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178. Jahrgang
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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dieustags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Der Krieg.
Von den Kriegsſchauplätzen. — Neues aus belgiſchen Archiven. — Der italieniſche Krieg. — Der ſiegreiche Kampf gegen
den Lebensmittelwucher. — Das betrogene Belgien. — Aus der Lügenchronik unſerer Gegner.
Von den Kriegsſchauplätzen.
* Großes Hauptquartier, 29. Inli.
(W. T. B. Amtlich).
Weſtlicher Kriegsſchauplatz.
In Flandern ſchoß unſere Artillerie einen
auf dem Furnes=Kanal liegenden Prahm in
den Grund, auf dem ein ſchweres
Schiffs=
geſchütz eingebaut war.
Weſtlich von Souchez wurde ein
franzö=
ſiſcher Angriff abgewieſen.
Bei Givenchy, in den Argonnen und bei
Vauquois ſprengten wir mit Erfolg Minen.
Franzöſiſche Sprengungen in der Champagne
verliefen ergebnislos.
Oeſtlicher Kriegsſchauplatz.
Nördlich des Njemen iſt die Lage
unver=
ändert.
Nordöſtlich von Suwalki, beiderſeits der
nach Olita führenden Bahn, beſetzten unſere
Truppen einen Teil der feindlichen Stellungen.
Sie machten dabei 2910 Gefangene und
erbeuteten zwei Maſchinengewehre.
Geſtern und in der Nacht zu heute
wieder=
holten die Ruſſen ihre Angriffe gegen unſere
Front ſüdlich des Narew und ſüdlich von
Naſielsk. Alle Vorſtöße ſcheiterten unter
ſchweren feindlichen Verluſten.
Weſtlich von Nowogeorgiewsk, auf dem
Südufer der Weichſel, nahm eine halbe deutſche
Kompagnie bei einem Ueberfall 128 Ruſſen
gefangen.
In der Gegend ſüdweſtlich von Gora=
Kalwarja verſuchten die Ruſſen in der Nacht
vom 27, zum 28. Juli nach Weſten
vorzu=
dringen. Sie wurden geſtern angegriffen und
zurückgeworfen.
Südöſtlicher Kriegsſchauplatz.
Die Lage bei den deutſchen Truppen iſt im
allgemeinen unverändert.
Oberſte Heeresleitung.
* Bern, 29. Juli. Stegemann weiſt im Berner
Bund darauf hin, daß die ruſſiſche Heere
sleit=
ung, indem ſie alles Entbehrliche gegen Mackenſens
und Erzherzog Ferdinands Druck an der
Süd=
front der polniſchen Zentralſtellung warf, zwar die
Fort=
ſchritte der Verbündeten verlangſamt, die ſtrategiſche
Ge=
ſamtlage aber eher verſchlimmert als verbeſſert habe. Er
betont die rieſige Ausdehnung der ruſſiſchen
Umklamme=
rung und ſagt: Wenn die Armee des Generals Below
ſtark genug iſt, die rieſenhafte ſtrategiſche Umgehung
vor=
zunehmen, ohne ſelbſt umfaßt zu werden, ſo erleben wir
das gewaltigſte aller Kriegsmanöver, das
je in Angriff genommen worden iſt. Die Waldgebiete
von Bielowice und die Rokitnoſümpfe würden
angeſichts des die Verbindung mit Petersburg
beherr=
ſchenden Gegners zur Todesfalle werden. Wir werden
ſehen, ob die ruſſiſche Heeresleitung ſich verſteift, im Netz
zu bleiben, oder ob ſie bis Breſt=Litowsk oder noch
weiter oſtwärts ausweichen und die Buglinie als Front
wählen wird. Auch dieſe Front iſt indeſſen bereits
um=
gangen und bedroht, wenn Below nicht zurückgeworfen
wird. Atembeklemmend muß das Schauſpiel für die
franzöſiſche und engliſche Heeresleitung ſein, die dieſes
gigantiſche Ringen aus der Ferne verfolgen, ohnmächtig,
zu helfen und gezwungen, ſich auf Teilangriffe zu
ver=
legen, die vielleicht eine Vogeſenkuppe, einen
Minentrich=
ter in den Argonnen oder einen flandriſchen
Schützen=
graben in ihre Hand bringen, aber das Geſchick der
ruſſi=
ſchen Armee nicht zu wenden vermögen, Rußland muß ſich
aus eigenen Kräften helfen. Bewahrte man in Berlin
am Ende doch das Vermächtnis des „Mannes von
Se=
dan” gut, von dem General Schlieffen als
Vorbe=
reiter in der Führung von Millionenheeren bei ſeinem
Rücktritt als Generalſtabschef ſprach. Als ſich
Hinden=
burg bei Tannenberg ſchlug, wieſen wir erſtmalig auf
Schlieffen hin. Dieſe größte Vernichtungsſchlacht im
Felde liegt heute ſchon weit zurück. Wird ſie wiederholt
oder überholt werden?
* Wien, 28. Juli. Aus dem K. K.
Kriegs=
preſſequartie r, 28. Juli, wird dem Berl. Lokalanz.
geſchrieben:
Die engliſche und die franzöſiſche Preſſe ſieht ſchon im
Geiſte die ruſiſchen Verbindungen mit dem Landesinnern
durch die Operationen der Deutſchen und Oeſterreicher
abgeſchnitten. So ſchmeichelhaft dieſe Befürchtungen für
uns ſind, ſo einfach iſt es nicht, der ruſſiſchen Armee den
Rückzug gänzlich abzuſchneiden. Der polniſche
Zentral=
raum und das ihm gleichartig vorgelagerte
Manöver=
gelände, ſoweit es derzeit noch in den Händen des
Fein=
des iſt, hat nämlich die Eigenſchaft, ſeine Baſis
tatſäch=
lich im Oſten zu haben. Die Verbindungen des Feindes
mit Rußland ſind räumlich beträchtlich. Allerdings kommt
dem Einbruche ſtarker deutſcher Kräfte bis tief nach
Litauen hinein die größte Bedeutung zu. Während
badurch die ruſſiſchen Verbindungen empfindlich bedroht
werden, verſetzen die über den Narew von Norden
gegen Süden vorſtoßenden Kolonnen der Armeen von
Gallwitz und von Scholz den Feind in unmittelbare
Ge=
fahr. Die verbündeten Truppen der Südfront wieder
drohen von der entgegengeſetzten Seite. Sie bedrohen
den hochwichtigen Verkehrsknotenpunkt Breſt=Litowsk
und verſchließen die Verbindungen Südrußlands. Dabei
ſind die Verbindungen der Verbündeten gänzlich
un=
empfindlich, weil der aus einer Zentralſtellung
vor=
ſtoßende Feind unſere Truppen höchſtens auf ihre
eige=
nen Etappen=Linien zurückſtoßen könnte. Die große
Offenſive der deutſchen und der öſterreichiſchungariſchen
Heere ſtellt eine ſtrategiſche Leiſtung dar, deren
groß=
zügiger Entwurf verdiente, von gleich großem Erfolge
gekrönt zu werden.
Der Seekrieg.
Verſenkte Schiffe.
* London, 28. Juli. (Meldung des Reuterſchen
Bureaus.) Der däniſche Dampfer „Elſa” hat in
Tynmouth die Beſatzung der norwegiſchen Bark „G. P.
Harbitz” gelandet, die am Sonntag von einem
deut=
ſchen Unterſeeboot in Brand geſteckt worden war.
* London, 28. Juli. (Meldung des Reuterſchen
Bureaus.) In Grimsby landete heute die Beſatzung der
norwegiſchen Bark „Sangedalen”, die von einem
deutſchen Unterſeeboot am Montag in Brand geſteckt
worden war. Die Beſatzung erhielt 10 Minuten Zeit,
um das Schiff zu verlaſſen und wurde dann von dem
ſchwediſchen Dampfer „Loke” aufgenommen.
* London, 28. Juli. Das Reuterſche Bureau
mel=
det aus Loweſtoft: Das Fiſcherfahrzeug „
Weſtward=
ho” iſt in der Nordſee von einem Ueterſeeboote
torpe=
diert worden. Die Beſatzung landete in Loweſtoft.
* London, 28. Juli. (Meldung des Reuterſchen
Bureaus.) Ein deutſches Unterſeeboot verſenkte am
Montag in der Nordſee den ſchwediſchen Dampfer
„Emma” und die däniſchen Schoner „Maria”, „
Nep=
tunus” und „Lena‟ Die Beſatzungen ſind heute in
Blyth gelandet. (Die Schiffe werden Bannware an Bord
gehabt haben.)
Der Krieg im Orient.
Die verwandelte Türkei.
Berlin, 28. Juli. Ein Bukareſter Brief des
Odeſſaer Liſtok vom 13. Juli ſchildert Konſtantinopel:
Die ſonſt ſelbſt während der furchtbaren Zeiten des
Bal=
kankrieges gleichgültige und ſchläfrige Stadt iſt nicht nur
ein Heerlager in ewiger Bewegung, ſondern eine einzige
Werkſtatt. Ueberall pocht das Leben. Wer nicht
einge=
zogen iſt, wird als Arbeiter für Waffenfabriken
einge=
tragen und herangeholt. Auch Schipperbataillone hat man
gebildet. Den Handwerkern ſind ihre Werkzeuge
weg=
genommen worden, und ſie müſſen jetzt unermüdlich für
Heeresbedarf arbeiten. Jedem Haus iſt die Herſtellung
einer beſtimmten Menge Verbandzeug auferlegt. Die
Türken ſind nicht wiederzuerkennen, ſie, die
ſonſt alles der Gnade Mohammeds überließen, hängen jetzt
von Goltz ab, und der ſei weniger bequem als der
Pro=
phet. Alles ſei einheitlich organiſiert, und die Kraft der
Soldaten werde voll für rein militäriſche Zwecke
auf=
geſpart.
* Berlin, 29. Juli. Aus Athen meldet die Voſſ.
Ztg., daß in der vergangenen Woche die beiden Dampfer
„Aquitania” und „Mauretania” mit
Trup=
pen in Mudros angekommen ſind. Die
Trup=
penſendungen werden fortgeſetzt. Auch der
Ueberdread=
nought „Lion” iſt in Mudros angekommen. Er wird
in den nächſten Tagen nach der Bucht von Saros fahren.
Im Vorhafen von Mudros liegt der „Agamemnon” mit
vier bis fünf Riſſen im Bug; auch fehlt ihm ein
Schorn=
ſtein.
Neues aus belgiſchen Archiven.
* Berlin, 29. Juli. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung beginnt heute in einer Sonderbeilage mit der
Ver=
öffentlichung von den in Brüſſel vorgefundenen
Berichten der belgiſchen Vertreter in
Berlin, Londonund Paris an den Miniſter des
Aeußern in Brüſſel aus den Jahren 1905 bis 1914.
Unter der Ueberſchrift: „Aus belgiſchen Archiven”
bemerkt die Norddeutſche Allgemeine Zeitung hierzu:
Die Archive der belgiſchen Regierung förderten bereits
verſchiedene Dokumente von geſchichtlicher Bedeutung
zu=
tage. Erneute Nachforſchungen führten zum Auffinden
weiteren wertvollen Materials, nämlich die Berichte der
belgiſchen Geſandten im Auslande an die belgiſche
Re=
gierung. Die Inſtruktionen an die Geſandten wurden
nicht aufgefunden. Die belgiſche Regierung ſcheint ſie mit
ſich fortgeführt zu haben, ebenſo wie die auf die belgiſche
Neutralität bezüglichen Faſzikel. Die aufgefundenen
ge=
ſandtſchaftlichen Berichte bieten ein ungewöhnliches
In=
tereſſe als Quelkenmaterial für die
Vorge=
ſchichte des Krieges. Ihre Bedeutung liegt darin,
daß ſie geſchrieben ſind von den Vertretern eines Staates,
der an der großen Weltpolitik nur mittelbar und
ſozu=
ſagen nur als Zuſchauer beteiligt war. Die Berichte können
daher Anſpruch erheben, als eine objektive diplomatiſche
Darſtelung der internationalen Politik vor
dem Ausbruch des Krieges zu gelten. Zieht man
die Sympathien des ganz dem franzöſiſchen Einfluß
ver=
ſallenen belgiſchen Volkes für die Weſtmächte in Betracht
und die Sympathien, die ihren Ausdruck fanden in der
feind=
ſeligen Haltung, welche die geſamte belgiſche Preſſe
Deutſch=
land gegenüber ſtets eingenommen hat, ſo iſt es um ſo
be=
merkenswerter, daß die Berichterſtattung der belgiſchen
Geſandten Anklagematerial gegen die
Poli=
tik der Ententemächte enthält, wie es
vernichten=
der kaum gedacht werden kann. Wir werden fortlaufend
zunächſt eine Anzahl von Berichten der belgiſchen
Ge=
ſandten in Berlin, London und Paris aus den Jahren
1905 bis 1914 veröffentlichen, in welchen in der denkbar
prägnanteſten Form hervortritt, daß es die 1904 von
Eng=
land eingeleitete, gegen Deutſchland gerichtete Entente=
Politik war, welche tiefe Spaltungen in Europa
hervor=
rief und ſchließlich zum gegenwärtigen Kriege führte.
Die engliſche Re gierung als Triebfeder und
König Eduard VII. als Bannerträger der auf die
Iſolierung Deutſchlands gerichteten
Beſtre=
bungen der Entente bilden ein immer wiederkehrendes
Thema der Berichte. Mit großem Scharfblick erkannten die
Geſandten ſchon ſehr früh, wie durch den Dreibund
der während Jahrzehnten geſicherte Weltfriede durch
die politiſchen Beſtrebungen der Entente gefährdet wurde.
Daß der engliſchen Feindſeligkeit gegen Deutſchland
ledig=
lich die Eiferſucht Englands auf die Entwicklung
Deutſch=
lands in induſtrieller und kommerzieller Hinſicht, ſowie
auf das Erblühen der deutſchen Handelsflotte zugrunde
lag findet in den Urteilen der belgiſchen Geſandten volle
Beſtätigung. Die engliſche Ueberhebung, die Anſprüche
Englands auf die Monopoliſierung des Welthandels wie
die Beherrſchung der Meere und das Treiben der engliſchen
Hetzpreſſe werden gebührend gekennzeichnet. Die
Unauf=
richtigkeit der franzöſiſchen Marokkopolitik und die
fortgeſetzten Vertragsbrüche, die ſich Frankreich
mit Unterſtſtützung Englands in Marokko
zu=
ſchulden kommen ließ, werden feſtgeſtellt. Aurf das
be=
drohliche Anwachſen des franzöſiſchen Chauvinismus und
das Wiederaufleben der deutſch=franzöſiſchen Gegenſätze
als ein Ergebnis der Entente mit England wird
hinge=
wieſen. Umgekehrt finden die Friedensliebe des
deutſchen Kaiſers, die friedlichen Tendenzen der
deutſchen Politik und die große Langmut
Deutſch=
lands den Provokationen Englands und Frankreichs
ge=
genüber volle Anerkennung. Herr Poincaré betonte
un=
längſt in einer Rede den friedlichen Geiſt Frankreichs und
der franzöſiſchen Politik vor dem Kriege und bemühte ſich
Deutſchland als den Friedensſtörer Europas hinzuſtellen
Wir haben uns bereits mit den Behauptungen des Herrn
Poincaré beſchäftigt, können aber unſere früheren
Ausfüh=
rungen nunmehr durch das Urteil des Vertreters des mit
Frankreich verbündeten Belgiens in Paris ergänzen, der
wohl den Anſpruch erheben darf, als unparteiiſcher
Be=
obachter zu gelten.
Am 16. Januar 1914 erſtattete der Geſandte Baron
Guillaume ſeiner Regierung einen Bericht, in dem ſich
folgende Stelle befindet: „T'ai déjà eu lHonneur de vous
dire que ce sont M. M. Poincaré, Delcassé, Millerand et
leurs amis qui ont inventé et poursuivi la politique
na-
tionaliste, cocardiére et Chauvine dont nous avons
con-
staté la renaissance. Cest un danger pour 1Europe et
1a Beligique. (Ich hatte ſchon die Ehre, Ihnen zu berichten,
daß es die Herren Poincaré, Millerand und ihre Freunde
geweſen ſind, die die nationaliſtiſche, militäriſche und
chau=
viniſtiſche Politik erfunden und befolgt haben, deren
Wie=
dererſtehen wir feſtgeſtellt haben. Sie bildet eine Gefahr
für Europa und für Belgien.) Es iſt, als ob Guillaume die
Ereigniſſe vorausahnte, die nur ein halbes Jahr ſpäter
eintraten und in ſo verhängnisvoller Weiſe in die
Ge=
ſchicke Belgiens eingegriffen haben.
Die heutige Sonderbeilage enthält eine Reihe von
Be=
richten aus dem Jahre 1905. Das Jahr 1905 war das
Jahr der ruſſiſchen Revolution, des ruſſiſch=japaniſchen
Krieges und der marokkaniſchen Kriſis, die durch die
Abenteurerpolitik Delcaſſés hervorgerufen
wurde. Es ſtand in allen Fragen der großen Politik
un=
ter der Nachwirkung des engliſch=franzöſiſchen Vertrages
vom 8. April 1904, der zu der ſogennannten Entente
cor=
diale Englands und Frankreichs führte. Es war das
Jahr des zweiten engliſch=japaniſchen Bündniſſes, das wie
die Entente von dem kurz vor Jahresfriſt zurücktretenden
Miniſterium Balfour=Lansdowne unterzeichnet
war, dem das liberale Kabinett Campbell=Banner
mann=Grey folgte. Die auswärtige Politik beider
Kabinette war die von König Eduard VII. und ging darauf
aus nach der Vernichtung der ruſſiſchen Flotte durch das
verbündete Japan unter Ausnutzung der
franzöſiſch=
ruſſiſchen Allianz eine Brücke zu einer ruſſiſch=engliſchen
Verſtändigung zu ſchlagen. Das kaum verſchleierte Ziel
war, eine große antideutſche Kombination zu ſchaffen, ein
Werkzeug, das, wenn Tag und Stunde günſtig war, zur
Vernichtung der aufſtrebenden Kraft Deutſchlands dienen
ſollte. Parallel ging dieſen Anſchlägen die Tätigkeit der
deutſchfeindlichen Preſſe, die ihren Mittelpunkt in London
hatte und bemüht war, die gegen Deutſchland gerichtete
Tendenz zur herrſchenden in der öffentlichen Meinung
Englands zu machen. Sie fand ein Echo in Frankreich
und bald auch in Rußland und verſtand in der Folgezeit
alle Schachzüge der gegen uns gerichteten Politik des
eng=
liſchen Kabinetts erſt einzuleiten und dann als nationale
Notwendigkeiten zu rechtfertigen. Die Befürchtungen,
welche dieſe Wühlpolitik Englands hervorrufen müßte,
wurden von den Vertretern Belgiens rechtzeitig erkannt
und mit Sorge verfolgt. Graf Lalaing, der belgiſche
Geſandte in London, Baron Greindl, der
ausgezeich=
nete Vertreter Belgiens in Berlin und Herr A. Leghait,
der den Brüſſeler Hof in Paris vertrat, wieſen mit gleicher
Aufmerkſamkeit auf die Gefahren der ſich vorbereitenden
Entwicklung in ihren Berichten hin. Am 7. Februar
ſpricht ſich Lalaing dahin aus, daß die Feindſeligkeit
Eng=
lands auf Neid und Furcht vor den
Zukunftsmöglich=
keiten zurückzuführen ſei und daß die Agitation der Preſſe
und die drohende Rede des Admirals Lee an das engliſche
Publikum zu der chauviniſtiſchen Vorſtellung führte, daß
Deutſchland überhaupt kein Recht habe, ſeine Flotte zu
vermehren.
Wenige Tage danach gibt Greindl dieſen Gedanken
noch ſchärferen Ausdruck und weiſt auf den rein
defen=
ſiven Charakter der deutſchen Kriegsmarine hin. Die
wahre Urſache des Haſſes der Engländer gegen
Deutſch=
land ſei die Eiferſucht, welche die außerordentliche
Ent=
wickelung der deutſchen Handelsflotte und des Handels
und der Induſtrie Deutſchlands hervorgerufen haben. Ein
weſentliches Motiv zu der Entente mit Frankreich ſei für
England der Wunſch geweſen, freie Hand gegen
Deutſch=
land zu haben. Im April und Mai, als das Eintreffen
Kaiſer Wilhelms in Tanger und der
darauffol=
gende Sturz Delcaſſés in England einen wahren
Sturm der Entrüſtung hervorrief, zeigen uns die
bel=
giſchen Berichte volles Verſtändnis für die Haltung
Deutſchlands in der Marokkofrage. Herr Leghait
macht auf den demonſtrativen Charakter der Reiſe
auf=
merkſam, die gleich nach Delcaſſés Sturz den König
Edu=
ard VII. nach Paris führte. Die Intrigen, die dahin
gingen, den Zuſammentritt der Konferenz zu verhindern,
treten dabei recht plötzlich zutage und führen Leghait zu
dem charakteriſtiſchen Schluß, daß man wohl verſucht ſein
könne, der wohlwollenden Politik, die England Frankreich
gegenüber befolge, macchiavelliſtiſche Abſichten
zuzuſchrer=
ben. Leghait ſpricht dies in einer ſpäteren Depeſche ganz
direkt aus, daß es die Schuld Delcaſſés war, daß er ſich
einbildete, über das Schickſal Marokkos beſtimmen zu
können, ohne mit den Intereſſen Deutſchlands zu rechnen.
Auch Graf d’Urſel, der im Juli und Auguſt Greindl in
Berlin vertrat, weiſt auf die Feindſeligkeit der engliſchen
Politik hin. England laſſe keine Gelegenheit
vorüber=
gehen, um Deutſchland Schwierigkeiten zu bereiten. So
habe es während des Aufſtandes in Südweſtafrika die
Hereros als kriegführende Macht anerkannt und dem Cap
verboten, uns Proviant und Munition zuzuführen.
Greindl verfolgt mit Sorge die Kampagne der
eng=
liſchen Preſſe und der engliſchen Finanz, um Rußland
gegen Deutſchland zu gewinnen und ſieht eine
Kombina=
tion entſtehen, die ihm gefährlich ſcheint. Der von
Deutſch=
land geführte Dreibund gab uns dreißig Jahre des
euro=
päiſchen Friedens, jetzt iſt er durch den Zuſtand der
Zer=
ſetzung geſchwächt, in dem ſich Oeſterreich=Ungarn befinder.
Die neue Tripel=Entente, Frankreich, England und
Ruß=
land wird den Dreibund nicht erſetzen, ſondern vielmehr
die Urſache ſteter Beunruhigung ſein. Unmöglich ſei der
Anſchluß Rußlands an England nicht. Die Entente ſei
noch unwahrſcheinlicher geweſen, aber Rußland haſſe
Deutſchland als Nachbarn, deſſen Ziviliſation der
bar=
bariſche Stolz der Ruſſen als Demütigung empfinde. Der
jetzige Krieg bildet die glänzendſte Widerlegung des
Ur=
teils, das Greindl hier über den Zuſtand der Zerſetzung
unſeres öſterreichiſch=ungariſchen Bundesgenoſſen fällte.
Er verfiel demſelben ſchweren Irrtum, mit dem auch
un=
ſere Gegner in den Krieg gegangen ſind. Im Oktober
wirft er die Frage auf, ob wohl die Leute, die ſich in
Eng=
land ſtellten, als fürchteten ſie eine deutſche Invaſion
die doch unmöglich ſei — aufrichtig ſeien und ſeine
Befürch=
tung iſt, daß ſie den Konflikt herbeizuführen ſuchen, um
die Kriegs= und Handelsflotte und damit den ganzen
aus=
wärtigen Handel Deutſchlands zu vernichten. Das würde
ſchreibt er, den Ueberlieferungen der engliſchen Politik
durchaus entſprechen. Die letzte Greindlſche Depeſche
läuft in die Frage aus: Ich frage mich, wann
Deutſch=
land die engliſche Politik durchkreuzte. Sollten es die
Er=
nnerungen an des Kaiſers Krüger=Telegramm nach der
Gefangennahme von Jameſon und ſeinen Kumpanen
ge=
weſen ſein? Aber das iſt lange her. Auch ſollte man in
London nicht vergeſſen, daß es ſich um eine Räuberbande
handelte, die zwar unter der Hand von der engliſchen
Re=
gierung organiſiert, aber von dem offiziellen England
ver=
leugnet wurde.
Das ſind bittere Wahrheiten, die durch den Mund
die=
ſer gewiß unparteiiſchen Quellen England geſagt werden.
Das Fundament unſeres guten Rechtes und des Unrechtes
unſerer Gegner findet hier neue feſte Stützen.
Der italieniſche Krieg.
Mängel in der italieniſchen
Verwunderenpflege.
* Kenner der Verhältniſſe hegten gleich zu Anfang
des Eintritts Italiens in den Weltkrieg Zweifel, ob der
Verpflegungsdienſt etwa an ihn herantretenden größeren
Anforderungen genügen würde, vor allem im Hinblick
auf die völlige Unzulänglichkeit des
Pflegerinnenperſo=
nals. Da man an einen Spaziergang in die unerlöſten
Gefilde glaubte, ſchenkte man dieſen Mängeln keine
be=
ſondere Aufmerkſamkeit, bis ſie ſich jetzt, wo die
Verwun=
deten in gewaltiger Zahl aus der Front
ein=
treffen, aufs empfindlichſte fühlbar machen. Im Schoße
des Mailänder „Ausführenden Ausſchuſſes des
Zentral=
komitees für Kriegsbeiſtand” ſind dieſer Tage die
beklag=
ten Zuſtände zur Sprache gebracht worden, und man
bewilligte ſchleunigſt 20000 Lire (!), „damit aus der
Un=
zulänglichkeit der Verwundetenpflege nicht für die
Ver=
wundeten ſelbſt eine Gefahr erwachſe” wobei man aber
die grundſätzliche Erklärung abgab, daß es „Pflicht der
Regierung ſei, für die Verwundeten zu ſorgen, während
die private Liebestätigkeit nur als eine Ergänzung der
ſtaatlichen Fürſorge zu denken ſei”.
Die italieniſche Kriegsanleihe.
* (Zenſ. Bln.) Wie aus Lugano der Tägl. Rdſch.
gemeldet wird, berichtet der Luzerner Tagesanzeiger: Die
italieniſche Kriegsanleihe hat nach einer ſehr zuverläſſigen
Mitteilung aus ſchweizeriſchen Bankkreiſen genau 780
Millionen Lire gebracht. Die ſechs italieniſchen
Großbanken haben auf dringende Vorſtellungen Salandras
noch 300 Millionen Lire gezeichnet, ſodaß das
Geſamt=
ergebnis 1 Milliarde und 80 Millionen Lire beträgt. Von
dem erſten Betrag (780 Millionen) ſind gleichfalls rund
450 Millionen Bankzeichnungen, ſodaß die Beteiligung der
italieniſchen Privatkapitaliſten lächerlich gering iſt. Das
iſt eine patriotiſche Gleichgültigkeit, die zu ernſten
Schluß=
folgerungen über die Stimmung der Wohlhabenden in
Italien Veranlaſſung gibt.
Die Lage in Tripolis.
* (Zenſ. Bln.) Aus Lugano wird der Voſſ. Ztg.
gemeldet: Die ohnehin Beſorgnis erregende
Lage in Tripolis, ſchreibt das Giornale d’Italia,
ſcheint ſich noch mehr zu verdüſtern. Nach neuen
Briefen aus der Kolonie kann man auf verhängnisvolle
Ereigniſſe gefaßt ſein. In dem Artikel werden die
Gründe dieſer Lage unterſucht. Demnach habe die
be=
drohliche Lage ſich ſchon vor zwei Jahren gezeigt, und iſt
ſeitdem allmählich immer gefährlicher geworden. Alle
Beſatzungen aus dem Innern ſind zurückgezogen worden,
und dem neuen Generalſtatthalter, General Ameglio,
ſcheinen harte Kämpfe bevorzuſtehen. Drei Gründe
wer=
den für dieſe unglückliche Entwicklung angeführt: 1., daß
man die feierlichen, der einheimiſchen Bevölkerung
ge=
gebenen Verſprechungen nicht gehalten und ſie zum
Waf=
fendienſt gezwungen hatte; 2. habe im Juni 1914 eine
Beratung der Jungtürken mit Ketuan Bey, dem Sekretär
des Naib ul Sulſan, ſtattgefunden, in der beſchloſſen
wurde, die Senuſſi zu jenen Angriffen auf die
rückwärti=
gen Verbindungen der Kolonie Teſſan zu bewegen.
Da=
zu ſei der europäiſche Krieg und bald auch der Heilige
Krieg im Gebiet des Islam gekommen. Vor allem aber
habe man unklug gehandelt, die Kolonie ausgedehnt, ehe
das gewonnene Teil geſichert war. Ein viel zu raſch
ausgeführter Bau ſei zuſammengeſtürzt.
* Chiaſſo, 28. Juli. (Zenſ. Frift.) Die
Ita=
liener haben nun auch ſämtliche Garniſonen
an der Grenze von Tunis geräumt. Die
Be=
ſatzung von Nalut, die abziehen wollte, wurde von
Re=
bellen angegriffen und konnte nur mühſam Seibat in
Tunis erreichen. Nachdem Sinaum und Nanut
aufge=
geben waren, mußte auch die wichtige bekannte Oaſe
Ghadames geräumt werden. Auf einen Befehl
von Rom wird die Beſatzung gleichfalls auf das Gebiet
von Tunis zurückgezogen. Hier ſind ſtarke franzöſiſche
Kräfte zum Schutze der Italiener vor den verfolgenden
Aufſtändiſchen bereitgeſtellt. Vorausſichtlich werden die
Italiener von Tunis auf dem Seewege nach
Tripolita=
nien zurückkehren. (Frkf. Ztg.)
Eine abſichtliche unfreundliche Handlung.
* Unter dieſer Ueberſchrift ſchreibt das Organ des
Deutſchen Flotten=Vereins:
Als ſolche (nämlich als eine abſichtliche unfreundliche
Handlung) erſcheint die Note der Vereinigten Staaten in
der „Luſitania”=Frage, und daran ändert nicht das ge=
Auf den Schlachtfeldern
am Onjeſtr.
Gleichzeitig mit einem Trupp von 600 Gefangenen
— im ganzen hatte dieſes Korps allein an dieſem Tage
nur 3000 Gefangene gemacht — langten wir im
Stabs=
quartier unſeres Reſervekorps wieder an. Exzellenz ſelbſt
beſichtigte die Leute, die faſt durchweg einen guten
Ein=
druck machten und davon zeugten, daß die Ruſſen in den
Dnjeſtr=Kämpfen ihre beſten Truppen eingeſetzt hatten.
Dann ging es zu Tiſch. So mäßig die Unterkunft
war, ſo ausgezeichnet war die Verpflegung, die hier doch
ausſchließlich auf den eigenen Nachſchub angewieſen iſt.
Ueberall, bis zu den Mannſchaften in der vorderſten Linie
habe ich das gefunden; ein Beweis dafür, wie gut auch
in der kunſtvoll und vielgeſtaltig ſich aufbauenden
Maſchi=
nerie des Etappendienſtes trotz der größten
Schwierig=
keiten alles klappt.
Wenn man ſieht, mit welcher ſelbſtverſtändlichen Ruhe
der gewaltige Verkehr in den Etappenorten ſich vollzieht,
in wie muſterhafter Ordnung die oft Kilometer langen
Ko=
lonnen aneinander vorüberfahren — auf den ganzen 2400
Kilometern, die ich hinter den Fronten der Armeen
Macken=
ſen und Linſingen zurückgelegt habe, gab es auch nicht
ein einziges Mal eine Stockung —, wenn man die
Sicher=
heit beobachtet, mit der die zahlreichen Räder dieſes
Rie=
ſenbetriebes ineinandergreifen, weiß man, daß der Trick
von 1812, mit dem die Ruſſen jetzt, aus der Not eine
Tugend machend, ihren Rückzug zu pfeffern drohen, für
unſere Truppen keine Schrecken haben kann. Auch er wird
den Siegeszug unſerer Heere nicht aufzuhalten vermögen
In würdiger, echt deutſcher Weiſe wird der Erfolg des
Tages bei Tiſch gefeiert. Da war kein Ueberſchwang, kein
Phraſengeklingel. In ſchlichten, kernigen Worten die
er=
freulichen Errungenſchaften der heutigen Kämpfe
kennzeich=
nend, dankte der General ſeinen braven Truppen. Dann
klangen nach einem feurigen Hurra auf den Allerhöchſten
Kriegsherrn die Gläſer zuſammen.
Es war ſchon zehn Uhr vorüber, als wir uns erhoben.
Man hatte freundlicherweiſe ein Nachtquartier für uns in
einem Bauernhauſe des benachbarten Derfes ausfinbig
gemacht. Doch die Ausſicht, unſere Kenntniſſe von der
ruſſiſch=galiziſchen Inſektenwelt in beſonders ergiebigem
Maße bereichern zu müſſen, ließ uns die nächtliche
Heim=
fahrt trotz mancher Fährlichkeiten verlockender erſcheinen.
Freilich waren es an 120 Kilometer bis zu unſerem
Standquartier beim A. O. K., zum Teil auf ſchlechten
Feld=
wegen mit halbzerſtörten Brücken, und ein halbes Dutzend
Meilen weiter öſtlich ſtanden die Ruſſen immer noch
dies=
ſeits des Dnjeſtr. Aber der Mond ſchien ſo hell, und die
milde Nachtluft war ſo erfriſchend nach der Schwüle des
Tages. So kurbelten wir an.
Eine herrliche Fahrt die erſten zwei Stunden lang.
Leider ſollte die letzte Stunde noch eine traurige
Ueber=
raſchung bringen. In phantaſtiſchen Formen, von den
Strahlen des Mondes wie mit einer Aureole umrandet,
bauten ſich vor uns im Süden die Berggruppen der
Kar=
pathen auf. In den Bächen und Teichen glitzerte und
funkelte es. Märchenſtimmung, wenn der Donner der
Ka=
nonen nicht geweſen wäre, der von Nordoſten her faſt
un=
aufhörlich zu uns herüberdrang. Wir kommen durch eine
Ortſchaft. Doppelt krauſig recken ſich die kahlen
Schorn=
ſteine, die allein von den verbrannten Wohnſtätten übrig
geblieben ſind, in die bläuliche Nachtluft auf. Da —
zwi=
ſchen dem verkohlten Gebüſch Feuerſchein. Der Feind?
— Nein! eine Bäckereikolonne, die in der Nachtſchicht ihrer
Tätigkeit nachgeht. Nahe dabei eine Feldſchlächterei, die
eben erſt angekommen und beim Einrichten begriffen ſcheint.
Eine ganze Rindviehherde iſt in ihrem Gefolge. Sie
weidet auf einer endlos ſcheinenden Wieſe, und ab und zu
miſcht ſich das Gebrüll eines ihrer Tiere in den mählich
verhallenden Kanonendonner.
Weiter geht es. Links in einer Talſenkung raſtet eine
Kolonne. Die Mannſchaften ſchlafen unter den ſauber
ausgerichteten Fahrzeugen. Die Pferde angepflockt
da=
neben. Eine Zeltbahn um die Schultern, wandert der
Poſten auf und ab; denn es iſt kühl dort unten im
auf=
ſteigenden Nebel. Schweren Dienſt hat auch der Train.
Tag und Nacht auf der Landſtraße, tut er unermüdlich ſeine
wichtige Pflicht. Seine Tüchtigkeit iſt die Vorbedingung
für die Leiſtungsfähigkeit der fechtenden Truppe. Auch
auf dieſen Teil unſerer Heeresmacht dürfen wir ſtolz ſein.
Ein Wald ſteigt vor uns auf. Wir kennen ihn. Hier
hatten die Ruſſen einen ihrer Hauptſtützpunkte bei der
Ver=
tadieung der Etri=Iene. Noch ſtehen die Drahrhinder=
niſſe. Noch ſind die Erdwerke nicht eingeebnet, die, oft in
mehreren Reihen übereinander, zu einer furchtbaren
Feſt=
ung ſich anordnen. Noch furchtbarer als ſonſt iſt ihr
Ein=
druck in dieſer Mondesnacht. All dieſe ſchwärzlichen
Erd=
löcher beleben ſich. Schreckensvolle Bilder eines
grauſi=
gen Nahkampfes ſteigen vor uns auf. Nicht allzu ſchwer
wird es der Phantaſie gemacht. Noch ſchwebt jener
ab=
ſcheuliche ſüßliche Leichengeruch über dieſe Waldecke, der
überall da iſt, wo die Ruſſen größere Verluſte hatten,
Oft haben ſie ihre Toten nur ſo oberflächlich eingeſcharrt,
daß die Stiefelabſätze über den Boden aufragen. Doch
hier hat auch von den Unſerigen manch Tapferer ſein
Leben laſſen müſſen. Viele weiße Holzkreuze ſtehen au
dem ſtillen Soldaten=Friedhof dort unten zwiſchen den
hohen Tannen.
In ſtillem Gebet fahren wir vorüber. Der Nebel
wird dichter und dichter. Plötzlich lautes Rufen vor uns.
Wir verlangſamen. Die Geſtalt eines winkenden Mannes
löſt ſich aus dem Dunſt. Unſer Wagen hält. Was gibt
es? Aufgeregt ſchreiend berichtet der Mann. Aber er
ſchreit rutheniſch. Wir verſtehen ihn nicht. Erſt als er
uns die ſteile Böſchung hinabführt, ſehen wir, was
ge=
ſchehen iſt. Unten im Grunde liegt ein deutſches
Militär=
kraftfahrzeug, das ſich vollſtändig überſchlagen hat, in
Trümmern, und darunter zwei Feldgraue. Mit großek
Mühe werden ſie hervorgezogen. Der eine röchelt nur
noch, ſein Schädel iſt geſpalten. Der andere gewinnt die
Beſinnung wieder und berichtet, daß ſie
Sanitätsmann=
ſchaften zur Front befördert haben, und daß ſie bei der
Rückfahrt im Nebel den Weg verfehlten und abgeſtürzt
ſind. Sie beide ſind Landwehrleute, ihres Zeichens
Me=
chaniker aus Bremen.
Den Leichtverwundeten trugen wir in unſeren Wagen
Er ächzt und ſtöhnt und kann die Beine nicht bewegen.
Wir liefern ihn im Lazarett ab und erfahren nach einigen
Tagen, daß er außer Gefahr iſt und Hoffnung hat,
wie=
der ganz auf die Beine zu kommen. Dem anderen ſenden
wir einen Krankenwagen entgegen. Doch leider iſt bei ihm
alle Mühe vergebens. Drei Tage darauf ſenkte man ihn
in die Erde. Auch er ſtarb in Ausübung ſeiner Pflicht für
ſein Vaterland. Auch ſeiner wird man in ſeiner Heimat
gedenken als eines Helden.
Richard Schott, Sonderberichterſtatter.
ringſte der Vorderſatz, daß ſie gerade wegen des großen
Wertes erfolgt ſei, den die amerikaniſche Regierung auf
die lange und ununterbrochene Freundſchaft zwiſchen
un=
ſeren beiden Völkern lege. Selbſt, wenn die Vorgänge
nicht den gleichen Charakter zeigten, müßte der
überheb=
liche, belehrende und auf die ſchwere Lage Deutſchlands
nicht im mindeſten Rückſicht nehmende Ton und Inhalt
der Auslaſſung das größte Befremden erregen, iſt doch ſeit
Gründung des Reiches noch niemals in dieſer Weiſe mit
Deutſchland geſprochen worden. Aber ſeit nunmehr einem
Jahre haben die Vereinigten Staaten unſere Feinde in
einer Weiſe mit Waffen und Kriegsmaterial unterſtützt,
die einer tatſächlichen Teilnahme am Kriege hinter der
Maske der Neutralität gleichkam. Und dieſe
unfreund=
liche oder richtiger feindliche Haltung war um ſo
hervor=
ſtechender als gleichzeitig Englands Uebergriffe über die
Rechte der Neutralen, auch Amerikas, entweder überſehen
oder höchſtens mit milden Mahnungen gerügt wurden.
Wer wollte nach dieſem Vorgang noch an den guten
Willen der amerikaniſchen Regierung glauben?
Deutſchland hat wiederholt unter Hinweis auf die
Verhältniſſe dieſes Krieges dargetan, daß ihm zur
Be=
kämpfung ſeiner Gegner wie zur Abwehr der
bedeuten=
den Sendungen von Munition, Waffen und Bannware
kein anderes Mittel als der Unterſeebootskrieg zu Gebote
ſtehe. Um ſeinen guten Willen bis zur äußerſten Grenze
der Möglichkeit zu beweiſen, hat es in ſeiner letzten
Ant=
wortnote einen durchaus gangbaren Weg vorgeſchlagen,
auf dem das Leben der nach der alten Welt reiſenden
Amerikaner auch im Kriegsgebiete geſichert werden könnte
Und trotzdem verlangt das amerikaniſche Kabinett nichts
Geringeres, als daß der Unterſeebootkrieg eingeſtellt, die
Verſenkung der „Luſitania” mißbilligt und Schadenerſatz
für amerikaniſche Menſchenleben, die dabei umkamen,
ge=
leiſtet werde, obgleich mehrfach vor der Benutzung dieſes
mit Bannware beladenen und armierten Schiffes
ge=
warnt worden war. Es ſtellt den Grundſatz auf, daß
Amerikaner auch im Kriege nicht gefährdet werden
dürf=
ten. Mit dem gleichen Rechte könnte es beanſpruchen,
daß Cooks Reiſegeſellſchaften auf franzöſiſchen oder
ruſſi=
ſchen Kriegsſchauplätzen zugelaſſen würden und keiner
Gefahr ausgeſetzt werden dürften. Daß Kriegführende,
zumal die gegen eine Welt von Feinden ſich wehrenden
Zentralmächte, gleichfalls ein Recht beſitzen, das dem der
Neutralen mindeſtens gleich zu achten iſt, davon ſcheinen
die Verfaſſer der amerikaniſchen Note entweder keine leiſe
Ahnung zu beſitzen oder ſie in ihrer unneutralen
Geſin=
nung nicht zu Wort kommen zu laſſen. Die Antwort
unſerer Regierung, wenn ſie überhaupt eine ſolche für
angemeſſen findet, kann nicht zweifelhaft ſein, denn ſie hat
alles, was ſich darüber ſagen läßt, ſchon in ihrer letzten
Note klar und beſtimmt mitgeteilt. Und je deutlicher ſie
zum Ausdruck bringt, daß keine Drohung uns davon
ab=
bringen wird, von unſerem Recht der Notwehr
abzulaſ=
ſen, deſto gewiſſer darf ſie ſein, das ganze deutſche Volk
hinter ſich zu haben,
Der ſiegreiche Kampf
gegen den Lebensmittelwucher.
C Die neue Wirtſchaftsregelung des Bundesrats
wird von der Sozialen Praxis als ſiegreicher Kampf
gegen den Lebensmittelwucher gewürdigt. Namentlich
die Vorſchriften zur Verhütung übertriebener
Preis=
ſteigerungen bei dem Handel mit Gegenſtänden des
täglichen Bedarfes erſcheinen dem Organ der
Sozial=
reformer als eine bedeutende ſozialpolitiſche
Entſchlie=
ßung. Wenn auch alles von der Handhabung dieſer
Schutz= und Strafvorſchriften durch die unteren
Behör=
den und durch die Gerichte abhängen werde, ſo beweiſe
die Verordnung doch, daß die Reichsregierung den
Aus=
wüchſen der Kriegsernährungswirtſchaft zum Vorteil der
Verbraucher endlich entgegentreten wolle. Komme die
Verordnung auch ſpät, ſo doch nicht zu ſpät, um nicht
noch manches wieder gut zu machen. Es werde Sache
der Verbraucher=Ausſchüſſe in allen Bezirken ſein, auf die
tatkräftige Durchführung des Wucher=Erlaſſes durch die
Behörden zu dringen und ihnen mit den nötigen
Unter=
lagen an die Hand zu gehen. Einem großen Zucker=
wucherer im Rheinland habe der Kriegsausſchuß für
Konſumentenintereſſen ſchon vor dem Erlaß das
Hand=
werk gelegt, und einigen Butterſpekulanten ſei er ſcharf
auf den Ferſen. Die neue Bundesratsverordnung gebe
ihm viel bequemere und wirkſamere Waffen zur
Weiter=
verfolgung dieſer Notwehrkämpfe in die Hand, als ihm
bisher zur Verfügung ſtanden. Insbeſondere werde der
Kriegsausſchuß wohl ſein Augenmerk darauf richten, daß
Paragraph 5 der Bundesratsverordnung über die
Preis=
ſteigerungsabreden auch auf die ſachlich oft anfechtbaren
Beſchlüſſe von Standes= und Intereſſenvertretungen, wie
es zum Beiſpiel bei der Milchverteuerung geſchehe,
ent=
ſchloſſene Anwendung finde. Eine in dieſer Richtung
vom Dresdener Anzeiger gegebene Anregung, gegen die
Ringe und Kartelle auf dem Lebensmittelmarkte
unbe=
dingt vorzugehen, ſei vollauf berechtigt. Die
Bundes=
ratsbeſtimmungen über den Aushang von Preiſen
im Kleinhandel, die die Nachprüfung der Preiſe
an der letzten Stelle des Verteilungsgeſchäfts geſtatten
und den Käufer allgemein zu ſchärferer Aufmerkſamkeit
erziehen würden, ſuchten den techniſch=praktiſchen
Schwie=
rigkeiten der Preisauszeichnung für Waren mannigfacher
und wechſelnder Güte gerecht zu werden, ermöglichten
aber einer läſſigen oder einſeitig intereſſierten
Ortspolizei=
behörde das Gehen= und Geſchehenlaſſen. Daher müßten
auch hier die Verbraucherausſchüſſe und
Hausfrauenver=
eine hinterher ſein, um die Preisaushänge überall
durch=
zuſetzen. Eine ſofort wirkſame Schutzmaßnahme für die
minderbemittelten Maſſen bedeute die Feſtſetzung der
neuen Höchſtpreiſe für das Brotgetreide
Die drohende Gefahr einer Herauſſetzung dieſer
Höchſt=
preiſe ſei glücklich abgewehrt; Brot und Mehl würden
im neuen Erntejahre nicht teurer werden. Die ländlichen
Selbſtverſorgungsbezirke dürften ſogar überwiegend
billi=
geres Mehl als im letzten halben Jahre haben. Die
Feſtſetzung der Mehlpreiſe bleibe Sache der
Kommunal=
verbände, die ſich den örtlichen Verhältniſſen in
weiteſt=
gehendem Maße anpaſſen könnten. Ob aber für die
ſtädtiſchen und induſtriellen Gemeindeverbände, die kein
ausreichendes Ueberſchuß=Hinterland, mit dem ſie ſich
ver=
bünden können, um ſich hätten, und meiſt auf die
Kriegs=
getreidegeſellſchaft angewieſen ſeien, billigeres Mehl als
im Frühjahr erhalten würden, ſei noch zweifelhaft. Denn
die Kriegsgetreidegeſellſchaft werde im neuen Erntejahre
angeſichts des Uebermaßes von
Selbſtbewirtſchaftungsbe=
zirken, in deren Autonomie von der Hauptſtelle nicht leicht
hineingegriffen werden dürfe, vorausſichtlich kaum mit
geringeren Verwaltungskoſten auf die Tonne Mehl
rechnen können. Nur die hochgetriebenen
Spekulations=
preiſe für Mehl, die die Kriegsgetreidegeſellſchaft vorfand
als ſie zur Durchführung der Zwangsgemeinwirtſchaft für
Brotgetreide und Mehl berufen wurde, beſchwerten
künf=
tig nicht ihre Geſchäftslaſtenſeite. Von den erhöhten
Höchſtpreiſen für Gerſte und Hafer hebt die Soziale
Praxis hervor, daß ſie etwa der prozentualen Steigerung
der Futtermittelpreiſe und den im vorigen Winter
tatſäch=
lich eingetretenen Normalpreiſen entſprächen.
Es bleibe nun noch die Forderung, daß auch für
Kartoffeln, Fleiſch, Milch, Butter und
Zucker die nötigen Sicherungen, entſprechend den
Be=
dürfniſſen der breiten Volksmaſſen und den Vorſchlägen
der Landtage Sachſens und Württembergs, rechtzeitig
getroffen würden.
Es dürfte von Intereſſe ſein, einige Beiſpiele
anzu=
führen, wie auch ſtädtiſche Verwaltungen den
Lebensmittelwucher erfolgreich bekämpfen.
Aus Köln melden die Blätter: Seit 14 Tagen
ver=
kauft die Stadt von großen Fleiſchvorräten
durch die Metzgermeiſter zu verhältnismäßig niedrigen
Preiſen an die Bevölkerung. Zur allgemeinen
Ueber=
raſchung konnten nun die Metzger auch Fleiſch aus ihren
eigenen Beſtänden weſentlich billiger abgeben; zum
Bei=
ſpiel Speck um 20—30 Pfennig das Pfund. — Zucker
koſtete im Kölner Kleinhandel bisher 34—36 Pf. das
Pfund. Seit einigen Tagen verkauft die Stadt 5 Pfund
zu 1,40 Mark. Flugs annoncierten auch eine Reihe
größerer Detailgeſchäfte den Zucker zum gleichen Preiſe,
„um den Hausfrauen den Weg zu den ſtädtiſchen
Ver=
kaufsſtellen zu erſparen”. — Ueberraſchend billig verkauft
die Stadt Gemüſe. So zum Beiſpiel Rot= und
Weiß=
kohl zu 15 Pf. das Stück (im Privathandel 22—25
Pfennige), Wirſing 8 Pf. (11 Pf.), Kochbirnen 9 Pf. (im
Privathandel 11 Pf.), Zwiebeln 2 Pfund zu 20 Pf. (im
privaten Großhandel 1 Pfund 28 Pf.) — In Offenbach
war es ja auch ähnlich. Als da die Stadt Bohnen und
Kartoffeln zu vernünftigen Preiſen anbot, da wurden
auch bei den Marktfrauen dieſe wichtigen
Nahrungsmit=
tel billiger. Man ſieht, es geht alles. Und verdient haben
ſie immer noch.
Von St. Ingbert meldet die Saarbr. Ztg.:
Unſere Stadt darf von ſich ſagen, daß ſie zur Frage der
Ernährung während des Krieges ſchon viel getan hat,
Jetzt wird auch die Wurſtfabrikation noch im
großen betrieben. Täglich liefert die Stadt in jedem
Quantum ſelbſtfabrizierte Leberwurſt, Lyonerwurſt und
Schwartenmagen in hervorragender Qualität. Die Wurſt
wird zu 70 Pf. bis 1 Mark pro Pfund verkauft
und wird ſtark gekauft. Auch alle anderen Fleiſchwaren
bezieht die Stadt nach wie vor aus der Feldſchlächterei
und gibt ſie für wenig Geld an die Bürgerſchaft ab. In
den ärmeren Familien wird jetzt ſogar mehr Fleiſch
ge=
geſſen wie vor dem Krieg, denn Fleiſch iſt tatſächlich das
Billigſte, was man jetzt in St. Ingbert kaufen kann. Auch
der Verkauf von Würfelzucker zu 28 Pf. pro Pfund
durch die Stadt hat bereits ſehr angenehme Folgen
ge=
zeitigt. Einzelne Großhändler, die ſich zuletzt bis zu
29½ Pf. bezahlen ließen, ſind ſchon um 2 Pf.
herunter=
gegangen, und in informierten Kreiſen iſt man überzeugt,
daß ein weiterer Abſchlag zu erwarten ſteht. Es ſcheint
alſo auf einmal nicht nur wieder Zucker da zu ſein,
ſon=
dern man kann ihn auch zu einigermaßen erſchwinglichen
Preiſen kaufen. Aehnlich verhält es ſich mit den Preiſen
für Eier. Nachdem die Stadt ſolche 7 bzw. 8 Stück zu
1 Mark verkauft, wurde auf dem Wochenmarkt durchweg
nur 1,50 Mark pro Dutzend verlangt, während bisher ein
Dutzend kaum für 2 Mark zu haben war. Butter durfte
nicht höher als 1,80 Mark pro Pfund verkauft werden.
Deutſchlands wirtſchaftliche Kraft.
* Stockholm, 29. Juli. Dr. Heckſcher,
Profeſ=
ſor der Nationalökonomie an der Stockholmer
Handels=
hochſchule, iſt von einer Studienreiſe nach Deutſchland,
Holland, Frankreich, England und die Schweiz
zurückge=
kehrt, wo er Beobachtungen über die wirtſchaftlichen
Wirkungen des Krieges gemacht hat. In einer
von Stockholms Dagbladet veröffentlichten Unterredung
erklärt Heckſcher, Deutſchland halte gegenwärtig
zweifellos am beſten aus. Daherrſchten eine Ruhe und eine
Zuverſicht, die überraſchen müßten. Die wirtſchaftliche
Vorbereitung des Krieges in Deutſchland war nicht ſo
vollendet, wie man allgemein glaubt, aber die
Anpaſſungs=
fähigkeit der Deutſchen iſt bewunderungswert. Die
wirt=
ſchaftliche Kraft des Landes gibt den leitenden Männern
das Recht zu ihrem Optimismus. Obgleich der Krieg
un=
geheure Summen koſtet, ſo wird doch niemals der
Frie=
densſchluß deswegen erfolgen, weil man den Krieg aus
Mangel an Mitteln nicht fortſetzen kann.
Generalgouverneur von Biſſing an das
belgiſche Volk.
* Brüſſſel, 27. Juli. Der Generalgouverneur
in Belgien, Freiherr v. Biſſing, wendet ſich in einem
ffenen Briefe an die belgiſche Bevölke=
Der Dorfſchuſter.
Kriegsbriefe aus dem Weſten von Paul Richard.
Zwiſchen einem Wirrwarr von Schützengräben
ſteht ein altes, baufälliges Haus. Eine Granate iſt in den
Dachgiebel gefahren und hat armſeliges Gerümpel, das
nutzlos ſeit Jahrzehnten dort lag, aufgeſtöbert,
herum=
geworfen und zerſtört. Das Haus ſteht hinter einem hohen
Sandwall; ſonſt wäre es längſt von den Granaten gefreſſen
worden, wie alle anderen Häuſer, die, zertümmert in
Form wüſter Steinklumpen, ſinnlos umhergeſtreut den
Erdboden bedecken. So aber, weil der Sandberg ſich
zwiſchen das Haus und ſeine Feinde ſtellte, finden es
die Granaten ſehr ſchwer. Sie glauben wohl auch, daß
es, wie alle ſeine Brüder, längſt zuſammengeſchofſen, als
Wohnſtätte unbrauchhar geworden iſt.
Der Weg führt bergauf und bergab, immer durch
gelbe Sandgruben, eng und endlos; nichts als Sand und
blauen Himmel ſieht man. Wie durch eine hohe, ſchmale,
gelbe Rieſenkiſte wandert man eingeengt hinter dem
Führer. Das Gehirn wird träge und das Auge ſtumpf
in dieſer erdfarbenen Eintönigkeit. Man vergißt faſt, daß
man ein Menſch iſt. Wie ein indiſcher Hund in der
Trei=
mühle läuft, ſo läuft man apathiſch, gedankenlos, bis, wie
aus dem Sande herausgeſtampft, plötzlich dieſes alte
Häuschen vor einem ſteht. Da betrachtet man es liebevoll
gleich einem Verdurſtenden, der ſich mit letzter Kraft bis
zum Waſſer ſchleppt. Das Häuschen ſcheint nun nicht
mehr alt. Man ſieht die dürftigen wilden Weinranken,
die an dem Haus emporklettern, die weißen Tüllgardinen,
die die Fenſter zieren, und man fühlt das Trauliche, das
in dem Häuschen wohnt, fühlt, daß auch hinter dieſen
alten Wänden Liebe hauſt, die Menſchen zuſammenband,
aber, als müſſe es hier ſanfter und ſtiller zugehen, als
lebten hier Menſchen mit weicheren Herzen, mit geklärten
Seelen.
Mein Begleiter reißt mich aus meinen Betrachtungen.
„So, nun ſind wir am Ziel, Sie wollten doch gern
unſe=
ren Dorfſchuſter kennen lernen.” Vor dem Hauſe ſtehen
eine Anzahl Soldaten, die lachen und ſcherzen mit einer
dicken, behäbigen Frau im blauen Kattunkleid. Sie
wer=
den ruhig, als wir uns nähern, und verſchwinden im
näch=
ſten Laufgraben. Durch einen dunklen Hausflur treten
wir in die Schuſterſtube. Ein alter Graubärtiger mit
zer=
mürbten Zügen, aber ſonderbar hellen Augen erhebt ſich
von ſeinem niedrigen Schemel und ſchüttelt uns die Hand.
Soldatenſtiefel in allen Größen liegen herum oder hängen
an den Wänden. Dazwiſchen einige bunte Anſichtskarten
mit franzöſiſchen Landſchaften. Mitten drin ein großes
Bild unſeres Kaiſers aus einer illuſtrierten Zeitſchrift.
Trotz des Schuhlabyrinths ſieht man keine Unſauberkeit.
Der Alte begrüßt uns in einem tadelloſen Deutſch.
In jungen Jahren hat er die Welt durchſtreift und lange
Zeit in Deutſchland gearbeitet. Da lernte er unſere
Sprache, die aus reinem Munde kam, rein, ohne Akzenr.
Er bittet uns, in das Stübchen nebenan einzutreten. Ein
blaugetünchter Raum mit einem Teppich am Boden, alten
Porzellantellern an den Wänden beim Kamin und einigen
alten Kupferſtichen, wertvolle Stücke, die noch aus der
Zeit ſeines Großvaters herrühren. Wir ſetzten uns auf
alte, niedliche Rohrſeſſel.
„Warum ſind Sie trotz der täglichen Gefahr, in der
Sie ſich befinden, hier geblieben? Jeder Tag, den Sie
hier verbringen, kann Ihnen doch das Leben koſten,” fragte
ich. Der alte Schuſter hat die Hände übers Knie gefaltet.
Kopfſchüttelnd erwiderte er: „Ich gehe nicht hier weg, ich
will mit meinem Haus zuſammen ſterben. Ich habe mir
in den langen Jahren das bißchen Geld, das ich zum
Ankauf brauchte, zuſammenſparen müſſen. Mein
Groß=
vater wohnte hier und mein Vater wohnte hier. Dem
ging es nicht gut. Krankheit und Unglück verfolgten ihn;
da mußte er das Häuschen verkaufen. Ich war ſein
Aelte=
ſter, und ſolange er lebte, immer wieder legte er es mir
ans Herz: „Erwirb das Häuschen wieder!” Ich ſparte
Jahr und Tag, jeden Pfennig knappſte ich mir ab, bis ich
das Kapital zuſammen hatte. Ich war ſchon vierzig
Jahre darüber geworden. Endlich konnte ich das Haus in
Beſitz nehmen. Die Schuſterei warf ſoviel ab, daß ich
leicht die wenigen Zinſen, die ich zahlen muße, decken
konnte. Da kam der Krieg. Das Dorf wurde leer, die
Menſchen verſchwanden nach allen Himmelsrichtungen
Wohl kehrten viele im September wieder zurück, aber als
Ihre Soldaten das Dorf von neuem beſetzten, und als
meine Landsleute, die Franzoſen, es wieder zu nehmen
verſuchten, da flohen ſie alle; nur ich blieb. Dann kamen
die Granaten und riſſen Haus für Haus nieder. Tag für
Tag ſchlugen ſie ein und zerſtörten alles, was ſtand, bis
das ganze Dorf ein rieſiger Trümmerhaufen war. Ich
bin eigennützig genug geweſen, um jede Nacht unſeren
Herrgott zu bitten, daß er mein Häuschen verſchonen
möge. Monatelang fanden die Granaten den Weg nicht
zu mir. Vor einigen Tagen wurde auch dieſe Hoffnung
zunichte. Die erſte — Sie werden ja das Loch im
Dach=
aiebel geſehen haben — ſitzt ſchon drin. Wer weiß, wie
lange es noch dauert, bis andere folgen.” Er krampfte die
Fäuſte, wandte den Kopf und ſtarrte durchs Fenſter.
„Und nun ſind Sie der Freund unſerer Soldaten
ge=
worden?”
„Was ſollte ich tun? Ich habe Ihnen geſagt, daß ich
nicht wanke und weiche, bis das Haus über mir
zuſammen=
fällt. Ihre Soldaten brachten mir Arbeit, viel Arbeit
ſogar. Soviel, daß ich es gar nicht ſchaffen kann. Sie
bezahlen mir gut, bringen mir Eſſen und Brot und ſorgen
für mich in rührendſter Weiſe. Sie bringen mir ihre
Zei=
tungen, und wäre der unglückſelige Krieg nicht, der uns
hier alle ſtündlich umdroht, ich könnte meinen, das Glück,
das große Glück wäre über mich gekommen und ſchenke mir
mit übervollen Händen, was ich bisher vergeblich erſtrebt
habe. Doch warum erzähle ich Ihnen das alles? So gut
wie mir geht es unter den heutigen Verhältniſſen ſicherlich
Wenigen. Na, und was die Zukunft bringen wird, muß
man eben abwarten.”
Er ſtand auf und ging hinaus. Als er hereinkam,
hatte er eine Gitarre in den Händen. Er ſetzte ſich, ſchlug
ein Bein über das andere und ſeine alten zerſtochenen,
zer=
narbten und verknöcherten Finger griffen ſchnell und
be=
hende über das Inſtrument. Er glitt darüber hin, wie
wenn eine Mutter das Seidenhaar ihres Kindes ſtreichelt.
Dann ſang er, zart, mit einer Stimme, die ſich dem Raum
anſchmiegte. Er ſang zuerſt ein normanniſches Fiſcherlied.
Dann folgte ein Lied vom fröhlichen Schuſter, wobei er
prachtvoll das Schlagen des Hammers auf den Stiefel
nachahmte. Und nun füllte ſeltſamer Glanz das Zimmer.
Von den Lippen des alten Franzoſen kam ein deutſches
Lied. Heimatsgeruch ſtieg in uns auf und Sehnſucht ging
durch unſere Herzen nach deutſchen Bergen und
heimar=
lichen Wäldern. So ſang nur einer, dem das
Heimats=
gefühl bis in die kleinſte Ecke ſeines Herzens gedrungen
war, dem das Wort „Heimat” Leben und Tod bedeutet.
Das war nicht der alte Schuſter mehr, der da ſaß. Das
war ein alter Barde der in die Seiten griff, um ſeines
Volkes Taten zu beſingen, der mit ſeinem Sang die Liebe
des Volkes zur Heimat feſſelte, ein hoher Prieſter des
Lie=
des, das Ungläubige gläubig macht und Glauben in
Wonne erſchauern ließ.
„So ſang mir noch keiner das Lied meiner Heimat,
wie du, Alter!”
Er ſchwieg. Lautloſes Schluchzen irrte durch den
Raum. Wehmut und Glückſeligkeit durchzitterte die Stille.
Plötzlich ſtand der Alte auf, nahm ſeine Gitarre und
wandte ſich zum Fenſter.
Wir drückten ihm die Hand und gingen.
rung und ſetzt ihr auseinander, daß er auf Grund der
Haager Konvention die Verwaltung des Landes führt
und in Ausführung dieſer völkerrechtlichen
Verpflichtun=
gen das Land nicht ausſchließlich zu Nutz und Frommen
des Deutſchen Reiches, ſondern in Erfüllung ſchwerer,
dem beſetzten Belgien gegenüber beſtehenden
Verpflichtun=
gen verwaltet. Er erkennt an, daß eine nicht geringe
Anzahl von Bürgermeiſtern, Staats= und
Kultusbeam=
ten, Städtern und Landwirten, auch wohlhabenden
Frauen und Männern das Ziel ſeiner Beſtrebungen
er=
kannt haben. An zahlreichen anderen Stellen aber
begeg=
neten ſeine Maßnahmen immer noch einem offenen oder
geheimen Widerſtande. Es ſcheine der Wahn zu
herr=
ſſchen, als ſei es eine patriotiſche oder mannhafte Tat, ſich
den Verordnungen der olkupierenden Macht
entgegenzu=
ſtellen. Vielfach ſei der Gedanke verbreitet, als könne
demjenigen Mangel an vaterländiſchem Mute oder gar
Treubruch vorgeworfen werden, der die Arbeit der deut
ſchen Verwaltung unterſtütze. Wer ſeiner Verwaltung ſich
willfährig oder förderlich erweiſe, diene nicht der
beſetzen=
den Macht, ſondern vorwiegend ſeinem eigenen
Vater=
llande. Wer dieſer widerſtrebe, ſchade nicht dem Deutſchen
Reiche, ſondern ausſchließlich ſeinem Vaterland Belgien.
Ein derartiges Tun könne aber weder als mannhaft noch
als patriotiſch gelten. Der Generalgouverneur verlange
von niemand eine Abkehr von ſeinen Idealen oder etwa
gar eine heuchleriſche Verleugnung ſeiner Ueberzeugung.
Was er aber von jedermann erwarten müſſe, ſei die
An=
erkennung des tatſächlichen Zuſtandes, daß er und ſeine
Verwaltung nach Kriegs= und Völkerrecht die geſetzliche
Pflicht und demnach auch das geſetzliche Recht hätten,
das Land zu verwalten und die Behörden des Landes
wie auch ſeine geiſtlichen und weltlichen Führer zur
Mit=
arbeit heranzuziehen. Es ſſei daher dringend notwendig,
daß der, der Einfluß beſitze, ihn ſchaffend betätige. Er
achte jedes religiöſe, politiſche und nationale Glaubens=
Gekenntnis und begrüße jede ehrliche Mitarbeit, woher ſie
auch komme; aber ſeine Pflicht zwinge ihn, gegen
Wider=
ſſetzliche, gegen diejenigen rückſichtslos einzuſchreiten, die
offen oder geheim die öffentliche Ordnung ſtören, oder
welche verſuchen, die Wiederherſtellung und ruhige
Ent=
wickelung des öffentlichen Lebens zu verhindern. Ohne
Anſehen der Perſon werde er in Erfüllung der ihm
übertragenen Aufgaben diejenigen zur Rechenſchaft ziehen,
die ſich ihm mit Wort und Tat widerſetzen, und, ſoweit
ſie ſich im Beſitze eines öffentlichen Amtes befinden, aus
dieſem entfernen.
Mit einem Appell an den geſunden Sinn der belgi
ſchen Bevölkerung und ihre Leiter ſchließt der
General=
gouverneur ſeine aufklärenden Worte, von denen er hofft,
daß ſie die noch vorhandenen falſchen Auffaſſungen
be=
ſeitigen und in allen Schichten des Volkes die Erkenntnis
verbreiten werden, daß ſeine Verwaltung dem Intereſſe
des Landes zu dienen beſtrebt iſt.
Das betrogene Belgien.
* Berlin, 28. Juli. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt:
Zu dem bekannten Aufruf der belgiſchen Geſandten
im neutralen Auslande wegen Unterſtützung der
notleidenden Belgier bringt die Seara in
Buka=
reſt folgenden Artikel, den wir wegen mancher richtiger
Bemerkungen, die er enthält, hier wiedergeben: England
und Frankreich haben Belgien gegenüber einen ſchweren
Wechſel unterzeichnet, indem ſie es anhielten, Deutſchland
um jeden Preis Widerſtand zu leiſten. Seit zehn Monaten
iſt das Land von den fremden Herren beſetzt, und die
bel=
giſchen Flüchtlinge befinden ſich in einem
jämmer=
lichen Zuſtand. Wiſe England und Frankfeich
nicht in der Lage waren, das belgiſche Gebiet zu
verteidi=
gen, ſo können ſie auch nicht die Belgier in ihren Leiden,
noch die Flüchtlinge in ihren Gebieten unterſtützen. Ihr
Falliſſement Belgien gegenüber iſt vollſtändig; militäriſch
und auch finanziell. Aus dieſem Grunde ſind die in
Frankreich und England umherirrenden Belgier
gezwun=
gen, um das Mitleid der neutralen Staaten
zu betteln da man ihnen auf dem Boden, der ſie
be=
herbergt, die Unterſtützung verweigert. Sie erließen einen
herzzerreißenden Aufruf an alle Völker. Es war die
elementarſte Pflicht derer, welche Belgien ins
Feuer geſtoßen haben, die Notleidenden zu unterſtützen,
kurz alles Riſiko und alle Folgen des belgiſchen Opfers zu
tragen. Die Belgier waren nicht in der Lage, ſich der
deutſchen Okkupation zu widerſetzen. Aber die großen
Staaten ſind egoiſtiſch, und ſie ließen die Belgier im
größ=
ten Elend trotz aller Garantien auf dem Papier, welche
England der Regierung von Brüſſel gab. Heute ſind die
aus ihrem Lande geflüchteten Belgier gezwungen, den
Beiſtand der neutralen Völker zu erflehen.
Was noch trauriger iſt, der Aufruf erfolgt auf offiziellem
Wege durch die Vermittelung der belgiſchen
Geſandt=
ſchaften in den neutralen Ländern. Der Dank des
engliſchen Egoismus ſpiegelt ſich wunderbar in
dieſem Aufruf an das öffentliche Mitleid eines der
reich=
ſten Völker der Welt, welches alles für andere geopfert hat.
Die Lehren aus dieſen Tatſachen, wie auch die unglückliche
Lage Serbiens, das, nachdem es ins Unglück gebracht
worden iſt, jetzt auch durch Entblößung zugunſten Italiens
bedroht iſt, das alles iſt ſehr charakteriſtiſch für die
Be=
ziehungen zwiſchen den kleinen Staaten und den
Groß=
mächten.
* Von der holländiſchen Grenze, 26. Juli.
Der in Maaſtricht erſcheinende Maasbode veröffentlicht
einen längeren Aufſatz, in dem die ſchwierige Lage
der belgiſchen Induſtrie ausführlich geſchildert
und hauptſächlich dargetan wird, daß die Urſache hiervon
in erſter Linie die mangelnde Rohſtoffzufuhr ſei.
Nicht daß man es an Bemühungen, eine ſolche zu
er=
langen, hätte fehlen laſſen. Belgiſche Induſtrielle und
Holländer haben verſucht, in Holland Rohſtoffe
aufzu=
kaufen, wie ſie die belgiſchen Fabriken brauchen. Allein
die Engländer wußten die Ausfuhr nach
Belgien zu hintertreiben. Während die deutſche
Regierung in Brüſſel ſich alle Mühe gibt, die belgiſchen
Fabriken wieder in Gang zu bringen, und daher auch
zu=
geſagt hatte, daß Rohſtoffe, die zu dieſem Zwecke aus
Holland eingeführt würden, nicht für den deutſchen Heeres=
bedarf in Anſpruch genommen würden, ebenſowenig wie
die daraus gefertigten Waren, ſperren die Eng
änder planmäßig der Induſtrie ihrer
belgiſchen Verbündeten die Zufuhr. Daran
vermochten mehrfache Reiſen belgiſcher Unternehmer nach
England auch nichts zu ändern. Der Artikelſchreiber des
Maasbode, der ein über die Vorgänge offenbar ſehr genau
unterrichteter Mann iſt, teilt mit, daß ſich in Brüſſel mit
Zulaſſung des Generalgouverneurs ein niederländiſches
Induſtriellenkomitee gebildet hat, um womöglich Abhilfe
zu ſchaffen, bis jetzt aber durch den engliſchen Widerſtand
um jeden Erfolg gebracht wurde. Der Verfaſſer des
Ar=
tikels beſchuldigt die Engländer geradezu, ſie hätten
es darauf abgeſehen, während des Krieges der
belgi=
ſchen Induſtrie ihre Abſatzmärkte
wegzu=
nehmen. Deshalb hätten ſie auch alle in Holland
er=
reichbaren guten belgiſchen Arbeiter nach England gelockt
und in Arbeit geſtellt, ſelbſt ſolche, die heimlich aus Belgien
entwichen waren, um nicht in das Heer ihres Landes
einzutreten. Die Engländer wiederholten ſozuſagen einen
Verſuch, den ihre Vorfahren vor Jahrhunderten, im
Zeit=
alter der Artevelde, ſchon einmal mit Erfolg gemacht
hätten; damals gelang es ihnen, die blühende flandriſche
Wollinduſtrie auf ähnliche Weiſe allmählich zu unterbinden
und über den Kanal hinüberzuziehen. Mit Kümmernis
und Bitterkeit ſpricht ſich der Verfaſſer darüber aus daß
das belgiſche Land und ſeine Bevölkerung um
Eng=
land wahrlich etwas beſſeres verdient habe, als eine
ſolche ſchmähliche Behandlung.
Aus der Lügenchronik unſerer Gegner.
* München, 28. Juli. Den Münchener Neueſten
Nachrichten wird aus Berlin geſchrieben: In einem
Artikel der Financial News vom 16. Juli d. J., deſſen
Inhalt aus dem Standard vom 17. Juli hervorgeht,
finden ſich u. a. folgende, unſere Leſer ſicher intereſſierende
Mitteilungen: Durch Vermittlung der Vereinigten
Staa=
ten habe Deutſchland ſeinen Gegnern
Friedens=
anerbietungen gemacht, weil es wirtſchaftlich
voll=
kommen ausgeblutet ſei. Die Hamburg=Amerika=Linie
und die Deutſche Reichsbank ſeien bankerott. Hamburg
habe mit der Potsdamer Geſellſchaft vollkommen gebrochen
und ſende keine Soldaten mehr an die Front. Noch ernſter
aber ſei die Lage in Bayern, wo die verzweifeltſten
Be=
mühungen der beſten deutſchen Diplomaten nötig ſeien,
um Bayern von der völligen Loslöſung von Deutſchland
noch zurückzuhalten. Am Schluß erfahren wir noch, daß
Deutſchland bis jetzt 60 Milliarden Kriegsentſchädigung
an ſeine Gegner zu zahlen habe. — Der Artikel dient
offenbar nur der Stimmungsmache für die engliſche
Kriegsanleihe und natürlich nebenbei der Agitation für
die militäriſche Anwerbung. Es iſt aber kennzeichnend
für das engliſche Publikum, an das er ſich wendet, wie
dick die Farben ſein müſſen, um ihm noch Eindruck zu
machen, und wie groß der Pinſel, der die Farben aufträgt.
* Wien, 28. Juli. (Meldung des Wiener K. K.
Telegr.=Korr.=Bur.) Eine Züricher, vermutlich von einem
dortigen italieniſchen Journaliſten ſtammende Temps=
Meldung, wonach in Wien fünf polniſche Damen
hingerichtet worden ſeien, iſt gänzlich aus der Luft
gegriffen. Sie ſteht auf der gleichen Höhe wie die
römiſchen Meldungen desſelben Blattes, wonach an der
Front in Südtirol 150000 Mann wegen ernſter Unruhen
nach Wien abberufen worden ſeien, und wie die Meldung
von Hinrichtungen ſtreikender Arbeiter in Lobnitz.
* Wir leſen in der Züricher Poſt: Ein gelegentlicher
(deutſcher) Mitarbeiter ſchreibt uns aus Brüſſel: Mit
welchen Mitteln man bei den Gegnern Deutſchlands
bemüht iſt, die deutſche Verwaltung in Belgien
herabzuwürdigen, zeigt draſtiſch folgendes: Am
19. Juni brachte der Matin die nachſtehende Mitteilung:
„London, 18. Juni. Eine Depeſche aus Amſterdam
meldet, daß in Mecheln am vergangenen Dienstag ein
Aufſtand ausgebrochen iſt. Zunächſt haben die Frauen
einige Unruhe verurſacht, bald aber iſt faſt die ganze
Be=
ölkerung in Aufruhr geraten. Die deutſchen Soldaten
ſchoſſen auf die Menge und nach Mitteilung eines
neutra=
len Augenzeugen wurden 700 (!) Ziviliſten getötet. Die
deutſchen Behörden haben Mecheln mit einem Drahtzaun
unter elektriſcher Spannung abgeſperrt. Der Aufruhr
iſt wahrſcheinlich verurſacht worden durch die Weigerung
des deutſchen Kommandanten, dem Kardinal Mereier das
Verlaſſen der Stadt zu geſtatten.”
Aus offenbar der gleichen Quelle berichtete der Secolo
über dieſe angebliche Ziviliſtentötung:
„Die Central News erfährt aus Gent, in Mecheln
habe ſich am vergangenen Dienstag eine ſchreckliche
Tragödie abgeſpielt. Wegen Schwierigkeiten, die ſich
bei einer Brotverteilung ergaben, veranſtaltete eine Gruppe
von Frauen eine heftige Demonſtration gegen die
Deut=
chen. Die Soldaten unterdrückten die Bewegung auf
eine ſchreckliche Weiſe. Sie ſchoſſen aufs Geratewohl in
die Menge, wobei ſie mehr als 70 Perſonen verwundeten
oder töteten. Mecheln wurde ſogleich vom übrigen Belgien
durch einen Zaun elektriſcher Hochſpannungsdrähte
ge=
trennt. Die Nachricht von den Unruhen ſei durch die Stadt
verlaſſende Arbeiter gebracht worden, bevor der Tumult
beſchwichtigt worden ſei.”
Der deutſchen Verwaltung in Belgien
wurde dieſe Verleumdung bekannt. Was tut ſie? Der
Militärgouverneur v. Weller in Antwerpen erläßt eine
öffentliche Bekanntmachung, in der dieſe
Ver=
leumdungsmeldungen des Secolo und des Matin
wört=
lich (wie ſie hier angeführt ſind) wiedergegeben werden,
wozu dann der deutſche Militärgouverneur beifügt:
„Ich bringe dieſe Berichte, welche jeder
tatſäch=
lichen Grundlage entbehren, zur allgemeinen
Kenntnis, um zu zeigen, mit welchen niedrigen Mitteln
unſere Gegner den Kampf führen, wie ſie vor dreiſter
Lüge und Verleumdung nicht zurückſcheuen, wenn
es gilt, unſere Verwaltung hier in Belgien herabzuſetzen,
Unruhe und Mißtrauen im Volke zu verbreiten.”
Wir können beifügen, daß auch in belgiſchen Kreiſen
dieſer angeblichen Maſſentötung von Ziviliſten in Mecheln
kein Glaube geſchenkt worden iſt.
Was die Engländer nicht wiſſen dürfen.
* Die Zürcher Nachrichten haben ſich kürzlich über die
Art der Berichterſtattung der Agenzia Ste=
fani luſtig gemacht, die aus dem deutſchen Bericht über
den Durchbruch am Narew die meiſten Gefangenenzahlen
weggelaſſen hatte, ſodaß ſich nach ihr das Ergebnis
zehn=
tägiger Erfolge im Oſten auf 1750 Gefangene belief. Wie
aus engliſchen Zeitungen zu erſehen, iſt Reuter ebenſo
fix im Unterſchlagen wie das italieniſche
Depeſchen=
bureau. In ſeiner Wiedergabe des deutſchen Berichtes
vom letzten Samstag fehlen die 27000 Gefangenen, die
die Armee v. Below gemacht hat; es fehlen ferner die
41000 Gefangenen, die zwiſchen Njemen und Weichſel in
unſere Hand gefallen ſind; es fehlen die 50000
Gefan=
genen, die von der Armee des Generaloberſten v. Woyrſch
und den Armeen des Generalfeldmarſchalls v.
Macken=
ſen gemeldet werden; von den letzteren wird nur
berich=
tet: Der genaue Betrag des erbeuteten Materials iſt
noch nicht feſtgeſtellt. Gewiſſenhaft dagegen wird
gemel=
det, daß die Deutſchen vor Warſchau bei kleineren
Gefech=
ten 1750 Gefangene gemacht hätten. Man kann alſo nicht
von einem Irrtum Reuters ſprechen; ſeine lückenhafte
Berichterſtattung iſt vielmehr ein plumper
Schwin=
del, darauf berechnet, die Erfolge der Deutſchen als
birngeſpinſte des deutſchen Generalſtabs hinzuſtellen.
Offenbar will er dem engliſchen Publikum weismachen,
daß das greifbare Ergebnis der von den Deutſchen
trium=
phierend verkündeten Siege im ganzen 1750 Gefangene
betrüge! Er liefert damit einen ſchlagenden Beweis,
wie es mit der Siegeszuverſicht und den Nerven in
Eng=
land beſtellt iſt.
Die Arbeiterſchwierigkeiten in England.
* London, 29. Juli. Das Einigungsamt für das
ſchottiſche Kohlenrevier tagte am 27. Juli in
Glasgow, um über die Forderung der Bergleute auf
eine Tageszulage von einem Schilling zu verhandeln; es
mußte ſich vertagen, ohne eine Einigung erzielt zu haben.
* London, 29. Juli. Die Times ſchreibt: Kaum
war der Bergmannsſtreik beigelegt, als
Schwie=
rigkeiten mit den Eifenbahnern in einigen
Kohlenbezir=
ken von Südwales entſtanden. Sie drohten, am 30. Juli
zu ſtreiken, wenn die Lohnforderungen nicht bewilligt
werden würden. Die Angelegenheit wurde geſternszur
Zufriedenheit der Leute erledigt, aber der Fall zeigt, äß
ie Arbeitsſchwierigkeiten noch nicht bes
endigt ſind, ſelbſt in ſo lebenswichtigen
Verkehrsge=
werben.
* London, 29. Juli. Der Unterſtaatsſekretär des
Kriegsamts, Tennant, antwortete einem
Parlamentsmit=
gliede auf die Anfrage über den
Geſundheitszu=
ſtand der Truppen in den Dardanellen
ſchriftlich, daß in gewiſſem Umfange Typhus und
Dyſenterie herrſchten.
Norwegiſcher Proteſt.
* Kriſtiania, 29. Juli. Zu der engliſchen
Ant=
wort auf die amerikaniſche Proteſtnote an England
ſchreibt Aftenpoſten: Die engliſchen
Beſchuldigun=
gen, daß die in der Nähe von Deutſchland liegenden
neutralen Länder aus Furcht vor Deutſchland die
Wie=
derausfuhr von amerikaniſchen Waren nicht
verhinder=
ten, ſeien, was Norwegen anlange, gänzlich
ungerecht=
fertigt und unbillig. Die Tatſache, daß Norwegen jetzt
mehr aus Amerika einführe als früher, erkläre ſich einfach
daraus, daß die Einfuhr aus Rußland und Deutſchland
ſeit Anfang des Krieges geſperrt ſei. Die einfachſten
Tatſachen der Statiſtik lehren, daß Norwegen loyal alle
Ausfuhrverbote Englands beobachtet. Finde England,
daß Nörwegen den engliſchen Forderungen nicht weit
genug entgegenkomme, ſo verdienten jedenfalls die
nor=
wegiſchen Behörden keinen Tadel wegen Mangel an
Loyalität gegenüber England. Derartige
Beſſchuldi=
gungen ſeien als eine Folge der Kriegsnervoſität an
ſich erklärlich. Aber von norwegiſcher Seite müſſe gegen
die Berechtigung derartiger Beſchuldigungen
beſtimm=
ter Einſpruch erhoben werden.
Die Schmach Südafrikas.
— Darüber ſchreibt nach dem Nieuwen Rotterdamſchen
Courant vom 23. Juli abends C. W. Malan in einem
Leitartikel des Re=Echo (Humansdorp): Nach einer
Be=
kanntmachung des Polizeichefs in der Union ſollen alle=
Plünderer die das geſtohlene Gut zurückgeben, nicht
als Verbrecher angeſehen werden und von gerichtlicher
Verfolgung frei bleiben. Kann das möglich ſein? Hätter
ich’s nicht ſelbſt geleſen, ich würde es nicht glauben. Denn
in Wahrheit bedeutet das doch, daß das Johannesburger
Geſindel rauben, plündern und rebellieren darf. Die
Re=
gierung verzeiht es. Wenn aber die Beſten unſeres Volkes
im Freiſtaat und in Transvaal gegen den Einfall in
Deutſch=Südweſt Einſpruch erheben und ſich widerſetzen,
ſo werden ſie eingeſperrt und in die Kafferngefängniſſe
von Kimberley geſchleppt, ohne jede Ausſicht, gegen
Bürg=
ſchaft freizukommen. Die Regierung weigert jetzt u.
dem Prediger van Broekhuizen, der krank im
Johannes=
burger Fort liegt, die Entlaſſung gegen Bürgſchaft, weil
er eine Gefahr für die Geſellſchaft ſei. Die
Johannes=
burger Räuber und Brandſtifter läßt ſie frei, bloß weil ſie
unter dem Deckmantel der „Ergebenheit gegen das britiſche
Reich” plünderten und brandſchatzten. Kommt denn für
unſer Volk die Zeit immer noch nicht, ſolchen
ſchrei=
enden Zuſtänden ein Ende zu machen? Die
Wahlen werden die Antwort geben.
* Kapſtadt, 29. Juli. (Meldung des Reuterſchen
Bureaus.) In einer Rede in Bloemfontein ſagte General
Smuts, die Regierung beabſichtige, eine Anzahl
von Bürgern der Union in Deutſch=
Südweſt=
afrika anzuſiedeln, wobei denen, die im Feldzuge
mit=
gekämpft hätten, der Vorrang gegeben würde.
Tageskalender 1914
zur Geſchichte des Weltkrieges.
30. Juli 1914. Ein Ukas des Zaren ruft die
Reſer=
viſten des Heeres und der Flotte unter die Fahnen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 30. Juli.
* Beſtätigt haben Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin den von dem Fürſten zu Iſenburg und
Büdingen in Birſtein auf die evangeliſche Pfarrſtelle zu
Offenthal präſentierten Pfarrer Wilhelm Schulz zu
Eſchenrod für dieſe Stelle.
Ernannt haben Ihre Königl. Hoheit die
Groß=
herzogin den Lehramtsaſſeſſor Ferdinand Dern aus
Darmſtadt zum Oberlehrer.
* Militärdienſtnachrichten. Zu Majoren befördert:
der Hauptmann und Kompagniechef Aſcherfeld im Inf.=
Leib=Regt. Nr. 117, ſowie der Hauptmann und
Batterie=
chef Düring im Feldart.=Regt. Nr. 61. Zum
Oberleut=
nant befördert: der Leutnant Frhr. Röder v.
Diers=
burg im Garde=Drag.=Regt. Nr. 23. Ein Patent ſeines
Dienſtgrades hat erhalten: der Major z. D. v.
Dit=
furth, zuletzt Bez.=Offiz. b. Landw.=Bez. Wiesbaden,
jetzt Kom. d. Landft.=Inf.=Erſ.=Bats. II Worms. Den
Charakter als Major hat erhalten der Hauptmann a. D.:
Kramer (Gießen), zuletzt Komp.=Chef im Inf.=Regt.
Nr. 116, jetzt Bats.=Führer b. Kriegsgefangenenlager in
Gießen. Befördert zu Leutnants der Reſerve: Hahn,
Nebel (Worms), Vizewachtmeiſter im Reſ=Feldart.=
Regt. Nr. 25; zum Lt. d. Landw.=Feldart. 1. Aufgeb.:
Obenauer Vizewachtm. (Worms) im Reſ.=Feldart.=
Regt. Nr. 25; zum Zeug=Leutnant d. Landw. 2. Aufgeb.:
die Zeugfeldwebel: Bergmann Rahn (VI Berlin)
b. Art.=Dep. in Mainz.
Kriegsauszeichnungen. Freiherr Gans Edler
Herr zu Putlitz, Hauptmann im Leibgarde=Inf.=
Regiment Nr. 115, erhielt das Eiſerne Kreuz 1. Klaſſe.
Wilhelm Egner, Unterveterinär im Feldartillerie=
Regiment Nr. 61, dem vor kurzem die Heſſiſche
Tapferkeits=
medaille verliehen wurde, erhielt nun auch das Eiſerne
Kreuz. Dem Kriegsfreiwilligen im Leib=Dragoner=Regt.
Nr. 24 Georg Blaß iſt unter gleichzeitiger Beförderung
zum Unteroffizier die Heſſiſche Tapferkeitsmedaille
ver=
liehen worden. Georg Blaß, Sohn des hieſigen
Poſt=
direktors am Bahnpoſtamt, war bei Beginn des Krieges
aus Buenos=Aires allen Hemmniſſen zum Trotz
heimge=
kehrt, um als Kriegsfreiwilliger dem Vaterland zu dienen:
als 23er Dragoner nahm er an den heißeſten Kämpfen teil,
wurde ſchwer verwundet und nun als Unteroffizier mit
der Heſſiſchen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
* Die derzeitigen Lehrverhältniſſe im Handwerk. Das
Großherzogliche Miniſterium des Innern hat lt. Darmſt.
Ztg. in einem Ausſchreiben ſich mit dem Einfluß des
Krieges auf die Lehrverhältniſſe im
Hand=
werk beſchäftigt. Es führt aus, in zahlreichen
Hand=
werksbetrieben ſeien gegenwärtig die Lehrherren zum
Heeresdienſt eingezogen, ohne daß es ihnen möglich war,
für die Beſtellung eines für die Anleitung des Lehrlings
verantwortlichen Vertreters rechtzeitig zu ſorgen. Es
hätten ſich ferner ſelbſt bei Beſtellung einer
ordnungs=
mäßigen Vertretung bisweilen Schwierigkeiten zwiſchen
den Vertretern der Lehrherren und den Lehrlingen
er=
geben. In ſolchen Fällen ſei es Pflicht der Innungen
Gewerbevereine und Handwerkervereinigungen,
einzu=
greifen und eine beratende und vermittelnde Tätigkei
auszuüben. Hierbei ſei von ihnen mit allem Nachdruck
anzuſtreben, die Lehrlinge dem Handwerk zu erhalten
Die Erfüllung der an das Handwerk nach dem Krieg
her=
antretenden großen Aufgaben könne nur gelingen, wenn
ein tüchtig ausgebildeter Nachwuchs dem Handwerk
erhal=
ten bleibe. Auch die vorzeitige Auflöſung des Lehrvertrags
ſei dem Lehrling nicht anzuraten. Es beſtünde die
Ge=
fahr, daß dieſer ſeine Ausbildung nicht vollende und
ſo=
mit vorausſichtlich ſein Brot als ungelernter Arbeiter
ſpäterhin verdienen müſſe. Den Innungen,
Gewerbever=
einen uſw. wird daher empfohlen, die Ausübung dieſer
vermittelnden Tätigkeit ſich möglichſt angelegen ſein zu
laſſen; in Zweifelsfällen ſollten ſie ſich an die
Handwerks=
kammer in Darmſtadt wenden.
Keine leicht entzündlichen Gegenſtände mit
der Feldpoſt ſenden! Neuerdings ſind Zigarren zur
Verſendung ins Feld in den Handel gebracht worden,
die an ihrem vorderen Ende mit einer durch Reibung
entzündbaren Maſſe verſehen ſind. Dieſe ſogenannten
Selbſtzünder=(Eszet) Zigarren gehören zu den
leicht entzündlichen Gegenſtänden, die nach der
Poſt=
ordnung zur Verſendung mit der Poſt nicht
zuge=
laſſen ſind. Vor Zuwiderhandlungen wird dringend
gewarnt.
* Verſteigerung im Traindepot. Wie aus dem
Anzeigenteil erſichtlich, werden am Montag, dem 2. Auguſt,
um 9 Uhr vormittags, im Hof des Großherzoglichen
Traindepots, Holzhofallee 13, eine große Anzahl
Fahrzeuge und anderes verſteigert. Es
handelt ſich um Sachen, welche, aus dem Felde
heim=
gekehrt, den Anſprüchen des Heeresdienſtes nicht mehr
gewachſen ſind. Dankenswerterweiſe werden die
Bauernwagen uſw. im einzelnen verſteigert,
um den Landwirten und kleineren Handwerkern
Ge=
legenheit zum direkten billigen Ankauf zu ermöglichen.
Auch auf den Verkauf der Geſchirr= und
Leder=
ſachen ſei für die Intereſſenten angeſichts der jetzt
anderswie teuren Preiſe beſonders hingewieſen. Auch
dieſe Sachen ſollen im Intereſſe der Ermöglichung
direkten Einkaufs für Landwirte, Handwerker uſw. in
möglichſt kleinen Loſen vergeben werden.
— Zureiſe nach Oſtpreußen. Der Oberbefehlshaber
Oſt hat nachfolgende Verfügung erlaſſen: Vom 1. Auguſt
1915 ab ſind alle Perſonen, welche das preußiſche Gebiet
nördlich des Memel= Ruß= und Skirwieth=Stromes,
ſo=
wie die Kuriſche Nehrung von Nidden einſchließlich ab
nach Norden bereiſen, oder das Kuriſche Haff nördlich der
allgemeinen Linie Karklen-Nidden befahren wollen,
ver=
pflichtet, einen vorſchriftsmäßigen Inlandspaß oder
einen polizeilichen Ausweis bei ſich zu führen. Der
Aus=
weis muß von der heimatlichen Polizeibehörde ſeit dem
1. Januar 1915 ausgeſtellt ſein und eine aus neueſter Zeit
ſtammende behördlich abgeſtempelte Photographie
enthal=
ten. Zuwiderhandlungen unterliegen den in der
Ver=
ordnung des Oberbefehlshabers Oſt vom 10. Juli 1915
N. O. Nr. 4772 feſtgeſetzten beſonderen Strafbeſtimmungen.
Für deutſche einzelne Militärperſonen und Zivilbeamte
genügt jeder amtliche Ausweis ihrer vorgeſetzten
Dienſt=
ſtelle über ihre Perſon.
Allgemeine Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 24. Juli I. J. männk.
6185, weibl. 12 199, zuſ. 18 384, in Proz. 33,64 bzw. 66,36;
der Krankenſtand betrug am 24. Juli I. J, männr.
222, weibl. 449, in Proz. 3,58 bzw. 3,68; an barer
Unterſtützung wurden ausgezahlt in der Woche vom
19. bis 24. Juli 5124,30 Mk.; an Wöchnerinnen waren
vorhanden am 24. Juli 75; Sterbefälle kamen vor
in der Woche vom 19. bis 24. Juli 2.
* Vaterländiſcher Konzertabend. Das Programm
des zweiten Wohlfahrtskonzerts am nächſten
Montag verſpricht einen beſonderen künſtleriſchen Genuß
durch eine Reihe wertvoller Neuerſcheinungen, wie zunächſt
das von Herrn Kammerſänger Spemann geſungene
„Oeſterreichiſche Reiterlied” „Drüben am Wieſenrand
ſitzen zwei Dohlen,” eine Dichtung von Dr. Zuckermann,
der im Herbſt in den Kämpfen um die Karpathen als
Kriegsfreiwilliger ſiel, die Paul Natorp, der berühmte
Kantphiloſoph in Marburg, überaus wirkſam vertonte,
ſo=
wie eine Liederkompoſition unſeres einheimiſchen
treff=
lichen Künſtlers Herrn Muſikdirektor Klaſſert,
„Sterbeglocken” (Eichendorff) betitelt, die gleichfalls Herr
Spemann zum Vortrag bringen wird. Der Komponiſt
dieſes Liedes wird wieder, wie am erſten Abend,
perſön=
lich als Begleiter am Flügel wirken. Ebenſo wird
Hof=
opernſänger Herr Leo Schützendorf mit neuen,
vor=
wiegend patriotiſchen Liedern, zum Teil ſoldatiſch=heiterer
Grundſtimmung, allen Wünſchen gerecht werden. Der
Künſtler erzielte, wie erinnerlich, in verſchiedenen
vater=
ländiſchen Veranſtaltungen des letzten Winters am
Hof=
theater mit ſeinen vortrefflichen Darbietungen ſtets
durch=
ſchlagende Erfolge. Beſonders ſei auf eine Ballade von
Max Kretzer hingewieſen, die den deutſchen Heldengeiſt
verherrlicht. Auch ein neues, ſchwungvolles Soldatenlied
von Arnold Mendelsſohn, ein anderes von Hans Hayn,
und „Im Feldquartier” von K. Ramrad iſt
hervorzu=
heben. Ferner ſingt Frau Konzertſängerin Käte Nowack,
die ſich als Koloraturſängerin neulich ſo vorzüglich hier
einführte, die Arie der Frau Fluth aus Nicolats „Luſtigen
Weibern” ſodann Felix v. Weingartners „Liebesfeier”
und ein „Ständchen” von Rich. Strauß. Endlich hören
wir von Herrn Spemann noch „Die Fahrt zum Hades”
und „Der Tod und das Mädchen” ſeines
Lieblingskompo=
niſten Schubert, deſſen „Erlkönig” und „Wanderer” ihm
neulich beſondere Lorbeeren als tiefempfindendem
Lieder=
ſänger eintrugen, und die beliebte „Romerzählung” aus
Wagners „Tannhäuſer”.
* Konzert. Im Cafs Fürſt Bismarck findet
heute abend ein Bunter Abend ſtatt. Die Künſtler=
Kapelle hat zu dieſem Abend ein abwechslungsreiches
Programm von Liedern, Operetten, Märſchen und
Volks=
liedern von heimatlichen Komponiſten zuſammengeſtellt,
ſodaß der Beſuch jedem Muſikfreund aufs beſte zu
empfehlen iſt.
* Preisaufſchlag für Fleiſch und Wurſt. Die
Schweine=
metzger machen bekannt, daß ſie ſich infolge der dauernd
ſteigenden Schweinepreiſe genötigt ſehen, ab Sonntag,
den 1. Auguſt, einen Preisaufſchlag auf Fleiſch
und Wurſt eintreten zu laſſen.
h- Von der Bergſtraße, 28. Juli. (
Auszeich=
nung.) Dem Vizefeldwebel Friedrich Peppler,
Ge=
richtsſchreiber=Aſſiſtent beim Amtsgericht Zwingenberg,
und dem Unteroffizier Ph. Alheim in Schwanheim
wurde die Heſſiſche Tapferkeitsmedaille verliehen. —
(Die Kaiſer=Wilhelm=Spende.) Im Kreiſe
Bens=
heim ergab die Sammlung für die Kaiſer=Wilhelm=
Spende deutſcher Frauen die hübſche Summe
von 8211,33 Mk. — (Der Kurfremdenverkehr) iſt
in dieſer Saiſon ſo gering, daß man in manchen Orten,
die in der Regel ſtark beſucht ſind, ſelten Gäſte zu Geſicht
bekommt. Die Gaſtwirte erleiden dadurch einen großen
Einnahme=Ausfall, ja für manchen ſteht geradezu die
Exiſtenz auf dem Spiele. — (Schwerer Unfall.) Der
Landwirt Adam Mohr in Zwingenberg kam im
Felde unter einen beladenen Wagen und wurde ſo ſchwer
am Kopf und Körper verletzt, daß er wohl längere Zeit
bettlägerig ſein wird.
Mainz, 29. Juli. (
Stadtverordnetenver=
ſammlung.) Stadtv. Dr. Müller gab als
Vor=
ſitzender des Finanzausſchuſſes einen ausführlichen,
über=
ſichtlichen Bericht über die finanziellen
Ver=
hältniſſe der Stadt. Der Ausfall bei dem Gas=
und Elektrizitätswerk beträgt 268000 Mark. Auch der
Wegfall des Oktrois auf Brennmaterialien bringt einen
Ausfall von 135000 Mark. Bedeutende Mehrausgaben
entſtehen durch die durch den Krieg vermehrten
Armen=
koſten, die Aufbringung der Zinſen für die notwendigen
Kapitalien für Zwecke der Kriegsführung uſw. So ſind
nach dem neuen Voranſchlage 909789 Mark mehr
aufzu=
bringen. Der größte Teil des Mehrbetrages ſoll mit
Rückſicht auf die Kriegslage durch eine verminderte
Schul=
dentilgung aufgebracht werden. Der dann noch
vorhan=
dene Fehlbetrag von 275000 Mark ſoll durch eine
Er=
höhung der Umlage aufgebracht werden. Es
wur=
den am Voranſchlag aus Sparſamkeitsgründen 124430
Mark geſtrichen, die aber bei dem Steuerausſchlag nicht
berückſichtigt werden ſollen, ſondern mit Rückſicht auf die
zunehmenden Ausgaben während des Krieges und des
Ausfalles an Steuern der Vermögensrechnung zugeführt
werden ſollen. — Es wurde ein Nachtrag zur
Markt=
ordnung angenommen, nach der der Zwiſchenhandel
auf dem Wochenmarkt erſt nach 9 Uhr von den
Produ=
zenten kaufen darf. Es wurde dabei mitgeteilt, daß
feſt=
geſtellt worden ſei, daß die Händler nach Einkauf der
Waren von den Landwirten dieſe um 100 Prozent höher
verkauften.
Mainz, 29. Juli. (Drei Soldaten ertrunken.)
Ein ſchweres Bootsunglück hat ſich geſtern auf dem Rhein
ereignet. Vier Soldaten eines Erſatzbataillons, das zum
Teil in Finthen und zum Teil in Eltville liegt, ſetzten
geſtern in einem Nachen von Eltville über den Rhein.
Der ſtarke Strom brachte das Boot zum Kentern. Nur
einer der Inſaſſen konnte ſich durch Schwimmen retten,
während die drei anderen leider den Tod in den Wellen
fanden. Unter ihnen iſt Herr Lehrer Weber von Gau=
Algesheim, der eine Frau und drei kleine Kinder
hinterläßt.
Guntersblum, 29. Juli. (Ein empfindlicher
Verluſt) hat die Firma Heumann hier betroffen.
Beim Transport eines Stückes 1911er Wein mit einem
Ochſſenfuhrwerk ſcheuten die Tiere und gingen in
raſen=
dem Laufe durch. Das Stück Wein rollte bei der tollen
Fahrt vom Wagen und wurde beſchädigt, ſodaß der
koſt=
bare 1911er ſämtlich auslief.
Gießen, 29. Juli. (Der Kriegsgefangene
als Lektor.) Das Rektorat der Landesuniverſität
Gießen ſchreibt zu einer von mehreren Blättern
gebrach=
ten Meldung: Zu den Angaben der Preſſe über
Vor=
leſungen, die ein franzöſiſcher Profeſſor an der
Univer=
ſität Gießen gehalten habe, wird von der Univerſität
mit=
geteilt: Es iſt unrichtig, daß an der Univerſität Gießen
ein franzöſiſcher Kriegsgefangener Vorleſungen gehalten
hat. Es wurde lediglich den Studierenden der neueren
Philologie Gelegenheit gegeben, ſich mit einem
franzöſi=
ſchen Gefangenen zweimal in der Woche in franzöſiſcher
Sprache zu unterhalten. Ein Widerſpruch der
Studieren=
den gegen dieſe Einrichtung iſt nicht erfolgt. Die
Uebun=
gen mußten abgebrochen werden, weil der
Kriegsgefan=
gene mit vielen anderen aus dienſtlichen Gründen in ein
anderes Lager übergeführt wurde.”
Reich und Ausland.
Frankfurt a. M., 29. Juli. (Ein reicher Fund.)
Auf dem hieſigen Hauptfriedhof wurden Mittwoch
nach=
mittag aus einem Verſteck 45000 Kronen in
öſter=
reichiſchen, ungariſchen, ruſſiſchen und deutſchen
Bank=
noten ausgegraben. Das Geld bildet einen Teil einer
großen Summe, die ein öſterreichiſcher Beamter kürzlich
unterſchlagen hatte. Die öſterreichiſche
Polizeibe=
hörde hatte das Verſteck ermittelt und die Kriminalpolizei
mit den weiteren Ermittlungen betraut.
Karlsruhe, 29. Juli. (Feuer.) Geſtern abend
ent=
ſtand in dem hiſtoriſch merkwürdigen, ſogenannten
Gottes=
auer Schloß am Durlacher Tor ein Brand, der jedoch
als=
bald gelöſcht werden konnte. Abgebrannt iſt nur die aus
Holz mit Metallblechbedachung beſtehende, zwiebelförmige
Turmkuppe. Der Schaden iſt gering.
Mannheim, 29. Juli. (Schiffsunfall.) Heute
früh gegen 6 Uhr iſt im Rhein in der Nähe des
Mühlau=
hafens das Schleppboot „Harpen Nr. 10” das ein
be=
ladenes Schiff in den Hafen bringen ſollte und in die
Strömung gekommen war, geſſunken. Der Kapitän
Chriſtian Hoffmann aus Boppard und der
Maſchinen=
führer Joſeph Becker von Mannheim ertranken. Das
Boot verſank vollſtändig im Waſſer.
Köln, 29. Juli. (Zum Jahrestag des
Kriegs=
beginns.) Die Köln. Volksztg. meldet folgenden
erz=
biſchöflichen Erlaß: „Der Jahrestag des
Kriegs=
beginns bietet in beſonderer Weiſe Anlaß, Gott dem
Herrn für die Hilfe, die er uns bisher huldvoll erwieſen
hat, innigen Dank zu ſagen und ihn von neuem inſtändig
zu bitten, daß er uns ſeinen Beiſtand bis zu einem
glück=
lichen und ehrenvollen Ausgang des Krieges gnädig
ge=
währen möge. Daher beſtimme ich, daß am nächſten
Sonntag, dem 1. Auguſt, in allen Pfarr= und
Rektorats=
kirchen der Erzdiözöſe ein Hochamt mit Ausſetzung des
hochwürdigſten Gutes gehalten und vor dem Schlußſegen
drei Vaterunſer und „Gegrüßt ſeiſt Du Maria” ſowie
das Friedensgebet ſeiner Heiligkeit des Papſt Benedikt XV:
verrichtet werden ſollen. Der Erzbiſchof von Köln: Felix,
Kardinal von Hartmann.”
Allenſtein, 29. Juli. (Die Kaiſerin) begab ſich
geſtern in Begleitung der Kronprinzeſſin mit der
Eiſen=
bahn von Allenſtein nach Neidenburg, beſichtigte die Stadt
und das Johanniter=Krankenhaus und kehrte über
Hohen=
ſtein und Grieslienen mittels Auto nach Allenſtein zurück,
woſelbſt ſie beim Regierungspräſidenten von Hellmann
Wohnung genommen hat. Für heute iſt eine Beſichtigung
von Ortelsburg und der dortigen Kriegslazarette in
Aus=
ſicht genommen.
Mailand, 28. Juli. (Zur Exploſion im
Marinearſenal von Malta) meldet Secolo noch
folgende Einzelheiten: Die furchtbare Exploſion rührte
vom Platzen einer Mine her, die mit vielen anderen in
derſelben Kaſematte untergebracht war. Die Exploſion,
die am hellichten Tage erfolgte, ſprengte die
Kaſematte in die Luft. Ungefähr. 30
Arſenal=
arbeiter und Matroſen wurden getötet. Das Arſenal
be=
findet ſich in dem Dorfe Englea in der Nähe von Valetta.
Die Heftigkeit der Exploſion war ſo ſtark, daß große ins
Meer geſchleuderte Trümmer ein im Hafen befindliches
Hoſpitalſchiff trafen, an deſſen Bord verſchiedene Leute
verwundet worden.
London, 28. Juli. (Exploſion in einer
Luft=
ſchiffhalle.) In einer Luftſchiffhalle des
Londoner Diſtriktes Wormwood Serwubs ereignete ſich
heute, wahrſcheinlich infolge Entweichens von Gas, eine
Exploſion, durch die 3 Perſonen getötet und 20 verletzt
wurden.
Handel und Verkehr.
B.B. Berlin, 28. Juli. Wichtige
bahnamt=
liche Beſtimmungen für die Reiſezeit enthält
folgender auf den Bahnhöfen angebrachter Anſchlag:
Ein Reiſender mit durchgehender Fahrkarte, der wegen
Zugverſpätung den Anſchluß an einen Zug verſäumt
und mit dem nächſten Zuge zur Ausgangsſtation
zurück=
kehrt, erhält das Fahrgeld für die Hin= und Rückfahrt
erſtattet. Die Anſchlußverſäumnis muß von der Station,
auf der der Zug verſpätet eingetroffen iſt, beſcheinigt
werden, ebenſo die Rückkehr von der Ausgangsſtation.
Will der Reiſende dagegen die Reiſe fortſetzen, ſo kann
er ohne Zuſchlag eine andere Strecke, ſowie einen Zug
mit höheren Wagenpreiſen oder höheren Wagenklaſſen
(Luxuszug ausgeſchloſſen) benutzen, wenn dadurch die
Ankunft am Beſtimmungsort beſchleunigt wird. Reiſende
der 4. Klaſſe haben jedoch zur Fahrt in 1. oder 2. Klaſſe
den Fahrpreisunterſchied zu entrichten, in Schnellzügen
auch dem Schnellzugszuſchlag. Dieſe Vergünſtigung
ſteht auch den Reiſenden ohne durchgehende Fahrkarte
zu, die ſich auf der Anſchlußſtation zur Weiterreiſe erſt
neue Fahrkarten löſen müſſen.
* Berlin, 29. Juli.
Börſenſtimmungs=
bild. Bei allgemein recht freundlicher Stimmung
er=
fuhren einige Werte unter lebhaften ſpekulativen Käufen
recht erhebliche Steigerungen, ſo Hohenlohe=Aktien auf
Erhöhung der Zinkpreiſe und Buſch=Waggon; außerdem
ſetzten Akkumulatoren Hagen, ſowie Weſtfäliſche
Kupfer=
werte ihre Aufwärtsbewegung fort. Durch Feſtigkeit
zeichneten ſich ferner aus Oberſchleſiſche Eiſenbedarf,
Deutſche Erdölaktien und Hirſch Kupfer. Geld für einige
Tage über Ultimo bedang 4 Prozent.
Landwirtſchaftliches.
— Frankfurt a. M., 29. Juli. (
Schlachtvieh=
markt.) Amtlicher Bericht. Auftrieb: Rinder: 402 Stück,
darunter 10 Ochſen, 3 Bullen, 389 Färſen und Kühe,
Kälber 943, Schafe 89, Schweine 370. Preiſe für 50 Kilo
Lebendgewicht in Mark: Kälber: Feinſte Maſtkälber
64—80 (Schlachtgewicht 107—113), mittlere Maſt= und
beſte Saugkälber 58—62 (96—103), geringere Maſt= und
gute Saugkälber 53—57 (90—97), geringe Saugkälber
48—52 (81—88). Schafe: Maſtlämmer und
Maſtham=
mel 56 (122). Schweine: vollfleiſchige Schweine von
80—100 Kilo Lebendgewicht 121,5—1127,5 (150—158),
voll=
fleiſchige Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 120—125
(144—152), vollfleiſchige von 100—120 Kilo Lebendgewicht
120—125 (150—158). Marktverlauf: Kälber werden bei
gedrücktem, Schafe bei ruhigem und Schweine bei
leb=
haftem Handel ausverkauft.
Stadtverordnetenverſammlung.
6. Sitzung.
g. Darmſtadt, 29. Juli.
Beig. Ekert eröffnet die Sitzung um ¾4 Uhr mit
folgenden
Mitteilungen:
Die Inhaber der Darmſtädter „Kriegsfelder”
haben durch Herrn Reallehrer Lerch für die unentgeltliche
Abgabe von Kompoſterde und Herrichtung von
Waſſer=
zapfſtellen ihren Dank ausgeſprochen.
Eine Anzahl hieſiger Frauenvereine hat mitgeteilt,
daß ſie ſich unter der Bezeichnung „Verband
Darm=
ſtädter Frauenvereine” zu einer
Arbeitsgemein=
ſchaft zuſammengeſchloſſen haben zur Behandlung der
wichtigſten Fragen des öffentlichen Lebens in Staat und
Gemeinde.
Die Teuerungszulage für die ſtädtiſchen
Arbeiter.
Stadtv. Delp bemängelt, daß trotz dem ausdrücklich
bekundeten Willen der Stadtverordnetenverſammlung die
Teuerungszulage, die in der letzten Sitzung beſchloſſen
wurde, den Arbeitern, die während der Kriegszeit von
der Stadt angeſtellt wurden, nicht ausgezahlt wurde.
Es ſei Tatſache, daß Arbeiter, die ſeit einem, ja ſeit drei
Jahren von der Stadt beſchäftigt werden, von der
Teue=
rungszulage nichts bekommen. Die
Stadtverordnetenver=
ſammlung möge ausdrücklich den Wunſch ausſprechen, daß
allen Arbeitern, die länger als 14 Tage beſchäftigt ſind,
die Teuerungszulage zugute kommen ſoll. — Beig. Ekert
führt aus, daß die Verwaltung dazu gerne bereit ſei,
wenn die Stadtverordnetenverſammlung einen
entſpre=
chenden Beſchluß faſſe.
Die Beſchaffenheit des Brotes.
Stadtv. Gretzſchel führt aus, daß er ſich genötigt
ſehe, auf die Beſchaffenheit des Brotes zu ſprechen zu
kommen. In letzter Zeit ſind viele Klagen erhoben
wor=
den, und er habe ſich überzeugen können, daß dieſe
Kla=
gen durchaus berechtigt ſind. Das Brot ſei
gegen=
wärtig „ſo wenig gut” um keinen anderen Ausdruck zu
gebrauchen, um, wenn nicht geſundheitsſchädlich, ſo doch
nicht geſundheitszuträglich zu ſein. Die Bäcker ſagen
nun, daß die ſchlechte Beſchaffenheit des Brotes auf das
ſchlechte Mehl zurückzuführen iſt, da ſie das verbacken
müſſen, was ihnen von der Stadt geliefert wird. Es iſt
doch anzunehmen, daß wir in der Kommiſſion die
Sach=
verſtändigen ſitzen haben, und da iſt es unerfindlich, wie
wir zu einem ſolchen Brot kommen können. Redner führt
einen Fall an, daß Darmſtädter Bäcker in Mannheim
hätten 400 Sack gutes Mehl kaufen können. Darauf ſei
aber die Kommiſſion nicht eingegangen, weil die Stadt
ihr Mehl mit 40,50 Mark verkauft, während das
Mann=
heimer Mehl 43 Mark koſten ſollte. Dabei ſei aber das
Mannheimer Mehl zehnmal beſſer geweſen, wie das hier
verteilte. In Mannheim bekomme auch jeder Bäcker, der
10 Sack Mehl abnimmt, einen Sack feines Weizenmehl
mit=
geliefert, um das Mehl zu verbeſſern. Redner fährt fort:
Ich beſchränke mich darauf, dies zur Sprache zu bringen,
um den Herren der Kommiſſion Gelegenheit zu geben,
die Sachlage klarzuſtellen. Es war notwendig, einmal
dieſe Sache zur Sprache zu bringen, denn ſo kann es nicht
fortgehen. Es iſt jeder gern bereit, wenn es nötig iſt, ſich
einzuſchränken, aber es iſt nicht nötig, daß das Brot
hier ſchlechter iſt, als in anderen Orten.
Beig. Ekert betont, daß ohne weiteres
zuzu=
geben ſei, daß das Brot nicht ſo iſt, wie es
ſein müßte, es müſſe aber mit aller Entſchiedenheit
ausgeſprochen werden, daß die Kommiſſion, beſonders
Herr Hammann, ihr möglichſtes getan habe um die
be=
ſtehenden Mißſtände zu beheben oder nach Möglichkeit zu
lindern. Für die Zukunft ſeien derartige Klagen
voraus=
ſichtlich nicht mehr zu befürchten, da durch die
Selbſtwirt=
ſchaft dieſe Mißſtände beſeitigt werden können.
Stadtv. Hammann: Es war vorauszuſehen, daß
heute in der Sitzung wieder Klagen über Brot und Mehl
erhoben würden. Die Klagen ſind aber eigentlich nicht
berechtigt. (Zuruf: Oho!) Berechtigt ſchon, nur nicht in
dem Maße, wie ſie breitgetreten werden, denn ſie werden
in allen Kreiſen, die nicht Selbſtwirtſchaftsverbände ſind,
vorgebracht. (Zuruf des Stadtv. Haury: Von allen
Städten hat Darmſtadt das ſchlechteſte Brot.) Frankfurt
hat viel ſchlechteres Brot als Darmſtadt. Stadtv. Gretzſchel
ſagte, die Bäcker haben ſich bei ihm beſchwert.
Demgegen=
über will ich nur feſtſtellen, daß die Stadt kein anderes
Mehl bekommt, ſie muß nehmen, was ſie bekommt. Es iſt
keine Möglichkeit gegeben, das Mehl
zurück=
zugeben. Es iſt vielmehr nur möglich, eine
Preis=
minderung zu erreichen und das Schiedsgericht in Berlin
anzurufen. Die Stadt bekam letztmals 1000 Säcke Mehl,
die nicht dem entſprachen, was man von einem Mehl für
menſchliche Nahrung verlangen kann. Wir proteſtierten
und beantragten eine Minderung von 1,50 Mark und die
Lieferung von Weizenmehl, um das Mehl durch Miſchen zu
verbeſſern. Das Urteil des Schiedsgerichts, das
auf dem Gutachten eines Sachverſtändigenausſchuſſes
be=
ruht, lautete:
Das Mehl iſt wohl etwas geringwertig
aber für die Bevölkerung zu verwenden!
Die Stadt hat die Koſten zu tragen. Es ſoll eben kein
Mehl verloren gehen, was zur menſchlichen Nahrung nur
verwendbar iſt. Durch die
Manipulationen einer Gruppe von
Bäckermeiſtern
iſt uns das unterbunden, was man in Mannheim
getan hat. Eine Gruppe von Bäckermeiſtern hatte die
Erlaubnis nachgeſucht und erhalten, 2500 Sack Mehl
einzuführen, für die natürlich Brotkarten
zurückzu=
geben waren. Es ſind aber nur für 1495 Sack
Brotkarten zurückgegeben worden,
1000 Sack Mehl fehlen und werden uns aufgerechnet,
da wir nachzuweiſen haben, ob wir unſere Schuldigkeit
getan haben. Wir hatten Erſparniſſe gemacht, und uns
wäre es möglich geweſen, dieſe Erſparnis zugunſten der
Bevölkerung zu verwenden. Es iſt alſo unrichtig, was
dem Herrn Gretzſchel mitgeteilt worden iſt, im Gegenteil,
wir hätten es begrüßt, wenn beſſeres Mehl von
Mann=
heim hätte eingeführt werden können. Die Stadt hatte
aber, durch die traurige Erfahrung gewitzigt, die
Be=
dingung geſtellt, daß das einzuführende Mehl in dem
ſtädtiſchen Lagerhaus eingelagert werde. Dem
woll=
ten jene Bäcker ſich nicht unterwerfen. Die
Stadt hat inzwiſchen das von jener Gruppe von Bäckern
verurſachte Defizit durch Erſtreckung der Brotkarten im
April um einen Tag, im Mai um 2 Tage, im Juni, Juli
und Auguſt je 3 Tage, alſo durch 12 Tage eingebracht.
Wir ſind aber jetzt nur auf die nicht verbrauchten, an die
Stadt freiwillig zurückgegebenen Brotmarken angewieſen,
durch die wir die ſchwer arbeitende Bevölkerung
unter=
ſtützen können.
Um das jetzige ſchlechte Mehl genießbarer zu machen,
haben wir die Kriegsgetreidegeſellſchaft erſucht, uns gutes
Mehl zu ſchicken, um eine beſſere Miſchung zu
er=
zielen; dieſes Mehl wird uns allerdings auf den Auguſt
angerechnet. Es ſteht alſo zu erwarten, daß die
Klagen in der nächſten Zeit aufhören
werden.
Beſſer ſind wir vom 15. Auguſt ab geſtellt, da wir
dann einen Selbſtwirtſchaftsverband bilden. Es darf dann
das Mehl nur auf zwei Monate gemahlen werden.
Stadtv. Stemmer: Wäre dieſe Aufklärung früher
gekommen, hätte viel Beunruhigung vermieden werden
können. Redner vertritt die Anſicht, daß man energiſcher
gegen das ſchlechte Mehl hätte auftreten können, man
hätte es machen ſollen wie Baden, das einen Poſten
ſchlech=
tes Mehl ſofort zurückgeſchickt hätte. Dem wird vom
Stadtv. Hammann und anderer Seite widerſprochen,
da dies ganz unmöglich ſei. Die Vorſchriften ließen das
nicht zu Stadtv. Stemmer iſt der Anſicht, daß man
ſich dann beim Reichskanzler beſchweren ſolle, jedenfalls
brauchten wir nicht das Mehl zu nehmen, das Berlin
nicht haben will. Er hofft, daß die Bäcker, die ſo
ge=
wiſſenlos mit dem Mehl gewirtſchaftet haben, beſtraft
werden.
Stadtv. L. Lautz iſt der Anſicht, daß das Brot, wie
wir es in den letzten vierzehn Tagen hatten, ſchlechter
war als in Frankfurt. Doch ſind die Bäcker nicht die
rich=
tige Stelle, wenn man ſich darüber beſchweren wollte. Die
Erklärung der Bürgermeiſterei in der Zeitung über die
Urſache der ſchlechten Brotbeſchaffenheit hätte früher
er=
ſcheinen müſſen, ſie iſt zu ſpät fertig geworden. Die
Ur=
ſachen der ſchlechten Brotbeſchaffenheit hat Stadtv.
Ham=
mann eingehend dargelegt. Wie kam es denn, daß das
Mehl ſo ſchlecht iſt? Mit Rückſicht auf die Landwirtſchaft
wurde im vergangenen Herbſt das Getreide ſo raſch wie
möglich ausgemahlen. Nun mußte man das Mehl lagern,
wo man das Getreide viel beſſer hätte lagern können.
Das Mehl wurde beſonders in der kritiſchen Zeit, der
Blütezeit, ſchlecht, es wurde klumpig und mußte teilweiſe
auseinandergeſchlagen oder nochmals gemahlen werden,
um nur verwendungsfähig zu werden. Der muffige
Ge=
ruch iſt aber nicht zu beſeitigen geweſen. In der Zukunft
wird man auch hierin klüger ſein. Man wird ſich jetzt auch
einen größeren Mehlvorrat halten, das iſt jetzt eher
mög=
lich als früher; dann kann man auch mal das ſchlechte
Mehl ſtehen laſſen und es aufs äußerſte ankommen laſſen.
Jetzt mußte man das Mehl benutzen, wollte man nicht das
Bäckergewerbe brachliegen laſſen, ſodaß ein Brotmangel
eingetreten wäre. Das jetzige Mehl iſt nicht ganz ſo ſchlecht,
wie das vorhergehende, aber es iſt doch immer noch ſo
ſchlecht, wie es die meiſten Menſchen nicht vertragen
kön=
ien. (Und die kleinen Kinder? Der Berichterſtatter.)
Stadtv. Schäfer iſt dem Stadtv. Gretzſchel dankbar
dafür, daß er die Sache angeſchnitten hat; auch dem Stadtv.
Hammann ſei Dank für ſeine Aufklärung auszudrücken.
Er vermiſſe, daß ſich Herr Lautz über die Manipulationen
jener Gruppe von Bäckermeiſtern ausgelaſſen habe, wozu
Stadtv. Hammann bemerkt, daß der Stadtv. Lautz nicht
zu dieſen gehöre. Stadtv. Schäfer freut ſich, feſtſtellen zu
können, daß von ſeiten der Stadtverwaltung alles getan
worden ſei, was möglich war, um die Brotbeſchaffenheit
zu verbeſſern.
Stadtv. Hammann dankt den beiden Vorrednern
dafür, daß ſie die Sache objektiv aufgefaßt haben, denn
ungerechtfertigte Angriffe auf die Männer, die in der
Kom=
miſſion ſitzen, tragen nicht dazu bei, ihnen ihr freiwillig
übernommenes ſchweres Amt zu erleichtern. Der
Vor=
ſchlag des Stadtv. Lautz, es darauf ankommen zu laſſen
und das Mehl ſtehen zu laſſen, geht nicht an, denn der
Kommunalverband wird für das Verderben von Mehl
haftbar gemacht. — Stadtv. Haury führt aus, daß
er nach den Aufklärungen des Stadtv. Hammann die Sache
ganz anders auffaſſe, als wie man es vorher allgemein
gehört habe. Doch hätte die Aufklärung früher kommen
nüſſen.
Stadtv. Dr. Noellner wünſcht die Ausdehnung der
Gültigkeit der Brotkarten; ſo könne man in Heidelberg
auf Darmſtädter Brotmarken Brot bekommen. Zum
mindeſten müßten die Karten im Großherzogtum überall
gelten, denn es komme doch einzig darauf an, daß jeder
nur die beſtimmte Menge Brot verbrauche. In Bayern
iſt man ſchon ſo weit, daß man eine für ganz Bayern
gültige Brotkarte habe. — Beig. Ekert bemerkt, daß
eine Bewegung im Gange iſt, die die Gültigkeit der
Brot=
karten ausdehnen will. — Stadtv. Stemmer erklärt,
daß er in Potsdam, Hamburg und Halle auf Darmſtädter
Marken Brot bekommen habe. — Stadtv. Dr. Noellner:
Aber hier in Darmſtadt werden auswärtige Marken nicht
genommen. — Stadtv. Sames: Wenn in Heidelberg
auswärtige Marken genommen werden, ſo trifft das für
die anderen badiſchen Städte nicht zu. Aber für ganz
Bayern hat man ſchon einheitliche Brotmarken. Zum
mindeſten iſt hier anzuſtreben, daß innerhalb des
Kom=
munalverbandes einheitliche Marken gelten.
Stadtv. Gretzſchel erklärt, daß der Zweck ſeiner
Anfrage erreicht iſt, er habe Aufklärung erhalten; er
möchte nur noch bemerken, daß der Hinweis auf
den Patriotismus hier hätte unterbleiben können. Man
hätte ſich ruhig darauf beſchränken können, die Frage
ſach=
lich zu behandeln. Es ſei doch ungerecht, zu ſagen, daß,
wer ſich hier beſchwert habe, nicht bereit ſei, Opfer zu
bringen. Alle, die ihm die Beſchwerden geäußert hätten,
ſeien ehrenwerte Leute geweſen, die ſchon zum Teil mehr
Opfer gebracht haben, als mancher von uns hier. Es
handele ſich doch hier nur darum, ob das Opfer,
verdor=
benes Mehl zu verbrauchen, nötig iſt, d. h. ob es nicht
ver=
meidbar ſei, und das wurde ja beſtätigt. — Gegen die
Ausführungen des Stadtv. Gretzſchel wendet ſich Stadtv.
Schäfer. — Stadtv. Delp hofft, daß gegen jene
Bäcker=
meiſter, die das Defizit verurſacht haben, Strafantrag
ge=
ſtellt worden ſei. — Beig. Ekert bemerkt, daß von
Ge=
ſetzes wegen gegen dieſe Bäckermeiſter vorgegangen werde.
Die ſtädtiſche Arbeitsvermittelung.
Ueber die Arbeitsverteilungsſtelle im
Hallenſchwimm=
bad bringt Stadtv. Schönberger Klagen vor, denen
zufolge Frauen, deren Männer nicht im Felde ſtehen,
viel=
mehr ein genügendes Einkommen haben mehr Arbeit
be=
kommen hätten als Kriegerfrauen. — Beig. Ekert gibt
zu, daß bei der Arbeitszentrale Mißſtände beſtanden, die
inzwiſchen behoben worden ſeien. Dabei müſſe aber die
ungeheure Arbeit berückſichtigt werden, die von der
Zen=
trale zu bewältigen ſei. Es ſeien hier 2200 Frauen und
Mädchen beſchäftigt, und im ganzen Großherzogtum über
10000. Für zwei Millionen Mark Aufträge der
Militär=
verwaltung Mainz ſeien übernommen worden. — Auch
Stadtv. Delp gibt zu, daß die Mißſtände, die von ihm
zur Kenntnis der verantwortlichen Stellen gebracht wur=
den, beſeitigt worden ſind — Es ſprach hierzu noch Beig.
Ekert und die Stadtvv. Bormet und Sames.
Der Darmſtädter Großmarkt.
Stadtv. Link fragt an, wie weit die Angelegenheit
des Großmarktes gediehen ſei. — Beig. Schmitt
be=
merkt, daß die Frage in Bearbeitung ſei. — Stadtv. Link
wünſcht, daß die Angelegenheit möglichſt bald erledigt
werde, denn es handle ſich ja hier nur um die
Ausfüh=
rung der Marktordnung, nach der der Großmarkt ſchon
längſt beſtehen müßte. — Es wird hierauf in die
Tages=
ordnung eingetreten.
Geſuche um Ausnahmen von den
baupoli=
zeilichen Beſtimmungen uſw.
Ein Geſuch um Befreiung von der Beſtimmung in
§ 69 des Ausf.=Verordn. zur A. B.=O. wegen Herſtellung
eines Fenſters in der Brandmauer eines Gebäudes in
der Sandſtraße empfiehlt man abzulehnen. Die
Ver=
ſammlung beſchließt dementſprechend nach dem Bericht
des Stadtv. Schäfer.
Für die Errichtung von Stallgebäuden auf dem
Grund=
ſtück der Trainkaſerne an der Eſchollbrücker Straße,
weſt=
lich der neuen Main=Neckar=Bahnlinie, wird um
Befrei=
ung von § 5 des Ortsbauſtatuts nachgeſucht. Die
Stadt=
verwaltung befürwortet das Geſuch. Berichterſtatter
Stadtv. Wagner. Das Geſuch wird genehmigt.
Ein Geſuch um Befreiung von der Beſtimmung in
§ 5 O.=B.=St. für Errichtung eines Schuppens nächſt der
Frankfurter Straße außerhalb des Bebauungsplans wird
unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs zur
Befürwor=
tung empfohlen. Berichterſtatter Stadtv. Haury. Dem
Geſuch wird zugeſtimmt.
Ein Geſuch des Eiſenbahnbetriebsamts I um Befrei
ung von § 5 O.=B.=St. für Errichtung einer Badeanſtalt
an der Frankfurter Straße wird zur Befürwortung
empfohlen. Hierüber berichtet Stadtv. Schäfer; er
bemängelt, daß die Architektur des Gebäudes ſich nicht dem
Charakter der Frankfurter Straße anpaſſe. — Auf Antrag
des Stadtv. Dr. Bender wird zur Bedingung gemacht,
daß die Geſtaltung des Gebäudes den Anforderungen der
Baupolizei angepaßt wird.
Wegen Errichtung eines Wohngebäudes in der Nähe
des Heinrichwingertswegs wird um Befreiung von den
Beſtimmungen in den §§ 5, 34 und 38a und b des O.=B.=
St. nachgeſucht. Das Geſuch wird befürwortet.
Bericht=
erſtatter Stadtv. Sames. Dem Geſuch wird zugeſtimmt.
Der Nachtrag für die Gartenvorſtadt
Die=
burger Straße-Hohler Weg
enthält in § 2 folgende Vorſchrift: „Vor dem Beginn
des Anbaues an den einen Baublock umgebenden, noch
nicht hergeſtellten Straßen oder Straßenteilen iſt dem
Oberbürgermeiſter ein Plan über die ſachgemäße
Ein=
teilung des Baublocks in Bauplätze zur Genehmigung
vorzulegen. Bauerlaubnis kann jedoch erſt erteilt werden,
wenn dem Oberbürgermeiſter der Nachweis erbracht iſt,
daß die Einteilung des Baublocks in Bauplätze dem Plan
entſprechend geſichert iſt. In dem vorliegenden Plan iſt
in der Regel die Stellung der zu errichtenden Gebäude
einzutragen, die nach erfolgter Prüfung durch die
Bau=
volizei und Verſtändigung mit den Intereſſenten der
Be=
bauung zugrunde zu legen iſt.”
Die ſeit 1910 gültige Beſtimmung hat ſich, wie der
Berichterſtatter, Stadtv. Schäfer ausführt, in der
Praxis nicht bewährt. Es wird deshalb vorgeſchlagen,
ſie aufzuheben und an ihre Stelle eine, dem Wortlaut der
Vorſchrift in § 6 des Ortsbauſtatuts entſprechende
Be=
ſtimmung zu ſetzen, welche einen geeignet ſcheinenden
Ausbau der Gartenvorſtadt herbeiführen hilft. Als
Neu=
faſſung der Beſtimmung wird zu wählen ſein: „Das
Bauen ſoll nur dann erfolgen, wenn die Lage und Form
der Grundſtücke eine zweckmäßige Bebauung zulaſſen oder
durch Verſtändigung der beteiligten Eigentümer eine
Regu=
lierung und Einteilung der Grundſtücke in angemeſſene
Bau=
plätze erfolgt iſt. In beiden Fällen ſollen jedoch die
Bauenden verpflichtet ſein, an einer etwa
zuſtandekommen=
den Zuſammenlegung des geſamten Baugebiets
teilzuneh=
men.‟ Der Hochhau=Ausſchuß hat die Neufaſſung
gutge=
heißen. An dieſe Ausführungen ſchließt ſich eine ſehr
leb=
hafte Beſprechung über die Anlegung und Ausſichten von
Gartenvorſtädten im allgemeinen und die der
Gartenvor=
ſtadt Hohler Weg im beſonderen, wobei Stadtv. Saeng
intereſſante Erinnerungen an die lebhaften Erörterungen,
die vor 20 Jahren über die Frage der Bebauung der
Mathildenhöhe gepflogen wurden, ausgräbt, wie man
den Zaren als Erbauer der ruſſiſchen Kapelle hochleben
ließ u. a. Es beteiligen ſich an der Beſprechung die
Stadtvv. Dr. Nöllner von Heſſert und Sames.
Der Neufaſſung des Nachtrags wird ſodann zugeſtimmt.
Ueber die
Beſchaffung von Ruhebänken
berichtet Stadtv. Saeng, daß man infolge eines
Einge=
ſandts, in dem das Fehlen von Bänken in Darmſtadt
ge=
rügt wurde, ſich mit dieſer Frage befaßt habe. Das
Stadt=
bauamt hat Vorſchläge über die Aufſtellung gemacht. Es
ſollen 30 Bänke aufgeſtellt werden, die einen Kredit von
1200 Mark beanſpruchen. Der Finanzausſchuß beſchloß,
n die Heag heranzutreten, ob dieſe nicht einen Teil der
Koſten übernehmen wolle für die Bänke, die bei den
Halte=
ſtellen der Bahn erſtellt würden. Notwendig ſei die
Aufſtellung der Bänke zweifellos, davon könne ſich jeder
überzeugen, der die Verhältniſſe am Louiſenplatz
beobach=
tet. — Stadtv. Dr. Bender hat mit Herrn Direktor
Möl=
ler geſprochen und dieſer verſprach, der Sache
wohlwol=
lend näher zu treten. Die Heag könne allerdings nur für
die Bänke Intereſſe haben, die an den Halteſtellen
aufge=
ſtellt würden. Der Kredit wird bewilligt.
Ein neuer Kredit für Gasmünzmeſſer
iſt nötig geworden. Wie der Berichterſtatter Stadtv.
Sa=
mes ausführt, ſind 25000 Mark bewilligt, doch ſind durch
die neuen Anmeldungen weitere 15000 Mark nötig
gewor=
den. Durch die Gasmünzmeſſer iſt der Gasverbrauch
er=
heblich geſtiegen. Gegen die Monate April und Mai des
Vorjahres wurde durch die Münzgasmeſſer für 74000
Mark mehr Gas abgegeben. — Die Miete für
Gas=
herde betrug bisher 1,50, 1,60 und 2,30 Mark monatlich.
Die geſtiegenen Materialpreiſe machen es erforderlich, dieſe
Miete auch zu erhöhen, und zwar ſollen für die nach dem
1. Juli erfolgten Anmeldungen in Rechnung geſtellt
wer=
den: 1,60, 1,80 und 2,50 Mark. Dieſe Sätze werden
gut=
geheißen, nur wird auf Antrag des Stadtverordneten
be=
chloſſen, die Miete für die dritte Klaſſe auf 2,60 Mark feſt
zuſetzen.
Damit iſt die Tagesordnung um 5½ Uhr erledigt
Der Krieg.
Der öſterreichiſch=ungariſche
Tagesbericht.
* Wien, 29. Juli. Amtlich wird verlautbart: 29. Juli,
mittags:
Ruſſiſcher Kriegsſchauplatz
An der Grenze zwiſchen der Bukowina
und Beßarabien überfielen kroatiſche Landwehr
und ungariſcher Landſturm eine ſtark ausgebaute ruſſiſche
Stellung. Der Feind wurde vollſtändig
über=
raſcht und flüchtete nach einem blutigen Handgemenge,
das ihn 170 Tote koſtete, aus ſeinen Verſchanzungen.
Oeſtlich Kamionka-Strumilowo nahmen unſere
Truppen einen Oberſtleutnant, 7 Offiziere und 500
Mann gefangen.
Bei Sokal wurden erneut heftige Angriffe des
Gegners zurückgewieſen.
Sonſt iſt die Lage an der Nordoſtfront unverändert.
Italieniſcher Kriegsſchauplatz.
An der küſtenländiſchen Front unternahmen die Ita
liener am Plateaurande bei Sdrauſſino und bei
Vermeg=
liano erfolgloſe Vorſtöße. Im Vorfelde des
Brückenkopfes von Görz räumte der Gegner ſeine
Sturm=
ſtellungen und ging in jene Linie zurück, die er
vor der Schlacht innehatte
An der Kärntner Grenze Artilleriekämpfe und
Geplänkel.
Im Tiroler Grenzgebiet wurde ein
feind=
liches Bataillon bei Marco im Etſchtale zurückgeworfen,
eine italieniſche Kompagnie im Gebiete der Trofana
zer=
ſprengt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabs:
v. Höfer, Feldmarſchalleutnant.
Die Kämpfe im Oſten.
TU Berlin, 29. Juli. Der B. Z. wird aus dem
K. u. K. Kriegspreſſequartier vom Berichterſtatter
Lenn=
hof gemeldet: Auch der neueſte Verſuch, die Offenſive in
Polen ſtatt durch eine Defenſivtaktik mit einer
Gegen=
offenſive zum Stehen zu bringen, mußten
die Ruſſen wiederum mit großen Opfern
bezahlen. Sie mochten glauben, durch
Ueberraſchun=
gen wirken zu können. Sie griffen plötzlich mit ſtarken
Kräften in 65 Kilometer langer Ausdehnung die nach
Eroberung von Pultusk und Rozan über den Narew
vorgebrochene Abteilung an. Der Anſturm vermochte
ebenſowenig auszurichten, wie der verzweifelte
Durch=
bruchsverſuch im Nordoſten Galiziens. Planmäßig
ſetz=
ten die Sturmkolonnen, nachdem ſie den mit großer
Hef=
tigkeit angreifenden Feind über den Haufen geworfen
hatten, ihre Offenſive fort. Die Kämpfe, die ſich an
die=
ſem Frontabſchnitt des Bug abſpielten, ſind ſchon
bei=
nahe im Rücken von Nowogeorgiewsk. Das
Gegenſtück zu dieſer gebrochenen ruſſiſchen Offenſive bildet
die Eroberung einer für die Operation ſehr wichtigen
Höhe bei Sokal. Auch hier gingen dem Erfolge ſchwere
Kämpfe voraus. Da die Ruſſen alles daran ſetzten, hier
vorwärts zu kommen, kam es zur furchtbar erbitterten
Nahkämpfen um die im Feuerbereich liegenden kleinen
Ortſchaften. Aber dem zähen Eifer unſerer Truppen
ge=
lang es ſchließlich, des ruſſiſchen Sturmhaufens Herr zu
werden und die Front an wichtigen Punkten nach Oſten
vorzubiegen. Auch hier haben die ruſſiſchen Abteilungen,
die ins Feuer geſchickt wurden, wieder große
Ver=
luſte aufzuweiſen, die noch andauernd wachſen. Das
gleiche Schickſal, wie dieſen vergeblichen Bemühungen
ereilte den geſtern wieder mit ſehr ſtarken Kräften
unter=
nommenen Ausfall gegen die Iwangorod vom Weſten
her einſchließenden Kräfte.
* Paris, 29. Juli. Die Erzwingung der
Narewlinie durch die Truppen Hindenburgs
über=
raſchte in Frankreich. Die Preſſe erkennt die
Be=
deutung der Ereigniſſe an, glaubt jedoch, daß der
Haupt=
widerſtand der Ruſſen an der Buglinie erfolge, welche
zwar nicht befeſtigt, aber infolge der Beſchaffenheit des
Geländes beſſer zur Verteidigung geeignet ſſei. Major
Civrieux allerdings äußert ſich im Matin viel
ſkep=
tiſcher. Er glaubt, daß die Buglinie nur geringe
Wider=
ſtandsmöglichkeiten biete und Warſchau nun von einer
neuen Seite ſtark bedroht ſei. Für die Ruſſen ſei es jetzt
wichtiger, zurückzugehen, um die Zerreißung ihrer Front
zu vermeiden, als ſich an den Beſitz Warſchaus zu
klam=
mern.
TU London, 29. Juli. Hieſigen Blättern zufolge
empfangen die Petersburger Zeitungen keine
telegraphi=
ſchen Meldungen aus Warſchau; jedoch erfährt man
aus privaten Nachrichten, daß die Stadt ruhig iſt. Die
bedeutendſte Aktion iſt auf der ganzen Linie zwiſchen Bua
unr Weichſel im Gange, wo Mackenſen, ſeiner
Tak=
tik gemäß, wie ein Schmiedehammer auf die
ruſſiſchen Maſſen wirkt, die einen hartnäckigen
Widerſtand leiſten. Die letzte Nacht befanden ſich die
Deutſchen nur noch wenige Meilen von Lublin.
TU Paris 29. Juli. Agence Fournier berichtet
aus Riga daß die Bevölkerung eine baldige
deut=
ſche Offenſive erwartet. Die Stadt iſt reichlich mit
Lebensmitteln verſorgt.
TU Kopenhagen, 29. Juli. Nach einer Meldung
der Zeitung Politiken aus Riga verhält ſich die dortige
Bevölkerung ungeachtet des beſtändigen
Näherkom=
mens der deutſchen Truppen vollſtändig ruhig.
Das Leben in der Stadt nimmt ſeinen gewöhnlichen Lauf.
Das Vorrücken der Deutſchen in Kurland hat dort bei
niemandem weder Furcht noch Beſorgnis hervorgerufen.
Die ſtalieniſchen Verluſte.
T.U. Zürich, 29. Juli. Das St. Gallener Tageblatt
meldet, der Domherr der Kathedrale von Lugano, der
mit dem militäriſchen Klerus in Beziehungen ſteht, habe
von zuverläſſiger Seite die Nachricht erhalten, daß die
italieniſchen Geſamtverluſte in den zwei
Mo=
naten des Feldzuges an Toten, Verwundeten und
Ver=
mißten 180000 Mann betragen.
Gründliche Arbeit unſerer U=Boote.
T.U. Rotterdam, 29. Juli. Der Nieuwe
Rotter=
damſche Courant meldet unter dem geſtrigen Datum aus
London, daß in den letzten 24 Stunden zehn engliſche
Fiſchdampfer durch deutſche Unterſeeboote verſenkt
wur=
den. Sie wurden ſämtlich beſchoſſen, aber es ſcheint kein
Menſchenleben dabei verloren gegangen zu ſein;
desglei=
chen wurden ein däniſcher, ein ſchwediſcher und vier
nor=
wegiſche Dampfer verſenkt.
Asquiths Anſicht über die gegenwärtige Lage.
* London, 29. Juli. Bei der geſtrigen
Begrün=
dung des Antrages auf Vertagung des Unterhauſes
gab Asquith einen allgemeinen Ueberblick über di
Lage. Er ſagte, ſeiner Anſicht nach würde der Krieg
wenigſtens für einige Zeit eine Frage der Ausdauer
ſein. England wäre undankbar, wenn es nicht die bei
ſpiellos tapferen Bemühungen der Ruſſen
aner=
kennte die eindringende Flut aufzuhalten und ihre
Stellungen unverſehrt zu bewahren. (Lauter Beifall.)
Er finde in der ganzen militäriſchen Geſchichte kein
groß=
artigeres Beiſpiel von Diſziplin und Ausdauer, als das
von der ruſſiſchen Armee während der letzten ſieben
Wo=
chen gegebene. Ueber Italin ſagte der
Miniſterpräſi=
dent unter dem Beifall des Hauſes, er erkenne mit
größ=
ter Befriedigung und Genugtuung an, wie dieſer neue
Ver=
bündete durch umſichtige Bewegungen ſtetig Boden
ge=
winne und ſich einen Weg vorwärts zum Sieg bahne, den
er wahrſcheinlich in ſehr kurzer Zeit erreichen werde. In
Frankreich gebe es ſeit Kriegsbeginn keinen Zeitpunkt,
in dem die beiden Armeen von einer vollkommeneren
Brü=
derlichkeit beſeelt und ſiegesgewiſſer geweſen ſeien als jetzt.
Ueber die Flotte brauche er nur zu ſagen, daß ſie ſo
ſtark und noch ſtärker ſei als zu Beginn des Krieges, und
daß die U=Bootblockade ihr keinen ernſtlichen
ver=
hängnisvollen Schaden zugefügt habe. Die Meere ſeien
frei. Großbritannien erhalte Lebensmittel; gutes Rohma
terial ſtrome in derſelben Fülle und mit derſelben
Frei=
heit und, wenn man aus den Verſicherungsraten Schlüſſe
ziehen dürfe, mit ebenſowenig ernſtlichem Riſiko, wie in
Friedenszeiten zu. (Beifall.) Die Rekrutierung gehe un
vermindert vorwärts. Der Zuſtand ſei höchſt
be=
friedigend. Die letzten Berichte gehörten zu den
be=
ſten, die ſeit langer Zeit einliefen. (Beifall.) Lloyd
George, der geſchulte Ratgeber, habe die induſtrielle
Produktion für die kräftigſte Fortführung des Krieges und
der notwendigen Dinge auf einer Grundlage organiſiert,
wie man ſie nie erträumt hätte, und die den Bedürfniſſen
Großbritanniens reichlich genügen würde. Aber das Land
müſſe davor gewarnt werden, zu glauben, daß es ſeine
na=
tionale Pflicht ſchon erfüllt habe, wenn die Armee genug
Rekruten bekomme und die verſchiedenen Induſtrien, die
Munition herſtellen, genug Leute hätten. Großbritannien
falle nicht nur die Aufgabe zu, die Freiheit des Meeres zu
erhalten, und große Kontingente gut ausgerüſteter
Solda=
ten auf die Schlachtfelder zu ſenden, ſondern auch zu
einem großen Teile die Kriegführung zu
finanzieren. Wir könnten das nicht leiſten, ohne alle
unſere Induſtrien zu organiſieren. Asquith betonte die
Notwendigkeit, den Goldzufluß zu vermehren,
um die Zahlungen nach dem Auslande leiſten zu können.
Er verglich die Lage mit der vor einem Jahre. Gebe es
eine größere Verleumdung als die, daß die Nation im
Mutterlande und über See ſich ihrer großen Aufgabe nicht
gewachſen gezeigt hätte? Eine noch größere Verleumdung
wäre es, zu behaupten, daß die tapferen Verbündeten den
Anteil Großbritanniens an die ſchließlichen Triumphe nich
würdigten. Der Premierminiſter ſchloß: Laßt uns mit
derſelben Energie und Entſchloſſenheit, die uns währenk
der letzten 12 Monate beſeelt hat, hartnäckig auf den un
ausbleiblich ſiegreichen Ausgang hinarbeiten. (Der
ehrenwerte Herr Asquith ſieht alſo alles mit roſafarbener
Brille, vielleicht wird er auch bald die dunkle Brille
des Sir Edward Grey in Anſpruch nehmen müſſen
D. Red.)
Engliſches Unterhaus.
* London, 29. Juli. Samuel (liberal) fragte in
Unterhaus, wie die Regierung ſich zu dem
Oberhaus=
beſchluſſe auf Vertagung der Beratung des
Pen=
ſionsgeſetzes bis nach den Parlamentsferien ſtelle
wodurch viele Verwundete geſchädigt würden. Die Führer
der Oppoſition hätten ſich doch im November verpflichtet,
ſich der Entſcheidung einer beſonderen Kommiſfion
hier=
über zu unterwerfen. Asquith kündigte eine Erklärung
hierüber gelegentlich der Vertagung am 28. Juli an
Markham fragte, ob er daraus auf Nichterledigung des
Penſionsgeſetzes vor der Vertagung ſchließen ſolle.
As=
quith erklärte, Markham ſolle daraus ſchließen, daß er
morgen die Vertagung des Hauſes beantragen werde.
Auf eine weitere Frage des Liberalen Hogge erwiderte
Asquith, er habe ſeinen Aeußerungen nichts
hinzuzu=
fügen. Auf eine Frage des Liberalen Pringle erwiderte
Asquith, er werde über die Dauer der Parlamentsferien
keine neue Erwägung anſtellen, ſondern die Gründe
ge=
legentlich des Vorſchlages darlegen. Sir Edward Grey
gab auf die Frage Auskunft, daß die engliſche
Erdöl=
leitung in Perſien im Februar beſchädigt, aber bis
Juni wieder ausgebeſſert worden ſei. Der Cheſſekretär
für Irland, Birrell, antwortete auf die Frage wegen der
angeblich wegen politiſcher Verbrechen verbannten
Iren, daß das Betreten verbotener Bezirke oder falſche
Angaben über deutſche Unterſeeboote keine politiſchen
Vergehen ſeien. Lynch (Nationaliſt) fragte, auf Carſon
anſpielend, ob jene Verbannten wirklich etwas Unrechtes
getan, oder ob ſie nur die Befähigung zum
Kabinettsmit=
gliede erworben hätten.
Das Haus nahm den von der Regierung
abgeänder=
ten Geſetzentwurf über die Kohlenpreiſe in dritter
Leſung an. Mc. Neill fragte, ob es dem Schatzkanzler
bekannt ſei, daß Reiſende, die nach dem Feſtland
gingen, ungehindert ſoviel Gold mitnehmen
könn=
ten, wie ſie wollten, und daß Boulogne voll von deutſchen
Agenten ſei, die die Goldſtücke ſammelten, und ob er die
Goldausfuhr durch Reiſende verhindern wolle. Me. Kenna
antwortete, er wolle den freien Goldexport im
Handels=
verkehr nicht verhindern, da er für die Erhaltung des
Kre=
dits und der auswärtigen Wechſelkurſe von Bedeutung
ſei. Beabſichtigt ſei aber, eine ſtrengere Unterſuchung
der Reiſenden vornehmen zu laſſen. Es wäre
wünſchens=
wert, wenn alle Reiſenden vor der Abreiſe ſich
feſtländi=
ſches Geld einwechſelten. Bald nach Ausbruch des
Krie=
ges ſei Anweiſung gegeben worden, möglichſt Löhne und
ſonſtige Zahlungen in Noten und Silber zu zahlen; er
erwäge weitere Maßnahmen, um den inneren Goldumlauf
zu vermindern.
Der Staatsſekretär des Innern, Sir John Simon,
erwiderte auf eine Anfrage, daß 14000 Geſuche um
Befreiung von der Internierung eingegangen
ſeien; die meiſten Ausgenommenen ſeien Polen, Tſchechen,
Italiener und Elſäſſer. Im ganzen ſeien 7325 Geſuche
abgelehnt und 6092 bewilligt worden. Seit Beginn des
neuen Verfahrens ſeien 6302 Perſonen heimgeſandt und
9325 interniert worden, 6000 blieben noch zu internieren,
was Ende Auguſt geſchehen ſein werde; wöchentlich
würden etwa 1000 interniert.
Lloyd George über das Munitions=Miniſterium.
* London, 29. Juli. Lord George ſagte im
Unter=
hauſe über die vom neuen Munitions=
Miniſte=
rium geleiſtete Arbeit, es ſeien in verſchiedenen Teilen
des Landes 16 nationale Fabriken unter
Auf=
ſicht der Regierung errichtet worden; ſie
wür=
den die Erzeugung von Granaten außerordentlich
ver=
mehren. In den Beſprechungen, die er in Frankreich mit
dem franzöſiſchen Munitionsminiſter hatte, ſeien die
Erfahrungen, die man in beiden Ländern geſammelt hat,
verglichen worden. Man beſchloß, ein neues großes
Programm durchzuführen, das bedeutende
Anforde=
rungen an die techniſchen Hilfsquellen des Landes ſtellen
werde. Um dieſen neuen ungeheueren Anforderungen zu
genügen, werde es nötig ſein, noch 10 nationale
Werkſtät=
ten unter Aufſicht der Regierung zu errichten. — Lloyd
George ſprach die Erwartung aus, daß in wenigen
Wochen, gewiß aber in wenigen Monaten, dieſe
Werkſtätten fertig ſeien und Großbritannien in
den Stand ſſetzen würden, ſeine Heere ſo auszurüſten, daß
auch die beſten Heere Europas nicht beſſer ausgerüſtet
ſein könnten.
Engliſche Köder zur Anwerbung.
* London, 29. Juli. In der Oberhausſitzung am
27. Juli ſagte Lord Newton, daß das Parlament
be=
ſchloſſen habe, die Angehörigen verheirateterr
Soldaten ungewöhnlich freigebig zu bedenken;
ſo habe die Werbung beſonders auf den Eintritt
ver=
heirateter Männer in die Armee gewirkt. Unverheiratete
Soldaten wären dadurch veranlaßt worden, zu heiraten,
und die Koſten für die Unterhaltung wären ſo geſteigert
worden. Es ſei unlogiſch, wenn die Geſetzgeber, welche
jene Beſtimmungen beſchloſſen hätten, jetzt über
Ver=
ſchwendung durch die Regierung klagten.
Engliſche Offiziere als Falſchſpieler.
* London, 29. Juli. Vor dem Kriegsgericht fand
die öffentliche Verhandlung gegen den aktiven
Oberſt=
leutnant Prior ſtatt, der nach einem Mittageſſen in
einem Londoner Reſtaurant die dabei anweſenden
Unter=
gebenen aufforderte, ihn in ein Privathaus zu einem
Glücksſpiel zu begleiten. Von dieſen Offizieren, die
ſämt=
lich beim Spiel verloren weigerte ſich einer, die
Spielſchulden zu begleichen, weil er glaubte, daß falſch
geſpielt worden ſei. Er beſchuldigte den Oberſtleutnant,
er laſſe ſich dafür bezahlen, daß er andere Offiziere an den
Ort des Falſchſpieles verſchleppe.
Durchſtechereien in der engliſchen Armee.
* London, 29. Juli. Das militäriſche
Unter=
ſuchungsgericht hat ſchlimme Durchſtechereien bei
dem Britiſh=Empire=Bataillon, das von dem Britiſh=
Empire=Comitee errichtet worden iſt, feſtgeſtellt. Die
Mit=
glieder des Komitees erhielten Lieferungsaufträge, bei
denen arge Mißbräuche vorkamen. Die Kontrakte
wur=
den erneuert, obwohl der Skandal bereits ruchbar war.
Das Verhalten des Oberſtleutnants Bowden,
der das Bataillon führte, wird vom Gericht ernſt getadelt.
Bowden, der Unterhausmitglied iſt, verſuchte ſich in der
Sitzung vom 27. Juli zu rechtfertigen, was allgemeines
Erſtaunen hervorrief und ihm den Rat von anderen
Ab=
geordneten eintrug, ſein Mandat ſchleunigſt
nieder=
zulegen.
Der Niedergang der engliſchen Kohlenausfuhr.
* Kopenhagen 29. Juli. Die Nationaltidende
ſchreibt in einem Artikel über den Niedergang der
engliſchen Kohlenausfuhr: Es ſchien zu
Be=
ginn des Monats Juni, daß England, durch Schaden klug
gemacht, die Kohlenausfuhr in größerer Ausdehnung als
bisher zulaſſen würde, zumal da Deutſchland keinen
Be=
darf an engliſcher Kohle und ſelbſt keinerlei
Ausfuhrver=
bot für deutſche Kohle hat. Es zeigt ſich aber, daß der
Rückgang der engliſchen Kohlenausfuhr im
Juni noch größer als in früheren Monaten war. Der
Rückgang im Mai belief ſich auf 2 264000 Tonnen
gegen=
über dem Vorjahr, der Rückgang im Juni auf 2314000
Tonnen. Verſchifft wurden im Juni 3 487731 Tonnen
gegen 5801 727 Tonnen im Vorjahr, jedoch ohne die
Ver=
ſchiffungen für Rechnung der Admiralität. Beſonders die
Kohlenhäfen an der Nordoſtküſte wieſen den größten
Rückgang auf, nämlich 963000 Tonnen gegenüber dem
Vorjahre. Am geringſten iſt der Rückgang in Wales, da
dieſer Bezirk die engliſche und die Flotten der Alliierten
verſorgt. Der Rückgang in Schottland beträgt 267300
Tonnen, was nicht allzu viel bedeutet, da der obere Hafen
von Firth of Forth für den Handel geſchloſſen iſt. Den
größten Rückgang haben alſo die Häfen, die bisher
Spa=
nien und Skandinavien verſorgten.
16 Millionen Pfund Eroberungskoſten
Südwsſtafrikas.
* Amſterdam 29. Juli. In einem Artikel der
Times wird berechnet daß die Geſamtkoſten
des Feldzuges für Deutſch=Südweſtafrika
16 Millionen Pfund betragen. Der Preis ſei nicht
zu hoch für die Sicherheit der friedlichen Entwicklung
Afrikas.
Schandtaten der Ochrana.
* Wien, 29. Juli. Das ruſſiſche Blatt Nasze Slowo
berichtet über das verbrecheriſche Treiben der
Ochrana in Ruſſiſch=Polen: In Lomsha denunzierten
zwei Agenten den jüdiſchen Kinematographenbeſitzer
Eiſen=
biegel wegen Spionage. In der kriegsgerichtlichen
Unter=
ſuchung ſtellte ſich heraus, daß der Agent Czupranyk einen
Telephonapparat in die Wohnung des Eiſenbiegel
ge=
ſchmuggelt und dann 5000 Rubel für die Unterlaſſung der
Anzeige verlangt hatte. Im Laufe der Verhandlung
wurde erwieſen, daß auf die Anzeigen des Czupranyk bei
Kriegsbeginn nicht weniger als 17 jüdiſche Bürger gehängt
wurden. Die fieberhafte Geſchäftigkeit der verbrecheriſchen
Bande war durch einen im April dieſes Jahres erlaſſenen
Befehl an die Ochrana, ſpeziell nach jüdiſchen Spionen zu
fahnden, angeſpornt worden.
Ruſſiſche Vorſtellungen in Sofia.
* Sofia, 29. Juli. Einer Blättermeldung zufolge
wurde der ruſſiſche Geſandte Fürſt Trubetzkoj
beauf=
tragt, bei dem Miniſterpräſidenten Paſitſch und dem
ſerbiſchen Thronfolger Alexander namens des
ruſſiſchen Kaiſers energiſche Vorſtellungen zu
erheben, daß Serbien unverzüglich die nichtſtrittige Zone
Mazedoniens an Bulgarien abtrete. Trotzdem ſei es
zwei=
fellos, daß auch dieſer Schritt Rußlands an der ſerbiſchen
Unverſöhnlichkeit ſcheitern werde.
Gekapertes griechiſches Schiff.
* Genf, 29. Juli. Journal de Genève meldet aus
Tunis, daß ein großes griechiſches Segelſchiff
von den Alliierten am Kap Matapan gekapert
und nach Biſerta gebracht worden ſei.
Der Krieg im Orient.
* Konſtantinopel, 29. Juli. Das
Hauptquar=
tier teilt mit:
An der kaukaſiſchen Front drängten unſere
wiederholten Angriffe die ruſſiſchen Kräfte unter
Ver=
luſten gegen Oſten zurück, die mit Hilfe von Banden
ver=
ſucht hatten, unſerem rechten Flügel in den Rücken zu
fallen, um das Kampffeld zu erweitern. Am 25. Juli
warfen wir in einem Kampfe auf der Höhe von
Grebodo=
die Nachhut dieſer Truppen weiter nach Oſten und
erbeu=
teten über 300 Gefangene, darunter 7 Offiziere.
eine unbeſchädigte Kanone, große Mengen Munition,
zwei Munitionswagen und zahlreiche Waffen. Auf der
Flucht geriet der Feind mit dem rechten Flügel infolge
eines Irrtums in einen Kampf mit ſeinen
herbeikom=
menden Verſtärkungen. Unſere Artillerie beſchoß ihn
und brachte ihm weitere beträchtliche Verluſte bei; er floh
in Unordnung.
An der Dardanellenfront fand am 27. Juli
auf beiden Seiten zeitweilig Geſchütz= und Gewehrfeuer
ſtatt. Am 26. Juli wollten einige feindliche Torpedoboote
die Küſtengebiete bei Kerevindere und unſeren linken
Flügel bei Sedd=ul=Bahr beſchießen. Unſere Artillerie
traf ein Torpedoboot, worauf die anderen das Feuer
einſtellten und ſich entfernten.
An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung.
* Konſtantinopel, 29. Juli. Unter der
Feſt=
ſtellung des bisherigen Mißlingens der
engliſch=
franzöſiſchen Dardanellen=
Unternehmun=
gen, die bei Schluß des dritten Monats nach der
Lan=
dung auf der Spitze der Halbinſel Gallipoli keine
Fort=
ſchritte machten, führt der Tanin aus, daß die Alliierten
vor den Dardanellen Bankerott machten und eine
voll=
ſtändige Schlappe erlitten, da ſie ihr Ziel der
Frei=
machung des Weges nach Konſtantinopel nicht haben
er=
reichen können. Wenn in Zukunft von der einſtmals im
Orient ſprichwörtlichen Macht Englands und Frankreichs
geſprochen würde, werde jedermann ſpöttiſch die Achſeln
zucken.
* Berlin, 29. Juli. Der Reichsanzeiger
veröffent=
licht eine Bekanntmachung, betreffend den Handel mit
Mehl.
* Paris, 29. Juli. Nach einer Meldung des Temps
aus Toulon iſt in dem dortigen Proviantlager ein
heftiger Brand ausgebrochen, durch welchen ein
Schuppen mit Lebensmitteln zerſtört wurde. Benachbarte
Schuppen konnten nur mit großer Mühe gerettet werden.
Der Schaden ſoll außerordentlich beträchtlich ſein.
* Le Havre, 29. Juli. Havas meldet: Der
Ver=
kauf von 10000 Ballen Baumwolle, welche an
Bord des Dampfers „Dacia” beſchlagnahmt waren,
er=
gab dreieinhalb Millionen Francs.
* Iſſſſy=les=Moulineau, 29. Juli. Geſtern
abend geriet ein Flugzeug in Brand und ſtürzte
aus 300 Meter Höhe ab. Beide Inſaſſen ſind
ver=
brannt.
* London, 29. Juli. Bei der geſtrigen
Explo=
ſion in der Luftſchiffhalle wurden zwei Mechaniker
getötet und 9 verwundet, einige ſehr ſchwer. Die
Luftſchiffhalle iſt leicht beſchädigt.
* London, 29. Juli. Der Erzbiſchof von York, der
der engliſchen Flotte einen zweiwöchigen Beſuch
abſtat=
tete, ſagt in einem langen Stimmungsbericht darüber:
Die einzige Sehnſucht der Flotte iſt, den
deutſchen Schiffen zu begegnen und ſie zu
ver=
ſenken; aber Monat um Monat vergeht und die deutſchen
Schiffe nehmen die Herausforderung nicht an.
* Petersburg. 29. Juli. Kulomſin, Staatsſekretär
und Mitglied des Reichsrates, iſt zum Präſidenten des
Reichsrates ernannt worden.
* Albany, 29. Juli. (Meldung des Reuterſchen
Bu=
reaus.) Der Gouverneur Whitman hat
ange=
ordnet, daß den Mitgliedern der
öſterreichi=
ſchen Vereinigung in Littlefalls (Staat Neu=
York), die bei den Paraden Gewehre trugen und ſie mit
nach Hauſe nahmen, die Waffen entzogen
wür=
den. Nach dem Geſetz dürfen Korporationen nur dann
Waffen tragen, wenn ſie einen Teil der Miliz bilden.
Letzte Nachrichten.
* Stuttgart, 29. Juli. In ihrer heutigen Sitzung hat
die Zweite Kammer dem Etat für 1915
zuge=
ſtimmt. Auch die ſozialdemokratiſche
Frak=
tion hat ihm die Zuſtimmung erteilt mit der
Be=
gründung, daß es auch für ſie als erſte Pflicht die
Ge=
ſchloſſenheit des bürgerlichen Volkes in dieſem ungeheuren
Kampfe auch nach außen zu betonen gilt. Dagegen hat
die neugegründete Fraktion (ſozialiſtiſche
Verei=
nigung) ſih mit dem Etat nicht einverſtanden erklärt.
Sie ſprach in einer Erklärung ihre Ueberzeugung aus, die
mit den ſozialdemokratiſchen Grundſätzen und den
Be=
ſchlüſſen der Parteitage der Sozialdemokratie
überein=
ſtimme. Nach dieſer Ueberzeugung ſei der Staat die
Or=
ganiſation der beſitzenden Klaſſe, der ſie jede
Vertrauens=
kundgebung verweigere.
* Waſhington, 29. Juli. Admiral Caperton
meldet, daß er Marinetruppen des Kreuzers „
Waſ=
hington” in Port=au=Prince habe landen laſſen,
um die Amerikaner und Fremden zu beſchützen. Die
Un=
ruhen dauern an. Auf Amerikaner wurde nicht geſchoſſen.
* Waſhington, 29. Juli. Nach den amtlichen Berichten,
den das Staatsdepartement aus Port=au=Prince erhielt,
holte die Bevölkerung trotz des Proteſtes des franzöſiſchen
Geſandten den Präſidenten Guillaume aus der
franzöſiſchen Geſandtſchaft heraus, ſchoß ihn tot und
riß den Leichnam in Stücke, die ſie im Triumph durch die
ganze Stadt trugen. Später wurde der zerſtückelte
Leich=
nam von Frauen auf dem Kirchhofe beim Kapitol
be=
graben. Die Stadt iſt ruhig. Der Panzerkreuzer „
Waſhing=
ton” iſt in Port=au=Prince angekommen.
* Philadelphia, 29. Juli. Der hieſige Cannſtatter
Volksfeſtverein, einer der älteſten, reichſten
deut=
ſchen Vereine der Vereinigten Staaten, ernannte
Zeppe=
lin anläßlich ſeines 77. Geburtstages zum Ehrenmitglied.
Die Auszeichnung ſoll dem Grafen in Form eines
künſt=
leriſch ausgeführten Albums übermittelt werden.
Vermiſchtes.
— Ein Opfertag für kaufmänniſche
Kriegshilfe. Im Handelsſtand, der Zeitſchrift des
1858er kaufmänniſchen Vereins, erſcheint eine
Aufforde=
rung, am Sonntag, 1. Auguſt, dem Gedenktage der
Mobilmachung, einen beſonderen Beitrag an die Kriegs=
Unterſtützungskaſſe zu zahlen. Außerdem ſollte an
die=
ſem Tage keine entbehrliche Ausgabe gemacht und das
Erſparte der Kriegshilfe der genannten
Organiſa=
tion überwieſen werden. Die Kriegsunterſtützungskaſſe
hat es bereits durch freiwillige Beiträge auf über eine
Viertelmillion Mark gebracht. Da ſich jedoch die Zahl
der unterſtützten Familien, Kriegsbeſchädigten und
Ge=
fangenen auf mehr als 2500 beläuft, iſt eine beſondere
Stärkung der Kaſſe dringend erforderlich. Von den
125000 Mitgliedern des 58er Vereins befinden ſich über
10000 im Auslande, darunter ſehr viele als Gefangene.
Läßt man dieſe Auslandsmitglieder und die mehr als
12000 Lehrlinge außer Betracht, ſo ſtehen von den
an=
nähernd 105000 Inlandsmitgliedern bereits 55000, alſo
mehr als die Hälfte, in Kriegsdienſten. Unter dieſen
Umſtänden iſt dem Opfertag des 58er Vereins gewiß
ein recht gutes Ergebnis zu wünſchen. — Beiträge nimmt
in Darmſtadt die Geſchäftsſtelle des Vereins bei Herrn
H. Gieſelberg, Papiergeſchäft, Wilhelminenſtraße, gerne
entgegen.
Ein Jahr deutſche Feldpoſt.
— Man hat die Organiſation und die Leiſtungen der
deutſchen Feldpoſt von 1870/71 als muſtergültig bezeichnet.
Das waren ſie auch. 104 Millionen Briefe hat die
Feld=
poſt damals vom 15. Juli 1870 bis Ende März 1871
be=
fördert. So etwas war noch nicht dageweſen, und die
Feldpoſt durfte mit Recht ſtolz darauf ſein. Und was
leiſtet unſere jetzige Feldpoſt? Nahezu 15½ Millionen
Briefe werden täglich von ihr verarbeitet. Das iſt das
Zöfache deſſen, was die Feldpoſt von 1870/71 täglich
ge=
ſchafft hat. Dabei haben die Feldpoſtbeamten von damals
uch im Schweiße ihres Angeſichts gewirkt. 2300 waren
es. Jetzt ſind es 5400, alſo knapp 2½mal mehr. Wenn
dieſe dabei in einer Woche das leiſten, was jene in 8½
Monaten bewältigt haben, ſo hat man wohl auch im
jetzi=
gen Kriege Anlaß, mit der Organiſation der deutſchen
Feldpoſt zufrieden zu ſein. Denn nur aus ihr läßt ſich
eine derartige hervorragende Leiſtung erklären.
Nach der Front ſind aus dem Deutſchen Reiche durch
Vermittelung der heimiſchen Feldpoſtſammelſtellen von
Auguſt 1914 bis Ende Juli 1915 etwa 2,4 Milliarden
Feld=
poſtbriefe befördert worden. Da außerdem etwa 1,6
Mil=
liarden Feldpoſtbriefe im Felde aufgeliefert worden ſind,
umfaßt die geſamte Beförderungsleiſtung der deutſchen
Feldpoſt bis jetzt etwa 4 Milliarden Briefe. Bei den 23
heimiſchen Poſtſammelſtellen iſt das Perſonal ſeit Mitte
Auguſt 1914 von 3100 Köpfen auf 13—14000 angewachſen.
Die Menge der täglich ins Feld gehenden
Feldpoſtbrief=
ſäcke, die im vorigen Dezember bei Abbeförderung der
Leihnachts=Feldpoſt mit 29000 Stück den Höhepunkt
er=
reicht hatte, ſtellt ſich gegenwärtig auf 45000. Dies
be=
eutet eine Belaſtung der Feldpoſtbeförderungsmittel, zu
denen u. a. 800 Feldpoſtkraftwagen gehören, mit 1½
Mil=
lionen Kilogramm Briefpoſt täglich.
Nicht wenig haben zu der dauernd geſteigerten
Be=
tutzung der deutſchen Feldpoſteinrichtungen, wie ſie in
an=
deren kriegführenden Ländern auch nicht annähernd zu
verzeichnen iſt, die mannigfachen ſeit Kriegsbeginn
getrof=
fenen Verkehrsverbeſſerungen beigetragen. Dazu gehören
ie Ermäßigung des Portos für Feldpoſtbriefe über 50
Bramm bis 250 Gramm von 20 Pf. auf 10 Pf., die
Zu=
laſſung von Feldpoſtbriefen nach dem Heere im Gewicht
von über 250 Gramm bis 500 Gramm, die
Nichtbeanſtan=
dung von Gewichtsüberſchreitungen bei den portoflichtigen
Feldpoſtbriefen bis zu 10 Prozent des Höchſtgewichts, die
Zulaſſung von Zeitungsbeſtellungen für Heeresangehörige
durch Familienmitglieder in der Heimat oder andere
Per=
ſonen, die unentgeltliche Ausgabe von
Feldpoſtkarten=
briefen an die Truppen im Felde, die Zulaſſung von
Feld=
poſtbriefen mit Flüſſigkeit, die Einführung beſonderer
Feldpoſtanweiſungen zu Sparkaſſenzahlungen u. a. m.
Auch die fortgeſetzten mannigfachen Bemühungen der
Poſtverwaltung, dem Publikum bei Benutzung der
Feld=
voſteinrichtungen mit Rat und Tat zur Seite zu ſtehen,
ſind der Ausgeſtaltung des Feldpoſtbriefverkehrs
förder=
ich geweſen. Durch die Anfang Oktober v. Js. erfolgte
Ausgabe eines beſonderen „Merkblatts für
Feldpoſtſen=
dungen” das ſeitdem in 6 weiteren, viele Hunderttauſende
von Exemplaren umfaſſenden Auflagen erſchienen iſt und
das jedermann auf Wunſch am Poſtſchalter koſtenfrei
er=
hält, iſt es den weiteſten Kreiſen des Publikums möglich
geworden, ſich über alle einſchlägigen Fragen, namentlich
auch hinſichtlich der Adreſſierung und Verpackung der
Feldpoſtſendungen, leicht und zuverläſſig zu unterrichten.
Gleichen Zwecken in Verbindung mit praktiſcher
Unter=
veiſung dienen die auf Betreiben der Poſtverwaltung
Jauernd vermehrten Kriegsſchreibſtuben und privaten
Feldpoſtverpackungsſtellen. Ihre Zahl iſt allein ſeit
Januar von 3000 auf etwa 8000 geſtiegen. Ueber die
Hälfte davon ſind in Schulen untergebracht. Auch werden
auf Erſuchen der Poſtbehörde ſchon ſeit Monaten in
zahl=
reichen oberen Volksſchulklaſſen, ſowie in den meiſten
Fortbildungsſchulen die Schüler über die wichtigſten
Feld=
poſtbeſtimmungen unterrichtet. Hierdurch iſt
erfreulicher=
weiſe eine Abminderung der vielen unrichtig adreſſierten
und mangelhaft verpackten Feldpoſtbriefe erreicht worden.
Freilich kommen noch immer täglich 150000 ſolcher
Sen=
dungen in der Heimat auf. Bei mehr als zwei Dritteln
davon gelingt es den Bemühungen der
Feldpoſtſammel=
ſtellen, ihnen den Weg zu weiſen, der vermutlich zum Ziele
führt. Und auch noch im Felde ſelbſt ſcheut die Poſt keine
Arbeit, um „kranke” Briefe, wenn irgend möglich, zu
heilen, damit ſie den Empfänger erreichen. Auf dem
öſt=
lichen wie auf dem weſtlichen Kriegsſchauplatz iſt
aus=
ſchließlich zu dem Zweck dauernd eine Feldpoſtanſtalt tätigt
Von dieſen beiden „Feldausgleichſtellen” verarbeitet
die=
jenige in St. Quentin, die mit nicht weniger als 50
Be=
amten beſetzt iſt, täglich 12000 ſolcher oft auf den erſten
Blick ſcheinbar ganz hoffnungsloſer Sendungen. So iſt
es nicht nur der von der deutſchen Feldpoſt bisher
bewäl=
tigte rieſenhafte Verkehr, der ihr unſere Hochachtung
ein=
trägt, ſondern auch die unermüdliche Fürſorge, die ſie
jedem ihr anvertrauten Sendlinge zuteil werden läßt,
mag er auch für die weite und beſchwerliche Reiſe
manch=
mal recht unzulänglich ausgerüſtet worden ſein.
Wetterbericht.
Das Hochdruckgebiet über Mitteleuropa hat ſich weiter
ausgebreitet, jedoch nur wenig verſtärkt; die nördliche
De=
preſſion wandert oſtwärts ab. In der nördlichen Hälfte
des Hochs bleibt bei weſtlichen Winden das Wetter
wol=
kig, doch trocken. Die Temperaturen ſteigen etwas an.
Wetterausſichten für Freitag: Wolkig, trocken,
wenig wärmer, weſtliche Winde..
Tageskalender.
Verſammlung des Muſikvereins um 8½ Uhr im
Vereinshauſe.
Konzerte: Café „Fürſt Bismarck” um 8 Uhr,
Perkeo um 8 Uhr.
ist „Kriess-Komfranck” auch das Kaffer-
Getränk für Kranke und Kinder. Mit
dem angenehmen kaffeeähnlichen
Ge-
schmack und seiner Bekömmlichkeit
ver-
bindet „Kriegs-Kornfrenck” noch den
Vorzug der Billigkeit. „Kriegs-
Korn-
franck” ist überall zu haben. Ganzes
Paket 50 Pfennig, halbes Paket 26 Pfennig.
CC
Den Heldentod für das Vaterland
ſtarb in der Nacht vom 24. auf 25.
Juli an einem Herzſchuß unſer lieber
Alter Herr
Dipl.=Ina. Joſef Brehz
Leutn. d. Reſ. im Reſ.=Inf.=Regt. 237,
Ritter des Eiſernen Kreuzes.
Der kath. Stud.=Verein Moenanig
J. A.:
J. Keller, cand. arch.
Darmſtadt, Juli 1915.
(11017
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres heißgeliebten, guten
Kindes
(11005
Rudolf
ſagen wir Allen unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Joſ. Wartensleben und Frau.
Darmſtadt, 30. Juli 1915.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 30. Juli. Vorabendgottesdienſt 7 Uhr
30 Min.
Samstag, den 31. Juli. Morgengottesdienſt 8 Uhr
30 Min. Sabbatausgang 9 Uhr 5 Min.
Gottesdienſt in der Synagege der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 31. Juli. Vorabend 7 Uhr 30 Min.
Morgens 7 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr.
Sabbat=
ausgang 9 Uhr 5 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 1. Aug., an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 31. Juli.
Nachlaß=Verſteigerung um 9½ Uhr zu
Pfung=
ſtadt, Eberſtädter Straße 43.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hefbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den
Anzeigen=
teil, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem
Ge=
ſchäftsleben: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. — Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche
wer=
den nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.
Bekanntmachung
über zuckerhaltige Futtermittel.
Vom 28. Juni 1915.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die Ermächtigung des
Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw. vom 4. Auguſt 1914 (Reichs=Geſetzbl.
S. 327) folgende Verordnung erlaſſen:
§ 1. Den Vorſchriften dieſer Verordnung unterliegen nachſtehend aufgeführte
Gegenſtände (zuckerhaltige Futtermittel):
Melaſſe,
Rohzucker zu Futterzwecken,
Melaſſefutter,
Zuckerrüben, friſch oder getrocknet, ganz oder zerſchnitten, ausgelaugt oder
unausgelaugt.
Etwa beſtehende, noch unerfüllte Lieferungsverträge begründen keine Ausnahme
von den Vorſchriften dieſer Verordnung.
§ 2. Zuckerhaltige Futtermittel dürfen nur durch die Bezugsvereinigung der
deutſchen Landwirte, G. m. b. H. in Berlin, abgeſetzt werden.
Dies gilt nicht in folgenden Fällen:
1. Die Kommunalverbände und die vom Reichskanzler beſtimmten Stellen (§ 10)
dürfen zuckerhaltige Futtermittel abſetzen, die ſie von der Bezugsvereinigung
zn dieſem Zwecke erhalten haben.
2. Händler dürfen zuckerhaltige Futtermittel abſetzen, die ſie von den
Kom=
munalverbänden oder von den vom Reichskanzler bezeichneten Stellen (§ 11)
zu dieſem Zwecke erhalten haben.
3. Zuckerrüben dürfen an Rüben verarbeitende Zuckerfabriken zur
Zuckerherſtel=
lung geliefert werden.
4. Rüben verarbeitende Zuckerfabriken dürfen 75 vom Hundert der Schnitzel,
friſch oder getrocket, auch mit Melaſſe angetrocknet, an die Rüben liefernden
Landwirte zurückliefern.
§ 3. Wer zuckerhaltige Futtermittel bei Beginn eines Kalendervierteljahres in
Gewahrſam hat, hat die bei Beginn eines jeden Kalendervierteljahres vorhandenen
Mengen, getrennt nach Arten und Eigentümern unter Nennung der letzteren, der
Bezugsvereinigung anzuzeigen. Die Anzeigen ſind jeweils bis zum 5. Tage des
Kalendervierteljahrs, erſtmalig zum 5. Oktober 1915, zu erſtatten. Die Anzeigepflicht
gilt nicht für friſche Zuckerrüben und die Fälle des § 2 Abſ. 2 Nr. 1 und 2. Sie gilt
ferner nicht für Landwirte hinſichtlich der nach § 2 Abſ. 2 Nr. 4 ihnen gelieferten
Schnitzel.
Zuckerfabriken haben bis zum 1. September 1915 anzuzeigen, welche Mengen
Melaſſe und Rübenſchnitzel ſie im September 1915 porausſichtlich herſtellen werden.
Sodann haben ſie bis zum 5. Tage jedes Kalendervierteljahrs anzuzeigen, welche
Mengen ſie in dem laufenden Kalendervierteljahre vorausſichtlich herſtellen werden.
Hierbei iſt anzugeben, wieviel Schnitzel ſie auf Grund von § 2 Abſ. 2 Nr. 4 an die
Rüben liefernden Landwirte zurückliefern.
Die Anzeigepflichtigen haben zugleich anzugeben, ob und wie lange ſie die
Gegenſtände ohne weſentliche Störung ihres Betriebs nach Maßgabe der vorhandenen
Einrichtungen aufbewahren können.
§ 4. Die Eigentümer von zuckerhaltigen Futtermitteln haben ſie der
Bezugs=
vereinigung auf Verlangen käuflich zu überlaſſen und auf deren Abruf zu verladen.
Rüben verarbeitende Zuckerfabriken haben die Rübenſchnitzel, deren käufliche
Ueberlaſſung die Bezugsvereinigung verlangen kann, ſoweit ſie Anlagen dazu beſitzen,
zu trocknen.
Von der Verpflichtung zur käuflichen Ueberlaſſung an die Bezugsvereinigung
ſind ausgenommen:
1. Zuckerrüben, die an Zuckerfabriken zur Zuckererzeugung geliefert und hierzu
benutzt werden;
2. Schnitzel, die von Zuckerfabriken auf Grund von § 2 Abſ. 2 Nr. 3 an die
Rüben bauenden Landwirte zurückgeliefert und von dieſen im eigenen
Be=
triebe verfüttert werden:
3. Zuckerrüben, die in dem Wirtſchaftsbetrieb, in dem ſie gewonnen werden,
verfüttert oder auf Branntwein verarbeitet werden.
§ 5. Die Bezugsvereinigung hat auf Antrag des Eigentümers binnen 4 Wochen
nach Eingang des Antrags zu erklären, welche beſtimmt zu bezeichnenden Mengen ſie
übernehmen will. Für dieienigen Mengen, welche die Bezugsvereinigung hiernach
nicht übernehmen will, erliſcht die Abſatzpflicht nach § 2. Das Gleiche gilt, ſoweit die
Bezugsvereinigung eine Erklärung binnen der Friſt nicht abgibt.
*Alle Mengen, die hiernach dem Abſatz durch die Bezugsvereinigung vorbehalten
ſind, müſſen von ihr abgenommen werden. Der Eigentümer hat der
Bezugsvereini=
gung anzuzeigen, von welchem Zeitpunkt ab er zur Lieferung bereit iſt. Erfolgt die
Abnahme nicht binnen 4 Wochen nach dieſem Zeitpunkt, ſo iſt der Kaufpreis vom
Ablauf der Friſt ab mit 1 vom Hundert über den jeweiligen Reichsbankdiskont zu
verzinſen. Mit dem Zeitpunkt, an dem die Verzinſung beginnt, geht die Gefahr des
zufälligen Verderbens oder der zufälligen Wertverminderung auf die
Bezugsvereini=
gung über. Der Eigentümer hat die zuckerhaltigen Futtermittel bis zur Abnahme
aufzubewahren, pfleglich zu behandeln und in handelsüblicher Weiſe zu verſichern.
Er=
erhält dafür eine Vergütung, die von dem Bundesrate feſtgeſetzt wird. Der
Eigen=
tümer hat nach näherer Anweiſung des Reichskanzlers Feſtſtellungen darüber zu
treffen, in welchem Zuſtand ſich die Gegenſtände im Zeitpunkt des Gefahrüberganges
befinden; im Streitfalle hat er den Zuſtand nachzuweiſen.
Die Melaſſe darf auch nach dem Zeitpunkt des Gefahrüberganges (Abſ. 2 Satz 4)
ungetrennt von den übrigen Melaſſemengen aufbewahrt werden, wenn die getrennte
Aufbewahrung nur mit unverhältnismäßigen Aufwendungen möglich iſt.
§ g.
Mengen einen angemeſſenen Uebernahmepreis zu zahlen. Dieſer Preis darf die vom
Bundesrat beſtimmten Grenzen nicht überſteigen.
Iſt der Verkäufer mit dem von der Bezugsvereinigung gebotenen Preiſe nicht
einverſtanden, ſo ſetzt die zuſtändige höhere Verwaltungsbehörde den Preis endgültig
feſt. Sie beſtimmt darüber wer die baren Auslagen des Verfahrens zu tragen hat.
Bei der Feſtſetzung iſt der Preis zu berückſichtigen, der zur Zeit des Gefahrüberganges
(§ 5 Abſ. 2 Satz 4) angemeſſen war. Der Verpflichtete hat ohne Rückſicht auf die
end=
gültige Feſtſetzung des Uebernahmepreiſes zu liefern, die Bezugsvereinigung vorläufig
den von ihr für angemeſſen erachteten Preis zu zahlen.
Erfolgt die Ueberlaſſung nicht freiwillig, ſo wird das Eigentum auf Antrag der
Bezugsvereinigung durch Anordnung der zuſtändigen Behörde auf ſie oder die von
ihr in dem Antrag bezeichnete Perſon übertragen. Die Anordnung iſt an den
Eigen=
tümer zu richten. Das Eigentum geht über, ſobald die Anordnung dem Eigentümer
zugeht.
§ 7. Die Zahlung erfolgt ſpäteſtens 14 Tage nach Abnahme. Für ſtreitige
Reſtbeträge beginnt dieſe Friſt mit dem Tage, an dem die Entſcheidung der höheren
Verwaltungsbehörde der Bezugsvereinigung zugeht.
§ 8. Beim Verkaufe zuckerhaltiger Futtermittel an den Verbraucher iſt ein
Aufſchlag bis zu 7 vom Hundert von den nach § 6 zu zahlenden Preiſen zuzüglich
der Transportkoſten und anderer barer Auslagen zuläſſig. Von dem Aufſchlag
entfallen auf die Bezugsvereinigung ½, auf den Weiterverkäufer ¾
§ 9. Die Bezugsvereinigung darf von dem Umſatz 2 vom Tauſend als
Ver=
mittelungsvergütung zurückbehalten.
Der Reingewinn iſt zur Beſchaffung von Futtermitteln aus dem Ausland zu
verwenden. Ueber den etwa verbleibenden Reſt verfügt der Reichskanzler.
§ 10. Die Bezugsvereinigung darf die zuckerhaltigen Futtermittel nur an
Kommunalverbände oder an die vom Reichskanzler beſtimmten Stellen nach den
Weiſungen der Reichsfuttermittelſtelle aufzuſtellenden Grundſätzen abgeben.
§ 11. Die Kommunalverbände oder die vom Reichskanzler beſtimmten Stellen
haben ihren Abnehmern für Weiterverkäufe beſtimmte Bedingungen und Preiſe
vorzuſchreiben.
§ 12. Die Vorſchriften dieſer Verordnung gelten nicht für die Heeresverwaltungen,
die Marineverwaltung und die Zentral=Einkaufs=Geſellſchaft m. b. H.
Die Vorſchriften dieſer Verordnung beziehen ſich nicht auf zuckerhaltige
Futter=
mittel, die ſelbſt oder deren Rohſtoffe nachweislich nach dem Inkraftreten dieſer
Verordnung aus dem Ausland eingeführt worden ſind.
§ 13. Die Landeszentralbehörden können Beſtimmungen zur Ausführung dieſer
Verordnung erlaſſen. Sie beſtimmen wer als höhere Verwaltungsbehörde und als
Kommunalverband im Sinne dieſer Verordnung anzuſehen iſt.
§ 14. Mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldſtrafe bis zu
fünfzehn=
tauſend Mark wird beſtraft:
1. wer dem § 2 zuwider zuckerhaltige Futtermittel in anderer Weiſe als durch
die Bezugsvereinigung der deutſchen Landwirte abſetzt;
2. wer die ihm nach § 3 obliegenden Anzeigen nicht in der geſetzten Friſt
erſtattet oder wer wiſſentlich unvollſtändige oder unrichtige Angaben macht;
3. wer der Verpflichtung zum Trocknen der Schnitzel (§ 4 Abſ. 2) oder zur
Auf=
bewahrung und pfleglichen Behandlung (§ 5) zuwiderhandelt;
4. wer den ihm auf Grund des § 11 auferlegten Verpflichtungen nicht
nach=
kommt;
5. wer den auf Grund des § 13 erlaſſenen Ausführungsbeſtimmungen
zuwider=
handelt.
§ 15. Der Reichskanzler kann von den Vorſchriften dieſer Verordnung
Aus=
nahmen geſtatten. Er iſt auch ermächtigt, die Vorſchriften dieſer Verordnung auf
andere als die im § 1 genannten Gegenſtände auszudehnen.
§ 16. Der Reichskanzler beſtimmt den Zeitpunkt des Inkrafttretens und des
Außerkraftretens dieſer Verordnung. Er kann Uebergangsvorſchriften erlaſſen.
Berlin, den 28. Juni 1915.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.
Bekanntmachung
über zuckerhaltige Futtermittel.
Vom 22. Juli 1915.
Auf Grund des § 13 der Verordnung des Bundesrats über zuckerhaltige
Futter=
mittel vom 28. Juni 1915 (Reichsgeſetzblatt Seite 405) wird folgendes beſtimmt:
§ 1. Im Sinne dieſer Verordnung iſt:
a) höhere Verwaltungsbehörde der Provinzialausſchuß der Provinz, in der die
Ware lagert,
b) zuſtändige Behörde das Kreisamt,
0) Kommunalverband das Großherzogtum.
§ a Mit der Uebernahme, Verteilung und Abgabe der Futtermittel wird die
durch Bekanntmachung von heute errichtete Landesverteilungsſtelle für Futtermittel
in Darmſtadt, Bleichſtraße 1, beauſtragt.
§ 3. Die vorſtehenden Beſtimmungen treten mit dem Zeitpunkte des
Inkraft=
tretens der Bundesratsverordnung in Kraft.
(10993
Darmſtadt, den 22. Juli 1915.
Großherzogliches Miniſterium des Innern:
v. Hombergk.
Krämer.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 ſchottiſcher Schäferhund, 1 Boxer. 1 ſchottiſcher
Schäfer=
hund (zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei
dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.
(11002
Verkauf von Schweinefleiſch
(Dauerware).
Ausweiskarten an Minderbemittelte zum Bezuge von
Schweine=
fleiſch werden nicht mehr ausgegeben. Die bereits ausgegebenen
Karten haben noch Gültigkeit, ſolange der Fleiſchvorrat reicht.
Darmſtadt, den 29. Juli 1915.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Ekert.
11016fs
ont anteMlnl
abzugeben. Näh.
Apfelwein=
kelterei Müller. (10387a
Emar
Pony zu verkaufen
(10900a
Luiſenſtr. 16.
Scharfer, wachſ. Hofhund
zu kaufen geſucht. Näheres unt.
T 26 an die Geſchäftsſt. (*15143
Dunger Teckel oder Terrier zu
kaufen geſucht.
Angebote mit Preisang. unter
T29 an die Geſchäftsſt. (*15156
(Minorka)
Gute Legehühner billigſt. Ang.
u T27 an d. Geſchäftsſt. (*15141fgi
Belantnechung.
Freitag, 3. September 1915,
vormittags 10½ Uhr,
ſollen die der Witwe des
Apo=
thekers Friedrich Lohnes, geb.
Hart=
mann, früher in Darmſtadt, jetzt
in Offenbach a. M. wohnhaft, und
deren minderjährigen Kindern Lina,
Wilhelm und Ida Lohnes im
Grundbuche für die Gemarkung
Darmſtadt (Beſſungen)
zugeſchriebe=
nen Liegenſchaften:
Flur Nr. qam
VI 1058½0 169 Hofreite
Klap=
pacherſtraße
Nr. 40,
Grabgarten m.
VI 10590
335
Gartenhaus
1060)
daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe ver=
(K77/14
ſteigert werden.
Darmſtadt, 26. Juli 1915.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen.)
Frantz. (IX,10995
Beiamtnahung,
Freitag, 3. September I. Js.,
vormittags 10½ Uhr.
ſollen die den Schreiner Georg
Bert Eheleuten dahier
zugeſchriebe=
nen Immobilien:
Flur Nr. am
III 380 321 Hofreite
Arheilger=
ſtraße 54,
III 381 146 Hofreite
Arheilger=
ſtraße 54½,
in unſerem Bureau, Grafenſtraße
Nr. 30, II., zwangsweiſe verſteigert
(B18/15
werden.
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das
einge=
legte Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, 28. Juli 1915.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII, 10994
Bekanntmachung.
Donnerstag, 26. Auguſt 1915,
vormittags 10½ Uhr,
ſollen die dem Kaufmann Emil
Neumaier in Stuttgart im
Grund=
buche für die Gemarkung
Darm=
ſtadt (Beſſungen) zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
Flur Nr. am
49 133 3840 Acker große
Ge=
wann,
49 137 1876 Acker daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1 dahier, zwangsweiſe
(B24/15
verſteigert werden
Darmſtadt, 13. Juli 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,10423
Nachlaß=Verſteigerung.
Samstag, 31. Juli, vormittags ½10 Uhr
beginnend
wird der Nachlaß der verſtorbenen Frau Auguſt
Wagner Witwe in Pfungſtadt, Eberſtädterſtraße 43,
freiwillig gegen Barzahlung verſteigert, und zwar:
2 vollſtändige Betten, 1 Kleiderſchrank (
ein=
türig), 1 Kleiderſchrank (zweitürig), 1
Aus=
ziehtiſch, 1 Vertiko, 1 Nachtſchrank, 4
Rohr=
ſtühle, 1 Sofa, 1 Waſchkommode, 1 Regulator,
1 Spiegel, 1 Teppich, Vorhänge, 1
Küchen=
ſchrank, 1 Anrichte, 1 Tellerregal, Kleider und
Weißzeug, Gläſer, Porzellan, ſowie Hausrat
durch alle Rubriken und eine Partie
Garten=
gerätſchaften.
Darmſtadt, 30. Juli 1915.
Ludwig Raab
Amtsgerichtstaxator
21 Wilhelminenſtraße 21.
Fernruf 2686.
(10999
billigſt abzugeb.
Schlafzimmer- und Küchen-
Gasofen
(*1516s
einrichtungen
Roßdörferſtr. 71, 2. St.
werden hochmod. lackiert. (*15001mf
eiſerne Kinderbettſtelle mit
Gerhardts Malergeſchäft
1 Matratze zu verkaufen (*15171
Dieburgerſtr. 62, 1. St.
Blumenthalſtraße 53.
Werkſtatt: Ballonplatz 6.
A. Regelung des Verbrauchs
von Mehl und Backwaren.
Die nachſtehenden Vorſchriften über die Regelung des
Verbrauchs von Mehl und Backwaren für den Bezirk der
Stadt Darmſtadt bringe ich hiermit zur allgemeinen
Kenntnis.
Dieſe Beſtimmungen treten ſofort nach Bekanntgabe
in Kraft, die früher erlaſſenen Vorſchriften werden
da=
mit aufgehoben.
Darmſtadt, am 27. Mai 1915.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
I. Sicherung der Mehlvorräte.
1. Alles im Gebiete der Stadt Darmſtadt vorhandene
Brotgetreide und Mehl, mit Ausnahme des eigenen
Bedarfs landwirtſchaftlicher Betriebe, iſt zugunſten
des Kommunalverbandes beſchlagnahmt. Jede
Ab=
gabe nach außerhalb des Stadtgebietes iſt bis auf
weiteres verboten.
2. die zugunſten des Kommunalverbandes
beſchlagnahm=
ten Vorräte an Brotgetreide und Mehl bleiben nach den
§§ 17 und 20 der Bundesratsverordnung vom 25.
Ja=
nuar ds. Js. im Verwahr der ſeitherigen Beſitzer. Dieſe
ſind für Erhaltung von Beſtand und Güte der
Vor=
räte haftbar, bei Strafe im Nichtbeachtungsfall.
3. Die Vorſchriften unter Nr. 1 und 2 gelten auch für
das nach der Beſtandsaufnahme in der Nacht vom
12./13. Februar (von auswärts) bezogene Mehl und
Brotgetreide.
4. Die Verteilung des Mehls und die Regelung des
Verbrauchs wird durch den gemäß § 38 der
Bundes=
ratsverordnung vom 25. Januar 1915 gebildeten
Aus=
ſchuß wahrgenommen. Die Dienſträume des
Aus=
ſchuſſes befinden ſich im Stadthaus.
5. Vermittelungsſtellen für die Abgabe des Mehls ſind
die bisherigen Mehlgroßhändler, von denen in freier
Wahl die Bäcker und Mehlkleinhändler ihren Bedarf
an Mehl unter Wahrung der Kontrollvorſchriften
be=
ziehen können. Die Mehlgroßhändler ſind verpflichtet,
unter Beachtung der Vorſchriften der
Bundesrats=
verordnung ſowie der Vorſchriften unter B ihre
Vor=
räte an die Bäcker, Konditoren und Mehlkleinhändler
abzugeben.
II. Die Herſtellung der Backware.
3. An Roggenbrot dürfen nur Einheitsbrote mit
einem Verkaufsgewicht von 2 und 4 Pfund gebacken
werden, und zwar:
a) „K‟=Brot, das einen Kartoffelmehl= oder
Kar=
toffelflockenzuſatz von mehr als zehn
Gewichts=
teilen bis zu einſchließlich zwanzig Gewichtsteilen
der Geſamtmaſſe enthält;
b) „KK‟=Brot, das einen Kartoffelmehl= oder
Kar=
toffelflockenzuſatz von mehr als zwanzig
Gewichts=
teilen der Geſamtmaſſe enthält.
Bei Verwendung von gequetſchten oder
geriebe=
nen Kartoffeln erhöht ſich der Zuſatz bei „K‟=Brot
auf mehr als dreißig Gewichtsteile und bei „KK‟
Brot auf mehr als vierzig Gewichtsteile auf
neun=
zig Gewichtsteile Mehl. Das Roggenmehl darf
bis auf weiteres bis zu dreißig Gewichtsteilen
durch Weizenmehl erſetzt werden.
Statt Kartoffeln können Bohnenmehl, auch
Soja=
bohnenmehl, Erbſenmehl, Gerſtenſchrot,
Gerſten=
mehl, Hafermehl, fein vermahlene Kleie,
Mais=
mehl, Maniok= und Tabiokmehl, Reismehl,
Sago=
mehl in derſelben Menge wie Kartoffelflocken
ver=
wendet werden; in gleicher Weiſe kann Sirup oder
Zucker verwendet werden, jedoch nur bis zur Höhe
von fünf Gewichtsteilen auf fünfundneunzig
Ge=
wichtsteile Mehl oder Mehlerſatzſtoffe.
Weiter können gebacken werden Weißbrot,
Bröt=
chen und dergl. (Waſſergebäck) mit bis auf weiteres
höchſtens neunzig Gewichtsteilen Weizenmehl und
zehn Gewichtsteilen Roggenmehl. Der
Weizen=
gehalt kann bis zu zwanzig Gewichtsteilen durch
Kartoffelſtärkemehl oder andere mehlartige Stoffe
erſetzt werden.
Das Backen und der Verkauf von
Milchgebäck iſt verboten. Unter das Verbot fallen
auch Kuchen, Kreppel, Dampfnudeln und dergl., auch
ſolche, die im privaten Haushalt hergeſtellt werden.
Ferner die als ſog. Kaffeegebäck bezeichneten
Kondi=
torwaren, die mit Hefe oder Sauerteig hergeſtellt
ſind. Das obige Backverbot findet keine Anwendung
auf die Bereitung von reinen Konditorwaren. Unter
reinen Konditorwaren im Sinne dieſer
Ver=
ordnung, ſind ſolche Backwaren zu verſtehen, zu deren
Bereitung höchſtens zehn Gewichtsteile der ganzen
Gewichtsmaſſe an Mehl oder mehlartigen Stoffen
ver=
wendet und denen außerdem zehn Gewichtsteile Zucker
zugeſetzt werden. Auch dürfen bei deren Bereitung
Hefe oder Sauerteig nicht benutzt werden. Dieſes gilt
auch für Konditoreien, die mit anderen Betrieben, wie
Wirtſchaften, Kaffees und dergl. verbunden ſind.
Das Verkaufsgewicht muß bei den Einheitsbroten
(a und b) 24 Stunden nach der Herſtellung vorhanden
ſein.
Die Herſtellung von Schrotbrot (Roggen= oder
Weizenſchrotbrot, das mehr als 93 Prozent des
Ge=
treidekorns enthält) ſowie von Zwieback iſt
ge=
ſtattet. Zwieback iſt als Weizengebäck anzuſehen. Bei
ſeiner Herſtellung ſind deshalb die Vorſchriften des
§ 3 der B.=V. vom 5. Januar, in der Faſſung der
Be=
kanntmachung vom 31. März 1915, betr. die
Berei=
tung von Backwaren, zu beachten.
7. Die Verwendung von backfähigem Mehl als
Streu=
mehl zur Iſolierung des Teigs iſt in Bäckereien und
Konditoreien verboten.
Die Vorſchriften unter II gelten auch, wenn der
Teig von einem anderen als dem Herſteller ausgebacken
wird.
III. Die Abgabe von Brot und Mehl an die Verbraucher.
8. Die Bäckereien und die ſonſtigen Brot= und
Mehlver=
kaufsgeſchäfte ſowie die Wirtſchaftsbetriebe und
Be=
triebe gleicher Art dürfen Mehl oder Brot und ſonſtige
Backwaren an die Verbraucher nur gegen
Aushändi=
gung von Brotmarken abgeben.
Unter die Brotmarkenkontrolle fallen:
Schwarz=
brot, Weißbrot, Schrotbrot, Schlüterbrot, Grahambrot,
Brötchen, Einback, Zwieback, Brezeln und dergleichen
aus Roggen= oder Weizenmehl hergeſtellte, nicht unter
Konditorwaren fallende Backwaren. Ferner die aus
Roggen und Weizen hergeſtellten Griesmehle.
9. Auf jeden Kopf der verſorgungsberechtigten
bürger=
lichen Bevölkerung entfallen nach Wahl für den
Monat 8 Kilogramm Brot oder 6 Kilogramm Mehl
oder 7,2 Kilogramm Weißbrot. Auf Kinder unter
5 Jahren entfällt die Hälfte dieſer Mengen.
10. Jeder Haushaltungsvorſtand und jede in Darmſtadt
polizeilich gemeldete Einzelperſon erhält eine
Aus=
weiskarte und darauf für jede
verſorgungsberech=
tigte Perſon eine Karte (Brotkarte) für den
Be=
zug von Mehl, Griesmehl, Brot und anderen
Back=
waren. Die Ausweiskarte iſt auf den Namen des
Haushaltungsvorſtandes oder der Einzelperſon
aus=
geſtellt. Sie dient als Ausweis zum Bezug der
Brot=
karten und iſt dauernd aufzubewahren. Der
Brot=
karte ſind ſoviel abtrennbare Abſchnitte (
Brot=
marken) angefügt als Brot zu 1 Kilogramm (zwei
Pfund) oder Mehl zu ¾ Kilogramm (1½ Pfund) oder
Weißbrot zu 900 Gramm abgegeben werden dürfen.
Für den Einzelbezug von Brötchen und Kleingebäck
ſind einige Brotmarken in je 18 Unterabſchnitte
einge=
teilt, von denen jeder Abſchnitt zum Bezug der
ent=
ſprechenden Menge Kleingebäck berechtigt.
Für jeden Monat wird für die Brotkarte eine
andere Farbe gewählt. Die Karten und Marken
ſind nicht übertragbar.
11. Gaſtwirte (Inhaber von Hotels, Herbergen und dergl.)
erhalten für die Gäſte, die bei ihnen übernachten,
Tagesbrotkarten in Blöcken zu 50 Stück. Sie haben
die Tagesbrotkarten mit dem Datum des Tages, für
den ſie gelten ſollen, mit Tinte oder Stempel
auszu=
füllen und mit ihrer Adreſſe zu verſehen. Am
Monats=
ſchluß iſt über die ausgegebenen Tagesbrotkarten mit
dem ſtädtiſchen Ausſchuß abzurechnen. Die
Ueberein=
ſtimmung der Anzahl Karten mit der Zahl der durch
das Fremdenbuch nachgewieſenen, polizeilich
gemel=
deten Fremden iſt durch Unterſchrift zu verſichern. Die
Gaſtwirte uſw. ſind verpflichtet, ihre Bücher dem
Kon=
trollbeamten zur Einſicht vorzulegen. Nicht
verwen=
dete Tagesbrotkarten und =marken ſind zurückzugeben.
Das gleiche gilt für Privathaushaltungen, bei denen
Fremde vorübergehend oder längere Zeit übernachten
(auch Penſionsinhaber und Vermieter von
Schlaf=
ſtellen.) Dieſe ſind verpflichtet, genaue Liſten”) zu
füh=
ren, die mit den abgegebenen Tagesbrotkarten
über=
einſtimmen. Vorübergehend hier anweſende Fremde,
die nicht in Hotels, Wirtſchaften, Herbergen oder dergl.
wohnen, erhalten die Tagesbrotkarten von dem
Aus=
ſchuß zur Regelung des Mehl= und Brotverbrauchs
im Stadthaus.
12. Die Angehörigen landwirtſchaftlicher Betriebe, die
be=
rechtigt ſind, auf den Kopf 9 Kilogramm Brotgetreide
im Monat zurückzubehalten, erhalten keine Brotkarten,
wenn ſie von ihrem Rückbehaltungsrecht Gebrauch
ge=
macht haben.
13. Neuzuziehende können nur nach erfolgter polizeilicher
Meldung ihre Brotkarte erhalten. Die Ausgabe
er=
folgt im Stadthaus. Die polizeiliche Meldung iſt
nachzuweiſen.
14. Die Ausgabe der Karten erfolgt an den drei letzten
Tagen vor Ablauf der zu dieſer Zeit gültigen Karten;
doch ſind die neuen Karten erſt von dem Zeitraum ab
gültig, auf den ſie lauten. Bei Löſung der neuen
Brotkarte iſt die alte Karte mit den unverwendeten
Marken an die Ausgabeſtelle abzuliefern.
15. Die Brotmarken dürfen nicht vor dem
aufge=
druckten Zeitraum verwendet werden; eine ſpätere
Verwendung iſt zuläſſig, jedoch nur innerhalb der
Gültigkeitsdauer der Brotkarte.
16. Wer ſeine Ausweiskarte oder ſeine Brotkarten
ver=
liert, hat dieſen Verluſt glaubhaft nachzuweiſen. Nur
in dieſem Falle kann eine neue Karte ausgeſtellt
wer=
den.
17. Die Stellen für die Ausgabe der Karten und die für
den Kartenverkehr getroffenen Einrichtungen werden
jeweils beſonders bekannt gemacht.
18. Das in den Haushaltungen in der Nacht vom 12. auf
13. Februar 1915 vorhanden geweſene, nicht
beſchlag=
nahmte Mehl wird, ſoweit es die Menge von 10
Kilogramm überſteigt, auf die dem Beſitzer für ſeinen
Haushalt zuſtehende Brot= oder Mehlmenge
aufge=
rechnet.
Ueber die beſchlagnahmten, nicht aufgerechneten
Mehlvorräte wird beſonders verfügt. Dem Beſitzer
kann auf Antrag dieſe Menge ganz oder teilweiſe
überlaſſen werden, wenn er ſich mit einer
entſprechen=
den Kürzung des ihm zuſtehenden Brotbedarfs
ein=
verſtanden erklärt.
t) Vordrucke ſind im Stadthaus, Zimmer 29,
unent=
geltlich zu erhalten.
B. Vorſchriften
für Bäcker und Händler, einſchl. Kolonialwaren=
und Spezereiwarenhändler.
19. Die Bäckereien und Mehlkleinverkäufer (Kolonial=
und Spezereiwarenhändler) und die ſonſtigen
Brot=
verkaufsgeſchäfte, auch die außerhalb Darmſtadts
wohnenden, dürfen innerhalb des Stadtgebiets Brot,
Kleingebäck, Mehl und Griesmehl nur gegen
Aushän=
digung von Brotmarken abgeben. Ebenſo dürfen
Wirtſchaften und Verkäufer von Backwaren Brot,
Zwieback, Brötchen oder Kleingebäck nur gegen
ent=
ſprechende Abſchnitte der Brotmarken verabfolgen.
20. Die Bäcker und die Verkäufer von Brot, Backwaren
und Mehl haben die bei ihnen eingehenden
Brotmar=
ken zu ſammeln und zu je 140 Stück in einem
Um=
ſchlag zu vereinigen. 140 Brotmarken gleich
zu rechnen ſind 2520 Marken für Kleingebäck.
Der Umſchlag — der von der
Stadtverwal=
tung geliefert wird — iſt zu verſchließen und die
Richtigkeit der Einlagen durch den Bäcker oder
Händ=
ler zu beſcheinigen. Die verſchloſſenen Umſchläge ſind
nach freier Wahl an eine der ſtädtiſchen
Mehlver=
teilungsſtellen (Mehlgroßhändler) abzugeben, von der
die entſprechende Menge an Mehl dagegen geliefert
wird. Hierbei entſprechen 140 Brotmarken zu 1
Kilo=
gramm Schwarzbrot oder 2520 Brotmarken zu 50
Gramm Weißbrot einem Sack (Doppelzentner) Mehl.
21. Bäcker und Händler von auswärts, die Brot
und Backwaren oder Mehl nach dem
Stadt=
bezirk liefern, haben die Brotmarken ebenfalls
in Empfang zu nehmen und in gleicher Weiſe
zu ſammeln und aufzubewahren. Doch haben
dieſe auswärtigen Brot= und Mehllieferanten
die verſchloſſenen und beſcheinigten Umſchläge nicht
an die Verteilungsſtellen (Großhändler), ſondern an
den ſtädtiſchen Ausſchuß (Stadthaus) abzuliefern.
Dieſer ſtellt eine Empfangsbeſcheinigung darüber aus
und weiſt dem auswärtigen Lieferanten die
entſpre=
chende Mehlmenge durch eine Verteilungsſtelle (
Groß=
händler) zu. Die Wahl des Großhändlers bleibt
dem Händler überlaſſen.
22. Die Wiederverkäufer von Brot= und Backwaren, die
in hieſigen Bäckereien hergeſtellt werden, haben ihre
Brotmarken an den Bäcker abzuliefern, von dem ſie die
Waren bezogen haben.
Wiederverkäufer, die Brot und Backwaren von
außerhalb Darmſtadts beziehen, haben am Schluß
eines jeden Monats die im abgelaufenen Monat
be=
zogenen Brot= und Backwarenmengen dem ſtädtiſchen
Ausſchuß anzuzeigen. Die hierzu zu verwendenden
Karten werden von der Stadtverwaltung geliefert.
23. Die Bäcker und Händler, auch die auswärtigen und
die Großhändler (Mehlverteilungsſtellen) haben den
Beſtand, Zugang und Abgang von Mehl
aufzuſchrei=
ben und am 1., 10. und 20. eines jeden Monats der
Geſchäftsſtelle des Ausſchuſſes (Stadthaus)
mitzu=
teilen. Die hierzu zu verwendenden Karten werden
von der Stadtverwaltung geliefert. Der Abgang bei
den Bäckern und Kleinhändlern wird durch die Zahl
der an die Mehlverteilungsſtellen abzugebenden
Mar=
ken, bei den Verteilungsſtellen (Großhändler) durch
die Zahl der abzugebenden Umſchläge bezw. der
Ueberweiſungsbeſcheinigungen an Konditoren in
Darmſtadt oder an auswärtige Bäcker und Händler
belegt.
24. Den Mehlverteilungsſtellen wird das Mehl durch
den ſtädtiſchen Ausſchuß überwieſen; ſie ſind
ver=
pflichtet, ihre Vorräte an die in Darmſtadt
wohnen=
den Bäcker und Mehlkleinhändler gegen Brotmarken,
ſowie an die in Darmſtadt wohnenden Konditoren
und an auswärtige Bäcker und Händler auf
An=
weiſung des ſtädtiſchen Ausſchuſſes abzugeben. Die
Großhändler ſind berechtigt, auf das von ihnen von
dem Ausſchuß bezogene oder überwieſene Mehl bei
der Weitergabe an die Bäcker oder Kleinhändler einen
Preisaufſchlag zu berechnen, deſſen Höchſtſatz von dem
Ausſchuß beſtimmt wird.
25. Der ſtädtiſche Ausſchuß und deſſen Beauftragte haben
das Recht, in die Bücher der Großhändler über den
Zu= und Abgang des Mehls und die den Bäckern
und Händlern berechneten Preiſe Einſicht zu nehmen.”
Ebenſo haben der Ausſchuß und deſſen Beauftragte
das Recht, die Befolgung der erlaſſenen Vorſchriften
bei den Bäckern und Mehl=Kleinhändlern zu prüfen
und zu überwachen.
C. Allgemeines
und Strafbeſtimmungen.
26. Ausnahmen von vorſtehenden Beſtimmungen können
in beſonderen Fällen durch den Ausſchuß geſtattet
werden.
27. Wer dieſen Beſtimmungen zuwiderhandelt, kann mit
Gefängnis bis zu ſechs Monaten oder mit Geldſtrafe
bis zu 1500 Mark beſtraft werden. Außerdem können
Geſchäfte geſchloſſen werden, deren Inhaber oder
Be=
triebsleiter gegen die vorſtehenden Beſtimmungen
ver=
ſtoßen.
28. An jeder Verkaufsſtelle von Mehl, Brot oder
Back=
waren iſt ein Abdruck dieſer Vorſchriften an gut
ſicht=
barer Stelle auszuhängen.”)
½) Abdrucke ſind zum Preiſe von 10 Pfg. im
Stadt=
haus, Zimmer 29, zu beziehen.
(11000a
Verſteigerung
Montag, den 2. Auguſt, 9 Uhr vormittags,
im Hofe des Traindepots in Darmſtadt, Holzhofallee 13.
Zur Verſteigerung gelangen: 45 nicht mehr
militärdienſtbrauch=
bare Bauernwagen, 2 Landauer, 1 Omnibus, mehrere Loſe Geſchirr=
und Lederteile, Wagenteile und altes Eiſen. Die Fahrzeuge werden
einzeln verſteigert.
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Hühnerangen= u. Nägelſchneiden
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eintreten zu laſſen.
(11012
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verk. Soderſtr. 16, 1. St. (*15186
Eva Johanna.
Roman von Arthur Werner.
32)
(Nachdruck verboten.)
Es tut mir leid, Herr Rennow, ſagte ſie, es iſt nicht Eva
Johanna, ſondern ich.
Ah! rief er überraſcht und ſein Fuß blieb ſtehen. Sieh,
machte er dann und trat näher. Fräulein Schückler?
Ja. Anna Schückler.
Freut mich ganz außerordentlich. Aber, um der
Wahr=
heit die Ehre zu geben, ich kam nicht hierher, um Sie, Fräulein
Schückler, zu treffen, ſondern die Herrin von Flemingshof.
Ich bedaure ſehr, aber ſie iſt fort.
Fort . . . Wie . . . meinen Sie da? rief er erſchreckt.
Sie hat den Flemingshof auf unbeſtimmte Zeit verlaſſen.
Ah . . das dank ich wohl Ihnen, entfuhr es ihm faſt heftig.
Nein; dem Zufall. Aber ich danke Gott, daß er dieſen
Zufall geſandt hat, entgegnete Anna.
Und darf ich wiſſen, wohin dieſer Zufall Eva Johanna
geführt hat? fragte er mit ſchneidendem Hohne in ſeiner Stimme.
Nein.
Und weshalb nicht?
Weil ich nicht will, daß noch mehr Kämpfe in das Herz
meiner Schweſter getragen werden, Kämpfe, die ihre Kraft
überſteigen. Weil ich nicht will, daß meine Schweſter in ein
Unglück getrieben wird, in dem ſie unrettbar zugrunde gehen
muß.
Soll dieſes Unglück die Ehe mit mir ſein? fragte er und ſah
ſie mit einem lauernden Blicke des Haſſes an.
Ja.
Oh, und er biß ſich auf die Lippen und ſeine Hände
krampften ſich dabei zuſammen. Ihre Worte haben den Vorzug
außerordentlich aufrichtig zu ſein, mein verehrtes Fräulein.
Ja. Und ich hoffe auch, ebenſo klar und verſtändlich.
Das möchte ich gerade nicht ſagen. Es ſind Worte, mein
Fräulein, die ganz gewaltig einer Erklärung bedürfen. Ich kam
hierher, weil ich . . . beſtellt war. Weil mein Beſuch gewünſcht
und erwartet war. Und wenn man den Zweck des Beſuches
hier hintertreibt, ſo habe ich ein Recht zu fragen: warum? Und
wenn die, die mir geſagt hat zu kommen, nicht hier iſt, ſondern —
Pardon, eine beliebige andere, ſo habe ich das Recht zu fragen:
wo iſt ſie? Und dieſes Recht, mein verehrteſtes Fräulein, laſſe
ich mir von keinem Menſchen der Welt nehmen.
Ich . . . nehme es Ihnen, ſagte ſie und ſah ihm
uner=
ſchrocken ins Auge, deſſen haſſende Blicke ſie in dem roten
Licht=
dämmer ſah.
Und . . . weshalb? fragte er.
Dieſe Frage, Herr Rennow, beantworten Sie ſich wohl
ſelbſt, gab ſie mit einer Ruhe in der Stimme zur Antwort, die
nit ihrer inneren Erregung und Schwäche in prachtvollem
Widerſpruch ſtand. Genügt’s Ihnen nicht, daß ich die Schweſter
Eva Johannas bin? Genügt’s Ihnen nicht, daß ich ihr Leiden
und Kämpfen und Zuſammenbrechen geſehen? Daß ich das
Sterben einer Seele mit anſah? Das Sterben eines Glücks,
einer Jugend und eines Glaubens? Meinen Sie, daß das
nicht genügt? Nun denn, dann will ich Ihnen noch einen anderen
Namen ins Geſicht ſchleudern, mein Herr Rennow. Einen
Namen, der wie der Ruf zu dem jüngſten Gericht an Ihr Herz
dringen muß: Laura Wendland!
Wie ein Schlag ins Geſicht traf ihn der Name. Alles hätte
er erwartet, auf alles war er gefaßt geweſen, nur nicht darauf,
dieſen Namen zu hören.
Den hatte er für überwunden gehalten.
Den Feind hatte er für ungefährlich, für hilflos, für am
Boden liegend gehalten, und nun tauchte er mit einem Male
wieder auf, drohend, gefährlich, kataſtrophal. Und es war ihm,
als ſtürze das ganze Gebäude ein, das er ſich ſo mühſam errichtet.
Trotzdem lachte er auf.
Ich muß ja geſtehen, ſagte er, und ſeine Worte ſchnitten
beinahe in ihrer höhniſchen Schärfe, daß Sie ſich Ihre Alliierten
in prachtvollen Kreiſen zu wählen verſtehen. Ein Mädel . .
das ſich einem Manne an den Hals wirft und die er ſich
ab=
ſchüttelt. Wenn das Ihre Kronzeugen ſind, mein gnädiges
Fräulein, dann ſteht Ihre Sache auf ſehr ſchwachen Füßen.
Anna Schückler war totenbleich geworden. Vor dem
boden=
loſen Zynismus dieſes Mannes empfand ſie ein Grauen, das
ihre flammende Empörung faſt lähmte. So . . . ſo . . . wagte
dieſer Mann da zu ſprechen! So von einem Mädchen zu ſprechen,
das an ihm zugrunde ging. Und mit Gewalt nach Faſſung
ringend, ſagte ſie: Ich . . . habe nichts mehr mit Ihnen zu reden.
Gehen Sie bitte. Denn ein Mann, der es wagt, zu ſeinem Verrat
noch ſo abſcheuliche Verleumdungen zu fügen, ſchändet dies
Haus. Ja, Herr Rennow, drohen Sie ſo viel Sie wollen, er
ſchändet es, und ich würde Mauern zwiſchen ihn und jede Fremde
aufzurichten verſuchen, der er ſich naht, geſchweige denn zwiſchen
ihn und meine Schweſter. Ich würde jeder immer nur den
Namen zuſchreien: Laura . . . Laura . . . Laura Wendland,
ſo wie die Welt den Namen Jſchariots hinausgeſchrien hat
in alle Welt und in alle Zeiten, und nun, . . . nun will ich Ihnen
auch ſagen, wo Eva Johanna iſt: am Sterbebett Laura
Wend=
lands. Ihre jungen Augen hatten plötzlich einen harten Ausdruck.
Er wurde aſchfahl. Selbſt durch die Röte des Lichtes
hin=
durch konnte man das erkennen. Es war, als würde er zuſehends
alt. So verzerrten ſich ſeine Züge.
Danken Sie . . . Gott, ſtieß er hervor, daß . . . Sie . . .
kein Mann ſind . . . Aber ſeien Sie überzeugt, daß nichts auf
der Welt mich davon abbringen wird, mein Recht auf Eva
Jo=
hanna geltend zu machen. Es gibt ein Recht auf die Braut.
Auch ein geſetzliches. Und ich laſſe nicht mit mir ſpielen. Ich
enne meine Poſition Eva Johanna gegenüber zu gut, um jetzt
oder je irgendein freches Dazwiſchentreten zu dulden. O . . .
regen Sie ſich darüber nicht auf. Nicht ich habe dieſen Ton in
unſere Unterredung gebracht, ſondern Sie. Eva Johanna iſt
an mich gebunden. Die Sache iſt über das Stadium eines Spiels
oder Scherzes hinausgegangen. Es handelt ſich, von meiner
Liebe, Fräulein Schückler, ganz abgeſehen, um . . . . meine
Exiſtenz.
Ja . . . das . . . dachte ich mir, ſagte ſie eiſig.
Er aber ballte die Fauſt. Ich verbiete Ihnen, ſo mit mir
zu reden, ſchrie er, denn wenn Sie vergeſſen, wer ich bin, möchte
ich nicht Gleiches mit Gleichem vergelten und vergeſſen, wer
Sie ſind.
Ich ſage Ihnen noch einmal, ſagte er und verfiel in ben
Ton erzwungener, ſich ſelbſt mühſam abgerungener Ruhe, daß
ich mein Recht auf Eva Johanna nicht aufgeben werde. Ich
wiederhole Ihnen, daß ich mit meiner Exiſtenz nicht ſpielen
laſſe. In jedem Falle muß ich Eva Johanna ſehen. Muß aus
ihrem Munde erfahren, daß es ihr freier, unbeeinflußter Wille
iſt, mir ihr Wort, ihren Schwur, ihr Verſprechen zu brechen.
Frei und unbeeinflußt hat ſie mir ihre Liebe geſchenkt, ſie allein
darf ſie mir nehmen!!
(Fortſetzung folgt.)
Sendehsassenasensasanannann
manansagsnas gansaan en
Gut deutsch, nicht englisch!
Sie unterſtützen den engliſchen und ſchädigen den deutſchen
Ar=
beiter, Händler und Fabrikanten, wenn Sie eine Singer=Nähmaſchine
kaufen, denn viele dieſer Maſchinen werden in England hergeſtellt.
Die deutſche Nähmaſchinen=Induſtrie beſchäftigte vor dem Kriege
über 60000 Perſonen und noch 30 bis 40000 finden hier Lohn und Brot,
wenn in Deutſchland nur deutſche Nähmaſchinen gekauft werden, an
Güte und Leiſtungsfähigkeit ſtehen deutſche Nähmaſchinen ebenſo an
erster Stelle, wie deutſche Kriegsſchiffe, Unterſeebote und 42er Brummer.
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Zweites Wohlfahrtskonzert
Vaterlanaisther-Abend
am Montag, den 2. August, abends 8 Uhr
z: im Turnhallensaal am Woogsplatz::
zum Besten der Darmstädter Kriegsfürsorge
Ansprache: Prof. Dr. h. c. Karl Berger
Mitwirkende:
Kammersänger Heinrich Spemann
Konzertsängerin Kate Nowack
Hofopernsänger Leo Schützendorf
Musikdirektor Klassert.
(11001
Eintrittspreise: Sperrsitz 3 M., I. Platz numeriert
2 M., alle übrigen Plätze 1 M. im Verkehrsbureau.
Am Freitag, den 30. Juli 1915, findet im
Kaſſee Fürst Bismanck
ein
Her-Asend
statt.
Zu diesem Abend hat die Künstler-Kapelle ein
aus-
gewähltes Programm zusammengestellt, aus Liedern,
Operetten, Märschen, von heimatlichen Komponisten.
Der Bunte Abend verspricht somit ein recht
abwechs-
lungsreicher zu werden, so dass der Besuch bestens
zu empfehlen ist.
(11011
Resluenz- Tnedter.
Nur noch heute:
Hanni kehre zurück, alles vergeben
Das entzückende Lustspiel in 3 Akten
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Die gelbe Rose
Das spannende Detektivdrama in 3 Akten
Morgen:
(11004
Die Irrfahrten eines Kindes beim Einbruch
der Russen in Ostpreußen
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Ges Hedds Vernon.
Woog, am 25. Juli 1915.
Waſſerhöhe am Pegel 3,75 m.
Luftwärme 14‟ C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 190 C.
Woogs=Polizeiwache.
4
Wer dort? (10948a
hier V. Schatz, Schloßgaſſe 23.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
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gebiſſe, alte Federbett. ſtets die höchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.
Als Erſatz für
Land=Butter
empfehle allerfeinſte Margarine
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