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177. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Nr.203.
Dienstag, den 28. Juli.
1914.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Kaiſer iſt geſtern von Kiel in Potsdam
ein=
getroffen. Auch die Kaiſerin iſt nach Potsdam
zurückgekehrt.
Die Serben haben die Donaubrücke zwiſchen Belgrad
und Semlin in die Luft geſprengt.
Der Inhalt der am Samstag überreichten
ſerbi=
ſchen Antwortnote enthält ſo weitgehende
Vor=
behalte und Einſchränkungen, daß die
tatſäch=
lich gemachten Zugeſtändniſſe
bedeutungs=
los werden.
*
In Dublin fanden am Sonntag nachmittag ſchwere
Ausſchreitungen ſtatt, bei denen vier Perſonen
ge=
tötet und viele verwundet wurden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.
Zur Lage.
** Wie es vorgeſehen war, hat der öſterreichiſche
Ge=
ſandte nach dem Empfang der ungenügenden Antwort
Belgrad ſofort verlaſſen. Damit ſind die diplomatiſchen
Beziehungen zwiſchen beiden Staaten abgebrochen. Vom
Eintritt des Kriegszuſtandes darf man jedoch
zur Stunde nicht ſprechen, da Artikel 1 des von beiden
Staaten unterzeichneten Haager Abkommens über
den Beginn der Feindſeligkeiten
folgender=
maßen lautet:
„Die Vertragsmächte erkennen an, daß die
Feindſelig=
keiten unter ihnen nicht beginnen dürfen ohne eine
voraus=
gehende unzweideutige Benachrichtigung, die entweder die
Form einer mit Gründen verſehenen Kriegserklärung oder
die eines Ultimatums mit bedingter Kriegserklärung
haben muß.”
Letzteres trifft auf die öſterreichiſche Note nicht zu, da
ſie zwar eine Friſt für die Beantwortung ſetzte, eine
be=
dingte Kriegserklärung aber nicht enthielt. An dem
bal=
digen Eintritt des Kriegszuſtandes zwiſchen beiden
Staa=
ten iſt wohl nicht mehr zu zweifeln. Die Frage, worauf
die Haltung Serbiens letzten Endes beruhe, läßt ſich mit
Beſtimmtheit jetzt nicht beantworten. Es fehlt eine
amt=
liche Beſtätigung der Nachricht, daß Rußland den
Aus=
ſchlag für die kriegeriſche Wendung Serbiens durch das
telegraphiſche Erſuchen: „Bitte, zu mobiliſieren” gegeben
habe; nachdem indeſſen Rußland in Wien ſich um eine
Friſtverlängerung bemüht hat, liegt der Schluß nahe, daß
die ſerliſche Ablehnung der öſterreichiſchen Forderungen
durch Rußland herbeigeführt wurde.
Angeſichts einer ſolchen Wahrſcheinlichkeit muß der
weiteren Haltung des Petersburger Kabinetts
mit verdoppelter Spannung entgegengeſehen werden. Die
panſlawiſtiſche Aktionspartei an der Newa drängt ohne
Zweifel nach kriegeriſchen Maßnahmen, wie ſie es bei den
Konflikten der jüngſten Vergangenheit gleichfalls getan
hat. Mit Beſtimmtheit auf eine Erfolgloſigkeit dieſes
Drängens zu rechnen, wäre falſch. Man muß im
Gegen=
teil darauf gefaßt ſein, daß Rußland auch jetzt militäriſche
* Maßnahmen an der öſterreichiſchen Grenze trifft. Aber
ſelbſt eine ruſſiſche Mobiliſierung muß keinen Angriff auf
die Donaumonarchie im Gefolge haben. Würde dieſer
An=
griff erfolgen, dann wäre für das Deutſche Reich der
Bündnisfall gegeben. Hierüber iſt keinerlei Zweifel
mög=
lich, und hieran ändert auch die Tatſache nichts, daß wir
mit Rußland weder Streit haben, noch vom Zaune brechen
wollen. Die klaren, jedermann bekannten Beſtimmungen
des deutſch=öſterreichiſchen Bündniſſes laſſen
etwas anderes als die Unterſtützung Oeſterreich=Ungarns
gegen einen ruſſiſchen Angriff nicht zu. Die ganz
verein=
zelten bürgerlichen Blätter, die heute beſtreiten, daß die
Unterſtützung der Donaumonarchie auch im deutſchen
In=
tereſſe liege, geben dieſes Urteil ab, weil ſie, in
Ueber=
einſtimmung mit der Sozialdemokratie, Oeſterreich=Ungarn
für ein zerfallendes Staatsweſen halten und als ſolches
behandelt ſehen möchten. Wie iſoliert die bürgerlichen
Zerfall=Politiker in Deutſchland ſind, beweiſen außer der
Haltung der bürgerlichen deutſchen Blätter die
Kund=
gebungen der Kriegsbegeiſterung, deren
Schauplatz Berlin und andere deutſche Städte geweſen
ſind. Soweit im Anſchluß an dieſe Kundgebungen
De=
monſtrationen vor der ruſſiſchen Botſchaft in Berlin
ſtatt=
fanden, braucht man mit tadelnder Kritik nicht zurückzu=
halten. Aber jene Kundgebungen der Kriegsbegeiſterungen
ſelbſt ſind erfreuliche Anzeichen dafür, daß das deutſche
Volk im Vertrauen auf ſeine Waffenrüſtung den Krieg mit
Rußland nicht fürchtet. Dieſe Bedeutung der
Kund=
gebungen ſollte in St. Petersburg nicht unterſchätzt
werden.
Das Reuterſche Bureau erfährt aus Kreiſen, die in
enger Berührung mit Wien ſtehen, daß die
militäri=
ſchen Vorbereitungen, welche Oeſterreich=
Ungarn jetzt treffen werde, Serbien noch Zeit geben
werden, ſeine Antwort einer nochmaligen Erwägung zu
unterziehen.
Der ruſſiſche Botſchafter in London
ent=
faltete am Sonntag eine geſchäftige Tätigkeit und empfing
den Beſuch anderer Diplomaten. Ueber den ruſſiſchen
Standpunkt erfährt das Reuterſche Bureau, Rußland
halte ſich bereit, alles mögliche zu tun, um zwiſchen
Oeſter=
reich=Ungarn und Serbien ein für beide Teile gleichmäßig
befriedigendes Einvernehmen zuſtande zu bringen. Zu
dieſem Zwecke habe es auch in Wien die Verlängerung der
Friſt nachgeſucht. Ferner werde es ohne weiteres bereit
ſein, diejenigen Punkte der öſterreichiſchen Note zu
unter=
ſtützen, die ſich zu einer Prüfung eigneten und wegen
de=
ren von Serbien Genugtuung gegeben werden könnte. Die
Forderungen Oeſterreichs ſchienen jedoch anzudenten, daß
ſie etwas mehr als die Beilegung der ausſtehenden
öſter=
reichiſchen Fragen bezweckten. Rußland hoffe jedoch, daß
auch jetzt noch Mittel gefunden würden, eine friedliche
Beilegung zu ſichern.
Die Lokaliſierung des Konfliktes.
Kein Umſchwung in der allgemeinen
po=
litiſchen und diplomatiſchen Lage, das iſt
das Kennzeichen der letzten 24 Stunden ſeit dem Abbruch
der diplomatiſchen Beziehungen zwiſchen Oeſterreich=
Un=
garn und Serbien, ſo ſchreibt der Berliner Lokal=Anzeiger
und auf dieſen Ton ſind auch die Texte der anderen
Ber=
liner Morgenblätter geſtellt. Peſſimiſten, ſo heißt es
wei=
ter, möchten geneigt ſein, dieſe Stille als Vorläufer des
zu erwartenden Sturmes anzuſehen; der Lokal=Anzeiger
möchte im Gegenteil annehmen, daß es die Stille der
flei=
ßigſten Arbeit der Diplomatie ſei, die von Land zu Land
und von Kabinett zu Kabinett eifrig am Werke iſt, um die
Lokaliſierung des Konfliktes zwiſchen
Oeſter=
reich und Serbien zu ſichern. Nach demſelben Blatt bringt
die Petersburger Börſenzeitung eine Mitteilung, daß
Ruß=
land nicht dulden werde, daß eine ſlawiſche Macht
ver=
nichtet werde, daß es aber bereit ſei, Oeſterreich=Ungarn
in ſeiner gerechten Forderungen zu unterſtützen, wie
Ser=
bien Nachgiebigkeit anzuraten, daß es aber niemals
zu=
geben werde, daß für das Verbrechen eines einzelnen das
ganze ſerbiſche Volk beſtraft werde. — Ebenfalls der
Lokal=Anzeiger läßt ſich aus Wien melden, daß
ernſthafte politiſche Kreiſe die Lokaliſierung des Konflikts
als geſichert erklären, durch die Erklärung Englands,
die Nordſee müſſe von einem Kriege frei bleiben.
Frank=
reich arbeite mit Hochdruck an dem Weltfrieden in
Peters=
burg. In Rom iſt an amtlicher Stelle bekannt geworden,
daß England auf der ruſſiſchen Botſchaft in London habe
erklären laſſen, es ſei an den gegenwärtigen Vorgängen
zwiſchen Oeſterreich=Ungarn und Serbien vollkommen
des=
intereſſiert. Der ruſſiſche Botſchafter habe dieſe Tatſache
mit dem Bemerken an ſeine vorgeſetzte Dienſtbehörde
wei=
ter gegeben, daß ihm beſonders die eiſige Haltung der
eng=
liſchen Behörden aufgefallen ſei.
Die Wiener Korreſpondenz Wilhelm meldet: In der
Sitzung der Wiener Börſenkammer teilte der
Börſenkom=
miſſar, Miniſterialrat Dr. Zwierzine, mit, daß nach den
von ihm eingeholten Erkundigungen kein Grund zu der
Annahme vorliege, daß die gewünſchte Lokaliſierung nicht
erzielt werden würde.
Engliſche Vermittelungsvorſchläge.
* Die Times ſpricht von einer kriegsluſtigen
Stim=
mung in Wien und Berlin, die an die Stimmung von
Paris im Juli 1870 erinnere, hofft aber daß Oeſterreich=
Ungarn vor der Verantwortung eines Krieges
zurückſchrek=
ken werde. Das Blatt ſchließt: Solange wir hoffen
kön=
nen, daß der Friede erhalten werden kann,
wer=
den wir mit den Großmächten zuſammenwirken, die
nicht unmittelbar an dieſer gefährlichen Sache beteiligt
ſind. Wir werden uns dieſes Ziel vor Augen halten. Aber
wenn in irgend welchen Kreiſen der Wunſch beſtehen ſollte,
unſer Feſthalten an Prinzipien einer Probe zu
unterwer=
fen, die unſere Freundſchaften beleben und damit das
europäiſche Gleichgewicht garantieren, ſo werden wir nicht
minder bereit und entſchloſſen ſein, ſie mit der ganzen
Kraft des Reiches zu verteidigen, wie wir es getan haben,
wenn ſie in der Vergangenheit auf die Probe geſtellt
wurden Das erheiſchen unſere Intereſſen, unſere Pflicht
und unſere Ehre. — Der Dailh) Telegraph erklärt es für
die Aufgabe Sir Edward Greys, ſoweit es möglich iſt,
zwiſchen den ſtreitenden Parteien zu
ver=
mitteln, und wenn möglich, die Gegenſätze zu
ver=
ſöhnen. Wenn eine Vermittelung nicht möglich ſei, ſo ſei
offenbar das Nächſtliegende, das Areal des Konfliktes zu
lokaliſieren und zu verhindern, daß der Brand zu weit um
ſich greift, ferner Rußland zur Vorſicht zu raten und ſich
mit Frankreich und vielleicht auch mit Italien zu einer
ernſtlichen Friedenspolitik zu vereinigen. Europa
verlangt aufs dringlichſte eine friedliche Löſung in
dem Augenblick akuter Gefahr und jede Hauptſtadt, und
beſonders London muß ſich jeder egoiſtiſchen Abſicht
entäußern und auf eine friedliche Löſung dieſes
gefahr=
drohenden Problems hinarbeiten. — Daily Chronicle
er=
innert an die engliſche Anregung zu einer Botſchafter=
Konferenz während des Balkankrieges und ſagt: Es
iſt nicht immer möglich, einen ſolchen Erfolg zu
wieder=
holen, aber eine ähnliche unaufdringliche Anregung könnte
vielleicht von Nutzen ſein. — Daily News ſagen:
Deutſch=
land und Frankreich, Italien und England müſſen
im=
ſtande ſein, Europa vor dem drohenden Unheil zu
bewah=
ren. Wenn es zu dieſer ſpäten Stunde nicht mehr
mög=
lich ſei, den Ausbruch des Krieges zwiſchen Oeſterreich=
Ungarn und Serbien zu verhindern, ſo wäre es doch zum
mindeſten möglich, den Kampf zu lokaliſieren. — Dailh
Graphie betont, daß England weder durch Vertrag noch
durch ſeine internationalen Intereſſen Verpflichtungen
hätte, anzugreifen. Wir ſind Freunde, ſowohl
Oeſter=
reich=Ungarns als auch Rußlands und unſere Aufgabe
ſoll daher ſein, zu verſuchen, Frieden zu machen,
oder den Streit zu umgrenzen. — Der Standard
erklärt es für die Pflicht der engliſchen Regierung, direkt
in Petersburg und indirekt durch Frankreich einen
hem=
menden Einfluß auf die ruſſiſche Regierung auszuüben.
Dieſe Bemühungen müſſen aber nicht einſeitig erfolgen,
ſondern von Deutſchland unterſtützt werden, wie während
der Balkankriſe im Jahre 1912. — Die Morning Poſt
ſchreibt: Die Lage iſt eine ſolche, in der ein mutiger Mann
der Menſchheit einen ſeltenen Dienſt erweiſen kann. Ein
ſolcher Mann iſt der deutſche Kaiſer; an der Spitze
einer großen Nation, einer großen Armee und großen
Flotte, einer Nation, die nichts fürchtet als Unrecht zu tun,
iſt der Kaiſer in der Lage, etwas für die Sache des Rechts
zu riskieren. Er hat ſich bereits Unpopularität zugezogen,
indem er ſich weigerte, einen Krieg heraufzubeſchwören (?)
und deshalb mag es für ihn ſchwerer ſein als damals.
Aber der Kaiſer iſt vielleicht in einer Lage, die ihn mehr
dazu qualifiziert, die Initiative zu einem Schritt zu
er=
greifen, in dem die öſterreichiſch=ungariſche Regierung
ein=
geladen werden könnte, mit den anderen Mächten in
Ver=
bindung zu treten, bevor eine militäriſche Aktion
unter=
nommen werden würde. Wenn dies erreicht werden könnte,
ſo brauchte nach unſerer Meinung in Europa kein Schuß
wegen dieſer Sache abgefeuert zu werden. Ein ſolcher
Schritt könnte zur Zerſtreuung vieler Wolken führen, die
lange über Europa gehangen haben und zu dem
Ver=
ſchwinden von manchem gründlichen Haß und Argwohn.
Wir geben uns der Hoffnung hin, daß der deutſche Kaiſer
bemüht iſt, den Frieden zu erhalten.
Dem Pariſer Journal zufolge habe Sir Edward
Grey durch die engliſchen Botſchafter in Paris,
Ber=
lin und Rom anfragen laſſen, ob die franzöſiſche, die
deutſche und die italieniſche Regierung ihre Zuſtimmung
zu einem gemeinſamen Schritt in Wien und
Belgrad erteilen, welcher bezwecke, eine Konferenz nach
London einzuberufen, die ein wenig an die im vorigen
Jahre ſtattgehabte Londoner Konferenz erinnern würde.
In Petersburg ſei abſichtlich keine derartige Demarche
erfolgt, weil Rußland in dem öſterreichiſch=
ungariſchen=
ſerbiſchen Zwiſt bereits ganz unzweideutig Stellung
ge=
nommen habe.
Stimmungsumſchlag in Paris.
* Aus Paris, 27. Juli, wird gemeldet:
Nach dem übergroßen Peſſimismus der letzten Tage
und der Nervoſität, die ſich eines großen Teiles der
hie=
ſigen Preſſe bemächtigt hatte, iſt heute hier eine
wohl=
tuende Reaktion eingetreten und man betrachtet zum
min=
deſten in den politiſchen Kreiſen die augenblickliche Lage
mit großer Ruhe. Der Grund hierzu ſoll hauptſächlich in
einem perſfönlichen Eingreifen Kaiſer Wilhelms
zu ſuchen ſein. Sehr gut unterrichtete Perſönlichkeiten
verſicherten geſtern dem Vertreter der Telegraphen=Union,
daß Kaiſer Wilhelm im Laufe des vergangenen
Sams=
tags von der Ausdehnung der Kriſe erfahren hatte und
ſofort auf drahtloſem Weg den Staatsſekretär v. Jagow
beauftragt habe die deutſchen Botſchafter in Paris,
Lon=
don und Petersburg zu benachrichtigen, daß ſie den
Re=
gierungen der Tripelentente die durchaus friedliche
Ge=
ſinnung der deutſchen Regierung zu erkennen geben. In Paris
begab ſich Herr v. Schön mehrere Male ins Auswärtige
Amt nach dem Quai dOrſay und hatte dort längere
Un=
terredungen mit dem ſtellvertretenden Miniſter des
Aeußeren, Bienvenu Martin, die in beſonders
freund=
ſchaftlichem Tone geführt wurden und ſehr befriedigend
verlieſen. In einer über den Ausgang dieſer
Beſprechun=
gen veröffentlichten Note heißt es, daß die beiden
Diplo=
maten gemeinſam nach einem Wege zur Aufrechterhaltung
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
des Friedens geſucht haben. Nach den hier vorliegenden
Petersburger Meldungen ſcheint es zu ähnlichen
Beſpre=
chungen auch im ruſſiſchen Auswärtigen Amte gekommen
zu ſein. In hieſigen politiſchen Kreiſen äußerte man ſich
in geradezu enthuſiaſtiſcher Weiſe über Herrn v. Schön
und ſein Verhalten zur Beilegung des Konflikts. Er habe
alles getan, was man tun könne. Er empfing geſtern
mehrere hervorragende Mitglieder der deutſchen Kolonie,
die ſich nach dem Stande der Dinge erkundigen wollten.
Herr v. Schön leugnete nicht, daß die Situation ſehr
kri=
tiſch ſei, glaubte aber verſichern zu können, daß keinerlei
Grund zur Beunruhigung vorliege. Die Entſpannung,
die eingetreten iſt, ſpiegelt ſich auch in den Auslaſſungen
der Blätter wider. Faſt ſämtliche Morgenblätter
kon=
ſtatieren die Tatſache, daß noch keine kriegeriſche Aktion
ſich ereignet habe, und daß daher durchaus kein Grund
zum Peſſimismus gegeben ſei. Immer wieder wird auf
die Friedensliebe hingewieſen, die Deutſchland in der
Kriſis bekundet habe. Man halte es für ausgeſchloſſen,
daß Kaiſer Wilhelm dulde, daß Europa Serbiens halber
in ein Abenteuer hineingedrängt werde. Der Berliner
Korreſpondent des Matin beſtätigt in einem Telegramm
dieſe Auffaſſung vollkommen und erklärt, daß Deutſchland
und die deutſche Regierung dies nicht wollen. Eine
Mo=
biliſation würde nur dann ſtattfinden, wenn Rußland
den Anlaß dazu gebe. Die Lage ſei hoffnungsvoll, zumal
auch England und Italien ſich bereits in den Dienſt des
Friedens geſtellt hätten.
Privat=Sanitätsweſen bei der
Eiſenbahn.
* Die Ausrüſtung des Zugbegleitungsperſonals mit
Reiſegpotheken iſt, wie der Berliner Bär mitteilt, in
die=
ſem Sommer recht angenehm empfunden worden. Wie
oft kam es vor, daß infolge der Hitze in den Wagen
Rei=
ſende, namentlich Frauen und Kinder, ohnmächtig oder
auch nur unpäßlich wurden. Dann war es eine Wohltat
wenn der Schaffner mit Hoffmanns= oder
Baldriantrop=
fen Hilfe bringen konnte, denn erfahrungsgemäß führt der
größte Teil der Ferienreiſenden alles mögliche und
un=
mögliche mit, nur keine Taſchenapotheke. Leider iſt die
Ausrüſtung der Schaffner mit Reiſeapotheken keine
Ein=
richtung der Eiſenbahnverwaltung, ſondern der in Frage
kommenden Beamtenvereinigungen, die den Mitgliedern
den Rat erteilten, ſich mit kleinen Reiſeapotheken zu
ver=
ſehen, damit ſie plötzlich erkrankten Reiſenden Hilfe bringen
könnten. Dieſem Ratſchlage ſind die Schaffner gefolgt
und auch die Zugführer führen meiſt eine kleine
Taſchen=
apotheke mit ſich. Weſentlich gefördert wird dieſe ſanitäre
Maßnahme dadurch, daß die Eiſenbahnbedienſteten an
den Uebungen von Sanitätskolonnen teilnehmen ſollen
In der eiſenbahnamtlichen Verfügung heißt es u. a.:
„Die Dienſtvorſteher ſollen künftig das Intereſſe des
Perſonals für den Samariterdienſt wecken und die
Bedien=
ſteten, die dafür Intereſſe zeigen, zum Eintritt in die
Sa=
nitätskolonne bewegen. Zur Teilnahme an den Uebungen
der Sanitätskolonnen ſoll nach Möglichkeit Urlaub unter
Fortgewährung des Gehalts oder Lohnes genehmigt
wer=
den, beſonders dann, wenn ſich die Uebungen auf den
Rettungsdienſt im Eiſenbahnweſen erſtrecken. Auch zur
Teilnahme an den Verbandstagen der Sanitätskolonnen
ſoll unter Gewährung freier Fahrt in beſchränktem Maße
Urlaub gewährt werden. Im Samariterdienſt ſollen
ſo=
viel Leute ausgebildet werden, als zur Begleitung der
Hilfszüge erforderlich ſind, auch ſollen in den
Eiſenbahn=
werkſtätten ausgebildete Samariter vorhanden ſein. Auf
allen Stationen und Dienſtſtellen iſt das Perſonal in der
ſogenannten erſten Hilfe zu unterweiſen. Für die
gemein=
ſamen Uebungen der Sanitäts=Eiſenbahn=Bedienſteten
können nach vorheriger Meldung die Hilfszüge benutzt
werden, doch iſt hierbei darauf zu achten, daß trotz dieſer
Uebungen die Hilfszüge ſtets betriebsfertig ſind.”
Ein verdienſtvolles Werk der Eiſenbahnverwaltung
wäre es, wenn zum Mindeſten das Fahrperſonal dienſtlich
mit einer kleinen Reiſeapotheke ausgerüſtet wird.
Deutſches Reich.
— Die Gewinne und Verluſte bei den
Reichstagsnachwahlen. Bis jetzt fanden
ein=
ſchließlich der infolge Doppelwahl in Pleß=Rybnik
not=
wendig geweſenen Nachwahl 37 Nachwahlen während der
jetzigen Legislaturperiode des Reichstags ſtatt. Bei 27
Wahlen blieb der Parteibeſitz gewahrt, während bei den
übrigen 10 Wahlen das Mandat von der einen Partei an
eine andere überging. Nicht weniger als ſieben Mandate
verloren die Parteien der Rechten an die Linke. Die
Kon=
ſervativen mußten Hagenow=Grevesmühlen und Labiau=
Wehlau an die Fortſchrittliche Volkspartei und Salzwedel=
Gardelegen und Stendal=Oſterburg an die
National=
liberalen abtreten. Die Reichspartei büßte die beiden
Mandate für Jüterbog=Luckenwalde und Borna=Pegau an
die Sozialdemokratie ein, während die Wirtſchaftliche
Ver=
einigung Waldeck=Pyrmont an die Fortſchrittliche
Volks=
partei verlor. Dieſen ſieben Gewinnen der Linken ſtehen
nur zwei Verluſte gegenüber. Die Nationalliberalen
ver=
loren Offenburg=Kehl an das Zentrum und die
Sozial=
demokraten Jerichow an die Konſervativen. Der
Wahl=
kreis Koburg, bisher nationalliberal vertreten, ging an die
Fortſchrittliche Volkspartei über, blieb alſo bei den
Links=
partei. Es verloren alſo die Konſervativen vier, die
Reichspartei und die Nationalliberalen je zwei, die
Wirt=
ſchaftliche Vereinigung und die Sozialdemokraten je ein
Mandat. Dagegen gewann die Fortſchrittliche
Volkspar=
tei vier, die Nationalliberale Partei und die
Sozialdemo=
kraten je zwei, das Zentrum und die konſervative Partei
je ein Mandat. Es verbleibt alſo ein Geſamtgewinn für
die Fortſchrittliche Volkspartei von 4, für die
Sozialdemo=
kratie und das Zentrum von je einem Mandat, und ein
Geſamtverluſt für die Konſervativen von 3, für die
Reichs=
partei von 2 und für die Wirtſchaftliche Vereinigung von
1 Mandat. Bei den Nationalliberalen heben ſich Gewinne
und Verluſte auf. Durch die Erſatzwahlen wurden die
Parteien der Linken alſo um fünf Mandate verſtärkt.
— Welfen und Zentrum. Der welfiſche
Schriftſteller Wilhelm Gerſt ſchreibt in der Zeitſchrift Das
Zentrum: „Die deutſch=hannoverſche Partei will ihr
Forderung auf Wiederherſtellung des Königreichs
Hanno=
ver zwar nicht fallen laſſen, wird ſie aber mit Rückſicht auf
den regierenden Herzog nicht mehr ſo ſcharf hervorkehren
können. Dadurch werden naturgemäß die anderen
politi=
ſchen Fragen bei der Partei mehr in den Vordergrund
tre=
ten. Bleibt die Partei dabei ihren alten Traditionen treu,
ſo wird ſich vielleicht teilweiſe eine Scheidung der Geiſter
vollziehen, im ganzen aber wird eine erneute Annäherung
an die Zentrumspolitik unbeſchadet der Selbſtändigkeit
beider Parteien kommen müſſen.”
— Bayern und die Reichseiſenbahn=
Ge=
meinſchaft. Wie bereits erwähnt, gedachte in der
bayeriſchen Abgeordnetenkammer der Verkehrsminiſter
v. Seidlein mit einigen freundlichen Worten des
verbün=
deten Nachbarreiches. Der ſachliche Grund, das
öſter=
reichiſche Ultimatum zu berühren, war durch folgenden
Zu=
ſammenhang gegeben:
v. Seidlein hielt ſeine Rede zum Eiſenbahnetat und
wies auf die Zuſammenhänge zwiſchen der allgemeinen
wirtſchaftlichen Lage und dem Eiſenbahnverkehr hin und
äußerte ſeine Anſicht, daß keine merkliche Beſſerung der
wirtſchaftlichen Lage jetzt zu erwarten ſei, beſonders im
Hinblick auf die neuen Wirren im Oſten. An dieſer Stelle
folgten die von uns bereits wiedergegebenen Worte über
Oeſterreich. Des weiteren bemerkte er, daß eine deutſche
Reichseiſenbahngemeinſchaft von ihm glattweg abgelehnt
werden müſſe. Weder der Eiſenbahnverwaltung noch dem
Publikum könne ſie zum Vorteil gereichen. Zudem
beſtän=
den ſchon ſo zahlreiche Vereinbarungen zwiſchen den
ein=
zelnen Eiſenbahnverwaltungen, daß die Erörterung dieſer
Frage nur von akademiſchem Werte ſein könne. Aber
über die Bedingungen der neubeſchloſſenen Güterwagen=
Uebereinkunft mit dem Reiche könne er ſich günſtig
aus=
ſprechen. Die Einführung einer vierten Wagenklaſſe in
Bayern ſehe er ſympathiſch an. Es ſeien allerdings hohe
Koſten, die dem Plane entgegenſtehen. Man müßte ſich
wohl dadurch helfen, daß man die älteren Wagen dritter
Klaſſe in Wagen vierter Klaſſe umwandele. Von einer
Erhöhung des Gütertarifs wolle er überhaupt nichts
wiſſen, da durch eine ſolche Erhöhung die einheimiſchen
Erwerbszweige auf das empfindlichſte getroffen würden.
Nach Ablehnung der geforderten Nachtagung von der
Regierung wurde der Landtag bis zum 29. Auguſt
ver=
längert,
Ausland.
Italien.
Die Beteiligung an der
Ausſtellung=
in San Franzisko. Dem Amtsblatt des
Miniſte=
riums für öffentliche Arbeiten zufolge iſt die Teilnahme
Italiens an der Ausſtellung in San Franzisko lächerlich
gering. Bis jetzt haben ſich von fünf angekündigten
Aus=
ſtellern nur drei bindend eingeſchrieben. Um den
Mißer=
folg, für den der italieniſche Staat zwei Millionen
ausge=
worfen hat, einigermaßen wett zu machen, wurden die
verſchiedenen Miniſterien durch Rundſchreiben erſucht,
et=
was zum Gelingen der Ausſtellung beizutragen. Es wird
nunmehr die Generaldirektion für Geſundheitsweſen ihre
Studien und Einrichtungen zur Bekämpfung der Malaria
ausſtellen, das Unterrichtsminiſterium die auf die
Ent=
wickelung des Volksunterrichtes in=Italien bezüglichen
Ueberſichten. Das Organiſationskomitee ſoll mit dieſem
Material den großen Palaſt ausfüllen, der auf Koſten
Italiens im Ausſtellungsgelände errichtet wird.
Dänemark.
Poincarés Beſuch unterbleibt. Zufolge
eines bei dem Königlichen Hof in Kopenhagen
eingelaufe=
nen drahtloſen Telegramms paſſiert Poincaré die
däni=
ſchen Gewäſſer, ohne in Kopenhagen zwecks des
beabſich=
tigten Beſuches zu landen. Poincaré wird ſpäter den
be=
abſichtigten Beſuch in Kopenhagen nachholen.
Rußland.
Neues Reglement für Flieger. Für die
Flieger und Luftſchiffer iſt ein neues Reglement
veröffent=
licht worden. Nach der Verfügung des Kriegsminiſters
ſind Flüge ohne vorherige Erlaubnis über dem ganzen
Gebiet der Militärbezirke Petersburg, Wilna, Warſchau,
Kiew und Odeſſa verboten.
* Gerichtsbeſchluß gegen den
Terroris=
mus der Sozialdemokratie. Die in einem „
Ver=
ein der Hausſchlächter” vereinigten Hausſchlächter in
Leip=
zig wurden mehrmals von dem ſozialdemokratiſchen
Zen=
tralverbande der Fleiſcher und Berufsgenoſſen
aufgefor=
dert, dem Zentralverbande beizutreten. Die
Hausſchläch=
ter lehnten das Anſinnen mit Entſchiedenheit ab. Die
ſozialdemokratiſchen Fleiſchergeſellen forderten darauf zum
Boykott derjenigen Lokale auf, in welchen die Hauss=,
ſchlächter bei Schlachtfeſten uſw. tätig waren. Zu dieſem
Zwecke wurden vom ſozialdemokratiſchen Zentralverbande
der Fleiſcher Flugblätter mit folgendem Wortlaut vers
breitet: „Die Fleiſcherinnung und die Hausſchlächter gehen
gemeinſchaftlich in der Brotlosmachung der
gewerkſchaft=
lich organiſierten Arbeiter im Fleiſchergewerbe vor. Selbſt
auf dem Schlachthofe werden die, die im Verdacht ſtehen,
dem Zentralverbande anzugehören, in gröblicher Weiſe
gebrandmarkt. In Arbeiterlokalen und =geſchäften, die
von der Arbeiterſchaft beſucht werden, arbeiten und liefern
dieſe Herren mit Vorliebe gern. In der Reſtauration,
dem Produktengeſchäft von . . . ., wo heute Schlachtfeſt
iſt, iſt der Hausſchlächter nicht organiſiert.‟ Die von
die=
ſer Boykottandrohung betroffenen Hausſchlächter Leipzigs
erhoben durch ihre Vertreter gegen den Vorſtand des
ſo=
zialdemokratiſchen Zentralverbandes der Fleiſcher in
Leip=
zig Klage beim Landgericht Leipzig und erhielten
folgen=
den Gerichtsbeſchluß der I. Ferienzivilkammer B: „Den
Antragsgegnern wird im Wege der einſtweiligen
Ver=
fügung verboten, bei Vermeidung von Geldſtrafe bis zu
1500 Mark oder Haftſtrafe bis zu ſechs Monaten für den
Fall der Zuwiderhandlung, Handlungen zu unternehmen,
Ein Bismarck im Türkenkriege
Auszug aus dem Tagebuch
des
Majors Chriſtoph Friedrich von Bismarck.
Vom Regiment Churprinz zu Fuß
im Türkenkriege 1685
(ſpäter Generalmajor und Kommandant von Küſtrin)
geboren 24. Februar 1652 zu Havelberg, geſtorben 24.
De=
zember 1704 zu Küſtrin, in Schönhauſen beigeſetzt.)
Mitgeteilt von Valentin von Bismarck=Berlin.
Wie der Sturm, der Eiſenbrecher, ſelbſt an
Felſen=
häuptern bricht,
So vergebens tobt der Türke, wo der Brandenburger
ficht.
Staunend fragt der Moslemine nach der kleinen
Heldenſchar,
Die dein ſandesdürrer Boden, ſtarkes Brandenburg,
gebar;
Und nun lebt’s im Mund des Volkes, ſagt es fernſten
Zeiten an,
Daß am feſteſten von allen ſteht der Brandenburgſche
Mann.
(J. Minding.)
Der ſteht wie ein Brandenburger!
(Türkiſches Sprichwort.)
Am 16/26. April 1685.
Seit geſtern ſind wir allhier in Croſſen eingetroffen,
das ganze Corps, ſo Churfürſtliche Durchlauchtigkeit an
Ihre Kaiſerliche Majeſtät zu Hülfe ſenden wider den
Tür=
ken, der mit großer Macht ſich im Königreich Hungarien
feſtgeſetzet und von dort ab aller chriſtlicher Potentaten
Lande ſchwer bedroht. Dieſes Corps iſt ſormiret zu 8000
Mann zu Fuß und zu Roß und ſind die beſten
Mann=
ſchaften aus dem ganzen corps d’armee dazu
ausge=
wählet; es führet zwei Feuermörſer, zwei Karthaunen
und 12 Feldſtücke mit ſich, Commandeur über das Ganze
aber iſt der General von Schöning. Von unſerem
Regiment iſt ein ganzes Bataillon mit 578 Mann zum
Türkenkriege commandirt und bin ich, nebſt dem von
Bel=
ling, Oberſt, über Berlin und Frankfurth anher
gekom=
men. Mein Lieutenant, Einer von Kleiſt, iſt nicht gar
wohl, wollte aber nicht zurücke bleiben, auf daß er nicht
um den Feldzug wider den Türken käme; hat uns allen
gar wohl gefallen, ſolche Bravour, angeſehen, daß der
von Kleiſt mit Nichten eine alte Kriegsgurgel, ſondern ein
wohlgeſitteter, junger Edelmann.
Am 18/28. April.
Geſtern hat das Auge unſeres Durchlauchtigſten
Chur=
fürſten mit Wohlgefallen auf ſeinen treuen Kriegsknechten
geruht; wohl ſo manchen von ſeinen alten
Schlacht=
genoſſen hat dieſer löbliche Fürſt und gewaltige
Kriegs=
held geſtern zum letzten Male geſehen. Ungefähr um acht
hr Morgens begaben ſich Seine Churfürſtliche
Durch=
laucht in Begleitung vieler fürſtlicher Perſonen, aller
aus=
wärtiger Miniſtrorum und Abgeſandten, wie auch des
ganzen Hofſtaates nach dem Orte Wendiſch=Sagan, allwo
das ganze Volk in einer ſchönen Bataille geſtellet war.
S. Ch. D. fuhren zwar nebſt Dero Churfürſtlicher
Ge=
mahlin in einer offenen Caleſche hinaus, als Sie aber
der Armee naheten, begaben Sie ſich zu Pferde und ritten
die ganze Linie, ſo ungefähr eine halbe Meile ſich
er=
ſtreckete, vorbei, mit einer ſo allgemeinen großen Freude
der Armee, als dieſelbe ihren Vater, wie jeder rechte
brandenburgiſche Kriegsmann den Churfürſten mit Stolz
nennet, mit einem ſo majeſtieuſen und martialiſchen
We=
ſen im ſieben und ſechzigſten Jahre ſeines Alters zu
Pferde ſitzen ſah, daß den Meiſten von uns die Augen
vor Rührung übergingen.
Als S. Ch. Durchlaucht zweimal paſſiret waren und
Alles wohl conſideriret hatten, verfügten Sie ſich nach der
Artillerie, welche ebenmäßig in einer ſchönen Ordnung,
faſt in der Mitte der Linie, poſtiret war und ließen die
Churbrandenburgiſche und Reichs=Loſung zuerſt von dem
Geſchütz und dann von der ganzen Truppe geben.
Nach=
gehends ließen Sie dem Grafen Schafgotſch, welcher
ſich nebſt den Grafen Proskau und Dünnwald und
dem Baron von Bersdorf von wegen Ihrer Kaiſerlichen
Majeſtät dabei eingefundden, einige wahre Feuerwerke
ſehen, worunter einige Granaten ſo ungemein weit
geworfen wurden, wie auch große Brandkugeln, welche
nicht auszulöſchen waren, ungeachtet man ganze Fäſſer
Waſſer darauf goß und viel Erde darauf ſchüttete,
beſon=
ders bewunderte. Die Artilleriſten in ihren neuen
brau=
nen Monturen ſahen auch gar ſauber aus. Hierauf
be=
gaben ſich S. Ch. D. nebſt der illuſtren Geſellſchaft an die
Tafel und ließen Ihre Gäſte, welche ſehr vergnügt waren,
ein ſo ſtattliches Kriegsvolk geſehen zu haben, ſehr
herr=
lich und reichlich tractiren. Nach geendigter Tafel
be=
gaben ſich S. Ch. D. in ein anderes Gezelt, ließen daſelbſt
alle Generals und commandirenden Officirs vor ſich
kom=
men und redeten dieſelben freundlich an alſo: daß S. Ch.
D. die erwählet hätten, um ihnen die durch Gottes
Bei=
ſtand erworbene Glorie churbrandenburgiſcher Waffen zu
Dienſten Ihrer Kaiſerlichen Majeſtät gegen den Erbfeind
anzuvertrauen. Sie wüßten Alle, daß die
churbranden=
burgiſchen Waffen, ohne eiteln Ruhm, einen Namen von
Reputation in der Welt hätten und trügen daher S. Ch. D.
das Vertrauen zu ihnen, daß ſie nichts thun würden, was
denſelben beflecken könnte. S. Ch. D. halte ſich ihrer
Tapferkeit und Bravour verſichert, von der Sie in ſo
vielen, ſchönen Actionen Zeuge geweſen, Sie
recomman=
dirten ihnen ſonderlich die Einigkeit und wollten, daß
durchaus keine Jalouſie und Zwietracht unter ihnen wäre.
S. Ch. D. wollten auch, obgleich Sie das Mal nicht mit
dem Leibe bei ihnen ihnen ſein könnten, im Geiſte immer
bei ihnen gegenwärtig ſein und treulich vor ſie Alle
ſor=
gen; es ſolle ihnen an nichts fehlen und hätten Sie Ordre
geſtellt, daß den Officiers ihr vollkommener Sold, den
Ge=
meinen aber, außer der vollſtändigen Verpflegung, einem
Reiter 1½ Reichsthaler und einem Fußknechte 1 Thaler
Geld richtig und ohne Abgang der Kleidergelder monatlich
bezahlt werden ſolle. Sie recommandirten ihnen
da=
neben, gute Ordre zu halten, des Landmannes, und des
Getraides auf dem Halm zu ſchonen, wie auch alle
Vor=
ſicht wegen des Feuers zu gebrauchen. Schließlich ſollten
ſie allezeit ihr Devoir und die wahre Glorie vor Augen
haben. Wenn ſolches, wie Sie nicht zweiſelten, geſchähe,
könnten ſie ſich Alle Ihrer beſtändigen Gnade und
Affec=
tion, wie auch einer glorreichen und redlichen Vergeltung
verſichert halten.
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Inli 1914.
Seite 3.
die darauf abzielen, den Gewerbebetrieb der Antragſteller
durch Boykottierung zu ſchädigen.” Außerdem wurde die
Herſtellung der Drucke, der Verlag und das
Inverkehr=
bringen der Flugblätter, in denen zum Boykott der Lokale
aufgefordert wurde, beſonders verboten.
* Forſt in der Lauſitz, 27. Juli. Wie wir hören, hat
auf Grund der Beſprechungen, die der Erſte Bürgermeiſter
Fiſcher in Forſt (Lauſitz) mit den Vertretern der
orga=
niſierten Arbeitnehmer hatte, der
Deutſchexex=
tilarbeiterverband beim Regierungspräſidenten
v. Schwerin in Frankfurt a. O. die Vornahme einer
Ver=
mittelungsaktion beantragt. Auch die Vertreter
des Hirſch=Dunckerſchen Textilarbeiterverbandes ſtellten bei
ihm den gleichen Antrag. Die Vertreter des
Arbeitgeber=
verbandes haben ihr Einverſtändnis erklärt, auf die
Ein=
ladung des Regierungspräſidenten zu einer Ausſprache,
betr. die Vermittelungsverhandlungen, zu erſcheinen.
Der Regierungspräſident will heute weitere
Informatio=
nen einziehen und iſt vorausſichtlich noch am Abend des
heutigen Tages in der Lage, ſich darüber ſchlüſſig zu
machen, ob er die Vermittelung übernehmen kann.
richten. Den vorjährigen Abonnenten bleibt ihr Vorrecht
bis zum 31. Auguſt gewahrt. Die im Vergleich zu den
Nachbarſtädten und im Hinblick auf den künſtleriſchen
Rang der Konzerte äußerſt niedrigen Preiſe haben eine
Erhöhung nicht erfahren. Die Abonnementspreiſe
än=
dern ſich naturgemäß durch die Vermehrung der
Kon=
zerte von ſechs auf acht und betragen nunmehr für den
Sperrſitz 23 Mark. Die Proſzeniumslogen des erſten
Ranges ſind im Abonnementspreiſe den Balkonlogen
die Hinterplätze im erſten Rang dem Sperrſitz
gleich=
geſtellt.
) Einquartierung in Ausſicht. Da aus Anlaß
der diesjährigen Kaiſermanöver im September mit
einer ausnahmsweiſe größeren Einquartierung gerechnet
werden muß, ſei hier nochmals darauf aufmerkſam
ge=
macht, daß nach den neueſten, in der Sitzung der
Stadt=
verordneten=Verſammlung vom 23. Juli beſchloſſenen
Beſtimmungen für die Verteilung der Quartierlaſt zum
Unterſchied gegen ſeither lediglich das ſteuerpflichtige
Jahreseinkommen maßgebend iſt. Jahreseinkommen
unter 7000 Mk. bleiben von der Quartierpflicht befreit.
Für Jahreseinkommen von 7000 Mk. an erfolgt ihre
Verteilung derart, daß auf je 175 Mk. der ſtaatlichen
Einkommenſteuerbeträge, wie ſie geſetzlich feſtgelegt ſind,
je ein Mann zugeteilt wird. Je nach der Geſamtziffer
der Einquartierung wird ſich jedoch die Zahl zu erhöhen
oder zu verringern haben.
O An die Wehrpflichtigen Oeſterreich=Ungarns. Das
K. K. öſterreichiſch=ungariſche General=Konſulat in
Frank=
furt a. M. erſucht uns um Aufnahme nachſtehenden
Auf=
rufes: In Oeſterreich=Ungarn wurde von Sr. Majeſtät
eine teilweiſe Mobiliſierung angeordnet. Diejenigen
Dienſtpflichtigen, welche aus dieſem Anlaſſe einzurücken
haben, werden hiervon durch Einberufungskarten
ver=
ſtändigt. Die Einberufenen haben ihre
Einberufungs=
karten und in Ermangelung derſelben ihre
militäriſchen Dokumente bei den
Bahnſchal=
tern vorzuzeigen, von wo ſie ohne Koſten
ihrerſeits an die Grenze transportiert
werden. Es iſt die patriotiſche Verpflichtung der
Wehrpflichtigen, dieſem Allerhöchſten Befehle Folge zu
leiſten. Amneſtie iſt für ſofort einrückende
Militär=
flüchtlinge und Deſerteure erlaſſen. Gleiche Amneſtie gilt
für nichteinberufene, jedoch ſofort einrückende
Militär=
flüchtlinge und Deſerteure. Der Leiter des K. u. K.
Gene=
ral=Konſulates (gez.) v. Günther.
— Das Feſtſpiel „Armin, der Befreier” Um
viel=
fachen Nachfragen nach dem Texte des Feſtſpieles
„Armin, der Befreier” von H. Enders, das beim
Kriegerfeſt mit ſo großem Beifall aufgeführt wurde,
zu entſprechen, ſei hierdurch darauf hingewieſen, daß noch
eine Anzahl Exemplare im Verkehrs=Bureau, Ernſt=
Ludwigsplatz, zum Preiſe von 30 Pfg. zu erhalten iſt.
** Der Temperaturwechſel der letzten Woche, der ſehr
bedeutend war, ergibt ſich aus folgenden Gradziffern:
Es wurden verzeichnet morgens früh 7 Uhr in
Celſius=
graden: am 18. Juli: 16,2 (Maximum 21,6), am 19.: 19,2
(26,5), am 20.: 17,9 (28,3), am 21.: 19 (28,5), am 22.: 19,4
(27,5), am 23.: 18 (23), am 24.: 13,3 (18,7), am 25.: 14,1
(18,7), am 26.: 12,3 (16,3), am 27.: 11,6.
* 2. Ziel Gemeindeſteuer. Wir machen unſere
Leſer an dieſer Stelle nochmals darauf aufmerkſam, daß
das 2. Ziel der Gemeindeſteuer für 1914 bis
Ende I. Mts. an die Stadtkaſſe (Grafenſtraße 28) zu
entrichten iſt.
* Ortsgruppe Darmſtadt des Schießvereins Deutſcher
Jäger. Bei dem am 29. April abgehaltenen Preisſchießen
mit der Büchſe wurde die vom Reichsausſchuß für die
Olym=
piaden, Berlin 1916, geſtiftete Kaiſerplakette hier
herausge=
ſchoſſen. Der glückliche Gewinner war Herr Reg.=Rat
Freiherr v. Diemar=Rieneck, Darmſtadt. Eine zweite
Kaiſerplakette wurde vom Reichsausſchuß geſtiftet für das
kombinierte Berufsjägerſchießen am 5. Juli. Hier wurde
mit der Büchſe und mit der Flinte geſchoſſen. Die
Kaiſer=
plakette eroberte ſich Herr Großh. Forſtwart
Sommer=
lad zu Wieſenthal bei Mörfelden. Eine dritte
Kaiſer=
plakette wird mit Schrot auf Wurftauben bei dem am
12. Auguſt ſtattfindenden Abſchießen der Ortsgruppe
her=
ausgeſchoſſen werden.
* Verein der Hundefreunde. Auf der
Internationa=
len Ausſtellung von Hunden aller Raſſen in Ulm am
26. d. M. erhielt Herr G. Rob. Petri, Mitglied des
Ver=
eins der Hundefreunde von Darmſtadt und Umgegend,
für ſeinen Dobermannpinſcher in ſtärkſter Konkurrenz drei
1. und zwei Ehrenpreiſe.
* Turner=Wanderung. Eine ſehr ſchöne Turnfahrt
unternahm am letzten Sonntag die Wander=
Ab=
teilung der Turngemeinde Darmſtadt. Trotz=
dem das Wetter ſo unbeſtändig war, nahm eine größere
Anzahl Turner und Zöglinge an der Wanderung teil. Um
6 Uhr früh begann der Marſch vom Turnhauſe aus über
den Martinspfad, Nieder=Ramſtadt-Waſchenbach bis
Frankenhauſen. Hier wurde eine kurze Frühſtückspauſe
gehalten und dann ging es weiter über Stock und Stein
auf ungeebneten Wegen nach Lützelbach. Da die Zeit für
eine Mittagsraſt noch zu früh war, wurde der
Eliſa=
bethenſtein aufgeſucht, von welchem man nach einem
ein=
ſtündigen Marſche gegen ½1 Uhr im Gaſthaus „Zur
Sonne” ankam und ſich an dem Mitgebrachten labte. Nach
dieſer Mittagspauſe, welche mit verſchiedenen
Unterhal=
tungen ausgefüllt und auch die Gelegenheit
wahrgenom=
men wurde, Herrn Lehrer Arras, einem Anhänger der
deutſchen Turnſache, ein „Gut Heil” auszubringen, trat
man den Rückmarſch über Lichtenberg-Rohrbach an. In
Rohrbach wurde nochmals Halt gemacht und beim
Bür=
germeiſter ein gutes Glas Apfelwein getrunken. Nun
ging es dem Endziel der Wanderung, Ober=Ramſtadt, zu.
welches bald erreicht war. Der Zug 7,49 Uhr abends
brachte die Teilnehmer wieder in die Reſidenz. Die
Füh=
rung lag in den Händen des Turners Emil Daum, der
ſich ſeiner Aufgabe zu aller Zufriedenheit entledigte, ſo
daß der Dank in einem kräftigen „Gut Heil” zum
Aus=
druck gebracht wurde. Wenn auch die Wanderung von
größeren Regenſchauern begleitet war, ſo fand doch jeder
Teilnehmer an derſelben volle Befriedigung.
— Turngeſellſchaft Darmſtadt. Einen ſchönen und
angenehmen Verlauf nahm auch die dritte
Wande=
rung, welche neben dem großen Zuſpruch der Turner
auch eine ſtarke Beteiligung der Damen aufwies. Die
Führung hatte der Turner Adam Zimmer übernommen,
der den an ihn geſtellten Anforderungen auch im
voll=
ſten Maße gerecht wurde. Mit dem erſten Zug, 5,10 Uhr
ab Oſtbahnhof, fuhren die Teilnehmer nach Wiebelsbach,
wo ihre Ankunft um 6 Uhr erfolgte. Von hier aus ging
es zunächſt die Straße aufwärts nach dem Weiler Zipfen.
Jetzt mußte ſich der Wanderplan eine kleine Aenderung
gefallen laſſen, indem man noch den nahegelegenen
Otz=
berg in die Wanderung einſchloß. Weiter ging es dann
über die ſehr ausſichtsreichen Haſſenrother und Böllſteiner
Höhen nach Böllſtein, das man um 11 Uhr erreicht hatte.
Hier wurde eine kurze Einkehr gehalten, wobei man im
ſehr gemütlichen und geſelligen Vereine das Frühſtück
einnahm. Nach beendigter Frühſtückspauſe wanderte die
Schar weiter über die im Wanderplane feſtgelegten
Sta=
tionen, zunächſt über den Schnellerts nach Stierbach,
Nie=
der=Kainsbach, Fränkiſch=Crumbach, Nonrod, Lichtenberg
nach Groß=Bieberau, wo man wieder eine längere Pauſe
hielt. Gegen Abend wanderte man dann Reinheim zu,
das als Endpunkt der Tagestour zu erreichen war.
Von hier aus erfolgte die Rückfahrt nach Darmſtadt=Oſt.
Zeigte auch der Himmel manchmal ein trübes Geſicht, ſo
hielt doch ein froher Mut und leichter Sinn die
Wande=
rer ſtets in beſter Stimmung. Auch diesmal war die
Füh=
rung von Turner Zimmer in jeder Hinſicht vorzüglich zu
nennen, wurde doch den Touriſten mancher ſchöne
Aus=
blick von den vielen berührten ausſichtsreichen Höhen
zu=
teil. Die fortwährend ſteigende Teilnehmerzahl an den
Wanderungen zeugt davon, daß ſich die Wanderabteilung
der Turngeſellſchaft Darmſtadt eines guten Rufes erfreut.
* Abbruch des Feldbergfeſtes. Sturm und Regen
ge=
hören leider ſchon ſeit Jahren zu den ſtändigen
Begleit=
erſcheinungen der Feldbergfeſte. So arg wie in dieſem
Jahre hat es allerdings der Wettergott ſeit langem nicht
gemeint. Als am Samstag abend verhältnismäßig
trocke=
nes Wetter eintrat, ließen ſich ſchon Hunderte von
Tur=
nern und Wanderern zum nächtlichen Aufſtieg verleiten.
Ihnen folgten Sonntag früh mit den Sonderzügen
wei=
tere ungezählte Scharen. Pünktlich begannen auch um
7 Uhr die Wettſpiele. Aber ſchon von 9 Uhr ab fegte ein
immer ſtärker einſetzender Sturm eine Regenbö nach der
anderen über den Kulm des Feldberges. Schließlich ſetzte
ein ſolch durchdringender Regen ein, daß um 1 Uhr die
Spiele abgebrochen werden mußten. Die
Tauſende von Turnern und Zuſchauern waren
buchſtäb=
lich bis auf die Haut durchnäßt und traten in dieſem
Zuſtande und unter unaufhörlichem Regen den Rückmarſch
an. — Das Feldbergfeſt wurde auf den 23. Auguſt
verlegt.
g. Die wilde Jagd. Von einem eigenartigen
Miß=
geſchick wurde geſtern nachmittag eine Abteilung des
Dragoner=Regiments Nr. 23 betroffen. Im Steinbrücker
Teich am Oberwaldhaus wurden Schwimmübungen
ab=
gehalten, als plötzlich einige Pferde anſcheinend durch
Automobilſignale ſcheu wurden und durchgingen. Den
flüchtenden Pferden ſchloſſen ſich inſtinktmäßig immer
mehr an, ohne daß es den Mannſchaften gelang, der
un=
ruhig gewordenen Tiere Herr zu werden. 21 Pferde
Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Juli.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben Sr. Durchl. dem Prinzen Ernſt
Auguſt zu Solms=Braunfels die Erlaubnis
zur Annahme und zum Tragen des ihm verliehenen
Fürſtlich Reußſchen Ehrenkreuzes, ſowie dem Geheimen
Medizinalrat Profeſſor Dr. Groedel zu Bad Nauheim die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem König von Rumänien verliehenen
Komman=
deurkreuzes des Königlich Rumäniſchen Kronen=Ordens
erteilt.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Ludwig
Matthes zu Schwickartshauſen, Kreis Büdingen, eine
Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Dauernheim, in
dem=
ſelben Kreiſe; dem Schulamtsaſpiranten Heinrich Schäfer
aus Pfungſtadt die erledigte Lehrerſtelle an der
Volks=
ſchule zu Radmühl, Kreis Lauterbach.
* Beſtätigt wurde der von dem Herrn Fürſten zu
Löwenſtein=Wertheim=Roſenberg und dem Herrn Fürſten
und Grafen zu Erbach=Schönberg auf die erledigte zweite
Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Lützel=Wiebelsbach,
Kreis Erbach, präſentierte Schulamtsaſpirant Karl Blei
aus Einartshauſen, Kreis Schotten, für dieſe Stelle.
* Erledigte Stellen. Eine mit einem evangeliſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der Volksſchule zu
Wackernheim, Kreis Bingen. Mit der Stelle
iſt Organiſtendienſt verbunden. — Eine mit einem
katholiſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der
Volksſchule zu Bürſtadt, Kreis Bensheim. — Die
mit einem evangeliſchen Lehrer zu beſetzende
Lehrer=
ſtelle an der Volksſchule zu Bodenrod, Kreis
Fried=
berg. Mit der Stelle iſt Organiſten= und Lektordienſt
verbunden. Dem Inhaber kann eine Ortszulage
be=
willigt werden. — Die mit einem evangeliſchen Lehrer
zu beſetzende erſte Lehrerſtelle an der Volksſchule zu
Elmshauſen, Kreis Bensheim. Dem Herrn Fürſten
und Grafen zu Erbach=Schönberg ſteht das
Präſentations=
recht zu.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Auf
ein=
ſtimmigen Antrag der Abteilung für Ingenieurweſen
wurde durch Beſchluß von Rektor und Großem Senat
der Großherzoglichen Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt
Herrn Stadtbaurat a. D. Sir William H. Lindley,
Zivilingenieur in Frankfurt a. M., in Würdigung ſeiner
hervorragenden, bahnbrechenden Tätigkeit in praktiſcher
und wiſſenſchaftlicher Hinſicht auf dem Gebiete der
Waſſerverſorgung und Entwäſſerung der Städte, ſowie
des geſamten ſtädtiſchen Tiefbaues und der öffentlichen
Geſundheitspflege die Würde eines Doktor=
In=
genieurs Ehrenhalber verliehen.
E. Karl Raupp, der bekannte Landſchaftsmaler und
Profeſſor an der Königl. Akademie der bildenden Künſte
in München, ein geborener Darmſtädter, wurde aus Anlaß
ſeiner am 1. April d. J. erfolgten Verſetzung in den
Ruhe=
ſtand von dem Kollegium der Akademie einſtimmig zum
Ehrenmitglied ernannt und als ſolches vom König von
Bayern beſtätigt.
— Für die acht Sinfoniekonzerte der Großherzoglichen
Hofmuſik, die unter Leitung von Generalmuſikdirektor
Felix von Weingartner zum Beſten des
Wit=
wen= und Waiſenfonds an den bereits bekannt gegebenen
Tagen ſtattfinden, werden Abonnementsanmeldungen
be=
reits jetzt entgegengenommen. Schriftliche Beſtellungen
ſind an die Hoftheaterhauptkaſſe (Konzert=Abteilung) zu
Darauf antwortete der Generallieutenant v. Schöning
im Namen Aller: ſie danketen S. Ch. D. vor das gnädigſte
Vertrauen und vor die Ehre, ſo Sie ihnen thäten, ſie zu
dieſer Expedition zu gebrauchen. Alle wären bereit, in
einer ſo gerechten Sache und vor die Ehre und
Repu=
tation Churbrandenburgiſcher Waffen, ihr Blut mit
Freu=
den zu vergießen und ihr Leben dranzugeben, deſſen S.
Ch. D. feſtiglich könnten überzeugt ſein. Was S.
Ch. D. wegen ihres Unterhaltes gedacht, daraus erkennten
ſie mit unterthänigem Dank Ihre gnädige und väterliche
Vorſorge; Sie hätten ſie jederzeit ſo generöſe und wohl
tractiret, daß ſie derohalben gar nicht wären in Sorge
geweſen. An Haltung guter und ſcharfer Ordre ſofle es
nicht ermangeln und gleich wie ſie Alle bei ſo vielen
Occaſionen, ihre Treue gezeigt hätten, ſo verſpräche er
nochmalen vor ſich und in ihrer Aller Namen, daß ſie auch
ferner als redliche Leute ihre Schuldigkeit thun und ſich
als tapfre Soldaten eines ſo mächtigen Potentaten und
großmüthigen Herrn verhalten wollten.
S. Ch. D. verſtatteten hierauf alle Ihre Officiers zum
Handkuß und ſagten ihnen recht herzlich: Lebewohl! Wie
Sie ſolches vollbracht, ließen Sie ſich vor das Gezelt
tra=
gen und gaben Ordre, die ganze Truppe ſollte nochmalen
vorbeimarſchiren. Da war kein Soldat, deſſen Auge nicht
noch ein Mal ſtolz und glücklich in das Angeſicht, des
greiſen Kriegsfürſten geblickt hätte. Als ſolcher Geſtalt
S. Ch. D. Ihre brave Soldaten in den Türkenkrieg
ent=
laſſen hatten, kehrten ſie zu Wagen nach Croſſen zurück.
Dieſer Tag wird mir und Allem, was gut
branden=
burgiſch iſt, unvergeßlich bleiben. Morgen marſchiren wit
durch Schleſien, das Teſchen’ſche über den Jablunka=Paß,
ſo ſehr böſe zu paſſiren ſein ſoll, in’s hungariſche Land.
Gott ſegne den Churfürſten, unſern Herrn, und ſchenke
ihm noch ein langes Leben!
Am 25. Juni.
Vorgeſtern, als am dreiundzwanzigſten, ſind wir
brandenburgeriſches Volk hier vor der hungariſchen feſten
Stadt Ofen in abſonderlich guter Ordnung eingetroffen.
Am 29. Mai ſind wir auf Kähnen über den Fluß Waag
geſetzt und über einen Ort, heißt Trentſchin, hierher
mar=
ſchirt. Auf dem ganzen Marſch hat es nirgends an aus=
kömmlicher Verpflegung, je nach den Umſtänden, gefehlt,
ſo gut haben S. Ch. D. vor uns zu ſorgen gewußt und
ſind der Verluſte nur wenige geweſen. Der Türke
ver=
theidigt Ofen mit einer Armee von 40,000 Mann, das
Reichsheer aber, das vor der Feſtung liegt, zählt, wie der
von der Marwitz meint, an 80,000 Mann. Beſtern, als
am 24ten, ſind wir ausgerückt und hat uns der
General=
lieutenant von Schöning unſerm nunmehrigen Gene
raliſſimo, dem Herzoge von Lotharingen, vorgeſtellt. Wir
haben ſelbigem Herrn zu Ehren drei Salven aus Geſchütz
und klein Gewehr abgefeuert. Damit aber war der Staat
und die Parade vorbei und der ernſte Krieg begann. Wir
mußten ja, wenn wir nicht vor S. Ch. D. zu Hundsvöttern
werden wollten, dem Erbfeinde gleich am erſten Tage
unſeres Hierſeins weiſen, was Churbrandenburgiſch vor
Art hat. Gegen Abend alſo befahl der Generallieutenant
von Schöning dem ſtillen Generalmajor von der
Mar=
witz, mit 1200 Mann gegen den Platz vorzugehen. Wir
von Churprinz zu Fuß mußten natürlich beim erſten Tanz
mit ſein, davor hatte unſer Obriſt von Belling
ge=
ſorgt und ich glaube, er hätte alle Generals vor die Klinge
gefordert, hätte man ihn dahinten gelaſſen. Wir gingen
denn luſtig genug vor, kriegten bald Feuer von den
Tür=
ken, aber ließen’s uns nicht verdrießen und erbaueten
unter einem wahren Regen von großen und kleinen
Kugeln kaum 50 Schritt von der Mauer einen Laufgraben
der ſich an den nächſten Laufgraben der Kaiſerlichen
an=
ſchloß. Das erſte Stück hat uns gute Reputation bei den
Kaiſerlichen gemacht, denn wir haben in einem Anlauf
dasſelbe erreicht, was ihnen zuvor viel Mühe und Z eit
gekoſtet. Heute hab’ ich gute Bekanntſchaft gemacht mit
einigen fremden Officiers, mir auch die andern Truppen
und die Gelegenheit beſehen und wenn ich’s nicht ſchon
längſt übrig gewußt hätte, daß unter allen Fürſten der
Chriſtenheit unſer gnädigſter Churfürſt am Beſten ſorgt
für ſeine Soldaten, ſo hätte ich’s heute aller Orten ſpüren
können. Ueberall klagten ſie über Soldrückſtände und
große Noth, nur bei uns Brandenburgern nicht, ich glaube
aber auch, daß kein Brandenburger ſein Maul aufthäte
gegen einen Fremden, wenn ihm ſein Churfürſt auch mal
aus Noth den Soid ſchuldig bliebe. (Kchluß tolgt.)
Feuilleton.
* Die verſchollene „Rheingold”=Partitur, die im Archiv
des Hauſes Wahnfried aufgefunden wurde, wird jetzt von
der Vermögensverwaltung des Königs Otto offiziell
zu=
rückverlangt, das heißt, es ſind offizielle Nachforſchungen
angeſtellt worden, und es hat ganz den Anſchein, als ob
Richard Wagner die Partitur, die tatſächlich das
Eigen=
tum König Ludwigs war, leihweiſe der Bibliothek des
Königs entnommen hat, ohne eine Beſcheinigung darüber
zu geben. Die Partitur iſt dann im Hauſe Wahnfried
ge=
blieben, und es wäre jetzt Veranlaſſung, falls die
Unter=
ſuchung dieſen Abſchluß ergeben ſollte, daß das
Manu=
ſkript vom Hauſe Wahnfried dem Königlichen Archiv zu
Recht zurückgegeben wird. Schon der frühere
General=
intendant Freiherr v. Perfall hatte ſolche Unterſuchungen
angeſtellt, die aber aus beſonderen Gründen ſeinerzeit
wieder eingeſtellt wurden.
* Saharahonig. Ueber ein köſtliches Genußmittel,
einen Honig, der gewiß auch in Europa ſchnell Freunde
finden würde, macht Raynaud in der Nature einige
inter=
eſſante Angaben. Es iſt der Saharahonig, den die Araber
des ſüdlichen Algeriens herſtellen und der ſich durch ſeine
leckere Orangefarbe und durch ſein feines Aroma
aus=
zeichnet. Der Saharahonig erſteht auch ohne den Fleiß
der Bienen, denn aus Dattelſaft wird er hergeſtellt und
erweiſt ſich bei der chemiſchen Analyſe als außerordentlich
eich an Zuckerſtoffen. Die Herſtellung iſt verhältnismäßig
einfach. Die Araber ſammeln weiche, frühzeitig gereifte
Datteln, deren Saft viel ſüßer iſt als der der in Europa
bekannten Muskatdatteln. Die Früchte werden auf
Wei=
dengeflechte gehäuft, die über in die Erde gegrabenen
Fur=
chen ruhen. Die Furchen ſind mit Tonwänden verſehen.
Unter dem Drucke ihres eigenen Gewichtes preſſen ſich die
Datteln, und ihr Saft läuft in die Tonrinnen hinab. Nach
einer Woche entfernt man die Datteln, ſie werden dann
zum Trocknen in der Sonne ausgebreitet. Man erhäll
auf dieſe Weiſe eine aus getrockneten Datteln gebildete
Maſſe, die nicht verdirbt und mehr Zucker enthält als
unſere europäiſchen Fruchtkonfitüren. Der Dattelſaft hat
ſich inzwiſchen zu Sirup entwickelt, wird durch Palmen=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
jagten in auseinandergezogener Reihe die Dieburger
Straße entlang in die Stadt, wo ſie ſich teilten. Auf der
Griesheimer Chauſſee, in der Nähe des Baſſins, konnten
die Tiere wieder zum Stehen gebracht werden.
Glücklicher=
weiſe hatte die gute Erziehung bei den Pferden nicht
ver=
ſagt, ſo daß ſie die Fahrbahn inne hielten, und waren
deshalb Unfälle von Paſſanten nicht zu beklagen. Ein
Pferd erlitt beim Sturz ſo ſchwere Verletzungen, daß
es bald verendete. Ein zweites Tier mußte abgeſchoſſen
werden, andere hatten leichtere Bleſſuren davongetragen.
§ Schlägerei. In der Nacht von Samstag auf
Sonntag wurde in einer Wirtſchaft in der Altſtadt ein
Taglöhner von einem Soldaten durch einen
Schlag mit einem Stuhl am Kopf verletzt. Der
Taglöhner mußte in das Städtiſche Krankenhaus
ver=
bracht werden. — Zwiſchen einem Taglöhner und
mehreren Zigeunern fand am Sonntag
nach=
mittag gegen 6 Uhr auf der Inſel eine Schlagerei
ſtatt, wobei der Taglöhner Verletzungen am Kopfe
davongetragen hat.
§ Selbſtmord. Am Sonntag mittag gegen 12 Uhr
hat ſich ein 74 Jahre alter Privatier auf dem Städtiſchen
Friedhof an der Nieder=Ramſtädter Straße mittelſt eines
Revolvers erſchoſſſen.
§ Feſtgenommen. Ein 53 Jahre alter
Fabrik=
arbeiter von hier iſt am Sonntag vormittag wegen
Zuhälterei feſtgenommen worden.
§ Zimmerbrand. Im Hauſe Hermannſtraße Nr. 9
fand am Samstag ein Zimmerbrand ſtatt, welcher
durch die Hausfrau alsbald wieder gelöſcht wurde.
* Konzerte uſw. Hugenſchütz’ Felſenkeller.
Heute, Dienstag, konzertiert die vollzählige Kapelle der
Gardedragoner unter Obermuſikmeiſter Mittelſtädts
Leitung nach einem Wunſchprogramm, das zum
Teil aus der Anzeige erſichtlich iſt. Einige Stücke mußten
fallen gelaſſen werden, da der dritte Teil unſerem
Bundes=
fürſten Kaiſer Franz Joſef von Oeſterreich gewidmet iſt,
dem auch hier unſere Begeiſterung zum Ausdruck gebracht
werden ſoll.
Städtiſche Rechtsauskunftſtelle.
* Der Bericht der Städtiſchen Rechtsauskunftſtelle
Darmſtadt über die Tätigkeit vom 1. April 1913 bis 31.
März 1914 (ſiebentes Geſchäftsjahr) erweiſt wiederum
eine zunehmende Inanſpruchnahme der Städtiſchen
Rechtsauskunftſtelle gegen die Vorjahre. Es waren
4309 (4202 im Jahre 1912) Perſonen erſchienen, an die
4347 (4227) Auskünfte erteilt worden ſind. Von den
Er=
ſchienenen waren unſelbſtändig, und zwar Arbeitnehmer
in Handel und Gewerbe 1994 Männer und 327 Frauen,
ſonſtige Perſonen, 331 Männer und 1135 Frauen;
ſelbſt=
ſtändig, und zwar Arbeitgeber in Handel und Gewerbe,
226 Männer und 23 Frauen, ſonſtige Perſonen 104
Män=
ner und 169 Frauen, insgeſamt 2655 Männer und 1654
Frauen gegen 2515 bezw. 1687 in 1912. Während
ins=
geſamt 140=Ratſuchende im Geſchäftsjahr mehr wie im
Vorjahr erſchienen ſind, haben doch die Zahlen der
Ar=
beitnehmer und ſönſtigen unſelbſtändigen Perſonen eine
Zunahme von 848 aufzuweiſen. Dies ſpiegelt ſich in den
höheren Geſchäftsziffern der Auskünfte über
Dienſtver=
trag und Verſicherungsweſen. Wie in den früheren
Be=
richten bereits hervorgehoben wurde, werden die in derſelben
Angelegenheit öfter notwendigen Beſprechungen mit den
Ratſuchenden nur einmal gezählt. Die wirkliche
Beſuchs=
ziffer und die Zahl der einzelnen Beratungen belaufen
ſich auf nahezu 8000. Hierin ſind die zahlreichen
telephoni=
ſchen Verhandlungen nicht enthalten. Von den 4309
Rat=
ſuchenden wohnten 3905 in Darmſtadt und 404 auswärts.
An Schreiben und Schriftſätzen wurden 858 gefertigt. In
155 Fällen wurden Einigungsverhandlungen mit den
Parteien angebahnt, ungerechnet der vielen durch ſofortige
telephoniſche Rückſprache mit den Gegnern der
Ratſuchen=
den geklärten Differenzen. In 75 Fällen ſind die Gegner
zur mündlichen Verhandlung auf der
Rechtsauskunft=
ſtelle erſchienen, in 50 Fällen haben ſich die Gegner
ſchrift=
lich erklärt, in 30 Fällen haben die Gegner nicht
geant=
wortet, in 88 Fällen kam eine Einigung zuſtande, in 13
Fällen haben die Gegner, ohne ſich zu erklären, auf die
Schreiben der Rechtsauskunftſtelle hin nachgegeben, in
54 Fällen kam eine Einigung nicht zuſtande. Von den
zur Verhandlung gelangten 125 Fällen (1 und 2) kam es
in 88 Fällen zur Einigung; es ergibt dies 70,40 Prozent.
In 21 Fällen wurde die Vertretung Verſicherter vor den
Verſicherungsbehörden übernommen, bezw. durch
den Verband der deutſchen gemeinnützigen und
unpar=
teiiſchen Rechtsauskunftſtellen vermittelt: a) vor dem
Verſicherungsamt und dem Großh. Oberverſicherungsamt
Darmſtadt: in 7 Unfallverſicherungsſachen, 5 Invaliden=
verſicherungsſachen, 3 Krankenverſicherungsſachen, b) vor
dem Reichsverſicherungsamt: in 3
Unfallverſicherungs=
ſachen und 3 Invalidenverſicherungsſachen. In 285 Sachen
wurden über die Verhandlungen mit den Parteien und
Behörden beſondere Akten angelegt. Im letzten
Geſchäfts=
bericht wurde beſonders auf das Gebaren der
Schwin=
delfirmen hingewieſen und zum Schluſſe der Wunſch
aus=
geſprochen, daß die Beſtrebungen der ſtädtiſchen
Rechts=
auskunftsſtelle auf Schaffung einer Kommiſſion zur
Be=
kämpfung der Schwindelfirmen für Darmſtadt von Erfolg
ſein möchten. Nach vorausgegangenen Verhandlungen
mit der Handelskammer, Handwerkskammer und
verſchie=
denen Innungen fand am 11. März 1914 unter dem
Vor=
ſitz des Herrn Bürgermeiſters Mueller im Rathausſaale
eine Verſammlung ſtatt, die zur Gründung der
Kommiſ=
ſion führte. In dieſer Verſammlung erklärten ſich zur
Mitarbeit bereit die Vertreter der Handelskammer, der
Handwerkskammer, des Detailliſtenvereins, des
Anwalt=
vereins, der Schneider=, Gaſtwirte=, Glaſer= Metzger= und
Konditoren=Innung, der Frauenrechtsſchutzſtelle, der
Ar=
beiterſekretariate und der Preſſe. Es wurde ein engerer
Ausſchüß zur Bearbeitung der Organiſationsfrage
gebil=
det aus: dem Vertreter der Handelskammer, der
Hand=
werkskammer, einem Vertreter der Innungen, zwei
Lei=
tern der Arbeiterſekretariate, dem Leiter der Städtiſchen
Rechtsauskunftſtelle, einer Vertreterin der
Frauenrechts=
ſchutſtelle, einem Rechtsanwalte für den Anwaltverein
und einem Redakteur für die Preſſe. Die
Geſchäftsfüh=
rung der Kommiſſion wurde der Städtiſchen
Rechtsaus=
kunſtſtelle übertragen, deren Leiter zunächſt den Vorſitz
in den Sitzungen des engeren Ausſchuſſes führt. Bis zum
Tage der Berichterſtattung hat eine Sitzung des engeren
Ausſchuſſes ſtattgefunden. Unter anderem wurde der
Bei=
tritt der Kommiſſion zum Verband der deutſchen
gemein=
nützigen und unparteiiſchen Rechtsauskunftſtellen
be=
ſchloſſen. In dieſer Sitzung kamen 21 von der
Geſchäfts=
ſtelle zurzeit bearbeitete Schwindelfälle zur Erörterung.
’s iſt beſonders dankbar zu begrüßen, daß Vertreter des
Anwaltvereins und der Preſſe ihre Mitarbeit in der
Kommiſſion leihen. Die Kommiſſion wird in engſter
Fühlung mit der Lübecker Zentrale zur Bekämpfung der
Schwindelfirmen arbeiten.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Reſidenztheater am Weißen Turm.
„Lachen iſt geſund!” Unter dieſer Deviſe ſteht das
heu=
tige Programm, welches das hervorragende Luſtſpiel in
vier Akten „Zweite Türe links” mit der entzückenden
Hanni Weiſe in der Hauptrolle zeigt. Dieſer von der
Vitaſkope verfertigte Film erregt ſtürmiſche Lachſalven
und verſetzt das Publikum in die ausgelaſſenſte
Stim=
mung. Das Bild iſt köſtlich in ſeiner pikanten, aber
fei=
nen Art, und zwingt ſelbſt Nörgler und Peſſimiſten zum
Lachen. Ein großes Intereſſe wird wohl für viele die
wohlgelungene Aufnahme der Autofahrt um den Grand
Prix in Lyon mit Mercedes in Front haben. „Um hohen
Einſatz” betitelt ſich das feinſinnige und vornehme Drama
in 2 Akten von Gaumont, welches als zweiter Schlager
zur Vorführung gelangt. Bubi, der Liebling aller, glänzt
wieder in einer humoriſtiſchen Rolle, während der
pi=
kante Luny in „Schmerzliches Abenteuer” ein verſtändiges
Schmunzeln entlockt. Das kleine Drama „Der
Land=
ſtreicher” bringt wieder Abwechslung ins Programm.
Das Neueſte aus aller Welt zeigt die Gaumontwoche,
während in Gedanken eine ſchöne Partie der
ſchweizeriſch=
franzöſiſchen Grenze entlang führt. (Siehe Anzeige.)
— Traiſa, 27. Juli. (Die Turngemeinde
Traiſa) feierte geſtern ihr 35jähriges
Stiftungs=
feſt. Die Feier fand im „Heſſiſchen Hof” ſtatt und mußte
der ungünſtigen Witterung wegen im Saale abgehalten
werden. Das Vorſtandsmitglied Turner Jakobi hielt
eine kurze, kernige Feſtanſprache, in der er in knappen
Zü=
gen auf die Entwickelung der Turngemeinde Traiſa
hin=
wies und betonte, daß der Verein zurzeit mit den
Schü=
lerabteilungen etwa 160 Mitglieder zähle. Darunter
be=
finden ſich noch vier Gründer des Vereins, ebenſo noch
eine ganze Anzahl älterer Turner, die kurz nach der
Gründung eingetreten ſind. Das „Gut Heil!” des
Red=
ners galt denn auch den alten, treuen Turnern, mit
Ein=
ſchluß des greiſen Vorſitzenden der deutſchen Turnerſchaft,
des Geh. Sanitätsrats Dr. Götz. Seitens des
Ortsvor=
ſtandes der Gemeinde Traiſa ſprach Herr Beigeordneter
Brehm der Turngemeinde herzlichen Glückwunſch aus
und Bezirksturnwart Keßler im Namen des Gau=
Ausſchuſſes des Main=Rheingaues. Die verſchiedenen
Vorführungen, die von den beiden Turnwarten und dem
Vorſitzenden des Vereins, Turner Kilian, und deſſen
Bru=
der geleitet wurden, zeigten, daß innerhalb der
Turn=
gemeinde Traiſa ein reger turneriſcher Geiſt beſteht. In
den Zwiſchenpauſen brachte der Geſangverein „
Sänger=
luſt” verſchiedene Chöre vorzüglich zu Gehör, was
weſent=
lich zur Erhöhung der Feſtſtimmung beitrug. Die
ſchlichte, echt turneriſche Feier fand durch einen
Turner=
ball einen würdigen Abſchluß.
sd. Bürſtadt, 27. Juli. (Leichenfund.) Geſtern
abend wurde von einem Streckenarbeiter auf der
Eiſen=
bahnlinie Mannheim-Frankfurt auf dem Bahngleis, in
Zeitungspapier eingewickelt, die Leiche eines
neugebore=
nen Kindes aufgefunden, die anſcheinend aus dem kurz
vorher vorbeigefahrenen Schnellzug geworfen worden
iſt. Nach ärztlicher Feſtſtellung hat das Kind nicht gelebt.
Guſtavsburg, 27. Juli. (Beim Baden
er=
trunken) iſt der 12½ Jahre alte Sohn des
Zahl=
meiſters Riebling an der Schleuſe Koſtheim. Derſelbe
ging von der Schleuſe fort zum Baden, kehrte aber nicht
mehr zurück. Schiffer fanden die Kleider und gaben ſie
an der Schleuſe ab. Zum Schrecken erkannten die Eltern
die Kleider ihres Sohnes. Durch den Fiſcher P.
Hof=
mann aus Koſtheim wurde der Knabe an der
Unglücks=
ſtelle geländet.
Oppenheim, 27. Juli. (Ein Oppenheimer in
Braſilien ermordet.) Auf fremder Erde durch
Mörderhand den Tod gefunden hat der 28jährige Sohn
Valentin des Schneidermeiſters Adam Wetzel von hier.
Valentin Wetzel, der in Braſilien weilte, war bei einer
befreundeten Familie zu einer kleinen Feier geladen. Am
Abend verübten Rowdies vor dem Hauſe allerhand
Un=
fug. Als der Gaſtgeber und Wetzel hinausgingen, um
Ruhe zu ſtiften, wurde Wetzel von den Kerlen überfallen
und totgeſtochen.
Bingen, 27. Juli. (Der Ausſtand) der
Arbei=
ter am Bau der Anſchlußſtrecke Sarmsheim=Kempten für
die neue Rheinbrücke Bingen=Rüdesheim iſt nunmehr
be=
endet. Sämtliche ſechshundert Arbeiter haben ihre
Tä=
tigkeit aufgenommen. Die Firma Grün und Bilfinger
hat die Forderungen der Arbeiter zum Teil und
beſon=
ders ſoweit die geringer bezahlten Kräfte in Frage
kom=
men, bewilligt, worauf ſofort die Arbeit aufgenommen
wurde.
500=Jahrfeier der Büdinger
Schützen=
geſellſchaft.
(*) Büdingen, 26. Juli. Unſer Städtchen, das mit
Recht als das oberheſſiſche Rothenburg bezeichnet wird,
bildete aus Anlaß der 500=Jahrfeier der
Schützengeſell=
ſchaft den Treffpunkt der Schützenvereine Heſſens und
Heſſen=Naſſaus. Samstag, abends 8 Uhr, fand großer
Zapfenſtreich ſtatt, wobei die Kapelle der 61er Artillerie
ſpielte. Die Feier fand im „Fürſtenhof” ſtatt unter
Mit=
wirkung des Geſangvereins „Liederkranz‟ Der
Schutz=
herr, Fürſt Wolfgang, eröffnete die Feier und begrüßte
die Gäſte. Namens der Feſtſtadt ſprach Bürgermeiſter
Fendt. Kreisrat Geheimrat Böckmann ſprach namens
der Behörde und übergab die vom Großherzog der
Schützengeſellſchaft verliehene Fahnenſchleife und
den vom Kaiſer geſtifteten Kaiſerpreis, einen
pracht=
vollen Becher. Schützenmeiſter Eberling dankte namens
der Schützengeſellſchaft und ernannte den Fürſten zum
Ehren=Oberſchützenmeiſter. Der Fürſt übernahm mit
herz=
lichen Dankesworten den Kaiſerpokal für den
Schützen=
verein.
Sonntag, vormittags 8 Uhr, fand die Abholung des
„Ritters” im Schloſſe ſtatt durch die Schützengeſellſchaft.
Um 8½ Uhr war Feſtgottesdienſt im Hain, Pfarrer Göbel
hielt die Feſtpredigt. Inzwiſchen brachten fortgeſetzt die
Züge und Sonderzüge Hunderte von Schützen und
Feſt=
gäſten. Um 11 Uhr waren die Straßen der Stadt dicht
beſetzt. Es galt nämlich, den hiſtoriſchen Feſtzug
zu ſehen. Unter Zugrundelegung eines einheitlichen
Ge=
dankens hatte man geſchichtliche Bilder aus der
Vergan=
genheit in einen hiſtoriſchen Feſtzug zu effektvoller
Dar=
ſtellung gebracht. Den Zug eröffneten ein Herold und
Fanfarenbläſer. Es folgte Gruppe 1 mit dem St.
Seba=
ſtianuswagen, Bogenſchützen zu Wagen und zu Fuß,
Landleute, Muſik, Tracht: 12. Jahrhundert. Die zweite
Gruppe ſtellte den Kaiſer Barbaroſſa dar. Die dritte
Gruppe zeigte die Vermählung des Begründers des
hie=
ſigen Fürſtengeſchlechts, des Herrn Ludwig I. von
Iſen=
burg. In Gruppe 4 kam die Jagd zu ihrem Rechte. Es
folgte ein Wagen des Handwerks und der Landwirtſchaft.
Als ſiebente Gruppe erſchienen Graf Wilhelm Otto von
Iſenburg und ſeine Mannen, aus dem furchtbaren 30 Kriege heimziehend. Die achte Gruppe bildete
ein Wagen mit Bürgermeiſter und Rat der Stadt
Büdin=
gen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Und in der
folgenden 9. Gruppe zeigten ſich die Niederlaſſungen
der Herrnhuter Die hieſigen Vereine und die
auswär=
tigen Schützen ſchloſſen ſich an.
Mit dem Feſteſſen in der vom Fürſten erbauten
Feſthalle war um 2 Uhr der eigentliche Feſtakt
ver=
bunden. Der erſte Schützenmeiſter Eberling erklärte, daß
durch die fünf Jahrhunderte des Beſtehens der
Schützen=
geſellſchaft ſich die Liebe und Sorgfalt des Hauſes
Iſen=
burg zur Schützengeſellſchaft wie ein goldener Faden durch
deren Geſchichte ziehe. Kreisrat Geheimrat Böckmann
ge=
dachte des Kaiſers. Nach dem Hoch auf Kaiſer und
Groß=
herzog ſpielte die Muſik die Kaiſerhymne, und darauf ſang
die Feſtverſammlung „Die Wacht am Rhein‟ Der
Vor=
ſchlag des Fürſten Wolfgang, an Kaiſer und Großherzog
Ergebenheitstelegramme abzuſenden, fand allſeitige
Zu=
ſtimmung. Der Fürſt erklärte, daß er der
Schützengeſell=
ſchaft zum Zeichen ſeiner Anhänglichkeit dieſe Halle als
ein Schützenheim ſchenken wolle. Es folgten
Be=
grüßungen. Das Jubiläumsſchießen wurde um
3½ Uhr durch den Schutzherrn Fürſten Wolfgang
eröff=
net, der den Ehrenſchuß abgab. Alsbald nahm das
Ver=
eins=Gruppenſchießen ſeinen Anfang. Nach einer
kurzen Pauſe verkündigte gegen 5 Uhr ein Böllerſchuß die
Eröffnung des allgemeinen Wettſchießens,
Um 7 Uhr wurden 6 Ehrenbecher verteilt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 26. Juli. Von Karlsbad
reiſte geſtern ein angeblicher ruſſiſcher Kurgaſt nach
Ber=
lin ab, der unter dem Namen Aſſad Naſourow mit
Frau Zahrak und Kind Mahomod ſowie fünf Dienern
drei Wochen in Karlsbad wohnte. Kurz vor ſeiner
Ab=
fahrt ſtellte es ſich heraus, daß der Badegaſt der Ex=
Schah Mahommed Ali von Perſien iſt. — Die
Neubauten der Berliner Muſeen an Alfred
Meſſels Forum am Kupfergraben haben in letzter Zeit
erſtaunlich raſche Fortſchritte gemacht. Die von
Halb=
ſäulen gegliederten Faſſaden des künftigen Deutſchen
Mu=
ſeums und des Aſiatiſchen Muſeums, der großen, zum
Waſſer vorſtoßenden Flügelbauten des Forums, wachſen
ſehr flott empor. Während die Bauleitung, die in den
faſern filtriert, gekocht und dabei abgeſchäumt. Das
Er=
gebnis iſt der Dattelhonig, der „Aſſal”, der in Krügen
ver=
wahrt wird. Sein köſtliches Aroma, ſein Nährwert und
vor allem ſein billiger Preis laſſen ihn zur Einführung
in Europa durchaus geeignet erſcheinen.
Das Denkmal der Möwen von Utah. Der Fremde,
der die Mormonenſtadt Salt Lake City beſucht, wird
fortan mit einiger Verwunderung ein eigenartiges
Denk=
mal betrachten, das ſeit kurzem die Stadt am Salzſee
ſchmückt. Auf einer ſtattlichen und dabei anmutigen
gro=
ßen Granitſäule ruht eine Halbkugel, auf der ſich zwei
große Möwen aus vergoldeter Bronze niedergelaſſen
haben. Tritt man näher an die=Säule heran, ſo gewahrt
man am Piedeſtal eine Reihe von Hochreliefs, Bauern
und Bäuerinnen, die weinend und verzweifelt auf
ver=
wüſtete Felder blicken, dann eine Rieſenwolke von Vögeln,
die heranzieht und auf die Felder niedergeht, ſchließlich
aber hochbeladene Erntewagen, die von fröhlichen
Men=
ſchen im Triumphe eingeholt werden. Das eigenartige
Denkmal, deſſen Bedeutung ſich dem Fremden nicht
ſo=
fort entſchleiert, iſt das Denkmal der Möwen von Utah.
In Stein und Bronze bringen hier die Mormonen den
heiligen Möwen, die einſt die erſte Niederlaſſung der
Mor=
monen vor dem Hungertode bewahrten, eine Ehrung. Es
war im Jahre 1847, daß ſich die erſten Mormonen an
den öden Ufern des großen Salzſees niederließen; vor
den heftigen religiöſen Verfolgungen, denen die
Anhän=
ger des Mormonenglaubens in Illinois ausgeſetzt waren,
flüchteten ſie hierher in die Einſamkeit. Im Frühjahr
1848 waren die letzten kümmerlichen Reſte der
mitgebrach=
ten Nahrungsmittel erſchöpft und ſorgenvoll verfolgten
die Anſiedler die Entwickelung ihrer Staaten, als
plötz=
lich gleich einer ägyptiſchen Plage ungeheure
Heuſchrecken=
ſchwärme vom Hochgebirge niedergingen und ſich über die
jungen Felder ergoſſen. Wo ſie hinkamen, war die junge
Saat ſofort vernichtet, und die Anſiedler wären dem
Hungertode anheimgefallen, wenn nicht die auf den
In=
ſeln des Nachbarſees hauſenden Möwen zu ihrer Rettung
herbeigeeilt wären Als die nach Hunderttauſenden
zäh=
lenden dichten Möwenſchwärme ſich über die Felder
nie=
derſenkten, glaubten die Mormonen, daß ihr Unglück nun
vollends beſiegelt ſei. Um ſo größer war die Freude, als
man wahrnahm, daß die Möwen nur die Heuſchrecken
angriffen. Da ſah man in den weißen und grauen Vögeln
vom Himmel geſandte Retter, die gekommen waren, die
neue Kirche zu ſchützen. Mit einem Koſtenaufwand von
über 150000 Mark hat man nun den heiligen Möwen ihr
Denkmal geſetzt; das Monument wurde von einem jungen
Neu=Yorker Bildhauer, einem Enkel des
Mormonen=
propheten Brigham Young, entworfen und geſchaffen.
* Künſtlerlos. Aus Wien wird berichtet: Da hat ein
kleines, alltägliches Ereignis, das dieſer Tage vorgefallen
iſt, in die große Tragik eines bekannten und anerkannten
Künſtlers hineingeleuchtet. In der Gumpendorfer Straße
bricht an einem von mehreren Perſonen gezogenen
Hand=
wagen ein Rad. Der Wagen neigt ſich, ſeine Laſt ſtürzt
und zerſchellt auf dem Pflaſter. Auf dem Wagen aber
ſtand die Marmorgruppe eines bekannten Wiener
Bild=
hauers, deſſen Brunnen im Schönbruner Park viel
be=
wundert wird. Die neueſte Plaſtik war für die
Weltaus=
ſtellung in San Franzisko beſtimmt. Seine letzte
Hoff=
nung hatte der vom Schickſal hart verfolgte Künſtler auf
dieſes Werk geſetzt. Um die Koſten der Ueberführung nach
dem Bahnhof zu ſparen, hatte er ſich ſelbſt mit mehreren
Freunden vor den Wagen geſpannt. Da lag nun ſeine
Hoffnung zerſplittert auf der Straße. Der Unfall bedeutet
den letzten Akt einer Künſtlertragödie. Am 1. Auguſt
wird der Künſtler mit Frau und ſieben Kindern auf die
Straße geſetzt, weil er die Miete nicht bezahlen kann.
** St. Bureaukratius. Folgende hübſche Geſchichte
von bureaukratiſcher Gewiſſenhaftigkeit wird uns
mitge=
teilt: Ein Leutnant erhielt bei ſeinem Aufenthalt in
Gießen für Stallſervice 20 Pfg. ausgezahlt. Es ſtellte
ſich heraus, daß „zuſtändig waren” 24 Pfg., ſomit blieben
rachzuzahlen 4 Pfg. Dieſe 4 Pfg. wurden ihm durch
Poſtanweiſung von der Kaſſenverwaltung zugeſandt,
wo=
für er 5 Pfg. Beſtellgeld zahlen mußte. Somit mußte
der Leutnant dafür, daß er 4 Pfg. zu wenig erhalten
hatte, 1 Pfg. draufzahlen!
* Strohwitwerzeit. Lumpenſammler: „Keine
Lum=
pen heute, Herr?” — „Nein, gar nichts, meine Frau iſt in
der Sommerfriſche.” — „Auch keine leeren Flaſchen, Herr?”.
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Seite 5.
Händen des Architekten der Muſeen, des Königl.
Bau=
inſpektors Wille, ruht, urſprünglich erſt den einen
Flü=
gelbau, das Deutſche Muſeum, hochführen wollte, wird
jetzt das Ganze gleichmäßig hochgebaut. Auch das den
hinteren Abſchluß des Forums bildende neue Pergamon=
Muſeum mit ſeiner Säulenvorhalle und der rieſigen,
qua=
drigengekrönten Frontwand wird jetzt gleich zu bauen
be=
gonnen. Die rieſigen Gipskuliſſen, die vorläufig auf dem
Bauplatze die Front des Pergamon=Muſeums zur
Dar=
ſtellung bringen, werden demnächſt abgeriſſen, nachdem
die Bauleitung unter Mitarbeit Ludwig Hoffmanns, des
künſtleriſchen Teſtamentsvollſtreckers Meſſels, für die
obe=
ren Teile Einzelheiten der ja erſt im kleinen
vorliegen=
den Entwürfe Meſſels übergeprüft und einige Profile
um=
geändert hat. So wird alſo, in der Hoffnung auf die
Geldbewilligungen des Landtags, zurzeit die ganze neue
Muſeumsanlage gleichmäßig im Bau gefördert. —
Ob=
wohl die Arbeiten an der Automobilverkehrs=
und Uebungsſtraße im Grunewald durch die
Regengüſſe im Frühjahr und aus anderen Urſachen
behin=
dert worden ſind, iſt es doch gelungen, ſchon jetzt die Hälfte
der Automobilſtraße, eine Strecke von 5 Kilometern,
fertigzuſtellen. Auf dieſer mit Oberflächen=Teermacadam
verſehenen Straßenſtrecke bis Kilometer 6 wird am 4.
Oktober die Prinz Heinrich=Fahrt ſtattfinden. Im
Spät=
herbſt wird dann zur Eröffnung, deren Tag noch nicht
feſtſteht und der auch der Kaiſer bewohnen wird, die
Auto=
mobilſtraße im weſentlichen fertiggeſtellt ſein. Als
Neue=
rung werden auf der Automobilſtraße auch Probeſtrecken
für Straßendecken eingebaut. — Bei Eiswerder im
Schwielowſee kenterte heute nachmittag infolge
ein=
ſpringender Gewitterböen das Segelgig „Ruth‟. Die
beiden Inſaſſen, der Student Mauthner aus Berlin=
Halenſee und ein anderer Berliner Herr, der am
Schwie=
lowſee in der Sommerfriſche weilte, deſſen Perſönlichkeit
aber noch nicht feſtgeſtellt iſt, ertranken.
27. Juli. Die Eiſenbahndirektion macht bekannt, daß
die zum 1. Auguſt angekündigte Erhöhung
einiger Fahrpreiſe auf den öſtlichen und
nörd=
lichen Vorortſtrecken bis auf weiteres
verſcho=
ben worden ſind. — Der ſeit Jahren herrſchende
Streit zwiſchen Militärkapellen und
Zi=
vilmuſikern iſt beigelegt, indem heute die von
beiden Parteien anerkannten Tarifverträge
unter=
zeichnet wurden.
Straßburg i. E., 27. Juli. (Sturm auf die
Spar=
kaſſe.) Samstag nachmittag und heute morgen fanden
bei der Städtiſchen Sparkaſſe umfangreiche
Ab=
hebungen von Spargeldern ſtatt. Heute vormittag gegen
9 Uhr drängten ſich etwa 1000 Perſonen um den Eingang
des Gebäudes. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung
wurde Polizei herbeigeholt. Vorläufig zahlt die Kaſſe
Beträge unter 100 Mark aus, obwohl ſie dazu nach den
Satzungen nicht ohne weiteres verpflichtet iſt. — Nach
der Straßburger Poſt wurde ferner bekannt, daß elſäſſiſche
Familien ihre Depots von franzöſiſchen Banken einziehen.
Köln, 27. April. (Von giftigen Gaſen
ge=
ſtötet.) Zwei junge Leute, welche in der Nähe von Brühl
einen in eine Braunkohlengrube gefallenen Tennisſchläger
herausholen wollten, wurden von giftigen Gaſen betäubt
und fanden den Tod.
Dresden, 27. Juli. (Unter dem Verdacht des
Raubmordes.) Die unter dem Verdacht des
Raub=
mordes an der Beamtenwitwe Lehmann in der
Holbein=
ſtraße verhaftete 52jährige Schneiderin Müller iſt auch
verdächtig, am 6. Mai die 86jährige Privatiere Müller
am Terraſſenufer erdroſſelt und beraubt, ſowie
auch eine Frau in Niederſedlitz umgebracht zu haben.
Rathenow, 27. Juli. (Unfall.) Wie die Voſſiſche
ZZeitung hört, ſei Prinz Heinrich Reuß XLII.,
Leutnant im Huſaren=Regiment Nr. 3, geſtern nachmittag
bei einer Motorfahrt in der Nähe von Rathenow ſchwer
verunglückt. Er ſtieß auf der Chauſſee mit einem
Droſchkenfuhrwerk heftig zuſammen und zog ſich einen
Bruch des rechten Unterſchenkels zu. Er wurde in das
Garniſonlazarett übergeführt.
Rathenow, 27. Juli. (Nicht Prinz Heinrich
von Reuß XIII.), ſondern Leutnant der Reſerve von
Pentz, der aus Mecklenburg ſtammt, iſt am Sonntag
nach=
mittag auf einer Motorradfahrt verunglückt.
Paris, 27. Juli. (Felsſturz.) In Val=Fleury bei
St. Etienne löſte ſich vom Kalvarienberg ein Felsblock
ab und ſtürzte auf einen Pfad, auf dem ſich gerade eine
Prozeſſion von etwa 200 jungen Mädchen bewegte. Zwei
Mädchen wurden getötet, drei lebensgefährlich und
zehn ſchwer verletzt.
London, 27. Juli. (Tod einer 110jährigen
Engländerin.) Im Norden der Themſeſtadt ſtarb die
als die Grand Old Woman of Wood Green” bekannte
Mrs. Rebecca Clark, die ein Alter von 110 Jahren
erreicht hat. Die Greiſin war, ſoweit bekannt, die älteſte
Einwohnerin Englands und hat während ihres letzten
Lebensdezenniums zu jedem Geburtstag Gratulationen
aus dem Königshauſe in Empfang nehmen dürfen. Auch
viele andere Ehrungen wurden ihr an dieſen Feſten
zu=
teil. Bis vor kurzem hat die alte Dame noch täglich einen
Spaziergang unternommen. An ihrem 107. Geburtstage
wurde Mrs. Clark zu ihrer erſten Autofahrt überredet,
die ihr auch viele Freude bereitete. Ihr langes Leben iſt
im allgemeinen merkwürdig ereignislos geweſen. Große
Gemütserregungen ſchmerzlicher Art ſind faſt nie an ſie
herangetreten. Und wenn man die Hundertjährige fragte,
wie man ſich verhalten müſſe, um auch ſo alt zu werden,
erklärte ſie lachend, man dürfe ſich „niemals Sorgen
machen oder ärgern” An dem Sterbelager der Greiſin,
die einen leichten, ſchnellen Tod hatte, weilten drei ihrer
Kinder und vier Enkel.
London, 27. Juli. (Freiwilliges
Geſtänd=
nis eines Mörders.) Das Themſe=Polizeigericht
verhaftete dieſer Tage einen Seemann namens William
Robbins, der ſich ſelbſt eines vor ſieben Jahren
began=
genen Mordes bezichtigte. Robbins legte das
unheim=
liche Geſtändnis ab, „um ſein Gewiſſen zu erleichtern”
das ihm in den letzten Jahren keine Ruhe mehr ließ.
Der reuige Verbrecher gibt an, am 3. November 1907 in
Melbourne mit einem jungen Mädchen, deſſen
Bekannt=
ſchaft er kurz vorher gemacht hatte, eine Ruderfahrt
unter=
nommen zu haben, von der nur er allein zurückkehrte. Auf
dem Waſſer war ein Streit zwiſchen den beiden
ausge=
brochen. Der kaum 18jährige Matroſe hatte ſich in Minnie
Stevenſon verliebt und glaubte Urſache zur Eiferſucht auf
einen anderen jungen Menſchen zu haben, mit dem das
Mädchen am Abend zuſammentreffen wollte. Es fielen
harte Worte und die Stevenſon gab ſchließlich zu, den
andern zu lieben. Da hatte ſich William Robbins auf ſie
geſtürzt und ſie gewürgt. Dann zerſchnitt er die Leiche
und verſenkte die einzelnen Teile ins Meer. So blieb,
weil der Körper nicht angeſchwemmt wurde, die grauſige
Tat unentdeckt. Die Beichte des Mörders wurde zu
Pro=
tokoll genommen und Robbins ſetzte ſeine Unterſchrift
darunter.
Dreitägige Geſellſchaftsfahrt
(Südweſtdeutſche Zuverläſſigkeitsfahrt)
des H. H.C.
3. Tag.
St. Rothenburg o. d. Tauber, 27. Juli.
Rothen=
burg, die Stadt mit dem trinkfeſten Bürgermeiſter und dem
Meiſtertrunk, hielt auch die Fahrtteilnehmer ſo lange und
animiert zuſammen, daß der Start am 3. Tage auf 9 Uhr
norgens verlegt werden mußte. Der offizielle Grund der
Späterlegung war freilich die Ueberlaſtung der
Oberlei=
tung mit den Vorarbeiten. 1½ Kilometer vor
Rothen=
burg, auf der Straße nach Nürnberg, wurden die Fahrer
in der gleichen Reihenfolge wie geſtern abgelaſſen, Es
fuhren im Wagen 10 als Unparteiiſcher Lt. v.
Franken=
berg, im Wagen 8 Lt. v. Michels, im Wagen 7 Lt.
Ir=
miſch, im Wagen 6 Lt. v. Wangenheim, im Wagen 5 Lt.
Brodrück, im Wagen 4 Lt. Holtz, im Wagen 3 Lt. Haneſſe,
im Wagen 2 Rittm. Hetzger, im Wagen 1 Lt. von der
Wenſe. Wie an den beiden vorhergehenden Tagen wurden
die Fahrer in Zwiſchenabſchnitten von 2 Minuten
abge=
laſſen. Die Sonne ſchien freundlich, als die
Fahrteil=
nehmer Rothenburg verließen, aber ihr wärmender Schein
war Trug, es dauerte nicht lange, bis ſie ſich wieder
hin=
ter Wolkenballen verkroch, und nach einer knappen Stunde
Fahrt gingen wieder die erſten Regenſchauer nieder, die
die Konkurrenten auf der ganzen Fahrt gefangen hielten
und nur hin und wieder eine Verſchärfung erfuhren durch
Hagelſchläge. Die ſonſt vorzüglichen Wege waren
außer=
ordentlich aufgeweicht, ſo daß die Fahrt vielfach ungemein
große Schwierigkeiten bot. Trotzdem haben ſämtliche
Teilnehmer ohne Unfall das Ziel erreicht, ſo daß, was
jetzt ſchon geſagt werden kann, die ſportlichen Ergebniſſe
der Zuverläſſigkeitsfahrt außerordentlich bemerkenswert
ſind. Für die Gaſtfahrer freilich war auch der heutige
Tag kein ſonderlicher Genuß, denn die herrlichen
Natur=
ſchönheiten verſagen ihre Wirkung, wenn Regen und Hagel
ſchmerzhaft ins Geſicht gepeiſcht werden. Das Verhalten
der Bevölkerung auf der Fahrt war lobenswert, weniger
angenehm die Schwierigkeiten und ſcharfe Handhabung
der polizeilichen Beſtimmungen in Württemberg,
Fran=
ken uſw.
In Darmſtadt war das Zielband etwa 300 Meter hinter
den Hirſchköpfen geſpannt. Trotz des Regens, der auch
in Darmſtadt die Fahrteilnehmer empfing, hatte ſich eine
außerordentlich zahlreiche Menſchenmenge eingefunden.
Auch viele Sportfreunde, an der Spitze Prinz Otto zu
Schaumburg=Lippe, waren mit Automobilen den
Teilnehmern entgegengefahren und erwarteten ſie nun am
Ziel. Die Kapelle des Feldart.=Regts. Nr. 61 unter
Ober=
muſikmeiſter Weber ſorgte dafür, daß den Wartenden
die Zeit im ſtrömenden Regen nicht gar zu lang wurde,
und begrüßte mit brauſendem Tuſch den erſten
Konkur=
renten, der im übrigen, wie auch ſämtliche folgenden
Fah=
rer, mit einem Ehrentrunk durch die Oberleitung in
Empfang genommen wurde. Den Damen wurden
wiederum Roſenbuketts liebenswürdigſt überreicht. Als
erſter paſſierte um 4,28 Uhr Goebel=Gießen das Zielband,
10 Minuten ſpäter folgte Dr. Stahlſchmidt=Darmſtadt,
4,40 Uhr lief Arnoldi=Frankfurt, 4,52 Uhr Schleinitz=
Ber=
lin, 4,53 Uhr Bernhard=Darmſtadt, 5,15 Uhr Bauer=
Darm=
ſtadt, 5,18 Uhr Ober=Darmſtadt, 5,31 Uhr Kellner=
Frank=
furt, 5,58 Uhr Müller=Darmſtadt durch das Ziel. Die
vielen Hundert Sportfreunde begrüßten die Fahrer mit
brauſendem Hurra. Hofphotograph Zinſel machte
zahl=
reiche Aufnahmen. Dann ordneten ſich die Konkurrenten
zu einem impoſanten Korſo, der unter Voranfahrt des
Prinzen zu Schaumburg=Lippe, dem die beiden
Leitungs=
wagen folgten, durch die Straßen der Stadt nach dem
Exerzierplatz fuhr, unterwegs überall von vielen
Hun=
derten herzlich begrüßt. Auf dem Exerzierplatz wurden
noch einige Gruppenaufnahmen gemacht und damit war
die Fahrt offiziell beendet.
Noch geſtern abend traten die Oberleitung und die
Preisrichter zu einer Sitzung zuſammen, um das
Reſul=
tat der Fahrt feſtzuſtellen, eine Arbeit, die ſich durch die
außerordentlich ſcharfe Punktwertung ſehr ſchwierig
ge=
ſtaltete. Das endgültige Reſultat iſt jedoch heute noch
nicht feſtgeſtellt und wird vorausſichtlich nicht vor
Diens=
tag abend 9 Uhr bekannt gegeben werden. Es iſt
wahr=
ſcheinlich, daß anſtelle eines einzigen drei erſte Preiſe
aus=
gegeben werden, da andernfalls die drei beſten Fahrer
die ganz gleiche Punkte haben, um den erſten Preis loſen
müſſen. Wie wir erfahren, ſind drei Adlerwagen in
Front; es darf jedoch mit größter Anerkennung konſtatiert
werden, daß auch eine ganze Reihe anderer Fahrer ſehr
vorzüglich abgeſchnitten haben, die als Sieger aber nicht
in Frage kommen, da widrige Umſtände, an denen ſie ſelbſt
ſchuldlos waren, ihnen Strafpunkte verſchafften.
Luftfahrt.
* Herrenalb, 27. Juli. Vorige Woche haben
in=
folge einer Wette zwei franzöſiſche
Zivilflie=
ger einen Flug von Paris nach
Konſtantino=
pel angetreten, mußten aber in der Nähe von Paſſau
in=
folge eines Unfalles landen. Auf der Rückfahrt kamen ſie
am Samstag, abends 8 Uhr, auf dem Cannſtatter
Exer=
zierplatz an und ſtiegen geſtern früh wieder auf, um nach
Paris zurückzufliegen. Sie kamen aber nur bis
in die Nähe von Dobel, wo ſie geſtern vormittag 11 Uhr
infolge eines Propellerdefektes abermals zur Landung
gezwungen waren. Von den ſofort benachrichtigten
Be=
hörden wurden die Ausweispapiere der beiden
Fran=
zoſen in Ordnung befunden. Der eine von ihnen iſt nach
Paris gereiſt, um einen Erſatzpropeller zu beſchaffen. Die
Flieger werden vorausſichtlich morgen abend weiter
fliegen.
* Viſp, 27. Juli. Der italieniſche Flieger
Blan=
dini hat mit einem Paſſagier von Navarra aus den
Monte Roſa überflogen und iſt in Viſp glatt gelandet.
* Paris, 27. Juli. Auf dem Flugfelde von Juviſy
ſtürzte der Leutnant de Valency mit ſeinem
Waſſer=
flugzeug aus einer Höhe von 150 Metern ab und blieb
auf der Stelle tot.
Gerichtszeitung.
* Leipzig, 27. Juli. Das Reichsgericht
ver=
warf heute die Reviſion des Arbeiters Ludwig, der
wegen Ermordung des Gendarmen
Kieß=
ling in Jockgrim vom Schwurgericht Zweibrücken am
19. Juni zum Tode verurteilt worden war. — Das
Reichsgericht gab der Reviſion des Kaufmanns
Fran=
kenthal, der vom Schwurgericht Kiel am 28. Mai v. J.
mit ſechs anderen Angeklagten wegen Beſtechung zu
2 Jahren und 6 Monaten Gefängnis
verur=
teilt worden war, in einem Punkte ſtatt, der die Beſtechung
des früheren Kirchendieners Rolff betrifft. Im übrigen
wurde die Reviſion, ſowie diejenige der Tochter des
An=
geklagten als unbegründet verworfen.
* Paris, 27. Juli. Caillaux erhob gegen
ge=
wiſſe Mitteilungen des Figaro Einſpruch und wies
leb=
haft auf die Quelle des Vermögens
Calmet=
tes hin. Darauf wurden die als Zeugen geladenen
Aerzte vernommen. Dr. Doyen erklärte, techniſch und
in vollkommener Unabhängigkeit ſprechen zu wollen. Er
kritiſierte lebhaft das Verfahren der Aerzte, die Calmette
behandelten. Doyen rief bisweilen Proteſtrufe hervor
und ſchloß mit der Ausſage, die Wunden Calmettes
ſeien nicht tödlich geweſen.
Der Zeuge Caillaux gibt ſeiner Anſicht Ausdruck,
daß insbeſondere Bernſtein nicht das Recht habe, ihm
Vorhaltungen zu machen. Hierauf tritt Bernſtein an
den Zeugentiſch und beſchuldigt Caillaux formell der
Un=
wahrheit und fügt hinzu, er würde im Falle eines
Krie=
ges mitgehen. Im Kriege könne man ſich nicht durch
eine Frau vertreten laſſen, da müſſe man ſich ſelbſt
ein=
ſetzen. Dieſe Worte erregen einen ſolchen Beifallsſturm,
daß der Präſident gezwungen iſt, die Verhandlung zu
vertagen.
Der öſterreichiſch=ſerbiſche
Konflikt.
Rückkehr des Kaiſerpaares.
* Kiel, 27. Juli. Der Kaiſer iſt heute morgen
7 Uhr an Bord der „Hohenzollern” hier eingetroffen und
um 9 Uhr vormittags nach Berlin abgereiſt. Unter ſich
immer wiederholenden ſtürmiſchen Hurrarufen und
patrio=
tiſchen Geſängen des die Bahnhofshalle beſetzt haltenden
Publikums verließ der Zug die Halle.
* Potsdam, 27. Juli. Die Kaiſerin iſt von
Wilhelmshöhe um 7.33 Uhr auf der Station Wildpark
an=
gekommen und hat ſich nach dem Neuen Palais begeben.
* Wildpark bei Potsdam, 27. Juli. Der Kaiſer
traf heute nachmittag 3.10 Uhr, im Sonderzug von Kiel
kommend, auf der Fürſtenſtation Wildpark ein. Zum
Empfange hatte ſich die Kaiſerin eingefunden.
* Wildpark=Potsdam, 27. Juli. Zum
Empfang des Kaiſers hatten ſich auf dem
Bahn=
ſteig der Fürſtenſtation eingefunden: der
Reichskanz=
ler, die Generaloberſten v. Keſſel, v. Pleſſen, die Herren
des Hauptquartiers, Oberſtkämmerer Fürſt zu Solms=
Baruth, Oberhofmarſchall Freiherr v. Reiſchach, der Chef
des Generalſtabes General v. Moltke, der Chef des
Admi=
ralſtabes, der Stadtkommandant von Potsdam General
v. Kleiſt. Kurz vor Ankunft des Zuges erſchien die
Kai=
ſerin. Der Kaiſer, welcher Marineuniform trug,
be=
grüßte die Kaiſerin aufs herzlichſte und überreichte Ihrer
Majeſtät einen Strauß roter Roſen. Der Kaiſer
unter=
hielt ſich ſodann mit den Anweſenden etwa eine
Viertel=
ſtunde und fuhr darauf mit der Kaiſerin im Automobil
nach dem Neuen Palais, auf dem Wege von einem
zahl=
reichen Publikum mit Hurrarufen empfangen. Zum
Neuen Palais begaben ſich auch der Reichskanzler, der
Chef des Generalſtabes General der Infanterie v. Moltke,
und der Chef des Admiralſtabes Admiral v. Pohl.
* Potsdam, 27. Juli. Der Kaiſer nahm
als=
bald nach ſeiner Ankunft im Neuen Palais zunächſt einen
längeren Vortrag des Reichskanzlers
ent=
gegen und empfing darauf die Chefs des Generalſtabes
und des Admiralſtabes. Seine Majeſtät gedenken einige
Tage hier zu bleiben und demnächſt den
gewohn=
ten Aufenthalt in Wilhelmshöhe zu nehmen.
Depeſchenaustauſch zwiſchen Kaiſer Wilhelm
und dem Zaren.
* Paris, 27. Juli. Eine Depeſche aus Petersburg
meldet, daß zwiſchen dem Zaren und Kaiſer
Wil=
helm ein Depeſchenaustauſch ſtattgefunden habe.
Man mißt dieſer Tatſache in bezug auf die Erhaltung des
Friedens große Bedeutung bei.
Die Börſe.
* Berlin, 27. Juli. In einer von den
maßgeben=
den Berliner Banken und Bankfirmen
abgehal=
tenen Verſammlung wurde folgendes beſchloſſen: Erſtens:
Für die hieſigen Börſenfirmen gewährten Vorſchüſſe
be=
gnügen ſich die Geldgeber mit der vereinbarten
Ueber=
deckung auf Grund der Cascokurſe, vom 25. Juli und für die
Ultimopapiere auf Grund der erſten notierten Kueſe vom
gleichen Tage. Zweitens: Um das Privatpublikum vor einem
Verſchleudern ſeines Effektenbeſitzes zu bewahren, wird
bis auf weiteres von der Einforderung von Zuſchüſſen
der Kundſchaft gegenüber ſolange abgeſehen, als der
Kurswert der bevorſchußten Wertpapiere die dagegen
be=
willigten Vorſchüſſe nicht unterſchreitet.
* Peſt 27. Juli. Der Börſenrat hat für den
27., 28. und 29. Juli die Einſtellung des Verkehrs an der
Fonds= und Getreidebörſe beſchloſſen.
* Brüſſel 27. Juli. In Berückſichtigung der
gegenwärtigen Ereigniſſe und, da einzelne Börſen
geſchloſ=
ſen worden ſind, hat das Börſenkomitee ſich dahin
ent=
ſchieden, die hieſige Börſe für heute zu ſchließen.
* Paris, 27. Juli. Im Hinblick auf die Ereigniſſe
und angeſichts der Schließung mehrerer ausländiſcher
Börſen, namentlich der Wiener Börſe, beſchloß der
Ausſchuß der Bankiers, für den Terminhandel vorläufig
alle Börſengeſchäfte einzuſtellen. Im
Par=
kett vollziehen ſich die Börſenoperationen in normaler
Weiſe.
Kundgebungen in Deutſchland und Oeſterreich.
* München 27. Juli. Zu der geſtrigen
Parade=
muſik vor der Feldherrnhalle hatte ſich ein
vieltauſend=
köpfiges Publikum eingefunden. Die Muſikkapelle kam
gar nicht dazu, ihr Programm abzuwickeln, weil ſie den
ſtürmiſchen Wünſchen des Publikums entſprechend eine
Anzahl nationaler Märſche und Geſänge ſpielen mußte.
Nach dem Abmarſch wurde die Wache von der Menge
be=
gleitet, die in den Vorgarten des Wittelsbacher Palais
eindrang und dem König, der Königin und den
Prinzeſ=
ſinnen eine begeiſterte Ovation darbrachte. Die Wache
mit der Kapelle mußte Halt machen und die
Königs=
hymne ſpielen, die von den Menſchen entblößten Hauptes
mitgeſungen wurde. Der König und die Königin dankten
tiefbewegt.
* Stuttgart, 27. Juli. Geſtern abend verſammelte
ſich vor der hieſigen öſterreichiſchen Geſandtſchaft eine
rieſige Menſchenmenge und brachte
Sym=
pathiekundgebungen für Oeſterreich=Ungarn dar.
Hierauf zog die Menge zur ruſſiſchen Geſandtſchaft,
wurde aber dort von Schutzleuten verdrängt.
* Mannheim 27. Juli. Um Mitternacht fand
hier eine große Kundgebung ſtatt. Eine
tauſend=
köpfige Menge zog vor die Wohnungen des öſterreichiſchen
und des italieniſchen Konſuls, ſowie vor die Wohnung
des Bürgermeiſters und des Reichstagsabgeordneten
Baſ=
ſermann. Vaterländiſche Lieder wurden geſungen, und
Baſſermann erwiderte auf eine patriotiſche Anſprache.
Hier=
auf bewegte ſich die Menge unter begeiſterten Rufen nach
dem Bismarckdenkmal.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
* Peſt 27. Juli. Im Laufe des heutigen Tages
erneuerten ſich die Demonſtrationen der
Be=
völkerung, indem eine nach Zehntauſenden zählende
Menge unter begeiſterten Hochrufen auf Kaiſer Franz
Joſef und den deutſchen Kaiſer durch die Straßen zogen.
* Bad Iſchl, 27. Juli. Der Kaiſer Franz Joſef
arbeitete während des ganzen Tages auf das
angeſtreng=
teſte und befindet ſich vollkommen wohl. Am Abend kam
es in dem Kurtheater zu begeiſterten
Kundge=
bungen für Kaiſer Franz Joſef und
Kai=
ſer Wilhelm, ſowie die verbündeten Mächte. Auf
An=
ordnung des Direktors wurde zu Beginn der Vorſtellung
die Volkshymne geſpielt, die von dem geſamten
Publi=
kum ſtehend angehört wurde. Sodann erſchollen brauſende
Hochrufe auf den Kaiſer Franz Joſef. Vor Beginn des
zweiten Aktes wurde „Heil Dir im Siegerkranz” geſpielt.
Da die begeiſterten Kundgebungen nicht enden wollten,
wurde die deutſche Hymne unter dem Jubel des
Publt=
kums und den Hochrufen auf die verbündeten Herrſcher
und Reiche wiederholt.
* Serajewo, 27. Juli. In den Abendſtunden
kam es zu erneuten patriotiſchen
Kundge=
bungen. In dem Vorhof der kaiſerlichen Moſchee
hat=
ten ſich zahlreiche Muſelmanen aller Stämme verſammelt.
Unter Führung von Notabeln zogen ſie darauf zum Konak,
deſſen Park die ungeheuren Menſchenmengen kaum zu
faſ=
ſen vermochte. An den Landeschef wurde eine patriotiſche
Anſprache gehalten, in welcher der Redner die
unerſchüt=
terliche Treue und Ergebenheit der Muſelmanen und ihre
freudige Bereitwilligkeit für den Kaiſer und die
Mon=
archie Gut und Blut zu opfern, zum Ausdruck brachte.
Der Landeschef dankte für die Kundgebung und lobte die
bewährte Treue der Muſelmanen. Unter Jubel und
Hoch=
rufen auf den Kaiſer zogen die Muſelmanen wieder ab.
Bei einer zweiten Kundgebung vor dem Konak hielt der
Landeschef eine zündende Anſprache. Eine unabſehbare
Volksmenge, darunter viele Muſelmanen, veranſtalteten
einen Umzug durch die Stadt, bei welchem alle Teilnehmer
des Zuges an der Stelle, an welcher das Attentat auf den
Thronfolger und ſeine Gemahlin verübt worden iſt,
Ge=
bete verrichteten.
Erneute Kundgebungen in Paris.
* Paris, 27. Juli. An der hieſigen Börſe
veran=
ſtalteten eine Anzahl von Kommis lärmende
Kund=
gebungen gegen einen Bankier ungariſcher
Abſtam=
mung, gegen welchen der Vorwurf erhoben wird, durch
ſeine Spekulationen den Kurs der franzöſiſchen Rente
ge=
drückt zu haben. Die Manifeſtanten riefen: Fort mit
Ihnen! Gehen Sie nach Wien! Einem Blatte zufolge ſoll
der Polizeipräfekt perſönlich eingeſchritten ſein und den
Bankier veranlaßt haben, die Börſe zu verlaſſen.
Die ſerbiſche Antwort.
* Wien, 27. Juli. Der k. k. Geſandte Freiherr
v. Giesl hat die ſerbiſche Antwortnote auf die
öſterreichiſch=ungariſchen Forderungen am 26. d. M. bei
ſeiner Ankunft in Wien dem Miniſterium vorgelegt. Dieſe
Note beabſichtigt den falſchen Schein zu erwecken,
als ob die ſerbiſche Regierung die von Oeſterreich=Ungarn
geſtellten Forderungen in weitgehender Weiſe zu erfüllen
bereit wäre, tatſächlich iſt aber die Note von einem Geiſt
der Unaufrichtigkeit erfüllt, der es klar erkennen
läßt, daß es der ſerbiſchen Regierung nicht ernſtlich darum
zu tun iſt, der ſträflichen Duldung ein Ende zu bereiten,
welche ſie bisher den Umtrieben gegen die Monarchie
zu=
teil werden ließ. Sowohl hinſichtlich der allgemeinen
Grundlage der öſterreichiſch=ungariſchen Demarche als auch
in Betreff der einzelnen von Oeſterreich=Ungarn
geſtell=
ten Forderungen enthält die ſerbiſche Note ſo weitgehende
Vorbehalte und Einſchränkungen, daß auch die
tatſächlich=
gemachten Zugeſtändniſſe bedeutungslos werden;
insbe=
ſondere wurde unter einem nichtigen Vorwand die
For=
derung Oeſterreich=Ungarns, auch die Teilnahme von k. k.
Organen an den Erhebungen zur Eruierung auf
ſerbi=
ſchem Boden befindlicher Teilnehmer an dem Komplott
vom 28. Juni zuzulaſſen, vollkommen abgelehnt. Ebenſo
kommt die Zuſage, die Oeſterreich=Ungarn zur Bekämpfung
der der Monarchie feindlichen Preſſe gemacht hat, einer
Ablehung gleich. Das Begehren Oeſterreich=Ungarns,
daß die königliche Regierung die notwendigen Maßregeln
treffe, damit die aufgelöſten, der Monarchie feindlichen
Vereine ihre Tätigkeit nicht unter einem anderen Namen
und in anderer Form fortſetzen, iſt überhaupt nicht
berückſichtigt. Da die in der Note der k. k. Regierung vom
23. d. M. enthaltenen Forderungen mit Rückſicht auf das
ſerbiſcherſeits bisher beobachtete Verhalten das
Mindeſt=
maß deſſen darſtellen, was zur Schaffung
dauern=
der Ruhe im Südoſten der Monarchie nötig
iſt, muß die ſerbiſche Antwort als
unbefrie=
digend betrachtet werden. Daß übrigens die ſerbiſche
Regierung ſich ſelbſt deſſen bewußt war, daß ihre Note
für uns inakzeptabel ſei, beweiſt der Umſtand, daß ſie uns
am Schluß derſelben vorſchlägt, die Regelung der
Kontroverſe auf ſchiedsgerichtlichem Wege zu ſuchen, eine
Einladung, die die richtige Beleuchtung durch den Umſtand
erfährt, daß ſchon Stunden vor der Uebergabe
der Note, die erſt wenige Minuten vor Ablauf der Friſt
ſtattfand, die Mobiliſierung der ſerbiſchen
Armee erfolgte.
Einleitungen zum Kriege.
* Wien, 27. Juli. Die Serben haben die
Do=
naubrücke zwiſchen Belgrad und Semlin in die Luft
geſprengt.
* Wien, 27. Juli. Bei Temeskubin beſchoſſen
ſerbiſche Truppen, die ſich auf einem Donaudampfer
be=
fanden, von dem Schiffe aus öſterreichiſche
Trup=
pen. Das Feuer wurde erwidert. Es entſpann ſich ein
größeres Geplänkel.
* Petersburg, 27. Juli. Nachdem geſtern für
Petersburg der außerordentliche
Verteidig=
ungszuſtand erklärt worden iſt, veröffentlicht der
Stadtpräfekt heute die Liſte derjenigen Vergehen, die vor
dem Militärgericht abgeurteilt werden, ſowie eine Liſte
der auf dem adminiſtrativen Wege zu beſtrafenden
Ver=
gehen.
Paris, 27. Juli. Der Kriegsminiſter
Meſſimy hat Maßregeln angeordnet, die ſich auf die
Inſtandſetzung der Feſtungen an der Oſtgrenze, in erſter
Linie von Toul, Epinal und Verdun, beziehen.
Einzel=
heiten mitzuteilen iſt den Blättern bereits unter Hinweis
auf das Spionagegeſetz unterſagt worden.
* Wien, 27. Juli. Der Südſlawiſchen
Korreſpon=
denz wird aus Cetinje gemeldet: Der Kronrat beſchloß
unter dem Vorſitz des Königs die allgemeine
Mo=
biliſierung. Geſtern und heute fanden große
De=
monſtrationen für ein gemeinſames Vorgehen mit
Ser=
bien ſtatt. Der Kronprinz, der telegraphiſch zurückberufen
worden iſt, wird für morgen erwartet.
London, 27. Juli. Dem erſten Geſchwader,
das bei=Portland verſammelt iſt, wurde befohlen, zuſam=
men zu bleiben. Alle Schiffe des zweiten Geſchwaders
bleiben in den Heimathäfen.
Einberufung des ungariſchen Reichstags
* Peſt 27. Juli. Beide Häuſer des ungariſchen
Reichstags ſind auf morgen einberufen worden.
Verſtändigung zwiſchen Rumänien und Griechenland.
* London, 27. Juli. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, fand zwiſchen Griechenland und
Rumä=
nien ein Meinungsaustauſch zu dem Zwecke
ſtatt, das Gleichgewicht auf dem Balkan im Falle von
Feindſeligkeiten aufrecht zu erhalten.
Heimkehrende Diplomaten.
* London, 27. Juli. Premierminiſter Asquith
iſt heute kurz nach Mitternacht nach London
zurück=
gekehrt. Bis jetzt hat keine Zuſammenkunft der
Mi=
niſter ſtattgefunden und es iſt kein Miniſterrat einberufen
worden. Angeſichts der Lage in Irland wird jedoch noch
heute eine Kabinettsſitzung erwartet.
* Bad Homburg, 27. Juli. Mehrere höhere
ruſ=
ſiſche Offiziere, die zur Kur hier weilten, haben
wegen des öſterreichiſch=ſerbiſchen Konfliktes Bad
Hom=
burg verlaſſen und ſich nach ihrer Heimat begeben.
* Konſtanz, 27. Juli. Der Kronprinz und die
Kronprinzeſſin von Montenegro, die ſeit einiger Zeit
in der Heilanſtalt Bellevue im benachbarten Kreuzlingen
ſich aufhielten, ſind heute vormittag 10 Uhr mit Gefolge
in Automobilen in der Richtung nach Zürich abgereiſt.
Als Reiſeziel wurde Paris angegeben, doch wird vermutet,
daß der Kronprinz verſuchen wird, über einen italieniſchen
Hafen Cetinje zu erreichen.
* Konſtantinopel, 27. Juli. Der griechiſche
Ge=
ſandte teilte geſtern dem Großweſir ein aus München
datiertes Telegramm des Miniſterpräſidenten
Venizelos mit, demzufolge dieſer wegen der
außer=
gewöhnlichen Lage genötigt ſei, nach Athen
zurück=
zukehren, und in welchem er den Großweſir bittet, die
beſchloſſene Zuſammenkunft aufzuſch'eben.
Italien beruft keine Reſerven ein.
* Rom 27. Juli. Gegenüber einer in ſozialiſtiſchen
Blättern verbreiteten Nachricht, teilt das Giornale
d’Ita=
lia mit, daß die italieniſche Regierung nicht
daran denke, außer dem Reſerviſtenjahrgang 1895
noch irgend einen anderen unter die
Fahnen zu berufen.
Interventionspläne.
* Paris, 27. Juli. Nach einer aus London
da=
tierten anſcheinend offiziöſen Mitteilung beraten die
Broßmächte über zwei Interventionspläne.
Der erſte Plan beſtehe in einer Intervention Englands,
Deutſchlands, Frankreichs und Italiens zwiſchen
Oeſter=
reich und Rußland. Dieſer Plan ſei bereits vor einigen
Tagen in einer Unterredung des Sir Edward Grey mit
dem franzöſiſchen Botſchafter Paul Cambon aufgetaucht.
Anfänglich habe die Haltung Deutſchlands dieſen Plan als
nicht ſehr hoffnungsvoll erſcheinen laſſen. Nach der
ge=
ſtrigen Unterredung ſcheine die deutſche
Regie=
rung dem Plane etwas günſtiger geſtimmt
zu ſein. Der zweite Plan beſtehe in einer Intervention
Englands zwiſchen Oeſterreich und Serbien. Die
An=
regung zu dieſem Plane ſei von der ſerbiſchen Regierung
ausgegangen. — Nach einer aus Rom datierten Mitteilung
habe Rußland vorgeſchlagen, daß Italien
die Vermittelung zwiſchen Oeſterreich=
Ungarn und Serbien übernehmen möge.
Italien wäre hierzu angeblich bereit,
wenn Oeſterreich zuſtimmen würde.
Zum Abbruch der Reiſe Poincarés.
* Paris 27. Juli. In dem von dem Präſidenten
Poincaré von Bord des Panzerſchiffes „France” an
den König von Dänemark gerichteten
Funken=
ſpruch heißt es: Der Ernſt der Lage legt mir die
bindende Pflicht auf, direkt nach Frankreich
zurück=
zukehren, wohin ich von dem Miniſterrat, dem
Dol=
metſcher der öffentlichen Meinung, berufen werde. —
Prä=
ſident Poincaré ſandte eine ähnliche Depeſche an den
Kö=
nig von Norwegen, in welcher es u. a. heißt: Da
ich durch den Ernſt der Ereigniſſe plötzlich nach Frankreich
zurückkehren muß, kann ich zu meinem ſehr lebhaften
Be=
dauern nicht nach Kriſtiania kommen, um Eure‟ Majeſtät
und Ihre Majeſtät die Königin zu begrüßen und dem
norwegiſchen Volke die Wünſche meines Landes zu
über=
mitteln.
Letzte Nachrichten.
* Wien, 27. Juli. Seit geſtern verkehren die
Orientexpreßzüge nur von und bis Peſt.
* Iſchl 27. Juli. Der Geſandte v. Gieſk
und der Militärattaché Major Gellinek ſind heute
nachmittag, vom Publikum begeiſtert begrüßt, hier
ein=
getroffen.
* Wien, 27. Juli. Die Zeit läßt ſich aus
Bel=
grad melden, daß der Kapitän Duſan Petrowitſch,
der Bräutigam von Ludmilla v. Hartwig, der Tochter
des verſtorbenen ruſſiſchen Geſandten, den
Kronprin=
zen Alexander mit der Reitpeitſche
in=
ſultiert habe.
* Peſt 27. Juli. Der ſerbiſche Generalſtabschef
Putnik verließ geſtern nacht Peſt im Sonderzug, um
ſich über Bukareſt nach Niſch zu begeben. Die Polizei traf
Vorkehrungen, damit die Demonſtranten, welche gegen
Putnik manifeſtieren wollten, dieſen nicht beläſtigten. Er
gelangte unbemerkt auf den Bahnhof. Ein
Generalſtabs=
offizier begleitete ihn zur Grenze.
* Rom, 27. Juli. Miniſterpräſident di San
Giu=
liano und die übrigen Miniſter werden morgen, an
dem Todestage des Königs Humbert, nach Rom
zurück=
kehren. Ein Miniſterrat wird am 29. Juli
ſtattfin=
den, wie dieſes ſeit mehreren Tagen beſtimmt iſt. Der
ſerbiſche Geſandte erklärte dem Corriere della
Sera gegenüber, daß noch nicht alle Hoffnung
ver=
loren ſei, den Konflikt zu vermeiden. Ein
Vorgehen der Mächte ſtelle ſich als die näherliegende
Möglichkeit dar, und wenn alle einig ſeien, werde es zu
einem Erfolge führen.
* London, 27. Juli. Der italieniſche
Bot=
ſchafter ſtattete heute im Auswärtigen Amt einen
Be=
ſuch ab.
* Konſtantinopel 27. Juli Den Blättern
zu=
folge erhielten die türkiſchen Botſchafter in
Wien und Berlin, die im Zuſammenhang mit der
gegen die früheren Kabinette eingeleiteten Unterſuchung
angeblich nach Konſtantinopel berufen werden ſollten, den
Auftrag, mit Rückſicht auf die Lage auf ihren
Poſten zu verbleiben.
Unruhen in Dublin.
* London, 27. Juli. Geſtern nachmittag und
ge=
gen abend haben ſich in Dublin ernſte Unruhen
ereignet. Es wurden zwei Perſonen getötet
und etwa hundert verletzt. Beſonders heftig waren die
Zuſammenſtöße regulärer ſchottiſcher Soldaten und
Po=
lizeimannſchaften mit nationaliſtiſchen irländiſchen
Frei=
willigen. Dieſe hatten in dem kleinen Hafen Howth, der
etwa 40 Kilometer von Dublin entfernt liegt, 2500
Ge=
wehre und 170000 Patronen in Empfang genommen, die
man während der Nacht eingeſchmuggelt hatte. Um zu
verhindern, daß die Hafenbehörden die Polizei
benach=
richtigten, hatte man alle telephoniſchen Verbindungen
zwiſchen Howth und Dublin zerſchnitten und alle
telegra=
phiſchen Verbindung zerſtört. Bei dem Verſuch von
Po=
liziſten in Dublin, die Freiwilligen zu entwaffnen, kam es
zu einem Kampfe. Zwei Nationaliſten wurden getötet
und über 30 verletzt. Bald darauf wurden die Soldaten
von der Volksmenge mit feindlichen Rufen empfangen und
Steine wurden gegen ſie geſchleudert. Da die
Manifeſta=
tionen allzu lange Zeit dauerten, verloren die Soldaten
ſchließlich ihre Kaltblütigkeit und man begann, in die
Menge zu feuern. Dabei wurden eine Frau und ein
iri=
ſcher Bürger tödlich getroffen. Es iſt als ein Glück zu
be=
trachten, daß ſich unter den Manifeſtanten keine
Bewaff=
nete befanden, da es ſonſt zu einem blutigen Kampfe
ge=
kommen wäre. Von den 100 Verwundeten ſollen, wie die
letzten Depeſchen beſagen, 40 lebensgefährlich verletzt
wor=
den ſein.
* London, 27. Juli. Im Hoſpital von Dublin
ſind zwei weitere Perſonen, darunter eine Frau,
geſtorben. Wie gemeldet wird, haben iriſche
Frei=
willige die Telegraphendrähte durchſchnitten.
* Dublin, 27. Juli. Die Ausſchreitungen
nahmen erſt den ernſten Charakter an, als Militär
und Polizei von ihrem Streifzug gegen die Volunteers mit
geſchmuggelten Gewehren in die Stadt zurückkehrten. Als
die Nachricht von dieſem Streifzug bekannt wurde,
be=
gannen die Straßen ſich mit einer aufgeregten Menge zu
füllen. Das Militär wurde bei ſeinem Einmarſch mit
wü=
tendem Geſchrei empfangen und junge Burſchen
ſchleuder=
ten Steine auf die Soldaten. Auf der Metal=Bridge
wur=
den die Kundgebungen ſo ernſt, daß der kommandierende
Offizier einer Abteilung auf die Menge feuern ließ,
wo=
bei vier Perſonen getötet und etwa 30 verwundet
wurden Mehrere Verwundete trugen ſchwere
Bajonett=
wunden davon. Die Menge ließ ſpäter ihren Mut an
allen nicht im Dienſt befindlichen allein gehenden
Solda=
ten aus, von denen viele mißhandelt wurden. Spät nachts
verſuchte die Menge eine Kundgebung vor der Kaſerne
des an dem Streifzug beteiligten Regiments. Man
häm=
merte gegen die Türen und feuerte Revolverſchüſſe ab. Der
Mob zerſtreute ſich nach einer halben Stunde.
* Dublin, 27. Juli. Als bei dem
Zuſammen=
ſtoß mit den Volunteers den Poliziſten der
Befehl zum Einſchreiten und Vorgehen gegen die
Volun=
teers gegeben wurde, verweigerten fünf Poliziſten den
Ge=
horſam. Sie wurden darauf vom Dienſt ſuspendiert. Die
Volunteers verteidigten ſich mit Revolverſchüſſen und
ver=
wundeten eine Anzahl Soldaten mit dem Kolben der
ge=
ſchmuggelten Gewehre.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 27. Juli. Der Kronprinz hat die Reiſe
von Zoppot nach Berlin aufgegeben.
* Friedrichshafen, 27. Juli. Der König hat den in
beſonderer Miſſion an das K. Hoflager entſandten
Haus=
marſchall der Großherzogin=Witwe von Mecklenburg=
Stre=
litz, Oberſten z. D. von Buchka, behufs Ueberreichung
eines Schreibens des Großherzogs Adolf Friedrich VI.
von Mecklenburg=Strelitz empfangen, durch das das
Ab=
leben des Großherzogs Adolf Friedrich V. von
Mecklen=
burg=Strelitz und die Thronbeſteigung Adolf Friedrich VI.
notifiziert wurde. Später wurde der Hausmarſchall auch
von der Königin empfangen und zur Tafel geladen. —
Ferner hat der König den kaiſerlich ruſſiſchen
Geſchäfts=
träger Kollegienrat Dmitrow empfangen, der die vom
Kaiſer von Rußland anläßlich des 300jährigen Beſtehens
des Hauſes Romanow geſtiftete Medaille überreichte.
Auch Dmitrow wurde zur Tafel gezogen.
* Mülheim (Ruhr), 27. Juli. Heute vormittag gegen
11 Uhr wurde das auf der Höhe des Kahlenberges
ge=
legene Kaiſer Wilhelm=Inſtitut für
Kohlen=
forſchung in Gegenwart der Spitzen der Behörden und
hervorragender Männer der Wiſſenſchaft feierlich
er=
öffnet.
* Haag, 27. Juli. Nach 14tägiger Dauer iſt der
Straßenbahnerausſtand beendigt.
* Paris, 27. Juli. Poincaré wird Mittwoch früh
in Dünkirchen eintreffen.
Schwere Brandkataſtrophe.
* Köln, 27. Juli. In Stolberg im Rheinland
ent=
ſtand, wie der Kölniſchen Volkszeitung gemeldet wird,
infolge einer Benzinexploſion in einem
Gold=
waren= und Uhrengeſchäft nachts ein Brand. Sechs
Perſonen wurden ſchwer verletzt und drei
Kin=
der verkohlt aus den Trümmern hervorgeholt. Ein
Arbeiter ſtürzte ſich aus dem zweiten Stockwerk in den
Hof und wurde ſchwer verletzt. Der Geſchäftsinhaber
wurde wegen des Verdachts der Fahrläſſigkeit verhaftet.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Deutsche Bank Darmstadt
Aufbewahrung und Verwaltung
von Wertpapieren.
(X,3521.
Dorkie0
(16802a
Rheinisches
Mehinendeg, Mcketehait,
Automobilbau, Brückenbau.
echnikum Bingen pirektion: Proteser Heepke.
Ghauffourkurso.
bad. Schw.
Vöhreubach soo m üb. a. u. Höhenluftkurort
II,14591) Prospekt frei d. Verkehrsverein und Bürgermeisteramt.
Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Seite 7.
Kraftstrotzend durch Bioson.
Mein jetzt 60jähriger Mann hat in ſeinem Gärtnerberuf
ſchwere Arbeit zu leiſten u. war infolge anhaltenden Huſtens
im Herbſt ſtark von Kräften, weshalb wir es einmal mit
Bioſontrinken verſuchten u. die Freude hatten, daß ſehr bald
eine direkt auffallende Beſſerung im Ausſehen u. eine
Er=
friſchung im Allgemeinbefinden eintrat, ſo daß ihm die
Ar=
beit ordentlich leicht wird. Frau K. Witzel, Nürnberg,
Her=
ſchelſtr. 27. Unterſchr. begl. 23. 2. 14. Löſch, Kgl. Notar. Bioſon,
Pak. 3 M., in Apoth., Drog. Verlang. Sie vom Bioſonwerk,
Frankfurt (Main) 27, Gratisprobe u. Broſchüre. (III,16904
Köſtlich ſchmeckende Speiſen.
An heißen Sommertagen regt nichts den Appetitſo
an, wie eine ſchmackhafte und dabei bekömmliche
Mondaminſpeiſe. Sie iſt erfriſchend und nahrhaft
zugleich und verurſacht keine
Verdauungsbeſchwer=
den. Ein baldiger Verſuchmiteinem Schokoladen=
Kaffee=, Fruchtſaft=Pudding od. Zitronen=Auflauf
mit 996 O N 65 S D58 1 N bereitet
führt zur Ueberzeugung.
Erprobte Rezepte befinden ſich in jedem Mondamin=
Paket. Eine größere Auswahl ſolcher Rezepte enthält das
Mondamin=„B‟=Büchlein, gratis und franko erhältlich von
der Mandamin=Geſ. m. b. H., Berlin C. 2.
(Seit einem halben Jahrtauſend ſind die Heilquellen
des Bades Soden a. Taunus bekannt, ſeit hundert
Jahren haben ſie ſich auch die vollſte Wertſchätzung der
Aerzte errungen. Aus zweien der wichtigſten Quellen,
dem Warmbrunnen und dem Wieſenbrunnen, werden
Fays ächte Sodener Mineral=Paſtillen — und zwar
nur dieſe! — gewonnen, und es iſt ohne weiteres
ver=
ſtändlich, daß Fays Paſtillen ähnlich wie die beiden
Quellen ſelbſt wirken müſſen. Man gebraucht ſie bei
allen Katarrhen der Luftwege, bei Huſten, Heiſerkeit,
Verſchleimung ꝛc., und nie werden ſie den Verbraucher
enttäuſchen. Die Schachtel koſtet 85 Pfg. (I,15839
Hderb-Stieter
Saf
Alleinverkauf:
Schuhhaus
Frleuricn Soeder
12 Ludwigstr. 12.
(13382a
Familiennachrichten.
SOPHIE SPlEss
JAKOB SIMON
VERLOBTE
Darmstadt-Hähnlein
Bodenfelde.
(16928
Statt beſonderer Anzeige.
Sonntag nacht verſchied ſanft meine Frau
Marte Böhm
nach langem, ſchwerem Leiden.
(16942
Darmſtadt, den 27. Juli 1914.
Heinrichſtraße 48.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
F. Böhm, Glaſer.
Die Beerdigung findet am Mittwoch,
vormit=
tags 10 Uhr, vom Beſſunger Friedhof aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Allen Verwandten Freunden und
Be=
kannten die traurige Mitteilung, daß heute
vormittag 3 Uhr mein lieber, guter Gatte,
unſer treubeſorgter Vater, Schwiegervater,
Groß=
vater, Bruder, Schwager und Onkel (16925
karl Schick I.
Polizeidiener i. P.
und Ritter des Eiſernen Kreuzes
im Alter von 67 Jahren nach langem, ſchwerem
Leiden ſanft dem Herrn entſchlafen iſt.
Griesheim b. D., den 27. Juli 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
29. Juli, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhauſe
Oberndorferſtraße 8 aus, ſtatt.
Unterfertigter CC. erfüllt hiermit die traurige
Pflicht, ſ. I. AHl. AHl. und ja. Cb. ja. Cb. von
dem am 24. Juli 1914 in Flensburg
er=
folgten Ableben ſ. I. AHl.
(16918
Johannes Lorenzen
(1865)
Leutnant im Invalidenhaus,
Ritter des Eiſernen Kreuzes,
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Der Cc. der „Obotritia‟ Darmstadt
i. A.:
Erwin Mucke
(XXX KXOr.V.
Todes=Anzeige.
Nach längerem Leiden verſchied heute ſanft
unſere liebe
(*2293
Frau
Johanndhachenpargeruwe.
geb. Arenz.
Die iranernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Alzey, Maaſtricht, 27. Juli 1914.
Die Beerdigung findet ſtatt: Mittwoch, 29. Juli,
11 Uhr, vom Portale des iſraelit. Friedhofes.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abzuſehen.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſeren lieben Vater, Großvater,
Schwieger=
vater, Bruder, Schwager und Onkel
Herrn
Thomas Brücher II.
nach längerem Leiden im 76. Lebensjahre zu
ſich zu rufen.
Arheilgen, den 27. Juli 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Mittwoch, nachmittags
(*2299
4 Uhr, ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres teuren Entſchlafenen
ſagen wir Allen, beſonders den Herren Pfarrer
Zimmermann, Pfarrer Müller, ſowie dem
Poſau=
nenchor, als auch der Jugendvereinigung „
Feier=
abend”, unſeren innigſten, tiefgefühlteſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Georg Koch,
(16937
Langgaſſe 2.
Dankſagung.
Allen Verwandten und Bekannten, die mir bei
der Beerdigung meiner unvergeßlichen, ſtets für
(16927
mich treu beſorgten Mutter
Prau Marlanne Haussmann
ihre aufrichtige Teilnahme ausgeſprochen haben,
ſowie Herrn Pfarrer Vogel, ſage ich hiermit
noch=
mals meinen herzlichen, tiefgefühlten Dank.
Der trauernde Sohn:
Willy Haußmann nebſt Frau u. Kind.
Mühlheim a. Main., den 26. Juli 1914.
Statt beſonderer Anzeige.
Unſere gute, innigſt geliebte Mutter und
Schwiegermutter
(B16919
Frau
Voroinea Iheresia seemann
geb. Ampt
iſt heute nach längerem Leiden im 84.
Lebens=
jahre ſanft verſchieden.
In tiefer Trauer:
Margarete Keller, geb. Seemann,
Franz Seemann,
Dr. Wilhelm Keller, Großh.
Senats=
präſident,
Emma Seemann, geb. Boſſelt.
Mainz und Darmſtadt, 26. Juli 1914.
Nach dem Wunſche der Entſchlafenen findet
die Beerdigung in aller Stille ſtatt.
Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme beim Tode unſeres lieben
Bruders, Schwagers, Onkels und
Groß=
onkels
(16935
Michael Hartmann
Lehrer an der Knabenmittelschule dahier
ſagen wir unſeren innigſten Dank.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Ph. Hartmann, Lehrer i. P.
Dankſagung.
Für die uns beim Hinſcheiden meines lieben
Mannes, unſeres guten Vaters, Schwiegervaters,
Großvaters, Bruders, Schwagers und Onkels
bewieſene herzliche Teilnahme ſagen wir auf dieſem
Wege Allen unſeren herzlichſten Dank.
Insbe=
ſondere aber Herrn Pfarrer Zimmermann für
ſeine tröſtenden Worte, den Schweſtern und
Pfleger des Städtiſchen Krankenhauſes, dem
Kameradſchaftlichen Kriegerverein, dem Garde=
Jägerverein und der Kapelle des Großh. Heſſ.
Infanterie=Regiments Nr. 115.
(*2238
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarethe Förſter nebſt Kindern.
Darmſtadt-Mannheim, den 28. Juli 1914.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Immer noch bedeckt tiefer Druck ganz Nordeuropa
mit Kern über der Nord= und Oſt=See. Infolgedeſſen
hält bei uns das veränderliche, kühle Wetter an. Wir
haben daher unbeſtändiges, kühles Wetter und
Regen=
ſchauer zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 28. Juli:
Veränderlich, wechſelnde Bewölkung, Regenſchauer, kühl,
zeitweilig auffriſchende weſtliche Winde.
Tageskalender.
Dienstag, 28. Juli.
Konzerte: Hotel Heß um 7 Uhr. — Hugenſchütz’
Felſen=
keller um 8 Uhr. — Bürgerkeller um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 29. Juli.
Hofreiteverſteigerung des Georg Wilh. Geiger
(Beſſungerſtraße 18) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Schaubudeplatz= uſw. Verſteigerung um 3½
Uhr auf der Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Runde=
turmſtraße 16.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: i. V. Kurt Mitſching; für den
Anzeigen=
teil, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem
Ge=
ſchäftsleben: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. — Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche
wer=
den nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
licht zurückgeſandt.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
E Fankfarter Kursbericht vom 2r. Jufr 1lz.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)
or.
E
127
122
Gelsenkirchen Bergw. . . 11 165,80
(Frankf. Hypothek.-Bank! 10
Moskau-Kasan.
Schweden v. 1890. . . . . . 3½
Staatspapiere.
Pfandbriefe.
do. do. Kred.-Ver. 8½ 1151,80Harpen Bergbau. . . . . .11 159,50
do. . . . . .
99,80 Serben steuerfrei
100.00Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 113.50Kaliwerke Aschersleben: 10 —
Berliner Hyp.-Bk.-Pf. .
Wladikawkas. .
Dt. Reichsschatzanw.
do. amort. v. 1895
99,00
93,60 Nation.-Bank f. Deutschl. 6 103,00 Kaliwerke Westeregeln .13 —
Dt. Roiohsanleiho p. 1918
Rjäsan-Koslow . .
do. unkdb. 1918. .
98.00 Türk. Egypt. Tribut
7 120.00 Königin Marienhütte . .
93,75 Pfälzische Bank . . . . .
1919. .
do. . . . . p. 1925 .
Portugies. Eisenb. v. 1886
do.
do. kons. steuerfreie .
85,00
§ 127,00
94.75 Reichsbank . . . . . . . . . 8,43 136,50Laurshütte
do.
(o. . . . . . . . . . . .
1921. .
do. . . . . . .
70,00
73.80 do. Admin. v. 1903. .
7 122,00 Oberschles. Eisenbed.
96.00 1 Rheinische Kredit-Bank
1922. .
do.
Livorneser . . . . . . .
Go. .. . . . . . . . .
do. unif. v. 1903. . . . .
99,75
Oberschl. Eisen-Industrie 0 65,00
83.50 A. Schaaffhaus. Bk.-Ver..
Preußische Schatzanw.
do.
66,00Salonique Monastir. .
90,80 do. v. 1905. . . . . . ..
Phönix Bergbau .
8
18 215,25
95,00 Wiener Bank-Verein. .
Staffelanleihe.
Bagdadbahn .
4 76,25 do. Komm.-Obl. unk. 1918
3½ 85.00 1 Ungarische Staats-Rente
Rheinische Braunkohlen 11
95,00
Frankt. Hyp.-Bk. pr. 1910
Consols . .
Anatolische Eisenbahn 4½
3 73.601 1913 unkdb. bis 1923 . . 4½
Riebeck Montan .
11
do. . .
do. „ 1915 .
Missouri-Pacific I.
96,20 Aktien von Trans-
4½ 88,00
4 97.30 Ungar. Staatsk.-Scheine!
South West.-Afr. Shares . 5 91,00
96,70
Badische Staats-Anlei
1920 .
do.
do. do. v. 1905 . . 4
v. 1913. . . . . . . . . . . .4½ 96,50
3½ 86,40 port-Anstalten.
31,
de. Ser. 12—19. .
do, V. 92/94.
75,10Northern-Pacitic.
do. Gold-Rente. . . . .
4 94,00
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 (107,00
do.
Southern-Pacific .
4. 90,20 Kommun al-Oblig. Ser. 1,
—
do. Staats-Rente 1910. 4
Verzinsliche
95,75
8 I 92,25
Bayerische Ablös.-Rento.
3½ 86,50Norddeutscher Lloyd
unkdb. 1910 .
Kr. 4 72.25St. Louis & San Francisco ;
do. „
Anlehenslose.
97,80
Frankfurt. Schleppschiff. 4
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906
2f.
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
Tehuantepec . . .
97,80 Argent. innere Gold-Anl.
5
do. unkdb. p. 1918 .
94,001 Südd. Eisenb.-Gesellsch..6½ 1126,75 Badische
Ser. 15—42
v. 1887 5 — Ungar. Lokalbahn ..
.TIr. 100 4 1194,00
5
497,80
94.90 Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½
do, unkdb. p. 1920 .
„ 48—45
do. .
Cöln-Mindener . TIr. 1003½
do. äußere v. 1890 . . . 5 —
4 96,00Baltimore .
Provinz-Anleihen.
E.-B.- u. Allgem. Anl.
do. unk. 1922 „ 52
6 77,30 Holländ. Komm. . H. 100 3
do. innere v. 1888 . . . 4½ —
97,50
88,60 1Canada . .
10
unkdb. p. 1930 . .
do. „ 1913. . .
Madrider . . . . . Frs. 100 3
do. äußere v. 1888 . . .4½ — Rheinprov. Obl. Em. 20/21 4 96,80
zu 8320
3½ 86,50Schantung.
do. Anleihe . . . . .
do. Ser. 45 . . .
7½ 1112,00Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 1142,00
do. v. 1897 .
-
4
do. Em. 10 .
3½ 87,75
3 74,50
do.
Prinz Henry.
9
. . . . „
,
3 Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
Osterreicher 1860er Lose . 4 (181,00
Chile Gold-Anl. v. 1911.
5 —
do. „ 9.
Hamburger Staats-Anl. 4
96,.90 Lombarden
Ser. 12, 13, 16
0 14,50 Oldenburger. . . . TIr. 40 3
do. v. 1889 .
4½ — Posen Prov.. . . . .
3½
do. v. 1887/94 . .
3½ 84,00) do. . . . . „ 14, 15, 17
96,90 1 Pennsylvanis. .
6 — Raab-Grezer . . . . H. 150 2½
do. v. 1906 .
4½ 89,00 Westfalen Prov. V.
4
3
do.
4 I 97,40
do. unkdb. 1920 . . . .
6 — 1Hess. Prov. Oberhessen . 4
Hbssische Staats-Anleihe 4 97.30 Chines. St.-Anl. v. 188
do. „ 1923 . . . . 4 97,50 Industrie-Aktien.
4 97,80 do. v. 1896 .
5 99,001 do. Starkenburg.
3½
do. unkdb. p. 1921 .
do. Ser. 1, 2. 6—8 . . . . 3½ 84,20
do. Reorg. Anl..
Unverzinsliche
5
3½ 84,80
do. . . . .
do. „ 3—5 . . . . . . . 3½ 84.00 Badische Anilin-Fabrik . 28 475,00
Mk.
Städte-
do. v. 1898 .
4½ 89,50
Anlehenslose.
do. . . . .
p. St.
.. 3½ 83,90 Chem. Fabrik Griesheim 14 1227,00
do. kündb. 1915.
3 71,50Japener . . ..
Obligationen.
4½ 87,75
96.90 Farbwerke Höchst . .
Sächsische Staats-Rente! 3 75,00Innere Mexikaner
do. Komm. unk. 1913
30 1410,001 Augsburger
.A. 7 35,30
Württembg. Staats-Anl.
5 62,00 parmstadt.
96,90 Ver. chem. Fabr. Mannh., 20
Braunschweil
... . . . 4 9450 d0. „
„ 1914
TIr. 20
Außere do.
190
5
(unkäb. p. 1921).
97.10 Zement Heidelberg . . . . 10 — Mailänder
4 99,00 Mezikan. Gold v. 1904
do. . . .
„ 1916
... . . . . .3½
do.
Ta. 45
do, v. 79/80 . . .
3½ 83.20
4 69,10Frankfurt .
97,40Chemische Werke Albert 36
. . . . . . . 4 97,10
1920
do.
do.
Fs. 10
do. cons. .
3.
3—
do. .
97.50Holzverkohl. Konstanz 1 15
„ 1923
3½ 88,00
do. . ..
do.
Meininger .
do. Irrigst.-Anle
.. A. 7 36,50
5 93,90
4½ 67,40Gießen ..
Bulgarische Gid.-Anl.
441 Sehe
842)1Lahmeper
do. verlosb. u. kündb.
—
.. .. .
Osterreicher
H. 100
1.6) —Buenos-Aires Prov.
3½ 60,00
Griech. Anl. v. 1890 .
84,10 1Schuckert, Nürnberg. . . 8 1118,50
.3½ —
unkdb. 1915
do.
do. . . . . .
do.
A. 100 (521,00
Tamaulipas .
5
ao. v. 1857 Monopolſi
4 95,00Meininger Hyp.-Bk. Pfdb. 4 94801Sicmens & Halske. . . . . 12 1197.50 1Ungar. Staats
H. 100
Sao Paulo E.-B.
5 — Heidelberg.
—
Italienische Rente . .
3½ —
do. . . .
do. unkdb. 1922. . . . . 4 1 96,00 1 Bergmann Eloktr. . . . . . 5 93.001 Venediger
Fs. 30
do. v. 1913
5 98,00Karlsruhe .
Osterr. Stonts-R. v. 1913 .4½ 80,90 Ziam v. 1907.
do. .
3½ 86.00 Allg. Elektr.-Geselisch. . 14 (219.751 Türkische
4 94,00
Fa. 400 140,00
do. Silber-Rente .
4½ 77,90
4½ 95,70) do. . . . .
Hagen Akkum. ..
3½ 88,00 1Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
25
do. Papier-Rente .
411 77.50
Prioritäts-
Magdeburg
4 —
94,00 Deutsch. Übersee-Elektr. 11 150,00
unkäb. 1917
Geld, Sülber und
do, Gold-Rente . . . . . 4 79,75
Obligationen.
94,00Gummi Peter .
Mainz . . . .
0
4 95,00) do. . . . . . . „ 1919
Banknoten.
do. einheitl. Rente
94,00Adler-Fahrradwerke . . . 25
do. . . . . ..
4 72,50) Südd. Eisenb.-Gesellsch.
. .3½ 88,00 do. . . ...
„ 1921
Portug. Tab-Anl. 1891 . .4½ —
Mannheim .
do. . . . . .
14
„ 1924) 4 96.30 Maschinenfabr. Badenie. 6 1120,00 Engl. Sovereigns. . . . . . . . 20,46
v. 139597 5½
do. inn, amort. 1905 . .4½ —
do. . . ..
3½ 84.00 Wittener Stahlröhren . . 0
. .3½ —
do.
v. 1904 3½
20-Franks-Stücke . . . . . . . 16,35
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München .
4 95.20Motoren, Oberursel . . .8½
do. Komm. unk. 1923
4 96,40
63,50 Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Amerikanische Noten . .
do. ,
III. . 3 65,70
Nauheim .
96,50 1Gasmotoren, Deutz . . . . 9
1924 .
3½ —20
do.
Englische Noten . . . . .
Oblig., gar. v. d. Stadt
20,51
do. Spezial Titel. . .
*960
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Darmstadt. .
Rumänen v. 1903 . .
81,50
do. . .
. . 3½ 89,00Enzinger Filter
do. . . . . .
98,00 1 Nordd. Lloyd-Obligat. . .4½ —
3½
23 262,00 Holländische Noten . . .
do. Gold v. 1913.
.
Offenbach
Steaua Romana
4
Italienische Noten . . . . .
... .10 1—
Donau-Dampfschiff. v. 82 4
do. Schatzsch. v. 1913 .41)
do. v. 1914 .
Zellstoff Waldhof . . . . . 12 150,00Osterr.-Ungarische Noten. .
Elisabethbahn . . .
4
do. conv..
do.
Bad. Zucker-Waghäusel .12,83 — Russische Noten . . . . . . . .
84,00 Franz-Josef-Bahn . .
k-Aktien.
3½
do. v. 1890
Neue Boden-Aktien-Ges.
Wiesbaden.
42
— Schweizer Noten. . . . . . . .
Kaschau-Oderberger v. 89
do. v. 1891
81,55
do. . ..
Süddeutsche Immobilien 0
Bank für elektr. Unter-
3½
85,50 Prag-Duxer .
do. v. 1905
Worms .
nehmungen Zürich . . 10
Osterreich. Staatsbahn
do. v. 1908
4 83,80
do. . . . .
Berg.-Märkische Bank. . 71
Reichsbank-Diskont . . . .
do. . .
3½
Bergwerks-Aktien.
do. v. 1910
Lissabon v. 1888 .
82,50
4
Berliner Handelsges.. . . 8½142.75
de. Lombard Zef.. „
do. .
Russische St--An
Aumetz-Friede . .
Moskau v. 1912 .
96,00
do. Südbahn (Lomb.)
12 (122,00
do. kons. v. 185
4½ 94,00 1Darmstädter Bank . . . . 6½ 109,75 Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 (204,00
Stockholm v. 1880 . .
do. do.
79,00
Tendenz:
do. Gold v. 1890 .
4 Deutsche Bank. . . . . . .12½224,25Leonhard, Braunkohlen. 9 153,00
Wien Komm. . .
do, do,
— Deutsche Vereinsbank. . 6 116,70 Konkordia Bergbau .
do. v. 1902 .
Uneinheitlich.
Wiener Kassenscheine . 4½
82,00 Raab-Oedenburg .. . . .
23
Schweden v. 1880.
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 109,80 Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (104,75
Zürich v. 1889.
. . . 3½
—Kronprinz Rudolfbahn .
do. v. 1886 .
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 174,75Eschweiler . . .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6
Dresdner Bank. . . . . . . 8½ 1145,00
Russ. Südwest .
10
Handel und Verkehr.
— Frankfurt, 27. Juli. (Börſe.) Die heutige
Börſe verlief bei ziemlich ſtarkem Geſchäft in weſentlich
beruhigterer Stimmung als in den letzten Tagen, obgleich
Nachrichten vorlagen, die beſonders im Hinblick auf die
energiſchere Haltung Rußlands eine weitere Zuſpitzung der
politiſchen Situation ergeben. Wenn trotzdem, wie wir
vorwegnehmen wollen, bei einzelnen Werten
vorüber=
gehend Kursbeſſerungen bis zu 5 Prozent und mehr zu
verzeichnen waren, ſo dürfte dies auf vereinzelte
Mei=
nungskäufe und nicht zuletzt auf Deckungen der
Baiſſe=
partei zurückzuführen ſein, die, durch die außergewöhnlich
geringe Aufnahmefähigkeit des Marktes ermutigt, ſich zu
weit vorgewagt hatte. Eine Stütze boten dem Markt
fer=
ner verſchiedene Maßnahmen der Banken, die geeignet
ſind, das Durchhalten beſtehender Engagements zu
erleich=
tern und ſo weitere überſtürzte Verkäufe aufzuhalten. Die
Anfangsnotizen entſprachen zunächſt ungefähr den
Sams=
tag=Schlußkurſen, bis die feſte Stimmung allmählich mehr
zum Durchbruch kam und die Kursſteigerungen ſich in
ſchnellerem Tempo vollzogen. Hierzu mag beigetragen
haben, daß Wien, wo heute bekanntlich keine Börſe
ſtatt=
fand, nicht, wie verſchiedenerſeits befürchtet, als
Verkäu=
fer auftrat. Im Verlauf trat ohne ſichtbaren Grund,
vielleicht im Zuſammenhang mit Gewinnrealiſationen,
eine mehrprozentige Kursabſchwächung ein, doch verlaſſen
trotzdem eine ganze Anzahl Werte die heutige Börſe mit
Kursbeſſerungen. Der Kaſſamarkt war größtenteils
ſchwä=
cher. Einige Werte erlitten wieder erhebliche
Kursein=
bußen. Am Fondsmarkt waren ſowohl heimiſche wie
fremde Fonds weiter abgeſchwächt.
* Fernſprechverbindung mit England.
Kürzlich ſind von mehreren Handelskammern beim
MeeEMEE
ten Fernſprechverbindung zwiſchen dem rheiniſch=
weſtfäli=
ſchen Induſtriebezirk und England geſtellt worden. Das
Reichspoſtamt beſchäftigt ſich mit dieſer Frage andauernd
ſehr eingehend, da es die außerordentliche Wichtigkeit einer
ſolchen Verbindung anerkennt. Es ſind auch bereits
Ver=
ſuche gemacht worden, aber die Erfahrungen mit
Unter=
ſeekabeln auf längere Entfernungen befriedigten bisher
nicht. Das Kabel auf der verhältnismäßig kurzen Strecke
von 40 Kilometern von Calais nach Dover funktioniert
ganz gut, das gleiche gilt auch hinſichtlich des Kabels
zwi=
ſchen England und Belgien auf eine Entfernung von 90
Kilometern. Bei den von der Reichspoſtverwaltung
ange=
ſtellten Verſuchen mit England hat ſich ergeben, daß bei
der ſtarken Inanſpruchnahme des belgiſch=deutſchen
Ka=
bels eine ſtarke Benutzung Deutſchlands nicht möglich iſt.
Nun ſchweben Verhandlungen wegen Beteiligung
Deutſch=
lands an dem im Bau befindlichen engliſch=holländiſchen
Kabel. Dabei kommt aber bereits eine Entfernung von
etwa 200 Kilometern in Betracht. Sollte dieſer Verſuch,
befriedigen, dann will die Reichspoſtverwaltung dazu
übergehen, auch ein direktes deutſches Kabel zu legen,
wobei es ſich allerdings um eine Strecke von 450
Kilo=
metern handelt. Da ein ſolches Kabel ganz erhebliche
Summen erfordert, will man mit Vorſicht vorgehen. Es
läßt ſich aber ſchon heute vorausſehen, daß der
Fern=
ſprechverkehr mit England ziemlich koſtſpielig ſein wird.
da das einzelne Geſpräch von 3 Minuten 12 bis 15 Mark
koſten dürfte.
Landwirtſchaftliches.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 27. Juli. Auftrieb: 256 Schweine. Preiſe (pro
50 Kilogramm Schlachtgewicht): 1. Qual, 62 Mk., 2. Qual.
61 Mk., 3. Qual. 60 Mk. Marktverlauf: rege; Ueberſtand.
— Frankfurt a. M., 27. Juli. (
Schlachtvieh=
markt.) Amtlicher Bericht. Auftrieb: 1189 Stück
Rin=
der, darunter 414 Ochſen, 79 Bullen, 696 Färſen und Kühe,
345 Kälber, 62 Schafe, 2175 Schweine. Preiſe für 1
Zent=
ner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in Mark: 1.
Rin=
der: A. Ochſen: a) vollfleiſchige, ausgemäſtete höchſten
Schlachtwertes im Alter von 4 bis 7 Jahren 48—54 (88
bis 92), b) junge, fleiſchige, nicht ausgemäſtete und ältere
ausgemäſtete 42—47 (76—85), c) mäßig genährte junge,
gut genährte ältere 38—41 (70—75). B. Bullen: a)
voll=
fleiſchige, ausgewachſene höchſten Schlachtwertes 44—47
(73—78), b) vollfleiſchige jüngere 38—42 (68—72). C.
Fär=
ſen und Kühe. a) vollfleiſchige, ausgemäſtete Färſen
höch=
ſten Schlachtwertes 43—46 (77—83), b) vollfleiſchige,
aus=
gemäſtete Kühe höchſten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren
40—45 (74—81), c) 1. wenig gut entwickelte Färſen 37—42
(71—81), 2. ältere, ausgemäſtete Kühe und wenig gut
ent=
wickelte jüngere Kühe 33—39 (61—72), d) mäßig genährte
Kühe und Färſen 28—32 (56—64), e) gering genährte
Kühe und Färſen 18—24 (41—55). 2. Kälber: a) feinſte
Maſtkälber 58—62 (96—103), b) mittlere Maſt= und beſte
Saugkälber 54—58 (92—98), e) geringe Maſt= und gute
Saugkälber 46—50 (78—85), d) geringe Saugkälber 42
bis 45 (71—76). 3. Schafe: Maſtlämmer und
Maſt=
hammel 42—43 (92—94). 4. Schweine: a) vollfleiſchige
Schweine von 80 bis 100 Kilogramm (160 bis 200 Pfund)
Lebendgewicht 48—50 (62—63), b) vollfleiſchige Schweine
unter 80 Kilogramm (160 Pfund) Lebendgewicht 47—48
(60—61), c) vollfleiſchige von 100 bis 120 Kilogramm (200
bis 240 Pfund) 48—50 (60—62), d) vollfleiſchige von 120
bis 150 Kilogramm (240 bis 300 Pfund) Lebendgewicht
48—50 (60—62). Marktverlauf: Reger Handel; es wird
ausverkauft.
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Nummer 205.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Seite 9.
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(Nachdruck verboten.)
37)
Sie ſetzte ſich jetzt ans geöffnete Fenſter, um welches
die Blütentrauben der blauen Glyzine einen üppigen
Kranz bildeten, zog das ſoeben erhaltene Schreiben
nochmals hervor und las:
„Liebe Reinette!
Als ich meine letzten Zeilen an Dich abgeſandt hatte,
war ich bereits mit einer Arbeit zum Schluß gelangt, die
mir, ich geſtehe es offen ein, viel Mühe, aber auch ſehr viel
Freude bereitet hat.
Das Land der aufſtrebenden Kultur im Lichte
deut=
ſcher Anſchauung, ſo nannte ich mein Werk, und
Tad=
jama, dem ich es zu leſen gab, ſprach ſeine Anerkennung
darüber aus.
Allein, ich bin nicht mehr der alte Optimiſt. Alle
Enttäuſchungen, die das Leben nun einmal immer wieder
mit ſich bringt, ſtreifen mehr und mehr jegliche
Illuſſio=
nen ab.
Kurzum, ich traute meinen Fähigkeiten noch nicht ſo
recht, obgleich ich mit einigen kleinen Eſſays bereits
erfreu=
lich reüſſierte.
Nun aber habe ich einen Erfolg, einen wirklichen
Erfolg zu verzeichnen, und Du, Reinette, ſollſt die erſte
ſein, der ich Mitteilung davon mache.
Wie oft haſt Du mir in jenen glücklichen Tagen von
Schönſtein, als ich Dir hin und wieder etwas aus meinen
Reiſebüchern vorlas, geſagt:
Onkel Gerald, warum ſchreibſt du nicht mehr?
Ja, warum tat ich es nicht früher, warum entwickelt
ſich der menſchliche Charakter meiſt erſt dann, wenn Frau
Sorge als Stoßkraft mit ihren unbarmherzigen Trabanten
Leid und Prüfungen uns auf Schritt und Tritt begleiten?
Alſo heute erhielt ich den telegraphiſchen Beſcheid, daß
mein Werk von einer bekannten Münchener Verlagsfirma
angekauft worden iſt und wohl ſchon demnächſt im Druck
erſcheinen wird.
Dies die Nachricht, welche Dir zu ſchreiben mir
be=
ſonders am Herzen lag. Ich weiß, ſie macht Dir Freude,
Rernette, denn in der alten Heimat gibt es ſonſt kaum
noch Menſchen (außer Tante Charlotte, die ich, nach
Dei=
nen Briefen zu urteilen, neuerdings beſſer kennen und
ſchätzen lernte), von denen ich Intereſſe und Anteilnahme
erwarten könnte.
Daß Du Dich in Roglau mehr und mehr einrichteſt
und der alten Frau eine liebe Gefährtin zu werden
ver=
ſtehſt, macht mich ſehr glücklich. Nichts iſt befriedigender
als das Bewußtſein erfüllter Pflichten. O, wie gern hätte
ich Dir alle Schattenſeiten des Daſeins fernhalten und von
Dir abwenden mögen! So mußt Du nun die ganze
nüch=
terne Proſa, die Herbheit desſelben kennen lernen, mein
armes Kind!
Von mir ſoll ich ſchreiben. Gut ich werde Dir
ſeiner=
zeit mein Buch über Japan ſenden, dieſes, ich möchte
ſagen, wunderbarſte Land der Welt, und Du wirſt alles
darin finden, worüber Du aufgeklärt zu ſein wünſcheſt. In
knapper Briefform iſt es unmöglich.
Aber ich kann nur verſichern, daß ich oft über die
In=
telligenz, die ſeltene Begabung und den Entwicklungslauf
jener Nation ſtaune. Nähergetreten, das heißt
freund=
ſchaftlich nähergetreten, bin ich, außer Tadjama, der
aller=
dings durch den jahrelangen Aufenthalt auf dem
Konti=
nent, durch ſeine abendländiſche Erziehung viel von den
heimatlichen Sitten abgeſtreift hat, hier niemand!
Die Japaner vermögen uns eben nicht zu verſtehen,
unſer Denken und Empfinden wird ihnen immer fremd
bleiben, da der Unterſchied zwiſchen ihrem verkleinernden
Innenleben und unſerer nervös=ruheloſen Gedankenwelt
ein ſo unendlich großer iſt.
Freilich genieße ich während meines nun
drei=
monatigen Aufenthaltes in Nagaſaki, derjenigen
größe=
ren Stadt Japans, die mir am meiſten zuſagt, im
Eltern=
hauſe meines Freundes reiche Gaſtfreundſchaft; aber ich
denke mir oft, daß die Achtung und Ehrfurcht, welche man
mir hier zollt wohl mehr unſerer deutſchen Nation als
meiner Perſon gilt.
Monſieur Tadjama pére iſt zweifellos ein geiſtreicher,
intereſſanter Mann mit reichlichem Wiſſen, doch immerhin
keineswegs frei von Selbſtüberhebung, ein eingefleiſchter
Japaner, ein Samurai von Rang, der dem Ahnenkult in
ausgiebigſter Weiſe huldigt und als ſtrenggläubiger
Buddhiſt — ohne jemals abfällig darüber zu urteilen —
die chriſtliche Lehre zweifellos mitleidig belächelt.
Ich wohne hier in einem auf unbeſtimmte Zeit von
mir gemieteten, kleinen Häuschen mit winzigen,
puppen=
ſtubenartigen Räumen und Möbeln. Mein großer,
über=
ſeeiſcher Koffer nimmt ſich wie ein Monſtrum darin aus;
ſtatt Fenſterſcheiben nur Papier, die Wände von Pappdeckel,
verſchiebbare Türen ohne Verſchluß. Alles zierlich und
neit. Ein niedliches Gärtchen mit einem Miniaturſee um=
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
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üppiger Farbenpracht.
Ich wollte abſichtlich nicht im deutſchen Viertel von
Nagaſaki wohnen; ich will ja eindringen in das interne
Leben und Treiben dieſer gegen Fremde ſtets
freund=
lichen, aber dennoch exkluſiven und verſchloſſenen Raſſe.
Einerſeits reizt und feſſelt ſie mich, andererſeits ſtößt ſie
mich auch wieder ab.
Du, Reinette, mit Deinem tiefen,, warmen
Empfin=
den würdeſt ganz beſonders Dich verletzt fühlen von der
Stellung der japaniſchen Frau, die meiſt nur als
Spiel=
zeug, allein faſt nie als die treue Gefährtin, des Mannes
zweites Ich, ſein höchſter Schatz, betrachtet wird.
Und doch ſind ſie ſo herzig und ſüß, die kleinen
Ja=
panerinnen mit den gemalten Puppengeſichtern und den
kokett blitzenden, dunklen Augen. Eine ſollteſt Du kennen
lernen, das iſt Kohanna, die Blütenknoſpe, Tadjamas
junge Schweſter”. .
Reinette ließ das Schreiben wieder in den Schoß
ſinken und blickte ſchmerzlich ſinnend vor ſich hin.
Es berührte ſie peinlich, ja es tat ihr wehe, die
Be=
ſchreibung des fremden Weſens noch einmal leſen zu ſollen.
Nein, o nein, ſie möchte es gar nicht mit anſehen, wie
das zierliche Geſchöpf in ihrer tändelnden Weiſe hin und
her trippelte, den Tee bereitete und, wenn der deutſche
Gaſt kam, die Räume jener Puppenhäuſer mit Blumen
und Blütenzweigen prächtig zu ſchmücken verſtand.
Mein Gott, wenn Onkel Gerald drüben, in dem
fer=
uen Lande, für immer gefeſſelt und gebunden ſein und
bleiben, wenn er nie mehr wiederkehren, ihr nie mehr
raten, ſie nie mehr tröſten, ihr nie mehr einen Schutz
ge=
währen ſollte?
Obgleich er der Zukunft in keiner ſeiner vielen Briefe
Erwähnung getan, ſo war doch der Gedanke an die
end=
liche Rückkehr — an das Wiederſehen immer gerade das
geweſen, worauf ſie gebaut, was ſie getröſtet hatte.
Und Reinette vergegenwärtigte ſich im Geiſte die
kleine, exotiſche Wunderblume, dieſe farbenſchillernde
Li=
belle als Onkel Geralds Frau!
Würde das kleine niedliche Geſchöpfchen, deſſen
Ge=
ſichtskreis dem ſeinen ſo himmelweit fern lag, dem
hochge=
vildeten, ernſten Mann auch dauernd genügen?
Sie wußte eigentlich ſelbſt nicht, wie es kam, aber
die=
ſer letzte Brief hatte zum erſtenmal eine leiſe Bitterkeit
in ihr erweckt.
Endlich nahm ſie das Schriftſtück wieder auf und las
s bis zum Schluß:
Ich ſoll dir übrigens auch viele Grüße von
Tad=
jama übermitteln. Er iſt ein Menſch von ſeltener Treue
und Dankbarkeit und oft, ſehr oft, ſprechen wir beide noch
von vergangenen Tagen!
Deine lieben, ausführlichen Briefe ſind mir ſtets eine
Beruhigung und Freude. Weiß ich doch, daß Du in guter,
ſicherer Hut biſt, mein liebes Kind.
Und du wirſt auch ferner Vertrauen zu mir haben
und immer alles ſchreiben, was Dein Herz bedrückt — ja?
Einen Handkuß an Tante Charlotte und — Gott mit
Dir, Reinette!
Stets Dein treuer Onkel Gerald.
Na, jetzt ſind wir die Alte hoffentlich für eine Weile
os. Es iſt gräßlich, wie ſie dich tyranniſiert und mich
be=
obachtet; uns keine Minute allein zu laſſen, einfach, als
ob ſie allein ein Anrecht auf dich hätte. Man will doch
auch mal ungeſtört ſein, ſagte Alexander Solten und reckte
ſich behaglich und mit übergeſchlagenen Beinen auf einem
der zierlichen, weißen Seſſel in der Schweſter kleinem
Salon.
Am Abend vorher war Reinettes Bruder von
Schön=
ſtein, wo er ſich ſeit kurzem aufhielt, in Roglau angelangt
und hatte ohne viele Umſtände verſucht, ſich dort als Herrn
der Situation aufzuſpielen.
Laut und großſprecheriſch, das ſchlichte Milieu, in dem
die Schweſter ſeit einunddreiviertel Jahren zu leben
ge=
zwungen war, mit den ihm eigenen ſüffiſanten Blicken
muſternd, hatte er der alten Großtante gegenüber ſofort
einen ziemlich ſelbſtherrlichen Ton angeſchlagen.
Allein Frau von Bärkeſſel ſchien, trotz ihres ſchweren
Leidens, doch eine Perſönlichkeit zu ſein, dieſem
Grün=
ſchnabel (wie ſie vor dem Schlafengehen ärgerlich zu
Rei=
nette geäußert hatte) Reſpekt einzuflößen und ihn in ſeine
Schranken zurückzuweiſen.
Den nächſten Vormittag verbrachte ſie unausgeſetzt
in Geſellſchaft der Geſchwiſter, als fürchte ſie, dieſer in
jeder Beziehung zu ſeinem Nachteile veränderte Bruder
könne dem Schützlinge Aerger und Verdruß bereiten.
Die gewohnte Ruhe nach Tiſch konnte Frau von
Bär=
keſſel indes nicht opfern, und ſo blieben die Geſchwiſter
zum erſtenmale allein.
Reinette, welche Lex ſeit faſt neun Monaten nicht
viedergeſehen hatte, ſchien heute über ſein verändertes
Aeußere beinahe entſetzt. Da Tante Charlotte ſich
ge=
rade damals ſehr elend fühlte, hatte ſich ſein letzter Beſuch
von Brink aus nur auf flüchtige Stunden beſchränkt.
Immer wieder mußte ſie ſich ſein Bild von damals ins
Gedächtnis zurückrufen.
(Fortſetzung folgt.)
Nr. 88.
Dienstag, 28. Juli.
1914.
Bekanntmachung.
In den Herbſtferien d. Js. werden an den drei Lehrerſeminarien (Alzey,
Bens=
heim, Friedberg) biologiſche Fortbildungskurſe für Volksſchullehrer abgehalten.
Die Kursdauer beträgt 14 Tage. Den Teilnehmern wird eine Beihilfe von 80 Mk.
gewährt werden. Es iſt dabei in erſter Linie an Lehrer gedacht, die entſprechenden
Unterricht (Biologie und Naturlehre) in den oberen Klaſſen der Volksſchule oder in
der Fortbildungsſchule erteilen.
Meldungen ſind bis zum 15. Auguſt d. Js. an die unterzeichnete Behörde
ein=
zuſenden.
Darmſtadt, den 25. Juli 1914.
(16897id
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.
Bekanntmachung.
Am 2., 3., 6., 7., 9., 10., 13., 14.. 16., 17., 20., 21., 23., 24., 27., 28., 30. und 31. Juli
1914 von 6 Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkelheit wird Schießen mit ſcharfer
Munition von Truppenteilen des XVIII. Armekorps auf dem Schießplatz bei Meſſel
abgehalten.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Rich=
tung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
im Weſten: Dammweg=Brunnersweg ausſchließlich,
M
im Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milcheswieſe-
Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. (
Polizeiverord=
nung Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 23. Juni 1914.
(15013a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß Mittwoch, den 29. Juli 1914, von
8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags, Donnerstag, den 30. Jult 1914, von 7 Uhr.
vormittags bis 3 Uhr nachmittags, Freitag, den 31. Juli 1914, von 8 Uhr
vormit=
tags bis 2 Uhr nachmittags, und Samstag, den 1. Auguſt 1914, von 8 Uhr
vor=
mittags bis 2 Uhr nachmittags, Schießen mit ſcharfer Munition auf dem
Truppen=
übungsplatz Darmſtadt ſtattfindet. Die Abſperrung erſtreckt ſich über das ganze
Abſperrgelände.
Darmſtadt, den 27. Juli 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
(16435a
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 ſchwarzer Spitzhund, 1 ſchwargebrauner Pinſcher.
1 gelber Pinſcher, 1 ſchwarzbrauner Dobermann (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
aus=
gelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vorm. 10 Uhr, ſtatt.
(16915
Deffentliche Impfung.
Unentgeltliche Impf= und Nachſchautermine finden, ſolange
Be=
dürfnis, jeden Mittwoch, nachmittags von 5—6 Uhr. im Schulhaus
in der Rundeturmſtraße für im Vorjahre geborene, ſowie für ältere
mit der Impfung im Rückſtande verbliebenen Kinder ſtatt.
Darmſtadt, den 1. Juli 1914.
(15670a
Der Oberbürgermeiſter:
J. B. Schmitt.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt
Zinsfuß für Einlagen ohne Unterſchied der Höhe
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Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 29. Juli 1914, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtr. 16 dahier (Reſt. zur Roſenhöhe)
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einrichtung, Ladenregale, Ladentheken, 5 Lüſter, 1
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bänder, Weißwaren, Orford, Drell, 1 Obiektiv, 1
Näh=
maſchine, 1 Stutzflügel, 1 vollſt. Vett und 1 Landauer
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
16934)
Georgenſtraße 11, I.
Bekanntmachung.
Dienstag, den 4. Auguſt d. Js., vorm. 9 Uhr,
werden die der Gemeinde Heppenheim gehörigen
Bühlerfrüh=
zwetſchen, Ertrag etwa 120 Fentner, meiſtbietend verſteigert.
Zu=
ſammenkunft der Steigliebhaber am Gaſthaus zum Lindenſtein.
Nähere Auskunft erteilt Feldſchütze Mai dahier.
Heppenheim (Bergſtr.), den 27. Juli 1914.
(16945
Großherzogliche Bürgermeiſterei Heppenheim.
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Dr. Nanm
iſt bis Mitte Auguſt ds. Js.
ver=
reiſt und wird in der Armenpraxis
durch Herrn Dr. Hammer,
Beſſunger Straße 3, und von Herrn
Dr. Degen, Klappacher Straße 1,
nach deſſen Rückkehr, vertreten.
Darmſtadt, 24. Juli 1914.
Städtiſches Armen= und
Fürſorgeamt. (16931
J. V.: Hopp.
In unſer Handels=Regiſter, Ab=
S teilung A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 16. Juli 1914.
Hinſichtlich der Firma:
Fried. Hartter Nachf.,
Darmſtadt.
Geſchäft und Firma iſt auf
Kauf=
mann Emil Ganß in Dieburg
über=
gegangen.
* Der Uebergang der in dem
Be=
triebe des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderungen
iſt bei dem Erwerbe des Geſchäfts
durch Emil Ganß ausgeſchloſſen.
Emil Ganß Ehefrau, Sophie,
geb. Herrmann zu Dieburg, iſt zur
Prokuriſtin beſtellt.
Am 17. Juli 1914.
Hinſichtlich der Firma:
Johs. Waitz, Hof=Buch=
und Kunſthandlung,
Darm=
ſtadt.
Kaufmann Eberhard Friedrich
Stähle in Darmſtadt iſt zum
Pro=
kuriſten beſtellt.
Am 18. Juli 1914.
Neu eingetragen die Firma:
Ernſt Scherer, Bureau für
Architektur und
Bauaus=
führung, Darmſtadt.
Inhaber: Ernſt Scherer, Architekt
zu Darmſtadt.
Georg Scherer Architekt zu
Darm=
ſtadt, iſt zum Prokuriſten beſtellt.
Am 23. Juli 1914.
Hinſichtlich der Firma:
J. Lehmann, Darmſtadt.
Leo Hirſch und Joſef Schack in
Darmſtadt ſind zu Geſamtproku=
(16901
riſten beſtellt.
Darmſtadt, 23. Juli 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
En unſer Genoſſenſchafts=Regiſter
I wurde heute eingetragen
hin=
ſichtlich der Firma:
Darmſtädter
Genoſſen=
ſchaftsbuchdruckerei,
ein=
getragene Genoſſenſchaft
mit beſchränkter
Haft=
pflicht, Darmſtadt. (16902
Geſchäftsführer Joſef Kaindl iſt
aus dem Vorſtande ausgeſchieden
und an ſeiner Stelle Arbeiter=
Sekretär Anton Sparr in
Darm=
ſtadt in den Vorſtand gewählt.
Darmſtadt, 17. Juli 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über das
Vermögen des Jakob Rühl IX.
zu Pfungſtadt wird nach erfolgter
Abhaltung des Schlußtermins hier=
(16920
durch aufgehoben.
Darmſtadt, 18. Juli 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt II
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
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Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 28. Juli 1914.
Nummer 205.
Beriner Stimmungsblick.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)
26. Juli.
Kriegsſtimmung! Wer den geſtrigen Tag, den
geſtrigen Abend in Berlin miterlebt, der hat ihr Wehen in
gewaltigſter, in unvergeßlichſter Weiſe verſpürt. Ja, von
Kriegsſtimmung iſt des deutſchen Reiches Hauptſtadt
er=
füllt in all ihren ſchier endloſen ſteinernen Gliedern, nicht
von einer herausfordernden, zum Kriege drängenden
Stim=
mung, ſondern von dem Bewußtſein, das Schwert, wenn
es gezogen werden ſollte, für eine gute, gerechte Sache zu
ſchwingen, von dem Gefühl, daß dies Schwert ſcharf und
ſchneidig iſt, von der Ueberzeugung, daß man den
ernſte=
ſten, den entſcheidendſten Stunden entgegengeht. Und es
geſchieht hier mit Würde, mit Kraft, mit Entſchloſſenheit:
„Kommt das Unvermeidliche, wohlan, wir ſind bereit, es
hinzunehmen, mit Hingebung, Aufopferung, Gut und
Blut!”
Schon am geſtrigen Vormittag merkte man deutlich
das erregte Zucken und Rucken in den Nerven der
Rieſen=
ſtadt. Den von tropiſcher Hitze erfüllten Tagen waren
kühle gefolgt, einzelne Regenſchauer huſchten geſtern
her=
nieder. Aber die Schwüle war nicht gewichen, nur daß
es eine andere Schwüle war. Man fühlte den laſtenden
Druck des Ungewiſſen. Die Empfindung des kommenden
Großen, Schweren, Verantwortungsvollen machte ſich
überall geltend. Die Geſpräche drehten ſich nur um den
Zuſammenſtoß Oeſterreichs mit Serbien, die entſchloſſene
Sprache des Bundesgenoſſen fand allgemeinſte
Zuſtim=
mung, es regte ſich wie ein Gefühl des Stolzes daß
Schwarz=Gelb den Trumpf gewagt und an Stelle des
Zauderns energiſches Handeln geſetzt.
Mittagsſtunde im Herzen der Stadt, an der
Kreuzung der Friedrich= und Leipziger Straße.
Extra=
blätter werden verteilt. Man reißt ſie den Boten fort,
im Nu iſt der Vorrat erſchöpft, Radfahrer bringen neue
Ballen des druckſeuchten Papiers, hunderte Hände ſtrecken
ſich aus, kleine und größere Gruppen bilden ſich, die
Blät=
ter wandern umher willig gibt ſie einer dem anderen,
man lieſt die Depeſchen aus Belgrad, Wien, Budapeſt,
London, Paris, Petersburg vor, ſelbſt der haſtigſte Schritt
ſtockt. In dem tauſendfachen Hin und Her iſt mit einem
Male eine Stauung eingetreten — —, das Ohr der
Welt=
ſtadt horcht auf den ſchickſalsſchweren Klang von draußen
und die Seele der Weltſtadt nimmt ihn verſtändnisvoll
auf! Autos, Droſchken, Omnibuſſe halten, ihre Lenker und
Fahrgaſte greifen nach den Blättern, die
Blumenverkau=
ſerinnen vergeſen völig ihre beſändigen Anpreiſungen
und ſtudieren die ſchwarzen Zeilen, ein wohlbeleibter
Roll=
kutſcher ruſt dröhnend vom Bock herab: „Es geht los!“,
und knallt kampfluſtig mit der Peitſche: zu einigen
Solda=
ten von den Kaiſer=Alexandern, deren Nägelſtiefel auf dem
Bürgerſteig klappern, meint man: „Na Jungens, man fix
in die Kaſerne und die Gewehre geputztiu
Der Abend bricht herein, von Erwartung
durch=
tränkt. Die Entſcheidung ſoll er bringen! Von ganzen
Schwärmen Harrender umlagert ſind die
Zeitungsver=
kaufsſtellen, jetzt kommen die Blätter, im Umſehen ſind ſie
verkauft, weiteren Nachſchüben gehts ebenſo. Stehend wird
der Inhalt verſchlungen. „Serbien lehnt eine
Beantwor=
tung ab — Serbien gibt nach?” Hin und her wird
deba=
tiert. Nur dies Thema gibts in den Bahnen, ganz Fremde
plaudern darüber. Anſichten werden ausgetauſcht, aus
vielen Reden klingts wie Bedauern, daß Serbien
nach=
geben will! „Warten wir die Extrablätter ab, ſie werden
Gewißheit bringen!”
Um 9 Uhr auf dem Leipziger= und
Pots=
damerplatz. Ein dunkles Menſchenmeer. Von den
verſchiedenſten Seiten flatters jäh weiß hinein, ein halb
Dutzend Zeitungen läßt Sonderausgaben verteilen. „
Vor=
leſen! Vorleſen!: Trotz der ungeheuren Aufregung kein
Streiten und Zanken, dieſe vielen Tauſende ſind
durch=
drungen und umſchlungen von den Banden der
Zuſam=
mengehörigkeit in dieſer ſternenbeſchienenen
Schickſals=
ſtunde. „Serbien hat abgelehnt — Oeſterreich mobiliſiert 14
Die Rufe hallen zündend über die Menſchenwogen
hin=
weg: „Hurrah! Hoch Deſterreich! Hoch der Kaiſerl=
Dröhnend, brauſend ſchallt es dahin! Und jetzt, horch, vom
nahen Tiergarten klingts heran, der Deutſchen Schutz= und
Trutzlied: „Deutſchland, Deutſchland über alles!” und nun
brauſend und fortreißend: „Die Wacht am Rhein!” Ein
paar Hundert ſinds, die geſchloſſen einhermarſchieren ſie
kommen von einer Huldigung vor der Oeſterreichiſchen
Bot=
ſchaft und biegen in die Leipziger Straße ein: „Wie
Schwertgeklirr und Waffenprall” dröhnt der Sang zurück.
„Lieb Oeſterreich kannſt ruhig ſein!“
Die Bier= und Weinſtuben ſind überfüllt, noch nach
Mitternacht. Niemand denkt ans Nachhauſegehen. Auch
hier, wie auf den Straßen und Plätzen, trotz aller
Erre=
gung ein ſeltſames, würdiges Gelaſſenſein dem
Unver=
meidlichen gegenüber, eine verhaltene Freude, daß der
Knoten, der von den Feinden unſeres Reiches geſchürzte,
durchhauen werden ſoll. An einem Stammtiſch,
nahe der Potsdamer Brücke, er wird der Exzellenzen=
Stammtiſch genannt; es fehlen dort nie einige Generale,
welche die beiden Sterne auf den Achſelſtücken gehabt. Auch
heute ſind ſie da. Einer unſerer Staatsminiſter kommt.
„Nun, Exzellenz, gehen Sie auch mit, wenn mobil
ge=
macht wird?” fragt er einen der alten Krieger, der 70
dabei geweſen und ſich in Ehina Ruhm erworben. „Wie
es Seine Majeſtät befehlen — ich hoffe, ja! — Ein
höherer Offizier in verantwortlichem Kommando ſetzt ſich
zu uns, er iſt vom „nahen Amt” nur zu einer ſchnellen
Stärkung erſchienen. „Wie ſiehts bei Ihnen aus2u
er=
kundigt ſich der Miniſter. Gut, Ew. Exzellenz, alles
ruhig!” und ein merkwürdiges Leuchten geht über das
bartloſe, ſcharf gemeißelte Geſicht des Befragten. „Haben
Sie Nachrichten vom höchſten Herrn?‟ — „Jawohl, ein
Kurier brachte ſoeben die Meldung: Seine Majeſtät
be=
finden ſich auf der Rückreiſe und treffen morgen abend
ein!“— Da ſtoßen die Gläſer zuſammen! —
Man trennt ſich ſpät. Schweigend tritt man den
Heimweg an. Jeder hängt ſeinen Gedanken nach: „Wie
wirds werden, wie wirds enden?‟ Da: ein
Wetter=
leuchten im Oſten und der Widerſchein im Weſten! Wars
Wirklichkeit, wars Täuſchung? Ein neuer Blitz — und in
der Ferne dumpfes Grollen! —
Die Sonntagsglocken heute ſchwingen und
klingen in den holden Sommermorgen hinein. Ihr
heili=
ger Schall löſt manch’ ſtilles Herzeleid aus, beruhigt manch'
Hangen und Bangen, es iſt, ja ein ſo lieber, ein ſo
fried=
licher Klang, man lauſcht ihm mit verdoppelter
Aufmerk=
ſamkeit, mit frommer Hingebung! — Gegen die geſtrige
und nächtliche Erregung macht heute Berlin einen ſtillen,
geruhſamen Eindruck, ganz gewohnheitsmäßig=ſonntäglich
geht’s in der Potsdamer= und Leipziger Straße und auf
beiden Plätzen zu; man könnte an einen Traum denken,
vergegenwärtigt man ſich die mitternächtlichen Szenen.
Der Traum aber gewinnt neue Wirklichkeit Unter
den Linden. Tauſende von Menſchen wogen da auf
und ab, berittene Schutzmannspoſten halten in dar Nähe
der franzöſiſchen und ruſſiſchen Botſchaft, man fragk immer
wieder nach Extrablättern, es gibt keine, ſind doch in den
Zeitungsredaktionen bis zur Mittagsſtunde nicht die
ge=
ringſten Meldungen aus Wien — wohin der
telegra=
phiſche und telephoniſche Verkehr unterbrochen iſt — und
St. Petersburg eingelaufen. Für morgen erwartet man
an der hieſigen zuſtändigen Stelle amtliche franzöſiſche
und ruſſiſche Benachrichtigungen, die Entſcheidung dürſte
bis Mittwoch oder an dieſem Tage erfolgen: Frieden
oder Krieg!
Je weiter wir Unter den Linden, vom
Brandenbur=
ger Tor aus, wandern, deſto zahlreicher wird die
Men=
ſchenmenge. Der ganze Platz zwiſchen der Neuen Wache
und dem Opernhauſe iſt gedrängt voll, ein ungeheures
Meer von Köpfen. Gleich 1 Uhr, die Wache muß
auf=
ziehen. Hört Ihr die Muſik, hört Ihr die elektriſierenden
Weiſen: „Deutſchland, Deutſchland über
alles”? — Die Federbüſche der Soldaten vom Auguſta=
Regiment tauchen auf, Schutzleute zu Pferde können nur
eine ſchmale Gaſte freimachen. Inmitten eines Orkans
von Hochs und Hurras marſchiert die Wache dahin, aller
Häupter entblößen ſich, Hüte und Tücher werden
ge=
ſchwenkt, und nun brauſt es gewaltig durch die Luft:
„Deutſchland, Deutſchland über alles!“
Kriegsſtimmung geht durch Berlin,
Kriegsſtimmung! —
Turnen, Spiele und Sport.
sr. Pferdeſport. Hoppegarten. Beberbeck=
Ren=
nen; 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn v.
Wein=
bergs Antinous (Shaw), 2. Anſchluß (Warne), 3. Paſcha
(Shatwell). 63:10; 18, 12, 85:10. — Pathos=Rennen: 3800
Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Herrn v. Tepper=Laskis
Solmona (v. Tucholka), 2. Taftjoy (Maſſon), 3. St. Denis
(Raſtenberger). 93310; 25. 17, 30.10,. — Sierſtorpff=
Memorial; 13 000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn
Haniels Tamina (Davis), 2. Maſher (Archibald), 3. Wand
(Raſtenberger). 24:10; 68, 27, 41:10. — Sommer=
Handi=
kap; 5000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn L. Korns
Wad (Shurgold), 2. Major Fife (Davis), 3. Drachenkopf
(Gordon). 40:10; 20. 30, 35110. — Fürſt zu Hohenlohe=
Oehringen=Rennen; Ehrenpreis und 20000 Mark, Diſtanz
240 Meter: 1. Königl. Hauptgeſtüt Graditz) Eyanit (F.
Winter), 2. Askania (O. Müller) 3. Leonidas (Shatwell).
21.10; 14, 37, 4310. — Spre=Rennen; 3800 Mark,
Di=
ſtanz 1000 Meter: 1. Herrn Schaps Freſie (Slade), 2.
Pa=
lonia (Oleinik), 3. Saracene (O. Müller). 41:10; 17, 23,
27110. — Harzburg=Handikap; 6200 Mark, Diſtanz 2200
Meter: 1. Herrn Balduins Papyrus (Davis), 2. Dürkheim
(Warne), 3. Naſeweis (F. Lane). 3210; 16 20, 30 10.
Neuß. Sommer=Flach=Rennen; 4000 Mark: 1. Lt.
Gerekes Mindemkem (Krauſe), 2. Helmarich, 3. Pamatka.
12710; 43, 16. 4210. — Qutrinus=Jagd=Rennen;
Ehren=
preis und 3000 Mark: 1. Herrn Berenkamps Mirobolant
(Cpt. Repelar), 2. Cerito, 3. Florimond Robertet. 41:10;
19, 74:10. — Heyden=Linden=Jagd=Rennen; Ehrenpreis
und 3200 Mark: 1. Lt. v. Hutſchenreuthers Calopſitte (Lt.
v. Herder), 2. Golden Garnet, 3. Traum. 17110; 12, 15.10.
— Kölner Jagd=Rennen; 3200 Mark: 1. Herrn R. Arlts
Saint George (Kühl), 2. Archivar, 3. Meerkatze. 20110;
13, 14, 15:10. — Neußer Jagd=Rennen; Ehrenpreis und
10000 Mark: 1. Hern Wepes Ether (Lt. Weinſchenh),
Ardington, 3. Huetamo. 130.10; 38, 21, 42.10. —
Sa=
phir=Rennen; 2500 Mark: 1. Lt. Winterers Kale (
Ham=
mer), 2. Early Cloſing, 3. Accoladae. 21:10; 14. 32, 18:10.
— Druſus=Handikap; 3000 Mark: 1. Graf E. Metternichs
Rainbow Trout (Benedikt), 2. Tyne Bay, 3. Buoy and
Gull. 11810: 20, 25, 16410.
Hamburg=Farmſen. 1. Rennen: 1. Lt. St.
2. Frieda, 3. Feuergeiſt. 43:10; 19, 29, 36:10. — 2.
Ren=
nen: 1. Reißaus, 2. Edda M., 3. George W. B. 38.10:
19, 24, 28:10. — 3. Rennen: 1. Jvan le Coſaque, 2.
Locks=
ley Hall, 3. Tioga Boy. 6610 20, 18, 53710. — Großer
Preis von Hamburg; Ehrenpreis und 25 000 Mark. Stich=
ſahren. 1. Stechen 1. Hern Burchardts Stegmund.
2. Meum, 3. Reverie. 2110; 16, 59, 1910. — 2. Stechen:
1. Stall Klausners Morgenwind, 2. Siegmund, 3. Bertha
Prince. 20:10; 18, 17, 40:10. — 3 Stechen: 1. Stall
Klausners Adbell Toddington, 2. Meum, 3. Bertha
Prince. 12110; 23, 23, 32:10. — Reſultat: 1. Adbell
Tod=
dington, 2. Morgenwind, 3. Siegmund. — 5. Rennen:
1. Markgraf, 2. Mr. Fox, 3. Lindaſcott. 23:10; 18, 26, 44:10.
— 6. Rennen: 1. Raufbold, 2. Elly H., 3. Brolinde. 126:10;
22, 16, 18:10.
sr. Radſport. Hourlier und Linart Sieger
im Großen Preis von Berlin. Großer Preis
von Berlin für Flieger: 1. Hourlier 5 Punkte, 2. Poulain
6 Punkte, 3. Stabe 8 Punkte, 4. Bailey 11 Punkte,
5. Schwab 12 Punkte, 6. Wegener. — Großer Preis von
Berlin für Dauerfahrer über 100 Kilometer: 1. Linart in
1 Std. 18 Min. 34,3 Sek., 2. Nettelbeck 80 Meter, 3.
Sal=
dow 120 Meter, 4. Guignard 160 Meter, 5. Darragon 6520
Meter zurück. — Hauptfahren für Flieger: 1. Rudel, 2.
Techmer, 3. Schrage, 4. Krahner. Sicher gewonnen. —
Malfahren der Klaſſe C.: 1. P. Meyer, 2. Lewanow, 3. A.
Jakob. — Vorgabefahren: 1. Hourlier (0), 2. Schrage (130).
Leipzig. Im Dauerrennen über 20 Kilometer lag
Ebert bis zur 14. Runde an der Spitze. Dann wurde er
von Timmermann abgelöſt, der denn auch leicht gewann.
Er ſiegte in 17 Min. 28,2 Sek. vor Ebert 19149,4. Beim
30 Kilometer=Rennen kam es umgekehrt. Hier führte
Timmermann bis zur 46. Runde, wo er von Ebert in
der Führung abgelöſt wurde. Ebert ſiegte in 25 Min.
44,3 Sek. vor Timmermann 26 Min. 42,3 Sek., Bäumler
und Kother. Die Fliegerrennen zeitigten folgende
Reſul=
tate: Eröffnungspreis: 1. Wilde, 2. Rechſel, 3. Zernick,
4. Brandt. — Hauptfahren: 1. Heuer, 2. Brandt, 3.
Schu=
mann, 4. Wilde. — Vorgabefahren: 1. Schubert (100
Meter), 2. Schumann (70 Meter), 3. Franke (50 Meter). —
Ausſcheidungsfahren: 1. Heuer, 2. Wilde, 3. Franke. —
Städtewettkampf zwiſchen Halle und Leipzig; 10
Kilo=
meter ohne Führung: 1. Leipzig, 2. Halle 50 Meter zurück.
— 25 Kilometer=Fahren ohne Führung nach
Punktwer=
tung: 1. Heuer 13 Punkte, 2. Zernick 21 Punkte, 3. Wilde
25 Punkte, 4. Rechſel 29 Punkte.
Der Belgier Thys gewinnt die
Rund=
fahrt durch Frankreich. Die vierwöchige
Rund=
fahrt durch Frankreich hat am Sonntag mit der 15340
Kilometer langen Etappe Dünkirchen-Paris ihr Ende
erreicht. 55 Konkurrenten ſtellten ſich noch in Dünkirchen
dem Starter. Das Feld verkleinerte ſich ſehr langſam.
Am Ziel auf der Pariſer Prinzenpartbahn trafen noch
die Franzoſen Peliſſier und Broceo, ſowie die Belgier
Roſſius und Thys zuſammen ein. Im Endſpurt ſiegte
Peliſſier mit einer Länge vor Roſſius, Brocco und Thys
nach 13 Std. 21 Min. 16 Sek. Fünfter wurde Trouſſelier,
dem Faber, Egg, Munro, Duboe und Godivier folgten.
Im Geſamtklaſſement ſiegte der Belgier Thys mit nur
anderthalb Minuten Vorſprung nach 200 Std. 30 Min.
33 Sek. für die 5405 Kilometer der Rundfahrt. Zweiter
wurde Peliſſier mit 200:32:22 und Dritter Alavoine in
201:05:05. Thys war auf der vorletzten Etappe wegen
einer Verletzung der Beſtimmungen mit 30 Minuten
Zeit=
verluſt beſtraft, wodurch ſich ſein erheblicher Vorſprung
bis auf ein Minimum reduzierte.
Paris. Neben den verſchiedenen Rennen für die
Teilnehmer an der franzöſiſchen Rundfahrt kamen die
erſten Rennen um die Meiſterſchaft der Kategorien zum
Austrag. In der erſten Kategorie ſiegte Perchicot mit
einer Länge vor Pouchois und Sergent, in der zweiten
Kategorie gewann Quaiſſard vor Didier und Rettich, in
der dritten Kategorie erwies ſich Chardon überlegen, der
Simeonie und Germain abfertigte und in der vierten
Kategorie endlich Oeyrouſe, der Delrieu und Peſſon ſchlugl
Das Handikap gewann Sergent (4 Meter) mit einer
Vier=
tellänge vor Quaiſſard (5 Meter) und Rettich (10 Meter),
das Tandemrennen Meurger=Comes vor Schilles=Sergent
und Perchicot=Pouchois.
Literariſches.
Illuſionen, Irrtümer und
Fahr=
läſſigkeiten im Liebesleben der Menſchen.
Von Profeſſor Dr. med. R. Kafemann. 8 (Xl u. 176
S.) Berlin 1914. Louis Marcus Verlagsbuchhandlung
2 Mark. Der Verfaſſer unternimmt es, nach Maßgabe
des modernſten Wiſſens, über das eigentliche Weſen der
Liebe Aufklärung zu geben. Jeder Liebende iſt ein durch
dunkle uralte Kräfte der Natur Vergewaltigter und
dem=
gemäß ein „Leidender‟ Die Irrtümer und Illuſionen,
denen er in dieſem Zuſtand ausgeſetzt iſt, ſind naturgemäß
zahlreich und verhängnisvoll.
*0
Haarmilch
reinigt, Kräftigt und erfriſcht
das Haar und die Hopfhaut.
Flalche zu 2 H. für mehrere Wochen ausrelchend.
(A9728
Leckerri dafrte In keiner Famne Tenien
(Ovolecithin 0,5, Eisenoxydhydrat an Zucker gebunden 0,75, aromat. Bestandteile in Cognac 40, Rest dest. Wasser.)
Aerzte und Publikum
stimmen darin überein, dass Leciferrin an der
Spitze aller Kräftigungsmittel steht. Es ist nicht
nur sehr angenehm von Geschmack und leicht
verdaulich, sondern betördert zugleich auch den
Appetit.
Leciferrin hebt das Allgemeinbefinden und
macht den Körper widerstandsfähig. Lebensfrische
und Energie werden hergestellt, welkes, schlaffes
Aussehen verschwindet, die Gesichtsfarbe wird
frisch und rosig.
Aerztlich verordnet gegen Blutarmut, Hervöse Zustände,
Bleichsucht, Verdauungs- und Ernährungsstörungen
Bringt neues Leben für Geschwächte u. Gebreehliche
et er dit, hier öhten erten 32 at.
bringt gesunde frische Farbe und neue Lebensenergie
Blutbildend, Nervenstärkend, Appetitanregend
ereeteneneneteneneterent ne
und in der Rekonvaleszenz.
Botschaft an Blutarme und Blasse.
Die allgemeine Schwäche und das
krank-
hafte Aussehen bei jungen Mädchen im Alter der
Reife beruhen auf einem mangelhaften
Blut=
zustand, und, wenn vernachlässigt, sind oft Jahre
von Unwohlsein und Unbehagen die Folge. Es
ist daher von gröster Wichtigkeit, Jung-‟
Mädchen im Alter von 13—17 Jahren ab und
eine Flasche von Leeiferrin zu geben, welche das
Blut bereichert, den Körper kräftigt und wider.
standsfähig macht.
Der Jugend zum Wachstum, dem Mannesalter zur Kraft und Ausdauer, dem Greisenalter zur Verlängerung des Lebensabends.
Sehr angenehm von Geschmack, von Jung und Alt gerne genommen. — Preis Mk. 3.— die Flasche.
auch in Tabletten, ebenso wirksam wie das in Flaschen, sehr bequem im Gebrauche, in Gläschen à Mk. 2.50, zu haben in Apotheken; man achte auf den
Leciferrin Namen „LECIFERRIN‟ und weisse Ersatzpräparate zurück.
Sicher zu haben von: Grossherzogl. Hofapotheke, Ballonplatz 11, und anderen Apotheken in Darmstadt.
(IV,16716,146