Bezugspreis:
Ausgahe A (mit Illuſtriertem Unterhaltungsblatt)
178. Jahrgang
Anzeigenpreis:
monatlich 70 Pfg.: Ausgabe B (mit Iünſtriertem
Die 49 mm breite Petitzeile im Kreiſe Darmſtadt
10 Pfg. ausw. 20 Pfg.: Familienanzeigen 30 Pfg.:
Chronik) monatlich 80 Pfg. Beſtellungen nehmen
Unterhaltungsblatt und Illuſtrierter Wochen= verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der wöchentlichen Beilage: die 84mm breite Reklamezeile oder deren Raum
entgegen: die Geſchäftsſtelle Rheinſtr. 23 (Fernſpr.
im Kreiſe Darmſtadt 30 Pfg., auswärts 75 Pfg.;
Nr. 1 u. 426), unſere Filialen Landagenturen u. alle
Kabatt nach Tarif. Anzeigen nehmen entgegen: die
Poſtämter. Verantwortlichkeit für Aufnahme von
Geſchäftsſtelle Rheinſtr. 23, die Filialen u. Agen=
Anzeigen an beſtimmten Tagen wird nicht übernom.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
turen, Anzeigenexped. des In= und Auslandes. Bei
Konkurs od. gerichtl. Beitreib. fällt jed. Rabatt weg.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Der Krieg.
Von den Kriegsſchauplätzen. — Der Balkankrieg. — Steuervorlagen. — Tröſtliche Ausblicke. — Der wirtſchaftliche
Zuſammenſchluß der Zentralmächte. — Europas wirtſchaftliche Zukunft. — Was bereitet ſich in Italien vor? — Kritik
im engliſchen Unterhauſe. — Schweden und der Weltkrieg.
Von den Kriegsſchauplätzen.
* Großes Hauptquartier, 27. Dez.
(W. T. B. Amtlich.)
Weſtlicher Kriegsſchauplatz.
Ein von den Franzoſen nordöſtlich von
Neuville vor unſerer Stellung geſprengter
Trichter iſt von uns beſetzt. Eine feindliche
Sprengung auf der Combres=Höhe richtete
nur geringe Beſchädigungen an.
Sonſt keine Ereigniſſe von Bedeutung,
Oeſtlicher und
Balkankriegs=
ſchauplatz.
Nichts Neues.
Oberſte Heeresleitung.
Der Krieg im Orient.
* Konſtantinopel, 27. Dez. Das Hauptquartier
teilt mit: Die Krieger des Scheiks der Senuſſen ſetzen
in mehreren Kolonnen ihre Angriffe gegen die
Engländer in Aegypten mit Erfolg fort. Die
Gegend von Siva iſt vollſtändig von den Engländern
ge=
ſäubert. Die Kolonne, die an der Küſte vorrückt, griff die
Ortſchaft Matruh (240 Kilometer öſtlich von Solum) an.
Im Kampfe wurden der Kommandant von Matruh und
300 engliſche Soldaten getötet; der Reſt der Feinde
floh gegen Oſten. Die muſelmaniſchen Krieger erbeuteten
bei Solum und Matruh von den Engländern zwei
Feld=
kanonen und eine Menge Artilleriemunition, ſowie zehn
Automobile, wovon drei gepanzert ſind, und eine Menge
Kriegsmaterial.
An der Dardanellenfront zwang in der Nacht
vom 24. zum 25. Dezember unſere Artillerie ein
Tor=
pedoboot, das die Landeſtelle bei Ari Burnu beſchoß,
ſich zu entfernen. Bei Sedd=ul=Bahr warf der Feind
eine ziemlich große Menge von Bomben und
Lufttorpe=
dos. Unſere Artillerie zerſtörte feindliche Minenwerfer
und verurſachte bedeutenden Schaden in der erſten und
zweiten Linie der feindlichen Schützengräben. Unſere
Artillerie traf viermal einen feindlichen Kreuzer, der
verſchiedene Male Altſchi Tepe und Umgebung beſchoß.
Unſere Meerengen=Batterien beſchoſſen wirkſam
die Landeſtellen von Sedd=ul=Bahr und die
Verſamm=
lungsplätze der Truppen bei Morto Liman, ſowie die
feindlichen Schützengräben in der Umgebung von Kere
Viſodere, die Reſervetruppen weſtlich von Eski und
Hiſſa=
riik und eine Haubitzenbatterie. Sie richteten merkbaren
Schaden an und verſenkten zwei gepanzerte Boote bei
Morto Liman. Am 25. Dezember führte eines unſerer
Waſſerflugzeuge erfolgreiche Erkundungsflüge über
Tene=
dos, die Inſel Havro und die feindlichen Stellungen bei
Sedd=ul=Bahr aus und traf ein Torpedoboot ſüdlich von
Sedd=ul=Bahr mit einer Bombe. Sonſt nichts von
Be=
deutung.
Der Balkankrieg.
Zur Lage.
* Luzern, 24. Dez. In Beſprechung der
politi=
ſchen Lage weiſt das Vaterland bezüglich der
grie=
chiſchen Wahlen auf den von der Agence Havas
ge=
ſpendeten Troſt hin, daß der glänzende Einfluß von
Venizelos durch die Beteiligung von nur einem Drittel
der Wähler bewieſen ſei, und führt dazu u. a. aus: Der
Trugſchluß liegt auf der Hand. Eine große Anzahl von
Stimmfähigen konnte ſich nicht an der Wahl beteiligen,
da ſie ſich im Militärdienſt befand. Hätte Venizelos dem
politiſchen Wetter getraut, ſo würde der alte Fuchs zur
Teilnahme an der Wahl, nicht zur Enthaltung
aufgefor=
dert haben. Aber die Trauben hingen ihm diesmal zu
hoch. Die Landung in Saloniki und die Drohungen des
Vierverbandes haben das Volk gegen England
aufge=
ſtachelt. Das Niederbrechen Serbiens und die Flucht der
Vierverbandstruppen aus Südmazedonien taten ein
Uebriges. Nachdem das Blatt die diplomatiſchen und
militäriſchen Mißerfolge des Vierverbandes
hervorgehoben hat, ſchließt es: So ſcheitert ein
Unter=
nehmen des Vierverbandes nach dem anderen, und doch
weigert man ſich immer noch, endlich die Hand zu einem
vernünftigen Frieden zu reichen.
Das Serbenelend in Albanien.
— Ein Vertreter des Mattino berichtet in dem Blatte
vom 16. Dezember über ein Geſpräch mit dem
amerika=
niſchen Botſchafter in Rom, Thomas Nelſon
Pages. Dieſer ſchilderte das furchtbare Elend
der Serben in Albanien: Tauſende von Frauen
und Kindern verhungern. Der neuernannte amerikaniſche
Geſandte bei der ſerbiſchen Regierung, George Lorillard,
der auch im Auftrag Oeſterreichs die gefangenen
Oeſter=
reicher unterſtützen ſollte, beabſichtigte über San
Gio=
vanni di Medua nach Skutari zu gehen, mußte aber ſtatt
deſſen in Durazzo landen und kann von dort aus nicht
weiter reiſen. Dr. Ryan ging nach Paris, um eine
Hilfs=
aktion für die Serben in die Wege zu leiten. Aber die
Schwierigkeiten ſind groß, zumal auch die
Transport=
koſten ins Fabelhafte geſtiegen ſind. So fordert man
jetzt für ein langſames Schiff täglich 15000 Lire. Als
Vertreter eines Chicagoer Menſchenfreundes verteilte
William Willard Howard in Albanien 300 Tonnen
Mehl. Er ſchildert die Lage als geradezu verzweifelt
und hofft, eine Anzahl Frauen und Kinder nach Italien
bringen und ſo dem Hungertode entreißen zu können.
Griechenland und der Vierverband.
TU Zürich, 27. Dez. Die Neuen Zürcher
Nachrich=
ten berichten, daß aus Athen ſoeben aus zuverläſſiger
Quelle Nachrichten eintreffen, nach denen die Lage
zwiſchen Griechenland und dem
Vierver=
hand ſich immer mehr zuſpitzt. Die Zumutungen
und die Gewalttätigkeiten des letzteren ſind bis ins
Un=
erträgliche und Entwürdigende geſtiegen. Es iſt
nicht mehr genug, daß man die griechiſche Neutralität
verletzt, ſondern man tritt auch die griechiſchen
Hoheits=
rechte mit Füßen. Die Erregung ſteigt von Tag zu Tag.
Der völlige Bruch mit dem Vierverband ſcheint
unaus=
bleiblich, trotzdem die griechiſche Regierung immer noch
an ihrer bisherigen Haltung feſthält. Die Verantwortung
hierfür trifft ausſchließlich den Vierverband.
Rumänien.
* Bukareſt, 24. Dez. Der Senat beendete heute
die Beratung der Antwortadreſſe auf die Thronrede. Dſie
Adreſſe wurde mit 72 gegen 16 Stimmen angenommen.
Miniſterpräſident Bratianu erklärte: In der
Ver=
autwortung, die wir dem Lande gegenüber tragen,
ſtel=
len wir eine vollſtändige Einheit des
Han=
delns dar, die dem Chef erlaubt, im Namen aller zu
ſprechen, weil er weiß, daß er den Willen aller zum
Ausdruck bringt. (Beifall.) In dieſer Hinſicht ſind wür
mit der Mehrheit des Parlaments einig, wir ſind der
Ausdruck dieſer Mehrheit. (Zwiſchenruf Filipeseus.)
Der Müniſterpräſident ſagte weiter, er habe vor Beginn
der Tagung die Gelegenheit wahrgenommen, ſich von der
rollſtändigen Uebereinſtimmung zwiſchen der Regierung
und der Mehrheit zu überzeugen. Schon die
Zuſam=
menſetzung der Adreßkommiſſion habe in ihm das
Ge=
fühl wachgerufen, daß die Mehrheit die Regierung
un=
zweideutig und aufrichtig unterſtütze. Daraus habe er
die Ueberzeugung geſchöpft, daß er die nötige Kraft habe.
Dieſe Feſtſtellung habe noch einer Beſtätigung bedurft,
und dieſe ſei jetzt durch die Abſtimmung des Hauſes
er=
folgt.
Von einem Teil der Oppoſition ſei auch die
wirt=
ſchaftliche Politik der Regierung zur Diskuſion geſtell.
Wir befinden uns, ſagte der Miniſterpräſident, ſicherlich
in wirtſchaftlichen Schwierigkeiten. Es wäre eine un=
erlaubte Täuſchung, wenn ſich jemand einbilden würde,
daß heute ein europäiſcher Staat nicht mindeſtens in
wirtſchaftlicher Hinſicht die Folgen der Ereigniſſe
ver=
ſpüre Die Regierung tat ihr Möglichſtes, dem Uebel
zu begegnen und wird in dieſem Beſtreben ſortfahren,
Man kann aber der Regierung nicht zum
Vorwurfe=
machen, daß die Ausfuhr fehlt, ſolange die Dardanellen
und die Donau nicht arbeiten. Auf die Frage, warum
wir zuerſt Ausfuhrverbote erlaſſen und ſpäten
wieder einige davon aufgehoben haben, antworte ich,
daß wir das kleinere Uebel wählten, denn wir wußten
nicht, ob wir im Lande genügend Vorräte für den eigenen
Bedarf hatten. Als wir den notwendigen Ueberblick
ge=
wonnen hatten, hoben wir die Ausfuhrverbote auf. weil
andere Staaten gewiſſe für uns ſehr notwendige Waren
nur im Entſchädigungsweg zur Ausfuhr bringen.
Mit Rückſicht auf die Schilderung der Lage
Ru=
mäniens ſeitens der Oppoſition ſieht ſich der
Miniſter=
präſident veranlaßt, folgendes zu erklären: Das
An=
ſehen Rumäniens iſt nicht geſunken. Wir bilden nicht
Teile eines nicht geachteten Königreiches im Gegenteil,
Achtung und Anſehen Rumäniens beim Ausland iſt
ge=
wachſen. Sind jene, die die Lage anders darſtellen,
auf=
richtig und gerecht? Wir werden dies feſtſtollen können,
wenn unſere Zunge gelöſt ſein wird. Es iſt ein großer
Schmerz, das anzuhören, was wir anhören mußten, und
nicht antworten zu können. Ich habe nicht das Recht, zu
antworten. Ich leide in dieſem Augenblick, in dem ich
dies feſtſtelle. Dieſe Qualen müſſen aber auch Ihre
Sorgen ſein, und deshalb war es kein übertriebener
Wunſch, neben der Unterſtützung der Mehrheit die
Zu=
rückhaltung der Oppoſition zu verlangen. Jedenfalls
aber iſt es nicht recht von der Oppoſition, die
entſchloſ=
ſene Haltung der Mehrheit und ihr Vertrauen in
ſchlech=
tem Sinne aufzufaſſen; denn dieſe gelten nicht einer
Perſon, ſondern unſerer Miſſion, wie in der Kürche, wo
die Achtung vor dem Gottesdienſt nicht einem Menſchen,
ſondern dem Glauben aller gilt, die ihn umgeben, ſowie
der Hoffnung aller. (Langanhaltender Beifall.)
* Bukareſt, 26. Dez. Der König empfing eine
Abordnung des Senats, die die Antwort auf
die Thronrede überreichte. Der König hielt eine
An=
ſprache, in der er u. a. ſagte: In den Zeiten ſchwerer
Prüfung, die wir durchmachen, iſt die Einigkeit aller
Herzen und aller Arbeitskräfte die ſicherſte Bürgſchaft
dafür, daß die großen Intereſſen Rumäniens mit
Weis=
heit und Kraft verteidigt werden. Einig in demſelben
Gedanken mit meinem Volk, begrüße ich mit Freude und
Vertrauen den Beſchluß des Senats, der meine
Regie=
rung unterſtützt, damit wir die uns obliegende große
Aufgabe zu einem guten Ende führen. Wir können
uns mit Vertrauen auf die Armee als auf eine mächtige
Grundlage ſtützen, die immer auf der Höhe ihrer Miſſion
ſein wird.
* Bukareſt, 26. Dez. Das Amtsblatt
veröffent=
licht eine neue Liſte der Mitglieder der Zentralkommiſſion
für den Verkauf und die Ausfuhr von
Ge=
treide, die in der jetzigen Zuſammenſetzung eine
grö=
ßere Anzahl von Landwirten aufweiſt als früher.
Steuervorlagen.
npt. Man ſchreibt uns aus Berlin: Aus den vom
Reichsſchatzſekretär im Reichstag gemachten Mitteilungen
darf man entnehmen, daß dem Reichstag in einer
voraus=
ſichtlich im März ſtattfindenden Tagung
Steuervor=
lagen zugehen werden, um den Etat für 1916 zu
balan=
zieren. Im laufenden Etatsjahr iſt es noch möglich
ge=
weſen, den ſtarken Rückgang an Einnahmen und die aus
dem Zinſendienſt der Kriegsanleihen entſtandenen
Aus=
gaben dadurch auszugleichen, daß die im Etat enthaltenen
Ausgaben für Armee und Marine, die während des
Krie=
ges aus den Kriegsanleihen beſtritten werden, in
Fort=
fall kommen. Dieſer Ausgleich wird aber im nächſten
Jahre bei der außerordentlichen Steigerung der
Aufwen=
dungen für die Verzinſung der Kriegsanleihen nicht mehr
möglich ſein, und es müſſen daher neue Einnahmequellen
erſchloſſen werden. Ueber ihre Art ſteht bisher nur ſoviel
feſt, daß Gegenſtände des notwendigen Gebrauchs
nicht belaſtet werden ſollen. Die erforderlichen neuen
Einnahmen werden daher, ſoweit es ſich um indirekte
Steuern handelt, durch Belaſtung von Gegenſtänden
erzielt werden, deren Verbrauch in das freie Ermeſſen
des Einzelnen geſtellt iſt. Was das Gebiet der direkten
Steuern betrifft, ſo ſteht bisher nur feſt, daß eine
Ver=
mögenszuwachsſteuer kommen wird, die den
während der Kriegszeit entſtandenen Vermögenszuwachs
in einem Grade heranzieht, der dem ſtarken Finanzbedarf
des Reiches entſpricht. Wenn darüber hinaus in der
Er=
örterung neuer Steuerquellen auch die Forderung nach
Einführung einer Reichseinkommenſteuer erhoben wird,
ſo muß man ſich vergegenwärtigen, daß ſchon jetzt eine
Reihe von Bundesſtaaten im Begriff iſt, ihren durch den
Krieg vermehrten Ausgaben und verminderten
Einnah=
men entſprechend, Einkommen und Vermögen einer
er=
heblich ſtärkeren Belaſtung zu unterwerfen als bisher.
Dazu kommt, daß auch die Gemeinden die durch den
Krieg notwendig gewordene Erhöhung ihrer Einnahmen
im weſentlichen nur auf dem Wege höherer
Zu=
ſchläge zur Staatseinkommenſteuer decken
können. Dieſer Weg iſt ſchon jetzt von der überwiegenden
Zahl der Gemeinden beſchritten worden. Das
Einkom=
men wird alſo zweifellos durch Staat und Gemeinden in
hohem Grade belaſtet werden. Ob darüber hinaus auch
noch das Reich aus dieſer ſelben Steuerquelle ſchöpfen
kann, muß mindeſtens als zweifelhaft angeſehen werden
Tröſtliche Ausblicke.
** Die Zukunft unſerer Volksernährung erſcheint
vielen immer noch in einem recht zweifelhaften Lichte,
obgleich oft genug wiederholt worden iſt, daß unſere
Lebensmittelverſorgung trotz aller Schwierigkeiten auf
ge=
ſichertem Boden ſteht. Einſchränkungen müſſen wir uns
freilich gefallen laſſen, aber von Not iſt keine Rede.
Weil aber die Zahl der Aengſtlichen und Schwarzmaler
im deutſchen Volk immer noch groß iſt, ſollen uns
Dar=
legungen über die vorausſichtliche Entwickelung der
Er=
nährungswirtſchaft ſtets willkommen ſein, zumal wenn
ſie von ſo ſachkundiger Seite wie vom Präſidenten des
Deutſchen Landwirtſchaftsrates, Grafen Schwerin=
Löwitz, ſtammen. Der Genannte hat zu der
Leiſtungs=
fähigkeit der deutſchen Landwirtſchaft das beſte Zutrauen.
Da die Aufzucht von Vieh trotz der ſtarken Verteuerung
der Futtermittel von großen und kleinen Landwirten
jetzt eifrig betrieben wird, würde es an Fleiſchlieferungen
nicht fehlen. Auch eine Knappheit an Kartoffeln ſei nicht
zu befürchten. Die Buttererzeugung ferner ſei keineswegs
ſo eingeſchrumpft, wie die Städter auf Grund ihrer
Er=
fahrungen beim Einkauf annehmen. Ueber die Lage im
allgemeinen lautet das Urteil:
„Jedenfalls iſt nicht daran zu denken, daß die
Ver=
hältniſſe im nächſten Jahre noch ſchlimmer werden. Im
Gegenteil, es iſt eine Beſſerung zu erwarten. Den
Land=
wirten iſt es im allgemeinen gelungen, alles Land zu
be=
ſtellen, trotz eines gewiſſen Arbeitermangels, der aber die
Löhne nicht beſonders in die Höhe getrieben hat, und
obwohl die Zahl der eingezogenen Landwirte beſonders
groß iſt, Aber die einzelnen Familien haben ſich in
wun=
derbarer Weiſe gegenſeitig ausgeholfen. Außerdem haben
die Gefangenen hilfreiche Dienſte geleiſtet.”
Das iſt ein tröſtlicher Ausblick, von dem man gern
Kenntnis nimmt.
Der wirtſchaftliche Zuſammenſchluß der
Zentralmächte.
* Wien, 24. Dez. Wie die Abendblätter melden,
hat dieſer Tage eine aus mehreren Profeſſoren der
Wie=
ner Hochſchulen beſtehende Deputation bei dem
Miniſter=
präſidenten, dem Unterrichtsminiſter, dem Miniſter des
Innern, dem Handelsminiſter und dem Miniſter des
Aeußern vorgeſprochen, um eine von 855 deutſchen
Hochſchullehrern Oeſterreichs unterzeichnete
Erklärung zu überreichen, in der es heißt:
Die Unterzeichneten haben nach reiflicher Erwägung
und eingehender Beratung der mit der Neuordnung nach
dem Kriege zuſammenhängenden Fragen die
Ueberzeu=
gung gewonnen, daß ein enger und dauernder
wärt=
ſchaftlicher Zuſammenſchluß Oeſterreich=
Ungarns mit dem Deutſchen Reiche durch eine
möglichſt weitgehende Annäherung und durch gemein=
ſchaftliches Auftreten nach außen geboten erſcheint, und
zwar derart, daß daraus eine dauernde
Intereſſengemein=
ſchaft hervorgeht.
Dieſe Erklärung iſt von einem Begleitſchreiben
des Initiativkomitees eingeleitet, in dem es heißt:
Die deutſchen Hochſchullehrer Oeſterreichs waren bei
der Erwägung der Neugeſtaltung der Verhältniſſe nach
Friedensſchluß allgemein davon überzeugt, daß die
Neu=
ordnung auf jene Kräfte zu ſtützen ſei, die unſer
Vater=
lland vor dem Untergang zu bewahren vermochten, und
unter welchen das innige und verſtändnisvolle
Zuſam=
menwirken Oeſterreich=Ungarns und des Deutſchen
Reiches ſich als entſcheidend und unerſetzlich erwies. Zur
Sicherung des Errungenen iſt die Erhaltung und
Aus=
geſtaltung dieſes Zuſammenwirkens erforderlich und bei
Wahrung der Selbſtändigkeit der beteiligten Staaten
auch möglich. Die wirtſchaftlichen Fragen können für die
weitere Sicherung und Feſtigung der politiſchen und
kulturellen Beziehungen die Grundlagen ſchaffen=
* Wien, 24. Dez. Zu der Kundgebung der
Profeſſoren der Hochſchulen ſchreibt die Neue
Freie Preſſe:
Dieſe Kundgebung iſt ein bedeutſames Merkmal der
Ueberzeugungen, die in den intellektuellen Schichten
ver=
breitet ſind und ſich immer mehr vertiefen. Sie wird
ein weiterer Anſtoß ſein, die Regierungen zu veranlaſſen,
die aus dem Kriege ſich ergebenden wirtſchaftlichen
Fol=
gerungen zu ziehen und durch Gemeinſchaft mit
Deutſch=
land die Monarchie in den Weltverkehr zu bringen und
die Sammlung der Kräfte, durch welche die
Kriegs=
ſchäden geheilt werden ſollen, zu beſchleunigen.
Ueber die Entſtehungsgeſchichte der
Kund=
gebung meldet die Neue Freie Preſſe: Unter den
jüngeren Hochſchulkehrern tauchte vor kurzem der
Ge=
danke auf, daß ſich auch die Hochſchullehrer zur Frage
des wirtſchaftlichen Zuſammenſchluſſes Oeſterreich=
Ungarns und Deutſchlands äußern ſollten. Die Frage
wurde nun in einer Anzahl von Diskuſſionsabenden der
Vereinigung Deutſcher Hochſchullehrer beſprochen. Dieſe
Diskuſſionsabende, in denen auch Friedrich Naumann
ſprach, trugen dazu bei, den Gedanken in weiteren
Krei=
ſen der Hochſchullehrer Wurzel faſſen zu laſſen. Es
bildete ſich ein privates Komitee von Hochſſchullehrern
das die Formulierung der Erklärung und die
Samm=
lung von Unterſchriften übernahm und ſie in kaum ſechs
Wochen durchführte. Die überwiegende Mehrzahl der
öſterreiſchiſchen Hochſchullehrer — man kann von einem
einſtimmigen Votum ſprechen — hat ſich der Erklärung
angeſchloſſen. Gegen 900 Herren haben die Kundgebung
unterſchrieben, die übrigen waren infolge der
Kriegs=
ereigniſſe nicht zu erreichen.
TU. Budapeſt, 26. Dez. Der Berliner
Mitarbei=
ter des Blattes A Vilag hatte eine Unterredung mit dem
Prinzen Ernſt Günther zu Schleswig=
Hol=
ſtein. Der Prinz, der bekanntlich Ehrenpräſident des
mitteleuropäiſchen Wirtſchaftsverbandes iſt, äußerte ſich
über die zukünftigen Beziehungen Oeſterreich=
Ungarns=
zu Deutſchland folgendermaßen: Die Frage der
wirt=
ſchaftlichen Annäherung, für die wir ſchon ſeit Jahren
propagieren, macht ſchöne Fortſchritte beiderſeitiger
An=
näherung. Das ideale Ziel der Zollunion iſt
augen=
blicklich noch nicht zuſtande zu bringen. Das Ergebnis
wird aber nicht ausbleiben. Es freut mich, daß dieſe
Frage allgemeines Intereſſe erregt. Der mit Blut und
Eiſen gemeinſchaftlich abgewehrte Angriff unſerer Feinde
hat uns einander näher gebracht, er wird uns nicht nur
politiſch, ſondern auch wirtſchaftlich näher bringen. Dies
iſt natürlich eine Notwendigkeit. In Zukunft werden
Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn auch
auf wirtſchaftlichem Gebiete Hand in Hand
gehen. Natürlich muß jedes Land die Souveränität
auf=
echterhalten gegen mächtige Feinde, und ſie
gemein=
ſchaftlich verteidigen, wie es in dieſem Kriege geſchieht.
TU. Budapeſt, 26. Dez. Peſti Hirlap
veröffent=
licht eine Unterredung mit dem Graſen Apponyi
über die wirtſchaftliche Zukunft Ungarns.
Wenn der Krieg ſiegreich beendet werden ſoll, ſo muß der
Einfluß Rußlands auf dem Balkan vernichtet werden. Um
dies zu erreichen, wird ein großer politiſch=
wirt=
ſchaßtlicher Block gebildet, der von Hamburg bis
Mittelaſien reicht. Dieſer Block ſteht den anderen
wirt=
ſchaftlichen Weltmächten als gleicher Faktor gegenüber.
Auch Ungarn wird hierin ſeinen Platz finden. Natürlich
wird ein jeder Staat, ſo auch Deutſchland, ſeine eigenen
Intereſſen verteidigen wollen. Eine gemeinſame
Unter=
ſtützung ermöglicht aber die Erreichung der Teile, die für
Deutſchland ebenſo wichtig ſind wie für Oeſterreich=
Ungarn. Wir können auf die Unterſtützung
Deutſch=
lands ſowohl in politiſcher wie in wirtſchaftlicher
Hin=
ſicht rechnen. Das mächtige Deutſchland braucht auch im
wirtſchaftlichen Kampfe ſeine Bundesgenoſſen. Im
Kampfe haben die Deutſchen die ungariſchen Soldaten
ſchätzen gelernt, Deutſchland wird auch ihr politiſches
Gewicht anerkennen.
Europas wirtſchaftliche Zukunft.
* Unter der Ueberſchrift „Gefahr für Europas
Vormachtſtellung” veröffentlicht Prof. Dr.
Wygod=
zinski, Bonn, in der Köln. Ztg. einen längeren Aufſatz,
dem wir folgendes entnehmen:
Es kann keinem Zweiſel unterliegen, daß die
Zen=
tralmächte den Krieg nicht nur militäriſch, ſondern auch
wirtſchaftlich viel leichter durchhalten werden als die
Gegner. Der beſte Beweis dafür iſt der Stand der
Staatspapiere; iſt doch der Kursrückgang der engliſchen
Konſols doppelt, der der franzöſiſchen dreifach ſo groß
als der unfrigen. Unſere militäriſche Ueberlegenheit iſt
unbeſtreitbar; durch die Aufſtoßung des „Eiſernen Tors”
nach dem Orient erhalten wir nicht nur neue Rohſtoffe
und Lebensmittel, ſondern auch ein weiteres vorzügliches
Soldatenmaterial, das nur auf die Ausrüſtung harrte,
die wir ihm geben können.‟ Es iſt durchaus begreiflich,
wenn unter dieſen Umſtänden das erſte Fünanzblatt
Eng=
lands, der Economiſt, die Frage aufwirft, ob es nicht
möglich wäre, zu einem ehrenvollen Frieden zu kommen,
ehe Europa dem allgemeinen Bankerott anheimfällt. Die
Frage, wie ſich die wirtſchaftliche Zukunft
Geſamt=
europas unter dem Einfluß des Krieges geſtaltet hat
und geſtalten wird, verdient in der Tat die größte
Auf=
merkſamkeit.
Die urſprüngliche Rechnung Englands war eine
ein=
fache, allzu einfache. Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn
werden abgeſchnitten, ihre Ein= und Ausfuhr vernichtet;
ſo müſſen ſie verhungern, während England ſich ihrer
bisherigen Abſatzmärkte bemächtigt. Bleibt bloß noch die
Zerſtörung ihrer Fabriken, und England iſt wieder „die
Werkſtatt der Welt” Es kam anders; Deutſchland wurde
nicht nur nicht überrannt, ſondern drang ſiegreich in
Belgien, Frankreich, Rußland und Serbien vor. Das
kleine Söldnerheer Englands war bald verbraucht, und
nun verlangten die Verbündeten, deren Blutopfer
unge=
heuere waren, die tätige Teilnahme am Kriege. Dieſe
aber war nicht zu leiſten, ohne daß man eben die
Men=
ſchen dafür aus anderen Beſchäftigungen wegnahm. Wenn
es richtig iſt, daß jetzt England vier Millionen Menſchen
auf den Beinen hat, ſo bedeutet das in der Tat ein
gro=
ßes Opfer. Großbritannien hatte nach der Zählung von
1911 insgeſamt nur 14¼ Millionen männliche
Erwerbs=
tätige. Rechnen wir die bereits Gefallenen und invalid
Gewordenen ſowie die ſonſt durch den Krieg in Anſpruch
Genommenen hinzu, ſo ergibt ſich, daß wohl der dritte
Teil der erwerbstätigen männlichen Bevölkerung ſeiner
bisherigen Beſchäftigung entzogen iſt. Dieſe Soldaten
ſtellen aber ſelbſtverſtändlich eine Ausleſe der kräftigſten
Lebensalter dar, ſodaß der wirkliche Ausfall an
Arbeits=
kraft noch höher zu bemeſſen iſt. Anſtatt alſo, daß
Eng=
land ſeine Produktion, wie es gehofft hatte, erweitern
konnte, mußte es dieſe gewaltig einſchränken. Die
Fol=
gen ſind bekannt: ſtets ſinkende Ausfuhr, ſteigende
Ein=
fuhr des Inſelreichs, und zwar eine Einfuhr zu ſtets
ſteigenden Preiſen. Genau das gleiche gilt von
Frank=
reich und Rußland, ja von dieſen Ländern, die ihre
Ju=
gend von vornherein auf die Schlachtfelder führten, in
noch höherem Grade als von England. Auch die
Zentral=
mächte ſind ſelbſtverſtändlich durch den Krieg aufs
ſchwerſte betroffen; aber ſie ſind dabei weltwirtſchaftlich
in einer weit günſtigeren Lage als die gegneriſchen
Mächte. Zwar iſt auch das von ihnen gebrachte
Blut=
opfer ein außerordentlich hohes und mit nichts wieder
gut zu machen; wohl aber iſt ihnen die Abſicht Englands,
ſie wirtſchaftlich zu verderben, zum Heile ausgeſchlagen.
Sie konnten von außen nicht mehr einführen, was früher
unentbehrlich erſchien; nur geringe Mengen entgingen
der brutalen Vergewaltigungspolitik des Seeräubers
England. In derſelben Lage waren ſie bezüglich des
Abſatzes.
Was den letzten betrifft, ſo zeigte ſich hier die
Bedeu=
tung der Pflege des inneren Marktes. Während
Eng=
land mit ſeiner unverhältnismäßig entwickelten
Indu=
ſtrie zu etwa drei Vierteln bis vier Fünfteln der
Geſamt=
prodnktion auf den Abſatz im Auslande angewieſen war.
lag es mit Deutſchland umgekehrt; es war alſo viel
leich=
ter in der Lage, durch eine Umſtellung der Produktion
für die bisherigen Ausfuhrwerte im Inlande Abſatz zu
finden. Der Krieg ſelbſt, mit ſeinen unerſchöpflichen
Anforderungen an Gebrauchsgegenſtänden aller Art, von
der Granate bis zur Taſchenlaterne, ſprang, dank der
Anpaſſungsfähigkeit unſerer Induſtrie, glatt in die Rolle
des „Erſatzkäufers” ein.
Wie ſteht es aber mit den Rivalen Europas? Welche
Vorteile Amerika wie Japan gegenwärtig aus den Um=
Die Frage.
Mit müden Schritten ſchleppte er ſich vorwärts. Durch
Blutverluſt und die Anſtrengungen der letzten Tage
ge=
ſchwächt, war er auf dem Marſche vom Feldlazarett zu
dem nächſten Etappenort weit hinter den anderen
Leicht=
verwundeten zurückgeblieben.
Die Straße, die, an vielen Stellen vom Feinde
zer=
ſtört, von den Kolonnen gemieden wurde, lag endlos und
leer vor ihm. Hin und wieder war die weite Fläche der
öden Moorwieſen durch eine ſchwarze Mauer düſterer
Fich=
ten begrenzt, die mit dem grauen Regenhimmel zu einer
laſtenden Enge zuſammenwuchſen.
Das Land ſchwieg wie ein Toter. Nur einzelne
gie=
rige Raben ſtrichen umher oder ſaßen auf den
aufgetriebe=
nen Kadavern verendeter Pferde, Kühe und Schweine, die
an den Seiten des Weges die ſtumme Unbeweglichkeit des
Todes in grauſamen grotesken Gebärden übertrieben. Der
Geruch des faulenden Fleiſches verpeſtete die Luft.
Wagen waren umgeſtürzt und zerbrochen, Kiſten und
Truhen zerſchlagen, und ihr Inhalt vermoderte
umherge=
ſtreut in der allgemeinen Verweſung. Wo einſt Dörfer
und Höfe Raum und Dach gewährt hatten, ſtanden
zwi=
ſchen rauchender Aſche nur noch die ſteinernen Eſſen,
gleich=
ſam wie die Seelen der Hütten, die vor Schmerz ſtarr und
umnbeweglich die Vernichtung beklagten.
Ein Grauen trieb ihn vorwärts durch dieſes Land,
das der Krieg zermalmt und zu der qualvollen Leere
ver=
nichteten Lebens verdammt hatte. Mitunter ſchloß er die
Augen, um nicht ſehen zu müſſen. Er rief nach der eigenen
Vernunft, die ihm Ruhe geben ſollte. Doch er konnte nicht
Gewaſt über ſeine Gedanken bekommen.
Wenn er an ſein eigenes Leben zurückdachte, ſo war
es ihm, als ob es auf einen einzigen Tag
zuſammen=
ſchrumpfte, jenen geſtrigen Tag, an dem das Ringen gegen
einen hartnäckigen Feind eines jeden Leben, wertlos für
den Einzelnen, nur noch in der Hand eines rätſelvollen
Schiclſalls gewertet hatte.
Er hatte daheim Weib und Kind. Aber ſeit dieſem
Tage fiel es ihm ſchwer, ſich ihr Bild vor das Auge zu
ruſen.
Er beſaß daheim einen vom Vater ererbten Hof mit
Pferden und Kühen. Aber wenn ihn jetzt einer nach Zahl
und Erträgnis gefragt hätte, er hätte keine Antwort
dar=
auf zu geben gewußt.
Plötzlich fuhr er erſchrocken zuſammen. Er hatte
Schritte auf der Landſtraße hinter ſich vernommen, die
ſeine Schritte nachzuahmen ſchienen und verſtummten, als
r ſtehen blieb.
Als er ſich umwandte, gewahrte er in geringem
Ah=
ſtand hinter ſich ein Fohlen, kaum größer als ein junges
Reh, das ihm gefolgt war und ängſtlich Halt machte, als
es ſich entdeckt ſah.
Er glaubte dieſes Tier, das ſich allein und ziellos, in
der Einſamkeit herumtrieb, irgendwo ſchon einmal geſehen
zu haben. Bei manchem Wagen der flüchtenden
Bevöl=
kerung, die die dem Feinde folgenden Truppen überholt
hatten, war ein Fohlen wie jenes an der Seite der
klein=
raſſigen Mutterſtute, wie von unſichtbaren Banden
ge=
halten, mitgelaufen, hinein in das Ungewiſſe, ohne Willen
und Verſtehen.
Da griff mit einem Male etwas in ſeine Seele, daß er
jählings zuſammenzuckte.
Die großen Augen des jungen Tieres die ihn bittend
angeſehen hatten, erſchienen ihm wie plötzlich vom Körper=
lichen losgelöſt in der Luft zu ſchweben, Sternen gleich,
denen ein ewiges Geſetz die Bahn vorſchreibt, und dennoch
wie eine angſtvolle bange Frage ohne Antwort und
Wiſſen.
Haſtig fuhr er ſich mit der Hand über die Augen, als
wollte er den Spuk mit einem Strich verſcheuchen.
Aber er blieb beſtehen und ſpottete ſeiner und bohrte
ſich tief in ſein Innerſtes hinein.
Was er dort ſah, das war nicht mehr der verängſtigte
bittende Blick eines verſprengten Fohlens, das war ſein
eigener Blick geworden, den er wie aus einem Spiegel aus
dem weitgeöffneten Auge des Tieres aufſing und der
hilf=
los wiederum bei ihm einen Halt ſuchte.
Er wollte rufen, aber der Laut blieb ihm in der Kehle
ſtecken.
Doch die Frage, die eben noch in dem Blick des Tieres
ihre Grenzen hatte, hatte ſich zu dehnen und zu weiten
be=
gonnen, als ob für ſie nun keine Grenze mehr geſetzt ſei.
Und ſie wuchs über das Tier hinaus, über ſein eigenes
Selbſt, über die Trümmer der Hütten, über die Kadaver
und die vernichtete Habe am Wege, bis hinein in die
end=
loſe graue Ferne und den ſchweren Himmel über ihr.
Da packte ihn eine ſeltſame Furcht vor dem Tiere, das
noch immer ſeine großen Augen ängſtlich auf ihn gerichtet
hielt, daß es ihn widerſtandslos zur Flucht trieb.
Und er ſah weder rechts noch links, er floh vom
Grauen verfolgt, durch die Einſamkeit der Vernichtung dem
Ziele entgegen, das ihm der Beſehl vorſchrieb.
Aber auch die Schritte hinter ihm erwachten wieder
und folgten ſeinem Weg, als ſuchten ſie Zuflucht
bei ihm .
Walter Georgi.
ſtänden ziehen, iſt allgemein bekannt; das „neutrale‟
Amerika bereichert ſich nicht minder als das feindliche
Land des Mikado. Charakteriſtiſch iſt die Tatſache, daß
das arme Japan jetzt in der Lage iſt, unterAusnutzung
der Valutadifferenz ſeine Anleihen auf dem Pariſer und
dem Berliner Markte zurückzukaufen. Wichtiger aber als
der Augenblick iſt die Geſtaltung der Zukunft. Daß
Deutſchland an dem Weltmarkt keinen Teil mehr haben
ſollte, wie ſeine Gegner hoffen, iſt natürlich
ausgeſchloſ=
ſen; es bleibt als Käufer wie vor allem als Lieſerant
von Qualitätsware unentbehrlich. Man könnte ſagen,
daß es für Deutſchland keine beſſere Reklame gibt als
eben den Krieg, der ihm Gelegenheit gab, ſeine
Leiſtungs=
fähigkeit auf jedem Gebiete darzutun. Geſamteuropa
aber iſt durch den Krieg wirtſchaftlich ſicher in
unberechen=
barer Weiſe gegenüber den außereuropäiſchen, von den
Schäden des Krieges nicht berührten Konkurrenten
zu=
rückgeworfen. Wilſon hat Anfang Dezember vor einer
Verſammlung von Geſchäftsleuten in Kolumbus
geſpro=
chen, daß es ſo ausſehe, als ob die Vereinigten Staaten
nach dem Kriege einen Rückhalt an finanzieller und
wirt=
ſchaftlicher Kraft für die ganze Welt bilden müßten.
Das iſt natürlich bei der Kapitalſchwäche Amerikas
eine der beliebten Uebertreibungen aus dem Lande der
unbegrenzten Ruhmredereien; ſicher aber iſt, daß
nament=
lich auf dem großen ſüdamerikaniſchen Abſatzmarkt der
Vorſprung Nordamerikas außerordentlich gewachſen iſt,
und daß es ſich wohl auch in den Ländern der Entente
die im Krieg errungene Stellung als Lieferant wahren
wird. Den oſtaſiatiſchen Markt freilich hat Wilſon durch
ſeine ſeige Politik — die Japaner ſitzen ja doch nach wie
vor in der mexikaniſchen Schildkrötenbucht, um ein vor
mehr als Jahresfriſt „geſtrandetes” Schiff flott zu machen
— wohl für lange Zeit preisgegeben.
Hier liegt wohl die größte Gefahr für die
Wirt=
ſchaftslage Europas, der weißen Welt überhaupt. Die
un=
begreifliche Kurzſichtigkeit der engliſch=amerikaniſchen
Oſtaſienpolitik, teils vom Haß, teils von blinder
Ge=
ſchäftsgier eingegeben, hat zu einer ganz unabſehbaren
Stärkung Japans geführt, das als der eigentliche
wirt=
ſchaftliche Sieger des Weltkrieges hervorzugehen ſcheint.
Es iſt namentlich die japaniſche Webſtoffinduſtrie, welche
die günſtige Gelegenheit benutzt, ins Geſchäft zu kommen.
Man erfährt, daß dem Moskauer Roten Kreuz Angebote
japaniſcher Baumwollwebereien zugegangen ſeien, die
um 40 Prozent billiger ſind als die ruſſiſchen; daß die
Baumwollfabrikanten Mancheſters beunruhigt ſeien über
Muſter von japaniſchem Schirting und anderen Stoffen,
die die Vergleichung mit den beſten engliſchen Stoffen
aushielten und zu ſehr niedrigen Preiſen angeboten
wür=
den. Wenn das ſchon in England ſelbſt geſchieht, ſo kann
man ſich eine Vorſtellung davon machen, wie es auf dem
Markte Oſtaſiens und insbeſondere Indiens ausſehen
wird, welch letzteres die Japaner ſchon lange als ihre
ausgeſprochene Intereſſenſphäre betrachten. Während die
Textilmaſchinenausfuhr Englands nach allen Ländern
rückgängig iſt, hat ſie ſich nach Japan gehoben! Gelingt
es Japan, und es iſt auf dem beſten Wege dazu, die
Men=
ſchenmaſſen Oſtaſiens induſtriell zu organiſieren, ſo iſt
das Schickſal der europäiſch=amerikaniſchen Arbeiterſchaft,
die nicht die Lebenshaltung des Kulis einhalten kann,
beſiegelt und die der Unternehmer dazu. Der Krieg und
die verblendete, ſelbſtmörderiſche Politik Englands und
Amerika tun alles, dieſen Zeitpunkt zu beſchleunigen.
Faſſen wir zuſammen. Die wirtſchaftliche Zukunft
Europas iſt aufs ſchwerſte gefährdet. Die Verluſte an
Menſchen und Gütern müſſen, wenn ſie ſich noch lange
fortſetzen, den Verluſt der Vormachtſtellung Europas zur
Folge haben. Am wenigſten zu fürchten hat Deutſchland:
die Ausnützung der Vorzüge des „geſchloſſenen Marktes”
während des Krieges, die neuen Abſatzmöglichkeiten, die
ſich ihm im nahen Orient eröffnen, die durch den Krieg
noch geſteigerte hohe Leiſtungsfähigkeit ſeiner durch die
deutſche Wiſſenſchaft beſonders geförderten Wirtſchaft
werden es weiter den Ländern überlegen machen, von
denen ihm jetzt gerade wegen dieſer Ueberlegenheit die
Vernichtung angedroht wurde. Am meiſten zu fürchten
hat England mit ſeinem relativ überaus ſtarken
Außen=
handel, ſeiner beſonders exponierten Stellung in Indien.
Jeder weitere Tag des Krieges bedeutet einen neuen,
un=
wiederbringlichen Verluſt, dem für die angreifenden
Geg=
ner kein ſichtbarer Vorteil gegenüberſteht. Dieſe
Verſün=
digung an der europäiſchen Kultur, an der Entwicklung
der Menſchheit kommt nicht auf unſer Haupt. Der
Reichs=
kanzler hat es am 9. Dezember ausgeſprochen: „In
vol=
lem Bewaßtſein der erzielten, unerſchütterlich
daſtehen=
den Waffenerfolge lehnen wir die Verantwortung für die
Fortſetzung des Elends ab, das Europa und die Welt
erfüllt.”
Engliſche Verleumdungen.
* Köln, 26. Dez. Die Köln. Ztg. meldet aus
Ber=
lin unter der Ueberſchrift „Engliſche
Verleum=
dungen‟: Der engliſche Marineſchriftſteller Gerard
Fiennes veröffentlichte im Obſerver einen Artikel
über Dänemark, der auch von däniſchen Zeitungen
wiedergegeben wurde. Gerard Fiennes behauptet, daß
der deutſche Generalſtab beabſichtigte, die
Neu=
tralität Dänemarks zu verletzen. Die Nachrichten von
deutſchen Truppenanſammlungen an der Weſtfront ſeien
nur Bluffs. Wahrſcheinlich ſei vielmehr, daß die deutſche
Heeresleitung beabſichtige, Dänemark mit
Trup=
pen zu überſchwemmen, um den Sund zu
be=
herrſchen die Oſtſee zum mare clausum zu machen und
dann die däniſchen Lebensmittel für Deutſchland zu ſichern.
Nationaltidende bemerkte dazu, daß die Betrachtungen des
engliſchen Verfaſſers Phantaſien ſeien und es hoffentlich
auch bleiben würden. Die Haltung Dänemarks
gegen=
über Deutſchland ſtehe in genauer Uebereinſtimmung mit
den Verſicherungen, welche die däniſche Regierung am
Anfang des Krieges zwecks Wahrung ſtrengſter
Neutrali=
tät gegeben habe. Daher habe auch Dänemark das Recht,
zu erwarten, daß ſeine Grenzen geachtet würden. Der
Artikel des Obſerver, der ſicher nicht ohne Abſicht von
engliſcher Seite in die Welt geſetzt iſt, verdient, in
Deutſchland niedriger gehängt zu werden
Bei uns denkt kein vernünftiger Menſch daran, die
däni=
ſche Neutalität zu verletzen. Es genügt, darauf
hinzu=
weiſen, daß dieſe Frage von keinem Deutſchen jemals
auch nur geſtreift wurde. England ſcheint hier die
Me=
thode zu verfolgen, andere anzuklagen, um ſelbſt
Vor=
wände für ein Handeln zu finden, das ſchon mehrfach in
England von der Marine naheſtehender einflußreicher
Seite empfohlen wurde. Sollte in engliſchen Gehirnen
der Traum einer Landung in Jütland beſtehen, ſo läßt
uns das kalt. Unſere Truppen in Schleswig=Holſtein
würden dem Landungskorps den warmen Empfang
be=
reiten, den ſie verdienten. Wir ſind gewiß, daß auch die
Dänen ihre Neutralität zu wahren wiſſen würden.
Was bereitet ſich in Stalien vor!
S. Unſer H. L.=Mitarbeiter meldet uns von der
italieniſch=ſchweizeriſchen Grenze:
Viele Mailänder Familien, die am Luganer See ihre
Weihnachten zu verleben pflegen, bringen allerlei ſeltſame
Kunde über noch nicht genügend aufgeklärte Vorgänge in
den maßgebenden Regierungskreiſen und am Hofe Viktor
Emanuels mit. Danach tritt mit immer größer werdender
Beſtimmtheit in Rom das Gerücht auf, Italien
werde ſich von ſeinem albaniſchen
Aben=
teuer alsbald wieder zurückziehen. Die Frage
ſei nur noch, ob man ſich auf die Verteidigung von Va
lona beſchränken werde, oder ob man auch dieſen
Platz freiwillig räumen würde, noch ehe es zu einem
Zu=
ſammenſtoß mit dem Feind komme. Die
Hauptbefürwor=
ter eines rechtzeitigen Rückzuges ſitzen in der Umgebung
des Herrn Cadorna, während im Schoße der
Regie=
rung über dieſe Frage eine derartige Spaltung
ausgebrochen iſt, daß vielfach befürchtet wird, das
Kabi=
nett werde ſeine Entlaſſung einreichen. Salandra iſt
vollkommen wankelmütig. Noch am Tage der Schließung
des Senats ſtand er ganz und gar auf ſeiten des Herrn
Sonnino, der zuſammen mit den Radikalen von der
Fär=
bung des Herrn Barzilai für eine größtmögliche
Ausdeh=
nung des Abenteuers auf dem brenzlich=heißen Boden
jenſeits der Adria auch heute noch iſt, wo bereits
An=
zeichen vorliegen, daß der italieniſche Gang nach Albanien
unbedingt ſcheitern muß. Plötzlich aber iſt Salandra
unter aufſehenerregenden Umſtänden umgeſchwenkt. Er
ſteht heute ganz auf ſeiten Cadornas und will von einem
weiteren Verweilen italieniſcher Truppen in Albanien
nichts mehr wiſſen. Zu dieſem Umſchwung haben nicht
zum wenigſten die Darſtellungen ſerbiſcher
Flüchtlinge vonder Lage ihrer Heeresreſte,
zuletzt aber auch die neuerdings nicht befriedigenden
Be=
ziehungen mit der Londoner und der Pariſer Regierung
beigetragen. Ich laſſe es zunächſt noch dahingeſtellt ſein,
ob es zutreffend iſt, daß die Mißſtimmung der römiſchen
Kreiſe gegenüber England ſich nicht bloß in
Zeitungs=
artikeln — wie ſie die Tribuna und andere offiziöſen
Blätter dieſer Tage zur Beurteilung des engliſchen
Aus=
ſaugungsſyſtems veröffentlichten —, ſondern auch in
einem Notenwechſel kundgegeben hat, der an
Schärfe — immer unter Verbündeten geſprochen — nichts
zu wünſchen übrig laſſen ſoll. Jedenfalls war von einer
Gemeinſamkeit „der Adria=Aktion bei den
Verhandlungen der Kriegsräte in Calais und Paris wohl
viel die Rede. Inzwiſchen aber ſcheint man ſich an der
Themſe und Seine eines anderen beſonnen zu haben. Es
iſt jetzt in Rom bekannt geworden, daß im Kriegsrat keine
feſten Beſchlüſſe gefaßt, ſondern lediglich Pläne in
Er=
wägung gezogen ſind. Die Sonnino=Partei hat auf die
Erwägungen gebaut, und baut auf ſie auch heute noch. Die
anderen verlangen kategoriſch bindende Zuſagen. Und da
dieſe von London und Paris nicht gegeben werden
konn=
ten, ſo hat ſich die römiſche Enttäuſchung über das
Ver=
halten der Bundesgenoſſen auch in den Notenaustauſch in
herben Ausdrücken eingeſchlichen.
In Rom war man bis in die letzten Tage hinein über
den Kräfteverbleib der ſerbiſchen
Heeres=
trümmer in einem komiſch anmutenden Optimismus
befangen. Man kann da ſchon gar nicht mehr von
Illu=
ſionen ſprechen, ſondern nur noch von einer Idiotie, die
auch auf die Kreiſe des Kriegsminiſteriums übergegriffen
zu haben ſcheint. Kurz geſagt: man hielt dort an der
Ueberzengung feſt, daß ſich 150000 Serben in
beſter Verfaſſung an die Ufer der Adria retten
könnten, um hier die Sache, nein den heiligen Egoismus
Italiens retten zu helfen. Ich kann nicht alles
wieder=
geben, was mir eine parlamentariſche Perſönlichkeit über
die Geiſtesverfaſſung der Leiter der Regierung und
Heeresverwaltung mitteilte. Faſt jeden ſeiner erregt
aus=
geſtoßenen Sätze ſchloß er mit dem Wort „Manicomie‟—
Irrenhaus. In dieſes gehörten nach ſeiner ernſten
Mei=
nung die Mehrzahl der Männer hinein, die die
Verant=
wortung für die kommenden Dinge tragen. „Noch keine
zehntauſend Serben kommen unverſehrt und kampffähig
an die Adrig. Was darüber iſt, können wir durch unſere
Soldaten begraben laſſen. Per bacco, ich glaube
wahr=
haftig, wir ſchicken 30000 Leichendiener und
Grabesſchauf=
ler hinüber. Und man merkt in der Nähe des Kapitols
noch nicht, weshalb ſich England und Frankreich in kein
neues Abenteuer einlaſſen.‟ Das ſind die Worte eines
meiner Gewährsmänner.
Barbariſche italieniſche Kriegsführung.
Wien, 26. Dez. Aus dem
Kriegspreſſe=
quartier wird gemeldet: Bübiſche Zerſtörung des
Gör=
zer Spitales und authentiſche Feſtſtellungen über die
barbariſche italieniſche Kriegsführung.
Ueber das italieniſche Heldenſtück der Beſchießung
des Roten=Kreuz=Spitales in Görz wird
amt=
lich folgendes feſtgeſtellt:
Protokoll, aufgenommen auf Befehl des k. u. k. Korps=
Sanitätschefs, über die Beſchießung des Vereins=Reſerve=
Spitals in Görz durch ſchweres Artilleriefeuer am
geſtri=
gen Tage: Von 8½ bis 11½ Uhr vormittags ſchlugen
ſchwere Granaten, abwechſelnd mit Schrapnells,
hinter dem Spitale gegen die Via Roveſe zu ein. Kurz
vor 11 Uhr 30 Minuten krepierte eine Granate etwa
ſieb=
zig Schritte hinter dem Spitale. Punkt 11 Uhr 30
Minu=
ten vormittags ſchlug eine Granate ſchweren Kalibers
(15 Zentimeter, wie die ſpäter aufgefundene
Geſchoß=
ſpitze erwies) als Volltrefſer durch das Dach in den
Ope=
rationsſaal und platzte hier. Die Splitter gingen durch
den Fußboden in das Offizierskrankenzimmer im zweiten
Stock, töteten im Operationszimmer einen dort
beſchäf=
tigten Zugführer und einen Infanteriſten ſofort und
ver=
wundeten einen Infanteriſten ſchwer und einen anderen
leicht. Bis 12 Uhr mittags ſchlugen mehrere Granaten
rings um das Spital in Entfernungen von 10 bis 100
Schritten ein. Um 12 Uhr erfolgte ein Volltreffer in den
Turm, der das Waſſerreſervoir durchſchlug, ſo daß ein
knöcheltiefer Bach vom dritten Stocke ins Souterrain
floß. Um 12 Uhr 15 Minuten erfolgte ein Treffer neben
dem Turm ins dritte Stockwerk und durch ein bereits
ge=
leertes Krankenzimmer ins zweite Stockwerk. Um ½1
Uhr war bereits die Abtragung der Verwundeten und
Kranken ins Parterre und Souterrain erledigt. Punkt
1 Uhr erfolgte ein weiterer Volltreffer in den Turm des
Spitals, dem noch drei weitere — einer in die
Aufnahme=
lanzlei, einer in ein Mannſchaftszimmer und einer in die
Küchenanlagen — folgten. Im ganzen erfolgten ſieben
Vollltreffeer. In die Gebäude im Hofe und Garten
und in unmittelbarer Nähe ſchlugen in Intervallen von
fünf zu zehn Minuten ſchwere Granaten ein.
Vorſtehen=
des Protokoll nach nochmaliger Verleſung geſchloſſen und
geſertigt, Görz, den 14. Dezember 1915. Dr. Adolf
Schwarz, Spitalkommandant. Dr. Wolfgang Weinlechner,
Abteilungschefarzt, Dr. Alois Kolarz, Abteilungschefarzt,
Duſan Medakovic, Kadett, Marin Tommaſed, Sanitäts=
Fähnrich.
Ich habe am 14. Dezember, 4 Uhr das Vereins=
Re=
ſerve=Spitall vom Roten Kreuz beſichtigt. Es war von der
Genfer Konvention gekennzeichnet und war
bis zum 14. Dezember in Uebereinſtimmung mit den
Aus=
ſagen gefangener italieniſcher Offiziere vom feindlichen
Feuer verſchont geblieben. Es unterliegt keinem Zweifel,
daß die Beſchießung der unter dem Schutze der Genſer
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Zum 60. Geburtstag Arnold Mendelsſohns
ſchreibt Adolf Göttmann in der Tägl. Rundſchau: Zu
den markanteſten Erſcheinungen unter den lebenden
deutſchen Tondichtern gehört der Darmſtädter
Kirchen=
muſikdirektor und großherzoglich heſſiſche Prof. Arnold
Mendelsſohn. Als der Sohn eines Neffen von
Felix Mendelsſohn am 26. Dezember 1855 in Ratibor
geboren, ſtudierte er zunächſt in Tübingen Jura, um nach
Ueberſiedelung nach Berlin gänzlich zur Muſik
überzu=
gehen. Als Schüler von Haupt, Krell, Kiel, Taubert und
Loeſchhorn abſolvierte er das Königlich Akademiſche
In=
ſtitut für Kirchenmuſik, um nach kurzer Tätigkeit in Bonn,
Bielefeld, Köln vom Jahre 1890 an in Darmſtadt als
Gymnaſialmuſiklehrer und Kirchenmuſikmeiſter eine
um=
fangreiche und für das dortige Muſikleben höchſt
erſprieß=
liche Tätigkeit zu entfalten. Dort lebt der jetzt 60 järige
ſeit 25 Jahren ſeinem Amte und ſeinem Schaffen. Groß
iſt die Zahl ſeiner Tondichtungen. Ein Muſikpoet, ein
auf=
rechter Künſtler von ſtarker und blühender Phantaſie
ſpricht aus ihnen. In ſeinem bisherigen Lebenswerk
über=
ragt die Vokalkunſt. Hier ſind es die Gebiete des
Liedes, des Chorwierkes und der Oper, in
denen er dank der Vielſeitigkeit ſeiner Tonſprache, der
Kraft des Ausdruckes und meiſterlichen Beherrſchung der
verſchiedenartigſten Stimmungen viel bleibende Werte
geſchaffen. Beſonders gilt dies von der großen Zahl
ſeiner Einzelgeſänge, von denen beiſpielsweiſe „Aus dem
Nachtlied Zarathuſtras” „Aus dem Hohenlied” „
Corin=
ther 1, 13‟, das „Weihnachtslied” ſeinen Namen in der
geſamten internationalen Muſikwelt bekannt gemacht
ha=
ben. Aber auch ſeine kleineren und größeren Chorwerke,
die „Paria=Trilogie” „Pandora”, der köſtliche „
Hage=
ſtolz” erfreuen ſich, dank ihrer eigenartigen und
erſchöp=
fenden Auslegung der poetiſchen Stoffe, der Anerkennung
aller maßgebenden muſikaliſchen Kreiſe. Ohne ſich in
modulatoriſche und kontrapunktiſche Eigenwilligkeiten zu
verlieren, weiß Arnold Mendelsſohn durch den Schwung
ſeiner diatoniſchen, vollſaftigen Melodik, durch die Kultur
ſeiner aus dem Nährboden unſerer alten Meiſter
ent=
wickelten Tonſprache auf das tiefſte zu feſſeln und zu
packen. Wurzelecht und ſtark gibt ſich ſein bisheriges
Lebenswerk, das uns noch viel von dieſem Tondichter
erhoffen läßt, von dem wir mit Stolz ſagen dürfen:
Deutſch der Mann, deutſch ſeine Kunſt.
Gundolfs „Shakeſpeare” im Frankfurter Schauſpielhauſe
In der Einleitung zu ſeinem bei G. Bondé in
Ber=
lin erſchienenen Shakeſpeare in deutſcher Sprache” ſagt
Friedrich Gundolf: „Ich habe, mehr als früher geſchah,
verſucht, Shakeſpeare aus dem geſprochenen Wort
her=
aus zu verdeutſchen, darum kann dieſe Arbeit völlig erſt
durch Verlautbaren zu ihrem Rechte kommen.” Und
vor=
her: Shakeſpeare konzipierte aus dem geſprochenen,
ge=
hörten, gebärdeten Wort, akaſtiſch und optiſch, nicht
in=
tellektuell und feinſinnig, Shakeſpeare iſt erregter,
ver=
wegener und nackter, geſprächhafter. Schlegel ſchöpfte
aus einer durch beſondere Wortwahl und Tonhöhe abge=
hobenen Kunſtſprache, während Shakeſpeare, wie Dante,
aus den Gegebenheiten der ſprachlichen Atmoſphäre
ſei=
nes Volkes mit allvermiſchender Phantaſie ſeine Stoffe
zuſammenballte und Stil ſchuf durch die Höhe ſeiner
Lei=
denſchaft, nicht durch die Höhe ſeiner Bildung.‟ Das
Pro=
gramm iſt deutlich. Für die Bühnen gilt es nun, das
Vorgeſetzte als eine Aufgabe zu löſen. Das
Frank=
furter Schauſpielhaus verſuchte das erſtmalig
nunmehr, indem es am erſten Weihnachtsfeiertag ds. Js.
„Antonius und Kleopatra” in der Ueberſetzung
Friedrich Gundolfs aus Darmſtadt brachte. In neuer
dekorativer Ausſtattung von Herrn Goede, die ein
leb=
haftes ſüdliches Kolorit betonte: den Kontraſt der
Wüſten=
ſonne zu dem ſinnlich=ſanften Dämmern des Zeltſchattens,
oder das milde Blau des Grabtempels, bewegte ſich, von
Herrn Martins regiekundiger Hand geleitet, die trotzige
Handlung des ſchwülen Dramas ebenſo plaſtiſch wie
flüſ=
ſig und feurig drängend vorwärts. Neben ihrem reich
nüancierten Spiel brachten die deklamatoriſch anziehende,
aber horrend ſchwierige ſprachliche Aufgabe zu voller
Wirkung: beſonders Herr Eberts (Antonius) und Frau
Rottmann (Kleopatra), und ferner Herr Manz
Oct. Caeſar) und Herr Wendt (Pompejus). Das ſehr
gut beſetzte Haus folgte der Aufführung mit ganzer
Auf=
merkſamkeit, ſodaß, nach dem Beifall zu ſchließen, der
Verſuch, die neue Ueberſetzung auf die Bühne zu bringen,
als dramaturgiſch gelungen bezeichnet werden darf. Am
Schluß konnte ſich der anweſende Ueberſetzer mit den
Hauptdarſtellern vor der Rampe verneigen.
ch.
Kandention ſchenden Heſlauſtalt mnit volſter Abſicht von
italieniſcher Seite erfolgte. Dr. Guſtap Weil, k. u. E.
Generallſtabsarzt und Korps=Sanitätschef.
Ribot über die „Siegesanleihe‟.
* Paris, 24. Dez. Im Senate gab Finanzminiſter
Ribot bei der Erörterung der von der Regierung für
das erſte Vierteljahr 1916 beanſpruchten Kredite die
fol=
genden Aufſchlüſſe über die Ergebniſſe der
fünf=
prozentügen Sieggesanleihe:
Um den Notwendigkeiten des Krieges zu entſprechen,
haben wir ſoeben eine Anleihe unter ſchwierigen
Bedin=
gungen ausgegeben. Das Land hat in hohem Maße auf
unſeren Ruf geantwortet. In der Provinz haben ſich
zwei Millionen Zeichner gefunden, und mit Einrechnung
von Paris überſteigt die Geſamtheit der Zeichner drei
Millionen. Es gab eine Unzahl kleiner Zeichnungen. Das
iſt bewundernswert und zeigt, daß das Land begreift,
daß alle ſeine Kinder ſich gegen die gemeinſame Gefahr
zuſammentun müſſen. Dieſen Zeichnern entbiete ich den
Dank Frankreichs. In England haben uns 22000
Zeich=
ner 600 Millionen gebracht. Ueberall wurde uns
wirk=
ſame Unterſtützung zuteil, was auf das alllgemeine
Ge=
fühl zurückzuführen iſt, daß die Welt unter einer allzu
ſchweren Laſt zu leiden hätte, wenn wir in unſerem
Kampfe für den Triumph der Ziviliſation nicht Sieger
wären. (Beifalll.) Es iſt ein Kapitall von 14½
Milliax=
den gezeichnet, davon fünfeinhallb Milliarden in bar.
Zweiemhalb Milliarden ſind in Schatzſcheinen gezeichnet
worden. Dieſes Ergebnis macht unſerem Lande allle Ehre.
Die Anleihe iſt bereits in feſte Hände übergegangen.
Wenn ihr der Markt eröffnet wird, wird ſie auch an der
Börſe notiert werden, ſicherlich mit einem Aufgeld. In
London erreicht das Aufgeld bereits zwei Punkte. Die
Geldvorräte unſeres Landes ſind noch beträchtlich. Wir
haben unſere Anleihe ſpäter als die anderen Länder
auf=
genommen, aber zur rechten Zeit. Unſere finanziellen
Re=
ſerven werden friſch und kampfesmutig eingeſetzt, während
die anderen bereits Zeichen von Müdigkeit zeigen. (
Bei=
fall.) Der Miniſter ſchloß: Wir werden die
Schwierig=
keiten beſiegen, weil wir Mut zum Entſchluß und
Ver=
trauen auf unſer Land haben. (Wiederholter Beifall.)
Der Senat beſchloß, die Rede Ribots öffentlich
an=
ſchlagen zu laſſen.
Hervés Sieg auf dem Papier.
* Bern 24. Dez. Hervé kündigt in der Guerre
Sociale an, daß ſich vom 1. Januar an der Name
des Blattes ändere. Er ſagt:
Indem ich den alten Namen aufgebe, will ich den
Bruch unterſtreichen zwiſchen unſerem franzöſiſchen So
zialismus, der zu ſeinen ruhmreichen Ueberlieferungen
zurückkehrte, und dem deutſchen Sozialismus.
der intellektuell und moraliſch bankerott
gemacht hat. Ich will öffentlich zum Ausdruck bringen
daß die Klerikalſten wie die Reaktionärſten von uns mehr
Vaterlandsliebe fühlen, da ſie den Krieg bis zur
Aus=
rottung des preußiſchen Militarismus
wollen, als die Pſeudo=Sozialiſten von
Zim=
merwalld, die anſcheinend einen deutſchen Frieden
an=
zunehmen gewillt ſind. Darum wählte ich einen Namen,
der unſeren Willen und unſere Gewißheit auf den Sieg
ausſpricht: vom 1. Januar an heißt die Guerre Sociale
„La Vietolre‟
Kritik im engliſchen Unterhauſe.
* London, 23. Dez. Im Unterhauſe bat
Pringle (Liberal) dringend, daß die Ausſchußberatung
des Nachtrages zum Munitionsgeſetz
verſcho=
ben werde. Andere Abgeordnete ſchloſſen ſich dem Wunſchſe
an. — Thorne ſagte: Die Arbeiterpartei beſchloß geſtern
einſtimmig, um Verſchiebung der Beratung zu
erſuchen, und im Falle der Ablehnung gegen die
Regie=
rung zu ſtimmen. Hodge, der Vorſitzende der
Arbeiter=
vartei, beſtätigte dies, ſagte aber, er perſönlich könne nicht
Fr den Aufſchub ſtimmen, da Lloyd George ihm erklärt
Habe, daß ein Aufſchub des Inkrafttretens des Geſetzes
die Herſtellung ſchwerer Geſchütze im Tynebezirk
anfhal=
ten würde. Asquith gab nach und beantragte Vertagung
der Beratung bis zur Wiederverſammlung des
Parla=
ments. Der Antrag wurde angenommen.
In der Nachtſitzung vom 21. zum 22., die bis 5½ Uhr
früh dauerte, ſprach Dalziel über die Unfähigkeit
hoher Militärſtellen. Er fragte, ob dieſen
Stümperneine neue Million Soldaten
an=
vertraut werden ſolle. In der Schlacht bei Loos
habe die Armee infolge der Fehler des Generalſtabes
80000 Mann verloren. Booth erklärte, lebhaft zu
be=
dauern, daß er dem Parlament angehört habe, als der
grobe Treubruch an Serbien geſchah.
In der Debatte über die Vertagung des Hauſes
for=
derte Dalziel (Liberal) eine tatkräftige Politik gegenüber
den Neutralen. — Outhwaite (Liberal) tadelte die
britiſche Diplomatie gegenüber den
Balkanlän=
dern und ſagte, es ſei klar, daß Griechenland bereit war.
ie Operationen an den Dardanellen militäriſch zu
un=
terſtützen, daß aber Rußland eine Teilnahme
Griechen=
lands abgelehnt habe. Die Differenzen zwiſchen
den Alliierten hätten den Beitritt Griechenlands
zu den Ententemächten verhindert. — Cvoper (Unioniſt)
führte aus, daß das Verhalten des
Auswärti=
gen Amtes großen Argwohn errege. Der Flotte
werde es unmöglich gemacht, den großen Schlag zu fühe
ren, deſſen die Nation ſie für fähig halte. Die britiſche
Diplomatie im nahen Oſten ſei verderblich
ge=
weſen. — King (Liberal) ſagte, eine einige Politik der
Alliierten ſei ſehr notwendig. Die britiſche Nation, das
britiſche Reich und das Parlament ſeien einig, könne aber
jemand ſagen, daß das Kabinett einig ſei und ſeit
Mo=
naten einig geweſen ſei?
Unterſtaatsſekretär Lord Robert Cecil erwiderte,
der Beweis für die Einigkeit des Kabinetts ſei, daß keine
Kabinettsmitglieder zurückgetreten ſeien. Er bedauere
die unglückliche Bemerkung Kings, daß die Alliierten
un=
einig ſeien. Differenzen kämen vor, aber es habe nie
eine Differenz gegeben, die die Fortſetzung des
Bünd=
niſſes bedroht habe. Ueber die Balkanpolitik zu ſprechen
wolle er Grey überlaſſen. Cecil fuhr dann fort: Unſere
Blockade iſt eine Blockade Deutſchlands und nicht der
neutralen Länder. Wir können nur die überſeeiſche
Zu=
fuhr nach Deutſchland verhindern, es iſt aber äußerſt
chwierig, nachzuweiſen, welche Güter Deutſchland
errei=
chen. Die Regierung tat alles, was ſie rechtmäßigerweiſe
tun konnte, um die für Deutſchland beſtimmten
Ladun=
gen anzuhalten. Cecil polemiſierte ſodann gegen Cooper
und ſagte, gewiſſe Neuraſtheniker könnten den Druck des
Krieges nicht aushalten und bezeichneten die Miniſter als
Verräter, wenn die Dinge nicht gut gingen. Das
ſchä=
dige die Moral der Nation. Er weiſe die Angriffe auf
Grey zurück. — Lunch (Nationaliſt) ſagte: Die
Mini=
ſter waren bisher nicht Organiſatoren des
Sieges, ſondern der Niederlage. Der Fall
Serbiens hat den Ruf des Auswärtigen Amtes auf
Jahre verdorben. Man braucht nur die neutralen
Län=
er zu nennen, mit denen Greys Diplomatie zu tun hat,
um ſeine Fehlſchläge zu ermeſſen.
Der Antrag auf Vertagung des Hauſes
wurde ſodann angenommen.
Lloyd Gsorges Appell an die Arbeiter.
* London, 25. Dez. (Meldung des Reuterſchen
Bureaus.) Lloyd George hielt geſtern in Glasgow
vor 3000 Vertretern der Gewerkſchaften und Werkmeiſtern
eine Rede, in der er auf die unbedingte
Notwendig=
keit der Verwendung ungelernter
Arbei=
ter neben gelernten hinwies. Er komme, Vorſchläge zu
machen, von denen außer dem Siege auch die Rettung
zahlreicher Leben abhänge. Er könne unmöglich durch
das Parlament dem britiſchen Heere mitteilen, daß die
gelernten Arbeiter ſich weigerten, die Gewerkſchaftsregeln
zu ſuspendieren, um das Leben der Genoſſen auf dem
Schlachtfelde zu retten. Er könne nicht glauben, daß die
britiſchen Arbeiter weniger patriotiſch ſeien als die
fran=
zöſiſchen, deren Aufopferung es Frankreich ermögliche,
der ſchrecklichen Maſchine zu widerſtehen, welche mit Hilfe
der deutſchen Arbeiter einen großen Sieg über die Ruſſen
errungen habe. Die Zeit ſei koſtbar und Hilfe
unver=
züglich nötig.
Schweden im Weltkriege.
G* Es hat lange gedauert, bis ſich Schweden den
engliſchen Uebergriffen gegenüber auf ſeine nationale
Würde beſann. Man muß aber, um die Haltung
Schwe=
dens zu verſtehen, nicht nur ſein Verhältnis zu
Großbri=
tannien, ſondern auch das zu Rußland ins Auge faſſen:
Rußland gilt in Schweden, und ſicher nicht mit Unrecht,
ſchon ſeit Jahrzehnten als der gefährlichſte Feind des
ſchwediſchen Reiches.
Ein Teil der ſchwediſchen Bevölkerung ſteht auch offen
auf ruſſiſch=engliſchen Seite, obwohl die Freiheit der
hoch=
ragenden ſkandinaviſchen Berge nie ſchwerer bedroht war
als heute. England macht verzweifelte Anſtrengungen,
Rußlands Abgeſchloſſenheit vom Meere, die durch den
frühen und harten Winter noch verſchärft iſt, zu
durchbre=
chen. Ein ſolch ſchamhaft verhülltes Beginnen war die
Bründung der famoſen engliſch=ruſſiſchen
Verkehrsgeſell=
ſchaft „Tranſito”, die beſtimmt war, Bannware, die Ruß=
land zur Ausrüſtung ſeines neuen Sechsmillionenheeres
braucht, ohne ſchwediſche Kontrolle nach Rußland zu
brin=
gen. Als die ſchwediſche Preſſe Lärm ſchlug, erklärte der
Muſterſchwede Bing, die Gründung ſei im
Einver=
ſtändnis mit der ſchwediſchen Regierung erfolgt, eine
Be=
hauptung, die aber prompt vom Miniſterpräſidenten
Ham=
merſköld widerlegt wurde; und ſo blieb die Gründung
einſtweilen auf dem Papier ſtehen. Eine merkwürdige
Rolle ſpielte dabei der ſchwediſche Miniſter des Aeußern
Wallenberg, der ſtillſchweigend dulden zu wollen ſchien,
was er von Amts wegen nicht gutheißen durfte.
Wallen=
berg iſt ein recht vielſeitiger Mann, dutzendfacher
Auf=
ſichtsrat im Nebenamt, darunter auch Vizepräſident der
„Britiſh Bank of Northern Commerce” in London, der
„Banque des Pays du Nord” in Paris und der „Azow=
Don=Bank” in Petersburg. Die geſchäftliche Hand des
Miniſters reicht alſo nach Rußland, England und
Frank=
reich, und gewiß war er der rechte Mann dazu, den
Waf=
fenbrüdern des Vierverbandes über Schwedens
Neutra=
lität hinweg die Freundeshand reichen zu können.
Der Tranſitoplan iſt geſcheitert und eine gerichtliche
Unterſuchung eingeleitet, die dem Miniſter des Aeußern
Wallenberg wahrſcheinlich ſeinen Miniſterſeſſel koſten
wird. Die ſchwediſche Regierung nimmt es mit der
Neu=
tralität ſehr ernſt, und ſie hat allen Grund
dazu.
In London ſchnaubt man Wut: in echt britiſcher
Manier rächte man ſich, indem man 3000 ſchwediſche
Pakete, die an Bord des däniſchen Dampfers „Hellig
Olaf” von Amerika kamen, nach der berühmten
Seeräu=
berhöhle in Kirkwall ſchleppte, wo England die Beute
ſeines Piratengeſchäfts einſtweilen zu verſtauen pflegt.
Dann wurde der neueſte ſchwediſche Amerika=Dampfer
„Stockholm” auf ſeiner erſten Fahrt von Gothenborg nach
Neu=York von den Engländern unter dem höchſt
merk=
würdigen Vorwande aufgebracht, daß ſich deutſche
Diamanten an Bord befänden, und als ſich dies bei
der Durchſuchung nicht beſtätigte, hieß es, deutſche
Goldmünzen ſeien an Bord. Auch die „Stockholm”
wurde nach Kirkwall geſchleppt. Die edlen Briten wiſſen
übrigens aus allem ein Geſchäft zu machen, ſo auch aus
der in den Gründungskinderſchuhen ſtecken gebliebenen
Tranſito. Als eine ſchwediſche Holzfirma finniſche
Gru=
benhölzer nach England bringen wollte, ſollte ſie die
Klei=
nigkeit von 7000 Kronen für einen Erlaubnisſchein an die
Geſellſchaft zahlen. So vereinigt England die
Vergewal=
tigung der Neutralen in ſchönſter Weiſe mit Spionage
und geriebener Profitmacherei.
Norwegen und Dänemark haben ſich, wie es ſcheint,
in die Rolle engliſcher Vaſallen hineingefunden. Die ſtolze
Geſte von Malmö iſt vergeſſen, die anzudeuten ſchien, daß
die 3 nordiſchen Königreiche ſich die Freiheit des Handelns
gemeinſam wahren wollten: Alle beide führen jetzt ein
recht profitliches Daſein von Englands Gnaden.
Anders aber Schweden, das in ſeiner feſten Haltung
gegenüber engliſcher Anmaßung und Willkür ein
Gegen=
ſtück zum helleniſchen Königreiche bietet. Das Svenska
Dagbladet fordert in Uebereinſtimmung mit der
un=
abhängigen Preſſe des Landes, daß Schweden ſeine Rechte
richt länger mit Füßen treten laſſe, ſondern energiſch
gegen England vorgehe; und die ſchwediſche Regierung
begann denn auch ſchon mit Vergeltungsmaßregeln gegen
die engliſche Tyrannei.
Mitte Dezember ſchon hat die ſchwediſche Regierung
unter Proteſt gegen das engliſche Vorgehen vereinzelte
Poſtſäcke zurückgehalten, die amerikaniſche Regierung von
dieſen Uebergriffen in Kenntnis geſetzt und ferner die
ſchwediſche Poſtdirektion angewieſen, bis auf weiteres
alle von Großbritannien für den ſchwediſchen
Durchfahrtshandel abgeſandten Pakete
zurückzu=
halten.
Was wird Wilſon antworten? Wird er auch hier als
Eiferer für die Neutralität auftreten und ſich mit jenem
Nachdruck gegen England wenden, der ſeine Noten an die
Mittelmächte auszeichnete?
** Prähiſtoriſche Funde im Schützengraben. Noch
nie=
mals ſind ſo ausgedehnte Strecken europäiſchen Bodens
in ſo gründlicher Weiſe durchgegraben und aufgewühlt
worden, wie im Stellungskrieg, der die Menſchen unter
der Erde Schutz ſuchen und leben läßt. Es iſt daher
kei=
neswegs überraſchend, wenn Gegenſtände hiſtoriſcher und
vorgeſchichtlicher Zeiten, Dokumente vergangener
Jahr=
hunderte und Jahrtauſende die bislang ungeſehen und
unberührt im Schoße der Erde ruhten, aufgefunden und
ans Licht gezogen wurden. So wurden im Laufe der
Kriegsmonate, in den vielen Wochen, die in Polen und
Rußland, in Flandern und Frankreich von den Soldaten
in Erdgräben und Höhlen verlebt wurden, im Oſten und
Weſten, zahlreiche kulturgeſchichtlich und hiſtoriſch
inter=
eſſante Funde gemacht, die eine der wenigen
kulturfördern=
den Begleiterſcheinungen des Krieges darſtellen. Wie
einer von dem Leutnant der Reſerve Dr. Hanns von
Lengerken gebotenen Ueberſicht in der bei der Deutſchen
Verlagsanſtalt in Stuttgart erſcheinenden Zeitſchrift
„Ueber Land und Meer” zu entnehmen iſt, waren dieſe
Ausgrabungen ſehr erfolgreich, ſowohl an Zahl und
Reich=
haltigkeit wie auch an Seltenheitswert. So wurden von
H. Niggermann im Weſten bei Soiſſons 32 Gräber
unter=
ſucht, auf deren Spur man durch Auffindung eines
bron=
zenen Halsringes gekommen war. Im Oſten entdeckte
man vor noch nicht langer Zeit bei den
Ausſchachtungs=
arbeiten an der Brücke von Lötzen eine große Zahl
vor=
geſchichtlicher Gegenſtände, die auf beſonderen Wunſch
des Kaiſers ſorgfältig geſammelt wurden. Eine Reihe
beſonderer Fundſtücke ſtammen aus dem Erdreich in der
Nähe eines Königsberger Forts. Hier wurde bei der
An=
lage von Erdbefeſtigungen ein vorgeſchichtliches
Gräber=
feld entdeckt. Durch das Auffinden einer Lanze und
eini=
ger Pferdeknochen aufmerkſam gemacht, begannen vier
Landſtürmer — ein Fleiſcher, ein Dachdecker, ein
Schau=
ſpieler und ein Uhrmacher — die Räumungsarbeiten
die zur Feſtſtellung eines alten Brandgrabens führten.
Das Grab lag etwa 50 Zentimeter unter der
Erdober=
fläche und beſtand aus vier kreisförmig gelegten Steinen,
in deren Mitte man Scherben geborſtener Urnen,
Pferde=
knochen und Pferdezähne entdeckte. Daß es ſich um ein
Brandgrab handelte, ließ ſich an der ſchwarzen
Brand=
erde erkennen und an den zahlloſen Holzkohlenſtückchen,
die ausſahen, als wären ſie erſt vor kurzem gebrannt
worden. Die Pferdezähne, die von noch jungen Tieren
ſtammten, waren vorzüglich erhalten. Auch menſchliche
Knochenſplitter fanden ſich in dem feuergeſchwärzten
Erd=
reich. Die Eiſen= und Bronzefunde in Oſt und Weſt
be=
ſtanden zumeiſt aus Kriegsausrüſtungsteilen, wie
Lan=
zen, Steigbügel, eiſernen Pferdebremſen, Meſſern und
Feuerſteinpfeilſpitzen. Die meiſten im
Schützengraben=
bereich ausgegrabenen Gegenſtände gehören prähiſtoriſchen
Tagen an, der Steinzeit, Eiſenzeit und Bronzezeit. Auch
Schwerter und Schnallen geben von der Ausrüſtung der
vorgeſchichtlichen Krieger Kunde. Die Funde werden
von Soldaten ausgegraben; wo die Gelegenheit es
geſtat=
tet, unter möglichſt ſachkundiger Leitung. Auf dieſe Weiſe
iſt die Kenntnis vorgeſchichtlicher Kunſt bereits auf
wert=
volle Weiſe bereichert worden.
C. K. Das dunkle Rom. Die Alliierten, die durch
Ab=
ſperrungs= und andere Maßregeln das öffentliche Leben
in Deutſchland auf die tiefſte Stufe der Kriegsmißſtände
herabzudrücken hofften, mußten nebſt anderen peinlichen
Ueberraſchungen auch die für ſie wenig erfreuliche
Erfah=
rung machen, daß die ſtörenden Begleiterſcheinungen des
Krieges in ihren eigenen Städten viel ſtärker und
all=
gemeiner auſtreten als bei uns. Die einſt ſo ſtrahlenden
Hauptſtädte Englands und Frankreichs ſind längſt nicht
mehr, was ſie im Frieden waren. Und zu all dem
Miß=
vergnügen kam die Dunkelheit, die man aus Angſt vor der
deutſchen Luftflotte über London und Paris herabſinken
laſſen mußte. Nunmehr iſt Itallien auch in dieſer, von den
Bürgern laut beklagten Beziehung dem Beiſpiel ſeiner
Bundesgenoſſen nachgekommen: wie auf das lichtloſe
Paris das lichtloſe London falgte, ſo folgt dem dunklen
London jetzt das dunkle Rom. Auch die braven Römer
müſſen jetzt Nacht für Nacht am eigenen Leibe verſpüren,
was es bedeutet, wenn das Licht erliſcht. Ein
anſchau=
liches Bild der gegenwärtigen römiſchen Kriegsnacht läßt
ſich einer Schilderung der „Italia” entnehmen: „Unſicher
und richtungslos irrt man durch die Straßen des dunklen
Rom. Nur hier und da ſchimmert eine trübe verſchleierte
Gaslaterne. Das Pflaſter iſt ſchlüpfrig in dieſer
Jahres=
zeit, halb naß, halb kalt. In den Straßen, in denen die
Theater liegen, drängt ſich die Menge in Geſtalt ungewiſſer,
unkenntlicher Schatten. Es ſind die bedauernswerten
römiſchen Theaterbeſucher, die wie Geſpenſter nach Hauſe
eilen. Alles ſtürmt nach dem im tiefen Düſter
verſchwim=
menden Corſo Vittorino. Eine Droſchke taucht aus dem
Dunkel auf. Alles bleibt ſtehen; man beugt ſich vor, jeder
ſucht an den Wagen heranzukommen. Und von allen
Seiten ertönen beſchwörende Rufe nach dem Kutſcher.
Doch der Kutſcher weigert ſich, Gäſte aufzunehmen; er
will ſelbſt aus dem Dunkel nach Hauſe gelangen. Wieder
taucht eine Droſchke auf, aber ſie iſt beſetzt und rollt
rück=
ſichtslos vorüber. So geht es fort und fort, bis man ſich
entſchließt, zu Fuß weiter zu wandern. Das iſt mühſam,
aber keineswegs langweilig. Man iſt genugſam damit
beſchäftigt, den Weg innezuhalten und auf die Tritte der
unſichtbaren Leidensgenoſſen aufzupaſſen. Beim kleinſten
Geräuſch bleibt man ſtehen, aber nirgends ein gaſtlicher,
rettender Wagen aufzutreiben. Und weiter geht es durch
die Nacht des modernen, des lichtloſen, droſchkenloſen
Rom.”
Während der Ungehorſam gegen England an
Schwe=
den durch Handelsdaumenſchrauben geſtraft wird, rüſtet
ſich auf der anderen Seite Rußland, um das
ſkandina=
viſche Königreich in anderer Art gefügig zu machen. Die
aufſehenerregende Unterbrechung des Telegraphen
zwi=
ſchen Schweden und Rußland ſcheint große Truppenver
ſchiebungen nach Finnland und gegen die ſchwediſche
Grenze verbergen zu wollen; dazu wird gemeldet, daß in
den finniſchen Garniſonen 160000 Mann bereitgeſtellt
ſind. Innere Unruhen können dieſe Verſchiebungen nicht
veranlaßt haben. Es bleibt alſo nur die Annahme übrig,
daß Rußland einen Druck auf Schweden ausüben will,
um den Verkehr nach dem eisfreien Meere frei zu
bekom=
men, oder aber letzten Endes mit Gewalt den
Zu=
gang zur Nordſee zu erzwingen. Für Schweden
droht eine ſehr ernſte Gefahr, und die Nya Dagligt
Allehanda wieſen ſchon kürzlich darauf hin, wie ſehr
Schweden durch die Befeſtigung der Aalandsinſeln, durch
die Ruſſifizierung Finnlands und durch den Bau
ſtrategi=
ſcher Eiſenbahnen bedroht ſei. Man müſſe ſich durch eine
aktive Politik von dieſen Gefahren befreien, ehe es zu
ſpät ſei.
Es ſind große und ſchwere Sorgen, die Schweden
be=
drücken, und Sorgen, die über kurz oder lang die
nordi=
ſchen Völker zu gemeinſamem und entſchloſſenem Handeln
gegen die unerträgliche engliſche Gewaltherrſchaft zwingen
können, und hoffentlich auch werden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Dezember.
* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog hat dem Staatsminiſter, Miniſter des
Groß=
herzoglichen Hauſes und des Aeußern und Miniſter der
Juſtiz Dr. Karl von Ewalld das Großkreuz des
Lude=
wigsordens verliehen.
* Erteilt hat Se. Königl. Hoheit der Großherzog
dem Mitglied der Künſtlerkolonie, Maller Fritz
Oß=
wald in Darmſtadt den Charakter als Profeſſor.
* In den Ruheſtand wurde verſetzt: die Lehrerin an
der Volksſchule zu Mainz, Marie Eleonore Kötting
auf ihr Nachſſuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen
treuen Dienſte.
* Militärdienſtnachrichten. Befördert: zu
Oberleut=
nants: die Leutnants Faber der Landw.=Inf. 1. Aufg.
(Gießen), jetzt im 2. Erſatz=Batl. des Inf.=Regts. Nr. 172,
Paſchke der Landw.=Inf. 1. Aufg. (Mainz), jetzt im
Erſatz=Batl. des Reſerve=Inf.=Regts. Nr. 99; zum
Leut=
nant der Reſerve des Pionier=Batls. Nr. 3: Vizefeldwebel
Kettlitz (I Darmſtabt), jetzt beim Pionier=Erſatz=Batl.
Nr. 3; zu Leutnants der Reſerve: Vizefeldwebel
Unver=
zagt (Friedberg), im Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 80, die
Vizewachtmeiſter Reiske, Boehringer (Mainz), im
Reſerve=Feldart.=Regt. Nr. 21. Stoll, Leutn. v. Reſ.
des Leibgarde=Inf.=Regts. Nr 115 (Bremerhaven), bisher
beim Inf=Regt. Nr. 117, der Abſchied bewilligt. Zu
Leut=
nants der Reſerve befördert: die Offizieraſpiranten des
Beurlaubtenſtandes (Truppenübungsplatz Munſter):
Montua (I Darmſtadt), Inf.=Regt. Nr. 132, (
Truppen=
übungsplatz Warthelager): Franz (I Darmſtadt), Inf.=
Regt. Nr. 81, Blum (Friedberg), Herrmann,
Hof=
mann (Heinrich) (Frankfurt a. M.), Klöter (Kalau),
Knauer (Frankfurt a. M.), Schneider (Otto)
(Karlsruhe), Inf.=Regt. Nr. 115, Duſeberg,
Haſſin=
ger, Jung (Paul), Jung (Ludw.) (Gießen), Menze
(Koblenz), Schmall (Gießen), Inf.=Regt. Nr. 116,
Altenhofen (Goldap), Barner (Mainz), Inf.=Regt.
Nr. 117, Niſchwitz (Worms), Inf.=Regt. Nr. 141, Will
(I Darmſtadt), Reſ.=Inf.=Regt. Nr. 87, Etzbach (
Kreuz=
nach), Metzger, Müller (Georg) (I Darmſtadt),
Schmidt (Wilhelm) (Wiesbaden), Schmoll (Gießen),
Landw.=Inf.=Regt. Nr. 116, Kalweit (Anklam),
Mül=
ler (Hubert) (Wiesbaden), Schmies (Meſchede),
Land=
wehr=Inf.=Regt. Nr. 118, (Truppenübungsplatz Senne):
Schönfeld (Worms), Inf.=Regt. Nr. 118, Addix
(Mainz), Inf.=Regt. Nr. 144, Beſte (Friedberg), Inf.=
Regt. Nr. 186, Hofmann (Karl) (Mainz), Landft.=J.=R.
Nr. 115, (Truppenübungsplatz Lockſtedt): Hein (Mainz),
Inf.=Regt. Nr. 81, Klein (I Darmſtadt), Reſerve=Inf.=
Regt. Nr. 99, Appel (Darmſtadt), Fernau (
Frank=
furt a. M.), Jacob (Offenburg), Mayer (Richard)
(Karlsruhe), Moſer (Offenburg), Neff (
Donaueſchin=
gen), Schmitt (Johann) (Worms), Schrauth,
Wag=
ner (Darmſtadt), Inf.=Regt. Nr. 115, Huber (Gießen),
Inf.=Regt. Nr. 116, Dehlinger (Darmſtadt), Diehl
(Worms), Graßmann (Mainz), Scholtz (
Darm=
ſtadt), Simon (Siegen), Inf.=Regt. Nr. 117, Merkel
(Worms), Racky (Wiesbaden), Inf.=Regt. Nr. 118,
Knell (Darmſtadt), Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 80, Heger
(Mainz), Krappen (Offenbach), Reſerve=Inf.=Regt.
Nr. 88, Schäfer (Philipp) (Gießen), Teske (Berlin),
Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 116, Müller (Heinrich) (
Gie=
ßen), Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 222, Ludwig (Gießen),
Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 223, Grein (Gießen), Peter
(Friedberg), Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 224, Bopf (Gießen),
Kaiſer (Friedberg), Daum (II Darmſtadt), Montag
(Darmſtadt), Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 254.
Kriegsauszeichnungen. Vizefeldwebel J. Kaſſel
im Infanterie=Regt. Nr. 365 erhielt das Eiſerne Kreuz
2. Klaſſe. Dem Unteroffizier Heinrich Reuter
Mit=
glied des hieſigen Schützenvereins Tell, der zurzeit zum
zweiten Male ſchwer verwundet im Lazarett zu Libau
liegt und bereits Inhaber der Oeſterreichiſchen
Tapfer=
beitsmedaille und des Eiſernen Kreuzes iſt, erhielt auch
die Heſſiſche Tapferkeitsmedaille.
Großh. Hoftheater. Als dritte und letzte
Weih=
nachtskindervorſtellung wird heute „Rotkäppchen” und
hierauf „Sneewittchen” gegeben. Der Kartenverkauf für
dieſe Vorſtellung, zu der die Volksvorſtellungspreiſe
gel=
ten, ſindet zu den gewöhnlichen Kaſſeſtunden an der
Ta=
geskaſſe des Hoftheaters ſtatt. Für Mittwoch, den 29.,
iſt „Hoffmanns Erzählungen” angeſetzt. In den
Hauptpartien ſind beſchäftigt die Damen Geyersbach,
Ja=
cobs, Kallenſee und Schreber, ſowie die Herren Globerger,
Peterſen, Schützendorf, Stephani und Thomſen.
Muſiha=
liſche Leitung Erich Kleiber, Spielleitung Otto Nowack.
Klleine Preiſe. Donnerstag, den 30., wird Shakeſpeares
„Sommernachtstraum” der infolge der
Spiel=
plangeſtalltung längere Zeit nicht gegeben werden konnte,
auf C 20 wiederholt. Dieſe Aufführung iſt die 50. des
Luſtſpieles am Hoftheater. Alls Silveſter=Vorſtellung
geht am 31., 6 Uhr abends, „Mein Leopold” in
Der weitere Spielplan iſt: Samstag, den 1. Januar
1916. 79. Abonnements=Vorſtellung. A. 20. „Die
Meiſterſinger von Nürnberg‟. Gewöhnliche
Preiſe. Anfang 6 Uhr. — Sonntag, den 2. Januar.
Vor=
mittags 11½ Uhr: Außer Abonnement. Auf Allerhöchſten
Befehl: Gedächtnisfeier (zu wohltätigem Zweck).
Unvollendete Sinſonie von Schubert, 5. Sinſonie von
Beethoven. Dirigent: Generalmuſildirektor Felix von
Weingartner. — Abends 7 Uhr: 80. Abonnements=
Vorſtel=
lung. B 21. Zum erſten Male: „
Bummelſtuden=
ten”. Gewöhnliche Preiſe.
* Arnold Mendelsſohns 60. Geburtstag brachte
unſe=
rem großen Darmſtädter Tondichter eine Fülle von
Ehrun=
gen. Das ſonſt ſo ſtille Haus in der Goetheſtraße wurde
von morgens bis abends nicht leer von Gratulanten.
Briefliche und telegraphiſche Glückwünſche (darunter
zahl=
reiche aus dem Felde) lieſen zu vielen Dutzenden ein, und
eine Fülle der herrlichſten Blumenſpenden verwandelte
die Zimmer in einen duftenden Blütengarten. U. a. ſandten
Glückwünſche das Großherzogliche Hoftheater, die
nam=
hafteſten hieſigen und auswärtigen Muſikvereine,
zahl=
reiche Geiſtliche, Komponiſten, Dirigenten und
Tonkünſt=
ler, viele ſeiner früheren und jetzigen Schüler uſw. Ihre
Durchlaucht die Fürſtin zu Erbach=Schönberg ließ ihr Bild
mit eigener Unterſchrift überreichen. Von dem Richard=
Wagner=Verein, dem Evangeliſchen Kirchengeſangverein
für Heſſen, der Akademie für Tonkunſt und einer Anzahl
ſeiner hieſigen Freunde und Verehrer waren dem
Jubi=
lar eine Neihe von Bänden der Geſammelten Werke
Jo=
hann Sebaſtian Bachs in der großen Ausgabe der Bach
Geſellſchaft zum Geſchenk gemacht worden, ſodaß Profeſſor
Mendelsſohn dieſes monumentale, 46 Jahrgänge
umfaſ=
ſende Werk nunmehr vollſtändig beſitzt. Möge er ſich
ſei=
ner noch lange in ungeminderter Schaffenskraft erfreuen.
Ad multos annos!
a. Süßer Tag für unſere Verwundeten. Der in der
vorigen Woche veranſtaltete Süße Tag hat ein
außer=
ordentlich erfreuliches Ergebnis gehabt. Es gingen ein:
etwa 600 Gläſer Gelee und eingekochte
Früchte, eine Menge Kuchen und anderes Backwerk,
ſowie ein anſehnlicher Geldbetrag. Beſonders
erwähnens=
wert iſt noch ein großer Korb mit Aepfeln (ungefähr
1 Zentner), den die Schulkinder in Arheilgen
beiſteuerten. Allen gütigen Spenderinnen und Spendern
ſei hiermit nochmals herzlicher Dank geſagt für ihre
Gaben. Ebenſo gebührt er Herrn Kaufmann Berger hier,
der die Möglichkeit zu dieſer Sammlung ſchuf durch
freundliche Ueberlaſſung des geräumigen Lokals, das er
ſowieſo ſchon ſeit Oſtern der Nähſtube der ehemaligen
Pflegerinnen von 1870/71 in uneigennütziger Weiſe ohne
jede Gegenleiſtung zur Verfügung geſtellt hat.
* Unterhaltungsabend zum Beſten des Roten Kreuzes.
Am Mittwoch findet im Kaiſerſaal ein
Unterhal=
tungsabend zum Beſten des Roten Kreuzes unter
Leitung der Frau Johanna Georg=Merz ſtatt, worauf
an dieſer Stelle hingewieſen ſei. U. a. wirken an dieſem
Abend Frau Beling=Schäfer nebſt Tochter mit.
* Die Ausgabe der Petroleumkarten für Januar
fin=
det am kommenden Mittwoch von vormittags 9—1 Uhr
und nachmittags von 3—6 Uhr in den gleichen Lokalen,
in denen die Brotkartenausgabe erfolgt, ſtatt. Die
Brot=
ausweiskarte iſt dabei vorzulegen.
— Verkehrsverbeſſerung. Man ſchreibt uns: Es
wurde mit Recht beklagt, daß der letzte Zug auf der
Riedbahn nach Worms in Darmſtadt bereits 833 abends
abgeht. Es ſei deshalb mitgeteilt, daß neuerdings ein
ſpäterer Triebwagen eingelegt wurde, der
Darm=
ſtadt 1010 abends verläßt, 1036 in Goddelau eintrifft
und dort 1032 Anſchluß nach Worms findet, das 1132
er=
reicht wird.
Neues Poſtblatt. Anfang Januar 1916 erſcheint
eine neue Nummer des Poſtblatts, das ein Beilage
zum Reichsanzeiger bildet, aber auch für ſich bezogen
werden kann. Im Poſtblatt, das im Reichs=Poſtamt
zuſammengeſtellt wird, ſind die wichtigſten
Verſendungs=
bedingungen und Tarife für Poſtſendungen aller Art
ſowie für Telegramme enthalten. Auf die ſeit dem
Er=
ſcheinen der vorangegangenen Nummer (Anfang Oktober)
eingetretenen Aenderungen wird in der neuen Nummer
durch beſonderen Druck (Schrägſchrift) hingewieſen. Das
Poſtblatt kann auch neben anderen, umfangreicheren
Hilfsmitteln für den Verkehr mit der Poſt und
Tele=
graphie (Poſtbücher, Poſt= und Telegraphennachrichten
für das Publikum uſw.) mit Vorteil benutzt werden,
weil es dieſe bis auf die neueſte Zeit ergänzt. Der
Be=
zugspreis des Poſtblatts beträgt für das ganze Jahr
40 Pf., für die einzelne Nummer 10 Pf. Beſtellungen
werden von den Poſtanſtalten entgegengenommen.
— Wölfe in Heſſen? Aus Seeheim teilt uns ein
Freund unſeres Blattes mit, daß vorgeſtern nachmittag
dort dicht am Dorfe 2 Wölfe geſichtet wurden, die
an=
ſcheinend einen Angriff auf einen Hühnerſtall planten.
Beim Erſcheinen von Menſchen aber traten ſie den
Rück=
zug in die Berge an. — Schon vor einiger Zeit wurde
aus Rheinheſſen das Erſcheinen von Wölfen gemeldet,
doch wurden allerdings damals Zweifel laut, ob es ſich
wirklich um Wölfe oder um verwilderte Hunde handelt.
Orpheum.
-g. Der Weihnachtsſpielplan des
Or=
pheums der noch bis einſchl. Donnerstag gilt, läßt
wieder an Reichhaltigkeit nichts zu wünſchen übrig=
Allerdings beſtreitet, als Folge des alles Männliche in
ſeinen Bann ziehenden Krieges, das weibliche Element
noch mehr den Hauptteil des Spielplans, als im
Vor=
jahr, doch hat die Güte der Darbietungen wohl kaum
darunter zu leiden. Die Tatſache wird uns aber auch
hier wieder ſo eindringlich vor Augen geführt, daß das
„ſchwache‟ Geſchlecht ſich jetzt auf allen Gebieten, wo
frü=
her der Mann unumſchränkter Alleinherrſcher war, eine
achtunggebietende Stellung erworben hat. Die Siſters
und Brothers alle mit den fremdländiſchen Namen ſind
jetzt glücklich vom Spielplan verſchwunden, dieſe
Reini=
gung wird aber nur von Beſtand ſein, wenn man ſich
endlich zu der Anſchauung durchringt, daß deutſche
Künſt=
ler auch unter deutſchem Namen etwas vorzügliches
lei=
ſten können.
Die verſchiedenartigen Darbietungen des Spielplans
gruppieren ſich um die beiden Hauptnummern, die
Tän=
zerin Alice Rejane und die vielſeitige Künſtlerin
Wilma. Alice Rejane vereinigt in ihren ſchönen
Tanzdarbietungen die Vorzüge der neuen und der
älte=
ren Ballettſchule. Anmut und Schönheit ſind ihr Leitziel.
Wenn ſie auch beſtrebt iſt, den Gedanken der begleitenden
Melodie reſtlos zur Darſtellung zu bringen, ſo läßt ſie
doch darüber nicht die Wirkung auf den Zuſchauer
außer=
acht. Bei den anmutigen, bald ſchmeichelnd ſanften, bald
wilderregten Bewegungen des harmoniſch gebauten
Körpers geben die maleriſchen, ſtilvollen Gewänder
reizvolle Bilder. Das Dramatiſche ihrer
Darſtellungs=
kraft kam im „Sturmwind” beſonders zum Ausdruck. —
Auf einem anderen Gebiet liegen die vielſeitigen
Dar=
bietungen der ſkandinaviſchen Künſtlerin Wilma. Am
bewundernswerteſten iſt ſie wohl beim Nachahmen von
Tierſtimmen. Ihre Stimme, wenn man in dieſem
Falle ſo ſagen darf, umfaßt alle Regiſter, mögen es nun
die piepſenden Laute des Kückens, oder die blendenden
Liebesgeſänge der Nachtigall ſein. Herrlich gelang das
Jubilieren der Lerche. Als Sandmalerin arbeitete die
Künſtlerin mit gefärbtem Sand und zauberte in
verblüf=
fend kurzer Zeit ein buntes Bild auf die Tafel, ebenſo
flink war ſie als Rauchmalerin, oder, was richtiger iſt,
als Rußmalerin. Auf einer geſchwärzten Platte arbeitet
ſie geſchickt in ſcharfen Umriſſen ein ſtimmungsvolles
Schwarzweiß=Bild heraus. Auch als
Handſchatten=
künſtlerin bietet ſie neues.
Die körperliche Kraft und Gewandtheit des „ſchwachen
Geſchlechts” zeigten ſo recht die Leiſtungen der
Schwe=
ſtern Remie und der drei Schweſtern Vendaro;
während erſtere mehr die Gelenkigkeit und turneriſche
Gewandtheit, allerdings in ihrer höchſten Ausbildung,
vertreten, zeigen die Schweſtern Vendaro, welche Kraft
in ſchwachen Frauenkörpern ruhen kann. Ihre Uebungen
am Hochreck und am lebenden Körper ſind
bewunderns=
wert. — Auguſt Prater mit ſeinem Affenzirkus läßt
auch die Bewunderer der Dreſſur von Pferden und
Affen auf ihre Rechnung kommen. Die drei
Zwerg=
pferdchen laſſen eine gute Dreſſur erkennen, und auch die
poſſierlichen Aefſchen erfreuen durch ihre drolligen
Sprünge und ihre Reitkünſte. — Den humoriſtiſchen
Teil vertritt Hedy Flott und Narziß Mertens;
letzterer iſt ja mit ſeinen heiteren Vorträgen, die jetzt
auch der Zeit angepaßt ſind, bekannt. Hedy Flott
er=
freute durch einige Geſangsnummern. Sehr gut war
ihr Auftreten als ein Soldatenlieb habende Küchenſee.
— Die Lichtſpiele beſchließen den reichhaltigen Spielplan.
Weihnachtsfeiern.
— Weihnachten im Lazarett. Zu einer
er=
hebenden Feier geſtaltete ſich die diesjährige
Weihnachts=
beſcherung der Verwundeten und Kranken im Reſerve=
Lazarett III (Exerzierplatz) am hl. Abend in dem
ge=
ſchmackvoll hergerichteten Tagesraum. Zahlreiche Gäſte —
unter ihnen Herr Generaloberarzt Dr. Grünert —
hatten ſich trotz der ungünſtigen Witterung eingefunden.
Eingeleitet wurde die Feier durch die frohe
Weihnachts=
weiſe „Stille Nacht, heilige Nacht”. Nach den Klängen
dieſes Liedes ergriff Herr Prälat Euler das Wort zu
einer erhebenden Anſprache, in welcher er das
Weihnach=
ten von Bethlehem in Vergleich ſetzte mit dem
Kriegs=
weihnachten 1915. Im Anſchluß an das Lied „Es iſt ein
Roſ” entſprungen” behandelte Herr Garniſonpfarrer
Dr. Buſch in packender, zu Herzen gehender Rede den
Troſtgedanken des Weihnachtsfeſtes, der in den Tagen
von „Blut und Eiſen” doppelt warm empfunden werde.
Nach dem Schlußlied „O du fröhliche, o du ſelige” dankte
der leitende Arzt des Lazaretts in herzlichen Worten den
Erſchienenen, insbeſondere auch all denen, die zum guten
Gelingen der Veranſtaltung beigetragen. Den
Schwer=
verwundeten, die an der Feier nicht teilnehmen konnten,
wurden in ſinniger Weiſe unter wechſelnden Anſprachen
Gaben und Feſtgeſchenke überreicht. Sicherlich wird dieſe
ſchlichte, dem Charakter der Kriegszeit angepaßte Feier
den Verwundeten und Kranken, die im Reſerve=
Laza=
rett III ihrer Geneſung entgegenharren, unvergeßlich
bleiben.
— Der Verein „Deutſche Waiſenpflege‟
im Anſchluß an die Deutſche Reichsfechtſchule, hielt im
Kaiſerſaal eine Chriſtbeſcherung ab für mehr als
hundert Waiſen= und Halbwaiſenkinder, vor allem für
Kinder gefallener Darmſtädter Krieger. Die Gaben waren
mit liebevoller Sorgfalt ausgewählt. Außer kleineren
nützlichen Gegenſtänden (Mützen, Halstüchern,
Hand=
ſchuhen und dergleichen) bekam jedes Kind entweder
warme Unterkleidung und ein Paar Stiefel, oder
Ober=
kleider, alles aus guten, haltbaren Stoffen. Natürlich
fehlten auch Weihnachtsſüßigkeiten als Beigabe nicht.
Dazu erhielt jedes Kind ein Kilo Reis und ein Kilo
Gries, die von den Behörden eigens für die Beſcherung
freigegeben worden waren, ein Geſchenk, deſſen Wert die
Mütter in der gegenwärtigen Zeit wohl zu ſchätzen wiſſen
werden. Die Schülerinnen des Hofmännſchen Inſtituts
brachten unter Leitung der Inſtitutsvorſteherin, Frl.
Tube, das reizende Weihnachtsſpiel von Lina Hilger
ſehr anmutig zur Aufführung, mit dem ſie kürzlich im
Geneſungsheim Marienhöhe in Gegenwart des
Großher=
zogspaares ſo großen Beifall errangen. Herr Pfarrer
Vogel hatte in liebenswürdiger Weiſe die Anſprache
übernommen. Alle, die zu dem ſchönen Verlauf der Feier
beigetragen haben, beſonders Herr Kohlenhändler Peter
Baumann, der, als eifriger Förderer der Waiſenpflege
rühmlichſt bekannt, auch diesmal keine Mühe geſcheut
hatte, verdienen den wärmſten Dank für dieſe Betätigung
edelſter Nächſtenliebe.
— Beſcherabend im Obdachloſen=Aſyl.
Trotz der ſchweren Kriegszeit konnte am Beſcherabend den
im Obdachloſen=Aſyl ſich eingefundenen
Durch=
reiſenden eine Weihnachtsfreude bereitet werden. Durch
Stiftungen bzw. Sammlungen war es möglich, dieſen
Geſchenke, beſtehend aus warmen Unterkleidern und
Kon=
fekt, ſowie einem warmen Eſſen, zu reichen. Nachdem
der Chriſtbaum angezündet war, hielt Kommiſſar Kraft
eine zu Herzen gehende Anſprache, und manchem
Wan=
derer rollte vor Freude eine Träne über die Wangen.
Nach dem Eſſen wurden die Geſchenkte überreicht, worauf
die Wanderer nach Worten des Dankes ihr Nachtlager
aufſuchten. Allen Perſonen, ſowie dem Herrn Kommiſſar
Kraft und ſeinen Beamten, die ſich in den Dienſt der guten
Sache geſtellt haben, ſei auch an dieſer Stelle aufrichtiger
Dank geſagt. Auch dem Armenhausverwalter, der zu
dieſem Zweck einen Saal zur Verfügung ſtellte und ſich
die Zubereitung des Eſſens angelegen ſein ließ, ſei an
dieſer Stelle gedankt.
— Der Geſangverein „Liederzweig”
hatte=
am 2. Feiertag nach langer Pauſe wieder eidmal ſeine
Mitglieder und deren Angehörige zu einer kleinen
familiären Feier, zum Weihnachsfeſte, dem Feſte der
Liebe, nach dem „Schützenhof” beruſen. In erſter Linie
galt es wieder der feldgrauen Vereinsangehörigen zu
ge=
enhen, ihnen zu zeigen, daß der Verein ſie nimmer
ver=
gißt, ſie mit Liebesgaben uſw. fortwährend verſorgt. aber
auch Anerkennung und Dank erntet, wie viele Zuſchriften
beweiſen. In zweiter Linie galt es, den Zuſammenhang
er Mitglieder des Vereins zu veranſchaulichen und zu
zeigen, daß der Verein auch während dieſer ſchweren und
ſehr ernſten Zeit die Pflege des Geſanges nicht
vernach=
äſſigt und, wenn auch in verringerter Zahl, ſeine
Ge=
ſangsübungen regelmäßig fortſetzt und freißig arbeitet,
offend, daß auch wieder beſſere Zeiten dem Verein
ge=
ſtatten, ſich im eigenen und im Intereſſe der
Allgemein=
heit in voller Stärke hören zu laſſen. — Das Programm
war dem Ernſt der Zeit entſprechend und wurde von
allen Mitwirkenden mit Liebe zur Sache und mit dem
Willen, nur das Beſte zu geben, zur allgemeinen
Zufrie=
denheit ausgeführt. Dier Chor, obgleich durch den Krieg
auf ein Drittel ſeiner ſonſtigen Stärke
zuſammenge=
ſchmolzen, eröffnete die Feier mit dem Liede „O
Schutz=
geiſt alles Schönen”, das, wie auch die anderen Chöre
„Morgen muß ich fort von hier”, „Der Soldat” „Aus
weiter Ferne kehrt ich wieder” und andere vorzüglich zum
Vortrag kamen. Zwei Violinvorträge mit
Klavier=
begleitung, vorgetragen vom Vereinsdirigenten und
ſeinem Sohn, wurden mit beſonderem Beiſall und um ſo
dankbarer aufgenommen, als dieſe wie auch Herr
Bö=
gel, der mit verſchiedenen Liedern aufwartete, erſt in
letzter Stunde in die durch Erkrankung entſtandenen
Lücken einſprangen. Verſchiedene Deklamationen
tief=
ernſten Inhalts von Frl. Helfmann, in Ausſprache
und Betonung gleich vorzüglich, ſowie mehrere
Deklama=
tionen des Herrn Bieger aus den Kriegserlebniſſen
unſeres Lokaldichters Herrn Robert Schneider und
an=
deren, ernteten wie alles Gebotene den verdienten
Bei=
fall. Es iſt anzunehmen, daß die veranſtaltete Tombola
und auch die freiwilligen Spenden am Abend ein
erkleck=
liches Sümmchen den Feldgrauen eingetragen haben.
Arheilgen, 25. Dez. (Zur Anlegung eines
Kriegstagebuchs) für unſere Gemeinde werden
zwiſchen Weihnachten und Neujahr Fragebogen
aus=
gegeben, welche von den Familien der Kriegsteilnehmer,
einſchließlich der Armierungsſoldaten, der Gefallenen,
Verwundeten, Invaliden, Verſtorbenen, Gefangenen,
Ver=
mißten, überhaupt aller zum Heeresdienſt Einberufenen,
einerlei, ob ſie im Felde oder noch in Garniſon ſtehen,
ausgefüllt werden ſollen. Behufs lückenloſer Fortſetzung
der Kriegsteilnehmerliſte werden ferner alle diejenigen,
deren Einberufung noch bevorſteht, erſucht, alsbald nach
Empfang ihres Geſtellungsbefehls Perſonalien (Vor=
und Zuname, Geburtstag und =jahr, ob ledig oder
verheiratet, Waffengattung, Garniſon, Tag der
Einbe=
rufung uſw.) dem Bearbeiter des Kriegstagebuchs, Herrn
Hauptlehrer Haſſenzahl, übermitteln zu wollen.
Das Werk ſoll ein Gedenkbuch werden für die
Nach=
kommen, alle wichtigen Ereigniſſe militäriſcher und
wirt=
ſchaftlicher Art, ſoweit ſie unſere Gemeinde angehen,
ſollen darin feſtgehalten, vor allem die Namen aller
hieſigen Kriegsteilnehmer verewigt werden. — (Für die
Kriegshilfe.) Der Reinertrag der am 1. Feiertage
veranſtalteten Fußballwettkämpfe des Fußballvereins
„Olympia” hier wurde der Arheilger Kriegshilfe
über=
wieſen. — (Die Beratungsſtunden für
Säug=
linge), die der hier herrſchenden Kinderkrankheiten, wie
Maſern, Diphtherie und Scharlach, wegen längere Zeit
ausfielen, finden vom Dienstag, den 4. Januar, an
wieder im Rathausſaale ſtatt.
k. Eberſtadt, 24. Dez. (In der geſtrigen
Ge=
meinderatsſitzung) wurde der Verwaltungs= und
Rechenſchaftsbericht der Bürgermeiſterei für das
Rech=
nungsjahr 1914 vom Bürgermeiſter vorgelegt, und
ent=
hält derſelbe folgendes Bemerkenswerte: Das Jahr
ſtand in der zweiten Hälfte unter dem Zeichen des
Krieges. Dadurch iſt der Vermögensſtand der Gemeinde
ſelbſtredend ungünſtig beeinflußt worden, doch können
die Verhältniſſe als zufriedenſtellend bezeichnet
werden. Die Gemeinde hatte große Aufwendungen zu
machen. Unter anderem wurden den Kriegerfrauen 25
Prozent der Reichsunterſtützung als Mietzulage bezahlt,
ferner eine Kriegskochſchule, die 300 Kinder zu ſpeiſen
hatte, errichtet, ſodaß etwa 80 Frauen ihrem Erwerb
nachgehen konnten. — Im Jahre 1914 waren in hieſiger
Gemeinde zu verzeichnen: 198 Geburten, 57
Eheſchlie=
ßungen (darunter 8 Kriegstrauungen), 171 Sterbefälle
(darunter 61 aus der Provinzialpflegeanſtaltt und 17
ge=
fallene Krieger). — In derſelben Sitzung wurde der
Winterfahrplan der elektriſchen Straßenbahn
gutge=
heißen, doch bemängelt, daß die Direktion an zwei
Markt=
tagen einen Marktzug ausfallen ließ, deſſen
Wieder=
einſtellung nach Beſchluß des Gemeinderats verlangt
werden ſoll. — (Die Ausſtellung) der Arbeiten von
den Kriegsverlletzten im Landheim brachte den
Veranſtaltern etwa 300 Mark zugunſten der Verletzten.
Großherzogliches Hoftheater.
Montag, den 27. Dezember.
Die Fledermaus.
W-l. Am heutigen ſogenannten dritten Feiertage
ge=
langte die Straußſche Operette „Die Fledermaus”
zur Freude aller derer, die ſich durch Ausgelaſſenheit und
Leichtſinn und die verführeriſchen Klänge des unſterblich
gewordenen Wiener Walzers über den Ernſt der Zeit
hinwegtäuſchen wollen, zur Aufführung. Die Vorſtellung
leitete Herr Kapellmeiſter Kleiber mit echtem Wiener
Temperament und brachte die Einzelheiten der genialen
Muſik, namentlich aber, um es beſonders hervorzuheben,
die Ouvertüre und den berühmten Kußwalzer des
zwei=
ten Aktes, prächtig heraus. Bei der Neubeſetzung der
männlichen Rollen hatte man mehr auf das darſtelleriſche,
als das geſangliche Moment Rückſicht genommen, und die
Vorſtellung war mehr auf den Ulkton geſtimmt, als ſonſt,
worin man aber leicht zu weit gehen kann.
Eine hübſche und intereſſante Verkörperung verlieh
Frl. Schreber der Frau Roſalinde, die bewies, daß
man auch in der Operette vornehm bleiben kann; auch
die geſangliche Ausführung der Partie gelang ihr
vor=
trefflich. Eine darſtelleriſch muntere und ſangestüchtige
Vertreterin der Adele war Frl. Meyer. Die Partie des
Prinzen Orlofsky ſang, wie früher, Frl. Jacobs.
Herr Harprecht ſpielte die Rolle des Eiſenſtein
mit vielem Humor und brachte ſie, wenn man ſie eben
durch einen Schauſpieler beſetzen will, zu beſtmöglicher
Geltung. Dasſelbe gilt von Herrn Weisker als Frank,
der ebenſo wie ſein Diener Froſch, den Herr Jürgas
ſpielte, durch ulkige Improviſationen das Publikum
belu=
ſtigte. Herr Schützendorf als Dr. Blind und Herr
Peterſen als Dr. Falke ſind von früheren
Aufführun=
gen her ſchon beſtens bekannt. Die Rolle der Ida war
durch Frl. Malinowski neu beſetzt.
Prinz Orlofsky hatte zu ſeinem Abendfeſt erſte Kräfte
des Hoftheaters geladen, die es durch Vorträge
verſchön=
ten. Herr Mann ſang das Liebeslied aus der Walküre
und die Arie aus Rigoletto „Ach, wie ſo trügeriſch” die
ihm beſonders gut liegt und ſehr ſchön geſungen wurde,
Frau Schelper trug die herrliche Arie der Gräfin „
End=
lich naht ſich mir die Stunde” aus Figaros Hochzeit mit
fei=
nem künſtleriſchen Empfinden und ſicherer Stilbeherrſchung
fund das Lied der Safſi aus dem Zigeunerbaron mit
ton=
flicher Energie und Leidenſchaft vor. Die Künſtler
ern=
teten vielen Beifall. Frau Ehrle, die ebenfalls geladen
war und ungariſche Tänze tanzen wollte, hatte wegen
Un=
päßlichkeit abſagen laſſen; ſtatt ihrer tanzten Frl.
Mül=
ler und Frl. Reh einen ungariſchen Tanz.
Das Publikum nahm die Vorſtellung mit ſehr
war=
imem Beifall auf.
n. Rüſſelsheim, 27. Dez. (Eiſenbahnunglück.)
Der Weihnachtsbetrieb hat auf der hieſigen Station leider
einen tödlichen Unfall mit ſich gebracht. Der aus
Dornheim ſtammende Eiſenbahnſchaffner Allbrecht iſt
während des Betriebes vom Trittbrett abgeglitten und
unter den Zug geraten. Es waren ihm beide Beine und
ein Arm überfahren worden. Er iſt in dem Mainzer
Krankenhauſe den Verletzungen erlegen.
Mainz, 25. Dez. (Entwichene
Kriegs=
gefangene.) In der Nacht vom 24. auf den 25. d.
Mts. glaubten zwei Inſaſſen des
Offiziersgefangenen=
lagers Mainz Weihnachten auf ihre eigene Weiſe feiern
zuskönnen. Es gelang ihnen, aus Mainz zu entweichen.
Selbſtverſtändlich kamen ſie nicht weit und wurden
bereits am 25. morgens im hieſigen Hauptbahnhof
wieder aufgegriffen. — (Selbſtmordverſuche.)
Geſtern nachmittag ſprang am Ufer der Stadthalle eine
Frauensperſon in den Rhein, um ſich zu ertränken.
Ebenſo unternahm in Mainz=Kaſtel ein Bureaubeamter
ein Selbſtmordverſuch, indem er in der Nähe des
Pionier=Uebungsplatzes ins Waſſer ſprang. Beide
Per=
ſonen wurden gerettet. — (In große Lebensgefahr)
geriet im hieſigen Güterbahnhof ein Rangierer aus
Nieder=Olm. Der Mann war beim Abkoppeln von
Wagen mit dem Fuße in eine Weichenpumpe geraten
und konnte ſich nicht mehr befreien. Er hatte ſoviel
Geiſtesgegenwart ſich ſofort flach auf das Gleis zu
werfen, und die nachfolgenden Güterwagen, etwa
10 Stück, über ſich hinlaufen zu laſſen. Auf ſeine
Hilfe=
rufe eilten zwei Beamte herbei, die dem Lokomotivführer
der Rangiermaſchine ſchnell das Haltezeichen gaben und
den Mann aus ſeiner gefährlichen Lage befreiten. Die
Lokomotive, deren Aſchenkaſten den Mann erdrückt hätte,
kam ſo etwa 2 Meter vor der Stelle zum Halten.
Mainz, 27. Dez. (Schwerer Unfall.) Am Frei
tag bbegegneten ſich in unmittelbarer Nähe des
Buden=
heimer Friedhofes zwei Güterzüge, in denen ſich je ein
Wagen mit Feldbahnſchienen befand. In dem Zuge
von Mainz waren zwei Wagen, mit Heu beladen, die mit
einer ſtarken Schutzdecke umhüllt waren. Sei eis nun, daß
ſich ein Deil der Ladung mit den Feldbahnſchienen
ver=
ſchoben, oder eine Decke dieſer heiden Heuwagen während
der Fahrt gelöſt hatte —genug, die gegenſeitige Faſſung
war ſo wuchtig, daß 70 Feldbahnſchienen teils auf den
vorüberfahrenden Zug fielen, teills auf die entgegengeſetzte
Seite herunterſtürzten und drei Rottenarbeiter
der Bahnmeiſterei Nr. 30 Mainz unter ſichbegruben,
die gerade an dieſer Stelle mit Ausbeſſerung beſchäftigt
waren. Hierbei wurden die erſt 16 Jahre alten jungen
Leute Alfred Ernſt Glaunſinger und Ernſt Fröhlich von
Ingelheim durch einen Schädelbruch ſchwer und Wilhelm
Stieb aus Gau=Algesheim leicht verletzt. Ein
herbeige=
holtes Kranken=Auto brachte die drei jungen Leute in das
ſtädt. Krankenhaus nach Mainz. — (
Kriegswahr=
zeichen.) Im Turnſaale des ehemaligen
Progymna=
ſiums ſind die 68 Entwürfe ausgeſtellt, die auf ein
Preis=
ausſchreiben zur Erlangung eines Kriegswahrzeichens
eingereiſcht wurden. Der mit dem erſten Preis
ausgezeich=
nete Entwurf zeigt eine Säule, die mit einem Eiſernen
Kreuz bekrönt iſt. Die drei kleinen Säulen, die dieſe
umge=
ben, tragen allegoriſchen Figurenſchmuck. Der Ritter
Martin auf einer Säule aus Eichenholz erhielt den
zweiten Preis. Beide Entwürfe ſtammen von den
Her=
ren Baurat A. Gelius und L. Lipp. Einen zweiten Preis
erhielt noch Th. Schöll=Düſſeldorf. Dritte Preiſe ſielen
auf: E. Weinſchenk, A. Schepp. Chr. Muſell, E. Arnold.
Die ausgeſtellten Arbeiten ſind in der Wahll des Vorwiurfs
nicht ohne Mannigfaltigkeit. So wurde der Kreuzer
„Mainz” einmal in flotter Fahrt, ein andres Mall im
Augenblick des Untergangs gewählt. Es finden ſich Adler
auf dem Erdball ſitzend mit dem Zuruf: „Halltet aus!“
Andere Adler ſitzen auf Säulen, häufig begegnet man dem
„Mainzer Rad‟ Es iſt von Schwertern beſchützt, rollt
der Zukunft entgegen, zermalmt auf ſeiner Bahn eine
Schlange. Eiſengepanzerte Fäuſte mit Schwertern,
Sieg=
fried Pforten mit Ehrentafeln, eine deutſche Eiche mit
betenden Knaben, die Kaiſerkrone auf einer Säule u. a. m.
befruchteten die Phantaſie der Künſtler.
Worms, 27. Dez. (Tödliche
Eiſenbahnun=
fällle.) Am 1. Feiertag, morgens 8¾ Uhr wurde der 25
Jahre alte verheiratete Hilfsheizer bei der Staatsbahn,
Peter Weidner von hier, alls er zum Dienſt ging, beim
Ueberſchreiten des Bahngleiſſes am Stellwerk 1 an der
Alzeyerſtraße vom einer Rangiermaſchine erfaßt und zu
Boden geſchleudert, worauf die Räder ihm über den Leib
hinweggingen. Der Tod war ſofort
eingetre=
en. — Ferner wurde im Bahnbereiche zu Monsheim der
49 Jahre allte, verheiratete Bahnſteigſchaffner Martin
Fritz von einem Zuge überfahren. Die
bei=
den Beine ſind ihm abgefahren worden, außerdem trug
er Verletzungen am Kopfe davon. Der Verunglückte wurde
ſofort ins hieſige ſtädtiſche Krankenhaus gebracht, wo er
ſchon nach einer halben Stunde ſtarb.
Alsfeld, 27. Dez. (Herſtellungsarbeiten in
der Walpurgiskirche.) Die Vergebung der
Neu=
ausführung von Kanzel, Schalldeckel und
Treppen=
brüſtung für die Walpurgiskirche in Alsfeld iſt in
engerem Wettbewerbe erfolgt. Die Ausführung geſchieht
nach den aus vorhandenen kleinen Photographien
her=
ausgezogenen Zeichnungen, welche die Rekonſtruktion
ermöglichen. Die aus dem 16. Jahrhundert ſtammende
alte Kanzel mit ihrem re ichen konſtruktiven Aufbau in
Renaiſſanceformen, und den prachtvollen Einlagen und
Bildhauerarbeiten iſt vor einiger Zeit bei dem Brande
der Beckertſchen Schreinerei in Alsfeld vom Feuer
zer=
ſtört worden. Sie wird nun wieder (die Walpurgiskirche
ſteht unter Denkmalſchutz), wie ſie urſprünglich war,
her=
geſtellt werden. Die Ausführung wurde der
Hofmöbel=
fabrik Th. Brück in Gießen übertragen. Zu den
Bild=
ſchnitzereien und Intarſien, ebenfalls nach den Entwürfen
des Bauinſpektors Kuhlmann=Gießen, wurde Bildhauer
Frieſe in Friedberg zugezogen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 27. Dez. Das Berliner
Weihnachtsgeſchäft, das im großen und ganzen
den Blättern zufolge recht gut abſchloß, konnte durch den
plötzlichen Witterungsumſchwung am Heiligen Abend
nicht mehr weſentlich beeinträchtigt werden. Das
Stra=
ßenbild war während der Feiertage ebenſo wie der
Ver=
kehr in den Bahnen, den Gaſtwirtſchaften, Theatern ſehr
ſtark von dem Feldgrau der Urlauber beherrſcht. Die
Eiſenbahn hatte für den Zu= und Abtransport der
Feier=
tagsreiſenden große Vorbereitungen getroffen. Viele
Doppelzüge waren lange vor der Abfahrt beſetzt. — Die
Feiertage im Rieſengebirge bereiteten den Winterſportlern
arge Enttäuſchungen. Tauwetter hatte die Schneedecke
zum Schmelzen gebracht.
Potsdam, 27. Dez. (Feſtgenommene
Ver=
brecher.) Der 18jährige Arbeiter Lehmann aus
No=
wawes und der gleichaltrige Arbeiter Fritſche aus
Potsdam, die den Bierfahrer Liepe auf der Michendorfer
Chauſſee zur Nachtzeit überfallen hatten, konnten
feſtge=
nommen werden. Während der eine die Pferde hielt,
machte der andere den Fahrer durch Schläge mit
Bier=
flaſchen unſchädlich.
Bad Reichenhall, 27. Dez. (Todesfall.) In Bad
Reichenhall ſtarb im Alter von 63 Jahren Fürſt
Phi=
lipp von Hohenlohe=Schillingsfürſt, der
älteſte Sohn des einſtmaligen Reichskanzlers Fürſten
Chlodwig von Hohenlohe=Schillingsfürſt. Er hatte ſich
als Witwer der Prinzeſſin Chariolee Ypſilanti mit der
jugendlichen Schauſpielerin Henriette Gindra vom
Mün=
chener Schauſpielhauſe morganatiſch vermählt. Bald
dar=
auf traf ihn ein Schlaganfall; er wurde entmündigt und
ſein Bruder Moritz übernahm den Fürſtentitel und die
erbliche Reichsratswürde.
Gumbinnen, 27. Dez. (Drei Perſonen
über=
fahren und getötet.) Auf der Eiſenbahn zwiſchen
den Stationen Pendrinnen und Inſterburg wurden gegen
Abend des erſten Weihnachtsfeiertages ein erwachſener
Sohn und zwei jüngere Mädchen, die mit
ihrem Vater das Gleis entlang gingen, und einem
Güter=
zuge auswichen, von einem D=Zuge, der auf dem
zweiten Gleiſe herankam, erfaßt und auf der
Stelle getötet. Der Vater kam mit leichteren
Ver=
letzungen davon.
Wien, 27. Dez. (Automobil=
Zuſammen=
ſtoß.) Vom Semmering wird gemeldet, daß fünf
Automobile an einer ſteilen Stelle
zuſammen=
ſtießen, wobei zwei Perſonen ſchwer, mehrere andere
leichter verletzt wurden. Die Inſaſſen waren Mitglieder
des Roten Kreuzes aus Rußland und Schweden, welche
vom Beſuch der Gefangenenlager zurückkehrten. Die
Ver=
wundeten wurden in Wien in verſchiedenen Spitälern
untergebracht.
Budapeſt, 27. Dez. (Erſtickt.) In einem Vororte
ſind vier Perſonen an Kohlengaſen erſtickt, eine fünfte
konnte ins Leben zurückgerufen werden.
Rom, 27. Dez. (Blutdrama.) In Rom verzeichnet
die Ariſtokratie wiederum ein Blutdrama. Graf
Fre=
noglio Rittmeiſter in einem Dragoner=Regiment,
fuhr am 25. Dezember mit ſeiner Geliebten, der Gräfin
d’Aleſſandri=Salvacci, ſpazieren. Der Ehemann der
Grä=
fin mietete ſich ein Automobil und fuhr im tollſten
Laufe in den Wagen des Rittmeiſters hinein. Er tötete
dann den herausſtürzenden Offizier durch Revolverſchüſſe
und zerſchnitt ſeiner Frau mit einem Raſiermeſſer Hände,
Hals und Nacken.
Paris, 26. Dez. (Ein verſchwundenes
Frie=
den sgemälde.) Aus Neu=York berichtet die Agence
Havas: Der Herald meldet: Das den Frieden darſtellende
Deckengemälde von Albert Bernard, das von
der franzöſiſchen Regierung leihweiſe für die
Ausſtel=
lung, die am 2. Januar eröffnet werden ſoll, zur
Ver=
fügung geſtellt worden war, iſt von dem Pier der
Trans=
atlantiſchen Kompagnie, wo es vorläufig untergebracht
worden war, verſchwunden. Man glaubt, daß es
geſtohlen worden iſt. Das Bild war mit dem Dampfer
„Espagne” am 15. Dezember angekommen und ſollte ein
Hauptzugſtück der Ausſtellung bilden. Es war mit 20000
Pfund Sterling verſichert, dem Betrage, den der
franzö=
ſiſche Staat an den Künſtler bezahlt hatte.
Amſterdam, 27. Dez. (Golddiebſtahl.) An
Bord des jetzt hier eingetroffenen holländiſchen Dampfers
„Tubanzia” iſt ſchon auf der Ausreiſe von Falmouth nach
Buenos Aires der Diebſtahl einer Kiſte mit
eng=
liſchem Golde im Werte von 100000 Mark
ent=
beckt worden Im ganzen befanden ſich fünf Kiſten mit
Gold an Bord Alle Nachforſchungen ſind ergebnislos.
London, 27. Dez. (Geſtrandeter Dampfer.)
Die Blätter berichten, daß das Rettungsboot von Deal
einem großen, viermaſtigen holländiſchen
Paſſagier=
dampfer zu Hilfe eilte, der bei einem Südſturm auf
den Goodwin=Sandbänken geſtrandet iſt.
Das Begräbnis des Generals
von Emmich.
* Hannover, 25. Dez. Dem toten Helden von
Lüttich, General v. Emmich, wurde heute von der
Stadt Hannover, deren jüngſter Ehrenbürger er war,
ein prunkvolles Begräbnis bereitet. In der
Kuppel=
halle des neuen Rathauſes, wo der Sarg inmitten
einer prächtigen Trauerdekoration aufgebahrt war,
ver=
ſammelte ſich um die Mittagsſtunde ein großes
Trauer=
gefolge. Der Großherzog von Oldenburg, Herzog Ernſt
Auguſt und die Herzogin Viktoria Luiſe von
Braun=
ſchweig waren perſönlich erſchienen. Als Vertreter des
Kaiſers legte General v. Linde=Suden einen mit weißen
Roſen geſchmückten Lorbeerkranz nieder. Der Sarg war
ferner mit Kranzſpenden von dem König von Sachſen,
dem König von Württemberg, dem Großherzog von
Ol=
denburg, dem Herzog und der Herzogin von
Braun=
ſchweig, dem Prinzen Heinrich und dem Prinzen
Wal=
demar von Preußen, dem Erzherzog Friedrich von
Oeſter=
reich, vom 10. Armeekorps, von den einzelnen
Regimen=
tern, ſowie von der Stadt Hannover und zahlreichen
an=
deren Behörden und vielen einzelnen Perſönlichkeiten
geſchmückt. Nach dem Geſange „Jeſus meine Zuverſicht”,
vorgetragen von den vereinigten norddeutſchen
Lieder=
tafeln, hielt Militäroberpfarrer Geheimer Konſiſtorialrat
Zierach die Trauerrede. Mit einem von dem Verbande
niederſächſiſcher Männergeſangvereine vorgetragenen
Trauerchor fand die erhebende Feier ihren Abſchluß.
Unter dem Geläute ſämtlicher Kirchenglocken
be=
wegte ſich der Leichenzug, dem die zur Leichenparade
be=
fohlenen Truppen voranmarſchierten, durch die von
einer nach vielen Tauſenden zählenden Menge beſetzten
Straßen der Stadt nach dem Aegen sader
Fried=
hof, wo die Stadt ihrem Ehrenbürger ein
Ehren=
grab bereitet hatte. Der Geiſtliche ſprach Gebet und
Segen und die Ehrenſalve donnerte über das Grab als
letzter Gruß für den tapferen General, der nach
ruhm=
vollem Kampfe für das Vaterland die letzte Ruheſtätte
in heimatlicher Erde gefunden hat.
Handel und Verkehr.
* Berlin, 27. Dez. Börſenſtimmungsbild.
Der heutige freie Verkehr an der Börſe bewegte ſich in
ſehr ruhigen Bahnen. Die Tendenz erwies ſich im
all=
gemeinen als behauptet, doch war ein etwas ſchwächerer
Unterton nicht zu verkennen. Deutſche Anleihen ſtetig.
Baltimore Ohio und Canada Pacific etwas feſter. Matter
lagen Schiffahrts= und Induſtriewerte. Erdölaktien waren
etwas ſtärker angeboten. Valuten allgemein feſt.
Oeſter=
reichiſche ziemlich behauptet. Geldſätze unverändert.
Täg=
liches Geld 3 Prozent. Privat=Diskont 4½ Prozent.
Der Krieg.
Her öſterreichiſch=ungariſche
Tagesbericht.
Wien, 27. Dez. Amtlich wird verlautbart:
Ruſſiſcher Kriegsſchauplatz.
Die Lage iſt unverändert.
Italieniſcher Kriegsſchauplatz.
Die Tätigkeit der italieniſchen Artillerie gegen die
Tiroler Südfront war geſtern wieder lebhafter.
Bei einem Gefechte, das auf den öſtlichen Begleithöhen
des Etſchtales ſüdlich Rovereto ſtattfand, verlor der
Gegner 200 Mann an Toten und Verwundeten. — An
der Iſonzo=Front vereinzeltes Geſchützfeuer.
Südöſtlicher Kriegsſchauplatz.
Keine beſonderen Ereigniſſe. — In Bijelopolje
wurden bisher an Beute 5400
Handfeuerwaf=
ſen eingebracht.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabes:
v. Höfer, Feldmarſchalleutnant.
Zur Beſchießung der Kathedrale von Reims.
TLU Berlin, 27. Dez. Die Tgl. Rundſchau ſchreibt:
In dieſen Tagen wird die Regierung wiederum
er=
neut zu der Frage der Beſchießung der
Kathe=
drale von Reims Stellung nehmen, die von unſern
Gegnern in ſo unglaublicher Weiſe gegen uns ausgenutzt
worden iſt. Das Preußiſche Kriegsminiſterium hat unter
dem Titel „Die Beſchießung der Kathedrale von Reims”
eine Broſchüre vorbereitet, die jetzt erſcheint und die ganze
Frage vom militäriſchen Standpunkte noch einmal
be=
handelt.
Die Verluſte Oſtpreußens durch den
Ruſſenelnfall.
* Berlin, 27. Dez. Das B. T. berichtet: Nach
amt=
licher Zuſammenſtellung betragen die Verluſte
Oſt=
preußens an Vieh und Pferden durch den
Ruſ=
ſeneinfall: 135000 Pferde, 250000 Stück Vieh, 200 000
Schweine. An Schafen ſind verloren gegangen 50000, an
Ziegen 10000, an Hühnern 600000 und an Gänſen 50 000.
Der Seekrieg.
* London, 27. Dez. Der Dampfer „Hadlay”
aus London iſt verſenkt worden. Die Beſatzung
wurde gerettet.
P.U. Lugano, 27. Dez. Wie der Secolo aus
Tri=
polis berichtet, iſt dort ein Teil der geretteten
Mann=
ſchaft des von einem Unterſeeboot torpedierten
Dampfers „Port Said” eingetroffen. Die Leute
berichteten, daß das Schiff etwa 10 Seemeilen von der
Küſte von Cyrenaika entfernt zwiſchen Derna und Bomba
von einem Unterſeeboot angehalten wurde, das die
öſter=
reichiſche Flagge zeigte. Nachdem das Schiff
ver=
gebens zu entfliehen ſuchte, mußte die Mannſchaft in die
Boote ſteigen, worauf das Unterſeeboot den Dampfer
durch einen Torpedo und mehrere Kanonenſchüſſe
ver=
ſenkte. Nicht weit von dem Ort der Kataſtrophe wurde
ein unbekannter griechiſcher Dampfer bemerkt, zu dem
die Boote hinſteuerten. Inzwiſchen erſchien ein
italieni=
ſches Torpedoboot, welches auf das Unterſeeboot Jagd
machte und vier Schüſſe darauf abfeuerte. Es gelang
dem Unterſeeboot jedoch, zu entkommen.
Sechs Paſſagiere und ein Matroſe vom „Port Said” ſind
ertrunken.
Ein ſchwerer Schlag für England.
Zur Torpedierung des „Yaſaka Maru”.
* Köln, 27. Dez. (Zenſ. Frkft.) Zum Untergang
des Dampfers „Yaſaka Maru” wird der Kölniſchen
Zeitung mitgeteilt: Für die engliſſche Geldpolitik
iſt die Verſenkung des Poſtdampfers „Yaſaka Maru” im
Mittellländiſchen Meere ein ſchwerer Schlag. Die
japaniſche Finanzkonferenz im Dezember hatte beſchloſſen,
von den großen Regierungsguthaben zunächſt 40
Mil=
onen Gold aus London zurückzuziehen trotz
Trans=
vortwagniſſes und Bundesgenoſſenſchaft, weil das Gold
in Japan für den amerikaniſchen Verkehr dringlich
ge=
braucht würde. Mit Rückſicht auf die Unterſeeboote wurde
die Sendung auf mehrere Poſtdampfer
ver=
teillt. Einer davon iſt jetzt alſo untergegangen. Nicht
nur, daß die britiſſchen Verſicherer für den Verluſt
aufzu=
ſommen haben. Die Bank von England muß
dieſe Milllionen an Gold zum zweiten Male
hergeben. Vor allem aber wird der ältere Beſchluß
der japaniſchen Regierung, wegen der gefährlichen
Verbin=
dung mit London bei allen Lieferungen für den
Dreiver=
band die Zahlungen in Neu=York oder Tokio ſtatt wie
früher ſelbſtverſtändlich in London zu verlangen, von jetzt
an um ſo ſtrenger durchgeführt werden. Unſer
Torpedo=
ſchuß hat das Londoner Wirtſchaftsleben an der
verwund=
harſten Stelle getroffen.
Exploſion auf einem franzöſiſchen Panzerkreuzer.
* Zürich, 27. Dez. Die Neue Zürcher Zeitung
mel=
det aus Breſt: In den Kohlenbehältern des
Panzer=
kreuzers „Marſeillaiſe”, der hier vor Anker
liegt, hat ſich eine Exploſion von Kohlengaſen
ereig=
net. Drei Matroſen ſind ſchwer verletzt.
Die Beraubung der holländiſchen Poſt
wird fortgeſetzt.
* Haag. 27. Dez. Berichte, die hier eingetroffen ſind,
beſagen, daß in Falmouth am Donnerstag von einem von
Amerika nach Rotterdam zurückkehrenden holländiſchen
Dampfer 600 Säcke Poſt von Bord geholt
wor=
den ſeien. Auch von dem heute in Rotterdam
eingetrof=
fenen Dampfer „Chriſtian Michelſen” ſeien in Dovel 40
Säcke holländiſcher Poſt von Bord geholt worden.
Engliſche und deutſche Finanzen.
* London, 27. Dez. In einer Unterredung mit
dem Korreſpondenten der Neu=York Tribune erklärte der
Finanzſekretär des Schatzamtes Montagu über die
letzte Rede des Staatsſekretärs des
deut=
ſchen Reichsſchatzamtes Helfferich u. a.:
Deutſchland habe mit dem Papiergeld Mißbrauch getrie=
ben. Nach dem Kriege werde die Mark nicht 10 Cents
wert ſein. (!!) Helfferich wolle glauben machen, es ſei ein
Zeichen von Schwäche, daß England und Frankreich in
Amerika borgten. Gäbe es jemand, der glaube, daß
Helf=
ferich dort nicht borgen würde, wenn es möglich wäre?
Bezüglich des Kurſes der deutſchen
Kriegsan=
leihen ſagte Montagu, er ſei zu gut, um echt zu
ſein, und ſei dem Umſtande zuzuſchreiben, daß die Börſen
in Deutſchland unter der Kontrolle der Regierung ſtehen
und daß Mindeſtpreiſe feſtgeſetzt würden. Die Kurſe ſeien
nominell und exiſtierten nur für rhetoriſche Zwecke. Wenn
man das Land mit einem künſtlichen Papierkredit
über=
flute, ſei es leicht, einen Ueberſchuß an der entwerteten
Mark zu erzielen, die nominell für die Anlagen verfügbar
ſei. (Anmerkung der Redaktion: Alles Reden und
Pro=
phezeien Montagus vermag die deutſchen finanziellen
Er=
folge ebenſo wenig zu verkleinern, wie den von den
briti=
ſchen Staatsmännern ſelbſt zugegebenen Ernſt der
finan=
ziellen Lage Englands zu mildern oder das enttäuſchende
Ergebnis der franzöſiſchen Siegesanleihe aufzubeſſern. Im
übrigen irrt Montagu, wenn er annimmt, daß in
Deutſch=
land Mindeſtkurſe für Staatspapiere vorgeſchrieben ſind.
Deutſchland überläßt dieſe Praxis des Korrigierens des
Staatskredites den Engländern und Franzoſen.)
Finanz=
ſekretär Montagu ſagte, es ſei durch die Anwendung
ge=
wöhnlicher ökonomiſcher Methoden möglich geweſen, die
Verſchlechterung des britiſchen Wechſelkurſes, der in Neu=
York Ende Auguſt um 6—7 Prozent herabging, zu behehen.
(Der Sterling=Kurs ſteht auch heute noch, trotz der
inzwi=
ſchen abgeſchloſſenen Anleihe, in Neu=York noch drei
Prozent unter Pari. D. Red.) Das ſei außerdem
in einer Zeit erreicht worden, wo England in Amerika
rieſige Summen für ſich ſelbſt und die Alliierten
ausge=
geben (und geliehen hat. D. Red.) hahe, ohne den im
Lande angehäuften Reichtum in amerikaniſchen
Wert=
papieren ernſtlich anzugreifen (?). Man beginne erſt jetzt
damit, dieſe mit Rückſicht auf die Zukunft für
Regierungs=
zwecke zu mobiliſieren. Die Sanierung des Sterlingkurſes
ſeit Ende Auguſt ſtehe im umgekehrten Verhältnis zu dem
Sinken der Reichsmark. Für die letztere Erſcheinung gebe
es nur eine Erklärung, nämlich den Mißbrauch, der mit
dem Papier getrieben würde. Montagu gab hierauf die
bereits gemeldeten Erklärungen ab und fuhr fort: Die
deutſche Methode, Leuten, die Geld in Kriegsanleihen
an=
legen, Vorſchüſſe zu gewähren (wörtlich: making
advan=
ces), könne zu größten Mißbräuchen führen. Montagu
erkannte zwar an, daß Helfferich bei der
Mobiliſie=
rung der finanziellen Hilfsmittel Deutſchlands ſehr
er=
folgreich geweſen ſei; aber gerade dieſer Erfolg
bereite ihm jetzt Verlegenheit und werde es auch
zukünf=
tig tun. Deutſchland ſei ausgeſogen. Gerade, weil
Eng=
land ſo viel langſamer ans Werk gegangen ſei und noch
die ſo großen Quellen von dem privaten Wohlſtand übrig
geblieben ſeien, die für die öffentlichen Zwecke noch nicht
angerührt wurden, blicke er vertrauensvoll in die
Zu=
kunft (Montagu darf es Helfferich überlaſſen, mit den
aus den bisherigen finanziellen Erfolgen Deutſchlands
angeblich entſtandenen Verlegenheiten fertig zu werden,
genau ebenſo, wie es der Reichsſchatzſekretär wohl
Mon=
tagu überläßt, ſich mit den glückverheißenden Wirkungen
des bisherigen Mißerfolges des britiſchen Schatzamtes
abzufinden. D. Red.)
Lloyd George’s letztes Schreckmittel.
* London, 27. Dez. (Reuter.) In ſeiner Rede in
einer Arbeiterverſammlung in Glasgow ſagte Lloyd
George unter anderem noch: In der Kommiſſion, die
ſich mit der Einſtellung von ungelernten Arbeitern neben
gelernten beſchäftigt habe, ſeien auch ſieben Vertreter der
Gewerkſchaften geweſen. (Zwiſchenruf: Wir trauen den
Gewerkſchaftsführern nicht mehr!) Als Lloyd George auf
die Notwendigkeit hinwies, 80000 gelernte Arbeiter für
die Staats= und Munitionsfabriken zu gewinnen, wurde
er durch den Zwiſchenruf unterbrochen: Die kriegt Ihr
nicht! Lloyd George erklärte ſchließlich, wenn ſich die
Leute weigern, das Regierungsprogramm zu unterſtützen,
ſo bleibt nur übrig, entweder den Soldaten zu erzählen,
daß es unmöglich iſt, Kanonen zu liefern, die
ſie in den Stand ſetzen ſollen, 1916 den Sieg zu erringen,
oder aber dem Kaiſer gerade heraus zu ſagen,
daß wir den Kampf nicht fortſetzen
kön=
nen. Der Kaiſer kann uns dann vielleicht mit der
An=
nexion Belgiens, Bezahlung einer Kriegsentſchädigung
und Abtretung einer oder zwei Kolonien laufen laſſen,
wird aber ſicher auch verlangen, daß die britiſche
Seeherr=
ſchaft aufhöre. Dann wäre Großbritannien dem
preußi=
ſchen Deſpotismus ebenſo ausgeliefert wie Belgien.
Eine deutſche Weihnachtsfeier in Sofla.
* Sofia, 27. Dez. Die Weihnachtsfeier, zu
der die deutſche Kolonie die vorübergehend
anweſen=
den Deutſchen eingeladen hatte, um ihnen, fern von ihren
Lieben, ein Stück Heimat vorzutäuſchen und ein wenig
Feſtesfreude zu gewähren, hat einen vollen Erfolg gehabt
und geſtaltete ſich außerdem zu einer herrlichen
deutſch=
bulgariſchen Freundſchaftskundgebung.
Anweſend waren etwa tauſend Perſonen, die den feſtlich
geſchmückten Saal im ſtädtiſchen Kaſino bis zum letzten
Platz füllten. Hervorzuheben ſind: der Geſandte
Micha=
helles, der Militärattaché Oberſtleutnant v. Maſſow, der
Marineattaché Kapitänleutnant v. Arnim, der Konſul
Graf v. Podewils, das Perſonal der Geſandtſchaft und
des Konſulats, ſowie zahlreiche Offiziere, Aerzte,
Schwe=
ſtern, Soldaten und Sanitätsmannſchaften. Von
bulga=
riſcher Seite wurden bemerkt: der Stadtkommandant und
Vertreter des bulgariſchen Roten Kreuzes, Kyrow, die
Tochter des Finanzminiſters Tontſcheff, Offiziere und
politiſche Perſönlichkeiten.
Die deutſche Kolonie war vollzählig vertreten; an
ihrer Spitze ſteht der langjährige Präſident Paul
Kauf=
mann, Ehrenbürger von Sofia, der ſich um das
Gelin=
gen des ſchönen Feſtes beſonders verdient gemacht hat.
Kaufmann begrüßte die Erſchienenen mit herzlichen
Wor=
ten und teilte mit, daß der König eine prächtige Tanne
aus den königlichen Wäldern geſchenkt habe, während die
Königin zur Ausſchmückung des Baumes beigetragen
hätte, und der Oberbürgermeiſter den Saal zur
Ver=
fügung ſtellte und ihn mit Tannengirlanden und Fahnen
ſchmücken ließ. Kaufmann ſchloß mit einem Hurra auf
die verbündeten Monarchen. Es ſolgten muſikaliſche und
deklamatoriſche Vorträge unterbrochen durch den Geſang
deutſcher und bulgariſcher Vaterlandslieder. Unſere
Feldgrauen ſtimmten kräftig in die Geſänge „Schumi
Maritza” und „Jusnitzi Rasbojnitzi” ein, die ihnen faſt
ſo geläufig wie die deutſchen Marſchlieder ſind. Mit
Be=
geiſterung iſt die Mitteilung Kaufmanns aufgenommen
worden, daß der König ihm telephoniſch durch den
Kron=
prinzen Grüße an die Verſammlung entbieten laſſe; er
hätte gern unter den deutſchen Gäſten geweilt, doch
hin=
dere ihn die ſchwere Verantwortung, die er jetzt zu tragen
habe. Er bitte, den deutſchen Soldaten mitzuteilen, daß
das bulgariſche Heer ſtolz ſei, an ihrer Seite kämpfen zu
können. Er ſei überzeugt, daß es den vereinten Kräften
gelingen werde, die gemeinſame heilige Sache dem
ſieg=
reichen Ende entgegenzuführen. Oberſtleutnant v.
Mueff=
ling gab der Hochachtung Ausdruck, die ſich die bulgariſche
Armee durch ihre Heldentaten auf den Schlachtfeldern bei
den deutſchen Kampfgenoſſen erworben habe.
Totſchkow feierte das Waffenbündnis und
ſprach die Hoffnung aus, daß ſich eine dauerhafte
Freund=
ſchaft daraus ergeben werde. Die Anzahl der
Begrü=
ßungstelegramme, die eingelaufen ſind, hat bewieſen,
welchen Anſehens ſich die deutſche Kolonie erfreut. Die
Gäſte, die noch lange mit den Gaſtgebern
zuſammen=
blieben, haben infolge dieſer zahlreichen
Sympathiekund=
gebungen von bulgariſcher Seite den Eindruck
mitge=
nommen, daß die Deutſchen den Bulgaren mehr ſind, als
nur die ſtarken Bundesgenoſſen.
Vor der Eröffnung der bulgariſchen Kammer.
TU Sofia, 27. Dez. Bei der Eröffnung der
Sobranje am Montag werden ſämtliche Parteien die
vorgelegten Geſetze ohne Debatte annehmen und die
Re=
gierung unterſtützen. Vor der Kammereröffnung werden
die Parteien abgeſondert kurze Beratungen abhalten. Der
Führer der Deputierten der Agrarpartei Dimitrow
be=
fragte Radoslawow über die Lage, um ſeine Kollegen
entſprechend unterſtützen zu können. Radoslawow erklärte
den Abgeordneten, nach Informationen, welche die
bulga=
riſche Regierung erhalten hat, wird das griechiſche
Kabinett die Landung von
Ententetrup=
pen in Kawalla nicht zulaſſen. Dieſen
Be=
ſchluß teilte die griechiſche Regierung den Vertretern der
Ententemächte in Athen mit. Die Beziehungen
Bulga=
riens zu Rumänien ſind zufriedenſtellend.
Der Balkankrieg.
Bulgarien kämpft mit ſeinen Verbündeten bis zum
gemeinſamen Siege.
* Sofia, 27. Dez. Woenni Izweſtia ſchreibt:
Die=
ſer heilige Krieg wird nicht eher beendet ſein, als
bis unſere nationale Einigung gegen jede mögliche
Gefahr geſichert ſein wird. Erſt dann können wir
uns der kulturellen Entwickelung mit der jungfräulichen
Kraft unſeres ſo nüchternen Volkes widmen. Der Krieg
endet erſt, wenn wir die Freunde Serbiens überzeugt
haben, daß ihre Sache endgültig verloren, und daß
Ser=
bien, das den Krieg angezettelt hat, wirklich tot iſt.
Wird die Entente dies bald bekennen? Nein! Diejenigen,
die glauben, das Aufgeben der Dardanellenaktion ſei ein
Schritt zum Friedensſchluß, irren. Die Entente wird
vielmehr bei Kawalla und Saloniki verſuchen, die
Scharte von den Dardanellen auszuwetzen. Der Kampf
wird hart und lang ſein. Wir und unſere
mäch=
tigen Verbündeten werden ſiegen; doch wird dies weder
ſchnell noch leicht bewerkſtelligt werden. Jeder von uns
muß ſich klar ſein, daß der Krieg für uns erſt
dann endet, wenn er für unſere
Verbünde=
ten endet. Bis dahin müſſen wir Geduld in dem
Be=
wußtſein haben, daß wir in der größten Zeit leben,
ſeit=
dem Bulgarien beſteht.
Die Ententetruppen in Saloniki.
T. U. Wien, 27. Dez. Der Reichspoſt wird aus
Sa=
loniki gemeldet: Bis jetzt ſind 230000 Engländer
und Franzoſen gelandet. Die
Vierverbands=
truppen legen ihre Befeſtigungen bei Guemendje bei
Sa=
loniki und auf der Chalkidike=Halbinſel als britiſche
Ver=
teidigungslinie an. Die Franzoſen haben ihre Stellungen
auf dem rechten Ufer der Wardar und die Briten auf dem
linken Ufer. Die griechiſchen Truppen halten die Zone
weſtlich und öſtlich der engliſch=franzöſiſchen Kriegszone
beſetzt. Nach 6 Uhr abends darf niemand mehr auf die
Straße, der nicht Engländer oder Franzoſe iſt.
T.U. Fanthe. 27. Dez. Von Reiſenden wird
er=
zählt, daß vorgeſtern, als ſie Saloniki verließen, die
Ver=
hältniſſe günſtig waren. Die Bahn ſei völlig in
griechſchen Händen geblieben, alle Behörden
der Stadt ſeien griechiſch, alle Konſuln ſeien in der Stadt
verblieben, zumeiſt mit ihren Familien. Keinesfalls reiche
die engliſche Front weiter ins Land als bis Kilindir.
Gungris über die Haltung Griechenlands.
* London, 27. Dez. (Reuter.) Der Daily Chronicle
veröffentlicht eine Unterredung mit Gunaris,
welcher erklärt habe, ſeine politiſche Haltung
werde von den Wählern gebilligt. Die Entente
und die Mittelmächte hätten nunmehr erkannt, daß
Grie=
chenland das Recht dazu habe, neutral zu bleiben, aber
die Neutralitätwerdenur ſolange gewahrt,
als die Integrität und die Souveränität
des Landes nicht angetaſtet werden.
Andern=
falls würde Griechenland von ſeiner jetzigen Haltung
ab=
gehen. (Die Rede Gunaris wird wohl ein wenig anders
gelautet haben, denn angetaſtet iſt die Souveränität
Griechenlands ſchon lange, nämlich durch die Entente.
Die Red.)
Der Krieg im Orient.
TU Rotterdam, 27. Dez. Eine aus Delhi vom
Oberbefehlshaber der indiſchen Truppen, General
Townsend, eingetroffene Depeſche meldet, das
hef=
tige feindliche Gewehrfeuer wird von
Ar=
tillerie unterſtützt. Der Feind macht wieder große
Anſtrengungen, die engliſchen Linien anzugreifen.
Die mißlungenen Werbungen in der Kapkolonie.
TIU Amſterdam, 27. Dez. Der Telegraaf ſchreibt:
Der Berichterſtatter der Volksſtem in Kapſtadt drahtet
ſeinem Blatte daß die Werbungskampagne in
der Kapkolonie nicht gerade nach dem Wunſche der
engliſchen Behörde vor ſich zu gehen ſcheint. Wie
ſüd=
afrikaniſche Zeitungen berichten, und ſogar leitende
Per=
ſönlichkeiten verſichern, waren die Reſultate der
An=
werbungen ſehr gering. Während drei Tage ſind
nicht mehr als 153 Mann angeworben worden. Am erſten
Tage meldeten ſich 93 Mann, am zweiten nur noch 40,
und am dritten Tage nur 20 Mann.
* Berlin, 27. Dez. Aus Stockholm meldet das
Berliner Tageblatt den plötzlichen Tod des Grafen
Adlerberg, Gouverneurs von Petersburg, durch
Herzſchlag.
T.U. Genf, 27. Dez. Dem Petit Journal zufolge
wurde eine neue Beſtechungsaffäre bei der
Mi=
litäraushebung in Paris entdeckt. Bisher
wur=
den ſechs Verhaftungen vorgenommen.
* Stockholm, 27. Dez. Wie hierher gemeldet
wird, iſt der geſamten ruſſiſchen Preſſe jede
Auslaſſung über den Abſchied des Generals
Rußki verboten worden. Nur der kaiſerliche Erlaß
lann veröffentlicht werden. Bezeichnenderweiſe iſt dem
General ſeitens des Hauptquartiers nahegelegt worden,
auf der Reiſe nach ſeinem Gut Petersburg nicht
zu berühren.
* Kopenhagen, 27. Dez. Das Mitglied der
ame=
rikaniſchen Friedensexpe dition, der Gouverneur
des Staates Norddakota, Hana, iſt geſtern hier
einge=
troffen. Er iſt bald nach ſeiner Ankunft ſchwer
er=
krankt und mußte das Krankenhaus aufſuchen.
* Kopenhagen, 27. Dez. Berlingske Tidende
meldet aus Stockholm: Geſtern nacht iſt der telegraphiſche
Verkehr zwiſchen Rußland und Schweden wieder eröffnet
worden nachdem er ſeit dem 4. Dezember unterbrochen
war. Die Urſache der Unterbrechung iſt noch immer
un=
bekannt. In Petersburg warten über 2000 Telegramme
auf Beförderung.
* London, 23. Dez. Im Stadtrat von
Glasgow gabes ſtürmiſche Szenen. Der Streit
entſtand dadurch, daß der Magiſtrat ſich weigerte, eine
Verſammlung gegen die Wehrpflicht in der St.
Andrews=
halle ſtattfinden zu laſſen. Der Lärm dauerte anderthalb
Stunden an. Elf Stadträte, die der Arbeiterpartei
an=
gehören, wurden hinausgewieſen. In einem Falle
wurden Stadtbeamte herbeigeholt, um ein Mitglied zu
entfernen.
Batavia, 24. Dez. Wie Reuter meldet, brach
aus religiöſen Gründen in Padang Pandjang auf
Sumatra ein Aufſtand aus. Eine Bande von
Rebellen ſtürmte in der Nacht die Wohnung des
Reſidenten. Dieſer flüchtete nach der Kaſerne. Einige
Aufſtändiſche wurden getötet, mehrere verwundet, zwei
Soldaten ſind tot. — Nach einem Telegramm des
holländiſchen Kolonialminiſteriums aus Niederländiſch=
Indien griffen vierzig aufrühreriſche Eingeborene von
Batagah Agam (Reſidenz Sumatra=Weſtküſte) in der
Nacht vom 21. auf den 22. d. Mts. das Militärlager von
Padang Pandjang an. Im Handgemenge wurden acht
Aufſtändiſche und zwei eingeborene Soldaten getötet.
Die Ruhe iſt wiederhergeſtellt.
* Teheran, 26. Dez. (Meldung des Reuterſchen
Bureaus.) Das Kabinett iſt aufgelöſt worden.
Der Schah hat den Prinzen Ferman Ferma zum
Mini=
ſterpräſidenten ernannt. Das Reuterſche Bureau erklärt
das für einen großen diplomatiſchen Sieg der Alliierten.
Letzte Nachrichten.
* Kopenhagen, 27. Dez. Berlingske Tidende meldet
aus Stockholm: Infolge der großen Kälte iſt in Stockholm
die Schiffahrt ernſtlich gefährdet. — In den
Stockholmer Schären iſt das Eis mehrere Fuß dick; viele
Dampfer ſind darin ſtecken geblieben.
Landwirtſchaftliches.
Frankfurt, 27. Dez. Viehhof=
Markt=
bericht. Auftrieb: 2618 Rſnder (282 Ochſen. 48
Bullen, 2288 Kühe), 239 Kälber, 76 Schafe, 39 Schweine.
Marktverlauf: Rinder und Ochſen langſam, ſonſt
lebhaft; bleibt Ueberſtand. Kälber lebhaft, Schafe ruhig,
geräumt. Preiſe für 50 Kilogramm Lebendgewicht
(Schlachtgewicht) in Mark: Ochſen: a) 1. 73—76 (133 bis
138), 2. — (—), b) 68—71 (124—130); Bullen: a) 70 bis
75 (124—130), b) 65—69 (118—124); Kühe: a) 68—73
(428—135), b) 63—67 (117—124), c) 1. 60—64 (120—128),
2, 50—56 (110—112), d) 44—50 (88—100), e) 38—43 (87
bis 98); Jungvieh: Kälber: a) — (—), b) — (—), c) 82
bis 86 (137—143), d) 78—82 (132—138), e) 70—75 (119 bis
127); Schafe: a) 69 (150), b) 50 (120); Schweine: a) 108
(138), b) — (—), c) 118 (148), d) 129 (161), e) — (—),
f) 103 (129).
Frucht= und Futtermittelmarkt. Bei
äußerſt ruhigem Verkehr war die Stimmung gegen die
Vorwoche unverändert. Getreide geſchäftslos. Die
Nach=
frage nach Futtermitteln iſt gering, ebenſo das Angebot.
Man notierte für Leinkuchen 76—78, Kokoskuchen 68 bis
70 Mk., Malzkeime 58—60 Mk., Hopfentreber 52—53 Mk.
Kartoffelmarkt. Ab Verſandſtation per 100
Kilo 6,10 Mk.
Verluſtliſte.
* Die Preußiſche Verluſtliſte Nr. 404
ent=
hält u. a.: Inf.=Regt. Nr. 168; Reſ.=Inf.=Regtr. Nr. 118,
221, 223, 224. Weiter ſind erſchienen: die Sächſiſche
Ver=
luſtliſte Nr. 236 und die Württembergiſche Verluſtliſte
Nr. 319.
* Die Preußiſche Verluſtliſte Nr. 405
enthält u. a.: Infanterie=Regimenter Nr. 115, 118, 168;
Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 118; Landſturm=Inf.=Batl. Gießen;
Landſturm=Inf.=Erſatz=Batl. 1. Darmſtadt. Weiter ſind
erſchienen die Sächſiſchen Verluſtliſten Nr. 236 und 237
und die Württembergiſche Verluſtliſte Nr. 320.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Bormamint-Tabletten
Schutz ver Ansteckung
bei Erkältungen
1
Bestellungen
auf das
Darmstädter Tagblatt
mit illustriertem Unterhaltungsblatt
werden von allen Kaiserl. Postanstalten,
Briefträgern, von der Expedition (Rheinstr. 23)
den Zeitungsträgerinnen, sowie von den
Agenturen jederzeit entgegengenemmen.
Dankſagung.
Da es mir unmöglich iſt, jedem einzelnen
für die vielen Gratulationen anläßlich meines
25 jährigen Jubiläums zu danken, ſpreche ich
hiermit allen denen, die meiner ſo reichlich
ge=
dachten, meinen herzlichſten Dank aus.
Luiſe Arnheiter
*11094)
Hebamme.
Statt beſonderer Anzeige.
Am 1. Weihnachtstage verſchied ſanft nach
kurzem Leiden mein lieber Mann (17668
Heinrich Vieſſel
Oberſt z. D.
im 79. Lebensjahre.
Fran Auguſte Mieſſel,
geb. Pfaltz.
Einſegnung am Mittwoch, den 29. ds. Mts,
um 11 Uhr vormittags, in der Kapelle des
Friedhofes an der Nieder=Ramſtädter Straße;
Beerdigung anſchließend.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des
Ver=
ſtorbenen.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
am 26. ds. Mts. meine innigſtgeliebte Gattin,
unſere Tochter, Schweſter, Schwägerin und Tante
Frau Gertrude Hock
geb. Rill
nach längerem Leiden im 44. Lebensjahre, wohl
vorbereitet durch die heiligen Sterbeſakramente,
zu ſich zu rufen in die Ewigkeit.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Johann Hock.
Darmſtadt, den 27. Dezember 1915.
Rhönring 123.
(17692
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29.
Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Portale des
Waldfriedhofs aus ſtatt.
Todes=Anzeige.
Nach langem, ſchwerem Leiden verſchied
heute vormittag 9 Uhr meine liebe Frau, unſere
gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante (*11031
Auguſte Heintz
geb. Hock.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Simon Heintz,
Dipl.=Ing. R. Garz u. Frau, geb. Heintz,
Fran Dipl.=Ing. E. Fraukenfeld Wwe., geb. Heintz,
Kätha Heintz, Klara Heintz.
Darmſtadt, den 26. Dezember 1915.
Die Beerdigung findet am 28. ds. Mts.,
nach=
mittags 2½ Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.
Statt beſonderer Anzeige.
Den Heldentod erlitt am 20. Dezember im
Feldlazarett infolge ſchwerer Verwundung mein
herzensguter Mann, der treubeſorgte Vater
ſeines Kindes, unſer lieber Bruder,
Schwieger=
ſohn, Schwager und Onkel (*11043
Thriſan Mäger
Wehrmann des Landw.-Inf.-Regts. 349
im Alter von 36 Jahren.
In tiefem Schmerz:
Marie Müller, geb. Geißler und Kind,
Chriſtian Geißler, Lehrer i. R.,
Familie Gg. Müller, Lehrer,
Familie Hch. Müller,
Anna Heyl, geb. Geißler,
Familie Otto Geißler, Ober=Poſtſekretär.
Neu=Iſenburg, Darmſtadt, Götzenhain,
Friedberg, den 27. Dezember 1915.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abſehen zu
wollen.
Statt beſonderer Anzeige.
Am 2. Weihnachtsfeiertag verſchied ſanft
zu Laubach (Oberheſſen) unſere liebe Schweſter
Dran Mart eron
geb. Peppler.
Dr. Carl Peppler,
München,
Dr. jur. W. Peppler,
Hamburg,
Anna Goebel, geb. Peppler,
17673)
Darmſtadt.
Für die zahlreichen Beweiſe
herz=
licher Teilnahme an dem uns
betrof=
fenen ſchweren Verluſte ſagen Allen
herzlichen Dank.
Andreas Keßler,
Lokomotivführer.
17669)
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Heimgange unſerer
lieben, guten Mutter ſagen wir auf
dieſem Wege herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Lenchen Schmidt. (*11033
Darmſtadt, den 27. Dez. 1915.
Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds Herrn
(17680
Chriſtian Werres, Reſtaurateur,
findet am Dienstag, den 28. Dezember,
nach=
mittags 2½ Uhr, vom Waldfriedhof aus ſtatt.
Wir erſuchen alle Kameraden, ſich dort zu
verſammeln.
Der Vorſtand.
Wetterbericht.
Wetterausſichten für Dienstag: Trüb und
regne=
riſch, mild.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater, Anfang 5½ Uhr, Ende gegen
9 Uhr (außer Abonnement): „Rotkäppchen” hierauf:
„Sneewittchen und die Zwerge‟
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 29. Dezember.
Hofreite=Verſteigerungen: Heinrich Karl
Müller (Martinſtraße) um 10½ Uhr auf dem
Orts=
gericht II, — Heinrich Schäfer (Moosbergſtraße 94) um
10½ Uhr auf dem Ortsgericht II.
Leitung: Dr. Otto Waldaeſtel. Verantwortlich für den leitenden
politiſchen Teil und für Feuilleton: Dr. Otto Waldaeſtel; für
Volkswirtſchaftliches, Parlamentariſches und Kommunalpolitiſches:
Hans H. Gieſecke; für Stadt und Land und den geſamten übrigen
Teil: Kurt Aitſching; für den Anzeigenteil, Anzeigenbeilagen und
Mitteilungen aus dem Geſchäftsleben: Paul Lange.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Sämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorar=
forderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht berückſichtigt.
Unverlangte Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten.
[ ← ][ ][ → ] Übernähme der Verlosungskontrolle von Wertpapieren. Kontrolle und
Danr iur randerund Inaustrie Versicherung von Wertpapieren gegen Kursverlust im Falle der Aus-
(Darmstädter Bank)
losung. — Wir übernehmen Barbeträge zur Verzinsung inlaufender Rech-
Landgraf Philipp-Anlage 6
nung, auf provisionsfreien Scheckkonten oder gegen Einlagebücher.
Wilhelminenstraße 14 (Die Verzinsung beginnt von dem der Einzahlung folgenden Werktage ab.)
Unsere Bank ist laut Ministerialerlaß Hinterlegungsstelle für Mündelgelder.
er übernimme kleinere
Drechslerarbeiten?
Nach=
zufragen Demmig,
*10493ds0) Stiftſtraße 40.
Neuanfertigen u. Anſtricken v.
Strümpfen. Ruthsſtr. 6, an
der Schloßgartenſtr.
(*11036
G
Weiblich
din Ponteſaete
Fräulein, beſucht hat, ſucht
Stelle auf Bureau. Gutes
Zeug=
nis vorhanden. Angeb. u. H 18
an die Geſchäftsſt. (*11029
Gebild. junge Dame (ſtaatl. gepr.
Krankenpflegerin) ſucht für einige
Nachmittagsſtunden paſſend.
Wir=
kungskreis. Angebote unt. H 23
an die Geſchäftsſtelle. (*11058
Aelt., beſſ. Fräulein, tüchtig
im Haushalt, in der Krankenpflege
erfahren, ſucht paſſende Stellung.
Angebote unter H 38 an die
Geſchäftsſtelle.
(*11076
Kriegerfrau, perfeit in Küche und
Haus, ſ. Arb. v. 9—3Uhr nachm. Ang.
u. H43 a. d. Geſchäftsſtelle. (*11093
Männlich
Aeit. Kauim. (vorm. d.ſtundenw.
Beſchäftg. vielſeit., dopp. Buchhaltg.,
Abſchluß, Kalkul. uſw., fertig Franz.
Sehr beſch. Anſpr. Adr. u. H 22
an die Geſchäftsſtelle. (*11039
Schuhmacherlehrling,
bereits 2 Jahre in Lehre, wegen
Einziehung ſeines Lehrherrn zum
Militär außer Stellung, ſucht
paſſende Beſchäftigung. Näheres
Heinheimerſtraße 82, I. (17542
Offene Stellen
Weiblich
Für meinen
ſtattfindenden
Anfang Jauuar
(17682
Inventur-Ausverkauf
ſuche ich einige
Verkäuferinnen
zur Aushilfe.
Hermann Berger Nachf.
Carl Vadtschild.
Kontoristin
welche durchaus
gewiſſen=
haft und zuverläſſig iſt,
geſucht. Damen, welche
flott ſtenographieren
kön=
nen und bereits praktiſch
tätig waren, bevorzugt.
Angebote nur ſchrift=
(17654
lich an
Darmstädter Bazar.
Tüählie Keantalehie
mit guter Handſchrift und Fertigkeit
in Stenographie u. Schreibmaſchine,
findet per 1. Januar 1916
ange=
nehme Stellung. Angebote und
Gehaltsanſprüche u. H 37 an die
(*11072
Geſchäftsſtelle.
Wir ſuchen per ſofort eine
1. Buchhalterin
für einfache Buchführung, welche
auch mit der Kalkulation und
Statiſtik vertraut iſt. Angebote an
Guggenheim & Marx
(17672
Markt 7.
Wegen Krankheit unſeres
Mäd=
chens wird ſofort ein Mädchen,
welches kochen kann, geſ. (17391a
A. Braun, Alexanderſtr. 18.
e ſiche ſir ertent
fang Januar ſtattfindenden
Saisen-Ausverkauf
mehrere (17683
innen
e
Jer
für Konfektion zur Aushilfe.
Carl Schürmann & Co.
Geſucht ſanb. Laufmädchen
für den Haush. vormittags und
nachmittags einige Stund. (*1032
Vorzuſtellen Lucasweg 9, 1. St.
Großer, geräumiger
Laden
Rheinſtr. 23
per 1. April 1916
zu vermieten. Näh.
durch die
Geſchäfts=
ſtelle ds. Bl. (17688t
Uera
Waldſtr. 23, III. rechts, mbl.
Zim. m. ſep. Eing. ſof. z. v. (17463a
Heinrichſtr. 11, II., hübſch
möbl. Zimmer ſofort. (17048t
Saalbauſtraße 38, 3. St., gut
möbl., geſundes Zimmer. (6379t
Friedrichſtr. 22, hochpart., ſchön
möbl. Wohn= und Schlafzim. mit
elektr. Licht ſof. zu verm. (16906id
Martinſtr. 74, I., zwei fein
möbl. Zimmer z. verm. (B17277ids
Eliſabethenſtr. 29, I., 2 fein mbl.
Z. (Wohn.= u. Schlafz.) z. v. (16156gik
Maadalenenſtr. 6, I., fein. ſep.
Zimmer ſofort zu verm. (*11125
Nieder=Ramſtädterſtr. 3, II.,
gut möbl. Zimmer billig an Fräulein
(*11030ids
zu vermieten.
Grafenſtraße 18, III. 1, ſehr
gut möbliertes Wohn= und
Schlaf=
zimmer zu vermieten. (*11044
Hügelſtr. 77, Stb. I., möbl.
Zimmer ſofort zu verm. (*11042
Schuchardſtr. 15, II.
gut möbl. Zim. f. 18 Mk. z. v. (*11049
Meinstrase 14, . S.
mbl. Wohn= u. kl. Schlafz. mit voller
Penſ. an beſſ. Dame z. v. (*11062imd
Eliſabethenſtr. 62, Vdh., I. r.,
gut mbl. Zim. ſof. z. v. (17676ims
Länfamilien-
Haus
Roquetteweg 5, enthaltend Diele,
Garderobe, 8 Zimmer Bad,
Veranda und Balkon,
Mädchen=
zimmer, Gas= und
Zentral=
heizung, Vor= und Hintergarten,
iſt preiswert zu verkaufen und
auf Wunſch ſofort zu übergeben.
Weiteren Aufſchluß nur bei der
Firma Sebastian Eekler,
Klappacherſtr. 7 Tel. 243. (15756a
Hausverkauf.
Das Anweſen 11 Martinſtr. 11,
beſtehend aus 1½ſtöckigem
Wohn=
haus, 9 Zimmern, Gas, elektr.
Licht im ganzen Haus, ſchön
an=
gelegtem Garten, offener Torfahrt,
zirka 400 am Flächeninhalt zum
Alleinbewohnen, evtl. für 2 kleinere
Familien iſt zu verk. Angenehme,
ruhige Wohnlage, unweit
Halte=
ſtelle der elektr. Straßenbahn.
Angenehme Zahlungsbedingung,
Verkaufsverhandlung,
Einſicht=
nahme nur durch H. Caſtritius,
Immohilien= u. Hypothekengeſchäft.
Kahlertſtraße 38, I. (B16710
Sprechſtunden ½ 2—3 Uhr.
Kautionsfähige
füchtige Wirtsleutg
als Zäpfer per ſofort geſucht.
Anerbieten unter H 40 an die
Geſchäftsſtelle dieſes Bl. (B17687
Suche Filiaſe
zu übernehmen. Laden u.
Lager=
räume, Mitte der Stadt, beſte
Ge=
ſchäftslage, vorhanden. Angeb. u.
Ei 9 on die Geſchäftsſt. (*10971
meretenw. Mlckte.
Darlehen z.5002u, nachVers.
Abschl. (62. a. solv. Priv.) o. Vorap.
Str. reelle Fa. (s. 13 Jahr. best) Prosp.
grnt. F. REfT2, Gen. Ag.=, Rh
Hemnhale 22.
Grafenſtr. 26, II., gut möbl.
Zimmer zu vermieten. (17675t
Me
ere e en
B Erde gelegen. Abfüllraum.
Näh. Hauptbahnhof. Ang. m. Preis
u. H 41 a. Geſchäftsſtelle. (*11085
eDame ſucht zum 1. April 1916 ſch.
24—5 Zim.=Wohn., 1. od. 2. St.,
in gut. Hauſe. Sof. Ang. m. Pr. u.
HI 19 an die Geſchäftsſt. (*11034
Hübſche, abgeſchloſſene 2
Zim=
merwohnung m. Gas im Zentrum
der Stadt zu mieten geſucht. Ang.
u. H 26 a. d. Geſchäftsſt. (*11053
Zut möbl. Wohn= u. Schlafzimmer
zu mieten geſucht. Angebote
mit näheren Angaben unter I 36
an die Geſchäftsſtelle. (*11073
Verloren
Freitag, wahrſcheinl. v. d.
Blumen=
geſchäft Wenz in d. Eliſabethenſtr.,
kleines, braunes Portemonnaie
mit kleinem Schlüfſelchen darin.
Gegen gute Belohnung abzug.
Näh. in der Geſchäftsſt. (*11038
Armer Soldat verlor auf dem
2 kl. Exerzierplatz oder auf dem
Wege nach der Infanterie=Kaſerne
Alexanderſtraße eine ſilberne
Anker=
uhr mit Sprungdeckel und dem
Zeichen F. M. auf dem hinteren
Deckel. Der ehrliche Finder wird
gebeten, dieſe gegen gute
Be=
lohnung in der Geſchäftsſtelle
(*11082
abzugeben.
Kerſaet ſch. Slaſtrs.
Wiederbringer Belohnung. Näh.
in der Geſchäftsſtelle.
Ailerrailer
zu kaufen geſucht: Porzellan,
Möbel, Bilder, Zinn, Perlſachen.
uſw. Wienerſtr. 83, I. (*11055
Zukaufen gesucht
Koſtüm, Mantel, Bluſen (Größe
42—44). Angebote unt. H 25 an
die Geſchäftsſtelle.
(*11056
Entan
getragener Kleider, Uniformen,
Stiefel, Pfandſcheine,
Zahn=
gebiſſe, überhaupt alles. (17674a
Zarnicer, Kleine Bachgaſſe 1.
Komme auch nach auswärts.
Driegersfrau ſucht ſchwarze
Kleidung, Gr. 46, u. Schuhe
Nr. 40, auch gebr., bill. z. kauf. Ang.
u. H 44 a. d. Geſchäftsſt. (*11092
Zu kaufen gesucht
Büfett, Tiſch, Stühle, 1—2
Bet=
ten, Teppich, Schreibtiſch oder
Sekretär, Eisſchrank, Klubſeſſel.
Angebote unter II 29 an die
Geſchäftsſtelle d. Bl. (*11054
Betten,
Kaufe gebr. Möbel, ganze
Nachläſſe, auch Fahrräder, geg. ſof.
Kaſſe. J. Lieh, Alexanderſtr. 3. (9923a
Sacke, Gumm,
alte Metalle, neue Tuchabfälle,
alte Wollſachen uſw. kauft ſtets
zu Höchſtpreiſen
(17544a
Zwickler, Schwanenſtr. 12
Telephon 1760.
gut möbl. Zim=
Arzt sucht mer, ev. Wohn=
und Schlafzimmer, möglichſt elektr.
Licht und Zentralheizung. Nähe
alter Bahnhof. Angeb. u. M 30
an die Geſchäftsſtelle. (*1104z
Alleinſtehende junge Dame
* sucht einfach möbliertes
Zimmer, bei älterer
alleinſtehen=
der Dame bevorzugt. Angebote
mit Preisangabe erbeten an
Fräulein E. Becht
Wiesbaden (*11091
Scharnhorſtſtraße 3, 2. Stock.
Mobl. Zimmer
mögl. ſep., geſucht. Ang. m. Preis
u. H 21 a. d. Geſchäftsſt. (*11040
Säuber Mobl. Zimimer
mit 2 Betten ſofort geſucht. Ang.
u. II 27 a. d. Geſchäftsſt. (*1055
Keer
Jung. Dobermann abzug.
Geeigneter Hofhund. Angebote
u. H 34 a. d. Geſchäftsſt. (*11065
Lehrmädchen
mit Handarbeitsvorkenntniſſen für
feinen Damenputz geſ. (*11061imd
A. Albrecht, Rheinstr. 14, I.
Zuverläſſ. Laufmädchen in kl.
Familie ſofort geſucht.; (*11028
Hochſtraße 37, part.
Zuverläſiges Mädchen bis
nach dem Spillen ſofort geſucht
*11027) Mathildenſtraße 17.
Durchaus zuverläſſige
Lauffrau
geſucht für die Vormittagsſtunden,
die auch die Wäſche mitbeſorgt.
Näheres Heidelbergerſtraße 83,
2. Stock.
(B17655
morgens von
Lauffrau 3—10 geſucht.
Nieder=Ramſtädterſtr. 25, p. (*11074im
Suehe Ksehinnen, Hausmädchen,
Klieinmädehen, die kochen und nicht
kochen können, . Privat= u.
Geſchäfts=
häuſer. Frau Minna Dingeldein,
ge=
werbsmäßige Stellenvermittlerin,
Eliſabethenſtr. 5. Tel. 531. (*11090
Ein älteres, zuverläſſ. Mädchen
für ſofort oder ſpäter zu einem
älteren, ruhigen Ehepaar geſucht.
Zu erfragen in der
Geſchäfts=
ſtelle d. Bl. (*11071
Reinl., unabhängige Frau oder
Mädch. tagsüber für Hausarbeit
geſ. Näh. Mühlſtr. 46. (*11063
Tücht., ſaub., jüng. Waſch= u.
Putz=
frau geſ. Eliſabethenſtr. 49. (*11050
Laufmädchen
für einige Stunden vorm. p. 1. Jan.
od. ſof. geſ. Vorſtell. nach 9 Uhr
vorm. Rhönring 83, p. (*11048
Ordentliches Mädchen
tags=
über geſucht.
(*11041
Hügelſtraße 4, part.
Suche mehrere jg. Mädchen
auch tagsüber.
(*11064
Karolina Beck, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Karlſtr. 25, I.
Saub., fleiß. Lauffrau aus
Beſſungen, tägl. 2—3 Std. geſucht.
*11080) Sandbergſtr. 52, II.
1 ſaub. Waſchfrau geſucht.
Ang. u. H 35 Geſchäftsſt. (*11066id
Männlich
2 Kontroneure
zur Abnahme von Granaten zum
ſofortigen Eintritt geſucht.
Motorenfabrik Darmstadt
A.-G. (17662im
Mehrere tüchtige
Dreher, Schloſſer
und ſonſtige
Maſchinenarbeiter
zum ſofortigen Eintritt geſucht.
Motorenfabrik Darmstadt
A.-G. (17659im
älter, gebrech=
Wer hilft lichem Herrn
gegen entſprechende Bezahlung
morgens beim Ankleiden?
Gefl. Angebote unter II 17 an
die Geſchäftsſtelle ds. Bl. (*11023
Arbeitswill,
kräftiger Laufjunge
geſ. Wo ſagt d. Geſchäftsſt. (17684
Men
Jung. Mann ſ.
Viotinunter=
richt i. d. Abendſtunden. Ang. m.
Preis u. H 33 Geſchäftsſt. (*11068
Branzöſiſch, Engliſch, Deutſch
erteilt an Schüler u. Erwachſ.
erf. gepr. Lehrerin z. mäß. Pr. Ang.
u. H 24 a. d. Geſchäftsſt. (*11057ids
od. Beaufſichtig.
Nachhilfe von Schularbeit.
erteilt Seminariſt Angeb. unter
II 20 an die Geſchäftsſt. (*11035
Wer erteilt gründlichen
Unter=
richt im Gitarreſpielen.
Angebote mit Preis per Stunde
u. H39 an die Geſchäftsſt. (*11079
An
einem Weisszeug-Mähkurs
können noch einige junge Damen
vormittags von 9—12 Uhr
teil=
nehmen. Gefl. Anfragen u. H 32
an die Geſchäftsſtelle. (*11069if
Ze
2 Zimmer=
Erbacherſtr. 13 Wohnung,
Küche und Zubeh., Mon. 21 Mk.
*11089id) Näh. Hinterh., part.
Kanarienhähne zu verkaufen.
J8. 17355a) Cruffel. Bismarckstr. 28. 1.
gelangen. Dasſ.
Ein Frettchen kann der Eigen=
tümer bei Herrn Bahnwärter Heil,
Eberſtadt, Wärterh. 30, abh. (11045im
Me
Kaufe kl. rentables Haus.
Ang. u. H 31 Geſchäftsſt. (*11060
Derienige Her, weicher am
23. Dezbr. den Schnellzug
mittags 150 ab Frankfurt benützte
und beim Ausſteigen in Darmſtadt
einen Damenſchirm mitnahm, wird
dringend erſucht, ſich zwecks
Um=
tauſch an Schätt, Karlſtraße 54,
(*1077
zu wenden.
mte eeen e eee eeen
D Feiertagmorgen zwiſchen 11
und 12 Uhr auf dem Perron im
Hauptbahnhof die Taſche auf der
Bank an ſich genommen hat, iſt
erkannt worden und wird gebeten,
dieſelbe auf dem Fundbureau
ab=
zugeben, andernfalls Anzeige er=
(*11081im
folgt.
Se een
Kntr er et.
für getragene Kleider, Schuhe,
Boden= und Kellerkram. Poſt=
(*11037im
karte genügt.
J. Blum, Woogſtraße 1.
Nehliess=Korb zu kauf. geſ. Angeb.
8 u. II 42 a. d. Geſchäftsſt. (*11036
Biebermeter
Kirſchbaum=Möbel, Glasvitrine,
kleiner, runder Tiſch und Bank.
1 Nußbaum=Empire=Tiſch, Sofa,
* Stühle, 1 Barock=Sofa und
* Stühle, Bücherſchrank mit
Sekretär, eichene Truhe,
Kleider=
ſchränke uſw. (*11006so
Wagners Gelegenheitsgeschäft
Karlſtraße 41.
Annahme u. Verkauf v.
Kunſt=
gegenſtänden und Altertümern.
Greiarmiger Gaslüſter ſofort
zu verkaufen
(*11075if
Kiesſtraße 112, part.
Das Umſetzen von Waſchkeſſeln,
ſowie das Einſetzen von
neuen Waſchkeſſeln wird
fach=
gemäß u. gewiſſenhaft ausgeführt.
Für gutes Brennen wird
garantiert
(*11083
H. Blumenschein
Ofengeschäft
Neue Ireneſtraße 16.
Einger (5.= und Fuh) 1
Ring=
ſchiff= und 1 Handnähmaſchine,
wie neu, u. Gar. billig abzugeben.
Mechaniker Rickert, Hölgesſtr. 3, p.(*
Mre ete eteet
Plakeat-, Milboten- unds
Reinigungs-Institut
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Elisabethenst. 31 Telephon 461.
I. Hess. Versicherung gegen
Ungeziefer
Vertilgung von Ungeziefer
ied. Art, wie Wanzen, Käfer,
Ratten, Mäuse, Motten,
Ameisen usw., billigst unter
schriftl. Garantie u. Diskr.
Zahlung
E
Für Hausbesitzer etc.
Ver-
sicherung gegen Ungeziefer
besonders zu empfehlen. Schr
geringe Jahresprämie. (659a
Feinste Zeugnisse u.
Reſerenzen. — Kostenlose
Aussprache an Ort u. Stelle
Wen dert?
1741
hier V. Schata, Schloßgaſſe 23.
Iich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleider, Schuhe,
Zahn=
gebiſſe, alteFederbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt
Bekanntmachung
über Zeitungsanzeigen.
Bekanntmachung
wegen Ergänzung der Verordnung über den Verkehr mit Zucker im
Betriebsjahr 1915/16 vom 26. Auguſt 1915.
Vom 16. Dezember 1915.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die Ermächtigung des
Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl.
S. 327) folgende Verordnung erlaſſen:
Artikel 1.
Die Verordnung über den Verkehr mit Zucker im Betriebsjahr 1915/16 vom
26. Auguſt 1915 (Reichs=Geſetzbl. S. 516) wird wie folgt ergänzt:
Im § 5 Satz I iſt hinter „50 Kilogramm” einzuſetzen: „und daß von
jeder rübenverarbeitenden Verbrauchszuckerfabrik für den im eigenen Betrieb
erzeugten und auf Verbrauchszucker verarbeiteten Rohzucker ſowie für den
im eigenen Betrieb aus Rüben hergeſtellten Verbrauchszucker eine Gebühr
von ½ Pfennig für je 50 Kilogramm Rohzuckerwert (Verbrauchszucker im
Verhältnis von 9 zu 10 auf Rohzucker umgerechnet)”.
Artikel 2.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 16. Dezember 1915.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Delbrück.
(17637
Vom 16. Dezember 1915.
Der Bundesrat hat auf Grund des §3 des Geſetzes über die Ermächtigung des
Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl.
S. 327) folgende Verordnung erlaſſen:
§ 1. Anzeigen, in denen Gegenſtände des täglichen Bedarfs, insbeſondere
Nahrungs= und Futtermittel aller Art, ſowie rohe Naturerzeugniſſe, Heiz= und Leucht=
ſtoffe, Düngenitel oder Gegenſtände des Kriegsbedarſs angeboten werden, oder in
denen zur Abgabe von Angeboten über ſolche Gegenſtände aufgefordert wird, dürfen
in periodiſchen Druckſchriften nur mit Angabe des Namens oder der Firma ſowie der
Wohnung oder der Geſchäftsſtelle des Anzeigenden zum Abdruck gebracht werden.
Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen beſtimmten Behörden können
Ausnahmen zulaſſen.
§ 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldſtrafe bis zu eintauſend Mark oder
mit Haft oder mit Gefängnis bis zu ſechs Monaten beſtraft.
§ 3. Dieſe Verordnung tritt mit dem 18. Dezember 1915 in Kraft.
Der Reichskanzler beſtimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens.
Berlin, den 16. Dezember 1915.
(17634
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.
Bekanntmachung über Vorratserhebungen
vom 20. Dezember 1915.
Auf Grund von § 6 der Verordnung des Bundesrats über Vorratserhebungen
vom 2. Februar 1915 (R.=G.=Bl. S. 54) wird folgendes beſtimmt:
§ 1. Als Behörden, die berechtigt ſind, Auskunft über ſämtliche in § 1 der
Verordnung näher bezeichneten Vorräte zu verlangen, werden in den Städten von
über 20 000 Einwohnern die Oberbürgermeiſter, im übrigen die Kreisämter beſtimmt.
Weiterhin iſt noch die Kriegs=Rohſtoff=Abteilung des Königlich Preußiſchen
Kriegs=
miniſteriums berechtigt, Auskunft über die in § 1 der Verordnung bezeichneten
Vor=
räte an Gegenſtänden des Kriegsbedarfs und an Gegenſtänden, die zur Herſtellung
von Kriegsbedarfsartikeln dienen, zu verlangen.
§ 2. Die nach § 1 zuſtändigen Behörden können bei Durchführung der
Maß=
nahmen gemäß §§ 3, 4 der Verordnung die Mitwirkung der Ortspolizeibehörde in
Anſpruch nehmen.
§ 3. Die Bekanntmachung tritt ſofort in Kraft.
Darmſtadt, den 20. Dezember 1915.
Großherzogliches Miniſterium des Innern.
v. Hombergk.
Amtliche Nachrichten des PolizeiamtsGroßh. Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
befinden ſich: 1 Pudel (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
(17661
tag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
Ausgabe von Petroleumkarten.
Am Mittwoch, den 29. Dezember, vormittags 9 bis
1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, werden für die hieſige
Bürgerſchaft Petroleumkarten für Januar in den nachbezeichneten
Lokalen ausgegeben:
a) für den Bezirk des I. Polizeireviers im Schulhaus der
Ge=
werbeſchule (Ecke Karls= und Nieder=Ramſtädterſtraße,
Ein=
gang Nieder=Ramſtädterſtraße), Saal rechts, im Erdgeſchoß;
b) für den Bezirk des II. Polizeireviers im Schulhaus am
Ballonplatz (Lehrerzimmer rechts im Erdgeſchoß);
c) für den Bezirk des III. Polizeireviers in der Turnhalle der
Eleonorenſchule in der Lagerhausſtraße;
d) für den Bezirk des IV. Polizeireviers im Schulhaus der
Landesbaugewerkſchule (Neckarſtraße Nr. 3);
e) für den Bezirk des V. Polizeireviers im Gemeindehaus der
Petrusgemeinde (Hofgartenſtraße Nr. 8);
1) für den Bezirk des VI. Polizeireviers in der Turnhalle am
Kapellplatz;
g) für den Bezirk des VII. Polizeireviers in dem Schulhaus der
Stadtmädchenſchule in der Emilſtraße (Lehrſaal im Erdgeſchoß).
Die Brotausweiskarte iſt mitzubringen.
Darmſtadt, den 24. Dezember 1915.
(17691im
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.
Die Auszahlung der Kriegsunterſtützung
für die I. Hälfte Januar findet an folgenden Tagen ſtatt:
Donnerstag, den 30. Dezember, vor= u. nachmittags,
Freitag, den 31. Dezember, vormittags,
Montag, den 3. Januar, vor= und nachmittags.
Darmſtadt, den 27 Dezember 1915.
(17665im
Die Stadtkaſſe.
Koch.
Bekanntmachung.
§ 25 und § 30 der Bahnordnung.
§ 25. Solange ein Wagen ſich in Bewegung befindet, iſt das
Aus= und Einſteigen und der Verſuch dazu, ſowie das eigenmächtige
Oeffnen der Plattformverſchlüſſe verboten; nur an den durch Tafeln
bezeichneten Haltepunkten iſt der Schaffner verpflichtet, Perſonen
aufzunehmen oder abzuſetzen.
Es iſt unterſagt, auf einem vom Schaffner als vollſtändig
beſetzt bezeichneten Wagen aufzuſteigen, von einem Wagen auf einen
ihm angehängten zweiten Wagen überzuſteigen, auf die
Plattform=
geländer oder Trittbretter ſich zu ſetzen, Gegenſtände, durch welche
Perſonen oder Sachen beſchädigt werden könnten, während der Fahrt
aus dem Wagen zu werfen.
Der Aufenthalt auf den Plattformen iſt nur ſoviel Perſonen
geſtattet, als die an dem Wagen angeſchriebene Zahl der Stehplätze
beträgt.
§ 30. Wer den Beſtimmungen der §§ 23—26 und 29
zuwider=
handelt, wird mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark beſtraft, ſofern nicht
nach den allgemeinen Strafbeſtimmungen eine härtere Strafe
ver=
wirkt iſt.
Wir bringen vorſtehende Beſtimmungen zur allgemeinen
Kennt=
nis und bitten um gefl. Beachtung.
Darmſtadt, den 23. Dezember 1915.
17658
Heſſiſche Eiſenbahn A.=G.
Husten-Oual!
G.-W. Bonbons wirken einzig, 30, so,
1.00 Einhorn-Apotheke. (II,16845
1 Gaszuglampe
ſowie 2 einfache Gaslampen zu
11084) verkaufen.
Front Eliſabethenſtraße 17 1. St.
En unſer Handelsregiſter,
Ab=
teilung A, wurde heute
hinſicht=
ich der Firma:
(17667
Ludwig Alter in Darmſtadt
(17667
eingetragen:
Geſchäft und Firma ſind auf
1. Frieda Alter
2. Heinrich Alter, Fabrikant
3. Marie Sybille, geb. Alter,
Ehefrau des Ingenieurs Emil
Glöckler, alle in Darmſtadt,
übergegangen.
Die Prokura des Heinrich Alter
und der Frieda Alter iſt erloſchen.
Darmſtadt, 22. Dezember 1915.
Großh. Amtsgericht I.
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
teilung B, wurde heute
hinſicht=
lich der Firma:
Wartburg=Buchhandlung,
Ge=
ſellſchaft mit beſchränkter
Haf=
tung in Darmſtadt,
(17666
eingetragen:
Die Vertretungsbefugnis
1. des Pfarrers Theodor Weimar
in Nieder=Ramſtadt
2. des Pfarrers Auguſt Memmert
in Darmſtadt
iſt beendet.
Die Liquidation iſt beendet und
die Firma erloſchen.
Darmſtadt, 22. Dezember 1915.
Großherzogliches Amtsgericht I.
Empfehle feinſte Angel=
Schellfiſche
Cabliau auch im
Seelachs Ausſchnitt
Dorſch (3= bis 5pfündige)
Gebackene Fiſche
Geräuch. Schellfiſche
Seelachs
Kieler Süßbücklinge
Lachsheringe
Kieler Sprotten
Schellfiſche in Gelee
keinſte Bismarckheringe
Marinierte Heringe
Sardinen, Rollmöpſe
Prima, vollfetten
Edamer Käſe
Gouda=Käſe
ertig'
C
Fiſchgeſchäft
Karlſtraße 47, Tel. 641.
auf Gegen-
Gothder Lebensversicherungsbanlk settigket.
Bisher abgeschlossene Versicherungen:
2 Milliarden 235 Millionen Mark.
mit alsbaldiger Auszahlung
Kriegsversicherung der vollen Zumme im Todeskall.
Neue vorteilhafte Versicherungsformen.
Vertreter und Beamter der Bank in Darmstadt:
Sebastian Eckler, Klappacherstr. 7, Tel. 243.
Elleeskochichule.
Der nächſte Kochkurſus beginnt am 5. Januar.
Mündliche oder ſchriftliche Anmeldungen werden
täglich durch die Leiterin der Alice=Kochſchule
entgegengenommen.
17377soo)
Der Vorſtand.
TFrbatkarse
Einzelunterricht oder Unterricht in kleinen Gruppen.
1. Vorbereitung für die Schule (1. bis 3. Schuljahr)
für Knaben und Mädchen.
2. Unterricht für Mädchen jeder Altersstufe in allen Fächern der
höheren Mädchenschulen.
(17678a
Lehrplan und Lehrbücher der höheren Lehranstalten.
Individuelle Behandlung im Unterricht betont.
Unterricht auch für kürzere Zeit; auf Wunsch können
Mädchen für bestimmte Klassen höherer Mädchenschulen
vor-
bereitet werden.
Elisabeth Heinzerling Maria Lange
staatlich geprüfte wissenschaftliche Lehrerinnen.
Nähere Auskunft Annastrasse 36 oder Eichbergstrasse 22.
Veränderungen!
Weg. Wegzug von Familie habe
z. Zt. abzugeben: 1 Ruhebett m.
ſchwerer Decke 45 M., 1 kleiner
Schreibtiſch 28 M., 1 kl. eichenes
Büfett 135 M., 1 eich. Bücherſchr.
78 M 1 beſſeres Vertiko, gekoſt.
175 M., für 78 M., 6 noch gute
Bettſtellen mit Matr., 1 Sofa
28 M., 1 Trumeauſpiegel 42 M.,
1 ſchwer eichener Trumeauſpiegel,
gekoſt. 250 M., für nur 75 M.,
1 Mahagoni=Bücherſchrank mit
Schreibeinrichtung, gekoſt. 300 M.,
wird für 185 M. abgegeben,
1 Mahag.=Kredenz, 1 noch neuer
Dipl.=Schreibtiſch, gekoſt. 120 M.,
für 85 M., großer, runder, eich.
Tiſch 45 M., 2 weißlack.
Kleider=
ſchränke, 1 Part. lack. Kleiderſchr.,
1 Gasheizofen uſw., Oelbilder.
Wagners Gelegenheitsgeschäft
Karlſtraße 41.1(*11007so
Mene e en
Abfahren von Gi=
Tahfen tern, Entleeren von
Waggons werden prompt und
(B17686
billig erledigt.
11 Neue Niederstrasse 11
Telephon 837.
Eilezeu verkaulen
wegen Auflöſung eines Haushalts:
Kaum benutztes, vollſt.
Speiſe=
zimmer (dkl. Eiche), vollſt.
Schlaf=
zimmer (Eiche imitiert), Kommode
(Kirſchb.), Flurgarder.,
Trumeau=
ſpieg., einige Schreibtiſche,
Blumen=
geſtell, Regulator, Waſchmaſchine,
Gaszuglampe, Lüſter (Fflammig),
2 Grammophone verſchied. Tiſche,
Spiegel, Stühle, Nachttiſche, Betten,
3 Küchenſchränke, ſowie neues
Schlafzimmer (hell. Eiche) und
(*11067
noch Vieles.
Alexanderſtraße 3, part.
„
Erbe Breiter
10 u. 14‟
verwandelt eine Petroleumlampe
in eine
(*11024id
Carbidlampe.
Ohne jede Veränderung verwendb.
Aug. Baßmann, Grafenſtr. 31.
Neut E grWaſchkörb. .50—-230.4,
n. Böd. 0.80—1ℳ. All. and. Rep. ſow.
d. Flecht. v. Stühlen billigſt. Arbeit w.
abgeh. Blinden=Korb. u. Stuhlflecht.
Gg. Treusch, Ballonplatz 5. (16626a
Darmstadter Sprach- u. Handelsschule
Leiter: Emil Held u. Hieron. Schneider
Handelslehrer und beeid. Bücher-Revisoren
— 10 Luisenstrasse 10. —
Tageskurse, schulmässig, in allen kaufm. Fächern,
Abendl-lassen, bes. Stenogr., Masch.-Schreiben, Buchführung u. a. m.,
entspr. d. Kriegsverh. zu ermässigten Preisen
beginnen am 5. Januar.
Der Unterricht w. v. d. in langi. Praxis erfahrenen
Leitern selbst erteilt.
(16577a
Der tolle Haßberg.
Original=Roman von H. Courths=Mahler.
Coppright 1915 by Greiner & Comp., Berlin W 30.
40)
(Nachdruck verboten.)
Während der Diener ſeinen Auftrag ausführte, ſuchte
die alte Dame mit Haßberg eine Unterhaltung im Gang
zu exhalten. Aber ſie merkte, daß er zerſtreut war und
unruhig hinauslauſchte. Sie beobachtete ihn forſchend.
Das ſah wirklich aus, als habe er Sehnſucht nach
Re=
ginas Anblick.
Haßberg lauſchte voll Sehnſucht auf Reginas
leich=
ten Schritt. Aber als ſich die Tür wieder öffnete, ſtand
nur der Diener auf der Schwelle.
Das gnädige Fräulein bedauert, ſie fühlt ſich nicht
wohl, läßt aber dem Herrn Rittmeiſter Lebewohl ſagen.
Haßberg preßte die Lippen feſt aufeinander, ſein
Geſicht verfärbte ſich ein wenig. Tante Thereſe ſah es
ganz deutlich, ſie wußte aber nicht, weshalb er ſoviel
Wert darauf legte, ſich von Regina verabſchieden zu
können. Daß er ſich um ſie bewarb, hatte ſie wohl
be=
merkt. Und es hatte ihr ſcheinen wollen, als verhalte
ſich Regina dieſer Werbung gegenüber gar nicht
ableh=
nend. Sie verſtand nicht, daß Regina Haßbergs
drin=
gende Bitte jetzt abſchlug. Und ſie merkte ihm an, daß
es ihm bitter weh tat.
Am Ende hat er Regina wirklich lieb? Man kann
nicht wiſſen was in einem Menſchen vorgeht. Schön
genug iſt ſie wahrhaftig, um auch den verwöhnteſten
Mann zu feſſeln. Aber die Geſchichte mit der
verſchlei=
erten Dame, die mir Tondern erzählte, die widerſpricht
dem doch wieder. Ich werde nicht aus ihm klug und aus
Regina auch nicht, dachte Tante Thereſe.
Sie ſprach einige bedauernde Worte. Damit mußte
ſich Haßberg zufrieden geben.
Er verabſchiedete ſich mit einem Gefühl, als ſei ihm
etwas Köſtliches vorenthalten worden.
Daß Regina nach allem, was ſie ihm geſchrieben
hatte, ihm das letzte Lebewohl verſagen könnte, ſelbſt
wenn ſie ſich nicht wohl fühlte, war ihm unfaßbar.
Wohl trug er ihren Gefühlen Rechnung, wohl ſagte
er ſich, daß ſie vielleicht noch nicht imſtande war, ihm zu
begegnen, aber er meinte, dieſe kleine Schwäche hätte ſie
doch beſiegen müſſen angeſichts der Tatſache, daß er in
den Krieg zog. —
Freilich, ſie ahnte ja nicht, was ſie ihm war, ſie
wußte ja nicht, wie ſehr er ſich danach ſehnte, ſie ein
letztes Mal zu ſehen. Sie nahm ja an, daß er ſie nicht
liebte. Und er konnte es ihr nicht ſagen — auch nicht
ſchreiben, weil er nicht wußte, ob ihre Tante ihre Briefe
nicht leſen würde.
Tief verſtimmt ging er nach Hauſe.
Vor einem Blumenladen machte er Halt. Er ging
hinein und kaufte einen Strauß roter Roſen von
wun=
derbarer Schönheit. Gleich ſchrieb er auf eine
Viſiten=
karte einige Worte:
„Mein verehrtes gnädiges Fräulein! Da es mir
nicht vergönnt war, Ihnen perſönlich Lebewohl ſagen zu
dürfen, was mich ſehr geſchmerzt hat, erlaube ich mir,
Ihnen dieſe Roſen als letzten Gruß zu ſenden und
Ihnen gute Beſſerung zu wünſchen. Hoffentlich iſt es
mir in nicht allzu ferner Zeit vergönnt, wieder vor Ihr
Angeſicht treten zu dürfen. Der Gedanke an Solveig
wird mich wie ein Talisman begleiten.
In dankbarer Verehrung
Ihr ergebener
Hans von Haßberg.”
Befriedigt las er die Karte noch einmal durch. Er
hatte ſeine Worte gut gewählt. Sie würde ihn
verſte=
hen und die roten Roſen würden ihr verraten, daß
er=
ſie liebte. Und ſelbſt wenn ihre Tante dieſe Karte las,
konnte ſie kaum etwas anderes daraus entnehmen, als
einen Abſchiedsgruß. Für die Anſpielung auf Solveig
würde Regina ihr ſchon eine ausweichende Erklärung
geben können.
Er kuvertierte und adreſſierte die Karte und ſchickte
ſie mit den Roſen an Regina in der heimlichen
Hoff=
nung, daß ſie ihm wenigſtens noch ein ſchriftliches
Lebe=
wohl und eine Erklärung für ihr Verhalten geben würde.
Tante Thereſe war, nachdem Haßberg ſich entfernt
hatte, zu Regina zurückgekehrt.
Kind, Du hätteſt Haßberg doch ein Abſchiedswort
ſagen können. Es ſchien ihm ſo viel daran zu liegen.
Du weißt, ich bin ſeine Freundin nicht, aber er iſt ein
Menſch, der vielleicht dem Tode geweiht iſt. Solchen
Menſchen ſollte man keinen Wunſch verſagen, ſprach ſie
im mahnenden Tone.
Regina wurde rot und blaß und ihre Augen blickten
trübe vor ſich hin.
Schilt nicht, Tante Thereſe, ich konnte nicht anders,
ſtieß ſie heiſer hervor.
Die Tante betrachtete ſie kopfſchüttelnd. Sie wurde
wieder nicht klug aus Regina.
Als dann Haßbergs Blumen kamen mit der
beglei=
tenden Viſitenkarte, da wunderte ſich Tante Thereſe noch
viel mehr.
Regina wurde wieder furchtbar blaß, als ſie die
Vi=
ſitenkarte las, und ihr Antlitz zuckte wie im Schmerz=
(Fortſetzung folgt.)
Rheumatische Schmerzen, Hexenschuß.
Reißen, in Apotheken Fl. 1,40: Doppelfl. M 2,40.
Kauft keine Nähmaschinen von dem amerik. Singer-Trust, welcher die deutsche
Nähmaschinen-Industrie durch ihre zahlreichen
—. Provisionsreisenden schwer schädigt. :
Wir empfehlen erstklassige, deutsche Fabrikate in den
neuesten Ausführungen, als:
Schrank- u. Versenkmaschinen
in grösster Auswahl.
Haas & Bernhard
Rheinstrasse 19
Neujahrskarten
in reichhaltigster Auswahl. Neue Künstlerkarten.
Patriotische Karten. Kalender u. Geschäftsbücher.
e
Besfe deutche Kasierklinge
Grösste Schnittfähigkeit, passend
für jeden Apparat (auch Gillette)
M
Stück 20 Pfg. Dutzend 2.00 Mk
Stück 25 Pfg. Dutzend 2.50 Mk
M. R. Rasierapparate in
größter Auswahl von 1 Mk. an.
Rasierklingen schleifen
Alleinverkauf:
Dtzd. 75 Pfg.
Elisabethenstr. Nr. 9,
Parfümerie Frank,
Telephon 886.
IInstrierte Preisliste kostenlos. (4345a
Bittſchriften und Geſuche
aller Art fertigt ſofort Bureau Heß, Riedlingerſtr. 41. (17627a
Für die Chriſtbeſcherungen der Frauenvereine der Petrus= und
Paulusgemeinden, beſonders der Beſſunger Kleinkinderſchule, gingen
noch Gaben ein von: Frau Prof. Bekker, Frau Colin, Herr A. und F.
Mai, Frau Dir. Bittong, Frau General Otto, Frau Geh. Rat Müller,
Frau Prof. Völſing, Frau Fuchs, Frl. v. Stark, Frl. Weinmann,
Frl. Rayß, Frau Prof. Friedrich, Frau Apotheker Habicht, Firma
J. C. Schmidt, Frau Sachs, Frau Jockel, Frl. Schwab, Frau
Letter=
mann, Frau Dörner, Frau L. Schmidt, Frau Heine, Frau
Haupt=
mann Maurer, Frau Daum, Frau Theiß, Frau Dir. Dyckerhoff, Frau
Stürtz, Frau Suter und Tochter, Frau Poſtrat Scherpe, Frau
Eiſen=
lohr, Frau Dr. Bauſch, Frau Berth, Frau Apotheker Strauß, Frau
Realleyrer Kolb, Frau Keller, Frau Thiele, Frau Bauer, Frau Prof.
Axt, Frau Heller, Frl. Riedel, Frl. Th. Bormet, Frl. Dingeldey,
Frau Finanzamtmann Klingelhöffer, Frau Lindenſtruth, Frau Oberſt
Koch, Frau Stier, Frau Frank, Frau Becker, Frau Haſpelnath, Frau
Spangenberg, Frau Finanzrat Müller, Frl. Fabricius, Frl. L. Schmidt,
Frau Geh. Rat Henneberg, Frau Dir. Sehrt, Frau May, Frl.
Gold=
mann, Frl. de Weerth, Frau Dir. Kolb, Frau Wenz, Frl. Oſann,
Frau Scheuermann, Frau Behrmann, Frau Ullmann, Firma
Guggen=
heim & Marx, Frau Hüffell, Frau Rouge, Frau Schaaf, F. Rothſchild,
F. Faix, Frl. Rau, Frau Gaſtwirt Kraft, O. und G. Dörſam, Frau
Dr. Fehr, Frl. Fehr, Firma Leichtweiß, Frau Oberbürgermeiſter
Morneweg, Frau Stromberger, Konditor Baur, Geſchwiſter Geiſt,
Firma K. F. Bender, Frau Schünemann, Frau Prälat Euler, Herr
(17677
Stützel, Frau Behrmann.
Allen Gebern ſei herzlich gedankt!
Die Kleinkinderſchule zu Darmſtadt
wird, wie ſeither, Entſchuldigungskarten bezüglich der konventionellen
Neujahrgratulationen ausgeben und hofft auf eine recht zahlreiche
Beteiligung zu Gunſten der ſegensreichen Anſtalt.
Nachſtehende Herren haben die Güte, die Ausgabe der Karten
zu übernehmen: Staatsrat Dr. Beſt, Rechnungsrat Daub,
Mini=
ſterialreviſor Frank, Sanitätsrat Dr. med. A. Hoffmann,
Rechts=
anwalt Dr. E. E. Hoffmann, Profeſſor Dr. Ihle, Regierungsrat
Dr. Reinhart, Rechnungsrat Schilling, Hofrat Winter, ſowie die
(17517a
seſcheftsſtelle des Darmſtädter Tagblatts.
moderne Formen,
das Paar von
12 bis 60 Mark
Gg. Karp
Ludwigstraße 20
(15734a
Damenbüſten
mit Ständer
Mk. 3.50. (17685
Hermann Berger Nachf.
Carl Vadtschild.
Blemamabter
Hektl. Mk. 1.00, bei 1e Hektl. Mk. 6,95.
Conrad Appel
Bismarckstrasse 61. Fernruf 91.
Papierhandlung
Heinrich
Lautz
Ecke Rhein- (17609a
und Grafenstrasse.
Gutl Billia! Friſ
Weizen=Gries (ohne Brotkarte) Pfund 45 Pfg.
Mais=Gries (ohne Brotkarte) Pfund 45 Pfg.
Perl=Sago
Pfund 50 Pfg.
Graupen, fein . . .
Pfund 50 Pfg.
mittel und grob . Pfund 45 Pfg.
Haferflocken u. Hafergrütze
Pfund 54 Pfg. — 5 Pfund Mk. 2.60
Original=Säcke 100 Pfund Mk. 49.−
Prima Makkaroni, Gemüſe=Undeln, Suppen=Undeln
Pfund 50 Pfg. — 10 Pfund Mk. 4.80
Ia Apfelmus, tafelfertig, mit Zucker
10 Pfund=Doſe Mk. 3.90
Eier=Makkaroni, Eier=Gemüſe=
Nudeln, Eier=Suppen=Nudeln
Pfund 80 Pfg. — 10 Pfund Mk. 7.80
Maizena
½ Pfund=Paket 30 Pfg.
Prima holl. Erbſen Pfund 55 Pfg.
Marinierte norweg. Fettheringe
(ca. 15 Stück aufs Pfund) Pfund Mk. 1.—
EmnanderFad
Kirchstrasse 1.
(17656
Massenrischverkaur!
Heute Dienstag, Donnerstag und Freitag
trifft auf dem Marktplatz eine große Sendung
Nordſeekabeljau im Ausſchnitt
große und kleine Schellfiſche zu den billigſten
Preiſen ein.
(*11059
Karl Frickel.
Eine größere Sendung
(17664is
Nürnberger Lebkuchen
friſch eingetroffen.
Schokoladenhaus Eichberg
afne 6.
&John, Hanufakturwaren
ORPHEDNE
und die
Heute folg. trage
Dienstag, 28. Dezbr.
Mittwoch, 29.
Donnerstag, 30. 1915.
(Silvester geschlossen)
Das von Anfang bis Ende
hoch-
interessante und hervorragende
Weihnachts-Programm
Frmäsnister
Vorrer-
kauf: Verkehrsbüro,
so-
wie Hugo de Waal.
Rhein-
strasse 14, W. Pfeil Nachf.
Elisabethenstr. 5, D.
Num-
rich, Mühlstr. 76, O. Titze
(Hutmagazin)
Elisabethen-
strasse 4, Konrad Koch,
Marktplatz 3.
(17679
Militär i. d. Woche 40 Pfg.
Neujahrstag
(vom 1.—9. Januar)
Neuer Spielplän.
n
Srlledter
Rheinstr. 6 Teleph. 173
Ab heute:
Auferstehung
Vvon Felix Salten.
Hervorragendes Lebensbild
in 3 Akten.
In der Hauptrolle
Waldemar Psylander
sowie Frl. Ebba Thomsen,
Frl. Eise Fröhlich
und Carl Alstrup.
Ein Liebesopfer
Nord, Kunstfilm in 3 Akten.
In der Hauptrolle die große
Filmtragödin
Betty Nansen.
Ein Steildichein
Lustspiel in einem Akt.
Die neuesten Bilder
d. Kriegsschauplatzes
usw. (*11087
Neujahrs-Karten
von
in riesenhafter Auswahl .
Pfennig
an
Beste Bezugsquelle
für Wiederverkäufer!
Rum-, Rotwein-, Arrak-, Orangen- etc. Punsch-Essenzen
Qualitäts-Marke
Qualitchts-Marie
Flasche 2.95 ℳ ½ Flasche 1.75
Weingläser
von 12 ₰ an
Teegläser mit Nickel-Einsatz
95 ₰
von 10 ₰ an
Sektbecher
von 10 ₰ an
Likörgläser
Likör-Service . . . . von 95 ₰ an
FQualitäts-
Kognak-Verschnitt 4Marke )
¼ Flasche 2.45 ½ Flasche 1.35
Wein-Bowien
3.55
mit 10 Gläsern, Goldrand-Dekor
Rippe 7₰
Block-Schokolade
Tafel-Schokolade (Qualitäts-Marke) 60, 35 ₰
Extra-Bitter-Schokolade, 5 Tafel-
Packung 1.50
3 Stück 20 ₰
Lebkuchen
3 Stück 20 ₰
Backpulver
Ia Bohnenkaffee
nur so lange Vorrat . . ½ Pfund 88 ₰
Apfelsinen
von 7—15 Pfg. per Stück
3. Stück 20 Pfg.
Zitronen
Stück 6—10 Pfg.
Kiſte, 300 Stück, 17— 18 Mk.
Kranzfeigen
beſte Qualität, per Pfd. 89 Pfg
Edelkastanien
Pfd. 40 Pfg. (17671im
braune Matäpfel u. Kochäpfel
Brüsseler Cicorde billigſt
Großverkauf
Georg Crößmann, Saalbaustr. 27.
Gr. Sendung.
Achtung: eingetroffen:
Ia Limburgerkäse im Stein 86 Pf.,
Ia Stangen- u. Romadurkäse,
Schloss-
käschen, Bauernhandkäse 10 St. 85
u. 75 Pf., Sauerkr. Pfd. 12 Pf.,
Haus-
mach. Nud. Pfd. 60 Pf. Mollerſtr. 36. (*
Speisezwiebeln
d. Sack 15 Mk. ab Lag. ohne Sack.
Carl manck nacht.,
Wendelſtadt=
ſtraße 40. Teleph. 163. (17553a
Lichter, 15 cm lang, od.
200 96 Stck. wohlriechende
Gesichtsseſfe, od. 100 Lichter
und 48 Stück Seife, wie
ange-
geben, versendet franko
Nach-
nahme zu 13.85 Mark
*11088) Fr. Haase, Dessau.
Schwarz. Damenmantel, Gr. 48, faſt
neu, z. verk. Hügelſtr. 18, I. (*11051
Heyia-Sohn, Hannfakturngren(5709a
Schirmfabrik
F. W. Schlüter, Kirchſtr. 27
empfiehlt
Regenſchirme
für Damen, Herren und Kinder
in allen Preislagen. (9769a
zummiumhang zu verkaufen
Kiesſtr. 129, III. (*11078
Großh. Hoftheater.
Dienstag, den 28. Dezember 1915.
Außer Abonnement.
Dritte u. letzte Weihnachts=
Kinder=
vorſtellung zu
Volksvorſtellungs=
preiſen.
Rothkäppchen.
Dramatiſiertes Märchen v. L. Tieck,
zur Darſtellung eingerichtet von
Feodor Wehl.
Spielleiter: Heinrich Hacker.
Muſikal. Leiter: Adolf Feſt.
Perſonen:
Das Märchen
(Prolog) . . . Käthe Meißner
Die Großmutter . Fritzi Niedt
Rothkäppchen, ihre
Enkelin . . . . Käthe Gothe
Der Jäger
Frz. Schneider
Hanne,
Rothkäpp=
chens Geſpielin . Frieda Herbach
Ein alter Bauer . Johs. Heinz
Peter, e. ig. Bauer Emil Kroczak
Deſſen Braut . . Irene Senger
Der Hund . . . Hertha Hinken
Der Wolf . . . Kt. Weſtermann
Hierauf:
Sneewittchen u. die Zwerge.
Eine Komödie für Kinder in fünf
Bildern. Nach einem Märchen
bearbeitet von C. A. Görner.
Spielleiter: Heinrich Hacker.
Muſikal. Leiter: Adolf Feſt.
1. Bild: Der Zauberſpiegel.
2. Bild: Bei den 7 Zwergen.
3. Bild: Die falſche Krämerin.
4. Bild: Die böſe Obſthändlerin.
5. Bild: Sneewittchens Erlöſung
und Brautfahrt.
Im 1. Bild: Feentanz, einſtud.
von Hedwig Ehrle, ausgef. von
Luiſe Rehr und den Damen des
Balletts.
Nach „Rothkäppchen” und dem
2. Bilde von „Sneewittchen”
fin=
den längere Pauſen ſtatt.
Preiſe der Plätze: Sperrſitz:
1—12. Reihe 1.65 ℳ, 13.—19.
Reihe 1.15 ℳ, Parterre 1.15 ℳ,
Proſzeniumsloge 1.85 ℳ,
Mittel=
loge 1.85 ℳ, Balkonloge 1.85 ℳ,
I. Rang 1.85 ℳ, II. Rang 1.15 ℳ,
I. Galerie 0.55 ℳ, II. Galerie 0.45 ℳ.
Anf. 5½ U. — Ende gegen 9 U.
Vorverkauf (nur vormittags) für
die Vorſtelungen:
Mittwoch, 29. Dez. 77. Ab.=Vſt.
B 20. Zum 25. Male am
Hof=
theater: „Hoffmanns
Er=
zählungen”. Kleine Preiſe.
Anfanz 7 Uhr.
Donnerstag, 30. Dez. 78. Ab.=Vſt.
C 20. Zum 50. Male am
Hof=
theater: „Ein
Sommernachts=
traum”. Kl. Pr. Anf. 7 Uhr.
Freitag, 31. Dez. Außer Ab.
Silveſter=Vorſtellung zu
Abonnements=Preiſen: „ Mein
Leopol d’(mit Geſangseinlagen).
Anfang 6 Uhr.
Aus dem Spielplan.
Samstag, 1. Jan. 1916. 79. Ab.=
Vorſt. A. 20. „Die
Meiſter=
ſinger von Nürnberg.”
Ge=
wöhnl. Preiſe. Anfang 6 Uhr.
Am 29. Dezember, abends 8 Uhr, findet
zum Besten des Roten Kreuzes
im Kaisersaal Grafenstr., ein Unterhaltungsabend
bestehend aus
Konzert, Gesang, Vorträgen und Tanzaufführungen
statt, unter Leitung von Frau Johanna Georg-Merz. Ihre
güt. Mitwirkung haben zugesagt: Frau Hofopernsängerin
Beling-Schäfer nebst Fräulein Tochter, Herr
Operetten-
tenor Hohmann, sowie die Kapelle des Ers.-Bat.
L.-Inf.-Regts. 115.
Eintrittskarten: Sperrsitz, numeriert, Mk. 2.— Saal, numeriert,
Mk. 1.50, unnumeriert, Mk. 1.— sind vom 28. Dezember ab im
Verkehrs-
bureau, in der Musikalienhandlung Schutter, Elisabethenstrasse.
und abends an der Kasse zu haben.
(17550di
Die Galerie bleibt den Verwundeten vorbehalten.
Mleizger-Innung Darmstadt.
Unſerer werten Kundſchaft
zur gefälligen Kenntisnahme, daß wir auch in dieſem Jahre von
der Hergabe von Neujahrstrinkgeldern Abſtand nehmen müſſen,
da ſich die für unſeren vorjährigen Beſchluß maßgebenden
Ver=
hältniſſe eher noch verſchärft haben.
Doch haben wir, wie im vergangenen Jahre, eine
Samm=
lung für die ſtädtiſche Kriegsfürſorge unter unſeren Mitgliedern
veranſtaltet, um unſer Verſtändnis für die Anforderungen der
Allgemeinheit an den Opfermut des Einzelnen zu zeigen.
Darmſtadt, den 28. Dezember 1915.
(17660
Der Vorſtand der Metzger=Jnnung Darmſtadt.
C. Lautz.
Privat-Handelsschule
Leiter: Oskar Dierker.
Gegr. 1892.
Am 4. Januar Beginn der neuen
Tages- und Abendkurse.
Dauer 4, 6 und 12 Monate.
Einzelfächer können täglich begonnen werden.
Anmeldungen rechtzeitig erbeten. 17405a
esldehz
Mheater
Heute zum letztenmal:
Ullerlock Hohlles
in dem großen Detektivroman
3 Akten
DerHund von
Haskeromie.
Morgen:
Tolst.=
Nordischer Kunstfilm
in 5 Akten
Das Glück tötet.