Darmstädter Tagblatt 1914


Samstag, den 21. November.

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 321.

Samstag, den 21. November.

1914.

Der Krieg.
Von den Kriegsſchauplätzen. Der türkiſche Krieg. Deutſchland und Jrland. Verdiente Abfuhr. Die engliſche
Zenſur. Die Verſorgung Belgiens mit Nahrungsmitteln. Die öſterreichiſche Kriegsanleihe.

Von den Kriegsſchauplätzen.
* Großes Hauptquartier, 20. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) In Weſtflandern und in Nord=
Frankreich keine weſentlichen Aenderungen. Der
aufgeweichte, halbgefrorene Boden und Schneeſturm
bereiteten unſeren Bewegungen Schwierigkeiten.
Ein franzöſiſcher Angriff bei Combres, ſüdöſtlich
Verdun, wurde abgewieſen.
An der Grenze Oſtpreußens iſt die Lage unver=
ändert
. Oeſtlich der Seen=Platte bemächtigten ſich die
Ruſſen eines unbeſetzten Feldwerkes und der darinſtehen=
den
alten, unbeweglichen Geſchütze. Die über Mlawa
und Lipno zurückgegangenen Teile des Feindes ſetz=
ten
ihren Rückzug fort. Südlich Plozk ſchreitet unſer
Angriff fort. In den Kämpfen um Lodz und öſtlich
Czenſtochau iſt noch keine Entſcheidung gefallen.
Oberſte Heeresleitung.
* Ueber die Lage im Weſten äußert ſich der Sachver=
ſtändige
des Berner Bund: Iſt von den großen Schlüſ=
ſelpunkten
auch bis heute weder Ypern noch Béthune, noch
Arras auf dem Weſtflügel, weder Reims noch St. Mene=
hould
in den Argonnen gefallen, ſo verſchiebt ſich doch die
Front langſam in der Richtung auf die franzöſiſchen
Hauptſtellungen. Die franzöſiſche Heeresleitung hat die
ihr nachgeſagte große Gegenoffenſive immer noch nicht
angeſetzt. Je länger man damit zögert, deſto mehr ge=
winnt
es den Anſchein, als fehle dazu die Stoßkraft. Je=
denfalls
leiden die farbigen Hilfsvölker von Tag zu Tag
mehr unter der Witterung. In der Defenſive dagegen
halten die Verbündeten ausgezeichnet Stand und ein Zu=
ſammenbruch
läßt ſich noch nicht abſehen, und iſt mehr
von den inneren Verhältniſſen der verbündeten Heere als
mit dem Zirkel meßbaren Verſchiebungen auf der
Karte abhängig. Die ſtrategiſche Lage ſcheint uns daher
auch im Weſten zugunſten der Zentralmächte zu ſprechen.
Nach einer Kopenhagener Meldung des Berl. Lok.=Anz.
berichtet ein engliſcher Korreſpondent aus Flandern, daß
die Deutſchen ihre Offenſive mutig fortſetzen. Nieuport
iſt von dem Bombardement wieder ſchwer heimgeſucht
worden. Der Pariſer Korreſpondent des Mailänder Se=
colo
hebt nach einer Meldung des Berl. Lok.=Anz. her=
vor
, daß der geſtrige franzöſiſche Generalſtabsbericht zum
erſtenmal ein Eingeſtändnis der deutſchen Erfolge ent=
halte
, da er zugebe, daß die Bayern bei St. Mihiel die
Maas überſchritten haben und die ſtarken Stellungen von
Chauvoncourt, die von dem Fort Les Paroches beherrſcht
werden, beſetzt halten. Der Times wird aus Weſt=
flandern
vom 18. ds. telegraphiert: Zwiſchen den Trup=
pen
der Verbündeten und den Deutſchen fließt, die
Straße Nieuport-Dirmuiden entlang, wie ein ſchützender
Gürtel, das Waſſer. Die weitere Ueberſchwemmung wurde
geſtern beendigt. Dadurch iſt das ganze Dreieck Dixmui=
den
=Oſtkerke=Snoeskerke unter Waſſer geſetzt, und ein Vor=
rücken
der Deutſchen, mit Dixmuiden als Baſis, würde
jetzt ein gefährlicher Verſuch ſein. Die weitere Ueber=
ſchwemmung
iſt denn auch als Antwort auf die Beſetzung
Dixmuidens zu betrachten. Die Stellung der beiderſei=
tigen
Streitkräfte iſt wunderlich verwickelt und zickzack=
artig
gebildet. Die Deutſchen begannen geſtern das Bom=
bardement
von Oſt=Dünkirchen und Umgegend und ſetz=
ten
die Beſchießung über Nacht fort. Die Granaten fie=
len
, wenn auch nicht beſonders auf das Dorf gezielt zu
werden ſchien, in Fülle und verurſachten große Verwir=
rung
. Nieuport iſt ebenſo wie Dirmuiden ein Trümmer=
haufen
. Der Kampf in der Umgebung iſt noch immer
ſehr ernſt, aber die Front bleibt ungefähr auf der glei=
chen
Höhe.
* Der militäriſche Mitarbeiter der Voſſ. Ztg. ſagt
über die Kämpfe im Oſten: Wenn man die Lage
der Ruſſen betrachtet, ſo ergibt ſich für dieſe ein außer=
ordentlich
ungünſtiges Bild. Sie ſind auf einen verhält=
nismäßig
engen Raum zuſammengedrängt und werden
gleichzeitig von drei verſchiedenen Seiten konzentriſch

angegriffen. Im Norden und Süden ſtehen die Verbün=
deten
in ihren Flanken und bedrohen gleichzeitig die rück=
wärtigen
Verbindungen. Ueber die Bedeutung der Hin=
denburgſchen
Siege ſchreibt der militäriſche Mitarbeiter
des Berner Bund, daß der ſtrategiſche Rückzug der Deut=
ſchen
, der ſich ſtaffelförmig von dem linken deutſchen bis
zum rechten öſterreichiſchen Flügel fortpflanzte, die Ver=
bündeten
in geſchickter Weiſe dem zögernd und ſchwerfäl=
lig
folgenden Gegner entzog. Nun hat ihn der Stoß
Hindenburgs vermutlich in ſeiner rechten Flanke getrof=
fen
und der deutſche Stoß gelangte bis Kutno, bis in
die innere Flanke und ſchon bis dicht an die Rückzugslinie
Lodz=Warſchau. Es iſt die Frage, ob es den Ruſſen ge=
lingt
, mit verſammelten Kräften die Umfaſſung aufzu=
halten
.
* Ueber die Niederlage der Serben meldet
der Popolo Romano: Die ſerbiſche Armee zählt noch
100000 Mann, die ſich in ſchlimmem Zuſtande befinden,
und ſteht einer Armee von 300000 Oeſterreichern gegen=
über
, die in beſter Verfaſſung ſind. Daher iſt ein wei=

terer Widerſtand unmöglich. Perſeveranza meint, Ser=
bien
müſſe einen Sonderfrieden ſchließen, wenn ihm der
Dreiverband keine Hilfe bringe. Die Nordd. Allg. Ztg.
ſchreibt: Schlag auf Schlag führten die öſterreichiſch= unga=
riſchen
Trupen gegen die feindliche Streitmacht im =
den
. Keine Schwierigkeiten des Geländes, die bei der
Kriegführung im dortigen Gebiete wahrlich auch ins Ge=
wicht
fallen, haben das vordringende Heer Oeſterreich=
Ungarns weſentlich aufzuhalten vermocht. Im ſiegreichen
Fortſchreiten wurde der Feind an der Drina geſchlagen
und der Krieg tief in das gegneriſche Land getragen.
Hier wie überall fochten die öſterreichiſch=ungariſchen
Truppen mit dem herrlichen Mute nicht wankender Aus=
dauer
, heldenhaft ſich in der Hand einer tüchtigen Füh=
rung
als vorzügliche Waffe bewährend. In Deutſch=
land
folgen weiteſte Kreiſe mit freudiger Anteilnahme
den Geſchehniſſen auch auf dem entfernten ſüdlichen
Kriegsſchauplatz und beglückwünſchen in treuer Bundes=
genoſſenſchaft
das mit Deutſchland Schulter an Schulter
kämpfende Oeſterreich=Ungarn zu den errungenen Erfol=
gen
nicht minder, wie zu dem Beſitz einer Wehrmacht von
ſo hohen kriegeriſchen Eigenſchaften.

Der türkiſche Krieg.

Mehechte ſenhene,
Am
5 0 20 30 10 30
Pelatteranten in vorgebet

enerntrerpet 1 er. ne nrniten
Quelle erfährt der Privatkorreſpondent des Wolfſſchen
Bureaus, daß infolge des Vordringens der Be=
duinen
in Aegypten die Zivilbehörden von Suez,
Port Said und Ismailieh eiligſt nach Zagazig verlegt
worden ſind. Die Verwaltung des Suez=Kanals hat das
Militär übernommen. Die Regierungsſchulen in Zaga=
zig
ſind geſchloſſen, die Schüler entlaſſen und die Gebäude
in Militärhoſpitäler umgewandelt worden. Ein engli=
ſcher
Verſuch, eine Spaltung unter den ägyptiſchen No=
tabeln
und der Familie des Vizekönigs herbeizuführen, iſt
mißlungen. Huſſein Kiamil iſt von dem Polizeikomman=
danten
Mamura nach Kairo gebeten worden, wo ihm der
Zivilgouverneur Cheetham den höchſten Poſten anbot.
Der Prinz lehnte entſchieden ab. Dieſe Ablehnung ruft
in ganz Aegypten große Genugtuung hervor. Es benä=

tigt ſch, daß die mähmlichen Mitglieder der deutſchen
und der öſterreichiſchen Botſchaft in der zweiten Novem=
berwoche
, rückſichtslos in Eiſenbahnwagen gepfercht, nach
Alexandrien geſchafft und dann nach Malta verſchifft
wurden.
* Sofia, 19. Nov. Meldung der Agence Bulgare:
Die Haltung der ſerbiſchen offiziöſen Preſſe
und insbeſondere des Regierungsorgans Samu Prawa
die in der letzten Zeit eine herausfordernde Sprache ge=
genüber
Bulgarien führt, erregt hier lebhaften Unwil=
len
. In politiſchen Kreiſen iſt man ſehr erregt über den
zyniſchen Ton der ſerbiſchen Blätter gerade in den Tagen,
wo die ſerbiſche Armee mehr und mehr auf dem Schlacht=
felde
unterliegt; die Blätter lieferten damit einen hinrei=
chenden
Beweis für die Unverbeſſerlichkeit Serbiens.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Nummer 321.

In einem dem früheren Miniſter Genadiew zuge=
ſchriebenen
Artikel der offiziöſen Wolia heißt es: Der
Kanonendonner, der von Valjewo her vernehmbar iſt,
kündigt an, daß der Vertrag von Bukareſt wir=
kungslos
geblieben iſt. Andererſeits erkennt man jetzt in
der Preſſe der Länder, die am meiſten wetteifern, Rumä=
nien
, Serbien und Griechenland zu begünſtigen und Bul=
garien
zu berauben, die große Ungerechtigkeit und noch
viel größere Torheit an, die man dadurch beging, daß
man den Bukareſter Vertrag unterſchrieb. Was
Deutſchland und Oeſterreich anlangt, ſo liegen
dort die Sympathien der öffentlichen Meinung für un=
ſere
Sache offenſichtlich zutage und datieren
aus viel früheren Zeiten. Alles dies beweiſt, daß die
Zeit herangekommen iſt, wo die Frage einer Reviſion des
Bukareſter Vertrages aufgeworfen werden muß. Welche
Form hierfür gewählt wird, müſſen nicht Wiſſenſchaft
oder internationale Gebräuche, ſondern die Erforder=
niſſe
des Augenblicks entſcheiden.

Deutſchland und Irland.

* Berlin, 20. Nov. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt
unter der Ueberſchrift Deutſchland und Irland‟:
Der bekannte iriſche Nationaliſt Sir Roger Caſemen,
der kürzlich aus den Vereinigten Staaten von Amerika
nach Berlin gekommen iſt, wurde im Auswärtigen Amt
empfangen. Sir Roger Caſemen wies darauf hin, daß in
Irland anſcheinend von der britiſchen Regierung auto=
riſierte
Darſtellungen des Inhalts veröffentlicht würden,
ein deutſcher Sieg würde dem iriſchen Volke
großen Schaden zufügen, da ſein Land, ſeine Wohn=
ſtätten
, ſeine Kirchen und ſeine Prieſter auf Gnade und
Ungnade dem Heere der Eindringlinge preisgegeben ſein
würden, die nur Raub und Eroberungsſucht leiteten.
Neue Aeußerungen des Miniſters Redmond gelegentlich
ſeiner Rekrutierungsreiſe durch Irland, ſowie namhafte
Auslaſſungen der britiſchen Preſſe über dieſen Gegenſtand
hätten, ſo betont Sir Roger Caſemen, eine weitere Ver=
breitung
gefunden und unter den Iren natürlich Befürch=
tungen
hervorgerufen, bezüglich der Haltung Deutſchlands
gegenüber Irland im Falle eines deutſchen Sieges. Sir
Roger Caſemen bat um die Abgabe einer überzeugenden
Erklärung über die Abſichten Deutſchlands Irland ge=
genüber
, die ſeine Landsleute in der ganzen Welt, und
beſonders in Irland und Amerika, angeſichts der beunru=
higenden
, von verantwortlicher britiſcher Seite ſtammen=
den
Darſtellungen zu beruhigen vermöchte. Der Stellver=
treter
des Staatsſekretärs des Auswärtigen hat darauf
im Auftrage des Reichskanzlers folgende
amtliche Erklärung abgegeben:
Die Kaiſerliche Regierung weiſt die böswilligen Ab=
ſichten
, die ihr in den von Sir Roger Caſemen angeführ=
ten
Darſtellungen unterſchoben werden, auf das entſchie=
denſte
zurück und benutzt dieſe Gelegenheit, um die kate=
goriſche
Verſicherung abzugeben, daß Deutſchland
nur Wünſche für die Wohlfahrt des iriſchen Vol=
kes
, ſein Land und ſeine Einrichtungen hege. Die Kai=
ſerliche
Regierung erklärt in aller Form, daß Deutſchland
niemals mit der Abſicht einer Eroberung und Ver=
nichtung
irgend welcher Einrichtungen in Irland ein=
fallen
würde. Sollte im Verlaufe dieſes Krieges, den
Deutſchland nicht geſucht hat, das Waffenglück jemals
deutſche Truppen an die Küſte Irlands führen, ſo würden
ſie dort landen nicht als eine Armee von Eindringlingen,
die kommen, um zu rauben und zu zerſtören, ſondern als
Streitkräfte einer Regierung, die von gutem Willen ge=

gen ein Land und ein Volk beſeelt iſt, dem Deutſchland
nur nationale Wohlfahrt und nationale Freiheit wünſcht.

Generalquartiermeiſter v. Voigts=Rhetz 7.

* Großes Hauptquartier, 19. Nov. (W. T. B.
Amtlich.) Generalquartiermeiſter Generalmajor v.
Voigts=Rhetz iſt in der Nacht vom 18. zum 19. No=
vember
unerwartet einem Herzſchlag erlegen. Sein
Nachfolger iſt noch nicht beſtimmt.
Generalmajor Werner v. Voigts=Rhetz war im Jahre
1863 als Sohn des ſpäteren Generalinſpekteurs der Feld=
artillerie
und General der Artillerie Julius v. Voigts=
Rhetz zu Jüterbog geboren. Anfang 1909 wurde er Chef
der 1. Armeeabteilung im Kriegsminiſterium, Ende 1911
Kommandeur des 5. Garde=Regiments zu Fuß. Im Laufe
des Jahres 1912 ging er von Spandau als Kommandeur
er 49. Infanterie=Brigade nach Darmſtadt, wo er
nur kurze Zeit blieb, denn ſchon 1913 wurde er zum Ge=
neralſtabschef
des Gardekorps ernannt. Beim Ausbruch
des Krieges wurde er Abteilungschef im Allgemeinen
Kriegsdepartement, und im September trat er an die
Stelle des erkrankten Generalquartiermeiſters von Stein.

Ein amerikaniſches Urteil über unſere
Kriegsberichte.

* Die Weſtliche Poſt in St. Louis ſchreibt unter der
Ueberſchrift Ein Krieg der unbegrenzten Su=
perlative
wie folgt:
Jedem aufmerkſamen Zeitungsleſer wird wohl ſchon
die Tatſache aufgefallen ſein, daß in den Kriegsnachrich=
ten
aus London, Petersburg und Paris die
Superlative vorwiegen, ſowohl in Zeit= wie in Eigen=
ſchaftswörtern
. Wir leſen auf der einen Seite von Hel=
dentaten
ſo gewaltiger Art, daß vor ihnen alles in der
Weltgeſchichte bisher je Dageweſene ins Schattenhafte
verblaßt, auf der anderen Seite von den unerhörteſten
Scheußlichkeiten, ſo raffiniert, wie wir ſie ſelbſt in den
bluttriefendſten Indianergeſchichten nicht zu finden ver=
mögen
. Wir hören von den größten Truppenmaſſen, die
je angeſammelt, von den ſchwerſten Verluſten, die je zu
verzeichnen waren kurz, wir haben ſchon ſo viele
Superlative über uns ergehen laſſen müſſen, daß
wir ſchließlich ganz ſtumpf geworden ſind und
mit gewiſſer Gleichgültigkeit, gemiſcht mit einer guten
Portion Zweifel, auch die allerentſcheidendſten Siege als
etwas hinnehmen, das nun einmal zu den Impondera=
bilien
der engliſch=franzöſiſch=ruſſiſchen Kriegsbericht=
erſtattung
zu gehören ſcheint, im übrigen aber nicht ernſt
genommen zu werden braucht.
Wie oft iſt ſchon die preußiſche Garde vernich=
tet
, zerſchmettert, ausgetilgt worden!
Und die armen Oeſterreicher gar! Kein Mann könnte
mehr von ihnen übrig ſein, den Verluſten nach zu ſchließen,
die ihnen die ruſſiſche Armee beigebracht haben ſoll.
Im Anfang des Krieges war es die Treffſicherheit der
franzöſiſchen und engliſchen Geſchütze und Gewehre, die
als die allerunübertrefflichſte geſchildert wurde, im Ge=
genſatz
zu der unbeſchreiblich elenden Schießerei der
Deutſchen. Damals war die Sache noch neu, man kannte
den Rummel noch nicht ſo genau wie heute; deshalb
glaubte man vielfach tatſächlich, daß die vielgerühmten
Kruppſchen Geſchütze ſich als kläglicher Fehlſchlag erwie=
ſen
hätten, bis dann die Einnahme von Lüttich und Na=
mur
der Welt die Augen öffnete. Seitdem haben auch die
Gegner ſich zu dem Zugeſtändnis herbeilaſſen müſſen,
daß die deutſche Artillerie allen andern überlegen iſt; da=
für
müſſen jetzt andere Sachen herhalten für die uner=
ſchöpflichen
Superlative in der Stimmungsmache gegen
Deutſchland. Denn nur gegen Deutſchland
arbeitet dieſe Superlative=Fabrik. Wenn
aber die Deutſchen einen Erfolg zu verzeichnen haben,
dann wird das entweder gar nicht gemeldet, oder das
Vergrößerungsglas wird in der umgekehrten Richtung
gehalten ſo will es die Gerechtigkeit. Und merkwür=
dig
: je ſchlechter es um die Sache der Verbündeten ſteht,
um ſo mehr hören wir von dem beiſpielloſen Mute ein=
zelner
Offiziere und Soldaten oder ganzer Abteilungen.
Auch dabei ſchneiden die Deutſchen unabänderlich ſchlecht

ab. Sie leiſten das Unglaublichſte an Kleinmut und Feig=
heit
(darin wird ihnen nämlich ein Superlativ zugeſtan=
den
), während die Franzoſen und Engländer an Toll=
kühnheit
und Wagemut weit über das Heroenmaß hinaus=
wachſen
. 70 Zuaven zwingen ein ganzes deutſches Regi=
ment
, ſich zu ergeben; eine Patrouille von vier Mann
nimmt 30 Ulanen gefangen, und ſo geht es fort in ermü=
dendem
Einerlei, bis man ſchließlich nur noch die Ueber=
ſchriften
lieſt und den Reſt ſich dazu denkt.
In erfriſchendem Gegenſatz zu dieſer hyſteriſchen
Uebertreibungsſucht ſteht die deutſche Kriegsbe=
richterſtattung
, zumal die amtliche. Klipp und
klar werden die Ereigniſſe geſchildert kein Work
zu viel. Dieſe Knappheit wird in der Preſſe Deutſch=
lands
zuweilen als ein Fehler gerügt; auf uns aber,
die wir angewidert ſind durch die ekelhaften Phra=
ſendreſchereien
aus London und Paris,
wirkt die ſchlichte Art und Weiſe, in der die deutſche
Heeresleitung ihre Nachrichten bekannt gibt, erfriſchend
und erhebend. In ihnen offenbahrt ſich wahre Größe,
jene Größe, die in der Erfüllung vaterländiſcher Pflicht
etwas Selbſtverſtändliches ſieht, mit dem man nicht
prahlt noch prunkt. Aber für dieſe Art Größe haben
weder der ſenſationshungrige Pariſer, noch der habſüch=
tige
Krämer an der Themſe irgendwelches Verſtändnis,
von dem überfirnißten Tatarentum an der Newa gar
nicht zu reden. Deshald ſind nach wie vor Superlative
Trumpf, bis endlich die letzte Karte ausgeſpielt iſt und
das verlorene Spiel aller Welt klar vor Augen liegt.

Die Sperrung des Hafens von Libau.

* Berlin, 19. Nov. (Ctr. Bln.) Die Sperrung des
ruſſiſchen Kriegshafens Libau wird in der Deutſchen Ta=
geszeitung
vom Grafen Reventlov wie folgt bewertet:
Das iſt von Wichtigkeit und Bedeutung, weil der Hafen
von Libau der einzige ruſſiſche Kriegshafen
der Oſtſee iſt, welcher im Winter eisfrei bleibt. Von
kleineren ruſſiſchen Häfen würde das nördlicher liegende
Windau in Betracht kommen. Der Libauer Hafen iſt
ein künſtlicher Hafen, durch umfangreiche Längs= und
Quermolen hergeſtellt. Innerhalb des ſogenannten
Kriegshafens liegt ein kleinerer Handelshafen einge=
ſchloſſen
. Die vier Molen, welche den Kriegshafen bilden.
enthalten drei Einfahrten bezw. Ausfahrten. Dieſe ſind
von unſeren Oſtſeeſtreitkräften durch verſenkte Schiffe ge=
ſperrt
worden: wohlverſtanden, nachdem deutſche Tor=
pedoboote
feſtgeſtellt hatten, daß ſich in dem Kriegshafen
kein feindliches Fahrzeug mehr befand. Der Hafen von
Libau iſt mithin für die ruſſiſchen Kriegsfahrzeuge von
jetzt an unzugänglich geworden, und die ruſſiſche
Flotte beſitzt keinen eisfreien Hafen und damit für den
Winter keine Operationsbaſis mehr, ſobald die
übrigen Häfen zugefroren ſind, was bald eintritt. Ueber=
dies
iſt die Sperrung von Libau von beſonderer Bedeu=
tung
im Hinblick auf die Möglichkeit, daß engliſche Un=
terſeeboote
aus der Nordſee durch den Sund in die Oſt=
ſee
kämen. Dieſe würden nun in Libau keinen Stützpunkt
mehr finden. Mit der Möglichkeit des Erſcheinens eng=
liſcher
Unterſeeboote in der Oſtſee muß aber natürlich
ach wie vor gerechnet werden.

Kriegsgefangene der Emden‟.

* London, 19. Nov. In Singapore befinden ſich
150 Matroſen des Kreuzers Emden in Kriegsge=
fangenſchaft
.

Verdiente Abfuhr.

* Berlin, 19. Nov. Das Wolf=Bureau wird um die
Verbreitung folgender Erklärung erſucht:
Hamburg, 19. Nov. Die Times bringt in einem
Artikel ihres Korreſpondenten in Kopenhagen die Nach=
richt
, daß es hervorragenden Patrioten von Tag zu Tag

In engliſcher Gefangenſchaft.

Tagebuchaufzeichnungen von Dr. med. Kurt Land=
mann
in Offenbach.)
Der vorſtehend genannte Herr, der ſich eine Zeitlang
in engliſcher Gefangenſchaft befunden hat, ſtellt uns in
liebenswürdiger Weiſe ſeine Tagebuchaufzeichnungen zur
Verfügung, die wir hiermit veröffentlichen.
4. Auguſt. Wir ſind vom Regen in die Traufe ge=
kommen
. Um keinem der den Kanaleingang ſperrenden
franzöſiſchen Kreuzer in die Hände zu laufen, ſuchte der
Prinz Adalbert Schutz im neutralen Hafen Falmuth.
Das Schiff darf den Hafen nicht mehr verlaſſen. Wenn
Sie verſuchen, zu fahren, werden Sie in Grund ge=
ſchoſſen
. Noch beſteht kein Kriegszuſtand zwiſchen
Deutſchland und England, aber ich ahne, daß wir in eine
engliſche Falle geraten ſind, die dem Völkerrecht Hohn
ſpricht.
5. Auguſt. England hat Deutſchland den Krieg er=
klärt
. Unſer Dampfer, der 24 Stunden vor der Kriegs=
erklärung
in Falmuth vor Anker ging, iſt als Kriegsbeute
erklärt, ich ſelbſt und die ganze Beſatzung ſind engliſche
Kriegsgefangene. Das Schiff erhält militäriſche Beſatzung
und die deutſche Flagge wird geſtrichen.
9. Auguſt. Ich habe unterſchrieben und mein Ehren=
wort
gegeben, daß ich während der Dauer des Krieges
keine gegen England gerichtete Handlung unternehmen
oder unterſtützen will. Man hat mir geſagt, daß ich nach
Abgabe dieſes Ehrenwortes mich in England frei bewegen
dürfte und daß ich auf eine Feſtung käme, falls ich mich
weigere, mein Ehrenwort zu geben. Gleich mir hat die
ganze Beſatzung ebenfalls unterſchrieben.
10. Auguſt. Die letzten deutſchen Paſſagiere ſind von
Bord. Noch Minuten, dann gehen wir auch, wir müſſen
von Bord. Feſtung, Armenhaus oder hilflos und ohne
Geld in Feindesland; was wird werden?
14. Auguſt. Ich bin in London, trotz meines Ehren=
wortes
Kriegsgefangener in der Olympia! Man hat mir
auf der Polizei in Falmuth geſagt, daß ich, als Arzt, Eng=
land
verlaſſen dürfe und mich auf eine Polizeiſtation nach
London geſchickt, wo ich erfahren ſollte, mit welchem
Dampfer ich fahren könnte. Auf der Polizeiſtation in
London=Paddington hat man meinen Angaben keinen
Glauben geſchenkt, meine Schiffspapiere nicht berückſich=
tigt
und mir nach 8ſtündigem Warten erklärt, daß ich als
Kriegsgefangener nach der Olympia käme.

*) Dr. L. iſt ein Sohn des Amtsgerichtsdirektors
Geheimen Juſtizrats Landmann in Offenbach.

Nun ſitze ich hier, wo vor 14 Tagen Hagenbecks Tier=
ausſtellung
war, mit 300 anderen Deutſchen zuſammen
gefangen! Wenn ich einen der zu unſerer Abgrenzung
dienenden Stricke überſchreite, werde ich erſchoſſen. Auf
einem nur etwa 80 Quadratmeter großen Raume
darf ich mich mit 60 anderen Gefangenen frei bewegen.
Ueberall haben wir uns zu einzelnen kleinen Gruppen
zuſammengetan, hier Kaufleute, da Seeleute, dort Bar=
biere
oder Kellner. In unſerer Ecke hauſen außer mir
ein deutſcher Pfarrer, ein wegen eines Gehirnleidens pen=
ſionierter
deutſcher Hauptmann, zwei Berichterſtatter deut=
ſcher
Zeitungen und ein Offizier eines Hamburger Schif=
fes
. Die Times nennen unſere Ecke: Mapfair, aber
ſchmutzig, unraſiert und hoffnungslos ſind wir alle.
17. Auguſt. Mein ganzer Körper ſchmerzt mich. Seit
faſt einer Woche liege ich nun Nacht für Nacht in meinem
Anzug auf einer Holzpritſche und decke mich mit zwei
dünnen Gefängnisdecken voller Flöhe zu. Ich habe Hun=
ger
und immer Hunger. Morgens gegen 9 Uhr bekom=
men
wir Tee aus Eimern und Gießkannen und halbge=
backenes
Weißbrot mit ſchlechter Margarine. Mittags
gibt’s ein paar Kartoffeln und manchmal aber dann
immer ſtinkendes Fleiſch, und um 5 Uhr wieder Tee
und Brot. Sonſt nichts. Der Hunger hat es fertig ge=
bracht
, daß ich all den Ekel vor dem ſcheußlichen Eſſen
und dem ſchmierigen Tiſch mit den ungewaſchenen Tellern
überwunden habe. Schon lange vor der Zeit ſtehe ich
mit den anderen bereit, mich wie ein Tier auf das bißchen
Eſſen zu ſtürzen! Vielleicht hab’ ich ja einmal Glück und
erwiſche einen Teller mit einer halben Kartoffel mehr!
20. Auguſt. Wir haben uns bei dem Kommandanten
der Olympia wegen des Eſſens beſchwert. Für Euch
deutſche Schweine iſt es noch viel zu gut, war die Ant=
wort
.
Ich habe in meiner Not an den amerikaniſchen Kon=
ſul
geſchrieben. Er weiß nun, daß wir hier alle hungern,
daß wir jeden Tag nach der Reinigung der Halle ſtunden=
lang
im Staub ſitzen und alle huſten. Ich habe ihm auch
geſchrieben, wie es mir gegangen iſt. Wird er uns
helfen? *)
Das erzwungene Nichtstun wird zu einer fürchter=
lichen
Qual. Zum Leſen fehlt mir die Ruhe. Wir mun=
tern
uns gegenſeitig auf mit Hoffnungen, die wir ſelbſt
nicht mehr haben. Nur wenn der Zeitungsmann kommt,
hoffen wir einen Augenblick. Aber es iſt immer ver=
gebens
. Jedesmal leſen wir, daß die Deutſchen beſiegt
*) Der amerikaniſche Konſul hat geantwortet: Mein
Herr, ich bin im Beſitze Ihres Briefes vom 21. I. M.
bezüglich Ihrer Zurückhaltung. Das iſt eine Angelegen=
heit
, die mich abezlut nichts angeht.

und geſchlagen ſeien. Iſt denn Lüttich noch nicht gefallen?
Die Zeitungen gehören zum Betrübendſten in unſerer
Lage. Gern wollen wir die Gefangenſchaft, ſo unmenſch=
lich
ſie auch iſt, ertragen, wenn nur Deutſchland ſiegt.
Wohl weiß ich, daß die engliſchen Zeitungen lügen, aber
es bleibt doch etwas hängen, wenn ich täglich nur von
deutſchen Niederlagen leſe.
23. Auguſt. Das Eſſen iſt noch ſchlechter geworden.
Viele von uns ſind krank. Obgleich ein Hoſpital mit
einem Bett da iſt, darf doch kein Kranker da hineingelegt
werden. Sie liegen alle auf dem Boden. Die Medizin,
die ihnen der Arzt gibt, nehmen ſie nicht, und eine beſſere
müſſen ſie bezahlen. Aber wir brauchen alle unſer Geld,
um uns Eſſen zu kaufen, das uns mittags entzogen wird,
damit wir’s erſt am Abend wieder kaufen müſſen! Ich
glaube doch, daß die Engländer und Franzoſen geſchla=
gen
ſind, denn wir dürfen keine Zeitungen mehr leſen:
Auch ſind wir heute nicht in der leeren Halle ſpazieren ge=
führt
worden. Wir müſſen uns jetzt jeden Tag einmal
aufſtellen. Dann werden wir gezählt und nachgeſehen,
ob keiner entflohen iſt.
Es iſt unmöglich zu entkommen. Tagsüber ſtehen
vier Poſten allein in der Halle und nachts acht. Wo
ſollen wir auch in London hin?
24. Auguſt. Viele von uns ſind freigekommen, nach=
dem
ſie zwei engliſche Bürgen geſtellt hatten. Ihr Platz
wird aber immer gleich wieder von anderen eingenom=
men
, die friſch verhaftet ſind. Es iſt ein Glück, daß ich
wenigſtens meinen Koffer von einer Paſſagierin unſe=
res
Dampfers nachgeſchickt bekommen habe. So hab’ ich
wenigſtens noch ein bißchen ſaubere Wäſche. Sie wird
mich nicht viel nützen, denn das Ungeziefer bring ich hier
doch nicht von mir fort.
Neu angekommene Gefangene erzählten mir, daß in
engliſchen Zeitungen vorgeſchlagen wird, alle in England
lebenden Deutſchen zu erſchießen. Die Lage der noch nicht
feſtgeſetzten Deutſchen in London iſt von Tag zu Tag
ſchlechter geworden. Ueberall werden Deutſche aus ihrer
Stelle entlaſſen und die Banken zahlen den Deutſchen
kein Geld mehr aus. Wo Deutſche auf der Straße er=
kannt
werden, werden ſie vom Mob angeſpukt oder von
der Polizei verhaftet.
Weiß man in Deutſchland, wie es hier zugeht und
wird man uns helfen?
26. Auguſt. Ich habe gelernt, mich an Kleinigkeiten
zu freuen. Das Traurige, das um mich her vorgeht, macht
kaum noch einen Eindruck. Ich fühle nur, daß ich täglich
elender werde und daß ich immer hungriger bin.
Heute war wieder Fräulein S., die Paſſagierin unſe=
res
Dampfers, da. Sie iſt nicht gefangen, aber polizeilich
regiſtriert und darf ſich im Umkreis von 5 Meilen frei

[ ][  ][ ]

Nummer 321.

Darmſtätder Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Seite 3.

Karer würde, daß wir England nicht beſiegen könnten. Da=
zu
den namentlich aufgeführten Männern auch ich gehöre,
lege ich Wert darauf, zu konſtatieren, daß meines Erach=
tens
England ſchon heute beſiegt iſt; denn ein
England, das in einem ſolchen Kriege ſeine Flotte ver=
ſteckt
und ſich nicht mehr aufs Meer hinaus traut, hat
aufgehört, das England zu ſein. Es hat vor
allen Dingen ſich damit ein für allemal der Rechte bege=
ben
, mitzuſprechen, wenn es ſich um die Frage des euro=
päiſchen
Gleichgewichts handelt. Ballin.

Wie Rußland über ſeine Bundesgenoſſen denkt.

* Wie Rußland über ſeine Bundesgenoſſen denkt,
lehrt ein Artikel des engliſchen Schriftſtellers Hamilton
Fyfe aus Petersburg, der in der Daily Mail erſchienen
iſt. Daraus geht deutlich hervor, daß die Ruſſen alles
andere als zufrieden ſind mit ihren Bundesgenoſſen. So
ſchreibt er: Wir können nicht verſtehen, warum die Fran=
zoſen
nicht mehr Leute ſtellen, ſagte eine hochgeſtellte Per=
ſönlichkeit
. Sie haben doch vier Millionen Mann ver=
ſprochen
. Eine Million ſteht im Feld. Wo ſind die an=
deren
? Und wir können nicht verſtehen, daß England
nicht ſofort nach Ausbruch des Krieges die Wehrpflicht
eingeführt hat. Auch der ſchlechte Stoff der engliſchen
Uniformen wird kritiſiert, und ein General ſoll geſagt
haben: Ich habe oft in den engliſchen Zeitungen bei=
ßende
Bemerkungen über ruſſiſche Korruption geleſen.
Wen hat man nun in dieſem Falle in England beſtochen?

Die engliſche Zeuſur.

* London, 19. Nov. Die Times berichtet aus Neu=
York: Die amerikaniſchen Blätter befaſſen ſich
mit der engliſchen Zenſur der Kriegsnach=
richten
, die weiter gehe, als durch die Umſtände gerecht=
fertigt
wäre. Sun erklärt, daß alle unparteiiſchen Be=
obachter
der offiziellen Verſchwiegenheit den erſten Preis
den engliſchen Zenſoren zuerkennen müßten. Das Blatt
bezeichnet die Haltung der Zenſoren als einen ernſtlichen
Irrtum und die ſchlimmſte Schmähung, die
dem engliſchen Volke angetan, werden könne,
und ſchreibt, die Zenſurbeamten tun ihr Beſtes,
um ihr Land zu verwirren, entmutigen und zu verärgern
und, anſtelle von Vertrauen in die Führung der öffent=
lichen
Geſchäfte, Mißtrauen zu ſchaffen. John Bull in
einen Vogel Strauß verwandelt zu ſehen, iſt eine der
ſonderbarſten Schauſpiele der Geſchichte. Der Neu=
York=Herald widmet dieſem Gegenſtand einen Leitartikel,
in dem es heißt: Niemand verſteht beſſer, als die engliſch=
ſprechenden
Völker, daß der Krieg ein Spiel iſt, das nicht
von einer Seite allein geſpielt werden kann, Großbritan=
nien
hat dieſen Kampf begonnen, indem es ſich als den
Verfechter ſehr hoher Ideale bekannte; es wird aber nicht
die Menſchen und das Geld auftreiben, die es braucht,
wenn es nicht mit dem eigenen Volke gerecht verfährt. Es
wird ſein Anſehen im Auslande nicht gewinnen und er=
halten
, wenn es nicht durch ein Wort der Tat beweiſt, daß
es nicht vor der Wahrheit zurückſchreckt, ſo demü=
tigend
dieſe auch mitunter ſein möge.

Die engliſchen Verluſte.

* London, 19. Nov. Asquith hat bekanntlich die
Zahl der engliſchen Verluſte bis zum 31. Oktober

auf 57000 angegeben. Auf einer Maſſenverſammlung in
Salford erklärte Lord Newton, daß die Verluſte bis zum
31. Oktober auf 80000 Mann anzugeben ſeien. Einige
Bataillone hätten ihre ſämtlichen Offiziere verloren. Zwei
Diviſionen, die zuſammen ungefähr 37000 Mann ſtark ge=
weſen
ſeien, ſeien jetzt auf 5300 Mann zuſamengeſchmol=
zen
. Lord Newton ſagte, es ſei unklug, dieſe Tatſachen
zu verheimlichen; viel verſtändiger wäre es, ſie der Na=
tion
mitzuteilen, damit die Nation wiſſe, wie dringend
nötig Verſtärkungen ſeien.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 21. November.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 38 enthält:
1. Bekanntmachung, Organiſation der Oberförſtereien
betreffend. 2. Bekanntmachung des Textes der Verord=
nung
über die Jagdwaffenpäſſe vom 30. Juni 1894 in
der vom 16. Oktober 1914 an geltenden Faſſung.
C Ritter des Eiſernen Kreuzes. Das Eiſerne Kreuz
erhielten: Lt. der Reſ. Rudolf Wittich im 2. Großh.
Heſſ. Drag.=Regt. Nr. 24; Lt. Delp, Sohn des Bauunter=
nehmers
Friedrich Delp; Oberarzt im Großh. Heſſ. Inf.=
Regiment Nr. 115 Dr. Staudinger. Oberjäger Mahr
von Gundernhauſen im 2. Bayeriſchen Jäger=Bataillon
erhielt für beſondere Tapferkeit das Bayeriſche Militär=
verdienſtkreuz
mit Krone und Schwertern und das Eiſerne
Kreuz.
Großh. Hoftheater. Heute findet als Sonder=
vorſtellung
eine Aufführung von Gogols Reviſor ſtatt.
Am Sonntag wird auf A 10 Mignon nach längerer
Pauſe wieder gegeben. Dienstag wird der zweite Teil
der Fauſt=Tragödie zum erſtenmal an einem Abend
aufgeführt. Die Erſtaufführung der außerordentlich er=
folgreichen
Spieloper Humperdincks Die Marke=
tenderin
iſt als Feſtvorſtellung für den Geburtstag
des Großherzogs am Mittwoch, den 25., angeſetzt. In
dieſem Werke, das auch mehrere große Sprechrollen ent=
hält
, ſind in den Hauptrollen beſchäftigt: Margarethe
Beling=Schäfer (Roſe), Auguſt Globerger (Johann), Leo
Schützendorf (Borſch), Hans Baumeiſter (Gneiſenau),
Johannes Heinz (Blücher). Den muſikaliſchen Teil des
Werkes leitet Hofrat Ottenheimer, die Regie führt Otto
Nowack. Am nächſten Tage, Donnerstag, den 26., iſt
Schauſpielpremiere: Als ich noch im Flügel=
kleide
ein fröhliches Spiel von Kehm und Frehſee,
das in faſt ganz Deutſchland einen ſenſationellen Erfolg
fand, einen Erfolg, wie er in den letzen Jahren kaum
einem anderen Werke beſchieden geweſen iſt.
In der nächſten und übernächſten Woche beginnt
für die einzelnen Serien das zweite Viertel. Es iſt allen
Theaterbeſuchern Gelegenheit gegeben, mit Beginn des
zweiten Viertels in das Abonnement einzutreten. Die
Hoftheater=Hauptkaſſe nimmt diesbezügliche Anmeldungen
täglich entgegen.
* Kriegsauskunftsſtelle für Arbeiter= und Angeſtellten=
verſicherung
bei der Landesverſicherungsanſtalt Großher=
zogtum
Heſſen. Die deutſche ſoziale Verſicherungsgeſetz=
gebung
hat in der gegenwärtigen Zeit für die Kriegsteil=
nehmer
, ihre Angehörigen und Hinterbliebenen eine be=
ſondere
Bedeutung gewonnen, und es liegt geradezu im
nationalen Intereſſe, dafür zu ſorgen, daß im einzelnen
Fall die Berechtigten möglichſt bald in den Genuß der
ihnen geſetzlich zuſtehenden Bezüge gelangen oder dieſe
ihnen doch ſichergeſtellt werden. Da aber in den einzelnen
Fällen nicht immer Klarheit über die Rechtslage beſteht,
da ſich zudem unter den in Betracht kommenden Perſonen
häufig Frauen befinden, die in Rechtsſachen und im Ver=
kehr
mit den Behörden unerfahren ſind, erſcheint es zweck=
mäßig
, auf dem Gebiete der Sozialverſicherung für die
Dauer des Krieges eine beſondere öffentliche
Rechtsberatung zu ſchaffen. Der Vorſtand der Lan=

desverſicherungsanſtalt Großherzogtum Heſſen hat des=
halb
in ſeinem Verwaltungsgebäude in Darmſtadt, Wil=
helminenſtraße
34, eine Kriegsauskunftsſtelle
für Arbeiter= und Angeſtelltenverſiche=
rung
eingerichtet und iſt bereit, allen im Großherzogtum
Heſſen wohnenden Kriegsteilnehmern ſowie deren Ange=
hörigen
und Hinterbliebenen koſtenlos mündlich
und ſchriftlich Auskunft in Angelegenheiten der Ar=
beiter
= (Kranken=, Unfall=, Invaliden= und Hinterbliebe=
nenverſicherung
) und Angeſtelltenverſicherung zu erteilen.
Wir geben hiermit der Oeffentlichkeit von dieſer Einrich=
tung
Kenntnis und empfehlen den Intereſſenten ihre Be=
nutzung
. Schriftliche Anfragen wolle man an den Vor=
ſtand
der Landesverſicherungsanſtalt Großherzogtum
Heſſen in Darmſtadt, Wilhelminenſtraße 34, richten.
* Die Verpackung der Feldpoſtbriefe. Die Verpackung
der aus ländlichen Bezirken herrührenden Feldpoſt=
briefe
mit Wareninhalt (Päckchen) iſt vielfach beſon=
ders
mangelhaft. Häufig wird nur Zeitungspapier
als Verpackungsſtoff verwandt, vermutlich deshalb, weil
in Dörfern und kleinen Städten Gelegenheit zum Einkauf
geeigneter Verpackungsmittel noch nicht hinreichend vor=
handen
iſt. Bei dem Intereſſe, das die Poſtverwaltung
an einer guten Verpackung der Sendungen hat, ſind die
Oberpoſtdirektionen vom Reichspoſtamt beauftragt wor=
den
, durch die Poſtanſtalten auf die Kirchen=, Schul= und
Gemeindebehörden oder in ſonſt geeigneter Weiſe dahin
zu wirken, das durchaus haltbare Verpackungsſtoffe für
ſtärkere Feldpoſtbriefe, gut gummierte Aufſchriftblätter,
Bindfaden uſw. auch in Dörfern und kleinen Städten
feilgehalten werden. Die Oberpoſtdirektionen ſollen ſich
zu dem Zwecke Muſter vorlegen laſſen und dabei Unge=
eignetes
ausſcheiden. Auch ſollen ſie die Schreibſtuben
auf den Gegenſtand aufmerkſam machen.
Poſtanweiſungen an Kriegsgefangene in Rußland.
Von jetzt ab ſind auch nach und aus Rußland Poſt=
anweiſungen
für Kriegsgefangene oder von
ſolchen zugelaſſen. Die Poſtanweiſungen nach Rußland
(Meiſtbetrag 900 Rubel) ſind auf der Vorderſeite des für
den Auslandsverkehr beſtimmten Vordrucks mit der Adreſſe
Königlich Schwediſches Poſtamt Malmö 1 Upa., Schwe=
den
zu verſehen, während die Adreſſe des Empfängers
der Geldſendung auf der Rückſeite des Abſchnitts
genau anzugeben iſt. An der Stelle, die ſonſt für die
Freimarken zu dienen hat, iſt die Bemerkung Kriegs=
gefangeienſendung
. Taxfrei anzubringen. In Malmö
werden die deutſch=ſchwediſchen Anweiſungen in ſchwe=
diſch
=ruſſiſche und die ruſſiſch=ſchwediſchen Anweiſungen
in ſchwediſch=deutſche umgeſchrieben.
* Weihnachtsſpende für die Kaiſerliche Marine.
Der Gedanke, den Mannſchaften der Kaiſerlichen Marine
eine kleine Weihnachtsfreude zu bereiten und den
Gefühlen des Dankes für die beharrliche Arbeit unſerer
jungen Seemacht einen ſichtbaren Ausdruck zu verleihen,
iſt auch außerhalb des Mitgliederkreiſes des Flotten=
vereins
auf fruchtbaren Boden gefallen. Mit Dankbar=
keit
und Freude hat die Kreisgruppe Darmſtadt neben
den mit freudigem Herzen gezeichneten Geldbeiträgen
ihrer Mitglieder ſchon beträchtliche Zuwendungen an
Geld und nützlichen Gegenſtänden von Freunden der
Flotte jeden Geſchlechts und Alters entgegengenommen.
Wer noch nicht mittat, ſei höflich daran erinnert, daß
bereits am 25. November die Sammlung
als abgeſchloſſen angeſehen werden muß,
damit die Gaben rechtzeitig das Linienſchiff Heſſen
erreichen. Vielleicht öffnet doch noch mancher, trotz der
vielſeitigen Bittrufe nach Weihnachtsſpenden, die Hand
zu milder Gabe, wenn er im Sturmeswehen dieſer Tage
daran denkt, wie hart der Dienſt, wie herb das Harren,
wie hehr die Aufgabe iſt, die die Kaiſerliche Marine
gerade in dieſem Krieg zu erfüllen hat. Zuwendungen
an Geld nimmt der Schatzmeiſter der Kreisgruppe, Herr
Miniſterialreviſor Fink, Roßdörfer Straße 56, andere
Spenden der Vorſitzende des Landesverbandes, Herr
Dr. W. Merck, Annaſtraße 15, entgegen.

bewegen. Sie hat mir unbemerkt ein Stückchen Schoko=
lade
zugeſteckt. Das Obſt hat ſie wieder mitnehmen
müſſen. Nun freue ich mich, daß ich ein Stückchen Scho=
kolade
habe.
27. Auguſt. Wir ſollen fortgeſchafft werden. Dieſe
Nachricht hat mich wieder ein bißchen aufgerüttelt. Aber
nun iſt der ganze Ernſt und das Traurige meiner Lage
wieder über mich gekommen. Hier ſitz ich gefangen, be=
handelt
wie ein Stück Vieh, und drüben kämpfen meine
Brüder und alle deutſchen Männer für ihr Vaterland.
Was hat mich’s genutzt, daß ich einen Tag vor der
Kriegserklärung nach England gekommen bin, was nutzt
es mich, daß ich Arzt bin? Hier hat man das Völkerrecht,
alle internationalen Uebereinkommen mit Füßen ge=
treten!
Ich weiß, daß ich den Haß und die Verachtung,
die das gemeine und verlogene England in mir und allen
anderen großzieht, nicht mehr vergeſſen werde.
28. Auguſt. Ich bin ſeit geſtern abend in dem Kon=
zentrationskamp
Frith Hill=Alderſhot. Ich habe mich
geirrt, wenn ich gedacht habe, daß jede Veränderung eine
Beſſerung meiner Lage bedeutet! Ich bin abgeſpannt
und hungrig. Seit geſtern morgen habe ich nichts mehr
gegeſſen.
31. Auguſt. Ich habe mich auch an das Lagerleben
ſchon etwas gewöhnt. Zwei Dinge ſind beſſer, als in der
Olympia: Wir ſind in der freien Luft, und wir haben
beſſeres Eſſen!
Morgens werden Brot, Tee, Zucker, Salz, Kartoffeln
und Fleiſch für jedes Zelt ausgeteilt. Immer zwei von
jedem Zelt müſſen kochen. Ich beneide die armen Kerle
nicht. Sie ſtehen ſtundenlang im Rauch und mühen ſich
ab, das naſſe Holz zum Brennen zu bringen. Wir wer=
den
jetzt wenigſtens manchmal ſatt.
Aber alles andere iſt fürchterlich und wird von Tag
zu Tag fürchterlicher.
Immer 12 Mann ſind in je einem Zelt untergebracht.
Das, in dem ich bin, iſt das oberſte in der 3. Reihe,
Nr. 23. Wir kennen uns in dieſem Zelt alle aus der
Olympia. Jeder hat eine dünne Gefängnisdecke. Das
Zelt iſt ſo klein, daß wir in der Nacht aufeinander liegen.
Das iſt ein Glück im Unglück, ſonſt könnten wir es vor
Kälte nicht aushalten.
Ich habe jetzt ſeit drei Wochen meinen Anzug Tag
und Nacht auf dem Leib gehabt. Seit vorgeſtern habe ich
mich mit dem engliſchen Militärarzt in die Behandlung
der Kranken geteilt. Aber wir haben keine Medikamente
und faſt gar keinen Verbandſtoff.
5. September. Die Zahl der Kranken nimmt zu. Die
Ueberlebenden der Mainz und des Minenlegers Köni=
gin
Luiſe ſind in das Camp gebracht worden. Viele von
ihnen ſind ungeheilt aus engliſchen Hoſpitälern entlaſſen
worden und mußten trotz ihrer Wunden ſtundenlang lau=
fen
. Der Unteroffizier der Luiſe iſt ſeiner Lungenent=
zündung
erlegen und ohne jede militäriſche Ehre begra=
ben
worden. Ich bitte jeden Tag vergebens um Feld=
betten
und Decken für die Kranken. Sie liegen alle auf
dem Fußboden. Viele Zelte haben einen Holzfußboden
bekommen. Faſt in jedem Zelt ſind Kranke mit Brech=

durchfall und Rheumatismus. Manche werden nach dem
Lazarett getragen, weil ſie nicht gehen können.
10. September. Endlich ſind zwei Medizinfeldkiſten
gekommen. Für die Verwundeten kann ich ſo ſchon aller=
lei
tun, aber was nutzen den Kranken die Medikamente,
wenn ſie frierend auf dem Boden liegen müſſen? Ein
alter engliſcher Militärarzt hat mir verſprochen, daß ich
wie die engliſchen Offiziere behandelt werden würde,
wenn ich für die Kranken ſorge. Ich habe vorgeſtern den
Kommandanten des Lagers, Mayor Picot von den Terri=
torials
, an dieſes Verſprechen erinnert. Wie ſoll ich, ſelbſt
voller Läuſe und Flöhe, immer ſchmutzig, und nicht ſicher,
ob ich mich nicht bereits ſelbſt auf dem nie desinfizierten
Kloſett angeſteckt hatte, den Kranken helfen? Er hat mir
geſagt, daß er das Verſprechen nicht halten wolle. Ich
als Arzt hätte kein Recht, wie ein Offizier behandelt zu
werden, dabei muſterte er meinen dreckigen Anzug von
oben bis unten und falls ich mich weigere, die Kran=
ken
zu behandeln, würde er mich zwingen, morgens das
Kloſett zu reinigen. Er könne tun mit mir, was er wolle!
Ich nahm das ohne ein Wort zu ſagen hin: Geſtern
erzählte ich das dem engliſchen Arzt. Er hat mir heute
in einer Zeitung eingewickelt ein paar Aepfel mitgebracht.
Ich habe ſie verſchenkt. Die anderen wiſſen ja nicht, wa=
rum
ich ſie bekommen habe!
12. September. Wir müſſen uns täglich zweimal in
Reihen aufſtellen, werden gezählt und in der gemeinſten
Weiſe beſchimpft.
Die Zahl der Kranken nimmt immer weiter zu und
jetzt habe ich faſt jeden Tag etwa 40 Kranke mit Brech=
durchfall
. Bei zwei Kranken hat der engliſche Arzt Ty=
hus
diagnoſtiziert. Ich ſage nichts und denke nur an die
Konzentrationskamps im Burenkrieg. Wenn keine Hilfe
von Deutſchland kommt, ſterben hier Hunderte!
Die engliſche Regierung will das Leben ihrer
Kriegsgefangenen nicht retten. England läßt ſeine
Wut an den wehrloſen Opfern ſeiner Gemeinheit aus und
rächt ſich an widerrechtlich gefangen gehaltenen Zivilper=
ſonen
, die es ſtolz Prisoners of war nennt! Wie ſoll es
erſt werden, wenn es regnet und kalt wird? Die Zelte
laſſen den Regen durch. Endlich haben wir etwas =
geſchirr
bekommen. Nun müſſen wir wenigſtens nicht
mehr aus der Hand freſſen.
Nach und nach ſind immer mehr Gefangene gekom=
men
, auch deutſche Soldaten. Bei einem Transport wa=
ren
60 Mann vom Roten Kreuz und ein Militärarzt. Sie
ſind von Franzoſen vor Paris beim Suchen nach Ver=
wundeten
gefangen genommen worden. Neben unſerem
Camp wird jetzt ein Militärcamp errichtet. Ebenſo wie
unſeres, mit dreifacher Umzäunung und einem breiten
Stacheldrahtverhau.
In unſerem Lager ſind jetzt 2500 Gefangene. Für
uns alle gibt es 16 Waſſerhähne! Die Waſchhallen ſind
offen und von früh bis ſpät belagert.
90 Kloſettſitze ſind in drei gedeckten Hallen: lange
Bretter, die über Eimer gelegt ſind. Ich nehme ſchon ſeit
Tagen Opium. Wer zum Kloſett will, muß jetzt durch
den Kot waten!

Für einen einzigen Schwerkranken habe ich jetzt end=
lich
ein Bett bekommen. Alle anderen liegen auf der
Erde, manche haben eine oder zwei Decken mehr bekom=
men
.
17. September. Seit geſtern bin ich wieder in Lon=
don
, zwar noch als Kriegsgefangener; aber ich übe an
Deutſchen meine ärztliche Tätigkeit aus und kann mich im
Umkreis von 5 Meilen frei bewegen. Meine Entlaſ=
ſung
aus dem Camp verdanke ich . . . . Von jetzt ab
muß ich manche Namen und Orte verſchweigen. Aber ich
habe während der fünf Wochen, die ich noch in London
war, manche Beobachtung und Erfahrung gemacht, die
von Intereſſe erſcheinen.
An einem Tage haben wir Decken, Wollſachen,
Strümpfe, Tabak und anderes nach dem Militärcamp in
Frith Hill geſchickt. Zwei Damen haben den Transport
in Automobilen begleitet, um ſicher zu ſein, daß die Ge=
fangenen
alles bekommen. Die beiden Damen haben ſelbſt
den Gefangenen die Sachen im Camp übergeben: Acht
Tage ſpäter, beim zweiten Transport von Wollſachen,
wurde den Damen von den Gefangenen mitgeteilt, daß
ihnen am nächſten Tage alles wieder abgenommen wor=
den
ſei! Die Gefangenen baten ſelbſt, nichts mehr zu
ſchicken, weil doch alles die engliſchen Soldaten bekämen.
Zu derſelben Zeit wurden durch alle engliſchen Zeitungen
Decken und Wollſachen für die engliſchen Soldaten in
Frankreich geſammelt!
Seit dieſen Tagen weiß ich auch, daß in dem Camps
die Leichenwagen aus= und einfahren und Typhus
herrſcht. Noch immer lagen die Kranken ohne Betten und
Decken auf der Erde, behandelt von ihrem eigenen Mili=
tärarzt
, dem faſt keine Medikamente zur Verfügung ſtehen.
Seine Bitten um Abhilfe blieben unbeantwortet. So hat
es die engliſche Regierung erreicht, daß die Deutſchen in
England elend verrecken. Seit dem 22. Oktober wer=
den
alle deutſchen und öſterreichiſchen Männer im Alter
von 17 bis 45 Jahren in die Camps und andere Ge=
fangenenlager
gebracht. Wie mag es jetzt dort ausſehen?
Wenn England ſelbſt ſagt, es ſei kein Platz, alle Gefan=
genen
unterzubringen, dann muß es fürchterlich ſein!
Doch nicht allein die Gefangenen in England ſind ge=
fährdet
, auch die, die noch auf freiem Fuß ſind. Ihre
Stellung und Arbeit haben die Deutſchen ſchon lange
verloren. Geld bekommen ſie nicht mehr.
Eine Freilaſſung der Gefangenen würde zwar das
Elend mildern, aber keineswegs beſeitigen. Wenn ſie frei=
gelaſſen
werden, dann werden die Gefangenen anſtatt im
Camp an einer Krankheit, in der Freiheit vor Hunger
ſterben.
Am 23. Oktober habe ich England durch die Hilfe des
engliſchen Seemannspaſtors Pater Hopkins verlaſſen.
Der Austauſch von Aerzten und Geiſtlichen wird in Eng=
land
nicht bekanntgegeben. Von zwei deutſchen Aerzten
weiß ich, daß ihnen die Erlaubnis, England zu verlaſſen,
verweigert wurde. In der Home=Office, wo ich die Er=
laubnis
zum Verlaſſen des Landes bekam, wurde mir ge=
ſagt
, daß 135 engliſche Aerzte aus Deutſchland zurückge=
kommen
ſeien.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Nummer 321.

* Kreuzpfennig=Sammlung‟. Die Kreuzpfennig=
Marken, die anſtelle der Sammlungen durch Büchſen
dazu beitragen ſollen, die Wunden der für uns im Felde
Kämpfenden zu heilen und die Not der Invaliden wie
der Hinterbliebenen der vor dem Feinde Gefallenen zu
lindern, ſind erſchienen und in Bogen zu 100 und in Heft=
chen
zu 20 Stück kommiſſionsweiſe zu beziehen durch die
Bank für Handel und Induſtrie, Landgraf=Philipp= An=
lage
6 (vormittags von 912, nachmittags von 35 Uhr,
Samstag nur vormittags) und in kleineren Mengen gegen
Barzahlung auf dem Bureau der Kreuzpfennig=Sammlung,
Neckarſtraße 8I, vormittags von 1012 Uhr und nach=
mittags
von 46 Uhr.
Ueber die in der Darmſtädter Muſikerſchaft betä
tigte Fürſorge für die durch den Krieg in Not geratenen
Berufsgenoſſen enthält die letzte Nummer der Deutſchen
Muſiker=Zeitung folgende Mitteilung aus Darmſtadt:
Zugunſten der Kriegsfürſorge des Allgem. Deutſchen
Muſiker=Verbandes und der Stadt Darmſtadt veranſtal=
tet
das Darmſtädter Streichquartett der Herren Meh=
mel
, Diedrich, Brückmann und Andrä ( Verbandsmitglie=
der
) im kommenden Winter ſeine üblichen drei Kammer=
muſikabende
. Die Tatſache, daß alſo die Darbietungen
ausſchließlich in den Dienſt der Wohltätigkeit geſtellt ſind,
und daß ein mit Rückſicht auf die ernſte Zeit gewähltes
volkstümliches Programm nur älterer deutſcher Meiſter
zur Wiedergabe gelangt, übt auf die Beteiligung am
Abonnement einen günſtigen Einfluß aus, ſo daß voraus=
ſichtlich
den hilfsbedürftigen Verbandsmitgliedern ein
nennenswerter Betrag überwieſen werden kann. Daß auch
die Verwaltung der Sinfoniekonzerte der Hofkapelle be=
ſchloſſen
hat, einen Teil des ſonſt lediglich dem Witwen=
und Waiſenfonds der Hofkapelle zufließenden Gewinnes
der Kriegsfürſorge des A. D. M.=V. zuzuführen, ſpricht
für die rege Teilnahme, die hier den durch die Kriegslage
in Not geratenen Berufsgenoſſen von allen Seiten
entgegengebracht wird.
* Der Verband mittlerer Reichs=Poſt= und Telegra=
phen
=Beamten hat aus einer unter ſeinen Mitgliedern für
Kriegswohlfahrtszwecke veranſtalteten Geldſamm=
lung
, die bisher 180000 Mark ergeben hat,
folgende Spenden überwieſen: 1. dem Zentralkomitee der
deutſchen Vereine vom Roten Kreuz 12000 Mark, 2. der
Oeſterreichiſchen Geſellſchaft vom Roten Kreuz in Wien
4000 Mark, 3. dem Kriegsausſchuß für warme Unterklei=
dung
40000 Mark, 4. dem Königlichen Kriegsminiſterium
(Medizinalabteilung) zur beſſeren Verpflegung kranker
und verwundeter Krieger in den ſtaatlichen Reſervelaza=
retten
10000 Mark, 5. dem Miniſter des Innern für
Kriegsnotleidende in Oſtpreußen 10000 Mark, 6. dem Lan=
deskomitee
für die Kriegsnotſpende für Elſaß=Lothringen
3000 Mark, 7. dem Deutſchen Verein für Sanitätshunde
in Oldenburg 1000 Mark, 8. der Nationalſtiftung für die
Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen 50000 Mark, ins=
geſamt
alſo 130000 Mark. Der Reſtbetrag von 50000
Mark ſoll der Verwendung für bedürftige Hinterbliebene
der im Kriege gefallenen Poſt= und Telegraphen=Beamten
vorbehalten bleiben. Eine große Reihe von Zweigver=
einen
des Verbandes veranſtaltet außerdem fortlaufende
Sammlungen, deren Erträgniſſe den Magiſtraten oder
örtlichen Sammelſtellen zugunſten der durch den Krieg ar=
beitslos
gewordenen oder in Not geratenen Bevölkerungs=
ſchichten
zugeführt werden. Seine regen Beziehungen zu
den ausländiſchen Poſt= und Telegraphenbeamten=Vereinen
hat der Verband benutzt, um durch regelmäßige Liefe=
rung
deutſcher Tageszeitungen und Wochenſchriften an
Poſt= und Telegraphen=Beamte in Dänemark, Schweden,
Norwegen, Holland, der Schweiz und Italien Aufklärung
über den Krieg im neutralen Ausland zu verbreiten.
* Ausſtellungs= und Verkaufstag der Heim=
arbeiterinnen
. Es ſei nochmals darauf hingewieſen,
daß die Veranſtaltung am 24. und 25. I. Mts. im
Muſikvereinsſaal, an beiden Tagen von 912 und nach=
mittags
von 37 Uhr, ſtattfindet; ihr Beſuch wird
wiederholt warm empfohlen. Die Liebesgabentrans=
porte
ins Feld und die bevorſtehende Weihnachtszeit
geben hoffentlich vielen Freunden der Heimarbeiterinnen=
ſache
Anlaß, durch Ankauf geeianeter Gegen=
ſtände
(Wäſche= und Bekleidungsſtücke, Handarbeiten
aller Art) zu bekunden, daß die Bemühungen bedürf=
tiger
Frauen und Mädchen, ſich möglichſt ſelbſt durch

die ernſte und ſchwere Zeit hindurchzubringen, volle An=
erkennung
und j de Förderung verdienen. Es wird er=
mutigend
auf die Heimarbeiterinnen wirken, wenn der
wohlverdiente Erfolg ihrer Mühe nicht ausbleibt. Sämt=
iche
Stoffe, die verarbeitet wurden, ſind bei hieſigen
Heſchäften gekauft.
* Auszeichnung. Der Hofbuch= und Steindruckerei H.
Hohmann, hier, wurde auf der Internationalen Aus=
ſtellung
für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914, für
hervorragende Leiſtung der Goldene Preis zuer=
kannt
.
* Zum Vaterländiſchen Feſtabend. Es ſei darauf auf=
merkſam
gemacht, daß, zahlreich geäußerten Wünſchen ent=
ſprechend
, für den Vaterländiſchen Feſtabend am nächſten
Dienstag noch eine Anzahl vorbehaltener, mit
Nummern verſehener Plätze eingerichtet worden iſt, die in
Arnold Bergſträßers Buchhandlung abgegeben werden,
jedoch nur unter gleichzeitiger Vorzeigung des (zu 50 Pfg.
äuflichen) Programms zum Eintritt berechtigen. Den
Inhabern aller vorbehaltenen Plätze wird anheimgeſtellt,
einen Beitrag zur Kriegsfürſorge an der Abendkaſſe zu
entrichten. Der geſamte Ertrag des Abends ( einſchließ=
lich
des Erlöſes für verkaufte Programme) wird der
Kriegsfürſorge der Stadt Darmſtadt über=
wieſen
.
* Kammerſänger Hermann Gura. Es ſei noch=
mals
auf den heute in der Traube ſtattfindenden
Patriotiſchen Balladen= und Liederabend
des Künſtlers hingewieſen, deſſen Ertrag zum Beſten
er Hinterbliebenen unſerer im Felde gefallenen Krieger
eſtimmt iſt. Karten bei Georg Thies Nachf. Leopold
Schutter, Eliſabethenſtraße 12.
* Tuberkuloſe=Fürſorgeſtelle. Die Sprechſtunde der
Tuberkuloſe=Fürſorgeſtelle (Auskunfts= und
Beratungsſtelle), Wilhelminenſtraße 34, am Mittwoch,
den 25. November 1914, fällt aus.
* Frauenverein der Martinsgemeinde. Die Mitglie=
der
des Frauenvereins der Martinsgemeinde ſeien hier=
nit
nochmals darauf aufmerkſam gemacht, daß die
aupt= und Mitgliederverſammlung mit der
üblichen Tagesordnung: Jahresbericht des Vorſitzenden,
Rechnungsablage, Wahl des Vorſtandes und Anträge, em
nächſten Montag im Martinsſtift ſtattfindet und daß alle
Mitglieder hierzu freundlichſt eingeladen ſind.
S. Der Bezirksverein Mathildenhöhviertel hat 532
Mark, davon 156 Mark aus ſeiner durch die letzte Stadt=
verordnetenwahl
rieſig geſchwächten Vereinskaſſe, und der
Reſtbetrag in ſeinem Bezirk geſammelt, zugunſten der Fa=
nilien
bedürftiger und gefallener Kriegs=
teilnehmer
bei der Stadtkaſſe abgeliefert.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

Reſidenztheater am Weißen Turm. Der
Totgeglaubte nennt ſich der Hauptſchlager in dem heu=
igen
Programm. Es iſt ein Kriminalroman in drei
Akten. Die Voſſ. Ztg. ſchreibt über die Uraufführung:
Die Hauptrolle der durchweg ſpannenden Handlung ver=
körpert
das anmutige Fräulein Regina Badet, eine
Künſtlerin mit ſtarkem mimiſchen Ausdrucksvermögen.
Wie die kleine Margot mit ihrem Freunde, einem laſter=
haften
Menſchen, das armſelige Dachſtübchen teilt, wie ſie
dem armſeligen Leben entflieht und ſpäter in die höchſten
Geſellſchaftskreiſe gelangt, um dann wieder in Kämpfe
verwickelt zu werden, die durch die Vergangenheit herauf=
beſchworen
werden, das alles zieht in effektvollen Bil=
dern
am Auge der Zuſchauer vorüber. Die Erſtauffüh=
rung
ging unter großem Beifall in Szene. Ein kleineres
Drama, Die Stiefmutter, mit Hanni Weiſe, der belieb=
ten
Schauſpielerin, einige Humoresken und die neueſte
lufnahme vom Kriegsſchauplatz machen den intereſſan=
ten
Spielplan zu einem erſtklaſſigen. Das heutige Pro=
gramm
wird nur bis einſchl. Montag vorgeführt, ab
Dienstag wird dann das gewaltige Filmwerk in 7 Akten
die Filmbiographie von Richard Wagner in den Spiel=
plan
aufgenommen. (S. Anz.)
Das Lichtſpielqaus American Bio
bringt vom Samstag ab einen der ſenſationellſten und

ſpannendſten Films, Die Millionen=Miene, ein Meiſterwerk
der Lichtſpielkunſt, ein aufſehenerregendes und ſpannendes
Detektiv=Drama in 3 Akten. Die Ausführung ſteht auf
der Höhe der Filmkunſt und bietet noch nie Dageweſenes.
Die Spannung und Erregung erhöht ſich von Akt zu
Akt und bietet der Film ganz eigenartige Effekte. Ferner
der übrige hochintereſſante und abwechſelungsreiche Spiel=
plan
. (Siehe Anzeige.)

Gernsheim, 19. Nov. (Drei kriegsgefangene
Franzoſen) waren aus dem Gefangenenlager in
Darmſtadt ausgebrochen und bis hierher gewandert.
Als ſie hier die Rheinfähre paſſieren wollten, wurden die
Flüchtigen angehalten und feſtgenommen. Sie wurden
ſodann zurücktransportiert.
Reinheim i. O., 20. Nov. (Das hieſige Vers
einslazarett vom Roten Kreuz) iſt vollendet.
Die Räume des Gewerbeſchulhauſes und der anſtoßende
obere Stock des Schützenhofes ſind, zu einem Ganzen
verbunden, den Zwecken des Lazaretts dienſtbar gemacht.
Wie ein Schmuckkäſtchen mutet uns der Krankenſaal an
mit dem anſtoßenden Arztzimmer und Baderaum. Nicht
minder ſchön iſt der große luftige Aufenthaltsſaal und
die reich ausgeſtattete Küche. Inniger und herzlicher
Dank all den fleißigen Händen, die das große Werk der
Liebe ſchaffen halfen, allen denen, die es durch Geld=
ſpenden
und Lebensmittelgaben ermöglichten. Der
nächſte Sonntag (22. November) iſt für die Beſich=
tigung
vorgeſehen, die vormittags von 1012 und
nachmittags von 24 Uhr erfolgen kann, wozu jedermann
auf das herzlichſte eingeladen iſt.
Neuſtadt, 20. Nov. (Einbrecher.) In der Nacht
zum Montag wurde in das hieſige Bahnhofsgebäude ein
Einbruch verübt. Die Einbrecher verſchafften ſich mittelſt
Nachſchlüſſels Eingang in den Warteraum, von wo ſie
durch die Billetſchalteröffnung, an der ſie zuerſt den eiſer=
nen
Ladenverſchluß erbrechen mußten, in das Büro des
Vorſtehers gelangten. Geld fanden ſie nicht, da der Vor=
ſteher
das Bargeld mit in ſeine Privatwohnung genom=
men
hatte. Das gleiche Schickſal erfuhr das Stations=
gebäude
in Hainſtadt i. O. in derſelben Nacht. Dort
erbeuteten die Einbrecher 80 Mark in Bargeld. Von den
Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.
A Beerfelden, 20. Nov. (Rotes Kreuz.) Seit
Ausbruch des Krieges finden hier monatliche
Sammlungen für das Rote Kreuz ſtatt von
ſeiten des hieſigen Zweigvereins. Daß die Opferwillig=
keit
der hieſigen Einwohnerſchaft nicht nachgelaſſen hat,
beweiſt das Ergebnis für den Monat Oktober: 373,60 Mk.,
das noch um ein Geringes beſſer iſt, als das im vorigen
Monat. Dem Rechner des Zweigvereins übergab Herr
Lehrer Schwarz 50,60 Mark, die Hälfte der Einnahme
einer am letzten Sonntag ſtattgehabten Ausſtellung.
(Die hieſige Jugendwehr) arbeitet wacker wei=
ter
. Die an den Wochenabenden ſtattfindenden Uebungs=
abende
in der Turnhalle wechſeln ab mit Nachtfelddienſt
und Gefechten am Sonntag. Neuerdings iſt ein Abend
der Woche ausſchließlich der Pflege vaterländiſcher Ge=
fühle
und dem Geſang gewidmet.
Gießen, 20. Nov. (Von den Schleſiern) ſind
geſtern ca. 30 Bergarbeiter für oberheſſiſche Gruben nach
außerhalb abgereiſt. 15 Metzgerburſchen haben die Mei=
ſter
unſerer Fleiſcherinnung in Arbeit genommen. Die
Leute traten heute vormittag auf Oswaldsgarten wieder
zuſammen, wo einem Teil von ihnen weitere offene Ar=
beitsſtellen
zugewieſen werden konnten.
Herchenhain, 19. Nov. (Opferfreudigkeit.)
Vorgeſtern abend hielt Pfarrer Lenz aus Darmſtadt
Gottesdienſt ab. Im Auftrage des Eliſabethſtiftes
ankte er vor allem der Kirchengemeinde Herchenhain,
Hartmannshain und Sichenhauſen für die Ende vorigen
Monats geſandte wertvolle Kartoffelſpende im Ge=
ſamtgewicht
von 117 Zentner 70 Pfund. Weiter ſprach
er von der großen Arbeit, die dem Eliſabethenſtift in die=
ſem
Kriege geworden iſt. Die beim Ausgange des Got=
tesdienſtes
erhobene Kollekte ergab den anſehnlichen Be=
trag
von 27 Mark.

* Einige Fragen. Zu beantworten von den rechtlich
denkenden Amerikanern. Unter dieſem Titel ſchreibt das
in Philadelphia erſcheinende Sonntagsblatt: Dem recht=
lich
denkenden amerikaniſchen Bürger, der ſich nicht fort=
während
, auch nicht durch Zeitungsberichte, zum Narren
haben läßt, werden folgende Fragen zur Erwägung vor=
gelegt
:
1. Warum wird Zabern genannt, während Kiſchinew
vergeſſen iſt?
2. Warum iſt es für Deutſchland ein Verbrechen gegen
die Menſchheit, die größte Armee der Welt zu unterhal=
ten
, aber ein gerechtes, natürliches und geeignetes Ver=
teidigungsmittel
für Großbritannien, die größte Flotte der
Welt zu beſitzen?
3. Warum iſt es hyſteriſch oder heuchleriſch von
Deutſchland, von der Slawiſchen Gefahr zu ſprechen,
aber weiſe, vorſichtig und rechtſchaffen von England, wäh=
rend
der letzten zehn Jahre dem Volke den Gedanken an
die Deutſche Gefahr beſtändig in Erinnerung gebracht
zu haben?
4. Warum war es ſchmählich von Oeſterreich, die Auf=
richtigkeit
Serbiens bezüglich der Annahme der 7 oder 8
Bedingungen des Ultimatums in Frage zu ziehen, aber
bloß ſtaatsmänniſche Vorſicht von Sir E. Grey, die Auf=
richtigkeit
der Bemühungen Deutſchlands um die Erhal=
tung
des Friedens zu bezweifeln?
5. Warum war es entwürdigend für Deutſchland, ſei=
nem
Verbündeten Oeſterreich Treue zu halten, aber edel
und heroiſch von England, gegen ſeinen Verbündeten
Frankreich treu zu ſein?
6. Warum iſt Deutſchlands Einfall in dem neutralen
Belgien eine ſchändliche Tat, aber Japans Einfall in
China etwas Unbedeutendes?
7. Warum wird jeder belgiſche, franzöſiſche und eng=
liſche
Bericht über deutſche Ausſchreitungen verſchlungen
und geglaubt, während deutſche Berichte über belgiſche
und ruſſiſche Ausſchreitungen als reine Erfindung hinge=
ſtellt
werden?
8. Warum iſt es ungehörig und ein Neutralitätsbruch
für Amerikaner deutſcher Abkunft, ihre Sympathie für
Deutſchland zu bekunden, aber ſtatthaft und empfehlens=
wert
für Amerikaner engliſcher Abkunft, ihre Sympathie
für England und deſſen Verbündete auszudrücken?
9. Warum iſt es fanatiſch und barbariſch von den
Deutſchen, an Deutſchlands glückliche Zukunft zu glauben,
aber recht und natürlich von den Engländern, an ein ihnen
vom Himmel zugewieſenes Recht, die Erde zu beherrſchen,
zu glauben?

10. Warum iſt es lächerlich und gottesläſterlich von
den Deutſchen, Gott zu bitten, während es ſonſt als Be=
weis
für eine gerechte Sache und für die Reinheit des Her=
zens
gilt, Gott anzurufen?
*⁎* Wenn die Taube über Warſchau erſcheint. .
Warſchau hat in den letzten Wochen aufgeregte Tage ge=
ſehen
, und beſonders waren es die häufigen Beſuche dent=
ſcher
Tauben die die Bevölkerung in einen furchtbaren
Schrecken verſetzten. Das Bild einer ſolchen Panik in
Warſchau ſchildert der Berichterſtatter Stephen Gra=
ham
. Es iſt ein leuchtend klarer, warmer Herbſttag, und
die Menge drängt ſich aufgeregt in Warſchaus Straßen.
Die Nachrichten, daß die Deutſchen nahe ſind, ſchwirren
umher, und viele möchten fliehen. Aber dazu iſt eine be=
ſondere
Erlaubnis nötig, die man nur durch große Geld=
aufwendungen
erlangen kann, und außerdem ſind die ab=
gehenden
Züge alle überfüllt. Die meiſten müſſen alſo
noch warten, und ſie tun es, zitternd vor Angſt und ner=
vös
. Jeden Augenblick werden Spione feſtgenommen, und
es geht kein Tag vorüber, ohne daß ein paar erhängt oder
erſchoſſen werden. Um 3 Uhr nachmittags dränge ich mich
mit den anderen durch die Hauptſtraße, und plötzlich
kommt in den Bienenſchwarm eine wilde Erregung. Die
Leute beſchatten die Augen mit den Händen und gucken
in den ſonnigen Himmel, und ich gucke mit ihnen. Ein
großer Vogel eilt vorwärts über die Stadt; er ſieht aus
wie ein deutſcher Adler, der ſich brüſtet in dem Sonnen=
gold
. Mit raſender Schnelligkeit nähert er ſich, und nun
iſt er über unſeren Köpfen. Das Volk verſucht zu fliehen,
jetzt nach dieſer Seite des Weges und dann nach der an=
deren
. Man ſtößt ſich und drängt ſich hin und her. Schreie
löſen ſich aus dem Menſchenknäuel, und man wird faſt
erdrückt. Zwei Augenblicke ſpäter zuckt ein Blitz aus rau=
higem
Feuer, und ein dumpfer Aufſchlag erfolgt. Stücke
eines Daches fliegen auf die Straße, drei Häuſer entfernt
von dem Ort, wo ich ſtehe; eine Bombe iſt auf die Spitze
meines Lieblings=Kaffees gefallen und hat den Platz ver=
wüſtet
, an dem ich zehn Tage meinen Kaffee ſchlürfte und
meine Artikel ſchrieb. Nachdem er die Bombe abgewor=
fen
, ſchießt das raſtloſe Flugzeug direkt empor in den Him=
mel
und verſchwindet. Eine ungeheure Menge hat ſich um
das Kaffee verſammelt und ſchreit und ſpricht in dumpfem
Schrecken. Aber ſogleich kommt der preußiſche Adler von
dem Horizont her, in dem er verſchwunden war, wieder
zurück und nähert ſich mit atemberaubender Schnellig=
keit
. Eine große Panik entſteht nun in den Straßen, ein
Augenblick des höchſten Schreckens, in dem jedem das Herz
ſtill zu ſtehen ſcheint. Alles flüchtet. Selbſt die Soldaten
ſtürzen fort. um irgend welche eingebildeten Schutzwinlel

aufzuſuchen. Die Straßenbahnwagen ſtehen wie verſtet=
nert
vor Grauen ſtill, die Droſchken fahren nicht mehr wei=
ter
und die Kutſcher ſpringen von ihren Sitzen. Jeder
hat das Gefühl, als wenn er im nächſten Augenblick in
kleine Stücke zerſchmettert werden ſollte. Die Verwirrung
iſt unbeſchreiblich. Keiner iſt ſicher, denn die Bomben
fallen auf Gerechte und Ungerechte mit großer Unpartei=
lichkeit
. Die, vor der wir uns fürchteten, fiel zwei Stra=
ßen
von uns entfernt herunter und tötete ſechs Menſchen,
die nicht einmal ahnten, daß ein Feind über ihren Häup=
tern
ſchwebte. So lauert die Gefahr beſtändig in den Lüf=
ten
über Warſchau. Die einen ſehen ſie, die anderen
wiſſen nichts von ihr. Die ruſſiſchen Behörden aber haben
einen ſchweren Stand, die nervöſe Bevölkerung in dieſen
Tagen der höchſten Aufregung zu beaufſichtigen, und wenn
die Deutſchen in die Stadt kämen, ließen ſich die gefähr=
lichen
Elemente in dieſem innerlich zerwühlten Warſchau
wohl kaum zurückhalten.
* Abſchiedsgruß. Von einem aus Darmſtadt Aus=
gewieſenen
polniſch=ruſſiſcher Nationalität wird uns
folgender Abſchiedsgruß zugeſandt, den wir wörtlich wieder=
geben
: Leb wohl, du ſchönes, liebes Darmſtädtchen. Wohl
habe ich mich in deinen Mauern während meines 5 jähri=
gen
Aufenthaltes gefühlt, da ich drin ſo viel Anregung
für das Schöne und Erhabene bekommen habe, da ich
aus dem reichen Born der hier vorhandenen Kunſt und
Wiſſenſchaft in Fülle geſchöpft habe. Vielen Dank meinen
zahlreichen Lehrern, die mich ſo gewiſſenhaft erzogen und
lehrten. Beſten Dank meiner treuen Wirtin, der ich beim
Ausbruch des Krieges manches Unangenehme ſeitens der
übertrieben patriotiſch geſinnten Nachbarſchaft verurſacht
habe. Obwohl ich aus den Mauern Darmſtadts ausge=
wieſen
bin, trotzdem, daß ich deutſchfreundlich geſinnt bin,
danke ich der Polizeibehörde für ihren Schutz, den ſie mir
gewährt hat und noch gewährt. Eben deshalb, da ich
deutſchfreundlich geſinnt bin, teile ich das Schickſal vieler
anderer mit dem Bewußtſein, daß dieſe auch für mich ent=
ſtandenen
Maßregeln als nutzbringende Notwendigkeit zu
betrachten ſind. Vielen, vielen Dank Euch lieben ſchönen
Mädchen, die mir den Abſchied gar zu ſchwer machen.
Innigſten Dank Euch für die frohen Stunden, die ich mit
Ihnen beim Spiel und Tanz verlebt habe. Dank Euch
allen meinen lieben Kollegen für die ſchönen Stunden
der Geſelligkeit und für die des Studiums, die wir zu=
ſammen
verbrachten. Gebe Gott, daß alle von Euch, die
ins Feld gezogen ſind, mit Sieg bekrönt nach Hauſe zurück=
kehren
, und die, welche noch zu Hauſe geblieben ſind, ihrem
vorgenommenen Ziele mit Ruhe entgegentreten können.
Lebt wohl!

[ ][  ][ ]

Nummer 321.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Seite 5.

Reich und Ausland.

München, 20. Nov. (Falſchmünzer.) Ein jetzt
verhafteter Kaufman und ehemaliger Chemigraph hat im
Laufe der letzten beiden Jahre 2000 deutſche Reichs=
Banknoten von je 100 M. angefertigt. Die Noten ſind
äußerſt geſchickt gefälſcht, ſelbſt Banken ſind gelegentlich
getäuſcht worden. Nach angeſtellten Ermittelungen ſchei=
nen
nicht mehr als 50 bis 60 der Scheine in den Verkehr
gelangt zu ſein. In der Wohnung des Täters wurden
für 197600 Mark gefälſchter Banknoten ſowie alle zur
Herſtellung benutzten Maſchinen gefunden. Der Verhaf=
tete
hat die Noten allein angefertigt und einen Teil in
den Verkehr gebracht. Er iſt in vollem Umfange ge=
ſtändig
.
Leipzig, 20. Nov. (Spionageprozeß.) Vor
dem 2. Strafſenat des Reichsgerichts ſtand heute der
Kaufmann Kurt Kaul aus Berlin=Schöneberg wegen
verſuchten und vollendeten Verrats militäriſcher Geheim=
niſſe
. Zur Verhandlung waren ſieben Zeugen erſchienen,
darunter der ehemalige Vizefeldwebel Pohl aus Thorn,
der vom Kriegsgericht wegen Spionage zugunſten Ruß=
lands
zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.
Dem Angeklagten Kaul wurde zur Laſt gelegt, daß er
im Jahre 1914 den Verſuch gemacht habe, geheim zu hal=
tende
Gegenſtände an das ruſſiſche Nachrichtenbüro aus=
zuliefern
, ferner in Gemeinſchaft mit dem genannten
Pohl Zeichnungen, deren Geheimhaltung geboten war,
an das ruſſiſche Nachrichtenbüro ausgeliefert zu haben.
Der Angeklagte, der ein bewegtes Leben hinter ſich hat,
hielt ſich vor zwei Jahren in Serbien und Bulgarien auf
und knüpfte von dort aus Beziehungen zu Rußland an.
Die Oeffentlichkeit war während der Verhandlung aus=
geſchloſſen
. Kaul wurde zu 5 Jahren 6 Monaten
Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverluſt, ſowie zur
Stellung unter polizeiliche Aufſicht verurteilt.
Hannover, 20. Nov. (Todesfall.) Der frühere
nationalliberale Reichstagsabgeordnete Guſtav Roth=
barth
=Dagebrück iſt nach kurzer Krankheit im 73. Le=
bensjahre
heute geſtorben. Er vertrat von 1893 bis 1898
den Wahlkreis Celle im Reichstag.
Rom, 20. Nov. (Eine Ironie des Schickſals.)
Nachrichten aus Paris zufolge ſollen mit Bauarbeiten
bei Montforts beſchäftigte deutſche Kriegsgefan=
gene
durch Zufall einen reichen Goldfund aus der
Zeit Ludwig XIV. entdeckt haben.

Parlamentariſches.

Kampfloſe Landtagswahlen in Heſ=
ſen
. In einer gemeinſamen Beratung der Kammervor=
ſtände
und des Finanzausſchuſſes mit der Regierung hatte
der Abg. Ulrich den Vorſchlag gemacht, die bevor=
ſtehenden
Landtagswahlen durch eine Verein=
barung
der Parteien auf der Grundlage des be=
ſtehenden
Beſitzſtandes kampflos durchzuführen.
Dieſer Vorſchlag war von der Regierung und den Ver=
tretern
aller Parteien mehr oder minder warm begrüßt
worden. Die Nationalliberale Partei und auch
der Engere Landesausſchuß der Fortſchrittlichen
Volkspartei ſtimmten dem Vorſchlage unter Zurück=
ſtellung
aller Bedenken zu, da die Forderung der Einig=
keit
und Geſchloſſenheit des deutſchen Volkes in dieſer
ernſten und großen Zeit allen anderen Rückſichten vor=
gehe
. Eine neuerliche gemeinſame Beratung von Ver=
tretern
aller Parteien verlief leider ergebnislos.
Eine Verſtändigung konnte unter den Parteien noch nicht
erzielt werden. Doch ſoll in nächſter Zeit nochmals eine
gemeinſame Beratung ſtattfinden, um eine Verſtändigung
zu erzielen. Die heſſiſche Zentrumspartei hat nun eben=
falls
Stellung zu der Frage der kampfloſen Wahlen ge=
nommen
. Das am Donnerstag in Mainz verſammelte
Landeskomitee der Heſſiſchen Zentrumspartei ermächtigie
den Landtagsabgeordneten Molthan, in der demnäch=
ſtigen
Sitzung der Vertreter der fünf heſſiſchen Parteien
zu erklären, daß auch die Zentrumspartei mit der kampf=

loſen Landtagswahl unter der vollſtändigen Wah=
rung
des bisherigen Beſitzſtandes einver=
ſtanden
iſt. Ferner forderte das Komitee die Partei
auf, demnächſt einen Antrag im Landtag einzubringen,
der auf die Vergebung von Arbeiten der Militärverwal=
tung
auch an Innungen und Kleingewerbe=
treibende
hinausläuft.

Erdbeben.

* Hohenheim bei Stuttgart, 20. Nov. Heute nacht
1 Uhr 59 Min. 39 Sek. regiſtrierten die Inſtrumente der
Erdbebenwarte ein ſchwaches Nahbeben. Der Herd
liegt in einer Entfernung von etwa 50 Kilometern.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt a. M., 19. Nov. (Viehhof=
Marktbericht.) Auftrieb: 96 Rinder (4 Ochſen, 6 Bul=
len
, 86 Kühe), 460 Kälber, 480 Schafe, 1449 Schweine.
Preiſe (pro 50 Kilo Lebendgewicht): Kälber: a)
b) 5256 (Schlachtgewicht 8693), c) 5256 (8693)
d) 4851 (8186); Schafe: a) 3637) 7880, b) 2932
(7075), c) 2829 (6668); Schweine: a) 5759
(7274), b) 5657,50 (7072), c) 5759 (7274)
d) 5759 (7274). Marktverlauf: Kälber lebhaft, Schafe
und Schweine rege, alles ausverkauft.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Rebaktien
ſeinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.

Wir alle haben ſchon die vielen jungen Schle=
ſier
, die bis auf weitere Verfügung unſere Gäſte ſind,
bedauernd angeſehen, wenn ſie frierend durch die Straßen
gehen. Die meiſten von ihnen mußten ſo ſchnell zur
Bahn, daß es ihnen in der Eile nicht möglich war, irgend=
velche
Kleidervorräte mitzunehmen. Nun finden ſich ge=
wiß
in manchem Haushalt ein abgelegter Ueber=
zieher
, Mantel oder Umhang, ſowie alte Hand=
ſchuhe
, die zur Linderung dieſer Not zur Verfügung
geſtellt werden können. Gütige Geber mögen ſolche Sachen
Grüner Weg 99 abgeben oder dorthin per Poſtkarte oder
telephoniſch (Nr. 1442) Mitteilung machen, wo die Klei=
dungsſtücke
abgeholt werden können. Doppelt gibt, wer
ſchnell gibt. Und Eile tut not!

Literariſches.

Das ſoeben erſchienene Sonderheft Salzburg
der in weiten Kreiſen verbreiteten kirchenmuſikaliſchen
Zeitſchrift Muſica Divina erweckt durch die Fülle
wertvoller und höchſt intereſſanter Aufſätze, durch die
ſtattliche Anzahl von Illuſtrationen und Kunſtblättern,
ſowie durch ſeine ſonſtige vornehme Ausſtattung allge=
meines
Intereſſe und findet lebhafte Averkennung auch
bei den zahlreichen Verehrern und Beſuchern der altbe=
rühmten
Mozartſtadt. Die bemerkenswerten und anzie=
henden
Beiträge vieler unſerer anerkannteſten Gelehrten
und Schriftſteller ſichern dem Hefte eine weit über den
R hmen einer Feſtnummer gehende Bedeutung. Als
Beilage enthält die Feſtnummer auch noch die von den
Prof. Goller und Springer bearbeitete Liturgiſche Veſper.
Das mit einem mehrfarbigen Titelbild geſchmückte
Sonderheft Salzburg koſtet ebenſo wie die im Vorjahre
erſchienene Sondernummer Kloſterneuburg M. 1.25 ( Ver=
lag
: Univerſal=Edition A. G. Wien 1. Karlsplatz 6.)
Wiener Mode. Das ſoeben erſchienene Heft
unſeres großen Wiener Modeblattes bringt eine Sonder=
beilage
: Was größere Mädchen für arme Kinder zu
Weihnachten arbeiten ſollten, eine liebe Anregung, der
hoffentlich recht viel Folge gegeben wird, zumal alle die
ſchönen Sachen von vollen Anleitungen begleitet ſind. Man
kauft die Wiener Mode in jeder Buchhandlung zum Preiſe
von 60 Heller (50 Pfg.) pro Heft.

Der Krieg.
Vom weſtlichen Kriegsſchauplatz.

Ein Vorſtoß nach Calais?
* London, 19. Nov. Die Evening Poſt meldet aus
Rotterdam: Vom Dienstag bis Mittwoch war der Eiſen=
bahnverkehr
in Belgien eingeſtellt. Dies iſt ein Zeichen,
daß ein neuer Angriff in Flandern und ein Vorſtoß nach
Calais mit verdoppelter Kraft bevorſteht.
* Genf, 20. Nov. Zwiſchen Oiſe und Aisne für den
Erſatz entſandte algeriſche Abteilungen erlitten
geſtern bei Tracy le Val (10 Kilometer ſüdlich von Noyon)
ungewöhnlich ſtarke Verluſte

Vom öſtlichen Kriegsſchauplatz.

Ueberall Erfolge!
* Wien, 20. Nov. Amtlich wird verlautbart: 20.
November, mittags. Auch geſtern hatten die Verbün=
deten
in Ruſſiſch=Polen überall Erfolge.
Die Entſcheidung iſt noch nicht gefallen. Die
Zahl der gefangenen Ruſſen nimmt zu. Vor Przemysl
erlitten die Ruſſen durch einen ſofort abgeſchlagenen
Verſuch, ſtarke Sicherungstruppen näher an die Süd=
front
der Feſtung heranzubringen, ſchwere Verluſte.
v. Höfer, Generalmajor.
Ruſſiſche Räuberei in Galizien.
Wien, 20. Nov. Aus dem Kriegspreſſequartier
wird gemeldet: Zuverläſſige Berichte aus den von den
Ruſſen beſetzten Teilen Galiziens beſagen, daß die Ruſſen
ganze Eiſenbahnzüge voll Wertgegenſtän=
den
nach Rußland abſchieben.

Vom ſüdlichen Kriegsſchauplatz.

* Wien, 20. Nov. Vom ſüdlichen Kriegs=
ſchauplatz
wird amtlich gemeldet: 20. November. Die
partiellen Kämpfe an der ganzen Front
dauern fort. Der Angriff auf die befeſtigte Stellung
von Lazarevac macht günſtige Fortſchritte.
Geſtern wurden 7 Offiziere und 660 Mann ge=
fangen
genommen. Es herrſcht eine ungünſtige
Witterung, auf den Höhen liegt ein Meter Schnee. Die
Niederungen ſind überſchwemmt.
* Sofia, 20. Nov. (Agence Bulgare.) Das Vor=
dringen
der öſterreichiſch=ungariſchen
Armee in Serbien macht auf alle politiſchen und
parlamentariſchen Kreiſe einen nachhaltigen Ein=
druck
. Allgemein tritt die Ueberzeugung zutage, daß
der Zuſammenbruch Serbiens eine tiefgehende
Aenderung der Balkanlage mit ſich bringe und Ereigniſſe
von großer Tragweite herbeiführen könne. Dieſes iſt der
einzige Geſprächsſtoff in den Wandelgängen der Sobranje,
deren Sitzungen unter dem Eindruck der Niederlage von
Valjewo ſtehen.

Die wirtſchaftlichen Ausſichten Deutſchlands.

* Berlin, 20. Nov. Das Wolffbureau wird um
Verbreitung folgender Erklärung erſucht:
Die Times vom 14. November leiſten ſich einen Leit=
artikel
, in welchem die wirtſchaftlichen Ausſich=
ten
Deutſchlands in den düſterſten Farben geſchil=
dert
werden. Da auch ich unter den internationa=
len
Figuren genannt werde, welche die Wahrheit
verſtehen welche intenſiv patriotiſch und ebenſo nach
dem deutſchen Siege dürſtend ſind, wie irgend ein Junker
aber denen in zunehmendem Maße klar werde, daß ſie
nicht ſiegen können, ſo bin ich zu der Erklärung veran=
laßt
, daß der diſtinguierte Bürger eines neutralen Lan=

Neues von Hindenburg.

* Der Berichterſtatter der Neuen Freien Preſſe im
Hauptquartier der Oſtarmee, der, wie gemeldet, vom
Generaloberſten v. Hindenburg empfangen wurde, teilt
weiter mit:
Generaloberſt v. Hindenburg iſt eine impoſante Er=
ſcheinung
, ganz ſo hochragend, ſo reckenhaft, wie man den
Sieger von Tannenberg ſich vorſtellt. Die Abbildungen
aber, die jetzt zu vielen Tauſenden in ganz Deutſchland
verbreitet ſind, ſind nicht ſehr ähnlich, weil der General=
oberſt
trotz ſeiner 67 Jahre in Wirklichkeit weit jünger
ausſieht als auf allen ſeinen Bildern. Die hohe Geſtalt
des berühmten Heerführers iſt von den Jahren auch noch
nicht um eine Linie gebeugt; ſelbſt zu jener rundlichen
Fülle, die mit dem Generalsrange nicht ſelten verbun=
den
iſt und die Feldherreneigenſchaften durchaus nicht
ausſchließt, iſt kaum ein Anſatz vorhanden. In ſeiner
aufrechten, echt militäriſchen Haltung gibt Herr v. Hin=
denburg
ein Bild von Kraft und Geſundheit. Hinden=
burg
trägt ſein graues Haar nach militäriſcher Sitte kurz
geſchnitten. Der Schnurrbart, mit Sorgfalt gekräuſelt
und gewunden, iſt zum Teil noch blond. Tief nnter der
ſchmalen Stirn liegen kleine blaue Augen, die im Ge=
ſpräch
ſich manchmal ſchließen. Der Kopf ſcheint klein im
Verhältnis zu der außergewöhnlich hohen Geſtalt. Für
ſich betrachtet, iſt er ein mächtiges Haupt der echte Kopf
eines Tatmenſchen, eines Kriegsmannes, ſtark und feſt
zugleich ein echt deutſcher Charakterkopf mit den marki=
gen
Zügen der Bildniſſe von Holbein und Dürer. Das
Abendeſſen iſt einfach: Suppe und ein Gang. Was an
raffinierteren Genüſſen geſpendet wird, ſtammt aus Lie=
besgaben
, die in Menge aus ganz Deutſchland bei dem
Befreier von Oſtpreußen eintreffen. Daher der Cham=
pagner
und daher der alte Ungarwein.
Das Geſpräch berührte weiter den Vorſtoß gegen
Iwangorod und Warſchau, den die Oſtarmee eben
unternommen hat. Der Hauptzweck dieſes Vorſtoßes
war, erklärten die Offiziere, die Eiſenbahn nach War=
ſchau
zu zerſtören. Das haben wir auch gehörig beſorgt.
Wenn uns bei dieſer Gelegenheit Warſchau und Iwango=
rod
in die Hände gefallen wären, hätten wir nicht Nein
geſagt. Aber darauf gerechnet haben wir nicht. Hin=
gegen
mit der Eiſenbahn haben wir erreicht, was wir
wollten. Die iſt gründlich kaput. Die Ruſſen verſtehen
ſich zwar vortrefflich darauf, eine zerſtörte Eiſenbahn
wieder herzuſtellen, allein es hat ſie doch wochenlang auf=
gehalten
, und das war unſer Plan. Dann ging man
wieder ein Stück zurück weit genug, damit den Ruſſen
das Fehlen der Eiſenbahn ſich fühlbar machen könne, aber
auch nicht weiter. Jetzt zeigte ſich erſt, wie unbegrenzt
das Vertrauen der Truppen zu ihrer Heeresleitung iſt.
Eine Rückzugsbewegung iſt eine ſtarke Belaſtungs=
probe
für dieſes Vertrauen; es hat ſie glänzend beſtanden.

Die Truppen ſagten ſich, daß ein ſtrategiſcher Plan ver=
folgt
werde, vollzogen den Rückmarſch in tadelloſer Ord=
nung
und blieben in zuverſichtlicher Stimmung. Sie
waren überzeugt, daß ſie bald wieder vorgehen würden,
und ſie haben ſich nicht getäuſcht. Eben iſt, wie erwähnt,
die neue Vorwärtsbewegung im Gange.
Ein Kapitel für ſich bilden die Landſtraßen in
ſtuſſiſch=Polen. Keine Phantaſie kann ſich dieſen
Schmutz vorſtellen. Auf einer Landſtraße, erzählt Ex=
zellenz
von Hindenburg, gab es ein ganz im Kot verbor=
genes
Hindernis. Auf der Oberfläche ſah man nichts;
das Ding ſteckte tief drin. Es wurde nachgegraben, und
man fand einen Pferdekadaver. Der Kot lag ſo hoch,
daß das ganze Pferd darin eingeſunken war.
Das Syſtem des Grenzſchutzes, das der Generaloberſt
ſich gewählt hat, hat die Ruſſen in die maſuriſchen Seen
Seen geführt. Es iſt das Syſtem Tannenberg. Hin=
enburg
erzählte von dieſer gewaltigen Schlacht, die ſich
auf einem Terrain abgeſpielt hat, das dasjenige der
Schlacht bei Sedan an Ausdehnung um mehr als das
Vierfache übertraf. Auf dieſem Schlachtfelde wurden die
Ruſſen nach allen Regeln der Kunſt eingekreiſt‟. Die
ſtrategiſche Einkreiſung als Antwort auf die politiſche.
In der Mitte hatten ſich die Ruſſen eine wunderſchöne
Stellung aufgebaut. Es half ihnen aber nichts. Hinden=
burg
hielt ſich mit ſeinem Stabe bei einer der Armeen auf,
welche die Ruſſen umzingelten. Dort wartete er auf
Nachricht. Gegen Miitag erſcheint plötzlich hoch in den
Wolken ein Flieger. Er kommt näher und näher, ſchwebr
über die ruſſiſchen Stellungen hinweg und geht beim
Hindenburgſchen Hauptquartier nieder. Der Oberbefehls=
erhält
auf dieſe Weiſe die Meldung, daß ſeine Oſtarmee
in den ihr zugewieſenen Raum eingerückt iſt, daß der
Kreis geſchloſſen iſt, und daß die Ruſſen in der Falle
ſitzen. Und Hindenburg befiehlt den Angriff.
Ein Haß gegen die Ruſſen beſteht im Hinden=
burgſchen
Hauptquartier nicht. Die Heereslritung be=
trachtet
es als ihre Aufgabe, die Ruſſen zu vernichten,
und unterzieht ſich dieſer Aufgabe ganz ſachlich, man
möchte beinahe ſagen: ohne Feindſeligkeit. Es wird ſo=
gar
anerkannt, daß die Ruſſen den Krieg jetzt im weſent=
lichen
anſtändig führen. Ueberhaupt werden die Geg=
ner
mit ruhiger Objektivität beurteilt, man iſt bemüht,
ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, und es wird
von ihnen in einem ritterlichen Tone geſprochen. Auch
die Leiſtungen der Franzoſen in der Verteidigung
ihres Landes werden gewürdigt, wenngleich natürlich
kein Zweifel daran beſteht, daß alle franzöſiſchen An=
ſtrengungen
vergeblich ſein werden, und daß auch im
Weſten der deutſche Sieg mit Sicherheit zu erwarten iſt.
Nur gegen die Engländer beſteht auch hier
derſelbe Haß wie in ganz Deutſchland. Herr von
Hindenburg ſagt, der Kronprinz von Bayern mit ſeinen
markigen Tagesbefehlen, welche die Engländer als den
verhaßteſten Feind bezeichnen, habe ihm ganz aus der

Seele geſprochen. Dabei unterſchätzt man aber durchaus
nicht die Kriegstüchtigkeit der engliſchen Soldaten.
Dieſe ſei keine Ueberraſchung für den deutſchen General=
ſtab
, verſichert General Ludendorff. Das deutſche Publi=
kum
habe die Engländer als eine Art Schützengilde be=
trachtet
, allein der Generalſtab ſei ſich auch vor dem Kriege
ſchon darüber klar geweſen, daß ſie auch zu Lande ernſt zu
nehmende Gegner ſeien. An Kitcheners Millionenheer
freilich glaubt man nicht. Wenn es ſelbſt gelingen würde,
die Millionenarmee zuſammenzubringen wer ſoll ſie
ausbilden? Woher will England über Nacht die Offi=
ziere
und die Unteroffiziere nehmen, die ſich Deutſchland
durch die ununterbrochene militäriſche Arbeit von Gene=
rationen
geſchaffen hat? Und die Ausbildung iſt doch
das entſcheidende. Ein Haufen von Menſchen, die in
Uniformen geſteckt ſind, iſt noch lange keine Armee. Mit
Herzlichkeit wird der Türken gedacht. Man erwartet viel
von der tapferen türkiſchen Armee. Der Generaloberſt
v. Hindenburg iſt mit dem türkiſchen Botſchafter in Ber=
lin
, dem General Mahumed Mukhtar Paſcha, gut bekannt,
und General Ludendorff hat ſogar mit ihm zuſammen auf
der Kriegsakademie ſtudiert. Er hat es weiter gebracht
als ich, bemerkt der General mit der Beſcheidenheit, die
ihn charakteriſiert.
Ueber ſich ſelbſt ſagte Hindenburg: Ein kranker Mann
bin ich nicht, ich bin auch nicht vom Krankenbett geholt
worden, um den Oberbefehl zu übernehmen. Die hiſto=
riſche
Wahrheit iſt; Ich lag nicht im Bette, ſondern ich
ſaß am Kaffeetiſch, als die entſcheidende Depeſche eintraf.
Bald darauf kam mein Generalſtabschef mit einem Extra=
zug
aus Belgien, teilte mir Näheres mit und dann fuhren
wir zuſammen weiter nach Tannenberg. Von den einge=
bildeten
Krankheiten von den Krankheiten, die man
mir einbildet machen mir am meiſten die Gallenſteine
zu ſchaffen. Nie im Leben habe ich Gallenſteine gehabt.
Das hilft mir nicht. Andere Leute wiſſen es beſſer und
es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht Rezepte gegen
Gallenſteine erhalte. Manche ſchicken gleich das Pulver
mit, das mich heilen ſoll. Ich bin all den braven Menſchen
ſehr dankbar, daß ſie um meine Geſundheit ſo beſorgt
ſind. Aber es geht mir ausgezeichnet und ich kann doch all
das Zeug nicht ſchlucken, beim beſten Willen nicht. Stra=
tegiſche
Ratſchläge brauche ich nicht. Es kommen unauf=
hörlich
Briefe, die mir ſichere Mittel angeben, um den
Krieg zu gewinnen. Da ſchreibt mir neulich jemand, ich
ſolle immer nur am Ufer eines gewiſſen Fluſſes entlang
ziehen, immer geradeaus bis nach Petersburg. Die Idee
iſt nicht ſchlecht und wenn mir die Ruſſen vorher ver=
ſprechen
würden, immer am anderen Ufer zu bleiben, ſo
täte ich es vielleicht. Nein, nein, ich habe nun einmal
meine eigene Anſicht über die Strategie. Die guten Rat=
ſchläge
ſind nicht nötig. Meine Herren vom Generalſtab
und ich, wir helfen uns ſchon allein durch.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Nummer 321.

des, auf deſſen Mitteilung die Times ihre Auslaſſungen
ſtützen, mir unbekannt iſt, daß ich die mir unterſcho=
benen
Anſichten keineswegs hege und daß ich nichts weni=
ger
als überzeugt bin, daß wir nicht ſiegen können. Es
wäre müßig, mit der Times oder ihrem ungenannten Ge=
währsmann
zu polemiſieren, zumal es ſich ganz offenſicht=
lich
um Aeußerungen handelt, die für den Geſchmack der
Times=Leſer zurecht gemacht ſind. Wir können damit
zufrieden ſein, daß der diſtinguierte Neutrale, der in
jüngſter Zeit ſieben Wochen in Deutſchland geweilt hat,
nach ſeinen eigenen Worten noch keine Spur erblicken
konnte, daß Deutſchland die Kriegswirkungen fühlt.
Arthur v. Gwinner.

Die öſterreichiſche Kriegsanleihe.

* Wien, 20. Nov. Der Neuen Freien Preſſe zu=
folge
haben die Zeichnungen auf die öſterreichiſche
Kriegsanleihe nach den Schätzungen unterrichteter
Perſonen bereits eine Milliarde erreicht. Die
Hoffnung ſei berechtigt, daß noch ein gutes Stück Wegs
zur zweiten Milliarde zurückgelegt werden wird.
Da auch die ungariſche Kriegsanleihe jetzt ſchon
ein günſtiges Ergebnis aufweiſe, wird die Erwartung ge=
rechtfertigt
werden, daß die Leiſtungsfähigkeit beider Teile
der Monarchie überall einen guten Eindruck hervorrufen
wird.

Der türkiſche Krieg.

Die Behandlung feindlicher Staatsangehöriger in der
Türkei.
* London, 20. Nov. Die Times meldet aus
Kairo vom 17. November: Den britiſchen, franzöſiſchen
und ruſſiſchen Untertanen in Syrien iſt verboten
worden, das Land zu verlaſſen. Bisher ſind
nur wenige gefangen geſetzt worden.
* Konſtantinopel, 20. Nov. Der Tanin be=
ſpricht
die Debatte im engliſchen Unterhaus über die Be=
handlung
, die man gegen die in England wohnenden
Deutſchen anwenden wird und mit der ein neuerlicher Be=
weis
für die engliſche Moral geliefert ſei. Das
Blatt verweiſt auf das Vorgehen der engliſchen und frau=
zöſiſchen
Flotte, die in den ozeaniſchen Gewäſſern kreuzen
und auf neutralen Schiffen Osmanen zu ergreifen ſuchen, die
mit der Armee nichts zu tun hätten. Das Blatt ſpricht
ſeine Verwunderung über die Behandlung aus, die man
den in der Türkei ſich aufhaltenden Eng=
ländern
zuteil werden laſſe. Obwohl es offenkundig
ſei, daß ſie ſeit Jahren ein ganzes Spionagenetz organi=
ſiert
haben, laſſe die Regierung ſie ſich frei im türkiſchen
Lande bewegen und nach dem Auslande abreiſen, dami!
ſie Rußland, Frankreich und England Nachrichten bringen.
* Konſtantinopel, 20. Nov. Wie verlautet,
unterzeichnete der Sultan einen Erlaß, durch welchen
dem Infanterie=Regiment, welchem in den Kämpfen von
Köpriköi, nachdem es einen großen Teil ſeiner Offiziere
und Mannſchaften verloren hatte, gelang, die Anhöhe
1905 zu erobern, die Liskat=(Verdienſt) Medaille verliehen
wird. Ebenſo ſollen die überlebenden Offiziere und
Manſchaften des Regiments Auszeichnungen er=
halten
.

Die Verſorgung Belgiens mit Lebensmitteln.

* London, 20. Nov. In der Mittwochsſitzung des
Unterhauſes ſagte Unterſtaatsſekretär Acland auf eine
Anfrage des Lords Ronaldehay: Am 16. November gab
der Generalgouverneur Freiherr von der Goltz
den Geſandten der Vereinigten Staaten und Spa=
niens
in Brüſſel die ſchriftliche Garan=
tie
, daß die vom Hilfskomitee nach Belgien ein=
geführten
Nahrungsmittel nicht von der Militär=
behörde
requiriert, ſondern zur alleinigen Ver=
fügung
der Kommiſſion bleiben würden. Infolge dieſer
Garantie und auf Erſuchen der Vereinigten
Staaten und Spaniens hat die britiſche Regie=
rung
beſchloſſen, Schiffstransporte von Nah=
rungsmitteln
aus neutralen Ländern auf neutralen
Schiffen, die an den Geſandten der Vereinigten Staaten
oder Spaniens in Brüſſel oder den Vizekonſul in Rotter=
dam
konſigniert ſeien, nicht zu behindern.

Die Unterſtützung der Deutſchen in England.

* London, 20. Nov. Die britiſche Regierung Le=
ſchloß
, den in England geborenen Frauen und
Kindern deutſcher Internierter ein Pfund Ster=
ling
wöchentlich auszuzahlen, was den Zahlungen
entſpricht, die der amerikaniſche Konſul an in
Deutſchland geborenen Frauen und Kin=
dern
Internierter leiſtet.

Grauſame Kriegsführung.

* Köln, 20. Nov. Die Kölniſche Zeitung meldet:
Wir ſind im Beſitz von photographiſchen Auf=
nahmen
, die unſere Militärbehörde von franzöſi=
ſchen
Infanteriegeſchoſſen herſtellen ließ, die
einen unwiderleglichen Beweis für die Grauſamkeit der
franzöſiſchen Kriegführung bilden. Bei dieſen Geſchoſſen
ſind am Spitzende zwei Drähte angelötet, die
heruntergebogen ſind. Wenn nun das in den Kör=
per
eingedrungene Geſchoß aus der Wunde entfernt wer=
den
ſoll, zerren und reißen die Drähte und verurſachen
entſetzliche Schmerzen in der offenen Wunde.

Keine Unterſtützung des deutſchen Geſchwaders
durch Scuador.

* London, 20. Nov. Der Generalkonſul von
Ecuador in London teilt der Times mit, daß Ecua=
dor
in keiner Weiſe die Deutſchen begün=
ſtigte
, es geſtand ihnen keine unrechtmäßige Benutzung
der drahltoſen Stationen zu. Von den amerikaniſchen Be=
richten
, daß die Deutſchen auf den Galapagosinſeln einen
Flottenſtützpunkt errichteten, ſei kein Wort wahr. (Die
Engländer hatten bekanntlich auch dieſen Staat des Neu=
tralitätsbruchs
beſchuldigt.)

Die militäriſche Kraft Frankreichs und
Englands.

* Mailand, 20. Nov. Im Corriere della
Sera ſchreibt der Militärkritiker Angelo Gatti: Frank=
reich
beſitzt nur noch eine Defenſivkraft (forza di
resistenza). Hier eingetroffene vertrauenswürdige Nach=
richten
beſagen, daß das franzöſiſche Heer ſehr
erſchüttert iſt, wenn es ſich auch nicht in kritiſcher Lage
befindet. Die franzöſiſche Kampfesweiſe, aus taktiſchen
Gründen ausgeſprochen defenſiv hat den Vorteil,
daß die franzöſiſchen Offiziersverluſte nicht ſo groß ſind wie
die deutſchen, alſo die franzöſiſchen Truppen heute, was
die Führung anbetrifft, ſich in beſſerer Lage befinden. Die
Reihen der Franzoſen ſind nicht ſo ſehr durch Verluſte an
Toten und Verwundeten gelichtet als durch Krankhei=
ten
. Dieſe Verluſte ſind ſehr beträchtlich.
Von der Kavallerie ſcheint ſchon ein geder Teil infolge

ſtarker Sterblichkeit der Pferde zu Fuß zu kämpfen. In
ähnlicher Lage ſcheint ſich die Artillerie infolge der Ver=
luſte
an Beſpannung zu befinden, wenn auch bei ihr der
Mangel nicht in demſelben Maße zu Tage tritt wie bei
der Kavallerie. Um die Lücken bei den Truppen auszu=
füllen
, wurden die Männer über 47 Jahren zum
Eintritt aufgefordert, wobei ihnen die Erleichterung ge=
währt
wurde, daß ſie ſich den Dienſtort wählen dürfen.
Für diejenigen, die der Aufforderung nicht Folge leiſten,
iſt ein Maſſenaufgebot angekündigt, das keinerlei
Vergünſtigungen gewähren ſoll. Auch England, ſo
ſchließt der Verfaſſer ſeine Ausführungen, beſitzt unter
dem heutigen Geſichtspunkt nur eine Defenſivkraft
gegenüber der lebendigen Kraft der Deut=
ſchen
. England wird ſeine Defenſivkraft nicht in leben=
dige
Kraft umwandeln können, wenigſtens nicht vor Ab=
lauf
einiger Monate.

Die engliſchen Verluſte.

* London, 20. Nov. Auf eine Anfrage Lord Beres=
fords
erwiderte Churchill im Unterhaus, die Ge=
ſamtverluſte
der Flotte ſeit Beginn des Krieges
betrugen 222 Offiziere tot, 37 verwundet, 5 vermißt, 3455
Mannſchaften tot, 428 verwundet, 1 vermißt. Dieſe Zah=
len
enthielten nicht die Vermißten von der Seebrigade,
noch die von der Beſatzung der Good Hope. In den bei=
den
letzteren Fällen ſeien die Zahlen noch unvollſtändig.
Schätzungsweiſe betrage die Zahl der Vermißten der See=
brigade
1000 und der Vermißten der Good Hope‟
875. Auch die in Holland internierten Offiziere und
Mannſchaften der Seebrigade ſeien in den Angaben nicht
enthalten. Auf eine weitere Anfrage erklärte
im Namen der Regierung Tennant, daß keine ruſſiſchen
Truppen durch England auf den weſteuropäiſchen Kriegs=
ſchauplatz
befördert worden ſeien. (Heiterkeit.) Sir
William Bull (Unioniſt) fragte über die Zukunft der
Kanalinſel Herm an, die vor mehreren Jahren von einem
deutſchen Fürſten angekauft ſei, der allen britiſchen Be=
ſuchern
hartnäckig den Zutritt verweigerte. Mac Kenna
antwortete: Die Inſel war nicht verkauft, ſondern wurde
von der Krone 1898 an eine deutſche Geſellſchaft verpach=
tet
, die Haus und Ländereien an einen deutſchen Fürſten
weiter verpachtete. Der Zutritt zu der Inſel war unter
Beſchränkungen erlaubt. Die Inſel wurde von Aus=
flüglern
viel beſucht. Die Regierung forderte die Verwal=
tung
von Gurenſey auf, Schritte zu erwägen, um die
deutſche Pachtung zu beenden.
Präſident Wilſons Vermittelungsabſicht.
* London, 20 Nov. Die Times meldet aus
Waſhington vom 18. November: Die Aſſociated Preß
veröffentlicht einen inſpirierten Artikel über die Auffaſ=
ſung
des Präſidenten Wilſon von ſeiner eigenen Pflicht
als Friedensſtifter. Amerika werde ſeine Vermitte=
lung
nur anbieten, wenn ein oder mehrere der kriegfüh=
renden
Staaten ihre Bereitwilligkeit zugeſagt hätten, das
Anerbieten anzunehmen. Präſident Wilſon ſei der An=
ſicht
, die Vereinigten Staaten hätten bereits informell
und formell die Bereitwilligkeit, ihre guten Dienſte anzu=
bieten
, gezeigt. Wilſon deutete an, daß er gern mit an=
eren
neutralen Staaten zuſammenwirken würde.

* Berlin, 20. Nov. Der Kaiſer hat auf das
geſtrige Huldigungstelegramm der Schiffsbautech=
niſchen
Geſellſchaft, deren Protektor er iſt, fol=
gende
telegraphiſche Antwort geſandt: Der diesjährigen
Hauptverſammlung der Schiffsbautechniſchen Geſellſchaft
für die freundliche Begrüßung meinen wärmſten Dänk!
Ihre treue Friedensarbeit hat mit zu den bisherigen
Kriegserfolgen beigetragen. Ich freue mich über die Zu=
verſicht
und das zielbewußte Schaffen der deutſchen Indu=
ſtrie
, die ſich auch in dieſer ernſten Zeit als eine kräftige
Stütze des Vaterlandes erweiſt. Gott der Herr gebe auch
ferner unſeren Waffen zu Waſſer und zu Lande den Sieg!
Wilhelm, I. R.
* Hamburg, 19. Nov. Der ſtellvertretende Kom=
mandant
des 9. Armeekorps erläßt folgende Bekannt=
machung
: In Bezugnahme auf meinen wiederholten Er=
laß
, eine Beſprechung und Verbreitung unverbürgter
Gerüchte zu unterlaſſen, wird hierdurch mitgeteilt, daß
in Flensburg ein Musketier mit Arreſt beſtraft worden
iſt, weil er ein unverbürgtes Gerücht öffentlich verbreitet
hat. Das ſtellvertretende Generalkommando des 9. Ar=
meekorps
: v. Röhl, General der Infanterie.
* Berlin, 20. Nov. In einem Schreiben an die
Schriftleitung der B. Z. wird vorgeſchlagen, zum Anden=
ken
an den Kreuzer Emden ein Ehrenmal zu
ſchaffen, das auch den kommenden Geſchlechtern die
Sprache unſerer großen Zeit reden ſoll. Das Schiff ſoll
aus edlem Silber wieder erſtehen und auf einem Sockel,
der die Namen der ganzen Beſatzung tragen ſoll, in der
Ruhmeshalle aufgeſtellt werden. Der
Schreiber dieſer Anregung, ein Berliner Regierungsrat,
ſpendet als Erſtlingsgabe einhundert Mark.
* Berlin, 20. Nov. Dem Berl. Lok.=Anz. wird aus
Küſtrin gemeldet, daß der gefangene Gouverneur von
Warſchau, Baron Korff, dort eingetroffen und auf dem
Fort Zorndorf eingeliefert worden iſt.
* Wien, 20. Nov. Der in Trieſt lagernde, der Re=
gierung
des Staates Sao Paulo gehörige Valoriſa=
tionskaffee
, 50000 Sack, iſt von dem Handelsmini=
ſterium
zu einem Einheitspreis von 170 Kronen für 100
Kilogramm aufgekauft und den wichtigſten Konſum=
plätzen
Oeſterreichs zur Verfügung geſtellt worden.
* Wien, 20. Nov. Bei der Geographiſchen Geſell=
ſchaft
iſt die Mitteilung eingetroffen, daß der Wiener
Geograph, Profeſſor Machatſchek, der in ruſſiſche
Gefangenſchaft geraten und in Turkeſtan inter=
niert
worden war, auf Grund der Fürſprache des ruſſi=
ſchen
Gouverneurs von Turkeſtan von der Regierung frei=
gelaſſen
und bereits in Stockholm eingetroffen iſt, von
wo er ſich nach Wien begibt.

Letzte Nachrichten.

* Berlin, 20. Nov. Unter großer Teilnahme der Mit=
glieder
hielt heute der Deutſche Schulſchiff= Ver=
ein
im Hotel Adlon ſeine ordentliche Mitglie=
derverſammlung
ab, die anſtelle des Großherzogs
von Oldenburg, des Ehrenvorſitzenden und eifrigen För=
derers
des Deutſchen Schulſchiff=Vereins, von Landrat
v. Brüning mit einer Begrüßungsanſprache eröffnet
wurde. Der Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Exzellenz
. Jonquiéres begrüßte den Verein im Namen der
Staatsbehörden und hob hervor, daß der Verein ſchon
mehr als zweitauſend Zöglinge der Handels= und Kriegs=
marine
zugeührt habe. Durch dieſe ſtark beſuchte Ver=
ſammlung
beweiſe er, daß er trotz des Krieges an dem
Ziele weiterarbeiten wolle, der deutſchen Marine eine tüch=
ige
Jungmannſchaft zuzuführen. Dieſes Streben finde
die volle Anerkennung und Förderung der Reichsbehör=
den
. Der zweite geſchäftsführende Vorſitzende, Profeſſor

Dr. Schilling=Bremen, erſtattete den Jahres= und
Geſchäftsbericht. Im Jahre 1914 iſt bereits das dritte
Schulſchiff Großherzog Auguſt Friedrich in den Dienſt
geſtellt worden. Es iſt im Deutſchen Schulſchiff=Verein
nun möglich, in drei Jahren 2000 Zöglinge auszubilden,
die als Offiziere und Deckmannſchaft in der Handels=
marine
ſehr begehrt ſind. An den Großherzog von
Oldenburg wurde eine Begrüßungsdepeſche
geſandt, welche dieſer mit herzlichen Wünſchen für die
Zukunft des Deutſchen Schulſchiff=Vereins erwiderte.

Briefkaſten.

M., Nieder=Ramſtadt. Sie ſind ja nicht gezwungen,
dem Mann ein Extraprofitchen zu verſchaffen. Gehen Sie
einfach in ein anderes Geſchäft, wo man nicht aus dem
Krieg ein Geſchäft für ſich zu machen ſucht.

Weihnachtsliebesgaben für das Feld.

Den unter ſchwierigen Verhältniſſen in Weſt und
Oſt ſo heldenmütig kämpfenden Truppen, die im Frie=
densbereich
des 18. Armeekorps aufgeſtellt ſind, ſoll eine
Weihnachtsfreude bereitet werden. Es iſt geplant, das
18. Armeekorps, das 18. Reſerve=Armeekorps, die ſonſtigen
Reſerve=, Landwehr= und Landſturmformationen, die Ko=
lonnen
und Trains, die in den Lazaretten des Kriegs=
ſchauplatzes
untergebrachten Verwundeten und Kranken
und das darin tätige Pflegeperſonal gleichmäßig zu be=
denken
. In der Gewißheit, daß dieſer Plan in allen
Kreiſen Zuſtimmung findet, bitten wir um Liebesgaben=
ſpenden
in reichlichem Maße. Da ſehr umfangreiche Ar=
beiten
zu bewältigen ſind, wenn die Truppen ſicher zu
Weihnachten ihre Gaben erhalten ſollen, bitten wir fer=
ner
, ſie ſo bald wie möglich zu ſchicken und zwar diejeni=
gen
aus dem Bezirke der 21. Diviſion nach Frankfurt am
Main an die Zentrale für Kriegsfürſorge, Theaterplatz
14, oder an die Abnahmeſtelle I, Hotel Carlton, oder an
die Abnahmeſtelle II, Hedderichſtraße 59; die aus dem
Bezirke der 25. Diviſion nach Darmſtadt, Materialien=
Abteilung, Altes Palais.
Freiherr von Gall, General der Infanterie, ſtellver=
tretender
kommandierender General des 18. Armeckorps,
Hengſtenberg, Territorialdelegierter der freiwilligen Kran=
kenpflege
für die Provinz Heſſen=Naſſau, v. Hombergk zu
Vach, Territorialdelegierter der freiwilligen Kranken=
pflege
für das Großherzogtum Heſſen.
Zu vorſtehendem Aufruf bemerken wir:
Wir hatten die Abſicht, mit unſerer Weihnachts= Liebes=
gaben
=Sendung auch alle uns übergebenen, mit einer per=
lichen
Adreſſe verſehenen Pakete zu befördern. Neuere,
höhere Verfügungen ſchreiben aber eine andere Regelung
vor. Es findet nunmehr in der Zeit vom 23. bis zum
30. ds. Mts. eine Weihnachtspaketwoche ſtatt. In die=
ſer
Zeit können Liebesgaben für Einzelne,
gleichgültig, ob ſie bei einem heſſiſchen oder einem anderen
Truppenteil im Felde ſtehen, aufgegeben werden bei der
Poſt (25 Pfg. Porto), in der nämlichen Zeit auch beim
Paket=Depot in Darmſtadt (portofrei); hier je=
doch
nur für die im Friedensbereiche der 25. Diviſion
aufgeſtellten Truppenkörper. Bei beiden Beförderungs=
arten
geben über Inhalt, Verpackung und Adreſſierung
die Organiſationen des Roten Kreuzes und die Poſt=
anſtalten
Auskunft.
Es dürfen aber auch diejenigen Soldaten nicht leer
ausgehen, die aus irgend welchen Gründen von Angehöri=
gen
Weihnachtsgaben nicht erhalten können; ferner ſollen
bedacht werden die in den Lazaretten des Kriegsſchau=
platzes
untergebrachten Verwundeten und Kranken, ſowie
das tätige Pflegeperſonal. Für dieſe alle will
das Rote Keuz ſorgen. Es wird daher drin=
gend
gebeten, uns Liebesgaben zu ſchen=
ken
. Zu Liebesgaben eignen ſich beſonders: warmes
Unterzeug, Leibbinden, Kniewärmer, Stauchen und Hand=
ſchuhe
, Ohrenklappen und Taſchentücher; ferner Tabak,
Pfeifen, Zigarren, Feuerzeug (ohne Benzin), Honigkuchen,
Pfeifen, Zigarren, Feuerzeug (ohne Benzin), Honig=
kuchen
, Weihnachtskerzen, hart geräucherte Fleiſchwaren,
Schokolade, Kakao, Tee, Seife, Lichter uſw. Nicht beför=
dert
werden Fett, ungeräucherte Fleiſchwaren und
Streichhölzer. Wir erbitten dieſe Liebesgaben entweder
verpackt in Pakete ohne den Namen eines Empfängers
oder loſe verpackt in Kiſten oder Säcken, ſpäteſtens
bis zum 2. Dezember. Nur durch das Rote Kreuz
und die Militärbehörden iſt eine gleichmäßige Verteilung
der Liebesgaben an alle möglich; nur ſo kann verhindert
werden, daß einzelne Truppenteile Ueberfluß haben und
andere Mangel leiden. Bitte, helfen Sie uns!
Darmſtadt, den 19. November 1914, Altes Palais,
Fernſprecher Nr. 20.
Heſſiſcher Landesverein vom Roten Kreuz,
Materialien=Abteilung.

Verluſtliſte (aus Nr. 80).

Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115, Darmſtadt.
Geſtorben infolge Krankheit:
U.=O. Bruno Baumgärtner, Reſ.=Laz. Offenbach
a. M. 18 10. 14; U.=O. d. Reſ. Rich. Kaiſer, Reſ.=
Laz. Aachen 20. 10. 14.
Berichtigung früherer Angaben:
Tamb. Chriſtian Adler, Viernheim, bisher vw
Reſ.=Laz. Eupen 30. 10. 14; Gard. Ludw. Boenapfel,
Plobsheim, bisher vw., Vereinslaz. Gießen 9. 10. 14;
Reſ. Konſtantin Chudzinski, München, bisher vm.,
Reſ.=Laz. Ahrweiler 14. 10. 14; Gardefüſ. Heinrich
Löchel, Nieder=Ofleiden, bisher vw., Reſ.=Laz. Aurich
3. 11. 14; Reſ. Peter Meyer, Eberſtadt, bisher vw.,
Reſ.=Laz. Darmſtadt 22. 10. 14; U.=O. d. Reſ. Richard
Müller, Offenbach, bisher vw., Kriegs=Laz. Nesle
12. 10. 14, beerdigt daſelbſt; Reſ. Wilh. Netz, Darmſtadt,
bisher vm., Reſ.=Laz. Bonn 7. 10. 14; Gard. Felix
Schloczek Erle, bisher vw 27. 9. 14; U.=O. Adam
Weimar, Reichelsheim, bisher vw., Reſ.=Laz. Eupen
15. 10. 14.
Infanterie=Regiment Nr. 116. Gießen.
Berichtigung früherer Angaben:
Musk. Wilhelm Emil Fuhr, Holzhauſen, bish. vm.,
vw.; Gefr. d. Reſ. Johs. (Heinrich) Habicht, Engelrod,
bisher vm., zur Truppe zurück.
Infanterie=Regiment Nr. 117, Mainz.
Gemeldet vom Reſerve=Infanterie= Regi=
ment
Nr. 83:
Gefr. Bernhard Blumräder v. d. 8. Komp., Wir=
ges
, Unterweſterwald, gefallen, Ennetiéres 20. 10. 14.
Berichtigung f rüherer Angaben:
Reſ. Heinrich Jungblut, Mainz, bisher ſchv., F
Feſtungs=Laz. Mainz 10. 10. 14.
Infanterie=Regiment Nr. 118, Worms.
Berichtigung früherer Angaben:
Reſ. Glock, Schwabsburg, bisher vw., Garn.=
Laz. Worms 11. 10. 14.

[ ][  ][ ]

Nummer 321.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Seite 7.

Reſerve=Feldartillerie=Regiment Nr. 25, Darmſtadt
II. Abteilung.
Ennetiéres vom 20. bis 25. 10. 14.
Stab: Gefr. Jakob Engel, Ober=Gleen, gefallen;
Kan. Adolf Philippi, Uſingen, lv.;
5. Batterie: Wachtm. Heinrich Reuling, Darm=
ſtadt
, lv.; Kan. Rudolf Weißke, Punken, vm.; Kan.
Ruppert Fuhr Heldenbergen, ſchv.; Kan. Jakob Kloh,
Erbes=Büdesheim, gefallen.
6. Batterie: Kan. Johannes Kullmann,
Büttelborn, lv.; Kan. Joſeph Laumer, Weiſenregen,
ſchv.; Kan. Friedrich Karl Lorei, Frankfurt a. M.,
lv.; Kan. Gebhard Baur, Deggingen, ſchv.; Kan.
Georg Bicking, Bermersheim, gefallen; Gefr. Joſeph
Strack, Ramſen, gefallen; U.=O. d. L. Johann Ap=
pel
, Bermersheim, lv.
Brigade=Erſatz=Bataillon Nr. 41, Mainz.
1. Kompagnie: Ltn. d. L. Begiebing, t.; U.=O.
Jakob Imhof Mainz, t.; Freiw. Heinrich Bracht,
Hirſchhorn, t.; Wehrm. Karl Schmidt V Dachſen=
hauſen
, t.; Reſ. Joſef Specklin, Heimersdorf, t.; Wehrm.
Paul Mattmann, Finthen, ſchv.; Wehrm. Peter
Datz, Koſtheim, t.; Wehrm. Karl Baroli, Weiſenau,
ſchv.; Musk. Johann Luttenberger, Neu=Bamberg,
ſchv.; Erſ.=Reſ. Wilh. Kahl, Panroth, lv.; Freiw. Heinr.
Maria Glaremin, Oberhauſen, ſchv.; Reſ. Leopold
Hirſch, Gimbsheim, vm.; Reſ. Adam Kaltwaſſer,
Auerbach, vw.
2. Kompagnie: Wehrm. Jakob Alois Brand=
müller
, Gonſenheim, lv.; Wehrm. Hermann Joſeph
König, Oberlahnſtein, lv.; Kriegsfreiw. Phil. Schäfer,
Dorheim, lv.; Kriegsfreiw. Herm. Werner, Worms, lv.
3. Kompagnie: Reſ. Arthur Küſter, Mülhauſen
i. E., t.; Wehrm. Peter Corzilius, Oberrad, t.; U.=O.
Emil Macher, Niederhagental, t.; Wehrm. Mathias
Buchner, Mainz, t.
4. Kompagnie: Reſ. Cöleſtin Ditner, Ammerz=
weiler
, lv.; Musk. Heinrich Horſtmann, Weilers, t.;
Musk. Guſtav Brockmann, Hameln, t.; Gefr. Karl
Weidner, Goſſen, ſchv.; Gefr. Jakob Grüll, Gerns=
heim
, lv.; Kriegsfreiw. Georg Matthes, Monsheim
a. Rh., lv.; Musk. Leonhard Degenhard, Mainz, lv.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 70, Saargemünd.
6. Kompagnie: Gefr. d. L. Karl Rüb, Selters, t.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 80.
III. Bataillon, Höchſt.
10. Kompagnie: Reſ. Nikolaus Knapp, Unter=
auerbach
, t.
Infanterie=Regiment Nr. 81, Frankfurt a. M.
5. Kompagnie: Reſ. Auguſt Kreim, Heubach, vm.;
Reſ. Georg Bieſer, Partenheim, vm.; Einj.=Freiw. Gefr.
Heinrich Werle, Darmſtadt, ſchv.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 83.
III. Bataillon, Caſſel.
8. Kompagnie: Wehrmann Guſtav Thiomiſius
Simmersbach, Offenbach a. M., t.
Grenadier=Regiment Kaiſer Wilhelm I. Nr. 110,
Mannheim, Heidelberg.
2. Kompagnie: Gren. Chriſtian Thomann,
Worms, vw.
4. Kompagnie: Einj.=Freiw. Gefr. Otto Dett=
weiler
, Wintersheim, t.; Reſ. Heinrich Euler, Dorf=
gill
, vw.; Gefr. d. Reſ. Andreas Reibold, Langen=
thal
, vw.; Gefr. d. Reſ. Theodor Kleinſchmidt,
Pfeddersheim, vm.
5. Kompagnie: Einj.=Freiw. Otto Simon,
Bingen, t.; Reſ. Heinrich Hof, Gabsheim, t.
6. Kompagnie: Einj.=Freiw. Ernſt Bätz, Mainz, vw.
10. Kompagnie: Gren. Joſef Wolf, Eſcholl=
brücken
, vw.
12. Kompagnie: Gefr. d. Reſ. Peter Müller,
Darmſtadt, vm.
Infanterie=Regiment Nr. 112, Mülhauſen i. E.
10. Kompagnie: Musk. Karl Bormuth,
Lautern, lv.
Infanterie=Regiment Nr. 136, Straßburg i. E.
9. Kompagnie: Serg. Auguſt Henkel, Ober=
Ramſtadt, vw.
6. Garde=Feldartillerie=Regiment, Jüterbog.
5. Batterie: Kan. Otto Grieb, Dorfgill, lv.
Reſerve=Sanitäts=Kompagnie Nr. 52
des IXVI. Armeekorps, Darmſtadt.
Krankentr. Karl Neuroth, Darmſtadt, t.

Verwundete und kranke Soldaten
in Darmſtädter Lazaretten.

Mitgeteilt vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz.
Die Lazarette ſind ourch die nachſtehenden Buchſtaben
bezeichnet.
A Alicehoſpital, Dieburger Straße 21. Täglich 34 Uhr nachm.
B Diakoniſſenbaus Eliſabethenſtift, Erbacher Straße 25. Täglich 24 Uhr
nachm. C Eleonorenheim (Lazarett J. K. H. der Großherzogin Hein=
heimerſtraße
21) Sonntags. Dienstags, Mittwochs und Freitags von
46 Uhr nachm. D Ernſt=Ludwig=Heilanſtalt (Dr. Loſſen). Stein=
ſtraße
21. Täglich 25 Uhr nachm. E Garniſonlazarett (Reſ.=Laz. I),
Alexanderſtraße 27. Mitt ochs und Sonntags von 24 Uhr nachm.
P Haus Hagenburg, Dieburger Straße 241 (Hirſchköpfe.) Täglich
36 Uhr nachm. G Dr. Machenhauerſche Klinik, Lagerhausſtraße 24.
Täglich 24 Uhr nachm. H Marienhöhe (Geneſungsheim).
Täglich 1012 Uhr vorm., 4½ 6½ Uhr nachm. I Schweſternhaus der
Barmherzigen Schweſtern Nieder=Ramſtädter Straße 30. Nachmittags von
2 4 Uhr. K Städtiſches Krankenhaus, Grafenſtraße 9. Werktäglich
23½ Uhr nachm., Sonntags 1112 Uhr vorm. L. Städt. Saalbau
(ebenfalls Reſ=Laz. I), Riedeſelſtraße 40. Mittwochs, Samstags und Sonn=
tags
von 24 Uhr. M Techniſche Hochſchule (Reſ.=Laz. II), Hochſchulſtr. 1.
Sönntags, Mittwochs und Samstags von 24 Uhr nachm. N Klinik
Dr. Ollendorff (Weberſche Augenklinik), Frankfurter Straße 42. Täglich
1012 Uhr orm., 24 Uhr nachm. O Vereinslazarett vom Roten
Kreuz, Olbrichweg 10, Vereinslazarett Mathildenhöhe‟. Täglich 34 Uhr
nachm. P Ererzierplatz (Reſ.=Lazarett III), Mittwochs und Sonntags
von 2 4 Uhr nachm.
Hinter jedem Lazarett ſind die Beſuchszeiten angegeben
die nach Möglichkeit einzuhalten ſind. Ausnahmen werden
zugelaſſen.
Zugang vom 17. November:
Almanritter, Jakob Wilhelm, Drag. 24/5, C Aſt=
falk
, Fr., Pfullingen, F Bengen, Joh., Weſterhalt, Ldw.=
J.=R. 52/7, F Crößmann, Joh., Pfungſtadt, Reſ.=Inf.
116, M Dreher, And., Hauſen, A Drygalsky, Theo=

dor, Berlin, A. Föll, Friedrich, Landau, Reſ.=Inf. 116/1,
P Günther, Otto, Klings, Inf. 115/6, P Hierony=
mus
, Karl, Inf. 115/7, C Hildenbrand, Karl, Köthen,
J.=R. 2/1, A. Hof, Philipp, Reſ.=Inf. 118/3, C Hof=
acker
, Wilhelm, Langenſelbold, Train=Batl., M Kamp
Wilh., München=Gladbach, Feld=Laz. II, M
Kern,
Adam, Schlierbach, Train=Batl. 18, M Kloos, Wil=
helm
, C Looſe, Karl, Küſtrin, F Mettke, Karl, Ruß=
dorf
, Reſ.=Inf. 52/7, F Neufville, de, Herm., London,
Garde=Drag. 23, M Pothaſt, Friedrich, Elbringen,
Ldſt.=Bat. 3, Darmſtadt, P Ries, Joh. Joſ., Herſchbach,
2. Ldſt.=Erſ.=Bat., L. Ruhland, Heinrich, Sandbach,
Inf. 115/2 Erſ.=Komp., P Rückert, Hermann, Griedel
(Oberh.), M Seibert, Albert, Seligenſtadt, Art 25/3,
Erſ., P Simmrock, Hermann, Darmſtadt, Ldw.=Inf.
116/9, P Schäfer, Adam, Königſtädten, Ldw.=Inf. 118,
M Schäfer, Andreas, Reſ.=Art. 25/6, C Schultheis,
Johannes, Schlierbach, Ldſt.=Bat. 3/4, P Schulze, Karl,
Fiemſtadt, Reſ.=Inf. 118/6, P Schwinn, Georg, Offen=
bach
, Inf. 115/4, P Staier, Johannes, Reſ.=Inf. 118/8,
C Vater, Wilhelm, Breslau, F Vollmann, Richard,
Lichtenhain, Feld=Fl.=Abt. 34, 6. A.=K., P Wächter,
Karl, Harburg, Ldw.=J.=R. 73/11, F
Wunderlich,
Adam, Urberach i. O., Ldſt.=Erſ.=Bat., M.

Aus den Lazaretten entlaſſen
vom 15. und 16. November:

Albert, Gundernhauſen, Inf. 115/3, F
Becker, Georg, Drag. 23, E Braemer, Max, Inf.
106/3, E Brückmann, Peter, Landft.=Erſ.=Batl., E
Bürgermeiſter, W., Land.=Inf. 124/1, L. Dörr, Ph.,
Landſt.=Batl. I, E Emden, Arth., Frankfurt a. M.,
Zentr.=Pferde=Depot, P Fath, Guſtav, Offenbach a. M.,
Reſ.=Erſ.=Esk., 18. A.=K., P Frieß, Wilh., Reſ.=Inf. 40/9,
L Gärtner, Arnold, Inf. 115/2, Rekr.=Dep., E Knieß,
Peter, Inf. 115/2, Rekr.=Dep., L. Krampert, Willy, Dres=
den
, Erſ.=Flieg.=Abt. 3, P Lorenz, Wilh., Darmſtadt,
Reſ.=Inf. 116/4, F Metz, Ludw., Kriegsfreiw., F.=Art.=
Reg. 61/4, L. Mohrenweiſer, Fr., Tangermünde, Erſ.=
Flieg.=Abt. 3, P Montag, Joh., Reſ.=Inf. 118/1, E
Neppach, Max, Inf. 115/3, Erf.=Batl., E Otto, An=
ton
, Drag. 23, Erſ.=Esk., E Rietſch, Walter, Inf. 115,
E Ritzert, Wilh., Train 18, L. Roß, Georg Albert,
Darmſtadt, Inf. 138/2, F Rücker, Artillerie, E
Schäfer, Konrad, Reſ.=Art. 25/3, L. Stock, Karl, Mag=
deburg
, Landſt.=Huſ.=Regt. 11/3, P von Stülpnagel, N.,
Feld=Flieg.=Abt. 4, E Urbach, Chr., Reſ.=Erſ.=Esk. 4, L.
Vogd, Wilh., Train=Erſ.=Bat. 18/1, E. Vogt, Joſ.,
Feldl. 26, E Weimann, Landſt.=Batl. 50, Erſ., E Wie=
nold
, Phil., Reſ.=Inf. 116/3, Erſ., L.
Am 17. November:
Becker, Adam, Inf. 115/2, F Becker, Georg, Neu=
Iſenburg, Reſ.=Drag. 23, M Böhn, Leonhard, Erſ=
Ldſt. 1, L. Bonin, Georg, Alsbach, Ldw.=J.=R. 116/1, N
v. Falkenhagen, Kuno, Köln, M, in Privatpflege
Feil, Meinrad, Salzſtetten, Reſ.=Inf. 119/8, P Franz,
Otto, Flieger=Erſ.=Abt. 3, L. Hamel, Heinrich, Rainrod,
P Hock, Franz, Inf. 115, L. Heilmann, Ernſt, Lan=
genbielau
, Reſ.=Inf. 11/7. O Herth, Johannes, Dacm=
ſtadt
, Art. 61/4, Rekr.=Dep., P Gelitto, Auguſt, Bis=
kupitz
, Ldw.=Inf. 22/7, O Jonczyk, Theodor, Schodnia,
Reſ.=Inf. 11/8, O Kruſe, Otto, Hamburg, Jäger=Bat.
12/2, K Lautenſchläger, Ernſt, Darmſtadt, Ldw.=Inf.
8/7, O Lotz, Karl, Reſ.=Inf. 115/1, C Maier, Fritz,
Inf. 115/1, C Möller, Konrad, Drag. 24, E Müller,
Kurt, Solingen, Luftſchiffer=Bat. 4, M Rechel, Daniel,
Hähnlein, Ldſt.=Bat. 2/3, P Riefer, Joh., Neu= Iſen=
burg
, Inf. 115, M Ries, Johann, Münſter, Inf. 118/7,
Rühl, Ludwig, Ldw.=Inf. 118, E Salzmann,
Walter, Apolda, K Schutter, Leo, Train 18, L
Weſterhorſtmann, Anton, Delbrück, Fußart. 7/5, P.

Wei der Materialien=Abteilung und Magazin= Ver=
waltung
vom Roten Kreuz gingen zum Ankauf
von Liebesgaben weiter ein: Erlös für 1 ſilberne
Kordelbüchſe 10 M., durch den Täglichen Anzeiger
20 M von Staatsminiſter von Ewald Exz. (2. Gabe)
200 M., von Herrn Regierungsrat Gennes 100 M., von
Frau von Ricou 50 M., von General Deinhardt 10 M,
Erlös für 197 Kriegsklänge‟ 39.40 M., von Frau Kirchen=
rat
Fiſcher in Groß=Bieberau 20 M., Erlös für ſilberne
Beſtecke ꝛc. 189.65 M., von Frau Kitzing 5 M.
Weitere Gaben werden herzlich erbeten!

deutsche Hausfrau verwende jetzt
an Stelle des englischen Mondamin
Dr. Oetker’s Gustin
da dies ein deutsches Fabrikat
Seue
und besser ist. (II,21533

Eichbergs Nachfolger
29 obere Wilhelminensträsse
H. Eck
Nur beste Qualitäten:
Fürs Feld:
Hemden aus Rohseide, Flanell, Wolle,
Halbwolle u. Baumwolle. Feldgraue
Tücher Brustschützer, Kniewärmer,
Leibbinden, Wasserdichte Militärwesten
gefüttert, Kopfschützer, Halstücher.
(21585

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute verſchied nach langem, mit Geduld
ertragenem Leiden meine liebe Frau, unſere
liebe Mutter, Großmutter und Tante
Frau
Margarete Geyer
geb. Rühl
im vollendeten 56. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bittet
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Peter Geyer.
Darmſtadt, den 20. November 1914.
Die Beerdigung findet Sonntag, 22. November,
nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehaus Weinberg=
ſtraße
36¾/ aus, ſtatt. (B21614

Beſangverein Olympia‟=Darmſtadt.

Den Heldentod fürs Vaterland erlitt am
28. Auguſt unſer Sangesbruder
Heinrich Buß.

(
Wir werden ihm ſtets ein treues Andenken
bewahren.
Der Vorſtand.
(*9673)

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Ver=
luſte
ſprechen wir hiermit unſern tief=
gefühlten
Dank aus.

21612)

Familie Bangert.
Familie Wundenberg.
Familie Wegfahrt.

Darmſtadt, den 20. Nov. 1914.

Dankſagung.
Für die wohltuende liebevolle Teil=
nahme
, die mir bei dem ſchmerzlichen
Verluſt meines lieben Mannes ſo über=
reich
erwieſen wurde ſage ich tief=
gefühlten
herzlichen Dank.
(21601
Darmſtadt, den 20. Nov. 1914.
Eliſabethe Stamm Wwe.

Wetterbericht.

Die vorgeſtern morgen über der Nordſee gelegene
Depreſſion iſt wider Erwarten raſch nordwärts abgezogen,
ſo daß über dem ſüdlichen Skandinavien und den angren=
zenden
Meeren das Hoch ſich ausbreitet. Wir bleiben an
der Südſeite des Hochdruckgebietes zunächſt im Bereiche
öſtlichen Luftſtrömungen, allerdings ziehen nördlich der
Alpen einzelne Tiefdruckwirbel weſtwärts, ſo daß zeit=
weiſe
Zunahme der Bewölkung eintritt. Eine Aende=
rung
des kalten, trockenen Wetters iſt zunächſt nicht zu
erwarten.
Wetterausſichten für Samstag: Wolkig, bis kauf
ganz leichte Schneefälle trocken, kalt, Nachtfroſt, öſtliche
Winde.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater. Anfang 8 Uhr, Ende gegen
10½ Uhr (Sondervorſtellung): Der Reviſor
Patriotiſcher Balladen= und Liederabend
von Kammerſänger Gura um 8 Uhr im Hotel Zur
Traube‟

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
ſchäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
den
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

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billigſt ausgeführt.
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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Nukkmer 321.

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.3.25
mit warmem Innenfutter . . .
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3.10 2.25 1.00
2.40 1.75 1.25

2.30
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gestrickt, gute Qualitäten
Herren-Westen
gestrickt, schwere Qualitäten
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in Wolle, hell und dunkel
Kinder-Mützen
gestrickt, weitz und farbig . .
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platt. . . .
Spezial-Marke Lotte‟, lederfarbig
Wolle platt. . .
Spezial-Marke A. B. C.-Schütze‟, reine
Wolle, schwarz
Spezial-Marke Starkenburg‟, reine
Wolle, lederfarbig

45 50 55 60 65 72 80 88 95 1.05
50 60 70 80 90 1.00 1.10 1.20 1.30 1.40

60 75 90 1.05 1.20 1.35 1.50 1.65 1.60 1.95
75 90 1.05 1.20 1.35 1.50 1.65 1.60 1.95 2.10

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Damen-Strümpfe
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Herren-Socken
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schwarz und lederfarbig, reine
Wolle, gewebt .
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Herren-Socken
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Wolle, gestrickt . . . Paar 1.50

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Damen-Handschuhe
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grau und braun . . . . . .
Herren-Handschuhe
gestrickt, weib und farbig . .
Herren-Trikot-Handschuhe
gute, solide Qualitäten . . . .
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Paser 9
Pasr 1.,
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Kinder-Handschuhe
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gestrickt, farbig . . . . . . . Paar
Kinder-Handschuhe
gestrickt, weiß . . . . . . . . Paar 4
Kinder-Trikot-Handschuhe
farbig . . . . . .
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[ ][  ][ ]

Nummer 321.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Seite 9.

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Frauenverein der ev. Lukasgemeinde Darmſtadt

E. V.

Um den 160 Kindern in unſerer Kleinkinderſchule Kiesſtr. 50
(zumeiſt Kindern von Kriegern) und den bedürftigen Gliedern der
Gemeinde auch in dieſem ernſten Jahre eine
Weihnachtsfreude
bereiten zu können, bitten wir diesmal ganz beſonders herzlich um
gütige Zuwendung von Gaben.
(21553
Frau Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing, Steinſtr. 28;
Fräulein G. Kayſer, Steinſtr. 36; Fräulein M. Kraus,
Hoffmannſtr. 18; Fräulein J. Marloff, Nd.= Ramſtädter=
ſtraße
63; Frau K. Otto, Kiesſtr. 50; Frau Profeſſor Dr.
Schäffer, Hochſtr. 37; Frau Major Schaefer, Heinrich=
ſtraße
146; Schweſter Anna, Kiesſtr. 50; Oberleutnant
Sturt, Grüner Weg 30; Pfarrer Kleberger, Kiesſtr. 60.

Garde=Dragoner=Regiment Ncr. 25.
Für die in ſo reichem Maße bis jetzt geſpendeten Liebesgaben
für das Regiment geſtattet ſich die Erſatz=Eskadron auch auf dieſem
Wege allen gütigen Gebern herzlichen Dank zu ſagen. Es iſt der
Erſatz=Eskadron gelungen, den größten Teil der Liebesgaben in der
2. Hälfte des Oktobers und anfangs November direkt dem Regi=
ment
zuzuführen. Die Freude war groß und wurden die Gaben
mit dankbarem Herzen angenommen.
Zu Weihnachten ſoll nun den Angehörigen des Regiments,
welche genau ſo wie die Infanterie ſeit den letzten Wochen in den
Schützengräben kämpfen, eine Weihnachtsfreude bereitet werden. Die
Erſatz=Eskadron bittet daher alle Freunde und Gönner des Regi=
ments
um Zuſendung von Weihnachtsgaben.
Erwünſcht ſind lange, breite, wollene Halstücher, Tabak,
Zigarettentabak, Zigarren, Zigaretten, Tabakspfeifen, Tabaksbeutel,
Trockenzunder, elektriſche Taſchenlampen mit Erſatzbatterien, zuſam=
menlegbate
Laternen, Kerzen, Lichthalter, Briefpapier, Tintenſtifte,
Spielkarten, kleine Geſellſchaftsſpiele Zeitſchriften, Taſchenmeſſer, zu=
ſammenlegbare
Eßbeſtecke, Rum, Arrak, Punſcheſſenzen, Lebkuchen,
Konfekt, Nüſſe, Zwieback, Kakes, Bouillon= und ſonſtige Suppen=
würfel
, kondenſierte Milch, Kakao, Tee, Zucker, Haferflocken, hart=
getrocknete
Fleiſch=und Wurſtwaren und Seife.
Kurzum, jede Gabe iſt willkommen und wird mit vielem Dank
angenommen. Auch für Geldſpenden, die zum Ankauf weiterer
Gaben verwandt werden ſollen, würde die Eskadron beſonders dank=
bar
ſein. Die Erſatz=Eskadron hat Vorkehrungen getroffen, daß die
Weihnachtsgeſchenke dem Regiment direkt zugehen und eine recht=
zeitige
und ſichere Ankunft gewährleiſtet iſt. Dieſer Sendung können
auch für Angehörige des Regiments beſtimmte perſönliche Pakete
ingeſchloſſen werden. Es wird gebeten, daß alle Sachen bis ſpäte=
ſtens
4. Dezember in den Beſitz der Erſatz=Eskadron gelangen. Geld=
ſpenden
baldmöglichſt erbeten.
(21559ss
Aufnahme von Gaben: Kaſerne Marienplatz, Zimmer 69,
zwiſchen 10 und 12 Uhr vormittags.
Erſatz=Eskadron Garde=Dragoner=Regiment Nr. 23.

Bitte um Liebesgaben!
Das Reſerve=Infanterie=Regiment, deſſen Mannſchaften zum
großen Teil aus Darmſtadt oder nächſter Umgebung ſtammen und
aus den Reſerve=Mannſchaften der Regimenter 115, 118 und 168
beſtehen, bittet um Liebesgaben für ſeine im Felde befindlichen in
ſchwerſtem Kampfe ſtehenden bedürftigen Angehörigen. Das Reſerve=
Regiment ſteht nicht bei den obengenannten heſſiſchen Regimentern
und iſt dadurch von Liebesgaben ſeither ausgeſchloſſen geweſen.
Erwünſcht ſind beſonders Tabak, Zigarren, Zigaretten, hart=
geräuchertes
Fleiſch und Wurſt uſw.
Sammelſtellen ſind bei Finanzrat Carl Kuhn, Ohlyſtraße 36,
Fräulein Davidſohn, Heidelbergerſtraße 24, Mühlſtraße 76, III.,
Caſinoſtraße 8, part., für Arheilgen bei Frau Pfarrer von der Au.
Auch das Erſatz=Bat. Infanterie=Regiment Nr. 81 wird die Gaben
an das Reſerve=Infanterie=Regiment gerne weiter befördern. (21524sg

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[ ][  ][ ]

Sette IV.

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Nummer 571.

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Hinterhaus, 3. St. rechts.

Soderſtr. 14, I. (Kapellplatz)
ſehr gut erhaltene
Interims= u. Waffenröcke
auch Dienſtröcke und Hoſen,
chwarze und graue Militärmäntel
und gut erhalt. Anzüge u. Ueber=
zieher
abzugeben.
(21593a

Zu verk.:
mitl.
J ſchöner Ueberzieher, Gr.,
9 Mk., ſchwarze Jacke, Gr. 48, 6 Mk.
Mühlſtr. 26, part.
(*9804
uterhalt. Sofa mit 3 gepolſt
Stühlen für 30 Mk. zu verk.
Zu erfr. Rhönring 117, III. (*9781

(Juchten), Größe 44, für 7 Mark,
ſowie 1 Paar desgl., Größe 46,
für 4 Mark zu verkaufen. Näheres
in der Geſchäftsſtelle. (2 599sgo

für Hühner ꝛc.
Kleieabfall v. Ztr. Mk. 5.50.
Wendelſtadtſtr. 40, Hinterb. (21575a

ſchwarzer Dobermann,
Marke 6010. Wiederbringer Be=
lohnung
Hermannſtr. 35. (*9744fs

De, der erterne. .
Ankauf wird gewarnt. Geg. Belohn.
abzugeb. Beſſungerſtr. 56. (*9765

[ ][  ][ ]

Nr. 176.

Samstag, 21. November.

1914.

Bekanntmachungen.

Auf Grund des § 2 der Kaiſerlichen Verordnungen vom 31. Juli 1914, betreffend
das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Waffen uſw., bringe ich nachſtehendes
zur öffentlichen Kenntnis:
I. Verboten iſt die Ausfuhr und Durchfuhr von:
1. Rindleder jeder Gerbungsart, auch Spaltleder;
2. Roßleder jeder Gerbungsart, auch Spaltleder:
3. Kalbleder;
4. Kalbfellen;
5. Kunſtwolle;
6. Knochen, Knochenzapfen (Hornpeddig), Hufen, Klauen, roh, auch entfettet,
zu anderen als Schnitzwecken, der ſtatiſtiſchen Nr. 156k und von Horn=
ſpänen
(Abfallſpänen) und Hornmehl der ſtatiſtiſchen Nr. 156g;
7. Weißblechwaren jeder Art, ſoweit ſie nicht in Form von Doſen, Büchſen
uſw. als Verpackung anderer Waren mit ausgeführt werden:
8. Schmelztiegeln aus Graphit.
II. Aufgehoben iſt das Verbot der Aus= und Durchfuhr von Lamm=, Schaf=,
Zickel=, Ziegen=, Reh=, Hirſch=, Reuntier=, Hunde=, Schweins= uſw. Leder, bearbeiteten
Häuten von Fiſchen und Kriechtieren, künſtlichem Leder:
ferner iſt aufgehoben die Ziffer 2 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom
3. September 1914 (Reichsanzeiger Nr. 207 vom 3. September 1914);
endlich iſt aufgehoben das Verbot der Aus= und Durchfuhr von Geigenharz
in geformten Stücken (Kolophonium für Geigen, Celli und Baßgeigen) und von
Sohlendurchnähmaſchinen mit Keitenſtich.
III. Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Fellen zur Pelzbereitung
und Pelzwaren (Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 7. Auguſt 1914) erſtreckt
ſich nicht auf Breitſchwänze, Perſianer, Schiras, Moiré=Aſtrachan, roh und gefärbt,
gefärbte Ziegenfälle und Ziegendecken, rohe und gefärbte Krimmer, gefärbte Schmaſchen.
Berlin, den 10. November 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Delbrück.
(21582

Frankfut g. M, den 15. 10 1914.
Tfill. Armeekorps
Stellvertretendes Generalkommando.
Abt.; III b J.=Nr. 40740/3229.
Es ſind Klagen darüber erhoben worden, daß die zu Lieferungen für die Heeres‟
verwaltung verpflichteten Fabrilanten von ihrer Plivatkundſchaft, ſogar unter Klage=
androhung
, zur Erfüllung der dieſer gegenüber übernommenen Lieferungsverpflich=
tungen
in einer Weiſe gedrängt werden, daß das Intereſſe der Heeresverwaltung
darunter leidet.
Die Privatkundſchaft der Heereslieferanten wird darauf hingewieſen, daß ein
ſolches Verhalten nicht nur in höchſtem Grade unpatriotiſch, ſondern auch unter Um=
ſtänden
nach den §§ 320, 45 R. St. G. B., welche die nicht rechtzeitige oder nicht ord=
nungsgemäße
Erfüllung von Lieferungsverträgen für Heeresbedürfniſſe im Kriege,
ſowie die Anſtiftung dazu mit Gefängnisſtrafe bedrohen, ſtrafbar iſt.
Zur Wahrung der Intereſſen der Landesverteidigung verordne ich gleichzeitig:
Die Befriedigung von Privatauftrigen unter Zurückſtellung von Auſträgen der
Heeresverwaltung iſt verboten.
Zuwiderhandlungen werden, wenn die beſtehenden Geſetze keine höhere Strafe
beſtimmen. auf Grund des § 9 des Geſetzes über den Belagerungszuſtand vom 4. Juni
1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre beſtraft.
(21583
Der kommandierende General
Freiherr von Gall, General der Infanterie.

Frankfurt a. M., den 14. 11. 1914.
XVIII. Armeekorps
Stellvertretendes Generalkommando
Abt.: IIe J.=Nr. 41995.
Alle Verſteigerungen von Häuten und Fellen ſind bis auf weiteres verboten.
Der kommandierende General
gez. Frhr. von Gall.
(21584

Antſche abrchten des Grofd. Polteiants Darnnd=

Gefunden; 1 kleines Portemonnaie mit 19 Pfennigen Inhalt.
1 Zwicker mit ſchwarzer Hornfaſſung. 1 Päckchen, enthaltend 1 Paar
ſchwarze Damenhandſchuhe und 1 Spitzentuch. 1 Knäuel Wolle mit
Beinſtricknadel. 2 Brilln. 1 großes Kofferſchloß. 1 weißwollener
Kinderhandſchuh. 1 Portemonnaie mit über 7 Mk. Inhalt. 1 läng=
liches
ſchworzes Handtäſchchen mit über 30 Mk. Inhalt. Zuge=
laufen
: 1 Dobermann. 1 Huhn.
(21545
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofr ite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
findet
ſich: 1 deutſcher Schäferhund, 1 Dachshund, 1 Windhund.
1 Spitzhund, 1 Jagdhund (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(21556
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 22. Nov.,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Merckſche Engel=Apotheke, Rheinſtraße, und
Beſſunger Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von
1 Uhr ab geſchloſſen.

Aufnahme der Viehbeſtände in Ausführung des
Reichsviehſeuchengeſetzes.

Die Liſte der hieſigen Beſitzer von Pferden und Rindvieh, die
nach den Beſtimmungen des Ausführungsgeſetzes zum Reichsvieh=
ſeuchengeſetz
und des Geſetzes über die Entſchädigung für an Maul=
und Klauenſeuche gefallenes Rindvieh beitragspflichtig ſind, liegt
vom 23. bis einſchließlich 28. ds. Mts., im Stadthaus, Zimmer
Nr. 50, offen. Einwendungen ſind ebendaſelbſt während der Offen=
lage
vorzubringen.
Darmſtadt, den 18. November 1914.
(21555sid
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Ekert.

Unterbringung und Beſchäftigung der hier
zugewieſenen Schleſier.

Der Stadt Darmſtadt ſind etwa 5000 junge Schleſier zum vor=
übergehenden
Aufenthalt zugewieſen worden.
Darunter befinden ſich Schüler höherer Lehranſtalten, die wäh=
rend
des Aufenthalts hieſige höhere Schulen beſuchen ſollen. Es wäre
erwünſcht, dieſe jungen Leute in Darmſtädter Bürgerquartieren, mög=
lichſt
unentgeltlich, unterzubringen. Ich bitte um gefällige Mitteilung,
wer von der hieſigen Einwohnerſchaft bereit iſt, ſolchen jungen Leuten
für die Zeit ihres Hierſeins unentgeltliche Aufnahme zu gewähren.
Der weitaus größere Teil dieſer Schleſier gehört dem Arbeiter=
ſtand
an und wäre deren Beſchäftigung ebenfalls dringend erwünſcht.
Ich fordere die hieſigen Gewerbetreibenden, insbeſondere die Innungen
auf, ſofern und ſoweit ſie ihren Arbeiterbedarf nicht mit hieſigen
Leuten decken konnten, den Bedarf von Arbeitskräften bei mir an=
zumelden
damit ihnen paſſende Arbeitskräfte aus den Reihen der
jungen Schleſier zugewieſen werden können.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
(21521fs
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Deter
Wer für die bei uns untergebrachten
Schleſier
einen Mantel oder eine Decke übrig hat, wird herzlich gebeten, ſie
im Schulhauſe Müllerſtraße 11 abzugeben. Auch Handtücher,
Taſchentücher, Hemden, Strümpfe uſw. ſind willommen. (21557
Stadtknabenſchule II: Claß.

Verſteigerungs=Anzeige.

Montag, den 23. November 1914, nachm. 4 Uhr,
verſteigert der Unterzeichnete auf freiwilligen Antrag im Hofe Hein=
heimerſtraße
Nr. 11 dahier
1 braunes Pferd
unter geſetzlicher Währſchaft
öffentlich meiſtbietend gegen Barzahlung.
(21544
Weckel, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Bleichſtraße 28.

Kartoffel=Verſteigerung.

Auf der Bahnſtation Nieder=Kainsbach-Fränkiſch=Crumbach
wird am Samstag, den 21. November I. Js, 11 vorm., eine
Wagenladung Futterkartoffeln, 200 Zentner, aus einem Eiſenbahn=
wagen
, in loſer Schüttung, im ganzen oder in kleineren Mengen,
gegen ſofortige Barzahlung verſteigert.
(21554
Reichelsheim (Odenw.), den 19. November 1914.
Die Bahnverwaltung.

Schulgeld=Erhebung.

Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium und deſſen Vor=
ſchule
, die Großh. Liebigs= und
die Großh. Ludwigs= Oberreal=
ſchule
, die Vorſchule der Großh.
Gymnaſien, die Viktoriaſchule
und das Lehrerinnenfeminar, die
Eleonorenſchule und Frauen=
ſchule
, ſowie die Mittelſchulen für
das IV. Kalender=Vierteljahr
1914 iſt bis Ende lfd. Mts.
an den Werktagen, vormittags
von 8½ bis 12½ Uhr, hierher zu
entrichten.
Darmſtadt, 11. November 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (21231a

Steuer=Erhebung.

Das IV. Ziel der Gemeinde=
ſtener
für das Rechnungsjahr
1914 iſt bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8½ bis 12½ Uhr, hierher zu ent=
richten
.
Darmſtadt, 10. November 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (21152a

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Partiewaren=
händlers
Tobias Neigaß in Darm=
ſtadt
iſt zur Prüſung der nach=
träglich
angemeldeten Forderungen
Vermin auf
(21578
Dienstag, 1. Dezember 1914,
vormittags 11 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgericht I
Darmſtadt, Zimmer Nr. 219, an=
beraumt
.
Darmſtadt, 16. November 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Mramtnhung.
(Stadtwald.)

Die Brennholz=Verſteigerung
Nr. I vom 16. November 1. Js.
iſt genehmigt. Ausgabe der Ab=
fuhrſcheine
am 23. ds. Mts., Tag
der Ueberweiſung und erſter Ab=
fuhrtag
am 24. November l. Js.
Darmſtadt, 19. November 1914.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann. (21550

Weihnachts-Zigarren
für unsere Truppen
zu Fabrikpreisen
per 100 Stück von Mk. 3. an,
auch in kleineren Quantitäten. (*9777
J. M. Adam, Eliſabethenſtr. 56, II.
Wer liefert 10 Malter
Gu
. Kartoffeln
gelbe Induſtrie? Angebote mit
Preisangabe Hotel Merz,
Darmſtadt.
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ickwurz o. Gelberüben 100 Ztr.
Dzu kauf. geſ. Ang. mit Preis an
Schröder, Karſtr. 27. (*9721fso
Wetterauer Gänse
trifft eine Sendung Donnerstag
den 26. Nov, Nachmit. 4 Uhr, im
Gaſthaus zur go dnen Roſe‟
Schloßgaſſe 2, ein. Carl Bingel,
Oberhörgern.
(*9766so

la Hammetttoison:
empfiehlt billigſt
Hally Mainzer,
Rinds= u. Kalbsmetzgerei. (*9771
Kranichſteinerſtr. 35. Telefon 2265.

Großherzogliches Hoftheater.
Abonnement für 1914/15.
Die Erhebung der 2. Rate des Abonnementsgeldes für die
Spielzeit 1914/15 findet
Montag, den 23. und Dienstag, den 24. Novem=
ber
1914, nachmittags von 3½ bis 5 Uhr,
ſtatt. Zahlſtelle: Veſtibüle im Hoftheater.
(21562
Die Abonnenten werden freundlichſt gebeten, die erhaltenen
Zahlzettel bei der Zahlung zur Quittierung vorlegen zu wollen.
Darmſtadt, den 21. November 1914.
Großherzogliche Hoftheater=Hauptkaſſe.

Verſauf von Vberbaumnaterkalien=
Die in unſerem Bezirk lagernden, für Eiſenbahnzwecke nicht
mehr verwendbaren Oberbaumaterialien, wie Eiſen=und Stahlſchienen.
eiſerne Schwellen, Weichenteile, Kleineiſenzeug, Brückenträger, Eiſen=,
Gur=, Stahl= und Blechſchrot, ſollen öffentlich meiſtbietend verkauft
werden.
Verkaufsbedingungen und Angebotbogen ſind gegen poſt= und
beſtellgeldfreie Einſendung von 1 Mark in bar nicht in Briefmarken—
von unſerem Zentralbureau zu beziehen.
Die Angebote ſind bis Freitag, den 11. Dezember 1914,
vormittags 11 Uhr, poſtfrei an uns einzuſenden.
* Die Eröffnung der Angebote erfolgt im Beiſein etwa erſchienener
Bieter am gleichen Tage vormittags 11 Uhr im Saale 72 unſeres
Verwaltungsgebäudes.
Zuſchlagfriſt: 3 Wochen. Abfuhrfriſt: 15. März 1915.
Mainz, den 11. November 1914.
(721577
Königlich Preußiſche und Großherzoglich
Heſſiſche Eiſenbahndirektion.

Gaſtwirtſchafts=Verſteigerung.

Das in Arheilgen bei Darmſtadt in der Darmſtädter Straße
am Endpunkte der Darmſtädter Straßenbahn belegene Gaſtwirtſchafts=
anweſen
Zum Löwen der Peter Groh Eheleute, beſtehend aus
Hofreite, großem Saalbau und Garten, 3805 qm, ortsgerichtlich zu
Mark 78 829. geſchätzt, wird durch das unterzeichnete Gericht:
Dienstag, 8. Dezember 1914, vormittags 11½ Uhr
in deſſen Sitzungsſaal, Zimmer Nr. 118, im neuen Gerichtsgebäude,
Mathildenplatz zu Darmſtadt, zwangsweiſe verſteigert. (21563
Darmſtadt, den 6. Oktober 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Breunholz=Verſteigerung.
(Harras.)

Freitag, den 27. November I. Js., vormittags 9 Uhr,
werden im Saale des Neuen Schießhauſes in der Harras ( Halte=
ſtelle
der Griesheimer Straßenbahn) das Dürr= und Windfallholz
aus verſchiedenen Abteilungen des Forſtes Haras verſteigert:
Scheiter: 104 rm Eichen, 62 rm Kiefern;
Knüppel: 105 rm Buchen. 34 rm Eichen, 77 rm Kiefern, 40 rm Fichten;
Knüppelreiſig: 79 rm Buchen 27 rm Eichen, 8 rm Kiefern;
Stöcke (fein zerkleinert): 7rm Buchen, 5ö rm Eichen, 18 rm Fichten.
Das Holz trägt die laufenden Nummern 1340. Unterſtrichene
Nummern kommen nicht zum Ausgebot. Um vorherige Einſicht=
nahme
des Holzes wird gebeten.
Darmſtadt, den 19. November 1914.
(21551
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Wir erhalten
Samstag abend
einen friſchen Transport von ca.
20belaiſchen Pferden
Gebr. Sommerfeid, parmstadt.
Telephon 383.
(21604) Pallaswieſenſtr. 25.

Bünger u. Pfuhl.
jedes Quantum, zu ermäßigten
Preiſen.
(18618a
Schlachthof.

Herir einteſaht
wird angekauft.
(20943a
Schlachthof.

[ ][  ][ ]

am
weissen Turm.

Ab heute

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

Nummer 321.

Richard Jürgas

tſchinski 8 Adolf Jordan.

Großh. Hoftheater.
Samstag, den 21. November 1914.
Außer Abonnement.
III. Sonder-Vorstellung.
Der Reviſor
Komödie in 5 Aufzügen
von W. Lange.
Spielleiter: Bruno Harprecht.
Perſonen:
Anton Antono=
witſch
Skwosnik
Dmuchanowski,
Gouverneur einer
ruſſiſchen Pro=
vinzialſtadt
. . K. Weſtermann
Anna Andrejewna,
Minna Müller=
ſeine
Frau
Hanno
Maria Antonowna,
deren Tochter . Käthe Gothe
Luka Lukitſch
Chlopoff, Schul=
rektor

. Frz. Schneider
Naſtenka, ſeine Frau Hertha Hinken
Ammos Fedoro=
witſch
Lapkin=
Tapkin, Kreis=
richter

. Johann. Heinz
Artemi Philippo=
witſch
Semlja=
nika
, Hoſpital=
verwalter

. Heinrich Hacker
Iwan Kusmitſch
Schpekin, Poſt=
meiſter

Paul Peterſen
Peter Iwano=
witſch
Dob=
tſchinski

Peter Iwano=
witſch
Bob=
Iwan Alexandro=
witſchChleſtakoff
,
Beamter aus
Petersburg . . Br. Harprecht
Oſſip, ſein Be=
dienter

. H. Baumeiſter
Johann Chriſtian
Hübner, Kreisarzt Kurt Schüppel
Fedor Andre= 2
jewitſch Lu=
30 Br. Waigandt
lukoff,
Iwan Laſare=87
witſch Raſta=
kowski
,
§ Fr. Jachtmann
Stepan Iwa=
nowitſch
Ko=x
3 Herm. Knispel
robkin,
Korobkins Frau Ag. Wisthaler
Stepan Jlitſch
Uchowertoff, Polizei=
inſpektor

. Frz. Herrmann
Swiſtunoff, Poli=
. Hans Debus
zeidiener
Derſchimorda, Po=
lizeidiener
. . Adolf Klotz
Abdulin, Kauf=
.Emil Kroczak
mann
Erſter 1 Kauf= Ludwig Wenzel
Zweiter) mann Fritz Lang
Febronia Petro=
wna
Poſchlepin,
die Frau eines
Schloſſers . . . Fritzi Niedt
Die Witwe eines
Unteroffiziers . EllenWidmann
Miſchka, Bedienter
des Gouverneurs Harry Harris
Erſte
A. Fleiſchmann
Zweite 7 Dame:
Ottilie Forſt
Ein Kellner . . Otto Thomſen
Nach dem 2. Aufzuge längere Pauſe.
Krank: Franziska Callwey.
Adelheid Croneberg.
Zu dieſer Vorſtellung findet
kein Kartenverkauf ſtatt.
Anfang 8 Uhr. Ende geg. 10½ Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Sonntag, 22. Nov.: 41. Ab.=Vſt.
A 10. Mignon. Kleine Preiſe.
Anfang 7 Uhr.
Montag, 23. Nov.: (Keine Vor=
ſtellung
).
Dienstag, 24. Nov.: 42. Ab.=Vſt.
A 11. Fauſt II. Teil. (3. und
4. Abend.) Kleine Preiſe. Anfang
7 Uhr.
Mittwoch, 25. Nov.: Nachmittags
3 Uhr. Außer Abonnement. Feſt=
vorſtellung
für verwundete Sol=
daten
. Minna von Barn=
helm
. (Zu dieſer Sonder= Vor=
ſtellung
findet kein Kartenverkauf
ſtatt.) Abends 7½ Uhr. 43. Ab.=
Vſt. B 10. Feſtvorſtellung zur
Feier des Allerhöchſten Geburts=
feſtes
Seiner Königlichen Hoheit
des Großherzogs. Zumerſten Male:
Die Marketenderin‟ Eine
deutſche Spieloper von Humper=
dinck
. Gewöhnliche Preiſe.
Aus dem Spielplan.
Donnerstag, 26. Nov. 44. Ab.=
Vſt. C 12. Zum erſten Male:
Alsich noch im Flügelkleide‟.
(Ein fröhliches Spiel von Kehm
und Frehſee). Kleine Preiſe. An=
fang
7½ Uhr.
Freitag, 27. Nov. 45. Ab.=Vſt.
D 12. Hoffmanns Erzähl=
ungen
. Kleine Preiſe. Anfang
7 Uhr.
Samstag, 28. Novbr. Außer
Abonnement. Zu Volksvorſtel=
lungspreiſen
. Volkstümliches
Konzert.
Sonntag, 29. Nov. 46. Ab.=Vſt.
B 11. Die Fledermaus
Kleine Preiſe. Anfang 7 Uhr.

rein der Harmsgemelue.
Fraden
Einladung
zur Haupt= und Mitgliederverſammlung
am Montag, den 23. November 1914, abends
8 Uhr, im Martinsſtift.
Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorſitzenden, 2. Rech=
nungsablage
, 3. Wahl des Vorſtandes, 4. Anträge.
Alle Mitglieder werden hierzu freundlichſt eingeladen. (21611
Gewerkverein der Heimarbeiterinnen.
Ausſtellungs= und Verkaufstag
im Muſikvereinsſaal, Steinſtraße Nr. 24,
am Dienstag, den 24. November und von 91 und
am Mittwoch, den 25. November 1 von 37 Uhr.
(214 2dso
Um zahlreichen Beſuch wird herzlich gebeten.
Der Vorſtand.

Kaffee Fürst Bismarck
Rheinstrasse 35.
Telephon 2437 (21267a) Telephon 2437.
Zum Frühstück!

empfehle ich meine Neueinführungen:
Schildkrötensuppe . Tasse 50
Gefüllte Pastete, warm
40
Kraftbrühe mit Ei
40
Bismarckfrühstück . . . . . 100
bestehend aus: 1 Port. Kaffee, Tee od. Schokolade
2 Eier
1 belegtes Brot nach Wahl
Butterbrot mit westfälischem
Schinken und 1 Gläschen
alten Korn
.. 50
Ferner empfehle ich zum Frühstück auch
meine offenen Weine
Südweine . . Glas 50
Rhein-, Haardt-, Mosel- und
Rotweine
¼ Liter 50 .

Uin

Thedter

Tel

73

Nur 3 Tage
ein ganz hervorragendes
Programm:

Grosser Sensationsfilm
Drama in 3 Akten
1m
Zwange
der Not
Drama in 2 Akten
Gespielt von ersten
Künstlern
(*9788
Die neuesten
Dilder
Ges Rrless
Schädplatzes

ten
Zum hessischen Haus
Ecke Wald= und Grafenſtraße.
Samstag, 21. November:

Metzel-
Suppe

wozu freundlich einladet (*9792
Friedrich Rummel.

Reſtauration
(*9750
Zum Taunusgold‟
Dornheimer Weg 33.
Samstag, 21. November:
Metzel=
ſuppe

Morgens Wellfleiſch mit Kraut,
wozu frdl. einladet J. Jäckle.

Lreine gelbe Orpington.
2 Mark an.
(*97
Schröder, Karlſtr.
olfshund, wachſ., 1½ J.
bei Truber, Ballonpl. 6. (*

Aufang Sonntag 3 Uh

Für arm. Landſturmmann, z. Z. im
& F., w. gutg. Taſchenuhr z. k. geſ.
Ang. m. Pr. u. 6. 64 a. Geſchäftsſt.(

Der Tolgegtäabte
Grosser Kriminal-Roman in 3 Akten mit Regina
Badet in der Hauptrolle.
Die Stermatter
Dramatisches Lebensbild in 2 Akten mit Hanni
Weise in der Hauptrolle.

Die neuesten Aufnahmen vom Kriegsschauplatz
(21600
Ab Dienstag, den 24. November:
Richard Wagner
Film-Biographie in 7 Akten.

Der Prachtſpielplan
von Samstag, 21. November, bis Montag, 23. November.
Ein Meiſterwerk der Lichtſpielkunſt!
Senſationeller und ſpannendſter Hauptſchlager:
Die Millionen-Mine
Ein aufſehenerregendes und ſpannendes Detektiv=Drama
in 3 Akten. Dieſer Film zeichnet ſich ganz beſonders
durch ſeine packende und überwältigende Wirkung aus.
Die Ausführung ſteht auf der Höhe der Filmkunſt und
bietet noch nie Dageweſenes. Die Spannung und Er=
regung
erhöht ſich von Akt zu Akt, iſt voll von nerven=
peitſchenden
Situationen und bietet ganz eigenartige Effekte.

Ein weiteres Zugſtück: Die Waldroſe
Indianer=Drama in 2 Akten. Ein ſehr ſchönes Indianerbild.
Ein ſchmerzliches Abenteuer
Hochkomiſche Szenen. Zum Lachen! (*9770

Brillante Humoresken
Herrliche Naturaufnahmen
ergänzen den Elite=Spielplan.

Verſäumen Sie nicht, ſich dieſes Reſ. Pl. 50, 1. Pl.
wunderſchöne Programm anzuſehen 359, 2.u. 3. Pl. 19

Inhaber:
Georg Brand.

Theatet
Darmſtadt,
Rheinſtraße 2.

Nur 3 Tage. Samstag, Sonntag u. Montag. Nur 3 Tage.
3 grosse Schlager:
Ein äusserst aufregender, span-
I. UIndianerblut! nender Indianer-Schlager.
Ein sehenswürdiges
Ir. IMitten in Wildwest!
Wildwestbild,
das Aufregung und Spannung hervorruft.
IIk. 1Aus Preussens schwerer Zeit!
Dieses Schauspiel ruft ähnliche Bilder hervor, wie man
r heutigen 2
bt.
sie
Um deses Progrumm zu vervolständigen koumen die
heuesten Krieoshiider I S rimoresken zur vorfünrung
Als Einlage I. ein Sensations-Schlager in 2 Akten, del
Kriegsbilder und Kämpfe in den Kolonien zeigt.
II- Ein dramatisch und sensationelles Schauspiel
und mehrere andere Films.
III. Platz 19

Achtung!
Zahle die höchſten Preiſe für
Schlachtpferde zu jederzeit. Em=
pfehle
prima Pferdefleiſch, Hack=
fleiſch
. Elektriſcher Betrieb vor=
handen
. Telefon 1997.
Peter Diehl,
Schloßgaſſe 3.
(*9790

Gemer

albſchweres Arbeitspferd
gegen monatliche Abzahlung
von 100 Mk. zu kaufen geſucht.
Angebote mit ungefähr. Preis unt.
G 65 an die Geſchäftsſt. (*9769

Grosse Auswahl!
in (20803a
Kanarienvögeln.
Empfehle meine her.
vorragenden Sänger=
Preis je nach Geſangsleiſtung.
Von Mk. 6, 8, 10, 12, 15, 20 u. höh.
Reelle Bedienung wie bekannt.
Ernst Göbel, Schulſtraße 11

21569a)

Kanarien
empfiehlt in tiefſter
tourenreicher Lage, eigne
Zucht, billige Preiſe.
Größte Zücht. am Platze.
Gg. Wedel,
Schuſtergaſſe 7.

[ ][  ][ ]

Nummer 991.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. Novemper 1914.

Seite 13.

Der filberne Adoff.
Roman von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
30)
22. Kapitel.

Der luſtige Hans änderte ſeine Taktik. Er verſtand
ſich auf die langhaarigen Geſchöpfe. Das Witzereißen
durfte nicht ewig fortgeſetzt werden, ſonſt fiel er einer, wie
Ellen Wommen, auf die Nerven. Alſo gezeigt, daß man
auch ganz anders ſein konnte. Ein bißchen die gediegene
Seite aufgezogen, den ſilbernen Adolſ ſchlug er auf dieſe
Weiſe aus dem Felde. Das war doch kein Kunſtſtück. Der
war doch weiter nichts, wie ein harmloſer, lieber Junge,
den noch der Nimbus des erfolgreichen Patrouillenfüh=
rers
auf Kamelen umſtrahlte. Hübſch langſam mußte ihm
dieſer Nimbus genommen werden.
Bei dem Frühſtück wurde gar nicht viel gelacht. Man
unterhielt ſich über ernſte Dinge. Kam vom Hundertſten
ins Tauſendſte und ſetzte dieſe ernſten Geſpräche auf der
Bahnfahrt nach Marienburg fort.
Und als die rieſige, aus Ziegelſteinen erbaute Burg
vor ihnen lag, nahm der luſtige Hans das Geſpräch allein
in die Hand. Er bewies, daß er in der Geſchichte ſeines
Heimatlandes gut Beſcheid wußte. Geſchickt brachte er
ſeine Weisheit an. Sie mußten ſich einen Führer neh=
men
, aber der hatte nur ſelten Gelegenheit, einmal ein
Wort zu ſagen. Hans Grüningen führte, erklärte groß=
zügig
, Vom deutſchen Ritterorden, ſeiner Gründung,
feinen Zwecken ſprach er erſt im allgemeinen. Bewies,
was Konrad von Thierberg, der um 1274 den Bau be=

gonnen, für ein großer Stratege geweſen war. Wie ſich
gerade von hier die Fäden gut hatten ſpinnen laſſen in
die Lande, die erobert worden waren und erobert werden
ſollten, und wie hervorragend die Verbindung mit
dem alten Vaterlande geweſen ... Und während ſie durch
das Ordenshaupthaus, dem Sitz des Hochmeiſters, ſchrit=
ten
, nach dem Hochſchloß und der Kirche, mit der herr=
lichen
Mutter Gottes und dem Kinde in Hochrelief mit
Glasmoſaik auf Goldgrund farbig ausgeführt, ein Mei=
ſterwerk
muſiviſcher Auslegung plaſtiſcher Form aus dem
Jahre 1340, riß ſein Vortrag nicht ab. Die ganze Ge=
ſchichte
des Ritterordens rollte er auf. Bei den vier
Hochmeiſtern: Hermann von Salza, Siegfried von Feucht=
wangen
, Winrich von Kniprode und Albrecht von Hohen=
zollern
verweilte er länger, warf Schlaglichter auf Ver=
gangenheit
und Gegenwart ... Im Konventsraum riß er
ein Fenſter auf. Unter Sonnenglaſt lag die fruchtbare
Landſchaft, träge wälzte ſich dicht neben der Burg die
Nogat nach Norden.
Wenn Sie einen Blick den Strom hinunterwerfen,
gnädiges Fräulein, durch die Gitterbrücke mit dem Türm=
chen
darauf! Sehen Sie da das langgeſtreckte Herrenhaus
mit der Front nach dem Waſſer zu, umrahmt von alten
Linden?
Ja, Herr von Grüningen, ich ſehe es!
Meine Heimat! Grüningen! Mein älterer Bruder ſitzt
drauf. . . Ja, wenn man mich ſo anſieht, äußerlich, da
kommt keiner auf den Gedanken: der kleine Aff’ iſt ein
Nachkomme der Deutſch=Ordensritter. Als die weltlich
wurden, heirateten, iſt einer meiner Vorfahren mit dieſem

Außenwert der Bureg, einſt war es das, belehnt worden.
Als Auszeichnung! . . . Weil unſer Geſchlecht, das heute
noch in Weſtfalen blüht, von dort ſtammen wir, ſeine nach=
geborenen
Söhne in Maſſe dem Orden zur Verfügung
geſtellt hat. Weil drei Grüningens in einer Schlacht, die
unglücklich gegen die Polen verlief, eine vom Papſt ge=
weihte
Monſtranz retteten, mitten durch die Feinde bra=
chen
ſie ſich Bahn. Zwei fielen, der dritte ſchleppte todes=
wund
das Heiligtum bis zur Zugbrücke der Marienburg,
feſtgeklemmt unter dem Arm, beſpritzt mit ſeinem Blut,
ſank er dort tot vom Pferde. Die Monſtranz war ge=
rettet
. Die Ritter nahmen’s als gutes Zeichen. Sie feg=
ten
von neuem gegen den Feind, ein anderer Grüningen
trug das mit dem Blute ſeines Geſchlechts beſprengte Hei=
ligtum
vor dem Heere her, und die Polen wurden gründ=
lich
aufs Haupt geſchlagen!
Wohl dem, der auf ſolche Tradition blicken kann, ſagte
Ellen Wommen mit leuchtenden Augen.
Da reckte ſich der kleine Kerl auf, ſeinen Panama
ſchwenkte er in der Hand hin und her.
Sie haben ganz recht: wohl dem! Aber wehe dem,
wenn er in einer faulen Zeit geboren iſt, wie die jetzige.
Das alte, kampfesfrohe Blut rebelliert! Verpufft! Schlägt
über die Stränge, oft auf recht unnütze Weiſe! Und die
Splitterrichter ſind gleich da! Wir leben nicht mehr im
Mittelalter! Kein Schwerterſchwingen mehr! Ein biß=
chen
auf dem Exerzierplatz rumgetobt, was das ſchon iſt!
Einmal ein Pferd gebändigt, das auch kampfesfreudiges
Blut in den Adern hat oder was anderes gebändigt!
Manchmal ſich ſelbſt und das iſt das Allerſchwerſte!

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 21. November 1914.

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