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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Nr. 194.
Freitag, den 17. Juli.
1914.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Die Reichstagserſatzwahl in Labiau-
Wehlau ergab Stichwahl zwiſchen Schrewe (konſ.)
und Wagner (Fortſchr. Volkspt.).
Nach den Ermittelungen des phyſikaliſchen Inſtituts der
Leipziger Univerſtät erreichte der Flieger Helerich
auf ſeinem Höhenweltrekordfluge eine Höhe
von über 8000 Metern.
Die Abdankung Huertas wurde durch amtliche
Manifeſte bekanntgegeben. Der Miniſter Carbajal
legte den Eid als Präſident von Mexiko
vor den verſammelten Abgeordneten und Senatoren ab.
Huerta iſt abgereiſt.
Siehe auch Letzte Nachrichten.
Polenfreundliche Rattenfänger
verſchiedener Art laſſen ſich in der Preſſe vernehmen, um
einer Aenderung der Oſtmarkenpolitik das Wort zu reden.
Zentrumsmänner, die aus Partei=Egoismus die
über=
lieferte Relle von Beſchützern des Polentums ſpielen;
Sa=
lonpolitiker, die ruſſiſche Zeitungen leſen können, aber
nicht danach fragen, wieviel polniſche Federn in ihnen tätig
ſind; radikal=demokratiſche Doktrinäre, die ſich von einem
Eigenbrödler angefeuert fühlen — ſie ſtimmen in dem
Be=
mühen überein, uns das „polenfreundliche” Rußland
aus Rückſicht auf die „Notwendigkeiten” der
inter=
nationalen Politik als nachahmenswertes Beiſpiel
vorzuhalten. Was zu ſolchen Bemühungen hauptſächlich
den Anlaß gibt, geplante Neuerungen in der Verwaltung
Polens, die den Gebrauch der polniſchen Sprache geſtatten,
liegt bereits einige Zeit zurück und hat früher die
Zuſtim=
mung des ruſſiſchen Reichsrates nicht gefunden. Wenn
derſelbe Verſuch von der ruſſiſchen Regierung jetzt erneuert
wird, ſo bleiben zunächſt ſein Erfolg und alsdann Art und
Wirkungen ſeiner Durchführung abzuwarten.
Selbſt angenommen, daß dieſem ruſſiſchen Vorgehen
die Abſicht zugrunde läge, bei den Polen Stimmung für
Rußland und gegen Preußen zu machen, ſo dürfte darüber
doch nicht eine gleichzeitige Maßnahme vergeſſen werden,
die für die Mehrheit der ruſſiſchen Polen eine ſchroffe
Ver=
letzung ihrer religiös=kirchlichen Gefühle durch das amtliche
Rußland bedeutet: die Förderung der mariawitiſchen
Bewegung im Zarentum Polen. Die Erleichterung der
mariawitiſchen Propaganda geht nach einer Erklärung
des Miniſters Maklakow auf die Erwägung zurück, daß
die Mariawiten, obgleich ſie nach ihrem Kultus Katholiken
ſeien, ſich doch der orthodoxen Kirche nähern, die Lehre
von der päpſtlichen Gewalt ablehnen, die Liebe zu den
Ruſſen als dem ſlawiſchen Hauptſtamm predigen, in Polen
den katholiſchen Fanatismus dämpfen uſw. Unter ſolchen
Umſtänden iſt die Köln. Volksztg. ſicherlich im Rechte, wenn
ſie dieſe ruſſiſche Taktik, einen Keil in die der Ruſſifizierung
geſchloſſen widerſtrebende polniſche Geſellſchaft zu treiben,
als eine Herausforderung des katholiſchen Polentums
be=
urteilt. Es wäre ſeltſam, könnten in Ausſicht genommene
Erleichterungen des Gebrauches der polniſchen Sprache die
ruſſiſchen Polen mit der Begünſtigung einer katholiſchen
Sekte ausſöhnen, die die religiös=kirchlichen Anſchauungen
der großen Maſſe des polniſchen Volkes aufs ſchwerſte
verletzt.
Trägt mithin die ruſſiſche „Verſöhnungspolitik”
gegen=
über den Polen an und für ſich einen recht zweifelhaften
Charakter, ſo fordert das Verlangen, daß Preußen mit
Rückſicht auf die Notwendigkeit der internationalen
Politik ſeinen Polenkurs ändern müſſe, grundſätzlich den
ſchärfſten Widerſpruch heraus. Denn jenes Verlangen kann
nur bedeuten, daß Preußen auf dem Gebiete der
Polen=
politik an Polenfreundlichkeit mit dem Auslande
wett=
eifern müſſe, um im Falle kriegeriſcher Verwicklungen die
Stimmung der Polen auf ſeiner Seite zu haben. Eine
der=
artige Auffaſſung wäre nach einem militäriſchen
Zuſammenbruch des Deutſchen Reiches zur
Not verſtändlich. Jedoch unter den beſtehenden
Verhält=
niſſen, wo die deutſche Rüſtung zu Lande und zu Waſſer
uns geſtattet, auch einem Koalitionskriege ungleich
ver=
trauensvoller entgegenzublicken, als das noch lange nicht
gerüſtete Rußland und das ſich keineswegs „erzbereit”
fühlende Frankreich — unter ſolchen Verhältniſſen ſind wir
nicht nur berechtigt, ſondern auch verpflichtet, die preußiſche
Polenpolitik ausſchließlich unter den Geſichtspunkten der
inneren Politik zu beurteilen. Die deutſch=ruſſiſchen
Beziehungen ſind heute gewiß nicht mehr ſo, wie ſie es vor
einigen Jahren waren; ſie ſind aber kaum ſchlechter, als zu
Beginn des Jahres 1888, d. h. zu jener Zeit, wo Fürſt
Bismarck im Reichstage ſagte: „Um Liebe werben wir
nicht mehr, weder in Frankreich noch in Rußland.” An
eine Aenderung der preußiſchen Polenpolitik, die ſeit 1886
mit dem Beginn des Anſiedelungswerkes die bisherige
Defenſive des preußiſchen Staates in eine nationale
Offenſive verwandelt hatte, hat trotzdem Fürſt Bismarck
weder im Jahre 1888 noch ſpäter gedacht. Es iſt nicht
abzuſehen, aus welchen Gründen das Beiſpiel, das er
hiermit gab, heute nicht mehr gültig ſein ſollte. „Was uns
in unſerer Oſtmark vor allem nottut, iſt Stetigkeit,” ſchreibt
Fürſt Bülow in ſeiner „Deutſchen Politik”. Und der
frühere Reichskanzler, der auf dem Gebiete der
Oſtmarken=
politik die Wege Flottwells, Grolmanns, Bismarcks und
Miquels gegangen iſt, ſchließt den innerpolitiſchen
Ab=
ſchnitt ſeines Buches u. a. mit den nachſtehenden Sätzen:
„Es iſt verſtändlich, wenn die öſterreichiſche Monarchie,
die nicht ein auf der Grundlage einer Nationalität
errich=
tetes Staatsweſen iſt, aus Gründen innerer und äußerer
Politik ſeit den ſievziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
im Kronlande Galizien auf jede weitere Germaniſierung
verzichtet hat und den polniſchen Wünſchen auf das
wei=
teſte entgegengekommen iſt. Preußen iſt der Träger des
Deutſchen Reiches und des nationalen Gedankens,
iſt der deutſche Nationalſtaat und kann ſolche
Zugeſtändniſſe nicht machen, ohne ſeiner Vergangenheit,
ſeinen Traditionen und ſeiner deutſchen Miſſion untreu
zu werden. Preußen muß nach
deutſchnatio=
nalen Geſichtspunkten regiert und
ver=
waltetwerden. Hätten wir im Oſten der preußiſchen
Monarchie die ſlawiſchen Elemente in der Weiſe um ſich
greifen und die Deutſchen überfluten laſſen, wie es in
einem Teil von Zisleithanien geſchehen iſt, wir häten
heute anſtatt eines ſchwierigen Kampfes um das
Deutſch=
tum in der Oſtmark einen Kampf um die Erhaltung der
preußiſchen Staatseinheit, wir hätten nicht eine polniſche
Frage, ſondern eine polniſche Gefahr. Unſere
Oſt=
markenpolitik iſt nationale Pflicht des deutſchen Volkes
gegen ſich ſelbſt. Eine hochkultivierte und ſtarke Nation
darf nicht einen einmal errungenen nationalen Beſitz
kampf=
los aufgeben, ſie muß den Glauben an die Werbekraft ihrer
nationalen Kultur und das Vertrauen in die eigene Kraft
ſo weit haben, daß ſie ſich fähig und berechtigt fühlt, ihn
zu befruchten. Ob wir unſeren Beſitzſtand im Oſten
feſt=
halten oder nicht, ob unſere Oſtmarkenpolitik im nationalen
Gleiſe verharrt, was aus unſerer Oſtmark wird, das iſt
keine parteipolitiſche, ſondern eine allgemeine nationale
Frage, eine Frage, von deren bejahender oder
verneinen=
der Beantwortung nicht nur das Schickſal der Deutſchen
im preußiſchen Oſten, ſondern die Zukunft Preußens und
des Reiches und des geſamten Deutſchtums abhängen.”
Was wollen neben der Wucht dieſer Mahnungen die
Ausſtrenungen polenfreundlicher Rattenfänger ſachlich
be=
deuten?
Die internationale Finanzs
kontrolle in Griechenland.
*⁎* In Athen machten ſich ſchon ſeit einigen Jahren
Beſtrebungen geltend, der internationalen Kontrolle der
griechiſchen Finanzen ſich zu entziehen. Das iſt noch mehr
der Fall ſeit der politiſchen Umwälzung auf der
Balkan=
halbinſel, ſeitdem Griechenland ſo große militäriſche
Er=
folge erzielt hat und ein Machtfaktor im Südoſten
Euro=
pas geworden iſt. Das Nationalitätsgefühl der Griechen
hat ſich bedeutend gehoben und wird es nicht länger als
unumgänglich notwendig iſt, zulaſſen, unter der Aufſicht
Europas zu ſtehen. Freilich iſt die Beſeitigung, dieſer
Kon=
trolle nicht ſo einfach, weil vorher die Garantie dafür
ge=
ſchaffen werden muß, daß die griechiſchen Gläubiger nicht
geſchädigt werden.
Bekanntlich waren die Finanzen des Hellenenreiches
von jeher in bedenklicher Verfaſſung. Der
Befreiungs=
kampf hatte die Hilfsquellen des Landes erſchöpft, und
ſpäter ließ die Wirtſchafts= und Finanzpolitik viel zu
wün=
ſchen übrig. Die Kriegsrüſtungen, insbeſondere die
Aus=
gaben für die Marine, überſtiegen die Kräfte des
griechi=
ſchen Staatsweſens und führten ſchließlich im Jahre 1893
zum Bankrott. Jahrelang wurden die Zinſen für die
aus=
wärtigen Anleihen willkürlich auf die Hälfte des
urſprüng=
lichen Betrages oder noch niedriger herabgeſetzt. Ganz
ſchlimm wurde es, als Griechenland im Jahre 1897 den
Krieg mit der Türkei provozierte und dabei ſo unglücklich
abſchnitt, daß nur mit Rückſicht auf die Mächte die Türken
von der völligen Zertrümmerung Griechenlands
zurückge=
halten wurden. Um jedoch deſſen Staatsgläubiger vor zu
großen Verluſten zu bewahren und einigermaßen Ordnung
in die Finanzen des Königreichs zu bringen, wurde dem
Finanzminiſter eine aus je einem Vertreter der ſechs
euro=
päiſchen Großmächte beſtehende internationale Finanz=
kontrolle mit dem Sitze in Athen beigegeben. Das
Arrange=
ment vom 26. Februar 1898 überwies als Garantie für
den Dienſt der äußeren Schuld folgende Staatseinkünfte:
die Monopoleinnahmen aus Salz, Petroleum,
Streich=
hölzern, Spielkarten, Zigarettenpapier und Naxosſchmirgel
mit einem jährlichen Mindeſtbetrage von 12300000
Drach=
men; aus Tabak mit 6600000 Drachmen; aus der
Stem=
pelſteuer mit 10 Millionen, zuſammen 28 900000 Drachmen.
Falls dieſer Betrag nicht erzielt wird, ſind noch die
Pi=
räuszölle, deren Jahresertrag auf durchſchnittlich 10 700000
Drachmen angeſetzt iſt, verpfändet. Der Zinſendienſt für
die einzelnen Anleihen wurde prozentual geregelt.
Ueber=
ſchüſſe aus den verpfändeten Staatseinkünften ſollen
zwi=
ſchen der griechiſchen Regierung, welche 40 Prozent des
Ueberſchuſſes erhält, und den Gläubigern, die 30 Prozent
erhalten, verteilt, während 30 Prozent zur Amortiſation
beſtimmt ſind. Auf Grund des Artikels 2 des
griechiſch=
türkiſchen Präliminarfriedensvertrages vom 6./18.
Sep=
tember 1897 wurde die Kommiſſion eingeſetzt. Deren
Mitglieder werden direkt von den ſechs Mächten —
Deutſch=
land, Frankreich, England, Italien, Oeſterreich=Ungarn und
Rußland — ernannt; ihre Aufgabe iſt die Einziehung und
Verwendung der Staatseinkünfte, die für den Dienſt der
Kriegsentſchädigungsanleihe von 1897 und der ſeit 1833
kontrahierten griechiſchen Anleihen beſtimmt ſind. Die
Kommiſſion hat ſehr weitgehende Kontrollbefugniſſe.
Seit der Einführung der Kontrolle iſt eine
unverkenn=
bare Beſſerung der griechiſchen Finanzen zu verzeichnen.
Zwar waren die Budgets von 1898 bis 1908 durch die
Fer=
tigſtellung der Bahnlinie vom Piräus bis zur türkiſchen
Grenze, durch Ausgaben für Heer und Flotte, ferner durch
die Koſten für Unterhaltung und Anſiedlung flüchtiger
Griechen aus Bulgarien und Rumänien derart überlaſtet,
daß die Budgets mit Fehlbeträgen abſchloſſen. Aber der
Regierung gelang es, Anleihen unterzubringen, und die
Etatsjahre 1910 und 1911 ſchloſſen mit Ueberſchüſſen ab.
Eine bedeutende Umwälzung auch auf finanziellem
Ge=
biete wird die Vergrößerung Griechenlands zeitigen, deſſen
wirtſchaftliche Verhältniſſe früher hauptſächlich von dem
Ausfall der Korintenernte abhingen, nun aber durch den
Zuwachs an fruchtbaren Gebieten eine ganz andere,
aus=
ſichtsreichere Baſis zu erhalten. Das wird auch nicht ohne
Einfluß auf die griechiſchen Finanzen bleiben, doch muß
das Ergebnis erſt abgewartet werden, bevor an die
Ver=
änderung der jetzigen Rechtslage gedacht und der Wunſch
des Miniſterpräſidenten Venizelos in Berückſichtigung
ge=
zogen werden kann, eine Unifizierung der ſogen. alten
Staatsſchuld durchzuführen und die internationale
Finanz=
kontrolle abzuſchaffen. Bisher haben ſich die Mächte
gegen=
über dieſem Wunſche ablehnend verhalten.
Deutſches Reich.
— Der Rücktritt des Oberpräſidenten
von Schleswig=Holſtein v. Bülow wird in
der Politiſchen Korreſpondenz als bevorſtehend
bezeich=
net und in Verbindung gebracht damit, daß ſeitens der
Staatsbehörden neuerdings an unſerer Nordgrenze etwas
ſchärfer als bisher gegen die däniſche Agitation
vorge=
gangen wird.
— Der gegenwärtige Notſtand auf dem
Bau= und Immobilienmarkt hat den Verband
vereinigter Baumaterialienhändler Deutſchlands, e. V.,
veranlaßt, auf ſeiner letzten Generalverſammlung eine
Entſchließung zu faſſen, welche nunmehr an die
Regierun=
gen des Deutſchen Reiches ſowie ſämtlicher deutſcher
Bun=
desſtaaten, an die Verwaltungen aller größeren deutſchen
Städte, ſowie an ſämtliche deutſchen Handelskammern und
Hypothekenbanken zum Verſand gekommen iſt. Die
Ent=
ſchließung lautet:
Der Verband vereinigter Baumaterialienhändler
Deutſchlands, e. V., erblickt in dem gegenwärtigen
Not=
ſtande auf dem Bau= und Immobilienmarkte eine Gefahr
für das geſamte deutſche Wirtſchaftsleben. Der Verband
bittet daher dringend die verbündeten Regierungen des
Reiches und die Kommunen, auf Mittel zu ſinnen, um den
Grundbeſitz ſteuerlich zu entlaſten. Der Verband richtet
ferner an die verbündeten Regierungen des Reiches die
Bitte, die geſetzlichen Maßnahmen zur Beſchränkung der
Miets= und Zinszeſſionen zu beſchleunigen und
Unzu=
länglichkeiten des Zwangsverwaltungs= und
Zwangsver=
ſteigerungsverfahrens zu beſeitigen. Alle dieſe Verhältniſſe
haben dazu geführt, daß ſich das Privatkapital für zweite
Hypotheken ganz vom Baumarkte zurückzieht und ſelbſt
erſte Hhpotheken nur ſehr ſchwer und teuer zu erhalten ſind.
Zur Beſeitigung dieſes Notſtandes iſt die Hilfe der
ver=
bündeten Regierungen des Reiches und der Kommunen
dringend erforderlich Der Verband bezeichnet es im
übri=
gen als eine unbedingte Notwendigkeit, auf die Hypo=
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Nummer 194.
thekenbanken in dem Sinne einzuwirken, daß ſie den
wirt=
ſchaftlichen Verhältniſſen Rechnung tragen und von
er=
ſchwerenden Bedingungen bei der Rückforderung fälliger
Hypotheken durch Zinsſteigerungen und Proviſionen
Ab=
ſtand nehmen, damit nicht auch ferner viele Hausbeſitzer
und Gläubiger zweiter Hypotheken zugrunde gerichtet
wer=
den. Der Verband vereinigter Baumaterialienhändler
Deutſchlands, e. V., beauftragt den Vorſtand, durch
ge=
eignete Maßnahmen auf Abſtellung der geſamten
Miß=
ſtände hinzuwirken, damit auf dem Baumarkt bald wieder
geſunde, dem geſamten deutſchen Wirtſchaftsleben
erſprieß=
liche Verhältniſſe Platz greifen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn und Serbien.
Oeſterreichs Beziehungen zu Serbien.
Im Abgeordnetenhauſe beantwortete Miniſterpräſident
Graf Tisza die Interpellation, betreffend die
Bezie=
hungen zu Serbien. Der Miniſterpräſident führte
aus, die Beziehungen zu Serbien müßten geklärt werden.
Er könne ſich, da die Frage noch in der Schwebe ſei, über
die Methode noch nicht definitiv äußern. Er wolle nur
im allgemeinen ſagen, daß die verantwortlichen Faktoren
ſich deſſen bewußt ſind, welche Intereſſen ſich an die
Er=
haltung des Friedens knüpften. Die ſchwebende
Ange=
legenheit müſſe nicht unbedingt zu kriegeriſchen
Ent=
ſcheidungen führen. Doch ein Staat, welcher den Staat
nicht als die ultima ratio betrachte, könne ſich als Staat
nicht behaupten. Der Miniſterpräſident widerlegte die
Auffaſſung, als ob die Zuſtände in Bosnien revolutionär
ſeien und als ob außerordentliche Maßnahmen
getrof=
fen werden müßten. Allerdings werde eine großſerbiſche
Agitation betrieben, der mit aller Energie
entgegenge=
treten werden müſſe. Auf die Interpellation des
Gra=
fen Apponyi, betreffend die Lage der öſterreichiſch=
unga=
riſchen Staatsbürger in Belgrad, ſagte der
Miniſterpräſi=
dent: Unſer Geſandter Giesl erhielt alarmierende
Nach=
richten, die ernſt erſchienen, ſo daß die ſerbiſchen
Behör=
den von ihm erſucht wurden, Vorſichtsmaßregeln zu
tref=
fen. Doch bewahrheiteten ſich die alarmierenden
Nach=
richten glücklicherweiſe nicht. An der Haltung der
Bel=
grader Bevölkerung iſt nicht wahrzunehmen, daß ſie
be=
abſichtigt, irgend welche feindſeligen Kundgebungen
auszuführen. Die beiden Antworten des
Miniſterpräſiden=
ten wurden von dem Hauſe zur Kenntnis genommen.
Die Londoner Times veröffentlichen einen
Leitartikel über „Oeſterreich=Ungarn und Serbien”.
Wäh=
rend offiziell die Haltung der beiden Regierungen
kor=
rekt ſei, heißt es darin, ſei die Preſſe der beiden Länder
in eine Kampagne eingetreten, die zu wirklich
unheilvol=
len Folgen führen könne. Das Blatt verzeichnet mit
Ge=
nugtuung, daß die große Mehrheit der verantwortlichen
Zeitungen in Oeſterreich dem Beiſpiel des Kaiſers folgte,
von der Mordtat in Serajewo mit Beſonnenheit und
Zu=
rückhaltung zu ſprechen. Sie verlangt mit vollem Recht
eine gründliche Unterſuchung aller Umſtände des
Ver=
brechens, ſowie der Natur und der Verzweigung der
Ver=
ſchwörung, die unzweifelhaft dahinterſtehe. Die Blätter
fordern auch eine gebührende Beſtrafung der Schuldigen.
Ferner beſtehen ſie darauf, daß Oeſterreich=Ungarn
wirk=
ſame Garantien gegen die Unterſtützung aufrühreriſcher
Bewegungen in der Monarchie durch ſerbiſche Untertanen
erhält. Hierin ſtimmen wir alle überein, ſagen die
Times, und dies iſt eine Pflicht, die die Serben ſich ſelbſt
ſchuldig ſind, und der ſie auch nachkommen werden. Das
Blatt fährt fort, daß die rückſichtsloſe und provozierende
Sprache vieler ſerbiſcher Blätter vor und nach der
Mord=
tat Europa empört und die Sympathie der ziviliſierten
Welt abgewendet habe. Der weiſe und ehrenvolle Kurs
für Serbien ſei, aus eigener Initiative die Unterſuchung
vorzunehmen und einen vollſtändigen Bericht den
Mäch=
ten vorzulegen. Andererſeits müßte Oeſterreich=Ungarn
eingedenk ſein, daß die ſüdſlawiſche Frage, von der die
Beziehungen zu Serbien einen Teil bildeten, in einer
für die Monarchie befriedigenden Weiſe nicht durch
Ge=
walt oder durch Drohungen mit Gewalt gelöſt werden
könne. Jeder Verſuch in dieſer Richtung werde eine neue
Gefahr für den europäiſchen Frieden bilden. Bisher habe
Oeſterreich=Ungarn mit Selbſtbeherrſchung und
Zurück=
haltung gehandelt und es ſei ernſtlich zu hoffen, daß es
bis zum Schluß darin fortfahren werde.
Frankreich.
Präſident Poincaré iſt in Begleitung des
Miniſterpräſidenten Viviani geſtern um Mitternacht nach
Dünkirchen abgereiſt, von wo aus er ſich zu Schiff nach
Rußland begeben wird.
Die Heereskommiſſion der Kammer
hat fünf ihrer Mitglieder dazu beſtimmt, ſich der
Heeres=
kommiſſion des Senats anzuſchließen. Die Kammer
ver=
öffentlicht die Liſte der Mitglieder, die mit der Prüfung
des Kriegsmaterials beauftragt worden ſind. Es ſind
die Abgeordneten Girod, Treignier, Jaurés, Accambriag
und General Pedoya.
Die infolge der Enthüllungen des
Senators Humbert eingeſetzte
Unter=
kommiſſion des Heeresausſchuſſes des Senats hielt
eine Sitzung ab, in der ſie ihr Arbeitsprogramm
auf=
ſtellte und insbeſondere über die an Ort und Stelle
vor=
zunehmenden Beſichtigungen Beſchluß faßte. Die mit
derſelben Aufgabe betraute Unterkommiſſion des
Heeres=
ausſchuſſes der Kammer, deren Mitglieder General
Pe=
doya, Accambriag, Girod, Treignier und Jaurés
durch=
weg entſchiedene Gegner des Dreijahrgeſetzes ſind, dürfte
durchaus unabhängig von der Unterkommiſſion des
Se=
nats zu Werke gehen. Jaurés erklärte einem
Berichter=
ſtatter, daß das Kriegsminiſterium ſeiner
Unterkommiſ=
ſion die Arbeit erleichtern werde, und fügte ironiſch
hin=
zu, daß er vor allem wiſſen möchte, was die Feſtungen
in der Rue Saint Dominique — der Sitz des
General=
ſtabs — enthalten.
England.
Das Oberhaus hat die Bill, betreffend die
Ab=
ſchaffung der Pluralwahlſtimmen, die zum zweiten Male
unter der Parlamentsakte an das Oberhaus verwieſen
war, mit 119 gegen 49 Stimmen abgelehnt.
Der „Ulſterkönig” Carſon wurde mitten in
einer Truppenübung durch eine dringende Depeſche aus
Weſtminſter Donnerstag nacht nach London gerufen. Die
eilige Berufung Carſons durch die Regierung wird
all=
gemein als ein gutes Zeichen für die friedliche Einigung
gehalten.
Rußland.
Der erſte Rat Arzimowitſch iſt zum
Ge=
hilfen des Miniſters des Aeußern ernannt worden.
Bulgarien.
Die Anleihe. In der Sobranje ſollte die
Ver=
handlung der Anleihe beginnen. Bei Beginn der Sitzung
verlas der Führer der Radikalen Tſanow im Namen der
geſamten Oppoſition eine lange Erklärung, welche mit den
Worten ſchließt, daß die Oppoſition die Anleihe als
entehrend und unheilvoll für das Land erachte, das
kei=
nerlei Vorteile für die zahlreichen überaus ſchweren
Laſten, die ſich aus der Kreditoperation ergäben, erhalte.
Die geſamte Oppoſition proteſtiere gegen die
Gewäh=
rung der Ausbeutung der Kohlenminen, die einen
ſchwe=
ren Schlag für die heimiſche im Entſtehen begriffene
In=
duſtrie bedeute, und erkläre, daß die Unterzeichnung
der=
artiger Verträge durch den bulgariſchen Miniſter ein
Ver=
brechen an der Würde und dem Kredit Bulgariens
be=
deute, angeſichts der Möglichkeit, die Anleihe anderswo
zu günſtigeren Bedingungen ohne wirtſchaftliche Opfer
und Konzeſſionen oder politiſche Verpflichtungen aufzu=
nehmen. Die Vorlage derartiger Verträge in der
So=
branje ſei eine Herausforderung des bulgariſchen Volkes,
ihre Genehmigung ein gefährlicher Eingriff in die
fi=
nanzielle und wirtſchaftliche Unabhängigkeit des Landes,
ſowie der Beginn der Unterwerfung unter fremde
Staa=
ten. Die Verleſung der Erklärung wurde von ſtürmiſchen
Proteſtrufen der Abgeordneten der Mehrheitspartei
un=
terbrochen. Der Führer, der reformiſtiſchen Sozialiſten
verlas eine Erklärung, in welcher die Regierung
beſchul=
digt wird, daß ſie beabſichtige, durch die Gewährung der
Konzeſſion für die Hafenbauten in Portolagos und
durch die Ausbeutung der Gruben zu Pernik und
Bobov=
dol Fremde ins Land kommen zu laſſen. Während der
Verleſung herrſchte ein immer mehr anwachſender Lärm.
Schließlich verlas Blagoeff, der Führer der doktrinären
Sozialiſten, gleichfalls eine Erklärung, die in demſelben
Sinne gehalten war. Während der Verleſung der
Er=
klärung kam es zu einem Zwiſchenfall. Als Blagoeff
er=
klärte, er proteſtiere dagegen, daß die ruſſiſche
Geſandt=
ſchaft durch die Veröffentlichung des Communiqués über
die Anleihefrage ſich in die inneren Angelegenheiten
ein=
miſche, begann die Majorität lebhaft zu applaudieren.
Der Unterrichtsminiſter Peſcheff rief, indem er auf die
Demokraten hinwies: Sie ſind es, denen man dieſe
Aeußerungen der ruſſiſchen Preſſe zu verdanken hat, von
der Sie Ihre Aufträge erwarten. Als der Führer der
Demokraten heftig dagegen proteſtierte, erwiderte der
Un=
terrichtsminiſter, Malinow ſei ein Fremder. Auf dieſe
Worte hin erhob ſich ſchreiend die geſamte Oppoſition.
Malinow rief dem Miniſter zu: Feigling! Die
Abge=
ordneten ſchlugen auf die Pulte. Wegen des ungeheuren
Lärmes unterbrach der Präſident die Sitzung. Nach
ihrer Wiederaufnahme dauerte der Lärm in der gleichen
Heftigkeit fort, ſo daß die Sitzung nochmals geſchloſſen
werden mußte. Die Oppoſition beſchloß, die Verhandlung
der Vorlage um jeden Preis zu verhindern.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 17. Juli.
* Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herre
ſchaften mit dem: Erbgroßherzog und dem
Prinzen Ludwig begaben ſich Mittwoch 2½ Uhr
nachmittags mit Gefolge im Auto nach Bad Nauheim
und wohnten im Kurhaus der Aufführung der Elizabeth
Duncan=Schule zum Beſten des Alice=Frauen=Vereins
Darmſtadt an. Die Prinzen kehrten um 8¼ Uhr abends
nach Jagdſchloß Wolfsgarten zurück, während die
Groß=
herzoglichen Herrſchaften um 11¼ Uhr daſelbſt
ein=
trafen. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihungen. Der Großherzog hat
dem Oberingenieur Wilhelm Kitz zu Guſtavsburg die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Maj. dem König von Preußen verliehenen Roten
Adler=Ordens 4. Klaſſe erteilt und dem Branddirektor
Jean Scholl in Bingen das Ritterkreuz 2. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Ernannt wurden der Amtsgerichtsdiener bei dem
Amtsgericht Wald=Michelbach Reinhard Lehmann
zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Bad
Nau=
heim mit Wirkung vom Tage des Dienſtantritts ſeines
Nachfolgers und der Gefangenaufſeher am
Landeszucht=
haus Marienſchloß Friedrich Schneider zum
Amts=
gerichtsdiener bei dem Amtsgericht Wald=Michelbach mit
Wirkung vom 1. Auguſt 1914.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 9
vom 16. Juli hat folgenden Inhalt: 1. Oeffentliche
Anerkennung. 2. Vekanntmachung, die Ergebniſſe aus
der Rechnung der Staatsſchuldenverwaltung für das
Etatsjahr 1911 betreffend. 3. Bekanntmachung, den
Ausſchlag des Gehalts des Rabbinen zu Bingen für
das Jahr 1914 betreffend. 4. Ueberſicht über die in den
Gemeinden des Kreiſes Offenbach zu erhebenden
Ge=
meindeumlagen für das Rechnungsjahr 1914. 5. Ueberſicht
über die in der Stadt Offenbach zu erhebenden
Ge=
meindeſteuern für das Rechnungsjahr 1914. 6. Ueberſicht
über die in den Gemeinden des Kreiſes Oppenheim zu
erhebenden Gemeindeumlagen für das Rechnungsjahr
1914. 7. Ueberſicht über die in der Stadt Bingen zu er=
Ricarda Huch.
Zu ihrem 50. Geburtstag, 18. Juli.
Von Dr. Paul Landau.
Ww. Wenn die deutſche Frauenbewegung einen
Namen auf ihre Fahne ſchreiben wollte, dann müßte es
der dieſer Frau ſein. Nicht daß ſie beſonders gekämpft
hätte für das Recht des ſchwächeren Geſchlechts, für die
Gleichſtellung mit dem Manne; im Gegenteil, ihr Werk
iſt das weiblichſte, das je eine große Dichterin geſchaffen.
Aber allein durch ihr Daſein wirkt ſie mehr als tauſend
Vereine; ihre Bücher verkünden herrlich die
Sieges=
kraft des Weibes, beſchämen die Männer, die nichts
Gleich=
wertiges ihnen zur Seite ſtellen können, offenbaren eine
Harmonie von Seeleninbrunſt und Geiſtesklarheit, von
leidenſchaftlicher Hingabe und ſtolzeſter Selbſtzucht, wie
ſie einzig daſteht in unſerer Zeit. Wir wollen nicht den
müßigen Streit heraufbeſchwören, ob Ricarda Huch der
größte heute lebende deutſche Dichter ſei. Manche, und
nicht die ſchlechteſten Beurteiler, glauben es. Mögen
an=
dere, männliche Bewerber um dieſen Rang begabter ſein,
mögen ſie heißer mit den Rätſeln des Lebens ringen,
hel=
denhafter den Geiſt unſerer Zeit erfaſſen; ihr Weg ging
abwärts, ihr Schickſal iſt ein Erliegen und Ermatten, eine
Niederlage, wenn auch die eines Heros. Der Weg dieſer
Frau ging empor, immer ſteiler der Sonne zu, der
Voll=
ndung entgegen. Unendlich viel Schönes, eine
verſchwen=
deriſche Fülle der Poeſie hat ſie auf dieſer Bahn geſpendet.
Aber ſie wurde zugleich zu einem Pfad der härteſten
Ar=
beit, der zäheſten Entſagung und Erziehung. Nun ſteht
die Künſtlerin allein auf dem goldenen Triumphbogen,
den ſie zwiſchen Wirklichkeit und Traum in den Himmel
geſchlagen, und bewundernd und ſtaunend, mißverſtehend
und nicht verſtehend auch, blickt die Mitwelt zu ihr empor.
Wäre Ricarda Huch ein Knabe geweſen, ſo wäre ſie
wohl früher zu Studium und Dichten gekommen. Die
mehr als 20 Bände, die wir heute von ihr beſitzen,
ſtam=
men alle aus der zweiten Hälfte ihres 50jährigen Daſeins.
So manche Kämpfe muß die Braunſchweiger
Patriziers=
tochter durchgemacht haben, bevor ſie in ihrem
dreiund=
zwanzigſten Jahre zum Studium nach Zürich zieyen
durfte, erlöſt von der prunkvollen Schwere und der
vor=
nehmen Enge einer bürgerlichen Kulturſphäre, wie
Mi=
chael Unger, der Held ihres ſicherlich viel
Autobiographi=
ſches enthaltenden Romans „Vita somnium breve”. Von
entſcheidender Wirkung iſt dieſer mehrjährige Schweizer
Aufenthalt auf ihre Entwickelung geweſen. Hier hat ſie
in tüchtiger hiſtoriſcher Gelehrtenarbeit den Grund für
ihr gewaltiges geſchichtliches Wiſſen gelegt, das ſie ſogar
ſpäter durch die entſagungsvolle und ſchwierige
Heraus=
gabe einer Urkundenſammlung vertiefte; hier hat ſie die
Kunſt der großen Schweizer Poeten tief durchlebt, an die
ſie zunächſt in ihrem eigenen Dichten anknüpfte. Ihre
dramatiſchen Erſtlinge, gleichſam Präludien ihres
eigent=
lichen Schaffens, ihr erſter Gedichtband (1891), ſie ſtehen
deutlich in ihrem ſtiliſierenden Pathos, in ihrer
gedämpf=
ten Formenfülle unter dem Stern Conrad Ferdinand
Meyers; ihr früheſter Roman, Erinnerungen von Ludolf
Ursleu, dem Jüngeren” aber, durch den ſie mit einem
Schlage berühmt wurde, zeigt in der wundervollen
Rhyth=
mik ihrer Proſa, in dem bunten Bilderreichtum, wie in
manchen ſpielenden Arabesken aufs klarſte das Vorbild
Gottfried Kellers.
Das Renaiſſancedrama „Evoé” (1892) dringt mit
ſei=
nem bacchantiſchen Hymnus an den Rauſch des Lebens
jedoch ſchon über den bedächtigeren Kreis der Schweizer
hinaus, wie auch die lyriſch reich blühende Wirrnis des
entzückenden Märchenſpiels „Dornröschen” ſich in den
Traumtänzen ausgelaſſener Romantik verliert. Im „
Urs=
leu” (1893) iſt die Allgewalt einer ekſtatiſch beglückenden
düſter vernichtenden Leidenſchaft mit ſchrankenloſer
Ein=
ſeitigkeit dargeſtellt. Ricarda Huch iſt lange Zeit für das
Publikum nur die Dichterin dieſes Buches geweſen; trotz
aller Genialität des frühreifen Meiſterwerkes ſehr zu
Un=
recht, denn die künſtliche Ruhe und Geſchloſſenheit des
Chronikſtils verleiht den Geſtalten etwas Unwirklich=
Maskenhaftes, und die Dichterin mußte erſt dieſe
über=
nommene Form zerſchlagen, um eine originale, organiſch
gewachſene Geſtalt für ihre Werke zu gewinnen. Wie ein
Erholen und Verſuchen muten die Novellen=Bände an,
die folgten, auch ſie noch Kellers Weſensart fortſpinnend,
bald phantaſtiſch=barock, wie manch Gebilde des „
Sinn=
gedichts” („Mondreigen von Schlaraffis”), dann
graziös=
ironiſch, voll ſchalkhaften Humors, eine Tonart, in der
ſie ſpäter, in den juwelenhaft ſchillernden „Seifenblaſen”
und dem gravitätiſch=komiſchen „Hahn von Quakenbrück”,
ihre Höhepunkte erreichte, oder hiſtoriſch=pſychologiſch, wie
in „Fra Celeſte” oder der eigenartigen Neudichtung des
„armen Heinrich”. Mit übermütiger Luſt und genialer
Ungebundenheit tummelt ſie ſich in den reichen Irrgärten
der Neu=Romantik, während ſie gleichzeitig in ernſteſter
Forſchung ein meiſterhaft objektives Bild der alten
Ro=
mantik erſtehen ließ. Mit ihren beiden Bänden „
Blüte=
zeit” und „Ausbreitung und Verfall der Romantik” (1899,
1902) hat Frau Huch ein literargeſchichtliches
Standard=
werk geſchaffen, das der Wiſſenſchaft neue Wege wies in
den wundervollen Charakteriſtiken des erſten Teils und der
Erſchließung eines vorher kaum geahnten romantiſchen
Weltbildes im zweiten Teil. So ſtand Ricarda um die
Jahrhundertwende da: als ein Dichter von Gottes
Gna=
den und als eine wiſſenſchaftliche Größe erſten Ranges,
der kein Profeſſor ebenbürtig war. Das neue
Jahrhun=
dert ſollte die Verſchmelzung und innerliche Durchdringung
dieſer beiden getrennten Mächte bringen.
Ihr zweiter großer Roman, der 1901 bei Eugen
Diede=
richs erſchien — die anderen wichtigen Werke hat jetzt der
Inſel=Verlag — ſind die „Lebensſkizzen” „Aus der
Triumphgaſſe” Auch hier iſt noch ein fremder, männlicher
Erzähler vorgeſchoben, und in ſeiner warmherzig
anteil=
nehmenden, dennoch vornehm egoiſtiſchen Art dem
ungeheu=
ren Elend des Armengäßchens fein gegenübergeſtellt. Aber
viel gewaltiger als im „Ursleu” bricht hier das
Empfin=
den der Dichterin hervor, und durch dieſe perſönliche Glut
wird die lange Reihe der Figuren und Epiſoden zu einem
unvergeßlichen Bilde menſchlichen Jammers und Elends
zuſammengeſchweißt, über dem ſich in leuchtender Schöne
der Triumphbogen der Phantaſie wölbt. Nie iſt die enge
Dumpfheit der armen Leute, der Verkommenen und
Aus=
geſtoßenen, verklärter dargeſtellt worden, als in dieſem
Ausſchnitt aus dem Armenviertel von Trieſt. Verklärt
und doch wahr bis zur Grauſamkeit. Die Dichterin
be=
ichtet klar und kalt entſetzliche Verbrechen, furchtbare Nöte,
widrigſte Häßlichkeit; aber ſie läßt uns keinen Augenblick
vergeſſen, daß alles Aeußere nichts iſt gegen das
Helden=
um der Seele und die Wunder der Phantaſie. Sie macht
ihre Krüppel und Bettler zu Heroen und wirft den
Pur=
purmantel der lateiniſchen Raſſe, der erhabenen Volks=
Nummer 194.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Seite 3.
hebenden Gemeindeumlagen für das Rechnungsjahr
1914. 8. Ueberſicht der von Großh. Miniſterium des
Innern für das Rechnungsjahr 1914 genehmigten
Um=
lagen zur Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe der
iſraelitiſchen Religionsgemeinde Worms. — 9. Ueberſicht
über die in den Gemeinden des Kreiſes Schotten zu
er=
hebenden Gemeindeumlagen für das Rechnungsjahr 1914.
10. Charaktererteilungen.
* Die Reifeprüfung an den Gymnaſien. Mit
Ermächtigung des Großherzogs vom 4. Juli 1914 hat
Großh. Miniſterium des Innern beſtimmt, daß dem
Abſatze 1 des § 17 der Verordnung, betreffend die
Reife=
prüfung an den Gymnaſien vom 18. Januar 1893,
folgender Zuſatz beigefügt wird: „In dem Falle, daß
der Inhaber des Reifezeugniſſes eines deutſchen
Real=
gymnaſiums nach dem Ausweis dieſes Zeugniſſes als
Schüler des Realgymnaſiums ſowohl in den
Klaſſen=
leiſtungen als auch in der Reifeprüfung den
Anfor=
derungen im Lateiniſchen ohne jede Einſchränkung
ge=
nügt hat, iſt bei ihm von einer beſonderen Prüfung
in dieſem Fache abzuſehen.‟ — Dieſem Zuſatze iſt lt.
„Darmſt. Ztg. rückwirkende Kraft vom Juli 1912
ver=
liehen worden.
* Der Miniſter des Innern von Hombergk zu
Vach hat einen mehrwöchigen Erholungsurlaub
ange=
treten.
* Kommando zum Militär=Reit=Inſtitut. Die in Nr.
93 des Mil.=Wochenbl. veröffentlichte Liſte der zum
In=
formationskurſus für Stabsoffiziere der Kavallerie zum
Militär=Reit=Inſtitut kommandierten Offiziere erhält
fol=
gende Veränderungen: Für den erkrankten Major v.
Teichman u. Logiſchen vom Drag.=Regt. 24 iſt der
Major Freiherr v. Bellersheim vom Drag.=Regt.
Nr. 23 kommandiert.
g. Ferienſtrafkammer. Der Körperverletzung und des
Verbrechens nach § 176,3 Strafgeſetzbuch war der 35
jäh=
rige Friſeur Wilhelm Neuhaus von hier angeklagt.
Er wird nach nichtöffentlicher Verhandlung nur wegen
Körperverletzung zu 6 Mark Geldſtrafe eventl. 1 Tag
Gefängnis verurteilt. — Der Drehermeiſter Karl
Meißenbach von Niedernhauſen i. O., hatte ein
Straf=
mandat erhalten, weil an einem Sonntag ſein Geſelle in
der Werkſtatt gearbeitet haben ſollte. Er gibt an, er ſelbſt
habe gearbeitet und ſein Geſelle habe nur die Hobelbank
gereinigt, wozu er am Tage vorher keine Zeit gehabt
habe. Das Schöffengericht hatte auf Freiſprechung
er=
kannt, weil eine Arbeit nicht vorliege. Die
Staatsanwalt=
ſchaft legte hiergegen Berufung ein, doch erkannte auch die
Strafkammer auf Freiſprechung, weil in dem Strafbefehl
der Name des Geſellen mit dem bei dem Bruder des
An=
geklagten beſchäftigten Geſellen verwechſelt worden
war. — Der 26jährige Händler Peter Zörgiebel von
Unter=Moſſau hatte von zwei Mannheimer Händlern
innerhalb 14 Tagen etwa 25 Zentner Honig bezogen, den
er anſcheinend verſchleuderte. Nach Eröffnung des
Kon=
kurſes über ſein Geſchäft ging er mit einem Mädchen nach
London, kehrte jedoch nach 3 Wochen zurück. Wegen
Be=
trugs hatte ihn das Schöffengericht zu 3 Wochen
Ge=
fängnis verurteilt, da er in dem Beſtellſchreiben ſagte,
er würde in 3 Wochen zahlen können, da das Geſchäft gut
ginge, wodurch ſich der Lieferant zu weiterer Lieferung
beſtimmen ließ. Die Ferienſtrafkammer verwarf
geſtern=
die von ihm eingelegte Berufung.
g. Kriegsgericht. Der aus Lützel=Wiebelsbach
ſtam=
mende Dragoner Jakob Schnell bacher vom Drag.=
Regiment Nr. 23 entfernte ſich am 28. Juni von ſeinem
Truppenteil, als er vom Wachtmeiſter zur ärztlichen
Unterſuchung geſchickt wurde, weil er eine 4wöchige ſtrenge
Arreſtſtrafe antreten ſollte. Er trieb ſich bis zu ſeiner am
8. Juli erfolgten Verhaftung in Darmſtadt umher und
verübte während dieſer Zeit zwei Zechprellereien, durch
die zwei Wirte um 65 und 61 Pfennig geſchädigt wurden.
Der eine Fall ſcheidet jedoch aus, da der Wirt erklärte,
dem armen Soldaten auch in Kenntnis der
Mittelloſig=
keit etwas gegeben zu haben. Das Gericht verurteilte den
Angeklagten wegen unerlaubter Entfernung, Zechbetrugs
und Angabe eines falſchen Namens bei ſeiner Feſtnahme
zu 3 Monaten und 1 Tag Gefängnis und 3 Tage
Haft, ſowie Verſetzung in die zweite Klaſſe des
Soldaten=
ſtandes. 1 Tag Gefängnis und 3 Tage Haft wurden als
durch die Unterſuchungshaft für verbüßt erachtet.
Wegen Fundunterſchlagung erhält der bei der 1. Batterie
des Artillerie=Regiments Nr. 61 dienende Kanonier Karl
Joſef Martin aus Kirchheimbolanden 3 Wochen
Mittelarreſt. Er hatte auf der Mannſchaftsſtube
3 Paar Strümpfe, ein Meſſer und ein leeres
Porte=
monnaie gefunden und für ſich behalten.
* Der Leibchauffeur des Großherzogs. Ein
bemer=
kenswertes Jubiläum konnte in dieſen Tagen Herr
Hof=
chauffeur Georg Laun hier feiern. Derſelbe
ver=
ſieht nunmehr ſeit 10 Jahren ununterbrochen ſein
verant=
wortungsvolles Amt als Leibfahrer im Dienſte Sr. Kgl.
Hoheit des Großherzogs. Man kann ſich einen Begriff
von ſeiner Tätigkeit machen, wenn man bedenkt, daß der
Großherzog in dieſen zehn Jahren rund eine
Viertel=
million Kilometer im Automobil zurücklegte, und ſich dabei
ſtets der treuen und zuverläſſigen Führung Launs
be=
diente. Auch eine große Zahl hervorragender Gäſte
wurde in dieſer Zeit unter Herrn Launs Leitung in den
Großh. Automobilen befördert, an erſter Stelle Se.
Maje=
ſtät der Zar von Rußland, welcher ihn wiederholt durch
ehrenvolle Anerkennungen auszeichnete. Der Großherzog
ſelbſt ſetzt großes Vertrauen in ſeinen Leibfahrer, welcher
auch ſeinerzeit die Ehre hatte, ſeinen hohen Herrn in der
Lenkung eines Automobils zu unterweiſen. Da der
Großh. Wagenpark aus lauter ſehr ſchnellen, vielſitzigen
Automobilen beſteht, ſo darf es als ein Beweis für die
hervorragende Tüchtigkeit Launs angeſehen werden, daß
ſich in ſeiner langen Dienſtzeit noch kein einziger
nennens=
werter Unfall bei ſeinen Fahrten ereignete.
* Die Feſtveranſtaltungen der vereinigten Darmſtädter
Krieger= und Militärvereine im Großh. Orangeriegarten
nehmen am Samstag abend ihren Anfang. Den
Glanz=
punkt des Abends bildet die Aufführung des
vaterländi=
ſchen Feſtſpiels von H. Enders „Armin, der
Be=
freier” das abends 8 Uhr zum erſten Male auf der
Naturbühne des Orangeriegartens zur Darſtellung
ge=
langt und mit allgemeiner Spannung erwartet wird. Da
nur eine beſchränkte Anzahl von Sitzplätzen vorhanden
iſt, ſo empfiehlt es ſich, ſolche im Vorverkauf in der
Muſi=
kalienhandlung von Arnold, Wilhelminenſtraße 9, zu
ent=
nehmen; auch an den beiden Abendkaſſen werden eventl.
noch Karten für Sitzplätze ausgegeben. Die Beteiligung
an den verſchiedenen Feſtlichkeiten verſpricht auch von
aus=
wärts eine außerordentlich ſtarke zu werden. Viele der
auswärtigen Krieger= und Militärvereine treffen bereits
im Laufe des Samstags hier ein und nehmen für die
drei Tage Quartier, ſo daß ſich während dieſer Zeit,
be=
ſonders im Beſſunger Stadtteil, ein lebhafter Verkehr
ent=
wickeln wird. Die Bevölkerung der Reſidenzſtadt wird
es ſich jedenfalls auch nicht nehmen laſſen, den feiernden
Darmſtädter Korporationen und den vielen hierher
kom=
menden kameradſchaftlichen Vereinigungen durch reichen
Fahnenſchmuck ein berzliches Willkommen
entgegen=
zurufen. Es würde damit zugleich ein äußeres Zeichen
dafür gegeben ſein, daß die Bevölkerung an den mit
gro=
ßen Opfern und Mühen vorbereiteten Feſtveranſtaltungen
freudigen Anteil nimmt und daß die vaterländiſche
Ge=
ſinnung und der nationale Gedanke in der
Landeshaupt=
ſtadt noch immer tiefe Wurzeln hat. An dem großen
Feſt=
zug am Sonntag nachmittag 2½ Uhr werden ſich auch
ſämtliche zur Feier hier anweſenden Krieger= und
Mili=
tärvereine aus der näheren und weiteren Umgebung mit
ihren Fahnen beteiligen. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzogk wird den Feſtzug vorausſichtlich am Denkmal
Lud=
wigs IV. vor dem Reſidenzſchloß abnehmen. Da an den
beiden Tageskaſſen zu beſtimmten Stunden ein ſtarker
Andrang ſtattfinden wird, iſt es ratſam, die Tageskarten
à 50 Pfg. und die Dauerkarten für 1 reſp. 2 Mk. möglichſt
ſchon an den bekannten Vorverkaufsſtellen zu entnehmen.
* Geſangverein Liederzweig. Das Sommerfeſt des
Liederzweig findet nächſten Sonntag, den 19. Juli,
nach=
mittags, in den Räumen des Schützenhofes ſtatt. Außer
Konzertnummern einer Abteilung der Kapelle des Art.=
Regt. Nr. 61 wird der Chor einige Chöre vortragen. Zum
Gedächtnis des vor kurzem verſtorbenen Schweizer
Män=
nerchor=Komponiſten, Karl Attenhofer, wird deſſen
popu=
lärſtes Werk: „Dort liegt die Heimat mir am Rhein” zur
Aufführung gelangen. Weiter ſind vorgeſehen: Chöre von
Sonnet, Pauli, Schauß und der bekannte Chor: „Friedrich
Rotbart” mit Orcheſterbegleitung von Podbertsky, der am
Samstag in dem Konzert auf der Ausſtellung ſo großen
Erfolg hatte. (Näheres Programme und Anzeige.)
* Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darmſtadt.
Man ſchreibt uns verſpätet: Zur 4. Wanderung hatten
ſich 120 Wanderer am Hauptbahnhof eingefunden. Kurz
nach ½9 Uhr war Hofheim a. T. erreicht. Nach einer
hal=
ben Stunde war der Kapellenberg mit ſchattigem Wege
er=
ſtiegen und von hier ging es auf ſchönem, ſchattigen
Wald=
höhenweg am Meiſterturm vorbei über den Lorsbacher
Kopf nach der Gundelhand, einem alkoholfreien
Reſtau=
rant, woſelbſt im Walde kurze Frühſtücksraſt gehalten
wurde. Kurz nach 11 Uhr war der Staufen erreicht, von
deſſen Ausſichtsturm ſich ein herrlicher Rundblick auf
das Lorsbacher Tal, die nähere und weitere Umgebung
von Eppſtein bot. Von der Felſenterraſſe oberhalb des
Kaiſertempels genoß man dann einen entzückenden Blick
auf Eppſtein, die Perle des Taunus. Um 12 Uhr war
Epp=
ſtein erreicht, wo in der Reſtauration „Zur Oelmühle‟
längere Raſt gehalten wurde. Auf ſchattigem Wege
längs des Fiſchbachtales gelangte man nach Fiſchbach und
von da auf recht ſonnigen Wegen über Hornau nach dem
Endziel Bad Soden. In der Reſtauration von Weigand
wurde der übliche Kaffee mit Kuchen eingenommen und
nach Beſichtigung der Kuranlagen wurde die Rückreiſe
nach der Reſidenz angetreten, wo man kurz nach ½9 Uhr
eintraf. Wenn auch die Sonne am Nachmittag ihre
ſen=
genden Strahlen auf die wackeren Wanderer wirken ließ,
ſo konnte dies der gemütlichen Stimmung doch keinen
Abtrag tun und allgemein waren die Wanderer von dem
Geſehenen höchſt befriedigt.
* Von den Trauerfeiern für den ermordeten
öſter=
reichiſchen Erzherzog in Oeſterreich und Deutſchland bringt
die neueſte Nummer 29 unſerer Tiefdruckbeilage „
Illu=
ſtrierte Wochenchronik” zahlreiche Aufnahmen und
ferner mehrere Photographien von den antiſerbiſchen
De=
monſtrationen in Serajewo. — Zum deutſchen Siege im
franzöſiſchen Automobil=Grand=Prix bringt das Heft
neben anderen Aufnahmen den Sieger Lautenſchlager in
ſeinem Mercedeswagen. Von Bildern vom Tage nennen
wir: Erzherzog Friedrich, der zum Generalinſpekteur der
öſterreichiſch=ungariſchen Armee ernannt wurde, General
Pollio, Generalſtabschef der italieniſchen Armee, der
in=
folge eines Schlaganfalls ſtarb den neuen
Fernſeh=
apparat, die ſehr intereſſante Erfindung des Dr. A. M.
Low, eine Aufnahme, die das Ausbooten europäiſcher
Freiwilliger für Albanien in Durazzo zeigt und den
Stapellauf des Luftfahrzeugs „Amerika” mit dem
Leut=
nant Porte den Ozean überfliegen will. Das
Strand=
leben am Berliner Wannſee und an der Nordſee ſchildern
vier ſehr hübſch von der photographiſchen Kamera
feſt=
gehaltene Badeſzenen. Für unſere Damen ſind in der
neuen Ausgabe mehrere eigenartige Modebilder und
andere die Damenwelt intereſſierende Aufnahmen
ent=
halten. Eine Novelle, „Das Hotel am Gauriſankar” die
drollige Geſchichte eines Films, bereichert textlich den
In=
halt der Nummer.
§ Feſtgenommen. Der Trompeter=Unteroffizier
Schwarz des Dragoner=Regiments Nr. 23, welcher ſeit
acht Tagen ſich von ſeinem Truppenteil entfernt hat, iſt
Dienstag nacht in der Obergaſſe, woſelbſt er mit einem
ſcharf geladenen Revolver einen Schuß abgab, von
einem Schutzmann feſtgenommen und an die
Kaſernen=
wache des Infanterie=Regiments Nr. 115 abgeliefert
worden.
* Konzerte. Hugenſchütz Felſenkeller. Das
heutige Freitagskonzert wird von der Kapelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 ausgeführt und iſt in der
Haupt=
ſache dem Andenken Theodor Körners gewidmet.
Ein gleiches Konzert wurde bereits voriges Jahr zur
Aufführung gebracht und fand ungeteilten Beifall. Der
übrige Teil des Programms iſt ebenfalls dem Geſchmacke
des Publikums angepaßt. (Siehe auch Anzeige.)
W Reinheim, 15. Juli. (Die kommende
Landtagswahl.) Bei den bis jetzt hier
ſtattge=
fundenen Vertrauensmännerverſammlungen für den
6. Wahlkreis Ober=Ramſtadt-Reinheim, dem die Orte
Asbach, Brensbach, Dilshofen, Ernſthofen, Frankenhauſen,
Georgenhauſen, Groß= und Klein=Bieberau,
Gundern=
hauſen, Habitzheim, Herchenrode, Webern, Nieder= und
Ober=Modau, Neutſch, Ober=Ramſtadt, Reinheim, Rodau,
Rohrbach, Roßdorf, Spachbrücken, Ueberau, Wembach
mit Hahn, Werſau und Zeilhard angehören, und deſſen
wohlverdienter und langjähriger Landtagsabgeordneter
Herr Bierbrauereibeſitzer Georg Schönberger in Groß=
Bieberau iſt, der ſeines hohen Alters wegen nicht mehr
kandidieren wird, wurden die Herren Oekonomierat
Fritſch zu Dilshofen und Likörfabrikant Ludwig Palmy
zu Gundernhauſen in Vorſchlag gebracht, die beide auch
die Kandidatur angenommen haben. Da noch ein
ſozial=
demokratiſcher und ein freiſinniger Kandidat zu erwarten
ſind, ſo wird vorausſichtlich die für Oktober vorgeſehene
Wahl eine recht rege werden.
Crumſtadt, 16. Juli. (Geſangverein
Germa=
nia.) Der Geſangverein „Germania” ſchließt das
lau=
fende Vereinsjahr mit einem am Samstag, den 18. Juli,
ſtattfindenden Familienabend. Der muſikaliſche Teil wird
von einer Künſtler=Kapelle ausgeführt. Der Verein kann
in dieſem Jahr auf eine Reihe erfolgreicher
Veranſtal=
tungen zurückblicken, die er zur Erinnerung an ſein 50
jähri=
ges Fahnen=Jubiläum abhielt. Von einem offiziellen
Feſt wurde in dieſem Jahre abgeſehen, da das Jahr 1916
das 75jährige Stiftungsfeſt des Vereins bringt.
Mainz, 16. Juli. (Ein Stadtſyndikus.) Die
Stadtverordneten beſchloſſen geſtern in nichtöffentlicher
Sitzung, einen Syndikus anzuſtellen, der der
Bürger=
neiſterei zwecks Entlaſtung von juriſtiſchen Arbeiten
bei=
gegeben werden ſoll.
Mainz, 16. Juli. (Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung.) Der in Kaſtel gewählte Stadtverordnete
Dyckerhoff wurde eingeführt und verpflichtet. Die Wahl
des Herrn Hirſchbiegel in Kaſtel war mit Erfolg ange=
dichtung, über ſie hin. So wird alles in Elanz und
Größe, in Feuer und Sonne getaucht und der Menſchheit
ganzer Jammer in Herrlichkeit geläutert. Noch reiner
ge=
lingt dies in dem innerlich weniger beſeelten, dichteriſch
ſchwungvolleren Roman „Von den Königen und der
Krone” in dem ſlawiſch=romaniſche Heldenſagen Leben,
Lieben und Sterben verkommener Sproſſen einer uralten
Herrſcherfamilie umklingen. Es ſind fabelhafte Orgien
des Gefühls, der Farbe und des Wortes, die ein
grandio=
ſes Talent in dieſen von Poeſie übervollen Büchern feiert,
und eine ähnliche üppige Verſchwendung herrſcht auch in
dem ſpäter „Michael Unger” getauften Roman Vita
somnium breve” der im realiſtiſchen Milieu zwar in die
Kreiſe des „Ursleu” zurückkehrt, aber in herrliche
Einzel=
heiten zerflattert und in dem Ringen des Helden um
Leben und Schönheit nur ein trübes, reſignierendes
Träu=
men darſtellt.
Der Stil der Ricarda hat in dieſen Werken an Glut
des Bekennens und Kraft des Kolorits der gehaltenen
Ruhe und dem ſilbrigen Grau des „Ursleu” gegenüber
unendlich gewonnen. Das Maleriſche, Bildhafte ihres
Schauens, das höchſte Anſchaulichkeit gewährt, iſt voll
ausgebildet. Zugleich iſt das lyriſche Element immer
ſtärker geworden und droht im brauſenden Strom die
Schranken der epiſchen Form zu zerſchellen. Das
bewei=
ſen auf dem Gebiet der Lyrik ihre „Neuen Gedichte” die
nichts mehr von der artiſtiſchen Bewußtheit der früheren
haben, ſondern inbrünſtige Liebesbekenntniſſe ſind von
echt weiblicher Hingabe und einer verzückten Myſtik, die
ihresgleichen nicht ſinden, die reifſte Liebeslyrik, die uns
eine Frau ſeit Sappho geſchenkt. Echt weiblich iſt auch
in ihren Romanen die Verehrung der äußeren Schönheit
der Helden, ihr Verliebtſein in Edzard, Michael und Lasko,
echt weiblich und die hymnenhaften Einlagen, die den
haſtigen Rhythmus ihres heißen Fabuliertalentes
unter=
brechen. Ihre Technik beſteht nun in einem
Aneinander=
reihen einzelner abgeſchloſſener, impreſſioniſtiſch geſehener
Szenen, die ſich mehr oder weniger zu einem Ganzen
fü=
gen. Sie iſt eine Meiſterin der Epiſode, die ſie zunächſt
eigenwillig nach Kellers Art arabeskenhaft die Handlun=
gen umſpielen läßt, allmählich aber immer einheitlicher
einfügt und auf den Grundton abſtimmt. Das Subjektive
ihres Stils wird gemildert durch eine Bevorzugung der
indirekten Rede, die eine objektive Kühle und epiſche Ruhe
hereinbringt Und ebenſo iſt ihr eine unerſchütterliche
Ge=
laſſenheit, eine unmittelbare Selbſtverſtändlichkeit in der
Wiedergabe des Grauſigſten und Entſetzlichſten eigen. So
hat ſie alle Mittel des großen Epikers in der Hand; im
letzten Jahrzehnt fand ſie die großen, dieſer Kunſt
wür=
digen Stoffe.
Von Anfang an war Ricarda Huch ein hellſeheriſcher
hiſtoriſcher Sinn eigen, ſie hat ihn in ihren geſchichtlichen
Arbeiten, in ihren geſchichtlichen Dramen und Novellen,
deren Zeitſtimmung ſtets vorzüglich feſtgehalten iſt, in
ihren Balladen erwieſen, von denen die aus dem 30
jähri=
gen Krieg ſogleich am bekannteſten wurden. Im
hiſtori=
ſchen Roman, dem ſie ſich ſeit 1905 zuwandte, hat ſie nun
ihr Höchſtes vollbracht, etwas ganz Neues geſchaffen. Ihre
überall in ihren Werken hervortretende Begeiſterung für
Italien trieb ſie zum Studium der Schickſale des jungen
Königreichs, in dem ſie eine Zeit lang lebte. So ſtieß ſie
in der Geſchichte der Befreiung auf die faſzinierende
Ge=
ſtalt Garibaldis und machte ihn zum Helden eines
zwei=
bändigen heroiſchen Proſagedichtes, deſſen erſter Teil
be=
ſonders von leuchtender Poeſie durchſtrömt iſt. Wie die
Jünglingsgeſtalten eines antiken Friedens ziehen die
ed=
len Verteidiger Roms und ihre Todeskämpfe für die
Frei=
heit an uns vorüber. Aber die Dichterin hat die lyriſchen
Elemente ihrer früheren Romane noch nicht
überwun=
den; der Hymnenſtil einer Sinfonia eroica wechſelt mit
politiſch=hiſtoriſchen Geſprächen und Abhandlungen, bei
denen der ſpröde Gehalt der Studien nicht in das Gold
der Poeſie rein aufgelöſt iſt; außerdem nimmt Ricarda
für ihren Helden leidenſchaftlich Partei und gewinnt
nicht die gerechte hiſtoriſche Stellung, indem ſie das
All=
zumenſchliche und ſehr Bedenkliche in Garibaldis
Charak=
ter überſieht. Wie ſehr tritt im zweiten Teil der wahre
Befreier Italiens, Cavour, gegen ihn zurück! Noch
ein=
mal mußte ſie es mit dem ſtreng wiſſenſchaftlichen Ton
verſuchen. Ihre Studien hatten ſie von der Garibaldi=
Zeit auf die erſten Verſuche der Befreiung in den 20er
Jahren zurückgeführt. In einem wundervollen Buch
prägte ſie nun ſieben Schickſale und Geſtalten „Aus dem
Zeitalter des Riſorgimento” zu ſcharfen kunſtvollen
Me=
daillen und fand in dem ergreifenden Leben eines dieſer
frühen Märtyrer der italieniſchen Freiheit, des Grafen
Federigo Confalonieri, das Thema für ein
erſchüttern=
des Seelengemälde, das trotz ſeines mächtigen hiſtoriſchen
Hintergrundes ein vollendetes pſychologiſches Kunſtwerk
wurde. Ein Zeichen für die geſchloſſene Reife der
Tech=
nik, die ſie erlangt, iſt auch die geiſtreiche, ſpannend
vir=
tuoſe Anarchiſtengeſchichte in Briefen Der letzte
Som=
mer‟. Im Vollbeſitz all ihrer Kräfte glückte nun Ricarda
Huch in ihrer bisher letzten Arbeit, dem dreibändigen
Werk „Der große Krieg in Deutſchland” die geſchichtliche
Dichtung höchſten Stils, um die ſie ſo lange gerungen.
Nur „dargeſtellt” hat ſie, wie der Titel mit ſtolzer
Schlicht=
heit ſagt, aber zugleich damit eine ganz neue Form
ge=
geben, eine kaum glaubliche Beſeelung der Vergangenheit,
eine wahre geſchichtliche Geiſterbeſchwörung. Hier fügen
ſich die Einzelſzenen reſtlos zur Einheit zuſammen, wie
die Tupfen eines Impreſſioniſten zum Bilde; hier haben
die grandioſen Epiſoden ihre rechte Stelle, ihre tiefe
Be=
deutung; hier verleiht der knappe Stil der indirekten Rede
den einzelnen Ausrufen in direkten Sätzen die blitzende
Leuchtkraft; hier iſt aus der „Chronik” des „Ursleu” die
geniale Meiſterſchaft einer dichteriſchen Geſchichtsſchreibung
geworden. Man weiß nicht, was man mehr bewundern
ſoll: die ſouveräne Beherrſchung der Quellen, die
weit=
ſichtige hiſtoriſche Gerechtigkeit, die mit gleicher
Anteil=
nahme die Sonne ihrer Kunſt über Gerechte und
Unge=
rechte leuchten läßt, die Geſtaltungsmacht, die einer
wim=
melnden Fülle von Fürſten und Bürgern, Feldherrn und
Geiſteshelden, Körper und Blut verleiht, oder die
einzig=
artige Beleuchtung und Ergründung der kulturellen
At=
moſphäre. Ricarda Huch hat hier etwas Einzigartiges
vollbracht, mit dem nichts in unſerer Dichtung ſich meſſen
kann. Möge ſie von ihrer Höhe uns Bewunderern im Tal
weiter königlich von ihren reifen Gaben ſchenken!
Seite 4
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Nummer 194.
fochten worden und ſo gilt Herr Dyckerhoff nach der
Ent=
ſcheidung des Verwaltungsgerichtshofes als gewählt.
Das Geſuch von ſtädtiſchen Beamten um Gewährung
freier Fahrt auf der Straßenbahn wird abgelehnt. Für
Leute mit einem Gehalt unter 1800 Mark werden
ſteuer=
pflichtige Wochenfahrkarten zu ermäßigten Preiſen
aus=
gegeben. Ein Antrag auf Beihilfen zur Ermöglichung
des Beſuches der Ausſtellung für Buchgewerbe und
Gra=
phik in Leipzig wurde nach längerer Debatte der
Konſe=
quenzen wegen abgelehnt.
Nierſtein, 16. Juli. (Intereſſante
Uebun=
gen der Luftſchifferabteilung) finden
kom=
mende Woche in der Gegend des Nierſteiner Wartturms
ſtatt. Mannſchaften und Offiziere werden während der
Dauer der Uebung hier einquartiert. — (Eine
Sub=
miſſionsblüte) ergab ſich geſtern bei der Eröffnung
der Angebote zur Ausführung von Beton= und
Erdarbei=
ten am Rheindamm. Höchſt= und Mindeſtfordernde
wa=
ren zwei Mainzer Firmen. Die Höchſtforderung betrug
36071 M., die Mindeſtforderung 20939 M., alſo eine
Dif=
ferenz von ziemlich 16000 M.
Nackenheim, 16. Juli. (Unglücksfall.) In der
Transformatorenſtation wurde ein Maurer tot
aufge=
funden. Der Verunglückte hat ſich ſeinen Tod durch eigene
Unvorſichtigkeit zugezogen. Dem Manne war angegeben,
daß er die Station nicht ohne Aufſicht betreten ſollte;
trotzdem iſt er von einer Leiter durch ein Fenſter
einge=
ſtiegen, muß dabei an die Hochſpannungsleitung
gekom=
men ſein und ſtürzte, nachdem er einen elektriſchen Schlag
erhalten hatte, durch die Steigöffnung vom zweiten
Ge=
ſchoß ins Erdgeſchoß, woſelbſt er dann verblutet
aufge=
funden wurde. Beim Fallen hatte der Maurergehilfe ſich
den Arm aufgeſchlagen, wodurch ein ſtarker Blutverluſt
eintrat.
Heidesheim, 16. Juli. (Zum Mordverſuch.)
Am Montag und Dienstag hielt der Unterſuchungsrichter,
Geh. Juſtizrat Hattemer aus Mainz, wegen des
Revol=
verattentats im Heidesheimer Walde Lokaltermin ab.
Gegen Simon wird vorausſichtlich Anklage wegen
verſuchten Mordes erhoben werden. Der
Unter=
ſuchungsrichter hat deshalb die Fortdauer der
Unter=
ſuchungshaft angeordnet.
(*) Büdingen, 15. Juli. (Lehrerjubiläum.) Der
dienſtälteſte Lehrer des Kreiſes, Lehrer Strack=
Orleshau=
ſen, feierte heute im Kreiſe ſeiner Kollegen, der
Gemeinde=
vertreter und ſeiner Schüler ſein goldenes
Dienſt=
jubiläum. Die Feier begann in Orleshauſen und
wurde dann im Hotel „Stern”=Büdingen fortgeſetzt. Der
Bezirkslehrerverein Büdingen war vollzählig erſchienen.
Der Jubilar verließ 1864 das Lehrerſeminar zu
Fried=
berg. Er wirkte 22 Jahre in Rainrod, 21 Jahre in
Glas=
hütten, und ſeit 7 Jahren bekleidet er die Schulſtelle im
benachbarten Orleshauſen.
Das Wanderſparkaſſenbuch.*)
* Bei meinen Streifzügen durch unſer Volksleben
bin ich auf viele Fälle geſtoßen, in denen eine Kataſtrophe
über einen Menſchen nur deshalb hereingebrochen war
und nur deshalb hereinbrechen konnte, weil er in einem
kritiſchen Moment ohne jede Geldmittel war, und es ihm
in der plötzlichen Not nicht gelang, ſichere Ruhe und
kla=
ren Verſtand zu behalten, um die dem weiten
ſchwer=
fälligen Volke weſensfremden und tatſächlich ihm noch
verſteckten und ſchwer zugänglichen offiziellen Rettungs=
und Hilfsſtationen zu erreichen, die auch oft genug
ver=
ſagen. Faſt immer hätten ein paar Mark ſchnell zur Hand
den Zuſammenbruch verhüten und eine Brücke zum
auf=
rechten Weiterſchreiten im Leben ſchlagen können. Oft
fehlten nur Pfennige. Hier hätte ein Brief für 10 Pfg.
an die Mutter alles retten können, dort ein Telegramm
an eine Schweſter, und bei jener hätten 2—3 Mark genügt,
um ſie den Ort der früheren Herrſchaft wieder aufſuchen
zu laſſen, in derem Hauſe ihrer Not ſtets ſicherer Hort war!
Wie oft in beſſeren Zeiten hatten ſie das Geld nutzlos
vertan und verſchleudert. In dem gänzlichen Mangel an
Geld, in der harten abſoluten Fremde, da wurde ihnen
erſt das Bewußtſein klar, wie jeder Pfennig machtvoll
befreiend, und aber auch ſklaviſch feſſeln konnte. Und oft
waren die Geſcheiterten nicht einmal mittellos — daheim
— lag ihr Sparkaſſenbuch — hier — war ihre Not, und
die Entfernung ließ beides ſich nicht ausgleichen. Um
bei den Stellen= und Ortswechſeln nicht das Umſchreiben
des Sparkaſſenbuches nötig zu haben, waren ſie bei der
heimatlichen Sparkaſſe geblieben.
*) Aus „Gemeinnützige Blätter für Heſſen und
Naſſau”
Vor allem den alleinſtehenden Frauen eine Waffe
zum Ueberwinden plötzlicher Not unabhängig vom Orte
wäre das Wanderſparkaſſenbuch, das ſich
be=
reits in den Volksſchulen einbürgern müßte. Das Buch
trägt die Perſonalien des Eigentümers und eine, von der
Ausgabe=Sparkaſſe eingeklebte und abgeſtempelte
Photo=
graphie des Inhabers. An jedem Orte, auf Sparkaſſen
oder womöglich auf dem Poſtamte, könnten Einzahlungen
und Abhebungen jederzeit vorgenommen werden. Der
Aktenmechanismus iſt durchaus ſicher funktionierend
denk=
bar. Die Zinſen könnten jährlich verrechnet werden.
Bedenkt man, daß dieſe Einrichtung vor allem den
beruflich viel auf Ortswechſel angewieſenen Mädchen, alſo
den heimatloſen Einſamen, zugute kommen würde, und
daß momentan dieſe armen Geſchöpfe, kleine Artiſtinnen,
mittelbegabte Schauſpielerinnen, Ladnerinnen, Friſeuſen,
Kellnerinnen uſw. faſt alle Opfer momentaner Not
wer=
den, ſo wird mein Vorſchlag bei allen einſichtigen
Ret=
tungswilligen als eine durchaus berechtigte zeitgemäße
Forderung erſcheinen, deren Erfüllung viele Not, die jetzt
dem Staate zur Laſt fällt, ſich nicht vollenden, ſondern
ſelbſt regulieren ließe, und die ein Weg zu eigener Scholle
werden könnte.
E. W. M., Darmſtadt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 14. Juli. Von
unterrich=
teter Seite erfährt das Berliner Tageblatt, daß mehreren
Lektoren der fremden Sprachen an der
Ber=
liner Handelshochſchule zum 1. Oktober gekündigt
wor=
den iſt. Es ſeien ihnen neue Verträge vorgelegt worden,
die bedeutend niedrigere Gehälter feſtſetzen, als die bisher
bezogenen. Der Präſident der Aelteſten der
Kaufmann=
ſchaft, Kaempf, erklärte einem Mitarbeiter des Berliner
Tageblatts, daß die Entlaſſungen mit der geplanten
Reorganiſation des fremdſprachlichen
Unterrichts zuſammenhingen, der dann durch Lektoren
der Berliner Univerſität geleitet werden ſolle. Es ſei ſehr
wahrſcheinlich, daß einzelne der gekündigten Lehrer
wie=
der engagiert würden. Beſtimmtes aber ſtehe noch nicht
feſt. — 900ehemalige Artilleriſten aus
Würt=
temberg und Baden, die an dem erſten
allgemei=
nen deutſchen Artilleriſtenappell in Bremerhaven
teilge=
nommen haben, trafen geſtern nacht auf dem Lehrter
Bahn=
hof ein, um Berlin zu beſichtigen. Die Gäſte wurden im
Hotel de Ruſſie, Savoyhotel, Zentralhotel uſw.
einquar=
tiert und nahmen am Abend an einer feſtlichen
Veran=
ſtaltung im Kriegervereinshauſe teil, die die früheren
An=
gehörigen der württembergiſchen Regimenter ihnen zu
Ehren gaben. Heute wird Berlin in einer großen
Auto=
mobilreiſe beſichtigt. Man wird das Mauſoleum in
Char=
lottenburg, das Reichstagsgebäude und andere
Sehens=
würdigkeiten beſuchen. Die Arrangements wurden von
dem deutſchen Konſul in Patras getroffen, der ſelbſt
ge=
borener Württemberger iſt und zurzeit gerade in
Deutſch=
land zu Beſuch weilt. Er ſelbſt iſt gedienter Artilleriſt und
Ehrenmitglied des Ludwigsburger
Artilleriſtenhauptver=
eins, dem eine große Anzahl der Teilnehmer angehört.
— Der Polizei gelang es nach langen Beobachtungen eine
Einbrecher= und Hehlerbande
feſtzuneh=
men. Es handelt ſich um die beiden Mechaniker Otto
und Paul Günther und den Schloſſer Paul Böhm, die
in den letzten Wochen mehrere Einbrüche verübten und
die geſtohlenen Gegenſtände bei etwa 15 Hehlern
unter=
brachten.
16. Juli. Der Radierer Köpping iſt heute
vormit=
tag in Tegel geſtorben. — In der erſten mediziniſchen
Klinik der Königlichen Charité iſt Radium im Werte
von 20000 Mark abhanden gekommen.
Saarbrücken, 16. Juli. (Geſtändige Mörder.)
Der Arbeiter Wagner, der wegen Ermordung des
Berg=
manns Peter Marx aus Ottenhauſen zum Tode verurteilt
worden iſt, hatte ausgeſagt, daß die Tochter des
Ermor=
deten und deren Ehemann, der Arbeiter Müller, an dem
Morde beteiligt ſeien. Die beiden letzteren, die ſich ſeit
dem 8. Juli in Unterſuchungshaft befinden, haben nach
längerem Leugnen heute ein volles Geſtändnis abgelegt.
Stuttgart, 16. Juli. (Von der Techn.
Hoch=
ſchule.) Auf den Lehrſtuhl für deutſche Literatur,
Aeſthetik und Redeübungen an der Stuttgarter
Tech=
niſchen Hochſchule iſt als Nachfolger des verſtorbenen
Profeſſors Harnack der Direktor des Gymnaſiums zu
Ulm, Dr. Theodor Meyer berufen worden.
Stuttgart, 16. Juli. (Ungetreuer
Kaſſen=
diener.) Seit Montag nachmittag iſt der am 2. Januar
1878 in Nürnberg geborene Konrad Wohlleben, der bei
einer hieſigen Firma als Kaſſendiener beſchäftigt war,
und im Vororte Bothnang wohnte, mit 12000 Mark
ver=
ſchwunden. Es fehlt jede Spur von ihm.
Karlsruhe, 16. Juli. (Dr.=Ing. hon. causa.)
Von der Großh. Techniſchen Hochſchule zu Karlsruhe
wurden dem Direktor der II. Deutſchen Ramié=
Geſell=
ſchaft, Franz Joſeph Baumgartner in Emmendingen
(Baden), in Anerkennung ſeiner hervorragenden Verdienſte
um die deutſche Textilinduſtrie, beſonders ſeiner
Schöpf=
ungen und Vervollkommnungen in der Verarbeitung der
Ramié, ſowie dem Profeſſor Dr. Albert Friedrich
Flieg=
ner in Zürich in Anerkennung ſeiner hervorragenden
Ver=
dienſte um die Förderung der techniſchen Wiſſenſchaften,
die er ſich durch zahlreiche theoretiſche und experimentelle
Forſchungsarbeiten auf dem Gebiete der Thermodynamik
und der Hydraulik, insbeſondere der Maſchinentheorie und
der Turbinentheorie, erworben hat, die Würde eines
Dr.=Ing. hon. causa verliehen.
Konſtanz a. Bodenſee, 16. Juli. (Die große Hitze)
der letzten Tage hat auch am Bodenſee Todesopfer
gefordert. Hier brach geſtern der Kaufmann Ganter,
als er gerade in den Zug einſteigen wollte, auf dem
Trittbrett zuſammen und ſank tot auf den Bahnſteig.
In Uttwil (Schweizer Seite) wurde ein Fiſcher
wäh=
rend des Fiſchfangs in ſeinem Boote von einem Hitz=.
ſchlag getroffen. Er wurde tot ans Land gebracht.
Duisburg, 16. Juli. (10 Perſonen ertrunken.)
Vorgeſtern und geſtern ſind beim Baden im Rhein 10
Per=
ſonen ertrunken. Bei Emmerich kamen zwei Brüder bei
dem Verſuche, einem ertrinkenden Vetter zu helfen, ums
Leben.
Magdeburg, 16. Juli. (Selbſtmord eines
Sol=
daten.) Vorgeſtern wurde zwiſchen der
Pionierbade=
anſtalt und der Eiſenbahnbrücke im rechten Flußbett der
Stromelbe die Leiche des Musketiers
Bren=
necke von der 10. Kompagnie des 26. Infanterie=
Regi=
ments (Magdeburg) mit geknebelten Händen aufgefunden.
Vermutlich lag eine Scheinknebelung vor. Der
Mann hatte ſeinen Heimaturlaub überſchritten und war
vor das Kriegsgericht der ſiebenten Diviſion wegen einer
Diebſtahlsangelegenheit in der Zitadelle vorgeladen
wor=
den. Man nimmt an, daß er an den Diebſtählen beteiligt
war und aus Angſt vor Strafe in den Tod gegangen iſt.
Innsbruck, 16. Juli. (Schweres Unglück.) An
dem Militärexerzierplatz bei Triſtach (Tirol) fanden
Kin=
der in einem Gebüſch die geöffnete Hülſe eines
Artillerie=
geſchoſſes. Sie ſchütteten das Pulver heraus und
zün=
deten es an. Es erfolgte eine furchtbare Exploſion, durch
die zwei Kinder ſofort getötet wurden.
Paris, 16. Juli. (Eine neue Bodenſenkung)
ereignete ſich heute früh an der Ecke der Boulevards
Malesherbes und Haußmann über dem großen
Haupt=
kanal von Asniéres nahe der Schienenkreuzungen der
Untergrundbahn. Nach dem Paſſieren eines Mietsautos
zeigte ſich ein 75 Zentimeter breites Loch. Der Verkehr
wurde ſofort eingeſtellt. Es werden noch zwei andere
Fälle von Straßenſenkungen gemeldet. Wahrſcheinlich iſt
der heftige Gewitterregen der letzten Nacht die Urſache.
Paris, 16. Juli. (Todesfall.) Hier iſt geſtern
nacht der ehemalige rumäniſche Geſandte Vacarescu, der
Vater der rumäniſch=franzöſiſchen Dichterin Helene
Vaca=
rescu, geſtorben.
Paris, 16. Juli. (Jſadora Duncan), die erſt
unlängſt den Tod ihrer beiden Kinder zu beklagen hatte,
iſt von einem neuen Schickſalsſchlag heimgeſucht worden.
Ihre Tanzſchule in dem Pavillon de Bellevue iſt
vollſtän=
dig ausgebrannt. Die kleinen Schülerinnen konnten noch
rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.
Petersburg, 16. Juli. (Feuer.) Ein im
Arbeiter=
viertel in der Nähe des Nikolausbahnhofes
ausgebroche=
nes Feuer hat 25 Häuſer zerſtört und gegen 1000
Per=
ſonen obdachlos gemacht. Unter den Trümmern wurden
vier Leichen gefunden. Sechs Kompagnien Soldaten
hal=
fen der Feuerwehr bei der Löſchung des Brandes.
Thumen, 16. Juli. (Rasputin) iſt heute operiert
worden; ſein Geſundheitszuſtand iſt günſtig.
Tiflis, 16. Juli. (Eine Räuberbande)
über=
fiel die Kreditanſtalt der Stadt Gori und raubte 13000
Rubel. Die Polizei erſchoß zwei der Räuber. Von den
Polizeibeamten wurden vier verwundet.
Neu=York, 15. Juli. (Verhafteter
Defrau=
ant.) Der 24jährige Aushilfsſchreiber der Kölner
Reichsbanknebenſtelle, Wilhelm Martin, welcher die
Reichsbanknebenſtelle in Barmen mit Hilfe des gefälſchten
utſcheinformulars um 45000 Mark betrogen hat und auf
dem „Imperator” nach Amerika geflüchtet war, iſt hier
auf Erſuchen des deutſchen Konſuls verhaftet worden.
Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
ml. Friedrich Gernsheim. (Zum 75.
Geburts=
tag am 17. Juli.) Mit ſeltener geiſtiger Friſche, die auch
nicht das leiſeſte Nachlaſſen der ſchöpferiſchen Kraft
er=
kennen läßt, iſt Friedrich Gernsheim, der vor 24 Jahren
aus ſeiner rheiniſchen Heimat nach der Reichshauptſtadt
überſiedelte und ſeither als Tonſetzer, Pianiſt, Dirigent
und Lehrer im Berliner Muſikleben an hervorragender
Stelle wirkt, als ſchaffender Muſiker am Werke. Das hat
erſt ſein neues Violinkonzert gezeigt, das in voriger
Sai=
ſon wiederholt mit ſchönem Erfolg zur Aufführung
ge=
langte und das alle Lichtſeiten des Gernsheimſchen
Ta=
lents in ungetrübtem Glanze hervortreten läßt. Dieſes
Talent wurzelt ausgeſprochenermaßen im Formalen und
findet in der ſorgſam ausgeführten Kunſtarbeit ſeinen
an=
ziehenden Ausdruck. In all ſeinen Werken begegnet man
dem untrüglichen Stilgefühl des gründlich und vielſeitig
gebildeten, an klaſſiſchen Vorbildern geſchulten Muſikers,
der ſich der techniſchen Mittel ſeiner Kunſt mit
hervor=
ragendem Geſchick und ſicherem Geſchmack bedient. So
redet Gernsheim ſtets und immer die gewählte Sprache
des vornehm und fein empfindenden Muſikers, der auch
dort, wo er keine individuellen Inhaltswerte prägt, durch
den ſinngefälligen Ausdruck und die geſchmackvolle Faſſung
ſeiner Gedanken das Intereſſe anzuregen und zu feſſeln
weiß. Das Schönſte und Wertvollſte hat Gernsheim in
ſeinen Kammermuſikwerken für Klavier und
Streichinſtru=
mente geſchaffen, aber auch ſeine in größeren Formen
ge=
haltenen Werke, die vier Sinfonien, die Ouvertüren, und
ſeine Chorwerke, vor allem die für Männerchor und
Or=
cheſter haben wie ſein Klavierkonzert und die
Violin=
konzerte Anſpruch auf bleibenden Wert. Am 17. Juli 1839
in Worms geboren, vollendete Gernsheim ſeine in
Frankfurt a. M. begonnenen Studien am Konſervatorium
in Leipzig, nach deſſen Abſolvierung er 1855 nach Paris
ging. 1861 begann er ſeine praktiſche Tätigkeit als
Muſik=
direktor in Saarbrücken. 1865 folgte er einem Ruf als
Lehrer der Kompoſition und des Klavierſpiels an das
Konſervatorium in Köln, wo er gleichzeitig als Dirigent
mehrerer Geſangvereine tätig war. Von Köln ging
Gernsheim 1874 nach Rotterdam, um als Nachfolger
Bar=
giels die Leitung der Maatſchappij=Konzerte zu
überneh=
men. 1890 kam er dann nach Berlin, wo er zunächſt als
Lehrer am Sternſchen Konſervatorium und ſpäter als
Dirigent des Sternſchen Geſangvereins wirkte. Seit 1897
iſt Gernsheim, der bereits 1872 vom Herzog von Koburg=
Gotha zum Profeſſor ernannt worden war, Mitglied des
Senats der Akademie der Künſte und ſeit 1901 Vorſteher
einer akademiſchen Meiſterſchule für Kompoſition zu
Berlin.
B. Der große Mac. Der gegenwärtige Aufenthalt
Arthur Nikiſchs in England gibt einem Londoner Blatte
Gelegenheit, an eine luſtige Umtaufe zu erinnern, die
Ni=
kiſch ſich in Schottland gefallen laſſen mußte. Als der
be=
kannte Dirigent vor einigen Jahren zu einem Gaſtſpiel
nach London kam, telegraphierte der Londoner
Korreſpon=
dent eines ſchottiſchen Blattes ſeiner Redaktion nach
Glas=
gow, „the great Nikiſch” ſei in London eingetroffen, um
dann und dann Konzerte des Londoner Sinfonieorcheſters
zu leiten. Der fremdklingende Name machte dem
Glas=
gower Telegraphiebeamten Kummer und er bemühte ſich
bei der Ausfertigung des Telegramms, den Namen
mög=
lichſt undeutlich zu ſchreiben. Der Glasgower Redakteur
war kein Muſikfreund und hatte nie von Nikiſch gehört.
Er las nur das Adjectiv „great” und das genügte, um
ihn zu überzeugen, daß es ſich natürlich nur um einen
Schotten handeln könne. Am nächſten Tage prangte im
Blatt die Mitteilung, „the great Mekiſh” ſeit in London
eingetroffen .
ck. Kann man über Nacht grau werden? Zahlreiche
Berichte erzählen von Perſonen, die aus Schrecken oder
Gram „in einer einzigen Nacht” graue oder weiße Haare
bekommen haben. All dieſe Geſchichten, die wir ſo oft
ge=
hört haben, ohne ſie zu bezweifeln, will nun ein Aufſatz
des „Journal of the American Medical Aſſociation” in
das Reich der Fabel verweiſen. Der Autor faßt die
neue=
ſten, beſonders von deutſchen Gelehrten durchgeführten
Unterſuchungen auf dieſem Gebiet zuſammen und erörtert
zunächſt die Frage: Warum wächſt das Haar an gewiſſen
Stellen bei gewiſſen Perſonen und bei andern nicht? Das
Raſieren des Bartes hat z. B. nach allen Beobachtungen
eine anregende Wirkung für das Wachstum;
augenſchein=
lich wird dadurch eine günſtige Reaktion hervorgerufen,
die die Blutzirkulation und die Ernährung der Gefäße an
dieſen Stellen befördert. Ebenſo hat man beobachtet, daß
Einwirkungen von Hitze auf die Haut den Haarwuchs
in=
tenſiver machen. Die Färbung des Haares aber hat
da=
mit nichts zu tun. Wenn das Pigment, das die natürliche
Farbe des Haares hervorruft, fehlt, dann erhält das Haar
ein graues oder weißes Ausſehen. Die ſilbrige Färbung
kann außerdem veranlaßt werden durch das
Vorhanden=
ſein von mehr oder weniger Luft im Haar. Nicht aber iſt
dieſes Bleichen des Haares, wie vielfach behauptet
wor=
den iſt, eine Folge der Zerſtörung des Pigmentes, denn
das Haarpigment iſt eine der widerſtandsfähigſten
orga=
niſchen Subſtanzen, die es gibt, und kann nur durch die
ſchärfſte chemiſche Behandlung vernichtet werden. Eine
Zerſtörung des Pigmentes iſt kaum denkbar ohne
gleich=
zeitige Zerſetzung des Haares ſelbſt. Trockene Haare
ent=
halten mehr Luft und werden deshalb etwas heller in der
Farbe erſcheinen als die feuchten; aber ſchwarzes Haar
kann bis aufs Aeußerſte getrocknet werden, ohne eine graue
Farbe anzunehmen, und die Haare der Mumien, die durch
Jahrtauſende getrocknet wurden, zeigen noch genau ſo ihr
Pigment, wie friſche Haare. Der Verfaſſer kommt alſo zu
der Anſicht, die mit den neueſten Unterſuchungen
überein=
ſtimmt, daß die Erklärung für den Farbenwechſel des
Haares nicht in einer Zerſtörung des Pigments, ſondern
in einer vollkommenen Erneuerung des Haares geſucht
werden muß. Das pigmentierte Haar fällt aus und wird
durch unpigmentiertes oder weißes erſetzt. Das Auftreten
des grauen oder weißen Haares rührt alſo von der
Bil=
dung eines neuen Haarkleides her und nicht von der
Ver=
änderung des alten. Gut pigmentiertes Haar wird
nie=
mals grau, ſondern fällt aus. Es iſt jedoch auch beobachtet
worden, daß der Prozeß der Pigmentbildung während der
Haarentwicklung aufhört. In dieſem Falle wird die
Spitze pigmentiert bleiben, während die Baſis weiß
er=
ſcheint. Die gleiche Beobachtung hat man übrigens auch
in der Tierwelt gemacht. Nach den Studien Schwalbes
ſteht es feſt, daß der weiße Winterpelz, den manche Tiere
bekommen, nicht durch eine Veränderung der Farbe des
Sommerpelzes entſteht, ſondern daß die ſchwarzen Haare
ausfallen, wenn der Sommer zu Ende geht, und an ihrer
Stelle weiße Haare wachſen. Nirgends ſind plötzliche
Ver=
änderungen gefunden worden. Durch dieſe Feſtſtellungen
richten ſich aber die Erzählungen von dem Ergrauen des
Nummer 194.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Seite 5.
Stadtverordnetenverſammlung.
8. Sitzung.
g. Darmſtadt, 16. Juli.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um ¾4 Uhr mit folgender
Mitteilung:
Der Darmſtädter Lehrerinnenverein hat
gebeten, durch Ortsſtatut die Fortbildungsſchulpflicht für
die weiblichen Handwerkslehrlinge einzuführen.
Nach Anhörung der Handwerkskammer iſt dem
Lehre=
rinnenverein mitgeteilt worden, daß die Vorlage eines
neuen Geſetzentwurfs über die Schaffung der weiblichen
Pflichtfortbildungsſchule bevorſteht und daher
ſtädtiſcher=
ſeits eine Entſcheidung jetzt nicht getroffen werden könne.
Stadtv. Hammann frägk an, wann ſich der
ſozial=
politiſche Ausſchuß mit ſeiner Anfrage über die
Anſtel=
lungsverhältniſſe der in den Dienſt der Heag
überge=
gangenen ſtädtiſchen Beamten beſchäftigen wird. Auch
über die Frage, ob die Zulagen penſionsberechtigt ſind,
herrſchen noch Zweifel. — Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſ=
ſing bemerkt, daß es gar nicht zweifelhaft ſein könne,
daß die Zulagen penſionsberechtigt ſeien. Der
ſozial=
politiſche Ausſchuß wird in der nächſten Woche
zuſammen=
treten und ſich mit der Sache beſchäftigen.
Die Stadtvv. Aßmuth und Friedrich haben, wie
der Oberbürgermeiſter mitteilt, den Antrag geſtellt, die
Entlaſſung eines Bademeiſters, mit der ſich die letzte
Ver=
ſammlung bereits befaßte, der Bäder= und
Woogsdepu=
tation zu unterbreiten und deſſen Entlaſſung rückgängig
zu machen. Der Oberbürgermeiſter erklärte entſchieden,
daß eine Rückgängigmachung nicht erfolgen könne. Im
übrigen werde nähere Mitteilung in der Deputation
ge=
macht werden.
Stadtv. Dr. Noellner ſpricht ſich entſchieden
da=
gegen aus, daß die Stadtverordneten als Prellbock
zwi=
ſchen den Beamten und Arbeiterſchaft einerſeits und der
Bürgermeiſterei andererſeits benutzt werden. Das ſei
ent=
ſchieden zurückzuweiſen im Intereſſe der Diſziplin. Es
äußern ſich darüber weiter die Stadtvv. Haury und
Saeng.
Der Oberbürgermeiſter bemerkt gegenüber
einer in einer hieſigen Zeitung erſchienenen Notiz, daß er
noch nicht in Urlaub geweſen ſei.
Stadtv. Dr. Vaubel ſtellt der Verwaltung anheim,
Erhebungen anzuſtellen darüber, ob die in Tübingen
aus=
geführte Fern=Warmwaſſerleitung nicht auch hier praktiſch
verwendet werden könnte und zwar zur Ausnutzung der
in dem Gaswerk vorhandenen Wärmemengen für das
Hallenſchwimmbad. In Tübingen wird das heiße Waſſer
über eine Entfernung von 1½ Kilometer geleitet unter
Verluſt von nur 1 Grad.
Der Oberbürgermeiſter berichtet hierauf über die
Verſicherung der Dienſtboten.
Bei den erſten Verhandlungen mit der
Ortskranken=
kaſſe hat ſich der Vorſtand verpflichtet, für die
Dienſt=
boten eine beſondere Kaſſe zu führen, die Einnahmen und
Ausgaben getrennt zu verrechnen, um der ſtädtiſchen
Ver=
waltung einen Ueberblick zu gewähren. Die Sachbezüge
ſollten mit 1 Mark pro Tag in Anrechnung gebracht
wer=
den, der Beitrag ſollte nicht mehr als 4 Prozent des
Ver=
dienſtes betragen. Das Oberverſicherungsamt hatte
Be=
denken gegen ein derartiges Abkommen. Der
ſozialpoli=
tiſche Ausſchuß kam ſchließlich zu dem Entſchluß, das
proviſoriſche Abkommen vom 1. Januar zu einem
defini=
tiven zu machen, nämlich die Beiträge jederzeit
wider=
ruflich wie die der übrigen Verſicherten auf 4¼ Prozent
zu belaſſen und auch die Sachbezüge nicht auf 1 Mark
ſondern nur auf 75 Pfg. zu bemeſſen. Dieſe Regelung ſei
in vielen Fällen günſtiger. Der Vorſtand erklärte ſich auch
bereit, dem Wunſche der Frauenvereine nachzukommen
und eine weibliche Hilfskraft anzuſtellen. Auch ſoll
zu=
nächſt den Dienſtboten geſtattet werden, den Arzt
auf=
zuſuchen, ohne ſich vorher von der Kaſſe eine
Beſchei=
nigung zu holen, obgleich die Kaſſe hiergegen ſtarke
Be=
denken hegte. Der Oberbürgermeiſter ſpricht weiter die
Hoffnung aus, daß es der Kaſſe möglich ſein wird, einen
Weg zu finden, der auch den Intereſſen der Kaſſe
ent=
ſpricht. Im Intereſſe der Gerechtigkeit müſſe betont
wer=
den, daß eine ſtädtiſche Kaſſe mit den höheren ſtädtiſchen
Beamtengehältern teurer arbeiten müßte.
Die Vereinbarung lautet: 1. Die Dienſtboten bleiben
bei der Allgemeinen Ortskrankenkaſſe verſichert mit der
Maßgabe, daß ſie in eine beſondere Klaſſe auf Grund des
§ 384 R.V.O. eingereiht werden. Es wird für dieſe
Klaſſe eine von den übrigen Verſicherten getrennte
Rech=
nung geführt, und die Einnahmen und Ausgaben dieſer
Klaſſe ſind der ſtädtiſchen Verwaltung alljährlich
nachzu=
weiſen. 2. Der Beitragsſatz beträgt für die Dienſtboten
4 Prozent. Der Wert der Sachbezüge für die Dienſtboten
wird auf 1 Mark für den Tag feſtgeſetzt. 3. Die ſtädtiſche
Verwaltung will jedoch mit Rückſicht darauf, daß die
ſeit=
herige interimiſtiſche Berechnung eines Beitragsſatzes von
4¼ Prozent bei einer Zugrundelegung von 75 Pfg. als
Werts der Naturalbezüge pro Tag in ihrer finanziellen
Geſamtwirkung der unter 2. feſtgeſetzten
Berechnungs=
weiſe etwa gleichwertig iſt, daß eine abermalige
Umrech=
nung für die Ortskrankenkaſſe mit großer Arbeit und
be=
ſonderen Koſten verbunden wäre, möglicherweiſe auch
eine neue Beunruhigung in die Kreiſe der beteiligten
Dienſt=
herrſchaften und Dienſtboten tragen würde, auf einer
Ein=
haltung der Vereinbarung zu 2. in jederzeit
widerruf=
licher Weiſe verzichten und ſich bis auf weiteres mit einer
Fortſetzung des Proviſoriums (4½ Prozent Beitragsſatz
und 75 Pfg. Wert der Naturalbezüge) einverſtanden
er=
klären.
4. Die Ortskrankenkaſſe wird alsbald wenigſtens
eine weibliche Hilfskraft als Krankenbeſucherin
ein=
ſtellen. 5. Die Ortskrankenkaſſe wird alsbald einen
rechts=
gültigen Beſchluß darüber herbeiführen, daß die
Dienſt=
boten vor dem Aufſuchen des Arztes nicht mehr genötigt
ſind, ſich in dem Kaſſengebäude einen Ausweis zu
beſor=
gen. 6. Die Ortskrankenkaſſe wird die Kaſſenbeiträge nach
wie vor monatlich erheben, aber auf beſonderen Wunſch
einzelner Dienſtherrſchaften auch dort eine viertel=,
halb=
oder ganzjährige Erhebung (vorauszahlungsweiſe)
ein=
treten laſſen.
Bei dem Abſchluß der vorſtehenden Vereinbarung
wird ausdrücklich Bezug genommen auf die von den
Vor=
ſtandsmitgliedern der Ortskrankenkaſſe namens dieſer
Kaſſe in der Sitzung des ſozialpolitiſchen Ausſchuſſes vom
30. Dezember 1913 abgegebenen Erklärung, wonach die
Kaſſe, wenn die Notwendigkeit einer Beitragserhöhung
ſich ergeben ſollte, zunächſt nicht eine ſolche, ſondern eine
Herabſetzung der Leiſtungen herbeiführen wird. Der
Vorſtand der Ortskrankenkaſſe wird die obige von
meh=
reren Vorſtandsmitgliedern der Ortskrankenkaſſe
abge=
gebene Erklärung durch die Einholung eines beſonderen
Beſchluſſes beſtätigen.
Stadtv. Dr. Noellner begrüßt das Abkommen. Die
Erregung, die ſeit Jahresbeginn unter den Herrſchaften
herrſche, ſei jetzt nach und nach ruhiger geworden. Die
Bürgerſchaft könne mit dem, was erreicht worden iſt,
zu=
frieden ſein. — Auch Stadtv. Ritſert iſt mit dem
Ab=
kommen einverſtanden, doch beſtänden über die
geſchäft=
liche Abwickelung noch Klagen, beſonders über die
Er=
hebung der Beiträge. Es müſſe auch eine Ablöſung
mög=
lich ſein. — Stadtv. Friedrich iſt ebenfalls im
weſent=
lichen mit dem Abkommen einverſtanden, nur wünſche er
eine endgültige Feſtſetzung des Beitrags. — Stadtv. Dr.
Kolb begrüßt ebenfalls das Abkommen, da eine
beſon=
dere ſtädtiſche Kaſſe viel teuerer gekommen wäre. — Es
ſprachen weiter hierzu die Stadtvv. Dr. Vaubel, Dr.
Noellner, K. Lautz, Haury, Jung, Herbert
und Aßmuth. Nach weiteren Ausführungen des
Ober=
bürgermeiſters wird das Abkommen genehmigt mit der
Maßgabe, daß die Beitragsfeſtſetzung bis auf weiteres
Geltung habe, d. h. bis eine Ueberſicht über die Wirkung
möglich iſt. Gleichzeitig wird anerkannt, daß das
Be=
dürfnis für eine Kontrolle beſteht.
Ueber einen Zuſatz zur Polizeiverordnung, betr. die
Anlage von Lumpenmagazinen uſw.,
berichtet Beig. Jäger. Der Zuſatz wird genehmigt.
Ueber eine
Krediterweiterung für die
Wiederher=
ſtellung des Rathauſes im Aeußeren
berichtet Stadtv. Markwort. Nach Abſchlagen des
Verputzes hatte ſich herausgeſtellt, daß der Sandſtein
er=
heblich ſchlechter ſei, als vermutet. Hierfür und für andere
Herrichtungen wird eine Summe von 5000 Mark
nach=
gefordert, die in den Voranſchlag 1915 einzuſtellen iſt.
Die Verſammlung ſtimmt dieſer Forderung zu. — Es
wird hierauf in die Beratung des Entwurfes einer
neuen Friedhofsordnung für den
Haupt=
friedhof
eingetreten. Es referiert hierzu der Oberbürgermeiſter:
Um jeden Zweifel über die Auslegung der Benutzungsart
der alten Erbbegräbnisplätze auf dem Friedhof an der
Nieder=Ramſtädter Straße auszuſchließen, hat ſich die
Verwaltung entſchloſſen, den Vorſchlag zu machen, daß
die gewahrten Rechte aufrecht erhalten
blei=
ben nach Maßgabe der alten Vorſchriften.
Nur ſoll ein Recht auf Tieferlegung für die alten
Fried=
höfe wie für den Friedhof an der Breiten Allee nicht mehr
gewährt werden. Im übrigen hat die Verwaltung den
noch nicht beratenen Teil der neuen Friedhofsordnung der
Stadtverordnetenverſammlung unterbreitet, damit es
möglich gemacht werden kann, die Friedhofsordnung als=
bald der vorgeſetzten Behörde zur endgültigen
Genehmig=
ung vorzulegen. Von der Vorlage ſind ausgeſchieden die
in der erſten Vorlage der Verwaltung enthaltenen
Be=
ſtimmungen der ſogenannten Beſtattungsordnung. Die
Frage, ob die Stadt dazu übergehen ſoll, das
Begräbnis=
weſen, d. h. die Hilfeleiſtungen nach dem Todesfalle und
die Ueberführung der Leichen nach dem Friedhofe, in
eigene Regie zu übernehmen, ſoll erſt ſpäter entſchieden
werden. Hiernach wird beantragt, über die Beſtimmungen
in §§ 61, 63, Abſatz 2 und 64 bis 71 der alten
Friedhofs=
vorlage abzuſtimmen. Dieſe Vorſchriften handeln im
weſentlichen von den Beerdigungszeiten und der
Auf=
bewahrung der Leichen.
Hinſichtlich der Frage der Benutzung der
al=
ten Erbbegräbnisplätze auf dem Friedhof
an der Nieder=Ramſtädter Straße iſt, wie
be=
reits bemerkt, beſtimmt, daß auch fernerhin Beerdigungen,
nach Maßgabe der neuen Friedhofsordnung und unter
ſinngemäßer Anwendung der für die
al=
ten Friedhöfe erlaſſenen Vorſchriften,
zu=
läſſig ſein ſollen. Jedoch wird ein Recht auf Tieferlegung
der Leichen nicht mehr gewährt. Die Verwaltung hatte
ſchon früher erklärt, daß Beſorgniſſe in der
Rich=
tung nicht beſtehen, daß mit der Eröffnung des
neuen Friedhofs die beſtehenden Begräbnisſtätten an der
Nieder=Ramſtädter Straße für Beſtattungen
aus=
geſchloſſen werden. Eine ſolche unzweideutige
Erklärung iſt auch in den Tageszeitungen vom 30. Mai
ds. Js. erſchienen. Die Erklärung enthielt u. a. den
Paſſus: „Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die Rückſichten der
Pietät und die hervorragende landſchaftliche Schönheit der
alten Darmſtädter Friedhofsanlage ihre Erhaltung
er=
fordern.”
Die §§ 56 und 57 der Friedhofs=Vorlage ſollen nach
den Vorſchlägen der Verwaltung lauten: § 56. Auf den
Erbbegräbniſſen dieſer Friedhöfe ſind nach dieſer
Fried=
hofs= und Begräbnisordnung und unter ſinngemäßer
An=
wendung der für die alten Friedhöfe erlaſſenen
Vor=
ſchriften Beerdigungen auch fernerhin geſtattet, jedoch mit
der Einſchränkung, daß ein Recht auf Tieferlegung der
Leichen (vergl. § 22 des Statuts der Friedhofsordnung
vom 9. Juni 1909) nicht mehr gewährt wird. — An die
Stelle des § 57, der zu ſtreichen iſt, kommt folgende
Be=
ſtimmung: „Es bleibt der Stadtverordnetenverſammlung
überlaſſen, den Zeitpunkt zu beſtimmen, von dem ab
Be=
ſtattungen nicht mehr vorgenommen werden dürfen”.
Stadtv. Friedrich bedauert es, daß die
Be=
ſtattungsordnung von der Friedhofsordnung abgetrennt
und ſomit in Frage geſtellt worden ſei. — Stadtv. K.
Lautz iſt der Anſicht, daß es ſich hier um eine Frage
handelt, die von ſehr einſchneidender Bedeutung ſei und
deshalb einer eingehenden Beratung bedürfe. — Stadtv.
Dr. Noellner tritt warm für die Kleinmeiſter ein, die
ſchwer um ihre Exiſtenz zu kämpfen haben. — Es ſprechen
weiter die Stadtvv. Lehr, Herbert, Delp, L. Lautz
und Aßmuth. Die Abänderungen der beiden
Para=
graphen werden ſodann einſtimmig genehmigt. — Die
weiter zur Annahme gelangten Paragraphen der
Be=
ſtattungsordnung lauten nach einigen
Abände=
rungen:
§ 61. Aus geſundheitlichen Gründen und im Intereſſe
der Hinterbliebenen ſollen die Leichen baldmöglichſt (in
der Regel innerhalb 24 Stunden nach dem Tode) in die
Leichenhalle des Friedhofs oder, wenn die Beerdigung
außerhalb Darmſtadts ſtattfindet, nach dem
Beſtattungs=
ort übergeführt werden. Wünſchen die Hinterbliebenen
ein längeres Verbleiben der Leiche im Sterbehauſe und
keine Aufnahme in die Leichenhalle, ſo kann dieſem
Wunſche auf Grund eines ärztlichen Zeugniſſes, das die
Unbedenklichkeit der Erfüllung dieſes Wunſches in
all=
gemeiner geſundheitlicher Hinſicht beſcheinigt, entſprochen
werden. Leichen von an anſteckenden Krankheiten
Ver=
ſtorbenen müſſen baldigſt, ſpäteſtens aber 24 Stunden nach
dem Tode, in die Leichenhalle verbracht und hier in
einem beſonderen Raum aufgeſtellt werden.
§ 63. Totgeborene Kinder können ohne Leichenwagen
nach dem Friedhof verbracht werden. Die
Ueberfüh=
rungszeit ſoll möglichſt in die Früh= oder Abendſtunden
fallen. § 64. Die Ueberführung der Leichen darf im
Som=
merhalbjahr nicht in der Zeit zwiſchen 10 Uhr
vormit=
tags und 6 Uhr nachmittags, im Winterhalbjahr nicht
zwiſchen 11 Uhr vormittags und 4 Uhr nachmittags
ſtatt=
finden. Rheinſtraße, Straße nach Griesheim und
Gries=
heimer Weg von der Feldbergſtraße bis zum
Hauptbahn=
hofe dürfen bei der Ueberführung nicht benutzt werden.
Ausnahmen ſind mit beſonderer Genehmigung des
Ober=
bürgermeiſters zuläſſig. § 65. Die Zeit für die
Beſtat=
tung ſetzt die Friedhofsverwaltung feſt. An Sonn= und
Feiertagen, vor Sonnenaufgang oder nach
Sonnenunter=
gang, ſowie in der heißen Zeit zwiſchen 10 Uhr
vormit=
tags und 4 Uhr nachmittags ſollen Beerdigungen nicht
ſtattfinden. Ausnahmen ſind nur zuläſſig, wenn die
Be=
ſtattung keinen Aufſchub erleiden darf, wenn mehrere
Feiertage aufeinander folgen, oder wenn der
Oberbürger=
meiſter aus beſonderen Gründen die Genehmigung
er=
teilt hat.
§ 66. Finden Beſtattungen unmittelbar im Anſchluß
an eine Ueberführung ſtatt, dann dürfen die
Leichen=
wagen nur bis zum Haupteingang vorfahren. Die Särge
ſollen in dieſem Falle ebenſo wie bei Beſtattungen von
der Leichenhalle oder der Einſegnungshalle ab auf
be=
ſonderen Leichenwagen oder Bahren durch die
Friedhofs=
arbeiter bis unmittelbar an das Grab geführt werden.
§ 67. In der Leichenhalle kann die Leiche bis zur
Be=
ſtattung unentgeltlich in einer Leichenzelle aufgenommen
werden. Zu den Leichenzellen haben nur die Angehörigen
oder die von ihnen beauftragten Perſonen in Begleitung
des Friedhofsperſonals Zutritt. Der Zutritt iſe zu
ver=
ſagen, wenn eine Geſundheitsgefährdung zu beſorgen iſt.
IIII. Teil: Schlußbeſtimmungen. § 68.
Ver=
fehlungen gegen die Vorſchriften dieſer Friedhofs= und
Beſtattungsordnung werden, ſoweit nicht reichs= oder
landesgeſetzliche Beſtimmungen zur Anwendung kommen,
nach Maßgabe der im Anſchluß an die Friedhofs= und
Beſtattungsordnung erlaſſenen Polizeiverordnung beſtraft.
§ 70. Beim Auftreten anſteckender Krankheiten kann der
Oberbürgermeiſter im Einverſtändnis mit dem
Großher=
zoglichen Kreisgeſundheitsamt Beſtimmungen dieſer
Friedhofs= und Beſtattungsordnung vorübergehend
auf=
heben und durch geeignete Vorſchriften erſetzen. § 71.
Dieſe Friedhofs= und Beſtattungsordnung tritt mit der
Eröffnung des Hauptfriedhofs an der Griesheimer Straße
in Kraft. Der Tag wird in üblicher Weiſe bekannt
ge=
geben.
Einteilung der Wahlbezirke für die
Landtagswahl.
Hierüber berichtet Stadtv. L. Lautz. Der
Wahlaus=
ſchuß, der die Einteilung in die einzelnen Bezirke
einſtim=
mig gutgeheißen hat, ſprach ſich auch für einen Antrag Dr.
Noellner aus, die Wahlberechtigten durch die Poſt zu
benachrichtigen, daß ſie wahlberechtigt ſeien. Die Koſten
Menſchenhaares in einer Nacht von ſelbſt. Es bedarf einer
längeren Zeit, bis die ſchwarzen Haare ausfallen und die
weißen wachſen, und auch der größte Schrecken, die
furcht=
barſte Erregung kann dieſen Vorgang in der Natur nicht
aufheben. Eine ſorgfältige Unterſuchung der einzelnen
Berichte zeigt übrigens, daß ſie der Legende angehören.
Der Autor weiſt dies an dem Beiſpiel von Marie
Antoi=
nette nach, von der immer wieder berichtet wird, ſie ſei in
der Nacht nach ihrer Verurteilung zum Tode grau
gewor=
den. Betrachtet man die Schilderungen der Zeitgenoſſen
enauer, ſo ergibt ſich, daß ihr Haar bei ihrem Tode grau
war; aber es wird mehrfach berichtet, daß es bereits
wäh=
rend der Zeit ihrer Gefangenſchaft lange vor dem Tode
grau geworden iſt.
C In der Faſanenfabrik. In den prächtigen großen
Jagdrevieren in der Umgebung von Paris herrſcht ſeit 6
Wochen bange Unruhe. Alljährlich um die gleiche Zeit
kehren dieſe Tage der Mühe und der Sorge wieder. Sie
beginnt mit dem Auskriechen der kleinen Faſanenküken,
die dann wochenlang gepflegt und verhätſchelt werden wie
leibhaftige kleine Fürſtenkinder. Dann wird man ſie
hin=
auslaſſen in den Wald, wo ſie in der Freiheit ein fröhliches
und ſorgloſes Leben führen dürfen, bis der Augenblick
kommt, da die fauchenden Automobile die Jagdgäſte
brin=
gen und die erſten Schüſſe fallen. Kurz iſt das Leben der
jungen Faſane, aber der Tierfreund darf ſich mit der
Ueber=
zeugung tröſten, daß dieſes kurze Leben wenigſtens gut
und glücklich iſt. Guſtave Voulquin erzählt im Figaro
von der bangen Sorgfalt, mit der die kleinen Faſanen vom
Tage ihrer Geburt an behütet werden; mit vorſichtiger
Hand bettet man die ausgekrochenen Küken in eine mollig
mit Daunenfedern gefüllte Kiſte, deckt ſie mit weichen
Woll=
decken zu und bringt ſie in die Nähe eines leicht geheizten
Ofens, wo die kleinen Faſanenjungen dann der Obhut
ihrer Pflegemutter, der zärtlichen Bruthenne, übergeben
werden. Mit unſäglicher Vorſicht ſorgen die Züchter für
die Ernährung der zarten kleinen Tierchen; allerlei
Lecker=
biſſen harren ihrer, von friſchen Ameiſeneiern bis zu fein
geriebenem friſchen Weißbrot, gehacktem Salat und ge=
kochten friſchen Eiern. Erſt nach 5 Tagen wird der
er=
fahrene Züchter den Speiſezettel ſeiner Pflegebefohlenen
vielleicht um etwas Hirſe, Spitzſamen und kleinen Doſen
phosphorſauren Kalkes bereichern. Aengſtlich werden den
empfindlichen Tierchen alle Aufregungen ferngehalten; ihr
Leben und Treiben vollzieht ſich ſtets unter dem
wach=
ſamen Auge der Hüter, und gegen die Berührung mit
einem nicht ſtandesgemäßen Umgang bewahrt man ſie mit
der Umſtändlichkeit, die dem Baby eines Millionärs nicht
ſorglicher angedeihen kann. Ja, den kleinen Faſanen geht
es gut, beſſer wie ihren Wärtern und Hütern. Die leben
jetzt in ſtändiger Sorge und ſchlafen gleichſam nur mit
einem Auge. Denn es gilt, dieſe hüpfende undiſziplinierte
kleine Welt, die der ängſtlichen Rufe der Pflegemutter
ſpottet, in allen ihren Lebensregungen zu beobachten. Im
Seine=Departement gibt es Hunderte von Faſanerien, und
die am Waldrand liegenden Gehege ſind jetzt dicht
bevöl=
kert. Gar oft erſcheinen mit ſorgenvollen Geſichtern die
jagdfrohen Beſitzer der großen Reviere, um in Begleitung
ihrer Wildhüter die Möglichkeiten des Herbſtes
abzu=
ſchätzen, die „Stücke” zu zählen, die den Büchſen der
ge=
ladenen Jagdgäſte zur Verfügung ſtehen werden, und die
Strecke” zu ermeſſen, die der September verheißt. Nur
die Eingeweihten kennen alle die Aufregungen. Sorgen
und — Koſten, die die Faſanenzucht fordert. Wenn es
das Unglück will, kann eine Epidemie in wenigen Tagen
die ganze Faſanerie ausſterben laſſen, denn die kleinen
Faſanen ſind ſo empfindlich wie kaum andere Tiere. Und
wenn Worte wie Diphtherie, Darmentzündungen oder
dergleichen fallen, ſo rieſelt den Züchtern und Hütern ein
kalter Schauer über den Rücken. Sind ſpäter die Faſanen
in den Wald ausgeſetzt, ſo erſteht die Aufgabe, ſie vor ihren
Feinden zu beſchützen. vor Raubvögeln und Füchſen.
Wel=
chen Umfang die größeren Faſanerien in Paris haben,
dieſe regelrechten „Faſanenfabriken” ſieht man vielleicht
am beſten in La Guitonnerie. Es iſt die Faſanerie des
Grafen Potocki, auf der zurzeit über 12000 Faſanenküken
gehegt werden.
Seite 6
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914
Nummer 194.
ſolle die Stadt tragen. Der Oberbürgermeiſter erklärt ſich
grundſätzlich für den Antrag, doch müßten erſt
Erhebun=
gen über die Koſten gemacht werden. Die Koſten würden
ziemlich erheblich ſein, da die Arbeiten in den
Ueber=
ſtunden gemacht werden müßten. — Stadtv. Delp meint,
daß es zweckmäßig wäre, den Wahlberechtigten
gleich=
zeitig mitzuteilen, in welchem Bezirk ſie wahlberechtigt
ſeien. — Stadtv. Saeng ſpricht die Erwartung aus,
daß dieſe Benachrichtigungen auch bei Reichstags= und
Stadtverordnetenwahlen erfolgen ſollten. — Die
Wahl=
bezirkeinteilung wird ſodann gutgeheißen.
Die Ueberſicht über die Einnahmen und Ausgaben des
Realgymnaſiums der Ludwigs= und der
Liebigs=Oberrealſchule für 1913
wird nach den Berichten der Stadtvv. Henrich und Dr.
Noellner ebenfalls gutgeheißen.
Das Schuldgeld an den Frauenſchulen.
An den Frauenſchulen wurde ſeither kein Unterſchied
gemacht hinſichtlich des Schulgeldes für hieſige und
aus=
wärtige Schülerinnen. Nach dem Bericht des Stadtv.
Dr. Noellner wurde beſchloſſen, das Schuldgeld für
Auswärtige um 20 Mark zu erhöhen.
Schluß der öffentlichen Sitzung um 6½ Uhr.
Reichstagserſatzwahl.
* Labiau, 16. Juli. Bei der heutigen
Reichs=
tägserſatzwahl für den verſtorbenen Abg. von
Maſſow (deutſchkonſ.) erhielten Schrewe (konſ.) 7504,
Bürgermeiſter Wagner (Fortſchr. Vpt.) 6123 und
Linde (Soz.) 2192 Stimmen. Es findet Stichwahl
zwiſchen Schrewe (konſ.) und Wagner (Fortſchr.
Vpt.) ſtatt. Ein Wahlbezirk ſteht noch aus.
Bei der Wahl im Jahre 1907 erhielt der Kandidat
der Konſervativen 11575, der Volkspartei 1760, der
So=
zialdemokratie 3179 Stimmen; 1910 in der Hauptwahl
der Konſ. 7060, der Volkspartei 5400, der Soz. 3600
Stim=
men, in der Stichwahl der Konſ. 7140, der Volkspartei
9762; 1912 in der Hauptwahl der Kandidat der Konſ.
8357, der Volkspartei 5850, der Soz. 2961, in der
Stich=
wahl der Konſ. 9104, der Volkspartei 8694 Stimmen.
Gerichtszeitung.
Die Tragödie eines Oberlehrers.
sh. Hirſchberg i. Schl., 15. Juli. Von einem
furchtbaren Geſchick iſt der 39jährige Oberlehrer Dr.
Gott=
fried Thimme heimgeſucht worden. Schon ſeit längerer
Zeit litt ſeine Gattin an einem ſchweren unheilbaren
Lei=
den, weshalb ſie ihn andauernd beſtürmte, ihren Qualen
doch ein Ende zu machen und ſie zu töten. Kurz nach
Oſtern ds. Js. konnte Thimme dem Flehen ſeiner Frau
nicht mehr widerſtehen und ſchritt zu der furchtbaren Tat.
Aber nachdem er ſie mit einem gutgezielten Schuß ſofort
niedergeſtreckt hatte, vermochte auch er nicht länger zu
leben und jagte auch ſich eine Kugel in die Schläfe. Allein
ihm ſollte der Schuß nicht ſo gut gelingen. Wohl hatte die
Kugel die ſchreckliche Wirkung, daß ſie in die Augen traf
und ihm beide Sehnerven durchſchlug, wodurch der
un=
glückliche Mann völlig erblindete. Aber im übrigen iſt er
durch die Kunſt der Aerzte von den Wirkungen des
Schuſſes geheilt worden. Die traurige Folge des
erſchüt=
ternden Dramas war jedoch ein Verfahren wegen Tötung
auf ausdrückliches Verlangen, das von der Hirſchberger
Staatsanwaltſchaft gegen Thimme eingeleitet wurde.
Denn das Strafgeſetzbuch bedroht bekanntlich dieſes
Ver=
gehen mit Gefängnisſtrafe von nicht unter 3 Jahren bis
zu 5 Jahren. Nach längerer Unterſuchung iſt dieſes
Ver=
fahren aber in den letzten Tagen wieder eingeſtellt und
der Beſchuldigte außer Verfolgung geſetzt worden, da die
Staatsanwaltſchaft annimmt, daß er bei dem ſtändigen
Anblick der Schmerzen ſeiner Frau und durch deren
fort=
geſetzte Bitten völlig den Kopf verloren hat, ſo daß eine
krankhafte Störung der Geiſtestätigkeit im Sinne des
§ 51 St.=G.=B. vorgelegen haben mag, als er zu der
grau=
ſigen Tat ſchritt. Da Oberlehrer Thimme ſich hier
allge=
meiner Beliebtheit nicht nur bei den Schülern der
Ober=
realſchule, ſondern auch in ſeinen ganzen Kollegen= und
Bekanntenkreiſen erfreut, ſo wird hier die Niederſchlagung
des Strafverfahrens gegen ihn mit größter Genugtuung
begrüßt.
Zum Prozeß Caillaux.
* Paris, 16. Juli. Der Figaro erzählt, daß
der Oberſtaatsanwalt Herbaux ſeine Anklageſchrift
im Prozeß der Frau Caillaux dem Vertreter der
Privat=
beteiligten bisher noch nicht übermittelt habe. In
poli=
tiſchen und Advokatenkreiſen frage man ſich bereits, ob
Herbaux nicht vielleicht die Anklage wegen Vorbedachts
fallen gelaſſen habe. Und doch befinde ſich in den
Pro=
zeßakten ein Schriftſtück, das den Vorbedacht in
unbe=
ſtreitbarer Weiſe feſtlegt. Dies ſei der Brief, den Frau
Caillaux am 16. März, zwei Stunden vor dem Attentat,
an ihren Gatten geſchrieben habe. Das Schreiben lautet:
„Mein vielgeliebter Mann! Als ich Dir heute morgen
über meine Unterredung mit dem Präſidenten Monier
Bericht erſtattete, der mir eröffnet hatte, daß wir in
Frankreich kein Geſetz haben, um uns gegen die
Verleum=
dungen der Preſſe zu verteidigen, ſagte ich mir, daß Du
an einem dieſer Tage dem elenden Calmette den Schädel
einſchlagen würdeſt. Ich begriff, daß Deine Entſcheidung
unwiderruflich ſei. Da faßte ich den Entſchluß, ich ſelbſt
werde mir Recht verſchaffen. Frankreich und die
Repu=
blik bedürfen Deiner; ich ſelbſt werde den Akt begehen.
Wenn Du dieſen Brief erhalten haſt, werde ich mir Recht
verſchafft haben, oder zum mindeſten verſucht haben, mir
Recht zu verſchaffen. Verzeihe mir, aber meine Geduld
iſt zu Ende. Ich liebe Dich und umarme Dich aus
tief=
ſtem Herzen.”
* Paris, 16. Juli. Der Temps veröffentlicht
be=
reits heute die der Schwurgerichtsverhandlung gegen Frau
Caillaux vorgehaltene Anklageſchrift des
Ober=
ſtaatsanwalts Herbaux. In den Schlußfolgerungen
derſelben wird erklärt: In welcher mpraliſchen
Auf=
regung Frau Caillaux ſich auch befunden haben mag,
ſo muß man doch feſtſtellen, mit welcher Leichtigkeit ſie den
Gedanken des Verbrechens gefaßt hat, und auf
den logiſchen Zuſammenhang der Tathandlung, init
wel=
chem ſie das Verbrechen vorbereitete, ſowie auf die
Kalt=
blütigk eit hinweiſen, welche ſie bei deſſen Assführung
bewieſen hat. Demzufolge wird Frau Caillaux angeklagt,
am 16. März 1914 an Herrn Gaſton Calmette einen
ge=
fliſſentlichen und mit Vorbedacht verübten Mord begangen
zu haben.
Luftfahrt.
* Hirzfelden (Oberelſaß), 16. Juli. Bezüglich
der beiden heute vormittag hier gelandeten
franzöſi=
ſchen Fliegeroffiziere iſt vom Generalkommando
Karlsruhe verfügt worden, daß nach Aufnahme eines
Protokolls den beiden Offizieren die Rückreiſe frei
zu geben ſei. Der Apparat wurde abmontiert und wird
auf einem Fuhrwerk nach Altmünſterol transportiert
wer=
den, während die beiden Aviatiker noch heute abend im
Automobil nach Belfort zurückkehren. Der Name des
Füh=
rers lautet richtig Tretard. Es ſoll ſich um Offiziere der
Fliegerſtation Beſancon handeln.
* Schwerin, 16. Juli. Der Fluglehrer
Gei=
gant, der am Dienstag auf dem Goerries durch den
Zuſammenſtoß ſeines Apparates mit dem des
Leutnants von der Lühe einen Unglücksfall erlitt und in
eine Privatklinik übergeführt wurde, iſt dort geſtern
abend infolge der erlittenen Gehirnerſchütterung
ge=
ſtorben. Er hatte ſeit dem Unfall das Bewußtſein
nicht wieder erlangt.
* Petersburg, 15. Juli. Das Verzeichnis
der Strecken in den weſtlichen Grenzgebieten, in
wel=
chen die Luftſchiffahrt ohne beſondere
Er=
laubnis verboten iſt, iſt heute veröffentlicht
wor=
den. Um Erlaubnis ſind die Chefs der Militärbezirke
oder beſonders bevollmächtigte Behörden anzugehen.
Photographieren und Zeichnen iſt in dieſen Gebieten
un=
ter allen Umſtänden verboten. Beim Landen muß ſich
der Flieger bei den Behörden melden und ſeine Habe zur
Durchſicht vorlegen.
Arbeiterbewegung.
* Kottbus, 16. Juli. Der Geſamtvorſtand des
Ar=
beitgeberverbandes der Lauſitzer Tuchinduſtrie wurde
nach Kottbus einberufen, um für die bevorſtehende
Ge=
neralausſperrung die notwendigen
Ausführungs=
beſtimmungen zu beſchließen. Auch der
Textilarbeiterver=
band beruft für morgen in Kottbus, Forſt, Guben und
Spremberg Mitgliederverſammlungen ein, die ſich mit der
Lage im Lauſitzer Textilgewerbe beſchäftigen.
* Breslau, 16. Juli. Die ausſtändigen
Ar=
beiter der Linke=Hofmann=Werke erklärten
mit 3007 gegen 406 Stimmen ſich für die Einſtellung
des Streiks. Der Streik koſtete über eine Million
Mark. Die Arbeit wird binnen kurzem wieder
aufgenom=
men werden.
* London, 16. Juli. Die heute abgehaltene
Ver=
ſammlung des Ausſchuſſes der vereinigten
Ver=
bände und Maſchiniſtn und
Schiffsmaſchi=
niſten faßte einen endgültigen Beſchluß über die in dem
Maſchiniſtenausſtand einzuſchlagende Haltung.
Es wurde eine Erklärung abgegeben, nach welcher der
Ausſchuß beſchloſſen hat, die Maſchiniſten von allen
be=
troffenen Schiffen zurückzuziehen. Es gingen ſogleich
Ab=
geordnete nach der Provinz ab, um überall die nötigen
Vorkehrungen zu treffen.
Die albaniſche Kriſis.
Fürſt Wilhelm bleibt.
* Wien, 16. Juli. Der albaniſche Geſandte Sureja
Bey Vlora teilt mit, er habe einen Brief des Fürſten
Wil=
helm erhalten, den dieſer in gedrückter Stimmung
ge=
ſchrieben habe. Er habe darin mit keinem Worte
der Abſicht Erwähnung getan, abzudanken.
Der Fürſt und die Fürſtin werden vielmehr in
Durazzo bleiben.
* Durazzo, 16. Juli. Der vergangene Tag verlief
ohne Zwiſchenfall. Um 3 Uhr morgens ſtieg eine Rakete
auf, deren Bedeutung nicht aufgeklärt werden konnte.
Aus Valona wurde das von Hauptmann Ghillard
dort=
hin gebrachte Geſchütz, ſowie vier Maſchinengewehre
hier=
her geſchafft, und es wurde beſchloſſen, Durazzo bis
zum Aeußerſten zu verteidigen, falls die Stadt
angegriffen werde. Zahlreiche Gendarmerieoffiziere,
welche aus gefallenen Städten geflüchtet waren, ſind hier
eingetroffen.
* Valona, 16. Juli. Ismael Kemal Bey
hat geſtern die Bevölkekung Valonas
zuſam=
menberufen und ſie aufgefordert, ſich des Namens
der Skipetaren würdig zu erweiſen, zu den Waffen zu
eilen und die Stadt gegen die vorrückenden
Feinde zu verteidigen. Die Bevölkerung rief
be=
geiſtert: „Es lebe der Krieg, es lebe Albanien, es lebe
unſer König Wilhelm‟. Es wurde eine Kommiſſion
ge=
bildet, deren Aufgabe iſt, die Mittel zuſammen zu
brin=
gen, um den Flüchtlingen aus den von den Rebellen
be=
ſetzten Gebieten zu helfen und für die Familien der
Ver=
teidiger der Stadt zu ſorgen. Von Koritza, Tepeleni,
Berat und Fieri ſind große Scharen Flüchtlinge
einge=
troffen, die von entſetzlichen Greueltaten,
Bränden und Maſſakres berichten, die in ihrem
Gebiete begangen worden ſeien. Auch die albaneſiſchen
Truppen, die in dieſen Ortſchaften in Garniſon lagen,
ſind aufgelöſt und entkräftet eingetroffen.
* Wien, 16. Juli. Der Albaniſchen Korreſpondenz
zufolge iſt Prinz Günther von Schönburg=
Waldenburg geſtern aus Durazzo hier eingetroffen
und nach Sinaja weitergereiſt.
* Köln, 16. Juli. Die Kölniſche Zeitung meldet aus
Berlin: Obwohl das Werbebureau für
Frei=
willige nach Albanien auf deutſchem Boden, wie
ge=
meldet wurde, aufgelöſt worden iſt, gelangen doch noch
nach Durazzo beſonders aus Deutſchland öfters
An=
fragen von Reichsangehörigen, meiſtens
jun=
gen Leuten, die ſich nach den Bedingungen für den
Ein=
tritt in die albaniſche Armee erkundigen. Wir
werden aus dieſem Anlaſſe darauf aufmerkſam gemacht,
daß die albaniſche Regierung weder im Auslande noch
in Durazzo, weder für das albaniſche Heer noch für die
Fremdenlegion ein Werbebureau unterhält, daß deshalb
die Geſuchſteller aus Deutſchland ſich nicht wundern
dür=
fen, wenn auf ihre an das albaniſche Werbebureau
ge=
richteten Anfragen keine Erwiderung eingeht.
Vom Balkan.
* Serajewo, 16. Juli. In dem Dorfe Blazni
er=
mordeten Serben den aus Oeſterreich ſtammenden
Gaſtwirt Hufnagel wegen angeblicher ſerbenfeindlicher
Aeußerungen. Die Mörder ſteckten hierauf das Haus des
Hufnagel in Brand und griffen auch die Häuſer anderer
öſterreichiſcher und ungariſcher Staatsangehöriger an. Die
Mörder wurden verhaftet.
* Sofia, 16. Juli. Der Miniſterpräſident hatte
vor=
mittags mit den Führern der oppoſitionellen Parteien
eine Beſprechung, die ſich mit der durch die geſtrige
Abſtimmung in der Sobranje über die Anleihe
ge=
ſchaffenen Lage beſchäftigte.
* Sofia, 16. Juli. Die Majorität der Deputierten
beſchloß, wegen der Vorgänge in der geſtrigen Sobranje
die Abſtimmung über den Anleiheentwurf
ſchrift=
lich zu bekräftigen.
* Konſtantinopel, 16. Juli. Der griechiſche
Geſandte hatte heute nachmittag eine Unterredung mit
dem Großweſir. Wie verlautet, lenkte er deſſen
Aufmerk=
ſamkeit u. a. auf die Ermordung einiger griechiſcher
Unter=
tanen auf der Inſel Ingloſiniſſa.
* Konſtantinopel, 16. Juli. Der ſerbiſche
Geſchäftsträger iſt abberufen worden. Der
Ge=
ſandtſchaftsſekretär Riſtitſch hat die Geſchäfte übernommen.
* Konſtantinopel, 16. Juli. Die Regierung
unterbreitete der Kammer einen Geſetzentwurf,
betref=
fend außerordentliche Kredite von 5 Millionen
Pfund (115 Millionen Francs) für
Bewaffnungs=
zwecke, um gegen jede Eventualität gerüſtet zu ſein.
Der Geſetzentwurf wurde an die Militärkommiſſion
ver=
wieſen. Die Kammer begann ſodann die Debatte über
das Budget des Kriegsminiſteriums.
Kriegs=
miniſter Enver Paſcha erinnerte in einer kurzen Rede
an die Schickſalsſchläge, nach welchen er die Leitung des
Kriegsminiſteriums mit der Aufgabe übernahm, die Armee
zu reorganiſieren und ſie in den Stand zu ſetzen, die
er=
littenen Unglücksfälle wieder gut zu machen. Ich mußte,
fuhr der Miniſter fort, aus dem Armeeverband gegen
meinen Willen einige Kameraden entlaſſen, die vor etwa
vierzig Jahren die Schule verließen und nicht mehr die
modernen Syſteme lernen konnten. Ich erſetzte ſie durch
junge, arbeitsfähige Offiziere. Infolge der territorialen
Verluſte wurde der früher zu große Stand der Armee
herabgeſetzt. Die früher nicht gut geleitete Armee konnte
ihre Aufgabe nicht erfüllen. Aber ich hoffe, daß ſie infolge
der neuen Organiſation das wird erfüllen können, was
ſie in der Vergangenheit nicht konnte. Mit dem
ordent=
lichen und dem außerordentlichen Budget wird die Armee
in den gewünſchten Stand geſetzt werden. Der Miniſter
drückte ſchließlich die Hoffnung aus, daß die Armee das
Land werde verteidigen können. (Lebhafter Beifall.)
Die Kammer nahm ſodann debattelos das
ge=
ſamte Kriegsbudget in Höhe von ſechs Millionen
Pfund an.
Aus Mexiko.
Huertas Abdankung.
* Mexiko, 15. Juli. Amtlich wird mitgeteilt,
daß Präſident Huerta dem Kongreß heute nachmittag
4 Uhr ſeine Abdankung unterbreitet hat.
* Mexiko, 16. Juli. Huerta und Blanquet
haben Mexiko=City geſtern nacht verlaſſen. Sie
beſtiegen den Zug einige Meilen außerhalb der
Stadt. Man nimmt an, daß ſie ſich nach Puerta=
Mexiko begeben haben.
* Mexiko, 16. Juli. Die Abdankung
Huer=
tas wurde vom Kongreßmit 121 gegen 17
Stim=
men angenommen. In ſeiner Botſchaft über
ſeinen Rücktritt hebt Huerta ſeine Anſtrengungen
hervor, den Frieden herbeizuführen, ſowie die
Schwierig=
keiten, denen er dabei begegnete, da die nötigen Fonds
fehlten und die große Macht des amerikaniſchen
Konti=
nents offenkundig die Rebellen ſchützte. Dieſer Schutz
habe ſeinen Höhepunkt erreicht in dem empörenden
Vor=
gehen der amerikaniſchen Flotte vor Veracruz, gerade in
dem Augenblick, als die Revolution niedergeſchlagen war.
Huerta weiſt weiter die Behauptung zurück, daß bei ihm
perſönliche Intereſſen vorherrſchend geweſen ſeien. Seine
Abdankung ſei ein Beweis dafür, daß das Intereſſe des
Staates ſein erſter Gedanke geweſen ſei. Später erſchien
Huerta in ſeinem Lieblingscafé, gefolgt von einer
unge=
heuren Menſchenmenge, die Hochrufe auf ihn ausbrachte.
Viele ſchüttelten ihm die Hand, andere umarmten und
küßten ihn. Von Rührung überwältigt, erhob Huerta ſein
Glas und ſagte: „Dies ſoll hier mein letzter Toaſt ſein,
ich trinke auf den neuen Präſidenten von Mexiko.‟ Die
Straßen waren bis zur ſpäten Stunde voll von Menſchen,
doch kam es zu keinen Ruheſtörungen. Es ereignete ſich
ein einziger Zwiſchenfall. Als der neue Präſident,
Carba=
jal, die Kammer verließ, da ertönten Rufe des Unwillens
gegen die Abgeordneten, die ſich geweigert hatten, ihre
Stimme für die Annahme der Abdankung Huertas
abzu=
geben. Die Truppen zerſtreuten aber die Demonſtranten.
* Mexiko, 16. Juli. Faſt alle Mitglieder des
bis=
herigen Kabinetts, mehrere Generale und hohe
Beamte verließen geſtern nachmittag vor Huerta die
Hauptſtadt. Eine Sonderkommiſſion, aus drei früheren
Abgeordneten beſtehend, begab ſich nach Celaya, um mit
den Führern der Konſtitutionaliſten Abmachungen
für einen friedlichen Einzug in die Hauptſtadt
zu treffen.
* Waſhington, 16. Juli. Die Abdankung
Huertas wird in amtlichen Kreiſen als erſter, wirklicher
Schritt zur baldigen Löſung der mexikaniſchen Frage
be=
trachtet, obwohl die Konſtitutionaliſten erklärten, ſie
wür=
den Carbajal nicht anerkennen wollen. Wie es heißt, wird
die neue Regierung nur ſo lange am Ruder bleiben, bis
hinreichende Abmachungen für den Einzug Carranzas in
die Hauptſtatt getroffen ſind.
Der neue Präſident.
* Mexiko, 16. Juli. Der Miniſter des Aeußern
Carbajal legte geſtern abend den Eid als
Präſi=
dent von Mexiko vor den verſammelten
Abgeord=
neten und Senatoren ab. Darauf begab er ſich, von der
Garde geleitet, unter begeiſterten Zurufen der Menge
zum Nationalpalaſt. — Nachdem Huerta geſtern abend
ſeine Abdankung den Abgeordneten unterbreitet hatte,
beauftragte das Außenminiſterium eine Kommiſſion mit
der Erſtattung des Berichtes, wonach entſchieden werden
ſoll, ob die Abdankung anzunehmen iſt. Die
Abgeord=
neten und Tribünenbeſucher riefen „Hoch Huerta!” als
die Abdankungsakte verleſen wurden.
Rücktritt des Kabinetts
* Mexiko, 15. Juli. Alle Mitglieder des
Kabinetts ſind zurückgetreten.
* Waſhington 15. Juli. Präſident Wilſon
hat von einem Mitgliede des Ordens der
chriſt=
lichen Brüder ein Telegramm erhalten, demzufolge
der Direktor und der Inſpektor der Schule des Ordens
in Zacateca getötet und 11 andere Mitglieder, ſämtlich
Franzoſen, gefangen genommen worden ſind. Der
Or=
den hat ſich auch an die franzöſiſche Regierung um Hilfe
gewandt, um die Freilaſſung der Gefangenen zu erwirken
und der Wiederholung ſolcher Ereigniſſe in anderen
mexi=
kaniſchen Städten, die auch ſolche Schulen haben,
vorzu=
beugen.
* Mexiko, 16. Juli. Der Regierungswechſel
wird von der Bevölkerung ruhig aufgenommen.
Bevor Huerta die Stadt verließ, ſtattete er Carbajal im
Palaſte einen Beſuch ab und ſprach ihm ſeine Glück=
Nummer 194.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Seite 7.
winſche and. Die Bildung des neuen Kabinets wird
heute erwartet. Carbajal hatte eine Beſprechung mit den
Unterſtaatsſekretären der verſchiedenen Miniſterien. Auf
Freitag iſt ein offizieller Empfang des diplomatiſchen
Korps angeſetzt.
* Veracruz, 16. Juli. Der deutſche Kreuzer „
Dres=
den” und der engliſche Kreuzer „Briſtol” ſind von hier nach
Puerto=Mexiko abgegangen.
* Puerto=Mexiko, 16. Juli. Der deutſche
Kreu=
zer „Dresden” und der britiſche Kreuzer „Briſtol”
ſind hier eingetroffen und vor Anker gegangen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* München, 16. Juli. Die Kammer der
Reichs=
räte ſtimmte dem Geſetzentwurf, betreffend die Erhebung
von Zuſchlägen zur Reichserbſchaftsſteuer,
in der Faſſung der Abgeordnetenkammer zu. Der Zuſatz,
wonach Kirchenſtiftungen und ſonſtige gemeinnützige
Stif=
tungen vom Zuſchlag befreit ſein ſollten, wurde
abge=
lehnt. Reichsrat Graf Crailsheim ſprach ſich namens des
Reichsrats gegen eine Nachſeſſion aus. Miniſterpräſident
Graf Hertling betonte, daß der Landtag erſt ein Ende
finden könne, wenn das Budget erledigt ſei.
* Düſſeldorf, 16. Juli. Die Leitung der nächſtjährigen
großen Düſſeldorfer Ausſtellung beſchloß, da das Jahr
1915 zugleich denkwürdig iſt durch die hundertjährige
Zu=
gehörigkeit der Rheinlande zur Krone Preußens und
durch die hundertſte Wiederkehr des Geburtstages
Bismarcks eine umfaſſende
Erinnerungsaus=
ſtellung für den eiſernen Kanzler zu veranſtalten.
* Paris, 16. Juli. Der franzöſiſche
Sozia=
liſtenkongreß nahm mit großer Mehrheit den von
Jaurés und Vaillant eingebrachten
Beſchluß=
antrag an, welcher die ſeinerzeit in Kopenhagen
ge=
faßte Reſolution mit folgenden Zuſätzen enthält: Der
Kongreß ſieht unter allen Mitteln, welche den Krieg
ver=
hindern und die Regierungen zur Anrufung eines
Schiedsgerichts zwingen ſollen, den gleichzeitigen und
internationalen Geſamtſtreik in den beteiligten Ländern,
ſowie eine volkstümliche Bewegung als beſonders
wirk=
ſam an. Weiter nahm der Kongreß einen dem Wiener
internationalen Sozialiſtenkongreß vorzulegenden
Be=
ſchlußantrag über die deutſch=franzöſiſiſche Annäherung
an, in welchem die in Bern und Baſel zwiſchen deutſchen
und franzöſiſchen Parlamentariern abgehaltenen
Be=
ſprechungen mit Freuden begrüßt und mit beſonderem
Dank die verſchiedenen Kundgebungen der Elſaß=
Lothrin=
ger gegen die Revanche=Idee hervorgehoben werden. Die
Internationale unterſtützt, ſo heißt es weiter, die in den
Kundgebungen der elſaß=lothringiſchen Sozialdemokraten
am 16. März 1913 erhobenen politiſchen Forderungen und
verlangt im Einvernehmen mit dem Jenenſer Kongreß
der deutſchen Sozialdemokraten, daß Elſaß=Lothringen
ſeine Autonomie erhalte, von der Ueberzeugung
durch=
drungen, daß hierdurch die für den Weltfrieden
notwen=
dige deutſch=franzöſiſche Annäherung in ſehr großem
Maße erleichtert werden würde.
* Paris, 16. Juli. Nach einer Blättermeldung aus
Madrid hielt der Marineminiſter in
Santan=
der eine Rede, in welcher er unter Hinweis auf das
ge=
plante zweite Geſchwader ankündigte, daß die Regierung
beabſichtige, den geſamten Schiffsbau, ſowie alle
Lieferungen für die Flotte in
Staats=
regie zu übernehmen. Zu dieſem Zwecke ſollen ſowohl
für die Kriegs= wie die Handelsflotte neue Werften
ein=
gerichtet werden.
* Paris, 16. Juli. Das Feuer in der
Tanz=
ſchuke der Iſadora Duncan entſtand geſtern
nachmittag, während die Duncan einen Spaziergang
machte. Die Schülerinnen waren ſeit drei Tagen auf
einem Erholungsurlaub. Nur ein junges Mädchen war
zurückgeblieben. Dieſes fiel beim Ausbruch des Feuers
in Ohnmacht und mußte ins Hoſpital gebracht werden.
Das Feuer iſt vermutlich durch Kurzſchluß entſtanden.
Der Schaden ſoll bedeutend ſein. Es verbrannten u. a.
Tanzpartituren im Werte von 7000 Francs und zahlreiche
wertvolle Kunſtobjekte.
* Petersburg, 16. Juli. Neben einem kleinen Theater
ſind fünf am Fontankakanal gelegene große
Maga=
zine und Niederlagen niedergebrannt.
* Reval, 16. Juli. Auf der Weft der Aktiengeſellſchaft
Nobleßner fand heute die feierliche Kiellegung von
12 Unterſeebooten ſtatt.
* Konſtantinopel, 16. Juli. Der deutſche
Bot=
ſchafter Freiherr v. Wangenheim iſt hierher
zurück=
gekehrt.
* Rabat, 16. Juli. Am 13. Juli ſchlug Oberſt Odry
einen heftigen feindlichen Angriff bei Henifra
zurück, wobei die Feinde fünf Tote zurückließen. Als Odry
bereits in das Lager zurückgekehrt war, erfolgte ein neuer
Angriff. Die Eingeborenen wurden durch Artillerie und
Maſchinengewehre in die Berge zurückgeſchlagen. Auf
franzöſiſcher Seite wurden ſieben Mann verwundet,
dar=
unter drei Europäer.
Durch Blitzſchlag getötet.
* Mirkhauſen (Kr. Wittgenſtein), 16. Juli. Bei dem
geſtrigen ſchweren Gewitter iſt ein 12jähriger
Hüte=
junge vom Blitz getötet worden.
* Trier, 16. Juli. In der Eifel gingen geſtern ſehr
ſchwere Gewitter nieder. Zwei Männer und ein
junges Mädchen wurden vom Blitzerſchlagen.
* Oedheim (Württbg.), 16. Juli. Bei dem geſtern
nachmittag niedergegangenen ſchweren Gewitter
wurde die 40 Jahre alte Ehefrau Franz Decker, die
unter einem Weidenbaum Schutz geſucht hatte, vom
Blitz getötet. Ferner wurde die Ehefrau des
Uhr=
machers Moſthaf vom Blitz getroffen und ſchwer verletzt.
Der Briefträger Moſthaf, der ebenfalls unter dem Baume
Schutz geſucht hatte, kam mit dem Schrecken davon.
Aier enter ententen
* Baleſtrand, 16. Juli. Nach einem früh morgens
unternommenen Spaziergang hörten der Kaiſer und
ſein Gefolge einen kriegsgeſchichtlichen Vortrag des
Ge=
neralleutnants Freiherrn von Freytag=Loringhofen. Am
ſpäten Nachmittag fuhr der Kaiſer mit den Herren
ſei=
ner Umgebung an Land und nahm den Tee im Garten des
Profeſſors Dahl.
Spionage.
* Paris, 15. Juli. Ueber die neue Touloner
Spio=
nageaffäre wird gemeldet, daß die verhaftete Frau eine
Polin ſei, bei der angeblich kompromittierende, aus
Deutſchland ſtammende Briefe gefunden worden ſeien.
Fer=
ner wird berichtet, daß in Marſeille ein Mann verhaftet
wurde, der am 10. Juli in Algier ſehr wichtige militäriſche
Schriftſtücke entwendet habe.
Revolution in Venezuela.
* Bogota, 16. Juli. Nachrichten von der Grenze
mel=
den: In Venezuela iſt eine Revolution
ausge=
brochen, die ſich weiter ausbreitet. — Eine Feuersbrunſt
zerſtörte bedeutende Gebäude und reiche Warenlager.
Tageskalender.
Freitag, 17. Juli.
Konzerte: Platanenhain um 4½ und 8 Uhr.
Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Perkeo um
8 Uhr.
Pulver, Dr. Kuhn, giftfrei,
Guthaarungs tauſendf. bewährt, 3.50, 2.50 u.
1.50. Franz Kuhn, Kronen=Parf., Nürnberg.
Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. a. weißen
Turm, ſowie in Apotheken, Drog. u. Parfüm. (IX,266
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Nach Gottes unerforſchlichem Ratſchluß
ent=
ſchlief heute früh 10 Uhr mein lieber teurer
Gatte, unſer guter Sohn, Schwiegerſohn,
Bruder, Schwager und Onkel
Dr. Wilhelm Heyl
Lehramtsassessor
nach kurzem, ſchwerem Leiden im 30. Lebensjahre.
Bensheim, Darmſtadt, Pfungſtadt, den
16. Juli 1914.
In tiefem Schmerz:
Maria Heyl,
Anna Heyl,
Lina Engel,
Marie Wetzel,
Joh. Wetzel.
Die Beerdigung findet Sonntag, 19. Juli,
nachm. 3 Uhr, in Bensheim, vom Trauerhauſe
Eliſabethenſtr. 4 aus ſtatt.
(16351
Beileidsbeſuche dankend abgelehnt.
Todes=Anzeige.
Hiermit die traurige Nachricht, daß heute
morgen 10 Uhr unſer lieber, einziger,
hoffnungs=
voller Sohn
(16341
Franz
infolge eines Unglücksfalles im 18.
Lebens=
jahre plötzlich und unerwartet verſchieden iſt.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie Jakob Auracher
Rhönring 57.
Darmſtadt, den 15. Juli 1914.
Die Beerdigung findet am Freitag,
nachmit=
tags 4 Uhr, vom Beſſunger Friedhof aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die uns beim Hinſcheiden meines
lieben Mannes, unſeres guten Bruders,
Schwagers und Onkels bewieſene
herz=
liche Teilnahme ſagen wir unſeren
innig=
ſten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Minna Baldauf.
Darmſtadt, den 16. Juli 1914.
(16325
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute morgen entſchlief ſanft nach langem,
ſchwerem Leiden unſere gute Mutter,
Schwieger=
mutter, Großmutter und Tante
(16345
Frau Sattlermeister
Jacob Heil Witwe.
Darmſtadt, den 16. Juli 1914.
Wittmannſtr. 34.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet am Samstag,
vormit=
tags 10 Uhr, auf dem Beſſunger Friedhofe
ſtatt.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 17. Juli: Vorabendgottesdienſt 7 Uhr
30 Min.
Samstag, den 18. Juli: Morgengottesdienſt 8 Uhr
30 Min. Sabbatausgang 9 Uhr 25 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 18. Juli: Vorabend 7 Uhr 30 Min.
Morgens 7 Uhr 30 Min. Nachmittags 5 Uhr.
Sabbat=
usgang 9 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 19. Juli, an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB, Freitag, den 24. Juli:
Rausch Caudesch Aw.
Dampfernachrichten.
Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Ver=
treter Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: „Amerika” nach Boſton, 14. Juli 8 Uhr
15 Min. abends von Hamburg. „Armenia” 14. Juli
3 Uhr 15 Min. nachm. in Baltimore. „Barcelona”,
Neu=York=Levante=Dienſt, 14. Juli von Conſtanza.
„Bulgaria” nach Baltimore, 14. Juli 6 Uhr 30 Min.
morgens Lizard paſſiert. „Eincinnati” von Boſton
kommend, meldet drahtlos, am 15. Juli 4 Uhr nachm.
in Plymouth zu ſein. „Cleveland‟ 13. Juli 2 Uhr nachm.
in Boſton. „Hamburg” von Neu=York, 14. Juli 6 Uhr
morgens in Genua. „Vaterland”, von Neu=York
kom=
mend, 14. Juli 4 Uhr 10 Min. nachm. auf der Elbe.
„Willehad” nach Kanada, 13. Juli 5 Uhr 30 Min. nachm.
von Rotterdam. — Verſchiedene Fahrten: „Nicomedig”
von Perſien kommend, 14. Juli nachm. von Algier.
„Steiermark” 13. Juli in Swakopmund, ausgehend.
„Victoria Luiſe”, dritte Nordlandfährt, 14. Juli in Akureyri.
Nordd. Lloyd, Bremen. Mitgeteilt von dem
Ver=
treter: Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
Schneldampfer „Kronprinz Wilhelm” 14. Juli 7 Uhr
in Bremerhaven angekommen. Schnelldampfer „
Kron=
pinzeſſin Cecilie‟ 14. Juli 1 Uhr nachm. von
Bremer=
haven abgegangen. Schnelldampfer „Prinzeß Irene‟
14. Juli 8 Uhr vorm. Gibraltar paſſiert. Schnelldampfer
„König Albert” 13. Juli 7 Uhr nachm. von Gibraltar
abgegangen. Schnelldampfer „Barbaroſſa‟ 13. Juli
12 Uhr mittags in Bremerhaven angekommen.
Schnell=
dampfer „Chemnitz” 11. Juli 6 Uhr nachm. von
Gal=
veſton abgegangen. Schnelldampfer „George Waſhington‟
11. Juli 3 Uhr vorm. von Neu=York abgegangen.
Schnelldampfer „Berlin” 13. Juli 11 Uhr vorm. in
Neu=York angekommen. Reichspoſtdampfer „Derfflinger”
14. Juli 3 Uhr nachm. in Singapore angekommen.
Reichspoſtdampfer Prinz Eitel Friedrich” 14. Juli
4 Uhr von Schanghai abgegangen. Reichspoſtdampfer
„Prinzeß Alice‟ 14. Juli 12 Uhr mittags von Port Said
bgegangen. Reichspoſtdampfer „Scharnhorſt” 14. Juli
5 Uhr vorm. in Suez angekommen. Reichspoſtdampfer
„Roon‟ 14. Juli 12Uhr mittags von Genua abgegangen.
Frachtdampfer „Poſen‟ 14. Juli 9½ Uhr vorm. Vliſſingen
paſſiert. Frachtdampfer „Schwaben‟ 14. Juli 2 Uhr vorm.
von Meſſina abgegangen. Frachtdampfer „Thüringen”
14. Juli 4 Uhr vorm. von Antwerpen abgegangen.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das weſtliche Tiefdruckgebiet drang Mittwoch mit
ſeinen Ausläufern nach Mitteleuropa vor und
verur=
ſachte verbreitete Gewitter und Regenfälle. Wir haben
heute auf ſeiner Rückſeite noch vielfach wolkiges, bei
meiſt nordweſtlichen Winden kühles Wetter und
ver=
einzelte Niederſchläge zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 17. Juli:
Vorwiegend wolkig, vereinzelt Regenfälle, kühl,
nord=
weſtliche Winde.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Fruilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil: Mar Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem
Geſchäfts=
leben: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. — Für den
redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die
„Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
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Kaution kann geſtellt werd. Off.
unter H 90 an die Exp. (*1424
Mädchen, 22 Jahre alt, welches
nähen, bügeln und etwas kochen
kann, ſucht Stellung in einem
kleinen Haushalt. Offerten unter
H 88 an die Exp. (*1421fs
Aelteres zuverläſſiges Mädchen
ſucht Stellung, am liebſten bei
einz. Dame, ſieht mehr auf gute
Behandl. als hoh. Lohn. Offert.
unter H 73 an die Exp. (*1373
Jung. Mädchen, in Babypflege
erfahren, ſucht für nachm. Stelle,
evtl. zu Kindern.
(*1431
Näh. Luiſenſtraße 10, part.
zöfähriges Mädchen
ſucht zum 1. Aug. Stelle als
Kinder=
fräulein, evtl. auchſonſt. l. Beſchäft.
im Haushalt. Off. u. K. M. 313
Darmstadt hauptpostlagernd. (*1385fs
Beſſ. Mädch., in all. Hausarb.
durchaus erf., ſ. Stelle für tagsüber
Off. unt. H 96 an die Exp. (*1442
Männlich
Beamter
ſucht für die Zeit von 20.— 28. Juli
Beſchäftigung auf Bureau,
Bei=
tragen der Bücher ꝛc. Offert. u.
H 85 an die Expedition. (*1407fs
Stud. arch.
4 Sem., ſchon auf Büro gearbeit.,
ſucht hier oder auswärts Stellung
bei einem Architekten, auch als
Volontär. Gefl. Offerten unter
H 67 an die Exped. (*1343fo
Tücht. Heizer u. Maſchiniſt
gelernter Maſchinenſchloſſer, ſucht
zur Dreſchſaiſon Stellung.
Lang=
jähr. Erfahrung u. in all.
vorkom=
menden Reparaturen bewandert.
Franz Huthmann
Heinheimerſtr. 13. (*1386
für etwa 6 Wochen.
Frl. Anna Textor
Darmſtadt, Steinackerſtr. 11
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Offene Stellen:
in Darmſtadt: 2 Kinderfräulein,
1 Kammerjungfer;
auswärts: 2 einf. Stützen, 2
Er=
zieherinnen, 2 Kinderfräulein
fürs Ausland.
(16310
Stellenſuchende:
Stützen, Kinderfräulein,
Haus=
hälterinnen.
Stellenvermittlung für weibl.
kaufm. und Bureau=Perſonal.
Offene Stellen:
Verkäuferinnen: Spielwaren,
Ko=
lonialwaren, Tapiſſeriebranche,
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lanterie= und Luxuswaren.
Direktrice für Putzfach u. Arbeiterin,
la Arbeiterin für Schneidern,
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ſchiedene Lehrmädch., 1 Kontoriſtin,
2 Buchhalterinnen mit frz. Sprachk.,
Gehalt 150 Mk., 1 Kontoriſtin für
Ingenieurbureau nach Brüſſel,
Sprachkenntniſſe nicht erforderlich.
Stellengeſuche:
Verkäuferin f. Buchhandel,
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leiterinnen, Verkäuferinnen,
Ex=
pedientin, Buchhalterinnen,
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toriſtinnen, Stenotypiſtinnen,
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Lehrmädchen f. Putz u. Schneiderei.
Arbeitsamt Darmſtadt
Waldſtraße 19. Fernruf 371.
Lauffrau ſofort geſucht. (*141
Viktoriaſtr. 92, 1. St.
für Maſchine geſucht. (16258
L. C. Wiltich’ſche Hofbuchdruckerei
Rheinſtraße 23.
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Hobrechtſtraße 1, part.
Ordentliches, zuverläſſiges und
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ann, in kleinen Haushalt geſucht.
Näheres Rheinſtr. 37 im Bureau,
Seitenbau rechts, 1. Et. (*1348di
Tüchtiges ſauberes
Hausmädchen
das auch etwas vom Kochen
ver=
ſteht, ſofort geſucht. Lohn 25—30
Mark. Gute Behandlung. (*1315df
Ernſt=Ludwigſtr. 8, 1. St.
Für ſehr leichte
Gartenarbeit
werden noch einige Frauen und
Mädchen angenommen. (16293df
Karl Walter
Gärtnerei, Arheilgerſtraße 132.
In kleinem herrſchaftlichen
Haus=
halt in Wiesbaden wird ein brav.
beſſeres evangeliſches (II,16321
Zweitmädchen
aus ordentl. Fam. geſucht. Nur
gut empf. Mädch., die nähen, büg.
u. ſervieren können, wollen ſich unt.
näh. Angabe melden: Villa Dora,
Schützenſtr. 1, Wiesbaden.
Tücht. Putzfrau ſof. geſ. (*1395
Ireneſtr. 9, II., a. d. Frankfurterſtr.
Ein ſauberes Mädchen
gegen hohen Lohn geſucht (*1441
Eliſabethenſtr. 2
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Nummer 194.
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Mitglieder des V. C. D. haben freien Eintritt!
Vereinigte Kriegervereine
Darmſtadts.
Wir geben unſeren Mitgliedern davon Kenntnis, daß am
Sonntag, den 19. Juli d. Js., vormittags 8 Uhr, ein Kirchgang
nach der Ludwigskirche und Stadtkirche ſtattfindet.
Die Zuſammenkunft für beide Kirchen findet um 7½ Uhr
vorm. an der Turnhalle am Woogsplatz ſtatt.
Um recht zahlreiche Beteiligung wird gebeten.
(16306
Der Vorſtand.
Darmſtähdter Ktiegerſeſt19014
18.—20. Juli.
Sonntag, den 19. Juli d. Js., treffen zur
Teilnahme an dem geplanten Feſtzuge eine große
Anzahl auswärtiger Krieger=, Marine= uſw. Vereine
in Darmſtadts Mauern ein. Da die hieſige Einwohnerſchaft bei
jeder Gelegenheit zur Verherrlichung patriotiſcher Feſtlichkeiten,
beſonders auch durch Fahnenſchmuck der Häuſer, beigetragen hat,
ſo richtet der Feſtausſchuß an alle patriotiſch geſinnten Einwohner
die Bitte, ihre Häuſer am 18., 19. und 20. Juli mit
Fahnenſchmuck verſehen zu wollen.
Gleichzeitig geſtatten wir uns nochmals auf die am
18.—20. Juli d. Js. im Großh. Orangeriegarten ſtattfinden=
(16308
den Feſtlichkeiten aufmerkſam zu machen.
Der Feſtausſchuß.
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Ab heute, 16. Juli:
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Grosser Programmwechsel.
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Jeden Dienstag und Freitag große Militärkonzerte!
Freitag. 17. Juli, abends 8 Uhr: Vollzählige Kavelle des Großh.
Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61. Leitung: Obermuſikmeiſter M. WEBER.
3. Teil des Programms:
Dem Andenken Theodor Körners gewidmet!
Preußens Gloria, Armeemarſch Nr. 240
von Piefke.
Trauermuſik, geſpielt bei der Einweihung des Theodor Körner=
Denkmals zu Wöbbelin, am 29. September 1814. (Marcia
mode-
rato. Wie ſie ſo ſanft ruh’n. Hör' uns, Allmächtiger.) Aus
Körners Gedichten.
„Deutſchlands Erhebung”, Feſtmuſik zum Andenken an Theodor
Körner, von Riccius. Kommentar: Das von Frankreich in Feſſeln
geſchlagene Vaterland. Tieſes Trauern ob der Schmach und des
Kriegselendes in Deutſchlands Gauen. Der Aufruf des Königs
von Preußen an ſein Volk. Der Abmarſch der Truppen gegen
den Feind. Die Schlacht beginnt. Vater, ich rufe dich. Du Schwert
an meiner Linken. Was glänzt dort im Walde im Sonnenſchein.
Pariſer Einzugsmarſch. Dem Höchſten Dank für die
wieder=
gewonnene Freiheit im Vaterland.
Erinnerung an die Freiheitskriege, Feſtmarſch . . von Weber.
Eintritt mit Programm 15 Pfennig.
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Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.—
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Näh. in der Expedition.
Schöner, grüner, zahm. Papagei
umſtändehalber zu verk. Eberſtadt,
Alte Darmſtädterſtr. 25. (*1356
Heckkäfig u. ein Ia Kanarien=
Zuchtweibchen, ſowie ein
Haustelephon zu verk. (*1409
Viktoriaſtraße 87, part.
Nummer 194.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag den 17. Juli 1914.
Seite 11.
Die Dienſtſtunden der ſtädtiſchen Verwaltungen.
Die gegenwärtig herrſchende Hitze hat mich veranlaßt, die
Dienſtſtunden der ſtädtiſchen Verwaltungen, ſoweit es möglich war,
vorübergehend von Freitag, den 17. Juli ab, durchgehend auf
die Zeit von 7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags zu
ver=
legen. Das Publikum wird gebeten, dieſe Zeit zur Erledigung von
Dienſtgeſchäften zu benutzen. Für die Erledigung dringlicher
Ange=
legenheiten ſind von 2—6 Uhr nachmittags ſtets Beamte im
Stadt=
haus und bei allen übrigen ſtädtiſchen Verwaltungen anweſend.
Darmſtadt, den 15. Juli 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
(16313fs
Bekanntmachung.
Das Umlagekataſter der Land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufs=
genoſſenſchaft für das Großherzogtum Heſſen für das Jahr 1913 liegt
zwei Wochen lang, nämlich vom 20. Juli 1914 bis zum 3. Auguſt 1914
dieſes Jahres auf der Bürgermeiſterei zur Einſicht der Beteiligten
offen. Etwaige Widerſprüche dagegen, daß ein Betrieb in das Kataſter
aufgenommen oder nicht aufgenommen, ſowie dagegen, wie er
ver=
anlagt iſt, ſind innerhalb eines Monats nach Ablauf der
Offen=
legungsfriſt bei dem Vorſtande der Land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufsgenoſſenſchaft in Darmſtadt zu erheben. Später eingehende
Widerſprüche können keine Berückſichtigung mehr finden.
Arheilgen, den 16. Juli 1914.
(16304
Großherzogliche Bürgermeiſterei Arheilgen.
Benz.
Bekanntmachung.
Das Umlagekataſter der Land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufs=
genoſſenſchaft für das Großh. Heſſen für das Jahr 1913 liegt zwei
Wochen lang, nämlich vom 17. Juli bis zum 31. Juli dieſes Jahres
auf der Bürgermeiſterei zur Einſicht der Beteiligten offen. Etwaige
Widerſprüche dagegen, daß ein Betrieb in das Kataſter aufgenommen
oder nicht aufgenommen, ſowie dagegen, wie er veranlagt iſt, ſind
innerhalb eines Monats nach Ablauf der Offenlegungsfriſt bei
dem Vorſtande der Land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufsgenoſſen=
ſchaft in Darmſtadt zu erheben. Später eingehende Widerſprüche
können keine Berückſichtigung mehr finden.
Pfungſtadt, den 15. Juli 1914.
(16298
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.
Bekanntmachung.
Das Umlagekataſter der Land= und forſtwirtſchaftlichen
Berufs=
genoſſenſchaft liegt vom 18. Juli ab auf der Bürgermeiſterei 14 Tage
lang zu Jedermanns Einſicht offen.
Weiterſtadt, den 15. Juli 1914.
(16303
Großherzogliche Bürgermeiſterei Weiterſtadt.
I. V.: Meinhardt.
Verſteigerungs-Anzeige.
I. Freitag, den 17. Juli 1914, vorm. 10 Uhr,
verſteigere ich Blumenthalſtraße 115, 4. Stock, auf freiwilligen
Antrag, aus einem Nachlaß herrührend:
3 Betten, 2 Kleiderſchränke, Küchenſchrank, Anrichte,
Waſſer=
bank, verſchiedene Küchengeräte, 1 Singer=Nähmaſchine mit
Fußbetrieb, 1 Lexikon, Spiegel, Bilder, Stühle, Tiſche,
Uhren, verſchiedene Kleidungsſtücke u. a. m.;
II. Freitag, den 17. Juli 1914, nachm. 3 Uhr,
im Verſteigerungslokal „Zur Ludwigshalle” (Obergaſſe)
zwangs=
weiſe gegen Barzahlung:
1 National=Kontroll=Regiſtrierladenkaſſe (neueſten
Sy=
ſtems), 194 Flaſchen Eliſabetiner=Likör (Erſatz für
Bene=
diktiner), 110 Flaſchen Südweine, 38/1 u. 15/2 Flaſchen franz.
Champagner, 10 Flaſchen Likör und Kognaks,
Bijouterie=
waren, Weiß= und Schnittwaren;
ferner auf freiwilligen Antrag:
1 Grammophon mit 52 meiſtens doppelſeitig ſpielbaren
Platten, 1 Kinderpult und Waſchgeſtell.
(16342
Kapp, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Georgenſtr. 1.
Futter=Verſteigerung.
Die Verſteigerung des Graſes
von der ſtädtiſchen Pallaswieſe
vom 9. lfd. Mts. iſt genehmigt.
Die Mähſcheine ſind bei der
Stadt=
kaſſe erhältlich und müſſen bis
zum 20. dieſes Monats abge=
(16287df
holt ſein.
Darmſtadt, 11. Juli 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Kanalbauarbeit.
Die Ausführung eines 225 m
langen Steinzeugrohrkanals in der
Allee ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei dem
Tiefbau=
amt, Zimmer Nr. 4, zur Einſicht
offen. Auch werden dort die
An=
gebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Donnerstag, 23. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(16312fs
reichen.
Darmſtadt, 15. Juli 1914.
Tiefbauamt.
Steuer=Erhebung.
Das II. Ziel der
Gemeinde=
ſteuern für das Rechnungsjahr
1914 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu
ent=
richten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 13. Juli 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (16317a
Schöne Stachelberen
zu verkaufen per Pfund 12 Pfg
(16346
Frankfurterſtr. 36.
Konkursverfahren.
Nachſtehender Gerichtsbeſchluß
wird hierdurch zur öffentlichen
Kenntnis gebracht.
Ueber das Vermögen des
Han=
delsmannes Julius Cohn zu
Darmſtadt wird heute, am 13. Juli
1914, vormittags 11 Uhr, das
Kon=
kursverfahren eröffnet, da die
Zah=
lungseinſtellung dargetan iſt.
Der Kaufmann Ludwig Raab
zu Darmſtadt wird zum
Konkurs=
verwalter ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
1. Auguſt 1914 bei dem
Ge=
richte anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen
Ver=
walters, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf
Montag, 10. Auguſt 1914,
vormittags 9 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Zimmer Nr. 201, Termin
anbe=
raumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur
Konkurs=
maſſe etwas ſchuldig ſind, wird
aufgegeben, nichts an den
Gemein=
ſchuldner zu verabfolgen oder zu
leiſten, auch die Verpflichtung
auf=
erlegt, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen,
für=
welche ſie aus der Sache
abgeſon=
derte Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 5. Auguſt 1914 Anzeige zu
(16324
machen.
Darmſtadt, 13. Juli 1914.
Großherzogliches Amtsgericht I.
eine Inckerbirnen, Pfund=
15 Pfg., abzugeben Kranich=
(*1401fs
ſteinerſtr. 65, Hth.
16326fs)
für 9 Mark
ſchläger zu verkaufen
Viktoriaſtraße 81, part.
Klapp=Sportwagen, faſt neu,
für 6 Mk. zu verkaufen (*1388
Schießhausſtraße 63.
Aenderung der §§ 34 und 38 des Ortsbauſtatuts der Stadt Darmſtadt.
Die Stadtverordneten=Verſammlung hat durch Beſchluß vom 9. ds. Mts. nachſtehende neue
Faſſung der §§ 34 und 38 des Ortsbauſtatuts gut geheißen.
Einwendungen gegen dieſe Statutänderungen ſind, bei Meidung des Ausſchluſſes, in der Zeit
vom 16. bis 31. ds. Mts. bei dem Stadtbauamt, Grafenſtr. 30, ſchriftlich oder zu Protokoll vorzubringen.
Darmſtadt, den 14. Juli 1914.
(16311
Der Oberbürgermeiſter: J. V.: Schmitt.
Alte Faſſung.
§ 34.
Die Umfangsmauern aller Wohngebäude und
aller ſonſtigen Gebäude, die außer dem
Erd=
geſchoß noch ein oder mehrere Stockwerke mit oder
ohne Feuerungseinrichtung haben, müſſen maſſiv
erbaut werden; bei ſolchen Gebäuden müſſen die
Umfangsmauern im oberſten Stock
beziehungs=
weiſe Knieſtock eine Stärke von mindeſtens
45 Zentimeter bei Bruchſteinen und 25
Zenti=
meter bei Backſteinen haben. Bei
Bruchſtein=
mauern muß die Stärke nach unten von
Stock=
werk zu Stockwerk um mindeſtens je 10
Zenti=
meter, bei Backſteinen alle zwei Stockwerke um
mindeſtens einen halben Stein zunehmen. Bei
dieſen Dimenſionen ſind Stockwerkshöhen nicht
über 4 Meter im Lichten und Zimmertiefen nicht
über 7 Meter vorgeſehen; werden dieſe
Dimen=
ſionen überſchritten, ſo ſind auch die
Mauer=
ſtärken entſprechend zu vergrößern. Die
Außen=
mauern von Treppenhäuſern bedürfen der
Ver=
ſtärkung nach unten nicht, wenn ſie 45 Zentimeter
bezw. 1½ Steine ſtark bei nicht mehr als 12 Meter
Höhe ausgeführt ſind.
Stockwerksaufſetzungen auf beſtehende
Ge=
bäude ſind nur dann zuläſſig, wenn dieſe
Mini=
malmaße noch ohne Anblendung an beſtehende
Mauern eingehalten werden können.
Neue=Faſſung.
§ 34.
Die Umfangsmauern aller Wohngebäude
und aller ſonſtigen Gebäude, die außer dem
Erd=
geſchoß noch ein oder mehrere Stockwerke mit
oder ohne Feuerungseinrichtung haben, müſſen
maſſiv erbaut werden; bei ſolchen Gebäuden
müſſen die Umfangsmauern im oberſten Stock
beziehungsweiſe Knieſtock eine Stärke von
min=
deſtens 45 Zentimeter bei Bruchſteinen und
25 Zentimeter bei Backſteinen haben. Bei
Bruch=
ſteinmauern muß die Stärke nach unten von
Stockwerk zu Stockwerk um mindeſtens je 10
Zenti=
meter, bei Backſteinen alle zwei Stockwerke um
mindeſtens einen halben Stein zunehmen. In
den oberen Geſchoſſen können die Außenmauern
auch 38 Zentimeter ſtark ausgeführt werden, ohne
daß dadurch die obigen Mindeſtmaße beeinflußt
werden. Bei Fabrikgebäuden bleibt es der
Bau=
polizei vorbehalten, Erleichterungen eintreten zu
laſſen. Bei dieſen Mindeſtſtärken ſind
Stockwerks=
höhen nicht über 4 Meter im Lichten und
Raum=
tiefen nicht über 7 Meter vorgeſehen; werden
dieſe Maße überſchritten, ſo ſind auch die
Mauer=
ſtärken entſprechend zu vergrößern. Die
Außen=
mauern von Treppenhäuſern bedürfen der
Ver=
ſtärkung nach unten nicht, wenn ſie 45 Zentimeter
bezw. 1½ Steine ſtark bei nicht mehr als 12 Meter
Höhe ausgeführt ſind.
Stockwerksaufſetzungen auf beſtehende
Ge=
bäude ſind nur dann zuläſſig, wenn dieſe
Mindeſt=
maße noch ohne Anblendung an beſtehende
Mauern eingehalten werden können.
§ 38.
Von den inneren Wänden müſſen bei den
Gebäuden mit maſſiven Umfangswänden ganz
in Stein errichtet werden:
a) Je nach der Größe der Gebäude mindeſtens
eine der zur Balkenunterſtützung
erforder=
lichen Scheidewände und zwar wenigſtens
1 Stein ſtark im oberſten Stockwerk;
aus=
genommen hiervon ſind einſtöckige Gebäude.
b) Alle Treppenhauswände von den
Außen=
mauern bis zur Gangwand 25 Zentimeter
ſtark in Backſteinen, 45 Zentimeter ſtark in
Bruchſteinen. Sollen dieſe Wände zum
Auflagern von Holzteilen dienen, ſo muß
die Mauerung zwiſchen der inneren
Treppen=
hausfläche und dem Holzteile mindeſtens
13 Zentimeter betragen. Ausgenommen
hiervon ſind einſtöckige Gebäude.
c) Alle Scheidewände, an welchen ſich andere
als gewöhnliche Ofen= und Kamin=
Feue=
rungen befinden, auf jeder Seite wenigſtens
50 Zentimeter über die äußeren Teile der
Herde hinaus und mindeſtens 1 Stein ſtark.
§ 38.
Von den inneren Wänden müſſen bei den
Gebäuden mit maſſiven Umfangswänden ganz
in Stein errichtet werden:
a) Je nach der Größe der Gebäude mindeſtens
eine der zur Balkenunterſtützung
erforder=
lichen Scheidewände und zwar, wenigſtens
1 Stein ſtark im oberſten Stockwerk;
aus=
genommen hiervon ſind einſtöckige Gebäude.
Bei kleineren Einzelhäuſern kann im oberſten
Stockwerk 13 Zentimeter ſtarkes Fachwerk
zugelaſſen werden.
b) Alle Treppenhauswände von den
Außen=
mauern bis zur Gangwand 25 Zentimeter
ſtark in Backſteinen, 45 Zentimeter ſtark in
Bruchſteinen. Sollen dieſe Wände zum
Auflagern von Holzteilen dienen, ſo muß
die Mauerung zwiſchen der inneren
Treppen=
hausfläche und dem Holzteile mindeſtens
13 Zentimeter betragen. Ausgenommen
hiervon ſind einſtöckige Gebäude und kleine
Einzelhäuſer.
c) Alle Scheidewände, an welchen ſich andere
als gewöhnliche Ofen= und Herdfeuerungen
befinden, auf jeder Seite wenigſtens
50 Zentimeter über die äußeren Teile der
Herde hinaus, und mindeſtens 1 Stein ſtark.
Die Atbeiten bei Ausführung der Verbeſſerungsmaßnahmen
an den Infantierie=Schießſtänden 4—6 ſollen in einem Loſe
öffentlich vergeben werden.
Die Zeichnungen und Bedingungen liegen im Geſchäftszimmer
des Militär=Bauamts Darmſtadt, Riedeſelſtraße 60, II., während der
Dienſtſtunden, vormittags von 8½ bis 12½ und nachmittags von
3 bis 6 Uhr, offen und können daſelbſt die Verdingungsunterlagen zum
Preiſe von 1.10 Mk. gegen poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung des
Betrages bezogen werden.
(16339
Die ausgefüllten Angebote nebſt den vorgeſchriebenen Proben
ſind verſiegelt, mit entſprechender Aufſchrift verſehen, bis zum 27. Juli
1914, vormittags 10 Uhr, an das vorgenannte Geſchäftszimmer poſt=
und beſtellgeldfrei einzuſenden, zu welchem Zeitpunkte die Eröffnung
erfolgt. Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
Militär=Bauamt.
Monatsſchrift für Familien= und Ortsgeſchichte
in Heſſen und Heſſen=Naſſau
Begründet von Dr. Hermann Bräuning=Oktavio
Herausgegeben von D. Dr. Wilh. Diehl
Dritter Jahrgang:: Heft 7, Juli 1914
Inhalt: Johann Heinrich Eckardt: Selbſtbiographie und Stammbuch von
Friedrich Carl Mader. — Dr. Karl Eſſelborn: Peter Bajus, der
Schnell=
läufer. (Mit einem in den Text gedruckten Bild.) — Ernſt Challier ſen.:
Die Muſik in Heſſen und Heſſen=Naſſau. II. — Ludwig Geiger: Iffland
als politiſcher Berichterſtatter. — Kleine Mitteilungen: Landgraf Philipp
(der Großmütige) von Heſſen und der Alkohol. — Bücherſchau. — Aus
Zeitſchriften. — Austauſch. — Auskünfte.
Preis: Jährlich 12 Hefte: 6 Mark, vierteljährlich 3 Hefte:
1,50 Mark, Einzelhefte gegen Voreinſendung des Betrags
60 Pfge. Probehefte unentgeltlich.
Man abonniert bei dem Verlag der „Heſſiſchen Chronik‟
L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei, Darmſtadt, und allen
(16338fsg
Buchhandlungen.
die faſt neue Einrichtung einer Villa ſofort preiswert zu
ver=
kaufen. Herrenzimmer (eichen) mit dreitür. Bibliothek, eleg.
Speiſezimmer (eichen) mit Standuhr, Schlafzimmer mit
Bett=
umbau und Seitenſchränkchen, Salongarnitur (Sofa, 4 Seſſel),
Wohnzimmer, beſtehend aus Büfett, Tiſch uſw.,
Kücheneinrich=
tung, weißes Bluſenſchranken, Friſiertoilette. Sehr günſtige
Gelegenheit für Brautleute. Adreſſe zu erfragen in der Exped.
(*1361
ds. Bl. Händler beſ. ſtreng verbeten.
Feinſte holl. und heſſiſche
Süßrahm=
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(Adler=
Allerfeinſte marke)
das beſte, was es gibt,
per 1 Pfund Mk. 1.45
(reines Kokosſpeiſefett)
per 1 Pfund 58 Pfg.
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Pflanzenbutter=Marg.
Hend per 1 Pfund 90 Pfg.
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unter Qualitäts=Garantie für jed.
Stück, 10 Stück 88 Pfg.
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10 Stück 48 und 58 Pfg.
(16343
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Darmſtädter
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(*1408
„Stadt Nürnberg‟‟,Obergasse38.
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Nummer 194.
Frankfurter Kursbericht vom 16. Juli 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)
Staatspapiere.
100,60
De. Riéhnschatzanw.
99,70
Dt. Reichsankeihe v. 1918
99,70
do. . . . . p. 1925 .
86,50
(o. . . . . . . . . . .
1500
(o. . . . . . . . . . „
4 100,30
Preußischo Schatzanw.
4 91,30
Btaffolanleiho. . .
3½ 86,50
Consol . . . .
75,75
do. ... . . . . . .
Badischo Stuata-Anleihe: 4 97,60
do,V. 92/94 . . . . . . . 3½ 89,30
do:- . . . . . . . . . . . . . 3 1 84,50
97,90
Bavorische Ablös.-Rento
L.-B.-Anl. kdb. ab 1006 4 1 90,00
4 98,70
do. unkdb. p. 1918 . .
4 98,80
do. unkdb. p. 1920 . .
E.-B.- u. Allgom. Anl.
unkdb. p. 1930 . . . . 4 99,00
3½ 84,90
do. Anleiho . .
3 75,90
do.
Hamburgor Staats-Anl. . 4 1 98,50
31
do. v. 1887/94 . . . .
3 80,20
do. . . . . .
Hensischo Staats-Anlotho 4 97,60
4 97,80
do, unkdb. p. 1921
.3½ 85,25
(o. .
do. . . . . . . . . . . . . . 3 7400
Sächsische Btaate-Ronto 3 —
Württombg. Staats-Anl.
4 99,20
(unkab. p. 1921).
do. v. 79/80 . . ..
.3½ 88,00
3 77,30
(0. . . . . . „ „
Bulgarischo G1d.-Anl.
5 95,70
Griech. Anl. v. 1890 .
10—0
do. v. 1887 Monopol 1%
Italionische Ronte.
Outorr. Staats-R. v. 1913 . 4½ 89,00
do. Hülbor-Ronte . . . . 14½ 83,05
do, Papior-Ronte
.4½) —
do. Gold-Ronto . . . . . 4 84,90
do, einhoitl. Ronto . . 4 79.90
Portug. Tab-Anl. 1891
4½ 97,90
do. inn. amort. 1905 .
75,75
do. unif. Herie I
3 6500
do.
. III. 3 66,10
do. Spozial Titel. .
9,50
Rumänon v. 1903 .
5 99,80
do. Gold v. 1913.
14½1100,50
do. Schatzuch. v. 1913 . 4½ 90,85
do. oonv..
4 8500
do. v. 1890₰
4 94,00
do. v. 1891
2
do, v. 1905
4 85,00
do. v. 1908
4 85,10
do, v. 1910
4 85,00
Runsische St-AAnl. v. 1905 4½ 98,30
do. kons. v. 1880
4 56,00
.do, Gold v. 1890
41 2
do. v. 1902
4 89,15
Schwodon v. 1680₰
Oc
do. v. 1896 .
86.60
Schweden v. 1890.
85,00
:
Sorben stouorfrei
do, amort. v. 1895 . . .
Türk. Egypt. Tribut
do, kons, stouerfreio .
75,25
do. Admin. v. 1903. .
81,80
do. unif. v. 1903. . .
71,00
„ do. v. 1905. . . . . . .
Ungarische Stants-Ronts
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 87,40
Ungar. Stautsk.-Scheino
v. 1913. . . . . . . . . . . .4½ 98,75
61,00
do. Gold-Ronte. . . . .
do. Staats-Rento 1910.
78,30
do. „ „ Kr. 4 78,15
Argont. innere Gold-Anl.
v. 1887
98,50
do, äußero v. 1890
5 1100,00
.4½—
do. innero v. 1888
do, Kußero v. 1888 . . .4½ 92/30
do. v. 1897 . .
4% 78,30
Chile Gold-Ani. v. 1911.
95,00
do. v. 1889 . . .
4, —
do. v. 1906
4½ 89,50
Chines. St.-Anl. v. 18
6‟—
do. v. 1896
5 99,30
do. Reorg. Anl.
5 87,50
do. v. 1898
4½ 90,75
Japanor . . . .
4½
Innere Mezikaner:
5 68,55
Außero do.
5 85,75
Mexikan, Gold v
4 75,00
do. cons. . .
3 47,00
do, Irrigat.-An
4½ 67,80
Buonos-Kires Prov
3½
Tamaulipas .
5
Suo Pauſo E.-I
5
do, v. 1913
5 97,80
Ziam v. 1907. .
4½ 96,70
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisonb.-Gesollsch.
v. 1895/97
84,60
, „ v. 1904 3½ 85,00
Hesn. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
Darmstadt. . . . . . . . 4 93,95
Nordd. Lloyd-Obligat. . . 4½
Donau-Dampfschiff. v. 82 4 91,00
Elisabothbahn . . . .
489,00
Franz-Josof-Bohn.
Kaschau-Oderborger v. 89 4 86,10
Prag-Duxer . .
3 71,80
Osterreich. Staatsbahn . 5 (101,20
do. . . . .
do. . . . .
72,00
do. Südbahn (Lomb.)
97,30
do. d0,
69,80
do. do.
49,80
Raab-Oedenburg .. . .
75,80
Kronprinz Rudolfbohn .
84,20
Russ. Südwost .
484,30
Moskau-Kasan . . . . . . .4½ 94,60
84,40
do. . . . . . . ..
.
4 85,40
Wladikawkas. . . . . . .
Kjünan-Koslow:
65,0
Portugieb. Lisenb.
4½ 83,75
do.
69,10
Livornoser .
60,50
Salonique Monastir.
4 77,80
Bagdadbahn
Anatolische Eisenbahn 4½ 90,15
90,00
Missouri-Pacifie I.
444,00
do. do. v. 1905
4 95,00
Northern-Pacifio.
4 91,60
Southern-Pacifie.
dt. Louis & San Francisco 5
—
Tchuantepec . .
5 98,00
Ungar. Lokalbahn
Provinz-Anleihen.
Rheinprov. Obl. Em. 20/21 4 97,30
3½ 87,75
do. Em. 10 .
3 84,00
do. „ 9.
3½ 84,00
Poson Prov.. .
4 95,80
Wostfalen Prov. V.
4 95,40
Hoss. Prov. Oberhosson
3½ 86,00
do. Starkonburg.
Städte-
Obligationen.
Darmstadt.
4 95,00
Poe
d0. ...
3½
Frankfurt
4½ 97,00
do. . . .
.3½ 88,10
Gießon . .
4% 95,40
do. . . . .
3½ 87,00
Heidelberg.
4 95,00
do. . . .
3½ 87,20
Karlsruho
4½ 94,90
do. . ..
3½ 86,50
Magdeburg
4—
Mainz . . .
4 94,90
do. ..
3½ 88,00
Mannheim.
4½ 95,00
d0.
3½ 80,50
München.
4 96,40
Kauheim
3½ —
Nürnborg
4% 95,50
do. ..
3½ 88,00
Offonbach
494,80
do. v. 1914
4
do. ..
3½
Wiesbaden.
4
do.„
. 3½
Worms .
4 94,40
do. .
..3½ 88,00
Lissabon v. 1888
—
4
Moskau v. 1912
4½ 94,00
Stockholm v. 1880 ₰
4
Wien Komm. .
-
Wiener Kassenscheine
99,10
Zürich v. 1889 .
Buonos Stadt v. 1892 . .
Pfandbriefe.
Berliner Hyp.-Bk.-Pf. . . 4½1100,00
9800
do. unkdb. 1918. . . .
95.75
do.
1919. . . .
9475
do.
1921 . . ..
60
do.
1922. . . .
3½ 83,50
do. . . . . . . . . .
95,00
do. Komm.-Obl. unk. 1918
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910) 4 95,00
4 96,00
1915
do.
1920 . . . . 4 1 96,50
do.
dc. Sor. 12—19. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Sor. 1,
unkdb. 1910 . . . . . . . 3½ 86,50
Frankf. Hyp.-Krod.-Ver.
94,00
Sor. 15—42
94,90
48—49
do. . ..
96,00
do. unk. 1922
52
9½88,00
do. „ 1913. . . . . .
86,50
do. Sor. 45 . . . . . . . . 31
Hoss. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,90
Sor. 12, 13, 16
do. . . . . „ 14, 15, 17 4 96,00
do. unkdb. 1920 . . . . 4 97,40
do. „ 1923 . . . . 4 97,50
do. Ber. 1, 2.6—8 . . . . 3½ 84,80
do. „ 3—5 . . . . . . . 3½ 84.50
3½ 84,80
do, kündb. 1915
96,90
do. Komm. unk. 1913
96,90
1914
do.
97,10
. 1916
do.
97,40
do,
1920
1927 4 97.50
do.
84,80
do. verlosb. u. kündb.
84,85
do.
unkdp. 1915
94,80
Meininger Hyp.-Bk. Pfdb.
96,00
do. unkdb. 1922. . . .
86,00
do. . . .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfv.
unkdb. 1917
94,20
94,20
do. . . ... „ 1919
914,20
do. . . . .. „ 1921
96,50
do. . . . .. „ 1924
do. . . . . . . .
3½ 84,40
do. Komm. unk. 1923
95,20
1924
do.
96,50
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
97,00
d0....... „
89,40
Bank-Aktien.
Bank für elektr.
Unter-
nehmungen Zürich . . 10 (198,00
Berg.-Märkische Bank. . 77
Berliner Handelsges.. . . 8½
Darmstädter Bank . . . . 6½ 1113,75
Deutsche Bank. . . . . . .12½1231,70
Deutsche Vereinsbank. . 6 11875
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 1112,00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 181,00
Dresdner Bank . . . . . . . 8½ 1145,10
Frankf. Hypothek.-Bank 10 (215.50
do. do. Krod.-Ver. 8½ (155.80
Mitteldeutscho Kred.-Bk. 6½ (115,10
Nation.-Bank f. Deutschl. 6 1106,00
121,00
Pfälzische Bank . . . . . . 8.43 138.90
Reichsbank . . . . . . . . .
125,00
Rheinische Kredit-Bank.
1106,50
A. Schaaffhaus, Bk.-Ver..
Wiener Bank-Verein. . . 8 127,00
Aktien von
Trans-
port-Anstalten.
Hamb.-Amorika-Packetf. 10 124,65
Norddeutacher Lloyd. .. 8 106,70
Frankfurt. Schleppschiff. 4
Südd. Eisenb.-Gesellsch..6½ 128,00
219
Anatol. Eisenb. 60%-Akt.5½
6‟88,00
Baltimore
10 1866
Canada . .
7½ 1125%
Schantung.
76
*9
Prins Henry.
016,50
Lombarden .
6 1110,50
Pennsylvania.
Industrie-Aktien.
(561,50
28
Badische Anilin-Fabrik
Chem. Fabrik Griesheim 14 240,00
Farbworke Höchst . . . . 1 30 1459.00
Ver, chom. Fabr. Mannh.. 20 302.00
Zomont Heidolborg . . . . 10 (143,00
Chemische Worke Albort 30 393,00
Holzverkohl. Konstanz 1 15 1269,00
122,00
Lahmeyer . . . . . .
139,00
Schuckert, Nürnberg.
12 208,50
Siemens & Halske.
Bergmann Eloktr..
5 109,50
Allg. Elektr.-Goselisch. . 14 1238½
Hagen Akkum..
25 1281,00
Deutuch. Üborsee-Elektr. 11 (162,50
Gummi Peter . .
0 78,00
Adler-Fahrradwerke . . . 25 (284,75
Maschinenfabr. Badenin . 6 1122,00
Wittener Stahlröhren . . 0 —
Motoren, Oberursel . . .8½ 1151,00
Gasmotoren, Deutz . . . . 9‟ —
Siemens Glas-Industrie . 15 —
Enzinger Filter . . . . . . 23 1274,50
Steaus Romana
. . . . 10 146,60
Zellstoff Waldhof . . . . . 12 1167,50
Bad. Zucker-Waghäusel .12,831214,50
Neue Boden-Aktion-Ges. . 74,00
Süddeutsche Immobilien 0
54,50
Bergwerks-Aktien.
Aumotz-Friede .
12
Bochum. Borgb. u. Gußst. 14 (217,90
Loonhard, Brounkohlen . 9 1155,00
Konkordia Bergbau
23 353,00
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 123,50
Eschweiler . . . .
10
Gelsenkirchen Borgw. . . 11 177,00
Harpon Borgbau. . . . . . 11 1172,50
Kaliwerke Aschorsleben - 10
Kaliwerko Westeregeln . 13 187,00
Königin Marienhütte . . 5
Laurahütto . . . . . . . . . 8 (140,00
Oberschles. Eisenbed. . . 4
Oberschl. Eisen-Industrio 0 I 80,50
Phönix Bergbau . .
18 1227,75
Rheinische Braunkohlen 11 227,00
Riebeck Montan . . . . . . 11 (176,00
South West.-Afr. Shares . 5
Vorzinsliche
Anlehenslose. (Zf.
Badische . . . . . TIr. 100 4 —
Cöln-Mindener . TIr. 1003½139,50
Holländ. Komm. . f1. 100 3 114,90
Madrider . . . . . Frs. 100 3
Meininger Prüm.-Pfdbr. . 4 (143,00
Osterreicher 1860or Lose . 4 180.20
Oldenburger . . . . TIr. 40 3 128,00
Raab-Grazer . . . . H. 1502½
Unverzinsliche
Mk.
Anlehenslose.
p. St.
Augsburger
.A.7 —
Braunschwe
TIr. 20 1206,00
Mailänder
Fa. 45 —
do.
Fs. 10 33,00
Meininger
.. H.7 37,00
Osterreicher v. 186
f. 100 —
v. 1853
u. 100 —
do.
Ungar. Staate
u. 100 1442,00
Venodiger
Fu. 30 70,60
Türkische ......
Fa. 400 1158,00
Gold, Hilber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns.
20,45
20-Franks-Stücke . . .
16,39
Amerikanische Noton .
4,19
Englische Noten . .
20,52
Französische Noten.
81,50
Holländische Noten
169,45
Italienische Noten
81,20
Ostorr.-Ungarische Noton
84,95
Russische Noten . . . . .
Schweizer Noton. . . . . . . . 81,55
Reichsbank-Diskont . . .
do. Lombard Zuf..
Tendenz:
Fest.
handel und verkehr.
— Frankfurt a. M., 16. Juli. Der Umſchwung
in der Beurteilung der politiſchen Lage, der bereits geſtern
zu erkennen war trat heute noch deutlicher in Erſcheinung
und veranlaßte Deckungen und vereinzelte Meinungskäufe
der Spekulation. Einen beſonders günſtigen Eindruck rief
ein Artikel der Times hervor, der die Stellung Oeſterreich=
Ungarns zu Serbien behandelt und der im
Zuſammen=
hang mit den günſtigen Nachrichten aus Mexiko ſowie
feſten Wiener Anfangskurſen die Baſis für eine feſte Börſe
wurde. Zuſtatten kam dem Markt noch, daß die
umfang=
reichen Exekutionen, die beſonders während der letzten
Tage die Kurſe gedrückt hatten, anſcheinend ſchon geſtern
beendet waren und daß im Verlauf ſowohl London wie
Paris höhere Kurſe meldeten. Nach vorübergehender
Ab=
ſchwächung auf Berliner Einfluß konnte ſich die feſte
Ten=
denz behaupten. Allerdings kann von einer
allgemeine=
ren Beteiligung der Spekulation noch nicht die Rede ſein.
Maßgebend für die Zurückhaltung ſind die
Syndizierungs=
fragen, deren Löſung nach neueren Berichten, wenn
über=
haupt, erſt Ende September zu erwarten iſt, und nicht
zu=
letzt die Verhältniſſe in Amerika, die ſich in den
weichen=
den Kurſen einiger Spezialwerte widerſpiegeln. Heimiſche
Fonds lagen heute feſter, ebenſo konnten ſich Oeſterreichiſch=
Ungariſche Werte und beſonders Mexikaner erholen. Der
Kaſſamarkt bot heute noch kein einheitliches Bild; neben
Kursbeſſerungen ſind noch vereinzelt Kursrückgänge zu
verzeichnen. Geſamttendenz feſt.
* Ausnahmetarif. Mit Gültigkeit vom 1. Auguſt d. J.
wird für den Binnenverkehr der preußiſch=heſſiſchen
Staatsbahnen ein Ausnahmetarif für getrocknete
Kar=
toffeln (Flocken, Scheiben, Schnitzel, Schrot) zu
Futter=
zwecken beſtimmt eingeführt. Er gilt bei
Fracht=
zahlung für mindeſtens 10000 Kilogramm pro
Fracht=
brief und Wagen. Die Frachtberechnung erfolgt nach den
Sätzen des Rohſtofftarifs.
Landwirtſchaftliches.
—Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 15. Juli. Auftrieb: 172 Schweine. Preiſe
1. Qual. (Schlachtgewicht 50 Kilogramm) 62 Mk., 2. Qual.
61 Mk., 3. Qual. 60 Mk. Marktverlauf: drückend,
Ueber=
ſtand. — Schweinemarkt am 16. Juli. Auftrieb 201
Schweine. Preiſe 1. Qual. (Schlachtgewicht 50
Kilo=
gramm) 62 Mk., 2. Qual. 61 Mk., 3. Qual. 60 Mk.
Markt=
verlauf: drückend, Ueberſtand. — Kälbermarkt am 16. Juli.
Auftrieb 105 Kälber, 1 Schaf. Preiſe 1. Qual. (
Lebend=
gewicht 50 Kilogramm) 54 Mk., 2. Qual. 50 Mk., 3. Qual.
48 Mk. Marktverlauf: lebhaft.
* Groß=Gerau, 15. Juli. Vor allem zeichnete
ſich der letzte Ferkelmarkt durch den großen Auftrieb
von 1187 Tieren aus. Die Prämiierungskommiſſion hatte
daher auch 26 Preiſe zuerkannt. Der Geſchäftsgang war
ziemlich lebhaft und koſteten Ferkel 6—17 Mark und
Springer 19—32 Mark pro Stück. Einleger waren keine
vorhanden. Am Schluſſe des Marktes war nur noch ein
kleiner Reſtſtand übrig. Der nächſte Ferkelmarkt findet
am Montag, den 20. ds. Mts., ſtatt.
* Petersburg, 16. Juli. Laut Handels= und
In=
duſtriezeitung hat ſich der Saatenſtand in
Ruß=
land in den letzten Monaten verſchlechtert. Am 1. Juli
a. St. waren die Winterſaaten gut Mittel, die
Sommer=
ſaaten kaum Mittel, Winterweizen war allgemein gut
Mittel. Gut im Weſten, in Kleinrußland, in den
Grenz=
bezirken, im Süden, in den Zentralgouvernements und
im Nordkaukaſus, ſtellenweiſe auch in Polen und im
Nor=
den; unbefriedigend und ſchlecht an einzelnen Stellen der
ſüdweſtlichen und der nordweſtlichen Gouvernements, in
den übrigen Gebieten befriedigend. Roggen war
allge=
mein gut Mittel; gut in Kleinrußland, in den
angrenzen=
den Bezirken der Zentralgouvernements, zum größten
Teil in den ſüdweſtlichen Gouvernements und im
Nord=
kaukaſus, ſtellenweiſe in den ſüdlichen, in Polen und den
nordweſtlichen Gouvernements; unbefriedigend
ſtellen=
weiſe im Südweſten, an der Zentralwolga und in den
nordöſtlichen Gouvernements. Die Sommerſaaten haben
ſich bedeutend verſchlechtert, beſonders im Nordoſten und
im Norden und ſtellenweiſe auch an der Wolga und im
Zentrum. Sommerweizen war im allgemeinen kaum
Mittel, unbefriedigend zum Teil im Süden, in
Kleinruß=
land und im Nordoſten, ſtellenweiſe im Zentrum, an der
Wolga und im Nordweſten; gut im Nordkaukaſus
ſtellen=
weiſe auch im Transuralgebiet, in den übrigen Gebieten
befriedigend. Hafer war unbefriedigend, auch ſchlecht, an
der Oberwolga, im Nordoſten, Norden, zum Teil im
Zen=
trum, in Kleinrußland, im Süden, im Uralgebiet, im
Nordkaukaſus, ſtellenweiſe in Polen, im Zentrum, in den
übrigen Gebieten befriedigend. Gerſte war allgemein
kaum Mittel; unbefriedigend an der Oberwolga, im
Nor=
den, zum Teil im Südoſten, im Zentrum, in Kleinrußland,
an der Mittelwolga und im Süden; gut im Südweſten,
im Nordkaukaſus, den angrenzenden Gebieten der
ſüd=
weſtlichen Gouvernements, zum Teil in Polen und im
Transuralgebiet. Im Weſten erweiſt ſich der Saatenſtand
als allgemein gut Mittel.
eurnen, Spiele und Sport.
* Rad=Rennbahn. Die Training=Rennen,
die am Dienstag, den 21. Juli abends ſtattfinden werden,
verſprechen außerordentlich intereſſant zu werden.
Spe=
ziell die beiden Tandemfahren werden heiße Kämpfe
brin=
gen. Denn zu den bisher genannten Bader, Peter und
Ritzenthaler kommen noch E. Müller und F. Nagel=
Karls=
ruhe, Pawke=Berlin und M. Gruber=Straßburg. Die
Tandempaare Peter-Bader, Ritzenthaler-Pawke und
Gruber-Müller ſind ſich ſo ziemlich gleich und da ein
jedes 2000 Meter — 4 Runden=Rennen immer
Poſitions=
kämpfe vor dem Endſpurt bedingt, wird der Ausgang
des Tandem=Hauptfahrens wohl hauptſächlich von der
Taktik der einzelnen Fahrer abhängen. Das Tandem=
Vorgabefahren wird die Sieger vom Mal ab ſtarten ſehen,
während die Vorgaben je nach Ausgang des erſten
Ren=
nens vom Preisgericht feſtgeſetzt werden. Neben den
verſchiedenen Berufsfahrer=Fliegerrennen wird
voraus=
ſichtlich auch ein Training=Rennen der Amateur=
Mann=
ſchaft des Velociped=Klubs Darmſtadt ausgefahren
wer=
den, und Damus, Sehring und Thomae werden beweiſen,
daß deren Zeiten hinter den Berufsfahrer=Zeiten nur ſehr
wenig zurückſtehen. Wir möchten den Beſuch dieſes
Trai=
ning=Rennens am Dienstag abend dem Darmſtädter
Publikum dringend empfehlen.
* Der A. D. A.C.=Proteſttag in Eiſenach läßt eine recht
rege Beteiligung erwarten, um ſo mehr, als auch ſeitens
der Behörden die Klubleitung alle Unterſtützung findet.
Die Zielkontrollen ſind für Teilnehmer an der
Geſell=
ſchaftsfahrt ſchon Samstag 4—8 Uhr geöffnet und dann
Sonntag 8—10 Uhr. Die Proteſtverſammlung ſelbſt
fin=
det pünktlich 1 Uhr Sonntag mittag im Hotel „
Fürſten=
hof” ſtatt, wo am Abend bei Konzert und feſtlicher
Be=
leuchtung der Burg die Preisverteilung erfolgt. Zu den
vom Klub in Höhe von 15000 Mk. ausgeſetzten Preiſen
haben inzwiſchen auch noch die D. A. P. G. 4 Preiſe zu in
Summa 500 Mark und die D. B. V. 3 Preiſe von 150 Mark
und 100 Mark geſtiftet. — Das Wohnungs= und
Sport=
bureau iſt im „Karthäuſer=Hof‟. — Ob nach der Proteſt=
verſammlung ein Korſo ſtattfindet, hängt vom Wetter ab.
Um nun bei dem aus allen Teilen des Reiches zu
erwar=
tenden Zuſammenſtrömen der Kraftfahrer eine Beläſtigung
des Publikums zu vermeiden, hat der Klub ſeinen 27000
Mitgliedern einzeln noch einmal die Mahnung zugehen
laſſen: „Je näher Eiſenach, um ſo rückſichtsvoller fahren
und immer rechts fahren!” Man kann das wohl billigen
und wenn jeder Fahrer das ſtets beherzigen wollte, dann
wäre gewiß bald das beſte Verhältnis zum nicht
auto=
fahrenden Publikum hergeſtellt.
— Malmö (Schweden), 15. Juli. Ihre Majeſtäten,
die Könige von Schweden und Dänemark
be=
ſuchten heute die baltiſche Ausſtellung und weilten
beſon=
ders lange in der von der deutſchen Automobil=Induſtrie
reich beſchickten deutſchen Abteilung. Der Vertreter der
deutſchen Auto=Induſtrie, Herr Kom.=Rat Dr. Opel,
be=
grüßte die Fürſtlichkeiten und geleitete ſie durch die
deut=
ſchen Stände. Das Intereſſe der beiden Könige war ein
ſehr reges und verweilten dieſelben vor jedem deutſchen
Ausſtellungsſtand längere Zeit. Herr Kom.=Rat Dr. Opel
wurde gebeten, der deutſchen Auto=Induſtrie das
unein=
geſchränkte Lob der Majeſtäten zu übermitteln.
sr. Pferdeſport. Hoppegarten. Totaliſator=
Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Kgl.
Würt=
tembergiſches Privat=Geſtüt Weils Wolferat (Schläfke),
2. Wand, 3. Eifer. 91:10. 29 22, 2510. — Danubia=
Rennen; Ehrenpreis und 10000 Mark, Diſtanz 1800
Me=
ter: 1. Hrn. A. u. C. v. Weinbergs Fabella (Shaw), 2.
Askania, 3. Mon Deſir. 64:10. 29, 20:10. — Aſche=Rennen;
5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Hrn. R. Haniels
Pon=
treſina (F. Lane), 2. Waſſerroſe, 3. Invicta. 31:10. 12,
12, 12:10. — Herdringen=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz
1600 Meter: 1. Kgl. Hauptgeſtüt Graditz’ Waldteufel, 2.
Nicolo, 3. Malta II. 18:10. 11, 13, 16:10. — André=
Er=
innerungs=Handikap; 13000 Mark, Diſtanz 2400 Meter:
1. Hrn. A. u. C. v. Weinbergs Pirol (Shaw), 2. Rheingau,
3. Teddy. 2910. 13, 18, 23:10. — Sommer=Verkaufs=
Rennen; 3800 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Hrn. W.
Lindenſtaedts Gracchus (Plüſchke), 2. Madiſon, 3.
Dodil=
berga. 20.10. 11, 12, 123:10. — Dalberg=Handikap; 6200
Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Hrn. R. Cordes Mars la
Tour (Wedgewood), 2. Eidechſe, 3. Luntrus. 33.10. 16,
40, 56:10.
Luftfahrt.
„Angelbomben” für den Luftkrieg.
In der amerikaniſchen flugtechniſchen Zeitſchrift
„Flying” wird über eine ſoeben patentierte neue
Erfin=
dung Bericht erſtattet, deren Zweck es iſt, dem
Bomben=
wurf aus der Flugmaſchine größere Treffſicherheit zu
ver=
leihen. Die neue Erfindung, die auf das in Philadelphia
lebende Mitglied des amerikaniſchen Aero=Klubs Joſeph
A. Steinmetz zurückgeht, beſteht in einer Art „
Angel=
bombe.‟ Die Bombe iſt an einem langen, ganz feinen
Drahtſeil oder an einer dünnen Silberſchnur befeſtigt. Der
Flieger, der dem gegneriſchen Flugzeug oder Luftſchiff die
Höhe abgewonnen hat, wirft ſeine am Draht befeſtigte
Bombe aus, derart, daß der Draht hinter den Gegner zu
liegen kommt. Beim Vorwärtsfliegen legt ſich der Draht
nun an das feindliche Luftfahrzeug und die Bombe wird
emporgezogen. Der Exploſivkörper iſt ſo konſtruiert, daß
er an der Oberfläche einen Zünder trägt, der bei der
leich=
teſten Berührung den Sprengſtoff automatiſch entzündet.
Auch bei der Zerſtörung feindlicher Werke, Werften,
Hä=
fen und Forts würde dieſe „Angelbombe” vom Luftſchiff
wie vom Flugzeug aus eine größere Treffſicherheit, als
ſie die bisher erſonnenen Vorrichtungen ermöglichen,
ge=
währleiſten.
Nummer 194.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
Seite 13.
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Telephon 2545
L. Spier
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Die höhere Pflicht.
Roman von Doris Freiin von Spättgen.
(Nachdruck verboten.)
26)
Sein Geſicht verfinſterte ſich, und ärgerlich betrachtete
er die aufgeregte Frau.
Nein — ich laß Dich net, bevor Du mir ſagſt, daß nix
Fremdes zwiſchen uns liegt. Gerald — ich bin’s ja nur
dem Namen nach noch Dein Frau! Jedwed’ Harmonie
unter uns ſcheint’s aufgehört zu haben. Du haſt’s kein
Vertrau’n, keine Lieb’ mehr für mich — und das — das
ertrag’ ich net!
Olly brach in konvulſiviſches Schluchzen aus und
ver=
barg das Geſicht.
So blieb ſie mehrere Sekunden, ohne ſich zu rühren,
bis des Gatten Hand ganz ſanft und beruhigend über ihr
goldblondes, duftendes Haar ſtrich. Dann erſt erhob ſie
wieder den geſenkten Kopf.
O nein, Olly, durchaus nichts Fremdes! Das liegt in
Deiner Einbildung, Deiner aufgeregten Phantaſie, die
Dir ſchon öfters einen Streich geſpielt hat. Was
veran=
laßt Dich denn überhaupt, an mir zu zweiſeln?
Des Freiherrn Stimme bekam bei dieſer Frage einen
matten Klang.
Betroffen ſchaute ſie ihn an.
Einbildung, ſagt’s? Ja, am End’ iſt’s nur
Einbil=
dung! Aber ich möcht’s oft laut aufſchrei’n in Angſt und
Zorn — wann ich zuſchau’n muß, wie’s dem Mäd’l ſo viel
Gut’s antuſt, ſo viel Lieb’ und Herzenswärme zeigſt! Das
frißt an mir, das macht mich damiſch wild! Nenn’s
Eifer=
ſucht — na ja — doch ich will Dich halt ganz für mich
allein haben!
Olly, bedenke — das vater= und mutterloſe Kind!
Die?! Mit den Augen, mit dem G’ſchau! Wann
e e e e e
Haus genommen haben! rieſ ſie heſig und ſprang enpor.
Voll Trauer begegnete er ihrem funkelnden Blick und
erwiderte ernſt:
Du haſt es um meinetwillen getan, Olly. Du wußteſt,
wie mein ganzes Sehnen und Verlangen damals danach
ausging, zu fühnen, an anderen Kindern zu fühnen, was
ich in quälender Selbſtanklage gleich Sklavenketten durchs
Leben zog. Und dieſes mir nun von Gott anvertraute
Gut halte ich heilig, Olly! — Auf alle Deine ſo wenig
ſchönen, faſt kränkenden Worte kann ich Dir nichts anderes
erwidern.
Baron Solten war ebenfalls aufgeſtanden und griff
nun liebevoll nach der Gattin Hand.
Wir wollen dieſe unerquickliche Sache nun ruhen laſſen
und ſie nie mehr berühren. Ja, Olly?
Sie nickte zögernd.
Und nie mehr das Vertrauen verlieren zu demjenigen,
der Dir Treue gelobt hat — willſt Du?
Sein anſprechendes, geiſtvolles Geſicht mit den
trau=
rigen Augen zeigte einen ſo wunderbaren Ausdruck
ſee=
liſcher Abgeklärtheit und feſter Manneswürde, daß die
junge Frau den Blick beſchämt zu Boden ſchlug.
Verſuchen will ich’s ſchon — aber . . . Olly ſtockte,
wobei es in den eben noch ſo angſtvoll geſpannten Zügen
faſt ſchalkhaft zu blitzen begann.
Wie das ihr Naturell war, ſchien die junge Frau
ganz plötzlich wieder völlig beruhigt zu ſein, und als
Ge=
rald den Arm um ihre Schulter legte, faßte ſie ſeinen Kopf
zwiſchen beide Hände und küßte ihn auf den Mund.
Dar=
auf vollendete ſie erſt den begonnenen Satz:
Aber gelt ja, wir ſorgen dafür, daß das Mäderl bald
einen braven, ſcharmanten Mann kriegt. Der Geldringen
war ein Lumpazi, ein Flirt und nie nix wert; haſt’s
da=
mals ſchon recht g’habt. Wir wiſſen’s in Wien ſo viel
vornehme, reiche Leut. Vielleicht, wenn’s mein Vatter. ..
So ſchlag Dir doch dieſe unglaubliche Idee aus dem
Sinn, Olly. Dorthin gebe ich Reinette niemals!
Sie lachte über ſeine „Angſt” und verließ, wieder
völlig beruhigt und in beſter Laune, leichten, tänzelnden
Schrittes das Gemach.
Seit des Hofrats Abreiſe ſchien die Stimmung in
Schönſtein viel freier geworden zu ſein.
Olly bekümmerte ſich anſcheinend mehr um ihren
Mann, ſie begleitete ihn zu Pferde oder zu Fuß, wenn
Geſchäfte ihn nach dem Forſt oder der Landwirtſchaft
rie=
fen, und ließ ſich auch herab, über den projektierten
Um=
bau des Barockſaales zu ſprechen.
Daß mir keins von Euch dort hineingeht! Der
Archi=
tekt befürchtet weiteres Loslöſen vom ſchadhaften
Pla=
fond. Verſchiedene Deckenbalken ſollen total brüchig und
verſport ſein, hatte Gerald gleich nach ſeiner Unterredung
mit Olly noch beim Mittageſſen eindringlichen Tones zu
dieſer und Reinette geſagt.
Das junge Mädchen ſchaute bei jener Weiſung etwas
trübſelig drein, während Olly unter Lachen erwiderte:
Na, weißt’s, mir darfſt ſo was net erſt langmächt’g
verbieten! Ich geh’ ja nimmer gern in dies Rattenkaſterl.
Aber die dort — ſie wies nach der Nichte — hat’s einen
Narren gefreſſen an dem morſchen Plunder und den
gi=
gag’ſen Fratzen an den Wänden. Alſo merk' Dir’s, was
der g’ſtrenge Onkel g’ſagt.
Geſtrenge Herr Onkel! Reinette ſah verſtohlen über
den Tiſch nach ihm hinüber.
Ob es wirklich ſo ernſt gemeint mar?
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 17. Juli 1914.
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Schade, ſchade! Und ſie ſaß doch ſo brennend gern
an einem der hohen Bogenfenſter jenes einer längſt
ent=
ſchwundenen Epoche angehörenden Raumes. Die kleinen,
viereckigen Scheiben derſelben waren allerdings ſchon
grünlich= oder opalſchillernd und an manchen Stellen faſt
blind geworden. Allein es wehte in dem alten Bau ſtets
etwas ſo myſtiſch Geheimnisvolles, ein undefinierbarer
Duft, und eine Art magiſcher Kraft ſchien ſie dort
hinein=
zuziehen.
Dort ließ es ſich ſo herrlich träumen. Dann tauchten
allerlei Phantaſiegebilde vor ihr auf. Nicht mehr an
jenen glänzenden Feſtabend dachte Reinette. O nein
dieſe Erinnerungen waren abgetan wie ein zerbrochenes
Spielzeug, das beiſeite geworfen wird. Auch nicht an die
trübe Vergangenheit des Elternhauſes wollte ſie mehr
denken — das arme, liebe Mütterlein vermochte gewiß
vom Himmel aus zu ſehen, wie gut verſorgt das Kind
war. Nur allein mit der Gegenwart beſchäftigte ſich ihr
Geiſt. Dieſe Gebirgspartie mit dem tragikomiſchen
Aben=
teuer auf der Leierbaude hatte einen ſeltſamen Eindruck
hinterlaſſen. Die Erinnerung an das ihr dort von Onkel
Gerald geſchenkte, wahrhaft beglückende Vertrauen machte
noch jetzt ihr Herz unruhig pochen.
Doch hinterher kam dann die Ernüchterung, o weh!
Tante Ollys Strafſermon!
Schuldbewußtſein oder Gewiſſensbiſſe empfand
Rei=
nette indes keine Spur, nur dünkte es ſie, als ſei dadurch
ein ſtörendes Hemmnis, eine unſichtbare Schranke zwiſchen
ſie ſelbſt und Onkel Gerald getreten, als ob plötzlich die
Harmloſigkeit ihres Verkehrs beeinträchtigt worden wäre.
Kam es ihr vielleicht nur ſo vor, daß er
zurückhalten=
der, befangener war, wenn er mit ihr redete — oder lag
jene Scheu, jene Verlegenheit an ihr?
Lex hatte der Schweſter bald nach ſeiner Ankunft in
Wien einen begeiſterten Brief geſchrieben.
Wenn er des Abends neben dem Herrn Hofrat in
deſſen Loge im Opernhauſe ſaß — wenn er im bequemen
Landauer an deſſen Seite durch den herbſtlich ſchönen
Prater fuhr — oder bei „Sacher” ein exquiſit feines
Sou=
per einnahm, da käme er ſich wie der „verwunſchene
Prinz” im Märchen vor.
Und nun gar erſt Neunkirchen! Der Herr Hofrat hätte
ihn dort durch all ſeine ausgedehnten Etabliſſements
her=
umgeführt, und da ſeien ihm erſt die blöden Augen
auf=
egangen über menſchliche Intelligenz und Schaffenskraft.
Bei Gott, angeſichts ſolcher Unternehmungen könne
man verſucht werden, die ganze Juriſterei an den Nagel
zu hängen und in die Fußſtapfen dieſes genialen Mannes
zu treten.
Ich wünſchte, Du, Reinette, dürfteſt das alles auch
genießen! Uebrigens läßt der Herr Hofrat Dich herzlichſt
grüßen! hatte Lex, das Wort „herzlich” dreimal
unter=
ſtrichen, am Schluß der langen Epiſtel noch beigefügt, was
dieſe immer wieder zu heftiger Oppoſition herausforderte,
ſo daß ſie nur „der alte Eſel!” ſagte und des Bruders
Schreiben unmutig in die Taſche ſchob.
Aber auch Frau Olly brachte die Morgenpoſt, ſechs
Tage nach des Hofrats Abreiſe, einen Brief aus Wien.
In heiterſter Stimmung, die ſie nunmehr täglich
zeigte, nahm ſie denſelben ungeöffnet mit nach ihrem
Boudoir, um ihn dort ganz ungeſtört zu leſen.
Der alte Herr verfaßte ſonſt nie ſehr lange, meiſt nur
im Depeſchenſtil gehaltene Briefe; um ſo mehr überraſchte
es die Tochter, als heute vier eng beſchriebene Seiten aus
dem Kuvert herausfielen.
(Fortſetzung folgt.)
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