Darmstädter Tagblatt 1914


Samstag, den 11. Juli.

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177. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 188.

Samstag, den 11. Juli.

1914.

Die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die geſtrige Reichstagserſatzwahl in Sachſen=
Koburg=Gotha 1 ergab Stichwahl zwiſchen
Arnold (Fortſchr. Vpt.) und Hofmann (Soz.).
Während eines Gewitters, das über Kriſtiania und
Umgegend niederging, ſchlug der Blitz in das von deut=
ſchen
Touriſten viel beſuchte Hotel auf dem Hol=
menkollen
ein, das völlig eingeäſchert
wurde. Hotelgäſte und Perſonal konnten gerettet
werden.
Die erſte Verſammlung der proviſoriſchen Ulſter=
regierung
iſt in Belfaſt zuſammengetreten.
Anläßlich der Ankunft des Führers der Bewegung
Carſon in Belfaſt wurden große Demonſtrationen
veranſtaltet.
Durch eine Feuersbrunſt wurde das norwegiſche
Dorf Selbak faſt gänzlich eingeäſchert.
60 Häuſer ſind abgebrannt, 1000 Perſonen
obdachlos.
Siehe auch Letzte Nachrichten.

Zum Landtagsſchluß

macht der Darmſtädter Mitarbeiter der Köln. Ztg. folgende
bemerkenswerte Ausführungen:
Soll man den Landtag beurteilen nach den Ergebniſſen
ſeiner Beratungen oder nach den Perſönlichkeiten, die ihn
bildeten? Der letztere Maßſtab, der zudem nur für die
ja in ihrer Zuſammenſetzung dem Wechſel ausgeſetzte
Zweite Kammer verwendbar iſt, führte wohl, wenn man
mit der beachtlichen öffentlichen Meinung geht, zu der
Erkenntnis, daß die Verhandlungen nicht mehr das Maß
von Wiſſen, Können und Perſönlichkeit ſpüren laſſen, wie
das in früheren Legislatuperioden der Fall war: wohl
ein Ergebnis unſerer politiſchen Verhältniſſe, die ſich ihre
Vertreter nicht nach dem Grad ihrer Fähigkeit, ſondern
mehr unter dem Geſichtswinkel der Parteizugehörigkeit
ausſuchen. Aber dieſes Schickſal teilt unſer Landtag ja
auch mit anderen Parlamenten. Beurteilt man ihn nach
ſeinen Leiſtungen, ſo muß man anerkennen, daß eine
große und, je länger ſie zur Löſung ſtand, immer ſchwie=
riger
werdende Aufgabe zum endgültigen und man kann
wohl ſagen im allgemeinen befriedigenden Ende geführt
wurde: die Beſoldungsvorlage, über deren
wechſelvolle Geſchichte auch hier wiederholt geſprochen
wurde. Außerdem behielt der Landtag auch, nachdem ſich
die finanziellen Auſpizien gebeſſert hatten, das Erfordernis
ſtrengſter Sparſamkeit ſtets im Auge, und die drei Staats=
voranſchläge
, die er erledigte, legen ein Zeugnis davon
ab, daß man beſtrebt war, nicht unter allen Umſtänden zu
ſparen, ſondern daß man die Erfüllbarkeit der Stagtsauf=
gaben
ſtets als erſtes in den Vordergrund ſtellte. Weſent=
lich
für die finanzielle Entwicklung des Großherzogtums
iſt auf dieſem Gebiete vor allem das Geſetz über die Til=
gung
der Staatsſchuld, das die Verwendung der Rein=
einnahmen
aus den Staatseiſenbahnen geſetzlich für die
Tilgung bindet. Hand in Hand mit dieſen Bemühungen,
die Finanzwirtſchaft zu feſtigen, gingen die Arbeiten der
von Regierung und Landtag gebildeten Vereinfachungs=
kommiſſion
. Der Erfolg ihrer Arbeiten liegt nicht nur in
der poſitiv erreichten oder angebahnten Umorganiſation
mancher Dienſtzweige, ſondern auch nach der negativen
Seite darin, daß dieſe Verhandlungen doch auch ergaben,
daß als zu koſtſpielig oder umſtändlich bezeichnete Organi=
ſationen
des Dienſtbetriebes bei näherer Erörterung ſich
als durchaus zweckentſprechend darſtellten.
Sieht man von einer der letzten Fragen, die den Land=
tag
beſchäftigte, der Ordensfrage, ab, ſo ſtanden ſel=
ten
Fragen zur Diskuſſion, die Anlaß zu Erörterungen
gegeben hätten, wie ſie im badiſchen Landtage über dis
Beziehungen der Regierung zu den großen Partei= oder
richtiger geſagt Wählergruppen vom Regierungstiſch aus
gemacht wurden. Daß die ſozialdemokratiſche Fraktion
jede Gelegenheit benutzte, um der Regierung ihre Stellung
zu der ſozialdemokratiſchen Kommunalpolitik vorzuwerfen,
verſteht ſich bei der Unverdroſſenheit mit der dieſe Partei
ihre Parteiroſſe bei jeder Gelegenheit immer wieder auf=
zäumt
, von ſelbſt. All dieſe Fragen hatte der Landtag
in ſeiner vorausgegangenen Seſſion bei der Beratung der
neuen Verwaltungsgeſetze ſo eingehend erörtert, daß man
kein Bedürfnis empfand, viel Geſagtes immer zu wieder=
holen
. In dem Verhältnis von Regierung zu
Landtag hat ſich in der zu Ende gehenden Legislatur=
periode
nichts verſchoben, es gibt keine ausgeſprochene
Regierungspartei, und es kann ſie wenn man von den
großen Grundfragen der Aufgaben, Rechte und Pflichten
des Staates abſieht in Heſſen auch nicht geben. Die
Verhältniſſe ſind ſo klein, daß es einem Abgeordneten bei
ſeiner aus ſeiner örtlichen Umgebung hergeleiteten wirk=
lichen
oder vermeintlichen Kenntnis aller Verhältniſſe
ſchwer fällt, ſich von dieſen loszumachen und einen höheren
Geſichtspunkt, wie ihn etwa eine Parteidiſziplin verlangt,
anzuerkennen. Dies gelingt nur den radikalen Partei=
gruppen
, zu denen in dieſem Zuſammenhang neben den
Sozialdemokraten auch das Zentrum zu nennen iſt. Es
bildet bei der ſich nach dem Geſagten häufig ergebenden
Zufallsgruppierung das Zünglein an der Wage. Da ſeine
Zuſammenſetzung im übrigen über das Durchſchnittsmaß
landtäglicher Befähigung hinausragt, konnte es eine Be=

deutung erhalten, die durch die Zahl ſeiner Mitglieder
nicht gerechtfertigt wird.
Wichtiger iſt das Verhältnis zwiſchen den
beiden Häuſern des Landtags. Man kommt
nicht von dem Eindruck los, daß man einen guten Ge=
danken
, den man in der Zweiten Kammer nicht hatte, eben
dort nicht gern anerkennt, wenn oder weil er von der
Erſten Kammer kommt. Dabei tritt doch auch in Heſſen
eine Erſcheinung hervor, die man überallbeobachten kann,
wo ein liberales Wahlrecht eine demokratiſchere Zuſammen=
ſetzung
des Volkshauſes bringt: die Erſte Kammer regt
ſich automatiſch, um dieſer Neuordnung der Dinge gegen=
über
ihre Bedeutung zu behalten. Und dieſem Beſtreben
und nicht nur der Tatſache allein, daß die Erſte Kammer
kluge, fleißige und politiſch geſchulte Köpfe hat, entſpringt
ihre wachſende Bedeutung. Wenn auch eine Anzahl von
Regierungsvorlagen von dem Landtag nicht mehr erledigt
werden konnte, ſo kann man am Schluſſe des Landtags
doch ſagen, daß er ſeine Schuldigkeit getan hat. Der neue
Landtag hat neue Aufgaben: die Gemeindeſteuer und das
Voltsſchulgeſetz haben ja ſchon in die Arbeiten des jetzt
ſcheidenden ihre Schatten vorausgeworfen. Ueber die
wahrſcheinliche Zuſammenſetzung des neuen Landtags
er wird zur Hälſte neugewählt läßt ſich ſchwer etwas
prophezeien, denn das Mehrſtimmenwahlrecht der Fünf=
zigjährigen
, das Sicherheitsventil, das man dem allge=
meinen
, gleichen Wahlrecht aufſetzte, muß in den Neu=
wahlkreiſen
zum erſtenmal erprobt werden.

Wie reich iſt Deutſchland!

* Nach einer Unterſuchung von Dr. Karl Helfferich,
Direktor der Deutſchen Bank, beträgt das deutſche Volks=
einkommen
heute rund 40 Milliarden Mark jährlich, gegen
22 bis 25 Milliarden um das Jahr 1895. Von den 40
Milliarden jährlich werden etwa 7 Milliarden, alſo nahe=
zu
ein Sechſtel, für öffentliche Zwecke aufgewendet; etwa
25 Milliarden dienen dem privaten Verbrauch und etwa
8 Milliarden, die ſich durch automatiſchen Wertzuwachs
auf beiläufig zehn Milliarden Mark erhöhten, wachſen
als Mehrung dem Volksvermögen zu, gegen etwa vier
Fünftel Milliarden vor 15 Jahren.
Das deutſche Volksvermögen beträgt heute mehr als
300 Milliarden Mark gegen rund 200 Milliarden um die
Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Das Durchſchnittsvermögen auf den Kopf der Bevölkerung
wird für das Jahr 1912 auf 4000 bis 5000 Mark berechnet.
Zum Vergleich wollen wir Frankreich heranziehen, das
bekanntlich in dem Ruf des reichſten Landes ſteht. Dieſer
Ruf hat in den letzten Monaten eine Minderung erfahren
durch die Milliardenverluſte, die das Nationalvermögen
in Südamerika erlitten hat. Bekanntlich iſt Frankreich
nach Jahrzehnten gezwungen, den 4=Prozent=Satz in den
Anleihen zu ſchaffen, weil für geringere Verzinſungen
keine Liebhaber mehr zu finden ſind. Auch iſt bei dieſer
Gelegenheit zu bemerken, daß eine Reihe erſter Pariſer
Geldunternehmer ihre Mittel feſtgelegt haben, weil ſie bei
den gegenwärtigen Börſenverhältniſſen ihre aufgekauften
Papiere, die ſich hauptſächlich aus ruſſiſchen Werten zu=
ſammenſetzen
, nicht an den Mann bringen können. In
dieſen Verhältniſſen dürfte wohl kaum die nächſte Zukunft
eine Aenderung bringen. Das nur nebenbei. Wir halten
uns bei der Einſchätzung des franzöſiſchen Volksver=
mögens
an die Angaben des bekannten Volkswirtſchaftlers
Théry. Deſſen Angaben zufolge iſt das Volksvermögen
in Frankreich von 1892 bis 1908 von 200 Milliarden auf
232 Milliarden geſtiegen, iſt ſomit weit hinter dem zurück,
was wir in deutſchen Landen geleiſtet haben. Auch das
franzöſiſche Volkseinkommen kann ſich mit unſeren Ziffern
nicht meſſen. Es wird vom genannten franzöſiſchen Stati=
ſtiker
mit beiläufig 20 Milliarden angegeben, ſo daß ſich
das Einkommen pro Kopf der Bevölkerung auf 520 Mark
ſtellt! Die Verſchiebung iſt alſo deutlich genug zugunſten
der Deutſchen.
Auch dürfen wir bei dieſem Anlaſſe nicht unerwähnt
laſſen, daß das deutſche Nationalvermögen nicht durch
die Banken in ſo waghalſige Geſchäfte geſteckt iſt, wie dies
jetzt bei den Franzoſen der Fall iſt. Gewiß haben auch
wir durch die Vorfälle in Mexiko, durch die Kriſis auf
dem Balkan, durch die unbefriedigende Geſchäftslage in
ganz Amerika auch manche empfindlichen Verluſte erlitten.
Was will das aber beſagen gegenüber dem Fehler, der ſich
in der franzöſiſchen Volkswirtſchaft zeigt? Haben wir es
doch fertig gebracht, die Geldbedürfniſſe unſerer Verbün=
deten
auch ohne Aufruf an andere zu befriedigen. Das
alles beweiſt, daß wir in abſehbarer Zeit es vielleicht auch
zuwege bringen werden, in der internationalen Finanz=
wirtſchaft
den Platz einzunehmen, den wir auf anderen
Wirtſchaftsgebieten, zum Beiſpiel in der Ausfuhr, ſchon
(Deutſche Arbeit.)
jetzt unbeſtritten einnehmen.

Die chriſtlichen Gewerkſchaften
im Jahre 1913.

-s. Man ſchreibt uns: Im Zentralblatt der chriſtlichen
Gewerkſchaften wird von ihrem Generalſekretariat ein
ausführlicher Bericht über die Entwickelung veröffentlicht,
die die chriſtlichen Gewerkſchaften während des Jahres
1913 genommen haben. Es geht daraus hervor, daß die
Ungunſt der wirtſchaftlichen Lage ihren Einfluß auf die
chriſtlichen Gewerkſchaften ebenſo geübt hat, wie auf die
ſozialdemokratiſchen. Denn am Ende des Jahres 1913
zählten die chriſtlichen Gewerkſchaften 341735 Mitglieder
gegenüber 350 930 am Ende des Vorjahres. Das iſt ein
Rückgang von 9195 Mitgliedern 2,6 Prozent. Etwas
günſtiger erſcheint die Mitgliederbewegung, wenn dar
Jahresdurchſchnitt der Mitgliederzahl in Betracht gezogen
wird; er betrug für das Jahr 1913 342785 gegen 344687
für das Jahr 1912. Einen Mitgliederverluſt haben jedoch
nicht alle chriſtlichen Gewerkſchaften erlitten, vielmehr ver=
zeichneten
einzelne eine verhältnismäßig nennenswerte
Zunahme. Dies ergibt ſich aus den nachſtehenden, die Mit=
gliederzahl
im Jahresdurchſchnitt enthaltenden Angaben,
denen die entſprechende Zahl des Vorjahres eingeklammert
hinzugefügt iſt. Danach betrug 1913 die Mitgliederzahl
im Jahresdurchſchnitt: bei den Bergarbeitern 66652
(76 988), bei den Bauarbeitern 43 529 (43 691), bei den Me=
tallarbeitern
41732 (42 644), bei den Textilarbeitern 38772
(39903), bei den bayeriſchen Eiſenbahnern 23 579 (20941),
bei den Holzarbeitern 17741 (17280), bei den Keram= und
Steinarbeitern 8434 (7411), bei den Heimarbeiterinnen
8385 (8188), bei den Tabakarbeitern 6714 (7388), bei den
Lederarbeitern 6168 (5756), bei den Schneidern 5071 (4742).
Ein günſtigeres Bild als die Mitgliederbewegung bie=
tet
die Entwickelung der Kaſſenverhältniſſe der
chriſtlichen Gewerkſchaften. Die Geſamteinnahme ſtieg von
6,60 Millionen Mark im Jahre 1912 auf 7,17 Millionen
Mark im Jahre 1913, vermehrte ſich alſo um rund 569000
Mark. Allerdings war infolge der wirtſchaftlichen Lage
die Geſamtausgabe mit 6,10 Millionen Mark um rund
879000 Mark größer als im Vorjahre, wo ſie 5,22 Millio=
nen
Mark betragen hatte. Trotzdem wuchs die Summe der
Vermögensbeſtände um mehr als 1 Million an, da ſie im
Berichtsjahre den Betrag von 9,68 Millionen Mark gegen=
über
8,57 Millionen Mark im Vorjahr erreichte. Von den
Einnahmen entfielen 6,30 Millionen Mark auf Beiträge.
Verausgabt wurden: für das Verbandsorgan rund 571000
Mark, für Agitation rund 775000 Mark, für Streik= und
Gemaßregelten=Unterſtützung rund 989000 Mark, für
Reiſe= und Arbeitsloſenunterſtützung rund 285000 Mark,
für die Zahlung von Krankengeld rund 816000 Mark, für
die Zahlung von Sterbegeld rund 206000 Mark, für die
Gewährung von Rechtsſchutz rund 131000 Mark uſw.
An Lohnbewegungen waren die chriſtlichen
Gewerkſchaften in 1506 Fällen mit rund 95000 Arbeitern
beteiligt. Der Prozentſatz der friedlich verlaufenen Be=
wegungen
war 77½ mit 78 Prozent der Beteiligten. An
Angriffsſtreiks waren die chriſtlichen Gewerkſchaften in 234
Fällen mit 6672 Arbeitern beteiligt, an Abwehrſtreiks in
72 Fällen mit 1608 Arbeitern, an Ausſperrungen in 35 Fäl=
len
mit 12756 Arbeitern.

Deutſches Reich.

Kaiſer Wilhelm und Erzherzog
Friedrich. Der neue Generalinſpekteur des öſterrei=
chiſch
=ungariſchen Heeres, Erzherzog Friedrich, welcher
gegenwärtig mit ſeiner Familie in Potsdam zum Be=
ſuche
ſeiner älteſten Tochter, der Erbprinzeſſin zu Salm=
Salm, weilt, unterhält mit unſerem Kaiſer ſchon ſeit lan=
gem
freundſchaftliche Beziehungen. Der Erzherzog iſt be=
kanntlich
der älteſte Bruder der Königin=Witwe von Spa=
nien
und mit Prinzeſſin Iſabella von Croy vermählt. Er
gilt als eines der reichſten Mitglieder des habsburgiſchen
Hauſes und hat in Ungarn großen Grundbeſitz. Auf ſei=
nem
nahe dem ungariſchen Marktflecken Mohacs belege=
nen
Jagdſchloſſe Karapancia hat er ſchon öfter den Beſuch
Kaiſer Wilhelms erhalten, zuletzt im September 1910.
Die Gemahlin des Erzherzogs iſt ebenfalls eine paſſio=
nierte
Jägerin, die den Kaiſer auf der Jagd mit zu be=
gleiten
pflegt. Auch ſonſt iſt der Kaiſer bei ſeinen Be=
ſuchen
in Oeſterreich mit dem Erzherzog Friedrich oft zu=
ſammengetroffen
. Letzterer weilte zuletzt, gleichzeitig mit
dem ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand, im Dezem=
ber
1910 am Berliner Hofe und nahm an der Jagd in
Springe teil. Sein jetziger Beſuch in Potsdam iſt ein

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

rein familiärer. Nach ſeiner definitiven Ernennung zum
Generalinſpekteur wird der Erzherzog ſich ſpäter dem Kai=
ſer
vorſtellen und wahrſcheinlich eine Einladung zu den
deutſchen Kaiſermanövern erhalten.
Ueber die weitere militäriſche Ver=
wendung
des Kronprinzen wiſſen die Danziger
Neueſten Nachr. folgendes zu berichten:
Nachdem der Kronprinz jetzt mehrere Monate hin=
durch
zum Großen Generalſtabe kommandiert geweſen
war, wird er im Laufe des nächſten Monats an den gro=
ßen
Kavallerieübungen auf dem Truppenübungsplatz
Warthelager bei Poſen teilnehmen. Hier wird er die
Leibhuſarenbrigade führen. An die Poſener Uebungen
ſchließt ſich dann die Fortdauer der informatoriſchen Be=
ſchäftigung
im Großen Generalſtabe in Berlin. Wäh=
rend
der diesjährigen Kaiſermanöver wird der Kronprinz
dem Stabe eines Armee=Oberkommandos zur dienſtlichen
Verwendung zugewieſen werden. Nach den Herbſtmanövern
übernimmt der Kronprinz als Nachfolger des General=
majors
v. Friedeburg das Kommando des 1. Garde= Re=
giments
zu Fuß in Potsdam.
Das Ergebnis des Wehrbeitrages für
Preußen iſt auf rund 603 Millionen Mark feſtgeſtellt
worden. Das entſpricht dem von der Finanzverwaltung
errechneten Voranſchlag.
Bülows Deutſche Politik in Frank=
reich
. Die franzöſiſche Ausgabe des Buches des Fürſten
von Bülow Die deutſche Politik iſt, wie aus Paris ge=
meldet
wird, zur Ausgabe gelangt. Die Ueberſetzung hat
der Sohn des früheren Botſchafters in Berlin Herbette
beſorgt, und der frühere Miniſter des Aeußern de Selves
hat das Vorwort zu der franzöſiſchen Ausgabe geſchrie=
ben
. Zu dem Kapitel Das unverſöhnliche Frankreich
polemiſiert de Selves in einigermaßen chauviniſtiſchen
Tönen gegen die von Bülow vertretene Auffaſſung, daß
Deutſchland nur den maßvollen Ehrgeiz habe, ſich mehr
Luft zum Atmen zu verſchaffen.
Der König von Bayern und die
Bauern. Wie der Berl. Lokalanz. meldet, empfing der
König von Bayern eine Abordnung eines Bauernvereins,
die erſchienen war, um Einſpruch zu erheben gegen die
Neuregelung des Volksfortbildungsſchulweſens. Durch
die Verlegung der Unterrichtsſtunden würden dem
Bauernſtande Arbeitskräfte entzogen. Der König er=
widerte
, er werde nie ſeine Zuſtimmung dazu geben, daß
der beſtehende Zuſtand irgendwie geändert werden könne.
Der Kultusminiſter, der der Audienz beigewohnt hatte,
fführte aus, es ſolle die weitgehendſte Berückſichtigung der
örtlichen Verhältniſſe Platz greifen.
Bedauerlich. Das Landgericht Colmar hat
bei ſeinem Beſchluß, ſich in der gegen den deutſchfeind=
lichen
Karikaturenzeichner Waltz wegen ſeines Buches
Mon Village angeſtrengten Beleidigungsprozeß für un=
zuſtändig
zu erklären und die Sache an das Reichsgericht
zu überweiſen, nicht angegeben, worin die den Hochverrat
vorbereitende Handlung des Angeklagten beſteht. Sein
Verteidiger vor dem Reichsgericht nützte dieſen Umſtand
aus und hatte die Genugtuung, daß ſowohl der Ober=
reichsanwalt
wie der Senatspräſident ihm beipflichteten.
Dabei brachte der Senatspräſident ſogar ſeine Ueber=
raſchung
wegen des Colmarer Landgerichtsbeſchluſſes zum
Ausdruck und fügte hinzu, ihm wäre es lieber geweſen,
wenn das Landgericht Colmar dem Reichsgericht ange=
geben
hätte, worin es im einzelnen die Vorbereitung eines
hochverräteriſchen Unternehmens erblickte. Daß das Col=
marer
Landgericht vor dem höchſten Gerichtshofe des Rei=
ches
einen derartigen Tadel erhalten konnte, iſt vom natio=
nalen
Standpunkt aus ſehr bedauerlich. Denn ſteht in
den Reichslanden das deutſche Offizierkorps gegenüber

den franzoſenfreundlichen Kreiſen auf vorgeſchobenem
Poſten, ſo gilt dasſelbe von den deutſchen Richtern kaum
für einen anderen Ort in dem gleichen Maße wie für Col=
mar
. Hier, wo Wetterlé und ſeine Leute ihre deutſch=
feindliche
Tätigkeit ausüben, wo alſo in gewiſſem Sinne
der Mittelpunkt deutſchfeindlicher Treibereien iſt, muß die
Rechtspflege mit unangreifbarer Peinlichkeit gehandhabt
werden. Wenn dies im Falle Waltz, wie höchſte Organe
des Reichsgerichts feſtſtellten, nicht geſchah, dann iſt bei
der Zuſammenſetzung des Colmarer Landgerichts kaum
mit der wünſchenswerten Sorgfalt verfahren worden. Die
neuen Männer der Straßburger Regierung richten hoffent=
lich
ihr Augenmerk auch darauf, daß vorgeſchobene Poſten
nur mit Beamten von vorbildlicher Tüchtigkeit beſetzt
werden.
Zur Gebührenordnung für Sachver=
ſtändige
. Um das Mißverhältnis zu beſeitigen, in
dem die Leiſtungen der Sachverſtändigen zu der ihnen
nach der Gebührenordnung gewährten Vergütung ſtehen,
enthält der neue Entwurf zur Gebührenordnung die Be=
ſtimmung
, daß die Vergütung des Sachverſtändigen bis
zu 6 Mark für die Stunde betragen kann.
Wirkt dieſe Neuerung auch der Schwierigkeit entgegen
Männer von anerkannter Bedeutung als gerichtliche Sach=
verſtändige
zu gewinnen, ſo bezweifelt der Berliner
Staatsanwalt Fuhrmann in Soergels Recht (Hannover,
Helwing) doch mit gutem Grunde, ob die jetzt geplante
Neuregelung für außergewöhnlich ſchwierige Gutachten
in Strafſachen ausreiche, um in derartigen Fällen voll=
wertige
Sachverſtändige zu gewinnen. Fuhrmann pflich=
tet
deshalb dem Vorſchlage der Aelteſten der Berliner
Kaufmannſchaft bei, daß den Sachverſtändigen beim Feh=
len
eines üblichen Preiſes eine angemeſſene Ver=
gütung
ohne Höchſtgrenze zugebilligt und über die An=
gemeſſenheit
die geſetzliche Berufsvertretung des betreffen=
den
Sachverſtändigen gehört werde. Ferner erſcheint es
Fuhrmann bedenklich, wenn der Entwurf grundſätzlich
eine Unterſcheidung zwiſchen der Vergütung für die auf=
getragene
Leiſtung, d. h. für Bearbeitung und Erſtattung
der Gutachten, und der Vergütung für die Teilnahme an
Terminen mache. Da gerade die Teilnahme an einer lan=
gen
Hauptverhandlung dem von auswärts berufenen
Sachverſtändigen mehr wirtſchaftliche Schädigungen als
die ſchriftliche Bearbeitung von Gutachten bringen kann,
hält Fuhrmann es für angebracht, in außergewöhnlichen
Fällen dem Sachverſtändigen nicht nur für die häusliche
Bearbeitung von Gutachten, ſondern auch für die Teil=
nahme
am Termin die angemeſſene Vergütung zu ge=
währen
.
Lohnaufbeſſerungen für Eiſenbahn=
arbeiter
. Die neue Lohnordnung der preußiſch= heſſi=
ſchen
Eiſenbahnverwaltung hat, obwohl ſie nur eine Zu=
ſammenfaſſung
und Vereinheitlichung der Lohnſyſteme
darſtellen ſoll, einer großen Anzahl von Eiſenbahnarbei=
tern
zugleich auch ziemlich bedeutende Lohnerhöhungen
gebracht. Beachtenswert iſt, daß ein alter Arbeitervertre=
ter
, der Vorſitzende des großen Berliner Eiſenbahnhand=
werker
= und Arbeiterverbandes, Eiſenbahnſchloſſer Guſtav
Ickler, Mitglied des Reichstags, dem Eiſenbahnminiſter
von Breitenbach anläßlich der diesjährigen Reichseiſen=
bahnetatsberatungen
den Dank für die Zuſammenberufung
der Lohnkommiſſion mit dem Bemerken ausſprach: die neue
Lohnordnung ſei gewiſſermaßen eine Krönung der bisheri=
gen
Reformen und bringe den Arbeitern ganz erhebliche
Vorteile. Intereſſant iſt auch eine vom Generalſekretäu
Riedel des genannten Verbandes angefertigte Statiſtil
über die Eiſenbahnarbeiterlöhne und über die ortsüblichen
Tagelöhne, die dem Reichstage übermittelt wurde. Aus
derſelben geht hervor, daß in einer großen Anzahl von
Orten die Eiſenbahnarbeiterlöhne bereits höher ſtehen als
die ortsüblichen Tagelöhne. Angeſichts ſolch günſtiger
Lohnverhältniſſe iſt es zu verſtehen, wenn der Andrang der

Privatarbeiter zu den Eiſenbahnwerk= und Betriebsſtätten
von Jahr zu Jahr größer wird.

Ausland.

Frankreich.
Die Wahl des früheren Unterſtaats=
ſekretärs
des Krieges Maginot zum Bericht=
erſtatter
des Heeresausſchuſſes zur Beratung über den
Antrag des Sozialiſten Vaillant und die Abſchaffung des
Dreijahrgeſetzes wird von den Anhängern dieſes Geſetzes
mit um ſo lebhafterer Befriedigung aufgenommen, als ſie
infolge der Wahl des Generals Pedoya zum Obmann
des Ausſchuſſes befürchtet hatten, daß ſich infolgedeſſen
eine der dreijährigen Dienſtzeit feindlich geſinnte Mehr=
heit
finden könnte. Ebenſo läßt der letzte Kammer=
beſchluß
vorausſehen, daß die Ermächtigung des Kriegs=
miniſters
, erforderlichenfalls Nachtragskredite zur An=
ſchaffung
der neuen Uniformen zu verlangen, als ein be=
merkenswerter
Erfolg der Anhänger des Dreijahrgeſetzes
hingeſtellt werden wird.
In der Humanité wird ſehr ſcharf das Verhalten der
Kammer kritiſiert, die jetzt mit einem Schlage das Defizit
um 3 Millionen Francs vermehrt habe; denn wenn man
die Notwendigkeit erkannt habe, daß dieſe oder jene Uni=
formfarbe
aus dem franzöſiſchen Soldaten eine bequeme
Zielſcheibe mache, dann dürfe man das Tuch nicht in acht
Jahren, wie es der Kriegsminiſter vorgeſchlagen habe,
ſondern man müſſe es ſofort ändern.
In parlamentariſchen Kreiſen verlau=
tet
, daß Miniſterpräſident Viviani am Montag abend,
falls die Kammer bis dahin das Budget nicht erledigt
haben ſollte, zwar den Schluß der Seſſion verhindern,
aber gleichzeitig die Kammer zu einer außerordentlichen
Seſſion nach der Rückkehr des Präſidenten aus Rußland
einberufen werde. Man glaube jedoch, daß die Mehrheit
der Kammer alles aufbieten werde, um bis Montag abend
das Budget zu verabſchieden.
Anläßlich der letzten verluſtreichen
Kämpfe in Marokko hebt der Excelſior hervor, daß
die Marokkaner ihre Gewehre und ihre Munition zum
großen Teile aus dem ſpaniſchen Rio de Oro=Gebiete,
ſowie aus Südoran beziehen, und es ſeien deshalb fol=
gende
Maßnahmen unumgänglich notwendig: 1. Verſtän=
digung
mit Spanien behufs ſtrengſter Unterdrückung des
Waffenſchmuggels, 2. Entwaffnung aller Marokkaner in
den pazifizierten Gebieten und 3. Entwaffnung der Be=
wohner
Südorans oder zum mindeſten ſtrenge und ſtän=
dige
Ueberwachung aller in ihrem Beſitze befindlichen
Waffen= und Munitionsvorräte.
Spanien.
Die ſpaniſche Kammer nahm den Vertrag, be=
treffend
den Bau der Eiſenbahn Tanger-Fez, an.
Der Senat ſtimmte der Vorlage, betreffend, den
Bau eines Hilfskreuzers, der als Schulſchiff Verwendung
finden ſoll, zu.
England.
Die Ulſterleute. Die Unioniſten von Ulſter
haben in Belfaſt eine Erklärung erlaſſen, in der ſie ankün=
digen
, daß die Verſammlung des Ulſterrates als eine Ver=
ſammlung
der proviſoriſchen Regierung abgehalten wer=
den
würde, der ſie bis auf weiteres Machtbefugniſſe geben
würden. In der Erklärung heißt es weiter, der Zwea
der Maßnahme ſei die Uebertragung aller Machtbefugniſſe,
welche die Zurückziehung der direkten Reichsregierung aus
Ulſter notwendig mache für die Aufrechterhaltung des

Trinkgelder.
Ein Reiſekapitel.
Von Rolf Brandt.

Ww. Der dicke Herr war außerordentlich empört und
er machte aus ſeiner Gemütsſtimmung kein Hehl. Er
hatte reichlich, überreichlich Trinkgelder gegeben auf der
ganzen Reiſe und er wurde trotzdem ſchlecht bedient.
Bringen Sie mir eine Taſſe Bouillon! ſagte er zu
dem Kellner. Nein, doch lieber eine Tomatenſuppe! Oder
warten Sie, ich will lieber gleich Schlei blau haben, es
iſt für die Suppe überhaupt zu heiß.
Der Kellner ging. Der dicke Herr rief ihm nach: Herr
Ober, hören Sie, bringen Sie mir doch lieber die Bouillon,
es iſt ſchließlich garnicht zu heiß.
Der Kellner bediente nachläſſig und mit Herablaſſung.
Der dicke Herr mußte ſeinem Herzen Luft machen.
Alſo, was ſoll man dazu ſagen, Sie haben doch viel
weniger gegeben .
Zehn Prozent ſagte ich, das Uebliche!
Ich dachte, es gäbe überhaupt nichts Uebliches dabei,
das käme aufs Gefühl an.
Mit Gefühl hat die Höhe der Summe nichts zu tun.
Das Gefühl kommt dabei zum Ausdruck, wie man das
Trinkgeld gibt.
Wiſſen Sie. dem Mann, glaube ich, iſt das ganz egal
wenn’s man recht viel iſt.
Vielleicht ja. Aber ſicherlich wird der Bedienende
ſchon aus Standesehre den gut bedienen, von dem er an=
nimmt
, daß er dies gewohnt iſt, womöglich beſondere Auf=
merkſamkeiten
zu ſchätzen weiß. Sein Urteil, ob der Gaſt
zu denen gehört, die etwas von guter Bedienung verſtehen,
wird gebildet aus der Art des Trinkgeldgebens und aus
verſchiedenen anderen Kleinigkeiten natürlich.
Ach, wiſſen Sie, glauben Sie bloß nicht, daß die
Geſellſchaft ſich Urteile bildet ſagte der dicke Herr. Da
goß ihm der Piccolo das Saucennäpfchen mit Butter über
den Anzug und das Geſpräch war zu Ende, weil der dicke
Herr ſeinen Abend mit Schimpfen ausfüllen mußte. Er
ſchimpfte über das Trinkgeldergeben im allgemeinen und
über die beſonderen Gemeinheiten einzelner Hotels. Es
waren die typiſchen Klagen.
Nun hat man ja den Verſuch gemacht, das trinkgeld=
loſe
Gaſthaus zu gründen. Der Verſuch iſt, ſo viel ich
weiß, kläglich geſcheitert. Auch die Experimente mit
Trinkgeld=Bons haben nach dem Bericht über die Ta=

gung des Internationalen Hotelbeſitzervereins zu keinem
nennenswerten Erfolg geführt. Sie mußten, in der Idee
gut, mißglücken durch die Unzulänglichkeit des bedienen=
den
Perſonals. =Es wird nie genug Angeſtellte geben, die
ohne die Aufmunterung des zu erwartenden Trinkgeldes
etwas Beſonderes tun; irgend eine Hilfeleiſtung oder Aus=
kunft
über das Notwendigſte hinaus wird man in einem
ſolchen Hotel nicht erwarten dürfen. Gerade das, was
einem den Aufenthalt in einem wirklich guten Logierhaus
ſo angenehm macht, das Nichtbekümmernmüſſen um tau=
ſend
läſtige Kleinigkeiten, wird fehlen, wenn der Anreiz des
Trinkgeldes nicht mehr vorhanden iſt. Außerdem iſt das
eine zu bedenken; das Trinkgeld iſt in die Rechnung gleich=
mäßig
mit einkalkuliert, aber Herr Sonnenmeyer hat we=
der
Zimmermädchen, noch Stubenkellner, noch Botenjungen
im geringſten gebraucht, während Frau Maybaum allein
das Zimmermädchen viermal am Tage zum Zuknöpfen
von vier verſchiedenen Kleidern bemüht hat. Entweder ſie
gibt ein Extratrinkgeld, dann iſt die Idee des trinkgeld=
loſen
Hauſes doch nur ein theoretiſcher Scherz, oder ſie
gibt nichts und das Reſultat iſt eine offenbare Ungerech=
tigkeit
und eine ſehr ſchlecht zugeknöpfte Bluſe.
Daß wir ſo außerordentlich unzufrieden mit dem jetzi=
gen
Stand der Dinge ſind und wir ſind es ohne Aus=
nahme
, liegt, glaube ich, weniger an der Uebung, Trink=
gelder
geben zu müſſen man wird niemals davon los=
kommen
, als an der Einrichtung, daß wir nie ſicher
wiſſen, wem es zu geben iſt, und daß wir es vielen geben
müſſen, die auch nicht einen Finger für uns gerührt ha=
ben
. Der Kellner, der mir morgen für morgen das Früh=
ſtück
gebracht hat, iſt am Tage der Abfahrt erſt ganz zu=
letzt
zu ſehen. Die Rechnung präſentiert ein Menſch, den
man nie vorher erblickte. Die Kalkulation auf unſere Gut=
mütigkeit
, die darin liegt oft iſt auch die Einrichtung
aus techniſchen Gründen ſo widerſinnig iſt ja meiſt
auch richtig getroffen; wir geben dem bedienenden Kellner
noch einmal ein Trinkgeld.
Es iſt ein bekannter Unfug, daß ſämtliche Hotelange=
ſtellte
dem armen Reiſenden ein grauſames Spießruten=
laufen
bis zum Ausgang aufzwingen. Es iſt nicht ſo
ſchlimm, wenn man ſich vorher genau überlegt hat, wem
man Trinkgeld geben will und muß und wieviel Geld
es werden im allgemeinen tatſächlich die zehn Prozent von
der Rechnung, nach oben abgerundet ſein dafür nötig iſt.
Ueber die ſtrafenden Blicke kann man ſich leicht hinweg=
ſetzen
; man denke nur nicht, daß Hotelangeſtellte menſch=
lichen
Geſetzen nicht unterworfen ſind manchmal ſcheint
es ja ſo , auch hier iſt ein Sinn für Billigkeit, nicht im

pekuniären Sinne natürlich, vorhanden, es kommt wirklich
auch auf das alte Wort hinaus: Was Du als ſelbſtver=
ſtändlich
ſicher tuſt, gilt auch den andern ſo.
Das hat mit der Knickerigkeit des Fräulein Duſter=
dorf
, die ſich ſelbſt die Schuhe putzt, um das Trinkgeld für
den Hausdiener zu ſparen, nichts zu tun. Außerdem muß
ſie das Trinkgeld nachher doch bezahlen! Ebenſo uner=
träglich
wie die Auspreſſungsverſuche gewiſſer Hotels ſind
die Drückeberger=Verſuche gewiſſer Reiſender. Die ſind
dann ganz ſtolz, wie ſie die Leute, die doch auch arbeiten
müſſen und im Trinkgeld ihren einzigen Lohn erhalten,
geprellt haben. Man kann da bei Menſchen, die ſich ſchä=
men
würden, auch nur fünf Pfennig ſonſt zu unterſchlagen,
die merkwürdigſten Beobachtungen machen. Sie ſchädi=
gen
den ganzen Stand der Vergnügungsreiſenden, und
wenn man unglücklicherweiſe in ein Haus kommt, aus dem
ein paar von dieſen ſonderbaren Sparkünſtlern ſich ſoeben
gedrückt haben. Beiſpiel etwa: Rechnung wird bezahlt.
Schaffen Sie die Sachen zur Bahn. Ich komme noch ein=
mal
vor, um nach der Poſt zu ſehen. Dabei das trink=
geldverſprechende
Lächeln ja, wenn man in ſolch ge=
prelltes
Haus kommt, kann man meiſtens das Wort Ver=
gnügen
aus ſeinen Reiſeeindrücken ſtreichen.
So ſonderbar es klingt, eine ebenſo ſchlimme Reiſe=
plage
ſind die Trinkgeldprotzen, die eine ganze Gegend ver=
derben
können. Man muß ſich doch vernünftigerweiſe nach
dem Landesdurchſchnitt richten, aber dieſe wackeren Leute
zeigen, daß ſie es Gott ſei Dank dazu haben ob in einem
kleinen Tiroler Dörfchen, in das ſie ein Zufall getrieben
hat, oder im Grandhotel in Oſtende. Ganze Landſtriche,
in denen früher das Trinkgeld überhaupt unbekannt war,
ſind durch die gedankenloſe Gleichgültigkeit dieſer Reiſe=
protzen
verſeucht worden. Wo früher ein Kreutzerle, rich=
tig
gegeben, helle Freude auslöſte, bewirkt heute die Krone
höchſtens den üblichen Trinkgelder=Kratzfuß
Der dicke Herr hatte doch wohl recht: es iſt ein Elend
mit dem Trinkgeld, und man kann ſich ordentlich leid tun.
Noch mehr leid, als ich mir ſelber tue, wenn ich an die zu
gebenden und an gegebene Trinkgelder denke, kann mir
allerdings derjenige tun, der ſich durch die Trinkgelderge=
ſchichten
ſeine Reiſefreude verderben läßt. Wir reiſen
tämlich letzten Endes um unſeretwillen und nicht der Ho=
tels
wegen. Nicht wahr? Reiſen iſt eine ſo hübſche Ein=
richtung
, daß, wenn wir dies recht bedenken, dies bischen
Aerger von einſichtigen Hotelleuten nur dazu erfunden
ſcheint, um die Lichtſeiten um ſo mehr hervortreten zu
laſſen!

[ ][  ][ ]

Nummer 188.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1941.

Seite 3.

Friedens, einer guten Regierung und des Schutzes der
Freiheiten des Volkes ſowie für die Bewahrung Ulſters
als eines integrierenden Teiles des vereinigten König=
reiches
. Die Autorität des iriſchen Parlaments werde
in Ulſter nicht anerkannt werden können. Craig, welcher
die Erklärung den Preſſevertretern verlas, ſagte, es ſei
das erſte Mal, daß Carſon eine beſondere Regierungsver=
ſammlung
einberufen habe. Craig deutete an, daß eine
Aktion erwogen werde, da die Unioniſten aus privater
Quelle erfahren hätten, daß die Lage außerordentlich
ernſt ſei.
Unterhaus. Bei der Beratung des Budgets des
Handelsamtes ſprach Handelsminiſter Burns von der
bevorſtehenden internationalen Konvention über das
Maximum von Holzladungen an Deck und ſagte, die Kon=
vention
ſei für den Herbſt in Ausſicht genommen. Er
hoffe, daß alle Mächte, die der Konvention über die
Sicherheits des Lebens auf dem Meere beigetreten ſeien,
ſich auch dieſer Konvention anſchließen werden. Das
Handelsamt ſei der Ueberzeugung, daß es gelinge, bald
zu einem internationalen Uebereinkommen zu gelangen
und das Höchſtgewicht der Holzladungen auf Deck ſo feſt=
zulegen
, daß die Sicherheit des Schiffes auch bei ſchwerem
Wetter nicht gefährdet ſei.

Rußland.

Das Verkehrsminiſterium plant den Bau
eines 100 Werſt langen, 22 bis 25 Fuß tiefen und 50 Fuß
breiten Seekanals in den Donmündungen. Die Bau=
koſten
werden auf 60 Millionen Rubel veranſchlagt. Für
die Vorarbeiten zu dem Kanalbau und den Hafenarbeiten
in Taganrog und Roſtow beantragt der Verkehrsminiſter
mit der Zuſtimmung des Miniſterrats bei der Reichsduma
die Bewilligung von 788000 Rubel.
Balkanſtaaten.
Griechenland. In den nächſten Tagen tritt der
Kronprinz Georg von Griechenland einen dreimonatigen
Urlaub an. Er wird ſich zunächſt in das Seebad Eaſt=
burne
nach England begeben, wo ſich die Königin bereits
aufhält, und darauf, nach Berlin reiſen.
Montenegro. Der Kronprinz von Montenegro
iſt von Jena nach Montenegro abgereiſt. Die Kronprin=
zeſſin
wird, wie die Voſſiſche Zeitung meldet, in dem
Sanatorium des Nervenarztes Binswanger in Jena
weitere Geneſung ſuchen.
Amerika.
Präſident Wilſon hatte mit dem Automobil=
fabrikanten
Ford eine mehrſtündige Unterredung. Der
Präſident wurde, wie ihm naheſtehende Kreiſe berichten,
von den von Ford vorgebrachten Anſichten, daß die Ge=
ſchäfte
durchaus nicht ſchlecht gingen und weder eine pfy=
chologiſche
noch ſonſtige Depreſſion beſtehe, ſtark ermutigt.
Ferner beſtärkte Ford den Präſidenten in ſeinem Ent=
ſchluß
, die Durchführung ſeines Truſtprogramms in der
gegenwärtigen Kongreßſeſſion zu beſchleunigen.
Die U. S. A. und Mexiko. Nach einem Tele=
gramm
aus Mexiko verlas der mexikaniſche Miniſter des
Auswärtigen im Senat und in der Kammer eine Denk=
ſchrift
über die Meinungsverſchiedenheiten der Union=
ſtaaten
mit Mexiko. Die Denkſchrift bittet die Konſtitutio=
naliſten
dringend, auf halbem Wege der Regierung Huer=
tas
entgegen zu kommen und zur Errichtung einer neuen
proviſoriſchen Regierung zuſammen zu wirken. Sie weiſt
darauf hin, daß auch die übrigen Beſtimmungen des Frie=
densprotokolls
von Niagara Falls ſelbſt und das zu=
künftige
Schickſal Mexikos hiervon abhingen; ferner, daß
die Meinungsverſchiedenheiten mit den Unionſtaaten mit
dem inneren mexikaniſchen Konflikt verknüpft ſeien infolge
der Unterſtützung der Revolutionäre durch die Union=

ſtaaten. In der Denkſchrift wird die Bereitwilligkeit der
Regierung Huertas ausgedrückt, mit den Konſtitutiona=
liſten
über die Errichtung einer neuen proviſoriſchen Re=
gierung
zu verhandeln, und ferner die Bereitwilligkeit
Huertas, zurückzutreten, falls man hierdurch zu einem
ſicheren Frieden gelange. Zum Schluß drückt die Denk=
ſchrift
die Hoffnung aus, daß die ſüdamerikaniſche Ver=
mittelung
zu einer engeren Verbindung der amerikani=
ſchen
Nationen führen möchte.
Braſilien.
Der Botſchafter der Vereinigten Staa=
ten
hat dem Miniſter des Aeußern eine Note überreicht,
in der er im Namen des Präſidenten Wilſon ſeine tiefe
Erkenntlichkeit zum Ausdruck bringt für die Dienſte, die
die Regierung von Braſilien durch ihr Vermittelungs=
anerbieten
dem Volke und der Regierung der Vereinigten
Staaten erwieſen habe. Die Note beglückwünſcht die bra=
ſilianiſche
Regierung weiter für die durch die Vermittelung
im Intereſſe des Friedens bereits erzielten wertvollen
Ergebniſſe. Auch der mexikaniſche Miniſter des Aeußern
hat dem braſilianiſchen Miniſter des Aeußern telegraphiſch
einen Dank ausgeſprochen und dabei erklärt, daß die Ver=
mittelung
in der Geſchichte des internationalen Rechts
Amerikas eine Epoche bedeute und den Beginn der juri=
diſchen
Löſung internationaler Konflikte vorbereite.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 11. Juli.
Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit Prinz Georg
von Bayern iſt am 9. d. Mts., vormittags 7¾ Uhr,
mit Gefolge von Jagdſchloß Wolfsgarten wieder ab=
gereiſt
. (Darmſt. Ztg.)
* Verſetzung in den Ruheſtand. Der Groß=
herzog
hat den Brandverſicherungsinſpektor Baurat
Karl Wieſenbach in Darmſtadt auf ſein Nachſuchen
unter Anerkennung ſeiner langjährigen, treu geleiſteten
Dienſte mit Wirkung vom 1. September 1914 an in den
Ruheſtand verſetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz
1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
verliehen.
Erledigt ſind: Die Stelle eines Brandver=
ſicherungsinſpektors
mit dem Wohnſitz in Mainz.
Schluß der Meldefriſt: 1. Auguſt 1914. Die mit einem
evangeliſchen Lehrer zu beſetzende dritte Lehrerſtelle an
der Volksſchule zu Düdelsheim, Kreis Büdingen.
g. Strafkammer II. Der 21jährige Fabrikarbeiter
Emil Laninger von Schöllbrunn und der 26jährige
Taglöhner Ludwig Benz von Mannheim wurden am
18. Mai von einem Karuſſellbeſitzer beim Sängerfeſt in
Bürſtadt beſchäftigt. In der folgenden Nacht erbrachen ſie
eine Schießbude und eigneten ſich Bierkrüge, die als Preiſe
dienten, im Werte von 15 Mark an. Aus einer anderen
Bude nahmen ſie 30 Flaſchen Wein im Werte von 45
Mark mit, die ſie im Wagen ihres Arbeitgebers verſteckten.
Dieſer entdeckte aber die Sachen und erſtattete Anzeige.
Laninger wird zu 5 Monaten 2 Wochen und
Benz zu 4 Monaten 2 Wochen Gefängnis ver=
urteilt
. 6 Wochen der Unterſuchungshaft werden ihnen
angerechnet. Der Mühlenbeſitzer Jakob Emich von
Wald=Michelbach betrieb bis 1. Oktober 1913 mit zwei
weiteren Geſellſchaftern eine Lederfabrik. Am 1. Oktober
ſchied er aus. Schon vorher waren wiederholt Lederfelle
fortgekommen und man hatte den Angeklagten im Ver=
dacht
, die Felle ſich angeeignet zu haben. Bei ſeinem
Bruder in Mainz wurden auch 7 Felle im Werte von 140
Mark gefunden, die der Angeklagte gekauft haben will, um
Leder kennen zu lernen. Dem widerſpricht aber, daß es 7
gleiche Felle ſind. Das Schöffengericht hatte auf 14 Tage
Gefängnis erkannt. Die Strafkammer beſtätigte ge=
ſtern
dieſe Strafe.
* Ferienzeit. Es iſt wohl anzunehmen, daß es viele
Mütter gibt, die froh ſein würden, für ihre ſchul=
pflichtigen
Kinder auch während der Ferientage geeignete
Unterhaltung und Beſchäftigung zu finden. Es werden
zu dieſem Zweck vom 15. Juli bis 15. Auguſt zu dem
Fröbelſchen Svielkreis Nieder=Ramſtädter Straße 55 II
auch Kinder über ſechs Jahre aufgenommen. (Siehe
Anzeige.)

Poſtſcheckverkehr. Soeben erſchien ein Abdruck
der vom Reichs=Poſtamt herausgegebenen Anleitung
für die Benutzung des Poſtſcheckkontos‟ Die Anleitung
wird jedem Kontoinhaber von ſeinem Poſtſcheckamt
koſtenfrei zugeſtellt. Sie gibt in gedrängter Kürze über
alles für die Benutzung eines Poſtſcheckkontos Wiſſens=
werte
Auskunft, namentlich auch über die vom 1. Juli
ab eingetretenen Neuerungen und Erleichterungen. Das
Heftchen iſt auch im Buchhandel (R. v. Deckers Verlag
in Berlin SW 19) für 20 Pfg. käuflich. Im Reichspoſt=
gebiet
iſt die Zahl der Kontoinhaber im Poſtſcheckver=
kehr
Ende Juni 1914 auf 95831 geſtiegen. (Zugang im
Monat Juni 4309). Auf dieſen Poſtſcheckkonten wurden
im Juni gebucht 1592 Millionen Mark Gutſchriften und
1606 Millionen Mark Laſtſchriften. Bargeldlos wurden
1725 Millionen Mark des Umſatzes beglichen. Das Ge=
ſamtguthaben
der Kontoinhaber betrug im Juni durch=
ſchnittlich
228,8 Millionen Mark. Im internationalen
Poſtüberweiſungsverkehr wurden 8,7 Millionen Mark
umgeſetzt.
sh. Wie der Wandervogel pfeift. Verſchiedene Be=
obachtungen
und Anfragen, die auch anderwärts gemacht
worden ſind, veranlaſſen die Meininger Wandervogelſchaft
zu folgender geharniſchter Erklärung: 1. Nicht
jeder iſt Wandervogel, der unbedeckten Hauptes, mit Ruck=
ſack
, in kurzer Hoſe und mit Bändern beladener Fiedel
draußen herumläuft; 2. der iſt kein Wandervogel, der
bei Bier, Wein und Tabak ſich von den Anſtrengungen des
Marſches erholt: 3. der iſt kein Wandervogel, der
draußen abkocht und die Kochſtelle liederlich verläßt; 4. der
iſt kein Wandervogel, der in einem Atemzug Volkslied
und Gaſſenhauer herunterleiert; 5. die Dame gehört
nicht zum Wandervogel, die im Lodenrock und mit der
Zupfgeige in Begleitung junger Herren des Sonntags
ſpazieren geht und den Tag mit einem Tänzchen beſchließt.
Jedenfalls erklären wir: Jeder Wandervogel trägt ſein
Abzeichen, den ſilbernen Greif auf blauem Grund, und
führt ſeine Ausweiskarte bei ſich, die er auf Verlangen
vorzeigt. In unſerem Kreis wandern Jungen und
Mädchen nie zuſammen, es ſei denn im Beiſein
ihrer Eltern, das heißt auf ausgeſprochenen Elternfahrten.
Zum mindeſten iſt es eine grobe Taktloſigkeit, wenn junge
Herren und Damen ſich draußen als Wandervögel aus=
geben
, ohne ſolche zu ſein.
* Die Darmſtädter Detailliſten, gleichviel, ob ſie
Mitglieder des Detailliſten=Vereins ſind oder nicht,
werden nochmals auf die morgen, Sonntag, den 12. Juli,
ſtattfindende Hauptverſammlung des Heſſiſchen Detail=
liſten
=Verbandes aufmerkſam gemacht. Der Vortrag des
Herrn Bürgermeiſters Dr. Eberle über: Die Gegenwart
und die Zukunft des Detailliſten=Standes wird für alle
Detailliſten von größtem Intereſſe ſein, zumal der
Redner in den führenden Kreiſen der Deutſchen Detail=
handels
= Organiſationen als vorzüglicher Redner ge=
ſchätzt
wird. Die Verhandlungen finden im Kaiſerſaal
ſtatt und beginnen um ½11 Uhr.
* Die Geſellſchaft Reichsadler veranſtaltet am
Sonntag einen Familienausflug nach Eberſtadt. Ab=
marſch
erfolgt 2¾ Uhr vom Luiſenplatz durch den alten
Eberſtädter Weg. Einkehr im Bergſträßer Hof, gegen=
über
der Kirche. (Siehe Anzeige.)
* Der Geſangverein Einigkeit Darmſtadt-
Beſſungen hält am Sonntag, den 12. Juli, in der
Beſſunger Turnhalle, Heidelberger Straße, ſein dies=
jähriges
Sommerfeſt ab, worauf hiermit beſonders hin=
gewieſen
wird. (Näheres ſiehe Anzeige in heutigem
Blatte.)
Ortsgewerbeverein. Am kommenden Dienstag
und Mittwoch findet der ſchon bereits angekündigte
Ausflug nach Saarbrücken ſtatt. Zwei hoch=
intereſſante
Beſichtigungen, der Eiſen= und Stahlwerke
Röchling, Völklingen, und der Steinkohlengrube Koſtenbach,
ſind vorgeſehen Nähere Auskunft erteilt der Vorſitzende der
Ausflugskommiſſion, Herr Mälermeiſter Georg Kraus,
Luiſenſtraße, Tel. 1972, woſelbſt ſich auch die Teilnehmer
umgehend melden müſſen. Nur angemeldete Perſonen
können teilnehmen. Durch Mitglieder eingeführte Gäſte
willkommen.
* Konzerte. Heſſiſcher Hof. Samstag, den 11.
Juli, abends 8 Uhr, gibt die Kapelle der Train=Abteilung
Nr. 18, verſtärkt durch die Kapelle des Großh. Art.=Korps,
ein Konzert. Im Programm: Lortzings Zar und Zim=
mermann
; Wagners Divertiſſement aus Rheingold;
Recklings Glöckchen des Eremiten; Sidney Jones’ The
Geiſha; Waldteufels Ganz allerliebſt Kollos Jux=
baron
: Wenn ein Mädel einen Herrn hat; Gilberts

Feuilleton.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
Kb. Eine britiſche Nationaloper: Dry=
lan
am Drury Lane. Aus London wird uns ge=
ſchrieben
: Was Richard Wagner für die deutſche Oper ge=
tan
, will Joſef Holbrooke für die britiſche tun. Der Unter=
ſchied
iſt nur der, daß Holbrooke ganz und gar keine Tra=
dition
hinter ſich hat, und daß er eben kein Wagner iſt.
Das hat die Erſtaufführung ſeiner Oper Drylan am
Drury Lane unter Leitung von Thomas Beecham bewie=
ſen
. Drylan iſt der zweite Teil einer Trilogie, deren
erſter Die Kinder des Don vor zwei Jahren an der da=
maligen
Hammerſtein=Oper ebenfalls unter Leitung Bee=
chams
zu Gehör gebracht wurde und ziemlich abfiel. Die
ganze Trilogie, deren überaus kompliziertes und ſchwer
verſtändliches Libretto aus der Feder Lord Howard de
Waldens ſtammt, hat einen keltiſchen Legendenkreis zur
Grundlage, der die Kämpfe britiſcher Vorfahren gegen den
Uebermut und die Uebermacht von Göttern und Druiden
ſchildert. Die Kinder des Don hatte gar zu auffallende
Aehnlichkeit mit Rheingold und endete damit, wie die
verbannte Tochter Dons Elan an den Meegresſtrand flieht,
dort vom Meereskönig gaſtfreundlich aufgenommen wird,
und aus dieſer Verbindung einen Sohn namens Drylan,
eine Art britiſchen Siegfried, zur Welt bringt. Im zweiten
Teil erfahren wir nun nach einer überaus langatmigen
Szenenfolge, daß Drylan, der jetzt ſchon faſt zwanzig
Jahre zählt, von dem Nachbarfürſten Gwyddno geſtohlen
ward. Er iſt jetzt ein großer Barde vor dem Herrn, ſingt
den Meereswogen zu und iſt ſeiner Mutter unbekannt.
Dieſe, die den Meereskönig verlaſſen will, erhält Beſuch
von ihrem feindlichen Bruder Govannion, der ſich als =
cher
der Familie aufſpielt, die ihm durch Elans Fehltritt
mit dem Meereskönig beſudelt ſcheint. Hagen, das heißt
Govannion, lauert Drylan am Strande auf, der ſich ge=
rade
mit den Wogen unterhält, und ſtößt ihm einen Speer
in den Rücken. Nach einem ſchier endloſen Dialoge er=
fährt
der arme Drylan, warum er eigentlich ſterben mußte.
Ein Flug von Wildenten (ſtatt der Raben!) ſtreicht vorbei
und hebt über Drylans Leiche ein Lamento an. Inzwi=
ſchen
hat Elan erfahren, daß der Ermordete ihr Sohn war.

Auch der Meereskönig=Vater mengt ſich drein, läßt über die
ihm untreu gewordene Elan einen Turm zuſammenſtür=
zen
und Govannion von den Meereswogen fortſpülen,
alles unter Begleitung des Wildenten=Lamentos. Dieſes,
ſowie die zahlreichen Inſtrumentalſätze, die man zum Teil
bereits im Konzertſaal gehört hat, ſind nicht uncharakteri=
ſtiſch
, obzwar ſie durch das überaus laute Blech ſtark auf
die Nerven gehen. Doch zeigen ſie Eigenart. In der Be=
handlung
des Geſanglichen hat ſich Holbrooke jedoch gänz=
lich
vergriffen, und nicht einmal Sänger wie Robert Mait=
land
, Frederick Auſtin und Edmund Burke konnten ihre
Rollen zur Geltung bringen. Dekorativ wirkte die Oper
intereſſant. Hervorzuheben iſt, daß der Flug der Wild=
enten
kinematographiſch dargeſtellt wurde. Beſonders ſchön
wirkten die Meerlandſchaften. Das Orcheſter hielt ſich
unter Thomas Beechams begeiſterter Leitung ſehr wacker,
quälte ſich jedoch mit Holbrookes ſchwülſtiger Ausdrucks=
weiſe
vergeblich ab. Zwar wurde der Komponiſt am
Ende durch Ovation hervorgerufen, aber wenn man auch
ſein ehrliches Streben und Können anerkennen muß, kann
man leider doch nicht umhin, zu konſtatieren, daß er mit
Drylan ebenſo wenig wie mit den Kindern des Don
eine britiſche Nationaloper geſchaffen hat.
C. K. Ein Paradies des Frauenrechtes. In ein wah=
res
Paradies des Frauenrechtes führt ein feſſelnder Auf=
ſatz
über die Sitten und Bräuche eines eigenartigen Volks=
ſtammes
von Sumatra. Frau Carrie Chapman Catt, die
dieſes weit über eine Million Köpfe zählende Volk zum
Gegenſtand eingehender Studien gemacht hat und darüber
in Harpers Magazine berichtet, ſchildert die Menangka=
baus
als die klaſſiſchen Hüter des Mutterrechtes und des
Frauenrechtes. Ehe iſlamitiſche Einflüſſe das Land be=
rührten
, mußten die Gatten von Töchtern in den Häuſern
der Schwiegermütter leben; als dann freilich die Poly=
gamie
eingeführt wurde, konnte dieſer Brauch nicht fort=
beſtehen
, und es kam zu einem eigenartigen Kompromiß,
der noch heute im Lande gang und gäbe iſt. Der polygame
Gatte bleibt im Hauſe ſeiner Mutter wohnen, die Gattin=
nen
im Hauſe ihrer Mütter; der Mann aber hat die
Pflicht, ſeine verſchiedenen Frauen zu beſtimmten Zeit=
punkten
und auf beſtimmte Zeit zu beſuchen. Iſt er bei=
ſpielsweiſe
der Gemahl der von dem Koran erlaubten vier

Frauen, ſo hat er monatlich je eine Woche bei jeder ſeiner
Frauen zu wohnen. Auf jeden Fall muß er jeder einzel=
nen
Frau die gleiche Zeit widmen, wie den anderen, die
Schwiegermütter wachen eiferſüchtig darüber, daß der
Schwiegerſohn hierin dem Landesbrauche gehorſam bleibt.
In noch nicht allzu fernen Zeiten hatte der Mann zu den
Koſten der Haushaltung nichts beizutragen, er wurde von
ſeinen Frauen ernährt, von denen er ſowohl kleine Ge=
ſchenke
wie Taſchengeld erhielt. Aber inzwiſchen hat bei
den Menangkabaus das Männerrecht gewiſſe Fort=
ſchritte
zu verzeichnen, die Berührung mit der hollän=
diſchen
Kultur iſt nicht ohne Einfluß geblieben: die Män=
ner
haben Arbeitsgelegenheit, können verdienen, ihren
Verdienſt für ſich behalten, kurz, ſie haben ſich ein wenig
von der Frau emanzipiert und eine gewiſſe wirtſchaftliche
Selbſtändigkeit erobert. Damit iſt es Brauch geworden,
daß die Männer ihren Frauen Geſchenke mitbringen, ſeien
dies nun Kleider, Nahrungsmittel oder Geld. Das Geſetz
ſchreibt dies zwar nicht ausdrücklich vor, aber die öffent=
liche
Meinung gibt den Mann, der es wagt, das Haus
einer ſeiner Gemahlinnen ohne ein anſehnliches Geſchenk
zu betreten, der allgemeinen Verachtung preis, und ſo gibt
es auch nur ſehr wenige Männer, die ſich dieſer Pflicht
entziehen. Die Menangkabaus ſind das glückliche Volk, das
nur Liebesheiraten kennt. Aber freilich, ehe die wirtſchaft=
lichen
Fragen nicht geordnet ſind, iſt keine Heirat möglich.
Haben zwei Herzen ſich gefunden, ſo beginnen zwiſchen den
Eltern der Parteien langwierige Verhandlungen über die
Höhe des Preiſes, den die Braut für den Bräutigam
anzulegen gedenkt. Iſt der Bräutigam aus einfachem
Stande, ſo wird die Braut oder deren Mutter ſchwerlich
mehr als höchſtens 300350 Mark für den künftigen
Lebensgefährten ausgeben; ein Bräutigam aus ange=
ſehener
Familie muß freilich mit annähernd 1000 Mark
bezahlt werden. Die Summe, die die Braut für den
Bräutigam bezahlt, muß dieſer dazu benutzen, um einen
Brautſchatz anzuſchaffen und die Hochzeitsfeſtlichkeiten zu
bezahlen. Eine Scheidung bietet wenig Schwierigkeit,
doch muß der Mann bei der Scheidung die Summe zurück=
zahlen
, die er ſeinerzeit erhalten hat. Will ein Mann, der
etwa Gemahl einer ſehr reichen Frau geworden iſt, ſich
nicht gutwillig ſcheiden laſſen, ſo geht die ehemüde Frau
zum Richter, und hier ſtellt man den Mann an den
Pranger, weil er ſich nicht ſchämt, weiter in einer Familie

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

Wenn der Frühling kommt; Linckes Muſikaliſches Wett=
rennen‟
. Es ſteht dem Publikum ein hübſcher und genuß=
reicher
Abend bevor. (Siehe Anzeige.)

Kunſtnotizen.

(eber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenben
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Reſidenz=Theater. (Am Weißen Turm.)
Eine Warnung für Mütter und junge Mädchen wird dem
großen Vierakter Frida als Begleitwort mitgegeben,
und fürwahr mit Recht, ein tiefer Sinn liegt in dieſem
Kunſtwerk. Wanda Treumann, welche wir ſchon oft als
große Künſtlerin im Film bewundert haben, ſpielt die
Frida. Der unzertrennliche Begleiter, Viggo Larſen, wel=
cher
ſtets durch ſein ernſtes und doch vollkommenes Spiel
auffällt, kreiert einen Doktor. Ein Bild von gewaltiger
Tragik, ſenſationell, ſpannend und belehrend zugleich, von
Anfang bis zum Ende. Als Neueſtes bringt das R.=T.
die Kataſtrophe in Serajewo. Es iſt eine ausführliche
Aufnahme, vom Beſuch des Rathauſes, bis zur Ankunft
der Leichen in Trieſt und Trauerfeierlichkeiten in Wien.
Es fiel ein Schuß nennt ſich die Kriminalnovelle in 2
Akten. Es iſt der Roman eines jungen Mädchens, welches
durch ihre Stiefmutter ſchuldlos verdächtigt, in das Ge=
fängnis
geworfen wird, jedoch ſpäter freigeſprochen werden
muß. Die Handlung iſt äußerſt ſpannend und iſt der Film
mit herrlichen Aufnahmen, wovon ſpeziell einige wun=
dervolle
Gartenſzenen hervorzuheben ſind, ausgeſtattet. Zur
Vervollſtändigung des Programms kommen noch einige
gute Komödien, Naturaufnahmen und die Wochenchronik,
zur Vorführung. (Siehe Anzeige.)

A Beerfelden, 9. Juli. (Verſchiedenes.) Am
Anfang dieſer Woche kam eine Ferienkolonie von
Frankfurt, 30 Knaben unter Führung eines Lehrers
und 30 Mädchen unter Führung einer Lehrerin, hier an;
die Kinder ſind in zwei Sälen untergebracht und
tummeln ſich unter Aufſicht tagsüber viel im Freien.
Die hieſige Molkereigenoſſenſchaft veröffentlicht
ihre Bilanz, pro 1913, nach welcher die Milchlieferung
668 916 1 betrug, der Reingewinn ſich auf 1438 Mk. be=
zifferte
und die Zahl der Genoſſen ſich am Anfang des
Jahres auf 102, am Ende auf 95 belief. Zwar gilt das
Pfund Heidelbeeren immer noch 18 Pfg., die Aus=
beute
iſt aber ſo mäßig, daß der Tagesverdienſt kein
hoher iſt.
Froſchhauſen, 10. Juli. (Die Bürgermeiſter=
wahl
) iſt nunmehr endgültig entſchieden nach=
dem
der unterlegene Gegenkandidat Gärtner ſeinen Ein=
ſpruch
gegen die Gültigkeit der Wahl zurückgezogen hat.
Es gilt ſomit als gewählt der frühere Beigeordnete Herr
Holler.
Biſchofsheim, 10. Juli. (Die Schweſter aus
Unvorſichtigkeit angeſchoſſen) hat der 22 jäh=
rige
Sohn des hieſigen penſionierten Bahnwärters Mül=
ler
. Der junge Mann, der zurzeit ſeiner Militärpflicht ge=
nügt
und vorübergehend bei den Eltern auf Urlaub
weilte, hantierte im Elternhaus mit einem geladenen Re=
volver
. Dabei ging der Schuß los und traf die in der
Nähe ſtehende 25jahrige Schweſter in den Kopf. Das
Mädchen wurde ernſtlich verletzt.
Biblis, 10. Juli. (Vom Blitz erſchlagen.) Bei
einem am Mittwoch niedergegangenen Unwetter wurde
ein 72jähriger Landwirt vom Blitz getroffen und ſchwer
verwundet. Auf dem Wege nach dem Krankenhaus ver=
ſchied
der noch ſehr rüſtige, alte Mann.
Viernheim, 10. Juli. (Die Tabakbautreiben=
den
) werden darauf hingewieſen, daß ſpäteſtens bis zum
15. Juli die mit Tabak bepflanzten Grundſtücke beim
Großh. Steueramt anzumelden ſind. Für Grundſtücke, die
nach dieſem Termin bepflanzt werden, muß die Anmel=
dung
ſpäteſtens am 3. Tage nach Beginn der Bepflanzung
geſchehen. Die Fluranmeldungen werden den Gemeinde=
behörden
von den Amtsſtellen unentgeltlich geliefert und
ſind von den Pflanzern dort in Empfang zu nehmen.
Für Viernheim iſt als Beginn der Tabakfeldervermeſſung
der 16. Juli (8 Uhr) feſtgeſetzt. Es iſt den Tabakpflanzern
geſtattet, die Flurenmeldung bis zum Beginn der Prüfung
zu berichtigen und an der Vermeſſung teilzunehmen.
Aenderungen der Flurenmeldungen nach dem 16. Juli,
vormittags 8 Uhr, ſind nicht mehr zuläſſig.
Mainz, 10. Juli. (Feſtgenommen) wurde
geſtern nachmittag um 6 Uhr in der Geſchäftsſtelle des

Mainzer Tagblatts der wegen Mordverſuchs
verübt im Heidesheimer Wald an dem Werkmeiſter
Schmitt aus Gonſenheim, vom Unterſuchungsrichter ſteck=
brieflich
verfolgte Kupferſchmied Franz Simon aus
Heidesheim. Simon wollte Beſchwerde wegen des ſeine
Tat berichtenden Artikels erheben. Die Redaktion ver=
ſtand
es, den Geſuchten mit Liſt ſo lange aufzuhalten, bis
die verſtändigte Kriminalpolizei erſchien. Der Verhaf=
tete
trug, wie er ſagte, einen Revolver bei ſich und
äußerte auf dem Heidesheimer Bahnhof, er werde, ehe er
verhaftet werde, mit den Redakteuren der einzelnen Blät=
ter
ein Wörtchen reden. Bei der Verhaftung fand man
jedoch keinen Revolver bei ihm. Von verſchiedenen Seiten
wird berichtet, daß er Spuren von Geiſtesgeſtört=
heit
zeige.
Gießen, 10. Juli. (Nur eine Kleinigkeit.)
In einem bekannten Orte, deſſen Namen aber rückſichts=
voll
verſchwiegen werden ſoll, zog, wie der G. Anz. berich=
tet
, am letzten Sonntag der Krieger= und Schützenverein
unter klingendem Spiele nach den Schießſtänden, wo das
alljährliche Preisſchießen abgehalten zu wer=
den
pflegt. Das ganze Dorf, die üblichen Feſtgäſte von
nah und fern umlagerten die Stände und bewunderten
die Fülle der Gewinne. Eben verkündigt ein Trommel=
wirbel
den Beginn des Turniers. Aber kein erſter Schuß
fällt. Verlegenes Lächeln auf dem Antlitz des Schützen=
meiſters
, Beſtürzung beim Vorſtand, ein Rennen und
Suchen. Man wird aufmerkſam. Was fehlte? Nur
eine Kleinigkeit! meinte der Oberſchütze. Und das aber
waren die Gewehre. Die hatte die wackere Schar
wie es kam, weiß man nicht daheim gelaſſen, nämlich
in der Vereinskneipe. Fliegende Boten eilten und holten
ſchließlich die Kleinigkeit. Und dann nach langer
Pauſe nahm das Preisſchießen ſeinen Anfang. So ge=
ſchehen
am 5. Juli 1914 im Kreiſe Lauterbach.
* Bad Nauheim, 10. Juli. (Frequenz.) Bis zum
9. Juli ſind 19670 Kurgäſte angekommen. Bäder wurden
bis zum 9. Juli 225694 abgegeben.
Trais=Horloff, 10. Juli. (Ueberſchwemmung.)
Infolge der ſtarken Regengüſſe iſt das ganze Horlofftal
von hier bis Echzell in einen See verwandelt, ſo daß
ſtellenweiſe das Waſſer über einen Meter hoch ſteht. In den
benachbarten Steinheimer Gemeindewieſen waren die
Leute genötigt, das teuer gekaufte Heugras mit Hilfe von
Schubkarren aus dem Waſſer zu fahren, wobei ſie bis an
die Knie im Waſſer waten mußten. Stellenweiſe iſt auch
das Heu fortgeſchwommen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 9. Juli. Ein durch ſeine
Begleitumſtände beſonders trauriger Unglücks=
fall
hat ſich geſtern abend in Neukölln ereignet. Ein
ſcheugewordenes Pferd eines ſtädtiſchen Krankenwagens,
in dem ſich der Arbeiter Fiedler, der ſein kurz vorher
überfahrenes Kind nach dem Krankenhauſe bringen wollte,
ein Arbeiter und zwei Fenerwehrleute befanden, brachke
den Wagen zum Umſchlagen. Alle vier Perſonen ſtürzten
auf das Pflaſter und erlitten zum Teil ſchwere Ver=
letzungen
. Das ſchon bedenklich verletzte Kind wurde
getötet. Die polizeiliche Unterſuchung der
Lichtenberger Einſturzkataſtrophe hat er=
geben
, daß die Belaſtung der Stockwerke bei weitem das
erlaubte Maß überſchritten hatte. In den oberen Stock=
werken
war die Belaſtung fünf= bis ſechsmal größer, als
polizeilich ſtatthaft. Die Kataſtrophe dürfte daher ledig=
lich
auf die übermäßige Belaſtung der Stockwerke zurück=
zuführen
ſein. Infolgedeſſen iſt der Betrieb der Fabrik
polizeilich geſchloſſen worden. In einer Verſammlung
beſchloſſen die Angeſtellten der Fabrik, den Betrieb ſo=
lange
ruhen zu laſſen, bis Maßregeln getroffen worden
ſind, um eine Wiederholung eines derartigen Unglücks zu
verhüten.
Frankfurt, 10. Juli. (Neues aus dem Zoo=
logiſchen
Garten.) Der Tierbeſtand des Zoologi=
ſchen
Gartens iſt durch zahlreiche, zum Teil ſehr inter=
eſſante
Neuerwerbungen vermehrt worden. Im Haus für
kleine Säugetiere ſind drei hübſche Exemplare des kapi=
ſchen
Klippſchliefers, Tiere von der ungefähren Größe un=
ſeres
Wildkaninchens, untergebracht. Die Angehörigen
dieſer zu den Huftieren gehörenden Familie ſind mit einer
Ausnahme in Afrika zu Hauſe. Die ein kaninchenartiges
Leben führenden Klippſchliefer bewohnen felſige oder ſtei=
nige
Gegenden, mit Vorliebe ausgetrocknete felſige Waſſer=

betten. Die übrigen Neuerwerbungen, wie Sekretär, Se=
riema
, Tſchunja, Hornraben, Bunttukane und Flußregen=
pfeifer
, gehören der Vogelwelt an. Der Sekretär oder
Kranichgeier zeichnet ſich vor allen übrigen Raubvögeln
durch ſeine langen Läufe aus, infolge deren ſeine Beine
tatſächlich an die der Kraniche erinnern. Wie die Geſtalt,
ſo weicht auch die Lebensweiſe dieſes intereſſanten Vogels
von der der übrigen Raubvögel erheblich ab. Der Kra=
nichgeier
iſt ein Bewohner weiter Ebenen. Nicht allein
den Wald, ſondern ſchon die Nähe hoher Bäume meidet
er; ſein Jagdgebiet ſind Steppen, trockene oder feuchte,
wieſenartige Flächen, aber keine Waldungen. Kriechtiere
und Lurche bilden die Lieblingsnahrung des Kranich=
geiers
. Seine Heimat iſt Afrika, ſüdlich der Sahara.
Zwei nicht minder intereſſante Vögel ſind die Seriema
und die Tſchunja. Dieſe zu den Kranichvögeln gehörenden
Schlangenſtörche ſind Bewohner der Savanne, die ſelten
fliegen, aber ſehr ſchnell laufen. Sie leben von Kriech=
tieren
, Inſekten, kleinen Vögeln, Säugetieren und auch
Beeren. Die etwa reihergroße Seriema iſt in Braſilien
und Paraguay zu Hauſe, die Tſchunja in Argentinien. Im
exotiſchen Vogelhaus untergebracht iſt ein prächtiges Paar
des abeſſiniſchen Hornraben. Er gehört zu den größ=
ten
Arten ſeiner Familie, iſt kräftig gebaut, kurzflügelig,
kurzſchwänzig, aber ziemlich hochbeinig. Das Merkwür=
digſte
iſt der ſehr große, ſchwach gebogene Schnabel mit
einem kurzen, ziemlich hohen Auswuchs über der Mitte
des Oberſchnabels. Der Aufſatz des Oberſchnabels hat
vorn eine weite Oeffnung und ungefähr die Form eines
Helms. Auffallend iſt auch die nackte, lebhaft rot gefärbte
Augen= und Kehlgegend. Ein reizender Vogel iſt der
an ſandigen Stellen unſerer Flüſſe brütende Flußregen=
pfeifer
. Sein munteres, flinkes Getrippel und ſein ſtets
lebhaftes Weſen erfreuen den Beſchauer im höchſten Grade.
Die Heimat iſt außer Europa Mittelaſien bis Japan.
Mannheim, 10. Juli. (Bürgermeiſterwahl.)
Bei der heute mittag erfolgten Bürgermeiſterwahl für die
Stadt Schwetzingen wurde Oberſtadtſekretär Max
Rheinhardt mit 42 Stimmen gewählt. Sein Gegen=
kandidat
, Gemeinderat Pintſch, erhielt 39 Stimmen.
Friedrichshafen, 10. Juli. (Steigen des Boden=
ſees
.) Der Waſſerſpiegel des Bodenſees ſteht heute auf
5,04 Meter. Dies bedeutet ſeit geſtern ein Steigen
des Sees um 7 Zentimeter. Von heute ab kann
infolge Hochwaſſers die Landungsſtelle Arbon bis auf
weiteres nicht mehr benutzt werden.
Kolmar, 10. Juli. (Mord.) In einem Rebſtück bei
Türkheim wurde heute morgen die in den 60er Jahren
ſtehende Witwe Lob ermordet aufgefunden. Von dem
Täter, der die Frau durch zahlreiche Meſſerſtiche tödlich
verletzte, fehlt bis jetzt jede Spur.
Altona, 10. Juli. (Fleiſchvergiftung.) Nach
dem Genuß verdorbenen Fleiſches erkrankten mehrere Per=
ſonen
lebensgefährlich; der Handlungsgehilfe Brandt iſt
im Krankenhauſe geſtorben. Die Polizei ermittelte
einen Schlächtermeiſter als Verkäufer des verdorbenen
Fleiſches und verhaftete ihn und ſeine Frau.
Apenrade, 10. Juli. (Bei dem Brande in
Tingleff) geſtern abend ſind eine junge Frau und ein
Kind von drei Monaten verbrannt. Das Feuer war
dadurch entſtanden, daß die Frau, die eine brennende
Lampe trug, einen Krampfanfall erlitt.
Gleiwitz, 10. Juli. (Selbſtmord.) Wegen Krank=
heit
erſchoß ſich in der vergangenen Nacht der Einjährig=
Freiwillige Heintze vom zweiten Ulanen=Regiment.
Paris, 10. Juli. (Die Bombenattentäter.)
Von mehreren Blättern wird erzählt, daß die verhafteten
ruſſiſchen Terroriſten Kiritſchek und Androjanowski ver=
ſuchten
, eine in Paris anſäſſige ruſſiſche Aerztin namens
Stroſecka in ihrer Wohnung mit Revolver und Bomben
zu bedrohen und von ihr eine Geldſumme erpreßt hätten.
Die Polizei habe nunmehr bei Frau Stroſecka eine Haus=
ſuchung
vorgenommen unter der Beſchuldigung, daß ſie
Kiritſchek und Androjanowski kenne und dieſelben unter=
ſtützt
habe. In galiziſchen Kreiſen wird behauptet, daß
die verhafteten Terroriſten lediglich die Opfer ruſſiſcher
Lockſpitzel ſeien.
Bourges, 10. Juli. (Entſprungene Löwin.)
Aus einer Menagerie entſprang während einer Vor=
ſtellung
eine Löwin. Bisher iſt ſie noch nicht eingefangen
worden. Obwohl bis jetzt kein Unheil angerichtet worden
iſt, iſt die Bevölkerung ſehr erregt.
London, 10. Juli. (20 Schüler der Frankfur=
ter
Muſterſchule), darunter die Zwillingsſöhne Phi=

bleiben zu wollen, die ihn loszuwerden wünſcht. Nach
der Scheidung verbleiben alle Kinder der Frau und neh=
men
auch den Mutternamen an. Auch im Erbrecht hat die
Frau eine beherrſchende Stellung: die Kinder erben das
Vermögen der Mutter und die Hälfte der von Vater und
Mutter gemeinſam erworbenen Güter; die andere Hälfte
und das Vermögen des Vaters geht an die Kinder ſeiner
älteſten Schweſter über. Faſt das ganze Land gehört den
Frauen, ſie ſorgen auch für die Bewirtſchaftung, ſie ſind
Familienoberhaupt und Verwalter des Vermögens.
Stirbt die Frau, ſo gehen mit ihrem Vermögen auch ihre
Rechte und ihre Autorität in der Familie an die älteſte
Tochter über; iſt keine Tochter vorhanden, ſo erbt die Toch=
ter
des älteren Bruders die Kommandogewalt im Hauſe.
Jede Frau, die keine Töchter hat, kann ohne Umſtände ein
Mädchen als Tochter adoptieren, die dann den Namen der
Adoptivmutter annimmt und die vollen Rechte einer
wirklichen Tochter erwirbt. Auch der Handel liegt bei den
Menangkabaus faſt ausſchließlich in den Händen der
Frau.
ck. Exotiſcher Tafelſchmuck. Die Verſuche, die Ein=
tönigkeit
der Eßtiſchdekoration durch eine bunte und far=
bige
Mannigfaltigkeit zu verdrängen, treiben in dieſem
Sommer beſonders exotiſche Blüten. Wie der Neu=York
Herald zu melden weiß, ſucht man die Wunder des Mee=
res
und die Reize der Gartenkunſt auf das Tiſchtuch zu
zaubern, und zwar gelten für beſonders elegant und
modern Arrangements, die exotiſche Fiſche mit ſeltſamen
Blumen verbinden. Der unerſchöpfliche Reichtum der
Natur an kühnen Ornamenten und leuchtenden Farb=
tönen
wird ſo zum Schmuck der Tafel aufgerufen. Ganze
Aquarien werden als Zierat ausgeſtellt, ſchillernde Glas=
kugeln
, in deren Bauch ſchimmernde Fiſche ſchwimmen oder
richtige Glasblöcke, die außer einem Baſſin im Innern
zahlreiche Löcher an der Oberfläche haben, aus denen
zarte Blütendolden hervorragen. Recht apart iſt auch ein
Glaselefant, in deſſen Innern rote Fiſchlein hin= und
herſchießen; er ſteht auf einem Spiegel, der die luſtigen
Licht= und Farbenſpiele reflektiert. Die Fiſche, die in
dieſen kleinen Aquarien der Schauluſt der Dinierenden
dargeboten werden, ſtammen aus fernen Ländern, aus
Braſilien, Afrika oder Oſtaſien und fallen durch eine eigen=
artige
Form oder durch regenbogenfarbige Buntheit auf.
Die meiſten dieſer Zierfiſche liefern China und Japan,
wo man ſeit langem ſich der Zucht ſolcher Naturwunder

hingibt. Da ſchwimmen japaniſche Schleierfiſche, die wie
in ein dünnes Mouſſelingewebe eingehüllt erſcheinen, oder
chineſiſche Edelkarpfen, die wie groteske Zwerge der Fiſch=
welt
anmuten. Dieſe ſeltenen und teuren Fiſche bleiben
nur während der Mahlzeit in dem winzigen Behälter,
wo ſie es längere Zeit nicht aushalten würden; dann wer=
den
ſie herausgefiſcht und in ein größeres Aquarium ge=
ſetzt
. Aus dem Waſſer wachſen Blumen heraus, Blüten
ſind über dem Spiegel verſtreut, und große Buketts ſchmie=
gen
ſich um das leuchtende Glas zu duftenden Wäldern.
Aber der neueſte Tafelſchmuck geſtaltet ſich ſogar zu ganzen
japaniſchen Gärten en miniature, die in hölzernen oder
töneren Käſten aufgeſtellt werden. Da gibt es 100 Jahre
alte Zwergbäume, die wenige Zoll hoch ſind, zierliche
Brückchen, winzige Flüſſe, eine Kleinwelt von Felſen und
Pavillons; berühmte Gärten werden auf dieſe Weiſe im
kleinſten Maßſtabe nachgebildet. Für Buntheit und Far=
bigkeit
aber, die die ernſten und würdigen Zwergbäume
nicht darbieten, ſorgen rieſige japaniſche Blumen, die die
Liliputgärten umrahmen und ſo einen wirklich faſzinie=
renden
, trotz aller ſpieleriſchen Unnatur ſeltſam graziöſen
Eindruck ſchaffen. Wer nicht das Eſſen vorzieht, kann vor
dieſen Dekorationen herrliche Träume haben. . .
* Juanſchikais Rechtfertigung durch Konfutſe. Der
Berliner Akademie der Wiſſenſchaften wurde in ihrer letz=
ten
Sitzung eine Abhandlung Dr. Franz Kuhns vorge=
legt
, die ein beſonders aktuelles Intereſſe beanſpruchen
darf. Sie bietet nämlich die Ueberſetzung und Erklärung
einer berühmten chineſiſchen Schrift aus der Mitte des
2. Jahrhunderts, des Dſchong=lun, d. h. der Abhand=
lung
über die Staatsregierung die von dem hervor=
ragenden
konfuzianiſchen Staatsmann Tſui Schih
verfaßt iſt. Das Dſchong=lun, das in China ſtets ein
hohes Anſehen genoſſen hat, ſteht auf durchaus konfuziani=
ſchem
Boden und ſpiegelt die maßgebende chineſiſche
Staatslehre wieder. Aus dieſer Schrift ergibt ſich nun
die bisher unbekannte Tatſache, daß die heute in China
beſtehende Regierungsform der Diktatur durch die kon=
fuzianiſche
Lehre vollkommen gerechtfertigt iſt, und ſo
wird die Stellung Juanſchikais vom chineſiſchen Stand=
punkte
aus erklärlich.
* Ein Denkmal für den Weltumſegler Cook. Aus
London wird berichtet: In der Mall, in der Nachbar=
ſchaft
des Admiralitätsgebäudes, iſt das große, für den
Weltumſegler Kapitän Cook errichtete Denkmal durch den

Prinzen Arthur von Connaught feierlich eingeweiht wor=
den
. Das Monument, deſſen Aufſtellung auf eine
auſtraliſche Anregung zurückgeht, iſt ein Werk des bekann=
ten
Bildhauers Sir Thomas Brock; es ſtellt den berühm=
ten
Weltreiſenden in Lebensgröße dar. Der Ueberſchuß
aus den vom Denkmalkomitee geſammelten Geldern ſoll
zur Anbringung von Cook=Gedenktafeln verwendet wer=
den
und zwar in dem Dorfe Mamon=in=cleveland in
Yorkſhire, wo Cook geboren wurde, in Great Ayton, wo
Cook in einem heute noch erhaltenen Schulhauſe erzogen
wurde, und in Whitby, wo er lange Jahre lebte.
C) Hohe Preiſe bei der Verſteigerung der Sammlung
Huth. Bei Sotheby in London hat die Verſteigerung dex
vierten Abteilung der berühmten Bücherſammlung Huth
begonnen und zum Teil geradezu ſenſationelle Preiſe ge=
zeitigt
, die in den meiſten Fällen von dem amerikaniſchen
Sammler G. D. Smith geboten wurden. Als vor
einigen Jahren das mit einer eigenhändigen Widmung
des Dichters an Francis Crane und mit mannigfachen
handſchriftlichen Randbemerkungen verſehene Exemplar
von Ben Johnſons Sejanus His Fall 1605 mit 4410
Mark bezahlt wurde, hielten europäiſche Bibliophilen das
für einen recht guten Preis. Wie ſehr die Großzügigkeit
der amerikaniſchen Bücherſammler geweſen iſt, zeigt ſich
darin, daß Smith für das Buch nunmehr nicht weniger
als 18000 Mark angelegt hat! Das Catholicon des Jo=
hannes
Balbus, 1460, wurde vor kurzem mit 8800 Mark
verſteigert; das Exemplar der Sammlung Huth erzielte
am Dienstag 15200 Mark, wobei wiederum Smith der
Käufer war. Für die Masque of Queenes, 1609,
legte der Amerikaner 4900 Mark an, für The New Life of
Virginia von Robert Johnſon, 1612, zahlte der Ameri=
kaner
4300 Mark, und für einen zweiten nicht authentiſchen
Quarto des John of England 1611, Marlowe, Rowley,
Greene und Peel zugeſchrieben und Shakeſpeares Quelle
für ſeinen König Johann, 3400 Mark. Für die Poeticall
Exerciſes at Vacant Hours von Jakob I., Edinburgh
1591, wurden 1620 Mark erzielt; das Werk trägt folgende
Drohung des königlichen Verfaſſers an die Leſer: Roh
und ungefüge, wie ſie ſind, bringe ich ſie Dir dar. Eine
gute Aufnahme wird mich veranlaſſen. mich zu beeilen,
Dir meine Apokalypſe darzubringen und auch ſo viel
Pſalmen, als ich fertiggeſtellt habe, und wird mich er=
mutigen
, die übrigen zu vollenden. Insgeſamt brachte
die Dienstag=Verſteigerung rund 100000 Mark.

[ ][  ][ ]

Nummer 188.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Seite 5.

lipp und Wolfgang des Prinzen Friedrich Karl von
Heſſen, ſind ſeit einigen Tagen in London. Sie ſind der
Obhut des Profeſſors Cock vom King College anvertrauk
und wurden in der Londoner Geſellſchaft herzlichſt aufge=
nommen
.
Lrndon, 10. Juli. (Von der Steffenſonſchen
Expedition.) Daily Chronicle hat von dem Kapitän
der Carluk des Schiffes der Steffenſonſchen Expedition,
auf eine telegraphiſche Anfrage folgende Antwort aus
Noma erhalten: Ich weiß nichts von dem Verluſt von
acht Mann der Carluk vier Mann ſind von der Hilfs=
abteilung
zurückgelaſſen worden, um drei Männer von der
Heraldinſel mit Proviant zu verſorgen, und vier Mann
ſind 20 Meilen von der Heraldinſel entfernt von der Hilfs=
abteilung
geſehen worden. Ich glaube, daß ſie ſich alle
wohl befinden, und nehme an, daß ſie nach meiner Ab=
fahrt
die Wrangelinſel erreicht haben. Der Irrtum iſt
durch eine falſche Auslegung einer Meldung nach Ottowa
entſtanden.
London, 10. Juli. (Großfeuer.) In Quebec zer=
ſtörte
ein großes Schadenfeuer geſtern die Dufferinterraſſe
und vier Wohnhäuſer. Die Brandurſache ſoll ein fort=
geworfener
Zigarrenſtummel ſein. Sechs Feuerwehrleute
erkrankten bei den Rettungsarbeiten ſchwer an Rauchver=
giftung
.
London, 10. Juli. (Brandunglück.) Bei dem
Brande einer Papierfabrik in Mancheſter kamen zwei
Feuerwehrleute um ihr Leben.
Kriſtiania, 10. Juli. (Hotelbrand.) Während
eines außerordentlich heftigen Gewitters, das in der ver=
gangenen
Nacht über Kriſtiania und Umgegend nieder=
ging
, ſchlug der Blitz in das bekannte Touriſtenhotel auf
Halmenkollen. Das Hotel brannte nieder, Perſonen
kamen nicht zu Schaden.
Helſingör, 10. Juli. (Ein Automobil vom
Zug überfahren.) Der Schnellzug, der um 10 Uhr
abends von Kopenhagen abfährt, überfuhr in der Nähe
von Helſingör ein mit vier Perſonen beſetztes Automobil.
Bankdirektor Behrens aus Helſingör und ein Kind
wurden getötet, die beiden anderen Perſonen ſchwer
verletzt.

Gerichtszeitung.

Zur Verurteilung Hanſis.
* Berlin, 10. Juli. Zu der Urteilsbegründung in
dem geſtern vor dem Leipziger Strafſenat zu Ende geführ=
ten
Prozeß gegen den Zeichner Waltz alias Hanſi ſagt
die Poſt: Streng, aber gerecht! In der Täglichen Rund=
ſchau
wird ausgeführt, daß man in Deutſchland nichts
über den jetzt Verurteilten ſagen würde, wenn er das,
was er getan habe, als Franzoſe in Paris geſchrieben
habe. Unerträglich werde es jedoch, wenn man ſich in
dem eigenen Lande ſolches bieten laſſen müſſe. Das Ber=
liner
Tagblatt ſchreibt: Auch wer dem neuen Kurs in El=
ſaß
=Lothringen ſkeptiſch gegenüberſteht, wird gegen das
Urteil in ſeiner Begründung kaum etwas einzuwenden
haben. Wer mit dem Feuer ſpielt, darf ſich nicht beklagen,
wenn ihm gelegentlich einmal etwas derb auf die Finger
geklopft wird. Daß das Reichsgericht den wildgeworde=
nen
Karikaturenzeichner als Hochverräter nicht ernſt ge=
nommen
hat, darüber braucht man kein Wort zu verlieren.
* Paris, 10. Juli. Der Figaro ſchreibt zu der
Verurteilung des Karikaturiſten Waltz: Das Urteil des
Leipziger Reichsgerichts iſt eine Herausforderung
und ein Racheakt (!), und wir beklagen den naiven,
trefflichen Hanſi, aber im Intereſſe des Anſehens Frank=
reichs
brauchen wir das Urteil wahrlich nicht zu be=
dauern
.
Der Einjährige als Fremdenlegionär.
Trier, 9. Juli. Die Leiden eines Deutſchen bei
der Fremdenlegion förderte die Verhandlung vor dem
Kriegsgericht der 16. Diviſion zutage, vor dem ſich der
Einjährig=Freiwillige Müller unter der Anklage der
Fahnenflucht zu verantworten hatte. Der Angeklagte, der
als Einjähriger bei dem Infanterie=Regiment Nr. 167
geſtanden hatte, glaubte ſich dem Dienſt im deutſchen
Heere nicht mehr gewachſen und verließ Mitte Januar
vorigen Jahres ſeinen Truppenteil. Er floh zunächſt nach
Luxemburg und ging dann über die franzöſiſche Grenze,
wo er ſich wegen ſeiner Mittelloſigkeit zur Fremdenlegion
anwerben ließ. Er wurde nach Algier gebracht und in
das 2. Chaſſeur=Regiment in Saida eingereiht und erfuhr
eine ſo rückſichtsloſe Behandlung, daß er ſchon nach kurzer
Zeit entfloh. Er wurde jedoch bald wieder feſtgenommen
und zu 60 Tagen Gefängnis verurteilt, welche Strafe er
auch verbüßte. Er wurde darauf nach einem Regiment in
Tonkin verſetzt. Auf der Ueberfahrt nach dort gelang es
ihm im Hafen von Singapore, durch einen Sprung über
Bord zu entfliehen. Er verbarg ſich vor den Blicken ſei=
ner
Verfolger, die ſofort auf mehreren Booten hinter ihm
her waren, zwiſchen den zahlreichen im Hafen liegenden
Kähnen und erreichte ſchließlich ſchwimmend das Land,
wo er deutſche Landsleute traf, die ihn zur Rückreiſe
ausrüſteten. Genau ein Jahr nach ſeiner Flucht hatte er
wieder deutſchen Boden unter den Füßen und ſtellte ſich
ſofort den Militärbehörden. Da ſich bei dem Angeklagten
ſchon beim Eintritt in das Militär geiſtige Defekte gezeigt
hatten, wurde er jetzt unterſucht, und das Gericht kam nach
dem Gutachten der Aerzte zu der Ueberzeugung, daß der
Angeklagte die Fahnenflucht in einem Zuſtande krank=
hafter
Störung der Geiſtestätigkeit ergriffen habe, und
gelangte daher zu ſeiner Freiſprechung.
* Berlin, 10. Juli. Der Prozeß gegen den
Vizefeldwebel Pohl, der kürzlich wegen Landes=
verrats
, den er in ſeiner Eigenſchaft als Schreiber der
Ingenieurinſpektion begangen hatte, verhaftet worden
war, wird am 14. Juli vor dem Kriegsgericht der Kom=
mandantur
Berlin beginnen.
* Dortmund, 10. Juli. Die Kinder des Ban=
kiers
Ohm haben bekanntlich gegen die Konkursmaſſe
die Klage auf Zahlung von etwa 100000 Mark be=
vorrechtigter
Forderung erhoben. Es ſchweben
dieſerhalb mehrere Prozeſſe. Der Pfleger der Kinder und
die Verwaltung des Ohmſchen Konkurſes haben, um dieſe
Prozeſſe aus der Welt zu ſchaffen, einen Vergleichsvor=
ſchlag
gemacht, wonach alle ſchwebenden Prozeſſe zurück=
gezogen
werden ſollen, wenn den Kindern die Summe von
45000 Mark aus der Maſſe gezahlt wird. In dem heute
mittag am hieſigen Amtsgericht anſtehenden Termin kam
der Vergleich zuſtande unter der Bedingung, daß der große
Gläubigerausſchuß des Konkurſes der Niederdeutſchen
Bank, die die Hauptgläubigerin Ohms iſt, bis zum 1. Ok=
tober
ſeine Zuſtimmung zu dem Vergleich erteilt.
* Bielefeld, 10. Juli. Der Werkmeiſter Fritz
aus Bergkirchen, der angeklagt war, ſeine Ehefrau in der
Nacht zum 14. Juli 1913 durch Strychnin getötet zu haben,
wurde heute nacht von den Geſchworenen des Mordes

ſchuldig geſprochen und vom Gericht zum Tode ver=
urteilt
.

Luftfahrt.

Linnekogels Höhenweltflug.
* Berlin, 9. Juli. Von der Höhenfahrt gab Linne=
kogel
folgende Schilderung: Nachdem der von mir am
31. März dieſes Jahres mit 6300 Meter Höhe aufgeſtellte
Höhenrekord nicht die Anerkennung durch den Deutſchen
Luftfahrerverband gefunden hatte, nahm ich mir vor, bei
der nächſten Gelegenheit den Flug nochmals zu verſuchen.
Am Sonntag ſchien mir die Witterung günſtig; ich machte
mein Flugzeug bereit und ſtieg in kurzer Zeit bis auf
5900 Meter Höhe. Ich wurde jedoch durch die in dieſer
Höhe herrſchenden Regen= und Hagelſchauern gezwungen,
mein Vorhaben aufzugeben, und mußte zu meinem Leid=
weſen
wieder zur Landung ſchreiten. Da ſich nun geſtern
die Hitze legte, traf ich Vorſorge, um heute früh abermals
den Rekord angreifen zu können. Um 3 Uhr 15 Minuten
ſchritt ich zur Abfahrt, und nach etwa 8 Meter Anlauf ver=
ließ
mein braver Eindecker den Boden, und nun ging es
wie in einem Fahrſtuhl in die Höhe. Nach etwa 1 Kilo=
meter
Flug hatte ich ſchon eine Höhe von 400 Meter er=
reicht
, und in 3 Minuten ſchwebte ich in 1000 Meter Höhe
über dem Feld. Unaufhörlich ging es höher und höher,
und in 18 Minuten erreichte ich 4000 Meter. Der Himmel,
der anfangs leicht bewölkt war, verfinſterte ſich mehr und
mehr, und es ſetzte ein böiger Wind ein, der mein Flug=
zeug
hin und her warf. Ich ſetzte jedoch meinen Flug
unbeirrt fort, während mein Görz=Barograph die Kurven
immer höher und höher einzeichnete. Von 5000 Meter
Höhe an nahm ich Sauerſtoff zu mir, doch hatte ich leider
zuviel mitgenommen; ich hatte vier Liter an Bord, und
ſo wurde mir bald übel, und ich war gezwungen, den Ab=
ſtieg
zu bewerkſtelligen. In den höheren Luftſchichten war
es nicht ſehr kalt, höchſtens 8 bis 10 Grad Minus. Als
mein Barograph 6600 Meter anzeigte, gab ich, trotzdem
mein Benz gut durchzog, Tiefenſteuer, und in raſender
Fahrt ging es nun dem Boden zu. Für den ganzen Flug
hatte ich 2½ Stunden gebraucht. Da mein Benzin bis
auf den letzten Tropfen verbraucht war, konnte ich nicht
mehr den Flugplatz Johannisthal erreichen, und ſo ent=
ſchloß
ich mich, auf dem Tempelhofer Felde zu landen. In
nächſter Zeit werde ich weniger Sauerſtoff mitnehmen und
dann verſuchen, den ſiebten Kilometer in der Höhe zu er=
reichen
. Mit dieſem Fluge hat Linnekogel den von der
Nationalflugſpende ausgeſetzten Preis von 10000 Mark
für die Ueberbietung des Höhenweltrekords, der bisher in
franzöſiſchem Beſitz war, gewonnen. Die Leiſtung wird
diesmal anerkannt werden, da nach den Unterſuchungen
der Verſuchsanſtalt in Adlershof der Barograph einwand=
frei
gearbeitet hat. Die Maſchine, die Linnekogel zu dem
Rekordfluge benutzte, iſt ein Rumpler=Militär=Eindecker
neueſter Bauart, der gegen die frühern Typen nur inſofern
abweicht, als die Tragflächenprofile beſonders für ſchnelle
Steigfähigkeit, große Schnelligkeit und wenig Stirnwider=
ſtand
gebaut ſind. Die Spannweite iſt 13 Meter, die
Länge des Flugzeuges 8,9 Meter. Das Gewicht des Ein=
deckers
, der mit einem 100 PK. Benz=Motor ausgerüſtet
iſt, beträgt 5800 Kilogramm.

Abermals ein franzöſiſches Flugzeug auf deutſchem Boden.
* Gottesthal, (Kreis Dammerkirch), 10. Juli. Am
8. Juli, abends 7 Uhr, wurde hier ein Flugzeug be=
merkt
, das aus Frankreich über Schaffnot am
Weiher kommend, ſeinen Flug über die hieſige Ortſchaft
und Brückenweiler ausdehnte und nach zirka 10 Minuten
wieder über die Grenze zurückflog.

* Freiburg i. Br., 10. Juli. Heute früh ſtürzte
ein Metzer Flugzeug bald nach dem Abflug in
Darmſtadt ab. Der Aeroplan überſchlug ſich bei der
Landung. Der Führer Leutnant Wülf blieb unver=
letzt
. Major Siegert erlitt eine leichte Knie= Kontu=
ſion
. Er flog ſofort mit einem anderen Apparat nach
Freiburg weiter.
* Danzig, 10. Juli. Ein Flugzeuggeſchwa=
der
von neun Doppeldeckern, unter der Führung
von Hauptmann Schmoeger, von Graudenz kommend, lan=
dete
heute vormittag ¾8 Uhr in ganz kurzen Zwiſchen=
räumen
glatt vor der Flugzeughalle des Prinzen Friedrich
Sigismund in Danzig=Langfuhr und beabſichtigt, heute
nachmittag nach Graudenz zurückzukehren.
* Gatſchina, 10. Juli. Auf dem hieſigen Flugplatz
ſind bei einem Zuſammenſtoß zweier Militär=
flugzeuge
mit den Leutnant Nagornow und Schen=
ſchina
beide Maſchinen abgeſtürzt. Leutnant Schenſchina
war auf der Stelle tot, während Leutnant Nagornow
ſchwer verletzt wurde.

Turnen, Spiele und Sport.

sr. Pferdeſport. Rambouillet 10. Jnli. Prix du
Petit=Gril. 2000 Francs. 1. Cte. Daugers Coulonces
(Rovella), 2. Majeſta, 3. Joyeux Drille. 15:10; 11,12110.
Prix de la Boiſſiére. 2000 Francs. 1. Lepetits Valet de
Trèfle (O'Neill), 2. Mio, 3. Lord William II. 18.10.
Prix de la Soc. d’Encouragement. 3000 Francs. 1. Hen=
riquets
Snow Storm (O'Neill)), 2. Ulrique, 3. Chalan=
dray
. 20:10. Prix de Bonelles. 4000 Francs. 1. Thor=
nes
En Donne (G. Stern), 2. Smiling Coon, 3. Lou=
vois
III. 24:10; 13, 17, 19110. Prix de la Soc. Spor=
tive
. 4000 Francs. 1. Balſans Salorge (Mac Gee),
2. Kiosque, 3. Waldorf. 15:10. Steeplechaſe Militaire.
1. Templiers Vauvert (Beſ.), 2. Trompeur, 3. Liſette II.
27310; 15, 21110.

Aus der Arbeiterbewegung.

* Kottbus, 10. Juli. Nachdem am 1. Juli ein
erheblicher Teil der in Forſt in den Walkereibetrie=
ben
beſchäftigten Geſellen und Walkereiarbeiter wegen
Nichterfüllung ihrer Forderung auf allgemeine erhebliche
Lohnerhöhung, Gleichſtellung der Löhne und Feſtſetzung
von Mindeſtlöhnen in den Ausſtand getreten war,
hat der Arbeitgeberverband der Tuchinduſtrie
der Städte Forſt, Kottbus, Spremberg, Guben, Lucken=
walde
, Sommerfeld und Finſterwalde in ſeiner geſtern
abgehaltenen Sitzung beſchloſſen, Samstag, den 11. Juli,
ihren ſämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen für Sams=
tag
, den 18. Juli, zu kündigen bezw. bekannt zu
geben, daß die Betriebe am Samstag, den 18. Juli,
abends, bis auf weiteres geſchloſſen werden,
falls nicht bis dahin die im Streik befindlichen Walkerei=
arbeiter
und Geſellen ſofort in ſämtlichen Betrieben die
Arbeit zu den bisherigen Bedingungen wieder aufge=
nommen
haben. Die bei den Beratungen anweſenden
Vertreter des Arbeitgeberverbandes der deutſchen Texil=
induſtrie
und der Vereinigung des deutſchen Arbeitgebor=

verbandes Berlin ſicherten dem Lauſitzer Verband vollen
organiſatoriſchen und finanziellen Schutz in dem
ihm aufgezwungenen Kampf zu.

Reichstagserſatzwahl.

* Koburg, 10. Juli, 10 Uhr abends. Bei der heute
erfolgten Reichstagserſatzwahl im Wahlkreiſe
Sachſen=Koburg=Gotha 1 wurden bis jetzt ge=
zählt
für Stoll (natlib.) 3255 Stimmen, für Arnold
(Fortſchr. Vpt.) 5590 Stimmen und für Hofmann
(Soz.) 5390 Stimmen. Die Ergebniſſe aus 13 Orten
ſtehen noch aus. Die Stichwahl zwiſchen Arnold
(Fortſchr. Vpt.) und Hofmann (Soz.) erſcheint als ge=
ſichert
.
Die Erſatzwahl wurde durch die Ernennung des bis=
herigen
nationalliberalen Vertreters, des Regierungsrats
Dr. Quarck, zum Chef der koburgiſchen Miniſterialabtei=
lung
notwendig. Bei den allgemeinen Wahlen 1912 er=
hielten
der Sozialiſt 6199 Stimmen, der Nationalliberale
4740 und der fortſchrittliche Bewerber 3540 Stimmen. In
der Stichwahl ſiegte der Nationalliberale Dr. Quarck
durch fortſchrittliche Unterſtützung mit 7960 Stimmen
gegen 6988, die auf den Sozialiſten Zietſch entfielen, der
1909 das Mandat in einer Erſatzwahl erobert hatte.

Aus den franzöſiſchen Parlamenten.

* Paris, 10. Juli. Die Kammer beriet in ihrer
heutigen Vor= und Nachmittagsſitzung das Finanzge=
ſetz
. Berichterſtatter Clementel antwortete auf meh=
rere
Bemerkungen, namentlich von den Bänken der Sozia=
liſten
, über die Notwendigkeit, das Budget zu balancieren,
und erklärte, daß die Budgetkommiſſion 200 Millionen
kurzfriſtige Obligationen vorſchlage. Er erſuchte
die Kammer, der Einverleibung der Einkommenſteuer in
das Finanzgeſetz zuzuſtimmen, wie es auch der Senat ge=
tan
habe.
Finanzminiſter Noulens ſtellte feſt, daß die Ver=
mehrung
der Ausgaben, die beſonders durch die neuerliche
Notwendigkeit der nationalen Verteidigung verurſacht
wurde, eine Notwendigkeit, die in der Kammer dargelegt
und gebilligt worden ſei. (Beifall.) Der Miniſter be=
glückwünſchte
ſich darauf zu dem Erfolg der
Anleihe. In keinem Lande, ſagte er, würde man mit
derſelben Leichtigkeit 3 Milliarden aufgebracht haben. Er
legte ausführlich dar, daß der Staatsſchatz durch die Ver=
zögerung
des Ausſchreibens der Anleihe nichts verloren
hat. Er gab zu, daß zu Beginn des Jahres 1915 um 600
Millionen Franken zu wenig Kredite vorhanden ſein wür=
den
, doch rechne er darauf, 400 Millionen Franken aus den
neuen Steuern zu gewinnen. Ueberdies würde die vom
Senat genehmigte Einkommenſteuer, ſelbſt wenn ſie an=
fangs
nur 60 Millionen brächte, immerhin ſchätzbar ſein.
Dies würde für uns ein genügend biegſames Inſtrument
ſein, um einen Teil der uns fehlenden 200 Millionen zu
beſchaffen. (Bewegung auf der Rechten.) Noulens ſagte,
daß die Steuern freilich nicht ohne das Kontrollrecht der
Verwaltung gewonnen werden. Der Miniſter erklärte
weiter, daß er, um einen Teil der 400 Millionen Steuern
zu erhalten, an eine Steuer auf das Kapital denken werde.
Die Regierung habe die Abſicht, beſtimmte Vorſchläge be=
züglich
eines Alkoholmonopol zu machen. Entſchei=
dende
Erklärungen über das Alkoholmonopol könnte er
nicht geben. Der Miniſter ſchloß mit dem Verſprechen,
den Budgetentwurf für 1915 noch vor der Vertaguna der
Kammer vorzulegen. (Beifall.)
* Paris, 10. Juli. Die Finanzkommiſſion
des Senats traf eine bedeutungsvolle Entſcheidung.
Mit 13 gegen eine Stimme lehnte ſie abermals trotz des
Einſpruchs des Miniſters Thomſon die für den Woh=
nungsgeldzuſchuß
der unteren Poſtbeam=
ten
erforderlichen Kredite ab. Die erſte Ablehnung dieſer
Kredite durch die Kommiſſion und den Senat führte zu der
jüngſten Arbeitseinſtellung bei dem Pariſer Hauptpoſtamt.
* Paris, 10. Juli. Die Juſtizreformkom=
miſſion
hörte heute nachmittag die Ausführungen des
Miniſterpräſidenten Viviani und des Juſtizminiſters
Bienvenu=Martin über den von den geeinigten So=
zialiſten
eingebrachten Amneſtiegeſetzentwurf. Vi=
viani
erklärte, daß er den Entwurf annähme, jedoch die we=
gen
antimilitariſtiſcher Propaganda Verurteilten, ferner die
wegen anarchiſtiſcher Umtriebe und Sabotage Verurteilten
ausnähme. Was die Deſerteure beträfe, ſo könne er eine
Amneſtie nur für diejenigen billigen, die innerhalb ſechs
Monaten nach der erfolgten Fahnenflucht zu ihrem Korps
zurückkehrten. Hinſichtlich der wegen der Meuterei anläß=
lich
der Genehmigung des Dreijahrgeſetzes verurteilten
Soldaten, erklärte Viviani, daß für dieſen Fall nur neun
in Frage kämen; drei würden vollſtändig begnadigt, bei
den fünf anderen werde die Strafe umgewandelt. Nur
einer, der ſich ſeit ſeiner Verurteilung ſchlecht geführt habe,
werde auf keine Milde zu rechnen haben.

Engliſches Unterhaus.

* London, 10. Juli. Im Unterhaus wurde
die Beratung des Budgets des Miniſteriums
des Aeußern fortgeſetzt. Der Unioniſt George
Lloyd nahm auf die jüngſten engliſch=deutſchen
Schiffahrts= und Eiſenbahnabkommen im
Orient Bezug und ſagte, England hätte keine weſentlichen
wirtſchaftlichen Vorteile erlangt. Der Liberale Pon=
ſonby
ſprach des längeren über die Wirkung der aus=
wärtigen
Politik auf die Rüſtungen und ſagte, der Flot=
tenbeſuch
in Kiel habe die Beſſerung der deutſch=
engliſchen
Beziehungen zum Ausdruck gebracht; aber er
müſſe fragen, warum die Beſſerung keinen Einfluß auf
die Rüſtungen habe, die weiter im Steigen ſeien. Chur=
chill
habe nur gelegentlich einer Anſprache in einer Partei=
verſammlung
in den Provinzen den phantaſtiſchen Vor=
ſchlag
eines Flottenfeiertages gemacht. England
könne nicht erwarten, daß Deutſchland unter dieſen Um=
ſtänden
darauf reagiere. Es ſei gewiß ein ſehr lang=
wieriger
und heikler Prozeß, die europäiſchen Regierun=
gen
dazu zu zwingen, ſich gemeinſam mit dieſer Frage zu
beſchäftigen, aber er glaube, daß ein Weg gefunden wer=
den
könnte, die unerträgliche Laſt, welche die Völker der
Welt ſchwer niederdrücke, zu erleichtern. Er appelliere
daher an Sir Edward Grey, daß dieſer ſeinen großen Ein=
fluß
aufbiete, um eine Löſung des Problems zu verſuchen,
das gewiß voll Schwierigkeiten ſei, das aber niemand
von der Regierung für unlösbar halten dürfe.
In der Beantwortung der verſchiedenen im Laufe
der Debatte aufgeworfenen Fragen beſchäftigte ſich Sir
Edward Grey zuerſt mit der Klage George Lloyds,
daß das Auswärtige Amt verſäumt habe, die Handels=
konzeſſionen
zu ſichern. Grey ſagte, Lloyd habe ihn

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

gefragt, welche Lorbeeren er auf der Stirn habe. Hin=
ſichtlich
der Konzeſſionen wolle er lieber, daß England
Konzeſſionen erlange durch den guten Willen des betreffen=
den
Landes als durch diplomatiſchen Druck. Wenn er
ſolche Lorbeeren hätte, würde er ſie lieber nicht tragen
ſondern in die Taſche ſtecken. Grey wies darauf hinz
daß Lloyd ſich ſelbſt auf die Eiſenbahnen
beſchränkt habe und daß die Eiſenbahnkonzeſſionen
in Kleinaſien ſchon vor Jahren genau eingeteilt worden
ſeien. Er erwähnte ſodann die Berieſelungs= und Arſe=
nalkonzeſſion
in der Türkei, die nicht unter dem Drucke
der Diplomatie gegeben worden ſei. Man dürfe nicht nur
Eiſenbahnkonzeſſionen ins Auge faſſen, es gäbe noch ge=
wiſſe
andere Konzeſſionen in Kleinaſien, welche, wie er
hoffe, heranreifen würden. Er denke, daß im Hinblick
auf ſie die britiſche Induſtrie ſehr gut abſchneiden werde.
Bezüglich der Schiffahrt auf dem Euphrat
und Tigris erklärte Grey, er ſei der Meinung, daß
die Lage Englands unter dem neuen Abkommen nicht
nur im weſentlichen beſſer ſein werde, ſondern daß ſie auch
in Zukunft ſicherer ſein werde denn je. Auf Klagen, daß
die Mohammerah=Kharamabad=Eiſenbahn
keine Fortſchritte mache, ſagte er, die Option ſtehe England
noch weiter zu. doch machten die Unruhen in der betreffen=
den
Gegend die Beendigung der Verwaltungsarbeiten
unmöglich. Er begünſtige dieſe Konzeſſionen, doch ſei er
nicht dafür, eine Truppenmacht zu entſenden, um die Be=
endigung
der Vermeſſungsarbeiten zu ermöglichen. Was
die Petroleumkonzeſſionen in Perſien anbelange, ſo er=
warte
er nicht, daß ſie zu einem Eingriff Englands in
die neutrale Zone führen würden. Allerdings würden
ſie von der ruſſiſchen Preſſe in ungünſtigem Sinne be=
ſprochen
. Ein Teil der britiſchen Preſſe und einige Red=
ner
nähmen an, daß England dazu gebracht werden
würde, Dinge zu tun, die es niemals beabſichtigt habe
und er ſei nicht überraſcht, daß die ruſſiſche Preſſe dieſen
Gegenſtand aufgegriffen habe.

Die albaniſche Kriſis.

* Wien, 9. Juli. Die Neue Freie Preſſe meldet
aus Durazzo: Die Regierung fordert in einem Aufruf
alle Bürger auf, die ihnen nach der Schlacht vom 17. Juni
zur Verteidigung der Stadt übergebenen Waffen wieder
abzuliefern.
* Durazzo, 10. Juli. Die Epiroten nebſt grie=
chiſchen
Truppen haben alle Gebiete, welche auf Grund
der Londoner Abmachungen geräumt waren, bis auf vier
Dörfer wieder beſetzt und auch dieſe werden die albani=
ſchen
Streitkräfte wegen der Ausſichtsloſigkeit der Ver=
teidigung
räumen. Die Bevölkerung flüchtet nordwärts
* Durazzo, 10. Juli. Die Lage iſt unver=
ändert
. In den feindlichen Stellungen wurde in der
vergangenen Nacht eine lebhafte Bewegung beobachtet.
Die albaniſche Regierung hat den Vertrag mit der
Schiffahrtsgeſellſchaft Dalmatia betreffend den Dampfer
Herzegowina verlängert.

Zum Fürſtenmord in Serajewo.

Die Schamloſigkeit der Serbenpreſſe.
* Wien, 9. Juli. Die Wiener Allgemeine Zeitung
erklärt, daß trotz der im Auftrage des Miniſterpräſidenten
Paſitſch erfolgten Einflußnahme des Chefs des Serbiſchen
Preſſebureaus auf die führenden Journaliſten in der ſer=
biſchen
Hauptſtadt die neueſten ſerbiſchen Preſſekundge=
ungen
noch heftiger, hetzeriſcher und ſchamloſer ſeien, als
jene der letzten Tage. Man iſt darum genötigt, ſchreibt
das Blatt, als ſicher anzunehmen, daß Paſitſch keine Mittel
zur Verfügung ſtehen, um die auch nach ſeiner Ueberzeu=
gung
den Intereſſen Serbiens und dem ſerbiſchen Rufe ſo
ſehr widerſprechenden Exzeſſe der Belgrader Preſſe ein=
zudämmen
. Daraus ergeben ſich zwei wichtige Folger=
ungen
: nämlich, daß die ſerbiſchen Publiziſten überzeugt
ſind, ihrem Leſepublikum zu Gefallen zu ſchreiben, und
daß die faſt allgemein erhobene Anklage, welche von vorn=
herein
den Urſprung der Serajewoer Bluttaten auf ſer=
biſchem
Boden ſuchte, nachträglich durch die Haltung der
ſerbiſchen Preſſe und der von ihr mit leider nur zu ge=
nauer
Treue zum Ausdruck gebrachten öffentlichen Mei=
nung
des ſerbiſchen Königreiches vollauf gerechtfertigt
wird. Die Hoffnung, daß der Eindruck der zur europäiſchen
Kenntnis gebrachten ſerbiſchen Hetzartikel die ſerbiſche Re=
gierung
zu einer beruhigenden Aktion veranlaſſen werde,
erfüllte ſich zwar, aber die Erwartung, daß die Aktion er=
folgreich
ſein werde, muß angeſichts der Tatſachen der
bitterſten Enttäuſchung Platz machen.
Das europäiſche Gewiſſen.
* Wien, 10. Juli. Die Neue Freie Preſſe betont in
ihrem Leitartikel: Der Mord von Serajewo weckte nicht
bloß bei den Völkern, ſondern auch bei den Regierungen
das allzu lange zum Schweigen gebracht und vermißte
europäiſche Gewiſſen. Es könne wohl ohne Ueber=
treibung
geſagt werden, daß die Kulturmächte in dieſem
Augenblicke zur Monarchie ſtänden und daß außerhalb
Serbiens überall das ſchärfſte Urteil der Zivi=
liſation
über die Verherrlichung des Mor=
des
und die Beſchönigung der Beweggründe ausgeſpro=
chen
werde. Die moraliſche Vereinſamung des Groß=
ſerbentums
werde offenkundig. Das ganze deutſche
Volk ſtehe auf Seiten Oeſterreich=Ungarns. Das Groß=
ſerbentum
werde im Deutſchen Reiche als ein Schädling
des europäiſchen Friedens gebrandmarkt. Noch in jeder
Kriſe ſtreckte ſich der Monarchie die Bruderhand entgegen
und ſo zeige ſich wieder das Bewußtſein von Gegenſeitig=
keit
und ſofortigen Zuſammenſchluſſes. Das Blatt hat
auch ernſte Gründe zu glauben, daß das verbündete Ita=
lien
die Geſinnung des Deutſchen Reiches teile. Deshalb
werde Italien, vereint mit dem Deutſchen Reiche, das
Aeußerſte verſuchen, Serbien zu bewegen, daß es ſich von
dem Großſerbentum loßreiße und endlich dem Nachbar,
der das Land während des Balkankrieges ſchonte, die
Treue halte. England werde mit Recht ſeinen großen
Einfluß benutzen, um Serbien zur Beſinnung zu bringen
und die europäiſche Verfehmung des Großſerbentums zu
bewirken.
Das Unterſuchungs=Ergebnis.
* Wien, 10. Juli. Es wird gemeldet, das Ergebnis
der Unterſuchung des Attentats ſolle ſofort nach dem
Abſchluß der Oeffentlichkeit übergeben
werden. Ein Teil des Beweismaterials ſolle zur Kennt=
nis
der ſerbiſchen Regierung gebracht werden mit dem Er=
ſuchen
, die Unterſuchung zur Ermittelung und Beſtrafung
der Schuldigen einzuleiten und dafür Sorge zu tragen,
daß zukünftig die großſerbiſche Bewegung in Bosnien
nicht durch Agitation aus Serbien genährt werde. Die
nötigen Schritte des öſterreichiſch=ungariſchen Geſandten in
Belgrad erfolgen noch in dieſer Woche, und es ſei zu er=
warten
, daß, wenn Serbien offiziell jede Gemeinſamkeit
mit der bochverräteriſchen Agitation in Bosnien ablehne,

auch denjenigen Serben ein Licht aufgehen werde, die ſich
bis jetzt durch die Zweideutigkeit der ſerbiſchen Politik
irreführen ließen. Ob ſich die öſterreichiſch=ungariſche Re=
gierung
mit der Durchführung der Beſchlüſſe zufrieden
geben könne, ob das Uebereinkommen, das die gemeinſame
Miniſterkonferenz getroffen, auch alle Maßnahmen er=
ſchöpfe
, die durch das Verbrechen nötig gemacht ſeien,
dürfte von der Antwort abhängen, die die Monarchie aus
Belgrad erhält.
* Wien, 10. Juli. Wie das Korreſpondenzbureau
erfährt, entbehren die Meldungen über den Verlauf
der Audienz des Miniſters des Aeußeren
beim Kaiſer jeder authentiſchen Grundlage.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

* Nogoles in Sonora (Mexiko), 10. Juli. Die
Bundestruppen ſind dabei, Guaymas, den
Seehafen von Sonora, zu räumen.
* Saltillo, 10. Juli. General Obregon mel=
dete
Carranza über die Einnahme Guadalajaras
noch, daß die Bundestruppen vollſtändig geſchlagen und er
Herr der Stadt ſei. Es ſeien 5000 Gefangene gemacht
worden und viel Munitionsvorräte erbeutet worden. Der
entſcheidende Kampf fand am 7. Juli ſtatt.
* Waſhington, 10. Juli. Villa ſprach ſich
gegen zwangloſe Beſprechungen mit Vertretern Huer=
tas
aus, ebenſo die Generale Gonzales und
Obregon. Obregon und Carranza ſtehen in beſtem
Einvernehmen, da die Meinungsverſchiedenheiten zwi=
ſchen
Villa und Carranza beigelegt ſind man glaubt,
daß der Feldzug gegen die Hauptſtadt beginnt, ſobald
genug Munition vorhanden iſt.

Vermiſchtes.

* Der Kampf mit dem Staub. Die verſchie=
denen
Arbeiten hervorragender Gelehrter auf hygieniſchem
Gebiete haben die Mikroben, dieſe kleinſten, aber gefähr=
lichſten
Feinde des Menſchen, aus allen nur möglichen
Schlupfwinkeln aufgeſtöbert und die Lebensgewohnheiten
dieſer Störenfriede aufgedeckt. So hat u. a. Profeſſor
Kraus in Wien durch eingehende Unterſuchungen feſtge=
ſtellt
, daß der infizierte Wohnungsſtaub der gefährlichſte
Krankheitserreger genannt werden muß. Die Hausfrau,
die täglich gegen dieſen Staub ankämpft, erfüllt damit eine
weit wichtigere Aufgabe, als man gemeinhin anzunehmen
geneigt iſt. Es fragt ſich nur, ob die Methode, nach der
in den meiſten Haushaltungen vorgegangen wird, auch
zweckentſprechend iſt. Dem kann man indeſſen nicht zu=
ſtimmen
Das Staubwiſchen, wie es heute noch geübt
wird, mit Wiſchtuch und Beſen, widerſpricht den For=
derungen
der Hygiene geradezu. Der trockene Staub wird
dabei zum größten Teil nur emporgewirbelt, aber nicht
entfernt, was doch gerade die Hauptſache iſt. Viele prak=
tiſche
Verſuche haben nun gezeigt, daß das Abſaugen des
Staubes in einen geſchloſſenen Behälter hinein dieſe For=
derung
erfüllt. Der Apparat, der dieſe Tätigkeit beſorgt,
iſt der Staubſauger. Der ebenſo ſinnreiche wie einfache
Apparat wird durch einen kleinen im Innern eingebauten
Elektromotor in Tätigkeit geſetzt, und man iſt imſtande,
unter Verwendung verſchieden geformter Sauganſätze
jedes Möbelſtück, Teppiche, Polſter, Wände, Büchergeſtelle,
Decken uſw. vollſtändig zu entſtauben. Die Gebrauchs=
anweiſung
beſteht aus einer einzigen Vorſchrift: An=
ſchließen
mittels Stecker an einen Wandkontakt und Ein=
ſchalten
. In kürzeſter Friſt iſt jedes Zimmer gründlich
gereinigt, ohne daß man auch nur ein Stück von ſeinem
Ort rücken müßte. Wie alles Schöne und Gute in gleichem
Sinne fortwirkt, ſo auch der Staubſauger. Es iſt nämlich
als Folge der täglichen intenſiven Entſtaubung der Zim=
mer
das vielgefürchtete Großreinemachen der Schrecken
der Ehemänner und das Geſpenſt der Hageſtolze, von der
Bildfläche entſchwunden, weil vollſtändig überflüſſig.

Literariſches.

Bismarck und wir betitelt ſich eine kleine
Schrift, die einer zufälligen Veranlaſſung ihre Entſtehung
verdankt. Sie gibt eine Rede wieder, die am 1. April d. J.
auf dem Bismarckkommers der deutſchen Vereine Poſens
von dem Geſchichtsprofeſſor Buchholz dort gehalten wurde,
und ſie verdient, von jedem Vaterlandsfreund geleſen zu
werden. Der Verfaſſer beſchränkt ſeine Betrachtungen auf
drei Gebiete unſeres öffentlichen Lebens und mißt ihre
Erſcheinungen jeweils an einem Worte Bismarcks. Er
warnt zunächſt vor dem Streben gewiſſer Kreiſe nach
parlamentariſchen Regierungsformen und fordert die lei=
tenden
Männer zum Widerſtande dagegen auf. Die Re=
gierung
möge nicht das Treibholz ſein, das auf den eige=
nen
Gewäſſern von jedem Winde planlos umhergetrieben
wird. Alsdann tritt er dem Anſturm gegen das Heer
entgegen, der im vorigen Jahre im Falle Zabern gegen
dasſelbe einſetzte und der heute noch nicht ganz zur Ruhe
gekommen iſt. Dem Gebiete der äußeren Politik wendet
ſich der Verfaſſer zuletzt zu. Die Schrift iſt bereits in der
2. Auflage in der Dieterichſchen Verlagsbuchhandlung zu
Leipzig erſchienen und kann auch zum Selbſtkoſtenpreis
(30 Pfg.) durch Vermittelung der Darmſtädter Ortsgruppe
des Alldeutſchen Verbandes bezogen werden.
Reformmodellierbogen. Herausgegeben
von Otto Robert. Verlag Otto Maier, Ravensburg
Ein vorzüglicher zeitgemäßer Gedanke ſind dieſe von
Künſtlerhand entworfenen Modellierbogen des bewähr=
ten
Ravensburger Verlags, deſſen Beſchäftigungsarbeiten
den großen Vorzug haben, ſtets Intereſſantes mit Beleh=
rendem
zu verbinden, ohne daß die Arbeit je verſtimmend
wirkt. Den in den letzten Jahren erſchienenen Künſtler=
bogen
haben ſich heuer 3 neue Hefte zugeſellt: ein Schwei=
zerdorf
mit kleinen Häuschen, Kirche und einer charak=
teriſtiſchen
landſchaftlichen Staffage aus dem Berner
Oberland, ferner eine norwegiſche Landſchaft, kleine
Häuschen, wie ſie am Meere ſtehen, den Hintergrund bil=
det
ein Fjord. Das dritte Heft zeigt ein oberitalieniſches
Dorf mit ſeinen charakteriſtiſchen maleriſchen Bauten. Wer
von den jungen Architekten ſchon einmal in einem dieſer
Länder, z. B. in der Schweiz geweſen iſt, wird ſich eher mit
Freude manches bekannte Bild hier wiederfinden und ſich
mit doppeltem Genuſſe ans Bauen machen. Dabei wird
unwillkürlich das Charakteriſtiſche dieſer Volkskunſt ein=
geprägt
, man wird ſich leichter daran gewöhnen, die Dinge
näher anzuſehen und man wird nicht mehr ganz achtlos
durch die Gegend wandern, in der Heimat wie in der
Fremde. Einen offenen Sinn ſchon in der jungen Gene=
ration
frühzeitig zu wecken, darin liegt eine der weſent=
lichſten
Aufgaben dieſer Modellierbogen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 10. Juli. Die Kommikion des Ab=
geordnetenhauſes
beendete die erſte Leſung des
Fideikommißgeſetzes. Auf eine Anfrage von Zen=
trumsſeite
erklärte der Juſtizminiſter, die Vorarbeiten für
die Vorlage, betreffend die Befeſtigung des bäuerlichen
Beſitzes, würden mit Beſchleunigung betrieben, es laſſe
ſich aber noch nicht überſehen, ob die Arbeiten bis zum
Herbſt abgeſchloſſen ſein könnten. Die zweite Leſung in
der Kommiſſion beginnt am 6. Oktober. Die Kommiſſion
für das Fiſchereigeſetz beſchloß entgegen dem Ge=
ſetzentwurf
, welcher als Stempelgebühr für Fiſchereiſcheine
drei Mark vorſieht, Stempelfreiheit. Eine an die
Kreiſe zu leiſtende Gebühr wurde abgelehnt.
* Frankfurt a. M., 10. Juli. Das Möbel= und Aus=
ſtattungsgeſchäft
von N. Fuchs, das in Heſſen=Naſſau und
der Rheinprovinz fünfzehn Filialen betreibt, hat heute
den Konkurs angemeldet. Die Paſſiven ſollen
über vier Millionen Mark betragen.
* Rudolſtadt, 10. Juli. Der Rudolſtädter Land=
tag
genehmigte den Verkauf der Kammergüter Seedorf
und Horndorf in Holſtein an die Gräfin Weſtphalen zu
Fürſtenberg für 4 425000 Mark bei einer Million Anzah=
lung
.
* Köln, 10. Juli. Die Nachricht, daß der Konſul Dr.
Schlieben wieder in gleicher Eigenſchaft nach Bel=
grad
zurückkehrt, iſt, wie der Berliner Korreſpon=
dent
der Kölniſchen Zeitung meldet, ein Irrtum. Die
Entſcheidung der zuſtandigen Behörden im Falle Schlieben
ſteht noch aus. Seine Rückkehr nach Belgrad kommt aber
nach allem, was über die mutmaßliche Entwickelung des
Falles verlautet, nicht in Frage.
* Rom, 10. Juli. Generalleutnant Graf Luigi Ca=
dorna
iſt zum Chef des Generalſtabes der Armee er=
nannt
worden.
* Belgrad, 10. Juli. Die in Paris verbreiteten Ge=
rüchte
von einem Attentat auf den König von
Serbien ſind vollſtändig unbegründet.
* Kopenhagen, 10. Juli. Bei den Landstings=
wahlen
wurden 20 Rechtsſtehende, 5 Freikonſervative,
20 Linksſtehende, 5 Radikale und 4 Sozialiſten gewählt.
Die Rechte verliert 5 Sitze. Von den 12 vom König er=
nannten
Mitgliedern ſind 9 Anhänger der Regierungs=
vorlage
betreffend die Verfaſſungsänderung, ſo daß der
neue Landsting aus 38 Anhängern und 28 Gegnern der
Vorlage beſteht. Der aufgelöſte Landsting zählte 33 An=
hänger
und 33 Gegner der Vorlage.
* Stockholm, 10. Juli. Das Marineminiſterium er=
hielt
heute nachmittag folgenden Funkenſpruch: Tap=
perheten
am Nachmittag von Grund geſchleppt, wird
nach Sandham bugſiert. Der Kreuzer Tapperheten
war am 28. Januar auf Grund gelaufen.
* Frederikſtadt, 10. Juli. In der vergangenen Nacht
wurde das Dorf Selbak von einer großen Feuersbrunſt
heimgeſucht. 60 Häuſer ſind abgebrannt, darun=
ter
eine Apotheke, das Polizeigebäude, ein Bankgebäude,
ſechs Geſchäfte und zwei Schlächtereien. Menſchen ſind
nicht umgekommen. 1000 Perſonen ſind obdach=
los
. Der Schaden wird auf eine Million Kronen geſchätzt.
Des Kaiſers Nordlandfahrt.
* Bergen, 9. Juli. Nach dem Eintreffen der Ho=
henzollern
in Odde machte der Kaiſer einen kür=
zeren
Spaziergang am Ufer des Fjords. Heute vormittag
hielt Generalleutnant von Freytag=Loringhoven abermals
einen kriegsgeſchichtlichen Vortrag. Um 12 Uhr wurde
die Fahrt nach Bergen angetreten, wo die Ankunft abends
um 7½ Uhr erfolgte und Seine Majeſtät verſchiedene Mel=
dungen
, darunter die des deutſchen Konſuls Mohr, ent=
gegennahm
. Das Wetter war morgens regneriſch und
nebelig, ſpäter etwas aufklärend.
* Bergen, 10. Juli. Der Kaiſer begab ſich heute
vormittag nach einem kurzen Spaziergang an Land an
Bord des Roſtock und nahm die Mittagstafel mit meh=
reren
Herren der Umgebung beim deutſchen Konſul Mohr.
Gegen mittag traf der Poſtkurier vom Mittwoch abend ein.
Es herrſcht warmer Sonnenſchein. An Bord iſt alles wohl.
Keſſelexploſion an Bord eines Dampfers.
* Harwich, 10. Juli. Auf dem Frachtdampfer Clac=
ton
von der Great Eaſtern Railway ereignete ſich ge=
ſtern
auf der Reiſe von Rotterdam nach Harwich eine
Keſſelexploſion. Zwei Mann wurden ſchwer
verbrüht. Der Dampfer ſetzte die Reiſe mit einem
Keſſel fort und erreichte Harwich.
Die Tätigkeit der Ulſterleute.
* Belfaſt, 10. Juli. Die erſte von Carſon einberufene
Verſammlung der proviſoriſchen Ulſter=
regierung
iſt heute zuſammengetreten. Die Verhand=
lungen
, die geheim geführt werden, werden in der Ulſter=
halle
abgehalten, die von 400 bewaffneten Freiwilligen
bewacht wird. In der Verſammlung befinden ſich der
Herzog von Abercron, der Marquis von Londonderry,
und unioniſtiſche Parlamentsmitglieder Ulſters.
* Belfaſt, 10. Juli. Die Ankunft Carſons gab
Gelegenheit zu einem allgemeinen Feiertag. Die
Angeſtellten der Schiffswerft verließen heute früh die Ar=
beit
. In den Straßen bildeten Tauſende von Menſchen
Spalier und bereiteten Carſon einen begeiſterten Empfang.
Eskortiert von vierhundert vollſtändig bewaffneten Frei=
willigen
und einer Radfahrerabteilung von 50 Mann, be=
gaben
ſich Carſon und die übrigen Unioniſtenführer in die
Verſammlung des Unioniſtenrates.
* Belfaſt, 10. Juli. Große Begeiſterung kennzeichnete
die heutigen Verhandlungen der erſten Ver=
ſammlung
der Regierung von Ulſter. Es
wurde eine Antrag angenommen, in welchem es Carſon
überlaſſen wird, zu ſagen, wenn ein entſcheidender Schritt
unternommen werden ſoll und in welchem erklärt wird, die
Freiwilligen ſeien jeden Augenblick für die Mobilmachung
bereit. Sir Carſon ſprach in ſehr ernſtem Tone. Er be=
klagte
es, daß die Haltung der Regierung ſehr unhefriedi=
gend
ſei und erklärte, für die Getreuen Ulſters ſei der
Augenblick gekommen, ihr Wort in die Tat umzuſetzen.
Ulſter habe ſich um den Frieden bemüht, werde aber keinen
Frieden mit Unterwerfung annehmen.
Rückberufung Lyauteys.
Paris, 10. Juli. Der Eclair will aus Regierungs=
kreiſen
erfahren haben, daß General Lyautey dem=
nächſt
aus Marokko zurückberufen werde.
Seit längerer Zeit hat Clemenceau in ſeinem Blatte
einen lebhaften Feldzug gegen den franzöſiſchen Ge=
neralreſidenten
in Marokko geführt. Dieſer Feldzug, der
von der radikalen Partei unterſtützt worden iſt, ſoll jetzt
ſeine Früchte getragen haben. Lyautey würde als Ent=
ſchädigung
eine Stellung im oberſten Kriegsrat erhalten.

[ ][  ][ ]

Seite 7

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

Als ſein Nachſolger würde nach berſelden Duelle keine
Militär=, ſondern eine Zivilperſon nach Marokko
entſandt werden.
Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.
* Berlin, 10. Juli. In der heutigen Vormittags=
ziehung
der Preußiſch=Süddeutſchen Klaſſen=
lotterie
fielen 50 000 Mk. auf Nr. 163 424, 10 000 Mk.
auf Nr. 197928, 5000 Mk. auf Nr. 56 899, 3000 Mk. auf
Nr. 121791 149154. In der Nachmittagsziehung wurde
kein größerer Gewinn gezogen.

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Eberhard Lempertz, zurzeit Frankfurt a. M., Hanſa,
Führer Herr Kapitän Anton Heinen, zurzeit Potsdam,
Sachſen, Führer Herr Diplom=Ingenieur Ernſt Leh=
mann
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Großmutter
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Frau Jeanne Schenck
geb. Heybrechts
nach ſchwerem Leiden ſanft entſchlafen.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Lisl Schenck.
Darmſtadt, den 10. Juli 1914.
Die Beerdigung findet im engſten Kreiſe ſtatt.

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
an dem mich betroffenen
ſchweren Verluſt ſage herzlichen Dank.
Frau Katharine Sproß Wwe.,
Roßdörferſtr. 11.
Darmſtadt, 9. Juli 1914. (15925

Dankſagung.

Für die wohltuenden Beweiſe der Teilnahme
in Wort und Tat beim Hinſcheiden meiner innigſt
geliebten Gattin, unſerer treubeſorgten Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter ſage hiermit
Allen herzlichſten Dank.
(15978
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Albert Reich, Schriftſetzer.
Darmſtadt, den 10. Juli 1914.

S

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ein geſchloſſenes Hochdruckgebiet bedeckt ganz Nord=
und Mitteleuropa, während die öſtliche Depreſſion unter
Verflachung oſtwäts abgezogen iſt. Von Weſten her
fällt der Druck, doch werden wir morgen vorwiegend
unter Hochdruckeinfluß und im Bereich öſtlicher Winde
bleiben, Gewitter können uns aber Regenfälle bringen.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, den 11. Juli:
Meiſt heiter, trocken, warm, öſtliche Winde, Gewitter=
neigung
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Tagestalender.
Samstag, 11. Juli.

Hauptverſammlung der Kreisgruppe Darmſtadt
des Flottenvereins um 6 Uhr im Kaiſerſaal
Sommernachtfeſt der Kaufm. Stenographen= Geſell=
ſchaft
Gabelsberger um 8 Uhr im Kaiſerſaal.
Nationales Sportfeſt um 3 Uhr auf dem Olym=
pia
=Sportplatz (Heidelberger Straße).
Konzerte: Platanenhain um 4½ und 8 Uhr. Lud=
wigshöhe
um 4 Uhr. Hotel Heß um 4 und ½8 Uhr.
Heſſiſcher Hof um 8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr.
Perkeo um 8 Uhr.
Ausſtellung der Freien Vereinigung Darmſtädter
Künſtler in der Kunſthalle (geöffnet von 96 Uhr).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Muar Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil: Mar Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Pauk Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für den
redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die
Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

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Anſere Strandausrüſtung.
Anſere Kinder haben es doch am beſten. Der Seeaufenthalt wird
ihnen zur beſonderen Freude und Erquickung, weil ſelbſt die geringe Be=
laſtung
der üblichen Kleidung von ihnen genommen wird. Sie tummeln
ſich entweder im Badeanzug oder in Spielhöschen, einer geſchickten Kom=
bination
von Pumphoſe und Schürze, an heißen Tagen aus Leinen, bei
kühlerer Witterung aus gewebter oder handgeſtrickter Wolle.
Allmählich kommen jedoch auch die Erwachſenen zu der Einſicht, daß
die Erholungsreiſen dazu da ſind, daß man ſich möglichſt von allen Sorgen
und Laſten freimacht und ſie zu Hauſe läßt. Dazu gehört auch das
Toilettemachen und die vernünftigen Damen richten ihre Strandtoilette ſo
ein, daß ſie bequem angezogen und nicht verpflichtet ſind, auf ihre Kleider
ſorglich acht zu geben.
Für heiße Tage trägt man einen leichten Baumwollkrepp, den man
für den Nachmittag zu Jackenkleidern verarbeitet, während am Vormittag
ein Kleid aus Rock und legerer Bluſe am Platze iſt. Die neue Moden=
richtung
kommt den einfachen Kleidern ſehr zu ſtatten. Die Matroſen=
bluſe
, das Vorrecht der Kinder und Halbwüchſigen, wird von den Er=
wachſenen
unter Ausſchaltung des Matroſenkragens übernommen. Natürlich
iſt ein Kragen in einer beliebigen runden oder eckigen Form am Platze.
Man wähle ihn aber entweder aus weißem Piquet, Organdy oder aus
dem gleichen Material des Kleides.
Ein reizendes Faſſon für einfache Strandkleider iſt die ſogenannte
Hoſenträgerform, ein drapierter bequemer Rock, von hoſenträgerartigen

Spielanzug 68 988

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Rock
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Kleld 64266
Stoffbandeaux gehalten. Jede beliebige Bluſe kann zur Ergänzung des
Anzuges zugezogen werden. Statt der gekreppten Baumwollſtoffe in uni
mit eingeſtrickten Blümchen, ſchottiſch, kariert, geſtreift oder bunt bedruckt,
iſt auch weißer Loden für praktiſche Strandkleider ſehr empfehlenswert.
Alußerordentliche Widerſtandsfähigkeit und Dauerhaftigkeit zeichnet dieſes
Gewebe aus.
Auch die beliebten Capes, die ſich natürlich für den Strand als außer=
ordentlich
praktiſch erweiſen werden, ſehen aus weißem Loden oder Flauſch=
geweben
prächtig aus. Sie ſind allen farbigen Stoffen vorzuziehen, die
an der Sonne allzuſehr ausblaſſen.
Auch Capekleider aus weißem Cotélé oder Waffelſtoffen ſind für den
Strand ſehr zu empfehlen.
Eins vor allem ſchalte man aus, das ſind ſeidene Kleider. Sie ſind
am Strande vollkommen verfehlt, ebenſo wie empfindliche hellfarbige
Chebreau= oder ſeidene Schuhe, die der Bekanntſchaft mit dem ſalzigen
Naß nicht ſtandhalten.
Das Gebiet der Strandhüte iſt ſehr eng begrenzt. Es zeugt von
ſchlechtem Geſchmack, am Strande reich garnierte Hüte zu tragen. Sehr
feſch ſehen weiche Filzheute aus oder kleine ſeidene Formen, nur wenig
gedrahtet, die man ſich entweder aus Band, Taffet oder Ducheſſeſeide ſelbſt
herſtellen kann. Man wähle die einfachſten Formen, die feſt auf dem
Kopfe ſitzen, ſo daß ſie nicht bei jedem Windſtoß in die Höhe fliegen.
Neu ſind die bunten Zipfelmützen, die aber das Vorrecht der Jugend
bleiben ſollten.
Gertie Bergen.

Beſchreibung zu unſeren Abbildungen.
64 266. Damenkleid, beſtehend aus einer Hemdbluſe mit angefügtem Stehumlege=
kragen
oder mit einem Halsbündchen zum Tragen von ſelbſtändigen Kragen oder leicht
ausgeſchnitten, mit langen oder mit kurzen Armeln, mit hinterer Paſſenbekleidung oder
ohne ſolche und mit oder ohne Taſche und aus einem angefügten, dreiteiligen Rock,
mit einer Faltennaht oder einer Falte an jeder Seite der Rückenmitte. Der Zacken=
rand
iſt nach Plättmuſter 10229 zu arbeiten. Das Maß der Rockunterkante beträgt in
Mittelgröße 1,45 m. 9 Größen: 81122 cm Oberweite. Man berechnet für Mittel=
größe
3,10 m Stoff 110 cm breit und 45 cm abſtechenden Stoff 88 cm breit für Kragen
und Manſchetten.
Abbildung 68988 zeigt einen Spielanzug im Raglanſtil, der in einer Zuſammen=
ſtellung
von kariertem Gingham und glattem Chambray ausgeführt iſt. Für ein Kind
von drei Jahren braucht man 1,80 m Stoff 80 cm breit und 35 cm abſtechenden Stoff
80 cm breit für den Kragen, die Manſchetten und den Gürtel. Dieſes hübſche und
praktiſche Modell kann hochgeſchloſſen oder halsfrei und anſtatt mit den aus der Ab=
bildung
erſichtlichen kürzeren Armeln mit einer der beiden Formen von langen Armeln
gearbeitet werden. Der Spielanzug iſt mit gewöhnlichem hinteren Verſchluß anzu=
fertigen
, wenn man nicht die vollſtändige hintere Partie der Pumphoſe anknöpfen will.
Aus Gingham, Chambray, Perkal oder Galatea hergeſtellt, wird ſich dieſes Muſter
als in jeder Weiſe zufriedenſtellend erweiſen.
Muſter 68988 iſt in 6 Größen, für 16 Jahre, erhältlich.

Blusentallle 67088
Rock
6704h

Cape 70377
Koch 70355

Ein Kleid, das beſonders für allen erdenklichen Sommerſport geeignet iſt, entſteht
durch eine Verbindung der neuartigen aparten Matroſenbluſe 69444 mit dem gut
geſchnittenen Rocke 65344. Galatea in zwei Farben wurde zur Ausführung verwendet,
und für ein achtzehnjähriges junges Mädchen berechnet man 4,80 m Stoff 80 cm breit
und 90 cm Stoff in abſtechender Farbe 80 cm breit für Kragen, Manſchetten und
Gürtel. Der Bluſenkragen iſt in zwei verſchiedenen Linienführungen gegeben; auch
können lange Armel und ein Latz angewendet werden. Der zweiteilige Rock in leicht
gehobener Gürtellinie mißt an der Anterkante 1,30 m.
Muſter 69444 und 65344 ſind in je 6 Größen, für 1419 Jahre, erhältlich.
67088. Gefältelte Bluſentaille für Damen, hochgeſchloſſen und mit Stehkragen oder
ausgeſchnitten, mit langen oder mit kürzeren Armeln, mit oder ohne Kragen, Man=
ſchetten
oder Bluſenfutter. 7 Größen: 81112 cm Oberweite. 67044. Einteiliger
Damenrock mit hinten eingelegten oder geſteppten Falten, mit oder ohne Rockträger,
Latzteile oder Taſchen. Das Maß der Anterkante beträgt in Mittelgröße 1,10 m.
6 Größen: 5681 cm Taillenweite und 94122 cm Hüftenmaß. Dem Bilde entſprechend
berechnet man für Mittelgröße 1,60 m Stoff 110 cm breit für die Bluſe und 1,60 m
Stoff 137 cm breit für den Rock.
Geradezu überraſchend neu iſt das Koſtüm, das, aus einer Verbindung eines rund=
geſchnittenen
Capes und eines Rockes mit langer Ruſſentunika entſtanden, in Leinen
und geſtreifter Seide ausgeführt, unter den Nummern 70377 und 70355 auf dieſer
Seite abgebildet wird. Für mittelgroße Figuren berechnet man zur Herſtellung dieſes
Koſtüms 4,70 m glatten Stoff 110 cm breit (quergeſchnitten), 1,90 m geſtreiften Stoff
110 cm breit (quergeſchnitten) für Träger, Futter und Kragen des Capes und 1,95 m
Stoff 88 cm breit für den Grundrock. Das Cape kann in einer der beiden gegebenen
Längen gearbeitet werden, und man kann auch einen flachen Amlegekragen verwenden,
oder das Cape kann mit Rüſchen verziert werden. Der Rock iſt ein beſonders modernes
Modell mit langer, rundgeſchnittener Ruſſentunika. Maß der Anterkante 1,25 m.
Muſter 70377 iſt in 4 Größen, von 81112 cm Oberweite, erhältlich. Muſter 70355
iſt in 8 Größen, von 5691 cm Taillenweite und 91130 cm Hüftenweite, erhältlich.

Nachdruck auch mit Quellenangabe verboten.

[ ][  ][ ]

Nr. 51.

Samstag, 11. Juli.

1914.

Bekanntmachung.

Am 2., 3., 6., 7., 9., 10., 13., 14., 16., 17., 20., 21., 23., 24., 27., 28., 30. und 31. Juli
1914 von 6 Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkelheit wird Schießen mit ſcharfer
Munition von Truppenteilen des XfIII. Armeekorps auf dem Schießplatz bei Meſſel
abgehalten.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher Rich=
tung
gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
im Weſten: Dammweg=Brunnersweg ausſchließlich,
im Süden: Forſthaus Steinacker=Steinhügel ausſchließlich,
im Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milcheswieſe-
Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegeſchranken und Warnungstafeln
abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. ( Polizeiverord=
nung
Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 23. Juni 1914.
(15013a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
3. V. Dr. Reinhart.

Behantrnchtung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung bringen wir hierdurch zur allgemeinen
Kenntnis.
(14926a
Darmſtadt, den 23. Juni 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Aebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 30. Juni bis 18. Juli 1914.

Die
Dauer der
Abſperrung
Bemerkungen
Datum
Tag
Abſperrung
erſtreckt ſich
von bis
i vm.

das
zo V. 20 N.
Dienstag
14. Juli
ganze
80 V. 20 N.
15. Juli
Mittwoch
Abſperr=
10 N.
Donnerstag
16. Juli
10 N.
17. Juli
Freitag
gelände
70 V. 120 M.
Samstag
18. Juli

Bekanntmachung.

Frau Johannes Gunkel III. Witwe zu Pfungſtadt beabſichtigt auf dem Grund=
ſtück
Flur I Nr. 535/10, 5364/100, 5360//100, gelegen zu Pfungſtadt, Fabrikſtraße Nr. 26,
eine Schlächterei umzubauen.
Pläne und Beſchreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erſcheinen dieſes
in dem Darmſtädter Tagblatt an gerechnet, auf dem Büro der Großh. Bürgermeiſterei
Pfungſtadt zur Einſicht der Intereſſenten offen.
Etwaige Einwendungen ſind binnen dieſer Friſt bei Meidung des Ausſchluſſes
bei der Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt vorzubringen.
Darmſtadt, den 7. Juli 1914
(16042
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: Piſtor.

Bekanntmachung.

Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß vom Großh. Proviantamt hier
Stroh ängekauft wird, und zwar Roggenflegelſtroh, Roggenmaſchinenglattſtroh und
Roggenpreßlangſtroh. Auch Heu kann unmittelbar von der Wieſe angefahren werden.
Es muß jedoch vollkommen trocken ſein und darf nicht ſchwitzend beim Amt ankommen.
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
(15826dsi
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig=
freiwilligen
Militärdienſt im Herbſt 1914.
Die jungen Leute, welche beabſichtigen, ſich der im Herbſt 1914 ſtattfinden=
den
Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre Geſuche um Zu=
laſſung
bei Meidung des Ausſchluſſes von dieſer Prüfung
ſpäteſtens bis zum 1. Auguſt 1914
bei der unterzeichneten Kommiſſion einzureichen.
Hinſichtlich der Anbringung der Geſuche wird das Folgende bemerkt:
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen, wenn der ſich Meidende im Großherzogtum Heſfen ſeinen
dauernden Aufenthaltsort hat.

iſt die Sendung an die Kommiſion
nicht an den Vorſitzenden zu richten.
2. Die Zulaſſung zur Prüfung kann in der Regel nicht vor vollendetem
17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Geſuch muß von dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein. Auch
erſcheint es zweckdienlich, wenn ſtets die nähere Adreſſe angegeben wird.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters nach folgendem Muſter,
Erklärung
des geſetzlichen Vertreters zu dem Dienſteintritt als Einjährig=
Freiwilliger.
Ich erteile meinem Sohne (Mündel)
geboren am
meine Einwilligung zu ſeinem
Dienſteintritt als Einjährig=Freiwilliger und erkläre gleichzeitig-
a
) daß für die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unter=
halts
mit Einſchluß der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und
Wohnung von dem Bewerber getragen werden ſollen:
b) daß ich mich dem Bewerber gegenüber zur Tragung der Koſten
des Unterhalts mit Einſchluß der Koſten der Ausrüſtung, Be=
kleidung
und Wohnung für die Dauer des einjährigen Dienſtes
verpflichte, und daß, ſoweit die Koſten von der Militärverwaltung
beſtritten werden, ich mich dieſer gegenüber für die Erſatzpflicht
des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
—den-
19.
Vorſtehende Unterſchriſt de=
und zugleich, daß der Bewerber d— Ausſteller-der obigen Er=
klärung
nach-
en
Vermögensverhältniſſen zur Beſtreitung der
Koſten fähig iſt, wird hiermit obrigkeitlich beſcheinigt.
den-
(I. 8.)
Je nachdem von dem Bewerber ſelbſt oder ſeinem geſetzlichen Vertreter
die Koſten getragen werden, iſt in der Erklärung Satz a oder b und ſind
dementſprechend in der Beurkundung entweder die Worte ,der Bewerberoder
eder Ausſteller der obigen Erklärung anzuwenden, das Nichtzutreffende
dagegen zu ſtreichen.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches von der Polizei=Obrigkeit oder
der vorgeſetzten Dienſtbehörde auszuſtelln iſt.
d) Ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf.
5. In dem Geſuche iſt ferner anzugeben:
a) Ob, wie oft und wo der ſich Meldende ſich der Prüfung vor einer Prüfungs=
Kommiſſion bereits unterzogen hat, und von denjenigen, welche ſich der
wiſſenſchaftlichen Prüfuna unterziehen wollen, noch weiter:
b) In welchen zwei fremden Sprachen (wahlweiſe von Franzöſiſch, Engliſch,
Lateiniſch und Griechiſch und an Stelle des Engliſchen Ruſſiſch) die Prüfung
erfolgen ſoll.
6. Wer auf Zulaſſung zur erleichterten Prüfung gemäß § 89, Ziff. 6a—c der
W.=O. Anſpruch macht, hat, ſtatt der Angabe unter 5b, ſeinem Geſuche ein
Zeugnis einer einſchlägigen Behörde beizufügen, aus dem hervorgeht, daß
eine der Vorausſetzungen des angeführten Paragraphen auf ihn zutreffen.
Die Einſendung von Zeichnungen oder ſonſtiger Arbeiten, mit denen dieſer
Nachweis geführt werden ſoll, an uns iſt zwecklos.
7. Iſt bereits früher ein Geſuch um Zulaſſung zur Prüfung eingereicht worden,
ſo bleibt dem erneuten Geſuche nur ein Unbeſcholtenheitszeugnis bei=
zulegen
.
8. Es iſt nur zweimalige Teilnahme an der Prüfung geſtattet, eine dritte
Zulaſſung kann ausnahmsweiſe von der Erſatzbehörde 3. Inſtanz genehmigt
werden.
Im weiteren weiſen wir darauf hin daß Geſuche um Zulaſſung zu einer
ſpäteren, als der im Frühjahr des I. Militärpflichtjahres d. i. des Jahres, in
welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird ſtattfindenden Prüfung, der Genehmigung
der Erſatzbehörde 3. Inſtanz bedürfen und bei den Erſatz=Kommiſſionen des Aufenthalts=
orts
, nicht bei uns, einzureichen ſind, welche die Geſuche der Erſatzbehörde 3. Inſtanz
vorlegen werden.
Da die Erledigung derartiger Geſuche eine längere Zeit beanſprucht, ſo empfiehlt
ſich im Intereſſe der Nachſuchenden, mit Einreichung derſelben nicht bis zum äußerſten
Termin zu warten, ſondern dieſelben alsbald anhängig zu machen, andernfalls unter
Umſtänden eine Zulaſſung zur bevorſtehenden Prüfung nicht mehr möglich iſt.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden geſtellt werden, gibt die
Prüfungs=Ordnung (Anl. 2 zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901) Aufſchluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, ſowie des Lokals, in welchem die Prüfung
ſtattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung, oder es ergeht beſondere Ladung zur Prüfung.
Darmſtadt, den 27. Juni 1914.
Großherzogliche Prüfungskommiſſion für Einjährig=Freiwillige.
Der Vorſitzende:
von Starck, Regierungsrat.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 grauer Spitzhund. 1 ſchwarzer Spitzhund, 1 ſchwars=
brauner
Rehpinſcher, 1 braun=gelber Boxer (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelbſten Hunde ſindet dorl=
ſelbſt
jeden Werktac vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(15947
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 12. Juli,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Hirſch=Apotheke Nieder=Ramſtädterſtraße, und
Apotheke am Juſtizpalaſt, Bismarckſtr. Alle übrigen Apotheken
ſind von 1 Uhr ab geſchloſſen.

Peir. Die Wahlen zum Landtag.

Im Hinblick auf die im Herbſt l. Js. ſtattfindenden Landtags=
wahlen
wird ſchon heute darauf hingewieſen, daß nach Art. 7, Ziffer9
des Geſetzes, die Landſtände betr., vom 3. Juni 1911, bei den
Landtagswahlen vom Stimmrecht ausgeſchloſſen ſind Perſonen,
die zur Zeit der Wahl mit der Entrichtung der diretten Staais=
oder
Gemeindeſteuer länger als 2 Monate ſich im Rückſtande befinden.
(15722ms
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
1
Dr. Gläſſing.

Wahl der Verſicherungsvertreter als Beiſitzer
des Verſicherungsamts der Stadt Darmſtadt.

Nach § 40 der Reichsverſicherungsordnung ſind als Beſitzer des
Verſicherungsamts Verſicherungsvertreter beizuziehen. Ihre Zahl be=
trägt
zuſammen mindeſtens 12. Sie werden je zur Hälfte aus Arbeit=
gebern
und Verſicherten entnommen. Die Wahl erfolgt ſchriftlich und
nach den Grundſätzen der Verhältniswahl.
Wahlberechtigt ſind die Vorſtandsmitglieder der Orts=, Betriebs=
und Innungskrankenkaſſen, die im Bezirk des Verſicherungsamts der
Stadt Darmſtadt mindeſtens 50 Mitglieder haben. An der Wahl nehmen
ferner teil die Vorſtandsmitglieder der knappſchaftlichen Kranken=
kaſſen
und der Erſatzkaſſen, ſoweit ſie im Bezirk des Verſicherungsamts
der Stadt Darmſtadt mindeſtens 50 Mitglieder haben; die Erſatzkaſſen
und die außerhalb des Bezirks des Verſicherungsamts ſeßzhaften
Kaſſen außerdem nur, wenn ſie ihre Beteiligung an der Wahl dem
unterzeichneten Wahlleiter rechtzeitig anmelden und die Zahl ihrer
Mitglieder in dieſem Bezirk nachweiſen.
Maßgebend iſt die Zahl der Mitglieder, deren Beſchäftigungs=
ort
(§§ 153156 R. V. O.) ſich zur Zeit des letzten Zahltags (§ 393 R. V. O.)

vor der Feſtſtellung im Bezirk des Verſicherungsamts befindet. Bei
Mitgliedern von Erſatzkaſſen, bei unſtändig beſchäftigten und ſolchen
Mitgliedern, die Kaſſen auf Grund der §§ 176 und 313 R. V.D an=
gehören
und einen Beſchäftigungsort nicht haben, tritt an Stelle des
Beſchäftigungsorts der Wohnort. Bei Hausgewerbtreibenden iſt der
Ort ihrer eigenen Betriebsſtätte, bei den im Wandergewerbe Be=
ſchäftigten
der Ort maßgebend, bei deſſen Ortspolizeibehörde der
Wandergewerbeſchein beantragt worden iſt.
Die Erſatzkaſſen und Kaſſen, die außerhalb des Bezirks
des Verſicherungsamts der Stadt Darmſtadt ihren Sitz haben.
werden hiermit aufgefordert, längſtens bis zum 15. Juli 1914
ihre Beteiligung an der Wahl anzumelden und hierbei die Zahl
ihrer nach den vorſtehenden Ausführungen anrechnungsfähigen
Mitglieder nachzuweiſen.
Jede Kaſſe erhält für jedes anrechnungsfähige Mitglied eine
Stimme.
Auf die von Großh. Miniſterium des Innern erlaſſene Wahl=
ordnung
(Reg.=Blatt Nr. 17 vom 26. Juni 1913) wird verwieſen.
(15695ids
Darmſtadt, den 6. Juli 1914.
Der Wahlleiter
Kröll, Stadtamtmann.

Heu neuer Ernte kann unmittelbar von der Wieſe angefahren
werden. Es muß jedoch vollkommen trocken u. nicht ſchwitzend

beim Amt ankommen. Stroh und zwar: Roggenflegel=, Roggen=
maſchinenglatt
= u. Roggenmaſchinenpreßlangſtroh wird weiter gekauft.
Proviantamt Darmſtadt.
J.15968)

Kanalbauarbeit.

Die Ausführung eines 260 m
langen Steinzeugrohrkanals in der
Wirhäuſer Hausſchneiſe zwiſchen
Küchenmeiſterſchneiſe und Dorn=
heimer
Weg ſoll vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem Tiefbau=
amt
, Zimmer Nr. 4, zur Einſicht
offen. Auch werden dort die An=
gebotſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Mittwoch, den 15. Juli I. Js.,
vormittags 12 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(15962sg
reichen.
Darmſtadt, 9. Juli 1914.
Tiefbauamt.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 22. Juli I. Js.,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die der Firma Harres & Barth,
Baugeſchäft zu Darmſtadt, zuge=
ſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. am
IV 782 238 Hofreite Hügel=
ſtraße
65,
in unſerem Bureau, Grafenſtraße
Nr. 30, II., zwangsweiſe verſteigert
(B59/14
werden.
Darmſtadt, 26. Juni 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII.,14965

ehrock=, Frack=, Smoking= An=
züge
, Zylinder zu verleihen.
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (14641a

Preiſe für Fleiſch und Brot
in der Stadt Darmſtadt

am 5. Juli 1914.
(Mitgeteilt von der Großh. Zentral=
ſtelle
für die Landesſtatiſtik)
Häufigſter Preis in c pro Pfund
Ochſenfleiſch mit Beilage . . 92
Rindfleiſch
86
Kuhfleiſch
. 78)
Kalbfleiſch
100
Hammeifleiſch
100
Schweinefleiſch,
80
Leberwurſt gewöhnliche
66
Blutwurſt,
66
Geräucherter Speck
. 100
Schweineſchmalz, inländiſches 80
Brot 1. Sorte
16
15
Brot II. Sorte
*) Durchſchnittspreis.
Die Erhebung erſtreckte ſich auf
45 Metzgereien, und zwar auf 25,
in denen Ochſen, Kuh= od. Rind=
fleiſch
, auf 18, in denen Kalbfleiſch,
auf 7, in denen Hammelfleiſch und
16, in denen Schweineſleiſch ver=
kauft
wurde; ferner für Brot auf
10 Bäckereien und 4 ſonſtige Läden.
Die von der Bäckerinnung feſt=
geſetzten
Mindeſtpreiſe für Brot:
I. Sorte, Weißbrot 2½ Kilo80 Pf.
1½ Kilo40
II. Sorte, Schwarzbrot2½ 72
2 58
1½ 36
1 29

Billig!
Billig!
Mehrere ſehr gut erhalt. Kleider,
Bluſen u. Weißzeug für mittl.
ſtarke Fig
zu ſpottbill. Preiſ. zu
verkauf. Näh. Karlsſtr. 73, pt. (*833fs

billig zu
verkauf.
1 Kin
(*925
Näh. Rhönring 25, III.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

Turnen, Spiele und Sport.

* Deutſche Turner in Luxemburg. Auf dem interna=
tionalen
Bundesturnfeſt in Luxemburg hat die deutſche
Riege den 1. Sieg errungen. Die Riege, welche aus 16
Mann beſtand, turnte unter Leitung des Kreisturnwarts
Volze des Mittelrheinkreiſes, aus welchem die 16 Turner
ausgewählt waren. In der Riege waren vertreten Ver=
eine
aus Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Amöneburg,
Oberſtein, Aſchaffenburg und Darmſtadt. Von der
Darmſtädter Turnerſchaft war Georg Haber ( Turn=
gemeinde
Darmſtadt) beteiligt. Die Riege erhielt als
Ehrenpreis eine Bronzefigur, einen Luchs darſtellend, einen
Lorbeer=Eichenzweig in Gold, ſowie eine goldene, eine
ſilberne und eine bronzene Plakette. Die außerordent=
lichen
Anſtrengungen der Franzoſen und übrigen Auslän=
der
konnten den vorzüglichen Eindruck, den die Deutſchen
machten, ſo wie in Genua, auch hier nicht ſchmälern. Die
Deutſche Turnerſchaft und die Vereine der beteiligten Tur=
ner
darunter auch die Turngemeinde Darm=
ſtadt
können ſtolz ſein auf dieſen ſchönen Erfolg. Am
28. Juni I. J. hatten die Luxemburger und die Genua=
Riege Gelegenheit, im Berliner Stadion vor einer unge=
heuren
Zuſchauermenge einen Beweis von höchſter tur=
neriſcher
Leiſtungsfähigkeit zu erbringen. Hierbei waren
wiederum zwei Turner der Turngemeinde Darmſtadt, und
zwar Walter Hermanny und der obengenannte Ge=
orgHaber
, beteiligt. Auch der vorübergehend in Mün=
chen
weilende Turner Georg Grohe der Turngemeinde
Darmſtadt macht ſeinem heimiſchen Verein alle Ehre. Beim
bayeriſchen Bezirksturnfeſt erhielt er im Sonderwettkampf
den 2. Sieg mit ½ Punkt hinter dem 1. Sieger. An die=
ſem
Wettkampf (Zwölfkampf) durften nur erſte Gau=, erſte
Kreisſieger und Sieger von deutſchen Turnfeſten (Leipzig
und Frankfurt), alſo nur ganz hervorragende Turner teil=
nehmen
. Man ſieht, die Darmſtädter Turner geben ſich
Mühe, Darmſtadt in der Turnkunſt würdig zu vertreten.
* Das nationale Sportfeſt des Fußballklubs Olympia
Darmſtadt nimmt heute Samstag nachmittag mit den
Akademiker=, Militär= und Schülerwettkämpfen ſeinen An=
fang
. Die zur Verteilung gelangenden Ehren= und Wan=
derpreiſe
ſind bei der Firma Nieder (Rheinſtraße) aus=
geſtellt
. Die Oberleitung des Sportfeſtes liegt in den
Händen des Herrn Rittmeiſters d. R. Dr. Bopp.
* Fußball. Anläßlich des Sommerfeſtes des
Männergeſangvereins Darmſtadt=Beſſungen auf der
Windmühle‟ Pallaswieſenſtraße, ſtehen ſich daſelbſt am
Sonntag die Fußballmannſchaft des Inf.=Regts. 115,
6. Komp., und diejenige des Sportvereins Germania
Darmſtadt gegenüber.

Die Baltiſchen Spiele und wir.
Wer den ſportlichen Kämpfen in Malmö, die anläß=
lich
der ſehenswerten Ausſtellung unter dem Namen
Baltiſche Spiele ſtattfanden, zuſchaute, der mußte ſich
unwillkürlich der Olympiſchen Spiele erinnern. Ja, und
für den Deutſchen tauchte dann daran anſchließend gleich
das Zukunftsbild der kommenden Berliner Olympiade auf.
Was haben die Baltiſchen Spiele gezeigt?
Schon in Stockholm war es erſtaunlich, welche Fülle
von guten Sportsleuten dieſes kleine Schweden beſitzt.
Selbſt die hervorragenden Amerikaner mußten oft die
Ueberlegenheit dieſes blaublonden, hochgewachſenen, raſſi=
gen
Menſchentyps anerkennen. In Malmö konnte man
nur dasſelbe feſtſtellen. Die Schweden waren einfach her=
vorragend
. Es gab nur wenige Uebungen, in denen ſie
wenig oder nichts leiſteten. Ja, ſie hatten auch nicht etwa
bloß ein paar hochgezüchtete ſogenannte Spezialiſten da,
ſondern ſie zeigten ſtets eine ganze Anzahl im Können

faſt gleichſtehender Athleten, Fechter, Radfahrer, Ringer
u. ſ. f. Stets war auch die körperliche Anlage durch ein
ſyſtematiſches Training reſtlos ausgenutzt.
Von den Dänen war 1912 in Stockholm nicht viel zu
merken. Wenn ſie diesmal auch in dem ihnen nahe ge=
legenen
Südſchweden recht günſtig abſchnitten, ſo konnten
ſie doch nicht den Eindruck verwiſchen, daß der Sport in
ihrem Lande nur in einzelnen Gebieten für internationale
Kämpfe weit genug entwickelt iſt. Der Nachteil ihrer ge=
ringen
Volkszahl wird lange nicht in gleichem Maße wie
in Schweden durch die Qualität der Menſchen aufgewogen.
Eher trifft das auf Finnland zu. Es bewies in
Malmö, daß ſeine hervorragenden Werfer noch immer auf
der Höhe ſind und eine ſchier unüberwindliche Gegner=
ſchaft
abgeben. Ueberraſchend aber war, daß es auch im
Laufen und Springen begonnen hat, gute Vertreter heran=
zubilden
.
Rußland mußte ſich wiederum faſt immer auf die
ſportlich rege fortſchreitenden Deutſchruſſen verlaſſen. Die
ſchlugen ſich zwar ganz wacker, konnten aber keinen Augen=
blick
das Urteil abbiegen; Rußland muß noch viel, viel
tun, um auch im Sport Erfolge erringen zu können.
Wie zeigte ſich nun die deutſche Vertretung? Voraus=
geſchickt
ſei, daß ſie nur einen Teil unſerer beſten Sports=
leute
in ſich ſchloß. Einzelne Sportzweige waren ja
überhaupt nicht vertreten. So kann natürlich unmöglich
ein abgerundetes Urteil gefällt werden, in welchem Ver=
hältnis
der deutſche Sport zu dem des nordiſchen Nach=
barn
ſteht. Nur eins kann getroſt geſagt werden: Die
Lehren der Stockholmer Olympiſchen Spiele haben ſchon
einigen Erfolg gezeigt. Noch iſt zwar erſt ein Anfang zu
merken. Aber der iſt verheißend. Gerade bei einzelnen
Leuten konnte man merken, wie ſie zugelernt haben ſeit
1912, im Stil, in der Technik, in der richtigen Art der
Vorbereitung. Die Baltiſchen Spiele haben bewieſen, daß
wir mit der Arbeit für die deutſche Olympiade auf dem
richtigen Wege ſind. Sie haben daneben auch dargetan,
wo es uns fehlt. Das iſt aus den einzelnen Ergebniſſen
näher zu erſehen. Allgemein darf aber geſagt werden:
Die Zahl guter Sportsleute muß vervielfacht werden;
denn niemals ſtartet im internationalen Rennen dieſer
oder jener Sportsmann, ſondern ſtets heißt es hier dieſe
Nation und dort jene. Wir müſſen uns emſig mühen,
unſeren guten Leuten gleichwertige Gegnerſchaft im
eigenen Lande zu verſchaffen; wir müſſen ſorgen,
daß wir bei den Olympiſchen Spielen nicht einen Mann
im Rennen haben, ſondern daß zwei, drei und mehr Trä=
ger
des Reichsadlers ſind.
Und dann zeigten die Baltiſchen Spiele, es iſt not=
wendig
, nur hart trainierte Leute in den Kampf zu
ſchicken. Die augenſcheinliche Wahrheit, zuguterletzt ent=
ſcheidet
im ſportlichen Wettkampf die reine Kraft, erfuhr
in Malmö erneut eine Unterſtreichung. Das müſſen wir
noch mehr als bisher beherzigen.
Wenn 1912 in Stockholm die Organiſation der Spiele
als einfach muſtergültig angeſehen werden konnte, ſo darf
Schweden dieſes Lob für ſeine Baltiſchen Spiele nicht ſo
uneingeſchränkt beanſpruchen. Wir haben in Deutſchland
unſere letzten großen Sportveranſtaltungen zweifellos
beſſer angelegt und abgewickelt. Das läßt uns alſo be=
ruhigt
in die Zukunft blicken, zumal alle unſer in Betracht
kommenden Inſtanzen hier die Augen offen gehalten
haben, wo es zu lernen gab.
Zwei Jahre ſind von der Deutſchen Olympiade ſchon
verfloſſen; ſie ſind genutzt worden. Das offenbarte ſich
in Malmö. Es liegt an uns, jetzt nicht nachzulaſſen, ſon=
dern
die beiden folgenden ebenſo zu nutzen. Dann werden
wir endlich auch im Sport den großen Erfolg zwingen
können, der uns zukommt als Großmacht.
Alfred Rahn.

Die Frau auf den Olympiſchen Spielen.
Bei den Olympiſchen Spielen, zu deren Feier in Ber=
lin
ſich bereits jetzt ganz Deutſchland rüſtet, darf man
auch der Beteiligung der Frauen nicht vergeſſen. Sie ſind
längſt ſchon Mitſtreiterinnen geworden, die ſich Schritt
für Schritt einen immer ſtärkeren Anteil an den Kämpfen
erringen. Zwar ſteht auf der Tagesordnung des Pariſer
Sportkongreſſes ein Punkt, der ſich mit der prinzipiellen
Zulaſſung von Frauen zu den Olympiſchen Spielen be=
ſchäftigt
; tatſächlich aber iſt dieſe Zulaſſung, wie Dr.
Martin Berner in einem Auſſatz der Dame ausführt,
in der Praxis bereits erfolgt. Schon 1906 hat Griechen=
land
kühn den Anfang gemacht, indem es als erſtes Land
unter die Wettbewerbe auch Lawn=Tennis für Damen,
die alte Domäne des Damenſports, einreihte. England
folgte 1908 und fügte dem Tennis noch ein Bogenſchießen
für Damen hinzu. Schweden iſt dann 1912 auf der be=
gonnenen
Bahn weiter geſchritten. Wie ja überhaupt in
den ſkandinaviſchen Ländern die Frau mehr an ſportliche
Uebungen gewöhnt iſt als bei uns, ſo wurden auch in dem
Programm der Stockholmer Spiele wieder neue Wett=
bewerbe
den Damen eingeräumt, nämlich zum erſten
Male auch Schwimmen und Waſſerſpringen. Beim
Waſſerſpringen machten den tapfern Schwedinnen nur
einige Engländerinnen den Sieg ſtreitig; am Damen=
ſchwimmen
aber nahmen auch vier der beſten deutſchen
Schwimmerinnen teil, und während die ſich im offenen
100 Meter=Rennen der überlegenen Kraft der Auſtra=
lierinnen
beugen mußten, eroberten ſich die deutſchen
Damen in der 400 Meter=Stafette einen ſehr ehrenvollen
zweiten Platz hinter der engliſchen Mannſchaft. Die
olympiſchen Spiele in Berlin 1916 ſehen nun auch ein
Eislaufen für Damen vor, und die turneriſchen Vorfüh=
rungen
von Frauen, die ſchon in Stockholm ſo viel Bei=
fall
erregten, bleiben beſtehen.
sr. Pferdeſport. Hoppegarten. Tuki=Rennen;
5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Geſtüt Naklos Red.
Ribbon (Shurgold), 2. Anſchluß, 3. Neumond. 97.10.
22,14, 41:10. Juba=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1800
Meter: 1. Hrn. R. Haniels Alabama (Davies), 2. Freimut,
3. Trompeter. 24:10 . 15, 28:10. Ard Patrick=Rennen;
13000 Mark, Diſtanz 2000 Meter: 1. Kgl. Hauptgeüt Gra=
ditz’
Cyanit (Winter), 2. Trianon, 3. Magna. 14:10. 10,
12:10. Percunos=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1100
Meter: 1. Hrn. A. und C. v. Weinbergs Linde (Shaw),
2. Sereniſſimus, 3. Sella. 22110. 13, 19, 22:10. Hanni=
bal
=Rennen; 13000 Mark, Diſtanz 2200 Meter: 1. Hrn. R.
Haniels Alvarez (F. Lane), 2. Pirol, 3. Colleoni. 25:10.
23, 20:10. Almania=Handikap; 3800 Mark, Diſtanz
1400 Meter: 1. Hrn. E. und G. Buggenhagens Julius
Cäſar (Söade), 2. Taftjoy, 3. Fox. 101:10. 34, 37,
19:10. Oſtbahn=Handikap; 6200 Mark, Diſtanz 1600 Me=
ter
: 1. Hrn. A. v. Schmieders Olifant (Slade), 2. Malta II,
3. Kalchas. 169:10. 64, 73, 83:10.
sr. Das 31. Bundesfeſt des Deutſchen Radfahrer=
bundes
wird vom 11. bis 14. Juli in Augsburg ge=
feiert
. Die offiziellen Veranſtaltungen beginnen am
Samstag vormittag mit der feierlichen Uebergabe des
Bundes=Banners ſeitens der vorjährigen Feſtſtadt Bres=
lau
an die Stadt Augsburg in dem Goldenen Saale des
Rathauſes. Nachmittags finden Vorwettbewerbe im
Kunſtfahren und Radballſpiel ſtatt. Der Sonntag bringt
vormittags den großen Feſt= und Blumenkorſo, mittags
das offizielle Feſtbankett und abends das Saalfeſt mit den
Meiſterſchaftskämpfen im Kunſt= und Reigenfahren und
Radballſpiel. Am Montag früh morgens beginnt das
heißumſtrittene 100 Kilometer=Mannſchaftsfahren auf der
Landſtraße nach Donauwörth, zu welchem 24 Vereine mit
beſterprobter Mannſchaft am Start erſcheinen werden.

Der erste Waggon soeben eingetroffen!

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Nummer 188.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Seite 15.

Trankturter Karsberickt Vom. 10. Jan 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

Staatspapiere.
100,30
Dt. Reichsschatzanw.
99,10
Dt. Reichsanleihe p. 1918
99,30
do. . . . . p. 1925 . . .3½ 86,25
do. . . . .
3½ 76,30
do. .
4 1100,40
Preußische Schatzanw.
4 1 91,20
Staffelanleihe. .
3½ 86,40
Consols . .
3½ 76,15
do. . .
Badische Staats-Anleihe: 4 97,50
3½1 89,00
dog v. 9294 . . . . ..
. . . . . . 3 84,30
do. . .
Baverische Ablös.-Rente. 4 97,60
98,65
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906
98,70
do, unkdb. p. 1918 . . .
do. unkdb. p. 1920 . . 4 99,00
E.-B.- u. Allgem. Anl.
99,00
unkdb. p. 1930 . . . .
do. Anleihe . . . . . . . 3½ 84,85
. . . . . . . 3 75,90
do.
Hamburger Staats-Anl. 4 1 98.00
do. v. 1887/94 . . . . . . 3½ 87,70
do. . . . . . . . . . . . . . 1 3 80,20
97,40
Hessische Staats-Anleihe
97,50
do. unkdb. p. 1921 . . . 4
3½ 85,20
(o. . . . . . . . . . .
74,20
do. . . . . . . . . . . . .
77,00
Süchsische Staats-Rente
Württembg. Staats-Anl.
98,90
(unkdb. v. 1921). .
3t
do. v. 79/80 . . . . .
88,20
77,80
(o. .. . . . . . . . .
Bulgarische Gld.-Anl. . . 5 95,40
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1.6) 95,4
do. v. 1887 Monopol 119/ 51.70
Italienische Rente. . . . . 3½) *20
Osterr. Staats-R. v. 1913 . 4½l 89,40
do. Silber-Rente . . . . 41/
do. Papier-Rente . . . 4½ 83,30
do. Gold-Rente . . . . . 1 4 84,95
do. einheitl. Rente . . 4 80,15
Portug. Tab-Anl. 1891 . . 4½ 97,90
do, inn. amort. 1905 . . 4½ 75.80
do. unif. Serie I
3 63,50
do.
III. 3 66,30
do. Spézial Titel. .
9,50
Rumänen v. 1903 . . . . . . 5
do, Gold v. 1913.
4½ 90,85
do, Schatzsch. v. 1913 . 4½
do. conv. . .
4 85,00
do. v. 1890
4 94,80
do. v. 1891 .
4 1 89,00
do, v. 1905 .
4 84,80
do, v. 1908
4 84,00
do. v. 1910 .
4 84,90
Russische St-Anl. v. 1
4½ 98,95
do, kons, v. 1880 .
4 86,50
do. Gold v. 1890 .
40
do. V. 1902 ..
89,50
Sahweden v. 1880. .
3½,
do. v. 1886. .

Schweden v. 1890. . . . . . 3½
Serben steuerfrei . . . . . 4½ 86,00
do. amort. v. 1895
77,00
Türk. Egypt. Tribut .
3t
do. kons. steuerfreie .
do. Admin. v. 1903. .
75.50
do. unif. v. 1903. . . .
do. v. 1905. .
70,90
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 88,35
Ungar. Staatsk.-Scheine
. . .4½ 99,00
v. 1913 . . . . . . .
80,70
do. Gold-Rente. . . . .
do. Staats-Rente 1910. 4. I 78,90
do.
Kr. 4 79,10
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887 5
do. äußere v. 1890 . . . 5 (100,40
do. innere v. 1888 . . . 4½
do. äußere v. 1888 . . . 4½
do. v. 1897 . . . . . . . . 4 78,80
Chile Gold-Anl. v. 1911.
5 94,60
do. v. 1889 ..

14,
do, v. 1906
4½ 89,60
Chines. St.-Anl. v. 1895
62
do. v. 1896 .
5 99,50
do. Reorg. Anl.
5 88,00
do. v. 1898
4½ 91,00
Japaner . . . .
4½ 92,00
Innere Mexikaner
68,50
Außere do.
399 5
Mexikan. Gold v. 1904
4 69,40
do, cons. . . . . .
3
do. Irrigat.-Anleihe
4½ 67,90
Buenos-Aires Prov.
3½ 63,70
Tamaulipas .

5
Sao Paulo E.-B.
5
do. V. 1913 .
5 1 97,80
Siam v. 1907. .
4½ 96,70
Prioritäts.
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/97 3½ 84,50
v. 1904 3½ 83,00
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadt
Darmstadt . . . . . . . . 4 94,00
Nordd. Lloyd-Obligat. . . 4½
Donau-Dampfschiff. v. 82 4 91,00
Elisabethbahn . . . . . . . 4
Franz-Josef-Bahn . . . . . 4 85,10
Kaschau-Oderberger v. 89
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do.
do.
70,25
do. do.
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Bagdadbahn . . . . . . . . 4 77.80
Anatolische Eisenbahn .4½ 90,25
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4 90,00
do. do, v. 1905 . . 4
Northern-Pacific. . . . . . 4
Jouthern-Pacific . . . . . . 4 91,80
St. Louis & San Francisco 5 (102.00
Lchuantepec . . . . . . . . 5 1 88,00
Ungar. Lokalbahn . . . . 5 98,00
Provinz-Anleihen.
Rheinprov. Obl. Em. 20/21 4 97,30
do. Em. 10 . . . . . . . .3½ 87,50
do. 9. . . . . . . . . 84,00
Posen Prov. . . . . . . . . .3½ 84,00
Westfalen Prov. V. . . . . 4 95,75
Hess. Prov. Oberhessen . 4 95,40
3½ 86,00
do. Starkenburg. .
Städte-
Obligationen.
Darmstadt.
4 95,30
do. . . .
. 3½
Frankfurt
4970
do. . .
3½ 88,10
Gießen
4½ 94,70
do. .
-3½ 86,40
Heidelberg
4 95,20
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3½ 86,80
Karlsruhe ..
4½ 0
do. . .
3½ 86,50
Magdeburg
4
Mainz .
4 94,70
do.
3½ 88,00
Mannheim.
4 95,00
Go.
3½
München .
4 96,80
Nauheim .
3½
Nürnberg
4 96,00
Go. . . .
3½ 87,50
Offenbach .
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4
do. . . . . .
3½
Wiesbaden. .
do. . . . . .
Worms . .
do. . . .
Lissabon v. 1888
Moskau v. 1912
94,00
Stockholm v. 188
94,30
Wien Komm.
350
Wiener Kassenscheine .
99,00
Zürich v. 1889 . . . . . . . .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6

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do.
1919. . ..
94.,75
do.
1921. . ..
9500
1922. ..
do.
83.50
do. . . . . . . . . .
9500
do. Komm.-Obl. unk. 1918
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910 4 95,00
96,00
1915 . .
do.
1920 . . . . 4 .96,50
do.
dc. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
. 3½ 86,50
unkäb. 1910 .
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
94,10
Ser. 1542l
45401 4 91.90
do. . .
4 96,00
do. unk. 1922 52
do. 1913. . . . . . . 3¾/ 88,60
3½ 86,50
do. Ser. 45 . .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,90
Scr. 12, 13, 16
2600
14, 15, 17
do. . . .
do. unkäb. 1920 . . . . 4 97,40
1923 . . . . 4 97,50
do.
do. Ser, 1, 2, 68 . . . . 3½ 84,70
35 . . . . . . . 3½ 84.50
do.
do. kündb. 1915 . . . . . 3½ 84,60
do. Komm. unk. 1913 4 96,90
1914 4 96,90
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1916
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1920 4 97,40
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1923 4 97,50
do.
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unkab. 1917
1915) 4 94,20
do. . . . ..
1921
94,20
Go. . . . . .
1954
do. . . . ..
96,50
do. .
1 3½ 84,20
do. Komm. unk. 1923 . 4 95,20
1924 . 4 96,40
do.
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr. .I 4 97,00
do. . . . . . . . . . . . . . 3½) 89,10
Bank-Aktien.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10
Berg.-Märkische Bank. .
Berliner Handelsges.. . . 81
Darmstädter Bank .
6½ 114,25
Deutsche Bank. .
.12½232,60
Deutsche Vereinsbank. . 6 118.75
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 111,00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 181,50
Dresdner Bank. . . . . . . 8½ 146,00

Frankf. Hypothek.-Bankl 10 1214,60
do. do. Kred.-Ver. 8½ (156,00
Mitteldeutsche Kred.-Bk.6½ 1115,00
107,50
Nation.-Bank f. Deutschl.
121,75
Pfälzische Bank . . . . .
8.43 138,80
Reichsbank . . . . . . . . .
Rheinische Kredit-Bank. 7 (125,40
106,50
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Aumetz-Friede
12 149,50
Bochum. Bergb. u. Gußst. 14 218,30
Leonhard, Braunkohlen. 9 155,00
Konkordia Bergbau .
23 1355,00
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (124,90
Eschweiler . . . . . . . . . . 10 226,00

Gelsenkirchen Bergw. . . 11 179,00
Harpen Bergbau. . . . . . 11 (173,70
Kaliwerke Aschersleben . 10
Kaliwerke Westeregeln . 13 190,00
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Laurahütte . . . . . ..
8 144,00
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Cöln-Mindener . TIr. 1003½138,70
Holländ. Komm. . H. 100 3 114,00
Madrider
.. . Frt. 100 3
-
Meininger Prüm.-Pfdbr. . 4 (142,60
Osterreicher 1860er Lose . 4 180,50
Oldenburger. . . . TIr. 40 3 1128,00
Rasb-Grazer . . . . H. 1502½
Unverzinsliche
Mk.
Anlchenslose.
p. St.
Augsburger
A.7
Braunschweiger
TIr. 20 1206,00
Mailänder
Fs. 45 1
do.
Fa. 10 1
Meininger
.A.7 39,00
Osterreicher v. 18
H. 100 605,00
do. v. 1858
H. 100
Ungar. Staats
H. 100 1440,00
Venediger
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Gold, Silber und
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Engl. Sovereigns. . . . . . . . 20,40
20-Franks-Stücke . . . . . . . 16,36
Amerikanische Noten .
4,18½
Englische Noten . . .
20,52
Französische Noten.
81,40
Holländische Noten .
169,45
Italienische Noten .
1 81,15
Osterr.-Ungarische Noten
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Russische Noten . . . . .
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do. Lombard Zaf.
Tendens:
Matt.

Bandel und Verkeſr.

Frankfurt a. M., 10. Juli. (Börſe.) Die
Nervoſität, die ſeit einigen Tagen die Wiener Börſe be=
herrſchte
, ſchien heute von einer ruhigeren Stimmung ab=
gelöſt
zu ſein, wenigſtens ſandte Wien ziemlich behauptete
Anfangskurſe. Bald jedoch wurden wieder ſchärfere Kurs=
rückgänge
gemeldet, welche auch die hieſige Börſe ungünſtig
beeinflußten. Als ſpezieller Grund für die beſonders
ſchwache Haltung der Montanwerte kam die Nachricht hin=
zu
, daß die erſt heute wieder aufgenommenen Verhand=
lungen
der Röhrenwerke aufgehoben ſeien, bis die anderen
Verbände perfekt ſind. Dieſe Nachricht brachte der Spe=
kulation
erneut zum Bewußtſein, was für Schwierig=
keiten
bei den Syndizierungsbeſtrebungen noch zu über=
winden
ſind und die Folge war eine ausgeſprochene Ge=
ſchäftsunluſt
, unter deren Einfluß die übrigens nicht er=
heblich
herauskommende Ware nur zögernd und zu nied=
rigeren
Kurſen Unterkunft fand. Vorübergehend wurde
hier die Stimmung etwas freundlicher auf beſſere Lon=
doner
Notierungen, wich aber bald erneuter Mattigkeit.
Im Einklang mit dem Ultimomarkt waren auch die No=
tierungen
der Kaſſawerte meiſt niedriger, z. B. Akkumula=
toren
1 Prozent, Brown Boveri 1¼ Prozent, Deutſch=
Ueberſee 1¼ Prozent, Anilin 3 Prozent, Chemiſche Gries=
heim
2 Prozent, Höchſter 2½ Prozent, Holzverkohlung
6 Prozent, Scheideanſtalt 5 Prozent, Daimler 1½ Pro=
zent
, Dürkopp 2½ Prozent, Kleyer 3 Prozent.
* Düſſeldorf, 10. Juli. Die Röhrenwerke
haben die weiteren Verhandlungen vertagt, bis das
Schickſal der anderen Verbände entſchieden iſt. Für die
nächſte Sitzung iſt die zweite Hälfte des Septembers in
Ausſicht genommen. Bis dahin ſind die Preiſe freige=
geben
.
* St. Louis, 9. Juli. Für eine Hypothek von
68666 000 Dollars, welche die Unterlage bildet für
Bonds der jetzt in Zwangsverwaltung befindlichen St.
Louis and San Franzisko=Bahn, iſt ſeitens
der Guaranty=Truſt=Company of Neu=York bei dem

Diſtriktsgericht der Veeinigten Staaten die Sicherung
des Pflandrechts an dem Vermögen der Bahn bean=
tragt
worden.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt a. M., 9. Juli. ( Schlachtvieh=
markt
.) Amtlicher Bericht. Auftrieb: Rinder 111 Stück,
darunter 27 Ochſen, 1 Bulle, 83 Färſen und Kühe, 861
Kälber, 37 Schafe, 964 Schweine. Preiſe für 1 Zentner
Lebendgewicht, (Schlachtgewicht) in Mark: Feinſte Maſt=
(Vollm.=Maſt) und beſte Saugkälber 5862 (96103),
mittlere Maſt= und gute Saugkälber 5054 (8592), ge=
ringere
Saugkälber 4448 (7584). Maſtlämmer und
jüngere Maſthammel 4042 (8890), ältere Maſthammel
und gut genährte Schafe 34 (80). Fettſchweine über
3 Zentner Lebendgewicht 4648½ (6062), vollfleiſchige
Schweine über 2½ Zentner Lebendgewicht 4547 (58 bis
60), vollfleiſchige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht
4648½, (5658), vollfleiſchige Schweine bis zu 2 Zent=
ner
Lebendgewicht 4648½ (5658). Marktverlauf: ge=
drückt
, bei Schweinen Ueberſtand.

Vermiſchtes.

R. Ein teuerer Ball. In einer kleinen deutſchen Reſi=
denz
lebte vor Jahren ein junger höherer Beamter mit
ſeiner Frau und zwei Kindern. Vermögen hatten beide
nicht, deshalb waren ſie auf das Gehalt des Mannes an=
gewieſen
. Er war ein ſtiller, beſcheidener Mann, der die
Einſachheit liebte, um ſo eitler und vergnügungsſüchtiger
war ſeine ſchöne junge Frau, die es ſtets lebhaft bedauerte,
nicht Geld genug zu haben, um alle Vergnügen der vor=
nehmen
Welt mitmachen zu können. Eines Tages wurde
in der erſten Geſellſchaft der Stadt ein Feſt gefeiert, zu
dem ſich auch der Landesfürſt, ein rüſtiger Witwer, ange=
ſagt
hatte und erſchienen war. Gar lebhaſt beteiligte er
ſich am Tanze und forderte auch die ſchöne Beamtenfrau
dazu auf. Dieſe Ehre ſtieg der eitlen jungen Frau ſo zu

Kopfe, daß ſie tagelang zu einem ernſten Tun nicht zu ge=
brauchen
war.
Bald darauf lud derſelbe Verein ſeine Mitglieder zu
einem Silveſterball ein und die Fama verbreitete das Ge=
rücht
, daß der Fürſt wiederum bei demſelben erſcheinen
würde. Da wird er gewiß auch wieder mit mir tanzen
dachte die Ausgezeichnete, und ſie verlangte von ihrem
Manne dringend Geld zu einem neuen Koſtüm, mit dem
ſie daſelbſt ſtolz aufzutreten gedachte. Doch der brave
Mann machte ſie auf ihre Verhältniſſe aufmerkſam und
ſagte, daß er nicht in der Lage wäre, ihren Wunſch zu erfüllen
und Schulden zu machen verbiete ihm ſeine Stellung. Sie
wiſſe ja, daß ihr ganzes Vermögen in einem Oldenburger
Vierzigtalerloſe beſtehe, das ein Geſchenk eines Oheims
für ihre Kinder ſei. Damit glaubte er die Sache abgetan
zu haben.
Der Wunſch der Frau jedoch war ſo lebhaft, daß ſie
ſich heimlich hinter dem Rücken ihres Gemahls in den
Beſitz des Loſes ſetzte und dasſelbe um den Börſenpreis
verkaufte. Sie hofſte, daß ſich ihr ſonſt ſo guter Mann
über dieſe Tatſache hinwegſetzen würde.
Am Silveſterabend erſchien ſie in einem neuen präch=
tigen
Kleide auf dem Balle, wer aber nicht anweſend war.
das war der Landesfürſt. Die Enttäuſchung für die arme
Frau war ſehr groß und ebenſo bitter waren die Vor=
würfe
des Gatten. Nach einigen Wochen las ſie in der
Zeitung, daß bei der jährlichen Neujahrlosziehung ihr
Los, deſſen Nummer ſie törichterweiſe aufgeſchrieben
hatte, mit dem erſten Gewinn von 120000 M. gezogen wor=
den
ſei. In ihrer erſten Aufregung eilte ſie zu dem Ban=
kier
, dem ſie vor Wochen das Los verkauft, und verlangte
den Gewinn, wenigſtens einen Teil davon. Bei dieſer
Naivität lachte der Verkäufer laut auf und bemerkte, daß!
er den Gewinn des rechtmäßig erworbenen Loſes abge=
hoben
und derſelbe ſchon ſeine neue Beſtimmung erhalten
habe.
Dieſe Tatſache wirkte ſo niederſchmetternd auf die
ſchon nervenſchwache Frau ein, daß ſie ganz im Geiſte ver.
wirrt wurde und längere Zeit in eine Heilanſtalt zur Wie=
derherſtellung
ihrer Geſundheit verbringen mußte.

Hengras=Verſteigerung.

Die Verſteigerung des Heugraſes
von der Fürſtenwieſe vom 7. I. M.
iſt genehmigt. Die Mähſcheine ſind
bei der Stadtkaſſe, Grafenſtraße
Nr. 28, erhältlich und müſſen bis
zum 20. I. M. abgeholt ſein. Ab=
fuhrzeit
bis 15. Auguſt l. J.
Darmſtadt, 8. Juli 1914
Der Oberbürgermeiſter.
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Am Dienstag, den 14. ds. Mts.
vormittags 8 Uhr,
werden auf dem Kaſernenhof, Hei=
delbergerſtraße
47, zwei Fohlen,
8 und 10 Wochen alt, öffentlich
meiſtbietend verkauft. (16050
II. Abteilung
Feldartillerie=Regiments Nr. 25.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

Berliner Stimmungsbilder.
Von Paul Lindenberg.
Nachdruck verboten.)

Die Tragödien des Alltagslebens. Ein Ausſchnitt aus
dem Weltſtadtgetriebe. Der letzte Schritt. Verſprech=
ungen
und ihr Wert. Wo bleiben die Retter? Ver=
änderungen
gegen früher. Einſtige und heutige An=
ſichten
. Von der Wonne des Berliner Lebens. Licht
und Schatten. Die Verſtadtlichung der Elektrizitäts=
werke
. Der geplante Wolkenkratzer., Schwere Be=
denken
. Ein Schildbürgerſtücklein. Vom Kino=Krieg.
In der Aufregung der großen Tragödien der
Geſchichte werden die kleinen des Alltagslebens
nicht beachtet, und doch ſind auch ſie aufs tiefſte ergreifend
und erfüllen das Herz mit ſchwerer Bitterkeit, daß ſich im
Zeitalter der Nächſtenliebe und der ausgeprägteſten Wohl=
fahrtspflege
derartige Trauerſpiele ereignen können.
Mitten im Herzen von Berlin war es, in jener Gegend,
in der es ſo oft prunkend und glanzvoll zugeht und man
häufig die blendendſten, farbenreichſten Ausſchnitte des
Weltſtadtgetriebes beobachten kann. Zwei junge Mädchen
irrten kürzlich um die ſiebente Abendſtunde an der Schloß=
freiheit
umher, dort, wo ſich das machtvolle Denkmal des
greiſen Kaiſers erhebt; dann wandten ſie ſich der Schloß=
brücke
zu, umſchlangen ſich plötzlich und ſtürzten ſich in
die Spree, ſofort in den Fluten untergehend. Mehreren
raſch heranrudernden Schiffern gelang es, die Lebens=
müden
, die bereits das Bewußtſein verloren hatten, zu
retten; ſie wurden nach einer nahen Sanitätswache ge=
bracht
, in der ſie ſich langſam erholten. Und ſtoßweiſe,
unter heftigen Tränenausbrüchen, erzählten ſie ihre Lei=
densgeſchichte
: die beiden Freundinnen waren, nachdem
ſie ihre Eltern vor zwei Jahren verloren hatten, aus Weſt=
preußen
nach Berlin gekommen und hatten hier eine
Stellung gefunden. Vor wenigen Wochen wurde ihnen
gekündigt, und nun begann das Umherſuchen und Umher=
haſten
nach einer neuen Unterkunft. Vergeblich, es fand
ſich nichts. Die geringen Erſparniſſe waren bald aufge=
zehrt
, Hungern und Bangen um die nächſte Zukunft ſtellte
ſich ein. Als die jungen Dinger, 20 und 17 Jahre alt, von
ihrer Wirtin genötigt wurden, das kleine Zimmerchen zu
verläſſen, wanderten ſie zwei Tage und zwei Nächte im
großen, reichen Berlin umher, immer wieder verſuchend,
Arbeit zu finden, bis ſie ſich und ihre Verzweiflung in
den Wellen der Spree begraben wollten. Infolge ihrer
wochenlangen Entbehrungen erhielten ſie Aufnahme in
einem Krankenhauſe, und man hört, daß nach ihrer Ge=
neſung
für eine Anſtellung geſorgt werden ſoll. Welchen
Leidensweg aber mußten die beiden Hilfloſen erſt be=
ſchreiten
und wie viele verzweiflungserfüllte Stunden
mußten ſie durchkämpfen, bis ſich, durch Zeitungsnotizen
aufmerkſam gemacht, das Mitleid ihrer erbarmte!
Und dabei hatte einſt einer unſerer Stadtväter bei
beſonderer Gelegenheit ſtolz ausgerufen: Es iſt ganz
unmöglich, daß in Berlin jemand vor Hun=
ger
ſterben kann! welcher Ruf ein freudiges Echo
erweckt und das Hochgefühl, in Berlin zu weilen, im
Schutze der vorſorglichen Mutter Berolina noch mehr ge=
ſtärkt
hatte. Damals freilich zählte unſere Stadt nur
etwas über eine Million Bewohner, heute deren über
drei. Vieles hat ſich gegen früher verändert, aber mögen
die Umwandlungen auch noch ſo groß ſein, es will uns
bedünken, daß das erwähnte Wort des Stadtvaters auch
heute noch verwirklicht werden könnte. Sehr groß ſind
die Summen, die unſere Stadtverwaltung jährlich für

Armenpflage ausglbt, nach vielen Milionen zahlen die
den gleichen Zwecken dienenden privaten Stiftungen; es
ſcheint, daß die Organiſation doch keine ausreichende iſt,
und daß man nicht für ſchnelle Hilfe geſorgt hat, ganz ab=
geſehen
davon, daß die wirklich Notleidenden in den
wenigſten Fällen wiſſen, wohin ſie ſich zu wenden haben.
Und haben ſie es endlich in Erfahrung gebracht, dann
ſetzt falls es überhaupt dazu kommt der, ſchwerfällige
Beamtenapparat ein, und ehe der zum Ergebnis gelangt,
kann man längſt verhungert ſein! Hier Wandlung zu
ſchaffen, wäre des Schweißes der Edlen wert!
Ja, ja, es hat ſich viel gegen früher geändert; im
Guten wie im Schlechten! Auch die ſeinerzeit viel ver=
breitete
und viel gelobte Meinung eines hervorragenden,
vom Rhein ſtammenden Schriftſtellers: Es iſt eine
Wonne, in Berlin zu ſein, bewahrheitet ſich nicht
immer. Dafür ſorgt ſchon die Revolverknallerei der Ein=
brecher
und Umhertreiber, der erſt dieſer Tage wieder ein
Steglitzer Kriminalbeamter zum Opfer gefallen, und ſor=
gen
manch andere Vorkommniſſe die man nicht gerade
zu den wonnigen Annehmlichkeiten eines Berliner
Aufenthaltes rechnen kann. Der Anſicht werden gewiß
beſtimmte Beſucher Berlins ſein, von denen der eine, ein
aus Wien zugereiſter Profeſſor, von dem unter dem Bette
verſteckten Hausdiener nachts überfallen und jämmerlich
mit einem Gummiſchlauch verprügelt worden war, ſo daß
er ſogleich in ein Krankenhaus geſchafft werden mußte.
Der Grund ſoll Eiferſucht geweſen ſein, man vermutet
jedoch eine andere Veranlaſſung. Na, und jene beiden
Herren, die neulich hier auf einer Polizeiwache ein nächt=
liches
Alenteuer hatten, bei dem ihnen ſogleich die eiſernen
Handſchellen angelegt wurden und es auch ſonſt nicht an
ähnlichen Aufmerkſamkeiten fehlte, ſie dürften auch genug
von Berlin haben und jene erwähnte Meinung des rhei=
niſchen
Dichters gern mit ihren Randbemerkungen ver=
ſehen!

Wo viel Licht iſt, iſt auch Schatten. Bei dem Licht
haben wir jetzt allerdings nicht die allgemeinere und billi=
gere
Verſorgung Groß=Berlins, namentlich in den kleine=
ren
Wohnungen, mit elektriſchem Licht im Auge, denn es
wird noch viel Waſſer unſere heimiſchen Flüſſe hinunter=
laufen
, ehe es zu einer Verſtadtlichung der bei=
den
größten Berliner Elektrizitä t swerke
kommt. Zu wünſchen wäre dies dringend, da man ſich
von dem ſtädtiſchen Betrieb eine weſentliche Vergröße=
rung
des Anſchlußnetzes der elektriſchen Beleuchtungs=
leitungen
und eine ſehr willkommene Herabſetzung der
Gebühren verſpricht. Und zu den Schatten zählen wir,
wenn auch nicht direkt, jene, die der am Bahnhof
Friedrichſtraße als Wolkenkratzer geplante
Hotelbau werfen könnte! Er hat ja Vieler Gemüter
ſchon lebhaft beſchäftigt und wird es auch fernerhin tun,
bis eine Klärung eingetreten. Nach den veröffentlichten
Zeichnungen würde dieſer Bau durchaus nicht Berlin zur
Zierde gereichen, und man verſteht die energiſche Stellung=
nahme
des Architektenausſchuſſes Groß=Berlins dagegen.
Aber nicht nur vom architektoniſchen Standpunkte aus iſt
der Entwurf zu verwerfen, ſondern auch von jenem des
Verkehrs. Man hat nun glücklich durch die Verlegung der
Pepiniére der Kaiſer Wilhelm=Akademie für das militär=
ärztliche
Bildungsweſen, im brandendſten Mittelpunkte des
Verkehrslebens einen großen Platz frei bekommen, und
ſchwups, ſoll er mglichſt raſch verſchandelt und verbaut
werden! Konnte hier die Stadt nicht zugreifen, wenn es
der Staat, dem das Grundſtück gehörte, nicht gewollt oder
vermocht? Nur ein Stück des weiten Geländes fiel für die
Vergrößerung des Bahnhofes Friedrichſtr. ab; wäre es ſo
ſchlimm, wenn man das übrige Terrain für beſtimmte
Zwecke zunächſt unbebaut ließe? Längſt iſt ja eine Schnell=

bahnverbindung zwiſchen dem Potsdamer und Steliner
Bahnhof geplant, und ſelbſtverſtändlich müßte hier am
Bahnhof Friedrichſtraße eine Halteſtelle ſein, auch verſchie=
dene
Untergrundbahnen werden ſich hier kreuzen und be=
dingen
einen bequemen Zugang; ſodann dürfte nach der in
zwei Jahren erfolgten Elektriſierung der Stadtbahn die
Benutzung derſelben erheblich zunehmen, wobei man mit
neuen Verhältniſſen rechnen muß. Zieht man all’ das in
Betracht, ſo muß es doch wirklich als eine Ungeheuerlichkeit
gelten, daß man, ſtatt auf den ſtets wachſenden Verkehr
Rückſicht zu nehmen, ihm neue Hinderniſſe ſchafft, welche
die weitere Entwicklung Berlins an dieſer wichtigſten
Stelle völlig unterbinden. Es wäre ein Schildbürgerſtück=
lein
ſchlimmſter Art, nicht nur den Hohn der Gegenwart,
ſondern auch jenen zukünftiger Geſchlechter erweckend!
Bei der Gewinnberechnung des Wolkenkratzers war
natürlich auch ein Kino=Theater in weſentliche Beachtung
gezogen worden. Ja, wird’s denn überhaupt noch Kinos
geben, falls jener Hotelbau aus uferloſen Plä=
nen
tatſächlich entſtehen ſollte? Nach dem Weh=
geſchrei
der Filmfabrikanten muß bald das
letzte Stündlein fürs letzte Kino=Theater geſchla=
gen
haben. Jene Fabrikanten, die mit Zeter=
mordio
jeden Streik ihrer Angeſtellten in der Oeffent=
lichkeit
bekämpfen würden, ſind nun ſelbſt in den Streik
getreten, und zwar der Zenſurbehörde unſeres Polizei=
präſidiums
gegenüber. In den Räumen des rotleuchten=
den
, maſſigen Gebäudes am Alexanderplatz, in denen es
ſonſt ſo tätig und unterhaltend zuging, herrſcht ſeit dem
1. Juli merkwürdige Ruhe. Kein ſtetes Kommen und
Gehen mehr, kein nervöſes Fragen und Bitten, kein Kau=
derwelſch
in deutſcher, franzöſiſcher, engliſcher, italieniſcher
Sprache! Geſchloſſen bleiben in den betreffenden Zimmern
die dunklen Vorhänge der ſchmalen Bühnenöffnungen und
verwaiſt ſtehen die elektriſchen Apparate da, welche bis vor
kurzem in heller Beleuchtung die Filmaufnahmen aus aller
Herren Länder hier von den königlich preußiſchen Zenſur=
beamten
zur Vorführung brachten. Dieſen Beamten und
ihren Helfern werden die unbeabſichtigten Ferien nicht un=
willkommen
ſein, denn der Tage Laſt war groß in all den
langen Monaten, in denen ſie von früh bis ſpät an fünf
Stellen einen Film nach dem anderen an ſich vorbeiziehen
laſſen mußten, dann mit übermüdeten Augen zu Beratun=
gen
und zu Beſchlüſſen ſich zuſammenfindend. Wer ruhig
die Verhältniſſe prüft, kann es unſerer Polizeibehörde nicht
verdenken, wenn ſie für die ſchwere Arbeitsleiſtung ihrer
Beamten eine beſtimmte Vergütung in Geſtalt von Zenſur=
gebühren
verlangt. Der Geſamtbetrag würde ſich jährlich,
nach offizieller Auskunft, auf etwa 175000 Mark in Berlin
belaufen, wobei in Betracht kommt daß die hier beteiligte
Filminduſtrie mit die größte der Welt iſt. Die Filmfabri=
kanten
ſprechen natürlich von Millionen und Abermillionen,
die ſie bezahlen müßten und die es ihnen ganz unmöglich
machte, dieſe neue finanzielle Belaſtung auszuhalten.
Wären die von ihnen angegebenen Zahlen richtig, ſo könnte
man dies gewiß verſtehen, aber jene 175000 Mark ſpielen
überhaupt keine Rolle bei den ſehr großen Einnahmen,
welche unſere beſſeren Filmtheater erzielen. Sie könnten
ſich ja ſonſt auch nicht ſo lururiös ausgeſtattete Heimſtätten
gönnen, wie ſie allein in dem weſtlichen Teil unſerer Stadt
zu Dutzenden zu finden ſind, mit marmorbekleideten Faſſa=
den
, mit ſtrahlendſter Beleuchtung, mit Samt und Seide,
mit vergoldetem Bronzeſchmuck und ſonſtiger verſchwen=
deriſcher
und teuerſter dekorativer Zier im Innern. Vor=
läufig
wird in all dieſen Theatern noch geſpielt, da man
noch über einen genügenden Vorrat zenſurierter Films
verfügt. und wenn er zu Ende iſt nun, dann wird es
auch mit den unverhofften Ferien in der Zenſur=Abteilung
unſeres Polizeipräſidiums zu Ende ſein.

Gesetzlich
Sonntags ist das Atelier nur von
morgens 11 bis nachmittags 5 Uhr
ununterbrochen geöffnet.

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(15974

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gar nichts zugesetzt sein kann. Das erstaunlich
kaffeeähnliche Aroma beruht auf einem sehr
sinnreichen Mälzungs- u. neuartigen Röstungs-
verfehren
. Korpfranck ist bekömmlichu. gesund.
P1
(I,15967

Die höhere Pflicht.
Roman von Doris Freiin von Spättgen.
(Nachdruck verboten.)
20)

Endlich fuhr Baron Solten fort:
Ich will mich kurz faſſen, denn das, was noch zu
ſagen übrig bleibt, iſt ſo furchtbar, daß ich möglichſt raſch
über alle Einzelheiten hinwegkommen möchte.
Es war ein Sonntagmorgen, als ich mich nach der
Reſidenz auf den Weg machte, ein wundervoller, ſonniger
Aprilſonntag, an dem die Natur des Winters eiſige Feſ=
ſeln
geſprengt und der knoſpende Frühling bereits ſeinen
Einzug gehalten hatte.
In der Wohnung meiner Geſchwiſter angelangt, fand
ich Gerald lang ausgeſtreckt und leſend auf der Chaiſe=
longue
ſeines Zimmers liegend.
Offenbar ungehalten über dieſe Störung, erhob er ſich
läſſig und bot mir die Hand.
Vielleicht mochte er bereits eine Ahnung davon haben,
was mein plötzliches Kommen zu ſo ungewöhnlich früher
Stunde für ihn bedeutete.
Mißtrauiſch und wieder mit jenem zyniſch wider=
lichen
Lächeln ſtreiften ſeine Blicke mein ernſtes Geſicht,
und um jeder Vorrede meinerſeits ſchnell zu entgehen,
platzte er ſpöttiſch und brüsk heraus:

ich habe Iich eigentich für ze weiſchig, unver=
teiiſch
und tolerant gehalten, Onkel, als daß Du Dich dazu
hergibſt, einen korrigierenden Einfluß auf mich ausüben
zu wollen, als ſo ne Art moraliſcher Prügelmaſchine, die
dazu engagiert iſt, die Inſolvenz ſchwacher, machtloſer
Eltern zu kaſchieren.
In Fremdwörtern zu reden, war auch eine alberne
Angewohnheit von ihm.
Da ſtand er vor mir, der hochaufgeſchoſſene, ſiebzehn=
jährige
Bengel, mit dem Ausdruck von Arroganz, Frech=
heit
und Frühreife in dem hübſchen, etwas blaſſen, ver=
lebten
Geſicht.
Obgleich jeder Nerv in meiner Rechten zuckte, und
ich dem frivolen Spötter am liebſten eins hinter die
Ohren gehauen hätte, ſetzte ich mich, ſeine Bemerkung
völlig ignorierend, gelaſſen nieder.
Natürlich bin ich Deinetwegen, nur Deinetwegen her=
gekommen
, Gerald; aber nicht allein deshalb, weil ich die
Sorgen Deiner Eltern kenne und dieſe mir aufrichtig leid
tun, ſondern aus dem ſehr maßgebenden Grunde, Dich
zu fragen, was Du Dir eigentlich von der Zukunft denkſt,
entgegnete ich ſo ruhig, wie meine durch innere Erregung
ziemlich klanglos gewordene Stimme es einigermaßen
erlaubte.
Gänzlich überflüſſig! Ich habe mir meinen Lebens=
plan
bereits zurechtgelegt, das heißt, mir ein beſtimmtes

Fiek geſet, und verde oine ſrende beihiſe uec ver=
wandtſchaftliche
Intervention darauf losſteuern, gab er
ſchlagfertig wie immer, mit hämiſchem Lächeln zurück.
Nun hefteten ſich meine Blicke feſt und durchdringend
in die merklich unſtät flackernden Knabenaugen, denn ich
hatte deutlich wahrgenommen, daß er hinter ſeiner zur
Schau getragenen Unverſchämtheit doch eine moraliſche
Feigheit zu verbergen ſich bemühte.
Und dieſes Ziel wäre? fragte ich kurz.
Privatſache! Ich bekümmere mich ja prinzipiell nie
um anderer Leute Angelegenheiten! erwiderte der Bengel
mit frechem Geſicht und wandte ſich, mir den Rücken keh=
rend
, wieder dem Sofa zu, auf dem er ſich lang auszu=
ſtrecken
eben im Begriff ſtand.
Im ſelben Moment war ich ſchon an ſeiner Seite.
Bitte ſtehengeblieben, Herr Neffe, wenn ein Onkel,
eine Reſpektsperſon, mit Dir ſpricht! herrſchte ich den merk=
lich
Verblüfften in eiſiger Strenge an, wobei meine Rechte
ſein Handgelenk feſt umſpannt hielt. Auf weitere Aus=
einanderſetzungen
ſich mit Dir einzulaſſen, hat, wie ich
ſehe, keinen Zweck, weil Deine Pläne, Anſichten und
Wünſche in meinen Augen vorläufig unmaßgebend er=
ſcheinen
. Der Grund des heutigen Kommens iſt einzig
der, Dir meine unumwundene Meinung über Dich und
Dein bisheriges Verhalten auszudrücken. Es ſind da
bereits öfters Aeußerungen von Dir gefallen, die nur zu

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Nummer 188.

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

klar beweiſen, daß das Gift moderner Lebensauffaſſung
auch Dich begeifert hat. Im Munde eines unreifen Jun=
gen
, der nur nachplappert, was andere überſpannte Köpfe
ſich zur Richtſchnur nehmen, wirken dergleichen Reden
einfach lächerlich. Gerald, ich habe aber dennoch die
Ueberzeugung, daß der wirkliche Kern Deines Charakters
kein ſchlechter iſt, daß genügend Willenskraft in Dir lebt,
die einſtmals all das Unkraut, welches heute in Deiner
jungen Seele wuchert, erſticken wird. Bezwinge vorerſt
Deinen geiſtigen Hochmut, verſuche demütig und beſchei=
den
zu werden und Dich jenen unterzuordnen, denen es
als heilige Pflicht gilt, eine durch unfruchtbaren Nähr=
boden
verkümmerte Menſchenpflanze zu geſundem Wachs=
tum
, eine irregeleitete Knabenſeele den Zielen und Idealen
zuzuführen, die feſte Fundamente ſind, auf welchen ſich
das ſpätere Lebensglück aufbauen ſoll.
Seufzend hatte Baron Solten ſeinen Sitz verlaſſen
und ſchritt geſenkten Hauptes langſam durch das Gemach.
Reinette beobachtete ihn ängſtlich, ſchweigend; ſie ent=
ſann
ſich kaum, ſein Antlitz jemals ſo ſchmerzbewegt ge=
ſehen
zu haben.
Als er fortzufahren zögerte, warf ſie bittend ein:
Warum willſt Du trübe Erinnerungen von neuem
wachrufen, Onkel Gerald? Ich kann mir ja wohl denken,
wie dann alles kam. Eine verfehlte Exiſtenz Dein
Neſſe iſt verſchollen nicht wahr?

Nein, Kind! Das Ende dieſer Schülertragödie war
inders! Dein kindlich frommes Gemüt vermag ſo etwas
Furchtbares wohl kaum zu ermeſſen! Für mich ſelbſt
mußten auch Jahre und Jahre vergehen, ehe der ſpitze
Stachel, der fort und fort meine Seele traf, einigermaßen
ſeine Schärfe verlor.
Siehſt Du, Reinette, darum ſteht auch noch jedes Wort
jener unſeligen Unterredung vor meinem Geiſt. Immer
habe ich gegrübelt und erwogen, ob ich recht gehandelt
habe, ob ich ſelbſt nicht die Schuld trug und den grenzen=
loſen
Jammer der Eltern freventlich heraufbeſchwor?
Allein damals ließen Zorn und Empörung mich jede Nach=
ſicht
und Milde vergeſſen. Auf die wohlgemeinten, väter=
lich
eindringlichen Ermahnungen erwiderte Gerald kein
Wort. Er hatte ſich nur mit heftigem Ruck meinen ihn
wie Eiſenklammern umſpannenden Fingern entwunden
und begann zu lachen, gellend, voller Hohn, verächtlich zu
lachen, wobei haßerfüllte, böſe Blicke aus ſeinen Augen
zuckten.
Da, Gott verzeih’ mir, wenn ich unrecht tat da
ſchlug ich ihn ins Angeſicht! Meine Hand, die dieſen ver=
hängnisvollen
Backenſtreich geführt hatte, war ſicher und
feſt geweſen, aber ich zitterte am ganzen Körper wie im
Fieber.
Anfangs meinte ich, der lange Junge würde ſich
wütend auf mich ſtürzen. Doch nein. Kreidebleich, mit

wildverzerrten Zügen ſtand Gerald vor mir und ſtierte
mich blöden, erloſchenen Blickes an.
In dieſer energiſchen Weiſe mochte ihm wohl noch
keiner entgegengetreten ſein das ſchien ihm jedwede
Faſſung zu rauben oder ihn zu verblüffen.
Du haſt mich entwürdigt mir meine Ehre geraubt!
Dieſen Schandfleck vermag nichts mehr zu tilgen! ſchrie
er keuchend und heiſer und ballte gegen mich die Fauſt.
Gerald! rief ich, über ſeinen Jähzorn faſt entſetzt.
Ja Du Ihr alle werdet von mir hören!
Nach jenen letzten, ächzend hervorgeſtoßenen Sätzen
taumelte er dem Ausgange zu.
Auf alles, was nun folgte, vermag ich mich nur ſchat=
tenhaft
undeutlich zu beſinnen, da eine Art Nervenläh=
mung
mein Denkvermögen wie meine phyſiſchen Kräfte
plötzlich gelähmt hatte. Aus dieſer dumpfen Betäubung
erwachte ich erſt, als die Tür hinter Gerald krachend ins
Schloß fiel.
Hätte ich dem halb wahnſinnigen Jungen nachſtürzen,
ihn zurückhalten ſollen?
Meine Seele hatte nie an irgend welche verhängnis=
vollen
Konſequenzen gedacht. Mochte ihm der verdiente
Denkzettel zur Lehre werden mochte er dadurch zur
Einſicht und zum klaren Bewußtſein ſeines Unrechies
kommen.

(Fortſetzung folgt.

[ ][  ][ ]

Nummer 188.

dter Tagblatt, Gamscag den 11. Juli 1914.

Seite 21.

Bad Homburg. Der Zugang an Badegäſten
ſteigt täglich. Die Kur= und Badeeinrichtungen, die zu
dem vollkommenſten gehören, was die Neuzeit auf dieſen
Gebieten kennt, werden außerordentlich benützt. Die =
derabgabe
iſt während des ganzen Tages ſehr ſtark, und
die prächtigen Badehäuſer, das Kurhausbad beim Kur=
haus
und das Kaiſer=Wilhelmbad im Park, können dem
Andrang nur dadurch genügen, daß an heilkräftigen Waſ=
ſer
hier wirklich Ueberfluß herrſcht. Die Ergiebigkeit der
zahlreichen Quellen geſtattet es, auch der größten Nach=
frage
nach Bädern gerecht zu werden. Die Trinkkur wird
ebenfalls ſtark frequentiert. An unſerer bekannteſten
Quelle, der Eliſabethquelle, deren Waſſer die Kaiſerin
bei ihrem Kuraufenthalt ſtets zu trinken pflegt, findet man
allmorgendlich eine internationale Geſellſchaft von Kur=
gäſten
, die beim Klange der ſchönen Weiſen des ſtädtiſchen

Orcheſters ihren Brunnen trinken und in der herrlichen
Allee promenieren. In dieſer reinen ozonreichen Luft, die
auf das Wohlbefinden jedes Menſchen die günſtigſte Wir=
kung
ausübt, iſt ein Morgenaufenthalt ein beſonderes Ver=
gnügen
, zumal wenn man gleichzeitig das heilkräftige
Waſſer genießen kann. Bei dem guten Wetter wird dem
Sport hier beſonders eifrig gehuldigt. Der Tennisplatz
iſt den ganzen Tag über mit Anhängern dieſes Sportes
belebt, auf dem Golfplatz herrſcht reges Leben, und auch
der Tontaubenſchießklub hat auf ſeinem ſchönen Platz hin=
ter
dem gotiſchen Haus ſtets viele Beſucher aufzuweiſen.
Nordſeebad Büſum. Der Badekommiſſar ſchreibt uns:
Die Einladungen zu der am 26. ds. Mts. ſtattfindenden
Segelregatta und zu dem am 30. Auguſt feſtgeſetzten
Wattenboßelfeſt ſind ergangen. Seitens unſerer Kirch=
ſpielgemeinde
ſteht ein äußerſt wertvoller Wanderpreis

in Ausſicht. Herrliches, warmes Wetter iſt nun ſtändig ge=
worden
, doch iſt die Hitze bei der herrlichen Seebrieſe leicht
zu ertragen.
Ladis bei Landeck in Tirol. In dem bekannten rei=
zenden
Alpenluftkurort Ladis in Tirol herrſcht ſeit Wo=
chen
prachtvolles Wetter, die Luft iſt überaus mild und
warm und die ſonnigen Almen prangen in üppigſtem
Blumenflor. Das macht die ſo ſehr geſchützte Lage des
romantiſchen Bergdorfes, das trotz ſeiner 1200 Meter ü.
d. M. kaum je einmal Wetterunbilden ausgeſetzt iſt. In=
tereſſenten
, welche jetzt ihren Urlaub antreten müſſen, ſeien
auf dieſe Perle der Alpenwelt mit ihren ſeit alten Zeiten
berühmten Heilquellen aufmerkſam gemacht. Illuſtrierte
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abwechslungsreichen und reizvollen Landschaft und suchen als langjährige Stammgäste den Ort
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Unterzeichneiten und das Schultheissenamt. Schwarzwaldhotel, Zimmer mit Bad,
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[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.

Dienstag, 14. und Mittwoch, 15. Juli

werte und der Griade Hoſtendach.
Näheres bei dem Vorſitzenden der Ausflugkommiſſion, Herrn
(15982
Malermeiſter Georg Kraus, Telefon 1972.
Gesungverenryeligtteit
Dirigent: Herr Otto Schrader.
Sonntag, den 12. Juli, nachmittags 4 Uhr
in der Beſſunger Turnhalle:
SommerleseHimb.: I 50 Pf. d. Pfd.

Das Konzert wird von einer Abteilung des
Heſſiſch. Train=Bataillons Nr. 18 ausgeführt.
Zu zahlreichem Beſuche ladet ein
Der Vorſt

Seneie, in 1. t. eu t.
im Kaiser= und Fürstensaal=Gartene
Grafenſtraße 20

mit Tanz
KONZERT
der Kapelle des Großh. Artillerie=Korps, unter perſönlicher
Leitung des Herrn Obermuſikmeiſters Mickley.
Unſere Mitglieder, ſowie Freunde und Gönner laden
wir hierzu frdl. ein.
(15720ms
Eintritt für Mitglieder frei, für Fremde 50 Pfg. Beſondere
Einladungen ergehen nicht. Bei ungünſtiger Witterung findet
die Veranſtaltung in den Sälen ſtatt.
Kaufmänn. Stenographen-Geselschaft Gabelsberger‟
Abteilung Geselligkeit.

Büyern Verei barmstadt
Protektor Seine Königl. Hoheit Prinz Alfons von Bayern.
Sonntag, 12. Juli, nachmittags 4 Uhr:
frosses
Sommerrest
im Schützenhof
verbunden mit Gartenkonzert, Tanz und Tombola.
Eintritt 19 Pfg.
Eintritt 19 Pf.
Ab 4 Uhr: Tanz im Saal.

Samstag, den 11. Juli

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Anfang 8 Uhr.
Eintritt mit Programm 15 Pfg.

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Von 5 Uhr ab Souper à 1 Mk.
Morgen Sonntag verſchiedenes: Braten, Ragouts; Spe=
Kalbshaxen, Stadt Pfungſtadt=Koteletts, Schnitzel=H
Schweinebraten, gebackene Kalbsleber, Rumſteaks,
beefſteaks und ſonſt noch reichhaltige Speiſekarte.

Von 4 Uhr ab

Tanzkränzchen

im

Dienstbach.

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Sonntag, von 411 Uhr:

Eintritt frei.

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und andere erfrischende Speisen
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Reform-Restaurant
Alexanderstr. 4, I. Ge
r.
1 zu dem am Samstag, den
11. Juli, von 12 Uhr mittags ab
t:vor dem Neuen Palais ſtatt=
n
,findenden Konzert der Kapelle
n= des Großh. Garde=Dragoner=
Regiments Nr. 23.
1. Kommandeurmarſch von H.
I.Meiſter 2. Ouvertüre zur Oper
Der Barbier von Sevillat von
A. Roſſini. 3. Fantaſie aus Rigo=
letof
von G. Verdi. 4. Potpouri
aus Der Zigeunerbaront von J.
Strauß. 5. Valse boston von
R. Drigo. 6. a) Wenn der Früh=
ling
kommt, Marſchduett aus der
gleichnamigen Operette von Jean
Gilbert; b) Kleine Mädchen aus
der Operette Der Jusbaron: von
Walter Kollo. Woog, am 10. Juli 1914.

Waſſerhöhe am Peget 337 m.
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gWaſſerwärme vorm 7 Uhr 20½ C.
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Gefrorenes.
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Tanz-Kranzcnen
Endstation der elektr. Strassenbahnlinie Nr. 8 (15950
am Sonntag, den 12. Juli 1914
Anfang 4 Uhr, Ende 11 Uhr
wozu höflichst einladet
Der Vorstand.
(Geſellſchaft Reichsadler‟ Darmſtadt.
Zn dem am Sonntag, den 12. Juli
ſtattfindenden
Familienaustlug mit Tanz
nach Eberstadt, Restaurant Bergsträsser Hof‟‟
Ahgſtr. 8.ladet ſeine Freunde und Gönner höflichſt ein
(*859
Der Vorstand.
Abmarſch 2½/ Uhr nachmittags vom Luiſenplatz.
Frau Stiling Wwe., Hochſtr. 4. Schweizerhaus Everstaur
Sonntag, den 12. Juli, nachmittags
von 4 bis 11 Uhr
(*979
Konzert

Traisa

Keren eie uranenen

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eseseegeseegessseees nus5sasassen
Das Erbacher Volksfeſt

der ſogenannte Eulbacher Markt
wird
intag, den 19., Montag, den 20. u. Sonntag, den 26. Juli
dahier abgehalten, wozu freundlichſt einladet
Erbach i. O., den 4. Juli 1914.
(15579gs
Großherzogliche Bürgermeiſterei Erbach i. O.
Stegmüller.

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[ ][  ][ ]

Nummer 188.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Seite 23.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt i.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
85 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 30. Juni: Dem Magazinier Martin
Kreſſel, Bachgang 20, ein S. Martin Joſeph Ernſt. Am
3. Juli: dem Schuhmacher Gg. Hofmann. Roßdörfer
Straße 32, ein S. Hans. Am 2.: dem Lageriſten Hermann
Dietrich, Gervinusſtraße 41, ein S. Auguſt. Am 7.: dem
Kellner Alois Rudolf Chriſten, Hochſtraße 10, ein S.
Am 6.: dem Taglöhner Phil. Mark, Große Ochſengaſſe
30, ein S. Georg. Am 5.: dem Geſchäftsführer Joſeph
Hütſch, Soderſtraße 2, ein S. Walter. Am 7.: dem Poſt=
boten
Johannes Kaffenberger, Feldbergſtraße 30, ein S.
Am 9.: dem Telegraphenaſſiſtenten Eugen Keppler, Lie=
bigſtraße
81, eine T. Eliſabeth Suſanne. Am 5.: dem
Buchhalter Philipp Ruder, Frankfurter Straße 6, ein
S. Helmut. Am 4.: dem Zementarbeiter Alfred Calli=
garo
, Pankratiusſtraße 26, ein S. Ramano Alfons.
Aufgebotene. Am 6. Juli: Bahnarbeiter Heinrich
Pohl in Wixhauſen und Dienſtmagd Kath. Breidert
in Erzhauſen. Modellſchloſſer Philipp Knies und Kath.
Lang, beide in Eberſtadt. Am 7.: Schneider Wilhelm
Mink, Wienersſtraße 49, und Köchin Minna Eliſe
Deiſenroth, Eichbergſtraße 15. Prinzl. Ghikaſcher Ober=
förſter
Friedrich Heinrich Gaertner in Ciobanus ( Ru=
mänien
) und Barbara Eliſabeth Aurelie (gerufen Lilly)
Knöpfel, Heinrichſtraße 120. Kellermeiſter Hch. Kin=
dinger
in Breslau und Anna Bertha Walther, Gar=
diſtenſtraße
15. Bäcker Otto Karl Schaffner in Biebes=
heim
und Magdalena Müller in Stockſtadt. Zahnarzt
Joſeph Kullmann in Dornau und Anna Maria
Scheuermann in Würzburg. Am 8.: Städt. Bureau=
gehilfe
Ed. Wilh. Karl Huege in Düſſeldorf und Ver=
käuferin
Anna Friederike Veſpermann in Köln. Tag=
löhner
Joh. Phil. Schäfer, Lauteſchlägerſtraße 26, und
Laufmädchen Viktoria Mathilde Friederike Schulmann,
Lauteſchlägerſtraße 48. Güterbodenarbeiter Karl Heinrich
Johannes Brummer und Katharina Colin, beide
Darmſtraße 33 a. Am 9.: Oberleutnant im Großh. Heſſ.
Feldartillerieregiment Nr. 25 Karl Friedrich Egon von
Moritz, Wilhelmſtraße 53, und Maria Joſephina Hubertina
Thereſa Friederika Ludolphina Freiin von Uslar= Glei=
chen
, Eliſabethenſtraße 70. Sattler und Tapezierer Johs.
Adam Riffal in Steinbach und Schneiderin Auguſte
Marg. Eliſab. Weimar, Blumenthalſtraße 95.
Geſtorbene. Am 5. Juli: Helene Willig, Dienſtbote,
ledig, 26 J., kath., Erbacher Straße 25. Am 6.: Karl Ph.
Heinrich Hegendörfer, Fuhrunternehmer, 35 J., ev.,
Landwehrſtraße 21. Sophie Rexroth, Privatin, 76 J.,
ev., ledig, aus Michelſtadt, hier Steinſtraße 21. Kathar.
Reich geb. Dreißigacker, Ehefrau des Schriftſetzers, 59
Jahre, ev., Kranichſteiner Straße 31. Am 7.: Chriſten.
(ohne Vorname), S. des Kellners, 5 Stunden. Hochſtr. 10.
Karoline Hofer, T. des verſt. Maurerparliers, 8 Mon.,
ev., Grafenſtraße 9. Am 8.: Friedrich Otto Karl Julius
Heß, Major a. D., 51 J., ev., ledig, Kranichſteiner Straße
54. Johanna Chriſtine Knell geb. Jäger, Witwe des
Schuhmachers, 64 J., ev., Marktſtraße 3. Am 9.: Barbara
Bullmann geb Schembs, Witwe des Schloſſers, 66 J.,
kath., Soderſtraße 34.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden
5. Sonntag nach Trinitatis, den 12. Juli 1914
Hofkirche: Samstag, den 11. Juli, abends um 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, den 12. Juli, vorm. um ½10 Uhr:
Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der
Sakriſtei. Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des heil. Abendmahls. Kollekte für die Innere
Miſſion. Mittwoch, den 15. Juli, abends um 6 Uhr:
Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. Vormit=
tags
um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Kle=
berger
. Abends um 6 Uhr: Pfarrer Zimmermann.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
12. Juli, vorm. um 9 Uhr: Chriſtenlehre für die Refor=
mationsgemeinde
. Pfarrer Velte. Vorm. um
11¼ Uhr: Chriſtenlehre für die Kaplaneigemeinde.
Pfarrer Beringer.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr.
Vormittags um 10½ Uhr: Kindergottesdienſt ( Stein=
ſtraße
24, Muſikſaal).
Johanneskirche: Kollekte für die evangeliſche Kirche in
Rom. Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Vorm. um 11 Uhr: Kindergottesdienſt für den Oſt=
bezirk
. Pfarrverwalter Storck. Nachm. 4 Uhr: Bibel=
ſtunde
im Martinsſtift: Pfarrer Veller.
Die pfarramtlichen Geſchäfte für den Oſt bezirk ver=
ſieht
bis auf weiteres Pfarrverwalter Storck, Rieger=
platz
13.
Pfründnerhaus: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrverwalter
Storck.
Herberge zur Heimat: Vorm. um 8 Uhr: Pfarrer
Memmert.

Eliſabethenſtift: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vormittags um
10 Uhr: Pfarraſſiſtent Lie. Adolph. Vormittags
um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lie.
Adolph.
Pauluskirche: Vormittags um 8½ Uhr: Chriſten=
lehre
. Pfarrer Rückert. Vorm. um 10 Uhr: Haupt=
gottesdienſt
. Pfarraſſiſtent Sann. Vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Sann.
Evang. Gemeinde in Eberſtadt: Sonntag, den 12. Juli,
vormittags um ½10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarraſſiſtent
Eckhardt. Um ½11 Uhr: Chriſtenlehre der Knaben.
Nachm. um ½2 Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Paul. Abends um 8 Uhr: Bibelerklärung.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 12. Juli,
vormittags um 9 Uhr: Gebetſtunde. Montag, den
13. Juli, abends um 8½ Uhr: Blaukreuz=Bibelſtunde.
Mittwoch, den 15. Juli, nachm. um 2 Uhr: Bibelſtunde
für Knaben und Mädchen. Abends um 8½ Uhr:
Uebung des gemiſchten Chors. Donnerstag, den
16. Juli, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde. Zweig
der Stadtmiſſion (Beſſungerſtraße 88, Hth.). Sonn=
tag
, den 12. Juli, vorm.um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Nachmittags um 4½ Uhr: Bibelſtunde für Jungfrauen.
Freitag, den 17. Juli, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Griesheim bei D.: Sonntag, den 12. Juli, abends
um 8½ Uhr: Religiöſer Vortrag im Kleinkinderſchulſaal.
Evangeliſche Gemeinſchaft (Kiesſtr. 43): Sonntag, den
12. Juli, nachmittags um 2½ Uhr: Sonntagsſchule.
Abends um 8½ Uhr: Predigt. Herr F. Lepper= Frank=
furt
. Dienstag, den 14. Juli, abends 8½ Uhr: Bibel=
ſtunde
.
Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.
Gemeinde gläubig getauſter Chriſten (Waptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 12. Juli, vorm. um 9½ Uhr:
Predigt. Prediger Winhold. Um 10½ Uhr: Sonn=
tagsſchule
. Nachm. um 4 Uhr: Predigt und hl. Abend=
mahl
. Prediger Winhold. Mittwoch, den 15. Juli,
abends um 8½ Uhr: Bibel= und Gebetſtunde.

Katholiſche Gemeinden
6. Sonntag nach Pfingſten, den 12. Juli 1914
St. Ludwigskirche: Samstag, den 11. Juli, nachm.
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil.
Beichte.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 6 Uhr: Erſte heil. Meſſe. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hoch=
amt
mit Predigt. Um 11 Uhr: Letzte heil. Meſſe.
Um ½12 Uhr: Polniſche Predigt. Nachm. um 3 Uhr:
Katechetiſche Predigt und Andacht zu Ehren der hochhl.
Dreifaltigkeit.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 4 Uhr: Ver=
ſammlung
im Mädchenheim. Um 6 Uhr: Aloyſianiſche
Andacht.
Kapelle der Engliſchen Fränkein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe. Montag nachm. um 4 Uhr:
Sakramentaliſche Betſtunde.
Kapelle zu Griesheim: Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 11. Juli, nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
heil. Meſſe mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hochamt
und Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Andacht.
Kapelle zu Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
11. Juli, nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge=
legenheit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Um ½9 Uhr:
Amt mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Andacht zu
Ehren des hl. Aloyſius.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 11. Juli, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittag um ½ 6 Uhr: Beichte. Um
½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittags um
½2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 2 Uhr: Andacht. Um
5 Uhr: Andacht zu Ehren des hl. Aloyſius. Werktags
um ¼7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, vormittags um 7 Uhr:
Beichte. Um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Nachm.
um ½2 Uhr: Andacht.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Reformationsgemeinde: 8. Juli: Dem Tapezier=
meiſter
Ludwig Wilhelm Harth S. Erich Kurt, geb.

27. September. 10. Juli: Dem Großh. Oberbüxgermeiſter
Dr. Wilhelm Gläſſing S. Helmut Karl, geb. 14. Juni.
Lukasgemeinde: 6. Juli: Dem Fuhrmann Bern=
hard
Landzettel T. Paula, geb. 24. Juni und T. Frieda,
geb. 24. Juni. 9. Juli: Dem Glaſer Ludwig Wilhelm
Stumpf T. Luiſe Anna, geb. 4. Mai.
Schloßgemeinde: 27. Juni: Dem Möbeltranspor=
teur
Peter Winkel S. Albert, geb. 10. Mai. 4. Juli: Dem
Schloſſer Georg Stein T. Anna Marie, geb. 22. Februar.
8. Juli: Dem Schreiner Peter Bauer S. Willy, geb.
12. Juni.
Kaplaneigemeinde: 8. Juli: Dem Schloſſer
Johannes Bönſel T. Johanna Eliſabeth, geb. 9. Mai.
Johannesgemeinde: 3. Juli: Dem Reſtaurateur
Emil Ekey T. Wilhelmine Emma, geb. 10. März. 5. Juli:
Dem Kupferſchmied Balthaſar Hofferberth S. Jakob Franz,
geb. 23. Mai.
Martinsgemeinde: 28. Juni: Dem Gerichts=
ſchreiber
=Aſpirant Wilhelm Wolf T. Irmgard Anna, geb.
24. Mai. 5. Juli: Dem Fuhrmann Konrad Seibel S.
Ludwig, geb. 30. März. Dem Bürogehilfen Ludwig
Schwörer S. Johann Ludwig, geb. 10. Juni. Dem Uhr=
macher
Kurt Franke S. Werner, geb. 19. April. Dem
Hilfsarbeiter Johannes Ritſcher S. Johannes, geb. 8. Mai.
Dem Kaufmann Georg Karl Max Neupert T. Margarethe
Charlotte, geb. 25. Mai. Dem Kaſſenbeamten Friedrich
Wilhelm Ruppel T. Dora, geb. 8. Juni. 8. Juli: Dem
Kirchendiener Johann Eduard Eidenmüller S. Johann
Karl Georg, geb. 16. Juni.
Petrusgemeinde: 5. Juli: Dem Schloſſer=
meiſter
Ludwig Lautenſchläger S. Ernſt, geb. 29. Mai.
Dem Schriftſetzer Karl Jäger T. Karoline Regina Ottilie,
geb. 19. Juni.
Paulusgemeinde: 18. Juni: Dem Schloſſer
Heinrich Bickelhaupt S. Wilhelm, geb. 9. März. 27. Juni:
Dem Oberlehrer Hermann Siebenhaar S. Herbert Her=
mann
Fritz, geb. 24. April. 5. Juli: Dem Kaufmann
Alfred Boos S. Adam Alfred Theodor, geb. 12. Juni.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Reformationsgemeinde: 4. Juli: Augenarzt
Dr. med. Georg Philipp Schmitt und Berta Luiſe Kath.
Margarete Linkenheld.
Schloßgemeinde: 4. Juli: Maſchinenarbeiter Georg
Karl Rau und Eliſabeth König. 5. Juli: Friſeur Otto
Fiſchbach und Karoline Chriſtiane Röder.
Johannesgemeinde: 7. Juli: Bahnarbeiter
Adam Müller und Marie Thienel.
Martinsgemeinde: 30. Juni: Büffetier Albert
Rouſſel und Helene Krasny.
Paulusgemeinde: 20. Juni: Diplom=Ingenieur
Otto Schmehl und Auguſte Neuroth. 30. Juni: Rech=
nungsrat
Ferdinand Bormet und Emma Walther geb.
Stromeyer. 6. Juli: Leutnant im Kgl. B. I. Jäger=Bat.
Wilhelm Wild zu Freiſing u. Margaret Roeder. 7. Juli:
Gerichtsaſſeſſor Karl Muhl und Helene Orth.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Reformationsgemeinde: 5. Juli: Margarethe
Ruhl geb. Rechel, Ehefrau des Bürodieners Georg Ruhl,
57 J. alt, ſtarb 3. Juli. 8. Juli: Anna Oſann geb. Back=
ofen
, Witwe des Geh. Juſtizrats Dr. Arthur Oſann,
78 J. alt, ſtarb 5. Juli.
Lukasgemeinde: 6. Juli: Bürogehilfe Georg
Sproß, 64 J. alt, ſtarb 3. Juli.
Schloßgemeinde: 26. Juni: Schuhmacher Wil=
helm
Liederbach, 74 J. alt, ſtarb 23. Juni. 3. Juli: Anna
Katharine Geil geb. Becker, Ehefrau des Kaufmanns
Heinrich Geil, 25 J. alt, ſtarb 30. Juni. Schneidermeiſter
Juſtus Wilhelm, 76 J. alt, ſtarb 1. Juli.
Johannesgemeinde: 5. Juli: Schuhmacher=
meiſter
Johann Schwinn, 64 J. alt, ſtarb 2. Juli. In=
genieur
Waldemar Dogny, 79 J. alt, ſtarb 3. Juli. 8. Juli:
Fuhrunternehmer Karl Hegendörfer, 38 J. alt, ſtarb
6. Julf.
Martinsgemeinde: 25. Juni: Bankbeamter Johs.
Hebermehl, 56 J. alt, ſtarb 22. Juni. 28. Juni: Privatier
Wilhelm Krug, 68 J. alt, ſtarb 26. Juni. 1. Juli: Eliſa=
beth
Sproß, Ehefrau des Wagenwärters i. P. Theodor
Sproß, 57 J. alt, ſtarb 28. Juni. 3. Juli: Marie Spamer,
Witwe des Miniſterialkanzliſten Eduard Spamer, 60 J.
alt, ſtarb 30. Juni.
Petrusgemeinde: 6. Juli: Gendarmeriewacht=
meiſter
i. P. Leutnant Guſtav Müller, 81 J. alt, ſtarb
4. Juli.
Paulusgemeinde: 28. Juni: Auguſte Kumpf
geb. Ruhl, Ehefrau des Lohnarbeiters Johannes Kumpf,
63 J. alt, ſtarb 25. Juni. Margarethe Stroh geb. Sommer=
hof
, Ehefrau des Kutſchers Sommerhof, 72 J. alt, ſtarb
25. Juni. 1. Juli: Privatier Johann Paul Wald, 78 J.
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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

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Nummer 188.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Seite 29.

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Seite 30.

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(B

Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 11. Juli 1914.

Nummer 188.