Darmstädter Tagblatt 1914


Sonntag, den 5. Juli.

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177. Jahrgang
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Nr. 182.

Sonntag, den 5. Juli.

1914.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer trifft in Kiel Montag nachmittag 2 Uhr 40
Minuten ein und tritt ſofort die Nordlandreiſe
an.
Das Rennen um den großen Preis des Auto=
mobilklubs
von Frankreich endete mit einem
glänzenden Siege der deutſchen Firma
Mercedes; drei Mercedeswagen gingen als erſte
durch das Ziel.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Politiſche Wochenſchau.

C2) Der doppelte Meuchelmord von Sera=
jewo
hat die geſittete Welt im tiefſten Herzen erſchüttert
und empört. Was über das Ergebnis der Unterſuchung
bisher bekannt wurde, drängt die Annahme auf, daß Erz=
herzog
Franz Ferdinand und ſeine Gemahlin einer groß=
ſerbiſchen
Verſchwörung zum Opfer gefallen ſind. Wie
weite Kreiſe dieſe Verſchwörung zieht, läßt ſich gegen=
wärtig
noch nicht überſehen. Daß ſie aber wahrſcheinlich
ins Königreich Serbien hinüberreichen, beweiſt wenigſtens
mittelbar die Haltung ſerbiſcher Blätter, von denen die
Nowoſti die Ermordung des Erzherzogs ziemlich unver=
blümt
ankündigte und der Piemont den Meuchelmörder
als Märtyrer feierte. In der langen Geſchichte, die der
Nationalhaß am Balkan und in ſeiner Nachbarſchaft ſein
eigen nennt, bedeutet die Bluttat von Serajewo ein be=
ſonders
folgenreiches Kapitel. Denn ſie hat der Donau=
monarchie
die willensſtarke und erprobte Verkörperung
des öſterreichiſch=ungariſchen Staatsgedankens geraubt,
auf die die Hoffnungen der öſterreichiſchen Patrioten ge=
richtet
waren. Daß darum der vorzeitige Tod des Thron=
folgers
auch für das verbündete Deutſchland ein herber
Verkuſt iſt, erſcheint um ſo zweiſelloſer je inniger das
Vertrauensverhältnis zwiſchen Kaiſer Wilhelm und dem
Thronfolger war. Dei dem hohen Alter des Kaſſers
Franz Joſef und der Jugend des jetzigen Thronfolgers
iſt die Lücke, die der vorzeitige Tod des Erzherzogs ge=
riſſen
hat, angeſichts der unſicheren Weltlage doppelt
groß. Vielleicht war die Abſicht der großſerbiſchen Ver=
ſchwörer
von vornherein darauf gerichtet, die internatio=
nalen
Schwierigkeiten des Augenblicks zu ſteigern. Der
zeitweilige Rücktritt des ſerbiſchen Königs von
den Regierungsgeſchäften und die Pariſer Nachricht, daß
die Vereinigung Serbiens mit Montenegro
bevorſtehe müſſen in dieſer Auffaſſung ebenſo beſtärken
wie die Fortdauer man darf wohl ſagen: die Zu=
ſpitzung
der Kriſis in Albanien. Aber der Erfolg
des ruchloſen großſerbiſchen Treibens, mag er in Sera=
jewo
noch ſo augenfällig geweſen ſein, bleibt trotzdem
zweifelhaft. Denn die beſtialiſche Balkanmoral, die auch
im Belgrader Konak vor wenigen Jahren eine ihrer blu=
tigen
Orgien beging, hat die anderen Nationalitäten der
Donaumonarchie mit Abſcheu gegen die Serben erfüllt,
und an die Stelle eines nur zu milden Regiments iſt in
Bosnien das Standrecht getreten. Der Ausbreitung des
großſerbiſchen Gedankens wurde damit ein Riegel vorge=
ſchoben
, mit dem auch die politiſchen Nutznießer des Meu=
chelmordes
, Rußland und Frankreich, zu rechnen
haben. Die Mächte des Zweibundes dürfen bei der Wür=
digung
der Bluttat von Serajewo ferner nicht vergeſſen,
daß in gewiſſen Schichten ihrer Geſellſchaft, wie düſtere
Erfahrungen belegen, Dämonen der Vernichtung lauern,
die das großſerbiſche Beiſpiel leicht zur Nachahmung an=
reizen
kann.
Während bei uns die ſommerliche Hitze der Feind der
Parlamentsgeſchäfte iſt, läßt man ſich in Frankreich da=
durch
keineswegs ſtören. Freilich handelt es ſich um die
Verſtärkung von Heer und Marine, und angeſichts der
Wichtigkeit der damit in Zuſammenhang ſtehenden Fragen
muß man eben jenſeits der Vogeſen in den ſauren Apfel
beißen. Da iſt es denn nicht unintereſſant, daß der an=
fängliche
Jubel, der bei der Annahme der erſten Vorlage
herrſchte, ſchnell verſtummt iſt und eine recht kritiſche
Stimmung Platz gegriffen hat. Heißt es doch jetzt, die
Koſten aufzubringen, und da ſtellt ſich der Katzenjammer
ein. Schon wird an der dreijährigen Dienſtpflicht zu
rütteln geſucht, obwohl man die Verlängerung erſt noch
vor wenigen Monaten in den Himmel erhoben hat. Zum
Vorſitzenden der Hereskommiſſion hat man nicht den ehr=
geizigen
Deleaſſe gewählt, ſondern den ehemaligen Gene=
ral
Pedoha, deſſen Beſtrebungen darauf abzielen, eine
dreißigmonatige Dienſtzeit zu ſchaffen. Dagegen will man
das Marineprogramm noch weiter ausbauen, und tatſäch=
lich
hat Frankreich das notwendig, denn die franzöſiſche
Flotte befand ſich in den letzten Jahren in einem Zu=
ſtande
, der Frankreich faſt lächerlich machte. Man will
im Gegenſatz zu England, wo man jetzt das Schwerge=
wicht
auf Torpedo= und Unterſeebote legen will, den Bau
von großen Kriegsſchiffen beibehalten, weil man ſie für
unentbehrlich hält. Frankreich muß eben an eine erhöhte
Vermehrung ſeiner Seemacht herangehen, weil es ſich trotz
der Entente auf England nicht unbedingt verlaſſen kann.
Zum größten Aerger müſſen die Herrſchaften in Paris
ſehen, daß die Beziehungen zwiſchen Berlin und London
ſich in den letzten Monaten immer beſſer geſtalteten, und
daß vom Regierungstiſche im Parlament erklärt wurde,
man habe keinerlei Grund, irgendwelche Veränderungen

auf dem europäiſchen Kontinent zu wünſchen. Das iſt
deutlich genug.
Ueberhaupt kann man ſehen, daß im Dreiverband
auch nur mit Waſſer gekocht wird. Rußland bemüht ſich
augenblicklich, wenn auch von hinten herum, die Dardet
nellenfrage in Fluß zu bringen. Auf eine Anfrage im
Unterhauſe gab Sir Grey eine recht gewundene Antwort,
aus der hervorging, daß England ſo leicht nicht ſeine Zu=
ſtimmung
zu einer Oeffnung der Dardanellen für die ruſ=
ſiſche
Schwarze=Meer=Flotte geben würde. Das würde
einen Zuwachs des Einfluſſes Rußlands im öſtlichen
Mittelmeerbecken ergeben, und den kann ſich Großbritan=
nien
nicht wünſchen, denn über alle Freundſchaft gehen
die eignen Intereſſen.
Das Ereignis in Serajewo hat naturgemäß die Auf=
merkſamkeit
von Albanien abgelenkt. Dort iſt die
Stellung des Fürſten Wilhelm noch ungünſtiger als bis=
her
geworden, weil ſich Prenk Bib Doda als ein durchaus
eigenſüchtiger Bandenführer raubritterlichen Gepräges be=
tätigt
hat und in Südalbanien der epirotiſche Aufſtand
neue Wellen ſchlägt. Ob es dem Miniſterpräſidenten
Turkhan Paſcha gelingt, auf ſeiner Rundreiſe zu den Ka=
binetten
der Großmächte deren wirkſames Eingreifen
gegen die Aufſtändiſchen herbeizuführen, iſt ſehr zweifel=
haft
. Die Bildung einer Fremdenlegion in Durazzo ſelbſt,
an ſich ein guter Gedanke, erfolgt leider ſo ſpät, daß ſie
an der Unſicherheit der Lage kaum etwas Weſentliches än=
dern
wird.
Die Vermittelung der ſüdamerikaniſchen
A BC=Staaten zwiſchen Mexiko und der Union
hat den lateiniſchen Republiken einen ſchönen Erfolg ein=
getragen
. Denn obwohl Huerta zugunſten einer provi=
ſoriſchen
Regierung zurücktritt, wird von Meriko an die
Unkon weder eine Kriegsentſchädigung gezahlt noch der
ominöſe Salut gewährt, während die Räumung von
Vergeruz und die Zurückziehung der amerikaniſchen
Kriegsſchiffe durch die union als Folge des Friedens=
ſchluſſes
eintreten ſoll. Beſtätigen ſich die vorſtehenden,
vom Draht gemeldeten Angaben, dann hat die Befriedung
Merikos einen weſentlichen Fortſchritt erzielt, zumal da
die ſüdamerikaniſchen ABC=Staaten zwiſchen der gegen=
wärtigen
und der künftigen proviſoriſchen Regierung
Merikos einerſeits den Aufſtändiſchen andererſeits ver=
mitteln
werden. Nach der Verfeindung Carranzas und
Villas und bei dem bevorſtehenden Rücktritt Huertas kann
man auf die baldige Wiederherſtellung der inneren Ruhe
in Mexiko hoffen.

Die Trauer um das öſter=
reichiſche
Chronfolgerpaar.

*⁎* Die herzliche Teilnahme für das in ſo tragiſcher
Weiſe erfolgte Hinſcheiden des öſterreichiſchen Thronfol=
gerpaares
kam am Freitag noch einmal in wirkſamer
Weiſe bei der offiziellen Trauerfeier in der Wiener Hof=
burgkapelle
und bei dem feierlichen Requiem in der Ber=
liner
Hedwigskirche zum Ausdruck. Beide Veranſtaltungen
nahmen einen würdigen Verlauf, insbeſondere war die
Trauerfeier in der deutſchen Reichshauptſtadt eindrucks=
voll
und legte Zeugnis davon ab, wie ſchmerzlich auch
von dem offiziellen Deutſchland der Verluſt empfunden
worden iſt.
Wenn wir heute, wo das erlauchte Paar in der Fa=
miliengruft
im Parke von Artſtetten ſchon die ewige Ruhe
gefunden hat, noch einmal unſere Blicke rückwärts richten
auf das grauenhafte Ereignis vom vorigen Sonntag und
auf das ungeheure Aufſehen, das es hervorgerufen hat,
ſo tritt uns vor allem die innige Teilnahme vor Augen,
die man allenthalben für den alten Kaiſer empfand, dem
es zu den vielen Schickſalsſchlägen, die er im Leben er=
fahren
, auch nicht erſpart bleiben ſollte, den zweiten
Thronfolger, der nach ihm die habsburgiſche Krone zu
tragen beſtimmt war, eines unnatürlichen Todes ſterben
zu ſehen. Es gibt wohl keine Kulturnation, die nicht in
ihrer Geſamtheit von dieſem Mitgefühl erfüllt war, das
demjenigen um die dahingeſchiedenen fürſtlichen Perſonen
ſelbſt kaum nachſtand. Immerhin hat die allgemeine Teil=
nahme
gezeigt, daß der Thronfolger Franz Ferdinand,
der noch vor anderthalb Jahrzehnten in der größeren
Oeffentlichkeit wenig bekannt war und der nicht allzu gün=
ſtig
beurteilt wurde, es ſeitdem verſtanden hatte, die
Augen der Welt auf ſich zu richten und in den weiteſten
Kreiſen die Ueberzeugung hervorzurufen, daß ſein Re=
gierungsantritt
einmal eine bedeutſame Wendung in der
Politik der Doppelmonarchie zeitigen und daß der Erz=
herzog
mit feſterer Hand die Zügel führen werde, als dies
heute ſeitens des alten Kaiſers geſchieht und geſchehen
kann. Die Liebesheirat aber, die der Erzherzog trotz
aller Hinderniſſe, die ſich gerade ihm entgegenſtellten, ge=
ſchloſſen
hatte, hat ihm auch viele perſönliche Sympathien
gewonnen, wie ſich nicht nur aus den Kommentaren der
letzten Tage, ſondern ſchon früher ergeben hat.
Unter den Leidtragenden ſtanden Deutſchlands Kaiſer
und Fürſten, ſowie das deutſche Volk mit an erſter Stelle.

Wenn von der Entſendung eines Angehörigen des Kaiſer=
hauſes
zur Trauerfeier in Wien ſchließlich abgeſehen
wurde, ſo geſchah das aus Rückſicht auf Kaiſer Franz
Joſef, dem Repräſentationspflichten, die nicht ganz un=
umgänglich
nötig waren, erſpart bleiben mußten. Ohne=
hin
macht ſich ſchon manche Beſorgnis geltend, daß das
erſchütternde Ereignis doch nachteiliger auf den Geſund=
heitszuſtand
des alten Kaiſers wirken werde als der
äußere Anſchein zeigt. Möchte er dieſen neueſten Schick=
ſalsſchlag
überwinden, denn noch bedarf das öſterreichiſch=
ungariſche
Reich ſeiner, noch darf er das Szepter nicht
aus der Hand legen, das er nun ſchon zwei Menſchen=
alter
hindurch führt, mit ſtets ſich gleichbleibender Gewiſ=
ſenhaftigkeit
dem Wohle ſeiner Völker ſich opfernd.
Schmerzvolle Tage waren es für den alten Kaiſer, aber
ſie haben ihm bewieſen, daß ſeine Trauer auch die Trauer
der ganzen Kulturwelt war.

Zum Tode
Joſeph Chamberlains.

ml. Er war ſchon lange ein toter Mann, der einſt all=
mächtige
Kolonialſekretär, der ſo lange Zeit hindurch be=
ſtimmenden
Einfluß auf die Auslandspolitik Englands
ausgeübt hatte. Seit ihn vor etwa acht Jahren ein
Schlaganfall heimgeſucht hatte, war Joſeph Chamberlain
langſam dahingeſiecht und nicht nur ſein Körper, auch ſein
Geiſt verſagte allmählich den Dienſt. Chamberlain hat,
was nicht allgemein bekannt geweſen iſt, an Paralyſe ge=
litten
, und er verbrachte die meiſte Zeit im Rollwagen
oder Lehnſtuhl, entweder inmitten ſeiner Orchideen=
gärten
von Highsbury oder, während der kälteren Jah=
reszeit
, in ſeiner Villa an der Riviera. Es war ein trau=
riges
, langſames Hinſterben das Leben dieſes einſt ſo
regſamen Mannes während der letzten acht Jahre; es
war um ſo tragiſcher, als Joſeph Chamberlain ſich bis
an die Schwelle des Greiſenalters einer außerordentlichen
Rüſtigkeit erfreut hatte. Seine ſchlanke, hochgewachſene,
elegante Geſtalt, die er ein wenig vornübergeneigt trug,
ſein glattraſiertes, markantes Geſicht mit den durchdrin=
genden
Augen waren, kann man wohl ſagen, weltbekannt;
und unzertrennlich waren von ihm das Monokel und die
große weiße Gardenia. Mit Monokel und Gardenia ſtand
er in der Miniſterbank des Unterhauſes, und Freund und
Gegner lauſchten mit der gleichen Aufmerkſamkeit ſeiner
klaren, ſchmuckloſen, doch ſtets ſtreng logiſchen und ziel=
bewußten
Rede. Mit Monokel und Gardenia haben ihn
unzählige Male ſämtliche Witzblätter der Welt abgebildet,
und im großen und ganzen iſt der engliſche Kolonial=
miniſter
dabei ſehr ſchlecht weggekommen. Denn, man
darf nicht vergeſſen: er war der Mann, der den Burenkrieg
entfeſſelt und durchgeführt hat, und wenn man ſich der
Burenbegeiſterung Europas um die Wende des 19. und
20. Jahrhunderts entſinnt, ſo begreift man, daß Joſeph
Chamberlain gleichzeitig der beſtgehaßte Mann in zwei
Weltteilen war.
Längſt iſt darüber die Ernüchterung wiedergekehrt,
und im gleichen Maße hat ſich der Haß gegen Chamber=
lain
abgekühlt. Man muß ihm heute die Gerechtigkeit
widerfahren laſſen, daß er mit ſicherem Blick und kauf=
männiſch
kühler Berechnung die unausbleiblichen Not=
wendigkeiten
erkannt und im Intereſſe ſeines Vaterlandes
ſie als echter Engländer zielbewußt und rückſichtslos durch=
geführt
hat. Er hatte ſtets den Mut ſeiner Ueberzeugung,
ſowohl in ſeiner Jugend, als er als junger Kaufmann in
Birmingham radikale und republikaniſche Tendenzen ver=
folgte
, wie auch ſpäter als liberaler Politiker und Mini=
ſter
im Kabinett Gladſtone, und wie ſchließlich, nach ſei=
ner
Mauſerung, als unioniſtiſcher Führer auf der Seite
der beiden konſervativen Premiers aus dem Hauſe Cecil,
Salisburys und Balfours. Aus ſeiner jungen Sturm=
und Drangzeit ſtammte ſeine ungeheure Populariät in
ſeiner zweiten Vaterſtand Birmingham. Die Arbeiter gin=
gen
mit ihrem Joe durch dick und dünn; er wurde Bür=
germeiſter
der Stadt und hat ſie bis zu ſeinem Tode im
Unterhauſe vertreten. Seine Wiederwahl war Ehren=
ſache
, obwohl man wußte, daß er ſein Mandat nicht mehr
werde ausüben können. Hatte er ſich doch nach den all=
gemeinen
Wahlen von 1910 ins Unterhaus tragen laſſen,
müſſen, um den verfaſſungsmäßigen Eid als Member of
Parliament zu leiſten.
Seltſame Gedanken mögen dabei den Mann beſchli=
chen
haben, deſſen jugendliche Elaſtizität nicht allzu lange
vorher beinahe noch ſprichwörtlich geweſen war. Es gibt

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182.

darüber zwei hübſche Anekdoten. Eines Tages, noch
während ſeiner Miniſterſchaft, war Gladſtone, Englands
Grand old Man, der ſtets gern zu Fuß ging, in den
Straßen Londons von einem Cab angefahren und zu Bo=
den
geriſſen worden. Blitzſchnell ſtand aber der greiſe
Miniſterpräſident wieder auf den Beinen und lief der
Droſchke nach, um ſich die Nummer zu notieren. Als
Gladſtone, der ſich auf dem Wege ins Unterhaus befunden
hatte, dort dieſes Erlebnis erzählte, meinte Chamberlain:
Das kommt davon, daß Sie zu Fuß gehen. Ich ziehe es
vor, im Cab zu fahren und andere hinter mir herlaufen
zu laſſen. Die Londoner Cabs, dieſe flinken und be=
weglichen
Verkehrsmittel, hatte Chamberlain überhaupt
in ſein Herz geſchloſſen. Der reiche Mann beſaß zwar ele=
gante
Equipagen; aber er fuhr meiſt in einem Mietscab,
das er auf der Straße anrief. Und als man ihn eines
Tages, nicht mehr weit von ſeinem 70. Geburtstage,
fragte, wodurch er ſich nur ſeine außerordentliche Friſche
und Elaſtizität bewahrt habe, da entgegnete er: Weil
ich nie einen Schritt zu Fuß zurückgelegt habe, den ich
fahren konnte. Ich habe mir meine Kräfte dadurch be=
wahrt
, daß ich ſtets alle Wege im Cab zurückgelegt habe.

Deutſches Reich.

Die Reichsrechnung 1913. Der Reichs=
Anzeiger veröffentlicht die Ergebniſſe des Reichshaushalts
für das Rechnungsjahr 1913, wie ſie ſich nach dem Endab=
ſchluß
der Reichshauptkaſſe, abgeſehen von den auf die
außerordentlichen Deckungsmittel angewieſenen Ausgaben
geſtalten. Größere Fehlbeträge haben ſich bei der Reichs=
poſt
= und Telegraphenverwaltung, deren Ueberſchuß um
rund 19 Millionen hinter dem Voranſchlag zurückgeblieben
iſt, und bei den Zöllen, Steuern und Gebühren ergeben,
bei denen die Einnahmen um 10½ Millionen geringer
waren als der Etatsanſatz vorſah. Mehraufkommen ſind
unter anderem beim Bankweſen (18,4 Millionen) und beim
Münzweſen (14,8 Millionen) zu verzeichnen. Der letztere
Ueberſchuß wurde beſtimmungsgemäß zur Beſchaffung
eines außerordentlichen Silber= und Goldbeſtandes ver=
wandt
. Aus Vermächtniſſen ſind der Reichskaſſe 539000
Mark zugefloſſen, die der Kaiſer=Wilhelm=Stiftung für
deutſche Invaliden überwieſen worden ſind. Bei der
Verwaltung des Reichsheeres ſind an Einnahmen 1,7
Millionen mehr aufgekommen, und die fortdauernden Aus=
gaben
ſchließen mit einer Erſparnis von 22,3 Millionen
Mark, namentlich durch Minderaufwand bei den Kapiteln
Naturalverpflegung und Geldverpflegung der Truppen.
Ferner waren bei den einmaligen Ausgaben 256000 Mark
weniger erforderlich. Im ganzen hat ſich ein Ueberſchuß
von rund 21 Millionen Mark ergeben, der, den geſetzlichen
Beſtimmungen entſprechend, auf das Rechnungsjahr 1914
übertragen worden iſt. Daß es ſich bei dieſem Ueberſchuß
im weſentlichen um ein rechneriſches und formales Ge=
bilde
handelt, geht aus der Bemerkung des Reichs= Anzei=
gers
hervor, man müſſe bei dieſem Ergebnis berückſichti=
gen
, daß vom Rechnungsjahr 1913 ab der beſſeren Ueber=
ſichtlichkeit
wegen die Ueberſchreitungen übertragbarer
Fonds wie Ausgaben behandelt werden, die auf Mittel
ſpäterer Jahre vorſchußweiſe geleiſtet ſind und die dem=
zufolge
als Minusreſte erſcheinen. Das Geſamtausgabe=
ſoll
hat ſich demzufolge um die entſprechenden Beträge
ermäßigt und das Ergebnis um ebenſoviel günſtiger ge=
ſtaltet
. Würden die bezeichneten Ueberſchreitungen wie
bisher auch im Geſamtausgabeſoll erſcheinen, ſo würde
der Ueberſchuß zum größeren Teil ausgeglichen worden

ſein. Ein Troſt bleibt immerhin, daß der von vielen Sei
ten erwartete oder befürchtete Fehlbetrag der Reichsrech=
nung
für 1913 ausgeblieben iſt.
Aus Deutſch=Neuguinea. Das Amtsblat
für Deutſch=Neuguinea veröffentlicht den Schlußberich
über die Strafexpedition, die unter dem Befehl des Haupt=
manns
Frey wegen des Ueberfalles Deininger= Kemp=
in
Süd=Neumecklenburg notwendig geworden war. Di
Expeditionstruppe hat die Aufſtändiſchen von ihren Taro=
und Maisfeldern, ſowie von ihren Bananenbeſtänden ab=
geſchnitten
und durch erfolgreiche Ueberfälle mürbe ge=
macht
. Von den Haupträdelsführern ſind die Häuptlinge
Lam und Marit, wahrſcheinlich auch Kiphat, gefallen; vor
den Gefangenen wurden die am Ueberfall Beteiligten zu
hohen Gefängnisſtrafen verurteilt. Die Haltung der
Truppe war ſtets ſehr gut, ihr Geſundheitszuſtand trotz
der Regenzeit nicht ſchlecht. Die Verluſte beſchränkten ſich
auf 5 Verwundete.
Franzöſiſche Farben im Elſaß. Die
amtliche Korreſpondenz, das Organ der elſaß= lothringi=
ſchen
Regierung, veröffentlicht eine Erklärung folgenden
Inhalts: Es iſt in letzter Zeit mehrfach beobachtet wor=
den
, daß insbeſondere bei der Rückkehr von Ausflügen
über die Grenze Fahnen und Abzeichen aller Art in fran=
zöſiſchen
Farben in auffallender Weiſe getragen werden.
Es empfiehlt ſich daher, darauf hinzuweiſen, daß öffent=
liche
Ausſtellungen dieſer Farben nach Artikel 6 des De
krets vom 11. Auguſt 1878 und nach vielfachen gerichtlicher
Entſcheidungen eine ſtrafbare Handlung darſtellen, die mit
Gefängnis und erheblichen Geldſtrafen geahndet wird.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Eine Aenderung in Oeſterreichs aus=
wärtiger
Politik. In für gewöhnlich gut unter=
richteten
Kreiſen wird neuerdings mit aller Beſtimmtheit
behauptet, daß die verſchiedenen in der letzten Zeit ein=
getretenen
Ereigniſſe das Einſchlagen eines ſchärferen
Kurſes notwendig machen, und daß beſonders in der Lei=
tung
des Auswärtigen Amts eine gründliche Aenderung
eintreten wird. Es wird verſichert, daß die Kombination,
Graf Stephan Tisza werde die Leitung des Miniſteriums
des Aeußern übernehmen, greifbare Formen annimmt.
Frankreich.
Die Kämpfe in Marokko. Wie aus Rabat
gemeldet wird, wurde das Lager der Generale Baum=
garten
und Gourraud am Inauen=Fluß von Riata=Leuten
angegriffen. Die Marokkaner wurden zurückgeſchlagen
und erlitten ſehr große Verluſte. Die Franzoſen hatten
neun Tote, darunter einen Hauptmann, und 20 Verwun=
dete
, darunter zwei Offiziere. Jaurés ſchreibt in der
Humanité: Wie weit ſind wir von der Pazifizierung dort,
die man uns alle Tage ankündigt? Die Eroberung wird
immer ſchwieriger und koſtſpieliger werden, je größer die
zu beſetzenden Gebiete ſind. Ein ſehr großer Teil der
militäriſchen und finanziellen Hilfsquellen Frankreichs
wird dieſer undankbaren Aufgabe zugewendet werden
müſſen gerade jetzt, wo unſere Finanzlage eine traurige
iſt und der europäiſche Horizont trüber wird.
Die ſozialiſtiſche Gruppe beauftragte
Jaurés, bei der Erläuterung des Geſetzentwurfes über
die ruſſiſche Reiſe des Präſidenten der Republik auf der
Kammertribüne die Gründe darzulegen, welche die Gruppe
bewogen hätten, dieſe Kredite zu verweigern.

Spanien.
Die Kammer erörterte neuerdings die den Abt=
turienten
der deutſchen Schule in Madrid durch eine =
nigliche
Verordnung mit Gegenzeichnung des gegenwär=
tigen
Unterrichtsminiſters gewährte Zulaſſung zu den
ſpaniſchen Univerſitäten. Der Liberale Portela erklärte,
die Verordnung ſei ein Verſtoß gegen die Verfaſſung, der
Liberale Lopez Munoz ſah darin einen Verzicht auf die
ſpaniſche Souveränität. Der Miniſter erwiderte, die Ver=
ordnung
halte ſich innerhalb der Grenzen der Verfaſſung
und gefährde die Schulhoheit des Staates nicht, da nur
Deutſche von der Vergünſtigung Nutzen ziehen würden.
Uebrigens würde die Regierung die Kenntniſſe aller den
Zugang zur Univerſität Wünſchenden auf das ſchärfſte
nachprüfen.
Rußland.
Der Reichsrat hat den Geſetzentwurf, wonach
der Miniſterrat ermächtigt wird, die freie Einfuhr von
Kohle zur Deckung des Bedarfs der Privat= und Staats=
bahnen
auf ein Jahr vom 17. Juni ab zu geſtatten, ge=
nehmigt
.
Norwegen.
Das Storthing bewilligte dem Antrage des
Militärkabinetts zufolge für Verteidigungszwecke einen
außerordentlichen Kredit von 11,6 Millionen Kronen,
darunter 5,1 Millionen Kronen für die Befeſtigung des
Kriſtianiafjords.
Balkanſtaaten.
Bulgarien. Die Agence Bulgare meldet: Das
Miniſterium des Aeußern hat der rumäniſchen Geſandt=
ſchaft
eine Verbalnote überreicht, in der unter dem Ausdruck
des Bedauerns über den unglücklichen Grenzzwiſchenfall
das Miniſterium die Geſandtſchaft dahin verſtändigt, daß
die bulgariſche Regierung bereit ſei, ihrerſeits im Einver=
nehmen
mit der rumäniſchen Regierung Mitglieder für
eine gemiſchte Kommiſſion zu ernennen, die die Unter=
ſuchung
an Ort und Stelle vornehmen und die für den
Zwiſchenfall Verantwortlichen feſtſtellen ſoll.
Serbien. Zwiſchen der jungradikalen, nationali=
ſtiſchen
und fortſchrittlichen Partei wurde ein Abkommen
erzielt, wodurch alle drei oppoſitionellen Parteien ſich ver=
pflichten
, für die bevorſtehenden Wahlen gemeinſame
Kandidatenliſten aufzuſtellen. In oppoſitionellen Kreiſen
iſt man überzeugt, daß infolge des zuſtandegekommenen
Kompromiſſes das Kabinett Paſitſch eine Niederlage bei
den Wahlen erleiden wird.
Ching.
Eine chineſiſch=japaniſche Geſellſchaft
für induſtrielle Entwickelung hat ſich in Pe=
king
mit einem Kapital von 5 Millionen Dollar gebildet,
das zu gleichen Teilen in chineſiſchen und japaniſchen
Aktien angelegt iſt. Das Hauptbureau wird in Tokio, ein
Bureau in Peking und ein Zweigbureau in Schanghaf
ſein. Die Geſellſchaft beabſichtigt, induſtrielle und finang
zielle Geſchäfte zu betreiben. Nach chineſiſchen Meldun=
gen
wird Unterſtaatsſekretär Yangſhichi Generaldirektor
und Baron Shihbuſawa ſtellvertretender Generaldirektor
werden. Die Geſellſchaft beſtreitet einen Zuſammenhang
mit dem früheren von Sunyatſen gebildeten chineſiſch= ja=
paniſchen
Handelstruſt.
Der chineſiſch=belgiſche Plan für die Ent=
wickelung
der Mineralprodukte Chinas iſt infolge heftiger
Proteſte Englands und Amerikas zurückgezogen worden.
Er wird wahrſcheinlich ſpäter in abgeänderter Form, die

Einſamkeit.

C Es gibt Stunden, da uns die Einſamkeit zum Be=
dürfnis
wird. Alle Intereſſen, die uns an die Welt bin=
den
, fallen ab. Alle Wünſche konzentrieren ſich in dem
einen, in die Tiefe des Ichs hinabzuſteigen, in ſich ſelbſt
zu ruhen, Zwiegeſpräche zu halten mit den letzten, leiſen
Regungen der Seele, die ſonſt ſo ſelten zu Wort kommen.
Selbſt die Liebe der andern und die Gemeinſchaft der
Menſchen, mit denen wir leben, kann uns in dieſen Stun=
den
läſtig werden, da die Seele den Kampf um das eigene
Recht kämpft und nach Stille verlangt.
Wir brauchen das Alleinſein deshalb, weil wir ein=
heitliche
Menſchen bleiben wollen. Der Tag zerſtreut, zer=
faſert
, zerfrißt die Seele. Die vielen Anſprüche nehmen
uns gefangen, machen uns matt und lähmen die Kraft,
die auf einheitlicher Geſchloſſenheit ruht. Wir verlieren
uns ſelbſt, wenn wir im Getriebe der Zeit aufgehen. Wir
werden aus Perſönlichkeiten, die ihre Beſtimmung in ſich
ſelbſt tragen ſollen, zu bloßem Material, das durch den
Beruf und die drängenden Daſeinsintereſſen verarbeitet
wird. Da ſich aber die Seele ſo leicht nicht aufreiben
läßt, ſchreit ſie nach der Einſamkeit. Wir werden krank,
wenn wir nicht die ſtille Stunde finden, da wir zu uns
ſelbſt kommen, da ſich die verzettelten Kräfte der Seele
neu zuſammenſchließen und der geſamte Geiſt neu er=
blüht
. Die Einſamkeit gibt uns die ſchöpferiſchen Stun=
den
, da das Leben der Seele unverfälſcht quillt, da wir
geiſtig neugeboren werden und das Ich ſeine Auferſtehung
feiert. Ja, das Ich feiert ein Wiedererkennungsfeſt. Sich
ſelbſt war es verloren gegangen und nun erkennt es ſich
wieder in der Einſamkeit. Deshalb freut es ſich der Ein=
ſamkeit
. Alle ſchöpferiſchen Menſchen, die der Welt etwas
von ihrem wahren Ich geben wollten, haben die Einſam=
keit
geliebt, denn in ihr hörten ſie die Brunnen des höhe=
ren
, genialen Lebens rauſchen. Alle großen Perſönlichkei=
ten
ſind in der Einſamkeit gewachſen und haben die Wüſte
geſucht, um ſich ſelbſt zu finden.
Iſt ſo die Einſamkeit die Mutter der großen Gedan=
ken
und des geiſtigen Lebens, ſo beſonders des tiefſten
ſeeliſchen Erlebens, der Religion. Gott ſpricht nie ſo deut=
lich
zum Menſchen, als wenn er in die Stille geht. Wie
alles Leben geheimnisvoll geboren wird, tief in der Hülle
des Keims, im Kelch der Blume, im Schoß des Lebendi=
gen
, ſo wird die Religion wach, wenn die Stimmen des
Tages ſchweigen. Gott iſt auch im Kampf der Politik, im
Lärm des Marktes, im Sturm der Zeit, aber wir ver=
nehmen
ihn nicht. Seine Stimme wird übertönt durch
das Gewirr des Tages. Aber in der Stille ſchwillt er

gleichſam an, er ſteigt aus verborgenen Gründen, er
drängt nach unſerem Herzen. Er iſt um uns als die ſtill
virkende Kraft, die hinter allem ſteht und uns umfängt.
Wir hören ſie nicht, wir ſehen ſie nicht, aber wir empfin=
den
ſie in der Seele. Unſere ſtark und rein gewordene
Seele ſchlägt ihr entgegen, jauchzt ihr entgegen, geht in
ſie ein. Wir haben gleichſam ein neues Organ bekom=
men
, die gewaltig ſtille Sprache der Ewigkeit zu ver=
ſtehen
. Um uns iſt ein ſtarkes, brauſendes Meer: Gott.
Deshalb lieben wir die Einſamkeit.

Van Goghs Ende.
Aus des Meiſters letzten Briefen.

Das Lebenswerk des großen Malers van Gogh iſt
jetzt in Berlin in einer viele Hundert Bilder umfaſſenden
Geſamtausſtellung vereinigt, die das künſtleriſche Ereignis
der letzten Wochen bildete, und zugleich bringt der Veran=
ſtalter
dieſer Gedächtnisſchau, Paul Caſſirer, in ſeinem
Verlag ein großes Werk heraus, das uns die ungeheure
Tragik im Daſein dieſes Künſtlers, die wir aus ſeinen
Bildern mit dumpfem Schauder ahnten, in ihrer ganzen
erſchütternden Tiefe offenbart. Es ſind die Briefe Vin=
cent
van Goghs an ſeinen Bruder und an ſeine Familie,
deren zweiter abſchließender Band ſoeben erſcheint; in
dieſen dreihundert z. T. zu leidenſchaftlichen Bekenntniſſen
ſich weitenden Schreiben ſtellt ſich uns die ganze Ent=
wicklung
dieſes ſpät zur Kunſt Gekommenen dar, ſein ver=
zweifeltes
Ringen mit Hunger und Seelenqual um tech=
niſche
Vollendung und um jenen farbigen Ausdruck ſeiner
Seele, der das letzte Wort ſeines Schaffens ſpricht, ſeine
kurze Reife und Meiſterſchaft, die bereits mit ſeinem ent=
ſetzlichen
Ende ſo eng verſchwiſtert ſind. Aus dem Irren=
haus
, in dem der an ſchwerer Epilepſie Erkrankte ſein
letztes Lebensjahr verbrachte, ſtammen viele ſeiner er=
ſchütterndſten
Bilder, ſind zahlreiche Briefe an den ge=
liebten
Bruder gerichtet, der ihn durch Jahre der Not er=
halten
und in dem er den zweiten Schöpfer ſeiner
Werke ſah. So hebt ſich nun der Schleier, der bisher van
Goghs Ende und das Geheimnis ſeiner Höhenkunſt um=
hüllte
, und tief ergriffen ſchauen wir in ein Antlitz voll
jener übermenſchlichen Trauer, aus der die ewigen Gaben
der Schönheit entſtehen.
Nachdem ſich van Gogh Ende 1883 endlich zu der Ge=
wißheit
durchgerungen hatte: Ich bin ein Maler ſtürzt
er ſich wie toll in die Arbeit, von Bruder Theo mit den
notdürftigſten Exiſtenzmitteln verſorgt. In dieſer Zeit,
die ihm ſpäter als zehn Jahre im Zuchthaus verbracht

erſchien, verwendet er jeden Pfennig, den er ſich abſparen
kann, auf Modelle, Farben und Leinwand und hungert
ſo viel, daß ſein Magen ſchließlich gar kein Eſſen mehr
verträgt. Wenn ich Geld bekomme, iſt mein größter
Hunger, wenn ich auch gefaſtet habe, nicht auf das Eſſen,
ſondern noch ſtärker auf das Malen gerichtet, und dann
gehe ich ſogleich auf die Modelljagd, und das ſetze ich
durch, bis es aufgebraucht iſt Zu Ende der ſchlimmen
Entbehrungszeit in Antwerpen iſt er völlig entkräftet und
ſeitdem faſt immer krank, mit einer heißen Sehnſucht nach
Geſundheit. Meine Neuroſe wie er es nennt, freilich
ſchon lange vorbereitet durch Vererbung und Entwicklung,
ſie nimmt von hier ihren ſichtbaren Ausgang. Seine Be=
gier
nach unerhörten Wundern der Farbe treibt ihn aus
Paris, wo er bei dem Bruder weilt, nach dem Süden, nach
Arles. Hier findet er, was er braucht: Ich habe jetzt
das Meer hier geſehen, und ich empfinde mit ganzem Her=
zen
, wie wichtig es iſt, im Süden zu bleiben. Man darf
Afrika nicht fern von ſich haben, um die Farbe bis zum
Aeußerſten zu treiben. Nun iſt er, im Jahre 1888, ſo
weit gekommen, daß er ſeine Bilder in einer Sitzung
herunterhauen kann und z. B. das ſchwarzgelbe Porträt
der Mme. Ginoux, wohl die berühmteſte Faſſung ſeiner
Arleſerin in dreiviertel Stunden fertig macht. Aber
die Erregung ſeiner Nerven iſt auch aufs Höchſte geſtiegen,
und ſo erfolgt, Ende 1888, der erſte ſchreckliche Ausbruch
ſeiner Krankheit. Er ſchneidet ſich in einer Nervenkriſis
ſelbſt ein Stück von ſeinem Ohr ab und wird blutend und
bewußtlos ins Krankenhaus von Arles gebracht. Ueber=
raſchend
ſchnell erholte er ſich wieder. Ich verſichere Dir,
die paar Tage im Spital waren ſehr intereſſant ſchreibt
er an den Bruder, nachdem er entlaſſen iſt. Man lernt
da vielleicht von den Kranken zu leben. Es war, hoffe
ich, eine einfache Künſtlerſchrulle und daneben noch ein
tüchtiges Fieber infolge des ſehr beträchtlichen Blutver=
luſtes
, da eine Arterie durchſchnitten war. Doch bald
muß er wieder ins Spital; er geht freiwillig hin und läßt
ſich dann auch freiwillig in ein Tollhaus einſperren in
die Anſtalt St. Remy, wo er vom Mai 1889 bis zum Mat
1890 ſein trübes Daſein friſtete.
Ich glaube, es wäre eine Quälerei ebenſo für die
andern wie für mich, wenn ich aus dem Spital heraus=
käme
erklärte er; denn ich fühle mich und ich bin wie
paralyſiert und ich kann nicht mehr handeln und mich be=
herrſchen
. Später, mein Gott, wer lebt, wird ſehen. Es
wird richtig bleiben, daß um dieſe grellgelbe Note, die
mir dieſen Sommer gelang, zu erreichen, alles ein wenig
auf die Spitze getrieben werden mußte. Schließlich iſt
der Künſtler ein Mann der Arbeit und nicht der erſtbeſte
Maulaffe; man kann ihn nicht endgültig kaput machen.

[ ][  ][ ]

Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1941.

Seite 3.

mit den älteren Rechten nicht in Widerſpruch ſteht, wieder
auftauchen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 5. Juli.

Empfänge. Der Großherzog empfing geſtern
den Großh. Generalmajor à la suite der Kavallerie
Freiherrn v. Heyl, den Major Wangemann beim Stabe
des 2. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiments Nr. 61, den
Oberleutnant v. Ilſemann vom Leibgarde=Infanterie=
Regiment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, kommandiert von
der Kriegsakademie zur Dienſtleiſtung beim Leib= Dra=
goner
=Regiment (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24, den Feuer=
werkshauptmann
Ortmann beim Truppenübungsplatz
Darmſtadt, den Diplom=Ingenieur Herszberg, den Förſter
Laut von Viernheim, den Profeſſor Hoetger, den Ober=
baurat
Hummel, vortragender Rat im Finanzminiſterium,
die Frau Lilly Wolfskehl; zum Vortrag den Staats=
miniſter
v. Ewald, den Finanzminiſter Braun, den
Miniſter des Innern v. Hombergk zu Vach, den Vor=
ſtand
des Kabinetts Wirkl. Geheimerat Römheld.
* In den Ruheſtand verſetzt wurden der Gerichts=
vollzieher
mit dem Amtsſitz in Worms Jakob Licks auf
ſein Nachſuchen mit Wirkung vom Tage des Dienſt=
antritts
ſeines Nachfolgers unter Anerkennung ſeiner
langjährigen treuen Dienſte, der Gerichtsvollzieher mit
dem Amtsſitz in Zwingenberg Friedrich Konrad Becker
auf ſein Nachſuchen mit Wirkung vom Tage des Dienſt=
antritts
ſeines Nachfolgers unter Anerkennung ſeiner
langjährigen treuen Dienſte und der Gerichtsvollzieher
mit dem Amtsſitz in Langen Adam Kern auf ſein
Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte, und allen dreien die Krone zum Silbernen
Kreuze des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
verliehen; ferner der Werkführer Guſtav Strupp zu
Mainz, die Lokomotivführer Karl Wenner zu Frank=
furt
a. M. und Georg Frickel zu Darmſtadt, ſämtlich
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft.
Ernennungen. Zu Regierungsbaumeiſtern ſind
ernannt worden die Regierungsbauführer Wilhelm
Hüffell aus Freiburg i. B., Alfred Meiſinger aus
Zotzenheim (Rheinheſſen), Joſef Schlippe aus Darm=
ſtadt
und Theodor Wildeman aus Bonn a. Rh.
Durch Entſchließung des Miniſteriums des Innern
wurde der Lehramtsreferendar Friedrich Kerſting
zu Madrid (deutſche Realſchule) zum Lehramtsaſſeſſor
ernannt.
* Militärdienſtnachricht. v. Storch, Gen.=Maj.
und Kom. d. 15. Kav.=Brig., ehemals Drag. 23, m. d.
Führ. d. Garde=Kav.=Div. beauftragt.
* Landtagsabgeordneter Friederich F. In Groß=
Rohrheim ſtarb der Landtagsabgeordnete Oekonomierat
Jakob Friederich. Er war Vertreter des Wahlkreiſes
Gernsheim=Pfungſtadt und gehörte der Fraktion des
Bauernbundes an. Der Verſtorbene war auch Mitglied
der Landwirtſchaftskammer. Der Zweiten Kammer ge=
hörte
er ſeit dem 17. November 1911 an. Die Beerdigung
findet am Montag mittag 1 Uhr 30 Min. in Groß=
Rohrheim ſtatt. Präſident Köhler wird im Namen der
Zweiten Kammer einen Kranz am Grabe niederlegen.
g. Provinzialausſchuß. Das Kreisamt Offenbach
hatte dem Karl Schumann den Wandergewerbeſchein
verſagt, da er wegen Hehlerei vorbeſtraft iſt. Der Pro=
vinzialausſchuß
verwarf die eingelegte Berufung. Durch
die Verpflegung des Maurers Daniel Schaffner aus
Berkach ſind dem Ortsarmenverband Frankfurt 364,80 M.
Koſten entſtanden. Er klagt um Erſtattung dieſer Summe
gegen den Ortsarmenverband Berkach und verlangt Ueber=
nahme
des Schaffner in eigene Fürſorge, da dieſer ſeinen
Unterſtützungswohnſitz in Berkach hat und dauernd hilfs=
bedürftig
iſt. Berkach lehnt den Erſatzanſpruch ab, weil
der Vater des Erkrankten in der Lage ſei, die Koſten zu
bezahlen. Frankfurt iſt der Anſicht, daß ein 58jähriger
Maurer mit einem Taglohn von 5 Mark täglich nicht in
der Lage ſei, die Verpflegung eines tuberkulöſen Men=
ſchen
, die einen Aufwand von 4,50 Mark täglich erfordere,
zu übernehmen. Der Provinzialausſchuß verurteilt
Berkach dem Klageantrag gemäß. Die Firma Matern
Glenz in Lauerbach will die durch die Papierfabrikation
entſtehenden Abwäſſer in die Mümling einleiten. Gegen
dieſes Geſuch hat die Gräfliche Rentkammer zu Erbach

Einwendungen erhoben, weil die Abwäſſer Stoffe ent=
hielten
, die der Fiſchzucht ſchädlich ſeien. Sowohl die
chemiſche Prüfungsſtation als auch die Kulturinſpektion
zu Darmſtadt hätten übereinſtimmend die Reinigung dieſer
ſchädlichen Abwäſſer vor ihrer Einleitung in die Müm=
ling
für nötig erachtet. Der wertvollſte Fiſch der Müm=
ling
, die Forelle, könne nur in reinem Waſſer gedeihen.
Der Kreisausſchuß Erbach verwarf die Einwendungen als
unbegründet. Gegen dieſen Entſcheid legte der Vertreter
der Rentkammer Berufung an den Provinzialausſchuß
ein. Der Provinzialauschſuß entſchied dahin: Der Firma
Matern=Glenz wird die Genehmigung erteilt, die Abwäſſer
ihrer Pappdeckelfabrik einzuleiten unter der Bedingung,
daß, falls bei Aenderung der Waſſerverhältniſſe ein Ab=
ſterben
der Fiſche infolge der eingeleiteten Stoffe eintreten
ſollte, der Kreisausſchuß Erbach befugt iſt, ein oder meh=
rere
geeignete Klärbecken nach Angabe der Großh. Ge=
werbeinſpektionſanzuordnen
. Die Koſten des Verfahrens
trägt der Unternehmer, einſchließlich ein Drittel der durch
die Einwendung der Gräflichen Rentkammer erwachſenen
Koſten.
g. Strafkammer I. Im April wurden bekanntlich in
zwei dem Karuſſellbeſitzer Chriſtoph Schaffner III. in
Pfungſtadt gehörende Wagen, die zwangsweiſe verſtei=
gert
wurden, etwa zwei Zentner Saccharin entdeckt. Sch.
ging damals flüchtig. Er hatte in der Schweiz Geſchäfts=
reiſen
unternommen und wollte jedenfalls durch den
Schmuggel ſeinen zerrütteten Finanzen aufhelfen. Ein
Tragbalken der Wagen war ausgehöhlt und mit Eiſen
beſchlagen, weshalb der geſchmuggelte Süßſtoff trotz zwei=
maliger
eingehender Unterſuchung nicht gefunden wurde.
Die Strafkammer hatte ſich nun geſtern mit der Einziehung
des Saccharins, das einen Wert von 5000 bis 6000 Mark
repräſentiert, zu befaſſen. Dagegen erhoben die Steigerer
Einſpruch, die behaupteten, den Süßſtoff mit erworben zu
haben. Die Einziehung wurde vom Gericht ausgeſprochen.
Zwei Rechtsanwaltsgehilfen, der 26 Jahre alte Heinr.
Hofmann und der 22 Jahre alte Ludwig Allgeier
beide von Lampertheim, waren, Hofmann der Unterſchla=
gung
und ſchweren Urkundenfälſchung, Allgeier der Heh=
lerei
angeklagt. Hofmann hatte ſchon früher etwa 1500
Mark unterſchlagen, wobei er auch Unterſchriften auf Poſt=
anweiſungen
fälſchte. Damals war dieſes Treiben ent=
deckt
worden und ihm Verzeihung gewährt worden; trotz=
dem
ſetzte er dieſes Tun fort. Allgeier nahm in einzelnen
Fällen Beträge an. Hofmann wird zu 6 Monaten Ge=
fängnis
, Allgeier zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt.
O Zur 7. Sitzung der Stadtverordnetenverſammlung
am Donnerstag, den 9. Juli, nachmittags halb 4 Uhr,
iſt folgende Tagesordnung feſtgeſetzt: 1. Mitteilungen.
2. Geſuch um Geſtattung einer Ausnahme von der Be=
ſtimmung
in § 5 des Ortsbauſtatuts für Errichtung eines
Unterkunftshäuschens am Martinspfad. 3. Geſuche um
Befreiung von baupolizeilichen Beſtimmungen: a) in § 32
der Baupolizeiordnung für die Hofreite Große Ochſen=
gaſſe
21; b) in Artikel 31 der Allgemeinen Bauordnung
und § 51 Abſatz 1 der Ausführungsverordnung zur All=
gemeinen
Bauordnung für zwei Neubauten in der Lich=
tenbergſtraße
; e) in § 32 des Ortsbauſtatuts für Liebig=
ſtraße
15; d) in § 34 der Baupolizeiordnung für Hein=
heimerſtraße
21; e) desgleichen für Beſſunger Straße 6.
4. Aenderung der §§ 34 und 38 des Ortsbauſtatuts der
Stadt Darmſtadt. 5. Freigabe der Oſtſeite des Donners=
bergringes
zwiſchen Sandberg= und Weinbergſtraße für
den Anbau. 6. Verlegung des Einganges zur Radrenn=
bahn
an der Heidelberger Straße. 7. Umbau des zweiten
Polizeireviers. 8. Abänderung der Ortsſatzungen über
das Gewerbe= und Kaufmannsgericht. 9. Voranſchlag des
Ludwig=Georgs=Gymnaſiums, des Neuen Gymnaſiums,
der Liebigs=Oberrealſchule für 1915. 10. Entwurf einer
neuen Friedhofs= und Beſtattungsordnung für die Stadt
Darmſtadt. 11. Die Verſicherung der Dienſtboten; hier:
endgültige Feſtlegung der mit der Ortskrankenkaſſe getrof=
fenen
Vereinbarung.
* Künſtlerkolonie=Ausſtellung. Das Großh.
Landesmuſeum hat das Relief Tanz im Bad, von
Profeſſor Bernb. Hoetger, käuflich erworben.
H Vom Truppenübungsplatz Darmſtadt. Am 29.
Juni d. J. ſind die Feldartillerie=Regimenter Nr. 69 und
70 mit Brigadeſtab auf dem Truppenübungsplatz zur Ab=
altung
ihrer Schießübungen eingetroffen. Dieſe Regi=
nenter
, die zur 34. Feldartilleriebrigade (16. Armeekorps)

gehören, garniſonieren zurzeit in St. Avold, Truppen=
übungsplatz
Bitſch und in Metz. Am Schluß der Schieß=
übung
wird das Feldartillerie=Regiment Nr. 69 am 16.
Juli, das Feldartillerie=Regiment Nr. 70 am 17. Juli
durch den kommandierenden General des 16. Armeekorps,
von Mudra, und den Inſpekteur der Feldartillerie,
von Gallwitz, auf dem Truppenübungsplatz im
Scharfſchießen beſichtigt. Am 18. Juli kehren der Stab
der 34. Feldartillerie=Brigade und beide Feldartillerie=
Regimenter per Bahn in ihre Standorte zurück. Am 22.
Juli treffen die Feldartillerie=Regimenter Nr. 27 und
63 mit ihrem Brigadeſtab aus Mainz, Wiesbaden und
Frankfurt, ebenfalls zur Abhaltung ihrer Schießübungen,
hier ein, und findet ihre Beſichtigung am 5. und 6. Auguſt
vor dem kommandierenden General des 18. Armeekorps,
Exzellenz von Schenck, auf dem Truppenübungsplatze
ſtatt.
* Verein Walderholungsſtätte. Unter dem Ehren=
vorſitz
der Fürſtin Marie zu Erbach=Schönberghielt
der Verein Walderholungsſtätte in der Walderholungs=
ſtätte
am Beſſunger Forſthaus eine Vorſtandsſitzung ab.
Der Vorſitzende, Herr Bürgermeiſter Mueller, hieß die
Erſchienenen, insbeſondere die hohe Protektorin des Ver=
eins
, herzlich willkommen, gab einen kurzen Ueberblick über
den bisherigen Beſuch der Erholungsſtätten und bemerkte,
daß die ſteigende Inanſpruchnahme es notwendig mache,
die Döckerſche Baracke in der Männerſtätte gegen einen
feſten Holz= oder Fachwerkbau auszuwechſeln. Zur Durch=
führung
dieſer Aufgabe wurde eine Veranſtaltung zugun=
ſten
des Vereins ins Auge gefaßt. Angeſichts der von
Jahr zu Jahr wachſenden Beſucherzahl und der hierdurch
vermehrten Betriebskoſten wurde beſchloſſen, in die Wer=
bung
neuer Mitglieder einzutreten. Da die Walderholungs=
ſtätten
von ſachverſtändiger Seite als ein hervorragendes
Mittel im Kampfe gegen die Tuberkuloſe anerkannt wor=
den
und auch im übrigen das ſozial wohltätige Wirken
dieſer Tagesſanatorien außer Zweifel ſteht, hofft man, im
Kreiſe der Bürgerſchaft wohlwollendes Entgegenkommen
zu finden, zumal die derzeitigen Mitglieder dem Verein
mit geringen Ausnahmen ſeit der Gründung treu geblie=
ben
ſind. Ein Rundgang durch die beiden Erholungs=
heime
, die in ihrer friedlichen Abgeſchiedenheit, ihrer wohl=
tuenden
Ruhe und dem erquickenden Schatten eines herr=
lichen
Buchenbeſtandes ſo recht eine Stätte des Behagens
und der Erholung für die zahlreich vertretenen Pfleglinge
bieten, beſchloß die Sitzung. Den vom Städt. Kranken=
haus
für die örtliche Aufſicht zur Verfügung geſtellten bei=
den
Schweſtern wurde für ihre Tätigkeit Anerkennung zu=
teil
.
* Kurſe in Säuglingspflege. Die Großh. Zen=
trale
für Mutter= und Säuglingsfürſorge in Heſſen
veranſtaltete in ihren Räumen, Heinheimerſtraße 21, in
der Zeit vom 15. bis 30. Juni 1914, abends 810 Uhr,
einen Schweſtern=Fortbildungskurſus mit Demon=
ſtrationen
. Der Kurſus umfaßte 12 Beſprechungen an
aufeinander folgenden Wochentagen und behandelte die
geſamte Pflege und Ernährung des Säuglings. Gleich=
zeitig
fand vormittags von 1012 Uhr ein ebenſolcher
Kurſus für junge Mädchen und Frauen ſtatt. Die Kurſe
waren zuſammen von insgeſamt 32 Teilnehmerinnen be=
ſucht
, die den Beſprechungen außerordentlich lebhaftes
Intereſſe entgegenbrachten. Da bereits weitere Mel=
dungen
eingegangen ſind, beginnt ein neuer Kurſus
am 15. Juli d. J., abends 8 Uhr. Die Teilnehmerkarten
ſind im Bureau der Großh. Zentrale zum Preiſe von
1 Mk. erhältlich.
C Alkoholfreies Volksſpeiſehaus. Geſtern nachmittag
fand die Eröffnung des alkoholfreien Speiſehauſes
in dem Hauſe Nieder=Ramſtädter Straße Nr. 14, gegen=
übek
der Hochſtraße, ſtatt, zu der ſich zahlreiche Mitglieder
der Darmſtädter Frauen= und Wohltätig=
keitsvereine
eingefunden hatten. Die zu ebener Erde
gelegenen Wirtſchaftsräumlichkeiten erhalten durch große
Erkerfenſter eine Fülle von Licht und auch die innere Aus=
ſtattung
der Erfriſchungs= und Speiſeräume mit ihren
weißgedeckten und mit Blumen geſchmückten Tiſchen mach=
ten
einen anheimelnden familiären Eindruck. Ganz be=
ſondere
Sorgfalt wurde auf die Ausſtattung der Speiſe=
küche
gelegt, die mit den neueſten Einrichtungen für die
Zubereitung der Speiſen und Getränke ausgeſtattet iſt.
Verabreicht werden zu mäßigen Preiſen Kaffee, Tee, ſowie
zahlreiche alkoholfreie Erfriſchungsgetränke; ferner Obſt=

Er wird allmählich wieder ruhiger, aber all ſeine Hoff=
nung
iſt in der ſchrecklichen Umgebung, in der er ſich be=
findet
, begraben. Es iſt ziemlich komiſch, aber das Er=
gebnis
dieſer ſchrecklichen Kriſe iſt, daß es in meinem
Geiſt weder Wunſch noch Hoffnung gibt. Und ich frage
mich, iſt das wirklich, daß, wenn die Leidenſchaften ein
wenig erlöſchen, man den Berg hinabgeht, anſtatt ihn zu
erſteigen? =Schließlich, meine Schweſter, wenn Sie zu
glauben vermögen, wenigſtens faſt, da alles in dieſer
beſten der Welten zum Beſten geht, dann können Sie viel=
leicht
gleicherweiſe glauben, daß Paris die beſte aller
Städte iſt. . . . Obwohl es hier einige Schwerkranke gibt,
hat ſich die Furcht, der Schrecken, den ich früher vor der
Verrücktheit hatte, ſchon ſehr gemildert. Und obwohl man
beſtändig Schreie und furchtbares Heulen wie von Tieren
in einer Menagerie hört, ſo kennen ſich trotzdem die Leute
hier gut untereinander und einer hilft dem andern, wenn
er in eine Kriſe fällt. Wenn ich im Garten arbeite, be=
ſuchen
Sie mich, um es zu ſehen, und ich verſichere Sie
ſie ſind zurückhaltender und höflicher und laſſen mich mehr
in Ruhe, als z. B. die guten Bürger von Arles. Es ließe
ſich gut machen, daß ich hier ziemlich lange bliebe. Nie=
mals
könnte ich ſo ruhig wie hier, oder im Krankenhauſe
von Arles malen. Ganz in der Nähe hier gibt es kleine
Berge, grau oder blau, deren Fuß voller Kornfelder ſteht
und ganz, ganz grün von Pinien iſt. Ich ſchätzte mich ſehr
glücklich, wenn es mir gelänge, etwas zu arbeiten, um zu
verdienen. Denn es macht mir viel Sorge, wenn ich mir
ſage, ich habe ſo viele Bilder und Zeichnungen gemacht,
ohne jemals zu verkaufen. Leiden zu lernen, ohne zu
klagen, und den Schmerz mit Widerwillen hinnehmen:
das iſt gerade der Punkt, wo man ſchwindlig werden
kann klagt er ein andermal. Indeſſen mag es wohl
ſein, daß wir in einem andern Leben die wahren Gründe
der Schmerzen erkennen, die uns im Diesſeits den Hori=
zont
manchmal ſo verdüſtern, daß wir ſchon verzweifelt
vor einem Weltuntergang zu ſtehen glauben. Wir wiſſen
alſo ſehr wenig von der wirklichen Bedeutung dieſer
Dinge, und wir tun beſſer daran, ein Weizenfeld, ſelbſt
wenn es nur ein gemaltes iſt, anzuſchauen. Nur ſeine
Arbeit ſchützte ihn davor, demſelben dumpfen Hinbrüten
zu verfallen, wie ſeine Leidensgenoſſen. Die Arbeit zer=
ſtreut
mich unendlich mehr als alles andere. Könnte ich
mit all meiner Energie hineindringen, ſo wäre ſie wohl
das beſte Heilmittel. Die Unmöglichkeit, Modelle zu be=
kommen
, und eine Menge anderer Dinge hindern mich,
dahin zu gelangen. Schließlich muß ich verſuchen, die
Dinge etwas paſſiv und mit Geduld aufzunehmen.

Meine Hofnung beſteht darin, daß ich am Ende eines
Jahres beſſer als jetzt weiß, was ich kann und was ich
will, und vor allem kann ich nach einem Jahr ganz all=
mählich
wieder anfangen. Nach Paris zurückzugehen
oder ſonſt wohin, mißfällt mir ſehr, ich fühle mich jetzt
vollkommen am richtigen Platz. Nach meiner Meinung
leiden die, die ſeit vielen Jahren hier ſind, an einer über=
mäßigen
Erſchlaffung; davor wird mich bis zu einem ge=
wiſſen
Grade meine Arbeit bewahren. Der Saal, wo
man ſich während der Regentage aufhält, iſt wie ein
Warteſaal dritter Klaſſe in einer ſchlafenden Stadt. Um
ſo mehr, als es einige irrſinnige Perſonen gibt, die immer
einen Hut tragen, eine Brille, einen Stock, und tun, als
wenn ſie auf der Reiſe wären, beinahe wie in einem See=
bad
, und die glauben, hier durchzufahren. Wohl klagt
er über ſchlechtes Eſſen, über die Käfer, die mitunter in
der Suppe ſind aber er iſt ruhiger geworden und die
Aengſte vor der Verrücktheit die ihn peinigten, nehmen
beträchtlich ab, wenn ich ſo ganz aus der Nähe die Men=
ſchen
ſehe, die davon ergriffen ſind
Immer wieder rafft er ſich auf. Ich will trotz allem
nicht ermatten, und auf jeder neuen Leinwand ſuche ich
Neues. Ach, ich möchte glauben, ich habe eine neue Zeit
voll Helle vor mir. Was ſoll man tun, ſoll ich hier blei=
ben
oder anderswohin ziehen? Ich weiß es nicht. Wenn
die Kriſen ſich einſtellen, ſind ſie nicht angenehm, und es
iſt ſchwer, einen Anfall wie dieſen bei Dir oder anderen
zu riskieren. Mein lieber Bruder, ich ſchreibe Dir immer
während der Arbeit, ich pflüge wirklich wie ein Beſeſſe=
ner
. Ich habe eine ſtumme Arbeitswut in mir, mehr als
je. Ich glaube, das trägt zu meiner Geneſung bei. Noch
läßt er die Hofnung nicht ſinken. Du ſagteſt mir, ich ſoll
mich nicht zu ſehr ſorgen, und beſſere Tage kämen noch
für mich. Ich möchte ſagen, dieſe guten Tage beginnen
bereits für mich, wenn ich die Möglichkeit ſehe, meine Ar=
beit
etwas zu vervollkommnen, damit Du eine Reihe
durchempfundener provenealiſcher Studien beſitzt, die zu=
ſammen
paſſen. In der fernen Erinnerung an unſere Ju=
gend
in Holland iſt es für mich ein Feſt, die Olivenpflücke=
rinnen
für die Mutter und die Schweſter noch einmal zu
machen. Es erleichtert mich, daß ich eines Tages bewei=
ſen
könnte, daß ich die Familie nicht arm machte. Und
die ewigen Wunder der Natur tauchen vor ihm auf und
er bannt ſie mit der alten Kraft auf die Leinwand. Das
Blätterwerk, das noch wie altes Silber ausſieht, beginnt
gegen das Blau zu grünen lautet ſolch eine Landſchaft
van Goghs in Worten. Der gepflügte Boden iſt orange=
farben
. Das iſt von einer Feinheit, einer Vornehmheit.

Das iſt wie die abgeſchnittenen Trauerweiden unſerer
holländiſchen Wieſe oder die eichenen Büſche auf unſeren
Dünen. Das heißt, dieſes Murmeln eines Olivengartens
hat etwas ganz intim Heimliches, wie unendlich Altes.
Der Kirſchlorbeer, ach, das ſpricht von Liebe und iſt ſchön
wie das Bild von Puvis des Chavannes, worauf es
Frauen am Strand gibt. Aber der Olivenbaum iſt eine
andere Sache, das kann man, wenn man will, mit Dela=
croix
vergleichen. Als er ſeinen berühmten Mäher
vollendet hat, ſchreibt er: Es iſt das Bild des Todes,
ſo wie es das große Buch der Natur verkündet. Was ich
darin anſtrebe, iſt das faſt lächelnde‟. Es iſt ganz gelb
außer einer violetten Hügellinie, hellgelb und blond. Ich
finde das komiſch, ich, der ich es durch die eiſernen Stäbe
einer Zelle ſah. Er ſpricht von dem Viſionären, das in
ſeine Kunſt kam, da er unter der ſtärkeren Sonne des
Südens lebte. Hätte ich die Kraft gehabt, fortzufahren,
ſo hätte ich Bilder von heiligen Männern und Frauen
nach der Natur geſchaffen, die das Geſicht unſerer Jahr=
hunderte
trugen; das waren Bürger von heute, und trotz=
dem
hatten ſie Beziehungen mit den allererſten Chriſten.
Die Erregung, die mir das verurſachte, iſt indes zu ſtark
geweſen, als daß ich dabei bleiben konnte.
Im Mai 1889 verläßt er die Anſtalt von St.=Remy
und findet Unterkunft bei einem feinſinnigen Freunde der
modernen Malerei, Dr. Gachet in Auvers. Auch hier
ſchafft er rüſtig weiter, doch die Melancholien überwäl=
tigen
ihn mehr und mehr. Er malt Bilder, ungeheure
ausgeſtreckte Felder unter wolkigem Himmel, und es fällt
mir nicht ſchwer, meine ganze Traurigkeit auszudrücken,
die äußerſte Einſamkeit‟ Die ſchwarzen Vögel, die auf
ſeinem letzten Werk über dem vom Sturm zerwühlten
Kornfeld flattern, ſcheinen die Vorboten der Kataſtrophe.
In einem Anfall unüberwindlicher Schwermut verſucht er
ſich am Abend des 27. Juli 1890 zu töten und ſtirbt am
29. an der Wunde. Sein letzter Brief und ſein letzter Ge=
danke
galten dem Bruder, deſſen ſorgende Güte und auf=
opfernde
Hilfe dieſem müden Wanderer durch das Laby=
rinth
der Welt bis zuletzt geleitet. Nun, meine Arbeit
gehört Dir, ſo lauten die letzten Zeilen des Briefes vom
27. Juli, den Theo bei dem Toten fand. Ich ſetze dafür
mein Leben ein, und meine Vernunft ging dabei zur
Hälfte drauf. Gut, aber Du gehörſt nicht zu den Menſchen=
händlern
, das weiß ich, und Du kannſt, wie ich finde,
Stellung nehmen, da Du wirklich mit Menſchlichkeit han=
Dr. P. L.
delſt, aber was willſt Du.

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Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182.

und andere Kuchen uſw. und Eis. Auch Tagesſpeiſen
werden in dem Volksſpeiſehaus verabreicht werden. Ein
kleiner idylliſcher Wirtſchaftsgarten ſchließt ſich an die
Reſtaurationsräume an. Die Leitung des geſamten
Reſtaurationsbetriebes liegt in den Händen von Fräulein
Roſi Dietſch, während die Geſamtorganiſation unter
Aufſicht eines Verwaltungsrates ſteht. Der heutige Be=
ſuch
des Alkoholfreien Speiſehauſes war ein ſehr
ſtarker.
* Sonderzug Frankfurt-Hamburg. Der Heſſiſche
Landes=Ausſchuß des Deutſchen Flottenvereins, Darm=
ſtadt
, Waldſtraße 1, gibt eine beſchränkte Anzahl von
Fahrkarten für den von ihm veranſtalteten Sonderzug,
der am 16. Juli 8,25 vorm. von Frankfurt Weſtbahn=
hof
abgeht, 7,07 nachm. in Hamburg HBH. an=
kommt
, auch an Nichtmitglieder ab; II. Kl.: 14,50 Mk.,
III. Kl.: 9,80 Mk. einſchl. Zuſendungs=Franko und Fahr=
plan
. Ausgabe von heute an gegen Frei=Einſendung
des Betrags oder vorm. Heinrichſtr. 99 Kaſſe, nachm.
Waldſtr. 1. Es handelt ſich nur um die Hinfahrt.
* Rad= und Motorrennen in Darmſtadt. Es
wird nochmals auf die heute nachmittag 3½ Uhr ſtatt=
findenden
großen Rennen des Velociped=Klubs auf der
Rennbahn hingewieſen. Das an dieſer Stelle ver=
öffentlichte
Programm hat durch Nachmeldungen eine
Beſetzung erfahren, in einer Form, wie ſolche in Darm=
ſtadt
ſeit Jahren nicht war. Ein guter Sport ſteht
alſo in Ausſicht. Außerdem kommt ein Göricke=Rad
(Modell Baſel-Cleve), welches bei der Firma Benz & Co.
ausgeſtellt iſt, zur Verloſung. Die zur Ausgabe kommen=
den
Ehrenpreiſe ſind im Schaufenſter von Hoffriſeur
Hermes, Luiſenſtraße, ausgeſtellt.
* Städtiſche Leſehalle. Die Räume der Städtiſchen
Leſehalle ſind nach Grafenſtraße 30 verlegt und von
Montag, den 6. Juli, wieder für den öffentlichen Ver=
kehr
zugänglich. Die Oeffnungszeiten ſind wie ſeither
vormittags von 102 Uhr und abends von 6—½10 Uhr.
An Sonntagen von 111 Uhr und nachmittags von
69 Uhr. Die Bücherhalle bleibt bis auf weiteres
geſchloſſen.
* Einziehung von Fernſprechgebühren. Am
6. Juli wird mit der Einziehung der Fernſprechgebühren
begonnen werden. Es empfiehlt ſich, die fälligen Be=
träge
bereitzuhalten.
Selbſtmord. Am Freitag abend gegen 9 Uhr
hat ſich ein 64 Jahre alter Mann in ſeiner Wohnung
mittelſt eines Revolvers erſchoſſen.
* Bilder vom Tage. In der Bilderauslage unſerer
Expedition (Rheinſtraße 23) ſind folgende Bilder über das
Attentat in Serajewo ausgeſtellt: Erzherzog Franz Fer=
dinand
mit Gemahlin und ihren Kindern. Der Schau=
platz
des Revolverattentates in Serajewo. Erzherzog
Franz Ferdinand und Gemahlin verlaſſen das Rathaus.
Der Mörder Princip wird ins Gefängnis gebracht.
Der neue Thronfolger Erzherzog Karl Franz Joſef
und Erzherzogin Zita.

Neu hergeſtellte Fernſprechanſchlüſſe
und Henderungen bei beſtehenden Sprechſtellen.

a) Neue Anſchlüſſe. 2341 Bertſch, Adam, alkohol=
freie
Getränkefabrikation, Kahlertſtraße 1. (475) Boden=
heimer
, Simon, jun., Wohnung Wendelſtadtſtraße 1. 2339
Fleiſchverkauf J. Dengler, Metzgerei, Kiesſtraße 21. 2349
Gerbig, Johann, Schuhmachermeiſter, Heidelbergerſtr. 1.
1736 Groebe=Grimm, K., Kaufmann, Roßdörfer Straße 75.
2344 Haßlinger, Johann, Metall= und Phosphorgießerei,
Neue Kirſchenallee 6. (488) Heß, Philipp, Zuſchneiderei,
Landgraf=Georg=Straße 32. 2345 Heſſiſche Landeszeitung,
Redaktion, Grafenſtraße 39. 1624 Hubert, W., Martin=
ſtraße
60. 841 Marmorſchleiferei, Kiesſtraße 22. 2342
Martens, William, Heilinſtitut für naturgemäße Heilweiſe
und Körperkultur, Neckarſtraße 10. 2296 Meßner, J., Dr.
Chemiker, Schießhausſtraße 102. 2342 Neues Leben, ärzt=
lich
geleitetes Inſtitut für natürliche Heilweiſe und Kör=
perkultur
, Neckarſtraße 10. 2342 Oberdörffer, Dr. med.
ärztlicher Leiter des Heilinſtituts Neues Leben, Neckar=
ſtraße
10. 2409 Seibert, B., Neubau Luftſchiffhalle, Wei=
terſtädter
Exerzierplatz. 2340 Spangenberger, Heinrich
Bäckermeiſter, Schloßgaſſe 31. 2337 Thüſing, Franz, Kar=
toffelhandlung
, Landesprodukten, Kahlertſtraße 36.
b) Aenderungen. 1989 Götz, Georg. Wendelſtadt=
ſtraße
31, jetzt Wienersſtraße 38. 1057 Hüffell, W., über=

tragen an Frau Sophie Hüffell. 1711 Mueller, Martin=
ſtraße
33, jetzt Roquetteweg 16½. 872 Nathan, Siegfried,
Saalbauſtraße 65, jetzt 73. 629 Neu u. Co., L., Heidel=
berger
Straße 7, jetzt Karlſtraße 66. 1015 Roth, B. G.,
Wilhelminenſtraße 7, jetzt 8. 1667 Schmidt=Rauch, L.,
Wilhelminenſtraße 10, jetzt Zimmerſtraße 7. (2506)
Sichel, Guſtav, Schulſtraße 10, jetzt Wittmannſtraße 23.
c) Abgebrochene Sprechſtellen. 2244 Alſen,
Herta. 1860 Bernhardt, Karl. 2088 May, Lippmann
Frau. 1291 Schoeller, W.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 4. Juli 1914.

Butter, ½ kg 1,201,30 M.
in Part. ½ kg 1,10-1,15 M.
7 9 Pf.
Eier, Stück
Schmierkäſe,½ Lit. 18-20 Pf.
Handkäſe, Stück 410 Pf.
Kartoffeln, alte, Ztr. 4-5 M.
neue, hieſige
Zentner . 910 M.
alte, Kumpf
(10 Liter) 6570 Pf
alte, ½ kg 56 Pf.
neue hieſige,
½ kg . . 910 P
Malteſer . . 14 Pf.
Obſt u. dergl.:
Kirſchen, ½ kg 1618 Pf
Johannisbeer. ½kg 18-20 Pf.
Zitronen, Stück . 56 Pf.
Heidelbeeren,
Schoppen . . 1415 Pf.
Apfelſinen, Stück 58 Pf.
Walderdbeeren,
Schoppen . 3035 P
Nüſſe, unreif, 100 St. 50-70 Pf.
Eierſchwämme ½ kg 30 Pf.
Ananas, ½ kg 3035 Pf
60 Pf.
Pfirſiſche, ½ kg
Aprikoſen, ½ kg 5060 Pf.
Birnen, ½ kg 4050 Pf
Himbeeren, ½ kg 2025 Pf
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück 36 P
Erbſen, ½ kg . . 20 Pf.
Zuckererbſen, ½kg 2530 Pf.
Kohlrabi ½ kg . 36 Pf
Radieschen, Bündel 23 P
Nettiche, Stück . 38 Pf.
Meerrettich, Stück 2530 Pf
Roterüben, Bündel 6 Pf.
Zwiebeln, ½ kg 25 P
Stück . 23 Pf.
Tomaten ½ kg 2530 Pf
. 25 Pf.
Spinat, ½ kg
Weißkraut, Stück 2530 Pf.

Römiſch=Kohl Bünd. 2-3 Pl.
Blumenkohl, Stück 20-40 Pf.
Wirſing, Stück . 10 25 Pf.
Rhabarber ½ kg 10 Pf
Saubohnen, ½ kg 18-25 Pf.
Gelberüben, Bündel 36 Pf.
Spargel, ½ kg . . 45 P
Gurken, Stück . 1030 P
zum Einmachen Stück8 Pf
Bohnen, ½ kg . . 30 P
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg . 1,00 M.
Enten, Stück 3,504,50 M.
Hahnen, Stück 3,003,50 M.
Hühner, 2,503,00 M.
Tauben, Stück 5060 Pf.
Rehfleiſch . 0,000,00 M.
1,001,20 M.
Lapins
2,003,00 M.
Zicklein
Fiſche:
Hecht, ½ kg 0,901,00 M.
M.
Aal, ½ kg
Karpfen, ½ kg . . 70 Pf.
Andere Rheinfiſche,
. 3560 Pf.
½ kg .
Rotzungen, ½ kg . 60 P
Schollen, ½ kg . . 50 Pf
Kabeljau, ½ kg . 30 Pf
Schellfiſche, ½ kg 30 Pf.
In den Fleiſchſtänden.
Rindfleiſch, ½ kg 6670 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg . 70 Pf
Rindsfett ½ kg . 56 Pf
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 76 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
84 Pf
kg
Schwartemagen und
Fleiſchwurſt, ½ kg 76 Pf
Leber= und Blutwurſt,
½ kg
60 P
Ziegenfleiſch, ½ kg 60 Pf

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenben
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Nedaktion ihr Urteil vor.

* Union=Theater (Kunſtlichtſpiele, Rhein=
ſtraße
6). Einen großen Detektivſchlager bringt für die
nächſten Tage das Union=Theater. Er ſtammt von der
Nordiſchen Film=Kompagnie und betitelt ſich Graf
Zarka‟ Der Inhalt des Stückes iſt voll von Romantik
und vor allen Dingen ſpannend bis zum Schluß. Da die
beſten nordiſchen Schauſpieler mitgewirkt haben, iſt
ſelbſtverſtändlich, daß etwas Erſtklaſſiges herausgeko
men iſt. Der Wiſſenſchaft und Belehrung und trotzdem
der Unterhaltung dient die Naturaufnahme Aus der
Tierwelt Amerikas während bei den Humoresken ſchon
der Titel das Beſte ahnen läßt. Die eine der beiden be=
titelt
ſich nämlich Vater wider Erwarten und iſt ſo
zwerchfellerſchütternd, daß das Publikum nicht aus dem
Lachen herauskommen dürfte. Auch die weitere Humo=
reske
Die verirrte Kugel iſt reich an überwältigender
Komik, und wenn man dann noch berückſichtigt, daß auch

eine große Zahl von Einlagen zur Verfügung ſteht, kann
man wohl ſagen, daß man es mit einem Weltſtadt=
programm
zu tun hat.
K. Roßdorf, 3. Juli. (Feuer.) Heute nacht halb 3
Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr alarmiert. Es
brannte bei Herrn Dr. Baumann. Die Feuerwehr, die
raſch zur Stelle war, fand aber den Brand ſchon abge=
löſcht
. Herr Dr. Baumann hatte ihn mit ſeinem Garten=
ſchlauch
erfolgreich bekämpft.
Biſchofsheim, 4. Juli. (Ein ſchwerer Unfall)
ereignete ſich geſtern hier im Stalle des 60jährigen Land=
wirts
Heinrich Schneider. Als der Landwirt das Pferd
anſchirren wollte, ſcheute es, Schneider ſtürzte zu Boden
und erlitt eine erhebliche Kopfverletzung. Beim Aufſtehen
erhielt er noch von dem Pferde einen Hufſchlag in den
Rücken, wodurch er ſchwere Verletzungen erlitt. Der Ver=
letzte
wurde ins Krankenhaus nach Mainz gebracht.
Offenbach, 4. Juli. (Vom Zuge überfahren
und getötet.) Im Gelände des neuen Güterbahnhofs
ereignete ſich geſtern nachmittag ein ſchweres Unglück. Als
der ledige 37 Jahre alte, in Oberſtetten geborene Arbeiter
Joſef Fiori kurz nach halb 4 Uhr vor dem aus Altona
kommenden D=Zug 86 an der Hafenbrücke das Gleis über=
ſchreiten
wollte, wurde er vom Zuge erfaßt und ſofort
getötet. Der Zug wurde ſofort zum Stehen gebracht. Die
Leiche des Verunglückten war bis zur Unkenntlichkeit ver=
ſtümmelt
. Sie wurde nach dem Städtiſchen Friedhofe
gebracht.
Bensheim, 4. Juli. (Vom Blitz erſchlagen.)
Bei dem geſtern abend niedergegangenen Gewitter wurde
ein 14jähriges Mädchen von einem Blitzſchlag getroffen
und war ſofort tot.
Lampertheim, 4. Juli. (Feuer.) Bei dem geſtrigen
ſchweren Gewitter ſchlug der Blitz gegen 10 Uhr abends
in das Anweſen des Küfers Metzner in der Moltkeſtraße.
Das Stallgebäude wurde ein Raub der Flammen. Men=
ſchen
ſind nicht verletzt. Die Feuerwehr war trotz des
cheußlichen Wetters ſehr ſchnell zur Stelle und beſchränkte
das Feuer auf ſeinen Herd.
* Erbach, 3. Juli. (Eulbacher Markt.) Der
weit und breit im Odenwalde und über ſeine Grenzen
inaus bekannte Eulbacher Markt ſteht wieder vor der
Tür. Das Feſt wird Sonntag, den 19., Montag, den 20.,
und Sonntag, den 26. Juli, gefeiert und wird ſicher auch
diesmal wieder eine Menge Menſchen in unſer an Sehens=
würdigkeiten
gar reiches Odenwaldſtädtchen führen. Am
weiten Markttage, Montag, den 20. Juli, nachmittags
von 1 Uhr ab, findet auf dem Feſtplatze wieder ein land=
wirtſchaftliches
Trab= und Galopp=Reiten ſtatt.
M. Nackenheim, 3. Juli. (Tödlicher Sturz.) Der
Maurergeſelle Otto Neidhardt, hier wohnhaft, der am
Transformatorenturm der Kapſelfabrik allein arbeitete,
wurde im Innern des Turmes mit zertrümmertem Schä=
del
tot aufgefunden. Der Verunglückte iſt wahrſcheinlich
aus Neugierde durch eine Lucke von außen in den Turm
geſtiegen und dabei abgeſtürzt. Neidhardt, ein fleißiger
junger Mann, war noch ledig.

Verband Heſſiſcher Verkehrs=Vereine.

Nach längerer Pauſe hatte der Vorort des Ver=
bandes
Heſſiſcher Verkehrs=Vereine den Arbeitsausſchuß
des Verbandes zu einer Sitzung nach Mainz=Stadthalle
eingeladen. Der Vorſitzende, Herr Rentner Sieben=
Auerbach, zugleich Vorſitzender des Verkehrs=Ausſchuſſes
der Bergſtraße, begrüßte die erſchienenen Herren aus den
drei Provinzen. Vor Eintritt in die Tagesordnung wies
der Vorſitzende auf die Ehrenpflicht der Heſſiſchen Ver=
kehrs
=Vereine hin, mit allem Nachdruck in ihren Kreiſen
auf die beiden bedeutenden Kunſtausſtellungen in Darm=
ſtadt
im laufenden Sommer aufmerkſam zu machen, und
verteilte entſprechendes Empfehlungsmaterial. Nach Ver=
leſung
des Protokolls der letzten Sitzung, zu welchem
keine Einwände erhoben wurden, wurde in die Tages=
ordnung
eingetreten. Die Generalverſammlung des Ver=
bandes
(Verbandstag) ſoll in der zweiten Hälfte des
September in Offenbach a. M. ſtattfinden, nachdem
Oberheſſen (Gießen), das turnusgemäß an der Reihe ge=
weſen
wäre, gebeten hatte, den Verbandstag 1915 dort
abzuhalten. Die Tagesordnung der Verbandstage liegt

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

P. Münchner Theater. Das Münchner Künſt=
lertheater
, von dem eine neue, vertiefte Bühnenkunſt ihren
Ausgang nehmen ſollte, hat in den fünf Jahren ſeines
Beſtehens die verſchiedenſten Wandlungen durchgemacht.
Eines iſt jedenfalls ſicher: Statt dem deutſchen Theater
ſeine idealen Abſichten überliefern zu können, mußte es
ſelbſt die Gewalt der Tatſachen der heutigen Theater=
wirklichkeit
an ſich erfahren. Aus der künſtleriſchen Kult=
ſtätte
von 1908 iſt ein Gaſtſpieltheater geworden, in dem
nicht der genius loci entſcheidet, ſondern die Qualität der
Gäſte. Heuer gaſtiert Luiſe Dumont mit den Düſſeldor=
fern
. Als Eröffnungsvorſtellung wählte man Shake=
ſpeares
Sturm. Ein kühnes Unterfangen, dieſem
geiſtigſten Werk des Dichters Geſtalt zu verleihen. Jeder
Verſuch, den Sturm auf die Bühne zu bringen, wird
immer mehr oder weniger eine Improviſation bleiben,
die Dichtung gleicht in dieſer Hinſicht dem zweiten Teil
des Fauſt. Was aber am 2. Juli im Münchner Künſtler=
theater
geboten wurde, wirkte bereits vielfach wie eine
ndgültige Prägung. Ueber Tempo und Tonſtärke der
Aufführung wird es verſchiedene Meinungen geben kön=
nen
, über den Ernſt, mit dem man den geheimſten Inten=
tionen
des Dichters nachſpürte, kann nur eine Stimme
herrſchen. Man leiſtete das Menſchenmögliche, das Gei=
ſtige
, Geahnte, die Vorgänge der Phantaſie vor die Sinne
zu zaubern. Die durchſichtige, ſchwebende Geſtalt des
Ariel, das am Boden haftende Halbtier Caliban waren
von einer Gegenſtändlichkeit und Glaubwürdigkeit, daß
man ſchwören möchte, Shakeſpeare habe dieſe Geſchöpfe
ſich ſo und nicht anders gedacht. Prospero, von Eduard
Rothauſer trefflich geſpielt, vereinigte in vollkommener
Weiſe die Strenge des Geiſterbeherrſchers mit der Milde
des ſchickſalgeprüften Weiſen. Dieſe ganze ſpukhafte Zau=
berwelt
mit ihrem Durcheinander menſchlicher Torheiten
und Leidenſchaften, beherrſcht von der Königsmacht des
Geiſtes, übte die nachhaltigſte Wirkung. Die prächtigen,
ſtets wechſelnden Bühnenbilder mit ihren Nymphen= und
Moriskatänzen machen das Werk auch zu einer Sehens=
würdigkeit
für diejenigen, denen der myſtiſche Sinn der
Dichtung verſchloſſen iſt. Die Muſik von Anton Beer
Walbrunn kann ſelbſtändigen Wert beanſpruchen.
Gleich nach Beginn der Vorſtellung ſetzte ein raſender Ge=
witterſturm
ein, ſo daß in dem dünn gebauten Haus kein
Wort mehr verſtändlich war. Die Vorſtellung mußte da=

her wegen dieſer zu realiſtiſchen Inſzenierung des
Sturms auf eine halbe Stunde unterbrochen werden.
Trotz dieſer Störung hatte das Werk einen ſtarken Erfolg.

ck. Die Desinfektion der Mundhöhle durch ultra=
violette
Strahlen. Die keimtötende Wirkung des Son=
nenlichts
iſt ſeit geraumer Zeit bekannt. Wie ſich die höhe=
ren
Organismen unter ſeinem Einfluſſe entwickeln und es
zur Erhaltung ihrer Lebensfunktionen dringend bedür=
fen
, ſo übt es im Gegenſatz dazu eine vernichtende Wir=
kung
auf die niedrigſten Lebeweſen, die Bakterien, aus.
Es iſt aber nicht das ſtrahlende Licht im Ganzen, dem
dieſe Eigenſchaft zukommt, ſondern der Teil, der unſicht=
bar
iſt und die kurzwelligen, chemiſchen Strahlen, das
ſogen. Ultraviolett, enthält. Bakterienkulturen, die
mit ultraviolettem Lichte beſtrahlt wurden, büßten bald
ihre Fortpflanzungsfähigkeit ein und ſtarben ab. Noch
ſtärker war der Effekt, wenn zu den beſtrahlenden Ob=
jekten
fluoreſzierende Subſtanzen hinzugeſetzt wurden.
Als Lichtquelle dienen dieſem Zweck beſonders kon=
ſtruierte
elektriſche Quarzlampen, die ſehr viel ultra=
violette
Strahlen ausſenden. Es lag nahe, zu unter=
ſuchen
, ob man dieſe Kräfte nicht zur Steriliſierung und
Desinfektion ausnützen könnte. Dieſe Vermutung hat ſich
beſtätigt: ſo gibt es eine Methode, Trinkwaſſer durch ultra=
violettes
Licht keimfrei zu machen, die für die Heeresgeſund=
heitspflege
im Felde von größter Bedeutung iſt. Neuer=
dings
iſt man dazu übergegangen, auch den menſchlichen
Körper von Bakterien auf dieſe Weiſe zu befreien. So
haben Prof. Dr. Friedberger und Dr. Shioji im
pharmakologiſchen Inſtitut der Berliner Univerſität, wie
ſie in der Deutſchen Mediziniſchen Wochenſchrift berich=
ten
, Diphtheriebazillen in der Mundhöhle eines Kanin=
chens
durch Beſtrahlung zum Verſchwinden gebracht. Dazu
muß allerdings die Quarzlampe mit einem Anſatzſtück
verſehen und in den Mund eingebracht werden. Die
Dauer der Beſtrahlung mußte 30 Minuten währen, wenn
Sterilität erzielt werden ſollte. Vielleicht eröffnen ſich hier
Wege zur Bekämpfung mancher Infektionen. Leider ſind
die ultravioletten Strahlen nicht ſehr durchdringend, ſon=
dern
werden von der Oberfläche abſorbiert, ſo daß ſie
keine Tiefenwirkung entfalten können. Bakterielle Herde
im Innern des Körpers bleiben daher unbehelligt. Eine
weitere Nutzanwendung der ultravioletten Strahlen iſt
von den genannten Autoren bei der Kuhpockenlymphe
(Vaccine) gemacht worden. Es kommt bei dieſer alles
darauf an, ſie keimfrei zu machen. Durch die üblichen
Steriliſierungsverfahren wie ſtarkes Erhitzen kann ſie in

ihrer Wirkſamkeit ſtark beeinträchtigt werden, durch ultra=
violette
Strahlen aber werden allein die Bakterien
zerſtört.
C.K. Das drahtloſe Telephon nach Neu=York. Aus
London wird berichtet: Nach einer Erklärung, die der
Leiter der Marconi=Geſellſchaft vor der britiſchen Domi=
nions
Royal=Kommiſſion abgab, wird Marconi aller
Vorausſicht nach noch vor Abſchluß des laufenden Jahres
drahtlos von London nach Neu=York telephonieren kön=
nen
. Und wenn die drahtloſen Stationen, die England
und Buenos Aires verbinden, ſo fügte Mr. Jſaacs hinzu.
fertiggeſtellt ſind, wird Marconi aller Vorausſicht nach
auch nach Buenos Aires drahtlos telephonieren können.
Als Sir Rider Haggard fragte, ob es dann einem Teil=
nehmer
des drahtloſen Fernſprechnetzes möglich ſein
werde, von ſeiner Wohnung aus überallhin in die Welt
zu ſprechen, erklärte der Leiter der Marconi=Geſellſchaft:
Ich möchte heute noch nicht ſo weit gehen. Aber es wird
möglich ſein, in London auf eine beſtimmte Station zu
gehen und von dort aus mit Neu=York zu ſprechen.
* Ein prähiſtoriſcher Urnenfriedhof bei Hamburg ge=
funden
. Aus Hamburg wird geſchrieben: Bei den
Ausgrabungen, die das Hamburgiſche Muſeum für Völ=
kerkunde
bei Fuhlsbüttel in der Nähe des Alſter=
fluſſes
vornehmen ließ, iſt ein intereſſanter Fund gelun=
gen
. Man ſtieß auf einen vorgeſchichtlichen Urnenfried=
hof
, der nicht weniger als 230 Urnen mit reichem Inhalt
an Schmuck= und Gebrauchsgegenſtänden aufweiſt. Die
Urnen, die zum Teil ſehr gut erhalten ſind, ſtammen aus
der Uebergangsperiode von der älteren zur jüngeren
Eiſenzeit. Den Anlaß zu den Nachforſchungen gaben
Feſtſtellungen, die man bei Arbeiten zur Alſterregulierung
in Fuhlsbüttel machte. Der Urnenfriedhof iſt der um=
fangreichſte
, den man bisher in Norddeutſchland entdeckt
hat.
* Ein griechiſcher Kriegskarren. Bei den Ausgra=
bungen
, die im Picenum von Prof. Dall’Oſſo unter=
nommen
werden, ſind eine Reihe wertvoller Funde ge=
macht
worden, die in das neue archäologiſche Muſeum in
Arcona gebracht werden. Beſonders erregt darunter,
wie die Kunſtchronik berichtet, ein griechiſcher Kriegs=
karren
Intereſſe, der in einem großen Grabe bei Monte=
fiore
ſull’ Aſo gefunden wurde; andere Gräber enthielten
verſchiedenartige Waffen und einen merkwürdigen Man=
tel
, der ganz aus elfenbeinernen und gläſernen Ringen
beſteht.

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Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Seite 5.

in der Satzung feſt. Außer Erledigung der Regularien
und Berichten der angeſchloſſenen Vereine über ihre Tätig=
keit
kommt ein Antrag des Arbeitsausſchuſſes zur Be=
ratung
über Regelung der Stimmenzahl bei Abſtimmun=
gen
und über Wiederwählbarkeit des Vorortes nach Ab=
lauf
ſeiner Amtsperiode.
Der weitere Punkt der Tagesordnung betraf die Be=
teiligung
des Verbandes an der großen Ausſtellung Aus
hundert Jahren Kultur und Kunſt Düſſeldorf 1915, ſpe=
ziell
an der Grupe Deutſchland als Verkehrs= und
Reiſeland, ſeine Bäder und Kurorte‟ Der Vorſitzende
verlas den Bericht des Rheiniſchen Verkehrs=Vereins über
ſeine Generalverſammlung in Barmen, wie er in der letz=
ten
Nummer der Deutſchland erſchienen iſt, und regte
an, daß ſich der Verband an dieſen großen Rheiniſchen
Landesverband, dem die meiſten und bedeutendſten Mit=
glieder
des Vaterlandes ebenfalls angehören und der die
Abſicht habe, ſich in großzügiger Weiſe an der Düſſeldorfer
Ausſtellung zu beteiligen, in einer noch näher feſtzuſtellen=
den
Form anſchließen ſolle. Der Vorſitzende wurde be=
auftragt
, ſich über die Einzelheiten mit dem Rheiniſchen
Verkehrs=Verein, deſſen Vorſtand er ja ebenfalls angehöre,
in Verbindung zu ſetzen und alsdann einer ſpäteren Aus=
ſchußſitzung
zu berichten.
Der nächſte Punkt der Tagesordnung betraf die
Dioramen=Ausſtellung der heſſiſchen Städte und der Berg=
ſtraße
in Bad Nauheim. Der Vorſitzende mußte leider
berichten, daß es ihm nicht gelungen ſei, die für die Wie=
dereröffnung
dieſer permanenten und für den Fremden=
verkehr
in den beteiligten Städten und Gegenden äußerſt
wichtigen Ausſtellung nötigen Gelder, trotz monatelanger
und energiſcher Bearbeitung dieſer Frage, zuſammen zu
bringen. Die Ausſtellung iſt nun auf ſeine Anregung
durch die zuſtändigen Behörden ſachgemäß abgebrochen
und in Verwahrung genommen worden. Der letzte Punkt
der Tagesordnung betraf innere Verhältniſſe zum Bund
Deutſcher Verkehrs=Vereine Leipzig. Die Beziehungen zu
dieſer großen Verkehrsorganiſation ſind erfreulicherweiſe
die beſten und werden ſtändig mit allem Nachdruck ge=
pflegt
. Mehrere Vertreter des Verbandes waren auf der
letzten Generalverſammlung in Köln anweſend. Der
Vorſitzende gab noch Kenntnis von der Gründung des
Naſſauiſchen Verkehrs=Verbandes. Dem Vorſtand dieſes
Verbandes gehören mehrere maßgebende Herren des Ar=
beitsausſchuſſes
an.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 3. Juli. Prinz Wil=
helm
, der älteſte Sohn des Kronprinzen,
der heute ſein achtes Lebensjahr vollendet, hat, nach Mel=
dungen
verſchiedener Blätter, den Leutnant v. Kühne
vom erſten Leibhuſaren=Regiment als militäriſchen Er=
zieher
zugeteilt erhalten. Die Staatsbürger=
Zeitung hat nunmehr aufgehört, als Tages=
zeitung
zu erſcheinen. Dem Spreeverlag des Herrn
Lebius, der die Zeitung vor etwa Jahresfriſt übernom=
men
hatte, hat dieſer Kauf verſchiedene Tauſende gekoſtet,
da die Zahl der Abonnenten minimal war und immer
mehr zurückging, und auch das Inſeratengeſchäft nicht den
erhofften Gewinn brachte. Jetzt iſt die Staatsbürger=
Zeitung aus der Zahl der Tageszeitungen geſtrichen, um
fortan Donnerstags als Wochenblatt unter der alten Ten=
denz
zu erſcheinen.
Hirzenach a. Rh., 4. Juli. (Eiſenbahnunfall.)
Geſtern abend entgleiſten von dem Schnellzug 368 Dort=
mund
=Frankfurt bei der Station Hirzenach die Ma=
ſchine
, der Tender, der Pack= und ein Perſonenwagen in=
folge
von Unterwaſchungen des Schienenſtranges, die ein
wolkenbruchartiger Gewitterregen verurſacht hatte. Per=
ſonen
wurden nicht verletzt. Der Verkehr wird durch Um=
ſteigen
aufrecht erhalten.
Bad=Dürkheim, 4. Juli. (4 Millionen Paſſi=
ven
und ke ine Aktiven.) Ueber das Vermögen
der Weinhandlung Gebrüder Eckel in Deidesheim ( alleini=
ger
Inhaber war der verſtorbene Kommerzienrat Fritz
Eckel) wurde die Nachlaßverwaltung bei dem Amtsgericht
Dürkheim beantragt. Die Paſſiven der Firma werden
auf annähernd vier Millionen Mark geſchätzt. Freie Ak=
tiven
ſollen keine vorhanden ſein. Alle namhaften Be=
ſitzungen
der Firma ſollen den intereſſierten Banken ver=
pfändet
ſein.
Freiburg i. B., 4. Juli. (Von der Univerſi=
tät
.) Der außerordentliche Profeſſor für deutſches bür=
gerliches
Recht, Handels= und Privatverſicherungsrecht,
Dr. Hoeninger, hat einen Ruf an die Handelshochſchule
in München als hauptamtlicher Dozent erhalten. Der
außerordentliche Profeſſor für Nationalökonomie und Fi=
nanzwiſſenſchaft
Dr. Robert Liefmann iſt vom Großher=
zog
zum ordentlichen Honorarprofeſſor ernannt worden.
Einbeck, 4. Juli. (Großfeuer.) Die etwa 400 große ſteinerne Michelſche Mühle, die ſich im Be=
ſitz
der Gebrüder Runge befindet, iſt heute nacht nieder=
gebrannt
. Sämtliche Maſchinen wurden zerſtört. 500 Sack
Mehl und alle Vorräte ſind verbrannt. Der Schaden
wird auf 200000 Mark geſchätzt. Die Entſtehungsurſache
iſt unbekannt.
Halle, 4. Juli. (Todesfall.) Der Romaniſt, Uni=
verſitätsprofeſſor
Geh. Regierungsrat Hermann Su=
chier
, iſt geſtern abend geſtorben.
Graz, 3. Juli. (Unwetter.) Heute mittag ging
über Graz ein furchtbarer Hagelſchlag mit wolkenbruch=
artigem
Regen nieder, der die Straßen fußhoch unter Waſ=
ſer
ſetzte. Die Hagelſchloßen bedeckten den Boden mit
einer 10 Zentimeter hohen Schicht. Zur Wegräumung
der durch die Hagelkörner gebildeten Eisbarriere mußte
Militär herangezogen werden. Opfer an Menſchenleben
ſind nicht zu beklagen. Der angerichtete Schaden iſt je=
doch
ſehr groß.
Paris, 4. Juli. (Prinz Jean de Bour=
bon
.) In Montpellier ſtarb der Prinz Jean de
Bourbon ein Enkel des Uhrmachers Naundorff, des an=
geblichen
Sohnes Ludwigs XVI., im Alter von 42 Jahren.
Paris, 4. Juli. (Der Ausſtand der Berg=
leute
) im Loirebecken und im Departement Hérault ge=
winnt
an Ausdehnung. Dagegen haben die Bergleute des
Norddepartements auf den Rat des Gewerkſchaftsaus=
ſchuſſes
die Arbeit wieder aufgenommen und beſchloſſen,
die Entſcheidung des morgen in Denain ſtattfindenden
Kongreſſes abzuwarten.
Nizza, 4. Juli. (Im Fort Mont=Agel) bei
Nizza entgleiſte ein Waggon der Feldbahn, die zur Beför=
derung
von Munition benutzt wurde. Ein Artilleriſt
wurde getötet und acht mehr oder minder ſchwer verletzt.
Griſolles, 4. Juli. (Oberſtleutnant von
Winterfeldt) hat heute in Begleitung ſeiner Gemah=
lin
Griſolles verlaſſen und ſich nach Aucamville
bei Toulouſe begeben, wo er ſeine völlige Geneſung ab=
warten
will. Vor der Abreiſe ſprach Frau von Winter=
feldt
dem Bürgermeiſter den Dank aus für die liebens=
würdige
Aufnahme ſeitens der Bevölkerung.

Gent, 3. Juli. (Einſturz eines Neubaus.)
In Pamel ſtürzte beim Neubau des Spitals eine Mauer
ein. Drei Arbeiter wurden unter den Trümmern begra=
ben
und tödlich verletzt. Ein ähnlicher Unfall ereignete
ſich in St. Ghislain bei Mons. Dort wurden vier Ar=
beiter
beim Einſturz eines Gebäudes ſchwer verletzt.
Stockholm, 4. Juli. (Poſtdiebſtahl.) Aus dem
hieſigen Poſtamte ſind einer Meldung des Lokal=Anzeigers
zufolge auf bisher noch nicht aufgeklärte Weiſe Barbe=
träge
und Wertſendungen im Betrage von 21000 Mark
entwendet worden.
London, 4. Juli. (Wahlweiber=Untaten.) Das
Schloß Tiallymenoch bei Halywood in Irland iſt von
Stimmrechtlerinnen in Brand geſteckt worden. Das Schloß
wurde mit ſeinen unermeßlichen Kunſtſchätzen vollſtändig
eingeäſchert. Die Feuerwehren waren infolge des durch
die große Hitze herrſchenden Waſſermangels machtlos. Der
Schaden wird auf 400000 Mark geſchätzt. (Ein er=
ſchütternder
Vorfall.) Ein Vergnügungsdamp=
fer
kehrte auf der Themſe von Hampton Court zurück, als
ein junger Mann, ein Neffe des verſtorbenen Unterhaus=
mitgliedes
für Oxford namens Anſon, über Bord fiel.
Ein anderer junger Mann ſprang ihm nach, um ihn zu
retten. Beide ertranken. Ein dritter Herr, ein Sohn des
ruſſiſchen Botſchafters, der ſeinen Freunden zu Hilfe eilte
und ebenfalls in das Waſſer nachſprang, wurde lebend,
aber in äußerſt erſchöpftem Zuſtande geborgen.
London, 3. Juli. (Ausſtand.) Im königlichen Ar=
ſenal
von Woolwich ſind 300 Mann in den Ausſtand ge=
treten
. Die Veranlaſſung zu dem Ausſtand gab die Ent=
laſſung
eines Angeſtellten wegen Ungehorſams.
4. Juli. Der Ausſtand in dem Arſenal
von Woolwich breitet ſich ſchnell aus. Faſt alle Mit=
glieder
des Verbandes der Maſchiniſten und die Ange=
ſtellten
der Lafettenabteilung, insgeſamt etwa 5000 Mann,
haben die Arbeit niedergelegt. Die Lafettenabteilung, das
Laboratorium und die Geſchützabteilung mußten geſchloſ=
ſen
werden. Die Zahl der Ausſtändigen iſt auf 8000
geſtiegen. Der Arbeiter, deſſen Entlaſſung den Streik
herbeiführte, weigerte ſich, eine Arbeit zu vollenden, die
von nicht organiſierten Arbeitern begonnen war.
London, 4. Juli. (Rooſevelt.) Die Blätter mel=
den
, daß Rooſevelt aus der Redaktion des Outlock, der er
ſeit Ende der Präſidentſchaft angehörte, ausgeſchieden iſt,
angeblich aus Geſundheitsrückſichten.
Petersburg, 4. Juli. (Der Kaiſer und das
engliſche Geſchwader.) Der Kaiſer unternahm
geſtern mit den Großfürſtinnen Olga und Tatjana, von
den Miniſtern des Kaiſerlichen Hofes und der Marine be=
gleitet
, von Kronſtadt aus auf der Jacht Poljarnaja
Swjesda eine Fahrt in die Oſtſee. Um 10 Uhr morgens
trafen ſie das engliſche Geſchwader, das die Kaiſerliche
Flagge ſalutierte. Darauf hißte die Kaiſerliche Jacht die
engliſche Admiralitätsflagge und ſignaliſierte: Wir wün=
ſchen
Ihnen eine angenehme Reiſe, worauf das engliſche
Geſchwader antwortete: Wir ſind Eurer Majeſtät ſehr
dankbar. Der Kaiſer erwiderte: Ich danke Ihnen.
Um 8 Uhr abends kehrte der Kaiſer nach Peterhof zurück.
Kiew, 4. Juli. (Verhaftung eines Spions.)
Hier wurde ein Deutſcher namens Wechsler unter Spio=
nageverdacht
verhaftet. Die Polizei hält die Unterſuchung
ſtreng geheim.
Peking, 3. Juli. (Hinrichtung der Plün=
derer
.) Eine große Anzahl von Soldaten wurden im
Zuſammenhang mit der Plünderung von Kalgan hinge=
richtet
. Die Plünderer, die ſich militäriſcher Transport=
wagen
bemächtigen konnten, entflohen nach der Mongo=
lei
. Etwa 200 Soldaten, deren Teilnahme an der Plün=
derung
nicht einwandfrei feſtſtand, wurden für zwei Mo=
nate
Löhnung und freie Reiſe in die Heimat verſprochen.
Auf der erſten Station nach Kalgan ließ man ſie aus=
ſteigen
und dann wurde von Soldaten, die aus Suan=
huafu
für dieſen Zweck herangezogen worden waren, auf
ſie geſchoſſen. 120 Soldaten wurden getötet, die übrigen
entkamen nach Suanhuafu. Die Soldaten feuerten erſt,
als man ihnen mit dem Tode drohte.

Der Deutſche Frauenverein
vom Roten Kreuz für die Kolonien.
Von Frau Ludwiga Lehr=Berlin.

Der Deutſche Frauenverein vom Roten Kreuz für die
Kolonien beſteht ſeit dem Jahre 1888 und umfaßt zurzeit
über 20000 Mitglieder, welche in Landesverbände und
Abteilungen gegliedert ſind. Er erſtreckt ſich über das
ganze Deutſche Reich und deſſen Kolonien ſowohl in Be=
zug
auf ſeine Mitglieder als auch auf die Arbeit, welche er
ausübt. In Süddeutſchland arbeiten ſeine Landesver=
bände
Bayern, Baden und Württemberg, in Mitteldeutſch=
land
die Landesverbände Heſſen, Sachſen=Weimar und
Anhalt, in Norddeutſchland zahlreiche Abteilungen.
Seine Hauptarbeit iſt die Verſorgung der deutſchen
Kolonien mit Schweſtern zur Pflege der Kranken. Er be=
ſchäftigt
zurzeit etwa 70 Schweſtern in allen 7 Kolonien
des Deutſchen Reiches. Bedingung für die Ausſendung
der Schweſtern iſt der Nachweis über die Anerkennung
als ſtaatlich geprüfte Krankenpflegerin. Dies iſt die
Grundlage ihrer Ausbildung. Es kommt hinzu bei etwa
der Hälfte der Schweſternzahl das Hebammenexamen und
bei dem größten Teil der Schweſtern die Ausbildung im
Mikroſkopieren und in der Pflege von Tropenkranken. Die
Schweſtern ſind in den Kolonien beſchäftigt in Kranken=
häuſern
der Regierung, an den Eliſabethhäuſern der deut=
ſchen
Kolonialgeſellſchaft und einiger Erwerbsgeſellſchaf=
ten
, ferner bei Stadt= und Kirchengemeinden und bei Ab=
teilungen
des Vereins. Eine Anzahl der Schweſtern iſt
bei Bezirksämtern angeſtellt in der Weiſe, daß ſie an klei=
nen
Orten Südweſtafrikas allein Dienſt tun, indem ſie
von ihrem Wohnort aus die Anſiedlungen und Farmen
der Umgegend beſuchen und dort den Kranken Beiſtand
leiſten. In Oſtafrika und in Kamerun iſt immer eine An=
zahl
von Schweſtern bei der Malariabekämpfung beſchäf=
tigt
; außerdem arbeiten vier der Schweſtern in Schlaf=
krankheitslagern
tief im Innern von Kamerun. Eines
dieſer Schlafkrankheitslager befindet ſich in dem von
Frankreich neu erworbenen Gebiet von Kamerun. Die
Reiſe dahin erfordert mehrere Wochen und iſt recht an=
ſtrengend
. Eine der Schweſtern iſt bei der Bekämpfung
von Infektionskrankheiten in Jeruſalem und eine bei der
Unterdrückung der Malaria in Emden an der Nordſee be=
ſchäftigt
. Drei Kindergartenſchweſtern arbeiten in Wind=
huk
, Daresſalam und Swakopmund, und eine Schweſter
verrichtet den Hebammendienſt in den Inderfamilien in
Daresſalam in Oſtafrika. Dieſer letztere Dienſt iſt früher
von den Hebammenſchweſtern des Vereins im Regie=
rungskrankenhauſe
in Daresſalam beſorgt worden. Da=
mals
waren die Inder noch wenig geneigt, die Hilfe von
deutſchen Schweſtern in Anſpruch zu nehmen; ſeitdem ſie
aber ſehen, wie oft das Leben von Mutter und Kind durch
die ausgezeichnete Pflege der deutſchen Schweſtern erhal=
ten
wurde, hatederensInanſpruchnahme ſo zugenommen,

daß ſie in dem Regierungskrankenhauſe die Arbeit nicht
mehr bewältigen können. In allerjüngſter Zeit iſt eine
neue Aufgabe von dem Verein übernommen worden. Es
iſt in Kamerun eine Lehrſtelle errichtet worden, an wel=
cher
eine deutſche Hebammenſchweſter eingeborenen
Frauen Unterricht erteilen ſoll in der Geburtshilfe bei den
Eingeborenen. Die dazu erwählte Schweſter iſt zurzeit
noch in der Ausbildung begriffen, wird aber noch im
Laufe der nächſten Monate dieſes Amt übernehmen. Dieſe
Fürſorge für eine geordnete Geburtshilfe bei den Einge=
borenen
iſt aus der Beobachtung hervorgegangen, daß die
Kinderſterblichkeit bei den Eingeborenen ſehr groß iſt,
und zwar nicht nur in Kamerun, ſondern auch in den
anderen Kolonien, ſo daß man genötigt iſt, durch geeignete
Maßnahmen dem Weiterumſichgreifen dieſes großen
Uebels vorzubeugen. Die Schweſtern des Vereins haben
kein leichtes Amt. Wenn auch die Mehrzahl von ihnen mit
anderen Schweſtern zuſammen oder innerhalb der Ge=
meinde
lebt, ſo iſt doch auch eine kleine Zahl ſehr auf
große Einſamkeit angewieſen, wie die in den Schlaf=
krankheitslagern
und die Einzelſchweſtern in Neuguinea,
die oft viele Monate keinen Verkehr mit weißen Frauen
haben können.
Der Verein ſteht unter dem Protektorat J. M. der
Kaiſerin. Seine Ehrenvorſitzende iſt die Frau Herzogin
Johann Albrecht zu Mecklenburg. Das Protektorat über
die einzelnen Landesverbände liegt in den Händen der
betreffenden Landesfürſtinnen. Ehrenpräſident des Vereins
iſt Seine Hoheit Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg.
Die Arbeit des Vereins wächſt von Jahr zu Jahr, ſo daß
es große Anſtrengungen koſtet, die nötigen Mittel auf=
zubringen
. Im Kriege iſt der Verein, an deſſen Spitze
Frau Staatsſekretär von Stephan ſteht, bemüht, unter
der Leitung des Zentralkomitees des Deutſchen Vereins
vom Roten Kreuz hauptſächlich das erforderliche weib=
liche
Pflegeperſonal zu ſtellen. Die in den letzten Jahr=
zehnten
unternommenen Expeditionen in unſeren Kolonien
und die Tätigkeit des Vereins während derſelben können
als Beweiſe für ſeine Leiſtungsfähigkeit gelten.

Gerichtszeitung.

Ein Werber für die Fremdenlegion
vor Gericht.
sh. Saarbrücken, 3. Juli. Die hieſige Strafkam=
mer
verhandelte gegen den 26 Jahre alten Wächter Math.
Erbel aus Algringen, dem zur Laſt gelegt wurde, den
31 Jahre alten verheirateten Bergmann Jakob Kreutzer
aus Hasborn in die franzöſiſche Fremdenlegion ver=
ſchleppt
zu haben. Kreutzer behauptete in der Verhand=
lung
, Erbel ſei derjenige, der ihn der Fremdenlegion zu=
geführt
habe; Erbel dagegen will Kreutzer nicht kennen.
In der Beweisaufnahme wurde folgendes feſtgeſtellt: Am
27. Auguſt 1913 rief ein Unbekannter in dem Bergmanns=
orte
Altenwald bei Saarbrücken aus einer Wirtſchaft dem
vorübergehenden Kreutzer zu, er ſolle einmal in die Wirt=
ſchaft
hineinkommen. Kreutzer folgte der Lockung und der
Unbekannte beſtellte ihm Grüße von einem Onkel aus
Roſſeln, erzählte ferner, der Onkel wünſche bald den Be=
ſuch
ſeines Neffen Kreutzer zu erhalten. Schließlich gab
der Fremde dem Kreutzer aus ſeiner Schnapsflaſche zu
trinken. Dann ſtiegen beide in den Zug, um nach Saar=
brücken
zu fahren. Im Zuge ſank Kreutzer plötzlich in
einen totähnlichen Schlaf, und als er erwachte, ſaß er mit
zwei franzöſiſchen Gendarmen und ſeinem Freunde in
einem Zuge, der nach Verdun fuhr. Ei merkte, wohin der
Haſe lief, ſchlug Lärm, zog endlich ſein Meſſer; doch die
Gendarmen fielen über ihn her und nahmen ihm das
Meſſer ab. In Verdun nahmen ihn Soldaten in Emp=
fang
, die ihn zum Werbebureau der Fremdenlegion
ſchleppten. Als er ſich dort weigerte, einen Vertrag zu
unterſchreiben, wurde er in eine Zwangsjacke geſteckt, auf
ein Bett geſchnallt, die Nahrung wurde ihm entzogen,
und erſt am dritten Tage erhielt er Brot und Kaffee. Es
hagelte Püffe, Schläge mit dem Bajonett uſw. Und das
alles machte ihn ſchließlich ſo mürbe, daß er den Vertrag
faſt unterſchrieben hätte. Schließlich brachte man ihn mit
14 Leidensgenoſſen nach Marſeille auf einen franzöſiſchen
Kreuzer. Dort weigerte er ſich aufs neue, den Vertrag zu
unterſchreiben, deshalb wurde er von den Leidensgenoſſen
getrennt, gefeſſelt und in eine Kabine eingeſperrt. Natür=
lich
hatte er ſich über allzu große Höflichkeit der Franzoſen
nicht zu beklagen. Schließlich wurde er in Oran einge=
kleidet
und in Sidi bel Abbes beim erſten Fremdenregi=
ment
eingeſtellt. Hier fielen vier Mann über ihn her und
erzwangen ſeine Unterſchrift. Das geſchah am 13. Sept.
1913. Schon am 17. Sept. flüchtete Kreutzer, und er hatte
Glück. Stets die Dunkelheit der Nacht benützend, ſchlich
er, abſeits der großen Heerſtraße, die 220 Kilometer lange
Bahnſtrecke nach Oran entlang. Hier wäre er bald einem
Gendarm in die Hände gefallen. Er entkam ihm jedoch
und tat, als er in der Nähe des Hafens die deutſche
Flagge auf einem deutſchen Frachtdampfer ſah, einen
kühnen Sprung ins Meer. Ohne von den Haien bemerkt
zu werden, gelangte er ſchwimmend an das Schiff und
vurde von den deutſchen Seeleuten freundlich aufgenom=
nen
und verſteckt gehalten, bis die hohe See erreicht war.
Nach 13tägiger Fahrt kam er mit dem Dampfer in Stettin
und am 5. Oktober wieder über Berlin in der Heimat an.
Die Entbehrungen hatten ihn ſo verändert, daß ihn ſeine
Kinder zuerſt nicht wiedererkannten. Seine Frau wurde
ei ſeinem Anblick ohnmächtig vor Schreck über ſein Aus=
ſehen
und war lange Zeit bettlägerig. Das Gericht ver=
wies
den Fall zur Aburteilung an das Schwurgericht, da
der Paragraph 234 des Reichsſtrafgeſetzbuches in Betracht
käme, der Zuchthaus für denjenigen wegen Menſchenraubes
feſtſetzt, der einen Menſchen mit Liſt in auswärtige
riegsdienſte bringt.

* Zweibrücken, 4. Juli. Nach fünftägiger Dauer
ging geſtern eine Verhandlung vor dem Pfälzer Schwur=
gericht
zu Ende, die ſich gegen den 36 Jahre alten Kauf=
mann
Rudolf Koch in Landſtuhl richtete. Koch, In=
haber
einer großen Produktenhandlung, hatte ſich zu ver=
antworten
, weil er ſein hoch verſichertes Automobil in
Brand geſteckt hatte; ferner wegen eines in einem Zivil=
prozeß
begangenen Meineides, wegen zehn Verbrechen der
Urkundenfälſchung in Tateinheit mit Betrug und ſieben
Verbrechen der Urkundenfälſchung und verſuchten Betru=
ges
. Die Geſchworenen hatten 65 Fragen zu beantworten.
Das Urteil gegen Koch lautete auf vier Jahre Zuchthaus,
600 Mark Geldſtrafe, fünf Jahre Ehrverluſt und dauernde
Eidesunfähigkeit.
* Paris, 4. Juli. (Prozeß Caillaux.) Be=
züglich
der von einem Blatte gebrachten Meldung, daß
die Gegner der Frau Caillaux die Geſchworenen in ihrer
Wohnung aufgeſucht hätten, um dieſe zu beeinfluſſen, im
Namen der Familie Calmettes oder des Figaro irgend
einen Schritt zu unternehmen. wird gemeldet, daß es ſich

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182.

nur um Betrüger handeln könne, die, falls man ihrer hab=
haft
werden könnte, ſofort verhaftet werden müßten.
* Toulon, 3. Juli. Das Marinegericht hat
den Marinearzt Belley, der wegen Handels mit Kran=
kenurlaubserteilungen
, wegen Handels mit Waren aus
den Lazaretten und wegen Unterſchlagung von Geldern
aus Lazaretten angeklagt war, zu zwei Jahren Gefäng=
nis
, Degradierung und zur Erſtattung der zu Unrecht ein=
gezogenen
Summen verurteilt.

Zum Fürſtenmord in Serajewo.

Die Trauerfeier in Wien.
* Wien, 3. Juli. Um 4 Uhr nachmittags fand in
der Pfarrkirche der Hofburg die Leichenfeier für
den Erzherzog Franz Ferdinand und ſeine Gemahlin, die
Herzogin von Hohenberg, ſtatt. Der Kaiſer, die Erz=
herzöge
, die Erzherzoginnen, der geſamte Hofſtaat, die
in Wien eingetroffenen Familienangehörigen der Ver=
ſtorbenen
, die gemeinſamen öſterreichiſch=ungariſchen Mi=
niſter
, die Präſidenten der öſterreichiſchen und ungariſchen
Parlamente mit den Deputationen derſelben, der päpſt=
liche
Nuntius, ſämtliche Botſchafter und Geſandten in
Vertretung ihrer Souveräne und Staatsoberhäupter, viele
militäriſche Deputationen, zahlreiche Staats= und Hof=
würdenträger
, die Generalität, die Bürgermeiſter von
Wien, Peſt und Agram wohnten der Feier bei. Auf einem
hohen Katafalk ruhten die zwei ſilbernen und goldver=
zierten
Särge. Der vollkommen ſchwarz ausgeſchlagene
Innenraum der kleinen Kirche, in der nur ſchwaches
Tageslicht herrſchte, machte einen feierlich=düſteren Ein=
druck
. Eine doppelte Reihe brennender Kerzen umſchloß
das Schaugerüſt. Eine tiefe Bewegung ging durch den ſtillen
Raum, als der Kaiſer mit den Mitgliedern des Hauſes
im Oratorium erſchien. Unter großer Aſſiſtenz nahm
Kardinal=Fürſtbiſchoff Paffi die feierliche Einſegnung
der ſterblichen Uebereſte vor. In namenloſem Schmerze
und tiefer Ergriffenheit folgten die Trauergäſte der feier=
lichen
Handlung, nach deren Beendigung die Kirche ge=
ſchloſſen
wurde. Ein dichtes Menſchenſpalier umſäumte
die Ringſtraße bis zur Hofburg. Das Publikum berei=
tete
dem Kaiſer und dem Erzherzog Karl Franz Joſeſ
bei der Rückfahrt nach Schönbrunn ſtürmiſche und be=
geiſterte
Ovationen.
Die Kinder des verblichenen Erzher=
zogspaares
waren heute nachmittag ½5 Uhr in Be=
gleitung
der Gräfin Henriette Chotek aus Chlumetz
hier eingetroffen und begaben ſich um ½8 Uhr abends
in die Pfarrkirche der Hofburg, um an den Särgen ihrer
ſo jäh entriſſenen Eltern Gebete zu verrichten. An den
Sarkophagen ſpielten ſich herzzerreißende Szenen ab.
Die letzte Fahrt.
* Wien, 4. Juli. Für die letzte Fahrt des Erzher=
zogs
Franz Ferdinand und der Herzogin von Hohenberg
zum Weſtbahnhof bildeten auf Befehl des Kaiſers die
Truppen der Wiener Garniſon auf dem
ganzen Wege Spalier. Auch viele Vereine mit
umflorten Bannern hatten in den Straßen, die der
Trauerzug paſſierte, Aufſtellung genommen. Um 10 Uhr
wurden die beiden Särge von dem Hofburg=Pfarrer Seydl
in der Hofburg=Pfarrkirche eingeſegnet und ſodann in den
Burghof gebracht, worauf ſich der Trauerzug, welchen.
eine halbe Eskadron der Franz Ferdinand=Ulanen gelei=
tete
, in Bewegung ſetzte. Ueberall ſtand hinter dem Mi=
litär
eine überaus zahlreiche Menſchenmenge vom Burg=
tor
bis zum Weſtbahnhof. Beim Paſſieren der Särge
leiſteten die Soldaten die Ehrenbezeigungen, die Fahnen
ſenkten ſich und das Publikum grüßte ehrerbietigſt in tie=
fer
Trauer. Man hörte Schluchzen und Weinen. Gegen
¾411 Uhr erreichte der Zug den Bahnhof. Hier, wo der
Hofwarteſalon in eine Trauerkapelle umgewandelt wor=
den
war, erwartete der Hofburg=Pfarrer mit der aſſiſtie=
renden
Geiſtlichkeit die Leichen. Auf dem Bahnſteig hatte
eine Ehrenkompagnie mit Fahne und Muſik Aufſtellung
genommen. Im Bahnhof hatten ſich die in Wien an=
weſenden
Erzherzöge eingefunden; außerdem waren die
geſamte Generalität und die Stabsoffiziere, mit dem
Kriegsminiſter an der Spitze, auf dem Bahnhof erſchie=
nen
. Nachdem der Hofburg=Pfarrer die Leichen neuer=
lich
eingeſegnet hatte, wurden die Särge in den Wagen
gehoben. Um 10 Uhr 50 Minuten fuhr der Hofzug aus
der Halle. Der Erzherzog=Thronfolger wurde bei der
Hin= und Rückfahrt vom Publikum lebhaft begrüßt.
* Groß=Pöchlarn, 4. Juli. Die Särge des
Erzherzogs und der Herzogin wurden unter
ſtrömendem Regen aus dem Waggon gehoben und in dem
Warteſaal aufgebahrt. Zwölf Offiziere des Ulanen= Re=
giments
Franz Ferdinand hielten die Ehrenwache. Nach
neuerlicher Einſegnung wurden die Särge um 3½ Uhr
morgens in den Galaleichenwagen gebracht. Der Trauer=
zug
ſetzte ſich durch ein dichtes Spalier der Bevölkerung,
welche in ſtummer Ergriffenheit die Verblichenen be=
grüßte
, zum Donauufer in Bewegung, wo er um 4 Uhr
anlangte. Die Leichenwagen wurden auf eine Rollfähre
geſchoben, welche langſam über den Donauſtrom ſetzte.
Vom jenſeitigen Ufer wurde der 3½ Kilometer lange Weg
zum Schloß Artſtetten fortgeſetzt, wo der Trauerzug um
5 Uhr morgens anlangte. Die Särge wurden in der
Schloßkirche aufgebahrt; Prieſter und Nonnen hielten ab=
wechſelnd
Betſtunden. Um 8 und 9¾ Uhr trafen zwei
Hofſonderzüge in Groß=Pöchlarn mit den Trauergäſten
ein, darunter Erzherzog Karl Franz Joſef und Ge=
mahlin
, ſowie die Kinder des verblichenen Paares.
* Artſtetten, 4. Juli. Um 10¾4 Uhr fand in der
Schloß=Pfarrkirche in Gegenwart des Erzherzogs Karl
Franz Joſef und der nächſten Verwandten der Verbliche=
nen
, zahlreicher Mitglieder des Kaiſerhauſes und ſon=
ſtiger
Trauergäſte die feierliche Einſegnung der
Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand und ſeiner
Gemahlin ſtatt. Dechant Dobner nahm unter großer geiſt=
licher
Aſſiſtenz die feierliche Handlung vor. An den Sär=
gen
hielten Offiziere die Ehrenwache. Um 11½ Uhr wur=
den
die Särge durch ein Spalier von Feuerwehrleuten
und Veteranen durch das Parktor zur Gruft getragen,
wo in Gegenwart der nächſten Anverwandten die end=
gültige
Beiſetzung erfolgte.
Ein Handſchreiben des Kaiſers Franz Joſef.
* Wien, 4. Juli. Der Kaiſer hat an den Mini=
ſterpräſidenten
Grafen Stürgkh, den Miniſterpräſiden=
ten
Grafen Tisza und den gemeinſamen Finanzminiſter
v. Bilinski ein gleichlautendes, vom 4. Juli datiertes
Handſchreiben folgenden Inhalts gerichtet: Tief=
erſchüttert
ſtehe ich unter dem Eindruck der unſeligen Tat,
die meinen inniggeliebten Neffen mitten aus einem ern=
ſter
Pflichterfüllung geweihten Wirken an der Seite ſei=
ner
hochherzigen, in der Stunde der Gefahr treu bei ihm
ausharrenden Gemahlin dahingerafft und mich und mein
Haus in ſchmerzlichſte Trauer verſetzt hat. Wenn mir in
dieſem herben Leid ein Troſt werden kann, ſo ſind es die
ungezählten Beweiſe warmer Zuneigung

und aufrichtigen Mitfühlens, die mir in den
eben verfloſſenen Tagen aus allen Kreiſen der Bevölke=
rung
zugekommen ſind. Eine verbrecheriſche Hand hat
mich des lieben Anverwandten und treuen Mitarbeiters
hat ſchutzbedürftige, dem zarteſten Alter kaum entwach=
ſene
Kinder all deſſen, was ihnen auf Erden teuer war,
beraubt und namenloſes Weh auf ihr unſchuldvolles
Haupt gehäuft. Der Wahnwitz einer kleinen Schar Irre=
geleiteter
vermag jedoch nicht an den geheiligten Ban=
den
zu rütteln, die mich und meine Völker umſchlingen;
er reicht nicht heran an die Gefühle inniger Liebe, die mir
und dem angeſtammten Herrſcherhauſe aus allen Teilen
der Monarchie aufs neue in ſo rührender Weiſe kund=
gegeben
wurden. Sechseinhalb Jahrzehnte habe ich mit
meinen Völkern Leid und Freud geteilt, auch in den
ſchwerſten Stunden ſtets eingedenk meiner erhabenen
Pflicht, der Verantwortung für die Geſchicke von Millio=
nen
, über die ich dem Allmächtigen Rechenſchaft ſchulde
Die neue ſchmerzliche Prüfung, die Gottes unerforſchlicher
Ratſchluß über mich und die Meinen verhängt hat, wird
in mir den Vorſatz ſtärken, auf dem als recht er=
kannten
Wegbis zum letzten Atemzuge aus=
zuharren
zum Wohle meiner Völker. Und
wenn ich dereinſt das Unterpfand ihrer Liebe als koſt=
bares
Vermächtnis meinem Nachfolger hinterlaſſen kann
ſo wird dies der ſchönſte Lohn meiner väterlichen Für=
ſorge
ſein. Ich beauftrage Sie, allen, die ſich in dieſen
kummervollen Tagen in bewährter Treue und Ergeben=
heit
zu meinem Thron geſchart haben, meinen tiefempfun=
denen
Dank kundzutun. Franz Joſef, M. P.
Ein Armeebefehl.
* Serajewo, 3. Juli. Aus Anlaß des ſchweren
Schickſalſchlages, der die Monarchie betroffen hat, erließ
der Kommandant des 15. Armeekorps einen
Befehl, in dem es heißt: Verzagen wir auch in dieſem
ſchweren Augenblick nicht, arbeiten wir unentwegt an der
Pflege jenes Geiſtes, der bisher immer im Reiche der
Stolz und die Tradition der Armee war, in dem unſere
Kraft beruht und der des Reiches Schutz und Schirm
bildet. Die verabſcheuungswürdigen Mordgeſellen und
vor allem deren lichtſcheue Hintermänner ſollen wiſſen,
daß ſie ihre dunklen Ziele niemals erreichen werden. Da=
für
wird die Seiner Majeſtät und unſerem großen Vater=
lande
allezeit treu ergebene Armee ſorgen. Die Kund=
gebungen
der Bevölkerung nicht nur hier, ſondern in allen
Teilen des Reiches beweiſen, daß wir uns in dieſen Be=
ſtrebungen
mit unſeren Mitbürgern eins wiſſen. Treue
bis in den Tod ſoll auch für die Zukunft unſere Deviſe
bleiben.
Serbiſche Rechtfertigungen.
* Wien, 3. Juli. Das Wiener Korr.=Bureau meldet
aus Belgrad: Die Samouprava ſchreibt: Wir verurtei=
len
aufrichtig das furchtbare Attentat von Serajewo und
verurteilen ebenſo den Vandalismus, deſſen Opfer das
ſerbiſche Volk in Bosnien iſt. Es darf nicht vergeſſen
werden, daß eine übereilte Kombination über die Urheber
des Verbrechens, beſonders unter den gegenwärtigen Ver=
hältniſſen
, einen größeren Schaden hervorrufen, als man
im erſten Augenblick annehmen kann. Das Blatt wendet ſich
gegen den von öſtereichiſch=ungariſchen Blättern geäußer=
ten
Verdacht, daß Serbien in das Serajewoer Verbre=
chen
verwickelt ſei, und wendet ſich auch gegen die Dro=
hung
einzelner Blätter. Die Samouprava ſagt: Unbe=
rechtigte
Verdächtigungen berühren uns nicht, über die
Drohungen gehen wir hinweg. Erſt wenn gegen uns poſi=
tive
Anklagen vorgebracht werden, werden wir Zeit zur
Ausſprache haben. Das Serajewoer Ereignis kann nicht
gewaltſam zum Streitobjekt zwiſchen uns und Oeſterreich=
Ungarn gemacht werden, weil über das Ereignis auch
die übrige ziviliſierte Welt urteilen wird. Heute hat in
Serbien die Ueberzeugung genügend Wurzel gefaßt, daß
Serbien wegen der zahlreichen wichtigen Intereſſen in
guten Beziehungen zu Oeſterreich=Ungarn ſtehen und ſich
jeden Schrittes enthalten muß, der eine allgemeine Ver=
urteilung
bei allen Völkern erfährt. Die rohe und durch
nichts gerechtfertigte Mißhandlung der unſchuldigen Ser=
ben
in Bosnien betrachten wir als einen ſchweren poli=
tiſchen
Fehler. Gegenwärtig ſind wir geneigt, zu glau=
ben
, daß dies die Frucht der engen Auffaſſungen der nie=
deren
behördlichen Organe in dieſen Ländern iſt, welche
die Schuld an dem Attentat von ſich abzuwälzen beſtrebt
ſind. Wir glauben aber an den Verſtand in Wien und
erwarten, daß man raſch und energiſch dieſem Wahnſinn
entgegentreten wird, der den Brand des inneren Haſſes
in Bosnien ſchürt. Unſer aufrichtiger Wunſch iſt, daß die
Verhältniſſe Bosniens bald zur normalen Ordnung
zurückkehren. Die Beziehungen zwiſchen Oeſterreich=
Ungarn und Serbien, die auf dem Wege einer geſun=
den
Normalgeſtaltung ſchon ſo weit fortgeſchritten ſind,
werden durch unbedachte journaliſtiſche Verdächtigungen
nicht beeinträchtigt werden können. Die jungradikalen,
nationaliſtiſchen und fortſchrittlichen Blätter ſetzen die
heftige Preßkampagne wegen der Ereigniſſe in Bosnien
fort. Sie ſchreiben, man wolle in Wien den erſten Augen=
blick
des Schmerzes gegen das ſerbiſche Volk ausnutzen.

* Wien, 4. Juli. Die Korreſpondenz Wilhelm mel=
det
: Die Blättermeldung, daß bei den Straßenkund=
gebungen
am 2. Juli eine ſerbiſche Fahne ver=
brannt
worden ſei, entſpricht nicht den Tat=
ſachen
. Ebenſo wenig iſt die Meldung richtig, daß ves
ſucht worden ſei, bei der Kundgebung am folgenden Tage
eine ſerbiſche Fahne zu verbrennen.
* Wien, 4. Juli. Heute vormittag fand in der Hof=
burg
=Pfarrkirche ein feierliches Seelenamt ſtatt,
welchen der Kaiſer, die Mitglieder des Kaiſerhauſes und
die Würdenträger beiwohnten.
* Wien, 4. Juli. In der ganzen Monarchie
fanden heute für den Erzherzog Franz Ferdinand und
ſeine Gemahlin feierliche Requiems ſtatt.
* Wien, 4. Juli. Der Kaiſer empfing heute abend
die Kinder des verſtorbenen Erzherzogs in Audienz;
die Audienz währte 20 Minuten.

Turnen, Spiele und Sport.

Der franzöſiſche Auto=Grand=Prix,
der geſtern ausgefahren wurde, endete mit dem Siege von
drei Wagen der deutſchen Firma Merce=
des
. Erſter wurde Lautenſchlager auf Mercedes 2.
Wagner auf Mercedes 4 zweiter und Salzer auf
Mercedes 3 dritter. Lautenſchlager legte die vorgeſchrie=
benen
20 Runden von je 37,6 Kilometer, alſo insgeſamt
752 Kilometer, in 7 Stunden und 7 Minuten zurück. An
10. Stelle ſiegte der Wagen der Firma Opel (Fahrer
Jörns).
Die Rennſtrecke war 37,61 Kilometer lang. Die Kon=
kurrenten
mußten den Circuit 20mal abfahren, alſo ins=

geſamt eine Strecke von 753,220 Kilometer zurücklegen=
Der Boden befindet ſich nach einer überaus ſorgſamen
Vorbereitung in vorzüglichem Zuſtande, aber die Strecke
iſt eine der ſchwerſten, die bisher benutzt wurde, da ſie
ſich einerſeits aus langen und kurvenreichen Wegen zu=
ſammenſetzt
, andererſeits lange gerade Linien, aber ſtark
gewölbte Strecken aufweiſt.
Der Start erfolgte von 8 Uhr ab in Intervallen von
30 Sekunden in nachfolgender Reihenfolge: 1. Alda I
(Sziſz), 2. Opel I (Kuppliugekz, 3. Nagant I (Eſſer),
4. Vauxhall I (Hancock), 5. Peugeot I (Boillot), 6. Schnei=
der
I (Champoiſeau), 8. Nazzaro I (Nazzaro), 9. De=
lage
I (Bablot), 10. Sunbeam I (Chaſſagne), 11. Pica
card=Pictet I (Tournier), 12. Aquila Italiana I (Beria
d’Argentina), 13. Fiat I (Cagno), 14. Mercedes I ( Wag=
ner
), 15. Alda II (Pietro), 16. Opel II (Erndtmann),
17. Nagant II (Elskampf), 18. Vauxhall II (Ralph de
Palma), 19, Peugeot II (Gout), 20. Schneider II
(Gabriel), 22. Nazzaro II (Porporato), 23. Delage II
(Guvot), 24. Sunbeam III (Lee Guineß), 25. Piccard=
Pictet II (Clarke), 26. Aquila Italiana II (Conſtantini),
27. Fiat II (Fagnano), 28. Mercedes II (Lautenſchlager),
29. Alda III (Tabuteau), 30. Opel III (Jörns) 31., Vaux=
hall
IIII (Watſon), 32. Peugeot III (Rigal), 33. Schnei=
der
III (Juvanon), 34. Nazzaro III (de Moraes), 35.
Delage III (Duray), 36. Sunbeam III (Reſta), 37. Aquila
Italiana III (Marſaglia), 38. Fiat III (Scales), 39.
Mercedes IIII (Sailer), 40. Mercedes IV (Salzer), 41.
Mercedes V (Pilette). Die Meldungen für 7 und 21,
zwei Caeſar=Wagen, wurden zurückgezogen.

* Pferdeſport. Harzburg, 4. Juli. Silberhorn=
Handikap: 2800 Mark: 1. Lt. Struves Cherry Boy ( Ro=
ſak
), 2. Fun, 3. Diadem. 225:10; 85, 24, 29110. Huſa=
ren
=Jagdrennen; 2600 Mark: 1. Lt. Weinſchenks Succurs
(Beſ.), 2. Margerite, 3. Myman. 54:10; 22, 18:10.
Staatspreis: 4400 Mark: 1. Lt. Frhrn. v. Wangenheims
Samhara (Plüſchke), 2. Jeune fille, 3. Raute. 34:10; 17,
23:10. Herzogin Viktoria Luiſe=Jagdrennen; 3000
Mark: 1. Hungers Florimond Robertet (Purgold), 2. Da=
niel
the Drake, 3. Draco.
Bremen, 4. Juli. Weſer=Hürdenrennen; 2600
Mark: 1. Arlts Lincolnſhire (Sandmann), 2. Felſen=
kirſche
, 3. Dream. 16:10; 11, 12:10. Eröffnungs= Jagd=
rennen
: 1600 Mark: 1. Major v. Goßlers Fyatragan (Lt
v. Falkenhauſen), 2. Lady Scholar. 22110. Horner
Jagdrennen; 2800 Mark: 1. Biermanns Over the Matter
(Falke), 2. Amſel, 3. Tarpaulin II. 32:10; 15, 20, 18:10.
* Henley=Regatta. Im Stewards= Chal=
lenge
Cup, Vierer ohne Steuermann, in Henley, un=
terlag
der Mainzer Ruderverein geger den
Leander Club. Mainz führte faſt die ganze Strecke=
wurde
aber zum Schluß überholt und mit einer Länge ge=
chlagen
.

Luftfahrt.

* Kiel, 4. Juli. Drei Taube=Apparate mit den
Fliegern Caſpar, Schlüter und Chriſtianſen
ſind heute nachmittag, von Hamburg kommend, nach einem
Fluge von 40 Minuten hier gelandet. Caſpar und
Schlüter ſind ſpäter nach Kopenhagen weitergeflogen. Als
Chriſtianſen ſtarten wollte, wurde ſein Paſſagier Ja=
cobſen
vom Propeller ſchwer am Kopf getrof=
fen
. Der Propeller zerſplitterte: Jacobſen
wurde ins Krankenhaus gebracht.

Die Lage in Albanien.

* Durazzo, 3. Juli. Die Aufſtändiſchen von
Schiak haben die Einwohner von Bersk ſchriftlich auf=
gefordert
, mit ihnen gemeinſame Sache zu machen und
die türkiſche Fahne aufzupflanzen, da ihnen
die Unterſtützung der Tripel=Entente und der ſerbiſchen
wie der griechiſchen Regierung ſicher ſei.
Rom, 4. Juli. Nach einer hier eingetroffenen
Meldung fährt Eſſad Paſcha heute nach Paris. Es
mag dies die Antwort Eſſad Paſchas auf die Miſſion des
albaniſchen Unterrichtsminiſters Turtulis ſein, der ihn
zur Rückkehr nach Durazzo bewegen wollte.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

* El Paſo, 4. Juli. Der britiſche Konſularagent
in Zacatoſſa meldet, daß ein Schotte namens
Douglas in Zacatoſſa verhaftet und unter der Be=
ſchuldigung
, daß er den Inſurgenten in den letzten
Kämpfen Hilfe geleiſtet habe, vor ein Kriegsgericht
geſtellt worden ſei.
Mexiko=City, 4. Juli. Der Handelsminiſter
Mokenzo iſt zurückgetreten. Er ſtellt in Abrede,
daß er zum Rücktritt gezwungen worden ſei, weil er einer
großen amerikaniſchen Petroleum=Geſellſchaft eine Kon=
zeſſion
gewährt habe. Sein Rücktritt ſei vielmehr aus
Beſundheitsrückſichten erfolgt.

Landwirtſchaftliches.

* Berlin, 4. Juli. Der Saatenſtand in
Preußen Anfang Juli iſt, wenn 2 gut und 3 mittel
bedeutet, folgender: Winterweizen 2,6 (gegen 2,7 im Juni
1914 und 2,6 im Juli 1913), Sommerweizen 2,5 (2,6 bezw.
2,8), Winterſpelz 2,6 (2,6 bezw. 2,5), Winterroggen 2,6
(2,8 bezw. 2,7), Sommerroggen 2,8 (2,9 bezw. 3,1), Winter=
gerſte
2,8 (2,9 bezw. 2,6), Sommergerſte 2,5 (2,6 bezw.
2,7), Hafer 2,6 (2,6 bezw. 2,9), Erbſen 2,7 (2,7 bezw. 3,2),
Acker=(Sau=)Bohnen 2,5 (2,6 bezw .2,8), Wicken 2,7 (2,7
bezw. 3,1), Kartoffeln 2,7 (2,8 bezw. 2,9), Zuckerrüben zur
Zuckerfabrikation 2,7 (2,7 bezw. 2,7), Futterrüben 2,8 (2,8
bezw. 2,9), Winterraps und Rübſen 2,5 (2,5 bezw. 3,3),
Flachs (Lein) 2,7 (2,7 bezw. 2,7), Klee 2,6 (2,7 bezw. 2,8),
Luzerne 2,5 (2,6 bezw. 2,6), Rieſelwieſen 2.6 (2,6 bezw.
2,4), andere Wieſen 2,8 (2,9 bezw. 2,8).

Vermiſchtes.

* Ein Stenographenjubiläum. Am
4. Juli feierte der Begründer der Nationalſteno=
graphie
, Herr Sanitätsrat Direktor Dr. v. Kunowski,
ſeinen fünfzigſten Geburtstag. Abgeſehen von
ſeinem ärztlichen Beruf, er iſt jetzt Direktor
der Heil= und Pflegeanſtalt Rybnik in Schleſien, hat er ſich
ſchon von Jugend auf nur mit Stenographie befaßt und
wird heute als der größte jetzt lebende Stenographie= Theo=
retiker
angeſehen. 1898 wurde er in den Einigungsaus=
ſchuß
der vokalſchreibenden Syſteme Arends, Roller,
Brauns uſw., berufen und ſeine glänzende Erfindungs=
gabe
, ſeine Ueberzeugungskraft für die neuen Ideen gaben
den Ausſchlag; ſein Syſtem ging unter dem Namen Na=
tionalſtenographie
als Einigungsſyſtem hervor, obgleich

[ ][  ][ ]

Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Seite 7.

ſie vollſtändig von den anderen abwich. Heute iſt ſie die
drittgrößte Schule Deutſchlands geworden und hat ſich in
jeder Beziehung glänzend bewährt. Auch jetzt iſt er wie=
der
unermüdlich tätig, um mitzuhelfen, dem Deutſchen
Reich eine Einheitskurzſchrift zu ſchaffen. Er gehört ſo=
wohl
dem 23er Ausſchuß als auch dem Unterausſchuß an
und hat großen Anteil an den jetzt zur Beratung geſtellten
Entwürfen.
* Kaufmänniſche Erſatzkaſſen und
Zwangskrankenkaſſen. Der Verband Deutſcher
Handlungsgehilfen zu Leipzig teilt uns mit, daß ſeiner
Krankenkaſſe von den Zwangskrankenkaſſen auf Anord=
nung
des Bundesrates vom 1. Juli ab vier Fünftel des
Arbeitgeberdrittels für die verſicherungspflichtigen Kaſ=
ſenmitglieder
abgetreten werden müſſen. Die Krankenkaſſe
des Leipziger Verbandes zählt rund 65000 Mitglieder und
gilt infolge ihrer bedeutenden Reſerven im Betrage von
1 Million 400000 Mark als die leiſtungsfähigſte und lei=
ſtungsſicherſte
kaufmänniſche Erſatzkaſſe. Die Verwaltung
der Kaſſe beabſichtigt, der nächſten Hauptverſammlung
vorzuſchlagen, die nicht hohen Beiträge zu ermäßigen und
die Leiſtungen noch weiter zu ſteigern.

Literariſches.

Griebens Reiſeführer: Band 31, Frank=
furt
und Umgebung 29. Auflage. Mit 3 Kar=
ten
und 3 Grundriſſen. (60 Pfg.) Verlag Albert Gold=
ſchmidt
, Berlin W. 35. Dieſer Spezialführer, der bisher in
der Griebenſchen Reiſeführerſammlung nur als Sonder=
ausdruck
aus dem Rheinführer vorlag, iſt nunmehr als
ſelbſtändiges Bändchen von Rektor Schmitt=Frankfurt a. M.
in bedeutend erweiterter Faſſung neu bearbeitet worden.
Beſonders erwünſcht werden dem Reiſenden die ausführ=
lichen
Tarife und die Preistafeln der verſchiedenen Büh=
nen
ſein, ebenſo die ſehr überſichtliche Stundentafel für
den freien Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten. Weiterhin
enthält der Führer in der Form von 3 Spaziergängen
durch die Stadt eine eingehende Beſchreibung der wichtig=
ſten
Gebäude und Sammlungen. Erwähnt ſeien ſchließ=
lich
noch die vorzüglichen Karten und Grundriſſe, die in
ihrem klaren deutlichen Druck die Brauchbarkeit des klei=
nen
Buches weſentlich erhöhen.
Volkstümliche Kunſt. Halbmonatsſchrift
zur Förderung und Pflege der Kunſt im Leben des Volkes.
Herausgeber Artur Dobsky. Verlag für Volkskunſt. Rich.
Keutel, Stuttgart. Heft 12. Was man beim Abſchluß des
erſten Quartales der Volkstümlichen Kunſt ziemlich gewiß
vorausſehen konnte, hat ſich, wie das vollendete abgeſchloſ=
ſene
zweite Quartal beſtätigt, in ſchönſter Weiſe erfüllt.
Durch alle Hefte zieht ſich ein froher friſcher Zug, der da=
hhin
geht, den Menſchen das Gute und Schöne der Kunſt
arzubieten. Unerhört Neues, Senſationelles bringt die
Volkstümliche Kunſt ganz gewiß nicht. Aber mit gutem
Blick für das wirkliche Kunſtbedürfnis des Volkes läßt ſie
allgemein gehaltene Artikel mit ſolchen über einzelne Künſt=
lerperſönlichkeiten
abwechſeln und bietet ſo in einfacher
und geſunder Art jedem etwas, der ſich nach des Tages
Laſt und Mühe in das Reich der Kunſt verſenken will, ohne
dabei noch einmal Mühe und Beſchwernis zu haben.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 4. Juli. von Roſenberg= Li=
pinsky
, Oberſt und Kommandeur des Regiments der
Königsjäger zu Pferde Nr. 1, mit der Führung der 15.
Kavalleriebrigade beauftragt; Graf zu Solms= Wil=
denfels
, Major und perſönlicher Adjutant des Kron=
prinzen
von Preußen, wurde unter Verſetzung zu dem
Regiment Königsjäger zu Pferde Nr. 1 mit der Führung
dieſes Regiments beauftragt; v. Müller, Hauptmann
im Generalſtab der 21. Diviſion, wurde unter Belaſſung
ſeiner bisherigen Uniform zum perſönlichen Adjutan=
ten
des Kronprinzen von Preußen ernannt.
* Berlin, 4. Juli. Seine Majeſtät der Kaiſer und
König haben dem Staatsſekretär des Reichsſchatzamtes
Kühn und dem Staatsſekretär des Auswärtigen von
Jagow zu Staatsminiſtern und Mitgliedern des preußi=
ſchen
Staatsminiſteriums ernannt.
* Wiesbaden, 4 Juli. Der Thronprätendent des
Hauſes Frankreich=Bourbon, Herzog Philipp von Orleans,
ſt hier zum Kurgebrauch eingetroffen und im Hotel Roſe
abgeſtiegen. Der Herzog reiſt unter dem Pſeudonym
eines Grafen de Villier.
* Saarburg, 4. Juli. Der Kaiſerliche Statthalter Herr
9. Dallwitz hat geſtern dem Kreiſe Saarburg einen
Beſuch abgeſtatet. Dabei ereignete ſich ein Zwiſchen=
Fall in dem Orte Harzweiler, wo der Pfarrer ſich wei=
zerte
, aus dieſem Anlaß die Kirchenglocken läuten zu
aſſen. Der Bürgermeiſter ließ daraufhin bei der Kreis=
direktion
anfragen, die beſtätigte, daß vorſchriftsmäßig die
Blocken zu läuten ſeien. Da der Pfarrer ſich immer noch
weigerte, bedurfte es des Eingreifens der Gendarmerie.
Der Pfarrer wurde aufgefordert, die Schlüſſel herauszu=
geben
, was ohne weiteres geſchah. Darauf wurden die
Glocken geläutet.
* Hannover, 4. Juli. Heute nachmittag iſt die Grä=
fin
v. Walderſee, die Gemahlin des früheren Gene=
ralfeldmarſchalls
Grafen v. Walderſee, im Alter von 76
Jahren an Lungenentzündung geſtorben.
* Micheln, 4. Juli. In dem hiſtoriſchen Schöf=
fenhaus
aus dem 13. Jahrhundert, in dem das Stadt=
archiv
untergebracht iſt, brach ein Brand aus, der nach
zwei Stunden gelöſcht werden konnte. Es verbrannten
nur Dokumente.
* Konſtantinopel, 4. Juli. Das griechiſche Pa=
triarchat
beſchloß, auf die letzte Mitteilung der
Pforte die Antwort zu geben, daß das Patriarchat dieſe
Mitteilung mit Befriedigung entgegenge=
nommen
habe, daß aber, wenn ſich die Lage ändern
ſolle, vor allen Dingen die Gründe beſeitigt werden müß=
ten
, die das Patriarchat zu ſeinem Leidweſen gezwungen
hätten, die bekannten Maßnahmen zu ergreifen. Insbe=
ſondere
werden die Entlaſſung der in Unterſuchungshaft
befindlichen Griechen, die Gewährung der Amneſtie und
von Sicherheiten für die ungefährdete Rückkehr der Grie=
chen
in ihre früheren Beſitztümer gefordert.
* Waſhington, 4. Juli. Präſident Wilſon forderte
den amerikaniſchen Geſandten in Athen, Williams, auf,

ſein Rücktrittsgeſuch einzureichen. Der Anlaß hierzu wa=
ren
die Aeußerungen Williams über die Lage in Epi=
rus
, die der Präſident als unfreundlich für die grie=
chiſche
Regierung betrachtete.
Die deutſche Rheinmündung.
* Berlin, 4. Juli. Im Miniſterium der öffentlichen
Arbeiten fand heute eine Beſprechung zur Vorbereitung
der wirtſchaftlichen Unterſuchungen und Pro=
jektierungsarbeiten
für die Kanalverbindung vom
Rhein zu der deutſchen Nordſee ſtatt, an der als
Sachverſtändige Vertreter der großen Seeredereien und
verſchiedener Handelskammern der Küſten= und Binnen=
ſtädte
teilnahmen.
Die Rückfahrt des engliſchen Geſchwaders von Kiel.
* Kiel, 4./Juli. Von der Rückfahrt des engliſchen
Beſuchsgeſchwaders ſandte der Chef desſelben,
Vizeadmiral Sir George Warrender, von Bord des Flagg=
ſchiffes
King George V. an den Chef der Marineſtation
der Oſtſee Admiral v. Coerper, durch Funkſpruch
folgendes Telegramm: Vor dem Verlaſſen der Kieler
Bucht bitte ich Sie, als dem Höchſtkommandierenden im
Hafen, den herzlichen Dank des britiſchen Geſchwaders für
die großartige, den Offizieren und Mannſchaften erwieſene
Gaſtfreundſchaft entgegenzunehmen. Kameraden in der
Vergangenheit und allerwege! Darauf iſt folgendes
Antwort=Telegramm eingegangen: Herzlichen
Dank für Ihr freundliches Telegramm. Es war uns
Offizieren der deutſchen Marine eine große Freude, unſere
engliſchen Kameraden und Freunde in Kiel zu begrüßen
und die Gaſtfreundſchaft, die uns auf Schiffen der eng=
liſchen
Marine und in den engliſchen Kolonien immer
erwieſen wurde, zu erwidern, ſo weit es uns in der kur=
zen
Zeit Ihres Aufenthaltes möglich war. Beſte Wünſche
für glückliche Fahrt. v. Coerper.

Einſturz einer Mietskaſerne.
* Neu=York, 4. Juli. Infolge von Dynamitſprengun=
gen
, die bei Ausſchachtungsarbeiten für den Bau einer
Tiefbahn in der oberen Stadt vorgenommen wurden, iſt
eine ſechsſtöckige Mietskaſerne eingeſtürzt. Die
Zahl der Toten wird auf 50 geſchätzt. Acht Leichen ſind
bisher geborgen worden.
* Neu=York, 4. Juli. Der gemeldete Einſturz
einer Mietskaſerne in der oberen Stadt iſt nach
Anſicht der Polizei darauf zurückzuführen, daß eine
Bombe die in dem Gebäude hergeſtellt wurde, ex=
plodierte
. Es wurden drei Perſonen getötet,
darunter auch der Führer des Verbandes der Induſtrie=
arbeiter
der Welt.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Unwiſſende beurteilen heute noch den Wert des Eſſigs
lediglich nach der Säure und finden einen Eſſig gut, wenn
er ihnen recht in die Naſe ſticht; wer aber guten Eſſig
kennt, der weiß, daß mit einem Löffel Weineſſig ein Braten
oder eine Sauce ſofort einen würzigen Geſchmack bekommt
und daß in Hengſtenbergs Eſſig eingemachte
Früchte unendlich viel beſſer ſchmecken und vor allem auch
viel bekömmlicher ſind, als wenn man gewöhnlichen oder
gar Kunſteſſig verwendet.

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Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Bavaria von Galveſton kommend,
2. Juli 7 Uhr abends in Hamburg. Belgia 2. Juli
9 Uhr morg. in Boca Grande. Cleveland nach Boſton
2. Juli 10 Uhr abends von Hamburg. Imperator,
von Neu=York kommend, 3. Juli 6 Uhr 15 Min. morg.
Lizard paſſiert. Kaiſerin Auguſte Victoria 2. Juli
9 Uhr 30 Min. morgens in Neu=York. Piſa‟ Neu=
York=Levante=Dienſt, 1. Juli nachm. in Piräus.
Preſident Lincoln, von Neu=York kommend, 2. Juli
12 Uhr 30 Min. mittags von Neu=York über
Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. Weſt=
indien
, Mexiko: Antoninus nach Havanna und
Mexiko, 2. Juli 6 Uhr abends Queſſant paſſiert.
Frankenwald, von Mexiko und Havanna kommend,
2. Juli 4 Uhr nachm. von Vigo. Südamerika, Weſt=
küſte
Amerikas: Nicaria 2. Juli in Santos. Perſia
von Braſilien kommend, 2. Juli 11 Uhr abends in
Hamburg. Oſtaſien: Belgravia 2. Juli 8 Uhr
abends von Havre nach Hamburg. Emden 2. Juli in
Hankow. Segovia 2. Juli in Schanghai, heimkehrend.
Sithonia, von Antwerpen kommend, 3. Juli 4 Uhr
55 Min. morgens auf der Elbe. Vergnügungsdampfer
Meteor, zweite Nordlandfahrt, 2. Juli 7 Uhr morgens
n Odde.

ns Hier für die Famtke. Unerreicht in zeiner Wohlt

Da
Ohbr!

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Heute früh entſchlief ſanft im
81. Lebensjahr nach längerem Leiden
unſer lieber, guter Vater, Schwieger=
vater
, Großvater und Onkel
Herr Leutnant
Gustav Müller
Grossh. Gendarmerie-Oberwachtmeister i. P.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Mathilde Müller, Lehrerin
Gustav Müller
Otto Müller, Finanzrat
Minna Schreiner, geb. Müller
Luise Müller, geb. Winn
Friedr. Schreiner, Kreisbautechniker i. P.
und 5 Enkel.
(B15588
Darmſtadt, Heidelbergerſtr. 125, 4. Juli 1914.
Die Beerdigung findet ſtatt am 6. Juli, nach=
mittags
4 Uhr, von der Kapelle des Darm=
ſtädter
Friedhofs (Nieder=Ramſtädterſtr.) aus.
Von Beileidsbeſuchen bittet man abſehen zu wollen.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte meiner
lieben, unvergeßlichen Frau, unſerer treubeſorgten
Mutter, Schwiegermutter, Schwägerin, Tante und
Großtante
Magdalene Dauber
geb. Möser
ſprechen wir Allen, welche unſere liebe Verſtorbene
zur letzten Ruheſtätte geleiteten, insbeſondere den
Schweſtern der Martinsgemeinde und des Eliſa=
bethenſtifts
für die liebevolle Pflege, ſowie dem
Herrn Pfarrer des Eliſabethenſtifts und Martins=
gemeinde
auf dieſem Wege unſeren herzlichſten
Dank aus.
(15578
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen
Ph. Dauber, Kanzleirat i. P

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Infolge zahlreicher Randwirbel waren am Freitag
in unſerem Gebiete mehrfach Gewitter mit ſtarken Regen=
fällen
zu konſtatieren. Von Südweſten iſt das Hoch im
ſchnellen Anrücken begriffen, indes rückt von Nordweſten

Todes=Anzeige.
Teilnehmenden Freunden und Verwandten
hierdurch die tieftraurige Mitteilung, daß mein
lieber und treubeſorgter Gatte und Vater
Kaufmann
Heinrich Karl Schneider
plötzlich und unerwartet von uns geſchieden iſt.
Marie Schneider
geb. Wagner
Heini Schneider.
Darmſtadt, den 4. Juli 1914. (15568
Die Beerdigung hat in aller Stille ſtattgefunden.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die ſchmerzliche Nachricht, daß mein guter
Gatte, unſer treubeſorgter Vater und Großvater
Herr Georg Sproß
Bürogehilfe
infolge eines Nervenleidens, in kaum vollen=
detem
64. Lebensjahr unerwartet aus dieſem
Leben geſchieden iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.:
Frau Katharina Sproß, geb. Schnur,
und Sohn.
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
Roßdörferſtr. 11.
(15653
Die Beerdigung findet Montag, 6. Juli,
nachmittags 4 Uhr, vom Portal des Beſſunger
Friedhofes aus ſtatt.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe der Teilnahme an
dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte, für die
troſtreichen Worte des Herrn Pfarrer Zimmer=
mann
, der Gemeindeſchweſter für ihre aufopfernde
Pflege ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden,
ſprechen wir hiermit Allen unſeren herzlichſten
Dank aus.
(*362
Im Namen der trauernden Hinierbliebenen:
Heinrich Geil
Familie Becker
Frau Geil Ww. nebst Kinder.
Darmſtadt, Alexanderſtr. 9, den 4. Juli 1914.

ein neues Tief heran. Unter dem Einfluß beider werden
wir heute mit wechſelnder Bewölkung und zeitweiſen Nie=
derſchlägen
zu rechnen haben.
Vorausſichtliche Witterung in Heſſen am Sonntag,
den 5. Juli: Unbeſtändig, doch meiſt wolkig, zeitweiſe Nie=
derſchläge
, keine Temperaturänderung.

Kriegerverein
Darmſradt.
Die Beerdigung unſeres Mit=
glieds
Herrn Großh. Gendarmerie=
Oberwachtmeiſter i. P.
Leutnant Guſtav Müller
findet am Montag, den 6. Juli, nachm. 4 Uhr,
von der Kapelle des Darmſtädter Friedhofs,
Nieder=Ramſtädterſtraße, aus ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von Ackermann
bis Dußmann ſich dort zu verſammeln.
15655)
Der Vorſtand.

Todes=Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten die traurige
Nachricht, daß mein lieber Gatte, Sohn, Bruder
und Schwager
Richard Korte
nach langem, ſchwerem Leiden heute morgen
ſanft entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Marie Korte geb. Schaible,
Louis Korte und Familie,
A. Korte, und Frau.
Frankfurt, den 4. Juli 1914.
Die Beerdigung findet Dienstag, 7. Juli,
vormittags 10 Uhr, in Frankfurt ſtatt. (15654

Tageskalender.
Sonntag, 5. Juli.

Rad= und Motor=Rennen um 3½ Uhr auf der
Rennbahn an der Heidelberger Straße.
Ausflug des Geſangvereins Sängerluſt nach See=
heim
(Abfahrt um ½12 Uhr vom Paradeplatz).
Konzerte: Platanenhain um 4½ und 8 Uhr. Lud=
wigshöhe
um 4 Uhr. Hotel Heß um 4 und 7½ Uhr.
Bürgerkeller um 4 Uhr. Perkeo um 4 und 8 Uhr.
Waldfriede um 4 Uhr. Neues Schießhaus um 4 Uhr.
Reſtaurant Hammelstrift um ½4 Uhr.
usſtellung der Freien Vereingung Darmſtädter
Künſtler in der Kunſthalle (geöffnet von 96 Uhr).

Verſteigerungskalender.
Montag, 6. Juli.

Hofreite=Verſteigerung des Ludwig Wolf ( Gu=
tenbergſtraße
28) um 3 Uhr auf dem Ortsgericht I.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für den
redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die
Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Ich gebe hiermit bekannt,
daß ich nicht mehr in
Darmſtadt wohne, man
wolle daher auf meinen
Namen nichts borgen.
Friedr. Zimmermann,
Schutzmann i. P. (15609
Offenbach, den 29. Juni 1914.

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Bitte Antwort. Brief liegt Poſt=
amt
3.
(*342gi

Es iſt beobachtet und er=
kannt
worden, wer am Don=
nerstag
Nachmittag das auf
einer Bank des Oberwaldhaus=
wald
. vergeſſene braune Porte=
monnaie
mitgenommen hat.
Sollte dasſelbe nicht b. nächſt.
Mittwoch Abend b. d. Exped.
d. Bl. abgegeb. werden, ſo erf.
unweigerl. Strafanzeige. (B15
am Pfarr
Schlüsselbund wieſenweg
verloren. Bitte abzugeben Fund=
bureau
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ſtehend. ev. Mann wünſcht mit einem
Fräulein, anfangs der 30er Jahre,
zleicher Religion, mit etwas Ver=
mögen
, zwecks
Herrat
bekannt zu werden. Fräulein, mittl.
Statur, in Stell. bevorz. Off. erb. u.
P. 9. hauptpoſtlagernd. (*334

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Lundwirtstochter, 24J. 20000
Landwirtstochter, 36 J. 30000
letzgermeistertochter, 21J. 60000
Geschäftstochter, 29J. 20000
Geschäftstochter, 40 J. 80000
und dergl. mehr (darunter Waiſen)
w. Heirat durch
(I,15598
Frau Luise Edelmann
rankfurt a. M., Niddastr. 60, I., Hptbhf.

Heirat.
Jung. Mann ſucht die Bekannt=
ſchaft
einer Dame zwecks ſpäterer
Heirat. Zwecks Annäherung werd.
Briefe unt. P M. hauptpoſtlagernd
Darmſtadt erbeten.
(*353

[ ][  ][ ]

Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Seite 9.

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[ ][  ][ ]

Seite 1

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182,

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Sonntag, den 12. Jull, vorm. 10½ Uhr
im Kaisersaal, Grafenstrasse.

Tagesordnung:
1. Eröffnung des Verbandstags und Begrüssung der
Mitglieder und Gäste.
2. Jahresbericht des Vorstandes.
3. Rechnungsablage.
4. Vortrag des Herrn Bürgermeister Dr. Eberle-
Nossen über:
Die Gegenwart und die Zukunft des Detaillisten-
standes
.
6. Wahl des Vorortes und des Vorstandes für 1914/15.
6. Wahl des Ortes für den Verbandstag 1915.

Zu dieser öffentlichen Versammlung sind alle
hiesigen Detaillisten, auch wenn sie nicht Mitglie-
der
unseres Vereins sind, frdl. eingeladen.

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Der Verbands-Vorsitzende:
Wilh. Kalbfuss.

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[ ][  ][ ]

Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
findet
ſich: 1 zugelaufener weißgelber Foxterrier. Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(15581

Bekanntmachung.

Die nachſtehenden Vorſchriften der Polizeiverordnung über der
Woog bringen wir erneut zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Polizeiverordnung,
den Woog betreffend.

(Darmſtädter Taglatt Nr. 212 vom 9. September 1908.)
Auf Grund des Art. 56 Abſ. 2 Ziffer 1 des Geſetzes, die Städte=
ordnung
betreffend, vom 15. Juni 1874, wird nach Anhörung der
Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und Reſidenzſtadt Darm=
ſtadt
mit Genehmigung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern
vom 21. Auguſt l. J. zu Nr. M. d. J. 14409, verordnet, was folgt:
Die polizeiliche Aufſicht über den Woog ſteht dem Großh.
Polizeiamt zu, das ſie durch die ihm unterſtellten Organe, insbe=
ſondere
auch durch den als Polizeiaufſeher zu beſtellenden Pächter
der ſtädtiſchen Badeanſtalten am Woog ausübt.
Den zur Aufrechterhaltung der Sicherheit, Ruhe und Ordnung
an und auf dem Woog ergehenden Anordnungen und Weiſungen
des Großh. Polizeiamts Darmſtadt oder der dienſthabenden Polizei=
beamten
hat jedermann Folge zu leiſten.
Unterſagt iſt jeder Unfug im Waſſer, an den Ufern, in den
Badehäuſern und in den Anlagen des Woogs; jede Beſchädigung
der Dämme, Uferwerke, Badehäuſer, Nachen, Bäume, überhaupt aller
an und auf dem Woog befindlichen Anlagen und Einrichtungen;
ferner das Anhängen an die unter den Duſchebrücken befindlichen
Waſſerleitungsröhren, das Betreten der Grasflächen, ſowie aller nicht
beſtimmungsgemäß den Badenden für immer oder zeitweiſe zur Be=
nutzung
überlaſſenen Wege, Treppen und Anlagen, ſchließlich das
eigenmächtige Oeffnen oder das Ueberſteigen der Einfriedigungen.
In den Anlagen des Woogs müſſen Hunde an der Leine
geführt werden.
Das Mitnehmen der Hunde in die Badehäuſer und an die
öffentlichen Badeplätze, ſowie die unmittelbar am Waſſer herführen=
den
Wege an der Weſt= und Südſeite des Woogs iſt nicht geſtattet.
Das Fahren und Reiten auf dem über dem weſtlichen Woogs=
damm
führenden Weg iſt unterſagt. Ausgenommen von dieſem
Verbot ſind leichte durch menſchliche Kraft bewegte Fahrzeuge, z. B.
Fahrräder, Kinderwagen.
Während der Badezeit iſt das unbefugte Betreten des Frauen=
bades
durch männliche Perſonen mit Ausnahme von Knaben bis zu
5 Jahren unterſagt.
Ebenſo dürfen weibliche Perſonen während der Badezeit die
für Männer beſtimmten Badeanſtalten, Badeplätze und die unmittel=
bar
am Woog herführenden Wege an der Weſt= und Südſeite nicht
unbefugt betreten.
Das Baden im offenen Woog iſt des Schwimmens nicht
kundigen Perſonen nur an der ſogenannten Inſel, ſowie an den
durch Einfriedigungen und durch=Anſchlag hierfür beſonders kenntlich
gemachten Stellen geſtattet.
Ganz unterſagt iſt das Baden und das Fahren mit Nachen in
der hinter der Militärſchwimmanſtalt gelegenen (nordweſtlichen) Ecke
des Woogs, ſowie für männliche Perſonen jenſeits der nach den
Frauenbädern zu durch Fäſſer bezeichneten Grenze.
Das Aus= und Ankleiden darf nur unmittelbar am Ufer,
dagegen nicht an oder auf den Dämmen geſchehen.
Ebenſo iſt das Betreten der Dämme und Anlagen in entklei=
detem
Zuſtande, ſowie das Abſpringen von den Landungsbrücken
verboten.
Die Badenden haben ſich, falls ſie nicht in einer geſchloſſenen
Zelle baden, der Badehoſen oder Badeanzüge zu bedienen.
Die Benutzung von Seife, das Waſchen von Kleidungsſtücken,
ſowie jede ſonſtige Verunreinigung des Waſſers, der Badezellen
und=Hallen, der Ufer und Dämme, ſowie das Einwerfen von Steinen
und ſonſtigen Gegenſtänden in das Waſſer iſt verboten.
Hunde oder andere Tiere dürfen in dem Woog weder gewaſchen
noch gebadet werden.
Die Benutzung der Badehäuſer iſt nur nach Entrichtung der
von Großh. Bürgermeiſterei feſtgeſetzten Gebühr und nach Löſung
einer Badekarte geſtattet. Die Badekarte iſt ſowohl den Polizei=
beamten
als auch dem Woogspächter und ſeinen Beauftragten auf
Verlangen vorzuzeigen.
Innerhalb der Badeanſtalten, mit Ausnahme des Kaſſenraums,
iſt das Rauchen verboten.
Von Einbruch der Dunkelheit bis 5 Uhr morgens iſt das
Baden unterſagt. Der Schluß der Badezeit wird durch ein Glocken=
zeichen
angegeben.
Zuwiderhandlungen gegen die vorſtehenden Vorſchriften
werden, inſofern nicht andere ſtrafgeſetzliche Beſtimmungen Platz
greifen, mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark beſtraft.
Außerdem haben Zuwiderhandelnde gegebenenfalls die zwangs=
weiſe
Wegweiſung vom Woog zu gewärtigen.
Dieſe Polizeiverordnung tritt am 15. I. Mts. in Kraft; von
dieſem Tage an iſt die Polizeiverordnung, den Woog betreffend,
vom 7. Juni 1885, außer Kraft geſetzt.
Darmſtadt, den 7. September 1908.
(15583
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Ausverkäufe.

Nachdem in letzter Zeit wiederholt Verſtöße gegen die geſetzliche
Verpflichtung zur Anmeldung der Ausverkäufe feſtgeſtellt worden
ſind, bringen wir nachfolgend die maßgebenden Beſtimmungen er=
neut
zur Kenntnis der Beteiligten mit dem Anfügen, daß wir in
jedem Fall der Uebertretung Strafanzeige erheben werden.
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
(15582gi
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Betr. Ausführung des Reichsgeſetzes vom 7. Juni 1909 gegen
den unlauteren Wettbewerb.
Bekanntmachung.

Auf Grund der Beſtimmungen des § 7 Abſatz 2 und des § 9
Abſatz 2 des Geſetzes vom 7. Juni 1909 gegen den unlauteren Wett=
bewerb
und des § 1 der Vollzugsbekanntmachung vom 2. September
1909 wird für den Kreis Darmſtadt nach Anhörung der Großh.
Handelskammer und Handwerkskammer Folgendes mit Wirkung
vom 1. Januar 1910 angeordnet:
I. Wer in öffentlichen Bekanntmachungen oder in Mitteilungen,
die für einen größeren Kreis von Perſonen beſtimmt ſind, den Ver=
kauf
von Waren unter der Bezeichnung eines Ausverkaufs wegen
Aufgabe des Geſchäfts oder wegen Aufgabe einer Warengattung oder
wegen Umbau oder Umzugs oder wegen eines elementaren Ereig=
niſſes
ankündigt, hat drei Tage vor der Ankündigung bei der Großh.
Handelskammer Darmſtadt Anzeige über den Grund des Ausverkaufs
und den Zeitpunkt ſeines Beginns zu erſtatten und ein Verzeichnis
der auszuverkaufenden Waren einzureichen.
Der Ankündigung eines Ausverkaufs im Sinne des Abſatzes I
tteht jede ſonſtige Ankündigung gleich, welche den Verkauf von Waren
wegen Beendigung des Geſchäftsbetriebs, Aufgabe einer einzelnen
Warengattung oder Räumung eines beſtimmten Warenvorrats aus=
dem
vorhandeuen Beſtande betrifft.

Auf Saiſon= und Inventurausverkäufe, die in der Ankündigung
als ſolche bezeichnet werden und im ordentlichen Geſchäftsverkehr
üblich ſind, finden die vorſtehenden Anordnugen keine Anwendung.
II. Saiſon= und Inventurausverkäufe, die in der Ankündigung
als ſolche bezeichnet werden und im ordentlichen Geſchäftsverkehr
üblich ſind, dürfen in einem Geſchäft innerhalb eines Kalenderjahres
im Ganzen nur zweimal, und zwar in der Dauer von je vier Wochen
abgehalten werden.
Der eine dieſer Ausverkäufe darf nur in die Zeit vom 2. Januar
bis 15. Februar, der andere nur in die Zeit vom 1. Juli bis 15. Auguſt
gelegt werden.
Darmſtadt, den 27. Dezember 1909.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.

Aus der Hermann und Amalie Neuſtadt=Stiftung

ſind am 3. Auguſt d. Js. 684 Mk. 72 Pfg. Zinſen an eine oder
mehrere würdige Perſonen jüdiſchen Glaubens, die in hieſiger Stadt
wohnen und bedürftig ſind, in Gaben nicht unter 100 Mk. zu verteilen.
Den Vorzug bei der Zuerkennung der Stiftungszinſen ſollen
insbeſondere genießen: Witwen aus beſſeren ſozialen Verhältniſſen zu
Erziehungsbeihilfen von Kindern, ältere alleinſtehenpe Perſonen und
Rekonvaleszenten, die ſich nicht an die Armenpflege wenden wollen.
Bewerbungen ſind bis zum 15. Juli d. Js. an den Unter=
zeichneten
einzureichen.
Perſonen, die im Vorjahr berückſichtigt wurden, können diesmal
nicht bedacht werden.
Darmſtadt, den 1. Juli 1914.
(15572
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Wegſchließung.

Der Plan über Schließung und Verlegung des Hammels=
triftwegs
auf der Nordſeite der chem. Fabrik E. Merck liegt in der
Zeit vom 4. bis einſchließlich 11. d. Mts. auf dem Stadthaus, Zim=
mer
47, zur Einſicht offen.
Einwendungen gegen den Plan ſind bei Meidung des Aus=
ſchluſſes
während dieſer Friſt daſelbſt vorzubringen.
Darmſtadt, den 3. Juli 1914.
(15445
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Jager.

Bekanntmachung.

Die Dienſtſtunden für den Verkehr der Rechtſuchenden auf dem
Grundbuchamt ſind feſtgeſetzt auf
vormittags von 101 Uhr täglich, außerdem in
dringenden Fällen täglich, außer Samstags, nach=
mittags
von 46 Uhr.
Darmſtadt, den 2. Juli 1914.
(15566
Großh. Heſſ. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bwangsverſteigerung.

Die nachſtehend bezeichneten Grundſtücke, die zur Zeit der Ein=
tragung
des Verſteigerungsvermerks auf den Namen des
a) Konrad Sutter, Profeſſor, zu
b) Walburga Sutter geborene Philips, zu ½
im Grundbuch eingetragen waren, ſollen
Dienstag, den 11. Auguſt 1914, nachmittags 3 Uhr,
durch das unterzeichnete Gericht, Neues Gerichtsgebäude, Saal 219,
verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsverſteigerung,
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 11. März 1914 in das Grund=
buch
eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſteigerungs=
vermerks
aus dem Grundbuche nicht erſichtlich waren, ſind ſie ſpäte=
ſtens
im Verſteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von
Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der
Gläubiger widerſpricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei
der Feſtſtellung des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei der
Verteilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gläubigers
und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden.
Diejenigen, welche ein der Verſteigerung entgegenſtehendes
Recht haben, werden aufgefordert, vor der Erteilung des Zuſchlags
die Aufhebung oder einſtweilige Einſtellung des Verfahrens herbei=
zuführen
, widrigenfalls für das Recht der Verſteigerungserlös an
die Stelle des verſteigerten Gegenſtandes tritt.
Darmſtadt, den 15. Juni 1914.
(14534a
Großherzogliches Amtsgericht I.
Bezeichnung der Grundſtücke.
Grundbuch für Darmſtadt Bezirk II Band V Blatt 417:
Betrag der
Ord.=
Gewann qm
Nr. Flur Nr. Kulturart
Schätzung
II 121 Grasgarten
Olbrichweg 260
75000 Mk.
II 121¾10 Hofreite Nr. 19 daſelbſt 369

Lie beite Selegennen
gebrauchte Möbel aller Art am ſchnellſten und
ſicherſten zu verwerten, bietet mein Unternehmen:
Uebernahme zur Versteigerung und Verkauf
vollständiger Haushaltungen, wie Nachlässe,
einzelne Möbel etc.
Auf Wunſch vorherige Taxation. Geſchäftsprinzip: korrekt,
diskret und bill. Berechnung. Abrechnung kann ſofort nach
Verſteigernug und Verkauf erfolgen.
Weß= und Umziehenden beſtens empfohlen.
Bitte meine Verſteigerungs= und Verkaufsanzeigen zu beachten.
Beste Referenzen.
(15601a
Johannes Krummeck, Auftionator u. Taxator
Telephon 1774 Bleichstrasse Nr. 1. Telephon 1774

Marmſtadter Rrlegerſeſt 1914.
Für den 18., 19. und 20. Juli iſt auf dem
Feſtplatz im Großh. Orangeriegarten die Kaffee=
und die Weinwirtſchaft zu vergeben.
Schriftliche Angebote werden bis zum 8. Juli an Herrn Markt=
meiſter
Stöhr erbeten, bei dem der Plan eingeſehen werden kann und
auch jede weitere Auskunft erteilt wird.
(15567
Darmſtadt, den 4. Juli 1914.
Der Vorſitzende des Platzausſchuſſes:
R. Lotheißen, Hauptmann à la suite.

Heugras
von neuem Anbau ſtammend, ſtark
mit Klee untermiſcht, iſt von un=
gefähr
2300 qm Fläche auf dem
Holzhofe dahier aus der Hand zu
(15575gg
verkaufen.

Gebr. Gas=Ladeofen
zu kaufen geſ. Off. u. E. 96. (15558ss

Eichen=Dielen
2560 Millimeter ſtark.
15592gim) Arheilgerſtraße 12.

Ueberſicht
der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 16. bis 30. Juni 1914:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 18. bis 23.
Korn
18. 19.
Gerſte
17. 19.
Hafer
19. 20.
Butter ½ Kilo Mk. 1.35
Butter in Partien Mk. 1.25
Eier per Stück 9 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 10.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 3.
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.
Heu per 50 Kilo Mk. 4.
Darmſtadt, 4. Juli 1914.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Maurer= und
Eiſenbetonarbeiten.
Die bei Erbauung einer Ein=
ſegnungshalle
, einer Leichenhalle,
eines Gärtnerhauſes und einer Ver=
bindungshalle
beim neuen Fried=
hof
vorkommenden Maurer= und
Eiſenbetonarbeiten ſollen vergeben
werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Dienstag, den 14. Juli 1914,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(15569gi
Darmſtadt, 3. Juli 1914.
Stadtbauamt.

Beton= und
Gußaſphaltarbeiten.
Die Ausführung von Beton= und
Gußaſphaltarbeiten, ſowie Rand=
ſteinverſetzung
in der Hochſchul=
ſtraße
und Schloßgartenſtraße vor
der techniſchen Hochſchule ſoll ver=
dungen
werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem Tiefbau=
amt
, Zimmer Nr. 4, während der
Dienſtſtunden zur Einſicht offen.
luch werden dort die Angebot=
ſcheine
abgegeben.
Angebote ſind bis
Mittwoch, den 15. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
reichen
.
(15574gi
Darmſtadt, 3. Juli 1914.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.

Erhebung
der Gemeindeſteuer.
Die Friſt zur Entrichtung des
Ende Mai fällig geweſenen erſten
Ziels der Gemeindeſteuern für das
Rechnungsjahr 1914 wurde bis
8. Juli l. Js. erſtreckt. Bis dahin
kann Zahlung ohne Koſten er=
folgen
.
(15135a
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird erſucht, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, 26. Juni 1914.
Die Stadtkaſſe.
J. V.: Heppenheimer,

Bekanntmachung.
Mittwoch, den 8. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Fuhrunternehmer
Emil Büttner Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 549 263 Hofreite Neue
Ireneſtraße
Nr. 61,
in unſerem Bureau, Grafenſtraße
Nr. 30, II., zwangsweiſe verſteigert
(K54/14
werden.
Darmſtadt, 28. Mai 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,13528

Bekanntmachung.
Mittwoch, den 8. Juli I. Js.,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die den Karl Guſtav Richard
Buſch Eheleuten dahier zugeſchrie=
bene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
1077 200 Hofreite Wie=
nersſtraße
77,
1076 123 Grabgarten
daſelbſt,
in unſerem Bureau, Grafenſtraße
Nr. 30, II., zwangsweiſe verſteigert
(K48/14
werden.
Darmſtadt, 12. Juni 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,14049

Bekanntmachung.
Mittwoch, den 22. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die dem Bäckermeiſter Wilhelm
Wenner dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 1168½
758 Hofreite Nieder=
1169
Ramſtädterſtraße Nr. 31,
in unſerem Bureau Grafenſtr. 30 II,
zwangsweiſe verſteigert werden.
Darmſtadt, 12. Juni 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
K55/14) Müller. (VIII,14535

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182.

Fankrarter Karsverlekt Vohl &. Jat 1.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

Staatspapiere.
100,20
Dt. Reinhsschatzenw.
98,90
Dt. Reichsanleihe p. 1918:
99,30
do. . . . . p. 1925 .
3½ 86,20
. .
do. . . .
76,65
do.
.....
4 100,30
Preußüsche Schatzanw.
491,20
Staffelanleihe.
3½ 86,20
Consols .
§ 76,90
do. . . . . .
BadischeStaats-Anleihe: 4 97.50
do.-V. 92/94 . . . . . . . 3½l 88,90
. . . . . . . 3 1 2
do5-.
Bayerische Ablös.-Rente! 4 97,90
E.-B.-Anl. kdb. ab 1906 4 I 98,70
do. unkdb. p. 1918 . . j 4 98,70
do. unkdb. p. 1920 . . . 4 98,70
E.-B.- u. Allgem. Anl.
4 99,10
unkdb. p. 1930 . . .
do. Anleihe . . . . . . .3½ 84,90
. . . . . . . 3 76,20
do.
Hamburger Staats-Anl. I 4 97.70
do. v. 1887/94 . . . . . .3½ 87,60
do. . . . . . . . . . . . . . 3 79,80
Heseische Staats-Anleihe 4 97.50
do, unkdb. p. 1921 . . . 4 97,80
do. . . . . . . . . . . . . .3½ 85,00
3 73,40
G. ... .. .
Sächsische Staats-Rente 3 77,20
Württembg. Staats-Anl.
(unkdb. p. 1921). . . . 4 99,00
do. v. 79/80 . . . . . . . 3½ 88.50
do. . . . . . . . . . . . . . 3 77,80
Bulgarische Gld.-Anl. . . 1 5
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1,6)
do. V. 1887 Monopol 19
Italienische Bente . . . . . 3½
Osterr, Staats-R. v. 1913 . 4½ 90,00
do. Sülber-Rente . . . . 14½
do. Pspier-Rente . . . 14½ 83,50
do. Gold-Rente . . . . . 1 4 85,10
do. einheitl. Rente . . 4 80.45
Portug. Tab-Anl. 1891 . . 4½l 97,80
do. inn. amort. 1905 . .41
do. unif. Herie I
3½ 63,00
do.
MII. 2 3 65,00
do. Spezial Titel. . .
9,50
Rumänen v. 1903 .
5 99,70
do. Gold v. 1913.
4½ 90,75
do. Schatzsch. v. 1913:4½
do. conv.
4 85,10
do, v. 1890
4
do. v. 1891
489,00
do, v. 1905
4 84,80
do. v. 1908
4 84,80
do, v. 1910
4 85,00
Russischeist-Anl. v. 1905 4½ 98,30
do. kons. v. 1880 .
4 0
Ldo, Gold v. 1890
4
do. v. 1902 . . . . . .
4 1 89,50
Sphweden v. 1880. . .
3½
do. v. 1886 .


Schweden v. 1890. .

Serben steuerfrei . . . .
do. amort. v. 1895
Türk. Egopt. Tribut
do. kons. steuerfreie .
do. Admin. v. 1903.
75.50
do. unif. v. 1903. .
82,25
do. v. 1905. .
71,30
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 88,50
Ungar. Staatsk.-Scheine
v. 1913. . . . . . . . . . . .4½ 98,95
do. Gold-Rente. . . . . 4 I 81,90
do. Staats-Rente 1910. 4
do.
Kr. 4 79,20
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887 5
do. Kußere v. 1890 . . . 5 100,20
do. innere v. 1888 . . .4½
do. äußere v. 1888 . . .4½
do. v. 1897
79,00
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 95,50
do. v. 1889
14½
do. v. 1906 .
4½
Chines. St.-Anl. v. 18.
do. v. 1896
5
do. Reorg. Anl.,
.5 I 87,95
do. v. 1898 .
4½
Japaner . . . .
.4½
Innere Mexikaner.
66,75
Außere do. v. 1899 5 84,75
Mexikan. Gold v. 1904 .
4 69,00
do, cons. .. .
3 47,30
do. Irrigat.-Anleihe . 4½1 67,60
Buenos-Aires Prov. .
3½ 63,70
Tamaulipas .
5
Sao Paulo E.-B
5
do. v. 1913
5 80,00
Siam v. 1907.
4½ 96,60
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesollsch.
v. 1895/973½ 84,50
, v. 1504 3½ 83,00
Hess. Eisenb.-Akt.-Gos.
Oblig., gar. v. d. Stadt
Darmstadt . . . . . . . . 4 94,00
Nordd. Lloyd-Obligat. . . 4½
Donau-Dampfschiff. v. 82 4 91,00
Elisabethbahn .
.. 4 88,90
Franz-Josef-Bahn.
85.50
Kaschau-Oderberger v. 89
Prag-Duxer . .
3 71,90
Osterreich. Staatsbah.
5 101,60
do. .
4 87,30
do.
3 72,75
do. Südbehn (Lomb.) . 5 97,80
do. do.
4 1 70,20
do. do.
.29/10 50,30
Raab-Oedenburg
. .
76,50
Kronprinz Rudolfbahn .
Russ. Südwest . . . . . .

Moskau-Kasan . .
do. . . . . . . .
Wladikawkas. .
Rjäsan-Koslow.
3 65,30
Portugies. Eisenb. v. 188
4½
do. . . .
2410) 69,25
Livorneser . . . . . . .
1Salonique Monastir.
36080
Bagdadbahn . . . . . . . . 4 77,80
Anatolische Eisenbahn .4½ 90.50
Missouri-Pacific I.
4 90,00
dlo. do, v. 1905 . . 4 55,00
Northern-Pacific. . . . . . 4 95,75
Southern-Pacific . . . . . . 4 1 92,00
St. Louis & San Francisco 5
. . . . 5
Tehuantepee . .
Ungar, Lokalbahn . . . . 5 98,00
Provinz-Anleihen.
Rheinprov. Obl. Em. 20/21 4 97,10
3½ 87,00
do. Em. 10 .
3 83,50
do. 9. .
3½ 84,00
Posen Prov. . .
4½ 96,00
Westfalen Prov. V..
Hoss. Prov. Oberhessen . 4 95,00
3½
do. Starkenburg.
Städte-
Obligationen.
Darmstadt.
4
do. . ..
3½
Frankfurt .
4½97.10
do. .
3½ 88,10
Gießen . .
4 94,70
do0. . . . .
. .3½ 87,30
Heidelberg.
... . 495,20
do. . .
. . . .3½ 87,20
Karlsruhe
. .. 4½ 95,10
de. ..
. . .3½ 86,50
Magdeburg
... 4
Mainz
. . 4 95,00
do. . .
. . .3½ 88,00
Mannheim .
. . . . . 4
do.
. . . . .3½)
München . .
.. . . . 4 96,80
Nauheim .
. . .3½
Nürnberg
.. 4 96,70
do.
.3½ 87,50
Offenbach
. . . 4 94,80
do. v. 1914 .
... 4 1
do. .
3½
Wiesbaden.
74
do. . . .
3½ 87,70
Worms . . .
4
do. . . . . . .
3½ 87,70
Lissabon v. 1888
4
Moskau v. 1912
4½ 94,00
Stockholm v. 1880
4 94,10
Wien Komm. .
5
Wiener Kassenscheine .4½ 99,30
Zürich v. 1889.
3½

Buenos Stadt v. 1892 . . . 6 10 3.0

Pfandbriefe.
½101,50
Berliner Hyp.-Bk.-Pf.
2800
do. unkäb. 1918. . . .
2875
1919. . . .
do.
94,75
do.
1921 . . . .
96,00
1922. . ..
do.
3½ 83.50
do. ..
95,00
do, Komm.-Obl. unk. 1918
95,00
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910
96,00
1915 .. . .
do.
96,50
1920 ....
do.
dc. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
3½ 86,50
unkdb. 1910 .
Frankf. Hyp.-Krod.-Ver.
94,10
Ser. 1542
94,90
4849
do. . .
95,50
do. unk. 1922 52
88,60
do. 1913. . . . . .
86,50
31
do. Ser, 45 . . .
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
96,90
Ser. 12, 13, 16
96,90
14, 15, 171
do. . . . .
97,40
do. unkdb. 1920 . . . .
497,50
1223 . . . .
do.
do. Ser. 1, 2, 68 . . . . 3½ 84,70
do. 35 . . . . . . . 3½ 84.50.
do. kündb. 1915 . . . . . 3½ 84,60
do. Komm. unk. 19131 4 96.90
1914
do.
96,90
do.
1910 4 9.10
1920 4 1 97,40
do.
1923) 4 1 97,50
do.
do. verlosb. u. kündb. . 3½ 84.70
unkdb. 1915 3½ 84,60
do.
Moininger Hyp.-Bk. Pfdb. 4 94,60
do. unkäb. 1922. . . .
4 95,80
.3½ 86,00
do. . . .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
unkdb. 1917 4 93,80
1915) 4 1 94,00
do. . . . ..
1921) 4 94,00
do. . . . . .
do.
19241 4 96,40
do.;
3½ 84,40
do. Komm. unk. 1923
95,20
do.
1924
96,30
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr. .
97,00
do. . . . . . . . . . . . . . 3½ 89.10
Bank-Aktien.
Div.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10 199,25
Berg.-Märkische Bank. 7½—
Berliner Handelsges.. . . 8½
Darmstädter Bank . . . . 6½ 1114,80
Deutsche Bank. . . . . . .12½234,50
Doutsche Vereinsbank. . 6 118,60
Dt. Efekt.- u. Wechs.-Bk. 6 1112,00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 181,90
Dresdner Bank.
.8½ 146,20

E
Frankf. Hypothek.-Bank! 10 (214.00
do. do. Kred.-Ver. 8½ 156,20
Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 1115,50
Nation.-Bank f. Deutschl. 6 1107.75
Pfälzische Bank . . . . . . . 7. 121,50
Reichsbank . . . . . . . 1843 1139,10
Rheinische Kredit-Bank 7 125,40
106,40
A. Schasffhaus. Bk.-Ver..
8 1127,90
Wiener Bank-Vorein . .
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packett. 10 1126,90
Norddeutscher Lloyd. . . 8 110,25
Frankfurt. Schleppschiff. 4 1116,00
Südd. Eisenb.-Gesellsch. . 6½ 1129,00
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½
.. . . .6 90%
Baltimore .
10 195,50
Canada . .
7½ 1129,10
Schantung.
Prinz Henry.
Lombarden
167
6 110,50
Pennsylvanis. . .
Industrie-Aktien.
Badische Anilin-Fabrik . 28 1575,75
Chem. Fabrik Griesheim 14 1243,65
Farbwerke Höchst . . . . 30 1456,25
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Zemont Heidelberg . . . . 10 (144,50
Chemische Werke Albert! 30 1398,00
Holzverkohl. Konstanz 15 283,25
Lahmeyer . . . . . . . . . . 7 122,60
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Siomens & Halske. . . . . 12 (211,55
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Englische Noten . . .
20,52
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81,50
Holländische Noten
169,40
Italienische Noten
81,35
Osterr.-Ungarische Noten. . 85,10
Russische Noten . .
Schweizer Noten. . . .
81,55
Reichsbank-Diskont . .
do. Lombard Zaf.. .
Tendenz:
Fest aber still.

Handel und verkenr.

H. Frankfurt a. M., 3. Juli. ( Börſenwochen=
bericht
.) Die Börſe bot in der abgelaufenen Woche ein
Bild großer Luſtloſigkeit, die noch dadurch verſtärkt
wurde, daß die Hochfinanz bereits zum Teil in die Bäder
geht und ſomit die ſogenannte saison morte begonnen
hat. Zu Beginn der Woche war die Tendenz im ganzen
eher feſter, da man in den wichtigſten Fragen, die defini=
tive
Entſcheidung der Frachtratenfrage und der B= Pro=
dukte
=Angelegenheit, einen befriedigenden Ausgang er=
wartete
. Ferner kommen dazu die Ausſichten auf eine
gute Welternte infolge des günſtigen Wetters. Amerika
erwartet ſogar eine Rekordernte und wird die europäiſchen
Länder, die, wie Ungarn, Frankreich und England und
teilweiſe auch Deutſchland, ihren Weizenbedarf in dieſem
Jahre decken müſſen, damit verſorgen. Das wird aber
dazu führen, daß der Frachtratenmarkt, der gegenwärtig
noch ſehr daniederliegt, lebhaft werden wird, und daher
erklärt ſich auch das Intereſſe der Spekulation, das ſie
neuerlich für Schiffahrtsaktien zeigt. Dieſen günſtigen
Momenten gegenüber bildeten ſich wieder größere Wolken
am politiſchen Horizont, die zwar vorerſt noch nicht ge=
fahrvoll
ausfehen, aber an der Börſe einige Nervoſität
bewirkten. Die Ermorderung des öſterreichiſchen Thron=
folgers
und die damit zuſammenhängenden Beſorgniſſe
etwaiger Komplikationen mit Serbien ließen eine un=
günſtigere
Auffaſſung in der durch dieſes Ereignis ge=
ſchaffenen
Situation erkennen, wodurch insbeſondere der
Wiener Platz verſtimmt wurde. Die Erklärung des
Standrechts in ganz Bosnien zeigte der Börſe zudem,
daß die Verhältniſſe dort in voller Gärung ſind und
reichlichen Konfliktsſtoff in ſich tragen. Unter dieſen Ein=
flüſſen
ſchließt man auf faſt allen Gebieten in ſchwacher
Haltung. Der Reichsbankausweis per Ende Juni ent=
ſprach
nicht völlig den Erwartungen, indem der Geſamt=
ſtatus
ſich um 327 Millionen Mark (im Vorj. 441 Mill.
Mark) verſchlechtert hat; angeſichts des billigen Geld=
ſtandes
(der Privatdiskont zeigte heute nach dem Ultimo
bei größerer Nachfrage von Inſtituten einen Rückgang
um ¾ Prozent auf 2/ Prozent), blieb der Ausweis
ohne beſönderen Einfluß. Zu den Einzelheiten des Ver=
kehrs
übergehend, hatten deutſche Renten unter dem Ein=
druck
der allgemein ſchwachen Stimmung zu leiden, und
ſind vorwiegend die 3½proz. und die 3proz. Gattungen
um Zehntel niedriger.
Von den ausländiſchen Staatsfonds waren ſerbiſche
ſtärker offeriert, ferner die Mexikaner wieder weſentlich
nachgebend auf Zinſenſiſtierung der äußeren Anleihe. Be=
züglich
der Behauptungen wegen der bulgariſchen An=
leihe
wird aus Sofia mitgeteilt, daß die Berliner Banken=
gruppe
die bulgariſche Regierung von der Unterfertigung
des Anleihevertrages benachrichtigte. Die Vorlage werde
nächſtens der Sobranje vorgelegt.
Von Transportwerten lagen die öſterreichiſchen und
davon beſonders die Südbahn matter; wie man hörte,
auf Wiener Exekutionen; hingegen ſchließen Hamburger
Paketfahrt und Norddeutſcher Lloyd beſſer. Am Ban=
kenmarkt
waren namentlich Petersburger Internationale,
Oeſterreichiſche Kredit, Deutſche und Diskonto=Kommandit
auf größere Blankoabgaben der Spekulation gedrückt,
während Darmſtädter, Dresdener und Deutſche Effekten=

nd Aechſchmt guie Gelung durch ſeie ufe de=
kundeten
.
Am Montangebiete war nach zeitweiſer Beſſerung
wieder eine ſchließliche Abſchwächung überwiegend auf
die neue Herabſetzung der belgiſchen Eiſenpreiſe und auf
die Enttäuſchung über die Schwierigkeiten im Röhren=
ſyndikat
, die durch die Wünſche von Lauchhammer und
Laurahütte, bei der Abrufung frachtlich beſſer geſtellt zu
werden, hervorgerufen ſeien. Eine Ausnahme machen
Caro-Hegenſcheidt, die auf 81 ſteigen konnten. Ein neu
auftauchendes Gerücht beſagt, es ſei der Geſellſchaft ge=
lungen
, die Anſprüche der Anlieger wegen Waſſerent=
ziehung
durch den Bergbau jetzt auch für die Felder zu
beſeitigen, welche die Gewerkſchaft Gleiwitz von der
Pyrmontgruppe noch in Option habe. Man erblickt darin
eine Werterhöhung oder die Möglichkeit zu Geſchäften in
dieſen Optionsfeldern.
Größere Umſätze fanden am Kaſſainduſtriemarkte
ſtatt, wo jedoch ein überwiegendes Angebot in Aktien der
Automobilbranche, und zum Teil auch in Chemiſchen
Werten, vorhanden war, ſo daß anſehnliche Preisab=
ſchläge
erfolgten. Es ſcheint, daß verſchiedene Poſitionen
ſchwacher Hände gelöſt worden, denn beſondere Nach=
richten
, die den Markt beeinfluſſen konnten, wurden nicht
bekannt. Holzverkohlung, deren Dividendenabtrennung
von 15 Prozent jetzt erfolgt, waren in beſſerer Frage,
ebenſo ſind Elektrizitätspapiere und Voigt u. Höffner feſt;
ferner Schramms Lack= und Farbenfabriken 8 Prozent
höher, geſucht, gegenüber der Vorwoche. Die Metallbank
und Metallurgiſche Geſellſchaft ſetzte die Dividende auf
7½ Prozent feſt und beſchloß die Erhöhung des Aktien=
kapitals
um 10 Millionen Mark auf 50 Millionen Mark.
Die neuen Aktien werden von einem Konſortium zum
Kurſe von 115 Prozent mit der Verpflichtung übernom=
men
, ſie den bisherigen Aktionären zu 123 Prozent an=
zubieten
.
Der Wochenſchluß bleibt luſtlos und in ſchwacher
Haltung. Auf Bankwerte üben die Forderungen der
Reichsbank bezüglich der Barguthaben noch weiter ihren
ungünſtigen Einfluß aus. Automobilaktien waren wie=
der
ſtärker angeboten und matter. Man hegt dabei Be=
fürchtungen
, daß die ſtarke Konkurrenz in der Luxus=
induſtrie
den Erträgniſſen ſelbſt der beſten Werke Ge=
winn
=Einbußen bringen dürften.
Es ſchließen: 4proz. verlosbare Preuß. Schatz 99.30,
4proz. Reichs 98.80, 4proz. Reichs (rückzahlbar 1918)
99.10 G., 3½proz. Reichs 86.25, 3proz. Reichs 86.75, 4proz.
Heſſen von 1899 97.50, 4proz. Heſſen von 1906/09 97.50,
4proz. Heſſen (rückzahlbar 1921) 97.80 3½proz. Heſſen
84.80 G., 3proz. Heſſen 73.60, 4proz. Darmſtädter Neue
95 G., 4proz. Darmſtädter 94.90 G., 3½proz. Darmſtädter
88.25, 4proz. Heſſiſche Landes=Hyp.=Pfdbr. (S. 2326)
97.40 G., 4proz. Heſſiſche Landes=Hyp.=Pfdbr. (S. 2729)
97.50 G 3½proz. Heſſiſche Landes=Hyp.=Pfdbr. (S. 35)
84.80, 3½proz. Heſſiſche Landes=Hyp.=Pfdbr. (S. 911)
84.60 G., 4proz. Heſſiſche Kom.=Pfdbr. (S 1314) 97.40 G.,
4proz. Heſſiſche Kom.=Pfdbr. (Serie 15) 97.50 G., 3½proz.
Heſſiſche Kom.=Pfdbr. (S. 13) 84.70 G., 3½proz. Heſſiſche
Kom.=Pfdbr. (Serie 4) 84.70 G., 4proz. Naſſauiſche Lan=
desbank
=Pfdbr. 99, 3½proz. Naſſauiſche Landesbank=
Pfdbr. 91.50, 3proz. Naſſauiſche Landesbank=Pfdbr. 88G.,
Genua=Loſe 212, Türkiſche Loſe 161.40, Raab=Grazer Anr.=

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Geſellſchaft 129 G., Bagdad=Türken S. I 77.50G., Bagdad=
Tütken S. II 75.90, South=Weſtafrika 106½ B., Otavi=
Anteile 117.10, Otavi=Genußſcheine 100, Aluminium
259.75, Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt 597.50,
Chemiſche Goldenberg 229.75, Chemiſche Th. Goldſchmidt
199.50 B., Chemiſche Mühlheim a. M. 64 G., Chemiſche
Rütgerwerke 188.50, Schramms Lack= und Farbenfabriken
Offenbach a. M. 282G., Chemiſche Weiler ter Mer 190G.,
Brown Boveri 149.50, Reiniger, Gebhardt und Schall
197.60, Voigt und Höffner 201, Lederwerke vormals
Spicharz=Offenbach 83.50 G., Ludwigshaf. Walzmühle
156 G., Adlerwerke Kleyer 288½, Benz=Motoren zirka
168, Dürkopp=Bielefeld 293½, Daimler=Motoren 369,
Faber und Schleicher=Offenbach a. M. 93.50 G., Gritzner=
Durlach 262, Mannesmann 204, Moenus 160 V., Naphtha
344, Deutſche Verlagsanſtalt 169.50 G., Waggonfabrik
Fuchs=Heidelberg 137 G., Zuckerfabrik Frankenthal 4186.

Landwirtſchaftliches.

* Berlin, 3. Juli. Wöchentlicher Saaten=
ſtandsbericht
der Preisberichtſtelle des
Deutſchen Landwirtſchaftsrats. Bei dem
warmen und trockenen Wetter der Berichtswoche konnte
die Heuernte in gutem Zuſtande unter Dach gebracht wer=
den
. Nach den reichlichen Niederſchlägen des Juni war=
der
Umſchwung zu beſtändiger Witterung auch für die
Winterhalmfrüchte von Nutzen. Der Weizen hat meiſt gut
abgeblüht, und da der Roſt mehr und mehr zurücktritt, ſo
kann im allgeineinen von einer Beſſerung der Ernteaus=
ſichten
geſprochen werden. Der Roggen hat bei vielfach
dünnem Stande meiſt gut angeſetzt und geht infolge der
letzten heißen Tage allmählich der Reife entgegen. Auf
leichten Böden befürchtet man bei Andauer der jetzigen
Witterung ein vorzeitiges Reifen, und in ſolchen Fällen
dürfte ſchon in wenigen Tagen mit dem Schneiden be=
gonnen
werden. Von den Sommerſaaten hat die Gerſte
ſich günſtig entwickelt und verſpricht im allgemeinen eine
befriedigende Ernte; wie häufig hervorgehoben wird, iſt
die Gerſte ziemlich weit vorgeſchritten und dürfte bald
reif werden. Weniger gleichmäßig lauten die Berichte
über den Hafer, der zum Teil dünn ſteht, auch vielfach
kurz im Stroh geblieben iſt und in den öſtlichen Gebieten
unter Trockenheit zu leiden beginnt. Sehr häufig iſt
ſtarke Verunkrautung der Grund für die weniger günſtige
Beurteilung des Haferſtandes. Für den Nachwuchs des
Klees und der Wieſen beginnt es in den öſtlichen Gebieten
und teilweiſe in der Provinz Brandenburg allmählich zu
trocken zu werden; ſonſt ſind die Ausſichten für den zwei=
ten
Schnitt nach der vorangegangenen Feuchtigkeit bisher
recht günſtig. Die Hackfrüchte haben ſich bei dem warmen
trockenen Wetter erholt und ihren Stand gebeſſert. Bei
den Rüben zeigt ſich allerdings ſtellenweiſe immer noch
viel Unkraut; auch gibt das Auftreten der gefährlichen
Blattlaus vielfach Anlaß zu Beſorgniſſen. Wie bei den
Rüben, ſo iſt auch bei den Kartoffeln ein Rückſtand des
Wachstums gegenüber anderen Jahren zu beobachten.
Der Stand der Kartoffeln iſt ſehr verſchieden, häufig lük=
kenhaft
, und für die leichteren Böden im Oſten wird viel=
fach
wieder der Wunſch nach Niederſchlägen laut.

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Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

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Die höhere Pflicht.
Roman von Doris Freiin von Spättgen.
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14)

Baron Solten verfärbte ſich leicht, erwiderte jedoch ge=
aſſen
und ernſt:
O doch, wenn ich den Betreffenden meines vollſten
Vertrauens für wert erachtetete oder wenn ein Mann
um Reinette freien ſollte, deſſen Charakter und Geſinnun=
gen
rein und lauter ſind, der mir die feſte Garantie bieten
könnte, das Mädchen wahrhaft und dauernd zu beglücken.
Andernfalls würde ich meine Einwillgung zu einer Hei=
rat
niemals geben.
Das ſein’s Anſichten aus der Wertherzeit und ein
biſſerl ſentimental. Beim Geldringen ſetzeſt Du alſo löb=
liche
Tugenden net voraus?
Nein allerdings nicht. Ich bin nur überraſcht, daß
Du für ihn zu plädieren ſuchſt.
Die Baronin erhob ſich achſelzuckend und erwiderte
ſchnell:
Wann’ſt hundert junge Leut aus unſern Kreiſen
nimmſt, dann wirſt’ vielleicht kaum einen drunter finden,
der nach Deinem Geſchmack iſt, Gerald. Heutzutage ſein’s
die Männer halt anders.
Leider! Aber laſſen wir mal alle Spitzfindigkeiten
beiſeite. Geldringen ſoll namhafte Schulden haben und
glaubt in Reinettes Hand ein Mittel zu ſehen, ſich ſchleu=
nigſt
zu arrangieren,

Schulden miſrs ahit nerden und waues gritd=
lich
ausg’tobt hat, dann kann er ſchon noch hübſch ſolid
werden, der Geldringen. Nur net gleich die G’ſchicht ſo
ſchroff abweiſen. Zehntauſend Kronen per Anno könnten
wir dem Mäd’l wohl auch mitgeben?
Lauernd ſah ſie den Gatten von der Seite an.
Du kannſt ja nach Gutdünken über Dein Geld ver=
fügen
, Olly. Meine Anſichten änderſt Du aber nicht, er=
widerte
Gerald im Tone merkbarer Ungeduld.
Die junge Frau wechſelte daher raſch das Thema und
ſagte heiter:
Weißt’s übrigens, daß mein Vatter nächſtens kommt?
Geſchäftshalber reiſt er im September nach Berlin, und
da möcht’ er hier wieder mal zum Rechten ſchau’n.
Sie hatte ſich erhoben und ſtand nun dicht neben ihrem
Mann. Faſt zeigte ihre Geſtalt mit ihm die gleiche Schul=
terhöhe
, dennoch wirkte ſeine Perſönlichkeit bedeutender.
Jene Feſtigkeit und männliche Würde, welche von Geralds
Zügen ausſtrahlte, verlieh ſeiner ganzen Erſcheinung den
Stempel unbeugſamer, durch nichts zu beeinfluſſender
Willenskraft.
Das Stirnrunzeln und die Wolke des Unmuts, welche
bei der letzten Mitteilung über ſein Antlitz zog, gewahrte
Frau Olly jedoch nicht.
Sie war anſcheinend ſchon wieder mit weit abliegen=
den
Dingen beſchäftigt.
Hofrat Rau kam nicht allzu oft nach Schönſtein.
Er hatte eigentlich nie ein Hehl daraus gemacht, daß
das Deutſchtum in der nunmehrigen Heimat ſeines ein=
zigen
Kindes wie des ariſtokratiſchen Schwiegerſohns

ſiens ſoheie Geſtnngen und doiſe nioß ſene Wei=
nung
überſpannt idealiſtiſche Anſichten ihn keineswegs
ſympathiſch berührten.
Des Hofrats völlig liberaler Richtung wie ſeiner
durchaus realiſtiſchen Lebensauffaſſung liefen dergleichen
Phantaſtereien direkt entgegen.
Insbeſondere war die Politik ein Punkt, deſſen nur
höchſt ungern und ſelten zwiſchen den beiden Männern
Erwähnung getan wurde.
Demungeachtet vermochte Gerald dem Aelteren, der
aus eigener Kraft und mit zäher Energie ſich zu Reichtum
und angeſehener Stellung emporgearbeitet hatte, Achtung
und Anerkennung nicht zu verſagen.
Als Weltmann und auch Ollys wegen bemühte Gerald
ſich daher ſtets, das unbehagliche Gefühl, welches jede An=
weſenheit
des Hofrats ihm einflößte, geſchickt zu verbergen
und es niemals an höflichen Rückſichten gegen dieſen feh=
len
zu laſſen.
Der Tochter hingegen brachten des Vaters Beſuche
immer nur die Erfüllung größerer und kleinerer Wünſche.
Papa hatte die elektriſche Anlage im Hauſe bezahlt,
Papa war ſo freigebig geweſen, ihr zum letzten Weih=
nachten
ein ſchönes Landaulin=Auto zu ſchenken, und gar
mancher Tauſendguldenſchein aus Papas Börſe wan=
derte
zu Ollys Schneider oder Juwelier.
Obwohl der Herr Hofrat von Natur ziemlich knauferig
veranlagt war, ſo beſaß ſie doch ein beſonderes Talent,
den alten Herrn mehr oder weniger gefügig zu machen.
Auch eben jetzt beſchäftigte ſich ihr Geiſt ſchon wieder
ausſchließlich mit dem in Ausſicht ſtehenden Beſuche, und

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

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dadurch wurden alle die junge Pflegetochter betreffenden
Angelegenheiten faſt verdrängt.
Schien es doch überhaupt eine Eigenart von Olly zu
ſein, daß ihre Stimmung oft blitzſchnell umſchlug und ſie
ſich gänzlich von Impulſen leiten ließ.
Im hohen Grade empört, ja zornig über Reinettes
Benehmen dem Gatten gegenüber, war die junge Frau
wenige Minuten vorher ins Zimmer getreten, allein eben=
ſoſchnell
hatte ſich ihre Aufregung wieder beſänftigt.
Ja, in der feſten Zuverſicht, daß der Vatter bei ſei=
ner
Anweſenheit in Schönſtein ihr zuliebe Rat ſchaffen
und durch pekuniären Beiſtand dem jungen Paare doch
noch vielleicht zum Glück verhelfen würde, ſchmiedete Olly
bereits allerlei Pläne für die Zukunft.
Reinette mußte fort heiraten auf jeden Fall!
Sie war neuerdings unbequem geworden. Dieſer
dem Mäd!l anhaftende und, wie es ſich zeigte, gefähr=
liche
Charme ſollte hier in ihrem Hauſe nicht weiter Un=
heil
ſtiften.
War doch am Koſtümfeſt ein beinahe lächerliches We=
ſen
mit dem unreifen Kinde gemacht worden, das ſie
ärgerte und zur Oppoſition herausforderte.
Ganz unbegreiflich ſchien es auch, daß der verwöhnte
und blaſierte Geldringen ſich plötzlich mit Heiratsgedan=
ken
trug!
Und Gerald?
Nein und tauſendmal nein! Gerald war viel zu edel
und ehrenhaft, um jemals Ideen, Wünſche in ſich auf=
ſteigen
zu laſſen, die
Ganz verſtohlen ſah Olly in des Gatten ernſtes Geſicht.
O, aber er beſaß dennoch jenen faſt krankhaften Schön=
heitsſinn
, dieſen unbegreiflich törichten Hang zu philoſo=
phiſchem
Getratſch und Kunſtſimpeleien, was ſie haßte

und weit er folchen Gehaitengntsinſch e des er
wünſchte Verſtändnis bei der eigenen Frau nicht fand?
Ein wenig bedrückt und ſchweigend verließ Olly das
Zimmer.
Kommen’s mit, Lex? Ich muß ein biſſerl laufen
eine kleine Indigeſtionspromenad’ machen, ſonſt ſchrein'
mich in Wien die Leut’ auf der Straßen an, daß ich zu
dick gewordn! Ollerl, das liebe Kindl, ſetzt’s uns zu
gute Sacherln bei Tiſche vor, ſagte Hofrat Rau nach ſo=
eben
eingenommenem Gabelfrühſtück und klopfte dem jun=
gen
Studenten vertraulich auf die Schulter.
Baronin Solten lag, eine Zigarette rauchend, ſehr
ſchick angezogen, das ſchöne, blonde Haar reizend friſiert,
im tiefen, bequemen Korbſeſſel auf der Terraſſe und
lächelte geſchmeichelt über das ihr geltende Kompliment.
Gewiß, gern, Herr Hofrat. Ich bin immer ſehr für
Bewegung nach dem Eſſen, erwiderte Lex und ſprang wie
durch Federdruck vom Sitze empor.
Er ſchien ſeine Anſichten plötzlich geändert zu haben;
meiſt verſchwand er ſofort nach dem Mahle und ſchlief oben
in ſeinem Zimmer bis zur Veſper wie ein Murmeltier.
Seit des Hofrats Anweſenheit bemühte er ſich indes
intenſiv, dieſem ſtets gefällig zu ſein.
Wo ſteckt’s denn Ihr hübſches Schweſterl? Wie ein
ſcheu’s Vogerl fliegt’s immer gleich davon!
Der alte Herr ſchaute bei dieſen Worten durch die
Glasſcheiben der Verandatür.
Launen! äußerte Olly ſpöttiſch. Wenn’s junge =
derlu
ſogenannte Stimmungen haben, da is nix z
machen.
Lex ſchnippte mit Daumen und Mittelfinger und folgte

den Goſe, der iongten und gradilhiſch die ſeinemnen
Stufen hinabſchritt.
Was hat’s denn die Kleine? Olly ſpielte ſchon öfter
drauf an, daß eine Liebesaffär’ die Urſach’ ſei. Verraten’s
ein biſſerl, Lex. Das Reinetterl iſt ſehr feſch, ſehr ſchar=
mant
, aber ihr trauriges G’ſchau paßt doch net für die
achtzehn Jahr‟. Mich hat’s ſchon ein paarmal ganz kurz=
weg
abg’ſchnappt.
Lex wollte ſich totlachen, denn der alte Herr ſprach
natürlich im Spaß.
Ach, keine Spur, Herr Hofrat. Es iſt nichts Ernſtes
wenigſtens. Grade mit achtzehn Jahren ſind die Mädels
meiſt gräßlich ſentimental. Jede hat da ihren beſonderen
Schwarm, den ſie anhimmelt ob’s nun ein ſogenann=
ter
Lieblingsdichter, der Klavierlehrer oder ein Küraſſier=
leutnant
iſt!
Eh—! Sollt’s heiraten!
Der Hofrat hatte bei dieſen Worten ſeinen Arm in
den des Begleiters geſchoben, und ſo ſchritten ſie über das
unter ihren Füßen raſchelnde Herbſtlaub auf dem breiten
Wege nach der Gegend des Barockſchlößchens hin.
Die Perſönlichkeit von Tante Ollys Vater flößte
Alexander unbedingte Hochachtung ein, wie überhaupt je=
der
Menſch, der über Reichtümer und eine gewiſſe Lebens=
ſtellung
verfügte.
Ja, des alten Wieners ziemlich ſelbſtbewußtes Auf=
treten
, jene leichtlebige, halb joviale, halb zyniſche Art,
die weltmänniſche Sicherheit, ſowie die Eleganz der Toi=
lette
, welche dem faſt Sechzigjährigen noch einen Schimmer
von Jugendlichkeit verlieh, imponierte ihm, und vom erſten
Augenblick an hatte er ſich um deſſen Gunſt beworben.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 182.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Seite 15.

Briehinkels Sunndags=
Noochmitdags=Bedrachtunge.

Fortſetzung der Bedrachtunge iwwer die Kinſtler=Kolonie=
Ausſtellung. Für Abbonementen frei Milledehr unter
zehn Jahren un Kinder vom Feldwebel abwärts zahlen
die Hälfte. Wer niſcht drinn war, derf ſich ſei Friehſtick
eneiwickele.
Nemlich do hob ich widder in Brief krickt, uff mein
Kollonie=Addickel, vun aanem nomens Cajo. (Ich hab’s
ganze Adräßbuch dorchgeblättert, awwer ich hab’s Herr
Cajos net drinn gefunne.) In ſellem Brief hott mer ſeller
Herr Cajo ſo ſchmeichleriſchhafte Lobhuddlereie geſagt,
wann ich die abdrucke hett loſſe, weer ich vor mei Lebdag
blamiert geweſe. Nadierlich hott er ſich aach driwwer uff=
geregt
, weil ich mich in de Melodie beim meim Kolonie=
Himmnuß geärrt gehatt hatt. Als wann aam des net
vorkumme kennt, nooch dem aſtrengende Jubiläumsjahr
anno 1913, wo mer beinoh alle awend Es brauſt ein Ruf
un Deutſchland, Deutſchland über alles geſunge hawwe,
daß mer de letzt for lauter Paddriodißmuß ganz mickedor=
melich
is worrn. Un iwwerhaubt wollt ich bloß emol
ſehe, ob die Melodie beim verehrlichte Herrn pp. Publi=
gumm
aach ſitzt, un ob ſe ſoviel Padriodißmuß im Bauch
hawwe, daß ſe vun ſelbſt erausfinne, welch als die richdich
Melodie is; es war alſo gewiſſermaße e muſigaliſch Räzel.
odder zu deitſch en Räbuß. (Gottverdullich, do hab ich
mich emol ſauwer eraus geloge, wer deß glaabt, kann ſich
von ſchreiwe un kann ſich de neie Brabander gewe loſſe
mit Aachelaab un Säwwel.)
Un dann hott ſeller Herr Cajo noch emol agefange
vun dene Löwe. Ich maan, ich hett doch die Sach jedem,
der wo net grad ſei Hoſ’ mit de Beißzang azieht, ver=
ſtendlich
genug ausenannerpoſſamendiert. Un drotzdem,
daß ich mer Franze an de Schnawwel gebabbelt hab ſo
groß wie Vorhangskorddele, ſo bin ich doch net verſtanne
worrn, un ich ſag bloß ſoviel: ich hab in meim ganze Läwe
noch ſo kaa Löwe geſehe, die wo ſo viel vorſtelle kenne,
wie die ſex Kollonielöwe! Deß ſin die reinſte Verwand=
lungskinſtler
, dann jeder, wo ſe aguckt, der ſieht e anner
Dier in en, bloß kaan Löb.
Iwwrigens hott ſich unſer Raabdiermenaſcherie um
zwaa Löwe vermehrt. Dick un braad ſtehn die momen=
dan
vorm Muſeum un gucke in die dreckig Weſchſchüſſel,
vulſcho Schbringbrunne, awwer wann ſe ſich aach die
Aage aus em Kobb gucke, die Vunndähn ſchbringt bei dere
haaße Widderung halt net heecher. Un wann ſe ſchun bei
Uloßem Rechewetter net ſchbringt, die Ooſevunndähn, dann
kkann mer net verlange, daß ſe bei fimfunzwanßig Grad
ſm Schadde aach noch de Höherekord breche ſoll.
Un domit kemt alſo jetzt die Fortzetzung
vun meine Sunndagsnoochmitdagskinſtlerkolonieausſtel=
lungsbedrachtunge
. Für Abonnementen ſind dieſellwichen
ffrei, Milledär un Kinder vom Feldwebel abwärts zahlen
die Hälfte, un wer ſich net for Kunſt indräſſiert, brauch ſe
met zu leſe.
Ja, alſo nemlich die Kunſt. Do werrn Se mich vor
falle Dinge emol frage: Was iſt die Kunſt?! Deß will
ich Ihne verklickern. Alſo die Kunſt is wann mer ſeegt:
deß is ſchee un deß gefellt mer! Awwer heidichendags
ſin mer uff ere Kulldurſtuf agelangt, daß mer iwwerhaubt
met mehr ganz genau waaß, was ſchee un was gaſchdich
is; un wos mer zum Beiſchbiel als ſaumäßig ſchläächt
agucke, deß kann in Werklichkeit ſaumäßig ſchee ſei, un
deß is valleicht grad die richdich Kunſt, uff die mer geword
hott, wie uff en Meſſias. Bloß, mir ſin zu dumm dezu.
daß mer deß begreife, un bis mer’s begreife, is es meiſtens
ſchun zu ſpät, indem daß do ſchun widder was annerſter
ſchee is un als alleinſeeligmachende Kunſt gilt! (Alſo, deß
hab ich widder emol ſchee zuſammegediffelt, deß muß ich
ſelwert ſage, un deß kann mer aam aach mit eme Kliſtier
net ſcheener beibringe, un wann aaner jetzt noch net
waaß, was die Kunſt is, dann kann er ſich haamgeige loſſe
mit Pauke un Drumpete.)
Nochdem ſe alſo jetzt genau wiſſe, wos die Kunſt is,
werd’s Ihne aach net mehr ſchwer falle, ſich in de Aus=
ſtellung
zurecht zu finne.
Freilich, es geheert jo als emol e bische arg viel
Kuraſch dezu, wann mer offe un frei erausſeegt: deß is
ſchee un deß gefellt mer! Beſunners der Kinſtler, der wo
die merkwerdiche Löwediern erfunne hott, der ſtellt als
emol in dere Beziehung verflucht große A’forderunge an
die Publigimmer, indem daß die Männercher, die wo er

genacht hot, mitmner ausſehe, als heit ſe e Lätſchlon=
didder
gebacke. Awer deß muß ſo ſei, deß is kuhbiſtiſch
Bildhaagerei‟. Daß es nu ſo Dabbeſe gibt, die wo in
ihrm kindliche Unverſtand ſoe Fiſchur vor die Armebir
agucke, weil ſe die Hand hiehellt, un ſchmeiße in ihrer
Gutmiedichkeit e paar Fennich nei, deß ſoll mer net for
menſchunmeeglich halte, die hawwe ſcheints in ihrm ganze
Läwe noch kaa Betſchweſter geſehe mit eme buddiſtiſche
Tiefuß. Allerdings, es haaßt jo zwar:
Häßlichkeit entſtellet immer,
Selbſt das ſcheenſte Frauenzimmer.
Awwer deß is grad die Kunſt, wann en Kinſtler hergeht,
nimmt en Staa vun e Stickerers fimf Zentner, dreht en e
paar mal in de Hend erum un ſchreibt nochher drunner:
Dieſes ißt eine Blaßdick namens Der Schlaf, odder ſo.
Dene Moler ihr Bilder ſind dißmol leichter zu be=
greife
, indem daß mer ſchun uff zehe Meter gege de Wind
waaß, wos ſe vorſtelle ſolle. Beiſchbielsmeßig de Herr
Pellar, der hott de richdiche Dreh raus. Anſcheinend
molt er net bloß mit Eſſig un Eel, ſundern er macht aach
e bische viel Peffer un Salz, Maggie, Knorrſoos un
Babbrigah in ſei Farwe, dann ſei Bilder hawwe all ſo e
bische was Piggandes, mer ſchbiert ſe orndlich uff de
Zung. De Herr Oßwald doherngege geht mit ſeine Farwe
es bische arg verſchwenderiſch um, zu eme Bildche verzich
uff ſächzich, brauch er ſo viel Eelfabb, daß mer ruhig noch
e Kich mit weiße kennt. Ich maan, er ſollt doch mit dem
deiere Farwemaddrial e bische ſparſamer umgeh, ſunſt
kimmt die Kolonie im Läwe uff kaan griene Aſt.
Aach die Klaakunſtboßler, die Goldſchmid un ſo, die
hawwe eins A, äff äff, null null, prima prima Sächelcher
zuſammegedeixelt. Freilich, wann mer dene was zu mache
gibt, valleicht bloß e Saafeſchiſſelche zum Raſſiern, odder
ſo, noochher laaft des gaſchdich in die Kreide, dann die
Herrn gehn mit dem Gold un Silwer um, als wer’s Blech,
un Edelſtaa hawwe iwwerhaubt kaan große Wert bei en,
ſo dhun ſe mit wertſchafte. Degege wann mer ſich im
Herr Großherzog ſeine Buchdruckerei ſei Fiſſiddekarte
drucke leßt, deß is ſchun e bische billiger.
Awwer die Aſchidäckte, deß ſin Kerl! Die hawwe’s
los! Gottverdebbel, die hawwe derr Ihne widder Baude
hiegewixt, de Staat all. Am Bladahnehain werd kaaner
was dibbe wolle, do gibt’s ſogar e warm und e kalt Ab=
deilung
, un dann der Brunne for de ruſſiſch Kabäll mit
dem Waſſerbaſſäng (Hergott, wann deß Ebbelwei weer!),
un dann em Herr Großherzog ſei muſigaliſch Stubb, mit
dere Orchel drinn (wann ich do mei Ziehharmonigah de=
gege
halt!). Wie ich do mit meim Staarösche drinn ge=
ſtanne
hab un die Orchel (ich maan die werklich, net mei
Fraa) hott algefange zu ſchbiele, do is mer’s ſo feierlich zu
Mud worrn, un mei Settche wollt grad afange zu ſinge:
Ach bleib mit deiner Gnade, awwer ich hab er noch ge=
ſchwind
’s Maul zugehalte. Un dann die Badeſtubb
(wann do de Herr Großherzog drinn bad, dann kann er
emol an mich denke), ach, un dann der Modebaffeljong
mit dene neimodiſche Klaader, alles haude nohefeaute‟.
No un dann de Kluh vum griene Kees, deß ſin doch
die Mietshaiſer! Freilich do kann heechſtens aaner dro
denke, der wo mindenſtens mit em Herr Generalbardon
uff em Dutzfuß ſteht un hott bei de Wehrſteier en gehörige
Dubbes falle loſſe. Do is nemlich alles uffs feinſte un
koſtbarſte gemacht un ich glaab kaum, daß ſe en dannerne
Bettſtolle drinn finne. Un dann: alles ſtiehlgerecht! Nix
zu maxe! Die Stuwwe, die Möwel, die Suppeſchüſſel, de
Waſſerſtaa, die Better un ſogar was drunner ſteht, alles
ſtiehlächt. Unner uns geſagt, ich glaab jo, daß ſich in all
dere Stiehlächtheit mei Settche ſchlecht drinn ausnemme
dhet, awwer drotzdem, wann ich Geld hett, wie ich kaans
hab, dann dhet ich mer ſo e Mietshaus miete, un dann
dhet ich alle Dag in eme annern Stockwerk wohne. Da
braicht mer ſich wenigſtens net vun dene Leit ſchikaniern
zu loſſe, die wo iwwer un unner aam wohne; ſchließlich
kennt mer ſich im Notfall als emol ſelwert uff em Kobb
erum danze.
Zu dem Zweck hott awwer de Owermächer vun de
Kolonie, de Herr Müller, des auseannerundwidderzu=
ſammemachbare
Summer= un Winterurlaubshaische er=
funne
. Alſo deß is ſauwer, un dodegege is de Richters
Staabaukaſte de reinſte Waaſebub. Deß hott mer ſo gut
gefalle, daß ich unbedingt un unner alle Umſtend e Liedche
driwwer dichte muß. Die Melodie is meim Kolleg Käſe=
bier
aus em Filmzauwer ſei Lieblingsmelodie, die ſingt
er immer, wann er vor ſeine Miehl ſitzt.

Des Halsche
Drowe uff de Kollonie
Steht e klaanes Haische,
Deß baßt nemlich wie noch nie
For e Urlaubsraische.
Hott mer Luſt, dann packt mer’s ſchnell
In en Möwelwage,
Erjendwo an Ort un Stell
Werd’s dann uffgeſchlage.
So e Haische is gemietlich
Un ſo niedlich, niedlich, niedlich;
Haische, du klaanes Haische,
Du wäxt wie e Blumm aus em Gras,
Haische, du goldich Haische,
Ja du ſtickſt mer ſchun lang in de Nas.
Ob’s im Summer ſiedehaaß,
Ob’s im Winter kalt is,
Deß ts Worſcht, weil dorch die Raas,
Gorkaa Uffenthalt is.
Un der Umzug ei der Schlag,
Muß ſich jetzt erſt lohne
Kann mer alle verzeh Dag
Mol wo annerſt wohne.
So e Haische kaafe dhet ich,
Weil es nehdiſch, nehdiſch, nehdiſch.
Haische, du klaanes Haische,
Du wärt wie Blumm aus em Gras,
Haische, du klaanes Haische,
Ja du ſtickſt mer ſchun lang in de Nas.
Iwwerall, wo’s aam gefellt,
Kann mer ohne Boſſe.
Kinfdich ſich for wenig Geld
Haislich niederloſſe.
Is mer wo die Gegend mied,
Dhun die Leit aam ärgern,
Brauch mer jetzt ſich, wie mer ſieht,
Nergends eizubergern.
So e Haische meinerſeele,
Dhat uns fehle, fehle, fehle.
Haische, du klaanes Haische,
Du wäxt wie e Blumm aus em Gras,
Haische, du goldich Haische,
Ja du ſtickſt mer ſchun lang in de Nas.
Doch des Haische iſt allaa
Net blos dransbordawel,
Naa, guckts Eich vun inne a‟,
S is aach kummfordawel,
Ja vum Dach bis zum Padärr
Dhat mer’s ausgeſtalte,
Alles, bis zum Nachtgeſchärr,
Deß is drinn enthalte.
So e Haische, deß is fackdiſch
Aißerſt prackdich, prackdich, prackdich.
Haische, du klaanes Haische,
Du wäxt wie e Blumm aus em Gras,
Haische, du goldich Haische,
Ja du ſtickſt mer ſchun lang in de Nas.
Korz un gut, daß Haische is
Billig aach zu nenne,
Un e jeder werd gewiß
Sich ans leiſte kenne.
Uff die Art do kimmt mer jetzt
Zu me klaane Landhaus,
Brauch mer’s net mehr, werd’s verſetzt
Un es kimmt ins Pfandhaus!
So e Haische is net ohne
Dhut ſich lohne, lohne, lohne!
Haische, du klaanes Haische,
Du wärt wie e Blumm aus em Gras,
Haische, du goldich Haische,
Ja du ſtickſt mer ſchun lang in de Nas.
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Nummer 182.

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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Juli 1914.

Nummer 182.

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verbunden mit Lehrſtellenvermittlung und Berufsberatung
unter ſtädtiſcher Führung.
Hauptausgleichſtelle in der Provinz Starkenburg.
A. Männliche (gewerbl. und landwirtſchaftl.) Abteilung,
I. Hauptſtelle: Waldſtraße 19/21, parterre, Fernſprecher 371, Ge=
ſchäftszeit
im allgemeinen von 8—½1 und von ½37 Uhr (für
das Transportgewerbe von 910 Uhr vormittags).
Unentgeltlicher Nachweis offener Stellen und gelernter,
ſowie ungelernter Kräfte für Landwirtſchaft, Handel und
Gewerbe, mit Ausnahme der folgenden Berufszweige, für dier
die betreffenden Nebenſtellen unter a bis e und die Fachabtei=
lungen
zuſtändig ſind. Im Holzgewerbe findet auch Vermitt=
lung
im Hauſe Bismarckſtraße 19 ſtatt. Der Stellennachweis
für das Friſeurgewerbe befindet ſich Schützenſtraße 10. Fern=
ſprecher
918. Sprechſtunde von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends,
a) Nebenſtelle für das Bäckergewerbe (Abteilung der Bäcker=
innung
): Landgraf Georgſtraße 36, Fernſprecher 2510, Ge=
ſchäftszeit
von ½1112 Uhr vormittags.
b) Nebenſtelle für das Metzgergewerbe (Abteilung der
Metzgerinnung): Frankfurterſtraße 69 (Schlachthof), Fern=
ſprecher
542, Geſchäftszeit von 8½ Uhr vorm. bis gUhr
nachmittags.
c) Nebenſtelle für das Wirtsgewerbe (Abteilung des deut=
ſchen
Kellnerbundes, Zweigverein Darmſtadt): Pankratiusz
ſtraße 5, Fernſprecher 1745, Geſchäftszeit von 8 Uhr vorma
bis 12 Uhr mittags und von 27 Uhr nachmittags, auch
Sonntags von 812 Uhr. Ungelerntes männliches Perſonal
wird in der Hauptſache von der Hauptſtelle vermittelt (ſ. oben
unter I), weibliches Perſonal von der Dienſtbotenabteilung
(ſ. B II).
d) Wanderernachweis: in der Hauptſtelle Waldſtraße 19, Fern=
ſprecher
371, von 57 Uhr nachmittags und in der Neben=
ſtelle
: Herberge zur Heimat, Große Ochſengaſſe 8, Fern=
ſprecher
2583, von 8 Uhr vorm. bis 9 Uhr abends.
e) Lehrſtellenvermittlung, verbunden mit Berufsberatung
(auch für kaufmänniſche Berufe) in der Hauptſtelle: Wald=
ſtraße
19, Fernſprecher 371, von 8 Uhr vorm. bis ½1 und
von ½36 Uhr nachmittags.
II. Fachabteilung für das Weißbinder=, Maler= und Lackierer=
gewerbe
: Waldſtraße 19, parterre, Fernſprecher 371, Geſchäfts=
zeit
von 1011 Uhr vormittags.
III. Fachabteilung für das Gewerbe der Polſterer, Tapezierer
und Dekorateure: Waldſtraße 19, parterre, Fernſprecher 371,
Geſchäftszeit von 89 Uhr vormittags.
B. Weibliche Abteilung.
I. Nachweis für gewerbliche und landwirtſchaftliche Berufe
für gelernte und ungelernte Kräfte: Waldſtraße 19, 1. Stock,
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit von 9 Uhr vorm. bis 12 und
von 36 Uhr nachmittags.
II. Dienſtboten=Nachweis. a) Hauptſtelle: Waldſtraße 19, 1. Stock,
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit von 9 Uhr vorm. bis 12 und
von 36 Uhr nachmittags. b) Nebenſtelle: im Marienheim,
Barmherziges Schweſternhaus, mit Unterkunft für ſtellenloſe
Dienſtmädchen, Nieder=Ramſtädterſtraße 30, ohne Fernſprecher
(Abteilung des Katholiſchen Mädchenſchutzvereins), Geſchäftszeit
von 35 Uhr nachmittags.
III. Hausbeamtinnen=Nachweis auch Auslandsvermittlung
(Abteilung des Internationalen Vereins der Freundinnen
junger Mädchen, Gruppe Darmſtadt): Waldſtraße 19, 1. Stock
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit: Montags von 1011 Uhr,
Mittwochs und Freitags von 1112 Uhr.
IV. Nachweis und Sprechſtunde für kaufmänniſche weibliche
Berufe (Abteilung der Ortsgruppe Darmſtadt des Allgemeinen
Deutſchen Frauenvereins): Waldſtraße 19, 1. Stock, Fern
ſprecher 371, Geſchäftszeit: Montags, Donnerstags und Sams=
tags
von 11—½1 Uhr und Dienstags, Mittwochs und Freitags
von 4—½6 Uhr.
V. Frauenberufsberatung (für alle Stände) und Lehrſtellen=
vermittlung
(Abteilung der Ortsgruppe Darmſtadt des All=
gemeinen
Deutſchen Frauenvereins): Waldſtraße 19, 1. Stoch
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit: wie bei IV. Sprechſtunden für
muſikſtudierende Frauen mit Stundenvermittlung für Geſang,
Klavier und Violine: Mittwochs von 34 Uhr nachm.
Die Dienſtſtellen des Arbeitsamts können von jedermann,
ohne Rückſicht auf religiöſe, politiſche oder organiſatoriſche Zu=
gehörigkeit
, in Anſpruch genommen werden. Die Inanſprucht
nahme iſt grundſätzlich koſtenlos.
Nur in der weiblichen Abteilung (Dienſtboten= und Haus=) müſſen zur teilweiſen Deckung der mit der
Vermittlungstätigkeit verbundenen beſonderen Koſten, aber nur von
den Dienſtherrſchaften, geringe Gebühren erhoben werden (für das
Einſchreiben 20 Pfg., für die Vermittlung 1 Mk.) Dienſtnehmer
zahlen auch bei der weiblichen Abteilung nichts.
(10126a

Fhotogr. Apparat 9: 12 mit dem
P Auszug zu verkaufen oder gegen
Kamera 13:18 zu tauſchen. Näh.
Jos. Raab, Feldbergſtraße 69. (*364

etzte Sendung prima alte Kar=
toffeln
eingetroffen (*386gi
Marie Reinhart,
Große Bachgaſſe 18, Inſel.

[ ][  ][ ]

Nummer 192.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 5. Jnli 1914.

Kongreſſe und Verbandstage.

Der Sport des Sonntags.
sr. Der Rennſport iſt jetzt wieder nach der Hauptſtadt
zurückgekehrt. Am Sonntag eröffnet Grunewald nach
längerer Pauſe wieder ſeine Pforten. Das gänzlich dem
Flachſport gewidmete Programm bildet den Auftakt zu
dem eine Woche ſpäter zur Entſcheidung gelangenden
Großen Preis von Berlin. Da die Huſten=Periode in
der Trainings=Zentrale Hoppegarten wieder vorüber iſt,
werden auch die Felder wieder ſtärker ausfallen. Von
den beiden 10000 Mark=Konkurrenzen iſt das Adonis=
Rennen das bedeutendere. Ihren bisherigen guten
Leiſtungen nach müßte die Graditzerin Weichſelmünde in
dem 2000 Meter=Rennen eine erſte Chance beſitzen, doch
mahnt die ſtarke Hitze bei Stuten zur Vorſicht. Ihre ge=
fährlichſten
Gegner ſtecken in Mephiſto und Nicolo. Für
das Aſſeburg=Memorial, ſo benannt nach dem verdienſt=
vollen
verſtorbenen Vorſitzenden des Deutſchen Reichs=
ausſchuſſes
für olympiſche Spiele Graf Aſſeburg, iſt der
Stall Oertzen, vertreten durch St. Clond und Pompejus,
an erſter Stelle zu nennen. Gut laufen werden auch
Maſſai und Tivoli. In den übrigen Rennen iſt auf die
Chancen von Linde, Royal Blue, Liberia, Prinz von
Sagan und Waldteufel hinzuweiſen. Unter den Meetings
im Reiche ragt Breslau hervor. Leider wird es gerade
in der Hauptkonkurrenz, dem mit 10000 Mark ausgeſtatte=
ten
Fürſt Hohenlohe=Rennen, nur ein ſchwaches Feld
geben. In dem Quartett ſind Ruffle und Droſſelbart
die Beſten. Sobald die Zweijährigen im Flachſport ſtär=
ker
in Aktion treten, iſt für die Ställe die Zeit gekommen,
das überſchüſſige Material unter dem Derbyjahrgang
dem Hindernisſport zuzuführen. So kamen am Donners=
tag
in Strausberg für ein 5000 Mark=Rennen ein Feld
von 23 Dreijährigen heraus, was zur Folge hatte, daß
das Rennen in zwei Abteilungen gelaufen werden mußte.
Nicht ganz ſo ſtark wird die Beſetzung des Hürden=
Rennens der Dreijährigen in Dortmund ausfallen, doch
iſt die Beſetzung dieſes 10000 Mark=Rennens noch immer
anſehnlich genug. Ueber das Springvermögen der jungen
Pferde iſt man natürlich ziemlich im Unklaren; auf der
Flachen waren Lepidus und St. George die Beſten.
Die altberühmten dreitägigen Harzburger Rennen, die
das Badeleben des bekannten Kurortes in angenehmer
Weiſe unterbrechen, bringen am Sonntag das Große
Braunſchweigiſche Jagd=Rennen, das ſtets von einigen
beſſeren Steeplern beſtritten zu werden pflegt. Der Aus=
gang
liegt zwiſchen Oriſſa, Flying Hawk und Haſchiſch.
In Bremen endlich erreicht das, ebenſo wie das Harz=
burger
Rennen, bereits am Samstag begonnene Mee=
ting
am Sonntag mit dem Großen Bremer Jagd=
Rennen ſeinen Höhepunkt. In dem 15000 Mark=Rennen
ſteigen unſere beſten Herrenreiter in den Sattel, ſodaß
es einen ſcharfen Kampf geben wird, deſſen Ausgang ſich
zwiſchen Diamond Hill (Lt. Graf Strachwitz), Voie

Lactee (Lt. Braune) und Libel (Lt. Graf Holck) abſpielen
ſollte. Weitere Rennen finden in Achern, Danzig= Zop=
pot
, wo die bekannte Sportwoche am Oſtſeeſtrand ihren
Anfang nimmt, Kiel und Königsberg i. Pr., ſtatt. Der
franzöſiſche Rennſport bringt als letztes großes Ereignis
der Sommerſaiſon in Paris=Maiſons=Lafitte den Prix
du Preſident de la Republique im Werte von 100000
Francs. Das über 2500 Meter führende Rennen wird
durch die Begegnung der drei hervorragenden Dreijäh=
rigen
La Farina und Sardanapale mit dem beſten älte=
ren
franzöſiſchen Pferde Nimbus zu einer Senſation.
Sehr reichhaltig ſind die Ereigniſſe des Radſports.
Von den Bahnrennen intereſſiert in beſonderem Maße der
Preis der Stadt Leipzig, das wertvollſte deutſche Dauer=
rennen
. Als Anwärter auf die vom Rat der Stadt Leip=
zig
geſtifteten 3000 Mark ſtellen ſich der in letzter Zeit faſt
unbeſiegliche Saldow, Günther, Stellbrink und die beiden
Ausländer Linart und Miquel dem Starter. Für den
Großen Preis von Nürnberg wurden Dickentman, Guig=
nard
, Netelbeck und Ryſer verpflichtet. Weniger bedeu=
tend
ſind die Rennen in Eſſen, wo Lorenz ſtartet, Darm=
ſtadt
, Frankfurt a. M., Magdeburg und Straßburg i. E.
In Antwerpen gelangt der Große Preis von Europa mit
Appelhans und Schipke als deutſchen Vertreter zur Ent=
ſcheidung
und auf der ſtädtiſchen Bahn in Vincennes bei
Paris erreicht der Radfahrer=Grand Prix ſeinen Abſchluß.
Auf der Landſtraße ſind das 100 Kilometer=Amateur=
Mannſchaftsfahren des D. R.=B. bei Plauen, das inter=
nationale
200 Kilometer=Straßenrennen anläßlich der
Baltiſchen Spiele in Malmö, und endlich als Konkurrenz
von ganz beſonderer Art die 355 Kilometer lange Rund=
fahrt
um die Gletſcher in Innsbruck unter Leitung des
Tiroler Radfahrer=Verbandes zu nennen. Die Leicht=
athletik
bringt große internationale Kämpfe in Frank=
furt
a. M. und Breslau, ſowie Nationale in Hamburg
und Danzig, an denen überall die beſten Vertreter des
Reiches und der Berliner Vereine teilnehmen. Im Fuß=
ballſport
iſt die Zwiſchenrunde um die Akademiſche Fuß=
ball
=Meiſterſchaft zu verzeichnen, in der ſich in Greifswald
Tennis=Boruſſia=Berlin und Greifswalder S.=C., ſowie
in Stuttgart Verein für Bewegungsſpiele=Gießen und
Kickers=Stuttgart gegenüberſtehen. In Berlin endlich fällt
durch ein Proteſtſpiel die Entſcheidung, ob Union= Ober=
ſchöneweide
oder Verein für Bewegungsſpiele Pankow in
die Ligaklaſſe aufrückt. Die Eliſabether der neue
Gardemeiſter, ſpielte gegen Union=Charlottenburg. Auf
waſſerſportlichem Gebiete ſind die Wettſchwimmen in
Hamburg und Breslau zu erwähnen, ſowie die Ruder=
Regatten in Köln und Bamberg zu nennen.

Turnen, Spiele und Sport.

Verband Deutſcher Kunſtgewerbevereine.
* Der 24. Delegiertentag des Verbandes Deut=
ſcher
Kunſtgewerbevereine wurde am 2. Juli im Saale

der Farbenſchau der Kölner Verkbundausſtellng durch
den Vorſitzenden Geheimen Regierungsrat Dr.=Ing. Mu=
theſius
=Berlin eröffnet, der die Vertreter der Behörden,
ſowie die Delegierten mit herzlichen Worten begrüßte.
Der Vertreter des preußiſchen Handelsminiſters, Geheimer
Regierungsrat Dr. Hoffmann, wünſchte den Verhandlun=
gen
, zugleich im Namen der anderen Herren Regierungs=
vertreter
, beſten Verlauf, und verſicherte, daß die ſtaatlichen
Behörden die Beſtrebungen des Vereins dankbar begrü=
ßen
, das Verſtändnis für kunſtgewerbliche, Fragen in
weitere Kreiſe zu tragen und zu fördern. Beigeordneter
Rehorſt=Köln übermittelte im Namen des Oberbürger=
meiſters
Wallraf den Willkommengruß der Stadt Köln.
Präſident Figge wünſchte als Vertreter der Handwerks=
kammer
Köln der Tagung reichen Erfolg. Zur Leitung
des Delegiertentages wurden durch Zuruf Geheimrat
Mutheſius=Berlin, Baumeiſter Kaaf=Köln, Prof. Lehnert
und Bibliothekar Wittmann=Köln gewählt. Vertreten
waren von 42 dem Verbande angeſchloſſenen Vereinen mit
56 Stimmen volle 48 Stimmen. Nachdem ſodann der Vor=
ſitzende
den Bericht des Verbandsvorſtandes und Prof.
Lehnert den Kaſſenbericht erſtattet hatten, folgten die Be=
richte
der Verbandsausſchüſſe. Bezüglich der Wettbewerbs=
ordnung
wurde beſchloſſen, den bereits hierfür ausgearbei=
teten
Entwurf nochmals im Zuſammenhang mit den in
jüngſter Zeit erſchienenen und zum Teil von Behörden
genehmigten Wettbewerbsbeſtimmungen für die Architek=
ten
und Bildhauer durchzuarbeiten. Unter anderem wurde
folgender Antrag des Verbandsausſchuſſes angenommen:
Die Kunſtgewerbevereine zu erſuchen, die Lehrerſchaft
und die Beratungsſtellen für die Berufswahl zur Auf=
klärung
der Jugend zu intereſſieren, ſie auf die ſtädtiſchen
und ſtaatlichen Schulen für ihre weitere Berufsbildung
hinzuweiſen und ſie vor der irreführenden Reklame von
privaten Schulen mit unzureichenden Leiſtungen zu
warnen. Eine kurz gefaßte Flugſchrift ſoll dieſen Akt
der Selbſthilfe unterſtützen. Ferner gelangte folgender
Antrag des zuſtändigen Ausſchuſſes zur einſtimmigen An=
nahme
: Der Verband möge ſeinen Ausſchuß erſuchen,
die Notwendigkeit einer erhöhten Allgemeinbildung für
kunſtgewerbliche Berufe in nähere Beratung zu ziehen.
Zur Frage der Honorierung künſtleriſcher Forderungen,
über die Profeſſor Karl Groß berichtete, wurde folgender
Antrag des Dresdener Kunſtgewerbevereins gutgeheißen:
Der Verbandsausſchuß möge beauftragt werden, die
Frage zu klären, inwiewit die Verpflichtung der Künſtler,
für Veröffentlichungen Honorar zu fordern, die kunſtge=
werbliche
Praxis beeinfluſſen wird. Prof. Dr. Lehnert
erſtattete dann das ausführliche Referat des Vereins für
deutſches Kunſtgewerbe zu Berlin über Praktiſche Bei=
ſpiele
aus dem Rechtsleben des Kunſtgewerblers‟. Der
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