Darmstädter Tagblatt 1914


Mittwoch, den 1. Juli.

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177. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 178.

Mittwoch, den 1. Juli.

1914.

Die heutige Nummer hat 40 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Kaiſer Wilhelm begibt ſich am 2. Juli zu den
Trauerfeierlichkeiten nach Wien.
Als das Militärluftſchiff Z. 6 geſtern Strehlen
überflog, löſte ſich der hintere Propeller.
Z. 6 wurde vom Winde abgetrieben, es gelang ihm
jedoch, mit den beiden vorderen Propellern arbeitend,
den Flugplatz zu erreichen.
Ueber Valona iſt der Belagerungszuſtand ver=
hängt
worden.
Siehe auch Letzte Nachrichten.

Deutſchland und Oeſterreich=
Ungarn.

*⁎* Die tiefe Trauer, welche ſich bei uns anläßlich
des tragiſchen Ereigniſſes in Serajewo kundgibt, läßt
neuerdings erkennen, wie Deutſchland ſich eins fühlt mit
dem verbündeten Donauſtaate und wie herzlich insbeſon=
dere
die Verehrung iſt, die man dem Kaiſer Franz Joſef
und ſeiner Familie entgegenbringt. Daß man innigſte
Teilnahme für die Opfer der Kataſtrophe und für die ver=
waiſten
Kinder des erzherzoglichen Paares empfindet,
braucht nicht beſonders betont zu werden. Man erinnert
ſich immer wieder, wie aus der zuerſt beobachteten Zurück=
haltung
des Erzherzogs Franz Ferdinand gegen Deutſch=
land
eine ſo treue Freundſchaft mit Kaiſer Wilhelm ſich
herausgebildet hatte, welche eine Gewähr dafür gab, daß
die feſten Beziehungen zwiſchen dem Deutſchen Reiche und
ider Doppelmonarchie keine Veränderungen erfahren wür=
den
, wenn einmal Franz Joſef die Augen ſchließen ſollte.
Das Freundſchaftsband, welches unſeren Kaiſer mit dem
Verſtorbenen verknüpfte, fand daher in allen nationalen
Kreiſen des Reiches volle Würdigung und Sympathie,
rund man verkannte die Bedeutung nicht, die jenem Bande
für die künftige Politik Deutſchlands zukam. Nun iſt es
rdurch die rauhe Hand des Schickſals zerſchnitten worden,
rund unwillkürlich drängt ſich jedem Patrioten die Frage
tauf, ob dadurch das Verhältnis der beiden Staaten zuein=
rander
vielleicht beeinträchtigt werden könnte. Vorläufig
fiſt dieſe Frage zwar noch nicht aktuell, da Kaiſer Franz
Joſef noch am Ruder iſt und die Geſchicke der Doppel=
rmonarchie
lenkt. Aber bei dem hohen Alter des greiſen
Herrſchers muß leider in nicht allzu ferner Zeit mit der
Thronerledigung und mit dem Nachfolger Franz Joſefs
tgerechnet werden.
Thronfolger iſt nach dem Ableben Franz Ferdinands
der älteſte Sohn des im Herbſt 1906 verſtorbenen Erzher=
zogs
Otto, Erzherzog Karl Franz Joſef, geworden, wel=
ccher
am 17. Auguſt 1887 geboren wurde, alſo kurz vor der
Wollendung des 27. Lebensjahres ſteht. Am 21. Oktober
2911 vermählte er ſich mit der am 9. Mai 1892 geborenen
Prinzeſſin Zita von Parma=Bourbon; der Ehe iſt ein am
20. November 1912 geborener Prinz entſproſſen. Erz=
herzog
Karl Franz Joſef hat eine ſorgfältige wiſſenſchaft=
lliche
Erziehung genoſſen und zeichnet ſich auch durch eine
ſtarke künſtleriſche Begabung aus, beſonders für Muſik
und Malerei. Er trat ſchon früh in den militäriſchen
Dienſt und ſteht gegenwärtig als Major im 39. Infan=
terie
=Regiment. In den letzten Jahren wurde der Erz=
herzog
mehrfach zu repräſentativen Aufträgen herange=
Zogen; er vertrat den Kaiſer auch bei den Krönungsfeier=
llichkeiten
in London. Sonſt hatte man von ihm bis zu
ſſeiner Verlobung und Vermählung wenig gehört; mit
wolitiſchen Anſchauungen an die Oeffentlichkeit zu treten,
war ihm noch keine Gelegenheit gegeben worden. Man
darf aber gewiß ſein, daß er, falls er einmal den Thron
beſteigt, die traditionellen Beziehungen zum Deutſchen
Reiche, die ja auch im eigenſten Intereſſe Oeſterreich= Un=
garns
liegen, weiter pflegt. Durch ſeine Mutter, eine
ſſächſiſche Prinzeſſin, die Schweſter des Königs Friedrich
Auguſt, verknüpft ihn ein feſtes Band mit Deutſchland,
rund er wird die wertvollen Dienſte, die das deutſche Bünd=
mis
dem öſterreichiſchen Kaiſerſtaate in den letzten Jahren
geleiſtet hat, gleichfalls zu würdigen verſtanden haben.
Bei dem lebhaften Intereſſe, welches der ſoeben in Sera=
jjewo
hingemordete Erzherzog für den nunmehrigen Thron=
ffolger
bekundete, darf angenommen werden, daß er ihm
auch ſchon die Bedeutung der Erhaltung guter Beziehun=
gen
zu den beiden anderen Dreibundſtaaten vor Augen
geführt hat.

Hoffentlich dauert es noch recht lange, bis Erzherzog
Karl Franz Joſef in die Notwendigkeit verſetzt wird, die
Zügel der Regierung zu ergreifen. Daß er einmal an
dem Deutſchen Reiche einen treuen und ſelbſtloſen Ver=
bündeten
haben wird, lehrt ihn nicht nur die Geſchichte der
neueſten Zeit, das zeigt ihm auch die innige Teilnahme,
die Deutſchlands Kaiſer, Fürſten und Volk bei dem Un=
glück
, welches das Haus Habsburg betroffen hat, emp=
finden
.

Die großſerbiſchen Pläne.

*⁎* Das nichtswürdige Attentat in Serajewo ſoll,
wie wir ſchon mitteilten, auf ein weit verbreitetes Kom=
plott
großſerbiſchen Charakters zurückzuführen ſein. Wenn
dies auch von den Belgrader maßgebenden Kreiſen ge=
leugnet
werden wird und die ſtrikten Beweiſe dafür viel=
leicht
noch fehlen, ſo hat die Annahme doch viel für ſich,
und es erſcheint angezeigt, die Aufmerkſamkeit neuerdings
auf die großſerbiſchen Pläne zu richten, die für einen
dauernden Frieden im Südoſten Europas eine ſtete Ge=
fahr
bilden können.
Die ſerbiſchen Nationaliſten ſtreben bekanntlich die
Wiederherſtellung des großen Serbenreiches an, wie es
unter Stephan Duſchan bis zur Schlacht auf dem Amſel=
felde
beſtand, wo das Serbenreich von den Türken zer=
trümmert
wurde, um erſt vier Jahrhunderte ſpäter als
Vaſallenfürſtentum die ſtaatliche Selbſtändigkeit wieder=
zuerlangen
. Durch den Orientkrieg 1876/77 ſind die groß=
ſerbiſchen
Beſtrebungen nur in geringem Maße gefördert
worden, weit mehr geſchah dies durch die Ereigniſſe der
letzten paar Jahre. Aber zufriedengeſtellt ſind die Ultra=
nationaliſten
noch immer nicht, ſie richten ihre begehrlichen
Blicke hauptſächlich auf Bosnien, und es war eine un=
angenehme
Ueberraſchung für ſie, als Oeſterreich=Ungarn
dieſes bisher nur im Auftrage Europas verwaltete Ge=
biet
vor einigen Jahren annektierte, was beinahe zu einem
Kriege mit Serbien führte. Da dieſes im 12. und 13.
Jahrhundert Bosnien einmal beſeſſen hatte, ſo glaubte
es ein verbrieftes Anrecht darauf zu haben, und gewiſſe
Kreiſe wühlten fortgeſetzt in dieſem Sinne. Daß dies
nicht nur Gerede war, ergab ſich aus verſchiedenen Ent=
hüllungen
. Nach dem Cettinjer Hochverratsprozeß im
Jahre 1907 veröffentlichte der Kronzeuge in dieſem Pro=
zeß
, Georg Raſtitſch, eine Broſchüre, in welcher er ſich
anheiſchig machte, zu beweiſen, daß die Cettinjer Bomben=
affäre
den Vorbereitungen zu einer von Belgrad aus be=
triebenen
allgemeinen Revolution entſprungen ſei. Das
montenegriniſche Fürſtenhaus ſollte zunächſt aus der Welt
geſchafft, dann ein Aufſtand in Bosnſen, Dalmatien, Kroa=
tien
, Iſtrien, Ungarn, Altſerbien und Mazedonien inſzeniert
werden mit dem Ziele der Befreiung der Südſlawen und
ihrer ſtaatlichen, politiſchen und nationalen Vereinigung.
Beſonderes Augenmerk ſollte die revolutionäre Aktion auf
die öſterreichiſch=ungariſche Armee richten, in welcher die
Angehörigen ſerbiſcher Nationalität wühlen ſollten. Auch
von anderer Seite wurden ſpäter ähnliche Enthüllungen
verbreitet, in denen gegen die Dynaſtie Karägeorgiewitſch
ſchwere Anſchuldigungen erhoben und Belgrad als Mit=
telpunkt
einer Agitation zur Revolutionierung Bosniens
und der Herzegowina bezeichnet wurde. Im Jahre 1903
ſei bereits der Plan zur Beſeitigung Ferdinands von Bul=
garien
, ſowie Nikitas von Montenegro gefaßt worden;
ferner hieß es, König Peter ſei von allen Vorgängen, die
zur Ermordung ſeines Vorgängers Alexander führten,
unterrichtet geweſen.
Solches und ähnliches iſt früher ſchon öfter gemeldet
worden. In der Zeit der letzten Umwälzung auf dem
Balkan hat man von den großſerbiſchen Plänen weniger
gehört und auch geglaubt, die ſerbiſchen Nationaliſten
ſeien nun zufriedengeſtellt. Die grauenhafte Tat von
Serajewo widerlegt das aber, wenn es Beſtätigung fin=
den
ſollte, daß ſie einem großſerbiſchen Komplott ent=
ſprungen
iſt. Einer Nation, deren Elite in jener Juni=
nacht
1903 ein wehrloſes Königspaar hinſchlachtete, kann
man auch andere Verbrechen zutrauen, zumal Erzherzog
Franz Ferdinand bekannt dafür war, daß er mit aller
Entſchiedenheit für die Sicherung des öſterreichiſch= unga=
riſchen
Staates gegen nätionale Beſtrebungen der Nach=
barn
eintreten würde. Europa tut unter dieſen Umſtänden
gut daran, die Dinge in Belgrad mit wachſamem Auge
zu verfolgen und dort keinen Zweifel darüber zu laſſen,
daß Komplotte, welche den Frieden Europas gefährden,
nicht zu dulden ſind und von der Regierung unterdrückt
werden müſſen.

Deutſches Reich.

Bei der Landtagserſatzwahl im
Wahlkreiſe Fürth wurde der Arbeiterſekretär En=
dres
(Soz.) gegen den Kandidaten der rechtsſtehenden
Parteien, Gymnaſiallehrer Herrnreich, gewählt.
Deutſcher Flottenbeſuch in England?
Der Berliner Korreſpondent des Daily Chronicle will
wiſſen, daß für Anfang September der Beſuch einer deut=
ſchen
Flotte von vier Großlinienſchiffen und einer An=
zahl
großer Kreuzer in Portsmouth geplant iſt, zu wel=
cher
Gelegenheit auch der deutſche Kronprinz als Vertreter
ſeines kaiſerlichen Vaters eintreffen werde. Später werde
der Kronprinz einer Einladung des engliſchen Huſaren=
Regiments, deſſen Oberſt er iſt, in Alderſhot folgen. Des
Korreſpondent kündigt auch einen Beſuch des Kaiſers in
Cowes zur Regattawoche an und weiter die Anteilnahme
an der am 1. September in Sandringham ſtattfindenden
Geburtstagsfeier der Königin.

Ausland.

England.
Unterhaus. Ueber die engliſch=ruſſiſche Konven=
tion
äußerte ſich Grey, er wünſche nicht, daß ſie ein Mit=
tel
würde, die Integrität der Unabhängigkeit Perſiens
weiter zu verringern. Falls Ereigniſſe eintreten würden,
die augenſcheinlich eine Beeinträchtigung der Unabhängig=
keit
Perſiens bewirkten, ſo ſollten freundſchaftliche Beſpre=
chungen
zwiſchen der engliſchen und ruſſiſchen Regierung
ſtattfinden. Die Regierung habe keine Aenderung des
engliſch=ruſſiſchen Abkommen vorgeſchlagen, ſie habe nur
eine Beſprechung der Lage vorgeſchlagen, die ſich in
gewiſſer Hinſicht zum Nachteil Englands entwickelt habe.
Der Staatsſekretär erörterte dann den neuen Plan der
Schiffahrt auf dem Tigris. England habe von der Tür=
kei
die Anerkennung des Statusquo auf dem perſiſchen
Golf erhalten; es wünſche keine neuen Vorteile oder Ver=
pflichtungen
im Golf. Der Erhöhung der türkiſchen Ein=
fuhrzölle
habe England zugeſtimmt. Da wir die britiſchen
Intereſſen im perſiſchen Golf gewahrt und ein Abkommen
mit Deutſchland und der Türkei geſchloſſen haben, verfol=
gen
wir nicht eine Politik, dem Bau der Bagdadbahn ein
Hindernis in den Weg zu legen. Wir haben mit der Tür=
kei
verſchiedene Abkommen und mit Deutſchland beſondere
Abkommen über die Bagdadbahn und einige verwandte
Gegenſtände beſchloſſen. Einige dieſer Abkommen mit der
Türkei unterzeichneten wir, andere mit der Türkei und
Deutſchland ſind paraphiert. Alle ſind zur Unterſchrift
fertig. können aber nicht unterzeichnet werden, ſolange
nicht die Türkei und Deutſchland ihre eigenen, beſonderen
Verhandlungen abgeſchloſſen haben. Ich hoffe, in kurzer
Friſt alle dieſe Abkommen dem Parlament vorzulegen.
Sobald dies geſchehen iſt, wird man, wie ich glaube, fin=
den
, daß viele ſehr ſtörende Fragen ihre vollſtändige Er=
ledigung
gefunden haben. Das Abkommen über die Bag=
dadbahn
ſetzt feſt, daß wir nicht daran teilhaben, und daß
die Bahn in Baſra endet. Nach dem Abkommen mit
Deutſchland und der Türkei ſoll die Bahn nicht über
Baſra oder über den Golf hinaus ohne ein etwaiges,
künftiges Abkommen mit uns geführt werden. Wir haben
gleichmäßige Frachtſätze vereinbart. Die Bahn wird zwei
britiſche Direktoren haben. Grey wandte ſich dann der
engliſch=perſiſchen Oelfrage zu und beſtritt, daß die =
tigkeit
der Regierung hierin eine Abweichung von der Po=
litik
bedeute, die vor einigen Jahren feſtgelegt worden
ſei. England erhalte als Ergebnis jenes Arrangements
kein einziges Recht, das nicht ſchon im engliſch=ruſſiſchen
Abkommen beſtanden hätte. Ueber den Schutz der Mino=
ritäten
auf dem Balkan ſagte Grey, es könne England
nicht mehr tun, als es getan habe. Er ſei überzeugt, daß
Venizelos den Geſchehniſſen Einhalt zu tun wünſche; aber
Venizelos und der Miniſter des Aeußern Streit wüßten
ſelbſt, wie ſchwierig es ſei, einzugreifen. Ein wirklicher
Einfluß in Epirus könne nur durch Gewalt geübt werden.
Er ſei gegen die Entſendung britiſcher Truppen nach Al=
banien
. Aber England werde keine Obſtruktion treiben
gegen die Schritte, welche andere Mächte unternehmen
würden. Bezüglich der neuen Hebriden ſagte Grey, die
Verwaltung erfordere eine Verbeſſerung. Mehr könne
er aber nicht ſagen, ſolange die Konferenz andauere.
Rumänien.
Der Kongreß der rumäniſchen Kultur=
liga
in Peſt faßte folgenden Beſchluß, der an die in
den ungariſchen Ländern lebenden Rumänen geſchickt wer

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

den wird. Die Kulturliga ſtellt feſt, daß die Verfolgung
der rumäniſchen Raſſe zwiſchen den Karpathen und der
Theiß in dem vergangenen Jahre mit immer grauſame=
ren
Mitteln durchgeführt worden iſt. Ihre Urheber ſind
die oligarchiſche Regierung Ungarns und ihre Organe, in
denen der Fanatismus jedes Gefühl der Gerechtigkeit und
Menſchlichkeit getötet habe. Die Kulturliga ſendet den
Kämpfern in Ungarn ihre brüderlichen Grüße und hofft,
daß ſie ſie bald ſiegreich ſehen werde.
Balkanſtaaten.
Die türkiſch=griechiſche Spannung. Die
Zeitung Sabah veröffentlicht die ausführliche Erklärung
des Miniſters des Innern Talaat Bey, in welcher er aus=
führt
, er habe keinerlei Anſtiftung der griechiſchen Regie=
rung
feſtgeſtellt, welche die griechiſche Bevölkerung zur
luswanderung hätte veranlaſſen können, wohl aber habe
er zahlreiche Briefe von Griechen geſehen, die weggezogen
waren, um ſich in Griechenland niederzulaſſen und ihre
Landsleute in der Türkei aufgefordert hätten, die Türkei
gleichfalls zu verlaſſen, um in Griechenland zu leben. Ab=
geſehen
von den bedauernswerten Ereigniſſen in Phokis
und Menemen ſeien nirgends Zwiſchenfälle zu verzeichnen
geweſen. Der Miniſter iſt überzeugt, daß die Gefahr für
die türkiſch=griechiſchen Beziehungen vorüber ſei, da die
Antwort Griechenlands eine entgegenkommende ſei. Das
Patriarchat ſollte daher die Kirchen und Schulen wieder
eröffnen. Er werde hierüber mit den griechiſchen Depu=
tierten
verhandeln. Ein Teil der türkiſchen Preſſe äußert
ſich noch immer mit gewiſſem Unbehagen bezüglich der
türkiſch=griechiſchen Beziehungen. Jeune Turc beklagt ſich
über die Einberufung der griechiſchen Reſerviſten für das
Heer und die Marine. Tanin glaubt, es werde ſchwer
eine Verſtändigung mit den Griechen herbeizuführen ſein.
Die Pforte weigere ſich, in eine Beſprechung über die
Frage der Auswanderung, ſoweit dieſe innere Angelegen=
heiten
der Türkei betreffe, einzutreten. Was die Inſelfrage
betrifft, erklärt das Blatt, wir werden hierüber ſprechen,
wenn der Augenblick hierfür gekommen ſein wird. Nur
das Blatt Tasflin Efkiar zeigt ſich verhältnismäßig be=
friedigt
darüber, daß Griechenland den Austauſch der Be=
völkerung
akzeptiere.
Amerika.
Das Repräſentantenhaus hat die Bill an=
genommen
, welche bezweckt, das Börſenſpiel mit Baum=
wolle
zu verhindern und die Baumwollbörſen der Auf=
ſicht
der Regierung zu unterſtellen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 1. Juli.
Hoftrauer. Der Großherzog hat wegen des
Ablebens Seiner Kaiſerlichen Hoheit des Erzherzogs
Franz Ferdinand von Oeſterreich eine Hof=
trauer
vom 29. Juni bis einſchließlich 6. Juli d. Js.
angeordnet.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Georg Kiefer aus Fürfeld, Kreis Alzey, eine Lehrer=
ſtelle
an der Volksſchule zu Radheim, Kreis Dieburg.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 15 vom
30. Juni hat folgenden Inhalt: 1. Verordnung, die
Abänderung der Verordnung über die Tagegelder,
Reiſekoſten und Umzugskoſten der Zivilbeamten vom
9. September 1879 (Reg.=Bl. S. 631) betreffend. 2. Be=
kanntmachung
, die Ausführung des Vierten Buches der
Reichsverſicherungsordnung betreffend.
* Militärdienſtnachricht. v. Kayſer, Hauptm.,
Adjutant beim Gouv. Kiautſchou, früher Feld=Art.=Regt.
Nr. 61, zum Major befördert.
Ordensverleihung. Der Großherzog von Mecklen=
burg
=Schwerin, der Protektar des Baltiſchen Muſikfeſtes
in Malmö, hat dem Großh. Heſſ. Hofkonzertmeiſter und
Lehrer am Königl. Konſervatorium in Leipzig, Guſtav
Havemann, das Ritterkreuz des Greifen=Ordens mit
der Krone für künſtleriſche Leiſtungen verliehen.

D Techniſche Hochſchule. Der Diplom=Ingenieur
Max Grünberg aus Geſeke hat ſich am 29. Juni an
der hieſigen Techniſchen Hochſchule der mündlichen
Doktor=Ingenieur=Prüfung im Elektrotechniſchen Fach
mit Erfolg Unterzogen.
§ Revierpolizeikommiſſär Bergmann. Mit dem heu=
tigen
Tage iſt Revierpolizeikommiſſär Bergmann in
den Ruheſtand getreten. Mit Rückſicht auf ſeinen
Geſundheitszuſtand mußte von der allgemein üblichen
Form der Dienſtverabſchiedung vor verſammelter Mann=
ſchaft
Abſtand genommen werden. Der Vorſtand des
Großh. Polizeiamts, Herr Regierungsrat Gennes, hat
edoch in einem Schreiben an Herrn Revierpolizeikommiſ=
fär
Bergmann den Dank der Behörde für ſeine treue
Pflichterfüllung, die erfolgreiche Dienſtführung und ſein
makelloſes Verhalten in der faſt 40jährigen Geſamtdienſt=
zeit
zum Ausdruck gebracht und ihm die vom Großherzog
erliehene Goldene Medaille des Ludewigs=
ordens
übermittelt. Herr Bergmann trat am 1. Januar
1876 bei der Schutzmannſchaft ein, wurde am 7. Januar
1886 zum Polizeiwachtmeiſter und am 25. April 1889
zum Revierpolizeikommiſſär befördert. Als Revierpoli=
zeikommiſſär
hat Herr Bergmann das 2. Polizeirevier
geleitet. Mit Herrn Bergmann iſt der letzte Mann der
Schutzleute, welche am 1. Januar 1876 bei Neuerrichtung
der hieſigen Schutzmannſchaft eingeſtellt worden ſind, aus
dem Dienſt ausgeſchieden.
* Abgeſtiegen ſind im Hotel Zur Traube der
Inſpekteur der 4. Kavallerie=Inſpektion Generalleutnant
Graf v. Schmettow Exz. und deſſen Adjutant Major
Freiherr v. Wrangel. Der regierende Fürſt von
Reuß, der hier die beiden Ausſtellungen beſuchte, nahm
mit Gemahlin und Tochter das Diner im Hotel Zur
Traube ein.
* Der Verband heſſiſcher Gewerbeſchullehrer
hielt ſeine dritte Verbandstagung im Hotel Kaiſerhof
zu Gießen ab. Der Vorſitzende, Architekt Garnon=
Hießen, begrüßte die erſchienenen Gäſte, insbeſondere
die Leiter der Gewerbeſchulen. Die angeregte Verhand=
lung
über verſchiedene ſchuliche und perſönliche Verhält=
niſſe
erbrachte viel intereſſantes Material, das für die
weitere Bearbeitung der von der Vereinigung geſteckten
Ziele recht wertvoll war. Beſonders die derzeitigen An=
ſtellungsverhältniſſe
wurden einer eingehenden Be=
ſprechung
unterzogen. Das von den Teilnehmern vor=
gebrachte
Material wurde einer Kommiſſion zur weiteren
Bearbeitung überwieſen. Im Anſchluß an die Sitzung
wurde der Gewerbeausſtellung ein Beſuch abgeſtattet,
über deren Darbietungen ſämtliche Teilnehmer des
Lobes voll waren. Den Schluß der Tagung bildete ein
Rundgang durch die Stadt.
M. Verein Heſſiſches Lehrerinnenheim‟. Einen
chönen Nachklang hatte das am 20. Juni zu Offenbach
ſtattgehabte Feſt zu Ehren des 30jährigen Be=
ſtehens
des Vereins Heſſiſches Lehrerinnen=
heim
. Am Montag, den 29. Juni, ehrte J. K. H. die
Hroßherzogin das Lehrerinnenheim durch Ueber=
ſendung
ihres Bildes, das von Ihrer Durchlaucht der
Fürſtin Marie zu Erbach=Schönberg, unter deren
Ehrenſchutz der Verein ſteht, in Anweſenheit des Herrn
Oberbürgermeiſters, mehrerer Vorſtandsmitglieder, ſowie
der Damen des Heims der Präſidentin des Vereins
überreicht wurde. Frau Lilli Wolfskehl dankte im
Namen des Vereins für den neuen Beweis von Wohl=
wollen
und Intereſſe, das von den Allerhöchſten Herr=
ſchaften
den Beſtrebungen des Vereins geſchenkt wird.
Das Bild wird in den freundlichen Räumen des Heims
deren ſchönſten Schmuck bilden. Gleichzeitig mit der
Ueberreichung des Bildes teilte Ihre Durchlaucht die
Fürſtin dem Vorſtand mit, daß Se. Kgl. Hoheit der
Großherzog die Gnade gehabt hat, Frau Lilli Wolfskehl
zur Dame 1. Kl. des Sterns von Brabant zu er=
nennen
. Frau Wolfskehl dankte mit warmen Worten
für die hohe Ehre, die ihr widerfahren war.
* Vogelsberger Höhenklub. Man ſchreibt uns ver=
pätet
: Am Samstag, den 27. v. M., fand in Gießen
eine Sitzung des Geſamtvorſtandes des V. H.=Kl. ſtatt, in
der der neugewählte erſte Vorſitzende, Herr Kreisrat Dr.
Merck=Schotten, ſich dem Vorſtande vorſtellte und die
Sitzung leitete. In ſeinen Begrüßungsworten verſprach
Herr Dr. Merck, ſeine ganze Kraft in den Dienſt des V.
H.=Kl. zu ſtellen, um ihn nicht nur auf ſeiner jetzigen Höhe
zu halten, ſondern ſtets vorwärts zu bringen; er bat um
einmütiges Zuſammenarbeiten des Geſamtvorſtandes zum
Wohl und Heil des Vereins. Zum 2. Vorſitzenden wurde
ſodann Herr Dr. Bruchhäuſer=Ulrichſtein, und zum interi=
miſtiſchen
3. Vorſitzenden Herr Lehrer Linck=Rudingshain,

der ſeitherige Rechner, gewählt. Um Genehmigung die=
ſes
in den Satzungen nicht vorgeſehenen Amtes eines 3.
Vorſitzenden wird in nächſter Hauptverſammlung nachge=
ſucht
werden. Herr Stadtrechner Glock=Schotten wurde
neu zum Rechner gewählt, während das Amt des Schrift=
führers
in den Händen des Herrn Wilh. Engel=Schotten
verbleibt. Die baulichen Herſtellungen am alten Klubhaus
und der Neubau eines Spülraums wurden nach den vor=
gelegten
Voranſchlägen genehmigt. Zur Errichtung von
Schülerherbergen würde man ſich erſt dann entſchließen
können, wenn genügend Mittel hierfür flüſſig gemacht ſind.
Die Zweigvereine werden deshalb gebeten, an Provin=
zial
=, Kreis= und Gemeindeverwaltungen durch Eingaben
heranzutreten, um die gute Sache, die als ein weſentlicher
Teil der Jugendpflege angeſprochen werden kann, finan=
ziell
zu unterſtützen. Wegen des Herchenhainer Turm=
baues
ſollen in der nächſten Vorſtandsſitzung die bis jetzt
gefertigten Pläne vorgelegt und vom Rechner eine Ueber=
ſicht
der hierzu verfügbaren Mittel aufgeſtellt werden.
Danach ſoll beurteilt werden, ob und wie man der Aus=
führung
des Projekts baldmöglichſt nähertreten kann. Der
Poſten des Hausverwalters wird Herrn Zahnarzt Jäger=
Gießen dem Vorſitzenden des Bauausſchuſſes, übertragen.
Am Grabe des langjährigen, verdienten Klubrechners,
Herrn Rechnungsrat Keutzer, ſoll namens des Geſamt=
klubs
ein Kranz niedergelegt werden. Das Hoherods=
kopffeſt
(Hauptausflug ſämtlicher Zweigvereine) finder
nächſten Sonntag, den 5. Juli, ſtatt. Die im vorigen
Jahre vom Zweigverein Ulrichſtein eingeführten Jugend=
ſpiele
, die allgemeinen Beifall gefunden hatten, ſollen
auch in dieſem Jahre wieder veranſtaltet werden. Die
Feſtleitung liegt in den Händen des Hauptvorſtandes und
des Zweigvereins Schotten. Die Feſtrede wird der Vor=
ſitzende
des Geſamtvereins, Herr Kreisrat Dr. Merck,
halten. Wegen der Beteiligung des Darmſtädter Zweig=
vereins
erſcheint Bekanntmachung in einer der näch=
ſten
Nummern dieſes Blattes.
* Vortrag über die Folgen der Mordtat in Serajewo.
Kommenden Freitag, den 3. Juli, abends 8½ Uhr, ſpricht
im großen Kaiſerſaale der deutſch=öſterreichiſche Schrift=
ſteller
und Politiker Dr. Albert Ritter über Die Folgen
der Ermordung des öſterreichiſchen Thronfolgers für das
Deutſche Reich
§ Meſſerſtecherei. In der Nacht von Montag auf
Dienstag gegen 12 Uhr fand in der Altſtadt zwiſchen
Gelegenheitsarbeitern eine Schlägerei ſtatt. Ein
Zimmermann erhielt dabei einen Stich in den rechten
Oberarm, ſo daß er nach dem Städtiſchen Krankenhaus
verbracht werden mußte.
* Aus dem Fenſter geſtürzt. Geſtern vormittag,
kurz nach 8 Uhr, ſtürzte ein Dienſtmädchen infolge
Schwindelanfalles von einem Fenſter im 1. Stock eines
Hauſes in der Sandbergſtraße auf die Straße. Es zog
ſich eine ſchwere Kopfverletzung und zwei Armbrüche zu.
Nach Anlegung eines Notverbandes wurde das Mädchen
durch die Rettungswache mit dem Krankenkraftwagen in
das Städtiſche Krankenhaus gebracht.
* Militär=Maſſenkonzert. Die Kommandantur
beabſichtigt, am Dienstag, den 7. Juli, 8 Uhr abends,
im Städtiſchen Saalbaugarten ein Militär= Maſſen=
konzert
, ausgeführt von den hieſigen Militärmuſikern,
abzuhalten, und zwar ſoll der Reinertrag dem
Invalidendank zu wohltätigen Zwecken über=
wieſen
werden.
* Konzerte uſw. Heſſiſcher Hof. Mittwoch,
den 1. Juli, findet ein großes Militärkonzert
ſtatt. Herr Obermuſikmeiſter Mickley, dem die Aus=
führung
der Mittwochkonzerte übertragen iſt, wird an
dieſem Abend ein beſonders gewähltes Programm zu
Gehör bringen, ſo unter anderm: Auftreten ſämtlicher
Soliſten der Kapelle. Ferner Internationale Muſik in
Opern, Operetten und Volksmuſik. (Siehe Anzeige.)

Der Nieder=Modauer Prozeß.
-g. Das Gericht verkündete geſtern in der Verhand=
lung
gegen den Privatmann Moſes Jſaak nach einer
ſechstägigen Verhandlung das Urteil. Jſaak wird wegen
Beihilfe zur Untreue des Adam (Vergehen gegen
§§ 41, 146 des Genoſſenſchaftsgeſetzes) zu einer Gefäng=
nisſtrafe
von 1 Jahr und 500 Mark Geld=
ſtrafe
, die eventl. mit weiteren 50 Tagen Gefängnis zu
verbüßen ſind, verurteilt. Die Gefängnisſtrafe gilt durch
die Unterſuchungshaft als verbüßt. Der Haftbefehl wird
aufgehoben. Jſaak war bekanntlich gegen eine Kaution
von 30000 Mark auf freien Fuß geſetzt worden. Das erſte

Perſönliches von Franz
Ferdinand.

ck. Die Tragödie von Serajewo endet mit einem
jähen grauſigen Abſchluß das Leben eines Fürſten, dem
das Glück alle Güter des Daſeins in die Wiege gelegt zu
haben ſchien und der dann den harten Dornenweg der
Pflicht immer ſteiler und düſterer hinaufſteigen mußte. In
Licht und Sonne war die Jugend des Erzherzogs gebadet;
dem Prinzen, der auf der Menſchheit Höhen wandeln
durfte, der ſo nahe dem Habsburger Throne ſtand, ohne
von deſſen ſchweren Schatten getroffen zu ſein, warf die
Erbſchaft des Rieſenvermögens der Eſte märchenhafte
Schätze in den Schoß, und ſein Lebenslauf ſchien eine
ebene, glatte, leichte Bahn, durch Freuden hin, ohne Ge=
fahren
. Da brachte ein kalter Januartag mit der furcht=
baren
Kunde vom Tode des Kronprinzen Rudolf dem
Erzherzog Franz Ferdinand die drückende Laſt, die die
Stellung eines Thronfolgers auferlegt, und von dieſer
Zeit an lag jener Ernſt auf ſeinen Zügen, umgab ihn jene
Wolke von Zurückhaltung und Verſchloſſenheit, die ſeinen
Charakter in ein ſo viel beſprochenes und nie ganz gelöſtes
Rätſel hüllte. Aber wie die Jugend den Schlüſſel zu dem
Geheimnis ſo mancher Menſchenſeele bietet, ſo wird man
auch aus der ſo harmoniſch und freudig verbrachten Jüng=
lingszeit
Franz Ferdinands den Weg zu der härteren und
ſtarren Perſönlichkeit des Thronfolgers finden.
Der Soldat und Jäger.
Die kraſtvolle Mannhaftigkeit, die geradezu ſparta=
niſche
Abhärtung, die Franz Ferdinand auszeichneten,
ſind ihm bereits früh von ſeinem Vater anerzogen wor=
den
. Der Erzherzog Karl Ludwig, ſelbſt ein eiſriger Sol=
dat
und Jäger, hatte ſich am Semmering den Orthof ge=
kauft
, und in dieſem Bauernhaus führte er mit ſeinen
Söhnen das ſchlichteſte Leben. Der junge Franz Fer=
dinand
mußte ſich ſelbſt ſein Lodenwams bürſten, bevor er
mit dem Vater auf die Pirſch ging, und von dieſer Zeit her
iſt ihm die Freude am edlen Waidwerk und am anſpruchs=
loſen
Leben des Jägers und Soldaten geblieben. Wie er
ein ausgezeichneter Netter war, ein vortrefflicher Eise

läufer, der dem Winterſport in St. Moritz huldigte, ſo
war er ein glänzender Schütze. Seine Lieblingsreſidenz,
Schloß Konopiſcht in Böhmen, zeigt an langen Wand=
reihen
die Trophäen ſeiner Jagden in aller Welt; neben
mehr als 2000 Geweihen von Hirſchen und Rehen, die er
ſelbſt geſchoſſen, prangen hier die Köpfe von Tigern, die
er in Indien getötet, die Zähne von Eleſanten, die er auf
Ceylon erlegt und die Felle von Bären, die er in den
Rocky Mountains zur Strecke gebracht hat. Mit der
Büchſe in der Hand hat er die herrlichſten Forſten ſeiner
Heimat, wie den afrikaniſchen Urwald, die Wüſte wie den
Strand des Meeres durchſtreift, und etwas von dieſer
Jägerfreude packte ihn auch bei den Manövern, an denen
er ſo leidenſchaftlichen Anteil nahm und die es auch jetzt
wieder waren, die ihn nach Bosnien führten. Aus den
Manövern im vorigen Jahr wird erzählt, daß der Gene=
ralinſpektor
der geſamten bewaffneten Macht ſein karges
Frühſtück in einem Straßengraben aus einem einfachen
Kochtopf mit ſeinen Soldaten einnahm. Soldat war er
mit Leib und Seele. Gern trug er auch noch als Thron=
folger
die kleidſame Uniform der Kaiſerjäger, bei denen er
ſeine ſchönſte Leutnantszeit verbracht hatte. Als Ritt=
meiſter
der Dragoner, als Kommandeur der Nadasdy=
Huſaren offenbarte er jenen friſchen Reitergeiſt und
jenen kühnen Wagemut, der die öſterreichiſche Kavallerie
von jeher ausgezeichnet. Als Thronfolger wurde er dann
von jedem beſtimmten Kommandopoſten entbunden und
trat allmählich an die Spitze der ganzen Armee und
Marine, denen er als General der Kavallerie und als Ad=
miral
angehörte. Eine bedeutende Reformtätigkeit iſt hier
von ihm ausgegangen; mit unermüdlichem Eifer widmete
er ſich der Wehrmacht ſeines Landes, und mitten in der
Ausübung ſeiner Pflichten als Generalinſpektor, als Sol=
dat
auf dem Felde der Ehre, iſt er dahin geſunken.
Der Sammler und Schriftſteller.
Als echter Erbe der Eſte, deren Mäcenatentum einſt
Arioſt und Taſſo gefeiert, beſaß Franz Ferdinand ein
lebendiges Intereſſe für Kunſt und Wiſſenſchaft und hat
dem in ſeinen wahrhaft bedeutenden Sammlungen einen
imponierenden Ausdruck verliehen. Selbſt ein nicht un=
begabter
Maler, hatte er ſeinen Blick für alles Schöne ge=
ſchärft
und umgab ſich früh mit erleſenen Kunſtwerken.
So hat er die großartigen Sanulungen der itglieniſchen

Grafenfamilie Obbizzi nach Oeſterreich gebracht, die in
dem von ihm gekauften Schloſſe Cattaio bei Padua aufge=
ſtellt
waren. Die Antikenſammlung, in der die etrus=
kiſchen
Werke wahre Glanzſtücke darſtellten, faßte mehr als
300 Statuen und Büſten, die Münzenſammlung 14600
Stück. Auch die Waffenſammlung, die der Erzherzog zu=
ſammenbrachte
, iſt hervorragend. Die wichtigſten Samm=
lungen
Franz Ferdinands aber ſtammen von ſeiner Welt=
reiſe
, die vom Dezember 1892 bis Oktober 1893 dauerte,
und in der man den glücklichen Abſchluß ſeiner ſchönen
Jugendzeit ſehen kann. Nicht als müßiger Globetrotter
zog er aus. Was mich dazu bewogen hat, ſagte er in
ſeinem ſchönen, während der Reiſe geführten und nach=
her
als Privatdruck für Freunde veröffentlichten Tage=
buch
, iſt das Streben geweſen: Aus der perſönlichen An=
ſchauung
anderer Erdteile, aus dem Einblick in fremde
Staatsgebilde und Gemeinweſen, aus der Berührung mit
fremden Völkern und Menſchen, mit ausländiſcher Kultur
und Sitte Belehrung zu gewinnen; aus der Beſichtigung
wunderſamer Werke der Kunſt, aus der Betrachtung
fremdartiger Natur und ihrer Reize Genuß zu ſchöpfen.
In offener See auf feſtem Lande; in fürſtlichen Pa=
läſten
in dürftigen Hütten; in Metropolen in ein=
ſamer
Wildnis; in üppigen Niederungen auf lichten
Bergeshöhen habe ich gefunden, was ich geſucht. An Er=
fahrungen
, an ſeltener Beute, an Sammlungen reich bin
ich heimgekehrt. Den wiſſenſchaftlichen Ertrag ſeiner
Reiſe machte der Erzherzog zunächſt in einer Ausſtellung
der Allgemeinheit zugänglich, und danach wurden die
Sammlungen in einem Franz Ferdinand gehörigen Pa=
laſt
als Muſeum dauernd aufgeſtellt, wo ſie heute zu den
bedeutendſten Sehenswürdigkeiten Wiens gehören. 18000
ethnographiſche und etwa 14000 zoologiſche Stücke ſind
hier zuſammengebracht, und beſonders die Kollektion aus
Neu=Guinea und Polyneſien ſind Schätze von einzigartiger
wiſſenſchaftlicher Bedeutung. Als ein literariſches Denk=
mal
dieſer wichtigen Reiſ
ß das Tagebuch des Erz=
herzogs
gelten, in dem
als trefflicher Beobachter
und hochgebildeter Kenner eſienbart. Das Reiſewerk iſt
nicht die einzige ſchriftſtelleriſche Leiſtung des Erzherzogs=
er
iſt auch als ſtrategiſcher Autor hervorgetreten, mit
kriegswiſſenſchaftlichen Abhandlungen und mit einer Mo=
nographie
des Feldmarſchalls Radetzky. Viel Freude hatte
er an den Scnaderhüpſerln G’ſtanzerln der Alpen=,

[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Seite 3.

Urteil lautete wegen gewerbsmäßiger Hehlerei auf
1 Jahr 9 Monate Zuchthaus, unter Anrechnung
von 1 Jahr 3 Monaten der Unterſuchungshaft.
In der geſtrigen Verhandlung erklarte zunächſt noch
Iſaak auf Befragen, daß er einen aus dem Jahre 1907
ſtammenden Wechſel mit der Domizilbezeichnung verſehen
habe, ohne daß Nieder=Modau vorher darum befragt wor=
den
ſei. Das Gericht unterſtellt dann, daß Jſaak im Jahr
1907 bei der Elſäſſiſchen Bank einen großen Kredit be=
ſeſſen
habe, was Iſaak noch am Montag unter Vorlegung
der umfangreichen Korreſpondenz unter Beweis ſtellen
wollte.
Die ſehr eingehende Begründung, die der Vorſitzende
der Strafkammer, Landgerichtsdirektor Dornſeiff, dem
Urteil vorausſchickte, ſtellt zunächſt feſt, daß die diesmalige
Verhandlung in verſchiedenen Punkten die Schuld des
Angeklagten nicht ergeben hat. Im Fall der Hehlerei
ſchließt ſich das Gericht der ſchon in der erſten Verhand=
lung
von der Verteidigung eingenommenen und vom
Reichsgericht beſtätigten Auffaſſung an, daß von einer
Hehlerei nicht die Rede ſein kann, weil die Wechſel nicht
durch eine ſtrafbare Handlung erlangt wurden. Die ſtraf=
bare
Handlung wurde erſt durch die Weitergabe der Wech=
ſel
an Jſaak vollendet. Der ſchwerſte Punkt der Anklage
ſcheidet ſomit aus. Auch der Fall der Anſtiftung zur Un=
treue
in der Uebernahme der Bürgſchaft zu der Hypothek
auf den Darmſtädter Hof ſcheidet wegen Verjährung aus.
Was die Beihilfe zur Untreue anlangt, ſo iſt nichts
hervorgetreten, was darauf ſchließen läßt, daß Jſaak
wußte, daß die von Pallmann weitergegebenen Wechſel
gefälſcht waren, dagegen hat er unbedingt erkennen müſ=
ſen
und hat es auch erkannt, daß es ſich um reine Gefäl=
ligkeitsakzepte
handelte. Er wußte ja, daß Pallmann er=
klärt
hatte, er gebe für die Beſchaffung der Baugelder nicht
einen Pfennig aus ſeinem Vermögen. Pallmann hat an
Nieder=Modau keine Proviſion gezahlt und Jſaak auch
nicht. Es lag demnach für Nieder=Modau keinerlei Ver=
anlaſſung
vor, derartigen Wechſelkredit zu geben. Es
mußte Jſaak auch ſtutzig machen, daß die Wechſel in ſol=
cher
Fülle auf ihn herabregneten. Wenn Iſaak angibt, er
habe Nieder=Modau nicht als eine ländliche Genoſſenſchaft
angeſehen, ſo mußte ihn die Wechſelbegebung erſt recht
ſtutzig machen, denn eine ordentlich geleitete Bank gibt
nicht ohne Vorteil Wechſel hinaus. Ueberführend für den
Angeklagten iſt aber auch weiter der Brief vom 21. Februar
1907 an Adam, in dem er Adam verſpricht, deſſen Garan=
tiezeichnung
von 5000 Mark anläßlich der Sanierung des
Lorenz zu übernehmen, falls Nieder=Modau die Bürg=
ſchaft
für die Hypothek auf den Darmſtädter Hof über=
nimmt
, denn ein derartiges Anerbieten macht man nur
einem Mann, dem man eine ſolche Pflichtvergeſſenheit
zutraut.
Daß Jſaak ſich 1907 in einer guten Lage befunden hat,
gibt das Gericht zu, er iſt aber durch die Nieder=Modauer
Wechſel in eine gute Lage verſetzt worden. Es ſtehe nach
allem feſt, daß Jſaak von einer Untreue des Adam Kennt=
nis
hatte. Er war alſo nach §§ 41 und 146 des Genoſſen=
ſchaftsgeſetzes
zu verurteilen. Bei der Strafzumeſſung
wurden dem Angeklagten zugute gebracht, daß er, als die
Wogen des Zuſammenbruchs über ihm zuſammenſchlugen,
bemüht war, aus den Trümmern ſeines Vermögens für
ſeine Gläubiger und beſonders für Nieder=Modau zu
retten, was zu retten war. Einem beſonders glücklichen
Zufall ſei es zu verdanken, daß der Nieder=Modauer Ver=
ein
nicht gänzlich um ſein Geld kam. Es komme aber
weiter in Betracht, daß Jſaak ein Börſenſpieler geweſen
iſt, und daß er in London und Paris ſpekuliert habe. Er
mußte alſo damit rechnen, wie jeder Börſenſpieler, daß
er heute noch Millionär und am anderen Tage ruiniert
ſein konnte, und damit auch Nieder=Modau in den Unter=
gang
hineinreißen konnte.
Wie wir hören, will Jſaak gegen das Urteil Re=
viſion
einlegen.

Die Frau als Volkserzieherin im modernen
Staat.

nn. Auf Veranlaſſung des Allgemeinen Deut=
ſchen
Frauenvereins (Ortsgruppe Darmſtadt) und
des Darmſtädter Lehrerinnen=Vereins hielt
geſtern abend im Feſtſaal des Hotels Zur Traube die
Vorſitzende des Deutſchen Frauen= und Lehrerinnen=Ver=

eins, Fräulein Helene Lange=Berlin, einen hochinter=
eſſanten
Vortrag über: Die Frau als Volks=
erzieherin
im modernen Staat, der aus den
Kreiſen der Darmſtädter Frauen und Lehrerinnen ſehr
zahlreich beſucht war. Auch viele Lehrer wohnten dem
Vortrag bei. Namens des Darmſtädter Lehrerinnen= Ver=
eins
begrüßte die Vorſitzende, Frl. Nick, die Verſamm=
lung
und erteilte der Vortragenden, Frl. Lange, das
Wort.
Die Rednerin ging in ihren geiſtvoll idealen Ausfüh=
rungen
zunächſt von der Tatſache aus, daß der Lehrerin=
nenſtand
eine beſondere Leidensgeſchichte hatte, bevor er
ſich zu einem achtunggebietenden Teil des heutigen volks=
wirtſchaftlichen
Lebens durchgerungen hat. Es iſt nicht
der Gedanke der Notwendigkeit der Frau für die Aufgabe
der Volkserziehung geweſen, der die erſten Lehrerinnen=
ſeminare
ſchuf, ſondern in erſter Linie das Erwerbs=
bedürfnis
für die Töchter des Mittelſtandes. Ein Cha=
rakteriſtikum
iſt es daher, daß ſich zuerſt bei den Lehrerin=
nen
, die aus Not in den Beruf gedrängt wurden, ein
klares Berufsideal und die Erkenntnis der beſonderen
Miſſion zur Volkserziehung entwickelte. Dieſe Miſſion er=
gab
ſich aus der geſteigerten modernen Volksbildung über=
haupt
, und durch die moderne Mädchenerziehung im be=
ſonderen
. Die moderne Volksbildung von heute ſteht auf
dem Standvunkte, daß die Schule nicht eine einſeitige Ab=
richtuna
, ſondern die Menſchenbildung im weiteſten und
perſönlichſten Sinne des Wortes ſein müſſe.
Die Tatſache, daß die Menſchen= und Perſönlichkeits=
bildung
in der Familie weit ſchwächer iſt, als früher, und
durch das mechaniſierte Arbeitsleben vieler Millionen von
Volksgenoſſen nicht mehr zur Entfaltung kommt, verpflich=
tete
die Schule, ihre Lehrarbeit um ſo ſorafältiger auf die
perſönliche und intellektuelle Ausbildung der Kinder ein=
zuſtellen
. Alle modernen pädagogiſchen Tendenzen, wie
Willensbilduna, Selbſttätigkeit des Kindes und Arbeits=
ſchule
uſw., dienen heute dieſem Ziele. Wenn aber eine
Schule den Anſpruch erhebt, nicht nur Lernanſtalt, ſondern
Arbeitsgemeinſchaft zu ſein, ſo iſt zu fordern, daß ſie in
ihrer geiſtigen Atmoſphäre nicht nur männliche, ſondern
auch weibliche Lehrelemente enthält. Es iſt falſch, zu
glauben, daß, weil heute im Hauſe der Einfluß des Vaters
gegenüber der Mutter zurücktritt, in der Schule der männ=
liche
Einfluß mehr in den Vordergrund zu treten habe.
Man kann nicht die einſeitige Familienerziehung
durch die Einſeitigkeit der Schulerziehung wieder gut
machen. Für die Geſtaltung der Mädchenbildung ergeben
ſich durch die Geſtaltung des modernen Staates Verände=
rungen
der wirtſchaftlichen Stellung des weiblichen
Geſchlechts, die die Lehrerin nur allein mit Umſicht und
Takt zu löſen vermag. Das Leben der Mehrzahl der
Frauen führt ſie heute zu einem Beruf. Und gerade dieſe
ganz neuartige Lage erfordert eine ſtreng erziehliche Be=
einfluſſung
. Die Mädchen dürfen von den Lehrerinnen
auch nicht einſeitig im Sinne des Berufsideals und zum
Schaden der Frauenideale beeinflußt werden. Nur die
Lehrerin kann dafür ſorgen und eintreten, daß die Mäd=
chen
aller Volksſchichten der neuen Selbſtändigkeit und
Verantwortung mit ſicherem Takt und Energie gegenüber=
treten
.
Daß in der heutigen Mädchenbildung die Frau an
erſter Stelle ſtehen müſſe, hat auch der badiſche Staats=
mann
Robert von Mohl wiederholt gefordert. Die Frau
von heute muß nicht nur Erzieherin in der Familie, ſon=
dern
auch Volkserzieherin ſein. In dieſer großen Verant=
wortlichkeit
für die Entwickelung des Frauenlebens zu einem
weiteren ſozialen Pflichtbewußtſein zu wirken, das muß auch
die heutige volkserzieheriſche Aufgabe der Lehrerin ſein.
Sie ſollte es mit Stolz empfinden, daß ihr heute die Ju=
gend
zur Erziehung anvertraut iſt. Reicher Beifall
wurde der Vortragenden geſpendet und auch Frl. Pfnorr
ſprach namens der Ortsgruppe Darmſtadt des Deutſchen
Frauenvereins der Rednerin herzlichen Dank und Aner=
kennung
aus.

Knnſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Union=Theater (Kunſtlichtſpiele, Rhein=
ſtraße
6). Bei der gegenwärtig herrſchenden Hitze bietet
das Union=Theater als das größte Lichtſpieltheater am

Platze den kühlſten Aufenthalt. Infolge der neuzeitlichen
Ventilation kann man auch jetzt die wundervollen Dramen
und Luſtſpiele genießen, ohne von der Hitze beläſtigt zu
werden. Für die nächſten Tage hat die Leitung wieder
einmal zur Abwechſelung ein großes Seemannsdrama ge=
wonnen
, das ſich Am Steuer betitelt und mit zu den
beſten Erzeugniſſen der Filminduſtrie gerechnet werden
muß. Eine Komödie zum Totlachen iſt Die Küchenfee‟
und Moritz Prince treibt wieder ſeine tollſten Streiche in
der Humoreske Moritzens Flirt Auch das kleine Fritz=
chen
wirkt wieder in einer Humoreske, Fritzchen kann
keine Katzen leiden mit. Die Naturaufnahmen ſind wie=
der
hervorragend und auch an Einlagen mangelts nicht.

Ch Egelsbach, 29. Juni. (Vergiftet.) Frau R.
hier holte ſich am Freitag in einer Selterswaſſerflaſche
Aetznatron zum Putzen und ſtellte es im Hofe nieder, wäh=
rend
ſie auf kurze Zeit ihren Arbeiten in der Küche nach=
ging
. Während ihrer Abweſenheit entdeckten ihre beiden
Kinder die Flaſche und tranken den Inhalt aus. Das
zweijährige Töchterchen iſt geſtern früh der Vergiftung
erlegen, das ſechsjährige Söhnchen liegt lebensgefährlich
erkrankt danieder.
D Klein=Gerau, 30. Juni. (Das 25jährige
Stiftungsfeſt des Geſangvereins Lieder=
kranz
) nahm einen guten Verlauf, wozu beſonders das
prächtige Feſtwetter beitrug. Am Samstag abend zog
ein wohlgelungener Lampionzug, an dem ſich ſämtliche
Vereine des Dorfes beteiligten, nach dem am Weſtaus=
gange
des Dorfes gelegenen Feſtplatz. Mit einigen Be=
grüßungsworten
eröffnete der Präſident des Geſangver=
eins
Liederkranz die Feſtlichkeit. Es folgten dann ab=
wechſelnd
Geſänge der beiden Geſangvereine des Dorfes
und turneriſche Vorführungen des Turnvereins. Ganz
beſonders fanden die Stab= und Keulenübungen der
Damenriege reichen Beifall. Am Sonntag, dem Haupt=
feſttage
, fand morgens um 9 Uhr Gottesdienſt auf dem
Friedhofe ſtatt. Die Feſtteilnehmer zogen unter Voran=
tritt
der Muſik, eines Teiles der Kapelle des Großh.
Trainbataillons Nr. 18 aus Darmſtadt, vom Vereinslokal
auf den Friedhof. Nach einem von der Muſik vorgetra=
genen
Choral hielt Herr Pfarrer Walter eine Anrede an
die Verſammelten zur Erinnerung an die verſtorbenen
Gründer, worauf der Präſident, Herr Becker, einen Kranz
am Grabe des erſten Präſidenten niederlegte. Nachdem
dann, wie üblich, die auswärtigen Vereine von 11 bis
1 Uhr mit Muſik abgeholt worden waren, wurde der Feſt=
zug
um ½3 Uhr aufgeſtellt, Der Radfahrerverein eröff=
nete
den Zug. An ihn ſchloſſen ſich die drei Schulklaſſen.
Sie bildeten einen farbenprächtigen Kinderfeſtzug. Hier=
auf
folgten die Muſikkapelle, die Feſtdamen, der feſt=
gebende
Verein, der Ortsvorſtand, der Kriegerverein, die
Vereine des Riedſängerbundes und die noch erſchienenen
Nachbarvereine. Durch die feſtlich geſchmückten Straßen
ging der Zug ſodann auf den Feſtplatz. Nach einem Mu=
ſikvortrag
begrüßte der Präſident die erſchienenen Feſt=
gäſte
, ſchließend mit einem Hoch auf den Geſang. Hierauf
folgte das Begrüßungslied des feſtgebenden Vereins:
Gott grüße dich von Mücke und dann die von echtem
Sängergeiſte getragene Feſtrede des Herrn Pfarrers Wal=
ter
. Nach Ueberreichung der von den Feſtdamen und den
Ortsvereinen geſtifteten Fahnenſchleifen und eines vom
Turnverein geſtifteten Erinnerungsblattes erfolgte der
Dank des Fahnenträgers. Jedem der 16 noch lebenden
Gründer wurde ein Diplom überreicht. Von abends 9 Uhr
ab war dann Feſtball im Schützenhof und im Deutſchen
Kaiſer. Montag mittag um 3 Uhr ging der aus dem
Kinderfeſtzug und den Ortsvereinen beſtehende Feſtzug
wieder auf den Feſtplatz. Schnell verging auch jetzt wie=
der
die Zeit, denn Muſikvorträge, Tanz, Liedervorträge
des feſtgebenden Vereins ſowie Lieder und Spiele der
Schuljugend und Schauturnen des Turnvereins verkürz=
ten
ſie.
Rüſſelsheim, 30. Juni. (Beim Baden ertrun=
ken
.) Der verheiratete Weißbinder Schweikhard geriet
am Samstag abend beim Baden im Main in eine tiefe
Stelle und ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte.
Offenbach, 30. Juni. (Hitzſchlag.) Heute mittag
gegen 12 Uhr erlitt in der Bieberer Straße eine Frau einen
Schlaganfall. Sie war ſofort tot. Die Verunglückte
wurde als die 44 Jahre alte Frau Margarete Schnepper
aus Bieber erkannt.

poeſie, und er hat ſich manche alte ſtoanſteieriſche Volks=
melodie
aufgezeichnet.
Franz Ferdinand zu Hauſe.
Der Thronfolger fühlte ſich am glücklichſten fern von
Wien und vom Hofe in der Stille ſeines innigen Fami=
lienkreiſes
und ländlicher Einſamkeit. Im Winter war
ſein Ruheort die Inſel Brioni, ein idylliſcher Fleck an der
Küſte von Iſtrien bei Pola; der Sommer fand ihn meiſt
in dem von dunklen Wäldern umrauſchten Konopiſcht. In
Brioni brachten ihm Ausfahrten auf ſeiner herrlichen
Jacht Zerſtreuung, in Konopiſcht die Jagd. Die Haupt=
liebhaberei
ſeines Mannesalters wurde jedoch die Gärt=
nerei
. Der Erzherzog bewies als Landſchaftsgärtner
einen feinen Geſchmack und hatte eine Kenntnis von Blu=
men
und Pflanzen, die weit über dem Durchſchnitt ſtand.
In Konopiſcht iſt der wundervolle Garten, der heut das
alte Schloß umgibt, ganz nach ſeinen Angaben angelegt.
Auf ſeiner Weltreiſe hatte er auch hierfür reiche Beob=
achtungen
geſammelt. Im Grundriß ſchloß er ſich an das
klaſſiſche Muſter der franzöſiſchen Gartenkunſt Lenötres an
und ſchuf danach die grandioſen Terraſſen und Alleen,
das Roſen=Parterre, das eines der berühmteſten in
Europa iſt, und ſchmückte die Anlagen mit Statuen. Da=
neben
aber geſtaltete er auch mit feinem Geſchmack einen
romantiſchen Park und brachte maleriſche Baumgruppen
an, mit deren Pflege er ſich beſonders beſchäftigte. Ar=
beitete
der Erzherzog in ſeinem Park, dann wurden Sol=
daten
abkommandiert und auf einem raſch aufgeworfenen
Hügel oder auf dem Raſen in Gruppen und Reihen auf=
geſtellt
, um ſo dem hohen Gärtner eine ungefähre An=
ſchauung
zu vermitteln, wie Baumgruppen und Baum=
reihen
ſich an dieſer Stelle ausnehmen würden.

Aus dem Leben der Herzogin
von Hohenberg.

ml. Ein ſeltſames Lebensſchickſal hat die Frau gehabt,
die in der Hauptſtadt Bosniens an der Seite ihres Gatten
jäh von Mörderhand hingeſtreckt worden iſt. Niemand
hatte ihr an ihrer Wiege geſungen, daß ſie dereinſt an den
Stufen des Thrones ſtehen werde; denn die Komteſſe
Chotek gehörte nicht einmal zum Hochadel, und ihr Vater,
der Graf Boguslaw Chotek, verfügte auch keineswegs
über beſondere Reichtümer. Sein Haus nahm keine an=
dere
Stellung ein, wie andere Familien des böhmiſchen

Uradels. Graf Chotek hatte ſich dem diplomatiſchen Dienſt
gewidmet und war jahrelang Geſandter Oeſterreich= Un=
garns
am ſächſiſchen Königshofe geweſen. Hier hatte
Komteſſe Sophie mit ihren fünf Schweſtern einen großen
Teil ihrer Jugendzeit verlebt, und die ſchönen Töchter des
öſterreichiſchen Geſandten waren in der Hofgeſellſchaft der
Elbreſidenz gern geſehen. Sie wurde ſpäter, wie ſo
manches andere adelige Fräulein, dank der guten Bezieh=
ungen
des Vaters, für die zwar äußerlich repräſentative,
in Wirklichkeit aber doch wenig beneidenswerte Karriere
einer Hofdame beſtimmt. Das machte anfangs gar nicht
ſo geringe Schwierigkeiten; denn die Choteks vermochten
ſich an Rang und Geltung keineswegs mit den hoch=
adeligen
Häuſern der Donaumonarchie zu meſſen, deren
Angehörige dem Hofe naheſtehen. Immerhin, Komteſſe
Sophie kam an den Hof des Erzherzogs Friedrich und
der Erzherzogin Iſabella, und hier war es, wo ſie den
Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Oeſterreich=
Eſte kennen lernte. Der Thronfolger war häufig Gaſt im
Palais des töchtergeſegneten Erzherzogs, uhd es galt in
der Wiener Hofgeſellſchaft bereits als ausgemacht, daß er
die junge Erzherzogin Gabriele als Gattin heimführen
werde. Um ſo mehr war man ſpäter überraſcht, zu er=
fahren
, daß Franz Ferdinands häufige Beſuche nicht der
jungen Erzherzogin, ſondern der bereits dreißigjährigen
Hofdame der Erzherzogin Iſabella gegolten hatten. Denn
die kluge Komteſſe hatte es verſtanden, ihre Beziehungen
zu dem künftigen Erben der habsburgiſchen Krone ſo ge=
ſchickt
zu verbergen, daß die Erzherzogin Gabriele noch
am Tage vor der Verlobung des Thronfolgers mit der
Hofdame ihrer Mutter des Glaubens geweſen war, ihr
gälten die mittlerweiſe faſt täglich ſich wiederholenden
Beſuche Franz Ferdinands.
Aber nicht nur im Kaiſerhauſe machten ſich heftige
Widerſtände gegen dieſe Mesalliance geltend auch der
böhmiſche Adel ſah aus geſellſchaftlichen Rückſichten dieſe
Verbindung nicht gern. Doch der Thronfolger wußte mit
zäher Beharrlichkeit alle Widerſtände zu beſeitigen; am
1. Juli 1900 fand die Vermählung des Paares zur linken
Hand ſtatt, und am gleichen Tage wurden der Gräfin
Chotek Titel und Rang einer Fürſtin Hohenberg verliehen.
Es war wohl vornehmlich die weitgehende Uebereinſtim=
mung
des Charakters und der Weltanſchauung, die das
Paar zuſammengeführt hatte. Wie der Thronfolger, ſo
war auch die Komteſſe Chotek in ſtreng katholiſchen An=
ſchauungen
erzogen worden, wie ihm, war auch der Toch=
ter
des öſterreichiſchen Diplomaten eine ernſte Lebensauf=
faſſung
zu eigen. Dazu kam bei der ſpäteren Fürſtin

Hohenberg eine umfaſſende Bildung und eine natürliche
Liebenswürdigkeit, Eigenſchaften, die den auf dem Ge=
biete
der Künſte und Wiſſenſchaft lebhaft intereſſierten
Erzherzog angezogen haben mögen. In den erſten Jah=
ren
ihrer Ehe war die äußerliche Stellung der Gemahlin
des Thronfolgers übrigens wenig beneidenswert. Die
ſtrenge Etikette am Wiener Hofe ſtellte ſie im Range erſt
nach allen Mitgliedern des Erzhauſes hinzu kam ein ge=
wiſſes
Mißtrauen gegen ſie angeſichts des Umſtandes, daß
es immer wieder hieß, die Fürſtin erſtrebe trotz dem feier=
lichen
und unzweideutigen Verzicht des Erzherzogs Franz
Ferdinand dereinſt den gleichberechtigten Platz an der
Seite ihres Gatten auf dem Throne und für ihren älteſten
Sohn, den im Jahre 1903 geborenen Fürſten Maximilian,
die Nachfolge in der habsburgiſchen Dynaſtie. Es muß
geſagt werden, daß die Fürſtin, der im Jahre 1909 der
Rang einer Herzogin von Hohenberg mit dem Prädikat
Hoheit verliehen wurde, in Wirklichkeit niemals ſichtbar
dergleichen erſtrebt hat. Um was ſie kämpfte, das war
ihre Anerkennung als Gattin des Thronfolgers, und dieſe
hatte ſie mit zäher Beharrlichkeit im Laufe der Jahre dann
auch durchgeſetzt. Sie erſchien überall in der Oeffentlich=
keit
an ſeiner Seite und begleitete ihn auf den meiſten
ſeiner offiziellen Reiſen. Sie vermied es dagegen, bei den
Hoffeſtlichkeiten zu erſcheinen, wo ſie ſelbſt den jüngſten
Erzherzoginnen den Vortritt hätte laſſen müſſen. Mit umſo
größerem Eifer betätigte ſie ſich dagegen auf allen Gebie=
ten
der ſozialen Fürſorge und der Nächſtenliebe, und ſie
widmete ſich im übrigen als gute Hausfrau und Mutter
der Erziehung ihrer drei Kinder, deren älteſtes, die Für=
ſtin
Sophie, zurzeit zwölf Jahre alt iſt. Von den beiden
Söhnen, dem ſchon erwähnten Fürſten Maximilian und
dem Fürſten Ernſt, welch letzterer zurzeit im Alter von
zehn Jahren ſteht, weiß man, daß ſie ganz im Sinne des
Eltern erzogen werden.
Keine der fünf Schweſtern der Herzogin von Hohen=
bera
hat auch nur annähernd einen ſo hohen Rang er=
reicht
. Eine von ihnen iſt mit einem Grafen Thun, eine
andere mit einem Grafen Noſtiz vermählt; eine dritte iſt
Gräfin Schönburg=Glauchau geworden. Die vierte Schwe=
ſter
iſt die Gemahlin des ſächſiſchen Majors von Wuthe=
nau
, der beim Chemnitzer Ulanenregiment ſteht. Und der
Herzogin von Hohenberg jüngſte Schweſter iſt die Verlobte
eines Grafen von Harrach. Nun hat ſie, der allein von
ihren Schweſtern vom Schickſal ein hoher Flug beſtimmt
ſchien, die fanatiſche Untat eines Unreifen vor der Zeit
jäh hingerafft.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

Klein=Steinheim, 30. Juni. (Ertrunken.) Am
Sonntag ertrank ein Knabe gegenüber dem hieſigen Volks=
bad
. Der 7jährige Junge hatte ſich mit ſeinem fünfjähri=
gen
Brüderchen gebadet. Dabei hatte er ſich zu weit vor=
gewagt
und war von den gegenwärtig ſehr hochgehenden
Fluten mit fortgeriſſen worden. Herr Badeanſtaltsbeſitzer
Heinrich Adam von hier ſprang dem mit den Wellen
Kämpfenden nach, aber die ſtarke Strömung verhinderte
ein rechtzeitiges Näherkommen, ſo daß eine Rettung un=
möglich
war.
Hirſchhorn, 30. Juni. (Seinen Verletzungen
erlegen) iſt der durch die Entgleiſung eines Zuges
ſchwer verletzte Bahnarbeiter Jakob.
sd. Bürſtadt, 30. Juni. (Selbſtmord.) Schon
frühe ſein Leben müde war der 28jährige Franz Ofenloch
von hier. Er ſchrieb heute nacht in einer hieſigen Wirt=
ſchaft
ſein Teſtament und ließ es von zwei anderen hie=
ſigen
Leuten unterzeichnen. Dieſelben hielten das ganze
für einen Ulk und kümmerten ſich nicht weiter um Ofen=
loch
. Dieſer ging nach Hauſe, legte ſich ſchlafen, ſtieg um
4 Uhr wieder auf und ging den Bahndamm auf der Strecke
nach Lampertheim entlang. Dort ließ er ſich von dem
erſten Güterzug gegen 4 Uhr überfahren. Der Kopf iſt
direkt vom Rumpfe getrennt. Ofenloch hatte ſeine Pa=
piere
, ſowie das Teſtament, in dem er alles ſeinem Bru=
der
und nichts ſeiner Frau vermacht, bei ſich. Er war ſeit
zwei Jahren verheiratet und lebte in ſehr guten Verhält=
niſſen
, war aber kinderlos. Das Motiv zur Tat iſt unbe=
kannt
.
Bingen, 29. Juni. (Vom Bismarck= Natio=
nal
=Denkmal.) Der Heſſiſche Landesausſchuß zur
Errichtung eines Bismarck=National=Denkmals beſchloß,
die Grundſteinlegung des Denkmals am
1. April 1915 vorzunehmen und damit eine nationale
Feier des Tages zu verbinden. Der ganze Unterbau wird
bis zu dem Tage bis zur Plattform fertiggeſtellt ſein,
auf der ſich dann der Kuppelbau und die den Ehrenhof
umgebende Säulenhalle erheben ſollen.
Bingen, 30. Juni. (Das Hotel Rochusberg),
das ſeither als Penſionshaus von Reiſenden ſehr beſucht
und beliebt war, kommt als Hotel in Wegfall. Es iſt von
einer Geſellſchaft aus Berlin auf fünf Jahre gepachtet und
wird als Damenpenſionat eingerichtet werden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 29. Juni. Zur Feier
des 25jährigen Jubiläums des Direktors
der Continental=Telegraphen= Compag=
nie
, Dr. jur. Heinrich Mantler, fand heute in dem
Konferenzzimmer der Geſellſchaft ein Feſtakt ſtatt, bei dem
der Vorſitzende des Aufſichtsrates, Dr. Paul v. Schwabach,
dem Jubilar den Dank des Aufſichtsrates für ſeine hin=
gebende
und erfolgreiche Arbeit zum Ausdruck brachte, der
das Wolffſche Bureau ſeine hervorragende Stellung und
die Feſtigkeit ſeiner wirtſchaftlichen Grundlagen in erſter
Linie verdanke. Direktor Dr. Diez ſprach im Namen ſämt=
licher
Beamten und Angeſtellten des Bureaus, die in Dr.
Mantler einen Führer von glänzenden Eigenſchaften und
vorbildlicher Treue verehren. Hofrat Dr. v. Markow
brachte die Glückwünſche der Petersburger Telegraphen=
agentur
dar. Direktor Dr. Mantler dankte in bewegten
Worten und rühmte die ſtete Förderung, die er in ſeiner
Arbeit für das Bureau von ſeiten des Aufſichtsrates er=
fahren
habe, und die Treue ſeiner Mitarbeiter, ohne die
er nicht hätte vollbringen können, was ihm nachgerühmt
werde. In der Wohnung des Gefeierten fand ſich im
Laufe des Tages eine große Anzahl von glückwünſchen=
den
Beſuchern ein und Drahtgrüße aus aller Welt bezeug=
ten
die hohe Verehrung, deren ſich Dr. Mantler überall
erfreut, wo man ſeine Perſönlichkeit und ſein Schaffen
kennt. In der Schöneberger Stadtverordnetenverſamm=
lung
wurde die Vorlage des Magiſtrats, betreffend den
Ausbau der Untergrundbahnen, durch die An=
lage
eines gemeinſamen Bahnhofes am Nollendorfplatze,
ferner der Antrag, betreffend den Vertrag mit der Hoch=
bahngeſellſchaft
wegen Errichtung eines Durchgangsbe=
triebes
mit ihrer Oſtſtrecke, einſtimmig angenommen.
Etwahundert deutſch=amerikaniſche Apo=
theker
werden am 14. Juli in Berlin eintreffen, wo ſie
von dem Deutſchen Apothekerverein, der Deutſchen Phar=
mazeutiſchen
Geſellſchaft und dem Berliner Apothekerver=
ein
empfangen werden. Am 15. Juli findet dann eine Be=
ſichtigung
der wiſſenſchaftlichen Inſtitute von Berlin und
Dahlem ſtatt. Eine Sängerin am hieſigen
Opernhauſe, die vor einigen Tagen mit ihrer älteſten
erkrankten Tochter nach Piemont abgereiſt iſt, um dort

einen mehrwöchigen Aufenthalt zu nehmen, iſt von einem
ſchweren Schickſalsſchlage getroffen worden.
Ihr 14 Jahre alter Sohn und ihre 11 Jahre alte Tochter
waren unter der Aufſicht des Hausperſonals in der Woh=
nung
in Charlottenburg zurückgeblieben. Das 11jährige
Mädchen wurde nun im Spiel von ihrem Bruder durch
einen Revolverſchuß erſchoſſen. Wie ſich das Unglück ab=
geſpielt
hat weiß man vorläufig noch nicht, da der Junge
bisher jede Auskunft verweigert. Die Kugel traf das
Mädchen in den Kopf. Es wurde ſofort in ein Sana=
torium
gebracht, wo man durch eine ſofort vorge=
nommene
Operation das Kind zu retten verſuchte, doch
war es leider vergeblich. Das Kind erlag ſeinen ſchweren
Verletzungen.
Grochow (Mark), 30. Juni. (Schwerer Bau=
unfall
.) Beim Neubau einer Gutsſcheune ſtürzte der
Dachſtuhl ein und begrub vier Zimmerleute unter ſich.
Einer war ſofort tot, die beiden anderen wurden
lebensgefährlich verletzt.
Metz, 30. Juni. (Vergiftet.) Nach dem Genuß
von ungekochtem Schinken ſtarben in Schankweiler (Kreis
Bitburg) ein 60 Jahre alter Ackerer und ſeine beiden Töch=
ter
, die im Alter von 20 bezw. 22 Jahren ſtanden.
Nürnberg, 30. Juni. (Die Stadtverwaltung)
ſchuf den neuen Poſten eines kaufmänniſchen Beirats und
wählte für dieſen den Dr. Eickemeyer aus Berlin. Das
Berliner Tageblatt ſagt, es liege hierin ein Beweis, daß
die Stadtverwaltung dem kaufmänniſchen Geiſte als will=
kommene
Ergänzung in der Verwaltung Eingang ver=
ſchafft
.
Karlsruhe, 30. Juni. (Von einem Schutz=
mann
erſchoſſen.) Nach einer Namenstagsfeier in
der Oſtſtadt, an der ruſſiſche und deutſche Studenten teil=
nahmen
, kam es in der Rudolfſtraße zu einer Rauferei,
in deren Verlauf ein 24 Jahre alter Student namens
Burckbüchler aus Barr (Elſaß) von einem Schutzmann ſo
ſchwer durch einen Revolverſchuß verletzt wurde, daß er
heute morgen 4½ Uhr im Städtiſchen Krankenhauſe ge=
ſtorben
iſt.
Zu dem nächtlichen Zuſammenſtoß zwiſchen Studen=
ten
und einem Schutzmann wird der Frkf. Ztg. noch fol=
gendes
mitgeteilt: Der Schutzmann Werner ſtellte den
Studenten Weiwertz zur Rede. Während er deſſen Namen
notierte, riß der Student Burckbüchler dem Schutz=
manr
das Notizbuch und die Legitimationskarte des Wei=
wertz
aus der Hand und warf das Notizbuch zu Boden.
Als Werner nun Burckbüchlers Namen feſtſtellen wollte,
ſchlug dieſer ihm ſofort mit der Fauſt ins Geſicht. Werner
faßte den Studenten darauf am Halſe, worauf der andere
Student ebenfalls auf ihn eindrang. Der Schutzmann
ſchlug mit der Fauſt um ſich, um die Angreifer von ſich ab=
zuhalten
. Da dies nichts nützte und Burckbüchler von
neuem auf ihn einſchlug, zog er ſeinen Säbel und hieb
auf die Angreifer, hauptſächlich auf Burckbüchler, ein.
Hierbei entfiel ihm der Säbel, der dann von einem Unbe=
teiligten
auf Werners Erſuchen weggenommen wurde.
Da auch jetzt Burckbüchler und ein anderer unbekannter
Student Werner am Halſe packten, ihm die Kleider zer=
riſſen
und Ausrüſtungsgegenſtände beſchädigten, drohte
Werner mit Schießen. Als ſeine Warnung erfolglos
blieb, zog er die Piſtole und rief noch einmal, er ſchieße,
wenn man nicht von ihm loslaſſe. Burckbüchler ließ trotz=
dem
nicht von ihm ab, worauf Werner drei Schüſſe auf
Burckbüchler abgab. Burckbüchler ließ nach einiger Zeit
Werner los und brach dann zuſammen. Einige der Stu=
denten
wollten nun Werner abermals angreifen, ließen
aber davon ab, als Werner ihnen mit der Waffe in der
Hand gegenübertrat und mehrere von der Wache herbei=
geeilte
Schutzleute hinzukamen. Burckbüchler erlag im
Krankenhaus ſeinen Verletzungen. Dem Schutzmann
Werner wurden zwei Zähne eingeſchlagen, außerdem trug
er am Kopfe mehrere leichte Verletzungen davon. Von
den an den Händeln Beteiligten ſind 13 Studenten vor=
läufig
feſtgenommen worden. Einer von ihnen ſtammt
aus Hamburg, einer aus Bayern, vier ſind aus Luxem=
burg
, drei aus dem Elſaß, einer aus Amerika und drei
aus Rußland.
Konſtanz, 30. Juni. (Leichenländung.) Heute,
acht Tage nach der Kataſtrophe auf der See, wurden bei
Langenargen die Leichen der ertrunkenen Fiſcher Peter
Brunner und Auguſt Meyer aus Egg geborgen. Da letz=
ter
Tage auch der Fiſcherknecht gefunden wurde, liegt nur
noch die Leiche des Hermann Bruderhofer im See. Für
die Hinterbliebenen der Ertrunkenen iſt eine Hilfsaktion
eingeleitet worden, die ſchon anſehnliche Beträge einge=
bracht
hat.
Düſſeldorf. 30. Juni. (Beim Mittageſſen er=
ſtickt
.) Der Monteur Sprange verſchluckte ſich beim
Mittageſſen. Er erſtickte, bevor der Arzt erſchien.

Duisburg, 30. Juni. (Vonglühender Schlacke
verſchüttet.) Beim Einſturz eines Generatorofens auf
den Hahnſchen Werken wurden fünf Arbeiter von glühen=
den
Kohlen und Schlackenmaſſen überſchüttet. Zwei er=
litten
lebensgefährliche Verletzungen, zwei wurden ſchwer,
der fünfte leichter verletzt.
Osnabrück, 30. Juni. (Vom elektriſchen
Strom getötet.) Zwei ſtädtiſche Arbeiter, die den
Auftrag hatten, einige Maſten der elektriſchen Starkſtrom=
leitung
neu zu ſtreichen, wurden heute morgen von dem
elektriſchen Strome getroffen und ſofort getötet.
Leipzig, 30. Juni. (Ein deutſches Schriften=
muſeum
.) Der deutſche Buchgewerbeverein iſt zu ſeiner
26. Hauptverſammlung zuſammengetreten. Es wurde mit=
geteilt
, daß der Rat der Stadt Leipzig dem deutſchen Buch=
gewerbeverein
ein großes Grundſtück für den Bau eines
deutſchen Schriftenmuſeums zur Verfügung
geſtellt habe. Weiter wird die Errichtung einer großen
Buchgewerbeſchule und einer Bibliothekarſchule geplant.
Eydtkuhnen, 30. Juni. (Spionage.) Der Bank=
buchhalter
Seidlitz und der Speditionsgehilfe Kuchta von
hier ſind am Sonntag in Wirballen wegen Spionagever=
dachtes
verhaftet worden. Sie hatten eine Wagentour
nach Wirballen unternommen und dort mehrere photogra=
phiſche
Aufnahmen gemacht. Da das Photographieren
in Rußland Ausländern ſtreng verboten iſt, erfolgte die
Verhaftung. Die Verhafteten wurden geſtern nach Wil=
kowiſchki
gebracht.
Poſen, 30. Juni. (Defraudant.) Der Bankbe=
amte
Oelſner ſchädigte zahlreiche Geſchäftsleute, die er
verleitet hatte, Finanzgeſchäfte mit ihm zu unterhalten,
durch verfehlte Transaktionen zuſammen um etwa 200000
Mark. Wie es heißt, iſt O. nach Amerika geflüchtet, doch
iſt die Verfolgung eingeleitet.
Lemberg, 29. Juni. (Studenten= Demonſtra=
tion
.) Heute abend fand hier eine polniſche Studenten=
verſammlung
ſtatt, in der die Vorgänge beim geſtrigen
Sokolfeſt in Bielitz in erregter Weiſe beſprochen wurden.
Hierauf veranſtalteten mehrere der Studenten eine De=
monſtration
in der inneren Stadt, wo die Geſchäftsläden
deutſcher Firmen und die Fenſter der deutſchen evangeli=
ſchen
Schule eingeſchlagen wurden. Die Polizei zerſtreute
die Demonſtranten und nahm drei Verhaftungen vor.
Rom, 30. Juni. (Dauerfahrt von Unterſee=
booten
.) 4 Unterſeeboote haben eine Dauerfahrt von
200 Meilen in einer Tiefe von 1530 Meter unter dem
Waſſerſpiegel ausgeführt. Während der Fahrt nahmen
die Boote mehrmals Torpedoſchießübungen gegen Kriegs=
ſchiffe
vor und fuhren, ohne bemerkt zu werden, unter dem
Kreuzer Lombardia durch.
Paris, 30. Juni. (Schutz der einheimiſchen
Arbeiter.) In einer Verſammlung der katholiſchen
Arbeiterſyndikate legten die konſervativen Deputierten Le=
rolle
und Devais dar, daß es unerläßlich ſei, die einheimi=
ſchen
Arbeiter gegen den ſtets zunehmenden Wettbewerb
der ausländiſchen Arbeiter zu ſchützen und ſchlug zu die=
ſem
Zwecke vor, die ausländiſchen Arbeiter mit einer Po=
lizei
=Gemeindetare zu belegen. Die Verſammlung nahm
dieſen Antrag einſtimmia an.
Paris. 30. Juni. (Ausſperrung.) Das Syndi=
kat
der Fiſchkonſerven=Fabrikanten beſchloß in einer in
Quimper abgehaltenen Verſammlung, die Fiſcher des Fi=
niſterre
=Departements auszuſperren, weil ſie ſich weigern,
den Fabrikanten die Sardinen nach dem Gewicht zu ver=
koufen
.
Nancy, 30. Juni. (Die verhafteten Auslän=
der
.) Der Unterſuchungsrichter ſtellte die verhafteten
Ausländer Herder, Acht, Allemann und Sequenz dem Sol=
daten
Baurche gegenüber, der entſchieden leugnete, daß er
Herder irgendwelche Lebelpatronen gegeben habe. Her=
der
erklärte, Baurche habe ihm mitgeteilt, daß die neuen
Lebelpatronen vergiftet ſeien und daß gerade dieſe Be=
hauptung
in ihm den Wunſch erweckt habe, ſolche Patro=
nen
zu beſitzen. Baurche erklärte, daß dieſe Ausſage Her=
ders
eine kindiſche Erfindung ſei.
Madrid, 30. Juni. (Plünderung.) Bei den ge=
ſtrigen
Ruheſtörungen wurden an 400 Bäckereien gevlün=
dert
. Ein Bäckerladen wurde geplündert und in Brand
geſteckt. An 20 Perſonen erlitten, zumeiſt durch Glasſplit=
ter
, leichte Verletzungen. Man befürchtet, daß es heute
an Brot fehlen wird.
London, 30. Juni. (Brandſtiftung.) Im Süden
von London brach heute nacht in drei nebeneinander gele=
genen
Geſchäften ein Feuer aus, das das Innere der Läden
faſt vollſtändig zerſtörte. Der Schaden iſt ſehr beträchtlich.
Da in demſelben Stadtteil ſchon am Samstag mehrere
Brände vorgekommen ſind, ſo wird Brandſtiftung ange=
nommen
.

Feuilleton.

C.K. Das Unglück der Wahlkönige. Es ſcheint, daß
das Glück den Wahlkönigen, den Fürſten, die nicht als
Erben ihrer Väter einen Thron beſteigen, ſondern aus
fremdem Lande kommen, um eine Krone anzunehmen oder
zu erkämpfen, nur ſelten freundlich geſinnt iſt. Im An=
ſchluß
an den Kampf des Fürſten Wilhelm um die Be=
hauptung
der ihm von den Großmächten und den Alba=
niern
gebotenen Krone beſchäftigt ſich die Nouva Italia
mit dem Schickſal erwählter oder eingeſetzter Herrſcher.
Das Los des großen Korſen, der als Kaiſer der Franzoſen
Unſterblichkeit eroberte, iſt zu bekannt und zu ungewöhn=
lich
, um in dieſem Zuſammenhange noch erwähnt zu wer=
den
. Als der von den Spaniern 1870 zum König begehrte
Hohenzollernprinz die Krone Spaniens ausſchlug, wähl=
ten
die Cortes den zweiten Sohn König Viktor Ema=
nuels
II., den Herzog von Aoſta, zum Herrſcher. Im Ja=
nuar
1871 traf er als König Amadäus I. von Spanien in
Madrid ein. Revolutionen, Intrigen und Umtriebe nah=
men
kein Ende, der König und ſeine Gemahlin wurden
auch das Ziel eines Mordverſuches: am 11. Februar 1873
legte der italieniſche Prinz mißmutig die Krone Spaniens
nieder und reiſte heim. Tragiſcher geſtaltete ſich bekannt=
lich
das Schickſal des Erzherzogs Maximilian, des Bru=
ders
Kaiſer Franz Joſefs. Er gab dem Drängen Napo=
leons
III. nach und nahm am 10. April 1864 die mexi=
kaniſche
Kaiſerkrone an. Aber trotz der edelſten Abſichten
geſtaltete ſich die Lage Maximilians in dem unruhigen
Mexiko bald verzweifelt, niemand bewahrte ihm die Treue,
weder die Mitglieder der kaiſerlichen Partei, noch die Re=
publikaner
. Von den Franzoſen im Stich gelaſſen, fiel
Kaiſer Maximilian den mexikaniſchen Rebellen in die
Hände und wurde am 19. Juli 1867 in Queretaro er=
ſchoſſen
. Seine Witwe, die Kaiſerin Charlotte, Tochter
König Leopolds I. von Belgien, verfiel infolge der ſurcht=
baren
Vorgänge unheilbarer Schwermut und geiſtiger
Umnachtung; ſie lebt noch heute. Nicht weniger traurig
war das Los eines anderen merikaniſchen Wahlkaiſers,
Auguſtin I. Er, der den Oberbefehl über das ſpaniſche
Heer führte, wurde am 18. Mai 1822 auf den Thron ge=
rufen
, nach 10 Monaten jedoch bereits verbannt; als er

trotzdem zurückkehrte, wurde er gefangen genommen und
am 19. Juli in Padilla erſchoſſen. Auch Griechenland hat
den von ihm erwählten Fürſten kein Glück gebracht. König
Otto, der zweite Sohn Ludwigs I. von Bayern, wurde,
im Anſchluß an die Londoner Konferenz, im Auguſt 1832
von der griechiſchen Nationalverſammlung zum König ge=
wählt
, aber die guten Wünſche, mit denen ſeine Landsleute
und Freunde den liebenswürdigen, noch nicht großjährigen
jungen Prinzen in ſein neues Vaterland begleiteten, er=
füllten
ſich nicht. Auch die von ſeinem Vater nach Grie=
chenland
geſandten Truppen konnten König Ottos Thron
nicht ſichern, wie ehrlich und wohlmeinend der junge Fürſt
und ſeine Ratgeber ſich auch bemühten, für das Beſte des
Landes zu wirken, es gab keine Ruhe, der König vermochte
der Verhältniſſe nicht Herr zu werden und auch nicht über
die fortwährenden Intrigen der Schutzmächte‟ Eng=
land
, Frankreich und Rußland zu triumphieren. Im
Oktober 1862 raubte ihm eine Meuterei der griechiſchen
Offiziere und Soldaten den Thron; Otto kehrte nach
Bayern zurück und ſtarb 1867. Auf Englands Rat wähl=
ten
die Griechen den zweiten Sohn König Chriſtians IX.
von Dänemark zum neuen König. König Georg von
Griechenland hat ſpäter ſelbſt erzählt: Damals, als mir
die Krone angeboten wurde, freute mich nur eines: die
Möglichkeit, einem Mathematiklehrer zu entkommen, der
mich mit ſeinen Sophiſtereien entſetzlich peinigte. König
Georg behielt zwar Thron und Krone, aber ein friedliches
Sterben war ihm nicht vergönnt. Man entſinnt ſich noch,
wie im Balkankriege der König in Saloniki durch Mörder=
hand
fiel. Freundlicher erwies ſich das Schickſal nur dem
Zaren Ferdinand von Bulgarien und dem greiſen König
Carol von Rumänien.
C.K. Das Ende des Ruskin=Hauſes in London. Aus
London wird berichtet: Die britiſche Hauptſtadt wird um
eine Erinnerungsſtätte ärmer: das Ruskin=Haus auf dem
Herne Hill iſt im Abbruch. Das ſchöne alte, baumumſtan=
dene
Haus war 1823 in den Beſitz von Ruskins Vater
übergegangen. Hier verlebte der kleine John Ruskin ſeine
Kindertage, und hier hat er auch ſpäter eine Reihe ſeiner
Werke geſchrieben, darunter die Steine Venedigs und
ſein Buch über Moderne Maler Von dem zweifenſtri=
gen
Arbeitszimmer genoß man einen prachtvollen Fern=
blick
über den Hügel von Sydenham und die dahinter le=

gende ſchöne Landſchaft. Als Ruskin das Haus ſeiner
Kouſine Miß Agnow abtrat, behielt er ſich das Recht der
Benutzung dieſes Arbeitszimmers und auch des Schlaf=
zimmers
, das er als Kind bewohnt hatte, vor. Anſtelle
des jetzt niedergelegten Hauſes wird eine moderne Miets=
kaſerne
erſtehen; das Ruskin=Haus war in jener Gegend
Londons eines der letzten Bauwerke, die noch den Stempel
frühviktorianiſcher Zeit trugen. Fortan wird nun der
Ruskin=Park und der Ruskin=Walk in dieſem Stadtteile
an die Tage erinnern, da John Ruskin hier lebte und
ſeine Werke ſchuf.
C. K. Amerikaniſche Stiftungen für ärztliche Forſchung.
Aus Neu=York wird berichtet: Der bekannte amerikaniſche
Automobilfabrikant Henry Ford hat dem neuen Kranken=
haus
von Detroit eine Stiftung in Höhe von 4 Millionen
Mark überwieſen zum Zwecke von Forſchungen und Expe=
rimenten
über das Weſen und die Bekämpfung des Kreb=
ſes
. Ein eigenes Krebslaboratorium wird geſchaffen. Der
mediziniſchen Fakultät der Yale=Univerſität iſt von der
Familie Lauder eine Stiftung in Höhe von 1600000 Mark
überwieſen worden zum Zwecke der Errichtung eines Lehr=
ſtuhls
für öffentliche Geſundheitspflege.
C. K. Vom luſtigen Onkel Sam. Gemiſchte Freude.
Na, Iim, alter Burſche, wie wars Dir denn zu Mute, als
das erſte Baby kam? Gerade als wäre ich Präſident
geworden. Und wie wars, als der Storch zum achtenmal
kam? Hm, gerade, als wäre ich Präſident von Me=
xiko
. In den Zeiten der Eierteuerung. Der
eine Tragöde, vor dem Eierladen, zum Kollegen: Sieh
nur die Preiſe! Weißt Du, ſolange das ſo bleibt, ſind wir
vor Eiern ziemlich ſicher. Nichts Beſonderes.
Sie: Worüber ſprachſt Du denn ſo eifrig mit Jack? Er:
Ach, über nichts Beſonderes. Sie: Wie könnt Ihr immer
ſoviel über Euch ſelber reden! Praktiſch. Wenn
Du mit Deiner Frau ausgehſt weshalb bleibſt Du dann
immer oben und kommſt erſt nach, wenn ſie auf der Straße
iſt? Ach, ſie kann dann gleich herauftelephonieren und
ſagen, was ſie alles mitzunehmen vergaß. Ein Tier=
freund
. Er iſt der gutherziaſte Menſch, den ich je ſah.
Auch gegen Tiere. Als er neulich die Katze auf dem Koh=
leneimer
ſchlafen ſah, beſtellte er ſofort einen Zentner
Weichkohle .

[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Seite 5.

Zu dem Drama von Serajewo

liegen heute noch folgende Meldungen vor:
Die Ueberführung der Leichen.
* Serajewo, 30. Juni. Die Leichen des Thron=
folgers
und ſeiner Gemahlin wurden nach der Einbal=
ſamierung
geſtern vormittag von Erzbiſchof Stad=
ler
feierlich eingeſegnet, worauf der Akt der Iden=
titäts
=Feſtſtellung folgte. Dann wurden die Särge ge=
ſchloſſen
und verſiegelt und der Schlüſſel unter Siegel ge=
legt
. Die Särge waren im erſten Stockwerk des Konaks
aufgebahrt. Zu beiden Seiten des Katafalks, der von
Blattpflanzen und Kerzen umgeben war, hielten Offi=
ziere
, Burggendarmen und Hofbedienſtete die Ehrenwache.
Zahlreiche Kranzſpenden füllten den ſchwarzausgeſchlage=
nen
Salon. Im Laufe des Nachmittags kamen ununter=
brochen
Offiziere und Zivilperſonen, um Gebete zu ver=
richten
. Abends 6 Uhr wurden die Särge neuerlich ein=
geſegnet
, wobei das vor dem Konak aufgeſtellte Militär
zum Gebet kommandiert wurde, während die Militär=
kapelle
die Volkshymne ſpielte. Dann wurden die Särge
von Unteroffizieren und Soldaten des 84. Infanterie=
Regiments hinabgetragen und auf den Leichenwagen ge=
hoben
. Als ſich der Kondukt unter den Klängen eines
Trauermarſches in Bewegung ſetzte, wurden von der Gel=
ben
Baſtion 24 Kanonenſchüſſe gelöſt. An der Spitze des
Konduktes marſchierten mehrere Bataillone Infanterie und
ein Zug Kavallerie. Es folgten die Geiſtlichkeit, Kranz=
wagen
und der Wagen mit den Särgen, dahinter der Hof=
ſtaat
mit dem Oberſten Bardolff und der Gräfin Lanius,
Landeschef Potiorsk mit der Generalität und den Spitzen
der Zivilbehörden, ſowie die dienſtfreien Offiziere und
Beamte. Eine große Menſchenmenge hatte ſich angeſam=
melt
, welche den Zug entblößten Hauptes vorüberziehen
ließ. Um ½7 Uhr traf der Kondukt auf dem Bahnhof ein,
wo die beiden Särge zum Leichenwagen getragen wurden.
Hierbei gaben die außerhalb des Bahnhofes ſtehenden Ba=
taillone
die Ehrenſalve ab. Nochmals wurden die Särge
eingeſegnet. Darauf wurde der Leichenwagen plom=
biert
und an den Sonderzug gekuppelt, der
um 7 Uhr abends unter den Klängen der Volkshymne und
Kanonenſchüſſen nach Metkowitz abging, wo die Särge auf
ein Kriegsſchiff gebracht werden.
* Metkowitz, 30. Juni. Anläßlich der Ankunft
der Leichen des Erzherzogs Franz Ferdi=
nand
und der Herzogin von Hohenberg ſind
in der Stadt Metkowitz alle Häuſer ſchwarz beflaggt, die
Straßenlaternen umflort, die Fahrzeuge und Dampfer
führen die Flaggen auf Halbmaſt. Um 6 Uhr langten die
Leichen mitte’s Sonderzuges aus Serajewo an. In dem
gleichen Zug traf auch der ganze Hofſtaat der Verblichenen
ein. Am Bahnhof hatten ſich außer der Ehrenkompagnie
und einer Abteilung der Kriegsmarinemannſchaft einge=
funden
der Statthalter, ſämtliche Beamte der Stadtbehör=
den
, Offiziere, Geiſtliche beider Konfeſſionen, höhere
Staatsbeamte, die Vertreter der Gemeinden. Die Schul=
jugend
und die geſamte Bevölkerung von Metkowitz bil=
dete
Spalier. Die Särge wurden von Matroſen der
Kriegsmarine aufgehoben und von dem katholiſchen Geiſt=
lichen
von Metkowitz unter dem Geläute aller Kirchen=
glocken
eingeſegnet. Unter dem gedämpften Trommel=
wirbel
der Ehrenkompagnie wurden ſie ſodann auf die
Kriegsjacht Dalmat getragen. Der Sarg des
Erzherzogs war mit der Kriegsflagge und der erzherzog=
lichen
Standarte, der Sarg der Herzogin mit der Kriegs=
flagge
bedeckt. Statthalter Graf Attems legte an der
Bahre des Erzherzogs einen Lorbeerkranz nieder mit Pal=
men
, an der Bahre der Herzogin ein prachtvolles Blumen=
gewinde
. Desgleichen legten die Damen von Metkowitz
und die Offiziere des 16. Armeekorps, ſowie die Staats=
beamten
Kränze nieder. Zahlloſe Blumenſpenden wur=
den
aus dem Hofzuge herübergetragen und die Kriegs=
jacht
mit ihnen bedeckt. Unter der Abfeuerung der Gene=
ralſalve
der Ehrenkompagnie ſetzte ſich das Schiff lang=
ſam
in Bewegung. An Bord der Jacht begab ſich außer
dem Hofſtaat der Statthalter, der die Leichen während der
Fahrt auf dalmatiſchem Gebiet als Landeschef begleitet.
Dem Schiffe fuhr ein Torpedoboot voraus, dem die Statt=
halterjacht
folgte.
In allen Gemeinden und Ortſchaften längs des Ma=
rentaufers
, welche reichen Trauerſchmuck trugen, hatte ſich
die ganze Bevölkerung mit der Schuljugend und den Ge=
meindevertretungen
aufgeſtellt. Die Männern und Frauen
hielten brennende Kerzen; als das Schiff herannahte, knie=
ten
ſie nieder, während die Geiſtlichkeit unter dem Geläute
der Kirchenglocken den vorbeifahrenden Leichenzug ſegnete.
Als die Kriegsjacht vor der Marentamündung anlangte,
kleiſtete das dort verankerte Kriegsſchiff Viribus
Unitis den Geſchützſalut von 29 Schüſſen. Die
Dalmat legte an der Seite des Schlachtſchiffes an,
worauf die beiden Särge an deſſen Bord gebracht wur=
den
. Das Achterdeck des Kriegsſchiffes war in eine Ka=
pelle
umgewandelt und mit Kriegsflaggen und Fahnen
geſchmückt. Der Schiffsgeiſtliche nahm in Anweſenheit des
ganzen Hofſtaates, des Statthalters, der Offiziere und
Mannſchaften eine feierliche Einſegnung der
Leichen vor. Nach 9 Uhr lichtete Viribus Unitis die
Anker und ſteuerte mit der erzherzoglichen Standarte und
der Kriegsflagge auf Halbmaſt nach Norden.
* Wien, 29. Juni. Nach zuverläſſiger Mitteilung
treffen die Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand und
der Herzogin von Hohenberg am Donnerstag um
10 Uhr auf dem Südbahnhof hier ein. Von
dort werden ſie ſogleich in die Hofburg übergeführt und in
der Hofburg=Pfarrkirche aufgebahrt werden. In dieſer
Kirche wird am Freitag um 4 Uhr nachmittags die feier=
liche
Einſegnung ſtattfinden. Um 10 Uhr werden die Lei=
chen
vom Weſtbahnhof nach dem Schloß Artſtetten über=
geführt
, wo ſogleich nach dem Eintreffen die Aufbahrung
in der Gruft des Erzherzogs erfolgt. Am Samstag wird
in Wien das feierliche Seelenamt für die Toten abgehal=
ten
werden.
Schloß Artſtetten die letzte Ruheſtätte des Erzherzogs
Franz Ferdinand.
Erzherzog Franz Ferdinand hat ſchon bei Lebzeiten
alle Gerüchte, daß er trotz ſeines Gelübdes vom 28. Juni
1900 ſeine morganatiſche Gemahlin, die Herzogin Sophie
von Hohenberg, und deren Kinder als ebenbürtig anerken=
nen
wolle, durch eine Tat widerlegt, die damals in der
großen Oeffentlichkeit ziemlich unbemerkt vorüberging.
Dieſe Tat war ſeine Beſtimmung über ſeine und ſeiner
Familie letzte Ruheſtätte. Wie man weiß, ruhen alle Mit=
glieder
des Habsburgiſchen Herrſcherhauſes in der Kapu=
zinergruft
in Wien, wo auch der greiſe Kaiſer Franz Joſef
ſeinen letzten Schlaf ſchlafen wird, und wo auch Erzherzog
Franz Ferdinand jetzt beigeſetzt werden würde, wenn er
nicht hierüber eine andere Verfügung getroffen hätte. Vor
ſechs Jahren ließ er für ſich, die Herzogin von Hohenberg
und ſeine Kinder auf dem maleriſch an der Donau gegen=

über der alten Nibelungenſtadt Pöchlarn gelegenen Schloß
Artſtetten eine Gruft bauen. Dieſe Gruft, in der jetzt Erz=
herzog
Franz Ferdinand und ſeine Gemahlin beigeſetzt
werden, iſt in Form einer Krypta unterhalb der Kapelle
von Schloß Artſtetten in das hohe Felsufer der Donau
eingelaſſen. Der Bau dieſes Gewölbes war außerordent=
lich
ſchwierig und koſtſpielig, da die Gruſt langſam aus
dem Felſen herausgehauen werden mußte und mit Rück=
ſicht
auf die Sicherheit der darüber liegenden Kapelle nicht
herausgeſprengt werden durfte. Das Gewölbe iſt für die
Aufnahme von 12 Sarkophagen beſtimmt und ſeiner gan=
zen
Lage nach eine der romantiſchſten Fürſtengruften, die
wir kennen. In dem Felſengewölbe von Artſtetten ruht
bereits ein totgeborener Sohn des Erzherzogs, der vor
einigen Jahren zur Welt kam, als die Herzogin von Hohen=
berg
es war bald nach dem denkwürdigen Beſuch Kai=
ſer
Wilhelms beim Erzherzog in Eckartsau eine ſchwere
Influenza durchmachte. Wohl niemand hat damals und
auch in den letzten Tagen ahnen können, daß das Eltern=
paar
dieſem toten Kinde ſo raſch in die Felſengruft von
Artſtetten nachfolgen ſollte.
Die Urſachen und Folgen des Attentats.
* Serajewo, 29. Juni. Die Neue Freie Preſſe
meldet: Die tieferen Urſachen des Attentates
liegen zweifellos in der maßloſen ſozialiſtiſchen
Propaganda, die von Serbien aus geführt wird und
in einer ſtarken Gruppe der ſerbiſchen Bevölkerung Bos=
niens
Wurzel gefaßt hat.
* Paris, 30. Juni. Auf die Frage eines Mitarbei=
ters
des Figaro, ob die Beziehungen zwiſchen
Serbien und Oeſterreich=Ungarn durch das
Attentat von Serajewo irgendwie leiden könnten, ant=
wortete
der hieſige ſerbiſche Geſandte: Man kann, wenn
man gerecht ſein will, ein Land für die Tat eines über=
hitzten
Menſchen nicht verantwortlich machen. Falls ein
Teil der öffentlichen Meinung Oſterreich=Ungarns ver=
ſuchen
ſollte, ihre Regierung in dieſem Sinne mit ſich
fortzureißen, hegen wir die Hoffnung, daß dieſe der=
artigen
Bemühungen zu widerſtehen weiß. Die öſter=
reichiſch
=ſerbiſchen Beziehungen haben ſich in der letzten
Zeit merklich gebeſſert. Wir haben ſchwierige Verhand=
lungen
zu einem guten Ende führen können. Ich wünſche
aus ganzem Herzen, daß dieſe Beſſerung anhalten und
durch das Attentat von Serajewo in keiner Weiſe beein=
trächtigt
werden möge.
* Wien, 29. Juni. Die Neue Freie Preſſe meldet:
Das durch den Tod des Erzherzogs Franz Ferdinand
verwaiſte Generalinſpektorat über die ge=
ſamte
Wehrmacht wird vorläufig nicht wieder er=
richtet
. Wie es heißt, wird der Erzherzog Friedrich als
der rangälteſte Erzherzog mit der teilweiſen Vertretung
des Kaiſers betraut werden.
Um dem Erzherzog Karl Franz Joſef
Gelegenheit zu geben, den militäriſchen Dienſt auf höheren
Kommandopoſten kennen zu lernen, werden ihm ein mili=
täriſcher
Stab und militäriſche Berater zur Seite geſtellt
werden, die aus einigen Offizieren der bisherigen Kanzlei
des Erzherzogs Franz Ferdinand ausgewählt werden.
Die Militärkanzlei des Generalinſpektorates als ſolche
wird aufgelöſt werden.
* Serajewo, 29. Juni. Das Präſidium des Land=
tags
hat an die Bevölkerung Bosniens und der Herzego=
wina
einen Aufruf gerichtet, der überall angeſchlagen
iſt. Der Aufruf macht zunächſt von der unmenſchlichen
ruchloſen und niederträchtigſten Verbrechertat Mitteilung
und drückt dann die feſte Ueberzeugung aus, daß die Be=
völkerung
der Herzegowina und Bosniens unwandelbar
neben dem Throne Sr. Majeſtät ſtehe und bereit ſei, be=
dingungslos
alles für das Wohlergehen und das Glück
des habsburgiſchen Hauſes zu opfern, ſowie dieſes über=
aus
ſcheußliche Verbrechen einmütig zu verurteilen, die
gewiſſenloſen Agitatoren und niederträchtigen Verführer
der unreifen Jugend zu brandmarken und aus der Mitte
der Bevölkerung auszumerzen. Der Aufruf teilt mit, daß
das Landtagspräſidium zum Zeichen des Schmer=
zes
eine außerordentliche Sitzung abgehalten und namens
der Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina der tief=
ſten
Entrüſtung Ausdruck gegeben habe. Der Aufruf
wendet ſich ſchließlich an die Bevölkerung mit der Auffor=
derung
, zum Zeichen der unerſchütterlichen
Anhänglichkeit und Treue gegenüber dem Monarchen
und dem Erzhauſe dahin zu wirken, daß künftig
jeder Gedanke und jede Erſcheinung, ſowie
edes Unterfangen, das zu ähnlichen Ver=
brechen
führen könnte, im Keime erſtickt
würde. Die Bevölkerung habe die Pflicht. Sorge zu
tragen, daß die Jugend vor gefährlichen Ein=
flüſſen
gewiſſenloſer Verführer bewahrt
bleibe. Der Aufruf fordert alle Eltern auf, ihre Kinder
vor gewiſſenloſen Agitatoren zu ſchützen, welche ihre
Söhne mit zerſetzenden anarchiſtiſchen Ideen vergifteten.
Der Aufruf ſchließt mit der Mahnung, das Volk ſolle ſeine
Pflicht erfüllen, ſonſt werde es die Heimat in ein unab=
wendbares
Verderbnis ſtürzen und alle Hoffnungen auf
eine ſchöne Zukunft zerſtören, die ihm durch den augen=
ſcheinlichen
Fortſchritt auf allen Gebieten des öffentlichen
Lebens unter dem mächtigen Szepter des habsburgiſchen
Hauſes bereitet werden.
Antiſerbiſche Kundgebungen. Das Standrecht.
Weitere Verhaftungen.
* Serajewo, 30. Juni. Wie aus Moſtar gemeldet
wird, veranſtalteten dort Kroaten und Muſel=
manen
eine Kundgebung, wobei ſie Hochrufe auf
den Kaiſer ausbrachten und Rufe gegen Serbien
ausſtießen. Schwere Ausſchreitungen ereigneten ſich nicht;
nur einige Fenſterſcheiben wurden zertrümmert. Militär
ſtellte die Ordnung wieder her. In einigen anderen Or=
ten
fanden antiſerbiſche Kundgebungen ſtatt, doch kam es
nirgends zu ernſteren Ausſchreitungen.
Bei der Kundgebung gegen die ſerbiſchen
Geſchäftsläden ſtanden die Eigentümer eines ſer=
biſchen
Geſchäftes, drei Brüder namens Jovicic, in der
Nähe ihres Ladens. Einer von ihnen ſeuerte mehrere
Schüſſe gegen die Demonſtranten, von denen einer, im
Rücken getroffen, zuſammenbrach. Die Menge ſtürzte auf
die Brüder, welche flüchteten. Einer von ihnen wurde
jedoch eingeholt, ſchwer verwundet und feſtgenommen.
Man fand bei ihm mehrere Browningpatronen.
* Serajewo, 29. Juni. Heute mittag hat der
Oberſt=Brigadier v. Schmarda im Einverneh=
men
mit dem Regierungskommiſſar das Kommando
über die Stadt übernommen. Die Militärbe=
hörde
wird Hand in Hand mit dem Regierungskommiſſa=
riat
den Sicherheitsdienſt in der Stadt verſehen.

Im Zuſammenhang mit der Verhängung des Stand=
rechtes
hat der Regierungskommiſſar eine Kundmachung
erlaſſen, in der u. a. die Schließung der Gaſthäuſer und
der Kaffeehäuſer um acht bezw. zehn Uhr abends und der
Haustore um acht Uhr abends angeordnet, ſowie das
Stehenbleiben auf der Straße verboten wird.
* Serajewo, 29. Juni. Bei der von der kroati=
ſchen
und moslemitiſchen Jugend veranſtalteten Kund=
gebung
für das Herrſcherhaus ſpielten ſich herzbewegende
Szenen ab. In einer langen großen Prozeſſion unter
Vorantragung ſchwarzer Fahnen und Bilder des Kai=
ſers
, des Erzherzogs und ſeiner Gemahlin zogen die
Manifeſtanten, denen ſich immer größere Maſſen des Vol=
kes
anſchloſſen, durch die Stadt, wobei ſie abwechſelnd
die Volkshymne ſangen, Ziviorufe auf den Kaiſer und
Slavarufe auf den Erzherzog und ſeine Gemahlin aus=
brachten
; ferner wurden begeiſterte patriotiſche Reden ge=
halten
. An den Stellen, wo das Attentat verübt wurde,
am Kirchenplatze, kniete die Menge nieder. Heiße Gebete
für den Kaiſer und das Seelenheil des Erzherzogs und
ſeiner Gemahlin erſchollen, in die ſich ein lautes Weinen
und Schluchzen miſchte. Die fürchterliche Erregung,
welche alle Gemüter ob der ruchloſen Tat durchzittert,
veranlaßte ſpäter leider die gemeldeten neuerlichen Aus=
ſchreitungen
gegen das ſerbiſche Element. Den Einzug
der Truppen und die Proklamierung des Standrechts
nahm die Menge mit begeiſterten Hochrufen auf den Kaiſer
auf. Beim Heranrücken der Truppen ſpielte ſich folgende
Szene ab: Als eine Abteilung heranmarſchierte, welche
ſtürmiſch akklamiert wurde, rief der Oberſt den Mani=
feſtanten
zu: Wenn Ihr den Kaiſer liebt, ſeit jetzt ruhig.
Die Menge leiſtete der Aufforderung ſofort Folge.
* Serajewo, 30. Juni. Einer Blättermeldung aus
Noveſinje zufolge iſt der Präſident der ſerbiſch=radikalen
Oppoſitionellen der Narodgruppe Athanaſic Sola verhaf=
tet
worden, als er aufreizende Reden an die Bevölkerung
hielt.
Außer den beiden Attentätern wurden zugleich noch
einige der Mitſchuld verdächtige Perſonen
verhaftet.
Die Mörder.
* Belgrad 29. Juni. Das Blatt Balcane macht
über die beiden Urheber des in Serajewo verübten
Attentats folgende Angaben: Nedjelko Cabrino=
vic
, von Beruf Typograph, war von anarchiſtiſchen Ideen
erfüllt und als unruhiger Geiſt bekannt. Er weilte bis
vor zwanzig Tagen in Belgrad, wohin er nach dem Kriege
kam und wo er in der Staatsdruckerei beſchäftigt war. Vor
ſeiner Abreiſe erklärte er, daß er ſich nach Trieſt begebe,
wo er in einer neuen Druckerei Stellung bekommen werde.
Gavrilo Princip weilte gleichfalls bis vor kurzem
in Belgrad. Während des Krieges hatte er ſich als Frei=
williger
gemeldet, wurde jedoch nicht angenommen, wes=
halb
er Belgrad verließ. Er kehrte aber zu Weihnachten
vorigen Jahres nach Belgrad zurück, wo er eine Zeit lang
das Gymnaſium beſuchte, und verließ dann Belgrad faſt
zu gleicher Zeit wie Cabrinovic, doch auf einem anderen
Weg als dieſer. Princip war ſchweigſam, nervös, lernte
gut, verkehrte mit einigen gleichfalls aus Bosnien und
der Herzegowina ſtammenden Mitſchülern und in der letz=
ten
Zeit auch mit Cabrinovie. Er neigte ſozialiſtiſchen
Ideen zu, obwohl er urſprünglich der fortſchrittlichen Ju=
gend
angehörte, Cabrinovie und Princip verband ſeir
ihrer Kindheit eine unzertrennliche Freundſchaft. Sie
hatten Serbien verlaſſen wollen, weil ſie dortſelbſt, trotz=
dem
ſie ſich für begeiſterte Serben ausgaben, nicht die
erhoffte Aufnahme gefunden haben.
* Serajewo 30. Juni. Princip und Cabri=
novie
verhalten ſich andauernd außerordentlich zyniſch
und zeigen nicht die geringſte Reue. Sie ſcheinen ſich
vielmehr darüber zu freuen, daß die ruchloſe Tat gelungen
iſt. Auf die meiſten Fragen verweigern ſie die Antwort,
leugnen aber nicht, die Bomben aus Belgrad bekommen
zu haben, wie ſie ſagen, von zwei Komitatſchies. Ebenſo
geſtehen ſie nunmehr ein, in Verbindung mit ein=
ander
gehandelt zu haben. Die Verabredung ſei
dahin gegangen, daß, falls dem einen der An=
ſchlag
mißlänge, der andere das Werk
fortzuſetzen hätte.
Die bisherigen Erhebungen haben ergeben, daß die
beiden Attentäter Landesangehörige und ſerbiſch= ortho=
doxen
Glaubens ſind. Cabrinovie geſtand. vor kur=
zer
Zeit in Belgrad geweſen zu ſein, wo er Bomben
zu dem ausdrücklichen Zweck eines Atten=
tats
auf den Erzherzog erhalten habe.
Der zweite Attentäter geſtand, er habe ſeit ſeiner Rückkehr
aus Belgrad den Vorſatz gehabt, eine hochſtehende Per=
ſönlichkeit
zu erſchießen, um dadurch die ſerbiſche Nation
für die angebliche Unterdrückung zu rächen. Bei der Aus=
führung
des Attentats habe er ſich abſichtlich zwiſchen
zwei bekannte Studenten geſtellt, von welchen er gewußt
habe, daß ſie noch nicht verdächtig waren. Von dem Bom=
benattentat
Cabrinovies habe er nichts gewußt. Wegen
der Ueberraſchung über das Bombenattentat ſei er nicht
ſchußfertig geweſen, als der Erzherzog das erſte Mal vor=
beigefahren
ſei. Maßgebende Kreiſe ſind überzeugt, daß
die Ausübung derartiger Attentate durch bosniſche Lan=
desangehörige
ausgeſchloſſen geweſen wäre, wenn nicht
geraume Zeit hindurch, wie ſchon ſeit langem bekannt ge=
weſen
ſei, in der loyalen ſerbiſch=orthodoxen Bevölkerung
vom Ausland aus in maßloſer Weiſe agitiert und ge=
ſchürt
worden wäre, was beſonders bei der Jugend der
Mittelſchulen und der Sozialiſten ſerbiſch=orthodoxen
Glaubens verführend wirkte.
Beileidskundgebungen.
* Berlin, 30. Juni. Der Präſident des
Herrenhauſes hat telegraphiſch dem öſterreichiſch= un=
gariſchen
Botſchafter in Berlin das Beileid des Herren=
hauſes
anläßlich der Freveltat von Serajewo ausgedrückt.
* Berlin, 30. Juni. Der Präſident des
Reichstages hat unter dem 29. Juni folgendes
Beileidstelegramm an den Botſchafter Szögyeny
gerichtet: Tief erſchüttert über das fluchwürdige verbre=
cheriſche
Attentat, welchem der Erzherzog Franz Ferdinand
und ſeine Gemahlin zum Opfer gefallen ſind, ſpreche ich
Ew. Exzellenz im Namen des zurzeit nicht verſammelten
deutſchen Reichstages die Gefühle tiefſten Schmerzes und
wärmſter Anteilnahme aus, indem ich Ew. Exzellenz an=
heimſtelle
, dieſe Kundgebung zur Kenntnis des Kaiſers
Franz Joſef bringen zu wollen.
* München, 30. Juni. Der König hat ſein per=
ſönliche
Erſcheinen zu den Beiſetzungsfeierlichkeiten für
Erzherzog Franz Ferdinand in Wien anmelden laſſen.
* Rom, 29. Juni. In der heutigen Sitzung der
Deputiertenkammer teilte der Miniſter des Aeu=
ßern
di San Giuliano den Tod des Erzherzogs=Thron=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

folgers und ſeiner Gemahlin mit, die einem ſcheußlichen
Verbrechen zum Opfer gefallen ſeien, und gab den Ge=
fühlen
der Entrüſtung der ganzen ziviliſierten Welt unter
dem allgemeinen Beifall des Hauſes Ausdruck. Er fuhr
alsdann fort: Wir alle umgeben mit ehrfurchtsvoller
Trauer den erhabenen Fürſten, der in Erfüllung ſeiner
hohen Pflichten gefallen iſt und ſeine edle Frau. Weiter
gab er dem ehrfurchtsvollen Mitgefühl für den greiſen
Kaiſer Ausdruck und ſprach die Hoffnung aus, daß ein
durch ſo viel Unglück geſtähltes Herz auch dieſe Prüfung
ohne Schaden für ſeine Geſundheit, die ganz Europa koſt=
bar
ſei, überwinden werde; denn in ſeiner hohen Weis=
heit
ſehe alle Welt eine der feſteſten Friedensbürgſchaften.
Darauf gab der Präſident der Kammer der Zuſtimmung
zu den Worten des Miniſters Ausdruck und erklärte, die
Kammer ſende den Schweſter=Parlamenten in Wien und
Budapeſt den lebhafteſten Ausdruck herzlicher Ueberein=
ſtimmung
in der Trauer. Auf gleichartige Mitteilungen
des Miniſters im Senat erhoben ſich der Präſident mit
allen Mitgliedern und bot den Miniſter der öſterreichiſch=
ungariſchen
Regierung die Teilnahme des Senats an der
Trauer des Kaiſerhauſes und der Regierung zu über=
mitteln
.
** Brüſſel, 30. Juni. Das Journal meldet, daß
der König von Belgien ſich zum Leichenbegäng=
nis
des Erzherzog=Thronfolgers Franz Ferdinand nach
Wien begeben wird.
* Petersburg, 30. Juni. Aus Anlaß der Er=
mordung
des Erzherzogs Franz Ferdinand und der Her=
zogin
von Hohenberg hat Kaiſer Nikolaus an Kai=
ſer
Franz Joſef ein Beileidstelegramm geſandt.
* Petersburg, 30. Juni. Der Kaiſer hat anläß=
lich
des Ablebens des Erzherzogs Franz Ferdinand eine
12tägige Hoftrauer angeordnet.

Kundgebungen der Parlamente.
* Peſt, 30. Juni. Die heutige Sitzung des Ab=
geordnetenhauſes
geſtaltete ſich zu einer ernſten,
eindrucksvollen Trauerkundgebung für
Erzherzog Franz Ferdinayd. Der Präſident
gab dem Beileid des Abgeordnetenhauſes Ausdruck. Red=
ner
der einzelnen Parteien ergriffen ſodann das Wort,
um auch ihrerſeits die Gefühle der Trauer auszuſprechen.
Baron Rajacſitſch erklärte im Namen der ſerbiſch= kroati=
ſchen
Koalition, er fühle ſich verpflichtet, weil zwei verirrte
Angehörige des ſerbiſchen Volkes die Täter ſeien, das ver=
ruchte
Attentat mit der größten Energie zu verurteilen.
Doch hoffe er, daß dieſes auf die Geſinnung der ſerbiſch=
kroatiſchen
Koalition keinen Schatten werfen werde, weil
dieſe ihre politiſchen Beſtrebungen ſtets auf die treue An=
hänglichkeit
an die Dynaſtie gründete.
* Agram, 30. Juni. Die Trauerkundgebung
des kroatiſchen Landtags wurde durch heftige
Lärmſzenen unterbrochen. Während der Rede des
Präſidenten brachen Mitglieder der Rechtspartei, gegen
die Koalition gewendet, in die Rufe aus: Habt Ihr Bom=
ben
mitgebracht? Nieder mit den Mördern! Das iſt ein
Werk von Belgrader Hand. Die Rechtspartei iſt die
nationaliſtiſch=kroatiſche Partei, die ein Zuſammengehen
von katholiſchen Kroaten mit den orthodoxen Serben miß=
billigt
. Der Präſident ſah ſich genötigt, die Sitzung zu
unterbrechen.
* Agram, 30. Juni. Erſt nach mehrſtündiger, ſtür=
miſcher
und von der Rechtspartei unabläſſig geſtörter
Sitzung gelang es dem Präſidenten, den Beſchluß der
Trauerkundgebung des Landtages zu ver=
leſen
, worauf dieſer von der ſerbiſch=kroatiſchen Koali=
tionsmehrheit
angenommen wurde, während die kroatiſche
Rechtspartei unabläſſig ſchrie, daß die ſerbiſchen Abgeord=
neten
, da ihre Landsleute das Attentat angeſtiftet hätten,
an der Trauerfeier für die Opfer nicht teilnehmen dürften.
Am Schluß der Sitzung ſetzte die Menge die ſerben=
feindlichen
Kundgebungen fort.
Ein Marinebefehl des Kaiſers.
* Kiel, 30. Juni. Der Kaiſer hat folgenden
Marinebefehl erlaſſen: Um das Andenken des zu
meinem tiefen Schmerze ſo jäh aus dem Leben geſchie=
denen
Erzherzog=Thronfolgers Franz Ferdinand von
Oeſterreich=Ungarn, Kaiſerl. Königl. Hoheit, zu ehren, be=
ſtimme
ich: 1. Die Offiziere meiner Marine legen auf
fünf Tage Trauer an. 2. Das Halbſtocksflaggen
und der Trauerſalut finden gemäß meiner bereits tele=
graphiſch
getroffenen Beſtimmung ſtatt. 3. Die in öſter=
reichiſch
=ungariſchen Häfen oder die mit öſterreichiſch= un=
gariſchen
Kriegsſchiffen zuſammenliegenden Schiffe ſchlie=
ßen
ſich dem öſterreichiſchen Zeremoniell an. 4. Am Bei=
ſetzungstage
haben alle Schiffe in der Heimat unter dem
Setzen der Toppflaggen wiederum halbſtocks zu flaggen,
die öſterreichiſch=ungariſche Flagge im Großtopp. Zu der
noch mitzuteilenden Beiſetzungsſtunde iſt mit dem Trauer=
ſalut
von 21 Schuß zu beginnen. Mit dem Abſchluß des
Trauerſaluts iſt die Flaggentrauer beendet. Die Flagge
iſt wieder vorzuhiſſen. 5. Wegen der Entfendung einer
Abordnung zu den Beiſetzungsfeierlichkeiten behalte ich
mir weitere Beſtimmungen vor.
Die Teilnahme des deutſchen Kaiſers an der Trauerfeier=
lichkeit
.
* Neues Palais (bei Potsdam), 30. Juni. Der
Kaiſer gedenkt am 2. Juli, abends, ſich von Wildpark
nach Wien zu begeben, wo er am 3. Juli, vormittags,
eintrifft und nachmittags an der Trauerfeierlich=
keit
für den verſtorbenen Erzherzog Franz Ferdinand
teilnimmt. Die Rückkehr nach Wildpark erfolgt am 4. Juli.

* Wien, 30. Juni. Der Kaiſer empfing um
8 Uhr morgens den Thronfolger Erzherzog Karl Franz
Joſef in beſonderer Audienz, ſpäter die Miniſterpräſiden=
ten
Tisza und Grafen Stürgkh und um 1 Uhr den
Graſen Berchtold.
* Wien, 30. Juni. Nach einer Privatmeldung aus
Serajewo wurde der Chefredakteur Radulovie
des ſerbiſch=radikalen Blattes Naroda wegen
Verbrechens der Aufreizung der Bevölkerung verhaf=
tet
, ebenſo der Führer des geſamten politiſchen Lebens
in Bosnien, Landtagsmitglied Jefanovie=Serajewo, an
der ſerbiſchen Grenze bei Viſegrad. Das Beſtehen
einer Verſchwörung zur Ermordung des
Thronfolgers ſei durch das zyniſche Geſtändnis der
beiden Verbrecher vollkommen erwieſen. Es ſtehe feſt,
daß ſich unter der Menge noch Genoſſen der Verbrecher
befunden haben, die ebenfalls mit Bomben und Revol=
vern
ausgerüſtet waren. Die von den Tätern verwen=
deten
Bomben waren ſogenannte ſerbiſche Militär=
bomben
.
* Prag, 30. Juni. Hlas Naroda meldet aus Chlu=
metz
: Die Schreckenbotſchaft aus Serajewo traf am
Sonntag mittag hier ein. Sie wurde zunächſt den Kin=
dern
des Erzherzogs Franz Fedinand bis
zum Abend verheimlicht. Nachdem die Kinder von der

Gräfin Henriette Chotek ſchonend vorbereitet waren,
übernahm der Erzieher Stanowski das ſchwere Amt, ihnen
den Tod der Eltern mitzuteilen. Als die Kinder die
Nachricht erfuhren, brachen ſie in einen Weinkrampf aus.
Die Gräfin Chotek fiel bei dem herzzerreißenden Anblick
der verzweifelten Kinder in Ohnmacht. Die erſchütternde
Szene ergriff alle Umſtehenden auf das tiefſte. Graf
Wuthenau und Gemahlin, Fürſt zu Schönburg und Graf
Noſtiz bemühten ſich, den verwaiſten Kindern Troſt zuzu=
ſprechen
.
* Serajewo, 30. Juni. In Travnik fanden
geſtern patriotiſche Kundgebungen der katholi=
ſchen
und der moslemitiſchen Bevölkerung ſtatt, an die ſich
eine ſerbenfeindliche Demonſtration ſchloß. Als die
Demonſtranten in der ſerbiſchen Schule die Fenſter ein=
warfen
, feuerte der Pope aus der Schule und
verwundete eine auf der Straße ſtehende Perſon.
* Serajewo, 30. Juni. Der Präſident der ſer=
biſch
=radikalen Nared=Gruppe, Landtagsabgeordneter
Sola, iſt in Neweſinje verhaftet worden.

Gerichtszeitung.

* Straßburg, 30. Juni. Die Klage der Straß=
burger
Neuen Zeitung gegen die Deutſche Tageszeitung
in Berlin wegen Kreditgefährdung (Vorwurf der
Deutſchfeindlichkeit) wurde vom Landgericht heute koſten=
fällig
abgewieſen.
* Mülhauſen i. Elſ, 30. Juni. Die hieſige Straf=
kammer
verhandelte heute gegen den Redakteur Gei=
ler
von der Mülhauſener Volkszeitung wegen Belei=
digung
der Offiziere und Unteroffiziere durch Artikel
über die Zaberner Affäre. Der Staatsanwalt beantragte
300 Mark Geldſtrafe, der Verteidiger Freiſprechung. Dag
Gericht faßte den Beſchluß, daß zunächſt der Kriegs=
miniſter
zwecks Klärung der formellen Frage zu ver=
nehmen
ſei, ob die Friſt zur Stellung des Strafantra=
ges
bezüglich des erſten Artikels eingehalten worden ſei.
* Leipzig, 30. Juni. Das Reichsgericht hat die
Reviſion des Redakteurs des Vorwärts, Ernſt
Meyer, der vom Landgericht Berlin I wegen Beleidi=
gung
des deutſchen Kronprinzen zu drei Mo=
naten
Gefängnis verurteilt worden war, verworfen.
* Petersburg, 30. Juni. Das Bezirksgericht ver=
urteilte
den Redakteur des Petersburger Herald Pi=
piers
, wegen Verleumdung zu 6 Monaten Ge=
fängnis
, da er von einer hochſtehenden Perſönlichkeit
erfahren haben wollte, daß Kokowtzow von der Dis=
konto
=Bank Schmiergelder erhalten habe. Dieſe Behaup=
tung
wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt.

Luftfahrt.

Glücklich verlaufener Unfall eines Zeppelinluftſchiffes.
* Dresden, 30. Juni. Als das Militärluftſchiff
Z. 6 heute vormittag 11 Uhr auf der Rückfahrt von der
ſächſiſchen Schweiz Strehlen in großer Höhe überflog,
löſte ſich der hintere Propeller und fiel mit
großer Wucht in den Hof der Strehlener Bezirksſchule, wo
er ſich tief in die Erde einbohrte. Z. 6 wurde vom Winde
abgetrieben, es gelang ihm jedoch, mit den beiden vor=
deren
Propellern arbeitend, den Flugplatz zu erreichen.

Ein Flug Bremen-Malmö.
* Malmö, 30. Juni. Kapitän Sundſtedt mit
Paſſagier, Leutnant Windbladh, landete im Flugzeug
heute vormittag 10.55 Uhr. Er war um 6,25 Uhr in
Bremen aufgeſtiegen und führte den Flug hierher
ohne Zwiſchenlandung aus. Die Strecke Mön=Malmö
durchflog er dank des ſtarken Windes in zirka 20 Minu=
ten
. Sundſtedt beabſichtigt, heute den Flug nach Stock=
holm
fortzuſetzen.
* Malmö, 30. Juni. Als der ſchwediſche Flieger
Sundſtedt heute nachmittag mit ſeiner Frau von dem
Flugplatz bei Limhamn nach Jägersro fliegen wollte,
ſtürzte der Apparat aus einer Höhe von 50
Meter ab. Der Flieger erlitt eine Gehirnerſchüt=
terung
, ſeine Frau eine Verletzung am Arm.

* Peſt 30. Juni. Heute vormittag iſt der Flieger
Schüler mit ſeinem Fluggaſt Seekatz auf einem
Lloyddoppeldecker aus Berlin hier eingetroffen; er
machte nur eine Zwiſchenlandung und flog heute mittag
nach Sofia weiter.
* Toul, 29. Inni. Das lenkbare Luftſchiff Ad=
jutant
Vincenot hat mit einer ununterbrochenen
Fahrt von 35 Stunden 20 Minuten den Dauerwelt=
rekord
gebrochen.
* Orſcha, 29. Juli. Der Flieger Sikorsky machte
auf dem Fluge Petersburg-Kiew mit ſeinem Aeroplan
heute morgen die erſte Zwiſchenlandung in Orſcha. Er
iſt nachmittags nach Kiew weitergeflogen.
* Petersburg, 30. Juni. Der Flieger Sikorsky,
der nach ſeinem Wiederaufſtieg bei Orſcha wegen Motor=
defekts
gleich wieder niedergehen mußte, legte geſtern die
611 Werſt lange Strecke Petersburg-Orſcha in 8 Stun=
den
zurück und ſtellte damit einen neuen Weltrekord auf
* Kiew, 30. Juni. Der Flieger Sikorsky, der
geſtern die 611 Werſt lange Strecke Petersburg=Orſcha in
8 Stunden zurücklegte und damit einen neuen Welt=
rekord
aufſtellte, landete heute morgen hier mit ſeinen
vier Paſſagieren. Er legte die 450 Werſt lange Strecke
Orſcha=Kiew trotz ſtrömenden Regens in einer Höhe von
über 1200 Metern in 6½ Stunden zurück.

Turnen, Spiele und Sport.

* Eckernförde, 30. Juni. Bei der heutigen See=
wettfahrt
des Kaiſerlichen Jachtklubs von
Kiel nach Eckernförde erhielt die Kaiſerliche Jacht Me=
teor
die als abſolut ſchnellſte über die Ziellinie ging,
den erſten und die Kruppſche Germania den zweiten
Preis; Hamburg lag an dritter Stelle. In der 19
Meter=Klaſſe erhielt Wendalar den erſten und Cecilie‟
den zweiten Preis; in der 15 Meter=Klaſſe Paula 3"
(Hamburg) den erſten und Beduin (Chriſtiania) den
zweiten Preis; in der 12 Meter=Klaſſe Sibyllan ( Stock=
holm
) den erſten und Skeaf (Schleswig) den zweiten
Preis; in der 10 Meter=Klaſſe Peſa den erſten, in der
8 Meter=Klaſſe die däniſche Unda den erſten und die
Berliner Toni 11 den zweiten Preis. Beim Handikap
der alten Jachten erhielt Aar den erſten und Nord=
ſtern
den zweiten Preis.
* Pferdeſport. Maiſons Laffitte, 30. Juni.
Prix des Eſſarts. 3000 Francs. 1. A. Henriquets Chaſſi=
ron
(Marſh), 2. Buzenval, 3. Cachnez. 107:10; 27, 13,
24:10. Prix de Huez. 5000 Francs. 1. A. Pellerins
Norba (J. Reiff), 2. Maſtuvu, 3. Arnedo. 109110; 42,

43, 41.10. Prix d’Aigremont. 4000 Francs. 1. H. Bal=
ſans
Salorge (Mac Gee), 2. Faux Pas, 3. Madelon.
47:10; 17, 15.10. Prix d’Eſſai des Pouliches. 5000
Francs. 1. Duryeas Fanthene (Mac Gee), 2. Everglades,
3. Dolce Mia. 46:10; 16, 15, 13:10. Prix Fille de
L’Air. 20000 Francs. 1. J. Lieur' Riviſta (Garner), 2.
Prude, 3. Ardeche. 57110; 23, 56, 18:10. Prix de Pepin=
vaſt
. 10000 Francs. 1. M. Labrouches Syracuſe (L.
Bara), 2. Oreſte II., 3. Lathyrus. 70.10; 17, 19, 15.10.

Engliſches Unterhaus.

* London, 30. Juni. Im Unterhaus fragte
King, ob der Vertrag von Paris und das Dardanel=
lenabkommen
vom 30. März 1858, welches die ruſſi=
ſchen
Kriegsſchiffe daran hindern ſollte, durch die Dar=
danellen
zu fahren, noch in Kraft wäre und ob letzthin
noch Verhandlungen ſtattgefunden hätten, die Rußland
zu dem Recht verhelfen ſollten, ihre Kriegsſchifſe zwiſchen
dem Schwarzen Meer und dem Mittelländiſchen Meer
kreuzen zu laſſen. Sir Edward Grey antwortete, der
Vertrag von Paris ſei mit den durch den Londoner Ver=
trag
von 1871 bewirkten Abänderungen noch in Kraft,
ebenſo der Berliner Vertrag von 1878 und das Dardanel=
lenabkommen
vom 30. März 1856, welches ſich auf die
Kriegsſchiffe aller Nationen erſtrecke. Die Frage der Be=
dingungen
, unter denen die Dardanellenſtraße für die
Kriegsſchiffe geöffnet werden könnte, ſei mehrfach mit der
britiſchen Regierung erörtert worden, doch ſei ſie mit der
ruſſiſchen Regierung während der letzten fünf Jahre nicht
erörtert oder zum Gegenſtande von Verhandlungen ge=
macht
worden. Es handle ſich dabei ſelbſtverſtändlich um
eine Angelegenheit, bei welcher die Türkei und alle an=
deren
Mächte, die bei den die Dardanellenſtraße betreffen=
den
Verträgen beteiligt wären, befragt werden würden,
ehe ein neues Abkommen getroffen werden könne.

Die Lage in Albanien.

Durazzo gefallen?
* Paris, 30. Juni. Nach einer Depeſche des Excel=
ſior
aus Athen iſt daſelbſt aus Durazzo die Nachricht
eingetroffen, daß die Alufſtändiſchen die Stadt
genommen hätten.
Ein weiterer Erfolg der Aufſtändiſchen.
* Athen, 30. Juni. Den letzten Meldungen aus Du=
razzo
zufolge haben die Aufſtändiſchen die Stadt Kroja
eingenommen.

* Wien, 30. Juni. Wie die Wiener Allgemeine Zei=
tung
meldet, werden die Nachrichten, nach denen eine
öſterreichiſch=ungariſche und italieniſche
Truppenmacht von 20000 Mann für Alba=
nien
beſtimmt ſei, in unterrichteten Kreiſen als gänzlich
aus der Luft gegriffen bezeichnet.
* Rom, 30. Juni. Turkhan Paſcha ließ dem
Korreſpondenten der Tribuna durch ſeinen Sekretär er=
klären
, ſeine Reiſe bewirke, Italien und Oeſtereich=Ungarn
zur Beſetzung von Albanien zu veranlaſſen, da
die Lage ſehr ernſt ſei. Er halte die gegenwärtigen Er=
eigniſſe
für ein Werk Eſſad Paſchas, aber die Beteiligung
der Türkei ſei ausgeſchloſſen.
* Rom, 30. Juni. Die Agenzia Stefani meldet:
Turkhan Paſcha hatte heute morgen eine Unter=
redung
mit dem Miniſter des Aeußern di San Giu=
liano
und dem Generalſekretär de Martino.
* Köln, 30. Juni. Gegenüber einer römiſchen Mel=
dung
des Berliner Lokalanzeigers, laut welcher die Mächte
dem Fürſten von Albanien raten wollten, ſeine
Reſidenz nach Skutari zu verlegen, erfährt die
Berliner Korreſpondenz der Kölniſchen Zeitung, daß bis=
her
eine derartige Anregungvon keiner Macht
ausging. Der Fürſt ſcheine auch nicht gewillt, Durazzo
zu verlaſſen, bis die militäriſche Lage zwiſchen den Trup=
pen
und den Aufſtändiſchen geklärt ſei. Der Beſuch Turkhan
Paſchas in Berlin ſei nicht angemeldet.

Literariſches.

Handbuch der Kunſtwiſſenſchaft. Heraus=
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chriſtliche
und byzantiniſche Kunſt, Heft 6. In dem Hand=
buch
der Kunſtwiſſenſchaft liegt eine wirklich moderne
Kunſtgeſchichte vor, die in dieſer großzügigen Anlage nicht
ihresgleichen hat. Es iſt nicht nur eine bedeutende Ge=
lehrtenarbeit
, die man hier in der Hand bekommt, ſondern
auch im literariſchen Sinne eine wahrhaft künſtleriſche Ar=
beit
hinſichtlich der Dispoſition des gewaltigen Materials,
der Anlage und Verteilung des reichen und muſtergültig
reproduzierten Bildermaterial, das, zum überwiegenden
Teil erſt durch die neue Forſchung ans Licht gezogen, auch
dem altbekannten Stoffe ein ganz neues Geſicht gibt. Man
muß dieſer Kunſtgeſchichte daher wirklich eine weite Ver=
breitung
aufrichtia wünſchen, ſchon um gegenüber dem
immer mehr überhandnehmenden Dilettantentum auf die=
ſem
Cebiete ernſtlich zu begegnen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 30. Juni. Der Reichskanzler hat heute
den deutſchen Botſchafter in London, Fürſten Lich=
nowsky
, empfangen.
* Berlin, 30. Juni. Dem bisherigen Oberhofmeiſter
der Kaiſerin Freiherrn v. Mirbach, wurde in Geneh=
migung
ſeines Rücktrittes die Würde eines Obertruch=
ſeſſes
verliehen. Zu ſeinem Nachfolger wurde der Ge=
neral
der Kavallerie z. D. v Falkenhayn ernannt.
* Berlin, 30. Juni. Graf Schmettow, General=
leutnant
von der Armee, iſt zum Inſpekteur der vierten
Kavallerieinſpektion ernannt worden an Stelle des von
dieſer Stellung enthobenen Generalleutnants v. Knörzer.
* Köln, 30. Juni. Geſtern nachmittag erwürgte
ein Kutſcher in Klettenberg eine alleinſtehende
Witwe, als ſie ihrer Tochter, ſeiner Braut, kein Geld
geben wollte, raubte dann das Sparkaſſenbuch und flüch=
tete
. Die Tochter wurde heute morgen verhaftet, als ſie
das Geld von der Sparkaſſe abheben wollte.
* Flensburg, 30. Juni. Heute mittag iſt der für
Rechnung des Norddeutſchen Lloyds auf der Werft der
Flensburger Schiffsbaugeſellſchaft erbaute 11250 Tonnen

[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Seite 7.

große Fracht= und Paſſagierdampfer Deſſau glücklich
vom Stapel gelaufen.
* Bern, 30. Juni. Eiſenbahnminiſter v. Breiten=
bach
hat heute die ſchweizeriſche Landesausſtellung in Be=
gleitung
des Unterſtaatsſekretärs Stieger eingehend
beſichtigt und ſich in Ausdrücken der Bewunderung und
des höchſten Lobes über die Organiſation der Ausſtellung
und das Arrangement, ſowie die Qualität des Geſehenen
ausgeſprochen.
* Paris, 30. Juni. Die Finanzkommiſſion
des Senates hat beſchloſſen, trotz der Erklärungen des Mi=
niſterpräſidenten
Viviani, und des Finanzminiſters
Noulens, mit 15 gegen 4 Stimmen ihren Beſchluß auf
Ablehnung der engliſchen Woche für die Angeſtellten und
Arbeiter des Staatsbetriebes aufrechtzuerhalten.
* Paris, 30. Juni. Der unter dem Vorſitze von Poin=
caré
abgehaltene Miniſterrat beſchloß gemäß dem Ge=
ſetze
über die religiöſen Kongregationen durch Erlaß die
Kongregationen oder zu Kongregationen
gehörenden Einrichtungen abzuſchaffen,
die keinem öffentlichen Intereſſe dienen. Ferner wurde be=
ſchloſſen
, die letzten den Kongregationen gehörigen Unter=
richtsanſtalten
, die noch nicht abgeſchafft ſeien, unter An=
wendung
des Geſetzes von 1904 zu ſchließen.
* London, 30. Juni. Die California die am
Sonntag bei Torryes, Island, an der iriſchen Küſte, ge=
ſtrandet
iſt, iſt ein Dampfer von 8600 Tonnen. Er hatte
an Paſſagieren etwa 800 amerikaniſche und britiſche Tou=
riſten
und 200 Paſſagiere von dem Kontinent an Bord.
Geſtern nachmittag konnte ein Mann, in einem Augenblick,
wo ſich der Nebel gehoben hatte, das Schiff ſehen. Es
lag ganz auf einem Felſen in der Nähe der Küſte. Das
Waſſer ſoll in drei Räume eingedrungen ſein, doch iſt die
See ruhig. Das Schiff wird wahrſcheinlich wieder flott
werden. Die Mehrzahl der Mannſchaft iſt an Bord ge=
blieben
. Wie aus Terry gemeldet wird, ſind drei Paſſa=
giere
der California ein Mann, eine Frau und ein
Kind, wahrſcheinlich durch eine herabfallende Spiere, ge=
tötet
worden. Ein Paſſagier, der von einem Rettungs=
boot
weg in einem Korb an Bord der Kaſſandra gehißt
wurde, fiel ins Waſſer und erlitt erhebliche Verletzungen.

Die ſchwediſchen Verteidigungsmaßnahmen.
* Kriſtiania, 30. Juni. Das kombinierte Budget=
und Militärkomitee hat ſeinen Vorſchlag, betref=
fend
die außerordentlichen Verteidigungs=
maßnahmen
, abgegeben. Für die Verteidigung von
Kriſtianiafjords wird außer den im Jahre 1912 für die
Flottenſtation Kriſtianiafjord vorgeſchlagenen 700000 Kro=
nen
die Bewilligung von 5,3 Millionen vorgeſchlagen.
Für die übrigen Flottenſtationen ſollen bewilligt wer=
den
: Für Bergen 350000 Kronen, Kriſtianſund 110000
Kronen, für Ramſuſund im Ofotenfjord 100000 Kronen,
für die Flottenſtation Drontheimfjords 740000 Kronen
außer den im Jahre 1912 vorgeſchlagenen 100000 Kronen;
für die Verteidigungsmaßnahmen im nördlichen Nor=
wegen
werden 600000 Kronen vorgeſchlagen, für die Ver=
ſtärlungen
zur Verteidigung Bergens eine Million Kro=
nen
. Im ganzen wird für außerordentliche Verteid: ein Betrag von 11,6 Millionen Kronen
aufgeführt.

Briefkaſten.

M. Fr. Wir bedauern, dieſe Frage nicht beantworten
zu können.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der hohe Druck über Südweſteuropa hat ſich ſtark ver=
flacht
, während die isländiſche Depreſſion weiter oſtwärts
vordringt. Wir werden unter ihrem Einfluß mit Zu=
nahme
der Bewölkung, doch noch meiſt trockener, warmer
Witterung zu rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, 1. Juli: Zu=
nächſt
heiter und trocken, ſpäter Zunahme der Bewölkung,
warm, ſüdliche Winde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Ober-Ingenieur Emma Walther, geb. Stro-
meyer
, beehre ich mich, ergebenst anzuzeigen.
Ferdinand Bormet,
Rechnungsrat u. Stadtverordneter.
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Darmstadt, am 30. Juni 1914.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannken
hierdurch die traurige Mitteilung, daß es Gott
dem Allmächtigen gefallen hat, meine liebe
unvergeßliche Tochter, Schweſter, Schwägerin,
Nichte und Couſine
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Mariechen
im Alter von 24 Jahren zu ſich in die Ewigkeit
abzurufen.
Um ſtille Teilnahmebittet
Frau Elise Schmitt Ww., geb. Wenzel
nebst Kindern.
Darmſtadt (Kiesſtraße 44), Offenbach, Kempten,
Büdesheim, 30. Juni 1914.
Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag
5 Uhr vom Darmſtädter Friedhofe aus ſtatt.
Kondolenzbeſuche dankend verbeten.

Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Hinſcheiden unſeres lieben Gatten und Vaters
Hermann Hamm
ſagen wir allen Verwandten, Freunden u. Bekannten
unſeren herzlichſten Dank. Insbeſondere danken wir
noch für die troſtreichen Worte des Herrn Pfarrer
Lindenſtruth, der Firma Göhrig & Leuchs A.=G.
und deren Arbeiterſchaft und für die zahlreichen
Blumenſpenden.
(15201
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Eva Kath. Hamm u. Sohn.
Darmſtadt, den 30. Juni 1914.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem ſo ſchwer betroffenen Verluſte unſerer inngiſt
geliebten Mutter, Großmutter, Schwiegermutter
Frau Auguste Kumpf
geb. Rühl
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer Rückert
für die troſtreiche Grabrede, dem Eiſenbahn= Werk=
ſtätte
=Arbeiterverein, ſowie allen Blumenſpenden=
den
auf dieſem Wege unſern herzlichſten Dank.
Darmſtadt, den 30. Juni 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen
Johannes Kumpf
und Kinder.
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Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Bermuda 26. Juni in Montreal. Cleye=
land
26. Juni 4 Uhr nachm. in Hamburg. Piſa‟
26. Juni in Smyrna. Preſident Grant von New=York
kommend, meldet drahtlos, am 27. Juni 11 Uhr abends
in Plymouth anzukommen. Wittekind nach Kanada,
21. Juni 4 Uhr morgens in Quebec. Weſtindien,
Mexiko: Fürſt Bismarck von Mexiko und Havanna
kommend, 26. Juni 5 Uhr nachm. von Coruna nach
Santander. Mecklenburg‟ 26. Juni von Trinidad nach Havre
u. Hamburg. Südamerika, Weſtküſte Amerikas: Blücher
nach dem La Plata, 26. Juni, 12 Uhr mittags von
Southampton. König Friedrich Auguſt 26. Juni in
Rio de Janeiro. Palatia 25. Juni nachm. in Para=
nagua
. Salamanca 25. Juni 11 Uhr abends in Ham=
burg
. Valeſia nach Braſilien, 26. Juni 6 Uhr abends
on Boulogne. Oſtaſien:Aragonia 25. Juni 12 Uhr
mittags in Neu=York. Segovia 26. Jum 6 Uhr
morgens von Moji nach Tſingtau. Suevia 26. Juni
Uhr 30 Min. nachm. von Antwerpen nach Port Said.
Uckermark 25. Juni 9 Uhr abends Gibraltar paſſiert,
heimkehrend. Vergnügungsdampfer Meteor erſte
Nordlandfahrt, 27. Juni 8 Uhr 60 Min. morgens
ur der Elbe.

Tageskalender.
Mittwoch, 1. Juli.

Spielabend des Schachklubs um 8 Uhr im Reſtau=
rant
Kaiſerſaal.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 und 8 Uhr. Heſſiſcher
Hof um 8 Uhr. Bürgerkeller um 8 Uhr.
Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 2. Juli.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 9 und 3 Uhr
Wienersſtraße 51.
Heugras=Verſteigerung um 4 Uhr von der
Fürſtenwieſe unweit der Pumpſtation des ſtädtiſchen
Waſſerwerks.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für den
redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die
Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914

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Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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125 X 180 cm
2.95

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50 X110 cm
50 X 110 cm
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50 X 110 cm

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ca. 160cm br., kräftige Qualität. 1.10, 95, 85,
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1.25
55
95
58
78
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mille-
Crépon Heurs
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68
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Meter 45
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[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Seite 19.

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Serie II Serie III

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jetzt Mk. 6.

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Mitwoch, 1. Zult.
1914.

Wir beabsichtigen eine durchgreifende Räumung zu erzielen. Deshalb haben wir unser Lager in

teilweise auf ein Viertel des bisberigen Preises und noch niedriger reduziert.
Die Ausverkaufspreise sind neben den bisherigen mit Blaustift verzeichnet.

4 Posten Kleiderstoffe

I. Posten
hierunter befinden sich
Stoffe die bisher Mk. 3.80
per Meter kosteten . .

II. Posten
hierunter befinden sich
Stoffe die bisher Mk. 4.
per Meter kosteten .

III. Posten
IV. Posten
Mehutier lchnten ans 120
hierunter befinden sich
Stoffe die bisher Mk. 4.40
Stolle, die bisher Mk. 6,30
per Meter kosteten :
per Meter kosteten .

I. Posten.
hierunter befinden sich
Stoffe, die bisher Mk. 1.35
per Meter kosteten . .

4 Josten Waschstoffe

II. Posten
hierunter -befinden sich
Stoffe die bisher Mk. 1.80
per Meter kosteten.

III. Posten
hierunter befinden sich
Stoffe, die bisher Mk. 2.40
per Meter kosteten . . .

IV. Posten
hierunter beſinden sich
Stolle die bisher Mk. 3.50
per Meter kosteten ...

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[ ][  ][ ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

chanwaren
Saison-Ausverku

Se
e

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Saison-Artikel und kommen deshalb zu folgenden ausserordentlich billigen Preisen zum Verkauf:

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früher bis 14.50 . . . jetzt
Hellbraune Halbschuhe
früher bis 12.50 . . . jetzt
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Moderne Boxleder-Schnürstiefel jetzt
Mod. Schnürstiefel Derby-Lackkapp.,
Kalbleder-Zug- u. Schnürschuhe jetzt
Wichsleder-Schnür- und Zugschuhe
Braune Sandalen 4247 . . jetzt
Segeltuch-Schnürschuhe 4047, jetzt
Leder-Hausschuhe 40 46 . jetzt
Cord-Hausschuhe mit Fleck, 4046,

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6.50
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7.
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2.50
2.50
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Moderne Halbschuhe
Derby-Lackkappen . . jetzt
Elegante braune Knopfschuhe jetzt
Moderne Schnürstiefel
Derby-Lackkappen . .
Echt Chevreau-Schnürstiefel 3638
Moderne 3 Spangenschuhe . jetzt
Braune Chevreau-Schnürschuhe jetzt
Braune Chevreau-Schnürstiefel jetzt
Braune Sandalen 3642 . . jetzt
Segeltuch-Schnürschuhe 3642, jetzt
Leder-Hausschuhe 3641. . jetzt
Testingstoff-Hausschuhe 3741, jetzt

4.50
5.50
5.50
5.75
5.50
6.50
7.50
3.40
1.85
1.75
0.75

Kinder-

jetzt 1.
Farbige Baby-Stiefel
Schwarze Leder-Schnürstiefel
1.65
1822
. . jetzt
Braune Leder-Schnürstiefel
jetzt 1.85
1822
Braune Knopfschuhe 2729, jetzt 2.40
Braune Schnürschuhe 2730, jetzt 2.60
Braune Sandalen 2026 . . jetzt 2.25
Braune Sandalen 2730 . . jetzt 2.50
Braune Sandalen 3135 . . jetzt 2.75
Braune Knopfstiefel 2730. jetzt 3.90
Boxleder-Schnürstiefel 2730, jetzt 4.25
Segeltuch-Schnürschuhe 2226, jetzt 1.

Ferner grössere Rest-Posten
jetzt Mk. 2.75
Damen-Tennisschuhe in diversen Farben, früherer Preis bis Mk. 6.50
Damen- braune und schwarze Schnür- und Spangenschuhe gute Qualitäten, früher bis Mk. 9.50 . jetzt Mk. 4.
jetzt Mk. 6.
Damen-Lack-Schnürschuhe schlanke Form, teils L XV. Absätze, früherer Preis bis Mk. 12.50 .
jetzt Mk. 7.
Damen-Kid- und Kalbleder-Knopf- und Schnürstiefel früherer Preis bis Mk. 15.
Herren-Lack- und Kalbleder-Zugstiefel erstklassige Fabrikate, kleine Nummern, früher bis Mk. 20. . . jetzt Mk. 7.
jetzt Mk. 5.
Herren-Lack-Schnürschuhe in spitzer und halbbreiter Form, früher bis Mk. 12. .
Elegante farbige Herren- u. Damen-Knopfstiefel jetzt zur Hälfte des früheren Preises.
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Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Seite 19.

I1
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Tischtücher, Servietten, Frottierwaren, sämtliche Badewäsche etc.
bedeutend unter Preis. 1.

Die höhere Pflicht.
Roman von Doris Freiin von Spättgen.
(Nachdruck verboten.)
10)

Nee, nee, Kunze jetzt ſchieben Sie man ab mit dem
Zeug!! Allzuviel is ungeſund! ſagte Lex lachend und
wies die ihm abermals dargereichte ſilberne Platte ener=
giſch
ab.
Dann rekelte er ſich behaglich im Seſſel und warf die
zerknüllte Serviette läſſig auf den Tiſch.
Ihr Leute werdet auch heilfroh ſein, daß der ganze
geſtrige Klimbim glücklich überſtanden iſt, nicht, Kunze?
fragte er, während der Bediente die gebrauchten Teller
und Beſtecke langſam abzuräumen begann.
Wir ſind’s gewohnt, Herr Baron. Einen Tag ohne
Gäſte gibt’s in Schönſtein kaum.
So wirklich? Ich meine, früher, letzten Sommer
war es nicht ſorarg, äußerte Lex, ſich dehnend, und blin=
zelte
liſtig nach dem Diener hinüber.
In pedantiſchem Gleichmute ordnete dieſer nun ge=
rade
wieder die verſchobenen Fleiſchſchüſſeln auf dem
Tiſche, zupfte bald hier, bald dort eine Serviette zurecht
und entgegnete darauf, ohne aufzuſehen:

Die Baroneſſe Schweſter hat ſich doch nun zu einer
ſchönen jungen Dame ausgewachſen da ſcheint’s kein
Wunder, wenn die Verehrer anrücken.
Seine Antwort war ziemlich dreiſt und derb; aber
Lex kicherte nur beluſtigt dazu und meinte vertraulich:
Das iſt ja ſpaßig. Ja, aus Kindern werden Leute!
Aber freilich, man lebt ſo weit vom Schuß. Erzählen
Sie doch mal ein biſſel, Kunze, wer ſchneidet meiner
Schweſter denn ſo beſonders die Cour wie?
Na, die Herren Offiziere aus der Stadt, die kommen
ſehr oft, meiſt ungeladen, heraus.
Alle Wetter! Lex kreuzte ſeine Arme über dem Tiſch.
Wohl gleich ein halbes Dutzend? Hahaha! Nee, Kunze,
das iſt ungefährlich! Einer wird wohl das Karnickel ſein!
Des Angeredeten ſchlaues Bedientengeſicht nahm einen
überlegenen Ausdruck an, er trat wieder näher und flü=
ſterte
geheimnisvoll:
Das Baroneßchen iſt halt auch hier im Hauſe der
Sonnenſchein. Jeder von uns findet es, und der Herr
Graf Geldringen ſcheint ja ſeit kurzem ebenfalls wie um=
gewandelt
. Man iſt doch auch kein Neuling und hat
Augen im Kopfe.
Geldringen? Ach was Kinderei! Reinette denkt
überhaupt noch gar nicht ans Heiraten. Das wäre durch=
aus
nicht nach des Onkels Sinn,

Ei, freilich unſerem Herrn Baron dürfte es wohl
hart ankommen, wenn das Pflegetöchterchen bald wieder
abzöge. Er hat ja ſolche Freude an dem jugendfriſchen
Gemüt. Das ſieht man alle Tage, verſetzte Kunze kopf=
wiegend
und zog die Mundwinkel bedauernd herab.
Eine Weile ſah Lex ihn ſchweigend, doch forſchend von
der Seite an.
Wie ein Mühlrad auf und nieder arbeiteten die Ge=
danken
hinter ſeiner hohen, etwas eckigen Stirn, und mit
Blitzesſchnelle verſuchte er, die eben gehörten Andeutungen
für ſeine Ideen und Pläne nutzbar zu machen.
Als Menſch, der einzig nur den eigenen Vorteil ins
Auge faßt, fühlte er ſich befriedigt, hier wieder einmal in
diplomatiſcher Weiſe ſondiert zu haben.
Reinette durch richtig angebrachte Winke und Rat=
ſchläge
zu leiten, war vielleicht gar nicht ſchwer.
Iſt denn ſonſt noch keine Seele auf, Kunze? fragte
Lex, ſich nun erhebend, und zog die an kurzer, ſchwerer
Goldkette hängende ſchöne Uhr ein Geſchenk Geralds
hervor. Wahrhaftig, bald elf! Nein, ſolche Faulenzer!
O doch. Unſer Herr Baron nimmt das Frühſtück ſtets
um ſieben, und der junge Herr Rittergutsbeſitzer Scholl
ſind bereits mit ihm hinaus nach Alt=Vorwerk gefahren,
um die neue Waſſerverſorgung, den ſogenannten arteſiſchen
Brunnen, zu beſichtigen. Die Anlage koſtet rund 7000 M.

[ ][  ][ ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178,

Der gosse Iventur-Ausverkauf

Darmstaut

beginnt Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Ladwigsstr. 3

(15110

Den verehnten Pabikan bieten eich bei eneren Auverkaut gans besontere Votele, ds vir einen gronen Tei antere Warenlegen be=
deutend
im Preis zurückgesetzt haben. 6 Unsere bekannt guten Qualitäten gewähren bei Neuanschaffungen deshalb einen besonderen Vorteil.
Nachstehend ein kleines Angebot unseres Ausverkaufs.

Mit 20% Nachlaß:

Damen-Kleiderstoffe
Blusenstoffe
Wollmusseline
Musseline imitiert
Crepons und Crepeline
Leinen und Zephir
Frotté und Damassé
Neigeuxe, uni und gestickt

Wasch-Unterröcke

Alles Neuheiten von dieser Saison

Mit zirka 30% Nachlaß:

Damaste, 130 bis 160 cm breit
160 cm
Halbleinen u. Cretonne breit
Bett-Kattune
Handtuchstoffe, weiss und farbig
Damen-Wäsche
Tisch-Wäsche
Bett-Wäsche, weiss und farbig
Bettücher, in Halbleinen und Dowlas
Handtücher, abgepasst
Wäschetuch
Phönix Seerose
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10 m
10 m
10 m
Mk. 3.50 Mk. 4.50 Mk. 5.50

Mit zirka 30 bis 50% Nachlaß:

Gardinen, abgepasst
Gardinen am Stück
Tisch-Decken
Sofa-Kissen
Teppiche
Vorlagen
Felle
Schlaf-Decken
Stepp-Decken
Bett-Decken
Bett-Drelle

Unter Einkaufspreis!
Ein grosser Posten Damen-Wäsche angeschmutzt

und einzelne Stücke

Aussergewöhnlieh billel
Ein grosser Posten Baumwollflanell-Bettücher
weit unter Preis, eingeteilt in 5 Serien

Aut alle reguüire Maren geben wir während des Ausverkauts 10½, Kabat

Wir biten um Beachtung der Schaufensteri

e
diuſen ſchon au den rotenen,
Lex lächelte ſtillvergnügt. Wie gut das Dienſtperſonal
doch über alles informiert war.
Ein Liedchen=trällernd, trat er nun durch die Glastür
auf eine an der Weſtfront des Hauſes hinlaufende Veranda
hinaus.
Der Goldglanz des prächtigen Herbſtmorgens breitete
ſich über den im bunten Blätterſchmucke prangenden Park,
und würziger Waldesduft, welcher vom nahen Forſt und
den tauſchimmernden Wieſenflächen heraufzog, erfüllte
ringsum die Luft.
Halb verträumt, noch immer wie unter dem Banne
einer zu neuem Leben erwachten Märchenwelt, die der ge=
ſtrige
Feſtabend dort unten in verführeriſchen Bildern her=
vorgezaubert
hatte, lag heute das Barockſchloß wieder in
ſeiner feierlichen Einſamkeit und Stille.
Vorübergerauſcht! Alles vorübergerauſcht genau
wie es Jahrzehnte Jahrhunderte an jener weltvergeſſe=
nen
Stätte getan.
Lex murmelte befriedigt vor ſich hin:
Es iſt nun wirklich Zeit, das törichte, kleine Mädel
mal etwas zu dirigieren! Das niedliche Ding darf mir
nicht ſo mir nichts, dir nichts aus dem Neſte fliegen.
Deine Macht ſollſt Du erſt ausnützen lernen, Reinette
ſollſt Deinem Bruder helfen, Stellung und Zukunft noch
mehr zu befeſtigen!
Mit verſchränkten Armen lehnte er ſich an die ſtei=
nerne
Baluſtrade der Plattform und umfaßte ſinnenden
und ſelbſtgefälligen Blickes das vor ihm ausgebreitete,
herbſtlich ſchöne Landſchaftsbild.
Beneidenswerter Gerald! Aber verſtand dieſer Idea=
liſt
denn wirklich ſein Glück zu würdigen?
Warum gerade einem Menſchen, wie ihm ſelbſt, der
viel tauſendmal mehr den wahren Wert des Reichtums,

eines echten, frohen Lebensgenuſſes zu ſchätzen und zu ach=
ten
wußte, jeglich Mittel zur ungehinderten, freien Bewe=
gung
verſagt blieb?
Und Lex ſpann dieſen Gedanken weiter aus:
Wenn Schönſtein, dieſer wundervolle Beſitz, ſein
Eigentum wäre wenn es Gerald in ſeiner großzügigen
Art einfallen ſollte, ihn, den armen Teufel, zum Erben
und Nachfolger einzuſetzen? Läge darin etwas ſo Merk=
würdiges
? Nein! Niemand brauchte ſich darüber zu
kränken. Kein Kind, kein Kegel war vorhanden, nur Ver=
wandte
, die Gerald ferner ſtanden als er! Impulſiv, un=
berechenbar
in all ſeinen Handlungen, wie Gerald ſich von
jeher gezeigt hatte, dabei ſtets beſeelt von krankhafter
Sehnſucht, das Beſte zu wollen, konnte er, der anſcheinend
all die ihm von der Vorſehung verliehenenen Glücksgüter
als Laſt betrachtete, nicht plötzlich auf den genialen Einfall
kommen, alle guten Werke ſeines Lebens noch durch eine
wahrhaft großartige Tat zu krönen? Ein Gedanke wäre
das!
Die Bruſt des jungen Studenten hob und ſenkte ſich
in leidenſchaftlicher Erregung, und verlangend ſtreckte er
beide Hände aus.
Doch unwillig und erſchreckt wandte er ſich haſtig um.
Reinette war aus der Glastür getreten und ſchritt
mit ſpottluſtig zuckenden Lippen und lachend auf den Bru=
der
zu.
Deklamierſt Du eigentlich, Lex, oder ſtudierſt Du Dir
eine Rede ein? Es ſah zu komiſch aus, wie eben Deine
Arme ſo ganz unmotiviert in der Luft herumfuchtelten.
Guten Morgen übrigens.
Morgen, Kleine! Nee ich ich müllere ein
bißchen, das bringt die erſchlafften Muskeln wieder in
Tätigkeit. Man wird ſo faul und ſteif hier bei all dem
Nichtstun, log er mit völlig unbefangenem Geſicht, wäh=
rend
ſeine Blicke der Schweſter hochgeweIſene, ſchlanke

Geſtalt in ihrem ſchicken, weißen Cheviotanzuge wohlge=
fällig
muſterten.
Keine Spur von Ermüdung noch geiſtiger Abſpannung
lag über dem reizenden Geſicht. Die dunkel bewimperten,
grauen Augen ſtrahlten heute ſogar in ſeltenem Glanze,
und um die leichtgeöffneten Lippen ſpielte ein etwas trotzi=
ger
, ſiegesgewiſſer Zug.
Fabelhaft, ganz fabelhaft, was aus Dir geworden
iſt, Reinettel! Eine Figur haſt Du gekriegt . . . Lex
ſchnalzte mit der Zunge. Na, Dir müſſen geſtern abend
die Ohren geklungen haben. Wo ich ging und ſtand,
wurde Dein Lob geſungen!
Unſinn! Ich habe unter Tante Ollys Anleitung we=
nigſtens
gelernt, mich zu benehmen und anzuziehen. Klei=
der
machen Leute! Sie behauptet, ein guter Schneider
könne aus jeder Frau etwas herausdrechſeln, entgegnete ſie
wieder mit leichtem Spott.
Es war ſonderbar, daß Reinette dem Bruder gegen=
über
oft in einen abſprechenden Ton verfiel.
Na, ſelbſtredend. Doch, ich meine nicht nur Dein
Aeußeres, nein, Du haſt mit einem Male einen ganz an=
deren
Geſichtsausdruck bekommen ſo ſeelenvoll, ſinnig,
minnig!
Jäh errötend, wandte das junge Mädchen den Kopf
nach der anderen Seite und ſagte ärgerlich und erregt:
Und Du bleibſt immer der unverbeſſerliche, alte
Quatſchpeter, der überall kritiſiert und mäkelt!
Hoho! Erlaube mal. Dem eigenen Bruder wird
doch wahrlich noch das Recht zuſtehen, ein Urteil äußern
zu dürfen, beſonders da es gut gemeint iſt und ich mich
über Deine Erfolge von Herzen freue. Dir iſt jedoch ſeit
kurzem der Kamm derartig gewachſen, daß Du mich abſo=
lut
nicht mehr zu brauchen ſcheinſt.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jult 1914.

Seite 21.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

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[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jul 1914.

Seite 48.

Erſte Kammer der Stände.

(14. Sitzung.)
St. Darmſtadt, 30. Junk.
Die Erſte Kammer der Stände trat heute vormittag
unter dem Vorſitz des Präſidenten Grafen von Schlitz
genannt von Görtz zu ihrer 14. Sitzung zuſammen.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter Dr. v. Ewald,
Finanzminiſter Dr. Braun, Miniſter des Innern von
Hombergk zu Vach, Staatsräte Süffert, Lor=
bacher
, Miniſterialräte Hölzinger, Schliephake,
Geh. Oberfinanzrat Dr. Rohde, Finanzrat Ulrich.
Präſident GrafvonSchlitz genanntvon Görtzer=
öffnet
die Sitzung um 10¼ Uhr. Nach Bekanntgabe der Ein=
läufe
wird ſofort in die Tagesordnung eingetreten. Das
Hohe Haus erledigt ohne Debatte nach den Anträgen der
Ausſchüſſe die Regierungsvorlagen, betreffend die Nach=
weiſungen
über die Staatseinnahmen und =ausgaben des
Großherzogtums uſw. im Jahre 1910, und den Geſetzent=
wurf
, betreffend die Tagegelder und Reiſekoſten der
Ständemitglieder.
Zum Antrage der Abgg. Fenchel, Leun und Gen., be=
sreffend
die Gebühren für die Reviſion der Gemeinde=
und Kirchenrechnungen, der dahin geht, dieſe Gebühren
auf die Staatskaſſe zu übernehmen, hatte die Zweite Kam=
mer
bekanntlich beſchloſſen, den Antrag anzunehmen. Der
Ausſchuß der Zweiten Kammer hatte Ablehnung bean=
tragt
. Auf dieſen ablehnenden Standpunkt ſtellt ſich auch
der Ausſchuß der Erſten Kammer und beantragt, dem
Beſchluſſe der Zweiten Kammer nicht beizutreten.
Prälat D. Dr. Flöring bekämpft dieſen Antrag. Er
begrüßt es, daß ſich im anderen Hauſe eine Mehrheit für
den Antrag Leun gefunden hat. Das Geſetz wirke hier
ungleich, es belaſte die kleineren und armen Gemeinden
höher als die reicheren, weil es nach der Anzahl der Be=
lege
und nicht nach der Leiſtungsfähigkeit der Gemeinden
urteilt. Es wälzt die Laſten von den ſtärkeren Schultern
auf die ſchwächeren ab. Wenn der Staat das Recht für
ſich in Anſpruch nimmt, die Gemeinden zur Reviſion ihrer
Rechnungen zu zwingen, dann hat er auch die Koſten für
dieſe Reviſion zu zahlen.
Der Ausſchußantrag wird ſchließlich gegen eine
Stimme angenommen. Ebenſo debattelos der dringliche
Antrag der Abgg. Henrich und Genoſſen, betreffend das
Wahlrecht der Eiſenbahnbeamten und= ar=
beiter
zum Landtag.
Zur Regierungsvorlage, betreffend den Entwurf eines
Geſetzes, die Losgeſellſchaften, die Veräußerung
von Inhaberpapieren und den Handel mit Lotterieloſen
betreffend, erklärt ſich Staatsminiſter Dr. v. Ewald mit
der vom Ausſchuß gewählten, etwas abgeänderten
Faſſung der Artikel 1 und 2 einverſtanden, nachdem der
Berichterſtatter, Geh. Juſtizrat Dr. Leiſt, erklärt hatte,
daß die Auffaſſung des Ausſchuſſes ſich mit der der Re=
gierung
vollſtändig deckt bezüglich der Beſtrafung der Ge=
ſchäftsführung
von Losgeſellſchaften uſw., in der Fahr=
lläſſigkeit
ſehr wohl vorliegen könne, wenn der Betreffende
ſich nicht in notwendigem Maße über die Art des über=
nommenen
Geſchäftes orientiert hat, ſowie darüber, daß
Beſtrafung erfolgt ſowohl bei der nachgewieſenen bona
fides, als bei der nicht nachgewieſenen mala fides.
Ohne Debatte erledigt werden ſieben weitere Poſi=
ſionen
. Zur Vorſtellung der Vereinigung elektrotechni=
ſcher
Spezialfabriken in Berlin, die Ueberlandzen=
trale
der Stadt Offenbach betreffend, hatte die
Zweite Kammer bekanntlich folgende Reſolution ange=
nommen
: Zur Vermeidung von Truſtbildungen und
ſonſtigen wirtſchaftlichen Mißſtänden und Schädigungen
bei Verſorgung der Gemeinden mit Elektrizität, Gas,
Waſſer und dergl. hält die Zweite Kammer der Land=
ſtände
die Errichtung von Zweckverbänden im Sinne der
Artikel 195 ff. der L.=G.=O. unter Ausſchluß der Betei=
ligung
privater Unternehmer für die zweckmäßigſte Form
ſolcher Unternehmungen und richtet daher an Großh. Re=
gierung
das Erſuchen, in allen eintretenden Fällen auf
die Bildung von Zweckverbänden hinzuwirken und die
Gemeinden dabei mit Rat und Tat zu unterſtützen. Der
Ausſchuß der Erſten Kammer ſchlägt dagegen heute die
folgende Reſolution vor, nachdem er übereinſtimmend mit
der Zweiten Kammer beantragt, die Vorſtellung für er=
ledigt
zu erklären: Zur Verſorgung der Gemeinden mit
Elektrizität, Gas, Waſſer und dergl. iſt den Gemeinden
zu empfehlen, ſich zu Provinzialverbänden oder Zweck=
verbänden
unter Führung einer größeren, durch den Be=
ſitz
entſprechender Werke hierzu bereits beſonders befähig=
ten
Stadt zuſammenzuſchließen oder ſich einer beſtehenden

ſtädtiſchen Ueberlandzentrale anzuſchließen. Nicht zu
empfehlen iſt der Zuſammenſchluß von ländlichen Ge=
meinden
allein ohne Führung einer größeren Stadt zu
ſolchen Zweckverbänden, ebenſowenig der Zuſammen=
ſchluß
von ländlichen Gemeinden und einer Privatgeſell=
ſchaft
oder der Abſchluß von Lieferungsverträgen von
ländlichen Gemeinden mit einer Privatgeſellſchaft.
Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann: Es iſt der
Wunſch geäußert worden, auf den Ausſchußbericht noch
mit einigen wenigen Worten einzugehen. Es wird in
der Begründung darauf hingewieſen, daß, wenn die Ver=
ſorgung
der Landgemeinden mit Elektrizität uſw. aus=
ſchließlich
durch Privatgeſellſchaften erfolgt, dieſe Geſell=
ſchaften
doch in erſter Linie ihre eigenen Intereſſen wahr=
nehmen
würden, wobei die Gemeinden immer im Nach=
teil
ſeien. Die Privatgeſellſchaften haben ein Intereſſe
daran, ſämtliche Arbeiten ſelbſt auszuführen zum Nach=
teil
der kleinen Handwerker. Dagegen müſſen die Ge=
meinden
geſchützt werden. Auf dieſen Standpunkt hat ſich
auch die Zweite Kammer geſtellt, die, ohne auf den Streit
direkt einzugehen, eine entſprechende Reſolution ange=
nommen
hat. Der berichtende Ausſchuß dieſes Hohen
Hauſes hat dieſer Reſolution eine andere Faſſung ge=
geben
. (Siehe oben.) Dieſer Wortlaut trifft beſſer das,
was beabſichtigt iſt. Den Gemeinden ſtehen nicht immer
die notwendigen techniſchen Sachverſtändigen zur Ver=
fügung
, und wenn ſie dann, was ſtets geſchieht, ſich an
große Privatfirmen wenden, geben dieſe natürlich die
Aufklärung in ihrem Sinne. Ich bitte, dieſer Faſſung der
Reſolution zuzuſtimmen.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Die Regierung hat ſich bereits in der Zweiten Kammer
dahin ausgeſprochen, daß ſie die Gründung von Zweck=
verbänden
für den beſten Weg zur Verſorgung der Ge=
meinden
mit Waſſer, Elektrizität uſw. hält. Eine An=
ſchauung
, die auch die einſtimmige Zuſtimmung der Zwei=
ten
Kammer geteilt hat. Dieſer Auffaſſung entſpricht die
Reſolution der Zweiten Kammer. Der Ausſchuß dieſes
Hohen Hauſes ſchlägt nun vor: Nicht zu empfehlen iſt der
Zuſammenſchluß der ländlichen Gemeinden allein ohne
Führung einer größeren Stadt uſw. Ich meine, daß dieſer
Teil des Ausſchußantrages nicht zu ſehr verallgemeinert
werden ſoll. Im Kreiſe Offenbach und auch in Rhein=
heſſen
ſind viele ſolcher Zweckverbände ohne die größeren
Städte gegründet worden, mit durchaus gutem Erfolge
beſonders auf dem Gebiete der Waſſerverſorgung. Ich
glaube aus der Abfaſſung der Reſolution erkennt man zu
ſehr die Mitwirkung des Oberbürgermeiſters einer grö=
ßeren
Stadt. Man muß ſolche Fälle je nach der Sachlage
entſcheiden. Ich möchte alſo den Standpunkt der Regie=
rung
dahin präziſieren, daß ſie der Reſolution wie ſie die
Zweite Kammer vorſchlägt, zuſtimmt. In welcher Weiſe
die Zweckverbände dann einzurichten ſind, das muß der
Lage der Einzelfälle überlaſſen bleiben.
Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann: Bezüglich der
Waſſerverſorgung mag die Auffaſſung des Herrn Mini=
ſters
die rechte ſein, aber bezüglich der Verſorgung mit
Elektrizität iſt das anders. Hier haben die ländlichen Ge=
meinden
zu wenig geſchulte Kräfte zur Verfügung, wie es
in ihrem Intereſſe wünſchenswert wäre. Sie bedürfen
einer techniſchen Beratung. Dazu aber ſind die großen
Privatfirmen nicht geeignet, die ganz mit Recht immer in
erſter Linie ihre eigenen Intereſſen vertreten. Ich bitte
alſo nochmals die Ausſchußfaſſung anzunehmen.
Bankdirektor Parcus hat die Empfindung, daß die
Reſolution doch zu eng gefaßt iſt. Ich beantrage darum
folgenden Zuſatz: Es ſeidenn, daß der Staatsregierung
die Mitwirkung und Genehmigung beim Abſchluß ſolcher
Verträge und die Ueberwachung ihrer Durchführung vor=
behalten
bleibt Miniſter v. Hombergkzu Vachweiſt
darauf hin, daß die Landgemeindeordnung dieſe gewünſchte
Ueberwachung, Mitwirkung und Genehmigung ſchon vor=
ſieht
. Alle Verträge werden auch jetzt ſchon durch die Re=
gierung
geprüft. Fürſt Yſenburg=Büdingen= Wäch=
tersbach
ſtellt hierauf den Antrag, die Faſſung der Reſo=
lution
der Zweiten Kammer wiederherzuſtellen. Bank=
direktor
Parcus zieht nach den Erklärungen des Herrn
Miniſters ſeinen Antrag zurück, nachdem Oberbürgermei=
ſter
Göttelmann beantragt, die Reſolution nunmehr dahin
zu ändern, daß der erſte Satz heißt: Zur Verſorgung der
Gemeinden, insbeſondere mit Elektrizität und Gas,
iſt den Gemeinden zu empfehlen uſw. Der Antrag wird
in dieſer Faſſung angenommen. Der An=
trag
des Fürſten Yſenburg wird mit 18 gegen 14 Stimmen
abgelehnt.
Darauf nimmt Gewerberat Falk den Antrag Parcus
wieder auf, weil er in der Reſolution keine Gewähr dafür

ſieht, daß für die kleineren Handwerker in genügendem
Maße geſorgt iſt, beſonders bei der Vergebung der Arbei=
ten
, wenn mit einer Privatgeſellſchaft abgeſchloſſen wird.
Nach Erklärungen des Herrn Miniſters des Innern und
des Herrn Oberbürgermeiſters Göttelmann, in denen feſt=
geſtellt
wird, daß auch hierzu die Reſolution ausreiche, wird
der Antrag abermals zurückgezogen.
Ohne Debatte werden 9 weitere Poſitionen ange=
nommen
.
Ueber die Vorſtellung des Verbandes der Hausbe=
ſitzervereine
im Großherzogtum Heſſen, die Aufhebung der
Wertzuwachsſteuer in Heſſen betreffend, erſtattet Freiherr
von Heyl zu Herrnsheim ſehr ausführlich Bericht,
in dem er ſich beſonders über die Wirkung des Beſitzſteuer=
geſetzes
, des Wertzuwachsſteuergeſetzes und über das Wehr=
beitragsgeſetz
verbreitet. Das frühere heſſiſche Wertzu=
wachsſteuergeſetz
ſei viel weniger ſcharf einſchneidend ge=
weſen
als das Reichsgeſetz. Er kommt zu dem Schluſſe,
daß ſowohl das Wehrſteuergeſetz, als auch das Beſitzſteuer=
geſetz
durchaus dilettantiſch bearbeitet ſind. Die Grund=
lagen
dieſer Steuerveranlagung ſeien durchaus keine ge=
rechten
. Auch die Frage, ob es richtig iſt die Wehrſteuer
nur vom Beſitz zu erheben, iſt ſehr zweifelhaft. Sie nehme
jedem Minderbemittelten, der vielleicht gerne etwas für
das Vaterland geopfert hätte, wenn es auch nur ein paar
Pfennige wären, die Möglichkeit dazu. In der Schweiz
wird zunächſt eine Kopfſteuer erhoben. Redner betont zum
Schluſſe die unbedingte Notwendigkeit, klare Verhältniſſe
zu ſchaffen, über die Grundlagen und die Wirkung der
Geſetze.
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach:
Die künftige Geſtaltung der
Wertzuwachsſtener
im Großherzogtum bleibt einer dem neuen Landtag zu
unterbreitenden Geſetzesvorlage vorbehalten. Die Neu=
regelung
hat vom 1. April 1915 ab zu erfolgen.
Zu dem Erſuchen der Hausbeſitzervereine, die Wert=
zuwachsſteuer
völlig aufzuheben, das der 1.
Ausſchuß des Hohen Hauſes der Regierung entgegen
dem Beſchluß Zweiter Kammer zur Berückſich=
tigung
überwieſen haben will, iſt zu beachten, daß
das heſſiſche Geſetz vom 14. Dezember 1907 den Gemein=
den
über 3000 Einwohnern für den Wertzuwachs des in
ihren Gemarkungen gelegenen Grundbeſitzes die Steuer=
autonomie
verliehen hat. Es will der Großh. Regierung
nicht richtig erſcheinen, dieſes Recht ohne weiteres aufzu=
heben
. Sie hat deshalb im Verlauf der vorbereitenden
Verhandlungen für den in Ausſicht genommenen Geſetz=
entwurf
auch eine Umfrage bei den Gemeindeverwal=
tungen
, die eine Wertzuwachsſteuer in ihren Gemeinden
ſchon vor dem Reichsgeſetz eingeführt hatten, darüber ver=
anſtaltet
, wie ſie ſich zu einer etwaigen gänzlichen Auf=
hebung
dieſes Beſteuerungsrechts ſtellen würden. Die
Antworten, namentlich der größten Städte, ſtehen faſt alle
noch aus. Sie dürften jedenfalls bei den künftigen Ent=
ſchließungen
der Großh. Regierung eine ganz beſondere
Berückſichtigung erfahren müſſen.
Die höchſt intereſſanten Ausführungen allgemein
ſteuerpolitiſcher Art Sr. Exzellenz des Herrn Freiherrn
v. Heyl werden wir bei unſeren Entſchließungen über die
Wertzuwachsſteuer nicht nur, ſondern auch über die Wir=
kungen
des Gemeindeſteuergeſetzes in Erwägung ziehen.
Oberbürgermeiſter Göttelmann weiſt darauf hin,
daß der Antrag der Hausbeſitzer in ſeiner Begründung viel=
fache
Uebertreibungen enthält und auch Unrichtigkeiten. In
dem Ausſchußantrag, der dieſen Antrag der Regierung zur.
Berückſichtigung empfiehlt, werden dieſe Uebertreibungen
gewiſſermaßen für richtig gehalten. Es könnte höchſtens
der Antrag auf Ueberweiſung des Antrages an die Re=
gierung
als Material lauten. Er bittet, den Antrag
entſprechend zu ändern. Nach kurzen Auseinanderſetzungen
zwiſchen den Herren Göttelmann und Freiherrn von Heyl
wird dieſer Antrag abgelehnt, und der Antrag des
Ausſchuſſes angenommen.
Der Reſt der Tagesordnung wird debattelos erledigt.
Zum Geſetzentwurf, betreffend die Förderungvon
Kraftwagenlinien, wird der Ausſchußantrag
angenommen: 1. denvorliegenden Geſetzentwurf
nicht mehr in Beratung nehmen, 2. Großh. Re=
gierung
erſuchen, den Ständen auf Grund der Erfahrungen
mit den bisher ſtaatlich unterſtützten Kraftwagenlinien, ſo=
wie
mit den Kraftwagenlinien in anderen Bundesſtaaten
eine neue Geſetzesvorlage zugehen zu laſſen.
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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jult 1914.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

Seite 20.

EinZubiläum desAille=Holpſtals
(18541914).

Anfang Juli 1854, alſo vor nunmehr 60 Jah=
ren
, wurde von mehreren Aerzten in Darmſtadt eine
Heilanſtalt für chirurgiſche und Augenkranke in der
Mauerſtraße eröffnet. Schon im Jahre 1853/54 hatten die
praktiſchen Aerzte Dr. Dr. Balſer, Eigenbrodt, Orth, Si=
mon
, Tenner, Verdier und Weber ein Kränzchen miteinan=
der
. Aus dort geführten Beſprechungen ging auf Anregung
des Dr. Simon eine ſogenannte Sprechſtunde ( Rats=
erteilung
) hervor, die in dem damaligen Lokal des ärzt=
lichen
Vereins, der Einhorn=Apotheke, abgehalten wurde.
Die hierdurch gewonnenen Kranken wurden bei Heilgehilfe
Schaub untergebracht. Dies war indeſſen nur ein Notbe=
helf
. Für die operativen Fälle mußte zweckmäßigere Un=
terkunft
und beſſere Verpflegung geſchaffen werden. Es
galt ein paſſendes Haus ausfindig zu machen mit möglichſt
viel Raum und für möglichſt wenig Geld. Als geeignet
wurde der runde Bau in der Mauerſtraße 17, der alte
Holzhof, im Garten zurückſtehend, befunden. Zunächſt
wurde der untere Stock gemietet. Anfang Juli 1854 wurde,
wie erwähnt, das Spitälchen in Betrieb genommen.
Zwei Jahre ſpäter kauften die Aerzte die ganze Liegen=
ſchaft
. Eine alte Haushälterin, aus dem Hauſe eines der
Aerzte, wurde als Verwalterin, Köchin und Pflegerin an=
genommen
. Jeder der beteiligten Aerzte zahlte 20 fl. jähr=
lichen
Beitrag und mußte noch weiter aufkommen für die
Verpflegungskoſten ſeiner eigenen Patienten, ſoweit ſie
nicht von der Heimatgemeinde oder von gütigen Wohltä=
tern
gedeckt wurden.
Dem Unternehmen traten bald noch die Aerzte Dr.
Hohenſchild und Dr. Hegar bei. Anfangs nur Privot=
unternehmen
der genannten neun Aerzte, die der Volkswitz
die Neuntöter nannte, mußte man doch bald darauf be=
dacht
ſein, durch regelmäßige Beiträge und ſonſtige Zu=
wendungen
einen größeren Betriebsfonds zu ſchaffen.
Eine Liſte wurde in Umlauf geſetzt und es gelang auch
durch die Bereitwilligkeit des Miſikvereins, den Ertrag
eines Kirchenkonzerts dem Spitälchen zuzuwenden. Noch
im erſten Jahre des Beſtehens hatte die Großherzogin
Mathilde die Verpflegungskoſten für ein 10jähriges Mäd=
chen
übernommen, dem durch Dr. Balſers Hand das Au=

genlicht geſchent wurde. Dr. Berdier hate ſich der Ver=
waltung
des Spitälchens beſonders angenommen. Er
überwachte den Haushalt und die Anſchaffungen. Als der
Spitalbetrieb umfangreicher wurde, trat an die Stelle der
Haushälterin die Familie Zimmer. Die Kranken wurden
von Wärterinnen verſorgt, unter denen ſich Frau Anna
Eberle einer beſonderen Wertſchätzung bei den Aerzten er=
freute
. Eine unentbehrliche Stütze war den Aerzten auch
der Heilgehilfe Mut. Während des Krieges von 1866
wandte die edle Stifterin des Alice=Frauen=Vereins für
Krankenpflege im Großherzogtum Heſſen, Prinzeſſin
Ludwig von Heſſen, nachmalige Großherzogin Alice,
dem Mauerſpitälchen ihr beſonderes Intereſſe zu. Sie
veranlaßte den Bau einer Baracke im Garten der Anſtalt
und war unermüdlich in der Fürſorge für die dort unter=
gebrachten
Verwundeten aus den Gefechten von Fron=
hofen
, Laufach uſw. tätig.
Nach dem deutſch=franzöſiſchen Kriege 1870/71 über=
gab
der Engliſche Hilfsverein, der in Darmſtadt ein Ba=
rackenlazarett
gegründet und darin den Pflegerinnen des
im Jahre 1867 gegründeten Alice=Frauen= Ver=
eins
die Haupttätigkeit übertragen hatte, auf Anregen
der hohen Stifterin des Vereins das geſamte Inventar
nebſt dem noch vorhandenen Geldvorrat dem Vorſtand der
Heilanſtalt für chirurgiſche und Augenkranke mit der Ver=
pflichtung
, die Heilanſtalt zu erweitern und ſie dem Alice=
Frauen=Verein als Pflegerinnenſchule und Heimſtätte zu
überweiſen. Am 27. März 1872 ſchloſſen ſämtliche Aerzte
der Heilanſtalt mit dem Alice=Frauen=Verein einen Ver=
trag
ab, nach dem das Eigentum an dem Vermögen der
Heilanſtalt auf den genannten Verein überging. Der
Alice=Frauen=Verein übernahm dagegen die Verbindlich=
keit
, das ihm übertragene Vermögen als Grundſtock für
Errichtung einer Krankenanſtalt zu verwenden und dieſe
aus eigenen Mitteln, und zwar zunächſt aus dem Ver=
mögen
der Heilanſtalt, fortdauernd zu unterhalten. Die
Uebernahme der Anſtalt durch den Verein erfolgte am
1. Mai 1872. Sie erhielt den Namen Heilanſtalt Mauer=
ſtraße
17. Als erſte Vorſteherin der Heilanſtalt und
Pflegerinnenſchule trat im Mai 1874 nach mehrjähriger
gründlicher Ausbildung Fräulein Charlotte Helmsdör=
fer
ein. Vom Juli desſelben Jahres an leitete ſie in Ge=
meinſchaft
mit den Aerzten die erſte Unterweiſung der neu

aufgenommenen Pflegerimen, die bis dahin ihre Ausbil.
dung im Städtiſchen Hoſpital in Darmſtadt erhalten
hatten.
Aus dem Mauerſpital ging das dermalige Alice=
Hoſpital in der Dieburger Straße hervor. Der neue
Bau wurde am 8. Dezember 1883 in Gegenwart der Groß=
herzoglichen
Familie feierlich eingeweiht. Das Alice=
Hoſpital iſt aus freiwilligen Beiträgen erbaut worden und
dazu beſtimmt, Frauen und Jungfrauen tüchtig zu machen
im Samariterdienſt bei Armen und Reichen, bei Hohen
und Niedrigen, in Kriegs= wie in Friedenszeiten. Das
Grundſtück, auf dem das Alice=Hoſpital ſteht, iſt am 14.
Dezember 1903, dem 25. Todestag der Großherzogin Alice,
in hochherziger Weiſe von dem hohen Protektor, Großher=
zog
Ernſt Ludwig, dem Verein zu freiem Eigentum ge=
ſchenkt
worden. Wie im Mauerſpitälchen, ſo werden auch
heute noch die Kranken im Alice=Hoſpital von ihren ſelbſt=
gewählten
, in der Anſtalt zugelaſſenen Aerzten behandelt.
Die Verpflegung und Behandlung der Unbemittelten er=
folgt
unentgeltlich durch den Hoſpitalarzt. Das Alice=
Hoſpital, das ſeit dem 1. April 1891 unter der zielbewußten
Leitung der Oberin Fräulein Marie Winter ſteht, hat
als Ausbildungsſtätte der Schweſtern vom Roten Kreuz
allezeit Tüchtiges geleiſtet. 468 Schweſtern haben bisher
ihre Ausbildung in dem Mutterhaus erhalten. Zurzeit
ſind im Alice=Frauen=Verein 102 Schweſtern und Lehr=
ſchweſtern
tätig. Außer im Alice=Hoſpital werden Schwe=
ſtern
in der Mediziniſchen Klinik und in der Frauenklinik
in Gießen, in den Kreiskrankenhäuſern Alsfeld und Alzey
und auf 22 weiteren Stationen im Großherzogtum beſchäf=
tigt
. Das Alice=Hoſpital hat ſich ſeit einigen Jahren dem
Roten Kreuz weiter auch dadurch dienſtbar gemacht, daß
es die praktiſche Ausbildung von Kriegshelferinnen über=
nommen
hat.
Möge das Alice=Hoſpital, das aus kleinen Anfängen
hervorgegangen iſt, ſich kräftig weiter entwickeln und alle=
zeit
im Geiſte der Hohen Frau, deren Namen es trägt,
weiter wirken zum Segen der leidenden Menſchheit, und
ſich ſtets eines erhabenen Schutzes erfreuen, wie er ihm
dermalen durch die von der hohen Bedeutung des Roten
Kreuzes durchdrungene erlauchte Präſidentin des Alice=
Frauen=Vereins, Ihre Königliche Hoheit die Großher=
zogin
, zuteil wird.

[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Inli 1914.

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Seite 28.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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[ ][  ][ ]

Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Inli 1914.

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[ ][  ][ ]

Seito 26.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

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altes Perlenhandtäſchchen. 1 Offizierſäbel, 1 Offizierportepee (neu).
Zugelanfen 1 Fox mit Wormſer Marke.
(15095

Die nachſtehende Warnung des Kgl. Herrn Polizeipräſidenten zu
Berlin bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

Darmſtadt, den 27. Juni 1914.
(15125
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Warnung.

Die Firma Transatlantiſche Rheumaheiltee=Geſellſchaft Kullak
& Meyer in Berlin, Beuthſtraße 10, vertreibt unter dem Namen
Papuanatee zu hohem Preiſe mit marktſchreieriſchen Anpreiſungen
einen aus geſchnittenen Wedeln eines Adlerfarns beſtehenden Tee
der von den Herren Fabricius und Lhamaſſa als Heilmittel
gegen Gicht und Rheumatismus entdeckt worden ſein ſoll. Die
Firma mißbraucht hierbei die Namen von Regierungsrat Profeſſor
Dr. Juckenack und Dr. Griebel, Beamten der Staatlichen Nahrungs=
mittel
=Unterſuchungsanſtalt in Berlin, die ſich niemals über den Tee
günſtig geäußert haben. Es iſt bisher wiſſenſchaftlich in keiner Weiſe
erwieſen, daß dem Tee die von Kullak & Meyer behaupteten Heil=
wirkungen
zukommen oder daß er überhaupt Stoffe enthalte, die als
Heilmittel gegen Gicht und Rheumatismus angeſehen werden könnten.
Es iſt vom wiſſenſchaftlichen Standpunkt auch gar nicht anzunehmen,
daß dem Tee derartige Heilwirkungen zukommen. Kranken kann
daher nur dringend geraten werden, ſich durch die Anpreiſungen,
insbeſondere die Dankſchreiben von Laien, nicht irreführen und von
einer ſachverſtändigen Behandlung abhalten zu laſſen.
Berlin, den 11. Juni 1914.
(P. 2. I. 10. 14.)
Der Polizeipräſident:
In Vertretung: Trewendt.

Die nachſtehende Warnung des Kgl. Herrn Polizeipräſidenten zu
Berlin bringen wir zur öffentlichen Kenntnis.

Darmſtadt, den 27. Juni 1914.
(15124md
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Warnung.

Vor kurzem erſt hatte ich mich veranlaßt geſehen, vor dem Be=
zuge
minderwertiger Entfettungsmittel, mit denen der Markt jetzt
überſchwemmt wird, öffentlich zu warnen. Von den Naturela=
Werken in Hamburg=Rahlſtedt wird neuerdings in irreführender
Weiſe Reklame gemacht für ihre Präparate Naturela=Compound‟
und Naturela=Plättchen‟ Dieſe Mittel ſind ebenſowenig wie die
früher genannten geeignet, Fettleibigkeit zu beſeitigen.
Ich warne vor dem Ankauf.
Berlin, den 17. Juni 1914.
(N. 2. I. 10. 14.)
Der Polizeipräſident:
In Vertretung: Trewendt.

Heugras=Verſteigerung.

Donnerstag, den 2. Juli, nachmittags 4 Uhr, wird das
Heugras von der Fürſtenwieſe, unweit der Pumpſtation des ſtädt.
Waſſerwerks bei Eſchollbrücken (42 Morgen) an Ort und Stelle
öffentlich verſteigert.
Nähere Auskunft wird auf der Pumpſtation erteilt.
Darmſtadt, den 29. Juni 1914.
(15079md
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jager.

Nächſter Zuchtviehmarkt in Darmſtadt
Dienstag, den 7. Juli 1914.

Darmſtadt, den 26. Juni 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
(15193ms

Nachlaß-Verſteigerung.

Donnerstag, den 2. Juli und Freitag, den 3. Juli 1914,
vormittags 9 Uhr und nachmittags 3 Uhr beginnend,
werden im I. Stock des Hauſes Wienersstrasse 51 die folgenden,
zum Nachlaß der Inſtallateur Fritz Ewald Eheleute gehörigen
Gegenſtände, als:
Gold= und Silberſachen, Schmuckſachen, Uhren, Kleider,
Weißzeug, Vorhänge, 2 vollſt. Betten mit Roßhaar=
matratzen
, Möbel und Hausrat, Kücheneinrichtung,
1 Trumeau mit Spiegel, Tiſche, Kommoden, Kleider=
ſchränke
, Gewehre, Geweihe, Bilder, 1 Tiſch mit Muſik=
werk
, Spiegel, Gasöfen, Badeöfen, 1 Eisſchrank,
Küchengeſchirr, 1 große Partie Inſtallationsgegenſtände,
darunter Wandbecken, Gaslampen, Siphons, Lüſter,
Bleirohren, Meſſing und ſonſtige Metalle, Lampen
ſchirme u. a. m.
auf freiwilliges Anſtehen durch den Unterzeichneten beſtimmt ver
ſteigert.
(15219
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
Georgenſtraße 11, I.

Steihanoiger Movel= elt. Verkauf
im Auktions= und möbelhaus
Teleph. 1774
1 Bleichſtraße 1 Teleph. 1774.
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tür
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ſtrichen
, 2 moderne Jagdgewehre und 1 Scheibenbüchſe (Krupp=
Stahlläufe).
Viele einzelne Möbel:
Komplette gute Betten, eiſerne Bettſtellen, Kleider= und Weiß=
zeugſchränke
, Vertikow, Büfetts, Diwan mit Seſſel, Diwan, Sofa,
Salon=Garnitur, Schreibtiſche, Bücherſchränke, Glasſchrank (mahagoni),
Trumeau= und Goldſpiegel, Näh= und Rauchtiſche, Steg= opale und
Auszugtiſche, nußbaum, einfache und beſſere Rohrſtühle, Schreib= und
Ruheſeſſel, Marmortiſch, pol. Schreibpulte, Kredenz, Anrichte, Eck=
ſchrank
, Eisſchrank, Nachttiſche, Teppiche, eiſerne Gartenbank, Bilder,
Lüſter, Badewanne, Bücherregale u. a. m.
(15240
Tiroler Bauernſchrank u. Truhe, Schränke,
Antike Möbel: Glasſchränke, Oelgemälde, Zinn, Glas,
Porzellan uſw.
Laden=Einrichtungen: Regale mit Schubladen, Glasſchrank,
Dezimalwage, 2rädr. Federwagen, Schilder uſw. durch
Auktionator und
Johannes Krummeck,
Taxator.
Annahme von Verſteigerungen, Verkäufen u. Taxationen.

Hengras=Verſteigerung.

Die Verſteigerung des Heugraſes
von dem ſtädtiſchen Wieſengelände
im Oberwald vom 25. lfd. Mts.
iſt genehmigt.
(15074im
Die Mähſcheine ſind bei der
Stadtkaſſe erhältlich und müſſen
bis zum 10. k. Mts. abgeholt ſein.
Darmſtadt, 27. Juni 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.

Pfennigſparkaſſe Darmſtadt.

Diejenigen Pfennig=Marken=
Blätter, welche eine auf volle Mark
abgerundete Geſamteinlage bis zum
Ende des abgelaufenen Viertel=
jahres
nachweiſen, ſind nebſt den
ſtädtiſchen Sparkaſſebüchern
Samstag, 4. Juli 1914,
an die Herren Stationserheber zur
Veranlaſſung der Ueberſchreibung
abzuliefern.
(15080
Darmſtadt, 30. Juni 1914.
Der Verwaltungsrat der
ſtädtiſchen Sparkaſſe.
Der ſtellvertretende Vorſitzende:
Wagner.

Erhebung
der Gemeindeſteuer.

Die Friſt zur Entrichtung des
Ende Mai fällig geweſenen erſten
Ziels der Gemeindeſteuern für das
Rechnungsjahr 1914 wurde bis
8. Juli l. Js. erſtreckt. Bis dahin
kann Zahlung ohne Koſten er=
folgen
.
(15135a
Im Intereſſe raſcheſter Ab=
fertigung
an den Zahlſchaltern
wird erſucht, die Gelder abge=
zählt
bereit zu halten.
Darmſtadt, 26. Juni 1914.
Die Stadtkaſſe.
J. V.: Heppenheimer.

Schreinerarbeiten.

Die Anfertigung und Anliefe=
rung
von 12 zweiſitzigen Zeichen=
tiſchen
nach Muſter für die Mittel=
ſchule
II ſoll vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Freitag, den 10. Juli 1914,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(15213md
Darmſtadt, 30. Juni 1914.
Stadtbauamt.

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
In den Waldungen der Stadt
Darmſtadt iſt das Befahren der
Wege und Schneiſen mit Auto
und Motorrad verboten.
Nur die öffentlichen Straßen:
Dieburger=, Roßdörfer= u. Erbacher=
Straße ſind für Kraftfahrzeuge
erlaubt.
(8489a
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
A, wurden folgende
Einträge vollzogen:

Am 23. Juni 1914.
Hinſichtlich der Firma:
Ludwig Schwab, Darm=
ſtadt
.
Geſchäft und Firma ſind auf
Kaufmann Ludwig Schwab in
Darmſtadt übergegangen.
Der Uebergang der in dem Be=
triebe
des Geſchäfts begründeten
Verbindlichkeiten und Forderun=
gen
iſt bei dem Erwerbe des Ge=
ſchäfts
durch Ludwig Schwab aus=
geſchloſſen
.
Die Prokura der Robert Blum
Ehefrau, Anna, geb. Elſaſſer, in
Darmſtadt iſt erloſchen.
Kaufmann Auguſt Schwab in
Darmſtadt iſt in das Geſchäft als
perſönlich haftender Geſellſchafter
eingetreten. Die offene Handels=
geſellſchaft
hat am 20. Juni 1914
begonnen.
Kaufmann Ludwig Schwab Ehe=
frau
Anna, geb. Grünig, in Darm=
ſtadt
iſt zur Prokuriſtin beſtellt.
Die Firma iſt geändert in:
Auguſt & Ludwig Schwab.
Hinſichtlich der Firma:
Aug. Schwab, Darmſtadt.
Die Firma iſt durch Uebergang
auf die offene Handelsgeſellſchaft
unter der Firma Auguſt & Ludwig
(15242
Schwab erloſchen.
Am 29. Juni 1914.
Hinſichtlich der Firma:
Georg Seip, Darmſtadt.
Die Firma iſt erloſchen.
Darmſtadt, 30. Juni 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Am Freitag und Samstag,
den 3. und 4. Juli 1914, von

vormittags 9 Uhr ab, findet im
Verſteigerungsraume des Fund=
ureaus
in Frankfurt (Main),
Poſtſtraße 6 Nebengebäude
ffentliche Verſteigerung der Fund=
ſachen
ſtatt. Auch werden ein Bril=
lantring
und ein Armband mit
Brillanten verſteigert. (315146
Frankfurt (Main), 16. Juni 1914.
königliche Eiſenbahndirektion.

Dienſtmänner=Vereinigung
Büro: Karlſtraße 30
Telephon 1909. (*17852

Bekanntmachung.

Das Umlagekataſter der Land= und forſtwirtſchaftlichen Berufs=
genoſſenſchaften
liegt von Donnerstag, den 2. Juli, zwei Wochen lang
auf unſerem Büro zur Einſicht der Beteiligen offen.
Etwaige Widerſprüche dagegen, daß ein Betrieb in das Kataſter
aufgenommen oder nicht aufgenommen, ſowie dagegen, wie er ver=
anlagt
iſt, ſind innerhalb eines Monats nach Ablauf der Offenlegungs=
friſt
bei dem Vorſtande der landwirtſchaftlichen Berufsgenoſſenſchaft
in Darmſtadt zu erheben. Später eingehende Widerſprüche können
keine Berückſichtigung mehr finden.
(15244
Gräfenhauſen, den 30. Juni 1914.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Petri.

Der beste Beweis
für die Leistungsfähigheit eines Geschäfts ist der steigende Um.
satz. Mein Umsatz
(15147

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Ernst-Ludwigstrasse 4
Telephon 486.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 8. Juli I. Js.,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die den Julius Triebert Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
III 866 86 Grasgarten Vik=
toriaſtraße
,
III 866¾/10 12 Waſchküche daſ.,
III 867 143¼10 Hofreite Vikto=
riaſtraße
63,
III 867¾/10 21%0 Grasgarten,
Vorgarten
daſelbſt,
in unſerem Bureau, Grafenſtraß=
Nr. 30, II., zwangsweiſe verſteigert
(K9/14
werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, 2. Juni 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,13240

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verſch. helle Damenkl., Gr. 44, bill.
abzugeb. Kahlertſtr. 15, I. (*17846

Pferde=Verkauf.

Freitag, den 3. Juli 1914,
11 Uhr vormittags,
wird auf dem vorderen Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne am Ma=
rienplatz
in Darmſtadt ein acht
Wochen altes Fohlen öffentlich
meiſtbietend verſteigert. (15144
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(B15195

[ ][  ][ ]

Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Inli 1914.

Nummer 178.

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Zeil 112

FRANKFURT AM MAIN.

Neben der Hauptpost.

[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Seite 33.

Bimmelserſcheinungen im Zull.

A. K. Am 4. Juli, um 1 Uhr vormittags, gelangt die
Erde in ihrer elliptiſchen Bahn an denjenigen Punkt, in
dem ſie ihre größte Entfernung von der Sonne erreicht,
in das Aphel. Ihr Abſtand vom Sonnenzentrum be=
trägt
dann 151,99 Millionen Kilometer und der ſcheinbare
Durchmeſſer der Sonne 31' 27.70. In ihrer Sonnennähe,
im Perihel, das die Erde am 1. Januar durchlief, betrug
ihr Sonnenabſtand nur 146,97 Millionen Kilometer, da=
gegen
der ſcheinbare Durchmeſſer der Sonne 32½ 31.94.
Mit dem Uebertritt der Sonne aus dem Kalender=
zeichen
des Krebſes in das des Löwen am 23. Juli
beginnt die Zeit der Hundstage, die bis zum Ueber=
tritt
der Sonne in das Zeichen der Jungfrau am 24.
Auguſt währt.
Die Deklination der Sonne nimmt ſeit dem 22.
Juni, an dem ſie ihren größten poſitiven Wert, 23% 277
beſaß, wieder ab, nämlich von 23% 9' 48.6 am 1. Juli bis
auf 18% 26½ 9.7 am 31. Juli. Dementſprechend verringert
ſich auch die Mittagshöhe der Sonne, und zwar für
den Parallel von 54 (Norddeutſchland) von 59 10 am 1.
bis auf 54 26' am 31., für den Parallel von 51 ( Mittel=
deutſchland
) von 62 10 am 1. bis auf 57 26' am 31. Juli,
und für den Parallel von 48 (Süddeutſchland und Oeſter=
reich
, etwa die Breite um Wien) von 65% 10 am 1. bis auf
60% 26' am 31. Juli. Mit der Verkleinerung der Tagbogen
der Sonne erfährt die Tageslänge eine Abnahme im
nördlichen Gebiet von 17 auf 15½ Stunden, im mittle=
ren
Gebiet von 16½ auf 15¼ und im ſüdlichen Gebiet von
16 auf 15 Stunden. Zuerſt im ſüdlichen Deutſchland, dann
fortſchreitend bis zuletzt im nördlichen Deutſchland hören
während des Monats auch die hellen Nächte auf.
Der Phaſenwechſel des Mondes vollzieht ſich zu
folgenden Zeiten: Vollmond am 7. Juli, um 3 Uhr 0 Min.
nachm., Letztes Viertel am 15. Juli, um 8 Uhr 32 Min.
vorm., Neumond am 23. Juli, um 3 Uhr 38 Min. vorm.,
und Erſtes Viertel am 30. Juli, um 12 Uhr 51 Min. vorm.
Der Mond befindet ſich am 3. Juli, um 8 Uhr 7 Min.
vorm., in ſeiner Erdnähe bei einem Abſtande von 57.7
Erdhalbmeſſern à 6378 Kilometer, am 15. Juli, um 4 Uhr
1 Min. nachm., in ſeiner Erdferne bei einem Abſtande von
63.4 Erdradien und am 28. Juli, um 1 Uhr 0 Min. nachm.,
wiederum in ſeiner Erdnähe bei einer Entfernung von
57.9 Erdhalbmeſſern. Bedeckungen hellerer Sterne finden
im Juli nicht ſtatt.
Zur Beobachtung der großen Planeten bietet ſich
im Juli, teils wegen ungünſtiger Stellung der Körper.
teils wegen der noch ſehr kurzen Nächte, nicht ſonderlich
viel Gelegenheit. Venus iſt kurze Zeit am Abendhimmel
und Saturn ſpäter eine Weile am Morgenhimmel zu ſehen,
nur Jupiter ſtrahlt während der ganzen Nacht in prächti=
gem
Glanze am ſüdlichen Firmament. Merkur durch=
läuft
am 16. Juli, um 7 Uhr nachmittags, ſeine untere
Sonnenkonjunktion, bleibt daher unſichtbar. Sein Ab=
ſtand
von der Erde beträgt am 1. 0.65, am 16. 0.58 und am
31. 0.77 Erdbahnhalbmeſſer oder Einheiten à 149.48 Mil=
lionen
Kilometer; ſein ſcheinbarer Durchmeſſer erreicht in
ſeiner Erdnähe den Wert von 11. 6. Am 3. Juli, um 5 Uhr
nachm., gelangt der Planet in ſeine Sonnenferne bei einem
Abſtande von 0.4667 Einheiten (Erdbahnradien), wogegen
er in ſeiner Sonnennähe (nach 44 Tagen) nur den Abſtand
von 0.3075 Einheiten beſitzt; die Exzentrizität der Mer=
kursbahn
iſt mit 0.2 die größte aller Haupt= Planetenbah=
nen
. Venus glänzt im Bilde des Löwen nur etwa

ſeine halbe Stunde lang in der Abendimmerungs ihre
Sichtbarkeit bleibt überhaupt während des ganzen Jah=
res
1914 bis in den November hinein als Abendſtern
wenig günſtig, erſt im Dezember wird ſie als Morgenſtern
ausgezeichnet gut ſichtbar und am Jahresſchluſſe wird ſie
3 Stunden lang in großer Helligkeit ſtrahlen. Venus
nähert ſich der Erde von 1.27 bis auf 1.05 Einheiten, wobei
ihr Scheibendurchmeſſer von 13.3 bis auf 16."00 zunimmt.
Am 25. Juli, um 7 Uhr morgens, hat der Mond mit
Venus Konjunktion; beide Geſtirne befinden ſich dann
aber unter dem Horizont, man ſieht daher am vorangehen=
den
Abend die noch ſehr feine Mondſichel nordweſtlich
(rechts), am folgenden Abend aber ſchon öſtlich (links oben)
vom Abendſtern. Mars, der ſchon recht lichtſchwach
geworden iſt, kann in der hellen Abenddämmerung mit
unbewaffnetem Auge nicht mehr wahrgenommen werden,
obgleich er vorläuſig noch 1½ Stunden nach Sonnenunter=
gang
über dem Horizont weilt; er bleibt nun während
eines vollen Jahres verborgen und taucht erſt im Juli
1915 am Morgenhimmel wieder auf, um dann allerdings
ſchnell an Glanz zuzunehmen. Sein Erdabſtand iſt jetzt
ſchon ſehr groß, nämlich am 1. Juli gleich 2.02, am 31.
Juli gleich 2.20 Erdbahnhalbmeſſer, ſein größter Abſtand,
im November 1914, beträgt nur wenig mehr: 2.46 Ein=
heiten
. Jupiter ſtrahlt, im Bilde des Steinbocks
ſich rückläufig bewegend, während der ganzen Nacht als
hellſtes Geſtirn am ſüdlichen Himmel. Er kulminiert an=
ſangs
um 3 Uhr vormittags, zuletzt bereits um Mitter=
nacht
, doch nicht beſonders hoch. Da ſich der Abſtand des
Planeten von der Erde noch erheblich, von 427 bis auf
4.06 Einheiten, verringert, wächſt ſein ſcheinbarer Durch=
meſſer
von 46. 7 bis auf 49. 2., ſo daß er ſchon für kleinere
Fernrohre ein außerordentlich dankbares Beobachtungs=
objekt
bildet. Am 10. Juli, um 8 Uhr vorm., kommt der
Mond mit Jupiter in nahe Konjunktion, während der
vorangehenden Nacht ſieht man die noch beinahe volle
Mondſcheibe von Weſten (rechts) her dem Planeten immer
näher rücken. Saturn erſcheint im öſtlichen Teile
des Stiers um Monatsmitte wieder am frühen Morgen=
himmel
; ſein Aufgang erfolgt etwa um 1½ Uhr. Auch die=
ſer
Planet nähert ſich uns, oder richtiger, wir nähern uns
ihm, ſeine Abſtände ſind am 1. Juli 10.00 und am 31. Juli
9.77 Einheiten. Der ſcheinbare Durchmeſſer des Saturn=
körpers
beträgt anfänglich 16.3, zuletzt 16.7, der großen
Achſe der Ringellipſe um Monatsmitte 38.49 und der klei=
nen
Achſe 17. 5; das Ringſyſtem, das uns ſeine Südſeite
zukehrt, erſcheint alſo jetzt breiter als die Saturnkugel.
Uranus, der Anfang Auguſt in Oppoſtion gelangt,
iſt während der ganzen Nacht über dem Horizont, er ſteht
unweit ſüdweſtlich vom Jupiter im Bilde des Stein=
bock
Ihm nähert ſich die Erde ebenfalls von 19.00 bis
auf 18.86 Einheiten. Sein Scheibendurchmeſſer beſitzt zu=
erſt
den Winkelwert von 4.3, zuletzt 4.4. Die Oerter des
Uranus, der als Sternchen 5. Größe ſchimmert, ſind am
1. Juli Rektaſzenſion 20h 53m 57s und Deklination 18
10, am 31. Juli Rektaſzenſion 20h 49m 28s und Dekli=
nation
18? 28½. Neptun kommt am 21. Juli, um
3 Uhr nachm., in Sonnenkonjunktion, bleibt deshalb auch
für die großen Teleſkope unſichtbar. Sein Erdabſtand be=
trägt
zu dieſer Zeit 10.31 Einheiten oder 4635.37 Millionen
Kilometer. Beiläufig bemerkt, hat dieſer fernſte bekannte
Planet ſeit ſeiner Entdeckung im Auguſt und September
1846 durch Adams und Leverrier, d. h. während ſeiner
nunmehr 68jährigen Beobachtungszeit, bei weitem noch
nicht einen halben Umlauf um die Sonne zurückgelegt,

denn er braucht zur Volndung ſeines ganzen Kreiſes in
bezug auf die Firſterne 164.76 Jahre.
Von den drei zuletzt entdeckten Kometen entfernen
ſich die Kometen 1914a (Kritzinger) und 1914b ( Zla=
tinsky
) als lichtſchwache Geſtirne immer mehr von der
Sonne und Erde. Dagegen nähert ſich der Komet 1913f
(Delavan) noch längere Zeit der Sonne und Erde, denn
er wird erſt am 26. Oktober 1914 ſein Perihel erreichen und
dann vielleicht dem bloßen Auge ſichtbar werden. Im
Juli zieht er im Sternbilde des Fuhrmannes langſam
nordöſtlich weiter.
Sternſchnuppen zeigen ſich im Juli vornehmlich
vom 26. bis 29. in größerer Häufigkeit als ſonſt; die Me=
teore
ſtrahlen in dieſen Tagen hauptſächlich vom Bilde
des Schwans, das abends hoch im Oſten die Milchſtraße
ziert, aus.
Eine Betrachtung des geſtirnten Himmels zeigt
uns nördlich von dem eben erwähnten Schwan mit dem
hellen Deneb die Leier mit der glänzenden Wega, hoch
im Südoſten den Adler mit Altair, im Süden den Skor=
vion
und im Südweſten die Jungfrau mit dem Stern
erſter Größe Spica. Hoch im Weſten funkelt Arctur im
Bootes über dem wieder die Krone eine beſondere
Zierde des Firmaments bildet. Tiefer im Weſten bemerkt
man den Löwen mit Regulus, darüber das feine Haar
der Berenice‟. Der Große Bär thront abends im hohen
Nordweſten und neben ihm am Nordpole der Kleine
Bär. Weiter nach dem Horizonte zu haben im Nord=
weſten
die Zwillinge ihren Stand, während den Norden
der Fuhrmann mit Capella auszeichnet. Die ſternbeſäte
Milchſtraße ſchwingt ſich abends in weitem Bogen vom
Norden über den Oſten zum Süden; von ihren ſchemen=
haften
Wolken, deren Schein von ungezählten Sonnen zu=
ſammengegoſſen
iſt, hat das Licht Jahrhunderte zu wan=
dern
, bis es dem Auge des Menſchen begegnet, ob es auch
mit dem Sekundenſchritt von 300 000 Kilometer durch den
Aether fliegt.

Turnen, Spiele und Sporf.

* Darmſtädter Sportklub 1905 e. V. Wie in früheren
Jahren, ſo beteiligte ſich auch diesmal der Darmſtädter
Sportklub 1905 an den Jugendſpielen des Jungdeutſch=
landbundes
am vorigen Sonntag. Die 2. Mannſchaft hatte
ſich hierzu den Fußballklub Bensheim verpflichtet, Sport=
klubs
Mannſchaft zeigte ſich ihrem Gegner weit überlegen
und ſchlug ihn mit 6 :0 Toren. Die Leichtathletik= Abtei=
lung
beſuchte die nationalen Wettkämpfe in Aſchaffen=
burg
, und hatte auch hier einen guten Erfolg. Ackermann
erhielt im Diskuswerfen und Merkel im 5000 Meter=Lauf
den 1. Preis. Zwei wertvolle Ehrenpreiſe brachten die
Sieger mit nach Hauſe. Merkel ſtartet am nächſten Sonn=
tag
bei den Internationalen Wettkämpfen des Frankfurter
Fußball=Vereins.
* Rad= und Motorrennen in Darmſtadt. Man ſchreibt
uns: Große radſportliche Ereigniſſe werden ſich am kom=
menden
Sonntag, nachmittags 3½ Uhr, auf der hieſigen
Radrennbahn abſpielen. Der Veloziped=Klub als Ver=
anſtalter
hat in dieſem Jahre ſtändig eine Steigerung ſei=
ner
ſportlichen Darbietungen vorgenommen, auch diesmal
wird ein Programm geboten, wie es beſſer nicht geboten
werden kann. Die Meiſterſchaften von Südweſtdeutſchland
über 1 und 10 Kilometer für Herrenfahrer kommen zum
Austrag und bringen eine große Anzahl Fahrer aus ganz
Südweſtdeutſchland nach Darmſtadt. Iſt ſchon dieſe Pro=

Unser diesjähriger

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[ ][  ][ ]

Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

Nummer 178.

grammnummer ein Ereignis, ſo kommt noch hinzu ein
Mannſchaftsrennen, das eine vorzügliche Beſetzung hat
und entſprechend den olympiſchen Wettbewerben ausge=
fahren
werden ſoll. In Anbetracht der Bedeutung die=
ſes
Rennens für den ſüddeutſchen Bezirk wurde von der
Redaktion des Berliner Tageblatts ein wertvoller Wan=
derpreis
geſtiftet. Auch die übrigen Rennen ſind erſt=
klaſſig
, ſowohl in ihrer Zuſammenſetzung, als in der Be=
ſetzung
der Fahrer, ſo daß dem Darmſtädter Sportpubli=
kum
auserleſene ſportliche Genüſſe bevorſtehen.
Das nationale Sportfeſt des Fußballklubs Olympia
Darmſtadt, am 11. und 12. Juli, unter dem Protektorat
des Großherzogs von Heſſen, erfreut ſich allenthalben be=
ſonderer
Teilnahme. An der notwendigen Unterſtützung
hierzu aus den Kreiſen der Behörden uſw. fehlt es denn
auch nicht. Wird ſchon durch das hohe Protektorat das
allerhöchſte Intereſſe für die ſportliche Veranſtaltung zum
Ausdruck gebracht, ſo ſteht dem Sportfeſte weiter noch ein
Ehrenausſchuß, gebildet aus namhaften Männern, die mit
der Zeit leben, die die Jugend lieben und das hohe Ziel
der Sportbewegung erkannt haben, bevor. Bürgt ſchon
dieſe Mitarbeit für eine erſtklaſſige Veranſtaltung, ſo ſind
es weiter noch die beſten deutſchen Leichtathleten, die ihre
Beteiligung in ſichere Ausſicht geſtellt haben und die damit
die Gewähr für einen ganz vorzüglichen Sport geben. Die
Ausſchreibung umfaßt 31 Konkurrenzen, darunter Offi=
ziers
= und Akademiker= ſodann Militär= und Schülerwett=
kämpfe
. In dieſen ſowohl wie in den Hauptwettkämpfen wer=
den
Lauf=, Wurf= und Sprungkonkurrenzen beſtritten. Ne=
ben
den intereſſanten Kurzſtreckenläufen kommen mehrere
ſpannende Stafettenläufe zum Austrag. In Speer=, Dis=
kus
= und Hammerwerfen, in Kugelſtoßen, Freihoch= und
Stabhochſprung, ſowie im Dreikampf werden die beſten
Kämpfer antreten. An Ehrenpreiſen fehlt es nicht, ſie
ſtehen, geſtiftet zur Unterſtützung und im Intereſſe der
Sache von namhaften Perſonen, in großer Anzahl zur
Verfügung. Von den Wanderpreiſen begegnet dem größten
Intereſſe der Großherzogspreis für die 3000 Meter= Sta=
fette
. Auch von Herrn Generalmajor Freiherrn von Heyl,
dem Herrn Oberbürgermeiſter, Herrn Generalkonſul C.
von Weinberg u. a. m. ſtehen noch Wanderpreiſe zur Ver=
fügung
.
* Darmſtädter Schwimmer auswärts. Bei den
Schwimmwettbewerben des Höchſter Schwimmklubs Nep=
tun
war der Darmſtädter Schwimmklud
Jung=Deutſchland durch vier ſeiner Mitglieder vertreten,
die drei erſte und einen zweiten Sieg erringen konnten.
Leider wurde der volle Erfolg dadurch geſchmälert, daß
die Sieger im Jugend= und Juniorbruſtſchwimmen we=
gen
angeblicher Stilmängel nachträglich diſtanziert wur=
den
. Sie teilten dabei das Schickſal noch mehrerer aus=
wärtiger
Bruſtſchwimmer, wie man überhaupt in Höchſt
erfahrungsgemäß mit dem Diſtanzieren wegen Stilfehler
ſchnell bei der Hand zu ſein pflegt. Es ſei an dieſer Stelle
bemerkt, daß ſchon ſeit längerem im Deutſchen Schwimm=
verband
eine Bewegung im Gange iſt, die den ſteifen deut=
ſchen
Bruſtſtil endgültig beſeitigen und dem freieren inter=
nationalen
Stil auch auf nationalen Wettbewerben Ein=
gang
verſchaffen will. Die Unkenntnis des internationa=
len
Stils koſtete Deutſchland auf den letzten olympiſchen
Spielen den Sieg im Rückenſchwimmen. Wenngleich die
beiden Darmſtädter keinen internationalen Stil ſchwam=
men
, ſondern immer den Kopf über Waſſer hielten, wäh=
rend
des internationalen Reglements das zeitweiſe Unter=
tauchen
des Kopfes, des ſogen. Stibben, erlaubte, ſo be=

gingen ſie demnach die folgenſchwere Stilwidrigkeit ſich
nach ihren Gegnern umzuſehen. Die Reſultate der von
den Darmſtädtern beſtrittenen Rennen ſind folgende:
Jugendjuniorbruſtſchwimmen, 50 Meter.
Erſter: Cr. Kördt, Darmſt. S.=C. J.=D., 45½ Sek. ( di=
ſtanziert
). Zweiter: Enders, Mainzer Schwimm=Verein,
46½ Sek.
Juniorbruſtſchwimmen, 100 Meter. Erſter:
G. Lachmann, Darmſt. S.=C. J.=D. 1 Min. 34 Sek. ( di=
ſtanziert
). Zweiter: Sondermann, 1 Min, 34 Sek. ( diſtan=
ziert
). Dritter: Petter, Athletik=Sportklub Frankfurt,
1 Min. 41 Sek. (Sieger).
Ermunterungsſeiteſchwimmen, 100 Meter.
Erſter: Senßfelder, Darmſt. S.=C. J.=D. , 1 Min. 31 Sek.
Zweiter: Leinhold, Turnverein Jahn, München, 1 Min.
32 Sek.
Jugendhandüberhandſchwimmen, 50 Me=
ter
. Erſter: Weithenhauſen, Salamander, Mannheim,
37½ Sek. Zweiter: Id. Wißner, Darmſt. S.=C. J.=D.
38 Sek.
Wißner führt mit einer Länge bis knapp vors Ziel,
wo er ſich ſeitlich verſchwimmt. Nach Schluß der Ein=
zelwettbewerbe
trat eine kombinierte Mannſchaft des
Darmſtädter Schwimmklubs gegen Schwimmverein
Mainz==Mombach zu einem Geſellſchafts=Waſſerballſpiel
an, das die Mainzer mit 4:3 für ſich entſcheiden konnten.
Stand des Spiels bei Halbzeit 311.
sr. Pferdeſport. Der Schlußtag des Derby=
Meetings. Bei heißem, ſchwülen Wetter, aber ſchwa=
chem
Beſuch, fand am Montag das Derby=Meeting zu
Hamburg ſeinen Abſchluß. Die Reſultate waren: Ver=
gleichs
=Rennen; 6000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn
Balduins Patſchuli (Davies), 2. Samoa (F. Winter), 3.
Mercedes (Archibald). Tot.: 29110, Pl. 16, 18:10. Hor=
ner
=Handikap; 12000 Mark, Diſtanz 2100 Meter: 1. Herrn
Balduins Papyrus (Davies), 2. Nandor (Raſtenberger),
3. Rheingau (Archibald). Tot.: 21:10, Pl. 12, 29, 14:10.
Jenfelder=Rennen; 5000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1.
Herrn Animato (W. Plüſchke), 2. Fox (Archibald), 3. Ora=
nier
(v. Tucholka). Tot.: 38:10, Pl. 15, 14, 32:10. Re=
nard
=Rennen; 20000 Mark, Diſtanz 2800 Meter: 1. Herren
A. und C. v. Weinbergs Pirol (Shaw), 2. Lom (Varga),
3. Alvarez (Archibald). Tot.: 31:10, Pl. 18, 27110.
Troſt=Handikap: 5000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn
S. del Sancos Villa (Davies), 2. Raguſa (Davies), 3. Pa=
cefic
(W. Plüſchke). Tot.: 46:10, Pl. 20, 37, 36:10.
Altes Hamburger Jagd=Rennen; Ehrenpreis und 10000
Mark, Diſtanz 5600 Meter: 1. Herrn G. Ehlers Elk (Herr
Purgold), 2. Flyink Hawk (Lt. Graf Holck), 3. Haſchiſch
(Lt. Martins). Tot.: 61:10, Pl. 18, 13, 15:10.
Auteuil, 29. Juni. Prix Grandlieu; 3000 Fran=
ken
, Diſtanz 3800 Meter: 1. Monſ. E. Thiebauxs Boheme
II, 2. Paſſau, 3. Chouchois. Tot.: 24:10, Pl. 15, 29110.
Prix de la Gibauderie; 5000 Franken, Diſtanz 3500 Meter:
1. Monſ. T. P. Thornes Pretendante, 2. Fonraud, 3. Ko=
leah
. Tot.: 30:10, Pl. 21, 23:10. Prix de Meudon; 7000
Franken, Diſtanz 2700 Meter: 1. Monſ. Leelercs Mephiſto
IIII, 2. Jridium II, 3. Le Grand Conde. Tot.: 50:10, Pl.
19, 56, 25:10. Prix Sagan; 30000 Franken, Diſtanz 4000
Meter: 1. Monſ. Jam. Henneſſys Champoreau, 2. Rein=
deer
, 3. Duc de Dantzig. Tot.: 17110, Pl. 16, 42:10.
Prix Aquilon; 5000 Franken, Diſtanz 4000 Meter: 1. Monſ.
M. Descazeauxs Orſanco, 2. Monſeigneur, 3. Barbaroſſa.
Tot.: 43:10, Pl. 14, 17, 14:10. Prix des Veneurs; 4000
Franken, Diſtanz 3100 Meter: 1. Monſ. Ch. Broſſettes

Ondee II, 2. Le Chameur, 3. Lady Agnes. Tot.: 106:10
Pl. 22, 15, 45:10.
Radſport. Abendrennen auf der Radrenn=
bahn
an der Heidelberger Straße. Zum erſten
Male fanden am Montag Abendrennen in Darmſtadt ſtatt
und wenn auch der Beſuch hätte beſſer ſein können, ſo hat
damit der Velociped=Klub Darmſtadt wiederum
etwas Neues geboten. Der Sport war ein recht guter und
wer den Rennen beigewohnt hat, war recht befriedigt. Die
Dauerfahrer fuhren ein Stundenrennen hinter großen
Schrittmachermotoren und konnte hierbei Böſchlin, der
das Rennen in glänzendem Stile gewann, einen Bahn=
rekord
aufſtellen; er fuhr in dieſer Stunde 58 Kilometer
360 Meter. Zweiter wurde Gruber und Dritter Birkle.
Letzterer hatte unter den Folgen eines Sturzes beim
Training in Kaiſerslautern zu leiden und konnte ſeine
ganze Kraft nicht entfalten. Ganz hervorragend waren
die beiden Fliegerrennen, bei denen ausſchließlich Mit=
glieder
des Velociped=Klubs ſtarteten. 14 Fahrer traten
bei jedem Rennen an, gewiß eine recht ſtattliche Anzahl.
Damus, Thomae und Sehring gewannen das 5 Kilometer=
Rennen und Thomae, Sehring und W. Hermes das Vor=
gaberennen
, das ohne Damus gefahren wurde. Reſul=
tate
: 1. Ausſtellungspreis (Stundenrennen): 1. Böſchlin,
58 Kilometer, 360 Meter; 2. Gruber, 8 Runden zurück; 3.
Birkle, 15 Runden zurück. 2. Hauptfahren für Flieger 5
Kilometer: 1. Damus, 2. Thomae, 3. Sehring. Führungs=
preis
: Damus. Zeit: 8 Minuten, 30 Sekunden, letzte 200
Meter 13 Sekunden. Ein ſehr ſcharfes Rennen, bei jeder
Runde gibt es einen Spurt. Damus gewinnt ſicher, wäh=
rend
Thomae bei den letzten 50 Meter Sehring überholt.
3. 10 Kilometer=Rekordfahren: 1. Böſchlin, Zeit 10 Minu=
ten
32 Sekunden, 2. Gruber, 3. Birkle, in der 10. Runde
aufgegeben. 4. Vorgabefahren: 1. Thomae (20), 2. Sehring
(0), 3. W. Hermes (100). Ein ſehr ſchönes Fahren, bei
dem Sehring und Thomae bereits kurz nach der erſten
Runde die Vorgaben geholt haben. Auf der Gegengraden
entwickelt ſich ein Poſitionskampf, bei dem R. Schmitt ein=
geſchloſſen
wird und nicht vorbei kann. Zeit: 1 Minute,
20 Sekunden.
* Kiel, 30. Juni. Von den Jachten der Son=
derklaſſe
wurde Reſi als Siegerin im erſten Ren=
nen
der Kronprinzenpokal, Eliſabeth des Prinzen Eitel
Friedrich, die im zweiten Rennen als erſte durchs Ziel
ging, der Armourpokal zugeſprochen. Die Preisvertei=
lun
, für die Regatta der Kriegsſchiffsboote erfolgte be=
reits
geſtern abend durch den Prinzen Heinrich. An dem
Feſteſſen des Kaiſerlichen Jachtklubs, das nachmittags
ſtattfand, nahmen u. a. der engliſche und amerikaniſche
Botſchafter und Admiral Warrender teil. Der engliſche
Botſchafter ſaß rechts neben dem Prinzen Heinrich. Heute
morgen 7 Uhr gingen die drei engliſchen Kreuzer durch den
Kanal nach der Nordſee. Bald darauf fuhren die vier
engliſchen Schlachtſchiffe ab, die um Skagen herumfahren.
Um 10 Uhr vormittags ſtarten die Klaſſen der großen und
mittleren Jachten zur Seewettfahrt und zum Handikap
von Kiel nach Eckernförde.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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[ ][  ][ ]

Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Juli 1914.

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Nummer 178.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jnli 1914.

Seite 39.

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Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)

Staatspapiere.
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3½ 85.20
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do. v. 189194 .
3 79,30
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Hessische Staats-Anleihe 4 97.70
4 97,80
do. unkdb. p. 1921 .
84.70
do. . . . .
3 74,05
do. . . . ..
Bücheische Staats-Rente 3 7720
Württembg. Staats-Anl.
(unkdb. p. 1921).
4*98,80
do. v. 79/80 . .
3½ 88,0
do. . . . .
3 77.60
Bulgarische Gid.-Anl.
5 95,50
Grioch. Anl. v. 1890. .
1.6
do. v. 1887 Monopol 1¾4
Italienische Rente.
Osterr. Staats-R. v. 1913
90,27)
do. Silber-Rente .
½ 8400
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.4½ 83,85
do. Gold-Rente . . .
4 85.00)
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do. inn. amort. 1905 . . 4½ 75.00
do. unif. Serie I
3 62,00
III.
do. ,
3 65,90
do. Spozial Titel. . .
9,80
Rumänen v. 1903 . . .
5 99.50
do. Gold v. 1913.
4½ 91,00
do. Schatzsch. v. 1913 . 4½
. conv. .
485,10
do, v. 1890
4 90,20
do. v. 1891
4 90.00
do. v. 1905
4 85,00
do. v. 1908 .
4 85,50
do. v. 1910
4 85,10
Russische St. Anl. v. 16
½ 97,60
do. kons. v. 1880 .
4 86,80
do. Gold v. 1890
4
do. r. 1902
4 89,35
Schweden v. 1880. .
3½
dg. v. 1886 .
3½l 86,70

Schweden v. 1890. . . . . . 31
(2
Sorben steuerfrei . . . . . 4
do, amort. v. 1895
Türk. Egypt. Tribut .
do. kons. Steuerfreie .
do. Admin. v. 1903. . .
75.50
do. unif. v 1903. . . . .
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Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . .4½ 88,85
Ungar. Staatsk.-Scheine
v. 1913 . . . . . . . . . . . .4½ 98,90
do. Gold-Rente. . . . . 4 81,60
do. Staats-Rente 1910. 4
do.
Kr. 4 79,40
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v. 1887 5
do. äußere v. 1890 . . . 5 99,80
eT
dc. innere v. 1858 . . .4½
do. äußere v. 1888 . . . 4½
480,00
do. v. 1897 . . . . . . .
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5
do. v. 1889 . .
4½
do. v. 1906 . .
4½ 89,20
Chines. St.-Anl. v. 1895.
6
do. v. 1896 . . .
5 1. 99,30
do. Reorg. Anl..
5 88,20
do. v. 1898 . . .
4½ 89,50
Jepaher . . . . . . . 3
9270
innere Mexikaner . .
69,00
Außere do. V. 1898
84,00
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69,50
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83.50
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do. unk. 1922 52
do. 1915. . . . . . . 3½ 88 60
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do. Scr. 45 . . . . .
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Eschweiler . . . . . . . . . . 10 226,00

Gelsenkirchen Bergw. . . 11 (182,00
Harpen Bergbau. . . . . .11 177,20
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Königin Marienhütte . . 5 81,00
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Oberschles. Eisenbed. . . 4 86.00
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Badische . .
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Holländ. Komm. . H. 100 3 114,50
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Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 (142,10
Osterreicher 1860er Lose . 4 180,80
Oldenburger. . . . TIr. 40 3 128,00
Reab-Grazer . . . . H. 1502½
Unverzinsliche
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Anlehenslose.
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Handel und Verkehr.

Frankfurt a. M., 30. Juni. (Börſe.) Die
Wiener Anfangskurſe, die man heute mit beſonderer
Spannung erwartete, ließen erkennen, daß man in Oeſter=
reich
hofft, daß auf die Ereigniſſe der letzten Tage ſchwer=
riegende
politiſche Folgen nicht eintreten werden, eine
Anſchauung, welche man an hieſiger Börſe bereits geſtern
vertreten hatte. Die erſten Kurſe wieſen daher nur re=
lativ
geringe Veränderungen gegen geſtern auf. Zuſtat=
ten
kommt der hieſigen Börſe anſcheinend, daß die laufen=
den
Engagements recht gering ſind und daß infolgedeſſen
ein Entlaſtungsbedürfnis nicht beſteht. Die Kurſe der
Montanwerte waren leicht abgeſchwächt, anſcheinend im
Zuſammenhang mit ungünſtig lautenden Berichten aus
der belgiſchen Montaninduſtrie. Auch Bankaktien wieſen
neuerdings vereinzelte Kursabſchwächungen auf. Auf
Anregung aus Berlin, wo man Hanſaaktien auf beſſere
Frachtenausſichten ſteigerte, zeigte ſich auch Intereſſe für
die hier gehandelten Schiffahrtsaktien. Die Börſe verlief

im übrigen wieder recht ruhig bei geringen Umſätzen.
Der Kaſſamarkt war ſtill, die Kurſe wenig verändert.
* Frankfurt a. M., 30. Juni. In der heutigen Ge=
neralverſammlung
der Elektrizitäts=Aktien= Ge=
ſellſchaft
vorm. W. Lahmeyer u. Co., in welcher
27437 Aktien gleich 27437000 Mark Aktienkapital vertre=
ten
waren, wurden die Anträge der Verwaltung einſtim=
mig
angenommen und die Verteilung einer Dividende von
7 Prozent (Vorjahr 6 Prozent) beſchloſſen. Die turnus=
mäßig
aus dem Aufſichtsrate ausgeſchiedenen Herren:
Präſident Dr. Julius Frey=Zürich, Walther vom Rath=
Frankfurt a. M., Dr. Walther Rathenau=Berlin, Direktor
Emil Walch=Zürich und Direktor Karl Zander=Zürich
wurden wiedergewählt.
Schiffsliſte für billige Briefe nach
den Vereinigten Staaten von Amerika
(10 Pfg. für je 20 Gramm). Die Portoermäßigung er=
ſtreckt
ſich nur auf die Briefe, nicht auch auf Poſtkarten,
Druckſachen uſw. und gilt nur für Briefe nach den Ver=
einigten
Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen
Gebieten Amerikas, z. B. Kanada. Cleveland (nur nach

Boſton) ab Hamburg 3. Juli, Berlin ab Bremen 4. Juli,
Kaiſer Wilhelm der Große ab Bremen 8. Juli, Großer
Kurfürſt (noch unbeſtimmt) ab Bremen 11. Juli, Ame=
rika
ab Hamburg 15. Juli, Kronprinz Wilhelm ab Bre=
men
21. Juli, Vaterland ab Hamburg 22. Juli, George
Waſhington ab Bremen 25. Juli, Kronprinzeſſin Ce=
eilie‟
ab Bremen 28. Juli, Imperator ab Hamburg
31. Juli, Königin Luiſe ab Bremen 1. Auguſt. ( Poſt=
ſchluß
nach Ankunft der Frühzüge.) Alle dieſe Schiffe
außer Cleveland ſind Schnelldampfer oder ſolche,
die für eine beſtimmte Zeit vor dem Abgange die ſchnellſte
Beförderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt ſich, die
Briefe mit einem Leitvermerk, wie direkter Weg oder
züber Bremen oder Hamburg, zu verſehen.

Landwirtſchaftliches.

F. C. Frankfurt a. M., 30. Juni. (Heu= und
Strohmarkt.) Am heutigen Markte war weder Heu
noch Stroh angefahren.

Berzkirschen
Pfund 18 Pfg.
15247) Kranichſteinerſtr. 65, Hth.

[ ][  ][ ]

Seite 40.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Jnli 1914.

Nummer 178,

Frankfurt a. M.

an der Markthalle 6

ie grossen Verkaufstage
8
in Kleiderstoſfen, Seide, Waschstoſſen, Weiss-, Leinen- und
Baumwollwaren, Wäsche, Schürzen, Frottierwaren u. Sardinen

Geginnen heute Mittwoch den 1. Juli.

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Fantasie-Tag-Hemden
Serie I
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Stück 1.48
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Serie I
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Serie II
Stück 95 pf.
Serie IV,
Stück 1.65

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Mtr. 25 Pf.Mr. 33 Pf.

Serie III
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Serie II
Serie I
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Mtr. 36 Pf.

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Serie II
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130 cm breite weiße Bettdamaste,
Streifen und Blumen
Serie II
Serie I
Mtr. 85 Pf.
Mtr. 68 pf.

Serie III (
Mtr. 95 Pf.
130 cm breite weiße Brokat-
Bettdamaste
160 cm breite weiße Bettdamaste
Serie II
Serie I
Mtr. 95 Pf.
Ntr. 1.35

Nſtr. 1.05

Serie III
Mtr. 1.65

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170 cm breit
150 cm breit
Ntr. 1.15
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Mtr. 1.
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Serie II
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Mtr. 48 pf.
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Schürzenstoff. kariert . . Mtr. 25 Pf.
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Seite 40.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Inli 1914.

Nummer 178,

Frankfurt a. M.
an der Markthalle 6

ie grossen verkaufstage
in Kleiderstoffen, Seide, Waschstoffen, Weiss-, Leinen- und
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Geginnen ſeute Mittwoch den 1. Juli.

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Mtr. 68 Pf.
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Serie I
Serie II OF
Mtr. 16 pf.
Mtr. 25 Pf.
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Serie IV
Mtr. 35 pf.
Mſtr. 48 pf.
Reste Frottéstoffe, 120 cm breit
Mtr. 1.
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Schwarze Halbseide, 110 cm
regulär Mtr. 1.95
Mtr. 95 pf.
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Mtr. 1.58
nur marine
Créme Kleider-Alpacca
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Mtr. 78pf.
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Serie I
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ca. 150 cm breit Mtr. nur 48
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Serie I
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Mtr. 85 Pf.
Serie III (
Mtr. 95 Pf.
130 cm breite weiße Brokat-
Nſtr. 1.05
Bettdamaste .
160 cm breite weiße Bettdamaste
Serie II
Serie I
Mtr. 95 Pf.
Ntr. 1.35

Serie III
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Ntr. 1.05
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Mtr. 1.38
Mtr. 1,48
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1.28
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160 cm schweresweiße
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Serie I
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Bettuch-Nessel ca. 150 160 cm breit
Serie I
Mtr. 58 Pf. Serie II (
Ntr. 88 pf.
130 u. 160 cm breite Bett-
Kattune
Mtr. 68 pf.
130 cm bordo Bett-Damäste
Serie I
Serie II
Mtr. 1.
Mtr. 1.35

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Mltr. 1,48
160 cm bordo Bett-Damaste
Serie I4
Serie II
Mtr. 1.
Mtr.

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Mtr. 1.85

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200/220 cm breite Elsässer
Mtr. nur 1.50
Renforcé

Baumwollwaren
Bett-Kattune

Serie I
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Serie III
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Mtr. 78 pf.

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Mtr. 58 pf.
Buntes Bettzeug, karriert, Mtr. 20 Pf.
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itik führte Großbritannien g
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dazupassende
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Servietten 38 Servietten 35

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Einfluß die gemeinſame, den bisherigen Gegen=
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Arbeit auf das deutſch=engliſche
erhältnis übte, darüber ſchreibt Nauticus=
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DARMSTADT

Markt

[ ][  ][ ]

Seite 40.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 1. Inli 1914.

Nummer 178,

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Frankfurt a. M.
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Serie II Serie III
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Kinder-Bade-Mäntel

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Bade-Teppiche und Waschtuch-
Wand-Schoner .

Große Bade-Mäntel‟

Mtr. 361 mit Mtr. 68 pf. Ntr. 22 pf. Mtr. 68 pf.

Macotine, Ersatz für Macco,
elegante feinfäd. Qualität
Serie II
Serie 12
Mtr. 45 Pf.
Mtr. 39 Pf
Serie II Serie III Feinste Elsässer Renforcé
Serie II
Serie I
Ntr. 58 Pf.
Ntr. 48pf.
ca. 150 cm breit Mtr. nur 48 Pf.
Serie II
Serie I
Mtr. 59 Pf.
Mtr. 78 Pf.
130 cm breite weiße Bettdamaste,
Streifen und Blumen
Serie II
Serie I
Mtr. 85 Pf.
Mr. 68 pf.
Serie III C
Ntr. 95 Pf.
130 cm breite weiße Brokat-
Mltr. 1.05
Bettdamaste .
160 cm breite weiße Bettdamaste
Serie I
Serie II
Mtr. 95 Pf.
Ntr. 1.35
Serie III4
Mtr. 1.65
Ein Posten beste weiße Bettuch-Dowlas
170 cm breit
Stück 3.25 150 cm breit
Ntr. 1.15
Mtr. 1.05
. Stück 1. 1 Ein Posten gute Bettuch-Halbleinen
150 cm breit Mtr. 85 Pf. und 1.
Ein Posten
Rasenbleiche-Bettuch-Halbleinen
160 cm breit
150 cm breit 4
Nſtr. 1,48
Ntr. 1.38 1
170 cm breite Linon für Uber-
1.28
bettücher
Pf.
160 cm schweresweiße
Bettuch-Kretonne . . Mtr. 85 Pf.
Pf.

84 cm Bett-Inlet, rot, rosa,
Mtr. 75 Pf.
reg. 1,65
160 cm Bett-Barchent, gestr.,
.Ntr. 1.65
reg. 2.50.
Scheuertücher
. 6 Stück 1.
Ungebl. Croisé-Biber Mtr. 38, 30 Pf.
Schürzenstotf. kariert . . Mtr. 25 Pf.
Leinen-Waren
Posten Kaffeedecken . . Stück 58 Pf.
Fertige Haustuch-Bettücher,
Stück 2.25
2¼ Mtr. lang
Kaffeedecken, regulär 1.95 Stück 1.25
Kaffeedecken125/150 cm groß, 2.50 1.48
Gelbe Staubtücher per Dtzd. 88 Pf.
Jacquard-Tischtücher 110/150 1g.
Stück 1.
Bedruckte Milieux, Spritz-
Malerei, regulär 85 Pf. St. 50 Pf.

Weiß Crépe Voile

Roppen
Weiß Elsässer Schürzen
Batist gemustert
Créme Wollmusseline, reine
Wolle
140 cm Seidenbatist
Mtr. 45 Pf.
Wasch-Crépon Ia Qual., weit,
ereme, hblau, rosa, giftgrün,
hellblau, bleu, tango, IiIa Mtr. 35 Pf.
(I15077

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sind sämtliche Artikel üibersichtlich in
Serien eingeteilt. Die Preise sind s0
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die Hälfte des früheren Preises erzielt wird.

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für Back-
ickenkieider
Hache, aus
Leinen und blauen Stoffen
und solche englischer Art
jetzt
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aus blau
ackenkleider cheviot u.
aus Stoffll englischer Art
jetzt
Ein Posten
aus blau u.
achenkleiden schwarz
Cheviot, Stoff. engl. Art u.
a. solch. in mod. unf Farben,
Blus.- u. Kimonoform, jetzt

Ein Posten
Popelin-Jacken 80 cm lang,
Gürtelform mit buntem Kragen
jetzt
Ein Posten
Sport-Jacken aus Ramage-
Stoffen und gestrickt
jetzt
Ein Posten
Popelin-Jacken u. Mäntel
Revers- und Kragenform
jetzt
Ein Posten
Alpacca-Mäntel blau und
schwarz, impräg. Regenmäntel
jetzt
Eln Posten
Popelin- u. Alpacca-Mänt.
Kragen- u. Revers-Fasson, in
hellen u. dunkl. Farben, jetzt
Ein Posten
Mäntel aus Stoffen engl. Art
jetzt
Zwei Posten
Mäntel blau und aus
Stoffen englischer Art
jetzt
Ein Restposten
Such-Rimonos
jetzt

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Crépe, Voile und Batist
jetzt

Ein Posten
schwarz-weiss
ostüm-Röcke karlert, aus
weißen Waschstoffen und sol-
chen
englischer Art, jetzt

useh aus Volle, Wolle,
rêpe und Batist
jetzt

Ein Posten
blau und
ostüm-Röcke schwarz Che-
viot
, aus Stoffen englischer
Art und Waschstoffe, jetzt

usen aus Wolle, Seide,
Voile, Woll-Crêpe und
Mouselin . . . jetzt

Ein Posten
aus Stoffen
ostüm-Röche anglisch. Art
blau und schwarz Cheviot und
aus Leinen und Frottéstoffen
jetzt

useh aus Seide, Tüll-
amassé
, Wolle u. Crépon
jetzt

Ein Posten
aus farb.
ichenkleider Garbadine,
schwurz und blau Cotelé
und am Stoffen engl. Art
jetzt

Ein Poston
aus Alpacon.,
stüm-Röche Cotelé, blau
und schwarz Cheviot, Frotté
und Leinen
. . jetzt

ausCoteté,
arkenkisf iEr Garbadine,
mi Stoffen a. aus soichen
englischer at . jetzt

usen aus Seide, Crèpe de
chine, Voile u. eleg. Wolle
jetzt

Ein Post
Jackenkleiler aus
guns elegi nten Stoffen,
Ia vorarbeil zt . . jetz

usel aus Crèpe de chine,
Seide, Voile etc. in ganz
eleg. Ausführung . jetzt

Schwarz.
Revers-Fass

ammgarn-Mäntel

aus Waschstoffen u.
Kinderkleider OFford, alle Grössen
jetzt
aus Mousselin, imit.
Rinderkleider Chevlot und Wasch-
stoffen
, alle Grössen . . . jetzt
aus Wollmonsseline
Rinderkleiden und Waschstoffen
alle Grössen
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Ganz
in aparten
legante Rinderkleiden Schotten u.
uni Stoffen .
. jetzt

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Schw. Kammgarn-, Voile-
u
. Tuch-Iläntel, Krag.-,Revers-,
jetzt
und
itel, Kragen- u. Revers-
jetzt

Schw. Ktalmgarn-, Tuch-
u
. MoiréMäntel, elg. Fassons
jetzt
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u. Hänger-Fsson
Schwarze Kammga
Tuch-ME
Fasson

Weisse Batist- u. Voile-Kleider

nur moderne Schnitte mit Tunika u. römisch gestreifte Gürtel

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unifarb. 3& n-Seide
Meter jetzt

Alpacca
130 cm breit, schwarz-weiss
und blau-weiss gestreift, Mtr.

schöne Streifen
seide
Meter 48

. uni crépe, Crépe u. Wasch-

halbseid. Crépes, damassiert u. cheangiert

1 Poston Foulgs

Mete

Alpacca
schwarz-weiss gestreift und
kariert, ca. 120 cm breit, Mtr.

blau-weiss u.
getupft .

hwarz-weiss
Meter jetzt

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100 cm breit . Meter
Damassierte Orépon
Meter

140 cm br. erome Chevjot 1.95
1 Posten 140 cm br. eréme
Kostümstoffé w. Chev., 995
Diagonal, Natté . 3.95, 2
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Kostüm
Stoffe

pacca
echt engl. Ware, Ia Qualität,
ca 140 cm breit . . Meter

1 Posten
gemust. u. gehpft. Foulard

reset 1.35 und
Schwarze-
regulär
Mtr
Sei(
11
130 cm Elsässer
nur marine
Créme Kleider-Alpacca
durchbrochen
Halbwollene Hauskleiderstoffe
Mtr-
130 cm breite Kostüms‟

früher 5.80

Ia. Qualität, gestreift und 175
gemustert . . 2.95 und 1
früher bis 4.50

110 cm breit
gestreitte Voiles

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ellung der Volks=
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Spar-Vereins.

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22 Ze ee Orientierungs-Plan über die Lage der einzelnen Abteilungen. Im Parterre: Kleiderstoffe, Seidenstoffe, Baum- wollwaren, Buxkin, Corsets, Hand- schuhe, Strümpte, Herren-Artikel, Kurzwaren, Spitzen und Besätze, Tapisserie, Taschentücher. Im I. Stock: Damen-Konfektion, Kinder-Kon fektion, Damen- und Kinder-Hüte Schürzen, Wäsche, Trikotagen Wollwaren, Badewäsche. Im II. Stock Gardinen, Teppiche, Linoleun , Läuferstoffe, Decken, Wachstuch e, Vorlagen, Betten, Matratzen, Bettwaren.

Beginn:

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