Darmstädter Tagblatt 1924


02. März 1924

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Einzelnummer 15 Goldpfennige

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Wöchentliche illuftrierte Beilage: Die Gegenwart, Tagesſpiegel in Bild und Wort
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Nummer 62
Sonntag, den 2. März 1924.
187. Jahrgang

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ſtädter
8 Nationalbank.

Pfalzkundgebung der Deutſchen Breſſe.
Die blutende Wunde im deutſchen Herzen. Rheiniſcher Geiſi. Deutſche Treue kein
leerer Wahn. Bayernſtolz. Die Wacht am Rhein.

Der Empfang der Reichsvertreter.
Begrüßung durch den Oberbürgermeiſter.

Mannheim, 1. März. Reichswirtſchaftsminiſter Hamm
und der Reichsminiſter für die beſetzten Gebiete, Höfle, tra=
fen
heute vormittag auf dem Mannheimer Hauptbahnhof ein,
während der Reichspräſident, der ebenfalls zu der Mann=
heimer
Preſſefeier nach Mannheim kommt, zunächſt nach Karls=
ruhe
weiterfuhr, um dort auf beſonderen Wunſch der badiſchen
Regierung von dieſer in der Hauptſtadt Badens begrüßt zu wer=
den
. Die beiden Reichsminiſter wurden auf dem Bahnhof von
dem Oberbürgermeiſter der Stadt, von Vertretern der Handels=
kammer
, Vertreter der pfälziſchen und bayeriſchen Regierung
und Vertretern der Preſſe empfangen und nach dem Rathauſe
geleitet, wo ſie von Vertretern der Stadt Maynheim, badiſcher
Wirtſchaftskreiſe und Vertretern der pfälziſchen Bevölkerung im
Vürgerausſchußſaale erwartet wurden.
Der Oberbürgermeiſter begrüßte die Reichsminiſter und
dankte ihnen dafür, daß ſie den Anlaß der Veranſtaltung der
Preſſe ergriffen haben, um perſönlich mit Vertretern der Pfalz
und der Stadt Mannheim, beſonders der Wirtſchaftskreiſe dieſer
Stadt, die gegenwärtige Lage zu erörtern, um ſie zum Beſſeren
zu wenden. Der Oberbürgermeiſter bedauerte, daß es Zeit und
Umſtände nicht erlauben, den Miniſter einige vun den Einrich=
tungen
und Siedlungen der Stadt zu zeigen, denn die Häfen
im Norden und Süden der Stadt ſeien beſetzt und auch die Um=
gebung
mit den Fabviken ſei im Widerfpruch mit dem Verſailler
Vertrag beſetzt. Die ganze Umgebung ſtehe alſo widerrechtlich
unter militäriſchem Kommando.
Beſuch des Reichspräſidenten bei der
badiſchen Staatsregierung.
Karlsruhe, 1. März. Der Reichspräſident iſt in
Begleitung des Reichswehrminiſters Geßler, des badiſchen Ge=
ſandten
in Berlin, Dr. Nieſer, und des Staatsſekretärs Dr.
Meißner heute vormittag zum Befuche der badiſchen
Staatsregierung eingetroffen. Heute vormittag fand eine
Beſprechung mit dem badiſchen Staatsminiſterium über die
allgemeine Lage ſtatt. Um 2 Uihr reiſt der Reichspräſident mit
den badiſchen Miniſtern nach Mannheim zur Teilnahme an der
Beſprechung mit den Vertretern der pfälziſchen Bevölkerung und
der abends ſtattfindenden Pfalzkundgebung.

Der feierliche Feſtakt.
Mannheim, 1. März. Im Nibelungenſaal des Mann=
heimer
Roſengartens, Deutſchlands größtem und ſchönſtem Feſt=
raum
, in dem ſich gegen 6000 Perſonen verſammelt hatten, fand
heute abend der feierliche Feſtakt des Mannheimer Preſſetages
ſtatt, der ſich zu einer machwollen Kundgebung für die Freiheit
der Rheinlande und beſonders der Pfalz geſtaltete.
Kurz nach 8 Uhr erſchien der Reichspräſident mit dem
Reichswehrminiſter Dr. Geßler, dem Reichsminiſter für die
beſetzten Gebiete Dr. Höfle, dem Reichswirtſchaftsminifter
Dr. Hamm, ferner dem baheriſchen Miniſterpräſidenten Dr.
v. Knilling, dem badiſchen Staatspräſidenten Dr. Köhler
und dem heſſiſchen Staatspräſidenten Ulrich, ſowie zahl=
reichen
anderen führenden Staatsmännern und namhaften Ver=
tretern
von Kunſt und Wiſſenſchaft. Beſonders zahlreich hatten
ſich die hart bedrängten Volksgenoſſen eingefunden.
Nach einleitenden Orgelvorträgen des Kirchenmuſikdirektors
Arno Landmann und des Mannheimer Nationaltheaterorche=
ſters
unter Leitung des Generalmuſikdirektors Lert, ſowie einem
Vorſpiel zu einem Drama von Franz Schreker unter der Lei=
tung
des Komponiſten ergriff als Vertreter der Ortsgruppe des
Verbandes der ſüdweſtdeutſchen Preſſe Chefredakteur Scheel
das Wort zu ſeiner bekannten Anſprache.
Hierauf hielt der badiſche Staatspräſident Dr. Köhler eine
Anſprache, auf die der Reichspräſident Ebert erwiderte. Dann
ſprachen der bayeriſche Miniſterpräſident Dr. v. Knilling und
der Miniſter für die beſetzten Gebiete, Dr. Höfle.
Zum Schluß betonte der Reichstabgeordnete Hoffmann=
Ludwigshafen den Charakter der Kundgebung als ein überwäl=
tigendes
Zeichen der deutſchen Einheit. Wenn die Rheinbrücken
auch vom Gegner geſperrt ſeien, ſo ſeien dafür Tauſende von
Brücken innerhalb Deutſchlands und in die weite Welt hinein=
gebaut
worden. Der Schlüſſel zur Separatiſtenherrſchaft in der
Pfalz ſei die tauſendjährige Annexionspolitik Frankreichs, der
die Ruinen in der Pfalz und in Heidelberg ihre Entſtehung ver=
danken
. Wenn es ein Menſchenrecht gebe, dann erhebe ſich die
Frage, ob neben dem Anſpruch auf Sicherheit der Beſatzungs=
truppen
auch ein ſolcher auf Sicherheit der einheimiſchen Bevöl=
kerung
beſtehe. Habe das franzöſiſche Volk denn kein Gefühl da=
für
, daß am Rhein ein ohnmächtiges Volk in Sklavenketten ge=
ſchmiedet
ſei, deſſen Erwachen eines Tages für ſeine Peiniger
ſchrecklich ſein könnte? Nach zehn Jahren Krieg müſſe Europa
endlich befriedet werden, und zwar durch die Rückgabe der
Menſchenrechte. Die innere Geſchloſſenheit ſei die Waffe des
wehrloſen pfälziſchen Volkes geweſen. Der Redner gedachte
zum Schluſſe auch noch der Folter, der die pfälziſche Preſſe unter=
worfen
geweſen ſei.
Unter den zahlreichen Kundgebungen, die im Deutſchen
Reiche die Einheit feierten, ließ er ſeine Nede in ein Lied auf die
Pfalz und ein Hoch auf Deutſchland ausklingen. Die Be=
geiſterung
, die ſich bei jeder Rede in lebhaften Beifallsbezeu=
gungen
kundgab, fand ihren Niederſchlag in den feierlichen Klän=
gen
der Nationalhymne, womit der Feſtakt des Abends ſein
Ende erreichte. Reichsbankpräſident Dr. Schacht, der zur
Feier nicht erſcheinen konnte, hatte zur Kundgebung ein Begrü=
Bungßtelegramm geſandt.

Begrüßungsrede des Chefredakteurs Alfred Scheel:
Durch fremden Willen iſt eine Grenzlinie gezogen
durch unſer Deutſchland, und ſie geht mitten durch dieſe
Stadt Mannheim; hier ſollen wir am ſchmerzlichſten füh=
len
, daß dieſe Grenzlinie zugleich eine Schnittlinie iſt durch
jedes deutſche Herz. Die Seele des deutſchen Volkes
aber läßt ſich nicht teilen! Das iſt es, was Sie alle
heute bekunden wollen: Wir ſind, wir bleiben, und wir trachten,
immer mehr zu werden: Eine Volksgemeinſchaft, ein Volk.
Därum auch, um ihre Volks=Verbundenheit erneut zu zeigen,
weilen unter uns zu dieſer Stunde die höchſten Spitzen des
Reiches, der Länder und der Gemeinden. Ihnen gilt beſonderer
Dank und beſonderer Gruß. Höchſte Ehre und Freude iſt uns
allen, daß wir in unſerer Mitte den Herrn Reichspräſiden=
ten
ſehen. Dieſes Feſt veranſtaltet die Preſſe. Allezeit haben
die Beſten unſeres Volkes dieſem Stand die geradezu apoſtoliſche
Sendung zuerkannt: Diener zu ſein der Wahrheit, Kämpfer zu
ſein für das Gemeinwohl. Um der Volksgemeinſchaft willen
erbitten und erwarten wir Hilfe des Volkes und ſeiner Vertre=
tungen
, aber vor allem auch der Staatsleitungen. Denn der
Preſſe droht eine Gefahr. Ihr Wort muß frei ſein.
Das Weſen ihrer Aufgabe iſt nicht Beſchreibung nur, ſondern
vor allem auch: Wirkung! Wer wollte verkennen, daß der Schutz
der Meinungs= und Preſſefreiheit zwar zunächſt, doch nicht allein
und nicht zuerſt, die Sache des Standes, ſondern in ſeinem
cigentlichen Weſen die unſchätzbar wichtige Frage nach der geiſti=
gen
Haltung und Entwicklung des ganzen Volkes iſt, alſo ſeine
Kultur betrifft, und daß jeder Volksgenoſſe, und ſo auch der
Staat, die Pflicht tragen durch Geſetz und praktiſches Handeln
für Erhaltung der ſittlichen Grundlage der Preſſe zu ſorgen. Es
gilt, nach der ſtaatlichen Währung und zu ihrer Sicherung die
öffentliche Moral zu ſtabiliſieren.
Ihr deutſchen Freunde aus der Pfalz, Ihr ſeid gekommen,
um einmal wieder einzutauchen in den warmen Strom deutſcher
Gemeinſchaftsgefühle. Es braucht der Worte nicht viele zwiſchen
uns über das, was Euch geſchah, in dieſer Stadt, wohin täglich
die Kunde von Eurer Not dringt, wo die ungezählten Opfer die=
ſer
Not zuerſt herzlichſter Anteilnahme begegnen. Einmal wird
auch für Euch die Stunde kommen möge ſie bald ſchlagen
wo Ihr wieder frei ſein werdet, ganz frei; wo die Grenzlinie
ausgelöſcht wird, wo die blutende Wunde im deutſchen
Herzen ſich ſchließt.
Der badiſche Siaatspräſident Or. Köhler
begrüßt herzlich den Reichspräſidenten, die Miniſter der Länder
und vor allem die Volksgenoſſen aus der baheriſchen Pfalz, die,
wie er ausführt, ſich bei Parteien und Konfeſſionen überbrückt
und ſich zu einer großen Volksgemeinſchaft zuſammengeſchloſſen
hätten. Rheiniſcher Geiſt, ſo fuhr der Miniſter fort, ſoll heute
über uns alle kommen, Pfingſtflammen gleich, auf daß wir für
die deutſche Pfalz, das herrliche Pallium des Reiches, zuſammen=
wirken
und zuſammenhelfen, opferfroh und volkseinig. Wir
ſtehen an der Schwelle des geliebten Landes und ſchauen hinaus
in die einſt geſegneten, jetzt ſo gepeinigten Gebilde. Vor uns
glänz ein Silberkranzhauch, des deutſchen Rheines rauſchende
Flut. Seine Wellen erinnern und mahnen: Verſteht die brau=
ſende
Predigt des Stromes! Der Miniſter ſchloß: Wie die ſtol=
zen
Tannen in den Schwarzwaldbergen feſtſtehen und allen
Stürmen trotzen, weil ſie verankert ſind in dem Fels der Heimat=
erde
, wvie unſer heiliger Strom hinzieht im Dienſte ſeines Vol=
kes
, ſo klingt in unſeren Herzen fort und fort das Gelöbnis,
mit dem ich Sie begrüße, und das der große Orgelton unſerer
ganzen Kundgebung ſei: Deutſchland, Deutſchland über alles!
Die Rede des Reichspräſidenten.
Ihnen, die Sie aus der Pfalz und vom Rhein heute
hierher gekommen ſind, um für einen Tag wieder einmal Deut=
ſche
unter Deutſchen ſein zu können, Ihnen entbiete ich namens
des Deutſchen Reiches, namens der deutſchen Republik
und namens des geſamten deutſchen Volkes herzlichſten Gruß!
Mit dieſem Gruß verbinden wir den Ausdruck unſerer Bewun=
derung
und unſeres Dankes für Ihr tapferes Aushalten und
Feſthalten an deutſchem Volkstum und am Deutſchen Reich, das
Sie fremder Knechtung und Entrechtung entgegenſetzen. Ein
beſonderes Wort des Dankes gebührt an dieſer Stelle den Män=
nern
der Preſſe, die unter Einſatz von Freiheit und Heimat tapfer
und opferbereit die Rechte der Bevölkerung und den wahren
Geiſt der Pfalz gegen jede Fälſchung verteidigt haben. Mit
dieſem Gruß und dieſem Danke vereinigen wir aber auch
das feierliche Gelöbnis des ganzen deutſchen Volkes,
die Treue, die Sie ihm gehalten, ſtets mit gleicher Treue zu
vergelten.
Die Augen Deutſchlands, ja ich kann es mit Genugtuung
ſägen die Augen der gefamten Kulturwelt, ſoweit ihr Völker=
gewiſſen
und Menſchenrechte mehr ſind als Wortgebilde, ruhen
ſeit Wochen auf den deutſchen Landen am Rhein, insbeſondere
auf der Pfalz, die unter dem Druck fremder militäriſcher Beſat=
zung
zur Erreichung alter machtpolitiſcher Ziele einem bewaff=
neten
und gedungenen Geſindel überlaſſen, worden iſt, von deſſen
Gemeinſchaft und Geſellſchaft ſich jeder anſtändige Pfälzer fern=
hielt
. Die Hoffnung, daß es gelingen werde, durch eine Hand=
voll
übelbeleumundeter, zum erheblichen Teile landfremder, ja
auslindiſchr Elemente, die bis aufs Blut gequälte Bevölkerung
jähriger Bande der Geſchichte und Kultur zu zwingen, iſt an der
bewundernswerten Widerſtandskraft der Bevölkerung und an
Die Pfalz iſt deutſch, kerndeutſch, und will es bleiben!
Das ſchwere Schickſal und die harten Erlebniſſe, die die Lande
dieſe Lande und die Herzen ihrer Bewohner nur noch feſter und

unlösbarer mit dem deutſchen Vaterland verazkert. Was wir in
den letzten Wochen in der Pfalz erlebt haben, das hat ja der Welt
gezeigt, daß deutſche Treue kein leeres Wort iſt.
Die deutſche Treue wird, deſſen ſind wir alle ſicher, auch weiter=
hin
die Probe beſtehen und allen Gewalten zum Trotz uns dem
hellen Morgen der Freiheit entgegenführen.
Mit beſonders herzlichem Mitgefühl gedenken wir in dieſer
Stunde unſerer Brüder und Schweſtern, die fremder Gewalt
und der Niedertracht entarteter Vollsgenoſſen zum Opfer gefallen
ſind. Zahlreiche Deutſche ſind ums Leben gelommen. Hunderte
ſind der Freiheit beraubt worden und noch jetzt im Kerker, und
viele Tauſende ſind unter der Separatiſtenherrſchaft aus der
pfälziſchen Heimat verjagt worden. Ich kann auch hier nur von
neuem bekräſtigen, daß die Reichsregierung wie bisher
auch ferner alles, was in ihren Kräften liegt, tun wird, um das
Los dieſer Opfer der Gewalt zulindern, um den
Gefangenen Freiheit und Heimat wiederzugeben, um zu helfen,
wo geholfen werden kann. Die Reichsregierung wird auch alles
daranſetzen, um der Bevölkerung der Pfalz Lebens=
bedingungen
wieder zu erringen, wie ſie Men=
ſchenrechte
und Menſchenſitten gebieten. Die deutſche
Regierung wird alles tun, um der Welt den Beweis zu erbrin=
gen
, daß es ſich nicht um eine Loslöſungsbeſtrebung der Bevölke=
rung
der Pfalz handelt, ſondern um den Verſuch, mit unlauteren
und zum größten Teil gekauften Subjekten einen deutſchen
Volksſtamm gegen ſeinen Willen in Gegenſatz zu ſeiner Heimat.
und dem Volksganzen zu bringen.
Ohne fremde Hilfe und bewaffnete Unterſtützung gibt es
keinen Separatismus und keine Separatiſten. Hätte man
den Rheinländern und den Pfälzern ihr Selbſtbeſtim=
mungsrecht
gelafſen, dann wäre der ganze Separatiſtenſpuk
über Nacht verflogen.
Soweit die deutſche Geſchichte reicht, iſt der Rhein um=
kämpft
, obgleich kein Zweifel beſtehen kann, daß das Strom=
gebiet
des Rhein’s und ſeine Bevölkerung nach
Geſchichte und Weſensart urdeutſch und nur deutſch
ſind. Hier am Nheinwurzelt feſtunſer National=
bewußtſein
; ſo lange das deutſche Volk lebt und atmet,
wird es ausharren im Kampf um den deutſchen Rhein! Beſtehen
werden wir dieſen Kampf aber nur, wenn wir in Opfermut und
Opferwillen in allen großen Fragen unſeres Volkes in Gemein=
ſchaft
und Treue zuſammenſtehen.
So ſoll der heutige Abend unſeren Mitbürgern aus der
Pfalz und vom Rhein die Gewißheit geben, daß, ungeachtet ver=
ſchiedener
politiſcher Meinung, das ganze deutſche Volk mit
ihnen fühlt, zu ihnen ſteht, und entſchloſſen iſt, ihnen zu helfen,
ſo, wie ſie drüben alles: Trennende zurücktreten
ließen hinter den großen Gedanken der deutſchen Sache und der
Freiheit. Möge dieſer Geiſt der Schickſalsgemeinſchaft und des
Zuſammenſtehens Beiſpiel und Mahnung für alle Deutſchen und
für alle Tage ſein: möge er für unſere Zukunft das Zeichen ſein,
in dem Recht und Freiheit ſiegen!
Mi
Miniſterpräſident v. Knilling
führte aus: Im Bannkreis der alten Neckarſtadt zeichnet die Er=
innerung
an die glanzvollen Tage der kurpfälziſchen Re=
ſidenz
ſtolze und liebtraute Bilder zugleich mit ſchreckensvollen
Greuelſzenen, die laut und eindrucksvoll an deutſche Not und
deutſches Elend mahnen, an Zeiten, in die uns die Gegenwart, wo
vor dem alten Schloß Karl Tehodors franzöſiſche Solda=
ten
patrouillieren, nur allzu deutlich hineinverſetzt. Wohl ſpie=
geln
ſich heute nicht flammende Kriegsbrände in den Waſſern
von Rhein und Neckar. Aber heute wie in der Zeit Melacs,
des franzöſiſchen Mordbrenners im Auftrage Ludwigs XIV.
bildet Mannheim die Schwelle, über die die große Mehrzahl
derer zog, die brutale Gewalt mit Weib und Kind herzlos von
Haus und Hof vertrieben hatte. Und wer heute Mannheim
rühmt, rühmt es als die Stadt, die in nimmermüder Gaſtfreund=
fchaft
den heimatlos gewordenen Pfälzern manche Träne trock=
nete
, und nun, nach der Monde Wiederkehr, auch die Freude der
heimkehrenden Vertriebenen teilen darf. Ich mache mich zum
Dolmetſch der Gefühle des ganzen Bayernlandes, wenn ich an
dieſer Stelle bekunde, daß wir Bayern ſtolz ſind auf
unſere pfälziſchen Landsleute, die die Wacht
am Rhein zwar nicht geſungen, aber deſto beſſer
mit Mut und Kraft gehalten haben.
G
Or. Höfle.
Bewegten und ſehr freudigen Herzens ſtehe ich heute hier
in der machtvollen Kundgebung, die vom Feuer der Begeiſte=
rung
und von Liebe zu unſerem Volk getragen iſt. Der Herr
Reichspräſident hat recht, wenn er in der heutigen Veranſtaltung
das Zeichen der Schickſalsgemeinſchaft zwiſchen dem beſetzten
und unbeſetzten Gebiet ſieht. Das Schlimmſte, was uns paſſie=
ren
könnte, wäre, wenn die beſetzten Gebiete auch wur einen
Augenblick das Gefühl des Verlafſenſeins hätten. Die zahlrei=
chen
Kundgebungen in den letzten Tagen und auch die heutige
ſind ein Beweis dafür, daß auch das unbeſetzte Deutſchland emp=
findet
, daß ſein Schickſal nicht zuguterletzt an Rhein und Ruhr
entſchieden wird. Die Reichsregierung dankt Ihnen für dieſe
Veranſtaltung. In ihrem ſchweren Kampfe für Recht und Ge=
rechtigkeit
muß das geſamte deutſche Volk hinter der Reichsregie=
rung
ſtehen. Für mich, als den Miniſter für das beſetzte Ge=
biet
, bedeutet die heutige Kundgebung einen neuen Anſporn,
in der Fürſorge für das beſetzte Gebiet nicht zu erlahmen. Noch
immer ſind 140 000 Deutſche ausgewieſen, noch ſitzen 1500 Deutſche
im Gefängnis, nur wegen ihres Bekenntniſſes zum Deutſchtum.
Man könnte an der Menſchheit irre werden, wenn man nicht
ſähe, daß das geſamte deutſche Volk hinter der Regierung ſteht,
um ihr in dem ſchweren Kampf zu helfen. Als Sohn der Pfalz
haben mir die zahlreichen Kundgebungen für unſer Pfälzerland
beſonders wohlgetan. Die Pfalz bildet einen Eckſtein in der
deutſchen Weſtmark. Bricht dieſer Eckſtein heraus, ſo iſt das
zur Abſage an Heimat und Reich, zur Löſung tauſend= geſamte beſetzte Gebiet äußerſt gefährdet. Heißen Dank ſchuldet
das unbeſetzte Gebiet dem beſetzten Gebiet. Möchte Frankreich
doch endlich einmal einſehen, daß ſeine Pläne, den Rhein zu
ihrem unerſchütterlichen deutſchen Fühlen und Denken geſcheitert. Deutſchlands Grenze zu machen, zerſchellen werden an deutſcher
Treue und deutſchem Opfermut. Mag auch de Metz neue Folge=
rungsmethoden
zur Anwendung bringen, mag er auch, wie jetzt
in Pirmaſens, neues Leid über die Pfalz verhängen, unſere
am Rhein ſeit der fremden Beſetzung durchgemacht haben, haben Brüder werden nimmer weichen. Ich ſchließe mich dem Dank
des Reichspräſidenten an die Preſſe an.

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Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Sonukag, den 2. März 1924.
MRummer 62.

Die Woche.
* Die unhaltbare gegenwärtige Lage in Europa konut nicht
nur in einer fieberhaften diplomatiſchen Tätigkeit in allen Haupt=
ſtädten
zum Ausdruck, ſondern Hand in Hand mit der außen=
politiſchen
Entwicklung gehen ſchwere innere Kriſen aller Art.
Die Kabinettskriſe iſt eine internationale Krunk=
heit
geworden, und erſt vor wenigen Tagen iſt ihr
in Brüſſel das Kabinett Theunis=Jaspar er=
legen
. Die belgiſche Kabinettskriſis aber, der Sturz desjeni=
gen
Kabinetts, welches Belgien in den Ruhrkrieg führte, hat eine
ganz beſondere internationale Bedeutung. Gefallen iſt das Ka=
binett
über das franzöſiſch=belgiſche Wirtſchaftsabkommen, in=
dem
es bei der entſcheidenden Abſtimmung mit 79 gegen 95
Stimmen in der Minderheit blieb. Dieſer Wi tſchaftsvertrag
aber iſt ein Ausfluß der engen Verbindung, die ſeit dem Ruhr=
einbruch
Belgien mit Frankreich zwangsläufig einging und es
tatſächlich zu einem Vaſallen Frankreichs machte. Der Man=
cheſter
Guardian hat dieſer Tage mit Recht daranf aufmerkſam
gemacht, daß Belgien zur Zeit eine Rolle ſpiele, welche über
ſeine politiſche Kraft weit hinausginge. Aber es iſt dabei eben
nicht ſelbſtändig, ſondern hat ſich auf Gedeih und Verderb mit
den Franzoſen verbündet. Das bedeutet wirtſchaftlich und poli=
tiſch
für das Land ſchwere Gefahren. In der Bevölkerung hat
man dafür eher Verſtändnis gehabt als im Kabinett und baher
die Regierung geſtürzt.
Der wirtſchaſtliche Vertrag, der bon der franzöſiſchen Kam=
mer
ſofort ratifiziert wworden iſt, in Belgien dagegen länger als
ein halbes Jahr liegen blieb, iſt eine Societas leonina, ein Ab=
kommen
, bei dem alle Vorteile auf ſeiten Frankreichs liegen.
Belgien würde danach ein Annex des franzöſiſchen Zollgebiet3.
Das ganze Geſicht ſeiner Induſtrie und ſeines Handels nürde
zwangsweiſe nach Frankreich gedreht werden, während bis zum
Kriege das wirtſchaftliche Gedeihen Belgiens barauf beruhte,
daß es unabhängig von Deutſchland und von Frankreich war,
und mit beiden Staaten Handel treiben konnte, daß es vor allem
mit Antwerpen das Ein= und Ausfuhrtor für den deutſchen
Rheinverkehr beſaß. Der Ruhreinbruch brachte den Abbruch der
Beziehungen zu Deutſchland, der Antwerpener Hafen verödete,
weil die ganze Funktion der deutſchen Wirtſchaft im Weſten
lahmgelegt wurde. Ein ſtarker Ausfall für die beigiſchen Finan=
zen
, der durch die Steigerung des Verlehrs nach Frankreich nur
zum geringſten Teil wettgemacht werden konnte, und die belgiſche
Induſtrie iſt ſich darüber hinaus wohl guch nicht im Unklaren,
daß ſie, wenn ſie einmal wirtſchaftlich der kapitalkräftigeren
franzöſiſchen Kontrolle durch Eingliederung in ein gemeinſames
Zollgebiet eingereiht iſt, über kurz oder lang abgedroſſelt r.ird.
Deshalb ſitzen auch in dieſen Kreiſen die ſtärkſten Widerſtände
gegen das Bündnis mit Frankreich. Aber auch rein politiſch
beginnt es in Belgien zu tagen. Die Stellung des Landes war
darauf begründet, daß es begehrt von Frankreich, von England
und vielleicht auch von Deutſchland, ſich von dem einen vor dem
anderen ſchützen ließ und die gegenſeitigen Annexionsgelüſte ge=
wiſſermaßen
neutraliſierte. England hat immer eiferſüchtig dar=
über
gewacht, daß Frankreich in Belgien kein Heimatsrecht er=
warb
. Man hatte hier die Richtigkeit jenes Ausſpruchs Napo=
leons
klar erkannt, daß der Beſitz Antzverpens eine geladene
Piſtole vor der Bruſt Englands ſei. Die Politik Belgiens alſo
mußte, nachdem Deutſchland als Machtfaktor ausgeſchaltet war,
darauf hinauslaufen, England gegen Frankreich auszuſpielen
und nach beiden Seiten hin Ellenbogenfreiheit zu bewahren.
Das Kabinett Theunis=Jaspar hat gegen dieſe erſte Vorbeding=
ung
jeder belgiſchen Diplomatie verſtoßen. Mag ſein, daß es
ſich zunächſt gar nicht ſo weit herauswagen wollte. Aber nur
den erſten Schritt tat man frei, beim zweiten war man ſchon
rettungslos im Netz der Machtpolitik Poincarés verſtrickt. Jaspar
hat das begriffen. Er hat ſpäterhin wiederholte Anſtrengungen ge=
macht
, ſich nach England zurückzuorientieren, Anſtrengungen, die
ihm wohl auch erleichtert wurden, weil ſchon das Kabinett Bald
win einen ſtarken Druck in Brüſſel ausübte, um die Iſolierung
Frankreichs auch von der anderen Seite her zu betreiben. Theu=
nis
aber wollte oder konnte nicht mehr zurück. Er mußte
eben der Adjutant Poincarés bleiben. Und darin lieg=
der
letzte und eigentliche Grund ſeines Sturzes. Das Ka=
binett
Theunis ſtarb an der Ruhr. Nicht nur die
belgiſchen Sozialdemokraten allein rechnen heraus, was Belgien
im letzten Jahre weniger bekommen hat gegenüber 1922, wo es
zudem nicht die Koſten für eine ganze Armee auf deutſchem Boden
zu zahlen hatte. Die belgiſche Wirtſchaft iſt zurückgegangen, der
belgiſche Franc gefallen. Der Einmarſch in das Nuhrgebiet war
ein koſtſpieliges und unrentables Geſchäft. Herr Poincaré iſt
in Gefahr, ſeinen beſten Vaſallen zu verlieren. Der Sturz des
belgiſchen Kabinetts iſt ein ſchwerer Schlag gegen den europäi=
ſchen
Diktator an der Seine. Das iſt die große Bedeutung der
letzten Brüſſeler Ereigniſſe. Es iſt wohl mit Sicherheit anzu=
nehmen
, daß die Gerüchte, die in Pariſer politiſchen Kreiſen
umlaufen, und die von dem baldigen Rücktritt Poincarés ſpre=

Vom Tage.
Nach einer Mitteilung des Polizeipräſidiums in Ludwigshafen hat
die Rheinlandkommiſſion am 1. März folgendes angeordnet:
Der Perſonenverkehr in Ludwigshafen und im Bezirk Lud=
wigshafen
wird bei Tag und Nacht freigegeben. Damit iſt
die Nachtſperre wieder aufgehoben.
Aus franzöſiſcher Quelle verlautet, daß die Pfälzer Spezial=
kommiſſion
in etwa 10 bis 14 Tagen nach Speyer zurück=
kehren
wird, um mit dem Kreisausſchuß den Zeitpunkt der Einſtel=
lung
der Vermittlerrolle zu beraten.
Am Freitag ſind in Berlin deutſch=polniſche Verhand=
lungen
über die Krieger=, Alters= und Invalidenventen eröffnet
worden.
Seit dem 28. Februar tagt in Stockholm eine Konferenz
der nordiſchen Länder, Dänemark, Schweden, Norwegen und
Finnland, die die Frage eines Schiedsgerichtsübereinkommens zwiſchen
den vier nordiſchen Ländern behandelt.
Zwiſchen Spanien und Braſilien wurde ſoeben ein pro=
viſoriſcher
Handelsvertrag abgeſchloſſen, durch wel=
chen
ſich beide Länder verpflichteten, gegenſeitig einen Minimalzolltarif
in Anwendung zu bringen.
Neu=York Herald teilt mit, daß General Wrangel, der frü=
here
Oberbefehlshaber der Weißen Armee int Südrußland, in Paris
eingetroffen iſt, um mit dem Großfürſten Nikolaus wichtige
Beſprechungen abzuhalten. Es heißt, daß der Großfürſt beab=
ſichtige
, ſich an die Spitze der anttbolſchewiſtiſchen Bewegung zu ſtellen.
Nach einer Habas=Meldung aus Belgrad hat die Skupſchtina ein.
ſtimmig die Ratifikation des Abkommens über die Freizone
von Saloniki beſchloſſen.
Nach einer Habas=Meldung aus Sofia hat ſich die radikale
Gruppe des Parlaments, mit der Gruppe der demokra=
tiſchen
Vereinigung zu einer Partei zuſammengeſchloſ=
en
, die der aus der demokratiſchen Vereinigung hervorgegangenen
Regierung eine noch breitere Baſis gibt.
Die Budapeſter Polizei hat ein kommuniſtiſches Kom
plott in Ungarn aufgedeckt und bereits mehrere kommuniſtiſch
Elemente, welche mit Bela Kuhn in Verbindung ſtehen, feſtgenommen.
In Katalonien und Arragonien ſind neue Erdſtöße erfolgt.

chen, den Tatſachen weit vorauseilen. Daß die Stellung
des gegenwärtigen franzöſiſchen Miniſterprä=
identen
ſchwer erſchüttert iſt, iſt aber eine Tatſache.
Ein ſchwerer Fehler wäre es jedoch, wenn man die Hartnäckig=
keit
Poincarés nicht voll in Rechnung ſtellen würde. Er iſt nicht
der Mann, der vorzeitig die Flinte ins Korn wirft, und damit
iſt um ſo weniger zu rechnen, als ſeine Bemühungen, mit Eng=
land
wieder zu einem erträglichen Verhältnis zu kommen, in
der allerletzten Zeit offenbar nicht ganz erfolglos geblieben ſind.
Dafür ſprechen die Konzeſſionen, zu welchen die Regierung Mac=
donalds
in der Frage der deutſchen Militärkontrolle bereit iſt.
Herr Macdonald iſt immerhin ein Neuling auf dem diplomati=
ſchen
Parkett, und Neulinge in der diplomatiſchen Kunſt ver=
führt
der Wille zur Methode des suaviter in modo erfahrungs=
gemäß
leicht zur Schwäche. Es iſt an dieſer Stelle ſtets ein=
dringlichſt
vor Illuſionen gewarnt worden. Wenn der deutſche
Außenminiſter am Donnerstag im deutſchen Reichstag bei ſeiner
großen Rede über die gegenwärtige außenpolitiſche Lage mit
Recht durchblicken ließ, daß jedenfalls gewiſſe Möglichkeiten zu
einer allgemeinen Verſtändigung beſtehen, ſo zeigt ſchon das
Echo, welches dieſe ſeine Rede in der Pariſer Preſſe gefunden
hat, mit einiger Deutlichkeit die ungeheueren Schwierigkeiten,
welche zum mindeſten zur Zeit noch vorhanden ſind.
Die diplomatiſch geſchickte Rede Dr. Streſemanns war einer
der wenigen Lichtblicke, welche die Reichstagsſitzungen der letzten
Woche boten. Noch immer iſt die Frage nicht entſchieden, ob die
Auflöſung ſich zwangsläufig aus der Haltung verſchiedener Par=
teien
zur Regierung ergeben wird, oder ob dieſer Reichstag noch
weitere Wochen ſein Daſein friſten wird. Innerpolitiſche Klä=
rung
der Situation mt uns bitter not, und in dieſer Beziehung
allerdings auch nur in dieſer Beziehung, iſt der Hitler=Pxozeß
in München zu begrüßen. Ein Akt im deutſchen Schickſalsdrama
von unerhörter Tragik. Nicht nur, daß gegenwärtig in München
einer der größten deutſchen Heerführer aller Zeiten ſich vor den
Schranken eines deutſchen Gerichts gegen die Anklage des Hoch
verrats zu verantworten hat! Die Männer, die jetzt in Mün=
chen
vor dem Richter ſtehen, gehören doch wohl das haben
doch wohl zweifelsfrei ſchon die erſten Verhändlungstage er=
geben
zweifellos zu denjenigen, welche ſchon allein ihre glü=
hende
Liebe zu ihrem Volk und Land zu einer der ſtärkſten
Zukunftshoffnungen Deutſchlands machen ſollten. Auf der andern
Seite aber ſteht doch feſt, daß die Ereigniſſe jener trüben Novem=
bertage
des Jahres 1923 das deutſche Volk in ſeiner Geſamtheit
an den Rand des Abgrundes geführt haben. Nicht mehr lebens=
fähig
iſt der Smat, welcher nicht ſeine organiſche Weiterentwick=
lung
mit allen Mitteln ſichert. Und ſo iſt der Münchener Prozeß
von einer erſchütetrnden Tragik. Die Tragödie des deutſchen
Schickſals. Wo aber liegt die tragiſche Schuld?
M.

Finanzminiſterkonferenz.
Einzelſiaatliche Finanzſorgen.
Eine Einheitsfront gegen den Reichsfinanz=
miniſter
.
Berlin, 1. März. Die Finanzminiſter der Länder haben
in ihren Beſprechungen nach einer amtlichen Mitteilung die
Wege erörtert, die zu einem Ausgleich des Haushaltes der Län=
der
und Gemeinden führen können, darunter auch die Frage des
Perſonalabbaues, ſowie der Ausſchöpfung der eigenen Einahmen
aus realen Steuern, aus Domänen und Forſten. Sie ſind aber
zu dem Ergebnis gelangt, daß auch bei äußerſter Droſſelung der
Sach= und Perſonalausgaben ohne die Eröffnung neuer Ein=
wahmequellen
ihre Etats nicht im Ordnung gebracht werden kön=
nen
, wobei auch bezweifelt wird, ob die Mietzinsſteuer auf Grund
der dritten Steueryotverordnung das noch vorhandene. Loch
ſtopfen könnte.
Dem amtlichen Kommunigus wird eine Bemerkung hinzu=
gefügt
, es ſei ſchon ſeit Jahren üblich, daß die Finanzminiſter
der größeren Länder von Zeit zu Zeit untereinander berieten,
um zunächſt einmal unter ſich eine Klarheit über die Maßnahmen
in finanziellen Fragen herbeizuführen. Deswegen bedeutet dieſe
Konferenz keine Spitze gegen das Reich. Man wird hinter die=
ſes
Dementi aber ein Fragezeichen machen müſſen.: Es würde
für den ſachlichen Erfolg doch ſehr viel zweckmäßiger geweſen
ſein, wenn man ſich gleich mit dem Reichsfinanzminiſter an den=
ſelben
Tiſch geſetzt hätte. Da man dagegen einen Umweg machte
und erſt einmal eine Einheitsfront gegen den Reichsfinanzmini=
ſter
Dr. Luther bildete, ſpricht, vorſichtig geſagt, nicht für beſon=
ders
freundliche Geſinnungen dem Reich gegenüher. Zugegeben,
daß die Länder in ſtarker Bedrängnis ſind, und daß ſie deshalb
verſuchen müſſen, ihre Einnahmen zu vermehren. Aber das Reich
iſt in der gleichen Lage, und aus dieſer Schickſalsgemeinſchaft
heraus würde eine Zuſammenarbeit mit Hern Dr. Luther nütz=
licher
ſein als ein Gegeneinanderarbeiten. Es iſt ja bekannt
daß die größeren ſüddeutſchen Staaten die Rückübertragung der
Finanzheit in ſtarkem Maße verlangen. Dieſer Wunſch iſt auch
auf der Finanzkonferenz ausgeſprochen und ſelbſt von Preußen
unterſtützt worden. Auch das aber brauchte nicht ohne den
Reichsfinanzmimiſter gemacht zu werden, denn, ſoweit wir wiſſen,
hält auch Herr Dr. Luther wie eigentlich jeder Finanzfachmann
die ſtraffe Zentraliſierung des Erzbenger=Syſtems für falſch.
Angriff gegen die Rentenmark.
Franzöſiſche Sabotagemanöver.
* Prag, 1. März. (Priv.=Tel.) Schon ſeit längerer Zeit
tauchen hier Gerüchte auf, die von einem planmäßigen Vorgehen
gegen die Rentenmark wiſſen wollen. Es iſt feſtzuſtellen, daß
die beginnende Sanierung des deutſchen Wirtſchaftslebens in
hieſigen Bank= und Wirtſchaftskreiſen mit Mißtrauen verfolgt
wird, und verſchiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die
Furcht vor der deutſchen Konkurrenz im Zunehmen begriffen iſt.
Andere Miteilungen, insbeſondere aus dem beſetzten deut=
ſchen
Gebiet, die von einem planmäßigen Vorgehen der fran=
zöſiſch
=belgiſchen Beſatzungsbehörde gegen die deutſche Währung
berichten, laſſen vermuten, daß möglicherweiſe eine tſchechiſch=
franzöſiſche
Intereſſengemeinſchaft beſteht, die zum mindeſten ge=
fühlsmäßig
auch in Prag der franzöſiſchen Politik dienſtbar ſein
könnte. Nachforſchungen haben nun aufs Zuverläſſigſte das über=
daſchende
Ergebnis gezeitigt, daß tatſächlich eine von Frankreich
ausgehende Aktion im Gange iſt, die darauf abzielt, möglichſte
ſchnell und wirkſam die gegenärtig geregelten wirtſchaftlichen
Verhältniſſe in Deutſchland durch eine intenſive Ausbeutng der
Rentenwark zu untergraben. Die erſten Maßnahmen in dieſer
Hinſicht ſollen bereits ſeit mehreren Wochen durch Bankinſtitute
und deutſchfeinbliche großinduſtrielle Unternehmungen in Frank=
reich
, Polen und in der Tſchechoflowakei auf franzöſiſche Wei=
ſung
dadurch getroffen worden ſein, daß ſie die im Geſchäfts=
betrieb
eingegangenen oder gehamſterten Rentenmarkbeſtände
zurückhalten und gegen Einlöſung in ausländiſchen Edelvaluten
an Frankreich abführen. Ferner ſollen eigens zur Erſchütterung
der Rentenmark franzöſche Agenten nach Deutſchland entſandt
worden ſein, die Vertrauensſtellungen zu erlangen ſuchen und
durch geſchickte Manöver, ſei es durch Betrügereien, Unterſchla=
gungen
, Scheckfälſchungen und dergleichen, Orgaziſierung von
Einbruchsdiebſtählen und Ueberfällen, die Rentenmark an ſich
zu reißen, um ſie den Zentralen in Frankreich, Polen und der
Tſchechoſlowakei gegen hohe Belohnungen zuzuführen.
Dieſe Aktion wird in gewiſſen tſchechiſchen Kreiſen lebhaft
begrüßt. Es wird ſogar von allerhand erfreulichen Ergebniſſen
geſprochen, die weitere große Erfolge erwarten ließen.

*Oeutſches bei Smetana.
Zu ſeinem 100. Geburtstag, 2. März.
Friedrich Smetana, der große Prager Tonmeiſter, wird bei
der Wiederkehr ſeines 100. Geburtstages von den Tſchechen mit
großen Feierlichkeiten als einer ihrer hervorragendſten Söhne
geehrt. Demgegenüber muß aber betont werden, daß dieſer Kom=
poniſt
, den die Tſchechen für einen ihrer Nationalgenien halten,
ganz in deutſcher Bildung und im deutſchen Geiſtesleben wur=
zelte
. Smetana hat ſelbſt in einem an Dr. Prochazka gerichteten
Briefe bekannt, daß er von der Jugend auf in der Schule und
ſpäter auch in ſeiner Entwicklung ganz unter deutſchem Einfluß
geſtanden und ſich durchaus im deutſchen Geiſte entwickelt habe.
Die Muſik habe ſogar ſeine Zeit und Kraft derart in Anſpruch
genommen, daß er ſich in tſchechiſcher Sprache weder tadellos
auszudrücken, noch ordentlich tſchechiſch zu ſchreiben vermochte. Die
tſchechiſchen Kunſtkreiſe in Prag, die ihn jetzt nach ſeinem Tode in
den Himmel erheben, ſind dem Lebenden ſehr wenig freundlich
entgegengekommen, und er war in ſeiner Stellung als Kapell=
meiſter
am Tſchechiſchen Theater in Prag vielen Anfeindungen
ausgeſetzt. Als er 1868 ſeine Oper Dalibor, dieſe großartige
Verherrlichung eines ſagenhaften tſchechiſchen Helden, in Prag
zur Uraufführung brachte, da warfen ihm ſeine Landsleute
Germaniſierungs=Beſtrebungen vor und wollten in dieſem
Werk, wie ſchon früher in der Verkauften Braut Anklänge an
Wagner finden, die ihnen ſehr unpatriotiſch ſchienen. Die Oper
mußte abgeſetzt werden, wanderte ins Archiv, und erſt als Sme=
tana
ſein Lieblingswerk im Dezember 1870 zu ſeinem Benefiz
wählte, ſchlug das Urteil des Publikums um, und man begeiſterte
ſich jetzt für die Muſik. Bezeichnend iſt auch, daß Smetana für
dieſe Oper mit einem ſo urtſchechiſchen Stoff ein deutſches
Textbuch benutzte, das erſt ſein Freund Joſef Wenzig wieder
ins Tſchechiſche überſetzte. Auch mit Gehalt und Honoraren hat
man Smetana in Prag nicht verwöhnt. Er erhielt für die Ur=
aufführung
von Dalibor 140 Gulden, während ihm Pollini in
Hamburg für die Erſtaufführung ſeiner Zwei Witwen ſofort
1000 Gulden zahlte.
Smetanas Stellung wurde durch allerlei Intrigen tſchechi=
ſcher
Kreiſe ſo unterwühlt, daß er am 15. März 1874 an die
Theaterverwaltung einen Brief richtete, in dem es heißt: Um
wvegen der alljährlich wiederholten Zeitungsangriffe nicht für
meine Stellung befürchten zu müſſen und um mich in Ruhe mei=
nem
Amte und meiner Komponiſtenarbeit widmen zu können
wurde wir meine Stellung in einem unlösbaren Vertrag ge=
ſichert
! Sollte das löbliche Konſortium jedoch aus Gründen,
welche ich nicht zu erraten vermag, meine Stellung gewaltſam
ändern wollen, dann habe ich in meiner Heimat nichts mehr zu
ſuchen, und da ich als eine am Theater nur geduldete Perſon

keine Gnaden annehme, ſo ſehe ich mich, allerdings zu meinem
größten Schmerze, gezwungen, mein künftiges Heil außerhalb
der Grenzen Böhmens zu ſuchen. Das Leben des Meiſters war
damals nicht nur durch die Ränke ſeiner Gegner verdüſtert, ſon=
dern
auch durch die Taubheit, die ihn im letzten Jahrzehnt
ſeines Lebens überfallen hatte. In einem ergreifenden Briefe
hat er dieſe Tragödie ſeiner letzten Jahre geſchildert: Seit ſechs
Jahren bin ich völlig taub: ſeit dieſer Zeit drang nicht ein Ton
lebendig an mein Gehör. Ich muß mir die Töne nur im Geiſte
vorſtellen und bloß innerlich wie im Traume hören. Und ſo ent=
ſtand
mein Quartett, als eine Erinnerung an eine ſchönere, ent=
ſchwundene
Zeit. Ich habe den Beginn meiner Taubheit ſchil=
dern
zu müſſen geglaubt und es auf die Art darzuſtellen geſucht,
wie es im Finale des Quartetts mit dem viergeſtrichenen E. der
erſten Violine geſchieht. Ich wurde nämlich vor dem Eintritt der
völligen Taubheit viele Wochen lang zuvor immer abends zwi
ſchen 6 und 7 Uhr durch den ſtarken Pfiff des As=Dur=Sext=Akkor.
des As=Es=C in höchſter Piccololage verfolgt, eine halbe, oft die
ganze Stunde lang ununterbrochen, ohne daß ich mich davon
irgendwie hätte befreien können. Dies geſchah regelmäßig täg
lich, gleichſam als warnender Mahnruf für die Zukunft! Ick
habe daher dieſe ſchreckliche Kataſtrophe in meinem Schickſal mit
dem hellpfeifenden E im Finale zu ſchildern getrachtet.

*Zum ſiebzigſten Geburtstag
des Grimmſchen Wörterbuchs.
(2. März 1924.)
Uns wird geſchrieben: In ſeiner Akademierede Ueber das
Alter zum 120. Geburtstage Friedrichs des Großen ſagte der
75jährige Jakob Grimm, der Hauptverfaſſer des Deutſchen
Wörterbuchs, von ſich: Ein Philolog durfte wagen, zuletzt an
ein Wörterbuch die Hand zu legen, deſſen fernliegendes, faſt zu=
rückweichendes
Endziel in der Friſt des ihm noch übrigen Lebens,
wo die Regentropfen ſchon dichter fallen, leicht nicht mehr zu er=
reichen
ſteht. Zum zweiten Male denkt er hier an die Wahrheit
des Wortes Bücher haben ihre Schickſale, zum erſten Male fin=
det
ſich der Gedanke im Vorwort zu dem gewaltigen Werke. Ernſt
Auguſt von Hannover gab mit ſeinem Verfaſſungsbruch 1857
gewiſſermaßen die erſte Anregung zu dem Wörterbuch. Als die
Göttinger Sieben ihres Amtes entſetzt waren, wurde Jakob
mit ſeinem Bruder Wilhelm von der Weidmannſchen Buchhand=
lung
vorgeſchlagen, ein neues großes Wörterbuch der deutſchen
Sprache abzufaſſen. Trotz aller Schwierigkeiten, die das Unter=
nehmen
ſchon in ſeinen Vorbereitungen kieten mußte, lag in dem
Vorſchlag etwas Unwiderſtehliches, das allen Schwierigkeiten die

Spitze bot. Es gab weder ein deutſches Wörterbuch, noch (eines)
einer andern neuen Sprache in dem umfaſſenden ausgedehnten
Sinn, welchen wir ahnten‟. Denn nach der Abſicht der Brüder
galt es, unſeren Wörterſchatz zu heben, zu deuten und zu läu=
tern
. Unabläſſig wollte Jakob nach jedem in ihm gelegenen
Vermögen zur Erkenntnis der deutſchen Sprache kommen und
ihr von vielen Seiten ins Auge ſchauen. Aber es dauerte lange,
bis es zur Ausführung des Planes kam. 1840 waren die Brüder
an die preußiſche Akademie berufen worden und im März 1841
nach Berlin übergeſiedelt; neue Aufgaben wurden ihnen geſtellt.
Erſt nach einem Jahrzehnt wird das Deutſche Wörterbuch das
Hauptziel ihrer wiſſenſchaftlichen Arbeiten. 1852 konnte Jakob die
erſte Lieferung herausgeben. Wenn wir den heutigen Tag den
70. Geburtstag des nationalen Werkes nennen, ſo berechtigt uns
dazu die Tatſache, daß Jakob Grimms Vorwort zum erſten
Bande, in dem er den Plan des Wörterbuches eingehend und in
allen, auch den techniſchen Einzelheiten darlegt, das Datum des
2. Merz 1854 trägt. Noch faſt 10 Jahre er iſt am 20. Septem=
ber
1863 geſtorben hat Jakob Grimm ſeinen hingebenden
Fleiß und ſeine, von der Phantaſie belebte tiefe Gelehrſamkeit
dieſem Archiv der deutſchen Sprachgeſchichte gewidmet. Die
Methode geſchichtlicher Sprachbetrachtung, ſchreibt Wilhelm
Scherer in der Allg. Deutſchen Biographie, ſollte dem neuhoch=
deutſchen
Wortſchatze ſeit etwa 1450 zugute kommen. Für jedes
Wort ſteht die älteſte hierzu zu ermittelnde Bedeutung an der
Spitze, die verwandten Sprachen geſtatten noch tiefere Ergrün=
dung
, der Uebergang vom Sinnlichen zum Abſtrakten iſt überall
anſchaulich, die Fülle poetiſcher, ſprichwörtlicher, abgerundeter
Wendungen, die ſich an jedes Wort heften, wurde in großer Voll=
ſtändigkeit
erkennbar. Höchſt anſchaulich und reizvoll heißt es
bei Jakob Grimm: Wie wenn tagelang feine dichte Flocken vom
Himmel niederfallen, bald die ganze Gegend in Unermeßlichem
zugedeckt liegt, werde ich von der Maſſe aus allen Ecken und
Ritzen auſ mich eindringender Wörter gleichſam eingeſchneit.
Das heilbringende Geſtirn, das über einem ſolchen Werke ſtehen
muß, erkannte Jakob Grimm in dem Aufſchwunge der deutſchen
Philologie und in der Empfänglichkeit des deutſchen Volkes für
ſeine Mutterſprache. Waren die früheren eingeſchränkten Wörter=
bücher
der deutſchen Sprache von Daſypodius bis Campe ohne
öffentliche Anregung oder Beiſteuer gedruckt worden, ſo war
bei dem Deutſchen Wörterbuch das ganz neue, daß 83 Gelehrte
den Brüdern Auszüge geliefert und einen Teil ihrer Arbeitskraft
zur Verfügung geſtellt haben. Nach dem Hingang der Grimm
wurde das Werk in derſelben Methode weiter gefördert; vor
10 Jahren konnte man auf die Vollendung des großen Baus mit
ziemlicher Zuverſicht rechnen hoffen wir, daß nach der langen
Unterbrechung dieſe Zuverſicht trotz allem nicht zuſchanden werde.
Dr. R. B.

[ ][  ][ ]

Rummer G2.

Darmſtädter Dagblatt, Sonntag, den 2. März 1924,

Kein Neuling in Staatsſtreichen. Scharfe Ausfälle gegen Reichswehroffiziere.
Die Revolutionsverfaſſungen.

Am Schluß
der 1. Verhandlungswoche.
g. München. 1. März.
Am Samstag vormittag nimmt das Verhör der Angeklagten
ſeinen Fortgang, für das auch wohl die erſte Hälfte der kom=
rienden
Woche noch in Frage kommen dürfte.
Der Angeklagte Hauptmann Nöhm kommt in einem
dem geſtern verhörten Oberſtleutnant Kriebel gleich: Auch er
itnur Offizier, kein Politiker. Das macht es glaub=
hrft
, daß er nicht einzuſehen vermag, weshalb er ſich wegen der
Tat vom 8. November verteidigen ſoll. Im Gegenſatz zu der
patürlichen, friſchen Beſcheidenheit Kriebels aber wirken ſeine
Angaben ein wenig aufdringlich, ſoweit ſie ſeine Perſon beſon=
ders
berühren. Er iſt kein Neuling in Staats=
reichen
:
Den erſten hat er ſchon 1918, wie er ſelbſt feſtſtellt, ge=
macht
wo er in Ingolſtadt als Brigadeführer
en Soldatenrat zum Auffliegen brachte. Wie
4riebel, ſo kommt auch Nöhm ſcheinbar nur als militäriſcher
Führer in Frage. Seine dahingehenden Bekundungen decken
uich mit dem, was Dr. Weber und Hitler heute erneut in Ee=
hänzung
ihrer früheren Ausſagen beſtätigen. Zu dem Kapitel
ſder Drei weiß er nur eine Aeußerung aus zweiter Hand bei=
miſteuern
: daß Hauptmann Heiß, der feindliche Bruder
der Reichskriegsflagge, überzeugt von Kahrs
Willen zum Marſch gegen Berlin geweſen ſei und
daraufhin die Organiſation Alte Kriegsflagge von der
Reichskriegsflagge abſpaltete. Wenig ſympathiſch berühren ſeine
harfen Ausfälle gegen Reichswehroffiziere; hat
ar doch ſelbſt erſt im September ſeinen Abſchied aus der Reichs=
wehr
genommen.
Ihm folgt Brückner, den ebenfalls die Revolution ins
Sitlerlager führte. Er hat die Aktion im Bürgerbräukeller als
Tommandant des Regiments Wünchen der nationalſozialiſtiſchen
Sturmabteilungen durchgeführt. Was er bekundet, iſt ein tem=
eramentvolles
Plädoyer gegen die Anklage=
chrift
, in dem es don Pleitegeier, ſchwarz=weiß=rot, Haken=
meuz
, November=Verbrecher und anderem nur ſo hagelt.
Bei ſeiner Schilderung des Zuſammenſtoßes an der Feld=
errnhalle
verwahrt er ſich energiſch gegen den Vorwurf der
Feigheit: Als Feldſoldat weiß doch jeder, daß er ſich hinzu=
hmeißen hat, wenn er von vorn Feuer erhält.
Zum Schluß erklärt er, er ſei als Deutſcher ſtolz auf
eine Mitarbeit am 9. November. Wenn er noch ein=
mial
in die Lage kommen werde, werde er genau ſo zu ſeinem
Führer Hitler und zu Ludendorff halten.
Die Revolutionsverfaſſungen exiſtieren für
hn nicht. Er iſt jedoch ſeit 1919 Student der Staatswiſſen=
haften
.
Damit hat die erſte Verhandlungswoche ihren Abſchluß er=
eicht
.
Es bleiben noch die Vernehmungen der Angeklagten Per=
wet
, Frick, Leutnant Wagner, und dann erſt wird man an
die Beweisaufnahme herantreten können.
Der 5. Verhandlungstag.
(Drahtung unſeres Korreſpondenten).
g. München, 1. März.
Zu Beginn der Verhandlung am Samstag vormittag teilte der
Borſitzende mit, daß er auf Freitag und Samstag ſchon Zeugen geladen
atte, die wegen der langen Dauer des Verhörs der Angeklagten noch
richt zur Vernehmung gelangen konnten.
Als erſter der Angeklagten wird dann der Führer der Reichs=
riegsflagge
,
Hauptmann Röhm
vernommen. Er ſar als Offizier im Felde und wurde zweimal ver=
wundet
, das eine Mal ſchwer. Er bemerkt es ſei ihm heute noch nicht
Ular, daß er ſich als Soldat und Offizier für eine Tat verteidigen ſolle,
bei der als Deutſcher und als ein ſeinem rechtmäßigen König treu er=
ebener Bayer nicht anders habe handeln können. Im Kriege ſchon
gabe er Exzellenz Ludendorff als den treuen Freund der Truppen ken=
ven
gelernt. Er ſei ſtolz darauf, ſich im Felde die Anerkennung ſeiner

Vorgeſetzten erworben zu haben. Bei der Revolution habe er das Ge=
löbnis
abgelegt, die ſchwarz=weiß=rote Kokarde nicht abzu=
legen
. Das habe er, ſolange er bei der Reichswehr war, gehalten. Sei=
nenerſten
Staatsſtreich habe er ſchon während der Revolutien
in Ingolſtadt gemacht, wo er den Soldatenrit auflöſte.
D
Die Meuterei.
Nach den Befreiungskämpfen in München, die den Abſchluß der
Rätezeit bildeten, lernte er den damaligen Polizeipräſidenten Poehner
kennen, dem er aus dieſer Zeit ſeine Hochſchätzung bewahrt habe. Die
Verpflichtung der bayeriſchen Neichswehr auf die
bayeriſche Regierung hat auch er als Meuterei an=
geſehen
. Er habe ſich dabei über das glatte Mitgehen aller Offiziere
gewundert. Da ſei es ſchon möglich, daß ein Offizier, befragt, weshalb
er auf vaterländiſche Leute ſchießen ließ, erwidert habe: Dafür bin ich
bezahlt.
(Bewegung im Saale.)
Mit der Reichskriegsflagge ſtellte ſich Röhm bedingungslos für die
Aktion Hitlers zur Verfügung. An den politiſchen Beſprechungen habe
er nicht teilgenommen.
Die Reichskriegsflagge im Kriegsminiſterium.
Der Angeklagte ſchildert dann ſeine Rolle in den Novembertagen,
vo er mit der Reichskriegsflagge das Kriegsminiſterium beſetzte. Ohne
einen Befehl Ludendorffs habe er das Kriegsminiſterium erſt dann in
den Ve
rteidigungszuſtand geſetzt, als die Reichswehr Geſchütze gegen
ihn auffahren ließ. Dann feien General Epp und ein zweiter Offizier
als Unterhändler zu ihm gekommen. Es ſei ihm geſagt worden, in
Berlin ſei ja eine neue Regierung mit General Gail, Seeckt und Minoux
ausgerufen worden. Alles ſei ein Mißverſtändnis. General Et
habe Waffenruhe verbürgt. Trotzdem ſeien aber zwei Leute ſeiner Be
tzung von der Reichswehr erſchoſſen worden, als er auf die Bitte von
Epp hin zu Verhandlungen zur Stadtkommandantur gekommen war.
päter ſei der Reichskriegsflagge gegen Waffenabgabe und Stellung des
Führers freier Abzug mit militäriſchen Ehren bewilligt worden. Auch
das habe man ihm nicht gehalten. Der Angeklagte ſtellte ſich dann bei
der Polizeidixekrion und wurde in Haft gehalten.
Vorſtoß gegen die Reichswehr.
Vorſitzender: Wann haben Sie Ihren Abſchied eingereicht?
Angeklagter: Am 30. September.
Vorſ.: Sind Sie unter dem Stichwort Glücklich entbun=
den
von der Aktion im Bürgerbräukeller verſtändigt worden?
Angekl.: Nein, ich weiß nicht, wer angerufen wurde.
Staatsanwalt Ehart: Die Staatsanwaltſchaft iſt nicht dazu da,
die Reichswehr zu verteidigen. Ich möchte aber doch feſtſtellen, daß
General Ludendorffs Haltung gegenüber der Reichswehr in bemerkens=
wertem
Gegenſatz zu den Angriffen des Hauptmanns Röhm auf die
Reichswehr ſteht, obwohl General Ludendorff vielleicht weit mehr Grund
haben könnte, über die Reichswehr verärgert zu ſein.
Angeklagter: Ein grundſätzlicher Angriff gegen die Reichs=
wehr
hat mir ferngelegen. Ich möchte nur gewiſſe Offiziere beleuchten,
da auch wir in der Oeffentlichkeit angegriffen worden ſind.
Dr. Weber und Hitler erklären auf Befragen, daß Röhm bei den
politiſchen Beſprechungen tatſächlich nicht anweſend geweſen ſei. Bei
den weiteren Fragen der Verteidigung erregt es Heiterkeit, als der
Angeklagte eine militäriſche Frage des Juſtizrats Zezſchwitz dahin beant=
wortet
, die Frage ſei für ihn zu hoch. Tatſächlich war die Frage in einen
ſolchen Wuſt von Schachtelſätzen eingeſchloſſen, daß ſich kaum jemand
dieſer
durchfinden konnte. Eine Aeußerung des Hauptmanns Heiß,
zweifle nicht mehr daran, daß Kahr gegen Berlin marſchieren werde
und alle Vorbereitungen dazu treffe, iſt dem Angeklagten, wie er auf
Befragen erklärt, nicht bekannt.
Der dann vernommene Angeklagte
Oberleutnant Brückner
bekundet u. a., daß ihn die Revolution und die Unfähigkeit der Regie=
renden
, der Not in Deutſchland zu ſteuern, in das völkiſche Lager Hit=
ers
geführt haben, wo ſich in bunter Reihe der Bürger neben dem
Arbeiter, der Offizier neben dem Beamten und Studenten zuſammen=
fanden
.
Brückner erhielt die Befehle, die Aktion im Bürgerbräukeller als
Führer des Regiments München der Sturmabteilung durchzuführen, am
8. November vormittags. Gegen die Bewaffnung ſeiner Leute am
Abend habe ein Offizier der Landespolizei, der dabei ſtand, keinerlei
Einſpruch erhoben. Auch am Vormittag des 9. November habe ſich die
Landespolizei keineswegs feindlich gegen ſeine Leute geſtellt, bis es zu
dem unglückſeligen Zuſammenſtoß an der Reſidenz gekommen ſei. Dort
ſei von der Feldherrnhalle herunter geſchoſſen worden. An Hand von
Bildern des Schauplatzes des Zuſammenſtoßes erklärt der Angeklagte:
Wenn Leute von der Landespolizei erſchoſſen wurden, ſo müſſen ſie in
das Feuer ihrer eigenen Kameraden hineingelaufen ſein. Er nehme
die Verantwortung für ſeine Befehle voll auf ſich. Die Revolu=
tionsverfaſſungen
von 1918 und 1919 erkenne er nicht an.
Die Verhandlung wird dann auf Montag vormittag ½9 Uhr vertagt.

Seite 3.

Zur 3. Steuernotverordnung.
Die juriſtiſche Arbeitsgemeinſchaft für Geſetzgebungsfragen,
welche aus folgenden Korporationen gebildet iſt:
1. der ſtändigen Deputation des Deutſchen Juriſtentages,
2. dem Deutſchen Juriſtenbund,
3. der Berliner Juriſtiſchen Geſellſchaft,
4. den Mitgliedern der Juriſtiſchen Fakultät Berlin,
5. dem Preußiſchen Richterverein, Ortsgruppe Berlin,
6. dem Berliner Anwaltsverein,
7. dem Berliner Notarverein,
hat am 27. Februar einſtimmig folgende Entſchließung gefaßt:
Wirtſchaftliche Verbände haben ſich dahin ausgeſprochen,
daß die durch die dritte Steuernotverordnung geſchaffene
Rechtsgrundlage in der Aufwertungsfrage unter keinen Um=
ſtänden
, weder durch Rechtfprechung, noch durch Geſetzgebung,
erneut erſchüttert werden dürfe.
Auch vom Standpunkt des Rechts aus erſcheint es dringend
erwünſcht, daß eine baldige unanfechtbare Löſung der Frage
herbeigeführt wird, in welchem Umfange bei der Erfüllung
von Forderungen der Geldentweriung durch Herab=
ſetzung
ihres Goldwertes, Rechnung zu tragen iſt.
Dies iſt aber nur dadurch möglich, daß durch eine Abänderung
der dritten Steuernotverordnung die Bedenken gegen ihre
Verfaffungsmäßigkeit beſeitigt werden. Denn wenn die Ge=
richte
zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Verordnung mit
der Verfaſſung nicht vereinbar ſei, ſind ſie verpflichtet, ſie für
rechtsungültig zu erklären, da in dem Ermächtigungsgeſetz vom
8. Dezember 1923 ausdrücklich beſtimmt iſt, daß die Verord=
nungen
der Regierung von der Reichsverfaſſung nicht abweichen
dürfen. Eine geordnete Wirtſchaft iſt nur denk=
bar
auf der Baſis des Vertrauens im In= und
Auslande. Dieſes aber findet ſeine Wurzeln in einem
geordneten Nechtsſtaat, in welchem die Entrechtung der wirt=
ſchaftlich
Schwachen ausgeſchloſſen ſein muß. Der Staat
darf ſich nicht der Form des Nechts bedienen,
um Unrecht zu ſchützen. Eine mit der Verfaſſung in
Einklang ſtehende Regelung der Aufwertung, welche die unzer=
trennlichen
Geſichtspunkte von Wirtſchaft und Recht gleich=
mäßig
berückſichtigt, iſt möglich, ohne daß an den finanziellen
Maßnahmen der Steuernotverordnung ſachlich etwas geändert
zu werden braucht; ſie hält ſich daher im Rahmen der vom
Herrn Reichskanzler als zuläſſig bezeichneten Abänderungen,
da ſie die Stabiliſierung unſerer Währung und die Balan=
zierung
des Etats nicht in Frage ſtellt. Die unverän=
derte
Aufrechterhaltung der Beſtimmungen
über die Aufwertung birgt die Gefahr einer
ſchweren Erſchütterung des Rechts= und Wirt=
ſchaftslebens
in ſich; wer dieſe Erſchütterung
vermeiden will, muß daher mit aller Entſchie=
denheit
dafür eintreten, daß die das bürger=
liche
Recht betreffenden Beſtimmungen der
dritten Steuernotverordnung, unter Los=
löſung
von den ſteuerrechtlichen Vorſchriften,
nach den Grundſätzen von Treu und Glauben
geordnet werden.
*
Da die bedeutungsvolle Entſchließung von hervorragendem
Intereſſe iſt, halte ich deren Bekanntgabe für geboten. Ich füge
an, daß die Ausführungen ſich mit dem von mir vertretenen
Standpunkte decken. Nach einem mir mitgeteilten Protokoll
über die Sitzung der Arbeitsgemeinſchaft vom 16. Februar hat
die Gemeinſchaft die Ausführungen von Exz. Dr. Mügel und
Exz. Dr. Düringer, daß die Verordnung gegen 8 153 Abſ. 1 der
Reichsverfaſſung verſtoße, einſtimmig für zutreffend erachtet.
Auch darin wird ſomit meine Auffaſſung durch die der Arbeits=
gemeinſchaft
beſtätigt.
Dr. Beſt, Oberlandesgerichtspräſident i. R.

Dr. Heim und Ludendorff.
München, 1. März. Einem Mitarbeiter der Münchener
Neueſten Nachrichten erklärte Dr. Heim zu dem von Luden=
dorff
über ihn gemachten Aeußerungen u. a., er habe ſeit 1920
alle Beiehungen um Grafen Bothmer abgebrochen. Der Brief=
wechſel
des Innenminiſters Dr. Heim mit dem Grafen Botymer
habe in ſeinem geſamten Umfange den Gerichtsbehörden vorge=
legen
. Er kann reſtlos veröffentlicht werden. Er habe niemals
mit jemand über die Idee der Donaumonarchie geſprochen. Zum
Falle Ludendorff erklärt Dr. Heim, als Kahr ihm ſeinerzeit mit=
teilte
, daß Ludendorff nach Bayern kommen wolle, habe er unter
der Vorausſetzung zugeſtimmt, daß Ludendorff ſich nicht in die
baheriſche Politik einmiſche, worauf Kahr erklärt habe, der Ge=
neral
habe ihm eine entſprechende Zuſicherung gegeben. Schließ=
lich
erſuchte Dr. Heim ſeine politſchen Gegner, ſeinen Namen
aus der Politik zu laſſen.

Naturwiſſenſchaftliche Rundſchau.
Von Dr. Max Rimberg.
Von den indiſchen Fakiren erzählt man gar merkwürdige
Dinge, die die Meinung erwecken könnten, daß dieſe wunder=
ichen
Heiligen entweder übernatürliche Kräfte oder daß ſie
Renntniſſe beſitzen, von denen ſich unſere Schulweisheit nichts
räumen läßt. Noch konnte man nichts reſtlos aufklären, in=
wieweit
bei den Erzählungen von ihren Taten die Phantaſie
ver Reiſenden eine Rolle ſpielt, oder in welchem Umfang Taſchen=
ſpielertridls
Verwendung finden, oder ob es ſich dabei um zu=
ſällige
Naturbeobachtungen handelt, die in der Kaſte als Ge=
weimnis
gehütet und ausgenutzt werden, die jedoch der übrigen
Menſchheit nicht bekannt geworden ſind. Eine der merkwürdig=
tten
Erzählungen, die in zahlreichen Berichten immer wieder=
ehrt
, iſt die von Fakiren, die ſich lebendig begraben laſſen. Sie
Serſenken ſich in eine Art von Totenſtarre und werden dann ein=
gegraben
. Wenn man ſie nach Tagen, Wochen oder Monaten
ausgräbt, ſo erwachen ſie aus ihrer Lethargie und leben ruhig
veiter, als ob nichts geſchehen wäre. Solch ein Fakir hätte es
alſo in der Hand, ſein Leben beliebig oft zu unterbrechen, es
gewiſſermaßen wie einen Roman in Fortſetzungen einzuteilen.
Behagt ihm die Zeit oder behagen ihm die Menſchen nicht, ſo
Cäßt er ſich begraben und beſtimmt, daß man ihn in ſchöneren
Tagen wieder ausgräbt.
Was ſteckt dahinter? Wir wiſſen es nicht, und wohl faſt
alle, die über derartige Dinge berichten, ſind keine Naturwiſſen=
ſchaftler
und in naturwiſſenſchaftlicher Beobachtung nicht geſchult.
Ein Vergleich mit den Medien der Spiritiſten liegt nahe, von
Henen ſchon ſo manche der Täuſchung überführt wurde, ſobald
ein im naturwiſſenſchaftlichen Denken Erzogener eingriff. Aber
ſei dem, wie ihm wolle! Ueberlaſſen wir die Fakire ihrem
Schickſal und beſchäftigen wir uns mit der durch die Erzählungen
von ihren ſonderbaren Künſten angeregten Frage, ob es wirklich
ein Leben in Fortſetzungen geben kann. Immer mehr häufen ſich
Die Beweiſe, daß der Gedanke daran auf Grund unſerer natur=
twiſſenſchaftlichen
Erkenntnis durchaus nicht von der Hand zu
tweiſen iſt. Man hat zunächſt einmal durch Verſuche feſtgeſtellt,
Haß gewiſſe Kaltblütler, vor allem Fiſche und Fröſche, durch
hohe Kältegrade in einen Zuſtand verſetzt werden können, bei
Hem jede Lebenstätigkeit unterbrochen wird. Man ließ ſie in
Eisblöcke einfrieren, ja man behandelte ſie ſogar mit flüſſiger
Luft, die bekanntlich eine Temperatur von 192 Grad hat. Dabei
hörte jede Atmung auf, die Körper wurden glashart und ließen
ſich wie Glas auseinander brechen und mit dem Hammer zer=
ſplittern
. Auch die ſorgfältigſten Unterſuchungen ergaben keine
Spur einer Atmung. Es wurde weder Sauerſtoff aufgenommen,

noch Kohlenſäure ausgeatmet. Der Herzſchlag ſtand ſtill. Taute
man die Tiere jedoch unter gewiſſen Vorſichtsmaßregeln wieder
auf, ſo glich ihr Verhalten dem der indiſchen Fakire: Sie lebten
ruhig weiter, als ob nichts geſchehen wäre, ſchwammen bezw.
hüpften luſtig umher und ließen ſich die dargereichte Nahrung
gut ſchmecken.
Es war nun die Frage zu prüfen, ob es auch Warmblütler
gibt, die eine gleiche Behandlung vertragen. Verſuche, in bezug
auf denen zuerſt der Phyſiologe Bachmetieff bahnbrechend vor=
ging
, haben gezeigt, daß man auch gewiſſe Säugetiere hohen
Kältegraden ausſetzen kann und daß dabei die Lebenstätigkeit
zwar ausſetzt, aber nicht aufhört. Vor allem verſinken Ratten
und Katzen bei ſehr ſtarker Erniedrigung der Temperatur in
Erſtarrung und Bewußtloſigkeit. Auch hier hört die Herztätig=
keit
auf, die umgebende Luft wird auch in langer Zeit weder an
Sauerſtoff ärmer, noch an Kohlenſäure reicher. Die Glieder
werden glashart. Alſo genau dasſelbe Bild wie bei den Kalt=
blütlern
! Die Erwärmung muß ſehr langſam und ſehr vorſichtig
vorgenommen werden, damit dabei die feinen Blutgefäße nicht
platzen. Gelingt es, ſie richtig auszuführen, ſo haben ſich die
Tiere bald wieder erholt, niemand merkt ihnen an, daß ihr
Leben eine Unterbrechung erlitten hatte.
Der intereſſanteſte und zweifellos wichtigſte von allen Ver=
ſuchen
auf dieſem Gebiet, der mit dem Menſchen, iſt bisher noch
nicht durchgeführt worden. Vorerſt beſchäftigen ſich die Phyſio=
logen
damit, das Verhalten weiterer Warmblütler und insbe=
ſondere
von Säugetieren zu ſtudieren. Man darf den Ergeb=
niſſen
ihrer Unterſuchungen mit berechtigter Spannung entgegen=
ſehen
. Es wäre verfrüht, irgendwelche Prophezeiungen aus=
ſprechen
zu wollen, ob es dereinſt auch für den Menſchen möglich
ſein wird, ſein Leben in Fortſetzungen zu leben, ſei es, daß er
in die Geheimniſſe der Fakire eindringt, ſofern es wirklich ſolche
gibt und nicht etwa Täuſchungen vorliegen, ſei es, daß er ſeinen
Körper der Einwirkung hoher Kältegrade ausſetzt. Die Mög=
lichkeit
hierzu erſcheint nach allem, was wir bisher wiſſen, durch=
aus
nicht ausgeſchloſſen. Unter gewiſſen Bedingungen, die aller=
dings
ſehr ſorgfältig inne gehalten werden müſſen, geſtaltet ſich
die Einwirkung der flüſſigen Luft trotz ihrer großen Kälte auf
den menſchlichen Körper vollkommen gefahrlos, ja es iſt neuer=
dings
ſogar gelungen, ſie wiederum unter beſtimmten Kau=
telen
in gewiſſe Körperhöhlen einzuführen und ſie darin län=
gere
Zeit zu belaſſen. Dieſe Verſuche eröffnen einige Hoffnun=
gen
es wäre jedoch verfehlt, aus ihnen vorerſt allzu weit=
gehende
Schlüſſe ziehen zu wollen. Die Wiſſenſchaft, die dieſes
intereſſante Gebiet erſchloſſen hat, wird auf dem ruhigen, ſicheren
Weg der ſyſtematiſchen Forſchung weiterſchreiten, und es dürfte
vielleicht nicht mehr allzu lange dauern, bis ſie uns Antwort auf
unſere Frage erteilen wird.

Sollte man es für möglich halten, daß es Inſekten gibt, die,
wenigſtens auf gewiſſen Gebieten, ein fünfjähriges Kind in Be=
zug
auf Intelligenz übertreffen? Nach den Beobachtungen von
J. Szymanski ſaugen Hummeln aus traubenförmigen Blüten
ihre Nahrung nach dem Grundfatze des kürzeſten Wegs. Sie
legen, indem ſie ſich von Blüte zu Blüte bewegen, eine Schrau=
benlinie
zurück, die bei der unterſten Blüte beginnt und bei der
oberſten endet. Es gibt kein beſſeres und ſinngemäßeres Ver=
fahren
, um in kürzeſter Zeit und bei Vermeidung aller Umwege
ſyſtematiſch alle Blüten abzuſuchen. Um den Grad der aus
dieſem Verhalten der Hummeln ſprechenden Intelligenz mit dem
des Menſchen zu vergleichen, nahm Szymanski Erprobungen mit
dreijährigen und fünfjährigen Kindern vor. In einem Papp=
zylinder
wurden Löcher angebracht, in die Nägel eingeworfen
werden ſollten. Dabei ſollte kein Loch überſehen werden und in
jedes ſollte nur ein einziger Nagel kommen. Die dreijährigen
Kinder verfuhren ganz regellos, die fünfjährigen begannen ſämt=
lich
nicht am unterſten Loch, ſo daß ſie alſo weniger intelligent
verfuhren als die Hummeln. Erſt erwachſene Menſchen ſchlugen
das richtige Verfahren ein.

Das Goethebild und die Steuerbehörde. Im Heidel=
berger
Tagblatt richtet Alexander von Bernus auf Stift=Neuburg
an alle Freunde deutſchen Kulturgutes eine Kundgebung, in
der er mitteilt, daß das von Gerhard von Kügelgen im Auftrage
Goethes für ſeinen (v. Bernus) Großonkel Friedrich Schloſſer
gemalte weltberühmte Goethebild am 27. Februar d. J. von der
Steuerbehörde der Republik als Pfand verſiegelt wurde, weil er
nicht in der Lage ſei, eine ihm auferlegte Brotabgabe, die nach=
weislich
in keinem Verhältnis zu ſeinen Einkünften ſteht, zu
zahlen. Da er bei der heutigen Steuerbelaſtung nicht imſtande
iſt, die bisher einzig aus ſeinem ſehr beſcheidenen Arbeits=
einkommen
der Not der Zeit zum Trotz unterhaltenen wert=
vollen
Sammlungen in Stift=Neuburg vor dem Zugriff der
Steuerbehörde zu ſchützen, empfiehlt er allen Freunden deutſchen
Kulturgutes, die Sammlungen zu beſichtigen, bevor ſie an die
Kriegsverdiener aller Länder auf dem Wege der öffentlichen
Verſteigerung verſchleudert ſind.
C. K. Hauſſe in Diamanten. Eine Hauſſe in Edelſteinen
wwird nicht nur bei uns, ſondern ebenſo auf dem größten Dia=
mantenmarkt
der Welt, in London, beobachtet. In einer Woche
wurden allein rohe Steine für mehr als 250 000 Pfund Sterling
auf dem Londoner Markt verkauft. Die größte Nachfrage beſteht
nach billigen und mittelgroßen Diamanten; die Preiſe ſind um
5 bis 10 Prozent geſtiegen. Große Nachfrage war auch nach
Perlen, Halsbändern und Perlenketten, von denen für 40000
Pfund Sterling verkauft wurden.

[ ][  ][ ]

Seite 4

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 2. März 1924.

Mummer 62.

Von unſerem Sonderberichterſtatter in Konſtantinopel.
E.C.H. Konſtantinopel, den 10. Februar.
Als geſtern die Nachricht aus Angora eintraf, daß auf das
Eingreifen der Großen Nationalverſammlung hin ſich der tür=
kiſche
Juſtizminiſter entſchloſſen habe, Lutfi Fikri Bei zu begna=
digen
, herrſchte allgemeiner Jubel und freudige Begeiſterung in
der Stadt. Damit hat der Preſſeprozeß, der wochenlang, zuerſt
mit ſeinen langwierigen Vorbereitungen und Ermittlungen,
dann aber mit ſeinen aufſehenerregenden Sitzungen die Stam=
buler
Bevölkerung in Spannung gehalten hatte, ſeinen endgül=
tigen
Abſchluß gefunden. Viel Lärm um nichts, könnte man
jagen, denn letzten Endes hat die Regierung von Angora auf
der ganzen Linie den Rückzug angetreten und mit der Begnadi=
gung
Lutfi Fikri Bejs obendrein den Beweis gegeben, daß ſie in
politiſchen Vergehen eine erſtaunliche, nach den Vorgängen kaum
zu erhoffende Duldſamkeit aufbringen kann. Man darf dem vor=
trefflichen
, von glühender Heimatsliebe erfüllten Manne, der als
Vorſitzender der türkiſchen Advokatenkammer ſich allgemeiner Be=
liebtheit
und wegen ſeiner gründlichen Kenntniſſe weiteſter
Achtung erfreut, von Herzen dazu Glück wünſchen, daß ihm die
fünfjährige Kerkerſtrafe nunmehr erlaſſen wurde. Man fragt ſich
hier freilich allgemein, wozu dieſer umfängliche Prozeß eigentlich
angeſtrengt wurde, und ſchüttelt die Köpfe über ſeinen nunmehri=
gen
Ausgang. Agha Chan, der kürzlich in Bombay gelandet iſt,
läßt von dort bekannt geben, daß es ihm wie Sejid Emir Ali,
dem Mitunterzeichner jenes berühmten Briefes, deſſen Abdruck
in einem Teil der Stambuler Preſſe den äußeren Anlaß zur Ein=
leitung
des ganzen Verfahrens gebildet hatte, völlig fern gelegen
habe, die türkiſche Regierung zu verletzen. Er habe vielmehr dieſe
warnen wollen, die Sache des Iſlams dadurch zu ſchädigen, daß
ſie jetzt die Kalifatsfrage aufwerfe und durch die Möglichkeit ver=
ſchiedener
Bewerbungen Zwietracht in die Reihen der Muſlime
bringe. Die Prozeßverhandlungen, die öffentlich geführt wurden
und einen ungeheueren Zulauf hatten, waren voll bewegter, dra=
matiſcher
Einzelheiten, die im Grunde bezeichnend ſind für die
Stimmungen im Volke. Beſonders das mannhafte Auftreten
Lutfi Fikri Beis, der mit erhobener Stimme verkündete, daß ihm
ein Kalifat ohne weltliche Macht unvorſtellbar ſei, und mit er=
ſtaunlichem
Freimut ſeine ſonſtigen, den Angoraleuten kaum ge=
nehmen
Anſichten äußerte, obwohl er wußte, damit nach dem
ſogenannten Hochverratsgeſetz den Tod verwirkt zu haben, hat
toſenden Beifall unter den gleichen Zuhörern ausgelöſt, die ſich
in eiſiges Schweigen hüllten, als der Miniſter der öffentlichen
Sicherheit die Auffaſſung vertrat, der Kalif wäre ſicherlich ge=
lyncht
worden, wenn er gewagt hätte, die politiſche Macht an ſich
zu reißen. Als am 2. Februar die angeklagten drei Hauptſchrift=
leiter
der Zeitungen Tanin, Ikdam und Tewhid=i=efkjar
freigeſprochen wurden, herrſchte in ganz Stambul eitel Luſt und
Freude. Hunderte von Glückwunſchdepeſchen trafen bei den
Redaktionen ein, und Huſein Dſchahid, der Herausgeber des
Tanin, forderte öffentlich die Begnadigung Lutſi Fikris, der
allein in Haft behalten und zu jener ſchweren Strafe verurteilt
worden war. Huſein Dſchahid hatte überhaupt mit glänzender
Beredſamkeit und äußerſt geſchickter Taktik Richter wie Zuhörer
für ſich zu gewinnen gewußt. Er haſſe, ſo erklärte er, nicht weni=
ger
als die Regierungsmänner zu Angora die Engländer, die er
in Lauſanne genau kennen gelernt habe, und er ſei kein ſchlechte=
rer
Patriot als irgend ein anderer Türke. Es iſt von Intereſſe
zu beobachten, wie der Haß gegen die Engländer, in denen man
auf beiden Seiten die eigentlichen Urheber jener beiden angli=
ſierten
Muhammedaner erblickt, in der Türkei weiteſte Kreiſe
erfaßt und manchmal für Angehörige des britiſchen Reiches un=
gemütliche
Wirkungen auslöſt. Ueberhaupt ſind die Türken, ſeit=
dem
ſie, dank der hervorragenden Geſchicklichkeit Muſtapha Kemal
Paſchas und ſeiner Anhänger, ihre Selbſtändigkeit und ſtaatliche
Unabhängigkeit wieder erlangt haben, ſehr ſelbſtbewußt und ſtolz
geworden. Das iſt ihnen, die Jahrhunderte hindurch der Spiel=
ball
europäiſcher Politik geweſen ſind, wahrhaftig nicht zu ver=
übeln
. Allein man muß zu ihrem eigenſten Wohle wünſchen, daß
ſie nunmehr Nichttürken gegenüber eine Haltung vermeiden, die
ihnen ſchließlich Schaden bringen muß. Man darf es ihnen nicht
verargen, wenn ſie dem Zuſtrom der Ausländer gewiſſe Dämme
entgegenſetzen und dieſen mit einem gewiſſen, ihnen angeborenen
Mißtrauen begegnen. Wir haben in Deutſchland alle Veranlaſ=
ſung
, von uns aus die Abwanderer nach der Türkei genau an=
zuſehen
und die Wiederholung von Vorkommniſſen hintanzu=
halten
, die beſonders während des Weltkrieges zu unangenehmen
Reibungen zwiſchen Deutſchen und Türken geführt haben, wobei
durchaus nicht immer die Schuld auf türkiſcher Seite lag. Der
Türke von heute iſt dem Deutſchen, in dem er einen ausgezeich=
neten
Lehrmeiſter ſchätzt, auch jetzt noch zugetan, und wenn eine
Nation ſich unten raſch wieder volles Vertrauen der Bevölkerung
erwerben kann, ſo ſind es Deutſche und Oeſterreicher. Zunächſ
ſind beide Staaten übrigens noch ohne diplomatiſche Vertretung,
die erſt nach Ratifizierung des Lauſanner Friedens eingerichtet
werden kann. Wohin die Geſandtſchaften verlegt werden, ob nach
Pera oder nach Angora, ſteht wohl immer noch nicht ganz feſt.
Franzoſen und Engländer haben ſich jedenfalls einſtweilen in
Angora günſtig gelegene Bauplätze geſichert. Was dann aus den
zum Teil herrlichen Geſandtſchaftspaläſten hier in Pera wird,
läßt ſich nicht abſehen. Das abgelegene, von der Kultur noch ſo
gut wie unberührte anatoliſche Angora wird ſchwerlich für lange
Zeit der Sitz der türkiſchen Regierung bleiben und über kurz
oder lang wird man nach Stambul zurückkehren müſſen, das doch
faſt ein halbes Jahrtauſend hindurch die Hohe Pforte beher=
bergte
. Dieſer Tage kam Herr v. Freytag, der deutſche Geſandte
in Bukareſt, in beſonderem Auftrag des Deutſchen Reiches hier
durch, um ſich nach Angora zu begeben und dort mit der türkiſchen
Regierung zu verhandeln. Alle Deutſchen, die aus Angora zu=
rückkehrten
, ſind ſehr angenehm berührt von der Gefälligkeit und
dem Entgegenkommen der dortigen Regierungsmänner. Dageger
ſind die Franzoſen, wie ſcharfe Artikel im Temps und im Echo
de Paris unverblümt unlängſt erkennen ließen, ziemlich auf=
gebracht
über die ihnen gegenüber bekundete angebliche Unfreund=
lichkeit
Angoras. Aber wenn man von dem dreiſten Auftreten
der Franzoſen in Kilikien aus dem Mund von Augenzeugen ver=
nimmt
, ſo wundert man ſich nicht im mindeſten, wenn die Tür=
ken
die Zweigſtellen der Banque Francaiſe de Sirie in Kilikien
und in Adana ſchloſſen und überhaupt den Franzoſen gegenüber
eine Haltung einnehmen, die man als vorſichtig und zurückhal=
tend
zu bezeichnen allerdings einigen Grund hat. Auch hier in
Konſtantinopel iſt man allſeits von Abſcheu und Ekel gegen die
Franzoſen erfüllt, die ſich während ihres Aufenthaltes, in der
ſchamloſeſten Weiſe benommen haben. Die ſchöne deutſche Schule
deren Wiedereröffnung übrigens auf das dringendſte von tür=
kiſcher
Seite gewünſcht wird, mußte monatelang franzöſiſche
Truppen aufnehmen, und der Bau gleicht nunmehr allem, nur
keinem Schulhaus. Möchte es der deutſchen Regierung baldigſt
gelingen, die ſegensreiche Tätigkeit, die Jahrzehnte hindurd
unſere Schulen in der Türkei ausgeübt haben, wieder aufnehmen
zu laſſen. Es gibt kein beſſeres und wirkſameres Werbemittel
für das Deutſchtum gerade hier unten, als die Wiederaufnahme
dieſer deutſchen Bildungsſtätten, und keine beſſere Gewähr für
deutſche Geltung, als ihre raſche Vermehrung, mit der, nach all=
gemeiner
Ueberzeugung, die türkiſche Regierung ſich einverſtanden
erklären würde.
Macdonald gegen Henderſon.
TU. London 1. März. Macdonald hat Hender=
ſon
brieflich ſein Mißfallen über die in Burmley gehaltene Rede
zum Ausdruck gebracht. Dieſe Rede, deren Schlußfolgerung be=
kanntlich
in der Notwendigkeit einer Revidierung des Verſailler
Vertrages gipfelte, hat den engliſchen Premierminiſter veranlaßt,
bei ſämtlichen Botſchaftern der verbündeten Mächte mündliche
Erklärungen abzugeben.

Unveränderte beigiſche Kriſe.
Auf der Suche nach dem neuen Mann.
Paris, 1. März. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus
Brüſſel berichtet der Soir, der König wünſche eine
ſchleunige Löſung der Kriſe. Die internationale Lage
mache es erforderlich, daß eine Regierung gebildet werde, die
die Verantwortung für die Verhandlungen im Anſchluß an die
Arbeiten der Sachverſtändigen übernehmen könne. Dem Soir
zufolge wird die Kabinettsbildung vielleicht ſchon heute einem
Politiker der Rechten angeboten. Inzwiſchen iſt in gewiſſen
Blättern von dem endgültigen Rücktritt des bisherigen Kolonial=
miniſters
Franck aus der aktiven Politik die Rede, eine Nach=
richt
, die die Derniere Heure beſtätigen zu können glaubt.
Die internationale Bedeutung der belgiſchen
Miniſterkriſe.
London 1. März. (Wolff.) Der diplomatiſche Bericht=
erſtatter
des Daily Telegraph ſchreibt: Die inter=
nationale
Bedeutung der belgiſchen Miniſter=
kriſe
könne aus dem Raum ermeſſen werden, den die Pariſer
Preſſ= ihr gewidmet habe, und wo ſie offen als ernſteſte Hem=
mung
angeſehen werde, die die Ruhrpolitik Poincarés bisher
erfuhr. Aber ganz abgeſehen von der Ruhrbeſetzung könne man
mit Sicherheit annehmen, daß, welches Kabinett auch immer
auf Theunis folge, es weniger geneigt ſein dürfte,
der weiteren Führung Frankreichs in der Re=
parationskommiſſion
oder ſogar in den Sachverſtän=
digenausſchüſſen
zu folgen. Selbſt Barthou mit ſeiner
ausſchlaggebenden Stimme werde nicht leicht ſich in der Kom=
miſſion
dauernd in der Mehrheit ſehen. Der Berichterſtatter
meint deshalb, es würde gut ſein, wenn die Bedeutung der
belgiſchen Stimme bei allen alliierten Zuſammenkünften in bri=
tiſchen
Kreiſen klar erfaßt würde und wenn eine etwaige
Schwankung der belgiſchen Politik in naher Zu=
kunft
nicht im voraus entmutigt werden würde durch Mangel
an Entgegenkommen.

O

*

An unſere Leſer
Der Bezugspreis für das Darmſtädter Tagblatt
beträgt für den ganzen
Monat März nur noch 2,40 Mk.
trotz des immer weiter ſchreitenden Ausbaues unſeres
Blattes. Wir bitten unſere verehrlichen Leſer, das
Bezugsgeld bereit zu halten, damit die Trägerinnen
möglichſt raſch die Abrechnungen bei uns erledigen
können. Aufgerufene Notgelder, wie Handelskammer
Frankfurt Hanau, Mannheim uſw. (mit Ausnahme
des Feſtgeldes der Firma E. Merck), können wir nun
nicht mehr in Zahlung nehmen.
(2414
Der Verlag des Darmſtädter Tagblatt.


O
O
O

OTT

Dasſelbe gelte übrigens für die engliſchen Bezie=
hungen
zu Italien. Wenn die italieniſche Preſſe ſtarl
kritiſch, ſogar bitter geſtimmt ſei in Hinweiſen auf die britiſche
Politik, ſo ſei das nicht zurückzuführen auf irgendwelche Feind=
ſchaft
gegen England, noch auf das Verlangen nach einer un=
verzüglichen
Regelung der Jubalandfrage. Die Hauptbeſchwerde
Muſſolinis ſei, daß er trotz ſeines guten Willens, mit Groß=
britannien
in den hauptſächlichſten europäiſchen Fragen zu=
ſammenzuwirken
, nicht in der Lage ſei, ſeine Unterſtützung zuzu=
ſagen
, da er von London keine klare Darlegung der britiſchen
Politik und der von Großbritannien beabſichtigten Methode oder
Bedingungen, unter denen die italieniſche Mitwirkung angenehm
ſein würde, erhalten habe.
Die belgiſchen Sachverſtändigen dementieren.
* Paris, 1. März. (Priv.=Tel.) Der belgiſche Sachver=
ſtändige
Franqui, der in der franzöſiſchen Preſſe als Nach=
folger
von Theunis genannt wird, erklärt dieſe Meldung für
falſch. Er habe nicht die Abſicht, die Regierung zu über=
nehmen
, und ſei auch nicht darum erſucht worden. Franqui habe
geſagt, er ſei Sachverſtändiger und bleibe es, bis ſeine Aufgabe
gelöſt ſei. Prophezeiungen möchte er verweiden, ebenſo für
Brüſſel wie für Paris. Er habe keine Zeit, zu ſprechen, und
mache deshalb nur ungenaue Angaben. Seine Abſichten behalte
er für ſich.
Nach dieſen kategoriſchen Erklärung Franquis kann dieſer
nicht der Sachverſtändige ſein, der geſtern nach der Informa=
tion
des Petit Pariſien für die Auflöſung der belgiſchen Kam=
mer
und ein Koalitionsminiſterium eingetreten ſein ſoll. Auch
der zweite belgiſche Sachverſtändige, Baron Hauttm, erklärt,
daß er nicht in das neue Kabinett eintreten werde.

Parteiführerempfang beim König.
* Brüſſel, 1. März. (Priv.=Tel.) Der König hatte heute
früh Beſprechungen mit führenden Politikern der einzelnen Par
teien. Er empfing auch den Staatsminiſter Helleputte und
hat am Nachmittag mit Renkin konferiert. Die Beſprechungen
nerden am Montag früh fortgeſetzt. Nach Beendigung ſeiner
Unterredung mit dem Souverän begab ſich Helleputte in das
Finanzminiſterium, wo er eine längere Rückſprache mit Theu=
tis
hatte. In unterrichteten Kreiſen wird verſichert, daß Helle=
putte
vom König den Auftrag erhalten habe, auf Theunis ein=
zuwirken
, die Bildung eines neuen Kabinetts zu übernehmen.
Geſtern abend iſt hier der Exekutivausſchuß der Liberalen
Partei zuſammengetreten und hat beſchloſſen, unter keinen Um=
ſtänden
mit dem katholiſchen Staatsminiſter Renkin zuſammen=
zuarbeiten
. Der Exekutivausſchuß ſei gleichfalls zu der Ueber=
zeugung
gelangt, daß eine Zuſaanmenarbeit der Katholiken mit
den Liberalen unter der Führung eines katholiſchen Politikers
ſehr ſchwierig, wenn nicht geradezu unmöglich ſei. Schließlich
ſei der Anſicht Ausdruck gegeben worden, daß Theunis bis zur
Ausſchreibung der Neuwahlen mit der Führung der Geſchäfte
betraut werden mi ſſe.
Neuer Briefwechſel zwiſchen Macdonald
und Poincaré.
Paris, 1. März. (Wolff.) Dieſer Tage fand zwiſchen
Poincaré und Macdonald, ein wichtiger Brief=
wechſel
ſtatt über die England und Frankreich intereſſierenden
außenpolitiſchen Fragen. Dieſer Briefwechſel wird
am Montag gleichzeitig in Paris und London veröffent=
licht
werden. Der diplomatiſche Redakteur der Havasagentur
glaubt zu wiſſen, daß dieſer Briefwechſel einen allgemeinen Mei=
nungsaustauſch
der beiden Regierungen darſtellt über die zur
Löſung der ſchwebenden Fragen am beſten geigneten Mittel.

Die Kriegsſchuldfrage.
Lersner gegen Dr. Streſemann.
Berlin, 1. März. Der Abgeordnete der Deutſchen Volks=
partei
Freiherr von Lersner veröffentlicht folgende Erklärung:
Außenminiſter Streſemann hat in ſeiner Pro=
grammrede
am Donnerstag wider Erwarten die Kriegs=
ſchuldfrage
mit keinem Worte erwähnt, obwohl
der franzöſiſche Präſident Millerand dem deutſchen
Botſchafter bei ſeinem offiziellen Empfang die Schuld
Deutſchlands am Kriege amtlich vorgehalten
hat. Ich habe den Herrn Miniſter Streſemann im Auswär=
tigen
Ausſchuß und ſchriftlich aufgefordert, dieſe Auslaſſung des
franzöſiſchen Präſidenten, die eine neue Feſtlegung der deutſchen
Schuld am Weltkriege bedeutete, neben einem ſcharfen Proteſt
mit dem entſcheidenden amtlichen Schritt in der Kriegsſchuld=
frage
zu beantworten. Das deutſche Volk hofft auf dieſe Tat
ſeit Jahren. Wenn der Herr Außenminiſter dieſen amtlichen
Schritt zur Wiederaufrollung der Kriegsſchuldfrage, der nach
meiner Anſicht jetzt getan werden muß, nicht tun ſollte, werde
ich gezwungen ſein, bei Stellung der Vertrauensfrage gegen das
Vertrauensvotum zu ſtimmen.
gez.: Freiherr v. Lersner, M. d. R.
Sachlich iſt zu dieſem Vorwurf des Abg. Freihern v. Lers=
ner
gegen den Außenminifter Dr. Streſemann zu ſagen, daß die
Fraktion der Deutſchen Volkspartei durch ihren Vorſitzenden die
Schuld am Kriege erneut im Reichstag hat zur Sprache bringen
laſſen, daß darüber hinaus aber in den Aeußerungen Mille=
rands
an amtlicher Stelle eine neue Anſchuldigung Deutſchlands
nicht geſehen wird. Gerade Herrn Dr. Streſemann aber den
Vorwurf übertriebener großer Zurückhaltung deswegen zu
machen, wäre um ſo verwunderlicher, als er ſeit Jahr und Tag
dauernd die Wiederaufrollung der Schuldfrage betreibt. Perſön=
lich
indeſſen bebommt die Erklärung Freiherrn v. Lersners da=
durch
ein beſonderes Geſicht, daß Herr v. Lerners vor wenigen
Tagen in Leipzig wicht wieder als Kandidat für die kommenden
Reichstagswahlen aufgeſtellt worden iſt. Man ſchreibt das ver=
mutlich
der Tatſache zu, daß er mit Herrn Dr. Streſemann ſehr
ſcharfe Differenzen gehabt hat, und e3 muß zum mindeſten den
Eindruck machen, als ob er jetzt eine Velegenheit ſuche, um ſeine
privaten Differenzen mit Herrn Dr. Streſemann an die Oeffent=
lichbeit
zu zerren.
Eine parlamentariſche Regierung in Oldenburg.
Oldenburg, 1. März. Nach langen Verhandlungen haben
ſich die politiſchen Parteien in Oldenburg über die Bildung einer
parlamentariſchen Regierung geeinigt. Das augenblickliche Be=
amtenminiſterium
dürfte in kurzer Zeit durch ein politiſches
erſetzt werden. Die Verteilung der Reſſorts, erfolgt in der
Weiſe, daß das Zentrum Vorſitz, Finanz und Landwirtſchaft,
die Sozialdemokraten Verkehr und ſoziale Fürſorge, die Deutſche
Volkspartei Juſtiz, Handel und Aeußeres, die Demokraten Ver=
waltung
, Polizei, Handwerk und Tiefbau bekommen.

Reichstag und Reichsregierung
Der Reichsjuſtizminiſter über die Auflöſung.
München, 1. März. Wie gemeldet wird, erklärte Reichs=
juſtizmimiſter
Emminger auf dem Parteitag der Bayeriſchen
Volkspartei, in der Erklärung des Reichskanzlers zu Beginn der
Generaldebatte im Reichstag ſei die Auffaſſung der Reichsregie=
rung
über die Möglichkeit einer baldigen Auflöſung des Reichs=
tags
klar umſchrieben worden. Allerdings hätten die inzwiſchen
in Sachſen, Thüringen, Lückbeck und Mecklenburg erzielten Wah=
len
, aber auch der Gang der Generaldebatte zweierlei ergeben:
Erſtens: Der Reichstag ſtehe vollkommen unter dem Wahl=
fieber
. Er ſei daher auf längere Zeit zu praktiſchen Arbeiten
überbaupt nicht mehr geeignet.
Zweitens: Der Reichstag könne auch nicht mehr behaupten,
daß er den Volkswillen, der ſich inzwiſchen geändert habe, richtig
widerſpiegele. Alle ſeine wichtigen Entſcheidungen ſtänden da=
her
unter der Anfechtung, daß er den wahren Willen des Volkes
nicht mehr wiedergebe.
Das Holzlieferungsabkommen mit der
Rheinlandkommiſſion.
Freiburg, 1. März. Zu der geſtern verbreiteten Havas=
Meldung aus Paris über das kürzlich zwiſchen der Rheinland=
kommiſſion
und Vertretern der Holzintereſſenten im beſetzten Ge=
biet
getroffenen Abkommen wird uns zur Richtigſtellung von zu=
ſtändiger
Seite mitgeteilt, daß das über die Uebernahme von
Holzreparationslieferungen getroffene vorläufige Abkommen die
Aufbringung folgender von der Rheinlandkommiſſion verlangter
Holzmengen vorſieht: 65 000 Schwellen, 20 000 Stangen, 70 000
Kubikmeter Nadelſchnittholz, 2500 Kubikmeter Hartſchnittholz,
14 000 Feſtmeter Grubenholz und 400 Feſtmeter Eichenrundholz.
Eine Gegenleiſtung für dieſe Sachlieferungen in Form von Holz=
überweiſungen
hat die Rheinlandkommiſſion nicht übernommen.
Die Holzmengen ſind den Alliierten unentgeltlich zu liefern. Die
Aufbringung der Lieferungen bezw. die Mittel zur Beſchaffung
der zu liefernden Holzmengen erfolgt durch die von den Vertre=
tern
der Holzintereſſenten des beſetzten Gebietes zu ſchaffenden
Treuhandſtelle für Reparationsholzlieferungen. Den dieſer
Treuhandſtelle angeſchloſſenen Firmen werde durch das Abkom=
men
verſchiedene Vorteile als Gegenleiſtung der Rheinlandkom=
miſſion
zugeſtanden, ſo die Sicherheit der Lager und Betriebe
vor weiteren Beſchlagnahmungen, Ermäßigung des Zolles bei
der Einfuhr in das beſetzte Gebiet auf 10 Prozent der autonomen
Zollſätze bezw. Ermäßigung der Ausfuhrabgaben von 10 bezw.
8 Prozent auf ein Prozent vom Wert.

Abſchluß von Zollermäßigungsverträgen
mit der Micum.
Köln, 1. März. Der Zweckverband der Metallinduſtrie
der beſetzten Gebiete in Düſſeldorf hat nach monatelangen Ver=
handlungen
mit der Micum in Düſſeldorf und mit der Rhein=
lanokommiſſion
in Koblenz je 17 Zollermäßigungsterträge abge=
ſchloſſen
. In allen Verträgen wurde die Zollabgabe auf ein
Achtel der bisher erhobenen Zollſätze ermäßigt. Außer dieſen
Zollſätzen wird jedoch für alle die Zollinie überſchreitenden Sen=
dungen
nach dem unbeſetzten Deutſchland und nach dem Auslande
eine Reparationsabgabe erhoben, die dem Deutſchen Reich auf
Reparationskonto gutgeſchrieben wird. Die Höhe dieſer Abgabe
ſchwankt für die einzelnen Untergruppen des Zweckverbandes
zwiſchen zwei Achteln und fünf Achteln des alten Zollſatzes. Die
Verträge gelten vom 15. Februar bis 15. April. Es iſt vorge=
ſehen
, daß, dem Zweckverband neu hinzutretende Firmen noch
nachgenannt werden können, um ſo an den Vorteilen der Ver=
träge
teilhaben zu können.

Aufhebung veralteter Verordnungen.
Berlin 1. März. (Wolff.) Der Reichspräſident hob durd
eine Verordnung verſchiedene noch in Kraft befindliche Verord
nungen, die früher auf Grund des Art. 48 der Reichsverfaſſung
erlaſſen waren, auf. Es handelt ſich um die Verordnung von
26. Juni 1922, wonach Regimentsfeiern und ähnliche Veranſtal
tungen verboten werden könnten, um die Verordnung vom
Juli 1922, die für die Provinzen Nieder= und Oberſchleſien die
Beſchränkungen der perſönlichen Freiheit zuließ, und endlich un
die Verordnung vom 10. Auguſt 1923 über das Verbot periodi=
ſcher
Druckſchriften.

[ ][  ][ ]

Rummer 62.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 2. März 1924.

Seite 5.

Die Weinaser Perfaſſung

Von Regierungsrat Dittmar, Darmſtadt.

Die bayriſche Regierung hat der Reichsregierung und dem
Reichsrat ihre Denkſchrift zur Reviſion der Weimarer Verfaſſung
überreicht. Kein ernſthafter Deutſcher wird das Dokument ohne
Bewegung leſen. Nicht daß Bayern dem Reich die Gefolgſchaft
aufſagte. Ein Sturm der Entrüſtung müßte eine ſolche Regie=
rung
wegfegen. Aber wer dieſe bittere Kritik der Weimarer Ver=
faſſung
lieſt, wird ſich von neuem bewußt werden, wie weit das
deutſche Volk immer noch entfernt iſt von einer Feſtigung ſeiner
innerſtaatlichen Verhältniſſe und wie ſehr es immer noch leiden
muß unter dem Verfaſſungsbruch vom November 1918, der die
angebahnte und notwendige evolutionäre Entwicklung des deut=
ſchen
Verfaſſungsrechts jäh unterbrochen und heillos geſtört hat.
Die in der Denkſchrift oft zitierte Bismarckſche Verfaſſung
war, das erkennen wir immer mehr, ein politiſches Meiſterſtück,
mögen auch die gelehrten Juriſten manches an ihr auszuſetzen
haben. Im Gegenſatz dazu iſt die Weimarer Verfaſſung eine
hervorragende juriſtiſche Leiſtung. War jene zui generis, einzig
in ihrer Art, ſo iſt dieſe bewußt und gewollt typiſch. In einem
ſtaatsphiloſophiſchen Traktat könnte ſie mit Fug und Recht als
Muſterbeiſpiel einer demokratiſchen Verfaſſung abgedruckt ſein.
Das Ziel, das ſich die Schöpfer der Weimarer Verfaſſung geſetzt
haben, iſt i ihren ſchönen Eingangsworten bezeichnet. Wenn
dort geſagt iſt, das deutſche Volk habe ſich dieſe Verfaſſung ge=
geben
, um ſein Reich in Freiheit zu erneuern und zu feſtigen,
ſo darf man dabei an das reiche Maß ſtaatsbürgerlicher Rechte
denken, das die Verfaſſung dem Einzelnen zumißt, und den
Schutz, die wenigſtens erſtrebte Befreiung des wirtſchaftlich
Schwachen vom Druck wirtſchaftlicher Uebermacht. Dient ſo die
Weimarer Verfaſſung der individuellen Freiheit, ſo hat ſie die
freiheitliche Entwicklung der deutſchen Stämme nicht gefördert.
Es war ſchon früher und iſt heute vollends müßig, darüber zu
ſtreiten, ob die Bundesſtaaten ſouverän geweſen ſind oder nicht:
Immerhin waren ſie lebenskräftige Staatsgebilde, die auf wirt=
ſchaftlichem
und kulturellem Gebiet, Hervorragendes geleiſtet
haben. Man kann verſtehen, daß die Denkſchrift mit Stolz von
der beſonderen Staatsform ſpricht, die ſich das bayeriſche Volk
geſchaffen und in der es unvergängliche Werke der Kultur her=
vorgebracht
habe. Wenn die Denkſchrift in dieſem Zuſammen=
hang
nun von der hervorragenden Förderung durch das ange=
ſtammte
Herrſcherhaus ſpricht, ſo braucht dieſe hiſtoriſche Feſt=
ſtellung
auch den Republikaner nicht zu erſchrecken. Was aber
iſt heute aus den Bundesſtaaten geworden? Ohne die Möglich=
keit
, die eigenen verfaſſungsmäßigen Grundlagen zu beſtimmen,
ohne Finanzhoheit, auf dem Gebiet der Verwaltung und der
Kulturpflege durch bindende Vorſchriften des Reichs geleitet,
kann es ſich heute nur um die Frage handeln, ob die Länder
des republikaniſchen Reiches überhaupt noch Staaten ſind oder
nicht vielmehr Reichsprovinzen mit einer gewiſſen Autonomie.
Es iſt eigentlich nur Sache des Gefühls, wie man die Frage
beantworten will.
Lehrreich iſt die verfaſſungsgeſchichtliche Entwicklung, die zur
Bismarckſchen und zur Weimarer Verfaſſung führte. Die Krö=
nung
von Bismarcks Lebenswerk waren die Verſailler Verträge
mit den ſüddeutſchen Staaten vom November 1870. Man weiß,
wie Bismarck dabei mit allen Mitteln ſeiner überragenden Per=
ſönlichkeit
und Staatskunſt gegen partikulariſtiſche und dynaſtiſche
Strömungen ankämpfen mußte. Die Staatsverträge, die damals
abgeſchloſſen wurden, bildeten die Grundlage der Reichsverfaſ=
ſung
. Die Zuſtimmung des norddeutſchen Reichstages und der
ſüddeutſchen Parlamente zu dieſen Verträgen bedeutete gewiß
nicht rechtlich aber politiſch kaum mehr, als die Akklamation

zu dem von den Regierungen unter Bismarcks genialer Leitung
geſchaffenen Werke.
Ganz anders die Entſtehungsgeſchichte der Weimarer Ver=
faſſung
. Ein Gelehrter ſchuf den Entwurf. Die Teilnahme der
bundesſtaatlichen Regierungen war gering und, wie die Denk=
ſchrift
betont, überdies durch politiſche Wirren ſtark beeinträch=
tigt
. gDie endgültige Faſſung, die gegenüber dem Regierungs=
entwurf
den unitariſchen Gedanken erheblich ſtärker betonte, iſt
allein das Werk der Nationalverſammlung. Eine Zuſtimmung
der Regierungen oder Volksvertretungen der nun Länder ge=
nannten
Bundesſtaaten iſt weder gefordert noch erteilt worden.
Die Vertragsgrundlage, auf der die Bismarckſche Verfaſſung
beruhte, war damit völlig verlaſſen. Die Reichsregierung ſteht
den Landesregierungen heute als grundſätzlich fremde und über=
geordnete
gegenüber. Nicht mehr wie im Bismarckſchen
Reich liegt die Reichsregierung bei der Geſamtheit der verbün=
deten
Negierungen, die ſie durch den Bundesrat als Organ aus=
übten
. Der Reichsrat der Weimarer Verfaſſung iſt etwas grund=
ſätzlich
anderes als der Bundesrat. Seine Beſchlüſſe haben nicht
viel mehr als die Bedeutung einer gutachtlichen Aeußerung zu
den Geſetzgebungsakten des Reichstags und den Verwaltungs=
maßnahmen
der Reichsregierung.
Das Kernproblem der Verfaſſungsänderung liegt daher in
der Frage, ob es möglich iſt, die Stellung des Reichsrats auszu=
bauen
und ihm die verfaſſungsrechtliche und politiſche Bedeutung
zu geben, die der Bundesrat beſaß. Das würde bedeuten, daß
er, wie früher der Bundesrat, als gleichberechtigter Faktor neben
den Reichstag zu treten hätte, deſſen Zuſtimmung zum Zuſtande=
kommen
eines Reichsgeſetzes erforderlich iſt, und in deſſen Hand
der Erlaß der Verwaltungsvorſchriften liegt, die zur Durchfüh=
rung
der Reichsgeſetze ergehen. Mit dieſer Forderung rührt die
bayeriſche Regierung an das Fundament der Weimarer Verfaſ=
ſung
. Sie wirft ſich dabei auch zum Anwalt der übrigen Lan=
desregierungen
auf. Inwieweit ſie zu einer ſolchen Geſchäfts=
führung
ohne Auftrag berechtigt iſt, mag dahingeſtellt bleiben.
Das Verlangen iſt um ſo bedeutſamer, als ihm nicht durch Ge=
währung
eines baheriſchen Reſervatrechts abgeholfen werden
könnte. Hier iſt vielmehr eine grundſätzliche Entſcheidung zwi=
ſchen
dem unitariſchen und förderaliſtiſchen Gedanken unausweich=
lich
. Immerhin berührt die Frage nicht die republikaniſche und
demokratiſche Grundlage der Weimarer Verfaſſung. Die Geſtal=
tung
, die die Denkſchrift im Auge hat, das gleichberechtigte Zu=
ſammenwirken
eines Gremiums von Vertretern der auf republi=
kaniſch
=demokratiſcher Grundlage gebildeten Landesregierungen
mit einer den Willen des deutſchen Geſamtvolkes repräſentie=
renden
Volksvertretung bei der Geſetzgebung und Verwaltung
des Reichs, widerſpricht nicht dem Weſen eines demokratiſch=
republikaniſchen
Staates und findet ihr Vorbild in der nord=
amerikaniſchen
wie in der ſchweizeriſchen Verfaſſung. Freilich
türmen ſich auch hier Schwierigkeiten. Es ſei nur an die Mini=
ſterverantwortlichkeit
erinnert. Weſſen Vertrauen müſſen die
höchſten Funktionäre des Reichs beſitzen, wenn der Reichsrat
dem Reichstag nach den Vorſchlägen der Denkſchrift koordiniert
wird? Das des Reichstags, wenn auch nicht das des Reichs=
rats
, oder umgekehrt, oder das Vertrauen beider Körperſchaften?
Wie wenn beide Körperſchaften politiſch ganz verſchieden zuſam=
mengeſetzt
ſind?
Um mehr noch als um Unitarismus und Föderalismus, um
die republikaniſche Staatsform handelt es ſich dagegen bei der
Forderung der Denkſchrift nach Beſeitigung des Artikels 17 der
Weimarer Verfaſſung, der den Ländern die freiſtaatliche Ver=

faſſung, die auf Grund allgemeinem, gleichem, unmittelbarem
und geheimem Wahlrechts aller reichsdeutſchen Männer und
Frauen nach dem Verhältniswahlſyſtem gebildete Volksvertre=
tung
und die parlamentariſche Regierungsweiſe vorſchreibt. Die
Rechtslehre wird dem Satz der Denkſchrift beipflichten, daß die
Verfaſſungsautonomie weſentlicher Beſtandteil der Eigenſtaat=
lichkeit
iſt. Aber wenn Bismarck bei ſeinem Verfaſſungswerk die
ſtaatsrechtliche Folgerichtigkeit unbedenklich den Forderungen
der Realpolitik zum Opfer brachte, ſo wird man wenigſtens jetzt
von ihm lernen mſſen, und nicht ſoll man nun allen politiſchen
Erwägungen zum Trotz der juriſtiſchen Doktrin zum Siege ver=
helfen
dürfen. Der Juriſt wird nichts Unmögliches darin finden,
daß Freiſtaaten und Monarchien in einem Bundesſtaat vereinigt
ſind. Im Bismarckſchen Reich lebten ja auch 23 Monarchien mit
3 Republiken in einem Bundesſtaate glücklich miteinander. Es
beſteht kein rechtliches Hindernis, daß die bayriſche Volksvertre=
tung
nach anderen Grundſätzen als die preußiſche gewählt wird.
Vielleicht läßt man hier die Männer und Frauen, dort nur die
einen oder anderen wählen. Oder eine Regierung, die nichts
gelernt und nicht vergeſſen hat, verſucht es wieder einmal mit
einem Klaſſenwahlrecht. Aber heißt dieſe Folgerungen durch=
denken
ſie nicht als ganz unerträglich ablehnen? Würde eine
ſolche Verſaſſungsänderung den Kampf der Geiſter um die großen
Probleme unſeres Verfaſſungslebens nicht alsbald zu einem
höchſt materiellen Kampf um die reale Macht in den einzelnen
Ländern geſtalten? Würde nicht der Strich der Vorſchrift des
Artikels 17, nachdem ſie einmal beſtanden hat, faſt wie eine Auf=
forderung
wirken, die Aufrichtung der Monarchie da durchzu=
ſetzen
, wo der Boden bexeitet zu ſein ſcheint. Der Kampf um die
Staatsform braucht nicht notwendig verderblich zu ſein, wenn er
nur mit Achtung vor der beſtehenden Verfaſſung geführt wird.
Daß er zu einer unſeligen Zerklüftung führen würde, wenn er
ſtatt zwiſchen politiſchen Parteien zwiſchen republikaniſchen und
monarchiſchen Bundesſtaates des Reichs geführte würde, kann
nicht bezweifelt werden. Auch die ſchweizeriſche Verfaſſung, die
den ſouveränen Charalter der Schweizer Kantone immer wieder
ſtark betont, verlangt von ihnen die freiſtaatliche Verfaſſungs=
form
, ſo wenig ſie ſich ſonſt in die Regierungsweiſe der Kantone
einmiſcht.
Neben den beiden Problemen, von größter politiſcher und
wirtſchaftlicher Bedeutung, dem erſtrebten Ausbau der ſtaats=
rechtlichen
Stellung des Reichsrats und der Gewährung unbe=
ſchränkter
Verfaſſungsautonomie an die deutſchen Länder, treten
alle anderen Forderungen der Denkſchrift, ſo ſchwerwiegend ſie
im einzelnen auch ſein mögen, an Bedeutung zurück. Die Klage
der Denkſchrift über die heilloſe Verwirrung im Finanzweſen
des Reiches und der Länder iſt nicht neu und zum guten Teil
berechtigt. Es hat ſich als durchaus unzweckmäßig erwieſen, daß
das Reich mit der einen Hand den Ländern alle einträglichen
Steuern wegnimmt, um mit der anderen Hand die Länder und
ſogar die Gemeinden zu unterſtützen, damit ſie ihre Beamten
bezahlen und ihre kulturellen Aufgaben erfüllen können. Man
kann bei dieſem Syſtem dem Reich nicht wohl verwehren, daß es
ſich bei den Ländern nach der Verwendung der zur Verfügung
geſtellten Mittel erkundigt. Aber welche Fülle von unfruchtbarer
Schreibarbeit, Ausſprachen, Schiedsſprüchen iſt dadurch herauf=
beſchworen
worden! Wie ärgerlich ſind dieſe Ermahnungen, Er=
hebungen
, Anregungen der Reichsregierung von den Landes=
inſtanzen
empfunden worden! Das Beſoldungsſperrgeſetz, das
der Reichsregierung die Kontrolle über das Beſoldungsweſen der
Länder und Gemeinden verlieh, iſt ein Beiſpiel dafür. Es iſt,
ohne daß es ſeinen Zweck wirkſam erfüllt hätte, zu einer Quelle
von Unzuträglichkeiten geworden. Die Reichsregierung hat ſich
der Berechtigung ſolcher Klagen nicht verſchloſſen, und die dritte
Steuernotverordnung, die die vielumſtrittene Aufwertung brachte,
bedeutet einen Schritt zu dem Ziel, den die Denkſchrift als das
Erſtrebenswerte bezeichnet: Die reinliche Scheidung zwiſchen dem
Finanzweſen des Reichs und dem der Länder, Reichsſteuern zur

Perarbeitung, Sitz, Neuheit
und je nach dem Einkauf bis 33½½g½o unter dem normalen Fabrikpreis.
Das ſind die großen Vorzüge unſerer mächtig weit über viele Fabrikate hervorragend ſoliden, wahrhaft erſiklaſſigen
Herren= und Knabenkleidung.
*r Dr r u
Md 9
Ein jedes bei uns gekaufte Stück beweiſt durch ſeine Qualität, Verarbeitung, Sitz, Neuheit, Schönheit
und Preis den höchſien Grad der Teiſtungsfähigkeit. Die vielfach im Handel befindlichen Fabrikate
2550
führen wir grundſätzlich nicht. Alle ausgeſiellten Stücke ſind vorrätig.
Konfirmanden=Anzüge!

Grafenſtraße 233
Helle, große Verkaufsräume!

[ ][  ][ ]

Deckung der Reichslaſten, Landesſteuern zur Deckung der Koſter
der Landesaufgaben. Den Ländern iſt nun der Löwenanteil
(90 v. H.) der Einkommenſteuer überlaſſen; eine Anzahl anderer
Steuern, wie z. B. die Grunderwerbſteuer, verbleibt ihnen ganz=
Dagegen entäußert ſich das Reich der Laſten für die Wohlfahrts=
pflege
, das Schul= und Bildungsweſen und die Polizei. Es kann
nicht ausbleiben, daß dieſe Befreiung von den Laſten auch eine
Abſchwächung der Reichsinitiative in Geſetzgebung und Verwal=
tung
auf dieſen Gebieten zur Folge haben wird. Auch andere
Wünſche der Denkſchrift, auf dem Gebiete des Finanzweſens, der
Wegfall der Beſoldungszuſchüſſe des Reichs, der Abbau des
Reichsmietengeſetzes und die Möglichkeit der Beſteuerung der auf=
gewerteten
Mieten zugunſten der Länder und Gemeinden, hat
die dritte Steuernotverordnung erfüllt. Dahingegen hat
die Verordnung die Steuerverwaltung durch Reichsbehörden un=
angetaſtet
gelaſſen. Dieſe Verwaltung verlangt die Denkſchrift
für die Länder zurück. Die Reichsſteuerverwaltung habe ſich als
durchaus unzweckmäßig erwieſen und zur Entfremdung zwiſchen
den Steuerbehörden und der Bevölkerung geführt. Wobei denn
freilich bezweifelt werden kann, ob zwiſchen dem bayeriſchen
Steuerbeamten und ſeinem Landsmann ein ſehr viel innigeres
Verhältnis beſtanden hat und wieder erſtehen wird, als es zur
Zeit zwiſchen dem Reichsſteuerbeamten und der bayriſchen Be=
völkerung
beſteht. Die Zölle und indirekten Steuern will die
Denkſchrift dem Reich zwar nicht zur Verwaltung, tvohl aber
im Ertrag belaſſen, mit Ausnahme der Bierſteuer, die als bay=
riſches
Reſervatrecht zurückverlangt wird, habe ſie doch das Rück=
grat
der bayeriſchen Finanzen gebildet.
Daß die bayeriſche Regierung auf dem Gebiet der Kultur=
politik
und Kulturpflege weitgehende Forderungen anzumelden
haben würde, war vorauszuſehen. Auch hier geht die Denkſchrift
von Grundſätzen aus, deren Richtigkeit nicht bezweifelt werden
kann, ohne daß damit die Schlüſſigkeit aller Folgerungen als
bewieſen gelten darf. Ohne Zweifel hat die Kultur Deutſch=
lands
Mehrung und Gewinn aus der Vielgeſtaltigkeit und dem
Wettbewerbe mehrerer ſelbſtändiger Kulturkreiſe und Kultur=
zentren
erfahren. Damit gewinnt die Frage einer zweckmäßigen
Abgrenzung der Kulturaufgaben zwiſchen dem Reich und den
Ländern ernſte Bedeutung und es iſt richtig, daß die deutſchen
Stämme gerade in ihrer kulturellen Eigenart den prägnanten
Ausdruck ihres Weſens erblicken, gegen deſſen Vergewaltigung
ſie ſich leidenſchaftlich ſträuben. Es iſt aber doch wohl nicht
richtig, daß die Weimarer Verfaſſung mit ihren reglementieren=
den
Grundlagen die kulturellen Strömungen im deutſchen Volk
überhaupt unterbunden und gehemmt hätte. Nur das wird man
vielleicht behaupten können, daß ſie dieſe Strömungen zu ſtark
in eine beſtimmte Richtung zu drängen ſuchte, die der damaligen
pſychiſchen Haltung des deutſchen Geſamtvolkes und der Natio=
nalderſammlung
entſprach; ein eitles Beginnen, denn die Ge=
walt
dieſer Strömungen ſpottet der Paragraphen, wie man denn
überhaupt oft das Empfinden hat, daß der Staat durch die
Fülle und laute Energie ſeiner Geſetzesvorſchriften zu erſetzen
ſucht, was ihm an innerer Kraft gebricht. Mit manchem Artikel
der Grundrechte hat die Weimarer Verfaſſung verſucht, in ſol=
chem
Kulturkampfe endgültig Stellung zu nehmen, Frieden zu
ſtiften, oder gar zu gebieten. Umſonſt: der Kampf iſt damit
nicht zu Ende. Die bayeriſche Regierung eröffnet ihn wieder
auf einem ſeiner umſtrittenſten Gebiete: dem Schulweſen. Sie
kann darauf hinweiſen, daß eine Abſicht der Weimarer Verfaſ=
ſung
, das Verhältnis der Simultan= und Konfeſſionsſchulen
durch ein Reichsſchulgeſetz zu regeln, jetzt ſchon an der Macht
der Tatſache geſcheitert iſt, daß das Problem zur einheitlichen
geſetzlichen Regelung im Reich offenbar noch nicht reif iſt. Aber
auch andere in der Verfaſſung niedergelegte und durch Ausfüh=
rungsgeſetze
bereits erläuterte Normativbeſtimmungen empfin=
det
die Denkſchrift als unerträgliche Eingriffe in die Hoheits=
rechte
der Länder. So die Beſtimmungen über die Grundſchule,
als den organiſchen Unterbau aller übrigen Schulen, über die
Zurückdrängung der Privatſchulen gegenüber den öffentlichen
Schulen, die hauptamtliche Schulaufſicht, die Lehrerbildung
In Konſequenz dieſer Auffaſſung ſieht die Denkſchrift ein wirk=
ſames
Mittel, um Friktionen zwiſchen dem Reich und den
Ländern auf dem Gebiet der Kulturpolitik zu vermeiden, nur

n der radikalen Beſeitigung der Geſetzgebungstompetenz des
Reichs auf dem Gebiet des Kirchen= und Schulweſens, oder
wenigſtens in ſeiner Abſchwächung zu einer Grundrechts=
geſetzgebung
, von der aber nicht recht erſichtlich iſt, was die
Denkſchrift eigentlich mit ihr meint. Daß die Deukſchrift anregt,
von der reichsrechtlichen Beſtimmung der kirchlichen Feiertage
abzuſehen, ſei als ein begreiflicher, ihre Sehnſucht nach der
Wiederkehr des Theaterzenſors als ein ziemlich unbegreiflicher
Wunſch nur nebenbei erwähnt.
Die militäriſchen Forderungen der Denkſchrift wecken böſe
Erinnerungen an den Streit zwiſchen dem Reich und den Län=
dern
, der ſich an die Namen Kahr und Loſſow knüpfte. Er iſt
beigelegt und gleichzeitig ein Teil der bayeriſchen Wünſche er=
füllt
worden. Die Verpflichtung der bayeriſchen Truppen nicht
nur auf die Reichsregierung, ſondern auch auf die bayeriſche
Regierung iſt zugeſtanden. Der Forderung, daß der bayeriſch
Landeskommandant nur wit Einwilligung der bayeriſchen Re=
gierung
abberufen und bayeriſche Truppen außerhalb ihren
engeren Heimat nur mit dieſer Einwilligung verwendet werden
möchten, iſt die Reichsregierung inſoweit entgegengekommen,
als ſie in beiden Fällen ein, vorheriges Einvernehmen mit der
baheriſchen Regierung verſprochen hat. Ueber eine weitere
Forderung, eine Einflußnahme der baheriſchen Regierung auf
die Beſetzung höherer Offizier= und Beamtenſtellen, wird ſich
ſvohl eine Einigung wicht allzu ſchwer erzielen laſſen.
Aehnlich wie die Ausführungen der Denkſchrift zum Mili=
tärdveſen
ſind ihre Bemerkungen zum Verkehrsweſen durch die
Ereigniſſe zum Teil überholt. Die in der Denkſchrift erwähnte
Abſicht der Reichsregierung, die Reichseiſenbahn an ein beſon=
deres
in Verwaltung und Geſetzgebung vom Reiche unab=
hängiges
Rechtsſubjekt zu übertragen, iſt inzwiſchen Wirklich=
keit
geworden. Damit iſt dem Staatsvertrag zwiſchen dem
Reich und den Ländern mit Eiſenbahnbeſitz vom Jahre 1920
der tatſächliche Boden entzogen, aber ſelbſtverſtändlich nicht in
dem Sinne, daß der Zuſtand, der vor dem Vertragsabſchluß
beſtanden hat, wieder herzuſtellen wäre. Immerhin wird der
grundſätzliche Umbau in der Organiſation des Eiſenbahnweſens
Gelegenheit geben, den bayriſchen Wünſchen nach einer ſtärkeren
Dezentraliſation der Eiſenbahnverwaltung entgegenzukommen
und unleugbare Mängel zu beſeitigen, die die Zuſammenfaſſung
der Rieſenorganiſation der Reichsbahn in einer Zentralverwal
tung zur Folge gehabt hat. Aehnliche Wünſche wie für das
Eiſenbahnweſen hat Bayern hinſichtlich der Poſtverwaltung. Auch
den Uebergang der Waſſerſtraßen in das Eigentum des Reiches
möchte die Denkſchrift wieder beſeitigt wiſſen.
Es liegt in der Tendenz der Denkſchrift, daß ſie einer ſtarken
Einſchränkung der Geſetzgebungskompetenz des Reichs das Wort
redet. Das Bodenrecht, die Fremdenpolizei und das Beamten=
recht
bezeichnet ſie als Beiſpiele von Gebieten, auf denen ſie eine
Legislative der Länder für wirkſamer und zweckmäßiger erachtet,
als eine ſolche des Reiches. Dieſe Wünſche Bayerns ſind an und
für ſich durchaus bedeutungsvoll, ihre Erfüllung würde jedoch
nicht die Grundlage der Verfaſſung berühren. Hier könnte allen=
falls
durch Einräumung bayriſcher Reſervatrechte abgeholfen
werden, wie es jüngſt von Profeſſor Kahl, in der deutſchen
Juriſtenzeitung vorgeſchlagen worden iſt.
Die Denkſchrift wendet ſich ferner gegen die Vorſchriften der
Weimarer Verfaſſung über den Ausnahmezuſtand, gegen jenen
in letzter Zeit ſo viel genannten Artikel 49 der Verfaſſung, deſſen
Anwendung bisher zu den meiſten Konflikten Anlaß gegeben
hat. Man weiß, daß das Recht des Kaiſers, Teile des Reiches
in den Belagerungszuſtand zu erklären, in Friedenszeiten an
der Grenze Bayerns endigte. In gleicher Weiſe möchte die
Denkſchrift das entſprechende Recht des Reichspräſidenten be
ſchränken. Nur für den Fall, daß dieſer Weg nicht gangbar ſein
ſollte, ſchlägt ſie vor, die Zuſtändigkeit zwiſchen Reichsregierung
und Landesregierung gerade umzukehren. Die Weimarer Ver=
faſſung
legt die Befugnis, den Ausnahmezuſtand zu erklären, in
erſter Linie in die Hand des Reichspräſidenten, nur ſoweit er
nicht eingreift, können die Länderregierungen bei Gefahr im
Verzuge ſelbſtändig die nötigen Maßnahmen ergreifen. Im
Gegenſatz dazu will die Denkſchrift die Zuſtändigkeit der Landes=
regierungen
als die primäre begründen und dem Reichspräſi=

denlen nur das Recht ſubſidjären Einſchreitens dann und inſo=
ſeit
zubilligen, als die Landesregierung ihre Pflicht, die öffent=
liche
Ruhe. Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten, nicht
genügend erfüllt. Der Vollzug der vom Reichspräſidenten er=
laſſenen
Vorſchriften ſoll überdies grundſätzlich der Landesregie=
rung
obliegen. Die Annahme dieſer Vorſchläge würde dar=
über
kann man gar nicht ſtreiten eine empfindliche Schwä=
chung
der Reichsexekutive bedeuten und ſie in weitem Umfang
von dem guten Willen der Landesregierung abhängig machen.
Die Erfahrungen der jüngſten Vergangenheit dürften einer
ſolchen Schwächung der Zentralinſtanz nicht gerade das Wort
reden. Eher noch als mit der grundſätzlichen Vertauſchung der
Genalten würde man ſich vielleicht auch hier mit der Wieder=
einräumung
eines bayriſchen Reſervatrechtes befreunden können.
Eine alte bayeriſche Forderung erneuert die Denkſchrift mit
dem Verlangen nach Beſeitigung des Reichsgeſetzes oder wenig=
ſtens
des Staatsgerichtshofs zum Schutze der Republik. Sie nennt
den Staatsgerichtshof ein politiſches Gericht, deſſen Einrichtung
ein verhängnisvoller Schritt auf dem Wege zur Politiſierung
der Rechtſprechung bedeutet habe, ein Sondergericht, das mit dem
Verfaſſungsgrundrecht der Unzuläſſigkeit von Ausnahmegerich=
ten
in Widerſpruch ſtehe. Sie verlangt ferner, daß das Reichs=
kriminalpolizeigeſetz
nicht in Kraft geſetzt werde, jenes Geſetz, das
wie das Geſetz zum Schutze der Republik aus der Zeit politiſcher
Hochſpannung nach der Ermordung Rathenaus ſtammt, und die
Polizeihoheit der Länder auf das Empfindlichſte berührt, indem
es, wenn auch auf begrenztem Gebiet, eine Reichspolizei ein=
richten
will. Reichsamneſtien, ſo fordert die Denkſchrift endlich
mußten auf ſolche Straftaten beſchränkt bleiben, zu deren Ab=
urteilung
die Reichsgerichte zuſtändig ſind, eine Forderung, deren
rechtliche Begründung einleuchtet, deren politiſche Auswirkung
aber ſchwer zu überſehen iſt. Sie wird ohne Zweifel auf ſtarken
Widerſtand im Reichstage ſtoßen.
Man kann es bedauern auch die Denkſchrift deutet es an ,
daß in der gegenwärtigen Zeit materieller Not des Volkes aufs
neue der Kampf um die verfaſſungsrechtlichen Grundlagen
Deutſchlands erneuert wird. Trotzdem wird man nicht daran
vorüber gehen können, wenn ein großes deutſches Land ſeine
Stimme erhebt und mit Ernſt auf die Gefahren hinweiſt, die ein
überſpannter Unitarismus für das Deutſche Reich heraufbe=
ſchwört
. Man kann die Deutſchen Eigenbrödler und Querköpfe
ſchelten, ſie werden aber damit nicht aufhören, es zu ſein. Mit
dem ſtarken Eigengefühl der deutſchen Stämme muß der Geſetz=
geber
als einer in der deutſchen Geſchichte begründeten Tatſache
rechnen. Bismarck hat dies beſſer erkannt als die Schöpfer der
Weimarer Verfaſſung. Setzen wir uns nicht wieder den. Vor=
wurf
aus, daß wir aus bitteren Erfahrungen unſerer nationalen
Geſchichte nichts gelernt hätten. Wenn wir an das Elſaß denken,
ſo iſt nicht das das Schlimmſte, daß die Trikolore auf dem Turm
des Straßburger Münſters weht. Fahnen können gehißt und
wieder eingeholt werden. Aber die Erinnerung brennt unaus=
löſchlich
, daß uns unſere elſäſſiſchen Landsleute in der Stunde
unſerer größten Not gleichgültig, gleichſam mit einem Achſel=
zucken
verlaſſen haben. Sie rechtfertigen es damit, daß ſie im
Reich in den vierzig Jahren ihres Zuſammenlebens mit
den übrigen deutſchen Stämmen nicht verſtanden worden ſeien,
daß man ihre Eigenart geknechtet und ihnen fremde Weſensart
aufzuzwingen verſucht habe. Es beſteht keine Gefahr, daß das
bayeriſche Volk den Weg des elſäſſiſchen geht und dem Reich den
Rücken kehren wird. Trotzdem wird ſich keine Reichsregierung,
wie immer ſie politiſch zuſammengeſetzt ſein mag, dem Vorwurf
ausſetzen wollen, daß die Grundlagen ihrer Regierung und ihrer
Politik die Seele, eines deutſchen Volksſtammes vergewaltigten.
Dies aber, nichts weniger als dies, glaubt die Denkſchrift von
der Weimarer Verfaſſung behaupten zu können.

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Familiennachrichten

P Die glückliche Geburt
N eines Sonntags- Stamm-
halters
zeigen hocher-
freut
an
Dr. Karl Johanns
u, Frau Else, geb. Euler
Düsseldorf, 17. Febr. 1924
Herderstr. 44, I.
(*5992

Todes=Anzeige.
Nach kurzem Krankſein verſchied
geſtern, den 1. März, im Alter
von 68 Jahren unſere gute Mutter,
Schweſter, Schwiegermutter und
Großmutter
(*6012
Frau
Anng Engelhardt
geb. Leiſtner.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Familie Hermann Thümmel
Pallaswieſenſtraße 28.
Darmſtadt, 1. März 1924.
Auerbach i. Vogtl., Chemnitz, Zwickau.
Die Beerdigung findet Dienstag,
den 4. März, vorm. 11 Uhr, von
der Kapelle des alten Friedhofes,
Nieder=Ramſtädterſtr., aus ſtatt.

Statt Karten!

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe auf=
richtiger
Teilnahme beim Ab=
leben
meines innigſtgeliebten
Mannes, unſres guten Vaters
ſagen wir hiermit herzl Dank.
A
Faullie M. Hiemenz
*5921) Hochſtraße 56.

Franziske Kappler
Friedrich Kaestner
VERLOBTE
Darmstadt, im März 1924
Heldelbergerstr. 127 Forstmeisterstr. 2
Kat4
Nt
Statt jeder beſonderen Anzeige.


Gott dem Allmächtigen hat es
gefallen, meinen unvergeßlichen
Gatten, unſren lieben Vater, Groß=
vater
, Schwiegervater, Bruder
und Onkel, den
Bäcker= und Konditormeiſter
Korrn Koinri
jſch
Derin Beinric onſcher
in ſeinem 68. Lebensjahre nach
kurzem ſchweren Leiden zu ſich zu
nehmen.
Im Namen der trauernd. Hinterbliebenen.
Marie Fiſcher und Kinder.
Jugenheim (B)., 29. Febr. 1924.
Die Beerdigung findet Sonntag
den 2. März, nachmitt. 2½ Uh
vom Sterbehauſe, Hauptſtraße 16
aus ſtatt.
(2520

Todes=Anzeige.
Am Freitag, den 29. Februar,
entſchlief unſere liebe Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter
Frau

im 70. Lebensjahre.
6
Im Namen der Hinterbliebenen:
Carl Nöſinger.
Die Beerdigung findet Montan,
den 3. Mär;, nachm. 31 Uihr, vom
Friedhof, Nieder=Namſtädterſtraße,
(*895
aus ſtatt.

F
V*

Richters
Das neueste Oesellschaftssptel
AAP Das Modespiel der vornehmen
Mah-o Onge Melt
D
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O

N00

44
Tarzat
Die ſenſationellen Erlebniſſe eines von Menſchenaffen Geraubten!
Ein Buch von ungeheurer Spannung: E. R. Burroughs Tarzan bei den Affen,
iſt ſoeben in deutſcher Ausgabe erſchienen:
Der Siegeszug der Tarzan=Ge chiſchten geht über die ganze Welt. Der bekannte Ver=
lag
Dieck S Co. in Stuttgart hat das alleinige Ausgaberecht für die deutſche Sprache
erworben und gibt jetzt den erſien, vollſtändig in ſich abgeſchloſſenen und einzeln käuf=
lichen
Band an die Oeffentlichkeit. Wie die beliebteſten Abenteuer=Geſchichten wird
dieſer Tarzan der durchaus originell iſt alt und jung in ſeinen Bann nehmen.
Die Handlung iſt von ſteigender Spannung und eingerahmt von eigenartig gewal=
tigen
Irwaldſzenen, wie ſie kaum ein Schrifiſieller vorher geboten hat. Stattlicher
Halbleinenband mit wundervoll. mehrfarb. Einbandbild. Preis G.=M. 3.55
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(Untere Partie.)
Nachdem sie die mehr durch ihre Länge,
als durch edle Formen ausgezeichneten Fuß-
futterale
abgelegt hat, steigt sie mit einem
Wonneseufzer in das Kukirol-Fußbad, um
die schmerzlichen Gefünle, die ihre sechs
Hühneraugen, die beiden eingewachsenen
Nägel und ein im Laufe der letzten Saison
erworbener Frostballen erwecken, zu be-
sänftigen
, Nerven und Sehnen zu stärken,
Fußschweiß, Brennen und Wundlaufen zu
verhüten und überhaupt ihre Füße für einen
beschwerdefreien Wandel zu präparieren.
Nachdem das geschehen ist, wird sie getreu
dem Wahrspruche: Hühneraugen groß und
klein, beseitigt Kukirol allein ihre sechs
Hühneraugen mit dem millionenfach be-
währten
Kukirol anmutig dekorieren und
in drei Tagen wird sie von diesen Bringern
bitterer Schmerzen befreit sein und durch
ihren graziösen Gang abenteuerlustige Ele-
mente
der männlichen Jugend zum Nach-
steigen
begeistern.
Rukirol-Fußbad und Kukirol- Hühner-
augen
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wegen versucht wird, ihnen unter unwahren
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reden
, denen die gute Wirkung der Ku-
kirol
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Meiden Sie solche unreellen Geschäfte
und achten Sie beim Einkauf genau au.
den Namen Kukirol und die Schutzmarke
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[ ][  ][ ]

Rutunter 62.

Dartuſtädter Ta,dlati, B.inz, E.

Pratt

2.

Srite 2.

Aus der Landeshauptſtadt.
Darmſtadt, 2. März.
* Vom Heldenium.
Gedanken zum Sonntag Quinquageſimae.
Wenn aber kommen wird das Voll=
kommene
, ſo wird das Stückwerk aufhören!
1. Kor. 13: 10.
Man hört allenthalben, es wäre das Unglück unſerer Tage,
daß es uns an ſtarken, überragenden Perſönlichkeiten fehle, deren
Führertum die Maſſe gebieteriſch mit ſich fortreiße auf jene
Höhen, nach denen unſer tiefſtes, heiligſtes Sehnen geht. Zwei=
fellos
tritt nirgends, eine ſolche Führergeſtalt gegenwärtig aus
den mannigfachen Lebenskreiſen unſeres Volkes allüberragend
heraus. Aber damit, daß ſie nicht heraustritt, iſt nicht ohne wei=
teres
erwieſen, daß ſie wirklich fehlt! Zur großen Perſönlichkeit
gehört auch das Volk, welches die große Perſönlichkeit trägt. Wie
kann ein Führer das Volk zu großen Taten führen, wenn das
Volk nicht willens iſt, große Taten zu vollbringen! Wie kann ein
Volk einem Volkshelden einig und treu zufallen, wenn ihm jeder
Sinn für das Heldenhafte verloren gegangen iſt!
Damit ſtehen wir abermals vor der Erkenntnis, daß nichts
Großes geſchehen wird und geſchehen kann, wenn wir nicht vor=
erſt
in uns ſelber den Sinn für Größe wieder lebendig werden
laſſen!
Das Weſentliche aber aller Größe, alles Heldentums iſt feſte
Zuverſicht, Hoffnung, Glaube; iſt unbedingte Aufrichtigkeit und
Wahrhaftigkeit; iſt in Treue verſchlungene, weltüberwindende
Liebe! Heldentum iſt gläubige Tat, iſt heilige, von tiefſtem
Verantwortlichkeitsgefühl erfüllte Aufgabe, iſt Gottes=
dienſt
!
So haben die jedenfalls Größe und Heldentum aufgefaßt,
empfunden, erlebt, die zu tauſenden,, ohne daß einer ihre Namen
nennt, ihre Leiber und ihr Leben darbrachten, um Volk und
Vaterland im blutrünſtigſten und grauſamſten aller Kriege vor
dem Untergang zu bewahren. So haben die immerdar Größe
und Heldentum aufgefaßt, wwelche eine innere Stimme zur Füh=
rerſchaft
ihres Volkes rief, ein Karl der Große und Friedrich der
Große, ein Luther und Fichte, ein Goethe, Schiller, Kleiſt und
Wagner!
Treue Hingabe an ihre Aufgabe hat dieſe Menſchen zu allen
Zeiten und in allen Lebenslagen feſt und ſtark gemacht. Glaube
hat ſie durchglüht an das Gute im Menſchen, an ein höheres
Ziel ſeines Lebens, als es ihm der armſelige Materialismus
ſteckt. Liebe lebte in ihnen zur Menſchheit, Brudertum zu allen
die, um ein altes Gleichnis zu gebrauchen, nach Gottes Eben=
bild
geſchaffen, zu allen, in denen Gottes Geiſt lebt und wirkt.
Hat unſere Zeit aber mit ihrer Sucht nach Gewinn und ihrem
armſeligen Parteigezänk, mit ihrer durchaus aufs Irdiſche
eingeſtellten Weltanſicht, für wahre Größe und wirkliches Hel=
dentum
überhaupt noch Verſtändnis? Man ſage nicht immer
wieder, daß Menſchen, die ſich acht oder zehn Stunden am Tage
abquälen, um das tägliche Brot und alles, was zur Leibes Nah=
rung
und Notdurft gehört, mühſam zu erarbeiten, dann ein An=
recht
auf des Lebens Freuden hätten. Ein Tor nur kann die
Freude für eine Sünde halten. Aber jene ſuchen nicht nach Freu=
den
, ſondern nach Zerſtreuungen! Die Freude führt den Men=
ſchen
zu dem Beſten, was in ihm ſelber lebt, zu jener ſelben
Quelle, aus der Treue und Glauben und Liebe ſtrömen. Zer=
treuungen
jedoch treiben den Menſchen von ſich ſelber fort! Und
der Menſch, der ſeine Lebensſicherheit nicht in ſich ſelber mehr
beſitzt, der vom Leben hin und her getrieben wird, der kennt nur
noch den Erwerb einerſeits und das Vergnügen andererſeits.
Aber er weiß nichts mehr vom Segen der Arbeit und nichts von
dem Glück, das uns das Bewußtſein verleiht, über ſich ſelbſt
hinauswachſen zu können. Und zu dieſer ſeeliſchen Armut, die
natürlich für Heldengröße kein Organ hat, iſt es, wer wollte das
beſtreiten, in ganzen Geſellſchaftsſchichten unſeres Volkes ge=
kommen
!
Zu ſpät iſt es indeſſen dennoch nicht und dennoch nicht! Denn
Heldentum bedeutet eine Kraft, die aus dem Geiſte ſtammt
Und Geiſt heißt Gott, heißt Ewigkeit! Heldenverehrung ſtirbt
niemals, kann auch nicht ſterben, ſagt Carlyle, treue Anhäng=
lichkeit
und Führerſchaft ſind ewig in der Welt. Wir müſſen nur
wieder werden, was wir unſerer Beſtimmung nach ſind: Menſchen,
in denen bewußt und gewollt Gottes Geiſt wirkſam iſt. Bleibt
dann auch, wie es in der Epiſtel heißt, der herrlichen, die über
dem heutigen Sonntag ſteht, unſer Menſchenwerk Stückwerk, ſo
wiſſen wir doch, daß, wenn das Stückwerk aufhört, kommen wird
das Vollkommene, und daß wir dem Vollkommenen entgegen=
wachſen
, wenn Glaube, Hoffnung, Liebe all unſer Tun beſtim=
men
, von dieſen dreien aber vor allem die Liebe, denn ſie iſt
die größte unter ihnen!
Dr. W. S.
Die Aufführungen des Landestheaters an den Faſtnachtstagen
An den Faſtnachtstagen finden im Landestheater folgende Vorſtellungen
ſtatt: Im Großen Haus heute, Sonntag, 7 Uhr Falſtaff., im Klei=
nen
Haus Die Freier am Montag im Großen Haus als Volks=
vorſtellung
zu Einheitspreiſen um 8 Uhr eine Aufführung von Shake=
ſpeares
. Viel Lärmen um Nichts; im Kleinen Haus wird an
dieſem Abend die Tanzſuite von Couperin in der Bearbeitung von
Rich. Strauß zum erſtenmale wiederholt, auf die die Oper Ariadne
auf Naxos folgen wird. Am Dienstag wird im Großen Haus Sup=
pés
Operette Fatinitza im Kleinen Haus Was Ihr wollt
gegeben. Am Mittwoch gelangt im Großen Haus Léar im Kleinen
Haus Figaros Hochzeit zur Aufführung. In der morgigen
nicht Frau Eden
Aufführung von Ariadne auf Naxos ſing=
vom
Nationaltheater in Ma nheim die Zerbineti;
ſondern Frau
Stein=Nöthig wird die Partie in dieſer Aufführung ſingen.
Braunkohle als Helferin in Deutſchlands Not. Der Vorverkauf
für dieſen Filmportrag, zu dem Dr. Diehl den fachmänniſchen Begleit=
text
ſpricht, beginnt heute an der Tageskaſſe des Kleinen Hauſes, am
Verkehrsbureau und für Mitglieder der Volkshochſchule in deren Ge
ſchäftsſtelle. Die Veranſtaltung geſchieht gemeinſam durch das Landes=
theater
und die Volkshochſchule. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit
der Braunkohle als Retterin aus Kohlenmangel zumal hier in Darm=
dieſen
wertvollen
ſtadt, wo wir aus der Grube Prinz von Heſſe
Brennſtoff in hinreichender Menge zu verhältnismäßig billigem Preiſe
beziehen können kann der Beſuch des ſehr lehrreichen Films nicht
genug empfohlen werden.
Kirchenkonzert in der Pauluskirche. Auf das am Sonntag, nach=
mittags
5½ Uhr, ſtattfindende Kirchenkonzert, deſſen Vortragsfolge geiſt=
liche
Volkslieder mit Gitarre und Gambebegleitung und Originalkom=
poſitionen
für Gambe und Gitarre bringt, ſei noch einmal hingewieſen.
Eintrittskarten (50 Pfg.) beim Kirchendiener, Niebergallweg 20 (an der
Kirche), und in den Muſikalienhandlungen.
Der Frauenverein der Johannesgemeinde veranſtaltet am Mon
tag, den 3. März, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus einen Vortrags= und
Liederabend. Fräulein Meta Dieſtel, die bekannte Stuttgarter Al=
tiſtin
, wird von ihren Erfahrungen erzählen, die ſie bei einer Kunſtreiſ
durch Nordamerika zugunſten der deutſchen Kinderhilfe gemacht hat, und
dann ſelbſt Lieder vortragen. Der Eintritt iſt frei. Auch Nichtmitglie=
der
ſind willkommen. Nachmittags 5½ Uhr, am Montag, wird die Künſt=
lerin
für die Kinder der Gemeinde Kinderlieder ſingen, ebenfalls im
Gemeindeſaal. Freiwillige Gaben zur Deckung der Unkoſten ſind beim
Ausgang in beiden Veranſtaltungen erbeten. Die Probe des Kirchen=
chors
muß wegen des Gemeindeabends auf Dienstag verſchoben werden
8. Rentnerbund, Landesgruppe Heſſen. Unter Vorſitz von Bürger=
meiſter
Porth=Offenbach tagte geſtern eine außerordentliche Haupt=
verſammlung
, die ſich mit der Aufwertungsfrage und der 3. Steuernot
derordnung nach Referat von Porth eingehend befaßte. Die Ent
ſchließung, die einſtimmige Annahme fand, lautet: Die Zinsleiſtung mit
Scheingeld an die Kapitaleigentümer war ſeit 1919 Betrug um den er=
heblichſten
Teil der anzuſprechenden Nente. Die dritte Steuernotverord.
nung unterſtellt, daß durch den Zinsbetrug die Eigentumsſubſtanz ver=
oren
ſei und ſchiebt den Schuldnern bis 85 und mehr Prozent der
Eigentumsſubſtanz zu, nur um ſofort 1,7 Prozent des geſamten Schuld=
betrages
der Reichskaſſe zuzuführen. Sie heiligt den Rentenbetrug und
krönt ihn durch den Eigentumsraub. Die Verſammlung fordert vom
Reichstag ſofortige Aufhebung der ſogenannten Aufwertungsbeſtimmun=
gen
und Beſchaffung der erforderlichen Reichseinnahmen durch Inan=
fpruchnahme
von 50 Prozent des ſeit 1918 erwachſenen Vermögens zu=
wachſes
, zahlbar in 10 oder mehr Jahresraten.

Wertbeſtändiges Notgeid
des Volkſtaates Heſſen.
Nach der Bekanntmachung des Heſſiſchen Miniſteriums der Finanzen
vom 15. Februar 1924 (Darmſtädter Zeitung vom 16. Februar) ſind die

miniſters auch weiterhin als vollwertiges Zahlungsmitte!
wie wertbeſtändiges Notgeld umlaufsfähig.
Die Kaſſen der Reichsfinanzverwaltung, Finanz= und Zollkaſſen, ſo=
wie
die zugehörigen örtlichen Hilfskaſſen ( Untererhebeſtel=
len
) nehmen die vorbezeichneten Werte ebenſo wie ſeither bei der Zah=
lung
heſſiſcher Steuern und Gefälle jetzt auch bei der Ent=
richtung
von Reichsſteuern und Reichsabgaben in Zahlung.
Die genannten Werte ſind ferner im unbeſetzten Bezirk der Oberpoſt=
direktion
Darmſtadt für den geſamten Zahlungsverkehr bei
allen Poſtkaſſen zugelaſſen. Nur zu Einzahlungen, die verord=
nungsgemäß
in Rentenmark zu leiſten ſind, nämlich bei Einzahlungen
auf Poſtſcheckkonto, auf Rentenmark=Poſtanweiſungen und auf
Zeitungsgebühren können die bezeichneten heſſiſchen Anleiheſtücke ebenſo
wie das ubrige Notgeld nicht verwendet werden.
Die Oberpoſtdirektion Frankfurt a. M. iſt erſucht, für die unterſtell
ten Poſtkaſſen, die Oberpoſtdirektionen Karlsruhe und Caſſel für die
Poſtanſtalten ihrer Bezirke an der heſſiſchen Landesgrenze die gleiche An=
ordnung
zu treffen.
Die bei den Reichskaſſen eingegangenen Anleiheſtücke werden mög=
lichſt
weitgehend zu allen Auszahlungen perſönlicher und ſach=
licher
Art wieder verwendet werden.
In der Verfügung des Reichsfinanzminiſters vom 27. Dezember
1923 iſt ausdrücklich darauf hingewiſen, daß wertbeſtändige Zahlungs=
mittel
von Privatperſonen auf Grund der Verordnung des Inhabers
der vollziehenden Gewalt vom 12. November 1923 in Zahlung ge=
nommen
werden müſſen.

Landestheater und Volkshochſchule
Im Kleinen Haus
Filmportrag Dr. Diehl=Darmſtadt
T
DIAANTONIS
als Helferin in
Deutſchlands Not. (2551
Sonntag, den 9. März, Montag, den 10. März,
abends 6 und 8 Uhr.
Vorverkauf: ab Montag, den 3. März an der Tageskaſſe, am
Verkehrsbüro und in der Vollshochſchule. Preiſe: .50 bis S Mk.

Orpheum. Für die Tenorpartie des Nicki im Walzertraum
wurde Herr Richard Riedl von der Frankfurter Oper als Gaſt ge.
wonnen, welcher dieſe Rolle, vom heutigen Sonntag ab ſingen wird
Kartenverkauf: Verkehrsbureau von 1012 Uhr und an der Orpheums=
kaſſe
ab 3 Uhr. (S. Anz.)
Den nächſten Vortrag im Realgymnaſium hält am 4. und 5. März
Prof. Como. Sein Thema lautet: Aus Darmſtadts älterer Kunſt:
Georg Moller (mit Lichtbildern). Beginn 6 Uhr, Einzelkarten 1 Mk.
Verein für Vogel= und Geflügelzucht. In der Märzverſammlung
hält Herr Oppel einen Vortrag über Stalleinrichtung, Brutgeſchäft und
Kückenaufzucht, ein Thema, das gerade jetzt für viele Mitglieder nutz=
bringende
Winke enthalten wird. Die Futterausgabe für März findet
am Mittwoch, den 5. März, bei Weigold ſtatt und dürfte es ſich empfeh=
len
, größere Mengen am Montag abend zu beſtellen. Die übliche Frei=
verloſung
beſchließt den Vereinsabend in gewohnter Weiſe.
Preuß.=Sübdeutſche Klaſſenlotterie. Die Erneuerung der Loſe
zu der am 7. März bereits beginnenden erſten Klaſſe der 23. Lotterie
muß planmäßig 7 Tage vor Beginn der Ziehung bei dem zuſtändi=
gen
Einnehmer erfolgen, wenn ſich die Spieler das Anrecht an ihren
Loſen ſichern wollen. Dieſe Erneuerungsfriſt war bereits am 29. Februar
abgelaufen. Mit Rückſicht auf die gegenwärtigen Geldverhältniſſe ſind
jedoch die ſtaatlichen Einnehmer ausnahmsweiſe bereit, die fäl
ligen Losbeträge noch bis, zum Tage vor Ziehung, das wäre
alſo bis zum 6. März, anzunehmen, um namentlich den bisherigen Spie=
lern
Gelegenheit zu geben, ſich ihre Loſe zu ſichern. Auch neue Spiel=
luſtige
werden gut tun, ſich recht bald ein Los zu ſichern, da die Nach
ine ſehr ſtarke iſt und mit einem ſicheren Ausverkauf der Loſe
gerechnet werden kann.
Sterbekaſſe. Der Aeltere Sterbekaſſe=Verein Darmſtadt (gegr.
1870) hielt ſeine gut beſuchte ordentliche Generalverſammlung ab. Der
Jahresbericht ergab in der Hauptſache, daß der Vorſtand es verſtanden
hatte, in der ſchwerſten Zeit der Geldentwertung den Verein über alle
Klippen hinweg zu bringen. Bei Sterbefällen konnte den Angehörigen
ein der Geldentwertung angemeſſenes Sterbegeld ausgezahlt werden. Die
Mitgliederzunahme im Jahre 1923 war eine ſehr gute und überſtieg die
Zahl 200 weſentlich. Auf Antrag der Verſammlung wurde der Vorſtand
wiedergewählt und 3 Neuwahlen zur Ergänzung des Vorſtandes vorge=
nommen
. Der Antrag des Vorſtandes, bei jedem Sterbefall 25 Pfg. zu
erheben und bei Sterbefall den Hinterbliebenen Mk. 375 auszuzahlen
wurde einſtimmig angenommen. Unter Punkt Verſchiedenes fanden noch
verſchiedene Anträge ihre Erledigung. Wegen Aufnahme in den Verein
wolle man ſich an den erſten Vorſitzenden, W. Deußinger, Kaupſtr. 52,
ſowie die Herren H. Wagner, Dieburgerſtr. 4, D. Bergoint, Schützen=
ſtraße
18, L. Greb, Schuknechtſtr. 48 und Joh. Herche, Gervinusſtr. 43,
wenden.
Anmeldungen von öffentlich=rechtlichen Forderungen im Aus=
gleichsverfahren
. Nach einer Mitteilung des Herrn Reichsminiſters für
Wiederaufbau ſind auch öffentlich=rechtliche Forderungen im Ausgleichs=
verfahren
anzumelden. Hierher gehören z. B. Forderungen der öffent=
lichen
Kaſſen, Kreiſe, Gemeinden und Wohltätigkeitsanſtalten für öffent.
liche Armen= und Wohlfahrtspflege gegenüber Schuldnern, die in den
rüheren deutſchen Gebieten anſäſſig ſind, ſoweit ſie ſonſt die Voraus=
etzungen
der Artikel 72, 296 des Friedensvertrages erfüllen. Sämtliche
Ausgleichforderungen, auch diejenigen privater Gläubiger, ſollen nach
einer Vereinbarung mit England, Frankreich und Belgien am 30. April
1924 verfallen. Eine ähnliche Vereinbarung iſt auch mit den übrigen im
Ausgleichverfahren beteiligten Verfahren in Ausſicht genommen. Damit
das Reichsausgleichsamt die Möglichkeit hat, ſämtlichen deutſchen For=
derungen
rechtzeitig den ausländiſchen Aemtern zuzuleiten, iſt durch die
Verordnung über Anmelduneg deutſcher Forderungen beim Reichsaus=
gleichsamte
vom 22. Dezember 1923 R. G.Bl. 1244 angeordnet
worden, daß dieſe Forderungen ſpäteſtens bis 31. März 1924 beim Reichs=
ausgleichsamte
anzumelden ſind. Vorſätzliche und fahrläſſige Zuwider
handlungen gegen dieſe Verordnung, auf die hiermit nochmals ausdrück=
lichſt
hingewieſen wird, ſind unter Strafe geſtellt.
Geſchäftsjubiläum. Am 1. März beging der Friſeur Paul
Gubſch, Karlſtraße 117, ſein 25jähriges Geſchäftsjubiläum.
Dienſtjubiläum. Polizeioberſekretär Wilhelm Winter iſt am
1. März 1899 beim Polizeiamt Darmſtadt eingetreten und feierte geſtern
ſein 25jähriges Dienſtfubiläum.
Treuer Dienſtbote. Am 1. März ſind es 30 Jahre, daß die Köchin
Urſula Herzner der Familie Joſ. Frener, Luiſenſtraße 42, ihre
Dienſte widmet und Freud und Leid mit ihr teilt, ein ſeltener Fall von
Treue und Anhänglichkeit.
Enteignung. Zwecks Anlegung einer Zugangsſtraße an der Nie=
der
=Ramſtädter Straße zum Sportplatz am Böllenfalltor hat die Stadt=
verwaltung
die Enteignung verſchiedener Grundſtücke beantragt, die im
Grundbuche der H. Heinmüller Wwe, und Kindern, Geh. Baurat Prof.
Berndt, Miniſterialrat Neuſchler in Rohr=Stuttgart und Staatsrat
Alex. Koch Wwe., hier, zugeſchrieben ſind. Verhandlungstermin vor
der Lokalkommiſſion ſteht am 21. I. Mts., nachm. 3 Uhr, im Sitzungs=
ſaal
des Kreisausſchuſſes, Neckarſtraße 3, hier, an.
Erwerbsloſenfürſorge und Krankenverſicherung. Wir verweiſen
auch an dieſer Stelle auf die Bekanntmachung des öffentlichen Arbeits=
nachweiſes
für Stadt und Kreis Darmſtadt, aus der erſichtlich iſt, daß
vom 1. März 1924 ab eine andere Art der Beitragsleiſtung zur Finan=
zierung
der notwendigen Koſten des Arbeitsnachweiſes und der Erwerbs=
loſenfürſorge
Platz greift. Es werden nunmehr vorläufig nur für
3 vom Hundert des jeweiligen Grundlohnes er=
den
Monat März
hoben. Den Arbeitgebern wird empfohlen, beſonders darauf zu achten,
daß die Beiträge für Zwecke der Erwerbsloſenfürſorge als ſolche beſon=
ders
von ihnen bezeichnet werden, ſonſt tragen ſie aus der Unterlaſſung
etwa entſtehende Nachteile.
Wo bleiben die Hotelpreiſe der Odenwaldgaſthäuſer? Man
ſchreibt uns: Der Badiſche Verkehrsverband hat bereits im Anfang dieſes
Jahres mitgeteilt, daß eine allgemeine Senkung der Hotelpreiſe im
Badiſchen Schwarzwald zu beachten iſt. Der Mindeſtpenſionspreis be=
trägt
für den Tag im erſten Hotel St. Blaſien 6 Mk., in guten mittleren
Nk. und in einfachen Gaſthäuſern 3,50 Mk. Die Penſions=
Hotels 4
preiſe in Todtmoos betragen 35 Mk., die Uebernachtungsgebühr für
Touriſten 0,60 bis 1 Mk. Es wäre an der Zeit, daß auch die Oden=
waldgaſthäuſer
ihre ermäßigten Preiſe veröffentlichen=

Zum Tode des Herrn Or. jur. Heinz Krantz,
Bad=Nauheim.
9
* Am 28. Februar 1924 verſchied, herausgeriſſen aus beſter Schaffens=
kraft
, in Bad=Nauheim Herr Dr. jur. Heinz Krantz, der Haupt=
geſchäftsleiter
des Reformbundes der Gutshöfe und deſſen Schweſter=
organiſation
der Gutsreform e. G. m. b. H.
Aus führender Stellung in der Eiſeninduſtrie Süddeutſchlands her=
vorgegangen
, durch die Nachwehen des Weltkriegs und aus ſeiner bayeri=
ſchen
Heimat dertrieben, übernahm Dr. Krantz im Freiſtaat Heſſen, wo die
übereilte Siedlungsgeſetzgebung der erſten Nachkriegsregierung verwirk=
licht
werden ſollte, den Schutz der Beſitzer und Pächter, die ſich dann vor
nunmehr fünf Jahren zuſammenſchloſſen. Die Organiſierung des Gegen=
gewichtes
gegen die Siedlungsmaßnahmen führte zur Gründung des
Reformbundes der Gutshöfe‟ Mit dem Rüſtzeug guter Gründe ver=
teidigte
und bewies Dr. Krantz in Wort, Schrift, Bild und auch durch
die Tat die Lebensnotwendigkeit der größeren landwirtſchaftlichen Ve=
triebe
. Mit der Abwehr aber vereinigten ſich auch poſitive Ziele, die
Förderung der landwirtſchaftlichen Kultur durch Aufklärung, Beratung,
Vervollkommnung der Betriebsmethoden, Intenſivierung durch Me=
chaniſierung
.

des Reichsausſchuſſes für Landwirtſchaft und Technik und des Nor=
men
=Ausſchuſſes Bekannt iſt noch ein jüngſtes Auftreten bei den land=
wirtſchaftlichen
Tagungen in München und Berlin.
Während der R. d. G. ſich über ganz Süddeutſchland, Heſſen,
Heſſen=Naſſau, und auch Thüringen ausbreitete, arbeitete Dr. Krantz
an der praktiſchen Förderung ſeiner Ziele durch die Gutsreform e. G.
m. b. H., die ſich in kurzer Zeit aus den Kreiſen des R. d. G. dank der
nie raſkenden, willensſtarken Hingabe an ſeine Ziele ſo erweiterte, daß
in München, Würzburg und Stuttgart, in Berlin und Kaſſel Zweig=
ſtellen
aufblühten.
In den fünf Jahren ſeiner ununterbrochenen Arbeit widmete der

G. m. b. H. erwähnt werden, mit deren (ründung die Erfindungen
ſeines Vaters, des Herrn Hauptmann a. D. Hermann Krantz, ver=
wirklicht
werden.
Den ihm folgenden Landwirten war Dr. Krantz nicht nur in den
Stunden ernſteſter Bedrängnis ein Schutz, an dem Widerſtand zerſplit=
terte
, ſondern auch Führer und Wegweiſer. Seine durch Selbſtbeherr=
ſchung
und Schaffenswillen, durch Mut und eine ſelten wuchtige Geniali=
tät
bezwingende Natur gab Halt den Unſicheren, den Strebenden Weg=
weiſer
und Stütze, dem Unternehmenden Hilfe auf den Weg, zu wagen.
An ſeiner viel gewandten, weitſichtigen Kraft liegt es, daß viele
Freunde feſt bei ihm ſtehen. Wenn er Gegner hatte, ſo lag 4c das
an ſeiner geraden, kämpfenden, vorwärtsdrängenden Art, der nichts
mehr widerſprach, als Engherzigkeit, Stillſtand, Rückſchritt. In der
wirtſchaftlichen Geneſung, in Arbeit und wieder Arbeit ſah dieſer
Meiſter der Selbſtzucht einzig und allein die Möglichkeit eines Wieder=
aufbaues
. Er war ein Vorbild.
Die von Herrn Dr. Krantz geſchaffenen Organiſationen ſtehen im

weitergeleitet und ausgebaut. Die von ihm mitgegebene Tradition
trägt den Kern deutſchen Fleißes und geſunder Wirtſchaftsanſchauung in
ſich. In ehrendem, dankbarem Andenken werden alle, die ihn kennen,
daran feſthalten.
Daß Herr Dr. Krantz in der Kürze der Jahre und in der ſchwerſten
Zeit ſo jung und tatkräftig ſein Werk hat errichten und feſtigen können.
zeigt den großen Verluſt, den die geſamte deutſche Landwirtſchaft durch
einen Tod betroffen hat. Deutſchland verliert an ihm einen Mann, der
zum Höchſten berufen war und der ebenſo, wie er es von anderen for=
derte
, echt deutſch war.
Die Beiſetzung erfolgte in Memmingen, dem Wohnort ſeines Vaters.

Die Hypothekenaufwertungsfrage beſchäftigt auch den Frei=
ſtaat
Danzig. Nach der Berl. Börſenzeitg. hat Danzig ein
Sperrgeſetz zum Schutze der Hypothekengläubiger erlaſſen und
iat wurde bei Einführung der neuen Währung beſonders
vom C
betont, daß der Rechtſprechung über etwaige Aufwertungs=
anſprüche
nicht vorgegriffen würde. Dieſe Maßnahmen haben im
Verein mit dem Reichsgerichtsurteil vom 28. November 1923 zur Folge
gehabt, daß in ſehr vielen Fällen durchaus annehmbare Vergleiche z
ſtande gekommen ſind. Die Entwicklung der Hypothekenfrage hat an
der Danziger Börſe auf den Kurs der Pfandbriefe günſtig eingewirkt,
olche ſind in kürzeſter Zeit um ein Vielfaches geſtiegen und haben unge
fähr den Wert erreicht, der in dem deutſchen Verfahren vorgeſehen iſt.
In Danzig ſteht man auf dem Standpunkt, daß eine geſetzliche
Regelung der Hypothekenaufwertungsfrage im Hinblick auf die
Verſchiedenheitz der einzelnen Fälle nicht in Frage kommen könne.

2

Lokale Verenſiaitungen.
Hlerunter erſchelnenden Notizen ſind ausſchüleßlich als Hinweiſe auf Anzeigen zu bekrachten,
in
keinem Fallie irgendwie als Beſprechung oder Kritik.

Kriegerverein 1874, Darmſtadt e. V. Den Mitglie=
dern
des Kriegervereins ſowie den Angehörigen des dem Verband Kame.
radſchaftliche Vereinigung der Krieger= und Marinevereine Darmſtadts
1923 angeſchloſſenen Vereine, d
Mitgliedern des Bundes ehemal.
ervereins wird bekannt gegeben, d
Militärmuſiker und denen des
am Mittwoch, den 5. d. M., die Bibliothek wieder eröffnet wird. Aus=
gabezeit
jeden Mittwoch, nachmittags von 3½5 Uhr. Bücher werden
nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsausweiſes des jeweiligen Vereins
abgegeben. Die Bibliothek befindet ſich in der Woogsturnhalle, 2. Stock.
Heſſiſches WinterVolksfeſt im Kurhaus Traut=
heim
. Am Montag, 3. März, im Kurhaus Trautheim Heſſiſches Win=
ter
=Volksfeſt mit Konzert. Eintritt frei. (Näheres ſiehe Anzeige.)
Aus den Parteien.
Deutſche Volkspartei, Politiſcher Abend. Der
letzte Politiſche Abend der Ortsgruppe am 27. Februar war außerordent=
lich
gut beſucht. Herr Landtagsabgeordneter Dr. Oſann erſtattete in
packender Darſtellung ein einſtundiges Referat über die aktuellen Fraget
der Reichs= und Landespolitik. An ſeine mit lebhaftem Bei=
fall
aufgenommenen Ausführungen ſchloß ſich die Ausſprache an, an der
ſich die Herren Profeſſor Lule), Profeſſor Axt, Ober=Reallehrer Kahl
und Generalſekretär Kollbach beteiligten. Im Mittelpunkt der Ausſprache
ſtand namentlich die Aufwertungsfrage. Auch der letzte Politiſche
bend zeigt deutlich, daß ſich dieſe Veranſtaltungen unter unſeren Mit=
gliedern
gut eingebürgert haben und ſich eines wachſenden Beſuches er=
freuen
können.
Deutſche Demokratiſche Partei, Frauengruppe
Donnerstag abend erörterte Herr Abgeordneter Reiber, der 1. Vor=
ſitzende
der Darmſtädter Ortsgruppe der D.D.P., vor der Frauen=
gruppe
, die auch noch die Jugendgruppe eingeladen hatte, eingehend die
außen= und innerpolitiſche Lage im Reich und in Heſſen. An ſeine hoch=
intereſſanten
Ausführungen ſchloß ſich eine ſehr lebhafte Ausſprache. Die
Frauen, die jetzt wenig Zeit haben, den politiſchen Teil der Zeitung
aufmerkſam zu ſtudieren, und ſich in größeren Verſammlungen oft
cheuen, Fragen zu ſtellen, ſind Herrn Reiber außerordentlich dankbar
für die Zeit, die er ihnen zu ihrer politiſchen Aufklärung widmete.
Große Freude erregte die Mitteilung der Vorſitzenden, daß am 19. März
Frau Reichstagsabgeordnete Dr. Lüders in Darmſtadt ſpricht.
Deutſche Demokratiſche Jugendgruppe. Am 5.
März, abends 8½ Uhr, ſpricht Herr Lehrer Ziegler über Ar=
beitsfreude
und Arbeitswille im Wirtſchaftsleben. Der
Vortrag zerfällt in zwei Teile. Am erſten Abend (5. März) wird der
Redner die Mittel hervorheben, die außerhalb des Vetriebes liegen und
zur Erhöhung der Berufsfreude beitragen. Der Tag des 2. Vortrags
wird noch bekannt gegeben.

=Tabletten

Gicht,
Rheuma,
Jschias,

hervorragend
bewährt bei
Nervenſchmerzen,
Hexenſchuß,
Kopfſchmerzen.

Die große Beliebtheit des Togal beruht auf den vielen aus=
gezeichneten
Erfolgen, die zahlreiche Aerzte und Kliniken damit
erzielten. Togal ſcheidet ſtark die Harnſäure aus, geht alſo dirert
zur Wurzel des Uebels. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, die
Schmerzen werden behoben und auch Schlafloſigkeit wird er=
folgreich
mit Togal bekämpft. In allen Apotheken, (I Mn 1718
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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 2. März 1924.

Mummer G2.

Aus Heſſen.

Nieder=Ramſtadt, 29. Febr. Die Zentralſtelle zur För=
derung
der Volksbildung in Heſſen führte geſtern abend
den bereits in Darmſtadt mit großem Erfolg gegebenen Film Hygiene
der Ehe auf. Die gute Beſetzung des Saales bewies, daß der Film
auch unter der hieſigen Einwohnerſchaft ein großes Intereſſe wachrief.
Mit dem Gebotenen kann man nur zufrieden ſein. Herr Frauenarzt
Dr. med. Hoffmann aus Darmſtadt verſtand es, den Film in klarer,
auch für den Laien verſtändlicher Weiſe zu erläutern. Gar manches
junge Ehepaar dürſte ſich aus den Ausführungen und bildlichen Dar=
ſtellungen
einen Fingerzeig für das Eheleben mit nach Hauſe genom=
men
haben. Herr Nektor Schultheiß von hier ſprach zum Schluß
namens des hieſigen Ortsausſchuſſes der Zentrale ſowie auch Herrn
Dr. med. Hoffmann den Dank für das Dargebotene aus, und endigte
mit dem Wunſche, daß uns die Zentralſtelle zur Förderung der Volks=
bildung
recht bald wieder mit einem lehrreichen Filmportrag be=
lehren
möge.
Ober=Ramſtadt, 29. Febr. Der verlorene Weltkrieg und die Fol=
gen
des Verſailler Vertrages werfen noch immer düſtere Schatten in
unſer Volksleben. Schlimmer als je ſeufzt die Pfalz unter der Herr=
ſchaft
ihrer Bedrücker, viele Bewohner ſind infolge rückſichtsloſer Ge=
walttaten
heimatlos, friſten im unbeſetzten Gebiet traurige Tage. Leider
haben ſich an den Unterdrückungen auch deutſche Blutsbrüder beteiligt,
und mit ihrer Hilfe ſucht ein unerbittlicher Sieger ſelbſt die Löſung
dieſes Gebietes vom Mutterlande. Zwar haben in den letzten Tagen
die Separatiſten ihre Fahnen allerorts einziehen müſſen, aber insgeheim
ſchürt der Gegner weiter und ſucht mit allen Mitteln verwerflicher
Politik ſein Ziel zu verwirklichen. Auch das beſetzte heſſiſche Gebiet
hatte unter ſeparatiſtiſchem Terror faſt vier Monate ſchwer zu tragen.
Die unſeren Landsleuten dadurch verurſachten Leiden ſind an uns nicht
ſpurlos vorübergegangen. Sie haben in uns Gefühle erweckt, die uns
zu den Gequälten hinziehen, uns treiben, ihnen die helfende Hand gerne
zu reichen. Es iſt eiſerne Pflicht eines jeden, hier Mittel zur Ver=
fügung
zu ſtellen, um die im beſetzten Gebiet durch die Separatiſten
und ihre Gewaltmaßnahmen hervorgerufene Not zu lindern. Zu die=
ſem
Zwecke iſt geplant, am 2. März einen Gedenktag für das
beſetzte Gebiet zu veranſtalten, dem ſich auch unſere Gemeinde
nicht emtziehen darf. Kinder der oberen Schulklaſſen werden nächſten
Sonntag mit Zeichnungsliſten für die Notleidenden freiwillige Gaben
ſammeln und an die Sammelſtelle abliefern. Auch in der Kirche wird
ein Hinweis auf die Bedeutung dieſes Tages die Herzen der Hörer zu
wecken ſuchen. Selbſtverſtändlich ſoll die zu veranſtaltende Sammlung
parteipolitiſch ſtreng neutralen Charakter tragen. Die eingehenden Be=
träge
werden auf das für das Miniſterium des Innern errichtete Konto
Separatiſtenſchäden abgeführt, kommen alſo direkt heſſiſchen Geſchä=
digten
zugute. Gebe jeder nach Kräften! Geben iſt ſeliger als Nehmen!
Vom ſüdlichen Odenwald, 29. Febr. Bei der Holzverwer=
tung
gehen die Gemeinden gegenwärtig zu anderen Methoden über,
die Verhältniſſe zwingen ſie dazu, da vielfah der Erlös aus Holz die
Haupt= und einzige Einnahme bildet. Seither wurde nur das eigentliche
Brennholz verſteigert, das Lang= und Daubholz wurde in Sub=
miſſion
vergeben. Nun verſteigerte kürzlich ein Gemeinde ihr
Brennholz und erzielte pro Naummeter durchſchnittli 15 Mk., gleich=
zeitig
lagen Angebote von Holzhändlern bzw. Holzſchneidern auf Daub=
holz
vor, die pro Raummeter 9 Mk. boten, und zwar für ſchöneres
Holz als das erſtgenannte. Von einer Holzſchneiderei wurde auch früher
erworbenes Daubholz als Brennholz verſteigert, mit dem Erfolg, daß
ſo ein bedeutender Mehrerlös erzielt wurde gegenüber dem vor 23
Jahren durch Submiſſion gebotenen und bezahlten Preiſe. Die Ge=
meinden
bezwecken ſo ein Doppeltes; einmal erzielen ſie viel höhere Ein=
nahmen
, dann aber iſt dem Publikum viel eher Gelegenheit geboten,
ſeinen Holzbedarf zu decken, und zwar mit einer beſſeren Qualität Holz
als bei den früheren Methoden. Im Sinne der Holzſcheidereien wird
dieſe Aenderung nicht ſein, jedoch iſt ſie mit Rückſiht auf die Allgemein=
heit
zu begrüßen.
r. Babenhauſen, 28. Febr. Gemeinderatsſitzung. Bei der
geſtern abend öffentlich abgehaltenen Sitzung teilte der Bürgermeiſter
mit, daß das Miniſterium der Juſtiz eine Neueinteilung der Amts=
gerichtsbezirke
vornehmen will. Babenhauſen ſoll mit den Orten Harres=
hauſen
, Sickenhofen und Hergershauſen vom Amtsgericht Seligenſtadt
abgetrennt und Groß=Umſtadt zugeteilt werden. Auf dieſe Weiſe ſoll
bei dem mit drei Richtern beſetzten Amtsgericht Seligenſtadt eine Richter=
ſtelle
eingeſpart und dieſe Groß=Umſtadt zugeführt werden, ſo daß dort
ein zweiter Richter verwandt werden könne. Der Gemeinderat iſt ein=
ſtimmig
der Anſicht, daß es im Intereſſe des Staates und auch in dem
der beteiligten Gemeinden liege, wenn die Amtsgerichte Seligenſtadt
und Groß=Umſtadt ganz aufgehoben würden und hier in Babenhauſen

Für Geschäft und Beruf
Für Spork und Erholung

Das beste Rad

ein neues errichtet würde. Verſchiedene Gründe ſprechen dafür. Die
Lage unſerer Stadt iſt bedeutend günſtiger als die
von Seligenſtadt und Groß=Umſtadt. Als verkehrsreicher
Eiſenbahnknotenpunkt und Mittelpunkt zahlreicher Zufuhrſtraßen iſt es
bequem und ohne großen Opfer an Geld und Zeit zu erreichen. Ent=
ferntere
Orte der Amtsgerichtsbezirke Seligenſtadt und Groß=Umſtadt
könnten in dieſer Zeit des Abbaues angrenzenden Amtsgerichtsbezirken
zugeteilt werden. An geeignetem Raum zur Unterbringung des Amts=
gerichts
fehlt es hier nicht. Das dem Staate gehörige Schloß bietet hin=
reichend
geeignete Räumlichkeiten für ein Amtsgericht. Sollte das Mini=
ſterium
dieſem Vorſchlag der Gemeindevertretung nicht zuſtimmen kön=
nen
, ſo ſoll verſucht werden, bei Seligenſtadt zu verbleiben, oder Die=
burg
, dem Sitz unſeres Kreis= und Finanzamtes, angeſchloſſen zu wer=
den
. Eine Zuteilung zu Groß=Umſtadt verwirft der Gemeinderat voll=
kommen
, da unſere Stadt faſt keine Verkehrsbeziehungen dahin hat. Der
Verkauf des Gruben= und Schwellenholzes an die Firma J. Vowinkel=
Mainz wird ſodann genehmigt. Die Erhebung einer Gemeinde=, Grund=
und Gewerbeſteuer für die zweite Hälfte des Rechnungsjahres 1923 wird
wie folgt heſchloſſen: von 100 Mk. gewerbliches Betriebsvermögen
1,5 Pf., von 100 Mk. Gebäudeſteuerwert 4 Pf., von 100 Mk. Steuerwert
des land= und forſtwirtſchaftlich genutzten Grundbeſitzes 30 Pf. Als
Mindeſtſatz ſollen 20 Pf. erhoben werden. Ein Geſuch des Pl
P. Mohr
zur Abgabe eines Bauplatzes wird vorläufig zurückgeſtellt. Eine leb=
hafte
Debatte entſpinnt ſich über das Geſuch der Turngemeinde um
Ueberlaſſung des für den Schulhausneubau vorgeſehenen Bauplatzes
am Eingang der Harreshäuſer Allee, um dort eine Turnhalle und einen
Turnplatz zu errichten. Das Geſuch wird mit Stimmenmehrheit ab=
gelehnt
. Herrn S. Blümler, der um Genehmigung zur Erbauung
eines Wohnhauſes außerhalb des Ortsbauplanes nachſucht, wird anheim=
geſtellt
, zunächſt Skizze und Lageplan des Baugeländes vorzulegen. Nach
Mitteilung des Bürgermeiſters ſoll am 2. März in Heſſen ein Gedenk=
tag
für die bedrohte Pfalz ſtattfinden. Da wegen der Kürze der Zeit
keine größeren Veranſtaltungen mehr ſein können, ſoll vorausſichtlich
eine Hausſammlung nach vorausgehendem Aufruf vorgenommen werden.
Winterkaſten, 29. Febr. Bei hohem S hnee und ſtrenger Kälte
eine wunderſchöne Neiſe ins heiße Land das war ein Ereignis für
zahlreiche Gemeindeglieder, die ſich geſtern abend im dichtgefüllten
Saale des Herrn Wilhelm Hofmann eingefunden hatten, um einen Licht=
bildervortrag
des jetzt in Darmſtadt wohnhaſten Herrn Miſſionars
Rottmann zu genießen. Und in der Tat, es war ein hoher Genuß,
die wunderſchönen farbigen Bilder aus der uns ſo fremden Welt zu
ſehen und den klaren und warmherzigen Schilderungen des ſachkundigen
Redners zu lauſchen. China, das Land uralter, aber nicht fortgeſhrit=
tener
Kultur iſt nach Vertreibung unſerer Miſſionen aus ihren anderen
Arbeitsgebieten zurzeit das Feld, auf dem am kräftigſten und mit gutem
Erfolge das Miſſionsgebot Chriſti: Gehet hin in alle Welt und lehret
alle Völker uſw. befolgt wird. Welche Opfer die Männer und Frauen
bringen, die dieſem Gebote unſeres Heilandes folgen, welchen Gefahren
ſie durch Klima, landesüblich ſchlechte Verkehrsverhältniſſe, z. B. ſogen.
Brücken über Flüſſe und tiefe Schluchten, durch das dort noch ſtark herr=
ſchende
Räuberunweſen ausgeſetzt ſiund, das wurde auch in vielen Bil=
dern
und Worten klar gemacht. So ging denn wohl jeder von den
etwa 180 Zuhörern nach Hauſe mit dem Vorſatze, ſich durch dieſe Glau=
benszeugen
nicht beſchämen zu laſſen, ſondern an ſeinem Teile nach
Kräften dazu beizutragen, daß immer mehr den Heiden die frohe Bot=
ſchaft
gebracht und himmliſcher Friede ins Herz geſenkt werde.

Mit. D. Fclre. de Ni4k.
wanderung ins beſetzte Gebiet. Der Delegierte in Rüdes=
heim
gibt bekannt, es ſei wiederholt vorgekommen, daß ſich unberech=
tigterweiſe
Ausgewieſene oder deren Familienangehörige im Rheingau=
kreiſe
aufgehalten haben. Aus Menſchlichkeitsgründen habe der Kreis=
delegierte
in den Fällen, die ihm bekannt wurden, von gerichtlicher Ver=
folgung
abgeſehen, jedoch können derartige Uebertretungen der Verord=
nungen
der Rheinlandkommiſſion nicht geſtattet werden. Jeder Aus=
gewieſene
, der ſich ohne Erlaubnis in das beſetzte Gebiet begibt, ſolle
ſich darüber klar ſein, daß eine ſolche Handlung die ſofortige Verhaf=
tung
durch die Militärpolizei nach ſich ziehen könne. Der Kreisdele=
gierte
werde bemüht ſein, in dringenden Fällen die Geſuche für einen
vorübergehenden Aufenthalt zu befürworten.
Worms, 27. Febr. Freiherr Cornelius Wilhelm
von Heyl zu Herrnsheim hat letztwillig verfügt, daß an ſeinem
Geburtstage der Hilfsbedürftigen gedacht werden ſolle. In Ausführung
dieſer Verfügung haben die Teſtamentsvollſtrecker dem Städt. Wohl=
fahrtsamt
in den letzten Tagen 1000 Zentner Kohlen zur Verteilung an
bedürſtige Einwohner mittelſtändiſcher Kreiſe und an Angehörige fol=
cher
Kreiſe, die unter den Wirkungen des Krieges bedürftig geworden
ſind, überwieſen.
Worms, 26. Febr. Man ſchreibt uns: Die Gefahr, die unſerer
Jugend bei dem beabſichtigten Schulabbau droht, rief die hieſige El=
ternſchaft
zur tätigen Abwehr auf den Plan. Eine eindrucksvolle Eltern=
verſammlung
ſämtlicher Wormſer Volks= und höheren Schulen nahm,
nachdem Redner aller Parteien und Berufsſchichten ſich gegen falſche
Sparmaßnahmen am Schulweſen gewandt hatten, einmütig eine Ent=
ſchließung
an, in der es unter anderem heißt: Ungefähr 1000 Väter
und Mütter Wormſer Schulkinder wehren ſich dagegen, daß eine kurzſich=
tige
, nur auf die Zahl und nicht auf den Geiſt bedachte Finanzpolitik un=
ſer
Erziehungsweſen erſchüttert, in deſſen ſorgfältiger Pflege und ver=
ſtändnisvoller
Weiterentwicklung wir eine der wenigen Möglichkeiten zum
Wiederaufſtieg unſeres Volkes erblicken. Wir fordern, daß die heſſiſche
Regierung und der heſſiſche Landtag dem Verlangen des Neichstags Nech=
nung
trage, nach dem Sparmaßnahmen erſt dann auf das Gebiet der
Jugenderziehung ausgedehnt werden ſollen, wenn alle anderen Möglich=
keiten
zur Verminderung der Staatsausgaben erſchöpft ſind. Die von der
heſſiſchen Regierung erwvogenen Schritte (Erhöhung der Schülerzahl der
Klaſſen vertikale Klammerung Erhöhung der Pflichtſtundenzahl der Leh=
rer
) fordern unſeren ſcharfen Widerſpruch heraus. Wir erblicken in dieſen
Maßnahmen ſchematiſche Verſuche zur Erſparnis, die mit allgemein aner=
kannten
pädagogiſchen Grundforderungen in Widerſpruch ſtehen und des=
halb
das Bildungswerk ſchädigen müſſen. Wir erkennen nur ſolche Spar=
maßnahmen
an, die aus der organiſchen Entwicklung des Schulweſens,
unter Beachtung, aller pädagogiſchen Geſichtspunkte ſich ergeben.
i. Lauterbach, 29. Febr. Von der Hochzeit zur Fremden=
legion
begab ſich vor vier Jahren der Schuſter Jakob zu Schlitz. Es
kam damals bei der Hochzeit zu einem kleinen Zerwürfnis, worauf der
gekränkte Ehemann ſpurlos verſchwand. Die Ehe wurden nach vergeb=
lichen
Nachforſchungen aufgelöſt und die Frau iſt ſeit kurzem wieder
verheiratet. Man kann ſich den Schrecken denken, als die Frau nun
einen Brief ihres totgeglaubten Mannes erhielt. Er ſchreibt, daß er
damals es ſind getzt 4½ Jahre aus Lebensüberdruß in die Frem=
denlegion
gegangen ſei, und im Herbſt würde ſeine fünfjährige Dienſt=
zeit
zu Ende ſein; er wolle dann heimkehren. Mit bewegten Worten
ſchildert er die furchtbaren Strapazen, Entbehrungen und die Kämpfe
mit den Eingeborenen.
Garbenteich, B. Febr. 7000 Zigarren geſtohlen. In
der Nacht zum Mittwoch wurden in der hieſigen Zigarrenfabrik von
Dr. Werner Bock mittels Einbruchs 7000 Stück Zigarren im Werte von
ungefähr 800 Goldmark geſtohlen. Für die Ergreifung des oder der
Täter iſt eine Belohnung von 200 Goldmark ausgeſetzt.
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Rummer 62.

Darmſtädter Dagblatt, Sonntag, den 2. März 1924.

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mittags
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aus dem Eberſtädter Gemeindewald,
Diſtrikt Klingsackertanne, die nachver=
zeichneten
Holzſortimente öffentlich meiſt=
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an Ort und Stelle verſteigert
werden:
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16 Kiefern=Stämme Kl. I 22,42 fm
44
II 53,43,
*
104
III 83,63

IV 5,58
11
Bemerkt wird, daß ſich hierunter ſehr
ſchönes Schnittholz befindet. Zuſammen=
kunft
der Steigerer auf der Neuen Darm=
ſtädter
Straße an der Halteſtelle Schirm=
ſchneiſe
. Bei Barzahlung wird den
Steigerern Skonto gewährt. Nähere
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Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

Nummer 62

Sonntag, 2. März

1924

Reich und Ausland.
Die Mannheimer Oktober=Unruhen.
Mannheim. Vor der Strafkammer hatte ſich geſtern der Haupt=
rädelsführer
der Ausſchreitungen, die am 15. Oktober vorigen Jahres
die Bevölkerung Mannheims in große Erregung verſetzte und den Tod
eines Polizeibeamten, des Oberwachtmeiſters Böttger, und des Arbeiters
Schuler zur Folge hatten, zu verantworten. Dem Angeklagten, einem
25jährigen kaufmänniſchen Angeſtellten Friedrich Dietz aus Mannheim,
wurde zur Laſt gelegt, am 15. Oktober die Erwerbsloſen zu Demonſtra=
tionen
und Plünderungen aufgereizt zu haben, ſowie zum Widerſtand
gegen die einſchreitenden Polizeibeamten, die mit
dem Meßtolatz empfangen wurden. Das Untoil kentete aab ein Keſo

der Fah.
Fommm

Cnneuer hochinteressanter oman
bogunt in UlleinsBlatt der Hausſrau

Df

aud dumachide.

Kiehuk olhete.

Ein neuer Rokoko=Roman von Ernſt Georgy
den ſede Frau leſen muß! Ein Werk des deutſchen Rokoko, das in Klein=Paris ſpielt, in Leipzig
nd ſeinem patriziſchen Bürgertum. Die Demoiſellen Landmann ſind die beiden ſchönen Töchter
ines Kürſchnermeiſters und Pelzhändlers, die eine zart und künſtleriſch begabt, die andere mehr den
fra tiſchen Dingen des Lebens zugewandt; und beide haben ihre Herzens= und Heiratsgeſchichten,
ſie ſich zuerſt verwirren und dann klären. Voll anſchaulichen Reizes iſt die Schilderung der
lürgerlichen Rokoko=Kultur mit dem Leipziger Pelzhandel, zu dem die verſchwenderiſchen ruſſiſchen
Geſchäftsfreunde gehören, und die ganze Welt von früher ſteigt wieder auf.
Wer ihn leſen will, fülle untenſtehenden Abſchnitt aus!

Abtrennen!

An

Die Oeutſchlandfahrt.
Von Pommern nach Mecklenburg. Die Städte im Flaggenſchmuck.
Von unſerem Sonderberichterſtatter Siegfried Doerſchlag.
Roſtock, 28. Februar.
Ueber den Empfang im Pommerland und über die Aufnahme der
Deutſchlandfahrer in Stettin gab es nur eine Stimme: die der Begeiſte=
rung
. Der Aerger über Verlin, ſeinen gleichgültigen Oberbürger=
meiſter
und über die ganze Berliner Flauheit war verflogen und durch
die herzlichen Begrüßungsworte beim Stettiner Feſtabend und durch die
er Pommer war wieder ſieghafte Stimmung in die Reihen
Wenn irgend eine Stadt mit Sicherheit darauf
ſen bedeutenden Anläſſen wieder Etappen= oder
o fraglos Stettin. Seine Zivil= und Militär=
und ſeine Bürgerſchaft, gleich wie ſie ſonſt zum
ſie waren alle gleich freundlich und entgegen=
utſchlandfahrer
verließ ohne reichliche Liebes=
ungshauptſtadt
.
winddurchpeitſchter Morgen, als der Ihrem
Stoewer=Werken zur Verfügung geſtellte 42/120
en mit Meiſter Kordewan, dem Sieger mancher
er, uns auf die Strecke brachte. Bald begeg=
rern
, haben doch die bisherigen 12 Fahrtage die
8 Reifenmaterial in hohem Maße ſtrapaziert.
werden Reifenſchäden behoben dankenswert,
or und Peters Union, Calmon, Dunlop.
en Gummifabriken an den einzelnen Etappen=
eifendepots
und Perſonal haben, das den Fah=
behilflich
ſein kann. Im allgemeinen ſind die
iber die Qualität der Pneus, und unſere deut=
Continental, Exelſior und Peters Union

Deutſchlandfahrt vertreten können ſtolz ſein
i den Maſchinen ſelbſt iſt naturgemäß auch nicht
edem Morgen ſtehen den Teilnehmern 45 Mi=
trafpunktfreier
Reparaturen zur Verfügung.
erhält Strafpunkte. Bei mehreren Maſchinen
3
mbierte Teile ergänzt werden nach Zurück=
lließlich
kein Wunder, beſonders nicht in Anbe=
4
tniſſe mit Schnee und Eis.
nklam, die unſer verblüffend ſchneller Stoewer
ſren wir, daß der Hamburger Haweka=Fahrer
in zurückbleiben mußte; ihm war nach ſeiner
ſtrigen Etappe ein anderer Teilnehmer hinter
Wucht gegen die Maſchine gefahren, daß ſein
vurde und Dralle ſelbſt am Bein verletzt wurde.
ſe bis morgen wieder fahrtbereit machen und
chine wieder gebrauchsfähig machen zu können.
zne ſein Verſchulden hervorgerufen wurde, hat
geſtattet, die Weiterfahrt morgen von Stettin
ſirekter Fahrt StettinKiel (mit eigener moto=
an das Feld wieder zu erreichen; wenn ihm
ſterhin ſtrafpunktfrei. Die anderen beiden Ham=
d
N. Bremer, beide gleichfalls auf Haweka,
als beſonders ausſichtsreiche Teilnehmer ihrer
r mit. Von den Neumünſteraner Nevo=Fahrern
arl Lenſch=Neumünſter auf Nevo hat ſtrafpunkt=
Umann=Neumünſter iſt eine kurze Strecke mit
t aber ſonſt auch brab durchgehalten. Von
ndungsdatums ſeien die K.M.B.=Räder erwähnt,
id fahren. Bätz=Köln auf K.M.B. iſt der ein=
Auch in der Großmotorradklaſſe in der aus=
wiegen
, halten ſich die deutſchen Maſchinen ſo
fraglich iſt, ob nicht ſchließlich K.M.B., Mars,
Megola, oder Wanderer den Lorbeer ernten
2
po jagte der große Stoewer, der Siegerwagen
die Schneeverwehungen hinweg. Den Motor=
trotz
allen bisherigen Trainings doch Schwierig=
hneewellen
fegte der Nordoſt über die Straße,
die Fahrer herzlich wenig dazu, die Füße auf
n. Vom Schleifen auf Schnee= und Eisſtraßen
s Sohle gänzlich abgewetzt kein Laie kann
on machen, welche Schwierigkeiten es bei dieſer
nden gilt und welchen Kräfte= und Energieauf=
Flaggen die Fahrer; hier erwartet ſie bei der
warmer Imbiß und erwärmender Grog. In
wer=Wagen leiſtet ſich ſpielend ein 70 Km.
derum viele Flaggen, Guirlanden, tauſende von
Stralſund erneut Kontrolle mit kurzer Früh=
h
erfriſchen wollen, menſchenumſäumte Straßen,
verrung. In dichtem Flockengerieſel dann weſt=
ggenſchmuck
auch im mecklenburgiſchen Grenz=
r
mit ihren Schulkindern bilden Spalier und
die Deutſchlandfahrer vorbeiknattern. Gegen
euppe der Großmotorradklaſſe in Roſtock ihren
eht ganz im Zeichen der Deutſchlandfahrt und
allen Deutſchlandfahrern großes Entgegenkom=
Einſenden!
in Stettin geſtartet; das heißt: auf 19tägiger
Schnee und Eis, über Berg und Tal, bei faſt
ſind bisher nur 17 Fahrer ausgeſchieden. Ein
ſportlicher und techniſcher Beziehung. Ob nun
die der Deutſchlandfahrt abhold waren, ob
eingeſtellten Teil der deutſchen Motorrad=
Fahrt war, die Erkenntnis kommt: wir haben
begangen?. Man ſollte es annehmen. Die be=
dinduſtrie
wird aus der Deutſchlandfahrt eine
ſchöpfen; die unbeteiligte möge es ſich zur Lehre
Politik falſch war. Und daß die Gegner der
niert haben. Das iſt heute ſchon bombenſicher!

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Die Qualen eines Nervöſen.
Ein nervöſer Menſch iſt ein unglücklicher Menſch. Kleine
Widerwärtigkeiten können ihn zur Verzweiflung bringen, die
kleinſte Aufregung kann ihm tagelang Kopfſchmerzen oder Uebel=
keit
verurſachen, ihn ärgert die Fliege an der Wand, und er
ärgert ſich wiederum darüber, daß er ſich ſo ärgert.
Nervenleiden ſind zumeiſt Gehirnleiden und Geiſteskrank=
heit
, unbewußte Handlungen, Rückenmarkslähmungen uſw. ſind
nur beſonders ſchwere Folgen derſelben. In leichteren
Fällen äußert ſich Nervoſität durch: Kopf=
ſchmerzen
, Gliederreißen, Zuckungen, Rücken=
ſchmerzen
, Geſichtsſchmerzen, Schmerzen im
Hals, Armen und Gelenken, Augenflimmern,
Blutwallungen, Herzklopfen, Schlafloſigkeit,
ſchwere oder ſchreckliche Träume, Beklemmun=
gen
, Schwindelanfälle, Angſtgefühle, über=
mäßige
Empfindlichkeit gegen Geräuſche Reiz=
barkeit
, beſonders früh nach dem Aufſtehen,
Unruhe, Launenhaftigkeit, Verſagen des Ge=
dächtniſſes
, gelbe Hautflecke, Klopfen in den
Adern, Gefühl von Taubheit in den Gliedern,
Zittern der Hände und Kniee bei Erregungen,
blaue Ringe um die Augen, Ohrenſauſen, ſon=
derbare
Gelüſte und Abneigungen, Schreckhaf=
tigkeit
. Viele weniger auffällige Erſcheinungen treten einzeln
oder zuſammen auf und ſind Anzeichen dafür, daß die Nerven
angegriffen ſind.
Zeigen ſie ſich, ſo ſollte unbedingt ſofort etwas geſchehen.
Man muß den erſchöpften Nerven diejenigen Stoffe zuführen, die
ſie bei der übermäßigen Anſtrengung verbraucht haben. Dieſe
Stoffe beſtehen aus organiſchen Phosphorſäureverbindungen,
und es iſt der Wiſſenſchaft gelungen, ſie aus organiſchen Sub=
ſtanzen
in ſehr ſtarker Konzentration zu gewinnen. In zweck=
mäßiger
Zuſammenſetzung enthält ſie das bekannte, ſehr emp=
fohlene
Dr. med. Robert Hahns Nerviſan. Hören Sie, wie es
beurteilt wird:
Ich bin ſehr zufrieden, fühle mich jetzt viel wohler, haupt=
ſächlich
der Schlaf iſt viel beſſer geworden, ich ſchlafe jetzt faſt
jede Nacht ununterbrochen durch, was erſt nicht der Fall war . ..
Bruder Juſtizwachtmeiſter. . . . . . . daß ich mit
Ihrem Nerviſan ſehr zufrieden bin, ich bin mein Nervenleiden
Gott ſei Dank los, wofür ich Ihnen ſehr dankbar bin . . . Ich
habe es ſchon vielen empfohlen und werde es auch weiter tun.
Val. Göring. . . . . . . zu meiner Befriedigung kann ich
Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß ich mich wieder wohl
und geſund fühle und wieder ein ganz anderer Menſch bin.
Werde mich bemühen, Ihr Nerviſan überall zu empfehlen,
danke Ihnen nochmals nachträglich. Fr. Fuchs. . . . . . . und
viele andere mehr.
Wenn man ſich unter Berufung auf dieſe Zeitung an Dr.
med. Robert Hahn & Co., G. m. b. H., Magdeburg D 150, wen=
det
, ſo erhält man vollſtändig koſtenlos und portofrei eine
Probeſchachtel dieſer nervenſtärkenden Paſtillen zugeſandt, außer=
dem
auch noch ein Buch, in welchem die Urſachen und die Hei=
lung
der Nervenleiden klar und verſtändlich geſchildert ſind.
Ein Mittel, welches von jedem aufs günſtigſte beurteilt wird,
ſollte man mindeſtens verſuchen, beſonders wenn dieſer Verſuch
nichts koſtet.
IEBn.2509
Briefkaſien.
G. G., hier. Ihre Anfrage rührt wohl von dem jüngſt mitgekeilten
Falle einer Verletzung des Poſtgeſetzes her. Tb die vom Gericht ge=
troffene
Entſcheidung rechtlich unter allen Umſt inden haltbar iſt, dar=
über
läßt ſich ſtreiten. Zu 1. Die Poſt hat das Monopol der Brief=
beförderung
. Dieſes Monopol wird nicht verletzt, wenn jemand die
Beſorgung eines Briefes an einen fremden Ort ohne Entgelt oder aus
einer Gefälligkeit übernimmt. Zu 2. Wenn die Beſorgung unentgelt=
lich
geſchieht, iſt eine ſtrafbare Handlung wohl nicht zu konſtruieren.
J. 3., hier. Die Landesbehörden, für das in Betracht kommende
Rechtsgebiet ſind noch nicht namhaft gemacht. Es müſſen alſo die Aus=
führungsbeſtimmungen
, für Heſſen abgewartet werden.
F. P., hier und andere. Die Beamtenſiedlungsverordnung iſt auf
Grund des Ermächtigungsgeſetzes von der Reichsregierung erlaſſen, und
wird die Stellungnahme des Reichstages dazu und die Ausführungs=
beſtimmungen
in der Folge abzuwarten ſein.
W. G., hier. Ueber die Zeit entſcheidet die Verkehrsſitte. Hält
einer der Beteiligten die gewählte Zeit für nicht ſachentſprechend, ſo
müßte das Gericht im Einzelfalle entſcheiden und die Zeit feſtſetzen. Be=
ſondere
Vorſchriften beſtehen unſeres Wiſſens nicht.
S. S. Die breiteſte Stelle des Rheins in der Nähe von Mainz iſt
bei Heidenfahrt mit 1100 Meter. An der Petersau in der Nähe der
Brücke beträgt die Breite, beide Arme zuſammen gemeſſen, 800 Meter.
Das eigentliche Flußprofil ſoll durchweg eine Mindeſtbreite von 306
Metern haben.
G. R. 100. Wenden Sie ſich an das Staatsminiſterium,
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Beilage zum Daimſtädter Tagblatt

Nummer 62

Sonntag, 2. März

1094

Reich und Ausland.
Die Mannheimer Oktober=Unruhen.
Mannheim. Vor der Strafkammer hatte ſich geſtern der Haupt=
rädelsführer
der Ausſchreitungen, die am 15. Oktober vorigen Jahres
die Bevölkerung Mannheims in große Erregung verſetzte und den Tod
eines Polizeibeamten, des Oberwachtmeiſters Böttger, und des Arbeiters
Schuler zur Folge hatten, zu verantworten. Dem Angeklagten, einem
25jährigen kaufmänniſchen Angeſtellten Friedrich Dietz aus Mannheim,
wurde zur Laſt gelegt, am 15. Oktober die Erwerbsloſen zu Demonſtra=
tionen
und Plünderungen aufgereizt zu haben, ſowie zum Widerſtand
gegen die einſchreitenden Polizeibeamten, die mit einem Steinhagel auf
dem Meßplatz empfangen wurden. Das Urteil lautete auf eine Geſamt.
ſtrafe von vier Jahren Gefängnis, unter Anrechnung von vier Monaten
Unterſuchungshaft.
Der Druckfehlerteufel.
Kreuznach. Einen loſen Streich verübte der Druckfehlerteufel
im hieſigen Oeffentlichen Anzeiger. Dort ſtand ein offener Brief Hin=
denburgs
, in den der Setzkaſtenkobold eine Korrekturzeile hineinbugſierte,
die in die Meldung über einen neuen Einbrechertrick gehörte. Infolge=
deſſen
laſen die Leſer folgende rätſelhaſte Bemerkung Hindenburgs;
Halten wir uns daher in dieſen trüben Tagen an den Handwagen, auf
dem eine große Kiſte ſtand.
Ein raffinierter Ausbruchsverſuch.
Zweibrücken. Der aus dem Badiſchen ſtammende Strafgefan=
gene
Hedy ſuchte ſich aus der Gefangenenanſtalt Zweibrücken zu befreien.
Er hatte ſich abends auf den Speicher der Anſtalt verſteckt, um gegen
Mitternacht in das Verwaltungsgebäude einzudringen. Hier ſprengte
er verſchiedene Schlöſſer auf, verſah ſich mit der im Bureau hängenden
Bekleidung des Aſſeſſors und nahm nach Einbruch der Kaſſe etwa 60
Franken an ſich. Kurz nach 12 Uhr nachts näherte ſich eine Patrouille,
die den Verbrecher entdeckte und unſchädlich machte. Er war gerade im
Begriff, mit der Leiter über die hohe Umfaſſungsmauer zu entkommen,
von welchem Vorhaben er noch im letzten Augenblick zurückgehalten wer=
den
konnte. Er hat noch etwa zwei Monate Gefängsnis zu verbüßen,
und ſieht nun ſeiner Aburteilung unter der ſeltenen Anklage eines im
Gefängnis begangenen ſchweren Einbruchs entgegen.
Die tobbringe. e Nähnadel.
Neu=Ulm. Die Landwirtstochter Kreszenz Möbus hatte die
Gewohnheit, beim Nähen momentan nicht gebrauchte Nähnadeln in den
Mund zu nehmen. Durch ein Verſehen gelangte eine Nadel in den Hals
und trotz ſofortiger Operation trat der Tod der Unvorſichtigen ein. Der
Unfall ſollte eine ernſte Warnung ſein.
100 Jahre alt.
Siegen. In Wilnsdorf ſtarb der älteſte Einwohner des Kreiſes
Siegen, Rendant a. D. Adolf Braach, der ein Alter von 98 Jahren
erreichte. Bis vor drei Jahren bekleidete er noch das Amt eines Amts=
beigeordneten
, vorher hatte er über ein Menſchenalter die Amtskaſſe
und die Schulkaſſen des Amtes Wilnsdorf verwaltet. Mit ſeiner vor
etwa drei Jahren verſtorbenen Frau konnte er noch ſeine goldene Hoch=
zeit
feiern. Bis imn die letzten Lebensjahre hinein war der Hochbetagte
noch verhältnismäßig körperlich und geiſtig rüſtig.
Eine Köpenickiade.
Dresden. An der Dresdener Börſe bildete geſtern den Haupt=
geſprächsſtoff
die Köpenickiade eines Schwindlers, der ausgerüſtet mit
amtlichen Papieren des Berliner Deviſenkommiſſars, Beamte des Dres=
dener
Finanzamtes requiriert hatte, um mit dieſen bei dem Dresdener
Bankhaus S. Mattersdorf eine Deviſenreviſion vorzunehmen und in
deren Verfolg auch einen Beamten verhaften ließ. Die beabſichtigte
Deviſenbeſchlagnahme mißlang aber, und der Betrüger konnte mit einer
geringen Beute von etwa 150 Goldmark entkommen.
Eine Valuta=Skandalaffäre in Polen.
Warſchau. Durch den Abgeordneten Wirbicki iſt ein Rieſen=
ſkandal
bei der Kommiſſion gegen die Deviſenſpekulation aufgedeckt wor=
den
. Der Leiter dieſer Kommiſſion, Wiskowski, iſt ſeines Amtes ent=
hoben
worden, obgleich er ſelbſt wahrſcheinlich nicht an den Unter=
ſchlagungen
, die von ſeinen Beamten begangen wurden beteiligt iſt. Es
wurde zunächſt feſtgeſtellt, daß die Beamten an einer Stelle eine größe
Menge Dollarſcheine beſchlagnahmten, dann aber mit dem Beſitzer in
Verbindung traten und ihm die Hälfte wieder zurück erſtatteten. Ma
nahm darauf Hausſuchungen bei den Beamten vor und fand bei dem
Sekretär des Valutakommiſſars und anderen Beamten große Mengen
von Valuta= und Schmuckſachen. Das Büro wurde geſchloſſen. Auch
bei der polniſchen Landesbank in Kattowitz wurde eine Reviſion veran=
ſtaltet
und feſtgeſtellt, daß die Bank während der ſchwerſten Zeit für die
volniſche Mark große Valutatransaktionen mit deutſchen Banken durch=
führte
. Die Polizei iſt mit einer näheren amtlichen Erklärung zu all
dieſen Vorgängen noch nicht herausgekommen.
Eisgang an der ſchwediſchen Küſte.
Stockholm. Die ſchwediſche Küſte iſt zurzeit wieder durch die
ſtarke Kälte mit Eis blockiert, darunter auch der Fährenverkehr Saßnitz=
Trelleborg zu leiden hat. Der Durchgang zum Stockholmer Hafen kann
nur durch ſtarke Eisbrecher freigehalten werden.
Rieſen=Nashornvögel und Gaukler=Adler im Frankfurter Zoo.
Nachdem ganz kürzlich über die Erwerbung einer Anzahl neuer
großer Vertreter der Braſilianiſchen Vogelfaung berichtet werden konnte,
iſt es jetzt gelungen, einige intereſſante Großvögel Afrikas zu erwerben.
Ein ausnehmend ſchöner und kräftiger Abeſſiniſcher Rieſen=
Nashornvogel oder Hornrabe iſt im Vogelhaus untergebracht,
wo er zweifellos das bemerkenswerteſte Schauſtück bildet. Der leuchtend=
rote
nackte Kehlſack und der phantaſtiſche Schnabelaufſatz geben dem
truthahngroßen, langläufigen Vogel ein abendteuerliches Ausſehen. Die
Hornraben halten ſich zumeiſt auf dem Erdboden auf und leben vor=
wiegend
von tieriſcher Nahrung, hauptſächlich Mäuſen, Vögeln, Repti=
lien
und Lurchen. Zu den ſchönſten Raubvögeln des dunklen Erdteils
gehören die Gaukler=Adler, ſogenannt nach den eigentümlichen Flug=
ſpielen
. Alte ausgefärbte Stücke ſind überaus farbenprächtig. Das
junge, kürzlich erworbene Paar befindet ſich zur Zeit noch in dem gleich=
mäßig
fahlbraunen Jugendgefieder, ſo daß man Gelegenheit haben wird,
die allmähliche Umfärbung zu beobachten. Die Vögel ſind vorläufig im
Ueberwinterungshaus an der Raubvogelvoliere untergebracht. Dr. K. Pr.

Die Oeutſchlandfahrt.
Von Pommern nach Mecklenburg. Die Städte im Flaggenſchmuck.
Von unſerem Sonderberichterſtatter Siegfried Doerſchlag.
Roſtock, 28. Februar.
Ueber den Empfang im Pommerland und über die Aufnahme der
Deutſchlandfahrer in Stettin gab es nur eine Stimme: die der Begeiſte=
rung
. Der Aerger über Verlin, ſeinen gleichgültigen Oberbürger=
meiſter
und über die ganze Berliner Flauheit war verflogen und durch
die herzlichen Begrüßungsworte beim Stettiner Feſtabend und durch die
Gaſtfreiheit der Pommer war wieder ſieghafte Stimmung in die Reihen
der Fahrer gekommen. Wenn irgend eine Stadt mit Sicherheit darauf
rechnen kann, bei ähnlichen bedeutenden Anläſſen wieder Ctappen= oder
Zielſtation zu werden, ſo fraglos Stettin. Seine Zivil= und Militär=
behörden
, ſeine Schupo und ſeine Bürgerſchaft, gleich wie ſie ſonſt zum
Kraftfahren ſtehen mag, ſie waren alle gleich freundlich und entgegen=
kommend
, und kein Deutſchlandfahrer verließ ohne reichliche Liebes=
gaben
Pommerns Regierungshauptſtadt.
Es war ein eiskalter, winddurchpeitſchter Morgen, als der Ihrem
Korreſpondenten von den Stoewer=Werken zur Verfügung geſtellte 42/120
P.S. Stoelver=Sportwagen mit Meiſter Kordewan, dem Sieger mancher
Autoſchlachten, am Steuer, uns auf die Strecke brachte. Bald begeg=
neten
wir baſtelnden Fahrern, haben doch die bisherigen 12 Fahrtage die
Maſchinen wie auch das Reifenmaterial in hohem Maße ſtrapaziert.
Mit froſtklamen Händen werden Reifenſchäden behoben dankenswert,
daß Continental, Exelſior und Peters Union, Calmon, Dunlop,
alle unſerer renommierten Gummifabriken an den einzelnen Etappen=
und Kontrollſtationen Reifendepots und Perſonal haben, das den Fah=
rern
bei Neu=Montagen behilflich ſein kann. Im allgemeinen ſind die
Fahrer des Lobes voll über die Qualität der Pneus, und unſere deut=
ſchen
Gummifabriken Continental, Exelſior und Peters Union
ſind am ſtärkſten bei der Deutſchlandfahrt vertreten können ſtolz ſein
auf ihre Erzeugniſſe. An den Maſchinen ſelbſt iſt naturgemäß auch nicht
alles mehr intakt. An jedem Morgen ſtehen den Teilnehmern 45 Mi=
nuten
zur Ausführung ſtraſpunktfreier Reparaturen zur Verfügung.
Wer länger repariert, erhält Strafpunkte. Bei mehreren Maſchinen
mußten auch bereits plombierte Teile ergänzt werden nach Zurück=
legung
von 2220 Km. ſchließlich kein Wunder, beſonders nicht in Anbe=
tracht
der Straßenverhältniſſe mit Schnee und Eis.
In der Kontrolle Anklam, die unſer verblüffend ſchneller Stoewer
im Fluge erreicht, erfahren wir, daß der Hamburger Haweka=Fahrer
Dralle heute in Stetin zurückbleiben mußte; ihm war nach ſeiner
Ankunft am Ziel der geſtrigen Etappe ein anderer Teilnehmer hinter
dem Zielband mit ſolcher Wucht gegen die Maſchine gefahren, daß ſein
Rad erheblich beſchädigt wurde und Dralle ſelbſt am Bein verletzt wurde.
Die Aerzte hoffen, Dralle bis morgen wieder fahrtbereit machen und
die Monteure ſeine Maſchine wieder gebrauchsfähig machen zu können.
Weil der Unfall ganz ohne ſein Verſchulden hervorgerufen wurde, hat
die Fahrtleitung Dralle geſtattet, die Weiterfahrt morgen von Stettin
aus anzutreten, um in direkter Fahrt Stettin-Kiel (mit eigener moto=
riſcher
Kraft) den Anſchluß an das Feld wieder zu erreichen; wenn ihm
dies gelingt, bleibt er weiterhin ſtrafpunktfrei. Die anderen beiden Ham=
burger
, R. Schulz und N. Bremer, beide gleichfalls auf Haweka
halten ſtrafpunktfrei und als beſonders ausſichtsreiche Teilnehmer ihrer
Klaſſe nach wie vor wacker mit. Von den Neumünſteraner Nevo=Fahrern
hat einer Strafpunkte; Karl Lenſch=Neumünſter auf Nevo hat ſtrafpunkt=
frei
durchgehalten. PohlmannNeumünſter iſt eine kurze Strecke mit
der Bahn gefahren, hat aber ſonſt auch brav durchgehalten. Von
Fabrikaten jüngeren Gründungsdatums ſeien die K. M.B.=Räder erwähnt,
die nach wie vor glänzend fahren. Bätz=Köln auf K.M.B. iſt der ein=
zige
Fahrer mit Sozius. Auch in der Großmotorradklaſſe, in der aus=
ländiſche
Maſchinen überwviegen, halten ſich die deutſchen Maſchinen ſo
vorzüglich, daß es ſehr fraglich iſt, ob nicht ſchließlich K.M.B., Mars,
Mabeco, Menos, N. S. U., Megola, oder Wanderer den Lorbeer ernten
werden.
Im 100 Kilomtertempo jagte der große Stoewer, der Siegerwagen
vom Farörrennen, über die Schneeverwehungen hinweg. Den Motor=
radfahrern
bereiteten ſie trotz allen bisherigen Trainings doch Schwierig=
keiten
. Immer neue Schneewellen fegte der Nordoſt über die Straße.
und wieder einmal kamen die Fahrer herzlich wenig dazu, die Füße auf
den Fußraſten zu belaſſen. Vom Schleifen auf Schnee= und Eisſtraßen
iſt ſchon manchen Fahrers Sohle gänzlich abgewetzt kein Laie kann
ſich eine Vorſtellung davon machen, welche Schwierigkeiten es bei dieſer
17=Tage=Fahrt zu überwinden gilt und welchen Kräfte= und Energieauf=
wand
ſie erfordert.
In Anklam grüßen Flaggen die Fahrer; hier erwartet ſie bei der
Einſchreibekontrolle ein warmer Imbiß und erwärmender Grog. In
Greifswvald (unſer Stoewer=Wagen leiſtet ſich ſpielend ein 70 Km.
Durchſchnittstempol) wiederum viele Flaggen. Guirlanden, tauſende von
winkenden Händen. In Stralſund erneut Kontrolle mit kurzer Früh=
ſtückspauſe
für die, die ſich erfriſchen wollen, menſchenumſäumte Straßen,
Flaggen, vorzügliche Abſperrung. In dichtem Flockengerieſel dann weſt=
wärts
gen Roſtock. Flaggenſchmuck auch im mecklenburgiſchen Grenz=
ſtädtchen
Ribnitz. Lehrer mit ihren Schulkindern bilden Spalier und
brüllen Hurrah, wenn die Deutſchlandfahrer vorbeiknattern. Gegen
2 Uhr hält die Spitzengruppe der Großmotorradklaſſe in Roſtock ihren
Einzug. Auch Roſtock ſteht ganz im Zeichen der Deutſchlandfahrt und
zeigt viele Flaggen und allen Deutſchlandfahrern großes Entgegenkom=
men
. 86 Fahrer waren in Stettin geſtartet; das heißt: auf 19tägiger
2220 Km. Fahrt durch Schnee und Eis, über Berg und Tal, bei faſt
unpaſſierbaren Straßen, ſind bisher nur 17 Fahrer ausgeſchieden. Ein
gläuzendes Ergebnis in fportlicher und techniſcher Beziehung. Ob nun
nicht doch jenen Firmen, die der Deutſchlandfahrt abhold waren, ob
nicht doch jenem einſeitig eingeſtellten Teil der deutſchen Motorrad=
induſtrie
, der gegen die Fahrt war, die Erkenntnis kommt: wir haben
einen gewaltigen Fehler begangen?. Man ſollte es annehmen. Die be=
teiligte
deutſche Motorradinduſtrie wird aus der Deutſchlandfahrt eine
Fülle wertvoller Lehren ſchöpfen; die unbeteiligte möge es ſich zur Lehre
dienen laſſen, daß ihre Politik falſch war. Und daß die Gegner der
Deutſchlandfahrt ſich blamiert haben. Das iſt heute ſchon bombenſicher!

Die Qualen eines Nervöſen.
Ein nervöſer Menſch iſt ein unglücklicher Menſch. Kleine
Widerwärtigkeiten können ihn zur Verzweiflung bringen, die
kleinſte Aufregung kann ihm tagelang Kopfſchmerzen oder Uebel=
keit
verurſachen, ihn ärgert die Fliege an der Wand, und er
ärgert ſich wiederum darüber, daß er ſich ſo ärgert.
Nervenleiden ſind zumeiſt Gehirnleiden und Geiſteskrank=
heit
, unbewußte Handlungen, Rückenmarkslähmungen uſw. ſind
nur beſonders ſchwere Folgen derſelben. In leichteren
Fällen äußert ſich Nervoſität durch: Kopf=
ſchmerzen
, Gliederreißen, Zuckungen, Rücken=
ſchmerzen
, Geſichtsſchmerzen, Schmerzen im
Hals, Armen und Gelenken, Augenflimmern,
Blutwallungen, Herzklopfen, Schlafloſigkeit,
ſchwere oder ſchreckliche Träume, Beklemmun=
gen
, Schwindelanfälle, Angſtgefühle, über=
mäßige
Empfindlichkeit gegen Geräuſche, Reiz=
barkeit
, beſonders früh nach dem Aufſtehen,
Unruhe, Launenhaftigkeit, Verſagen des Ge=
dächtniſſes
, gelbe Hautflecke, Klopfen in den
Adern, Gefühl von Taubheit in den Gliedern,
Zittern der Hände und Kniee bei Erregungen,
blaue Ringe um die Augen, Ohrenſauſen, ſon=
derbare
Gelüſte und Abneigungen, Schreckhaf=
tigkeit
. Viele weniger auffällige Erſcheinungen treten einzeln
oder zuſammen auf und ſind Anzeichen dafür, daß die Nerven
angegriffen ſind.
Zeigen ſie ſich, ſo ſollte unbedingt ſofort etwas geſchehen.
Man muß den erſchöpften Nerven diejenigen Stoffe zuführen, die
ſie bei der übermäßigen Anſtrengung verbraucht haben. Dieſe
Stoffe beſtehen aus organiſchen Phosphorſäureverbindungen,
und es iſt der Wiſſenſchaft gelungen, ſie aus organiſchen Sub=
ſtanzen
in ſehr ſtarker Konzentration zu gewinnen. In zweck=
mäßiger
Zuſammenſetzung enthält ſie das bekannte, ſehr emp=
fohlene
Dr. med. Robert Hahns Nerviſan. Hören Sie, wie es
beurteilt wird:
Ich bin ſehr zufrieden, fühle mich jetzt viel wohler, haupt=
ſächlich
der Schlaf iſt viel beſſer geworden, ich ſchlafe jetzt faſt
jede Nacht ununterbrochen durch, was erſt nicht der Fall war ...
Bruder, Juſtizwachtmeiſter. . . . . . . daß ich mit
Ihrem Nerviſan ſehr zufrieden bin, ich bin mein Nervenleiden
Gott ſei Dank los, wofür ich Ihnen ſehr dankbar bin . . . Ich
habe es ſchon vielen empfohlen und werde es auch weiter tun.
Val. Göring. . . . . . . zu meiner Befriedigung kann, ich
Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß ich mich wieder wohl
und geſund fühle und wieder ein ganz anderer Menſch bin.
Werde mich bemühen, Ihr Nerviſan überall zu empfehlen,
danke Ihnen nochmals nachträglich. Fr. Fuchs. . . . . . . und
viele andere mehr.
Wenn man ſich unter Berufung auf dieſe Zeitung an Dr.
med. Robert Hahn & Co., G. m. b. H., Magdeburg D 150, wen=
det
, ſo erhält man vollſtändig koſtenlos und portofrei eine
Probeſchachtel dieſer nervenſtärkenden Paſtillen zugeſandt, außer=
dem
auch noch ein Buch, in welchem die Urſachen und die Hei=
lung
der Nervenleiden klar und verſtändlich geſchildert ſind.
Ein Mittel, welches von jedem aufs günſtigſte beurteilt wird,
ſollte man mindeſtens verſuchen, beſonders wenn dieſer Verſuch
nichts koſtet.
IEBn.2509
Briefkaſten.
G. G., hier. Ihre Anfrage rührt wohl von dem jüngſt mitgekeilten
Falle einer Verletzung des Poſtgeſetzes her. Tb die vom Gericht ge=
troffene
Entſcheidung rechtlich unter allen Umſtinden haltbar iſt, dar=
über
läßt ſich ſtreiten. Zu 1. Die Poſt hat das Monopol der Brief=
beförderung
. Dieſes Monopol wird nicht verletzt, wenn jemand die
Beſorgung eines Briefes an einen fremden Ort ohne Entgelt oder aus
einer Gefälligkeit übernimmt. Zu 2. Wenn die Beſorgung unentgelt=
lich
geſchieht, iſt eine ſtrafbare Handlung wohl nicht zu konſtruieren.
J. 3., hier. Die Landesbehörden, für das in Betracht kommende
Rechtsgebiet ſind noch nicht namhaft gemacht. Es müſſen alſo die Aus=
führungsbeſtimmungen
, für Heſſen abgewartet werden.
F. P., hier und andere. Die Beamtenſiedlungsverordnung iſt auf
Grund des Ermächtigungsgeſetzes von der Reichsregierung erlaſſen, und
wird die Stellungnahme des Reichstages dazu und die Ausführungs=
beſtimmungen
in der Folge abzuwarten ſein.
W. G., hier. Ueber die Zeit entſcheidet die Verkehrsſitte. Hält
einer der Beteiligten die gewählte Zeit für nicht ſachentſprechend, ſo
müßte das Gericht im Einzelfalle entſcheiden und die Zeit feſtſetzen. Be=
ſondere
Vorſchriften beſtehen unſeres Wiſſens nicht.
S. S. Die breiteſte Stelle des Rheins in der Nähe von Mainz iſt
bei Heidenfahrt mit 1100 Meter. An der Petersau in der Nähe der
Brücke beträgt die Breite, beide Arme zuſammen gemeſſen, 800 Meter
Das eigentliche Flußprofil ſoll durchweg eine Mindeſtbreite von 300
Metern haben.
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Darmſfädter Tagblatt

Dndersorntt

2. März 1924 Nt. 62

Konjunktur=Lage in Schweden.
Die Lage der Zelluloſe= und Papierfabrik. Aus dem Elektro=
Konzern. Keine Erhöhung der Induſtriezölle.
Angeſichts der Bedeutung der Naturwaſſerkräfte und des Waldreich=
tums
Schwedens darf die Lage der Papier= und Elektroinduſtrie des
Landes in gewiſſer Hinſicht als repräſentativ, für die allgemeine wirt=
ſchaftliche
Lage der Konjunktur Schwedens angeſehen werden. Die Ge=
ſtaltung
der wirtſchaftlichen Konjunktur Schwedens iſt in beſonderem
Maße abhängig von der Entwicklung des Exportgeſchäftes. Einem rela.
tiv kleinen Inlandsmarkt ſteht eine große, hochentwickelte Qualitäts=
induſtrie
gegenüber, die es verſtanden hat, einen weltumſpannenden
Export zu organiſieren. Sie reagierte infolgedeſſen außerordentlich
ſtark auf die mannigfaltigen politiſchen Spannungen und Konflikte, die
das vergangene Jahr charakteriſierten und auf alle daraus reſultierenden
Störungen des internationalen Warenverkehrs. Es ſei hier nur an die
Beſetzung des Ruhrgebiets erinnert und den dadurch verurſachten ſtarken
Ausfall im ſchwediſchen Eiſenexpork. Das neue Jahr hat nach der Ent=
ſpannung
der politiſchen Lage in Mitteleuropa auch in Schweden eine
Belebung der geſchäftlichen Tärigkeit zur Folge gehabt. Man kann feſt-
ſtellen
, daß heute in den maßgebenden Induſtriekreiſen die Ausſichten
für die nächſte Zukunft mit einem gewiſſen Optimismus beurteilt wer=
den
. An zwei Beiſpielen aus der Elektro= und Zelluloſe=Induſtrie
nachſtehend die jüngſte Konjunkturentwicklung in Schweden dargeſtellt:
Der ſoeben bekannt werdende Abſchluß des Aſeg=Konzerns (Allmäenna
Svenska Elektriska Aktiebolaget) geſtattet einen intereſſanten Einblic
in die Produktions= und Abſatzbedingungen der ſchwediſchen Elektro=
induſtrie
. Die Aſea hat im vergangenen Jahre mit einem Ueberſchuß
von zirka 1 Mill. Kronen gearbeitet, während der Abſchluß der beiden
vorhergehenden Jahre einen Verluſt ergeben hatte. Die Verwaltung
weiſt im Geſchäftsbericht darauf hin, daß der inländiſche Markt bei wei=
tem
nicht ausreiche, und daß die Direktion ihr beſonderes Augenmerk
darauf richte, eine ſteigende Erweiterung der Abfatzmärkte im Auslande
zu erzielen. Beſonders mache ſich die Konkurrenz von Deutſch.
land, Frankreich und Belgien fühlbar, in welchen Ländern die Ar=
beitslöhne
z. Zt. nur die Hälfte der ſchwediſchen
Löhne betrügen. Trotz der ſchwierigen Konkurrenzverhältniſſe
iſt es der Geſellſchaft im vergangenen Jahre gelungen, bedeutende Aus=
landsaufträge
zu erhalten. Die Verwaltung beurteilt die augenblickliche
Geſchäftslage in der Elektrobranche als zufriedenſtellend und ſpricht die
Erwartung aus, im laufenden Geſchäftsjahre ein noch beſſeres Reſultat
erzielen zu können. Die bedeutendſte Exportinduſtrie
Schwedens nach Maßgabe des Wertes der ausgeführten Produkte iſt die
Zelluloſe= und Papierfabrikation. Dieſe Induſtrie hat
im vergangenen Jahre für 311,6 Mill. Kronenſexportiert,
das ſind, zirka 27,4 Proz, der genannten ſchwediſchen
A
fuhr. Der Umſatz dieſes Induſtriezweiges iſt in letzter Zeit be=
end
geſti
en. Die Fabrikanten klagen jedoch allgemein über den
Rückgang der Preiſe und die dadurch verringerte Gewinn=Marge.
Recht aufſchlußreich in dieſer Beziehung ſind nachſtehende, dem letzten
Jahresbericht der Spenska Pappersbruksföreningen entnommenen Aus=
führungen
: Für Sulfit=Zellulofe lauteten die Notierungen bei Jahr
beginn (1923) auf 345355 Kronen für gebleichten Sulfitſtoff, auf 23.
bis 240 Kronen für leicht bleichbaren und 220225 Kronen für ſtarkfaſe=
rigen
Sulfitſtoff. Dieſe Preiſe verſtehen ſich per Tonne ab ſchwediſchen
Export=Hafen. Im Verlauf des Sommers ſtieg die Notierung für leicht
leichbaren Sulfitſtoff auf 270M5 Kronen und für ſtarkfaſerigen auf
25260 Kronen. Dann kamen die erſten Hiobsmeldungen aus Eng=
land
, wo die Papierfabriken eine Maſchine nach der
anderen ſtillegen mußten, da der engliſche Markt mit deut=
ſchem
Umſchlagpapier zu ſo niedrigen Preiſen überſchwemmt wurde,
daß jede Konkurrenzmöglichkeit von engliſcher Seite ausgeſchloſſen war.
Im Anfang fielen die Sulfitpreiſe nur langſam, aber im Oktober= No=
der
Preisrückgang um ſo kräftiger, ſodaß die gegenwär.
vember wurde
tigen Notie
gen für die Mehrzahl der Sulfit=Fabriken unter den
faktiſchen Selbſtkoſten liegen dürften. Am Schluſſe des Jahres betrugen
die Notierungen für gebleichten Sulfitſtoff 270230 Kronen, für leicht
bleichbaren 220230 Kronen und ſtarkfaſerigen 190210 Kronen, alles
ab ſchwediſchen Export=Hafen. Seit Beginn dieſes Jahres haben ſich
die Preiſe kaum verändert. Bemerkenswert iſt eine ganz außer=
ordentliche
Belebung der Geſchäftstätigkeit. Im
Januar wurden zirka 12000 Tonnen gebleichter Sulfitſtoff und zirka
64000 Tonnen ungebleichter Sulfitſtoff umgeſetzt, außerdem zirka 42000
Tonnen Sulfatſtoff. Das ergibt zuſammen zirka 118 000 Tonnen Zellu=
loſe
gegenüber 53000 Tonnen im vorhergehenden Monat. Der größte
Abnehmer waren die Vereinigten Staaten, die zirka 55 Proz.
der Export=Sulfit=Zelluloſe und zirka 20 Proz, der Export=Sulfat.
Zelluloſe aufnahmen. Der amerikaniſche Markt iſt jetzt dominierend.
Nach den jetzigen Meldungen aus Neu=York haben amerikaniſche Papier=
fabriken
große Aufträge erhalten, und die Groffiſten und Kleinhändler
find bemüht, ihre Läger aufzufüllen. Infolgedeſſen iſt in allerneueſter
Zeit ein leichtes Anziehen der Zelluloſepreiſe zu erkennen. Gebleichter
zulfit bedingt augenblicklich 3,53,75 Dollar, leicht bleichbarer Sulfit
2,953 Dollar und ſtarkfaſeriger 2,602,85 Dollar, alles per 100 Ibs
die amerikaniſchen Importeure von Sulfatmaſſe haben neuerdings den
Vorſchlag gemacht, die Preiſe für Sulfat=Zelluloſe künftig quartals=
weiſe
feſtzuſetzen, um dadurch zu größeren und plötzlicheren Preisſchwan=
kungen
vorzubeugen. Die ſchwediſchen Fabrikanten jedoch wollen hier=
von
nichts wiſſen und erklären, ihrerſeits die Sache in die Hand nehmen
zu wollen, um die Preiſe auf einem angemeſſenen Niveau zu ſtabiliſie=
ren
. Auch die Papierfabrikanten ſind ſeit Beginn dieſes Jahres gut be=
ſchäftigt
. Die Exportziffer zeigt eine ſteigende Tendenz. Im letzten
Jahre betrug z. B. der Export von Zeitungspapier 144 140 Tonnen,
gegen 61 650 Tonnen im Jahre 1923. Im Januar ds. Js. wurden
12 000 Tonnen exportiert. Trotz dieſer günſtigen Lage der beiden domi=
nierenden
Induſtrien zeigt die Handelsbilanz des vergangenen Jahres
eine Paſſivität von 206,5 Mill. Kronen auf. Auch im erſten Monat die.
ſes Jahres iſt ein erheblicher Einfuhrüberſchuß vorhanden. In letzter
Zeit waren Beſtrebungen im Gange, die darauf abzielten, durch eine
ſtarke Erhöhung der Zölle und den Erlaß von Einfuhrverboten der
üibermäßigen Einfuhr zu ſteuern. Dieſe Frage kam auch vor wenigen
Tagen im Reichstag zur Sprache. Von rechtsſtehender Seite lag ein
Antrag vor, der eine Erhöhung der Zollſätze um 50 Proz. für eine
ganze Reihe von Induſtrieartikeln, u. a. für Holz= und Papierwaren
Metalle und Maſchinen uſw. forderte. Nach lebhafter Debatte wurde
jedoch der Antrag mit großer Stimmenmehrheit, 120 gegen 42, abge=
lehnt
. Daß es trotz der ungünſtigen Geſtaltung der Handelsbilanz zu
einer ſolchen Ablehnung gekommen iſt, darf als weiteres Zeichen für die
gute Oekonomielage des Landes gelten.

Wirtſchaftliche Rundſchau.
* Tagung des Verbandes Südweſtdeutſcher In=
duſtrieller
. Dieſer Tage fand im großen Saal des Parkhotels zu
Mannheim die 17. ordentliche Mitgliederverſammlung des Bezirksv
eins Mannheim=Ludwigshafen=Worms des Verbandes Südweſtdeutſcher
Induſtrieller unter dem Präſidium des 1. Bezirksvereinsvorſitzenden
Baurat Dr. h. c. Nallinger in Fa. Berz u. Co., Mannheim, ſtatt. Der
Vorſitzende wies darauf hin, daß das abgelaufene Jahr eines der ſchwer=
ſten
für die deutſche Induſtrie geweſen ſei. Kurz vor Jahresende ſei es
erfreulicher Weiſe zielbewußten Männern geglückt, die Stabiliſierung
der Mark durchzuführen und die Rentenmark zu ſchaffen. Mit einem
Schlage habe dann der Abſatz der Fabrikate geſtockt. Der Vorſitzende kam
darauf auf die gegenwärtige Kriſe zu ſprechen und gab der Hoffnung
Ausdruck, daß dieſelbe bald vorübergehen möge. An Stelle des verſtor=
benen
Dir. Hanſen von der Pfälziſchen Nähmaſchinen= und Fahrräder=
Fabrik, vorm. Gebr. Kayſer, Kaiſerslautern, wurde Dir. Jung von der
gleichen Firma als Beiſitzer für Kaiſerslautern einſtimmig in den Vor=
ſtand
des Bezirksvereins gewählt. Verbandsſyndikus Dr. Miock= Mann=
heim
erſtattete einen Bericht über die umfaſſende Tätigkeit des Ver=
bandes
Südweſtdeutſcher Induſtrieller in den letzten Monaten. Er be=
handelte
weiter die bisher ſeitens Deutſchland abgeſchloſſenen Handels=
abkommen
und wies auf die Notwendigkeit des Abſchluſſes neuer Han=
delsverträge
ſeitens Deutſchland mit den anderen Staaten und zwar auf
der Grundlage der Gewährung der gegenſeitigen unbedingten Meiſt=
begünſtigung
hin. Einen weiteren Beratungsgegenſtand bildeten die
Eiſenbahngütertarife und die Abſatzfähigkeit der badiſchen Induſtrie‟
wozu Dr. Hartmann=Mannheim, Dezernent ſür Eiſenbahnweſen beim
Verband Südweſtdeutſcher Induſtrieller, berichtete. Anſchließend er=
ſtattete
Rechtsanwalt Dr. Homburger=Karlsruhe ein ſehr lehrreiches und
intereſſantes Referat über Die Bedeutung der Goldbilanzverordnung
Zum Schluß ſchilderte Dipl.=Ing. Edgar Hoffmann, Vorſtandsmitglied
der Leipziger Meß= und Ausſtellungs=A.=G.,, Leipzig, Reiſeeindrücke
aus Rußland.
Rentenmark und Saargebiet. Wie Verhandlungen
des Saarwirtſchaftlichen Vereins mit der Reichsbank ergaben, können
Rentenmarkkredite im Saargebiet nicht eingeräumt werden, dagegen
wird das Saargebiet inſofern an dem Rentenmarb=Giroverkehr teilneh=
men
können, als Girokonten für Saarländer in Berlin geführt werden.

wBeginn des Umtauſches für K.= Schatzanweiſun=
n
am 3. März. Anſchließend an eine gemeinſame Bekanntmachung
g
der Friedensvertrag=Abrechnungsſtelle G. m. b. H. und des Reichs=
kommiſſars
für Reparationslieferungen, die in den Berliner Abend=
zeitungen
vom 25. Februar vröffentlicht wurde, wird vom Reichskommiſ=
ſariat
für Neparationslieferungen mitgeteilt, daß der Termin für den
Beginn des Umtauſches der K.=Schatzanweiſungen auf
den 3. März feſtgeſetzt wurde. Der Umtauſch findet, wie nochmals her=
vorgehoben
ſei, ausſchließlich beim Reichskommmiſſariat für Repara=
tionslieferungen
, Abteilung Friedensvertrag=Abrechnungsſtelle Pots=
damerſtraße
10/11 ſtatt. Die Kaſſenſtunden für den Umtauſch ſind von
9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags feſtgeſetzt. Wird der Umtauſch
der K.=Schatzanweiſungen brieflich bewirkt, ſo erfolgt die Ueberſendung
der neuen Schuldverſchreibungen auf Gefahr und Koſten des Empfängers.
Die Koſten werden, wie bisher, durch Nachnahme erhoben. Die Ueber=
ſendung
erfolgt unter voller Wertdeklaration.
Obligationenſteuer. Nach der 3. Steuernotverordunng
wird von ſolchen natürlichen Perſonen, Perſonenvereinigungen und
furiſtiſchen Perſonen des Privatrechts, die zur Tilgung von Schuldver
ſchreibungen berechtigt oder verpflichtet geweſen ſind oder noch ſind und
jie nicht bis 1. Jan. 1918 getilgt haben, eine Steuer erhoben. Schuldver=
ſchreibungsähnliche
Aktien, die nicht bis 14. Februar 1924 getilgt wurden,
werden wie Schuldverſchreibungen beſteuert. Die Steuer beträgt 2 Pro
zent des um 15 Prozent verminderten Goldmarkbetrags, d. h. 17 Pro=
ſent
ihres vollen Goldmarkbetrages. Bei den bis 1. Januar 1918 be=
gebenen
Schuldverſchreibungen iſt der Goldmarkbetrag gleich dem Nenn=
betrag
. Bei den ſpäter begebenen Schuldverſchreibungen ſowie bei den
Tilgungsbeträgen iſt der Goldwert über den Berliner Dollarmittelkurs
zu errechnen. Am 1. März1924 iſt die erſte Zahlung auf die Steuer
* Der Verband deutſcher Teppich= und Möbel=
ſtoffhändler
, e. V., der über das ganze Reich verbreitet iſt und
ſeinen Sitz in Leipzig hat, wird während der Leipziger Frühjahrsmeſſe,
und zwar Mittwoch, den 5. März, abends von 8 Uhr an, im Städtiſchen
Kaufhauſe in Leipzig ſeine diesjährige ordentliche Hauptverſammlung
abhalten. Aus der Tagesordnung ſeien eine Ausſprache über den Ver
kehr mit den Fabrikanten ſowie ein Vortrag des Steuerinſpektors Hor=
nauer
über wichtige Steuerfragen des Handels hervorgehoben. Der
Vorſtand wird an demſelben Tage, um 5½ Uhr nachmittags, ebenfalls
im Städtiſchen Kaufhaus zu ſeiner Sitzung zuſammentreten. Zugleich
mit dem Beſuche der Leipziger Meſſe wird auf eine ſtärkere Teilnahme
an der Tagung gerechnet.
Die Wirtſchaft des Ausſandes.
* Wiederaufbau der Schiffahrt in Rußland. Die
Schiffahrt nach und von den ruſſiſchen Häfen wird in Anbetracht der
jetzigen politiſchen Lage, die ſeitens verſchiedener europäiſcher Groß=
Mächte in letzter Zeit inſofern eine Beſſerung erfahren hat, als die Sow=
ſet
=Regierung von verſchiedenen Regierungen als defakto anerkannt wur=
de
, erhöhte Bedeutung gewinnen. Schon ſeit einiger Zeit ſpielt ſie in
internationalen Welt=Schiffverkehr eine immerhin weſentliche Rolle.
Seitdem die ruſſiſchen Häfen wieder für den ausländiſchen Dampfer=
Verkehr geöffnet ſind, ſeitdem Rußland mit allen ihm zu Gebote ſtehen=
den
Mitteln ſeinen Außenhandel fördert und ſeitdem die internationale
Schiffahrt eine Gewähr dafür hat, daß die Dampfer ohne Schaden für
die Beſatzung und Ladung ruſſiſche Häfen anlaufen können, wird unab=
läſſig
an dem Wiederaufbau der Schiffahrt mit Rußland gearbeitet. Man
kann heute die Feſtſtellung machen, daß der Schiffsverkehr in den ruſſi=
ſchen
Häfen, ſoweit zuverläſſige Statiſtiken vorliegen, im Jahre 1923
einen beachtenswerten Aufſchwung genommen hat. Es iſt das Verdienſt
der deutſchen Schiffahrt, daß ſie für den Wiederaufbau des Schiffver=
kehrs
mit Rußland gewiſſermaßen bahnbrechend geweſen iſt, denn als
noch keine ausländiſche Reederei daran dachte, den Verkehr mit Ruß=
land
wieder aufzunehmen, ſicherten ſich Hamburger und Bremer Reede=
rcien
bereits dieſe neue Domäne mit dem Erfolge, daß die deutſche
Schiffahrt heute im Verkehr mit Rußland an erſter
Stelle ſteht. So hat z. B. die Hapag vor nahezu drei Jahren
mit den ruſſiſchen Sowjet=Behörden ein Abkommen getroffen, demzu=
folge
dieſer Reederei die nach Rußland auszuführenden Seetransport
übertragen wurden, und vor etwa einem Jahre hat die Hamburger
Groß=Reederei mit der ruſſiſchen freiwilligen Handelsflotte des Schwar=
zen
Meeres einen Generalvertrag abgeſchloſſen, der es ihr ermöglicht,
faſt den geſamten Auswanderer=Verkehr aus den Sowjet=Staaten zu
übernehmen. Nicht allein die Hapag, ſondern auch andere Hamburger
und Bremer Schiffahrts=Unternehmungen ſtehen heute wieder im leb=
haften
Schiffsverkehr mit allen ruſſiſchen Häfen, ſowohl in der Oſtſee,
wie im weißen Meere, als auch des Schwarzen und Aſowiſchen Meeres
Die Schiffe verkehren in unregelmäßigen Abſtänden je nach dem Vor=
handenſein
von Ladungen. Da der Außenhandel zwiſchen Rußland und
Deutſchland mehr und mehr zunimmt, ſo hat auch der Schiffsverkehr in
den letzten Monaten eine nicht zu verkennende Belebung erfahren.
Schiffahrt und Verkehr.
* Ausbau der Seeſchiffahrts=Straße Srettin=
Swinemünde. In der Frage betreffend Ausbau der Waſſerſtraße
Stettin=Swinemünde ſind nunmehr Verhandlungen zwiſchen den be=
teiligten
Körperſchaften unter der Leitung des Pommerſchen Ober=
präſidenten
eingeleitet, die eine weitere Vertiefung der Waſſerſtraße
auf zunächſt 8 Meter Tiefe bei Mittelwaſſer vorſehen. Ein Teil der hier=
zu
erforderlichen Koſten ſoll auf dem Anleiheweg beſchafft werden. Die
Gründung einer Geſellſchaft zum Ausbau der Seeſchiffahrts=Straße
Stettin=Swinemünde iſt geplant, die ſowohl die Arbeiten der Vertiefung
wie auch die Beſchaffung der Mittel übernehmen ſoll. Das Reich, die
Stadtgemeinde Stettin, die Provinz Pommern und die Korporation
der Kaufmannſchaft zu Stettin werden Mitglieder dieſer Geſellſchaft.
Die Mittel für die Verzinſung der in Ausſicht genommenen Anleihen
ſollen zum Teil aus einer Schiffahrts=Abgabe entnommen werden, die
auf dieſer Waſſerſtraße zu erheben ſein wird.

Erwerbsgeſellſchaften.

* Philipps A.=G., Frankfurt a.M.=Weſt. Die 13. ordent=
liche
Generalverſammlung genehmigte den Bericht des Vorſtandes und
Aufſichtsrates, die Bilanz=, Gewinn= und Verluſtrechung. Nach dem
Jahresberichte konnte der Abſatz in Kunſtſpielinſtrumenten der Nach=
frage
nicht in vollem Maße gerecht werden, da die Klavierfabrikanten
init ihren Lieferungen zum Teil im Rückſtande blieben. In elektriſchen
Fahrradaugen wurde ein befriedigender Umſatz erzielt. Als neuer
Zweig wurde die Fabrikation von Motorradbeleuchtungen aufgenommen,
mit der bei der Kundſchaft gute Ergebniſſe erzielt wurden. Die vorüber=
gehende
Streckung der Arbeitszeit konnte infolge Belebung der Nach=
rage
wieder aufgehoben werden. Die Verſchmelzung mit der Frati=
Geſellſchaft in Berlin wurde durchgeführt und in das Handelsregiſter
eingetragen. Durch den hierbei erzielten Buchgewinn konnte die Ber=
liner
Fabrikanlage preiswert in Buch genommen werden. 118000 Mk.
Paſſiv=Hypotheken und eine Hypothek auf das Berliner Grundſtück von
120 000 Mk. wurde im Monat Juni zuruckbezahlt. Im Hinblick auf die
bevorſtehende Umſtellung in Goldmark wurde von einer Gewinnvertei=
lung
abgeſehen und der Reingewinn von 180 963 Millionen Mark der
geſetzlichen Rücklage zurückgeführt. Es wurde beſchloſſen, daß für Ab=
ſtimmung
in der Generalverſammlung die einfache Mehrheit genügt,
ſoweit dies geſetzlich zuläſſig iſt. Die Vorzugsaktien mit zehnfachen
Stimmrecht ſerden mit den Stammaktien gleichgeſtellt und ſo eine Ein=
heitsaktiengattung
geſchaffen, da mit einer Ueberfremdung der Ge=
ſellſchaft
nicht mehr gerechnet wird. Die Vorzugsaktionäre haben eine
Nachzahlung von 75 Goldmark für die Aktie zu leiſten. Das Grund=
kapital
beträgt jetzt 11 250 000 Mk., eingeteilt in 11 250 auf den Inhaber
lautende Aktien, wovon jede Aktie eine Stimme hat. Die übrigen
Punkte wurden von der Tagesordnung abgeſetzt, da die Ausführungs=
beſtimmungen
über die Aufſtellung der Goldmarkbilanzen noch nicht
erſchienen ſind. In einer neuen Generalverſammlung am 28. März ſoll
die Umſtellung der Bilanz auf Goldmark und eine Kapitlerhöhung in
Goldmark, oder, falls die entſprechenden geſetzlichen Beſtimmungen noch
nicht erſchienen ſind, in Papiermark vorgenommen werden. Ferner=
wurde
beſchloſſen, den Mitgliedern des Aufſichtsrates eine Vergütung
von 500 Goldmark, dem Vorſitzenden eine ſolche von 1000 Goldmark zu
gewähren. Die Generalverſammlung war von 6 Aktionären mit 1000
Vorzugs= und 6268 Stammaktien mit insgeſamt 16 268 Stimmen
beſucht.
Warenmärkte.
* Von den ſüddeutſchen Waren= unb Produkten=
märkten
. Infolge der ſchwachen Zuteilung von Deviſen war das
Geſchäft in Auslandsgetreide ſehr behindert; dazu kam, daß der Aus=
landsmarkt
feſt lag, während es am Inlandsmarkt infolge des ſchwachen
Mehlabſatzes der Mühlen und der Geldknappheit an Unternehmungs=
luſt
fehlte. Insbeſondere beſtand im Ausland gute Nachfrage nach effek=
tivem
Weizen aus Belgien, Holland und England. Inländiſcher Weizer
hat in Mitteldeutſchland ebenfalls angezogen, ſo daß er nach unſerem
üddeutſchen Markt keine Rechnung mehr läßt. Dagegen ſind in rheini=
chem
Weizen und auch in norddeutſchem Weizen aus Pommern, Mecklen
burg und Oſtpreußen einige Geſchäfte eif Rotterdam zwiſchen 18,50 bis
18,70 die 100 Kg. abgeſchloſſen worden. La Plataweizen 80 Kg., Baruſſo,
feeſchwimmend, koſtete Fl. 12,25 cif Mannheim, 80 Kg. ſchwerer Roſa Fe

Fl. 12,40 eif Mannheim, Auſtralweizen, ſeeſchwimmend, 13,10 Fl. eif
Mannheim. Noggen hatte ziemlich ruhigen Markt. Verlangt wurden
für ruſſiſchen Noggen 1010,10 Fl. eif Mannheim bezw. 9,809,86 Fl.
cif Rotterdam. Befeſtigend wirkte der Umſtand, daß die Sowjets früher
abgeſchloſſene Verträge auf Februar=Verladung bis 9,80 Fl. eif Rotter=
dam
zuruckkauften.
Der Gerſtenmarkt lag ſehr feſt. Bei ſteigenden Preiſen wurde
die angebotene Ware aus dem Inland ſchlank aus dem Markte genom=
men
, da die Brauereien ebenſo wie die großen Malzfabriken beſtändi
als Käufer auftraten. Es wurden für Inlandsgerſte Preiſe von 2122
Gm. angelegt. In verſtärktem Maße war linksrheiniſche Gerſte aus d
Pfalz und Rheinheſſen geſucht. Ruſſiſche Gerſte koſtete 11 Fl. eif Mann=
heim
. In auſtraliſcher und polniſcher Braugerſte vollzogen ſich einige
Umſätze, wobei polniſche Herkunft 4,55 Dollar ab Antwerpen, auſtraliſche
13,75 Fl. eif Mannheim die 100 Kg. koſteten, vereinzelt war für auſtra=
liſche
auch zu 13,50 Fl. anzukommen.
Auslandshafer lag nach wie vor ruhig. Man verlangte für
Petersburger Hafer, 51/52 Kg. ſchwer, 9,25 Fl. eif Mannheim. Für in=
ländiſchen
Hafer haben ſich die Preiſe infolge der teilweiſen Ausfuhr=
genehmigung
befeſtigt. Der Preis bewegte ſich zwiſchen 14,515,5 Gm.
ab nordbadiſchen Stationen, in Südbaden wurden etwa 50 Pfennig die
100 Kg. weniger bezahlt. Es ſind ſowohl aus Bayern, wie aus Württem=
berg
und Baden in einzelnen Fällen Ausfuhrgenehmigungen erteilt wor=
den
, wobei es ſich um Export nach der Schweiz handelte. In Nord=
deutſchland
gingen einige Partien mit Ausfuhrgenehmigung nach Holland
und England. Die dabei erzielten Preiſe bewegten ſich zwiſchen 9,59,75
Fl. eif Rotterdam die 100 Kg.
La Platamais wurde hier mit Fl. 11,5 ab Lager gehandelt,
während für weißen Natalmais II Fl. 12,75, waggonfrei Mannheim, be=
zahlt
wurden und weiter die Forderungen auf 13 Fl. lauten. Die Be=
feſtigung
hängt zum Teil mit ungünſtigen Nachrichten zuſammen, die aus
Südafrika hierher gelangt ſind. Es hat den Anſchein, als ob die Preiſe
weiter ſteigen würden, um ſo mehr als Auskünfte in Virginiamais kaum
zu erwarten ſind.
der Mehlmarkt lag vernachläſſigt, weil der Konſum verſorgt
iſt. Die Mühlenforderungen lauten für Weizenmehl, Spezial Null, au
29 Gm., die der zweiten Hand auf 28,50 Gm. bis 28,75 Gm., für Roggen=
mehl
auf 25 bezw. 24,50 die 100 Kg. ab ſüddeutſcher Mühle.
In Hülſenfrüchten war wenig Geſchäft. Der Markt liegt je=
doch
infolge der kälteren Witterung befeſtigt. Verlangt wurden für die
Kalkuttgerbſen, hier disponibel, Fl. 12,5 für Viktorigerbſen, in Rotter=
dam
disponibel, 14 Fl. eif Mannheim bezw. für die 100 Kg. grüne
Erbſen 3536 Gm., gelbe 40 Gm., weiße Donaubohnen 38 Gm., unter=
fränkiſche
Hellerlinſen 70 Gm., Wachtelbohnen 32 Gm., ab. ſüddeutſchen
Stationen.
Kleeſaaten in guten Qualitäten waren gefragt. Man verlangt
für 100 Kg. ab heſſiſchen Stationen ſowie pfälziſchen Stationen: Pro=
vence
=Luzerne 150 Gm., italieniſche Luzerne 140, Eſparſette 50 Gm.,
Wicken 30 Gm., Saaterbſen 2735 je nach Qualität.
Futtermittel hatten feſten Markt, begünſtigt durch die kälter
gewordene Witterung. Die Preiſe ſtellten ſich etwa wie folgt: Trocken=
ſchnitzel
1111,5 ohne Sack ab Fabrik, Malzkeime und Biertreber 13 bis
13,50 Gm. ohne Sack ab Station, wobei neuerdings auch neben argen=
Börſe umgeſetzt wurden. Die
tiniſchen Malzkeimen holländiſche an de
Preiſe dafür bewegten ſich zwiſchen 9
25 mit Sack, eif Mannheim. Für
Oelkuchen wurden 12 Gm. ab Oelfabrikſtationen verlangt. Infolge der
geſtiegenen Haferpreiſe hatte auch Melaſſefutter feſteren Markt. Man
verlangte dafür zuletzt 99,50 Gm. die 100 Kg. ab Fabrik.
Sehr feſt lag auch Malz bei ſteigenden Preiſen. Die großen ſüd=
deutſchen
Mälzereien fordern heute für ihre Prima=Malze 441 Gm.
die 100 Kg. Ab Franken wurden an der Börſe im Laufe der Woche
etwa 3038 Gm., ab Mainſtationen, erzielt. Neuerdings machte ſich
auch wieder Angebot in franzöſiſchem Maiz bemerkbar. Es wurden da=
bei
180190 fr. Fr. die 100 Kg. ab ſüddeutſcher Grenzſtation gegen 3=
Monats=Frankenakzept, verlangt und auch Abſchlüſſe an Brauereien voll=
zogen
.
Am Hopfenmarkt konnte ſich die Feſtigkeit behaupten, zum
Teil noch fortſetzen. Bei beſchränkter Geſchäftstätigkeit wurden Preiſe
von 850900 Gm. für Ia Qualitätshopfen bewilligt. Eingetroffene ame=
ikaniſche
Hopfen werden jetzt ſtark offeriert, finden jedoch ſeitens der
Brauereien noch immer nicht das gewünſchte Intereſſe, obwohl die Preiſe
ſich faſr auf der Hälfte der Preisbaſis für deutſche Hopfen bewegen
Elſäſſiſche Hopfen wurden zu fr. Fr. 40005000 verlangt. Die Angeb=
darin
ſind aber klein. 1922er badiſche Hopfen wechſelten den Beſitzer bei
450500 Gm. je Zentner.
Der Markt in Ueberſee=Tabaken iſt in letzter Zeit von
Woche zu Woche höher gegangen und hat damit einen weſentlichen Ein=
fluß
auf die Stimmung am ſüddeutſchen Tabakmarkt ausgeübt. Die
Freiſe für einmal fermentierten Tabak haben ſich um 2030 Prozent
erhöht. Es erzielten Herbſttabake von der Bergſtraße 115125 Gm.
je Zentner, jetzt empfangen und bezahlt. Die Nachfrage nach allen Sor=
ten
Schneidetabake hält an; es ſind darin große Abſchlüſſe nach aus=
wärts
vollzogen worden. Rippen ſind ebenfalls höher und bleiben
geſucht.
wb. Berliner Produktenbericht. Am Getreidemarkt blie=
ben
die Preisveränderungen geringfügig. Roggen war vermehrt ange=
boten
. Es wurde ziemlich viel nach Mitteldeutſchland gehandelt. Wei=
zen
hatte bei mäßigem Angebot und vorſichtiger Kaufluſt ruhiges Ge=
ſchäft
. Das Geſchäft in Gerſte war wegen der ſtark geſtiegenen Preiſe
für Brauware ſchwieriger; man intereſſiert ſich allmählich auch für Aus=
landsware
. Hafer wurde wieder nach der Küſte gehandelt. Mehl wurde
trotz vermehrtem Angebot wenig umgeſetzt. Für Futterartikel zeigte ſich
kein beſonderes Intereſſe.
Börſen.
* Börſenbericht vom 25. Februar bis 1. März 1924.
(Mitgeteilt von der Deutſchen Bank. Filiale Darmſtadt.) Die Börſe
verharrte auch in der abgelaufenen Woche in ihrer apathiſchen Haltung.
Die Geſchäftstätgkeit ging allgemein noch weiter zurück und die Umſätze
waren, auf allen Gebieten äußerſt gering. Dabei war die Tendenz wäh.
vend der ganzen Woche ausgeſprochen ſchwach, ſodaß die Kurſe von Tag
zu Tag weiter abbröckelten. Die Verkäufe des Auslandes, das angeſichts
der ſchwachen Haltung des franzöſiſchen Franken ſeine Engagements in
deutſchen Induſtriepapieren weiter abbaut, um franzöſiſche Werte zu
kaufen, vereinigten ſich mit zahlreichen Realiſationen, die anläßlich des
Ultimos und der in den nächſten Tagen fälligen Steuerzahlungen vom
Publikum vorgenommen wurden. Der hieraus entſtehende Kursdruck
machte ſich beſonders an einigen großen Märkten, wie dem der Chemie
und der Elektrizitätswerte, ſehr fühlbar, und ganz entziehen konnten
ſich ihm nur einige wenige Spezialitäten. So beſtand für Rombacher
und Mannesmann zeitweiſe etwas Intereſſe, anſcheinend auch von aus=
ländiſcher
Seite, und am Kaſſamarkt vermochten mehrere kleinere Werte
ſelbſt Kurserhöhungen zu erzielen. Die allgemeine Stimmung befeſtigte
ſich an der Freitagsbörſe etwas infolge von Rückkäufen der Spekulation,
ſodaß es da und dort zu kleineven Kurserhöhungen kam, doch blieb auch
an dieſem Tage das Geſchäft ſehr klein und ohne Anregung.
wb. Berliner Börſenbericht. Das Geſchäft am Deviſen=
markt
vollzog ſich ſehr ruhig. Die Anforderungen haben ſich nicht ver=
mindert
und deshalb wurden auch die Zuteilungen nicht erhöht. Die
Kurſe blieben unter Berückſichtigung der heute in Kraft tretenden neuer
Notierungsart unverändert. In Effekten ruhte das Geſchäft. Es wur
den nur wenig Kurſe gehört. Für Elektr. Hochbahn herrſchte gute
Meinung. Anfangs wurde der Kurs mit 51 ſpäter mit 53,5 genannt.
Hamburger Hochbahn hörte man mit 19,5, Oberſchleſiſche Kokswerte mit
68. Von Bankaktien wurde Diskonto mit 18,1 genannt.
Oeviſenmarkt.
Sämtliche Zahlen verſtehen ſich als 1000 Mk.
4.

G e
Brief.
Geld T. März
Brief.
Geld .
* Amſterdam=Rotterdam. Barnai 1573925000 156610000 15739000 Brüſſel=Antwerpen .. ... 150375000 riſtiania. . . ... . . . . . . ." Rach 900oc 000 enhagen .. . . . . . .." 666000000 Stockholm . . . . . . . . . . . . ſingfors .. . . . . . . . .. 6280 ftalien .. . . . . .. . ... ... 81542000 24550 0000 London .. . . .........." 18054 25000 96 1814500 v=York ............" 50000 19000000 421000000 tris. . . . . . . . . . . .. .... 1742 7400 Schweiz .. . . . . . . . . . . .." 125lt
* 3182 789) Spanien .............." 0 5333 6= Wien (i. D.=Oſterr. abg.) 3200 rag . ............... 122. Zi 122100/ L2e00 udapeſt. . . . . . . . . . . . . . tenos=Aires. . . . . . . . . 14 zag380 14 1445000 fulgarien. . . . . . . . . . . . . 330830 9000 1000 aban . . . . . .. ....... 53000 190590001 Nio de Janeiro .. . .. .." 100 300 G50 Belgrad. . . . . . . . . . . ...." * 894 Liſſabon ...... ..... ..." 14466 1e
300 144600000 15400

Deviſen=Zuteilungen: Holland 2 Proz., Brüſſel 3 Proz.,
Chriſtiania 3 Proz., Kopenghagen 3 Proz., Stockholm 3 Proz., Helſing=
fors
5 Proz., Italien 3 Proz., London 2 Proz., Newyork 2 Proz., Paris
Proz., Schweiz 2 Proz., Spanien 3 Proz., Wien 75 Proz., Prag
roz., Budapeſt voll, Buenos=Aires 3 Proz., Bulgarien voll, Japan
3 Proz., Rio de Janeiro 5 Proz., Belgrad voll, Liſſabon 10 Proz.

[ ][  ][ ]

Nummer 62.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 2. März 1924.

F.

Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaltlon keinerlei Ver=
antwortung
; für ſie bleibt al
und des § 21 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfange
der Einſender verantwortlic
Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nicht
zurückgefandt, die Ablehnung nicht begründet werden.
Die Dienſtzeit der Beamten bei der Reichsfinanz=
verwaltung
.
Die ſtrenge Anordnung der Reichsfinanzverwaltung bezüglich der
Durchführung der 54ſtündigen Arbeitszeit der Beamten iſt nun verwirk=
licht
worden. Wenn man aber glaubt, durch die ſtrenge Anordnung
die erhofften Erſparniſſe auch wirklich erzielen zu können, ſo gibt man
ſich einer bitteren Täuſchung hin. Dies beweiſt die Verlegung der
Arbeitszeitverlängerung in die Abendſtunden. Sollte man es für mög=
lich
halten, jetzt, wo die Tage in der Frühe anfangen zu langen, daß es
nicht fertig zu bringen iſt, die friſchen Arbeitskräfte in den Morgenſtun=
den
bei Tageshelle auszunützen? Nein, ſie wird ausgedehnt bis 7½
Uhr abends. Was in dieſen Abendſtunden nur allein an Licht und
Brand bei ſämtlichen Reichsdienſtſtellen vergeudet wird, überſteigt die
erhofften Erſparniſſe bei weitem, ganz abgeſehen von den Minderarbeits=
leiſtungen
in dieſen Abendſtunden. Die nach des Tages Laſt und
Mühen ſich erholende Darmſtädter Bevölkerung hat nach wie vor das
Vergnügen, die feenhaft beleuchteten Fenſter der Reichsdienſtſtellen zu
bewundern; ob dahinter unproduktive Arbeit geleiſtet wird, ſpielt keine
Rolle. Dies iſt die Anordnung für die Wintermonate Oktober bis
März. Für die Sommermonate April bis September verſchiebt ſich die
Arbeitszeit nur um eine halbe Stunde früher. Dazu weiß man über=
haupt
nicht, was man ſagen ſoll. Alle Welt verſucht, ihre Arbeitskräfte
in den Morgenſtunden auszunutzen, um der im Laufe des Nachmittags
einſetzenden Hitze aus dem Weg zu gehen. Die Reichsbehörden machen
dies anders und arbeiten bis in die Abendſtunden, um 7 Uhr, und
warum, weil von Berlin angeordnet iſt, vor 7½ Uhr morgens darf der
Dienſt nicht beginnen. Gewiß, die Anordnungen werden gegeben, um
befolgt zu werden; ſie müſſen aber auch Sinn haben. Berlin wäre dar=
auf
hinzuweiſen: Die Anordnung der 54ſtündigen Arbeitszeit wird be=
folgt
, die Ausführung derſelben muß aber den jeweiligen Ortsverhält=
niſſen
und dem Willen der Beamten entſprechen. Kann man
ſich denn niht ein klein wenig nach der Arbeitszeiteinteilung der Stadt=
verwaltung
Darmſtadt richten, die ſchon einige Jahre den Wünſchen der
ſtädtiſchen Beamten entſprechend eingeführt iſt. Was doch bei dieſer als
gut befunden geht, muß doch bei Reichsbehörden auch gehen. Nun
kommt aber noch eine andere Frage. Wie man hört, beabſichtigt die
Heſſiſche Regierung, an die Verlängerung der Arbeitszeit überhaupt
nicht heranzutreten, oder höchſtens bis zu 51 Stunden. Sollten dieſe
Redereien ſich bewahrheiten, ſo wäre es wünſchenswert zu wiſſen, ob
dieſe Maßnahmen die vielgeprieſene Gleichheit in der
deutſchen Republik dokumentiert oder ob die Reichsbeamten die
Sündenböcke allein ſpielen ſollen, während die übrigen unbehelligt blei=

ben. Es darf erwartet werden, daß die Beamtenvertretunge
der Reichsdienſtſtellen an letztere energiſch herantreten, um in der Ar=
beitszeit
eine Gleichmäßigkeit herbeizuführen bzw. bei den
Dienſtſtellen der Reichsfinanzverwaltung eine zweckmäßigere, den jewei
ligen Ortsverhältniſſen entſprechende Einteilung der Arbeitszeit ein=
zuführen
, damit die erſtrebten Erſparniſſe auch wirklich erzielt werden,
anderenfalls ſind die ſtrengen Anordnungen illuſoriſch.
Wer zahlt Steuern?
Das unter dieſer Ueberſchrift in Nr. 27 des Darmſtädter Tagblatt
gebrachte Eingeſandt gibt kein genaues Bild der Sachlage, iſt viel=
mehr
geeignet, Irrtümer aufkommen zu laſſen und bedarf der Richtig=
ſtellung
. Einſender weiſt nach, daß in den Monaten November und
Dezember von Seiten der Lohnempfänger an Einkommenſteuer
991 191,80 Goldmark und von den anderen Erwerbsgruppen nur
235 853,40 Goldmark aufgebracht worden ſeien.
Wie iſt es nun in Wirklichkeit? Von dem Tage, an dem dieſe
Steuer in Kraft trat, erhöhte ſich der Arbeitslohn um die Höhe dieſer
Steuer wurde alſo auf die Arbeitgeber abgewälzt und der Arbeit=
nehmer
war davon entlaſtet. Der Arbeitgeber wiederum war daher ge=
zwungen
, die Geſchäftsunkoſten dementſprechend zu erhöhen und den Auf=
traggeber
damit zu belaſten. Bleibt alſo letzten Endes die Steuer an
den anderen Erwerbsgruppen hängen.
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Hauptſchriftleitung: Rudolf Mauve
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Politik und Wirtſchaft: Rudolf Mauv
Zerantwortli
r Feuilleton und Heſſiſche Nachrichten: Max Streeſe
Verantwortlich für Sport: Dr. Eugen Buhlman
Verantwortli
) für Schlußd’enſt: Andreas Bauer
Verantwortlich für den Inſeratenteil: Willy Kuhl
Druck und Verlag: 2. C. Wittich ſämtlich in Darmſtadt.
Die heutige Nummer hat 24 Seiten

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Herrn D. E. Schmitt
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übertragen haben.
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angelegenneiten
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[ ][  ][ ]

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(TF 226n

[ ][  ][ ]

* Haushaltsführung und Haushaltstechnik
(Neue Wege zu ihrer Förderung.)
Weit hinter uns liegt jene Zeit, da wir Hausfrauen noch
eine ſtändige Haushilfe und eine beliebige Anzahl Aushilfskräfte
halten konnten, wenn es galt, notwendige Haushaltsarbeiten
raſch und ohne Verzug zu erledigen. Mit unferer zunehmenden
Verarmung minderte fich ihre Zahl mehr und mehr, und heute
kann ſich nur noch ein geringer Prozentſatz von Hausfrauen
ihrer bedienen oder muß ſich unter großen pekunjären Opfern
auf fie ſtützen, weil die allzu große Familie oder die eigene Be=
rufstätigkeit
ihre Hilfe bedingen.
Alle anderen müſſen unter Anſpannung aller Kräfte und
nicht ſelten bis zur völligen Eeſchöpfung und dadurch natürlich
auch vorzeitigem Verbrauch derſelben ihr geſamtes Hausweſen
allein ſühren, und ſchätzen ſich ſchon glücklich, wenn ſie dann und
wann einmal in der Lage ſind, ſich auf Stunden tageweiſe
Beſchäftigung verbietet ſchon ihre tarifliche (ntiohnung Hilfs
kräfte zu ihrer Entlaſtung halten zu könge.
Wenn die Hausfrau noch jung und kräftig iſt und ſich zudem
guter Geſundheit erfreut, wird ſie der S=üwierigkeiten bei dem
Haushalten auch immer wieder Herr. Eint ſich mit ihrer Elaſti=
zitär
Arbeitsfreudigkeit, Geduld und Ausdauer, dann wird man
von ihr auch keinerlei Klagen über den zu großen Umfang täg
licher Haushaltspflichten hören. Friſch und tatkräftig geht ſie
ans Tageſverk, richtet ſich bald dieſes nach beſtimmten Syſtemen
ein, beſchafft ſich, wenn es ihr die Verhältniſſe nur einigermaßen
geſtatten, bald das eine, bald das andere neuzeitliche Gerät zur
Erleichterung ihrer Arbeit im Haushalt, und erſetzt es raſch
einmal durch ein beſſeres und vollkommeneres, wenn ihr dieſes
noch größere Vereinfgchung wichtiger Arbeiten in Küche und in
Haus verſpricht.
Anders die ältere oder borzeitig zermürbte, leidende oder
gar kranke Hausfrau. Weder ihre Familie noch die Allgemein=
heit
erfährt von ihr, wie vieler Energie es bei ihr bedarf, um
das tägliche Pflichtenmaß ohne allzu große Stockungen zu er
ledigen, das Räderwerk ihres Haushalts täglich von neuem in
Gang zu ſetzen und im Gange zu erhalten. Verhindert bei ihr
noch ein beſchränkter Wirtſchaftsetat jede Beſchaffung arbeits=
erleichternder
, Mühe, Zeit und Kräfte ſparender Geräte für den
eigenen Haushalt, dann iſt es zu verſtehen, daß ſie bei der täg=
lichen
Arbeitslaſt, die ihrer und nur ihrer Hände und Kräfte
harrt, da die Mittel für eine zeitweiſe Hilfskraft fehlen, ſchließ=
lich
ſtumpf und gleichgültig wird.
Daß ſich mit dieſem Rabbau an ihrer Kraft und Leiſtungs=
fähigkeit
ihr beſter, ihr noch durch keine äußere Macht geſchmä=
lerter
Beſitz, die Geſundheit, ſtändig verringert, kommt ihr zu=
nächſt
nicht zum Bewußtſein. Erſt dann, wenn der geſchwächte
Körper durch verſchiedene Beſchwerden eindringliche Warnungs=
ſignale
gibt, ſieht ſie, zumeift auch erſt durch den Arzt belehrt,
wie ſchwer ſie ſich durch ihr eigenes, ſchonungsloſes Ueberbür=
den
, gegen dieſen ihren koftbarſten Beſitz verſündigte. Was aber
eine kranke Hausfrau und Mutter für Familie und Haushalt
bedeutet, ſoll hier nun nicht weiter ausgeführt werden. Zu ein=
ſchneidend
hat ſich das wohl in jeder Familie ſchon bei vorüber=
gehender
Unpäßlichkeit derſelben gezeigt. Wir ſind aber auf dem
beſten Wege dazu, ein ganzes Heer geſchwächter, wenn nicht gar
leidender Hausfrauen und Mütter zu bekommen, wenn nicht die
noch immer übliche veraltete Wirtſchaftsweiſe und Haushalts=
führung
den heutigen Verhältniſſen angepaßt und bedeutet ver=
einfacht
wird.
Die praktiſche Amerikanerin, die ſchon ſeit Jahrzehnten
ohne Haus= und Aushilfskräfte arbeiten muß, erfreut ſich eines
derart vereinfachten Haushalts= und Wirtſchaftsſyſtems, daß ihr
eine derartige Ueberbürdung, wie ſie ungezählte unſerer deutſchen
Hausfrauen heute auf ſich nehmen, völlig unbekannt iſt. Trotzdem
eine bis ins Kleinſte hinein durchdachte Bauweiſe der Wohnung
mit allen Errungenſchaften der Neuzeit, namentlich der Küche,
die Wirtſchaftsführung faſt bis zum leichten, amüſanten Sprel
vereinfacht, ruht und raſtet ſie nicht, das noch verbleibende Maß
täglicher Haushaltspflichten durch Anſchaffung neuer techniſcher
Hilfsmittel nach Möglichkeit zu erleichtern. Ein zur Förderung
der Haushaltstechnik errichteter und mit einer praktiſchen, erfah=
renen
Hausfrau beſetzter Lehrſtuhl hält ſie ſtändig über Wert
und Unwect der neueſten, Arbeit, Zeit und Kräfte ſparenden
haushaltstechniſchen Geräte auf dem Laufenden.
Obwohl bei uns in Deutſchland ſchon in verſchiedenen Orts=
gruppen
des Verbandes deuitſcher Hausfrauenvereine Verſuchs=
kommiſſionen
und Beratungsſtellen für derartige techniſche Hilfs=
appparat
beſtehen, fehlt es doch noch an einer ähnlichen Cinrich=
tung
wie drüben in Amerika. Wir ſind ſchon zu arm geworden,
um im einzelnen Haushalt alles das anzuſchaffen und praktiſch
zu erdroben, was deutſcher Erfindergeiſt und eine anpaſſungs=
fähige
Induſtrie zu dieſem Zwecke für die Hausfrau ſtändig von
neuem ſchaffen. Es wäre deshalb zu wünſchen, daß neben ört=

* Der ehrenvolle Auftrag
Eine Wilddiebsgeſchichte von Fritz Skowronnek.
Schluß.)
Die Frau ſchien zu überlegen. Hans faßte friſch nach. End=
lich
erhielt er den Beſcheid, daß man ihn aufnehmen wollte. Er
bekam ein kleines Stübchen angewieſen und wurde bald zum
Kaffee gerufen. Der alte Herr ſchien ſehr unter dem Pantoffel
zu ſtehen, denn er ſchwieg beharrlich, während, die Frau ihren
neuen Hausgenoſſen gründlich ausfragte. Eine Stunde ſpäter
fuhr Hans in den Wald, aus dem er erſt ſpät abends wieder=
kehrte
. Am nächſten Tage fuhr er ſchon im Morgengrauen weg
und kam erſt wieder, als es ſchon dunkelte. Niemand wußte, daß
er bei dem Ehepaar Krauſe wohnte. Es erfuhr auch niemand,
außer dem Hegemeiſter Kahnert, der ihm den Koffer aus der
Oberförſterei geholt hatte. Den Inhalt ſchaffte Hans im Ruck=
ſack
noch Hauſe.
Nach wenigen Tagen kannte er beide Reviere wie ſeine
Taſche. Er hatte auch ſchon Schlingen gefunden. Als der Mond
zunahm und die Nächte heller wurden, legte er ſich jeden Abend
dem Dorfe gegenüber am Waldrand auf die Lauer. Jedoch ver=
geblich
. Durch die Waldarbeiter, die er einmal angetroffen hatte,
war vohl bekannt geworden, daß er ſich in der Gegend aufhalte.
Und das genügte, den oder die Schlingenſteller vom Betreten
des Waldes abzuſchrechen.
Eines Tages kehrte Hans bei ſeinem Ohm Kahnert ein und
fand dort nicht nur den Hegemeiſter Dreihaupt aus Bärenwinkel,
ſondern auch den Gutsbeſitzer Gruber mit ſeiner Tochter vor,
Die alten Herren ſpielten Skat, Martha ſaß zwiſchen den beiden
Töchtein des Hauſes. Natürlich wandte er ſich den Mädcher
zu. Gleich nach der Begrüßung fragte Martha, ob er bei Krauſes
wohne. Ihre Frage ſollte gleichgültig klingen, aber in der

lichen Verſuchskommiſſionen ein gleiches Inſtitut geſchaffen
ſürde. Hier müßten alle Fäden dieſer Beſtrebung zuſammen=
laufen
. Von hier aus die erforderlichen Auregungen weiter ge=
geben
, Erfinder und Induſtrie mit praktiſchen Natſchlägen und
dahingehenden Wünſchen der Hausfrau bekannt gemacht werden,
uim unſerem Volke wertvollſte Kräfte zu erhalten, die durch den
heutigen Raubbau oft völlig ſinnlos vergeudet werden.
El. Thielemann.

* Heilige Herdflamme
Heiliges Feuer des Herds, von unſeren Ahnen gehütet,
Heilig der Bannkreis vordem, den deine Flammen umſpielten, Irend
Selbſt noch dem Feind, dem Verfehmten, die Stätte zum Raſten gewäh=
Hegend und ſchützend das Glück und den Frieden der gaſilichen Wohnung.
Feuer, du ſprühend Symbol des Lichis und der goldroten Wärme!
Funken, aus Goties unendlicher, raſtloſer Schöpferglut
Niemals zuvor empfanden wir Oich ſo voll dankbarer Demut ſſpringend
Wie in der heutigen Zeit, die von ſiarrendem Froſt erzittert,
Die uns aus Elend und Not den Winter gebar und das Dunkel,
Und uns in Hunger und Gram verſammelt um heimiſche Herde,
Die uns der Deutſchen Jammer, die Tage der Trübſal herabzwingt,
Und in der Sorge Gefolgſchaft uns Krankheit ſendet und Siechtum.
Leuchte uns, heilige Flamme, ſeit alters des Lichtgottes Bote!
Wärme uns, gaſtliches Feuer, und lehre die Enge uns ſchätzen
Ahnen und Eltern und Enkel, im Bannkreis der gaſtlichen Wohnſtatt,
Fühlet die Kraft und die Glut, die einiger Nähe entſprühen!
Emmy Ficus.

* Ein Herz
Von Reinhold Braun.
In der Eiſenbahn lauſchte ich dem Geſpräch einiger Men=
ſchen
. Sie erzählten von einem, der geſtorben war. Es war
eine einfache ſchlichte Nazr, ein Mann des Volles im beſten
Sinne. Und der eine der Sprecher ſagte von ihm: Ein Herz hat
er halt gehabt, da iſt nix zu wollen! Und weiter erzählten nun
die Menſchen einander von dem, wie der, der jetzt tot war, in
ſeinem Leben gewirkt hatte, und vor allem davon, wie er immer
bereit war, anderen zu helfen.
Ja, ein Herz hat er halt gehabt, da iſt nix zu wollen! Das
war wie eine ſtille Predigt mitten im Eiſenbahnwagen, wie das
Aufklingen eines feinen, ſchlichten Liedes, aus dem ein ganzer
Himmel ſtrahlte. Es war wie der Siegel auf ein Leben, das
zu Ende gegangen war. Mir war’s, als blickte ich in ein liebes,
gütiges Geſicht, und als liege ein warme Hand in der meinen,
und zwei Augen ſah ich, aus denen ein volles Herz ſtrahlt. Und
ich habe den Menſchen doch nicht gekannt und reiſte doch immer
in einem fremden Lande. Aber ein Deutſcher war es, von dem
man ſprach.
Seitdem iſt das Wort mit mir gegangen, und oft klingt es
in mir auf, und in eine ſtille Frage wandelt es ſich: Wird man
auch einmal von dir ſagen können: Ein Herz hat er halt gehabt,
da iſt nix zu wollen? Und eine Sehnſucht blüht in mir auf,
daß dieſes Wort die Wahrheit meines Lebens werde!
Und wie ſteht’s mit dir, der du dieſes lieſt?
Müßte man nicht dieſes Wort wie ein ſtilles großes Licht
durch unſere Tage tragen, darinnen ſo viel Ichſucht herrſcht, ſo
viel Nichtverſtehenwollen, eine eiſige Kälte zwiſchen Menſch und
Menſch ſpannt, da Profitgier am Marke des Volkes zehrt und
der Taumel der Ichlinge durch die Stunden lärmt! Ja, wir
brauchen wieder den heiligen Willen, wirklich ein Herz zu haben
trotz aller Kälte in der Welt, und wir müſſen auch wieder den
Mut beſitzen zu dieſem, unſerem Herzen. Was für ein Großes
und Neues müßte anheben, wenn das Herz, das tiefe und deut=
ſche
, große und menſchliche, die Großmacht in Deutſchland
würde! Wenn die Sonne des deutſchen Herzensweſens nicht
rieder aufgeht, dann ſind alle Sanierungen und Stabiliſie=
rungen
vergeblich geweſen. Das deutſche Herz allein iſt der
große Geſundmacher und die heilige, unverſiegliche Quelle aller
Wertbeſtändigkeit. Das Ethos des deutſchen Herzens muß an=
heben
mächtig und pfingſtlich, einherſchreitend mit der Wucht
des Göttlichen. Liebe und Dienen müſſen die Herzensworte
dieſes deutſchen Evangeliums werden: Es muß Erfüllung wer=
den
, was der Arbeiterredner am Schluſſe der Tagung der Schule
der Weisheit des Grafen Keyſerling ſagte: Wir bmuchen ein
neues Ethos der Arbeit, das Ethos des Dienens, nicht des Ver=
dienens
. Laſſet uns guten Willens ſein.

Stinume war ein leiſes Beben. Iſt Ihnen das unangenehm?
erwiderte Hans ſchnell.
Wie kommen Sie darauf? gab Martha kühl abtreiſend zur
Antwort. Meinetwegen können Sie wohnen, wo Sie wollen.
Dann ſind wir ja darüber einig. Er verbeugte ſich leicht und
ging zu den alten Herren, um bei ihnen zu ſtiebitzen.
Wir haben wirklich keinen Raum, und im Sommer habe ich
ſo viel auf dem Felde zu tun, daß ich ihn nicht beſpeiſen könnte.
Weshalb fragſt Du ihn denn, wo er wohrt?
Weil wir ihn doch nicht aufnehmen konnten.
Das klang aber ſo merkwürdig ärgerlich.
Dasſelbe Gefühl hatte auch Hans, als er ſich ziriſchen die
beiten Förſter ſetzte. Auch hier wurde Hans mit einer Frage
empfangen. Na, haben Sie ſchon einige oder mehrene Böſe=
wichte
abgefaßt? ſagte Gruber lachend.
Das Lachen verdroß Hans. Er empfand es als Spott. Etwas
ſchärfer, als nötig, erwiderte er: Noch nicht, Herr Amtsvor=
ſteher
. Es iſt nicht ſo leicht, ſolch einen Lumpen abzufaſſen, der
im Finſtern das Reh aus dem Schlinge holt. Das iſt das Ge=
meinſte
, was ich kenne. Er ſpuckte in ſeine Hand und ſchüttelte
ſie in der Luft. Wen ich abfaſſe, der kann ſich auf enas gefaßt
mechen.
Sie gehen ja ſcharf ins Zeug, meinte Gruber lachend. Viel
Glüdk
Als Hans nach einer Viertelſtunde ſich verabſchieden wollte
wurde er vom Ohm heftig angelappt. Er ſolle ſich überhaupt
ten jungen Mädchen widmen und fuderweiſe Süßholz raſpeln.
Wohl oder übel mußte er gehorchen. Die jüngere Tochter des
Hauſes brachte ihm eine Laute und bat ihn, zu ſingen. Er lie
ſich nicht lange bitten, ſondern ſpielte und ſang allerlei Volks=
und Schelmenlieder. Ab und zu fielen die Mädchen mit ihren
friſchen Stimmen ein.
Als er am nöchſten Tage im Duukeln aus dem Walde kam,
fand er ſeinen Wirt allein zu Hauſe. Seine Frau war zu einer

* Stadtfrau und Landfrau
Ein Rückblick.
Auf der landwirtſchaftlichen Tagung, die kürzlich als Auf=
takt
zu der Reichslandbundtagung in Breslau als Vorſchau in
Berlin ſtattfand, kam eine erfreulich rege Beteiligung der Land=
rauen
an allen Arbeiten beruflicher und volkserzieheriſcher
Wirkſamkeit zutage. Der Kreis der Probleme, die das Arbeits=
feld
der Landfrauen umſchließt, iſt ein außerordentlich weitge=
pannter
und in ſeiner Wirlung viel unmittelbarer als der der
ſtädtiſchen Hausfrau. Die Landfrau hat mehr Berührung mit
dem Volk. Der breitere Rahmen ihrer Hauswirtſchaft gibt ihrem
Wirken mehr Widerhall. Dennoch aber iſt allen Frauen, denen
der Städte, wie denen des Landes, eines gemeinſam: der
Wunſch ſowohl wie die Pflicht zu tätiger Mitarbeit an der Hei=
lung
unſeres kranken Volkstums.
Trotz dieſes ehrlich empfundenen gemeinſamen Strebens
ſind die Gegenſätze zwiſchen Stadt und Land vorhanden und
machen ſich immer wieder fühlbar und ſei es auch nur in der
Form gegenſeitiger abſprechender Urteile. Aber nur, wenn wir
Gegenſätze nach Möglichkeit ausgleichen, wenn wir lernen, die
Lebens= und Arbeitsbedingungen gegenſeitig richtig einzu=
ſchätzen
, werden wir zu dem inneren Frieden kommen, der allein
die Kraft verbürgt, auch wieder einmal nach außen als ein ſtar=
kes
Volk aufzutreten.
Wer nun und gerade als Stadtfrau den verſchiedenen
Frauenzuſammenkünften der landwirtſchaftlichen. Woche bei=
wohnte
, muß feſtſtellen, daß bei aller Sicherheit und Fülle des
ländlichen Haushalts, die uns Städtern als eine köſtliche Gabe
erſcheint, das Leben der Landfrau doch auch ihre ſchweren und
ſchwierigen Seiten hat, die uns erſpart ſind. Und gerade die
Kriſis, die jetzt in ſteuerlicher Hinſicht die Landwirtſchaft durch=
macht
, greift tief auch, ſtimmungsmäßig wie materiell, in das
Arbeitsfeld der Landfrau ein.
Wenn wir als Stadtfrauen verſuchen, den Landfrauen ge=
recht
zu werden und nicht nur ihre günſtigen, ſondern auch ihre
ſchwierigen Lebensbedingungen einzuſchätzen ſuchen, dürfen wi
auch erwarten, daß dieſe wiederum unſer Leben nicht nur als
eine Kette von Bequemlichkeiten und Anregungen mannigfal=
tigſter
Art werten.
Erfreulich iſt die Entſchließung, die als erſte auf der Bres=
lauer
Landbundtagung angenommen wurde, und in der die
Stellung der im Bund zuſammengeſchloſſenen Landwirtſchaft
für deutſche Nothilfe wie folgt ausgedrückt iſt:
Der Geſamtvorſtand des R.L.B. fordert alle Landbund=
mitglieder
auf, trotz des ſchweren Exiſtenzkampfes, in dem die
landwirtſchaftlichen Betriebe ſelbſt ſtehen, nicht zu erlahmen an
Hilfeleiftungen für die unverſchuldet Notleidenden in den Städ=
ten
und Induſtriezentren durch weitere Förderung der Volfs=
küchen
, Schulkinder=Speifungen, Studentenhilfen und Paten=
ſchaften
. Auch in dieſem Jahre erklärt ſich der R. L.B. bereit,
Kinder aus den Städten des beſetzten und unbeſetzten Gebietes
bis zur äußerſten Grenze der Möglichkeit in ſeinen Familien auf
dem Lande wie die eigenen Kinder aufzunehmen und fordert die
örtlichen Landbundſtellen auf, alles zur Ausführung dieſes va=
terländiſchen
Hilfswerls an der deutſchen Jugend Erforderliche
mit größtem Nachdruck vorzunehmen.
Kein Zweifel, daß dieſe Entſchließung zu faſſen und durch=
zuführen
ohne Zuſtimmung und Mitarbeit der Landfrauen un=
möglich
wäre. So zeigt ſich denn in ihren Kreiſen das Ver=
ſtändnis
für die ſchwere Not der ſtädtiſchen Hausfrau und
Mutter, das ſich in einem Werk der Volksgemeinſchaft ausdrückt.
Wenn ſo ſich Stadt und Land die Hände reichen, dann wird es
gelingen, das deutſche Volk, die deutſche Jugend, in eine beſſere
Zukunft zu retten. Frauen der Städte und Frauen des Landes
helft gemeinſam an dieſem großen Werk.
*Die Frau im ſozialen Leben
Frau von Oheimb, eine der drei weiblichen Reichstags=
abgeordneten
der Deutſchen Volkspartei, hat ſich entſchloſſen, bei
der bevorſtehenden Reichstagswahl nicht wieder zu kandidieven.
Die Gründe dafür ſind teils ſachlicher, teils perſönlicher Natur.
Frau von Oheimb vertritt den Wahlkreis MagdeburgAnhalt.
Jugoflaviſches Hilfswerk für unterer
nährte deutſche Kinder. In einmütiger Weiſe haben ſich
auf dahingehende Anregung ſeitens ihrer eigenen Landsleute,
zahlreiche Familien Jugoſlaviens und Kroatiens, bereit erklärt,
insgeſamt 4000 erholungsbedürftige deutſche Kinder zu längerem
Aufenthalt bei ſich aufzunehmen.
Die erſte ruſſiſche Ingenieurin. Im Petersbur=
ger
Technologiſchen Inſtitut iſt zum erſtenmal eine Frau zum
Ingenieur ernannt worden. Es iſt dies Frau L. E. Palmen,
die ihre Diſſertation mit großem Erfolg erledigte. Sie iſt die
erſte Ruſſin, die den Ingenieurtitel erworben hat.

eikrankten Schwefter gefahren. Auf ſolche Gelegenheit hatte Hans
ſchon lange gewartet. Er holte eine Flaſche Rum aus ſeinem
Koffer und lud Herrn Krauſe zu einem Glas Grog ein. Der alte
Herr taute bald auf und ließ ſich ausfragen. Bei Gruber hatte
bis vor einem Jahr der Forſtaufſeher Helzer gewohnt. Es war
große Freundſchaft geweſen, bis der Grünrock ſich einfallen ließ,
der Tochter einen Heiratsantrag zu machen. Da war das Eis
entzwei, denn er erhielt einen Korb und mußte weg. Seitdem
hatte Gruber auf eigene Fauſt den Dohnenſteig eingeebnet und
die gefangenen Vögel geholt. Er wäre auch ein großer Freund
von Pilzen und gehe oft mit einem großen Korb in den Wald.
Haus hatte genug gehört. Der leiſe Verdacht, den er ſchon
lange hegte, war ihm zur Gewißheit geworden. Und nun pei=
nigte
ihn die Frage, ob Martha von dem Treiben ihres Pflege=
vaters
wüßte. Am nächſten Sonntag fuhr Hans nach Bären=
winkel
, wo ſich die Grünröcke zum Scheibenſchießen verſammel=
ten
. Was er gehofft hatte, traf ein: Auch Gruber war mit ſei=
ner
Tochter da . . . Gegen Abend kam der Forſtmeiſter. Hans
ſuchte und fand Gelegenheit, ihm unter vier Augen eine Bitte
vorzutragen. Bald verbreitete ſich die Nachricht, daß die Wild=
diebsfänger
abberufen und weit weg verſetzt ſei. Ohm Kahnert
brummte ihn an, und Gruber, der neben ihm ſaß, meinte in
etwas höhniſchem Ton: Sie haben ja ſchnell die Flinte ins Korn
geworfen. Ja, erwiderte Hans ruhig, der Kerl iſt zu ſchlau.
Als es dunkelte, wurden Lampions aufgehängt. Die Mädel
wollten nach den Klängen einer Handharmonika tanzen. Hans
konnte ſich nicht ausſchließen. Es war ein ſchmerzlich ſüßes Ge=
fühl
, als er Martha aufforderte und ſeinen Arm um ihre ſchlanke
Geſtalt legte. Mit Erſchrecken fühlte er, daß er ſein Herz an ſie
verloren hatte. Aber ſeine Neigung war hoffnungslos. Konnte
er um das Mädel werben, die die Mitwiſſerin eines verdächtigen
Schlingenſtellers war? Einen Augenblick kam ihm der Gedanke,
ſeinen Plan, den er mit ſeiner Abreiſe verfolgte, aufzugeben. Doch
dagegen bäumte ſich ſein Pflichtgefühl auf. (Schluß folgt.)

[ ][  ][ ]

glücklichen nach dieſer Richtung hin unter den außerordentlich
vielgeſtaltig erſchienenen Frühjahrskleidern bei Berückſichtigung
aller Faktoren das für ſich Paſſende zu finden wiſſen. Die lange
Kaſſakbluſe bei tiefgerückter Taillenlinie ſchlicht und ſchmal um=
gürtet
, am Hals= Armel= und unteren Rande mit Treſſe oder
Schlingbortenabſchluß geſchmückt, die gleiche Bluſe vorn und im
Rücken zipfelig gehalten, mit engen, anliegenden Aermeln, die
auf dem Handrücken ebenfalls in ziemlich langer Spitze auslaufen
oder in dritter, ſehr reizvoller Art: links ſeitlich nach oben etwas
abgeſchrägt, am unteren Rande und an den mäßig weiten, drei=
viertellangen
Glockenärmeln mit prächtig=dekorativer, gold= oder
ſilberdurchwirkter Spitze abſchließend, namentlich in Seide und
Samt äußerſt vornehm, und ſchließlich in einer vierten Ausfüh=
rung
: das ganze Leibchen bis herab zum langen Schoßrande
ſtolaartig mit bunter Stickerei im ägyptiſchen Stil geſchmückt, die
ſich in drei abgeſtuft breiten Streifen vom Handgelenk bis zum
Ellbogen auf dem gerade herabfallenden, innen grellfarbig aus=
gefütterten
Aermel wiederholt, wieviel Gelegenheit bietet dieſe
Form allein, ein vorjähriges Gewand oder auch nur einen noch
gut erhaltenen Rock völlig modegerecht umzugeſtalten und die
Beſitzerin vor einer allzugroßen Ausgabe zu bewahren. Faſt das
gleiche iſt von der höchſt geſchmackvollen Zuſammenſtellung in
völlig neuer Form und Art von einfarbigem und bedrucktem oder
ornamentartig reich gemuſtertem Stoff zu ſagen. Auch dieſe Form
bietet für Veränderungs= und Aufarbeitungskünſte geſchickter
Frauen ein w ites Feld.
em.
* Wie trägt man einen Schal?

Waſſerblcu,z Silberbrokatkleid
Schwarzes Maroquinkleid
andelgrünes Maroquinkleid
mit reicher Stickerei aus Steinkohlenpailletten
mit Korallenſtickerei
mit Goldperlenſtickerei
Die Entwürfe stammen aus dem Madehaus Cari Schürmann & Co., Darmstadt

* Die ewige Jugend in der Mode
Die Sehnſucht nach Jugend, die ſich in unſerem den
Menſchen ſo raſch abnutzenden Zeitalter bemerkbar macht,
äußert ſich nicht nur in der Jagd nach allerlei Elixieren
und Operationen, ſondern auch in der Mode. Die Frauen
möchten heute zu gern die ewige Jugend gewinnen, und
die Mode, die ja die geheimſten Wünſche der weiblichen
Seele offenbart, kommt ihnen darin entgegen: die neuen
Frühjahrskleider machen auch die Matrone zum Backfiſch!
Was anders kann es denn für einen Sinn haben, wenn die
jüngſten Schöpfungen mit allen Mitteln darauf hinarbeiten,
die Frau möglichſt ſchlank, kindlich erſcheinen zu laſſen und
ihr im Aeußern jede Andeutung eines höheren Alters zu
nehmen? Freilich iſt es ein gewagtes Beginnen, eine wohl=
beleibte
Matrone in ein ganz enges Kleid zu ſtecken, das
ſich wie eine zweite Haut über den Körper legt, ihr Röckchen
anzuziehen, die kaum über die Knie reichen, und ihr die
Haare kurz zu ſchneiden. Immerhin ſtrebt die Mode deut=
lich
dem Ideal des Backfiſchs entgegen, und es wird die
Aufgabe der Damen, die bereits über dieſes glückliche Alter
beträchtlich hinaus ſind, ſein, ſich damit nach Möglichkeit
abzufinden und das Beſte daraus zu machen. Wer keine
ſchlanke Figur hat, wird ſich nur ſchwer in ein enges Futteral
zwängen, das von den Schultern bis über die Hüften eng
anliegt. Aber die Künſte der Korſettierung ſind heute auf
eine ſolche Höhe gehoben, daß auch Damen mit ſehr viel
Fleiſch den Verſuch wagen können, ſolch ein Futteral zu
tragen, ohne ihre Fülle allzuſehr zu enthüllen. Außerdem
fordert die Mode von ihren Jüngerinnen ſtrenge Opfer,
und die Damen werden, daher zu einer Diät übergehen
müſſen, die für Magerkeit ſorgt. Der kurze Rock, der etwa
12 Zoll über dem Boden aufhört, iſt ebenfalls ein wichtiges
Mittel für die ewige Jugend‟. Die Matrone, die in einem
langen Rock ſehr viel würdiger ausſehen würde, muß ſich
eben den kurzen, wippenden Schritt angewöhnen, der zum
Backfiſch und ſeiner Tracht gehört. Im übrigen hält die
neue Mode auf große Einfachheit der Linie, vermeidet über=
ladenen
Schmuck und wirkt auch dadurch auf die ſchlichte
Schönheit, die ſich in der Jugend offenbart. Alle Kragenfor=
men
, die noch vor kurzem ſo beliebt waren, verſchwinden
vor dem allein herrſchenden Dekolleté, das ſich jetzt ſogar
nicht mehr mit dem Halsausſchnitt begnügt, ſondern auch
noch auf Schultern und Arme übergreift.
Sr
(S
*Die Silhouette der neuen Frühjahrskleider
Hoffte Frau Mode, daß ſich unſere Frauenwelt bezüg=
lich
Nahrungszufuhr kaſteien ſolle, als ſie die neue Form
der Frühjahrskleider ſchuf? Faſt ſcheint es ſo, denn ſchlank,
A
überſchlank erſcheint die Silhouette der Frau in den neuen
Frühjahrsmodellen, und jede natürliche Polſterung des
Frauenkörpers vermag die vorgeſchriebene Linie des kom=
menden
Frühjahrskleides unangenehm zu ſtören ſo
ſcheint es wenigſtens. Natürlich wird ſich unſere Frauen=
welt
keinesfalls ſo ſklaviſch, wie die Mode vorſchreibt, ihren
Forderungen beugen. Sie wird es ſchon deshalb nicht, weil
in den modernen Feſſelröcken trotz der ſcheinbaren Weite
ihrer Volants jede freie Bewegung unmöglich würde. Das Blaues Ripskoſiüm mit ſchwarzer Seiden=
tem
Vorderteil (Rückenteil glatt) mit gleiche gilt von der oberen Faltenloſigkeit derſelben, die weſie und weißen Tuchaufſchlägen dazu:
namentlich die Hüften eng umſpannt und jede Un=
Marine Pedal=Hut
ebenheit der Figur ſchonungslos den Blicken frei=
HandgenähterTagal=Piccot=Hut gibt. Zum Glück werden neben den tadellos ge=
mit
Ripsſchleife und Straßagraffe
wachſenen Frauen und Mädchen auch die minder

Schwarzes Ripsmodellmit durchgekurbel=
ſchmalem
Gürtel und Agraffenſchluß
Unterrand aus pliſſierter Bändchen=Arbeit

Aus dem Hodesaton Lambert Gelee, Darmstadt, Ludwigsplatz

Die Mode des ſpaniſchen Schals, die bereits
von einigen Jahren auch bei uns aufgekommen war, bürgert
ſich jetzt mehr und mehr ein, und Schals ſind ſo beliebt,
daß die elegante Frau ein ſolches Tuch aus Crepe de Chine in
bunten Farben unbedingt beſitzen muß. Aber es genügt nicht,
einen Schal ſein eigen zu nennen, man muß ihn auch zu tragen
verſtehen. Und da nun einmal unſere Damen das Land Goyas
und der ſchönen Carmen, wo der Schal Nationalkleidung iſt, nur
ſelten beſucht haben, ſo iſt es für ſie ſehr nützlich zu wiſſen, wie
man einen ſpaniſchen Schal richtig trägt. Darüber gibt eine
Spanierin Aufklärung, indem ſie ſchreibt: Unter keinen Um=
ſtänden
darf man einen Schal und eine Mantille (den ſpaniſchen
Kopfputz) zuſammen tragen. Der Schal darf nur angelegt wer=
den
, wenn man ohne Kopfbedeckung geht; nur ein paar Schmuck=
kämme
ſind im Haar erlaubt. Es iſt falſch, den Schal rund um
ſich herum zu ſchlingen und ihn hinten am Nacken zuzuknüofen,
wie ſo viele Ausländerinnen tun. Der Schal muß rund um
die Schultern gelegt werden und in anmutigen Linien herab=
hängen
. Wenn man dies tut, braucht man über die Art ſeiner
Befeſtigung nicht viel nachzudenken. Aber man ſoll ſich davor
hüten,den Schal von der Schulter heruntergleiten zu laſſen, weil
das unpaſſend iſt. Die Spanierinnen ziehen gern die Enden des
Schals unter ihren Armen durch und ſchlingen ſie dann rund
um die Taille, was ſehr gut ausſieht, wenn man dabei dem
Schal die richtige Form zu geben verſteht.
B.
*Aus der Kinderſtube
* Wenn Kleinkinder ſpät ſprechen lernen.
Mit ſtiller Sorge beobachten viele Eltern, daß das eine oder
andere ihrer Kinder ſpät oder recht ſchwer ſprechen lernen. Die
Pſlege, Wartung und Entwickelung ſind bei dem nach ihrer Mei=
nung
zurückgebliebenen Kinde faſt genau ſo wie bei den anderen
vor ſich gegangen und dennoch will das Sprechenlernen nicht ein=
ſetzen
. Nach der Anſicht des berühmten Kinderpſychologen Preyer.
iſt aber ſpätes Sprechenlernen durchaus kein Fehler in der Ent=
wicklung
des Kindes. Je ſpäter ein Kind ſprechen lernt, um ſo
leichter würde ihm dann die Sprachentwicklung, weil dann ihr.
Denkvermögen ſchon beſſer vorwärts geſchritten ſei. Wichtig iſt
allerdings dann, daß das Kind, das zu ſprechen beginnt, bei der
Bildung von Worten und beim Suchen nach dem richtigen Aus=
druck
von der Mutter weitgehend unterſtützt wird und das ſog.
Datſchen, auch Ammenſprache genannt, zugleich unterbleibt.
Bei richtiger Anleitung kann ein geſund entwickeltes zweijähriges
Kind ſchon über einen Wortſchatz von 100 Worten verfügen. An
der Mutter iſt es, einer allzu raſchen Sprachentwicklung inſofern
Einhalt zu tun, daß ſie dein lernbegierigen Kind bei der Sprach=
entwicklung
fördernd zur Seite ſteht, wenn ſie dieſem mit nied=
lichen
kleinen Kinderreimen unter Zuhilfenahme der Händchen
zur Bereicherung ſeines Wortſchatzes verhilft. Ein Zuviel iſt
aber auch hier zu vermeiden.
M. E.
zeitgemäße Haushalt
hleder zu reinigen. Das Rehleder wird in lau=
em
Seifenwaſſer, am beſten in gekochtem Seifenwaſſer gut
aſchen, mehrmals in klarem Waſſer geſpült, und zwar
das Spülwaſſer rein bleibt; dann wird das Reh=
Kernſeife gut eingeſeift und ſo an einem nicht zu
t zum Trocknen aufgehängt; wenn es halb trocken
zut gedehnt und gerieben werden, damit es wieder
weich und geſchmeidig wird.
Teppichpflege. Die Teppiche werden am beſten ge=
veinigt
, wenn man in einen Kübel voll Waſſer ein Viertel
Liter Salmiak und etwas Terpentingeiſt ſchüttet, eine Bürſte in
die Flüſſigkeit taucht und den vorher gut geklopften und ge=
bürſteten
Teppich damit reinigt; man reibt dann erſt mit einem
feuchten und darauf mit einem reinen, trockenen Tuch nach und
läßt den Tepich ſo lange glatt ausgebreitet liegen, bis er trocken
iſt;, man kann ihn auch glatt auf eine Stange hängen Plüſch=
überzüge
können ſehr vorſichtig mit Terpentingeiſt gereinigt
werden; eine Probe an einer wenig ſichtbaren Stelle iſt jedoch
vorher unbedingt nötig. Ein Lappen oder Schwamm wird mit
Terpentingeiſt befeuchtet, gut ausgedrückt und der Plüfch damit
abgerieben; es wird mit einem weichen, trockenen Tuch nach=
gerieben
.
Um den Staubinviel benutzten Räumen beim
Kehren zuverhüten, empfiehlt es ſich, einen Bogen Zei=
tungspapier
in Waſſer zu tauchen und fein zu zerpflücken. Dieſe
feuchten Papierfetzchen nehmen den Staub ebenſo leicht auf wie
feuchte Teeblätter.
R.
Braune Jodflecke aus der Wäſche zu ent=
fernen
. Die ſo ſchwer zu beſeitigenden Flecke verſchwinden
allmählich, wenn man ſie mit einer Miſchung von zwei Löffel
voll unterſchwefligſaurem Natron und neun Eßlöffel voll Waſſer
wiederholt betupft, bis ſie verſchwunden ſind. Schließlich ſpült
man die Stelle mit reichlich Waſſer nach.
I.
Wiege= und Schneidemeſſer erhält man immer
ſauber und roſtfrei, wenn man ſie nach der Reinigung mit Kork
abreibt, den man in eine Miſchung von Schmiergel und Spiri=
tus
taucht, um ſie nach dem Abtrocknen mit einem Tropfen Oel
überzureiben.
HI.
Speiſenzettel:
Sonntag: Grünkohl mit Schweinebauch.
Montag: Klöße mit Meerettigſoße.
Dienstag: Haferflocken mit Zimmetzucker
Mittwoch: Weiße Bohnen.
Donnerstag: Linſen.
Freitag: Fiſchauflauf.
Samstag: Gulaſchkartoffeln.

[ ][  ][ ]

Nummer 62.

* Sunndags=Noochmiddags=Bedrachtunge.
So, un jetzt weer de Febrewa aach erum, un ich glaab, wann
die meiſte vun unſere verehrlichte Zeitgenoſſe net ſchun vum
Sächzehnte ab dauernd nooch em erſte März geblinzelt hette, ſie
hette’s gornet gemerkt,
daß de Monat Febre=
wa
en Dag mehr ge=
A
Drith
hatt hott, als em ei=
B.
chentlich vun gott= un
rechtswege, odder
vun
meintswege

linkswege zuſteht
Atttt
indem mer nemlich
widdermol un zu allem
Unglick in e Schaltjohr
eneigerode ſin. Die
Haubſach vum Schalt=
johr
ham=mer awwer
iwwerſtanne, un wann
mer genau noochrech=
BEEleC:
.4
31
ne, ſin jetzt vier Mo=
nat
vum Winter
erum. Die Franzoße behaubte zwar, in Deitſchland weer’s drei=
vertel
Johr Winter un aa Viertel Johr kalt; awwer du liewer
Himmel, die behaubte viel wann de Dag lang is.
Des kann uns awwer vor’s Erſte ganz Worſcht ſei, jeden=
falls
geht’s em Friehjohr zu. Freilich, erſt miſſe mer uns noch
mit=re erzreackzionäre Perſenlichkeit ausenannerſetze, nemlich mit
eme richdichgehende mei Zwangsmiedern ſeegt färridawele‟
Prinz illeſchabler Abſtammung, der wo die ganz Zeit des
Landes verwieſe war, un den wo die Reſchierung in ihre un=
begreifliche
Gudmiedichkeit uff einige Zeit die Rickkehr zu den
Seinen genehmicht hott. Er hott allerdings hoch un heilig ver=
ſpreche
miſſe, daß er ſich in de braade Effentlichkeit net mauſich
macht, daß er weder rechts= noch linksbollſchewichtige Ammbidat=
zione
hott, un daß er ſei Macht net zu umſterzleriche Zwecke miß=
brauche
dhut, ſundern daß er ganz unuffellich, gewiſſermaße famil=
lionär
ſich bewege dhut. Un ſogar die Bollezei is a gewieſe, daß ſe
net bloß die Aage, ſundern aach noch ſämtliche Hiehneraage zu=
dricke
ſoll.
Es gibt nadierlich aach Leit, die mache de Reſchierung ſchun
widder Vorwerf, weil ſe den Prinz ſo mir=nix=dir=nix ins Land
ereileßt, un die maane in ihre Engſtlichkeit ſchun, no ja, jetzt geht
die Welt unner, un die Sunn aus, un die Rebublick is in Gefahr,
un die Redackzion is im Amarſch,

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 2. März 1924,

Seite 17.

Grieskremer un Elendsviſcholinſpieler ruhig dreeſte: die Tugend
is ſo e Art moraliſche Adderijeverkalkung, die kimmt bei uns all=
mitnanner
mit de Zeit un mit de Johrn, un do brauche mer uns
net beſunners mit groß zu dhu. (Bitte net mit hadde Gege=
ſtend
werfe!)
Ich verſeenlich ſteh ja allerdings mit meine Jugend ziemlich
uff de Schnebb, awwer’s Herz is noch jung, arch jung. Un wann
ich ſo in de letzte verrzeh Däg als bei meine Kundſchaft geneht
hab und hab ſo aus de alte Fehncher un Fliddſchjer neie Ko=
ſtiemcher
gemacht, do hott’s doch elend gebobbert, mei Herzche.
Ach, es war doch frieher als gor ſchee ins Enslings, ins
Breidebachs, bei’s Gaulees un bei’s Hauſte uff de Danz=
krenzcher
. Do hott die Reſſedenz geglenzt.
Heit ſage ſe dodezu Rüenion awwer es is aach denaach.
Un erſt die Denz meine Herrn! De Schimmi, de Poſton,
de Wonnſtebb un de Tuſtebb un de Fockstritt, de Jatz un de
Jafa, ’s werd mer blaublimmerant, wann ich bloß die Name
heer. Extrane Stiwwel ziehe ſe debei a', Schimmiſtiwwel, ich
waaß zwar net, wie die ausſehe, awwer ich vermut, do ſin die
Abſätz vorne.
Gewehnliche Danzmaaſter kenne aam die Denz gor net lerne,
ſundern heidichendags beſorge des Lehrer fier ridhmiſche Kör=
berkultur
, die wo an ere ſtaatliche A’ſtalt erſt ihrn Dibbel inſch
mache miſſe. Zu meiner Zeit hawwe die Danzmaaſter Geig odder
Mundharmonika geſpielt, un do is druff los geſchaabt worrn:
Kreizbolka: Siehſte wohl do kimmt=der, odder Hobſawalzer:
Hobſa Marie mit de Baa, Hobfa Marie mit de Baa, Hobſa
Marie mit de dicke Baa, odder Dreher:

PAEit

Hudndtndmndtmndtadmmndbcddmndtmſtdcandtäm

Nor langſam, die Sach is halb ſo wild, denn es hannelt ſich
dißmol bloß um de Prinz Kannewall. Un der kimmt eigent=
lich
gor net in ſeiner Eichenſchaft als Prinz, ſundern mehr in
ſeine Eichenſchaft als Volksbeauftragder.
Gewiß, mer kann ſehr gedaalter Maanung un der Iwwer=
zeichung
ſei, daß unſer Zeit zu allem annere eher a gedha is, als
zum Faßnachtfeiern. Awwer wolle mer dann unſere Jugend
allen Spaß un Frohſinn verderwe? Sin mer net aach emol
jung geweſe? Un is dann ausgerechent unſer Jugend vun heit
dra ſchuld, daß mer jetzt ſo ferchterlich dief in de Dinde ſitze?
Ach naa, do warn viel greeßere Narn am Werk, als wie die
vum Prinz Kannewall, un mir machts ganz ſo den Eidruck, als
weern mer in de letzte Johrn aus de Faßnacht gor net mehr
erauskumme; ſogar de Katzejammer is net mehr an en beſtimmte
Dag gebunne, ſundern der is in Permonenz erkleert. Soll
awwer dodewege unſer Jugend vun heit dauernd in Sack un
Aſche geh? Gewiß net, un mir wolle=ſer vun Herze genne, wann
ſe mol e Aageblickche freehlich is, un wolle uns an ihre Läwens=
freid
erwärme, de Ernſt des Läwens kimmt noch ſpeet genug
zu frieh an ſe.
Im iwwrige derfe ſich, bei dem Faßnacht=Erſatz, den wo ſich
mit beherdlicher Genehmigung unſer Jugend leiſte dhut, die

mrgnnnnnnnmtäadanifätdmmmrndtnffädtrmmmdrmmmmmmrmnfdrmmmndtim

Ach, was bobbert, bobbert, bobbert,
Ach, was bobbert, bobbert, bobbert,
Ach, was bobbert, bobbert mir mei Herz!
So hatt ich loch kaa Herz gehatt,
Wo mir ſo arg gebobbert=bobbert hat,
Ach, was bobbert, bobbert mir mei Herz!
Deß is, wie geſagt, zu meiner Zeit des modernſte un des
nowelſte geweſe, deß wo mer nor uff ganz feine Bäll un in de
beſte Geſellſchaft gedanzt hott, wie zum Beiſpiel in de Ebbelwei=
kaſern
un ſo.
Heit is mer nadierlich mit dene Kenntniſſe unne dorch, dann
wer heit net mindeſtens en Focks vun=eme Jatz, un en Schimmi
vun=eme Jafa unnerſcheide kann, der werd iwwer die Axel age=
guckt
, gilt als Bauerndruhſchel un is net geſellſchafts= un ſadiß=
frackzionsfähig
.
Wenigſtens ſo ſeegt mei Zwangsmiedern, mit dere ich mich
neilich dodriwwer unnerhalte hab, un die waaß dodrinn Beſcheid,
un die hot de Boge haus. Ich hab deß zwar net beſtridde, hab
awwer gemaant, mir kennt die heechere un die niedriche Koreo=
geografie
, wie mer heit ſeegt, egal ſei, indem daß ich jedenfalls net
mehr in die Lag kemt, wo’s Aam eiffalle dhet, mich a zugaſchiern.
Deß kennt mer all net wiſſe, hott mei Zwangsmiedern ge=
maant
, dann bei Gott und unſere deitſche Verhältniſſe weer ewe
alles meeglich. So hett ſe zum Beiſpiel geheert, die bollidiſche
Baddeie vun de verſchiedene Schaddierunge wollte jetzt während
de Wahlſchammbannje Bunde Awende arrangſchiern mit
Schwoof un Scheenheitskonkurrenz, un diejenige, welche do die
meiſte Stimme kreegte, keemte uff die Walliſt; ſie dhet beſtimmt
demit rechene, bei erjend=ere Baddei als Spitze=Kanndidadinn
uff die Liſt zu kumme. Un weiter, hedd ſe ſich ſage loſſe, deht
demnechſt en Große Gala=Elide=Koalitzions=Ball, in Ausſicht
ſteh, de Herr Kind un die Fraa Roth hedde’s Orrangſchemang
iwwernumme.
Wann deß ſo is, hab ich geſagt, do kennt mer jo aach dem=
nächſt
mit=eme Allgemeine, große Stadtverwaltungs= Danzver=
gniege
rechne, wo des Deffiſifiſitt abgedanzt werd, des wo ſich
die Stadt ſo im Laaf vun de letzte Johrn zuſammegeſpart hott.

Freilich, ſeegt mei Zwangsmiedern, un do kann’s Ihne
bliehe, daß Se pum Bläddche als Rebräſſindatzionsfiſchur hie=
geſchickt
werrn un Sie miſſe mit em Herr Ritzert, der wo jeden=
falls
de techniſche Leiter vun dere Vera’ſtaldung is, de Gaßbreis=
Verſeehnungs=Schimmi danze do ſin Se noochher elend
uffgeſchmiſſe mit Ihne Ihrm altfrenkiſche Kreizbolka un Hobſa=
walzer
,
Heiligkreizowwerwaldhausaa ſiedel! hab ich gerufe, aach noch
die Schand! No, mei Zwangsmiedern hott mich gedreeſt un
hott geſagt, noch weer Polen niſcht verloren, un ich ſollt nor e
paar Awende mit=er geh, ſo e indelleſchent Fraa wie ich, dhet des
im Handrumdrehe lerne.
Ich hob mich alſo blattſchlage loſſe un bin mit, dann als
altei geſeſſene Darmſtädter Berjern wollt ich mich bei dem Stadt=
verwaldungs
=Danzkrenzie beim Herr Ritzert net blamiern, ſun=
dern
ſo viel un ſo modern wie meeglich vun dem ſtädtiſche Defi=
ſitt
abdanze.

Naa naa, naa, naa, Herr Redackdeer, ſchicke Se jemand
annerſter hie, ich mach deß net, wie e Kenggeruh im Saal
erumzuhibbe?! nag, naa, net for e ſchäl Gaas, deß Defiſitt
helf ich net abdanze, un wann mich unſer allerowerſter Borje=
maaſter
angaſchiern dhet.
Alſo ich bin Zeit meines Läwens alles annere eher geweſe
wie er Drambeldier, un ich loß mer ſchun allerhand gefalle, aw=
wer
mir dhut heit noch alles weh. Acht Dag lang hab ich dezu
gebraucht, bis ich widder einichermaße Ordnung in mei Glied=
maße
eneigebracht hab un widder ſo ungefehr gewißt hab, wo
Rechts un Links is.
Mich wunnerts bloß, daß ich bei dere Hibberei net aus de
Faſſong kumme bin, un e Fiſchur krickt hab wie e Korkezieher.
No, gottlob, ich bin vun Kind uff ſchun e bißche rundlich ausge=
falle
un hab e Talljeweide, die wo ſich ſehe laſſe kann. Awwer
deß hott grad bei dere Danzerei ſei Noochdaale, dann wann mer
ſich do net hinnerricks un vornenauszus, kreizweis un iwwer=
zwerch
verworſchtele un verwoijele kann, do fellt mer peinlich un
una genehm uff mit ſeine reackzionäre Konſchdiduzion. Ich hab
mer zwar alle Mieh gewe, hab Spojemende und Fiſſemadende
gemacht wie e indiſch Tembeldenzern, ſo daß die Leit geglaabt
howwe, ich wollt, als Erſatz for die Nini Willenz, ans Theriater,
awwer wie ich mich aach ageſtellt hab, es is ums Läwe kag
Focksdritt un kaan Schimmi draus worrn. Zwar, der Klavier=
pianiſt
, der wo die Muſick dezu gemacht hott, der hott mer age=
bodde
, ich ſollt mer de Marga Peter ihr Koſtiem lehne loſſe, deß
wo ſe neilich im Bilderbläddche als Bajadeere a gehatt hett, un
ſollt mit=em ans Warriädee geh, do kennte mer Geld verdiene
wie Hei.
No, den hab ich bewarriädeet; der macht ere ehrſame Jumb=
fer
ſo kaa bajedeeriſche Adräg mehr. Un wann die Stadtver=
waldung
net worde will, bis die alte Denz widder in Schwung
kumme, dann muß de Herr Ritzert ſchun ohne mich ſein Gaß=
breis
=Verſeehnungs=Schimmi danze, ſo laad mer’s dhut.
Bienche Bimmbernell.
Poſtſchkribdumm: Do hott mer ſo e neiſchierig Oos
en Brief geſchriwwe, un ob ich wißt, ob die Dockderſchees, die
wo Zeit de letzte Zeit mit blitzzugsordicher Geſchwindigkeit dorch
Darmſtadts Mauern raſt, ob die aus der Heeresbeſtend vum
Pharao Tutanchamon weer; odder ob die Schees der Wage weer,
mit dem de Elias, ſeelich, in de Himmel gefahrn weer.
Alſo, erſchtens waaß ich net, was des for e Schees is, un zwei=
tens
is es kaa Schees, ſundern e Kubbee, un drittens: in unſere
an werkliche Orſchenale ſo arme Zeit muß mer for jed Orſche=
nal
dankbar ſei, des wo ſich e bißche aus der Maſſe eraushebt, un
wann’s aach bloß e vierrädriſches is.
Wos awwer den eſchibbdiſche Faraonewenzel Tutanchamon
bedrifft, mit dem ſe ewe ſe e Gedees mache nor Gedult, mit
dem redd ich aach noch e Werdche im Vabeigeh.
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da ich gerne die Behandiung einer Patientin fortſetzen möchte, welche ſeit
9 Jahren völlig kahl war. Die Haare ſind ſchon ſetzt wieder 1012 cm
lang, jedoch noch ſehr dünn, und es beſtehen noch ſtellenweiſe kable Stellen.
Und ein anderer Arzt berichtet uns von einem Falle, wo die Patientin ſeit,
8 Jahren einen völligen Katſkopf hatte. Er ſchreibt: Patientin bekam dann
Humagſolan=Tabletten, uuterſtützt durch Beſtrablungen, der Erfolg war ein
ganz überraſchender. Nach 3 Monaten weiſen die Haare eine Länge von 10 cm
auf. Ein dritter Arzt berichtet von einem Mädchen, das an Haarverluſk,
litt, und bei welchem alle anderen Behandlungsmethoden verſagten. Sie hatz

9
Heotoones Tagt
denn er teilt mit: Mit Humagſolan gelang es, in kurzer Zeit einen neuen dichten
Haarwuchs zu erzielen. Wenn Fälle wie dieſe auch nicht alltäglich ſind, ſo ſind
ſie doch möglich, wie die Erfahrung lehrt, und mehr als 1400 Aerzie des In=
und Auslandes berichteten uns bis jetzt über ihre Erfolge mit Humagſolan, die
ſie z. T. ausdrücklich als überraſchend, glänzend, eklatant und auffallend‟
bezeichnen. Wollen Sie deshalb nicht auch etwas für Ihre Haare tun? Sie bilden
doch Ihren ſchönſten Schmuck, laſſen Sie jünger und leiſtungsfähiger erſcheinen
und ſind auch geſundheitlich von größter Wichtigkeit, weil ſte den Kopf vor Erkäl=
tungen
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[ ][  ][ ]

Seite I8.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 2. März 1924.

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[ ][  ][ ]

Nummer 62.

Hans Peter Kromm der Lebendige.
Eine Geſchichte von Ufer zu Ufer
von Johanna Wolff.
62)
(Nachdruck verboten).
Nur für ſich ſelbſt war Titje hilflos. Ein Glück, daß er
Lhdia hatte, die Schweſter. Sie nahm ihm die ausbeſſerungs=
bedürftigen
Stiefel fort, abgeſchabte Kravatten und ausgefranſte
Hoſen erſetzte ſie rechtzeitig, und vor allen Dingen ſorgte ſie,
daß der Bruder den Leib nicht ganz vergaß und Eſſen und
Trinken nicht zu ſehr hintenanſtellte.
Oft genug war er Tag und Nacht unterwegs; ſich die
Abendſtundcn für ſeine Jungmannen freizuhalten und die kör=
perliche
und geiſtige Friſche dafür aufzubringen, ſtrengte ihn an,
doch war ihm grade dieſer Teil ſeiner ſozialen Tätigkeit beinah
das liebſte.
Hier war er Anrufer und Wecker, Verſtehender und oft
genug ein Heilender. Hier wurde über das Weſen Gottes
geredet und über des Menſchen Unterleib, über das Weib und
über männliche Selbſtbewahrung. Nichts Zerfreſſendes gab’s
nichts Angekranktes, darauf nicht Titje die Hand gelegt. Daß
unſere Jugend ſo troſtbedürftig iſt, wer merkt’s? ſagte er öfter.
Er merkte es und bot ſeinen Jungmannen Handhaben zu rein=
lichem
Mannestum . .
Nun ſaß Hans Peter mit unter ihnen, und bald ſahen
ſie ihn an als zu dem Doktor gehörend, ihn ergänzend, und
nanchmal mußte er gar den Abweſenden vertreten.
Aber ſeltſamerveiſe erzählte er auf dem Sonnenhof nichts
bavon. Merete nahm im ſtiillen wahr, daß ihr Junge heller aus
den Augen blickte, und Dunnerklags meinte, das Freundcheen
ſähe aus, als hätte er neue Schäftenſtiefel bekommen. Eigent=
liches
wußten beide nicht, und am wenigſten wußte Hilde davon.
Der beſte von unſern Jungmannen will ſich verheiraten,
ſagte Titje nach einer Abendſtunde, er iſt kaum Einundzwanzig;
dieſe einfachen jungen Leute haben es darin gut, ſie machen in
ihrem Gewerbe den Geſellen oder Meiſter; und dann ſind ſie
ſo weit. Weißt du übrigens, daß auch ich ſchon verheiratet
war?
Hans Peter fuhr herum. Auch dazu haſt du Zeit gehabt?
fragte er in ehrlichem Erſtaunen zurüick.
Jawohl. Aber nur wenige Tage. Dann ging die Ehe=
liebſte
mit meinem völligen Einverſtändnis auf und davon, und
wie ließen uns friedlich ſcheiden. Zuviel Geiſt und zu wenig
Körper, behauptete ſie von mi=, und das ewige An=Andre=
Denken ginge ihr auf die Nerben. Und dabei haben wir uns
fünf Jahre vorher gekannt! Titje hatte mit Hefterkeit geſpro=
chen
, jetzt lachte er, was er ſelten tat. Hans Peter lachte mit.
Kann das möglich ſein? meinte er halb ungläubig.
Frag lieber, was unmöglich ſein kann zwiſchen Mann
und Weib! Soviel der Himmel höher iſt denn die Erde, iſt
Weiberweiſe unterſchiedlich von Männerart, und iſt kein Ver=
ſtehen
zwiſchen ihnen, ſie kämen denn überein im Menſchen.

Darmſtädter Tagblatt, Sonutag, den 2. März 192Z.

Seite 19.

Nur ſoweit beide Menſch geworden, werden ſie das Menſchliche
aneinander begreifen und ſchonen. Recht=Heiraten iſt beſſer
denn Nicht=Heiraten. Und jung und gut dazu kommen iſt das
beſte, das einem werden kann . . .
Da kam Hans Peter damit heraus, daß auch er ein Mäd=
chen
lieb hätte, Hilde Stettner aus der Holderruh, des kranken
Malers blonde Tochter, die ſein Jugendgeſpiel geweſen. Und
er ſchüttete Titje ſein Herz aus, wie es ihm mit ihr ergangen
und wie ſie einander fremd und fremder würden. Es geh
nicht anders, Titje, du mußt mit mir kommen. Du mußt meine
Mutter ſehn und Dunnerklags und und mußt mir mit Hilde
zurecht helfen. Ich hätte dich längſt hinbringen ſollen, nur
es war ſo ſchön, dich für mich zu haben! Nie habe ich einen
Menſchen für mich gehabt
Es war Meretens Geburtstag, und Hilde war zur Feier
des Tages zu Tiſch gekommen, da brachte Hans Peter den
Freund auf den Sonnenhof. Im ſtillen hoffte er auch, Titje
als Arzt könne darüber entſcheiden, ob nicht für den kranken
Maler eine Anſtalt vorzuziehen ſei. Hilde war ihm ſeit jenem
Vorſchlag gänzlich entfremdet. Merete hieß den Gaſt mit Herz=
lichkeit
willkommen, doch ihre Aufmerkſamkeit war draußen in
der Küche bei dem Zartkälbernen, das ſie in der Pfanne hatte.
Aber Hilde, die tat ganz ſonderbar gegen den fremden
Mann. Die ſchaute Titje an wie gebannt, ein Ausdruck, halk.
Angſt, halb Staunen ging über ihre Züge, der blaſſe Mund
ſchien röter zu werden, die Augen blau und kindlich, tiefte ein
dunkles Glänzen Hilde ſah aus, als hätte ſie plötzlich ſich
ſelbſt erlebt.
Doktor Titje Bernd haite Hans Peter ihn vorgeſtellt. Ob
die beiden ſich ſchon länger kannten? Seltener war der Liebſte
gekommen in der letzten Zeit, und Martha, die alte Haushäl=
terin
, hatte geſagt: Der junge Herr wird ſich was Beſſeres
gefunden haben in der Stadt. Hilde hatte vielleicht an eine
Liebesſache gedacht, nun wurde ihr klar, daß die Ablenkung
durch dieſen Freund gekommen ſein müſſe, und da ſie Titje
ſah, ſchien ihr das auch ganz natürlich. Den den mußte man
ja mehr als gern haben.
Es wurde zu Tiſch gebeten, und das war gut. Da konnte
ſie den Blick auf ihren Teller ſenken. Gott geb’s uns niemals
ſchlechter, ſagte Hans Peters Mutter. Und dann wahmen ſie
Platz. Titje Bernd ſaß neben Hilde, und wie vorhin durch ſeine
Augen, ſo ſchien ſie jetzt durch ſeine Stimme hingewommen, ſie
lauſchte, da er mit Merete ſprach.
Die Frage nach dem Ergehen des Vaters löſte ihr ſelber
die Zunge. Er war ja ein Arzt, dieſer wunderbare Menſch!
Sie fühlte ſich entſpannt wie nach einem großen Erlebnis und
gab angeregten Bericht über den Kranken. Nach und nach
wurde ſie dieſem fremden Mann gegenüber ſo freiherzig, wie
ſie gegen Hans Peter letzthin kaum je geweſen. Sie ſprach alle
ihre Sorgen und Aengſte aus, auch daß davon die Rede geweſen
ſei, den Vater in eine Anſtalt zu bringen.
Vielleicht könnte ich Ihren Vater einmal ſehen? Titje

ſtellte das nicht grade als eine Anfrage hin, er warb nur gleich=
ſam
um die Möglichkeit, natürlich nur, wenn es Ihnen eine
Beruhigung wäre, fügte er hinzu. Hilde, ſah zu ihm auf:
Sie werden ihn nicht fortſchicken, ſagte ſie leiſe und angſtlich,
Sie werden mir auch die Wahrheit ſagen?
Titjes ruhiger Blick ſenkte ſich in ihre Augen, er reichte ihr
die Hand: Erquicken, nicht quälen iſt mein Beruf
ohne
Ihren freien Willen ſoll natürlich nichts geſchehen.
Ein paar große Tropfen rannen an Hildes Wangen nieder:
Es iſt nur, Vater hat jetzt ſo große Angſt, allein zu ſterben,
raunte ſie kaum hörbar. Das alſo war die Löſung, ſie wollte
den wenig geliebten nicht allein ſterben laſſen.
Soll ich gleich kommen? Zwar, ich bin nicht Nervenarzt,
vielleicht eine freundſchaftliche Beurteilung könnte Sie be=
ruhigen
."
Hilde ſah den Mann an, und wieder ging’s wie Angſt und
Staunen über ihre Züge; dann reckte fie beide Hände: Ja!
Ja, kommen Sie gleich, Herr Doktor! Hans Peter gibt uns
wohl den kleinen Wagen
Ich fahre ſelber, rief der ſchon herüber. Er war erſtaunt
über Hildes Art. Aber wenn ſie Titje vertraute, konnte ja alles
gut werden. Und ſo fuhren ſie zu dreien über das ſtille Land.
Dieſe Haide macht nicht troſtlos, nur eingezogen, meinte
der Doktor, hier muß Heftiges ſich ſchlafen legen und Gelaſſen=
heit
den Mantel ſchlagen um alles Schmerzhafte.
Am Holderhaus rauſchte eintönig das Brünnlein, aus dem
Hans Peter getrunken zur Zeit ſeiner großen Knaben=Sehnſucht.
Hier hatte er, das Geſicht im die Haideſchollen grabend, Hilde!
Hilde! gerufen.
Sie ſtand under der Pforte ſtill: Wär’s nicht am beſten,
wir überraſchten den Vater? Wenn ich ihn erſt vorbeneite,
wehrt er ſich, und er kann ſich ganz furchtbar wehren. Sie hatte
die Tür ſchon geöffnet und zog Titje hinter ſich drein, dem
andern überlaſſend, ob er nachkommen oder draußen bleiben
wolle.
Hans Peter ſchlang die Zügel um den Peitſchenſtiel und
trat dann ins Haus. Im Krankenzimmer mochte nichts Gewalt=
ſames
vorgehen. Herr Wilfried Stettner ſchien gut aufgelegt
zu ſein; ein tiefes launiges Auflachen war nebenan vernehm=
bar
und Hildes ruhig erklärende Stimme. Merkwürdig, dieſer
Titje Bernd. Sie gaben ſich ihm alle, die er mit ſeinem Weſen
berührte. Männer und Frauen, Alte und Junge.
Nicht wahr, Vater braucht nicht in eine Anſtalt? wandte
ſich Hilde an den Doktor, da dieſer die Tür des Krankenzimmers
hinter ſich zuzog. Titje zögerte zu antworten: Eigentlich müßte
er fort, wenn es ſich nur um Ihren Vater allein handelte. Wenn
ich Sie in Betracht ziehe, halte ich es für richtig, wenn er hier
bleibt. Ich glaube, dieſe Schwere tragen Sie lieber als die Tren=
nung
. Aber denken Sie bei allem Kommenden auch an ſich
ſelbſt und an andere. Er wies auf den Freund, der zu
den Pferden gegangen war. Dort iſt einer, der es trotz allem
Leid ein bißchen gut bei Ihnen haben möchte. (Fortſ. folgt.)

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REISKANDEK

[ ][  ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Sonutag, den 2. März 1924.

Rummer 62.

AOHTH
Jeder Deutsche, gleich welcher polltischen Richtung, muß diesen kulturhistorischen
Fllm sehen!
A6


Die Greuel der Französischen Soldateska im Ruhrgebiet"
Einzig existierende Orlginal-Aufnahmen der
Erschießung Schlageter’s
von den Franzosen selbst hergestellt und jetzt in deutschen Händen!
estanden und
Herr v.Bastineller hat monatelang im Brennpunkt des Ruhrkampfes
war Augenzeuge der
Erschießung der Krupp’schen Arbeiter
Herr von Bastineller wird diesen Film persänllch erläutern!
Der zweite Film, ebenfalls mit Vortrag des Herrn Dr. Töpfer
Theodor Körner
Der Freiheitskämpfer von 1813

Als Einlage nach
Bedark!

von der
Der Meisterspringer von Kürnberg Kuftur 4bt. 4UIa

Fo Nerchen 10 Ptmuts tür jece Hntritskarte mehr erhoben welehe dem Geckenk- 1. Optertas der Rheln=
(C6009go
Ruhr-, Hessen- und Pfalzgebiete überwiesen werden.

Residenz-Theater

Ein Raubtiergroßfilm in 6 Akten
Wildnis
nach einer Anregung von
John Hagenbeck
In der Hauptrolle:
Ernst Hoffmann, Niveau
Gibson. Dornneau Shirley,
Heinrich Peer
Ferner das nord. Drama in 5 Akten
Zigeuner‟
mit Hugo Swoboda
Olga Augustowa.

Zentral-Theater
Ein Kammerspiel
MOTÄ in 6 Akten mit
Lucie Höflich, Ol8a
Tschechowa, Carl Ebert und
Fritz Kortner
Pat und Patachon
Die beiden nord, Komiker in dem
5aktigen Lustspiel
Die Braut aus
Australien

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