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Heſſiſche Neueſte Nachrichten
Morgenzeitung der Landeshauptſtadt
Nachdruck ſämtlicher mit X verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſt. Tagbl.” geſfattei.
Donnerstag, den 12. Juli 1923
186. Jahrgang
Nummer 190
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Beitreibung fällt jeder Rabatt we. Banßkonto=
Deutſche Bank und Darmſtädter 8 Nationalbank.
Vor dem Abſchluß der Orientkonferenz.
Freude in der Türkei. — Beffürzung in Griechenland.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Nach einer Havas=Meldung
aus Konſtantinopel wird in offiziellen türkiſchen Kreiſen
die Einberufung der neuen Nationalverſammlung
für den 2. Auguſt und die Ratifizierung des Friedensvertrages
vor dem 15. Auguſt erwartet. Demnach wäre die Räumung
Konſtantinopels wahrſcheinlich anfangs Oktober durchgeführt. In
der Stadt würden große Vorbereitungen zur Feier der
Friedens=
vertragsunterzeichnung getroffen. Die Preſſe begrüßt in ihrer
großen Mehrheit die demnächſtige Unterzeichnung des
Friedens=
vertrages, der für die Türkei eine Aera der Freiheit eröffnen
werde.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Nach einer Habas=Meldung
aus Athen bekunden die Blätter gewiſſe Beſtürzung wegen
der Rückerſtattung der türkiſchen Flotte, und
namentlich der „Göben”. Griechenland könnte nach ihrer Anſicht
genötigt ſein, ſein eigenes Flottenprogramm zu erweitern, um
den ſicheren Beſitz der Inſeln zu garantieren.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Nach einer Havas=Meldung
aus Konſtantinopel iſt der ökumeniſche Patriarch geſtern
mit einem ägyptiſchen Dampfer nach dem Berge Athos
abge=
reiſt. In gewiſſen Kreiſen werde erklärt, der Patriarch
ver=
laſſe Konſtantinopel aus Gefundheitsgründen, von anderer Seite
behaupte man, daß er demiſſioniert habe.
Bevorſiehender Generalſtreik in Spanien.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Das Journal meldet aus
Madrid, die ſoziale Lage habe in Spanien einen
außer=
ordentlich ernſten Charakter angenommen. Der
Gewerk=
ſchaftsverband, dem ſämtliche Gewerkſchaften von Barcelona,
Se=
billa, Valencia, Saragoſſa, La Coruna und Madrid angeſchloſſen
ſeien, habe beſchloſſen, unverzüglich den Generalſtreik
er=
klären zu laſſen. Die kommuniſtiſchen Elemente hätten
verſpro=
chen, die Bewegung zu unterſtützen. Die Regierung ſei ſehr
beſorgt wegen der zunehmenden Verſchlimmerung der
Lage in Barcelona.
Vom Tage.
Der ſächſiſche Miniſterpräſident Dr. Zeigner weilte
geſtern in Berlin und wurde vom Reichskanzler empfangen. Die
Ausſprache war vertraulich.
Wie der Berliner Metallarbeiterverband nach Mitternacht mitteilt,
hat die geſtrige Urabſtimmung keine zur Fortführung des Streiks
er=
forderliche Mehrheit ergeben. Infolgedeſſen hat der
Metallarbeiterver=
band beſchloſſen, die Arbeit in den Betrieben am Freitag wieder
auf=
nehmen zu laſſen.
Der frühere Leiter der Hamburger Ortsgruppe der
nationalſozia=
liſtiſchen deutſchen Arbeiterpartei, Joſeph Klant, wurde, wie die
ſtaat=
liche Preſſeſtelle mitteilt, verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt.
Gleichzeitig wurde die Nationalſozialiſtiſche
Arbeiter=
partei wie in Preußen ſo auch in Hamburg verboten.
Der Journaliſt v. Puttkamer, der von München nach Verlin
verzogen war, iſt gelegentlich eines vorübergehenden Aufenthaltes in
München von der Polizei aufs neue verhaftet und dem Gericht
zugeführt worden.
Nach einer Havasmeldung aus Prag iſt der Leiter der
fran=
zöſiſchen Militärmiſſion und Generalſtabschef der
tſchecho=
ſlowakiſchen Armee, General Mittelhäuſer, mittels Flugzeug nach
Straßburg gereiſt, von wo er ſich mit der Eiſenbahn nach Paris
be=
gibt. Nach dem Petit Journal wird angenommen, daß die ſchleunige
Berufung des Generals nach Paris mit der Unterredung zwiſchen
dem tſchechiſchen Außenminiſter Beneſch und dem Miniſterpräſidenten
Poincaré in Zuſammenhang ſtehe.
Der belgiſche Senat hat über die Regierungserklärung
ver=
handelt. Bekanntlich hatte die Kammer vergangene Woche eine Aktion
gegen die extremen Sozialiſten gutgeheißen. Die Debatte war ſehr
leb=
haft, doch wurde nach einer kurzen Rede Jaſpers ein
Vertrauens=
votum für die Regierung mit 88 gegen 36 Stimmen bei einer
Stimmenthaltung angenommen.
Der Sonderberichterſtatter des Daily Chroniele ſchreibt
an=
läßlich der ſechsmonatigen Wiederkehr des Tages des Einmarſches ins
Ruhrgebiet, er habe bei einer Anzahl Rundfahrten durch das beſetzte
Gebiet feſtgeſtellt, daß der Wille der Bevölkerung zum
Aus=
halten niemals ſo ſtark geweſen ſei wie jetzt.
Das große Rätſelraten.
* Berlin, 11. Juli. (Priv.=Tel.) Miniſterpräſident
Bald=
win hat es verſtanden, durch geheimnisvolle Andeutungen über
ſeine weiteren Abſichten, die er in der engliſchen Preſſe
veröf=
fentlichen ließ, eine Hochſpannung der Neugier zu erwecken, die
zumal in Paris in beträchtliche Nervoſität umgeſchlagen iſt.
Vielleicht war das die Wirkung, die er zunächſt erzielen wollte,
und von der er ſich ein Entgegenkommen Poincarés verſprach.
Darin hat er ſich aber getäuſcht. Frankreich bleibt feſt und iſt
zum Alleräußerſten entſchloſſen, iſt ſogar bereit, die Drohungen
mit dem Bruch der Entente über ſich ergehen zu laſſen. Daß
freilich, wenn es ſoweit käme, Frankreichs politiſche und
mora=
liſche Lage höchſt ungemütlich würde, darüber ſind ſich die
Her=
ren am Quai dOrſay in den Tiefen ihres Bewußtſeins ganz
klar. Sie verlaſſen ſich nun darauf, daß England zuletzt doch
vor dem entſcheidenden Schritt zurückſchrecken wird, teils, weil
es die militäriſche Zuſpitzung ſcheut, die daraus folgen könnte,
teils auch, weil die engliſche öffentliche Meinung und zumal der
rechte Flügel der engliſchen Konſervativen immer noch an
Frank=
reich feſthält.
Mimiſterpräſident Baldwin hat ſich denn auch beeilt, in
offi=
ziöſen und halboffiziöſen Erklärungen den Franzoſen eine
be=
ruhigende Pille zu ſervieren, die in Paris ſehr gerne
genom=
men wurde, und plötzlich redet man von einer Entſpannung.
Damit iſt viel oder auch nichts geſagt. Die Franzoſen täuſchen
ſich, wenn ſie glauben, daß Deutſchland nun atemlos auf die
Rede Baldwins warte oder etwa gar hinter den Kuliſſen die
Engländer aufputſcht. Dazu haben wir aber gar keine
Mög=
lichkeit. Hätten wir ſie, dann wäre das wohl ſo ziemlich das
korichſte, was wir tun könnten. Wenn England und Frankreich
ſich ſtreiten, iſt Deutſchland noch niemals der lachende Dritte
geweſen. Im Gegenteil, wir haben immer die Koſten zahlen
müſſen, und ſehnen uns ſchon aus dieſem Grunde nicht nach der
Wiederholung eines ſolchen Zwiſtes. Das ſollten auch die
Franzoſen begriffen haben. England macht immer nur
eng=
liſch= Politik, aber niemals deutſche Politik, und wenn in
die=
ſem Falle Baldwin die Auffaſſung Deutſchlands zu ſtützen ſcheint,
ſo nur deswegen, weil in der Abwehr der franzöſiſchen
Ruhr=
aktion die deutſchen und engliſchen Intereſſen diesmal
zuſam=
men fallen.
England verfolgt zwei Ziele: es muß ſehen, wie es aus der
Sackgaſſe von Verſailles herauskommt und das franzöſiſche
Uebergewicht in Europa verkleinert. Es muß zudem aus
wirt=
ſchaftlichen Gründen dafür ſorgen, daß in Europa wieder
fried=
liche Zuſtände eintreten, und an Deutſchland hängen immer noch
zwei bis drei Millionen Menſchen im Weſten, deren Kaufkraft
und Aufnahmefähigkeit für die engliſche Geſchäftswelt ſo lange
lahmgelegt iſt, bis Deutſchland wieder zu ruhiger Arbeit kommt.
England iſt nun in der angenehmen Lage, Schritt für Schritt
vorangehen zu können. Es kann warten, wenn ihm auch der
franzöſiſche Widerſtand noch zu groß erſcheint. Deshalb
erwar=
ten wir von der Rede Baldwins keine plötzliche Wendung zu
anſeren Gunſten. Vermutlich wird es darauf hinauskommen,
wie Reuter ſo ſchön ſagt, daß er die Türe offen läßt, das heißt,
er hat die Franzoſen ſchon zu einer Unterhaltung eingeladen.
Sie haben darauf nicht reagiert. Er hat darauf das Zimmer
verlaſſen, wartet aber nun im Nebenraum, ob die Franzoſen
nicht nachkommen. Dabei ändert ſich in der allgemeinen Lage
eigentlich ſehr wenig.
Der engliſche Handel zur Lage.
TU. Paris, 11. Juli. Das Echo de Paris meldet aus
London, daß man in den dortigen Geſchäftskreiſen die
Zweck=
näßigkeit begreife, auf Frankreich einen
finanziel=
en Druck auszuüben. Man iſt ſich aber auch klar, daß,
venn die Offenſive gegen den Franken fortdauert, dem
eng=
iſchen Handel ſelbſt der größte Schaden zugefügt würde.
Engliſches Beruhigungspulver für Frankreich.
TU. London, 11. Juli. Geftern abend erſchien der
fran=
zöſiſche Botſchafter bei Lord Curzon mit dem Auftrage,
feſtzu=
ſtellen, was die engliſche Regierung beabſichtige, der
Oeffentlich=
keit am Donnerstag mitzuteilen. Curzon hat, wie in den
Abend=
meldungen behauptet wird, den Botſchafter darüber beruhigt,
daß die engliſche Erklärung keinen Bruch mit
Frank=
reich ankünden werde.
London, 11. Juli. (Wolff.) Der diplomatiſche
Bericht=
erſtatter des Daily Telegraph ſchreibt, es könne angenommen
werden, daß die morgige Erklärung der Regierung
über die Reparationspolitik, wenn ſie auch rein
tech=
niſche Einzelheiten vermeiden werde, doch eine ziemlich
aus=
führliche Darſtellung der Umſtände, die zum gegenwärtigen
Stillſtand geführt hätten, enthalten werde, ſowie der Anſichten
und der Abſichten des Kabinetts. Die Mitteilung werde kar,
aber freundſchaftlich ſein, und werde in keiner Weiſe einen Druck
oder einen Abbruch darſtellen. Die Tür werde nicht zugeworfen,
ſondern weiter offen gelaſſen, um den Alliierten, die jetzt mit
Frankreich nicht übereinſtimmten, die Möglichkeit zu geben, die
Zuſammenarbeit wieder aufzunehmen, wenn neue
Ueberlegun=
gen oder neue Ereigniſſe Veranlaſſung geben ſollten, von der
gegenwärtigen Linie abzugehen. Sogar die Möglichkeit ſei
vor=
behalten, daß Frankreich während der kommenden Wochen
oder Monate ſeine bisher ſo unvollſtändige Antwort auf die
britiſche Frageliſte in der Weiſe ergänze, daß ein allgemein
gehaltenes Abkommen mit Deutſchland auf der
Grundlage der Einſtellung des paſſiven
Wider=
ſtandes gegen die Wiedererlangung der induſtriellen und
adminiſtrativen Freiheiten im Ruhrgebiet getroffen werden.
Die Regierungserklärung werde jedenfalls auch darauf
hin=
zielen, gewiſſe hartnäckige Auffaſſungen zu beſeitigen, die
irr=
tümlich von alliierter Seite in bezug auf die neuerdings in
briti=
ſchen Kreiſen erörterten Gedanken gehegt worden wären. Zum
Beiſpiel ſei es falſch, zu ſagen, daß die Ernennung einer
inter=
nationalen Sachverſtändigenkommifſion zur
Feſtſtellung der Zahlungsfähigkeit Deutſchlands eine Verletzung
des Verſailler Vertrages darſtellen würde. Sie könne in
bera=
tender Eigenſchaft auftreten und auf Wunſch der
Reparations=
kommiſſion beſchloſſen werden, welche ihr einen entſprechenden
Auftrag erteilen könne. Außerdem fordere Buchſtaben und Geiſt
des Verfailler Vertrages ausdrücklich, daß die
Reparations=
kommiſſion ſich bei ihren Entſcheidungen von dem Geiſt
der Billigkeit leiten laſſe und die deutſche
Zah=
lungsfähigkeit nach der wirtſchaftlichen
Lei=
ſtungsfähigkeit beurteile. Frankreich habe übrigens ſelbſt
die Möglichkeit der Einſetzung einer Körperſchaft, die nicht in
Verbindung mit der Reparationskommiſſion ſtehe, in Erwägung
gezogen. Dieſe gehe aus der bedingten Reſolution de Jouvenels
vom vorigen Herbſt hervor, die von Poincaré gebilligt und von
der Völkerbundsverſammlung angenommen worden ſei.
End=
lich ſei eine Konferenz aller in irgendeiner Weiſe an dem
Problem intereſſierten Mächte nichts neues. Dieſer Gedanke
ſei von Poincaré auf der Londoner Konferenz vom Auguſt 1922
angenommen und nur wegen des Abbruchs der Januarkonferenz
in Paris unberückſichtigt geblieben. Dieſer Gedanke würde in
Italien ſehr willkommen ſein. Als Konferenzort könne, wie
urſprünglich beabſichtigt, Brüſſel vorgeſchlagen werden. Auch
einen Sicherheitspakt der Weſtmächte zuſtandezubringen
könne erwogen werden, wenn er unter der Regie des
Völker=
bundes zuſtandekomme, obgleich ein folcher Pakt nicht überall
als befonders dringend angeſehen werde.
Das Minoritätenproblem.
Von
Prof. Dr. Melchior Palagyi.
I.
Die Fragen der nationalen Minderheiten ſpielten ſchon in
der Vorkriegszeit eine hochbedeutſame Rolle in der europäiſchen
Politik, haben doch die Großmächte der Entente ihren
Welt=
kriegserfolg zum nicht geringen Teile jener denkwürdigen
Rieſen=
propaganda zu verdanten, durch die es ihnen gelang, die Völker
glauben zu machen, daß der Weltkrieg in erſter Linie zu Nutz und
Frommen der unterdrückten Minoritäten geführt werde und
eigentlich eine Art von Heilskrieg ſei, der allen verſhlavten kleinen
Völkern und Volksſtämmen ihre Erlöſung, ihre Freiheit und
Selbſtbeſtimmung bringen werde. Nun leben wir ſchon fünf
Jahre lang in der Epoche dieſes neuen Heils, und es iſt hohe
Zeit, ſich umzuſehen und feſtzuſtellen, welche Art von Beglückung
dem europäiſchen Kontinent durch die Vorſehungstat der
Groß=
mächte beſchert wurde. Da nun tritt wieder einmal jene
wohl=
bekannte „Fronie der Weltgeſchichte” zutage, die die Völker jeder
Epoche vor allen großen Verſprechern und allen großen
Ver=
ſprechungen eindringlich warnt. Denn ohne die mindeſte
Ueber=
treibung läßt ſich ſagen, daß jene Minoritätenklagen, mit denen
die Luft ſchon in der Vorkriegszeit geſchwängert war, einen faſt
idhlliſchen Charakter im Vergleich zur heutigen Verbitterung der
nationalen Minderheiten zeigten. Man gewinnt beinahe den
Eindruck, als ob die glimmenden Nationalitätenprobleme der
Vorkriegszeit erſt in unſeren Tagen zu einem lodernden
Flam=
menmeer entfacht worden wären, ſo daß man ſich fragen muß,
wie ſo durch die Heilsbeſtrebungen der Entente dieſes neuartige
Unglück über unſeren Weltteil, gekommen ſein mag.
Die Antwort liegt auf der Hand, obwohl man ſie wenig zu
beachten pflegt. Die ungewöhnliche Verſchärfung der
Minoritäts=
fragen iſt vor allem durch den Untergang des
Habsburger=
reiches im Weltkriege verurſacht worden. Denn wenn auch die
Donaumonarchie gerade deshalb zugrunde gehen mußte, weil ſie
die Minoritätsfragen nicht zu löſen verſtand, darf man ihr bei
objektiver geſchichtlicher Betrachtung doch nicht ganz das Verdienſt
abſprechen, daß ſie kraft einer militäriſchen und bureaukratiſchen
Organiſation und im letzten halben Jahrhundert ihres Beſtehens
durch ein hochkompliziertes parlamentariſches Syſtem ein
ge=
wiſſes kulturelles Zuſammenleben einer großen Zahl von
Völ=
kern und Volksſtämmen ermöglichte und fixierte. Nun hat der
Weltkrieg mit dieſem hiſtoriſchen Gebilde endgültig aufgeräumt
und an ſeine Stelle ſolche Nachfolgeſtaaten, wie die Tſchecho=
Slowakei, Polen, Rumänien und Jugoſlawvien, geſetzt, die alle die
große Krankheit des Habsburgerreiches erbten, d. h. gleich ihrer
unglücklichen. Mutter wahre Nationalitätenſtaaten
ſind. Dadurch wurde aber das gefährliche Erbübel nicht nur
vervielfältigt, ſondern leider auch in einem
außergewöhn=
lichen Grade potenziert, denn die vier neu entſtandenen
Staaten wollen im prinzipiellen Unterſchied von dem
abgeſtorbe=
nen Habsburgerreich junge und heißblütige
Natio=
nalſtaaten ſein. Während alſo die einſtige Donaumonarchie,
weil ſie kein Nationalſtaat war und nur eine dynaſtiſche Politik
(„die Politik meines Hauſes”, wie dies der greiſe Franz Joſeph
ausdrückte) befolgte, die Streitigkeiten der Nationalitäten mehr
oder minder zu mildern und auszugleichen ſuchte, müſſen die
genannten vier Nachfolgeſtaaten, da ſie um jeden Preis
einheit=
lich gebaute, homogene Nationalſtaaten werden wollen, den
Streit der Minderheiten mit innerer
Notwen=
digkeit zurhöchſten Verſchärfungtreiben. Das iſt
die unerhört tragiſche Situation, die die Großmächte der Entente
auf dem Kontinent geſchaffen und in unheilſchwangeren
Frie=
densverträgen feſtgelegt haben, während ſie mit dem Gedanken
der allgemeinen Völkerbeglückung, der ſogenannten „
Selbſtbeſtim=
mung der Völker”, ein faſt unbegreiflich leichtfertiges Spiel
trei=
ben. Wir wollen im folgenden dieſe einzigartige Situation in
ihren großen Linien zur Anſchauung zu bringen verſuchen.
Die Minderheitsfragen haben in den genannten
Nachfolge=
ſtaaten nicht nur einen verſchärften Charakter, ſondern auch eine
bisher unbekannte, neuartige Geſtaltung
ange=
nommen. Dafür liefern beſonders die Tſchecho=
Slowa=
kei, Jugoſlawien und Rumänien höchſt eigenartige
Beiſpiele. Man gab ſich dem falſchen Glauben hin, daß
ſoge=
nannte verwandte Volksſtämme, wie z. B. die Slowaken und
Tſchechen, ſich ohne Mühe zu einem einheitlichen nationalen
Teig zuſammenkneten laſſen, und dieſer fatale Irrtum hat auch
in Jugoſlawien und Rumänien Minderheitsprobleme geſchaffen,
von denen man in der Vorkriegszeit kaum eine Ahnung hatte.
So äußert ſich z. B. der Führer der Slowaken, Illinka, über die
Lostrennung von Ungarn und die Vereinigung mit den Tſchechen
in folgenden charakteriſtiſchen Worten: „In tauſend Jahren der
magyariſchen Herrſchaft haben wir nicht ein Zehntel des
Un=
rechts zu erleiden gehabt, wie in den letzten zwei Jahren” (der
tſchecho=ſlowakiſchen Lebensgemeinſchaft). Der Engländer
Ro=
bert Birkhill, der ein Buch über die Nachfolgeſtaaten des
habs=
burgiſchen Reiches ſchrieb, verzeichnet die folgende Aeußerung
Illinkas: „Erzählen Sie in England, daß Tſchechen und
Slowaken jedes ein Volk für ſich ſind. Die Tſchechen ſind
Huſſi=
ten, die Slowaken Katholiken, die Tſchechen ein Induſtrievolk,
die Slotvaken ein Agrarvolk.‟ Das ſind knappe, aber zutreffende
Kennzeichnungen. Tatſächlich weiß ein jeder Kenner der
ethno=
grahiſchen Verhältniſſe, daß Slowaken und Tſchechen
unverein=
bare Volkstemperamente darſtellen, die aus geſonderten
hiſtori=
ſchen Prozeſſen hervorgingen und ſogar der Sprache nach nicht
identifiziert werden können. Die ſanfte gläubige Natur des
ſlowakiſchen Volkes ſteht in einem grellen Gegenſatz zu der
ratio=
naliſtiſch=ſkeptiſchen Eigenart des tſchechiſchen Weſens, und es
iſt nichts begreiflicher, als daß Männer wie Illinka das
maſſen=
hafte Eindringen des Tſchechentums in die Slowakei wie eine
feindſelige Ueberfremdung empfinden. Die Tſchechen wollen freilich
dieſe Tatſache auf einen geheimen magyariſchen Einfluß
zurück=
führen, aber ſie brauchen nur die vollſtändig analogen Verhältniſſe
bei den Kroaten und Slowenen Südſlawiens ins Auge zu faſſen,
um ſich von ihrem Vorurteil zu überzeugen, und die ſeltſame
Er=
fahrung zu machen, daß ſtammverwandte Minori äten
weit gefährlicher für einen Staat werden
kön=
nen als irgendwelche fremdartige
Minder=
heiten.
Kroaten und Slowenen waren z. B. einige Zeit förmlich entzückt
von dem greßen ſüdflawiſchen Traum, mit den Serben vereinigt zu
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Donuerstag, den 12. Juli 1923.
Nummer 190.
werden, als aber die Verwirklichung des Traumes kam, da
wur=
den ſie durch die Brutalität des zentraliſtiſchen großſerbiſchen
Machtverlangens aufgeſchreckt und völlig ernüchtert. Zwiſchen
Kroaten und Serben beſteht tatſächlich trotz der
Uebereinſtim=
mung in der Sprache ein auffälliger Gegenſatz der ganzen
kultu=
rellen Einſtellung und der Stammesart. Die Kroaten ſind
Katholiken und abendländiſch, beſonders auch deutſch orientiert,
die Serben dagegen ſind ein ausgeſprochenes Balkanvolk von
griechiſch=orientaliſchem Glauben, mit einer Hinneigung zum
ruſſiſchen und franzöſiſchen Geiſte. In militäriſchen Tugenden
halten ſich dieſe beiden intereſſanten ſüdſlawiſchen Völker die
Wage, aber die Kroaten dünken ſich nicht mit Unrecht gebildeter
und in den Wiſſenſchaften, ja auch in der Philoſophie,
fortge=
ſchrittener. Sie haben ſich ſchon in der vorausgegangenen Epoche,
da ſie dem Reiche der ungariſchen Stefanskrone angehörten,
eine weitreichende politiſche Autonomie ſowie eine große
parla=
mentariſche Schulung erworben, ſo daß es für ihren jetzigen
Führer, Raditſch, etwas durchaus Selbſtverſtändliches iſt,
eine noch größere Autonomie im neuen ſüdſlawiſchen Staate für
Kroatien, Slowenien und Bosnien in Anſpruch zu nehmen. Seit
den letzten Wahlen, die eine ausgeſprochene Niederlage des
großſerbiſchen Zentrali mus brachten, haben ſich die Gegenſätze
zwiſchen Kroaten und Serben weſentlich verſchärft. Selbſt ein
ſo diel erfahrener Staatsmann wie Paſitſch, der als der
er=
probteſte Diplomat des Balkans gelten kann, hat durch ſeine
un=
klare, hinauszögernde Haltung viel dazu beigetragen, den
ſer=
biſch=kroatiſchen Zwieſpalt förmlich auf die Spitze zu treiben.
Den neueſten Nachrichten zufolge hat Paſitſch die Verſammlung
der vereinten kroatiſchen Republikaner mit den bosniſchen
Muſelmanen Spahos durch ſeinen Statthalter Simitſch in
Agram gewalttätig ſprengen laſſen, was blutige
Zuſammen=
ſtöße zwiſchen den kroatiſchen Jungverbänden „Hanao” und den
Mitgliedern des ſerbiſchen Nationalvereins „Orjuna” zur Folge
hatte, gewiß nicht zur größeren Ehre des ſüdſlawiſchen
Gedan=
kens. Raditſch erklärt, alle Verbindung mit Serbien
abbre=
chen zu wollen, und die bosniſchen Anhänger Spahos haben
dieſem Beſchluſſe zugeſtimmt. Wir wiſſen nicht, zu welchen
kataſtrophalen Ergebniſſen dieſe Vorgänge führen können, und
tvollen diesmal nur die prinzipielle Tatſache betonen, daß
man von ſolch einem erbitterten Kampfe ſtammverwandter
Mino=
ritäten um ihre nationalen Rechte im alten Europa nichts
wußte. Es kündigt ſich in den neuartigen Geſtalten eines
Illinka, eines Raditſch, Koroſchetz — und, wie wir gleich
er=
wähnen wollen, des Siebenbürger Rumänen von Vaida ein
neues Europa mit einem unvergleichlich verſchäuften
Minori=
tätenkampf an, den die Großmächte der Entente geſchaffen haben.
Allgemach wird es aber auch klar, daß ein enger Zuſammenhang
zwiſchen dieſen Auflöſungserſcheinungen der europäiſchen
Kul=
tur und dem Streben Frankreichs, ſeine militäriſche
Vorherr=
ſchaft über Mittel= und Oſteuropa zu befeſtigen, beſteht, wie wir
dies in einem nächſten Artikel ausführen wollen.
Engliſche Friedensvorſchläge.
London, 11. Juli. (Wolff.) Der Kölner Berichterſtatter
der Times übermittelt in einem Telegramm aus Köln das
Er=
gebnis der Beſprechungen, die er mit hervorragenden politiſchen
und induſtriellen Perſönlichkeiten aus dem rheiniſch=weſtfäliſchen
Induftriebezirk hatte. Es ſei betont worden; keine Regierung
könne den paſſiven Widerſtand bedingungslos aufgeben, da ſie
ſowohl von der Rechten als auch von den Gewerkſchaften des
Verrats bezichtigt werden würde. Hierdurch könne auch leicht
der Bürgerkrieg zum Ausbruch kommen. Die Regelung der
Frage der Ruhrbeſetzung könne nach der Anſicht des
Bericht=
erſtatters auf folgende Arten geſchaffen werden: Die
deut=
ſche Regierung nimmt alle Anweiſungen betreffend den paſſiven
Widerſtand zurück. Gleichzeitig läßt die franzöſiſche Regierung
die politiſchen Gefangenen wieder frei, geſtattet die Rückkehr der
Ausgewieſenen, gibt die Eiſenbahnen frei. Deutſchland muß ſich
verpflichten, binnen drei bis vier Wochen die Aufnahme der
geſetz=
lichen Kohlenlieferung zuſtande zu bringen und eine
Geſetzes=
kundgebung zuſtande zu bringen, um den in ſeiner Note
ange=
botenen Garantien Geſetzeskraft zu verleihen. Frankreich nimmt
gleichzeitig die militäriſchen Streitkräfte, aus dem Ruhrgebiet
zurück, unter Zurücklaſſnug einer unſichtbaren Beſatzung an den
wichtigſten Punkten. Deutſchland nimmt nun die Kohlen= und
Kokslieferungen wieder auf, gleichzeitig würden die letzten
fran=
zöſiſchen Truppen aus dem Ruhrgebiet zurückgezogen. Im
alt=
beſetzten Gebiet würde der Status quo ante wieder hergeſtellt.
Der Berichterſtatter ſchließt: Ueberall ſei betont worden, es ſei
unmöglich, die Bevölkerung durch eine bedingungsloſe Uebergabe.
in den Zuſtand der Verzweiflung zu ſtürzen.
London, 11. Juli. (Wolff.) Reuter teilt mit, wenn auch
die Möglichkeit beſteht, daß die geſtrige Unterredung zwiſchen
Lord Curzon und dem franzöſiſchen Botſchafter ein neues
Licht auf die franzöſiſche Auffaſſung werfe, ſo könne doch als
zu=
verläſſig angenommen werden, daß die Pläne der britiſchen
Re=
gierung unverändert bleiben. Es iſt ſicher, daß dies morgen im
Parlament ausführlich zur Darſtellung gelangen wird. Es wird
feſtgeſtellt, daß die franzöſiſche Preſſe eine freundſchaftlichere
Tendenz zeige, die das Vorzeichen ſei für das Verlangen nach
engerer Zuſammenarbeit.
Paris in Spannung.
* Paris, 11. Juli. (Priv.=Tel.) Paris wartet mit
Span=
nung auf den großen politiſchen Tag, der die engliſche
Regie=
rungserklärung bringen ſoll. Man kann aber nicht behaupten,
daß mit Bezug auf die zu erwartende Unterhauserklärung
Bald=
wins eine Nervoſität ſich geltend macht. Die offiziöſen Londoner
Berichte haben Frankreich darüber beruhigt, daß Baldwin
wenigſtens nichts Senſationelles verkünden wird, und für
Frankreich in den letzten Tagen günſtige engliſche
Blätterſtim=
men haben die Beſorgniſſe der Oeffentlichkeit über einen
mög=
lichen Bruch mit England zerſtreute. Darüber allerdings, daß
Baldwin morgen wahrſcheinlich die Einrichtung einer
internationalen Sachverſtändigenkommiſſion
für die Feſtſetzung der deutſchen Leiſtungsfähigkeit verlangen
wird, zeigt man ſich hier im allgemeinen etwas verſtimmt, da
Frankreich ſich ſeit längerem gegen einen derartigen
Schieds=
ſpruch gewehrt hat. Das Journal des Debats erklärt kurz, es
werde behauptet, daß Baldwin und Lord Curzon beabſichtigen,
morgen im Unterhaus ein Programm zu verkünden, das die
Einberufung einer internationalen Kommiſſion enthalte, die
über die Feſtſetzung der Leiſtungsfähigkeit Deutſchlands eine
Unterſuchung anzuſtellen hätte. Man müſſe ſich fragen, aus
welchen Sachverſtändigen dieſe Kommiſſion zuſammengeſetzt
werden ſoll und welche Befugniſſe ſie hätte, dieſe Unterfuchung
vorzunehmen. In normalen Zeiten wäre ein Erfolg dieſer
Kom=
miſſion möglich geweſen, nicht aber jetzt, wo die Reichsregierung
alles daran ſetze, die Zahlungsmittel Deutſchlands zu verbergen.
Eine ſolche Unterſuchung könnte jetzt nur das Ergebnis haben,
den paſſiven Widerſtand Deutſchlands zu verlängern. Der
Reichskanzler würde ſicherlich die Zurückziehung ſeiner
Verord=
nungen ſo lange aufſchieben, bis das Urteil dieſer Kommiſſion
bekannt werde. Das Blatt vertritt damit den bisher genügend
gehörten franzöſiſchen Standpunkt.
Dagegen dürften die Ausführungen des Temps überraſchen,
der gerade in dieſem Punkte eine neue Orientierung anzudeuten
ſcheint. Er nimmt zum Ausgangspunkt ſeiner Betrachtungen
das geſtern veröffentlichte engliſch=amerikaniſche Abkommen über
die Tilgung der engliſchen Kriegsſchulden. Mit dieſem Vertrag
hab= England eine furchtbare Schuldenlaſt für die Dauer von
62 Jahren in Dollarwährung an die Vereinigten Staaten
ab=
zutragen. Es ſei zweifellos kein Zufall, daß Baldwin die
Stel=
lung Englands als Schuldner gegenüber den Vereinigten
Staa=
ten gerade jetzt klar gekennzeichnet habe, bevor er ſich anſchicke,
für England als Gläubiger das Wort zu ergreifen. In
Gold=
mark umgerechnet, habe England an Amerika bis zum Jahre
1984 jährliche Zahlungen zu leiſten, die die Höhe des engliſchen
Reparationsanteils an dem Zahlungsplan vom 15. Mai 1921
überfteigen. Wenn England alſo ſeine Dollarzahlungen an
Amerika mit den deutſchen Reparationen wettmachen wolle, ſo
müſſe es logiſcherweiſe nicht nur ſeine ganzen Anſprüche
auf=
recht erhalten, ſondern dieſe noch auf Koſten ſeiner Alliierten
vergrößern, vielleicht unter dem Vorwand, daß England von
ſeinen Alliierten die Kriegsſchulden erheben könnte, nun aber
ſtatt deſſen die Abtretung der alliierten Reparationsanſprüche
verlange. Dies würde alſo heißen, ſagt der Temps, daß man
eine Priorität auf die deutſchen Zahlungen zugunſten der
unge=
ſchädigten Nationen einſetze. Das wäre ein Skandal. Liege es
wirklich in der Abſicht Englands, zu Frankreichs Schaden den
deu ſch=amerikawiſchen Handel zu fördern? Das Blatt ſchließt:
Wir verkennen die ſozuſagen heroiſche Entſcheidung Englands
nicht, Amerika ſeine Schuulden in Dollar zurückzuzahlen, aber wir
fürchten, daß es dieſen Beſchluß durch die Erfahrungen des
All=
tags bereuen wird. Vielleicht aber wird man der amerikaniſchen
Regierung einige Konzeſſionen entreißen können, wenn man ſie
beſtimmt, aktiv an den hinſichtlich der deutſchen Schulden
ſtatt=
findenden Verhandlungen zu intervenieren. Wenn nämlich der
amerikaniſche Vertreter die Schwierigkeiten, Deutſchland zur
Zahlung zu bringen, einſehe und beſtätigt hätte, ſo wäre es
möglich, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf der
Zahlung der engliſchen Kriegsſchulden nicht länger beharrt.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Das Journal des Débats
teilt, offiziell beeinflußt, mit, daß im Quai d’Orſay heute keine
offiziellen Nachrichten aus London oder Brüſſel über den Stand
der Ruhr= oder der Reparationsfrage eingegangen ſeien. In
offiziellen Kreiſen wird jedoch die geſtern abend erfolgte
Ver=
öffentlichung der Reuter=Note, die den beſten Eindruck gemacht
habe, für beſonders wertvoll gehalten. Die geſtrige Beſprechung
zwiſchen dem franzöſiſchen Botſchafter und Lord Curzon ſei in
freundſchaftlichſtem Tone verlaufen, aber ſie werde kein neues
Ergebnis zeitigen können, da die franzöſiſch=enliſchen
Verhand=
lungen erſt nach den miniſteriellen Erklärungen des engliſchen
Kabinetts in eine aktive und entſchiedene Faſſung treten können.
Vor der engliſchen Regierungserklärung.
TU. Paris, 11. Juli. Die Chicago Tribune erfährt aus
London, daß die Sachverſtändigen am Foreign office geſtern bis
5 Uhr morgens an der Redaktion der engliſchen
Regierungserklä=
rung arbeiteten, die morgen im Unterhaus durch Baldwin und
im Oberhaus durch Lord Curzon zur Verleſung gelangen ſoll.
In ihrer augenblicklichen Faſſung beanſprucht die Verleſung des
Schriftſtückes ungefähr eine Stunde. Baldwin wird dabei auf
eine im voraus vorbereitete Frage des Arbeiterführers
Mas=
donald antworten. Nach der Rede Baldwns wird eine kurze
Debatte einſetzen, die in der Weiſe vor ſich gehen ſoll, daß
Mac=
donald, Asquith und Lloyd George kurz zu der Erklärung des
Premierminiſters ihre Zuſtimmung ausdrücken werden.
U. London, 11. Juli. Im Unterhaus wurde geſtern
abend bekannt gegeben, daß in Erwiderung auf die Anfrage
Viscount Greys Lord Curzon morgen eine Erklärung über die
Ruhrfrage abgeben wird. Es wird als inopportun bezeichnet,
ſofort in eine Debatte über die Erklärung einzutreten, doch ſeien
Vorbereitungen getroffen, dieſe Debatte ſpäter auf Wunſch
auf=
zunehmen. Die Regierungserklärung im Unterhaus wird als
Erwiderung auf die Anfrage Macdonalds, des Führers der
Oppoſition, vor ſich gehen. Man erwartet nach ihr keine
allge=
meine Debatte. Die Blätter ſind ſich darin einig, daß die
Ent=
ſchloſſenheit der engliſchen Regierung einen freundſchaftlichen und
verſöhnlichen Ton für die Alliierten nicht ausſchließen werde.
TU. Berlin, 11. Juli. Zu dem Thema „Sechs Monate
Ruhrkrieg” ſchreibt die Deutſche Allgemeine Zeitung in ihrem
heutigen Leitartikel u. a.: Wirtſchaftlich zeigen ſich auf
beiden Seiten große Verluſte. Die Politik Poincarés
iſt folglich ſchon aus dieſem Grunde ein großes Verbrechen an
Europa, weil ſie deſſen ſchon ſtark verringerten Wohlſtand noch
weiter herabdrückt. Politiſch ſieht die Ruhrbilanz ganz
anders aus. In Deutſchland bewahrt man nach innen
eine geſchloſſene Einheitsfront! Nach außen
zu=
nehmende Sympathien! Frankreich kann dagegen
nach innen nur eine foxtſchreitende Spaltung und
nachaußen ein Schwinden ſeines politiſchen
Kre=
dits konſtatieren. Dieſe Entwickelung iſt lediglich dem paſſiven
Widerſtand an Rhein und Ruhr zu verdanken. — Der politiſche
Aggregatszuſtand Europas iſt ſeit dem Kriege zum erſten Male
wieder in Bewegung gebracht worden und wird von Tag zu Tag
flüſſiger. Daraus ergibt ſich die Hoffnung, daß, wenn
Frank=
reich es nicht vorzieht, von ſich aus noch rechtzeitig ſich Poincarés
zu entledigen, es ſich eines Tages einem politiſchen Gegenſpieler
gegenüberſieht, der in das Spiel mit neuen und viel
durchſchla=
genderen Gründen eintritt, als Herr Poincaré ſie beſitzt. Für
das beſetzte und unbeſetzte Deutſchland gibt es daher nur eine
Parole: Ausharren, bis ſich ein Weg zeigt, der in eine beſſere
deutſche Zukunft führt!
Frankreichs Ruhrbilanz.
Berlin, 11. Juli. (Wolff.) Nach einer Angabe von
unter=
richteter Seite liegt im Ruhrgebiet, das nunmehr volle 6 Monate
widerrechtlich beſetzt iſt, eine Armee von 87000 Mann aller
Waffengattungen, von denen 80 000 Franzoſen und 7000 Belgier
ſind. Im altbeſetzten Gebiet ſtehen außerdem 97 000 Franzoſen
und 17 000 Belgier. Ferner ſind in das Ruhrgebiet 10000
fran=
zöſiſche und 1000 belgiſche Eiſenbahner entſandt worden. Durch
Terror der Beſatzungstruppen büßten bis Anfang Juli 92
Per=
ſonen das Leben ein. Durch die Beſatzungsbehörden vertrieben
wurden 75 714 Perſonen, die Haus und Hof verlaſſen mußten;
davon wurden 71 145 ausgewieſen. Am meiſten betroffen ſind
die Beamten und Angeſtellten des Verkehrsminiſteriums mit
TU. Paris, 11. Juli. Die Pariſer Morgenblätter
ueh=
men auf Grund der geſtern abend bekannt gewordenen Reuter=
Note an, daß die Gefahr eines unmittelbaren Bruches mit
Eng=
land geſchwunden ſei. Es beſtätigt ſich, ſo erklärt der Neu=York
Herald, daß kurz vor und auch unmittelbar nach der Miniſterrede
am Donnerstag das engliſche Kabinett eine Note an ſämtliche
Verbündeten richten wird und ihnen die Abfaſſung einer
gemein=
ſamen Antwort an Deutſchland nahelegt. Es wird angenommen,
daß ſowohl Italien wie Japan dem engliſchen Erſuchen
ſtatt=
geben werden. Belgien dagegen wird Frankreich, das bei ſeiner
Weigerung verharrt, Gefolgſchaft leiſten.
TU. Paris 11. Juli. Dem Matin wird von ſeinem
Londoner Korreſpondenten mitgeteilt, daß die Donnerstag=
Er=
klärung völlig aus der Feder Curzons, kommen wird. Dem
Echo de Päris wird aus London mitgeteilt, daß Baldwin
am Donnerstag in ſeiner Erklärung wahrſcheinlich
Frank=
reich einladen werde, grundſätzlich dem Gedanken einer
internationalen Sachverſtändigenkommiſſion, deren Ernennung
vom Völkerbund vorgenommen würde, beizutreten. —
Gleich=
zeitig wird die beſagte Erklärung wahrſcheinlich auch auf die
politiſche Seite des deutſchen Problems im Hinblick auf die
be=
ſtehenden Verhältniſſe im Rheinland und im Ruhrgebiet Bezug
nehmen.
Neue Hetzrede Millerands.
Paris 11. Juli. (Wolff.) Auf einer Reiſe durch die
Pro=
vinz erklärte der Präſident der Republik, Millerand, in einer
Rede, wo er u. a. ſagte: Mit einer Zähigkeit, die unſerer
Mäßigung gleichkommt, erſtreben wir die Erlangung der
Repa=
rationen, die wir erhalten werden, und dieſe Reparationen
ge=
bühren uns, weil wir die Sieger ſind, und weil wir die Opfer
waren. Mit dem geſunden Menſchenverſtand, der ſeine Charme
und ſeine Stärke iſt, hat ſich das franzöſiſche Volk unverzüglich
an das Wiederaufbauwerk mit eigenen Mitteln gemacht. Es iſt
bekannt, wie weit es hier ſchon fortgeſchritten iſt, und daß es
heute bereits 10 Millionen Franes vorgeſchoſſen hat, für die es
ſich an denen ſchadlos halten muß, die ſich ihrer Verpflichtung
hartnäckig entziehen. Von einem Ende bis zum anderen hat
die friedliche Arbeit wieder begonnen. Nie in ſeiner Geſchichte
hat ſich dieſes in ſeinem Beſitz ſo ſchwer getroffene Land erholt
und für eine größere Zukunft bereit gehalten.
Rheinfahrt 1923.
Von Dr. Karl Mehrmann.
Der beſte Landſchaftsmaler, iſt der Hauch, der von dem
Strom aufſteigt. Er mildert hier die Ecken, ſchärft dort die
Um=
riſſe. Er webt aus dicker Nebelwolke einen zotteligen
Loden=
mantel und läßt dahinter den ganzen Ehrenbreitſtein mit ſeinen
riſſigen Felſen und der zackigen Feſtungskrone verſchwinden. Er
ſpiegelt den dunſtigen Vorhang auf der braungrünen Flut des
Rheins und reißt den verhüllenden Teppich dann plötzlich zur
Seite, ſo daß der Felsklotz in ſeiner klobigen Formpracht
da=
liegt und ſeine Vierſchrötigkeit nur noch durch einen lichtblauen
Schleier lindert. Der Rheindunſt wiſcht und tuſcht. Selbſt der
Dommelsberg gegenüber der Lahnmündung, der ſonſt etwas
kleinbürgerlich Spitzbäuchiges hat, ſchnürt heute die weichliche
Rundlichkeit ſeines Waldpolſters mit der Nebelhülle ab und reckt
ſich mit ſeinem ſchroffen Steinbauch zu hagerſpitziger
Selbſt=
betonung.
Die Sonne ſchielt durch die Wolkenlücke auf den Maler; der
borgt ſich ihren Glanz und legt ihn auf die grünblauen
Ufer=
berge.
Die Marksburg ſchwebt auf ihrem Kegel am Schiff vorüber
und dreht und wendet ſich, auf daß man ihre Keckheit und ihre
mittelalterliche Wurzelechtheit von allen Seiten bewundern kann.
Auf dem Gebirgsplateau dahinter ſtehen drei hohe Eſſen wie
nüchterne Ausrufungszeichen der induſtriellen Gegenwart in
ſchroffem Proteſt gegen die altväterliche Burgenromantik; ſie
gaben einſt in glücklicheren Zeiten den Heimiſchen den immer
wiederkehrenden Anlaß, die gutgläubige Glückſeligkeit
verträum=
ter Hochzeitspärchen zu mißbrauchen mit der gewagten
Behaup=
tung, das ſeien die Schornſteine großer Feuerherde, von denen
die Weinberge in ſonnenarmen Jahren geheizt würden.
Das kreisrunde Vorland von Camp iſt ein ſeliger
Obſt=
garten, den der Rhein nicht aus den Augen laſſen mag und
da=
her in weiter Schleife umwandelt.
In eine Talecke drückt ſich das geräumige Kloſter Bornhofen,
die Wallfahrtsſtätte eiliger Heiratsluſtiger. Boppard reckt ſeine
beiden Türme mitten vor dem Bergtrapez empor, das dem
Schiff den Weg verlegen möchte. Die „Feindlichen Brüder” in
jämmerlicher Ruinenhaftigkeit auf öden Steinkuppen rücken an.
Breit lagert ſich über St. Goar der Trümmerhaufen der Feſte
Rheinfels. Eng ſchließt ſich und düſter hinter der Lurlei die
Felſenſchlucht und preßt das Stromband zu einem
weltentlege=
nen Bergſee zuſammen. Der Schauer der Dämmerung hockt
kühl und fröſtelnd in der lebloſen Kluft der ſtarr und ſenkrecht
aus dem Waſſer ſteigenden Tafelklops.
Der Fluß rauſcht um den Schiffsbug durch die Felſenklauſe,
und weit wölben ſich nunmehr um das Becken von Bacherach
die Rebenberge zu mächtigen Buckeln. Auf dem höckerigen
Rücken des Muldenrandes liegt der Schein der Abendſonne.
Ge=
ruhig treibt der Strom ſeine Wellen rund um die ſich mit
kur=
zem, derbem Unterbau in putzigem Trotz unter ihre großmächtige,
wetterfeſte Haube kauernde Pfalz bei Caub, vorbei an den
alter=
tümlichen Wehrgängen der mauer= und turmumgürteten Stadt
Bacherach, über der auf niedrigem Hügelvorſprung die fein wie
das Straßburger Münſter aus rotem Sandſtein geſchnittene
Silhouette der Wernerskapelle wie das Meiſterſtück aus einer
mittelalterlichen Schatzkammer ſteht.
Es iſt Abend geworden, als das Schiff vor dem
grün=
umbuſchten, zartgrauen Zacken des Mäuſeturms auf die Einfahrt
ins Binger Loch wartet. Hinter uns drohnt über
Trechtins=
hauſen gebietend die zinnenreiche Burg Rheinſtein; links ſpringt
auf halber Höhe des Aßmannshäuſer Berges aus deſſen
mäch=
tiger Wölbung als ſchlanker Eckpfeiler der Bergfried der Ruine
Ehrenfels; fern über Rüdesheim hebt auf dem Niederwald
Germania die Kaiſerkrone, und unten quer hinter der
rauſchen=
den, brauſenden Stromſchnelle duckt ſich, in dunkelblauer
Däm=
merung verſchwimmend, Bingen am Fuße des Rochusberges,
der mit ſeinem maſſig langgeſtreckten Rumpf das hochumrandete
Keſſelrund verriegelt.
All dieſer wunderſame Reiz der Landſchaft von den
Kaiſer=
ſtandbildern am Deutſchen Eck zwiſchen Moſel und Rhein bis
zum Denkmal der deutſchen Einigung gegenüber der
Nahe=
mündung iſt derſelbe heute wie in den Zeiten, als wir noch
glück=
licher waren. Aber das Auge gleitet jetzt ſiumpf vorbei an dieſer
Pracht. Von den Schiffen ſchallt nicht mehr frohes Lachen und
heller Liederſang; tönt nicht mehr luftige Muſik, grüßt nicht
mehr Böllerſchuß, winkt nicht miehr freudiges Tücherſchwenken.
Ju bitterernſter Zeit iſt das Publikum, das auf= und abwärts
fährt, ein anderes geworden. Kein Liebespaar ſchmiegt ſich bei
blinkendem Glaſe eng aneinder; nicht mehr ſchwirren die
Spra=
chen aller Welt hier durcheinander. Es ſind die Dialekte der
Rheinanwohner, die ſchwer und mühſam, im Gegenſatz zur
viel=
gerühmten rheiniſchen Lebendigkeit, erklingen. Es hat den
An=
ſchein, als hätten drei Viertel aller Fahrgäſte vor einem halben
Jahre noch niemals die Planken eines dieſer komfortablen
Dampfer betreten. Bauern mit dem Ruckſack, alte Mütterchen
vom Lande, junge Arbeiterfrauen mit ihrem Nachwuchs auf dem
Arm oder im Kinderwagen, Handwerker und Kaufleute aus
dem Mittelſtand, die ſich noch kein Auto halten können, ſie ſind
heute die fahrenden Leute, die der Not gehorchend, nicht zum
Vergnügen die langwierige Reiſe auf dem Strome machen, um
nicht die Franzoſenzüge benutzen zu müſſen. Dazwiſchen
Be=
amte und Angeſtellte, die dienſtlich unterwegs ſind. Wer nicht
unbedingt fort muß, bleibt daheim. Denn auch das Hin und
Her, zu und von den Landungsplätzen ins Innere des Gebirges
oder die Nebenflüſſe aufwärts iſt überaus beſchwerlich. Jede
gewerbsmäßige Perſonenbeförderung iſt unterſagt; es fährt kein
Kraftwagen, nicht einmal die Poſtkutſche. So pilgert Alt und
Jung. Mann und Frau, Städter und Bauer ſtundenlang zum
Schiff, nur um nicht mit den „Regiezügen” der Franzoſen
fah=
ren zu müſſen.
Der Koblenzer Staden ähnelt in dieſen Monaten dem
Ge=
ſtade großer Seehäfen. Ballen und Kiſten, Oeltonnen und
Weinfäſſer, ſtählerne Kohlenſäureflaſchen, ungeheuere Mengen
von Kirſchenkörben, Möbel, Maſchinen, Waren aller Art,
ver=
ſchnürt oder unverpackt, bedecken das breite Ufergelände zwiſchen
der Schiffsbrücke und dem Kaiſerdenkmal. An den
Landungs=
brücken liegen die großen Dampfer der Köln=Düſſeldorfer und
der Niederländer Linie. Sie ſind zu Frachtſchiffen
umgewan=
delt; in den Kajüten und auf den Decks werden die Güter
auf=
geſpeichert. An den Fahrkartenſchaltern drängt ſich die Menge;
die ſchon den Fahrſchein gelöſt haben, ſtehen in dicken Haufen
vor dei geſchloſſenen Rampe der Landungsbrücke oder hocken
wartend auf Koffern und Kiſten. Ein pagr galante Auslader
ſtellen einigen Schönen vom Lande Stühle zur Verfügung, die
ſie aus dem Schiffsbauch eines Frachtdaniyſers zum Möbellager
ſchleppen. Andere ſuchen ſich auf Tauen und Fäſſern
unbe=
queme Sitzgelegenheit. Noch andere lehnen am Ufergitter und
beobachten den geſchäftigen Müßiggang des Angelſports. Man
Rummer 190.
Darmſtädter Tagblatt, Denteistag, den 12. Juli 1923.
Seite 3.
faſt 9000 Haushaltungsvorſtänden und 23 000 ausgewieſenen
Fa=
milienangehörigen. Von Beamten der Reichsfinanzbehörde
wurden über 1800 Haushaltungsvorſtände und 5500
Familien=
angehörige ausgewieſen. In Preußen wurden 169 Schulen mit
1337 Schulſälen für über 50 000 Schüler und Schülerinnen
be=
ſchlagnahmt. 9 Todesurteile, von denen eins vollſtreckt worden
iſt, beleuchten grell das brutale Vorgehen franzöſiſcher Willkür.
Der Erfolg der franzöſiſch=belgiſchen Beſatzungsbehörden
ſteht zu dem militäriſchen Aufwand in einem grellen
Mißber=
hältnis. In der Zeit vom 11. Januar bis 30. Juni ſind für
Frankreich und Belgien 478000 Tonnen Kohlen und 550 200
Tonnen Koks aus dem Ruhrgebiet abgefahren worden. Dieſe
Menge beträgt knapp das Doppelte deſſen, was Deutſchland vor
der Nuhrbeſetzung in den erſten 10 Tagen des Januar
abgelie=
fert hat.
Zum Leberfall auf den deutſchen Geſchäftsträger.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Havas berichtet aus Brüffel,
das Gerücht ſei verbreitet, die belgiſche Regierung habe wegen
des tätlichen Angriffs auf den deutſchen Geſchäftsträger Dr.
Rödiger eine Unterſuchung eingeleitet.
Paris, 11. Juli. (Wolff.) Havas berichtet aus Brüſſel:
Nach der Dernier Reure iſt die Perſönlichkeit der beiden
An=
greifer des deutſchen Geſchäftsträgers Dr. Rödiger nunmehr
feſtgeſtellt. Es handelt ſich um den Belgier Metdenant und
einen Amerikaner namens John Perron. Der Miniſter des
Aeußern Jaſpar habe dem deutſchen Geſchäftsträger erklärt,
daß die Urheber des Angriffs verfolgt und nach dem Geſetze
ver=
urteilt würden, und habe ihm das Bedauern der belgiſchen
Re=
gierung zum Ausdruck gebracht. Polizeiliche
Verſtär=
kung ſei zum Schutze des Geſandtſchaftsgebäudes und der
Privatwohnung aufgeboten worden. Der deutſche
Geſchäftsträ=
ger hat übrigens ausdrücklich erklärt, daß der Vorwand, die
Manifeſtanten ſeien gefoppt worden, hinfällig wird, da
das Geſandtſchaftsgebäude am Sonntag leer und die Rolläden
geſchloſſen geweſen ſeien.
Eine belgiſche Note.
U. Berlin, 11. Juli. Dem deutſchen Geſchäftsträger in
Brüſſel iſt geſtern abend eine Note des belgiſchen Außenminiſters
übergeben worden, in der erneut das Bedauern, der belgiſchen
Regierung über den Ueberfall auf den deutſchen Geſchäftsträger
Rüdiger ausgedrückt wird und weitere Schutzmaßnahmen ſowie
die Aufnahme der ſtrafrechtlichen Verfolgung der Urheber
ange=
kündigt werden. Damit dürfte dieſer Zwiſchenfall ſeine baldige
befriedigende Erledigung gefunden haben.
Der Kampf um die italieniſche Wahlrechtsreform.
Ein Sieg Muſſolinis. — Rücktritt Don Sturzos.
* Paris, 11. Juli. (Priv.=Tel.) Der Petit Pariſien
be=
richtet aus Rom, daß nunmehr Don Sturco ſein Amt als
Generalſekretär der Populari (Katholiſche Volkspartei)
nieder=
gelegt hat. Don Sturco hat bekanntlich die Regierung heftig
bekämpft und ſich auf das entſchiedenſte gegen die
Wahlrechts=
reform Muſſolinis ausgeſprochen. Darin hatte er jedoch nicht
die Unterſtützung des Vatikans, der bei jeder Gelegenheit ſich
gegen ihn ausſprach. Noch am Vorabend vor dem
Wiederzuſam=
mentritt des Parlaments wurde von der Partei auf Betreiben
Don Sturcos eine Tagesordnung eingebracht, die die
Wahl=
rechtsreform Muſſolinis bekämpfte. Dieſe Tagesordnung ging
jedoch nicht durch, und dadurch wurde die Regierung in ihrem
feſten Willen unterſtützt, die Wahlrechtsreform mit allen Mitteln
durchzuführen. Nunmehr iſt die Lage vollkommen verändert,
nachdem Don Sturco ſeinen Poſten aufgegeben hat.
* Mailand, 12. Juli. (Priv.=Tel.) Der Rücktritt Don
Sturcos, des Führers der Katholiſchen Volkspartei, hat die
Poſition der Regierung in der Frage der Wahlreform gegenüber
der Kammer ſtark verbeſſert, und es gilt als vollſtändig ſicher,
daß die Kammer die Annahme der faſziſtiſchen Wahlvorlage
be=
ſchließen wird. Die Debatte in der Kammer über die
Wahl=
reform wurde durch den liberalen Demokraten Pedrillo
einge=
leitet, der für die Annahme des Wahlgeſetzes eintrat und
leb=
haft gegen die Katholiſche Volkspartei polemiſierte. Der
Nach=
folger Don Sturcos, der neue Sekretär des Popol d’Italia,
Gronchi, antwortete darauf und legte in geſchickter Weiſe die
Gründe des Widerſtandes der Katholiken gegen die Wahlreform
dar. Die Oppoſition der Volkspartei gegen die Wahlreform ſei
keine grundſätzliche und auch von keinem Parteiſtandpunkt
dik=
tierte. Vielmehr wünſche die Partei nach wie vor eine
Zuſam=
menarbeit mit der Regierung. Meinungsverſchiedenheiten über
beſondere Fragen, wie zum Beiſpiel die Wahlreform, würden
dieſe Zuſammenarbeit nicht behindern. Die Demiſſion Don
Sturcos beſchäftigt die politiſchen Kreiſe in ſtarkem Maße, und
in den nichtkatholiſchen Kreiſen erblickt man darin einen feinen
Schachzug des Vatikans, der, über die günſtigen Ausſichten der
Wahlvorlage für die Regierung nicht im unklaren, lieber Don
Sturco opferte, als die Kirche in Gegenſatz zu der Regierung
bringen wollte. Kommt die Vorlage, ſo hat der Vatikan ſeinen
Teil dazu beigetragen. Kommt ſie ſchließlich doch nicht durch, ſo
ſteht der Vatikan unbehelligt da.
Italieniſche Preſſeſtimmen zum Rücktritt Don Sturzos.
Rom, 11. Juli. (Wolff.) Die Blätter nehmen bereits in
ausführlchen Kommentaren zum Rücktritt des politiſchen
Sekre=
tärs der Popolaripartei Don Sturzo Stellung. Das
Oppo=
ſitionsorgan Il Mondo ſieht in der Entlaſſung des
Popolari=
führers das Opfer eines Mannes, der die Würde ſeiner Parei
hochhalten ſollte, und ſagt, daß dieſe Entlaſſung eine
Verurtei=
lung der hinterhältigen Angriffspolitik der herrſchenden
faſziſti=
ſchen Partei bedeute. Das Blatt würde es ſehr bedauern, wenn
Don Sturzo durch Druck der Regierung auf den Vatikan gefallen
ſein ſollte. Es tröſtet ſich jedoch mit dem Gedanken, daß der
Präſident der neuen Parteileitung, Rodino, erſt kürzlich
Prä=
ſident des Turiner Parteikongreſſes geweſen ſei, der den
Gegen=
ſatz zum Faſzismus, offen ausgeſprochen habe. Der Corriere
d’Italia, deſſen Leiter entſchiedener Gegner Don Sturzos war,
widmet dem ſcheidenden Politiker teilnehmende Worte. Die
re=
gierungsfreundliche Epoca glaubt, daß der Rücktritt Don
Stur=
zos die beſtehenden Gegenſätze mildern und zum Frieden unter
den Parteien beitragen werde. Die miniſterielle Idea
Nazio=
nale äußert ihre Freude darüber, daß die zweideutige Geſtalt
Don Sturzos mit ihrem ſozialiſtiſchen Programm gezwungen
wurde, zurückzutreten. Das Giornale, d’Italia gibt eine
Unter=
redung mit dem neuen Leiter des Triumvirates der
katholi=
ſchen Volkspartei (Popolari) wieder, aus dem hervorgeht,
daß die Partei ihren Widerſtand gegen die
Wahlvor=
lage der Regierung nicht aufzugeben geneigt ſei. Nach
der Rede des neuen Parteiſekretärs Gronchi gegen die
Wahlvor=
lage in der heutigen Kammerſitzung ließen ſämtliche
Abgeord=
nete der Partei Don Sturzo hochleben.
Ein Wendepunkt für Frankreich.
Enttäuſchung der Pariſer Preſſe über das
Ergebnis der Lauſanner Orientkonferenz.
Paris 11. Juli. (Wolff.) Zu der neuerlichen Wendung
in den Friedensverhandlungen in Lauſanne
ſchreibt die Ere Nouvelle, wenn man ſich auch freuen müſſe, daß
die Türkei Genugtuung erhalten habe in Punkten,
in denen niemand den berechtigten Charakter ihrer Forderungen
beſtreiten könne, ſo könne man doch angeſichts der
wirtſchaft=
lichen Beſtimmungen, die die franzöſiſchen Delegierten am 17.
Juli unterzeichnen würden, keinen übertriebenen Enthuſiasmus
bekunden. In dem Augenblick, wo der deutſche Markt
Frank=
reich verſchloſſen ſei, der ruſſiſche Markt außer acht gelaſſen
werde und die mitteleuropäiſchen Märkte alle wie tot dalägen,
ſei es unvorſichtig, auch noch die Verſiegelung des türkiſchen
Marktes zuzulaſſen. Franzöſiſcherſeits habe man es nicht
ver=
ſtanden, zwiſchen den vorſichtigen Verſprechungen von Mudania
und dem gefährlichen Scherbengericht der erſten Lauſanner
Kon=
ferenz die richtige Mitte zu erhalten. Die Türken würden
Frank=
reich keinen Dank für das wiſſen, was ſie erreicht hätten. Der
engliſche Einfluß werde in Angora ebenſo ſtark
werden wie er es in Konſtantinopel geweſen
ſei. Lord Curzon, der ſeinerzeit in Tſchanak durch ein
glückliches Manöver Poincarés einen Augenblick eine Schlappe
erlitten habe, habe wieder feſten Fuß gefaßt, und
zwar unter den glänzendſten Umſtänden. Wenn man ſpäter
ein=
mal dieſe Verhandlungen unter die Lupe nehme, werde man
frappiert ſein von den Fehlern, von denen ſie wimmelten. Am
Bosporus wie am Rhein habe der lärmende und kategoriſche
Empirismus ihm den Verluſt von Vorteilen eingetragen, die es
ſich im Laufe langer Jahre voller Arbeit und Anſtrengungen
verſchafft habe. André Tardieu faßt ſein Urteil in der
Ueber=
ſchrift eines Artikels in die Worte zuſammen: Frankreich
enteignet im Intereſſe Englands.
Die Action Frangaiſe ſchreibt, Frankreich habe
den Frieden im Orient um einen Preis erkauft,
den man reichlich hoch finden dürfte. Dieſes Ergebnis habe
man provoziert dadurch, daß man nach Lauſanne zurückgekehrt
ſei, bevor die Ruhrangelegenheit abgeſchloſſen war. Es komme
nur das, was kommen mußte. Der Widerſtand der Deutſchen
habe denjenigen der Türken gefördert.
Ein deutſch=holländiſches Schiedsgericht.
Haag, 11. Juli. (Wolff.) Am 10. Mai 1920 wurde in
Berlin ein Uebereinkommen unterzeichnet zwiſchen dem
Deutſchen Reich und der Reichsbank einerſeits und
eini=
gen niederländiſchen
Schiffahrtshypotheken=
banken andererſeits, welche letzteren Gelder vorgeſchoſſen hatten
für deutſche Seeſchiffe, die laut Verſailler Vertrag frei von
Rech=
ten, Hypotheken oder anderen Laſten der Reparationskommiſſion
ſein ſollten. Das Schiedsgericht ſollte eventuell Streitigkeiten,
welche ſich aus dieſem Uebereinkommen ergäben, entſcheiden.
Deutſcherſeits wurde zum Schiedsrichter ernannt: Dr. K.
Leh=
mann, Oberlandesgerichtsrat in Hamburg, von den
Nieder=
landen Jongheer van Eyſinga, Staatsrechtslehrer aus
Ley=
den. Als Vorſitzenden des Schiedsgerichts wählten die beiden
Parteien Profeſſor M. Huber. Mitglied des vermanenten
amtlichen Gerichtshofs im Haag. Geſtern trat das Schiedsgericht
zum erſten Male im Friedenspalaſt zuſammen. Zur
Entſchei=
dung ſteht die Frage, ob das Uebereinkommen vom 10. Mai 1920
auf den Dampfer „Gregor” Anwendung finden ſoll.
Polniſche Ausſchreitungen gegen Deutſche.
* Breslau, 11. Juli. (Priv.=Tel.) In Laurahütte
wurde eine Veranſtaltung des katholiſchen Jungmännervereins
von polniſchen Stoßtruppen geſtört. Es wurde verſucht, die
Veranſtaltung zu ſprengen. Es kam hierbei zum Handgemenge,
das jedoch durch Eingreifen der Polizei beendet wurde.
Außer=
dem ſprengte die polniſche Bande am gleichen Tage die Sitzung
des Afa=Bundes und mißhandelte die Teilnehmer.
Danziger Währungsreformperſuche.
* Danzig, 11. Juli. (Priv.=Tel.) Im Senat reichte
Senator Volkmann folgenden Antrag ein. Volkmann machte den
Vorſchlag, eine eigene Danziger Währung zu ſchaffen, die
in einem beſtimmten Wertverhältnis zu einer ſtabilen
Auslands=
währung ſtehen und deren Zahlungsmittel durch Gold oder
Goldzahlungsmittel gedeckt ſein müſſe. Das dafür nötige Gold
ſolle durch Aufnahme eines Währungskredits im Auslande
be=
ſchafft werden. Die Erreichung dieſes Kredits müſſe die Stadt
Danzig in Verbindung mit dem Völkerbund erſtreben. Die
Aus=
führungen Volkmanns fanden die Zuſtimmung des Senats.
Poſtminiſter Stingl über die Gebührenerhöhung.
TU. Berlin 11. Juli. Der Poſtgebührenausſchuß des
Reichstages behandelte heute die für den 1. Auguſt
vorgeſchlage=
nen neuen Erhöhungen der Poſtgebühren. Reichspoſtminiſter
Stingl führte aus, daß bei den Gebührenerhöhungen vom 1. Juli
der Fehlbetrag des Poſtjahres 1923 nach Abrechnung der aus
dieſen Erhöhungen zu erwartenden Mehreinnahmen mit 2½
Billionen veranſchlagt worden iſt. Die allgemeine wirtſchaftliche
Lage habe ſich in den letzten Wochen jedoch derart verändert,
daß gewaltige Mehraufwendungen entſtanden ſeien für
Ma=
terialkoſten und für Gehälter, wofür man 4,8 Billionen Mark als
erforderlich angeſehen habe. Der Fehlbetrag ſtellt ſich insgeſamt
auf 8½ Billionen.
Verdreifachung des Getreidepreiſes.
Berlin, 11. Juli. (Wolff.) Mit Wirkung vom 23. Juli
wird der Abgabepreis der Reichsgetreideſtelle für das von ihm
an die Kommunalverbände gelieferte Getreide von 800 000 Mark
im Durchſchnitt auf 2,4 Millionen Mark erhöht werden. Die
Er=
höhung war erforderlich wegen der durch die Markentvertung
immer mehr ſteigenden Verluſte der Reichsgetreideſtelle, die auch
mit der neuen Maßnahme bei weitem noch keine volle Deckung
finden. Die Heraufſetzung des Abgabepreiſes wird auch eine
Steigerung der Brotpreiſe naturgemäß zur Folge haben auf
durchſchnittlich das Doppelte der bisherigen Preiſe, wie man
an=
nehmen muß. Dabei iſt zu berückſichtigen, daß wegen des
Fal=
lens der Mark und weil im Brotpreis der Getreidepreis nur
etwa ein Sechſtel ausmacht, noch mit weiteren Steigerungen zu
rechnen iſt. Seit dem 4. Juni, dem Tage der letzten Erhöhung
des Abgabepreiſes, iſt die Erhöhung des Markenbrotpreiſes durch
die Kommunalverbände faſt wöchentlich, zuletzt in Berlin
dier=
mal, erfolgt. Auch nach der am 23. Juli bevorſtehenden
Er=
höhung wird das Markenbrot nur einen Bruchteil von dem
koſten, was bereits heute für die gleiche Menge markenfreien
Brotes aufzubringen iſt.
Paloriſierung der Löhne.
Berlin, 11. Juli. Der Berliner Einzelhandel
hat in einem geſtern abgeſchloſſenen Tarifvertrag als erſter die
Valoriſierung der Löhne vorgenommen. Das
Arbeitsein=
kommen wird in einen feſten Grundgehalt und einen beweglichen
Entwertungsfaktor eingeteilt, der für die erſte Juliwoche auf 50
Prozent feſtgeſetzt wurde. Für die weitere Gehaltszahlung im
Juli ſoll der Dollar und das Goldzollaufgeld als. Meßziffer
dienen. Für Auguſt ſoll der amtliche Lebensmittelinder dem
Entwertungsfaktor zugrunde gelegt werden. Auch bei den
Eini=
gungsverhandlungen in der Metallinduſtrie iſt ein
be=
weglicher Lohnzuſchlag vorgeſehen. Während der
Verband Berliner Metallinduſtrieller diefer Regelung
zuge=
ſtimmt hat, wurde ſie von der Funktionärverſammlung der
Ber=
liner Metallarbeiter abgelehnt, weil die
vorgeſchlage=
nen Stundenlöhne viel zu niedrig wären. Es ſoll heute die
Ur=
abſtimmung der Metallarbeiter darüber entſcheiden, ob die
Ver=
einbarungen angenommen werden, oder ob der Streik fortgeführt
wird. Geſtern haben die Belegſchaften von etwa 20 größeren
Betrieben die Arbeit niedergelegt, und zwar gegen den Willen
der Streikleitung.
Lebensmittelynruhen in Nowawes.
* Potsdam, 11. Juli. (Priv.=Tel.) In Nowawes
ſind geſtern und heute Lebensmittelunruhen
ausge=
brochen. Heute um 5 Uhr ſtrömten große Trupps von
Metall=
arbeitern mit ihren Frauen auf den Wochenmarkt. Sie
ver=
langten von den Standbeſitzern die Herabſetzung der Preiſe.
Sofort wurde die Potsdamer Schutzpolizei um Hilfe angerufen,
und größere Abteilungen Schutzpolizei begaben ſich auf den
Wochenmarkt.
wartet und ſchweigt ſich aus. Nur die Berliner Mundart läßt
ſich ihr Vorrecht nicht nehmen und übt Kritik:
„Wat, mit ſo kleenem Köder woll’n Se de jroßen Fiſche
fangen?"
Der Angler ſetzt das Geſchäft des Schweigens fort, und der
Berliuer beaugenſcheinigt die „Jejend‟. Natürlich hat er das
Gluck, den ankommenden Perſonendampfer zuerſt zu erſpähen,
u:d mit grandioſer Armbewegung verkündet er ſeine Entdeckung.
Iu elegantem Bogen legt das Schiff an. Es dauert für die
Harrenden eine endloſe Zeit, bis der Strom der Ausſteigenden
den Landungsſteg verlaſſen hat. Dann ſetzt die entgegengeſetzte
Flut nach dem Schiffe ein. Und hinter ihr drängt die Paketpoſt
von den zahlloſen Gepäckwagen, die am Ufer angereiht ſtehen.
Durch eine lange Kette von Händen fliegt Paket auf Paket über
die Landungsbrücke auf das Verbeck. Derweilen verteilen ſich
die neuangekommenen Fahrgäſte. Die Kellner ſtolpern über die
noch zwiſchen den Tiſchen unverſtauten Gepäckſtücke der
Fahr=
gäſte und ſind nicht immer allzu höflich. Die Glocke im
Ma=
ſchinenraum ſchlägt an, und weiß leuchtend zieht der Dampfer
ſeine Bahn.
Die Kellner bringen Kaffee und Bier. Der Weinausſchank
iſt verboten. Der eine oder andere Paſſagier hat ſeine Flaſche
mitgebracht und entkorkt ſie mit dem bedächtigen
Sachverſtänd=
nis des weingewohnten Eingeborenen. Die Ruckſäcke geben
Brot und Wurſt und Speck her. Vorſichtige Finger pellen die
ſveiße Schale von gekochten Eiern. Säuglingsgeſchrei wird mit
der Milchflaſche erſtickt. Flinke Hausfrauenhände arbeiten mit
Stricknadel und Stickſchere. Ueber müde Augen, die ſchon bei
Sonnenaufgang erwachten, ſenken ſich die Lider und werden mit
Gewalt wieder aufgeriſſen, wenn das herunterfallende Haupt
den Schlafbedürftigen erſchreckt; bis der Kopf endlich in der
ſtützenden Hand einen Ruhepunkt erhült. Den Schlummernden
ſtört nun ſelbſt der Hauptſchlag eines auf den Tiſch
trumpfen=
den Kartenſpielers nicht mehr.
Dorf und Stadt, Garten und Weinberg ſchweben vorüber;
Burgen und Kirchen wechſeln. Das Schiff zwängt ſich zwiſchen
den zahlloſen Zügen von Kohlenkähnen hindurch, die vor einem
halben Jahre noch lärmend von keuchenden Schleppern zu Berg
und Tat gezogen wurden. Heute liegen dieſe ſchwarzen
Zeu=
gen des induſtriereichen Rheinlands ſtill und unbewegt vor
Anker und harren des Weckrufes, der ſie zu neuer Fahrt
an=
feuern wird, wenn einmal der Wirtſchaftskampf zu Ende geht,
den das im Krieg zum Sieg gelangte Frankreich ſeinem beſiegt
gm Boden liegenden Nachbarn aufgezwungen hat.
Fränkiſcher Schriftſiellertag in Würzburg.
Aus Würzburg wird uns geſchrieben: Am 7., 8. und 9. Juli
fand in Würzburg, ſorgſamſt vorbereitet, erſtmals ein „
Frän=
kiſcher Schriftſtellertag” gleichzeitig mit dem ſüddeutſchen
Gau=
tag des Reichsbundes für Volksbühnenſpiele ſtatt. Beide
Ta=
gungen nahmen außerordentlich fruchtbaren Verlauf. Die
feier=
liche Eröffnung durch Oberbürgermeiſter Löffler ließ erkennen,
daß es um ernſte Ziele ging, daß hier ein neuartiges Wollen
zum Ausbruch kam. In einem Referate erläuterte Guſtav Möhl=
Offenbach des Thema: „Der Reichsbund für Volksbühnenſpiele
und die Heimatdichtungen.‟ Dr. Peter Schneider=Würzburg
ſprach über „Fränkiſche Dichtungen‟ Er führte von den
An=
fängen der fränkiſchen Literatur, der Sage von dem Franken
Arbogaſt zum Etzolied, über Wirnt von Grafenberg, Otto von
Bodenlauben, Konrad von Würzburg, Hugo von Trimberg zu
dem Humaniſten, bis herauf zu den fränkiſchen Romantikern, zu
dem letzten Endes aus Heuſtreu in Franken herſtammenden
größ=
ten Deutſchen: Wolfgang von Goethe, zu Rückert und Jean Paul
und ſchließlich gab er in kurzen Umriſſen die Schar aller derer
an, die heute, fränkiſchem Boden entwachſen, ſchriftſtelleriſch und
dichteriſch wirken.
„Der fränkiſche Dichter möge auch ſchaffen für fränkiſches
Volk.” In dieſem Wunſche gipfelte die
Begrüßungsverſamm=
lung, die die fränkiſchen Dichter und die Delegierten des
Reichs=
bundes für Volksbühnenſpiele im großen Nathausſaal zu
Würzburg zuſammengefaßt hat. Während die letzteren zur
fach=
lich=ſachlichen Beratung ſich ſodann zuſammenfanden, trafen ſich
die Dichter des Frankenlandes in der Kapelle des Würzburger
Ratskellers zu ernſthaftem Plaudern bei einem Schoppen
Fran=
kenwein. Leo Weismantel, der Dichter des Totentanzes, Alfred
Graf, Eliſabeth Dauthendey, der bewegliche Bruno Frank,
Niko=
laus Fey, der Verherrlicher des Rebſtockes, Anton Dörfler,
Ju=
lius Maria Becker aus Aſchaffenburg und viele andere ſaßen
dort unten zuſammen mit ihrem Verleger Walter Günther
Schreckenbach, und aus dem Plaudern wuchs eine areifbare
Ge=
ſtalt, der Zuſammenſchluß der fränkiſchen Dichter nicht zu einem
wirtſchaftlichen Verband, aber zu einer Arbeitsgemeinſchaft
deren weitere Ziele künftigen Verhandlungen vorbehalten
blei=
ben müſſen. Allen aber wurde klar, wie recht Leo Weismantel
hatte, wenn er ſagte, die Dichter müſſen zuſammenkommen. Denn
nur aus dem gegenſeitigen Ausſprechen erwächſt fruchtbare
Ar=
beit für das Volk und fruchtbares Zuſammenhalten gegenüber
dem Theaterweſen und den Verlegern.
Der Abend des erſten Tages brachte die Uraufführung von
Dr. Oskar Kloeffels Heimatſpiel in 5 Akten „Um Würzburgs
Freiheit 1400” das ſehr beifällig aufgenommen wurde und den
Intentionen dieſer für Laienſpieler beſtimmten Dichtungsart in
weitem Maße entſprach.
Der Höhepunkt der Tagung wurde in einem feierlichen
Feſt=
akt am Morgen des nächſten Tages erreicht. Der Wenzelſaal
des Rathauſes, ſeit zwei Jahrhunderten dem Verfall
preis=
gegeben, ward Ort einer Verſammlung, die denkwürdig bleiben
wird in der Geſchichte der Beziehungen zwiſchen Volk und
Dich=
ter. In ausgezeichnetem Vortrag entwarf Loeffler den
groß=
zügigen Plan: wie in dieſem Jahre, ſo alljährlich den Tag des
Winzerheiligen St. Kilian zu einem Feſttag des fränkiſchen
Volkes zu machen, zu einem Feſttag, an dem alle Schichten der
Bevölkerung ſich gegenſeitig finden, an dem Bühnendichtung und
Bühnenſpiel, Volkstrachtentreiben, turneriſche Wettkämpfe und
ähnliches zur Freude des Volkes, das daran teilnehmen ſoll, das
Programm bilden würde. Vor allem aber konnte er die
Mittei=
lung machen, daß es ihm gelungen ſei, einen Grundſtock zu legen
für einen fränkiſchen Dichterfonds, „Heimatdank” genannt, zu
dem als Samenkorn bereits 2 Millionen Mark vorhanden ſeien.
Warme Worte des ſchwer erkrankten Neſtors der fränkiſchen
Dichterſchaft Michael Georg Konrad und des nicht anweſenden
Auguſt Sperk brachte er zur Verleſung. Der Wenzelſaal des
Würzburger Rathauſes hat neue Bedeutung erlangt.
— Das Leipziger Konſervatorium in Not! Die
wirtſchaft=
liche Mißgunſt unſerer Zeit, die der Kunſt bereits manch
ſchwe=
res Opfer auferlegt hat, bedrängt ernſtlich das altberühmte
Kon=
ſervatorium der Muſik zu Leipzig. Wenngleich bereits
weſent=
liche Anſtrengungen gemacht worden ſind, die drohenden
Gefah=
ren fernzuhalten, fehlt es doch an Mitteln, um der Anſtalt die
ihrer Bedeutung entſprechenden wertvollen Lehrkräfte zu
erhal=
ten, neue heranzuziehen und ſie ausreichend zu entſchädigen, die
Koſten der laufenden Reparaturen von Inſtrumenten und Noten
aufzubringen und die großenteils ſehr bedrängten Studierenden
zu unterſtützen. Um dieſe allgemeine Not zu lindern, hat die
„Vereinigung der Freunde und Förderer des Konſervatoriums
der Muſik zu Leipzig” anläßlich des in dieſem Jahre zum 80.
Male wiederkehrenden Grün
ages des Inſtituts eine
Sammlung ins Lelen
ufrichtigſt zu wünſchen,
daß deren Erfel
egnerer
Eeite 4.
Darmſtädter Dagblatt, Donnerstag, den 12. Juli 1923.
Rummer 190.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 12. Juli.
— Ernannt wurden: a
Juli 1923: der Mechaniker Friedrich
Schimmel zu Darmſtadt zum Werkmeiſter am chemiſch=techniſchen
und elektrochemiſchen Inſtitut der Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt
mit Wirkung vom 1. Juli 1923 anz am 3. Juli: die Bibliotheksgehilfin
Martha Holtz zu Darmſtadt zum Sekretar bei der Landesbibliothek
in Darmſtadt mit Wirkung vom 1. April 1923 anz am 5. Juli: der
außerplanmäßige außerordentliche Profeſſor Dr.=Ing. Wilh.
Molden=
hauer zu Darmſtadt zum Abteilungsvorſteher am Chemiſchen Inſtitut
der Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt mit Wirkung vom 1. April 1923
an; — der Aſſiſtent Profeſſor Dr. Georg Agde zu Darmſtadt zum
Abteilungsvorſteher an der Techniſchen Hochſchule Darmſtadt mit
Wir=
kung vom 1. April 1923 an.
— In den Ruheſtand verſetzt wurde: am 30. Juni der
Oberjuſtiz=
inſpektor bei dem Amtsgericht Butzbach Heinrich Rühl auf ſein
Nach=
ſuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1923 an unter Anerkennung ſeiner
dem Staat geleiſteten Dienſte.
NWH. Gewerbliche Pfuſcherkurſe. Die unbefugte Ausübung des
gewerblichen Privatunterrichts hat nach der Revolution einen Umfang,
hauptſächlich im Damenſchneidergewerbe, angenommen, den man nur
als groben Unfug bezeichnen kann. Viele Schneiderinnen halten ſich für
befugt, gewerbliche Lehrkurſe abzuhalten unter dem Vorwande, daß das
Erlernte für den Hausbedarf verwendet werden ſoll. Wir verweiſen
darauf, daß zur Abhaltung gewerblicher Unterrichtskurſe behördliche
Ge=
nehmigung erforderlich iſt und Zuwiderhandlungen ſtreng beſtraft
wer=
den. Die Erteilung von derartigem Unterricht wird auch vielfach durch
Wanderkurſe ausgeübt, doch haben die Inhaber meiſtens ebenfalls nicht
die behördliche Erlaubnis. Es kann vor derartigen Kurſen nicht genug
gewarnt werden. Das ſelbſtändige Handwerk hat ein Recht darauf,
daß Ausbildung von gewerblichem Nachwuchs nicht durch ungeeignete
Perſonen erfolgt. Das ganze Lehrlingsweſen wird durchbrochen, wenn
dieſen ſogenannten Unterrichtsanſtalten nicht ſchleunigſt das Handwerk
gelegt wird. Es iſt Pflicht ſämtlicher Handwerksmeiſter und ſämtlicher
Innungen, die von derartigen Vorfällen Kenntnis bekommen,
unverzüg=
lich mit der zuſtändigen Handwerkskammer in Verbindung zu treten
und Abſtellung dieſer Mißſtände zu veranlaſſen.
I. Erhöhung der ſtandesamtlichen Gebühren mit Wirkung vom 15.
b8. Mts. um das 6fache. Für Entgegennahme des Antrags auf
Anord=
nung des Aufgebots ſind alſo ſtatt 1000 Mk. 6000 Mk. zu entrichten.
Iſt eine Bekanntmachung des Aufgebots im Ausland erforderlich oder
kommt ausländiſches Recht zur Anwendung, ſo kann die Gebühr bis auf
36 000 Mk. erhöht werden; für Eheſchließungen vor einem anderen
Standesbeamten als demjenigen, der das Aufgebot angeordnet hat,
ſind 3000 Mk. zu zahlen, für die Eheſchließung, die außerhalb des
Amts=
raumes oder der Dienſtſtunden erfolgt, außer wenn ein Verlobter
wegen Krankheit nicht erſcheinen kann, zuſätzlich 30 000 Mk.
n. Strafkammer. Für verfchiedene, im Rückfall verübte hieſige
Ein=
brüche mit einer fünfjährigen Zuchthausſtrafe nebſt zehnjährigem
Ehr=
verluſt durch das Schöffengericht I hier bedacht, verfolgte der Kellner
Georg Keller aus Nieder=Modau Berufung. Er iſt 33 Jahre alt und
weiſt eine ſehr getrübte Vergangenheit auf, auch ſchweben auswärts
noch verſchiedene Strafverfahren gegen ihn. Das jetzt fragliche Treiben
hatte er in Gemeinſchaft mit einem von ihm verleiteten, bisher
unbe=
ſtraften, jüngeren Genoſſen entfaltet, und dieſer Mitangeklagte erhielt
ſchöffengerichtlich anderthalb Jahre Gefängnis, was er damals ſofort
anerkannte. K. leugnet teilweiſe die Täterſchaft und ſtrebte ſim übrigen
Strafmilderung an. Es handelt ſich um ſchwere Diebſtähle in
Woh=
nungen und einer Wirtſchaft, in welch letzterer K. früher beſchäftigt
geweſen war, und es auf Goldmünzen eines dort befindlichen
Vereins=
lokals abgeſehen hatte. Dieſe lockende Beute entging den Beiden, und
ſie nahmen dafür mit Nahrungsmitteln vorlieb. In erſter Inſtanz
ſah man irriger Weiſe darin nur einen verſuchten Einbruch in
Tatein=
heit mit Mundraub, während nunmehr das vollendete Verbrechen
be=
jaht wurde. Immerhin glaubte das Berufungsgericht den K. etwas
milder bedenken zu ſollen und ſprach insgeſamt 3 Jahre Zuchthaus
unter Beibehaltung des Ehrverluſtes aus. — Die unter Ausſchuß der
Oeffentlichkeit geführte Verhandlung gegen die 23jährige Hausbedienſtete
M. H. von hier endigte mit der Verurteilung wegen Verſuches aus 8 218
St. G.B. zu 3 Monaten Gefängnis.
— Bühnenvolksbund. Noch vor den Ferien ſollten die ſich in unſere
bei Chriſtian Arnold am weißen Turm aufgelegten Liſten als Mitglieder
einſchreiben, die ihre Ideen bei der Spielplangeſtaltung der kommenden
Spielzeit im Landestheater verwirklicht ſehen wollen. Nur eine große
Theatergemeinde wird Einfluß gewinnen.
— Bund deutſcher Reichsſteuerbeamten. Die Hauptverſammlungen
und Kartelltagung der Reichsſteuerbeamten, Zollbeamten und heſſiſchen
Finanzbeamten finden am nächſten Samstag und Sonntag ſtatt. (
Nähe=
res ſiehe Anzeigenteil.)
— Beamtenverein ehem. Militärmuſiker (Ortsgruppe Darmſtadt),
gegründet 1922. Das am Dienstag abend von obiger Vereinigung im
Saalbau=Garten veranſtaltete Große Militärkonzert erfreute ſich eines
fehr zahlreichen Befuches, denn der Garten war bis auf den letzten
Platz beſetzt. Das Publikum zeigte ſich für die zu Gehör gebrachten
Muſikſtücke ſehr dankbar.
S. u. H. Deutſcher Hausbeſitzertag. Der Zentralverband deutſcher
Haus= und Grundbeſitzervereine e. V. mit dem Sitze in Berlin, dem
1700 deutſche Hausbeſitzervereine mit rund 500 000 Mitgliedern
ange=
ſchloſſen ſind, hält in Lübeck in den Tagen vom 4. bis 6. Auguſt ſeinen
diesjährigen Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung ſteht vor allem
der Kampf gegen die Zwangswirtſchaft im Wohnungsweſen, deren
ſchleunige Aufhebung der Verband im Intereſſe der geſamten
Volks=
wirtſchaft fordert, ferner das Mieterſchutzgeſetz, die Wertzuwachsſteuer
und andere, den Hausbeſitz bewegenbe Fragen. — Den Vorſitz in den
Verhandlungen wird der neugewählte Präſident des Geſamtverbandes,
der Münchener Stadtrat Humar, führen.
n. Vom Fall Weber—Hofmann. Nach dem Selbſtmord des
Polizei=
inſpektors Chr. Weber harrt nur noch der zweite wegen Mordes
An=
geſchuldigte, Händler Fritz Hofmann von hier, der Anklage und
voraus=
ſichtlich in der im Herbſt ds. Js. ſtattfindenden
Schwurgerichtsverhand=
lung. Er iſt im hieſigen Landgerichtsgefängnis untergebracht und
be=
hält nach wie vor ſein Leugnen bei. Erſt kürzlich erfuhr er W.s Ende,
ohne daß die Kunde einen beſonderen Eindruck auf ihn zu machen ſchien.
Trotz der furchtbaren Belaſtung, die eigene Frau in Gemeinſachft mit
W. meuchleriſch umgebracht zu haben, will H. völlig unſchuldig ſein und
verſchanzt ſich hinter Ausflüchte, ſodaß ein Indizienbeweis in Betracht
kommt. Zwar vermag er die nächtliche Autofahrt mit dem unglücklichen
Opfer in den Rohrbrunner, Forſt nicht zu beſtreiten, trennte ſich aber
angeblich dort von Jener im gütlichen Einvernehmen, während Frau H.
nachher erwürgt aufgefunden wurde.
St. Gartenkonzert im Saalbau. Der Beamtenverein ehemaliger
Militärmuſiker, Ortsgruppe Darmſtadt, veranſtaltete am Dienstag im
Saalbaugarten ſein erſtes großes Konzert. Der Beſuch war
ausneh=
mend gut und wäre zu einer ſtarken Ueberfüllung geworden, wenn auch
nur ein geringer Teil der „Zaungäſte” den Weg durch die Kaſſentiſche
gefunden hätte, anſtatt draußen zu promenieren und das Eintrittsgeld
zu ſchinden. Die Leiſtungen des Orcheſters unter der Leitung des
Herrn Georg Greilich waren ausgezeichnet. Wenn man die
Schwierig=
keiten und Koſten kennt, die Proben großer Orcheſter heute verſchlingen,
muß man die gute Muſikalität, mit der große Tonwerke, wie die Rienzi=
Ouvertüre, die Lohengrin=Fantaſie, die Ouvertüre zu „Roſamunde” von
Schubert und anderes zu Gehör gebracht wurden, bewundern.
Außer=
dem brachte das Programm Kompoſitionen von Herzer, Brahms,
Preſ=
ſel, Joh. Strauß, Schreiner und Kämpfert. Es war alſo erfreulich
ab=
wechſelungsreich. Vielleicht aber bringen die nächſten Konzerte doch noch
einige der guten Militärmuſiken, die man gerade von dieſem Orcheſter
doch erwartet.
— Saalbau=Konzerte. Es ſei an dieſer Stelle nochmals auf das
heute ſtatfindende Konzert (Deutſcher Abend) hingeſvieſen. Zur
Eröff=
nung des reichhaltigen Programms gelangt die Ouvertüre zu Schillers
„Turandot” von Lachner zu Gehör. Der Cornet=a=Piſton=Soliſt Herr
Buslau wird die „Nordiſche Fantaſie” von Hoch zum Vortrag bringen.
— Als Gäſte ſind bereits angemeldet: Johann Strauß aus Wien und
das berühmte Koſchat=Quartett, ſowie andere großzügig angelegte
Son=
derberanſtaltungen.
Aus den Parteien.
— Frauenausſchuß der Deutſchen Volkspartei.
Die monatliche Zuſammenkunft der Frauen der D.V.P. findet dieſen
Samstag, den 14. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, im „Rummelbräu” ſtatt.
Unſere ausgewieſenen Parteifreundinnen ſind dazu herzlich eingeladen.
K. Traifa, 11. Juli. Ehre dem, dem Ehre gebührt! Unter dieſem
Eindruck wurde am letzten Sonntag unter überaus zahlreicher
Betei=
ligung der weithin bekannte und ſehr beliebte Arzt Dr. Ganß in
Nieder=
ſtamſtadt zu Grabe getragen. Ein Mann von reichen Erfahrungen,
großem beruflichen Können und unermüdlicher Schaffenskraft, ſtets
ge=
tragen von großem ſozialem Verſtändnis nicht nur in Worten, ſondern
jeſonders in ſeinen Taten, wurde uns inmitten ſeiner aufopfernden
Tä=
tigkeit zum Wohle der Allgemeinheit, durch den Tod jäh entriſſen. Hatte
Herr Dr. Ganß es doch verſtanden, in die Herzen aller einzudringen,
mit Rat und Tat beruflich als Arzt und außerberuflich in anderen
An=
gelegenheiten mit zielbewußter und entſchloſſener Tatkraft den körperlich
und guch den wirtſchaftlich Leidenden die Schmerzen zu lindern. Als
echter Volksmann hat er während ſeiner zirka 25jährigen Tätigkeit in
ſeinem Wirkungskreis ſich ein unbegrenztes Vertrauen erworben. In
Hütten und Paläſten, bei Arm und Reich war ihm keine Mühe zu
groß, bei Tag und Nacht war er trotz ſeiner ſchwachen Geſundheit ſtets
auf dem Damm, wenn es galt, ein Leben zu retten, und wie oft mit
Erfolg. Ein wahrer Schreck ging durch alle Herzen unſeres Ortes, als
die Kunde von dem Hinſcheiden dieſes ehernen, verdienten Arztes wie
ein Lauffeuer von Haus zu Haus ging. Alle fühlten, daß der Schnitter
Tod zu einem Schlag ausgeholt hatte, der beſonders die wirtſchaftlich
Schwachen ſchwer getroffen hatte. Die offenſichtliche Schmerzesſtimmung
des geſamten Trauergeleites, die vielen mit großem Dank und
Aner=
kennung getragenen Anſprachen und Kranzniederlegungen beſtätigten
dem Dahingegangenen, daß er ſtets von dem Gedanken beſeelt war:
Edel ſei der Menſch, hilfreich und gut. Er war ſtets ein leuchtendes
Beiſpiel für alle diejenigen, die an einer ſolchen Stelle berufen ſind.
Pflicht wäre es aber für unſeren Gemeindevorſtand geweſen, ſich auch
pflichtgmäß dankbar zu erweiſen. Ehre ſeinem Andenken!
L. König i. O., 10. Juli. Am kommenden Sonntag, den 15. Juli,
findet die Fahnenweihe der „Liedertafel” König ſtatt. Zu dieſer
Feierlichkeit haben über 30 Vereine ihre Beteiligung zugeſagt, ſo daß
das ganze Feſt eine impoſante Kundgebung für den deutſchen
Männer=
geſang zu werden verſpricht. Die Bevölkerung Königs nimmt
lebhaf=
ten Anteil an dieſem Unternehmen, und alle Vorbereitungen ſind ſoweit
getroffen, daß das Wohlgelingen des Feſtes geſichert iſt. Schon der
Samstag abend bietet einen Kunſtgenuß, da ein farbenprächtiger
Fackel=
zug mit Muſik und ſtarker Beteiligung nach dem Feſtplatz in der
Fried=
richſtraße zieht. Dort werden die beteiligten Vereine ihr Beſtes geben,
um der ganzen Feier ein würdiges Gepräge zu verleihen.
Liedervor=
träge des feſtgebenden Vereins, des Arbeitergeſangvereins König, der
Liedertafel=Gießen, Liedertafel=Darmſtadt und Rheingold=Darmſtadt
bie=
ten Kunſtgenüſſe ſeltener Art. Auch der Turnverein König und der
Radfahrerverein König werden durch Darbietungen künſtleriſcher Art
das Feſt verſchönen helfen. Der Sonntag beginnt dann mit einem
Weckruf früh 6 Uhr durch die Ortsſtraßen, um der Bevölkerung die
Bedeutung des Tages kundzutun. Die Platzmuſik von 11 bis 12 Uhr,
ausgeführt von der 22 Mann ſtarken Muſikkapelle des Odenwälder
Muſikerverbandes, wird einen Kunſtgenuß bieten, den zu hören der
größte Teil der Bevölkerung ſobald nicht mehr in der Lage ſein wirb.
Die Beteiligung von mehr als 30 Vereinen am Feſtzug, der außerdem
noch verſchönt wird durch die mitwirkenden Königer Vereine, gibt dem
Feſtzug ein Gepräge, das bei jedermann einen bleibenden Eindruck
hin=
terlaſſen wird. Der im Weichbild des Städtchens gelegene ſchattige
Feſt=
platz gewährt vielen Tauſend Beſuchern ein beſchauliches Plätzchen, um
all das Schöne und Gute, was dort an Reden und Geſang geboten wird,
auf ſich einwirken zu laſſen. Alles Störende, wie Karuſſell und Buden,
ſind von dem Feſtplatz ferngehalten, ſo daß der Geſang bei dieſem
Sän=
gerfeſt zur vollen Geltung kommen kann. Die Feſt= und Weiherede hat
in freundlicher Weiſe Herr Oberpfarrer Bürſtlein=Michelſtadt
übernom=
men. Der von zwei Damen, der Germania in Trauer und der
Poly=
hymnia, zu ſprechende Prolog iſt verfaßt von Herrn Dr. Zimper=König.
Die Fahne ſelbſt iſt ein Kunſtwerk, entworfen und gemalt von dem
Vor=
ſitzenden des Vereins. Die Fahnenſtange iſt von einem Mitglied
kunſt=
gemäß gedreht. Sämtliches Zubehör iſt von Vereinsmitgliedern
ge=
ſtiftet. So haben nur Kräfte des Vereins der Liedertafel dieſes Kleinod
geſchaffen. Der feſtgebende Verein ſowohl wie auch die Gäſtevereine
werden ihr Beſtes tun, um durch Geſangsvorträge dem Feſte den echt
deutſchen Sangescharakter zu verleihen. Der rühmlichſt bekannte
Oden=
wälder Muſikerverband unter Leitung des Herrn Kehrmann= Heubach
ſtellt die Feſtmuſik und leiſtet Gewähr, daß die Konzertvorträge auf dem
Feſtplatz auch den verwöhnteſten Anſprüchen der Muſikkundigen genügen.
werden. Auch der Jugend und den tanzluſtigen Sängern iſt durch zwei
Bälle Gelegenheit geboten, auch ohne Geſang ſich rechtes Vergnügen zu
gönnen. Wer will ſie beneiden?
n. Dieburg, 11. Juli. Kürzlich ſpielte ſich im benachbarten Walde
eine gefährliche Ausſchreitung gegen Forſtwart May von Meſſel ab,
ſo=
daß das Schwurgericht Darmſtadt mit dem Fall befaßt werden dürfte.
M. hatte mehrere Burſchen unter verdächtigen, auf Forſtfrevel
hindeu=
tenden Umſtänden betroffen und wurde von einem derſelben, dem
Ar=
beiter Heinrich Bender von hier, mit ſcharfen Revolverſchüſſen
ange=
griffen. Glücklicherweiſe ging es trotz des Ernſtes dieſer Bedrohung
ohne Wunden ab, und die Perſönlichkeit des Täters konnte feſtgeſtellt
werden. Das hieſige Amtsgericht hatte ihn nach verantwortlicher
Ver=
nehmung wieder auf freien Fuß geſetzt, doch erließ auf
ſtaatsanwalt=
liche Beſchwerde das Landgericht Darmſtadt nunmehr Haftbefehl gegen
den des Mordverſuchs nebſt Verbrechens nach § 117 St. G.B. (tätlicher
Angriff auf Forſtbeamte) Ang=ſchuldigten, und B. wurde demgemäß
ins Unterſuchungsgefängnis gebracht.
Genſungen, 9. Juli. Schwerer Unfall. Der 12 Jahre alte
Schüler Kurt Salzmann war auf dem Hofe des Landwirts Reiße mit
dem Auſparnen von zwei Pferden an einen Wagen beſchäftigt. Die
Pferde gingen durch, wobei der Junge heruntergeſchleudert, von den
Pferden getreten und vom Wagen überfahren wurde. Nach ſeiner
ſofor=
tigen Ueberführung in das Krankenhaus wurde der Junge operiert und
ſtarb dann nach einigen Stunden.
Londorf, 9. Juli. Jetzt gehen auch an der Londorfer
Krieger=
ehrung die Arbeiten ihrer Vollendung entgegen. Die Geſamtanlage,
deren Entwurf von Regierungsbaumeiſter Schneider=Gießen ſtammt,
fügt ſich vortrefflich in einen bereits vorhandenen ſtimmungsvollen
baulichen Hintergrund ein. Im Mittelpunkte ſteht eine Steinfigur des
Bildhauers W. H. Arnold=Beuern.”
Orpheum.
„Der letzte Walzer”,
die dreiaktige Operette von Julius Brammer und Alfred Grünwald, in
der Muſik von Oskar Straus, hat wie überall, wo ſie gegeben wurde,
auch im Orpheum allabendlich den ſtärkſten Erfolg zu verzeichnen.
Die=
ſer Erfolg iſt nicht allein auf die flüſſige, melodienreiche und populäre
Muſik des Walzerkönigs zurückzuführen, ſondern wohl auch auf die
an=
ziehende und nicht ungewöhnliche Handlung. Das Libretto iſt nicht ſo
literariſch unwert, wie leider die meiſten Operettenlibrettiſten ihre
Ar=
beiten geſtalten, es iſt durchdacht, der Stoff eine intereſſante und
origi=
nelle Epiſode aus dem Leben des kckiſerlichen Rußland, und man ſieht
wieder einmal Uniformen auf der Bühne, ſieht junge, ſchneidige
Offi=
ziere, kaiſerlich=ruſſiſche Prinzen und junge, hübſche Damen, viel
Da=
men, denn die gehörten und gehören nun einmal zum Milieu. Graf
Dimitry, der Liebling der Damenwelt, hat eine von ihm heimlich
Ver=
ehrte und ihn ebenſo heimlich Liebende vor den Zudringlichkeiten eines
kaiſerlichen Prinzen ritterlich beſchützt. Das ſoll ihm — es iſt in
Ruß=
land! — den Kopf koſten. Ein letzter Ball iſt ihm, dem ſchon
Gefan=
genen, noch gewährt. Er genießt die ſchönen Stunden in den Armen
all der Lieben, die ſein Tun bewundern, und die Geliebte und
Be=
ſchützte hilft ihm zur Flucht. Aber nur ſcheinbar geht er in den
Schnell=
zug nach Nizza, der ohne ihn hinter der Szene abfährt. Er bricht ſein
Ehrenwort nicht. Der kaiſerliche Prinz iſt auch gar nicht ſo blutrünſtig,
er will dem Unbotmäßigen nur eine Lehre erteilen, die Hinrichtung iſt
nur eine Komödie, und mit Hilfe der Vera Siſaweta, eben der
Schö=
nen, um die der Streit geht, wird die Komödie zum guten Ende
ge=
führr, die Liebenden werden vereint. — Die Aufführung in der
Inſze=
nierung von Jak. Keſſenich und unter der Leitung des
temperament=
vollen Kapellmeiſters Kleps iſt über Erwarten gut, flüſſig und
ge=
fällig. Sogar die charakteriſtiſchen ruſſiſchen Tänze fehlen nicht und
werden ebenſo, wie die vielen Walzer, die im Laufe des Abends ſolo,
in Duetten und ganzen Enſembles getanzt werden, vielfach da capo
verlangt. Für die Hauptrollen hat man ſich wieder einen Gaſt
ver=
ſchrieben, Bianka Schwarz ſpielt unter Aufwand ſtarker künſtleriſcher
Mittel die Vera, Karl Waldbröhl den Grafen Dimitry, Mizzi
Rau=
ſchenberg, die zum Liebling der Orpheumsbeſucher geworden, die
Ba=
buſchka, Adolf Jordan den General Kraſinski und Jakob Keſſenich die
komiſche Rolle des Baron Ippolith. Die übrigen vielen Rollen, deren
Träger ſich mit einem Geſamtlob begnügen mögen, ſind ſehr gut be=
St.
ſetzt, das Zuſammenſpiel iſt ausgezeichnet.
Der große Nordweſtdeutſche Handwerkertag
wird, in dieſem Jahre am 13., 14., 15. und 16. Juli in Bremen und
Verden begangen. Der 13. Juli iſt internen Beratungen gewidmet. Am
14. Juli findet die Hauptverſammlung des Nordweſtdeutſchen
Handwer=
kerbundes vormittags 9 Uhr im „Gewerbehaus” in Bremen ſtatt, zu
der das geſamte Handwerk von Hannover, Schleswig=Holſtein,
Olden=
burg, Braunſchweig, Schaumburg=Lippe, Bremen, Hamburg und Lübeck
Delegierte entſendet. Auf dieſer Verſammlung wird Generalſekretär
Dr. Vogel=Hannover den Tätigkeitsb=richt erſtatten und die Regularien
erledigt werden. Am nachmittag um 2 Uhr wird eine öffentliche
Hand=
werkerverſammlung im „Parkhauſe” abgehalten. Nach der
Begrüßungs=
anſprache des Bundesvorſitzenden Bäckerobermeiſter Willmann=Hannover
ſpricht der Landesvorſitzende von Oldenburg, Tiſchlermeiſter Freeſe,
über Unkoſtenberechnung und Kalkulation unter beſonderer
Berückſich=
tigung der Geldentwertung. Anſchließend referiert der Syndikus des
Landesverbandes Osnabrück, Dr. Bretzler, über Lieferungs= und
Zah=
lungsbedingungen. Das letzte Referat hält Dr. Köhler=Kiel, Syndikus
des Landesverbandes Schleswig=Holſtein, über Nohſtoff= und
Auftrags=
verſorgung des Handwerks. Der Tag wird beſchloſſen durch einen
Be=
grüßungsabend im „Parkhaus”, den der Bund der Innungen zu
Bre=
men, der Bremer Landesverband des N.W.H., veranſtaltet. Für Sonn=
tag, den 15. Juli, iſt vormittags 9 Uhr die Eröffnung der Ausſtellung
der Kunſtgewerbeſchule Bremen vorgeſehen. Seinen Höhepunkt erreicht
der Handwerkertag in der am Sonntag, den 15. Juli, um 10½ Uhr, in
den „Zentralhallen” ſtattfindenden Maſſenverſammlung, in der unter
anderen die Reichstagsabgeordneten Knieſt, Sievers, Dr. Wienbeck,
Raſchke und Havemann ſprechen. Ein Gartenfeſt im „Parkhauſe”
be=
ſchließt den Tag. Am Montag, den 16. Juli, wird die vom
Kreis=
handwerkerbund Verden veranſtaltete Gewerbeſchau in Verden beſichtigt,
aus welchem Anlaß ein Umzug durch Verden ſtattfindet. Die
Nord=
weſtdeutſche Handwerkszeitung erſcheint anläßlich des Handwerkertages
als Feſtſchrift in verſtärktem Umfange. Die Tagung ſoll zeigen, daß
das Nordweſtdeutſche Handwerk in unerſchütterlicher Einheit
zuſam=
menſteht, um eine feiner Bedeutung entſprechende Berückſichtigung in
Wirtſchaft und Politik durchzuſetzen.
N.W.H.
Wucherer und Schieber.
Bei einer Viehmarktkontrolle in Unterſchwaben wurde durch
Beamte der Landes=Wucher=Abwehrſtelle feſtgeſtellt, daß ein Händler, der
keine Erlaubnis zum Handel mit Jungſchweinen hatte, ein Paar Ferkel,
die er auf dem Markt um 400 000 Mk. gekauft hatte, auf dem gleichen
Markt um 500 000 Mk. an einen Landwirt weiterverkaufte. Außerdem
hielt er noch ſechs Ferkel, die er am gleichen Markte kaufte, feil. Die
zehn Ferkel, die einen Wert von mehreren Millionen Mark hatten,
wur=
den beſchlagnahmt.
Traurige Familienverhältniſſe.
Heidelberg. Ein trauriges Bild zerrütteter
Familienverhält=
niſſe enthüllte die Schwurgerichtsverhandlung gegen den 20 Jahre alten
Schuhmacher Adam Goth von Eppelheim, der ſeinen 44 Jahre alten
Schwager, den verheirateten Maurerpolier Jakob Riegler aus
Eppel=
heim durch drei Revolverſchüſſe ſchwer verletzte, als Riegler der
Schwe=
ſter des Angeklagten den Hals abzuſchneiden drohte. Die Verhandlung
zeigte, daß Riegler ein gewalttätiger und roher Menſch iſt, der wegen
Körperverletzung und Hausfriedensbruch ſchon öfter mit den
Straf=
geſetzen in Konflikt geraten iſt und der ſeine Ehefrau und ſeine Kinder
in der gemeinſten Weiſe mißhandelte. Riegler verbrauchte ſeinen
Ver=
dienſt für ſich ſelbſt, ſeine Familie darbte, und wenn er nach Hauſe kam,
ſchlug er Frau und Kinder und zertrümmerte die Wohnungseinrichtung.
Als Riegler ſeine Frau, die ſich von ihrem Mann getrennt hatte, weil
er eine Koſtgängerin zu ſich nahm, mit Halsabſchneiden bedrohte, rief
die Frau ihren Bruder, den Angeklagten Goth, zu Hilfe, der ſchließlich,
weil er ſich von Riegler mit einem Meſſer bedroht fühlte, ſeinen
Schwa=
ger niederſchoß. Die Geſchworenen verneinten die Schuldfrage, worauf
der Angeklagte freigeſprochen wurde.
Stimmen aus dem Leſerkreiſe.
Gür die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion keinerlei
Ver=
antwortung; für ſie bleibt auf Grund des 524 Abſ. 2 des Preſſegeſetzes in vollem Umfange
der Einſender verantwortlich.) — Einſendungen, die nicht verwendet werden, können nicht
zurückgeſandt, die Ablebnung nicht begründet werden.
Wo bleibt die Pilzkontrolle auf dem Wochenmarkt?
Geſtern zeigte uns eine Dame fünf Pfund Sandröhrlinge vor, die
auf dem letzten Wochenmarkte zu 15 000 Mk. erſtanden wurden. Von
dem ganzen Korb Pilze war kein einziger mehr brauchbar, alle
Exem=
plare völlig von Würmern durchlöchert. Es iſt dies kein Einzelfallz wer
alljährlich über den Markt geht, ſieht dort immer und immer wieder
mit Schaudern, was ſo oft an Pilzmaterial feilgeboten wird: Schwämme,
die der Kenner und Liebhaber wegen ihres Zuſtandes einfach im Walde
ſtehen laſſen würde, für die aber hier glatt der Preis guter Ware
ge=
forderk wird. Gewiß hat in jedem Einzelfalle auch der Käufer dic
Augen aufzumachen; da aber die gewöhnlichſten Pilzkenntniſſe in
weite=
ſten Kreiſen noch ſehr zu nünſchen übrig laſſen, ſo hat die Marktpolizei
die Pflicht, den Käufer vor derartigen Uebervorteilungen zu ſchützen,
beſonders auch, um evtl. (Geſundheitsſchädigungen durch ſolche
unbrauch=
bare Ware vorzubengen. So lange Pilze auf dem Markte zum
Ver=
kauf geboten werden, hat die Oeffentlichkeit ein ganz unbedingtes
An=
recht darauf, daß die zuſtändigen ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden
genau wie auf den Verkauf jeglicher anderen Lebensmittel auch hierauf
ihr beſonderes Augenmerk richten und für eine ſtändige, ſcharfe und
ſachverſtändige Beaufſichtigung und Prüfung ſorgen, wie dies auch in
anderen Städten üblich iſt. Mancherorts werden ſogar
Zulaſſungs=
ſcheine für die geprüften Pilze ausgegeben. Es iſt uns unverſtändlich,
daß gerade hier in Darmſtadt noch keine derart ſcharfe Pilzkontrolle
geübt wird.
Verein für Pilzkunde Darmſtadt.
O heiliger Bureaukratius.
— Man ſchreibt uns: Vor etwa zwei Wochen erhielt ich — und mit
mie wohl mancher andere Kleinviehbeſitzer — einen
Anforderungs=
zettel „bei Meidung der Mahnung und Auspfändung zu bezahlen:
Ein=
malige Umlage (Art. 12 d. Heſſ. Geſ. vom 13. 5. 21, Reg.=Bl. S. 111
von 1921) zur Deckung der für nachträgliche erhöhte Entſchädigungen
(für an Maul= und Klauenſeuche gefallene Rinder und Ziegen)
aufge=
wendeten Koſten und zwar für: 1 Ziege 75 Mark”. — Hat der Staat
für ſeine Funktionäre keine andere Arbeit als ſolche Zahlen, die nicht
einmal hinreichen, um die Koſten der Ausfüllung des Formulars zu
decken, eintreiben zu wollen?
— Lichtſpiele auf hoher See. Bei dem zur feſten
Tradition gewordenen Streben der deutſchen
Schiffahrtsgefell=
ſchaften, ihren Fahrgäſten das Leben an Bord ſo angenehm und
unterhaltend wie möglich zu geſtalten, iſt es ſelbſtverſtändlich,
daß die Hapag ihrem ſchönſten und größten Schiff, dem 22000
Brutto=Regiſter=Tonnen faſſenden Zweiſchraubenturbinendampfer
„Albert Ballin”, der am 5. Juli ſeine Jungfernreiſe nach Neu=
York angetreten hat, alles mitgibt, was zur Kurzweil und zur
Bereicherung fröhlichen, geſelligen Bordlebens dienen kann. So
wird „Albert Ballin” neben mancher anderen Neuerung eines
der beliebteſten Unterhaltungsmittel unſerer Zeit, das Kino,
mit auf die Reiſe nehmen. Bei den Klängen eines vorzüglichen
Quartetts wird man auf dem neuen Schiff im bequemen Seſſel
vor der flimmernden Leinwand ſitzen und ſich die Zeit mit einem
Spielprogramm vertreiben laſſen, das durch ſeine Vielſeitigkeit
den Anſprüchen des internationalen Reiſepublikums ausgiebig
Rechnung tragen wird. Es ſind Kinovorſtellungen ſowohl für
die 1., wie für die 2. und die 3. Klaſſe vorgeſehen. Beſonders
an regneriſchen oder kalten Abenden, die einen Aufenthalt an
Deck nicht erlauben, werden die Fahrgäſte des Schiffes die neue
Einrichtung mit Freuden begrüßen.
über in der Geſchäftsſtelle des Darmſtädter Tagblatts eingegangene
Spenden für die geſchädigte Ruhrbevölkerung:
W. Schäfer, Lehrer i. N. 1000 Mk., Grein 10000 Mk.,
Knaben=
ſchule T 260 000 Mk., Ungenannt 3600 Mk., Koch, Alexandraweg (5.
Rate) 5000 Mk., Ungenannt 700 Mk., K. L. M. G. 10000 Mk., Lehrer
der Knaben=Fortbildungsſchule, Nieder=Ramſtädter Str. 8, 18000 Mk.,
Frau Hel. Bechthold 2000 Mk., Darmſtädter Philologenverein, Abtlg.
Eleonorenſchule, 255 000 Mk., Laiſt, Oberlandesgerichtsrat (3. Gabe)
5000 Mk., K. H. (6. Gabe) 1000 Mk., Ungenannt (3. Gabe) 1000 Mk.,
General=Lt. a. D. Metzler (2. Gabe) 8000 Mk., Enoch, Alexanderſtr. 6
(6. Gabe) 1000 Mk., Technika, G. m. b. H., hier (4.—6. Rate) 100 000
Mk., J. K. (10. Rate) 1000 Mk., Windeck (2. Rate) 3000 Mk.,
Mini=
ſterialrat Wagner, Liebigſtr. 25 (4. Rate) 20000 Mk., A. L. 100 Mk.,
Wilh. Blumer 1700 Mk., Dr. jur. Willi Wißmann 10 000 Mk.,
Mittel=
ſchule II 196 260 Mk., H. Kunkel 10000 Mk., Familie F. 10000 Mk.,
Ertrag eines Konzerts in Anaheim (Kalifornien) durch Vermittelung
der Frau Anna Siegel 20 Dollar.
1. Qnittung 336 810 Mk., 2. Quittung 382 210 Mk., 8. Quittung
490 850 Mk., 4. Quittung 578 495 Mk., 5. Quittung 689 703. Mk., 6.
Quit=
tung 416 536 Mk., 7. Quittung 515 080 Mk., 8. Quittung 1 251 261 Mk.,
9. Quittung 688 429 Mk., 10. Quittung 1 146 238 Mk., 11. Quittung
525 881 Mk., 12. Quittung 557 984 Mk., 13. Qnittung 1 577 273 Mk.,
14. Quittung 597 255 Mk., 15. Quittung 834 316 Mk., 16 Quittung
477 914 Mk., 17. Quittung 627 518 Mk., 18. Quittung 494 353 Mk., 19.
Quittung 765 358 Mk., 20. Quittung 570 580 Mk., 21. Quittung 936 478
Mk., 22. Quittung 2 736 219 Mk., 23. Quittung 504 042 Mk., 24.
Quit=
tung 341 900 Mk., 25. Qnittung 620 271 Mk., 26. Quittung 439 447 Mk.
27. Quittung 536 085 Mk., 28. Quittung 681 221 Mk., 29. Quittung
240 065 Mk., 30. Quittung 719 917 Mk., 31. Qnittung 393 980 Mk.,
32. Quittung 457 470 Mk., 33. Quittung 780 100 Mk., 34. Quittung
619 721 Mk. und 3 Silberkronen, 35. Quittung 937 138 Mk., 36.
Quit=
tung 129 115 Mk.. 37 Onittung 933 855 Mk., 38. Quittung 366 149 Mk.,
39. Quittung 638 300 Mk., 40. Quittung 524 525 Mk., 41. Quittung
675 076 Mk., 42. Qnittuna 936 935 Mk., 43. Quittung 647 375 Mk.,
44. Quittung 798 986 Mk., 45. Quittung 502 500 Mk., 46. Quittung
1 368 305 Mk., 47. Quittung 740 030 Mk., 48. Quittung 485 000 Mk.,
9, Quittung 1 655 450 Mk., 50. Quittung 932 360 Mk. und 20 Dollar.
zuſ. 35 711 309.— Mk.
Rummer 190.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. Juli 1923.
Seite 5.
Sport, Spiel und Turnen.
13. Deutſches Turnfeſit.
S.u. H. München. Ein herrlicher, blau=weiß geflaggter
Sommer=
himmel wölbt ſich über der batzeriſchen Landeshauptſtadt und verheißt
ihr nach unendlich vielen Regen= und kalten Tagen einen ungetrübten
Verlauf des größten Feſtes der Deutſchen, das wir in dieſen Tagen
trotz oder auch wegen der Not der Zeit begehen werden. Die ganze Welt
hat in Friedenszeiten das deutſche Turnen als einzigartig und
vorbild=
lich anerkannt, und die ganze Welt ſoll daher auch wiſſen, daß auf dem
wichtigen Gebiete der Volksertüchtigung ganz wie in alter Zeit weiter
gearbeitet wird im Sinne eines Friedrich Ludwig Jahn, aber auch im
Sinne eines Fichte, eines Hoffmann von Fallersleben und eines Ernſt
Moritz Arndt, die in Wort und Lied die Nation auf beſſere Zeiten
hof=
fen hießen und nichts von Fremdjoch und Knechtsſinn wiſſen wollten.
Vergebens hat der franzöſiſche Bedrücker die Ausreiſe der Feſtteilnehmer
aus den befetzten Gebieten verboten; ſie ſind alleſamt mit ihrer Seele
in München, und alle Feſtteilnehmer ſind ihnen im Geiſte nah. Auch die
Hetze in Amerika hat nichts genützt, denn rechtzeitig zum Feſtbeginn
wer=
den auch die deutſchſprechenden und mit uns deutſch fühlenden Turner
der Union in München eintreffen.
Seit letztem Samstag iſt hier bereits die Vorwoche des
deut=
ſchen Turnfeſtes mit turneriſchen Veranſtaltungen aller Art der
Münchener Schulen, der ſtädtiſchen Turnvereine, der akademiſchen
Turn=
bünde und der Turngemeinden der näheren und weiteren Umgebung
Münchens im Gange. Die gewaltige Thereſienwieſe bildet mit dem
an=
geſchloſſenen Terrain der ſtädtiſchen Ausſtellung eine Feſtwieſe, wie ſie
in gleicher Großartigkeit noch kein deutſches Feſt ſah. Das Hof= und
Nationaltheater bietet zwei Vorſtellungen, darunter eine ſeines
welt=
berühmten Balletts, und auch die Sänger, die Schützen und die
Sport=
vereine Münchens werden an der Feier des 13. Deutſchen Turnfeſtes in
hervorragender Weiſe mitwirken.
Ein Ereignis von ſymboliſcher Bedeutung und tiefer Wirkung iſt
auf den Turnfeſten jedesmal die Einbringung des Bundesbanners in
die Feſtſtadt. Diesmal brachten es die Leipziger Turner und Turnerinnen
mit, die es gelegentlich des 12. Deutſchen Turnfeſtes in Leipzig von den
Frankfurtern übernommen und ſeit dieſer Zeit in Verwahrung hatten.
Es waren ſieben große Kolli erforderlich, um das Banner nebſt allem
Zubehör nach München zu bringen. Die Uebergabe des Bundesbanners
an die Stadt München erfolgte im Auftrage der Stadt Leipzig durch
den ſtädtiſchen Turndirektor und Gauvertreter Fritz Groh in Begleitung
einiger Hundert Leipziger Turner.
Von Donnerstag ab werden ſich nunmehr rund 150 Sonderzüge mit
Turnern und Turnerinnen aus allen deutſchen Gauen auf die Feſtſtadt
München zu in Bewegung ſetzen. Es iſt dem Feſtausſchuß gelungen, für
die über 200 000 Feſtgäſte Quartier zu beſchaffen. Allein für die
Beſchaf=
fung des für die Maſſenquartiere notwendigen Strohs mußten 20
Auf=
käufer ganz Bayern bereiſen; die aus ganz Deutſchland
zuſammengehol=
ten Schlafdecken repräfentieren einen Wert von etwa 45 Milliarden.
Hunderte von Millionen, die als Kredit in Frage kamen, ſind
anſtands=
los gezeichnet worden, und trotz der rieſigen Auslagen wird das Feſt
ohne Defizit abſchließen, da der Leitung von allen Seiten geholfen
wurde, über finanzielle Schwierigkeiten hinwegzukommen. So übernahm
die Münchener Großinduſtrie z. B. die völlig koſtenloſe Inſtallierung
der Platz= und Saalbeleuchtung.
Da zu dem Feſtzug rund 120 000 Teilnehmer gemeldet ſind, ſo wird
er, wie das auch ſchon in Nürnberg, Frankfurt und Leipzig geſchah, in
zwei Teilen geführt werden, die auf ihrer ganzen Länge aneinander
vorbeimarſchieren, um den Gäſten Gelegenheit zu geben, ſich
unterein=
ander zu hegrüßen. Die Länge des Feſtzuges iſt, trotzdem in
Achter=
reihen marſchiert werden wird, auf 8 Kilometer berechnet. Er wird
zirka fünf Stunden in Anſpruch nehmen. Am hiſtoriſchen Stachus
tref=
fen ſich die Spitzen beider Züge und ziehen durch die öſtlichen Straßen
zum Feſtplatz hinaus, wo die Auflöſung erfolgt. An der Spitze des
erſten Zuges werden die Saarländer, die Pfälzer und die Rheinländer,
ſowie die Turner und Turnerinnen des Ruhrgebiets marſchieren. Die
Spitze des zweiten Zuges bilden die Turner und Turnerinnen des
be=
drängten Oſtens, zunächſt die Oberſchleſier, dann die Oſtpreußen, ferner
die aus den abgetrennten öſtlichen Gebieten. Zwiſchen jede
Landes=
gruppe ſchieben ſich die Münchener Zünfte mit ihren Fahnen und
Stand=
arten ein. Nach zweiſtündigem Marſch wird um 12 Uhr mittags Halt
gemacht und der Toten des Weltkrieges durch eine kurze Feier gedacht,
zu der die Glocken der ſämtlichen Münchener Kirchen geläutet werden.
Die Auflöſung des Feſtzuges erfolgt auf dem Feſtplatz, wo alsbald die
allgemeinen Freiübungen beginnen.
Reichsjugendwettkämpfe.
Einer Anregung des Reichsminiſters des Innern folgend, empfiehlt
die heſſiſche Schulbehörde allen unterſtellten Behörden, im Rahmen
eines Schulfeſtes Wettkämpfe der männlichen Jugend zu
veranſtalten, die bis Ende September beendet ſein ſollen. Die
Betei=
ligung iſt freiwillig. Die weibliche Jugend kann
ſich durch allgemeine Frei=, Keulen= oder Stabübungen, Reigentänze,
Riegenturnen an Geräten und ähnlichen Aufführungen beteiligen. —
Zur Vorbereitung und Durchführung wird ſich an höheren Schulen und
größeren Volksſchulen zweckmäßig ein kleiner Ausſchuß bilden, dem
neben geeigneten Lehrern auch ältere Schüler angehören können. Die
Zuziehung von Mitgliedern aus Turn= und Sportvereinen wird ſich
gleichfalls empfehlen. Wo Ausſchüſſe für Leibesübungen
beſtehen, werden ſich die Schulen am beſten mit dieſen ins Benehmen
ſetzen. Die Bewerbungen um den Sieg ſollen in der Form eines
Fünf=
kampfes zum Austrag kommen, beſtehend aus zwei Geräte= (Neck,
Bar=
ren) und drei volkstümlichen Uebungen (100 Meter=Lauf, Weitſprung,
Schlagballweitwurf). Kleinere Landſchulen, die keine Geräte beſitzen,
müſſen ſich auf die genannten drei volktsümlichen Uebungen beſchränken.
Iſt nur ein Klettergerüſt vorhanden, das an der zweiklaſſigen Schule
nicht fehlen darf, ſo ſind nach den Lehrplänen an dieſen Gerüſten zwei
Uebungen auszuwählen. Die Wettkämpfer werden nach Jahrgängen in
drei Gruppen geordnet, und zwar: Jahrgänge 1910 und 1909, 1908 und
1907, 1906 und 1905. Die Geräteübungen an Barren und Reck
ſind dem eingeführten Lehrbuch entnommen, für die
volkstüm=
lichen Uebungen gelten folgende Bedingungen: Jahrgänge 1910
und 1909: 100 Meter=Lauf. 20 Sek. — 0 Punkte, je 0,2 Sek. weniger
— 1 Punkt, 16 Sek. — 20 Punkte. Weitſprung. 2,50 Meter — 0 P.,
je 5 Zentimeter mehr — 1 Pk., 3,50 Meter — 20 Punkte.
Schlagball=
weitwurf. 20 Meter — 0 P., je 1 Meter mehr — 1 Pk., 40 Meter
— 20 Punkte. — Jahrgänge 1908 und 1907. 100 Meter=Lauf. 19 Sek.
— 0 P., je 0,2 Sek. weniger — 1 P., 15 Sek. — 20 Punkte.
Weit=
ſprung. 2,80 Meter — 0 P., je 5 Zentimeter mehr — 1 P., 3,80 Meter
— 20 Punkte. Schlagballweitwurf. 25 Meter — 0 P., je 1 Meter mehr
— 1 P., 45 Meter — 20 P. — Jahrgänge 1906 und 1905. 100 Meter=
Lauf. 17,6 Sek. — 0 P., je 0,2 Sek. weniger — 1 P., 13,6 Sekunden
— 20 Punkte. Weitſprung. 3 Meter — 0 P., je 5 Zentimeter mehr
— 1 P., 4 Meter — 20 Punkte. Schlagballweitwurf. 30 Meter — 0 P.,
je 1,50 Meter mehr — 1 P., 60 Meter — 20 Punkte.
Die Feſtſtellung der Sieger geſchieht dadurch, daß ſämtliche Punkte,
die ein Schüler erreicht hat, zuſammengezählt werden. Die erſten 20
vom Hundert der Teilnehmer in der Reihenfolge der Wertuny ſind als
Sieger zu betrachten; ſie erhalten die Urkunde des
Reichsprä=
ſidenten, die ſpäter zugeſtellt wird.
Bisher 14 Siege in Gothenburg.
Mit den leichtathletiſchen und Schwimmkonkurrenzen ſind die größten
ſportlichen Ereigniſſe in Gothenburg vorüber. Neben vielen guten
Plätzen konnten die deutſchen Teilnehmer 14 Siege buchen; ſie haben
alſo recht günſtig abgeſchnitten. Die beſten Erfolge hatten die
Schwim=
mer und Hallentennisſpieler mit 5 bzw. 4 Siegen. Die Sieger im
Schwimmen ſind: 200 Meter=Bruſt: Rademacher, 100 Meter=Rücken:
Frölich, 400 Meter=Bruſt: Nademacher, Kunſtſpringen vom
Turm: Luber, Kunſtſpringen vom 3 Meter=Brett: Dr. Lechnir; die
im Hallentennis: Damendoppelſpiel: Galvao=Neppach, gemiſchtes
Doppelſpiel: Galvao=Rahe, Dameneinzelſpiel: Neppach,
Herren=
doppelſpiel: Bergmann=Rahe. — Die Leichtathleten eroberten
zwei Siege, Houben im 100 Meter=Lauf und Kaſten im 110 Meter=
Hürdenlaufen. Je einen Sieg buchten die Golfſpieler, Gewichtsheber
und Radfahrer; es wurde errungen die Golfmeiſterſchaft der Damen
von Frau Selſchopp; Lang ſiegte in der ſchweren
Mittelgewichts=
klaſſe. Den Mannſchaftskampf der Radfahrer holte ſich die deutſche
Mannſchaft.
Krafffahren.
Der neugegründete Heſſiſche Motorrad=Club e. V.,
Ortsgruppe des A.D.A. C., Sitz Darmſtadt, tritt am Sonntag, 15. Juli,
vormittags 6.30 Uhr, mit einer Motorrad=Prüfungsfahrt
„Rund um die Ludwigshöhe” für Motorräder aller Stärken das eiſte
Mal an die Oeffentlichkeit. Die kurvenreiche Strecke, die unterhalb des
Böllenfalltors ausgeht, wo ſich Start und Ziel befinden, und über
Kur=
haus Trautheim, Nieder=Ramſtadt, Mühltal, Eberſtadt, Darmſtadt,
Landskron=—Goetheſtraße, Böllenfalltor (Ziel) erſtreckt, ſtellt an die
Fahrer außerordentliche Leiſtungen. Die Strecke von 16,4 Kilometern
wird in den verſchiedenen Klaſſen mehreremale umfahren und dürfte
ſomit dem ſportliebenden Darmſtädter Publikum einige genußreiche
Stunden bieten.
Wandern.
Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt.
Ach, du klarblauer Himmel, wie ſchön biſt du heut!
Möcht”’ ans Herz gleich dich drücken vor Jubel und Freud!
Mit Jubel und Freud begann am vergangenen Sonntag die vierte
Wanderung von Erbach i. Odw. aus über Elsbach, Unter=Moſſau,
Hil=
tersklingen, Gras=Ellenbach, Siegfriedsbrunnnen, Gittersbach, Marbach
nach Hetzbach. Der Schweiß floß in Strömen, und doch war das
Wan=
dern bei der herrſchenden friſche Briſe erfriſchend und ſchön. In
wohl=
meinender Fürſorge hatten die Führer dafür Sorge getragen, daß es
bis zur Mittagsraſt nur friſches und klares Quellwaſſer gab. Manch
Hartgeſottener bejammerte bis zur Mittagsraſt ſeinen „ſchöne Dorſcht”.
— Herzlicher Dank für die wohlgelungene Wanderung gebührt den
beiden Führern Robert Klump und Franz Merck. Schon unterwegs
konnten ſie den wohlverdienten Dank aus den frohen Mienen der
ſtatt=
lichen Wanderſchar leſen.
Flugſport.
Rhönſegelflug 1923.
Die Termine des diesjährigen Wertbewerbes ſind wie folgt
feſtgeſetzt: Vorwettbewerb vom 3.—14., Auguſt, Hauptwettbeiverb vom
17.—31. Auguſt — Verlängerung bis zum 5. September vorbehalten.
Am 30. Auguſt findet auf der Waſſerkuppe ein Flieger=Gedenktag mit
Denkmalsweihe ſtatt.
P
Unſere Agentur in
Griesheim
iſt zum 1. Auguſt anderweitig zu vergeben.
Perſonen, die ſich verpflichten, das Abtragen
der Zeitungen pünktlich und gewiſſenhaft zu
erledigen, wollen ſich melden in der
Geſchäftsſtelle des Darmſtädter Tagblattes
Bertriebs=Abteilung.
(5530idg
P
Wetterbericht der Gießener Wetterwarte.
Wettervorherfage für den 13. Juli:
Heiter, trocken, ſehr warm, öſtliche Winde.
Ra
Sommerſpielzeit Br. Harprecht, (Kleines Haus), abends
7½ Uhr: „Henne im Korb” — Orpheum, abends 734 Uhr: „Der
letzte Walzer”. — Kaffee Fürſt Bismarck: Extra=Konzert. —
Darmſtädter Konzert=Direktion: 2. Orcheſter=Konzert
(Deutſcher Abenb) im Saalbau. Anfang 8 Uhr. — Union=, Reſidenz=,
Theater, Palaſt=Lichtſpiele: Kinovorſtellungen.
Druck und Verlag: L. C. Wittich. Verantwortlich für Politik,
Wirtſchaft und Feuilleton: Rudolf Mauve; für „Stadt und Land”
„Reich und Ausland”: i. V.: Andreas Bauer; für den
Inſeraten=
teil: i. V.: Ad. Fleiſchmann, — ſämtlich in Darmſtadt.
W
Die heutige Rummer hat 10 Geiten
U
OPP
STATT KARTEN
A
Die Verlobung meiner
Tochter MAGDA mit Herrn
WILHELM BRAUN zeige
ich an.
Frau Ella Giese
geb. Sartorius.
Meine Verlobung mit Fräul.
MAGDA GIESE. Tochter des
verst. Hauptmanns und Komp.-
Chefs Herrn Robert Giese und
seiner Frau Gemahlin Ella, geb.
Sartorius, beehre ich mich
an-
zuzeigen.
(5834
Gießen
hre am 14. Juli 1923 um 2.30 in
I der Schloßkirche ſtattfindende
Trauung beehren ſich anzuzeigen
Lotte Goldberg
Heinrich Laumann
Darmſtadt
Schloßgraben 7
Wendelſtadtſtr. 8
U1f8 3
Todes=Anzeige.
Geſtern verſchied nach langem,
ſchwerem Leiden unſere liebe
Mutter, Schwiegermutter,
Groß=
mutter und Tante
Katharina Vollhardt
geb. Lorey
Lokomotivführers=Bſtwe i. P.
im 78. Lebensjahre,
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 11. Juli 1923
Wendelſtadtſtr. 13,
Die Beerdigung findet Freitag,
13. Juli, nachm. 3½ Uhr, auf dem
Waldfriedhof ſtatt. (*19751
Typendruck=
Vervielfältigungen
liefert raſch (*19635ms
Löw
Heinheimerſtraße 59
Mittenwalder
Meiſter=Cello
billig zu verk. Näh.
in der Geſchſt. (*19748
Für die vielen Beweiſe
aufrich=
tiger Teilnahme bei dem Hinſcheiden
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Wir bringen hiermit die durch die zuſtändigen
Behörden genehmigten Aenderungen des Tarifs
vom 1. Juli d8. Js. der Darmſtädter Straßen=
und Vorortbahn zur allgemeinen Kenntnis.
Abteilung 1:
Nachlöſekarten koſten . . . . 1500.— Mk.
Abteilung 2
wird wie folgt geändert:
Fahrpreis für barzahlende Fahrgäſte:
1 und 2 Teilſtrecken .
1500.— Mk.
3 bis 5 Teilſtrecken".
2000.—
„ . 2500.—
6 und 7 Teilſtrecken".
8 und mehr Teilſtrecken . . . 3000.— „
für eine Perſon.
Für 3 bis 5 Teilſtrecken gibt es
Fahrſchein=
heftchen zu 18000.— Mk. für 10 Fahrten.
Die Teilſtrecken müſſen zuſammenhängen und
hintereinander durchfahrbar ſein.
Zu 8 12 E. Für allgemeine Zeitkarten.
A. Monatskarten.
1 und 2 Teilſtrecken . . . . 60000.— Mk.
3 bis 5 Teilſtrecken ..
80000.—
6 und 7 Teilſtrecken . . . 100000.—
8 und mehr Teilſtrecken . . 120000.-
Innenverkehrskarten, perſ. 80000.—
Stadtnetzkarten, perſönlich 90000.—
für eine Perſon und einen Kalendermonat.
Zu 8 12 E, Ziffer 4. Für unperſönliche
be=
ſondere Zeitkarten wird mongtlich ein Zuſchlag
von 10000 Mark für jede Karte erhoben.
Zu 8 12 F. Für Schüler und
Schüler=
innen.
B. Schüler=Monatskarten.
1 und 2 Teilſtrecken
37500.— Mk.
3 bis 5 Teilſtrecken".
50000.—
62000.—
6 und 7 Teilſtrecken . . .
8 und mehr Teilſtrecken . . . 75000.—
für eine Perſon und einen Kalendermonat.
Zu 8 12 G. Wochenkarten
a) für täglich 1 Hin= und Rückfahrt:
1 und 2 Teilſtrecken . . . . 12000.— Mk.
3 bis 5 Teilſtrecken . . . . 16000.—
6 und 7 Teilſtrecken . . . . 20000.-
8 und mehr Teilſtrecken 24000.—
b) für beliebig viele Fahrten:
1 und 2 Teilſtrecken . . . . 13500.— Mk.
3 bis 5 Teilſtrecken . . . . 18000.—
machung.
6 und 7 Teilſtrecken . . . . 22500.— Mk.
8 und mehr Teilſtrecken . . 27000.—
für eine Perſon und eine Kalenderwoche gültig
an Werktagen. Falls Feiertage, an denen die
Wochenkarten keine Gültigkeit haben, in eine
Woche fallen, wird der Preis der Karten
ent=
ſprechend ermäßigt.
Fahrſchein=Heftchen
für 3—5 Teilſtrechen mit dem
Stempel=
überdruck Heag auf dem Tarif=Buchſtaben
N koſten Mk. 18000.-
Auf Heftchen mit dem Stempelüberr
druck Heag auf dem Tarif=Buchſtaben M
(13500 M.)werden von denSchaffnern
Zuſatz=
ſcheine (roter Aufdruck 5 Teilſtrechken) zu
Mk. 450.— und für Heftchen mit dem
Stem=
pelüberdruck Heag auf dem
Tarifbuchſta=
ben L (7209 Mk.) Zuſatzſcheine (roter
Auf=
druck 11 Teilſtrecken) zu Mk. 1080.—
aus=
gegeben.
Alle anderen Fahrſchein=Heftchen mit
geringerem Wertaufdruck haben keine
Gültigkeit mehr.
In Begleitung eines barzahlenden
Fahr=
gaſtes hat je ein Kind unter 6 Jahren freie Fahrt,
für 2 Kinder unter 6 Jahren iſt ein Fahrſchein
zum normalen Fahrpreis zu löſen. Für Inhaber
von Zeitkarten, Fahrſchein=Heftchen uſw. har dieſe
Vergünſtigung keine Geltung.
Zu § 12 K.: Für Marktkörbe in
beſon=
deren Marktzügen.
Für je einen Marktkorb bis zu 25 kg Gewicht
werden Mk. 1500.— erhoben. Mitbeförderte
Per=
ſonen haben den normalen Fahrpreis zu entrichten.
Zu 8 40, 41, 42. Für Beförderung von
Ex=
preßgut für jedes Stück Mk. 1500.— für
ange=
fangene 25 kg einſchl. Steuer.
Vorſtehende Tarifänderung tritt für den
Bar=
tarif und Monatskarten am 13., für
Wochen=
karten am 16. Juli in Kraft.
(5840
Für allgemeine Zeitkarten iſt die
ent=
ſprechende Nachzahlung für die Zeit vom 13. bis
31. Juli zu leiſten.
Darmſtadt, den 12. Juli 1923.
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guthaben mit 236 814 305 000 Mk. Vorſchüſſe gegen Börſenwertpapiere
1 799 981 000 Mk., Warenvorſchüſſe mit 29 869 000 Mk., eigene Wert=
* Wandererwerke vorm. Winkelhofer u. Jaenike papiere 242860 000 Mk., Gemeinſchaftsgeſchäfte mit 204 120000 Mk.,
liarden gegen 4,4 Milliarden i. V. Avale ſtehen auf jeder Seite der
* Ver. Eiſen= und Maſch.=Bau A.=G., Barmen, Guß= Vilanz mit 11 411 070 Mk. gegen 333 939 000 Mk. i. V. Unter den
Gläu=
ſtahlwerk Spannagel u. Sievers A.=G Vörde. Die bigern figurieren Noſtro=Verpflichtungen mit 96 586 000 (i. V. 20 862000)
die Vema Kapitalserhöhung von 24 auf 80 Mill. vor. Von den ab / fällig 31 228012000 (1 243 952 000) Mk., darüber hinaus bis zu drei Mo=
Warenmärkte.
wb. Amtliche Notierungen der Frankfurter Ge=
12000 Proz. Den Aktionären der Vema wird auf je 3 alte 1 neue ohne Sack, Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack. Alsbaldige
nagel u. Sievers A.=G. im Beſitze des Patentes einer Spitzen=glöppel= alsbaldige Lieferung 900—1000 000 Mk., Weizenmehl ſüdd. Ware Nr. 0
Maſchine ſei, die großen Anklang gefunden habe und für die bereits 2—31 Mill. Mark bei Waggonbezug ab Mühlenſtation, Roggenmehl
wb. Berliner Produktenmarkt. Geſtern nachmittag
induſtrie liegt, aufgenommen werden. Die zur Einrichtung dieſer neuen haben noch Abſchlüſſe in Weizen, Roggen und Mehl infolge vermehrter
Generaldirektor Ernſt Jäger, Berlin, und Erwin Soeſt, Hagen. In anzukommen. Für die Preisbildung in Weizen macht es ſichtlich
Ein=
der anſchließenden a. v. G.=V. der Gußſtahlwerke Spannagel u. Sie= druck, daß Auslandsweizen ſich teilweiſe um rund 100 000 Mark für den
Zentner billiger kalkuliert als heimiſche Ware. Für Roggen war etwas
Xd. Richard Oswald=Film=A.=G. in Berlin. In der mehr Angebot am Markte. Auch die Gerſtenpreiſe ſchwächten ſich etwas
in Hamburg am 7. Juli abgehaltenen Generalverſammlung wurde die ab, ebenſo kam für Hafer etwas mehr Ware heraus. Das Mehlgeſchäft
Wirtſchaftliche Rundſchau.
A. G., Schönau bei Chemnitz. Die Geſellſchaft beruft die a. v. dauernde Beteiligungen mit 63 900 000 Mk., Außenſtände in laufender
G.=V. zum 8. Auguſt, die über Kapitalserhöhung durch Ausgabe von Rechnung mit 15 119 704 000 Mk., Bankgebäude und Einrichtungen
86,5 Millionen Mk. neuen Stammaktien auf 160 Millionen Mk. Veſchluß 24 506 000 Mk., ſonſtige Liegenſchaften 1 264 000 Mk. ordentliche
Rück=
faſſen ſoll. Hiervon ſollen 37,5 Millionen Mk. als Schutzaktien mit lagen 365 217 500 Mk., außerordentliche Rücklagen 34 788000
25 % Einzahlung zur Verfügung der Verwaltung gehalten werden, Mark, Gläubiger 68566 000 Mk., Akzepte und Schecks S10 750
und der Reſt im Verhältnis 3:3 zu einem noch feſtzuſetzenden Kurs den Mark. Die Summe der Bilanz ſtellt ſich diesmal auf 71
Mil=
alten Aktionären zum Bezug angeboten werden.
a. v. G.=V. der Ver. Eiſenhütten= und Maſch=Bau A.=G. genehmigte Mark, Guthaben Deutſcher Banken mit 9 764 886 000 (i. V. 692 922000)
den Verſchmelzungsvertrag mit der Spannagel u. Sievers A.=G. mit Mark, Einlagen auf gebührenfreie Rechnung innerhald 7 Tagen fällig
13 115 Stimmen gegen 1 Stimme. Danach geht das geſamte Vermögen 23635 431 000 (i. V. 1 213 997 000) Mk., darüber hinaus bis zu drei
des Gußſtahlwerkes als Ganzes unter Ausſchluß der Liquidation auf Monaten fällig 177 229 000 (170 311 00) Mk., nach drei Monaten fällig
die Vema über. Im Zuſammenhange mit dieſer Verſchmelzung nimmt 3 312 865 000 (408 564 000) Mk., ſonſtige Gläubiger innerhalb 7 Tagen
1. 1. 23 dividendenberechtigten neuen Aktien werden 15,75 Mill. den naten fällige 242042 000 (243000) Mk., nach drei Monaten fällig
Aktionären der Spannagel u. Sievers A.=G. derart zum Umtauſch an= 198 766 000 (1 605 000) Mk.
geboten, daß auf nom. 4000 Mk. Spannagel u. Sievers=Akt. nom. 3000
Mk. Vema=Aktien entfallen. Die reſtlichen neuen Aktien, die zu pari
übergeben werden, übernimmt die Rheinhandels=Konzern A.=G.,
Düſſel=
dorf, und zwar 20 Mill. 250 000 Mk. zu 5000 Proz. und 20 Mill. zu treidebörſe vom 11. Juli. Getreide, Hülſenfrüchte, Biertreber
Aktie zu 5500 Proz, und den Aktionären der Spannagel u. Sievers A.=G. Lieferung. Preis je 100 Kg. Parität Frankfurt a. M. Weizen,
Wette=
auf je 4 zum Umtauſch eingereichte Aktien 1 neue zu gleichem Kurſe rauer alsbaldige Lieferung 1200 000—1 300 000 Mk., Roggen,
alsbal=
zum Bezuge angeboten. Betreffs der Zuſammenlegung der beiden
Ge=
ſellſchaften äußert ſich die Verwaltung der Vema dahin, daß die Span= dige Lieferung 900—950 000 Mk., Gerſte, Sommergerſte für Brauzwecke,
Aufträge auf Monate hinaus vorlägen. Die Erzeugung dieſer Maſchine 1 400—1 500 000 Mk., Weizen= und Roggenkleie 650 000 Mk. Tendenz feſt.
ſoll im Großen von der Vema, die am Hauptſitz der deutſchen Textil=
Abteilung erforderlichen Maſchinen und Rohſtoffe ſeien bereits in aus= Provinzkäufe bei unregelmäßiger Preisbildung ſtattgefunden. Heute
reichendem Maße vorhanden. Neu in den Aufſichtsrat wurden gewählt: war etwas billiger, wenn auch kaum unter den geſtrigen Mittagsnotizen
vers A.=G. wurden die entſprechenden Anträge angenommen.
Dividende anſtelle der vorgeſchlagenen 300 Prozent auf 500 Prozent feſt= war etwas ruhiger. Hülſenfrüchte und Futterartikel behaupteten
un=
geſetzt. Aus dem der Verſammlung vorgelegten Jahresbericht iſt zu er= gefähr ihren Preisſtand.
ſehen, daß die Tochtergeſellſchaften Leopold Jeſſner G. m. b. H. und Kon=
Börſen.
rad Veidt ebenfalls mit Erfolg gearbeitet haben. Der tatſächliche
Rein=
gewinn betrage 88 624 000 Mk. Das ganze Inventarkonto ſei bis auf
* Frankfurter Börſenbericht vom 11. Juli. (Eigener
1000 Mk. abgeſchrieben. In dieſen Abſchreibungen ſeien tatſächliche Bericht.) Auch heute wurden die Deviſen wieder bei nur wenig erhöh=
Abſchreibungen vorhanden mit einem Wert von mehreren Milliarden tem Kursniveau unter ſcharfen Rationierungen zugeteilt. Kabel Neu=
Mark. In den 60 Millionen Mark betragenden Steuerreſerven liege York 187 000. An der Effektenbörſe war das Geſchäft im allgemeinen
ebenfalls eine erhebliche Reſerve. Vor allem ſei zu berückſichtigen, daß etwas ruhiger. Die Spekulation hielt ſich in Anbetracht des knappen
die Kontokorrentdebitoren zum größten Teil beretts eingegangen ſeien. Geldmarktes und der unüberſichtlichen politiſchen Lage anfangs etwas
Der Kapitalbeſtand ſetze ſich in der Hauptſache aus Valuten zuſam= zurück. Immerhin lagen von ſeiten des Privatpublikums noch
außer=
men, und zwar aus Valuten, die zu einem Kurs angeſetzt ſeien, der un= ordentlich große Kaufaufträge vor, die beſonders für die mittleren Werte
gefähr einem Neuntel der heutigen Mark entſpricht; auch hier ſind ſtille und die Papiere des Einheitsmarktes wieder große Kurserhöhungen zur
Reſerven enthalten. Die Bilanz zeige ein ſehr günſtges Bild. Die Folge hatten, da Material auch heute wieder ſehr wenig herauskam.
500prozentige Dividende ſei beſonders mit Rückſicht auf das günſtige Im Verlaufe der Börſe wurde die allgemeine Haltung überhaupt feſter,
Ergebnis vorgeſchlagen worden. Auf neue Rechnung werden 11,60 Mil= und man ſchloß in feſter Stimmung.
lionen Mark vorgetragen. Auch der Bericht wurde gegen die zwei
Am Rentenmarkt war das Geſchäft etwas ruhiger und die
Stimmen der opponierenden Aktionäre genehmigt. Herr Oswald er= Kurſe wieder ſehr feſt. Beſonders große Lursſteigerungen hatten
Mexi=
wähnte noch, daß der Film Lucretia Borgia noch zu ſehr günſtigen Be= kaner aufzuweiſen, wie 5. % Goldmexikaner 6 Millionen. Auch
tür=
dingungen nach England verkauſt worden ſei und ein günſtiger Abſchluß kiſche Renten ſtark gefragt. 47 Zolltürken 1 750 000 pl. 525 000, 2.
Bag=
nah Amerika dicht vor der Türe ſtehe. Der Film Margarethe, der im dadbahn 19 Mill. pl. 0.4 Mill.
nächſten Monat begonnen wird, ſei bereits an einige ausländiſche Unter=
Am Chemiemarkt war die Haltung bis zum Schluß ſehr feſt.
nehmungen zu ſehr guten Dollarpreiſen verkauft worden. Es beſtehe / Badiſche Anilin 740 000 pl. 60 000, Griesheim 640 000 pl. 100 000, Elber=
Ausſicht, daß das Ergebnis des laufenden Jahres das des vergangenen felder Farben 680 000 pl. 80 000, Holzverkohlung 0,7 pl. 0.3 Mill. und
weit überholen werde. Der Verwaltung wurde gegen die zwei Stim= Scheideanſtalt 950 000 bl. 150 000.
men Entlaſtung erteilt.
Eher etwas ſchwächer lagen Elektrizitätswerte, ſo ganz
beſonders Felten u. Guilleaume 1 Million min. 85 000. A. E.G. 560 000
Banken.
min 55 000. Unverändert waren Voigt u. Häffner mit 250 000. Sehr
Barmer Bank=Verein, Hinsberg, Fiſcher u. Co. feſt Gummi=Peter 310 000 pl. 60 000.
Maſchinen= und Metallwerte waren weiter ſehr feſt,
Die G.=V. vom 26. Juli ſoll über eine Ausſchittung von 150 Prozent
Dividende und Kapitalserhöhung von 250 Millionen auf 1,250 Mil= beſonders Hirſch Kupfer 1,6 Mill. pl. 0,2 Mill., Eßlinger 0,4 Mill. rat.
liarden Beſchluß faſſen. Die Abſchlußziffern für 1922 tragen wir in pl. 0.1 Mill., Pokorny 0,3 Mill. rat. pl. 30 000.
Zuckeraktien lagen durchſchnittlich 50—100 % höher.
folgendem nach: „Gebühren erbrachten 1978877000 Mk., Zinſen
Der Möntanaktienmarkt war wenig verändert. Sehr feſt
1867 911 000 Mk., Wertpapiere 3 337 335 000 Mk., Verwaltungsunkoſten
erforderten 2 856 369 000 Mk., Steuern 371 327 Mk. Nach Abſchreibung Gelſenkirchener 3 Mill. pl. 0,4 Mill., Deutſch=Luxemburger 2,7 Mill. pl.
und Rückſtellung in Höhe von 816 000 Mk. wird ein Reingewinn ein= 0,3 Mill. Bankaktien lagen anfangs etwas ſchwächer, konnten ſich aber
ſchließlich Vortrag von 957 374 000 Mk. ausgewieſen, wovon, wie be= ſpäterhit; wieder befeſtigen.
Am Einheitsmarkt mußte infolge der großen Kaufaufträge
reits mitgeteilt, 150 Prozent Dividende zur Ausſchüttung gelangen
ſollen, für außerordentliche Rücklagen 16 415 000 Mk. verwendet, für die Zuteilung bei ſehr vielen Werten ſehr ſtark rationiert werden. So
Aufſichtsrats=Tantiemen 152 510 000 Mk. ausgeſchüttet werden und auf waren Beck u. Henkel 400 000 rat. pl. 115 000, Schneider u. Hanau
neue Rechnung 38 400 000 Mk. vorgetragen werden ſollen. In der 270 000 rat. pl. 85 000, Lutz Maſchinen 600 000 rat. pl. 100 000. Näh=
Bilanz erſcheinen Kaſſe, Zinsſcheine uſw. mit 3 185 487000 Mk., Wechſel kayſer 06 Mill. rat, mehr als verdoppelt. Erſtmals notiert wurden
und unverzinsliche Schatzanweiſungen mit 13 506 774 000 Mk., Bank= Chem. Milch mit 375 000.
Darmſtädter und Nationalbank, Kommandit=Geſellſchaft auf Aßtien.
12. Juli1923 Nr. 190
Im freien Verkehr handelte man zu nur wvenig veränderten
Kurſen. Man hörte hier: Beckerſtahl 570 000, Beckerkohle 510—490 000,
Benz 900 000, Brown Boverie 185—200 000, Emelka 145 000, Georgi
58 000, Growag 80—70 000, Hanſa Lloyd 190 000, Kaiſer Waggon 56 000,
Krügershall 610—580 000, Mcez Söhne 330 000, Meyer Textil 70—65 000,
Tiag 130 000, Ufa 420—380 000.
wb. Berliner Börſenſtimmungsbild. Nach einer
lan=
gen Periode anhaltender außerordentlich großer Kursſteigerungen machte
heute ſich bei einem leichten Nachlaſſen des bisher überaus lebhaften
Geſchäftes Realiſationsluſt ſeitens des Publikums in etwas größerem
Umfange bemerkbar, die mit einer deutlicher zutage tretenden
Verknap=
pung des Geldmarktes zuſammenhing. Die großen Geldgeber, an die
von Handel und Induſtrie zur Finanzierung der Warenkäufe große
An=
ſprüche geſtellt werden, zeigen deshalb in der Beleihung von
Induſtrie=
effekten eine zunehmende Zurückhaltung. Da auch beſtimmt damit
ge=
rechnet wird, daß in der heutigen Zentralausſchußſitzung der Reichsbank
weſentliche Diskonterhöhungen beſchloſſen werden, überwogen zu den
Anfangskurſen Abſchwächungen, die aber nur vereinzelt wie bei Köln=
Rottweiler, R. Wolff, Eſſener Steinkohlen und Felten=Guillegume über
100 000 hinausgingen. Feſt lagen von vornherein die ſchweren
Montan=
papiere wie Phönix, Harpener und Mannesmann bei Steigerungen von
300= bis 500 000 Prozent. Als im Verlauf der erſten Stunde bekannt
wurde, daß die Reichsbank den Diskont unverändert gelaſſen habe,
be=
feſtigte ſich die Haltung auf der ganzen Linie, und ein Teil der
an=
fänglichen Einbußen konnte wieder hereingeholt werden. Auf dem
er=
höhten Stande traten aber bald wieder Schwankungen ein, wie
über=
haupt eine gewiſſe Zurückhaltung und Unſicherheit anſcheinend in
Er=
wartung der engliſchen Erklärung in der Reparationsfrage zu erkennen
war. Valutapapiere ſtiegen weiter.
Von Auslandsrenten waren Otavi ganz erheblich feſter. Auch
hei=
miſche Renten waren feſt. Für zu Einheitskurſen gehandelte
Induſtrie=
papiere iſt wegen der andauernden Kaufluſt des Publikums überwiegend
mit neuen Kursſteigerungen zu rechnen. Die Deviſenpreiſe konnten
abermals nur bei ſtarker Repartierung einem gegen das Ausland
niedrigen Stand gehalten werden, wenn ſich auch Erhöhungen gegen
geſtern nicht verhindern ließen.
Oeviſenmarkt.
Amſterdam=Rotterdam ... ...
Brüſſel=Antwerpen .........."
Chriſtiania. . ................"
Kopenhagen ..
."
Stockholm.
Helſingfors ..
TT
Italien.
......
London.
D
New=York:
......
Paris..
Schweiz
...
Spanien
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Wien (in Deutſch=Oſterr, abg.).
Prag ..
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Budapeſt
o--
Buenos=Aires
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Bulgarien.
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Japan
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Rio de Faneiro ..
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Belgrad.
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Brief.
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Berliner Kurſe.
9. 7.
72817.50 73122.50 72817 50 73184.50 9002.— 9048.— 9326.50 9373.50 3u024.50 30175.50 30324.— 30476.— 32418.50 32581.50 32518.50 32681.50 49077.— 49323.— 43476.— 49724.— 5107.— 5133.— 5162.— 5188.— 7930.— 7917.— 8939.50 8080.50 847875.— 872125.— 857850.— 862150.— 186033 — 186967.— 186532.— 187468.— 11972.50 11027,50 11132.— 11188.— 31920.— 32018.— z2518.50 32681.50 26932.50 27067.50 263.34 264.66 266.33 267,67 5593.50 5624 50 5685.50 5694.50 21.14 21.26 21.44 21.56 63840.— 64160.— 64438.50 64761.50 1745.50 1754.50 1675.— 1685.— 90977.— 91033.— 19451.— 19549.— 1955.— 1965. 1955.— 1965.— 80854.— 80955.— (Eigene telegr. Meldung.) Aktiengeſ. ſür Anilinfr. 530000
Aſchaffenburger Zellſtoff. 750000
Ausgb.=Nürnb. Maſch. /800000
Ber.=Anhalt=Maſchinen
Bk. f. Elektr. W, vorzug. / 630000 623000
Bismarckhütte . . . . . . .
Braunkohlen=Brikett
Bremer Vulkan
„ Wolle...
Chem. Hehden.
Weiler
Deutſch=Atlant.
Deutſche Maſchinen
Deutſch=Niedld. Tel.
Deutſche Erdöl
Deutſche Petroleum ../763000
Dt. Kaliwerke .../1 725000
Berlin—Karlsruher Ind. 4675000
Donnersmarckhütte . . . ..
Dynamit Nobel ..... . /630000
Elberfelder Farben „...1610000
Elektr. Lieferung ..:...1316000
N. Friſter .
525000
.....
Gaggenau Vorz. ..... ./ 400000
Gelfenk. Gußſtahl .. . . . 11000000
Geſ. f. elektr. Untern. . .1 680000
Halle Maſchinen
550000
11.7.
680000
815000
500000
H000000 4400000
460000
650000
1549000
450000
2000000
459000
750000
81000
440600
2000000
755000
1800030
2750000
590000
740600
290000
525000
550000
1000000
775009
730000
Han. Maſch.=Egeſt.. . . . .
Hanſa Dampfſch.. . . .
Hemoor Zement ....
Hirſch Kupfer. . ..
Höſch Eiſen ...."
Hohenlohe Werke.
Kahla Porzellan ..
Lindes Eismaſch.,
Lingel Schuh
Linke & Hofmann
L. Loewe & Ce
E. Lorenz
Meguin.
N. Lauſitzer 9
Nordd. Gumt
Orenſtein
Rathgeber 9
Rombacher Hüttte.
Roſitzer Zucker
Rütgerswerke.
Sachſenwerk.
Sächſiſche Gußſtah
Siemens Glas.
Volkſtedter Porzellan
Weſtſ. Eiſen Langendreey
Wittener Gußſtahl ..
Wanderer=Werke .....
9. 2. 11. 7.
11250000 100000
11 400000
1 971000
985000
600000
410000
108000
1800000
2 100000
395000
495000
1200000
3530000
850000
600000
700000
400000
400000
1200000
32500001
270400
1375000
2106000
985000
700000
450000
195000
1750000
2275000
650000
1200000
1200604
11800e0
359000
790003
774000
380000
700000
425000
580000
1700000
1750000
Europäiſche Staatspapiere,
a) Deutſche
5% Reichsanleihe..
4‟
.
3½% „
..:....:
8%
4½½ TV. und V. Schatzanweiſ.
4½% VI.—IX.
Sparprämienanleihe .. . . . . . . . / 1900.—
....
4% Preuß, Konſols".
„ ..
8½
.........
8%
48 Bab. An. . unk. 1935......
v. 1907......
8½
4½ Bahern Anleihe ........."
...
8½
4% Heſſen unk. 1924 ........
8½% „ ............"
...............
3%
4% Württemberger ........."
b) Ausländiſche.
4½% v. 1902....... .. .."
5% „ L.=Inbeſt.=Anl.v. 1914
4% „.............."
5% Bulgar. Tabak 1902 .....
19% Griech. Monopol ......
4½% Oeſt. Staatsrente b. 191
ab 1918 ...... ..........."
4½% Oeſt. Schatzanweiſ., ſtfr.
v. 1914 ...... ... . . . . . . . . . 150000.
4% Oeſt. Goldrente ..... ...."
4% „ einheitl. Rente .....
5% Rum. am. Rente v. 03
4½% Goldrente v. 13 ...
4% „ am. „ konv. ...
„ „ v. 05 .
4%0
42 Türk (Admin.) v. 1903
4%
420
(Bagdad) Ser. I..
II..
v. 1911, Zollanl. .
4½% Ung. Staatsr. v. 14..
Goldrente.
42
Staatsr. v. 10....
4½
42 „ Kronenrente .....
Außereuropäkiſche.
5%0 Mexik. amort. innere. . ...
konſ. äuß. v. 99 ..
5%9
Gold v. 04, ſtſr. :
4%
3% „ konſ. innere ......
412% Frrigationsanleihs:
5% Tamaulipas, Serie l ...."
Oblig. v. Transportanſt.
42 Eliſabethbahn ſtfr. ....
Leſo Gal. Car: Ludw.=Bahn ..
520 Oeſt. Südb. (Lomb.) ſtfr. 700 000.
4½
2,6% Alte Oeſtr. Südb. (Lomb.).
„...!
2,6%Neue „
42 Oeſt. Staatsb. v. 1883 ...
3%
En
9. 7. 11.7. Ix 280.— 300.— 1 s 8400.— 7500— 5000.— 5000.— —G! 180.— 2500.—— 2500.—/4 5000.— 5150.—) — 1000.— — — — 550.— 2000—) 31s%o n 2000.— 2000.— 700.— 900.— 14/575 000. 70 000.— 90000.— 650 000. 1 120000. 180000. 135 000. 40000.— 45 000.—1 200 000. 300 000. 70 000.— 90 000.—1 80000.- 1500 000. 1900 000 1225 000. 225 000 225 000. 1 430 000 430 000. I 585 000 550 000. 65 000 „G 80 000.S 1100000 2000000 4000 000. 775 000. 1150 000
3% Oeſt. Staatsb. v. 1885.
3% Oeſt. Staatsb. b. Erg. Netz
„ v. 1895 ...
33 000.— 34000— 1 4½% Angtolier I...........
3% Salon Conſt. Jonction.
195.— 3% Salonique Monaſtir ....
1900 —/ 5% Tehuantepec ..........."
9. 7.
800 600.
40 000.—
1850000
850 000.
3200 000.
11. 7.
80 000.—
975000.
3800 000
Bergwerks=Aktien (Fortſ.)
Rhein. Stahlwerke
Riebeck Montan..
Tellus Bergb.= u. Hütten=Akt.
Ver. Laurahütte..
Pfandbriefe.
4% Frankf. Hyp.=Bank 1920..
2000.— 3½%
„
40 Frankf. H. Krd.=Ver. 1921
4% Mein. Hyp.=Bank 1922..
5000—1 42 Pfälz. „ „ 1922...
1800.—) 43 Rhein. „ „ 1923...
verl. ...
4% Südd. Boden=Cred.=Ban)
München 1906 ...........!
4½ Heſſ. Ldhyp.=Bank Pfdbr.
500 000. 8½% Heſſ. Ldhyp.=Bk. Pfdbr.
4% Heſſ. Ldhyp. Kom. Obl...
Deutſche Städte.
49 Darmſt. v. 1919 bis 1925..
3½% Darmſt. v. 1905 ......."
4% Fronkfurt v. 1913......
„ v. 1903 ....
3½%
42 Mainz. v. 1919 bis 1926.
Bank=Aktien.
450 000. 1 Bank für Brauinduſtrie ......
Barmer Bankverein .........
Berliner Handelsgeſellſchaft ..
Commerz= und Privatbank ...
Darmſtädter u. Nationalbank. 45000).
Deutſche Bank ..............
DeutſcheEffekten= u. Wechſelbank
z250 000. 1600 00o 1 Deutſche Bereinsbank ...... !
2100000 1 Disconto=Geſellſchaft ........"
Dresdener Bank ..
1750000.) Frankfurter Bank.
Metallbank. . . . . . . . . . . . .
Mitteldeutſche Ereditbank .....
Oeſterreichiſche Creditanſtalt . . 71000.—
Reichsbank=Ant. .........."
Rhein. Creditbank ...........
Süddeutſche Disconto=Geſellſch.
Wiener Bankverein ........."
Berowerk3=Aktien.
Berzelins ...... ............
Bochumer Bergb. . . . . . .... ..
Buderus.. ... . . . . . . . . . . .. . . .
Dt. Luxemburger ..... ......."
Eſchweiler, Berowerks=Akt.....
...
Gelſenkirchen Bergw.
Harpener Bergbau .........
Kaliwerke Aſchersleben ....../ 1195 00).
Beſteregeln .......
Lothringer Hütte . . . ...... ...
Mannesmann Röhren...
Mansfelder
Oberbedarf.
900 000. ) Oberſchleſ. Eiſen Caro) „
Phönir Bergbau ...
0
800.—
000.—
1800.—
zu.
210.-
238000.
2000 000.
410 000.
765 000.
250 000.
150 000.
828000.
520 000.
80000.—
900 000.
270 000.
— G
275 000.
410000.
245 000.
230 000.
1700 000.
400 000.
460 000.
690 000.
303 000.
180 000.
870000.
500 000.
117000
1050000.
370 000.
91509.—
450000.
250 003.
400 000.
78000 —
500 000.
2600 000.
1000 000.
2300 00.
2100000.
2600 000.
3750 000.
1450 000.
940 000.
1000000
1300000
1800000.
2900 060
965 000.
7700 000
2100000
3090 000.
3775 000
950 00
1200000
2500 000
860 000.
1098 000.
1500 000.
2000 000.—
Brauereten.
Henninger Kempf=Stern.
Löwenbräu München ...
Schöfferhof (Binding)...
Werger ..
uRce
Adler & Oppenheimer .......
Adlerwerke (v. Kleher).......
A. E. G. Stamm. . . .
Anglo=Continental=Guano ....
Aſchaffenburger Zellſtoff ...."
Badenia (Weinheim)..
Badiſche Anilin= u. Sodafabrik
Bad. Maſchf. Durlach ..
Bad. Uhrenfabr. Furtwangen.
Baſt Nürnberg ....
Bahriſch. Spiegel ..
Beck & Henkel Cafſel)
Bergmann El. Werke
Bing. Metallwerke...
Blei= u. Silberh. Braubach..
Brockhues, Nieder=Walluf.. .
gementwerk Heidelberg.
„. Karlſtadt: .
Lothringen (Metz).
Chem. Werke Albert .........
„ Griesheim Elektron ...
Beiler=ter=mer .
Daimler Motoren .........
Deutſch. Eiſenhandel) Berlin.
Dt. Gold= u. Silberſcheideanſt.
Dingler, Zweibrücken ........
Dresdener Schnellpreſſen .....
Dürkoppwerk (Stamm)..... ..
Düſſeld.=Ratinger (Dürr.) ...
Dyckerhof & Widm. Stamm.
Eiſenwerk Kaiſerslautern ...."
Eiſenwerk L. Meher fr. ......
Elberfelder Farb. v. Baher ...
Elektr. Lieferungs=Geſ. .. . . . .
Licht und Kraft ......
Elſäſſ Bad. Wolle.. ...
Emag, Frankfurt a. M. . . . . . . 136 000.
Emaill= &. Stanzw. Ullrich ...
Enzinger Werke ...
Eßlinger Maſchinen
Ettlingen Spinnerei
Faber, Joh., Bleiſtift.
Faber & Schleicher ........
Fahr, Gebr., Pirmaſenz.... ..
Felten & Guillegume. Carlsw.
Feinmechanik (Fetter) .......
Feiſt Sektkellerei Frankf. a. M.
Frankfurter Gas..
Frankfurter Hof ..
Fkf. Maſch. Pokornh & Wittel.
Fuchs Waggon Stamm.. . .
Frankfurter Kursbericht vom 11. Juli 1923.
9. 7.
300 000.
Ganz, Ludwig, Mainz
Geiling & Cie. ... . . . . . . . . . . . 75 000.—
Gelſenkirchen Gußſtahl ......"
Goldſchmidt Th.. . ../800000.
Greffenius, Maſchinen Stamml150600.
G
Gritzner Maſchin. Durlach ..
Hammerſen (Osnabrück).. . . . . 498000.
/465 000.
Hanfwerke Füſſen ......"
351 000.
Heddernheimer Kupfer ..
Heyligenſtaedt, Gießen ... . . .. 1280 000.
Hilpert Armaturenf. . . . . . /280 000.
Hindrichs=Auffermann .. . . . . . 1500000
.... /1800 000.
Hirſch Kupfer u. Meſſ.
275 000.
Hoch= und Tieſbau".
540 000.
Höchſter Farben
1270000.
Holzmann, Phil.
1500 000.
Holzverk =Induſtr.
265 000.
Hotel A.=G., München.
350 000.
Hydrometer Breslau.
1200 000.
Fnag. . . . . . . . . . . . ..
1500 000.
Junghans Stamm...
Karlsruher Maſchinen . . . . . . . . 1570000.
Klein, Schanzl. & Becker .....
Konſervenfabrik Braun ...... /148000.
Krauß & Co., Lokom. . . . . . . . 530 000.
1450 000.
Lahmeher & Co.
„.. . /270000.
Lech Augsburg
Lederw. Rothe
1200 000.
Lederwerke Spicharz
Löhnberger Mühle ..
Lüdenſcheid Metallw ....
500 000.
Lux ſche Induſtrie .
251000.
300 000.
Mainkraftwerke Höchſt.
Meguin, Butzbach .. . . . . . . . . . 600 000.
Metall (vorm. Dannhorn) Nrbg
1200 000.
Meher, Dr. Paut. . ......
Miag, Mühlenb., Frankf. a. M. /260 000.
Mvenus Stamm. . . . . . . . . . 250 000.
Motorenfabr. Deut . . . . . . /970 000.
Motorenfabrik Oberurſel ..... /365 000.
Neckar ulmer Fahrzeugwerke . 1390 000.
Neckarwerke Eßl. Stamm.. . . . 170000.
Niederrhein Lederfabr. (Spier)/350 000.
Oleawerke Fran lurt a. M. .. 399000.
Peter=Union=Frankfurt . . . . . . 250 000.
250 000.
Pfälz. Nähm., Kayſer ....."
1300 000.
Philipps A.=G...
4
Porzeilan Weſſel ........"
Reiniger, Gebbert & Schall .. /250000.
Rhein. Elektr. Stamm. . . . . . . 270 000.
Rhein. Maſch. Cahen=Leudesdff. 300 000.
425 000.
„ Metall Vorzüge ....
/460 000.
Rhenania, Aachen ...
—S
Riedinger Maſchinen
190 050.
Rückforth, Stettin ..
1825 000.
Rütgerswerke ....."
Schleußner (Frankfurt a. M.) . 126 000.
180 000.
Schneider & Hanau ..
300 003.
Schnellpreſſen Frankenthal.
300 000.
Schramm Lackfabrik. ....
Schuckert Elektr. (Nürnberg).. 200 000.
11. 7.
98000 —
110000
730 000.
300 003.
430 000.
470 000.
385 000.
400 u0b.
245 000.
545000.
1600 000.
210000.
600 000.
269 000.
700 000.
350 000.
500 000.
230000
650 000.
530 000.
510 000.
120 000.
530 000.
550 000.
400 000
250 000.
350 000.
600 000.
455 000.
370 000.
650 400.
170 000.
280 000.
210000.
500 000.
460000
200000.
410000.
100000.
310000.
600 000.
357 000.
220 000.—
280 000.
400 000.
420 000.
575 000.
470 000.
350 000.
760 000.
270000.
420 000.
390000.
210000.
Schuhfabrik Berneis=Weſſe. ..
Schuhfabrit Herz.........
Schuhf. Leander Offenbach ...
Seilinduſtrie Wolff ..
Sichel & Co., Mainz..
Siemens Elektr. Betriebe ....
Siemens Glasinduſtrie .. . . . . .
Siemens & Halske ..........!
Stöckicht=Offenbach=Gummi ...
Süddeutſche Immobilien .....
Thüringer elekt. Lief.=Geſ., Gotha
Uhrenfabr Furtwängler ..... !
Veithwerke in Sandbach .....
Verein f. Chem. Induſtr. Main=
Verein. deutſch. Olfabr. Mannh.
Gummifabr. Bln.=Frkf.ſ”
„ Pinſelfabr. Nürnberg ..
Ultramarin ...........
Zellſtoff, Berlin. . . . . . .
Vogtländ. Maſch. Vorzüge....
Stämme...
Voigt & Haeffner Vorzüge ....
Stämme. . . .
Voltohm Seil ..
Wahß & Frehtag.
Wegelin Rußfabrik .
Zellſtoff Waldhof Stamm
Zuckerfabr. Waghäuſel
Frankenthal
Heilbronn.
Offſtein
Nheingau ........”
Stuttgart .......!
9. 7.
180 000.
240 000.
150 000.
250 000.
425 009.
200 000.
— G
130 000. 150 000.
Transport=Aktien.
Schantung E. B. .......
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſ.
Hapag (Paketfahrt) ........
Nordd. Lloyd ...............
Oeſterr.=Ungariſche Staatsbahn
Unnotierte Aktien.
Beckerkohle".
co-
Beckerſtahl .
Benz..:........
Brown Boberi
Cont. Handelsbank
Hanſa Lloyzd
Kabel Rheydt.
Karſtadt R.
Petroleum, Otſche.
Raſtatter Waggon ......
Text.=Ind. (Barmen (Tiag) ...
Ufa Film ..
150 000.
300 000.
350 000.
470 000
400 000.
245 000.
430000.
580 000.
250 000.
230 000.
2u0 000
750 000.
450 000.
350 000.
1310 030.
310000.
320 000.
310 000.
320 000
245 000.
530 000
600 000.
522 000.
560 000.
850000.
190000.
43 750.—
190 000.
630 000
150000.
120000.
340000.
Darmſtädter Werte.
Bahnbedarf . . . . . . .."
Dampfkeſſel RNodberg.. .
Helvetia Konſervenfabrik.,
Gebr. Lutz .............."
Motorenfabrik Darmſtadt
Gebr. Roeder ............
Veluneth & Ellenberger ...
1I. 7.
245 000.
230 000.
300000.
350 000.
410 000.
250 00b.
— G
200 000.
500 000.
400000.
500 000.
500 000.
350 000.
480 000.
350000.
290000.
250000.
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[ ← ][ ][ → ]Nummer 190.
Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. Juli 1923.
Seite 7.
Der junge Tod.
Roman von Fritz Demuth.
(Der Abdruck erfolgt mit Genehmigung des Herrn erfaſſers und
der J. G. Cotta’ſchen Buchhandlung Nachf. in Stuttgart u. Berlin.
55)
(Nachdruck verboten.)
Marie Louiſe ſchauderte: „Solch ein Gott kann mir nichts
nützen.”
„Iſt es erhebender und beſſer, ſich ir Gott ein Weſen
vorzu=
ſtellen außer uns, über uns, das alles genau weiß, als in ihm einen
Schaffenden und Ringenden zu ſehen, dem all unſer Gutes tun
und denken und fühlen hilft in ſeinem Kampfe?‟
„Wie ſoll ſolch ein Gott mir beiſtehen und meine Gebete
er=
füllen?“
„Indem er den Drang, gut zu ſein, in Deine Seele legt und
ſtets wieder mit neuer Kraft begabt. Wenn dann ein Plan
miß=
lingt, ein Erfolg nicht eintritt, dann bleibt das Streben nach
neuem Schaffen, nach neuem Gewinn; das iſt Glück, das iſt Leben
und Kraft über alle einzelnen Schickſalsſchläge hinaus.”
„Und wenn jemand ſtirbt, den man lieb hat?”
„Dann hat man die Erinnerung an ihn und muße ſie pflegen
und in ſich zu neuem Leben geſtalten, ſo erhält man ſein
Anden=
ken und ſichert ihm etwas wie irdiſche Unſterblichkeit.”
„Und wenn man ſelber ſtirbt, wenn man, wie es heute täglich
tauſendfach vorkommt, mitten aus dem Leben heraus einem
dummen Zufall zum Opfer fällt?”
Ich zögerte: hatte ich nicht ſchon zu viel, zu ſchwer
Faßbares=
geſagt? Aber was half es, hier gab’s kein Vertuſchen. „Dann
mruß man ſich klar ſein, daß es auf den Einzelnen nicht ankommt,
ob das nun ein anderer iſt oder man ſelber. Was iſt der Einzelne
gegenüber der ungeheuren Vielheit des Geſchehens und
Werdens?”
„Und wenn man ſtirbt, iſt es dann aus? Oder meinſt Du
es kommt dann etwas anderes?"
Da war der Zweifel, da peinigte er mein Kind, wie er mich
gepeinigt hatte, bis in die letzten Tage hinein. Jetzt wagte ich
doch nicht ganz ehrlich zu ſein, vielmehr zeigte ich nur die eine
Urteilsreihe, die bejahende, ich antwortete: „Ja, das meine ich,
und dafür ſpricht gerade bei meinen Anſchauungen vieles. Wenn
alles ſo zuſammengehört, wie ich es anſehe, wenn in jedem von
uns Gott lebendig iſt, dann kann Leben und Sterben nur ein
Wandel in der äußeren Form ſein, dann unterliegt der innere
Kern unſerer Exiſtenz nicht der Zerſtörung: Du haſt von dem
Geſetze der Erhaltung der Energie gehört, es iſt die Grundlage
unſerer heutigen naturwiſſenſchaftlichen Betrachtung, die Summe
der vorhandenen Kraft in der Welt iſt ewig unveränderlich. Was
für die mechaniſche Kraft zutrifft, das, meine ich, muß auch für
unſere Seele gelten, die wohl ein Teil der großen Seelenwelt
iſt, aber ihre eigentliche Bedeutung nur durch die
Zuſammenfaſ=
ſung aller ihrer Eigenſchaften in jedem einzelnen empfängt.”
Wir ſprachen hin und her, und ich erläuterte, wie ich es
meinte. Marie Louiſe beugte ſich meiner im Verhältnis zu ihrer
Betrachtung klaren Einſicht, aber ſie fröſtelte vor der Kühle der
Gedankenwelt, in die ſie ſich da hineinfühlen ſollte.
„Und das ſoll immer ſo bleiben, daß Menſchen gegen
Men=
ſchen kämpfen und Völker gegen Völker?”
„Eine ganze Zeit ſicherlich noch, und tritt einmal der
Welt=
frieden ein, dann geht der Kampf doch auf anderen Gebieten
weiter, es werden immer, auch im ſozialiſtiſchen Zukunftsſtaate,
wie in unſerer heutigen Epoche, unendlich viele Menſchen da
ſein, die es beſſer haben möchten als es ihnen geht, die miteinander
und mit den Höherſtehenden ningen werden in einem ewigen
Kampfe, in dem immer nur einige Wenige Erfolge davontragen
werden, und auch die beruhigen ſich nur, bis ſie neue Ziele
er=
ſchauen und ihnen nachjagem Alles iſt Kampf. Um zu leben,
mußt Du mit jedem Atemzuge unzählige Mikroben töten, faſt
jeder Biſſen, den Du zu Dir nimmſt, vernichtet ein Tier= oder
ein Pflanzendaſein.”
„Ein furchtbares Leben iſt das.”
„Du mußt es richtig betrachten: wenn Du es auffaßt wie ich,
daß alles Werden und Vergehen nur ein Wandel in Gott iſt,
die Vernichtung im kleinen, die wir alle durch unſere Ernährung
und unſeren Kampf ums Daſein betreiben, wie die große
Ver=
nichtung des Krieges, dann iſt es nicht ſo furchtbar.”
Marie Louiſe ſah blaß aus und müde in dieſer Zeit; eines
Morgens war es ihr nicht möglich, ins Lazarett zu gehen, ſie
ſtähnte: „Ich kann das alles nicht mehr ertragen, ich ſehne mich
ſo nach einem anderen Leben. Wird denn dieſer Krieg nie zu
Ende gehen? Wird es denn nie wieder ſo werden, wie es
frü=
her war?”
Obgleich ihr körperlich nichts fehlte, blieb ſie im Bett liegen,
ich redete ihr gut zu, aber ich konnte ihr nicht helfen, nicht einmal
bei ihr bleiben, ich mußte ins Amt. Als ich zurückkehrie, hatte
ſie die Schwäche überwunden, ſie ſagte: „Wie ich mich ſchäme!
Aber das kommt nicht wieder vor, mag der Krieg noch ſo lange
dauern, mag es noch ſo ſchrecklich werden, meine Pflicht werde
ich nicht noch einmal verletzen.”
Seitdem hielt ſie durch.
Von den Nachwehen meiner Verwundung war ich noch
im=
mer durch gelegentliche Schmerzen und Bewegungsſtörungen
be=
einträchtigt; ich glaubte zufrieden ſein zu können, daß es mir
möglich war, meine Stellung auszufüllen, ohne darüber hinaus
eine wiſſenſchaftliche Arbeit aufzunehmen. Durch Marie Louiſes
Erleben veranlaßt, wendete ich mich mehr, als ich es ſeit Jahren
getan hatte, der Beſchäftigung mit philoſophiſchen Fragen zu, ich
empfand auch das Bedürfnis, aus der Verwirrung der
Gegen=
wart herauszugelangen, das zu begründen, was mir im tiefſten
Kerne unverrückbar als ewige, unzerſtörbare Wahrheit erſcheinen
konnte. Zu einer produktiven Tätigkeit reichte es nicht, dafür
fehlte die Möglichkeit der äußeren und inneren Sammlungt ich
beſchränkte mich im weſentlich darauf, zu leſen.
In einem Telegramm meldete Nina ihre bevorſtehende
An=
kunft in Berlin. Sie hatte Marie Louiſe ſeit dem
Zuſammen=
treffen in St. Moritz regelmäßig zum Geburtstage gratuliert,
darauf hatte Marie Louiſe geantwortet und ebenfalls zu Ninas
Namenstag ihren Glückwunſch abgeſtattet. Mavie Louiſe war
über ihr Kommen erſtaunt, die Ausſicht, die Mutter
wiederzu=
ſehen, erregte ſie nicht.
Ich war überraſcht, daß an Nina, die ſeit Jahren im
feind=
lichen Auslande wohnte, die Einreiſebewilligung erteilt wurde,
und da mir der Referent für die polniſchen Angelegenheiten im
Auswärtigen Amte bekannt war und ich annehmen mußte, die
Angelegenheit ſei ihm zur Kenntnis gebracht worden,
anderer=
ſeits ein unbedingtes Intereſſe für mich vorlag, mir, wenn
an=
gängig, über Ninas gegenwärtigen Zuſtand ein klares Bild zu
ſchaffen, ſo ſuchte ich den Legationsrat auf und erkundigte mich,
was er wiſſe. Der Befragte zeigte ſich in hohem Maße
inter=
eſſiert. „Können Sie einen Einfluß auf dieſe Dame ausüben?”
Ich verneinte die Möglichkeit nicht unbedingt. (Fortſ. folgt.)
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vor=
mals Benuleth & Ellenberger und
Göhrig & Leuchs, Darmſtadt: Dem
Kaufmann Adolf Jochmann in
Darm=
ſtadt iſt Prokurg erteilt in der Weiſe,
daß er gemeinſam mit einem
Vorſtands=
nitgliede oder einem anderen Prokuriſten
die Geſellſchaft vertreten kann. (5829
Darmſtadt, den 3. Juli 1923.
Amtsgericht Darmſtadt I.
Verſteigerung.
Hamstag, den 14. Juli ds, Js.,
nachmittags 2 Uhr beginnend,
ver=
ſteigere ich wegen Aufgabe des
Haus=
haltes des Herrn J. Kaffenberger in
Nieder=Ramſtadt
Stiftſtraße 63
gegen Barzahlung:
1 Spiegelſchrank, 1 Glasſchrank,
1 zweitür. Kleiderſchrank, 1 Vertiko,
1 Kommode, 1 Pfeilerſpiegel, alles
nuß=
baum poliert;
1 Bett, nußb., kompl., 1 Ruhebett
zum Ausziehen, 1 Ausziehtiſch, eiche,
1 runder Tiſch, mahag., 1 Ziertiſch,
4 Stühle mit Lederſitzen, 4
Bettvor=
lagen, Bilder, Spiegel uſw.;
1 Grammophon mit 30 Platten:
1 Küchenſchrank, 1 Anrichte, ein
Tiſch, 1 Treppenleiter, 3 Stühle,
Ge=
ſchfrr und Einmachtöpfe, 1 Apfelgeſtell
mit 5 Horden, 4 Waſchzuber;
1 Hobelbank und
Schreiner=
werkzeug, 1 klein. vierrädr. Wagen,
1 zweitür. Hühnerſtall, 4 einjähr.
Hüh=
ner, 1 Bäckerofen, 1 Partie kurzes
Buchenholz.
(5831
Darmſtadt, den 12. Juli 1923.
Baab
Amtsgerichtstaxator.
Verſteigerungs=Anzeige.
Freitag, den 13. Juli 1923, vormittags
11 Uhr, ſollen im Verſteigerungslokal
Ludwigsplatz 8
dahier, gepfändete Gegenſtände als:
1 Sekretär, 1 Anzug und 1 Wintermantel,
öffentlich, meiſtbietend verſteigert werden.
Darmſtadt, den 11, Juli 1923.
Jungermann
Rae
Gerichtsvollzieher.
Fiſcherei=Verpachtung
in den Gemarkungen Rimbach und Zotzenbach
(Odenwald) am 31. ds. Mts. in Rimbach. (5832
Auskunft gegen Rückporto durch
Fürſtliches Rentamt, Schönberg (Heſſen),
Eeite 8.
Darmſlädter Tagblatt, Donnerstag, den 12. Inli 1923.
Rummer 190
Rund um Fpanklunte18
W
Ca. 240 km — Sonntag, den 8. Jull — auch wie im Jahre 1922
AbLLODAOlLdSAobe
Erster: Oskar Michael
auf Komet
Fünfter: Paul Kohl
auf Komet
Neunter: Wilhelm Siewert . . . . . . . . auf Komet
Gleich dem vorjährigen Sieger erreichte auch dieses Jahr der Sieger auf Komet-Freilaufnabe mit großem Vorsprung das Ziel
Wiederum beweist Komet-Freilaufnabe ihre
unübertroffene Zuverlässigkeit und Schnelligkeit.
65833
Stempelwerk, Frankfürt am Main-Süd.
Palast-Lichtspiele
Frauenbeichte
Die Beichte einer Ausgestoßenen
Sitten-Drama in 5 Akten mit
Ria Alldorr 5
Ruth Werher
(G7ssima ß
Frauenliebe
8 Handlungen . . . 7 Akte mit
Iuge Heer, Mavia Tzatschewa,
Tecla Tintin, Oskar Marion
Haalbau
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Leitung: F. Micletz.
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wir uns heute nachmittag? Beim
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Finanzbeamten=Kartell.
Hauptverſammlungen: Samstag, den
14. Juli, 2½ Uhr nachmitt, in Darmſtadt
„Perkeo”, Alexanderſtr. 14. — Abends8 Uhr,
gemütliches Zuſammenſein mit Damen im
„Perkeo”. Kartelltagung: Sonntag, den
15. Juli, vorm, 11 Uhr im
Beamtenerho=
lungsheim in Jugenheim. — Abfahrt
Darm=
ſtadt9 Uhr 57 Min. vorm. Nach der Tagung
(e1gx03
gemütliches Zuſammenſein.
Bezirkzverband Heſſen im BundeDentſcher
Reichsſteuerbeamten.
Bezirksverband Heſſen im Bunde Deutſcher
techniſcher Zollbeamten.
Berein heſſiſcher Finanzbegmten.
Heute und folgende Tage
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Nr. 16
Hochſchulbeilage des Darmſtädter Tagblatts
Nachdruck ſämtlicher mit * verſehenen Original=Aufſätze und eigenen Nachrichten nur mit Quellenangabe „Darmſit. Tagbl.” geſtattei.
12. Juli 1923
* Gerechtigkeit!
Von
Profeſſor Dr. M. Schian.
Neulich las ich in einer deutſchen Zeitung, uns fehle jetzt
ein Emil Zola. Gedacht war dabei an Zolas flammenden Ruf
nach Gerechtigkeit im Dreyfus=Prozeß, der unter dem Motto
Jaecuſe hinausging. Jene deutſche Zeitung verlangte nach
einem gleichen Ruf — wegen des Fechenbach=Prozeſſes. . . . Die
Frage, ob Fechenbachs wegen wirklich die Welt mit Leidenſchaft
erfüllt werden muß, will ich hier nicht unterſuchen. Aber das
weiß ich: hundertmal, tauſendmal, nein, millionenmal und
mil=
liardenmal notwendiger wäre es, daß ein Schrei nach
Gerechtig=
keit tvegen all der Drangſal hinausginge, die Frankreich an
Deutſchland übt, daß die Anklage gegen franzöſiſche Greuel mit
unüberhörbarem ſchrillen Klang über die ganze Welt hintönte:
jedem Menſchen ins Ohr und in die Seele hinein, Tag und
Nacht ohne Pauſe, daß keiner mehr auf ſeinem Lager Ruhe
fände, bis endlich, endlich dem Entſetzlichen Einhalt geſchieht,
was im deutſchen Weſten vor ſich geht.
Es war Ende 1919 als Dr. Reinhard Strecker jene Sätze
formulierte, die ſich auf das Verhalten des franzöſiſchen
Ober=
kommiſſars Tirard im beſetzten Gebiet bezogen. Darin kam die
Wendung vor: „Und iſt nicht ganz Frankreich für die Welt die
Verkörperung des Willens und der Sehnſucht der Menſchheit
nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit?‟ Er hat ja
nach=
her eine ironiſche Note in dieſe Wendung hineindeuten wollen.
Heute würde wohl ſelbſt ein Strecker nicht mehr ſolche Worte
brauchen. Zwar werden die Pazifiſten Deutſchlands auch heute
noch nicht völlig aus ihrem ſchönen Traum von der Vernunft und
Güte der Völker, die natürlich alle nichts weiter wollen, als in
Frieden miteinander leben, erwacht ſein. Aber Frankreich als
„Verkörperung des Willens und der Sehnſucht der Menſchheit
nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit” — das würde doch
heute allzu grotesk wirken. Solche Sätze behält man heute in
der Feder. Man findet wohl auch Worte der Entrüſtung und
des Proteſtes. Aber ein Proteſt von der Wucht von Zolas
Jaccuſe iſt noch immer nicht zu verzeichnen. Proteſtiert haben
wir genug; und unter den Proteſten war mancher von ſtarker
Kraft. Auch deutſche Pazifiſten haben proteſtiert. Aber jene
un=
geheure Wucht der Anklage fehlte ihrem Ruf. Das liegt zum
Teil ſicher daran, daß ſie immer noch nicht oder doch nicht ganz
loskönnen von der falſchen Annahme von Deutſchlands Schuld
am Kriege, von der falſchen Uebergerechtigkeit gegen die Feinde,
die zur Ungerechtigkeit gegen Deutſchland wird, von der Sucht,
mindeſtens zugleich, während Frankreich angeklagt wird,
Deutſch=
land anzuklagen. Dieſe Methode übt ja der Kommunismus in
allerſchärfſter Form: kein Wort gegen Frankreich, ohne daß
zu=
gleich Anklagen — erlogene, falſche, unbewieſene, einſeitige,
über=
triebene — gegen Deutſchland geſchleudert werden.
Vor allem aber: unſerer Anklage fehlt die nötige
Reſo=
nanz. Wenn Deutſche in dieſem Streit reden, ſo ſind ſie
Par=
tei. Es iſt ja ein Streit zwiſchen den Völkern der Welt.
Un=
ſere Anklage würde erſt dann Wucht gewinnen, wenn ſie bei
an=
deren Völkern Widerhall fände, wenn ſie hindurchtönte durch
die ganze Welt, die alte und die neue, die freundliche und die
feindliche. Und daran fehlt es. Die Welt zuckt die Achſeln.
Vielleicht in verſchiedener Form. Die Einen ganz gleichgültig,
die Anderen bedauernd, die Dritten in Sorge um Europa. Aber
wo findet der Schrei nach Gerechtigkeit den Widerhall, den er
braucht, um die Menſchheit aufzurütteln? Wo die Kraft, um
wirkſam zu werden?
Ein wenig mehr Widerhall hat der Ruf wohl gefunden.
Ich denke an manche Aeußerung nicht bloß in Schweden,
ſon=
dern auch in Spanien, in Amerika, hier und da auch ſonſt.
Manche Aeußerung . . . Meiſt zart und vorſichtig gefaßt. Man
muß ja Vorſicht üben; Frankreich iſt mächtig! So
verklauſu=
liert man, wo es geht. So ſucht man heraus, was ſich nur zu
Deutſchlands Ungunſten ſagen läßt, um nur ja den
Unpartei=
iſchen zu markieren. Zu den erfreulichen Aeußerungen gehörte
die päpſtliche Kundgebung. Sie wird dem Vatikan nicht leicht
gefallen ſein, weil die ungeheure leidenſchaftliche Einſeitigkeit
des franzöſiſchen Volkes ihm wohl bekannt iſt. Daß dieſe
Kund=
gebung aber der Forderung nach dem elementaren Schrei nach
Gerechtigkeit voll genügt hätte, wird man nicht ſagen können.
Der Papſt ſteht eben zwiſchen den Völkern; er will und muß
wohl — vermitteln. So wägt er ſorglich Wort und Wendung.
Wir danken ihm, zumal dafür, daß er feſtſtellt, daß Deutſchland
einen Beweis ſeines guten Willens gegeben habe. Aber wir
wünſchten mehr. Gegen das unerhörte Maß franzöſiſcher
Grauſamkeit, die Millionen Deutſcher mitten im Frieden bis aufs
Blut quält, weil ſie ſich nicht ſelbſt aktiv an der brutalen
Ver=
gewaltigung ihres Vaterlandes beteiligen wollen, erſehnen wir
ſtärkere Worte, lebhafteren Proteſt. Wir möchten das Herz
Echlagen hören, das mit den Gepeinigten fühlt. Wir möchten
ſpüren, wie die Stimme der Gerechtigkeit ſich Bahn bricht durch
alle diplomatiſchen Rückſichten hindurch . . . Die Warnung vor
deutſchen Sabotageakten hat, raſch und kräftig, wie ſie kam,
un=
ſere Stimmung noch weiter gedämpft.
Gerade von dieſen Akten muß noch geſprochen werden. Sie
müſſen von allerhand Geſichtspunkten aus betrachtet werden.
Vielleicht der ernſteſte iſt, daß weite Schichten des eigenen
deut=
ſchen Volkes, die am rein paſſiven Widerſtand feſthalten, gegen
dieſe Sabotage ſind. So könnte ſie zur Schädigung der
Einheits=
front werden; und damit würde, ihr Schaden viel größer als
der Nutzen, den ſie der deutſchen Seite durch Behinderung des
franzöſiſchen Raubes bringen kann. Man muß auch daran
den=
ken, daß ſie vielleicht das Bischen Mitempfinden, das hier und
da in der Welt für uns vorhanden iſt, ertötet. Auch ſind
Ge=
valtakte gegen feindliche Perſonen, gegen fahrende
Eiſenbahn=
jüge uſw. unter allen Umſtänden zu verurteilen. Aber auf der
anderen Seite iſt es doch Tatſache, daß gerade das Urteil der
„Welt” über dieſe Akte ein Beweis ſchreiender Ungerechtigkeit
und fanatiſch=einſeitiger Deutſchfeindlichkeit iſt. Was im beſetz=
(ten Gbiet an ſolchen Akten geſchah (ob die Exploſion auf der
Rheinbrücke bei Duisburg dazu gehört, iſt durchaus dunkel),
müßte auch der Ausländer aus der Pſyche eines in niedrigſter
und gemeinſter Weiſe mißhandelten Volks heraus zu verſtehen
ſuchen. Wenn Armenier ſich gegen die Türken wehrten, ſo hatte
man dafür in der Welt Verſtändnis. Wenn auf dem Balkan
Unruhen nicht aufhörten, ſo forderte Europa Reformen von den
Türken. Wenn in Irland Bombe auf Bombe platzte, ſo fand
man das (abgeſehen natürlich von England ſelbſt) ſehr
begreif=
lich. Deutſchland aber ſoll ſchweigend dulden. Frankreich
ver=
langt, daß es ſich ſelbſt die Schlinge um den Hals lege. Die
anderen Völker überlegen, ob ſie ſich dieſer Forderung nicht
viel=
leicht anſchließen ſollen. Jedenfalls aber runzeln ſie die Brauen,
ſobald auch nur im geringſten „aktiver” Widerſtand geleiſtet zu
Das Neue.
Ich habe geſpielt, habe geträumt,
Habe manche Stunde des Lebens verſäumt,
Habe oft weltverſunken
Aus goldenen Bechern den Wein getrunken
In frohen, ſonnig heiteren Tagen;
Jetzt hat die Not mich wach geſchlagen,
Die Not der Zeit, die harte Not
Mit ihrem eiſernen Gebot.
Von Liebe, von Schönheit, was es ſei,
Reiß ich mich los, mach ich mich frei.
Die Zeit des Träumens iſt vorbei.
Taß fahren dein Kind und dein blühendes Weib,
Taß fahren Spiel und Zeitvertreib,
Gürte Eiſen dir um den Leib,
Sage dich los von Wald und Flur,
Von all dem Zauber der Natur;
EEs gibt jetzt ein Gedanken nur:
Will ich zwingen der Feinde Zahl
Muß ich hart werden, hart wie Stahl,
Hart wie Stahl!
Hörſt du? Und du? Und du? Und du?
Die Zeit der Ruh
Und der Träumerei,
Die iſt vorbei.
Kommt, es zu hören,
Kommt es zu ſchwören,
Aus der Heide, aus märkiſchem Sand
Kommet alle, Stadt und Land
Dichtgeſchart, Berg und Tal
Werdet hart, hart wie Stahl.
Boglslav v. Seſchow.
* Staatsrat Koch.
werden ſcheint. Man hat den Eindruck, daß die Welt jeden
ſol=
chen Fall als höchſt willkommenen Vorwand (ja! Vorwand,
heuchleriſchen Vorwand) benutzt, um ſchleunigſt wieder gegen
Deutſchland loszuziehen, um das winzige Bischen Mitleid, das
ſie ihm vielleicht widmete, einſchlafen zu laſſen. Welche
himmel=
ſchreiende Ungerechtigkeit! Frankreich braucht im deutſchen
Land Gewalt über Gewalt im ſchmählichſten Angriff gegen eine
wehrloſe Bevölkerung. Die Welt ſchweigt dazu. Wenn aber
auch nur ein Deutſcher im eigenen Land gegen fremde
Ein=
brecher die Linie des paſſiven Widerſtandes verläßt, ſo
ent=
rüſtet ſich die Welt ſofort. Frankreich mordet in den Städten
an der Ruhr deutſche Menſchenleben zu Dutzenden. Die Welt
ſieht zu und findet das in der Ordnung. Wenn aber ein
ein=
ziges franzöſiſches Menſchenleben dort zu Grunde geht, ſo —
erklärt man es für unmöglich, Deutſchland zu helfen. Es gibt
nichts Ungerechteres als dieſe Stellungnahme. Sie mißt kraß
mit zweierlei Maß. Wie das während des Krieges ſo geweſen
iſt! Wie das unzählige Male in der Weltgeſchichte ſo geweſen
iſt! Jetzt aber übt man dieſe Methode beſonders gern. Man
kann, ja ſein ohnedem ſehr ſchläfriges Gewiſſen weiter
ein=
ſchläfern und zu dem höchſt bequemen Ergebnis kommen, daß
Deutſchland durch ſolches Verhalten den Anſpruch auf
Sympa=
thie verwirke . . . . Warum ſoll man ſich denn in moraliſche
Unkoſten ſtürzen? Warum denn nachdenken über das
unaus=
denkbar große Maß von Selbſtzucht, Selbſtbeherrſchung,
Selbſt=
verleugnung, Geduld und Ruhe, das die ſchändlich gequälte
Be=
völkerung an der Ruhr und am Rhein ſeit nunmehr ſechs
Mo=
naten aufgebracht hat? Warum denn gerecht abwägen, wo es
ſich doch nur um Deutſchland handelt? Wo doch Frankreich die
Macht hat?
Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Wem gibt Gott die Fähigkeit,
dieſen Ruf mit ſolcher Kraft in die Lande hinein erklingen zu
laſſen, daß er zur Wirkung kommt? Wem ſchenkt er eine Feder
ſo voll ſprühenden Ingrimms, voll heiligſten Zornes über die
Schändung aller Menſchenrechte, daß ſie Worte ſchreibt, die die
Felſen menſchlicher Ungerechtigkeit ſprengen? Ob das Werk
einem Ernſt Moritz Arndt gelingen würde? Schlimmer als
damals liegen heute die Dinge. Die Gerechtigkeit iſt aus der
Welt der Völker entflohen. Aber ſie muß wiederkehren; ſonſt
geht nicht bloß Deutſchland, ſonſt geht die Welt zu Grunde!
Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!
Marburger Ferienkurſe.
Vom 5. bis zum 25. Auguſt finden in den Räumen der
Phi=
lipps=Univerſität zu Marburg a. d. Lahn wiederum „Marburger
Ferienkurſe”, ſtatt mit Vorleſungen, praktiſchen Uebungen,
Füh=
rungen und anderen gemeinſamen Veranſtaltungen.
Dieſe Marburger Ferienkurſe bilden nicht eine Menge
unzuſam=
menhängender, dem Teilnehmer zur Auswahl geſtellter
Vorleſun=
gen, ſondern eine in ſich geſchloſſene Einheit von
Veranſtaltun=
gen. Sie behandeln in dieſem Jahre die Frage: Volk und
Menſchheit.
Aus den Vorleſungen heben wir hervor: Prof.
Brack=
mann=Berlin: Der Urſprung der europäiſchen Nationalſtaaten im
Kampfe mit dem univerſalen Kaiſertum; Prof. Brunſtäd=
Erlan=
gen: Deutſchland und der Sozialismus; Prof. Deuchler=
Ham=
burg: Die Grundzüge des deutſchen Bildungsideals; Prof.
Ha=
mann=Marburg: Nationales und Internationales in der
bilden=
den Kunſt der Gegenwart; Prof. Hashagen=Köln: Deutſchtum
und Weltbürgertum im Kampfe um die Weſtmark; Dr. Stapel=
Hamburg: Großſtadt, Kleinſtadt und Land. — Anfragen und
An=
meldungen ſind zu richten an die Geſchäftsſtelle der Marburger
Ferienkurſe, Marburg (Lahn), Schwanallee 44.
Von
cand. Dipl.=Ing. Otto Schillinger.
In tiefem Ernſt und mit Gedanken beſonderer Art ſtand die
Darmſtädter Studentenſchaft vergangenen Freitag am Grabe
eines ihrer bedeutendſten Lehrer. Herr Staatsrat Profeſſor Dr.
Koch wird nie vergeſſen ſein bei all den vielen, denen es
ver=
gönnt war, aus ſeinem hervoragenden Können zu ſchöpfen,
be=
ſonders denen, die, im Berufe ſtehend, Gelegenheit haben, die
neuen Gedanken und Anregungen des Meiſters der
Waſſerbau=
kunſt zweckdienlich zu verwirklichen. Die Tatſache,, daß
Staats=
rat Koch nicht nur über ein beſonderes Wiſſen verfügte, ſondern
daß er die Fähigkeit und den Willen beſaß, vor ſeinen
jugend=
lichen Hörern die Wiſſenſchaft ſo erſtehen zu laſſen, daß das
Folgen und Einzelforſchen zur Freude wurde, das ließ ihn den
Unſeren werden, den Hochſchullehrer, wie er als Beſonderer
ſei=
nes Lehrberufes immer vor uns ſtehen wird. .
Und mit welcher tiefinneren Freude erinnert ſich der engere
Kreis von Kommilitonen, die er durch Schaffung des
Akademi=
ſchen Bauingenieurvereins zuſammenführte, der gemeinſam
ver=
brachten Stunden, zu denen ſo oft auch Geheimrat Koch ſich
ein=
fand, um ſeine Stundenten auch außerhalb der Hochſchule kennen
zu lernen, den Menſchen in ihnen zu prüfen. Auch bei ſolcher
Gelegenheit verfehlte nie der verſtändnisvolle Rat des verehrten
Freundes ſeine Wirkung; auch hier die Führung des erfahrenen
Aelteren und auf der anderen Seite vertrauensvolles
Folge=
leiſten bei dem, der wußte, wie wohlgemeint und ſicher ſolche
Anregung gegeben ward. Wir haben viel an ihm verloren.
Am 15. April 1852 in Steinach, Sachſen=Meiningen, geboren,
legte Alexander Koch, nachdem er 1870/71 als Kriegsfreiwilliger
im Rheiniſchen Pionierbataillon VIII ſeiner Militärpflicht
ge=
nügt hatte und als Ingenieur im württembergiſchen
Staats=
dienſte, ſowie als Aſſiſtent und Privatdozent an der Stätte
ſeines Studiums, dem Stuttgarter Polytechnikum, tätig
ge=
weſen war, im Jahre 1877 die württembergiſche Bauführer= und
Baumeiſter=Prüfung mit glänzendem Erfolge ab. In den
Jah=
ren 1878 bis 1880 bekleidete er die Stellung eines
Abteilungs=
ingenieurs und Hilfsarbeiters im württembergiſchen
Miniſte=
rium für Straßen= und Waſſerbau, wurde 1880 als
Straßenbau=
inſpektor nach Ulm für Straßen= und Waſſerbau, insbeſondere
für die Korrektion der Iller und Donau berufen, trat 1888 als
Kollegialrat in das Miniſterium in Stuttgart ein und folgte
be=
reits ein Jahr darauf einer Berufung nach Kiel als Mitglied
der Kiſerlichen Kanalkommiſſion für den Bau des Nord=Oſtſee=
Kanals, als welchem ihm das Dezernat für den Bau der
Hoch=
brücken übertragen wurde. 1895 wurde er als o. Profeſſor auf
den Lehrſtuhl für Waſſerbau an die Techniſche Hochſchule
Darm=
ſtadt berufen und trat am 1. Oktober 1920 in den Ruheſtand,
hielt aber noch Sondervorleſungen ab. In der weiteren
Oeffent=
lichkeit wurde ſein Name bekannt, als er 1898 in das
Comité technigue de la compagnie nouvelle des
Panama=
kanals als Mitglied berufen wurde und als ſolches im Frühjahr
1898 als Experte an den Panamakanal ging. 1915 wurde er
zum Rheinſchiffahrtsbevollmächtigten für Heſſen bei der
Zentral=
kommiſſion für die Rheinſchiffahrt ernannt. Im April 1920
verlieh ihm die Techniſche Hochſchule Berlin die Würde eines
Dr.=Ing. e. h.
So ſchlicht und einfach wie Kochs äußerer Lebensgang, ſd
bedeutſam und tiefwirkend iſt ſeine Tätigkeit als Lehrer und
Forſcher. Schon als junger Student zog er die Aufmerkſamkeit
Otto Mohrs auf ſich, der Koch als einen ſeiner beſten Stuttgarter
Schüler bezeichnete. Und es ſcheint, als ob der Einfluß Otto
Mohrs für Kochs Behandlung wiſſenſchaftlicher Probleme
rich=
tunggebend geweſen iſt. Im Jahre 1905 nahm Koch die
Er=
richtung des Darmſtädter Waſſerbaulaboratoriums in Angriff
und nahm es drei Jahre ſpäter in Betrieb. Schon in der ganzen
Anlage dieſer Verſuchsanſtalt ging Koch durchaus ſelbſtändig
und in vielen Einzelheiten vorbildlich vor. Die von ihm
er=
ſonnene Einrichtung zur Erzeugung von Ebbe= und
Flutſtrö=
mungen wurde ſpäter in dem neuen Dresdener Flußbau=
Labo=
ratorium in gleicher Weiſe eingebaut. Eine weittragende
An=
regung zu hydrauliſchen Forſchungsarbeiten gab ihm aber das
hydrauliſche Gerinne aus Eiſenbeton mit einzuſetzenden
Glas=
wänden. Die zahlreichen Beſucher der vorjährigen Münchener
Ausſtellung für Waſſerſtraßen und Energiewirtſchaft werden die
dort ausgehängten Blätter mit den Forſchungsergebniſſen Kochs
auf dem Gebiete der Hydrodynamik bewundert haben. Sie zeigen
in muſtergültiger Art, wie der Bauingenieur under gewiſſen
ver=
einfachenden, aber zuläſſigen Annahmen die einſchlägigen
Auf=
gaben mit einer für die Praxis durchaus genügenden
Annähe=
rung an die Wirklichkeit zu löſen vermag. Und wenn auch dem
Mathematiker und Phyſiker wegen dieſer Annahmen das nicht
als Hydrodynamik, ſondern als Hydraulik gilt, ſo iſt doch Koch
darin beizupflichten, daß die Bezeichnung Hydrodynamik
zu=
treffend iſt, ſobald die Unterſuchung ſich nicht nur auf die
Be=
wegung, ſondern auch auf die Kräfte erſtreckt. Aber von den
Beſuchern der Münchener Ausſtellung iſt auch allſeitig der
Wunſch nach Veröffentlichung der Kochſchen Arbeiten geäußert
worden.
Allen dieſen Arbeiten und Gutachten kommt eine über den
Einzelfall hinausgehende allgemeine, anerkannte Bedeutung zu.
Das Bild der am Grabe verſammelten Studentenſchaft barg
den Sinn tiefſter Trauer, aber nicht der Wehmut, die beugt und
zum Untätigſein verurteilt, ſondern der Ergriffenheit, die in das
eigene Herz ſchauen läßt, prüfend, was es nun für uns zu tun
gibt, nachdem der Meiſter uns verlaſſen hat. Werden wir, ſeine
Schüler, uns ſeiner würdig erweiſen? Wir können draußen
Bauten errichten nach der Grundlage ſeiner Pläne, aber das ſoll
nicht alles ſein; habt ihr ihn je gekannt in ſeinem zähen Schaffen,
habt ihr in ihm den echten großen Deutſchen erkannt, den Mann,
dem Gottes Wort die Einſtellung gab für ſein Leben, in dem er
ſo erfolgreich wirkte?
Wenn es dieſe Gedanken waren, die die Darmſtädter
Stu=
dentenſchaft bewegten, als man ihren alten Freund und Lehrer
zur letzten Ruhe bettete, ihm Worte des Gedenkens weihte,
Blumen ſpendete, dann war dieſes letzte Geſchenk der
Studie=
renden wohl das Wertvollſte — die Gewißheit, daß das Leben
dieſes großen Mannes nicht verloſchen iſt mit dem Hinſcheiden
der ſterblichen Hülle, ſondern daß ſeine Richtlinien auch
maß=
gebend ſein werden alle Zeit für einen Stamm junger
Inge=
nieure, Bauführer nicht nur bei Konſtruktionen aus ſtarrem
Material, nein, Bauführer vor allem auch an dem großen
wert=
vollſten Gebääude des bedrohten Vaterlandes.
Das Feiergewand der Studentenſchaft iſt wieder vertauſcht
mit dem Alltagskleid der Arbeit; die feierlich ernſte Stimmung,
die der Friedhof mit der Sommerſonne auf ihm auslöſte, iſt
wieder dem wechſelvollen Heiſchen der jagenden Zeit gewichen,
aber der Eindruck der Stunde iſt tief und das Gedenken des
Verſtorbenen ewig.
* Die politiſche Zeitung und der
Akademiker.
Von cand. ing. Th. Vogel.
Oft und mehr wie einmal habe ich gerade in
Akademikerkrei=
ſen eine Lanze für unſer Zeitungsweſen brechen müſſen, gegen
die abſolute Verkennung der Bedeutſamkeit und Wichtigkeit der
Preſſe ankämpfen müſſen, und nicht immer iſt mir dieſer Kampf
leicht geweſen. Die Tatſache, daß die Preſſe ſehr oft im
bezahl=
ten Dienſte irgend welcher Machtgruppen ſteht, die eigene
Ueber=
ſchätzung ihrer kulturellen Bedeutung, der Mißbrauch, den ſie
zu=
weilen mit unſerer Mutterſprache treibt, Oberflächlichkeit,
Un=
ſachlichkeit, Unvornehmheit in Ton und Inhalt und noch mehr
iſt an Vorwürfen gegen ſie erhoben worden. Es hat eine Zeit
gegeben, wo ſich die bedeutendſten Köpfe Deutſchlands gegen ſie
wandten, wo Goethe ſpitzige und ſcharfe Worte gegen die
Zei=
tungen formte, wo Heinrich von Treitſchke ſeiner Mißachtung ganz
offen Ausdruck gab, und es iſt heute noch ſo, daß wir ſelber in
uns das Gefühl des Unbefriedigtſeins mit all dieſer
Zeitungs=
politik, Zeitungskultur, Zeitungsſprache fühlen und wo wir aus
dieſem Unbehagen heraus uns abwenden wollen.
Aber über eine Sache, die ſo grundverſchiedene Formen
her=
vorbringt, die ihre verſchiedenartigſten Wirkungen auf allen
Ge=
bieten zeitigt, die ſo ſehr von einzelnen Perſönlichkeiten und
Ver=
hältniſſen abhängig iſt, iſt es ſchwer, ein Urteil zu fällen. Es
wäre ungerecht, gerade in unſerer Zeit, in der ſo vieles fällt und
verkommt und in der noch ganz unvollkommen nur die Anſätze
zum Neuen, die Wurzeln zum Beſſeren ſich zeigen, eine feſte
Meinung über dieſer Zeit eigentümlichſtes Kind — die Preſſe—
zu haben. Es iſt alles im Fluß und mehr wie anderswo gilt
hier und heute trotz allem das Wort Schillers, das er zu den
Künſtlern ſprach, und das uns den Fingerzeig geben ſoll, wenn
wir unſerer Zeitungen gedenken: „Von der Menſchheit Würde,
die in ihre Hand gegeben!“
Dieſe hohe Aufgabe freilich kann die Preſſe nur dann
er=
füllen, wenn im Volke allmählich immer ſtärker die Erkenntnis
deſſen zum Durchbruch gelangt, was ſie bedeutet, wenn den
an=
deren voran der Akademiker, der Kraft ſeiner Bildung dazu vor
allem berufen iſt, ihr gegenübertritt mit dem Bewußtſein von
ihrer Wichtigkeit. In dieſem Sinne iſt es ſeine Pflicht, im Dienſte
des Volkes und des Staates an der Preſſe zu lernen, zu helfen,
zu beſſern und mitzuarbeiten.
Zu lernen: Das Studium der Preſſe jeglicher Partei,
jeder Richtung iſt eine ſtaatsbürgerliche Aufgabe gerade in einer
Zeit, die wie keine andere beſtimmend iſt für die Geſchicke unſerer
Heimat. Es wäre töricht zu glauben, daß wir auf Parteien und
Preſſe verzichten können, denn auf allen Gebieten, und juſt auf
ſolchen, die dem Einzelnen oft empfindlich nahe gehen —
Schul=
weſen, Steuerrecht, Arbeitsordnung uſw. —, befinden wir uns
in einer Periode der Entwicklung und des Meinungskampfes.
Und die politiſchen Parteien ſind es nun eben einmal, die den
Kampf der Ideen und Grundſätze führen, ihn in die Maſſe der
Wähler tragen, Gegenſätze ausgleichen und praktiſche Reformen
erarbeiten können. Die Sprache aber, die ſie ſprechen, klingt aus
den Zeitungen, den vielgeſchmähten und doch ſo nötig
gebrauch=
ten. Darum gilt es für jeden, der guten Willens iſt, und in erſter
Linie für den Akademiker, mit wachen Ohren auf die Stimme
der Oeffentlichkeit zu hören, die aus der Zeitung zu ihm ſpricht,
den Wellen und Triebkräften des Geſchehens nachzuſpüren, das
aus den Dingen des Tages, den Ereigniſſen in aller Welt ſich
ankündigt.
Weiter: Zu helfen: Der guten Zeitung zu helfen,
beizutragen zu ihrer Hebung und Aufwärtsentwicklung, iſt
wie=
derum eine Aufgabe des Akademikers. Er iſt zur Kritik und zum
Urteil befähigt, wenigſtens ſollte er es ſein. So mag er ſich
vor=
halten, daß, je höhere Anſprüche nach Form und Inhalt er an
eine Zeitung ſtellt, je mehr er ſachlich an ihr kritiſiert, je
ener=
giſcher er ſich gegen das Minderwertige, Senſarionelle,
Unvor=
nehme in ihr wendet, daß deſto größere und ernfthaftere
An=
ſtrengungen von ihr gemacht werden, um ihre Stellung zu
be=
haupten, deſto öfter ſie ſich vorhalten wird, daß das Beſte für die
Leſer gerade gut genug ſei. So iſt jedem ein Mittel in die Händ
gegeben, um auf Ton und Berichterſtattung, Meinung und
Kampfweiſe eines Blattes einzuwirken. Auf jeden Fall aber muß
die Verbreitung der Zeitung, deren Nachrichtendienſt ſorgfältig
und mit gutem Geſchmack arbeitet, deren Leitartikel und
Feuille=
tons nicht bloß Augenblickswert beſitzen, all denen angelegen ſein,
die der Kultur und dem Fortſchritt ihres Volkes, dienen wollen.
Wenn es erſt einmal gelungen iſt, die guten Zeitungen
durch=
zuſetzen, wobei an eine möglichſt weitgehende Einſchränkung des
Verlegerintereſſes an der Inſerateneinnahme zu denken wäre,
etwa durch vernünftige, nicht unnatürlich niedrige Zeitungspreiſe
— dann wäre auch der Senſations= und Revolverpreſſe das
Hand=
werk gelegt. Aber gerade hier iſt unbedingte Vorausſetzung, daß
die jungen gebildeten und lebendigen Kreiſe unſeres Volkes in
der Wahl ihrer Zeitung mit Selbſtzucht und gutem Willen
voran=
gehen.
Freilich neben all dem iſt dringendſte Nowendigkeit eine
immer ſorgfältigere Auswahl der Männer, denen die Preſſe
an=
vertraut iſt, und die Forderung, daß ſie das Maß von Bildung,
Wiſſen, Verantwortlichkeit und Selbſtverantwortung zu eigen
haben, das der Wichtigkeit der Preſſe entſpricht. Schwerlich wird
das allein durch das akademiſche Studium ermöglicht werden
können, denn erſt im praktiſchen Beruf zeigt es ſich, wer zum
Journaliſten taugt und wer nicht. Und es ſoll auch anerkannt
ſein, daß gerade in Deutſchland der journaliſtiſche Stand auf
einer erfreulichen wiſſenſchaftlichen und ſittlichen Höhe ſteht. Aber
noch mehr braucht die Preſſe der Zukunft Männer, die in ihr
gewiß nicht unwichtiges Amt etwas, von jenem Geiſt
hinein=
tragen, in dem ſie aufgewachſen ſind und den ich den akademiſchen
nennen möchte.
Die gerechte Würdigung der Preſſe nach der kulturellen wie
der techniſchen und juriſtiſchen Seite hin iſt jedoch nicht bloß im
Intereſſe derjenigen gelegen, die ſpäter einmal als Chefredakteure
Zeitungen leiten — es werden ihrer immer nur wenige ſein
kön=
nen —, an unſeren akademiſchen Ständen überhaupt, an unſeren
künftigen Richtern, Erziehern, Beamten und Wirtſchaftsführern
liegt es, die Preſſe kennen zu lernen, an ihr helfend und fördernd
mitzuarbeiten. Unter den zahlloſen Hinderniſſen, die der
gedeihlichen Entwicklung unſeres Zeitungsweſens im Wege
liegen, iſt es ja vor allem die abſolute Unterſchätzung und
Un=
kenntnis der gebildeten Kreiſe gegenüber den Geſetzen und der
Art des Zeitungsweſens. Wenn dieſe erſt beſeitigt ſind, wenn
die Mitarbeit der Männer geſichert iſt, die in der Oeffentlichkeit
an den bedorzugten Stellen ſtehen und denen damit der
Fort=
ſchritt unſerer Kultur zu einem weſentlichen Teile anvertraut
iſt, wenn der Akademiker, der in dieſem Sinne immer in
vorder=
ſter Stelle ſich befindet —, Führer ſein ſoll, bereitwillig und
freudig eingreift, wo immer es geht, dann mag es gelingen,
unſerem Volk, das zuweilen ſo ſehr auf Ab= und Irrwegen geht,
an einer ſeiner ſchwerſten Wunden Arzt und Heiler zu ſein. Der
Wege gibt es viele. Nur müſſen ſie gegangen werden, in
größe=
rem Maße, als es bisher geſchehen iſt.
Manchem unter uns erſcheint es jetzt ſchon zweifelhaft, daß
der Preſſe, der Zeitung überhaupt geholfen werden kann, erſcheint
es, als ob ſie eine menſchliche Schöpfung ſei wie die des
Zauber=
lehrlings, der die Geiſter nicht mehr bannen konnte, die er rief.
Manchem will es dünken, als wenn die Zeit des geſchriebenen
und gedruckten Buchſtabens abgelöſt werden müßte durch das
lebendige Wort, ausgehend von den Führern des Volkes, von
Männern, die ſo die Welt zu meiſtern verſtehen. Aber es mag
eher ſein, daß ſolche Zeiten, in denen jede Bewegung dem
ge=
ſprochenen Wort Leben und Daſeinsberechtigung verdankte,
vorüber ſind, ſchon, weil es uns an der — Idee gebricht. Darum
wollen wir uns erinnern, daß in deren Dienſt die deutſche
Zei=
tung ſtehen ſoll, und ſteht.
Aber wir wollen auch in dieſem Zuſammenhang der großen
Not gedenken, die heute über unſere Zeitungen gekommen iſt und
die zu einem bitteren Sterben dieſes, eines unſerer wichtigſten
Kulturgüter zu führen ſcheint. So iſt es eine der ernſthafteſten
Zukunftsfragen unſeres Volkslebens, ob das deutſche Volk noch,
ſo viel kulturelle und wirtſchaftliche Kraft beſitzt, ſeine ernſthaften,
politiſchen Zeitungen, deren Wert auf geiſtig=ſittlichem Gebiete
liegt, ſich zu erhalten, beziehungsweiſe ſich neu zu ſchaffen. Das
wird mit ein Kriterium dafür ſein, ob das deutſche Volk noch zu
einer politiſchen Rolle im Weltgeſchehen und im Geſchehen der
Gegenwart berufen iſt oder nicht, und es wird hier gerade für den
Akademiker, den Studenten gelten:
Burſchen heraus!
Ernſt=Ludwig=Hochſchul=Geſellſchaft.
Vereinigung von Freunden der Techniſchen
Hochſchule zu Darmſtadt, E. V.
Tagesordnung der 5. Hauptverſammlung.
Freitag, den 13. Juli 1923, vormittags 11 Uhr
pünktlich, im Hauptgebäude, Hörſaal 326.
1. Eröffnung der Verſammlung durch den Vorſitzenden.
2. Erſtattung des Jahresberichts durch den Vorſitzenden.
3. Erſtattung der Jahresrechnung durch den Rechner.
4. Entlaſtung des Vorſtandes.
5. Wahl eines Vorſtandsmitgliedes aus Mitgliedern, die
nicht der Hochſchule angehören, und zweier Mitglieder,
welche den ordentlichen Profeſſoren der Hochſchule
an=
gehören.
6. Wahl von 14 ausſcheidenden Mitgliedern des
Vorſtands=
rates.
7. Bewilligung laufender und außerordentlicher Ausgaben.
8. Entgegennahme und Beratung von Anträgen und
An=
regungen aus dem Kreiſe der Mitglieder.
9. Wahl eines Ausſchuſſes für ein Inſtitut für techniſche
Geſteinskunde.
10. Lichtbildervortrag des Herrn Profeſſors Dr. Behn: „Die
Beſiedelung Heſſens zur Eiszeit.” (Altſteinzeitliche
Aus=
grabungen bei Mainz und Offenbach. — Vorlage von
Originalfundſtücken.)
11. Vortrag des Herrn Profeſſors Dr. Baerwaldt: „Die
Prinzipien des Atombaues.”
12. Uebergabe des von der Hochſchulgeſellſchaft erbauten
ger=
bereitechniſchen Inſtitutes.
13. Beſichtigung der von der Hochſchulgeſellſchaft erbauten
Inſtitute für Werkzeugmaſchinen und Hochſpannung.
Vom deutſchen Hochſchulring.
Schulungswochen.
Im Laufe des letzten Jahres hat der Deutſche
Hochſchul=
ring in größerem Maße als zuvor ſich bemüht, durch
national=
politiſche Schulungswochen jeglicher Art ſeine Mitglieder in die
Aufgaben des Deutſchen Hochſchulrings und ſeiner mannigfachen
Teilgebiete und damit auch in die Aufgaben jedes deutſchen
Aka=
demikers ſchlechthin einzuführen. Ein ſchönes Bild ſeiner
viel=
verzweigten Arbeit entrollte ſich dann jedesmal vor den
Teilneh=
mern, und wohl jeder hat reichen Gewinn daraus gezogen. Weit
über tauſend Studenten ſind allein im letzten Jahre durch dieſe
Schulungswochen gegangen, abgerechnet diejenigen, die in den
einzelnen Ortsverbänden" durch beſondere örtliche
Schulungs=
wochen politiſche Schulung erhielten. Nunmehr veranſtaltet der
Deutſche Hochſchulring in der Zeit vom 10. bis 13. Juli
wie=
derum eine ähnliche Tagung für alle Ortsverbände in Altenau
im Harz, die den Zweck haben ſoll, namentlich jüngere
Hochſchul=
ringſtudenten, die in öffentlicher ſtudentiſcher Arbeit ſtehen, in
die Grundlagen der Hochſchulringbewegung einzuführen und ſie
zugleich auch mit den Aufgaben der „Deutſchen Studentenſchaft”
vertraut zu machen. Aus der reichhaltigen Vortragsfolge ſeien
insbeſondere folgende grundlegenden Vorträge genannt: Prof.
Dr. Oncken=Heidelberg: „Hiſtoriſche Rheinpolitik der Franzoſen”;
Prof. Dr. Spahn=Köln: „Deutſche Rheinpolitik in der Geſchichte‟;
Prof. Dr. Wätjen=Münſter: „Das Weſen und die Ziele des
Ruhr=
kampfes” Prof. Dr. Brunſtäd=Erlangen: „Völkiſche
Willens=
kräfte der Gegenwart” Außer dieſen Themen werden
natur=
gemäß Hochſchulrings= und Studentenſchaftsfragen eingehend
be=
handelt werden. Ganz beſonders aber wird ſich dieſe
Schulungs=
woche mit den Fragen des deutſchen Weſtens befaſſen und mit
dem deutſchen Abwehrkampf, dem in letzter Zeit der Deutſche
Hochſchulring ganz beſonders ſein Augenmerk und ſeine Arbeit
zugewandt hat.
Der Hochſchulring Deutſcher Art zu Hannober veranſtaltete
in der letzten Juniwoche in einem Ferienheim am Steinhuder
Meer eine Schulungswoche, um ſeine Mitglieder an der
Tech=
niſchen Hochſchule fern von allem Getriebe der Großſtadt in die
Aufgaben und Ziele des Deutſchen Hochſchulrings einzuführen. —
Aehnliche Schulungswochen werden von den Hochſchulringen
Marburg und Kiel, bei letzterem in der Form einer
Grenzland=
wanderung, vorbereitet, ferner von der Breslauer Burſe.
Der kommende Vertretertag.
Im Anſchluß an den diesjährigen Studententag wird wie
im Vorjahre in Würzburg von Ende Juli bis Anfang Ruguſt
der Vertretertag des Deutſchen Hochſchulrings ſtattfinden, auf
dem Rechenſchaft abzulegen ſein wird über die geſamte Arbeit
des letzten Jahres. Es wird ſich dann zeigen, in welchem Maße
gerade im letzten Jahre der Hochſchulring Mittelpunkt jeglichen
nationalpolitiſchen Lebens, an den deutſchen Hochſchulen
gewor=
den iſt, und welche Kleinarbeit in den einzelnen Aemtern geleiſtet
wurde, um in die Studentenſchaft vertieftes nationales
Verant=
wortungsbewußtſein und politiſche Aktivität zu tragen. — Auch
im Mittelpunkt des Vertretertages werden grundſätzlich Vorträge
über die geſamte Arbeit des Deutſchen Hochſchulrings ſtehen.
Die Deutſchen Akademiſchen Stimmen.
Die Zeitſchrift des Deutſchen Hochſchulringes, die nunmehr
auch Nachrichtenblatt der Vaterländiſchen Vereinigung alter
Aka=
demiker (z. B. im Wuppertal), ferner Nachrichtenblatt des
Bun=
des Südoſtſchwäbiſcher Hochſchüler und Mitteilungsblatt der
Breslauer Burſe geworden ſind, bringen in ihrer letzten
Num=
mer vom 15. Juni (37/38, 3. Jahrgang) einen bemerkenswerten
Aufſatz über die vaterländiſche Vereinigung alter Akademiker,
der allen Akademikern zum Leſen empfohlen ſei, weil in ihm
gezeigt wird, wie ſehr gerade die Altakademiker, die im
Wupper=
tal ſeit dem Frühjahr 1921 zuſammengeſchloſſen find, bemüht ſind
ähnlich wie im Deutſchen Hochſchulring alles Trennende vor
na=
tionalen Aufgaben zurückzuſtellen, vor allen Dingen Partei und
Konfeſſion, dann aber auch in erſter Linie frühere ſtudentiſche
Verbandsgegenſätze. — Außerdem enthält die Nummer den
amt=
lichen Bericht des Grenzlandamtes über die Tagung in
Flens=
burg=Hamburg, einen Aufſatz über die Fragen des Südoſteuropa=
Deutſchtums und zahlreiche andere Tätigkeitsberichte aus der
Arbeit der völkiſchen Akademiker. Beſonders hervorgehoben ſei
auch die literariſche Beilage der D. A. St. „Deutſches
Schrift=
tum”. — Es dürfte intereſſant ſein, zu erfahren, daß die
Deut=
ſchen Akademiſchen Stimmen, die außer den genannten
Ver=
bänden den deutſchen Hochſchulring und ſeine Altherrenſchaft,
den Deutſchen Akademikerverband in Böhmen und den
Sudeten=
deutſchen Kreis der deutſchen Studentenſchaft, ſchließlich den
Zentralverband Auslandsdeutſcher Studierender umfaſſen, die
am weiteſten verbreite völkiſche Akademikerzeitſchrift iſt. Sie iſt
das Nachrichten= und Vermittlungsblatt der völkiſchen
Akademi=
kerbewegung des deutſchen Sprachgebiets. (Verlag: München,
Kaulbachſtr. 60a.)
* Die Hochſchulmeiſterſchaften
in Darmſtadt.
Alle ſportlichen Veranſtaltungen unſerer Studentenſchaft in
vorhergegangenen Semeſtern ließen erkennen, wie weit jeweils
die Förderung der Leibesübungen an der Hochſchule
vorange=
ſchritten war. Auch dieſes Mal konnten wir wiederum einen
klaren Blick über den Stand der ſportlichen Bewegung
ge=
winnen. Daß es in letzter Zeit auf dieſem Gebiete in beſonders
raſchen Schritten voranging, ſahen wir an der erfreulich großen
Zahl aktiver wie paſſiver Teilnehmer. Angenehm fiel auch auf,
daß die für die einzelnen Wettbewerbe gemeldeten
Kommilito=
nen diesmal faſt vollzählig auf dem Platze antraten.
Die Abwickelung der Wettkämpfe vollzog ſich ja noch nicht ſo
glatt, was die Zeit anbetrifft. Doch iſt hier zu beachten, daß
heuer erſtmalig die Studentenſchaft allein ſämtliche Obleute,
Zeitnehmer und Kampfrichter ſtellte, die natürlich in dem neuen
Amt noch nicht die nötige Gewandtheit zeigen konnten. Früher
verſahen bekanntlich dieſe Stellen faſt ausſchließlich Mitglieder
hieſiger Vereine. Dann trugen wohl auch die Wettkämpfer ſelbſt
an der Verzögerung etwas Schuld, da ſie ſich ſehr oft beim
Auf=
rutfen nicht püntklich meldeten. Dieſes Zuſpäterſcheinen (
beſon=
ders zu finden bei Akademikern) muß in Zukunft unbedingt
ver=
mieden werden.
Nun die Leiſtungen. Sie waren durchaus zufriedenſtellend.
Es ſollten hier ja keine Höchſtleiſtungen aufgeſtellt, ſondern nur
die Beſten unter den ſporttreibenden Kommilitonen feſtgeſtellt
werden. Ob der eine oder andere vielleicht beſſer hätte
abſchnei=
den können, ſei hier nicht weiter unterſucht.
Nur die Leiſtungen der einzelnen ſtudentiſchen
Vereinigun=
gen mögen geſtreift werden.
Der Akademiſche Sportklub hat, wie zu erwarten war, die
meiſten Siege an ſich gebracht. Lobend muß von ihm erwähnt
werden, daß er bei der Olympiſchen Staffel außer Konkurrenz
mitlief und dadurch den anderen Kommilitonen den von der
Studentenſchaft geſtifteten Wanderpreis zukommen ließ. Wir
alle dürfen auf den A. S. C. ſtolz ſein; iſt er doch nach außen
beinahe der einzige Vertreter in ſportlicher Hinſicht, und er ſoll
nicht mit ſchlechtem Erfolg abſchneiden, wie die letzte Zeit
be=
wies. Weiter iſt hier der A. T. B. zu nennen, der mit großem
Eifer an faſt allen Kämpfen teilnahm. Auch andere Verbände
und Verbindungen gaben ſich größte Mühe. Hier einige Sieger:
Die Olympiſche Staffel (800, 200, 200, 400 Meter) fiel an den
Wingolf. Der A. S. C. holte ſich die 3X1000 Meter= und die
4X100=Meter=Staffel (Wanderpreis der Profeſſorenſchaft).
Bur=
ſchenſchaft Rheno=Gueſtphalia gewann nach ſcharfem Lauf, die
5X100=Meter=Korporationsſtaffel. Sieger in der 20X½=
Run=
denſtaffel wurde nach aufregendem Rennen die Darmſtädter
Burſchenſchaft. Bedauerlicherweiſe beteiligte ſich der S. C. nicht
an den Wettkämpfen.
Als am Schluſſe der Veranſtaltung ſeine Magnifizenz der
Rektor Herr Prof. Dr.=Ing. Peterſen die Preisverteilung
vor=
nahm, war leider ein großer Teil der Studentenſchaft ſchon
fort=
gegangen. Bei nächſter Gelegenheit darf hierauf etwas Rückſicht
genommen werden. Das Hauptverdienſt an dem glänzenden
Verlauf der diesjährigen Meiſterſchaften gebührt vor allem
unſe=
rem Hochſchulturn= und Sportlehrer, Herrn Söllinger.
Wenn auch die Beteiligung an dem Feſte verhältnismäßig
gut war, ſo dürfen wir ganz zufrieden doch noch nicht ſein. Erſt
wenn alle Kommilitonen auf dem Sportplatz erſchienen ſind,
haben wir uns dem endgültigen Ziel beträchtlich genähert.
Geſamtergebnis:
100 Meter: 1. b. Eckartsberg, A. S. C., 11,7, 2. Kiſſel, A. S. C.,
11,9, 3. Hüter, A. S. C., 12,2.
400 Meter: 1. Braun, A. S. C., 53,1, 2. Hange, A. S. C. (20
Meter Vorgab) 54,3.
800 Meter: 1. Goll, A. S. C., 2 Min. 08,5 Sek., 2. Oeſtereich
2 Min. 09,2 Sek.
1500 Meter: 1. Oeſtereich 4. Min. 46,/4 Sek., 2. Holle,
Aleman=
nia, 4 Min. 59 Sek., 3. Goll, A. S. C., 5 Min. 03,6 Sek.
5000 Meter: 1. Köhler, A. S. C., 18 Min. 40,9 Sek., 2.
Fül=
ling, V. D. St., 18 Min. 45,4 Sek., 3. Peters, Ghibellinia, 18 Min.
46 Sek.
75=Meter=Hürdenlauf: 1. v. Eckartsberg. A. S. C., 10,4,
2. Anſchütz, A. S. C., 11,2.
Hochſprung: 1. Beck, A. S. C., 1,68 Metr., 2. Anſchütz,
A. S. C., 1,66 Mtr., 3. Heinrichs, A. S. C., 1,66 Mtr., durch Los
entſchieden.
Weitſprung: 1. Anſchütz, A. S. C., 6,05 Mtr., 2. Beck,
A. S. C., 5,83 Mtr., 3. Kiſſel, A. S. C., 5,63 Mtr.
Stabhochſprung: 1. Anſchütz, A. S. C., 3,00 Mtr., 2. Zöller,
V. D. St., 2,80 Mtr., 3. Braun, A. S. C., 2,80 Mtr., durch Los
entſchieden.
Kugelſtoßen: 1. Sörlie, A. S. C., 10,68 Mtr., 2. Beck,
A. S. C., 10,06 Mtr., 3. Goll, A. S. C., 9,61 Mtr.
Schleuderball: 1. Goll, A. S. C., 40,30 Mtr., 2. Zogbaum,
Ghibellinia, 33,20 Meter, 3. Henning, Ghibellinia, 32,45 Mtr.,
Diskuswurf: 1. Zogbaum, Ghibellinia, 32,03 Mtr., 2. Goll,
A. S. C., 30,33 Mtr., 3. Hüter, A. S. C., 28,16 Mtr.
Speerwurf: 1. Beck, A. S. C., 38,60 Mtr., 2. Trenſchel,
V. D. St., 37,95 Mtr., 3. Sörlie, A. S. C., 34 Mtr.
Fünfkampf: 4) für Fortgeſchrittene: 1. Goll, A. S. C., 182
Punkte, 2. Beck, A. S. C., 177 Punkte, 3. Sörlie, A. S. C., 161
Punkte. B) für Anfänger: 1. Holzgrefe, A. S. C., 127=Punkte,
W Markwort, Skizze, 69 Punkte.
Staffeln: 4X100 Meter (Wanderpreis der Profeſſorenſchaft):
1. A. S. C. 47,2 Sek.
3X1000 Meter: 1. A. S. C. 9 Min. 00 Sek., 2. Germania
9 Min. 35 Sek., 3. Haſſo=Boruſſia 9 Min. 36 Sek.
5X100=Meter=Korporationsſtaffel: 1. Rheno=Gueſtfalia
62 Sek., 2. Cheruskia 63,1 Sek., 3. D. C. C. V. 64 Sek.
Olympiſche Staffel: 1. Wingolf 4 Min. 28 Sek., 2. Wieland
4 Min. 32,2 Sek., A. S. C. außer Konkurrenz 4 Min. 08 Sek.
20X½ Runde: 1. D. B. 8 Min. 42,2 Sek. (½ Runde
Vor=
gabe von A. S. C.), 2. A. S. C. 8 Min. 47 Sek.
Kreistag des Hochſchulkreiſes der
beſetzten Gebiete.
Tagungsort: Köln, Rheno Skaldenhaus. Anweſend: Aachen,
Köln, Bonn=U., Bonn=P., Paderborn. Verhindert: Düſſeldorf.
Die Beſprechung der Wirtſchaftsfragen, denen S. M. der
Rektor Geh. Bergrat Schwemann, Aachen, beiwohnte, war ſehr
lohnend und anregend. Sie ergab einerſeits ein Notbild der
durch die Ruhrbeſetzung wirtſchaftlich faſt erſtickenden
Hoch=
ſchulen: Ausweiſungen, Wohnungsbeſchlagnahme. Mangel an
werkſtudentiſchen Stellen in der brachliegenden Induſtrie.
Trans=
portabſchnürung, dadurch Erſchöpfung der Wirtſchaftskörper,
ſpontane Deviſenſtürze, Geld= und Kreditmangel. Und doch war
es ein ſtilles Stolzgefühl, zu ſehen und zu hören, wie in den
ſchwierigſten Fällen immer wieder die Breſchen ausgefüllt
wur=
den. Ueberall die Erkenntnis, zentrale Wirtſchaftsorganiſationen
zu ſchaffen, poſitive Wohnungspolitik zu treiben und mit
ein=
fachſter Organiſation ein beſonderes Verkehrsweſen zu ſchaffen.
Das Kreisarbeitsamt wurde als unzweckmäßig erachtet und
auf=
gelöſt. Die örtlichen Erwerbsvermittlungsämter werden in
un=
mittelbarem Austauſch zuſammenarbeiten. Die Geld= und
Kredit=
beſchaffung wurde einheitlich beſprochen. Die Hchoſchulpolitik
war ſchneil erledigt. Die Studentenſchaften Aachen, Köln, Bonn,
Düſſeldorf und Paderborn werden die Regelung des 1. Oktober
abwarten und inzwiſchen nach wie vor in nationaler
Einheits=
front mit den übrigen Studentenſchaften für die deutſche Sache
eintreten.
Für die Schriftleitung der Hochſchulbeilage verantſvortlich;
Alfons Kemper, Darmſtadt.