Darmstädter Tagblatt 1914


Dienstag, den 14. Juli.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 191.

Dienstag, den 14. Juli.

1914.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

In Oberlind (Sachſen=Meiningen) ſind 200 Per=
ſonen
an Fleiſchvergiftung ſchwer er=
krankt
, eine Perſon iſt bereits geſtorben.
In der letzten Nacht ſind über der Oſt= und Nord=
ſchweiz
ſchwere Gewitter niedergegan=
gen
. Das ganze Bodenſeegebiet wurde von wolken=
bruchartigen
Regengüſſen heimgeſucht. Die Appenzeller
Bahn iſt bei Heriſau und Jakobsbad unterbrochen. Erd=
rutſchungen
und Brückeneinſtürze zerſtörten das Gleis.
Aus Durazzo wird gemeldet: Die Aufſtändiſchen
haben vorgeſtern mittag Berat, nordöſtlich von Valona,
eingenommen. Auch die Lage von Valona wird als
ſehr gefährdet bezeichnet.
Siehe auch Letzte Nachrichten.

Die Präſidentenreiſe nach
Rußland.

*⁎* Am Donnerstag verläßt Poincaré Paris, um
ſich mit dem Miniſterpräſidenten Viviani in Cherbourg an
Bord des Panzers France nach Rußland einzuſchiffen
und dem Zarenhofe einen offiziellen Beſuch abzuſtatten.
Während die beiden erſten franzöſiſchen Präſidenten, welche
im Auslande Staatsviſiten machten, Faure und Loubet,
zunächſt nach dem alliierten Zarenreiche eilten, hatte ſchon
Fullierrs mit viefer Gewohnheit gebrochen, und auch
Poincaré iſt, ſeit er im Elyſée wohnt, ſchon in London
und Madrid geweſen. Aber er war bekanntlich, kurz be=
vor
er zum Präſidenten der Republik gewählt wurde, als
Miniſterpräſident im Auguſt 1912 in Petersburg und hatte
ſich dort großer Aufmerkſamkeiten zu erfreuen. Seit der
Zar in Frankreich ſeinen letzten Beſuch machte, werden
im kommenden Monat ſchon fünf Jahre verfloſſen ſein, er
war im Laufe der letzten Jahre einmal in Italien, ſonſt
aber zum Leidweſen ſeiner Alliierten an der Seine
nur in Deutſchland, wenn er außerhalb der Grenzen ſei=
nes
Reiches weilte, und auch auf jener letzten Reiſe nach
Frankreich kehrte das Zarenpaar auf dem Hin= und dem
Rückwege in Deutſchland ein.
Wie die letzten, für die franzöſiſche Regierung ſehr un=
erquicklichen
Debatten über die Reiſekoſten Poincarés ge=
zeigt
haben, ſind nicht alle Kreiſe Frankreichs von dem
ruſſiſchen Bündniſſe eingenommen, das ja auch ſchon frü=
her
ab und zu in der Kammer eine wenig glimpfliche Kri=
tik
erfuhr. Aber im allgemeinen legen die Franzoſen doch
dem Bunde mit Rußland, der ſich zu der ruſſiſch= engliſch=
franzöſiſchen
Entente erweitert hat, noch große Bedeutung
bei, er iſt für ſie der Fels, auf den ſie ſich einmal ſtützen
zu können glauben, wenn europäiſche Konflikte eintreten.
Daß die Allianz ihnen ziemlich teuer zu ſtehen kommt, daß
ſie ihren Geldmarkt dem ruſſiſchen Freunde in viel grö=
ßerem
Maße zur Verfügung ſtellen müſſen, als es unter
anderen Umſtänden geſchehen würde, wiſſen die Fran=
zoſen
, aber die Genugtuung, den Zaren zum Verbündeten
zu haben, hilft ihnen über alle Bedenken hinweg. Wie groß
war ihre Freude, als nach langem Harren endlich bei der
Anweſenheit Faures in Rußland der Zar von der ver=
bündeten
Nation ſprach, und wie jubelte man damals
auf, denn die kühnſten Revanchegedanken ſchienen ihrer Er=
füllung
nahegerückt zu ſein! Aber die Enttäuſchung blieb
nicht aus, und in bezug auf die Revanche hat ſich der Fran=
zoſen
ſchon eine gewiſſe Reſignation bemächtigt, die nur
ab und zu gemildert wird, wenn ruſſiſche panſlawiſtiſche
Blätter einen kriegeriſchen Ton gegen Deutſchland an=
ſchlagen
.
Daß die Reiſe Poincarés nach Rußland politiſche Be=
deutung
hat, ſoll nicht geleugnet werden, denn ſie iſt eine
erneute Kundgebung für die unverändert fortbeſtehende
franzöſiſch=ruſſiſche Allianz. Allen darüber hinausgehen=
den
Gerüchten und Meldungen über Zweck und Ziel der
Reiſe ſoll man aber Vorſicht entgegenbringen, denn wenn
auch von den beiden Staatsoberhäuptern und den beider=
ſeitigen
Staatsmännern die Gelegenheit zu eingehenden
politiſchen Beſprechungen benutzt und die internationake
Lage, insbeſondere ſoweit Rußland und Frankreich dabei
beteiligt ſind, erörtert werden wird, ſo dürften doch kaum
Verabredungen und Abmachungen erfolgen, die auf das
Gleichgewicht von Europa einen Einfluß ausüben. Wenn
in letzter Zeit kleine Unſtimmigkeiten zwiſchen Paris und

Petersburg zu verzeichnen waren, ſo werden dieſe ſicher=
lich
durch die perſönliche Ausſprache zwiſchen Viviani und
Saſonow völlig beigelegt werden, und ein wolkenloſer
Himmel wird die Allianz der beiden Nationen überſpan=
nen
, wenn Poincaré am Zarenhofe weilt.
Die Auslandsreiſe des Präſidenten gilt aber nicht nur
Rußland, ſondern auch den Höfen von Kopenhagen, Stock=
holm
und Chriſtiania, wo ſein Vorgänger Falliéres vor
ſechs Jahren ebenfalls abgeſtiegen war. Bei dieſen Be=
ſuchen
handelt es ſich lediglich um Höflichkeitsakte, viel=
leicht
verſpricht man ſich in Paris daraus wirtſchaftliche
Vorteile. Wie in Rußland, ſo wird Poincaré an den dre;
nordiſchen Höfen ebenfalls eine freundliche Aufnahme fin=
den
; wenn an allen dieſen Stellen während der kommen=
den
Tage in ſchwungvollen Reden die guten Beziehungen
zu Frankreich gefeiert werden, ſo braucht das aber bei uns
keinerlei Beklemmungen hervorzurufen.

Die Finanzen Oeſterreichs.

ow. Durch die politiſchen Ereigniſſe der letzten Zeit iſt
die Aufmerkſamkeit wieder einmal auf die Finanzlage der
Doppelmonarchie gelenkt worden. Die neuen Schwie=
rigkeiten
auf dem Balkan, ſowie die Heeresvermehrungen
in anderen Ländern machen erhebliche Mehraufwendungen
für militäriſche und Marinezwecke erforderlich, während es
ſchon ſeit langem ſchwer hält, das Budget überhaupt ins
Gleichgewicht zu bringen. Bekannt iſt, daß Oeſterreich=
Ungarn drei Budgets hat, je eines für die beiden Staaten,
ſowie ein gemeinſames. Das letztere, das urſprünglich
recht beſcheiden war, ſchließt gegenwärtig mit der achtbaren
Ziffer von 768 Mill. Kronen ab, während es vor 10 Jahren
nur etwa 350 Millionen betrug. Die Hauptausgaben ent=
fallen
naturgemäß auf Rüſtungen, für die in 1913 504
Millionen aufgewendet wurden. Für 1914 ſind für die
gleichen Zwecke bezw. die damit zuſammenhängenden von
vornherein 586 Millionen ausgeworfen, außerdem werden
weitere 182 Millionen zu beſonderen Ausgaben für Heer
und Marine gefordert.
Damit kann indes nur ein kleiner Teil der notwendigen
Ausgaben gedeckt werden; die für die Marine allein ge=
wünſchten
Kredite belaufen ſich auf 427 Millionen Kronen.
Nun hat neuerdings Graf Tisza den Antrag geſtellt, Un=
garn
zu ermächtigen, in Bosnien und der Herzegowina,
die augenblicklich die Rolle des europäiſchen Wetterwinkels
übernommen haben, neue Bahnen herzuſtellen bezw. die
alten auszubauen und zu verbeſſern. Die beiden Kron=
länder
werden dazu 270 Millionen beizutragen haben,
während 627 Millionen zu Laſten Oeſterreich=Ungarns ge=
hen
. Daß unter dieſen Umſtänden das gemeinſame Budget
ein erhebliches Defizit aufweiſen muß, iſt ohne weiteres
klar; es fällt dies aber nicht ins Gewicht, da jeder der bei=
den
Staaten dafür aufkommt. Anders ſieht es mit dem
Etat Oeſterreichs allein aus. In dem Jahrzehnt 1890 bis
1900 waren noch die Ausgaben durch die Einnahmen ge=
deckt
, ſeitdem iſt das nicht mehr der Fall. Allerdings hat
ſich der Fehlbetrag von 137 Millionen Kronen im Jahre
1909 in 1912 auf 8 Millionen ermäßigt, eine Ziffer, die
angeſichts der erheblichen Aufwendungen für Rüſtungs=
zwecke
lächerlich gering erſcheint, aber ſeitdem trat wieder
eine erhebliche Verſchlechterung ein, und überdies erſcheint
die nächſte Zukunft in wenig roſigem Lichte. Mit Ein=
ſchluß
der beiden letzten Anleihen beläuft ſich die Staats=
ſchuld
Oeſterreichs auf 12,2 Milliarden Kronen, d. h. auf
400 Kronen pro Kopf der Bevölkerung, und der Zinſen=
dienſt
erfordert jährlich 490 Millionen Kronen. Nun kann
ja die Höhe der Ausgaben an ſich keine Bedenken erwecken,
wenn ihr entſprechende Einnahmen gegenüberſtehen. Bei
den heutigen ungünſtigen wirtſchaftlichen Verhältniſſen iſt
dies aber nicht der Fall. Immerhin darf man nicht ver=
ſchweigen
, daß ſeit kurzem eine etwas zuverſichtlichere
Stimmung das wirtſchaftliche Leben beherrſcht. In etwa
gleicher Lage befindet ſich Ungarn. Seit ungefähr 15
Jahren hat man dort Einnahmen und Ausgaben nicht ins
Gleichgewicht bringen können, und für 1914 bleiben wieder
300 Millionen Kronen zu decken. Im Vorjahre iſt eine
neue vierprozentige Anleihe von 150 Millionen im Aus=
lande
begeben worden, außerdem wurden mittels Schatz=
bonds
920 Millionen flüſſig gemacht.
Mit den Finanzen ſieht es alſo in der Doppel=
monarchie
zurzeit nicht gerade günſtig aus, aber zu ern=
ſten
Bedenken iſt kein Anlaß vorhanden. Wenn in der
Preſſe der dem Dreiverband angehörigen Länder, beſon=
ders
in der franzöſiſchen, immer wieder betont wird, daß
an der finanziellen Miſere nur die öſterreichiſche Balkan=

politik ſchuld ſei, und daß eine Aenderung derſelben ſofort
eine Beſſerung ſchaffen würde, ſo iſt der Zweck ſolcher Aus=
laſſungen
zu durchſichtig, als daß man ſie ernſt nehmen
könnte. Die inneren Kräfte Oeſterreichs und Ungarns
reichen vollkommen aus, um die beiden Staaten über die
Schwierigkeiten hinwegzuführen, die, wie in anderen Län=
dern
, ſo auch bei ihnen ungünſtige wirtſchaftliche Verhält=
niſſe
und politiſche Verwickelungen verurſacht haben.

Sir E. Grey und die Rüſtungs=
frage
.

-s. Der engliſche Miniſter des Auswärtigen hat im
Unterhauſe eine jener diplomatiſchen Reden gehalten, deren
kunſtvolle Form der Wichtigkeit ihres politiſchen Inhaltes
entſpricht. Sir E. Greys Genugtuung über das engliſch=
türkiſche
Abkommen und über die engliſchen Ausſichten in
China beſeitigt jeden Zweifel daran, daß Großbritannien
in Kleinaſien und Meſopotamien nicht minder gut ab=
ſchneidet
, als im chineſiſchen Reich, das wegen ſeiner Tibet=
Politik eine ſcharfe Verwarnung erhalten. Was Grey
über Perſien ſagte, läuft auf die Ankündigung einer nahen
Reviſion des britiſch=ruſſiſchen Abkommens hinaus.
Spricht die Bedeutſamkeit dieſer von Grey erörterten
Punkte für ſich ſelbſt, ſo bedürfen ſeine Ausführungen
über die Rüſtungsfrage gerade vom deutſchen Standpunkte
eines Kommentars.
Daß Grey hierbei ſeinen Kollegen Churchill in Sa=
chen
des Flottenfeierjahres gegen die Kritik des Libera=
len
Ponſonby in Schutz nahm und trotz des engliſchen
Urſprungs der Dreadnoughts die urſprüngliche Verant=
wortlichkeit
Großbritanniens für das Anwachſen der =
ſtungen
beſtritt, kann nicht überraſchen. Aber gleichzeitig
hat Grey für die Behandlung der Rüſtungsfrage durch
Großbritannien eine neue Taktik begonnen. Er ging
davon aus, daß der Vorſchlag eines Landes zur Eins
ſchränkung der Rüſtungen ſtets als ein Verſuch die
Handlungsfreiheit zu beſchränken und zu kontrollieren,
übel aufgenommen ſei und leitete hieraus den Schluß ab:
Infolgedeſſen war es nutzlos, einen direkten Vorſchlag zu
machen. Grey bekannte ſich ſodann als überzeugter
Gegner derartiger Vorſchläge, denen er ſich auf jede mög=
liche
Weiſe widerſetzen werde. Nach all den engliſchen
Anregungen, eine Einſchränkung der Rüſtungen zu be=
wirken
, muß Greys Ablehnung direkter Vorſchläge an und
für ſich auffallen. Dem deutſchen Beurteiler aber wird
es doppelt bemerkenswert erſcheinen, daß Greys Ableh=
nung
direkter Vorſchläge zu einem Zeitpunkte erfolgt, wo
kein Zweifel darüber beſteht, daß das amtliche Deutſchland
einen derartigen Vorſchlag keineswegs als Beleidigung‟
empfindet und übel aufnimmt Hierüber hat das amt=
lich
bekannt gegebene Protokoll der Rede, die Staatsſekre=
tär
v. Tirpitz am 4. Februar ds. Js. im Haushalts=
ausſchuß
des Reichstages hielt, volle Klarheit
geſchaffen. Denn der Staatsſekretär des Reichsmarine=
amts
lehnte damals aus Gründen, auf die hier nicht ein=
gegangen
zu werden braucht, zwar den Gedanken des
Flottenbaufeierjahres ab, erklärte aber im übrigen ein
Stärkeverhältnis der engliſchen Flotte wie 16110 noch=
mals
für ausreichend und fügte u. a. folgendes hinzu:
Ich habe es nicht für ratſam gehalten und halte es
auch jetzt nicht für ratſam, wenn man bei einem ſolchen
Stärkevergleich die übrigen Schiffsarten (Kreuzer, Kano=
nenboote
, Torpedoboote, Unterſeeboote) mit hereinnimmt.
Denn, wenn man zu einer Relation von einigem brauch=
baren
Wert kommen will, dann muß ſie einfach ſein.
Das Hinzuzählen von den genannten Fahrzeugen zu=
mal
England in Hinſicht auf die Kreuzer andere Bedürf=
niſſe
hat als wir würde die Sache nur komplizieren.
Beide Marinen haben die von ihnen angeſtrebten Organi=
ſationen
noch nicht fertig durchgeführt. Deutſchland
braucht bei ſeinen fünf Geſchwadern 41 Linienſchiffe, Eng=
land
für ſeine acht Geſchwader 65 Linienſchiffe. Nimmt
man für das Schiff die Lebensdauer von 20 Jahren an,
ſo ergibt ſich für Deutſchland ein jährlicher Erſatzbau von
durchſchnittlich zwei Linienſchiffen. Ein Mehr iſt=
von
uns auch nicht beabſichtigt. Eng=
land
braucht für ſeine 65 Linienſchiffe einen jährlichen Er=
ſatzbau
von drei Linienſchiffen. Tatſächlich hat es aber
in den letzten fünf Jahren gebaut: 24 Linienſchiffe, alſo
5 Linienſchiſfe für das Jahr: 24 ſtatt 15 Linten=
ſchiffe
, das iſt von dem Verhäktnis 16310
noch recht weit entfernt. Wenn man bei dieſen
Verhältniſſen wirklich zu einer Rüſtungsverſtändigung zu
kommen wünſcht, ſo iſt es nur natürlich, daß England
als die weit überlegenſte Seemacht der Welt die poſi=
tiven
Vorſchläge zu machen haben würde. Ich
bin nicht im Zweifel, daß ſolche poſitiven
Vorſchläge von uns auf das eingehendſte
geprüft werden würden.
Aus Rückſicht auf Empfindungen der deutſchen Regie=
rung
braucht alſo Großbritannien poſitive Vorſchläge zur
Einſchränkung der Rüſtungen nicht. zu unterlaſſen. Tritt
jetzt Sir E. Grey mit dem größten Nachdruck gegen poſi=
tive
Vorſchläge Großbritanniens auf, dann muß er ent=
weder
Grund zu der Anſicht haben, daß andere Groß=
mächte
durch ſolche Vorſchläge ſich verletzt fühlen, oder
er muß ſich von der Unmöglichkeit überzeugt haben.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

Nummer 191.

durchführbare Vorſchläge dieſer Art zu machen, oder er
hält es jetzt im engliſchen Intereſſe für ge=
boten
, die Debatte über die Rüſtungsfrage zu ſchließen.
Dieſe Berückſichtigung des britiſchen Vorteils kann ſowohl
darauf beruhen, daß die Haager Konferenz des
Jahres 1915 von heikelem Beratungsſtoff möglichſt ent=
laſtet
werden ſoll, wie auf der Abſicht, Englands Hand=
lungsfreiheit
auf dem Gebiet der Flottenrüſtung
auch vor der formalen Schranke zu ſichern, die der poſitive
Vorſchlag einer Beſchränkung der Rüſtungen bedeuten
würde.
Nach den bisherigen Erfahrungen iſt es für die prak=
tiſche
Fortſetzung der maritimen Rüſtungen Großbritan=
niens
gleichgültig, ob ſeine Miniſter theoretiſch den
Gedanken einer Einſchränkung der Rüſtungen erörtern
oder nicht. Wünſcht alſo Großbritannien im Gegenſatz zu
ſeinem bisherigen Verhalten die Debatte über die =
ſtungsfrage
zu ſchließen, ſo kann uns dies ſchon aus dem
angegebenen Grunde recht ſein. Man dürfte aber außer=
halb
Englands mit berechtigter Aufmerkſamkeit darauf
achten, ob Greys neue Taktik eine geſteigerte engliſche
Flottenrüſtung einleitet. Allerdings hat Grey betont, daß
die Engländer betreffs der Rüſtungsausgaben nicht die
Treibenden ſein ſollen. Jedoch bei der Leichtigkeit, ſich
als den Getriebenen auszugeben, will jene Wendung nicht
viel beſagen. Wenn Grey für die Einſchränkung der =
ſtungen
manches von den Bemühungen Englands er=
wartet
, zwiſchen ſich und den fremden Ländern die guten
Beziehungen zu fördern, ſo wird dieſe Methode indirekter
Beeinfluſſung auch in den Augen deſſen nicht völlig wir=
kungslos
erſcheinen, der geneigt iſt, ſich von einer tat=
ſächlichen
Einſchränkung der Rüſtungen durch die ſtärkſte
Seemacht der Welt mehr zu verſprechen.

Deutſches Reich,

Der Hirtenbrief des Biſchofs von
Como. Die Bayeriſche Staatszeitung kommt in ihrem
geſtrigen Rundblick auf die Angelegenheit des Hirten=
briefes
des Biſchofs von Como zurück und bemerkt u. a.:
Die Staatszeitung iſt nicht im Intereſſe einer Partei
tätig geweſen. Beſtimmend geweſen iſt vielmehr die Ab=
ſicht
, die Aufmerkſamkeit der zuſtändigen Amtsſtellen im
Vatikan darauf zu lenken, daß es im allgemeinen nicht der
Uebung entſpricht, daß ein beliebiger Biſchof ſich kritiſch
über die Verhältniſſe eines Landes verbreitet, über die zu
urteilen er nicht berufen iſt. Gegenüber dem Artikel der
Rheiniſch=Weſtfäliſchen Zeitung, in welchem der bayeri=
ſchen
Staatsregierung der Vorwurf der Ueberſchreitung
ihrer Zuſtändigkeit gemacht wird, wird geſagt: Die baye
riſche Staatsregierung kennt ihre Zuſtändigkeit ſelber und
bedarf nicht der Belehrung durch ein Blatt, ſei es aus dem
Norden oder aus dem Süden des Reiches. Bayern iſt
nicht nur an verſchiedenen Fragen, die der Biſchof von
Como in ſeinem Hirtenbrief berührt hat, ſondern über=
haupt
daran intereſſiert, daß derartige Vorkommniſſe in
Zukunft unterbleiben. Wenn die bayeriſche Staatsregie=
rung
die hierzu für nötig erachteten Schrittte unternommen
hat, ſo hat ſie damit nichts getan, was nicht in vollem
Einklang mit der Reichsauffaſſung und dem Reichsgedan=
ken
ſtünde.
Der tapfere Hanſi. Wie berichtet wird,
iſt der Karikaturiſt Waltz in Gérardmer eingetroffen, nach=
dem
er auf dem Schluchtpaſſe nahe an der deutſchen Grenze
eine Zuſammenkunft mit ſeinem Vater und ſeinen Brü=
dern
gehabt hatte. Waltz erklärte einem Berichterſtatter
er habe alle ſeine körperliche und geiſtige Kraft zuſammen=
genommen
, um vor dem Reichsgericht zu erſcheinen. Er
habe gehofft, gerechte Richter zu finden, aber jetzt ſei er
mit ſeiner Kraft zu Ende und er fühle ſich nicht imſtande,
eine lange Haft in Preußen zu ertragen. Er habe aus
Leipzig das Gefühl unſäglicher Entrüſtung und ungeheuret
Traurigkeit mitgenommen; er ſei erſchüttert bei dem Ge=
danken
, welche Folgen der von dem oberſten Gerichtshof
Deutſchlands gefällte Urteilsſpruch für ſeine elſäſſiſchen
Freunde haben werde.
Wir ſehen keinen Grund, bemerkt ſehr richtig die Tägl
Rundſchau, uns darüber zu erregen und dieſen helden=

haften Abgang Hanſis zu bedauern. Wir würden es
ſogar verſtehen, wenn das Gericht bei dem Aufſchub des
Strafantritts nicht frei von dem Gedanken geweſen wäre,
daß Monſieur Waltz dieſen benutzen könnte, um tapfer da
vonzulaufen. Uns kommt es nur darauf an, den Stänkerer
los zu ſein. Möge er und ſein liebenswürdigeres Va=
terland
recht glücklich miteinander werden.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Unter der Ueberſchrift Ein einfaches
Begräbnis ſchreibt die maßgebendſte militäriſche
Zeitung der Donaumonarchie, die Militäriſche Rundſchau,
folgendes:
Der Thronfolger Oeſterreich=Ungarns wurde geſtern
zu Grabe getragen. In finſterer Nacht, mit düſterem,
erſtaunlich einfachem Zeremoniell. Es mag ſein, daß die
überlebte ſpaniſche Hofetikette es ſo vorſchreibt. Es mag
ſein, daß ſie es vorſchreibt, die letzte Ehrung eines her=
vorragenden
Soldaten möglichſt prunklos zu geſtalten
bloß weil er auch ein Erzherzog war. Aber die Armee
verſtehr ſolche peinliche und ſtarre Erwägungen nicht. Nicht
nur der Thronfolger, auch der Generalinſpekteur der ge=
ſamten
bewaffneten Macht iſt begraben worden. Mit ihm
ſeine hohe Gemahlin, die todestreu an ſeiner Seite geſtan=
den
hat bis zum letzten Augenblick. Und der Mann, der
die Armee aus ihrem Dornröschenſchlaf geweckt, der die
verdorrten Aeſte eines mächtigen Baumes zu neuer Blüte
gebracht hat, iſt nicht als Heeresfürſt zur Totengruft ge=
leitet
worden. Die Armee kann nicht demonſtrieren. Aber
ſie iſt tief verletzt von dem Schranzentum, das ſich, wie
immer und überall, zwiſchen ſie und den Thron drängt.
Sie iſt empört über die kleinliche Engherzigkeit, die beim
Arrangement der Leichenfeier waltete.
Italien.
Vermehrung der Friedensſtärke. Wie
der Berliner Lokal=Anzeiger erfährt, hängt die Einberu=
fung
der Reſerviſtenklaſſe 1891 mit der ſeit einiger Zeit
geplanten Vermehrung der Friedensſtärke der Armee zu=
ſammen
. Ob es ſich dabei um Maßregeln gegen den
drohenden Eiſenbahnerſtreik handelt, war bisher nicht zu
erfahren.
Kämpfe gegen die Aufſtändiſchen. Ge
neral Giardim meldet aus Tobruk vom 11. Juli früh:
Eine italieniſche Kolonne rückte gegen Sidiod, Sidibet und
Caſim vor, um ein neu errichtetes Lager der Aufſtändi=
ſchen
zu zerſtören. Die Kolonne wurde, als ſie vor dem
Lager eintraf, von ſtarken Abteilungen der Aufſtändiſchen
angegriffen. Dieſe wurden zurückgeſchlagen und das La=
ger
zerſtört. Auch andere Abteilungen der Aufſtändiſchen,
die auftauchten, wurden nach längerem Kampfe zurückge=
ſchlagen
. Die Aufſtändiſchen hatten ſchwere Verluſte. Die
italieniſchen Truppen bezogen ein Lager. Bei den Ita=
lienern
fielen ein Offizier und ein Soldat, ein Offizier
und zehn Soldaten wurden verwundet.
Frankreich.
Deutſch=franzöſiſche Streitfrage. Die
ſeit einigen Wochen ſchwebenden deutſch=franzöſiſchen Ver=
handlungen
wegen der öffentlichen Ausſchreibung für Lie
ferungen in Marokko kommen, wie man erfährt, nicht von
der Stelle. Die franzöſiſche Regierung weigert ſich be=
harrlich
, den deutſchen Standpunkt anzuerkennen, daß auck
Lieferungen für kommunale Verwaltungen der öffentlichen
Ausſchreibung unterliegen. Demgegenüber iſt man deut=
ſcherſeits
feſt entſchloſſen, wenn möglich das Haager
Schiedsgericht anzurufen, um ſich dort über die Auslegung
des Marokkovertrages, der von allen Lieferungen ſpricht,
Beſcheid zu holen.
Die Kammer hat eine Reihe von Artikeln des
Finanzgeſetzes angenommen und dann die Fortſetzung de
Debatte auf Dienstag vertagt.
Geſtellungsflüchtlinge und Deſerteure.
Nach einer offiziöſen Meldung hat die diesjährige Ge
ſtellung, die durchweg zwanzigjährige Leute umfaßte, trotz

ſtrenger Auswahl ein Kontingent von 201376 Rekruten
für den Waffendienſt und 14189 Rekruten für den Hilfs=
dienſt
ergeben. Das Echo de Paris behauptet, daß die
Geſamtzahl der Geſtellungsflüchtlinge und Deſerteure an
80000 betrage. Dieſe ungeheure Ziffer ſei nur damit zu
erklären, daß die Nachforſchungen und Verfolgungen in
ſehr laxer Weiſe vorgenommen würden.
Streikende Briefträger. In Tanger traten
die Briefträger des franzöſiſchen Poſtamtes in den Aus=
ſtand
, nachdem die Briefträger des engliſchen Poſtamts in=
folge
Streiks eine Gehaltserhöhung durchgeſetzt hatten.
Der franzöſiſche Botſchaftsleiter Villafon erſetzte die Strei=
kenden
durch Aushilfsträger, was zu einer argen Rauferei
Anlaß gab, während welcher Villafon verwundet wurde.
Rußland.
Ein politiſcher Mord? Dem Petit Pariſien
wird aus Petersburg gemeldet, daß der am Zarenhofe
überaus einflußreiche Myſtiker Reſputin in Pokrowsk ( Si=
birien
) von einer Frau, einer Anhängerin des bekannten
Mönches Jliodor, ermordet worden ſei. Die Frau er=
klärte
, ſie habe Reſputin getötet, weil er ein falſcher Pro=
phet
ſei und den Zaren betrüge.
Balkanſtaaten.
Rumänien. Ein neuer Zwiſchenfall ereignete ſich
an der Grenze bei dem Dorfe Kugundſchuck, der durch bul=
gariſche
Soldaten hervorgerufen wurde. Drei bulgariſche
Grenzwächter hatten ſich ohne Erlaubnis in dieſes Dorf
begeben. Sie wurden deshalb von den rumäniſchen
Grenzwächtern aufgefordert, ſich zurückzuziehen. Sie kehr=
ten
mit ihren Gewehren bewaffnet zurück, drangen mehr
als ein Kilometer auf rumäniſches Gebiet vor und ſchoſſen
auf die rumäniſchen Soldaten, die ſchwer verwundet wur=
den
. Da ſich in den letzten 14 Tagen ähnliche Zwiſchen=
fälle
wiederholt und bereits fünf Opfer gefordert
haben, nämlich den Tod eines rumäniſchen Soldaten und
eines Landmanns und die Verwundung drei rumäniſcher
Soldaten, ſo zeigt ſich die rumäniſche öffentliche Meinung
aufgeregt und verlangt raſch eine wirkſame Verhinderung
derartiger Vorkommniſſe, die mit den normalen Beziehun=
gen
zwiſchen Nachbarſtaaten unvereinbar ſind.
Serbien. Die Beiſetzung des verſtorbenen ruſſi=
ſchen
Geſandten von Hartwig wird am nächſten Dienstag
mit militäriſchen Ehren auf dem Belgrader Friedhof
ſtattfinden. Die Kaufleute haben beſchloſſen, zum Zeichen
der Trauer während der Beerdigung ihre Läden zu
ſchließen.
Amerika.
Ein Interview. Die Times melden aus Neu=
York vom 12. ds. Mts.: Die New=York World wird am
Dienstag ein Interview mit dem Sekretär des Schatzamts
Mac Adoo mit doſſon Gonehmigung voröffontlichon Die
wichtigſten Ausführungen des Interviews ſind folgende:
Wenn möglich wird Mac Adoo wieder Regierungsgelder
in den Banken deponieren, um die ernſte Bewegung zu un=
terſtützen
und allen legitimen Bedürfniſſen des Geſchäfts=
lebens
entgegenzukommen. Der Bankerott der Firmg Claf=
lin
Co, werde ſie nicht abſchrecken, wieder kommerzielke
Werte als Sicherheiten für Regierungsdepoſiten anzu=
legen
. Der Bankrott beweiſe nur die Nutzloſigkeit einer
allzu großen Ausdehnung des Geſchäftes und weder das
Tarifgeſetz noch die angebliche Depreſſion ſeien dafür ver=
antwortlich
. Nach ſeiner Anſicht ſei ein ſyſtematiſcher, po=
litiſch
organiſierter Verſuch gemacht worden, im Lande den
Glauben an eine ernſtliche Depreſſion im Geſchäftsleben zu
erwecken. Die Depreſſion ſei ſtark übertrieben worden.
Die hauptſächlichſte Depreſſion beſtehe in den Induſtrien,
deren Geſchäfte zu einem großen Teil von den Eiſenbahnen
abhängen. Die Geſetzgebung ſei für die gegenwärtige Ge=
ſchäftslage
nicht verantwortlich und ſeiner Meinung nach
ſei die Annahme und nicht der Aufſchub des geplanten

Aus dem Leben Zulius Roden=
bergs
.

ck. Nun iſt Julius Rodenberg dem Lebensfreunde
Karl Frenzel raſch nachgefolgt in jenes beſſere Leben, auf
das auch er ſich ſchon ſeit langem mit dem klaren Sinn
des Philoſophen vorbereitet. Wie der tapfere Kapitän
als letzter ſeiner Mannen das Schiff verläßt, ſo iſt er,
der Begründer der Deutſchen Rundſchau, als der letzte
aus jenem Kreiſe dahingegangen, der ſich dereinſt um ihn
geſchart und mit ihm zuſammen eine glänzende Epoche
unſeres Schrifttums heraufgeführt hatte. Noch im Juli=
heft
ſeiner Zeitſchrift hat er, der ſo vielen in dieſen Blät=
tern
die Leichenrede gehalten, Karl Frenzel den Nekrolog
geſchrieben. Als wir in das Sterbezimmer traten, in
das durch das Grün der Bäume vor dem Fenſter die
Morgenſonne ſchien, ſahen wir ihn hingeſtreckt auf dem
Lager, ruhig ſchlummernd und ohne jede Spur von
Schmerz, ſo daß auch wir mit dem Gefühl tiefer Ruhe
von dem teuren Toten ſchieden So ruhig iſt auch er nun
in eine andere Welt hinübergeſchlummert, nachdem er noch
vor kurzem ſein Haus beſtellt und die Redaktion der
Deutſchen Rundſchau in andere Hände gelegt hatte. Ein
Stratege der Literatur iſt in Rodenberg dahingeſchieden,
ein Meiſter der Organiſation, der genug Herzensgüte und
Lebenskraft beſaß, um in andern poetiſche Kräfte zu ent=
binden
und ihr Schaffen zu befruchten; er war ein Genie
der Freundſchaft und der geborene Herausgeber einer
Zeitſchrift, die durch ihn zum Kulturfaktor wurde. Die=
ſer
Trieb regte ſich ſchon in dem Gymnaſiaſten auf der
Schule in Rinteln, wo er eine Zeitſchrift Blätter und
Blüten begründete und ſeine Mitſchüler zur Mitarbeit
heranzog. Wie ſtolz war er auf dieſe Revue die von
einem befreundeten Gerichtsſchreiber kalligraphiſch zu
Papier gebracht wurde und allſamstäglich in einem
Exemplar erſchien. Damals tat er die erſten, ehrfürchtig
ſcheuen Blicke in die wirklich gedruckten Zeitſchriften jener
Zeit. Ach, wer es mir damals geſagt hätte, als der Ehr=
geiz
, in eines dieſer Blätter zu kommen, zaghaft in mir
erwachte, daß es noch einmal meine Beſtimmung ſein
ſollte, den andern den Eingang zu geſtatten oder zu ver=

wehren! In ſeinen Studentenjahren lernte er dann die
hohe Schule der Diplomatie beim alten Varnhagen und
traf in dieſem erleſenen Kreis mit den Führern des gei=
ſtigen
Berlin zuſammen.
Zu dieſer vornehm höfiſchen Atmoſphäre, die er uns
in ſeinen Erinnerungen ſo lebendig geſchildert, ſtand in
einem feinen Gegenſatz die ſtille Gelehrtenluft im Hauſe
der Brüder Grimm, von denen der heſſiſche Landsmann
freundlich aufgenommen wurde. Hier beginnen die Be=
ziehungen
zu Hermann Grimm, der der getreueſte Mit=
arbeiter
Rodenbergs wurde und während ſeines Schaf=
fens
an der Deutſchen Rundſchau zum klaſſiſchen Proſa=
Schriftſtller heranreifte. Niemals wird die deutſche
Literatur vergeſſen dürfen, welch einen gewaltigen Im=
puls
unſer Schrifttum durch Rodenbergs Tätigkeit er=
hielt
. Schon in ſeinem Deutſchen Magazin vereinigte
er eine Reihe bedeutender Geiſter um ſich; durch ſeine zweite
Zeitſchrift Der Salon für Literatur, Kunſt und Geſell=
ſchaft
hat z. B. das deutſche Publikum zuerſt Turgenjew
kennen gelernt. Aber das waren nur Vorſtuſen für die
Deutſche Rundſchau, die zu einem wahren Pantheon
der deutſchen Dichtung im letzten Viertel des 19. Jahr=
hunderts
wurde. In dem niedrigen Redaktionszimmer
des Gartenhauſes in der Lützowſtraße, wo die drei größ=
ten
Mitarbeiter, Dingelſtedt, Turgenjew und Putlitz,
mit den Köpfen an die Decke ſtießen, hat ein bedeutendes
Stück Literatur das Licht der Welt erblickt, das heute
einen Ehrenplatz in unſerer Kultur einnimmt. Die Hoch=
blüte
der Eſſaykunſt, deren Meiſter Hillebrand, H. Grimm,
Gildemeiſter, Scherer waren, wurde hier von Rodenberg
gepflegt und entfaltet. Die Dichter, deren Werke heute
zu unſerem ſchönſten Beſitz zählen, wurden hier für ein
größeres Publikum entdeckt, ſo Fontane, C. F. Meyer,
Luiſe von Frangois, Marie von Ebner=Eſchenbach und
viele andere.
Das größte Verdienſt um unſere Dichtung aber hat
ſich Rodenberg dadurch erworben, daß er Gottfried Keller
einige ſeiner köſtlichſten Dichtungen entlockte. Man darſ
wohl ſagen, daß ohne Rodenbergs diplomatiſches Geſchick
weder die Züricher Novellen noch Das Sinngedicht
noch der Martin Salander entſtanden wären. Durch
ſeine kluge, eindringlich mahnende und liebenswürdig
ſonnige Art wußte er die alte Unluſt des Dichters, etwas

fertig niederzuſchreiben, zu überwinden! Freilich hat es
dabei harte Kämpfe gekoſtet; beſonders das Erſcheinen
des Kellerſchen Altersromans war eine bittere Prüfungs=
zeit
für ſeinen rundſchaulichen Brotherrn; er mußte
dem Züricher Meiſter die Schmerzensblätter direkt ab=
zwingen
, und man begreift ſeinen Hoſianaruf aus vol=
lem
Herzen als er das letzte Manuſkript in den Händen
hielt. Das Manuſkript des Martin Salander, wie viele
andere Manuſkripte Kellers, Meyers, Heyſes uſw., hat
Rodenberg als großherziges Geſchenk dem Goethe= und
Schiller=Archiv überwieſen, und wer dort die ausgelegten
Schätze betrachtet, bekommt einen deutlichen Begriff von
der Fülle des Schönen, die durch die Hände dieſes glück=
lichen
Dichterfreundes und Dichterentdeckers gegangen.
In ſelbſtloſer Hingabe und Förderung, die er auch noch
den modernen Dichtern, vor allem Enrica von Handel=
Mazzetti, zuteil werden ließ, ließ er ſein eigenes dichte=
riſches
Schaffen zurücktreten, das durchaus nicht unbe=
deutend
geweſen. Er begann mit anſpruchsloſen Epigo=
nengedichten
, reifte als Reiſeplauderer aus England und
Belgien zum lichtvollen Proſaiſten heran; ſeine bleibende
Bedeutung jedoch wird er als Schilderer Berlins behal=
ten
. Schon 1854 ſchrieb er: Und es mag kommen, wie’s
will, Berlin ſoll immer mein Ziel bleiben! Hätte ich nur
ſo die Zeit dazu, ich wollte das vortrefflichſte Buch über
Berlin ſchreiben.
Und dies hat er getan: in ſeinem erſt kürzlich wieder
neu aufgelegten Roman Die Grandidiers der in ſeiner
Miſchung feiner Geiſteskultur aus der franzöſiſchen Ko=
lonie
und ſtrengen Wirklichkeitsſinnes das anſthaulichſte
Bild von dem Berlin der 60er Jahre des vorigen Jahr=
hunderts
erſtehen läßt, und in ſeinen köſtlichen Bildern
aus dem Berliner Leben, die heute ſchon ganz als hiſto=
riſches
Dokument anmuten, mag uns der prächtige Er=
zähler
in das erwachende Berlin der Frühen Leute‟
führen, zum Sonntagsausflug des Bürgers vor das
Landsberger Tor, nach dem damals noch ſo neuen und
vielbewunderten Humboldthain oder zur Mutter Gräbert
mit ihren Würſten und Räuberkomödien. Keiner hat wie
er Reiz und Schönheit dieſes alten Berlin die Zeit
ſeiner Kindheit als Kaiſerſtadt, ſo durchgekoſtet und durch=
lebt
; als ſein Chroniſt wird Rodenberg uns immer teuer
bleiben.

[ ][  ][ ]

Nummer 191.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1941.

Seite 3.

Tarifgeſetzes imſtande, das Vertrauen wiederherzuſtellen.
Die Staatseinnahmen gingen in die Höhe und eine Um=
änderung
des Tarifgeſetzes ſei daher nicht nötig, auch ſehe
er gegenwärtig keinen Grund für eine Erhöhung der Ein=
kommenſteuer
. Mac Adoo ſchloß, die allgemeine Ge=
ſchäftslage
ſei kerngeſund, die finanzielle Poſition ſei aus=
nehmend
ſtark und man könne mit geſtärktem Vertrauen
in die Zukunft blicken.
Ching.
Die dritte Revolution. Nach einer Mel=
dung
aus Peking hat die dritte Revolution begonnen. In
Hankau und nördlich vom Fluſſe Chan bildeten die Revo=
lutionäre
eine regelrechte Kriegsmacht, mit der ſich 50000
Mann reguläre Truppen unter der Bezeichnung Die
dritte chineſiſche Diviſion vereinigten. Es werden täg=
lich
weitere Freiwillige angeworben. Man erwartet, daß
die kriegeriſche Aktion in den nächſten Tagen ihren An=
fang
nehmen wird.

* Angriffe gegen den Hanſa=Bund. Man
ſchreibt uns: Die Deutſche Volkswirtſchaftliche Korreſpon=
denz
, ein Organ mit hochklingendem Namen, welches in=
duſtrielle
Fragen vom Standpunkt der Ueberagrarier aus
zu behandeln pflegt und ſich dementſprechend auch der be=
ſonderen
Protektion der Deutſchen Tageszeitung erfreut,
beſchäftigt ſich wieder einmal mit den Verhältniſſen im
Hanſa=Bund Man iſt daran gewöhnt, daß dieſe Korre=
ſpondenz
dem Hanſa=Bunde gegenüber an Feindſelig=
keiten
und Entſtellungen das möglichſte leiſtet, und ſo
ſcheut man ſich auf dieſem Wege ſchließlich auch nicht, auf
dieſes niedrige Niveau perſönlicher Anfeindungen und
Unvornehmheit hinabzugleiten. Soweit es ſich um ſolche
gegen zwei leitende Perſönlichkeiten des Hanſa=Bundes
handelt, ſind wir nicht gewillt, den Herren auf ihren
Wegen zu folgen, zumal es für die Oeffentlichkeit ganz
gleichgültig iſt, ob jemand ſeine eigene Arbeitskraft mehr
oder minder hoch einſchätzt. Wenn daher von einer
Korreſpondenz, die ſich deutſche volkswirtſchaftliche‟
nennt, Herrn Regierungsaſſeſſor Dr. Kleefeld, der als
praktiſcher Verwaltungsbeamter und wirtſchaftlicher Sach=
verſtändiger
gerade in Kreiſen von Handel und Induſtrie
bekannt iſt, darüber Vorwürfe gemacht werden, daß er
an der im nationalwirtſchaftlichen Intereſſe ſo wichtigen
Beſſerung der Verhältniſſe im ſogenannten Fürſtenkon=
zern
mitarbeitet, ſo iſt dies wirklich ein ſtarkes Stück.
Gerade in den Kreiſen, die ſonſt vielleicht der Volkswirt=
ſchaftlichen
Korreſpondenz näherſtehen, wird ein ſolches
Vorgehen nicht dazu beitragen, den Argumenten dieſer
Korreſpondenz beſonderen Eindruck zu verleihen. Im
übrigen können wir feſtſtellen, daß die ſachlichen Behaup=
tungen
der Volkswirtſchaftlichen Korreſpondenz ebenſo
unrichtig, wie die perſönlichen Angriffe unerzogen und
deplaziert ſind. So erfahren wir aus Mitteilungen von
zuſtändiger Stelle, daß die Finanzen des Hanſa=Bundes
ſeit Beſtehen desſelben ſich in dauernder günſtiger Ent=
wickelung
befinden, und ſelbſt auf die Gefahr hin, daß die
Deutſche Tageszeitung damit ihre Agitatoren ſpeiſt, kön=
nen
wir auch weiter mitteilen, daß Jahr für Jahr durch
eine verſtändige Finanzpolitik Erſparniſſe und damit
Steigerungen des Vermögens erzielt werden konnten.
Die organiſatoriſche Entwickelung des Hanſa=Bundes
zeigt ſich in folgenden Zahlen: Im März 1910: 22 Lan=
desverbände
und Bezirksgruppen, 425 Ortsgruppen, 1100
Vertrauensmänner, 202 korporativ angeſchloſſene Vereine.
Im Juni 1914: 60 Landesverbände und Bezirks=
gruppen
, 665 Ortsgruppen, 1679 Vertrauensmänner, 877
korporativ angeſchloſſene Vereine und Verbände mit
283600 Mitgliedern. Von einer horrenden Unkenntnis
der Dinge zeugen aber die Ausführungen der Korreſpon=
denz
über die Beziehungen des Hanſa=Bundes zur In=
duſtrie
. Die großartig verlaufene Tagung des Bundes
in Köln am 13. Juni d. J. hat wiederum erwieſen, daß
gerade in den Kreiſen der Induſtrie von Rheinland und
Weſtfalen führende Perſönlichkeiten nach wie vor treu
zur Sache des Hanſa=Bundes halten und für dieſe auch
offen und ehrlich eintreten. Gerade die letzten Aktionen
des Bundes im Reichstag, wie die Einführung der Kom=
miſſion
für Handel und Gewerbe, die Beſtellung indu=
ſtrieller
Dezernenten bei den mittleren politiſchen Par=
teien
, haben wiederum gezeigt, in wie eingreifender und
weitſichtiger Weiſe ſich der Hanſa=Bund bemüht, den Ein=
fluß
von Induſtrie, Handel und Gewerbe in den Parla=
menten
zu verſtärken und dies wiſſen ſachliche Beurteiler
gerade aus den Kreiſen der Induſtrie auch dem Hanſa=
Bunde zu danken. Die Leiſtung der Deutſchen Volks=
wirtſchaftlichen
Korreſpondenz hat aber auch eine ſehr
ernſte Seite, und dieſe liegt in der Unklugheit der Ten=
denz
derartiger Artikel. Man hätte eigentlich den Herren

von der Kreuz=Zeitung und der Deutſchen Tageszeitung
zutrauen können, daß ſie mit dem Abdruck derartiger
Aeußerungen vorſichtiger ſind.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. Juli.

* Vom Hofe. Die Großherzogin empfing
am Samstag von 11 Uhr vormittags an im Reſidenz=
ſchloß
Freifrau G. Riedeſel zu Eiſenbach mit Tochter,
Frau Lilly Wolfskehl, ferner Oberſt von Tiedemann,
Oberſtleutnant Freiherrn von Eelking, Oberſtleutnant
Weitz und Major von Pape vom Infanterie= Leib=
regiment
Großherzogin Nr. 117. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihungen. Der Großherzog hat
durch Entſchließung vom 11. Juli d. Js. verliehen: das
Ritterkreuz 2 Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen dem Hauvtmann Brunkow, Stabshaupt=
mann
im 9. Bad. Inf.=Regt. Nr. 170, ſeither Oberleutnant
im Inf.=Leib=Regt. Großherzogin (3. Gr. Heſſ.) Nr. 117.
Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren
wurde verliehen: Johannes Hohenſtein V., Johannes
Hohenſtein VI., Beni Adler, Johann Philipp
Knopp II., Adam Schmitt XIII., Georg Herrlich II.,
ſämtlich zu Rüſſelsheim.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Heinrich
Vogel zu Eichenrod, Kreis Lauterbach, eine Lehrerſtelle
an der Volksſchule zu Angersbach, in demſelben Kreiſe,
dem Lehrer Heinrich Mühl zu Dannenrod, Kreis
Alsfeld, eine Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Kelſter=
bach
, Kreis Groß=Gerau, dem Schulamtsaſpiranten Karl
Bernius aus Höllerbach, Kreis Erbach, eine Lehrerſtelle
an der Volksſchule zu Dudenhofen, Kreis Offenbach, dem
Lehrer Heinrich Knoche zu Mörfelden, Kreis Groß=
Gerau, eine Lehrerſtelle zu Wolfskehlen, in demſelben
Kreiſe, der Schulamtsaſpirantin Katharine Bernbach
aus Froſchhauſen, Kreis Offenbach, eine Lehrerinſtelle an
der Volksſchule zu Zellhauſen, in demſelben Kreiſe, der
Schulamtsaſpirantin Anna Marie Henkes aus Lorſch,
Kreis Bensheim, eine Lehrerinſtelle an der Volksſchule
zu Heuſenſtamm, Kreis Offenbach.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Lehrer
Johann Ludwig Roth zu Wackernheim, Kreis Bingen.
* Entlaſſen wurde der Lehrer Ludwig Schuchard,
z. Zt. Verwalter einer Reallehrerſtelle an der Realſchule
zu Schotten, aus dem Schuldienſt.
* Erledigt ſind: Eine mit einem evangeliſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der Volksſchule zu
Heuchelheim, Kreis Gießen. Eine mit einem
evangeliſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle an der
Volksſchule zu Sellnrod, Kreis Schotten. Mit
der Stelle iſt Organiſtendienſt verbunden. Dem Inhaber
kann eine Ortszulage bewilligt werden.
g. Vorſicht beim Unterſchreiben. Fortgeſetzt wird
davor gewarnt, etwas zu unterſchreiben, was man nicht
ganz genau durchgeleſen hat. Trotzdem gelingt es ge=
wiſſenloſen
Betrügern immer wieder, Vertrauensſelige zu
täuſchen. Dies zeigt wieder ſo recht eine Verhandlung,
die geſtern vor der Strafkammer II ſtattfand. Des Be=
truges
waren vom Schöffengericht Groß=Gerau der 25 jäh=
rige
Reiſende Hans Martin aus Breslau und der
22jährige Oberreiſende Friedrich Kunze aus Loſch=
witz
ſchuldig befunden worden und beide zu je 3 Wochen
Gefängnis verurteilt, wogegen ſie Berufung verfolgten.
Die Angeklagten reiſten umher und ſammelten Aufträge
für Vergrößerungen für ein Berliner Unternehmen, das
den Namen Arkadia führt. Sie ſpiegelten dabei den Leu=
ten
vor, ſie brauchten keinen Pfennig zu zahlen, ſie müßten
ſich nur verpflichten, die Vergrößerung zur Reklame in
ihrer Wohnung aufzuhängen, da die Firma im Ort eine
Filiale errichten wolle. Schließlich ſollten dann die Be=
treffenden
einen Proſpekt unterſchreiben. Nach einigen
Tagen kamen dann die Vergrößerungen und den Ueber=
raſchten
wurden 12,60 Mark abverlangt unter Berufung
auf den als Proſpekt unterſchriebenen Beſtellſchein. Es ge=
lang
den beiden auch, insgeſamt 150 Mark zu bekommen.
Wegen gleicher Betrügereien war Martin in Heilbronn
zu 9 Monaten und Kunze wegen Erpreſſung zu 11
Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Straf=
kammer
vertagte die Verhandlung, da die Angeklagten
vom perſönlichen Erſcheinen entbunden waren. Nach der
Sachlage ſchien es nicht möglich, in deren Abweſenheit zu
verhandeln.
Eduard Zernin . Mit dem am Sonntag verſtor=
benen
Herrn Hauptmann à la suite Verlagsbuchhändler
Eduard Zernin iſt eine markante und eine der be=
kannteſten
Darmſtädter Perſönlichkeiten aus dem Leben
geſchieden. Der Verſtorbene war am 3. Februar 1830 in
Rummelsburg geboren, er ſtand alſo im 85. Lebensjahre.
Er war ein bekannter Militärſchriftſteller und redigierte
auch die Allgemeine Militärzeitung, wie denn auch ſeine
ſchriftſtelleriſche Tätigkeit vorwiegend, wenn auch nicht

ausſchließlich, ſich auf militäriſchem Gebiete bewegte. Be=
kannt
ſind ſeine perſönlichen freundſchaftlichen Beziehun=
gen
zu General von Goeben. Auch zu Richard Wagner,
J. V. von Scheffel ſtand der Verſtorbene in freundſchaft=
lichen
Beziehungen. Aus ſeinen Werken ſind bekannt:
Erinnerungen an Hendel=Schütz, militäriſches Skizzenbuch,
Anleitung zum Studium der Kriegsgeſchichte, Erinnerun=
gen
an Scheffel, Leben des Generals der Infanterie von
Goeben, Ludwig IV., ferner ein Führer durch Darmſtadt
und Umgegend uſw.
C. Zugang von Wohngebäuden in Heſſen. Dem An=
trag
des Abgeordneten Grünewald betreffs der auf dem
Immobilienverkehr ruhenden Laſten, der mit einer Reihe
anderer Gegenſtände in der abgelaufenen Landtagsſeſſion
nicht mehr zur Verhandlung kam, iſt eine intereſſante Zu=
ſammenſtellung
über den Zugang von Wohngebäuden im
Großherzogtum Heſſen in den Jahren 19001912 beige=
geben
. Hiernach hat vom Jahre 1900 bis 1906 eine Stei=
gerung
von 2433 auf 2795 Neubauten ſtattgefunden,
worauf ein beträchtlicher Rückgang, bis zu 2234, im Jahre
1910 erfolgt, der im Jahre 1912 wieder einer kleinen Stei=
gerung
, auf 2291, Platz macht. In den einzelnen Kreiſen
und Städten ſchwanken die Zahlen ſehr bedeutend. So
finden wir z. B. im Kreiſe Darmſtadt im Jahre 1905 einen
Zugang von 386 Wohngebäuden gegenüber nur 185 im
Jahre 1912 und in der Stadt Darmſtadt von 1900 bis
1904 ein Anwachſen von 124 auf 185. Von da ab trat ein
ſtarker Rückgang ein, der im Jahre 1908 in der Zahl 45
ſeinen Tiefſtand erreichte, worauf wieder eine kleine Zu=
nahme
erfolgte, die im Jahre 1911 in der Zahl von 69
Neubauten ihren Ausdruck fand (1912 nur noch 61). Im
allgemeinen weiſen die induſtriellen Kreiſe des Landes
die größte Steigerung von Wohngebäuden auf. So wur=
den
beiſpielsweiſe im Kreiſe Offenbach von 19001912
durchſchnittlich 400 Neubauten pro Jahr hergeſtellt, und
das Jahr 1912 zeigte ſogar mit 438 gegenüber dem Vor=
jahre
eine Steigerung von 44. Auch im Kreiſe Groß=
Gerau, wo außer der Kreisſtadt beſonders Rüſſelsheim
in Betracht kommt, iſt von einer Abnahme der Bautätig=
keit
nichts zu ſpüren, vielmehr ſind die Zahlen für 1911
und 1912 mit 272 bezw. 269 Neubauten die höchſten in der
13jährigen Periode.
B. B. Die Jugend und der Käfer= und Fiſchfang. Gol=
dene
Worte an die Jugend (und auch an die Erwachſe=
nen!
) ſind in einem Flugblatt enthalten, das ſich gegen
das Einfangen von Käfern, Schmetterlingen, Fiſchen und
anderen Lebeweſen ausſpricht und in den Schulen zur
Verteilung gelangt. Auch die kleinſten Tiere ſo heißt
es da, hängen an ihrem Leben und fühlen Schmerz, wenn
man ſie verletzt oder tötet. Kein Menſch iſt berechtigt, ein
Tier ohne Not zu töten. Selbſt die ſchädlichſten Tiere
ſollten nicht durch Kinder getötet werden. Was haben
Euch die Tiere zuleide getan, daß Ihr die Käfer, Schmet=
terlinge
uſw. zerdrückt, zerſauſt und tötet, und die Fiſche,
die Salamander, Eidechſen, Fröſche in ein Aquarium ein=
ſperrt
, wo ſie meiſt elend umkommen? Freut es Euch denn
nicht, wenn Ihr die Tiere in der Freiheit ſeht, wenn die
farbenprächtigen Schmetterlinge von Blume zu Blume
flattern, die buntſchimmernden Käfer im Geſtein und im
Geſträuch herumkrabbeln und die Waſſertiere in Seen und
Flüſſen ihr luſtiges Spiel treiben? Iſt das nicht ein be=
deutend
ſchönerer Anblick, als wenn Ihr die toten Tier=
chen
aufgeſpießt im Kaſten modern oder die lebenden in
der Gefangenſchaft ihr kurzes Daſein vertrauern läßt?
Wenn Ihr etwas ſammeln wollt, ſo ſammelt Steine,
Muſcheln und andere Sachen, lebende Tiere ſind kein
Spielzeug! Die Rückſeite des Flugblattes enthält auf
den Tierſchutz bezügliche Sprüche und Verſe, u. a. von
Johannes Trojan, Friedrich Hebbel und Franz Bong.
Die Mahnung dürfte auch von verſchiedenen Erwachſenen
zu beherzigen ſein, ſofern natürlich nicht rein wiſſenſchaft=
liche
Zwecke in Frage kommen.
* Der Verein ehemaliger Leibgardiſten in Offenbach
hatte für vorgeſtern einen Familien=Ausflug nach unſeren
hübſchen Wäldern mit dem Endziel Darmſtadt zum Be=
ſuch
des hieſigen Brudervereins veranſtaltet. Nach kur=
zer
Bahnfahrt bis Dietzenbach ergötzte man ſich an einem
hübſchen Waldgang nach Meſſel, wo bei Germann das
Frühſtück eingenommen wurde. Hierauf ging es durch den
herrlichen Park nach dem Oberwaldhaus. Hier hatten ſich
die Darmſtädter früheren Regimentskameraden mit dem
Vorſtand an der Spitze zum freundlichen Empfang einge=
funden
und marſchierte man nach kurzer Raſt gemeinſam
nach dem Hanauer Hof, wo die Mehrzahl der Darm=
ſtädter
Vereinskameraden mit ihren Familien anweſend
waren. Hier entwickelte ſich im Saal und Garten bald
ein gemütliches, fröhliches’ Treiben. Der Vorſitzende der
Darmſtädter Vereinigung hieß die Offenbacher Kamera=
den
herzlich willkommen, worauf der Offenbacher Präſi=
dent
in kernigen Worten Dank für den=Empfang ausſprach
und zum baldigen Gegenbeſuch einlud. Es folgten wei=
tere
Anſprachen, Liedervorträge, Tanz und wurde manche
alte Kameradſchaft erneuert, manches alte ſoldatiſche Er=
lebnis
ausgetauſcht.

Napoleon 1806 in Berlin.

(Ermans Originalbericht über ſeine Unterredung mit
Napoleon.)
ck. Die berühmte Unterredung des greiſen Predigers
Jean Pierre Erman mit Napoleon nach deſſen ſiegreichem
Einzug in Berlin 1806, in der der würdige Geiſtliche un=
erſchrocken
dem allmächtigen Herrſcher gegenübertrat, war
bisher nur in falſchen dramatiſch aufgeputzten Darſtel=
lungen
der Nachwelt erhalten. Was Napoleon in die=
ſem
für das Schickſal Berlins und Preußens ſo wichtigen
Augenblick wirklich geſprochen hat, wird nun erſt bekannt
durch die Veröffentlichung des Originalberichtes Ermans,
den ein Nachkomme des bedeutenden Mannes, Geh. Rat
Wilhelm Erman, in ſeinem ſoeben bei E. S. Mittler
u. Sohn in Berlin erſchienenen Lebensbild Ermans zum
erſtenmal mitteilt.
Nach ſeinem Einzug in Berlin am 28. Oktober 1806
empfing der Franzoſenkaiſer im königlichen Schloß, wo
er Wohnung genommen hatte, zuerſt die Behörden und
dann um 10 Uhr die Geiſtlichkeit der Stadt, als deren
Senior und Wortführer der mehr als 70jährige Erman
ihn anredete. Er ſprach freimütig mit tiefer Rührung
ſeiner und der Anweſenden Anhänglichkeit an den König
aus und meinte mutig, andere Geſinnungen würden
dem Kaiſer ſelbſt verwerflich erſcheinen. Napoleon unter=
hielt
ſich daraufhin mehr als eine halbe Stunde lang mit
Erman, der in eingehenden franzöſiſchen, erſt nunmehr
bekannt gewordenen Aufzeichnungen die Worte des Herr=
ſchers
aufbewahrte. Nachdem er zunächſt die Prediger
ermahnt hatte, zur Aufrechterhaltung der Ruhe und des
Gehorſams beizutragen, erging er ſich in einer langen
Abſchweifung, in der er mit ſehr lebhaftem Bedauern von
dem König ſprach, der ihn zum Kriege gezwungen habe
vährend er nichts wünſchte, als mit Preußen in größter
Harmonie zu leben. Er beklagte den König, den er

Ihren guten König nannte, indem er den Ausdruck
armer Menſch oder armer König der ihm entfahren
war, zurücknahm, daß er ſich von fremden Klatſchereien
habe fortreißen laſſen. Er ſchrieb die Rolle, die der =
nig
geſpielt hatte, indem er ihm den Krieg erklärte‟ ſo
lauten die Aufzeichnungen Ermans in deutſcher Ueber=
ſetzung
weiter dem Einfluß der Königin zu, von der
er ſagte, ſie ſollte ſich lieber auf den Spinnrocken be=
ſchränken
, welchen Ausdruck er zweimal wiederholte, und
auf die Erziehung ihrer Kinder, indem er hinzufügte,
daran würde ſie beſſer tun, als mit den Armeen und den
Garden zu marſchieren. Dabei machte er einen heftigen
Ausfall gegen die Frauen, die ſich in die Regierung
miſchen, und klagte ſie an, ſie ſeien die Urſachen alles
Uebels, das es in der Welt gebe, und erwähnte als Bei=
ſpiel
den Einfluß der Mme. de Maintenon auf die Wider=
rufung
des Edikts von Nantes. Als ich ihm erwiderte,
daß ich Gelegenheit gehabt hätte, die Königin vor ihrer
Thronbeſteigung zu ſprechen, und daß ſie mir damals ge=
ſagt
hätte, ſie werde ſich niemals in Staatsgeſchäfte
miſchen, führte er an, daß die Urſache ihrer Veränderung
in dieſer Hinſicht das Erſcheinen des Kaiſers von Ruß=
land
in Berlin ſein könne. Er fügte hinzu, daß er in
Charlottenburg in dem Schreibtiſch der Königin unter
Spitzen und Flitter eine Denkſchrift gefunden habe, die
von der Oppoſition gegen den König und die Regierung
an ſie gerichtet ſei, daß er überraſcht geweſen ſei, daß
man ſie nicht fortgebracht hatte, und daß er ſie an unſer
Miniſterium gegeben habe; er fügte noch hinzu, daß die
Königin eine ſehr hübſche Frau wäre, daß ſie Geiſt haben
könnte, aber er verwies ſie immer wieder an den Spinn=
rocken
. Er machte dann noch einen weit heftigeren Aus=
fall
gegen den Prinzen Louis Ferdinand, indem er ſagte
der König hätte ihm den Kopf abſchlagen laſſen müſſen,
in dem Augenblick, da er perſönlich ſich erlaubt hätte,
die Fenſter eines Miniſters des Königs einzuwerfen, daß
überhaupt ein Herrſcher die Prinzen in den richtigen

Grenzen halten müſſe, daß Ludwig XVI., wenn er zuerſt
dem Herzog von Orleans den Kopf hätte abſchlagen
laſſen, er niemals Revolution in Frankreich gehabt haben
würde.
Napoleon fragte Erman, ob er geleſen habe, was er
ſelbſt über dieſe Dinge geſchrieben. Das von dem Herr=
ſcher
mit größter Lebhaftigkeit geführte Geſpräch ging
dann auf religiöſe Fragen über. Bei dieſer Gelegen=
heit
ſagte der Kaiſer, wie ich mich erinnere, daß er Katho=
lik
wäre, aber alle Bekenntniſſe duldete. Und als er=
dabei
von der Zurücknahme des Ediktes von Nantes
ſprach, meinte er, er werde nicht dieſelbe Dummheit wie
Ludwig XIV. machen, Untertanen wegzuſchicken, die die
Induſtrie aus dem Lande trügen, wie es die Réfugiés
gemacht hätten. Ich nahm Gelegenheit, ihm zu ſagen,
daß Preußen die gleichen Prinzipien verfolgt und ein
Beiſpiel gegeben hätte, beſonders unter der Regierung
Friedrichs II. Ja, ſagte er, aber er hatte keine Reli=
gion
, was nicht gut iſt, weil die Religion die Grundlage
aller Tugenden iſt, aber, fügte er hinzu, er war ein gro=
ßer
König und hatte keine Frauen an ſeiner Seite.
Der Kaiſer ließ ſich dann den Unterſchied zwiſchen
Reformierten und Lutheranern auseinanderſetzen und
ſagte, er wäre über dieſe Dinge nicht unterrichtet, aber
er hielte ſich an das Evangelium Jeſu Chriſti. Er ver=
abſchiedete
uns mit einem gütigen Gruß. Ich näherte
mich ihm, und ſeinen rechten Arm ergreifend, ſagte ich:
Sire, dieſer Arm iſt ſiegreich, er ſei auch wohltätig.
Die mutigen Entgegnungen Ermans, die in dieſem= ſchlich=
ten
eigenen Bericht woiger hervortreten, aber ſonſt
allenthalten erwähnt werden, machten einen ſtarken lEin=
druck
auf Napoleon. Wie Jean Pierre Ermans Sohn,
Paul, aufzeichnet, hat Napoleon am Abend desſelben
Tages zu ſeiner Umgebung geſagt: Heute bin ich auf
einen geſtoßen, der mir tüchtig den Kopf gewaſchenshat!

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

Nummer 191.

* Krieger= und Militär=Verein Graf v. Haeſeler.
Mit dem großen Kriegerfeſt vom 18.20. Juli ver=
bindet
der Verein das Feſt ſeiner Fahnenweihe.
Die von der Bonner Fahnenfabrik gelieferte Fahne iſt
ein Kunſtwerk. Die Fahne iſt von Montag bis
Samstag in dem Schaufenſter der Hoflieferanten
Faix & Söhne ausgeſtellt.
* Der Verein der ehemaligen Heſſiſchen Lud=
wigs
=Eiſenbahn=Beamten und Penſionäre hält am
Sonntag, den 19. Juli, im großen Saale des
Weißen Bierhauſes zu Mainz, Roſengaſſe 17, ſeine
diesmonatliche Mitgliederverſammlung ab.
* Odenwaldklub. Die Einzelheiten über die Fami=
lienfahrt
nach Rothenburg erfahren die Mitglieder
bei dem Klubgenoſſen Robert Bergmann, Wilhelminen=
ſtraße
. Die Koſten der 2½tägigen Wanderfahrt belaufen
ſich auf 25 Mark, ausſchließlich der Getränke. Anmeldun=
gen
müſſen ſpäteſtens bis Mittwoch abend erfolgt ſein.
* Gegen die Fliegenplage wird als das beſte
Mittel Formalin empfohlen. Man nehme zwei =
löffel
voll Formalinlöſung, wie man ſie beim Drogiſten
kauft, und miſche dies mit einem guten halben Liter
Milch. Das Gemenge wird auf flache Teller gegoſſen,
damit die Fliegen bequem dazu gelangen können. In
die Mitte der Teller legt man ein flachgeſchnittenes
Stück Brot, das einige Millimeter über die Oberfläche
der Flüſſigkeit hervorragt. Will man nur einen Teller
für den Fliegenfang herrichten, ſo genügt ein halber
Teelöffel Formalin auf drei Eßlöffel Milch. Aber Vor=
ſicht
, daß weder Kinder noch Haustiere davon naſchen.
C Aus dem Fenſter geſtürzt. Geſtern mittag um ½1
Uhr ſtürzte ein etwa 2 Jahre altes Kind aus dem zweiten
Stock des Hauſes Schloßgaſſe 29 auf die Straße. Das
Kind hat anſcheinend nicht allzu ſchwere Verletzungen er=
litten
, da es erbärmlich ſchrie. Es wurde ins Kranken=
haus
gebracht.
gs. Unfall. Geſtern nachmittag erlitt ein bei der
Funkerſtation beſchäftigter Schloſſer beim Abladen von
eiſernen Trägern einen Unterarmbruch. Er wurde
von der Rettungswache nach Anlegung eines Notverban=
des
nach dem Krankenhaus übergeführt.
* Konzerte uſw. Hugenſchütz‟ Felſenkeller.
Heute abend konzertiert wieder die ſo beliebt gewordene
Kapelle des Garde=Drag.=Regts, unter der bewährten
Leitung ihres Obermuſikmeiſters Herrn Alb. Mittel=
ſtädt
, der auch gelegentlich eines dreitägigen Gaſt=
konzertes
im ſchönen Bayernlande mit ſeiner Kapelle
in überaus herzlicher Weiſe gefeiert und geehrt wurde,
ſo daß man es dort nicht unterlaſſen konnte, der Kapelle
öffentlich den ganz beſonderen Dank des Publikums für
die vorzüglichen Leiſtungen auszuſprechen. Es wäre
für das hieſige Publikum ſicher recht angenehm, wenn
die Kapelle hier öfter konzertierte. Einen Beweis, wie
beliebt die Konzerte in Hugenſchütz Felſenkeller ge=
worden
ſind, gab das letzte Militär=Konzert, das von
ca. 2000 Perſonen beſucht war. Wie aus der Anzeige
erſichtlich, iſt die Programmaufſtellung eine ganz vorzüg=
liche
, und der Beſuch des Konzerts ſehr zu empfehlen.
Chauſſeehaus, Heidelberger Straße. Heute
abend konzertiert eine größere Abteilung der Kapelle des
Artillerie=Regiments Nr. 25. Ein reichhaltiges Pro=
gramm
wird in dem hübſchen ſchattigen Garten den Auf=
enthalt
nur angenehm geſtalten. (S. Anz.)
Eberſtadt, 13. Juli. (Ein ſchwerer Unfall)
ereignete ſich geſtern abend im Betriebe der Straßenbahn.
Ein Schaffner geriet mit dem Bein zwiſchen die Puffer
zweier Wagen und erlitt ſtarke Verletzungen, ſo daß er
von der Darmſtädter Rettungswache im Krankenautomo=
bil
ins Darmſtädter Krankenhaus gebracht werden mußte.
Nachdem dem Verunglückten dort die erſte Hilfe zuteil ge=
worden
war, konnte er in ſeine Wohnung verbracht
werden.
K. Roßdorf, 13. Juli. (Unfall.) Heute morgen
hielten die 23er Dragoner in hieſiger Gemarkung eine
Felddienſtübung ab. Dabei wurde auf dem Rehkopf eine
Frau von einem Dragonerpferd derart an den Kopf ge=
ſchlagen
, daß ſie bewußtlos hinfiel. Herr Dr. Baumann,

der ſchnell herbeigeholt wurde, verband die Frau. Sie
mußte mittels Krankenwagen nach Darmſtadt ins Hoſpital
verbracht werden.
Birkenau, 13. Juli. (Ein tragiſches Ende)
nahm vorgeſtern der Forſtwart Stäckler auf dem Filial=
ort
Nieder=Liebersbach. Als dieſer von ſeinem Dienſt=
gange
, die geladene Flinte auf der Schulter, nach Hauſe
kam, wollte er ſein kleines Kind auf die Arme nehmen.
Während er ſich bückte, ging der Schuß los und dem Mann
in die Seite. Ehe man den Arzt rufen konnte, war der
etwa 30jährige Mann verſchieden.
Offenbach, 13. Juli. (Ein ſchwerer Arbeits=
unfall
) ereignete ſich am Samstag nachmittag in der
Schriftgießerei von Gebrüder Klingſpor in der Ludwig=
ſtraße
140. Dort war der 22jährige Peter Hak aus Läm
merſpiel im Fabrikraum mit Weißbinderarbeiten beſchäf=
tigt
und geriet bei deren Ausführung in die Trans=
miſſion
. Der Verunglückte wurde ſo ſchwer verletzt,
daß er im Krankenautomobil ins Städtiſche Krankenhaus
gebracht werden mußte. (Von einem Unbekann=
ten
überfallen) wurde hinter den Schießſtänden am
Brunnenweg eine Frau, die dort Himbeeren pflücken
wollte. Die Frau ſetzte ſich dem Unhold in entſchiedener
Weiſe zur Wehr, ſo daß dieſer ſein Vorhaben nicht aus=
führen
konnte und weglief.
Lindenfels, 12. Juli. (Die Sommerſaiſon.)
Unſere Gaſthäuſer beginnen ſich nun mit Kurgäſten zu
füllen. Im allgemeinen war man bis jetzt mit dem
Beſuche unſeres Kurortes nicht zufrieden. Aus anderen
Kurorten kommt dieſelbe Klage. Nicht weniger als
acht Autos können dieſes Jahr zur Bewältigung des
Perſonenverkehrs in Dienſt geſtellt werden. Es befinden
ſich nun zwei Autogeſellſchaften am Platze. Die alte
Geſellſchaft, die auch die Poſt befördert, verfügt über
vier größere Omnibuſſe und einen Luxuswagen, die
neue Geſellſchaft über drei Wagen. Außerdem werden
viele Fahrten noch von Bensheimer Automobilbeſitzern
gemacht. Eine ſolch' ſcharfe Konkurrenz hatte natürlich
auch eine Herabſetzung der Fahrpreiſe zur Folge.
r. Heubach, 13. Juli. (Unfall.) Auf der Höchſter
Landſtraße in der Nähe von Frau=Nauſes fiel geſtern
morgen der hieſige Steinhauer Wilhelm Schimpf IV beim
Kirſchenpflücken ſo unglücklich vom Baum, daß derſelbe
mittels Tragbahre nach Hauſe getragen werden mußte
Die ſofort in Anſpruch genommene ärztliche Hilfe des Dr.
Braun=Lengfeld konnte vorläufig nur einen doppelten
Knöchelbruch des rechten Fußes feſtſtellen.
Worms, 13. Juli. (Selbſtmord.) Heute vormit=
tag
wurde neben dem Bahnkörper der Staatsbahn Worms=
Ludwigshafen in der Nähe des Poſtens 2 am Boben=
heimer
Uebergang die Leiche eines Soldaten
vom hieſigen Regiment aufgefunden. Der Kopf
der Leiche war vollſtändig abgeriſſen und lag meh=
rere
Meter weit entfernt zwiſchen dem Schienengleiſe. Od
Selbſtmord oder Unglücksfall vorliegt, iſt noch unaufge=
klärt
.
Gimbsheim, 13. Juli. (Ballonlandung.) Die
Landung eines Militärfreiballons erfolgte heute vormittag
an der Gemarkungsgrenze zwiſchen hier und Gunters=
blum
. Es war der Ballon Zähringen der am frühen
Morgen von Mannheim=Waldshut aufgeſtiegen und dann
in ſechsſtündiger herrlicher Fahrt quer durch Rheinheſſen
geflogen war. Der Ballon war mit einem Offizier als
Führer und drei Einjährig=Freiwilligen Unteroffizieren
bemannt. Um ſtarken Gasverluſt infolge der einſetzenden
enormen Sonnenbeſtrahlung zu vermeiden, entſchloß ſich
der Führer, niederzugehen. Die Landung ging glatt von
ſtatten. Der Ballon wurde zum Rücktransport nach
Mannheim=Waldshut an der Station Guntersblum ver=
laden
.
Oſthofen, 13. Juli. (Beim Baden ertrunken.)
Der 21jährige Bahnarbeiter Karl Dörr von hier badete
geſtern nachmittag mit einigen Kameraden im Rhein.
Plötzlich ſtieß er einen Schrei aus und verſchwand in den
Fluten. Dörr hatte anſcheinend beim Baden einen Schlag
anfall bekommen und iſt ertrunken.
Friedberg, 11. Juli. (Selbſtmord.) Als heute
nachmittag 3,05 Uhr der Perſonenzug der Strecke Hungen-
Friedberg in die Station Bellersheim einfahren wollte,
ſprang plötzlich eine Minute von der Station entfernt

ein Mann vor den Zug und wurde ſofort getötet. Es
war der 76jährige Rentner Johannes Böckel, der In=
haber
der bekannten Fabrik Gebrüder Böckel in Bellers=
heim
. Er hatte in einem Gebüſch den Zug erwartet
und ſich dann etwa 15 Meter vor der Maſchine vor den
Zug geworfen. Daß ein Selbſtmord vorliegt, geht aus
zwei hinterlaſſenen Briefen an den Pfarrer des Ortes
und den Kriegerverein hervor, in denen er bat, man
möge ihn in aller Stille beerdigen. Man nimmt an,
daß der Selbſtmord aus Trauer über den vor einiger
Zeit erfolgten Tod ſeiner Frau geſchah. Böckel war
Feldzugsteilnehmer von 1866 und 1870 und eine in der
ganzen Gegend beliebte und hochgeachtete Perſönlichkeit.
(*) Lich, 13. Juli. (Das 30. Bundesfeſt des
Lahntalſängerbundes) fand geſtern und heute
hier ſtatt. Fürſt Karl hatte die Schutzherrſchaft über das
Feſt übernommen und wohnte mit ſeiner Familie dem
Feſte bei. Geſtern vormittag fand in Steins Garten das
Wertungsſingen der 15 Bundesvereine ſtatt. Der Feſtzug
beſtand aus 30 Gruppen. Eine prächtige Sängerhalle mit
anſchließendem Fürſtentempel war errichtet. Fürſt Karl
hielt eine Anſprache und brachte das Hoch auf Kaiſer und
Großherzog aus. Bürgermeiſter Dörner begrüßte namens
der Stadt Lich die Erſchienenen. Ueber die hohe Be=
deutung
des deutſchen Liedes ſprach Oberamtsrichter
Rauſch in ſeiner Feſtrede. Unter Leitung des Feſtdirigen=
ten
Lehrer W. Zimmer ſangen die 14 Bundesvereine ihre
Geſamtchöre, 600 Sänger waren angetreten. Darauf folg=
ten
die Einzelchöre der Bundesvereine und Gaſtvereine.
Die Kapelle des Dragoner=Regiments Nr. 24 konzertierte.
Der Sängertag wurde heute vormittag unter dem Vor=
ſitze
des Bundespräſidenten, Hauptlehrer Storch=Butzbach,
abgehalten. Ehrentafeln für 25jährige Mitgliedſchaft er=
hielten
die Sänger Hch. Hedermann=Mainz und Schäfer=
Londorf. Das Bundesfeſt 1916 wurde dem Verein Wetz=
lar
übertragen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 12. Juli. Der Wiener
Gemeinderat hat jetzt endgültig den Beſuch Berlins
aufgegeben. Nur Bürgermeiſter Dr. Weiskirchner wird
im Oktober der Stadt Berlin einen Beſuch abſtatten.
Der geſtern abend aus Petersburg hier eingetroffene
albaniſche Miniſterpräſident Turkhan Paſcha ſagte
einem Mitarbeiter der Voſſiſchen Zeitung, daß er vor=
ausſichtlich
drei Tage in Berlin bleiben wolle und dann
ſeine Weiterreiſe nach Paris fortſetzen werde. Im
Alter von 71 Jahren iſt geſtern der bekannte Frauenarzt
und Profeſſor der Berliner Univerſität, Heinrich Faß=
bender
, geſtorben. Julius Rodenberg ver=
machte
ſeine umfangreiche Bibliothek der Stadt Berlin.
Zur Trauerfeier wird u. a. auch eine Deputation aus
Rodenberg mit dem Bürgermeiſter an der Spitze
erſcheinen. In Berlin, den Ausflugsorten
und den anliegenden Gemeinden herrſchte geſtern
eine tropiſche Hitze. Gegen 3 Uhr wurden
29,3 Grad Celſius gemeſſen. In die Freibäder
ergoß ſich bereits am frühen Morgen ein gewaltiger
Menſchenſtrom, ſo daß die Verkehrsmittel ſtark in An=
ſpruch
genommen wurden. Eine Reihe tödlicher Unfälle
beim Baden und Rudern war zu verzeichnen. Bis zum
ſpäten Abend trat eine Abkühlung nicht ein.
Marburg, 13. Juli. (Aus Furcht vor Strafe
in den Tod.) In dem Dorfe Steinperf, Kreis Bieden=
kopf
, brachte heute ein Landwirt dem Feldhüter des
Ortes eine Schußwunde bei und verletzte ſich hierauf aus
Furcht vor Strafe ſelbſt ſchwer durch einen Schuß in den
Kopf. Er wurde in die Klinik nach Marburg übergeführt,
wo er bald darauf ſtarb.
Mannheim, 13. Juli. (Meſſerheld.) In ver=
gangener
Nacht gerieten im vierten Stock des Hauſes
Lammſtraße 81 zwei daſelbſt wohnende Schreinergeſellen
aus geringfügiger Urſache in Wortwechſel, der in Tät=
lichkeiten
ausartete. Hierbei verſetzte, nach der N. Bad.
Landesztg:, der 57 Jahre alte, geſchiedene Konrad Fried=
rich
Zali von Engelsbrand dem 34 Jahre alten ledigen
Ferdinand Capen aus Außig in Böhmen einen Dolchſtich
in den linken Oberſchenkel, der nach kurzer Zeit den Tod

Feuilleton.

C.K. Aus Scotts Südpolar=Zeitung. Als ein reich
illuſtrierter ſchöner Band, der ſich als Dritte Folge der
Südpolar=Times ausgibt, erſcheint ſoeben in London
ein einzigartiges Buch, die Zeitung, die Kapitän Scott
und ſeine Getreuen auf ihrer letzten ſo tragiſch geendeten
Fahrt zu ihrer Erheiterung im ewigen Eiſe geſchrieben
haben. Der Band, der genau ſo wiedergegeben wird, wie
er vom April bis zum Oktober 1911 geführt wurde, mit
ſeinen in Schreibmaſchine geſchriebenen Seiten, mit ſeinen
Photographien, Silhouetten, Karikaturen und bunt aus=
gemalten
Bildern, erhält ſeine beſondere ergreifende
Stimmung durch die Kataſtrophe, die nachher über die ſo
ausgelaſſenen Reimer und luſtigen Zeichner hereinbrach.
Dieſe Zeitſchrift der Scottſchen Südpolarexpedition iſt
ſicherlich die erſchütterndſte Bierzeitung die je verfaßt
worden iſt, weit über ihren Inhalt hinaus verklärt durch
das Heldentum der Autoren und zugleich ein prachtvolles
Zeugnis für den mutigen, ſtolzen, jünglingsfriſchen Geiſt,
der die Expeditionsmitglieder beſeelte. Wir erhalten das
lebendigſte Bild von dem Leben, das dieſe Schar von
Brüdern miteinander führte, von der hilfsbereiten Ka=
meradſchaft
, die ſie mit innigen Banden herzlicher
Freundſchaft umſchloß, von dem ſtarken Humor, der
ihnen trotz aller furchtbaren Nöte und Entſagungen nie
usging; ſie ſind alle ganz und gar erfüllt von der Be=
geiſterung
für das große Unternehmen, dem ſie ſich ge=
weiht
, und halten ihre Seelen in Harmonie und ihre
Nerven in Ruhe, mögen auch Schneeſtürme ſie umtoben
und Eismaſſen ſich um ſie auftürmen. Scott ſelbſt tritt
in der Südpolar=Zeitung weniger hervor; er war durch
ſeine Führerſtellung gegen die Neckereien gefeit, mit denen
die anderen ſich ſo reichlich bedachten; doch ſchmücken
einige treffliche, von Dr. Wilſon geſchnittene Silhouetten
Scotts das Buch. Andere Silhouetten aus Wilſons ge=
ſchickten
Fingern, luſtige Karikaturen D. G. Billies und
zahlreiche Photographien des Expeditionsphotographen
Ponting bieten ein reiches Anſchauungsmaterial. Die
Zeitung oder beſſer Zeitſchrift wurde während der Zeit,
die zwiſchen der letzten Depotlegungsreiſe und dem Auf=
bruch
zur eigentlichen Entdeckung des Südpols liegt,
herausgegeben. Alle Beiträge ſollten an den Redakteur
Cherry Garrard anonym geſandt werden; aber in der
Praxis geſtaltete es ſich ſo, daß die Mitarbeiter ihm ihre
Manuſkripte eigenhändig brachten. Immerhin ſuchten
auch einige die Anonymität aufrecht zu erhalten, um ein
ungeſchminktes Urteil über den Wert ihrer Sachen zu be=
kommen
. Luſtiger Ulk und ein fröhliches Lachen, durch

das allerdings bisweilen der ſchwere Ernſt des Augen=
blicks
zittert, bilden den Grundton der Zeitung. Auch
die dunkle Sehnſuchtsmelodie des Heimwehs klingt hie
und da an, nicht etwa klagend, ſondern wehmütig aller
Lieben und des Vaterlandes gedenkend. Alle haben ihre
Spitznamen, mit denen ſie angeführt werden. Der
Meteorologe Simpſon heißt Jimſon oder Sonnen=
Iim; Oots wird Titus Bowers Truthahn‟ Dr.
Wilſon Onkel Bill der Photograph Ponting Ponco
genannt. Ponco ſpielt in dieſen luſtigen Geſchichten
und Reimen wohl die Hauptrolle; er war augenſcheinlich
eines der beliebteſten Mitglieder der Expedition, immer
vergnügt, immer bereit zum Photographieren und mit
ſeiner Kamera ein Zielpunkt für jeden Spott. Als er
beim Photographieren der Walfiſche um ein Haar von
den Walfiſchhaien aufgefreſſen worden wäre, dient dies
gefährliche Abenteuer zum Thema einer hochkomiſchen
Ballade, aus der wir ein paar Verſe als Probe dieſes
Südpolar=Humors überſetzen: Als wir endlich auf dem
Eis, wurde ihm ſogleich ganz heiß / Und er lief photo=
graphieren
die Wale, oh! ¾ Doch die Haie hörten ihn
und ſogleich ſie ſtörten ihn ½ Und machten faſt zu ihrem
Mahle Ponco. Ponting ſelbſt ſteuert ein komiſches Ge=
dicht
bei über die beſte Methode, den Schlafſack zu be=
nutzen
, und hat dabei die originellſten Einfälle über die
Vorzüge, wenn man die haarige Seite nach außen und
wenn man ſie nach innen kehrt. Als Taylor Simpſon
in ſeinen meteorologiſchen Beobachtungen vertritt, macht
man ſich über ſeine Wetterprophezeiungen weidlich luſtig,
und ſo fehlt es nie an Spaß. Aber auch an Ernſt fehlt
es nicht, und ihn vertritt beſonders Dr. Wilſon, ſo mit
einem ſchwungvollen Gedicht, das er kurz vor dem Auf=
bruch
zur Fahrt nach dem Südpol anonym einreichte und
das als letzter Beitrag den Band, ihn gleichſam krönend,
abſchließt. Der hohe Sinn der kleinen Heldenſchar ſpricht
aus Verſen wie dieſen: Und das war das Wort, das
zu uns ſprach dort ½ Die grauſige, kalte Stille: ½ Ob=
wohl
nur die Böſen die Rätſel löſen ½ Bevor es des
Herrgotts Wille, Wir fühlen uns doch von ihm aus=
erwählt
, ½ Zu dringen ins Herz dieſer eiſigen Welt.
C) Der Onkel aus Amerika. Das kleine franzöſiſche
Dorf Fraiſſenet=de=Fourques im Departement Lozére iſt
in wilder Aufregung: ein Onkel aus Amerika iſt ge=
ſtorben
, und jedermann will erben. Wie bereits kurz ge=
meldet
wurde, handelt es ſich um die Nachkommen eines
gewiſſen Combemale, der vor mehr als 100 Jahren aus
dem Dorfe nach Amerika auswanderte, deſſen letzter direk=
ter
Sproß nunmehr ohne nahe Angehörige geſtorben iſt
und die ſtattliche Summe von 80 Millionen hinterläßt. Da
in Fraiſſenet=de=Fourqnes jeder zweite Menſch Combe=

male heißt und alle dieſe Combemale mehr oder weniger
untereinander verwandt ſind, ſo will natürlich auch jeder
von ihnen ſeine Erbanſprüche geltend machen. Man ſtellt
komplizierte Stammbäume auf, forſcht in den Kirchen=
und Gemeindebüchern nach; die bekannten älteſten Leute
wollen ſich noch genauer Beziehungen zu der Familie des
Multimillionärs erinnern, heftige Eiferſüchteleien, wilde
Streitigkeiten ſind entbrannt, und dieſer idylliſche Winkel
Frankreichs iſt nicht mehr wiederzuerkennen. Das alles
hat der Onkel aus Amerika getan, dieſe ſchon faſt
legendäre Perſönlichkeit, die uns am beſten von der Bühne
her bekannt iſt. In einem amüſanten Aufſatz beſchäftigt
ſich der Gaulois mit dem Erſcheinen dieſes Deus ex
Machina auf dem Theater. Er iſt eine Geburt jenes erſten
Amerikafiebers, das durch die Romantik in die Literatur
kam. Damals als die Eroberung Kanadas die Gemüter
in Frankreich erhitzte und man von märchenhaften Reich=
tümern
der neuen Welt träumte, da ging auch mancher
Dichter hinüber, ſo vor allem Chateaubriand. Freilich
ſind dieſe erſten Amerikafahrer von dem ſpäteren Onkel
unendlich verſchieden; ſie bringen nur ideale Schätze nach
Hauſe und fafzinierten weniger durch ihren Reichtum als
durch ihre exotiſche Phantaſtik. Erſt in den populären
Vaudevilles des älteren Dumas und der andern Singſpiel=
dichter
taucht dann der Dollarkönig auf mit ſeinem glatt=
raſierten
Geſicht, den karierten Hoſen und den Banknoten=
bündeln
, die aus den Taſchen herausgucken. Zu Scribes
Zeiten war der Onkel bereits eine ſo verbrauchte Figur,
daß dieſer geiſtvolle Dramatiker ſeinen Onkel aus Ame=
rika
mit den Worten einführt: Ich bin keiner von den
Komödienonkels, die mit Gold vollgeſtopft aus Amerika
zurückkommen. Aber verdrängen konnte auch er dieſe
Lieblingsfigur nicht, ſie lebt noch heute in der Welt der
Kuliſſen und glücklicherweiſe auch im Leben, wie uns ab
und zu eine Zeitungsnotiz verrät.
* Ein Denkmal für einen Helden des Südpols. Aus
London wird berichtet: In Cheltenham enthüllte Sir
Clements Markham, der Präſident der engliſchen Geogra=
phiſchen
Geſellſchaft, eine Bronzeſtatue, die zum Andenken
n Dr. Wilſon, das Haupt des wiſſenſchaftlichen Stabes
bei Captain Scotts Südpolarexpedition, von ſeinen Lands=
leuten
errichtet worden iſt. Das Denkmal trägt als In=
ſchrift
eine Stelle aus einem Briefe des Captain Scott,
mit dem zuſammen Dr. Wilſon während der Rückkehr vom
Südpol den Heldentod ſtarb: Er ſtarb, wie er lebte
ein braver, treuer Mann, der beſte Kamerad und der zu=
erläſſigſte
Freund. Das überlebensgroße Bildnis iſt
von Lady Scott entworfen und ausgeführt, die den Freund
ihres Mannes mit großer Lebenswahrheit dargeſtellt hat;
die Statue zeigt den Forſcher in ſeinem Polarkoſtüm.

[ ][  ][ ]

Nummer 191.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

Seite 5.

herbeiführte. Der Täter, der in Notwehr gehandelt
haben will, wurde verhaftet.
Achern (Baden), 13. Juli. (Unfall.) Geſtern nach=
mittag
ging hier ein Pferd mit einem Fuhrwerk durch.
Das Pferd ſtürzte und der Lenker des Fuhrwerks, der
42jährige Karl Friedmann, erlitt einen Schädelbruch, an
deſſen Folgen er zwei Stunden ſpäter ſtarb. Zwei mit=
fahrende
Frauen wurden ziemlich ſchwer verletzt.
(Ehrenbürgerrecht.) Geſtern erſchien bei dem hier
ſeit einigen Monaten im Ruheſtande lebenden ehemaligen
Konſtanzer Oberbürgermeiſter Dr. Weber eine Deputation
aus Konſtanz mit dem jetzigen Oberbürgermeiſter Dr.
Dietrich an der Spitze, die dem früheren Stadtoberhaupte
den Ehrenbürgerbrief von Konſtanz überbrachte. Ober=
bürgermeiſter
Dr. Dietrich gedachte in ſeiner Anſprache der
Verdienſte Dr. Webers um die Stadt Konſtanz, worauf
Dr. Weber mit warmen Worten des Dankes erwiderte.
Straßburg, 13. Juli. (Von einem ſchweren
Automobilunfall) wird aus Freudenſtadt im
Schwarzwald berichtet. Als geſtern vormittag auf der
Talfahrt von Kniebis zwiſchen Alexanderſchanze und Zu=
flucht
der Mathiswagen des Ingenieurs Arbogaſt aus
Straßburg eine abſchüſſige Stelle paſſierte, kam er ins
Schleudern und ſtürzte den Abhang hinunter. Ingenieur
Arbogaſt, ein bekannter hieſiger Sportmann, ſowie ſeine
Frau wurden tot unter den Trümmern hervorgezogen.
Ein dritter Inſaſſe, der Fahrradhändler Barth aus
Straßburg, wurde leicht verletzt. Er liegt im Kranken=
haus
in Freudenſtadt.
Kleinlaufenburg, 13. Juli. (Tödlicher Unfall.)
Im hieſigen Kraftwerk wurde geſtern nachmittag der 30
Jahre alte Schaltmeiſter Hans Imfeld aus Sarnen in
der Schweiz vom elektriſchen Strom mit 25000 Volt ge=
tötet
. Der Vorfall iſt noch nicht aufgeklärt. Der Verun=
glückte
hinterläßt eine Witwe mit drei Kindern.
Köln, 13. Juli. (Ein ſchwerer Automobil=
unfall
) ereignete ſich geſtern nachmittag auf der Chauſſee
von Troisdorf nach Spich in der Nähe von Siegburg.
Ein heſſiſcher Mühlenbeſitzer, der ſeinen auf dem Trup=
penübungsplatz
Wahn dienenden Bruder beſuchte, unter=
nahm
mit zehn Soldaten einen Automobilausflug. Da=
bei
platzte der Hinterradreifen, das Automobil geriet ins
Schleudern, fuhr gegen einen Baum und überſchlug ſich.
Ein Soldat war ſofort tot, ein zweiter erlitt ſchwere Un=
terleibsverletzungen
, an ſeinem Aufkommen wird gezwei=
felt
. Der Bruder des Mühlenbeſitzers erlitt ſchwere Ge=
ſichtsverletzungen
und zeigt Anfälle von Geiſtesſtörung;
zwei weitere Inſaſſen wurden leichter verletzt. Ein Sol=
dat
wurde in die Krone des Baumes geſchleudert und
erlitt einen Nervenſchok; er konnte nur mit Mühe aus
ſeiner Lage befreit werden.
Emmerich, 13. Juli. (Fünf Perſonen ertrun=
ken
.) Geſtern nachmittag ſind hier beim Baden fünf
Perſonen ertrunken.
Oberlind (Sachſen=Meiningen), 13. Juli. ( Maſſen=
vergiftung
.) Vermutlich infolge Genuſſes verdorbenen
Fleiſches ſind hier 200 Perſonen ſchwer erkrankt. Bis
jetzt iſt eine geſtorben, bei mehreren weiteren ſcheint die
Erkrankung lebensgefährlich.
Hamburg, 13. Juli. (Der Koloradokäfer.)
Auf vielen Kartoffelfeldern bei Hohenwedel in der Nähe
von Stade iſt angeblich das Vorhandenſein des gefähr=
lichſten
Kartoffelſchädlings, des Koloradokäfers, feſtgeſtellt
worden. Auf Veranlaſſung des Regierungspräſidenten
in Stade griff eine Miniſteralkommiſſion hier ein. Bis
jetzt habe es den Anſchein, als ob der Käfer noch nicht
über das Gebiet von Hohenwedel hinaus ſich verbreitet
habe.
Breslau, 11. Juli. (Die Leiche auf Reiſen.) So
Manchem läßt die Sehnſucht einmal über den großen
Teich fahren und das Land der Yankees beſuchen zu kön=
nen
, ſein Lebtag nicht los, aber er ſieht weder das große
Waſſer noch die Wolkenkratzer am Hudſon. Und Man=
chem
wieder fällt all das mühelos in den Schoß, hier und
da allerdings bedenklich ſpät. Sd erging es auch einer
alten Breslauer Frau, die nach ihrem Tode nicht weniger
als fünf Mal den Ozean überqueren mußte, um endlich
ihre letzte Ruheſtätte zu finden! Eine Frau Reinshagen,
die in früheſter Jugend mit ihrer Mutter nach Amerika
gekommen war, hatte dort reich geheiratet und wollte ge=
meinſam
mit ihrem Mann und ihrer Tochter einmal zu
ihrem Vergnügen nach Europa reiſen, doch ſtarb die alte
Frau unmittelbar vor dem Antritt der Reiſe, nachdem ſie
ihre Tochter als Univerſalerbin eingeſetzt hatte. Letztere
wollte nun ihre Mutter in der deutſchen Heimat beerdigen
laſſen und nahm den Sarg mit der Leiche nach Europa
mit. Das in Breslau ausgeſuchte Erbbegräbnis bezw. der
Platz dafür ſollte 5000 Mark koſten, was aber den jungen
Leuten zu hoch ſchien, weshalb ſie die Leiche wiederum
nach der Neuen Welt zurückbrachten. Bis die Leiche dort
ankam, hatte ſich die Breslauer Friedhofsverwaltung eines
beſſeren beſonnen und dem Ehepaar einen annehmbaren
Vorſchlag gemacht, das nun mit der Leiche zum dritten
Mal über den Atlantik fuhr. Aber die alte Frau ſollte
ihre Ruhe immer noch nicht finden. Kurz vor der Beerdi=
gung
gab es neuerdings Differenzen mit der Friedhofsver=
waltung
und die Folge war die vierte Fahrt der Leiche
über den Ozean. Als der Dampfer in Neu=York anlegte,
lag bereits ein neues Angebot ſeitens der Friedhofsver=
waltung
vor, das den jungen Leuten annehmbar ſchien,
zumal die Tochter der Geſtorbenen ſich entſchloſſen hatte,
dauernd ihren Wohnſitz in Deutſchland zu nehmen. Hier
gefiel es ihr aber nicht und ſie wollte wieder nach Amerika
zurück und die Leiche ihrer Mutter mit dahinnehmen.
Nunmehr verweigerte aber die Friedhofsverwaltung die
Herausgabe der Leiche, mit der Begründung, die Verſtor=
bene
habe noch eine zweite Tochter hinterlaſſen, die ihre
Zuſtimmung zu dem neuerlichen Transport nicht gegeben
habe. Das Oberlandesgericht Breslau verurteilte die
Friedhofsverwaltung zur Herausgabe der Leiche, die nun=
mehr
eine neuerliche Fahrt über das große Waſſer an=
treten
kann.
Tiegenhof, 13. Juli. (Beim Rettungswerk
ertrunken.) Bei dem Verſuche, ihre beiden Söhne
im Alter von 9 und 12 Jahren zu retten, welche beim
Baden in der Weichſel in die Strömung geraten waren,
ertrank die Beſitzersfrau Zielke aus Groß=Schönerberg an
der Weichſel zuſammen mit den beiden Knaben.
Poſen, 13 Juli. (Vom Blitz erſchlagen.) Bei
einem Gewittcr, das ſich über Witkowo entlud, wurden
zwei Arbeiterinnen vom Blitze erſchlagen. Sechs andere
Perſonen wurden mehr oder minder ſchwer verletzt.
Troppauf 13. Juli. (Zuſammenſtöße.) In der
Nachbargemeinde Katahrein wurden deutſche und tſche=
chiſche
Verſammlungen abgehalten. Es kam wiederholt
zu Zuſammenſtößen. Mehrere Perſonen wurden verletzt.
Einige Verhſaftungen wurden vorgenommen.
Troppart, 13. Juli. (Ueber die geſtrigen
Zwiſchen fälle) anläßlich des Tſchechiſchen und
Deutſchen Volkstages in der Nachbargemeinde Katharein
wird noch folgendes gemeldet: Als die Tſchechen durch die
Stadt Tropſpau zogen, kam es zu mehreren Zuſammen=

ſtößen. Mehrere Tſchechen wurden leicht verwundet, u. a.
wurde der tcheſchiche Landtagsabgeordnete Gudrich durch
einen Schlag mit einem Stock über den Kopf verletzt.
Deutſche griffen den Wagen an, deſſen Pferde ſcheuten:
ein Angreifer wurde überfahren und ſchwer verletzt. Zur
Unterſtützung der ſtädtiſchen Wache wurden die Gendar=
meriereſerven
und die Militärbereitſchaft aufgeboten. Im
Stadtinnern Troppaus wurden an tſchechiſchen Gebäuden
mehrere Fenſter eingeſchlagen.
Peſt, 13. Juli. (Defraudant.) Der Kaſſierer
Dörfler von der Verſicherungsgeſellſchaft Mutual iſt
nach Unterſchlagung von 90000 Kronen geflüchtet.
Baſel, 13. Juli. (Unwetter.) Heute nacht gingen
in der Oſt= und Nordoſtſchweiz ſchwere Gewitter nieder,
welche das ganze Bodenſeegebiet mit einem wolkenbruch=
artigen
Regen heimſuchten. Erdrutſche verurſachten den
Einſturz einer Brücke und zerſtörten das Gleis der Appen=
zeller
Bahn bei Herisau.
Paris, 13. Juli. (Ein ſchweres Unwetter)
rief geſtern mehrere Erdſenkungen hervor. In der Rue
Caumartin erfolgte nachmittags eine Erdſenkung von
einem Meter Breite und noch nicht feſtgeſtellter Tiefe. Der
Wagenverkehr iſt dadurch unterbrochen. In der Rue
Marivaux, gegenüber der Komiſchen Oper, entſtand gegen
abend gleichfalls eine Senkung in der Baugrube eines
Neubaues. Der Straßendamm wurde auf eine Länge
von 5 Meter mit in die Tiefe geriſſen; Perſonen wurden
nicht verletzt. Auch auf dem Boulevard Ney entſtand
um Mitternacht eine Erdſenkung und eine Automobil=
droſchke
mit zwei Perſonen fiel in das etwa 60 Zenti=
meter
tiefe Loch, das plötzlich im Straßendamm entſtan=
den
war; auch hier blieben die Perſonen glücklicherweiſe
unverletzt.
Paris, 13. Juli. (Ruſſiſche Anarchiſten.) In
Stayns bei Paris wurden zwei Ruſſen namens Maha=
raſchwili
und Wurenski verhaftet, die geſtändig ſind, mit
den kürzlich in Beaumont feſtgenommenen Ruſſen Kiri=
tſchek
und Androjanowski in Verbindung zu ſtehen. Bei
Maharaſchwili wurden 6000 Rubel in Gold, ſowie
mehrere Revolver gefunden. Er ſoll geſtanden haben,
daß das Geld aus einem von ihm und ſeinem Genoſſen
in Rußland verübten Raube herrühre. Am Bahnhofe
des Pariſer Vororts Asnieres wurden zwei Bomben ge=
funden
, die vollſtändig den bei Kiritſchek gefundenen und
beſchlagnahmten gleichen.
Madrid, 13. Juli. (Ein Torreador getötet.)
Bei dem geſtrigen Stiergefecht wurde der Torreador Freg
von einem Stier getötet und ein Zuſchauer durch einen
Degen, den ein Stier von ſich abgeſchleudert hatte, tödlich
verwundet.
London, 13. Juli. (Wahlweiber als Brand=
ſtifterinnen
.) Der größte Teil der Eiſenbahnſtation
Blaby bei Leiceſter iſt abgebrannt. Man nimmt an, daß
die Brandſtiftung von Frauenrechtlerinnen herrührt.
Ferner wurde geſtern in der Kirche von Saint John in
Weſtminſter nach Schluß des Abendgottesdienſtes eine
Bombe mit einer brennenden Zündſchnur gefunden; eine
Frau wurde verhaftet.
Edinburgh, 12. Juli. (Die Wahlrechtswei=
ber
.) Als der König und die Königin nach der Kathe=
drale
zum Gottesdienſt fuhren, warf eine Anhängerin
des Frauenſtimmrechts einen Gummiball, an dem ein
Schriftſtück befeſtigt war, gegen den königlichen Wagen.
Der Ball fiel der Königin auf den Schoß, die ihn lachend
zur Seite ſtieß. Die Frau wurde verhaftet, die Verhaf=
tung
jedoch nicht aufrecht erhalten.
Neu=York, 13. Juli. (Selbſtmord eines Multi=
millionärs
.) Der Multimillionär Sloane, der ſeit
längerer Zeit ſchwer leidend war, ſprang geſtern von
einer 30 Meter hohen Brücke in den Hudſonfluß und
ertrank.

21. Jahresverſammlung des
Hauptverbandes deutſcher Ortskranken=
kaſſen
, e. V.

* Darmſtadt, 13. Juli.
Der Vorſitzende, Herr Fräßdorf, eröffnete nach
vorangegangener Begrüßung durch Herrn Knoblauch=
Darmſtadt die Verſammlung und begrüßte die zahlreich
erſchienenen Kaſſenvertreter, ebenſo die Vertreter von
Reichs= ſtaatlichen und gemeindlichen Behörden, die Ver=
treter
öſterreichiſcher Krankenkaſſen, ſowie die der Preſſe
und dankte allen für das Erſcheinen und die dadurch der
Jahresverſammlung erwieſene Ehre. Weiter dankte Red=
ner
Herrn Knoblauch für ſeine freundlichen Begrüßungs=
worte
und ſchilderte anſchließend die Geſchichte, Entwicke=
lung
und das Wirken des Verbandes ſeit nunmehr zwan=
zig
Jahren. Er dient vor allem gegenſeitiger Hilfe und
Beratung in jeder denkbaren Form. Die Entwickelung
des Verbandes iſt trotz geſetzlicher Schwierigkeiten eine
außerordentlich erfreuliche; er umfaßt etwa 5 Millionen
Verſicherte und es iſt anzunehmen, daß bald die Geſamt=
heit
eine Vertretung im Verband finden werde. Mit
einem herzlichen Willkommen begrüßte Redner die Ver=
ſammlung
zur bevorſtehenden Arbeit.
Begrüßungen.
Herr Regierungsrat Dr. Happe vom Reichsverſiche=
rungsamt
dankt für die Einladung, verſichert rege An=
teilnahme
an den Verhandlungen und wünſcht gedeih=
liche
Arbeit.
Herr Direktor des Oberverſicherungsamtes, Regie=
rungsrat
Krug von Nidda, dankte ebenfalls im
Namen der durch ihn vertretenen Behörden. Dem Ver=
band
und ſeiner Arbeit ſei beſondere Anerkennung zu
zollen. Viel Arbeit ſtehe noch bevor in der Rechtſprechung
und anderem; beſonders ſei die Verabſchiedung der
Dienſtordnung wichtig.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing begrüßt die Ver=
ſammlung
mit dem Ausdruck des Dankes dafür, daß der
Verband Darmſtadt als Tagungsort wählte, angeſichts
der großen Bedeutung, die den Ortskrankenkaſſen und
ihrem Verband innewohne.
Geheimerat Dr. Dietz dankt namens der Landes=
verſicherungs
=Anſtalt für die Einladung und erinnert an
die Tage, da in Frankfurt die Organiſation geſchaffen
wurde. Die engen Beziehungen der Kaſſen zu den Ver=
ſicherungsanſtalten
liegen klar zutage, ihrer Förderung
mögen die Verhandlungen zum Wohle des großen Krei=
ſes
der Verſicherten dienen!
Herr Fräßdorf dankte den Herren Vorrednern
für die freundliche Begrüßung. Dann trat man in die
Tagesordnung ein.
Mitteilung über das Verbandsorgan
Ortskrankenkaſſe‟.
Herr Dr. Baum gibt eine knappe Darſtellung über
das Werden der neuen Zeitung, die frei von Politik einer
vorwärtsſtrebenden Sozialpolitik dienen ſolle. Sie habe
ſchon Anerkennung gefunden, u. a. durch Mitarbeit von
zirka 60 Oberverſicherungsämtern. Die Mitwirkung aber

der weiteſten Kreiſe ſei dringend erwünſcht. Eine Ver=
billigung
des Bezugspreiſes ſei angeſtrebt. In dem Be=
ſtreben
, mit der Zeitung gute Dienſte zu leiſten, werde die
Leitung nie erlahmen, über das bisher Geleiſtete ſehe die
Redaktion dem Urteil der Verſammlung gerne entgegen.
(Beifall.) Zu 2:
Die unmittelbare Abgabe von Arzneien
und Heilmitteln durch die Krankenkaſſen
führt Herr Gräf=Frankfurt a. M. etwa folgendes aus:
Die Steigerung der Ausgaben für Arznei und Heilmittel
ſei in 25 Jahren um etwa 400 Prozent erfolgt, beſon=
ders
dort, wo die freie Arztwahl herrſcht. Es ſei nun
zu fragen, ob und wie lange, es ſo fortgehen ſolle in der
Steigerung der Ausgaben. Nachgiebigkeit der Aerzte den
Mitgliederwünſchen gegenüber und eine ungeheure Ver=
teuerung
durch Reklame ſind die Haupturſachen; auch die
Schmackhaftmachung vieler Mittel wirke höchſt ungünſtig
auf den Verbrauch. Dazu komme im allgemeinen ein rieſig
entwickelter, meiſt kaum verſtändlicher Arzneihunger, der
wieder dazu führt, daß ein großer Teil der Arznei nutz=
los
verordnet wird, wofür die Kaſſen unwiderlegliche Be=
weiſe
in Fülle haben. Die Mitglieder fragen nicht nach
dem Preis; ganz anders ſei es bei den Privatpatienten.
An Notwendigem ſolle, ſelbſt wenn teuer, nicht ge=
ſpart
, aber Ueberflüſſiges müſſe unbedingt vermieden
werden! Ein großer Mißſtand ſei auch das Fehlen faſt
jeglicher Kontrolle der abgegebenen Arzneien bezw. Heil=
mittel
auf Güte und Menge. Hoher Rabatt ſchütze übri=
gens
noch lange nicht die Kaſſen vor Uebervorteilung.
Rieſig angewachſen ſind auch die Ausgaben für Verband=
ſtoffe
; ſelbſt unter der Vorausſetzung, daß die moderne
Wundbehandlung größere Anforderungen verurſacht, ſteht
die Steigerung außer jedem vernünftigen Verhältnis. Die
Frankfurter Ortskrankenkaſſe hat durch den direkten Bezug
freier Mittel und Abgabe an die Verſicherten große Er=
ſparniſſe
erzielt. Es ſei Pflicht aller Kaſſenvorſtände,
auf Erſparniſſe hinzuwirken, unbekümmert um das
Schreien der Lieferanten. Einwände von einigen Seiten
behandelt Redner ſehr ausführlich und legt entſprechende
Leitſätze zur Entſchließung vor. Auch hier gelte es einen
energiſchen Kampf für die Erhaltung der noch kümmer=
lichen
Reſte des Selbſtverwaltungsrechts. Dem Redner
wurde für ſeine intereſſanten Ausführungen ſtarker Beifall
zuteil.
Herr Iſerloh=Remſcheid führt unter Hinweis
auf § 376 der Reichsverſicherungsordnung, wobei es ſich
um Feſtſetzung des Abſchlages für Heilmittelpreiſe han=
delt
, aus, wie in R. die Apotheker ſich bemühten, gegen
die Kaſſe wegen direkter Abgabe von freigegebenen
Artikeln und Benutzung von verſchiedenfarbigen Rezept=
formularen
vorzugehen. Herr Fräßdorf hält Kon=
trolle
als unerläßlich, ebenſo ſtändige Einwirkung auf die
Herren Aerzte wegen Verordnung im Rahmen des als
verläßlich geltenden Durchſchnitts. Es müſſe unbedingt
geſpart werden, wo es möglich iſt, damit ſchwerkranken
Mitgliedern gelegentlich ein beſonderer Dienſt getan wer=
den
kann. Bei Abgabe von Heilmitteln müſſe natürlich
die peinlichſte Sorgfalt herrſchen.
Herr Borchers=Velbert teilt mit, daß in ſeiner
Kaſſe ſchon lange von Drogiſten bezogen werde und die
Kaſſe gegen andere mehr als 100000 Mark in 10 Jahren
erſparte; das ermöglichte Auskommen mit 3 Prozent Bei=
trag
. Auch in V. ſei ſchlimme Erfahrung mit Auslegung
des § 376 gemacht. Es werden in dieſer Beziehung die
höheren Behörden anzugehen ſein. Herr Bräucker=
Iſerlohn teilt mit, daß ſeine Kaſſe im Jahre 1898 ein
Arzneimitteldepot errichtet und damit günſtige Erfolge er=
zielt
habe. Herr Münch=Worms ſpricht als Vor=
ſitzender
und zugleich als Apotheker. Die Selbſtdispen=
ſierung
ſei nur in großen Kaſſen möglich. Die Schuld des
Medizinverbrauchs liege nicht allein an den Aerzten. Er
ſchlage vor, eine Kommiſſion unter Zuziehung von Aerzten
zu bilden, deren Aufgabe Prüfung der ganzen Sachlage
ſein ſoll. Den Mitgliedern ſolle in kurzer Darſtellung das
Wichtigſte geſagt werden über Anſprüche bezüglich Heil=
mittel
und anderem. Herr Scholem ſagt namens
des Vorſtandes dieſen Vorſchlägen Beachtung zu.
Herr Skaller=Berlin beſchäftigt ſich mit § 376,3
und deſſen Anwendung auf ſelbſt dispenſierende Kaſſen.
Die Begründung zum Geſetz ſagt, daß letzteres nicht zu=
trifft
; geſtützt wird dieſe Auffaſſung auch durch einige her=
vorragende
Sachkenner. Die Oberverſicherungsämter
dürften hiernach nicht berechtigt ſein, anders zu ver=
fahren
. Wenn der Verband ſich mit ſolchen Fragen, wie
ſie Herr Graef behandelte, mehr beſchäftigt, als bisher,
ſei das ſehr recht. Herr Weichmann=Stendal be=
legt
aus ſehr erfreulichen Ergebniſſen einer kleineren
Kaſſe, daß auch bei ſolchen Selbſtdispenſation angängig
ſei. Damit ſchließt die Ausſprache und es erfolgt die
Annahme der Leitſätze einſtimmig.
Durch Herrn Kommerzienrat Simon=Berlin wird
zu einer Beſprechung der Arbeitgeber, beſonders wegen
der Heimarbeiterverſicherung, für Dienstag eingeladen.
Hierauf erſtattet Herr Kohne=Berlin Bericht über
Formularausſtellung und Formular=
weſen
.
Die an ſich ſehr anſchauliche, wenn ſchon nicht ſehr
umfangreiche Ausſtellung zeigt ſehr viele Einzelheiten auf
Der Berichterſtatter beſchäftigt ſich in ſeinen Dar=
legungen
zumeiſt mit kaſſentechniſch wichtigen Dingen,
deren Wiedergabe an dieſer Stelle übergangen werden
darf. Bemerkt ſei nur, daß der Redner eine Fülle von
wichtigen, für die Verſammlungsteilnehmer wiſſenswerten
Einzelheiten gab. Dem Redner wird lebhafter Beifall
zuteil. Eine Anfrage wegen Ueberlaſſung der Formular=
ausſtellung
als Wanderausſtellung wird zuſtimmend be=
antwortet
. Zu 4:
Stellung der Zwangskaſſen zu den
Erſatzkaſſen,
erſtattet Herr Thier=Halle Bericht. Die neueſte Ueber=
raſchung
auf dieſem Gebiete ſei der Bundesratsbeſchluß,
betreffend Abführung eines Vierfünftel=Betrages an die
Erſatzkaſſen von dem Arbeitgeberdrittel, das für Mit=
glieder
von Erſatzkaſſen an die zuſtändige Ortskranken=
kaſſe
zu zahlen iſt. Der hierdurch geſchaffene Zuſtand iſt
ein höchſt unerfreulicher, die Ortskrankenkaſſen haben viel
Arbeit für die Erſatzkaſſen zu leiſten, erhalten aber dafür
nun kaum eine Entſchädigung, denn das verbleibende
ein Fünftel ſolle der Rücklage zufließen. Die Maßnahme
des Bundesrats drückt die Ortskrankenkaſſen zu Ein=
ziehungsſtellen
zugunſten der Erſatzkaſſen herab und iſt
nur ein kurzer Weg dazu, daß die Ortskrankenkaſſen auch
weitere Laſten dieſer Art auferlegt erhalten. Solche und
ähnliche Maßnahmen erhöhen in ganz unberechtigter
Weiſe die Verwaltungskoſten. Der Redner unterbreitete
entſprechende Leitſätze.
Herr Kohne wendet ſich in beſonders ſcharfer Weiſe
gegen die hier in Frage ſtehenden Geſetzes= und Ausfüh=
rungsbeſtimmungen
, die eine unglaubliche Belaſtung der
Kaſſen mit ſich bringen. Herr Fräßdorf erklärt, daß

[ ][  ][ ]

Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Inli 1914

Nummer 191.

der Vorſtand alles getan habe, um einen ſolchen Bundes=
ratsbeſchluß
abzuwenden; es ſei leider nicht gelungen.
Es ſei fortgeſetzt auf Wiederbeſeitigung des jetzt uner=
träglichen
Zuſtandes hinzuwirken aus moraliſchen und
finanziellen Gründen. (Starker Beifall.) Herr Lüde=
mann
=Schwerin bittet um Annahme der Leitſätze mit
Ausſchluß des Satzes, der von Aufhebung der Melde=
pflicht
in Abſ. 4 ſpricht. Herr Kommerzienrat Simon=
Berlin hält die Entrüſtung des Vorſitzenden Fräßdorf
für durchaus berechtigt und empfiehlt den Arbeitgebern,
für genügende Aufklärung über die fraglichen Bedingun=
gen
zu ſorgen. Die Leitſätze finden faſt ein=
ſtimmige
Annahme.
Vertreten ſind 211 Kaſſen, 14 Verbände mit 468 Ver=
tretern
, wovon 145 Arbeitgeber, 202 Verſicherte, 121 An=
geſtellte
ſind.
Die Weiterberatung wird auf Dienstag
früh 9 Uhr vertagt.

Gerichtszeitung.

* Metz, 13. Juli. Wie die Lothr. Volksſtimme mek=
det
, hat der Generalvikar Dr. Pelt, der am Samstag
vom Straßburger Schöffengericht wegen öffentlicher Be=
leidigung
und übler Nachrede gegenüber dem Abbé Karl
Thilmont zu 30 M. Geldſtrafe verurteilt worden iſt, gegen
dieſes Urteil Berufung eingelegt. Das Gericht hatte die
üble Nachrede in der Behauptung Dr. Pelts geſehen, Abbe
Thilmont habe den Biſchof zwingen wollen, die angeb=
lichen
Schulden der Waiſenanſtalt in Obergieningen zu
übernehmen.
* Metz, 13. Juli. Der ſeinerzeit wegen Verlei=
tung
zum Meineid vom Oberkriegsgericht zu 1½
Jahren Zuchthaus und Ausſtoßung aus dem Heere ver=
urteilte
Leutnant Erb, der gegenwärtig in Enſig=
heim
ſeine Strafe verbüßt, die am 18. ds. Mts. zu Ende
gehen ſollte, war am 30. Januar ds. Js. außerdem wegen
Urkundenfälſchung und Beleidigung zu drei Monaten Ge=
fängnis
verurteilt worden, weil er mit der gefälſchten
Unterſchrift eines Majors falſche Anſchuldigungen gegen
ſeinen Regimentskommandeur erhoben hatte. Mit dieſer
Strafe gab ſich aber Erb nicht zufrieden und legte Beru=
fung
beim Oberkriegsgericht ein, das jetzt die Strafe auf
ſechs Monate Gefängnis erhöhte, dieſelbe aber mit der ſei=
nerzeit
über Erb wegen der Verleitung zum Meineid ver=
hängten
Zuchthausſtrafe zu 1½ Jahren in eine Geſamt=
zuchthausſtrafe
von 1 Jahre und 3 Monaten
Zuchthaus zuſammenzog, ſo daß dieſer noch bis 18.
September im Zuchthaus zuzubringen hat.

Turnen, Spiele und Sport.

* Vom nationalen Sportfeſt des F.=C. Olympia
Darmſtadt. Die von der Firma Guſtav Stiefel, vormals
H. Thiele, Wilhelminenſtraße 6, angefertigten Aufnahmen
ſind von heute ab bei der Firma G. Ph. Nieder, Rhein=
ſtraße
12½, ausgeſtellt.
Gauturnfeſt des Main=Rod=Gaues.
K. Erzhauſen, 13. Juli. Das diesjährige Gau=
turnfeſt
des Main=Rod=Gaues fand am 11.,
12. und 13. Juli in hieſiger Gemeinde ſtatt. Am Sams=
tag
abend fand die übliche Kampfrichterſitzung im Gaſt=
haus
Zur Ludwigshalle ſtatt. Bei Eintritt der Dunkel=
heit
bewegte ſich ein ſtattlicher Fackelzug, von ſämtlichen
hieſigen Vereinen veranſtaltet, nach dem Feſtplatze. Dort
führte der hieſige Turnverein exakte Stab= und Würfel=
übungen
und die Damenriege Flaggenreigen vor. Die
hieſigen vier Geſangvereine trugen Lieder vor. Am Feſt=
ſonntag
fand um 5 Uhr Weckruf der Wetturner ſtatt, um
6 Uhr begann das Wetturnen, das um 11 Uhr beendet
war. Nachmittags 2 Uhr bewegte ſich ein ſtattlicher Feſt=
zug
von 32 Vereinen nach dem Feſtplatze. Es wurden all=
gemeine
Freiübungen, an denen etwa 300 Turner und
Turnerinnen teilnahmen, vorgeführt. Um 7 Uhr erfolgte
die Siegerverkündung der Wetturner.
In der Altersriege waren Sieger: Adam Brei=
dert
, Tv. Erzhauſen, 118½ P.; Philipp Germand, Tv
Mörfelden, 115½ P.; Friedrich Laun, Tv. Raunheim,
115½ P.; Heinrich Walther, Th. Königſtädten, 113 P.;
Philipp Jackel, Tv. Langen, 109½ P.; Karl Germand,
Tv. Mörfelden, 106½ P.; Wilhelm Willmann, Tv.
Rüſſelsheim, 107 P.; Heinrich Bender, Tv. Rüſſelsheim,
108½ P.; Johs. Becker, Tv. Erzhauſen, 106½ P.; Karl
Schwirn, Tv. Raunheim, 106 P.; Karl Zimmermann, Tv.
Biebesheim, 102½ P.; Heinrich Geiß, Tv. Mörfelden,
98 P.; Philipp Miſchlich, Tv. Dornheim, 97½ P.; Georg
Haaß, Tv. Erzhauſen, 97 P.; Martin Schalle, Tv. Raun=
heim
, 94½ P.; Philipp Schneider, Tv. Raunheim, 92 P.;
Peter Claus, Tv. Trebur, 92 P.; Philipp Gilzenleuchter,
Tv. Mörfelden, 92 P.; Georg Knöß, Tv. Erzhauſen
91½ P.; Ludw. Phil. Würz, Tv. Langen, 90½ P.; Hein=
rich
Bender, Tv. Langen, 90 P.
In der Oberſtufe: Wilhelm Schmidt, Tv. Rüſſels=
heim
, 129 P.; Karl Hamann, Tv. Rüſſelsheim, 128. P.;
Philipp Melk, Tv. Wixhauſen, 123 P.; Johann Haume,
Tv. Rüſſelsheim, 118½ P.; Peter Melk, Tv. Wixhauſen
117 P.; Georg Reinhardt, Tv. Eberſtadt, 113½ P.; Lud=
wig
Kern, Tv. Eberſtadt, 112 P.; Jean Heinecke, Tv. Mör=
felden
, 110½ P.; Johs. Volz, Tv. Wixhauſen, 109½ P.;
Georg Bretthaupt, Tv. Mörfelden, 109 P.; Jakob Kamme=
rer
, Tv. Trebur, 107½ P.; Johs. Vetter, Tv. Weiterſtadt,
107½ P.; Konrad Schwan, Tv. Raunheim, 99½ P.; Hein=
rich
Krummelk, Tv. Haßloch, 94 P.; Adam Weſp, Tv.
Braunshardt, 96½ P.; Peter Diehl, Tv. Raunheim,
92 P.
Turnriegen. Wixhauſen 33½ P.; Erzhauſen
32¼ P.; Raunheim 31¾ P.; Raunheim 31 P.; Gräfen=
hauſen
30¼ P.; Eberſtadt 30 P.; Langen 29 P.; Rüſſels=
heim
28 P.; Trebur 29 P.; Königſtädten 25¼ P.
Zöglingsriegen. Rüſſelsheim 29¾ P.; Wix=
hauſen
26¾ P.

Luftfahrt.

Sturzflug.
* Baden=Baden, 13. Juli. In Anweſenheit eines
zahlreichen Publikums führte geſtern nachmittag der
Sturzflieger Audemars wohlgelungene Sturz= und
Kunſtflüge aus. Das Luftſchiff Viktoria Luiſe‟
unternahm eine Rundfahrt und wurde dann von einem
Amerikaner zu einem Fluge nach Frank=
furt
gechartert, von wo es heute abend wieder hier
eintreffen ſoll.

* Udine, 13. Juli. Als das lenkbare Luft=
ſchiff
P. 5 hier landete, wurde es plötzlich von einem
heftigen Windſtoß wieder fortgeriſſen. Von den
zehn Kavalleriſten, welche das Luftſchiff hielten, ließen
neun die Taue los, während einer in eine Höhe von 150
Meter mit fortgeführt wurde, aus der er dann abſtürzte.
Er war ſofort tot. Das Luftſchiff landete unbeſchädigt.

Oeſterreich=Ungarn und Serbien.
* Belgrad, 13. Juli. Nachdem der öſterreichiſch=
ungariſchen
Geſandtſchaft zuverläſſige Nachrich=
ten
zugegangen waren, daß eine ernſte, über den Rah=
men
einer Demonſtration hinausgehende Aktion gegen
die Geſandtſchaft geplant ſei, wurden geſtern
abend auf Intervention des Geſandten Freiherrn von
Giesl von der ſerbiſchen Polizei außerordentliche Sicher=
heitsmaßnahmen
beim Geſandtſchaftsgebäude getroffen.
Bis 12½ Uhr nachts ereignete ſich kein Zwiſchenfall.
* Belgrad, 13. Juli. Unter den Mitgliedern der
öſterreichiſch=ungariſchen Kolonie verbreitete ſich geſtern
das Gerücht, daß gegen die in Belgrad lebenden
Oeſterreicher und Ungarn von ſerbiſcher Seite
ein Attentat geplant ſei. Infolgedeſſen ſandten
viele Oeſterreicher und Ungarn ihre Familien nach Sem=
lin
, um ſie dort übernachten zu laſſen. Ungefähr 40
Frauen und Kinder ſuchten in der öſterreichiſch=ungariſchen
Geſandtſchaft und im Konſulat Zuflucht und verbrachten
dort die Nacht. Die ganze Nacht verlief indeſſen voll=
ſtändig
ruhig. Kein öſterreichiſch=ungariſcher Untertan
wurde bedroht oder beläſtigt. Es kam auch zu keinen An=
ſammlungen
in der Nähe der Geſandtſchaft. Nach Anſicht
der Belgrader Stadtpräfektur dürfte es ſich infolge der
erregten Aeußerungen der ſerbiſchen Preſſe um eine blinde
Panik unter einem Teile der öſterreichiſch=ungariſchen Ko=
lonie
handeln.

Die albaniſche Kriſis.

* Durazzo, 13. Juli. In der Umgebung von
Berat befinden ſich gegenwärtig 50000 mittelloſe
Flüchtlinge in der größten Notlage. Die griechiſchen
Banden ſind bereits über den Bezirk Skrapar hinaus=
gelangt
. Sie operieren im Einvernehmen mit den Re=
bellen
gegen Berat.
* Durazzo, 13. Juli. Die Aufſtändiſchen haben
geſtern mittag Berat eingenommen.
* Durazzo, 13. Juli. Die beiden aus Koritza an=
gekommenen
holländiſchen Offiziere behaupten
auf das beſtimmteſte, daß man nicht allein epirotiſchen
Banden, ſondern auch ſtarken regulären griechi=
ſchen
Truppen gegenüberſtehe, deren Vormarſch
in der Weiſe erfolge, daß die Banden vorſtoßen und ſich,
falls ſie geſchlagen werden, hinter die Front der griechi=
ſchen
Truppen zurückziehen, worauf dieſe mit ihren regu=
lären
Kräften und Gebirgsſchützen vorgehen. Bemerkens=
wert
ſei, daß bereits am 4. Juli in Koritza ein Ulti=
matum
des griechiſchen Majors Vardas ein=
traf
, welches die Forderung der Uebergabe der Stadt
enthielt.

Vom Balkan.

Die bulgariſche Anleihe.
* Sofia, 13. Juli. In der heutigen Sobranje=
ſitzung
wird der Finanzminiſter den geſtern un=
terzeichneten
Vertrag, betreffend die 500 Millionen, unter=
breiten
. Die Debatte darüber beginnt morgen.
* Sofia, 13. Juli. Die mit der Gruppe der Ber=
liner
Diskontogeſellſchaft zum Uebernahme=
kurs
von 84 Prozent und zum Zinsfuße von 5 Prozent ab=
geſchloſſene
Anleihe wird in zwei Teilen zu je
250000 000 begeben. Der erſte Teil, deſſen Emiſſion vor=
ausſichtlich
im Herbſt ſtattfinden wird, wird zum Rück=
kaufe
der von der Banque de Paris et des Pays Bas
übernommenen Schatzſcheine in Höhe von 75 Millionen,
ſowie derjenigen Schatzſcheine dienen, welche die Dis=
kontogeſellſchaft
jetzt gegen Zahlung eines Vorſchuſſes von
120 Millionen Franes übernehmen wird. Hiervon wer=
den
in Abzug gebracht 30 Millionen, die man öſterreichiſch=
ungariſchen
Banken, und 10 Millionen Rubel, die man
der ruſſiſch=aſiatiſchen Bank ſchuldet. 55 Millionen wird
das Konſortium der bulgariſchen Nationalbank
erhalten, welcher das Recht zum Bau der Linie Haskowo=
Portolagos und des Hafens von Portolagos erwirbt, wo=
für
ungefähr 50 Millionen erforderlich ſind. Die Verge=
bung
des Baues dieſer Linie und des Hafens wird im
Submiſſionswege erfolgen. Außerdem erhalten die Ban=
ken
die Konzeſſion zur Ausbeutung der Kohlengruben von
Pernik und Balevdol, zu welchem Zwecke eine bulgariſche
Geſellſchaft gebildet wird. Der Adminiſtrator der bulga=
riſchen
Nationalbank wird Präſident dieſer Geſellſchaft, der
Adminiſtrator der landwirtſchaftlichen Bank, ſowie der
Direktor der Staatsſchulden werden Mitglieder des Ver=
waltungsrates
, zu dem auch der Handelsminiſter durch
einen Delegierten mit beratender Stimme vertreten ſein
wird. Die bulgariſche Nationalbank und die landwirt=
ſchaftliche
Bank werden an dem Kapital der neuen Geſell
ſchaft und dem Erträgniſſe der erwähnten Kohlengruben
zum mindeſten mit 30 Prozent beteiligt ſein. Endlich wird
die bulgariſche Regierung Beſtellungen in Höhe
von 100 Millionen bei der deutſchen und
öſterreichiſſch=ungariſchen Induſtrie ma=
chen
. Die zweite Hälfte der Anleihe wird ſpäteſtens zwei
Jahre nach der Begebung der erſten emittiert werden.

* Konſtantinopel, 13. Juli. In unterrichteten
Kreiſen heißt es, daß die Pforte und Griechen=
land
ſich an den ſchweizeriſchen Bundespräſidenten ge=
wandt
haben mit dem Erſuchen, einen Schiedsrich=
ter
zu beſtimmen, der über etwaige Meinungsverſchie=
denheiten
in der griechiſch=türkiſchen Auswanderungskom=
miſſion
in Smyrna entſcheiden ſoll.
* Konſtantinopel, 13. Juli, Durch ein Jrade
wurde die Kammerſeſſion, die am 13. Juli enden ſollte,
um zehn Tage verlängert. Wie die Blätter melden,
hat ſich der Wali von Smyrna zur Inſpizierung nach Mag=
neſia
begeben und ſtrengen Befehl erlaſſen, den antigrie=
chiſchen
Boykott einzuſtellen. Nach der Abreiſe des Wali
ſetzte indeſſen der Boykott wieder ein.
* Athen, 13. Juli. Die Agence d’Athènes demen=
tiert
in formeller Weiſe die Meldung, daß die Epiroten
bei der Beſetzung von Koritza Ausſchreitungen
begangen hätten. Die Beſetzung von Koritza ſei unter
normalen Umſtänden erfolgt. Gegenwärtig herrſche in
der Stadt vollkommene Ruhe.
* Athen, 13. Juli. Auf dem Kongreß der
Epiroten in Delvino, der ſehr ſtürmiſch verlief, erklärte
Zographos verſchiedenen Rednern gegenüber, die mit
Rückſicht auf die gegenwärtige Anarchie Zweifel an der
Wirkſamkeit des Protokolls von Korfu ausſprachen, daß
er ſeine Entlaſſung nehmen würde, wenn das
Protokoll von den Epiroten nicht angenommen würde.

Darmſtadt, 14. Juli.
g. Selbſtmord. Geſtern abend wurde der 35jährige
einarmige Invalide Philipp Mink aus Eberſtadt kurz vor
dem Südbahnhofzwiſchen der Blockſtelle und der Tanne von
dem Perſonenzug 969, der auf dem Südbahnhof 8 Uhr
47 Minuten eintrifft, überfahren. Es liegt allem Anſchein
nach Selbſtmord vor. Dem Manne wurde der Kopf vom
Rumpfe getrennt. Das Lokomotivperſonal hatte den Le=
bensmüden
auf den Schienen bemerkt, konnte aber den Zug
nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 13. Juli. Staatsſekretär v. Jagow
empfing heute nachmittag den aus Petersburg einge=
troffenen
albaniſchen Miniſterpräſidenten Turkhan
Paſcha.
* Frankfurt a. M., 13. Juli. In der fünften Nach=
mittagsſtunde
, nachdem das Wetter den Tag über außer=
ordentlich
drückend und ſchwül geweſen war, ging über
die Stadt ein ſchweres Gewitter nieder, das mit
einem wolkenbruchartigen Regen und Hagelſchlag
verbunden und von einem orkanartigen Sturm begleitet
war, der in den Straßen und Anlagen große Ver=
heerungen
anrichtete. So wurden an der Friedber=
ger
Landſtraße mehrere Bäume entwurzelt und quer über
den Fahrdamm gelegt. Die herbeigerufene Feuerwehr
mußte die Stämme entfernen, um die Straße für den
Verkehr frei zu machen. Auch ſonſt wurde die Feuerwehr
in mehreren Fällen in Anſpruch genommen, ſo bei Ueber=
ſchwemmungen
von Kellern uſw. Leider hat das Ge=
witter
auch zwei junge Menſchenleben gefor=
dert
. In einem Gartenhäuschen zwiſchen dem Lettig=
kaut
=Weg und dem Mühlberg wurden die zwei Kinder
des Wachtmeiſters Konrad Scheid, die vor dem Un=
wetter
dort Schutz geſucht hatten, vom Blitz getötet.
Der Blitz hatte in einen Birnbaum eingeſchlagen und
war in das anſtoßende Häuschen übergeſprungen. Der
Wachtmeiſter ſelbſt, der in dem Garten arbeitete, wurde
vom Blitz betäubt und mußte von der Rettungswache in
ſeine Wohnung gebracht werden.
* Blankenburg (Harz), 13. Juli. Auf der Chauſſee
von Haſſelfelde nach Wendefurth fanden zwei Radfahrer
den Bierfahrer Rhien bewußtlos auf und ließen
ihn nach dem Krankenhaus Blankenburg überführen, wo
er zwei Stunden darauf ſtarb. Es ſcheint ſich um einen
Raubanfall zu handeln.
* Wien, 13. Juli. Der öſterreichiſch=ungariſche Ge=
ſandte
in Bukareſt, Graf Czernin, iſt hier eingetroffen.
* Wien, 13. Juli. Die Zeit veröffentlichte jüngſt eine
angeblich aus Bukareſt ſtammende Meldung, in welcher
behauptet wurde, daß der öſterreichiſch= unga=
riſche
Geſandte in Bukareſt, Graf Czernin,
von ſeinem Urlaub nicht mehr nach Bukareſt
zurückkehren werde. Als Urſache für den angeb=
lichen
Rücktritt des Geſandten war angeführt, daß er mit=
dem
deutſchen Geſandten in Bukareſt, Herrn v. Waldt=
hauſen
, in Meinungsverſchiedenheiten geraten ſei. Herr
v. Waldthauſen habe wiederholt darüber geklagt, daß er
mit Czernin in Rumänien eine Politik des Dreibundes
nicht vertreten könne. Das Fremdenblatt iſt ermächtigt,
zu erklären, daß jede dieſer Behauptungen auf dreiſter
Erfinbung beruht.
* Haag, 13. Juli. Jackheer Roell, Vizepräſident
des Staatsrats und früherer Miniſter des Aeußeren, iſt
heute hier geſtorben.
* Paris, 13. Juli. Die Kämmer, welche die Be=
ratung
des Artikels des Finanzgeſetzes über die Ein=
kommenſteuer
fortſetzte, nahm nach Ablehnung meh=
rerer
Zuſatzanträge die Artikel 19 und 20 mit den von
dem Senat gemachten Aenderungen an.
* Reims, 13. Juli. Bei Verſuchen mit unterirdiſchen
Minen auf dem Fort Witry=les=Reims erlagen zwei Sol=
daten
den giftigen Gaſen, während drei ſchwer erkrankt
ſind.
* Bergamo, 13. Juli. Ein 50jähriger Mann namens
Simone Pianetta hat heute aus unbekannten Gründen
n Camerato Cornello einen Arzt, einen Gemeindeſekretär
und deſſen Tochter, ſowie vier andere Perſonen getötet.
Der Mörder ſchweift noch in der Umgebung von Came=
rato
umher.
* London, 13. Juli. Im Unterhaus teilte heute Pre=
mierminiſter
Asquith mit, daß die Vertagung des
Hauſes im Auguſt ſtattfindem werde. Die neue Seſſion
beginne dann im frühen Winter, damit die verſchiedenen
Maßnahmen beraten werden, welche in Lloyd Georges
Budgetrede ſkizziert worden ſind.
* Liverpool, 13. Juli. Heutte morgen traten die An=
geſtellten
der Merſey Dock and Harbour Board
in den Ausſtand. Auf Veranlaſſung des Verbandes
beſchränkt ſich der Streik auf die Bedienungsmannſchaften
der Lokomotiven und Dock=Tore. Trotzdem beſteht die
Gefahr, daß die Schiffahrt durch dden Ausſtand lahmge=
legt
wird.
* Petersburg, 13. Juli. Der Reichsrat iſt bis
zum 14. November vertagt wordien.
* Oran, 13. Juli. In einem plötzllichen Wahnſinns=
anfall
hat der aus Fez auf Kramkheitsurlaub hierher=
gekommene
Hauptmann Gouze ſeeine Frau und ſeine
drei Kinder mit einem Revolver gerſchoſſen und dann
Selbſtmord verübt.
* Neu=York, 13. Juli. Im mitttleren Weſten herrſcht
eine rieſige Hitze. In St. Louis erreichte das
Thermometer 109 Grad Fahrenheiet. Zahlreiche Hitz=
ſchläge
kamen vor, von denen vier tödlich verliefen.
Von der Nordlandreiſe des Kaiſers.
* Baleſtrand, 13. Juli. Heute Fnorgen hielt der
Kaiſer Gottesdienſt an Bord der Hohenzollern
ab, erledigte Regierungsgeſchäfte und kmachte in Beglei=
tung
einiger Herren vom Gefolge einen Spaziergang an
Land. Gegen 6 Uhr fand eine Beſichtigung des Frithjofs=
denkmals
ſtatt.

Die deutſchfeindlichen Demonſtrationeng in Galizien.
* Wien, 13. Juli. Die Blätter bernchten über die
geſtrigen Vorfälle bei Katharein, daß bei iden Zuſammen=
ſtößen
an den Uebergängen von Troppaue nach Katharein
drei Deutſche verletzt wurden. aBei dem Rück=
marſch
der auswärtigen Teilnehmer an dder tſchechiſchen
Verſammlung zum Bahnhof ſchleuderten die Tſchechen
über die Köpfe der ſie umgebenden Soldaten Bierflaſchen
und Gläſer auf die auf dem Trottoir ſtehenrden Deutſchen.
Die Täter wurden verhäftet. Auf dem Baihnhof kam es
zu Lärmſzenen.
* Wien, 13. Juli. Die Neue Freie Preſſeſe meldet: In
Czernowitz hielt der Deutſche Voliksbund in
der Bukowina eine von ungefähr 400 dDeutſchen be=
ſuchte
Verſammlung ab, in welcher eine iaEntſchließung
angenommen wurde, in der der Deutſche Volksbund in

[ ][  ][ ]

Nummer*191.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den=14. Juli 1914.

Seite 7.

Eine neue, intereſante Art,
im Sommer Obſt zu ſervieren!
Jetzt, da das Obſt reif und ſaftig iſt, ſollte
man es ſchmoren, um ſo den ganzen Saft zu er=
halten
. Der Saft wird durchgeſeiht u. gerade ſoviel
Mondamin
hinzugefügt, daß es einen glatten Fruchtflammeri
gibt, der nur 3 Minuten zu kochen braucht.
Stachelbeeren, Johannisbeeren, Kirſchen, 5
Himbeeren und Pflaumen geben herrliche, ge=S
ſchmackvolle und erfriſchende Mondamin= Frucht=
flammeris
. So gekocht, bleiben im Fruchtſaft alle
Salzeder Früchte, diedem Körperſehr dienlich ſind.
Viele erprobte Rezepte enthält das B=Büchlein, gratis und
franko erhältlich von der Mondamin=Geſ. m. b. H., Berlin C.2.

Vöhrenbach

der Bukowing ſeine tieſte Entrüſt ung über die Vor=
fälle
in zahlreichen Städten Galiziens aus=
drückt
, bei denen Deutſche überfallen, in ihrer körperlichen
Sicherheit bedroht und in ihrem Eigentum ſchwer geſchä=
digt
wurden. Die Entrüſtung und Erbitterung ſei um
ſo größer, als die von allpolniſcher Seite inſzenierte
Deutſchenhetze gerade in eine Zeit falle, in der die Mon=
archie
von tiefſter Trauer über den auf tragiſche Weiſe
herbeigeführten Tod des Erzherzog=Thronfolgers Franz
Ferdinand erfüllt ſei.
Der weiße Tod.
* Wien, 13. Juli. Einer Blättermeldung aus Inns=
bruck
zufolge fanden Touriſten geſtern auf dem Großvene=
diger
in der Nähe des Unterſulzbacher Törl die Leichen
von vier unbekannten, wahrſcheinlich in einem
Schneeſturm umgekommenen Touriſten. Eine
Bergungsexpedition, die von Windiſch nach Matrei ab=
gegangen
war, fand noch weitere drei Leichen. Es han=
delt
ſich vermutlich um eine größere Touriſtengeſellſchaft,
die in einen Schneeſturm geraten und umgekommen iſt.
Nach einer Blätermeldung aus Kufſtein wurden im
Wilden Kaiſer die Leichen zweier Münchener Touriſten
gefunden, die vom Kopftörlgrat abgeſtürzt waren.
Eine Führerexpedition iſt zu ihrer Bergung abgegangen.
Exploſion auf einem chineſiſchen Kriegsſchiff.
* London, 13 Juli. Die furchtbare Exploſion, die in
der Nacht zum Sonntag das chineſiſche Kanonenboot
Tiengſchi zerſtörte, fand unter den Schlafquartieren der
Seekadetten ſtatt, von denen 35 in Stücke geriſſen wurden.
Die Zahl der Verwundeten, darunter mehrere Offiziere, iſt
angeblich ſehr hoch.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Geſchäftliches.

Hundert Millionen. . . . Ein beachtenswertes
Jubiläum feierte kürzlich die Kaffee=Handels= Aktien=
geſellſchaft
in Bremen, die Herſtellerin des bekannten
coffelnfreien Kaffee Hag. Daszhundertmillionſte Kaffee=
Hag=Paket hat die Fabrik verlaſſen. Ein beredtes
Zeugnis für die außerordentliche Beliebtheit dieſes
eoffelnfreien=Bohnenkaffees. Das Ereignis wurde durch
eine fröhliche Dampferfahrt mit Muſik und Freibüfett
nach Helgoland gefeiert, an welcher Vorſtand und
ſämtliche kaufmänniſchen Angeſtellten mit Verwandten=
und Bekannten teilnahmen. In Bremerhaven fand außer=
dem
die Beſichtigung des Lloyddampfers Prinz Friedrich
Wilhelm ſtatt. Glückauf zum milliardeſten Paket!

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ganz Europa, außer dem äußerſten Weſten, wird
von gleichmäßig hohem Druck bedeckt. Wir haben daher
heute mit Fortdauer der beſtehenden Witterung und ver=
breiteten
Gewittern zu rechnen.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 14. Juli:
Fortdauer der beſtehenden Witterung, bis auf Gewitter=
regen
, trocken.

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
hierdurch; die traurige Mitteilung, daß un=
(16133
ſere liebe
Frau
Elise Röse Witwe
geſtern abend im Alter von 51 Jahren ganz
unerwartet verſchieden iſt.
Die trauernd Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 13. Juli 1914.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmit=
tags
5 Uhr, vom Portale des Beſſunger Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Nach langem, ſchwerem Leiden entſchlief
Sonntag den 12. ds. Mts. mein lieber Gatte,
unſer guter Vater, Schwiegervater, Onkel, Groß=
vater
und Schwager
(16147
Eduard Zernin
Verlagsbuchhändler
Hauptmann à la suite
im 85. Lebensjahre.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Natalie Zernin, geb. Kaup.
Darmſtadt, den 12. Juli 1914.
Die Beerdigung findet in aller Stille ſtatt.
Kondolenzbeſuche und Blumenſpenden dankend
verbeten.

Tageskalender.
Dienstag, 14. Juli.

Vortrag von Eugenie Kaufmann um 8 Uhr im Hotel
Zur Traube (Frauenkunſtverband).
Konzerte: Ludwigshöhe um 6 Uhr. Hugenſchütz
Felſenkeller um 8 Uhr. Chauſſeehaus um 8 Uhr.
Perkeo um 8 Uhr.
Bilder vom Tage. Bilderauslage unſerer Expedition
Rheinſtraße 23). Von der Trauerſeier und der Bei=
ſetzung
des Erzherzogspaares Franz Ferdinand. Die
neuen Höchſtkommandierenden in Oeſterreich=Ungarn.
Die drei deutſchen Sieger im franzöſiſchen Automobil=
rennen
um den Grand Prix. Joſeph Chamberlain 7.

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 15. Juli.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr Runde=
turmſtraße
16.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für den
redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die
Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Billigste Kaufgelegenheit meiner anerkannt guten Qualitäten
fürs Gebirge, an die See und späteren Bedarf

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

Nummer 191.

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Dieſer Monopol=Schlager in 4 Akten verſetzt uns in die
unglaublichſten Szenen (Stierkämpfe, Kabarett, Flucht,
Verfolgungen, Beſchuldigung des Mordes). Der Verteidigung
des jungen Advokaten gelingt die Freiſprechung der Ange=
klagten
. Als der Sohn ſeinem Vater die Freigeſprochene
vorſtellt, erkennt dieſer in derſelben ſeine Frau. In den Armen
ihres Sohnes macht ein Herzſchlag ihrem Leben ein Ende.

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Inhaber: Hans Tod.
Jeden Dienstag und Freitag

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Dienstag, den 14. Juli, abends 8 Uhr:
Vollzählige Kapelle
des Großherzogl. Heſſ. Garde=Drag.=Regts. Nr. 23
Leitung: Obermuſikmeiſter Alb. Mittelſtädt.
Im Programm: Ouvertüre zur Oper: Der Barbier von
Sevilla von Roſſini und Zampa von Herold, Fantaſien aus Tann=
häuſer
von Rich. Wagner und Fauſt und Margarethe von Gou=
nod
, Offenbachiana, Potpourriüber ſämtliche Offenbach’ſche Operetten,
Geſchichten aus dem Wiener Wald Walzer von Joh. Strauß,
Wandervogellieder=Potpourri von Meiſter, Cornet à Piston Solo
(*1071
des Herrn Alb. Wehlan, u. a. m.
Eintritt mit Programm 15 Pfg.
Chausseehaus, Heidelbergerstrasse
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abend 8 Uhr ab: Filiur Garten Konzert
einer Abteilung der Kapelle des Art.=Regts. Nr. 25.
Eintritt mit Programm 15 Pfg.
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Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
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Monat Juli täglich abends 8 Uhr (15279a
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[ ][  ][ ]

Nummer 191.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Iale

Seite 9.

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[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

Nummer 191.

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[ ][  ][ ]

Ntr. 82.

Dienstag, 14. Juli.

1914.

Bekanntmachung.

Am 2., 3., 6., 7., 9., 10., 13., 14., 16., 17., 20., 21., 23., 24., 27., 28., 30. und 31. Juli
1914 von 6 Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkelheit wird Schießen mit ſcharfer
Munition von Truppenteilen des XVIII. Armeekorps auf dem Schießplatz bei Meſſel
abgehalten.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich, Meſſel in nordnordweſtlicher Rich=
tung
gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
im Weſten: Dammweg=Brunnersweg ausſchließlich,
im Süden: Forſthaus Steinacker=Steinhügel ausſchließlich,
im Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milcheswieſe-
Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
abgeſperrt.

S Schiehzeit iſt verboten. ( Polzeiverord=
nung
Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 23. Juni 1914.
(15013a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß vom Großh. Proviantamt hier
Stroh angekauft wird, und zwar Roggenflegelſtroh, Roggenmaſchinenglattſtroh und
Roggenpreßlangſtroh. Auch Heu kann unmittelbar von der Wieſe angefahren werden.
Es muß jedoch vollkömmen trocken ſein und darf nicht ſchwitzend beim Amt ankommen.
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
(15826dsi
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 ſchwarzer Spitzhund. 1 ſchwarz=brauner Rehpinſcher,
(zugelaufen). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem
5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht aus=
gelöſten
Hunde findet dortſelbſt ieden Werktag, vorm. 10 Uhr, ſtatt. (18125

Defſuntliche Jühpfing.

Unentgeltliche Impf= und Nachſchautermine finden, ſolange Be=
dürfnis
, jeden Mittwoch, nachmittags von 56 Uhr, im Schulhaus
in der Rundeturmſtraße für im Vorjahre geborene, ſowie für ältere
mit der Impfung im Rückſtande verbliebenen Kinder ſtatt.
Darmſtadt, den 1. Juli 1914.
(15670a
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Schmitt.

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27 ohm Sandbruchſteinmauerwerk, 36 cbm Backſteinmauerwerk, 84 am
Backſteinverblendung, 3300 kg Träger zu verlegen, 30 am Zement=
betondecken
ꝛc) werden hiermit zum Wettbewerb porbehaltlich mini=
ſterieller
Genehmigung ausgeſchrieben.
Die Zeichnungen und Bedingungen liegen vom 15. Juli bis
1. Auguſt d. Js, in unſeren Amtsräumen, Paradeplatz 3, während
der Dienſtſtunden zur Einſichtnahme offen Die Angebotsformulare
werden, ſolange der Vorrat reicht, gegen Erſtattung der Selbſtkoſten
daſelbſt abgegeben.
Die Angebote ſind bis Samstag, den 1. Auguſt d. Js., vor=
mittags
10 Uhr, verſchloſſen, portofrei und mit entſprechender Auf=
ſchrift
verſehen bei uns abzugeben, woſelbſt alsdann deren Eröffnung in
Gegenwartetwaerſchienener Vieter ſtatfindet. Zuſchlagsfriſt eine Woche.
*Darmſtadt, 9. Juli 1914. Großh. Hochbauamt Darmſtadt.
J. V.: Wagner.
P 16163)

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Darmſtadt.
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15. Juni 1914 feſtgeſtellt.
Darmſtadt, 8. Juli 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
A, wurde heute neu
eingetragen die Firma:

Johannes Haßlinger, Me=
tall
= und Phosphorbronce=
Gießerei, Darmſtadt.
Inhaber: Johannes Haßlinger,
Kaufmann in Darmſtadt. (16123
Darmſtadt, 6. Juli 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

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28. Juni ds. Js. aus der Garni=
ſon
entfernte, iſt aufgegriffen und
hierher zurückgebracht worden.
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Steckbriefe werden zurückgenom=
(16151
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jung, sieht man
alt aus, ist man
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nach dem Ge-
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bergs
20 Jahre
jünger auch ge-
nannt
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

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bedentend älier erſheinen liet., der ſchinwpſie über das
infame Pech= und Dreckwetter, Gerald war auffallend
ſchweigſam und ernſt, und ſchließlich Reinette hatte das
unbehagliche Gefühl in der Bruſt, daß irgendein lähmen=
der
Druck auf der Stimmung laſte.
Von ihrer und Geralds unfreiwilliger Exkurſion nach
der Leierbaude war, als man am Nachmittag in Tad=
jamas
Begleitung endlich Spindelmühl erreicht hatte,
nicht ſonderlich viel mehr geſprochen worden.
Olly hatte ſich der Nichte angeſchwollenen Fuß kaum
angeſehen und nur ſehr gebieteriſch geäußert:
Geh’ zu Bett und ſchlaf’s Dich aus. Mit Dir is halt
gar nix anz’fangen. Das nimmt’s einem immer den
Spaß!
Der Hofrat bemühte ſich, noch etwas Begütigendes zu
ſagen von kalten Kompreſſen, Maſſage oder Franzbrannt=
wein
, doch hatten ſeine wohlgemeinten Ratſchläge bei Rei=
nette
wenig Gehör gefunden.
Froh, endlich allein zu ſein, war ſie dem Kreiſe der
übrigen raſch entſchlüpft.
Schlafen! Welche Idee!
Alles, was Onkel Gerald erzählt hatte, die entſetzlich
traurige Begebenheit mit ſeinem Neffen, trat noch ein=
mal
klar und lebendig vor ihren Geiſt.
O, jetzt verſtand ſie ihn ganz, und wenn es überhaupr
möglich ſein könnte, waren ihre Empfindungen für dieſen
vortrefflichen Mann noch wärmer, ihre Dankbarkeit noch
unbegrenzter geworden.
War ſeien Vertrauen zu ihr nicht beglückend? Ja, er
hatte das Leben mit allen Bitterkeiten wohl kennen ge=
lernt
, und der Rat dieſes Welterfahrenen ſchien zweifellos
der allerbeſte. Mit Wehe= und Reuegefühlen gedachte ſie
daher jener peinlichen, Szene in ſeinem Arbeitszimmer.

Den Grund, warum eine Verbindung zwiſchen ihr
und Graf Geldringen unmöglich war, mußte Onkel Ge=
rald
wohl ſtichhaltig finden.
Mit den tapferſten Vorſätzen war Reinette nach Schön=
ſtein
zurückgekehrt, und alles kam wieder ins alte Gleis.
Da ließ Frau Olly ſie bald nach dem Frühſtück zu
ſich in ihr Zimmer rufen.
Ahnungslos, in der Vorausſetzung, es handle ſich,
wie ſo oft, um Toilettenfragen, folgte ſie ſchnell dieſem
Geheiß.
Aber, o weh! So böſe und erregt hatte ſie die Ver=
wandte
noch nicht geſehen.
Haſt’ wohl gemeint, die Tant’ iſt blind wie a Stock=
fiſch’l
und ſieht’s net, was für ein Getu’ und G’ſchau man
ſich ſeit kurzem ang’wohnt hat! So hagelte es gleich beim
Eintritt auf ſie nieder.
Das duld’ ich einfach net in meinem Haus. Ich bin
zu gut und langmüt’g g’weſen, im Glauben, daß ſo a
Dummerl wie Du, was ich aufg’zogen hab’, nun, wo’s ein
erwachſ’nes Mäd’l g’worden, hübſch b’ſcheiden und manier=
lich
auftreten wird! Nix davon! Allen Mannsleut‟
möcht’s den Kopf verdreh’n. Erſt mit dem Geldringen
verſucht’s zu flirten, daß der Narr gleich Heiratsgedanken
kriegt. Dann der Hofrat, mein Vater, macht’s, ſeit er hier
iſt, Katzenbuckerln wie ein junger Fant, nur wegen Dei=
nem
ſchmachtlapp’gen Augenverdreh’n. Der Japaner
fangt’s auch ſchon an, und zuletzt hier zögerte Olly
und rang nach Luft und zuletzt iſt’s direkt unpaſſend
Dein Weſen dem Onkel gegenüber. Du darfſt’s ner
vergeſſen, daß er eine Reſpektsperſon für Dich iſt, mit der
man net ſo familiäre, ſo frére de cochon umgehen tut.
Das verletzt mein feines Gefühl. Engherz’g bin ich g’wiß
net und laſſ’ jedem ſein Pläſier. Doch Deine Tant’ hat’s
übernommen, Dich korrekt zu erziehen, und da muß das
alles glſagtsſein!

Reinettes verſtauchtes Fußgelenk ſchien am Tage nach
der Rückkehr aus Spindelmühl beinahe wieder völlig in=
takt
zu ſein.
Die Jungfer hatte eine feſte Bandage darum gebun=
den
, und ſo vermochte ſie, obgleich noch etwas hinkend, zu
gehen.
Am heutigen Morgen betrat ſie atemlos und mit heiß=
geröteten
Wangen ihr reizendes kleines Budoir.
Nachdem die Tür desſelben geſchloſſen und verriegelt
worden war, entquoll ein tiefer Seufzer ihrer Bruſt.
So nun muß ich mir die ganze Sache erſt mal
ruhig überdenken, flüſterte ſie halblaut vor ſich hin, wobei
ein trotziger Zug den roſigen Mund umſpielte und es in
den grauen Augen wie verhaltene Tränen zu ſchimmern
begann.
So das nennt man heruntergeputzt zu werden
gründlich! Ja, Reinette, ſo was iſt Dir lange nicht in
Schönſtein überhaupt noch nicht paſſiert!
Aergerlich ſchob ſie einen gerade im Wege ſtehenden
kleinen Seſſel beiſeite und warf ſich, des noch ſchonungs=
bedürftigen
Fußes gar nicht gedenkend, ungeſtüm auf die
zierliche Chaiſelongue.
Die bei herrlichem Herbſtwetter und mit hochgeſchraub=
ten
Erwartungen unternommene Bergpartie war ziemlich
kläglich und total verregnet beendet worden.
Außer Monſieur Tadjama, der jedes Ungemach gleich=
mütig
und geduldig ertrug, waren alle übler Laune heim=
gekehrt
.
Olly räſonierte, daß ihr neues Sportkoſtüm totar
verdorben ſei. Papa Rau hatte von ſeiner ſo gern zur

Die höhere Pflicht.
Roman von Doris Freiin von Spättgen.
(Nachdruck verboten.)
23)

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

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eine Miene zu verziehen angehört, nur war es ihr dabet
vorgekommen, als ſpräche Tante Olly wie aus weiter
Ferne, und als ſei das entzückende roſenrote Zimmer mit
den tiefen, daunenweichen Seſſeln, in welche man immer
wie in eine Verſenkung hineinfiel, den tauſenderlei Koſt=
barkeiten
, lauſchigen Eckchen und dem herrlichen Blumen=
flor
, ihr plötzlich fremd geworden, genau ſo fremd wie
die große, blonde Frau, unter deren Schutze ſie doch nun
ſchon zwei Jahre lebte.
Hoch und höher türmte ſich heute etwas Unſichtbares,
auch zwiſchen ihr ſelbſt und jener dort, und alle Regungen
von Dankbarkeit und Ehrerbietung gegen dieſe dünkten
ihr wie Lüge, jedes Wort, das über die Lippen von Onkel
Geralds Gattin gefloſſen war, wie ein leerer Schall.
Was hatte ſie denn eigentlich ſo Schlimmes ver=
brochen
?
Reinette lag regungslos auf dem Ruhebett und ſtarrte
ſinnend zur Decke empor.
Geldringen! Du lieber Gott, wenn zwei junge
Menſchen Gefallen aneinander gefunden und ſich im Voll=
gefühl
dieſer Entdeckung einen ganzen Abend lang himm=
liſch
amüſiert haben, ſo liegt doch darin kein Staatsver=
brechen!

Ob Tante Olly, die ſo viel Wert darauf legte, ange=
feiert
zu werden, denn vor ihrer Heirat nie einen kleinen
Schwarm gehabt hatte?
Daß dann bei ihr und Konrad Geldringen die Ver=
hältniſſe
eine Verbindung nicht geſtatteten, war eben ein
großes Pech!
Dem geckenhaften alten Hofrat aber hatte ſie niemals

ſchdte Angenr genndt. Guhl = im Grgenteit wem
der mit ſeiner ekelhaft fetten Patſche über ihr Haar ſtrich,
dann fühlte ſie ſich oft verſucht, ihm einen Klaps darauf
zu geben. Hierin irrte ſich Tante Olly ganz gewaltig.
Und was Monſieur Tadjama anlangte?
Nun, der gute, überhöfliche Menſch benmühte ſich nur
immer, bei jeder Gelegenheit ihre Partei zu nehmen und
ihr beizuſtehen, wenn die geſtrenge Tant übellaunig
und gereizt wie neuerdings ziemlich oft, die Nichte tadelte.
Das entſprang ſicher ſeinem warm empfindenden Her=
zen
und Gerechtigkeitsgefühl.
Und das letzte, was man ihr ſo brüsk vorgeworfen
hatte?
Reinette ballte beide Hände feſt zuſammen und verzog,
als ob ein plötzlicher Schmerz ſie peinige, den roſigen
Mund.
Ja, dieſes Letzte hatte ſie entſchieden am meiſten und
tiefſten gekränkt.
Welch trivialer Ausdruck: frère de cochon mit
Onkel Gerald! Unpaſſend ſollte ſie ſich benehmen gegen
ihn den gebührenden Reſpekt verletzt haben?
Nein, und hundertmal nein! Ihr Gewiſſen ſprach ſie
von jeder Schuld frei.
O, gerade er ſtand in ihrer Achtung ja ſo hoch! Wie
kam Tante Olly nur auf jene haarſträubende Idee? Wie
ſollte ſie ſich rechtfertigen? Gar nicht! Stillhalten mußte
man und alles über ſich ergehen laſſen genoß ſie doch
Gaſt= und Kindesrechte hier.
Allein der Gedanke, nun fortgeſetzt von Tante Olly
beobachtet zu ſein, nahm ihr die frohe, glückliche Unbe=
fangenheit
.

Der veriche mie Duit Gerad wnicde fiſe, ſun=
licher
ſein. Gräßlich!
Voll Unmut ſprang Reinette wieder empor und ſetzte
ſich vor ihren niedlichen Sekretär.
Komiſch! Da lag ein leicht zuſammengebogenes Zei=
tungsblatt
, eine Beilage der Sonntagsnummer einer Ber=
liner
Zeitung.
Sollte es der Onkel hierhergelegt haben? Befand ſich=
eine
Notiz darin, die ſie leſen ſollte?
Läſſig faltete Reinette den Bogen auseinander.
Ja, in der Tat da, eine Bleiſtiftanmerkung.
Unter der Rubrik Aus der Geſellſchaft war von On=
kel
Geralds Handſchrift notiert worden:
Bitte, lies dies erſt einmal durch, ehe heute beim
Eſſen davon geſprochen wird.
Was denn? Die großen, grauen Augen fliegen un=
ſtet
ſuchend über die gedruckten Zeilen hinweg.
Hier!
Graf Konrad Geldringen, Oberleutnant der Reſervi
des Z . .. ſchen Küraſſierregiments, der erſt kürzlich ſei=
nen
Abſchied nahm, eine in Sportkreiſen wohlbekannte
Perſönlichkeit, hat ſich, wie geſtern bereits gemeldet, mit
Fräulein Anne=Roſe Brettſchneider, Tochter des bekannten
Lederwarenfabrikanten Brettſchneider in Landau, verlobt.
Die Vermählung dürfte demnächſt ſtattfinden und das
junge Paar ſeine Hochzeitsreiſe nach Kairo unternehmen.
Das Zeitungsblatt lag längſt wieder auf der Schreib=
tiſchplatte
; allein noch immer ſchaute Reinette wie geiſtes=
abweſend
vor ſich hin.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 191.

Darmſtadter Tagblatt, Dienstag, den 14. Juli 1914.

Seite 15.

Lamen, Solele und Sporl=

) Bleichenbach, 12. Juli. Der Gau Wetterau hielt
heute hier ſein Gauturnfeſt ab, an welchem ſämtliche
44 Vereine teilnahmen. Zugleich feierte unſer Turnver=
ein
ſein goldenes Jubiläum, verbunden mit Fah=
nenweihe
. Namens der Gemeinde ſprach Bürgermeiſter
Naumann, namens des Gaues Landtagsabgeordneter
Dorſch=Wölfersheim. Die Feſtrede hielt Pfarrer Wil=
helm
. Kreisamtmann Wehner=Büdingen überreichte die
vom Großherzog verliehene Fahnenſchleife. Der Vor=
ſitzende
Günther dankte namens des Vereins.
Pferdeſport. Orelio Ueberraſchungsſieger
im Großen Preis von Berlin. Nun hat auch
der von Sieg zu Sieg eilende Stall des Freiherrn v.
Oppenheim die Unbeſtändigkeit des Turfglückes erleben
müſſen, denn die 100000 Mark des Großen Preiſes von
Berlin, die man allgemein als eine reife Frucht für die
blau=roten Farben des rheiniſchen Züchters angeſehen
hatte, ſind ihm verloren gegangen, trotzdem er in Dolomit
und dem Derbyſieger Ariel ſeine beiden beſten Pferde ins
Rennen ſchickte Das wertvollſte Ereignis der Berliner
Rennen fiel an Orelio der Herren A. und C. von Wein=
berg
, deren Pferde in dieſer Saiſon bislang nicht über=
mäßig
vom Glück bedacht wurden. Da der Graditzer Dya=
nit
dem 2400 Meter=Rennen in letzter Stunde fernblieb,
ſchmolz das Feld auf 6 Teilnehmer zuſammen. Frhr. v.
Oppenheim hatte für Dolomit die Erklärung abgegeben.
Liſtig übernahm nach dem Start die Führung vor Dolo=
mit
und Hadſchar. Dann folgten Ariel und Einwandfrei.
während Orelio den Beſchluß bildete. Dolomit rückte auf
der langen Seite vor dem Einlauf zu Liſtig auf und die
beiden ſchwenkten als Erſte in die Gerade, wo Liſtig nach=
zulaſſen
begann. Dolomit ging dann an die Spitze und
galoppierte anſcheinend überlegen, als plötzlich Orelio zu
ihm aufgebracht wurde. Die beiden Pferde lagen kurze
Zeit auf gleicher Höhe, dann griff Jockei Archibald zur
Peitſche konnte aber nicht verhindern daß Orelio von
Dolomit wegzog und leicht gegen dieſen gewann. Nur
eine halbe Länge hinter Dolomit folgte Hadſchar als
Dritter vor Liſtig. Die Endphaſe des Rennens vollzog
ſich unter großer Aufregung des Publikums, das dann
dem ſiegenden Jockei Shaw, als er mit Orelio zur Wage
zurückkehrte, nicht endenwollende Ovationen bereitete. Das
Verſagen von Dolomit iſt vielleicht auf das abſolut hohe
Gewicht, das der Hengſt zu tragen hatte zurückzuführen,
während das ſchlechte Abſchneiden von Ariel vollſtändig
überraſchend kam und wahrſcheinlich in dieſer anſtrengen=
den
Derby=Präparation eine Erklärung findet. Die Re=
ſultate
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2. Weichſelmühle, 3. Kalchas. 225:10; 37, 17, 14:10.
Stadion=Handikap: 10 000 Mark Diſtanz 1600 Meter:
1. Herrn Dr. Lemckes Drhade Oleinik), 2. Salluſt, 3. Ani=
mato
. 158:10; 45, 39. 16:10. Preis von Tetſchendorf;
5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Frhrn. S. A. v. Oppen=
heims
Gabriolet (Archibald), 2. Minne, 3. Freſie. 43310;
20, 34, 28:10. Großer Preis von Berlin; 100 000 Mark,
Diſtanz 2400 Meter: 1. Herrn v. Weinbergs Orelio
(Shaw), 2. Dolomit (Archibald), 3. Hadſchar (J. Lane).
53410: 14, 12310. Preis von Bindowf 500 Mark, Di=
ſtanz
1000 Meter: 1. Frhrn. S. A. v. Oppenheims Gran=
dezza
(Archibald), 2. Bella Luna, 3. Swanhild. 24:10;
12, 12. 22:10. Fervor=Rennen; 13000 Mark. Diſtanz
1400 Meter: 1. Dr. Lemckes Menton (Davies), 2. Diamant,
Me Sue

3. Wimm. 12310: 4, 42, Zolch. Slah)=Reumen: 300
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(Shurgold), 2. Oſiris, 3. Lepidus. 32110: 16, 18, 38:10.
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Bryſthene, 2. Goldwährung, 3. Chauri. 229110: 29. 20,
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Diſtanz 4000 Meter: 1. Lt. v. Ravens Sweet Roß 2. Dia=
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Jagd=Rennen; 2800 Mark. Diſtanz 3000 Meter: 1. Herren
A. und K. Utzſchneiders Saltarelle II, 2. Riga, 3. Romu=
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Ehrenpreis und 2000 Mark. Diſtanz 4000 Meter: 1. Lt.
v. Ravens Chauton, 2. Erfinderin, 3. Drace. 23:10: 12.
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Deutſche Siege in Malmö.
* Malmö, 13. Juli. Bei den Sprungwett=
kämpfen
für Pferde bei den baltiſchen Spielen er=
gaben
ſich folgende Reſultate: 1. Preis goldene Medaille
und 1000 Kronen, Leutnant Graf Schäsberg=Thanheim=
Deutſchland auf Grundſee‟; 2. Preis, ſilberne Medaille
und 900 Kronen, Leutnant Graf Roſen=Schweden auf
Miß Gonda; 3. Preis bronzene Medaille und 800
Kronen, Leutnant Graf Lewenhaupt=Schweden auf

Arnor 4. Preis, bronzene Nedalle und 20 Kronen,
Leutnant Graf Grote=Deutſchland auf Toni; 5. Preis,
60 Kronen, Leutnant Graf Hohenau=Deutſchland auf
Lump‟: 6. Preis, 500 Kronen, Leutnant Deloch= Deutſch=
land
auf Bravo; 7. Preis, 400 Kronen, Leutnant Phi=
lipſon
=Schweden auf Suſſi; 8. Preis, 300 Kronen, Leut=
nant
Graf Grote=Deutſchland auf Polyphem; 9. und
10. Preis gewannen zwei Schweden. Den Wettkämpfen
wohnten u. a. der König von Schweden, das ſchwediſche
Kronprinzenpaar, Prinz Karl, Prinzeſin Ingeborg mit
Töchtern und Söhnen und ein zahlreiches Publikum bei.
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100 Kilometer. 1. Lauf: 1. Darragon 39:38 für 50 Kilo=
meter
, 2. Appelhans 1800 Meter, 3. Kallen 3000 Meter
4. Stellbrink 3420 Meter, 5. Janke 6920 Meter. 2. Lauf,
50 Kilometer: 1. Appelhans 41:07, 2. Darragon 1000
Meter, 3. Kallen, 4. Janke 2200 Meter, 5. Stellbrink.
er. Dresden. Großer Preis der Stadt Dresden
über 100 Kilometer: 1. Linart auf Eontinental=Pneumatik
in 1 Stunde 9 Min. 23,1 Sek., 2. Dickentman 2570 Meter,
3. Guignard 7520 Meter, 4. Thomas 10900 Meter,
5. Saldow 19050 Meter zurück.
sr. Chemnitz. 100 Kilometer=Dauerrennen: 1. Mi=
quel
111.392, 2 Huybrechts 9½ Runden, 3. Demke 21
Runden und 4. Ryſer weit zurück. Vierländer=Match.
1. Lauf: 1. O. Meher, 2. Pollebri ½ Länge, 3. Friol 2
Längen, 4. Ellegaard. 2. Lauf: 1. Meyer, 2. Polledri 1
Länge, 3. Ellegaard 2 Längen, 4. Friol. 3. Lauf: 1. Polle:
dri 2. Ellegaard 45 Meter zurück, 3. Meyer 46 Meter,
4. Friol.

Luftfahrt.

Die unſichtbare Flugmaſchine.
C. K. Die franzöſiſchen Ingenieure Clement und Ri=
viere
, denen man die Herſtellung des Zelluloſeſtoffes ver=
dankt
. aus dem man heute unverbrennbare Films ge=
winnt
, haben kürzlich der franzöſiſchen Geſelſchaft zur
Förderung der nationalen Induſtrie eine andere Art Ver=
wendung
dieſes Stoffes vorgeſchlagen, die für das Flug=
weſen
von Bedeutung werden kann. Danach ſollen bei
den Flugmaſchinen die Decken aus dieſem Stoff, der durch
ein beſonderes Verfahren hierzu vorbereitet wird, genucht
werden; man würde auf dieſe Weiſe durchſcheinende, da=
bei
feſte und unverbrennbare Flächen erhalten. Die Flug=
maſchinen
, die ſo ausgerüſtet werden, würden ſchon bei
geringer Höhe unſichtbar werden, was zweifellos für ihre
Verwendung im Kriege von großer Bedeutung wäre.

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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 191. Juli 1914.

Nummer 191.

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9930
do. . . .. p. 1925.
db. fe sieaet. . . . . . . . 3½ 8650
3 76,30
Go.
Prenßtsche Schatsanw. 4 100,30
4 91,20
Staffelanleihe. . . . .
18½, 86,50
Consols. . ehe::..
3 76,30
dg. . . . . . . . .
Bodische Staats-Anleihe‟ 4 00
do,-. 2294 . . . . . . . 5½ 89,20
gob-. . . . . . . . . . . . . 3 1 8450
Boyerische Ahlbs.-Ronte! 4 1 97.90
Z. B.-Anl. käb. ab1906 4 9865
do. unkäb. p. 1918 . . . 4 98.50
do. unkdb. p. 1920 . . . 4 98,80
E-B- u. Alfgem. Anl.
499,00
unkäb, p. 1980 . . ..
3½1 54.00
do.-Anleihe ..
G.
..7.. 31 75,90
Hamburger-Staats-Anl. . 4 98.00
do. . 188794 . . . . . . 3½ 2
Go. . . . . . . . . . . . . . 5 8000
Hessischestaats-Anleihe 4 97,30
4 97,80
An. unkäb. p. 1921. .
3½ 85,20
do.7
1585
da. 2
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Bächsiknhe Staats-Rente
77,00
Würtambg. Staats-Anl.
98,90
(unkdb. p. 1921). . . .
, do=gr. 79190 . . . . . . . 3½ 88.20
40.J. . . . . . . . . . . . 3 2780
Balgarisahe Gid.-Anl. .. 5 95,40
Goch. Anl. v. 1890 , . . . 116)
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Italfenische Rente..
.3½
Oasarr. Staats=K. v. 1915 . 4½g 89,40
So. Süber-Ronter. . . . 4½ 8360
d0. Tapier-Reutos:. 4½—
do. Golc-Rants.::
4 85,05
do. einhettl. Kante . . 4 80.20
Partug. Tab-Anl. 1891 . . 4½ 97.90
do. Im. amert. 1905 . . 4½ 75.70
do. unit. Serie
3 63,50
do.
III. 113 66,25
do. Spezial Titell.
950
Ramänen.v. 1908.
599,80
Ddo. Goldr. 1915.::
14½ 3095
do. Schatzsch. v. 19134½
dvs vonr.. ..
4 84,80
dv. v. 130::
494,70
do. V. 18915.
4187,50
3o.-V. 4905g-
485,10
do.-V. 19085,
do, v. 1910

485,10
Rässische StcAnl. v. 19054½ 98.70
do. Kons.r. 1290
486,70
Ao. Gold v. 1890
4
do. v. 1903 .
4 89,50
Mrunden v. 1880 .f. .
Sig 8950
do, v. 1888 ..
3½

(6
Schweden v. 1890. .
Serben steuerfrei .. . . . 4½ 85,50
76,50
do. amort. v. 1895 . .
Türk. Bgopt. Tribut
do. Kons. stenerkreie
75,0
do. Admin. v. 1908. ..
8160
dd. untk. v. 1906. .. ..
70,00
do. v. 1905. . .
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 87,80
Ungar. Stastsk.-Scheine
v. 1913. . . . . . . . . . . .4½
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r. 187 5
do, äußare v. 1890 .
5 1100,40
do. innero v. 1888
14½—
do. äubere r. 183
*4½
do. v. 1897 . .
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 95,40
do. v. 1850 .
4½—
do. v. 1906 .
4½ 89,50
Chines. St.-Anl. v. 189
6
do. r. 1895
5 99,50
do. Reorg. An
5 87,95
do. v. 1895
4½,1 9050
Japaner
4½ 92,20
Innere Mexikaner
*8½ 68,75
Aubere do.
5
Mexikan. Gold v. 1
4 69,40
do. gons.
3.
do. Irrigst.-Anleihe
4½ 67,50
Buonos-Airos Prov.
3½ 63,70
Tamaulpas:
5- 20
Sa0 Paulo L. B.
5
do. v. 1913
5 97,80
Siam v. 1907. : .. . . . . 47g 96.70
Prioritäts.
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 18951973½
.v. 19043½.83,00
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
Darmstadt. . . . . . . . 4 92,90
Nordd. Lloyd-Obligat. .4½!
Donau-Dampfschsf. r. 8244 91.00
Elisabethbahn
4 8830
Franz-osef-Bahn::
4 85,80
Kaschau-Oderberger v. 89
Prag-Duxer . . . . .
3 71,40
Osterreich. Staatsbahn . 5
do. . . .
2
dg. eteeee
69,40
do. Südbahn (Lomb.)
9760
do. Go.
70,30
do.
do.
Raab-Oedenburg .. . . .
76,00
Kronprins Rudolfbalm:
8400
Rus. Süchwest :..
4 84.30

.. .4½ 94,40
Moskau-Kasan . .
do. . . . . . . . . 5
8440
Wladikawkas. .
85,20
Küsan-Koslow:
Portugies. Eisenb. v. 1886 3
14½
do. . . . . .
241a 69,10
Livorneser. . . . . .
3
Salonique Monastr.:
4 1775
Bagdadbahn
Anatolische Eisenbahn .4½ 90,20
Missouri-Pscifio I.
4½ 90 00
do. do. r. 1905 .. 4 144,50
4
Northern-Pacifo.
Southern-Pacike:
4 91,70
St. Lonis & San Franeiseel 5 10.00
Tchuantepee ..
5 1 86.00
5 98,00
Ungar. Lokalbahn
Provinz-Anleihen.
Rheinprov. Obl. Em. 20/21 4. 97,30
3½ 8775
do. Eim. 10 . .
3
1
do. . 5. ..77::
Posen Prov. . . . . . . . . .3½ 84,00
Westkalen Prov. V.:. . . 4 9580
Hess. Prov. Oberhessen . 4 95,40
do. Starkonburg. .. .3½ 86,00
Städte-
Obligstionen.
Darmstadt.
4 95,30
do....
3½
Frankfurt
4*9700
do.
3½ 88,10
Gießen
4 24,70
do.
3½
Heidelberg.
4*95.20
do.
3½ 87,20
Karlsruhe.
495.20
do.. .
-3½ 86,50
Magdeburg
4
Mains.
4 1
do. 2
3½ —a
Mannheim.
4 9500
do. . . .
3½
München . .
41 96,40
Sauhoim:
.. .3½—
Nürnberg
4 9540
do. . .
...3½ 87,50
Offenbach .
4
do. v. 1914.:
4
do. . . . .
.3½
Wiesbaden.
.4.
do. .e
. .3½
Worms . . .
494.20
do. ..
3½,
Lissabon v. 1888
4
Mockau v. 1912 .
14½, o4co
Stockholm r. 1880
4
Wien Komm. .
15
Wiener Kassenscheine 14½ o₰,0o0
Türich v. 180.
. . . 3½
Buenos Sthdt v. 1892 . . .

Pfandbriedfe.
Berliner Hyp.-Blu.-Pf. . . 4½1100,00
9500
do. unkäb. 19113. . . ..
93,75
1915.:::
do.
9475
1921. . . .
d6.
260
d0. 1985.:
8550
do, . . . 2. . . .5
350
do. Komm.-Obl. umnk. 4918
95,00
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910
9600
do. 1815 .
96,50
18420 .
do.
3½ 86,40
do. Ser. 1219.
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
3½ 86,50
unkdb. 1910 .
Frankf. Hyp.-Kaged.-Ver.
94,50
Setr. 1542
94,00
m 4849
do. . . ..
960
do. unk. 1922 L. b2
40. 1915.r. . . . . 3½ 880
3½1 86,50
do. Ser. 45 . . . . . .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,90
Sor. 12, 13, 16
96.90
do. . . . . 14, 15, 17
97.40
do, unkäb. 1920 . . . .
97.50
1123 . . ..
d0.
do. Ser. 1, 2,6-8 . . . . 3½ 84,70
do. . 35 . . . . . . . 8½g 8450
3½l 8400
do. kündb. 1915 .
4 3690
do. Komm. unak. 1915
M. 1914 4 1 9650
do.
97,10
1916
do.
97,40
1020
do.
5
1923) 4 1 97,50
do.
do. verlosb. u. kründb. . 3½ 34.70
un ſäb. 1915 3½ 8465
do.
Meininger Hyp.-Bk. Pfäb. 4 94.70
96,00
do. unkdb. 1922. . ..
3½ 86,00
do. .
Rheinische Hyp. Bk. Pfb.
94,20
unf.db. 1974
1919
94,20
do. . . . ..
1931
94,20
do.e:
9650
do. .... 1924
do. . . . . . . . . . . . . . 3½ 8440
95,20
do. Komm. unk. 1923
1924:
9650
do.,
Südd. Bod-Kred.- Pfdbr.
2700
do. .. .. 5oss. . . . . 3½ 89,10
Bank-Aktien.
Bank für elektrr. Unter-
nehmungon
Züfrich
Berg.-Märkische. Bank.
Berüner Handelsges. .
½14r.50
Darmstädter Bankr . . . . 6½ 114,0
Deutsche Bank. . . . . . 121 232.70
Deutsche Vereirebank. 6 (15.25
Pt. Mffokt. u. Wschn.-Bk.) 6 12,00
Diak-Kommanel-Ant. . . 10 181,25
Dresdner Bank.
8½ 146,00

Frankf. Hypothek.-Bank! 10 1215.00
do. 40. Krod.-Ver 8½, 155,50
Mitteldentsche Kred. Blr. 6½ (115.50
Nation-Bonie 2. Deutschl. 6 (107.00
121,75
Pfälrische Bank . . . . .
.8.43 139,10
Reichsbank ..
125,40
Rheinische Kredit-Bank
10550
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver.:
Wiener Bank.-Verein.. § 1126,50
Aktien von Trans-
vort
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 125,50
§ (108,50
Fordeutecher Llopd.
Frankfart. Schleppschitt. 4 (116.00
Südd. Eisenb.-Gesellsch. 6½
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 111,00
690050
Baltimore ..
10 19075
Canada . . ..
7½ 126,25
Schantung::
Frins Henry.

15,80
Kombarden:
eer::
110,50
Pennsyivanis. . . . . . .
Industrie-Aktien.
566,00
Badische Anilin-Fabrik
Chem. Fabrik Griesheim 14 (24625
Farbwerke-Höchst .. . .30 (45625
Ver. chem. Fabr. Mannh.: 20 130200
Zement Heidelberg . . . 15 14500
Chemische Werke Albert 30 (396,00
Holzvorkohl.-Konstanz 11 15 (266.00
(122,00
Lahmener . . . . . . . . .
Schuckort,Mürnberg. . . 8 142,25
Siemens &6 Halakv.::
12 210,50
Bergmann Kloktr.::
§ (10075
Allg. Elektr. Gesellsch. . 14 (240,50
Hagen Arfeum.:
25 (282,25
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (163,50
Zummi Poter
. . .
0 78,00
Adler-Fahrradwerke . . . 25 (234.00
Maschinenfabr- Badenia. 6 (12500
Wattoner-Stahtröhren: 3 6
-10
MoterensOberarsel . . . 5½, (152,00
Gasmotoron, Douts . ..
*9 121,00
Siemens Glas-Industrie I 15
21,50
Enzinger Eiter ....
23 275,50
Stogua Romans . . . . . . 15 14550
Zellstoff Waldhof . . . . . 12 1168,00
Bad.-Zucker-Waghäusel 12,83 215,00
Neus Boden-Aktien-Ges.
74,00
Süddeutsche AImmobihen 0 54,50
Bergwerks-Aktien.
Aumetz-Friede . .
12 (148,00
Bochum. Bergb. u. Gußet. 14 21900
Leoonhard, Braunkohlen. 9 15500
Konkordin. Bergbau
23 (355 00.
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (1235
Eschweiler. . . . . . .
10 (236.20

Gelsenkirchen Bergw. . . 11 178½
Harpen Bergbau. .. . . .11 17325
Kaliwerke Aschersieben:10
Kaliwerke Westeregeln . 13 (187,50
Königin Marienhätte .:
Laurahätte . . . . . . . . . 8
Oberschles. Eisenbed. . . 4 85,50
Oberschl. Eisen-Industrie 0 83.25
Phöniz Bergbau.
*18 (229½
Rheinische Braunkohlen 11 230,00
Riebeek Montan .-. .. .II (17600
South West.-Afr. Shares . 5
Vorzinsliche
Anlehenslose. 2f.
Badische . . . . . TIr. 100 4
Göin-Mindener . Ttr. 100 3½, 130,50
Kolländ. Komm. u. 10 3 (114,30
Madrider . . . . Fra. 100 3
Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 1143,10
Osterreicher 1860er Lose: 4 (181,20
Oldenburger. . . . Tr. 40) 3 (12840
Raub-Grazer . . . . H. 150/2½109.50
Unverzinsliche
Mk.
Anlchenslose.
ſp. 36.
Augsburger . .
A. 7. 34,60
Fraunschweiger:
. Ttr. 20 (20630
Malländer .
Möz
Po. 45
do.
Ps. 10 40,00
Meininger
. A. 7 20,00
Osterreicher v. 1864 . H. 100 605,00
do. r. 1855: A. 100
Ungar. Staats .
A. 100
Venediger . . . ..
Pa. 30 1
Türkische . . . . .. Fs. 400 1160,80
Geld, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns. . . . . . .
20,46
20-Franks-Stücke . . . .
16.38
Amerikanische Noten:
4,18%
Englische Foten.
20,52
Franzbsische Noten.
81,45
Holländische Moten
169,45
Ktallenische Noten
81,20
Osterr.-Ungarische Noten.
1. 84,95
Russische Noton..
U4
Schweiser Noten:::
81,55
Reichsbank-Diskont ..
do. Lombard 2sk:
Tendenz:
Matt.

Handel und verkehr.

Frankfurt a. M., 13. Juli. (Börſe.) Zu den
mannigfachen Gründen, welche in der vergangenen Woche
die ungünſtige Haltung der Börſe veranlaßt hatten, trat
heute ein weiteres Moment, das geeignet war, ängſtliche
Gemüter aufs neue zu beunruhigen, nämlich die Nach=
richt
von der Einberufung der italieniſchen Reſerven, eine
Maßnahme, die nur gegen Griechenland gerichtet ſein
kann und wahrſcheinlich als eine Folge der Vorgänge im
Epirus anzuſehen iſt. Die Börſe eröfnete daher auf der
ganzen Linie in matter Haltung, die auch bis zum Schluſſe
anhielt. Im Verlauf konnte ſich allerdings auf Londoner
Anregung hin eine kleine Erholung durchſetzen, die jedoch
nicht von Beſtand war. Rückgänge zeigten beſonders die
Kurſe der Montanwerte. Auch heute war wieder eine all=
gemeine
außerordentliche Geſchäftsunluſt zu bemerken.
Die Kaſſawerte waren meiſt ſchwächer, z. B. Anilin 1½
Prozent, Scheideanſtalt 1,50 Prozent, Höchſter 3½ Pro=
zent
, Bergmann 2¼ Prozent, Dürkopp 1 Prozent, Enzin=
ger
Filter 3 Prozent, Weſſels 1 Prozent, Aluminium
1 Prozent.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweine=
markt
am 13. Juli. Auftrieb: 227 Schweine. Preiſe
(Schlachtgewicht 50 Kilogramm) 1. Qual. 62 Mk., 2. Qual.
61 Mk., 3. Qual. 60 Mk.
Frankfurt a. M., 13. Juli. Schlachtvieh=
markt
. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 1541
Stück, darunter Ochſen 526, Bullen 101, Färſen und
Kühe 914, Kälber 308. Schafe 82. Schweine 2686. Preiſe
für 1 Zentner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in Mark.
1. Rinder: A. Ochſen: a) vollfleiſchige, ausgemäſtete
höchſten Schlachtwertes im Alter von 4 bis 7 Jahren
4652 (8388), b) junge, fleiſchige, nicht ausgemäſtete
und ältere ausgemäſtete 4145 (7580), c) mäßig ge=
nährte
junge. gut genährte ältere 3540 (6474). B. Bul=
len
: a) vollfleiſchige, ausgewachſene höchſten Schlacht=
wertes
4245 (7075), b) vollfleiſchige, jüngere 3841
(6570). C. Färſen und Kühe: a) vollfleiſchige, ausge=
mäſtete
Färſen höchſten Schlachtwertes 4145 (7482)
b) vollfleiſchige, ausgemäſtete Kühe höchſten Schlachtwer=
tes
bis zu 7 Jahren 3944 (7280), c) 1. wenig gut ent=
wickelte
Färſen 3540 (6777), 2. ältere, ausgemäſtete
Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 3338
(6170), d) mäßig genährte Kühe und Färſen 2832
(5664), e) gering genährte Kühe und Färſen 1824
(4155). 2. Kälber: a) Feinſte Maſtkälber 5458
(9096), b) mittlere Maſt= und beſte Saugkälber 5054
(8592), c) geringere Maſt= und gute Saugkälber 4650
(7885), d) geringe Saugkälber 4045 (6876). 3.
Schafe (Weidemaſtſchafe): a) Maſtlämmer und Maſt=
hammel
43 (92), b) geringere Maſthammel und Schafe
88 (90). 4. Schweine: a) vollfleiſchige Schweine von
80 bis 100 Kg. (160 bis 200 Pfund) Lebendgewicht
4547½ (5961), b) vollfleiſchige Schweine unter 80 Ka.
(160 Pfund) Lebendgewicht 4547 (5760), c) vollflei=
ſchige
von 100 bis 120 Kg. (200 bis 240 Pfund) Lebend=
gewicht
4547 (5658), d) vollfleiſchige von 120 bis 150
Kg. (240 bis 300 Pfund) Lebendgewicht 4547 (5658).
Marktverlauf: Flauer Handel und Ueberſtand.

Tc. Fraukfurt g. M., 1. Zu. Kartoffei=
markt
. Man notierte: Kartoffel im Waggon 8,509,00
Mark, im Detail 9,0010,00 Mark, alles per 100 Kilo.
L. K. Das amtliche Verwiegen der Schlacht=
tiere
. Nach den Beobachtungen der Kreisveterinär=
ämter
werden Anträge auf amtliches Verwiegen der
Schlachttiere faſt nicht geſtellt. Der Grund hierzu liegt
hauptſächlich bei den Landwirten, die nicht genügend
Wert auf die amtliche Verwiegung legen. Die Landwirt=
ſchaftskammer
macht daher die Landwirte erneut darauf
aufmerkſam, daß es nicht nur in ihrem, ſondern auch im
allgemeinen Intereſſe liegt, daß der Regelung des Ver=
kaufsgeſchäftes
, wenn immer nur dies möglich iſt, eine
amtliche Verwiegung der geſchlachteten Tiere zu Grunde
gelegt werden ſollte. Die Verordnung, das amtliche Ver=
wiegen
der Schlachttiere betreffend, vom 29. Auguſt 1908,
wird daher nochmals in Nr. 28 der Heſſiſchen landwiet=
ſchaftlichen
Zeitſchrift veröffentlicht, auf die hier noch be=
ſonders
aufmerkſam gemacht wird.

Stimmen aus dem Puhlikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktion
leinerlei Verantwortung: für ſie bleibt aunf Grund des 5 2 Abſ. 2 bes
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender, verantwortlich.)
In der Stadtverordnetenſitzung vom 9. Juli wurde
der Entwurf einer neuen Friedhofs= und Beſtattungsord=
nung
für den neuen Waldfriedhof beraten. § 58
dieſes Entwurfs lautet: Es bleibt der Stadtverordneten=
verſammlung
überlaſſen, den Zeitpunkt zu beſtimmen, von
dem ab Beſtattungen auf dem jetzigen Friedhof in der
Nieder=Ramſtädter Straße nicht mehr vorgenommen
werden dürfen. Ganz mit Fug und Recht war man ſich
darüber klar, daß eine Feſtſetzung dieſes Zeitpunktes in
abſehbarer Zeit ganz unmöglich ſei. Da nun in der
Stadt allerlei Gerüchte verbreitet ſind bezüglich der ge=
planten
Schließung des derzeitigen Friedhofs (man ſpricht
davon, in 10 Jahren ſolle der Friedhof in der Nieder=
Ramſtädter Straße für immer geſchloſſen werden), ſo
bittet Einſender dieſer Zeilen, eine unzweideutige Aufklä=
rung
fraglicher Angelegenheit zu geben, damit die jetzigen
Inhaber der Erbbegräbniſſe doch wiſſen, woran ſie ſind.
Ich kann nicht glauben, daß die Stadt Darmſtadt, die doch
bis heute noch Erbbegräbniſſe in der Nieder=Ramſtädter
Straße verkauft, nun plötzlich anordnet, in etwa 10 oder
20 Jahren dürfen dieſe Erbbegräbniſſe nicht mehr benutzt
werden. Einſender dieſes bittet die verehrl. Stadtver=
waltung
und die Herren Stadtverordneten, zu beſchließen,
den jetzigen Friedhof überhaupt nicht zu ſchließen, denn
in 4050 Jahren kann der derzeitige Friedhof wieder
ſehr gut in Benützung genommen werden.
Einer für viele.
In der letzten Stadtverordnetenſitzung wurde wie=
der
einmal behauptet, bei dem höheren Schulweſen
der hieſigen Stadt miſſe geſpart werden. Könnten nicht
vielleicht auch bei unſeren Volks=und Mittelſchulen
Erſparniſſe erzielt werden? Es wäre ſehr intereſſant,
hierüber Näheres zu erfahren. Ein Steuerzahler.
Bei der gegenwärtigen Hitze würden es die
Schutzleute gewiß mit Freuden begrüßen, wenn ſie
gleich wie in früheren Jahren ſtatt mit dem Helm
mit Mützen bekleidet ihren Dienſt verſehen dürſten. In
anderen Städten wird dies jährlich um die Hitzeperiode
geſtattet und dazu noch die Annehmlichkeit einer Drell=

hoſe Genis wirde des aich in Darnſcht den Diat
nicht beeinträchtigen.

Gewinnauszug

der
5. Prenßiſch-Füddeutſchen
(231. Königlich Prenßiſchen) Klaſſenlotterie
1. Klaſſe 2. Ziehungstag 11. Juli 1914
Kiaſſe 2. Ziehungstag 11. Juli 1912
gefallen, und zwar ie einer auf die Löſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
(Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
Gachduck verboten)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
50 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 30000 Mk. 64171.
2 Gewinne zu 1000 Mk. 180173
2 Gewinne zu 500 Mk. 107421
4 Gewinne zu 400 Mk. 19826 213288
10 Gewinne zu 300 Mk. 33938 36554 49598 164771
201364
14 Gewinne zu 200 Mk. 1005 30607 31224 52648
64938 105812 121616
44 Gewinne zu 100 Mk. 3586 20510 37685 43488
46849 52545 58939 65579 66292 75482 106624 109419
121119 144015 149088 164720 177314 185414 193331
195456 206482 209892
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
50 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 1000 Mk. 45454
2 Gewinne zu 500 Mk. 199812
2 Gewinne zu 400 Mk. 180828
18 Gewinne zu 300 Mk. 7069 31270 31785 43928
65466 98322 107671 115576 193049
18 Gewinne zu 200 Mk. 1000 17208 104866 109399
113348 119350 153678 194022 204154
94 Gewinne zu 100 Mk. 556 3862 7805 10568
23544 27190 28066 28287 29680 36157 48318 49403
53771 53780 61624 65032 72309 75011 75505 77985
79155 79339 79912 91283 98204 107613 114609
122852 124328 127990 128622 133399 135282 149429
153553 158273 158461 160575 165733 167099 197214
184750 192056 201266 203777 205535 210710
Die Ziehung der 2. Klaſſe der 5. Preußiſch=Süddeutſchen (*31, Köntgl.
Preuß.) Klaſſenlotterie findet am 14. und 15. Auguſt 1914 Kakt. (*

Efwas Besseres
für die Zahnpflege
I.15747 Hleor es nichf:

Darmstädter Fahrplanbuch

überall zu haben.