Darmstädter Tagblatt 1921


08. Mai 1921

[  ][ ]

M. u. 50 Pfg. Abtragegebi
clich 3
urch
en 4,75 M. Einzelnumme
oſt be
Pfg.
ungen nehmen entgegen:
häftsſtelle
er M
8.
*9
tr. 23 (Fernſr
1. 125
26), unſere Filialen
audagenturen und alle
nter. Vere
vortlichkeit für Aufnahme vo
fen an beſtimmten Tagen wird nicht übernom=
Neichterſcheinen ei
Nummern infolge
nt berechtigt den B
her nicht zur Kürzung
gezugspreiſes. Beſtellungen und Abbeſtellungen
uurch Fernruf ohne Verbindlichkeit für uns.

9
184. Jahrgang
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und Unterhaltungsbeilagen.
Organ für die Bekanntmachungen der Bürgermeiſterei Darmſtadt.

Nummer 126

imtei
ie Hidt

Die Woche.
Ms am 30. April die neue Konferenz der alliier=
Mächte in London zuſammentrat, war die Ausſicht auf
Sieg vernünftiger wirtſchaftlicher Erwägungen, die allein
0
ſunde ſind, Europa aus der Giftatmoſphäre des Krieges her=
ds
Gir
huführen, nur noch recht ſchwach. Man wußte, daß der fran=
Nch=
ßihe
Miniſterpräſident Briand mit gebundener Marſchroute
,London gekommen war, und man wußte, daß ſein Eintreten
Mark, 2
Huhwe weitgehenden politiſchen Pläne Frankreichs für ihn ein
f um die eigene Exiſtenz war, und man wußte ſchließlich

uce
termef

Haß Lloyd George, der ſtarke Mann Englands, nur dem
igten gegenüber ſtark erſcheint. Fraglich war lediglich,
Haltung Amerika den Ententeforderungen gegenüber ein=
hun
würde, oder beſſer geſagt, ob Amerika ſeine wirtſchaft=
r
Intereſſen in Mitteleuropa ſo hoch einſchätzen werde, daß
ſche Erwägungen anderer Art dahinter zurücktreten müß=
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Verhält=
zu
den Mächten der Entente für ausſchlaggebend gehalten
der deutſchen Regierung daher mitgeteilt, daß ſie ſich nicht
er Lage ſähe, die deurſche nach Waſhington gerichtete Re=
mtionsnote
an die alliierten Mächte weiter zu leiten. Ueber
Folgen dieſes Schrittes wird weiter unten noch zu ſprechen
Jedenfalls trat auf der Konferenz in London ein weſent=
Einfluß der Waſhingtoner Regierung nicht zutage, und
merſchieden ſich denn auch die in London geführten Ver=
ſngen
nicht weſentlich von den früheren Konferenzen. Nach
Tagen mehr oder weniger lebhaften Verhandelns endete
unferenz mit der üblichen vollkommenen Uebereinſtimmung
en den Alliierten und dem ebenſo üblichen Ultimatum an
hland. An dem Ultimatum iſt beſonders bemerkenswert,
jederum die Entwaffnungsfrage und die Frage der Ab=
ng
der ſogenannten Kriegsverbrecher beſonders in den
grund gerückt werden.
enn man die verſchiedenen Ausführungen Lloyd Georges
utſchen Entwaffnung verfolgt hat, wenn man ſich daran
t, daß gerade Lloyd George es war, der verſchiedentlich
trchaus befriedigende‟ Ergebnis der deutſchen Entwaff=
ktion
betont hat, ſo ſieht man hier deutlich die franzöſiſche
am Werke. Seit vielen Monaten zielt die Pariſer Taktik
ab, die Reparationsfrage durch eine Verkuppelung mit der
fnungsfrage möglichſt unlösbar zu machen. Die tatſäch=
ntwaffnung
Deutſchlands, die Zurückführung der Reichs=
uf
100 000 Mann, die Ablieferung unferer gefamten ſchwe=
rtillerie
, die Deutſchland militäriſch abſolut wehrlos
genügen der Pariſer Regierung nicht, ſondern die prak=
nerfüllbare
Forderung der Ablieferung auch des letzten
vo verſteckten Gewehrs ſoll der Pariſer Regierung den
nd liefern für immer wieder neue Forderungen und Ge=
rdrohungen
. Wenn Lloyd George in ſeiner Rede, die er
innerstag im Unterhauſe hielt, erklärt, daß er ſicherlich
daß Frankreich nur deshalb in Waffen ſtarre, weil
hland noch nicht vollſtändig abgerüftet habe, weil alſo tat=
ein
Grund für eine Beunruhigung Frankreichs vorliege,
rauch ſelbſt zwar von dem Ergebnis der bisherigen Ent=
ngsaktion
höchſt befriedigt ſei, fo handelt es ſich hier
iglich darum, das Geſicht zu wahren.
nn auch die Aburteilung der Kriegsverbrecher wiederum
Ultimatum beſonders aufgeführt wird, ſo kann das nur
e Formel aufgefaßt werden, die aufgeſtellt iſt, um den Kern=
nge
zu verſchleiern. Die deutſche Regierung hat ſeit Spa
* das lebhafteſte bemüht, die Prozeſſe gegen die Kriegs=
her
zur Durchführung zu bringen, und es iſt gerade die
e geweſen, die planmäßig dieſer Durchführung Schwie=
tn
in den Weg gelegt hat.

ſFalle der Nichtannahme des Ultimatums innerhalb von
Tagen wird zunächſt die Beſetzung des Ruhrreviers ange=
inter
Vorbehalt weiterer Zwangsmaßnahmen.
Ler Deutſchland ſteht die ungeheuer ernſte Frage, ob das
tum anzunehmen iſt oder nicht, ob Deutſchland die unge=
nchen
wirtſchaftlichen Laſten auf ſich nehmen ſoll oder ob
eer Entente den Verſuch überlaſſen ſoll, durch Gewaltmaß=
i
ſeine Milliardenforderungen, zu befriedigen. Dürfte
eſe Frage rein gefühlsmäßig beantworten, ſo würde wohl
in Menſchen in Deutſchland die Antwort ſchwer fallen;
Spolitik iſt aber noch niemals erfolgreich geweſen. Für
zunächſt das eine Ziel aller Politik gegeben, in einem
ſt kurzen Zeitraum zu einer Feſtigung unſerer ſtaatlichen
rtſchaftlichen Verhältniſſe zu gelangen, und es iſt alſo eine
mſte Aufgabe, im jetzigen Augenblick, zu entſcheiden, was
n dieſem Ziele mehr entfernt, die Annahme des Ultima=
Ddas heißt, die Uebernahme ungeheurer Laſten und Ver=
ngen
, deren Wirkungen noch kaum überſehen werden kön=
hurf
die Gefahr immer weiterer ſpäterer Erpreſſungsverſuche
deer die Ablehnung des Ultimatums, die den Verluſt des
bletes mit ſeinen gleichfalls unausdenkbaren Folgen für
uttſche ſtaatliche und wirtſchaftliche Leben bedeutet. Es iſt
ers zu beachten, daß die Beſetzung des Ruhrreviers bis
eſtloſen Erfüllung aller Verbindlichkeiten angedroht iſt, daß
huuch einmal erfolgter Beſetzung mit einer Räumung in ab=
iter
Zeit kaum zu rechnen ſein dürfte.
welchem Sinne ſich Deutſchland entſcheiden wird, wird
Lifſung der derzeitigen Negierungskriſis zum Aus=
Tringen. Das Kabinett Fehrenbach hat aus dem Fehlſchlag
zug auf die amerikaniſche Vermittlung die Konſequenzen ge=
rund
ſeinen Rücktritt erklärt. Die Leſung, daß das bis=
Kabinett und insbeſondere der bisherige Reichsminiſter
Aeußern Dr. Simons äußerlich durch ihre bisherige Amts=
g
ſchon ſo gebunden ſeien, daß ſie nicht mehr die nötige
ussfreiheit beſäßen, erſcheint deswegen als nicht ganz zu=
Snd, da das bisherige Kabinett feſtgelegt war lediglich auf
blehnung der Pariſer Beſchlüſſe, da dieſe für die deutſche
Eohaft unmögliche Leiſtungen forderten. Die gegenwärtigen
Freforderungen weiſen aber inſofern eine erhebliche Abwei=
won
den Pariſer Forderungen auf, als die jetzt geforderte
Beiſtung niedriger iſt wie bei den Pariſer Forderungen,
lnd die variable, vom Stande des deutſchen Wirtſchafts=
abhängige
Leiſtung in Geſtalt der Exportabgabe erhöht
oe iſt. Die Form der amerikaniſchen Ablehnung iſt ſo un=
uich
, daß man den Entſchluß des verantwortlichen Mi=
2: wohl verſtehen kann. Darüber, daß die neue Kabinetts=
9 aufs äußerſte zu beſchleunigen iſt, dürften nirgends

Sonntag, den 8. Mai 1921

Zweifel beſtehen. Die Not fordert von den deutſchen Politikern
einen raſchen Entſchluß und verantwortungsfreudiges Handeln.
Würden auch in dieſer Lage Parteihader oder parieitaktiſche
Gründe wiederum eine unerfreuliche Rolle ſpielen, ſo würde das
deutſche Parteiweſen ſein Lebensrecht verwirkt haben.
Ungeheuer ſchwerwiegende Entſchlüſſe hat das neue Kabinett

und ſeiver Banden, während die interallierten Truppen der
Bewegung machtlos oder tatenlos gegenüberſtehen. Welche Rolle
die Franzoſen auch bei dieſer Gelegenheit wieder ſpielen, wird
genügend durch die eine Tatſache beleuchtet, die der preußiſche
Miniſter des Innern in ſeiner Freitagrede über die Lage in
Oberſchlaien anführte, daß nämlich in Neiſſe ein franzöſiſcher
Offizier, ein franzöfiſcher Kreiskontrolleur und ein Pole von
Eiſenbahnwachtruppen gefangen genommen wurden, weil ſie da=
bei
erwiſcht worden ſind, wie ſie eine Eiſenbahnbrücke über den
Hotzenfluß (einen Nebenfluß der Oder) ernent zu ſprengen ver=
ſuchten
. Wenn alſo Herr General Lerond, der in London und
Paris war, jetzt ſchleunigſt wieder nach Oberſchleſien zurückgereiſt
iſt, ſo bedeutet das keineswegs eine Entſpannung der Lage, im
Gegenteil, es muß angenommen werden, daß die energiſche und
einwandfreie Haltung ſeines italieniſchen Vertreters Demarini
am Quai d’Orſay wenig Zuſtimmung gefunden hat. Die inter=
alliierte
Kommiſſion hat zwar erklärt, daß die Waffenehre der
Entente engagiert ſei, aber nach den bisherigen Erfahrungen iſt
es nur zu begrüßen, daß das Reichskabinett unter Heranziehung
der preußiſchen Miniſter und der Oberſten Heeresleitung zu Be=
ratungen
über die in Oberſchleſien entſtandene Lage zuſammen=
getreten
iſt. Es wäre gut, wenn man ſich in den Kreiſen der
Entente ſowohl wie in Warſchau darüber klar wäre, daß es auch
für ein beſiegtes Volk Grenzen des Erduldens gibt.
Gegenüber dem furchtbaren Druck der materiellen Liquida=
tion
des Krieges tritt die rein formale Beendigung des Kriegs=
zuſtandes
zwiſchen Deutſchland und den Vereinigten Staaten
von Amerika, auf welche die vom amerikaniſchen Senat ange=
nommene
Reſolution Knox abzielt, faſt völlig in den Hinter=
grund
. Das Intereſſe des geſamten deutſchen Volkes muß kon=
zentriert
ſein auf die Entſcheidung über ſeine Lebensfragen. Die
nächſte Zukunft fordert von uns den Einſatz unſerer ganzen
Willenskraft.
II.
Das Ultimatum.
rC. Der Feindbund hat nicht mit ſich reden laſſen, ſondern
Deutſchland ſein Ultimatum zugeſchickt. Es trägt die Unterſchrif=
ten
Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und Japans. Es
ſtellt vier Forderungen auf, die ſofort zu erfüllen ſind, widrigen=
falls
der Einmarſch ins Ruhrgebiet erfolgen ſoll. Dieſe Forde=
rungen
ſind die altbekannten, typiſch und charakteriſtiſch zugleich.
Ohne Vorbehalt oder Bedingungen ſoll Deutſchland ſeine Ver=
pflichtungen
erfüllen, ſo, wie ſie von der Reparationskommiſſion
feſtgelegt werden. Ohne Vorbehalt oder Bedingungen ſoll
Deutſchland die von der Reparationskommiſſion vorgeſchriebenen
Sicherheiten annehmen und durchführen. Ohne Vorbehalt oder
Bedingungen ſoll Deutſchland die Entwaffnung vollkommen voll=
enden
. Und ohne Vorbehalt und unverzüglich ſollen die Kriegs=
verbrecher
abgeurteilt werden. Auch in dieſem Ultimatum liegt
ein grauſamer Hohn. Unmögliches ſoll mit löblicher Unterwer=
fung
ſofort durchgeführt werden. Unmöglich iſt die ſofortige
Zahlung der Goldmilliarden. Aber Deutſchland hat ſie ohne
Vorbehalt oder Bedingungen ſofort zu leiſten, widrigenfalls
der von den Franzoſen erſehnte Marſch ins Ruhrgebiet! Deutſch=
land
ſoll ſofort den kläglichen Reſt ſeiner Oſtfeſtngen ſchleifen.
Und dabei lodert doch jetzt ein polniſcher Bandenkrieg gerade an
den Oſtgrenzen Deutſchlands hell auf. Selbſt die alliierten
Sicherheitswächter werden in Oberſchleſien nicht mit Korfantys
wild=verwegener Jagd fertig und müſſen jetzt ſogar deutſche
Jünglinge und Männer bewaffnen ein furchtbarer Gedanke,
einem Deutſchen einen Schießprügel in die Hand zu geben! Und
da verlangt die Entente noch die ſofortige Entwaffnung der Ein=
wohnerwehr
Bayerns, der das Land vor allem ſeine Ruhe und
Sicherheit vor bolſchewiſtiſchen Experimenten und folglich auch
ſeinen wirtſchaftlichen Aufbau zu verdanken hat? Und hat denn
auch wirklich die deutſche Reichsregierung die Macht, Bayern zu
zwingen, ſeine Einwohnerwehr zu entwaffnen? Hat nicht die
Entente ſelber die deutſche Reichsregierung bis zur Ohnmacht
handlungsunfähig gemacht? Und nun gar die angeblich ver=
zögerte
Verurteilung der ſogenannten Kriegsverbrecher! Wer iſt
denn daran ſchuld, daß die Reichsgerichtsmaſchine ſo langſam ar=
beitet
? Iſt es nicht gerade die Entente, die den deutſchen Rich=
tern
das Beweismaterial ſo langſam und lückenhaft hat zukom=
men
laſſen? Wer das Ultimatum lieſt, muß mit dem Kopfe
ſchütteln und ſich ſagen, daß man es hier nicht mit einem bös=
willigen
Angeklagten, ſondern mit einem böswilligen Richter=
kollegium
zu tun hat.
Heuchelei und Phantaſtik iſt alles, was die Entente für und
gegen Deutſchland hat. Bei der Napoleon=Feier in Paris konnte
es ſich der Kriegsminiſter Barthon nicht verkneifen, wieder ein=
mal
das deutſche Schreckgeſpenſt an die Wand zu malen. Er be=
ſchwor
das Jahr 1808 herauf, wo Napoleon Preußen bis auf die
letzte Knarre entwaffnet hatte, und wo dieſes Preußen dann
plötzlich mit einem anſehnlichen Heere, das wie aus der Erde ge=
ſtampft
zu ſein ſchien, Napoleon entgegentrat. So wird es auch
jetzt der Fall ſein, ſprach Barthou warnend, und ganz Frankreich
rief: Hört! Hört! Die Geſchichte wiederholt ſich nach Barthous
Ueberzeugung. Und wenn dies auch falſch iſt, ſo kommt doch als
mildernder Umſtand ihm zuſtatten, daß gerade Frankreich als
Volk in der Keuntnis der Geſchichte ſtets die ſchlechteſte Zenfur
hatte. Die Geſchichte wiederholt ſich, Ludendorff iſt ein zweiter
Scharnhorſt, und ſchon erhebt die deutſche Revanche ihr drohen=
des
Haupt. Und ganz Frankreich ruft entſetzt: Hört! Hört!
Frankreich iſt das friedliebenſte Volk der Welt! rief Barthou
weiter aus. Es will keinen neuen Krieg, denn es verabſcheue
jeden Krieg. Es will keine Eroberungen machen, keine Annexio=
nen
und hat keine imperialiſtiſchen Abſichten. Es will nur das
kriegeriſche Deutſchland zum wahren Frieden zwingen. Das
klingt ganz wie die Rede eines ſcheinheiligen Inquiſitors, und
diesmal ruft nicht Frankreich, ſondern Frau Klio: Hört! Hört!
Wie der Frieden von Frankreichs Gnaden, der geſchloſſen zu
Deutſchlands Schmach in Verſailles, ausſieht, das beweiſt jetzt der
oberſchleſiſche Aufſtand, an dem Frankreich, mag es auch noch ſo

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hmen entgegen: Geſchäftsſtelle Rheinſtra
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zedirionen
.
allehöher
dewalt wie Krieg, 2
r, Streik
nau
Zerpflie
g auf Erfüllung der Anzeiger
H oe
und
g von Schadenerſatz. Bei Konhurs oder
gerichtl. Beitreibung fällt jeder Rabatt weg.

Einzelnummer 20 Pf.

ſehr es offiziell ableugnen, der Hauptmitſchuldige iſt. Dort ſpielt
jetzt Korfanty die Rolle d’Annunzios, und nur ſaumſelig tut
Frankreich ſo, als ob es dem ſchlechten Komödianten zürne. Auf
der einen Seite der Völkerrechtsbruch der Polen unter Frank=
reichs
Protektorat und anf der anderen Seite das völkerrechts=
wvidrige
Ultimatum auf Frankreichs Veranlaſfung das nennt
mran in Paris ehrliche Friedenspolitik.
Die Parteien und die Preſſe,
* Berlin, 7. Mai. Die Reichstagsfraktionen
haben bisher über ihre Stellungnahme zu dem Ultimatum
der Alliierten noch keinen Beſchluß gefaßt. Nach Informationen
des Lokalanzeigers könne man die Haltung der Deutſchnatio=
nalen
dahin zuſammenfaſſen, daß die Partei jede Regierung
bekämpfen werde, die bereit wäre, das Ultimatum anzunehmen.
Auch die Deutſche Volkspartei und die Demokraten ſowie die
Baheriſche Volkspartei ſollen ſich zu einer Unterſchrift nicht ent=
ſchließen
können. Die Haltung des Zentrums ſei noch nicht klar
zum Ausdruck gekommen, die Partei ſei aber unter keinen Um=
ſtänden
geſonnen, ohne die Deutſche Volkspartei eine Unterſchrift
zu leiſten. Ueber die Haltung der ſozialdemokratiſchen Par=
teien
verlautet bisher noch nichts. Wie die Voſſiſche Zeitung
wiſſen will, ſei man in den Kreiſen der Regierungsparteien zu
der Anſicht gekommen, daß die finanziellen Forderungen des
Ultimatums diskuſſionsfähig ſeien. Dagegen machten ſich ſtarke
Bedenken geltend gegen jene Punkte, die den Beſtimmungen
des Friedensvertrages zuwiderlaufen, ſo die Entwaffnung der
Oſtfeſtungen, die Beſtimmung, die den Alliierten das Recht gebe,
die Beſetzung des Rheinlandes zu verlängern, und die Entwaff=
nung
der baheriſchen Einwohnerwehren, die zu erzwingen die
Reichsregierung keine Machtmittel habe.
Nach der Voſſiſchen Zeitung ſind es beſonders die Beſtim=
mungen
, die dem Friedensvertrag zuwiderlaufen oder ihn über=
ſchreiten
, gegen die ſich ſtarke Bedenken geltend machen. So zum
Beifpiel in der Frage der Entwaffnung der Oſtfeſtungen, für die
im Friedensvertrag eine beſtimmte Anzahl von Geſchützen aus=
drücklich
zugebilligt worden iſt. Auf dieſe Entwaffnung glaubt
man beſonders mit Rückſicht auf die gegenwärtigen Ereigniſſe in
Oberſchleſien ſchwer verzichten zu können. Weiterhin ſcheint man
geneigt zu ſein, jene Beſtimmungen abzulehnen, die den Alliier=
ten
das Rechr geben würden, die Beſetzung des Rheingebietes
auszudehnen bis zur Bezahlung der letzten Annuitäten, doch
wird noch feſtzuſtellen ſein, ob bei genauer Prüfung des Wort=
lautes
ſich tatfächlich dieſe Deutung der Bedingungen ergibt.
In bezug auf die Entwaffnung iſt die Anſicht vertreten worden,
daß durch das vom Reichstag verabſchiedete Entwaffnungsgeſetz
die Verpflichtungen Deutſchlands erfüllt ſind.
* Berlin, 7. Mai. Während die Rechtspreſſe kategoriſch
die Ablehnung des Entente=Ultimatums fordert, nehmen die
Blätter des Zentrums, der Demokraten und Sozialdemokraten
entweder eine abwartende Haltung ein oder ſie enthalten ſich der
Stellungnahme. Die Deutſche Allgemeine Zeitung
bezeichnet das Ultimatum als unerträglich und ſagt: Auch heute
noch ſind die Deutſchen bereit, zu einer Einigung mit den Geg=
nern
zu gelangen und im Jahren härteſter Arbeit herzugeben,
was ſie aufzubringen vermögen. Wenn aber der Oberſte Rat
von uns verlangt, daß wir unſere Oſtfeſtungen entwaffnen ſollen,
in dem Augenblick, da die Polen ſchnöde Gewalt gegen uns ver=
üben
, dann gibt es auf dieſe Forderung nur eine Antwort: die
einer ehrenhaften Nation würdig iſt: Nein und tauſendmal nein!
Die Dägliche Rundſchau ſchreibt: Uns bleibt nur eins
übrig: paſſiver nationaler Widerſtand. So lange wir uns nicht
ſelbſt aufgeben, ſind wir nicht verloren. Auch das führende
Zentrumsblatt Germania bezeichnet die Forderung nach
Entwaffnung der öſtlichen Feſtungen zu erfüllen unmöglich in
dem Augenblick, wo die Polen an den Grenzpfählen des Reiches
rütteln. Nach dieſem Blatt liegt der Grund für den ſchleppenden
Gang des Verfahrens gegen die Kriegsbeſchuldigten einzig und
allein bei der Entente, da bisher nur England etwas getan hat,
um die notwendigen Unterlagen für die Prozeſſe beizubringen.
Gegen das Uiltimatum.
Berlin, 7. Mai. (Wolff.) Der Verein deutſcher.
Eiſen= und Stahlinduſtrieller hat auf der Mit=
gliederverſammlung
folgende Entſchließungen gefaßt und
an den Reichspräſidenten, den Reichskanzler, den Reichsminiſter
des Aeußern, den Reichswirtſchaftsminiſter und den Reichs=
miniſter
des Innern geſandt: 1. Die in Berlin tagende Mit=
gliederverſammlung
des Vereins deutſcher Eiſen= und Stahl=
induſtrieller
wendet ſich mit aller Entſchiedenheit gegen das Ge=
rücht
, daß die deutſche Induſtrie der Unterzeichnung des neuen
Ultimatums der Eniente nicht widerſpreche. Die deutſchen Eiſen=
und Stahlinduſtriellen, insbeſondere die rheiniſch=weſtfäliſchen
Induſtriellen, wollen lieber alle mit der Beſetzung des Ruhr=
gebietes
drohenden Laſten und Opfer auf ſich nehmen, als un=
erfüllbare
Bedingungen anzunehmen, die früher oder ſpäter doch
die Beſetzung des Ruhrgebietes zur Folge haben würden. Ge=
nügt
doch nach den neuen Bedingungen die Nichterfüllung irgend=
eines
Punktes, um den Feinden für weitere Zwangsmaßnah=
men
, wie für die Beſetzung des Ruhrgebietes, ſogar Rechtstitel
zu verſchaffen. 2. Die überaus traurige Lage Oberſchleſiens zeigt,
daß die interalliierten Beſatzungstruppen die im Verſailler Ver=
trage
übernommene Pflicht des Schutzes der Bevölkerung nicht
erfüllen. Die Mitgliederverſammlung des Vereins deutſcher
Eiſen= und Stahlinduſtrieller verlangt daher ganz entſchieden,
daß deutſche Truppen marſchieren, ehe es zu ſpät iſt.
Franzöſiſche und engliſche Preſſeſtimmen.
T.u. Paris, 7. Mai. Die Stimmen gegen die
neuen finanziellen Bedingungen gegenüber
Deutſchland werden immer lauter. Man ſpricht offen die An=
ſicht
aus, eine glatte Abſage Deutſchlands würde für Frankreich
günſtiger ſein, als wenn Deutſchland das Uiltimatum und die
finanziellen Bedingungen annehmen würde. Man möchte ſich
auf keinen Fall die Beſetzung des Ruhrreviers verkneifen. Die
deutſche Annahme würde nur ein Verſprechen bringen, die Wei=
gerung
aber ein Pfand. Die Rede Lloyd Georges im
Unterhauſe wird mit gemiſchten Gefühlen aufgenommen. Man
wirft dem engliſchen Miniſterpräſidenten Doppelzüngigkeit vor
und ſetzt ſeine Frankreich freundlichen Erklärungen vor dem
Parlament in Gegenſatz zu ſeiner Haltung, die er während der
ganzen Konferenz gegenüber Briand an den Tag gelegt hätte.
Die Action fransaiſe macht ſich über die Zahlungsbedingungen
direkt luſtig, namentlich über die Auflage der drei Obligationen.
Das Blatt hebt noch beſonders hervor, daß die Garantiekommiſ=
ſion
praktiſch und effektiv abſolut keine Zwangsmittel zur Ver=

[ ][  ][ ]

Ar 4

wi vo‟ zu ert

bei.

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 8. Mai 1921.

Rummer 1220

fügung hat. Sie ſolle zwar die Befugnis haben, den Dienſt der
deutſchen inneren Zahlung zugunſten der Schuld für die Wieder=
herſtellung
zu ſuspendieren, aber gerade dieſe wichtigſte Be=
fugnis
der Kommiſſion ſei illuſoriſch gemacht durch die Beſtim=
mung
, daß ſie ſich nicht in die innere Verwaltung Deutſchlands
einzumiſchen habe.
** London, 6. Mai. Die geſamte Morgenpreſſe widmet
den Beſchlüſſen des Oberſten Rates größte Aufmerk=
ſamkeit
. Daily Chronicle erklärt: Das Nachgeben der
neuen deutſchen Regierung darf als ſicher angenommen werden.
Daily News meinen, die Schwierigkeiten ſeien teilweiſe auch
auf die Alliierten zurückzuführen, die unerfüllbare Forderungen
an Deutſchland geſtellt hatten, teils auch auf deutſche Seite, weil
Deutſchland es abgelehnt habe, ein vernünftiges Angebot zu
machen. Das Blatt ſagt, die neuen Vorſchläge wären hoffnungs=
voller
, als man hätte erwarten können. Daily Expreß be=
zeichnet
die neuen Bedingungen als etwas härter, als Deutſch=
land
ſie bei den Pariſer Beſchlüſſen hätte haben können. Die
Times erklären, das engliſche Volk ſei mit dem Premierminiſter
einig in dem Glauben, daß die neuen Bedingungen gerecht ſeien.
Weſtminſter Gazette ſchreibt, es ſei zu hoffen, daß
Deutſchland dem Ultimatum der Alliierten ſtattgebe, ſo lange
es noch Zeit ſei. Dies ſei, vom Standpunkt der Deutſchen wie
auch von dem der Alliierten aus geſehen, einer Beſetzung des
Ruhrgebietes weitaus vorzuziehen. Star ſchreibt: In der
deutſchen Reparationsfrage beſteht jetzt eine wirklich hoffnungs=
volle
Atmoſphäre. Das Blatt weiſt ſogar darauf hin, daß
Aſquith, Lord Robert Cecil und Clynes alle gemeinſam die revi=
dierten
Vorſchläge der Alliierten gebilligt haben. Auch Keynes
trat für die Annahme des Ultimatums durch Deutſchland ein
und hofft, daß Deutſchland die Ankündigung der Alliierten an=
nehme
und ſein Beſtes tun werde, um ihr nachzukommen, im
Vertrauen darauf, daß die geſamte Welt nicht unvernünftig und
ungerecht ſei, und daß man ein wenig warten müſſe (l!), bevor
Europa und die Vereinigten Staaten die wirtſchaftliche Liqui=
dation
des Krieges vollenden könnten.
Der polniſche Aufſtand in Oberſchleſien.
Der Aufſtand und die Warſchauer Regierung
D.N. V. Nachdem die Aufſtändiſchen in Oberſchleſien bis an
die ſogenannte Korfanty=Linie und über dieſe hinaus vorgedrun=
gen
ſind, der Aufſtand alſo vorderhand mit einem Sieg der Auf=
ſtändiſchen
ſeinen einſtweiligen Abſchluß gefunden hat, fühlt die
polniſche Regierung das Bedürfnis, nunmehr vor aller
Welt ihre Hände in Unſchuld zu waſchen. Korfanty iſt von ſei=
nem
Poſten als Abſtimmungskommiſſar abberufen worden. Das
war aber nichts als eine Formalität, mit der ſich die polniſche
Regierung ſichern wollte, denn Korfanty ſollte nun die Hände frei
haben, um ſich an die Spitze der Aufſtändiſchen ſtellen zu können.
Dieſer Trick der polniſchen Regierung iſt nicht nen. Wir haben
ja genau denſelben Vorfall in Wilna erlebt, und genau ſo
wenig wie man damals die Lohalität der polniſchen Regierung
erkennen konnte, genau ſo wenig iſt das jetzt der Fall. Man iſt
allerdings inſofern vorſichtiger geworden, als man bisher von
dem Einmarſch geſchloſſener polniſcher regulärer Formationen
Abſtand genommen hat. Es kommt aber in der Praxis auf das=
ſolbe
hinaus, wenn die polniſchen Truppen, die an der Grenze
frehen, nach und nach ihre Truppenkörper verlaſſen, um ſich in
Oberſchleſien als Inſurgenten wieder zu begrüßen.
Die polniſche Regierung hat getan, was ſie tun konnte, ſie
hat ſogar die Freiwilligenwerbung für die Teilnahme am ober=
ſchleſiſchen
Aufſtand in Kongreßpolen verboten. Aber auch das
iſt michts anderes als ein Mache; auch dieſe Verordnung ſteht wie
alle polniſchen Verordnungen nur auf dem Papier, denn die
nationaliſtiſche polniſche Preſſe fordert nach wie vor munter und
ungeniert zur Teilnahme am oberſchleſiſchen Aufſtand auf. Aber
die polniſche Regierung hat noch mehr getan. Durch eine Verord=
nung
des Warſchauer Innenminiſters iſt die gefamte polniſche
Grenze geſperrt worden. Jawohl, richtig geſperrt worden. Das
hindert natürlich niemanden, ſoviel Menſchen und Material über
die Grenze zu bringen wie nur möglich. Die Aufſtändiſchen
haben ſich auch nicht geſcheut, Brücken über die Grenzflüſſe zu
ſchlagen, damit der Nachſchub an Menſchen und Material leichter
bewerkſtelligt werden kann. Endlich hat dann noch die polniſche
Regierung eine langatmige Erklärung losgelaſſen, die beſagt, daß
die polniſche Regierung nichts, aber auch gar nichts mit dem Auf=
ſtand
in Oberſchleſien zu tun habe. Auch dieſe Erklärung hat nur
Makulaturwert. Die polniſche Regierung wird nie und
niemals abſtreiten können, daß ſie von dieſem Aufſtande und von
den Vorbereitungen dazu gewußt hat, vielmehr iſt die ganze
Sachlage ſo, daß ſie ſelbſt aktiv an den Vorbereitungen
beteiligt geweſen ſein muß. Die Regierung in Warſchau
mag noch ſo viel Verfügungen und Erklärungen erlaſſen wie ſie
will, all das bleibt eine Mohrenwäſche und kann die Tatſache nicht
aus der Welt ſchaffen, daß ſie für dieſen Aufſtand moraliſch ver=
antwortlich
gemacht werden muß.
Ein polniſcher Aufruf zum Aufruhr.
Warſchau, 6. Mai. (Wolff.) Die nationale Arbeiterpartei
erließ einen Aufruf, worin ſie auffordert, den oberſchle=
iſchen
Brüdern zu Hilfe zu kommen. Der Platz
aller Polen ſei in den Reihen der aufſtändiſchen oberſchleſiſchen
Armee. Das Polenvolk müſſe den verbrecheriſchen Abſichten der
Entente durch bewaffnete große Anſtrengungen ſich entgegenſetzen.
Der Aufruf ſchließt: Es lebe der oberſchleſiſche Aufſtand! Zu
den Waffen!

Polniſche Infamien.
Berlin, 6. Mai. (Wolff.) Die amtliche Funken=
ſtation
in Warſchau verbreitet einen Funkſpruch An
Alle, in dem es heißt, daß im ganzen Gebiete des Deutſchen
Reiches die Reichswehr, die Orgeſch, die Landesſchutzvereine‟
Flugzeuggeſchwader und Automobilformationen zum Kampfe
gegen die Aufſtändiſchen in Oberſchleſien mobiliſiert würden.
Die Aufſtändiſchen hätten in den Kämpfen der beiden letzten
Tage bereits Soldaten der Reichswehr und Angehörige der Or=
geſch
angetrofffen. Gleichzeitig wird gemeldet, daß die Ober
ſchleſiſche Volkspartei ſich für den Aufſtand erklärt habe und zahl=
reiche
Mitglieder der Partei in die Reihen der Inſurgenten ein=
getreten
ſeien. Ueberall, wo die Inſurgenten Herren der Lage
ſeien, kehre das normale Leben wieder zurück. Die Arbeiter der
Eiſenbahnen und Straßenbahnen hätten den Streik beendet, der
auf den Gruben fortdauere. Die politiſchen Parteien Oberſchle=
ſiens
würden die Frage einer Aufſtandsregierung beſprechen.
Die in dieſem von der amtlichen Station der Warſchauer
Regierung verbreiteten Funkſpruch enthaltenen Meldungen ſind
vom erſten bis zum letzten Wort erlogen. Es iſt nicht wahr,
daß ein einziger Reichswehrſoldat Oberſchleſien betreten hat,
wohingegen polniſche Offiziere und Mannſchaften mit polniſchem
Heeresmaterial in Scharen das unglückliche Land durchziehen.
Es iſt nicht wahr, daß es den Aufrührern bisher an einer ein=
zigen
Stelle gelungen iſt, die Wiederkehr normaler Zuſtände her=
beizuführen
. Der geſamte Verkehr ruht. Alle Gruben und In=
duſtrien
ſtehen ſtill. Allerdings hat ſich die Oberſchleſiſche Volks=
partei
für den Aufſtand erklärt, die aber nicht eine deutſche Par=
tei
iſt, ſondern eine von Korfanty aufgemachte rein polniſche
Gründung. Die Behauprung, die politiſchen Parteien Ober=
ſchleſiens
beſprächen die Bildung einer Aufſtandsregierung, iſt
eine freie Erfindung Korfantys.
Zur Lage.
Oppeln, 6. Mai. (Wolff.) Nach den bis abends vorliegen=
den
Nachrichten iſt die Lage im Aufſtandsgebiet unver=
ändert
ernſt. Die polniſchen Inſurgenten verſuchen immer
noch, nach Nordem Boden zu gewinnen. Nachdem Groß= Streh=
litz
von dem Aufſtändiſchen wieder geräumt wurde, werden nun=
wehr
Angriffsvorbereitungen der Aaufrührer in Richtung Coſel=
Leſchnitz feſtgeſtellt. Infolge erneuter Störungen im Fernſprech=
verkehr
liegen aus dem Zentral= un Südrevier nur wemig Nach
richten vor. In Hindenburg fanden Plünderungen der
Lebensmittelgeſchäfte ſtatt. Nachdem in den erſten Tagen des
polniſchen Aufruhrs die beteiligteu aktiven polniſchen Soldaten
meiſtens Zivilkleider trugen, wird dieſe Vorſichtsmaßregel jetzt
nicht mehr beachtet. Es ſind zahlreiche Aufrührer in polni=
ſcher
Uniform feſtgeſtellt worden, die mit polniſchen Militär=
kraftwagen
überall im Lande Requiſitionen vornehmen. Die
Werbungen unter der deutſchem Bevölkerung für die Abſtim=
mungspolizei
hatten bisher ſehr guten Erfolg.
Die Untätigkeit der interalliierten Kommiſſion.
Oppeln, 6. Mai. (Wolff.) Die interalliierte
Kommiſſion veröffentlichte heute abend ein offizielles
Kommunigus, das deutlich das Beſtreben verrät, den un=
geheueren
Ernſt der Situation zu verſchleiern und
den tatſächlichen Vorgängen in keiner Weiſe entſpricht. Das
Kommuniaus lautet: Die Lage beginnt ſich zu beſſern. Die
amtlichen Nachrichten, die heute an die Regierungskommiſſion ge=
langt
ſind, laſſen hoffen, daß die Erregung von heute ab abneh=
men
wird und daß Ausſicht beſteht auf ſchnelle Wiederaufnahme
der Arbeit. Um der Lage zu entſprechen, wie ſie durch das Ein=
treffen
zahlreicher Flüchtlinge in Oppeln und in dem von dem
Aufſtand verſchonten Gebiet geſchaffen iſt, hat die interalliierte
Kommiſſion beſchloſſen, die Ausreiſe der Flüchtlinge zu erleich=
tern
und für den Augenblick den Ausreiſeſichtvermerk aufzu=
heben
. Für die Rückkehr nach Oberſchleſien werden die notwen
digen Erleichterungen gewährt werden.
Die Mitteilung der interalliierten Kommiſſion ſteht in
chroffem Gegenſatze zu den tatſächlichen Ver=
hältniſſen
, die eine unumſchränkte Herrſchaft Korfantys in
dem von den polniſchen Inſurgenten beſetzten Gebiet darſtellen.
In dem größten Teile von Oberſchleſien übt die interalli=
ierte
Kommiſſion keinerlei Macht mehr aus, die
friedliche Bevölkerung iſt nach wie vor ſchutzlos dem Treiben der
polniſchen Inſurgenten ausgeſetzt.
Die Stellungnahme der Tſchechen.
* Prag, 6. Mai. Großes Aufſehen erregt die Stellung
nahme des Organs des tſchechiſchen Miniſters des
Aeußern zum Aufſtand in Oberſchleſien. Es wird
das ſofortige tatkräftige Einſchreiten des Verbandes gegen die
gewaltſamen Methodem der Polen verlangt, da dieſe dem Frieden
Mitteleuropas und das Syſtem der kleinen Staaten zum Scha=
den
des Großen und Kleinem Verbandes zu vernichten drohten
* Prag, 6. Mai. Die tſchechiſche Preſſe verfolgt die
Vorgänge in Oberſchleſien mit großer Aufmerkſamkeit.
Das Blatt Ceſkoſlovenſka Republika ſaga, die Polen hätten ſich
auf die Gerechtigkeit des Verbandes verlaſſen ſollen, ihr Auf
ſtand habe nur den Gegnern des Verſailler Ver=
trags
Genugtuung bereitet. Dieſer Vertrag habe
Feinde genug. Sei es notwendig, daß jene, zu deren Gunſten er
gemacht wordem ſei, dieſem Feindem helfen, indem ſie ihn verletz=
ten
? Nichts ſpreche dafür, daß der Verband die oberſchleſiſche
Frage in einem polenfeindlichen Sinne zu löſem beabſichtige. Ge=

duldig abzuwarten, wäre klüger geweſen, anſtatt das Ame
des Verbandes zu verletzen. Die Narodni Liſty ſchreibt.
tſchechiſche Republik werde vom Streich der Polen unmitt.
getroffen, der Verband müſſe tatkräftig vorgehen und der
ſtandsromantik ein Ende bereiten, die einem Spiel mit
Feuer gleiche. Die Tribuma erklärt, Putſch und Gewalt
ten zur europäiſchen Tradition zu werden. Kein einz
Nachbar Polens könne ſich ſicher fühlen. Werm

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guaich it de
in Süich dich dit.

und werde der Pakt über Wilna hinfällig. Auch im s
Karls von Habsburg wird hann eine neue Hoffnung aufko
Das ſozialdemokratiſche Blgtt Prapo Lidu wirft der polmM/Mhhh
Regierung vor, ſie 1reibe ihr altes Spiel. Vor der Oef
keit weiſe ſie die Verantwortung ab und bezeichne die Ere=
als
Ausbruch des Willens des polniſchen Volkes. HinteNAMetehch. S t
Kuliſſen jedoch leiſt ſie Vorſchub. Das nationalſoziall
Blatt Ceſke Slotzo ſagt, die Leitung des gut organiſiertem
ſtandes ſtehe dem anitlichen Polen ſicherlich nicht fern. D
len pechneten bffenbar mhit der Spannung zwiſchen Deutff
und den Weſtmächten. Es ſei typiſch für die Pole=
ternationale
Probleine durch ein fait accompli gegen den
aller zu löſen und dann die Anerkenung der vollendeten.
ſachen zu fordern. Dann heißt es weiter:
Jn dent Kampf der Polen mit Deutſchland wegem Ob. /My0chMt belhst
ſien waren zinſere Stzuzpathien auf der Seite Polens tr 4A0 nch Zchd.
Hetze der polniſchen Preſſe in der Teſchener Frage. Aber un
Republik drohte die Gefahr blutiger Konflikte. M0 poewhe. O
die Weſtmächte dieſe polniſchen Methoden duldeten. Jed=
wiſche
Angriff gegen uns würde Beifall finden nicht nur i.
kau, ſondern uh in Warſchau. Es iſt die Pflichtdes WIqdeutſche PI.
bandes, dem Treiben der Polen ein En
zig gewählt
zmd
machen und dieſe unſere unruhigen Nachbarn zu belehraf
ihre Politik ſie der Sypzathien aller Welt beraubt. Nämkpr uns, die beiſolg:!
darf überſehen, daß erſt ſer Zuſammenbruch des Syſter Mkimüberzeugt, daß Dri
kleinen Staaten Mitteleuropas Deutſchland, von dem üb-rH Hagliche Unterdrcknn
menen Verpflichtungen befreit, daß dagegen ein Einſchrei fduuur ſich geht. Es Ie
Rr und Hilfe zu verſic
Weſtmächte gegen Polen den Deutſchland einſchnürenden
nicht bedrohen kann. Der Verband würde, wenn er nahuethreitete, andauen
ſt werden, durch d
ſein ganzes Friedenswerk zerſtören.

unterdräcktnd.
züber ſchuldig
ſo fügt Deißbmn
Enthällung, noch
Mit iegten uſe. Se.
n zemf ohel 2.
ſchen Meintng
Hun
egen die Zreſchet.
Irlands
Huand in Berlin Wilt

Engliſche und ſranzöſiſche Preſſeſtimmen.
wd. Paris, 6. Mai. Die Pariſer Preſſe ſte
Ereigniſſen in Oberſchleſien ziemlich faſſu///Dezemler 191
gegenüber. Einſtweilen begnügt ſie ſich damit, Telegramr eſ,) die von der engli
niſchen Urſprungs zu veröffentlichen, und enthält ſich alle=
mentare
. Auch über die Verluſte der verbündeten T
ſchweigen ſich die Blätter aus. Nur der Temps wundert
reits am Mittwoch abend darüber, daß die franzöſiſche-
daten
gezwungen wurden, auf Polen zu ſchießen. Die Er
dürfen jedenfalls einen gewiſſen Einfluß auf die Haltuus)4/ſolgung des Man
Entſcheidung des Oberſten Rates und der Oberſchleſiſchen
miſſion ausüben. (2) Es wird den Verbündeten vielle
Augen öffnen, wo die Ruheſtörer in Oberſchleſien wirklic,M ewählten Vertrete
London, 7. Mai. (Wolff.) Daily Telegraph meldet z ihe zu Lublin und
polniſchen Aufſtandsbewegung in Oberſchl
man erwarte den baldigen Rücktritt der polniſchen Regi
Auf jeden Fall ſcheine Fürſt Sapieha nicht im Amte ble b=ltneine repub
wollen. Wie Reuter erfährt, greift der polniſche Aufſtcn// iefriedliche und
trächtlich um ſich. Das Ziel des Aufſtandes ſcheine zu ſ
Kontrolle über ganz Oberſchleſien zu bekommen und ſo
vom Oberſten Rat gefaßten Beſchluß zuvorzukommen. Div nonglen, vo
ning Poſt ſagt, daß ſich die deutſche Bevölkerung dem po
Aufſtand gegenüber bisher ruhig verhalten habe. Mar
ſich jedoch ſchwer vorſtellen, daß ſie ſich auf die Daue
Vergewaltigung durch irreguläre polniſche Streiſhln als ei=
gefallen
laſſenwerde.
Die Entlarvung des Luſitania=Schwinde
C.K. Sechs Jahre ſind jetzt dahingegangen, ſeitd
Luſitania durch ein deutſches Unterſeeboot ver
wurde, und man kann ſagen, daß kein anderes Einzelereig
Kriegszeit zu einer ſo leidenſchaftlichen Propaganda
Deutſchland ausgenutzt worden iſt. Man ſtellte das Sc
ein harmloſes Paſſagierſchiff hin und erklärte die Verſenk

ruchloſen Frauen= und Kindermord. Die beſtimmte Er
von deutſcher Seite, daß die Luſitania ungeheuere Maß=
Munition an Bord gehabt habe, und der Bericht des 1
Kommandanten, daß der Dampfer durch eine im Schiff!
entſtandene Exploſion zum Sinken gebracht worden ſei,
als Lügen bezeichnet. Aber die Wahrheit iſt doch endlich
Tag gekommen. Der bekannte Zoologe der Berliner Un
Profeſſor Deißmann macht in der Deutſchen Politik a
Erklärung aufmerkſam, die der frühere Neu=Yorker Haf
tor Dudley Field Malone während der Wahlkan
für den jetzigen Präſidenten Harding abgegeben hat. Nal
Meldung der Nachrichten aus dem Nordweſten (Portland
U. S. A.) vom 4. November 1920 verſicherte Malone in eine
rede, die Luſitania hätte, als ſie von einem deutſchen Tel
verſenkt wurde, 4200 Kiſten Patronen für die
Regierung an Bord gehabt, und insgeſamt ſeien in dieſe
nahezu 11 Tonnen ſchwarzen Pulvers entha
weſen. Malone hatte ſich bereits in dem Prozeß, der gen
Senator La Follette wegen der Behauptung von Mur
transporten durch die Luſitania geführt wurde, a.
laſtungszeuge gemeldet, war aber nicht vernommen worke

pecken ſucht, beeil
tmzulegen, damit
jündeten Grund
inen eigenen,
Ende zu bringen
wuzent an der
und ſelbſt vorgeſchr
Volksabſtimmung 1
mon und die Grür
rachte anläßlich
Eelbſtbeſtimn
mitalſter Gem
unſeres Vo
uſt als Ver
ſuden verboter
die Sch=
itrie

dur

Der Einfluß großer Kataſtrophen auf die
Völker.
** Wir leben gegenwärtig in einer Zeit, in der eine ſo ge=
waltige
politiſche Kataſtrophe über uns hereinge=
brochen
iſt, wie wohl ſelten über ein Volk. Welchen Einfluß wird
dieſes ſchwere Schickſal auf unſere Nation haben? Wie wirken
überhaupt große Kataſtrophen im Natur= und Völkergeſchehen auf
Weltanſchauung und Glauben? Dieſe uns alle heute beſchäfti=
gende
Frage ſucht Hugo Elbertzhagen in einem inhaltsreichen
Aufſatz der Deutſchen Rundſchau zu beantworten. Wie große
Naturereigniſſe in der Frühzeit der Geſchichte das Menſchengemüt
beſchäftigt haben, das ſieht man in den Mythologien der Völker,
Der Menſch vergleicht ſich bei ſolchen gewaltigen Naturerſcheinun=
gen
infolge der durch ſie hervorgerufenen Furcht und Verwunde=
rung
mit der Gewalt und Majeſtät der Natur; er empfindet ſeine
eigene Unbedeutendheit, und ein Bewußtſein ſeiner Unterord=
nung
überkommt ihn. Wenn dann in ſpäteren Kulturepochen dem
zunächſt ausſchließlichen Eindruck auf die Phantaſie die verſtan=
desmäßige
Erklärung Platz macht, ſo wird auch dadurch der
Menſch in entſcheidender Weiſe beeinflußt. Beſonders ſind es
die großen vulkaniſchen Ausbrüche geweſen, die für das Denken
und Nachdenken der Völker außerordentlich fruchtbringend ge=
weſen
ſind. Die Zerſtörung aller ſozialen Bande und Schranken,
die Erſchütterung des Nervenſyſtems, die durch rieſige Erdbeben
hervorgerufen wurden, lockerten alle Verhältniſſe und konnten
daher in ihren Folgen an politiſche Revolutionen gemahnen.
Die ſchlechten Seiten der menſchlichen Natur werden dadurch ent=
feſſelt
, aber auch die guten, und aus dieſen Zeiten werden immer
wieder nicht nur furchtbare Verbrechen, ſondern auch Beiſpiele
höchſter Selbſtaufopferung und geſteigerter Hingabe für andere
Zerichtet. Für die Art, wie ein Naturereignis die Weltanſchau=
ung
einer ganzen Zeit umwandeln kann, iſt das Erdbeben in
Liſſabon vom Jahre 1754 das beſte Beiſpiel. Die Literatur über
dieſes Erdbeben iſt ſehr groß; beſonders haben Voltaire, Rouſ=
ſeau
, Kant und Goethe ſich in eindringlicher Weiſe über die geiſti=
gen
Folgen dieſer ungeheueren Kataſtrophe geäußert. Berühmt
ſt Goethes Schilderung in Dichtung und Wahrheit, in der es
zum Schluß heißt: Der Knabe war nicht wenig betroffen. Gott,
der Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden, den ihm die
Erklärung des erſten Glaubensartikels ſo weiſe und gnädig vor=
ftellte
, hatte ſich, indem er die Gerechten mit den Ungerechten glei=

chem Verderben preisgab, keineswegs väterlich bewieſen. Der
Vorſehungsglauben der Aufklärung erfuhr dadurch eine gewaltige
Erſchütterung, und Voltaire triumphierte, indem er in ſeinem
Candide alle Anhänger des Glaubens an die Beſte der Wel=
ten
verhöhnte. Aber Rouſſeau und Kant haben infolge dieſes
Erlebniſſes die Notwendigkeit und den Segen des Unglücks tiefer
begründet und einer neuen Frömmigkeit den Weg gebahnt. Auch
die neueren Erdbebenkataſtrophen der Jahre 1906 und 1908 führ=
ten
zu keinem kraftloſen Verſagen; ſondern aus Neapel wird 1906
berichtet, daß der Glauben der Bevölkerung durch das Erdbeben
geſtärkt wurde, und aus den Trümmern von San Franzisko be=
ſchloſſen
die Amerikaner die Stadt herrlicher und blühender wie=
der
auferſtehen zu laſſen.
Auch die erſchütternden Ereigniſſe im Völkerleben haben ſtets
in der betroffenen Nation eine ſittliche und geiſtige Neugeburt zur
Folge gehabt. Der Verfaſſer verweiſt hier beſonders auf die
Schickſalsſchläge der deutſchen Geſchichte, auf den Dreißigjährigen
Krieg und den Zuſammenbruch Preußens 1806. Aus der furcht=
baren
Heimſuchung des Dreißigjährigen Krieges wurde doch ein
neues Lebensideal geboren, und die deutſche Geiſtesblüte im 1.
Jahrhundert wurzelt letzten Endes, wie die Forſchung immer
klarer nachgewieſen hat, in jenen Keimen, die das 17. Jahr=
hundert
ſäte, als es ſich wieder ermannte. Vaterländiſcher Sinn
und ſchlichte Frömmigkeit waren die Früchte, die aus der harten
Schule des deutſchen Niederganges gezeitigt wurden. Der Zu=
ſammenbruch
von 1806 brachte den Aufſchwung von 1813. Fichte
hielt damals ſeine Reden, die wie ein Flammenzeichen dem deut=
ſchen
Volke ſtets in dunklen Tagen voranleuchten werden, und
Goethe ſtellte in dieſer troſtloſen, ſchweren Zeit die Forderung auf,
es ſolle für die Jugend nur noch eine heilige Sache geben: im
Geiſte zuſammenhalten und in dem allgemeinen Ruin das Palla=
dium
unſerer Literatur bewahren. Aus dieſen weltgeſchichtlichen
Betrachtungen dürfen wir den Glauben ziehen, daß auch uns eine
Zeit der geiſtigen Wiedergeburt und des Aufſchwunges beſchieden
ſein wird. Die ſchweren Erſchütterungen haben zumeiſt in der
Zeltgeſchichte eine religiöſe Erweckung gezeitigt, und da, wo das
Unheil einſchlug, da liegen auch die Keime zu neuem Leben.
Manchmal ſieht unſer Schickſal aus wie ein Fruchtbaum im
Winter, ſagt Goethe. Wer ſollte bei dem traurigen Ausſehen
desſelben wohl denken, daß dieſe ſtarren Aeſte, dieſe zackigen
Zweige im nachſten Frühjahre wieder grünen, blühen, ſodann
Früchte tragen könnten! Doch wir hoffen’s, wir wiſſen’s.

ich

Heinrich Reinhard Kröh.
Zum 80. Geburtstage des Meiſters.
Im Landesmuſeum, in einer dämmerigen Ecke, wvo d
das Auge desjenigen noch entdeckt, der auch den beic
Meiſter ſucht, iſt ein Bild Kröhs, das nicht gerade, ſeh
Eigenart erkennen läßt, aber doch zeigt, daß dem Künſt!
auch das baumloſe, in heißer Mittagsglut liegende Mro
Schönheit nicht verſchließt. Unter dem Bild ſteht die Zu
ein Jahr bedeutend, da unſere Großväter und Urgroßvar
jung waren. Und dieſes iſt das Geburtsjahr des Mal7
der 7. Mai ſein Geburtstag.
Und heute nach 80 Jahren, wo wir dem auch weit äb
Heſſenland hinaus bekannten und geliebten Meiſter und
lichen Menſchen die Hand zum Glückwunſch reichen, iſt.
immer jung. Erſt geſtern wieder iſt er in geiſtiger und
licher Friſche mit dem Malgerät über Berg und Tal geN
und man merkt ihm kaum an, daß eine ſo lange Wanderic
ein ſo langes, immer ſtrebendes Bemühen hinter ihm lie4
wie ein Wunder klingt es, und eine leiſe Betrübnis ſt
einem ins Herz, daß man einſt nicht auch wie er Stift und
die den erſten Baum verunglückt aufs Papier gebracl
väterlichen Warnungen zum Trotz feſtgehalten und wie
ſchen Himmel und Erde, Wald und Feld im ewigen Jung
der Natux ſeine Gieder gebadet hat.
Daß/ Profeſſor/Kröh Großherzoglich Heſſiſcher Hofmcl"
ſchon unter Ludwig III., daß kein Geringerer als Augu!
und ſpäter der Pilotyſchüler Karl Raupp ſeine Lehrer
ſind und ſo vieles andere noch, das ihn ehrt, habe ich T
ihm ſelbſt erfahren, trotzdem ich ſo manches liebe Mal
geſeſſen. Auch heute noch, zumal dann, wenn es ſich *
ieln
eigene Perſon handeln ſoll, iſt er wortkarg. Er läßt 17e
Bilder reden, die jedem empfänglichen Gemüt ja auch den!
beglückenden Reichtum ſeiner Seele enthüllen.
So lange in deutſchen Herzen noch die Liebe wohnt e
und Wald und allem, was drinnen und drüber lebend mnſio
lange wird man auch eines Meiſters, wie Kröh einer iſt.
gedenken, beſonders, wenn die Liebe nicht nur dem leis
Farbenſpiel gilt, das draußen des Flüchtigen Auge ſtr. giſie=
dern
auch den feinen, mannigfaltigen Geweben, die in
nen, geheimnisvollen Dämmerung des Waldes, oder im
ſonnigen Wieſenbunt Auge und Herz entzücken.
Walter Schw=

[ ][  ][ ]

werlangte in dem Prozeß, daß der Bericht des Neu=
pafenkollektors
über die Ladung der Luſitania vor=
ſerde
: die Regierung aber verweigerte die Herausgabe
eheimberichtes. Zufälligerweiſe habe ich ſagte Ma=
i
betreffenden Bericht über die Luſitania angefertigt,
meiner Eigenſchaft als Hafenkollektor die Ladung des
1s unterſucht hatte."
lann alſo kein Zweifel mehr darüber obwalten, daß un=
Mengen von Munition und Pulver ſich an Bord der
n befanden, denn der Mann, der die Ausfuhrkontrolle

dr 20f
Ne
Ates.
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daumſt
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1* D0
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eT bollinde

Degen 2.
Polens
M
Tonflin
udeten
lichtd
ein En
trn zu be

der unerhörten Irreführung der öffent=
Meinung, wie ſie in Amerika betrieben wurde.
er Bericht über die Wi ſonſche Regierung als
ſche Tatfache offen darliegen wird, ſagte Malone, wird
terſt erkennen, daß keine andere Regierung ſich je einer
Unterdrückung und Geheimniskrämerei
gegenüber ſchuldig gemacht hat. Es ſind bittere
fdangen, ſo fügt Deißmann hinzu, die uns beſchleichen,
ſir dieſe Enthüllung, nachdem die Verhüllung ihren mör=
Dienſt gegen unſer Volk auf das exakteſte getan hat.
ſi, in dem großen Reviſionsprozeß vor der
ichen Meinung der Menſchen guten Willens iſt
der Wahrheit nachträglich geleiſteter Dienſt wertvoll. Ich

ur auch mit Genugtuung melden, daß die chriſtliche Preſſe
erikas nach Malones Enthüllung zum Teil mit ſtarken
ken gegen die Irreführung durch ihre Regierung im Fall
ſia proteſtiert hat.
Irlands Schichſal.
das deutſche Preſſebureau für Nachrichten
rland in Berlin=Wilmersdorf teilt uns mit: Im Na=
rechtsmäßig
gewählten Vertreter der iriſchen Republik
wir uns, die beifolgenden Zeilen an Sie zu richten:
ind überzeugt, daß der Kampf des iriſchen Volkes
e engliſche Unterdrückung nicht unbeachtet von den Augen
Itvor ſich geht. Es liegt uns ſehr viel daran, uns Ihrer
hie und Hilfe zu verſichern, und damit Sie nicht durch
hwverbreitete, andauernde, heimtückiſche Propaganda der
ſtäuſcht werden, durch die England gegen uns ein Vor=
rerwecken
ſucht, beeilen wir uns, Ihnen kurz die Tat=
vorzulegen
, damit Sie ein gerechtes Urteil abgeben
4. Dezember 1918 erklärte ſich das iriſche Volk im Ver=
ufdie
von der engliſchen Regierung während des Welt=
verkündeten
Grundſätze, die ihm ein gerechtes Mittel
ſeinen eigenen, jahrhunderteangen Kampf zu einem
ter Ende zu bringen, mit einer überwiegenden Mehrheit
Prozent an der Wahlurne für die unabhängige iriſche

Befolgung des Mandates, das ihnen durch die unter den
gland ſelbſt vorgeſchriebenen geſetzlichen Formen vorge=
Volksabſrimmung übertragen worden war, verſammel=
die
erwählten Vertreter des Volkes am 21. Januar 1919
ſufe zu Dublin und erklärten feierlichſt die Unabhängig=
Nation und die Gründung der iriſchen Republik. Das
2 brachte anläßlich der Wahlen in die Selbſtverwal=
er
eine republikaniſche Mehrheit von rund 90 Prozent.
dieſe friedliche und geſetzmäßige Anwendung des Grund=
Selbſtbeſtimmung der kleinen Völker antwortete Eng=
brutalſter
Gewalt.
tationalen, politiſchen, kulturellen und induſtriellen Ver=
un
unſeres Volkes wurden für ungeſetzlich erklärt, ihre
ſchaft als Verbrechen beſtraft. Oeffentliche Verſamm=
wurden
verboten, die Preſſe geknebelt und die gewählten
ſeten als eine verbrecheriſche Körperſchaft erklärt.
ſtoh die Schrecken der militäriſchen Beſatzung zur Ver=
getrieben
, ſah ſich unſer bisher friedliches Volk ge=
zur
Selbſthilfe zu greifen. Auf dieſe Selbſthilfe ant=
de
engliſche Regierung mit noch fürchterlicherem Terror
n Jahre wurden 270 entwaffnete iriſche Ziviliſten, dar
e Frauen und Kinder, durch engliſches Militär ermor=
der
100 Städte und Dörfer geplündert, beſchoſſen und in
giſteckt, und all das, ohne daß ein einziger Soldat von
bigeſetzten Behörde deshalb zur Rechenſchaft gezogen wor=
iriſche
Volk beanſprucht nichts anderes als ein Recht,
der ſein Geſchick entſcheiden zu dürfen. Nur unter dieſer
itzung iſt Frieden möglich. Unſere Sache iſt die gemein=
ghe
der geſamten Menſchheit, und wir ſind überzeugt,
deutſche Brudervolk unſeren Appell nicht ungehört ver=
en
wird.
enſerer Stimme auch im Deutſchen Reiche den richtigen
zu geben und die deutſche Oeffentlichkeit dauernd über
änge in Irland auf dem Laufenden, zu halten, haben
Verlin ein iriſches Preſſebureau errichtet, das wahrheits=
Mkerichte über Irland herausgeben wird.
däe Politik der Vereinigten Staaten.
xris, 7. Mai. Havas meldet aus Waſhington;
Sen Vereinigten Staaten an die alliierten
ungen gerichtete Note zeigt den Empfang der durch
ſchen Botſchafter in Waſhington übergebenen Mittei=
Alliierten an und teilt mit, daß die Vereinigten Staaten
Dung annehmen, ſich bei den Sitzungen des Ober=

Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Der Ausbau des Deutſchen Muſeums, in
n. Man ſchreibt uns aus München: Der ſtolze
d n Deutſchland ſeiner Wiſſenſchaft und Technik errichten
Mid zu dem es in glücklicheren Tagen auf der Kohleninſel
ſiren den Grundſtein gelegt, ſteht nun ſeit Jahren halb
in trauriger Unvollendetheit. Mitten im raſcheſten
durch die Not der Zeit gehemmt, wuchteten Stockwerke
um doch in imponierender Majeſtät zum Himmel. Faſt
inſeres lieben Vaterlandes, das mitten im höchſten Auf=
Hwer Entwicklung durch trauriges Schickſal zum Stillſtand
award. Zwar haben auch in dieſer trüben Zeit die Ar=
Muſeum nie geruht, aber waren doch nichts als Not=
iheiten
, die nicht mehr vermochten als das bisher Voll=
tr
Verwitterung und Verfall zu ſchützen. Zur einſten
übrung und Vollendung des Baues fehlten leider im ver=
eutſchland
die Mittel. Das Muſeum, das ein Stolz des
Deutſchland werden ſollte, ſchien vor ſeiner Vollendung
* berdammt zu ſein. Um ſo erfreulicher iſt daher die
4h die in der letzten Vorſtandsſitzung gemacht werden
endlich wieder bedeutendere Mittel zum Weiterbau
kigung ſtänden. Vom Reich und von Bayern iſt es ge=
Beſamtzuwendungen im Betrage von 12 Millionen zu
außerdem hat die deutſche Induſtrie 4 Millionen geſtif=
hülich
großer Betrag ſoll noch in den nächſten Wochen
ien der Induſtrie dem Muſeum zugewendet werden. Da=
es
möglich, die Arbeiten energiſch fortzuſetzen und auch
hnenausſtattung heranzugehen. Bis zum Herbſt hofft
eits die Abteilungen für Bergwerksbau, Muſikinſtru=
ſronomie
und Chemie unter Dach zu bringen. Dieſe
gen ſollen dann ſofort dem allgemeinen Beſuch zugäng=
Macht werden.
Eine Ausſtellung moderner deutſcher
kunſt wird im Monat Juni im Landesgewerbe=
von
Stuttgart ſtattfinden, die Profeſſor Dr. G. E.
* gemeinſam mit dem Ausſtattungsdirektor Hanſing vom
Geater veranſtaltet. Alle führenden deutſchen Künſtler au
iete neutzeitlicher Bühnenausſtattung ſind zur Beteili=
Beladen worden und haben auch faſt ausnahmslos ihre
ackeſten und neueſten Arbeiten bereits angemeldet. Die
Nee König=Karl=Halle des Muſeums wird daher bis auf

ſten Rates, der Reparationskommiſſion und des
Botſchafterrats vertreten zu laſſen. Dann fährt die
Note fort: Bei aller Wahrung unſerer überlieferten Politik, uns
von allen Angelegenheiten von rein europäiſcher Bedeutung fern
zu halten, verfolgt die Regierung der Vereinigten Staaten doch
mit größter Anteilnahme die Fragen einer geeigneten wirtſchaft=
lichen
Regelung und einer billigen Löſung der Angelegenheiten,
die für die ganze Welt von Bedeurung ſind, welche in den Kon=
ferenzen
beraten werden. Die Regierung wünſcht daher, ſich
nützlich an den Beratungen zu beteiligen, welche über dieſe
Fragen ſtattfinden.
* Paris, 6. Mai. Wie Havas aus Waſhington meldet,
hat ſich der Botſchafter der Vereinigten Staaten in London,
Oberſt Harvey, nach England eingeſchifft, um ſeinen Platz im
Oberſten Rat wieder einzunehmen, bis der neue Botſchafter
der Vereinigten Staaten in Frankreich, Herrick, an ſeine Stelle
treten kann. Hughes Wallace, der ſeinen Botſchafterpoſten in
Paris verläßt, wird die Vereinigten Staaten im Botſchafterrat
vertreten.
Waſhington, 6. Mai. (Reuter.) Die Vereinigten
Staaten beſchloſſen, einen nichtamtlichen Vertreter in den Ober=
ſten
Rat und Botſchafterrat zu entſenden. Der amerikaniſche
Kommiſſar in Paris, Roland Boyden, ſoll Vertreter im Re=
parationsausſchuß
werden.
* Kleine politiſche Nachrichten. Der Berl. Lok.=Anz. meldet aus
München, daß der bayeriſche Miniſterpräſident v. Kahr
nach Berlin abgereiſt iſt, um in der entſcheidungsvollen Stunde, den
Standpunkt der bayeriſchen Regierung zum Ausdruck zu bringen.
Nachdem die Kreishauptmannſchaft auf Grund einer richterlichen Ent=
ſcheidung
das ver einiger Zeit erlaſſene Verbot der Orgeſch in
Sachſen in ihrem Bereiche aufgehoben hat, ſteht nunmehr die Auf=
hebung
des Verbots auch für ganz Sachſen nahe bevor. Wie das
Direktorium der Firma Krupp mitteilt, iſt die Meldung des United
Telegraph über großartige Fabrikanlagen in Chile unwahr. Die Mel=
dung
ſcheint dem Arſenal der franzöſiſchen Preſſe zu eutſtammen, die
in letzter Zeit ſyſtematiſch Lügenmeldungen über Gründungen Krupp=
ſcher
Waffenfabriken bring=
Die engliſche Kohlenkriſis
macht immer mehr Einſchr
ngen im Verkehr notwendig. Kommen=
den
Montag tritt der Eiſenbahnverkehrsausſchuß zuſammen, um neue
Verkehrseinſchränkungen zu beſchließen. Sämtliche Luxuszüge werden
zu Pfingſten eingeſtellt. Neu=Vork Herald zufolge hat die engliſche Re=
gierung
alle Kohienlieferungen an Brauereien und Alkoholfabriken ein=
geſtellt
. Havas zufolge liegen aus Konſtantinopel Nachrichten vor,
wonach die Nationalverſammlung von Angora das franzöſiſch=
türkiſche
Abkommen ratifiziert habe.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. Mai.
n. Strafkammer. Eie jetzt abermals verhandelte Anklage wegen
Schleichhandels nebſt ſchwerer Urkundenfälſchung hatte im Vorjahre mit
der Verurteilung des hieſigen Pferdemetzgers Peter Diehl zu 1 Jahr
Gefängnis und 5000 Mark Geldſtrafe evtl. 1 weiteres Jahr Gefängnis,
ſowie des Taglöhners Chriſtian Guerdan von hier zu 6 Monaten
Gefängnis geendrgt, doch war durch die Reviſionsinſtanz dieſes Urteil
nufgehoben und die Sache zurückverwieſen worden. Da inzwiſchen die
Verfehrsregelung für Vieh und Fleiſch gefallen iſt,
ſcheidet das erſtere
Vergehen auf Grund der neueſten Faſſung des Wuchergeſetzes vom De=
zember
1320 als ſtraflos aus, und es bleibt nur noch bezüglich des letz=
teren
Verbrechens zu entſcheiden. Die Vorgänge ſelbſt ereigneten ſich
ſchon 1919, und es durde damals G. bein nächtlichen Transport eines
Nindes in Eberſtadt abgefaßt. Es war durch D. in Zwingenberg von
dem dortigen Landwirt Fr. Kiſſel für 600 Mark gekauft, G. ſollte es in
D.s Auftrag nach Darmſtadt treiben, und D. folgte im Auto, wobei auch
er feſtgenommen wurde. Die Ermittelungen ergaben trotz mannigfacher
Ausflüchte und Winkelzüge Beider, daß D. dem Verkäufer K. urſpriing=
lich
eigenen Erwerb des Tieres zu Zuchtztvecken vorgeſpiegelt und als
K. für die Verbringung in einen anderen Kreis die Erlaubnis des Vieh=
handelsverbandes
verlangte, zum Schein einen anderen, angeblich i
gleichen Bezirk wohnenden Käufer vorgeſchoben hatte. Als ſolcher trat
der Angeklagte G. gegenüber K. auf, indem man ihn unter falſchen
Namen aus einem Nachbarort einführte. So empfing G. in D.s Beiſe
von dem gutgläubigen K. das Rind, bezahlte den vorher von D. ihm
ausgehändigten Pkeis und unterſchrieb auf K.s Wunſch eine Beſch
nigung über das abgeſchloſſene Geſchäft. Als Anſtifter dieſer qnali=
fizierten
Urkundenfälſchuing kommt nach Anklage und erſtenr Urteil
in Betracht, da die Tat lediglich in ſeinem Intereſſe geſchah und G
ſowie K.s Angaben ihn belaſten. Er ſelbſt beſtreitet jede Schuld, gibt
ſt den früher geleugneten Schleichhandel zu und ſtellt es ſo dar, al
habe K. den wahren Sachverhalt gekannt und die Vorſpiegekung de
anderen Käufers nur zur Beſchlvichtigung von K.s Frau gedient. K.
hat für den Verkauf ohne die Erlaubnis des Viehhandelsverbandes (die
auch für den Verbleib im nämlichen Kreis nötig war) rechtskräftig 100
Mark Geldſtrafe erhalten und widerlegt entſchieden das Vorbringen D.s.
Er hatte auch anderen Morgens beim Viehkataſter den Verkauf ord=
nungsmäßig
angemeldet und erſt nachher erfahren, daß der Käufer ein
vorgeſpiegelter war. Nach nochmaliger eingehender Beweisaufnahme
wurde die Urteilsverkündung auf nächſten Mittwoch vertagt.
Recht eigenartig iſt der Fall des wegen Diebſtahls (mittels falſcher
Schlüſſel) angeklagten, 31jährigen, unbeſtraften Chauffeurs Karl Teu=
ber
von hier, der mangels Beiveiſes freigeſprochen wurde. T
hatte im ſtädtiſchen Dienſt geſtanden, wurde im Februar ds. Js. ent=
laſſen
und befand ſich noch im Beſitz der Schlüſſel zum Autoſchuppen.
Statt ſie abzuliefern, benutzte er ſie heimlich, um abends das ſtädtiſche
Auto herauszuholen und ohne Beuachrichtigung von irgendwem damit
zu verſchſinden. Er fuhr nach Frankfurt a. M. und weiter, kehrte aber
nach zwei Tagen zurück und will von vornherein durchaus keinen Dieb=
ſtahl
des Kraftwagens, ſondern nur deſſen vorübergehende Entleihung
beabſichtigt haben, um ſich auswärts nach einer neuen Stelle umzuſehen.
Nach Angabe von Zeugen äußerte er ſich ebenſo nach der Rückkehr mit
dem Auto, und konnte vielleicht damit rechnen, daß das Auto gerade
uicht gebraucht und deſſen kurze Abweſenheit verborgen bleiben werde.
Dei Betriebsſtoff für die Fahrt hatte T. allerdings unberechtigt ver=
braucht
, doch nahm das Gericht an, es ſei deshalb keine Anklage erhoben,
das letzte Plätzchen gefüllt ſein. Verſchiedene Leiter großer Büh=
nen
haben bereits den Beſuch dieſer Ausſtellung in Ausſicht ge=
nommen
. Es finden auch bei dieſer Gelegenheit Zuſammenkünfte
der in Betracht kommenden Fachleute ſtatt. Einen rückſchauenden
Charakter ſoll dieſe Ausſtellung nicht haben, da dieſe Frage bei
der Vorführung der früher in Stuttgart zuſammengetragenen
Theaterſammlung bereits erörtert wurde. Dagegen wird ge=
rade
die Bühnenkunſt unferer Tage umſomehr Gelegenheit haben,
die verſchiedenen Richtungen, die zum Teil aus der Not eine
Tugend machen, um ſo ausgiebiger zu Worte kommen zu laſſen.
C.K. Die Eröffnung des Münchener Kunſt=
hortes
. In München iſt ein neuartiges, nachahmenswertes
Inſtitut eröffnet worden, über das in der Kunſtchronik näher
berichtet wird. Der Münchener Kunſthort verfolgt ge=
meinnützige
Zwecke bei Verwertung von Kunſtbeſitz beſonders
aus den Kreiſen des ſchwer leidenden Mittelſtandes. Er nimmt
Kunſtwerke in Kommiſſionsverkauf unter Garantic einer beſtimm=
ten
Minimalſumme; wird ein höherer Verkaufspreis erzielt, ſo
erhält der Beſitzer den Mehrerlös. Außerdem werden bei mo=
mentaner
Notlage Darlehen auf Kunſtbeſitz gewährt, wenn da=
durch
alte Familienſtücke erhalten werden können. Die Schätzun=
gen
der eingelieferten Kunſtwerke werden durch eine Kommiſſion
von Wiſſenſchaftlern, Fachleuten und Sammlern vorgenommen.
Die vor kurzem eröffnete erſte Ausſtellung des Inſtituts zeigte
wie ſehr ſich der private Kunſtbeſitz für die Einrichtung inter
eſſiert. Es iſt eine große Anzahl trefflicher Werke zuſammen=
geſtellt
, ſehr ſchöne Möbel, Teppiche, gotiſche Holzfiguren, Ge=
mälde
, Porzellane, Fayencen, Miniaturen, Schmuck uſw., die des
Käuſers harren.
Spielplan der Frankfurter Bühnen vom 8.1
Mai. 1. Opernhaus. Sonntag, 8.: Die Zauberflöte‟, Montag, 9.:

Muſik von Egon Wellesz. 2. Schauſpielhaus. Sonntag,
vorm. 11 Uhr: Schiller=Matinee, abends 7 Uhr: Robert und Bertram
Montag, 9.: Alt=Heidelberg, Dienstag, 10.: Ernſt, Mittwoch, 11
Rosmersholm, Donnerstag, 12.: Robert und Bertram, Freitag, 13.
(Geſchl. Vorſt.), Samstag, 14., zum erſten Male: Die Verſchwörung des
Fiesko zu Genua, Sonntag, 15.: Der König der dunklen Kamm
3. Neues Theater. Sonntag, 8., nach=
Montag, 16.: Fiesko
mittags 3½ Uhr: Liſelott von der Pfalz, abends 7½ Uhr: Ehe=

Seite 3.
wahrend bezüglich des Autos ſelbſt trotz Verdachts die Aneignungsab=
ſicht
nicht feſtſtehe.
Tagesordnung zur Sitzung des Kreisausſchuffes des Kreiſes
E
Darmſtadt am Mittwoch, den 11. Mai d. J., nachmittags 3½9 Uhr,
1. Beſoldungsregelung der Gemeindebeamten zu Arheilgen. 2. Beſol=
dungsregelung
der Gemeindebeamten zu Eberſtadt.
Landestheater. Die Erſtaufführung von Franz Herczegs Blau=
uchs
findet am Montag, den 9. ds. Mts., unter der Spielleitung
Bruno Harprechts
rtt. In der Komödie ſind beſchäftigt die Damen:
Käte Gothe und G=
ittels
(Gaſt auf Engagement), ſowie die Herren
Baumeiſter, Harprecht und Schneider.
Profefſor Eugen d Albert, der geniale Beethoven= In=
terpret
, den in den letzten Jahren geſteigerte kompoſitoriſche Betävigung
mehr und mehr vom Konzertpodium fernhielt, hat ſich auf Einladung
der Generaldirektion zur ſoliſtiſchen Mihvirbung bei der 8. mufika=
liſchen
Matinee des Landestheaters bereit finden laſſen.
Profeſſor d’Albert wird das Es=Dur=Konzert von Be=thoven zum Vor=
trag
bringen, wobei Generalmuſikdirekter Balling die Leitung des Or=
cheſters
übernommen hat, und danach ein Chopinſches Nocturno und
den Me/hiſto=Walzer von Liſzt ſpielen.
Matinee beginnt um 11.
Uhr pünktlich. Die Uraufführung don d’Alberts neuer Oper Scirocco
deren Proben der Kompon;ſt ſeit einigen Tagen beiſvohnt, iſt auf
Pſingſtmontag, den 16. Mai, feſtgeſetzt. Die muſikaliſche Leitung hat
Gen
eralmuſikdirektor Balling, die Negie führt Intendant Hartung. Am
9
nd gelangt die Oper Tiefland in Awweſenheit des Komponi=
ſten
zur Aufführung.
Darmftädter Künſtler auswärts. Bei einem Wettbewerb für die

niſchen Hochſchule in Hannover.
Familienunterſtützung an Angehörige vermißter Kriegsteiluehmer
wird wie die Gauleitung Heſſen=Naſſau des Reichsbunds der Kriegs=
beſchädigten
mitteilt, vom 1. Juli 1921 ab nach einer Verfügung des
Miniſters des Innern eingeſtellt. Dieſe Verfügung iſt deswegen ergan
gen, weil angenownen werden konnte, daß im Allgemeinen die unter=
ſtützungsberecſtigten
Angrhörigen nach den geſetzlichen Vorſchriften be=
reits
Hinterbliebenenrente erhalten. Wo im Einzelfalle die Feſtſetzung
der Hinterbliebenenzente ohne Schuld der Familienmitglieder noch nicht

Deutſche Volkspartei und Regierungsbildung. Man ſchreibt uns:
Am Freitag fand hier eine von mehreren hundert Perſonen beſuchte
außerordentliche Mitgliederverfammlung der Deutſchen Volkspartei ſtatt.
Frau Abg. Bierau hielt eine Gedächtnisrede zu Ehren der verſtor=
benen
Kaiſerin. Dann ſprach Landtagsabgeordneter Dingeldey über
Die politiſche Lage und die Reichsregierung‟. Er übte lebhafte Kritik
an dem Kabinett Fehrenbach. Der Eintritt der Deutſchen Volkspartei
in die Regierung nach den Juniwahlen ſei kein Fehler geweſen, hat die
Partei aber ſchweren Belaſtungen ausgeſetzt. Dieſe haben nunmehr ihre
Grenze erreicht. Die deutſche Politik hat zwei Wege, den des nationalen
Widerſtandes oder den der ſchweren Opfer. Keiner von beiden iſt ziel=
bewußt
gegangen worden. Es fehlte der Regierung ein großzügiges
Programm der Wirtſchaft, der Finanzen und der Leiſtungen an den
Feindbund. Dann kam das unglaubliche Telegramm nach Amerika.
Deshalb hat die Deutſche Boltspartei erklärt, den Weg der Zielloſigkeit
nicht länger mitgehen zu können; ſie verlungt eine klare und beſtimmte
Politik nach innen und nach außen. Selbſtverſtändlich werden die Kapi=
talien
enorme Belaſtungen erfahren. Neue Wege in der Steuerpolitik
ſind zu gehen; Redner denkt dabei an Steuerſyndikate für die einzelnen
Induſtriezweige. Den kommuniſtiſchen Verbrecherbanden muß mit Ge=
walt
begegnet werden. Gegen Polen müſſen entſchloſſene Mittel ange=
wandt
werden. Annahme oder Ablehnung des Ultimatums der Entente
ift eine gleichſchwierige Entſcheidung. Keinesfalls aber wird die Deutſche
Volkspartei in einer Regierung ſein, die nochmals ſich zur Schuld am
Kriege bekennt. Der Vortrag machte einen tiefen Eindruck und fand
ſtürmiſchen Beifall.
Gedächtnisfeier. Am Mittwoch hatte der Verband Darm=
ſtädter
Frauenvereine zu einer ſchlichten, aber von tiefem
Empfinden getragenen Gedächtnisfeier zu Ehren der ver=
ftorbenen
Kaiſerin Auguſte Viktoria eingeladen, für die
der alte Friedhof den ſtimmungsvollen Rahnen gab. Eine große Zahl
on Frauen aus allen Bevölkerungskreiſen war dem Ruf gefolgt. Der
Poſaunenchor Darmſtadt, den man immer ſo gerne hört, begann di
Feier mit einer ſchönen Trauermuſik von Schubert, worauf
te
.
Kindt die Gedächtnisrede hielt. In herzenswarmen Tönen ir
den Zuhörern das Lebensbild der edlen Frau, die Deutſchlands Kaiſerin
ſeß, vor die Seele zu malen und pries als ihre höchſte Eigenſchaft die
Treue, die Treue als Eattin, als Mutter ihrer Kinder und ihres Volkes.
Der Redner erinnerte an das Wort: Deutſch ſein iſt treu ſein, und
zeigte, wie das Pflichtgefühl, die Standhaftigkeit in Glück und Unglück,
die ihre Wurzel in echter Frömwigkeit hatten, Auguſte Viktoria zum
Vorbild aller deutſchen Frauen machen ſollten. Nachdem der Redner
geendet hatte, ertönte der Lieblingschoral der Heimgegangenen: Jeſu
jehl voran. Mit prachtvollem Ausdruck ſprach ſodann ein junges

Nädcken, Frl. Wünzer, ein ſchönes, formvollendetes Gedicht, das in
dem Gelöbnis ausklang, dem Beiſpiel der edlen Fürſtin nachzueifern

ſchaft fürfreie Philoſophie, deren Aufgabe es iſt, die Schule
der Weisheit zu unterhalten, findet in Darmſtadt vom 23. bis 28. Mai
ſtatt. Entſprechend der überraſchend ſchnell angewachſenen Mitglieder=
zahl
wird dieſe, da der Vortragsſaal der Schule zu klein iſt, im Saale
der Vereinigten Geſellſchaft, Rheinſtraße 36 abgehalten werden. Es
werden ſprechen: Graf Hermann Kehſerling (am 23., 24. ur
5., 10 Uhr
d
vorm.) über Symbolik der Geſchichte Politik und 2
Weltüberlegenheit, Dr. Nichard Wilhelm (am 26. und 27., 10 Uhr
vorm.) über Chineſiſche Erziehung zum Gemeinſchaftsleben und Chi=
neſiſche
Auffaſſung vom Sinn des Lebens, Leopold Ziegler (am 2
10 Uhr vorm.) über den Sinn des Leidens, Dr. Happich (am 23., 4 1I
nachm.) über Selbſterziehung und Dr. Rouſſelle (am 24., 26. und 27.,
Uhr nachm.) über Die Pfade der Verinnerlichung im Morgen= und
Abendlande‟, Orientaliſche und okzidentaliſche Uebungen zur Ver=
innerlichung
und Grundlegende Betrachtungen Für die übrige Zeit
ſind perſönliche Beſprechungen, muſikaliſche Darbietungen, Ausflüge und
Pflege edler Geſelligkeit in Ausſicht genommen. Nur Mitglieder der
zauber, Montag, 9.: Ehezauber, Dienstag, 10., zum erſten Male:
Mit der Liebe ſpielen, Komödie in 3 Akten von Sil Nara, Mittwoch,
11.: Mit der Liebe ſpielen, Donnerstag, 12.: Die deutſchen Klein=

Uhr: Ehezauber, abends 7 Uhr: Kinder. 4. Kammerſpiele.

nachm. 3½ Uhr: Die Jüdin von Toledo, abends 7½, Uhr, zum erſten
5. Neues Operetten=
Male: Die zärtlichen Verwandten
theater. Täglich 7½, Sonntags 3½ und 7½ Uhr: Die Frau im
Hermelin
Heſſiſches Landestheater.
I. Vor ausverkauftem Hauſe ging geſtern abend Shake=
ſpeares
Der Kaufmann von Venedig wieder in Szene.
In den Hauptrollen waren nur wenige Aenderungen eingetreten.
Die Rolle des Shylok ſpielte Herr Weſtermann mit glänzen=
der
Durcharbeitung und Durchführung ſeiner Aufgabe und
packender Charakteriſtik und erntete begeiſterten Beifall. Als
Feſſika gaſtierte Fr. Carla Neher aus Baden=Baden, die über
ihre Begabung aber im unklaren ließ, da die Rolle zu geringen
Anhalt für deren Beurteilung gibt; wie es ſcheint, iſt ſie noch
Anfängerin. Die poetiſche Liebesſzene zwiſchen ihr und Lorenzo
im letzten Akte verpuffte. Als Baſſanio und Eraziano boten die
Herren Baumeiſter und Schneider die bekannten treff=
lichen
Leiſtungen. In der Auffaſſung der Werbeſzene der beiden
Prinzen in Belmonte ſchloß ſich die Spielleitung des Herrn
Harniſch der früheren an und hielt ſie ganz im grotesken
Stil; bei dem Prinzen von Marokko, den Herr Volk mit ſtarkem
Erfolge ſpielte, ließ man es ſich gefallen, die Figur des Prinzen
von Arragon, die von Herrn Jürgas dargeſtellt wurde, iſt
aber zu clownhaft. Die herrliche Nädchengeſtalt der Porzia
denken wir uns mehr ſeelenvoll und weniger jovial, als Frau
Meißner ſie auffaßt. In der gutgeſpielten Gerichtsſzene fand
ſie in Frau Gothe als Neriſſa eine gleichwertige Mitſpielerin.
Neu waren Herr Ausfelder als Antonio und Herr Hacken
als Gobbo. Die Zuhörerſchaft, unter der die Jugend ſehr zahl=
reich
dertreten war, ſpendete der Vorſtellung begeiſterten Beifall.
Es wurde an unrechten Stellen aber zu viel gelacht.

[ ][  ][ ]

Rr43

wi.

bei

Dit .

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 8. Mai 1921.

Nummer II.

Geſellſchaft für freie Philoſophie haben Zutritt. Anmeldungen (für
jeden ohne weiteres möglich) bei der Geſchäftsſtelle, Darmſtadt, Parade=
platz
2.

Die Geſellenprüfungsausſchüſſe des Ortsgewerbevereins und der
Innungen Darmſtadt verweiſen auf die heutige Anzeige, betreffend die
Ueberreichung
eer Geſellenbriefe und der damit verbundenen Ausſtel=
lung
der G=
ellenſtücke
und Arbeitsproben am Freitag, den 13. Mai, im
Städtiſihen Sanlbau, Niedeſelſtraße 40.
Der Ortsgewerbeverein und die HanSwzerkervereinigung Darm=
ſtadt
, welche jetzt zuſammengeſchloſſen ſind, haben ſeit einiger Zeit eine
Geſchäftsſtelle errichtet. Aufgabe derſelben iſt es, den geſamten
Handwerker= und Geſverbeſtand in allen wirtſchaftlichen Fragen zu unter=
ſtützen
und zu beraten. Die Tätigkeit erſtreckt ſich in
beſondere
uf
durchführung einer reſtloſen Organiſation des Handwerker= und Gower=
beſtandes
. Intereſſenvertvetung bei Behörden, Förderung des Hand=
werks
durch Vorbereitung zu den Meiſterprüfungen, Einrichtung
A
Buchführungen und Abſchlüſſe derſelben, Uebernahme von Vermögens
den.
Betriebs= und Nachlaßverwalvungen, Beſtreibung von Außenſtär
Später ſoll noch eine juriſtiſche Abteilung angegliedert werden, die au=
auf
dieſem Gebiete eine entſprechende Intereſſenvertretung ſichert. Es
liegt im Intereſſe aller Handwerker und Gewverbetreibenden, recht au
giebigen Gebrauch von dieſer Eirichvrng zu machem. Es iſt dafür Sorge
getragen, daß jeder Auftrag und jede Anfvage in gewiſſenhafter und zu=
verläſſiger
Weiſe erledigt wird. Das Geſchäftszimmer befinder ſich zur
Zeit Martinſtraße 24 im Hauſe der Firma Nohl.
Der Gemeindeverein der Markusgemeinde hält am Dienstog abend
im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, ſeine Monatsverſammle
hb. Nach der Berichterſtattung über die erhebende Lutherfeier in Worms
durch Teilnehmer
wird Herr Arbeiterſekretär Laufer über den letzten
Abſchnitt der Predigtfragen ſprechen. Außerdem ſoll eine Ausſprache
über die kirchliche Lage erfolgen. Mitglieder und Gäſte werden herzlich
eingeladen
* Gemäldeausſtellung. Im Schaufenſter der Kunſthandlumg Sonn=
rhal
, Eliſabethenſtraße 28, iſt zur Zeit eine Serie Gemälde von Pro=
feſſor
H. R. Kröh ausgeſtellt. Der heute achtzigjährige Künſtler zeigt in
dieſen Arbeiten eine erſhaunliche Friſche im der Farbengebung und ge
treue Wiedergabe bekannter Motibe aus dem Odenwald und der Um=
gebung
Darmſtadts.

Montag, den 9. Maf 1931

gültige Lebensmittelmarken:

Brot: Für Erwachſene: Bezugsmarke Nr. 11, Beſtellmarke
Nr. 11 und Bezugsmarke Nr. 9, je 800 gr Brot.
Für Kinder: Bezugsmarke Nr. 11, 800 gr Brot, Bezugs=
marke
Nr. 9, 560 gr Mehl oder 800 gr Brot.
Ausgabe von Zuſatzbrotmarken für werdende und ſtillende
Mütter: Für den VI. Bezirk: Montag, den 9. Mai.
Corned beef: Bei den Rindsmetzgern ſind bis auf weiteres
kleine Doſen Corned beef (½Pfund engliſches Gewicht) zu
6. Mk. pro Doſe erhältlich.
Haushaltungsmehl: Bis 14. Mai auf die Nährmittelbezugs=
marken
Nr. 279 AF je 1000 gr 759iges Haushaltungsmehl
zum Pfundpreis von 4. 50 Mk. Die Bezugsmarken ſind von
den Geſchäften bis zum 19. Mai d. Js. abzuliefern,
Milch: Gegen Abgabe der Nährmittelmarken Nr. 284, 286 und
287 je ¼ Liter Vollmilch zum Preiſe von 75 Pfg.
Jucker: April=Anteil auf Marke Nr. 4.
Lebensmittelkarten=Ausgabe in der Wilhelminenſtraße 15:
Montag, den 9. Mai, für den V. Bezirk, die Straßen mit
dem Anfangsbuchſtaben I.Z,

Ia Kernſeife: Markenfreie Abgabe das Pfund zu 11.50 Mk.
Ausgabeſtelle: Wilhelminenſtr. 15, Zimmer 17.
Holzverkauf und Hausbrandkohlen: Die Abſtempelung der
Karten für das neue Hausbrandwirtſchaftsjahr findet laut
Bekanntmachung vom 8. April d. J. von 812 u. 35 Uhr
auf Zimmer Nr. 39 der Kohlenausgleichſtelle ſtatt.
Die Dienſträume des Lebensmittelamts ſind für den Verkehr von
Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags geöffnet.
Samstags ſind alle Dienſträume bis 12½ Uhr geöffnet.

Alle Lebensmittelmarken ſind gut aufzubewahren,
Berlorengegangene Marken werden nicht erſetzt,
verfallene Marken nicht umgetauſcht.

Sipo, Schupo, Apo und andere Pos. Wir leben im Zeitalter der
Abkürzungen. Sipo heißt Sicherheits=Polizei, Schupo heißt Schutz=
Polizei, Apo heißt Abſtimmungs=Polizei. Wie wird, ſo fragt ein neu=
gieriger
Leſer, nach dieſem Verfahren die Abkürzung der Politiſchen
Polizei ſein?

Die Aufbauſchule in Heſſen.
Nachdem der Finanzausſchuß des Landtags der Errichtung
von Aufbauſchulen zugeſtimmt hat, ſoll nun dieſe neue
höhere Schule in Heſſen prattiſche Geſtalt annehmen. Im Hin=
blick
auf die in der Reichsverfaſſung vorgeſehene Aenderung in
der Ausbildung der Lehrer ſollen in den nächſten 67 Jahren
die Lehrerfeminare abgebaut werden und an ihrer Stelle in den=
ſelben
Räumen nach und nach Aufbauſchulen entſtehen. Der An=
fang
wird in dieſem Jahre in Alzey und Bensheim mit der
unterſten Klaſſe gemacht. Aufgenommen werden begabte Volks=
ſchüler
, die das 7. Schuljahr zurückgelegt haben, alſo mindeſtens
13 Jahre alt ſind, ſelbſtverſtändlich auch ſolche, die die Volks=
ſchule
ganz durchlaufen haben. Um den Beſuch aus dem ganzen
Lande zu ermöglichen, bleiben an beiden Anſtalten die Internate
erhalten, ſodaß die Schüler die Koſt und zum Teil auch die
Wohnung gegen billiges Entgelt in der Anſtalt ſelbſt bekom=
men
können. Beſonders begabte Jungen, deren Eltern nicht in
der Lage ſind, die zur Ausbildung nötigen Mittel aufzubringen,
können Underſtützungen erhalten und in einzelnen Fallen ganz
frei aufgenommen werden. Auch aus anderen höheren Schulen
können Knaben eintreten. Doch werden nur ſolche mit guten
Zeugniſſen angenommen; denn die Aufbauſchule ſoll keine Zu=
luchtsſtätte
für ſolche Schüler werden, die anderswo nicht mit=
kommen
. Im Mittelpunkt des Unterrichts ſteht die Deutſch=
kunde
. Der Lehrplan hat nur eine Fremdſprache als Pflicht=
fach
, doch wird in den oberen Klaſſen Gelegenheit zur wahlfreien
Erlernung einer zweiten geboten. Für den Unterricht im Deut=
ſchen
und in der Geſchichte iſt weſentlich iehr Zeit vorgeſehen
als in den anderen höheren Schulen, es kommt außerdem Staats=
bürgerkunde
, Werkunterricht, Muſik, Kunſtpflege und philo=
ſophiſche
Propädeutik hinzu. Das durch die Reifeprüfung erlangte
Zeugnis ſoll zum Beſuche der Hochſchule berechtigen. Der Schwer=
punkt
der neuen Schulart liegt in der Tatſache, daß ſie direkt an
die Volksſchule anſchließt und geradlinig die dort gepflegte Bil=
dungsrichtung
weiterführt. Es kommen daher für ſie auch Schü=
ler
aus abgelegenen Landorten in Frage, denen die
Gelegenheit zum Beſuche einer höheren Schule fehlt, oder die
ich erſt ſpäter zum Beſuche einer ſolchen entſchließen. Doch
ſollen ſich nur ſolche melden, die wirklich begabt ſind und ſtarken
Arbeitswillen haben, da die neue Schule recht hohe Anfor=
derungen
ſtellen muß.
Die Möglichkeit Lehrer zu werden, bietet ſich den Abiturien=
ten
der Aufbauſchule, wie denen der anderen höheren Schulen,
da in Zukunft für die Lehrerbildung zunächſt die Erlangung des
Reifezeugniſſes an irgend einer höheren Schule verlangt wird
und dann erſt die Fachausbildung erfolgen ſoll. Die Aufbau=
ſchule
bietet jedoch bei der Eigenart ihres Lehrplans dem künf=
tigen
Lehrer biele Vorteile, weil ſie ihn ſchon vor der eigentlichen
Berufswahl in innige Verbindung ſetzt mit den Denk= und An
ſchauungsweiſen und mit den Lebensinhalten der Umwelt ſeines
einſtigen Berufs.
Am 23. und 24. Mai werden nachträglich noch Aufnahme=
prüfungen
für die unterſte Klaſſe der Aufbauſchule, abgehalten
Eltern, die ihre Knaben dieſer Schule anvertrauen wollen, =
gen
ſie alsbald bei den Seminardirektionen zu Alzey
und Bensheim anmelden.

Die Behandlung der Lehrerinnen=Beſoldung
im Finanzausſchuß.
Aus Lehrerinnenkreiſen erhalten wir nachſtehende Zuſchrift:
Die Regierungsvorlage zur Lehrerinnen=Beſoldung hat im Finanz=
usſchuß
eine derartig eigenartige und vielen unverſtändliche Begrün=
dung
erfahren, daß ſie eine Klarſtellung der in Frage komm
An=
elegenheit
notwendig macht. Beſonders dunkel im Bericht über dieſe
Sitzung des Finanzausſchuſſes iſt der Paſſus: In Bahern folgt eine
gleiche Entlohnung, dort verſehen aber auch die Lehrerinnen nicht den

Dienſt der Handarbeitslehrerinnen. Die Lehrerinnen in Heſſen erteilen
aber ebenſo wenig Unterricht in Handarbeit wie die Lehrerinnen in
Vahern. Wäre es anders, dam wäre es doch höchſt überflüſſig geweſen,
in der gleichen Sitzung von der Beſoldung der Handarbeitslehrerinnen
zu ſprechen. Es mag ausnahmsweiſe noch vorkommen, daß eine Lehrerin
außer wiſſenſchaftlichen Fächern auch ein paar Stunden Handarbeitsunter=
richt
übernimmt. Abgeſehen davon, daß ſich dadurch die Koſten für den
Handarbeitsunterricht für die in Frage kommende Gemeinde verringern,
liefert die Lehrerin doch damit abermals den Beweis, daß ihre Verwen=
dungsmöglichkeit
abſolut nicht geringer iſt als die der Lehrer wie de
Referent für das Lehrerbeſoldungsgeſetz, Herr Oberſchulrat Jung,
gern glauben machen möchte. Herr Jung konſtruiert allerdings die
ſchränkte Verwendungsmöglichkeit der Lehrerinnen derart, daß er kurz
hand behauptet, die Lehrerinnen können an ein= und zweiklaſſigen Schu=
len
nicht unterrichten. Wie liegen nun die Dinge in Wirklichkeit? Wäh=
rend
des Krieges wurde eine ganze Anzahl Lehrerinnen an ein= und
zweiklaſſigen Schulen beſchäftigt, und teilweiſe ſind ſie fetzt noch an ſol=
chen
Schulen tätig. Aber gerade der Krieg, der infolge ſeiner Wirren
und Nöte den Unterricht und die Diſziplin nicht leichter, ſondern be=
deutend
ſchwieriger geſtaltete als in Friedenszeiten, hat ſehr deutlich
gezeigt, daß die beſchränkte Verwendungsmöglichkeit
der Lehrerinnen nur Illuſion iſt.
Auch der Fortbildungsſchulunterricht an ein= und
zweiklaſſigen Schulen bietet keine Handhabe, eine beſchränkte Verwen=
dungsfähigkeit
der Lehrerinnen feſtzuſtellen. Infolge des Krieges wur=
den
Lehrerinnen auch an Knabenſchulen angeſtellt. Sie
haben hier uicht nur Unterklaſſen, ſondern auch Oberklaſſen geleitet und
waren den Schwierigkeiten vollſtändig gewachſen, die gerade das Schüler=
material
in guößeren Städten in nicht geringem Maße mit ſich bringen
Die Fortbikk.
gsſchüler in Gemeinden mit ein= und zweiklaſſigen Schu=
len
ſind dagegen viel leichter zu behandeln. Ihre Anzahl geht oftmals
nicht über das halbe Dutzend hinaus; außerdem ſind es meiſtens Söhne
von Landtirten, kommen alſo, vielfach aus einer weit beſſeren Häuslich=
keit
als die Fortbildungsſchüler der Städte, und was die häuslichen Ver=
hältniſſe
für die ganze Lehr= und Erziehungstätigkeit in der Schule be=
deuten
, wird Jedem verſtändlich fein.

Was aber den Einwand von der beſchränkten Verwendungsmöglich=
keit
in ein böchſt eigenartiges Licht rückt, iſt die Tatſache, daß die Lehrer

an ein= und zweiklaſſigen Schulen durchaus nicht
heſſer beſoldet werden, als ihre Kollegen an mehr=
klaſſigen
Schulen. Den Lehrerinnen dagegen, einerlei an welcher
Art von Schulen ſie beſchäftigt ſind, in Stadt oder Land, wagt man es,
den Gehalt um 10 Prozent zu kürzen. Ein derartiges Unterfangen iſt,
gelinde geſagt, unlogiſch, ebenſo unlogiſch wie der tief durchdachte Aus=
ſpruch
von Herrn Oberſchulrat Jung: Die Lehrerinnen ſind gleichwertig,
aber nicht gleich verwendungsfähig‟. Der Begriff gleichwertig läßt logi=
ſcherweiſe
überhaupt keinen Einwand zu. Er bedingt vielmehr die For=
derung
: Gleicher Gehalt wie der Lehre
Das ſoziale Moment haben die Lehrerinnen bei ihrer For=

berung durchaus nicht außer Acht gelaſſen. Sie verlangten bei der Be=
ſoldungsregelung
im vorigen Jahre den gleichen Gehalt wie

der underheiratete Lehrer. Dieſe Forderung wurde jedoch
von der Regierung abgelehnt. Den unverheirateten Lehrer
als Ausnahme hinzuſtellen, iſt nichts weiter als eine Verlegenheitsrede,
denn wenn er mit der Lehrerin eine Gehaltsgruppe bildet, kann von
Ausnahme nicht mehr die Rede ſein.
In dieſem Zuſammenhange muß auch erwähnt werden, daß weitaus
die Mehrzahl der Lehrerinnen den Unterhalt von nicht er=
werbsfähigen
Familienmitgliedern beſtreitet, die andern=
falls
zu Laſten von Staat und Gemeinde unterſtützt werden müßten. Es
kann außerdem nicht geleugnet werden, daß für gemeinnützige und wohl=
tätige
Zwecke die Lehrerinnen ſchon ganz erkleckliche Summen aufge=
bracht
haben."
Es ſei auch hier noch einmal daran erinnert, daß in Bayern,
Württemberg, Baden und Sachſen, wo die Lehrerin=
nen
die gleichen Arbeitsbedingungen haben wie in
Heſſen, ſie den gleichen Gehalt beziehen wie der Lehrer.
Es zeigt ſich alſo zur Genüge, daß das Vorgehen des Landesamtes
für das Bildungsweſen und des Finanzausſchuſſes in Sachen der Leh=

rerinnen=Beſoldung gänzlich unbegründet iſt und durch nichts gerecht=
tigt
wird. Sonderbarerweiſe verſagten gerade die Parteien, die die

Bewertung der Perſönlichkeit unabhängig von Ge=
ſchlecht
, Familie uſw. in ihr Programm aufgenommen haben. Es
ſcheint demnach bei vielen Sozialdemokraten und Demokraten ein Unter=
ſchied
zu beſtehen zwiſchen Theorie und Praxis.
Zum Schluſſe noch einiges über die ethiſche Begründung
der Forderung der Lehrerinnen. Jedem einigermaßen weitblickenden
Menſchen iſt es klar, daß eine ſtetige Aufwärtsentwickelung der Menſch=
heit
nur gewährleiſtet iſt, wenn neben dem Mann die Frau als gleich=
wertiger
Kulturfaktor in Betracht kommt. Wie ſoll das aber möglich ſei
wenn man die Frau zur Perſönlichkeit zweiten Grades ſtempelt?
Die
Beſoldung der Lehrerinnen iſt aber ein ſolcher Stempel und verleitet
direkt dazu, jegliches Arbeiten und Wirken der Frau von vornherein
geringer zu bewerten. Da zudem von allen Bevölkerungskreiſen die Be=
ſoldung
als Gradmeſſer für die Wertſchätzung der Perſönlichkeit betrachtet
wird, iſt es für die Lehrerinnen geradezu eine Notwendigkeit, den glei=
chen
Gehalt zu fordern wie der Lehrer.

Kalender für Aquarien= und Terrarienfreunde.
Monat Maj.

* In den Zuchtaquarient hat man jetzt wohl überall Jungfiſche, bei
benen die Futterfvage natürlich von größter Bedeutung iſt. Lebend=
gebärende
Zahnkarpfen nehmen ſofort ſtaubfein zerriebene, künſtliche
Futtermittel, auch kleinſte Hüpferlinge und Waſſerflöhe. Für Jungfiſche
die aus Eiern ſchlüpfen, beſorge man Infuſorien, indem man auf das
teilweiſe erneute. Waſſer der Zuchtaquarien zerriebenen, getrocknet
.
Salat oder Heut ſtreut, etva nach einer Woche kann man auch ſchon zer=
Lieb=
ne
Daphnien geben und nach 14 Tagen mit lebendem Futter an=
fangen
. Exemplare, welche beſonders ſchnell wachſen, muß man heraus=
nehmen
. Die Zuchtaquarien ſind am beſten an Fenſtern aufzuſtellen, die
nach Südoſten gerichtet ſind. Man achte jedoch darauf, daß das Thermo=
meter
nicht über 30 Grad Celſius ſteigt, ſondern ſetze bei zu großer
Wärme einen Schutz gegen die Sonne vor das Aquarium.
Abgeſehen von den kleineren Arten der lebendgebärenden Zahnkarp=
fen
ſoll man niemals mehr als ein Zuchrpaar in einem Aquarium halten.
Bei Labyrintfiſchen und manchen anderen Arten, wo das Männchen allein
die Brutpflege übt, ſind die Weibcken gleich nach dem Ablaichen zu ent=
fernen
.
Schnecken dulde man im Zuchtaquarium nicht, denn ſie ſtellen dem
Laich der Fiſche nach. Eine der ſchlimmſten iſt die große Schlammſchnecke.
Naubfiſche reißen dieſelben aus ihren Gehäuſen, freſſen ſie aber nie
und ſo bleiben die Schneckenleichen im Aquarium, verweſen und verpeſten
das Waſſer.
Der Beobachter züchtet, aber ſvill dadurch nur ſein Wiſſen bereichern.
Er reinigt nicht ſein Aquarium, wenn er einige Polypen darin entderkt.
reißt nicht ängſtlich die Fadenalgen heraus, damit ſich nicht etwa ein
Jungfiſchlein darin verſtrickt. Er weiß ganz genau, daß bei der unge=
heueren
Vermehrung der Fiſche viele Schwächlinge ſterben müſſen und
auch ſterben können. Er mäſtet nicht und überheizt nicht. Er läßt eben
der Natur ihren Lauf. Müſſen beſondere Einrichtungen getroffen wer=
den
, ſo bindet er ſich nicht an Vorſchriften, ſondern läßt prartiſchen Sit
walten. So lege man z. B. in ein Aquavium für Pelmato Chromis
oder weiße Tonröhrchen; hinter ein ſolches Becken, das der Natur der
Fiſche entſprechend oder der Wärme wegen weir vom Fenſter aufgeſtellt
iſt, ſtelle oder hänge man einen Spiegel. Da im Mai recht kalte Nächte
achte man auf die Heizung.
zteilt vom Verein für Aquarien= und Terrarienkunde Hot=
(I
tonia, Sitzung jeden 1. und 3. Samstag im Monat, Heſſiſcher Hof,
3½ Uhr.)

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen, deren im Nachſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Union=Theater: Der Mann ohne Namen‟. Die
letzte Bilderſerie eines mit den prachtvollſten Mitteln ſzeniſch dargeſtell=
ten
Abenteurer=Romans zieht an unſeren geſpannten Blicken vorüber.
Eine nochmalige Zuſammenballung des ereignisreichen Handlungsſtoffes
treibt die Erwartung auf den Höhepunkt. Harry Liedtke iſt der un=
beſtrittene
Liebling des Publikums. Das merkt man ſo recht, als er vom
hohen Gipfel der Schneeberge den verhängnisvollen Sprung in die Tiefe
tut und mit geſchundenen Gliedern liegen bleibt. Da geht eine allge=
meine
Bewegung des Bedauerns ſpürbar durch den Raum. Aber nicht
dort, in der Gletſcherſpalte, ſoll ſich ſein Schickſal tragiſch vollenden .
nein, das wäre gegen aller Wünſche. Ihm winkt der verdiente Lohn nach
ſo viel Mühen. In München wird er eingefangen und auf dem Stan.
desamt zu lebenslänglicher Ehe mit der Frau ſeines Herzens verurteilt.
der Sachverhalt des Millionendiebſtahls findet ſeine befriedigende Auf=
klärung
, die Handlung ihr Ende auf einer tollen Redoute im Münchener
Ballhaus, die gleichzeitig ein Meiſterſtück in der Regie der Maſſen
bedeutet.

Reſidenz=Theater: Erpreſſer. Harry Hill iſt eine
hervorſtechende Type unter den Detektivdarſtellern. Er hat die äußere
Ruhe, viel Wagemut und die unbedingt notwendige Körpergewandtheit
für ſeinen gefahrvollen Beruf. Der Sprung auf den fahrenden D=Zug,
die Kletterkunſtſtücke an der Lokomotive und hoch über den Häuſermeeren
find mit Recht bewunderte Leiſtungen. Sie werden im Rahmen einer
Handlung gezeigt, die an dramatiſchem Aufbau und an Spannung nichts
zu wünſchen übrig läßt. Das Luſtſpiel Teufelchen mit Hilde Wer=

ner iſt im Gegenſatz hierzu voll ſprudelnder Laune und bietet am
Abwechſelung.
Central=Theater. Der neueſte Lotte Renman:
dürfte eine Hauptattraktion des Spielplans bilden. Er iſt in do=
ſten
Gegenden europäiſchen Auslandes vornehmlich Italiens
genommen und wirkt daher wie ein ganz wunderbarer Weltrerie
Johannes Riemann und Hans Marr verkörpern die mu
Gegenſätze des feſſelnden Romans von Paul Oskar Höcker
Sittengeſchichte aus Berlin W wird außerdem in packenden Sttf
anſchaulichem Leben erweckt.


2 e
A Pchrral

Gernsheim, 6. Mai. Ein Schadenfeuer entſtand im
des Schmiedmeiſters Jak. Schneider. Die Schmiede und ein
Heu und Stroh gefüllter Schuppen brannten bis auf die Ume
mauern nieder.
Die Grundſteinlegung einer
Turnhalle wurde hier unter zahlreicher Beteiligung mit enf
kungsvollen Feſtakt vorgenommen. Die Feſtrede hielt der 1. V.
Direktor Feil. Nach Verleſung der Urkunde wurde ſie unter O
von Marken aller Syſteme, Brot=, Kartoffel=, Kohlen= und Se
in einer Kapſel im Grundſtein verlötet. Auch etliche Exem.
Erſatzgeldes und Stadtſcheine wurden beigefügt.

dumt *
Hichn
R e
Namt *
W
M
A

Altheim, 6. Mai. Guſtav=Adolf=Stiftung. An=
fahrttage
feierte der Zweigverein der Guſtav=Adolf=St
Umſtadt=Babenhauſen zum erſten Male wieder ſeit de
ſein Jahresfeſt in unſerer Gemeinde. Es war eine ſchöne
gewiß die zahlreichen Feſtgäſte aus der Gemeinde und den Na=
von
neuem für diefes gottgewollte Liebeswerk ermuntert hat.
hebende Feſtpr=digt in der bis zum letzten Platz beſetzten K=
Herr Pfarrer Reichert=Lengfeld. Herr Dekan Knodt ſprach he=t
grüßungsworte und Herr Pfarrer Briegleb erſtattete den J
der ein eindruckslolles Bild von der Guſtav=Adolf=Arbeit gal
der Nachverſammlung führte uns der Schriftführer des Heſſiſo
vereins, Herr Pfarrer Wagner, die Glaubensnöte unſerer deut
liſchen Brüder in den vom Reiche getrennten Gebieten lebend
greifend vor Augen. Im Feſtgottesdienſt und in der Nachver
wirkte in dankenswerter Weiſe der Kirchengeſangverein von
unter der bewährten Leitung des Herrn Lehrers Simon mit.
kollekte betrug 400 Mark.

Mit
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M. Leiche
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eiſt Eüche

Aus dem Obenwald 6. Mai.
Die Geſellſch
Muſikfreunde im Odenwald (Sitz Erbach i. O.)w.
Tagen vom 20.22. Mai ds. Js. m Erbach-Michelſä
Odenwälder Mai=Muſikfeſt mit im ganzen 5
veranſtalten. Zum Eingung findet am Freitag abend in der
zu Erbach ein Kirchenkonzert ſtatt. Der Samstagnachmittag
der Hirſchgalerie des Gräflichen Schloſſes Kammermſik. Am
des Samstag iſt in einem Steinbruch eine Vollmondnachtmu
Chöre und Kammermuſik für Bläſer (Mitglieder des Darmſt
destheater=Orcheſters), u. a. Oktette von Mozart und Beethover
dergabe gelangen. Am Sonntag nachmittag ſingt im Hofe des
Schloſſes Fürſtenau der Deſſoffſche Fraenchor aus Frankfurt
Konzert im der Stadukirche zu Michelſtadt am Sonntag abend
würdigem Abſchluß des Feſtes.
Groß=Gerau, 6. Mai. Nach 4 Jahren die
wieder gefunden. Ein gewiß ſeltener Fall von Heilu;
hier vor einigen Tagen zugetragen. Der auf der Kreisko=
Schreibgehilfe tätige 31jährige Joh. Paul Lorei verlor wi
Krieges infolge einer Minenexploſion die Sprache. Alle mög
ſuche, ihm die Sprache wieder zurückzugeben, hatten keinen E
nun vor kurzer Zeit eingeleirete fuggeſtive Behandlung hatte
nis, daß dem jungen Mann in ganz kurzer Zeit die I=
Sprache wieder vollſtändig gegeben werden konnte. Der Heilm
ging ſogar ſo raſch vor ſich, daß er am Abend dieſes Tages
raſchung ſeiner Angehörigen und Bekannten dieſelben ohm
fehler begrüßen konnte.
wd. Mainz, 6. Mai. Die Mainzer Kinderhi
Sammlungen zum Beſten der notleidenden Kinder in Mainz
her ein glänzendes Ergebnis gehabt. Die ſprichwörtliche Ma
freudigkeit hat ſich auch hier wieder als wahr erwieſen, ur
Mainzer im Ausland, wobei ganz beſonders die in Amerika
taten, haben ihre Vaterſtadt nicht vergeſſen. Durch die plcin
beit des Werbeausſchuſſes war es möglich, alle Kreiſe der 2
zu erfaſſen; und allen war Gelegenheit gegeben, gebefreudig
nen zu ſpenden. Innerhalb des Stadtbezirks Mainz ſind bishe
Mark aufgebracht worden. Durch Haus= und Straßenſammlu
Konzerte und ſonſtige Vernnſtaltungen konnte die Summ
gebracht werden. Die Liſte der Arbeiter und Angeſtellten erg
Mark, die der Beamten und Lehrer 42 670,23 Mark (dat
11 973,60 Mark allein auf ſtädtiſche Beamte und Angeſtellt
ſchuß für Handel, Induſtrie und Gewerbe wurden 450 62
Liſten geſammelt, und die Tageszeitungen trugen mit 56 31
zum Erfolge bei. Die Straßen= Haus= und ſonſtige Samn
wie die mannigfachen Veranſtaltungen ergaben 146 000 M
Vereinen und Organiſationen wurden 93 584 Mark geſpendt
Reſt kam aus freiwilligen Einzelſpenden zuſammen. Die (
V
auswärts erreichen bereits eine Viertelmillion Mark. Es
wärtig der Plan erwogen, die Organiſation der Mainze
zu einer ſtändigen Einrichtung zu machen, zumal die Stadt N
weniger als 8000 bedürftige Kinder aufweiſt
Mainz, 7. Mai. Todesfall. Am 5. Mai ſtarb im 9
von 87 Jahren der Geh. Kommerzienrat Hummel vor
kellerei Burgeff u. Co. in Hochheim a. M. Vornehmlich ſad
keit verdankt Burgeff u. Co., das älteſte derartige Unter
Rhein, ſeinen großen Aufſchwung und Weltruf. Er gehörte
ſeit 1857 an, leitete ſie von 1871 ab als techniſcher Diretto)
bis 1919 als Generaldirektor.
Worms, 6. Mai. Ein bedauerlicher Unfall e
heute vormittag zwiſchen 9 und 10 Uhr auf dem Marktplatz.
delsmann L. Michel aus Worms=Pfiffligheim kam mit ſo
rolle die Stefansgaſſe heruntergefahren. Angeblich ſoll die
ſagt haben, der Wagen ſoll infolgedeſſen ins Rollen gekomm!
Sferd gegen die Hinterbeine gefahren ſein. Das hierdurch
dene Pferd lief im Galopp nach dem Marktplatz, rannte
ei
ſtehenden Gemüſeſtände hinein und kam hier zu Fall.
fum großen Teil zertrümert und die Inhaberin, die Händl
uer Ehefrau, Friedrichſtr. 22, erlitt mehrere Quetſchurg
Hüftgegend und im Rücken. Sie wurde alsbald mit dem Fr
wagen in das Städtiſche Krankenhaus und von dort nach ihrnn
gebracht.
Nierſtein, 5. Mai. Beethoben=Konzerk. Vu
uns: Ein muſikaliſches Ereignis von ganz beſonderem Rei
Sonntag den hieſigen zahlreichen Muſikfreunden geboten.
der hieſigen, noch jungen Muſik=Vereinigung war es durch
würdige Bereitwilligkeit von Darmſtädter Herven urig
den, das berühmte Septett Op. 20 von Beethoven zur Ar
bringen. Das im Jahre 1800 entſtandene und von den
Beethovens viel bewunderte Septett bildet den Höhe
Schaffensperiode des Meiſters, nämlich der Kammermuſik, 4
hoven durch Vereinigung der Bläſer= mit der Streichergr
ſchöpfung ſeiner Ausdrucksmöglichkeit ſuchte. Von dieſer
wandte ſich Beethoven faſt ausſchließlich der ſymphoniſchen
Im Septett kommt der heitere Lebensmut, die unbekümms
freude der Jugendjahre Beethovens zum unverfälſchten Ar
Mannigfaltigkeit der Klangwirkungen, der ſinnliche Reiz
tierens verſchiedener Inſtrumente und Inſtrumentengru
Septett aus dem Rahmen der ſonſtigen Kammermuſik ſo he
ſtets bei ſeinen Zuhörern begeiſterte Aufnahme finden wird.
nicht leicht, ſtets die ſich gegenſeitig verſtehenden Künſtle
tS)
Inſtrumente zuſammenzufinden, und muß man den Dar
die aus Idealismus und edler Begeiſterung für Frau Mru
gemeinſamen Konzertieren zuſammengefunden haben, bei
bar ſein. Die Auführung in Nierſtein ließ keinen Wum
und kamen die einzelnen Sätze in ſchöner Abrundung un=
zur
Vorführung. Die Beſetzung der einzelnen Inſtrumen=
beſten
Händen bei den Herren Wilh. Haug (Violine), I
ſtein (Viola), H. Schulz (Violoncell), Leonh. Röder
F
Falkenſtein (Klarinette), F. Eidenmüller
Herrn Ziſſel (Horn). Vorher kamen von Beethoven noch 2
ten Vortrag durch Frl. Flora Hendriks (Nierſtein)
capricioſo für Piano in G=Dur Op. 129 (Wut über den
ver-
ſchen
) und durch Frl., Hendriks und Herrn H. Schulz (Ni
Variationen für Klavier und Violoncell über ein The
Maccabäus (Händel).
Das Konzert hatte eine zahlreiche-
ige
Zuhörergemeinde herbeigelockt, die begeiſterten Beiſe
Ein guter Tropfen Nierſteiner Weines vereinigte nach dene?
Teilnehmer in gemütlich rheiniſcher Fröhlichkeit.

inFiherzogs Kar. 4
migr, m Gehäude
Verwahrung 14
rſchwunden ſſt.
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Kleine Nachrichten aus Hefſen. Mainz=KoſtB,effeſte
merkwürdiger Vorfall wird hier verzeichner,
ſchickte die Ehefrau Friſch ihren 11jährigen Jungen zu ſein.
etwas abzuliefern. Der Junge kehrte von dem Gange nic.
W
Faſt
i Tage ſpäter fand man ihn auf dem Speicher
vor.
Ober=Ingelheim. Ein rabiater Burſ
beſtrafte Schloſſer Wilhelm Renf aus Wiesbaden. Der 22

Mann ſpielte im hieſigen Amtsgerichtsgefängnis, wo er
war, den wilden Mann, indem er das Inventar zu zerle-
ſuchte
. Als ihn der Oberamtsrichter zu beruhigen verſi
dieſen mit dem Stuhle tätlich an. Dieſe Gewaltsprode
rabiaten Burſchen jetzt 8 Monate Gefängnis.

[ ][  ][ ]

Höchſt a. M., 6. Mai. Marokkaniſche Mörder. Der
ine Kaufmann Burgmann wurde in der vergangenen Nacht
Mähe der Farbwerke von zwei Marokkanern des hier ein=
eauten
63. franzöſiſchen Infanterieregiments überfallen. Die
i richteten ihr Opfer durch Meſſerſtiche i den Kopf ſchwer zu
gritten ihm dann den Hals durch. Bergmann verſtarb nach
Augenblicken an Verblutungen. Die Täter wurden von Ar=
Der Farblverke bei ihrer Bluttat überraſcht und flohen in die
erſerne. Hier wurden ſie von dem wachthabenden franzöſiſchen
der inzwiſchen von dem Mord Kenntnis erhalten hatte, an den
unen erkannt und feſtgenommen. Zu dieſer Bluttat teilt die
ungsbehörde u. a. mit: Trotz der oftmals ergangenen
und der diesbezüglich verhängten Strafen hat ein Wirt von
ei Marokkanern eine Flaſche Kognak verkauft. Die Soldaten,
Schlechteſten des Bataillons, ſind offenbar durch den verabfolg
tphol verrückt geſvorden und haben einen Streit hervorgerufen,
traurige Folgen hatte. Die ganze Garniſon bejammert dieſen
nrswerden Vorfall, ſie richtet an die ſchwer betroffene Familie ihr
fies Beileid und an die ganze Bevölkerung den Ausdruck ihres
ſtiggen Bedauerns. Sie gibt die formelle Zuſicherung, daß Ge
aug ſtattfinden wird, und daß die Schuldigen eine exemplariſche
u verbüßen haben werden."
Frkf. Ztg. wird hierzu noch mitgeteilt: Sowohl der Stadt=
Hant, wie der Kommandant des Bataillons, dem die Marokkaner
en, haben die Tat als gemeinen Mord bezeichnet. Mit Be=
f
eine Bekanntmachung des franzöſiſchen Kommandanden im Kreis=
onach
der Mordtat ein Streit vorausgegangen wäre, bemerkt
=hrift daß dies ganz ausgeſchloſſen ſei. Herr Burg=
war
ein zurüickhaltender und ruhiger Menſch und bei allen be=
o
geachtet.
ſieer, 6. Mai. Verſchwundener Schmuck Kovreſpondent
yr meldet, daß der auf mehrere Millionen bewertete Schmuc
ſrin zeſſin Eliſabeth Liechtenſtein, eine Tochter, des
inen Erzherzogs Karl Ludwig, die Gattin bes Prinzen Alois Liech=
junior
, im Gebäude der Wiener ungarſchen Gefandtſchaft, wo
rmuck in Verwahrung war, ungefähr am 20. April auf rätſelhafte
erſchwunden iſt. Der Schmuck war mit Bewilligung der
ichiſchen Behörde durch einen Kurier der ungariſchen Geſandtſchaft
linchen gebracht, wo ihn Pxinzeſſin Liechtenfrein bei einer Hochzeit
derſelbe gelangte am 19.*April auf gleichem Wege wieder nach
vo er bei der ungariſchei Geſandtſchaft hinterlegt blieb.

Ultimatum und die Kabinettskriſe.
Die militäriſchen Vorbereitungen.
Früfſel, 7. Mai. (Wolff.) Die Agence Belge meldet:
vem Vorſitze des Königs hörte der Miniſterrat heute die
ſte des Miniſters des Aeußeren und des Miniſters der Fi=
Ahn über die Londoner Konferenz an. Der Miniſter
tigtionale Verteidigung machte Mitteilungen über den
täriſchen Operationsplan für den Fall der Be=
des
Ruhrgebietes. Es wurde beſchloſſen, underzüglich
Beſetzung vorbereitenden Maßnahmen zu treffen. Der
ſiſche Miniſter Vandervelde ſoll gegen den Beſchluß des
hetts und der ſozialiſtiſche Mimäiſter Deſtree dafür geſtimmt
Weiter heißt es, daß zwei ſozialiſtiſche Mitglieder das
ekts ſich der Abſümmung enthielten
erlin, 7. Mai. (Priv.=Tel.) Der Voſſiſchen Zeitung zu=
ſtießen
heute vormittag franzöſiſche Kavallerie=
uillen
in das Ruhrgebiet vor.
Dr. Mayer Reichskanzler? Die Bayern.
erlin, 7. Mai. (Priv.=Tel.) Den Blättern zufolge wurde
heytFeutſche Botſchafter in Paris, Dr. Mayer, heute vormit=
r
erwieſen,rlhor: Reichspräſidenten erſucht, die Bildung des neuen
in Amerl hinetts zu übernehmen. Nach der Voſſiſchen Zeitung
Luch die ſhayer ſich eine Bedenkzeit vorbehalten und erklärt
Ie Kreiſe der
deu gehefn, 14daß er um 4 Uhr nachmittags dem Reichspräſidenten mit=
werde
, ob er die Kabinettsbildung übernehmen könne.
Namz fin
StraßeuigmttAtend der Mittagsſtunden hatte Dr. Mayer Beſprechungen
je die Sum then Führern der Parteien, um ſich über die Stellungnahme
yAnzelnen Fraktionen zu dem Ultimatumder Alliier=
Nact
unterrichten.
lngeſtell
ſch einer Information des Berliner Tagblatts lehnten die
den 43002 Ugnationalen und die Deutſche Volkspartei, die Alliierten=
gen
mit 5.
als unannehmbar ab. In der demokratiſchen Frak=
ige
Em
eine ähnliche Anſicht vorherrſchend, allerdings ſeien die
ben 14 00 14
ank geſm! Kgungen noch nicht abgeſchloſſen. Im Zentrum und der So=
en
. 27 /¼nokratie ſind die Meinungen über die Annahme oder Ab=

der Mai

imn Mark. 6 Füny geteilt.
aite mittag trat der interfraktionelle Ausſchuß der Koali=
mal
die ei orteien zuſammen, um über einen gemeinſamen Beſchluß
Utimatum zu beraten.
Mai ſturb i Eir im Berlin weilende bayerifche Miniſterpräſi=
unnelFFits
. Kahr wird die Auffaſſung der bayeriſchem Staats=
Vorn
eractige u 4mig über das Ultimatum der Entente darlegen. Die Ten=
dieſer
Stellungnahme geht, laut Tageblatt, dahin, daß das
niſcher Lus ! 4urum ſchon wegen der Entwaffnungsfrage nicht annehmbar
ine. Bayern wünſche jedoch im Reichsintereſſe, daß auch
Punkt im Zuſammenkang mit der geſamten Lage beurteilt
herAnfel
Diriach entſchieden werde.
dem Mark
fag !0
Der Aufruhr in Oberſchleſien.
ich ſol
häſche Mordtaten und Plünd rungen. Hallertruppen.
erlin, 7. Mai. (Priv.=Tel.) Der Lokalanzeiger meldet aus
i, daß in Ruda 18 Deutſche, darunter Oberleutnant a. D.
5. Lindeiner, von den Polen umgebracht wurden. In
und Sosnitza wurden ebenfalls Deutſche nieder=
ub
mit 1e
Belt. Hindenburg iſt von den Polen genommen und
A re
gegenwärtig geplündert Gutentag wurde nach Ar=
eorbereitung
von regulären polniſchen Trup=
ronze
!
geſtürmt. Die deutſchen Führer dort wurden erſchoſſen
Ricer di
100 Deutſche verſchleppt. In Beuthen koſtet der Laib
deu V
war 8.M4 eute 10 Mark. Die Lebensmittel gehen morgen in der
erberre-H/ ru Ende.
intibor, 7. Mai. (Wolff.) Wie der Oberſchleſiſche An=
euW

meldet, erhalten die polniſchen Banden, die die

huhe rechts der Oder im Zuge Markowitz=Lubom beſetzt
ſtändigen Zuzug von Menſchen, Material und
über den Kreis Rybnik. Mehrfach wurden Truppen in
runiform feſtgeſtellt. Die Ortſchaften Kempa, Jan=
Rauden, Trawnig und Ratiborhammer wurden von den
Riten geplündert. Die Geſchäfte wurden ausgeraubt
9as Vieh weggeführt. Wehrloſe Frauen wurden mißhan=
d
vergewaltigt.
Der Heuchler und Lügner Korfanty.
erlin, 7. Mai. (Wolff.) Korfanty erklärt in einer
an die Alliierten feierlich, alles getan zu haben, was in

Macht geſtanden hätte, um den Aufſtand zu ver=
en
. Bereits unmittelbar nach der Abſtimmung hat ſeine
leſiſche Grenzzeitung die Vertreibung der Deutſchen aus
hllleſien gefordert und unmittelbar vor Beginn des Auf=
am
1. Mai, hat die Grenzzeitung in den fanatiſchſten
cken gegen die Grubenbeſitzer gehetzt. Daraufhin, alſo
wontan, wie Korfantys Note weiter behauptet, iſt der
urd ausgebrochen. Ebenſo unwahr iſt die Behauptung
dvegung ſei eine elementare, denn alliierte Offiziere haben
Spezialkorreſpondenten des Neu=York Herald, Griffith,
die Aufſtandsorganiſation ſei von langer Hand
Sreitet. Ebenſo iſt Korfantys Drohung, die Bergwerke
aduſtriellen Anlagen zerſtören zu laſſen, nicht vom Augen=
huktiert
, denn der oberſchleſiſche Spezialkorreſpondent des
er Fournal, Halſey, hat bereits am 27. April dieſe Drohung
iem Blatte, wohl nicht ohne Fühlung mit Korfanty, an=
eet
. Der diplomatiſche wie militäriſche
käugsplan Korfantys ſtand alſo längſt feſt.
Der Ernſt der Lage. Lebensmittelnot.
Sverlin, 7. Mai. (Wolff.) Die Lage in Oberſchleſien iſt
rändert ernſt. Korfanty hat das Ziel, das er ſich
hat, erreicht. An der Grenze der Korfanty=Linie finden

noch kleinere Kämpfe ſtatt. Der Angriff auf den Eiſenbahn
knotenpunkt Kandrzin wurde von italieniſchen Trup=
pen
abgeſchlagen. An der Stadtgrenze von Kattowitz
fanden in der letzten Nacht Schießereien ſtatt. In der Stadt
Koſel herrſcht Ruhe. Aus dem Kreiſe Groß=Strehlitz
iſt noch zu melden, daß das Gut Kalinow von Polen geplündert
wurde. Roziankau iſt von Aufſtändiſchen beſetzt. Die Lage im
Kreiſe Kreuzburg iſt nach wie vor ſehr ernſt. Dieſer Kreis ſcheint
von zwei Seiten bedroht zu ſein. Laut einer Meldung der B. Z.
aus Breslau wurde in Czerwionka die italieniſche Be=
ſatzung
angegriffen und mußte ſich geſtern ergeben; ſie
hatte neun Schwerverwundete. Eine italieniſche Verſtärkungs=
truppe
aus Nikolai befreite die Gefangenen und erſchoß zwei
Polen ſtandrechtlich. Kurz darauf wurden die Italiener durch
2000 Inſurgenten auseinandergeſprengt, wobei ein Leutnant und
zwei Mann fielen. Am Bahnhof in Czerwionka fielen nachts
neun Italiener in einem Gefecht. Die Stadt Rybnik wurde
nachts von den Italienern unter ſchweren Verluſten zurück=
erobert
. In Nikolai haben ſich die Italiener der Fordernng der
Inſurgenten auf Entwaffnung der deutſchen Apo
fügen müſſen. Der größte Teil der alliierten Truppen hat
den Kreis Oppeln verlaſſen. Die interalliierten Beſatzungen in
den umlagerten Städten beginnen bereits unter Lebensmittel=
mangel
zu leiden. Nach einer Meldung aus Gleiwitz haben die
Aufſtändiſchen den franzöſiſchen Truppen 60 Waggons mit
Lebensmitteln auf dem Bahnhof abgekoppelt und weggeführt.
Zur Linderung der großen Lebensmittelnot, die an
verſchiedenen Stellen Oberſchleſiens hervorgetreten iſt, ſoll nach
einer Vereinbarung des preußiſchen Miniſters des Junern mit
dem Reichsernährungsminiſter alsbald ein Transport von Mehl
und gegehenenfalls auch von Fleiſch nach Oberſchleſien geſandt
werden.
Berrip. Ziai. (Wolff.) Im preußiſchen Landtag
teilte der Miniſter des Innern mit, daß die geſtrige Meldung,
daß zwei franzöſiſche Offiziere an der Sprengung
einer Eiſenbahnbrücke beteiligt geweſen ſind, widerrufen
werde. Die verhafteten Offiziere ſeien wieder freigelaſſen wor=
den
. Der Miniſter ſprach ſein Bedauern über dieſen Fall aus.
An dieſe Mitteilung ſchloß ſich eine Beſprechung, worin auch
von ſozialdemokratiſcher Seite Klarſtellung der Schuldfrage in
dieſer Sache verlangt wurde. Im Verlaufe der Beſprechung ent=
ſtand
jedoch auf der äußerſten Linken ein ſolcher Lärm, daß der
Präſident die Sitzung vertagte.
Schweizer Stimmen.
Bern, 7. Mai. (Wolff.) Zum polniſchen Gewalt=
ſtreich
in Oberſchleſien ſchreibt die Neue Zürcher Zei=
tung
, daß die Polen dabei in ebenſo unkluger wie unzuläſſiger
Weiſe in die Verhandlungen über das zukünftige Schickſal des
Abſtimmungsgebietes einzugreifen verſucht haben. Gänzlich un=
angebracht
ſei es, wenn die Polen auf dem Wege der Gewalt
intervenieren und ein kait accompli ſchaffen wollten, das dann
von dem Oberſten Rat reſpektiert werden müßte. Nach der An=
ſicht
des Blattes dürfte der kopfloſe Streik, den es an anderer
Stelle eine bffene Auflehnung gegen die alliierten Truppen
nennt, mehr geſchadet als genützt haben.
Das Berner Tagblatt ſchreibt: Die Polen haben mit
ihrem Vorgehen in Oberſchleſien den letzten Reſt von Sympathie
verloren, den ſie bei den Neutralen noch beſaßen. Sie ſind und
bleiben Gewalttäter, die ſelber kein Joch dulden, es aber dem
Nachbar mit Frechheit und blutigem Zwange auferlegen wollen.
Letzte Meldungen.
Kreuzburg, 7. Mai. (Wolff.) Die Lage iſt im ellgemeinen
unverändert. Bogutſchütz iſt in deutſcher Hand.
Mittel=Saibwitz wechſelt den Beſitz. Schierke, Wendrin,
Kudowa, Jauſenburg ſind zurückgewonnen worden.
Thulo, Budkowitz ſind ebenfalls in deutſcher Hand. Die ganze
Nordfront des Kreiſes Kreuzburg iſt feſt.
Berlin, 7. Mai. (Wolff.) Kattowitz, Stadt und Kreis
Kreuzburg ſind noch unbeſetzt. Rybnik iſt auf Grund von Ver=
handlungen
von den Aufrührern geräumt worden.
Die Schweiz gegen die Herausgabe
des Reichsbankgoldes.
Bern, 7. Mai. (Wolff.) Die Forderung der Entente auf
Herausgabe des Goldſchatzes der Reichsbank erregr
beſonders in der Schweiz lebhafte Beſorgnis. Die Neu=
Zürcher Zeitung betont heute den außerordentlich ungünſtigen
Einfluß dieſer Maßnahme auf die allgemeine wirtſchaftliche
Lage, die jeder Schonung bedürftig ſei. Das damjederliegende
Wirtſchaftslebew der neutralew Länder, namentlich der Schweiz,
erfahre durch jedes neue Sinken der Valuta eine neue Störung.
Unbegreiflich ſei es, insbeſondere für den Neutralen; zu ſehen,
wie die Entente über Grundſätze ſich hinwegſetze, die ſonſt in
allen Ländern zu Recht beſtänden. An der Tatſache, daß die
Deutſche Reichsbank keine Staatsbank, ſondern ein Privat=
inſtitut
ſei, ſei wicht zu rütteln. Die Ententeforderung bedeute
eine Nichtachtung von Rechtsbegriffen, die mit dem allgemeinen
Beſtreben, die internationalem Beziehungen auf allgemeines
Recht zu ſtützen, ſehr wewig im Einklang ſtehe.
Letzte Nachrichten.
Erfurt, 7. Mai. Das Sondergericht, das heute gegen
80 Mitglieder der roten Leuna=Armee verhandelte, hat 28 An=
geklagte
, zu Gefängnisſtrafen von 9 bis 2½ Jahren ver=
urteilt

Halle a. S., 7. Mai. (Wolff.) Der Halleſchen Zeitung zu=
folge
wurde heute früh der ehemalige kommifſariſche Landrat
des Kreiſes Sangershauſen, der unabhängige Redakteur Ka=
ſparek
, auf Veranlaſſung des Sondergerichts verhaftet.
Paris, 7. Mai. (Wolff.) Die Gattin des amerikaniſchem
Kongreßmitgliedes Fred A. Britten, die bei Marſchall Foch
perſönlich Proteſt gegen die Verwendung farbiger
Truppen im deutſchen Beſetzungsgebiet zu erheben beabſich=
tigt
, iſt in Paris angekonunen.

Landwirtſchaftliches.
Landwirtſchaftlicher Vortrag. Der für Eberſtadt
b. D. auf Sonntag, dem 8. Mai, angeſetzte Vortrag über Gründüngung
und Futterbau durch Herrn Landwirtſchaftslehrer Dr. Seeger=
Darmſtadt kann leider erſt am Samstag, den 2. Juli, im Gaſthaus Zur
Eiſenbahn ſtattfinden.
Spiel, Sport und Turnen.
Handball=Meiſterſchaft der Heſſiſchen Schutzpolizei.
Heute nachmittag wird auf dem Schupo=Sportplatz (kleiner Exer=
zierplatz
) die Meiſterſchaft im Handballſpiel ausgetragen
Dieſes Spiel verſpricht inſofern beſonders ſpannend zu werden, als das
Handballſpiel bei der Schupo ganz beſonders gepflegt und von den ein=
zelwen
Mannſchaften eine bedeutende Vollkoymenheit in der Beherr=
ſchung
des Spiels erlangt worden iſt. Aus den Vorkämpfen ging die
1. Hundertſchaft der hieſigen 1. Abteilung und die 7. Hundertſchaft der
3. Abteilung Babenhauſen als Gegner für das Entſcheidungsſpiel her
vor. In der 1. Hundertſchaft befindet ſich der Stamm der A=Mannſchaft,
der ſich bei den diesjährigem Verbandsſpielen bis in die Zwiſchenrunde
durchkämpfte und erſt Himmelfahrt den Verbandsmeiſter mit 5:2 ſchla=
gen
konnte. Aber auch die 7. Hundertſchaft hat bereits vorzügliche Lei
ſtungen aufzuweiſen. D.= Sportfreudigkeit ihrer Beamten" hat dieſe
Hundertſchaft ſchon mit ihrem Sieg in der Waldlauf=Meiſterſchaft be=
wieſen
, und ſie ſtellt zweifellos einen ebenbütrtigen Gegner ins Feld.

nenden Kampf. Da gleichzeitig der Mam=Rheingau der deutſchen Tur=
nerſchaft
mit 50 Mannſchaften die verſchiedenartigſten Wettſpiele aus=
tragt
, wird ſich auf dem kleinen Exerzierplatz das Leben und Treiben
eines echten Volksſportfeſtes entwicheln.
* Sportverein Darmſtadt e. V. Am heutigen Tage be=
gibt
ſich die Ligamannſchaft nach Bieber, um der Liggelf des Fußball=
vereins
Bieber gegenüberzutreten. Dieſe Mannſchaft gehört dem Süid=
mainkreis
an und bewegt ſich in den letzten Jahren ſtets in der Spitzen=
gruppe
dieſes Kreiſes. Mit einem Torverhältnis von 34:29 rangiert
ſie in dieſem Jahre an fünfter Stelle; ein kürzlich gegen die Turn= und
Sporrgemeinde Höchſt ausgetragenes Spiel endete 4:2 zugunſten Biebers.
Nach dieſem Reſultat wird es unſeren Darmſtädtern ſicher nicht leicht ge=
macht
. Die Mannſchaft tritt aber in ſtärkſter Aufſtellung an und wird
auch Bieber einen ebenbürtigen Kampf liefern. Von den übrigen Mann=
ſchaften
ſpielt die Ensgraber gegen die 1. Schupo=Darmſtadt, die 2a1.
Starkenburgia=Heppenheim ſowie die 2b und 3a ebenfalls gegen Heppen=
heim
. 3b2. Sp.=V. 1919=Münſter, 4a1. Jgdm. Germania=Frankfurt
und die 4b3. Germania=Arheilgen.
* 1. Darmſtädter Fußballverein 1912. Am heutigen
Sonntag begibt ſich die 1. Mannſchaft nach Biebrich, um gegen den
dortigen Sportverein ein Propagandaſpiel auszutragen. Die 1b= Mann=
ſchaft
ſpielt nachmittags in Darmſtadt
gegen die 1. Mannſchaft von
Olympia=Hahn. Das Vorſpiel endete 2:2. Es iſt daher ein ſehr ſpan=
nendes
Spiel zu erſvarten. Nach dieſem Treffen ſpielen die Jgd.= Mann=
ſchaften
beider Vereine. Die 2. Mannſchaft ſpielt in Hahn gegen die
gleiche von Olympia.
Flugtechniſcher Verein Darmſtadt. Heute finder das
exſte große Modellwertfliegen gegen den Verein für Modell=
und Segelflug Frankfurt ſtatt. In beiden Vereinen hatte man ſich die
größte Mühe gegeben, ſorgfältig durchkonſtruierte Modelle an den Start
zu bringen. Es ſind eine Anzahl Preiſe geſtiftet
die für die Beſtleiſtun=
gen
verteilt werden. Bewertet wird nach dem Leipziger Verfahren und
nach der Transportleiſtungsformel von Klemperer. Das Wettfliegen ver=
ſpricht
einen intereſſanten Verlauf zu nehmen und beginnt um 3 Uhr auf
dem ehemaligen Kavallerie=Exerzierplatz. Es ſei noch beſonders darauf
hingewieſen, daß ſämtliche Modelle ſowie Konſtruktionseinzelheiten am
Vormittag, ab 10 Uhr, im Rummelbräu ausgeſtellt ſind und können un=
entgeltlich
von jedermann beſichtigt werden, (Siehe Anzeige.)
Schluß des redaktionellen Teils.

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Beſtellungen auf das Darmſtädter Tagblatt
werden entgegen genommen bei
Fräulein Carola Luckhaupt
Hauptſtraße 12.
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Wetterausſichten für Sonntag:
Veränderlich, ſehr windig.

Tageskalender.
Landestheater, Anfang 11½ Uhr, Ende gegen 1 Uhr: Muſika=
liſche
Matinee. Abends 7 Uhr, Ende 9½ Uhr (4 31): Tiefland.
Aufführung (,’s Millerſch Liſſl vunn Mich’lboch) um 8 Uhr im
Saalbau.
Theater=Abend des Geſangvereins Teutonia um 7 Uhr im
Feierabendſaal.
Frühlingsfeſte: Walhallaklub um 5 Uhr im Fürſtenſaal. Geſell=
ſchaft
Frohſinn um 4 Uhr im Perkeo.
Zirkus Hagenbeck: Vorſtellungen um 3 und 7½ Uhr.
Verſteigerungskalender.
Montag, 9. Mai.
Nutzholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Saale der Reſtaura=
tion
Heilig Kreuz.
Stammholz=Verſteigerung um 9 Uhr im Gundernhäuſer
Gemeindewald (Zuſammenkunft in Abteilung 31 an der Sandkautc)
Leitung: Dr. Otto Waldgeſtel. Verantwortlich für den leitenden politiſchen
Teil und für Feuilleton: Dr. Otto Waldgeſt
; für heſſiſhe Politik und den
T4
brigen Teil (auß
chaftliches) Max Streeſe; f.
nvel und Lan
agt
elsteil und L
tſchaftliches: Kurt Mitſching; für den Anzeigenteil,
3e
Eilag
und Mitteilungen aus dem Geſchäftsleben: Panl Lang
Druck und Verl
. C. Witlich iche Hofbuchdruckerei. Sämtlich in Darmſtadt
ir den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die Redaktion des
Tagblatts zu richten. Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche
werben nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten
und Unterhaltungsblatt.

[ ][  ][ ]

wi.

bei

ge

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 8. Mai 1921.

Rummer 120)

N

Familiennachrichten

Die Geburt eines gesunden, präch-
tigen
Mädels zeigen an
Oberlehrer Dr. E. Kreickemeier
u. Frau Hedwig, geb. Schschardt
Darmstadt, den 6. Mai 1921.

(*19510

Gesunde TOCHTER
angekommen.

Siegfried May und Frau
Anna, geb. Haas.

Darmstadt, den 6. Mai 1921
Riedeselstraße 21.

Die glückliche Geburt eines Sohnes
zeigen hocherfreut an
Dr. med. Karl Puth u. Frau
Marianne, geb. Pfitzer.
Michelstadt i. O., den 6. Mai 1921.
Aff 23

urch die glückliche Geburt eines
2 kräftigen Stammhalters wurden
hocherfreut
Dr. Fritz Roßteutſcher u. Frau
Guſtel, geb. Handmann.
Schwanheim a. M., 2. Mai 1921.
A5 23

Statt Karten.

Helene Christ
Hermann Wetzel
VERLOBTE

Darmstadt, Mat 1921
Altcestr, 39.
Schätzenstr. 7.

Statt Karten.

Rechtsanwalt julius Seemann
Rosel Seemann, geb. lsaak
VERMAHLIE
Franktart a. M., Mauerweg 34.

Trauung: Montag, 2. Mai, 1 Uhr mittags,
Synagoge, Friedbergeranlage,
Gr23

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)

Heute morgen verſtarb nach langem Leiden
mein lieber Gatte, unſer guter Vater, Groß=
vater
und Bruder

Ludwig Petry
Großherzgl. Geh. Rechnungsrat i. R.

Die trauernd Hinterbliebenen:
Sophie Petry, geb. Scheerer
Ludwig Petry, Staatsawalt
Katharina Petry, geb. Sander
Heinrich Peiry, Stadtbaurat
Marie Petry, geb. Gärtner
Ludwig Petry, Enkel.

Darmſtadt, Aliceſtr. 9, und Wittenberg,
den 7. Mai 1921.

Auf Wunſch des Entſchlafenen findet die
Beerdigung in der Stille ſtatt.
Beileidsbeſuche und Blumenſpenden dankend
verbeten.
(*
1950.

Statt beſonderer Anzeige.

Heute nacht entſchlief ſanft nach kurzem
ſchweren Leiden im eben vollendeten 49. Le=
bensjahre
mein innigſtgeliebter Gatte, unſer
Vater, Bruder, Schwager, Schwiegerſohn,
Onkel und Neffe
Herr

Hermann Sachenburger.

Im Namen der Hinterbliebenen:
In tiefer Trauer:
Eddy Hachenburger, geb. Alsberg.
Darmſtadt, Bismarckſtr. 72, Caſſel.

Die Einäſckerung findet ſtatt Montag, den
9. Mai, nachmittags 4 Uhr. (*19512

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
bei dem Hinſcheiden meines lieben,
braven, guten Mannes und treubeſorgten
Vaters, insbeſondere Herrn Pfarrer Beringer
für ſeine troſtreiche Grabrede, ſowie den Ge=
meindeſchweſtern
, für ihre liebevolle Pflege,
ferner den Beamten und Arbeitern des Werk=
ſtättenamts
I und für die überaus zahlreichen
Blumenſpenden ſagen wir Allen unſeren innig=
ſten
Dank.
(*19506
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:

Frau Stroh und Sohn.

Dankſagung.

Für die herzliche Teilnahme bei dem
uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte
ſagen wir Allen innigſten Dank. Ins=
beſondere
danken wir Herrn Pfarren
Kleberger für die troſtreichen Worte,
ſowie den Arbeitern und Angeſtellten:
der Firma Robert Kunze.
*19496
Im Aamen der tranernden Hinterbliebenen:
Auguſte Karrer, geb. Knopf.

Dankſagung.

Für die uns erwieſene Teil=
nahme
bei dem Hinſcheiden un=
erer
lieben Schweſter und Tante
ſagen herzlichen Dank (19549

Familie Emmerich.
Roßdorf, den 7. Mai 1921.

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Baftgwuren!

Anderw, unternehmungshalber unterſtelle mein
gutſortiertes Lager in ſchwarzen und braunen
Schuhen dem
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Feier zum Gedächtnis
weiland Ihrer Majeſtät der Kaiſerin

am 9. Mai 1921, abends 8 Uhr, im großen Saal
des Städtiſchen Saalbaus in Darmſtadt,
veranſtaltet vom Landesverband der Heſſiſchen
(Deutſchnationalen) Volkspartei.
1. Gemeinſamer Geſang (Choral).
(54538g
F. Händel.
2. Arie aus Judas Macccbäus
Herr Opernſänger Johannes Biſchoff, Darmſtadt.
Am Klavier: Fräulein Dorg Diedrich.
3. Gedächtnisrede, gehalten von Herrn D. Klingemann,
einprovinz.
Generalſuperintendent der Ry=
Joh. Brahms.
4. Aus den Ernſten Geſänger
Herr Opernſänger Johg. :ue3 Biſchoff, Darmſtadt.
Am Klavier: Fräulein Vorg Diedrich.
Eintrittskarten: Numerirte Tlätze zu 5 Mk., unnume=
rierte
Plätze zu 3 und 1 Mk. von Freitag, den 6. Mai, ab im
Papiergeſchäft von Leuthner beim Weißen Turm, Ernſt=
Ludwigsplatz 2, u. abends 1 Stunde vor Beginn im Saalbau,
Ein erzielter Ueberſchuß wird zur Förderung der Säuglings=
pflege
im Sinne der hohen Entſchlafenen verwundt werden.

8.
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Ruf Ih4

AHHIIAINARO Dar Bite

sind seit geraumer Zeit wieder in den gleich guten Qualz Wf Hurze Fälen Han.
wie vor dem Kriege erhältlich.
Auch die Preise hierfür nähern sick wieder denen der Friel
zeiten, wenngleich sie aus einer Reihe von Ursachen,
wichtigste der Stand unserer Valnta ist, den trüheren Notierarläf biterer Anchluß
vorerst nicht gleichkommen können.
Wer also durch geldliche Rücksicht nicht behindert ist,
unbedenklich jederzeit seinen Bedarf in diesen Artikel
Spezialgeschäft, wo ihm fachmännische Beratung und Bedie
verbürgt ist.
Gummiwaren- und Sanitäts-Ha
Hermann Heinmüller
Schulstraße 1 (am Ludwigsplatz).

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kie erlaſſen weiden.
ſerungsanlagen
nen Stmßen,
Roſchriften herzuſ
guerm nicht erfowdert.

Für

fugenlos

Pfingst-Bedarf
jeder
Praufliae Feingeha

Taschen- und Armbanduhren,
Zimmeruhren, Gold- u. Silber-
Waren, Juwelen, Bestecke

Ertariſaungsniat
rudſtück alle
Negen= und Schm
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durg
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Wernir

Af
Me An

Gas=Herd
gebraucht, unter mehreren
die Auswahl, abzugeben
ſabethenſtr. 55. (*19538

Parkettböden

werden abgezogen, gerei=
nigt
u. gewachſt. (*19581
Woogſtraße 5, Laden.

Re
Wäſchen. Kleid.a
arb. Gute Empf
V 57 a. d. Geſch.

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*19504

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[ ][  ][ ]

der 126.

Darmſtädeer Tagblazt, Sonntag, den 8. Mai 1921.

Seite 2.

Micher
gemanz

hundſtücks=Entwäſſerungen.
rug erlaſſen, die mit em Tugg bieſer Ver=
ung
in Kraft tritt.
zmſtadt, den 28. April 1921.
Der Oberbürgermeiſter.
H J. V: Buxbaum.
Polizeiverordnung
die Entwäſſerung der Grundſtücke in der
Hauptſtadt Darmſtadt.
30. April 1881 die allgemeine Bauordnung
z und der §§ 6, 8 und 9 der Vrrordnung vom
mar- 1882 die Ausführung der allgemeinen Bau=, wird nach Anhörung der Stadt=
werſammlung
unter Zuſtimung des
Sichuſſes und mit Genehmigung Heſſiſchen
giums des Innern vom 10. Juli 1917 und 28. trone liegen.
der 1920 fürr die Hauptſtadt Darmſtodt nach=
Polizeiverondnung erlaſſen.
I.
Allgemeine Vorſchriften.
s 1.
bieruungspflicht.
den mit öffentlichen Komälen verſechenen
Wegen und Pätzen müiſſen die anliegenden
Grundſtücke mach dieſer Polizeiverordnumg
rugehörigen Techniſchen Vorſchriften an die
argeſchloſſen werden. Unbebaute Grundſtüicke
mialls anzuſchließen, wem der oberirdiſche Ab=
Regen= und Schmutzwaſſer mißſtändig und
cuß für das öffentliche Wohl geboven iſt.
Entwäſſerungsanlagen für vorhandene Bau= / wenden.
umbebaute Grumdſtücke ſind längſtons 6 Mo=
h
. Aufforderung und die für Neubauten bis
zpolizeilichen Schlußabnahme zu vollenden.
beſonderen Fällen kann der Anſchluß an den
hrmal gegen Pflichtſchein widerruflich ganz
Aweiſe erlaſſen werden.
Entwäſſerungsanlagen von Neubauten ion
maliſierten Straßen, Wegen und Plätzen ſind
ſem Vorſchriſten herzuſtellen und ſo einzurich=
ANoue F6 ühr ſpäterer Anſchluß an den Straßentamal
eugen nicht erfordert.
135
82.
ende Stoffe.
dch die Entwäſſerungsanlage müſſen von dem
ſoſſenem Grundſtüick alle zur Ableitung geeig=
bwaſſer
(Regen= und Schmutzwaſſer) und leicht
chwemmbaren Abfallſtoffe, insbeſondere auch
rſchlichen Abgänge, abgeleitet werden; die Ab=
BMßtwauf die Straße, in deren Rinnſteine und Ein=
verboten
. Die Abgänge müſſen durch zuläng=
ülung
fortgeſchwemmt werden.
die Ableitung des Grundwaſſers iſt beſondere
dung einzuholen. Sie iſt davon abhängig, daß
ſtru von Schmutzwaſſer in den Untergrund mit
verhindert wird.
Abwaſſer und Stoffe, welche nach Ermeſſen
ſtauamts die Unterhaltumg und den Betvieb
liſation und der Abwaſſer= Reinigungsanla=
ſchrden
, erſchweren oder ſchädigen können,
daft
von den Kanälen ferngehalten werden; im
Eommen beſonders:
ſtark in Fäulmis, übergegangene Stoffe,
beatige Abwaſſer in größeren Mengen,
REdE Ikaver oder gar nicht ſchwemmbare und ſper=
ige
Stoffe.
Feingelt/ Ermiſch und phyſikaliſch wirkſam Stoffe, z. B.
Füiſſigkeiten von mehr als 30 Grad Celſius,
jeuergefährliche und ſprengfähige Stoffer
Sſtraßen, Wegen und Plätzen mit Trennſyſtem
Eih Ahrutz= und Regenwaſſer getrennt abzuleiten.
dabei beſonders vorzuſchreibende Vorkehrun=
en
, die eine mißbräuckhliche Benutzung der
näle und der Schtzwaſſerkanäle Hauernd
em. Solange der Regenkanal wicht vorhan=
mn
die Ableitung des Regenwaſſers von den
füken oberirdiſch nach der Straßenrinne ge=
wrden
unter Kreuzung der Fußſteige durch
e Rohre. Die Koſten dieſer Anlagen, ihrer
Arung und Beſeitigung nach Vollendung des
nals trägt der Eigentümmer.
Gramſt
F 3.
phon
ere Entwäfſerungen für jedes Grundſtück.
E, eine wrtſchaftliche Einheit bildende Grund=
ſallbſtändig
und ohne Benutzung des Nachbar=
ſis
zu entwäſſer. Bei Teilung eines Grund=
die
Entwäſſerungsanlagen der Teile nach
rſchriften für ſich auszubauen. Zu den hier=
werlichen
Aenderungen und Ergänzungen ſind
etümer für ihre Teilgrundſtücke verpflichtet.
Ableiten über ein Nachbargrundſtück wird
ſer. Oberbürgermeiſter nur ausnahmsweiſe ge=
nenn
wegen ungünſtigen Gefälles oder man=
ſtes
geeigneten Straßenöanals die Endwäſſerung
(ſt iche Zuſtimmung des Nachbars zur Be=
Soll die
Feines Grundſtücks beizubringen.
ſich auf einen längeien Zeitraum erſtrecken,
durch die Beſtellung eines Rechtes am Nach=
und fi0l
Maniglt iliff ſtück ſicher zu ſtellen.
Chu MRhritungen an den Straßenkanal.
ansscht AM12 Grundſtick muß den Anſchluß für ſich er=
uS
von Kanaleinlaßſtücken, bis zu den Grund=
*en durch das TDiefbauamt auf Koſten des
en, 90
ers hergeſtellt und unterhalten.
Stadt übernimmt nur die Koſten von Arbei=
nachweislich
infolge Verwurzelung durch Pläne ſind einzuliefern:
räume bedingt ſind.
eih: Umlegen oder Ermeuern von Straßen=
2eS
Ausgen auf Koſten der Stadt.
8 5.
Aluh K Rgung alter Anlagen.
In oder anderweitige Ableiten der durrch
Per
bzuführeuden Waſſer und Schmutzſtoffe ver=
V
dem Grundſtück entbehrlich gewordene Ent=
Sanlagen. Sammel= und Sickergruben,
u9Sanlagen; Rinnen, alte Leitungon und der=
unüſſen
innerhalb 4 Wochen nach Vollendung
mEntwäſſerungsanlage beſeitigt oder entleert,
und mit gutem Boden ausgefüllt werden,
weſtattet wird.
8 6.

Brofnd
ab im
im, (
Ende
Saalg
Dech

suten Auu
dar R
Sachen,
undert int
en Ard
gud Bt

Jatz),

Aft

* zu ſichern durch Anſchluß des Grundſtücks
Ffentliche Waſſerleitung. Ueber jeden Einlauf
WVorſchriften).
SR.
nmittelbarer Verbindung von Waſſerleitung
Entwäſſerungsanlage
er Waſſerleitung mit der Entwäſſerungsanlage
gtt.

§ 8
Iisrung tieſgelegener Räume und Flächen.
Genehmigung zum Anſchluß von Schmutz= des Tiefbauamts.
Funläufen und Spülaborten, die tiefer als

Für Regeneinläufe von Flächen, die unter Stru=
ßenkrone
liegen, cann auf beſonderen Antvog der
Genehmigunng Miniſteriungs des Inmern Anſchluß widerruflich umd auf Gefahr des Eigen=
September 1920 wunde mchſtehende Polie= himers geſtattet werden, wenn das Aufhöhen dieſer
Flächen auf Stvaßenkrone unmöglich iſt. Dem An=
twag
iſt anzufügen ein Ausweis über die Schutzvor=
kehrungen
gegen Rüickſtau uud Ueberflutungen (§ 14
Drcbel der Techniſchen Vorſchriften).
Sollte wegen unzulänglichen Ausbildung umd
Wiokung der Rückſmuſicherungen, wvegen ihrer fort=
geſetzten
mangelhaften Unterhaltung oder unzuver=
läſſigen
Bedienung die Genehmigung des Anſchluſſes
unter Straßenkrone gelegener Schmutzwaſſereinläufe,
Strund der Artikel 2, 32, 35 umd 65 des Ge= Spüilabortze und Nageneinläufe widerrufen weuden,
o ſind ſolche Teile der Enwäſſerung mit ihven An=
ſchlußleitungen
imerhalb der geſtellten Friſt: auf
Koſten des Eigenwimers zu beſeitigen. Die Ausfüh=
rung
erfolgt nötigemfalls zwangsweiſe. Das Ableiten
der Regen=, Schmutz= und Abortwaſſer muß don
durch Hebung in Eimäufe erfolgen, die über Straßen=
S 9.
Samwelgruben.
Für Grundſtücke, für die nach § 1 der Konal=
anſchluß
ganz oder teilweiſe erlaſſen wird, oder für
die mangels eines Straßenkanales die Ableitung der
Abwaſſer und Abgänge nicht möglich iſt, ſind waſſer=
dichte
Gruben zur Anſcrmlung anzulegen. Für Regen=
waſſer
kann die Ableitung in die Stvaßenrinne wider=
ruflich
geſtattet wverden, ſofern ſie hierzu geeignet iſt.
Die Sammelgruben müſſen außerhalb der Ge=
bäude
liegen und mindeſtens entfernt ſein: 1,00 m
von der Nachbarzone, 2,00 m. von der Straße und
7,00 m von Brunnen. Der Eigentümer iſt verpflich=
tet
, die Gruben rechtzeitig entleeren und reinigen zu
laſſen, ſodaß üble Gerüche und Ueberlaufen verhüitet
8 10.
Sickeranlagen.
Innerhalb der Stadt ſind Sickeranlagen (Gruben
wit durchläſſiger Sohle oder Wandung) verboten;
vovhandene Anlagen müſſen binnen einem Jahre nach
Inkrafttreten dieſer Vorſchriften beſeitigt werden.
Nur für Grundſtücke in nicht kangliſierten Stra=
ßen
vor der Stadt kann ausnahmsweiſe das Ver=
ſickern
der Abwaſſer (Regen= und Schmutzwaſſer) und
leicht fauligen ſchtvemmbaren Abfallſtoffe, auch der
menſchlichen Abgänge widerruflich geſtattet werden.
Vorbedingungen find augemeſſene Größe der Grund=
ſtücke
, ſandiger waſſerdurchläſſiger Untergrund, vefer
Grundwaſſerſtand, hinlänglicher Abſtand der Sicker=
anlagen
von den Nachbaugrundſtüicken und der Straße,
owie gründliches biologiſches Reinigen der Abwaſſer
und Abgänge durch Tropfkörperanlagen vor dem Ver=
ſickern
. Der Eigentümer hat dieſe Vorbedingungen
nachzuweiſen, und zwwar für Neubauten vor Erteilen
der Baugenehmigung.
Für Sickeranlagen und zugehörige Reinigungsan=
lagen
iſt unter Vorlage von Plänen nebſt Erläute=
rung
die Genehmigung des Oberbürgermeiſters ein=
zuholen
.
Widerruflich genehmigte Sicheranlagen ſind inner=
halb
4 Wochen nach Auffordern zu beſeitigen, wem
die Wirkung der Tropfkörper unzulänglich iſt, das
Verſickern des Waſſers die Nackbarſchaft beläſtigt,
ſchäbigt oder mit überwiegender Anbauung des Ge=
bietes
unſtatthaft iſt.
Bei Widerruf von Sickeranlagen ſind gemäß 8
Sammelgruben anzulegen, wenn ein Kanal zur Ab=
leftung
der Waſſer nicht zur Verfügung ſteht.
8 11.
Winkel, Reule.
Enge Zwiſchenräume zwiſchen den einzalnen Bau=
ten
(Winkel, Reule) ſind mit rinnenförwigen, waſſer=
dichtem
Belag in Gefälle zu verſehen und am die
Kanäle anzuſchließen. Die Einleitung menſchlicher und
tieriſcher Abgänge iſt verbotzen. Die Einleitung vor
Schmutzwaſſer iſt nur erlaubt, wenn die Winkel uſw
leicht zugängig ſind und durch Anſchluß an die Waſſer=
leitung
die hinlängliche Spülung geſichert iſt; in
chwer zugängige Winkel iſt auch die Einleitung von
Regenwaſſer verboten.
8 12.
Beſondere Beſtimmungen.
Für Anordnung und Beſchaffenheit ſowie nach=
trägliches
Ergänzen und Aendern der Envwäſſerungs=
anlagen
einſchließlich Scmmelgruben und Sickeran=
lagen
ſind außer dieſer Polizeiverordn
g und den
genehmigten Plänen maßgeblich die im Genehmi=
gungsbeſcheid
auferlegten beſonderen Beſtimmingen.
8 13.
Zuſtändigkeit.
Ausführung und Unterhaltung der Grundſtücks=
entwäſſerungen
werden durch das Tiefbaucnt jm
Auftrag des Oberbürgermeiſter3 überwacht.
Behördliche Genehmigung und Aufſicht.
14.
Autrag auf Geuehmigung.
Zu jeder Neugnlage, Umlegung, Aenderung oder
Ergänzung einer Entwäſſerung hatz der Eigentümer
ſrcht zu erreichen iſt. Vor der Genehmigung die Genehmigung des Obevbürgermeiſters rechtzeitig
nachzuſuchen und dabei einen vom Tiefbaugmt im
Vordruck erhältlichen Pflichtſchein ſowie Pläne in
doppelter Ausfertigung vorzulegen; für Neubauten
an nicht kanaliſierten Straßen, Wegen und Plätzen
ſind auch Pläne der Sammelgruben, Reinigungs= und
Sickeranilagen vorzulegem, und zwar in dreifacher
Ausfertigumg.
Die Geſuche ſind mit den vorgeſchriebenen Under=
lagen
beim Tiefbauamt einzureichen, und zwar für
ieſa WF Anſchlußleitungen werden, einſchließlich des vonrhandene Bauten inwerhalb 4 Wochen nach Auf=
fordern
, für Neu= und Umbauten alsbald nach Ein=
gabe
der Baugeſuche bei dem Baupolizeicmt; dieſes
erteilt die Baugenehmigung erſt nach vollkomm
Klarſtellung der Entwäſſerungsfrage. Folgende
a) Ueberſichtsplan des Grumdſtücks in Maßſtab nicht
unter 1:1000.
Srfolgt der Anſchluß vorhandener Entwäſſe= b) Grundriſſe der Stochwerke der Gebäude, ſoweit ſie
zur Klarſtellung der Entwäſſerungsanlage erfor=
10,
derlich ſind, im Maßſtab nicht kleiner als 1
10.
bei großen Gebäuden ausuahmsweiſe bis 1
Vollendung der Entwäſſerungsanlage iſt das Schnute (Längenprofile) der Ableitungen und
Fallrohre in Längen und Höhen im Maßſtab der
Grundriſſe.
d) Pläne der Anlagen zur Vorbehandlung abzuleiten=
der
gewerblicher und dergl. Abwaſſer (5 2), der
Sammelgruben, Reinigungs= und Sickeranlagen, i.
Maßſtab nicht unter 1:25, mit eingeſchriebenen
Mdaßen und Erläuterungen, ſoweit ſie zur Beur=
teilung
der Anlagen und ihrer Wirkungsweiſe er=
forderlich
ſind.
die Pläne müſſen auf feſtem, dauerhaftem Papier
Weiterbeſtehen nichtt ausdrücklich vom Tieſ oder Leinwand im Reichsformat 21X 33 em oder
einem Vielfachen desſelben hergeſtellt und auf genann=
tes
Format zuſammengefaltet werden. Lichtpauſen
hinlängliche Spülung eimer Entwäſſerungs= mit blauemr Grund und Hektogrgphien ſind unzuläſſig.
Auf dem Ueberſichtsplan müſſen erſichtlich ſein:
Die gemaue Lage des Grundſtückes zur Straße,
ſiuikkaſten ausgenommen muß ein Zapfhahn zu den benachbarten Grundſtücken und ihren Gebäu=
eur
die Fußbodenſinkteſten der Kellerräume den, ſeine Baufluchtlinien und die der benachbarten
S, daß die Zapfſtelle mit ihnen im gleichen Querſtraße; ferner ſämtliche auf dem Grundſtück vor=
Aliegt. Aborte und Pißorte ſind mit beſon= handenen Gebäude, die Hauptleitungen mit etwaigen
Spülvorrichtung zu verſehen (8 11 der Techx / Hofeinläufen und Regenableitungen ſowie vorhandene
Brunnen, Entwäſſerungsanlagen und Gruben.
Die Grundriſſe müſſen enthalten:
Die Einteilung des Kellers und der Stockwerke
nebſt, Benennung der einzelnen Räume; ſämtliche
ſien der Gefah: des Anſaugens von Schmutz= Einläufe mit Bezeichnung ihrer Art (Waſchbecken,
nd Kanalluft iſt jede unmittelbare Verbin= Spülaborte, Pißbechen, Badeeinrichtungen uſſw.); alle
Zeitungen mit eingeſchriebenen Weiten und Angabe
des Materials; die Geruchverſchlüſſe, etwaige Fett=
fänger
, Putzöffnungen, Entlüftungen uſw.; die Au=
fchlußſtellen
an den Straßenkanal nach der Angabe

Die Schnitte müſſen die Leitungen mit allen zur
Fkrone liegen, wird nur widerruflich und auf Beurteilung der Anlage erforderlichen Angaben eut=
des
Eigentümers erteilt unter der Bedingung, halten; einzuſchreiben ſind: Straßen= und Gelände=
* m ſichever fachgemäßer Weiſe gegen Rückſtau höhen, die Höhen von Keller= und Fundamentſohlen
werden (8 14 der Techniſchen Vorſchrfften), und aller Vertiefungen der Kellerſohlen; die Fuß=

bodenhöhe des Erdgeſchoſſes, fermn die Höhm der
Anſchlußſtellen an den Styaßenkamal, die Gefälle der
Ableitungen und deren Höhen an allen Gefällsbrech=
punkten
und Verbindungen. Alle Höhen ſind auf den
gleichen Horizont zu beziehen.
Die Pläne müſſen noch enthalten die Maßſtäbe,
Straße und Hausnumer oder die Bezsichnung nach
dem GrundGuch, die für die Richtigbeit der Pläne ver=
bindlichen
Unterſchriften des Eigemtimers, des Bau=
leiters
und der Bauunternehmer.
Auf den Plänen ſind vorhondens Leitungen und
Beſtandteile ſchwarz zu bezeichnen, wegfallende Lei=
tungen
rot zu durchſtreichen, neu zu legende Leitungen
farbig darzuſtellen, und zwar Eiſenrohre blau, Stein=
zeugrohre
braun. Die für den Prüfungsvermerk
dienende grüne Farbe darf in den Bauvorlagen nicht
verwandt werder
Die einzelnen Beſtandteile ſind in den Plänen
wie folgt zu bezeichmen: HS. Hofſinkkaſten. WS.
Waſchküchenſinkhaſten, RRS. Regenrohr mit Regen=
rohrſinkkaſten
, AR. Abortrohr, KR. Küchenrohr, BR.
Baderohr, FB. Fußbogen, RKl. Rückſtauklappe, S.
Spindelſchieber, RSch. Reinigungsſchacht, PFFL. Putz=
flanſche
im Fallrohr, G. Abſp. u. K. Geruchverſchluß
mit Abſperrhahn und Klappe, OeV. Oelverſchluß, A.
Ausguß, WB. Wandbechen, FF. Fettfang.
Wenn die eingereichten Pläne zur Beurteilung
der Zweckmäßigkeit und Zuläſſigkeit der Enwwäſſerun=
gen
nichk ausreichen, iſt das Tinfbauamt befugt, Er=
gänzungen
der Pläne zu verlogen.
Bei umbedeutenden Abänderungen und Ergän=
zungen
vorhandener Anlagen, die ſich leicht in die
urſprünglichen Pläne eintragen laſſen, bann
von
beſonderen Plänen abgeſehen werden, doch iſt vor
Beginn der Arbeiten dem Tiefbaucmt ein maßſtäb=
licher
Handriß vorzulegen, der die Beurteilung er=
möglicht
. Das Eimtvagen in die vom Tiefbauamt
aufbewahrten Pläne muß daſelbſt vom Geſuchſteller
ſogleich nach Vollenden der Arbeiten veranlaßt wer=
den
. Das Entleihen dieſer Pläne iſt nicht ſtatthaft.
8 15.
Amtliche Angaben für den Entwäfferungsentwurf.
Angaben für den Entwurf der Enwväſſerung
über Lage und Sohlenhöhe der Hanaleinlaßſtücke wer=
den
auf Anfrage vom Tiefbauamt ſchriftlich gemacht.
Für das Ausſparen der Oeffnungen in den Grund=
mauern
zur ſpäteren Durchlegung der Leitungen und
für das etwa gebotene Vertiefen der Mauerfunda=
mente
iſt der genehmigte Entwäſſerugsplan maß=
geblich
.
8 16.
Genehmigung.
Mit dem Genehmigungsbeſcheid des Oberbürger=
meiſters
erhält der Antragſteller eine mit twaigen
Hüfungsvermerken verſehene Planausfertigung zu=
rück
. Die Genehmigung betrifft wur die Zuläſſigkeit
der Anlage und wird unbeſchadet etwaiger Rechte
Dritter erteilt; ihre Gültigbeit iſt auch abhängig von
der Richtigkeit der Pläne.
Vor der Genehmigung darf mit der Ausflihrung
nicht begonnen werden.
Die Genehmigung erliſcht nach Jahresfriſt, wenn
währ
7d ihr die Ausführung nicht begonnen wurde.
Für eine in Angriff genommene, vor Ablauf der Jah=
resfriſt
nicht vollendete Anlage wird die Genehugung
entzogen, wenn die Ausführung nicht ernſtlich und
unausgeſetzt gefördert wird.
8 17.
Zulaſſung der Unternehmer.
Zur Ausführung der Grundſrücksentwäſſerungen
werden nur Unternehmer zugelaſſen, die dem Tiefbau=
amt
den Nachweis erbringen, daß ſie himlängliche
fahrung beſitzen und ſich zur genauen Einhaltung
dieſer Vorſchriften ſchriftlich verpflichten.
Unternehmer, die ſich wiederholt Verſtöße gegen
die Vorſchriften zu Schulden kommen laſſen, insbeſon=
dere
Arbeiten ohne Genehmigung ausführen, kann
der Oberbürgermeiſter zeitweilig oder dauernd aus=
ſchließen
.
8 18.
Aufſicht und Prüfung während der Ausführung.
Die Ausführung der Neuanlage, Umlegung, Aen=
derung
oder Ergänzung von Entwäſſerungen wird
durch das Tieſbauamt beaufſichtigt; ihm iſt der Be=
ginn
der Arbeit, und bei mehr als achttägiger Unter=
brechung
ihre Wiederaufnahme ſpäteſtens am Tage
vorher anzuzeigen.
Ctwa eintvetenden Wechſal in der Perſon des aus=
führenden
Unternehmers hoben der Eigentümer und
der neue Unternehmer dem Tiefbauamt ungeſäumt
ſchriftlich anzuzeigen.
Während der Ausführung uniſſen die geuehmigten
Pläne auf der Vauſtelle zur Einſicht verfügbar ſein.
Abweichungen von ihnen ſind nur mit Zuſtimmung
äſſig. Unweſentliche Abweichun=
des
Tiefbauamts zu
gen ſind in die genehmigten Pläne einzutragen mit
ihrer unterſchriftlichen Anerkennung durch den Eigen=
tüimer
. Bei weſentlichen Abweichungen ſind Ausfü
vorſchriftsmäßiger doppelter Ausfe
rungspläne
tigung ſpäteſtens 4 Wochen nach Vollendung der
Anlage dem Tiefbauamt zu übergeben.
Leitungen, die verdeckt werden, ſind zur Ermög=
lichumg
der Aufſicht mindeſtens einen Werktag nach
ihrer Vollendung frei zu belaſſen; widrigenfalls
müiſſen ſie auf Anfordern des Tiefbauamts freigelegt
werden. Für Anlagen, die wegen micht rechtzeitiger
Anzeige ohne Aufſicht ausgeführt wurden oder bei,
deren Ausführung unſorgfältiger Arbeitsbetrieb
Zweifel ergibt hinſichtlich vorſchriftsmäßiger Beſchaf=
fenheit
der Anlage oder einzelner ihrer Teile, kann
außer dem Freilegen der Leitungen die Prüfung auf
Dichte angeordnet werden, und zuvar bis auf Straßen=
ger

höhe durch Waſſerdruck, darüber durch Nauch= o
Geruchprobe. Zu den Freilegungen und Prüfungen,
die auf Koſten des Eigentümers geſchehen und nötigen=
falls
zwangsveiſe eufolgen, hat dieſer alle Arbeits=
kräfte
, Materialien und Geräte rechtzeitig bereit zu
ſtellen.
8 19.
Abnahme.
Die Anlage unterliegt nach ihrer geſamten Voll=
endung
der Abnahme, die beim Tiefbauamt ſchriftlich
zu beantragen iſt, und zwar bei Neubauten mindeſtens
2 Tage vor der baupolizeilichen Schlußabnahme.
Hierbei kann das Tiefbauamt den Nachweis der Dichte
aller Teile der Anlage verlangen, ſoweit er nicht
bereits erbracht iſt (8 18).
Der Abnahme hat der Unternehmer oder ſein mit
Ausführung der Anlage beauftragter Vertreter bei=
zuwohnen
.
Durch Beaufſichtigung und Abnahme übernimmt
das Tiefbauamt keine Gewähr für Güte und danernde
Haltbarkeit der Anlage.
Bei der Prüfung feſtgeſtellte Mängel oder un=
erlaubte
Abweichungen (§ 12) ſind innerhalb der ge=
ſtellten
Friſt zu beſeitigen; ſodann iſt der Antrag zur
Abnahne zu wiederholen.
Mängel und Abweickngen, die nachträglich feſt=
geſtellt
werden, ſind innerhalb der geſtellten Friſt zu
beſeitigen.
Uehergangs=
und Ausnahmebeſtimmungen.
S 20
Uebergangs= und Ausnahmsbeſtimmungen.
Entwäſſerungen, die vor Inkrafttreten dieſer Vor=
ſchriften
ausgeführt wurden, müſſen ihnen angepaßt
werden. Dementſprechend ſind innerhalb der vom
Oberbürgermeiſter geſtellten Friſten ſolche Anlagen
zu ändern und zu ergänzen, und zwar ausnahmslos
Lüftung und Diehte der Leitungen, der
züglich der
ruchverſchlüſſe und Nückſtauſicherungen, der Tren=
nung
gemeinſchaftlicher Regenrohranſchlüſſe und der
Awſchlußleitungen von Abortgruben.
Dagegen können auf Widerruf beibehalten werden,
ſolange ſich nach dem Ermeſſen des Tieſbauamts keine
Uebelſtände ergeben:
7) Ableitungen aus Steinzeug= und Zementrohren
ſowvie dünnwandigen Gußeiſenrohren, wenn ſie
luft= und waſſerdicht find, genügendes Gefälle be=
ſitzen
und durch ausreichende Tiefenlage gegen
Froſt und Beſchädigung geſichert ſind.

b) Fallrohre im Imnern, aus Gußeiſen, vo nicht vor=
ſchriftsmäßiger
Beſchaffenheit (8 3 und 17 der Tech=
r
r=
niſchen
Vorſchriften), wem ſie luft= und waſſer
dicht ſind und dauerhafte dichde Anſchlüſſe der Ver=
bindungsleitungen
beſitzen.
c) Spülaborte äüterer Ausbüldumg, wenn ſie ſich im
guvem Zuſtand befinden und ſelbſttätig geſpeiſte
Spüllaſten von windeſtens 5 Liter Waſſerabgabe
beſitzen.
Die Entſcheidung über die unter ae genannten
Fälle ſteht dem Oberbürgermeiſttr zu.
Beim Auswechſeln, Aendern und Ergänzen von
Kate
ſerungsanlagen ſind die betroffenen Teile nach
dieſen techniſchen Vorſchriften auszubilden.
Benutzung unb uinterhaltung der
Entwäſſerungen.
S A.
Benutzung.
Die Entwäſſerungsalagen ſind ſtets ovd iungs=
mäßig
zu benutzen. Einläufe, die längere Zeit außer
Gebrauch bleiben, wüſſen zum Verhüten des Aus=
ſtrömens
der Kanalgaſe dicht verſchloſſen wevden.
Verden Einläufe dauernd aufgegebm, ſo iſt ihr
Amſchluß aufzuheben unter gründlichem dauerhaftem
Abdichten der toten Anſchlußleitung.
8 22.
Unterhaltung.
Der Eigentümer hat die Entväſſerung in allen
Teilen nach dieſen Vorſchriften in gutem Zuſtande
evhalten, gründlich reinigen und ſpülen zu laſſen.
Tiefbauamt iſt befugt, die Anlage jederzeit zu
Das
prüfen und Waſſerdruck=, Geruch= und Rauchprobe=
vorzunehmen
. Den Anforderungen zum Unterhalte
und Reiwigen der Anlage iſt innerhalb der geſtellten
Friſt zu entſprechen.
Putzöffnungen ſind ſtets küftdicht verſchloſſen zu
halten; die Dichſtung iſt zeitweiſe zu erneuer.
Rückſtauſicherugen ſind öfters nackzuſehen und
ſtets gamgbar und dicht zu erhalten. Der Eigentimer
nuß Sorge tragen, daß die Sicherungen rechtzeitig
und richtig bedient und jederzeit in ovdentlichem Zu=
ſtand
erhalten werdne. Während der Gewitterzeit
von Frühjahr bis Herbſt ſollen Spindelſchieber un
ſonſtige Handverſchlüſſe ſogleuch nach Benutzung ihrer
Leitung geſchloſſen werden. Dies iſt zu fordern durch
eine in der Nähe anzubringende Ampeiſung.
Biologiſche Reimigungsanlagen ſind regelmäßis
nachzuſehen und ſorgfältig zu unterhalten. Die im
Faulraum ſich bildende Schwimmdecke muß zur Be
günſtigung der Verflüſſigung feſter Stoffe erhalten
bleiben; ſie iſt aber beim Anrachſen über 25 cm
der
Stärke teilweiſe zu entfernen. Ebenſo iſt
Schlawm auszuheben, wenn er ſich höher als 25 cm
abgeſetzt hat. Der Abfluß des Tropfkörpers muß
ederzeit nahezu klar und geruchlos ſein; er darf a
bei längerem Stehen in geſchloſſenem oder off
n.
Fäulnis zei
Gefäße keine Anzeichen übergehender
den, ſobald eine
Der Tropfkörper muß ermuert wer
Minderung der Reinigungswärkung eintritt; zur un=
geſtörten
Erneuerung iſt vorher der Faulraum zu
entleeren. Während des Winters iſt die Reinigungs
anlage gegen ſtarke Abühlung zu ſchüitzen durch Ab=
dechen
und durch Einſchränkung der Lüftung.
Biologiſche Reinigungsanlagen unterſtehen der
Aufſicht des Tiefbauamts, das jederzeit Proben der
Abfluſſes entnehmen kann; iſt mach ſeiner Anſicht die
Reiwigung ungewügend, ſo ſind die von ihm geforder=
ten
Aenderungen der Anlagen und ihres Betriebes
imerhalb der geſtellten Friſt vorzurnehmen.
Verantwortlichkeit und Verfehlungen.
S 23.
Verantwortlichkeit.
Für die Einhaltung dieſer polizeilichen Vorſchrif=
ſchließlich
der zugehörigen Techniſchen Vor=
D
n der im Einzelfall von der Behörde auf
Ra
und des Geſetzes getroffenen beſondeven Beſtim=
genehmigten
Pläne ſind verandwort=
mungen
und der
Re
er der anzuſchließenden und a
lich die Eigenti
3c.
ſchloſſenen Grundftücke ſowie alle an der Baulei
Ausführung und Unterhaltung der Entwäſſerngen be=
teiligten
Perſonen (Untermehmer, Bauleiter, Baufüh=
rer
, Aufſeher, Arbeiter).
Für die Richtigkeit der Pläne und ihrer Maß=
aungaben
ſind verantwortlich die Baufachverſtändigen,
von denen die Pläne geliefert und unterzeichm
wurden.
Sollte es dem Eigentümer auch bei gehöriger
Aufmerkſamkeit nicht möglich geweſen ſein, Ab=
weichungen
von den gemhmigten Plänen und Ver=
ehlungen
gegen die Vorſchriften und beſonderen Be=
ſtimmuugen
rechtzeitig zu erkennen, ſo bleibt er von
Strafe frei, vorausgeſetzt, daß er bei der Auswachl
der beſtellten Perſonen die im Verkehr gebotene Sorg=
falt
beobachtet hat.
S 24.
Verfehlungen.
Verfehlungen gegen dieſe polizeilichen Vorſchriften
einſchließlich der zugehörigen Techniſchen Vorſchrif=
und die im Einzelfall auferlegten beſonderen
ten
Beſtimmungen, Unrichtigkeiten der genehwigten Ent=
wäſſerungspläne
und unverlaubte Abweichungen wer=
den
mit Geldſtrafen bis 150 Mk. belegt, ſoweit nicht
nach den allgemeinen Strafgeſetzen höhere Strafen
verwirkt ſind. Bei Unvermögen tritt an Stelle der
Geldſtrafen entſprechende Haft.
Ungcackhtet der Strafen kann das vorſchriftmäßige
Herſtellen, Auswechſeln, Ergänge
Aendern, Unter=
wäſſerungsanlagen

halten und Reinigen von E
unter Anwendung der geſetzlichen Mittel zwangsweiſe
auf Koſten des Eigentümers herbeigeführt werden,
und zwar ohne Verzug, wenn öffentliches Bedürfnis
vorliegt.
Inkrafttreten der Polizeiverordnung
Aufhebung früherer Beſtimmnngen.
8 B.
Dieſe Polizeiverovdnung trütt in Kraft mit dem
Tage der öffentlichen Bekanntgabe; dawt wenden
aufgehoben die Beſtimmungen § 13 bis einſchließlich
21 der Baupplizei=Ordnung vom 22. September 1887,
die Polizei=Veroudnungen vom 2. Auguſt 1894 und
vom 21. Februn: 1912, ſowie § 27 des Ortsbauſtatuts
vom 26. Mai 1886 und des Ortsſtatuts vom
1. Auguſt 1894.
Die zu dieſer Polizeiverorbnung gehörenden
Techniſchen Vorſchriften liegen auf dem Städtiſchen
Tiefbauamt zur Einſicht der Beveiligten offen.
Darmſtadt, den 28. April 1921.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V: Buxbaum.
Die Ausgabe der 1. Holzrate.
Auf den ſtädtiſchen Holzverkaufsplätzen, Infan=
teriekaſerne
, Gelber Hof, Hallenſchwimmbad, Vik=
toriaſchule
und Mittelſchule II wird von Montag,
den 9. d8. Mts. ab, auf die für das Hausbrand=
wirtſchaftsjahr
1921/22 bereits abgeſtempelten Holz=
karten
die erſte Rate von 5 Zentnern zu den ſeit=
herigen
Preiſen, 14 Mk. für Laubholz=
12 Mk. für Nadelholz
für den Zentner verausgabt. Die Holzverkaufsplätze
in der Eleonorenſchule und Mädchenmittelſchule ſind
aufgehoben. Die Verbraucher dieſer Bezirke können
das Holz auf einem der oben genannten Plätze in
(st5578
Empfang nehmen.
Darmſtadt, den 6. Mai 1921.
Städt. Kohlenausgleichſtelle.
Moutag, den 9. Mai, nachmittags 2 Uhr, vor
dem Gutsgebäude Gehaborn zuſammenkomiend,
verſteigern wir das Grabenfutter von den Bewäſſe=
rungsgräben
des Stadtgutes, ſoweit es ſich um Grä=
ben
auf der Weiterſtädter Gemarkung handelt.
Darmſtädter Steigliebhaber, werden hierzu nicht
zugelaſſen.
Am Dienstag, den 10. Mai, zuſammenkommend
nachmittags 2 Uhr vor dem Gebäude des Vorwerks=
Pallaswieſe, das Futter an den Gräben auf der Ge=
inarkung
Darmſtadt. Zugelaſſen werden nur Darm=
(st5595
ſtädter Steigliebhaber.
Städtiſche Güterverwaltung.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 8. Mai 1921.

Rummer 12

Handelsteil des Darmſtädter Tagblattes

ſe

De
f.i
ſch


an

Bericht von der Frankfurter Börſe vom 7. Mai.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Induſtrie, Darmſtadt.
Die bereits in den letzten Tagen eingetretene Geſchäftsſtille kam
heute in verſtärktem Maße zum Ausdruck, da Spekulation und Privat=
zublikum
angeſichts der ungeklärten politiſchen Lage noch Zurückhaltung
beobachten. Am Montanmarkt konnten Phönis bei kleinem Geſchäft
zirka 6 Prozent anziehen; bei den übrigen hier in Betracht kommenden
Werten waren die Kursveränderungen unbedeutend. Schiffahrtswerte
zogen leicht an. Am Markte für Elektrizitätswerte gewannen Bergmann
zirka 10 Prozent, Deutſch=Ueberſee 10 Prozent; Ediſon blieben vernach=
läſſigt
. Chemiſche Werte bröckelten ab. Am Einheitsmarkt notierten
höher: Lux Induſtrie, Krauß Lokomotiven, Schnellpreſſen Frankenthal.
Heddernheimer Kupfer waren zu niedrigeren Kurſen angeboten. Von
fremden Renten gewannen Mexikaner 1015 Prozent. Im Freiverkehr
hielt das Kaufintereſſe für Kaſſelen Faß=Aktien auch heute an. Chemiſche
Rhenania waren in Anbetracht des bevorſtehenden wertvollen Bezugs=
rechts
zu höheren Kurſen geſucht. Am Deviſenmartt waren Deutſch=
Oeſterreichiſche Noten bis 11,65 geſteigert.

3%6 Reichsanleihe
3½% Reichsanl.
2 Reichsanleihe
5% Reichsanleihe
Sparprämienanl.
38 Heſſen .....
3½½ Heſſen....
% Heſſen....:
% Heſſ. L.=Hyp.
Bank=Pfandbr.
48 Frankf. Hyp.
Bank=Pfandbr.
4%Oſt. Goldrente
425 Ungar. Goldr,
Paketfahrt.. ..
Nordd. Lloyd ...
Darmſtädt. Bant
Deutſche Bank..
Disconto=Geſ..
Dresdner Bank.
Metallbank .....
Bochumer. . .. ..
Buderus.......
Deutſch=Luxemb. 295.
Gelſenkir. Bergw.
Harpener ....."
Laurahütte . ...
Phönis ........
Oberſchl. Eiſen I
(Caro)... . . . . .
Oberbedarf. . . . .
Rhein, Stahlw. ..

6./5. 7./5, 6./5, 7./5. 70.50 70.65 Riebeck=Montan ... 492. 489.75 64.60 64,40 Cement Heidelberg. 285. 285. 69.20 68.60 Bad. Anilin .... 493.50 492. 77.50 77.50 D. Gold= & Silber= 83.50 83.50 Sch.=A. ... . . ... 555. 55.50 55.60 Griesheim ........" 393. 397.75 63.90 64.25 Höchſter. ......... 413. 411.- 74.10 Holzverkohlung ..." 414. 406. Werke AlbertChe 592. 99.30 99.50 Allg. Elektr.=Geſ.... 284. 285. Felten & Guilleaume 539. 98. 98. Lahmeher. . . . . . . . 210. 210. 36. 36. Rhein. Elektr. . . . . . 198. 200. Af 49.50 Schuckert ........" 235. 155.2 160. Siemens & Halske. 185. 284. 144.25 Feinmechanik Jetter 665. 675.- 180. 180. Gelſenk. Gußſtahl.. 290.5o 290.25 Gummi Berlin= 244.20 244. Frankfurt . . . .. 209,50 209. Heddernheim. Kupfer 339. 330. 275. 275. Lederwerke Spicharz 260. 266. D düdenſcheid Metall. 38. 530. Aee Adlerwerke Kleyer. 22. 50 220. 294. Daimeler Motoren.. 184,50 179.75 316. Eßlinger Maſchinen. 315. 315. 446. Karlsruher Maſchin. 345. 345. Lux ſche Induſtrie. 275. 301. 642 Bogtländ Maſchinen 266. Olfabr. Ver, Dt. . . . 286. 286. 271. 271. Zellſtoff Waldhof .. 463. 460.50 5.
28 286. Zuckerfab. Waghäuſel 39250 400. 422. 420. Frankenthal 414,50 410.

Berliner Börſe.
Berlin, 7. Mai. (Wolff.) Börſenſtimmungsbild. Die
politiſchen Verhältniſſe, mit deren Klärung nach dem Ultimatum der
Entente nunmehr in kurze
* Zeit zu rechnen iſt, haben der Börſe und
dem Publikum auch heute keine Veranlaſſung zu Verkäufen gegeben.
Auf den meiſten Gebieten zeigten ſich vielmehr Anſätze zu einer größeren
Regſamkeit, wozu neben der für Montag ganz allgemein ſtimmtlieren=
den
Abſicht der Phönixgeſellſchaft zu einer Kapitalvermehrung die
Vochenſchlußdeckungen hauptſächlich den Anſtoß gegeben haben. Der
Kursſtand erhöhte ſich bei den meiſten Papieren um 5 bis vereinzelt 10
bei. Bochumer,
Prozent,
Ehönix=, Deutſch=Ueberſee=Elektrizitäts=,
Deutſche Waffen=Aktien und Mexikanern um 10 bis 20, ſowie bei Balti=
more
um 30 Prozent. In allen dieſen Papieren, fowje in Harpener und
Bergmann=Elektrizitäts=Aktien waren die Umſätze größer als in der
letzten Zeit. Der Kursſtand der feſtverzinslic Werte blieb im all=
gemeinen
behauptet. Unga
iſche Werte lagen im Einklang mit dem ſich
für die Deviſe Budapeſt z
nden
tereſſe etwas höher. Sonſt waren die
Deviſenpreiſe bei ſtillem Geſchäft unverändert.

tvut A.=G. f. Anilinfabr. 6./5.
414, 7./5
417, Hohenlohe Werke. 6./5.
236, 7./5.
235,50 Aſchaffenb. Zeilſt. 499, Kahla Porzellan. 562, 562, Augsb.=Nb Maſch. 440, 440, Linde’s Eismaſch. 299, 300, Berl.=Anh. Maſch. 218 25 Lingel Schuh.. . . . 258,75 258,75 Bismarckhütte . . . . 695, 5 Linke=& Hofmann: 400 405, Dtſch.=Atlant. Te 212,- Nordd, Gummi. .. 162, D 162,50 Otſch.=Niederl. Tel. 241, Orenſtein ......" 530, Deutſche Erdöl ... o= Rathgeber 2
Wagg. . zge5 39/ Dk. Kaliwerke. . .. 343, Noſitzer Zucker. . .. 360,5 38875 Dt. Waff. u. Mun. 550,50 576. Rütgerswerke .... 410 20 Donnersmarckh. /45, 636. Sachſenwerk ..... 298. 29l= Dynamit Nobel . 35 * Siemens Glas.... 726. 728,25 Elberfelder Farben Thale Eiſenhütte. 819, 810, Elektr. Lieferung. 9. Ver. Lauſitzer Glas . Gelſenk. Gußſtahl 42, 352, Weſtf Eiſ.Langend. 340, 345. Geſ. f.elekt. Untern. R Af 76 Wittener Gußſtahl Hanſa Dampfſch.. . 3 88, Wanderer Werke. 446. 445. Hemoor Zement. * Dtſch. Petroleum 740, 783. te. Hirſch Kupfer..... 7
Ae Sächſ. Gußſtahl. . . 636. 631,- Ai Höſch Eiſen ......" 630, 633 2,50 Steaua Nomana. 750, 750,

2
Liy
küi=
1

bei
V.
Ak
z

Am Maismarkt zeigte ſich heute lebhafter Begehr nach weißen
und roten Bezugsſcheinen. Die Maispreiſe zeigten feſte Haltung. 2
on
Hülſenfrüchten wurden wiederum feine Viktorigerbſen, ſowie Futter=
erbſen
lebhafter, die übrig
en Sorten geringer gekauft. Auch für Oel=
früchte
beſtand Kaufluſt, doch ſind die Forderungen hierfür zumeiſt zu
hoch. Für Oel= und Rapskuchen zogen die Preiſe bei dringlicher Nach=
frage
weiter an.

Börſenwochenbericht
für die Zeit vom 2. bis 7. Maj, mitgeteilt von der Deutſchen Bank,
Filliale Dammſtadt.
* Nachdem die Börſe den Monar April in hochgradiger Spannung,
jedoch mit größder Luſtloſigkeit und Geſchäftsſtille bei anhaltend weichen=
den
Kurſen beſchloſſen hatte, begann ſie die erſte Woche des neuen Mo=
nats
im allgemeinen in einer etwas freundlicheren Stimmung. Wegen
der immer noch beſtehenden Unklarheit über die Regelung der Repa=
rationsfrage
konnte ſich zwar noch keine rechte Unternehmungsluſt ent=
falten
. Die Lage wurde im Anfang allenthalben etwas günſtiger beur=
teilt
, denn England haute ſich den Vorſchlägen Frankreichs, ſogleich neue
Sanktionen in Kraft tretem zu laſſen, nicht angeſchloſſen und Lloyd
George hatte mit Bviand ernſtere Auseinanderſetzungen wegen Be=
ſetzung
des Ruhrgebiets. Hierdurch wurde auch die Börſe zu einer Be=
feſtigung
angeregt, ohme daß es jedoch zu einer Belebung des Geſchäfts
gekommen wäre. Die Kurſe erfuhren allgemein Beſſerungen, die zum
Teil ziemlich kräftig waren und die im weſentlichen durch Deckung der
Baiſſeſpekulationen hervorgerufen waren. Die ruhige Haltung des Pu=
blikums
trug zur Stetzigkeit der Klirſe beſonders bei. Dies iſt umſo be=
merbenswerter
, als unter dem Einfluß der ungeheueren politiſchen
Schwierigkeiten die von Banken und Bankiers Ende April an ihre Kund=
ſchaft
verſandten Wochenberichte auf einen ziemlich gedrückten Ton ge=
ſtimmt
wauen. Das ruhige Verhalten des Publikums beweiſt alſo, daß
man keineswegs die Hoffnung auff eine Vermeidung weiterer Gewalt=
maßnahmen
aufgegeben hat. Wenigſtens erwartet man, falls Frankreich
das Nuhrgebiet doch beſetzen ſollte, keine allzulange Dauer eines ſolchen
Vorgehens, da mnerhalb der Entente von allen Seiten auf eine Ver=
ſtändigung
und auf die Ermöglichung neuer Verhandlungen hingear=
beitet
wird.
Trotz des in der Schwebe befindlichen Kabinettswechſels bewahrte
die Börſe eine ziemlich feſte Haltung. Die Lage in Oberſchleſien, die un=
ändert
ernſt blieb, wirkte trotzdem nicht direkt beunruhigend. Die
Mark hatte eine Abſchwächung erfahren, dagegen gingen Auslands=
beviſen
in die Höhe. Beſonders die ungariſche Valuta erfuhr eine kräf=
tige
Aufwärtsbewegung und im Anſchluß hieran ſind ungariſche An=
leihen
als beſonders feſt hervorzuheben. 4prozentige ungariſche Gold=
renten
ſtiegen bis 50½4, 4prozentige ungariſche Kronenrenten bis 27½,
Am Aktienmarkt machte ſich Intereſſe für Bauwerte bemerkbar, wobei
Hoch= und Tiefbau und insbeſondere Wahß u. Freytag=Aktien auf den
jetzt veröffentlichten Abſchluß (24 Prozent Dividende) und die vorge=
ſchlagene
Kapitalserhöhung hin ſtauk anziehen konnten. Ebenſo hielten
ſich Holzmann ſehr feſt. Der Chemiemarkt war ziemlich gut disponiert;
beſonders zu nennen waren die Badiſche Anilm= und Scheideanſtalt.
Griesheiner, Elberfelder und Holzverkohlung behaupteten ſich gut.
Goldſchmidt waren in der Lage, einen Teil ihres letzten Verluſtes wie=
der
zurickzugewinnen. Von Elektrowerten heben wir Bergmann und
Ueberſee hervor. Am Kaſſainduſtriemarbt herrſchte etwas mehr In=
tereſſe
, wvobei beſonders Maſchinenfabrik Badenia, Schleußner, Voigt
u. Haeffner, Stempel u. a. m. bervorzugt waren. Größeres Intereſſe
war für Braumkohlenwerte vorhanden; hierbei vollzog ſich in den im
Freiverkehr notierten Aktien ein großer Umſatz. Genannt wurden Glück=
auf
=Braunkohlen (zirka 385392) und Phönis=Braunkohlem (zirka 580
bis 630).
Das bevorſtehende kurzfriſtige Ultimatum, ebenſo die ſchwierige
Stellung des Reichskabinetts hatte am Mentenmarkt eim Abſchwächen der
deutſchen Werte zu Folge. Megikaner erholten ſich wieder enwas, auch
für andere Valuta=Effekten (Baltimove Schantungbahn Dueg) beſtand
wieder Nachfrage. Der Rüchtritt der Reichsregierung ſowohl als auch
das Deutſchland geſtellte Ultimatum blieben faſt völlig ohne Einfluß.
Von Deviſen ſtiegen Brüſſel und Paris, letzteres von 520 bis 541, da
dieſe von der Wiedergutmachung am meiſten profitieren ſollen. Das
Publikum zeigte gegen Wochenſchluß große Zurückhaltung bei wenig ver=
änderten
Kurſen, nur Freiverkehrswerte fielen ſtark.
Der Wert der Mark im Auslande.
* Für 100 Mark wurden gezahlt am 7. Mai in Zürich 8,55 (vor
dem Kriege 125,40) Franken, in Amſterdam 4,271 (59,20) Gulden,
in Kopenhagen 8,50 (88,80) Kronen, in Stockholm 6,60 (88,80)
Kronen, in Prag 10834 (117,80) Kronen, in London 7,67 (97,80)
Schilling, in Neu=York 1,51341,52 (23,80) Dollar.
w. Deviſenmarkt. Frankfurt a. M., 7. Mai.

26*

Kffe
Geld Brief Gele
Brief Ni VIfe
Seld / Brief Geld. Brief Antw.=Brüſſ.)
olland ...
ndon .
Varis ....
Schweiz
Spanien ..
lien
Liſſab=Op.
Länemarke. 7.45/
k3385/e338
27g 283
540 40 B41.
73.30/117
25
70 33089
20s 801296. 2l120s 80lt 76b=
6214
4945
17630
*0 55
35533
1178.701
923,40
337.80
Jee
Norwe
Sekſingfors
New=York.
Bien (altes
D=Oeſt. abg,
Budapeſt .
Prag ... J1013.30/10 1S IOf1OBZ.BD
153 440/1541.60
65. 67165.8314
17.96 17.29
31.0731.16 1543.45)1
1888-
2.72 1036.16
1548,55
66.05 66.20-
16.73
32.78 1211.20l

Mannheimer Wochenberichte.
H. Mannheim, 6. Mai. Die Stimmung iſt durch die kritiſche
politiſche Lage feſt, die Kaufluſt aber ſehr gering, da ſich niemand zurzeit
in ein Geſchäft einlaſſen will, wozu man nicht geradezu gezwungen iſt.
Getreide. Die jungen Saaten haben nun etwas Feuchtigkeit be=
kommen
, dazu aber auch eine Kälte mit Nachtfroſt, die eine gedeihliche
Weiterentwickelung hindert. Für ausländiſches Getreide liegen genü=
gend
Offerten vor, ſo von Holland für Hard=Red=Weizen II per April=
Mai zu 18½, per Mai=Juni zu 1734, per Juni=Juli zu 153 per Juli=
luguſt
zu 1534 holl. Gulden eif Hamburg oder Bremen, für La Plata=
Weizen, 78 Kg. ſchwer ſchwimmend zu 19 holl. Gulden eik Notterdam=
von
Neu=York bder Baltimore für amerikaniſchen Weſtern=Roggen II
6 Dollar 5 Cents loſe verladen, für Weſtern Hard Winter=Weizen,
6,95 Dollar pro 100 Kilo eif Hamburg. Für fernere Sichten ſind die
Oferten etwas niedriger infolge günſtiger Ernteausſichten. Mais wurde
wiederum etwas reger gefragt und La Plata=Ware, hier verfügbar, zu
220230 Mk. pro 100 Kilo brutto für netto bahnfrei Mannheim gehan=

Helt. Mais=Bezugsſcheine waren lebhaft begehrt und wurden fi.
diſche weiße Scheine 4042 Mk. für heſſiſche 3840 Mk., für wüüü
bergiſche 4041 Mk., für bayeriſche 32 Mk. gefordert, für rote SS.
aber noch mehr geboten.
R
Saaten. Das Geſchäft hielt ſich in beſcheidenen Grenzen bsi
veränderten Preiſen. Es notierten: Neuer inländiſcher Rotklee 880
1400 Mk., italieniſche Luzerne 20002400 Mk., Provence=Luzerna
bis 2800 Mk., Rapsſaat ohne Sack 420475 Mk., Leinſaat mit Soit
bis 45 Mk., Wicken 18030 Mk., alls per 100 Rilo mach Mist MthlfeDe.
Mannheim.
Futterartikel. Hier zeigte ſich etwas mehr Intereſſe für-3,c iſt aller 90e
gemüſe und Oelkuchen. Es wurden bezahlt für Miſchgemüſe 901
brutto für netto, für Trockenſchnitzel ohne Sack 115120 Mk., für
nußfuchn loſe 210-20 Mk., für Seſankuchen 1854 f0 Mk., für M geit herhdt.
kuchen 168170 Mk., für Palmkernkuchen 127130 Mk. pro 100 K
ſüddeutſche Stationen. Für Ravskuchen forderte man 120125 Mkl
Sack, für Gerſtenfuttermehl 180174 Mk., für gelbes Maisfutt:
160 Mk., für weißes Maisfuttermehl 165 Mk. pro 100 Kilo ab füdä Hiſeres, ſeNr. *
Stationen.
Mehl war in amerikaniſchem Weizenmehl Firſt elear zu 8,2536
Second elear zu 6,45 Doll., ſchwimmend auf Hamburg, 1. Sorte B
Dollar, 2. Sorte zu 6,70 Doll. pro 100 Kilo eik Hamburg zu habee
W
Rauhfutter. Das Negenwetter hat verflauend gewirk.
Preiſe konnten ſich jedoch halten. Man notierte: Wieſenheu 90 ME.
kleeheu 110115 Mk., Luzerne=Kleeheu 130140 Mk., Preßſtroh
NWM
60 Mk. gebündeltes Stroh 5560 Mk.
Hülſenfrüchte. Auch hierin hat ſich die beſſere Nachfra
Hie in Säutlugepilese.
hauptet und kamen einige Abſchlüſſe zuſtande, ſo in grünen frär
ſtraße in feiln
Landerbſen zu 225235 Mk., geringere Futtererbſen ſtellten ſich auuſk auoder Bert
auch d beſe
Mark, beſſere auf 200230 Mk., Speiſeerbſen auf 220270 Mk. msm geht
n zu Diehſe
ländiſche auf 220260 Mk., Rangvonbohnen auf 130135 Mk.,
M Neie
bohnen auf 115 Mk. Ackerbohnen auf 220 Mk., inländiſche LinfinP, giener auwigehofen. S De
350500 Mk., ausländiſche auf 350550 Mk., Reis Saigon I auf 38)

Valencia=Reis auf 550 Mk., alles pro 100 Kilo bahnfrei Mannhei, FiesetA
Wein. Der Froſt hat in manchen Lagen der Pfalz 60 bis 7
zent der jungen Triebe vernichtet. Die Ernteausſichten für dieſes F peiblich
ſind deshalb ſehr gering. Im Handel herrſcht Nuhe.
Holz. Die Marktlage iſt durchweg flau, bei den Säge,
Sienotypiſtin
herrſcht Geſchäftsſtille.
Tabak. Die ſtraffere Anwendung der Zollmaßnahmen wäd ziſtigung für
bisher noch ungehinderten Verkehr vom linksrheiniſchen nach dem
kütgen
rheiniſchen Gebiet und umgekehrt etwas mehr beeinträchtigen. Im
).
ſt vork
fermentierten 1920er Tabake wurden in Seckenheim, Friedrichsfe
uer V37 m
Edingen ſeitens der Pflanzer einige hundert Zentner zu 80010-0/Füſſe. *
pro Zentner abgeſetzt. Ferner wurden 1920er badiſche Oberländ=
bake
, prima Umblatt, zu 1400 Mk., Originaltabake zu 1200130
Ha,K
von auswärtigen Fabrikanten gekauft. Die Mai=Fermentation
SES
A r
durch die kühle Witterung ſtark beeinträchtigt. Auch für die
FV8
Pflanzen iſt die Witterung ſehr ungünſtig; ſie entwickeln ſich nir Ich
und follen doch bald als kräftige Pflänzchen auf den rauhen Acke/W fiſteſ. Cu9522

igen des Hans
chaus erf

kommen. Auf dem Rippenmarkt iſt die Lage unverändert geblie
Schiffahrt, Frachten und Kohlen. Der letzte Ree
für kurze Zeit ein weiteres Zurückgehen des Waſſerſtandes verE
Fantein
aber eine regere Tätigkeit in der Schiffahrt nicht ermöglicht. Die
fahrt liegt nach wie vor ganz danieder. Die Frachten ſtellten 79
40 Pf. pro Tag und Tonne und der Schlepplohn auf 4850 Aff
Rhein=Ruhrhäfen nach Mannheim. Kahnraum iſt genügend vorlu
ia a8 ecte
Die Kohlenzufuhren haben auch auf der Bahn nach Süddeutſchla
nachgelaſſen, da durch die neuen Zollgrenzen die Zollbahnhöfe wrſlen halſe. 4
ſind und nur ſehr ſchwer ſich Kohlenzüge durchſchaffen können. Mue 150
Der Häutemarkt im Monat April.
b. Die Preiſe für alle Gattungen Häute und Felle, außer
fellen, ſind im Monat April wieder erheblich geſtiegen. Auf den
Auktionen war der Beſuch und die Kaufluſt gut und das zum AMatz rechts, (*12501
gebrachte Gefälle fand überall Käufer. Die neuerliche Aufwärs
gung am Rohhäutemarkt hat auch bereits das Geſchäft am Lede
wieder mehr belebt und dürſte auch hier mit einer neuen Preisſtei /= Nädchen
ſoweit nicht ſchon geſchehen, ſehr bald zu rechnen ſein. Aus nacFZufdienſt. Wo
der Statiſtik iſt erſichtlich, in welchem Umfange die Preiſe gegenü benlebeſchäftsſt. (enn
Märzpreiſen geſtiegen ſind, und zwar erzielten für norddeutſche Wr
März
April
Ninnlich
Ochſenhäute pro Pfund
78,50 Mark 818 Mark
712
Bullenhäute pro Pfund
69,50
Fiemaliger
8,50
Kuhhäute pro Pfund
8,5011,50
Noßhäute pro Stück
140200 142230
henſchmiet
Kalbfelle pro Pfund
810
91
56
Schaffelle pro Pfund
45
44, ſucht Lebem

V
*

Frankfurt a. M., 7. Mai. (Wolff.) Nach der von der
furter Zeitung berechneten Großhandelsindexziffer,
auf den Aotierungen der 77 wichtigſten Warenartikel aufbaut, ha‟
im April die Preisabſchläge und Preiszuſchläge die Wage geha
daß ſich die Indexziffer für Anfang Mai auf 130 ſtellt; das
gleiche Stand wie Anfang April d. JJ.
Mannheim, 3. Mai. (Wolff.) Die heute unter dem Vord
Hevon Kommerzienwats Pheodor Frank ſtattgefundene o. G.=V. dr
diſchen Bank ſetzte die ſofort zahlbave Dividende auf 9 2
Gail
und erteilte die Entlaſtung. Bankdiwvektor a. D. Wilhelm Hoffn 3
Karlsruhe wurde in den Aufſichtsrat gewäh
Berlin,
Mai. Nach dem Aufſichtsratsbeſchluß
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Sprengſtoff. A.=G. wir
Ech
den 30. Mai einzuberufenden o. G.=V.
die Verteilung einer
12,8 Prozent vorgeſchlagen. F
r wird beantragt werder
Stammkapital von 26 Milliomen im 14 Millionen auf 40 Milliug
erhöhen. Die jungen Altien nehmen an der Dibidende des la‟
Geſchäftsjahres in vollem Umfange teil. Sie ſollen einem Bani4
tium übergeben werden, das den Akvionären auf je zwei alte Akt
junge Aktie zum Kurſe von 140 Prozent plus 2½9 Prozent als A6/
für Stückzinſen für das erſte Halbjahr anzubieten hat.

Nele, Feig
ufdienſt
.

a8 Schm
ter d.

8e
*=
2

Bekanntmachung.
Körperſchaftsſteuer.
Aufforderung zur Aumeldung ſteuerlich wichtiger
Vorgänge.
Die körperſchaftsſteuerpflichdigen Pevſonenvereini=
zungen
und Zweavermögen, die im Bezirke des Finanz=
imts
den Ort der Leitung oder, wenn der Ont der Lei=
tung
im Ausland liegt, ihren Sitz, emnen nach 8 71
Reichsabgabenordnung beſtellten Vertreter oder den
größten Teil ihres inländiſchen Vermögens haben, wer=
darauf
hingewieſen, daß ſie verpflichtet ſind, fol=
gende
für die Steuerpflicht wichtige Vorgänge jeweils
binnen drei Wochen näch ihrem Eintritt dem unter=
zeichneten
Finanzamt anzuzeigen:
1. ihre Gründung ſowie den Eintritt von Tatſachen,
die ihre Steuerpflicht oder eine veränderte Steuuer=
pflicht
zur Folge haben;
2. den Erwerb der Rechtsſähigbeit, den Uebergang
aus einer Rechtsform oder Geſellſchaftsform in
eine andere, ſowie die Verſchmelzung (Fuſion) mit
einer anderen Geſellſchaft;
3. die Verlegung des Ortes der Leitung oder des
Sitzes in das Inland ſowie die Verlegumg beider
in das Ausland;
4. die Beſchlußfaſſung über die Auflöſung oder den
Eintritt der Auflöſung aus anderen Gründen;
5. die Beendigung der Vermögensauseinanderſetzung
(Liquidation) und die Löſchung im Handels=, Ver=
eins
= oder Genoſſenſchaftsregiſter.
Die Pflicht zur Anzeige trifft die geſetzlichen Ver=
ſtände
, Geſchäftsführer oder, wo ſolche bei
treter
Verſo=
reinigungen
nicht vorhanden ſind, die Mit=
glieder
oder Beteiligten (88 84, 86 der Reichsabgaben=
ordmung
),
Die Unterlaſſung der Anzeige iſt nach 8 27 des Kör=
verſchaftsſteuergeſetzes
und 8 377, der Reichsabgaben=
ordnung
mit giner Ordnungsſtrafe von 5 bis 500 Mk.
bedroht. Sie kann eine Haftung für den Steueran=
fpruch
zur Folge haben (8 90 der Reichsabgaben=
ordnung
).
Körperſchaftsſteuerpflichtig ſind:
1. die Erwerbsgeſellſchaften (Aktiengeſellſchaften, Kom=
manditgeſellſchaften
auf Aktien, Kolonialgeſellſchaf=
ten
, bengbautreibende, rochtsfähige Vereinigungen
und nichtrechtsfähige Beragewerkſchaften, Geſell=
ſchaften
mit beſchränkter Haftung, ſonſtige Perſo=
menvereinigungen
mit wirtſchaftlichem Geſchäftsbe=
triebe
, deren Zweck die Erzielung wirtſchaftlicher
Vorteile für ſich oder ihre Mitglieder iſt);
2. die Evwerbs= und Wirtſchaftsgenoſſenſchaften, Ver=
ſicherungsvereine
auf Gegenſeitigkeit und die politi=

ſchen Parteien umd Vereine mit eigenem Gewerbe=
betriebe
;,
3. ſonſtige juriſtiſche Perſonen des bürgerlichen Rech=
tes
, insbeſondere eingetragene Vereine, rechts=
fähige
Anſtalten und Stiſtungen;
4. juriſtiſche Perſonen des öffentlichen Rechtes, ins=
beſondere
kirchliche Körperſchaften, Anſtalten und
Stiftungen;
5. nichtrechtsfähige Perſonenvereinigungen und Zweck=
vermögen
mit Ausnahme der offenem Handelsge=
ſellſchaften
der Kommanditgeſellſchaften und der
fonſtigen Erwerbsgeſellſchaften, bei denen die Ge=
ſellſchafter
als Unternehmer (Mitunternehmer) des
Betriebs anzuſehen ſind.
Die Steuerpflichtigen werden ferner darauf hinge=
wieſen
, daß ſie jeweils nach Ablauf ihres Geſchäftsjahrs
(Wirtſchaftsjahrs) eine Steuererklärung abzugeben ha=
ben
. Wenn ihnen eine beſondere Aufforderung hierz=
nicht
zugeht, iſt die Steuererklärung binnen der Friſt
von drei Monaten nach Ablauf des Tages abzugeben,
an dem das Jahresergebnis (der Jahresabſchluß) von
den zuſtändigen Organen feſtgeſtellt worden iſt.
Die Evwerbsgeſellſchaften (Abſ. 4 Nr. 1) haben ohne
beſondere Aufforderung binnen einem Monat nach
Feſtſtellug der Bilanz oder des ſonſtüigen Abſchluſſes
dunch die zuſtändigen Organe
zehn v. H.
des Reingewinns als vorläufige Zahlung auf die Kör=
verſchaftsſteuer
zu entrichten. Aicht rechtzeitige Ent=
richtung
hat einen Zuſchlag von zwanzig v. H. der end=
gülltig
feſtgeſetzten Steuer zur Folge.
Die Vordrucke der Steuererklärungen ſind zur Zeit
noch nicht fertiggeſtellt und können erſt in etwa dier
Wochen von dem Finanzamt bezogen werden.
Darmſtadt und Langen, den 6. Mai 1921. (5586
Die Finanzämter:
Darmſtadt=Stadt.
Darmſtadt=Land. Langen.
Stroh.
Metz.
Dr. Joſt.
4 trächtige Milchziegen
werden Donnerstag, den 12. Mai Ifd. J8., nachm.
4 uhr, im ſtädtiſchen Altersheim, Frankfurterſtr. 35,
gegen Barzahlung verſteigert.
(st5614
Darmſtadt, den 6. Mai 1921.
Städt. Wohlfahrtsamt.
Die am 6. ds. Mts. in Darmſtadt abgehaltene
Nutzholzverſteigerung iſt genehmig. Diesſeits gehen
die Abfuhrſcheine am 8. ds. Mts. an die Kaſſenſtellen
ab. ueberweiſung und erſter Fahrtag auf Wunſch
bereits Dienstag, den 10. ds. Mts., 8 Uhr vorm.
Darmſtadt, den 7. Mai 1921
Heſſiſche Oberförſterei Kranichſtein.
pan der Hopp.
(5602

ichreibmaſchin
maphie, aud
bewandert
ebote über
Längl
Al
4 an die
(5447
bicher
eimerin
Aut, Ha
10
ie Weſt
2. (192

Am Pfingſtſamstag
dem 14. Mai 1921
ſind die Geſchäftsräume unſerer Mitglieder
geſchloſſen.
Vereinigung Darmſtädter Banken
und Bankiers.
(P,5607

*
Aintn Stt Morn

um im Beruf u. Vereinen Erfolg zu haben. (5168a
Fachm.
Ludwig=
unterricht
. Dir. F. Baum ſtraße 8.
A
*ekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß wir die
bisher von den Herren F. Lausberg & Co. in
Frankfurt a. M., Kronprinzenſtr. 49, verwaltete
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(*19312 [ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 8. Mai 1921

Seite 11

Totengeſpräche, waren unſere Gedanken fahl wie Moder? Viel=
leicht
, daß wir ſchon längſt geiſtig hinüber waren, vielleicht war
unſer hitziger Wortkampf ein Geſpenſterlallen, vielleicht würden
wir dereinſt blöd, hirnlos wieder daheim ſein unter den lebendig
Gebliebenen.
Einer ſagte: Denken wir uns einen ſublimen, hohen Men=
ſchen
ſo viele Jahre lang hier vergraben, einen (ich mag keinen
Namen nennen). Kann man ſich ausdenken, daß er es über=
ſtanden
hätte?"
Ein anderer: Da hätten wir die Wahl! Sind wir nur ver=
nichtet
oder nie geweſen?
Der dritte: Aber Doſtojewski hat es länger überſtanden
und wurde dazu noch beleidigt und geknutet. Ein Bakunin hat
es überwunden, in Einzelhaft, an einen Ring geſchmiedet!
Mit dieſem letzten Troſt ging man auseinander, beſeligt und
beſoffen.
Des Feindes Land
Im Juli 1914 dachte in Oſtafrika keine Seele an Krieg. Als
ich auf der Gertrud Woermann in Mombaſſa einlief, berich=
tete
zwar ein Bündel Reutertelegramme von dem Mord in Sera=
jewo
. Aber die Zeitungserwägungen Folgen des Anſchlags
ſagten weniger, als ihre Verfaſſer glauben mochten. Da zog ſich
jeder die Decke über den Kopf, um nur das Donnern nicht zu
hören, das dennoch ein politiſches Ohr damals ſchon erkennen
mußte.
Mombaſſa iſt ein altes Küſtenneſt, ſchmierig wie irgendeins
und alltäglich trotz ſeiner Geſchichte und ſeiner romantiſchen
Lage. Verrottete Straßen, ein Fort in Ruinen, die Häuſer bau=
fällig
, und die Tiſchtücher für dieſe Hotels und dieſe Straßen
konnte der Krieg keine Greuel haben!
Ich fuhr nach Nairobi, der Hauptſtadt, in der Englands
Statthalter thront, zum Pferderennen. Alle Züge waren über=
füllt
, denn die Rennen ſind das geſellſchaftliche Ereignis von
Britiſch=Oſt. Wer ſeine Jugend nicht vergeudet, ſondern im
Kino fleißig Ethnographie ſtudiert hat, kann ſich von der Stadt
einen Begriff machen. Wildweſt, wie die amerikaniſchen Blitz=
bilder
es ſchildern: Ein mächtiges Hotel, ein Bankpalaſt, ein
Theater. Dazwiſchen lungern Eingeborene um offene Feuer; da=
zwiſchen
liegen Kehrichthaufen, die keinen ſtören. Kraftwagen
ſauſen im 40=Kilometer=Tempo um die Ecken, daß jeder Fuß=
gänger
ein Held ſcheint. Vor den Rickſchahs traben betreßte
Negerjungen in den Farben, die ihr Herr zu ſeinen Farben
gemacht hat. Und gebrüllt wird! Hupen und Fahrradklingeln,
geheulte Arbeitsangebote der Mohren, dazu ihr Geſang und ihr
Spielen, ihr Zeitungsausſchreien. Das macht Freude, da be=
kommt
man gleich alle Poren voll Orient. Straußenſtaub und
Zwiebelgerüche und Negerſchweiß, das gibt ja auch ſo etwas von
afrikaniſchem Freudentag für die Naſe, daß man aus dieſem
Konzert für alle Sinne nicht einen Mißton und nicht einen Ge=
ſtank
preisgeben möchte.
Ich war gleich mitten drin; das war ja ein Sturzbad nach der
langen, trockenen Reiſe. Ich trank Schnaps an der Bar, an der

jedes Ding, das zwiſchen einer Briefmarke und einem Löwen in
das Bewußtſein dieſer trinkenden, glattraſierten Wildoſt=Gents
treten mochte, halbe Stunden lang, aber ohne eine einzige Wie=
derholung
, verflucht wurde. Ich ſaß im Gerichtsſaal, wo dreimal
ausgekochte, dreimal mit allen Spülwaſſern gewaſchene Inder
den Richter beſchwatzten und die dummen, dummen Neger um ihr
armes bißchen Alles prellten. Ich kaufte im Baſar ein, bei Ver=
käufern
aller Farben, ich ſtand als Verkehrshindernis auf der
Straße und ſchnoberte und glotzte.
Die Läden hatten große Spiegelfenſter und Rieſenpreiſe. Das
Geld ſurrte in beſchleunigtem Kreislauf durch Kaſſen und
Taſchen, jede Rupie dreimal rund, ehe ſie im Erdloch unter einem
Inderbett oder im feuerſichern Geldſchrank eines großen Herrn
zur Ruhe kam.
Es gibt in den Tropen viele Engländerinnen, die Blüten=
geſichter
haben, ganz leere, maskenhafte, entzückend ſchöne. Wenn
man ſeeliſch an gar nichts teilnimmt, ſein Geſicht nie der Sonne
ausſetzt, für jeden Handgriff einen Boy hält und Dinge der Liebe
viel, aber nichts als ein Erlebnis, ſondern nur als ein Reizmittel
genießt, dann kann man ſo ausſehen: ſo boticellihaft heilig und
nichtswürdig, ſo jenſeitig fremd und doch ſo zu Haufe in hüb=
ſchen
Laſterhaftigkeiten. In ſolchen Geſichtern las ich mich ſatt,
las von erſchütternden Lebloſigkeiten und anregend revolutio=
nären
Lebendigkeiten, von ſehr viel mit Ueberzeugung begange=
nen
Infamien, ſehr viel von Tropenhygiene des Leibes und
der Seele.
(Fortſetzung folgt.)

Weltbummel in Eiſen.

Von Balder Olden.
nisches -Copyright 1919 by Carl Duncker, Berlin.
(Nachdruck vervoten.)
es ſchon bei Gründung der Hochſchule erſtaunlich ge=
eviel
immerhin mögliche Lehrkräfte ſich unter den paar

Befangenen fanden, ſo war es doch das größere Wunder,
Iternd die Möglichkeit, etwas zu lernen, wirkte. Stunde
De, ſo oft die Dozenten ſich in den Kollegräumen ab=

zum Teil nur den Lehrſtuhl verließen, um unter den
Blatz zu nehmen, von morgens 8 Uhr bis nachmittags
ja noch manchmal in den Abendſtunden, liefen Scharen
ur chen, Kommis, Maſchiniſten, Matroſen, Köche mit Map=
Seften durchs Lager. In allen Baracken, an allen ſelbſt=
niten
Schreibtiſchen wurde geübt und geochſt. Natürlich
Haufe des Semeſters bei Dozenten und Hörern der Eifer
lber eiß ſehr großer Teil gedieh doch bei gut beſetztem
ſirm bis zum Ende des Semeſters. Den ſtärkſten Erfolg
Allgemeine Volkswirtſchaftslehre von Dr. Walter
der es verſtand, Grundbegriffe von Wirtſchaft und
ſtematiſch aufzudecken, in all die von jeder Zeitung neu
urrenen Probleme auch den wirrſten Köpfen einige Klä=
bringen
. Wenn er las, war nicht nur der Barackenraum
chaußerhalb der Wellblechwände ſaßen Zuhörer in langen
horchten und ziſchten Ruhe, wenn der Kuchenverkäufer
imn m Schlachtruf: Kuchen! durch dies Freiluftkolleg
waren die Höchſtſpannungen unſeres Widerſtandes
das farbloſe, infame Elend, in dem wir lebten. Ir
glücklicheren Momenten habe ich die Erlebniſſe meiner
ſchen Kriegszeit geſchildert, ängſtlich die Stunde nützend,

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ließen
, und deren Mißlingen uns dann wieder ganz
Farf. Die heiße Zeit lähmte Kopf und Glieder. Da gab
h,an denen man an jedem Tagesanfang von der faulen
ſiven Armut ſeiner Umgebung tiefer verwundet war. Man
hnicht leſen noch arbeiten, die Tagesſtunden drückten ſich
beine einzige Marter. Am Abend traf man ſich mit Freun=
ine
Flaſche ſchnapsartigen Gebräus entzündete die Hirne,
Gedanken frei, ließ uns in Erinnerungen leben oder um
er Wiſſenſchaft ſtreiten. Man kam ſich manchmal klug,
und geiſtig vor.
Arwir alle lebten ja ſchon ſo lange in dieſem Maſſengrab,
hen wenig Nachrichten und kaum ein neues Buch und keine
Und auf einmal war uns das klar: wir hielten uns
ſndig, aber wir hatten ja keine Vergleiche! Führten wir

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Seite 12.

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Geſellen=Prüfungsausſchüſſe des
Ortsgewerbevereins und der Innungen
Darmſtadt.

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4½ Uhrz pünktlich, im großen Saale des ſtädt.
Saalbaus, Riedeſelſtraße 40, ſtattfindenden Ueber=
reichung
der Geſellenbriefe, ſowe zur Beſichtigung
der damit verbundenen

Ausſtellung der gefertigtenGeſellen=
ſtücke
und Arbeitsproben

die nur am Freitag, den 13. Mai, vormittags von
9 Uhr geöffnet iſt, laden wir hierdurch die Eltern und
Lehrmeiſter der Prüflinge, die Prüfungsmeiſter und
Prüfungsgeſellen, ſowie alle Freunde des Handwerks
(S6os
ergebenſt ein.
Darmſtadt, den 6. Mai 1921,

Der Vorſitzende
des Geſellen=Prüfungsausſchuſſes des
Ortsgewerbevereins Darmſtadt:

Georg Kraus.
NB. Die Prüfungsmeiſter werden hierdurch er=
ſucht
, die noch in ihrem Beſitze befindlichen Prüfungs=
akten
umgehend abzuliefern.
Die Lehrliuge werden erſucht, ihre Geſellenſtücke,
mit Namen verſehen, am Donnerstag, den 12. Mai,
nachmittags von 3=7 Uhr und Freitag, den 13. Mai,
vormittags von 7-9 Uhr im ſtädt. Saalbau abzugeßen

Tel.

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anſchließend Tanz im großen Saale.
Leitung:
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Herr Obermuſikmeiſter M. Weber.

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Lustspiel in 2 Akten.
Einlagen.

Sch
der

iMe
Mes

Mittwoch, den 11. d. Mts., abends
findet in der Reſtauration Sitte, Karſ=
die
Mitgliederverſammlung s
Bundes d. Auslandsdeng

ſtatt,
5576)

zu welcher wir die Miglieber fröl.
Der Vor/

Flugtechniſcher Verein Daruk
Sonntag, 8. Mai 1921, 3 UB
findet das
Ame.
I. große Modellwettfliel
gegen den Verein für Modell= u. Siſt
Frankfurt ſtatt.
Kav.=Exerzierplatz.
Vormittag 10 Uhr Ausſtellun
der Modelle im Rummelbrär

Kn
in der
Spanischen Bodel
Zum Palais, Hügelsk?
findet heute Sonntag, von 5U)

grosses Konzel
statt, mit den neuesten Schlas

Gleichzeitig emplehle ich meine spanä!
Weine herb und elles in grosser Ausc

Uanndnnnnnnannnnnnnsee

[ ][  ][ ]

Merhmſtamgeditt hantt

immer 18

Darmſtadt, 8. Mai

Jahrgang 1921

Was iſt das für eine Gottesverehrung, daß du vor
ärum und Ehre zwar nicht niederknieſt, aber doch Herz
Sinn, deines Ich vornehmſten Teils, ihnen zum Opfer
heßt? Das heißt Gott anbeten mit dem Leib und Fleiſch,
zikich aber im Geiſt das Geſchöpf anbeten. Dieſer Götzen=
t
herrſcht in jedem Menſchen, bis er durch die Gnade im
eusen an Jeſus Chriſtus geheilt wird.
Luther.

Heim und Heele.

hir Heim trägt den Stempel der Perſönlichkeit in ſich.
TAwenEMlSbel und die ganze Einrichtung, beſonders auch die Kunſt=
ände
, legen Zeugmis ab von unſerem Geſchmack und geben
ein Bild unſerer Vorſtellung von Schönheit.
ſgt man in ein Zimmer, das muan noch micht geſehen, ſo
ſnrn unwillkürlich die ganze Eimpichtung desſelben und
waus ſeine Schlüſſe. Ja, man geht hievin ſo weit, daß
haus der Wohnungseinrichtung ein Urteil über den Cha=
es
Inhabers derſelben bildet. Und der aufmerkſame Be=
hI

wird ſich hierin in ſeinem Urteil nicht getäuſcht ſehen.
Uinn
fart man z. B. einen Raum, in dem ſchreiender Luxus
und der eine vornehme Linienführung, feine Abſchattie=
ſw
. vermiſſen läßt, ſo kann man mit Sicherheit daraus
laltg
daß der Inhaber allerdings reich iſt, aber keinen Sinn
chinheit und Kunſt beſitzt. Ein troſtloſes Durcheinander
ſern eines Wohnraumes zeugt von dem vegelloſen aben=
her
Leben des Beſitzers, der vielleicht auch noch leichtſiwnig
man in die Wohnung eines in geordneten Verhältniſſen
Beamten, ſo mutet einen ſofort eine peünliche Ordnung
ſanzen Wohnung an, wenn dieſelbe oft auch ſehr nüchtern
n., zumal bei dem kleinen und mittleremn Beamtenſtande
A.
ſer Heim läßt aber nicht nur einen Schluß auf unſeren
heae
ter zu, ſondern auch auf unſere Lebensverhältniſſe, ja es
ſich in ihm eine ganze Zeitperiode wider, ſodaß dadurch
Fint einen gewiſſen kulturhiſtoriſchen Wert erhält. Man
die äußerſt wertvöllen Ausgnabungen alter hiſtoriſcher
Was für wichtige Aufſchlüſſe geben uns dicſelben hin=
des
Lebens und Treibens der damaligen Bezohner. Ein

eulturbild entrollt ſich unſeren Blicken, wem das Haus
iten Römers aus Schutt und Aſche ausgegraben und in
iſaen Teilen rekonſtruiert wird.. Man gewinnt gewiſſer=
amen
Einblick im die Seele der altem Völber, was für
Hium des Volkstums von außerordentlicher Wich=
mri
unſer Heim ein Spiegelbild unſeves Weſens darſtellt,

auch mitunter der kleinſte, unſcheimbarſte Gegenſtand
ürr richtigen Beurteillung eünes Menſchen ſein. Ein alter
der wie zu Großvaters Zeiten noch ſeinen Ehrenplatz
der altmodiſche Nähtiſch der Mutter, das ſind Erimer=
Ee in ihrem Ausdrucke ein günſtiges Licht auf das Ge=
di
Seele desfenigen werfen, der in dieſer Weiſe ſeine
ine Dankbarkeit und ſein Herz dokumentiert.
der menſchliche Körper nicht ſelber eine Wohnung
Menſchen Seele? Wie ſagt Schiller in ſeiner Huldigung
te?:
och Schömres find ich wichts, wie lang’ ich wähle,
s in der ſchönen Form die ſchöne Seele.
kann mam auch in übertragenem Sine auf die Alltags=
und des Menſchen Seele anwenden: es gibt im der
etwas Anſprechenderes als in einer ſchönen Wohnung
e Secle!
P. S.

Tage in Salzburg.
Von Richard Rieß=München.

twürdig berührt fühlt ſich der Deutſche, der nach den
nerhalb der eigenen Grenzpfähle verbrachten Jahren zum
ile wieder den Fuß auf fremde Erde ſetzt. Hat doch in
it jedes Land, nach der Umwälzung durch den Krieg und
gen, neue, eigene Lebensbedingungen erhalten, und der
Zaſt wird, im bekannten Städtchen, zum Entdecker und,
dung des eigenen Kreiſes gedenkend, zum Vergleicher.
Das Märchen im Buchenwald.

Schon die Vorbereitungen auf die Fahrt geben dem Unternehmen
eine Wichtigkeit, vor der ſtaunt und lächelt, wer, vor 1914, öfters
ſeine Ausflüge ins Nachbarland machte. Zwei Gänge auf die
Polizei umrahmen die Bemühung, vom Nentamt die Ausreiſe=
fenehmigung
zu erhalten. Nach Tagen liegt das Paßheft, bebil=
dert
und ſtempelvoll, zur Abholung bereit. Du hältſt es, nach der
dreiſtündigen Schnellzugsfahrt, wichtig in der Hand, wenn Du,
Glied einer langen Schlange, vor den deutſchen Paß=, den öſter=
reichiſchen
Zollſchranken am Salzburger Bahnhof harreſt. Zehn
Augen prüfen. Ein wenig müde vom langen Anſtehen, lächelſt
Du, deutſcher Schriftſteller, Anno 21, vor der Frage des Grenz=
Inquiſitors, ob etwa Du größere Geldbeträge mit Dir führſt.
Deiner Antwort und ehrlichen Miene wird ohne nähere Prüfung
getraut, auch von den Zollwächtern Oeſterreichs, und, wenn Dir
die Schauergeſchichte von den hochnotpeinlichen Kabinen= Uuter=
ſuchungen
, denen jeder Reiſende ausgeſetzt ſein ſoll, wieder ein=
fällt
, biſt Du längſt, ohne im mindeſten ſchikaniert worden zu ſein,
auf der Straße der ſchönen Stadt.
Der blaueſte Aprilhimmel, ein gütiges Geſchenk nahenden
Lenzes, liegt über Gaſſen, Plätzen und Fluß, und über der Fels=
höhe
der Burg iſt ein weißes Wolkenkränzchen wie Heiligenſchein
gelagert. Haſt Du einen der Hügel erklommen, dann liegt die
Stadt, zu beiden Seiten der Salzach, wie hingetuſcht, unter Dir.
In klarer Zeichnung heben ſich die Türme der achtundzwanzig
Kirchen aus dem Bilde. Ueber allem wacht die Hohenſalzburg,
alt und hart und feſt. Krone des Felſens, unnahbar menſchlichen
Schritten, wenn der Herr der Burg es nicht will, dreifach durch
Sperrbögen geſchützt, ein ritterlich=wehrhafter Platz bevor Ka=
nonen
aus der Ferne Eiſen zu werfen gelernt. Dort oben herrſch=
ten
Salzburgs Erzbiſchöfe, denen weite Gebiete untertan waren,
herrſchten, oft gegen den Willen der Städter, die, zu den Füßen
des Felſens, ohnmachtig murrten . . . Die Burg iſt eine kleine
Stadt für ſich. Neben den Prunkſälen, wo getafelt und Gericht
gehalten wurde, ſind ſteinbödene Soldatenhallen gelagert, in
denen die Reiſigen hauſten, der kirchlichen Herren Leibgarde. Hier
waren während des Krieges gefangene Italiener untergebracht.
Von harter Gerichtsbarkeit kündet ein Turm, in den Folterkam=
mern
und Verließe an die grauſame Rechts= (oder Unrechts?=)
Pflege jener Jahrhunderte erinnern.
Der Wanderer kehrt in die Stadt zurück. Er geht über die
Plätze und bewundert das ſchönſte ſüddeutſche Barock. Erinne=
rungen
an italieniſche Bauherren und an Meiſter Bernh. Fiſchers
deutſche Kunſt. Ein Platz ſchließt an den anderen, ſo daß dieſe
Plätze königlich=prunkhaften Durchgängen gleichen. Pompöſe Tore
führen in Prunkhöfe und die Phantaſie bevölkert ſie mit dem
üppigen Gefolge im Scharlachgewand hoheitsvoll dahinſchreiten=
der
Kirchenfürſten. Denn dieſe Stadt, deren Architektur der Aus=
druck
eines feierlichen Lurus iſt, iſt eine Stadt des Feſtlichen,
Großartigen, Ueppigen. Und ſo fällt denn ſchmerzlich der Gegen=
ſatz
auf von der verſchwenderiſchen Schönheit des baulichen Aus=
drucks
und der ärmlichen, gedrückten Phyſiognomie des gegenwär=
tigen
, notreichen Lebens. Die Prunkplätze wirken hier nur als
Kuliſſe. Es iſt, als ſeien die wenigen Menſchen, die ſie bevölkern,
werktätig gewandte Schauſpieler, die erſt die Stunde der Vor=
ſtellung
in den Prunk rufen wird, der dem der Dome und Paläſte
entſpricht. Salzburg leidet ſchwer. Man ſieht es nicht, wenn
man mit oberflächlich=genügſamem Auge die Umwelt der großen
Hotels betrachtet. Hier herrſcht die Atmoſphäre der ſtarken Va=
luta
. Hier ſind Menſchen, die von den ausländiſchen Geldbeuteln
profitieren. Wer aber tiefer zu ſehen ſtrebt, wird das wahre Ge=
ſicht
dieſer Stadt und dieſes Volkes erkennen. Die Menſchen
ringen mit der Not des Lebens. Wertlos, faſt iſt die Krone.
Heller, der Kronenteil, iſt nur ein Name. Das beſcheidenſte
Eſſen koſtet 100 Kronen. 1220 Kronen ein Ei, 3040 Kronen
der Veſperkaffee mit dem öſterreichiſchen Kipferl. Wir Deutſchen,
die wir in unſerer Heimat von neutralen Beſuchern ſelbſt be=
mitleidet
werden, weil zehnfach der Wert ihres Geldes; wir füh=
len
hier unſeren eigenen ſchmalen Geldbeutel gewichtig, und, ſel=
ber
an Preiszahlen gewöhnt, glauben wir, billig zu leben, da
wir die Kronenrechnung durch elf oder gar zwölf dividieren
dürfen, bevor wir ſie in Mark begleichen. Wir, die wir für die
Poſtkarte bald 40 Pfennig zu zahlen haben, empfinden es als
Erlebnis, für 89 Pf. korreſpondieren und den Brief mit 17 Pf.
rankieren zu dürfen. Die Salzburger aber, denen keine Indu=
ſtrie
die Möglichkeit gibt, ihre Einnahmen mit der Geldentwer=
tung
in Einklang zu bringen, empfinden die Hand, die den Wert
der fremden Währung hoch treibt, als Würgefauſt, unter der ſie

Von Ernſt Eimer.
alte Wurzelmännchenkönig Mooſerich guckte aus dem
und ließ ſeine Glatze von der Sonne beſcheinen. Mit
Hand ſtrich er bedächtig ſeinen langen weißen Bart und
ſchüber ſein Leben. Er konnte zufrieden ſein. Vor
ahren hatte ihn ſein Volk, das 1713 Köpfe zählte, zum
wählt. Da war er auf einen Baumſtumpf gehüpft, hatte
e gereckt und gerufen: Kinder; in meinem Reich ſollt
ſuit haben, die Braven lobe ich und den Spitzbuben gerbe
T. Amen!
iche waren etwas verſchnupft über dieſe kurze Rede ge=
aber
ein alter Mauſevater, der einmal im Zweikampf
te den Schwanz abgebiſſen und der Rätſel raten konnte,
eufen: Gebrüder, hier ſprach ein Weiſer, er ſoll unſer
Als Mooſerich grad an König dachte, ſauſte ein klat=
Wegenſtand ſo wuchtig auf ſeine Glatze, daß er ſich mit
tzten hohlen Zahn in die Zunge biß.
eklige Etwas, ein lebendiger grüner Frechdachs namens
watz mit hellgelbem Kamm auf dem Kopfe und einem
eid breiten Maul, hatte den Wurzelkönig von oben über=
er
ſaß dem Alten im Genick, kratzte mit ſeinen krallen=
Fingern an deſſen Schädel herum und ſchrie ihm in’s
ha, Du morſcher Hutzler, glaubſt Du, wenn man die
ofſe aus dem Aſtloch ſteckt, dann ſei’s geſchafft? Aber gel=
Bauch und geſpickter Beutel hindern die Bewegung.

ermoderter Roſtfink, mein Volk ſchnappt nach Freiheit
Storch nach dem Froſch. Es hat Schaum auf den Zähnen
ſackſen im Hirn
Hitze Ratſch Katſch,
Hitzeratſchkatſch
Ein Führer ſoll’s ſein,
Der haut alle Träumer
Zu Dreckſalat klein.
zu, altes Uebel, ein Führer ſoll’s ſein, der die Beine
bis8 an die Schulterblätter! Dieſer Führer bin ich und
aabgeſetzt. Und alleweil gib Acht, jetzt kommt Bewegung
V."
Flink wie ein Affe rutſchte Quaſſelſpatz dem Alten
oel hinunter, erwiſchte die Beine und warf ihn kopfüber
zuimloch hinaus.

er Ueberfall war für den guten behäbigen Mooſerich ein
kataſtrophaler Art. Ein Häufchen Laub am Boden hatte
m Sturz in die Tiefe gemildert, aber die Blamage päckte
THerzmuskel. Und die ganze Schändlichkeit der Minut=
erſt
zum Bewußtſein, als er jetzt nach ſeinem geliebten
Mgsfenſterchen hinaufblinzelte. Frech und kaulqu ippig

on der Quaſſelſpatz. Seinen gelben Kamm hatte er dro=
79
ngerichtet und ſchickte ſich eben mit dickmauligem Grinſen
* Naſe auf den armen Mooſerich zu ſchneuzen. Dieſer
aT ſolche Schamloſigkeiten ſprachlos und bis ins innerſte
Fſchüttert. Vor dieſem ſchmutzigſten Schickſal, das ihn

treffen ſollte, packte ihn die Verzweiflung. Auf allen Vieren kroch,
wand und wälzte er ſich weg von der Stätte des Grauens.
Als die Entfernung zwiſchen ihm und Quaſſelſpatz zwei Ha=
ſenſprünge
betrug, getraute er ſich erſt wieder umzuſehen. Er
entdeckte nun auch, daß die Sonne nicht mehr auf dem Waldboden
ſpielte; ſie war hinter einer großen grauen Wolke verſchwunden.
Da ging der vertriebene Mooſerich, von dannen und weinte heiße,
bittere Tränen.
Quaſſelſpatz winkte ein flinkes Erdmännchen, das ſich gerade
im Gebüſch einen Stecken ſchnitt, heran und ſagte dieſem: Hier
nimm das Horn unſeres Volkes, laufe damit vor alle Türen und
Kellerluken und blaſe hinein, bis Dir die Nieren ſchwellen.
Dann kreiſche hinaus: Im Königsguckloch ſteht und ruft die
neue Freiheit, die will Euch die Mägen füllen!
Während der Kleine davon rannte, ging Quaſſelſpatz an ſeine
erſte Amtshandlung. In der Regierungsſpeiſekammer ſtöberte er
zwei bauchige Töpfe mit eingemachten Himbeeren auf. Er
zwängte die Gefäße zwiſchen die Knie und verſchlang den Inhalt
mit ſeinen Fäuſten. Die leeren Töpfe warf er dann ſo geſchickt
zum Loche hinaus, daß die Scherben raſſelten. Und nun kommt’s
zweite, ſchmunzelte er und leckte behaglich mit der rot leuchten=
den
Zunge ſeine Naſenlöcher. Dann hielr er Ausſchau nach ſei=
em
Volke.
Die Botſchaft des Erdmännleins hatte gewirkt; die ganze
Gemeinde war auf den Beinen. Als Quaſſelſpatz von ſeinem
Fenſter aus 679 Köpfe gezählt hatte, ließ er ſeinen gelben Kamm
hochſteigen, ſpuckte in die Hände und gebot Ruhe. Leute, rie
er mit erhobener Fauſt, vor allem keinen Widerſpruch, ſonſt
wackeln die Hirnkaſten. Ich bin nun Euer König und das genügt.
Die Geſetze mache ich, aber die Ranzen ſollt Ihr Euch ſelber ſtop=
fen
. Nehmt die gefüllten Säcke der Gemäſteten und ſchüttet ſie
auf Eure leeren Teller, damit Euch’s Zähneklappern vergeht.
Hoppla, wer ſeinem Nachbar das Genick abhaut, hat’s Recht da=
zu
. Im freien Lande klirren keine Ketten. Und wer ſein Weib
nicht lieben mag, der ſoll es bleiben laſſen und ſich mit dem
Teufel verbinden, der hat noch allerlei Ware auf dem Lager.
Eine alte weiſe Eule, welche Ula hieß und der Rede in atem=
loſer
Spannung gefolgt war, ſagte leiſe zu ihrem Nebenmann,
einem Raben: Jakob, mich ſchaudert!
Und, fuhr Quaſſelſpatz mit erhobener Stimme fort, die
aulen, verweſten Kreaturen auf falſchen Poſten will ich, wollen
wir zerſchmettern und dafür ſetzen das lodernde Feuer der Rache,
der Tat. Mein Schädel brummt, mein Schädel brennt, mein
Geiſt iſt hell bewegt wie der vibrierende Spiegelſaal des Panop=
tikums
. Und wenn es gilt, dem Höllenhund den Rachen auszu=
räuchern
Völker, rufe ich, folgt Euerem König! Doch halt,
wagt jemand offenen Widerſpruch?
In den ſchwachen Beifall auf dieſe Nede miſchte ſich lautes
empörendes Gemurmel der Menge.
Der alten Eule Ula ſchien dieſes Urteil zu gefallen, ſie machte
frohe Augen und bewegte ein wenig die Flügel.
Quaſſelſpatz, der weit über die Brüſtung ſeines Aſtholzes
lag, war wohl mit der Wirkung ſeines Vortrags nicht recht zu=

zu erſticken meinen. Das Volk iſt vielfach verbittert. Die Freund=
lichkeit
, die in der Fremdenſtadt ſprichwörtlich geworden iſt,
ſcheint und man begreift es ein Opfer der Zeit geworden zu
ſein. Man empfindet überall den Verfall, die Verarmung. Die
Menſchen ſind ärmlich gekleidet, ihre Garderobe iſt oft eine Zu=
ſammenſtellung
der noch brauchbaren Stücke aus guten Zeiten.
Wer kann ſich auch einen neuen Anzug leiſten, der 11000, die
neuen Schuhe, die 3500 Kronen koſten! Etwa die Bühnenmit=
glieder
, die zirka 3500 Kronen Monatsgage beziehen, dafür aber
ſich nicht nur ernähren, ſondern auch für die Bühne kleiden
müſſen? Das Theater, innen ein Prachtſtück im Rokokoſtil, bringt,
ür eine Probinzbühne, anſehnliche Leiſtungen zuſtande, wenn
ich nach der einen (Operetten=) Aufführung urteilen darf.
Im Sommer will nun Reinhardt, der als neuer Beſitzer des
Schloſſes Leopoldskron Salzburger Bürger geworden iſt, Feſt=
ſpiele
veranſtalten. Die offene Reitſchule mit ihren aus dem
Felſen des Mönchberges gehauenen Logen, ehedem ein Turnier=
platz
, ſoll überdacht werden und den ſtimmungsvollen Rahmen
geben. Hier wird Jedermann deſſen Aufführungen vor dem
Dom aus dem vorigen Jahre unvergeſſen ſind, zur Darſtellung
kommen; die Wiener Staatsoper ſoll Coſi fan tutte bringen;
ferner iſt Der Bürger als Edelmann im Programm vorgeſehen,
ſowie Sinfoniekonzerte Wiener Muſiker. Es gibt in Salzburg
Leute, die mit Rückſicht auf die wirtſchaftliche Notlage der einhei=
miſchen
Bevölkerung ihre Stimme lebhaft gegen die Feſtſpielidee
erhoben haben. Aber wie ich erfuhr ſoll die Verpflegung der
Feſtſpielbeſucher aus beſonderen Zufuhren gewonnen werden, ſo
daß die einheimiſche Bevölkerung darunter nicht leiden wird. Der
größte Teil der Salzburger Schriftſtellerkolonie
ihr gehören
Bahr, Stefan Zweig, Ginzkey u. a. an iſt für die Feſtſpielidee
auch, wie man mir ſagte, durchaus eingenommen. Immerhin
bleiben Bedenken, ob es aus Taktrückſichten angängig iſt, dem
darbenden Volke wohlgenährte, feſtfreudige Menſchen ins Haus zu
ſchicken. Aber, es iſt ja ſchließlich nicht unſere Aufgabe, Vor= und
Nachteile der Salzburger Feſtſpielidee abzuſchätzen.
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Der Naturfreund
Ar

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Lnn

nk. Der Kletterkunſt der Gemſen iſt ein inhaltsreicher Auf=
ſatz
von Forſtmeiſter Hans Fuſchelberger in der ſchwei=
zeriſchen
Zeitſchrift für Naturwiſſenſchaften Natur und Technik
gewidmet. Wenn der Hochtouriſt eine beſonders ſchwierige Klet=
terei
unternehmen will, zieht er ſeine genagelten Bergſchuhe aus
und die Kletterſchuhe an; das ſind Leinenſchuhe mit weichen
Baſtſohlen. Mit ihnen kann er ſich im Gefels viel beſſer be=
wegen
. Sie gleiten weniger leicht ab und laſſen auch den Taſt=
ſinn
der Fußſohle zur Geltung kommen. Das Prinzip der
Kletterſchuhe hat der Menſch der Gemſe abgelauſcht; denn ge=
rade
ihre weichen Schalen verleihen ihr die Fähigkeit des Klet=
terns
, verleihen ihr die Kunft, ſelbſt im ſchwierigſten, felsſtarren=
den
Gelände kühn und ſicher ſich zu bewegen. Die beiden Scha=
len
jedes Fußes der Gemſe ſind ſehr ſchmal und weich. Da ſie
naturgemäß infolge ihrer Weichheit ſchnell abgenutzt werden,
ſind ſie überaus raſchwüchſig. Die äußere Schicht der Schalen
wächſt ſchneller als die innere; ſie haben daher außen immer
einen weichen und dennoch ſcharfkantigen Rand. Im Herbſt,
wenn die Böcke feiſt und träge ſind und ſich weniger bewegen,
iſt dieſer Rand weit vorſtehend und ausgefranſt. Während der
Brunftzeit, in der ſie biele Tage lang öhne irgendeine Aeſung zu
ſich zu nehmen herumſpringen, wird der Rand gründlich abge=
nützt
. Darauf iſt es zurückzuführen, daß die Fährte des Bockes
vor der Brunſt größer und nach der Brunſt kleiner iſt, als die
der Geis. Wer Gemſen im Hochgebirge viel beobachtet, kann
manchmal ganz fabelhafte Kletterleiſtungen ſehen. Kleine Vor=
ſprünge
im Fels, für das menſchliche Auge kaum wahrnehmbar,
ermöglichen es ihnen, faſt ſenkrechte Steilwände zu durchqueren.
Durch Abſturz findet deshalb auch nur ſelten eine Gemſe ihr
Lebensende. Faſt noch mehr als die Kletterkunſt der Gemſen
ſetzt uns ihre Fähigkeit in Erſtaunen, in vollſter Flucht über Ge=
rölle
dahinzujagen. Wer die Schutthalden der Hochgebirge kennt,
weiß, was es heißt, über ſie hinweg zu gehen. Da ſind lauter
ſcharfkantige Steintrümmer von Kopf= bis Tiſchgröße; wenn
man darauf tritt, wackelt alles. Dazwiſchen ſind Spalten und
Löcher, von denen man nicht weiß, wie tief ſie ſind. Ueber
ſolche Schutthalden ſpringen Gemſen in vollſter Flucht hinüber,
als wären es glatte Raſenflächen, ein Anblick, der jeden Natur=
freund
immer wieder mit höchſter Bewunderung erfüllen muß.
frieden, denn er guckte herausfordernd und drohend in die
Runde. Und ſehen ſollt Ihr nun, ſchrie er mit äußerſter
Heftigkeit, beweiſen will ich Euch jetzt, daß ich regieren kann.
Denn es muß alles, alles anders werden. Ja, warum ſteht Ihr
denn noch auf den Beinen? Stelkt Euch auf die Köpfe und
hüpft im Lande herum oder bleibt am Platze und haut die Wa=
den
zuſammen, daß ſie klappern, damit Ihr willig werdet für
mein Reich. Und wie ſteht’s mit unſeren Bürgern, Ratten, Mäu=
ſen
, Füchſen und Konſorten, die ihre Schwänze durch den Dreck
und Kot der Erde ſchleifen? Ja, ja, ſie tun’s, weil ſie ’s nicht
anders wiſſen. Aber es gibt neue Könige und gibt neue Sitten;
und vom nächſten Morgengrauen ab hat jeder Schwanz auf der
Bruſt zu wachſen. Ein junger Maulwurf konnte dieſes nicht
glauben, er lief zum Aſtloch hin, ſtellte ſich auf die Hinterbeinchen
und rief hinauf: Herr Spatzelquaß, wie kann ich denn meinen
Schwanz auf die Bruſt wachſen, wenn he hinten hängt. Schnell,
wie er gekommen, lief er wieder davon, man kann ja nicht
wiſſen, wie der König über ſeine Meinung dachte. Aber Quaſſel=
ſpatz
hatte ihn wohl gar nicht gehört, denn er ſchaffte eben eine
große Birkenrinde aus dem Innern des Baumes und hielt ſich
dieſe vor die Naſe; es war die Namensurkunde ſeines Volkes.
Der König wollte nun Aemter vergeben, deshalb brauchte er die
Perſonalien.
Schoniböck Wampeldampf! rief er jetzt mit ſcharſer
Stimme. Keine Antwort,
Schoniböck Wampeldampf! Da wand ſich ein fettes ſchwar=
zes
Kerlchen durch die Menge und rief: Hier, und ich heiße auch
Molch! Was haſt Du für ein Geſchäft? Ich bin Erdwüh=
ler
, Herr Präſident! Das läßt ſich hören, aber Du mußt hin=
auf
. Du biſt alleweil mein Kammerherr und frißt aus der
Staatskrippe.
Aber ich hab’ ſo ſchmierige Pfoten meinte Wampeldampf.
Keinen Widerſpruch, ſagte Quaſſelſpatz, Deine Pratzen
werden geſchruppt und eingefettet.
Waldinus Sonnenſänger! Hier, mein Fürſt! Ein leb=
hafter
Jüngling mit bunter Bruſt und luſtigen blauen Augen
e ſich vor. Was treibſt denn Du? Ich bin ein Künſt=
ſten
,
Ie
Wie? Ei, ein Künſtler! Aha, nun verſteh’ ich
ein Feuerfreſſer! O nein, ich ſchaffe im Reich des Schönen,
ich arbeite ſozuſagen mit der Seele.
Da brach Quaſſelſpatz in ein ſchallendes Gelächter aus und
rief: Da hört die Luftblaſe, die windige, den Schandlappen der
Menſchheit. Der Gemeinde das Mark aus den Knochen ſchlucken
und keinen Beruf. Das nennt er Seele und Schönheit. Aber
hör' einmal; kannſt Du mir das Lied vorſingen: Wo ſteckt mein
Bombambimchen?"
Nein, ſolchen Miſt verzapfe ich nicht.
Ob dieſer Antwort ſchwollen dem Quaſſelſpatz Kamm und
Adern. Du Tropf, wetterte er los, die guten Wünſche Deines
Königs willſt Du als Miſt bezeichnen? Miſerable Flunkerpflanze!
Die Strafe ſoll Dich treffen, die Dir mit Recht gebührt.

[ ][  ]

be

Nummer 18

Unterhaltungsblatt zum Darmſtädter Tagblatt

Jahrgang 19

In
af!
Die Welt der Frau IIEI
B.
nnna aia na zrwunmanmnensnnserwnnnnnwnsenennnenenenevnennnennsens
Hargt2.
Iſt die Mode vernünftig?
Täglich hört man über die Torheit und Lächerlichkeit der
Mode ſchelten; die armen, vielgeplagten Väter, deren Geldbeutel
den weiblichen Mitgliedern der Familie ſtets für neue Kleider,
Hüte, Schuhe uſw. zu Gebote ſtehen ſollen, beginnen das Klage=
bi
bi=
lied
, die älteren Frauen ſtimmen ein, zum Schluß jammern ſogar
die jungen Mädchen mit aber wenn es gilt, von den Worten
zur Tat überzugehen, ſo findet doch keine einzige Frau den Mut,
ſich allein der ungeheuren Mehrzahl ihrer Mitſchweſtern entgegen=
zuſtellen
und etwas Unmodernes zu tragen, bloß weil es viel=
leicht
beſſer, praktiſcher und billiger iſt als die momentan herr=
ſchende
Mode. Nein, vom Standpunkt der feinem Vernunft
Iid
lomt man von der Mode nicht los; immer wird ihr etwas
Unvernünftiges, Unlogiſches anhaften und dieſelben Argumente,
die man gegenwärtig für den ſchmalkrämpigen Hut oder die zu
engen Röcke ins Feld führt, hat man vor Jahren für die genau
entgegengeſetzte Anſchauung geltend gemacht. Aber ſehen wir
einmal genau zu: geſchieht denn wirklich in unſerem Leben alles
U
nach den Geſetzen der Logik, nach den Regeln der Vernunft? Wir
wiſſen nur zu oft ganz genau, daß gewiſſe liebgewordene Ge=
wohnheiten
unſerer Geſundheit, unſerer Gemütsruhe, unſerem
eeliſchen Gleichgewicht ſchaden, wir begehen hundertmal im Tage
kleine Unvernünftigkeiten, wir folgen ſehr oft dem Zuge unſeres
Herzens, ſtatt den klaren Geboten des Verſtandes, wir kämpfen
zu
ebenſo hartnäckig als erfolglos gegen den ſchlimmſten aller in=
neren
Feinde gegen unſere Bequemlichkeit und Vorurteil. Und
das geſchieht aus dem inſtinktiven Gefühl heraus, daß eine Welt
R
in der nichts anderes herrſcht als die Geſetze der toten Vernunft,
allen Reiz, alle Farben und jegliches Glück verlieren muß, und
daß es ſich nicht mehr lohnen werde, in dieſer Weit zu leben.
Nun ſpiegelt aber das, was wir gemeinhin die Moöe nennen.
ſo ziemlich alle Erſcheinungen unſerer Welt wieder; denn die
Mode beeinflußt nicht nur unſere Lektüre, unſere Wohnung, kurz
El.
unſer ganzes ſeeliſches und wirtſchaftliches Leben und der
eckigſte Sonderling kann ſich ihr niemals vollkommen entziehen.
Wenn es ein Geſetz der Mode gibt, ſo kann es nur das des Kon=
traſtes
und der Abwechſlung ſein; das ſtarre Feſthalten an einer
einzigen Form erzeugt notwendig Monotonie und unfruchtbaren
Stillſtand, und Schopenhauer hat gewiß recht, wenn er ſagt, daß
unſer Seelenleben beſtändig zwiſchen der Begier der Sehnſucht
und der Langeweile der Erfüllung hin= und herpendelt. An=
regung
brauchen wir vor allem, Anregung in der Form; unſer
Weltbild iſt bunter und mannigfaltiger als das unſerer Väter
und Großbäter war und der tauſendfältig wechſelnde, unruhige
Film der richtige Ausdruck für die Seele. Die Mode ſorgt für
dieſe Anregung. Sie ſchafft der Eigenperſönlichkeit der Frau ei=
De
nien befhändig wechfelnden Rahmen, ſie unterſtreicht bald dieſe,
bald jene weibliche Eigenſchaft. Und ſie dient damit vor allem
der einen, ewigen Macht, auf der am letzten Ende unſer ganzes
ſch.
geſellſchaftliches Leben beruht: der gegenſeitigen Anziehung der
Geſchlechter. Die Frau ſchmnückt ſich, oft ganz unbewußt einem
dunklen Trieb ihres Weſens folgend, für den Mann; der Mann
bringt ſeine primären und ſekundären Geſchlechtseigenſchaften
zur Geltung, um Eindruck bei den Frauen zu machen ohne des=
halb
ein eitler Geck zu ſein. Das war in grauer Vorzeit ſo und
das wird ſo bleiben, ſolange es der Natur gefällt, zwei Ge=
ſchlechter
zu binden. Und ebenſo lange wird das beſtehen, was
man Mode nennt. Vernünftig iſt das alles freilich nicht. Aber
jene ſtille wärmende Glut eines Treuverhältniſſes der Geſchlech=
ſc

ter, jene ſchirmende Kraft des Mannes und jene ſüße Hinge=
bung
der Frau, die da Liebe heißt, iſt gottlob. auch nichts Ver=
nünftiges
.
E. v. F.
Der zeitgemäße Haushalt.
11
Haben Kriſtallgegenſtände, wie Vaſen, Jardi=
nieren
, Teller, Schüſſeln uſw. durch Gebrauch an Glanz und Klar=
heit
eingebüßt, ſo behandele man ſie wie folgt: Man wäſcht ſie in
warmem Seifen= oder Sodawaſſer ab, dabei die Vertiefungen mit
ſauberer Bürſte bearbeitend, worauf man ſie mehrere Male in
warmem weichen Waſſer, das man mit etwas Waſchblau verſetzt
hat, ſpült, um ſie dann mit Sägeſpänen zu trocknen, da die Tücher
meiſt Faſern hinterlaſſen, zudem mit ihnen auch nicht völlig die
Vertiefungen zu erreichen ſind, ſo daß die darin haftenden Trop=
fenſpuren
den ſpäteren Glanz durch graue Ränder unterbrechen.
Die feinen Sägeſpäne, auch Sägemehl gemannt (beim Tiſchler er=
hältlich
) ſaugen jede Feuchtigkeit auf und können nach dem Trock=
nen
ſpurlos abgebürſtet werden.
Schadhafte Teppichecken auszubeſſern. Beim
Teppich ſollte jeder ſich zeigende Schaden baldigſt ausgebeſſert
werden. Namentlich die Ecken ſollten raſch wieder verſtärkt und
gegen weiteres Beſchädigen dadurch, daß man die Ecke vorn links
ge
mit einem dreieckigen Stück grauem Leinen unterlegt, geſchützt
2e
werden. Dieſes wird mit überwendlichen Stichen angenäht und
D
kif
alle gelöſten Fäden mät möglichſt gleichem Garn auf dieſer feſten
Unterlage wieder in gleicher Stichart befeſtigt. Zum Schluß
jal
bürſtet man ringsum den Rand mit heiß aufgelöſter Braunsſcher
Aufbürſtfarbe gleichmäßig im alten Farbton ein und der Teppich
wird in ſeinem neuen Ausſehen michts mehr von ſeiem alten
Defekt verraten.
H. L.
1
Waſchlederne Handſchuhe büßen in keiner
Weiſe an ihrer Weichheit ein, wenn man nach erfolgtem Wa=
ſchen
dem Spülwaſſer tropfenweiſe Glyzerin zuſetzt und die
Handſchuhe darin mehreremale leicht ausdrückt. Sie werden an
K. M.
der Luft, jedoch im Schatten, freihängend getrocknet.
Wie wird grüner Salat am zweckmäßigſten
bereitet? Zwei große Salatköpfe, die für vier bis fünf Per=

ſonen ausreichen, putzt man und wäſcht ſie gründlich, worauf
man die Blätter auf einen Durchſchlag zum Abtropfen gibt. In=
zwiſchen
ſtellt man ſich folgende Marinade her: Man miſcht einen
Eßlöffel Zitronenſaft, den man an Stelle des Eſſigs nimmt, da
er bekömmlicher iſt, mit zwei Eßlöfeln Salatöl, einem halben Tee=
löffel
Salz, eine Priſe gemahlenen weißen Pfeffer, einen kleinen
gewiegten Zwiebel und einem Eßlöffel Schnittlauch und mengt
darin den bereits abgetropften Salat. Liebt man ihn nicht ſo
ſauer, ſo kann man durch Hinzuſügen von einem Tropfen aufge=
löſtem
Sacharin die Säure mildern.
T. R.
Bei der Bereitung von Mayonaiſe oder Re=
monladenſoße
erzielt man ſchöne glatte und runde‟ Soßen,
wenn man alle Zutaten, wie Eſſigwaſſer, Salz, Ei (nur das
Gelbe) oder Eierſatz, Pfeffer, Mehl und Oel kalt ſo lange quirlt,
bis alles zu einer klümpchenloſen Flüſſigkeit verquirlt iſt und
dieſe auf dem Feuer ſtändig bis zum Fertigausquellen rührt, nach
dem Fortnehmen in eine Schüſſel mit kaltem, öfter zu erneuern=
dem
Wafſer ſtellt und bis zum völligen Erkalten rührt. Zuletzt
erſt ſverden dann die berſchiedenen Frühlings= und Würzkräuter,
wie Schnittlauch, Kerbel, Peterſilie uſw., beigefügt, jedoch in
kleinſten Mengen, damit nicht der Artgeſchmack der betreffenden
Soße übertäubt wird.
V.
Speiſezttel:
Sonntag: Nudelſuppe. Blumenkohl mit Rumpſteak. Rhabarber=
Montag: Spinat mit Röſtkartoffeln.
kompott.
Dienstag: Gräupchen mit Kohlrabi in Fleiſchbrühe.
Mittwoch: Weißkrautwickel mit Zwiebelſoße.
Donnerstag: Weiße Bohnen mit Speck und Zwiebel.
Freitag: Kartoffelmus mit Speckſoße.
Samstag: Sülze mit Mayonaiſe und Bratkartoffeln.
u

Das Tagebuch. Die ehemalige Herzogin Amalie von
Weimar ſchrieb ihrer Tochter zum 13. Geburtstag in das Tage=
buch
, das ſie ihr geſchenkt hatte: Du biſt mir, obgleich noch ein
Kind, ſehr wahr geweſen, bleibe es Dir ſelbſt, wenn ich nicht mehr
bin! Wenn nicht die mütterlich=dringenden Fragen mehr das Be=
kenntnis
kindiſchen Vergehens Dir zu entlocken hier vernehmbar
ſind, wenn das Mutterauge nicht mehr forſchend in das Deine
blickt, alsdann, meine Dora, ſei Dir ſelbſt ein ernſter Mahner,
daß für alle Zeiten Wahrheit Dir und Liebe heilig ſei. Das
Tagebuch iſt eine Schöpfung des 18. Jahrhunderts. Es ward
geboren im Zeitalter der Empfindſamkeit. Leicht begreiflich, daß
gerade dieſe Zeit des überſchwenglichen Gefühlslebens einen für
alle Tage dauernden Niederſchlag ſuchte. So ſind uns denn aus
jener gefühlsreichen Epiſode Tagebücher überliefert worden, die
die geheimſten Regungen wiedergeben. Es ward üblich, dem
heranwachfenden Kinde ſolche in die Hand zu legen, um hier
alles, was es denkt, fühlt, will, einzutragen. Doch war es nicht
die Abſicht, einen ausführlichen Lebenslauf feſtzulegen, vielmehr
verband man mit der Schenkung den Wunſch, wichtige und mar=
kante
Momente aus dem Leben aufzuzeichnen, um ſie der Nach=
welt
zu hinterlaſſen. Daß es in der gefühlserregten Zeit natür
lich auch zu Auswüchſen kam, beweiſen nur zuviel Werke aus
jenen Tagen, wo oft Nebenſächliches in den Vordergrund geſcho=
ben
wurde, während für uns heute Wichtiges einfach totgeſchwie=
gen
worden iſt. Es iſt ja auch ungemein ſchwer, zu den Geſcheh=
niſſen
des Innen= und Außenlebens den richtigen Maßſtab zu
finden, da es meiſt an dem notwendigen Abſtand mangelte und
die Urteilsfähigkeit oft nicht in dem Grade vorhanden war, wie
es wünſchenswert geweſen wäre. Auch in den Schulen der da=
maligen
Zeit wurde darauf gedrungen, Tagebücher zu führen.
Von den Schülern mußten ſie oft vorgelegt werden. Die jugend=
liche
Eitelkeit wollte mit den Erlebniſſen glänzen und nahm da=
her
oft ihre Zuflucht zur Unwahrhaftigkeit. Es iſt zu bedauern,
daß gerade in unſerer Zeit dieſer ſchöne Brauch faſt ganz abhan=
den
gekommen iſt. Hier und da trifft man ihn wohl noch beim
zarten Geſchlecht, in der Herrenwelt iſt er faſt ganz ausgeſtorben.
Während der rauhen Kriegsjahre hat wohl mancher danach ge=
griffen
und die auf ihn mit etementarer Wucht einſtürmenden
Ereigniſſe feſtgelegt. Dieſe alte, ſchöne Sitte ſollte mehr als
bisher gepflegt werden, damit uns die ſpätere Geſchichtsſchrei=
bung
nicht den Vorwurf der Gefühlskälte macht. Auch kann ſie
aus den Tagebüchern großer Leute wichtiges Material zur objek=
tiven
Beurteilung unſerer Gegenwart ſchöpfen. Darum, kehre
zurück zum Tagebuch! Trage aber nur das Wichtigſte ein, was
für die kommenden Geſchlechter von Bedeutung ſein kann. Fr. M.
uannnerssenene enenagetungnnrnsannngagnnnrssaggssennssnsnern
Daan2
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Humor vom Tage
IIEI
*

wr meeenmmwwwewvwwenenesnnneeneesnsneneeeenvenvesweneseeeewmmmmevenDnereenes
Humor des Auslandes.
Stoßſeufzer. Zahnarzt (im Zoologiſchen Garten den
offenen Rachen eines Krokodils betrachtend) 132 Zähne! Je=
der
Zahn fünf Gulden zum Plombieren. Ach, nur drei ſolcher
Patienten täglich und ich wäre bald ein reicher Mann.
(Haagſche Courant.)
Ein Hauſierer klingelte an der Tür einer als ſehr grob und
mundfertig verſchrieenen Frau. Sie überhäufte ihn wit einer
Flut von Schimpreden, daß er ſie in der Arbeit zu ſtören gewagt
habe. Er hätte ja auch gar nichts, was ſie gebrauchen könne.
Scheint ſo, entgegnete der Hauſierer gelaſſen, Mausfallen
hätt’ ich ſchon, aber keine Maulkörbe.
(Kikeriki=Haag.)
In einer Geſellſchaft überboten ſich zwei Gascogner in
Aufſchneiderei. Ich, erzählte der eine, warf einmal einen
Nagel nach dem Mond und durchbohrte denſelben. Ja, das
iſt wahr beſtätigte der andere, denn ich ſtand auf der anderen
Seite und fing den Nagel auf.
(La Bayonnette.)

Spiel und Rätſel
Kryptogramm.

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K

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Auszähl=Rätſel

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Z
im erſter Vorſchlag
Gegenſatz=Rätſel.
en Wirtzſchafts, Schat
Teufel, außen, hoch, ſüß, billig, eckig, heiter, himmliſhik eaigen Mimiſterium
Mehrzahl, geben, geſcheidt, falſch, oft, Anfang, vorne, verſoylzg von der Erfahrun
zufſtergen die Kabinett
ſparen, reich, jung, links.
Man ſuche zu obigen Wörtern die Gegenſätze; ihre And nd benutzen mußtel
buchſtaben nennen dann wieder zwei Gegenſätze.
tugen und durch eine

E

Carl Deubel.

Rätſel.

uch ſolche Debatten n
224. Tritt’s Wort, ein böſer Bub' in’s Wort ohn Fuß,

er darin leicht hangen mit dem Fuß.
225. Schiebſt du in ein Gemüſ ein langes ſ hinein,
ertrag wird dies dir dann willkommen ſein.
226. Die erſte Silbe kommt ſchon in der Bibel vor, di
hatte nur ein einz ges Eingangstor. Das Ganze, ei;
nicht weit vom Meeresſtrand, iſt in der ganzen A
Handelsplatz bekannt.
Auflöſungen.
Des Röſſelſprungs:
Nur im engen Kreiſe ſeiner Lieben,
Still genügſam an dem eignen Herd
Mit Vertrauen nach dem Himmel blickend,
Hat das Leben einen wahren Wert!
Henny Schubert,
Des Zahlenrätſels:

1. Z E HN 2. A C HT S E CH S Z W 6 L F 5. V I ER 6. F U N B 2 S T EBEN 8. Z W EI 9. EIR 10. EIN 8 11. D REI 12. N.E U N Zahlen beweiſen,

Auf dieſe Weiſe wurt
eitliche Wirtſchaftspo

Des Silben=Vorſatz=Rätſels:
Dogma, Irma, Emma, Jubel, Abel, Giebel, Dog;
Auge, Chlodwig, Hedwig, Ludwig, Eule, Brille, Eile
Segel, Mangel, Iller, Daler, Teller, Eſſe, Linſe, Naſe.
Jagd nach Lebensmitteln.
Der Rätſel: Nr. 221: Beil, Eid, bei Leid, Beileid. 18
Leibgericht. Nr. 223: tauſchen, täuſchen.

Berantwortlich: Max Streeſe.

Zu 1 jeweils nach Vollmond lieferſt Du 15 fette Enger=
linge
in die Landesſpeiſeküche.
Zu 2 hier ſtreckte ſich Quaſſelſpatz weit über die Brüſtung
und verſetzte dem verblüfften Künſtler eine klatſchende Ohrfeige.
Die alte Eule Ula, die ſchon lang empörte Augen machte,
rief jetzt mit tiefer, lauter Stimme: Nun iſt’s genug! Und
im gleichen Augenblick fuhr ſie mit großem Flügelrauſchen auf
Quaſſelſpatz los, hakte ihn feſt und flog mit ihm davon.
Der Afterkönig ſchrie und zappelte erbärmlich. Ula aber
war ernſt und ſchweigend. Der mutige Vogel ſchwebte nun jener
Lichtung zu, in welcher der ſtille, tiefe Waldſee lag. In der
Mitte der Lichtung zog er die Krallen ein und eilte dann frei und
leicht zurück.
Als Ula wieder bei ihrem freudig erregten Volke erſchien,
trat lautlofe Stille ein. Sie ließ ſich im Baumloch nieder, neigte
zweimal den Kopf und ſagte: Verzeiht bitte, daß ich mich gleich
ein wenig höher ſetzte, aber ich wollte Euch noch einiges ſagen:
Liebe Freunde begann ſie, was ich jetzt getan habe,
Rußte ſein. Der Böſewicht, der die verwerfliche Frechheit hatte,
ſich Euch als König aufzudrängen, kommt nicht wieder. ( Stür=
miſcher
Beifall.) Ein giftiges Geſchwür, welches man nicht be=
ſeitigt
, koſtet das Leben; aber leben wollen und müſſen wir,
und ein freies, frohes Volk wollen wir ſein, das ſeine Heimat
liebt und in der Sonne atmet; doch die Freiheit darf nicht Will=
kür
und Wahnſinn werden. Gerechtigkeit nach unten und nach
oben macht uns zu Schweſtern und Brüdern. Und alle, die uns
Gutes bringen, ſollen in unſerem ſchönen deutſchen Wald will=
kommen
ſein. Die Arbeiter der Hände und des Geiſtes, die
Idealiſten, die nach den Sternen ſchauen und unſeren Sonntags=
ſtunden
die Weihe geben, Heimat und Arbeit, bringen Frie=
den
und Glück!"
Als Ula den Kopf nun wieder zweimal neigte, ſprang ein
altes Männchen auf einen Baumſtumpf. Es war Mooſerich,
den die Rede der Eule wieder herbeigelockt hatte.
Kinder, rief er mit ausgeſtreckten Armen, ich faſſe mich
kurz und ſchlage unſere liebe Ula als König vor. Ich glaube, die
N
kann’s noch beſſer, wie ich.
Und vielhundertſtimmig erſcholl der Ruf: Unſer König Ula
hoch, hoch, hoch!
und Ula dankte beſcheiden nach allen Seiten.

Hinten herum wie die Frau von Bensheim.
Von Karl Witzel.
Durch den Prager Frieden 1635 verlor der Dreißigjährige
Krieg ſeinen konfeſſionellen Charakter. Die meiſten norddeutſchen
Fürſten waren ihm beigetreten, während die ſüddeutſchen an dem
Bündnis mit den Schweden feſthalten mußten, da die Reichsacht
auf ihnen drückte und die Fortſetzung des Krieges für ſie eine
Lebens= und Daſeinsfrage bedeutete. Um ſo beſſer konnten die
Schweden und Franzoſen im Lande ſchalten und walten. Er
wurde lediglich geführt, um ſich durch deutſche Gebiete zu berei=
chern
. So wird uns berichtet, daß 1644 die Franzoſen unter
Turenne die Bergſtraße brandſchatzten und Darmſtadt einnah=
men
. Ueberhaupt hatte Heſſen, das damals in den unnatürlichen
Streit mit Kaſſel verwickelt war, in den letzten zwölf Jahren
dieſes unglückſeligen Krieges viel auszuhalten.
Aus der Heimſuchung der Bergſtraße wird uns eine Epiſode
mitgeteilt, die verdient, weiteren Kreiſen nicht vorenthalten zu
werden. Sie bildet den urſächlichen Grund des Sprichworts=
Er kommt hinten herum, wie die Frau von Bensheim, wie es
ſpeit und breit gang und gäbe iſt.
Im Jahre 1644 brach auch die Kriegsnot über das aufſtre=
bende
Bensheim herein. Die Franzoſen hatten es eingenommer
und machten ſich auf Koſten der Bürger gute Tage. Allem wurde
zut zugeſprochen, vor allen Dingen dem Wein, ſo daß die Bens=
heimer
Einwohner wenig erfreuliche Gefichter machten. Weniger
angenehm war es ihnen, daß ihr Hab und Gut allmählich auf=
gezehrt
wurde, als daß täglich die Geſchoſſe in die Stadt herein=
flogen
. Vor den Toren lagen die Bayern zu Pferd und zu Fuß
unter ihren Generälen von Mercy und Johann von Werth. Unter
allen Umſtänden wollten ſie die Stadt in ihren Beſitz bringen,
um die Franzoſen abzulöſen, um es ſich in ihr gut ſein zu laſſen.
Oefters wogten die Stürme, doch keiner brachte ſie ihrem Vor=
haben
näher. Die vier Fuß dicke Stadtmauer verurſachte zu
großen Widerſtand. Wohl hatten einige tapfere Bayern das
Glück, die Mauern zu erſteigen, doch von ihnen ward nichts mehr
geſehen; die franzöſiſchen Wachtpoſten beſcherten ihnen den Sol=
datentod
. Einige Breſchen waren wohl auch in die widerſpenſtige
Mauer geſchoſſen, doch ſie genügten nicht, um größere Truppen=

maſſen hindurchſtoßen zu laſſen, und die Wenigen, die h0
kamen, wurden niedergemacht. Alle Wege und Mittel
verſucht, doch keines ſollte zuim Ziele führen. Schon wu
bayeriſchen Generäle von ihrem Plane Abſtand nehmen
ihnen ein wackerer Gehilfe in Geſtalt einer Frau von 2
Sie ſollten der Beſatzung in den Rücken fallen. Die
Weiſe gab ſie ihnen auch bekannt. Durch den langen Mic?
ſollten ſie ſich heranpirſchen, um dann unter einem lang e
gewölbe in die Stadt zu gelangen. Der Wink genügte, iun
wurde er in die Tat umgeſetzt. Wirklich brachte ſie die
den Beſitz der Stadt. Verdutzt ſchauten die Franzoſem
Bayern von hinten in ſie eindrangen, während ſie ſich in
heit wiegten, da ſie frontal nur ſchwach beſchäftigt wur)
großes Gemetzel folgte. Einen ungefähren Begriff gef!
Zahl über hundert der Totenſchädel, die man 182
Stelle gefunden, wo der Kampf am hartnäckigſten entbra‟
Allerlei, wie Speere, Lanzen, Sicheln, Gewehrſtücke,
auch hier ausgegraben.
Seit jenen Tagen iſt dieſe Redensart in aller Munde‟
ſie auch manche Abwandlung erfahren hat, ſo iſt der
doch geblieben. Die damalige bayeriſch=franzöſiſche 75
ſie geboren, und nach 400 Jahren iſt ſie immer noch im
ohne daß viele wiſſen, woher ſie ſich leitet. Wenn heut
etwas auf geradem Wege nicht erreichen kann, ſo ſucht e
friedigung ſeiner Wünſche auf dieſe Weiſe. In unſerer
Schiebungen dürfte das Sprichwort recht oft leider?
tung haben.

um Aufgabe der Exe
Führung des Kabinet
wm faſt nur Meinun
zien zwiſchen den ei
miſter Koch empfiehlt
umtlich beſonders he
Gun damit zu befaſ
ufangen, ehe ſie ar.
künt daher vor, den
MRichen Ausſchuß de=
michtigen
Angelegen
Kabinett ohne 20
1 ür die
en
ng herbeiznführen,
Ruß
tts
!
gen
bisk
Re
ae
zem
Balnete. Dit
der duck
I
Den gernackt, als
Vherreten
e regel
eit
Dder
teig
Nes beu

W
Ri
eſer
B.a

Der Gummiball.
Eine Fabel von Chriſtian Heinrich Kleukens

Noch geſtern, als man
Zwang ihn zum Springen,
Da ſprang er und flog er
Als hätte er Schwingen.
Ihn aber verbittert’s:
Zu ſehr man ihn ſchlüge;
Er wollte, daß Freiheit
Zur Sonne ihn trüge.

Und hoch durch die
In zornigem Drangy
Und über die Hecker?
Entfloh er dem Zw c
Der Graben verbarg
Nun wollte er fliege:
Als Freier zur S.
Im Schlamm blieb n8

R

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