Darmstädter Tagblatt 1914


Samstag, den 12. September.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 251.

Samstag, den 12. September.

1914.

Der Krieg.
Mache und Verſtimmung. Die Taten unſerer Flieger. Die Siegesmeldungen. Die Lügenmeldungen unſerer Gegner.
Ruſſiſche Kriegsvorbereitung. Ein neuer Sieg in Oſtpreußen.

Mache und Verſtimmung.

O Die Verbündeten jenſeits des Wasgaus wett=
eifern
miteinander, ihren Heeren und Völlern Mut zu
machen. SirJohn French, der engliſche Oberbefehls=
haber
, hat durch den Aufruf an ſein Heer und durch einen
Wericht über die deutſchen Haſenfüße den Stolz des ehren=
werten
Sir John Falſtaff bekundet: Ich bin nicht
bloß ſelbſt witzig, ſondern auch Urſache, daß andere Witz
haben. Durch dieſes Beiſpiel angefeuert, hielt der
franzöſiſche Generaliſſimus Joffre nicht mit einem
Tagesbefehl zurück, der von neuem und auf das forſcheſte
Angriffsfreudigkeit vorſpiegelt. Selbſtverſtändlich muß
die Preſſe der Verbündeten in der gleichen Richtung
arbeiten. Da dies an der Seine wegen des Verduftens
der tonangebenden Zeitungen nach Bordeaux nicht mög=
lich
iſt, werden an der Themſe Siegesnachrichten von Pa=
riſer
Glaubwürdigkeit ausgeſprengt. Daß dabei die eng=
liſchen
Truppen noch glänzender als ihre franzöſiſchen
Buſenfreunde abſchneiden, verſteht ſich am Rande. Aber
um den Anſchluß an die Wirklichkeit ohne allzu große
Mühe offen zu halten, fehlt den Londoner Siegeshymnen
Joch nicht vollſtändig der hinkende Bote, daß die Angriffs=
bewegung
der Verbündeten nicht habe aufrechterhalten
werden können.
Die amtliche Berichterſtattung ſcheint in London
ſelbſt etwas vorſichtiger zu ſein, da die Times über das
Ausbleiben jeglicher Nachrichten Beſchwerde führt. Statt
ſolcher Meldungen treffen vom Feſtlande an den gaſt=
lichen
Geſtaden Großbritanniens belgiſche undfran=
zöſiſche
Flüchtlinge in ſolchen Scharen ein, daß die
menſchenfreundliche Times Sorge und Aerger darüber
nicht unterdrückt. Die meiſten dieſer Flüchtlinge gehören
nämlich nicht zu den oberſten Zehntaufenden, ſondern
ſind arm und beinahe mitelos! Auf die Ergreifung der
prächtigen Gelegenheit, den verbündeten Franzoſen und
Belgiern auch einmal Hilfe durch die Tat angedeihen zu
laſſen, legen die Times offenbar verzweifelt wenig Wert.
Aber von dem peinlichen Bilde der flüchtigen Bundes=
genoſſen
, die die Lücke mangelnder engliſcher Kriegs=
berichte
ſo wirkſam ausfüllen, muß das engliſche Auge
auch ſtark umflort nach dem Atlantiſchen Ozean blicken.
Denn die Vereinigten Staaten nehmen es mit
ihrer Neutralität viel genauer, als England es ſich wünſcht.
Dulden ſie doch engliſche Hilfskreuzer nicht als Handels=
ſchiffe
in ihren Häfen und wollen ſie doch deutſche Schiffe
für die Betreibung des neutralen Handels erwerben! Aus
bewegenden Urſachen hat England in beiden Beziehungen
zugeſtimmt bezw. keinen Einſpruch erhoben. Die
Folge davon iſt, daß die ſchnellſten und größten engliſchen
Schiffe wenigſtens in der Union nicht gleichzeitig die er=
ſehnten
Handelsgeſchäfte ohne Schwierigkeiten betreiben
können, und daß der Handelsverkehr zwiſchen der neuen
und der alten Welt ſtatt von engliſchen, von den neutralen
amerikaniſchen Schiffen in geſteigertem Maße ver=
mittelt
wird. Der Verdruß hierüber dürfte im Vereinig=
ten
Königreich ungleich tiefer gehen, als der über das
Ausbleiben amtlicher Kriegsberichte.

Die Taten unſerer Flieger.

* In der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung berichtet
der Kriegsberichterſtatter W. Scheuermann über folgende
Fliegerſtücklein:
Weit drin in Frankreich, weſtwärts von Longwy,
trafen wir die Zeltſchuppen einer deutſchen Fliegerabtei=
lung
, die ſich bei den Kämpfen, in denen vom 22. bis 25.
Auguſt die Armee des deutſchen Kronprinzen die Fran=
zoſen
über die Maas geworſen hat, ganz herporragend
auszeichnen und bewähren konnte. Flieger waren es, die
gleich in der erſten Stellung der Franzoſen, in der ſie von
uns am 22. Auguſt in der Linie Virton-Audun=le=Roman
angegriffen wurden, eine feindliche Batterie er=
kundeten
und ſie auf der Karte ſo genau angeben konn=
ten
, daß die feindlichen Geſchütze durch unſere Artillerie
außer Gefecht geſetzt wurden, ehe ſie noch dazu
lamen, einen Schuß abzugeben. Flieger waren es dann,
die am letzten Schlachttage feſtſtellten, daß die geſchlagene
franzöſiſche Armee in regelloſer Unordnung jen=
ſeits
der Maas flüchtete. Eines Tages beobachtete ein
deutſcher Flieger einen franzöſiſchen, der ſich jenſeits der
Maas den deutſchen Stellungen zu nähern ſuchte. Gleich
darauf tauchte ein zweiter auf. Unſer Flieger nahm ſo=
fort
die Richtung nach den beiden gegneriſchen Flugzeugen
auf, um vielleicht eines abzuſchneiden und zum Nieder=
gehen
zwingen zu können. Aber kaum hatten die Fran=
zoſen
den kühner Gegner geſichtet, als ſie eilig Kehrt mach=
ten
und nach dem Innern Frankreichs zu verſchwanden,
ſo ſchnell ſie die Leinwandflügel trugen.

Was haben nicht die Franzoſen für ein Aufhebens
von der Ueberlegenheit ihrer Fliegerei ge=
macht
. Auf keinem der Revanchehetzbilder, die in den
letzten Monaten vor dem Kriege in Frankreich und von
dort in Elſaß=Lothringen verbreitet wurden, fehlte der
Oiſeau de France, der franzöſiſche Flieger, der Tod und
Verderben über deutſche Heere und Feſtungen ausſchüttete.
Der berüchtigte Hanſt zeichnete keine franzöſiſche Parade,
ohne die in der Luft Purzelbäume ſchlagenden Flieger zu
vergeſſen. Auf einer mit ſtaatlicher Unterſtützung von
Frankreich aus im Elſaß verbreiteten Hetzpoſtkarte ſieht
man den Franzeeſch Vbil, den franzöſiſchen Vogel, die
Forts von Straßburg bedrohen, während ihm die elſäſſi=
ſchen
Bauern zujauchzen. Was iſt aus all dieſen Träu=
men
und dieſer Ruhmredigkeit geworden! Die Bomben=
würfe
der franzöſiſchen Flieger haben uns nirgends Scha=
den
getan. Dagegen hat die Aufklärungsarbeit
unſerer Flieger die Franzoſen in ſchwerere Nöte
gebracht als ſie ſelbſt ahnen. Die franzöſiſchen Flieger
halten aus Angſt vor unſeren Geſchoſſen ihren Kurs 2000
Meter hoch und höher von wo es unmöglich iſt, ſichere
Beobachtungen zu machen. Dennoch ſind bisher auf dem
in Frage kommenden Teil des Kriegsſchauplatzes ſchon
fünf Flieger abgeſchoſſen worden, darunter der
berühmte Garros, der einen Schuß mitten in den Motor
bekam, ſo daß man im Nu ein Flammenmeer in den Lüf=
ten
aufleuchten ſah, worauf der Apparat abſtürzte wie ein
Stein. Von uns dagegen iſt bisher noch kein ein=
ziger
Flieger gefallen; der einzige, der mit
einem Erkundungsflug nach Belgien vermißt wird, war
noch imſtande, ſein Flugzeug zu verbrennen, ſo daß es
nicht in feindliche Hände fiel. Angekratzt durch feindliches
Gewehrfeuer iſt ſchon manches unſerer Flugzeuge, aber
das hat ſeinen Flug nicht weiter aufgehalten. Mit gutem
Zumor verpflaſtern die Flieger dieſe Schrammen, die ſie
dann wie eine Scheibe auf dem Schützenplatz zum ewigen
Andenken mit dem Datum dieſes freundſchaftlichen Gru=
ßes
verſehen. Bei Longwy wurde eine Fliegerabteilung
von einer verſprengten franzöſiſchen Infanteriekompagnie
überfallen. Die ganze Bewachung beſtand aus vier Ofi=
zieren
und zehn Mann. Dieſe nahmen gute Deckung und
ſchoſſen ſo tüchtig, daß gleich darauf 35 Franzoſen tot und
verwundet am Boden lagen. Darauf ergab ſich der Reſt
der Kompagnie und wurde im Triumph eingebracht. Das
iſt ein Fliegerſtücklein, eines von vielen. Sie haben ihre
Feuertaufe 1914 glänzend beſtanden, unſere jüngſte Waffe,
die Flieger.

Die Siegesmeldungen.

* Berlin, 11. Sept. In weiteſtgehender Ueberein=
ſtimmung
bringen die Blätter zum Ausdruck, daß wir
durch die unaufhörlichen Siegesmeldungen
verwöhnt ſind. Die Voſſiſche Zeitung ſagt: Aus einer
gewiſſen gedrückten Stimmung riß uns die neue Sieges=
botſchaft
heraus. Es geht vorwärts auf beiden Fronten,
im Weſten wie im Oſten wird der Feind geſchlagen. Im
Berliner Tageblatt ſchreibt Major Moraht: Daß wir mit
unſeren ſieben Armeen im Weſten vor einer entſcheidenden
Schlacht ſtehen, wird überall in der deutſchen Heimat
empfunden. Das Ausland überſchwemmt uns mit ſchauer=
lichen
Kriegsnachrichten; darum iſt es doppelt erfreulich,
daß mitten im Kampf vor Paris das Große Hauptquartier
ſich Zeit genommen hat, uns kurz ein deutliches Bild der
Lage zu geben. Mit klopfendem Herzen, heißt es in der
Kreuzzeitung, harren wir näherer Nachrichten. Wir wiſſen,
daß unſere vorgeſchobenen Heeresteile nicht nur mit einem
übermächtigen, ſondern auch mit einem vom Mute der
Verzweiſlung erfüllen Gegner zu tun haben. Der große
Entſcheidungskampf, der bereits wahrſcheinlich in ganzem
Umfange entbrannt iſt, wird ſich auch gegen einen Feind
richten, der mit ſeinen letzten äußerſten Kräften um ſeine
Eriſtenz ringt. Im Weſten haben wir weitere Erfolge
des Kronprinzen vor Verdun zu verzeichnen. Das Be=
deutſame
in dieſer Meldung liegt darin, daß Verdun nun
von der letzten Verbindung mit den franzöſiſchen Heeren
abgeſchnitten iſt.
*Die Siegesnachricht aus dem Oſten wird von allen
Blättern in ihrer großen Tragweite erfaßt und aufgenom=
men
: Der Lokalanzeiger ſagt: Das bedeutet die Befreiung
Oſtpreußens. Dafür dankt nicht nur die ſchwer betroffene
Provinz, ſondern ganz Deutſchland dem genialen Heer=
führer
. Die Hoffnung iſt nach der Kreuzzeitung berechtigt,
daß auch im Nordoſten von Preußen den Ruſſen ein Tan=
nenberg
beſchieden ſein möge.

Unſere Flotte in der Oſtſee.

* Ungehindert geht in der Oſtſee die Schiffahrt an
den deutſchen Küſten vor ſich, und die deutſchen Kriegs=
ſchiffe
ſtoßen bis in den Bottniſchen Meerbuſen vor. Dort
haben ſie ſozuſagen vor den Augen der feindlichen Flote
einen ruſſiſchen Handelsdampfer aufgebracht und verſenkt.
Die vorher an Bord genommenen Paſſagiere und die Be=

ſatzung wurden in einem deutſchen Hafen an Land geſetzt
und, ſoweit ſie feindlicher Nationalität waren, nach dem
Vorbild der Gegner als Kriegsgefangene feſtgehalten. Es
iſt dies ein Beweis für die Wachſamkeit unſerer Oſtſee=
flotte
, die das ganze Gebiet, ſoweit es nicht von Minen ver=
ſeucht
iſt, überwacht und beherrſcht. (Köln. Ztg.)

Unerwartete Kriegsbeute.

* Stockholm, 10. Sept. (Ctr. Frkft.) Die deutſche
Saßnitz:Fähre hat unwiſſentlich Kriegsbeute ge=
macht
: Der engliſche Frachtdampfer Thelma hielt das
mit ſchwarzer Farbe angeſtrichene Fährſchiff für ein feind=
liches
Kriegsfahrzeug und lief ſchleunigſt bei Smyge Huk
abſichtlich auf Grund. (Frkf. Ztg.)

Der Krieg als Erzieher.

* Daß der Krieg ein Erzieher iſt tritt ganz beſonders
in der Preſſe zutage die innerhalb des Reichsgebietes
eine deutſch=gegneriſche Stellung einnahm. Sie
hat ſich mit den Verhältniſſen völlig ausgeſöhnt. Die
Heimdal des däniſchen Reichstagsabgeordneten Hanſſen
ſpricht vorbehaltlos von unſeren Erfolgen, unſeren Siegen.
Kaiſer Wilhelm iſt nicht mehr der deutſche Kaiſer, ſondern
der Kaiſer und ſeine Gemahlin die Kaiſerin. Anfangs
gehorchte die Dänenpreſſe wohl der Not, aber mit
jedem Tage wird ihr Ton wärmer. Tauſende däniſch
geſinnte Nordſchleswiger, darunter der Landtagsabgeord=
nete
für Sonderburg=Apenrade, Hofbeſitzer Niſſen (Wiby),
ſtehen im Felde. Das wirkt günſtig auf die Stimmung in
dem uns früher wenig freundlich geſinnten Teile der Nord=
mark
.

Die Kämpfe bei Lemberg.

* Wien, 11. Sept. Telegramme der Kriegsbericht=
erſtatter
aus dem Preſſequartier melden übereinſtimmend,
daß die Kämpfe bei Lemberg mit unverminderter
Heftigkeit fortdauern. Die Offenſive der öſterreichiſch=
ungariſchen
Truppen, deren Elan unbeſchreiblich ſei, macht
weitere Fortſchritte. Erzherzog=Thronfolger Karl Franz
habe geſtern die Feuertaufe erhalten. Während des Kamp=
fes
befand ſich Armee=Oberkommandant Erzherzog Fried=
rich
mit General der Infanterie Freiherrn v. Hötzendorff
auf dem Schlachtfelde.

Die Neutralen.

* Wien, 10. Sept. Die Haltung der Neutralen bil=
det
fortgeſetzt den Gegenſtand der Erörterung in der
Preſſe. Nach den hierher gelangenden Nachrichten iſt die
Diplomatie des Dreiverbandes ununterbrochen be=
müht
, Neutrale durch Drohungen und lockende Ver=
ſprechen
auf ihre Seite zu ziehen oder wenigſtens
zu einer wohlwollenden Förderung ihrer Intereſſen zu
veranlaſſen. Am wenigſten iſt ihr das bei der Türkei
gelungen. Dieſe bleibt feſt in ihrer abwartenden Hal=
tung
und rüſtet ſich für den Fall, daß es Rußland wagen
ſollte, ihre Neutralität zu brechen. Dabei macht ſich in
weiten Kreiſen der Bevölkerung, die durch Englands Weg=
nahme
der Großkampfſchiffe ſehr erregt iſt, die Neigung
bemerkbar, ſich Deutſchland und Oeſterreich=Ungarn anzu=
ſchließen
. Ebenſo widerſteht Bulgarien ſtandhaft
allen Lockungen und Drohungen Rußlands, die ſich neuer=
dings
nur noch darauf beziehen, Lebensmittel und Muni=
tionsdurchfuhr
nach Serbien zu erzwingen. Nichtruſſo=
phile
bulgariſche Blätter führen eine ſehr ernſte Sprache
gegen den ruſſiſchen Geſandten in Sofia und drohen ihm
mit Enthüllungen. Rumänien dagegen iſt geſpalten
in eine frankophile und eine auſtrophile Partei doch iſt
anzunehmen, daß des Königs Einfluß mindeſtens das
Feſthalten an der Neutralität durchſetzen wird. Von Grie=
chenland
hat man genügend Anzeichen dafür, daß es
zum Dreiverband neigt, abgeſehen vom Königshaus, das
Deutſchland aufrichtig zugetan iſt. Griechenland hält es
auch mit ſeiner Neutralität für vereinbar, Proviant und
Munition über Saloniki nach Serbien durchzulaſſen.
Merkwürdigerweiſe zeigen ſich dabei die Leiter der Orient=
bahnen
in Saloniki beſonders dienſtwillig, trotzdem ſie
als Angeſtellte einer in Händen von deutſchen und öſter=
reichiſchen
Kapitaliſten befindlichen Unternehmung das
Gegenteil ſein ſollten. Ueber Italiens Haltung iſt
man beruhigt, nachdem ſeine anfängliche Unſicherheit durch
die raſchen deutſchen und öſterreichiſch=ungariſchen Erfolge
geſchwunden iſt. (Köln. Ztg.)

Die Befreiung der Ukraine.

* Wien, 10. Sept. Die Blätter veröffentlichen Auf=
ruſe
eines Komites zur Befreiung der Ukraine
an die öffentliche Meinung Europas, in denen ausgeführt
wird daß ohne Lostrennung der ukrainiſchen Provinzen
Rußlands auch eine vernichtende Niederlage des ruſſiſchen
Reiches nur ein ſchwacher Stoß wäre von dem ſich der
Zarismus in einigen Jahren erholen würde, um die

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914.

Nummer 251.

alte Rolle des Störers des europäiſchen Frie=
dens
weiterzuführen.

Die Lügenmeldungen unſerer Gegner.

* Die franzöſiſche Regierung veröffentlicht
eine offizielle Note, in der ſie ſagt, die Mitteilungen aus
deutſchen Quellen bezüglich der Kapitulation von
Maubeuge ſeien völlig unbegründet. (!)
* London, 10. Sept. Die Times vom 3. September
behaupten in einem Bericht, daß am 29. Auguſt in Lüttich
350 gefangene Engländer erſchoſſen worden
ſeien, weil bei ihnen Dum=Dum=Geſchoſſe gefunden wur=
den
. Dieſe Nachricht iſt erlogen.
Im Gegenſatz zu anderen Lügenmeldungen kann dieſe
aber eine gute Wirkung haben.
* Florenz, 10. Sept. Die Zeitung La Nazione
fordert in einem Leitartikel ihre Leſer auf, die Ueber=
treibungen
, betreffend angebliche ruſſiſche
Siege und angebliche Grauſamkeiten der deut=
ſchen
und öſterreichiſch=ungariſchen Trup=
pen
mit Vorbehalt aufzunehmen. Sie proteſtiert gegen
dieſen Verleumdungsfeldzug und bemerkt, daß
der Krieg an und für ſich etwas Grauſames ſei, erklärt
es aber für unbegreiflich, daß der deutſche Sinn für Zi=
viliſation
und Diſziplin ſich dazu hergeben ſollte, ihn noch
barbariſcher zu machen. Was die Siege Rußlands an=
gehe
, ſo fragt ſich Nazione, ob es denn im Intereſſe Ita=
liens
gelegen ſei, daß Rußland an das Adriatiſche Meer
komme. In dieſem Falle, gegen welchen ſich die Zeitung
beſchwörend wendet, würde der Zarismus uns traurige
Tage bereiten. Nazione erklärt ſich vollkommen einver=
ſtanden
mit dem Standpunkt, der von dem Fürſten Bülow
dargelegt wurde. Sie erklärt, niemand könne ernſtlich
daran denken, die gegenwärtige Situation auszunutzen,
um Oeſterreich in die Flanke zu fallen, und ſagt: Wir er=
klärten
die Neutralität, weil wir ein Recht dazu hatten.
Aber es iſt nicht zuläſſig, daß die antideutſche Koalition
uns in den Konflikt hineinziehen will. Die Nazione hebt
ſchließlich die Vorteile hervor, welche der Dreibund Ita=
lien
verſchaffte, indem er ſeine politiſche und wirtſchaft=
liche
Entwickelung begünſtigte und es gegen die Gefahr
ſicher ſtellte, das Volk Italiens könne in der jetzigen ſehr
ernſten Stunde ſeine Geſchichte von geſtern vergeſſen.

Aus Paris.

* Aus Mailand wird berichtet: In der vorigen Woche
haben, wie die vorgenommene Zählung ergibt, über
800000 Perſonen Paris verlaſſen. Die an=
weſende
Bevölkerung wurde vorige Woche mit wenig
mehr als zwei Millionen Seelen feſtgeſtellt, während die
letzte allgemeine Volkszählung 1911 2880000 Perſonen
ergeben hatte. In den letzten Tagen aber haben zahl=
reiche
weitere Scharen Paris verlaſſen.

Franzöſiſche Ziviliſation.

* Berlin, 11. Sept. In dem Briefe eines höheren
deutſchen Sanitätsoffiziers, der zurzeit dem Lazarett einer
lothringiſchen Stadt vorſteht, die drei Tage in den Händen
der Franzoſen war, heißt es: Die Franzoſen haben in
kindiſcher und raſendſter Wut alle Wohnungen der deut=
ſchen
Beamten und Offiziere zerſtört und alles in nicht
wiedergebbarer Weiſe beſchmutzt, und ſie haben ſelbſt aus
dem Lazarett einen direkten Schweineſtall gemacht. Die
franzöſiſchen Kranken erzählen, daß ſich die franzöſiſchen
Aerzte um ihre eigenen Kranken nicht kümmerten und
Sektgelage abhielten, während die Verwundeten Qualen
litten. Nur ein Stabsarzt machte eine rühmliche Aus=
nahme
. Einwohner ſagten, die drei Tage der Franzoſen=
herrſchaft
hätten mehr als die ganzen 43 Jahre deutſcher
Herrſchaft germaniſiert. Die franzöſiſchen Verwundeten
ſind dankbar, daß ſie in dem deutſchen Lazarett Pflege und
Wartung finden. Die Krankenſchweſtern und Kranken=
pfleger
haben 1100 neue Betten eingerichtet.

Rußlands Kriegsvorbereitungen.

* Die Wiener Reichspoſt ſchreibt: Es wird immer
deutlicher, wie ungeheuerlich das Komplott war, das unter
der Maske ſüßlicher Friedensliebe gegen unſere Mongrchie
und Deutſchland heimtückiſch, wie der Anſchlag gedun=
gener
Bravos, geſchmiedet wurde. Hat es das deutſche
Weißbuch aktenmäßig bewieſen, wie die ruſſiſche Mobili=
ſierung
gegen Deutſchland ſchon im Gange war, während
der Zar als fürſtlicher Bruder dem deutſchen Kaiſer den
Judaskuß bot, ſo zeigen jetzt die Erfahrungen auf den
Schlachtfeldern des Oſtens noch viel mehr, wie das Atten=

tat auf die beiden Kaiſermächte Mitteleuropas ſchon von
anger Hand militäriſch vorbereitet war. Wie unſer
Kriegskorreſpondent auf dem öſtlichen Schauplatze feſt=
ſtellt
, werden in Galizien gegen unſere Truppen nicht
nur Truppen aus dem Kaukaſus, ſondern ſelbſt
aus Sibirien und Oſtſibirien in den Kampf ge=
bracht
, Aufſtellungen, die ohne monatelange Vorbereitun=
gen
unmöglich ſind. Längſt bevor Mörderhand in Sera=
jewo
den Browning erhob, ſammelte man bereits in Ruß=
land
die Maſſen zu dem militäriſchen Schlage, der offen=
bar
programmgemäß demjenigen zu folgen beſtimmt war,
der die Monarchie des ſtärkſten Mannes bexauben ſollte.
Keine militäriſche Uebung, keine Probemobiliſierung er=
klärt
die Bereitſchaft der ſibiriſchen Truppen an der gali=
ziſchen
Grenze. Mit der Argliſt von Verſchwörern, die
eine Höllenmaſchine aufſtellen, welche pünktlich zur Stunde
ihr Verderben entladen ſoll, wurde der Ueberfall auf die
beiden Verbündeten ins Werk geſetzt. Die Abmachungen
mit England ſetzten das Zarenreich inſtand, ſich in Oſt=
aſien
voller Sicherheit hinzugeben und ſelbſt jene Kräfte
heranzuziehen, die gegen Japan auf Poſten ſtanden. Die
ruſſiſche Kriegsvorbereitung war ohne Zweifel eine ſehr
umfangreiche. Es zeigt ſich unwiderleglich, daß die
Ruſſen mindeſtens ſchon ſeit Mai, alſo ſchon
wenigſtens einen Monat vor der Mordtat von Serajewo,
für den Krieg gerüſtet haben.

Der untergegangene Dampfer Oceanic‟.

* Die Oceanic iſt ein 1899 gebautes Amerikaſchiff
der White Star=Line, Liverpool alſo älter als die Ti=
tanic‟
. Der Dampfer trug mit 17274 Regiſtertonnen bei
200 Mann Beſatzung an 2500 Reiſende über das große
Waſſer. Die Oceanie war ein Doppelſchraubenſchnell=
dampfer
mit zwei Kolbenmaſchinen und lief 21 Seemeilen
in der Stunde. Die Maße des Schiffes waren: Länge
685,7 engliſche Fuß, Breite 68,3 Fuß, Tiefe 44,5 Fuß,
den Fuß zu 0,305 Metern gerechnet. Der regelmäßige
Fahrdienſt führte das Schiff von Cherbourg über
Queenstown nach Neu=York und zurück nach Plymouth,
Southampton, Cherbourg.

Die Türkei,

* Rom, 11. Sept. Die Turiner Stampa ſpricht von
Kriegsvorbereitungen der Türkei. Enver
Paſcha ſoll mit ſeinem kriegeriſchen Anhang immer mehr
Boden gewinnen. Eine Meldung des Meſſaggero ſcheint
dies auch zu beſtätigen. Danach ſtehen Armeen zwiſchen
Jaffa und Caza bereit, in Aegypten einzumarſchieren. Die
Küſte Syriens ſei von türkiſchen Schiffen blockiert.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 12. September.
* Seinen 86. Geburtstag feiert heute Herr Geheime
Baurat Profeſſor i. P. Eduard Sonne.
Wiederholung des patriotiſchen Konzerts im
Hoftheater. Die außergewöhnlich ſtarke Nachfrage nach
Eintrittskarten zu dem patriotiſchen Konzert des Hof=
theaters
hat die Generaldirektion veranlaßt, eine Wieder=
holung
des Abends für morgen, Sonntag 7½ Uhr,
anzuſetzen. Es gelten diesmal die Volksvor=
ſtellungspreiſe
, bei denen bekanntlich der zweite
Sperrſitz (13.19. Reihe), das Parterre und der zweite
Rang 1,15 Mk. koſten, ſo daß dem Bedürfnis nach
Plätzen in mittlerer Preislage in ausgiebigſter Weiſe
Rechnung getragen iſt. Nach dem großen Erfolg des
an erhebenden Eindrücken ſo reichen erſten Abends
dürfte es auch diesmal ratſam ſein, ſich frühzeitig mit
Eintrittskarten zu verſehen, die ſchon von heute ab ohne
Erhebung einer Vorverkaufsgebühr an der Tageskaſſe
abgegeben werden; dort ſind auch die Texte der zum
Vortrag gelangenden Geſänge erhältlich.
* Großh. Hoftheater. Nachdem das Hoftheater
ſeine Pforten mit einem Wohltätigkeits=Konzert am
Donnerstag wieder eröffnet hat, wird es die regel=
mäßigen
Abonnementsvorſtellungen am Ge=
burtstag
Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin,
Donnerstag, den 17. September, wieder aufnehmen.
Die Feſtvorſtellung bringt auf Allerhöchſten Befehl
Kleiſts vaterländiſches Schauſpiek: Prinz Friedrich
von Homburg und fällt dem Donnerstags=
Abonnement C zu. Für Freitag, den 18. September,
iſt als Vorſtellung D 1 Beethovens Fidelio ange=
ſetzt
. Die erſte Sonntagsvorſtellung dieſer Spielzeit,
am 20. September, gehört diesmal ebenfalls der Serie D

und bringt Richard Wagners Lohengrin in teil
weiſe neuer Beſetzung der Hauptpartien. Die noch
ausſtehenden Abonnementsanmeldungen bis
heriger Abonnenten erbittet die Hauptkaſſe bis heute
Samstag mittag; Montag vor= und nachmittag werden
die Anmeldungen der Neuhinzutretenden entgegen=
genommen
. Wenn auch die Mehrzahl der beliebteſten
Plätze im Beſitz ihrer bisherigen Inhaber geblieben iſt,
ſo bietet ſich doch gerade in dieſem Jahr neu hinzu=
tretenden
Abonnenten Gelegenheit, ſich ſehr gute Plätze
zu ſichern. U. a. kann in dieſem Jahre auch auf
einige Plätze in bisherigen Geſandtſchaftslogen abonniert
werden.
* Zeichnet die Kriegsanleihen! Der geſtern abge=
druckten
Aufforderung zur Zeichnung der Kriegsanleihen
fügen wir noch hinzu, daß näheres über die Anleihen
aus der Bekanntmachung unſeres Reichsbank=Direktoriums
zu erſehen iſt, die heute im Anzeigenteil unſeres Blattes
veröffentlicht iſt.
M. V. Der Muſik=Verein gibt bekannt, daß mit Rück=
ſicht
auf die Zeitverhältniſſe von der Aufſtellung eines
feſten Programms für den kommenden Winter abgeſehen
worden iſt. Auch ſoll vorerſt nur ein Teil des jährlichen
Beitrags von den Mitgliedern erhoben werden. Doch
wird der Verein ſeine Tätigkeit nicht ganz einſtellen
Der hohe Wert der Kunſt und beſonders der Muſik für
die Bildung und Erhebung des Gemüts in ſo ernſter
Zeit braucht nicht beſonders betont zu werden. Und
die künſtleriſchen Körperſchaften haben in dieſen Tagen
die Pflicht, ihre Unternehmungen nicht gänzlich ruhen
zu laſſen, ſondern die ohnehin ſchwer geſchädigten Künſt=
ler
und Orcheſter durch Gelegenheit zur Betätigung zu
unterſtützen. Deshalb wird zunächſt am 7. November
das herrliche Deutſche Requiem von Brahms
in der Stadtkirche aufgeführt werden. Die Chorproben
dafür beginnen am Montag, 14. September.
* Verwundete und kranke Soldaten in Darmt
ſtädter Lazaretten. Die Fortführung des Verzeichniſſes
der in den Darmſtädter Lazaretten untergebrachten ver=
wundeten
und kranken Soldaten finden unſere Leſer auf
Seite 5 der heutigen Nummer des Tagblatts.
Verwundete in Mainzer Lazaretten.
Inf.=Regt. Nr. 117. Leutn. d. R. Alfred Kempf; Musk.
Heinrich Wieſer, 4. Komp. Inf.=Regt. 118. Leutn. d.
R. Oskar Cordes; Gefr. d. L. Robert Gelig, 1. Komp.
Inf.=Regt. 116. Leutn. d. R. W. Kgacke.
Unfall. Geſtern vormittag ½ Uhr verun=
glückte
in einer hieſigen Steindruckerei ein Maſchinen=
meiſter
dadurch, daß ihm beim Transportieren einer
Preſſe dieſe auf den rechten Unterſchenkel fiel, wodurch
der Mann einen komplizierten Unterſchenkelbruch erlitt.
Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Verun=
glückte
mittels Krankenkraftwagens ins Städtiſche
Krankenhaus verbracht.
* Kleinfeuer. Das Feuerwehrkommando teilt mit:
Geſtern nacht 12,99 Uhr wurde die Feuerwache nach
Hügelſtraße 35 gerufen. Bei Ankunft der Wache brannten
in der Waſchküche um den Herd aufgelagertes Holz und
Kohlen. Das Feuer, welches bereits die Holzdecke er=
griffen
hatte, wurde mit einer Schlauchlinie abgelöſcht.
Nach vorgenommenen Räumungsarbeiten konnte die
Wache um 1 Uhr wieder abziehen. Größerer Schaden
iſt nicht entſtanden.

Rotes Kreuz.

(Bureau: Rheinſtraße 36, Fernruf 25; geöffnet ununter=
brochen
von 7 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Bureau
der Materialienabteilung: Altes Palais; Fernruf 20.)
Die Zeitungen brachten kürzlich die Mitteilung, daß
in Frankfurt a. M. zwei militäriſche Abnahmeſtellen für
Liebesgaben an die Truppen im Felde beſtehen und
daß man dorthin die freiwilligen Gaben gelangen laſſen
möge. Im Anſchluß hieran machen wir darauf aufmerk=
ſam
, daß die Gaben aus Heſſen nach wie vor an un=
ſere
Materialienabteilung zu Darmſtadt im Alten
Palais zu ſenden ſind, die mit den Abnahmeſtellen in
Verbindung ſteht. Dieſe Einrichtung hat ſich ſeither auf
das beſte bewährt und ſoll daher beibehalten werden.
Am 8. d. Mts. brachte eine Automobil=Kolonne unter
Führung des Herrn Kommerzienrats Hickler eine größere
Maſſe der bei unſerer Materialienabteilung eingegangenen!
Liebesgaben nach Sedan, und zwar: Hemden, Socken,
Unterkleider, Würſte, Schinken, Schokolade, Kakao, Tee,
Kaffee, Biskuit, Zucker, Zigarren, Zigaretten, Tabak, Sa=
nitätsmaterial
uſw. Von Sedan aus findet die Vertei=

Deutſche Kriegsbriefe.

Von Paul Schweder, Kriegsberichterſtatter.
Benehmigung zur Veröffentlichung erteilt am 6. 9. 1914
J. A. des Chefs des Generalſtabes des Feldheeres
(gez.) v. Rohrſcheidt, Major im Großen Generalſtab.
VIII.
Großes Hauptquartier, 6. 9. 1914.
Rings um Verdun.
Es iſt gewiß ein ſehr anſchauliches und intereſſantes
Bild, wenn man ſich den Kriegsberichterſtatter inmitten
des wildeſten Schlachtgetümmels ruhig an ſeiner Schreib=
maſchine
tippend denkt. Rings um ihn feuern die ſchwe=
ren
Feldhaubitzen, raſſeln die Maſchinengewehre und rollt
ununterbrochen das Feuer der Infanteriekolonnen, wäh=
rend
man ihm von rechts und links den Fortgang der
Operationen zuruft. Ab und zu pinſelt der mutige Mann
die Schrapnellſpliter aus den Typen und endet ſchließlich,
in einem Meer von Blut ſitzend, als einziger Ueberleben=
der
mit der Siegesmeldung. Zum Schaden der Kriegs=
berichterſtatter
hat der unſelige Kollege Wippchen aus
Berlin dieſen Typ auch noch in die Literatur eingeführt,
und ſo iſt es denn kein Wunder, wenn heute der Bericht=
erſtatter
den Vogel abſchießt, dem eine kurze Wolff=Depeſche
den Anlaß zu ſeitenlangen Schlachtenberichten gibt. In
Wirklichkeit haben wir Kriegsberichterſtatter außer der
allerdings unvergeßlich erhebenden Fahrt nach Lüttich und
in das eben eroberte Namur hinein nicht viel anderes er=
leben
können, als was heute in mancher mittleren deut=
ſchen
Stadt auch an Ereigniſſen, wie Verwundeten= und
Gefangenentransporten und ähnlichen Dingen, vor ſich
geht, und dies vorweg zu ſagen in dem Augenhlick, wo
ich von einem weiteren und wirklich großartigen Erleb=
nis
, wie es unſere geſtrige Fahrt in das Zentrum unſerer
Weſtarmee bei Verdun bis unmittelbar in die Gefechts=
linie
hinein war, erſcheint mir um ſo notwendiger, als
wir ja doch nicht dazu da ſind, den Ruf der Kriegsbericht=
erſtattung
durch Senſation zu ſchädigen. Die Anſicht, daß
ſie nach den Ereigniſſen im türkiſch=bulgariſchen Kriege, wo
man die Kriegsberichterſtatter kurzerhand in einen Eiſen=
bahnwagen
ſperrte und erſt nach den Schlachten wieder
herausließ, ſich überlebt habe weil kein moderner Staat

ſich den Luxus geſtatten könne, ſie zu ſeinen kriegeriſchen
Operationen zuzulaſſen, iſt jedenfalls für Deutſchland nicht
zutreffend, denn wenn wirklich wichtige Momente, wie in
dieſem Augenblick das Ringen um Verdun, vor ſich gehen,
wird uns in der liberalſten Weiſe der Zugang zu ſolchen
weltgeſchichtlich einzig daſtehenden Ereigniſſen frei ge=
macht
, ſogar auf die Gefahr hin in der wir heute alle
für eine kurze Zeit ſchwebten bei einem Ausfall der
Beſatzung der wichtigſten Feſte am jenſeitigen Maasufer
in die Feuerlinie zu kommen. Und noch etwas möge mir
zu bemerken geſtattet ſein: Wir ſtehen trotz aller freudigen
und ſich faſt überſtürzenden Ereigniſſe doch erſt am Anfang
des Krieges mit dem weſtlichen Nachbarn. Wir haben
glücklicherweiſe noch keinen einzigen Rückſtoß auszuhalten
gehabt, noch keinen größeren Fehlſchlag unſerer Operatio=
nen
erlebt, und müſſen ſomit erſt noch erweiſen, daß wir
auch dann nicht gleich den Mut verlieren werden, wenn
es wider Erwarten auch einmal ſchief gehen ſollte. Da er=
ſcheint
es wohl doppelt wichtig, daß ſich auch der Bericht=
erſtatter
, der an der Quelle ſitzt, trotz aller großen und er=
hebenden
Eindrücke nach Möglichkeit zurückhält, damit in
jenen Augenblicken nicht das zuviel=Geſagte den Rückſchlag
um ſo fühlbarer macht.
Wieder war es zu nachtſchlafender Zeit, als unſere
Automobile ſich zur Reiſe nach Verdun anſchickten. Dies=
mal
hate ich den eben erſt unter allerlei Fährniſſen aus
Südrußland zurückgekehrten Schlachtenmaler Profeſſor
Ungewitter zum Fahrtgenoſſen, deſſen großes Diorama
Der Uebergang bei Caub noch vor wenigen Wochen den
Berlinern die große Zeit vor hundert Jahren näher
brachte, ohne daß ſie auch nur eine Ahnung von der viel
größeren und unmittelbar bevorſtehenden hatten.
Im Großen Hauptquartier hatten wir das Vergnü=
gen
, dem Generalſtabschef auf ſeinem Morgenſpaziergang
zu begegnen, nachdem ich ihm tags zuvor ſchon einmal
ganz allein durch einen Zufall in die Arme gelaufen war.
Das Gefühl abſoluter Ruhe und Sicherheit, das von ihm
ausgeht, überträgt ſich ſichtbar auch auf ſeine ganze Um=
gebung
, die gewiß kein kleines Vergnügen daran gehabt
haben mag, als ich urplötzlich infolge eines Mißverſtänd=
niſſes
in das Allerheiligſte einbrach und nicht gleich im
Bilde war. Aber mit echt Moltkeſcher Strategie half mir
die Exzellenz ſelbſt in der liebenswürdigſten Weiſe, und
ich hatte die Genugtuung, zu konſtatieren, daß meine frü=

heren Angaben über die ruhige und beſtimmte Arbeit des
Großen Generalſtabes in keiner Weiſe einer Remedur be=
dürfen
. Nachdem die letzten Inſtruktionen für unſere lange
Fahrt entgegengenommen waren, ging es im 70= Kilometer=
tempo
zum Tore hinaus, dieſelbe Strecke entlang, die
wenige Tage zuvor der Kaiſerliche Automobilzug nach
den Schlachtfeldern bei Longwy und in das Kronprinz=
liche
Hauptquartier paſſiert hatte. Auch unſer Weg führte
zunächſt durch Luxemburg und Belgien nach der franzöſi=
ſchen
Grenzfeſte Longwy, die gegen Ende Auguſt gefallen
iſt, nachdem ſchon in den Tagen vorher die kronprinzliche
Armee einfach um ſie herummarſchiert war. Auf die hef=
tigen
Kämpfe, die auch hier unſere Truppen mit Frank=
tireurbanden
zu beſtehen hatten, wies uns eine Anzahl
verbrannter und zerſtörter Häuſer in den belgiſchen Dör=
fern
Athus und Aubande hin, die wir zuerſt paſſierten.
Hier im Tal der vielbeſungenen und auch von Goethe bei
ſeiner Kriegsfahrt nach Longwy mehrfach erwähnten
Chiers blüht heute eine große Berg= und Hütteninduſtrie,
und die aus aller Welt herbeigeſtrömte Arbeiterſchaft ſieht
naturgemäß in der herangebrochenen Kriegsnot keine ſehr
angenehme Erſcheinung. Doch ſind die Leute bei Anfra=
gen
höflich und entgegenkommend, und in dem nächſten
Städtchen, dem arg mitgenommenen Halanzy, ſehe ich ſo=
gar
mehrere, die mit der Binde des Roten Kreuzes am
Arm Samariterdienſte tun. Gleich hinter dem Orte liegen
10 unſerer ſchönſten Laſtautomobile, die, mit Hafer beladen,
kurz nach Beginn der Beſchießung hier eintrafen und durch
einen unglücklichen Zufall in Brand gerieten. Hoch oben
wird nunmehr Longwy ſichtbar. Aber während Longwy=
Haut ganz zerſchoſſen erſcheint und ſogar der ſchöne Baum=
beſtand
total vernichtet iſt, haben die großen Hüttenwerke
in Longwy=Bas faſt gar nicht gelitten, ein Zeichen, wie
ſorgſam unſere Geſchütze vom erſten Augenblick der Be=
ſchießung
an auf die Höhenbefeſtigungen ſelbſt eingeſtellt
waren.
In Halanzy liegt ein rieſiger Haufen franzöſiſcher und
auch einige deutſche Torniſter, Waffen und Munition vor
der Maiſon communale aufgeſtapelt. Unſere braven Land=
wehrleute
ſortieren die Sachen mit pedantiſcher Genauig=
keit
, und ich ſah, wie einer von ihnen mit einer Poſtkarte,
die er in einem der Torniſter gefunden hatte, zum Feld=
poſtbriefkaſten
hinüberging und dieſen letzten Gruß eines
vor Longwy Gefallenen an die richtige Adreſſe beförderte:

[ ][  ][ ]

Seite S.

lung an die Truppen unſerer Diviſion ſtatt. Die Kolonne
iſt am 10. d. Mts. bereits in Sedan eingetroffen.
Wir bitten, weitere Liebesgaben unſerer Materialien
äbteilung im Alten Palais zuführen zu wollen. Eine neue
Sendung an die Truppen im Felde iſt in Vorbereitung
und geht demnächſt ab.

Die Verluſtliſten.

* Auf höhere Weiſung hat das ſtellvertretende Gene=
kalkommando
des 18. Armeekorps bezüglich des Ab=
druckes
von Verluſtliſten neuerdings das Fol=
gende
beſtimmt:
1. Der Abdruck telephoniſch und telegraphiſch über=
mittelter
Auszüge wird unterſagt, um unbedingt zuver=
läſſige
Wiedergabe zu erreichen. 2. Der Abdruck der Ver=
luſtliſten
iſt nur geſtattet, als es lokalem Intereſſe ( Ver=
luſte
derjenigen Truppenteile, deren Erſatz in erheblichem
Maße aus umliegendem Territorialbezirk, z. B. Großher=
zogtum
Heſſen, Provinz Heſſen=Naſſau, Provinz Weſtfalen
ſſtammt) entſpricht. 3. Es iſt nicht geſtattet, ſtatiſtiſche An=
gaben
aus den Verluſtliſten (z. B. Inf.=Regt. X 5 Offz.,
6 Unteroffz., 100 Mann tot) zu veröffentlichen.
Wir bemerken hierzu wiederholt, daß die Verluſtliſten
in unſerer Geſchäftsſtelle zur Einſicht ausgelegt ſind.
Einer amtlichen Meldung des W. T. B. zufolge gibt
dus Kriegsminiſterium bekannt: 1. Die Verluſt=
liſten
ſind nur durch Poſtabonnement ( monat=
lich
60 Pfg.) zu beziehen, dagegen nicht beim
Zentralnachweisbureau erhältlich. 2. Auskünfte er=
teilen
: a) das Zentralnachweisbureau des Kriegsmini=
ſteriums
, Berlin, Dorotheenſtraße 48, über Verwundete
ſund Gefallene des Heeres; es kann ſchriftlich nur Anfragen
beantworten, die auf den bei jedem Poſtamt erhältlichen
ſroſa Antwortkarten beſtellt ſind; b) das Zentralnachweis=
Bureau des Reichsmarineamtes, Berlin, Matthäikirch=
ſtraße
9, über alle Angehörigen der Marine; e) das Aus=
wärtige
Amt über deutſche Staatsangehörige im Ausland,
auch ſoweit möglich, über deutſche Kriegsgefangene in
Feindesland; d) die Bezirkskommandos an Kriegsfrei=
willige
.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

* Reſidenz=Theater am Weißen Turm. Polen=
blut
nennt ſich das große Kriegsdrama in 3 Akten, welches
als Hauptſchlager auf dem heutigen Programm ſteht.
Die Handlung iſt dem ruſſiſch=polniſchen Krieg entnommen,
und führen uns die Bilder nach Warſchau, der damaligen
Hauptſtadt des Polenlandes und zurück in eine Zeit, da
das alte, durch heftige Parteikämpfe und unglückliche
Kriege bereits innerlich zerrüttete Reich ſich zwar noch
als ſelbſtändiger Staat behauptete, aber bereits in fried=
lichen
Tagen hart unter dem Drucke ſeines übermächtigen
Nachbars Rußland litt. Verfertiger iſt die Milano=Film=
Geſellſchaft Turin. Die Senſation kommt in dem großen
Wild=Weſt=Drama in 2 Akten Der Kommandant des
Forts zur Geltung. Die amerikaniſche Firma Seelig
hat den Ruf, das beſte an Tierbildern herzuſtellen, und
ſehen wir auch in obengenanntem Film die großartig
dieſſierten Löwen und Tiger. Pfiff, Tontolini und
Barriſon, drei bekannte Film=Humoriſten, ſind in drei
Ugelungenen Humoresken vertreten. Eine Aufnahme von
ſpielenden jungen Kätzchen beſchließt den intereſſanten
Spielplan.
Worms, 11. Sept. (Das alte Mütterlein.)
Geſtern erſchien ein 78 Jahre altes Mütterlein am Laza=
rett
in der Turnhalle und bat mit tränenden Augen um
die Erlaubnis, den verwundeten deutſchen Kriegern einige
Roſen bringen zu dürfen. Wie gern iſt dieſe Erlaubnis
Verteilt worden! Leutnant E. ſorgte dafür, daß die Roſen
leinigen ſchwerverwundeten Kriegern auf das Schmerzens=
lager
gelegt wurden. Dem treuen alten Frauchen haben
ſie’s herzlich gedankt.
Gießen, 11. Sept. (Ein Wunſch der Gießener
Bevölkerung.) Der G. A. erhält folgende Zuſchrift:
In Darmſtadt wurde in den letzten Tagen ein namhafter
Teil der Siegesbeute an Geſchützen u. dergl. unter großem
Jubel der Bevölkerung eingebracht. Einige Geſchütze
haben am Landesdenkmal Aufſtellung gefunden. Wäre
les nicht möglich, auch unſere Stadt leihweiſe mit etwa
zwei erbeuteten Geſchützen zu bedenken und öffentlich, etwa
an der Zeughauskaſerne, aufzuſtellen?

Bad Nauheim, 11. Sept. (Der Kurbetrieb).
Bis zum 31. Auguſt ſind 26179 Kurgäſte angekommen.
Bäder wurden bis zum 31. Auguſt 329212 abgegeben.
Fortdauer des Kurbetriebes.

Reich und Ausland.

Dresden, 11. Sept. (Der König) hat für die
Dauer der Verwendung des Kriegsminiſters General=
leutnant
von Cartowitz in einer Feldſtelle den General
von Wilsdorf zum ſtellvertretenden Kriegsminiſter
ernannt.
Danzig, 11. Sept. (Die Kaiſerin) mit der Prin=
zeſſin
Auguſt Wilhelm und Gefolge ſind heute vormittag
11 Uhr nach Berlin abgereiſt.
Rom, 11. Sept. (Der Papſt und der Krieg.)
Oſſervatore Romano veröffentlicht eine vom 8. September,
dem Tage Mariä Geburt, datierte Enzyklika Be=
nedikts
XV in der er auf die ſchwere von ihm über=
nommene
Aufgabe hinweiſt und erklärt, daß die Gnade
Gottes, die ihm die Laſt einer ſolchen Würde auferlegt hat,
ihm die Wachſamkeit und die nötigen Kräfte ſchenken
werde. Hierauf ſpricht der Papſt ſeinen Schmerz über den
gegenwärtigen furchtbaren Krieg und den Wunſch nach
ſeiner baldigen Beendigung aus.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 de?
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Man erwartet alsbald eine allgemeine An=
regung
der Miniſterien, wonach Gemeinden, Kirchen,
Kreis= und Provinzialkaſſen. Stiftungen, Mündelgeld
verwaltungen und alle ſonſtigen unter ſtaatlicher Aufſicht
ſtehenden Vermögensverwaltungen aufgefordert werden,
ſich nach Kräften an der Kriegsanleihe zu
beteiligen. Die Sparkaſſen müſſen ermächtigt werden,
Einlegern zum mindeſtens die Hälfte ihrer Guthaben
ohne Kündigung und ohne Zinsnachlaß herauszuzahlen,
ſofern mit dieſem Gelde Reichsſchatzanweiſungen oder
Stücke der Reichsanleihe erworben werden ſollen. Die
Abheber ſind anzuhalten, die richtige Verwendung des
Geldes der Sparkaſſe nachzuweiſen. Die Sparkaſſen
ſelbſt ſollten von Körperſchaften ſowohl wie von Privaten
mit dem Erwerb der Schuldpapiere nicht beauftragt
werden, da dieſe Kaſſen dann lediglich den Vermittler
abgeben würden. Sie nehmen die Einlagen und kaufen
dafür die Schatzanweiſungen für den Beſteller. Damit
hätte aber eine Sparkaſſe ſelbſt ſich an der Anleihe gar
nicht beteiligt. Sie ſoll ihren Reſervefonds oder durch
Lombarddarlehen flüſſig gemachtes Geld benutzen, um
auch für ſich Opfer zu bringen. Ebenſo müſſen andere
öffentliche Vermögensverwaltungen auf dieſe Weiſe Geld
zu bekommen ſuchen. Der kleine Zinsverluſt muß als
Opfer gebracht werden, ſpäter gleicht er ſich wieder aus.
Zunächſt heißts Hilfe bringen und Kriegsanleihe zeichnen
jeder nach Kräften und ſo raſch wie möglich. Unſere
Einigkeit und Kraft zeige ſich auch hier! Wer wenig
hat, beteilige ſich mit kleinen Werten, langts nicht allein,
verbinde er ſich mit einem Freunde, dem es allein auch
nicht reicht. Wir, die wir zu Haus unſerem Tagwerk
nach wie vor in aller Ruhe nachgehen können, die wir
unſere Behaglichkeit und Zuverſicht nur dem Einſatz von
Leben und Geſundheit unſerer braven Soldaten im Felde
zu danken haben, wir müßten uns in tiefſter Seele
ſchämen, wenn wir hier das Vaterland im Stiche ließen.
Auch hier heißts eine Schlacht gewinnen! Wohlauf! auch
wir wollen ſiegen für unſer Vaterland, für unſer Volk!
H. R.

Handel und Verkehr.

Im Reichspoſtgebiet iſt die Zahl der
Kontoinhaber im Poſtſcheckverkehr Ende
Auguſt 1914 auf 100 701 geſtiegen (Zugang im Monat
Auguſt 597). Auf dieſen Poſtſcheckkonten wurden im
Auguſt gebucht 1110,8 Millionen Mark Gutſchriften und
1018,1 Millionen Mark Laſtſchriften. Bargeldlos wurden
1096,5 Millionen Mark des Umſatzes beglichen. Das
Geſamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Auguſt
durchſchnittlich 211,3 Millionen Mark.
* Berlin, 9. Sept. Der Poſtpaketverkehr
mit Oeſterreich und mit Ungarn iſt, wie der
Deutſch=Oeſterreichifch=Ungariſche Wirtſchaftsverband in
Berlin mitteilt, nunmehr freigegeben worden. Es
werden jedoch nach Oeſterreich Pakete nur im Höchſt=

gewicht von 10 kg zugelaſſen. Auch ſind Pakete nach
Galizien, nach der Bukowina, nach Dalmatien, nach
Bosnien und nach der Herzegowina unzuläſſig. Nach
Ungarn dürfen die Pakete ebenfalls das Höchſtgewicht
von 10 kg nicht überſteigen, auch dürfen ſie nicht größer
als 60 cm ſein. Nachnahmeſendungen, Eilboten=
beſtellungen
und Druckſachen wie auch insbeſondere
Bücher ſind zur Beförderung nach Ungarn nicht zuge=
laſſen
, wie auch diejenigen Waren weder nach Oeſterreich
noch nach Ungarn befördert werden, die unter das Aus=
fuhrverbot
fallen. Intereſſenten erfahren Näheres
durch die Geſchäftsſtelle des Deutſch=Oeſterreichiſch=
Ungariſchen Wirtſchaftsverbandes, Berlin W., Karls=
bad
Nr. 16.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweine=
markt
am 9. September. Auftrieb 151 Schweine. Preiſe
1. Qual. (pro 50 Kg. Schlachtgewicht) 62 Mk., 2. Qual.
61 Mk., 3. Qual. 60 Mk. Marktverlauf: mäßig, Ueber=
ſtand
. Schweinemarkt am 10. September. Auftrieb 155
Schweine. Preiſe 1. Qual. (pro 50 Kg. Schlachtgewicht)
62 Mk., 2. Qual. 61 Mk., 3. Qual. 60 Mk. Marktverlauf:
rege, Ueberſtand. Kälbermarkt am 10. September.
Auftrieb 177 Kälber. Preiſe 1. Qual. (pro 50 Kg. Lebend=
gewicht
) 48 Mk., 2. Qual. 46 Mk., 3. Qual. 44 Mk. Markt=
verlauf
: lebhaft.
Frankfurt a. M., 9. Sept. (Viehhof= Markt=
bericht
.) Auftrieb: 1470 Schweine. Preiſe pro Zentner
Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in Mark. a) 4045
(5961), b) 4449 (5960), c) 4044 (5860), d) 4044
(5860). Marktverlauf: ziemlich rege, bleibt Ueberſtand.
Kartoffel: en gros 5½ Mk., en detail 6½ Mk.
Frankfurt a. M., 10. Sept. (Viehhof=
Marktbericht.) Auftrieb 66 Rinder (7 Ochſen, 8
Bullen, 51 Kühe), 954 Kälber, 108 Schafe, 970 Schweine.
Preis per Zentner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in
Mark: Kälber: a) 5054 (8390), b) 4550 (7685),
C) 4044 (6875). Schafe: a) 4243 (9297), b) 3435
(8084). Schweine: a) 4650 (5962), b) 4547 (5860),
C) 4649 (5860), d) 4649 (5860). Marktverlauf:
Kälber, Schafe ruhig, Schweine rege; wird geräumt.

Vermiſchtes.

Gegen den Lügenfeldzug unſerer
Feinde. Der Verein für Handlungs=Kommis von 1858
in Hamburg hat ſich ſeit dem Beginn des Krieges die Auf=
gabe
geſtellt, die Wahrheit über die Kriegsereigniſſe und
über die Lage des deutſchen Wirtſchaftslebens bis in die
entfernteſten Länder zu verbreiten. Für dieſen Nachrich=
tendienſt
iſt die geſamte Auslandstätigkeit des Vereins
dienſtbar gemacht worden. Vn den 130000 Vereinsmit=
gliedern
befanden ſich vor dem Ausbruche der Feindſelig=
keiten
über 12000 im Auslande, die in 165 Bezirksver=
einen
zuſammengeſchloſſen waren. Während des Krieges
beſteht noch mit 90 Bezirken des neutralen Auslandes
Poſtverbindung. An die dort befindlichen Mitglieder ver=
ſendet
der Verein regelmäßig ſeine Zeitſchrift Der Han=
delsſtand
im Auslande die jetzt in ihrem ganzen In=
halte
der Aufklärung über die Urſachen des Krieges und
ſeinen bisherigen Verlauf dient und gewiß helfen wird,
das Lügengewebe der engliſchen und franzöſiſchen Preſſe=
bureaus
zu zerſtören. Der 58er Verein übermittelt ferner
regelmäßig ſeinen Bezirken die Druckſchriften des Vereins
für das Deutſchtum im Auslande, Zeitungsberichte, Aus=
züge
aus den amtlichen Veröffentlichungen, z. B. das
Weißbuch, uſw. Auch die Denkſchrift des Deutſchen Werk=
bundes
über den Krieg befindet ſich darunter. Die Mit=
glieder
im Deutſchen Reiche wurden in der Inlandszeit=
ſchrift
des Vereins Der Handelsſtand unter Abdruck
eines Muſterbriefes aufgefordert, ihre privaten und ge=
ſchäftlichen
Beziehungen nach dem Auslande zur Verbrei=
tung
der Wahrheit zu benutzen. Zweifellos werden ge=
rade
die Kaufleute und Handlungsgehilfen im Inlande
ſowohl wie im Auslande durch ihre weitreichenden Be=
ziehungen
am beſten in der Lage ſein, den verleumderiſchen
Behauptungen unſerer Feinde und Neider wirkſam ent=
gegenzutreten
.
* Kriegsfähnchen. Ein ausgezeichnetes Hilfs=
mittel
, die jeweilige Stellung der gegneriſchen Streitkräfte,
ſei es zu Waſſer oder zu Lande, auf jeder Karte bezeichnen
zu können, bilden die von J. F. Lehmanns Verlag in
München auf den Markt gebrachten Aufſteckfähnchen. Dieſe
Fähnchen ſind mit dem Bilde der Kriegsflaggen der ein=

Jenſeits Longwy finden ſich die erſten Schützengräben der
Franzoſen. Sie ſind ſehr bequem, aber nicht praktiſch
Nangelegt und ſchon nach kurzer Zeit verlaſſen worden, da
das Schußfeld nur ein begrenztes war. Sie ſind mitten
in Haferfeldern gegraben, auf denin die Ernte noch ſteht
und vielleicht langſam dem Verderben entgegengeht, wenn
des nicht gelingen ſollte, vielleicht einige der vielen franzöſi=
ſchenen
Gefangenen zu ihrer Einbringung anzuſtellen. Es
wäre das nur eine kleine Gegenleiſtung für die ihnen von
uns gewährte Verpflegung. Hoch über dieſem kriegeriſchen
Bilde wiegen ſich die ſchon langſam Herbſtlaub zeigenden
wunderſchönen Ardennenwälder, in denen es in dieſem
Jahre keine fröhlichen Auerhahnjagden der franzöſiſchen
Grandſeigneurs geben wird.
In dem folgenden Orte Muſſon, der ebenfalls halb
lausgebrannt iſt, fällt uns auf, daß ein waghalſiger deut=
ſcher
Kletterkünſtler an der Außenſeite des ganz ſpitz zu=
klaufenden
Turmes heraufgeklettert iſt und dort die deutſche
Fahne aufgeſteckt hat, die ſo leicht wohl niemand wieder
herunterholen wird. Dann paſſieren wir Baranzy, das
bis auf zwei oder drei Häuſer vernichtet iſt und hinter
ſeinen letzten Brandruinen Maſſengräber unſerer Krieger
Läufweiſt, die hier einem wütenden Straßenkampfe zum
Opfer gefallen ſind. Mit Entrüſtung zeigen uns hier Sol=
daten
unſerer Ortswache wieder Geſchoſſe mit abgefeilter
Spitze, die ſie in den Patronentaſchen franzöſiſcher In=
Pfanteriſten gefunden haben. Wenige Augenblicke ſpäter haben
wir ſelbſt Gelegenheit, inmitten eines nur halb aufgeräum=
ten
Schlachtfeldes franzöſiſche Torniſter und Patro=
Enentaſchen zu öffnen, in denen wir noch die Patronen=
päckchen
, wie ſie aus der Fabrik gekommen ſind und den
Soldaten übergeben wurden, entdecken. Auch ſie zeigen
die abgefeilten Spitzen und nun bricht die helle Entrüſt=
ung
, vor allem bei den ausländiſchen Militärattachés
durch, die bisher vielleicht nur an die beſondere Nieder=
tracht
einzelner verbrecheriſcher Pioupious geglaubt hatten
und nun mit uns erkennen müſſen, daß wir es mit einer
planmäßigen und bewußten Ausrüſtung der franzöſiſchen
Truppen mit dieſen verderblichen Geſchoſſen zu tun haben.
Auch hier finden wir lange Schützengräben in den umlie=
genden
Feldern, von denen der größte Teil aber überhaupt
nicht beſetzt geweſen iſt. Bedenklich für die Schützen iſt
der Umſtand, daß zu Armſtützen gewöhnliche Holzbretter
benutzt ſind, die beim Aufſchlagen feindlicher Geſchoſſe

ſplittern und den eigenen Leuten ſomit gefährlich werden
konnten. Und weiter gehts durch Signeulx, wo am Bahn=
hof
ebenfalls noch tüchtig unter den Torniſtern und ſon=
ſtigen
, auf dem Wege gefundenen Ausrüſtungsgegenſtänden
der franzöſiſchen Truppen durch unſere Landwehr aufge=
räumt
wird, nach Latour, wo wieder die Kirche hoch am
Turm die deutſche Fahne zeigt und am Ausgang ein ein=
zelnes
Offiziersgrab unſere Aufmerkſamkeit feſſelt. Im
Kreiſe herum dehnen ſich Maſſengräber, in die man
Freund und Feind ohne Unterſchied nach dem großen
Ringen am 23. Auguſt gebettet hat. Dann kommt Virton,
das letzte größere Städtchen an der belgiſch=franzöſiſchen
Grenze, wo drei Eiſenbahnlinien zuſammenlaufen. In=
mitten
des kriegeriſchen Chaos liegt, obwohl unmittelbar
an der Hauptſtraße, ſo doch faſt unberührt, ein Nonnen=
kloſter
Zur heiligen Lucie mit dem ein Penſionat für
höhere Töchter verbunden iſt. Nur eine Granate hat ſich
in die Mauer eingebohrt, hinter der noch vor kurzem
junge Mädchen unſchuldigen Träumereien nachgingen, und
ſie wirkt heute, wie ſie ſo harmlos daſitzt, mehr wie eine
etwas grobe Anſichtskarte eines abgewieſenen Liebhabers
denn als verderbenbringendes feindliches Geſchoß.
Jetzt iſt das Kloſter dem Roten Kreuz unterſtellt. Der
große Bahnhof in Virton iſt zwar ganz zerſtört und die
Telegraphenleitung nach allen Richtungen hin durchſchnit=
ten
. Doch das hindert einige deutſche Zugführer keines=
wegs
, mit unſeren ſchweren Schnellzugsmaſchinen die
Strecke zu prüfen und dann lange Züge für den Verwun=
deten
= und Gefangenentransport zuſammen zu ſtellen. Jetzt
wird mir auch mit einem Male klar, weshalb ich die letz=
ten
Nächte vor meiner Abreiſe nach Ems fortwährend die
ſchönen neuen Schnellzugsmaſchinen der Hallenſer Strecke
erſt einzeln, dann paarweiſe und ſchließlich in ganzen
Zügen bei Nacht und Nebel aus dem Anhalter Bahnhof in
Berlin ausrücken ſah. O, dieſer Generalſtab! In Dampi=
court
finden wir, wie in der ganzen Gegend, formidable
Artillerieſtellungen für einen energiſchen Verteidiger vor.
Die ſehr zahlreich vorhandenen Schützengräben ſind hier
nicht durchlaufend angebracht, ſondern dem Gelände an=
gepaßt
, und da ſie zahlreich ſind, ſo blieb kaum ein Winkel
unbeſtrichen. Die Unſeren müſſen alſo auch hier einen
recht ſchweren Stand gehabt haben. Bekanntlich wurde
die Beſatzung von Montmédy bei einem Ausfall zur Ueber=
gabe
gezwungen, ſo daß die hoch über dem Tale ragende

Feſte überhaupt nicht beſchoſſen zu werden brauchte. Da=
durch
iſt ein kleines Juwel mittelalterlicher Feſtungsbau=
kunſt
unſeren Tagen erhalten geblieben, denn Montmédy,
die alte Hauptſtadt der Grafen von Chiny und der Her=
zöge
von Luxemburg, beſitzt gerade in der alten Feſte und
der herrlichen, unmittelbar in ſie eingebauten Barockkirche
eine Sehenswürdigkeit, deren Zerſtörung nach dem Unter=
gang
ſchon ſo vieler wertvoller Bauten und Kunſtſchätze
infolge dieſes Krieges doppelt ſchmerzlich geweſen wäre.
Weithin ragen die Doppeltürme der Feſtungskirche an die
an den Thüringer Wald gemahnende Landſchaft hinein,
und die Feſte ſelbſt mit ihren Zugbrücken und Laufgräben,
dem ſchweren Fallgatter und dem zinnengekrönten Mauer=
werk
erinnert ſtark an die Wartburg. Unglaublich erſcheint
es faſt, daß die Gegner gerade dieſe, gar nicht ernſthaft
verteidigte Stellung zu einem förmlichen Privatmagazin
ausgebaut haben. In hohen und hellen kühlen Kellern
fanden wir große Weinluger und daneben Tauſende von
Konſervenbüchſen, Kiſten mit Reis, Kaffee und anderen
Kolonialwaren und Lebensmitteln, die jetzt fromme baye=
riſche
und württembergiſche Patres mit luſtigem Augen=
zwinkern
auf die Schultern luden und zu den Wagen des
Roten Kreuzes auf dem Hofe hinübertrugen, um ihren
Kranken und Verwundeten damit ein Feſt zu bereiten.
Wie man uns erzählte, ſind die Vorräte ſo reichhaltig,
daß wir nicht nur unſere Truppen, ſondern auch das Rote
Kreuz und die Lazarette in der näheren Umgebung auf
Monate hinaus damit verſorgen können. Ein beſonderes
Vergnügen war es für mich, hier oben in dieſer luftigen
Höhe Schwarzwälder Bauernwagen aus Hinterzarten,
Totmoos, Lörrach und Waldkirch und daneben den Luxus=
automobilen
aus St. Blaſien, Baden=Baden und Frei=
burg
i. Br. wieder zu begegnen, nur daß heute nicht hoch
mütige Engländer, ruppige Ruſſen und kalauernde Ber=
liner
drin ſaßen, ſondern ſchwäbiſche und bayeriſche Lands=
leute
, die der böſe Franzmann angeſchoſſen hatte und die
nun den Lazaretten zugeführt wurden.
Mitten in dem geſchäftigen Getriebe ſah ich auch den
Mann auftauchen, der uns Journaliſten, die bei den erſten
Zeppelinaufſtiegen in Manzell zugegen waren, als treueſter
Freund und Förderer des greiſen Grafen bekannt gewor=
den
war, den Freiherrn von Gemmingen, der jetzt hier
die Sache des Roten Kreuzes führt. Furchtbar hat die
Zivilbevölkerung der Feſte, anſcheinend ſchon unmittelbar

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914.

Nummer 251.

zelnen Staten verſehen und werden zu je 60 Stück ge=
miſcht
im Verhältnis der Stärke der einzelnen Heere und
Flotten abgegeben. Jede Reihe von 60 Stück koſtet in
Umhüllung 1 Mark.

Literariſches.

Kriegs=Depeſchen 1914 (erſter Monat
Auguſt). Die deutſchen Kriegsdepeſchen aus 1914 werden
in aller Zeit nicht nur wegen ihres Inhalts, ſondern auch
wegen ihrer prächtigen Form berühmt bleiben. In wür=
diger
Ausſtattung iſt eine Zuſammenfaſſung dieſer De=
peſchen
des erſten Monats ſoeben erſchienen (Preis 40 Pfg.,
Verlag Boll u. Pickardt, Berlin). Ohne jede Erläuterung,
im Verein mit den wichtigſten Depeſchen zum Ausbruch
des Krieges, geben ſie ſo ein eindrucksvolles Bild der
großen Zeit, die wir durchlebt haben. Wir empfehlen die
Anſchaffung der Sammlung auf das wärmſte.
Intereſſante Kriegskarten aus dem
Verlag des Bibliographiſchen Inſtituts in Leipzig:
1. Franzöſiſch=belgiſcher Kriegsſchauplatz
im Maßſtab 1:2 250 000 von P. Krauß. 2. Ruſſiſcher
Kriegsſchauplatz im Maßſtab 1.3 700000 von P
Krauß. Preis jeder der beiden in Umſchlag gehefteten
Karten 40 Pfg. Der franzöſiſch=belgiſche Kriegsſchauplatz
in der Papiergröße von 48½x36 Zentimeter reicht im
Norden von England bis Dänemark und geht im Süden
noch über Dijon hinaus. Deutlich tritt der franzöſiſche
Gürtel der Feſtungen und Sperrforts hervor. Der ruſſi=
ſche
Kriegsſchauplatz, 48½X31½ Zentimeter, gibt trotz
ſeines kleineren Maßſtabes an Ueberſichtlichkeit dem vor=
ſtehenden
Blatte nichts nach. Die Grenzen reichen vor
Finnland und Petersburg bis Rumänien, von Poſen bis
Smolensk, gehen alſo in der Richtung von Weſt nach Oſt
weiter als die der meiſten anderen Kriegskarten.
Die Deutſch=Oeſterreichiſche Feldpoſt
bringt die wichtigſten und amtlich beſtätigten Ereigniſſe
auf den einzelnen Kriegsſchauplätzen, der Zeitfolge nach
überſichtlich geordnet. Das Gewicht iſt unter 50 Gramm,
ſo daß unſere Feldpoſt an die im Felde ſtehenden Krieger
als Feldpoſtbrief verſandt werden kann. Preis pro Nr.
5 Pfg. Verlag: Leipziger Allgemeine Zeitung in Leipzig.
Im Verlag von L. Friedrichſen u. Co. in Hamburg I
erſchienen: 1. Plan von Paris und Umgegend
nach der franzöſiſchen Generalſtabskarte in Lichtdruck ver=
vielfältigt
. Preis 1,50 Mark. 2. Karte von Antwerpen
und Umgegend im Umkreiſe von 22 Kilometern, nach
der belgiſchen Generalſtabskarte aus den Jahren 191012,
in Lichtdruck vervielfältigt. Preis 1 Mk. Beide Spezial=
karten
ſind ſehr ausführlich und laſſen die Kriegsereigniſſe
genau verfolgen.
Kriegsbroſchüren: Das Volk in Eiſen.
Kriegsgeſänge eines Kriegsfreiwilligen. Preis 10 Pfg.
Der geſamte Erlös gehört dem Roten Kreuz. Oskar Eulitz
Verlag, Liſſa i. P. Illuſtrierte Kriegsverſe aus großer
Zeit. I. Deutſche vor die Front! 32 Seiten, mit 9 Bil=
dern
. Preis 10 Pfg. Verlag für Volkshygiene und Medi=
zin
, Berlin SWV. 68, Charlottenſtraße 6. 18131913,
Feſtbuch für die deutſche Jugend von Profeſſor Dr. Paul
Knötel. Preis 40 Pfg. Phönix=Verlag, Kattowitz. Krieg
und Sieg. Die Ereigniſſe des Weltkrieges 1914. Nach
amtlichen Berichten des W. T. B. mit Genehmigung des
Oberkommandos in den Marken veröffentlicht. Verlag von
Dr. Baſch n. Co., Berlin=Wilmersdorf. Preis des Heftes
20 Pfg. Vorwärts und durch! Ein Kriegsruf von Dr.
Paul Förſter. Dem deutſchen Kaiſer und ſeinem Kriegs=
heere
von dem Verfaſſer und dem Verleger gewidmet. Ver=
lag
der Gſelliusſchen Buchhandlung, Berlin. Samm=
lung
guter Vaterlands= und Soldatenlieder 1914 von Paul
Weidlich, Halle a. d. S., Laurentiusſtraße 5. Ein deut=
ſches
Kriegsliederbuch (48 Kriegslieder mit Noten). Preis
15 Pfg. (Kommiſſionsverlag der Verbandsbuchhandlung
Dresden, Kaulbachſtraße 7.) Herausg. von dem Chriſtl.
Soldatenbund im Königreich Sachſen (E. V.). Neue
deutſche Kriegsgedichte 1914 von Guſtav Wolf, Dres=
den
A, Peſtalozziſtraße 11. Preis broſch. 1 Mk. Der
Krieg. Rede bei der vaterländiſchen Feier des Kartells der
freiheitlichen Vereine in München, gehalten von Ernſt
Horneffer. (Verlag von Ernſt Reinhardt in München).
Preis 50 Pfg. Zar Poincaréw, Die Schuld am Kriege
von Dr. Max Beer. Ladenpreis 60 Pfg. A. Genters Ver=
lag
, Berlin S. 14.

Letzte Nachrichten.

Ein neuer Sieg in Oſtpreußen.
* Berlin, 11. Sept. (W. T. B. Amt=
lich
.) Das 22. ruſſiſche Armeekorps
(Finnland) hat verſucht, über Lyck in
den Kampf in Oſtpreußen einzugreifen.
Es iſt bei Lyck geſchlagen worden.

Der Kaiſer an den Sieger in Oſtpreußen.

* Berlin, 11. Sept. Der Kaiſer hat auf die Mel=
dung
von der Vernichtung der ruſſiſchen Na=
rewarmee
an Generaloberſt v. Hindenburg am
1. September folgendes Telegramm gerichtet: Ihr Tele=
gramm
von heute bereitete mir unſagbare Freude. Sie
haben eine Waffentat vollbracht, die einzig in der Ge=
ſchichte
iſt und Ihnen und Ihren Truppen für alle Zeiten
unvergänglichen Ruhm ſichert und, ſo Gott will, unſer
teures Vaterland vom Feinde befreien wird. Als Zeichen
meiner dankbaren Anerkennung verleihe ich Ihnen den
Orden Pour le mérite und erſuche Sie, den braven und
unvergleichlichen Truppen Ihrer Armee für den erwieſenen
Mut meinen kaiſerlichen Dank auszuſprechen. Ich bin ſtolz
auf meine preußiſchen Regimenter. Wilhelm I. R.
Generaloberſt v. Hindenburg richtete zugleich mit
dem Bekanntmachen des kaiſerlichen Telegramms an die
von ihm befehligte 8. Armee am Jahrestage der Schlacht
von Sedan den folgenden Heeres befehl: Soldaten
der 8. Armee! Die vieltägigen großen Kämpfe auf den
weiten Gefilden zwiſchen Allenſtein und Neidenburg ſind
beendet. Ihr habt einen vernichtenden Sieg über fünf
Armeekorps und drei Kavalleriediviſionen errungen,
mehr als 60000 Gefangene, ungezählte Geſchütze, Ma=
ſchinengewehre
, mehrere Fahnen und viele ſonſtige Kriegs=
beute
ſind in unſere Hände gefallen. Die geringen, der
Einſchließung entgangenen Trümmer der ruſſiſchen Armee
fliehen nach Süden über die Grenze. Die ruſſiſche Wilna=
Armee, welche im Norden eingedrungen war, hat ihren
Rückzug angetreten. Nächſt Gott iſt der glänzende Sieg
Eurer Opferfreudigkeit und Eurer hervorragenden Tapfer=
keit
zu danken. Ich hoffe, Euch jetzt einige Tage wohlver=
dienter
Ruhe laſſen zu können, dann aber geht es mit fri=
ſchen
Kräften wieder vorwärts, mit Gott für König und
Vaterland, bis der letzte Ruſſe unſere teure, ſchwer geprüfte
Heimatprovinz verlaſſen hat und wir mit unſeren ſieg=
gewohnten
Fahnen ins Feindesland hineingehen. Es
lebe unſer Kaiſer und König!

Wie der Kronprinz für ſeine Soldaten ſorgt.

* Berlin, 11. Sept. Der Kronprinz hat in einem
Telegramm an den Berliner Lokalanzeiger gebeten, für
die Mannſchaften ſeiner Armee eine größere Menge von
Tabak und Zigarren mit möglichſter Beſchleuni=
gung
abzuſenden. Heute gehen 20000 Zigarren als
Spende des Verlags ab.

Für die Oſtpreußen.

* Berlin, 11. Sept. Im Anſchluß an den Aufruf
des Vorſtandes des deutſchen Städtetages zugunſten der
am ſchwerſten betroffenen Einwohner im Oſten un=
ſeres
Vaterlandes beſchloß der Berliner Magiſtrat, der
Stadtverordnetenverſammlung eine Vorlage auf Bewilli=
gung
von 250000 Mark zugehen zu laſſen.

Einzug in Berlin 1914.

* Berlin, 11. Sept. Die B. Z. a. M. meldet: Nach
brieflicher Mitteilung eines Berliner Arztes fand man in
einem Kaſten der erbeuteten ruſſiſchen Geſchütze 100
Stück einer friſch geprägten Kupfermünze, die auf der
einen Seite das Bild des Zaren, auf der anderen Seite
die Aufſchrift: Einzug in Berlin 1914 trägt.

Engliſche Dampfer geſunken.

* Berlin, 11. Sept. Das B. T. meldet aus Lon=
don
: Daily Chronicle veröffentlicht unterm 4. September
folgenden Bericht des engliſchen offiziellen Preſſebureaus:
Eine Meldung des kommandierenden Offiziers des Schiffes
Speedy beſagt, daß der Dampfer Linſtell am
Donnerstag morgen auf eine Mine geſtoßen und
geſunken iſt. Eine Viertelſtunde ſpäter ſtieß Spee=
dy
ebenfalls auf eine Mine und ſank 30
Meilen von der Oſtküſte entfernt. Speedy iſt ein
Kriegsfahrzeug zum Schutze der Seefiſcherei. Es
iſt 1893 gebaut worden. Bei dem Untergang der beiden
Schiffe ſind mehrere Perſonen umgekommen und mehrere
verletzt worden.
* London, 11. Sept. In der Nordſee iſt das Wrack
des engliſchen Dampfers Ottawa aufgefunden wor=
den
, der vermutlich auf eine Mine aufgelaufen iſt.

Eine Ueberſicht über die Kämpfe in Galizien
und Ruſſiſch=Polen.

* Wien, 11. Sept. Die Neue Freie Preſſe gibt die
folgende Ueberſicht über die Kämpfe auf dem nörd=
lichen
Kriegsſchauplatz: Die Schlachten begannen
mit der dreitägigen Schlacht, welche die Armee Dankl bei
Krasnik ſiegreich geliefert hat. Am 25. Auguſt hat die
Armee Auffenberg ihren glorreichen Feldzug begonnen,
der in den Schlachten und Siegen bei Zamosz und Koma=
row
gipfelte. Am 28. Auguſt iſt das Eingreifen der Grup=
pen
der Armee des Erzherzogs Joſef Ferdinand fühlbar
geworden. Am 30. und 31. Auguſt erfolgten umfaſſende
Operationen. Am 1. September war der Sieg entſchieden,

deſſen äußeres Zeichen etwa 20000 Gefangene und 200
erbeutete Geſchütze geweſen ſind. Inzwiſchen hatte die
Armee Dankl am 27. Auguſt zwei Schlachten bei Midr=
zewicza
geſchlagen, die nach Ueberwindung des Feindes
bis nach Lublin vorgedrungen iſt. Am 4. September mel=
dete
die Armee Auffenberg, daß der Feind in vollem
Rückzuge ſei, von den Unſerigen mit ganzen Kräften ver=
folgt
.
Eine Depeſche unſeres Kriegspreſſequartiers meldete
am 4. September gleichfalls die energiſche Verfolgung des
Feindes. In dem Zeitraum vom 4. September und heute
iſt über die Armee Auffenberg keine nähere Meldung ver=
ffentlicht
worden. Wir ſind überzeugt, daß dieſe fünf
Tage nicht verloren gegangen und aufs Aeußerſte mit der
Tatkraft, welcher unſere Armeen und unſere Führer fähig
ſind, entſchieden ausgenützt worden ſind. Was die Armee
Dankl betrifft, ſo wird gemeldet, daß ſie neuerdings in
heftigen Kämpfen bei Lublin ſich befindet, wo der Feind=
mit
der Bahn namhafte Verſtärkungen herangezogen hatte.
Weiter wird berichtet, daß die Gruppe unter General
Keſtranek die Ruſſen zurückgeſchlagen hat und 600
Gefangene einbrachte.
Das Communiqué vom 3. September betrifft die
Kämpfe in Oſtgalizien und umfaßt den Zeitraum vom
27. bis 30. Auguſt und hat feſtgeſtellt, daß wir in allen
Schlachten und Kämpfen mit den Ruſſen 40 Infanterie=
Diviſionen und 11 Kavallerie=Diviſionen gegen uns ge=
habt
haben. Das hat die Bedeutung, daß die Hälfte dieſer
Truppen unter großen Verluſten zurückgewieſen wurde,
Ein Kriegsbulletin vom 7. Sept. meldet, daß auf dem
Kampfplatz in Galizien Ruhe herrſcht. Nach dieſer Ruhe
hat geſtern unſere Armee die Offenſive fortgeſetzt. Die
Stimmung iſt heute zuverſichtlich und man
erwartet mit Vertrauen das Ergebnis dieſer Kämpfe.

Engliſche Staatsmänner über Serbien.

* Wien, 11. Sept. Die Wiener Allgem. Ztg. gibt
Aeußerungen engliſcher Staatsmänner der
letzten Jahre über Serbien wieder. Im Jahre 1909,
während der Annexionskriſis, riet der damalige engliſche
Botſchafter in Wien, Cartwright, zu einem raſchen
Krieg gegen Serbien mit den Worten: Das Ver=
ſchwinden
Serbiens wäre ein Glück für ganz
Europa. 1912 äußerte Grey: Serbien bedeutet eine ſtete
Gefahr für den europäiſchen Frieden. Seine ungemeſſenen
Aſpirationen bedrohen ohne Aufhören unſere Ruhe. Die
königsmörderiſche Dynaſtie kann ſich eben nur durch äußere
Erfolge behaupten. Noch vor dem Ausbruch des jetzigen
Krieges ſagte der engliſche Botſchafter: Das ganze engliſche
Volk verdammt das fluchwürdige Verbrechen von Sera=
jewo
. Es gibt nicht einen einzigen Engländer, der die
geringſte Sympathie für Serbien hegt, und der nicht von
Herzen wünſchte, daß die Serben einmal eine derbe Lek=
tion
erhielten. Die Zeitung fügt hinzu: Mit dieſem ſo
klar und richtig eingeſchätzten Staat kämpft nun England
Schulter an Schulter.

Italien und die albaniſche Frage.

* Rom, 11. Sept. Popolo Romano dementiert auf
Grund von Informationen aus zuverläſſiger Quelle das
von einem oberitalieniſchen Blatt verbreitete Gerücht, daß
die Beſetzung Valonas durch italieniſche
Truppen bevorſtehe. In der Tat hat ſich weder in Va=
lona
noch in irgend einem anderen Teile Albaniens etwas
ereignet, was ein Eingreifen Italiens nötig machte. An
erſter Stelle will Italien das Beiſpiel vollkommener
Achtung der Neutralität Albaniens geben, wenn ſie nicht.
durch andere verletzt wird. Andererſeits beſteht kein Grund,
zu glauben, daß andere Mächte die Neutralität zu ver=
letzen
gedenken. Die neuen albaniſchen Machthaber wiſſen
ſehr gut, daß Albaniens Selbſtändigkeit nur durch eine
Neutralität geſichert werden kann. Italien habe ſogar
ſchon Nachricht über neue geeignete Bewerber für den
albaniſchen Thron erhalten.

Der Kolonialkrieg in Afrika.

* Berlin, 11. Sept. Nach einer engliſchen Nach=
richt
haben in der Nähe des Songwe=Fluſſes an der Grenze
von Deutſch=Oſtafrika und Britiſch=Njaſſaland zwiſchen
deutſchen und engliſchen Truppen Kämpfe ſtattgefunden,
wobei auf beiden Seiten mehrere Europäer gefallen ſeien.
Aus der gleichen Quelle wird von Toten und Verwundeten
in Kamerun geſprochen. Eine amtliche Beſtätigung dieſer
Meldungen liegt nicht vor.

Ruſſiſche Kriegsführung.

* Wien, 11. Sept. In den Abendblättern veröffent=
licht
ein verwundeter Offizier die Erzählung von verwun=
deten
Soldaten, die bei Tomaszow und Lublin gekämpft
haben. Die Soldaten erzählen: Am Waldrande bei To=
maszow
ſchwenkten die in Feldſchanzen angegriffenen
Ruſſen die weiße Fahne und legten die Gewehre nie=
der
. Der Regimentskommandeur hatte daraufhin das
Feuer einſtellen laſſen, um die Gefangennahme einzuleiten.
Das ruhig anmarſchierende Regiment wurde dann plötz=
lich
mit Feuer überſchüttet. Einzelne ruſſiſche

nach dem Abzug der Beſatzung, die doch auch zu ihrem
Schutze marſchierte, gehauſt. Schränke und Sachen der
Truppe ſind geöffnet und, ebenſo wie die Betten, durch=
wühlt
worden. Auch hat man verſucht, in die Proviant=
räume
einzudringen, um den Eroberern zuvorzukommen.
Gott ſchütze mich vor meinen Freunden! können die
Franzoſen auch hier ausrufen. Indem ich mich durch die
wüſte Unordnung hindurcharbeite, ſtößt mein Fuß an einen
Haufen Bücher und Papiere, die jemand aus einem
Schranke herausgeriſſen und dann als wertlos hingewor=
fen
hat. Ich hebe ſie auf und finde zunächſt ein ganzes
Kompendium franzöſiſcher Chanſons, dann Notizbücher
mit eingezeichneten Noten und Liedern, und ſchließlich
ſogar einige Gedichte, mit Bleiſtift geſchrieben. Wie ſchade,
daß dieſer ſicherlich begabte Junge, der nun ſchon in einem
Transportzug nach Deutſchland ſitzt, dieſe angefangenen
Sachen niemals wiederſehen wird. Und was wird die
kleine Roueneſer Modiſtin ſagen, von deren Hand ich einen
zierlichen Liebesbrief an ihren lieben, braven Octave
unter den wild verſtreuten Sachen fand! Ach, ſie beide
haben nie an einen Krieg mit Deutſchland gedacht. Ihre
Herzen waren ganz allein erfüllt von dem Gedanken an ein
baldiges Wiederſehen, trotzdem Octave ſo unvorſichtig ge=
weſen
war, ihr von einigen hübſchen Tänzerinnen zu er=
zählen
, die er am 14. Juli unten in der Stadt getroffen
und als am Nationalfeſttage nicht ungeküßt hatte vorbei=
gehen
laſſen. Dafür revanchiert ſie ſich in ihrem Briefe
mit der Andeutung, daß in Rouen noch einige junge Leute
vorhanden ſeien, die für ſeine angebetete Mariette Inter=
eſſe
zeigten, und daß Octave daher ſich ſeine Escapaden
noch etwas mehr überlegen ſolle. Nun, teuerſte Mariette,
die Pruſſiens halten deinen Octave in treuer Hut, und
er wird dir nach ſeiner Rückkehr wohl aus der Hand eſſen
(Schluß folgt.)

Feuilleton.

BB Kriegs=Kaiſerworte als Wandſprüche. Die Schul=
zimmer
erhalten jetzt verſchiedentlich einen neuen Schmuck.
Die markanten Worte des Kaiſers gelegentlich der Mo=
bilmachung
in Aufrufen und Anſprachen erſcheinen ſchon
ſeit einiger Zeit auf Kartonpapier gedruckt und einge=
rahmt
im Handel. Solche Kriegs=Kaiſerworte finden
jetzt ihr Heim auch an den Wänden der Schulzimmer, der
Krankenhäuſer, der Kriegslazarette, ja ſelbſt in Schalter=
vorräumen
, in den Bahnhofswarteſälen, in den Gaſtwirt=
ſchaften
uſw. kann man ſie erblicken. Wie bis jetzt be=
kannt
geworden iſt, ſollen ſie auch in einzelnen Schulen
zum Oktoberſchulſchluß als Prämien für gute Führung
und Fleiß verliehen werden.
* Die enttäuſchten Franzoſen. Aus dem Berner Bund
erfahren wir von einer Glanzleiſtung unſerer
militäriſchen Kriegsvorbereitung. In der
großen Fabrikſtadt Mülhauſen befindet ſich die Aviatik,
die größte deutſche Aeroplanfabrik. Am erſten Mobil=
machungstage
erhielten ihre Direktoren die lakoniſche
Mitteilung: Ihre Fabrik wird heute nacht
auf das rechte Rheinufer verlegt. Und am
ſelben Nachmittag fuhren 50 Eiſenbahnwagen vor, die
ſämtliche Werkzeuge, Materialien und die halbfertigen
Apparate verluden und nach einem neuen Fabrikgebäude
ſchafften, das auf badiſcher Seite während der Friedens=
zeit
in aller Stille von der Militärverwaltung gebaut,
mit Stromzuleitungen und dergleichen verſehen war, ſo
daß nur die Maſchinen angeſchloſſen zu werden brauchten
und der Betrieb 24 Stunden nach ſeiner Unterbrechung
an der neuen Stelle wieder aufgenommen werden konnte.
Als in den nächſten Tagen die Franzoſen in Mülhauzn

einrückten, die ſich ganz beſonders darauf geſpitzt hatten,
die wichtige Flugzeugfabrik den Deutſchen zu entreißen
und für ihre eigenen Zwecke in Dienſt ſtellen zu können,
ſtießen ſie auf die leeren Mauern.
Hier gibt es keine ruſſiſchen Zigaretten mehr!
Schilder mit dieſer oder einer ähnlichen Aufſchrift kann
man jetzt in den Schaufenſtern verſchiedener Zigarrenge=
ſchäfte
in Berlin ſehen. Auch werden die Zigarettenmar=
ken
aufgeführt, die mit engliſchem Kapital hergeſtellt wer=
den
; ein Zuſatz beſagt, daß auch dieſe Marken nicht mehr
verkauft werden.
* Ein General, der ſtiehlt. Der D. Tagesztg. wird
folgendes heitere Hiſtörchen mitgeteilt: Bei den Kämpfen,
die ſich öſtlich von Neidenburg am 30. und 31. Auguſt un=
mittelbar
an die eigentliche Schlacht von Tannenberg vom
27. bis 29. Auguſt anſchloſſen, wurde auch der Komman=
dierende
General des 15. ruſſiſchen Armee=
korps
, als er im Auto entfliehen wollte, gefangen ge=
nommen
. Natürlich wurde der Kraftwagen Sr. Exzellenz
alsbald durch einen Offizier einer eingehenden Reviſion
unterzogen, und da fand ſich: eine ſilberne Bowle
aus dem Beſitz des Landrats von Neidenburg. Echt ruſſiſch!
* Unfreiwilliger Kriegshumor. Der Inhaber einer
Kölner Tuchgroßhandlung ſchreibt der Köln. Ztg.: Von
der Deutſchen Tuchkonvention, Sitz Düſſeldorf, erhalte ich
eben eine Nachricht, die gewiß auch die Leſer Ihrer Zei=
tung
intereſſieren dürfte. Die Deutſche Tuchkonvention
teilt nämlich folgendes mit: Den Zeitpunkt der Beendi=
gung
der augenblicklich kriegeriſchen Verhältniſſe behält
ſich die Deutſche Tuchkonvention zu beſtimmen vor. Hof=
fentlich
beſtimmt die Deutſche Tuchkonvention recht bald
das Ende des Krieges.

[ ][  ][ ]

Nummer 251.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914.

Seite 5.

Maſchinengewehre waren auf Bäumen poſtiert. Die Sani=
tätsmannſchaften
wurden mit Schrapnells empfangen, und
Aerzte, Helfer und Verwundete getötet. Alle Ort=
ſchaften
werden von den Ruſſen im Zurückgehen in Schutt=
haufen
verwandelt. Einige Artilleriſten, die ſich in ver=
gifteten
Brunnen wuſchen, weiſen ſchreckliche Haut=
wunden
am Hals, im Geſicht und an den Händen auf

Die Türkei hebt die Kapitulationen auf.

* Konſtantinopel, 11. Sept. (W. B. Amtlich.)
Aus Beſorgnis vor einem vermeintlichen Eingreifen der
Türkei zugunſten Deutſchlands und Oeſterreich=
Ungarns haben die drei Ententemächte der Türkei ihr
Einverſtändnis mit der Abſchaffung der Kapitulationen
für den Fall zu erkennen gegeben, daß die Türkei in dem
gegenwärtigen Kriege neutralbleibe. Die Pforte hat
erwidert, daß ihre Neutralität nicht käuflich ſei; ſie hat
aber gleichzeitig aus der Eröffnung der Entente= Botſchaf=
ter
die Konſequenzen gezogen, indem ſie ein Kaiſerliches
Jrade erwirkt hat, welches die Kapit ulationen auf=
hebt
.

Ein amerikaniſcher Dampfer beſchlagnahmt.

* Kopenhagen, 11. Sept. Politiken meldet aus
London: Der amerikaniſche Dampfer Noordam iſt auf
der Reiſe Neu=York-Rotterdam mit vielen deut=
ſchen
Reſerviſten an Bord auf offener See beſchlag=
nahmt
und nach Queenstown gebracht worden.

* Berlin, 11. Sept. Der Präſident des Deutſchen
Handelstages, Reichstagspräſident Dr. Kaempf, beruft
den Ausſchuß des Deutſchen Handelstages
für Dienstag, den 15. September, zu einer Sitzung nach
Berlin. In erſter Linie ſoll Beſchluß gefaßt werden über
eine Anregung, welche dahin geht, daß der Deutſche Han=
delstag
, vielleicht zuſammen mit anderen Körperſchaften,
eine Kundgebung veranſtaltet in dem Sinne, daß die
Vertreter des deutſchen Wirtſchaftslebens auch angeſichts
der engliſchen Drohung mit einer Hinausziehung
des Krieges entſchloſſen ſeien, durchzuhalten zu einem Er=
gebnis
, das den ungeheueren Opfern des Krieges entſpricht
und die Wiederkehr eines ſolchen Krieges für abſehbare
Zeit ausſchließt. Ferner dürfte in der Sitzung auch über
andere, auf den Krieg bezügliche Angelegenheiten beraten
werden.
* Berlin, 11. Sept. Auf die Kriegsanleihe
ſind bereits bei der Reichsbank Zeichnungen eingegangen.
Unter den Zeichnern befinden ſich die Firma und die
Familie Krupp mit einem Betrage von 30 Millionen
Mark.
* Berlin, 9. Sept. Der Nationalſtiftung für die
Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen ſind u. a. von
Herrn Reichsrat Freiherrn v. Cramer=Klett, Mün=
chen
, 10000 Mark überwieſen worden.
* Berlin, 11. Sept. Der öſterreichiſche Geſandte Graf
Szecheni iſt vor einigen Tagen in der Umgegend von
Kopenhagen bei den Feſtungsanlagen bei Bagsvaerd irr=
tümlicherweiſe
von den Militärbehörden verhaftet
worden. Nach ſeiner Identifizierung wurde er wieder
freigelaſſen. Regierung und Kommando haben ihr
Bedauern über den Zwiſchenfall ausgeſprochen.
* Meiningen 11. Sept. Nach einer Mitteilung
des Hofmarſchallamtes von Meiningen hat der Kaiſer
dem Herzog von Sachſen=Meiningen telegraphiſch mitge=
teilt
, daß Prinz Ernſt von Sachſen=Meiningen, der Sohn
Pes vor Namur gefallenen Prinzen Friedrich von Sachſen=
einingen
, der Bruder der Großherzogin von Sachſen,
efallen iſt. Er wurde am 20. Auguſt vor Maubeuge mit
militäriſchen Ehren begraben.
* Wien, 11. Sept. Der Kaiſer hat heute vormittag
den deutſchen Botſchafter v. Tſchirſchky in Audienz
empfangen, der im Auftrage des Kaiſers die Inſignien des
kürzlich verliehenen Ordens Pour le mérite überreichte.
* Saloniki, 11. Sept. Nach hier eingetroffenen
Meldungen iſt von bulgariſchen Aufſtändiſchen in Neu=
ſerbien
die Teilbahnſtrecke von Gewgeli zerſtört
worden.

Wetterbericht.

In der Wetterlage zeigt ſich eine entſchiedene Ver=
änderung
zu trübem, niederſchlagsreicherem Wetter. Die
nordweſtliche Depreſſion hat ſich erheblich vertieft und
bei ihrer Wanderung nach Oſten mit ihrer ſüdlichen
Randzone bereits ganz Mitteleuropa bedeckt. An ihrer
Südſeite haben wir trübes, regneriſches Wetter und
geringe Abkühlung zu erwarten.
Wetterausſichten für Samstag: Ziemlich
trüb und regneriſch, kühl, ſüdweſtliche Winde.

Verluſtliſte (aus Nr. 21).

Infanterieregiment Nr. 88 (Hanau.)
5. Kompagnie: Reſ. Heinrich Jakobi I. aus Leid=
hecken
, Kreis Büdingen, verw.; Musk. Wilhelm Koch I.
aus Himbach, Kreis Büdingen, verw.; Musk. Wilhelm
Legier aus Hainchen, Kreis Büdingen, verw.; Reſ.
Heinrich Luft aus Herbſtein, Kreis Lauterbach, verm.
6. Kompagnie: Musk. Rudolf Erk aus Glaſetten,
Oberheſſen, tot; Gefr. Friedrich Voltz I. aus Rommel=
hauſen
, Kr. Büdingen, tot.
7. Kompagnie: Lt. Wilhelm Herpel aus Darm=
ſtadt
ſchw. verw.; Reſ. Chriſtian Rauſch aus Ober=
breitenbach
, Kr. Alsfeld, l. verw.
8. Kompagnie: Vfw. Auguſt Waßmuth aus See=
heim
, Kr. Bensheim, l. verw.
Erſatzbataillon Infanterieregiments Nr. 112
(Mühlhauſen i. E.)
1. Kompagnie: Reſ. Johann Berge aus Mainz, tot.
Dragonerregiment Nr. 14 (Colmar i. E.)
Erſatzeskadron: Gfr. d. Reſ. Hermann Fiedler
aus Worms, verm., Gfr. d. Reſ. Friedrich Huber I.
aus Worms, verm.; Gfr. d. Reſ. Paul Michel aus
Worms, verm.; Drag. d. Reſ. Karl Biegi aus Becht=
heim
, verm.; Drag. d. Reſ. Jakob Dexheimer aus
Gau=Odernheim, verm.; Drag. d. Reſ. Julius Rein=
hardt
aus Oſthofen, verm.
Kaiſerliche Marine.
Oberheizer der Reſ. Johannes Helfrich (3. K.
2. W.=D.) aus Viernheim, Heppenheim, verm.; Ober=
heizer
Eduard Hechler (3. K. 2. W.=D.) aus Alsbach,
Bensheim, l. verw, Feſt.=Laz. Wilhelmshaven; Torpedo=
heizer
Fritz Neu (7. K. 2. T.=D.) aus Mainz, l. verw.,
grob. Geſchoß, l. Hüfte, Feſt.=Laz. Wilhelmshaven; Oberlt.
zur See Friedrich Weifſenbach (2 M.=D.) aus
Frankfurt a. M., tot; Lt. zur See Freiherr von Rots=
mann
(Station 1. M.=D.) aus Darmſtadt, ſchw. verletzt,
r. Bein, Feſt.=Laz. Wilhelmshaven; Funkentelegraphiſten=
maat
Adolf Daniel (1. Abt. 2. W.=D.) aus Mainz,
ſchw. verw., Kopf, r. Arm, Feſt.=Laz. Wilhelmshaven.

Verwundete und kranke Soldaten
in Darmſtädter Lazaretten.

Mitgeteilt vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz.
Die Lazarette ſind durch die nachſtehenden Buchſtaben
bezeichnet:
A Alicehoſpital, Dieburger Straße 21. Täglich 34 Uhr nachm.
B Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift, Erbacher Straße 25. Sonntag, Diens=
tag
, Freitag 34 Uhr nachm. C Eleonorenheim (Lazarett J. K. H. der
Großherzogin, Heinheimerſtraße 21) Täglich ½11—½12 Uhr vorm., 46 Uhr
nachm. D Ernſt=Ludwig=Heilanſtalt (Dr. Loſſen), Steinſtraße 21. Täg=
lich
25 Uhr nachm. E Garniſonlazarett (Reſ.=Laz. I), Alexander=
ſtraße
27. Mitttroch, Samstag und Sonntag 24 Uhr nachm.
F Haus Hagenburg, Dieburger Straße 241 (Hirſchköpfe.) Täglich
45 Uhr nachm. G Dr. Machenhauerſche Klinik, Lagerhausſtraße 24.
Täglich 24 Uhr nachm. II Marienhöhe (Geneſungsheim).
I Schweſternhaus der Barmherzigen Schweſtern, Nieder=Ramſtädter
Straße 30. K Städtiſches Krankenhaus, Grafenſtraße 1. Werktäglich
23½ Uhr nachm., Sonntags 1112 Uhr vorm. L Städt. Saalbau
(Reſ.=Laz. III), Riedeſelſtraße 40. Täglich 25 Uhr nachm. M Techniſche
Hochſchule (Reſ.=Laz. II), Hochſchulſtraße 1. Täglich 24 Uhr nachm.
N Dr. Weberſche Augenklinik (Dr. Ollendorff), Frankfurter Straße 42.
Täglich 1012 Uhr rorm., 36 Uhr nachm.
Hinter jedem Lazarett ſind die Beſuchszeiten angegeben,
die nach Möglichkeit einzuhalten ſind. Ausnahmen werden
zugelaſſen.
Zugang am 10. September:
Aßmann, P., Düſſeldorf, Inf. 30/5, I Bäcker, A.,
Empfingen, Inf. 125/4, B Beck, A., Hemmingen, Inf
121/6, A. Bloechke, G., Potaſch, Inf. 63/5, I Böhm.
H., Kirchheim, Gren. 119/9, B Bruns, O., Oſterviek,
Lndw.=Inf. 27/8, B Bruſchke, K., Gniſchwitz, Reſ.=R.
10/12, L. Bonifer, W., Froſchhauſen, Drag. 23/4, M—
Czeski, M., Thure, Inf. 30/8, D Dehmer, Ph., Eber=
ſtadt
, Inf. 10/6, C Buſe, H., Thiemendorf, Reſ.=Inf.
10/5, K Caroſek, K., Tichau, Inf. 157/6, I Cenkier,
L., Rawitſch, Art. 24/1, L. Chlebach, F., Groß=Weichſel,
Inf. 157/10, I Chriſt, J., Oberhambach, Inf. 116/11, I
Czeski, M., Thure, Inf. 30/3, D Dehmer, Ph., Eber=
ſtadt
, Inf. 116/1, I Decker, O., Hentensbach, Reſ.=Inf.
121/6, K Engelhardt, W., Hagen, Train=B. 16, K
Frede, E., Aſchersleben, Inf. 130/7, B Füchsle, Th.
Rammingen, Inf. 120/7, C Geiger, F., Feuerbach,
Landſturm=Artillerie, B Geiſt, J., Ludwigsburg, Inſ.
121/4, I Geprägs, J., Urſpring, Inf. 125/8, I Götz,
J., Ulm, Inf. 120/9, I Gräter, F., Frankenberg, R.=Bat.
125/12, L. Gußmann, J., Eberſtadt, Inf. 116/3, D
Halaſch, W., Altmeißen, R.=Inf. 10/12, L. Heinrich, G.,
Brenzdorf, Pionier, L. Hellmund, A., Quendlinburg,
Landſt.=Inf. 27/7, B Hellmersdörfer, E., Tettnang,
Inf. 124/10, I Heyer, J., Vorſt, Inf. 145/9, B Holke,
A., Würzen, R.=Inf. 37/2, L. Hubert, J., Krefeld, Inf.
130/9, L. Hattann, O., Halbernhan, Inf. 88/3,
Hartmann, E., Zuffenhauſen, Inf. 121/6, K Heck, J.,
Inf. 67/4, K Janſen II., H., Burgwaldniel, Inf. 130/1,
I Igel, A., Reſ.=Inf. 10/4, K Jäger, W., Dimbach,
Inf. 121/7, K Knappe, F., Hochhauſchwitz, R,=Inſ
124/10, L. Keßler, II., K., Hamborn, Inf. 114/7, B
Koelle, W., Pontheim, Inf. 134/2, D Krutztauzer, J
Kardorf. Inf. 120/6 L. Kuppers, J., Bochold, Inf.
145/7, L. Klöckner, M., Gitterſen, Bayer. Brig Erſ.=Bar.
3, M Koch, W., Nörrlingen, Inf. 120/8, K Küntzle,
W., Inf. 121/1, K Linz, J., Iberlingen, Pion. 19/2,
B Lutz, W., Ober=Mobach, Inf. 124/2, L. Layer, K.,
Rohracker, Inf. 123/7, K Lehmann, A., Görlitz, Inf
130/7, K Liebig, F., Hartau, Inf. 10/11, K Magel,
A., Ehrisdorf, Inf. 124/11, L. Meyer, H., Schwarmen,
Art. 33/2, I Mickel, G., Pfungſtadt, R.=Inf. 116/3, B
Morneweg, B., Leutnant, Darmſtadt, Art. 25/1, K
Müller, Chr., Langen=Beutingen, Inf. 124/2, L. Mer=
kle
, F., Aich, Inf. 120/8, K Miethe, A., Striegau, R.=
Inf. 10/3, K Müller, A., Goppershofen, Inf. 124/1, K
Neuhäuſer, G., Dettingen, Teck, Inf. 121/6, A. Niebich,
W., Prißwitz, Pion.=B. 6, K Obergfäll, E., Necharems,
Inf. 121/11, I Paulus, H., Jordansmühl, Art. 24/1, L
Petzke, A., Malch, R.=Inf. 10/3, K Pfüttrer, K.,
Reiſach, Inf. 125/2. B Poßler, E., Hartau, Inf. 10/11
K Queck, F., Inf. 121/5, K Raphael, R., Klein=
Vikave, Gren. 119/11, L. Reinheimer, L., Darmſtadt,
R.=Inf. 116 B Reinhold, L., Inf. 130/3, K Reiſer,
A., Hoßkirch, Inf. 120/7, I Reuter, H., Laichingen, Inf.
120/10, L. Rohr, A., Schwitzſch, R.=Inf. 10/12 L.
Ruf, St., Klein=Schaffhauſen, Inf. 121/6, A. Sattler,
G., Breitenbrunn, Inf. 118/6, A. Sauter, F., Ober=
Eiſenbach, Inf. 124/10, K Seibert, K., Darmſtadt, Inf.
116/3, I Senftfelder, P., Guggelvatz, Reſ.=Inf. 10/8,
L Scheithauer, P., Zelasno, Art. 6/7, L. Schempp,
G., Holzmann, Teck, Inf. 123/7, B Schmeidel, A., Oelk=
hofen
, Inf. 120/1, K Scholl, J., Gaidorf, Inf. 122/10,
I Schulz, F., Stuttgart, Inf. 125/5, I Schulze, K.,
Acken, Landw.=Inf. 27, B Schuppe, K., Stoberau, Inf.
157/10, K Steinbach, Chr., Ellhofen, Erſ.=Inf. 171/7,
B Steinle, K., Sindringen, Inf. 122/10, K Stephan,
J., Königshütte, Gren. 10/4. D Stettner, G., Walden=
ſtein
, Inf. 124/2, K Ströbele, W., Oppelshauſen, Inf.
120/5, L. Tanger, H., Obeln, Inf. 63/3 I Thainer,
B., Ehrensburg, Inf. 125/7, B Turnſtevski, A., Pier=
woſchenow
, Inf. 113, B Völger, W., Arheilgen, Inf.
115/11. L. Walzenbach, F., Kallenfels, Drag. 23/2, M
Widmeyer, R., Pliedringen, Gren. 119/10, C Weber,
W., Hummethroth, Inf. 118/5, D Weitprecht, J., Em=
mingen
, Inf. 125/6, I Weiſinger, E., Birkenfeld, Inf
119/11, L. Widern, R., Piskupitz, Inf. 62/8, D Wit=
tig
, W., Canth. Reſ.=Inf. 10/5, K Wolfangel, D., Inſ.
121/6, K Wolferſtätter, P., Sprendlingen, Inf. 116/3,
D Ziblold, K., Markgrüningen, Inf. 121/12, A.
Zugang am 11. September:
Bernius, A., Ueberau, Inf. 115/12, M Aden, H.
Darmſtadt, Inf. 115/12, M Ehmann, J., Mühlheim,
Inf. 115/4, M. Kaufmann, L., Frankfurt a. M., Inf.
115/4, M Leining, A., Eberſtadt, Inf. 115/8, M—
Maykemper, M., Alzey, Reſ.=Inf. 116/4, D Weiſer, G.,
Darmſtadt, Reſ.=Inf. 116/4, D Rauſch, F., Steinbach,
Kreis Erbach, Art. 84/4, M.

Aus den Lazaretten entlaſſen

am 10. September:
Schätzlein, M., Remlingen, Erſ.=Inf. 115/3, L
Ernſt, E. W., Elbing, Art. 56/1, L. Metternich, L., Offen=
bach
, Inf. 116/4, L. Pfeifer, W., Vilbel, Art. 61/1, Rek.=
Depot, L. Fengel, L., Dudenhofen, Train=Bat. 18/1, L.
Spingler, J., Neuweiler, Inf. 123/10, L. Heinrich,
L. J., Langenſelbold, Art. 61/2, L. Großmann, W., Nie=
der
=Liedersbach, Art. 25/1, L. Gräf, J., Hähnlein, Inf.
118/2, L. Händler, H., Rüſſelsheim, Inf. 118/4, K
Koch, Ph., Dornheim, Inf. 118/3, K Moſer, S., Lee=
heim
, Inf. 118/4, K Schmalzriedt, K., Schwieberdin=
gen
, Fernſpr.=Abt. 18. Armeekorps, K Weber, Ph.,
Griesheim, Inf. 118/4, K.
am 11. September:
Orlia, F., Buchſcheid, Landw.=Inf. 15, D Stahl=
berg
, W., Templin, Inf. 17/6, A.

(18213a
Trauer-Hüte
I
Arauer-Crêpe
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Krauer-Grenadine

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empfiehlt in bekannt größter Auswahl
Adolf Geiger
Ecke Ludwigstraße und Ludwigsplatz.

S. Duittung.

In der Sammelſtelle des Darmſtädter Tagblatts
wurden zu Gunſten der Hinterbliebenen von Kriegs=
teilnehmern
und ſonſtigen Hilfsbedürftigen aus der
Stadt Darmſtadt weiter folgende Beträge abgegeben:
Dir. Kramer 20 M., M. Nöſinger (1. Rate) 50 M.,
Oberapotheker Hugo Schlippe 50 M., Finanzrat Breit=
wieſer
10 M., Major a. D. F. Schenck 20 M., P. Menges
2 M., Frl. G. Bauer 5 M., Frl. S. Alt 5 M., Frl. V.
Barban 5 M., Paul Barban 5 M., Geh. Oberforſtrat
Dittmar 10 M., Juſtizrat Dr. Jaeger 50 M., Frau
Fabrikant Anton 10 M., A. u. B. Kumbruch 20 M., Frau
Geheimerat v. Heſſe 50 M., Oberſtleutnant Brockhaus
und Frau 100 M., zuſammen 412 M., hierzu die bereits
veröffentlichten 953.63 M., insgeſamt
1365.63 M.

5. Quittung.

In der Sammelſtelle des Darmſtädter Tag=
blatts
wurden für Kriegsnotleidende in Oſtpreußen
weiter folgende Beträge abgegeben:
Frau Miniſter Küchler 10 M., F. R. 3 M., Ober=
finanzaſſeſſor
Heſſe 50 M., Pedell Kurz 5 M., Frl. Lina
Goldmann 10 M. Frau Hofrat Edward 30 M., Frl.
Mathilde Beck 5 M., Rechnungsrat Schönberger 20 M.,
Ludwig Flath 5 M., Dr. Ernſt Kauder 20 M., Profeſſor
Eſſelborn 10 M., Frl. Marieluiſe Bopp 20 M., Ungenannt
25 M., C. Hinkel, Jugenheim, 4 M., Amtsrichter Eckſtein
20 M., Frau Roether 20 M., Hauptlehrer Kaßlick 10 M.,
Zahnarzt Nieswandt 20 M., ein junger Beamter 10 M.,
C. S. 10 M., Prof. Dr. Büchner 10 M., Frau Land=
gerichtsrat
Dr. Güngerich 10 M., Frl. Winter 50 M.,
Frl. Hallwachs 20 M., Obermat.=Vorſteher Sand und
Mutter 20 M., Frl. Schaubach 20 M., Geſchwiſter Haaſe
5 M., Frl. Cronenbold 5 M., R. N. 5 M., M. M. 5 M.,
Privatier Aug. Reh 5 M., Privatin Marg. Reh 5 M.,
M. G. 3 M., A. Z. 10 M., zuſammen 480 M., hierzu die
bereits veröffentlichten 1913 M., insgeſamt
2393 Mark.

Vierte Liſte der Gaben für Kriegszwecke an das
Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift inDarmſtadt: Kirchen=
rat
G. 5 M., Frl. Espich 3 M., Frl. A. K. für verkaufte
Schmuckſachen 80 M., N. N. 1 M., Radmacher 2 M.,
Centgraf 10 M., Reineck 4 M., N. N. 5 M., Frl. Thekla
Riedel (1. Kriegsgabe) 30 M., Dekan Schuſter in Duden=
hofen
10 M., durch Dekan Schuſter aus Sprendlingen
(Kr. Offenbach) 25 M., Frl. Eliſe Holſchuh in Schöllenbach
2 M., Pfarrer Kraus in Schöllenbach 3 M., Pfarrer Renner
in Heubach 5 M., Frl. Ingelbach 3 M., Frl. Davidſohn
100 M., d. Schw. E. O. in Erbach 5 M., N. N. 100 M.,
Frau Schuchmann 10 M., Riſſe 1 M., Frau Pfarrer
Wagner 5 M., N. N., Beedenkirchen, 5 M., N. N., Beeden=
kirchen
, 1 M., N. N., Beedenkirchen, 30 Pfg., Kirche Klein=
Umſtadt 14 M., Kirche Richen 9.75 M., Kirche Friſchborn
3 M., Frl. M. M. u. Frl. M. O. in Seckmauern 10 M.,
Frau Rapp 5 M., Frau Geheimerat Zimmermann 5 M.,
R. K. 20 M., Frau Hofprediger G. 2 M., durch Pfarrer
Schwarz aus Rothenberg 25 M., Frau E. v. H. 10 M.,
Frau Pf. Eigenbrodt 5 M., Kind Marianne Karg 50 Pf.,
Frau Sanitätsrat Rapp 20 M., Frau Landgerichtsrat
Wolf 20 M., von einem jungen Beamten 5 M., Unge=
nannt
2 M., Frau Dr. Fertſch 10 M., Kirchenrat Dr.
Naumann in Dieburg 20 M., Rube in Eberſtadt 4.20 M.,
Verkanf von Schmuckſachen 12 M., N. N. in Pfiffligheim
1 M., N. N. 5 M., Mutterabend der Paulusgemeinde
15 M., Frl. Fauſt 5 M., Johanniterſchweſter Julie Ritter
in Gonſenheim 10 M., Pfarrer Römheld 5 M., Frl. Kähler
in Oppenheim 2 M., Frau Jakob Schneko in Oppen=
heim
10 M., Frl. Heil in Oppenheim 2.50 M., Frau
Knieriem in Oppenheim 20 M., Frau Pfarrer K. in Oppen=
heim
10 M., Frau Ewald in Oppenheim 10 M., Frau
Ihring in Oppenheim 10 M., Frau Thiers in Oppenheim
5 M., Frau Glaſor in Oppenheim 1 M., Frau Maurer
in Oppenheim 2 M., Ehefrau Appel in Gehſpitz (Kreis
Offenbach) 5 M., Pfarrer Weinberger in Lardenbach
10 M., Frau v. Gordon 10 M., Fr. Kirchenr. Koch 20 M.,
Mädchenklaſſe der Mittelſchule 5a und 6b II 10 M., Kind
Grete Neitzel 1 M, Kind Hedwig Volz 1 M., Frau
Dechant Clemm in Lich 10 M., Jungfrauenverein in König
10 M., Frau Paſtor Wilhelm in König 20 M., N. N. in
König 5 M., Ungenannt 10 M., Kirchſpiel Niedernhauſen
50 M., Ungenannt 5 M., Fr. Dr. Bauer 3 M., Frl. v. Runkel
10 M., Liſelchen u. Ludw. Heymann 2 M., Edgar u. Otto
Jung 2 M., Rudolf Düringer in Oberhörgern 100 M.,
Pfarrer Hamann in Hermannſtein 5 M. W. Kahn in
Hermannſtein 2 M., durch Lehrer Raab in Hermannſtein
30 M., Witwe Damm in Hermannſtein 3 M., Pfarrer Repp
in Nieder=Flörsheim 20 M., Heinrich Düringer in Gambach
0 M., durch Schw. El. H. in Biebesheim 5 M., Frau
Kath. Hannewald 3 M., Marg. Kriechbaum 2 M.
Wir danken ſehr herzlich. Weitere Gaben werden erbeten.

(Statt besonderer Anzeige.)
Ihre heutige VERMAHILUNG beehren
sich anzuzeigen
Ludwig Gäbelein
Leutnant d. Res. Fuß-Art.-Regt. Generalfeld-
zeugmeister
(Brandbg.) Nr. 3
Erna Gäbelein
geb. Schneider.
DARMSTADT, 12. September 1914.
Viktoriastr. 42.

[ ][  ][ ]

beite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914

Nummer 251.

Am 28. Auguſt erlitt den Heldentod vor dem Feinde der
Chemiker Herr Dr. Geurg Nauff
Offizierſtellvertreter.
Wir alle verlieren in ihm einen wegen ſeines freundlichen, offenen
und geraden Weſens geſchätzten Mitarbeiter, viele von uns einen lieben Freund.
(18548
Wir werden ſein Andenken in Treue bewahren.
Die Beamten der Firma E. Merck.

Stattjoder besonderen Anzeige.
Am 25. August erlitt den Heldentod
mein geliebter Sohn, unser Bruder u. Onkel
Wilhelm Pehr. Schaeffer
von Bernstein
Hauptmann u. Kompagniechef im Infanterie-
Regiment Nr. 131.
In tiefer Trauer:
Frfr. A. Schaeffer von Bernstein,
geb. von Kopp,
Freiin E. Schaeffervon Bernstein,
Gusti Stein, geb. Schaeffer von Bern-
stein
,
Gertrud Stein.
(B18551
Darmstadt, den 11. September 1914.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Nach langem Leiden verſchied im Kranken=
haus
zu Worms am 10. Sept. im 50. Lebens=
jahre
meine inniggeliebte Frau, unſre treue
(18575
Mutter und Schweſter
Frau Amelie Ihle
geb. Köhler.
Im Namen
der trauernden Hinterbliebenen:
Proſ. Dr. Rudolf Ihle.
Darmſtadt, den 11. September 1914.

Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß mein innigſtgeliebter
Mann, unſer guter Vater, Sohn, Bruder,
Schwager, Schwiegerſohn und Onkel (*4910
Herr
Friedrich Stelzer
den Heldentod für das Vaterland erlitten hat.
Die tieſtrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Berlin, den 11. Sept. 1914.
Die Beerdigung findet Samstag, den 12. Sept.,
nachmittags 4 Uhr, auf dem Waldfriedhof ſtatt.

Dankſagung.

Für die uns beim Heimgang unſerer lieben
Entſchlafenen bewieſene Teilnahme und die zahl=
reichen
Blumenſpenden ſagen wir hiermit unſeren
(*4900
herzlichſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Philipp Weintz.
Darmſtadt, den 11. September 1914.
Hügelſtr. 63.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe inniger
Teilnahme bei unſerem ſchweren Ver=
luſte
ſage herzlichen Dank.
Marie Stauf Witwe
und Kinder.
Darmſtadt, den 11. September 1914.

(18565

Für die mir veim Tode meines
Mannes erwiesene grosse Teilnahme
sage ich meinen herzlichen Dank.
Lornelie von Buddenbrock
geb. Leube.
(B18572

Dankſagung.
Allen lieben Verwandten, Freunden und Be=
kannten
für die vielen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
bei dem ſchweren Verluſte meines innigſt=
geliebten
Bräutigams, unſeres lieben, treuen,
guten, braven Sohnes und Schwiegerſohnes
Haus Dubbels
praktiſcher Zahnarzt, Unteroffizier der Reſerve
ſagen wir herzlichſten Dank.
(18573
Die Braut Otti Köhler
und Familie Zahnarzt Köhler
Darmſtadt, Waldſtraße 34,
Familie Oberlehrer Dubbels
Hamburg, Hohenfelder=Allee.
Darmſtadt, den 11. September 1914.

Für die zahlreichen Beweise herz=
licher
Teilnahme, die uns zuge=
gangen
sind, sage ich im Damen
der Hinterbliebenen herzlichen Dank.
Postdirektor Schad.
Darmstadt, den uI. September 1914.

(18552

Ständige Rettungswache der Sanitätskolonne.
Selephonruf Nr. 24
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
ſchäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
den
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

Aufruf!

An Seine Magnifizenz den Rektor unſerer Landesuniverſität
Gießen, Herrn Profeſſor Dr. Eck, wurde die Bitte gerichtet, in unſerer
Stadt zu ſprechen aus Anlaß des Kampfes, der unſerem Volke auf=
gezwungen
iſt und ausgetragen wird in heldenhafter Begeiſterung
für des Vaterlandes Größe, des Volkes Freiheit und ſeine Kultur.
Herrn Profeſſor Dr. Eck, der uns aus ſeiner Darmſtädter Zeit
mit der ihm eignen erhebenden Beredſamkeit wohl vertraut iſt, gebührt
herzlicher Dank dafür, daß er ſich bereit erklärt hat, der Bitte zu
entſprechen.
Wir wollen uns zur ernſten Feierſtunde zuſammenfinden am
Dienstag, den 15. September lfd. Js., abends 6 Uhr,
im Freien auf dem Gelände der Spielplätze am Sporthaus,
Heinrichwingertsweg in der Nähe des Böllenfalltors.
Die Sportvereine haben ihr Beſitztum in dankenswerter Weiſe zu Ver=
fügung
geſtellt. Die Eingänge zu dem Platz=befinden ſich am Heinrich=
wingertswege
. Es wird gebeten, vor 6 Uhr ſich auf dem Platz ein=
zufinden
; die Verſammlung ſoll punklich beginnen. Auf dem Platz=
gelände
können Stühle leider nicht zur Verfügung geſtellt werden, es
wird daher das Mitbringen von Klappſtühlen anheimgeſtellt.
Die Straßenbahn wird, ſoweit möglich, einen verſtärkten Wagen=
verkehr
einrichten.
Mit Rückſicht auf den Beſuch und den zu erwartenden Verkehr
bitte ich dringend, die von Großh. Polizeiamt zu treffenden Maßnahmen
für die Aufrechterhaltung der Ordnung, der Sicherheit und des Wagen=
verkehrs
zu befolgen.
Bei ungünſtiger Witterung findet die Verſammlung am
gleichen Tage, abends 8 Uhr, in der Turnhalle am Woogsplatz
ſtatt. Ich lade Darmſtadts Einwohner zu dieſer Feier herzlichſt ein
und hoffe, daß es unſeren Kriegern, insbeſondere auch den hinaus=
ziehenden
jugendlichen Freiwilligen möglich iſt, vertreten zu ſein.
Darmſtadt, den 9. September 1914.
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Auch Aufmachen von Fahnen=
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Schubert, Landwehrſtraße 31.

[ ][  ][ ]

Nr. 127.

Samstag, 12. September.

1914.

Bekanntmachung.

Betreffend: Aufhebung des Verbots der Ausfuhr von Naturalien, Getreide und Vieh
für den Kreis Darmſtadt.
Infolge Aenderung der Ankaufsverhältniſſe für den Heeresbedarf wird das
unter dem 24. Auguſt 1914 (Amtsverkündigungsblatt Nr. 110) erlaſſene Verbot der
Ausfuhr von Naturalien, Getreide und Vieh aus dem Kreiſe Darmſtadt wieder
aufgehoben.
Darmſtadt, den 10. September 1914.
(18494fs
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey

Bekanntmachung.

Der von der Kreisſtraße Darmſtadt-Meſſel nach Bahnhof Kranichſtein führende
Dreiſchläger Weg iſt von Montag, den 14. September ds. Js. ab bis auf Weiteres

wegen kreisſtraßenmiähigen Ausbaues für Fuhrwerie, Aiutomobile und Motorälder uſw.
geſperrt.
Die Großh. Bürgermeiſterei Arheilgen wolle Vorſtehendes in ortsüblicher Weiſe
bekannt geben.
Darmſtadt, den 11. September 1914.
(18574si
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Der Bruſtſeucheverdacht unter den Pferden der zur Zeit auf dem Truppen=
übungsplatz
Darmſtadt untergebrachten Train=Erſatz=Abteilung 16 iſt erloſchen.
Darmſtadt, den 10. September 1914.
(18549
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 alte gelbe Uhrkette. Eine Anzahl Schlüſſel.
1 Lorgnette. 1 ſchwarzwollener Damenbruſtwärmer (Weſte). 1 Quit=
tungskarte
, auf den Namen Rauck lautend. 1 ſchwarze Broſche.
1 Brille. 1 älteres roſa Portemonnaie mit einigen Pfennigen und
3 mittelgroßen Schlüſſeln. 1 Damenhandtaſche mit Portemonnaie
mit über 2 Mk. Inhalt, Schlüſſel und Taſchentuch. 1 kleine matt=
goldene
Broſche mit blauem Steinchen.
(18536
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Dobermann, 1 Boxer (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(18556
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 13. Sept.,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße, und Beſſunger
Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr
ab geſchloſſen.

Vorratserhebungen.

Die nachſtehende Verordnung des Bundesrats und die dazu
erlaſſenen heſſiſchen Ausführungsbeſtimmungen bringe ich hiermiß
zur öffentlichen Kenntnis.
Darmſtadt, den 10. September 1914.
(18569sg
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Bekanntmachung
über Vorratserhebungen.

(Reichsgeſetzblatt S. 382.)
Aus dem Regierungsblatt Nr. 32 vom 5. September 1914.
Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Geſetzes über die
Ermächtigung des Bundesrats zu wirtſchaftlichen Maßnahmen uſw.
vom 4. Auguſt 1914 (Reichsgeſetzblatt S. 327) folgende Verordnung
erlaſſen:
§ 1.
Während der Dauer des gegenwärtigen Krieges iſt den von
den Landeszentralbehörden beſtimmten Behörden jederzeit Auskunft
über die Vorräte an Gegenſtänden des täglichen Bedarfs, insbeſon=
dere
an Nahrungs= und Futtermiteln aller Art, ſowie an rohen
Naturerzeugniſſen, Heiz= und Leuchtſtoffen zu geben.
Zur Auskunſt verpflichtet ſind:
1. landwirtſchaftliche und gewerbliche Unternehmer, in deren
Betrieben die Gegenſtände erzeugt oder verarbeitet werden,
2. alle, die ſolche Gegenſtände aus Anlaß ihres Handelsbetriebs
oder ſonſt des Erwerbes wegen in Gewahrſam haben, kaufen
oder verkaufen,
. Kommunen, öffentlich=rechtliche Körperſchaften und Verbände.
§ 2.
Auf Verlangen ſind anzugeben:
1. die Vorräte, die dem Befragten gehören oder die er in Ge=
wahrſam
hat,
2. die Mengen, auf deren Lieferung er Anſpruch hat,
3. die Mengen, zu deren Lieferung er verpflichtet iſt.
§ 3.
Die Anfrage kann auf folgende Punkte ausgedehnt werden:
1. wer die Vorräte aufbewahrt, die dem Befragten gehören,
2. wem die fremden Vorräte gehören, die der Befragte auf=
bewahrt
,
3. wann die Vorräte abgegeben werden können
4. für welchen Zeitpunkt die Lieferungen (§ 2 Nr. 2 u. 3) ver=
einbart
ſind,
5. wohin früher angemeldete Vorräte abgegeben ſind.
Jedes weitere Eindringen in die Vermögensverhältniſſe iſt un=
ſtatthaft
.
§ 4.
Die anfragende Behörde iſt berechtigt, zur Nachprüfung der
Angaben die Vorratsräume des Befragten unterſuchen und ſeine
Bücher prüſen zu laſſen.
§ 5.
Wer die auf Grund dieſer Verordnung geſtellten Fragen nicht
in der geſetzten Friſt beantwortet oder wer wiſſentlich unrichtige An=
gaben
macht, wird mit Geldſtrafe bis zu 3000 Mk. oder im Unver=
mögensfalle
mit Gefängnis bis zu 6 Monaten beſtraft.
§ 6.
Die Landeszentralbehörden erlaſſen die Beſtimmungen zur!
Ausführung dieſer Verordnung.
§ 7.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft.
Berlin, den 24. Auguſt 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers:
Delbrück.
Bekanntmachung,
Vorratserhebungen betreffend.
Aus dem Regierungsblatt Nr. 32 vom 5. September 1914.
Auf Grund von § 6 der vorſtehenden Bekanntmachung wird
folgendes beſtimmt:
1. Zu den Erhebungen gemäß § 1 ſind die Kreisämter, in den
Städten von über 20 000 Einwohnern die Oberbürgermeiſter
zuſtändig.
2. Die nach § 1 zuſtändigen Behörden können bei Durchführung
der Maßnahmen gemäß §4 die Mitwirkung der Ortspolizei=
behörden
in Anſpruch nehmen.
3. Vorſtehendes iſt von den Kreisämtern in den Amtsverkün=
digungsblättern
und in ortsüblicher Weiſe bekannt zu machen.
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1914.
Großh. Miniſterium des Innern.
In Vertretung: Schliephake.

1 Waggon
erſte Qualität Spriſekarloffeln (Gralen)
zum billigſten Tagespreis abzugeben.
Herdweg 12
B18303) Alfred Haas, Telephon 2321.

Frankrurter pypothekenbank.
Pfandbriefverloſung am 5. Jnni 1914.

Bei der am 5. Juni 1914 vor Notar ſtattgehabten Verloſung ſind von unſeren
3½% Pfandbriefen der Serien 12, 13, 15, 19 und
4% Pfandbriefen der Serien 14, 16, 17 und 18
die folgenden Nummern zur Rückzahlung auf den 1. Oktober 1914, mit welchem Tage die Ver=
zinſung
endigt, gekündigt worden. Es beziehen ſich dieſe Nummern auf ſämtliche Serien und
Literge, alſo auf alle Stücke, welche eine der Nummern tragen.
No. 294, 341, 608, 707, 1148, 1359, 1412, 1531, 1920, 2228, 2312, 2556, 2719, 3016,
3038, 3214, 3362, 3490, 3536, 3594, 3746, 3757, 4044, 4226, 4378, 4493, 4685, 5056, 5125,
5330, 5512, 5576, 5609, 5683, 5686, 5815, 6164, 6308, 6470, 6653, 6705, 6934, 6995, 7096,
7169, 7393, 7464, 7561, 7583, 7610, 7619, 7658, 7675, 8167, 8213, 8332, 8612, 8863, 9100,
9335, 9745, 9906, 9972, 10202, 10286, 10365, 10398, 10540, 10611, 10798, 11339, 11755,
11818, 12216, 12346, 12668, 12734, 13769, 13886, 14569, 14609, 14681, 14730, 14852,
14884, 14921, 16200, 16506, 16534, 16669, 16908, 17377, 17703, 17727, 17923, 17954,
18094, 18353, 18420, 18592, 18785, 18834, 18947, 19048, 19056, 19324, 20068, 20109,
20296, 20487, 20888, 21082, 21311, 21544, 21652, 21903, 22018, 22061, 22194, 22299,
22430, 22614, 22933, 23146, 23326, 23759, 24379, 24750, 24793, 24804, 24847, 24952,
25082, 25148, 25200, 25305, 25366, 25589, 25697, 25728, 25853, 25941, 26101, 26106,
26270, 26447, 26517, 26598, 26838, 27013, 27278, 27492, 27564, 27579, 28376, 28555,
29174, 29229, 29285, 29753, 30065, 30532, 30626, 31127, 31337, 31604, 31688, 31748,
31783, 31797, 32017, 32334, 32335, 32815, 32863, 32905, 32978, 33486, 33929, 34251,
34293, 35995, 36393, 36801, 37056, 37170, 37303, 37539, 37613, 37820, 38002, 38209
38551, 38659, 39124, 39174, 40046, 40312, 40636, 40651, 40843, 41387, 41724, 41773,
41986, 42041, 42185, 42284, 42308, 42436, 42671, 42778, 42807, 43538, 43604, 43837,
44615, 44626, 45840, 46072, 46074, 46416, 46661, 46777, 46987, 47316, 49131, 49472,
49729, 49861, 50044, 50196, 50492, 50747, 50813, 50837, 50964, 51015, 51065, 51070,
51439, 51463, 51560, 52322, 52763, 52793, 53356, 53562, 54359, 54385, 54630, 60069,
60346, 60517, 60629, 60769, 61830, 61894, 61950, 62179, 62231, 62889, 63206, 63257
63455, 63740, 63919, 63968, 64298, 64576, 64743, 64784, 65263, 65345, 65403, 65929,
66169, 66314, 66848, 67675, 67854, 68421, 68442, 68514, 68562, 68762, 68771, 69301,
69338, 69582, 69664, 69802, 70127, 70224, 70273, 70473, 70549, 70562, 70565, 70830
70876, 71020, 71143, 71324, 71511, 71519, 71613, 71696, 71819, 71841, 72426, 72432
72455, 72567, 73082, 73323, 73622, 73695, 74189, 74221, 75128, 75366, 75439, 75582
75589, 75847, 75934, 76046, 76224, 76819, 77053, 77195, 77315, 77811, 77823, 77916
78026, 78201, 78393, 78471, 79591, 80373, 80424, 80723, 80881, 81569, 81798, 81846
81940, 82139, 82496, 82514, 83150, 83437, 83564, 83676, 83754, 83920, 83991, 84051,
84271, 84994, 85280, 85882, 86578, 86583, 86603, 86630, 86884, 86911, 86914, 87070,
87212, 87401, 87406, 87660, 87925, 87962, 100235, 100468, 101363, 101650, 101683,
102810, 120135, 122287, 122372, 122994, 123095, 123418, 123468, 123806, 124033,
126245, 126273, 126475, 126769, 126770, 126976, 127147, 127979, 128215, 128429,
129666, 129846, 129869, 130601, 130662, 131261, 131364, 131942, 132219, 132585.
132683, 132977, 133132, 133173, 133539, 133635, 133808, 134238, 134646, 135285,
135648, 135680, 136071, 136122, 136383, 136872, 137085, 137264, 137345, 137717,
138288, 138563, 138604, 138643, 139108, 139565, 140218, 140290, 140526, 141005,
141174, 141245, 142212, 143350, 143405, 143608, 143671, 143911, 143925, 143943,
145846, 145882, 147301, 147595, 147790, 148762,
144444, 145011, 145768, 145787,
149127, 149427, 150011, 150505, 150647, 151036, 151876, 152499, 152940, 153428,
153832, 153862, 154385, 154483, 154606, 154724, 155082, 155304, 156348, 156367,
156448, 156869, 158128, 158190, 159343, 159414, 160123, 160859, 160881, 161682,
162610, 162791, 162884, 162891, 163180, 163404, 163749, 163772, 163839, 164634,
164947, 165225, 166547, 168690, 169341, 169368, 200332, 200556, 200680, 200752,
200927, 201082, 201158, 201168, 202348, 202708, 202846, 203120, 203651, 205447,
206139, 206199, . 206414.
Die Rückzahlung dieſer heute gekündigten Pfandbriefe erfolgt vom 1. Oktober 1914 ab.
Auf ſolche Stücke welche erſt nach dem 31. Oktober 1914 zur Einlöſung gelangen, wird für die Zeit
vom 1. Oktober 1914 ab bis auf weiteres ein 2% iger Depoſitalzins vergütet.
Aus früheren Verloſungen ſind noch rückſtändig:

Ser. 12, Lit. N No. 5485.
P 16227.
16214.
Ser. 13, Lit. O No. 23411.
23558.
R
Ser. 14, Lit. N No. 32320.
6 33099.

Ser. 15, Lit. O No. 84399.
Ser. 18, Lit. N No. 133672, 153281.
131017.
Ser. 19, Lit. P No. 140033.
v. K 140074.

Die Einlöſung erfolgt in Frankfurt a. M. an unſerer Kaſſe, auswärts bei den=
jenigen
Bankhäuſern, die ſich mit dem Verkauf unſerer Pfandbriefe und Kommunal=
Obligationen beſchäftigen, in Darmſtadt bei der Bank für Handel und Induſtrie.
Ebendaſelbſt wird auf Wunſch der Umtauſch der verloſten Pfandbriefe gegen neue Stücke der=
jenigen
Serien, die wir zurzeit ausgeben, zum Tageskurs beſorgt.
Die Kontrolle über Verloſungen und Kündigungen unſerer Pfandbriefe übernehmen wir auf
Antrag koſtenfrei; Antragsformulare, aus welchen die Bedingungen erſichtlich ſind, können an unſerer
Kaſſe, ſowie bei unſeren Einlöſungsſtellen bezogen worden.
Frankfurt a. M., den 5. Juni 1914.
Frankfurter Hypothekenbank.
II, 13859)

Düngerverſteigerung.

In der Artillerie=Kaſerne Beſ=
ſungerſtraße
125 wird jeden Mitt=
woch
um 11 Uhr 30 Min. vor=
mittags
der Inhalt von 3 Batterie=
dunggruben
öffentlich und meiſt=
bietend
verſteigert. (18342gos
Darmſtadt, 5. September 1914.
Erſatzabteilung
Feld=Artillerie=Regiments 61.

Feldſchutz.

Auf Grund des Art. 129b, II, 2 der Städteordnung vom
8. Juli 1911 wird hiermit allen Perſonen, auch den Eigentümern, das
Betreten der offenen und eingefriedigten Grundſtücke in der Feld=
gemarkung
Darmſtadt mit einbrechender Dunkelheit unterſagt.
Zuwiderhandlungen werden mit Polizeiſtrafe bis zu 90 Mark ge=
ahndet
; im gegebenen Falle kann nach den geſetzlichen Beſtimmungen
auch auf eine höhere Strafe erkannt werden.
Darmſtadt, den 1. September 1914.
(18181a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914.

Nummer 251.

5½ Deutſche Reichsſchatzanweiſungen
5% Deutſche Reichsanleihe, unkündbar bis 1. Oktober 1924.
(Kriegsanleihen.)
Zur Beſtreitung der durch den Krieg erwachſenen Ausgaben werden 50 Reichsſchatzanweiſungen
und 50 Schuldverſchreibungen der Reichsanleihe hiermit zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt.
Bedingungen.
1. Zeichnungsſtelle iſt die Reichsbank. Zeichnungen werden bis einſchließlich
Sonnabend, den 19. September, mittags 1 Uhr
bei dem Kontor der Reichshauptbanß für Wertpapiere in Berlin und bei allen Reichsbank=Hauptſtellen, Reichsbankſtellen und Reichsbank=
Aebenſtellen mit Kaſſeneinrichtung entgegengenommen. Die Zeichnungen können aber auch durch Vermittlung der Königlichen Heehandlung
(Preußiſchen Staatsbank) und der Preußiſchen Central=Genoſſenſchaftskaſſe in Berlin, der Königlichen Hauptbank in Nürnberg und ihrer Zweig=
anſtalten
, ſämtlicher deutſchen Banken, Bankiers und ihrer Filialen, jeder deutſchen öffentlichen Sparkaſſe ſowie jeder deutſchen Lebens=
verſicherungsgeſellſchaft
erfolgen.
2. Die Schatzanweiſungen werden in Höhe von Mark 1000000000 aufgelegt. Sie ſind eingeteilt in 5 Serien zu je 200 Millionen
Mark und ausgefertigt in Stücken zu: 100000, 50000, 20000, 10000, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Mark mit Zinsſcheinen zahlbar
am 1. April und 1. Oktober jeden Jahres. Der Zinſenlauf beginnt am 1. Oktober 1914, der erſte Zinsſchein iſt am 1. April 1915 fällig.
Die Tilgung der Schatzanweiſungen erfolgt durch Ausloſung von je einer Serie zum 1. Oktober 1918, 1. April 1919, 1. Oktober 1919,
1. April 1920 und 1. Oktober 1920. Die Ausloſungen finden im April und Oktober jedes Jahres, erſtmals im April 1918 ſtatt; die
Rückzahlung geſchieht an dem auf die Ausloſung folgenden 1. Oktober bezw. 1. April.
Welcher Serie die einzelne Schatzanweiſung angehört, iſt aus ihrem Text erſichtlich.
3. Die Reichsanleihe iſt in derſelben Stückeeinteilung von 100000 bis 100 Mark ausgefertigt und mit dem gleichen Zinſenlauf und den=
gleichen
Zinsterminen wie die Schatzanweiſungen ausgeſtattet.
4. Der Zeichnungspreis beträgt:
a) für diejenigen Stücke der Reichsanleihe, die mit Sperre bis 15. April 1915 in das Reichsſchuld=
unter
Verrechnung
buch einzutragen ſind, 97,30 Mark für je 100 Mark Nennwert,
b) für alle übrigen Stücke der Reichsanleihe und für die Schatzanweiſungen 97,50 Mark von 5% Stückzinſen.
für je 100 Mark Nennwert
Die zugeteilten Stücke an Reichsſchatzanweiſungen ſowohl wie an Reichsanleihe werden auf Antrag der Zeichner von dem Kontor der
Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin bis zum 1. Oktober 1915 vollſtändig koſtenfrei aufbewahrt und verwaltet. Eine Sperre wird
durch dieſe Niederlegung nicht bedingt, der Zeichner kann ſein Depot jederzeit auch vor Ablauf dieſer Friſt zurücknehmen. Die
über vollgezahlte Beträge ausgefertigten Depotſcheine werden bei den Darlehnskaſſen wie die Stücke ſelbſt beliehen.
6. Zeichnungsſcheine ſind bei allen Reichsbankanſtalten Bankgeſchäften, öffentlichen Sparkaſſen und Lebensverſicherungsgeſellſchaften zu
haben. Die Zeichnungen können aber auch ohne Verwendung von Zeichnungsſcheinen erfolgen, und zwar brieflich mit etwa fol=
gendem
Wortlaut:
Auf Grund der öffentlich bekanntgemachten Bedingungen zeichne ich:
5% Reichsſchatzanweiſungen
nom. Mark
5% Reichsanleihe
nom. Mark
und verpflichte mich zu deren Abnahme oder zur Abnahme desjenigen geringeren Betrages, der mir auf Grund gegen=
wärtiger
Anmeldung zugeteilt wird.
Soweit meine Zeichnung auf Schatzanweiſungen bei der Zuteilung nicht berückſichtigt wird, bin ich einverſtanden,
daß ſtatt Schatzanweiſungen auch Reichsanleihe zugeteilt wird.
Ich bitte um Zuteilung von Reichsanleihe, die mit Sperre bis 15. April 1915 für mich in das Reichs=
Das Nicht= ) bei Zeichnungen
zutreffende iſt
fortzulaſſen. auf Reichsanleihe) ſchuldbuch einzutragen iſt, zum Preiſe von 97,30 Mark.
Ich bitte um Zuteilung von Stücken zum Preiſe von 97,50 Mark.
Die mir auf meine Zeichnung zugeteilten Stücke ſind dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin
zur Aufbewahrung und Verwaltung zu übergeben.
7. Die Zuteilung erfolgt tunlichſt bald nach der Zeichnung. Ueber die Höhe der Zuteilung entſcheidet das Ermeſſen der Zeichnungsſtelle.
Anmeldungen auf beſtimmte Stücke und Serien können nur inſoweit berückſichtigt werden, als dies mit den Intereſſen der andern
Zeichner verträglich erſcheint.
8. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Beträge vom Zuteilungstage ab jederzeit voll bezahlen; ſie ſind jedoch verpflichtet:
*40% des zugeteilten Betrages ſpäteſtens am 5. Oktober d. J.
300
26. Oktober d. J.
300
25. November d. J.
zu bezahlen. Beträge bis 1000 Mark einſchließlich ſind bis zum 5. Oktober d. J. ungeteilt zu berichtigen.
9. Die Zeichner erhalten vom Reichsbank=Direktorium ausgeſtellte Zwiſchenſcheine, über deren Umtauſch in Schuldverſchreibungen bezw.
Schatzanweiſungen das Erforderliche öffentlich bekanntgemacht werden wird.
Berlin, im September 1914.
(J,18526
Reichsbank=Direktorium.
v. Grimm.
Havenſtein.

Bekämpfung der Raupenplage.

Trotz wiederholter Hinweiſe iſt die Säuberung des ausſtehen=
den
Wintergemüſes von den Raupen des Kohlweißlings noch nicht
mit dem unbedingt erforderlichen Eifer betrieben worden. Dies iſt
gerade jetzt, wo der Erhaltung und der Mehrung unſerer Lebens=
mittelvorräte
die größte Sorgfalt gewidmet werden muß, unverſtänd=
lich
. Ich erſuche alle Beſitzer von Gemüſeanlagen dringend, mit der
Säuberung alsbald zu beginnen und die Arbeit mit Beſchleunigung
bis zum Ende gewiſſenhaft durchzuführen. Wer über genügende
Arbeitskräfte nicht verfügt, wolle dies unverzüglich im Stadthaus,
Zimmer Nr. 29, melden. Es wird dann eine unentgeltliche Unter=
ſtützung
durch die Jugendhilfe veranlaßt werden.
(18543sgi
Darmſtadt, den 10. September 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Beſtellung der Felder.

Den nachſtehenden Abdruck bringe ich hiermit zur öffentlichen
Kenntnis, mit der dringenden Empfehlung an alle Landwirte, Garten=
und Grundſtücksbeſitzer, an ihrem Teile nichts zu verſäumen.
Darmſtadt, den 3. September 1914.
(18286sif
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Landwirte, ſorgt für normale Winterbeſtellung!

Nachdem die Getreideernte faſt ganz geborgen iſt, wird es in
dieſer ernſten Zeit zu einem dringenden Gebot, mit allen Mitteln für
eine normale Winterbeſtellung zu ſorgen. Da von verſchiedenen
Seiten die Beſorgnis ausgeſprochen iſt, daß viele Landwirte wegen
der Kriegsgefahr die Winkerbeſtellung entweder nicht oder nicht in
dem bisherigen Umfange vorzunehmen gedenken, beehren wir uns
die dringende Bitte auszuſprechen, mit allen Mitteln dahin wirken
zu wollen daß die Winterbeſtellung, Bodenbearbeitung, Düngung
mit tieriſchem und künſtlichem Dünger, ſowie Ausſaat in demſelben
Umfange und mit derſelben Sorgfalt vorgenommen wird, wie in
Friedensjahren. Da das Wintergetreide in Deutſchland faſt 60%
der geſamten Getreidefläche beanſprucht, würde eine Vernachläſſigung
oder Einſchränkung unſerer Winterbeſtellung gegenüber ihrem nor=
malen
Friedensſtande geradezu eine Kataſtrophe nicht nur für die
Landwirtſchaft ſelbſt, ſondern für die geſamte Volksernährung her=
beiführen
können.

Aufforderung.
(Stadtwald.)

Darmſtädter Arbeitsloſe, welche mit dem Holzfällen umgehen
önnen, mögen ſich melden:
1. Für den Beſſunger Laubwald bei Herrn Förſter Lehr,
Klappacherſtraße Nr. 84.
2. Für den Oberwald bei Herrn Forſtwart Hofmann, Hirſch=
,köpfe.
3. Für die Darmſtädter Tanne bei Herrn Forſtwart Geriſch,
Frankenſteinſtraße Nr. 84.
(18179a
Darmſtadt, den 31. Auguſt 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Einquartierung.

Eine etwaige Vergütung für geleiſtete Quartiere ſowie für
Verpflegung einquartierter Mannſchaften (Offiziere verpflegen ſich
auf eigene Koſten) wird ſpäter nur dann gewährt, wenn die Quartier=
ſcheine
innerhalb der nächſten 10 Tage nach Abgang der Mann=
ſchaften
dem ſtädtiſchen Einquartierungs=Ausſchuß, Stadthaus, Zim=
mer
Nr. 23, zur Anerkennung vorgelegt werden.
Umquartierung von Mannſchaften, die länger als 8 bis
10 Tage in einem und demſelben Quartier lagen, wird auf Nach=
ſuchen
und Vorlage des Quartierſcheines durch den vorſtehend
bezeichneten Ausſchuß vorgenommen.
Darmſtadt, den 7. September 1914.
(18431a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Mitteilung.

Ich mache hiermit bekannt, daß mein Geſchäft
von heute ab täglich
vormittags von 9 bis 12 Uhr
nachmittags von 2 bis 4 Uhr
außer Samstag nachmittag
wieder geöffnet iſt.
Am 21., 22. und 30. ds. Mts. bleibt mein
Büro Feiertage halber geſchloſſen.
(18555
Hermann Wertheim, Filiale Darmstadt,
Bankgeschäft.

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Riegerplatz 8.
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Mahnung der Ge=
meindeſteuer
.

Das Ende Juli ds. Js. fällig
geweſene 2. Ziel der Gemeinde=
ſteuer
für 1914 iſt bis zum 14. ds.
Mts. hierher zu bezahlen. Ge=
ſchieht
dies nicht, dann wird das
koſtenpflichtige Zwangsvollſtrek=
kungsverfahren
eingeleitet und es
werden vom 15. September ab
Pfandkoſten erhoben.
Dieſe öffentliche Mahnung tritt
mit Genehmigung Großh. Mini=
ſteriums
des Innern für die Dauer
der Kriegszeit an Stelle der ſeit=
herigen
Zettelmahnung. (18285sis
Darmſtadt, 4. September 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Schulgeld=Mahnung.

Das Ende Auguſt ds. Js. fällig
geweſene Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium und deſſen Vor=
ſchule
, die Großh. Oberrealſchulen,
die Vorſchule der Großh. Gym=
naſien
, die Viktoriaſchule und das
Lehrerinnenſeminar, die Eleono=
renſchule
und Frauenſchule und
die Mittelſchulen für das III. Ka=
lendervierteljahr
1914 iſt bis zum
19. ds. Mts. hierher zu bezahlen.
Erfolgt dies nicht, dann wird das
koſtenpflichtige Zwangsvollſtrek=
kungsverfahren
eingeleitet und es
werden vom 21. September ab
Pfandkoſten erhoben. (18541sid
Die öffentliche Mahnung tritt
mit Genehmigung Großh. Mini=
ſteriums
des Innern für die Dauer
der Kriegszeit an Stelle der ſeit=
herigen
Zettelmahnung.
Darmſtadt, 11. September 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Städtiſches
Hallenſchwimmbad.
Die Badezeit für die Schwimm=
halle
iſt wie folgt geändert:
Morgens von 79 Uhr für
Männer.
Morgens von 912 Uhr
Frauen.
Mittags von 122 Uhr für
Männer.
Mittags von 25 Uhr für
Frauen.
Nachmittags von 58 Uhr
für Männer.
(18269ss
(Sonntags nur für Männer.)
Die Badeverwaltung.

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[ ][  ][ ]

Nummer 251.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag den 12. September 1914.

Seite 9.

Der Feldzug 187071.
Aus hinterlaſſenen Papieren eines Mitkämpfers
von 1870/71.

Ihr liewe Leut, es iſt mobil, wir ziehen fort in Krieg.
Es mag jetzt gehen, grad wie es will; jetzt ſterwe oder Sieg.
Dann denkt, wann das Franzoſenvolk, in unſer Land deht
komme; des gebe Arweit, Sacrament! do dehts ganz
annerſt brumme. O weh dann for die Mädcher und for
die junge Weiwer; die Turkos und das Slawakekohr, das
ſein die reinſte Reiwer. Dann wann mer ſich die Kerl
betracht, do muß mer ſich ſchun ferſchte; beim Sturm und
beim demolieren, do ſein ſie ſtets die erſte.
Doch nur Geduld, wir werden ſchun die roten Hoſen
flicken; wir warte nur noch uff die Stun, for an die Grenz
zu ricke! Un Gott ſei Dank! die Stun is do, mir ziehen
aus de Neſter, mir nehmen ſchnell de Abſchied noch von
Vater, Mutter und Schweſter. Jetzt geht es duſchur fort,
doch immer froh und heiter, der ane ſingt, der anner racht,
ſo geht es immer weiter.
Die Rheinbrück is jetzt ſchun paſſiert. Mir ſein ſchun
ſchee gelaafe, de Ranze uffem Buckel geſchniert, des will
doch ſchun was haaße. So e Ranze wiegt ſei 30 Pfund,
die Zindnadel und Patrone, der Säbel und die Bickel=
haub!
des is gor net ſo ohne. Doch Kerl wie mir, die
könne deß jo all ſchun längſt vertrage, deshalb thun mir
das Franzoſevolk doch noch zum Deiwel jage. Es wird
de ganze Tag marſchiert, damit wir forwärts kumme.
E manchem is es aach net recht, mehr hörts ſo öfters
brumme. Doch davon nimmt mer ka Notitz; nur immer
vorwärts, Bruder, is aach es Hemd ſchun naß geſchwitzt,
des trucknet jo all wieder.
Des Laafe is jo all ſchun recht, wens nur noch geb
zu ſpinne, doch dadrinn wars in Bayern ſchlecht, da
war nix mehr zu finne. Wann ſchun in Deutſchland nix
mehr is, dann ſein mer zu beklage; do gehen ſie uns
doch ganz gewiß in Frankreich an de Krage. Dann
ſtramm marſchiern und ſchmale Koſt, bei ſo em haaße

Wetter; bloß Waſſer vor den großen Dorſcht un aach noch
nachts ka Better. Do geht der ſtärkſte Mann zu Grund,
das könnt ihr glabe ſicher; als Toder kemer an die Grenz,
un net als ächter Krieger.
Doch ſein mer mol in Frankreich drei, do werts
ſchun anerſt wern, do trinke mir nur noch rote Wein und
ſpiele die große Herrn. Drum tröſte mir uns ein fiedel
bei unſer ſchmale Koſt; Zufriedenheit und heitrer Sinn
is ewe unſrer Troſt. Aach hawe mer ſchun biwakiert,
Herrje! des is e Treiwe! Do werd gekocht un werd
gerührt; man kanns faßt net beſchreiwe. Bei denne warme
Sommertäg, do is es e Vergnüge, ſo immer Gottes freie
Welt ſo uff der Erd zu liege. No kurz un gut, es is
Pläſir, vermiſcht mit viel Strawatze. Bald kennt e.
manchem ahm vor Staab net net mehr, bald ſein mir naß
wie Katze.
Doch des ſchinirt uns alles nix, wir kumme über die
Grenz; die Herrn die kriegen mol ihr Wix. Sie wollen
es jo ſo hawe. Sarbrüke hawe mer ſchun erreicht, un
gach die Spicher Höhe; und wann mer zwa Tag früher do,
ſo hätte mer ſe geſehe. Doch Speiſe waren ſchun vorbereit,
un hot ſe fortgetriwe, doch ſein bei der Gelegenheit gar
viele Leut gebliewe. Wie mer die viel Gefallene ſehen, do
kumme mer erſt in Wuth! und ſagte: Jetzt mags gehn,
wie es will, deß koſt franzöſiſch Blut! Der Feind is net
mee weit von uns, jetzt vorwärts, tapfre Heſſe, nur mit
dem Franzoſekohr uns aach emol doch meſſe.
Un rein bei Gorze, do ging es ſchun los, do kumme ſe
uns in die Finger. Jetzt mach dein Teſtament, Franzos;
drum ſiege duſt du nimmer. Ihr Liewe, wor des e Schlacht
en Dunner une Wehe von Kugelſpritze und Chaſſepot:
mir ſein bald unerlege. Doch erſt am 18. Auguſt, ihr
Männer, da dahts ſpucke; uff 6 Stunn Wegs weit war
es net juſt, do hat mer was zu gucke. Mehr mahnt, der
jüngſte Tag wär do, die Welt ging ewe unner; mer hört
ſei eigens Wort net mehr, ſo wor es e Gedunner. Der
Himmel war ganz aſchegrau, Granate hört man ziſchen:
die Muſik und der Trummelſchlag glang ſchauerlich da=
zwiſchen
.

Des wor e Ringe hin un her, e Dowe un e Dreiwe;
dazwiſchen kreiſche die Komondeur, mer ſollen dapfer
bleiwe. Un wie mer uns gehalten hawe, des waß die
Welt ganz ſicher. Mir weiche aach kein Finger breit; un
ſtanden feſt wie Blücher. So ging es fort bis in die.
Nacht, mit kämpfe un mit ringe; des gottverflucht Fran=
zoſenvolk
, war kaum vom Platz zu bringe. Doch endlich
ſein ſie reteriert, un in die Flucht gerothe. Mir hatte ſe
ordlich eigeſchmirt mit Kugel un Granate. Sie liefe bis
nach Metz hinein; des wollten mer grad hawe. Jetzt ſein
ſie in der Mauſefall drei, ſo gut als wie gefange. Doch
dadrei ſei ſie aach net lang, ſie müſſe ſich ergebe; die
Feſtung werd bald unſer ſein, des werd ihr all erlewe,
Un richtig kam die Zeit ebei, wo ſich des daht erfülleg
ſie gaben uns die Feſtung frei, mir taten de Hunger ſtillen.
O je, die hatte en Appetit, es is kaum zu beſchreiwe;
mer konnte vor die Geſellſchaft kaum das Eſſe all auf=
treiwe
. Doch ſein ſe glücklich eingebracht; un mir als
ächte Heſſe, mir ziehe for die Stadt Paris, uns dort mit
dem Feind zu meſſe. Un wie mer ſo im Laafe ſein, do
kumme die Befehle; mir ſollen uns bei Orléans zum
Rendez=vous uffſtelle. Drum friſch, Freikohr, un die
Loire=Armee und allerhand Geſindel, de Garibaldi un noch
meh, die treiwe dort ihrn Schwindel. Drum ſtehen mer
mit vereinder Macht, die Bayer, Heſſe und Preuße, un
halte Dag und Nacht dort Wacht, um dene de Weg
zu weiſe.
Un kimmt uns anner in die Fall von dem Bandite=
kores
, do is es rettungslos verloren, mir machen gleich
kabores. Sie kriege, wo ſie ſein, ihr Schleg, in Norden
und in Süde, doch ſein ſe als noch net geſcheit, ſunſt hätte
ſe ſchun Friede. Doch amol kriege mer ſe doch, ’s derf aach
noch paar Dag dauern, de Hunger treibt ſe bald erfor
aus de Pariſer Mauern. Dann ziehe mer mit Glanz
erei, von Norde un von Süde; Un König Wilhelm ſchreibt
dann drei mit eigner Hand de Friede. Un is de Friede
dann diktiert, do gehts wie e Gewitter; Hurah, die Gäul,
es werd hammarſchirt, mir ſehe uns bald widder.

Wir erhalten bis kommenden
Samstag Abend
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An die Versicherten der North British and Hercantile
Feuerversicherungs-Aktien-Gesellschaft.
Frankfurt a. M., den 1. September 1914.
Wir beehren uns hierdurch ergebenſt mitzuteilen, daß ſich
unſere Direktion in Berlin in Rückſicht auf die politiſche Lage
und die im Kreiſe unſerer Verſicherten entſtandene Beunruhig=
ung
veranlaßt geſehen hat, ihren deutſchen Verſicherungs=
beſtand
auf die mit einem Aktienkapital von 10 Millionen
Mark und mit guten Reſerven ausgeſtattete
Stuttgarter Mit= und Rückveuſicherungs=
Aktiengeſellſchaft in Stuttgart
zu übertragen. Die genannie Geſellſchaft tritt vom 1. September
1914 ab in ſämtliche Verſicherungsverträge ein und verbürgt ſich
damit für die Erfüllung aller Pflichten, die die North British
and Mercantile ihren Verſicherten gegenüber übernommen hat.
Wir ſind gern bereit, weitere Aufklärungen zu erteilen, und
empfehlen unſeren Verſicherten dringend, den ihnen von
anderer Seite empfohlenen Abſchluß von Garantie= oder
Doppelverſicherungen zu unterlaſſen, da ihnen dadurch
(Br, 18538
nur unnütze Geldausgaben erwachſen.
Theodor & Carl Unverzagt
jetzt Generalagenten der Stuttgarter Mit= und
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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914.

Nummer 251.

LeRkffegsfdua

hat in den bisherigen Bezugs- und Zahlungsverhältnissen der Industrie und des Grosshandels mit dem Detaile
handel grosse Veränderungen hervorgerufen. Die Zahlungsbedingungen sind ungemein verschärft worden, ja
meist wird dem Detaillisten Ware nur gegen Nachnahme oder sofortige Kasse abgegeben. Die Detaillisten
sind daher ihrerseits ebenfalls auf
Barzahlung und Eingang der ausstehenden Rechnungen
angewiesen. Es ist ferner nur möglich, die Geschäftsbetriebe im seitherigen Umfang aufrechtzuerhalten und
von Personalentlassungen abzusehen, wenn mit der hier leider sehr verbreiteten Gepflogenheit-
(18323gs
Auswärts zu kaufen und zu bestellen
gebrochen wird und die Bevölkerung
ihren Bedarf am Platze kauft.
Der Vorstand des Detaillisten-Verein Darmstadt. Der Vorstand des Rabatt-Sparverein Darmstadt.

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Tobias Wilders Weg zur Höhe.
Von Zdenko von Kraft.
(Nachdruck verboten.)
33)

13.
In dem kleinen Muſikzimmer war ein geteiltes Leben.
Es ſprachen nur Elſe Berkens und Heinrich Lüdborg.
Sie hatten einander viel zu ſagen über die Sonate, die da
verklungen war. Elſe hatte gut geſpielt, und Lüdborg
war kein übler Geiger. Die Freude des ſchönen Klanges
wirkte in ihnen nach. Doch je lebhafter ſie miteinander
plauderten, um ſo ſchweigſamer blieben die anderen.
Daniel Lerch ſtand in einer Fenſterniſche, die Fäuſte
in den Joppentaſchen. Manchmal warf er einen raſchen,
kalten Blick zu Fritz Winter hinüber und ſah dann wieder
mißmutig in den Heiligenſchein aus blonden Haaren, der
im Kerzenflimmer das Haupt ſeiner ſchönen Braut um=
wob
. Sonſt war Daniel ſehr geſprächig. Warum heute
ſo ſtumm? Waren ſeine Gedanken bei den Futterſtellen
und den Wildwechſeln ſeiner Wälder im Reißtal? Oder
waren ſie bei der Hütte des Erasmus, erbauten ſie da auf
einer Bruchſtätte ein ſchmuckes Jagdhaus? Oder ärgerte
es ihn, daß da immer von Muſik geſprochen wurde? Ihm
galt ein guter Blattſchuß mehr als die ſchönſte Sonate.
Oder verdroß ihn die Art, wie Heinrich Lüdborg mit Elſe
plauderte? Und wie Elſe zu Heinrich aufſah und ſeinen
Worten lauſchte?
Ebenſo ſtumm wie Daniel Lerch war Friedrich Win=
ter
, der neben dem offenen Flügel ſtand. Er ſah nicht
mehr zu Lerch hinüber ſchon lange nicht mehr. Immer
blickte er in das Geflacker der Kerzen, die auf dem Noten=
ſtänder
brannten. Was er am Nachmittag die Bauern
im Wirtsgarten htte reden hören, das wollte ihm nicht
mehr aus den Gedanken. Es war böswilliges Gerede
ja! An dieſen üblen Klatſch zu glauben, erſchien ihm
ſinnlos. Doch eines ſtimmte das, was die Bauern ge=
redet
hatten von dem vielen ſchuldigen Gelde. Und in
Fritz begann ein Funke zu brennen, der ihn unerträglich

quälte. Und immer wieder mußte er an dieſes ſchwer Er=
klärliche
denken: wie Daniel Lerch ſich verhalten hatte, jetzt
am Abend, als Lüdborg bei der Vorſtellung den Namen
Friedrich Winter nannte. In Lerchs Geſicht hatte ſich
keine Miene bewegt. Nur ein verwundertes Aufblicken.
Und dann die ruhige Frage: Winter? Sagen Sie, Herr
Lüdborg . . . vor acht Jahren . . . Sie wiſſen doch . . . iſt
der junge Herr da mit jenem anderen verwandt? Und
als Lüdborg ſagte: Sein Sohn! da kam dieſer wun=
derliche
Laut des Erbarmens: Oh? ſonſt nichts.
Kein Wort, kein Gruß nichts. Und dann immer wie=
der
dieſer raſche, kalte Blick, dem Winters Augen mit wach=
ſendem
Unbehagen begegneten dieſer Blick, der ihn ſo
heiß zu quälen begann, daß Winter nimmer hinüberſah
zur Fenſterniſche und kein Wort mehr aus der Kehle
brachte.
Und noch zwei andere waren da, die das Reden ver=
lernt
zu haben ſchienen: Röschen Hellmer und Tobias
Wilder. Ihre Geſichter brannten ſo heiß, daß Lüdborg
lächelnd zu Elſe ſagte: Dieſen beiden muß Beethoven ſehr
viel erzählt haben! Sie ſaßen auf dem kleinen Sofa, und
zwiſchen ihnen blieb nicht ſo viel Raum, daß die Rüde
Berkens’, die ſich an ſie heranſchmeichelte, den ſchlanken
Kopf zwiſchen die beiden hätte legen können.
Still, auf eine wunderlich verträumte Art, ging So=
phie
ab und zu, um den Teetiſch zu richten. Immer wie=
der
ſah Elſe, während ſie mit Lüdborg planderte, die
Schweſter an, die anders war als ſonſt und wie ver=
wandelt
ſchien, ſeit ſie aus Kapellen die Nachricht gebracht
hatte, daß Karl von der Tenne wieder in der Heimat wäre.
Ein ſeltſames Geſchöpf war ſie. In ihrem Kopf ſaß
vieles dicht beieinander, was ſich ſonſt im Leben nicht gut
verträgt. Als Kind voll toller Einfälle, war ſie in ihren
Mädchenjahren ernſt und nachdenklich geworden; nur zu=
weilen
brach eine heitere Laune aus ihr heraus meiſt
dann, wenn die Erinnerung mit ihr einen Spaziergang
unternahm in die Jugendzeit.
Jugendzeit? Sie zählte kaum fünfundzwanzig Jahre.
Und doch war ihr oft, als wäre der Frühglanz ihres Le=
bens
mit den letzten Schulheften und vor dem erſten lan=

gen Kleid verſchwunden. Ihre Kinderzeiten hatten mehr
Blüten für ſie als die Tage ihrer Mädchenjahre.
Nun ſteckte ſie gerade neue Kerzen an den Flügel, und
Heinrich Lüdborg ſpannte zu neuem Spiel den Violin=
bogen
, als Berkens den unerwarteten Gaſt hereinführte.
Die beiden brachten keine fröhliche Stimmung. Hein=
rich
Lüdborg machte eine freundliche Verbeugung und
ſtellte ſeinen Freund vor. Friedrich forſchte in Karls ver=
ſonnenen
dunklen Augen, als wäre in ihnen ein Spiegel=
bild
ſeiner eigenen Seele, ſuchend und ratlos, ohne Hoff=
nung
faſt. Daniel nickte einen kurzen Gruß. Röschen
blieb ſtumm und regte ſich kaum. Und Tobias der
ſtand wohl höflich auf aber hätte man eine Frage an
ihn gerichtet, er hätte eine verwirrte, ſinnloſe Antwort
gegeben, wie ein Erwachender, der mit offenen Augen
noch von aller Wirrnis eines gefahrvollen Traumes redet.
Für die beiden Mädchen war Karl ein alter Bekann=
ter
freilich aus Tagen, die ſo fern lagen wie der Chriſt=
baum
den Roſen des Sommers. Elſe ſtreckte dem Heim=
gekehrten
die beiden Hände hin und ſah ihm voll in die
rätſelhaften Augen.
Zwölf Jahre Karl das war eine lange Zeit!
Er nickte unter halbem Lächeln.
Da reichte ihm Sophie die ſchmale Hand. Sie ſuchte
nach einem Wort und fand keines. Sein Blick machte
ſie ſtumm. Nur ein feines Rot zitterte über ihre Wangen.
Sophie, ſagte er, wenn wir Menſchen auch wieder=
kehren
die Tage, die geweſen ſind, kommen nicht wieder.
Sie ſah ihn traurig an. und er fuhr mit der Hand
über ſeinen Scheitel.
Es entſtand eine Pauſe.
Kinder, ſagte Berkens ärgerlich, ich weiß nicht, wie
das kommt aber Ihr ſeid ungemütlich. Kommt her zum
Tiſch! Wir wollen Tee trinken. Das Waſſer dampft. Und
etwas Warmes dürfte bekömmlich ſein in der Kühle dieſer
denkwürdigen Minute.
Ein halbes Lachen, ein gezwungenes Geplauder
dann nahmen ſie Platz am Tiſche.
(Fortſetzung folat.)

[ ][  ][ ]

Nummer 251.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 12. September 1914.

Seite 11.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
85 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 5. Sept.: dem Kanzliſt, z. Zt. Offi=
zierſtellvertreter
beim Erſ.=Batl. Landwehr=Regt. Nr. 116
Guſtav Rieſe, Pankratiusſtr. 30½, ein S. Botho Willi
Guſtav Adolf. Am 4.; dem Eiſenbahnwerkmeiſter Heinrich
Kerſting, Rhönring 81, ein S. Wilhelm. Am 5.: dem
Kaufmann Jakob Klippel, Müllerſtr. 7, ein S. Ludwig.
Am 4.: dem Kutſcher Konrad Fink, Dieburger Straße 42,
ein S. Konrad. Am 6.: dem Taglöhner Georg Büdin=
ger
, Große Bachgaſſe 14, ein S. Georg Emil. Am 7.: dem
Taglöhner Chriſtian Becker, Heinheimerſtr. 20, ein S.
Friedrich. Am 6.: dem Hausburſchen Karl Saffra, Kies=
ſtraße
14, ein S. Willi. Am 7.: dem Kaufmann Joſeph
Engelbach, Bismarckſtr. 48, eine T. Luiſe Katharina
Frieda. Am 8.: dem Formſtecher Arthur Müller,
Schützenſtr. 17, ein S. Arthur Anton Hermann. Dem
Hofmaler Heinrich Nover, Wendelſtadtſtr. 29, ein S.
Georg Heinrich Joſeph.
Aufgebotene. Am 9. Sept.: Schutzmann Julius
Wyſotzki in Frankfurt a. M., und Gertrude Amalie
Marie Sollmann in Wiesbaden. Fabrikant Johannes
Gruber in Pfungſtadt und Anna Feucht, Heinheimer=
ſtraße
77. Am 10.: Kommiſſariſcher Eiſenbahngehilfe Franz
Joſeph Fillmann in Erbach i. Rheingau und Joſephine
Wilhelm, Kiesſtr. 49. Tiefbautechniker Johannes Phi=
lipp
Jakob Haas, Frankfurter Straße 19, und Anna
Margarete Reinheimer, Georgenſtr. 9.
Geſtorbene. Am 6. Sept.: Chriſtian Fauſt, Schrift=
ſetzer
, 34 J., ev., Landgraf Georgſtr. 64. Am 7.: Johann
Joſeph Zimmer, S. des Bahnarbeiters, 8 Mte., ev.,
Eliſabethenſtr. 39. Marie Weintz geb. Neuſel, Ehefrau
des Privatiers, 59 J., ev., Hügelſtr. 63. Am 8.: Karoline
Orlemann, Privatin, 76 J., ev., ledig, Beckſtr. 52.
Charles Louis Erneſt Maſure, Bankbeamter, z. Zt. Sol=
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im franz. Inf.=Regt. Nr. 131, aus Josnes, Provinz
Loire et Cher, hier, Hochſchulſtr. 2. Luiſe Steingrübner,
Privatin, 69 J., ev., ledig, Georgenſtr. 5. Alice Lauen=
ſtein
, Kinderſchulgehilfin, 18 J., ev., led., Erbacher Str. 25.
Am 9.: Otto Grim, Inſtallateur, 19 J., kath., ledig, Gra=
fenſtr
. 9. Frieda Heiligenthal, T. des Hausburſchen,
6 Mte., ev., Neue Ireneſtr. 17.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 27. Aug.: dem Oberleitungsaufſeher
Valentin Gerhard II., Neue Niederſtr. 22, ein S. Wil=
helm
. Am 30.: dem Schneider Heinrich Auguſt Stein=
metz
, Weinbergſtr. 45, eine T. Jakobine Ottilie. Am 6.
Sept.: dem Kaufmann Auguſt Steiger, Moosbergſtr. 71
ein S. Willi. Am 8.: dem Maſchinenſchloſſer Karl Ludwig
Riehl, Forſtmeiſterſtr. 6, ein S. Leonhard Peter Ludwig.
Am 5.: dem Diplom=Ingenieur Ernſt Guſtav Otto Fritz
Morell in Hörde (Weſtfalen) ein S., Mathildenſtr. 48.
Dem Schreiner Philipp Held, Ludwigshöhſtr. 51, eine
T. Anna Margarete.
Eheſchließungen. Am 29. Aug.: Kanonier (Reſerviſt)
der Erſatz=Abteilung des Feldart.=Regts. Nr. 61 Joſeph
* Gerbartz und Katharina Franziska Richter zu Nied
am Main.
Geſtorbene. Am 29. Aug.: Privatin Emilie Muel=
ler
aus Schönberg, 69 J., ev., ledig, Roquetteweg 16½.
Am 1. Sept.: Geh. Oberforſtrat i. P. Heinrich Krauß,
68 J., ev., Grünerweg 91. Am 2.: Privatin Hortenſe
Pfaff, 48 J., ev., ledig, Karlſtr. 73½. Am 6.: Eiſen=
bahnſekretär
i. P. Rechnungsrat Karl Günther, 81 J.,
ev., Bruchwieſenſtr. 2. Am 7.: Ernſt Karl Paul, 1 Mt.,
ev., Beſſunger Straße 55. Am 6.: Katharina Stark
10 J., ev., Nieder=Ramſtädter Straße 177.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden
14. Sonntag nach Trinitatis, den 13. September 1914
Hofkirche: Kein Gottesdienſt. Mittwoch, den
16. Sept., abends um 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Zimmermann. Abends um 6 Uhr: Pfarrer Velte.
Predigtgottesdienſt und Abendmahlsfeier. Mittwoch,
den 16. September, abends um 8½ Uhr: Kriegsbetſtunde.
Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Zimmer=
mann
. Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Vogel.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
13. Sept., vorm. um 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Refor=
mationsgemeinde
. Pfarrer Velte. Vorm. um
11¼ Uhr: Chriſtenlehre für die Kaplaneigemeinde.

Pfarrer Beringer. Nachm. um 2 Uhr: Taubſtummen=
gottesdienſt
. Pfarrer Kleberger.
Militärgemeinde ((Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr
Garniſonspfarrer Günther. Vorm um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt (Steinſtr. 24, Muſikſaal).
Johanneskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingeldey. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Mittwoch, den 16. September, abends um
8 Uhr: Andacht. Pfarrer Marz.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrverwalter
Storck. Vormittags um 11 Uhr: Kindergottesdienſt
für den Weſt bezirk. Pfarrer D. Waitz. Nachm. um
2 Uhr: Schluß der Chriſtenlehre für den Nord bezirk in
der Kirche: Pfarraſſiſt. Lindenſtruth, für den Oſt bezirk
im Martinsſtift: Pfarrverwalter Storck, für den Weſt=
bezirk
im Gemeindehaus: Pfarrer D. Waitz. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Berſtunde im Martinsſtift: Pfarrer
Schneider. Abends um 6 Uhr: Eröffnung des Kon=
firmandenunterrichts
. Pfarrer D. Waitz. Mittwoch, den
16. Sept., abends um 8 Uhr: Andacht. Pfarrverwalter
Storck.
Herberge zur Heimat: Vormittags um 8 Uhr: Pfarrer
Memmert.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Lenz. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Freitag, den 18. September, abends um
8¾ Uhr: Kriegsbetſtunde.
Weſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. um 8½ Uhr:
Chriſtenlehre. Pfarrer Wagner. Vorm. um 10 Uhr:
Pfarrer Wagner. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Wagner. Mittwoch, den
16. September, abends 8 Uhr: Kriegsbetſtunde. Pfarrer
Wagner.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt
mit Feier des hl. Abendmahls. Anmeldung von ¾10 Uhr
an. Pfarraſſiſtent Sann. Vormittags um 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Sann. Mittwoch,
den 16. Sept., abends um 8 Uhr: Kriegsbetſtunde. Pfarr=
aſſiſtent
Sann.
Evang. Gemeinde in Eberſtadt: Sonntag, den 13. Sept.,
vorm. um ½10 Uhr und abends um 6 Uhr: Gottes=
dienſt
. Pfarrer Paul.
Evang. Gemeinde in Nieder=Ramſtadt: Sonntag, den
13. Sept., vorm. um ½10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarr=
verwalter
Weik.
Evang. Gottesdienſt in Fraiſa: Sonntag, den 13. Sept.,
nachmittags um 2 Uhr: Gottesdienſt im Rathausſaal.
Pfarrverwalter Weik.

Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 13. Sept.,
vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. Herr Kirchenrat Weiker.
Abends um 8½ Uhr: Gebetsvereinigung. Dienstag,
den 15. Sept., abends um 8½ Uhr: Blaukreuzbibel=
ſtunde
und Gebetsvereinigung. Donnerstag, den
17. Sept., abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde und Gebets=
vereinigung
. Zweig der Stadtmiſſion ( Beſſunger=
ſtraße
88, Hth.). Sonntag, den 13. Sept., vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmittags un 3 Uhr:
Jugendbund für Jünglinge. Um 4½ Uhr: Jugend=
bund
für Jungfrauen. Freitag, den 18. Sept., abends
um 8½ Uhr: Bibelſtunde und Gebetsvereinigung.

Griesheim bei D.: Sonntag, den 13. Sept., abends
um 8½ Uhr: Religiöſer Vortrag im Kleinkinderſchulſaal.

Gottesdienſt der Nenapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getaufter Chriſten (Waptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 13. Sept., vorm. um 9½ Uhr:
Predigt. Prediger Winhold. Um ¾11 Uhr: Sonn=
tagsſchule
. Nachm. um 4 Uhr: Predigt. Prediger
Winhold. Abends um 6 Uhr: Jugendverein. Mitt=
woch
, den 16. Sept., abends um 8½ Uhr: Kriegsgebet=
ſtunde
.

Katholiſche Gemeinden
15. Sonntag nach Pfingſten, den 13. September 1914
Kollekte für den Aachener Miſſionsverein
St. Ludwigskirche: Samstag, den 12. September,
nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 6 Uhr: Erſte heil. Meſſe. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hoch=
amt
mit Predigt und Te Deum zur Feier der Erwäh=
lung
und der Krönung des Papſtes Benedikt XV. Um
11 Uhr: Letzte heil. Meſſe. Nachmittags um 3 Uhr:
Andacht zu Ehren der hochheil. Dreifaltigkeit. Freitag,
abends um 8 Uhr: Bittandacht zur Erflehung der gött=
lichen
Hilfe in der gegenwärtigen Kriegszeit.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Abends um 6 Uhr: Roſen=
kranzandacht
.

Kapelle in der Waldſtraße: Sonntag, vormittags um
7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 4 Uhr: Verſamm=
lung
des kath. Dienſtmädchen=Vereins. Montag, nach=
mittags
um 4 Uhr: Sakramentaliſche Betſtunde.
Kapelle zu Griesheim; Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 12. Sept., nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
heil. Meſſe mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt und
Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Kriegsandacht und Segen.
Während der Woche jeden Abend um 8 Uhr: Kriegs=
andacht
und Segen.
Kapelle zu Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
12. Sept., nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Feſt Mariä Geburt
Kollekte für den St. Joſephs=Miſſionsverein
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um. ½7 Uhr: hl. Meſſe. Um ½9 Uhr:
Amt mit Predigt und Te Deum. Nachm. um ½3 Uhr:
Kriegsgebet. Mittwoch, abends um 8 Uhr: Kriegsgebet.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 12. Sept., nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½ 6 Uhr: Beichte. Um
½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt, Predigt und Gebet für unſere Krieger.
Nachm. um ½2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 2 Uhr:
Andacht. Werktags um ¼7 Uhr: Singmeſſe mit heil.
Kommunion und Kriegsbetſtunde; vorher Beichtgelegen=
heit
. Während der Kriegszeit an allen Donnerstagen,
nachmittags um 4 Uhr: Kriegsbetſtunde und Predigt.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, vormittags um
7 Uhr: Beichte. Um ½8 Uhr: Amt, Predigt und
Gebet für unſere Krieger. Nachmittags um ½2 Uhr?
Andacht. An allen Wochentagen, nachm. um 4 Uhr:
Andacht zur Erflehung der göttlichen Hilfe und Erbar=
mung
in der gegenwärtigen Kriegszeit.
Trauungen auswärt. Paare: Pfarrer Zimmer=
mann
.
Beerdigung auswärts Verſtorbener: Pfarrer
Beringer.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Paulusgemeinde: 23. Aug.: Dem Metalldreher
Joh. Adolf Hermann Galonsky T. Anna Eliſabeth Emma,
geb. 22. Juni. 6. Sept.: Dem Diplom=Ingenieur Adolf
Theodor Sander S. Ernſt Auguſt, geb. 31. Juli.
Johannesgemeinde: 3. Sept.: Dem Taglöhner
Heinrich Gunkel T. Eliſabeth, geb. 27. Auguſt. 8. Sept.:
Dem Schriftſetzer Peter Waldmann, S. Heinrich Friedrich
Willi, geb. 19. Januar. 9. Sept.: Dem Steinmetz Georg
Krämer T. Elſa, geb. 20. Juli.
Kaplaneigemeinde: 7. Sept.: Dem Fuhrmann
Jakob Müller, T. Marie, geb. 5. Aug. 8. Sept.: Dem
Taglöhner Philipp Mark, S. Georg, geb. 6. Juli. Dem
Fuhrmann Karl Göttmann, S. Adolf, geb. 5. Aug.
Martinsgemeinde: 30. Aug.: Dem Taglöhner
Johannes Hofmann T. Eliſabeth, geb. 14. Aug. 6. Sept.:
Dem Bürogehilfen Bernhard Adam Nebhuth S. Bern=
hard
Peter Michael, geb. 17. Aug. 8. Sept.: Dem Schacht=
meiſter
Karl Philipp Nicolay T. Anna Eva, geb. 28. Juli.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Johannesgemeinde: 9. Sept.: Steinmetztechniker
Heinrich Karn und Katharine Henß von hier.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Paulusgemeinde: 5. Sept.: Privatin Hortenſe
Pfaff, 48 J., ſtarb 2. Sept. 8. Sept.: Rechnungsrat i. P.
Karl Günther, 81 J., ſtarb 6. Sept. 9. Sept.: Lehrer
und Leutnant der Reſerve im Inf.=Regt. Nr. 99 Hermann
Schmidt, 33 J., ſtarb 4. Sept. in Zabern.
Johannesgemeinde: 10. Sept.: Luiſe Stein=
grübner
, ledig, 69 J., ſtarb 8. Sept. Karl Stauf, Kreis=
kaſſerechner
, 45 J., ſtarb 5. Sept.
Markusgemeinde: 9. Sept.: Schriftſetzer Chriſtian
Fauſt, 34 J. 11 M., ſtarb 6. Sept. 10. Sept.: Rentnerin
Karoline Orlemann, 76 J. 4 M., ſtarb 8. Sept.
Kaplaneigemeinde: 9. Sept.: Katharine Marie
Berlieb, Tochter des Taglöhners Johann Adam Berlieb,
1 M., ſtarb 7. Sept.
Martinsgemeinde: 4. Sept.: Ahl, Barbara, geb.
Thorn, Ehefrau des Kutſchers Leonhard Ahl, z. Zt. im
Feld, ſtarb in der Nacht von 1. auf 2. Sept., alt 33 J.

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Seite 12.

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