern zahlen, vielmehr dem
Unterſtützungsweſen anheimgefallen ſind. Es bedarf der Anſpannung
aller Kräfte, einen geordneten ſtädtiſchen Haushalt zu organiſieren,
um wieder in, wenn auch nur einigermaßen erträgliche Verhältniſſe zu
kommen. Die Stadtverwaltung muß aber auch den Mut haben, dergeſtalt
zur organiſieren, daß die obenerwähnten Koſten vermindert werden. Die
Anweſenden zollten dem Vortragenden anhaltenden Beifall und dankten
ihm für ſeine lehrreichen Ausführungen in der Erwartung, daß er in
W.
abſehbarer Zeit ſeinen Vortrag fortſetzen wird.

* Jubiläumsfeier des Velozipedklubs Darmſtadt. Als weitere Ver=
anſtaſtung
im Rahmen des 25jährigen Vereinsjubiläums des hieſigen
Radſportvereins Velozipedklub 1899 Darmſtadt folgt als Einleitung der
eigentlichen Feſttage am Freitag; den 16. Mai, abends 8 Uhr, ein Lam=
pionkorſo
, der ſich vom Aufſtellungsplatz Heinrichſtraße zwiſchen Hoch=
und Karlſtraße durch folgende Straßen bewegen wird: Aufſtellungsplatz
Heinrichſtraße, Wilhelminenſtraße, Eliſabethenſtraße, Ludwigsplatz, Lud=
wigſtraße
, Marktplatz, Paradeplatz, Theaterplatz, Hochſchulſtraße, Schloß=
gartenſtraße
, Frankfurter Straße, Wilhelminenſtraße, Eliſabethenſtraße
Grafenſtraße, Rheinſtraße, Neckarſtr., Marienplatz, Heidelberger Straße,
Riedeſelſtraße zum Auflöſungsplatz Städtiſcher Saalbau, dortſelbſt
Konzert und Tanz. Der Lampionkorſo verſpricht inſofern intereſſant
zu werden, als ſich an dieſem die näheren Gauvereine des Gaues 70
beteiligen werden. Durch mitgeführte Muſikkapellen und ſog. Trans=
parente
und Einzelgruppen iſt für Abwechslung des Zuges geſorgt. Wir
wünſchen dem rührigen und tatkräftigen Radſportverein große Anteil=
nahme
der Bevölkerung

auf das Blatt, das ſiets beſtrebt iſt,
ſeine Teſer über alles wiſſenswerte
ſchnellſiens und zuverläſſig zu unter=
richten
und daher in Stadt und Land
immer weitere Verbreitung findef.
Es heißt:
Dulmſtadlel Tagsian
Beſtellungen nehmen an:
Die Geſchäftsſtelle, Darmſtadt,
Rheinſtraße 23 und die Agenturen
in allen Orten des Heſſenlandes
Abonnementspreis für die Zeit vom
16. bis 31. Mai Mk. 1.20 (frei Haus)

Odenwaldklub. Anläßlich ſeiner Hauptverſammlung in Wimpfen
gedenkt der Odenwaldklub einen Sonderzug 4. Klaſſe zu beantragen,
der am 1. Juni vormitkags gegen 7 Uhr Darmſtadt verläßt und an
der Bergſtraße entlang fahrend gegen 10 Uhr vormittags Wimp=
fen
erreicht. Der Zug geht nur, wenn genügende Beteiligung geſichert
iſt. Mitglieder und Freunde des Klubs, die dieſen Zug benutzen wollen,
werden gebeten, ſich bis ſpäteſtens 20. Mai bei Herrn Robert Berg=
mann
Wilhelminenſtr. 19, anzumelden. Auch für die Rückfahrt iſt
ein Sonderzug vorgeſehen, der zwiſchen 9 und 10 Uhr abends in Darm=
ſtadt
ankommen wird. Falls die Sonderfahrten zuſtande kommen, wird
Näheres durch die Preſſe bekannt gegeben.
Verein ehem, Angehöriger des Hefſiſchen Artilleriekorps, Darm=
ſtadt
. Im gutbeſuchten Perkeoſaal fand ein Familienabend ſtatt. Auch
auswärtige Kameraden waren erſchienen, darunter aus Rheinheſſen aus=
gewieſene
25er, die ſich freuten, nach langer Zeit wieder mit den
Kameraden zuſammen ſein zu können. Zum erſten Mal ſeit langem
konnte wieder eine größere Feier im Verein ſtattfinden, betonte der
Vorſitzende in ſeiner Anſprache und drückte die Hoffnung aus, daß es
jetzt wieder öfter möglich ſein werde, in größerem Kreiſe die alten Be=
ziehungen
zur pflegen; das ſei in der heutigen Zeit doppelt nötig. Nur
im Zuſammenſtehen der verſchiedenen Berufe und Anſichten auf dem
Boden partei= und politikloſer Kameradſchaft könne uns heute ein Stück
Volksgemeinſchaft erwachſen, ein Bauſtein zum geſunden Deutſchland.
Mit dem Wunſche, daß unſer Regimentsverein ein ſolcher Bauſtein
werde und einem Hoch auf unſer Vaterland ſchloß die Begrüßung. Zu
Ehrenmitgliedern wurden ernannt die älteſten Kameraden der Orts=
gruppe
: Stein, Kuhn, Eifert, Becker, Gunſt, Gernand und Wilck. Die
unermüdliche Kapelle brachte alte Märſche und Soldatenlieder zu Gehör,
Frl. Elſe Heil trug zwei von tiefer Vaterland= und Freiheitsliebe ge=
tragene
Gedichte eines oberheſſiſchen Dichters vor und Kamerad Safels=
berg
erfreute durch ſeinen köſtlichen Humor. Ein Tanz ſchloß in vor=
gerückter
Stunde den ſchönen Abend. Die nächſte Veranſtaltung iſt der
Ausflug mit Muſik nach Habitzheim zu Kam. Kopp (Deutſches Haus) am
15. Juni. Abfahrt Oſtbahnhof 1 Uhr 38 Min. nach Lengfeld. Die Ar=
tilleriekorpsblätter
Nr. 3 ſind erſchienen, die jedes zahlende Mitglied
unentgeltlich erhält. Wer ſein Blatt noch nicht erhalten hat, wende ſich
an Kamerad Zimmermann, Liebigſtraße 75.
Städtiſche Bücherhalle. Wegen Prüfung der Bücherbeſtände und
wegen Umzug, ſind alle entliehenen Bücher an den Fälligkeitsterminen
ſofort abzuliefern. Der Betrieb der Leſehalle geht unverändert weiter.

Tagung der Bibliophilen in Darmſtadt am 25. Mai. Das
Programm der Tagung hat inſofern eine Aenderung erfahren,
als der im Jagdſchloß Kranichſtein vorgeſehene Empfang durch
den Ehrenpräſidenten der Geſellſchaft Heſſiſcher Bücherfreunde,
S. K. H. den Großherzog von Heſſen, nicht am Sonntag nach=
mittag
ſtattfinden kann, ſondern am Montag nachmittag um ½5
Uhr. Damit fällt der für die Bergſtraße vorgeſehene Ausflug
aus. Am Sonntag nachmittag findet an Stelle des Empfanges
eine Beſichtigung des neu eröffneten Schloßmuſeums und der
Ausſtellung der Landesbibliothek ſtatt. Anmeldung zur Teil=
nahme
an dem im Hotel Zur Traube ſtattfindenden Frühſtück
am Sonntag um 1 Uhr und zum Feſteſſen um 8 Uhr ebendaſelbſt
ſind an die Geſchäftsſtelle der Geſellſchaft Heſſiſcher Bücher=
freunde
, Darmſtadt, Schloß, zu richten bis ſpäteſtens Mittwoch,
den 21. Mai. Spätere Anmeldungen können wegen Platzmangel
nicht mehr berückſichtigt werden.
Sonderzug DarmſtadtGroß=Zimmern am 18. Mai. Gelegent=
lich
des Bezirkstags Gabelsbergerſcher Stenogra=
phen
in Groß=Zimmern am Sonntag, den 18. Mai, fährt vormittags
8.05 Uhr ab Darmſtadt=Oſtbahnhof ein Verwaltungs=Sonderzug nach
Groß=Zimmern, deren Benutzung nicht nur den an der Tagung teil=
nehmenden
Perſonen, ſondern jedem geſtattet iſt, worauf wir bei dieſer
Gelegenheit nochmals hinweiſen möchten. Der Zug hält in Roßdorf
und Gundernhauſen. Der am Hauptbahnhof fahrplanmäßig 7.45 Uhr
vormittags abgehende Zug nach Wiebelsbach=Heubach hat Anſchluß an
dieſen Sonderzug.
Deutſch=Orden. Unter feierlichem Brauch finder Sonn=
tag
nachmittag in der Turnhalle am Woogsplatz das Ordenskapitel ſtatt.
Nur Ordensbrüder haben hierzu Zutritt. Vormittags tags das Kom=
turen
=Kapitel mit Gettesdienſt im Hauſe Treuenau. Zu erſcheinen
haben die Herren Komturen und die Herren Ehrenmeiſter des Ordens.
Chriſtl. Jugendverein, Dieburgerſtraße 26, I. Heute abend be=
ginnt
Herr Apotheker Vüetou auf vielſeitigen Wunſch der
Mitglieder mit der Auslegung der Offenbarung Johannes.
Jedermann, der einen Blick hineintun möchte in die verborgene Herrlich=
keit
und Zukunftsplänen unſeres Gottes, iſt herzlich eingeladen.
Billiardturnier im Schloß=Café. Im Schloß=Café findet
heute abend, wie bereits mitgeteilt, ein Billiardturnier zwiſchen
den beſten deutſchen Billiardmeiſtern ſtatt. Freunde des Billiard=
ſportes
ſeien beſonders darauf aufmerkſam gemacht.
Deutſcher Muttertag. Man ſchreibt uns: Wie aus dem Bundes=
blatt
Der Kinderreiche zu erſehen war, plante man im ganzen Deutſchen
Reiche am Sonntag, den 11. Mai, einen Muttertag. Wollen wir einen
erfolgreichen Aufbau deutſcher Zucht und Sitte wieder gewinnen, ſo
muß in erſter Linie unſerer Frau und Mutter wieder der Ehrenplatz
eingeräumt werden, der ihr gebührt. Leider wurde in hieſiger Stadt
dieſem Plan keine Achtung geſchenkt. Tief im Weſen des Volkes lebt
die Liebe und Verehrung unſerer Frauen. Große Laſten und Mühen
und Arbeit waren während und nach dem Kriege unſeren Frauen auf=
erlegt
, und die Erhaltung ihrer Familien legt Zeugnis davon ab. Wol=
len
wir das Verſäumte nachholen, ſo wäre der Plan, für unſere Frauen
und Mütter einen Opfertag zu veranſtalten, zu unterſtützen, und der
Erlös der Sammlung für geeignete Zwecke, in Wäſche uſw., für die in
bedürftiger Lage ſtehenden und in Betracht kommenden Mütter zu ver=
wenden
. Um dieſen Plan zu verwirklichen und das Werk zu vollbringen,
ſind hilfsbereite Hände erforderlich.
Arbeitsjubiläum. Heute ſind es 25 Jahre, daß der Schriftſetzer
Wilhelm Mohr. Darmſtadt, Ruthsſtraße Nr. 17, in der Fa. J. C.
Herbert’ſche Buchdruckerei, Nachf. Dr. Adolf Koch, tätig iſt.
Jubiläum. Obergärtner Adolf Wegerth iſt am 15. Mai
30 Jahre in den Dienſten der Firma Gebrüder Trier, Rheinſtraße 25.
90 Jahre. Nächſten Montag, 19. d. Mts., vollendet der alte
Kriegsveteran von 1866 und 1870/71, der Hofbaubeamte i. R., Herr Karl
Göſchel (Schloßgartenſtraße 15) bei guter Geſundheit und voller
Geiſtesfriſche das 30. Lebensjahr, und ſteht zu hoffen, daß er in der glei=
chen
Verfaſſung noch manchen Geburtstag erlebt.
Vom wertbeſtändigen Eiſenbahn=Notgeld der zweiten
Emiſſion ſind von den 1=, 2= und beſonders von den 5=Dollar=
Scheinen Fälſchungen im Verkehr, die auf photo=lithographiſchem
Wege hergeſtellt ſind. Die Feinheiten des Guillochen= Unter=
grundes
einſchl. des Rähmchens treten nicht wie bei den echten
Scheinen ſcharf und klar hervor, ſondern ſind ganz verſchwommen
und unſcharf, desgleichen iſt der Textaufdruck auf die gleiche
Weiſe gefälſcht und im Vergleich zur echten Note ebenfalls unklar,
dick und verſchwommen. Der rot aufgedruckte Stempel tritt faſt
gar nicht hervor. Die Numerierung iſt mittels Stempel erfolgt,
jedoch iſt die grüne Farbe zu hell. Obwohl man auf den erſten
Blick das Waſſerzeichenpapier für echt hält, iſt dieſes ebenfalls
nachgemacht, und zwar iſt das Muſter das gleiche, wie auf den
echten Scheinen, es iſt jedoch urſprünglich ein weißes Waſſer=
zeichenpapier
geweſen und iſt ſpäter nachgefärbt worden. Ferner
ſind von den ½=Dollar=Scheinen auf gelbem Papier Fälſchungen
im Umlauf, die als ſolche ſofort erkennbar ſind, wenn man ſich
das Ausſehen der echten Scheine eingeprägt hat. Der Unter=
grund
der falſchen Scheine iſt mit Hakenkreuzen verſehen, die
Unterſchriſt iſt verzerrt und der Aufdruck 2,10 Mark Gold
Ein halber Döllar iſt in kleinerer Schrift als bei den echten
Noten dargeſtellt. Sie tragen links unten die Serienbezeichnung
RH 22 oder 23. Für die Ermittelung der Fälſcher ſind Beloh=
nungen
bis zu 1000 Mark ausgeſetzt.
* Der Landtag wird in der Woche vor Pfingſten einer Einladung
der Stadt’ Wimpfen zwecks Beſichtigungen Folge leiſten.
A Merkwürdiges Zuſammentreffen von Unglücksfällen. Geſtern
nachmittag gegen 4 Uhr ereigneten ſich zu gleicher Zeit in der Heinheimer=
und Lauteſchlägerſtraße zwei bedauerliche Unglücksfälle beim Abheben
von Holz von aufgeſetzten Holzſtößen. Während in dem einen Fall ein
Schreinerlehrling einen rechten Beinbruch erlitt, zog ſich ein Wagner=
lehrling
einen ſolchen des linken Beines zu. Beide Verunglückte wur=
den
durch die Städtiſche Rettungswache nach dem Krankenhaus verbracht.

* Ausſtellung im Gewerbemuſeum.
Das Gewerbemuſeum in der Neckarſtraße birgt zurzeit eine
Ausſtellung der Staatlichen Akademie für photo=
graphiſche
Künſte und Buchgewerbe in Leipzig.
Es handelt ſich in erſter Linie um photographiſche Reproduk=
tronen
und andere Erzeugniſſe der Reproduktionstechnik. Die
Ausſtellung iſt als Ganzes genommen in doppelter Hinſicht
hochintereſſant, ſie zeigt einmal, wie hoch entwickelt die Repro=
duktionstechnit
in Deutſchland iſt, und zum anderen bringt ſie
eine Fülle von Schönheiten in der gegenſtändlichen Darſtellung,
die ſie auch vom künſtleriſchen Standpunkt außerordentlich wert=
voll
, intereſſant und ſehenswert erſcheinen läßt.
Im Oberlichtſaal hängen Reproduktionen von Einzelheiten
des Iſenheimers Alters, die vor der Ablieferung an Frankreich
angefertigt wurden und nunmehr unſere einzige, greifbare Er=
iinerung
an dieſes wundervolle Kunſtwerk bilden. Was hier die
ſiunſt des Photographen geleiftet hat die Aufnahmen ſind
ſcmtlich an Ort und Stelle, ohne beſondere Belichtung, gemacht
und ſpäter retouchiert das iſt in Wahrheit Kunſt. Es iſt
ſvohl das Vollendetſte, das die Photographie an Künſtleriſchem
geben kann. Was ſie leider nicht geben kann, iſt das wunder=
volle
Kolorit. Aber auch ohne dieſes geben dieſe photographi=
ſchen
Aufnahmen einen Einblick in das Werk, der den Be=
ſchauern
die ganze überragende Größe der Kunſt überzeugend
vermittelt. Man kann in die Einzelheiten ſich vertiefen und
kann ebenſo das Geſamtwerk auf ſich wirken kaſſen, und wird in
beiden Fällen unter dem zwingenden Eindruck der erhabenen
Kunſt Grünewalds ſtehen. Die Aufnahmen wurden von der
Reiſterklaſſe für Reproduktionstechnit des Prof. Fritz Götz in
Leipzig ausgeführt. An einem Beiſpiel wird erläutert, wie die
Originalaufnahme möglich war, und was nach entſprechender
Fetouche erreicht werden konnte.
Weitere Blätter zeigen in Kupfertiefdruckarbeiten die Wie=
dergabe
alter engliſcher Schabkunſtblätter, die eben=
falls
in der Reproduktionstechnik ſo meiſterhaft ausgeführt ſind,
daß die Unterſcheidung vom Original kaum, und nur von Sach=
berſtändigen
möglich iſt. Man ſteht vor dieſen Blättern mit
erwas gemiſchten Gefühlen. In die Bewunderung vor der tech=
hiſchen
Glanzleiſtung miſcht ſich ein gewiſſes Gefühl des Miß=
rauens
. Wenn die Reproduktion ſo täuſchend das Original
biedergibt, bis auf Schriftzeichen und Waſſer= und Stockflecke
Mit Pahier, wie ſoll man ſich da vor Fälſchungen ſchützen?

Noch mehr verſtärkt wird dieſer Eindruck und auch dieſes
Mißtrauen beim Anblick der Fakſimilelichtdrucke nach
dem Zinggſchen Stammbuch aus dem Friedrich=Auguſt=Muſeum
in Dresden. Ganz wundervoll iſt hier die zarte Duftigkeit des
Kolorits wiedergegeben. Eine Reproduktion nach Lenbachs
Bismarck iſt mit ausgeſtellt, von der glaubhaft behauptet wird,
daß Lenbach ſelbſt ſie für ſein Original hielt.
Von beſonderem Intereſſe ſind die in einem der Nebenſäle
untergebrachten außerordentlich zahlreichen Naturaufnahmen,
d. h. photographiſchen Originalaufnahmen von Prof. Frank
Eugene Smith. Smith war ehedem Künſtler, vorzüglich
Radierer und hat ſich von ſeiner Kunſt ganz der Photographie
zugewandt. In ſehr intereſſanter, künſtleriſch jedoch durchaus
nicht einwandfreier Weiſe hat Smith verſucht, die beiden Künſte
zu vereinen. Der Künſtler hat dadurch Blätter geſchaffen, die
obwohl es ſich um Photographien handelt, wie Radierungen an=
muten
. Er hat die photographiſchen Platten in dem jeweiliger
Hintergrund und teilweiſe auch in der Darſtellung mit der Ra=
diernadel
bearbeitet. Die ſo bearbeiteten Blätter liefern natur=
genäß
Abzüge von beſonderem Reiz und von ſtark künſtleriſchem
Einſchlag, ſobald das jedoch über den erlaubten Rahmen von
techniſcher Spielerei hinausgeht und die ſo hergeſtellten Blätter
als ernſthafte Kunſtwerke angeſehen werden ſollen, darf die
Kritik nicht daran vorübergehen, ohne dieſe Verbindung zwi=
ſchen
techniſcher Spielerei und künſtleriſchem Schaffen als be=
denklich
abzuſveiſen.
Abgeſehen von dieſen Einzelheiten ſind die rein photogra=
phiſchen
Blätter in dieſer umfangreichen Kollektion von außer=
ordentlicher
Schönheit und in der Auffaſſung des Dargeſtellten
durchaus vorbildlich, ſo daß man wünſchen möchte, Photo=
graphen
, die es mit ihrem Kunſthandwerk ernſt nehmen, möch=
ten
dieſe Ausſtellung intenſiv betrachten und aus ihr lernen.
Auch das Gegenſtändliche dieſer Photographien iſt von ſtarkem
Intereſſe. Smith ſtellt eine ebenſo intereſſante, wie wertvolle
Sammlung von Köpfen berühmter Perſonen aus, die ſowohl
künſtleriſch wie kulturhiſtoriſch ſtark intereſſieren, wenngleich es
ſich in erſter Linie um Münchener Perſönlichkeiten handelt. Vor=
bildlich
ſind auch die vielfach wundervollen Aktphotographien.
In einigen weiteren Vitrinen ſind Schülerarbeiten von
Smiths Meiſterklaſſe ausgeſtellt, die als Beweis dafür ange=
ſprochen
werden können, daß Smith als Lehrer unbedingt
Schule macht, und daß ſein Wirken für die Höchſtentwicklung der
photographiſchen Kunſt durchaus fruchtbar iſt.

Wir bedauern, aus räumlichen Gründen auf Einzelheiten
dieſer hochintereſſanten Ausſtellung nicht näher eingehen zu kön=
nen
, ſie verdient aber höchſte Beachtung.
M. St.
*Ein neuentdecktes Meiſterwerk Dürers
Wie bereits kurz gemeldet, iſt es dem Direktor der Wiener
Gemäldegalerie Guſtav Glück gelungen, dem ſoviel durchforſchten
Werk Dürers ein neues wundervolles Gemälde hinzuzufügen
und für ſein Muſeum zu erwerben. Der glückliche Entdecker
macht nun über dieſes hervorragende Kunſtwerk in dem von
Adolph Donath herausgegebenen Kunſtwanderer nähere Mit=
teilungen
. Es handelt ſich bei dieſem Bild, das durch die Er=
werbung
auf deutſchem Boden erhalten werden konnte, um ein
Werk erſten Ranges. Die kleine Tafel zeigt das Bruſtbild eines
jungen Mädchens auf einem tiefſchwarzen Grunde. Die Züge
der Dargeſtellten ſind einnehmend und reizvoll; beſonders fallen
die goldblonden Locken und die dunklen Augen auf; ſie trägt
ein viereckig ausgeſchnittenes, karminrotes Kleid mit tiefgrünen
Maſchen und am freien Halſe einen Schmuck aus kleinen Perlen
und Glaspaſten. Das Bild iſt nicht ganz vollendet, denn die
Maſchen links ſind nur untermalt und dem Fleiſch des Halſes
wie der Bruſt fehlen wohl die letzten Glaſuren. Dabei iſt es
aber von ganz ausgezeichneter, völlig unberührter Erhaltung
und von einer unvergleichlichen Friſche und Lebendigkeit in
Ausdruck und Empfindung. Vom rein maleriſchen Standpunkt
aus gehört es bei durchgängiger Sorgfalt der Zeichnung
zu dem Schönſten was Dürer geſchaffen hat, ſo
urteilt Glück. Mit ſeiner klaren, glänzenden Färbung ſtrahlt
es wie ein Juwel dem Beſchauer entgegen. Das Bild trägt
in der Mitte oben das bekannte Monogramm Dürers nebſt der
Jahreszahl 1505. Aus dieſem Jahr iſt ſonſt kein Gemälde des
Meiſters bekannt. Da die Dargeſtellte der Tracht nach zweifellos
eine Venezianerin iſt, muß das unſchätzbare Werk auf italie=
niſchem
Boden entſtanden ſein und gehört zu den erſten Arbei=
ten
, die Dürer auſ ſeiner zweiten italieniſchen Reiſe, die er im
Herbſt 1505 antrat, in Venedig geſchaffen hat. Von keinem der
ſpäter in Venedig gemalten Porträts wird dieſe Arbeit erreicht.
Ueberraſchend wird es immer bleiben, ſchließt der Verfaſſer,
daß Dürer gleich zu Beginn ſeiner Tätigkeit in Venedig mit
einem ſolchen Wunderwerk der Malerei auftritt. Freilich war
es ſicherlich ſeine beſtimmte Abſicht, ſich den großen Malern von
Venedig vor allem als Maler zu zeigen.

[ ][  ][ ]

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zückenden
Nenheiten.
.. . . . . . Meter

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litäten
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.. Meter
..

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Meter

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Meter

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt; Donnerstag, den 15. Maf 1924.

Rummer 135.

Karl F. Laubers Hilfswerk. Treue, tätige Liebe zu ſeinem Hei=
matland
beweiſt Herr Karl F. Lauber=Philadelphia, der als geborener
Wormſer unſerer engeren Heimat angehört. Ein Landsmann, der das
Herz auf dem rechten Fleck hat! Alle Mußezeit verwendet er auf das
von ihm begründete Hilfswerk, das alle Monate dem Deutſchen Zen=
tralausſchuß
für Auslandshilfe in Berlin Geldbeträge zur Linderung holten Male Anſchlagkaſten für amtliche Bekanntmachungen durch
der Not in der alten Heimat zur Verfügung ſtellt. Im März d. Js.
wurden ſo 1155 Dollar nach Deutſchland überwieſen. Eine deutſch=
amerikaniſche
Zeitung veröffentlichte eine lange Liſte von Spendern, die
auch über das Emtfinden echter Menſchlichkeit und über die Anhänglich=
Dr. G.
keit, die alle der alten Heimat bewahrt haben!
Arbefter=Samariterkolonne Darmſtadt. Am kommenden Sonn=
tag
, den 18. Mai, hält die Arbeiter=Samariterkolonne Darmſtadt ihre ſyſtem ſtehen wie man will aufs ſchärfſte zu verurteilen und würde
heim, Alexanderſtraße (Infanteriekaſerne). Es nehmen daran teil 20
männliche und 7 weibliche Perſonen. Wir laden alle Intereſſenten hierzu
höflichſt ein.
Darmſtadt wird demnächſt neu aufgelegt. Die Vorarbeiten hierzu wer=
den
am 1. Juni d. Js. abgeſchloſſen . Bis dahin ſind Aenderungen der Michelſtadt.
Eintragungen bei der zuſtändigen Fernſprechvermittelugsſtelle anzu=
melden
. Die Gebühren für die koſtenpflichtigen Eintragungen in das
Fernſprechbuch ſind vom 1. Juni ab fällig. Sollen gebührenpflichtige
Eintragungen der jetzigen Auflage nicht in das neue Buch übergehen, fo
iſt ihr Wegfall oder ihre Aenderung ſpäteſtens bis zum 1. Juni zu be= ſofort an Ort und Stelle.
antragen. Andernfalls werden ſie in die neue Auflage gegen Erhebung
der beſtimmungsmäßigen Gebühr übernommen (vgl. 8 14 der Fernſprech=
ordnung
vom 21. Dezember 1922 und Verordnung zur Aenderung der
Fernſprechordnung vom 1. Dezember 1923).
Beziuksſchöffengericht. Die Vorfälle vom 20. Oktober 1923 führten
eine Reihe von Perſonen auf die Anklagebank wegen Aufruhrs, Wider=
ſtands
gegen die Staatsgewalt, Bedrohung und Beleidigung. Polizei=
wachtmeiſter
Schumann und Schäfer ſchilderten eingehend den Anfang
der Bewegung, Oberleutnant Judith gab ein Bild, beginnend mit dem
Moment des Eingreifens des im Auto herangeeilten 12 Mann ſtarken
Ueberfallkommandos, von der Feſtnahme der Rädelsführer Schmitt und
Richard, es wurde mit Steinen geworſen, Bluthunde gerufen und ge=
johlt
. Judith ließ der Inſtruktion entgegen, die nur einmal
Schreckſchüſſe vorſchreibt wiederholt ſolche abgeben. Die Menge
drängte aber immer wieder vor, bis er nur ungern auf die Volks=
genoſſen
ſchießen ließ. In dieſem Moment kam dann Verſtärkung. Die
Verladung der Widerſtand Leiſtenden ins Auto erläuterte Wachtmeiſter
Zehfuß. Der Strafantrag geht: wegen Widerſtands. Auflaufs, Beleidi=
gung
, Bedrohung auf Geldſtrafen, in einem Fall (Wilh. Hühner) wegen
im Geſchäft L. Hein begangener Unterſchlagung auf 2 Monate Gefäng=
nis
, gegen Ph. Schmitt beim Mangel des Nachweiſes jeder ſtrafbaren
Handlung (obwohl Schmitt moraliſch verantwortlich erſcheint) auf Frei=
ſprechung
. Urteil: gegen Schmitt Freiſprechung, gegen
Richard Geldſtrafe von 80 Mark, gegen Löchel Geldſtuafe von 80
Mark, gegen Thier 40 und 80 Mark Geldſtrafe, gegen Reibſtein.
80 Mark Geldſtrafe, gegen Bajus 80 und 100 Mark Geldſtrafe, gegen
Hövelmann 80 Mark Geldſtrafe, gegen Guſt. Hübner 60 Mark
Geldſtrafe, gegen Wilh. Hübner 6 Wochen Gefängnis, wegen Auf=
laufs
erfolgt Freiſprechung.
Lokale Veranſtaltungen.
Die bierunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchließlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu betrachten,
in keinem Falle irgendwie als Beſprechung oder Kritil.
Reichsbund der Kriegsbeſchädigten und Hin=
terbliebenen
, Ortsgruppe Darmſtadt. Unſeren Mitgliedern zur
Nachricht, daß der gemeinſame Spaziergang am Sonntag, den 18. Mai,
nach Nieder=Ramſtadt (Gaſthaus zur Poſt) ſtattfindet. Gemeinſamer
Abmarſch mit Muſik 2 Uhr ab Böllenfalltor. Für Schwerbeinbeſchädigte
Abfahrt um 3 Uhr ab Tierbrunnen am Friedhof. Familienmitglieder
uſw. iſt geſorgt. Gemeinſamer Rückmarſch mit Fackelzug bei Eintritt
der Dunkelheit. Es wird um zahlreiche Teilnahme gebeten.
Die Freireligiöſe Gemeinde Darmſtadt unter=
nach
dem Otzberg und Lengfeld.
Reichsbund der Kinderreichen zum Schutz der Familie
E. V., Ortsgruppe Darmſtadt. Wie wir von dem Bunde der Kinder=
reichen
erfahren, wird in der nächſten Monatsverſammlung Herr Rudolf
Kindt dem Bunde einen Lichtbildervortrag über Südweſtafrika halten.
Durch die großen Erfahrungen und den 24jährigen Aufenthalt des Herrn wurde, und das Erſcheinen der Wehr von Nierſtein in Guntersblum
Kindt in Afrika wird dieſer Herr im Vortrage ſeiner Lichtbilder die An=
weſenden
in ſpannender Weiſe zu feſſeln wiſſen. Als Termin der Vey= in Guntersblum eine freiwillige Feuerwehr gebildet, deren Mannſchaft
ſammlung iſt Freitag, der 23. Mai, feſtgeſetzt.

Parlameniariſches.

* Der Finanzausſchuß erklärte die Vorſtellung des Auf=
ſichtsrats
der Gewerbeſchule in Friedberg wegen ſtaatlichen Zuſchuſſes
für erledigt. Die Vorſtellungen des Profeſſors Eberhardt in Offenbach,
in der er einer Angliederung der gewerblichen und kunſtgewerblichen
Schulen an das Landesamt für Bildungsweſen entgegentritt, wurden
zurückgeſtellt. Ebenſo die Vorſtellungen des Direktors Tölg an der
Baugeſverkſchule zu Bingen wegen Einſtufung in die Gruppe 12. Zwei
Anträge des Abg. Dr. Oſann auf Herabſetzung der Vorleſungsgebühren
wurden für erledigt erklärt. Ebenſo der Antrag des Abg. Dr. Werner,
der einſchneidende Beſtimmungen gegen die Ausländer an den heſſiſchen
Hochſchulen forderte. Angenommen wurde ferner einſtimmig ein An=
trag
des Abg. Dr. Werner, in der die Regierung erſucht wird, eine Ab=
änderung
des Miniſter=Ruhegehaltsgeſetzes, etwa im Sinne der Beſtim=
mungen
in anderen Ländern, in die Wege zu leiten. Der Antrag des
Abg. Ebner auf Rückerſtattung von Privateigentum, das im November
nach der Auflöſung der Kommuniſtiſchen Partei beſchlagnahmt worden
war, wurde zurückgeſtellt. Der Antrag des Abg. Herbert auf beſchleu=
nigte
Auszahlung von Lohn und Gehalt wurde angenommen; ebenſo
der Antrag des Abg. Storck auf Neuregelung der Beſoldungsordnung
unter Zugrundelegung einer Spannung von etwa 10 Proz, von Gruppe
zu Gruppe. Schließlich fand die Regierungsvorlage, betreffend die
Dienſtaufwandsentſchädigung für die Beamten der Kriminal= und Spe=
zialpolizei
Annahme. Der Ausſchuß beſchloß einſtimmig, die von der
Negierung auf 12 Mk. vorgeſehene Entſchädigung auf 20 Mk. monatlich
zu erhöhen und ſie auf alle auch die vorübergehend und kommiſſariſch
in dieſem Dienſt tätigen Beamten auszudehnen. Die ſeither den Be=
amten
der blauen Polizei über das Maß der normalen Arbeit hinaus=
gehenden
Dienſtleiſtungen gewährte Sonderzulage ſoll in Zukunft unter
den gleichen Vorausſetzungen an die Gendarmeriebeamten gegeben wer=
den
. Fortſetzung Donnerstag: Beratung des Voranſchlags.

Aus Heſſen.

* Ober=Ramſtadt, 14. Mai. Sonntag Nacht wurden zum wieder=
Bubenhände demoliert. Ganz beſonders abgeſehen hat man es da
auf den Ecke Darmſtädter= und Ernſt=Ludwigſtraße aufgehängten Kaſten,
deſſen Verſchluß gewaltſam geöffnet und die ausgehängten Bekanntmach=
Herrn Lauber bei ſeinem Werke unterſtützen, Freuen wir uns vor allem ungen herausgeriſſen und zerſtreut wurden. Trotz der ausgeſchriebenen
Belohnung von 500 Goldmark konnte ein Täter noch nicht ermittelt wver=
den
. Solche Roheitsakte die ſtets nicht unbedeurende Wiederherſtel=
lungskoſten
verurſachen, ſind mag man zu dem Veröffentlichungs=
die
Einwohnerſchaft gut tun, in ihrem eigenen Intereſſe an der Nam=
erſte
Prüfung ab. Sie beginnt pünktlich um 2 Uhr im Jugend= haftmachung der Täter und beſonders auch der Verhinderung weiterer
ſolcher Bubenſtreiche, nach beſten Kräften mitzuhelfen.
Michelſtadt, 14. Mai. Rathausbeleuchtung. Wie wir
erfahren, findet an Pfingſten 1924 die ſeit ihrer Schaffung von Tauſen=
Das amtliche Fernſprechbuch für den Oberpoſtdirektionsbezirk den beſuchte, künſtleriſche Rathausbeleuchtung wiederum ſtatt. Wegen
der Beſchaffung von Quartieren wende man ſich an den Verkehrsverein
O Aus dem Odenwald, 13. Mai. Auf dem Geiersberg am Rand=
wege
nach Lützelſachſen zu wurde heute an einem Eichbaum ein Mann
erhängt aufgefunden. Nach den bei der Leiche gefundenen Papieren
ſtammt der Mann aus dem Taunus. Eine Gerichtskommiſſion begab ſich
Heppenheim, 14. Mai. Herr Poſtmeiſter Fritz Glenz iſt rück=
wirkend
vom 1. April ab zum Oberpoſtmeiſter befördert worden.
* Vöckelsbach i. O., 13. Mai. Die Verhandlung gegen den Land=
wirt
Georg Keck aus Weinheim, wegen Ermordung ſeiner Geliebten,
des Dienſtmädchens Eliſabeth Kadel aus Vöckelsbach, iſt auf Montag,
den 19. Mai, vor dem Mannheimer Schwurgericht anberaumt.
Weiterſtadt, 14. Mai. Die Sängervereinigung Wei=
terſtadt
veranſtaltete einen Theaterabend, bei welchem die Operette
Verliebte Leute aufgeführt wurde. Die Einſtudierung erfolgte durch
Herrn Lehrer Köppel und die muſikaliſche Leitung lag in den Hän=
den
des Herrn Döring=Groß=Gerau, der es verſtand, die Spieler
in nicht ganz zwei Proben derart an ſein Orcheſter zu gewöhnen, daß
die Operette eine ſehr gute Wiedergabe fand. Die Nollenverteilung
wurde durch den Vorſtand auf das glücklichſte gewählt. So ſpielte Herr
Adam Hahn den Grafen Arno v. Lesko. Herr Hahn iſt den Weiter=
ſtädtern
als temperamentvoller Darſteller bereits bekannt. Seine Part=
nerin
Frl. Gretel Wannemacher, die die Comteß Gertrud ſpielte, gewann
durch ihre wunderbare Altſtimme allſeits großen Beifall. Baron Erich
v. Uchſee, geſpielt von Herrn Chr. Bergmann, war ſehr gut. Lydela
Gu, geſpielt von Frl. Elſe Linnert, ein Neuling auf der Bühne,
erregte durch ihr feſches und wackeres Auftreten allſeits Bewunderung.
Laſt not leaſt Euſebius Nudelmeier, ein Kriegsgewinnler geſpielt von
Herr Ph. Hahn. Daß er ſeine Rolle gut ſpielt, war den Weiterſtädtern
von vornherein bekannt. Von den übrigen Perſonen konnten noch ge=
fallen
Frl. Grete und Johanna Friedrich, die die Gräfin von Bünau reſp=
Thusnelda Morgenröthe ſpielten, und der Afſeſſor v. Düſſen, geſpielt
von Herrn Adam Meinhardt. Ein aus mehreren Herren beſtehender
Chor und eine Anzahl Tänzerinnen halfen das Stück verſchönern.
* Langen, 11. Mai. Seit längerer Zeit ſchweben Verhandlungen
zwecks Einführung von Elektrizität hierſelbſt. Jetzt iſt die
Sache ſo weit gediehen, daß die Gemeinde an die Ueberlandzentrale
Offenbach, deren Leitung nach Egelsbach durch hieſige Gemarkung
führt, anſchließt. Die Abnehmer zahlen der Gemeinde für Ausbau des
Ortsnetzes darlehensweiſe je 50 Goldmark, wonach Zuleitung bis zur
Panzerführung erfolgt. Der älteſte Geſangverein unſeres Städtchens,
der 1839 gegründete Liederkranz, feiert nächſten Samstag ſein
85jähriges Beſtehen mit Ehrung der Jubilare (drei 50jähr. und ſechs
25jähr. Mitgliedſchaft). Die Geſangsabteilung des Sportvereins
können nicht gefahren werden. Für Ueberraſchungen, Kinderpolonaiſe 1862 beteiligt ſich am Sonntag mit 180 Sängern am Geſangswettſtreit
in Offenbach am Main.
ch. Nierſtein, 11. Mai. Einen Akt freundſchaftlichen Einvernehmens
leiſteten ſich die beiden Freiwilligen Feuerwehren Nierſtein
nimmt am Sonntag, 18. Mgi, eine Tageswvanderung. Abfahrt ab Oſt= und Guntersblum. Den Grund hierzu legte die Wehr von Nierſtein
bahnhof früh 6.05 Uhr bis Höchſt; von da über Neuſtadt, Breuberg, vor nunmehr zwvei Jahren in Guntersblum, bis zu welchem Zeitpunkt
es dort nicht gelungen war, eine freiwillige Feuerwehr zu bilden.
Zwiſchen einigen Intereſſenten von G. und dem Kommando der Wehr
von Nierſtein war damals vereinbart, die Wehr von Nierſtein als
Propagandamittel nach G. zu ſenden, was auch unter klingendem Spiel
der eigenen Muſikkapelle der N. Wehr an einem Sonntag ausgeführt
hatte ſeinen Zweck nicht verfehlt. Schon nach wenigen Tagen hat ſich
durch Uebung und Sichangelegenſeinlaſſen, treu dem Wahlſpruch: Gott
zur Ehr, dem Nächſten zur Wehr keiner anderen Wehr zu=
rückſteht
. Zum Dank erſtattete nun heute die junge Wehr der Nier=
ſteiner
einen Gegenbeſuch ab. In Nierſtein um 4 Uhr nachmittags ein=
getroffen
, wurde ſie von der Schweſterwehr am Bahnhof empfangen
und wiederum mit klingenden Märſchen ging es durch die Ortsſtraßen
von Nierſtein nach dem Saale des Rheinhotels, wo man bis zum letzten
Zug abends in aller Gemütlichkeit bei etwas Tanz zuſammenblieb.
Durch gegenſeitige Begrüßungen der Kommandos und verſchiedene:
andere gegenſeitige Ausſprachen wurden die Banden zweier Wehren
noch enger verknupft, und ſo gewann jeder die Ueberzeugung, daß der
heutige Sonntag den Mannſchaften ſowohl als auch den Führern beider
Wehren ein Gedenktag bleiben wird.
ch. Nierſtein, 12. Mai. Zu einer Verſammlung fanden ſich hier faſt
ſämtliche Hebammen im Kreiſe Oppenheim zuſammen. Angelockt durch
die von Zeit zu Zeit ſtattfindenden Beſprechungen und lehrreichen Vor=
träge
auf dem Gebiet des Welterblickens waren faſt alle, die die Ein=
ladung
der Vorſitzenden Frau Döß=Nierſtein erhielten, erſchienen.
Nachdem die Vorſitzende Frau Döß alle Erſchienenen begrüßt hatte,
legte Herr Frauenarzt Dr. Vohr=Mainz in eingehenden und wirkungs=
dar
. Auch Herr Medizinalrat Dr. Stigell=Oppenheim, als beamteter
Arzt im Kreiſe Oppenheim, ſprach in ley-reichen Worten über das Heb=
wärmſter
Dank ausgeſprochen.
Millionen Rentenmark erhalten wir

möbel, Teppiche und Gardinen vor Zerſtörung bewahren durch das
altbewährte Mottenſchutzmittel
(1.5972
Dr. Weinreichs Mottenäther.

In Apoth. und Drogerien erhältlich. Pharmakon A.=G., Frankfurt a. M.

* Das Kurtheater in Bad=Nauheim.

Sommertheater, insbeſondere in Kurorten, gelten als Unterhaltungs=
ſtätten
, die der Sucht, der Sehnſucht nach Zerſtreuung ganz beſonders
Rechnung tragen müſſen. Wenn das Queckſilber des Thermometers
emporklettert, erſchlafft das Verlangen nach ſchweren und wuchtigen
Problemen. Für den Erholungsbedürftigen, der ſich auf den Wellen
heiterer Ferienfreunden dahintreiben läßt, vor allem aber für den Bade=
gaſt
iſt Kunſt kein kategoriſcher Imperativ, ſondern ein freundliches
Ornament.
Wenn die von Defizitpſychoſe gedrückten Theaterpolitiker der Som=
merbühnen
ſich vielfach durch den Verſchleiß ſeichter Allerweltsware als
geſchäftstüchtige Interpreten der Wünſche eines geneigten Publikums
betrachten, ſo liegt in dieſem Qualitätsverzicht doch eine Unterſchätzung
der Theaterbeſucher. Klaſſiſche Gegenzeugen für ſommerliche Erfolge
künſtleriſch fruchtbarer Arbeit in der Großſtadt ſind z. B. das Münchener
Prinzregenten= und Künſtlertheater. Unter unſeren großen Bädern iſt
der Theaterbetrieb in Bad=Nauheim ein charakteriſtiſcher Beweis,
wie Mut im Künſtleriſchen der beſte Teil der Vorſicht im Geſchäftlichen
iſt. Behutſames Verſtändnis für die örtliche Situation und ihre Be=
ſonderheiten
, ſowie künſtleriſches Verantworkungsgefühl haben hier ein
Unterhaltungstheater im beſten Sinne geſchaffen, bei denen die Gold=
wage
der Kunſt auch Karate nicht vermiſſen läßt. Eine Schaubühne der
Lebensbejahung, die zur Unterſtützung der Heilfaktoren den Kurgaſt
vom Alltag abrückt, die aber über die Notwendigkeit der Zerſtreuung
auch die der Sammlung nicht vergißt. Dieſes Programm unterſchätzt
durchaus nicht den berühmten Grundſatz, der das Langweilige als das
einzig verbotene Genre erklärt und zollt daher auch der leichten Muſe
in Wort und Ton den Tribut. Als Gegengewicht gegen Verflachung,
Verwäſſerung und phyſiognomieloſe Einſeitigkeit erſcheint aber in ge=
ſchickter
Abwechflung ein Hauptmann, Schönherr, Bförnſon und Art=
derwandtes
. Kurtheater ſind keine Stätten für Experimente und Pre=
mierenkämpfe
. Ein Blick in die Repertoirezettel Bad=Nauheims zeigt
aber, daß neben mit Treue bewahrtem Klaſſiſchen und Wohlerprobtem
zeitgenöſſiſche Neuheiten in keiner Weiſe vernachläſſigt werden.
Im Intereſſe des unſtillbaren Bedürfniſſes nach tondramatiſchen
Darbietungen und im Hinblick auf den internationalen Beſuch hatte
Bad=Nauheim auch den ſeltenen Wagmut, durch die Pflege der Oper
dieſer koſtſpieligſten und umſtändlichſten Gattung, dem Spielplan ein
beſonders charakteriſtiſches Profil zu geben. Sehr begünſtigt wird dieſes
über den landesüblichen Ehrgeiz eines Kurtheaters weit hinausgehende
Streben durch die ſehr günſtige Verkehrslage Bau=Nauheims in der
Nähe von Frankfurt a. M., Wiesbaden und Darmſtadt, die regelmäßige
Enfemble=Gaſtſpiele ermöglicht, von weit höherem künſtleriſchem Wert
als bloße Star=Paraden. So konnte in der freundlichen Bäder= und
Gartenſtadt vor den Toren künſtleriſcher Brennpunkte von Südweſt=
deutſchland
, im Juni 1923 die neue Opern= und Konzerthausbühne mit
den Meiſterſingern in einer hochſtehenden Aufführung eröffnet wer=
den
, der dann andere Werke deutſcher Großmeiſter, ältere und neue
Italiener uſw. folgten. Denn Energie und Initiative haben Bad= Nau=
heim
die ſehr glückliche Verfügungsmöglichkeit über zwei Bühnen
gegeben. Das Kleine Haus, intim umhegend, ſtellt raſch den Kontakt
für Schau= und Luſtſpielſtimmungen her. Das Große Haus mit der für
ein Kurtheater wohl einzigartigen Zahl von 1500 Plätzen, würde in
ſeiner architektoniſchen Eigenart und geſchmacklichen Aufmachung den
Herzenswunſch eines bekannten Berliner Theaterleiters erfüllen: Ich
möchte ein Theater, das wie der Saal eines Schloſſes wirkt. In dem
nicht nur die ganze Bühne, ſondern auch der ganze Zuſchauerraum zu
überblicken iſt. In dem zarte Farben fröhliche Menſchen feſtlich um=
rahmen
.
Die Opernbühne wird am 15. Mai ds. Js. mit einem Gaſtſpiel des
Frankfurter Enſembles eröffnet. Beſondere Veranſtaltungen werden im
Laufe der Spielzeit vor allem Beethoven, Richard Strauß und Eugen
DAlbert gewidmet ſein. Für die Durchführung der künſtleriſchen Pläne
dieſes Jahres iſt die Vermehrung des Orcheſters auf 70 Mitglieder
von wertvollſter Bedeutung. Die Schauſpielbühne beginnt mit regel=
mäßigen
Aufführungen am 12. Mai. Hier konnte die Ergänzung des
Perſonals in der für den Spielplan erwünſchten Weiſe vorgenommen
werden.
Eine kluge Kunſtpolitik, unterſtützt durch die günſtigen Vorbedin=
gungen
, erheben die Bühne Bad=Nauheims über die Enge und Un=
beträchtlichkeit
der meiſten Kurtheater. Das Verhältnis zur Bühnenkunſt
iſt hier kein bloßes Brieſtaſchenverhältnis. Entſprechend der traditio=
nellen
allgemeinen Einſtellung des Staatsbades iſt die Kunſt hier keine
rein kommerzielle Angelegenheit, ſondern das Geſchäft ſteht hier im
Dienſte des Theaters. Künſtleriſche Energie und äußerſte wirtſchaft=
liche
Vorſicht haben den Theaterbetrieb in Bad=Nauheim durch die
ſchwierige Inflationszeit balanzieren können. Die Stabiliſierung der
wirtſchaftlichen Verhältniſſe hat der ungeheueren Steigerung der Koſten
jetzt einigermaßen Einhalt getan und ermöglicht wieder einen klaren
Ueberblick über den Etat. Damit iſt die wirtſchaftliche Grundlage für
ein weiteres tapferes Ausſchreiten auf der künſtleriſchen Bahn gegeben
und die Hoffnung auf reiche Früchte der jetzigen Spielzeit. Reife Ein
ſicht und klares Zielbewußtſein ſtreben hier, nach der Erfüllung der
ſchwierigen Aufgabe den mannigfachen Neigungen und Wünſchen des
Publikums aller Stämme und Schichten Deutſchlands Rechnung zu
tragen und zugleich den Erforderniſſen des internationalen Fremden=
verkehrs
, der die Bühnenbretter hier ganz beſonders zur völkerverbin=
denden
Brücke werden läßt.
B.

Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlſchungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion keinerſei Ver=
antwortung
; für ſie bleibt auf Grund des 5 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfange
der Einſender verantworilich.) Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nicht
zurückgeſandt, die Ablehnung nicht begrüudet werden.
Mit Recht hat die Regelung der Heſſiſchen ſtaatlichen Grundſteuer
vollen Worten die Fortſchritte und alles Weſentliche der Geburtshilfe vom bebauten Grundbeſitz für das Rechnungsjahr 1924 in den Kreiſen
der Bewohner Beunruhigung und Entrüſtung hervorgerufen, beſonders
aber die Regelung der ſtädtiſchen Grundſteuer 66 Goldpfennig von je
ammenweſen. Den beiden Herren wurde dann von den Intereſſentinnen 100 Mark). In ihrer Höhe ſtehen beide Steuern in ganz Deutſchland,
ſoweit bekannt, unerreicht da. Ich möchte einmal mit der Frage an
die Oeffentlichkeit, ſowie auch an diejenige Stelle, an der dieſe ungerech=
ten
hohen Steuern geboren werden, herantreten, wie ein Arbeiter oder
Beamter dieſe enormen Beträge aufbringen ſoll? Ein verheirateter
dem Volksvermögen, wenn wir unſere teueren Kleider, Pelze, Polſter= Arbeiter oder Beamter der Gruppe II uſw. verdient z. Zt. monatlich,
wenn er Glück hat, 80 Mark netto. Mit dieſem Geld ſoll er ſeine Fa=
milie
(45 Perſonen) ernähren. Miete, Gas, Schulgeld und dergleichen
beſtreiten und nun auch noch dieſe ganz enormen Steuerbeträgel. Ab=
hilfe
tut dringend Not und ſollte Pflicht des Staates ſein, bevor
zu ſpät iſt.

Darmstadt

NAOR
Walenhads
Guggenhein Bin 2 Marz
(6320)
Markt 7

[ ][  ][ ]

Rummer 135.

Königsbeſuch beim Völkerbunde.
Von unſerem Korreſpondenten.
Genf, Mitte Mai.
Ja, es gibt noch Könige in der Welt . . . Und es finden
noch hier und da zeremonielle Majeſtätenempfänge ſtatt:.
Nur ſind ſie ſo ſelten geworden, daß ſie heute auf die Zuſchauer
etwa wie Vorführungen eines hiſtoriſchen Prunkfilmes wirken.
Namentlich auf diejenigen, welche die Revolutionen in Rußland
und Deutſchland in allzu greifbarer Nähe mitgemacht haben:
man hat ſo viel Größen ſtürzen ſehen und ihren menſchlichen
Jammer ſo unmittelbar erlebt, daß es nun ſchwer fällt, an die
Gegenwärtigkeit von Etiquette, höfiſchem Zeremoniell, ja, ſelbſt
das Daſein gekrönter Häupter zu glauben. Beſonders wenn
dieſe ſich in einer umgebung zeigen, in der jedes kleinſte Detail
von einem neuen Zeitgeiſt und revolutionären Umwandlungen
ſpricht ...
So haftete denn auch dem Genfer Beſuch des rumäniſchen
Herrſcherpaares, trotz aller demokratiſchen Geſten, etwas unſag=
lich
Unzeitgemäßes und Starres an. Da ſieht man auf dem
Bahnhof, inmitten der wartenden Honorationen, den bekannten
Sozialiſten und Leiter des Internationalen Arbeitsamts Albert
Thomas in ſteifem Gehrock bürgerlichem Zylinder und mit
würdevoll=aufgeſetzter Empfangsphyſiognonie‟. Neben ihm
eine überaus elegante Dame, welche einen wundervollen,
wahrſcheinlich für die Königin beſtimmten Roſenſtrauß in Häu=
den
hält. Dieſe pariſeriſch=ſchicke Erſcheinung iſt Madame Al=
bert
Thomas . .. (Auf Chre da ſah meine Freundin
Madame Trotzki dennoch proletariſcher aus!)
Der Zug naht der Hofzug des Königs von Rumänien,
beſtehend aus 10 Waggons. Wie ſtets bei Ankunft eines Königs=
zuges
ſo ſpringt auch hier als erſter ein Lakei mit einem über
den Arm geworfenen Generalsmantel aus dem Zuge Und
dann in bunter Menge: Kuriere, Offiziere, Generäle, Miniſter,
Hoſchargen, Hofdamen uſw. Rumäniſche Prachtentfaltung
Endlich erſcheint das nach den Photographien bekannte,
freundlich lächelnde Geſicht des Königs, der eine mit Orden .
überſäte Huſarenuniform trägt. Und da iſt auch die Königin
ſchön, elegant und majeſtätiſch, eine prachtvolle Perlenſchnur
am Halſe. Hinter der Königin zwei Hofdamen; eine dicke und
häßliche und eine ſchlanke und ſchöne, beide in geſchmackvollen
Toiletten. Dann überreicht Madame Thomas der Königin den
bewußten Roſenſtrauß, und auch ſonſt verläuft alles
programmatiſch. Bis ſich ſchließlich eine endloſe Reihe von
Autos nach der Stadt zu in Bewegung ſetzt. Dieſes Bild ſieht
etwas nüchtern aus, denn Autos paſſen eigentlich ſchlecht zu
den tänzelnden Staatsſchimmeln doch unvergleichlich wirkungs= d
voller ... Doch die republikaniſche Bevölkerung des Genfer
Kantons brüllt trotzdem Vivat und freut ſich kindiſch über das und Logen am deutſchen Menſchentum. Sie wirken für ernſte Sittlichkeit,
vorgeſchlagen hatte, ein Mutiger ſolle, (wie einſt Floquet dem
Zaren nive 1a Pologne zugerufen hatte dem König recht laſſen. Das ſind ihnen die Eck= und Grundpfeiler des deutſchen Baues,
deutlich in die Ohren ſchreien vine l1a Bessarabie russe!, be=
folgt
klugerweiſe niemand dieſen taktloſen Nat. Die Genfer nationale Aufgabe iſt.
haben einen beſſeren Geſchmack; die hübſche Königin macht auf
ſie einen ſtärkeren Eindruck, als die ſchönen Augen der Bolſche=
wiſten
und ſie rufen freudig: rire la reine, nire 1a reine! Hypothekenmakler e. V. würde am verfloſſenen Samstag und Sonntag
Die Empfangszeremonie im Völkerbundsgebäude findet auf
der berühmten, hiſtoriſchen Veranda ſtatt; das Glashaus am abgehalten. Herr Hugo Kupper hieß im Namen der Mannheimer Ver=
Genfer See, wo der Völkerbundsrat all ſeine bisherigen glück= einigung die Erſchienenen herzlich willkommen, insbeſondere Bezirks=
lichen
und unglücklichen Beſchlüſſe gefaßt hatte, wo Salandra
haus ſitzeſt wirf nicht mit Steinen um dich . .". Daß nun furt a. M. hielt einen ausgezeichneten Vortrag über ſchwebende Berufs=
König Ferdinand, imn Hinblick auf ein eventuelles Mißverſtänd= tagesfragen, der einen genauen Einblick in die Verhältniſſe gewährte.
nis mit Rußland, auf den Olymp des Völkerbundes ſteigt, um die ſich im Maklerberuf herausgebildet haben. Der Redner vertritt den
von hier aus laut der Welt Numäniens Friedensliebe zu ver= Standpunkt, daß ſich der organiſierte Makler vor allem ſelbſt hefen muß.
künden iſt ſicher nicht ungeſchickt .. .
jeden ein Thron errichtet iſt. Und noch ein dritter für Sir Vortrage folgte, dankte Amtmann Lafontäne für die Einladung im
Erie Drummond, für den Völkerbund, für die Majeſtät des Namen der ſtaatlichen Behörden. Herr Joſeph Gehrig vertrat, den
Friedens. . . Ein merkwürdiges Schauſpiel entwickelt ſich: Standpunkt, daß die Organiſation dafür ſorgen müſſe, daß der Makler=
1 zuerſt ſitzen ſie alle drei auf ihren Thronen und ſchweigen. Dann ſtand aus der Gewerbeordnung herausgenommen werde. Herr Theodor
erhebt ſich Sir Eric. Der typiſche Engländer, deſſen eine Kör= Schuler bezeichnete jeden Matſer, der unter Tarif arbeitet, als gemein=
verhälfte
aus Verlegenheit und die andere aus Sportdemokra=
tismus
beſteht: die Stimme ſtottert verwirrt und in der rech= ungen zur Schaffung eines Schiedsgerichtshofes ſeien zu begrüßen, denn
ten Hand zittert die Begrüßungsadreſſe, aber die linke Hand nur durch ein Ehrengericht werde die Ausmerzung aller unlauteren Ele=
ſteckt
in der Hoſentaſche und die engliſche Sprache klingt auch mente erreicht. Nach kurzer Pauſe ſprach Herr Julius Hatry über
bei Stotterern ſelbſtbewußt und frei. Sir Etie ſagt Tour, die Tariffragen die ſchon Herr Levi, angeſchnitten hatte. Im An=
IMgiesties, aber es klingt ſo, als würde er ſagen Uy dear ſchluß an die Verhandlungen vereinigten ſich die Teilnehmer an der
old kelloms Und ſo haben es auch alle verſtanden, denn der Tagung mit ihren Damen zu einem Abendeſſen. Der zweite Verhand=
Völkerbund ſprach ja ur zu Numänien zu einem ſeiner lungstag war interner Natur.
Kinder ..
Hiernach ſteht der König auf. Er neſtelt nervös an einer
im Auge. Dann langt die Hand in die Seitentaſche der reich= entkommen. Mit großer Gewandtheit ging ein Faſſadenkletterer vor,
beſtickten Huſarenattila und holt ein zuſammengelegtes Blatt, der die lettiſche Geſandtſchaft heimſuchte. Deren Näume liegen im zwei=
Papier hervor, umſtändlich wird es auseinander gefaltet, zus Tiergartendiertel. Ein unbekannter Einbrecher kletterte hier mit un=
Sprache, mit ſtark deutſchem Akzent.
des Ideals der Humanität und der Gerechtigkeit geſichert werde, mando eintraf, war er bezeits verſchwunden, wie die Feſtſtellungen er=
Wohl hatten tags zuvor zum Thema Rumänien und Völker=
bund
die Basker Nachrichten bemerkt: Nönig Ferdinand wertvollen Sachen, die darin ſtanden, etwas mitzunehmen. Die Eile hat
und Königin Mary haben den Boden eines Landes betreten, ihn wohl daran gehindert. Mehr Erfolg hatte ein Faſſadenkletterer
das Rumänien Sympathie und Intereſſe entgegenbringt. Frei= einige Tage vorher bei einem Arzt in der Königin=Auguſtaſtraße gehabt.
lich nicht immer erfreuliches Intereſſe!. Wir Schweizer ſind vor= Hier hatte er einen größeren Poſten ſeidener Damenwäſche und fünf
wiegend Proteſtanten oder römiſche Katholiken und ſind des= belgiſche 1000=FrankNoten erbeutet.
halb ſehr betrübt über die Bedrängniſſe, ja Verfolgungen, die
unſere Glaubensgenoſſen in den neuen Gebietsteilen Numä=
niens
, namentlich in Siebenbürgen, auszuſtehen haben. Und tal ereignete ſich ein ſchwerer Unglücksfall Als der Betriebsführer
die Sprache von zwei Dritteln unſeres Volkes iſt die deutſche. Suchsland mit einer Karbidlampe in den Schacht einfuhr, ereignete ſich
Deshalb nehmen wir die unabläſſigen Verſuche Rumäniens, ſei= plötzlich eine heftige Exploſion. Die Kleider des Betriebsführers ſtan=
uien
deutſch=ſtämmigen Untertanen ihr uraltes Sprachgut zu den ſofort in hellen Flammen. Suchsland erlitt ſo ſchwere Brandwun=
rauben
, ſehr ernſt. und die Schweiz iſt Mitglied des Völker= den, daß er kurze Zeit darauf ſtarb. Als die Ehefrau des Verunglückten
bundes. Deshalb empfindet ſte es, ſchwer, wenn Sie immer von dem Vorfall benachrichtigt wurde, griff ſie zum Nevolver und erſchoß
wieder hören muß, wie Rumänien ſeine vertraglich übernomme= ſich. Das Chebaar hinterläßt 2 Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren.
nien und unter den Schutz des Völkerbundes geſtellten. Ver=
pflichtungen
gegenüber den konfeſſionellen und ſprachlichen Min=
derheiten
umgeht oder direkt verletzt‟. Doch von dieſen freiem Fleiſch erkrankten Perſonen iſt auf über 100 geſtiegon. 66 Sol=
beinlichen
Dingen konnte beim offiziellen Empfang in keiner daten der Reiſchswehr liegen krank im Lazaret. Der Verlauf der Parg=
Weiſe die Rede ſein, und daher lag natürlich eitel Sonnenſchein typhus=Gpidemie iſt zum Teil recht ſchver. Es zeigen ſich große Aehn=
auf
allen Geſichtern. . ..
Nur die Natur meinte es anders: auf dem Wege nach dem
Internationalen Arbeitsamt regnete es beharrlich. Im Büro
des Internationalen Arbeitsamts hielt der Sozialiſt. Albert
Thomas eine leidenſchaftlich vorgetragene Nede wie ſie eben kannter Urſache ein Großfeuer aus, das raſend um ſich griff und in kur=
nur
ein Franzoſe (und auch nur in franzöſiſcher Sprache) hal= zer Zeit das Hauptgebäude bis auf die Grundmauern zerſtörte. Da auch
ten kann; ungefähr ſo: Königin, ſehen Sie mir in die Augen! große Vorräte mitverbannt ſind, iſt der Schaden gußerordentlich groß.
Wie ſie einſt, während des Krieges, die Süße Ihres Antlitzes
auf Ihr kämpfendes Volk geneigt haben ſo mögen Sie jetzt
daheim, im Frieden, Ihre beſeeligenden Blicke mitleidsvoll auf
die Humanität der Arbeit fallen laſſen uſw. Habe ich nicht
recht? Kann in irgend einer anderen Sprache ein Sozi einer
Königin derartiges ſagen? Nein, es gibt keine andere Nation,
die ſo höflich ſein könnte ..
Die gute Königin neigt zuſtimmend ihr ſchönes Haupt und
lächelt wehmütig . . . Was ſollte Sie tun die Arme? Drau=
ßen
, auf der Straße, ſieht man ſie dann mitten im Volke‟:
ellerhand Waſchweiber, Köchinnen und Arbeiterinnen umringen Engel=Apotheke Dr. E. Merck; Drogerien; Beſſunger=Drogerie, Inh.
ſie und Scherzworte fliegen hin und her. Die Waſchwveiber W. Hartlaub, Beſſungerſtraße 1; Anton Niſcher, Frankfurterſtraße 14;
lachen laut und die Königin ſcheint ſich gut zu amüſieren. Auch ſtraße 30: Martins=Drogerie, Banlratiusſtraße 41: Ph. Seller Nachf,
der König plaudert leutfelig mit allerhand Alltagsmenſchen, die Lut wigshöhſtraße 1: E. Watzinger Nachf., Wilhelminenſtraße 11: Ehr.
ihm in die Quere kommen. Das ſoll er in Rumäuien ebenfalls Schwinn, Rheinſtraße: 8. Hühner, Karlſtaße 66,

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924.
tun, was ihm wahrſcheinlich Anlaß gegeben hatte, einſt zu be=
merken
: Wenn in Rumänien eine Revolution ausbrechen

ſollte ſo wird man mich ſicher zum Präſidenten der Republik / Breslau wurden zu wiederholten Malen aus Güterwagen, wertvolle
wählen ..
Zeremonie nochmals bewundern und die Schönheit der mitteln. Als ſeine Gehilfen kommen zwei Eiſenbahnſchaffner in Frage.
hoch gewachſen, vornehm und ſchön! Die Enkelin Alexan= heit weitere Kreiſe ziehen.
ders II. von Rußland hat gewiſſe Romanowſche Allüren. Auch
beim Gruß das tiefe Neigen des Hauptes. Und ſie neigt immer Bei einem Hochzeitszug, der durch Reißing in Niederbayern ging,
lächelt mit jenem konventionellen und doch faſzinierenden Weiſen. Auf einmal hörte man einen Krach, und mit jämmerlichen Trom=
eigen
iſt. . . .
Reich und Ausland.
Eine Erklärung des Deutſchen Großlogenbundes.
Frankfurt a. M. In einer vom geſchäftsführenden Groß=
meiſter
des Deutſchen Großlogenbundes, Herrn Prof. Dr. Becker= Es wurden ſofort zwei Boote mit Aerzten und Verbandsſtoffen ausge=
Frankfurt a. M., uns zugegangenen Erklärung heißt es:
Freim.=Bundes, Frankfurt a. M., die Großloge zur Sonne in Bayreuth, Beſatzung ſchwer verletzt wurden.
die Große Freimaurerloge Zur Eintracht in Darmſtadt und die Freie
Vereinigung der fünf unabhängigen Logen Deutſchlands ſind keine ge=
heimen
Geſellſchaften. Sie haben ihre Beſtrebungen ſtets offen bekannt D.4.I. Noch hat ſich die Erregung über die Auflöſung des Schwäbiſch=
und zur Geltung gebracht. Es iſt daher verwunderlich, daß trotzdem deutſchen Kulturbundes durch das Belgrader Miniſterium und über die
wieder Verbreitung und Glauben finden. Der Deutſche Großlogen= gelegt, da durcheilt eine neue Schreckenskunde die deutſchen Gaue in Ba=
landsliebe
und religiöſer Geſinnung, die ihren Volksgenoſſen durch werk= Trauer und Mitgefühl, Abſchen und Zorn erweckend. 200 ſerbiſche
tätige Liebe und ſittliches Höherführen ſelbſtlos dienen wollen. Solche Dobrovolizen (ehemalige Kriegsfreiwillige), rücken am Morgen des 2.
Männer können nur deutſch fühlen und handeln.
bungen nicht zuwiderläuft. Sie lehnen jede politiſche oder konfeſſionelle von denen vier beſonders ſchwer getroffen ſind, bleiben liegen und wer=
Tätigkeit für ſich als eine die nationale Einheit ſchädigende Handlung, den von der herbeieilenden Bevölkerung aufgeleſen, während die Serben
ab und ſtehen in gleicher Weiſe dem Internationalismus fremd gegen= nach Anrichtung dieſes Blutbades ruhig heimwärts fahren.

M he
Aus Breslau wird gemeldet: Auf der Eiſenbahnſtrecke Langenbielau=
Güter geſtohlen. Jetzt iſt es der Kriminalpolizei gelungen, als Haupt=
Bei der Abfahrt auf dem Bahnhof kann man die ganze, dieb einen Zugführer aus Breslau, der die Güterzüge leitete, zu er=
Königin! Wie ſie da auf der Plattform ihres Hofwagens ſteht Da auch eine Anzahl Hehler ermittelt wurden, dürſte die Angelegen=
Geſtörte Hochzeitsmuſik.
und immer wieder zum Abſchied tief den ſchönen Kopf und fuhr auf beſonderem Wagen die Pilſtinger Muſikkabelle und blies luſtige
petenſtößen brach die Muſik ab. Der Wagen hatte ein Nad verloren
Lächeln, das nur den Frauen der ganz großen Welt und war umgeſtürzt, die Muſikanten waren ſin den Vach gefallen. Alles
Georges Popoff. eilte herbei, um ſie zu retten, was auch reſtlos gelang. Auf einen halt=
baren
Wagen verladen, ſetzten die Muſikanten und mit ihnen der Hoch=
zeitszug
den Weg fort, nachdem das Waſſer aus den Inſtrumenten her=
ausgeblaſen
war.
Exploſion auf einem Leuchtſchiff.
Montag vormittag erhielt das Marineminiſterium in Kopenhagen
ein Radiotelegramm vom Knobber=Leuchtſchiff mit dem Erſuchen, um=
gehende
Hilfe zu ſenden, da eine Exploſion ſtattgefunden habe. Von
dem Augenblick an war jede Verbindung mit dem Schiff unterbunden.
ſandt. Infolge des nebligen Wetters hatten die beiden Boote jedoch
Die im Deutſchen Großlogenbund vereinigten Großlogen und Logen, große Verſpätung. Endlich am Abend kam die Nachricht, die Auf=
d
. ſ.: die Große Loge von Hamburg in Hambura, die Große Landes= klärung über die Art und den umfang der Exploſion gab. Ein Be=
loge
ron Sachſen in Dresden, die Große Mutterloge des Eklektiſchen hälter mit kombinierter Luft war explodiert, wodurch zwei Mann der
Das Blutbad von Lazarfeld.
unwahre Behauptungen und Vermutungen über ihre Tätigkeit immer gewaltſame Sprengung des deutſchen Parteitages in Neu=Werbaß nicht
bund umfaßt deutſche Männer von gutem Ruf. unwandelbarer Vater= nat und Batſchka und dringt überall hin, wo Deutſche wohnen, überall
Mai ſchwerbewaffnet auf Bauernwagen von Groß=Betſchkerek an und
Die vorgenannten Großlogen und Logen ſtehen dabei feſt auf dem überfallen 5060 deutſche Bauern der Gemeinde Lazarfeld, die auf ihren
Boden der humanitären deutſchen Freimaurerei und gewährleiſten da= Feldern friedlich ihre Arbeit verrichten. Durch Gewehrſchüſſe aufge=
her
ihren Mitgliebern Glaubens= und Gewiſſensfreiheit. Sie achten ſchreckt, fliehen die waffenloſen Deutſcheu, meiſt älteve Leute, und werden
jede ehrliche Ueberzeugung, die vaterländiſchen und religiöſen Beſtre= nun von hinten augefallen und niedergeſchlagen. 16 Schwerverwundete,

äit e eiſcheltet eteitſtſhe e e eſe e e e e ele
formen. Deutſchen Männern in einem ſolchen Bunde iſt daher die frei= breiſes gleich erlegt. Mit der Reſtzahlung ſollte dann ſpäter die Grund=
maureriſche
Arbeit an der Menſchheit, die von Unwiſſenden oder vor= bucheintragung erfolgen. Da kam der Umſturz und mit ihm die ſerbiſche
eingenommenen leichthin als antinational oder international be= Agrarreform; das im Grundbuch noch nicht übertragene Feld wurde zu
einem Königszug da waren die ehemaligen Hofkaroſſen mit zeichnet wird, nur heilgſte Pflicht an ihrem Volke. Sie dient der Pflege. Zwecken der Agrarreform herangezogen und an landloſe ſerbiſche Kriegs=
deutſchen
Volksbewußtſeins und fördert die Hingabe an einen wirk= freiwillige aufgeteilt. Seit Jahren zieht ſich darüber ein Prozeß zwiſchen
lichen Aufbau des deutſchen Vaterlandes.
Deutſchen und Serben hin, die Deutſchen haben ihn in erſter Inſtanz ge=

In dieſem Sinne bauen die deutſchen humanitären Großlogen
Schauſpiel. Und obgleich ein ſchweizeriſches Kommuniſtenblatt wahre Vaterlandsliebe und tiefe Religioſität und wollen dieſe Eigen=
ſchaften
wieder zu Grundtugenden unſeres gefamten Volkes werden
den im Dienſte und zur Ehre des Vaterlandes zu errichten ihnen höchſte
Maklertagung.
Auf Veraulaſſung der Vereinigung Mannheimer Grundſtücks= und
im Pfälzer Hof eine Tagung der Immobilienmakler Süddeutſchlands
amtmann Lafontäne, Polizeirat Weigel Notgriatsdirektor Mayer, Notar
Oppenheimer, Grundbuchamtsdirektor Reitinger, Rechtsrat Niederſe und
im borigen Herbſt Muſſolinis Imperialismus ſo kräftig vertrat, Oberderwaltungsrat Dr. Löb. Von auswärtigen Vereinigungen uaren

daß das ganze Glashaus faſt in Scherben gegangen wäre Heidelberg Karlsruhe, Freiburg, Frankfurt, Mainz Wiesbaden, Stutt= Fleiß kultivierte Land zur Theiß hin künſtlich entwäſſern. An der Theiß
hätte man ihm nicht warnend zugerufen; wenn du im Glas= gart und Nürnberg vertreten. Immobilienmakler Siegfried Levi=Frank= haben vor 2½4. Jahrhunderten Deutſche und Serben vereint unter Prinz

wonnen, die Serben dagegen Berufung eingelegt; das Gericht hat den
Beſitz für die Prozeßdauer unter gerichtliche Sherre geſtellt, den Rechts=
anwalt
der Kläger zum Kurator beſtellt und das Feld den Eigentümern
zur Bearbeitung weiter überlaſſen. Das Appellationsgericht hat dieſe
Sperre nicht beſtätigt, der Kurator hat wiederum ſofort Berufung da=
gegen
eingelegt, aber ſeine Schützlinge verſtändigt, daß ſie bis zun Ent=
ſcheidung
höherer Inſtanz ruhig im Beſitz der Felder bleiben können.
Nun begann man ſich höhenen Orts in den Lauf der Dinge einzumiſchen,
auf Weiſung des Innenminiſters ſoll wie das Neuſatzer Deutſche
Volksblatt als beſtätigt mitteilt, der Vizegeſpan die Entfernung der
Deutſchen von ihrem Beſitz durch Gendarmerie angeordnet haben. Die=
ſes
böſe, rechtswidrige Beiſpiel ſtachelte die Dobrovolizen auf, ſie began=
nen
die Eigentümer der Felder in ihren Arbeiten zu ſtören, und ſo kam
es ſchließlich zu den blutigen Ereigniſſen des 2. Mai.
Lazarſeld liegt im oberen Banat, etwa in der Mitte zwiſchen Bega
und Temeſch, die dieſes einſt völlig verſumpfte, heute durch deutſchen

Dieſe Selbſthilfe muß ſich in erſter Linie auf den Ausbau der Gebühren=
ſätze
durch Aufklärung und vertragliche Vereinbarungen erſtrecken. In
Das Herrſcherpaar betritt frohgemut das Glashaus, wo für der lebhaften Ausſprache, die dem mit großem Beifall aufgenommenen
gefährlich. Notar Oppenheimer führte aus, das ganze Volk habe ein
Intereſſe daran, daß der Maklerſtand auf der Höhe ſteht. Die Beſtreb=
Aus der Reichshauptſtadt.
Schnur von undefinierbarer Beſtimmung, die ihm um den Hals burger Straße vor. Sie ſtiegen vom Garten aus in den erſten Stock deren hervorragende Eigenſchaften in dem unſerer heutigen Geſamtauf=
ihängt
. Doch ſiehe da die Schnur endet mit einem Monokel, empor drückten ein Stück aus einer Fenſterſcheibe heraus, riegelten auf, lage beiliegenden Proſpekt von ſachkundiger Feder gewürdigt werden.
Die rechte königliche Augenbraue hebt ſich, die rechte Wange erbrachen in der Wohnung die Behältniſſe mit Stemmeiſen und erbeu= Unſere Leſer ſeien auf den ebenſo lehrreichen, wie intereſſanten Inhalt
fenkt ſich und die goldumränderte Glasſcherbe ſteckt feſch teten für 500 Goldmark Silber= und Schmuckſachen. Die Diebe ſind dieſes Proſpektes noch beſonders hingewieſen.
ten Stock eines Eckhauſes an der Margareten= und Viktoriaſtraße im

Eugen die Türken geſchlagen, vor 125 Jahren (1800) wurden deutſche
Bauern in Lazarfeld angeſiedelt. Von ſerbiſchen Dobrovolizen erwarten
wir keine Kenntnis dieſer geſchichtlichen Zuſammenhänge, wohl aber von
den Belgrader Miniſtern! Wenn auch ſie hiſtoriſche Verdienſte und Rechte
mit Füßen treten, dann iſt zu befürchten, daß die Balkaniſierung Europas
zeißend fortſchreitet, ſtatt der von Allen erhofften Europäiſierung des
Balkans.
Brieffaſſen.
S. S. 31. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß der Bräutigam die Tat=
ſache
beim Amt in Erfahrung bringt, wenn er dem Beamten ſein In=
tereſſe
darlegt. Der andere Teil wird deshalb gut daran tun, übe?
dieſen Punkt den Verlobten rechſtzeitig aufzuklären. Denn eine Ehe
kann nach 8 1333 B.G. B. von dem Ehegatten angefochten werden, der
ſich über ſolche perſönlichen Eigenſchaſten des anderen Chegatten geirrt
hat, die ihn bei Kenntnis der Sachlage bei verſtändiger Würdigung des
Wez us der Ehe von der Eingehung der Ehe abgehalten haben würden.

Geſchäftliches.
Ein gutes Hausmittel bei. Hautausſchlägen,
Flechten, Hautjucken, äußerlichen Entzündungen, Vickeln, Miteſſern und
Mit unglaublicher Dreiſſigkeit gingen Faſſadenkletterer in der Pfalz= dergleichen iſt die bekannte Zuckers Patent=Medizinal=Seife.
(Tf6336
Internationale Motorrad=Sportausſtellung
Stutgart.
Zur Belebung der Internationalen Ausſtellung hat der Motorrad=
erſt
richtig betrachtet, dann falſch umgedreht, dann nochmals gewöhnlicher Geſchicklichkeit an der Fernſprechleitung empor und ſtieg Club Stuttgart eine Lotterie vorgeſehen. Dieſe enthält 50 wert=
richtig
und ſchließlich wird der Inhalt verleſen, in franzöſiſcher durch das Fenſter ein. Paſſanten hatten aber dieſes Kunſtſtück beob= volle Wertpreiſe, darunter als 1. Preis eine B.M.W. Maſchine mit
achtet und machten den Pförkner des Hauſes darauf aufmerkſam. Dieſer Peka=Seitenwagen, als 2. Preis ein Cockerell2 PS.=Motorrad neueſten
Der König ſagt:. Numänien ſei ſtets bereit, den Völker= rief das Ueberfallkommando an. Der Einbrecher muß das irgendwie Tyds (Zweitakt und Dreiganggetriebe), als 3. Preis ein Flottweg=
bund
zu unterſtützen, damit in der ganzen Welt der Triumph gemerkt oder vielleicht auch ſeine Feinde geſehen haben. Als das Kom= 2 PS.Motorrad (Viertakt und Dreiganggetriebe), als 4. Preis ein Boge=

gaben, auf der anderen Seite des Hauſes am Blitzableiter wieder hin=
abgeſtiegen
. Er hatte mehrere Näume durchſchritten, ohne von den
Grubetunglück bei Caſſel.
Caſſel. In der Grube der Kaligewerkſchaften Hattorf in Philiops=
Epidemie in Hameln.
Hameln. Die Zahl der durch den Genuß von nicht einwand=
lichkeiten
mit dem eigentlichen Typhus. Von der Polizei ſind ſtrenge
Vorſichtsmaßregeln erlaſſen worden.
Eine Fabrik niedergebrannt.
Halle. In der Elektrotechniſchen Fabrik Vacha brach aus unbe=

Motorrad Viertakt). Die folgenden Preiſe ſetzen ſich zuſammen aus
Zubehör und Bekleidungsſtücken. Dieſe Lotterie dürfte allgemein An=
klang
finden, da jedermann auf billige Weiſe in die Lage kommen kann,
bei einem Lospreis von Mk. 2 ein Motorrad zu gewinnen.

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3 Uhr im Lokale Ernſt=Ludwigſtraße 9.
Hauptſchriſtleitung: Rudolf Mauve
Verantwortlich für Politik und Wirtſchaft : Rudolf Mauv=
Verantwortlich für Feuilleton und Heſiſche Nachrichten: Mar Streeſo
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlmann.
Verantwortlich für Schlußdlenſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Wilky Kuhle
Druch und Verlag: L. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nunmer hat 14 Seiteu

[ ][  ][ ]

Seite

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924.

Rumter 135

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Rummer 135

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924.

Seite 9

Sport, Spiel und Turnen.

Radfahren.
2.5 Jahre Pelociped=Club 1899.
Der Velociped=Club Darmſtadt im Jahre 1899 von
dem verſtorbenen Ehrenmitglied und langjährigen Vorſitzenden Karl
Schmitt gegründet feiert die 25. Wiederkehr dieſer Gründung in
den Tagen vom 16.19. Mai. Die Einleitung fand bereits durch das
Rennen Rund um die Ludwigshöhe am vergangenen Sonntag ſtatt;
als weitere Veranſtaltung im Rahmen des Jubiläums folgt am Freitag,
den 16. Mai, abends 8 Uhr, ein Lampionkorſo, an dem ſich außer
dem feſtgebenden Verein die näheren Brudervereine des Gaues 70 und
der hieſige Radſportklub 1919 beteiligen. Der Korſo ſtellt ſich in der
Heinrichſtraße zwiſchen Hoch= und Karlſtraße auf und bewegt ſich durch
folgende Straßen der Stadt: Aufſtellungsplatz Heinrichſtraße, Wilhel=
minenſtraße
, Eliſabethenſtraße, Ludwigsplatz, Ludwigſtraße, Marktplatz,
Paradeplatz, Theaterplatz, Hochſchulſtraße, Schloßgartenſtraße, Frank=
furter
Straße, Wilhelminenſtraße, Eliſabethenſtraße, Grafenſtraße,
Rheinſtraße, Neckarſtraße, Marienplatz, Heidelberger Straße, Riedeſel=
ſtraße
zum Städtiſchen Saalbau, dortſelbſt Konzert und Tanz. Durch
Mitführung von Muſikkapellen und ſogen. Tranſparenten und Einzel=
gruppen
bildet dieſer Zug Abwechſelung. Bereits am Freitag treffen
die erſten Wettkampfteilnehmer und Gäſte aus Köln, Berlin, Hamburg,
Erfurt, Leipzig, Stellingen, Kurslack, Altona, Gießen, Weilburg, Kirch=
hain
, Frankfurt, Heidelberg, Frankenthal uſw. ein, darunter der geſamte
Bundesvorſtand des Bundes Deutſcher Radfahrer einſchließlich des Bun=
desvorſitzenden
Dir. Stedens der große Organiſator und Förderer
des Bundes Deutſcher Radfahrer. Der Bundes=Sportausſchuß hält=
bereits
am Samstag vormittag mit dem vorbereitenden Ausſchuß des
Frankfurter Bundesfeſtes eine Sitzung ab. Am gleichen Tage findet
abends im Städtiſchen Saalbau der Begrüßungsabend der auswärtigen
Bundeskameraden ſtatt. Der Sonntag vormittag ſieht zuerſt die Vor=
wettbewerbe
im 2er Radballſpiel um den Jubiläumspreis vor; die Sieger
beſtreiten am Nachmittag beim Saalfeſt die Zwiſchen= und Endſpiele.
Sonntag früh 10.30 Uhr folgt die Akademiſche Feier im Foyer des Lan=
destheaters
, hier Entgegennahme von Gratulationen befreundeter Ver=
eine
, Auszeichnung und Ehrung verdienter Mitglieder. Im Mittelpunkt
des Tages ſteht dann das Jubiläums=Saalſportfeſt, hier
wiederum die Radballſpiele um den Juhiläumspreis. Dem V. C.D. iſt
es gelungen, hierzu die zur Zeit beſten Radballſpieler zugleich drei
Gebrüderpaare und zwar die Gebr. Richter=Berlin (mehrfache Deut=
ſche
Meiſter), Gebr. Stolze=Erfurt (Meiſter von Mitteldeutſchland) und
Gebr. Schulz=Stellingen bei Hamburg (Norddeutſche Meiſter) zu ver=
pflichten
. Hierzu kommen dann noch die Mannſchaften von Frank=
furt
am Main und Frankenthal, welche von ſchweren Aufgaben
ſtehen. Kunſt= und Reigenfahren der Vereine aus Kurslack=Hamburg,
Leipzig, ferner des feſtgebenden Vereins vervollſtändigen das Programm.
Bei den Sportfeſten des V. C.D. wurde von feher nur guter Sport ge=
zeigt
; die Jubiläumswettkämpfe weiſen eine ſeltene Beſetzung auf. In
anbetracht deſſen, daß ein außerordentlicher Beſuch auswärtiger Bun=
deskameraden
aus allen Teilen Deutſchlands angemeldet iſt, wird das
Saalſportfeſt am Sonntag vorerſt nur für Bundes=, Gau= und Klub=
mitglieder
offen gehalten; Radſportanhänger, die ſich für dieſe Veran=
ſtaltung
intereſſieren, können jedoch am Sonntag zugelaſſen werden,
falls noch Karten verfügbar ſind. Der Beginn iſt auf präzis 3 Uhr feſt=
geſetzt
, die Kämpfe dauern bis gegen 7 Uhr. Geſondert von dieſem
Saalſportfeſt findet abends ein Feſtball mit Künſtlerllauſe und den
üblichen Sonderveranſtaltungen ſtatt. Auch hier haben nur Bundes=,
Gau= und Klubmitglieder Zutritt, um eine Ueberfüllung zu vermeiden.
Für Montag, den 19. Mai, iſt eine Beſichtigung der Stadt mit
anſchließender Abſchiedsfeier vorgeſehen.
Zum Jubiläum gibt der V. C.D. eine Feſtſchrift heraus, die ſchon
jetzt bei dem 2. Vorſitzenden W. Hermes, Luiſerſtr., und der Firma
Benz u. Co., Grafenſtraße, erhältlich iſt. Dieſe enthält die Vereins=
geſchichte
des Velociped=Clubs, ferner die vorgefihenen Veranſtaltungen
und Wettkämpfe, ſowie die Namen der Wettkampfteilnehmer. Alle Feſt=
bücher
ſind numeriert, dieſe für die Verloſung eines Panther=Fahrrads
Stiftung der Firma Gg. Benz u. Co. anläßlich ihres 25jährigen
Siewener.
Geſchäftsjubiläums maßgebend.
Motorſport.
Am Sonntag hielt der Motorrad=Club Offenbach 1922
e. V. (A. D. A. C.) fein diesjähriges Rennen auf der Straße Babenhaufen=
Aſchaffenburg und zurück ab. An dieſer: Rennen beteiligten ſich auch

Mitglieder des Heſſiſchen Motorradklubs e. V. Darmſtadt, aus welchem
der Sportleiter, Herr Georg Hahn, mehrfach ſiegreich hervorging. Die
Reſultate waren folgende:
Klaſſe 1 bis 250 Kubikzentimeter:
1. H. Glöckler auf N. S.U. 15 Min. 13 Sek.,
2. W. Becker auf Zündapp 16 Min. 26 Sek.
Klaſſe 2 bis 350 Kubikzentimeter:
1. Georg Hahn auf Junior 14 Minuten.
2. H. Schelbert auf N. S.U. 15 Min. 3 Sek.
3. Dr. Arthur Dietz 18 Mänuten.
Klaſſe 3 bis 500 Kubikzentimeter:
1. H. Beher auf N. S.U. 11 Min. 49 Sek.
2. Peter Heil auf Cito 11 Min. 55 Sek.
3. Georg Hahn auf Junior 12 Minuten.
4. H. Stadtmüller auf Viktoria 13 Min. 35 Sekunden.
5. Jakob Eyſen 13 Minuten 42 Sek.
6. Hans Kopp auf N. S.U. 13 Min. 49 Sek.
Ueber 500 Kubikzentimeter:
1. Georg Hahn auf Junior 11 Min. 23 Sek.
2. Karl Breunig auf Wanderer 12 Min. 35 Sek.
3. Hans Schwarz auf Mabeco 12 Min. 41 Sek.
4. Ludwig Bock auf Mars 13 Min. 15 Sekunden.
Den Ehrenpreis für die beſte Zeit des Tages gewann Herr Georg
Hahn, der die Strecke in 11 Min. 23 Sek. fuhr, was einer Durchſchnitts=
geſchwindigkeit
von 92,5 Kilometer entſpricht.
Fußball.
Spielvereinigung Union.
Eine ge gliche Umgeſtaltung der Vereinsverhältniſſe hat ſtatt=
gefunden
.
h erfolgtem Abbau beſchäftigen ſich die berufenen Führer
des Vereins ſelſenwärtig mit dem Wiederaufbau. Selbſtverſtändlich blieb
die Reviſion 1c Mitglieberliſte unvermeidlich, denn eine klare, ziel=
bewußte
Leittant ſchafft geſunden Kern. Auch für den Fall, daß dieſe
Maßnahme deVerluſt an Spielermaterial im Gefolge hatte, iſt dies
im Intereſſe der großen Fußballſache unvermeidlich und vor allem
vornehmſte Pflicht‟. Die Vereinsleitung iſt beſtrebt, den Verein ſo
auszubauen, wie es das Verbandsprinzip bzw. die Bewegung erfordert.
Daß eine in dieſem Sinne vorgenommene Umwälzung naturgemäß
Schwächeperiode der Mannſchaften hervorruft, iſt ſelbſt dem Fernſtehen=
den
klar, und ſind die letzten Verluſte bei Privatſpielen uſw. von dieſem
Geſichtspunkte aus zu beurteilen. Die Vereinsleitung iſt ſich bewußt,
in aller Kürze dieſe Kriſe überwunden zu haben und hofft, ebenſo raſch
eine gute, eingeſpielte Mannſchaft ins Feld ſtellen zu können. Doch
bis dahin bedarf es der reſtloſen Zuſammenfaſſung aller Kräfte und
der intenſiven Mitarbeit aller Mitglieder. Der Vorſtand iſt davon über=
zeugt
, daß im geſchloſſenen Abwehrkampfe gegen alles Unmoraliſche,
von welcher Seite es auch kommen möge, ſowohl die berufenen Führer
als auch ſämtliche Mitglieder damit einig gehen. Hoffen wir alſo auf
ein baldiges und gutes Gelingen dieſer ſportlichen Tat, dann bleibt der
erhoffte Erfolg nicht aus.
Sch.
Schwimmen.
Deutſche Vereins=Mehrkampfmeiſterſchaft im Schwimmen.
Die Ausſchreibungen für die Deutſchen Schwimm=Meiſterſchaften,
die im Laufe der nächſten Woche veröffentlicht werden, bringen erſt=
malig
eine Vereins=Mehrkampfmeiſterſchaft, die ſich aus Tauchen, Sprin=
gen
und Schwimmen zuſammenſetzt. Für jedes Gebiet muß ein anderer
Teilnehmer an den Start gehen. Auch den Forderungen der Vereine
ohne Winterbad wird durch die Einlegung einer beſonderen Staffel=
Meiſterſchaft Rechnung getragen.
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Hornhaut an der Fußsohle verschwindet durch
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Turnen.
Turngeſellſchaft Darmſtadt 1875.
Am kommenden Sonntag beteiligen ſich die Turnerinnenabteilung
ſowie die erſte Turnerriege bei dem 45jährigen Jubelfeſte des Turn=
vereins
Traiſa. Die Mitglieder, welche ſich an dem Nachmittagsſpäzier=
gange
beteiligen wollen, werden gebeten, ſich um 1 Uhr an dem Ver=
einshauſe
einzufinden. Wie alljährlich, ſo findet auch in dieſem Jahr
am Himmelfahrttage ein Familienſpaziergang ſtatt, wozu wir jetzt ſchon
unſere Mitglieder freundlichſt einladen. Gäſte ſind herzlichſt willkommen.
Turnabend in Seeheim.
Am Samstag, den 17. Mai, abends 8.30 Uhr, hält der Turnverein
Seeheim ſeinen bekannten Frühjahrs=Turnabend im Darm=
ſtädter
Hof ab. Wenn in den Vorjahren der Turnverein bei dieſem
Abend ſtets ſeine ſämtlichen Abteilungen zur Turnſchau aufmarſchieren
ließ, ſo wird diesmal davon Abſtand genommen und in der Hauptſache
nur die erſte Turnerabteilung ihr Können zeigen. Wie ja bekannt, ſteht
das Turnen im Turnverein Seeheim auf einer hohen Stufe, und die
1. Turnerriege wird auch diesmal wieder dem Verein alle Ehre machen.
Die Turnerinnen=Abteilung wird mit neuen Volkstänzen aufwarten.
Ein beſonderer Anziehungspunkt für dieſen Abend iſt die Mitwirkung
des vollbeſetzten Darmſtäster Streicho cheſters unter der Leitung ihres
bewährten Dirigenten Herrn Kammermuſiker Handke vom Heſſiſchen
Landestheater. Wer alſo am Samstag auf einige Zeit ſich ſeiner All=
tagsſorgen
entledigen will, der benutze dieſe Gelegenheit, denn das Ge=
botene
iſt für das Land eine Seltenheit. Dort wird man ſehen, auf
welchem hohen Stand das deutſche Turnen ſteht. Auch die Muſik wird
ihre Wirkung nicht verfehlen, denn, wie ſchon erſpähnt, iſt dies für See=
heim
und Umgegend eine Seltenheit.

Angeln.

Hefſiſcher Anglerbund.
Der Heſſiſche Anglerbund, Sitz Mainz, hatte an die ihm angeſchloſ=
ſenen
Ortsgruppen und an alle am Angelſport am Rhein intereſſierte
Angeſportvereine zu einer Beſprechung Einladung ergehen laſſen. Die
Verſammlung war ſehr gut beſucht. Nach Begrüßung der Erſchienenen
durch den 2. Bundespräſidenten Herrn Roos übertrug dieſer die Leitung
dem Vorſtandsmitglied Herrn Weber. Der Referent der Verſammlung,
Herr Willig, hielt hierauf einen Vortrag über den Zweck und
die Ziele der Vereinigung und erſtattete Bericht über die Tätigkeit des
Bundes in den letzten zwei Jahren. In der ſich anſchließenden Aus=
ſprache
, an der ſich alle Vereine beteiligten, wurde allgemein zum Aus=
druck
gebracht, daß die heſſiſche Regierung allen Sportvereinen, insbe=
ſondere
den Jagdgeſellſchaften, ſehr wohlwollend gegenüberſtehe, wäh=
rend
ſie für den Angelſport wenig Intereſſe zeige. Wohl habe ſie bei
den Neuverpachtungen der Fiſchereien für die Sportangler den Ermäch=
tigungsſchein
, für die erweiterte Handangelkarte eingeführt, aber ſie
habe auch hierbei wieder Beſtimmungen erlaſſen, die ſo recht das Ent=
gegenkommen
der Regierung beleuchteten. Ausdrücklich wurde hervor=
gehoben
, daß es unbedingte Pflicht geweſen wäre, den Heſſiſchen Angler=
bund
bor den ſtillſchweigenden Verpachtungen zu hören und ihn nicht
vor vollendete Tatſachen zu ſtellen. Durch die Erteilung der Ermäch=
tigungsſcheine
an die Sportangler habe ſich der Heſſiſche Staat eine gute
Einnahmequelle verſchafft. Es wurde allſeitig betont, daß die maß=
gebenden
Stellen in Darmſtadt über die Fangergebniſſe der Sportangler
vollſtändig faſch unterrichtet worden ſeien, und man bedauere ſehr, daß
dieſen Zuträgereien, die nur in der Abſicht geſchehen, den Angelſport
herabzuwürdigen, Glauben geſchenkt werde. Von verſchiedenen Seiten
wurde der Wunſch laut, der Heſſiſche Anglerbund möge ſich mit dem
Fiſchereiverein in Worms, in dem die Berufsfiſcher organiſiert ſind, be=
hufs
Gründung einer Intereſſengemeinſchaft in Verbindung ſetzen. Die
beiden Organiſationen verfolgten ja dem Grunde nach gemeinſame Ziele
und ein gegenſeitiges Unterſtützen könne nur für beide Teile vorteilhaft
ſein. Die ſogen. Wildfiſcherei müſſe verſchwinden und die Fiſchzucht
gefördert werden. Hierüber ſoll in der am Sonntag, den 22. Juni,
in Bensheim ſtattfindenden Bundestagung Beſchluß gefaßt werden.
Zum Schluß wurde noch der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß alle noch
nicht organiſierten Spoxtangler dem Heſſiſchen Anglerbund, Sitz Mainz,
beitreten möchten, denn nur die Stärke und Kraft führe zum Ziel. Die
ſehr anregend verlaufene Beſprechung wurde nachmittags halb 4 Uhr
geſchloſſen.
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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt

15. Mai 1924 Nr. 133

Handelgblati

Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Tagung des Vereins von Holzintereſſenten
Südweſtdeutſchlands. Man ſchreibt uns: Die diesjährige
ordentliche Generalverſammlung des Vereins von Holzintereſſenten
Südweſtdeutſchlands tagte am 1. Mai im Hotel Waldeck zu Freuden=
ſtadt
. Die Tagung war aus allen Teilen des Vereinsgebietes gut be=
ſucht
, insbeſondere aus Württemberg und Baden, es fehlten aber auch
nicht Mitglieder aus der Pfalz und von der Saar. Der Charakter der
Verſammlung war rein intern. Der erſte Vorſitzende Dr. h. c. Herm.
Himmelsbach=Freiburg erinnerte in ſeiner Begrüßungsanſprache
an frühere Tagungen und würdigte vergleichend mit den damaligen
Zeitverhältniſſen den Ernſt der Lage. Leider gefährde in der Holz=
wirtſchaft
das Auseinanderſtreben der Kräfte immer wieder aufs neue
die praktiſche Nutzbarmachung des von den Fachverbänden vertretenen
Zuſammenſchlußgedankens. Mit ernſten Ermahnungen zu tätiger Zu=
ſammenarbeit
in der jetzigen ſchweren Zeit ſchloß Dr. Himmelsbach
ſeine Anſprache. Panl Faller=Saig erwiderte mit Worten des
Dankes und Vertrauens, denen ſich die Verſammlung anſchloß. Es folg=
ten
die das Finanzweſen des Vereins und des Arbeitgeberverbandes
betreffenden Angelegenheiten (Rechnungslegung, Feſtſtellung des Vor=
anſchlags
uſw.), wozu Paul Faller=Saig als Schatzmeiſter be=
richtet
. Seine Vorſchläge und Vorlagen wurden genehmigt.
Der Tätigkeitsbericht des Vereins==Syndikus Hertzer=
Freiburg ging aus von Betrachtungen über die Bedeutung der
Organiſation der wirtſchaftlichen Erwerbsſtände und über die einem
Fachverbande in der Verfolgung einer tätigen Wirtſchaftspolitik und
überhaupt in ſeiner Wirkſamkeit durch die Verſchiedenartigkeit der In=
tereſſen
ſowie die Uneinheitlichkeit der Lebensbedingungen der einzelnnn
Mitglieder und Firmengruppen gezogenen Grenzen, ſtreifte ſodann die
wichtigſten holzwirtſchaftlichen Tagesfragen (Reparationslieferungen,
Holzbeſchlagnahme, Frachtenpolitik der Reichsbahn, Außenhandel, zoll=
und handelspolitiſche Fragen, Steuer= ſowie Verſicherungsfragen), um
ſich ſodann eingehender mit den Verhältniſſen aufdem Rund=
holzmarkt
zu befaſſen. Schwer laſte überall auf Holzinduſtrie und
Holzhandel die Sorge um die Weiterentwicklung der Zuſtände, die ſich
aus dem Hochſtand und dem trotzdem andauernden Auftrieb der Rund=
holzpreiſe
und aus deren Mißverhältnis zu den Schnittwarenpreiſen
ergeben. Man dürfe für das Rundholz nicht immer noch Preiſe anlegen,
die der geſunde Menſchenverſtand angeſichts der Kreditnot und der für
die Sägeerzeugniſſe gegebenen Verkaufsmöglichkeiten glatt als untrag=
bar
erkennen müſſe. Bis jetzt lege man in weiten Kreiſen gegenüber
den Forderungen des Waldbeſitzes eine unverſtändliche Bewilligungsluſt
an den Tag. So würden der Preistreiberei auf dem Rundholzmarkt
immer neue Konzeſſionen gemacht, natürlich auf Koſten der Subſtanz.
Es gelte, nach Wegen zu ſuchen, die zur Geſundung führen, bevor der
Ruin weiteſte Kreiſe der Hölzinduſtrie erfaſſe. Das Grundübel ſei in
der Ueberſpannung des Produktionsbedürfniſſes zu erblicken. Im ſüd=
deutſchen
Holzwirtſchaftsgebiet ſei ein Ueberſchuß von 40 Prozent Säge=
gattern
gegenüber der Vorkriegszeit längſt überſchritten, trotzdem ſieht
man in den holzbedürftigen Gebieten immer neue Sägewerke erſtehen,
während durch den Rückgang der Waldfläche, (18 Prozent) infolge des
Friedensvertrages und das Fehlen der Holzeinfuhr im vorkriegszeitlichen
Umfange (15 Millionen Feſtmeter) die Rohholzverſorgung bedeutend
verſchlechtert ſei. Deshalb ſei der Vorſchlag einer Nationierung der
Produktionsmittel durch Einſchränkung oder Stillegung von Betrieben
ernſtlich erwägungswert. Freilich ſei die Durchführung eines ſolchen
Planes, die nur auf dem Wege einer ſcharf umriſſenen Konvention
möglich ſei, mit unverkennbaren Härten verbunden. Vielleicht könne
man aber auch den jetzigen ungeſunden Verhältniſſen durch Verſtändi=
gung
der Rohſtoffverbraucher im Einkauf entgegenwirken; wenn indeſſen
keine ſcharfe Bindung der Kaufliebhaber, kein organiſcher Zwang da=
hinterſtehe
, ſei ein ſolches Mittel eine ſtumpfe Waffe im Kampf gegen
die ungeſunde Preisbildung auf dem Rundholzmarkte.
Die außerordentlich eingehenden und anregenden Erörterungen,
die ſich an die Ausführungen ſchloſſen, zeigten, in welch hohem Maße
die Beſeitignug der herrſchenden Zuſtände, in der Nundholzverſorgung
Lebensfrage der Sägeinduſtrie iſt. Während man die Vorbereitung
organiſatoriſcher Mittel (Schaffung von Einkaufsvereinigungen uſw.)
erſt für die neue Einkaufsperiode für zweckmäßig erachtete, glaubte
man aber für den Augenblick nicht ernſt genug vor einer weiteren Ein=
kaufstätigkeit
in der bisherigen Weiſe warnen zu müſſen. Beſonders
ſcharf kamen ſolche Warnungen dadurch zum Ausdruck, daß maßgebliche
Perſönlichkeiten, wie z. B. der Vorſitzende des Vereins württembergiſcher
Holzintereſſenten, Herr Commerell=Höfen a. d. Enz empfah=
len
, den Einkauf auf das geringſte Maß zu beſchränken und lieber
von der Subſtanz zu leben. Beſtärkt wurde dieſe Auffaſſung durch Hin=
weiſe
des dem Reichswirtſchaftsrat angehörenden Vorſtandsmitgliedes
A. Fuchs=Karlsruhe auf die beſonderen währungsbelitiſchen
Maßnahmen der Reichsregierung, die eine allgemeine ſtarke Preisſen=
kung
im Gefolge haben müſſen, was natürlich auch auf die Holzwirt=
ſchaft
nicht ohne Rückwirkung bleiben kann. Die Frage des Rundholz=
einkaufs
ſoll demnächſt noch in den einzelnen Sektionen und Gruppen
weitere Bearbeitung erfahren. Außer dieſer wichtigen Angelegenheit
und den ſatzungsgemäß zu erledigenden Aufgaben befaßte ſich die Ver=
ſammlung
noch mit einer Reihe anderer Fragen, z. B. der Reform der
Holzberufsgenoſſenſchaften.

Die harmoniſch verlaufene und lehrreiche Verſammlung hat allen pb. Berliner Prodüktenbericht. Der Produktenmarkt
Feilnehmern nützliche Gedanken mit auf den Weg gegeben und es iſt zu zeigte täglich das gleiche Bild hochgradiger Geſchäftsſtille und ausge=
hoffen
, daß ſie auch darüber hinaus befruchtend wirken wird.
ſprochener Zurückhaltung. In Weizen mangelte es nicht an Angebot.
Sein Verkauf iſt aber außerordentlich ſchwierig, weil die Mühlen kein
*Abänderung, der Einkommen= und Körper= neues Mehlgeſchäft haben und deshalb nur beſchränkt arbeiten. Roggen
ſchaftsſteuer, Vorauszahlungsſätze für den Ein= und Ausfuhr= iſt nach auswärts eher abzuſetzen als nach Berlin. In Gerſte, Hafer,
handel. Wie der Zentralverband des Deutſchen Großhandels mitteilt, Kleie und den übrigen Futterſtoffen, ſowie Hülſenfrüchten ſind die Um=
bat
das Reichsfimnanzminiſterium ſoeben die fünften Durchführungbeſtime ſätze außerordentlich gering, zumal auch die ſommerlich warme Witte=
mungen
über die Vorauszahlungen auf die Einkommen= und Nörber= rung täglich mehr Grünfutter bringt.

ſchaftsſtener erlaſſen. Danach gelten erſtmals für die am 10. Aai 1994
fälligen Vorauszahlungen für die Einfuhr im Großhandel grudſätzlich
die Sätze des Binnengroßhandels. Nur für die Umſätze vor Gegen=
ſtänden
der in der Umſatzſteuerfreiliſte 1a und 1b bezeichnetenArt gilt

Börſen.
wb. Berliner Börſenbericht. Die Reinigung des Mark=
der
Satz von 2 v. T. Ein ermäßigter Satz von 1 b. T. gilt fürdie Ein= tes von ſchwachen Elementen ſcheint ziemlich erheblich geweſen und die

fuhr von Gegenſtänden der unter Gruppe 1 der erſten Durchihrung techniſche Poſition dadurch weſentlich beſſer geworden zu ſein. Da ſich
beſtimmungen genannten Warenbranchen, die auch im Binnencoßhandel die Erleichterung am Geldmarkt fortſetzt und das Angebot in Geld für
lediglich einer Beſteuerung von 1 v. T. unterliegen. Ferne Gilt ein kurzfriſtige als auch längere Termine größer geworden iſt, blieb die
ermäßigter Satz von 1 v. T. für Tranſit= und Umſchlagsgeſäfte und
ſolche Warengeſchäfte, bei denen die aus dem Ausland fmmenden freundlichere, hoffnungsvollere Veranlagung der Börſe nach haldiger
Ueberwindung des anfänglichen leichten Rückſchlags beſtehen. Dieſe fand
Gegenſtände uicht in das Zollinland gelangen, ſondern in de Zolaus= weniger in der Belebung des Geſchäfts, welches ſich wegen des Ausblei=
ſchlüſſen
(Freihäfen, Freibezirken) oder in den zollfreien igern der bens des Publikums zumeiſt noch auf die Spekulation beſchränkte, als
Seehafenplätze verbleiben. Handelt ein Steuerpflichtiger ſit Gegel= in weiteren Kursbeſſerungen ihren Ausdruck. Eine weſentliche Rolle
ſtänden, für die verſchiedene Sätze vorgeſehen ſind, ſo hat grundſätz= ſpielten zum Teil auch politiſche Erwägungen, da man hofft, daß die
lich für alle Betriebseinnahmen die Vorauszahlungen nach em höchſten
endgültige Regelung der Reparationsangelegenheit nach dem bevor=
Satz zu entrichten;, die niedrigeren Sätze darf er nur innwendung ſtehenden Rücktritt Poineares nunmehr leichter und raſcher vonſtatten
briugen, wenn er in ſeiner Buchſihrung die berſchieden Arten der gehen wird. Die Kursbeſſerungen erſt.
Geſchäfte ſo ausweiſt, daß eine Nachprüfung durch das Finzamt jeder=

bereit.

Erwerbsgeſeliſchaften.

lionen Prozent. Auf den übrigen Märkten waren ſie weitaus ge=
ringer
. Am Deviſenmarkt hielt das Nachlaſſen der Bedarfsnachfrage
auch heute an. Die Veränderung in den Kurſen und die Zuteilung
hielten ſich in engen Grenzen.

* Geſellſchaft für Linde’s Eismafeen A.=G.,
Wiesbaden. Wir berichteten kürzlich, daß fir das zelaufene Ge=
ſchäftsjahr
1923 pro Aktie eine Dividende von 5 Billick Papiermark
zur Ausſchüttung vorgeſchlagen iſt. Die Geſellſchaft wider zum 30. 5.
einberufenen G.=V. u. a. die Eröffnungsbilanz in Goldrk per 1. 1. 24 Brüſſel=Antwerven anu=
vorlegen
.
* Daimler Motoren=Geſellſchaft z u. Co. Aopenhagen .........."
A. G. Die Generalverſammlung der Daimler Motoren=Gechaft, in Helſingfors
der ein Geſamtkapital von 393 641 000 Mk. mit 753 641 Stinn ver= Italien ..
treten war, erteilte dem Intereſſengemeinſchaftsvertrag mit detenz= London.
Geſellſchaft einſtimmig Genehmigung. Es wurde darauf hingenn, New=York...
daß die Intereſſengemeinſchaft mit Benz den Zweck habe, die Kon./ Paris. .

Deviſenmarkt.

Warenmärkte.

* Frankfurter Getreidebörſe. Amtliche Notierungen,
(Getreide, Hülſenfrüchte und Biertreber ohne Sack. Weizenmehl, Rog=
genmehl
und Kleie mit Sack. Preis je 100 Kilogramm in Goldmark):
Weizen Wetterau 17,2517,50, Roggen 1515,25, Sommergerſte für
Brauzwecke 17,7518,50, Hafer inländ. 14,2514,75, do. ausländ. 0,00,
Weizenmehl ſüddeutſches Spezial Null 26,5028,25, Roggenmehl 22,50
bis 23,25, Weizen= und Roggenkleie 9,259,75

Jap... . . . . . . .

Amſterdam=Motterdam :
Chriſtiania. . . . . . . . . . . . .
Stockholm . . . . . . . . . . . . .
...
zuni
..
renz auszuſchalten und durch Feſtſetzung eines gemeinſamen Fabrit Schweiz.
Spanien ..............
tionsprogramms, Vereinheitlichung des Ein= und Verkaufs, Herſtellunwien ſi. D.=Hſterr, abg.) Einheitstypen uſw. die Fabrikate beider Werke zu verbilligen, um ag. ............hhha
ſo auch der ausländiſchen Konkurrenz gewachſen zu ſein. Die erſten ppeſt. . . . . .... ..
Fuſionsverhandlungen zwiſchen den beiden Firmen haben bereits vor Ss=Aires.. ..
16 Jahren ſtattgefunden. Der Zuſammenſchluß ſei jedoch immer wie= Ben....
der geſcheitert bis zum jetzigen Zeitpunkt, wo dringende Wirtſchafts= Rio meiro an
intereſſen den Zuſammenſchluß herbeiführten. Die Daimler=Geſellſchaft / Belgri.
erhoffe aus der Intereſſengemeinſchaft gute Reſultate. Die Intereſſen= Liſabe.....
gemeinſchaft beginnt am 1. Juli 1924. Für die Dividendenverteilung iſt, Danzig ......
wie bereits mitgeteilt, die Höhe des beiderſeitigen Aktienkapitals (600
zu 346) maßgebend. In den Aufſichtsrat wurden neu gewählt: Direktor
Michalowsky (Deutſche Bank). Direktor Dr. Bausback (Württemberg.
Vereinsbank), Oberingenieur Groß (Daimler), außerdem die Mitglieder Aktiengeſ. für
des Aufſitsrats der Firma Benz. Ueber die Geſchäftslage wurde mit= Aſchaffenburge
geteilt, daß bis jetzt noch die ganze Produktion verkauft werden konnte, Augsb.=Nürnb.
18500
daß es aber der Geſellſchaft in der jetzigen Zeit der Geldknappheit nicht / Berl.=Anhalt=Me;
beſſer gehe als allen übrigen großen induſtriellen Werken. Es komme Berl.ſ.Gleltr.W.
5125
Bismarckhütte
vor, daß gekaufte Autos aus Mangel an Geld nicht abgenommen wer= Braunkohlen=Brik
19750
den. Der Abſchluß für 1923 gebe keine Ueberſicht über den Status der Bremer Vulkan
Wolle. .
Geſellſchaft. Eine Dividende werde nicht verteilt. In der General=
Verſammlung der Benz u. Cie., Rheiniſche Automobilgeſellſchaft A.G., Chem. Heyden ...
Weiler
waren 310 522 Stammaktien und 2100 Vorzugsaktien vertreten. Der Deutſchätlant, Telu;
Vorſtand führte aus, daß die Intereſſengemeinſchaft mit Daimler das Deutſche Maſchinen.
wichtigſte Ereignis der heute vor 25 Jahren gegründeten Geſellſchaft ſei; Deutſch=Niedlo. Tel. ..
die beiden älteſten und größten Automobilfabriken Deutſchlands ſcheiden Deutſche Erdöl .......
jetzt aus einem Konkurrenzkampf, der häufig ſehr heftig zwiſchen ihnen Deutſche Petroleum ..
ausgefochten wurde. Das Geſchäftsjahr wird bei beiden Geſellſchaften / Dt. Kaliwverke
Dt. Waffen u. Munition
das Kalenderjahr ſein. Vorgeſehen iſt eine Fuſion beider Geſellſchaften, Donnersmarckhütte .
ſobald die ſteuerlichen Verhältniſſe es geſtatten. Die Generalverſamm= Dynamit Nobel....
lung genehmigte ſodann den Intereſſengemeinſchaftsvertrag und wählte Elberfelder Farben.. .
den geſamten Aufſichtsrat der Daimler=A.G. in den Aufſichtsrat von Elektr. Lieferung .....
R. Friſter ..........."
Benz.
Gaggenau Vorz. ...

a
19.95
58.60
7162
111.72
10 62
18,85
18.355
4.19
23.65
74.41
58.10
6.08
12.46
4.48
1.385
3.09
1.685
0.475
5.255
12,66
73.41.

157.99
20.05
58.30
71.98
112.28
10.68
18.95
18.445
23.75
74.79
58.40
6.12
12.54
4.52
1.395
3.11
1.695
0.495
5.205
12.74
73.49

157.21
21.05
58.45
71.62
111.97
10.62
18.85
18.405
4.19
25.94
7.61
58.35
5.98
12.46
4.38
1385
3.09
1.685
0.475
5.255
12.56
7351

Vefe
tiert

17.99
21.15
58.75
71.98
112.53
10.68
18.85
18.435
4.
3.16
74.39
58,65
602
1254
452
1.395
3.11
1.695
0.485
5.295
12.54
73.99

Berliner Kurſe. (Eigene telegr. Meldung.)
imtliche Zahlen verſtehen ſich mit 1000 000 000.
13. 5.

10400
12750

45000

Gelſenk. Gußſtahl ...."
Geſ. f. elektr. Untern..
Halle Maſchinen
Han. Maſch.=Egeſ

14. 5.
11000
13875
20000
6125
5250
20500
2000
6250
3300
10875
12100
329
8400
a
40125
10000
119.
125000
95000
54000

Hanſa Dampfſch. . .
Hemoor Zement .
Hirſch Kupfer.
Höſch Eiſen
Hohenlohe Werke.
Kahla Porzellan.
Lindes Eismaſch.
Lingel Schuh
Linke u. Hofmann
2. Loewe u. Co.
C. Lorenz
Meguin
Niederländiſche K.
Nordd. Gummi

3. 5.
2500
30000
21500
32250
20875
7000
6700
2500
13000
54000
3375
12000
30000

0600
Orenſtein.
Rathgeber
Rombacher Hütten.
Roſitzer Zucker
Rütgerswerke
Sachſenwerk
Sächſiſche Gußſt,
Siemens Glas.
Steaua Romana
Ver. Lauſitzer Glas.
Volkſtedter Porzellan.
5250
Beſtf. Eiſ. Langendreer
Wittener Gußſtahl ..
20250
Wanderer=Werke
7000

11750
4250
11875
21000

Frankenkure
ondon: 73.73
Marktus
18.75

1Proz.
voll.
125Pr.
2Proz.
5 Proz.
voll
4 Proz.
1 Proz.
1 Proz.
50 Prz.
2 Proz.
10 Prz.
voll
10 Prz.
voll
voll
voll
voll
voll
voll
voll
2 Prz.

14. 5.
9000
31500
22125
35500
21000
9000
7000
2500
15750
56000
40000
15500
32009
G50o
12750
5000
12750
26125
12400
1600
24000
4400

5900
9000
22000
7000

Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aßtien.
Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt,

Frankfurter Kursberie
m 14. Mai 1924.

Europäiſche Staatspapiere, 13.5. 14. 5.
a) Deutſche.
......... 0.4
........."
3o
Dollar=Goldanleihe. ........."
Dollar=Schatzanweiſungen ..
Dt. Schatzanw. K Ausg. Tv. 23
K IIb. 23
Tv. 24
K, Tv. 24
W. u. V. Schatzanweiſg.
4½%H.IK.
47Dt. Schutzgebiet v.0,8-11u.13
v. 14
Sparprämienanleihe .. . . . . . . . 0.095
Zwangsanleihe .......... . . . . 7 Mdl
49 Preuß. Konſols ........ 0B
.....
8½%
....... 026
4% Bad. Anl. unk. 1935 ......"
v. 1907 ....... 0,175
47 Bahern Anleihe L...n...
...... 033
399
Heſſ. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rck. 26 . ....."
816% Heſſen Reihe XXXII.
untilgb. b. 28.. .. . . . . . . . . . . 550 T 550
4½ Heſſen unk. 1924... . . ....
.................
b)Ausländiſche.
5½ Bosnien L.=E.=B. v. 1914.
L.=Inveſt.=Anl. v. 1914
4½ v. 1902 .....
......."
58 Bulgar. Tabak 1902.......
1/% Griech. Monopol ....
4½% Oeſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918 ........."
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
v. 1914 ............... 3,5
48 Oeſt. Goldrente ........."
4% einheitl. Rente ...... 032
5% Rum, am. Rente v. 03 ....
4½% Goldrente v. 13 ...."
4% am. Goldrente konv.
4% am. b. 05 ......."
4%0 Türk. (Admin.) v. 1903....
4½ (Bagdad) Ser. I..
I..
4%
4% v. 1911, Bollanl. ...
4½% Ung. Staatsr. v. 14 ...
Goldrente ........"
Staatsr. v. 10 ...
Kronenrente .. . . .. 0.41 0.45
Außereuropäiſche.
5% Mexik. amort. innere . . . . ..
5% konſ. äuß. v. 99.....
4½ Gold v. 04. ſtfr. . . . ."
. koni. inner. ......."
4½% Frrinationsanleihe .
5% Tamaulipas, Serie l......

5% Reichsanleihe .... . . . .. .. 0.080 0081 5% Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtir. . . ........ 09 09 26%Neus 4,2 7630 78 30 Oeſt. 4,2 4,2 3½%r .........aaa 021 025 Bayer Hypotheken= u. Wechſelb. 42 Würtemberger ........ 022 022 Commerz= und Privatbank ...

Oblig. v. Transportanſt.
42 Cliſabethbahn ſtfr. . . . . . . .
4% Gal. Carl Ludw.=Bahn. . ..
2,62 Alte Oeſt. Südb. (Lomb.)
4½ Oeſt. Staatsb. v. 1883 ...."
1. b. 8. Em..
9. Em. ...."
v. 1885 ...."
3% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
40 Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
4½% Anatolier I............"
% Salon. Conſt. Jonction ..."
3% Salonique Monaſtir ......"
5% Tehuantepee. ..........
........
4½2%0
Nach Sachwert verzinsl.
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwertanl.
6% Heſſ.Braunk.=Rogg.Anl.v.23
5% Preuß. Kaliwert=Anleihe ..
04 5% Roggenwert=Anl.
5% Sächſ. Braunk.=Anl. Ser, Iu, II
5% Südd. Feſtwertbk. . . . . . . .
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Ereditanſtalt. . . .
Bank für Brauinduſtrie ......
Barmer Bankverein. ........"
0.19 C1859 Berliner Handelsgeſellſchaft . ..
Darmſtädter u. Nationalbank ..
Deutſche Bank....
........
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank
Deutſche Hypot.=Bank Mein., ..
Deutſche Vereinsbank ......."
Disconto=Geſelſchaft ........
Dresdner Bank. . ....
Frankfurter Bank ..........."
Hypotheken=Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . . . . . .
12
Mitteldeutſche Creditbank. . ..
3,75 Oeſterreichiſche Creditanſtalt ..
Reichsbank=Ant. . . . . . .. .. . . .
Rhein. Creditban1........
Hypothekenbank.
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
13 Weſtbank .................."
Wiener Bankverein ..........
1.
Bergwerks=Aktien.
Berzelius .................."
Bochumer Bergb. ..... .. . ...
Buderus....... .. . .. . .. . . ..."
Plo 49 Dt. Luxemburger ............"
Eſchweiler Bergwerks=Akt. ..
1,5
Gelſenkirchen Bergw. .......
3.1 Harpener Bergbau.. .. . .. . . .
Kaliwerke Aſchersleben .......
Salzdetfurth. ......
Weſteregeln ......."
Klöcknerwerke (abg. Lothr. Hütte)
Mannesmann Röhren ........"
Mansfelder
Oberbedarf".
......
Oberſchleſ. Eiſen CCaro) ......"
Otavi Minen u. Cb.=Ant. ....
nis Bergbau .........
I Tauſend
ohne Umſaz X rationiert.

13. 5.

bi.

11

14. 5.

085
5,75

925
85

Rhein. Stahlwerke .. . . . . . . . . ."
Niebeck Montan.. .. . a.4..
Rombacher Hütte . .........."
Tellus Bergb.=u. Hütten=Akt. .
Ver. Laurahütte .. . . . . . . . .. .."
Aktien induſtr. Unternehmung.
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . . .
Löwenbräu München ........"
Schöfferhof (Binding)......."
Werger ..

11

035
0.325

5,25
1125
39
65,5
45,5

13,73
33,5
2.75
4,5
15,2.
14,5
3

5,2

12
20"
25,25

N
Adler & Oppenheimer .......
Adlerwerke iv. Kleher)......."
A. E. G. Stamm. . . . . . . . .
6% Vorzug Lit. A ...
o Vorzug Lit. B..."
Amme Gieſecke & Konegen ...."
Anglo=Continental=Guano.....
Anilin Bln.=Treptow.. ......"
Aſchaffenburger Zellſtoff ....."
Badenia (Weinheim)........"
Badiſche Anilin=n. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach ........"
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen..
Baldur Piano.. .. . .........."
Baſt Nürnberg .............."
Bahriſch. Spiegel ..........."
Beck & Henkel CCaſſel) ........"
Bergmann El. Werke ...
Bing. Metallwerke ....... . . . ."
Brockhues, Nieder=Walluf..
Cementwerk Heidelberg..
Karlſtadt ...
Lothringen (Metz).
Chem. Werke Albert. . ......
Griesheim Elektron ...
Fabrik Milch ..
Weilerztermer ..
Daimler Motoren .........
Deutſch. Eiſenhandel Berlin
Dt. Gold= u. Silberſchzeideanſt.
Dingler, Zweibrücken ....."
Dresdener Schnellpreſſen ..
Dürkoppwerk (Stamm) ......
Düſſeld. Ratinger (Dürr)....."
Oyckerhof & Widm. Stamm ...
Eiſenwerk Kaiſerslautern ....."
L. Meher jr. ......
Elberfelder Farbw. v. Baher ..
Kupfer=u. Meſſingwv.
Elektr. Lieferungs.=Geſ. ....
Licht und Kraft . . . . . . .
Elſäſſ. Bad. Wolle............
Emag, Frankfurt a. M... ....."
Email.= & Stanzw, Ullrich ...."
Enzuger Werke .............
Eßlinger Maſchinen .........."
Ettlingen Spinnerei ........."
Faber, Joh., Bleiſtiſt ........"
Faber & Schleicher .........."
Fahr, Gebr., Pirmaſens ....."
Felten & Guilleaume, Carlsw..
Feinmechank (Fetter)........"
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M..
Frankfurter Gas...
Frankfurter Hof ........
Fkf. Maſch. Pokorny & Wittei.
Fuchs, Waggon Stamm ...."
Ganz. Ludwig, Mainz znn.

13.5. 4. 12,25 1,88 1. 16,5 26,5 105 1 22, 1 2,75 2.25 235 255 3. 105 13.1 125 13½ 118 475 4,75 2,1 10.25 2.5 5.62 11.25 9,6 11.25 2.9 3.2 12,75 13,25 5.25 1.9 3.1 1,4 1.,85 12 13 15 119 11.25 95 9,25 0,325 0.35 35 10,5
5,25 4,5 46 10,5 z1 5,1 19" 145 1425
1.3 4,25 1.95 1.2 1,25 066 0,65

Geiling E Cie...............
Germania Linoleum .........
Gelſenkirchen Gußſtahl ......."
Goldſchmidt, Th. ......
Gotha Waggon. .............
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach...
Grün & Bilfinger ..........."
Hammerſen (Osnabrück)......"
Hanfwerke Füſſen ...:rsaa..
Heddernheimer Kupfer .......
Hehligenſtaedt, Gießen .......
Hilpert Armaturenf. . ..... ...
Hindrichs=Auffermann. .. . ...
Hirſch Kupfer u. Meſſ........
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben .............
Holzmann, Phil. ... ... . .. . . .
Holzverk.=Induſtr. . . . .. . . . . ..
Hydrometer Breslau ........"
Inag ...... ................"
Junghans Stamm.. . . . . . . . ..
Karlsruher Maſchinen ........"
Kurſtadt N.
........"
Klein, Schanzlin & Becker ...
Knorr, Heilbronn...... ......"
Kolb & Schüle Spinn.. ......
Konſervenfabrik Braun ......
Krauß & Co., Lokom. . . . . . . . ."
Lahmeyer & Co. ............"
Lech, Augsburg ............."
Lederw. Rothe .........
Lederwerke Spicharz ........
Lingel, Schuhw. Erfurt ......"
Löhnberger Mühle .........
Lüdenſcheid Metallw. . ......."
Luther, Maſch. u Mühlenbau..
Lux’ſche Induſtrie ..........."
Mainkraftwerke Höchſt .......
Meguin, Butzbach ........
Metallgeſ. Frkft, ..........."
Meyer, Dr. Paul ..........
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M..
Moenus Stamm ..... . .....
Motorenfabrik Deit3........"
Motorenfabrik Oberirrſel ....."
Neckarfulmer Fahrzeugwverke ...
Neckarwerke Eßl. Stamm . . .
Oleawerke Frankfurt a. M..
Peters Union Fraukfurt a. M.
Pfälz. Nähur., Kahſer .....
Philipps A.=G. ........."
Porzellan Weſſel .........."
Reiniger, Gedbert & Schall. . .
Rhein. Elektr. Stamm .. . . . . . .
Metall Vorzüge. ......
Rhenania, Aachen ...........
Riedinger, Maſchinen ........."
Rückforth, Stettin ..........."
Rütgerswerke .......ha!.
Schleußner (Frankfurt a. M.) ..
Schneider & Hanau.. . . . . . . . .
Schnellpreſſen Frankenthal. . .
Schramm Lackfabrik. . .. . . . . ..
Schriftgießerei Stempel, Ffn.
Schuckert Elektr. (Nürnberg).
Schuhfabrik Berneis=Weiſel..
Schuhfabrik Herz........."
Sihuhf. Leunder Offenbay ..
Schulz, Grünlack, Rdsh. ...
Seilinduſtrie Wolff ......."
Sichel & Co., Mainz ....."

13. * 1. 11,5 145 1b.
8 109 79 33 3,25 5,8 23,5 3. 3,55 111, 11. 3,4 73 4,5 2.15 31 1,5 4 85 8,5 0,9 4.6 4,25 78 8is 2,5 2.7: 4,6 4.5 2.5 2.9 2.75 2.75 6 4,8 425 13 15,2) 10 41 2.7 1,5 145 2.1 9 1,75 1 0,825 12 Wd 1.8 3,4 3,6 4 30,5 2,3 * 2,1 0.58 4,9 5.95 79

Sieme.
Siemer Betriebe ..
Siemenuſtrie ..
Stöckicht.. . . .. ..
Süddeutſ=Gummi ..
Shüring, obilien
nhrenfabr=Geſ., Gotha
Beithwerkagler ...
Verein f. Gach
Verein deu uſtr. Frkft.
Faß Mannh.
Gumſſel ..."
Piniln.=Frkf.,
Ultrenberg ..
Zell ........"
Vogtländ. M......
ge ....
Voigt E Haime . . . .
Voltohm, Enme ...
Wahß E Fre.. .
Wegelin Ru. . .. . . .
Zellſtoff W.... . . ."
Zuckerfabr. nm ....

13. 5.
12,25
P

19

Süddeutſ. ..
Hapag (yn=Geſ.
Nordd) ..."

Bahn Verte.
Dampf. .........
Helvetig..
Gebr. Kbrik. .
Motorel ........
Gebr. Radt ..."
Venuleth. . .. . . ..
Nung
Alig. Banko
Beckerkohle )rf...
Beckerſtahl . . . . . .
Bent.. .........
Browit Bobe ...
Cont, Handels ...
Deutſche Han...
Frankf. Hande...
Falconwerke ...
de Giorgi Cho..
Growag.......
Hanſa Llohyd ..
Hero Conſerven.
Holſatiawerke, /.
Kabel Rheydt
Krügershall Kalf,
Metall Starkenk
Metz, Karl & S5,
Neckar=Gummi
Petroleuim Dtſck.
Raſtatter Waggs
Remy Chen.
Textil=Ind. Barn
Ufa Film ...."
Unterfranken Gr

........" 2,65 1......" ........" ...... 2,6 ........ Re
en.

[ ][  ][ ]

Nummer 135.

* Die öſterreichiſche Börſen=
und Wirtſchaftskriſe.
Von unſerem Wiener Korreſpondenten,
Dr. A. N., Wien, Mitte Mai 1924.
Die weiteſten Kreiſe der Wiener und darüber hinaus öſter=
reichiſchen
Bevölkerung kennen ſeit Wochen nur ein Geſprächs=
thema
: die kataſtrophale Dauerbaiſſe an der Wiener Börſe. Um
dieſe Tatſache, die auf Fernſtehende einigermaßen befremdend
wirken mag, zu verſtehen, muß man ſich vor Augen halten, daß
Oeſterreich vor noch nicht allzu langer Zeit eine beiſpielloſe
Währungszerrüttung und bald darauf eine außerordentliche
Börſenkonjunktur erlebt hat; dadurch wurden ganze Bevölke=
rungsſchichten
, denen in normalen Zeiten die Börſe ein Myſte=
rium
der Hochfinanz und des Spekulantentums war, faſt un=
widerſtehlich
genötigt, ihre Erſparniſſe in Effekten anzulegen.
Bis in den Herbſt des vorigen Jahres war auch eine ununter=
brochene
Hauſſe aller Börſenpapiere zu verzeichnen, die zu un=
wahrſcheinlichen
Höchſtkurſen und zur Anhäufung gewaltiger,
vielfach nicht voll ausbezahlter Aktienpakete in den Kreiſen des
privaten Publikums führte. Im September 1923 trat ein Still=
ſtand
in dieſer Entwicklung ein, da die Aufnahmefähigkeit aller
in Betracht kommenden Käuferkreiſe ſo gut wie erſchöpft war,
die Geldknappheit immer würgender wurde und der exorbitant
hohe Zinsfuß von 40 bis 50 Prozent p. a. jede Kreditaufnahme
unrentabel machte. Nach einigen Wochen der relativen Stabi=
lität
begann ein allmähliches Abbröckeln der Kurſe, verurſacht
durch Verkäufe vorſichtiger Kapitaliſten und vor allem auch
ſolcher Aktienbeſitzer, die ihre Papiere nicht voll ausbezahlt hatten
und die Veräußerung mit geringerem Gewinn oder ſogar mit
Verluſt einem weiteren Zuwarten bei Entrichtung hoher Zinſen
vorzogen. Dieſe allmähliche Kursſenkung wurde aber in wei=
teſten
Kreiſen als eine vorübergehende Oberflächenerſcheinung
gewertet, während ſie in Wirklichkeit das erſte bedrohliche Symp=
tom
einer kataſtrophalen Zertrümmerung des künſtlich und durch
ungeſunde Methoden hochgetriebenen Kursgebäudes aller Aktien
bildete.
Den unmittelbaren Anſtoß zu dieſer Entwicklung boten die
ſchweren Verluſte des Wiener Platzes durch umfangreiche Konter=
mineſpekulationen
gegen den franzöſiſchen Franc. Ueber das
Ausmaß dieſer Transaktionen kurſierten ſeinerzeit im In= und
Auslande vielfach übertriebene Gerüchte; Tatſache iſt, daß ſich
im allgemeinen nur einige mittlere Finanzinſtitute und vor allem
ausgeſprochene Börſenſpekulanten, an dieſer unſauberen und
bald ſo kläglich geſcheiterten Campagne beteiligten. Gerade
dieſe Elemente aber waren gleichzeitig in außerordentlichem
Maße in Effekten an der Wiener Börſe engagiert. Sie mußten
daher, als der Frane plötzlich ſeine außerordentliche Aufwärts=
bewegung
begann, Hals über Kopf Aktien veräußern, um die
zur Deckung ihrer Verbindlichkeiten in franzöſiſchen Franc not=
wendigen
Gelder zu beſchaffen. So erfolgte plötzlich eine Ueber=
ſchwemmung
des Marktes mit großen Aktienpaketen, die binnen
wenigen Wochen zu einer veritablen Börſenkataſtrophe führte,
die in der Reduzierung des Kursniveaus um 300, 400 und mehr
Prozent gegenüber den ſeinerzeitigen Höchſtſtänden ihren kraſſe=
ſten
Ausdruck fand. Die Stützungsaktion, welche die Wiener
Großbanken unter Führung der Nationalbank vor kurzem ein=
geleitet
haben, hat bisher dieſe ſchier unaufhaltſame Entwicklung
nur unzulänglich einzudämmen vermocht.
Dieſe ſchwere Kriſe der Wiener Börſe hat, wie ſchon ein=
gangs
hervorgehoben, weiteſte Kreiſe der inländiſchen Bevölke=
rung
außerordentlich in Mitleidenſchaft gezogen. Viele Tauſende
Angehörige des mittleren und kleinen Bürgertums haben ihre
Erſparniſſe größtenteils eingebüßt, da der Effektenbeſitz, in den
ſie ſich zur Zeit der rapiden Kronenentwertung geflüchtet hatten,
heutze und wohl auf abſehbare Zeit hinaus nur einen Bruchteil
des früheren Wertes repräſentiert. Dazu kommt die ſehr be=
trächtliche
Zahl derer, die, verlockt durch die außerordentliche
Börſenkonjunktur des vergangenen Jahres, auf Kredit ſpekuliert
hatten und deren Papiere in den letzten Wochen infolge man=
gelnder
Deckung zwangsweiſe veräußert wurden. Vor allem

Darmſtädter Zu,olutt, Donuelstag; den 15. Mat 1924.

aber hat die Börſenkataſtrophe die ſchwere Wirtſchaftskriſe, in
deren Zeichen Oeſterreich ſchon ſeit vielen Monaten ſteht, außer=
ordentlich
verſchärft. Induſtrie und Handel leiden unter der
immer ſtärker auftretenden Geldknappheit, das Exportgeſchäft
liegt nach wie vor flau, der Lokalabſatz iſt lahmgelegt, da beide
Bevölkerungsſchichten zu größter Sparſamkeit gezwungen ſind;
die Inſolvenzen mehren ſich in beſorgniserregendem Maße und
gleichzeitig wird überall nach Kräften abgebaut werden Tau=
ſende
kleiner Angeſtellter auf die Straße geſetzt, die wohl in den
nächſten Monaten keinen Erwerb finden können.
Wohl zu beachten iſt, daß dieſer finanzielle und wirtſchaft=
liche
Verfall die öſterreichiſche Bevölkerung, nicht aber den Staat
als ſolchen trifft; im Gegenteil, die Sanierung gemäß dem Genfer
Programm nimmt vorläufig wenigſtens ziemlich ungeſtört
ihren Fortgang. Es zeigt ſich alſo intereſſanter Weiſe die gerade
Umkehrung des ſeinerzeitigen Sachverhaltes: Im Sommer 1922,
im Höherunkt der Währungszertrümmerung, drohte der Staat
auseinander zu fallen, während ſeine Bevölkerung; trotz aller
Bedrängniſſe der Inflation, ſich leidlich fortzuhelfen wußte; heute
iſt die öſterreichiſche Krone ſeit langem ſtabiliſiert, der Staats=
haushalt
auf dem Wege zur vollkommenen Konſolidierung
allein die wirtſchaftliche Not der Bevölkerung hat ein Maximum
erreicht. So gewinnt es mehr und mehr den Anſchein, daß die
Genfer Rettungsaktion ſchließlich in jenes Ergebnis münden
wird, das kluge Beobachter ſchon ſeit langem vorausgeſehen
haben: Sanierung Oeſterreichs auf Koſten ſeiner Bevölkerung!
Wien, 14. Mai. (Wolff.) In der geſtrigen Sitzung des
Nationalrats ſtellte der Finanzminiſter Kienboeck gegenüber
den Aeußerungen des Abg. Bauer feſt, daß die Nationalbank
der Frankenſpekulation vollkommen fernſtehe. An den Exzeſ=
ſen
der Spekulation treffe ſie kein Verſchulden. Angeſichts der im
Ausland veröffentlichten übertriebenen entſtellenden Mitteilun=
gen
über die Natur der Kriſe habe man in Oeſterreich alles In=
tereſſe
daran, daß ein ſachkundiger Beobachter, ein Ausländer,
ſich an Ort und Stelle von dem Tatbeſtand überzeuge, was nur
dazu beitragen könne, das Vertrauen des Auslandes in die öſter=
reichiſche
Wirtſchaft in vollem Umfang aufrechtzuerhalten.
Bundeskanzler Seipel legte dar, daß die Beſtellung eines
ausländiſchen Beraters bei der Notenbank nicht im geringſten
einer Politik widerſpreche, welche die Sanierung zeitgemäß zu
Ende führen ſoll. Die maßgebenden Richtlinien unſerer Politik,
betonte der Bundeskanzler, beſtehen darin, die übernommene
Sanierungsaktion zu Ende zuführen, und zwar ge=
nau
entſprechend den Vereinbarungen, die wir eingegangen ſind,
mögen dieſe Vereinbarungen im einzelnen Falle zu unſeren
Gunſten oder zu unſeren Laſten laufen.

Seite 11.

Der Wettbewerb in Oſtaſien.
Von Baron Matſui, Miniſter des Auswärtigen in Japan.
Unter dem zerſetzenden Einfluß des Weltkrieges haben ſich
nicht nur die geographiſchen Grenzen der meiſten Kulturſtaaten
erheblich verändert, ſondern es iſt auch durch die mit ihm ver=
bunden
geweſenen Veränderungen der inneren Struktur eine
auffallende Umſchichtung der internationalen Wettbewerbsfähig=
keit
auf dem Weltmarkte verbunden geweſen. Abgeſchnitten von
den großen europäiſchen Induſtrieſtaaten, waren viele Länder
des Oſtens und Südens gezwungen, durch den ſchnellen Aufbau
einer einheimiſchen Induſtrie einen Erſatz für die ausfallenden
Induſtrieerzeugiiſſe der europäiſchen Staaten zu finden. Aus
Mangel an Abſatzgebieten verkümmerten andererſeits in ſtark
entwickelten Induſtrieſtaaten gewiſſe Zweige oder waren zu einer
Umſtellung ihrer Produktion gezwungen. Auch Japan hat eine
auffallende Umwandlung ſeines wirtſchaftlichen Antlitzes erfah=
ren
und ſich aus einer vorwiegend landwirtſchaftlich orientierten
Nation in eine Induſtrie= und Handelsnation verwandelt, bei
der auch durch ſeine inſulare Lage und die Weitverzweigtheit ſei=
ner
Intereſſen Schiffahrt und bankgeſchäftliche Transaktionen
eine große Rolle ſpielen.
Gerade wir hier im fernen Oſten wiſſen am beſten, was
eine Regelung des internationalen Wettbewerbes bedeutet. Noch

vor kaum 25 Jahren konnten wir es in unſerer allernächſten Nach=
barſchaft
beobachten, wie die Flagge fremder Nationen dem Hau=
del
in unſerem großen weſtlichen Nachbarſtaat auf dem Kontinent
nicht nur folgte, ſondern ihn ſogar anführte. Es war dies die
Zeit, in der die meiſten Großmächte an chineſiſchen Konzeſſionen
ſtark intereſſiert waren und die Wucht, mit der damals reine
Spezialintereſſen gewiſſer Gruppen unter voller Einſetzung der
politiſchen Geltung ihrer Landesangehörigkeit verfolgt wurden,
beunruhigte uns nicht weniger als China ſelbſt. Imperialiſtiſch
wurde die damals getriebene Politik gemeinhin genannt, in
Wirklichkeit aber ſtanden dahinter vornehmlich Wirtſchaftsinter=
eſſen
und die friedliche Durchdringung dieſer Gebiete lief auf
eine Hebung der induſtriellen Leiſtungsfähigkeit, auf eine Stei=
gerung
des Abſatzes und auf eine Erhöhung des Nationalreich=
tums
der intereſſierenden Nationen hinaus. Die Intenſivierung
dieſer imperialiſtiſchen Tendenzen hatte aber bald in den Gebie=
ten
ihrer Anwendung und in den Nachbarſtaaten die Einſicht der
Notwendigkeit einer Verteidigung entſtehen laſſen. Nur durch
engſten Zuſammenſchluß der nationalen Intereſſen der Völker
des Oſtens und durch eine vorſichtig abwägende Wirtſchafts= und
Außenpolitik konnte in dieſen Zeiten der Frieden im fernen
Oſten erhalten bleiben. Trotzdem führte die Politik einer im=
perialiſtiſchen
Ausbreitung der Intereſſenſphäre in anderen
Teilen der Welt zu Händeln und Reibungen verſchiedener Art,
aus deren Druck und Gegendruck ſich der Weltkrieg entzündete.
So groß das Unglück iſt, das er über die geſamte Kulturmenſch=
heit
gebracht hat, man wird es nicht vergeſſen dürfen, daß er ge=
rade
durch ſeine furchtbaren Begleiterſcheinungen zu einer ge=
wiſſen
vorteilhaften Wandlung im internationalen wirtſchaft=
lichen
Wettbewerb und zu einer Entgiftung der ihn umgebenden
Atmoſphäre geführt hat.
Aus dem Beſtreben, die friedlichen Handelsbeziehungen in
den großen Konzeſſionsgebieten des fernen Oſtens durch poli=
tiſche
Maßnahmen zu regeln, kam die Waſhingtoner Konferenz
zutage, deren militäriſches Programm die Abrüſtung, deren tiefer
liegendes wirtſchaftliches Ziel aber die Beſeitigung einer Rei=
bungsgefahr
auf wirtſchaftlichem Gebiete war. Der ſogenannte
Viermächtevertrag verpflichtet die an den Stillen Ozean um=
ſäumenden
Gebieten intereſſierten Großmächte, ſich von der ge=
waltſamen
Austragung irgend eines Konfliktes zur Diskutie=
rung
der Streitpunkte zuſammen zu finden, um ſo den Frieden
in dieſen Gebieten zu erhalten. Beſondere Verträge ſind gerade
hinſichtlich Chinas geſchloſſen worden und von neun daran in=
tereſſierten
Mächten ratifiziert worden. Dieſe Verträge geben
die Verſicherung, daß der alte, zu Beginn dieſes Jahrhunderts
beſtehende Zuſtand eines ſkrupelloſen Vordringens privater
Wirtſchaſtsintereſſen unter dem Schutze politiſcher Machtmittel
nicht wieder eintritt. Das ſind ſicherlich Regelungen von unge=
heurer
Tragweite nicht nur für die Staaten des fernen Oſtens,
ſondern auch ein Segen für die geſamte Kulturwelt.
Die Beziehungen der an China intereſſierten Großmächte
ſind durch dieſe vertragliche Regelung gegenwärtig ſo, daß der
fremde Geſchäftsmann abſolutes Vertrauen in ſeine im fernen
Oſten angelegten Unternehmungen haben darf und daß für die
in dieſen Gebieten inveſtierten Gelder weder für die Gegenwart
noch für die Zukunft irgendwelche Gefahr beſteht. Japau ſelbſt
begrüßt dieſe Regelung auf das lebhaftete, denn auch für die
friedliche Durchführung ſeiner Intereſſen iſt nunmehr die Grund=
lage
geſchaffen. Japan iſt ſich deſſen bewußt, daß es weder die
finanziellen Mittel noch die finanztechniſche Geſchicklichkeit hat,
um den bedeutenden auf Jahrzehnte hinaus beſtehenden großen
Kapitalbedarf Chinas ſicher zu ſtellen, auch fehlen ihm die natür=
lichen
Hilfsmittel, um den Rieſenbedarf Chinas nach Induſtrie=
erzeugniſſen
aller Art zu befriedigen. Sein Anteil am Außen=
handel
Chinas wird ihm ſtets zufallen, denn es verſteht infolge
ſeiner nachbarlichen Lage die lokalen Bedürfniſſe Chinas am
beſten zu beurteilen.
Japan blickt mit großer Ruhe in die Zukunft und hofft, daß
die ohen angedeutete wirtſchaftliche Entwicklung ſich friedlich
fortſetzen werde. Der Gedanke, daß es nicht gerecht und meiſten=
teils
ſogar unweiſe iſt, im Intereſſe einzelner Wirtſchaftsgruppen
die Freundſchaft eines ganzen Landes aufs Spiel zu ſetzen,
iſt der neue Gedanke im internationalen Wettbewerb, der aus
dem Chaos des Weltkrieges geborene neue Geiſt, der ſich hoffent=
lich
im Laufe der Zeit erweitern und vertiefen wird.

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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt

Handelsbia

Wirtſchaftliche Rundſchau.

Südweſtdeutſchlands. Man ſchreibt uns: Die diesjährige
ordentliche Generalverſammlung des Vereins von Holzintereſſenten ſchaftsſteuer, Vorauszahlungsſätze für den Ein= und Ausfuhr=
Südweſtdeutſchlands tagte am 1. Mai im Hotel Waldeck zu Freuden= handel. Wie der Zentralverband des Deutſchen Großhandels mitteilt,
ſtadt. Die Tagung war aus allen Teilen des Vereinsgebietes gut be=
ſucht
, insbeſondere aus Württemberg und Baden, es fehlten aber auch hat das Reichsfinanzminiſterium ſoeben die fünften Durchführungsbeſtim=
nicht
Mitglieder aus der Pfalz und von der Saar. Der Charakter der
Verſammlung war rein intern. Der erſte Vorſitzende Dr. h. C. Herm. fälligen Vorauszahlungen für die Einfuhr im Großhandel grundſätzlich
Himmelsbach=Freiburg erinnerte in ſeiner Begrüßungsanſprache
wirtſchaft das Auseinanderſtreben der Kräfte immer wieder aufs neue
die praktiſche Nutzbarmachung des von den Fachverbänden vertretenen fuhr von Gegenſtänden der unter Gruppe 1 der erſten Durchührungs=
Zuſammenſchlußgedankens. Mit ernſten Ermahnungen zu tätiger Zu= lediglich einer Beſteuerung von 1 v. T. unterliegen. Ferner gilt ein
ſammenarbeit in der jetzigen ſchweren Zeit ſchloß Dr. Himmelsbach
ſeine Anſprache. Paul Faller=Saig erwiderte mit Worten des ermäßigter Satz von 1 v. T. für Tranſit= und Umſchlagsgeſchäfte und
richtet. Seine Vorſchläge und Vorlagen wurden genehmigt.
tereſſen ſowie die Uneinheitlichkeit der Lebensbedingungen der einzelnnn bereit.
Mitglieder und Firmengruppen gezogenen Grenzen, ſtreifte ſodann die
wichtigſten holzwirtſchaftlichen Tagesfragen (Reparationslieferungen,
Holzbeſchlagnahme, Frachtenpolitik der Reichsbahn, Außenhandel, zoll=
und handelspolitiſche Fragen, Steuer= ſowie Verſicherungsfragen), um * Geſellſchaft für Linde’s Eismaſchmen A.=G.,
holzmarkt zu befaſſen. Schwer laſte überall auf Holzinduſtrie und ſchäftsjahr 1923 pro Aktie eine Dividende von 5 Billioyſa Papiermark
aus dem Hochſtand und dem trotzdem andauernden Auftrieb der Rund= einberufenen G.=V. u. a. die Eröffnungsbilanz in Goldydrk per 1. 1. 24
holzpreiſe und aus deren Mißverhältnis zu den Schnittwarenpreiſen vorlegen.
ergeben. Man dürfe für das Rundholz nicht immer noch Preiſe anlegen,
die der geſunde Menſchenverſtand angeſichts der Kreditnot und der für A. G. Die Generalverſammlung der Daimler Motoren=Geſelſchaft, in
bar erkennen müſſe. Bis jetzt lege man in weiten Kreiſen gegenüber treten war, erteilte dem Intereſſengemeinſchaftsvertrag mit der Zenz=
an
den Tag. So würden der Preistreiberei auf dem Rundholzmarkt daß die Intereſſengemeinſchaft mit Benz den Zweck habe, die Konkur=
deutſchen
Holzwirtſchaftsgebiet ſei ein Ueberſchuß von 40 Prozent Säge= Fuſionsverhandlungen zwiſchen den beiden Firmen haben bereits vor
gattern gegenüber der Vorkriegszeit längſt überſchritten, trotzdem ſieht 16 Jahren ſtattgefunden. Der Zuſammenſchluß ſei jedoch immer wie=
Planes, die nur auf dem Wege einer ſcharf umriſſenen Konvention / Vereinsbank), Oberingenieur Groß (Daimler), außerdem die Mitglieder
gung der Rohſtoffverbraucher im Einkauf entgegenwirken; wenn indeſſen daß es aber der Geſellſchaft in der jetzigen Zeit der Gelöknappheit nicht
keine ſcharfe Bindung der Kaufliebhaber, kein organiſcher Zwang da= beſſer gehe als allen übrigen großen induſtriellen Werken. Es komme
hinterſtehe, ſei ein ſolches Mittel eine ſtumpfe Waffe im Kampf gegen vor, daß gekauſte Autos aus Mangel an Geld nicht abgenommen wer=
die
ungeſunde Preisbildung auf dem Rundholzmarkte.
die Beſeitignug der herrſchenden Zuſtände in der Nundholzverſorgung waren 310 522 Stammaktien und 2400 Vorzugsaktien vertreten. Der
erſt für die neue Einkaufsperiode für zweckmäßig erachtete, glaubte die beiden älteſten und größten Automobilfabriken Deutſchlands ſcheiden
Perſönlichkeiten, wie z. B. der Vorſitzende des Vereins württembergiſcher ſobald die ſteuerlichen Verhältniſſe es geſtatten. Die Generalverſamm=
von
der Subſtanz zu leben. Beſtärkt wurde dieſe Auffaſſung durch Hin= Benz.
weiſe des dem Reichswirtſchaftsrat angehörenden Vorſtandsmitgliedes
A. Fuchs=Karlsruhe auf die beſonderen währungsdolitiſchen
Maßnahmen der Reichsregierung, die eine allgemeine ſtarke Preisſen=
kung
im Gefolge haben müſſen, was natürlich auch auf die Holzwirt=
ſchaft
nicht ohne Rückwirkung bleiben kann. Die Frage des Rundholz= (Getreide, Hülſenfrüchte und Biertreber ohne Sack. Weizenmehl, Rog=
weitere
Bearbeitung erfahren. Außer dieſer wichtigen Angelegenheit Weizen Wetterau 17,2517,50, Roggen 1515,25, Sommergerſte für
ſammlung noch mit einer Reihe anderer Fragen, z. B. der Reform der Weizenmehl ſüddeutſches Spezial Null 26,5028,25, Roggenmehl 22,50
Holzberufsgenoſſenſchaften.
Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſelſchaft auf Aktien.

Die harmoniſch verlaufene und lehrreiche Verſammlung hat allen
Teilnehmern nützliche Gedanken mit auf den Weg gegeben und es iſt zu
Tagung des Vereins von Holzintereſſenten hoffen, daß ſie auch darüber hinaus befruchtend wirken wird.
* Abänderung der Einkommen= und Körper=
mungen
über die Vorauszahlungen auf die Einkommen= und Körper=
ſchaftsſtener
erlaſſen. Danach gelten erſtmals für die am 10. Mai 1924
an frühere Tagungen und würdigte vergleichend mit den damaligen die Sätze des Binnengroßhandels. Nur für die Umſätze von Gegen=
Zeitverhältniſſen den Ernſt der Lage. Leider gefährde in der Holz= ſtänden der in der Umſatzſteuerfreiliſte 1a und Ib bezeichneten Art gilt
der Satz von 2 v. T. Ein ermäßigter Satz von 1 v. T. gilt für die Ein=
beſtimmungen
genannten Warenbranhen, die auch im Binnengroßhandel
Dankes und Vertrauens, denen ſich die Verſammlung anſchloß. Es folg= ſolche Warengeſchäfte, bei denen die aus dem Ausland ſtammenden
ten die das Finanzweſen des Vereins und des Arbeitgeberverbandes Gegenſtände uicht in das Zollinland gelangen, ſondern in den Zollaus=
betreffenden
Angelegenheiten (Rechnungslegung, Feſtſtellung des Vor= ſchlüſſen (Freihäfen, Freibezirken) oder in den zollfreien Lägern der
Seehafenplätze verbleiben. Handelt ein Steuerpflichtiger mit Gegen=
anſchlags
uſw.), wozu Paul Faller=Saig als Schatzmeiſter be= ſtänden, für die verſchiedene Sätze vorgeſehen ſind, ſo hat er grundſätz=
lich
für alle Betriebseinnahmen die Vorauszahlungen nach dem höchſten
Der Tätigkeitsbericht des Vereins==Syndikus Hertzer= Satz zu entrichten; die niedrigeren Sätze darf er nur in Anwendung
Freiburg ging aus von Betrachtungen über die Bedeutung der bringen, wenn er in ſeiner Buchführung die verſchiedenen Arten der
Organiſation der wirtſchaftlichen Erwerbsſtände und über die einem Geſchäfte ſo ausweiſt, daß eine Nachprüfung durch das Finmzamt jeder=
Fachverbande in der Verfolgung einer tätigen Wirtſchaftspolitik und zeit möglich iſt. Der Zentralverband des Deutſchen Großhandels und
überhaupt in ſeiner Wirkſamkeit durch die Verſchiedenartigkeit der In= ſeine Bezirksgruppen ſind zu weiteren Auskünften an Entereſſenten
Erwerbsgeſeliſchaften.
ſich ſodann eingehender mit den Verhältniſſen aufdem Rund= Wiesbaden. Wir berichteten kürzlich, daß für das aßgelaufene Ge=
Holzhandel die Sorge um die Weiterentwicklung der Zuſtände, die ſich zur Ausſchüttung vorgeſchlagen iſt. Die Geſellſchaft wirdl der zum 30.5.
* Daimler Motoren=Geſellſchaft Benz u. Co.
die Sägeerzeugniſſe gegebenen Verkaufsmöglichkeiten glatt als untrag= der ein Geſamtkapital von 393 641 000 Mk. mit 753 641 Stimmm ver=
den
Forderungen des. Waldbeſitzes eine unverſtändliche Bewilligungsluſt Geſellſchaft einſtimmig Genehmigung. Es wurde darauf hingewieſn,
immer neue Konzeſſionen gemacht, natürlich auf Koſten der Subſtanz, renz auszuſchalten und durch Feſtſetzung eines gemeinſamen Fabrika=
Es gelte, nach Wegen zu ſuchen, die zur Geſundung führen, bevor der tionsprogramms, Vereinheitlichung des Ein= und Verkaufs, Herſtellung
Ruin weiteſte Kreiſe der Hölzinduſtrie erfaſſe. Das Grundübel ſei in von Einheitstypen uſw. die Fabrikate beider Werke zu verbilligen, um
der Ueberſpannung des Produktionsbedürfniſſes zu erblicken. Im ſüd= ſo auch der ausländiſchen Konkurrenz gewachſen zu ſein. Die erſten
man in den holzbedürſtigen Gebieten immer neue Sägewerke erſtehen, der geſcheitert bis zum jetzigen Zeitpunkt, wo dringende Wirtſchafts=
während
durch den Rückgang der Waldfläche (18 Prozent) infolge des intereſſen den Zuſammenſchluß herbeiführten. Die Daimler=Geſellſchaft
Friedensvertrages und das Fehlen der Holzeinfuhr im vorkriegszeitlichen erhoffe aus der Intereſſengemeinſchaft gute Reſultate. Die Intereſſen=
Umfange (15 Millionen Feſtmeter) die Rohholzverſorgung bedeutend, gemeinſchaft beginnt am 1. Juli 1924. Für die Dividendenverteilung iſt,
verſchlechtert ſei. Deshalb ſei der Vorſchlag einer Nationierung der wie bereits mitgeteilt, die Höhe des beiderſeitigen Aktienkapitals (600
Produktionsmittel durch Einſchränkung oder Stillegung von Betrieben zu 346) maßgebend. In den Aufſichtsrat wurden neu gewählt: Direktor
ernſtlich erwägungswert. Freilich ſei die Durchführung eines ſolchen Michalowsky (Deutſche Bank). Direktor Dr. Bausback (Württemberg.
möglich ſei, mit unverkennbaren Härten verbunden. Vielleicht könne des Aufſitsrats der Firma Benz. Ueber die Geſchäftslage wurde mit=
man
aber auch den jetzigen ungeſunden Verhältniſſen durch Verſtändi= geteilt, daß bis jetzt noch die ganze Produktion verkauft werden konnte,
den. Der Abſchluß für 1923 gebe keine Ueberſicht über den Status der
Die außerordentlich eingehenden und anregenden Erörterungen, Geſellſchaft. Eine Dividende werde nicht verteilt. In der General=
die
ſich an die Ausführungen ſchloſſen, zeigten, in welch hohem Maße Verſammlung der Benz u. Cie., Rheiniſche Automobilgeſellſchaft A. G.,
Lebensfrage der Sägeinduſtrie iſt. Während man die Vorbereitung Vorſtand führte aus, daß die Intereſſengemeinſchaft mit Daimler das
vrganiſatoriſcher Mittel (Schaffung von Einkaufsvereinigungen uſw.) wichtigſte Ereignis der heute vor 25 Jahren gegründeten Geſellſchaft ſei;
man aber für den Augenblick nicht ernſt genug vor einer weiteren Ein= jetzt aus einem Konkurrenzkampf, der häufig ſehr heftig zwiſchen ihnen
kaufstätigkeit in der bisherigen Weiſe warnen zu müſſen. Beſonders ausgefochten wurde. Das Geſchäftsjahr wird bei beiden Geſellſchaften
ſcharf kamen ſolche Warnungen dadurch zum Ausdruck, daß maßgebliche das Kalenderjahr ſein. Vorgeſehen iſt eine Fuſion beider Geſellſchaften,
Holzintereſſenten. Herr Commerell=Höfen a. d. Enz empfah= lung genehmigte ſodann den Intereſſengemeinſchaftsvertrag und wählte
len, den Einkauf auf das geringſte Maß zu beſchränken und lieber den geſamten Aufſichtsrat der Daimler=A,G. in den Aufſichtsrat von
Warenmärkte.
* Frankfurter Getreidebörſe. Amtliche Notierungen,
einkaufs ſoll demnächſt noch in den einzelnen Sektionen und Gruppen genmehl und Kleie mit Sack. Preis je 100 Kilogramm in Goldmark):
und den ſatzungsgemäß zu erledigenden Aufgaben befaßte ſich die Ver= Brauzwecke 17,7518,50, Hafer inländ. 14,2514,75, do. ausländ. 0,00,
bis 23,25, Weizen= und Roggenkleie 9,259,75.,

15. Mai 1924 Nr. 433

wb. Berliner Produktenbericht. Der Produktenmarkt
zeigte täglich das gleiche Bild hochgradiger Geſchäftsſtille und ausge=
ſprochener
Zurückhaltung. In Weizen mangelte es nicht an Angebot.
Sein Verkauf iſt aber außerordentlich ſchwierig, weil die Mühlen kein
neues Mehlgeſchäft haben und deshalb nur beſchränkt arbeiten. Roggen
iſt nach auswärts eher abzuſetzen als nach Berlin. In Gerſte, Hafer,
Kleie und den übrigen Futterſtoffen, ſowie Hülſenfrüchten ſind die Um=
ſätze
außerordentlich gering, zumal auch die ſommerlich warme Witte=
rung
täglich mehr Grünfutter bringt.

Börſen.

wb. Berliner Börſenbericht. Die Reinigung des Mark=
tes
von ſchwachen Elementen ſcheint ziemlich erheblich geweſen und die
techniſche Poſition dadurch weſentlich beſſer geworden zu ſein. Da ſich
die Erleichterung am Geldmarkt fortſetzt und das Angebot in Geld für
kurzfriſtige als auch längere Termine größer geworden iſt, blieb die
freundlichere, hoffnungsvollere Veranlagung der Börſe nach baldiger
Ueberwindung des anfänglichen leichten Rückſchlags beſtehen. Dieſe fand
weniger in der Belebung des Geſchäfts, welches ſich wegen des Ausblei=
bens
des Publikums zumeiſt noch auf die Spekulation beſchränkte, als
in weiteren Kursbeſſerungen ihren Ausdruck. Eine weſentliche Rolle
ſpielten zum Teil auch politiſche Evwägungen, da man hofft, daß die
endgültige Regelung der Reparationsangelegenheit nach dem bevor=
ſtehenden
Rücktritt Poincarés nunmehr leichter und raſcher vonſtatten
gehen wird. Die Kursbeſſerungen erſtreckten ſich in der Hauptſache auf
Montanwerte; ſie betrugen 12 Billionen, bei Köln=Neueſſen über 4
Billionen Prozent. Auf den übrigen Märkten waren ſie weitaus ge=
ringer
. Am Deviſenmarkt hielt das Nachlaſſen der Bedarfsnachfrage
auch heute an. Die Veränderung in den Kurſen und die Zuteilung
hielten ſich in engen Grenzen.
Deviſenmarkt.

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.. 111.72 112.28 111.97 112,53 5Proß. Helſingfors. 1062 10.68 10.62 10.68 voll Italien .. 18,85 18.95 18.85 18.85 4 Proy= London 18.355 18.445 18.405 18.405 1Proz. New=York: 4.19 4.19 4.21 1 Proz. Paris. B.65 23.75 25.94 2.16 50 Prz. Schweiz. 74.41 74.79 74.61 7499 2 Proz. Spanien.
...! 58.10 58.40 58.35 58,65 10 Prz. Vien (i. D.=Oſterr, abg.). 6.08 6.12 6.98 608 boll Pag.... 12.46
4.48 12.54 12.46 12.54 10 Prz. Bugpeſt. 4.52 438 4.52 voll Buens=Aires. 1.385 1395 1.385 1.395 voll Bulgaren. 3.09 3.11 3.09 3.11 voll Japan ... 1685 1.695 1.68 1.695 voll Nio de Fneiro.. 0.475 0.495 0.475 0.45 voll Velgrad. 5.255 5.295 5.255 5.295 voll Liſabon 12.66 12.74 12.56 12.54 voll Danzig ........ 73.41 73.40 73.51 73.99 2 Prz.

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R. Friſter
Gaggenau Vorz.
Gelſenk. Gußſtahl".
Geſ. f. elektr. Untern..
Halle Maſchinen
Han. Maſch.=

13.5. 14. 5. 13. 5. 14. 5. 10400 11000 Hanſa Dampfſch. 4500 9000 12750 13875 Hemoor Zement. 30000 31500 18500 20000 Hirſch Kupfer. 21500 22125 (500 6125 ööſch Eiſen 32250 35500 5125 5250 Hohenlohe Berke. 20875 21000 Kahla Porzellan 7000 9000 19750 20500 Lindes Eismaſch. 6700 7000 45000 4000 Lingel Schuh 2500 2500 65250 Linke u. Hofmann. 13000 15750 3300 2. Loewe u. Co. 54000 56000 10875 C. Lorenz. 3375 40000 12100 Meguin. 12030 15500 5000 Niederländiſche 30000 32000 15500 Nordd. Gumm 0600 G500 32300 34900 Orenſtein. 11750 12750 Rathgeber 4250 5000 30125 33750 Rombacher Hütten 11875 12750 64000 64000 Roſitzer Zucker 26125 72000 72000 (Rütgerswer 12400 Sachſenwer 1800 12875 312 Sächſiſche ( 22000 11008 Siemens Gle 14400 4000 Steaua Romang 4000 Ver. Lauſitzer Gl 11 Volkſtedter Porzellan. 5250 5000 125 Beſtf. Eiſ. Langendreer 9000 Wittener Gußſtahl ... 20250 22000 600 Wanderer=Werke .. 7000 7000

Frankenkurs in ondon: 73.73
Markkurs
18.75

Die Notierungen ſind in Billionen Prozent ausgedrückt.

Frankfurter Kursbericht vim 14. Mai 1924.

Europäiſche Staatspapiere,
a) Deutſche.
5% Reichsanleihe ...........
.........
48
........."
3½%
....
386
Dollar=Goldanleihe. . . . . .. ...."
Dollar=Schatzanweiſungen .
Dt. Schatzanw. K Ausg. Tv. 23
K IIv. 23
Tb. 24
F, I5.34
%5 U. u. V. Schatzanweiſg.
4½%H.IK.
47Dt. Schutzgebiet v.0,8-11u.13
p. 14
Sparprämienanleihe ........"
Zwangsanleihe ..............
4% Preuß. Konſols ....
8½% ....."

42 Bad. Anl. unk. 1935 ....
v. 1907 .......
8½% n
48 Bahern Anleihe ........."
8½%
....
Heſſt. Dollar Goldmk.=Schatzanw.
rch. 26 ...
816% Heſſen Reihe XXXHI.
untilgb. b. 28...
4½ Heſſen unk. 1924...
3½% ...
........"
4% Bürttemberger .......
b)Ausländiſche.
5½ Bosnien L.=E.=B. v. 1914..
L. Inveſt.=Anl. v. 1914
4½ v. 1902 ....
....!
5% Bulgar. Tabak 1902......
1/% Griech. Monopol ....
4½% Oeſt. Staatsrente v. 1913
ab 1918 ...........
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
b. 1914 .............."
48 Oeſt. Goldrente ........."
4% einheitl. Rente ......
5% Rum, am. Rente v. 03....
7% Goldrente v. 13 ....
am. Goldrente konv.
4½ am. v. 05 ......."
4% Türk. (Admin.) v. 1903.. ..
4% Bagdad) Ser. I ..
H..
4%
4% v. 1911, Bollanl. ..."
4½% Ung. Staatsr. v. 14 ....
Goldrente . .......
Staatsr. b. 10 ..
Kronenrente ......
*

13.5. 14. 5. 0.080 0,081 0,43 09 4,2 78 0095 7 Md 0B 026 015 O. 033 42 42 550 550 021 035 0.19 0.18= 0:22 022 1.2 3,5 032 13 0,505 4,9 it. i

Oblig. v. Transportanſt.
420 Cliſabethbahn ſtfr. . . . . . . . .
42 Gal. Carl Ludw.=Bahn. ..
5% Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtir. . .
2,6% Alte Oeſt. Südb. (Lomb.)
2 6%Neue
42 Oeſt. Staatsb. b. 1883 ....
1. b. 8. Em..
300 Oeſt.
9. Em. ....
v. 1885 ..
% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Netz.
2 Rudolfb. (Salzkammerg.) ..
Anatolier I............"
Salon. Conſt. Jonction ..."
3% Salonique Monaſtir ......"
5% Tehuantepes. ........9
4½½ ........
Nach Sachwert verzinsl.
Schuldverſchreibungen.
5% Badenw. Kohlenwertanl.
68 Heſſ.Braunk.=Rogg. Anlv. 23
580 Preuß. Kaliwert=Anleihe .
Noggenwert=Anl.
5%0
5% Sächſ.Braunk.=Anl. Ser, Iu, II
5% Südd. Feſtwertbk. . . . . . . . .
Bank=Aktien.
Allg. Deutſche Creditanſtalt. . . .
Bank für Brauinduſtrie ......
Barmer Bankverein. ....
Bayer Hypotheken= u. Wechſelb.
Berliner Handelsgeſellſchaft . ..
Commerz= und Privatbank ...
Darmſtädter u. Nationalbank .
Deutſche Bank ....
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank
Deutſche Hypot.=Bank Mein., ..
Deutſche Vereinsbank......."
Disconto=Geſelſchaft .........
Dresdner Bank. . . . ..704
Frankfurter Bank ..........
Hypotheken=Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . . . . .
Mitteldeutſche Creditbank. .
Oeſterreichiſche Creditanſtalt ..
Reichsbank=Ant. . . .. .. ...
Rhein. Creditban1 .........."
Hypothekenbank.
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Weſtbank ....."
....."
Wiener Bankverein .....
Bergwverks=Aktien.
Berzelius
...."
..
Bochumer Bergb.
....
Buderus...
Dt. Luxemburger ......
Eſchweiler Bergwerks=Akt. ....
Gelſenkirchen Bergw.
Harpener Bergbau. . .
Kaliwerke Aſchersleben..
Salzdetfurth. . . . ..
Weſteregeln ....."
Klöcknerwerke (abg. Lothr. Hütte)
Mannesmann Röhren...
Mansfelder ......
.
Oberbedarf .......anafa.. ..!
Oberſchleſ. Eiſen Caro) ......"
Otavi Minen u. Cb.=Ant. ...."
Phönix Bergbau ...........

den aU=ohne Umſaz X rationiert,

13. 5. 14. 5.

2i

15

75

z

035
9325

11.25
d.
45,5

13,75
39,5
275
4.
1521
145

ſi,
0350
5,2

Rhein. Stahlwerke . ...... .."
Riebeck Montan.. . ..
.:
Rombacher Hütte..
Tellus Bergb.=u. Hütten=Akt. ..
Ver. Laurahütte . ..
Aktien induſtr. Unternehmung.
Brauereien
Henninger Kempf=Stern. . . . . .
Löwenbräu München ........"
Schöfferhof (Binding)......."
Werger .............
Akumulat. Berlin ........
Adler & Oppenheimer .......
Adlerwerke (v. Kleher) ......."
A. E. G. Stamm.. . . . . . . .
6% Vorzug Lit. A ...
5% Vorzug Lit. B..."
Amme Gieſecke E Konegen ....
Anglo=Continental=Gugno.....
Anilin Bln.=Treptow.. . . . . . . .
Aſchaffenburger Zellſtoff ....."
Badenia (Weinheim)........"
Badiſche Anilin=n. Sodafabrik.
Bad. Maſchf. Durlach ........"
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen..
Baldur Piano.... . .........."
Baſt Nürnberg .............."
Bahriſch. Spiegel ..........."
Beck & Henkel CCaſſel) ........
Bergmann El. Werke . .... ..."
Bing. Metallwerke ...........
Brockhues, Nieder=Walluf.....
Eementwerk Heidelberg. . .. ..
Karlſtadt .......
Lothringen (Metz).
Chem. Werke Albert. ....
Griesheim Elektron,
Fabrik Milch .......
Weiler=termer ...
Daimler Motoren...
Deutſch. Eiſenhandel Berlin
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt.
Dingler, Zweibrücken ......
Dresdener Schnellpreſſen ...
Dürkoppwerk (Stamm) ......
Düſſeld. Ratinger (Dürr)....."
Dyckerhof & Widm. Stamm ...
Eiſenwerk Kaiſerslautern ...."
L. Meher jr. ......
Elberfelder Farbiw. v. Bayer .
Kupfer= u. Meſſingw.
Elektr. Lieferungs.=Geſ. .....
Licht und Kraft . .. ...."
Elſäſſ. Bad. Wolle. ..........."
Emag, Frankfurt a. M... ...
Email. & Stanzw. Ullrich ....
Enzüuger Werke ............."
Eßlinger Maſchinen .........."
Ettlingen Spinnerei ........."
Faber, Joh., Bleiſtiſt ........"
Faber & Schleicher .........."
Fahr, Gebr., Pirmaſens ...."
Felten & Guilleaume, Carlsw...
Feinmechank (Fetter). . ...
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M.
Frankfurter Gas.. ..... ...
Frankfurter Hof............"
Fkf. Maſch. Pokorny & Wittei.
Fuchs, Waggon Stamſt .....
Ganz. Ludwig, Mainz ......

13. 5. Bi5 1225 183 16,5 255 d. u 1 225 2,55 2,6 185 10.5 11.25 13.1 14 12 13 1ä½g 11 10 18 1= 4. 105 2,45 11.2. 11. 2.9 3,2 12,75 13,25 19 19 1125 95 9,325 03 13
5.25 4,5 135 5,1 19 14,5 14125 1i. 21 13 066 0,65

Geiling E Cie. ..............
Germania Linoleum .........
Gelſenkirchen Gußſtahl .......
Goldſchmidt, Th. ..........
Gotha Waggon ............."
Greffenius, Maſchinen Stamm.
Gritzner Maſchinenf. Durlach. ..
Grün & Bilfinger ..........."
Hammerſen (Osnabrück)......"
Hanfwerke Füſſen ..........."
Heddernheimer Kupfer .......
Hegligenſtaedt, Gießen ......
Hilpert Armaturenf. . . . .. . . ..
Hindrichs=Auffermann. . . . . . . .
Hirſch Kupfer u. Meſſ........
Hoch= und Tiefbau .........."
Höchſter Farben ............."
Holzmann, Phil. ............
Holzverk.=Induſtr. . .. .... . . .."
Hydrometer Breslau ........"
Inag ......................
Funghans Stamm.. .. . . . . . .
Karlsruher Maſchinen ........
Kurſtade N.
......
Klein, Schanzlin & Becker ...
Knorr, Heilbronn............"
Kolb & Schüle Spinn. ......
Konſervenfabrit Braun .....
Krauß & Co., Lokom. ......"
Lahmeyer & Co. ............
Lech, Augsburg ............"
Lederw. Rothe ............."
Lederwerke Spicharz ........"
Lingel, Schuhwv. Erfurt ......
Löhnberger Mühle ........."
Lüdenſcheid Metallw........."
Luther, Maſch.=u Mühlenbau..
Lux’ſche Induſtrie .........."
Mainkraftwerke Höchſt ......."
Meguin, Butzbach ..........."
Metallgeſ. Frkft, ............"
Meyer, Dr. Paul ..........."
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M..
Moenus Stamm .........."
Motorenfabrik Delts ........
Motorenfabrik Oberurſel ....."
Neckarſulmner Fahrzeugwverke ...
Neckarwerke Eßl. Staum ...."
Dleawerke Frankfurt a. M.,
Peters Union Frankfurt a. M.
Pfälz. Nahm., Kahſer ........"
Philipps A.=G. ..... .. . . ...
Porzellan Weſſel..........
Reiniger, Gebbert & Schall. .
Rhein. Elektr. Stamm .. . . . . . ."
Metall Vorzüge .......
Rhenania, Aachen ..........."
Riedinger, Maſchinen ........"
Rückforth, Stettin ..........."
Rütgerswerke .........
Schleußner (Frankfurt a. M.) ..
Schneider & Hanau.. ..
Schnellpreſſen Frankenthal. . . .
Schramm Lackfabrik. ...
Schriftgießerei Stempel, Ffn.
Schuckert Elektr. (Nürnberg)
Schuhfabrik Berneis==eiſel.
Schuhfabrik Herz......."
Schuhf. Leunder Offenbay
Schuls, (Brünlack, RdSh......
Seilinduſtrie Wolf ........"
Sichel & Co., Mainz ......

19. 14.: 16,5 825 103 3,25 3,55 315 4,7 4,6 13 2,5 39 275 2,75 6 49 15 13, t 1. 1 15,2, 10 145 2.1 49 0,82= 12 12,75 1 37 305 31 1.38 4,9 5.95 635

Siemens Elekt,Betriebe...
Siemens Giasizuſtrie ......."
Siemens & Hale.........
Stöckicht=Offenba=Gummi ...
Süddeutſche Imobilien ...
Thüring, elektr. Lie Geſ., Gotha
nhrenfabrik Furtungler .....
Beithwerke in Sawach
Verein f. Cheu. Fuſtr. Frkft.
Verein deutſch. Olfat Mannh.
Faßfabriken iſſel.
Gummifabr. n.=Frkf.
Pinſelfabr. Anberg ..
Ultramarin . ........
Zellſtoff, Berl....."
Vogtländ. Maſch. Vorge ....
Stime ....
Voigt E Haeffner Smme ...
Voltohm Seil............
Wahß E Freytag. ..........
Wegelin Rußfabrik ......
Zelſtoff Waldhof Snm ....
Zuckerfabr. Waghäuſ. .....
Frankentl ......
Heilbron.......
Oiftein ........
Rheingau:......
Stuttgau=

Transport=Ben.

Schantung E. B...
Süddeutſche Eiſeryn=Geſ.
Hapag (Paketfal ........."
Nordd. Lloyd. . ......... 3.
5.1 Darmſtäz Verte.
Bahnbedarf... . ........."
Dampfkeſſel Rodg. ......
Helvetia Konſervabrik. .. .
......"
Gebr. Lutz
Notorenbfarik Daradt ....
Gebr. Roeder ......f.!
Venuleth & Ellenber. . 7 Knnotierte Akti Allg. Bankverein Düfſyrf... Bekerkohle. ............ 6,75 Beckerſtahl ..............." Benz...................." Brown Boveri..........." Cont. Handelsbank ........" 0.I Deutſche Handelsbank .. ..." 0.059 Frankf. Handelsba 0.045 Falconwerke. 03 de Giorgi Choe 0,3 Growvag... 0.23 Hanſa Llohzd Hero Conſerven Holſatiawverke, Al 0,8 Nabel Rheydt 45 5,5 Krügershall Kali Metall Starkenbu 02 022 Metz, Karl & S Neckar=Gummi 0.12 01 Petroleum Dtſche 12 12.5 Raſtatter WBaggon Remy Chen. ........" 035 0,30 Textil=Ind. Barmen (Tiag). 15 1,75 Ufa Film ...... 5.35 Unterfranken Großkraftw. 0,4 104

[ ][  ][ ]

Nummer 135.

* Die öſterreichiſche Börſen=
und Wirtſchaftskriſe.
Von unſerem Wiener Korreſpondenten,
Dr. A. N., Wien, Mitte Mai 1924.
Die weiteſten Kreiſe der Wiener und darüber hinaus öſter=
reichiſchen
Bevölkerung kennen ſeit Wochen nur ein Geſprächs=
thema
: die kataſtrophale Dauerbaiſſe an der Wiener Börſe. Um
dieſe Tatſache, die auf Fernſtehende einigermaßen befremdend
wirken mag, zu verſtehen, muß man ſich vor Augen halten, daß
Oeſterreich vor noch nicht allzu langer Zeit eine beiſpielloſe
Währungszerrüttung und bald darauf eine außerordentliche
Börſenkonjunktur erlebt hat; dadurch wurden ganze Bevölke=
rungsſchichten
, denen in normalen Zeiten die Börſe ein Myſte=
rium
der Hochfinanz und des Spekulantentums war, faſt un=
widerſtehlich
genötigt, ihre Erſparniſſe in Effekten anzulegen.
Bis in den Herbſt des vorigen Jahres war auch eine ununter=
brochene
Hauſſe aller Börſenpapiere zu verzeichnen, die zu un=
wahrſcheinlichen
Höchſtkurſen und zur Anhäufung gewaltiger,
vielfach nicht voll ausbezahlter Aktienpakete in den Kreiſen des
privaten Publikums führte. Im September 1923 trat ein Still=
ſtand
in dieſer Entwicklung ein, da die Aufnahmefähigkeit aller
in Betracht kommenden Käuferkreiſe ſo gut wie erſchöpft war,
die Geldknappheit immer würgender wurde und der exorbitant
hohe Zinsfuß von 40 bis 50 Prozent p. a. jede Kreditaufnahme
unrentabel machte. Nach einigen Wochen der relativen Stabi=
lität
begann ein allmähliches Abbröckeln der Kurſe, verurſacht
durch Verkäufe vorſichtiger Kapitaliſten und vor allem auch
ſolcher Aktienbeſitzer, die ihre Papiere nicht voll ausbezahlt hatten
und die Veräußerung mit geringerem Gewinn oder ſogar mit
Verluſt einem weiteren Zuwarten bei Entrichtung hoher Zinſen
vorzogen. Dieſe allmähliche Kursſenkung wurde aber in wei=
teſten
Kreiſen als eine vorübergehende Oberflächenerſcheinung
gewertet, während ſie in Wirklichkeit das erſte bedrohliche Symp=
tom
einer kataſtrophalen Zertrümmerung des künſtlich und durch
ungeſunde Methoden hochgetriebenen Kursgebäudes aller Aktien
bildete.
Den unmittelbaren Anſtoß zu dieſer Entwicklung boten die
ſchweren Verluſte des Wiener Platzes durch umfangreiche Konter=
mineſpekulationen
gegen den franzöſiſchen Franc. Ueber das
Ausmaß dieſer Transaktionen kurſierten ſeinerzeit im In= und
Auslande vielfach übertriebene Gerüchte; Tatſache iſt, daß ſich
im allgemeinen nur einige mittlere Finanzinſtitute und vor allem
ausgeſprochene Börſenſpekulanten, an dieſer unſauberen und
bald ſo kläglich geſcheiterten Campagne beteiligten. Gerade
dieſe Elemente aber waren gleichzeitig in außerordentlichem
Maße in Effekten an der Wiener Börſe engagiert. Sie mußten
daher, als der Franc plötzlich ſeine außerordentliche Aufwärts=
bewegung
begann, Hals über Kopf Aktien veräußern, um die
zur Deckung ihrer Verbindlichkeiten in franzöſiſchen Franc not=
wendigen
Gelder zu beſchaffen. So erfolgte plötzlich eine Ueber=
ſchwemmung
des Marktes mit großen Aktienpaketen, die binnen
wenigen Wochen zu einer veritablen Börſenkataſtrophe führte,
die in der Reduzierung des Kursniveaus um 300, 400 und mehr
Prozent gegenüber den ſeinerzeitigen Höchſtſtänden ihren kraſſe=
ſten
Ausdruck fand. Die Stützungsaktion, welche die Wiener
Großbanken unter Führung der Nationalbank vor kurzem ein=
geleitet
haben, hat bisher dieſe ſchier unaufhaltſame Entwicklung
nur unzulänglich einzudämmen vermocht.
Dieſe ſchwere Kriſe der Wiener Börſe hat, wie ſchon ein=
gangs
hervorgehoben, weiteſte Kreiſe der inländiſchen Bevölke=
rung
außerordentlich in Mitleidenſchaft gezogen. Viele Tauſende
Angehörige des mittleren und kleinen Bürgertums haben ihre
Erſparniſſe größtenteils eingebüßt, da der Effektenbeſitz, in den
ſie ſich zur Zeit der rapiden Kronenentwertung geflüchtet hatten,
heutze und wohl auf abſehbare Zeit hinaus nur einen Bruchteil
des früheren Wertes repräſentiert. Dazu kommt die ſehr be=
trächtliche
Zahl derer, die, verlockt durch die außerordentliche
Börſenkoyjunktur des vergangenen Jahres, auf Kredit ſpekuliert
hatten und deren Papiere in den letzten Wochen infolge man=
gelnder
Deckung zwangsweiſe veräußert wurden. Vor allem

Darmſtädter Zu,olutt, Donnelstag, deu 15. Mat 1924.

aber hat die Börſenkataſtrophe die ſchwere Wirtſchaftskriſe, in
deren Zeichen Oeſterreich ſchon ſeit vielen Monaten ſteht, außer=
ordentlich
verſchärft. Induſtrie und Handel leiden unter der
immer ſtärker auftretenden Geldknappheit, das Exportgeſchäft
liegt nach wie vor flau, der Lokalabſatz iſt lahmgelegt, da beide
Bevölkerungsſchichten zu größter Sparſamkeit gezwungen ſind;
die Inſolvenzen mehren ſich in beſorgniserregendem Maße und
gleichzeitig wird überall nach Kräften abgebaut werden Tau=
ſende
kleiner Angeſtellter auf die Straße geſetzt, die wohl in den
nächſten Monaten keinen Erwerb finden können.
Wohl zu beachten iſt, daß dieſer finanzielle und wirtſchaft=
liche
Verfall die öſterreichiſche Bevölkerung, nicht aber den Staat
als ſolchen trifft; im Gegenteil, die Sanierung gemäß dem Genfer
Programm nimmt vorläufig wenigſtens ziemlich ungeſtört
ihren Fortgang. Es zeigt ſich alſo intereſſanter Weiſe die gerade
Umkehrung des ſeinerzeitigen Sachverhaltes: Im Sommer 1922,
im Höhepunkt der Währungszertrümmerung, drohte der Staat
auseinander zu fallen, während ſeine Bevölkerung, trotz aller
Bedrängniſſe der Inflation, ſich leidlich fortzuhelfen wußte; heute
iſt die öſterreichiſche Krone ſeit langem ſtabiliſiert, der Staats=
haushalt
auf dem Wege zur vollkommenen Konſolidierung
allein die wirtſchaftliche Not der Bevölkerung hat ein Maximum
erreicht. So gewinnt es mehr und mehr den Anſchein, daß die
Genfer Rettungsaktion ſchließlich in jenes Ergebnis münden
wird, das kluge Beobachter ſchon ſeit langem vorausgeſehen
haben: Sanierung Oeſterreichs auf Koſten ſeiner Bevölkerung!
Wien, 14. Mai. (Wolff.) In der geſtrigen Sitzung des
Nationalrats ſtellte der Finanzminiſter Kienboeck gegenüber
den Aeußerungen des Abg. Bauer feſt, daß die Nationalbank
der Frankenſpekulation vollkommen fernſtehe. An den Exzeſ=
ſen
der Spekulation treffe ſie kein Verſchulden. Angeſichts der im
Ausland veröffentlichten übertriebenen entſtellenden Mitteilun=
gen
über die Natur der Kriſe habe man in Oeſterreich alles In=
tereſſe
daran, daß ein ſachkundiger Beobachter, ein Ausländer,
ſich an Ort und Stelle von dem Tatbeſtand überzeuge, was nur
dazu beitragen könne, das Vertrauen des Auslandes in die öſter=
reichiſche
Wirtſchaft in vollem Umfang aufrechtzuerhalten.
Bundeskanzler Seipel legte dar, daß die Beſtellung eines
ausländiſchen Beraters bei der Notenbank nicht im geringſten
einer Politik widerſpreche, welche die Sanierung zeitgemäß zu
Ende führen ſoll. Die maßgebenden Richtlinien unſerer Politik,
betonte der Bundeskanzler, beſtehen darin, die übernommene
Sanierungsaktion zu Ende zu führen, und zwar ge=
nau
entſprechend den Vereinbarungen, die wir eingegangen ſind,
mögen dieſe Vereinbarungen im einzelnen Falle zu unſeren
Gunſten oder zu unſeren Laſten laufen.

Seite 11.

Der Wettbewerb in Oſtaſien.
Von Baron Matſui, Miniſter des Auswärtigen in Japan.
Unter dem zerſetzenden Einfluß des Weltkrieges haben ſich
nicht nur die geographiſchen Grenzen der meiſten Kulturſtaaten
erheblich verändert, ſondern es iſt auch durch die mit ihm ver=
bunden
geweſenen Veränderungen der inneren Struktur eine
auffallende Umſchichtung der internationalen Wettbewerbsfähig=
keit
auf dem Weltmarkte verbunden geweſen. Abgeſchnitten von
den großen europäiſchen Induſtrieſtaaten, waren viele Länder
des Oſtens und Südens gezwungen, durch den ſchnellen Aufbau
einer einheimiſchen Induſtrie einen Erſatz für die ausfallenden
Induſtrieerzeugiiſſe der europäiſchen Staaten zu finden. Aus
Mangel an Abſatzgebieten verkümmerten andererſeits in ſtark
entwickelten Induſtrieſtaaten gewiſſe Zweige oder waren zu einer
Umſtellung ihrer Produktion gezwungen. Auch Japan hat eine
auffallende Umwandlung ſeines wirtſchaftlichen Antlitzes erfah=
ren
und ſich aus einer vorwiegend landwirtſchaftlich orientierten
Nation in eine Induſtrie= und Handelsnation verwandelt, bei
der auch durch ſeine inſulare Lage und die Weitverzweigtheit ſei=
ner
Intereſſen Schiffahrt und bankgeſchäftliche Transaktionen
eine große Rolle ſpielen.
Gerade wir hier im fernen Oſten wiſſen am beſten, was
eine Regelung des internationalen Wettbewerbes bedeutet. Noch

vor kaum 25 Jahren konnten wir es in unſerer allernächſten Nach=
barſchaft
beobachten, wie die Flagge fremder Nationen dem Hau=
del
in unſerem großen weſtlichen Nachbarſtaat auf dem Kontinent
nicht nur folgte, ſondern ihn ſogar anführte. Es war dies die
Zeit, in der die meiſten Großmächte an chineſiſchen Konzeſſionen
ſtark intereſſiert waren und die Wucht, mit der damals reine
Spezialintereſſen gewiſſer Gruppen unter voller Einſetzung der
politiſchen Geltung ihrer Landesangehörigkeit verfolgt wurden,
beunruhigte uns nicht weniger als China ſelbſt. Imperialiſtiſch
wurde die damals getriebene Politik gemeinhin genannt, in
Wirklichkeit aber ſtanden dahinter vornehmlich Wirtſchaftsinter=
eſſen
und die friedliche Durchdringung dieſer Gebiete lief auf
eine Hebung der induſtriellen Leiſtungsfähigkeit, auf eine Stei=
gerung
des Abſatzes und auf eine Erhöhung des Nationalreich=
tums
der intereſſierenden Nationen hinaus. Die Intenſivierung
dieſer imperialiſtiſchen Tendenzen hatte aber bald in den Gebie=
ten
ihrer Anwendung und in den Nachbarſtaaten die Einſicht der
Notwendigkeit einer Verteidigung entſtehen laſſen. Nur durch
engſten Zuſammenſchluß der nationalen Intereſſen der Völker
des Oſtens und durch eine vorſichtig abwägende Wirtſchafts= und
Außenpolitik konnte in dieſen Zeiten der Frieden im fernen
Oſten erhalten bleiben. Trotzdem führte die Politik einer im=
perialiſtiſchen
Ausbreitung der Intereſſenſphäre in anderen
Teilen der Welt zu Händeln und Reibungen verſchiedener Art,
aus deren Druck und Gegendruck ſich der Weltkrieg entzündete.
So groß das Unglück iſt, das er über die geſamte Kulturmenſch=
heit
gebracht hat, man wird es nicht vergeſſen dürfen, daß er ge=
rade
durch ſeine furchtbaren Begleiterſcheinungen zu einer ge=
wiſſen
vorteilhaften Wandlung im internationalen wirtſchaft=
lichen
Wettbewerb und zu einer Entgiftung der ihn umgebenden
Atmoſphäre geführt hat.
Aus dem Beſtreben, die friedlichen Handelsbeziehungen in
den großen Konzeſſionsgebieten des fernen Oſtens durch poli=
tiſche
Maßnahmen zu vegeln, kam die Waſhingtoner Konferenz
zutage, deren militäriſches Programm die Abrüſtung, deren tiefer
liegendes wirtſchaftliches Ziel aber die Beſeitigung einer Rei=
bungsgefahr
auf wirtſchaftlichem Gebiete war. Der ſogenannte
Viermächtevertrag verpflichtet die an den Stillen Ozean um=
ſäumenden
Gebieten intereſſierten Großmächte, ſich von der ge=
waltſamen
Austragung irgend eines Konfliktes zur Diskutie=
rung
der Streitpunkte zuſammen zu finden, um ſo den Frieden
in dieſen Gebieten zu erhalten. Beſondere Verträge ſind gerade
hinſichtlich Chinas geſchloſſen worden und von neun daran in=
tereſſierten
Mächten ratifiziert worden. Dieſe Verträge geben
die Verſicherung, daß der alte, zu Beginn dieſes Jahrhunderts
beſtehende Zuſtand eines ſkrupelloſen Vordringens privater
Wirtſchaſtsintereſſen unter dem Schutze politiſcher Machtmittel
nicht wieder eintritt. Das ſind ſicherlich Regelungen von unge=
heurer
Tragweite nicht nur für die Staaten des fernen Oſtens,
ſondern auch ein Segen für die geſamte Kulturwelt.
Die Beziehungen der an China intereſſierten Großmächte
ſind durch dieſe vertragliche Regelung gegenwärtig ſo, daß der
fremde Geſchäftsmann abſolutes Vertrauen in ſeine im fernen
Oſten angelegten Unternehmungen haben darf und daß für die
in dieſen Gebieten inveſtierten Gelder weder für die Gegenwart
noch für die Zukunft irgendwelche Gefahr beſteht. Japan ſelbſt
begrüßt dieſe Regelung auf das lebhaftete, denn auch für die
friedliche Durchführung ſeiner Intereſſen iſt nunmehr die Grund=
lage
geſchaffen. Japan iſt ſich deſſen bewußt, daß es weder die
finanziellen Mittel noch die finanztechniſche Geſchicklichkeit hat,
um den bedeutenden auf Jahrzehnte hinaus beſtehenden großen
Kapitalbedarf Chinas ſicher zu ſtellen, auch fehlen ihm die natür=
lichen
Hilfsmittel, um den Rieſenbedarf Chinas nach Induſtrie=
erzeugniſſen
aller Art zu befriedigen. Sein Anteil am Außen=
handel
Chinas wird ihm ſtets zufallen, denn es verſteht infolge
ſeiner nachbarlichen Lage die lokalen Bedürfniſſe Chinas am
beſten zu beurteilen.
Japan blickt mit großer Ruhe in die Zukunft und hofft, daß
die ohen angedeutete wirtſchaftliche Entwicklung ſich friedlich
fortſetzen werde. Der Gedanke, daß es nicht gerecht und meiſten=
teils
ſogar unweiſe iſt, im Intereſſe einzelner Wirtſchaftsgruppen
die Freundſchaft eines ganzen Landes aufs Spiel zu ſetzen,
iſt der neue Gedanke im internationalen Wettbewerb, der aus
dem Chaos des Weltkrieges geborene neue Geiſt, der ſich hoffent=
lich
im Laufe der Zeit erweitern und vertiefen wird.

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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924

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Rummer 1351

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Mai 1924.

20)

Der Mann mit dem Peßz.
Detektiv=Roman von J. Davids.
(Nachdruck verboten.)

Seites 13.

Es war bereits 10 Uhr und vor 12 Uhr mußte John Gillis
im Krankenhauſe ſeinen Pelz zurück haben. Noch einmal über=

flog er eiren unter den Papieren gefundenen, von Bob an John
Gillis gerichteten Brief. Dieſer war vor zwei Monaten von Neu=
York abgeangen, eine Adreſſe des Schreibers war nicht ange=
geven
. Jackſon breitete dieſen Brief und noch ſechs andere, die
eng beſchrieben waren, zunächſt nebeneinander auf dem Boden
aus. Dann holte er ſeinen photographiſchen Apparat, den er ſtets
mit ſich führte, aus der Taſche, ſtellte denſelben, der mit einer
außerordentlich ſcharfen Linſe verſehen war, ein und machte eine
Aufnahme don den auf dem Boden ausgebreiteten Papieren.
Der Leſer hat vermutlich noch nie von einer derartigen Auf=
mahme
=Kamira gehört und könnte auf den Gedanken kommen, es
handle ſich um einen phantaſtiſchen, unmöglichen Apparat aus
einem Detektivroman. Demgegenüber diene folgendes zur Auf=
klärung
: Die Geheimpolizei in Berlin wie in London iſt ſchon
ſeit geraumer Zeit mit ſolchen Apparaten verſehen. Für eine
Aufnahme bedarf es ſelbſt keines Magneſiums oder irgend eines
anderen Lichtes. Dieſe Apparte, die ſehr teuer ſind, werden in
einer deutſchen Fabrik hergeſtellt und ſind mit äußerſt ſcharfen
Linſen verſehen. Die Konſtruktion iſt etwas abweichend von der
gewöhnlichen Klappkamera. Für die Aufnahme werden ſehr
empfindliche Platten benutzt, die von den aufzunehmenden Ge=
genſtänden
alles feſtlegen, wenn nur ganz geringe Belichtung
ſelbſt die durch ein Zündhölzchen genügt vorhanden iſt. Die
gemachten Aufnahmen werden ſpäter meiſt vergrößert, wobei
man eine ſehr ſaubere Kopie erhält.
Jackſon legte die Papiere wieder in das Gefach und dann
ſetzte er eine der Schachteln auf den Tiſch im anderen Zimmer.
Kaum hatte er die um die Schachtel gebundene Schnur gelöſt,
da bemerkte er, wie der Deckel ſich langſam hob und wie plötzlich
der Kopf einer Schlange emporzüngelte. Seiner Geiſtesgegen=
wart
war es zu danken, daß die Schlange keine Gelegnheit fand,
der Schechtel zu entſchlüpfen. Blitzſchnell hatte der Detektiv ein
Buch, das auf dem Tiſche lag, ergriffen, und damit drückte er den
Kopf der Schlange in die Schachtel zurück, die er dann ebenſo
raſch mit dem Deckel ſchloß. Seine Hände zitterten, als er die
Schachtel wieder verſchnürte, um ſie in das Geheimfach zurückzu=

ſtellen. Dabei kam ihm ein Bericht der Times ins Gedächtnis,
der bei ſeinem Erſcheinen vor etwa drei Monaten großes Auf=
ſehen
erregt hatte. Dieſer brachte die Mitteilung von dem ge=
heimnisvollen
Tode von Sir Arthur Grimby, Beſitzer einer der
größten Fabrikbetriebe Londons. Grimsby war abends ſpät von
einer Feſtlichkeit nach Hauſe gekommen, und am folgenden Mor=
gen
wurde er tot in ſeinem Bette aufgefunden. Mehrere Aerzte
hatten Blutvergiftung feſtgeſtellt, verurſacht durch Schlangenbiß.
Da ſich aber eine Schlange weder im Zimmer noch überhaupt im
Hauſe vorfand, wurde der Bericht als der eines Spottvogels auf=
genommen
, und wenige Tage nachher veröffentlichte der illu=
ſtrierte
Punch ein ſatyriſches Bild zu dem Bericht der Times;
unter der Illuſtration befanden ſich die Worte: Wie Scotland
Yard und unſere Aerzte übereinſtimmen.
Jackſon ſelbſt hatte der Mitteilung ſeinerzeit allerdings
wenig Glauben beigemeſſen. Er hatte die Notiz aber ausgeſchnit=
ten
und ſeiner Sammlung merkwürdiger Vorkommniſſe ein=
verleibt
.
Sollte der Bericht über den Tod des hochangeſehenen Sir
Arthur Grimsby in der Times vielleicht doch die Wahrheit ent=
halten
haben?
Die Zeit verrann. Jackſon hatte den Sockel wieder geſchloſ=
ſen
. Nun intereſſierte ihn der Parfümgeruch, der hier bei dem
indiſchen Bildwerk viel ſtärker war als im vorderen Gemach.
Jetzt hielt er den Atem an und horchte mit größter Anſtrengung.
Das war doch wohl unmöglich . . . Muſik! Weiche, einſchmei=
chelnde
Tanzmuſik klang immer deutlicher, von jenſeits des Bil=
des
mit den drohenden Köpfen kommend, an ſein Ohr. Jetzt
konnte er ſelbſt die Melodien ganz deutlich unterſcheiden. Jeder
ſeiner Nerven war geſpannt. Nein, er täuſchte ſich nicht, was er
da hörte, war Wirklichkeit.
Er zwängte ſich durch eine ſchmale Oeffnung, die zwiſchen
dem Bilde und der Zimmerwand ſich befand, denn er wollte Ge=
wißheit
heben, woher der Parfümduft und die Muſik kamen. Es
war ein vollſtändig dunkler Raum, in den er gelangte, wo außer
der Muſik auch lebhaftes Stimmengewirr ſich vernehmen ließ.
Mit Hilfe ſeiner Taſchenlanmpe fand er den Knopf eines elek=
triſchen
Lichtes, das an der Decke hing. Der Raum glich einem
großen Kaſten, zu dem von außen weder Licht noch Luft Zugang
hatten. Das einzige Möbelſtück war ein Stuhl. An einem in die
Wand geſchlagenen Nagel hing eine Frauenperücke.
Der Atem wurde hier ſehr beklemmend, denn die Luft war

drückend und mit Parfüm ſtark durchtränkt. Er erkannte, daß er
ſich mit der Unterſuchung ſehr beeilen müſſe, da er es hier nicht
lange Zeit würde aushalten können. Woher aber kam die Muſik?
Das wollte und mußte er unbedingt wiſſen. Mit der Hand be=
taſtete
er die Mauer, wobei er einen kleinen, faſt unſichtbaren
Schieber feſtſtellte. Als er denſelben vorſichtig zurückdrückte,
wurde eine kleine runde Oeffnung von der Größe eines Auges
ſichtbar.
Durch die kleine Oeffnung drang ein Lichtſtrahl in den
Raum und gleichzeitig machte ſich der Parfümduft, ſowie Tabaks=
rauch
und Alkoholdunſt ſtärker bemerkbar. Was für ein Geheim=
nis
hatte er hier vor ſich? Jackſon, der auf dem Stuhle Platz
genommen, neigte ſich etwas nach vorne, um einen Blick in den
vor ihm liegenden Saal zu werfen. Was er jetzt ſah, übertraf
ſeine ſchlimmſten Erwartungen. Er hatte eines der Londoner
Kabaretts vierter Güte vor ſich. Die Oeffnung, durch die er ſehen
konnte, befand ſich einen halben Meter über dem Schanktiſch ſo
daß er den ganzen Raum überblicken konnte. An kleinen Tiſchen,
auf denen ſich Vaſen mit Blumen befanden, ſaßen die Beſucher
und Beſucherinnen des geheimen Kabaretts. Es waren meiſt
Matroſen und Seeoffiziere, die hier in Gemeinſchaft mit den
Nachtfaltern Londons ihr Geld verpraßten.
Dicht unter ihm an einem der Tiſche befanden ſich zwei
junge Männer mit brennenden Augen und glühenden Wangen,
deren ſchläfrige Blicke wie irrend den Saal durchſchweiften. Es
waren zwei, die ihr Geld ſchon vertan, und darum waren auch
an ihrer Seite keine Frauen. Etwas entfernt ſaßen Rot=Anna
und Clare, zwei der berüchtigſten Halbweltlerinnen der Haupt=
ſtadt
. Jackſon kannte ſie; wiederholt hatte er Auftrag gegeben,
ſie wegen Prellerei und Betrug zu verhaften. Den beiden Frauen
gegenüber ſaßen zwei Männer mittleren Alters in vertraulichem
Geſpräch. In dieſem Lokal feierten Sittenloſigkeit und Trunk=
ſucht
ihre Orgien, hier wurden junge Männer, die gekommen
waren, um ihre Neugier einmal zu befriedigen, zu Ruinen der
Menſchheit gemacht. O, er kannte deren ſo viele, junge Leute aus
gutem Hauſe, die einmal eine ſolche Höhle beſuchten und dann
immer wieder dahin zurückkehrten und ihr junges Leben vernich=
teten
. Die unangenehme dicke Luft war durchgedrungen bis in
die Wohnung von John Gillis, der ohne Zweifel in näheren Be=
ziehungen
zu dem Eigentümer des Kabaretts ſtand, dem es wohl
zu danken war, daß er den geheimen Winkel, in dem er ſich jetzt
befand, gefunden hatte.
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