Darmstädter Tagblatt 1914


Sonntag, den 13. September.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 252,

Sonntag, den 13. September.

1914.

Zeichnet die Kriegsanleihen!

Der Krieg.
Zur Kriegslage. 220000 Gefangene. Der verräteriſche Brief. Die Schnelligkeit der deutſchen Kreuzer. Eng=
liſche
Lebensretter bei Helgoland Bombardement von Belgrad. Die Dum=Dum=Geſchoſſe. Die engliſchen Verluſte.

Zur Orientierung unſerer Leſer über die Lage der
franzöſiſchen Feſtungen im Oſten möge obenſtehende Karte
dienen. Das Hauptintereſſe nehmen zurzeit die Feſtungen
Belfort und Verdun in Anſpruch. Ueber die deutſchen
Operationen vor Belfort ſchwebt Geheimnis. Aus Verdun
iſt in den letzten Tagen berichtet worden, daß der Kron=
prinz
dort in Südweſten Stellung genommen, und daß
die ſüdlichen Sperrforts von ſchwerer Artillerie beſchoſſen
werden. Ueber dieſe Feſtung ſchreibt die Köln. Ztg:
57 Kilometer Umtreis hat der Ring von Befeſtig=
ungen
, der ſich um Verdun zieht. Er iſt durch das Ge=
lände
ſehr begünſtigt und durch 17 große Forts, mehr als

20 ſelbſtändige Werke und etwa 50 Batterieſtellungen ge=
ſichert
. Zwiſchen der Bahn von Clermont, die ſich unmit=
telbar
vor dem Fortgürtel mit der Linie von Bar=le=Duc
weſtlich von Verdun vereinigt, und der Maas folgen ſich
in dem ſüdweſtlichen Abſchnitt die Forts und Werke von
Landrecourt und Dugny und hinter ihnen nördlich von
Negret. Weiter nach Süden von der befeſtigten Zone von
Verdun liegen in Abſtänden von etwa 6 Kilometer die
Forts von Genicourt, Troyon und nördlich von St. Mihiel
die Batterien von Paroches, unmittelbar ſüdlich dieſer
Stadt das Fort Camp des Romains. Gegen dieſe Forts
ſcheint der Angriff von Teilen der Armee des Kronprinzen

gerichtet zu ſein. Sie waren beſtimmt, die Maaslinie
zwiſchen Verdun und Toul zu ſperren, vor allem
die Bahnen, die von Metz her kommen und den Fluß in
ihrem Bereich überſchreiten. Auf die Vervollſtändigung
dieſer Forts und ſonſtigen Befeſtigungen hat Frankreich
im Lauf von Jahrzehnten ungeheure Summen verwandt,
aber man muß abwarten, wie weit die Werke imſtande
ſind, der deutſchen Belagerungsartillerie Widerſtand zu
leiſten. Die Meldung des Generalſtabs ſpricht zunächſt
nur von ſchwerer Artillerie, die gegen die Sperrforts ein=
geſetzt
ſei. Die weitere Entwickelung wird zeigen, was
damit gemeint iſt. Nach den Beiſpielen von Lüttich, Na=
mur
und Maubeuge kann man allerdings damit rechnen,
daß das Auftreten der Belagerungsartillerie in wenigen
Tagen eine ſiegreiche Entſcheidung für unſere Waffen mit
ſich bringt, doch auch die ſchwere Artillerie des Feldheeres
hat in ihren Mörſerbatterien ein Mittel, um die Tätigkeit,
ſogar von Panzerbeſeſigungen, derartig zu hemmen, daß
ſie keinen langen Widerſtand leiſten können, wenn ſie mit
voller Kraft angegriffen werden.
Die Armee des deutſchen Kronprinzen
greift die ſüdlichen Sperrforts an. Damit wird die Um=
gehung
der nördlichen Forts ausgeſprochen, die dann
leichter fallen werden, wenn Verdun ſelbſt überwunden
iſt. Die Deutſchen ſind aber auch damit den Sperrforts
ſo nahe gekommen, daß die Beſchießung beginnen konnte,
Den Erfolg des deutſchen Artilleriefeuers haben die Fe=
ſtungen
Lüttich, Namur und Maubeuge erwieſen; die Er=
oberung
von Maubeuge wird übrigens noch am 9. Sep=
tember
von der franzöſiſchen Regierung als durchaus
unbegründet bezeichnet; Maubeuge iſt doch ſchon am 7.
September in unſere Hände gefallen und der Gouverneur
und Kommandant ſind ſchon als Gefangene in Köln an=
gekommen
. Dieſe Erfolge werden auch in Verdun ihre
Fortſetzung finden.

Zur Kriegslage.

*⁎* Auf allen Kriegsſchauplätzen bereiten ſich wich=
tige
Dinge vor Die hinter Lemberg zurückgegan=
gene
öſterreichiſche Armee hat nach kurzer Ruhepauſe den
Kampf gegen die an Zahl ſtark überlegenen Ruſſen wie=
der
begonnen, und man darf annehmen, daß ſie nicht auf
halbem Wege ſtehen bleiben, ſondern ganze Arbeit machen
wird. Die ruſſiſche uebermacht ſchreckt unſeren Bundes=
genoſſen
nicht, ſie war von Beginn des mehrwöchigen
Ringens an vorhanden, und doch konnten ſo ſchöne Er=
folge
erzielt, konnten den Ruſſen die ſchwerſten Verluſte
beigebracht werden. Da der Rückzug hinter Lemberg
vor einigen Tagen aus ſtrategiſchen Gründen geſchah
und es liegt nichts vor, was zu Zweiſeln hieran berech=
tigen
könnte , ſo muß es als ſicher gelten daß die Hee=
resleitung
unſeres Verbündeten jetzt den Augenblick für
gekommen erachtet, wo ſie mit Ausſicht auf Erfolg zu dem
entſcheidenden Schlage ausholen kann. Die algemeine
Kriegslage bietet hierfür kein Hindernis, ſondern im Ge=
genteil
viele Chancen, die beſonders in den Errungen=
ſchaften
des bei Lublin kämpfenden Flügels der öſterrei=
chiſchen
Armee begründet liegen. Auch noch andere wich=
tige
Momente die vorläufig unerörtert bleiben müſſen,
tragen dazu bei, jene guten Ausſichten zu erhöhen und
zu ſichern. Es iſt klar, daß man nicht nur in Wien, ſon=
dern
auch bei uns mit geſpannteſtem Intereſſe das große
Ringen im Raume von Lemberg verfolgt und dem Ver=
bündeten
aus ganzem Herzen einen vollen Sieg wünſcht.
Eine Periode heißer Kämpfe ſteht dem deutſchen
Heere an der Marne im Angeſichte von Paris
bevor. Die Franzoſen ſcheinen alle Kräfte anſpornen zu
wollen, um endlich auch einmal triumphieren zu können.
Ob ſie wirklich ernſtlich auf die Möglichkeit eines Sieges
rechnen? Wir meinen, im vollen Vertrauen auf die bis=
her
ſo glänzend bewährte deutſche Kriegsleitung, insbe=
ſondere
aber auch auf die unvergleichliche Tapferkeit und
Todesverachtung unſerer Truppen, kann das deutſche Volk
dem Ausgange dieſer vorausſichtlich mehrtägigen Schlacht
vor Paris mit Zuverſicht entgegenſehen. Ohne Frage
hat die deutſche Heeresleitung mit einem ſolchen entſchei=
denden
Zuſammenſtoß gerechnet und zur Sicherung des
Erfolges ihre Maßnahmen getroffen, namentlich auch je=
der
Umzingelung unſerer Trupepn vorgebeugt und dieſe
in genügender Stärke vorgeſchoben. Jede Beunruhigung
erſcheint unnötig, die Siegeszuverſicht auf unſerer Seite
wird auch hier eine Entſcheidung herbeiführen, die ſicher
für den günſtigen Ausgang des Feldzuges gegen Frank=
reich
von großer Bedeutung ſein wird.
Der ſo ruhmvoll verlaufene Kampf zwiſchen der ſchle=
ſiſchen
Landwehr und ruſſiſchen Garden hat gezeigt, daß
auch im Oſten die Heere in Fühlung ſtehen, und man

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Nummer 252.

nimmt an, daß ſich dort gleichfalls große Ereigniſſe vor=
bereiten
. Zu einer peſſimiſtiſchen Beurteilung der Lage
an der Oſtmark liegt kein Grund vor, und daß das nume=
riſche
Uebergewicht der Feinde nicht ausſchlaggebend iſt
hat Exzellenz von Hindenburg bewieſen, als er die Ruſ=
ſen
mit blutigen Köpfen und ſtark dezimierten Reihen
über die Grenze zurückjagte. Wenngleich über die Kriegs=
lage
im Oſten keine näheren Mitteilungen erfolgen kön=
nen
, ſo darf man ſich doch der Zuverſicht hingeben, daß
den Horden des Zaren aufs neue das Verhängnis droht
Bei ſolcher Leitung und bei ſolchen Heeren braucht das
deutſche Volk nicht zu zagen, es kann allen Entſchei=
dungen
mit ruhigem Vertrauen entgegenſehen.
Die Tribuna erhält aus Paris folgende Darſtellung
der Lage im Marnetal: Die Operationen began=
nen
am Sonntag, die Schlacht dauert ſeit fünf Tagen un=
unterbrochen
fort. Fachleute halten die Entſcheidung für
bevorſtehend. In der 250 Kilometer langen Front ſtehen
auf beiden Seiten nahezu 1½ Millionen Mann. Der
deutſche rechte Flügel unter Generaloberſt v. Kluck hat ſich
ſüdöſtlich der Marne im Grand Morintal befeſtigt. Seine
Stützpunkte ſind im Weſten Meaux, im Oſten Vitry. Nörd=
lich
dieſer Ortſchaften hat das Heer des Generaloberſten
v. Bülow Stellung genommen, zwiſchen Reims und der
Argonne die Armee des Generaloberſten v. Hauſen. Auf
franzöſiſcher Seite ſtanden zwei Armeekorps ſüdlich Se=
zanne
=Vitry. Ihr rechter Flügel war an die Fortlinie
von Verdun, Toul und Epinal angelehnt. In der Haupt=
front
kämpfen vier Armeekorps. Die Generale Gallieni
und French hatten den Befehl, den rechten Flügel der
Armee v. Kluck zu bedrohen, um einen Frontangriff auf
deſſen Stellung zu erleichtern. v. Kluck, der die Abſicht
Joffres erriet, wollte ſeinen rechten Flügel verſtärken
wurde aber von Pariſer Truppen angegriffen. Er zog
ſich ſpäter zwiſchen Ferte Gaucher und Petit Morin
zurück.

OC
220000 Kriegsgefangene.

* Berlin, 12. Sept. (W. T. B. Amtlich.) Bis zum
11. September waren in Deutſchland rund 220000
Kriegsgefangene untergebracht. Davon ſind
Franzoſen 1680 Offiziere und 86700 Mann,
Ruſſen 1830 Offiziere und 91400 Mann, Belgier
440 Offiziere und 30 200 Mann, Engländer 160 Offi=
ziere
und 7350 Mann (alſo insgeſamt 4110 Offiziere und
219780 Mann).
Unter den Franzoſen befinden ſich 2 franzöſiſche
Generäle, unter den Ruſſen 2 Kommandierende und
13 Generäle, unter den Belgiern der Kommandant von
Lüttich.
Ein große Zahl weiterer Kriegsgefan=
gener
befindet ſich im Transport zu den Gefangenen=
lagern
.

Der verräteriſche Brief.

* Berlin, 11. Sept. Laut einer Veröffentlichung
der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung wurde am 31.
Juli in Berlin unter einer Deckadreſſe ein Bericht
des belgiſchen Geſchäftsträgers in Peters=
burg
vom 30. Juli an den belgiſchen Miniſter des
Aeußern zur Poſt gegeben. Der Brief wurde wegen des
inzwiſchen eingetretenen Kriegszuſtandes von der Poſt
nicht befördert, ſpäter zur Ermittelung des Ab=
ſenders
geöffnet und ſodann wegen ſeiner politi=
ſchen
Bedeutung dem Auswärtigen Amt zugeſtellt. Der
Bericht ſchildert die politiſche Lage in Pe=
tersburg
am 30. Juli und beſagt u. a.: Unbeſtreitbar
bleibt nur, daß Deutſchland ſich hier ebenſo ſehr wie in
Wien bemüht hat, irgend ein Mittel zu finden, um einen
allgemeinen Konflikt zu vermeiden, daß es dabei aber
einerſeits auf die feſte Entſchloſſenheit des Wiener Ka=
binetts
geſtoßen iſt, keinen Schritt zurückzuweichen, und
andererſeits auf das Mißtrauen des Petersburger Ka=
binetts
gegenüber den Verſicherungen von Oeſterreich

Ungarn, daß es nur an die Beſtrafung und nicht an eine
Beſitzergreifung Serbiens denke. Saſonow hat erklärt,
daß es für Rußland unmöglich ſei, ſich nicht bereit zu
halten und nicht zu mobiliſieren, daß aber dieſe Vorberei=
tungen
nicht gegen Deutſchland gerichtet ſeien. Heute
norgen kündet ein offizielles Communiqué an die Zei=
tungen
an, daß die Reſerviſten in einer beſtimmten An=
zahl
von Gouvernements zu den Fahnen gerufen ſind.
Wer die Zurückhaltung der offiziellen ruſſiſchen Commu=
niqués
kennt, kann ruhig behaupten, daß überall mobil
gemacht wird. Heute iſt man in Petersburg feſt davon
überzeugt, ja, man hat ſogar die Zuſicherung, daß Eng=
land
Frankreich beiſtehen wird. Dieſer Bei=
ſtand
fällt ganz außerordentlich ins Gewicht und hat nicht
wenig dazu beigetragen, der Kriegspartei Oberwaſſer zu
verſchaffen. Die ruſſiſche Regierung ließ in den letzten
Tagen allen Serbien freundlichen und Oeſterreich feind=
lichen
Kundgebungen freien Lauf und verſuchte in keiner
Weiſe, ſie zu erſticken. Heute früh um 4 Uhr wurde die
Mobiliſierung bekannt gegeben. Die ruſſiſche Ma=
rine
iſt von der Verwirklichung ihres Erneuerungs= und
Reorganiſationsplanes noch ſo weit entfernt, daß mit ihr
wirklich kaum zu rechnen iſt. Darin eben liegt der Grund
warum die Zuſicherung des engliſchen Bei=
ſtandes
ſo große Bedeutung gewonnen hat
Jegliche Hoffnung auf eine friedliche Löſung ſcheint dahin
zu ſein; das iſt die Anſicht der diplomatiſchen Kreiſe.
Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung bemerkt gegen=
über
der verleumderiſchen Erklärung unſerer Feinde, durch
Deutſchlands ſchroffes, jede Verſtändigung unmöglich
machendes Verhalten zum Kriege gezwungen worden zu
ſein, daß das vorliegende Dokument als Beweis
dafür wertvoll ſei, daß man in diplomatiſchen Kreiſen
Petersburgs noch am 30. Juli, alſo zwei Tage vor
der deutſchen Mobilmachung, die Ueberzeugung
hatte, Deutſchland habe ſich in Wien wie in Petersburg
die größte Mühe gegeben, den öſterreichiſch=ſerbiſchen Kon=
fflikt
zu lokaliſieren und den Ausbruch eines allgemeinen
Weltbrandes zu verhindern. Das Blatt macht darauf auf=
merkſam
, England habe durch die Zuſicherung, es werde
in einem etwaigen Kriege nicht neutral bleiben, ſondern
Frankreich gegen Deutſchland beiſtehen, der ruſſiſchen
Kriegspartei den Rücken geſtärkt und damit
weſentlich zur Provozierung des Krieges beigetragen
Schließlich ſei dieſes Dokument auch noch deshalb von
Intereſſe, weil ſein Verfaſſer die Verſicherung Rußlands,
nur in einzelnen Gouvernements würden die Truppen
zu den Fahnen gerufen, eine allgemeine Mobilmachung
finde aber nicht ſtatt, für Schwindel hält.
Der Voſſiſchen Zeitung wird hierzu geſchrieben: Die
ſer Bericht enthält eine wichtige Ergänzung der bisher
veröffentlichten Aktenſtücke zur Entfeſſelung des Weltkrie=
ges
, beſonders auch zu den Depeſchen des Fürſten Lich=
nowsky
. Die britiſchen Staatsmänner verſichern heute ein
über das andere Mal, ſie ſeien zum Kriege genötigt wor=
den
, weil Deutſchland die Neutralität Belgiens verletzt
habe. Jetzt wird von einem belgiſchen Diplomaten be=
zeugt
, daß England zum Kriege entſchloſſen war und
Frankreich ſeine Hilfe zugeſagt hatte, ehe von der Neu=
tralität
Belgiens oder ihrer Verletzung überhaupt die
Rede war. Die Frankf. Ztg. ſchreibt: Der unparteiiſche
belgiſche Geſandte ſtellt nur feſt, was man aus der Lage=
rung
der Tatſachen ſchließen konnte. Dieſes Zeugnis
kann Grey mit Tauſenden ſeiner ſpitzfindigen und unred=
lichen
Weißbücher nicht wegwiſchen. England hat den
Krieg gemacht und da man von ſeinen Staatsmännern
nicht annehmen darf, daß ſie Nachtwandler ſind, ſo wird
man auch ſagen müſſen, daß ſie den Krieg gewollt haben.
Was iſt dieſen bergeſchweren Tatſachen gegenüber die
federleichte Lüge des ſchuldbewußten Frevlers, die Ver=
letzung
der belgiſchen Neutralität habe Englands Schwert
aus der Scheide geriſſen? Und welcher Menſch von Ehre
Gewiſſen und Verſtand kann noch zweifeln, auf welcher
Seite die Sache des Rechts, des Friedens und der Red=
lichkeit
iſt?

Der Sieg bei Luck.

* Berlin 12. Sept. Der zurückgeſchlagene
Angriff des 22. ruſſiſchen Korps hatte, wie
die Blätter übereinſtimmend äußern, offenbar bezweckt,

den Generaloberſten v. Hindenburg von der weiteren
Verfolgung der am vorhergehenden Tage vollſtändig
geſchlagenen ruſſiſchen Armee abzulenken. Die Tägliche
Rundſchau ſagt: Daß das Aufzwingen der Offenſive der
ruſſiſchen Hauptmacht in Oſtpreußen weitere Angriffe
nicht ausſchließt, iſt ſelbſtverſtändlich; daß die Angriffe
im kleinen ſcheitern, wie ſie im großen geſcheitert ſind
iſt wahrſcheinlich. Die Deutſche Tageszeitung ſchreibt;
Aus der Meldung über den Sieg bei Lyck geht hervor
daß unſere braven Truppen in Preußen noch mit ſtärkeren
ruſſiſchen Kräften und mit größeren Schwierigkeiten zu
kämpfen gehabt haben, als bisher bekannt war. Um ſo
bedeutender und rühmlicher iſt der Erfolg. Der Berli=
ner
Lokalanzeiger ſchreibt: Das Eingreifen des 22. ruſſi=
ſchen
Armeekorps in Lyck in Oſtpreußen hatte offenbar
den Zweck, den Generaloberſten v. Hindenburg von der
weiteren Verfolgung der am vorhergehenden Tage voll=
ſtändig
geſchlagenen ruſſiſchen Armee abzubringen. Je=
denfalls
gehörte das 22. Armeekorps nicht zu der geſchla=
genen
Armee und erſchien friſch auf dem Kampfplatz, auf
dem die Ruſſen mit großen Streitkräften auftreten kön=
nen
, da ihr Aufmarſch nahezu fertig ſein dürfte. Mit
dem Telegramm, das uns die erſte Nachricht von dem
Kampfe bringt, wird uns der Name von Hindenburgs
nicht genannt, ſo daß es immerhin zweifelhaft hleibt,
ob das 22. ruſſiſche Armeekorps ihn überhaupt noch von
der Verfolgung ablenken konnte. Das 22. Korps kam von
Petersburg auf den Kriegsſchauplatz. Es wird das fin=
niſche
genannt, weil es ſeinen Erſatz aus Finnland be=. Die Finnen wurden noch zu Zeiten des türkiſch=
ruſſiſchen
Krieges als vorzügliche Soldaten geſchildert,
aber ſeitdem iſt Finnland mehr oder weniger durch ruſſi=
ſche
Uebergriffe den Ruſſen entfremdet worden. Das
wird freilich auf den Schneid der Truppen bei ihrem An=
griff
keinen Einfluß ausgeübt haben, da die Finnen eine
kampffreudige Raſſe ſind.

Die Schnelligkeit der geutſchen Kreuzer.

* London, 11. Sept. Unter der Spitzmarke: Schnel=
ligkeit!
Schnelligkeit! ſchreibt der Daily Telegraph: Die
Nachricht, daß fünf ſchnelle deutſche Kreuzer
ihre Arbeit, britiſche Handelsſchiffe zum Sinken
zubringen, im Atlantiſchen Ozean noch fortſetzen, trotz=
dem
ſie von 24 engliſchen Kreuzern und außerdem von
zahlreichen franzöſiſchen Schiffen verfolgt werden, zeigt
den Wert der Schnelligkeit. Viele Jahre lang hat Deutſch=
land
ſchnelle Kreuzer gebaut und beſitzt jetzt neun, die
eine Schnelligkeit von über 27 Knoten haben. Seit Er=
ſparniſſe
in der britiſchen Marine gemacht werden muß=
ten
, um die Parlamentsmehrheit zu befriedigen, mußte
ſich die Admiralität ſo gut wie möglich mit älteren und
langſameren Schiffen behelfen. Sie datieren von der
Zeit vor Erfindung der Schiffsturbine. Der Krieg hat
uns daher wohl mit einer ſtarken Ueberlegenheit von
Kreuzern gefunden, aber kaum einer läuft ſchneller als
25 Knoten, die meiſten langſamer. Es gibt keinen
engliſchen Kreuzer im Atlantiſchen Ozean,
dem die deutſchen Kreuzer nicht entfliehen
könnten. Unſere Geſchäftsleute müſſen unter dieſem Man=
gel
leiden.

110 Eiſerne Kreuze.

* Kaſſel, 11. Sept. (Ctr. Bln.) Nicht weniger als
110 Eiſerne Kreuze 2. Klaſſe ſind an die tapferen Ange=
hörigen
des hier und in Arolſen garniſonierenden In=
fanterie
=Regiments von Wittich (3. Kurheſſi=
ſches
Nr. 83) verliehen worden. Offiziere und Mann=
ſchaften
haben ſich bei dem Sturm auf Lüttich in Belgien
ausgezeichnet. Obenan ſteht der Oberſt des Regiments,
Graf Moltke. Dann folgen: Major v. Winterfeld, 6 Hauſn=
leute
, 3 Oberleutnants, 12 Leutnants, davon 6 Reſervſe=
leutnants
, 5 Feldwebel, 15 Unteroffiziere und Sergeanten
und 65 Einj.=Freiwillige und Musketiere. Dem Flieger=
leutnant
Seehagen iſt für gute Dienſtleiſtungen im Elſaß
das Eiſerne Kreuz verliehen worden.

Engliſche Lebensretter bei Helgoland.

Man ſchreibt uns: Nach dem Vorpoſtengefechk
vor Helgoland iſt davon die Rede geweſen, daß engliſche
Beſatzungen ſich bemühten, die Ueberlebenden des unter=

Deutſche Kriegsbriefe.

Von Paul Schweder, Kriegsberichterſtatter.
Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt am 6. 9. 1914
J. A. des Chefs des Generalſtabes des Feldheeres.
gez. von Rohrſcheidt, Major im Großen Generalſtab.
Großes Hauptquartier, den 6. 9. 1914.
Rings um Verdun.
(Schluß.)
Die Sache mit der kleinen Mariette aus Rouen und
ihrem gefangen genommenen Octave hatte mich doch
etwas nachdenklich geſtimmt, denn ſchließlich haben wir
alle einmal irgend jemanden damit zu ärgern verſucht
daß wir ihm von ganz imaginären Eroberungen erzäh=
len
und darauf erfahren mußten, daß die Gegenſeite das
gleiche Geſchütz auffahren konnte, nur mit dem Unter=
ſchiede
, daß die Sache früher oder ſpäter mündlich wie=
der
geregelt wurde, während ich wirklich etwas in Sorge
bin, wie die Antwort auf den kleinen roſa Liebesbrief
zuſtande kommen wird, den ich nun als Erinnerung an
das ſchöne Montmédy in meiner Brieftaſche trage. Aber
es iſt in dieſen Augenblicken keine Zeit, darüber weiter
nachzudenken, denn ſchon feſſelt ein ganz abſonderlicher
Anblick unſere Aufmerkſamkeit. Unter der Feſte hindurch
führte bis vor einigen Tagen ein rund 1000 Meter langer
Eiſenbahntunnel, den die Franzoſen vor der Uebergabe
der Feſtung an beiden Seiten geſprengt hatten. Nun
ſtehen auf der Böſchung etwa 200 Mann der gefangen
genommenen Beſatzung unter der Leitung eines bayeri=
ſchen
Pionier=Unteroffiziers und graben im Schweiße ihres
Angeſichts den Tunneleingang wieder aus. Das äußerſ
farbenfreudige Bild begeiſterte ſowohl die Maler wie die
Photographen unter uns und wird ſomit der Nachwelt er=
halten
bleiben. Leider nicht auch die bayeriſchen Kraft=
ausdrücke
, mit denen der Führer der Kolonne die Läſſi=
gen
bedachte, und die unmittelbar dem wegen ſeiner Ur=
wüchſigkeit
beſchlagnahmten Werke Kraft=Bayeriſch des
fröhlichen Starnberger Dichtermannes Georg Queri ent=
nommen
zu ſein ſchienen. Jedes dem Tier= oder Pflanzen=
reich
mit liebevollem Verſtändnis angepaßte Gleichnis
ſchloß der Brave mit einem drohend hervorgeſtoßenen
Qui vive! ab, jedenfalls in der Erinerung an den guten
alten Schulmeiſter in Tölz oder Miesbach, der die ſeinem
Bakel unterſtellten Zöglinge mit der Drohung einzuſchüch=
tern
pflegte, ſie ſchon auf den Qui vive bringen zu
wollen. Deutſche Tunnelarbeiter leiteten dieſe Arbeiten,
und auch hier wieder zeigte ſich das wunderbar ineinander
greifende Räderwerk unſeres Generalſtabes im hellſten
Lichte. Denn nicht nur an der Wiederherſtellung des Tun=

niels wurde gearbeitet, ſchon legte man drüben eine zwei=
gleiſige
Umgehungsbahn an, und mitten in der Stadt
deckten württembergiſche Pioniere mehrere Häuſer ab, die
er neuen Bahntrace im Wege ſtanden. Allein mitten in
dieſe friedliche Arbeit hinein trug ein Feldwebel der Feſte
uns wieder trübe Nachricht zu. In ganzen Paketen ver=
packt
hatte man inzwiſchen oben unter der ebenfalls ſehr
ſtattlichen Menge aufgeſtapelter Munition ausgeprägte
Dum=Dum=Geſchoſſe aufgefunden. Es handelt
ſich dabei um Gewehrpatronen älteren Modells, bei denen
die Spitze des Nickelmantels abgeſchnitten und der Blei=
kern
von der Spitze her trichterförmig angebohrt war.
Die Verwundungen, die ein ſolches Geſchoß erzeugt, ſind.
wie ich mich im Trierer Lazarett ſelbſt überzeugen konnte
geradezu entſetzlich, und es muß immer und immer wieder
betont werden, daß die ſogenannte Kulturnation mit Waf=
fen
kämpft, die nicht einmal von den Hottentotten und
Hereros angewandt worden ſind.
Da dieſe Munition inzwiſchen auch in ganzen Kiſter
nebſt einer Bohrmaſchine auf Longwy gefunden iſt, ſo
kann es keinem Zweifel unterliegen, daß ſie planmäßig
von der franzöſiſchen Armeeverwaltung für dieſen Krieg
ausgegeben worden iſt, und es erſcheint an der Zeit, an
den neuen Kriegsminiſter und früheren franzöſiſchen So=
zialiſtenführer
Millerand die Frage zu richten, ob noch
weiterhin nicht nur deutſche Bourgois, ſondern auch
deutſche Arbeiter durch Dum=Dum=Geſchoſſe verſtümmelt
werden ſollen. Was nützt uns die Liberté und Egalité
wenn die Fraternité dabei ausgeſchaltet wird?
Unter ſolchen Gedanken kommen wir zur Mairie von
Montmédy. Sie iſt von dem Stabe der in der Stadt lie=
genden
Truppen beſetzt und von etwa 300 gefangenen Rot=
hoſen
umgeben, die hier ihrem Abtransport nach einer
deutſchen Feſtung entgenſehen. Man hat ſie nach und nach
noch eingeſammelt, als ſie, vom Hunger getrieben, aus den
umliegenden Wäldern herausgetreten waren. Unter ihnen
befindet ſich auch ein Major, der den mit einem goldver=
ſchnürten
Käppi bedeckten Kopf tief zu Boden ſenkt. Ueber=
haupt
iſt zu beobachten, daß den faſt durchweg ſehr ehr=
geizigen
Leuten der Gegenſeite die Gefangennahme außer=
ordentlich
nahegeht und daß ſie ganz apathiſch werden,
während unſere Jungen als Gefangene drüben verbiſſen
und trotzig auftreten und nur die Gelegenheit abwarten
um wieder auszurücken. Der im Deutſchen ſteckende Wan=
dertrieb
, die gute Schulbildung, vor allem der Sinn für
Geographie, der dem faſt nie ins Ausland kommenden
Franzoſen abgeht, und ſchließlich die ſcharfe Beobachtung
der Natur, alle dieſe Momente zuſammen helfen dem
deutſchen Flüchtling dann ſehr bald den Weg zur Truppe
wieder zurückzufinden. Dann weiß der Held ſo grauſige
Geſchichten von der ſchlechten Behandlung der Gefangenen

und der vielgerühmten franzöſiſchen Küche zu erzählen, daß
ſich jeder im Stillen gelobt, lieber tot, denn als Gefange=
ner
in Frankreich zu bleiben.
Wir verlaſſen nun das Thal des Chiers, kreuzen in
raſender Fahrt die luſtig dahineilende Noiſon und kom=
men
im Angeſicht der meilenweiten Wälder von Woevre
nach Stenay, einem anſehnlichen Städtchen an der Maas,
die wir hier nach dem erſten Zuſamentreffen in Lüttich
zum zweiten Male grüßen. Auf dem ganzen Wege paſſie=
ren
wir wieder lange Munitions= und Proviantkolonnen,
die unſere vor Verdun liegenden Truppen verſorgen. Auf
der anderen Seite der Chauſſee kehren die leeren Ge=
fährte
zurück, und wieder konſtatiere ich mit Vergnügen,
daß z. B. die Wagen des Magdeburger Konſumvereins
hier am Ufer der Maas noch durch ihre auffallenden In=
ſchriften
Mitglieder zu werben ſuchen, und daß eine Karls=
ruher
Brauerei des Glaubens zu ſein ſcheint, ihr Bier
würde demnächſt auch in Stenay Eingang finden. In
Wirklichkeit enthalten natürlich alle dieſe Wagen Schanz=
körbe
, Heu und Stroh und ähnliche ſchöne Sachen. Merkur
muß ſchweigen, wo Mars ſpricht!
In Stenay geht es überaus geſchäftig zu. In einem
Hauſe am Markt hat ſich bereits die deutſche Feldpoſt ein=
gerichtet
und verkauft die zu den Anſichtskarten erforder=
lichen
deutſchen Marken. Dabei iſt die Stadt kaum 24
Stunden in unſerem Beſitz. Mich treibt die Neugier durch
die Stadt. Hier und da wird ein verſchüchterter Kopf
ſichtbar, aber bei meiner Annäherung zieht er ſich ſofort
wieder ins Dunkel des Kellerhalſes oder des Heuſchobers
zurück. Der Pruſſien iſt eben in der franzöſiſchen Preſſe=
immer
noch der Barbar, der den Leuten den Bauch auf=
ſchneidet
, Kinder am Bajonett aufſpießt und Pendulen
ſtiehlt. Dabei ſteht vor dem einzigen Juwelierladen der
Stadt ein beſonderer deutſcher Poſten, und wiederholt
hörte ich unſere Soldaten den verängſtigten Leuten hin=
ter
ihren verſchloſſenen Läden gut zureden, doch zu öffnen,
da ſie für gutes deutſches Geld kleine Einkäufe machen
wollten. Allein, wenn es nach dieſen Leuten geht, kann
man in Stenay verhungern, und ſo kroch ich kurz ent=
ſchloſſen
in einen dunklen Hausgang hinein, um mit irgend
etwas meinen ſeit 5 Uhr früh leeren Magen um dieſe
ſpäte Nachmittagsſtunde zu füllen. Da Wunder, es
riecht ſo angenehm nach Kaffee, und ich höre unverfälſch=
tes
Frankforderiſch. Mitten in einer halbdunklen Küche
ſteht ein rieſiger Sergeant der geheimen Feldpolizei und
kocht für mehrere Kameraden. Im Handumdrehen iſt
ein Frankfurter Rollſchinken, herrliches Weißbrot und ein
Glas alten Burgunders da, um den halbverſchmachteten
Zeitungsmann zu ſtärken. Sogar ein friſchgefangener
Maasfiſch ſoll daran glauben, als man hört, daß es heute
für uns kein Mittageſſen gibt, aber ich lehne ab, weil man

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Seite 3.

gegangenen deutſchen Torpedobootes V 187 zu retten.
Allerdings haben die engliſchen Zerſtörer Boote ausge=
ſetzt
, aber nicht mit eigener Lebensgefahr und nicht im
feindlichen Feuer, ſondern wohl nur in der Abſicht, Ge=
fangene
zu machen. Ein deutſcher Seeoffizier von V.
187 der gerettet wurde, berichtet, wie er mit 3 Mann durch
ein engliſches Ruderboot aufgefiſcht wurde. Als ſich dann
deutſche Kreuzer näherten, wurde das Ruderboot durch
Signal an Bord des engliſchen Zerſtörers zurückgerufen;
die Bootbeſatzung ging an Bord der deutſche Offizier
mit ſeinen drei Leuten weigerte ſich aber, zu folgen, um
nicht in Kriegsgefangenſchaft zu geraten. Der Zerſtörer
war inzwiſchen mit großer Fahrt angegangen, und da die
Fangleine losgeworfen war, trieb das Boot achteraus.
Als man dieſes an Bord des Zerſtörers bemerkte, wurde
von Deck aus mit der Hand eine ſcharſe Granate gegen das
Boot geworfen, die aber nicht traf. Ferner wurden
noch einige Revolverſchüſſe auf das Boot abgegeben, eben=
falls
ohne Erfolg. Die engliſchen Erzählungen von der
edelmütigen Rettung der deutſchen Seeleute ſind daher
ebenſo erdichtet, wie die ſelbſt von amtlicher engliſcher
Seite verbreitete ſchamloſe Verdächtigung, daß die deut=
ſchen
Offiziere mit Mehrladepiſtolen auf ihre eigenen, im
Waſſer ſchwimmenden Leute geſchoſſen (!) hätten.

Bombardement von Belgrad.

* Agram, 12. Sept. Semlin wurde von der Zivil=
bevölkerung
geräumt, da die Stadt, obwohl offen, von
den Serben beſchoffen wurde. Unſere Truppen haben
darauf Belgrad zu beſchießen begonnen, das bin=
nen
wenigen Stunden einem Trümmerhaufen
glich und an vielen Stellen in Flammen ſtand. v. Höfer,
Generalmajor.

Die Dum=Dum=Geſchoſſe.

Von der holländiſchen Grenze, 10. Sept.
Die franzöſiſche Regierung ſucht die ſchweren
Anſchuldigungen zu entkräften, daß ſie ihren Soldaten Pa=
kete
mit Dum=Dumgeſchoſſen zugeſteckt habe. Zu dieſem
Gerede, meint ein höherer Offizier, daß ein Stabsoffizier
von Longwy ſich mit Verſuchen über die Herſtellung einer
neuen Art von Patronen beſchäftigt habe. Auch hätten
in einer Rumpelkammer der Feſtung noch einige Pakete
Patronen mit angebohrter Spitze aus der Zeit ſich be=
funden
, bevor die Haager Konvention die Verwendung
ſolcher Geſchoſſe verboten habe. Man habe ſpäter ver=
ſucht
, durch Umfeilen dieſe Geſchoſſe wieder brauchbar
zu machen. In Wirklichkeit ſei Munition dieſer Art zum
Gebrauch gegen den Feind nicht ausgegeben worden.
Daß die franzöſiſchen Soldaten nur mit erlaubten Patro=
nen
ausgerüſtet ſeien, könne man aus einer Unterſuchung
der deutſchen Verwundeten beweiſen. Möglich iſt, daß
einige Schachteln mit verbotenen Patronen unbeabſichtigt
an franzöſiſche Infanteriſten verteilt worden ſeien. Auch
aus allen Rechnungen des Kriegsminiſteriums über Lie=
ferung
von Munition ergibt ſich mit voller Sicherheit, daß
ſeit 16 Jahren keine Rede ſein könne von einer regelmä=
ßigen
Anfertigung von Dum=Dumgeſchoſſen. Man
wird dem Mann von deutſcher Seite die Antwort nicht
ſchuldig bleiben. Erinnert ſei nur daran, daß z. B. in
Hirſen Dum=Dumgeſchoſſe gefunden wurden, die in Pa=
pier
mit dem Aufdruck 1914 beſonders ver=
packt
waren.

Ein Appell der Ukrainer an das bulgariſche
Volk.

* Sofia, 11. Sept. Utro veröffentlicht einen
Appell der Ukrainer an das bulgariſche
Volk worin es heißt: Bulgarien hat im vorigen Jahre
als erſtes Land ſeine ſogenannte ſlawiſche Politik büßen
müſſen. Dieſe rein ruſſiſche Politik führte den Raub Ma=
zedoniens
ſeitens Serbien herbei. Rußland verfolgt un=
ter
dem Deckmantel ſlawiſcher. Einheit das Ziel, alle
Slawen zu unterjochen und ihnen dasſelbe unglückliche
Schickſal zuteil werden zu laſſen, welchem die anderen
Völker verfallen ſind, die das Unglück hatten, unter die
ruſſiſche Herrſchaft zu kommen. Ein Sieg Rußlands, heißt
es weiter, würde einen Sieg des Abſolutismus über die
Demokratie und die europäiſche Kultur bedeuten und die

Knechtſchaft vieler ſlawiſcher Völker verlängern. Die
Ukrainer und Bulgaren müßten handeln. Ihre hiſtoriſche
Aufgabe ſei es, die dreiſten Lügen der Panſlawiſten zu
zerſtören. Es handle ſich um beider Sein oder Nichtſein.
Der Appell ſchließt: Bulgaren! In dieſem heiligen Feld=
zuge
gegen die ruſſiſche Herrſchaft ſtehen wir mit Euch
und den Völkern Oeſterreich=Ungarns und Deutſchlands
auf einer Seite. Mit verhaltenem Atem folgt der Bund
zur Befreiung Ukraines Euren Vorbereitungen zur Ab=
rechnung
mit Rußland und zu Eurer Verſtän=
digung
mit Rumänien und der Türkei.

Der belgiſche Generalſtab flüchtig!

* Berlin, 12. Sept. Nach einer Rotterdamer
Meldung der Voſſ. Ztg. iſt der belgiſche General=
ſtab
mit unbekanntem Ziel aus Antwerpen abge=
reiſt
.

Der engliſche Handel.

* Lauſanne, 11. Sept. Die Gazette de Lauſanne
gibt eine Mitteilung der Engliſchen Handelskammer wie=
der
, der zufolge im Auguſt die engliſche Einfuhr um
350 Millionen und die Ausfuhr um 500 Millionen Fran=
ken
geſunken ſei, obwohl Großbritannien die Seewege
beherrſche.

Ruſſiſche Greuel.

* Berlin, 12. Sept. Der Kriegsberichterſtatter der
Voſſiſchen Zeitung berichtet über empörende Unmenſch=
lichkeiten
ruſſiſcher Heerführer und zwar
erſtens habe der ruſſiſche Generaliſſimus den Befehl er=
laſſen
, alle Förſter der Romintener Heide aufheben und
rſchießen zu laſſen. Zweitens: Der inzwiſchen gefangene
General Mar tos hat befohlen, alle Ortſchaften im
Bereich der ruſſiſchen Truppen zu verbrennen und alle
männlichen Einwohner zu erſchießen, auch wenn ſie ſich
nicht an den Kämpfen beteiligt haben, noch die Hergabe
von Nahrungsmitteln uſw. verweigern. Der Berichter=
ſtatter
fügt hinzu: Hier handelt es ſich um die zweifellos
zum Teil aus den Akten des Generals Martos feſtge=
ſtellte
Tatſache, daß ruſſiſche Heerführer eine unmenſch=
liche
Kriegführung befehlen. Ich glaube, daß die öffent=
liche
Meinung ſich gegen die Einführung aſiatiſcher Bar=
barei
auf deutſchem Boden mit dem Verlangen auflehnen
wird, die Völkerrechtsſchänder, ſobald ſie gefangen ſind,
nicht als Soldaten, ſondern als Verbrecher zu behandeln.

Zwei ruſſiſche Prinzen gefallen.

* Paris, 11. Sept. Dem Neu=York Herald zufolge
ſind in der Schlacht bei Gumbinnen, in der das
ruſſiſche Gardekorps große Verluſte hatte, die beiden
Söhne des Großfürſten Konſtantin Konſtantinowitſch, die
Prinzen Johann und Oleg Konſtantinowitſch, gefallen.

Die Aufhebung der Kapitulationen in der
Türkei.

* Konſtantinopel, 12. Sept. Auf dem Sultan
Achmid=Platz fand geſtern eine große Volksverſamm=
lung
ſtatt, an der Senatoren, Deputierte und eine große
Menſchenmenge teilnahmen. Unter den zahlreichen Red=
nern
befand ſich auch der Deputierte Huſſein Dſchahid, der
erklärte, die Aufhebung der Kapitulationen ſei keine Demon=
ſtration
gegen die Ausländer, ſondern nur ein Zeichen, daß
das Ottomanentum das Bewußtſein ſeiner Kraft erwachen
fühlt. Die Menge faßte eine Reſolution, durch welche die
Regierung beglückwünſcht wird. Der Großweſir dankte
und verſprach, die Regierung werde bis zu Ende in treuer
Pflichterfüllung verharren. Der Sultan ſprach ſeine Ge=
nugtuung
aus über die Kundgebung. Außer der großen
Verſammlung in Stambul verſammelten ſich noch in
anderen Stadtteilen große Volksmengen, die ſingend und
nach Trommelſchlag tanzend die Straßen durchzogen. Die
Kundgebungen ſetzten ſich bis in die Nachtſtunden fort.
Am Abend fand beim Präfekten ein Bankett ſtatt, dem die
Miniſter und andere hervorragende Perſonen beiwohnten.
(Anm. d. Red.: Kapitulationen nennt man die zwiſchen
der Türkei und den chriſtlichen Staaten abgeſchloſſenen
Verträge, die den chriſtlichen Staaten das Recht gewäh=
ren
, die Gerichtsbarkeit über ihre Staatsangehörigen, die

Aufſicht über deren Unterrichtsanſtalten uſw. in der Türkei
auszuüben.)

Südafrika.

* Kapſtadt, 12. Sept. General Botha bean=
ragte
im Parlament, den König zu erſuchen, dem König
der Belgier die Bewunderung und das Mitgefühl für das
belgiſche Volk zum Ausdruck zu bringen. Botha erklärte
ſodann, da das Reich ſich im Kriegszuſtande befinde, ſtehe
uch Südafrika im Kriegszuſtand mit dem ge=
meinſamen
Gegner. (Das iſt der Dank für die den Buren
ſeinerzeit durch den deutſchen Kaiſer und das deutſche
Volk bewieſenen Sympathien! Ob aber das Burenvolk
hinter Botha ſteht, der bekanntlich des Verrats an ſei=
nem
Volk bezichtigt wird, iſt zu bezweifeln.)

ſo zu ſchwelgen ſich förmlich ſchämen muß, zu einer Zeit,
wo da draußen im heißen Sonnenbrande Tauſende an
derartige Sachen überhaupt nicht denken. Jede Bezahlung
lehnen die Wackeren vom Main mit Entrüſtung ab, aber
der Mutter Adreſſe bekomme ich von jedem freudig über=
reicht
, als ich erkläre, ihr eine Zeitungsnummer mit die=
ſem
Reiſebrief ſenden zu wollen. Als ſich kurze Zeit danach
unſer Automobilzug wieder in Bewegung ſetzt und wir
an den ſchönen alten Gewerbslauben des Städtchens vor=
überfahren
, ſiehe, wer taucht da im Rahmen einer Laden=
tür
auf: der Herr von Januſchau, fröhlich und guter
Dinge, wie damals im Extrazug nach Kaſſel, und voller
Genugtuung, daß er ſein Ziel erreicht hat.
Nun geht es, immer am Ufer der Maas entlang, über
Mouzay nach Dun=ſur=Meuſe. Wieder genießen wir ein
herrliches Stadtbild, aber ſobald wir um die von einer
zerſchoſſenen Kirche gekrönte Anhöhe herumkommen, er
blicken wir auch hier die Greuel der Verwüſtung, einer
Verwüſtung, deren ſich die Franzoſen ſelbſt ſchuldig ge=
macht
haben, da ihre Artillerie bei einem Ausfall aus
Verdun zu niedrig ſchoß und dadurch faſt den ganzen Ort
zerſtörte. Mitten in der Maas ruht die zerſtörte Stra=
ßenbrücke
. Doch ſchon haben auch hier wieder unſere Pio=
niere
gute Dienſte getan, denn mit faſt unverminderter
Geſchwindigkeit ſauſen unſere ſchweren Automobile über
die von ihnen hergeſtellte Pontonbrücke. Fröhlich winken
die in den Pontons ſitzenden Mannſchaften zu uns her=
über
, obwohl die Hitze faſt unerträglich geworden iſt und
der Fluß ihnen nur geringe Kühlung bietet. Das Groß=
artigſte
aber iſt, daß für den Abend bereits eine elektriſche
Beleuchtung der Brücke montiert iſt. Und immer noch
rollen Munitions= und Proviantkolonnen an uns vor
über. Es iſt hochintereſſant, zu beobachten, wie ſtets die
eine Seite der Straße dem Nachſchub an Menſchen. Pfer=
den
, Lebensbedürfniſſen, Munition, Sanitäts= und Poſt
derſonal dient, während auf der anderen all das abgeſcho=
hen
wird, was die Schlagfertigkeit der Truppen beein=
trächtigen
könnte, alſo leere Gefährte, eroberte Waffen,
Munitions= und Lebensmittel, Verwundete, Gefangene,
unbrauchbares Kriegsmaterial, abgefertigte Poſt und un=
ſichere
Kantoniſten aller Art. Unter den letzteren beobach=
teten
wir mehrfach Soldaten, die mit dem Umziehen noch
nicht ganz fertig geworden waren. Auch in franzöſiſchen
Torniſtern iſt nämlich oft Zivilzeug gefunden worden
und es ſcheint, daß es ſich hier um ſolche Verwandlungs=
künſtler
handelt, die nach dem belgiſchen Vorbilde nach
berlorenem Gefecht das friedliche Gewand des Bürgers
anlegten, um dann noch etwas Franktireur zu ſpielen.
Um ihnen das auszutreiben, hatte man ſie feſt an die
Transportwagen angebunden und wird wohl daheim
wenig Umſtände mit ihnen machen. Ein ſchönes kriegeri=
ſches
Bild hatten wir dann noch als wir kurze Zeit danach

unſerer ſchweren Feldartillerie begegneten. Wir ſahen die
auf drei verſchiedene Gefährte verladenen Ungeheuer von
Mörſern, die vor wenigen Stunden noch Tod und Ver=
derben
geſpien hatten und ſchon wieder für Verdun in
Bereitſchaft geſetzt wurden. Mitten zwiſchen den eifrig
putzenden und ſchmierenden Mannſchaften aber ſtand ihr
Häuptling und gab uns, mit dem Monokle im Auge, ſeine
intereſſanten Erläuterungen, nicht als ob er in den näch=
ſten
Augenblicken vielleicht ſchon aus den vier gewaltigen
Feuerſchlünden auf die Grüße aus Verdun zu antworten
hätte, ſondern als ob es ſich um eine Kaſinounterhaltung
handele. Dieſe famoſe Ruhe und Sicherheit wirkte hier
geradezu verblüffend. Welchen Einfluß muß dieſer Mann
in der Stunde der Gefahr auf ſeine ganze Umgebung
auszuüben imſtande ſein! Und dann gleich in der Nähe
eine unſerer Luftſchifferabteilungen. Auch hier ganz kühle
Berechnung und abſolute Ruhe in der Dispoſition.
Es würde zu weit führen, wollte ich alle uns genann=
ten
Zahlen und Angaben wiederholen, deren Endreſultat
es iſt, daß ſo ein Beobachtungsſchiff in 15 bis 20 Minuten
nach dem Eintreffen der Abteilung nicht nur aufgefüllt
iſt, ſondern auch ſchon in 100 Meter Höhe ſchwebt, um
durch Telephon und Signale eine Geſchoßwirkung beim
Feinde zu melden. Sinnreiche Vorrichtungen ermöglichen
dann auch den Weitertransport des ſchwebenden Ballons
ſelbſt über Bäume und Telegraphenleitungen hinweg, und
ſchließlich geſtattet eine überaus raſch wirkende Ankerwinde
die Rettung des durch feindliche Geſchoſſe gefährde=
ten
Ballons. Am unvergeßlichſten aber wird mir die
halbe Stunde ſein, die ich dann noch auf dem Hof der
Chanzy=Kaſerne im Kreiſe unſerer Offiziersflieger ver=
bringen
durfte. Sie erzählten von ihren am frühen Mor=
gen
über den Straßen von Paris vollführten Erkundungs=
fahrten
, als wenn ſie von Döberitz nach Berlin geflogen
wären, und ich mußte immer wieder daran denken, daß
dieſes junge Blut doch nur deshalb ſo gelaſſen ſein kann,
weil es dem Himmel ſchon alle Tage ſo viel näher iſt, als
der alten guten Mutter Erde.
Und immer weiter ging unſere tolle Fahrt, bis ſie
ſchließlich zu Füßen des Argonnerwaldes bei Epinonville
und dem brennenden Montfaucon ein ſehr plötzliches Ende
erreichte. Denn zum erſtenmal in dieſem Kriege ſtan=
den
wir hier unmittelbar auf einem noch ganz friſchen
Schlachtfelde und den letzten Dingen dieſes Lebens gegen=
über
. Erſt eine und dann immer mehrere, ſchließlich
Hunderte von Leichen feindlicher Krieger lagen am ſchma=
len
Feldrain und drüben in den niedergetretenen Hafer=
feldern
, während in der Ferne unſere Truppen die letzten
Reſte unſerer Braven bereits der kühlen Erde übergaben.
In Gräbern zu je acht bis zehn Mann wurden ſie bei=
geſetzt
und ſtets zeigte ein ſchmuckloſes Holzkreuz an, wo
wieder ein paar Tapfere ihre letzte Ruheſtätte gefunden

Stadt und Land.

Darmſtadt, 13. September.
* Ehrenvolle Berufung. Herr Dr. Jacob Friedrich
Meißner welcher ſeit acht Jahren an der hieſigen
Großh. Techniſchen Hochſchule Vorleſungen über Buch=
drucktechnik
, Fachpreſſ= und Zeitungsweſen hält, wurde
als Preisrichter und Sachverſtändiger der Inter=
nationalen
Ausſtellung für Buchgewerbe und Graphik
nach Leipzig berufen.
* Stadtverordneten=Verſammlung. Die Tages=
ordnung
für die 12. Sitzung der Stadtverordneten=
Verſammlung am Donnerstag, den 17. September, nach=
mittags
3½ Uhr, lautet: 1. Mitteilungen, 2. Wirtſchafts=
plan
für die ſtädt. Waldungen 1914/15, 3. Geſuche um
Geſtattung einer Ausnahme von der Beſtimmung in
§ 5 des Ortsbauſtatuts: a) für Errichtung eines Umfor=
merhauſes
auf der Pallaswieſe, b) für Errichtung einer
Waſſerſtoffgasanſtalt beim Kriegsluftſchiffhafen an der
Gräfenhäuſer Straße, 4. Geſuche um Befreiung von bau=
polizeilichen
Beſtimmungen: a) in Art. 30 der A. B O. und
§§ 68 und 69 der Ausf.=Verord. zur A. B. O. für Luiſen=
platz
7, b) in § 32 Abſ. 6 der B. P. O. für Heidelberger
Straße 100, c) in § 34 des O. B. St. für einen Neubau
am Donnersbergring, d) in § 64 Abſ. 8 der Ausf. Verord.
zur A. B. O., 5. Zuſammenlegung von Gelände an der
Heidenreichſtraße, 6. Aenderung der Fluchtlinie der Hoch=
ſchulſtraße
an der Südoſtecke des chemiſchen Inſtituts,
7. Kreditbewilligung für größere Bauausführungen zur
Beſchäftigung von Arbeitsloſen und für ſonſtige Kriegs=
zwecke
, 8. Vermehrung des Dienſtboten= und Kranken=
wärterperſonals
im Stadtkrankenhaus, 9. Erlaß eines
Verbots des Betretens von Grundſtücken in, der Feld=
gemarkung
mit einbrechender Dunkelheit, 10. Winter=
fahrplan
der Dampfſtraßenbahn, 11. Kriegsverſicherung
der ſtädtiſchen Beamten, Bedienſteten und Arbeiter,
12. Herſtellung des Fußbodens in der Turnhalle der
Stadtknabenſchule II, 13. Herrichtung der Bureauräume
des Großh. Hauptſteueramts.
Kriegsanleihen und Sparkaſſen. Um eine allge=
meine
Beteiligung an der Zeichnung auf die Kriegs=
anleihen
zu ermöglichen, wird die Städtiſche Sparkaſſe
bei Abhebungen, die nachweislich für die Kriegsanleihen
beſtimmt ſind, von der Einhaltung der ſatzungs=
gemäßen
Kündigungsfriſt Abſtand nehmen.
Bei Abhebung größerer Beträge tritt eine geringfügige
Zinſenkürzung ein. (S. Anzeige.)
Kriegsanleihe. Man ſchreibt uns: Das Einge=
ſandt
in Nr. 251 Ihres geſch. Blattes hat bereits einen
namhaften Erfolg zu verzeichnen. Der geſchäftsführende
Obervorſteher des Ritterſchaftlichen Kaufunger
Stiftsfonds Seine Exzellenz Herr Oberſtallmeiſter
M. Riedeſel Freiherr zu Eiſenbach, hat an=
geordnet
, daß aus Mitteln des Fonds durch Lom
bardiſierung von Wertpapieren alsbald 5060000 Mk.
für die Kriegsanleihe flüſſig gemacht werden. Möchten
recht viele Vorſtände anderer Stiftungen und Vermö=
gensverwaltungen
nachfolgen.
Großh. Hoftheater. Die Abholung der
Abonnementskarten kann am 15. und am
16. September, nachmittags von 35 Uhr, an der Tages=
kaſſe
erfolgen. Auf mehrfache Anfragen teilt die Hof=
heater
=Hauptkaſſe mit, daß den verehrlichen Sperrſitz=

hatten. Nach Möglichkeit wurden Feſtſtellungen über
Name und Art getroffen, und da hier nur Infanterie
gewirkt hatte, ſo konnten eingehende Angaben an den
Gedenktafeln und für die Hinterbliebenen gemacht wer=
den
. Ich hatte mir den Anblick eines modernen Schlacht=
feldes
weit grauſiger vorgeſtellt und war erſtaunt über den
faſt friedlichen Geſichtsausdruck der durchweg von Kopf=
ſchüſſen
getroffenen Franzoſen. Die vielfach noch kind=
lichen
Geſichter machten den Eindruck, als ob der Tod im
Schlaf gekommen ſei, und bei manchem mußte ich mich
wirklich fragen, ob denn der Mann tot ſei oder nur träume.
Aber ein entſetzlicher Geruch, der einem das Atmen faſt
zur Unmöglichkeit machte, ließ mich die traurige Wahrheit
erkennen und erſchüttert wandte ich mich ab. Drüben auf
der anderen Wegſeite hatten ſchwarze Senegalſchützen ge
kämpft und hier ſah man ſchon mehr verzerrte Geſichter.
Beſonders der Anblick eines rieſigen Negers, der ganz in
ſich zuſammengekrümmt dalag und um deſſen breitgeöffne=
ten
Mund mit dem prachtvollen Gebiß ein unheimliches
Grinſen ſpiegelte, wird mir unvergeßlich ſein. Jedenfalls
war ich froh, als in dieſem Augenblick unſer Führer mit
all derlruhigen Gelaſſenheit, die unſere Generalſtäbler nun
einmal auszeichnet, konſtatierte, daß wir uns ziemlich
nahe den Kanonenſchlünden von Verdun befänden und
daß bei einem etwaigen Ausfalle wir nahe an der Feuer=
linie
wären. Alsbald waren die Motoren an unſeren
Wagen angekurbelt worden und fort gings den Berg
hinab über Dannevoux an die Maas zurück und heim=
wärts
über Dun. Auch Dannevoux mit ſeiner originellen
Barockkirche ſtand in hellen Flammen, aber niemand dachte
in dieſem Augenblick ans Löſchen, denn unſere braven
Truppen ſtanden in ſchweigender Erwartung des Feindes
mit dem Gewehr in der Hand und dem Patronenkranz um
den Hals. Trotzdem mußten ſie unwillkürlich über die
ſratzenhaften Geſichter in unſeren Wagen lächeln, denn
die zwölfſtündige Fahrt durch den undurchdringlichen
Staub der luxemburgiſchen, belgiſchen und franzöſiſchen
Landſtraßen hatte uns alle vollſtändig unkenntlich gemacht,
und noch 48 Stunden ſpäter hat man das Gefühl, ein
ſchönes Stück Frankreich mitſamt einem verteufelten Ka=
daver
= und Brandgeruch überhaupt nicht mehr aus der
Lunge herausbekommen zu können.
Noch weitere acht Stunden waren erforderlich, um
uns in den Erdenwinkel zurückzubringen, in den uns der
Große Generalſtab einlogiert hat. Und kaum, daß wir
mehr tot als lebendig gelandet ſind, kommt die Kunde,
daß es nächſtens wieder nach dem hohen Norden, in die
Linie Maubeuge=Brüſſel=Antwerpen, gehen ſoll. Hoffent=
lich
kommen wir gerade zu dem Fall einer der beiden ge=
wichtigen
Feſtungen zurecht, dann ſoll uns trotz aller Stra=
pazen
auch dieſer Tag ein geſegneter ſein.

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 13. September 1914.

Nummer 252.

Abonnenten, ſoweit ſie nicht beſondere Wünſche äußerten,
die bisher innegehabten Plätze zugewieſen wurden. Daß
dieſe Plätze jetzt eine andere Nummer tragen, erklärt ſich
aus dem Wegfall einer Sperrſitzreihe bei der letztjährigen
Orcheſtererweiterung.
Mit dem heutigen Tage läuft die Anmeldefriſt für
die bisherigen Abonnenten ab. Die Anmeldungen der neu
hinzutretenden Abonnenten werden am Montag vor=
und nachmittag an der Hoftheater=Hauptkaſſe entgegen=
genommen
. Am Dienstag vormittag beginnt an der
Tageskaſſe der Vorverkauf für die erſten Vorſtellungen
Prinz von Homburg, Fidelio und Lohengrin.
Patriotiſches Konzert im Hoftheater. Die
Beſucher, des heutigen zu Volksvorſtellungspreiſen
ſtattfindenden patriotiſchen Abends, ſowie die mitwirken=
den
Vereine ſeien darauf aufmerkſam gemacht, daß das
Konzert diesmal bereits um 7½ Uhr beginnt.; es
wird gegen 9½ Uhr beendet ſein. Die Vortragsfolge iſt
die gleiche wie am Donnerstag.
* Speiſung von Kindern eingezogener Mann=
ſchaften
. In der Hauswirtſchaftlichen Fortbildungs=
ſchule
bekommen eben täglich über 200 Kinder un=
bemittelter
Familien, deren Väter im Felde
ſtehen, ihr Mittageſſen. Die Zahl wächſt noch
ſtändig. Die Frauenhilfe, Lehrer und Lehrerinnen und
ſonſtige Kreiſe ſuchen die nötigen Mittel für die Maſſen=
ſpeiſung
aufzubringen, auch Geſchäfte unterſtützen durch
Schenkung von Nahrungsmitteln. Gartenbeſitzer aus
Darmſtadt und Umgebung, die über vieles Obſt ver=
fügen
, könnten der guten Sache dadurch dienen, daß ſie
der Hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule zum Dörren
und zur Herſtellung von Latwerg geeignete Birnen,
Aepfel und Zwetſchen von ihrem Ueberfluß zuwenden
würden. Auch große Gefäße zur Aufbewahrung von
Latwerg wären ſehr erwünſcht. Zuwendungen oder
Anmeldungen ſolcher werden Rundeturmſtraße 11 gerne
entgegengenommen.
* Verein für Verbreitung von Volksbildung, Darm=
ſtadt
. Man ſchreibt uns: Mit beſonderer Genugtuung
läßt ſich feſtellen, daß jetzt, wo die arbeitsreichen Tage der
Mobilmachung hinter uns liegen, jeder, der nicht das
Glück hat, mit der Waffe in der Hand unſer bedrohtes
Vaterland ſchützen zu dürfen, wieder zur gewohnten Ar=
beit
zurückkehrt, ſei es in der Werkſtatt, der Schreibſtube
oder hinter dem Ladentiſch. Tauſende fleißiger Arbeiter
aber ſtehen draußen im Felde und ihre Arbeitskraft muß
erſetzt werden, öfters leider für dauernd. Und ſo tritt
an die heranwachſende, nicht mehr ſchulpflichtige Jugend
und all die, die im Leben vorwärts kommen wollen, die
ernſte Aufgabe heran, raſcher wie bisher ſich die Kennt=
niſſe
zu erwerben, die unſeren Brüdern draußen im Felde
eigen waren und die erforderlich ſind, um das gewünſchte
Ziel zu erreichen. Dieſe Gründe bewegen den Vorſtand
des Vereins für Verbreitung von Volksbildung, ſeine
bisherige Tätigkeit in der Weiterbildung unſerer Jugend
und all derer, die ihre Kenntniſſe erweitern und feſtigen
wollen, aufrecht zu erhalten auch in der gegenwärtigen
inhaltsſchweren Zeit. Der Vorſtand hat daher, wie in
den Vorjahren, Lehrkurſe für die Zeit von Oktober
bis Ende März eingerichtet. Die Kurſe werden ſich er=
ſtrecken
auf: 1. Kaufmänniſche Buchführung
(zuſ. 20 Stunden, bei wöchentlich zweimaligem Unter=
richt
); 2. Deutſch (mit Handelskorreſpondenz) und
Rechnen (desgl.); 3. Gabelserger Stenographie
(desgl.). Das Lehrgeld iſt bei Beginn des Unterrichts
zu entrichten. Anmeldungen nimmt das Verkehrsbureau
(Ernſt=Ludwigsplatz) entgegen. (Vergl. auch Bekannt=
machung
im Anzeigenteil.)
* Was geſchieht mit den erbeuteten Geſchützen?
Gar häufig hört man die Meinung ausſprechen, daß die
eroberten Geſchütze auch für unſere Truppen einen
großen Gefechtswert beſäßen. Dem iſt natürlich nicht ſo.
Es wäre ja auch der ausnahmsweiſe Fall denkbar, daß
genommene Werke und Stellungen ſo ſchnell durch einen
Gegenangriff bedroht werden, daß keine Zeit bliebe, ſie
rechtzeitig mit eigenem Material zu beſetzen. In einem
ſolchen Ausnahmefall könnte man freilich das vor=
handene
Geſchützmaterial, ſoweit es nicht unbrauchbar
gemacht worden war, ausnutzen, aber auch nur in einem
ſolchen. Unſer Material iſt nicht nur dem des Feindes
überlegen, es iſt auch zur Genüge für alle Formationen
vorhanden, und unſere Leute wie Offiziere ſind nur an
ihm ſo völlig durchgebildet, das es zur höchſten
Leiſtungsfähigkeit ausgenutzt werden kann. Ganz abge=
ſehen
davon, daß ſich bei Verwendung feindlichen
Materials wohl bald eine Munitionsebbe bemerkbar
machen müßte.
* Verwundete in Mainzer Lazaretten. Inf.=Regt.
117: Leutn. Marx Tendebach. Reſerve=Inf.=Regt. 118:
Unteroffizier der Landwehr Martin Berninger, 12. Komp.
Musketier Karl Ladner, 12. Komp. 14. Mun.=Kolonne,
18. Armeekorps: Füſilier der Landwehr Peter Ludwig
Bender.

Schaffung einer Zentralſtelle für die Erteilung
von Auskünften über Deutſche im feindlichen
Ausland.

* In den Ländern, mit denen wir uns im Kriegs=
zuſtand
befinden (Frankreich, Großbritannien, Rußland,
Japan, Belgien, Serbien und Montenegro) leben eine
große Anzahl von Reichsdeutſchen, über deren Er=
gehen
die hieſigen Angehörigen Auskunft zu erhalten
wünſchen. Dieſe Angehörigen haben ſich bisher regel=
mäßig
an das Auswärtige Amt gewendet, das die Aus=
künfte
durch Vermittelung der mit dem Schutze der deut=
ſchen
Intereſſen in den feindlichen Ländern betrauten
amerikaniſchen Vertreter in Montenegro des italieni=
ſchen
Vertreters einzuziehen ſucht.
Bei der zunehmenden Anzahl ſolcher Anträge erſchien
es erwünſcht, eine Zentralſtelle zu ſchaffen, die in
enger Fühlung mit dem Auswärtigen Amt für eine tun=
lichſt
baldige und ſachgemäße Erledigung der Anträge zu
ſorgen hat. Als ſolche Stelle iſt die Zentral= Aus=
kunft
sſtelle für Auswanderer Berlin W. 35,
Am Karlsbad 9/10, eingerichtet worden, deren eigentliche
Aufgaben gegenwärtig in den Hintergrund treten. Für
die neue Tätigkeit der Zentral=Auskunftsſtelle iſt folgender
Geſchäftsgang vorgeſehen: Diejenigen Perſonen, die über
ihre Angehörigen im feindlichen Auslande Auskunft zu
erhalten wünſchen, haben ſich mündlich oder ſchriftlich an
die Zentral=Auskunftsſtelle zu wenden und dabei möglichſt
genaue Angaben über die Perſon und die letzte Adreſſe
des Geſuchten zu machen. Die Antragſteller erhalten, ſo=
weit
die Angelegenheit nicht unmittelbar erledigt werden
kann, einen Vorbeſcheid, in dem ſie wegen Behandlung
ihrer Anträge benachrichtigt werden. Die Anträge werden
nach Prüfung und Sichtung dem Auswärtigen Amt über=
ſandt
. Dieſes zieht durch Vermittelung der mit dem
Schutze unſerer Intereſſen betrauten fremden Vertretun=
gen
die gewünſchten Auskünfte ein und übermittelt ſie der
Zentral=Auskunftsſtelle, die daraufhin die Antragſteller
beſcheidet.

Außer den Auskünften über den Verbleib und das
Ergehen der Reichsdeutſchen im feindlichen Auslande er=
teilt
die Zentralauskunftsſtelle auch Ratſchläge wegen der
Möglichkeit, mit ihnen in Verbindung zu treten oder ihre
Rückkehr herbeizuführen; ferner nimmt ſie Geſuche um
Ueberweiſung von Geld zur Unterſtützung ſolcher Perſonen
entgegen. Die zu überweiſenden Geldſummen, die regel=
mäßig
den Betrag von 500 Mark nicht überſchreiten ſollen,
werden bei der Depoſitenkaſſe C der Deutſchen Bank, Ber=
lin
W. 9, Potsdamerſtraße 134 a, auf das zu dieſem Zweck
beſonders eingerichtete Konto der Legationskaſſe des Aus=
wärtigen
Amtes einzuzahlen und die Quittungen mit den
entſprechenden Geſuchen der Zentralauskunftsſtelle vorzu=
legen
ſein. Die Geſuche gelangen ſodann gleichfalls an das
Auswärtige Amt, wo das weitere veranlaßt wird.
Weitergehende Anträge, insbeſondere auf Uebermit=
telung
von Päſſen an Reichsdeutſche im feindlichen Aus=
lande
, auf Heimſchaffung, auf Erteilung von Schutz, auf
Erwirkung von Schadenerſatz, werden ausſchließlich vom
Auswärtigen Amt erledigt. Ebenſo ſcheidet die Auskunft=
erteilung
über die in Kriegsgefangenſchaft geratenen An=
gehörigen
unſeres Heeres und unſerer Marine aus, da
dieſe Auskünfte von den militäriſchen Stellen durch Ver=
mittelung
des Auswärtigen Amtes beſchafft werden. Was
die von unſeren Truppen bereits beſetzten feindlichen Ge=
biete
betrifft, ſo werden in dieſen Auskünften der in Rede
ſtehenden Art von den deutſchen Militär= und Zivilbehör=
den
erteilt werden. Die Zentralauskunftsſtelle wird ſich
daher entweder mit dieſen Behörden unmittelbar ins Be=
nehmen
ſetzen oder die Geſuchſteller an ſie verweiſen. An=
träge
auf Beſchaffung von Auskünften über Deutſche im
neutralen Auslande werden zweckmäßig weder an das
Auswärtige Amt, noch an die neue Zentralſtelle, ſondern
unmittelbar an das zuſtändige Kaiſerlich Deutſche Kon=
ſulat
gerichtet; die Schreiben ſind in deutſcher Sprache ab=
zufaſſen
und unverſchloſſen abzuſenden.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 12. September 1914

Butter, ½ kg 1,401,50 M.
in Part. ½ kg 1,30-1,35 M.
Eier . . Stück 912 Pf
Schmierkäſe ½ Lit. 20 Pf
Handkäſe . Stück 412 Pf.
Kartoffeln . Ztr. bis 4 M.
Kumpf
(10 Liter) bis 65 Pf.
kg 45 Pf.
Mäuschen,
½ kg 10 Pf.
Obſt u. dergl.:
Aepfel . . ½ kg 412 Pf.
Birnen . ½ kg 815 Pf.
Stück 5 Pf
Zitronen
Aprikoſen, Pfirſiſche
kg 1035 Pf
Brombeeren, Schoppen
10 Pf.
Reineclauden, ½ kg 10 Pf.
Zwetſchen . ½ kg 47 Pf.
kg 10 Pf.
Mirabellen
Schwämme, ½ kg 25-30 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat . Stück 35 P
Endivien Stück 56 Pf
Bohnen . ½ kg 816 Pf
Gelbe Bohnen,½ kg12-15 Pf
Radieschen, Bündel 23 Pf
Rettiche . Stück 35 Pf.
Meerrettich, Stück 2025 Pf.
Roterüben, Bündel 56 P
Zwiebeln ½ kg 810 Pf.
Tomaten . . ½ kg 10 Pf
Spinat . ½ kg 101 2Pf.
Weißkraut, Stück 612 Pf
Rotkraut Stück 1220 Pf.

Blumenkohl . . 540 Pf
Wirſing, Stück 45 Pf.
Römiſch=Kohl. Bünd. 2-3 Pf
Sellerie Stück 510 P
Erbſen . . . ½ kg 25 Pf
kohlrabi . Stück 34 Pf.
Helberüben, ½ kg 45 Pf
Bündel 3 Pf.
Senfgurken, Stück 810 Pf.
Gurken . . Stück 320 Pf.
das Hundert
0,801,20 Mk.
Geflügel, Wildbret:
½ kg 1,00 M.
Gänſe
Enten, Stück 3,004,00 M.
Hahnen, Stück 1,002,50 M.
Hühner, 1,502,50 M.
Tauben . . Stück 0,60 M.
Fiſche:
kg 1 M.
Aal
Andere Rheinfiſche,
½ kg 4060 Pf.
In den Fleiſchſtänden.
kg 70 Pf.
Rindfleiſch
½ kg 86 Pf.
Kalbfleiſch
kg 80 Pf.
Hackfleiſch
½ kg 60 Pf.
Rindsfett
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch mit
Beilage, ½ kg 80 Pf.
ohne Beilage 90 Pf
Geſalzenes und Koteletts,
½ kg 90 Pf
Schwartemagen und
Fleiſchwurſt, ½ kg 80 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
½ kg 70 Pf.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 10. Sept. Die Kaiſerin
und Prinzeſſin Auguſt Wilhelm ſind heute abend auf
Bahnhof Friedrichſtraße eingetroffen. Die Kaiſerin begab
ſich nach Schloß Bellevue, wo ſie vorläufig Wohnung
nimmt. Prinz Heinrich von Preußen ſandte,
wie man dem Berliner Lokalanzeiger mitteilt, dem Reichs=
bankdirektorium
eine wertvolle künſtleriſche Zarenmedaille
zur Einſchmelzung zu. Der Erlös ſoll dem Roten
Kreuz zufließen. Vom Reichsbankdirektorium aufmerkſam
gemacht, daß die Medaille durch den Verkauf an einen
Liebhaber doch bedeutend mehr ergeben würde, telegra=
phierte
Prinz Heinrich kurzerhand zurück, daß er die Ein=
ſchmelzung
wünſche. In dieſen Tagen gibt es noch
immer Damen, die in auffallender Kleidung ſpazieren
gehen, und namentlich in der Tauentzienſtraße gehören
ſolche Erſcheinungen nicht zu den Seltenheiten. Ihnen
rückte nun ein alter Herr zuleibe. Die Aufſchläge ſeines
Rockes mit Stecknadeln geſpickt, als ob er Schneider wäre,
ging er langſam, mit Aufmerkſamkeit umherſpähend, die
Tauentzienſtraße entlang, und wenn er ein weibliches
Weſen entdeckt hatte, das einen ſogenannten Schlitzrock
trug, dann trat er plötzlich an die Betreffende heran, bückte
ſich mit den Worten Sie geſtatten einen Augenblick! und
ſteckte im Handumdrehen mit einer offenbar durch Uebung
erworbenen großen Sicherheit und Gewandtheit der völ=
lig
Ueberraſchten und über ſein Tun Zweifelhaften den
Schlitz des Gewandes zu. Dann eine kleine Verbeugung,
ein ſpöttiſches Lächeln, und der alte Herr ſchob von dannen
auf dieJagd nach neuen Opfern .
Frankfurt, 12. Sept. (Das Beflaggen der Häu=
ſer
.) Das Polizeipräſidium ordnet das Be=
flaggen
der Häuſer durch eine Verfügung, die be=
ſagt
: Das Beflaggen wird bei dem Eintreffen einer gün=
ſtigen
Kriegsnachricht für dieſen Tag geſtattet, falls
die Nachricht erſt in den Abendſtunden bekannt wird, auch
für den nächſtfolgenden Tag. Zuwiderhandelnde machen
ſich einer Uebertretung des § 3 der Straßenpolizeiverord=
nung
vom 20. Juni 1905 ſchuldig.
Erſurt, 12. Sept. (Landwirtſchaftsminiſter
a. D. Frhr. v. Lucius .) Der frühere Landwirtſchafts=
miniſter
Frhr. Lucius v. Ballhauſen, Mitglied des
Herrenhauſes, iſt im Alter von 79 Jahren nach längerem
Leiden geſtorben.
Wien, 11. Sept. (Ruſſiſche Geſchütze.) Geſtern
traf hier eine große Anzahlruſſiſcher Geſchütze
ein und wurde vor dem Arſenal aufgeſtellt. Es ſind größ=
tenteils
von der Armee Auffenberg und Dankl erbeutete
Trophäen.
Rom, 12. Sept. (Der ägyptiſche Prinz Fuad
Paſcha) iſt hier eingetroffen.

Konſtantinopel, 12. Sept. ( Dampferzuſammen=
ſtoß
.) Vorgeſtern nacht iſt ein kleiner Transportdampfer
mit 110 Mann an Bord mit einem italieniſchen Dampfer
zuſammengeſtoßen und geſunken. Von den 110 Mann
ſollen nur 15 gerettet ſein.
Durazzo, 12. Sept. (Der Geburtstag des Sul=
tans
) iſt hier feſtlich begangen worden. Die Führer der
Aufſtändiſchen, die Regierungskommiſſion und die Trup=
penkommandeure
kamen auf dem Platz vor dem Palaſt
zuſammen und verrichteten ein Gebet. Es wurde eine
Salve von 21 Schuß abgegeben. Die Stadt hatte geflaggt
und war illuminiert.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
leinerlei Verantwortung für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Nach Ausmarſch eines großen Teiles unſerer
Truppen wurde in einer Zeitung bekannt gegeben, daß
Fenchelöl ein ausgezeichnetes Mittel gegen die Ungezie=
ferplage
im Felde ſei. Unſere Soldaten konnten ſich die=
en
Rat nicht mehr zunutze machen, weshalb die Auffor=
derung
an die helfenden Frauen und an die Fürſorge=
ſtellen
ergeht, den Liebesgaben (beſonders den Socken,
Leibbinden uſw.) kleine Fläſchchen dieſes Oeles, die in
Drogerien für wenige Pfennige zu haben ſind, aber
gut verpackt und mit Gebrauchsanweiſung (einige Trop=
fen
auf die Unterkleider) beizufügen. Dieſer Auffor=
derung
werden diejenigen um ſo lieber Folge leiſten, die
von Teilnehmern des Krieges 1870/71 wiſſen, wie unge=
mein
die Soldaten damals durch das Ungeziefer litten.
Fr. L. A.
Das Eingeſandt in Nr. 251 möchte ich noch in
einem Punkte ergänzen. Es liegt auf der Hand, daß den
Sparkaſſen uſw. die richtige Verwendung der abgeho=
benen
Einlagen nachgewieſen werden muß. Es iſt auch
ebenſo klar, daß dies am einfachſten dadurch erreicht wird,
daß die Sparkaſſen uſw. ſelbſt den Erwerb
der Reichsſchatzanweiſungen oder Schuldver=
ſchreibungen
vermitteln. Nur dürften die Kaſſen die ſo
vermittelten Beträge der Oeffentlichkeit gegenüber nicht
als eigene Erwerbungen der Sparkaſſe bezeichnen. Die
meiſten Vermittelungen aber werden durch die Banken zu=
ſtande
kommen. Hier würde der Nachweis der richtigen
Verwendung wohl dadurch erreicht werden, daß dem
Beſteller eine Beſcheinigung des Bankhauſes übergeben
wird, daß Herr N. N. für die Kriegsanleihe . . . . . Mk.
gezeichnet habe und dazu ſein Einlageguthaben bei der
Sparkaſſe . . . . , oder Darlehnskaſſe . . . . . oder Volks=
bank
. . . . .) benutzen wolle! Auf dieſe Beſcheinigung
hin kann dem Einleger der Betrag aus ſeinem Guthaben
zurückbezahlt werden. Es iſt aber darauf zu ach=
ten
, daß der Name der Kaſſe bei der die
Abhebung erfolgen ſoll, genau angege=
ben
wird. Wäre das nicht der Fall, dann könnte je=
mand
, der z. B. bei drei verſchiedenen Kaſſen je
1000 Mark Guthaben ſtehen hat, dieſe ſämtlichen Ein=
lagen
abheben, indem er jeder Kaſſe den Nachweis er=
bringt
, daß er 1000 Mark Kriegsanleihe gezeichnet habe.
Dieſe Möglichkeit muß aber unter allen Umſtänden ver=
mieden
werden und wird vermieden= durch die Namens=
bezeichnung
der Kaſſe, bei der die Einlage abgehoben
werden ſoll.
H. R.

Landwirtſchaftliches.

Dje Sicherſtellung der Fleiſchverſorgung
Deutſchlands.
* Berlin 12. Sept. Nach Kriegsausbruch ſind
übereilte Schlachtungen von nicht ſchlacht=
reifem
Vieh trotz reichlicher Verſorgung Deutſchlands mit
Schlachtvieh beſonders mit Schweinen vorgenommen
worden. Zur Sicherſtellung der Fleiſchverſorgung und
eines geregelten Nachwuchſes hat der Bundesrat angeord=
net
, daß Schlachtungen von Kälbern mit weniger
als 75 Kilogramm Lebendgewicht und von Kühen, die
ioch nicht 7 Jahre alt ſind, für die Dauer von drei Mo=
naten
, vom 11. September abgerechnet, verboten
ſind. Das Verbot findet keine Anwendung auf Weide=
naſtvieh
und vom Ausland eingeführtes Schlachtvieh ſo=
wie
auf Notſchlachtungen.
* Zur Erleichterung der Kartoffel=
trocknung
während des Krieges iſt für den Bereich
der preußiſch=heſſiſchen Staats= und der Reichseiſenbah=
nen
in Elſaß=Lothringen ein Ausnahmetarif für
friſche Kartoffeln zur Herſtellung von Trockenkartoffeln
auf der Grundlage eines Streckenſatzes von 1,0 Pf. für
1 tkm mit einer Abfertigungsgebühr von 6 Pfg. für 100
Kilogramm eingeführt worden. Die heſſiſchen Privat=
bahnen
haben Anweiſung erhalten, ſich dieſem Vorgehen
anzuſchließen.
* Die Maul= und Klauenſeuche iſt erloſchen
in Mackenheim, Kreis Heppenheim, in Ober=Olm, Kreis
Mainz, in Ockenheim, Dromersheim, Groß=Winternheim
und Frei=Weinheim, Kreis Bingen. Die Seuche herrſcht
fort in Meſſel, Kreis Darmſtadt, in Groß=Bieberau, Kreis
Dieburg, in Rüſſelsheim, Kreis Groß=Gerau, in Siedels=
brunn
, Kreis Heppenheim, in Rodheim, Kreis Friedberg,
in Stadecken, Eſſenheim und Zornheim, Kreis Mainz,
in Welgesheim und Zotzenheim, Kreis Alzey, in Ober=
Ingelheim, Bubenheim, Engelſtadt, Eltviller Aue, Horr=
weiler
, Genſingen und Aspisheim, Kreis Bingen, in
Schornsheim und Wallertheim, Kreis Oppenheim. Die
Seuche wurde feſtgeſtellt in Zell, Kreis Bensheim,
in Sprendlingen und Neuhof, Kreis Offenbach, in Mainz,
Drais und Sörgenloch, Kreis Mainz. in Schwabsburg,
Kreis Oppenheim, und in Gimbsheim, Kreis Worms.

Vermiſchtes.

C.K. Der Kohlenverbrauch der Welt. Man
hat ſchon häufig berechnet, wie viele Jahre der Vorrat der
Welt an Kohlen noch ausreichen werde, und iſt zu Ergeb=
niſſen
gekommen, daß die engliſchen Kohlenfelder in etwa
400 Jahren, die Kohlenbergwerke Schleſiens in 1000 Jah=
ren
erſchöpft ſein würden. Wie wenig auch alle dieſg Be=
rechnungen
beſagen, da ſie nur von den uns bis jetzt be=
kannten
Kohlenfeldern ausgehen können und Unterſuch=
ungen
in den letzten Jahren große noch nicht erſchloſſene
Felder gezeigt haben, und da ſie nicht künftige Erſatz=
mittel
für die Kohle in Rechnung ſtellen können, ſo iſt
doch eine Zuſammenſtellung des Kohlenverbrauchs auf
der ganzen Erde und in den wichtigſten Ländern von
hohem Intereſſe. Die Geſamtkohlenförderung der Welt
iſt vom Jahre 1885 bis zum Jahre 1911 von 413 auf 1170
Millionen Tonnen geſtiegen, hat ſich alſo in 26 Jahren faſt
verdreifacht; in den letzten 10 Jahren betrug die Zunahme
jährlich durchſchnittlich 5 Prozent, in Deutſchland 4 Pro=
zent
, wobei aber ſolche Unterſcheide zu bemerken ſind, daß
die Steigerung in den Vereinigten Staaten von Amerika

[ ][  ][ ]

Nummer 252.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 13. September 1914.

Seite 5.

ſich auf 85 Prozent in den letzten 10 Jahren, in Deutſch=
land
auf 43 Prozent belief, in Großbritannien aber nur
auf 8 Prozent. Abſolut waren die Zahlen des Kohlen=
verbrauches
für die drei Länder im Jahre 1911: 432,36
217,28 187,76 Millionen Tonnen, ſo daß auf den Kopf
der Bevölkerung in Amerika 4,59, in Deutſchland 3,32 und
in Großbritannien 4,14 Tonnen entfielen. In Frankreich
betrug der Verbrauch rund 58, in Oeſterreich=Ungarn 52½,
in Rußland 28, in Belgien 24¾, in Kanada 23½, in Ja=
pan
13, in Italien 9½, in Spanien 6½ und in Schwe=
den
5 Millionen Tonnen. Die Kopfquoten ſind in Bel=
gien
und Kanada rund 3½, in Frankreich 1½, in Oeſter=
reich
=Ungarn 1, in Schweden ¾0, in Spanien ½, in Ita=
lien
¼, in Japan ½, in Rußland ½ Tonne. Das Bild,
das dieſe Zahlen bietet, müßte natürlich ergänzt, erläutert
und berichtigt werden durch Mitteilungen über den Reich=
tum
oder die Armut der einzelnen Länder an Kohlen, über
die Verwendung des Holzes und anderer Stoffe zu Heiz=
zwecken
und über die Verwertung der Waſſerkräfte, an
denen z. B. Schweden ungeheuere Schätze beſitzt, die erſt
zum Teil, wie ja auch in unſerem Vaterlande, der Allge=
meinheit
nutzbar gemacht worden ſind.

Literariſches.

Illuſtrierte Geſchichte des Weltkrieges
1914. Allgemeine Kriegszeitung. Wöchentlich ein Heft
zum Preiſe von 25 Pfg. Union Deutſche Verlagsgeſell=
ſchaft
in Stuttgart, Berlin, Leipzig, Wien. Nach dem
bewährten Vorbild der rühmlichſt bekannten Illuſtrierten
Geſchichte des Krieges 1870/71 und der Befreiungskriege
1813/15, die in Hunderttauſenden von Exemplaren ver=
breitet
ſind und ſtetig weiter begehrt werden, beginnt
dieſes Unternehmen ſoeben ſein Erſcheinen. Dieſe Ge=
ſchichte
des Weltkrieges, von der uns das erſte Heft vor=
liegt
, iſt beſtimmt, die Ereigniſſe der jetzt über uns auf=
gegangenen
großen Zeit in feſſelnden Schilderungen
dauernd feſtzuhalten und ein Hausbuch zu werden, das
über die Urſachen und den Verlauf des uns aufgedrungenen
Kampfes in abgeklärter Art berichtet, Wertloſes beiſeite
läßt und das Bedeutungsvolle und Bleibende ſammelt;
ein vaterländiſches Werk für Alt und Jung, Hoch und
Niedrig, für die Gegenwart und die Zukunft. Wie alle
Veröffentlichungen des Union=Verlags wird ſich auch dieſe,
wie das vorliegende Heft erkennen läßt, durch großzügige
Art und ſorgſame Wahl des Inhalts von ſelbſt weiter=
empfehlen
; insbeſondere aber wird ſie auch auffallen durch
die außergewöhnlich reiche und ſchöne bildliche Ausſchmük=
kung
, ſowie durch die Beigabe zahlreicher ein= und mehr=
farbiger
Kunſtblätter. Das Werk ſollte in keinem Hauſe
fehlen.
Maiers Karte von Deutſchland und
der angrenzenden Länder. Verlag von Otto
Maier in Ravensburg. Preis 60 Pfg. Wer ſich über den
ſich faſt überſtürzenden raſchen Gang der Kriegsereigniſſe
auf dem Laufenden halten will, benützt am beſten die
Maierſche Karte, die ſich in ihrer neuen Auflage durch
großen Reichtum an Ortsbezeichnungen auszeichnet und
durch ihre klare und überſichtliche Ausführung das Auffin=
den
der Kriegsſtellungen der Truppen erleichtert. Nach
allen drei Fronten gibt dieſe Karte die beſte Ueberſicht.
Der Preis von 60 Pfg. iſt ſehr billig.

Letzte Nachrichten.
Die Zahl der Kriegsgefangenen.

* Berlin, 12. Sept. (W. T. B. Amtlich.) In der
heute mittag veröffentlichten Angabe über die Zahl der in
Gefangenenlagern in Deutſchland untergebrachten
Kriegsgefangenen ſind die bei Maubeuge ge=
fangenen
40000 Franzoſen und Engländer, ſowie ein gro=
ßer
Teil der in Oſtpreußen, in der Schlacht bei Tannenberg
kriegsgefangenen Ruſſen nicht enthalten.

Warum ſich die Veröffentlichung der Verluſtliſten
verzögert.

* Berlin, 12. Sept. (Amtlich.) Das Zentralnach=
weisbureau
im Kriegsminiſterium, Dorotheenſtraße, wird
noch immer mit Anfragen überhäuft, die es zu beantwor=
ten
von vornherein nicht in der Lage iſt. Dort geht ledig=
lich
das Material ein, das für die Auskunft über Ange=
hörige
des Heeres dienen kann, die Nachweiſe über Ver=
luſte
von den Truppenteilen und die Rapporte aus den
Lazaretten. Da die Verluſtliſten ſofort nach
Eintreffen veröffentlicht werden und die
Lazarettrapporte mit den Namen noch ſpäter eingehen,
ſo iſt klar, daß man früheſtens damit rechnen kann, über
einen Angehörigen Auskunft zu erhalten, wenn der Name
in der Verluſtliſte geſtanden hat. Mitunter iſt die Anſicht
verbreitet, daß mit der Veröffentlichung der Verluſtliſten
vom Kriegsminiſterium aus irgend einem Grunde zurück=
gehalten
wird. Das iſt durchaus irrig. Jede von
der Truppe hier eingehende Verluſtliſte wird ſo ſchnell
wie möglich veröffentlicht. Wenn dies wochenlang zurück=
liegt
, ſo liegt das daran, daß unſere braven Truppen wäh=
rend
den fortwährenden Kämpfen und Rieſenmärſchen
der letzten 4 Wochen keine Zeit gefunden haben, die Ver=
luſtliſten
feſtzuſtellen. Zur Erledigung dieſer Aufgabe
gehört doch ein Augenblick der Ruhe. Ein ſolcher iſt aber
vielen Truppen ſeit Wochen noch nicht beſchieden geweſen,
daher aber auch unſere Erfolge.

Zum Tod des Reichstagsabgeordneten Dr. Frank.

* Berlin, 12. Sept. Der Präſident des Reichstags,
Dr. Kaempf hat an die ſozialdemokratiſche
Fraktion folgendes Schreiben gerichtet: Unſer Kollege,
der Reichstagsabgeordnete Dr. Frank=Mannheim, fand
im Kampfe für die Ehre des Vaterlandes den Heldentod.
Zu dem ſchweren Verluſte, den dadurch die ſozialdemo=
kratiſche
Fraktion und der Reichstag erlitten, geſtatte ich
mir, Ihnen meine aufrichtigſte und herzlichſte Teilnahme
auszuſprechen. Kaempf, Präſident des Reichstages.
Ferner iſt von dem Stellvertreter des Reichskanzlers,
Staatsminiſter Dr. Delbr ück, bei dem Präſidenten des
Reichstages ein Schreiben folgenden Inhalts eingegangen:
Im Kampfe um Deutſchlands Verteidigung fiel als erſtes
Mitglied des Reichstages Abgeordneter Ludwig Frank
auf dem Felde der Ehre. Er beſiegelte damit die Geſinn=
ung
, die er durch Eintritt als Kriegsfreiwilliger bekundet
hatte, mit dem Tode. Ew. Hochwohlgeboren beehre ich
mich, zu erſuchen, dem Reichstage den Ausdruck meiner
wärmſten Teilnahme an dem Verluſte, den er durch den
Tod Franks erlitten hat, zu übermitteln.

Der Kolonialkrieg.

* Berlin, 12. Sept. Nach einem amtlichen engliſchen
Bericht wurden bei einem Angriff deutſcher Trup=

pen bei Karonga am Njaſſaſee auf engliſcher Seite vier
Weiße getötet und ſieben Weiße verwundet.

Eine dreiſte Lüge.

* Berlin, 12. Sept. Die Nordd. Allgem. Zeitung
ſchreibt: Die im Haag erſcheinende Zeitung Het Vader=
land
hatte in einem Pariſer Briefe eine Mitteilung ge=
bracht
, nach der der deutſche Botſchafter Frhr. v. Schoen
zu einem der bekannteſten franzöſiſchen Schriftſteller ge=
ſagt
haben ſollte, der Krieg bedeutet für Deutſch=
land
den Selbſtmord. Der Botſchafter, dem der
Bericht vorgelegt wurde, hat dieſe Angaben als dreiſte
Erfindung bezeichnet.

Ein verurteilter Verräter.

* Mülhauſen, 12. Sept. Beim Einmarſch franzö=
ſiſchen
Militärs hielten es manche Leute für angebracht,
den Franzoſen eine Reihe von Beamten zur Ver=
haftung
ohne Grund anzugeben. Dieſes Verhalten
hat ſogar den Unwillen einiger franzöſiſcher Offiziere
erregt. Einer dieſer Angeber, auf deſſen Denunziation
hin drei Schutzleute von den Franzoſen abgeführt worden
ſind, iſt der Arbeiter Wahl aus Dornach. Er iſt deshalb
zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

Die Rieſenſchlacht bei Lemberg.

* Wien, 12. Sept. (W. T. B.) Amtlich wird be=
kanntgegeben
: 10. September, abends. Die Schlacht
bei Lemberg dauert an. Unſer Angriff ge=
winnt
allmählich an Raum.
Die Nachrichten von dem ſüdöſtlichen Kriegsſchauplatz
laſſen erkennen, daß Teile der ſerbiſchen Armee, während
wir die Drina überſchritten, in Syrmien einbrachen, wo
die Abwehr eingeleitet worden iſt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabs:
von Höfer, Generalmajor.

Die engliſchen Verluſte.

Eine intereſſante Statiſtik.
* London, 12. Sept. Eine weitere Verluſtliſte
der engliſchen Truppen vom 10. September führt
weiter an: Tot 10 Offiziere und 61 Mann, verwundet 63
Offiziere und 510 Mann, vermißt 61 Offiziere und 3883
Mann. Mit den drei früheren Verluſtliſten ergibt ſich
eine Geſamtziffer von 19829 Mann. Davon werden nicht
weniger als 17587 vermißt. In der heute veröffentlichten
amtlichen Zuſammenſtellung der in Deutſchland kriegs=
gefangen
gehaltenen Engländer ſind nur 7510 Mann an=
gegeben
. Die fehlenden 10000 Engländer ſind alſo allem
Anſchein nach unter den in Maubeuge gemachten Kriegs=
gefangenen
. Nach den ſicher nicht zu niedrig bemeſſenen
Angaben der engliſchen Heeresverwaltung über die Stärke
des Expeditionsheeres kann man die engliſchen Verluſte
mit mindeſtens 10 Prozent berechnen.

Die Kampfesweiſe der Serben.

* Prag, 12. Sept. Die Bohémia bringt die Er=
zählung
eines bei Schabatz ſchwer verwundeten Haupt=
manns
über ſie Kampfesweiſe der Serben, die
beſagt: Die ſerbiſche Infanterie iſt ſehr tapfer,
ſchießt aber ſchlecht. Nur ihre guten Schützen und
Komitadſchis werden dazu verwandt, auf Bäumen ver=
ſteckt
hauptſächlich die öſterreichiſch=ungariſchen Offiziere
zuſammenzuſchießen. Die ſerbiſche Artillerie iſt vor=
züglich
, was ſich ganz natürlich aus dem Umſtande er=
klärt
, daß ſie im eigenen Lande kämpft, jede Diſtanz genau
kennt und von der heimiſchen Landbevölkerung ſehr gut
unterſtützt wird. Wohin die öſterreichiſch=ungariſche In=
fanterie
ſich bewegt, da ſieht man überall Strohhaufen und
Häuſer in Flammen aufgehen; hierdurch wird der ſerbi=
ſchen
Artillerie die Richtung angegeben. In der Gruft
einer Kirche in Schabatz fand ein Mann eine Telephon=
zentrale
vor, von der unterirdiſche Kabel nach den ver=
ſchiedenſten
Stellungen der Serben gingen. Der ſerbiſche
Soldat iſt nicht feige. Zwar haben ſich viele gefangen neh=
men
laſſen, jedoch zu dem Zwecke, uns durch falſche An=
gaben
zu täuſchen oder zu meuchelmörderiſchem Zweck. Es
iſt vorgekommen, daß Gefangene verſteckt gehaltene Hand=
granaten
auf die ſie begleitende Patrouille warfen und
dann, die Verwirrung benützend, flüchteten. Weiber kämpf=
ten
mit Gewehren, Kinder warfen aus dem Hinterhalt
Handgranaten. Ein 12jähriges ſerbiſches Mädchen, das
mit Gewehrſchüſſen in den Beinen in dem Spital von
Neuſatz liegt, rühmt ſich, 16 Bomben auf öſterreichiſch=
ungariſche
Soldaten geworfen zu haben! Die Serben be=
ſchießen
auch Verbandplätze.

Die Haltung Griechenlands.

* Sofia, 12. Sept. Der griechiſche Geſandte Naum
hat ſchriftlich die dem Miniſterpräſidenten bereits münd=
lich
abgegebene Verſicherung erneuert, daß keine Kon=
zentration
von griechiſchen Truppen ſtatt=
gefunden
hat, weder bei Gewgeli noch bei Doiran und daß
keinerlei Maßnahmen getroffen worden ſind, die als gegen
Bulgarien gerichtet ausgelegt werden können und daß die
griechiſchen Truppen in Mazedonien in keiner anderen
Weiſe verſtärkt worden ſind, als durch Entſendung von
4000 Rekruten des Jahrganges 1914, die dazu beſtimmt
ſeien, die Kadres der in Mazedonien liegenden Regimen=
ter
zu ergänzen.
* Berlin, 12. Sept. Vor einigen Tagen haben wir
die Nachricht aus Oſtende gebracht, daß dort ein deut=
ſcher
Reichsangehöriger wegen Spionage
erſchoſſen worden ſei. Wie wir von zuſtändiger Seite
erfahren, handelt es ſich um einen hochangeſehenen deut=
ſchen
Kaufmann, der bei Ausbruch des Krieges in Ge=
ſchäftsangelegenheiten
ſich in Belgien befand. Mit Spio=
nage
hat er ſich niemals befaßt.
* Berlin, 12. Sept. Von zuſtändiger Seite wird
der vereinzelt aufgetretenen Anſicht entgegengetreten, als
ob die Darlehenskaſſe die Darlehen nicht länger als ſechs
Monat gewähren könnte. Dieſe Beſorgnis wird als un=
begründet
bezeichnet. Die Darlehensinhaber und be=
ſonders
die Zeichner der Reichsanleihen, die übrigens
wie die älteren Reichsanleihen Mündelſicherheit genießen,
können auf volle Berückſichtigung ihrer Wünſche auf Pro=
longation
rechnen.
* München, 12. Sept. Die Städtiſche Sparkaſſe
beſchloß, für die Reichskriegsanleihe 10 Millionen
Mark zu zeichnen.
* Karlsruhe, 12. Sept. In einer der letzten
Sitzungen des Roten Kreuzes wurde von der Großher=
zogin
Luiſe von Baden die Mitteilung gemacht, daß die
Königin von Schweden in treuem Gedenken an ihr
Heimatland als zweite Gabe 2000 Mark geſpendet hat, die
zu Liebesgaben für die badiſchen Truppen verwendet wer=
den
. Fräulein Ellen v. Platen in Stockholm ſandte
mit einem Brief voll tiefen Gefühls für die gute Sache
500 Mark durch die Großherzogin Luiſe.
* Stettin, 12. Sept. (Amtlich.) Die Stettiner N.
Nachrichten melden: Die in Petersburg ſeit Ausbruch

des Krieges zurückgehaltenen Mannſchaften der Stetti=
ner
Handelsflotte, beſonders der Stettiner Neuen
Dampfer=Kompagnie, haben ihren Angehörigen mitgeteilt,
daß ſie freigelaſſen ſeien und vorausſichtlich morgen
über Haparanda=Ulea=Stockholm=Trelleborg in Stettin ein=
treffen
würden.
* Wien, 12. Sept. Die Blätter drücken ihre Freude
über die Siegestaten der deutſchen Waffenbrüder auf dem
franzöſiſchen und dem oſtpreu ßiſchen Kriegs=
ſchauplatze
in herzlichen Worten aus und begleiten den
weiteren Verlauf der entſcheidenden Kämpfe in Oſt und
Weſt mit ſtolzen Hoffnungen. Höchſte Bewunderung er=
weckt
wiederum die Abwehr des ruſſiſchen Anſturms und
die Verfolgung durch die oſtpreußiſchen Truppen, über
deren Führung die Neue Freie Pr. ſchreibt: Die Operatio=
nen
Hindenburgs, über die wir ja Genaueres erſt
ſpäter erfahren werden, zeigen ſchon in ihren großen Um=
riſſen
ein geradezu muſtergültiges Beiſpiel des
Operierens auf der inneren Linie gegen zwei zuſammen
ſehr bedeutend überlegene feindliche Armeen.
* Wien, 12. Sept. Kaiſer Franz Joſef emp=
fing
heute in längeren Audienzen den Miniſter des
Aeußeren Grafen v. Berchthold, den ungariſchen Miniſter=
präſidenten
Grafen Tisza, den Kriegsminiſter von Kro=
batin
, den öſterreichiſchen Miniſterpräſidenten Grafen
von Stürgkh.
* Rom, 12. Sept. Gabriele D’Annunzio iſt
geſtern unter Spionageverdacht verhaftet worden, als
er in der Umgebung von Paris literariſche Notizen nie=
derſchrieb
. Nach der Aufklärung des Sachverhalts wurde
er wieder freigelaſſen.
* London, 12. Sept.: Die Schiffahrts=Geſellſchaft
South Eaſtern and Chatham teilt mit, daß es notwendig
ſei, den Dampferdienſt Folkeſtone-Oſtende unverzüglich
zu unterbrechen. Der Dienſt Folkeſtone-Boulogne
dauert an. Nach einem Telegramm aus Aberdeen
iſt die Oceanic die an der Küſte von Nord= Schott=
land
Schiffbruch erlitten hat, auf eine Klippe aufgelaufen.
Ein Schleppdampfer hat die Mannſchaft gerettet.

Briefkaſten.

Ctr. Bln. bezw. Ctr. Fft. bedeutet: Cenſiert in Berlin
bezw. Frankfurt a. M.
Verfaſſer des geſtern veröffentlichten Artikels im
Darmſtädter Dialekt Der Feldzug 1870/71 iſt
der verſtorbene Oberpoſtſchaffner Heinrich Seim in
Darmſtadt.

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Mitteilung aus dem Geſchäftsleben.

Das Fürſtliche Konſervatorium der
Muſik in Sondershauſen beginnt am 1. Ok=
tober
ſein Winterſemeſter.

Verwundete und kranke Soldaten
in Darmſtädter Lazaretten.

Mitgeteilt vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz.
Die Lazarette ſind durch die nachſtehenden Buchſtaben
bezeichnet:
A Alicehoſpital, Dieburger Straße 21. Täglich 34 Uhr nachm.
B Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift, Erbacher Straße 25. Sonntag, Diens=
tag
, Freitag 34 Uhr nachm. C Eleonorenheim (Lazarett J. K. H. der
Großherzogin, Heinheimerſtraße 21) Täglich ½11—½12 Uhr vorm., 46 Uhr
nachm. D Ernſt=Ludwig=Heilanſtalt (Dr. Loſſen), Steinſtraße 21. Täg=
lich
25 Uhr nachm. E Garniſonlazarett (Reſ.=Laz. I), Alexander=
ſtraße
27. Mittwoch, Samstag und Sonntag 24 Uhr nachm.
F Haus Hagenburg, Dieburger Straße 241 (Hirſchköpfe.) Täglich
45 Uhr nachm. G Dr. Machenhauerſche Klinik, Lagerhausſtraße 24.
Täglich 24 Uhr nachm. H Marienhöhe (Geneſungsheim).
Schweſternhaus der Barmherzigen Schweſtern, Nieder=Ramſtädter
Straße 30. K Städtiſches Krankenhaus, Grafenſtraße 1. Werktäglich
23½ Uhr nachm., Sonntags 1112 Uhr vorm. L Städt. Saalbau
(Reſ=Laz. III), Riedeſelſtraße 40. Täglich 25 Uhr nachm. M Techniſche
Hochſchule (Reſ.=Laz. II), Hochſchulſtraße 1. Täglich 24 Uhr nachm.
N Dr. Weberſche Augenklinik (Dr. Ollendorff), Frankfurter Straße 42.
Täglich 1012 Uhr vorm., 36 Uhr nachm.
Hinter jedem Lazarett ſind die Beſuchszeiten angegeben,
die nach Möglichkeit einzuhalten ſind. Ausnahmen werden
zugelaſſen.
Zugang am 12. September:
Arbogaſt, K., Königshofen, Inf. 115/7 L Aßmuß,
L., Darmſtadt, Inf. 115/9, L. Berger, A., Rufach, Art.
61, L. Buſch, H., Oberrad, Drag. 23/3, L. Frommers=
häuſer
, L., Groß=Rohrheim, Inf. 115/5, L. Ganz, Ph.,
Groß=Bieberau, Inf. 115/12, L. Haffa, J., Rietheim,
Inf. 115/1, L. Hahn, A., Weiterſtadt, Reſ.=Inf. 116/4,
L Hammann, G., Wolfskehlen, Erſ.=Inf. 118/2, G
Hirſch, H., Weiterſtadt, Reſ.=Inf. 116/4, L. Jung, H.,
Rüſſelsheim, Erſ.=Inf. 115/2, L. Klinger, Ph., Werſau,
Inf., 118/2, L. Köhler, J., Hersfeld, Inf. 115/7, L.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 13. Septemper 191a.

Nummer 252.

Kolb, F., Leutnant aus Darmſtadt, Pion. 25, K Lüd=
gen
, H., Appenheim, Reſ.=Inf. 168/6, L. Ludwig, H.,
Langenſelbold, Erſ.=Art. 61/2, L. May, V., Nordheim,
Erſ.=Art. 25, L. Müller, W., Schönnen, Inf. 115/4, L
Pfannmüller, K., Mainz, Inf. 143/4, D Roviol, A.,
Walldorf, Inf. 115/7, L. Seibel, J., Hamm, Art. 25, L
Schmalzel, K., Hechtsheim, Inf. 115/7, L. Schmidt II,
G., Römershäuſer, Drag. 23/2, L. Vetter, Ph., Langen=
brombach
, Art. 25/2, M Will, B., Main=Bernheim,
Reſ.=Inf. 115/12, L. Weiß, L., Bonn, Reſ.=Inf. 115/6, L.

Aus den Lazaretten entlaſſen
am 12. September:

Löw, A., Weißkirchen, Reſ.=Fuhr=Kol. 42, L. Lud=
wig
, H., Langenſelbold, Art. 61/2, L. Scheuring, G.,
Unter=Oſtern, Inf. 115/11, M Schmitz, G., Kalk, Fuß.=
Art. 16/3, D.

Zweiundzwanzigſte Liſteder Kriegsgaben
(Wo kein Wohnort angegeben iſt, iſt Darmſtadt gemeint.)

Es gingen weiter ein:
Bei der Zentral=Abteilung des Roten Kreuzes:
Frau Dietzſch und Tochter 10 M., Frau K. 3 M.,
Ingenieur Wilh. Schmidt in Mailand 1000 M., Kurt
Schwab 50 M., Philipp Hoffmann 2 M., Freiherr von
Bellersheim 50 M., Durch Bankier Nauheim, 2. Gaben=
liſte
aus Braunshardt: von Frau Peter Krämer 2 M.,
Ludwig Bender I. 50 Pf., Nickel 10 M., Adam Schwarz
2 M., Philipp Bender I. 5 M., Jakob Helfmann I.
5 M., Gemeinderechner Wesp 2 M., Frau Georg Schuch=
mann
III. 2 M., Frau Göttmann 2 M., Frau Jockel jun.
2 M., Frau Marie Heyd Ww. 15 M., Gretchen Heyd
2 M., Johannes Mühlfeld 1 M., Frau Polizeidiener
Schwarz 1 M., Frau Sophie Wesp 2 M., Familie Jo=
hannes
und Heinrich Müller 5 M., Kehl, Darmſtadt, 2 M.,
Philipp Reitz V. 5 M., Adam Bender 1 M., Weißbinder
Klink 6 M., Philipp Heyd V. u. Frau Marg. Heyd Wwe.
6 M., Rentner Adolf Trier 3000 M., Graf Karl zu Nidda
200 M. Zuſammen: 4393.50 M.
Bei der Bank für Handel und Induſtrie und
deren Depoſitenkaſſe: Kanzleirat Doſch, Bensheim a. d. B.,
4615.47 M., Gemeinde Wahlen 50.15 M., Bürgermeiſterei
Gras=Ellenbach 111 M., Gemeinde Nieder=Klingen (Kreis
Dieburg) 300 M., Ev. Kirche Lindenfels (3. Sendung)
18.45 M., Von den Schülern d. 1. Klaſſe in Lindenfels
(Verdienſt vom Leichenſingen) 6.05 M., Bürgermeiſterei
Armsheim (Rheinheſſen) 2000 M., Turnverein Rendel
(Oberheſſ.) (4. Gabe) 25 M., Gemeinde Maibach (Oberh.)
64.50 M., 2. Sammlung Rimhorn i. Odw. 66.50 M.,
Frau Verwälter Gertraude Becker 20 M., Bürgermeiſterei
Wendelsheim (Kr. Alzey) 309.27 M., Bürgermeiſterei
Nieder=Roden (Kr. Dieburg) 150.33 M., Frau Dr. Adelheid
Lauteſchläger (2. Gabe) 60 M., Georg Jakob Wider, Ober=
Sensbach, 14 M., Großh. Bürgermeiſterei Badenheim
(Rheinheſſen) 228.57 M., Sammlung Ober=Hilbersheim
1533.40 M., Poſtſekretär Lotz, Vilbel, 518 M., Geh. Hofrat
Profeſſor Schenk 100 M., Frl. Emma Du=Mont 100 M.,
N. N. 5 M., Frau M. Brück 10 M., Bürgermeiſterei
Offenthal 250 M., Männerchor, Geſangverein Ober=Mörlen,
30 M., Marianiſcher Jungfrauenverein Ober=Mörlen
50 M., Kirchenchor Ober=Mörlen 20 M., Kath. Jünglings=
Sodalität Ober=Mörlen 50 M., Gemeinde Ober=Mörlen
100 M., Spenden Ober=Mörlen 73.30 M., Großh. Bürger=
meiſterei
Wiebelsbach (Kr. Dieburg) 411.60 M., Großh.
Bürgermeiſterei Haſſenroth 21 M., Ortsgruppe Maſſen=
heim
100 M., Frau Gräfin v. Sierſtorpff, Eltville a. Rb.,
500 M., Gemeinde Langenhain mit Ziegenberg 300 M.,
Ungenannt 2.50 M., Dr. Walter Beckh 40 M., Gemeinde
Bonsweiher mit Juhöhe (2. Rate) 109 M., Großh. Bürger=
meiſterei
Guntersblum 73 M., Kirchenkollekte Ulrichſtein
mit Feldkrücken (2. Rate) 100 M., Wiederholte Sammlung
Rendel 333.05 M., Geſangverein Sängerluſt Kleeſtadt
25 M., Pfarrer Veller, Wahlen (Kr. Alsfeld), 40 M.,
Kollekte Vilbel (3. Rate) 75.62 M., freiwillige Gaben
Vilbel 65.22 M., Kollekte Maſſenheim 4.16 M., Jſrael.
Krankenverein Harxheim (Kr. Mainz) 50 M., Gemeinde
Heppenheim (Rheinh.) 1800 M., Ortsausſchuß Rimbach
i. O. 600 M., Sammlung Gemeinde Mittel=Seemen für
Monat September 62.30 M., Pfarramt Ober=Mockſtadt
131 M., Ev. Kirchenvorſtand Nieder=Weiſel 1145.14 M.,
Pfarrei Pohl=Göns (3. Rate) 118 M., Evang. Pfarramt
Mommenheim 50 M., Bürgermeiſteramt Harxheim 1 M.,
zuſammen 17036,58 M.
Bei der Deutſchen Vereinsbank, Filiale Darmſtadt:
Ludwig Körbächer 2 M., Frl. Frank 2 M., Dienſtmädchen
Babette Lehr 1 M., Dienſtmädchen Eliſe Sehring 2 M.,
Adolf Schmoll gen. Eiſenwerth 75 M., Frl. Jenny Bend=
heim
10 M., Dienſtmädchen Margarete Steuernagel 20 M.,
Dr. med. Kautzſch 50 M., Geh. Juſtizrat Weidig als
Vorſitzender des Zweigvereins Hirſchhorn vom Roten
Kreuz 928 M., zuſammen 1040 M.
Bei der Deutſchen Bank, Zweigſtelle Darmſtadt:
Oberfeuerwerker Robert Wunderlich 5 M., Edna Stock=
hauſen
5 M., N. N. 90 Pf., Becker 40 M., Sanitätsrat
Dr. Karl Orth (2. Gabe) 30 M., Sammlung Gemeinde
Raubach i. O. 11.50 M., Sammlung Gemeinde Greben=
hain
(2. Abl.) 400 M., Sammlung Gemeinde Stockhauſen
(2. Abl.) 400 M., Henry Nungeſſer, New=York, 1000 M.,
Sammlung Gemeinde Ober=Sensbach 33.90 M., zuſammen
1926.30 M.
Bei Bankgeſchäft J. Lehmann: Martin Haußmann
(ſein Geburtstagsgeſchenk) 4 M., N. N. 3 M., zuſ. 7 M.
Bei Hauptſtaatskaſſedirektor Derheimer: Finanz=
aſſeſſor
Karl Bock 10 M., Finanzaſſeſſor F. Merz 5 M.,
Finanzaſpirant Moths 3 M., Bürgermeiſterei Köngern=
heim
(Kr. Oppenheim) 685.90 M., Kath. Pfarrgemeinde
Genſingen 200 M., C. W. Leske 11.50, zuſammen 915.40 M.
Allen Gebern herzlichen Dank!

6. Quittung.

In der Sammelſtelle des Darmſtädter Tag=
blatts
wurden für Kriegsnotleidende in Oſtpreußen
weiter folgende Beträge abgegeben:
W. Kr. 2 M., Familie Kleſpe 5 M., A. K. 5 M.,
Wünning 5 M., Loeb, Dr., Juſtizrat, 50 M., D. Faiz u.
Söhne 25 M., Dr. Siebert 10 M., Frau Rittmeiſter
Fenner 50 M., G. H. L. B. 5 M., General Draudt 20 M.,
Prof. Dr. Bergmann 10 M., Geh. Juſtizrat Sander 20 M.,
J. H. 2 M., E. Büttel 10 M., Kommerzienrat Gießen
100 M., Dr. Spiegel 300 M., Frau Lina Dittmar 10 M.,
Familie S. aus dem Erlös einer franz. goldenen Aus=
ſtellungsmedaille
140 M., L. Käſter 3 M., Fiſcher 10 M.,
Frau Rendant Heyl 20 M., Seminarlehrer Pickert 20 M.,
Ungenannt 8 M., Kurt Hans Bach 10 M., Frau Hottes
10 M., Frl. Lilli Schenck 100 M., =Frl. Emilie Knorr
30 M., Geh. Schulrat Dr. Derſch 10 M., Prof. Dr. Greim
5 M., zuſammen 995 M., hierzu die bereits veröffentlich=
ten
2393 M., insgeſamt

3388 Mark.

30. Lmttung.

In der Sammelſtelle des Darmſtädter Tagblatts
wurden für den Heſſiſchen Landesverein vom Roten
Kreuz weiter folgende Beträge abgegeben:
Marie Böhm 2 M., Dienſtmädchen Elſe Kaus 5 M.,
K. Andreß 10 M., Carl Baur, Konditor 10 M., Otto
Benner 5 M., von den Volksſchülern zu Lengfeld durch
Verzicht auf die Sedanbrezeln 30 M., Ehrenkranz auf
das Heldengrab u. l. V. Ernſt Heldmann 3 M., K. Frei=
tag
, Darmſtadt (2. Gabe) 10 M., Ungenannt 3 M., Un=
genannt
3 M., Prof. Dr. Scriba 30 M., Karl Arras 5 M.,
Frau Generaloberarzt Dr. Eichel 20 M., Ungenannt 10 M.,
Ungenannt 1 M., Gerichtsaſſeſſor Aug. Nodnagel, zur
Zeit im Felde, 25 M., H. K. 10 M., S. v. G. 20 M.,
Frau Hauptmann Dreſcher (1. Gabe) 20 M., Rechnungs=
rat
F. E. (2. Rate) 30 M., Frl. Lina Dittmar 10 M.,
Skat=Geſellſchaft Darmſtadt=Roßdorf 20 M., Ungenannt
10 Pfg., Frau Kriegsgerichtsſekretär Ruppel (2. Gabe)
5 M., Kaufmann Andres, Frankfurterſtraße 78, 10 M.,
zuſammen 297.10 M., hierzu die bereits veröffentlichten
42 459.78 M., insgeſamt
427756.88 Mk.

Familiennachrichten.

Statt Karten!
Die glückliche Geburt einer Tochter
zeigen an
D. Rehfeld u. Frau Lili, geb. Marx,
Darmstadt.
(18580

Am 7. September fiel im Kampfe für
sein Vaterland mein geliebter Mann, der
treueste Vater unseres Kindes, (*4961
Hans von Oertzen
Hauptmann und Kompagniechef im
Leibg.-Inf.-Regt. Nr. 115.
Vera von Oertzen.
Darmstadt, den 12. September 1914.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die traurige Nachricht, daß heute früh
meine liebe Gattin, unſere Mutter, Großmutter
(18614
und Urgroßmutter
FrauDorothea Ganß
geb. Geyer
nach langem, ſchwerem Leiden im Alter von
79 Jahren ſanft verſchieden iſt.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ganß, Friedrich Ganß,
Ludwig Ganß, Daniel Schuſter,
Georg Stumpf.
Darmſtadt, den 12. September 1914.
Die Beerdigung findet Montag, nachmittags
5 Uhr, vom Portal des Beſſunger Friedhofes
aus, ſtatt.

Für die zahlreichen Beweiſe inniger
Teilnahme bei unſerem ſchmerzlichen
Verluſte danken herzlichſt
Familie Dollega,
Emmy Ackermann,
Jamilie Ackermann.
Darmſtadt, den 12. September 1914.
*4940)

Dankſagung.
Für die vielſeitige liebevolle Teil=
nahme
, die mir bei dem Heimgang
meines teuren Gatten bewieſen wurde,
insbeſondere für die zahlreichen Blumen=
ſpenden
und die dem Verſchiedenen ge=
widmeten
Nachrufe ſage ich auf dieſem
Wege herzlichen Dank.
Frau Ottilie Schmidt.

Heute nacht verſchied ſanft mein
lieber Gatte, unſer Vater, Schwieger=
vater
und Großvater
(18601
Wilhelm Gutenberg.
Darmſtadt und Frankfurt a. M.,
den 12. September 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Die Beerdigung findet ſtatt: Sonntag, den
13. September, nachmittags 5 Uhr, vom Por=
tale
des iſraelitiſchen Friedhofes aus.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abzuſehen.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute entſchlief ſanft nach langem ſegens=
(*4962
reichen Leben unſere liebe Tante
Taroline Mauter.
Carl Ernſt Hoff,
Mimi Hoff, geb. Becker,
mit Kindern und Enkeln.
Darmſtadt, den 12. September 1914.
Die Einſegnung findet ſtatt: Montag, den
14. September, nachmittags 3¼ Uhr, Herd=
weg
82.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne der Ent=
ſchlafenen
.

Am 29. Auguſt erlitt den Heldentod
fürs Vaterland unſer einziger, unvergeß=
licher
Sohn, unſer lieber Bruder u. Schwager
Karl Mievel
Oberjäger der Reſerve im Reſerve- Jäger-
bataillon
Nr. 8
im 25. Lebensjahre.
(*4924
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Philipp Biebel,
Großh. Bürgermeiſter.
Dornheim, den 12. September 1914.

Dankſagung.
Allen Freunden und Bekannten, welche bei
dem Hinſcheiden unſerer lieben Schweſter,
Schwägerin und Tante
(*4917
Frl. Anna Geißner
Lehrerin i. P.
ſo innigen Anteil genommen, ſagen wir auf dieſem
Wege unſeren herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 12. September 1914.

(Nur auf dieſem Wege.)
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen
Blumenſpenden, die uns beim Hinſcheiden unſerer
(18589
unvergeßlichen
Fräulein Loniſe Steingrübner=
erwieſen
wurden, ſagen wir unſeren innigſten
Dank.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.

Darmſtadt, den 12. September 1914.

[ ][  ][ ]

Nummer 252.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 13. September 1914.

(Mitgeteilt durch ſeine Kameraden.)
Am 28. Auguſt erlitt unſer guter, unvergeßlicher, hoffnungsvoller Sohn,
Bruder und Schwager
(18605
einrich Becker fr.
Spenglermeiſter und Inſtallateur
im kaum vollendeten 26. Lebensjahre den Tod für das Vaterland vor dem Feinde.
In tiefem Schmerz:
Darmſtadt,
Heinrich Becker, Spenglermeiſter,
12. September 1914.
und Familie.

Unser lieber Bundesbruder
Hubert Klein
cand. arch.
Offiziers-Stellvertreter im I.-R. 168
11. Komp.
erlitt am 1. September den Heldentod fürs
Vaterland.
Die Akad. Verbindung NASSOVA.
I. A.: Heinz Lossen Aäl F. K.
stud. med.
Darmstadt, 12. September 1914. (18597

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Nachricht.)
Verwandten, Freunden und Bekannten
hiermit die traurige Mitteilung, daß unſer
lieber, guter Bruder, Schwager und Onkel
Herr Ober=Poſtſekretär i. P.
Ludwig Frank
von ſeinem jahrelangen, ſchweren Leiden heute
morgen durch den Tod erlöſt wurde. (18584
In tiefer Trauer:
Geſchwiſter Frank.
Darmſtadt, den 12. September 1914.
Eliſabethenſtr. 48.
Die Beerdigung findet Montag, nachmittags
3½ Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Die Beerdigung meines Sohnes
Georg Uover
Unteroffizier der Reſerve
findet Sonntag, nachmittags 5 Uhr,
vom Portale des Städtiſchen Fried=
hofes
aus, ſtatt.
(18598
Frau Julie Nover Wwe.

Wetterbericht.

Die geſtern den ganzen Nordweſten und mit ihren
ſüdlichen Ausläufern Mitteleuropa bedeckende Depreſſion
hat ſich bis heute morgen ziemlich ſchnell oſtwärts ver=
lagert
. Zunächſt ſtehen wir noch unter dem Einfluß
ihrer ſüdlichen Randwirbel, ſpäter haben wir auf ihrer
Rückſeite veränderliches Wetter bei zeitweiligen Regen=
ſchauern
zu erwarten.
Wetterausſichten für Sonntag: Unbe=
ſtändig
, zeitweiſe Niederſchläge, kühl, nordweſtliche Winde.

Tageskalender.

Sonntag, 13. September.
Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende gegen
9½ Uhr: Patriotiſches Konzert.

Verſteigerungskalender.

Montag, 14. September.
Obſt=Verſteigerungen: 7 Uhr an der Straße
Griesheim-Wolfskehlen (beginnend bei Griesheim),
10½ Uhr an der Straße Griesheim-Waſſerwerk ( be=
ginnend
bei Griesheim), 7 Uhr an der Straße Nieder=
Ramſtadt-Ober=Ramſtadt (beginnend bei Nieder= Ram=
ſtadt
), 2 Uhr an der Straße Nieder=Ramſtadt- Papier=
mühle
(Zuſammenkunft an der Papiermühle).
Wagen=Verſteigerung um 11 Uhr auf dem Wege
zum Truppen=Uebungsplatz, oberhalb Möllers Brauerei.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
ſchäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
den
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

ſiſche Chronik
Monatsſchrift für Familien= und Ortsgeſchichte
in Heſſen und Heſſen=Naſſau
Begründet von Dr. Hermann Bräuning=Oktavio
Herausgegeben von D. Dr. Wilh. Diehl
Dritter Jahrgang:: Heft 9, September 1914
Inhalt: Pfarrer W. Hoffmann: Der erſte franzöſiſche Revolutionskrieg
nach der Chronik eines Weſthofer Bürgers. Direktor Dr. Hugo
Brunner: Die älteſte Anlage der Stadt Kaſſel. (Mit einem Plan.)
Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl: Studien zur Gießener Matrikel.
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Darmſtadt.
Die diesjährigen Lehrkurſe beginnen am 1. Oktober und
erſtrecken ſich auf folgende Gegenſtände:
Lehrgang 1: Kaufmänniſche Buchführung.
2: Deutſch (mit Handelskorreſpondenz) und Rechnen.
3: Gabelsberger Stenographie.
Die Dauer des Lehrganges ſoll etwa 20 Stunden umfaſſen
bei wöchentlich 2maligem Unterricht.
Die Koſten betragen für den Lehrgang = 6 Mk., doch können
ſie bei zahlreicher Beteiligung auf 5 Mk. ermäßigt werden.
Wir bitten die Eltern der nicht mehr ſchulpflichtigen Jugend,
dieſe Lehrkurſe, deren Koſten zum Teil aus Vereinsmitteln beſtritten
werden, durch zahlreichen Beſuch von ſeiten ihrer Söhne und Töchter
ausnützen zu wollen. Auch Damen und Herren jeden Alters können
an den Kurſen teilnehmen.
Anmeldung am Verkehrsbüro (Ernſt=Ludwigsplatz) bis
ängſtens 26. September.
(18606
Der Vorſtand.
Reuischule Inltenberg u. 1.
(Schülerheim) mit Handelsabteilung.
Erteilt: Einjährigenzeugnis. (III,16966
Uebergangsklassen für Gymn. Schularzt.

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[ ][  ][ ]

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[ ][  ][ ]

Nr. 128.

Sontag, 13, Sehlenber.

1914.

Sentiten en ir Setenie ut.=
Betreffend: Arbeiter= und Stellennachweis.
An die Großh. Bürgermeiſtereien der Landgemeinden des Kreiſes.

Das Arbeitsamt in Darmſtadt, welches ſich mit dem Nachweis von Arbeits=
und Dienſtſtellen, ſowie dem Nachweiſe von Arbeitskräften befaßt und den Zwecken
der Arbeitsvermittelung im ganzen Kreiſe Darmſtadt dient, erſcheint gerade zur
Jetztzeit als eine vorzügliche Einrichtung, um Arbeiterangebot und Stellenangebot
im Kreiſe richtig auszugleichen, insbeſondere auch um landwirtſchaftliche, gewerbliche
und induſtrielle Arbeiter dahin zu vermitteln, wo ſich freie Stellen ergeben haben.
Es iſt daher dringend erſorderlich, daß alle freien Stellen und alle Geſuche um
Arbeits= und Dienſtſtellen, die nicht in den Gemeinden ſelbſt erledigt werden
können, dem ſtädtiſchen Arbeitsamt in Darmſtadt, Waldſtraße 6, jeweils baldmög=
lichſt
mitgeteilt werden. Das ſtädtiſche Arbeitsamt ſtrebt in erſter Linie an, Arbeitern
aus dem Kreiſe Darmſtadt möglichſt in der Nähe ihres Heimatsorts Arbeitsſtellen
nachzuweiſen. Nur ausnahmsweiſe, falls im Kreiſe ſelbſt keine freien Stellen vor=
handen
ſind, ſoll die Vermittlung nach außerhalb des Kreiſes gelegenen Orten ver=
ſucht
werden. Es ſollen dann aber immer zunächſt Orte in Nachbarkreiſen der Pro=
vinz
Starkenburg nach Möglichkeit berückſichtigt werden. Die Vermittlung außerhalb
der Provinz ſoll erſt ſtattfinden, wenn letztere Möglichkeit nicht gegeben iſt. Wir
empfehlen Ihnen, die Arbeitgeber und Arbeiter Ihrer Gemeinden durch öffentliche
Bekanntmachung auf das ſtädtiſche Arbeitsamt in Darmſtadt wiederholt aufmerkſam
zu machen und denſelben die Benutzung dieſes Arbeitsamts zu empfehlen.
Wir bemerken noch, daß es auch wegen der Beurteilung der Lage des Arbeits=
marktes
im Kreiſe Darmſtadt durch uns, ſowie durch die zuſtändigen Stellen in
Handel, Gewerbe, Verkehr und Landwirtſchaft, dringend erforderlich iſt, daß von der
bezeichneten Einrichtung aus den Orten des Kreiſes Gebrauch gemacht wird. Anderen=
falls
iſt ein Ueberblick über die Lage dieſes Arbeitsmarktes und eine Beurteilung der

Fragen, wie ein Ausgleich geſchafen werden kann, für uns und für die genannten
Stellen nicht möglich.
(18615gid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Das Erſatz=Pferde=Depot wird Mittwoch, den 16. ds. Mts., vormittags
10 Uhr, auf dem Kaſernenhofe des Depots (neue Train=Kaſerne) 4 franzöſiſche Maul=
tiere
und etwa 20 zum Militärdienſt nicht geeignete Zugpferde meiſtbietend gegen
ſofortige Barzahlung verſteigert, was hiermit zur Kenntnis gebracht wird.
Darmſtadt, den 10. September 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Wir empfehlen Ihnen, die Bewohner Ihrer Gemeinden auf vorſtehende Be=
kanntmachung
noch beſonders hinzuweiſen.
(18602gi
Darmſtadt, den 10. September 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

In Neuhof (Gemeinde Götzenhain) und Sprendlingen (Kreis Offenbach) iſt die
Maul= und Klauenſeuche ausgebrochen. Die Gemeinden Sprendlingen und Götzen=
hain
mit Neuhof ſind zu Sperrbezirken erklärt worden. Der Beobachtungsbezirk be=
ſteht
aus den Gemarkungen Buchſchlag, Dreieichenhain, Dietzenbach, Egelsbach, Langen,
Offenthal und Philippseich.
(18604

Emil Schrder von Eberſtadt wurde als Nachtſchutzmann der Gemeinde Eber=
ſtadt
(Villenkolonie Ludwigshöhe) verpflichtet.
(18603

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Dobermann, 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelßſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(18585

An die geſamte Jugend Darmſtadts.

Ein frevelhafter Krieg iſt unſerem geliebten deutſchen Vater=
lande
aufgezwungen worden, ein Krieg, bei dem es ſich um Sein
oder Nichtſein unſeres deutſchen Volkes handelt. In dem Bewußtſein,
für eine gerechte Sache zu kämpfen, hat ſich unſer Volk einmütig
erhoben, und Hunderttauſende und Aberhunderttauſende ſtehen im
Feld, um Deutſchlands Ehre und Selbſtändigkeit zu wahren. Bei=
ſpielloſe
Siege haben unſere tapferen Truppen ſchon erfochten, und
weitere werden folgen. Dieſe Siege ſind nur möglich geworden da=
durch
, daß alles mit größter Gewiſſenhaftigkeit vorbereitet war.
An dieſer Vorbereitung darf es auch weiterhin nicht fehlen, denn
noch ſchwere Kämpfe ſtehen uns bevor, und noch iſt das Ende des
Krieges nicht abzuſehen.
Deshalb iſt es unbedingt nötig, daß die geſamte deutſche
Jugend vom 16. Lebensjahre aufwärts durch körperliche und
militäriſche Uebungen vorbereitet wird für den Augenblick, wo das
Vaterland ſie ebenfalls braucht. Wohl werdet Ihr in dem jetzigen
Krieg nicht mit der Waffe kämpfen müſſen, aber nötigenfalls ſollt
Ihr zum militäriſchen Hilfs= und Arbeitsdienſt herangezogen werden.
Vor allem aber bedenkt, daß auf Euch allen die Hoffnung unſeres
Volkes in der Zukunft beruht. Das, was Ihr jetzt in der militäri=
ſchen
Vorbereitungszeit gelernt habt, wird Euch von Vorteil ſein beim
Eintritt in das Heer, es wird vor allem zur Kräftigung und Stär=
kung
Euerer Geſundheit und Tüchtigkeit beitragen. Dieſe Geſundheit
und Tüchtigkeit des Volkes braucht unſer Vaterland auch in der
kommenden Friedenszeit, um ſich von den ſchweren Schlägen des
Krieges zu erholen.
In Eueren Händen liegt es, ein neues gewaltiges Heer zu
bilden, wenn Ihr alle dem jetzt an Euch ergehenden Rufe folgt und
Euch den Jugendabteilungen anſchließt, die im ganzen deutſchen
Vaterland gebildet werden. Im Vertrauen auf Euere Liebe zu un=
ſerem
deutſchen Vaterland, die ſich in dieſen Tagen überall ſo
glänzend offenbart, fordere ich hiermit Jung=Darmſtadt auf, ſich bis
zum 16. d. Mts. für die Jugend=Abteilung Darmſtadt zu melden.
(Anmeldungen bei Herrn Bureauaſſiſtent Lang, Armen= und
Fürſorgeamt, Waldſtraße 6.)
(18583
Darmſtadt, den 11. September 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Bekämpfung der Raupenplage.

Trotz wiederholter Hinweiſe iſt die Säuberung des ausſtehen=
den
Wintergemüſes von den Raupen des Kohlweißlings noch nicht
mit dem unbedingt erforderlichen Eiſer betrieben worden. Dies iſt
gerade jetzt, wo der Erhaltung und der Mehrung unſerer Lebens=
mittelvorräte
die größte Sorgfalt gewidmet werden muß, unverſtänd=
lich
. Ich erſuche alle Beſitzer von Gemüſeanlagen dringend, mit der
Säuberung alsbald zu beginnen und die Arbeit mit Beſchleunigung
bis zum Ende gewiſſenhaft durchzuführen. Wer über genügende
Arbeitskräfte nicht verfügt wolle dies unverzüglich im Stadthaus,
Zimmer Nr. 29, melden. Es wird dann eine unentgeltliche Unter=
(18543sgi
ſtützung durch die Jugendhilfe veranlaßt werden.
Darmſtadt, den 10. September 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt.
Zeichnungen auf die Kriegsanleihen

werden vom 14. lfd. Mts. ab von unſerer Hauptkaſſe (1. Stock) pro=
viſionsfrei
entgegengenommen.
Bei der Abhebung von Spareinlagen, die nachweislich für
die Kriegsanleihen verwendet werden, wird von der Einhaltung
der ſatzungsgemäßen Kündigungsfriſt Abſtand genommen. Nach
Beſchluß des Verwaltungsrates vom 11. lfd. Mts, werden hierbei bei
(18600gm
Beträgen über 1000 Mk. 14 Tage Zinſen gekürzt.
Darmſtadt, den 12. September 1914.
Netz, Direktor.

Joraelitiſche Religions=Gemeinde.

Steuer betreffend.
Wir haben die Zahltage für die fälligen Steuern im Monat
September wie folgt feſtgeſetzt:
Donnerstag, 17. September, 1
Montag, 14. September,
Donnerstag, 24.
Mittwoch, 23.
und Montag, 28. September.
Zahlſtunden nachmittags von 26 Uhr.
Der Vorſtand.
18594a)

Weizen, Roggen, Hafer, Heu, Roggenſtroh (Fiegel, Dreſch, Maſchinen=
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Aufhebung des Verbotes der Ausfuhr von Naturalien.
Infolge Aenderung der Ankaufsverhältniſſe für den Heeres=
bedarf
iſt das am 24. v. Mts. für den Kreis Darmſtadt erlaſſene
Ausfuhrverbot wieder aufgehoben worden.
Darmſtadt, den 12. September 1914.
(18599gim
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

5 Chnlgäticnen, Altes Netz, Von Jahte 1814, ubr
K. K. Priv. Oesterreich. Staatseisenbahn-Gesellschaft
9. Emission.
Mrenete rat
Ausgabe neuer Couponsbogen.
Wir ſind von der k. k. Direktion der Oeſterreichiſchen Staatsſchuld
beauftragt, die Obligationen zur Beſorgung neuer Couponsbogen von
jetzt aboentgegenzunehmen.
Die Obligationen ſind mit einem arithmetiſch geordneten Nummern=
verzeichnis
bei uns einzureichen.
Bei Erhebung der neuen Bogen an den deutſchen Ausgabeſtellen
haben dieſenigen Obligationäre, die nicht den Auſtrag zur Pogen=
beſorgung
im Auslande erteilt haben, die Talonſteuer zu zahlen.

Darmſtadt, September 1914.

(P,18616

Bank für Handel und Industrie.

Lieferungsvergebung.

Für Großh. Provinzialarreſthaus Darmſtadt ſoll vergeben
werden die Lieferung von etwa:
600 Kilo weißen Bohnen,
800 geſpaltenen Erbſen,
600 Linſen,
25000 guten Speiſekartoffeln
als Bedarf in der Zeit vom 15. Oktober 1914 bis 31. März 1915.
Bei Kartoffeln ſind in den Angeboten die Sorten anzugeben, die
geliefert werden.
Die in Anlage A. des Erlaſſes der Großh. Miniſterien vom
16. Juni 1893, das Verdingungsweſen betr., enthaltenen Bedingungen
ſowie die beſonderen Lieferungsbedingungen liegen in dem Geſchäfts=
zimmer
des Großh. Oekonomen, Rundeturmſtraße Nr. 8, am 21. und
22. September 1914, vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags
von 3 bis 5 Uhr, zur Einſicht offen.
Angebote und Warenmuſter (letztere getrennt von den Ange=
boten
) ſind verſchloſſen und mit der Aufſchrift: Zu der am 10. Sep=
tember
1914 ausgeſchriebenen Lieferung verſehen bis
Donnerstag, 1. Oktober 1914, vormittags 10 Uhr,
in dem obengenannten Geſchäftszimmer niederzulegen.
Zuſchlagsfriſt: 10 Tage vom 1. Oktober 1914 an.
Darmſtadt 10. September 1914.
(18582gi
Der Großh. Oberſtaatsanwalt:
Dr. Schwarz.

Pierdeverkauf.

Mittwoch, den 16. September, vormittags 10 Uhr, werden
auf dem Hofe des Erſatz=Pferde=Depots (neue Train=Kaſerne) in
Darmſtadt vier zugkräftige franzöſiſche Maultiere (Kriegsbeute),
daran anſchließend etwa 20 zum Militärdienſt nicht geeignete, ans=
gehobene
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[ ][  ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 13. September 1914.

Nummer 252.

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34)

Es gab ſich, daß Winter als Letzter hinzutrat und
nur den Seſſel neben Daniel Lerch noch frei fand. Er
zögerte und erinnerte ſich plötzlich ſeiner Poſt, die noch
erledigt werden müßte und einer Verabredung.
Betroffen ſah Lüdborg auf. Verabredung? Fritz?
Hier in Altenberg kennſt Du noch niemand außer uns?
Winter gab ihm keine Antwort, verabſchiedete ſich in
Haſt von Berkens und ſeinen Töchtern und ging aus
der Stube.
Alle ſahen ihm verwundert nach. Und Daniel Lerch
kniff die Augen ein. Als ſich die Tür ſchloß, lachte er laut
wandte ſich an Karl von der Tenne und begann mit ſchwe=
rer
Stimme ein Geſpräch, wie es ihm taugte. Er ſprach
von ſeinem Revier, von ſeiner Winterſorge für den Wild=
ſtand
und ſchließlich lud er Karl zu einer Gemsjagd ein.
Sie jagen doch?
Manchmal hab ich auch gejagt, entgegnete Karl. Aber
das iſt ſchon lange her. Ich jagte Bären im kanadiſchen
Bergland, Tiger in Bengalen, Löwen im Atlasgebiet.
Jetzt hab ich das Knallen aufgegeben und begnüge mich
mit Irrfahrten, bei denen ich ſelbſt das verfolgte Wild bin
Lerch nickte.
Verfolgt? Ja! Das iſt man immer, wenn man dem
Leben oder der Natur mit einer Leidenſchaft entgegen=
rennt
. Das hab ich mir abgewöhnt. Früher beherrſchten
die Berge mich. Seit ich kühl wurde, bin ich ihr Herr.
Da lockt mich auch kein Weg mehr, den andere ſchon vor
mir gegangen ſind. Ich will dem Berg meine Stiefel in
den Leib treten und will ihm fühlen laſſen, wer ich bin!
Die Berge als ſogenannte Größen zu empfinden, die un=

berwindlich ſcheinen, das überlaſſe ich den Hüttenwan=
zen
die mir ein Greuel ſind.
Die am Tiſche ſchienen nicht zu verſtehen, wie Daniel
Lerch ſo unvermittelt zu dieſen Worten kam. Und Heinrich
Lüdborg zog die Brauen zuſammen. Verzeihen Sie, Herr
Lerch, aber ich habe Hüttenwanzen gekannt, die ſehr gut
verſtanden, was Berg und Gipfel und Höhe bedeutet.
Man darf einen Berg noch nicht als überwunden be=
trachten
, weil er uns zu ſich hinaufgelaſſen hat. Freilich
kenn' ich auch viele dieſer Alpiniſten von Gottes Ungna=
den
, die des Sonntags mit Papierfetzen und Gejohle die
geduldigen Berge überziehen. Bei Gott ein altes Müt=
terchen
irgendwo auf einer Talbank, das ſich die Fahrt
hierher vom ſauern Verdienſt abgeſpart hat und nun
ſtundenlang voll Sehnſucht nach dem blauen Glaſt da
oben emporſtarrt, iſt viel näher der Höhe und dem Wun=
der
der Bergwelt als der ehrſüchtige Kletterfex, der die
zwanzig gemachten Gipfel auf ſeinem Bergſtock einkerbt.
Herr Lüdborg? Elſe ſah ihn mit glänzenden Augen
an. Haben Sie ſchon immer ſo gedacht?
Immer, Fräulein Elſe! Warum fragen Sie?
Weil das meine eigenen Gedanken ſind weil mir
war, als hätten Sie ausgeſprochen, was ich ſelbſt am
liebſten hätte ſagen mögen.
Daniel hob das Geſicht, ſah mit ſonderbaren Augen
zu Elſe hinüber und wandte ſich wieder an Lüdborg:
Sie ſcheinen alſo doch auch keine allzu hohe Meinung
von den meiſten Bergfreunden zu haben?
Bergfreunde? Lüdborg ſchüttelte den Kopf. Berg=
feinde
wollen Sie wohl ſagen? Oder glauben Sie wirk=
lich
, daß es lauter Freunde der Berge ſind, die da jahr=
aus
, jahrein durch die Wälder getaumelt kommen wie Be=
trunkene
, ohne den Hut abzunehmen und ein Weilchen
ſtillzuſtehen in dem grünen Gotteshaus? Nein, Herr Lerch!
Erſt ſind die Menſchen wohl in die Berge geflüchtet, um

zur Natur zurückzukehren. Sie haben Rettung geſucht von
er Jagd da drinnen in ihren ſinnlos großen Städten.
lber ſie ſind krank geworden bei dieſer Hetze. Und ſie tun
wie Narren, die, um nicht Hunger zu leiden, Gifte genie=
ßen
. Sie haben ihren Neid, ihre Prahlſucht, ihre Stufen
und Unterſchiede, die ſie dort unten trennen, mit hinauf=
getragen
und jagen hier Erfolgen und Ehren nach, genau
ſo ſinnlos und ohne Ruh, wie ſie es dort unten taten.
Sie bleiben ewig die Gejagten, auch dort, wo ſie ſelbſt zu
jagen vermeinen. Die Welt iſt überall ſchön, aber der
Menſch verſteht es immer, ſie häßlich und gemein zu
machen.
Er ſchwieg. Und die anderen ſchwiegen mit. Karl
von der Tenne nickte vor ſich hin das Wort von den
Gejagten, die zu jagen glauben, mochte ihn beſchäftigen.
Sophie, die neben ihm ſaß und ſtill die Gäſte bediente,
ſtreifte ihn mit einem flüchtigen Blick, der ernſt und trau=
rig
war. Doch hell und ſchön war die Freude in den
großen Augen ihrer Schweſter, die keinen Blick von Lüd=
borg
verwandte. Und Berkens lächelte während Daniel
Lerch ſich eine Zigarette anzündete und verdroſſen den
Rauch vor ſich hinblies.
Tobias Wilder als dieſe Stille eintrat hatte
wieder die Augen eines Erwachenden. Von allem, was
da geſprochen worden, hatte er keinen Laut gehört. Immer
hatte er nur mit Röschen geredet, ſtumm, aus dieſen hei=
ßen
, flehenden Augen heraus. Und Röschen empfand das
Netz, mit dem ſeine Blicke ſie umfingen ſie zuckte unter
ihnen zuſammen, bald in unbegreiflichem Glücksgefühl,
dann wieder in zielloſer, würgender Angſt. Und jetzt, als
Tobias in dieſem Schweigen ſo erwachte und ratlos die
anderen anſtarrte, ſprang ſie plötzlich auf, wie erlöſt von
ſeinen Augen, und zerrte das weiße Schleiertuch um ihre
Schultern.