Darmstädter Tagblatt 1914


Sonntag, den 1. November.

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Nr. 301.

Sonntag, den 1. November.

1914.

Der Krieg.

Die Offenſive der Türkei. Die Kriegslage im Weſten und Oſten. Vergeltungsmaßregeln. Die Rückkehr zur
Front. Der Rücktritt des Prinzen Battenberg. Der Aufſtand in Südafrika. Der einzige Freund der Mohammedaner.

Die Offenſive der Türkei.

Seit dem Beginn
des europäiſchen Krieges
ſah man mit Spannung
dem Verhalten der Tür=
Kei entgegen, die von Ruß=
land
und England fort=
geſetzt
herausgefordert
und in ihren Souveräni=
tätsrechten
verletzt wurde.
Forderungen aller Art
ſtellten die beiden Mächte
in einem Tone, als ſei
das osmaniſche Reich
ihnentributpflichtig. Nach=
dem
die Dardanellen=
ſperrung
das Verhältnis
zu Rußland weiter zu=
geſpitzt
hatte, mußte mit
dem völligen Bruche, mit
dem Eintritt der Türkei
in die Reihe der krieg=
führenden
Staaten ge=
rechnetwerden
. Rußlands

jetzige Verbündete werden natürlich ebenfalls Feinde der
Türkei ſein, in erſter Linie England, deſſen gewalttätiges
Auftreten in Aegypten, das unter der Oberhoheit des Sul=
tans
ſteht, die Türken nicht weniger erregt hat als der
lbritiſche Diebſtahl türkiſcher Kriegsſchiffe, ſowie der ver=
ldächtige
Aufenthalt eines engliſchen Geſchwaders vor den
Dardanellen im Aegäiſchen Meere.
Die Würfel ſind aber gefallen und der Weltkrieg hat
ſeine weitere Ausdehnung erfahren. Die Türkei hat ziem=
lich
lange gezögert, ehe ſie den bedeutſamen Entſchluß
faßte, deſſen Tragweite ſo groß iſt, daß man annehmen
darf, die Chancen ſeien am Goldenen Horn ſehr reiflich
erwogen und für günſtig befunden worden. Seit
dem letzten Balkankrieg hat die Türkei fieberhaft an der
Reorganiſation ihrer Wehrkraft gearbeitet, hervorragende
deutſche Militärs ſtanden ihr dabei zur Seite und werden
vorausſichtlich auch in dem bevorſtehenden Kriege eine
große Rolle ſpielen. Dieſe Tätigkeit der Deutſchen im
fürkiſchen Here und der fürtiſchen Marine hat bekannt=
lich
bei den Dreiverbandmächten Mißfallen erregt und
zu dem Verlangen geführt, die Pforte möchte die Deutſchen
aus ihrem Dienſte entfernen, worauf ihnen der ablehnende
Beſcheid wurde, es handele ſich um eine innertürkiſche An=
gelegenheit
, in die fremde Mächte nichts dreinzureden
hätten. Dieſe Antwort hat ſelbſtverſtändlich in London,
Paris und Petersburg den Groll gegen die Türken weiter
geſteigert. Das Erwachen der letzteren zeigte ſich ſchon im
zweiten Teile des Balkankrieges durch eine tatkräftige und
erfolgreiche Aktion zur Wiedererlangung Adrianopels.
Inzwiſchen ſind die Reformarbeiten kräftig fortgeſchritten
und das türkiſche Heer iſt heute nach allen Seiten hin
ſchlagfertig. Daß dieſes ein nicht zu verachtender Gegner
iſt, ſollte Rußland eigentlich wiſſen, es ſollte ſich erinnern,
daß es 1877/78 aus eigener Kraft die Türkei ſchwerlich
bezwungen hätte und daß ſeine Armee vor Plewna nur
durch das Eingreifen der Rumänen gerettet wurde In
Petersburg, wo man geglaubt hatte, die Türken durch ein
herausforderndes Weſen einſchüchtern zu können, wird
man kaum leichten Herzens an den neuen Feind denken,
welcher die ruſſiſche Front gegen Deutſchland und Oeſter=
reich
=Ungarn notwendigerweiſe erheblich ſchwächen muß.
Inſofern bieten ſich uns aus dem Eintreten der Türkei
in den Krieg erfreuliche Ausſichten.
Wie aus der Meldung von der Vernichtung mehrerer
ruſſiſcher Kriegsfahrzeuge am Bosporus hervorgeht, hat
die ruſſiſche Schwarze Meer=Flotte die Bewegung der tür=
tiſchen
Flotte beobachtet und dieſe an der Einfahrt ins
Schwarze Meer zu verhindern geſucht. Daß ihr das nicht
gelungen iſt, beweiſt die Beſchießung ruſſiſcher Städte an
der Küſte des Schwarzen Meeres durch die Türken, wobei
auch der Kreuzer Hamidie mitgewirkt hat, welcher ſich
durch ſeine kühnen Fahrten während des letzten Balkan=
krieges
auszeichnete. Ob die türkiſche Flotte der ruſſiſchen
im Schwarzen Meere gewachſen ſein wird. läßt ſich ſchwer
ſagen. Letztere beſteht aus 8 Linienſchiffen, 2 geſchützten
Kreuzern, 3 alten Kanonenbooten, 26 Torpedobooten und
8 Unterſeebooten; Sie wird noch ergänzt durch die Dampfer
der Freiwilligen Flotte. Die Zahl der Schiffe iſt nicht
ausſchlaggebend: überdies wird im Krieg zwiſchen der
Türkei und Rußland nicht zur See, ſondern auf dem Lande
entſchieden.
Welche Folgen das türkiſche Eintreten in den Krieg
haben, ob und welche Wendung es auf das große euro=
päiſche
Ringen ausüben wird, muß abgewartet werden.
Ein Zuſammenſchluß zwiſchen der Türkei Perſten und
Afghaniſtan könnte auch für die Vorherrſchaft Rußlands
und Englands in Aſien gefährlich werden. Andererſeits iſt
es nicht ausgeſchloſſen, daß die Offenſive der Türkei ein=

zelne Staaten wir denken dabei z. B. an Griechen=
land
welche das Wiedererſtarken der Türken fürchten
zu müſſen glaubt, auf die Seite unſerer Feinde führt.
Wir wollen davon abſehen, uns in dieſem Augenblick mit
den Konſequenzen des wichtigen Ereigniſſes näher zu be=
faſſen
, das unzweifelhaft von erheblicher Bedeutung für
den weiteren Verlauf des europäiſchen Krieges ſein wird.
* Berlin, 30. Okt. (Ctr. Bln.) Ueber den Kriegs=
ausbruch
zwiſchen Rußland und der Türkei
ſchreibt der Berliner Lokalanz.: Von ruſſiſcher Seite wird
verſucht, den Eindruck zu erwecken, als ſeien die genannten
beiden Hafenſtädte am Schwarzen Meer von der Tür=
kei
im tiefſten Frieden überfallen worden,
und als ſei Rußland das friedliche Land, das kein türki=
ſches
Wäſſerchen getrübt habe. Demgegenüber muß mit
größtem Nachdruck hervorgehoben werden, daß die Dinge
gerade einen umgekehrten Verlauf genommen haben und
daß hier nicht die Türkei den Anfang gemacht
hat, ſondern ihr Vorgehen nur die ſelbſtverſtändliche Folge
eines unerhörten ruſſiſchen Angriffes auf die In=
tegritäit
der Türkei geweſen iſt. Die franzöſiſche Agenee
Havas, alſo in dieſem Falle eine völlig einwandfreie
Quelle, verbreitete bereits am 26. Oktober eine Meldung,
die nur geeignet iſt, die letzten Zweifel über die wahren
Abſichten Rußlands der Türkei gegenüber aus der Welt
zu ſchaffen. Das franzöſiſche amtliche Bureau meldete aus
Athen: Die Goeben und Breslau ſind in großer Eile
nach dem Bosporus zurückgekehrt. Der engliſche und der
ruſſiſche Botſchafter erklärten der Pforte, daß ſie die Akten
über den Verkauf der Fahrzeuge nicht anerkennen und daß
die Verbündeten die Schiffe bei ihrer nächſten Ausfahrt
angreifen würden.: Der ruſiſche Botſchafter ſoll bemert
haben, die Bewegung der ruſſiſchen Flotte gegen den Bos=
porus
ſei der Tatſache zuzuſchreiben, daß die beiden Schiffe
die türkiſchen Territorialgewäſſer verlaſſen hätten. Nach
der ruſſiſchen Auffaſſung ſoll es alſo türkiſchen Kriegsſchif=
fen
verboten ſein, ihre eigenen Territorialgewäſſer zu ver=
laſſen
, und zwar noch zu einer Zeit, wo die Türkei mit
allen Mächten im Frieden lebte. Darin liegt natürlich
eine Herausforderung der Türkei ſo grober Art, daß man
ſich nicht wundern kann, wenn man in Konſtantinopel da=
gegen
energiſchen Widerſtand zu leiſten beſchloſſen hat.
Ueber die Einzelheiten der Vorgänge, die der Beſchießung
der ruſſiſchen Hafenplätze vorausgegangen ſind, liegen zur
Zeit noch keine Meldungen vor. Man muß aber anneh=
men
, daß die Türkei den casus belli als gegeben betrachtet.
Der Friedensbruch liegt durchaus auf ſeiten Rußlands.
Wie verſchiedene Verliner Bläter erfahren iſt die
Eröffnung der Feindſeligkeiten durch die tür=
kiſche
Flotte darauf zurückzuführen, weil ein ruſſiſcher
Minenleger unter dem Schütze eines Kanonenbootes ver=
ſuchte
, im Bosporus Minen zu legen. Die erſten Feind=
ſeligkeiten
ſeien demnach von Rußland gegen die Türkei
unternommen worden.
In dieſem Kriege hat die Türkei eine große Miſſion
zu erfüllen. Sie hat zu zeigen, daß ſie trotz der Nieder=
lagen
im Balkankrieg noch nicht tot iſt, und ſie hat die
Hoffnungen zu erfüllen, welche Millionen von Mohamme=
danern
unter engliſcher, franzöſiſcher und ruſſiſcher Herr=
ſchaft
in dieſem großen Augenblick auf ſie ſetzen. Eng=
land
, Frankreich und Rußkand, ſo heißt es in
einem Artikel der Voſſiſchen Ztg., ſind die Bedrücker
der Mohammedaner. Unter ihren Zeptern wohnen
Millonen und Millionen entrechteter Iſlambekenner.
England, Frankreich und Rußland haben nie eine Gelegen=
heit
vorbeigehen laſſen, der Türkei die Kehle zuzuſchnüren.
Ruſſiſcher Feindſchaft verdankt die Türkei ihre erſten Ver=
ſtümmelungen
. Rußland iſt der Erbfeind, der ſeit zwei

Jahrhunderten an der Verdrängung der Türkei aus
Europa arbeitet, der ihr in Aſten die ſchwerſten Wunden
beigebracht hat; der nicht raſtet in ſeiner Sucht, ſich auf
Konſtantinopel zu werfen. England hat Aegypten ge=
raubt
, hat ſich in Arabien feſtgeſetzt und hat Cypern ge=
nommen
. Franreich iſt aufgrund ſeines ſogenannten Pro=
tektorats
über die Chriſten des Orients häufig genug als
Diktator der Türkei aufgetreten. Es hat in Sprien ge=
wühlt
und ſich ohne Scheu als Erbe dieſes Teils der Tür=
kei
ausgegeben. Dieſer Artikel weiſt auch mit Recht auf
die geheimen Teilungsabſichten hin, die der Dreiverband
der Türkei gegenüber gehegt hat. Wie man mit dieſem
Lande zu ſchalten gedachte, geht ja auch aus dem ruſſiſch=
engliſchen
Marineabkommen hervor, das ſtrategiſche Ope=
rationen
der Verbündeten am Bosporus und in den Dar=
danellen
vorgeſehen hat. Nunmehr ſteht es bei der Türkei,
das Schwarze Meer wieder zu einem türki=
ſchen
Gewäſſer zu machen. Sie hat aber auch Ge=
legenheit
, in Aegypten, in Indien und Perſien, ſowie am
Suez=Kanal diejenigen Verhältniſſe herzuſtellen, die ihr
richtig und normal erſcheinen. Der Krieg, den wir gegen
Rußland, Frankreich und England zu führen haben, iſt
nicht zuletzt auch der Krieg der iſlamitiſchen
Welt.
Ueber die nächſten diplomatiſchen und mili=
täriſchen
Folgen des Kriegsausbruchs ſagt
ein Telegramm des Berliner Lokalanz. aus Genf: Be=
gleitet
von den Miniſtern Ribot und Millerand in Paris
eingetroffen, erfuhr Poincaré von dem Bombardement von
Theodoſia und von der Entſchloſſenheit der Pforte, die
Aufforderung zur Oeffnung der Dardanellen kategoriſch
zurückzuweiſen. Nach telephoniſcher Verſtändigung mit
Bordeaux wurden die den Umſtänden entſprechenden
diplomatiſchen und militäriſchen Maßnahmen getroffen,
die angeblich darauf abzielen, Rumänien, Griechenland
und Bulgarien zu Erklärungen für oder wider die Pforte
zu nötigen. Es läßt ſich nicht prophezeien, wie ſich die drei
Balkanſtaaten den vollendeten Tatſachen gegenüber, ſowie
unter dem Druck des Dreiverbandes verhalten werden.
Doch glauben wir mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß
keiner bisher die Abſicht hatte, kriegeriſche Verwicklungen
zwiſchen der Türkei und dem Dreiverband als Kriegsfall
für ſich ſelbſt zu betrachten.
* Konſtantinopel, 30. Okt. Die türkiſche
Regierung teilt amtlich mit: Während ein kleiner
Teil der ottomaniſchen Flotte am 28. Oktober im Schwar=
zen
Meere Uebungen vornahm, eröffnete die ruſſi=
ſche
Flotte, nachdem ſie längere Zeit dieſen Uebungen
folgte, und ſie zu ſtören ſuchte, am Donnerstag die Feind=
ſeligkeiten
, indem ſie die ottomaniſchen Schiffe angriff. Im
Verlauf des ſich nunmehr entſpinnenden Kampfes gelang
es unſerer Flotte durch die Gnade des Allmächtigen, den
Minendampfer Prut, der 5000 Tonnen verdrängte, und
ungefähr 700 Minen trug, zu verſenten, einem der ruſi=
ſchen
Torpedoboote ſchwere Beſchädigungen beizubringen
und einen Kohlendampfer zu kapern. Ein vom türtiſchen
Torpedoboot Hairet Millie; abgeſchoſſener Torpedo hat
den ruſſiſchen Torpedojäger Kubanez, der 1100 Tonnen
verdrängte, verſenkt, und ein anderes, vom Torpedoboot
Mouavenet Millie abgeſchoſſenenes Torpedo hat einem
anderen ruſſiſchen Küſtenwachtſchiff ſehr ſchweren Schaden
zugefügt. Drei ruſſiſche Offiziere und 72 Matroſen wur=
den
von den Unſeren gerettet und, da ſie zur Bemannung
der verſenkten und zerſtörten Schiffe gehörten, gefangen
genommen. Die Kaiſerliche Flotte hat durch die Gnade
Gottes keinerlei Schaden erlitten und der Kampf geht gün=
ſtig
für unſere Flotte weiter.
Die Kaiſerliche Regierung wird ohne Zweifel mit
äußerſtem Nachdruck gegen dieſe feindſelige Handlung
Einſpruch erheben, die von der ruſſiſchen Flotte gegen
einen geringfügigen Teil unſerer Flotte unternommen
worden iſt.
Inzwiſchen iſt die Türkei ſcharf vorgegangen. Der
Frkf. Ztg. ſind geſtern folgende Telegramme zugegangen:
* Konſtantinopel, 30. Okt. Der türkiſche
Kreuzer Sultan Jawus Selim hat Sewaſtopol
erfolgreich beſchoſſen und die Stadt in Brand
ge,ſetzt.
* Amſterdam, 31. Okt. Ein Lloyd=Telegramm
aus London meldet, daß verſchiedene, jedenfalls türki=
ſche
Torpedoboote, deren Namen unbekannt ſind,
einen Angriff gegen Odeſſa unternahmen und das
ruſſiſche Kanonenboot Donetz am Eingang des Hafens
zum Sinken brachten. Ein Teil der Bemannung ertrank,
wurde getötet oder verwundet. Drei ruſſiſche
Dampfboote und ein franzöſiſches Dampfboot
wurden beſchädigt und einige Einwohner getötet oder ver=
wundet
.
* Rotterdam, 31. Okt. Die beiden ruſſiſchen
Dampfer Jalta und Kazbeck ſind im Schwar=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Nummer 301.

zen Meer auf Minen gelaufen und geſunken. Die
Beſatzung der Jalta wurde geretett; ein Teil der Be=
ſatzung
der Kazbeck ertrank.
* Rom, 31. Okt. Die Agenzia Stefani meldet aus
Petersburg: Nachdem die Türkei die Feindſelig=
keiten
gegen Rußland eröffnet hat, hat die ruſſiſche
Regierung ihre Konſuln angewieſen, die Türkei zu
verlaſſen und den Schutz der Ruſſen Italien übertra=
gen
. Der ruſſiſche Botſchafter wurde angewieſen,
Konſtantinopel zu verlaſſen. Rußland wird den türkiſchen
Untertanen in Rußland gegenüber dieſelbe Haltung ein=
nehmen
, wie die Türkei gegenüber den ruſſiſchen Unter=
tanen
.
* Berlin, 30. Okt. Vor der türkiſchen Bot=
ſchaft
fanden geſtern abend große Zuſtimmungskund=
gebungen
ſtatt. Aus der Mitte des Publikums wurden
mehrere Anſprachen gehalten, die in brauſend aufgenom=
mene
Hochs auf den Sultan und den deutſchen Kaiſer aus=
klangen
. Der Botſchafter, General Mahmud Mukhtar Pa=
ſcha
, hielt ebenfalls eine kurze Anſprache, in welcher er
ſeiner Freude Ausdruck gab, Grüße der Deutſchen nach
ſeiner Heimat übermitteln zu können. Er wolle nicht viele
Worte machen in dieſer ſchweren Zeit, in der die Türkei an
der Seite Deutſchlands kämpfe. Er fordere die Menge
auf, in die deutſche Nationalhymne einzuſtimmen.
* Wien, 30. Okt. In einer Beſprechung der tür=
kiſch
=ruſſiſchen Zuſammenſtöße ſchreibt die
Neue Freie Preſſe: Die Türkei brauche ſich von England
und Rußland nicht mißhandeln zu laſſen. Sie hat in die=
ſem
Weltkriege ein Wort mitzuſprechen, das nicht über=
hört
werden würde. Das Neue Wiener Abendblatt und
die Wiener Allgemeine Zeitung ſagen, das Vorgehen der
ruſſiſchen Flotte ſei nur ein Glied in der Kette der un=
aufhö
rlichen Herausforderungen, die von
England und Rußland gegen die Türkei unter=
nommen
worden ſeien und die in Konſtantinopel und der
iſlamitiſchen Welt eine ſehr gereizte Stimmung gegen
dieſe Mächte hervorriefen.

Die Kriegslage im Weſten
und Oſten.

* Größes Hauptquartier, 31. Okt. (W. T. B.
Amtlich.) Mitteilung der oberſten Heeresleitung: Unſere
Armee in Belgien nahm geſtern Ramscapelle und
Bixſchoote. Der Angriff auf Ypern ſchreitet gleich=
falls
fort. Sandvoorde, Schloß Hollebeke und
Wambeke wurden geſtürmt, auch weiter ſüdlich ge=
wannen
wir Boden.
Oeſtlich Soiſſons wurde der Gegner gleichfalls an=
gegriffen
und im Laufe des Tages aus mehreren ſtark
verſchanzten Stellungen nördlich von Vailly vertrieben.
Am Nachmittag wurde dann Vailly geſtürmt und
der Feind unter ſchweren Verluſten für ihn über die
Aisne zurückgeworfen. Wir machten 1000 Ge=
fangene
und erbeuteten zwei Maſchinengewehre.
Im Argonner Walde ſowie weſtlich von Ver=
dun
und nördlich von Toul brachen wiederholte feind=
liche
Angriffe unter ſchweren Verluſten für die Franzoſen
zuſammen.
Der Kampf auf dem nordöſtlichen Kriegs=
ſchauplatz
hat noch nicht zu einer Entſcheidung geführt.
Weſtlich von Warſchau folgen die Ruſſen langſam un=
ſeren
ſich neu gruppierenden Kräften.
Das ſind ſehr erfreuliche und bedeutende Fort=
ſchritte
die unſere Truppen in Belgien gemacht haben.
Sie ſind danach eine ziemliche Strecke von der Richtung
aus Nieuport nach Süden vorgerückt. Beim Angriff auf
Ypern haben ſie die Orte Sandvoorde und Hollebeke
genommen, die etwa 5 bis 6 Kilometer ſüdlich von Ypern
liegen. Die Lage des Ortes Wambeke iſt aus der Karte
nicht zu erſehen. Auch die Einnahme von Vailly ( nordöſt=
lich
von Soiſſons) und die Zurückwerfung des Feindes
über die Aisne iſt als ein bedeutender Gewinn zu be=
zeichnen
. Nach alledem geht es weiter vorwärts!
* (Ctr. Bln.) Aus Stockholm wird der Nationalzei=
kung
gemeldet: Engliſche Berichterſtatter haben von Dün=
kirchen
aus an ihre Zeitungen Einzelheiten von der gro=
ßen
Schlacht zwiſchen Nieuport und Ypern
geſandt. Schon am Mittwoch griffen die Deutſchen mit
aller Gewalt Dixmuiden an. Hier kamen die ſchweren
franzöſiſchen Mörſer zum erſten Male zur Anwendung.
Die Deutſchen ſchoſſen die Stadt in Brand. Am Donners=
tag
rückten die Deutſchen vor, und die zerſtörte Stadt
wurde der Schauplatz eines erbitterten Kampfes und
Handgemenges. Man ſtritt Mann gegen Mann. Nach
Weſten zu raſte der Kampf noch wilder. Hier hatten die
Deutſchen ſchon ſeit Freitag die erbittertſten Verſuche un=
ternommen
, über den Yſerkanal zu dringen. Auf der lan=

gen Front bei Nieuport fanden Nahgefechte ſtatt. Oft
lagen die feindlichen Kräfte in den Schützengräben nur
wenige hundert Meter voneinander entfernt, dann wieder
kämpfte man im Nahkampf mit dem Bajonett. Die Deut=
ſchen
kämpften wie die Raſenden. Um jeden Preis woll=
ten
ſie die Nacht noch über den Kanal. Ein raſender
Kampf ſpielte ſich bei Ypern ab. Bei Dixmuiden und
Nieuport kämpften die Deutſchen gegen die Franzoſen
und Belgier, während ſie bei Ypern hauptſächlich die Eng=
länger
zu Gegnern hatten. Die ſchwere Artillerie der
Deutſchen, die von Antwerpen aus herbeigeſchafft war,
nahm die engliſchen Schützengräben unter Feuer, und ge=
gen
die engliſchen Truppen wurden gewaltige Infanterie=
maſſen
ausgeſandt. Der Kampf wogte hin und her.
Schließlich wurde die Lage für die Engländer kritiſch, da
die Deutſchen fortgeſetzt durch neue Truppen verſtärkt wur=
den
. Unter dem Schutze der Dünen rückten die Deutſchen
am Sonntag morgen längs der Küſte gegen Nieuport vor.
Unmittelbar vor der Stadt legten ſie Schützengräben an,
obwohl ſie von den engliſchen Kriegsſchiffen mit Granaten
überſchüttet wurden.
Aus Rom wird dem Berl. Tagebl. gemeldet: Der be=
kannte
Korreſpondent der Tribuna in Dünkirchen entwirft
ein wenig ſchmeichelhaftes Bild von der franzöſiſchen
Armee. Er berichtet: Der franzöſiſche Soldat iſt völlig
erſchöpft, völlig zuſammengebrochen. Nur der Territorial=
ſoldat
iſt noch einigermaßen munter. Die Linienſoldaten
und die Reſerviſten dagegen ſchlafen kaum mehr. Seit An=
fang
des Krieges haben ſie keine Zeit gehabt, an Körper=
hygiene
zu denken. Sie müſſen alle drei bis vier Tage
endloſe Märſche zurücklegen, kämpfen und dann weiter=
marſchieren
. Das den Deutſchen abgelernte Graben von
Schützengräben bringt ſie vollends herunter. Die Ent=
behrungen
, ſowie der Mangel an Reinlichkeit ſetzen ſie
Krankheiten aus. Die Kolonialtruppen, die doch ſo große
Dienſte leiſten ſollten, ſind vor Kälte erſtarrt und werden
binnen kurzem famt und ſonders nach Südfrankreich ge=
ſandt
werden müſſen, um nicht zu erfrieren. Etwas beſſer
ſcheinen die Hindus die Kälte ertragen zu können. Sie
ſind auch wärmer gekleidet als die nur mit kurzen leichten
Tuniken angetanen Afrikaner, die zudem im Freien ſchla=
fen
müſſen. Beſonders leiden die Sudaneſen, die immer
eiskalte Hände haben und vor Froſt zittern wie Eſpenlaub.
Im Kampf müſſen ſolche zitternden Leute einen trauri=
gen
Eindruck machen.
* Rotterdam 31. Okt. Ein engliſcher Bericht
ſchildert die Kämpfe um das Gelände, wo die
Deutſchen und die Verbündeten in der Gegend der Yſer
ſich gegenüberſtehen, folgendermaßen: Das Gelände iſt
von zahlloſen Gräben und Waſſerläufen durchſchnitten, die
die Bewegungen der angreifenden Truppen behindern.
Zwiſchen den Waſſerläufen legten die Deutſchen und die
Verbündeten eine erſtaunliche Anzahl von Schützengräben
an. In dieſem Gelände tobt die Schlacht hin und her.
Die Deutſchen haben ihr Möglichſtes getan, das Problem
nach der gründlichen und wiſſenſchaftlichen Methode, die
ihre Kriegsführung kennzeichnet, zu löſen. Ihre Truppen
ſind mit leichten, roh bearbeiteten, ſtarken Holzplanken
ausgerüſtet, die ihnen als Brücken dienen. Sie ſtürmen
unter dem feindlichen Feuer vorwärts, ihre Planken als
Schutzſchilde benützend. Die ſchweren Verluſte der Belgier
werden beſtätigt. Am Montag wurden 9000 verwundete
Belgier nach den Lazaretten abgeführt und am Dienstag
trafen weitere 1350 ein. Die Engländer geben zu, daß
die Deutſchen mit unglaublicher Tapferkeit kämpfen. Keine
Verluſte können ſie zum Wanken bringen.
* Haag, 30. Okt. Der hieſige engliſche Botſchafter
teilt über die Verluſte der engliſchen Flotte bei den
Kämpfen vor Oſtende mit, daß auf dem engli=
ſchen
Minenzerſtörer Falcon an der Oſtender
Küſte eine Granate explodierte, die einen Offizier und acht
Matroſen tötete, während ein Offizier und 15 Matroſen
verletzt wurden. An Bord des engliſchen Monitors
Brillant ſei ein Mann durch das Feuer der Deutſchen
getötet worden, einige hätten Verwundungen erlitten. Auf
dem Rinaldo ſeien acht Matroſen verwundet worden.
Der Bericht ſagt weiter, daß deutſche Unterſee=
boote
noch immer an der belgiſchen Küſte tätig ſeien.
* Wien, 30. Okt. Zu den letzten Maßnahmen
der verbündeten Armeen in Ruſſiſch= Po=
len
ſchreibt der militäriſche Mitarbeiter des Neuen Wie=
ner
Tagbl.: Die Beſorgnis um Warſchau hat das ruſſi=
ſche
Oberkommando veranlaßt, mit allen verfügbaren
Kräften im Raume Iwangorod=Warſchau die Entſchei=
dung
erzwingen zu wollen und zu dieſem Zwecke die Weich=
ſel
an verſchiedenen Stellen zu überſchreiten. Die deutſch=
öſterreichiſch
=ungariſchen Armeen hatten ſich daher zu ent=
ſchließen
, die Schlacht in dem Raume anzunehmen, den
ihnen der hier an Zahl überlegene Gegner diktierte, oder
aber die Truppen rechtzeitig zurückzunehmen, um ſpäter in
einem ihnen ſelbſt mehr zuſagenden Gebiete den Feind
zur Schlacht zu zwingen. Sie entſchieden ſich, bevor ſich
noch die beiderſeitigen Hauptkräfte ineinander verbeißen
konnten, zur letzteren Maßnahme. Die Neugruppie=
rung
der deutſch=öſterreichiſch=ungariſchen Heere im Weich=
ſelgebiet
vor der Annahme der Entſcheidungsſchlacht war
alſo eine aus höheren ſtrategiſchen und taktiſchen Rückſich=

ten gebotene Notwendigkeit. Sie zeugt von der weiſen
Vorausſicht, mit den zur Verfügung ſtehenden Kräften ſo=
lange
hauszuhalten, bis deren rückhaltloſes Einſetzen ein
unabwendbares Muß wird.

Vergeltungsmaßnahmen.

* Dresden, 30. Okt. Der Dresdener Anzeiger
hatte geſtern an den Staatsſekretär des Auswärtigen
v. Jagow ein Telegramm geſandt wegen der Behand=
lung
der Deutſchen in England. Daraufhin iſt heute
abend folgende Antwort eingegangen: Auf Ihr geſtriges
Telegramm iſt der amerikaniſche Botſchafter in London
veranlaßt worden, ſich perſönlich über die Behandlung
der deutſchen Gefangenen in England Aufklärung zu
verſchaffen und, ſoweit die Klagen berechtigt ſind, mit
dem größten Nachdruck auf ſofortige Abhilfe zu beſtehen.
Ein ſoeben eingegangener Bericht des amerikaniſchen
Botſchafters über die Beſichtigung mehrerer Gefangenen=
lager
lautet befriedigend. Vergeltungsmaßnahmen
wegen der Gefangenhaltung Deutſcher in England
werden, wenn die engliſche Regierung der Aufforderung
zur Freilaſſung nicht unverzüglich nachkommt, alsbald
durchgeführt werden.
* Dresden, 31. Okt. Eine Eingabe an den Reichs=
kanzler
, an den Engländern Wiederv ergel=
tung
zu üben, hat Tauſende von Unterſchriften gefunden.
Es iſt bemerkenswert, daß heute auch aus dem Mini=
ſterium
des Innern folgendes veröffentlicht wird:
Wenn die deutſchen Behörden visher die Engländer nicht
in=Konzentrationslagern unterbrachten, ſo war dies nicht
Schwäche oder Furcht vor England, ſondern Gewiſſen und
Selbſtzucht verboten uns, friedlichen Angehörigen ſelbſt
feindlicher Staaten unnötig Leid zuzufügen. Aber die
deutſchen Behörden können auch anders, wenn es ſich nun
darum handeln wird, Wiedervergeltung zu üben und die
in Deutſchland noch auf freiem Fuße lebenden Engländer
und vor allem auch die vielfach recht anmaßenden und
herausfordernd auftretenden Englände=
rinnen
einmal durch eigene Erfahrung erproben zu laſſen,
ob und inwieweit die Konzentrationslager nach engliſchen
Vorſchriften den Anforderungen der Menſchlichkeit ent=
ſprechen
.
* Köln, 31. Okt. Die Köln. Ztg. ſchreibt: Seit Eng=
land
die Maske hat fallen laſſen, ſeit es durch ſeine Taten
bewieſen hat, daß es die Völker des Feſtlandes aus ſchierer
Eigenſucht in dieſen furchtbaren Krieg hineingehetzt und
daß Menſchlichkeit und Völkerrecht ihm nur Kuliſſen ſind,
hinter denen es ſeine wahren Beweggründe, ſeine über
Leichen gehende Geldgier und Machtſucht verſtecken möchte,
ſeit es offen am Tage liegt, daß Deutſche und Franzofen
und ſchließlich auch Ruſſen einander zerfleiſchen müſſen,
damit England ungeſtört rauben und ſtehlen kann, ſeit=
dem
lodert in Deutſchland die Empörung über ſolche Miſſe=
tat
hell auf. Dieſe Empfindung hat ſich zur Erbitterung
und zu einem Schrei nach Rache geſteigert, ſeit in den
Zeitungen ſich die Nachrichten darüber mehren, daß die
deutſchen Kriegsgefangenen, die vielen Wehrpflichtigen,
die britiſche Kriegsſchiffe völkerrechtswidrig von neutralen
Schiffen weggeſchleppt haben, und zahlloſe in England an=
ſäſſige
Deutſche vom Knaben= bis zum Greiſenalter in die
vom Burenkriege her berüchtigten Kitchenerſchen Konzen=
trationslager
eingeſperrt ſeien und dort eine Behandlung
erführen, die jeder Ziviliſation und den natürlichen Ge=
boten
der Menſchlichkeit Hohn ſpreche. Zahlloſe uns zu=
gegangene
Zuſchriften fordern, daß dafür an den britiſchen
Gefangenen, die wir in unſerer Hand, und an den bisher
unbehelligt unter uns lebenden Engländern, die wir in
unſerer Gewalt haben, Vergeltung geübt werde.
Wir wiederholen: Die Deutſchen in England ſind in=
folge
der täglichen, von der Regierung geduldeten Auf=
wiegelungen
und Hetzereien gewiſſer Zeitungen an Gut
und Leben gefährdet; die Spionenfurcht hat die Behörden
zu Maßnahmen gegen Deutſche verleitet, die in jedem Fall
unbillig, verwerflich und oft unmenſchlich ſind; die Be=
handlung
der Gefangenen iſt durchweg ſchlecht, vielleicht
nicht in quäleriſcher Abſicht, ſondern aus Nachläſſigkeit,
Mangel an Organiſationsgabe, und weil die Verpflegung
hier und da an Unternehmer verpachtet iſt, die mit dem
Unglück von Mitmenſchen Geldgeſchäfte machen. Alles das
ſcheint uns aber reichlich Grund genug, um die Forderung
nach Vergeltung wenigſtens in dem Maße zu rechtfertigen,
daß auf wirtſchaftlichem Gebiete bei uns unbedingt das
gleiche Maß angelegt wird, mit dem man drüben zu meſſen
für erlaubt und nützlich hält, und daß in der Behandlung
britiſcher Kriegsgefangener nicht um Strichesbreite über
das hinausgegangen werde, was unſere Menſchenpflicht,
die wir nicht verleugnen wollen und können, uns vor=
ſchreibt
. Falls Frankreich und Rußland ähnlich verfahren
ſollten, muß auch gegen ſie Vergeltung geübt werden. Aug’
um Auge, Zahn um Zahn! So wollen es unſere Gegner!=

Die Rückkehr zur Front.

* Berlin, 29. Okt. Der Köln. Ztg. wird geſchrie=
ben
: Als ſich bei Beginn des Krieges Hunderttauſende von
Kriegsfreiwilligen zum Dienſt für das Vaterland
meldeten, war dies, die deutſche Erhebung, eines der herr=
lichſten
Momente dieſer großen Zeit. Dieſer Andrang
zum Heere dauert jetzt noch fort, und Scharen von Frei=

Aus den Erfahrungen eines
Fliegeroffiziers.

C Ein bekannter Fliegeroffizier, der vor kurzem in=
folge
ſeiner wertvollen Erkundungsflüge mit dem
Eiſernen Kreuze ausgezeichnet wurde, hat der bei der
Deutſchen Verlags=Anſtalt in Stuttgart erſcheinenden Zeit=
ſchrift
Ueber Land und Meer einen Bericht zur Verfügung
geſtellt, der im nächſten Heft veröffentlicht wird. Er ſchil=
dert
zunächſt ſeine erſte Fahrt über den Feind: Endlich
waren wir ſo weit, die Maſchinen aufmontiert und ein=
geflogen
, die Abteilung ſtartbereit. Am Abend wurden
die Aufträge bekannt gegeben: 380 Kilometer. War das
überhaupt mit dem Stundentanks zu ſchaffen? Wir hatten
uns auf höchſtens 300 Kilometer gefaßt gemacht. Wir
wurden, die die erſten Aufträge bekamen, beneidet!
Um 3 Uhr flogen wir davon. Nur keine Motorpanne!
320 Kilometer ſind wir über Feindesland. Die Bevöl=
kerung
iſt beſtialiſch. Eine Stunde feindeinwärts zu flie=
gen
, heißt drei Tage zurücklaufen. Aber der Mercedes
arbeitet brav und exakt wie ein Uhrwerk. Als wir die
Grenze überflogen, riefen wir beide dreimal Hurra. Zwei
Weſen, eine Welt für ſich! In 700 Meter Höhe hinein in
Feindesland. Unſer Weg führt uns nach Verdun und
darüber hinaus. Ich hatte es vorgezogen, die niedrige
Höhe zu verlaſſen, und war auf 1500 Meter Höhe ge=
klettert
. Der kluge Mann baut vor, denn bisher fehlten
alle Erfahrungen über Beſchießen von Luftfahrzeugen.
Die Straßen zur Maas waren leer, die Dörfer machten
größtenteils einen verlaſſenen Eindruck. Wo ſteckten die
feindlichen Truppen? Wir nahmen damals an, daß ſie
den Maasabſchnitt verteidigen würden. Nach etwa andert=

halbſtündigem Fluge ſchimmerte die Maas zu uns her=
über
ein Bild des Friedens, wo man hinſchaute. Der
Motor arbeitet brav. Der Blick zu dem Tourenzähler
wird weniger beſorgt, das Ohr hört weniger argwöhniſch
nach den Exploſionen der einzelnen Zylinder, das Ver=
trauen
zum Motor wächſt mit jeder Minute. Ich drehe
mich gerade um, die ſchöne Gegend genießend, da höre ich
meinen Beobachter rufen und ſehe, wie er mir mit freude=
ſtrahlendem
Geſicht die erſten franzöſiſchen Truppen zeigt.
Oeſtlich Verdun lag die Geſellſchaft in vereinzelten, nicht
zu zahlreichen Biwaks, dafür aber um ſo dicker ſüdweſt=
lich
. Es kam Bewegung in einzelne Teile. Weſtlich Ver=
dun
ſahen wir bereits dünne Raucherſcheinungen. Die Ha=
lunken
feuern auf uns Hohnlachend flogen wir unſeren
Kurs weiter. 30 Kilometer weſtlich Verdun machten wir
Kehrt. Als wir uns der Maas näherten, ſahen wir vor
uns einen franzöſiſchen Doppeldecker ſich hochſchrauben.
Gerade drauflos! Noch iſt er 200 Meter tiefer als wir.
Wenn ich einen Umweg mache, ſchneidet er mich vielleicht
ab, und ich muß heil nach Hauſe, meine Meldung abgeben.
Wir verfolgen ihn geſpannt. Seine Maſchine klettert gut.
Wir nähern uns ihm ſehr ſchnell. Bald verdeckt ihn mein
linker Flügel, dann taucht er dahinter auf; mein Beobachter
und ich ſchmunzeln uns an. Wir haben beide erkannt, daß
wir ſchneller ſind. Er weicht etwas nach links aus, und in
300 Meter Höhe ſauſen wir mit Hoachtung aneinander
vorbei. .
Die Fahrt nach Hauſe, die 100 Kilometer weit führt,
geht, obwohl das Benzin knapp wird, mit 115 Kilometer
Durchſchnittsgeſchwindigkeit ohne Fährlichkeiten von ſtatten
und die Ankommenden werden mit Jubel von den Kame=
raden
begrüßt. Es zeigt ſich, daß ſie drei Treffer hatten
die, ohne Unheil anzurichten, durch die Tragflächen ge=
ſauſt
waren. Sie waren zu tief geflogen; heute wiſſen ſie,

daß Flieger, die unter 1000 Meter Höhe fliegen, auf jeden
Fall heruntergeholt werden; erſt über 1700 Meter ſind ſie
vor Infanteriegeſchoſſen leidlich ſicher. In den fünf
Wochen ſeit dem erſten Fluge hat die Maſchine dieſes Flie=
geroffiziers
3000 Kilometer zurückgelegt; ſie hat neun
Schußlöcher erhalten, ohne daß der Feind einen Erfolg
erzielt hätte. Der zehnte Schuß traf in 1400 Meter den
Propeller. Der Offizier war in 2000 Meter Höhe in Wol=
ken
gekommen, und als er durchſtieß, befand er ſich über
feindlichen Truppen, die ſofort ihr Feuer eröffneten. Plötz=
lich
gab es in der Maſchine einen harten Schlag; ein In=
fanteriegeſchoß
hatte das Fahrgeſtell geſtreift und war dann
gegen den Propeller geflogen. Ein 2 Zentimeter breitet
und 15 Zentimeter langer Span war abgeſprungen, aber
der Propeller zog noch genügend durch, und der Offizier
konnte glatt ſeinen Flughafen erreichen.
Von den franzöſiſchen Fliegern erzählt der Offizier,
der ſeinem ſchönen Handwerk mit Leib und Seele ange=
hört
: Ich hatte mir früher eingebildet, ich würde auf
einem mehrſtündigen Fluge unzählbare franzöſiſche Ma=
ſchinen
treffen. Man ſieht ſie nur über ihren eigenen
Truppen. Bei der Fernaufklärung verſagen ſie vollkom=
men
, im Gefecht ſind ſie gut. Sie ſteigen hinter dem
Schlachtfeld mit ihrem leichten kleinen Eindecker im Nu
auf einige hundert Meter, werfen, ohne Gefahr zu laufen,
abgeſchoſſen zu werden, einen Blick auf unſere Stellungen,
und ſind dann im Nu wieder unten. Ihre großen, ſchwe=
ren
Apparate brauchen ſie ſcheinbar nur zur Abwehr.
Bauernſchreck haben wir einen rieſigen, ſtahlfarbenen
Farman=Doppeldecker genannt, der, mit einem Maſchinen=
gewehr
verſehen, auf mehrere unſerer Flieger Jagd machte,
auch Flugzeuge traf, aber ohne ernſten Schaden anzu=
richten
.

[ ][  ][ ]

Nummer 301.

Darmſtätder Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Seite 3.

willigen müſſen ſich gedulden, bis an ſie die Reihe kommt,
und ihr brennender Wunſch, für das Vaterland zu
kämpfen, in Erfüllung geht. Hier merkt man ſchon ſo
recht, daß es ein Volkskrieg iſt in des Wortes edelſter Be=
deutung
, den wir führen. Aber noch weit erhebender
wirkt es, wenn man ſieht, wie auch alle die ſich wieder zur
Front drängen, die bereits draußen für uns geblutet und
das harte Kriegerleben kennen gelernt haben. Ein Beſuch
in einer ſogenannten Geheiltenſammelſtelle ge=
währt
wahrhaft herzerquickende Eindrücke. Täglich werden
dort die vielen Hunderte gemuſtert, die von den Lazaretten
entlaſſen ſind. Da gibt’s ein fortgeſetztes Betteln. Sie
dürfen erſt dann hinaus, wenn der gewiſſenhafte, in ihren
Augen tyranniſche Arzt ſie für vollkommen hergeſtellt er=
klärt
. Aber das Warten mag der Teufel holen! Jeder
verſucht ſeinen Zuſtand beſſer hinzuſtellen, als es wirklich
der Fall iſt. Wer beim Arzt kein Gehör findet, wendet ſich
an den aufſichtführenden Offizier, und dieſem fällt es oft
recht ſchwer, die ihn Beſtürmenden zu überzeugen, daß es
wirklich noch nicht geht, daß ihre Wunden oder ſie ſelbſt
der Pflege noch bedürfen. Die wirklich felddienſtfähig
Wiederhergeſtellten werden natürlich baldmöglichſt ihren
Truppenteilen zugeſchickt. Ein kleiner Prozentſatz muß als
dienſtunbrauchbar entlaſſen werden, alle übrigen finden
zunächſt bei den Erſatztruppenteilen Verwendung.
Sie dienen dort als Stamm und Lehrmeiſter für die jun=
gen
Soldaten. Dieſe dankbare Aufgabe und die geachteie
Stellung, die ſie ſelbſtverſtändlich als erfahrene Krieger
unter ihren jungen Kameraden einnehmen, tröſten ſie eini=
germaßen
über die Wartezeit hinweg, bis dann endlich
auch ihr Sehnen in Erfüllung geht: der Abtransport zur
Front!
Wie wir hören, konnten allein von einer der Berliner
Geheiltenſammelſtellen ſeit deren Errichtung am 30. Auguſt
bereits 5073 Mann entlaſſen werden. Von dieſen gingen
1899 (37,5 Prozent) ſofort zur Front, 2854 (56 Prozent)
wurden zunächſt den Erſatztruppenteilen überwieſen und
nur 322 (6,5 Prozent) waren dienſtunbrauchbar. Da die
Erſatztruppenteile die Mehrzahl der ihnen Ueberwieſenen
natürlich ſehr bald auch haben zur Front abgehen laſſen
und die angegebenen Zahlen ſich nur auf eine der vielen
Sammelſtellen für Leichtverwundete beziehen, kann man
ungefähr ermeſſen, in welch gewaltiger Zahl wiederher=
geſtellte
, verwundete und erkrankte Krieger ſchon jetzt von
neuem in den Reihen des Heeres kämpfen.

Der Heldenmut der Oeſterreicher.

* Wien, 30. Okt. Der Dichter Aage Madelung,
der als Berichterſtatter des Berliner Tageblatts in den
von den Ruſſen ſeinerzeit bedrohten, nunmehr völlig be=
freiten
Karpathen=Komitaten Oſtungarns weilte und ſo=
eben
von dort zurückkehrte, erklärte einem Mitarbeiter der
Wiener Allgemeinen Zeitung: Ich ſchätze mich glücklich,
gerade in Deutſchland und an hervorragender Stelle von
den beiſpiellos tapferen Leiſtungen der Mon=
archie
ſprechen zu können. Deutſchland und die Mon=
archie
gehören zuſammen; ſie ſind ſozuſagen mit einander
verheiratet. Was die Monarchie in dieſem Kriege geleiſtet
hat, wird man erſt richtig und in gebührendem Maße
anerkennen, wenn wieder Frieden geſchloſſen iſt. Ich fuhr
durch Ungarn nach Wien, nahm einen langen, beſchwer=
lichen
Weg durch Galizien, und ich ſah mir dieſe gigantiſche
Front an, auf der die Monarchie mit beiſpielloſem Opfer=
mut
ſich dem rieſigen ruſſiſchen Hauptſtoße entgegengewor=
fen
hat. Dieſem Opfermut iſt es zu danken, daß die zu=
ſammengeballte
Kraft der Ruſſen zerſplitterte. Die Oeſter=
reicher
haben den Strom abgeleitet, der über Schleſien und
Breslau nach Berlin zu fluten gedachte.

Die Treue der Ruthenen.

* Peſt, 30. Okt. Miniſterpräſident Graf Tisza,
der von einer mehrtägigen Inſpektionsreiſe in das nord=
ungariſche
Invaſionsgebiet zurückgekehrt iſt, hat geſtern im
Klub der Regierungspartei ſeine Erfahrungen mitgeteilt
und erklärt, die Ruthenen hätten ſich im allgemeinen
einwandsfrei betragen, nur in drei oder vier Fällen ſei
Verrat vorgekommen. Die rutheniſche Geiſtlichkeit und
Intelligenz hätten ſich tadellos benommen und großen
Patriotismus an den Tag gelegt. Als die ungariſchen Be=
hörden
nach Vertreibung der Ruſſen zurückkehrten, wur=
den
ſie jubelnd begrüßt. Mehrere im Gefolge der Ruſſen
erſchienene orthodoxe Popen verſuchten, die griechiſch
katholiſchen Ruthenen zu bekehren, doch beſchränkte ſich
dieſer Verſuch darauf, daß die Leute gezwungen wurden
an dem orthodoxen Gottesdienſte teilzunehmen. Was das
Verhalten der ruſſiſchen Truppen betrifft, ſo ſagte Tisza
daß die Häuſer, deren Bewohner an Ort und Stelle ge=

blieben waren, ziemlich unbehelligt geblieben ſind. Die
verſchloſſenen Häuſer ſeien erbrochen worden. Vor Ver=
laſſen
der Gegend zertrümmerten die Ruſſen alles, was in
ihre Hände geriet. Sie zerſchlugen die Möbel und be=
gingen
allerlei Ausſchreitungen.

Die geflüchteten Belgier.

* Paris, 31. Okt. Nach einer von dem Miniſterium
des Innern vorgenommenen Zählung beträgt die Zahl
der nach Frankreich geflüchteten Belgier
400000 Perſonen.

Ermäßigung der Brüſſeler Kriegsſteuer.

* Aus Brüſſel wird gemeldet: Nach längeren Ver=
handlungen
wurde die Brüſſeler Kriegskontribu=
tion
auf 45 Millionen Francs feſtgeſetzt. Das bedeutet
eine Ermäßigung von 5 Millionen gegenüber der zu=
erſt
angeſetzten Summe. Die Zahlung erfolgt in wöchent=
lichen
Beträgen von 2½ Millionen Francs.

Der Rücktritt des Prinzen Battenberg.

* Berlin, 30. Okt. (Ctr. Bln.) Zu dem Rück=
tritt
des Erſten Seelords der engliſchen Admiralität,
des Prinzen Battenberg, bemerkt der Berl. Lok.=
Anz.: Der Prinz wurde nicht erſt ſeit Ausbruch des Krie=
ges
mit Gehäſſigkeit verfolgt. Seit Jahren und beſon=
ders
ſeit ſeiner Ernennung zum Erſten Seelord beſchimpfte
ihn das Ingoblatt John Bull faſt in jeder Nummer als
Deutſcher in engliſchen Dienſten. Die Bevorzugung, der
ſich unter der Königin Viktoria alle Battenberger in Eng=
land
zu erfreuen hatten, war etwas ſchwächer geworden,
beſonders unter der Herrſchaft König Georgs und der
Königin Mary. Das Beſtreben, dem Königshaus immer
noch mehr einen rein engliſchen Charakter zu geben, war
und iſt unverkennbar. Das herrſchende Haus möchte eben
zu gerne ſeine deutſche Abſtammung in Vergeſſenheit ge=
raten
laſſen. (Die Königin, geb. Fürſtin von Teck, iſt eine
Enkelin des Herzogs Alexander von Württemberg aus
deſſen unebenbürtiger Ehe mit der öſterreichiſchen Gräfin
von Rhedey. D. R.) Trotzdem hätte man annehmen ſollen
daß König Georg den Prinzen von Battenberg gegen ſeine
Angreifer verteidigt haben würde, wenn auch nur, um der
gegen die deutſche Abſtammung gerichteten Hetze, die ſchließ=
lich
auch ihn treffen würde, ein Ende zu machen. Wenn
dieſe Hetze vor dem Prinzen von Battenberg nicht Halt
machte und ſiegreich blieb, ſo könnte König Georg im Falle
einer Niederlage für England in dem augenblicklichen
Krieg ſich gegen dieſelben Dunkelmänner zu wehren haben
denen er heute ſeinen Admiral ausgeliefert hat. Der
Prinz ſtand übrigens bei ſeinen Kameraden von der Flotte
nicht im Rufe eines tüchtigen Seemanns. Aber dies hat
mit ſeinem Abſchied nichts zu tun, der lediglich darauf
zurückzuführen iſt, daß er einſt Deutſcher war und aus
dieſem Grunde dem verhetzten Volk unausſtehlich erſchien
Die Voſſiſche Zeitung ſchreibt: Beſonders der Admiral
Lord Charles Beresford ging oft mit dem Prinzen und
ſeiner Tätigkeit ſcharf ins Gericht und warf ihm noch im
Frühjahr dieſes Jahres vor, daß unter ſeiner Leitung der
Flottendienſt vernachläſſigt wurde. Welche Gründe jetzt
in Kriegszeit den Rücktritt des Battenbergers von der
Leitung des britiſchen Admiralſtabes veranlaßten, iſt
leider nicht berichtet worden. Wahrſcheinlich werden es
Differenzen mit dem Marineminiſter Churchill geweſen
ſein.

Die Deutſchenverfolgung Englands.

* Berlin, 31. Okt. Die Maſſenverhaftun=
gen
von Deutſchen in England dauern nach dem
Berl. Tageblatt fort. Nicht weniger als 600 naturaliſierte
Deutſche ſind denaturaliſiert worden.
* London, 31. Okt. Die Times melden aus To=
ronto
: An der kanadiſchen Grenze beſteht die Be=
fürchtung
, daß Einfälle der in den Vereinigten Staaten
lebenden Deu tſchen und Oeſterreicher verſucht
werden. Im Fort Eris wurde eine Bürgerwehr gebildet,
um ſolchen Einfällen zu begegnen, die man deshalb be=
fürchtet
, weil das jenſeits der Grenze gelegene Buffalo
über 200000 deutſche Einwohner hat. Eine neue Verord=
nung
geſtattet nur ſolchen Perſonen den freien Zutritt
über die Grenze, die ſeit zehn Jahren das amerikaniſche
Bürgerrecht beſitzen. Man will hierdurch ausländiſche
Arbeiter fernhalten. Da den Deutſchen und Oeſterreichern
Beſchäftigung verweigert wird, und dieſe das Land nicht
verlaſſen dürfen, wird die Regierung wahrſcheinlich ein
Konzentrationslager errichten, um die notleiden=
den
Untertanen der feindlichen Staaten nebſt deren Fami=
lien
zu unterhalten. (!)

* Peking, 30. Okt. Meldung des Reuterſchen Bu=
reaus
: Die Behörden in Hongkong und anderer bri=
tiſcher
Beſitzungen in China haben die Ausweiſung
aller deutſchen und öſterreichiſch= ungari=
ſchen
Untertanen aus dem britiſchen Gebiet verfügt,
mit Ausnahme derjenigen, die in wehrfähigem Alter
ſtehen. Dieſe ſollen verhaftet werden. Die Verfügung
wird am 1. November rechtskräftig.

Engliſcher Herger.

* London, 31. Okt. Der Marincmitarbeiter der
Times erörtert das neue deutſche Minenfeld an
der Nordweſtküſte Irlands und die Schwierig=
keiten
, die ſich infolge der Privilegien der neutralen Schiff=
fahrt
für das Patrouillieren in der Nordſee ergeben. Die
Privilegien beſtünden hauptſächlich dank der Rückſicht=
nahme
, mit der die Neutralen zu behandeln zweckmäßig
erſcheine. Es müſſe aber die Zeit kommen, wo es not=
wendig
werde, zu erwägen, ob es nicht weſentlich ſei, dem
neutralen Handel in jener Gegend draſtiſchere Beſchrän=
kungen
aufzuerlegen. (Aha!) Es beſteht kein Zweifel, daß
dieſe Peſtmaſchinen von den Deutſchen gelegt würden,
um die Bewegungsfähigkeit der engliſchen Flotte lahmzu=
legen
. Damit werde die doppelte Abſicht verfolgt, die Ent=
fernungen
, welche die engliſchen Schiffe zur Erreichung
gewiſſer Punkte zurücklegen müßten, zu verlängern, und
die Routen gefährlicher zu machen. Wenn daher nicht
Gegenmaßregeln ergriffen würden, würde England ſich in
einer unbequemen Lage befinden, wenn die Zeit komme,
einem deutſchen Seeangriff zu begegnen. Einſtweilen er=
leide
der britiſche und der neutrale Handel durch die See=
minen
fortdauernde Verluſte.

Ruſſiſche Lügen.

* Wien, 30. Okt. Das Neue Wiener Tagblatt
ſchreibt: Die Mitteilung des öſterreichiſch=ungariſchen Ge=
neralſtabes
, daß die Ruſſen auf den Kopf eines öſter=
reichiſch
=ungariſchen Truppenführers einen Preis aus=
geſetzt
haben, ſcheint in Petersburg unangenehm empfun=
den
worden zu ſein, eine einfache Ableugnung hätte nichts
genützt. Die Petersburger offizielle Agentur kam daher
auf den traurigen Einfall, die Angelegenheit mit einem
Witz abzutun, indem ſie, ohne an die Siege der öſterrei=
chiſch
=ungariſchen Truppen und die Verluſte der Ruſſen
in den Kämpfen von Krasnik, Zamosce uſw., ſowie vor
den Mauern von Przemysl zu denken, die öſterreichiſch=
ungariſchen
Truppenführer infolge ihrer Unfähigkeit als
die beſten Bundesgenoſſen Rußlands bezeichnete. Wie viele
100000 Ruſſen, fragt das Blatt, müſſen noch umkommen
oder in unſere Gefangenſchaft geraten, bis die Petersbur=
ger
Agentur zufrieden ſein wird? Weit betrübter und
ärgerlicher hat ſich die Petersburger Agentur in einem
anderen Falle gezeigt. Sie ſtellt nämlich voll Entrüſtung
feſt, es ſei ſehr häufig vorgekommen, daß die Ruſſen, wenn
ſie den Angriff auf die deutſchen Truppen eröffneten, mein=
ten
, plötzlich öſterreichiſch=ungariſche Soldaten vor ſich zu
ſehen. Die Abſicht dieſer erſtaunlichen Entdeckung, die
natürlich den Zweck verfolgt, den Deutſchen zu unterſtellen,
daß ſie uns immer den gefährlicheren Platz überlaſſen,
wird deutlich erkennbar aus dem ſcheinheiligen Satz:
Dank der öſterreichiſch=ungariſchen Opferwilligkeit gelingt
es den Deutſchen, ihre eigenen Truppen zu ſchonen. Sollte
man es für möglich halten, fragt das Blatt, daß nach ſo
viel von uns und unſerem Verbündeten gemeinſam ver=
goſſenen
Blutes noch ſo viele plumpe Verſuche gewagt wer=
den
, zwiſchen den Kameraden auf Leben und Tod Miß=
trauen
zu ſäen? Die Wahrheit iſt, daß ruſſiſche Solda=
ten
, denen man nach der zweiten Lemberger Schlacht ein=
redete
, unſere Armee ſei völlig vernichtet, überraſcht ſind,
den Vernichteten immer wieder zu begegnen. Da die
Petersburger Agentur ihr Mißvergnügen mverhohlen
äußert, ſcheint es, daß dieſe Begegnungen nicht immer
nach ruſſiſchem Wunſche verlaufen ſind.

Der Aufſtand in Südafrika.

* Berlin, 31. Okt. Zu dem Burenaufſtänd
in Südafrika wird aus Rotterdam gemeldet, die Er=
hebung
der Buren ſei jedenfalls das Werk einer allge=
meinen
Verſchwörung, deren Anfänge weit zurück=
reichen
. Die Buren ſeien ſchon lange mit der engliſchen
Herrſchaft unzufrieden, weil dieſe zu ſehr das farbige Ele=
ment
begünſtige und die reichen Naturſchätze zu offenſicht=
lich
zugunſten der engliſchen Unternehmen und des Mutter=
landes
ausbeute. Man erwartet, daß die Aufſtändi=
ſchen
verſuchen würden, ſich ſo raſch wie möglich in den
Beſitz von Kapſtadt zu ſetzen.

Aus Feldpoſtbriefen.

. . 11. 10. 14.
G . . . .
Meine Lieben!
Wir haben in den letzten Tagen hier, wo wir ſeit dem
2. d. M. liegen, ziemlich Ruhe. Wenn wir in der letzten
Zeit ſo langſam vorwärts kommen, ſo dürft: Ihr nicht
denken, daß unſere Lage bedenklich wäre. Eine Schlacht,
die ſchon wochenlang dauert, geht naturgemäß langſamer
vor ſich, als eine eintägige. Es iſt ein anderes Kämpfen
als in der offenen Feldſchlacht. Beide Teile haben ſich
gut verſchanzt. Tagsüber iſt meiſt nur Artilleriekampf,
die Granaten und Schrapnells fliegen herüber und hin=
über
; nachts geht dann die Infanterie gegen den Feind
vor und ſucht, vom Artilleriefeuer unterſtützt, die ſeind=
lichen
Stellungen im Sturm zu nehmen. Dies alles muß
gut vorbereitet ſein, und um Menſchen zu ſparen, tut man
etwas langſam. Ueber die großen Schlachten und ihre
Zuſammenhänge ſeid Ihr zu Hauſe viel beſſer unterrichter,
als wir im Felde. Die Zeitungen, die bis jetzt in meine
Hände kamen, berichteten, ſoweit ich es kontrollieren konnte,
vollkommen wahrheitsgetreu. Ihr werdet nun gern wiſſen
wollen, ob wir ſchon im Gefecht waren. Nun, von einem
eigentlichen Gefecht kann man ja bei einer Munitiens=
kolonne
nicht reden, denn ſie kann der feindlichen Artillerie
und Infanterie nichts anhaben. In Gefahr ſind wir meiſt
nur, wenn wir mit dem Munitionswagen in die Feuer=
ſtellung
der Geſchütze fahren. Wenn wir in dieſem Falle
Feuer bekommen, ſind wir noch mehr gefährdet als die
Geſchützbedienungen, denn dieſe ſind mit ihren Geſchützen
hinter Erdwällen verſchanzt. Wir fahren aber meiſt in
Feuerſtellung, wenn das feindliche Feuer ſchweigt. Und
ſelbſt wenn wir Feuer bekämen, ſo iſt dies nicht gleich eine
große Gefahr, da ja der Feind faſt nie das hinter einem
Berghügel oder Hauſe ſtehende Ziel ſieht. So ſchießt er
denn zu weit oder zu nah ungefähr auf das Ziel hin. Die
kürzeſten Entfernungen waren 2300 Meter vor uns und
einige hundert Meter hinter uns. Außerdem pfiffen einige
Infanteriekugeln in unſerer Richtung durch die Luft. In
Gefahr iſt man alſo mehr oder weniger immer. Neulich
brachten wir Munitionskörbe an zwei Geſchütze, die nur
400 Meter hinter unſerer Infanterie ſtanden. Solange

ich bei der Kolonne bin, hat ſie noch keine Verluſte ge=
habt
, vorher hat ſie aber verſchiedene Pferde eingebüßt
und einige Verwundete bekommen, da ein feindliches Ge=
ſchoß
in einen Munitionswagen flog und dieſen zur Ex
ploſion brachte. Gefährlicher als die Infanterie und Ar=
tillerie
ſind für uns die Flieger. Vor ein paar Tagen
kamen wir in ein Dorf und ſchlugen dort unſer Lager auf.
Nach einer halben Stunde erſchien, wie ſchon öfters, ein
franzöſiſcher Flieger über uns. Sofort eröffneten unſere
in die Gegend verteilten Flugzeug=Abwehrkanonen, die auf
Autos transportiert werden, Feuer auf den Kerl. Die
Flieger ſind aber ſehr ſchwer zu treffen. So wurden
faſt 100 Kanonenſchüſſe auf ihn abgegeben, die Infanterie
ſchoß noch dazu, aber alles ohne Erfolg. Schließlich warf
der Flieger einige Bomben herunter. Eine fiel 50 Meter
hinter uns in ein Haus und hatte eine ſtarke Wirkung.
Wäre ſie in unſere Kolonne gefallen, ſo hätten wir ſicher
Verluſte gehabt. Es kam dann der Befehl: Fertig machen!
In einigen Minuten waren wir marſchbereit. Wir fuhren
aus dem Orte heraus, wieder nach G . . . . ., wo wir uns
jetzt noch befinden.
Mein lieber Vater, Du brauchſt Dir keine Gedanken
zu machen, wenn manchmal die Nachrichten von mir län=
gere
Zeit auf ſich warten laſſen. Man hat meiſt keine Zeit
trotzdem wir für das Gefecht nicht allzu viel zu tun haben.
Da muß Waſſer geholt, geſpült, Feuer angemacht werden,
dann brauchen wir wieder Aepfel für Aepfelbrei, Holz,
Kartoffeln uſw.
In der Batterie gibt es ja mehr zu tun, und es iſt
ja dort auch intereſſanter. Man iſt beim Geſchütz, hat
dieſes zu bedienen und dem Feinde auf den Pelz zu rücken.
Aber ſelbſt in der Batterie ſind unſere Verluſte im Ver=
gleich
zur Infanterie gering. Es kommt ſehr ſelten vor,
daß einmal ein Volltreffer in ein Geſchütz ſchlägt. Bei der
Infanterie aber iſt es anders. Ständig ſehen die Leute
dem Tode ins Auge. Trotzdem gehört zum Infanteriſten
nicht mehr Mut als zum Artilleriſten, denn wenn man ein=
mal
das erſte, bedrückende Gefühl überwunden hat, fällt
einem gar nichts mehr darüber ein, wenn die Geſchoſſe
einem um die Ohren pfeifen. Es iſt alles Gewohnheits=
ſache
. So glaubte ich z. B. auch nicht, den Anblick der
Toten ertragen zu können, aber man wird tatſächlich ſo
gefühllos, daß man kaum an den Jammer und das Leid
der Angehörigen denkt, wenn man an den Toten vorbei=

kommt. Die Toten werden meiſt von uns Deutſchen be=
graben
.
Unſer Eſſen iſt in der letzten Zeit ſehr reichlich und gut
geweſen. Jeden Abend faſt wird für unſere Kolonne ein
Stück Vieh geſchlachtet. Fleiſch bekommen wir faſt zu
viel. Knapper iſt es mit dem Brote, aber es iſt mehr, als
wir anfangs bekamen. Wir kochen meiſt Gemüſeſuppe,
Hackfleiſch, Kartoffeln, Aepfelbrei, Erbſen, Linſen, Kaffee.
Der Speiſezettel iſt aber faſt jeden Tag derſelbe. Man
muß vieles trotz allem entbehren.
Etwas heikler iſt die Sache mit dem Nachtlager. Seit
ich bei der Kolonne bin, haben wir noch nicht in feſten Ge=
bäuden
geſchlafen, immer in unſeren Zelten. Die Unter=
lage
iſt Stroh; und vollſtändig angezogen, mit Mantel,
legen wir uns in die Zelte und haben oft morgens eiskalte
Füße. Neulich habe ich mir aus einem Bette unter dem
Sande eine warme Decke geholt. Eine Granate war durch
die Wand gegangen und hatte die Lehmerde über das
Bett geworfen.
Nun will ich Euch noch ſchildern, wie das Land aus=
ſieht
. Hier iſt nur Trauriges zu berichten: Kaum iſt ein
Dorf oder eine Stadt vom Artilleriefeuer verſchont geblie=
ben
. Es gibt Dörfer, wo faſt kein Ziegel mehr auf den
Dächern und keine Fenſterſcheibe ganz iſt. In der letzten
Zeit verging faſt kein Abend, wo nicht an 34 Stellen der
Himmel gerötet war und Dörfer brannten. Nieder=
gebrannte
Dörfer und Städte ſehen zwar ſchrecklich aus,
aber noch trauriger iſt der Anblick, wenn die Geſchoſſe kek=
nen
Brand verurſachten, ſondern nur alles kurz und klein
ſchlugen. Oede ſtehen die Mauern, die Möbel liegen auf
der Straße, Vieh läuft auf dem Felde herum, anderes liegt,
von Granaten getroffen, haufenweiſe in den Gärten. Die
Bewohner haben faſt alle ihre Heimat verlaſſen. Wo
mögen ſie untergekommen ſein, die nur das nackte Leben
gerettet haben? Dageblieben iſt meiſt nur die arme Be=
völkerung
, die während der Beſchießung in den Kellern
blieb. Wie viele mögen auch in den zuſammengeſtürzten
Kellern ihr Grab gefunden haben! Die Zurückgebliebenen
haben außer Kartoffeln faſt nichts zu eſſen. Brot bekom=
men
ſie ab und zu von uns. Geſtern habe ich mich mit
dem hieſigen Bürgermeiſter unterhalten, der zurückgeblie=
ben
iſt, da er nur ein Bein hat. Er ſprach ſehr vernünf=
tig
. Das Volk hat hier ſicher nicht den Krieg gewollt.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Nummer 301.

Der einzige Freund der Mohammedaner.

* Konſtantinopel, 31. Okt. Die Blätter geben
einen Artikel des Teheraner Blattes Reſobad wieder, der
die Ueberſchrift trägt: Der deutſche Kaiſer und die
muhammedaniſche Welt. Es wird in ihm hervorgehoben.
daß der einzige Freund der Muhammedaner
Deutſchland ſei, nach welchem ſich alle Blicke der
Muſelmanen wenden. Die Tatſache, daß Deutſchland mit
dem Sitze des Kalifats immer herzliche und freundſchaft=
liche
Beziehungen unterhalten habe, habe ihm die Sym=
pathien
aller Muſelmanen gewonnen.

Die Unparteilichkeit der Schweiz.

* Zürich, 30. Okt. Wie die Neue Züricher Zeitung
meldet, hat der Vertreter des Piccolo eine hochgeſtellte
Perſönlichkeit des ſchweizeriſchen Bundesrats über die
Einfuhr italieniſcher Ware nach Deutſch=
land
und die Lieferung ſchweizeriſcher Kriegskonterbande
nach Deutſchland befragt. Die Antwort lautet, die Schweiz
könne die Durchfuhr nicht hindern. Dieſe Frage gehe allein
Italien und Deutſchland an. Dieſes beziehe ſich auch auf
die Tauſende italieniſcher Eiſenbahnwaggons. Die Weiter=
ſendung
von in Italien durch Schweizer gekauften Lebens=
mittel
nach Deutſchland ſei verboten durch das allgemeine
Ausfuhrverbot von Lebensmitteln. Die Schweiz verfolge
ſtreng jede Geſetzesübertretung und ebenſo jeden Fall von
Kriegskonterbande. Sie habe kein Intereſſe daran, für
den einen oder den anderen der Kriegführenden Partei zu
ergreifen und ſei nur auf ihre Integrität und Unabhängig=
keit
bedacht.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 1. November.

* Ordensverleihungen. Ihre Königl. Hoheit die
Großherzogin haben dem Hoftheaterdiener Carl
Auguſt Meyer das Silberne Kreuz des Philipps=Ordens
und dem Kammermuſiker Leopold Schutter das
Silberne Ehrenkreuz für 25 Jahre Hofdienſt verliehen.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Ihre Königl.
Hoheit die Großherzogin den Oberförſter der Ober=
förſterei
Friedberg Forſtmeiſter Ludwig Spieler zu
Friedberg auf ſein Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner
langjährigen treuen Dienſte, mit Wirkung vom 1. Dezember
d. Js. an und ihm aus dieſem Anlaß die Krone zum
Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des
Großmütigen verliehen; ferner den Kanzleiinſpektor bei
dem Miniſterium der Finanzen Kanzleirat Heinrich
Donges zu Darmſtadt unter Anerkennung ſeiner lang=
jährigen
treuen Dienſte vom 1. Dezember d. Js. an und
ihm aus dieſem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Ernannt haben Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
den Miniſterialkanzliſten bei dem Miniſterium
der Finanzen Hermann Koch zu Darmſtadt vom 1. De=
zember
d. Js. an zum Kanzleiinſpektor bei dem Mi=
niſterium
der Finanzen.
* Entlaſſen wurde der Dammwärter Eberhard
Junker zu Gernsheim auf ſein Nachſuchen vom 1. No=
vember
1914 aus dem Staatsdienſte.
* Militärdienſtnachrichten. Befördert: Zum Oberleut=
nant
der Lt. Frhr. Löwvon und zu Steinfurth der
Landw.=Kav. 1. Aufgeb. (Gießen); zu Leutnants der Re=
ſerve
der Vizewachtmeiſter Reichenheim (I Darm=
ſtadt
); die Vizefeldwebel Horch, Daab, Walch, Berge=
mann
(Darmſtadt), Rößler (Mainz), Fuhry
(Worms), Koch (Gießen).
Ritter des Eiſernen Kreuzes. Hauptmann und
Batteriechef im Bad. Feldart.=Regt. Nr. 30 Max Emmer=
ling
hat das Eiſerne Kreuz 1. Klaſſe erhalten. Das
Eiſerne Kreuz 2. Klaſſe erhielt in Frankreich wegen her=
vorragender
Tapferkeit der Unteroffizier Ernſt Semm=
ler
vom Kaiſerin Eliſabeth=Garderegiment ( Charlotten=
burg
). Semmler iſt geborener Darmſtädter und war bis=
her
Gärtner in der hieſigen Knabenarbeitsanſtalt. Ferner
erhielt das Eiſerne Kreuz der Offizierſtellvertreter im
Art.=Regt. Nr. 61 Hermann Kurz, Diplom=Ingenieur
im Techn. Bureau Dr.=Ing. Heyd.
g. Das Schwurgericht der Provinz Starkenburg be=
ginnt
ſeine Sitzung für das 4. Quartal 1914 am Montag,
7. Dezember, vormittag 9½ Uhr, unter dem Vorſitze des

Herrn Landgerichtsrats Lebrecht. Zur Verhandlung
kommt auch die Anklage gegen den Studenten Vogt und
Frau Heydrich wegen der Ermordung des Privat=
gelehrten
Heydrich.
Großh. Hoftheater. Der Spielplan für
dieſe Woche geſtaltet ſich folgendermaßen: Heute
Sonntag geht Offenbachs phantaſtiſche Oper Hoff=
manns
Erzählungen deren außerordentlich ſtarker Er=
folg
bei der Wiederaufnahme einſtimmig konſtatiert
wurde, in Szene. Es gelten die kleinen Preiſe. Montag
bleibt das Hoftheater geſchloſſen. Dienstag wird Gogols
ſatiriſche Komödie aus dem ruſſiſchen Beamtenleben
Der Reviſor zum erſtenmal wiederholt. Wie der
Generaldirektion gleich nach der Premiére mitgeteilt
wurde, wird das Werk nunmehr von einer großen An=
zahl
deutſcher Bühnen vorbereitet. Die Schilderung
ruſſiſcher Zuſtände, die an Aktualität nichs zu wünſchen
übrig läßt, hat bei der Erſtaufführung Lachſtürme er=
regt
und den außerordentlichen Erfolg der Komödie
entſchieden. Mittwoch geht Richard Wagners Lohen=
grin‟
Donnerstag zum erſtenmal in dieſer Spielzeit
Mozarts Hochzeit des Figaro in Szene. Am Freitag
wird Huſarenfieber wiederholt. Für alle Vorſtellungen
dieſes Repertoires gelten die kleinen Preiſe.
Von der Heag. Nachdem das erforderliche Perſonal
ausgebildet iſt, wird von Sonntag, den 1. November, ab
auf den Linien 7 und 8 verſuchsweiſe der
7½=Minutenbetrieb eingeführt. Die Wagen
werden fahren: Ab Faſanerie von 7/4 bis 1004 alle
30 Minuten, ab Taunusſtraße von 617 bis 702 alle
15 Minuten, von 710 bis 832 alle 7½ Minuten, von 847
bis 1007 alle 15 Minuten, außerdem 1032 und 1102 nach
Landskronſtraße, bezw. Weinbergſtraße; ab Taunusſtraße
von 617 bis 1002 alle 15 Minuten, außerdem 132 und
1102 nach Eberſtadt; von Eberſtadt Wartehalle von 543
bis 928 alle 15 Minuten, außerdem 958, 1028 nach Taunus=
ſtraße
, 1043 nach Schloß. Sobald weitere Schaffner aus=
gebildet
ſind, wird auch auf der Linie 9 der 7½= Minuten=
betrieb
eingeführt werden. Da jedoch zu erwarten iſt,
daß von dem älteren Perſonal noch Leute einberufen
werden, iſt ſpäter wieder mit neuen Verkehrsbeſchränkungen
zu rechnen.
* Seltenes Jubiläum. Margarete Eidenmüller
aus Affhöllerbach i. O. iſt 25 Jahre als Köchin bei Leon
Beuer, Wendelſtadtſtraße 9, tätig.
* Im Silberkranz. Rechnungsrat Koller und
Frau, Soderſtraße 13, feiern am 2. November das Feſt
der Silbernen Hochzeit.
Einziehung von Forderungen deutſcher Gläu=
biger
in den okkupierten Gebieten Belgiens. Die
Großh. Handelskammer Darmſtadt iſt in der
Lage, den Intereſſenten nähere Mitteilungen über die
Behandlung von Wechſelforderungen, Warenforderungen,
Bankguthaben und Sparkaſſeneinlagen in Belgien zuteil
werden zu laſſen.
Die Verſorgung Deutſchlands mit Leuchtöl iſt
nicht ſo reichlich, um davon abſehen zu können, auf eine
Einſchränkung des Verbrauchs hinzuwirken.
Es wird ſich daher empfehlen, daß die Bevölkerung ſich
mehr an die Verwendung von Spiritus zu Beleuchtungs=
zwecken
gewöhnt.
* Verſorgung der heſſiſchen Städte mit Kartoffeln.
Um die Befürchtungen der Städte, für kommenden Winter
ihre Bevölkerung nicht mit genügenden Mengen von Kar=
toffeln
verſehen zu können, zu zerſtreuen, erſucht die Land=
wirtſchaftskammer
die heſſiſchen Landwirte, keine Kartof=
feln
nach den benachbarten Staaten abzugeben, ſondern
ſie in den heſſiſchen Städten zum Verkauf zu
bringen. Die ſtädtiſche Bevölkerung aber wird gebeten,
nicht zu ſehr auf die ſofortige Lieferung zu drängen, da
die Landwirte zurzeit mit der Feldbeſtellung noch ſtark
in Anſpruch genommen ſind.
Heimarbeiterinnen=Fürſorge. Man ſchreibt uns:
Um einem vielfach verbreiteten Irrtum vorzubeugen, ſei
mitgeteilt, daß die Geſchäftsſtelle der Heim=
arbeiterinnen
ſich nach wie vor Waldſtraße 19, II,
befindet und außer Samstag und Sonntag täglich von 9
bis 12 Uhr und von 36 Uhr geöffnet iſt. Noch immer
mehrt ſich die Zahl der Arbeitſuchenden, der Winter ſteht
vor der Tür und bringt neue Nöte. Demgegenüber iſt
leider ein Rückgang an Aufträgen zu verzeichnen,
der im Intereſſe der Frauen, die mit Rückſicht auf ihre

Familienpflichten auf die Heimarbeit angewieſen ſind,
ſehr zu bedauern iſt. Zwar verdankt der Heimarb.=Verein
der Initiative der Stadtverwaltung und den Bemühungen
des Herrn Geh. Rat Noack einen größeren behördlichen
Auftrag, durch den etwa 130 Arbeiterinnen beſchäftigt
werden können. Irrtümlich war aber in einem Bericht der
Frauenhilfe an dieſer Stelle angegeben, daß dieſer Auftrag
ein dauernder ſei. Dazu ſei bemerkt, daß infolge einge=
tretenen
Tuchmangels eine zweite Sendung von Hand=
ſchuhen
vorerſt nicht erfolgen kann, was umſo bedauer=
licher
iſt, als gerade dieſe Arbeit auch weniger geſchulten
Kräften Verdienſtmöglichkeiten bot. Es ergeht deshalb an
alle, die helfen können und wollen, die herzliche Bitte,
den Heimarbeiterinnen Arbeit zuzuweiſen. Es iſt ſtets ein
kleiner Vorrat von Liebesgaben für Soldaten da, durch
deren Herſtellung ſtändig einige Frauen beſchäftigt werden.
Auch durch Abnahme derſelben wird der guten Sache
gedient.
* Johannesgemeinde. Bei dem Ernſt der Zeit hat
der Kirchenvorſtand beſchloſſen, von einer geſelligen Feier
des 20jährigen Beſtehens der Johannis=
kirche
abzuſehen. Dagegen werden die Gemeinde=
glieder
zu ernſter Beratung auf Dienstag, den 3. Novem=
ber
, abends 8 Uhr in das Gemeindehaus eingeladen. Dort
hält der Frauenverein ſeine Hauptverſammlung ab,
bei welcher Herr Pfarrer Marx einen auch für weitere
Kreiſe berechneten Vortrag über das Thema: Krieg und
Gemeindeleben halten wird. Der Eintritt iſt frei. (S.
Anzeige.)
Forchhammer=Konzert. Man ſchreibt uns: Herr
Kammerſänger Ejnar Forchhammer, der Helden=
tenor
des Kgl. Theaters in Wiesbaden, hat ſich in liebens=
würdigſter
Weiſe erboten, zum Beſten der Liebesgaben=
ſammlung
des Roten Kreuzes und der Kriegsfürſorge der
Stadt Darmſtadt den von ihm auswärts mit ungewöhn=
lichem
Erfolge veranſtalteten Vaterländiſchen
Abend auch hier in Darmſtadt zu wiederholen. Zur
Ausführung des Programms, das Lieder für Sopran und
Tenor, Duette und Rezitationen bringt, wird ſich mit dem
berühmten Künſtler ſeine Gattin, die Konzertſängerin
Frau Nane Forchhammer, vereinigen. Der Vorverkauf
der Eintrittskarten beginnt Dienstag.
* Humor im Felde. Daß es unſeren tapferen
Kriegern trotz des Ernſtes des Krieges am nötigen Humor
nicht mangelt, zeigt eine Feldpoſtkarte, die uns zuging:
W. Nr. 73. R..., den 23./10. 1914. Bezugnehmend auf
Ihr Inſerat in Nr. 284 des Darmſtädter Tagblattes
teilen wir Ihnen mit, daß unweit von hier im Schützen=
graben
der 21. Diviſion ein Zimmer mit ſeparatem
Eingang zu vermieten iſt. Preis nach Uebereinkunft.
Mit Gruß! Mehrere Darmſtädter der 21. Diviſion.
* Beim Entladen von Kohlenwagen haben ſich an
zwei Stellen, von denen eine im Korpsbezirk, je 2 gela=
dene
franzöſiſche bezw. engliſche Granaten gefunden.
Alle Kohlenintereſſenten werden vom Stellv. Generalkom=
mando
des 18. Armeekorps aufgefordert, ähnlichen Vor=
kommniſſen
, denen zweifellos verbrecheriſche Abſichten zu=
grunde
liegen, durch ſorgfältige Inſtruktion ihrer Aus=
lader
uſw. ihre volle Aufmerkſamkeit zu ſchenken, damit
Unglücksfällen vorgebeugt wird.
Rotes Kreuz.
(Geöffnet von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Zen=
tral
=Abteilung: Rheinſtraße 34, Fernruf 25; Krankenbe=
förderungs
=Abteilung: Rheinſtraße 34, Fernſprecher 2576;
Materialien=Abteilung: Altes Palais, Fernruf 20; Liebes=
gaben
=Transport=Abteilung: Neckarſtraße 8, Fernruf 2421.)
Auf Anregung des Zentral=Komitees der Deutſchen
Vereine vom Roten Kreuz ſoll ein neuer Weg beſchritten
werden, dem letzteren einen Teil der zur Löſung ſeiner
vielſeitigen Aufgaben nötigen Gelder zuzuführen. Wir
erhielten Geldſpenden bisher durch die opferwilligen und
zahlreichen Zuwendungen aus allen Kreiſen, entweder
einzeln überbracht oder vorher geſammelt und uns dann
überwieſen. An dieſem bewährten Verfahren bitten wir
die Freunde des Roten Kreuzes auch ferner feſtzuhalten.
Daneben liefen aber ſeither Sammelbüchſen an öffent=
lichen
Stellen, in Räumen und auf der Straße in unſerem
Dienſte um und dieſes Verfahren hat zu mancherlei Un=
zuträglichkeiten
, zu Betrug und zur Beläſtigung des Pu=
blikums
geführt. Es ſoll daher als ungeeignet abgeſchafft
werden. Trotzdem darf der kleine gelegentliche Beitrag,

Ein Abend bei Hindenburg. Eine Hindenburgſpende
war von mehreren Herren aus Danzig zu den Truppen
des Generaloberſten von Hindenburg gebracht worden.
Die Herren erhielten von ihm eine Einladung zu Tiſch.
Darüber wird in den Danziger Neueſten Nachrichten be=
richtet
: Etwa 40 Herren nahmen an der Tafel teil. Den
zurückgebliebenen franzöſiſchen Koch hat Herr von Hinden=
burg
nicht in ſeine Dienſte genommen, ein deutſcher Koch
aus den Reihen ſeiner Soldaten bereitet das Eſſen. Ein
gemeinſamer großer Raum iſt als Kantine eingerich=
tet
, in dem der General mit ſeiner Umgebung, ſowie einige
Offiziere ſpeiſen. Es gibt nur eine Hauptmahlzeit. In
der Regel iſt dies 8 Uhr abends. Mittags gibt es nur ein
Frühſtück. Wer dienſtfrei iſt, erſcheint pünktlich, alle übri=
gen
erſcheinen zwanglos. Das Eſſen iſt denkbar einfach.
Es gab einen einzigen Gang, und zwar Huhn mit Reis,
dazu ein einziges Schüſſelchen Kompott, das nur für Herrn
von Hindenburg und ſeine Umgebung beſtimmt war. Die
Unterhaltung war angeregt und intereſſant, wenngleich
über deren Inhalt aus begreiflichen Gründen wenig geſagt
werden kann. Stadtverordneter Fuchs aus Danzig und
Landeshauptmann Senfft von Pilſach hatten mit kurzen
Anſprachen an Herrn von Hindenburg die Spenden ver=
abfolgt
. Herr von Hindenburg dankte, und erfreut nahm
er die Spende für ſeine Truppen an. Er ſprach ſeine
Freude darüber aus, daß es ihm als einem Sohne ſeiner
Heimat vergönnt ſei, dieſe von den Ruſſen zu befreien,
wie er auch hoffe, daß es ihm weiterhin möglich ſein werde,
die Ruſſen erfolgreich zu ſchlagen. Der Generaloberſt ſah
friſch und geſund aus. Er iſt eine kernige, echte Soldaten=
geſtalt
, ergrautes, aber volles Haar umrandet ſeinen Kopf
mit energiſchen Zügen. Alle Gerüchte, daß Herr von
Hindenburg unter bedenklichen Krankheitserſchei=
nungen
zu leiden habe, ſind falſch. Davon konnten wir
uns zur Genüge überzeugen. Herzlich lachte er über die
Leute, die ihm ein Gallenſteinleiden zuſchreiben. Er bat
die Heren, doch dieſe Gerüchte, die ihm ein Leiden zuſchrei=
ben
, aus der Welt zu ſchaffen. Nicht weniger als 82
Mittel gegen Gallenſteine habe man ihm ſchon
empfohlen, doch könne er ſie nicht anwenden, weil er nichts
ſpüre. Kein Wort ſei daran wahr, daß er nicht zu Pferde
ſteigen könne. Er iſt von gutem Humor und eine gut ge=
baute
Prachtgeſtalt. Herr von Hindenburg erwähnte, er
könne ſich vor Zuſchriften nicht retten, die ihm Vorſchläge
für die Kriegführung machten. Jemand habe ihm
einen Plan geſandt, wie die Ruſſen zu ſchlagen ſeien und
er recht bald nach Petersburg gelangen könne. Freilich
könne er von dieſen Plänen keinen Gebrauch machen, da
er ſeine eigenen ſchon fertig habe.

* Engliſche Kriegs=Lügenchronik. (Aus amerikaniſchen
Zeitungen uns zur Verfügung geſtellt. 29./9.. Deutſcher
Rückzug wird berichtet. Der Kaiſer verſchiebt die Linie,
um v. Kluck zu retten. Deutſche Truppen verfehlen, das
franzöſiſche Zentrum zu durchbrechen. Es wird berich=
tet
, daß die Deutſchen unter v. Kluck im vollen Rückzug
ſind. Paris, 29./9.: Der rechte Flügel der deutſchen Armee
in Frankreich iſt in vollem Rückzug nach Information
vom Norden. General v. Kluck, Kommandeur der Armee,
die den deutſchen rechten Flügel bildet, bot General Joffre
die Uebergabe an, wenn den Deutſchen erlaubt würde, mit
den Waffen nach Deutſchland zurückzukehren. Dies wurde
abgelehnt. (Als beſonders wichtige Nachricht rot gedruckt.)
Deutſcher Flieger tötet 5 Kinder, indem er Bomben auf eine
Schule wirft. 30./9.: Die Franzoſen fingen den bayeri=
ſchen
Kronprinzen. Große deutſche Niederlage. Deutſch=
land
gibt Rückzug des rechten Flügels zu. Franzoſen
gewinnen große Schlacht an der belgiſchen Grenze. 1./10.
Die Deutſchen fechten, um ihren Rückzug zu maskieren.
Die Franzoſen kämpfen, um die deutſchen Rückzugslinien
abzuſchneiden. Die Verbündeten treiben beide deutſche
Flügel zurück. Deutſche Flanken in ernſter Gefahr. Die
deutſche Baſis fällt. 2./10.: Zu ſpät, zu entkommen, ſehen die
Deutſchen ihrer Vernichtung entgegen. Deutſcher Kron=
prinz
verwundet. 4000 in Steinbrüchen abgeſchnittene
Deutſche werden bombardiert. 3./10.: Der Kaiſer entkommt
knapp auf der Flucht von Rußland. Der Zar bricht auf
um ſeine Armeen nach Berlin zu führen. Des Kaiſers
Erbe iſt in neuer Bewegung in die Flucht geſchlagen. Des
Kaiſers verzweifelte Anſtrengungen, den rechten Flügel zu
retten, ſchlagen fehl. 4./10.: London berichtet über die Ge=
fangennahme
von 40000 Deutſchen von v. Klucks Armee.
150 Spezialzüge nach dem Norden Frankreichs beordert,
um die große Menge deutſcher Gefangener aufzunehmen.
5./10.: v. Kluck ſoll im Netz gefangen ſein. Ruſſiſcher Sieg
in 5 Tage dauernder Schlacht. 6./10.: Die Deutſchen trei=
ben
die flankierende Kolonne zurück, als die Verbündeten
ihre Linie nordwärts ausſtrecken. Der Kaiſer ſtürzt den
Chef des Generalſtabes v. Moltke. Neue deutſche Streit=
kräfte
im Norden bedrohen den linken Flügel der Ver=
bündeten
und blockieren die Straße nach Belgien. Die
deutſche Linie wird zerriſſen. 7./10.: Deutſches Torpedo=
boot
durch eine Mine oder Unterſeeboot zum Sinken ge=
bracht
. 8./10.: Indiſche Truppen ſchlagen deutſche Ka=
vallerie
. 9./10.: London hört, daß Antwerpen in Flam=
men
ſteht. Antwerpen fällt. 10./10.: Die Verbündeten
gewinnen große Schlacht nördlich von Lille. 11./10.:
Deutſche Luftſchiffer bringen Tod nach Paris. Deutſche
durch die Ruſſen in Oſtpreußen zurückgeſchlagen. 12./10.:

Die Verbündeten führen einen neuen Schlag, um die
Deutſchen in Belgien zu umzingeln. Die Verbündeten er=
ſtürmen
eine Stellung im deutſchen Zentrum. Die Deut=
ſchen
bedrohen Oſtende. (Man ſieht, daß die Lügen gegen
das Ende hin etwas abflauen.)
* Aus einem ruſſiſchen Gefangenenlager in der Pro=
vinz
Brandenburg weiß die Köln. Ztg. u. a. folgendes zu
berichten: Hocherfreut waren die Gefangenen, als ihnen
kürzlich geſtattet wurde, einen Geſangverein zu bilden.
Allabendlich ſingen ſie nun etwa 50 unter der Lei=
tung
ihres Dirigenten, eines Petersburger Konzerk=
meiſters
, eine Stunde in einem Raume des Lazaretts ruſ=
ſiſche
Volkslieder, auf dieſe Weiſe ihre verwundeten Kame=
raden
, von denen es noch einige Hundert gibt, ergötzend.
Zu dieſen muſikaliſchen Unterhaltungen tragen auch noch
bei ein Opernſänger (Baſſiſt), ſowie ein Mandolinen=
ſpieler
, der in Rußland ſchon in großen Konzerten ſeine
Kunſt gezeigt haben ſoll. Jedenfalls geht es den euſſiſchen
Gefangenen in Deutſchland nicht ſchlecht; beſſer wohl, als
manche es eigentlich verdienen. Bezeichnend für ihr Wohl=
befinden
ſind die Worte, mit denen einer der Ruſſen ſei=
nen
Brief, der in die Heimat gehen ſollte, begann: Ich
befinde mich, Gott ſei Dank, in deutſcher Gefan=
genſchaft
. Es wurde von den Gefangenen erzählt,
daß einer ihrer Hauptleute, als der Angriff der Deutſchen
erfolgte, hinter der Schützenlinie ein Loch ausgraben ließ,
ſich hineinlegte und drei Soldaten befahl, ſich darüber zu
legen, und als kurz darauf die Gefangennahme erfolgte,
er vor den Deutſchen kniefällig um Schonung ſeines Lebens
flehte. Viele Ruſſen ſprechen deutſch, etwa 500 ſogar ziem=
lich
fließend. Es ſind dies in erſter Linie die Deutſchruſſen
und Letten aus den baltiſchen Provinzen, ferner die polni=
ſchen
, ſowie andere Juden. Es berührt überhaupt ſon=
derbar
, wenn man das Sammelſurium von Raſſen im ruſ=
ſiſchen
Heere unter den Gefangenen vertreten ſieht:
Ruſſen, Polen, Juden, Deutſche, Letten, Eſthen, Finnen,
Tataren, Armenier uſw., und man verſteht, daß ein ſolches
Heer niemals ein leiſtungsfähiges und begeiſtertes Volks=
heer
wie das deutſche ſein kann. Einer der deutſch rade=
brechenden
Ruſſen, der bei den Maſuriſchen Seen in Ge=
fangenſchaft
geriet, nach dem Hergang befragt, ſagte im
Bruſtton der Ueberzeugung: Was wir konnten machen?
Vorne Hurra, hinten Waſſer. War ſich nichts
zu machen!

[ ][  ][ ]

Seite 5.

Nummer 301.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

bei dem viele Wenig ein Viel machen, nicht verſchwinden.
Da hat man ſich nun zur Einführung der ſogenannten
Kreuzpfennigſammlung entſchloſſen. Es ſollen
künftig Beſitzer von Gaſthöfen, Läden, Speiſe= Kaffee=
und Warenhäuſern und dergl. briefmarkenähnliche Kreuz=
pfennigmarken
vorrätig halten und dem Käufer und Zah=
ler
bei Begleichung irgend einer Rechnung oder Zeche zum
Kauf und Verwenden anbieten dürfen, in jedem vom
Kunden oder Gaſt gewünſchten oder geſtatteten Betrag,
jedoch nicht unter 5 Pfennig. Auf dieſe Weiſe ſteht zu
hoffen, daß wir ohne große Beläſtigung des Publikums,
deſſen Entſchließungen, zu geben oder abzulehnen,
natürlich freibleiben, der guten Sache des Roten
Kreuzes anſehnliche Beträge zuführen können.
Wir gewinnen dadurch auch diejenigen als Spen=
der
, die ſeither außer Stande waren, etwas für
uns zu tun, weil ihnen größere Beträge nicht zu Gebote
ſtanden, oder ſie nicht in den Bereich der Sammelbüchſen
kamen. Auch wird erwartet, daß die Abſender von Poſt=
karten
und Briefen ins Feld als Entgelt für deren porto=
freie
Beförderung ſie mit einer Kreuzpfennigmarke be=
kleben
. So wird der guten Sache vortrefflich und mit
einem verſchwindend kleinen Opfer für den Einzelnen
gedient und unſeren Vaterlandsverteidigern ſichtbar vor
Augen geführt, daß ihrer auch in der Organiſation ge=
dacht
wird, auf deren Fahne die Pflege von Verwundeten
und Kranken geſchrieben ſteht.
Um nun diejenigen, die uns als Verkäufer dieſer Mar=
ken
helfen wollen, Gelegenheit zur Ausſprache, Einfüh=
rung
und Vereinbarung zu geben, werden alle Beſitzer
von Fabriken, Läden, Gaſt= Speiſe= und Kaffeehäuſern
und deren Angeſtellte eingeladen, ſich Donnerstag, den
5. November d. J., abends 8½ Uhr, im Saale des Muſik=
vereins
, Steinſtr. 24, zu einer Sitzung einfinden zu wol=
len
. (Vergl. auch die Anzeige in Nr. 301 dieſes Blattes.)
Ihnen und allen, die uns helfen wollen, eine in der
Oeffentlichkeit als läſtig empfundene Einnahmequelle durch
eine praktiſche zu erſetzen, danken wir ſchon heute herzlich.
Wir brauchen Geld, um den vielſeitigen Anforderungen,
die an uns geſtellt werden, auch nur einigermaßen gerecht
werden zu können.
In den letzten Tagen hat wieder ein Teil des von
uns bereitgeſtellten Perſonals im Etappengebiet
Verwendung gefunden, nämlich 3 Pfleger der Genoſſen=
ſchaft
freiwilliger Krankenpfleger im Kriege, die zur Be=
gleitung
der von Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin dem
Generalkommando 18. Armeekorps überwieſenen, zur
Beförderung von Verwundeten eingerichteten großen
Kraftwagen kommandiert worden ſind. Ferner ein aus
41 Pflegern und Trägern unſerer Sanitätskolonnen und
der Genoſſenſchaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege
zuſammengeſtellter Begleittrupp, der am 31. Oktober an
eine Grenzſtation im Weſten abgegangen iſt. Endlich eine
Gruppe von 10 Krankenpflegerinnen der Schweſternſchaft
des Stadtkrankenhauſes Offenbach a. M., die wir auf Er=
ſuchen
eines Kriegslazarettdirektors heute ebenfalls nach
Weſten abgeſchickt haben.
Auskunftsſtellen für Sendungen ins Feld, für das
Polizeirevier I: Mühlſtr. 60, II: Mauerſtr. 17, III: Bis=
marckſtr
. 65, IV: Heidelberger Str. 24, V: Ludwigshöhſtr. 69,
VI: Hoffmannſtr. 57, VIII: Viktoriaſtr. 34.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 31. Oktober 1914

1,40 M.
Butter, ½ kg
in Part. ½kg . 1,30 M.
12 Pf.
Eier Stück
Schmierkäſe, ½ Lit. 20 Pf.
Handkäſe, Stück 511 Pf.
Kartoffeln, Zentner 3.50 M.
Kumpf
(10 Liter) 60 Pf
½ kg . 4 Pf.
Mäuschen,
½ kg 910 Pf
Obſt u. dergl.:
Aepfel, ½ kg. . 10 15 Pf.
Zitronen, Stück . 68 Pf.
Apfelſinen, Stück 610 Pf
Birnen, ½ kg . 1015 Pf.
Quitten, ½ kg 1618 Pf.
Schwämme, ½ kg 2540 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück 56 Pf
Endivien, Stück 47 Pf.
Feldſalat, Körbchen 10 Pf.
Radieschen, Bündel 23 Pf
Rettiche . Stück 45 Pf.
Meerrettich, Stück 1020 Pf.
Roterüben, ½ kg 610 Pf.
Zwiebeln, ½ kg 1012 Pf.
Tomaten, ½ kg 1820 Pf.
Spinat, ½ kg . 1820 Pf.
Weißkraut, Stück 1220 Pf.
Rotkraut, Stück 1035 Pf.
Blumenkohl, Stück 2050 Pf
Wirſing, Stück . 510 Pf.
Grünkohl, Stück . . 5 Pf.

Roſenkohl, ½ kg . 20 Pf.
Gelberüben, ½ kg 45 Pf
Bündel
Sellerie, Stück . 315 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg . 0,901 M.
Enten, Stück 3,003,50 M.
Hahnen, Stück 1,502,00 M.
Hühner, 2,002,50 M.
Tauben, Stück 5060 Pf.
Haſen, Stück . 3,804 M.
Lapins, Stück 0,901 M.
Fiſche:
. 1 M.
Hecht, ½ kg . .
. . 1 M.
Aal, ½ kg
Andere Rheinfiſche,
½ kg 35 Pf.
Kabliau, ½ kg . 40 Pf.
Schellfiſche ½ kg . Pf.
In den Fleiſchſtänden.
Rindfleiſch, ½ kg 7076 Pf.
Kalbfleiſch, ½ kg . 90 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg . 80 Pf.
Rindsfett, ½ kg . 60 Pf.
Rindswürſtchen, Stück
1520 Pf.
Schweinefleiſch mit
Beilage, ½ kg 90 Pf
ohne Beilage 1 M.
Geſalzenes und Koteletts,
kg 90 Pf.
Schwartemagen und
Fleiſchwurſt, ½ kg 80 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
½ kg .70 Pf.

Groß=Gerau, 31. Okt. (Goldene Hochzeit.) Herr
Bürgermeiſter Arnold und Gemahlin feierten heute ihre
goldene Hochzeit. Den größten Teil ſeines Lebens hat
der Jubilar in 34jähriger Tätigkeit als Gemeinderat, Bei=
geordneter
und Bürgermeiſter der Gemeinde gewidmet und
zum Wohle der Bürger ſein redlich Teil mitgearbeitet.
Es gratulierten Herr Geheimrat Dr. Wallau, die Her=
ren
Richter des Großh. Amtsgerichts, die Herren Bürger=
meiſter
des Kreiſes, der Gemeinderat zu Groß=Gerau, die
Bezirksſparkaſſe, der evangeliſche Kirchenvorſtand, das
Großh. Oberkonſiſtorium, in deſſen Namen Herr Pfarrer
Scriba ein neues Teſtament überreichte, die Großh. Kabi=
nettsdirektion
, die ein Bild Seiner Königlichen Hoheit des
Großherzogs in Allerhöchſtem Auftrage durch Herrn Pfar=
der
Scriba übergeben ließ, die Lehrerſchaft, zahlreiche Ver=
eine
und Privatperſonen.
Mainz, 31. Okt. (Die Schafherde mit den
Schellen am Halſe.) Der Unteroffizier Weiß von der
4. Kompagnie des 1. Naſſ. Pion.=Batl. Nr. 21 erhielt das
Eiſerne Kreuz für einen umſichtigen Patrouillengang auf
dem weſtlichen Kriegsſchauplatze. Weiß hatte ſich mit vier
Pionieren faſt bis an die feindlichen Schützenlinien unbe=
merkt
herangeſchlichen und eine Herde Schafe, 150 Stück,
die zwiſchen der deutſchen Front und der Stellung der
Franzoſen weideten, und Schellen umhängen hatten, um
den Franzoſen ein Vorgehen der Deutſchen in der Nacht
zu verraten, in die Stellung ſeiner Kompagnie getrieben.
Weiß iſt aus Walzenborn in Oberheſſen gebürtig.

Bingen, 31. Okt. (Hochherzige Stiftung.
Der kürzlich im Alter von 82 Jahren verſtorbene Geheime
Kommerzienrat Karl Auguſt Fiſcher hat der Stadtver=
waltung
Bingen den Betrag von 5000 Mark zur Unter=
ſtützung
von bedürftigen Familien, deren Ernährer im
Felde gefallen ſind, zugewieſen.
Wörrſtadt, 31. Okt. (Kriegsgabe aus Ame=
rika
.) Alsbald nach Kriegsausbruch ging man in hieſiger
Gemeinde daran, durch freiwillige Beiträge die Errich=
tung
eines Hilfslazaretts zu ermöglichen. Jetzt iſt aus
Amerika eine größere Geldſendung für den gleichen Zweck
hier eingetroffen, und weitere Beträge ſtehen von dort=
her
in Ausſicht. Der Heſſiſche Landesverein vom Roten
Kreuz hat die Errichtung des Lazaretts gutgeheißen.
Butzbach, 30. Okt. (Autounfall.) In der Nacht
vom 28. zum 29. Oktober verunglückte bei Hauſen das
Auto des Holzhändlers Klos aus Wetzlar. Der Führer
des Autos war ein Butzbacher namens Süß. Er hatte
ſeine Freunde zu einer Vergnügungstour mitgenommen.
Die Mitfahrer blieben unverletzt, während der Führer
verwundet und ins Johanniterkrankenhaus Niederweiſel
übergeführt wurde.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
ſeinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Daß in unſeren Waldungen fleißig das dürre Holz
geleſen und Früchte geſammelt werden, dürfte allſeits mit
Freude begrüßt werden. Aber nach unſeren Beobachtungen
findet das Aufleſen nicht gründlich genug ſtatt. Warum
bleiben die kleinen Reiſer liegen und verwertet ſie nicht?
Auch an den kleinſten Stücken ſollte nicht achtlos vorüber=
gegangen
werden. Die reichen Vorräte unſerer Wälder
müßten bei planmäßigem Durchſuchen ganz den Armen
zugute kommen können. Und die Waldbeſitzer würden in
Anbetracht des kommenden Winters ſicher keine Einwen=
dungen
erheben, wenn ſelbſt die Forſtbehörden die noch
vorhandenen an Leſeholz reicheren Waldbezirke den Be=
dürftigen
bekannt gäben. Warum müſſen aber gleich wie=
der
echte Rohlinge, jungen und alten Schlages, am Werke
ſein und die Freude an unſeren ſchönen Waldbildern
ſtören? So ſind in allerletzter Zeit grüne Bäume,
etwa 2022jährigen Beſtandes, über dem Boden mit ſchar=
fen
Werkzeugen abgehauen und zerkleinert worden. Grüne
Bäumchen, 1015 Jahre alt, wurden mit ſtarken Stricken
zur Erde gebogen, abgebrochen und fortgeſchleift. Hunderte
von Stümpfen geben in einem Bezirk den Beweis von
einer elenden Räuberei. Das Forſtſchutzperſonal möge ein
wachſames Auge über den grünen Beſtand haben, ſonſt
könnte es vorkommen, daß letzten Endes die unſchuldigen
Bedürftigen die Schuld der rohen Uebeltäter büßen
Ein Griesheimer.
müßten.

Handel und Verkehr.

Nachdem der Bundesrat durch Bekannt=
machung
vom 22. Oktober die Proteſtfriſt für
Wechſel, die in Elſaß=Lothringen, in der Provinz Oſt=
preußen
oder in Weſtpreußen in den Kreiſen Marien=
burg
, Elbing Stadt und Land, Stuhm, Marienwerder,
Roſenberg, Graudenz Stadt und Land, Löbau, Culm,
Brieſen, Strasburg, Thorn Stadt und Land zahlbar
ſind, ſowie für ſolche im Stadtkreiſe Danzig zahlbaren
gezogenen Wechſel, die als Wohnort des Bezogenen
einen Ort angeben, der in Oſtpreußen oder in einem der
bezeichneten weſtpreußiſchen Kreiſe liegt, im Anſchluß an
die in der Bekanntmachung vom 24. September vorge=
ſehene
Verlängerung um weitere 30 Tage verlängert hat,
iſt die Poſtordnung vom 20. März 1900 entſprechend
geändert worden. Poſtproteſtaufträge mit Wechſeln der
bezeichneten Art werden daher in Fällen, in denen bei
der erſten Vorzeigung die Zahlung nicht ausdrücklich
verweigert wird und der Proteſt auch nicht aus anderen
Gründen nach der erſten Vorzeigung oder nach dem erſten
Verſuche der Vorzeigung zu erheben iſt, erſt am ein=
hundertundzwanzigſten
Tage nach Ablauf der Proteſt=
friſt
des Art. 41 Abſ. 2 der Wechſelordnung nochmals
zur Zahlung vorgezeigt werden. Fällt der letzte Tag
der Verlängerungsfriſt auf einen Sonn= oder Feiertag,
ſo erfolgt die zweite Vorzeigung und die Proteſterhebung
am nächſten Werktage.
Ferner hat die Poſtordnung folgende beachtenswerte
Ergänzung erfahren. Solange die Verlängerung der
Friſten des Wechſel= und Scheckrechts beſteht, kann die
Poſt damit betraut werden, neben der Wechſelſumme
auch die vom Tage der erſten Vorzeigung des Wechſels
an fälligen Wechſelzinſen einzuziehen und im Nicht=
zahlungsfalle
deswegen Proteſt zu erheben. Wird hier=
von
Gebrauch gemacht, ſo iſt in den Vordruck zum Poſt=
proteſtauftrag
hinter Betrag des beigefügten Wechſels
einzutragen nebſt Verzugszinſen von 6 v. H. vom Tage
der erſten Vorzeigung, nämlich vom . . . . . . . . . . ab.
Der Zeitpunkt, von dem an die Zinſen zu berechnen
ſind, iſt nicht anzugeben, wenn die Poſt die erſte Vor=
zeigung
des Wechſels bewirkt. Hat der Auftraageber
die Einziehung der Zinſen verlangt, ſo wird der Wechſel
nur gegen Bezahlung der Wechſelſumme und der
Zinſen ausgehändigt, bei Nichtzahlung auch nur der
Zinſen aber wegen des nicht gezahlten Betrags Proteſt
mangels Zahlung erhoben.

Die Türkei und Rußland.

* Konſtantinopel, 31. Okt. Aus amtlicher Quelle ver=
lautet
: Der Panzerkreuzer Sultan Jawus Selim ver=
ſenkte
ein ruſſiſches, mit 300 Minen bela=
denes
Schiff und ein Kohlentransportſchiff, beſchä=
digte
ein ruſſiſches Kanonenboot und be=
ſchoß
Sewaſtopol erfolgreich.
Der Kreuzer Mieilli zerſtörte in Naruski die Petro=
leumbehälter
und Getreidelager und verſenkte 14
Transportdampfer.
Der Torpedobootszerſtörer Jadig Hiar in Lillet
verſenkte ein ruſſiſches Kanonenboot, der
Zerſtörer Muavenet ein Schiff derſelben Gat=
tung
.
In Odeſſa wurden die Petroleumbehälter
und 5 ruſſiſche Schiffe beſchädigt. Die Ha=
midy
beſchoß Theodoſia erfolgreich und
verſenkte in Kertſch ein Transportſchiff. (Die türkiſche
Flotte beweiſt nach dieſen Meldungen eine ganz beſon=
dere
Angriffsluſt, das wird die ruſſiſchen Machthaber
wohl bald davon überzeugen, daß die Türkei nicht mehr
mit ſich ſpielen läßt.)
* Konſtantinopel, 31. Okt. Wie es heißt, hat
der ruſſiſche Botſchafter ſeine Päſſe ver=

langt. Am Nachmittag hatte er eine Unterredung mit
dem Großweſir in deſſen Sommerreſidenz Jenikioe. Im
Fall des Abbruches der ruſſiſch=türkiſchen Beziehungen
übernimmt der italieniſche Botſchafter die Vertretung der
ruſſiſchen Intereſſen. Der ruſſiſche Drageman befindet
ſich bereits in der italieniſchen Botſchaft.
* Wien, 31. Okt. Die Nachricht von dem Ausbruch
der türkiſch=ruſſiſchen Feindſeligkeiten
hat in weiten Kreiſen der Bevölkerung einen nachhalti=
gen
Eindruck gemacht und Anlaß zu lebhaften für die
Türkei ſympathiſchen Erörterungen über die weittragende
Bedeutung des Ereigniſſes gegeben. Die Blätter betonen
einmütig, daß die Türkei um die Aufrechterhaltung der
Neutralität gegenüber den andauernden unerhörten Her=
ausforderungen
und Drohungen der Mächte des Dreiver=
bandes
, insbeſondere Rußlands, bis zur Grenze der
äußerſten Geduld bemüht war. Die ruſſiſche Flotte ſei es
geweſen, die jetzt durch den völkerrechtswidrigen
Ueberfallauf die türkiſche Flotte die Türkei
in die Notwehr verſe tzte und ihr den Exiſtenz=
kampf
aufzwang.
Das Fremdenblatt ſchreibt: Es kann keinem Zweifel
unterliegen, daß von ruſſiſcher Seite der Anlaß zu dem
Kampfe gegeben wurde. Die Türkei hat alles aufgeboten,
um ihre Neutralität zu bewahren. Die vielhundertjährige
Geſchichte hat gelehrt, wer ihr unerbittlicher Feind und
weſſen Ziel die Zerſtörung der Türkei iſt. Es iſt ein Exi=
ſtenzkampf
, den die Osmanen gegen die Ruſſen führen,
und wenn die ſehr ernſten Zwiſchenfälle im Schwarzen
Meer den Ausbruch des Krieges zwiſchen dem ottomani=
ſchen
Kaiſerreiche und dem Zarenreiche nach ſich ziehen
ſollten, wird die Urſache dieſes Kampfes in der heraus=
fordernden
Haltung Rußlands zu ſuchen ſein. In dem
großen Drama, welches die Welt jetzt erlebt, iſt ein äußerſt
ſpannendes Moment eingetreten. Der Kanonendonner im
Schwarzen Meer kann die Ouvertüre zu einem neuen Akt
des Weltkrieges werden.
* Peſt 31. Okt. Eine große Volksmenge zog
geſtern abend, patriotiſche Lieder ſingend, vor das Kaſino
und hierauf vor das türkiſche Konſulat, wo Hoch=
zufe
auf die Türkei und Abzugrufe auf Rußland ausge=
bracht
wurden. Die Menge zerſtreute ſich ohne Zwi=
ſchenfall
.

Die Kämpfe in Belgien.

* Amſterdam, 31. Okt. Het Nieuws van den Dag
melden aus Ooſtburg vom 31. Oktober: Seit Donners=
tag
mittag dauert das Schießen ununterbrochen
an. Die Schüſſe kommen aus Südweſt. Wahrſcheinlich
beſchießen wieder Kriegsſchiffe die Küſte. Bei Heyſt,
Knocke, Zoute, Hezegras, überall ſind Geſchütze aufgeſtellt
und Laufgräben angelegt.
* Paris, 31. Okt. Ueber die Kriegslage wurde
geſtern abend 11 Uhr nachſtehende amtliche Mittei=
lung
ausgegeben: Aus Belgien wird in den letzten
Nachrichten aus der Gegend von Nieuport und Dix=
muiden
nichts Neues gemeldet. Auf unſerem linken
Flügel richtet der Feind heftige Angriffe gegen die Front
der britiſchen Truppen und auf beiden Ufern des Ka=
nals
von La Baſſée, ohne irgend einen Erfolg zu er=
zielen
. Seine Tätigkeit nimmt wieder in der Gegend von
Reims und an den Maashöhen ſüdlich von Fresnes zu.

Deutſche Zivilverwaltung in franzöſiſchen
Landesteilen.

* Metz, 31. Okt. Die Erzbezirke von Longwy
und Briey in den franzöſiſchen Okkupationsgebieten
ſind auf Befehl Sr. Majeſtät des Kaiſers auf Anord=
nung
des Reichskanzlers unter deutſche Zivilver=
waltung
geſtellt worden. Die Verwaltung un=
terſteht
dem Befehl des Gouverneurs von Metz, Generals
der Infanterie von Oven.

Die Verſorgung unſerer Truppen mit warmer
Unterkleidung.

* Berlin, 31. Okt. Dem Kriegsausſchuß
fürwarme Unterkleidung iſt es durch Zuſammen=
arbeit
mit den militäriſchen Behörden gelungen, die bis=
her
abgelaſſenen 6 Wollzüge, deren jeder einen Wert
von ungefähr 2 Millionen Mark darſtellte, immer raſch
an die Front zu bringen und die Verteilung der mitge=
brachten
Sachen an die von den maßgebenden militäriſchen
Stellen beſtimmten Truppenteile zu bewirken. Auf Grund
der dabei gemachten Erfahrungen wurden bereits Maß=
nahmen
eingeleitet, durch welche die bei den Truppen ver=
brauchten
wollenen Kleidungsſtücke, Strümpfe uſw., wie=
der
nach Berlin zurückgebracht und durch ent=
ſprechende
Bearbeitung wieder inſtand geſetzt werden.

Der Krieg in den Kolonien.

* Bordeaux, 31. Okt. (Meldung der Agence Ha=
vas
.) General Dobbell, Kommandant der Verbündeten
in Kamerun, hat dem Gouverneur von Franzöſiſch=
Weſtafrika mitgeteilt, daß eine Kolonne franzöſiſcher und
engliſcher Marineſoldaten am 26. September Edea am
Sanagafluſſe, 90 Kilometer von der Küſte entfernt, beſetzt
habe.

Vom öſtlichen Kriegsſchauplatz.

* Wien, 31. Okt. Amtlich wird verlautbart: 31. Okt.,
mittags: Nächſt der galiziſch=bukowiniſchen Grenze nörd=
lich
von Kuty wurden geſtern ruſſiſche Kolonnen
aller Waffen geſchlagen. In Mittelgali=
zien
behaupten unſere Truppen die gewonnenen Stel=
lungen
nordöſtlich Turka, bei Stary=Sambor, öſtlich Prze=
mysl
und am unteren San. Mehrere feindliche Angriffe
im Raume Nisko wurden abgewieſen. Dort ſowohl als
auch bei Skola und Stary=Sambor wurden Hunderte von
Gefangenen gemacht. Die Operationen in Ruſſiſch=
Polen verliefen auch geſtern ohne Kampf.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalſtabs:
v. Höfer, Generalmajor.

Vergeltungsmaßregeln in Ungarn gegen
Frankreich.

* Peſt, 31. Okt. Infolge des Verbots von Zahlun=
gen
an Bürger feindlicher Staaten hat der Magiſtrat be=
ſchloſſen
, die am 1. November fälligen Zinſen der
Amortiſationsrate im Betrage von rund 2,4 Mil=
lionen
Kronen des 4prozentigen mit der Pariſer Banque
de Paris et des Pays bas abgeſchloſſenen Anlehens nicht
zu zahlen. Zahlungen an den Obligationsinhaber wer=
den
nur dann geleiſtet, wenn dieſer ſeine Staatsangehörig=
keit
nachweiſt und ferner beweiſt, daß er die Obligationen
vor dem 1. Auguſt 1914 erworben hat oder der ſpätere Er=
werb
nicht durch Kauf von einem franzöſiſchen Staatsbür=
ger
erfolgte,

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. Novemver 1914.

Nummer 501.

Das Ende einer Verleumdung.

Paris, 31. Okt. Wie die Neue Züricher Zeitung
aus Mailand erfährt, iſt dort der angebliche Ingenieur
Pigouri aus Brescia verhaftet worden, den die
Polizei in Neapel ſteckbrieflich verfolgt hat. Er hatte ſich
durch einen Vortrag bemerkbar gemacht, den er als angeb=
licher
Flüchtling aus Löwen über deutſche Grauſamkeiten
gehalten hat. Seine Angaben über die Urſache der an=
geblichen
Panik unter den Deutſchen in Löwen, daß näm=
lich
die Preußen und Bayern im Streit aufeinander ge=
ſchoſſen
hätten, und über Zerſtörungen und maſſenhafte
ſtandrechtliche Erſchießungen, worüber Pigouri ſeinen er=
ſchütterten
Zuhörern Grauenhaftes vortrug, waren in
zahlreiche Mailänder und andere Provinzblätter überge=
gangen
und hatten großes Aufſehen erregt.

Zum Rücktritt des Prinzen Ludwig von
Battenberg.

* London, 31. Okt. Prinz Ludwig von Bat=
tenberg
ſchreibt in ein m Brief an Churchill, in
welchem er ihm mitteilt, daß er das Amt als Erſter See=
lord
der Admiralität niederlege, daß er in der letzten Zeit
zu dem ſchmerzlichen Entſchluſſe gelangt ſei, daß unter
den herrſchenden Umſtänden ſeine Geburt und Herkunft
die Wirkung hätten, in gewiſſer Hinſicht ſeine Stellung
in der Admiralität zu beeinträchtigen. Die Times
ſchreibt hierzu, der Rücktritt des Prinzen Ludwig von
Battenberg ſei zweifellos das Ergebnis der Kampagne
geweſen, der der Prinz ausgeſetzt geweſen ſei.
* London, 31. Okt. Admiral Lord Fiſher wurde
als Nachfolger des Prinzen von Battenberg
zum Erſten Seelord ernannt.

Die Sperrung der Chemſeeinfahr!.

* London, 31. Okt. Die Admiralität gibt bekannt,
baß bis auf weiteres alle Schiffahrt in und aus
der Themſe durch Edinburgh=Channel oder durch
Black=Deep ſüdlich der Knock=, John und Knob=Bojen und
durch Caze=Deep gehen muß. Alle anderen Fahrſtraßen
ſind geſchloſſen. Kein Fahrzeug darf zwiſchen 7 Uhr
abends und 6 Uhr morgens unterwegs bleiben. Die in=
nerhalb
der Sunk=Head=Boje oder innerhalb der Linie
zwiſchen den South Long Sand und den Eaſt Shingles=
Bojen vor Anker liegenden Schiffe dürfen innerhalb der
bezeichneten Punkte zwiſchen 7 Uhr abends und 6 Uhr
morgens keine Lichter zeigen. Damit iſt die Schiffahrt
von und nach London auf eine einzige enge Fahr=
ſtraße
beſchränkt.

Unfall eines engliſchen Hoſpitalſchiffes.

* London, 31. Okt. Das Hoſpitalſchiff
Chilla, das ſich auf der Fahrt von Queenferry aus be=
fand
, um Verwundete heimzubringen, iſt bei Whitby
während eines Sturms auf eine Klippe getrie=
ben
worden. Vier Leichen wurden ans Ufer geſpült.
Rettungsboote brachten unter den größten Schwierigkei=
ten
zwei Bootsladungen vom Wrack. Weitere Verſuche
wurden aufgegeben. Alle Frauen konnten gerettet wer=
den
. 50 bis 80 Menſchen halten ſich noch am Schiff feſt,
das von den Wellen überſtrömt wird. Das Hinterteil iſt
abgebrochen.

Die Unruhen in Portugal.

* London, 31. Okt. Die Morning Poſt meldet aus
Liſſabon vom 27. Okt.: Zahlreiche Verhaftungen
haben im ganzen Lande ſtattgefunden. Der Herausgeber
des Blattes Reſtauracan, Roman Chriſto, wurde des Lan=
des
verwieſen. Die Karbonari haben ſeit der Amneſtie
im letzten Februar daran gearbeitet, ihre Beſtrebungen zu
fördern. Sie wiſſen, daß bei der gegenwärtigen Lage
Europas die Verhaftungen von Royaliſten wenig Auf=
merkſamkeit
finden und glauben, die langerſehnte Gelegen=
heit
ſei gekommen. Die Bewegungsfreiheit der
Royaliſten wird unterdrückt und alle royaliſtiſchen Zei=
tungen
werden beſchlagnahmt. Die Telegramme an die
Auslandspreſſe werden gänzlich unterdrückt.

Macht China mobil!

* Berlin, 31. Okt. Das Berliner Tageblatt mel=
det
aus Wien: Nach einer Konſtantinopeler Meldung
ſteht eine Art allgemeiner Mobiliſierung
Chinas bevor. Ein Ausſchuß unter dem Vorſitz Juan=
ſchikais
arbeitet an der Fertigſtellung der Mobiliſierungs=
vorſchriften
.
* Blankenburg a. H., 31. Okt. Magiſteat und
Stadtverordnete haben in einer Sitzung beſchloſſen, dem
Fregattenkapitän Karl v. Müller von dem Kreuzer
Emden das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Blanken=
burg
iſt ſeine Heimatſtadt.
* Göttingen, 31. Okt. Im Kampfe fürs Vater=
land
iſt in Galizien der Privatdozent für Aſſyriologie
an der Göttinger Univerſität, Dr. Ernſt Klauber, Re=
ſerveleutnant
in der öſterreichiſchen Feldartillerie, gefallen.
* London, 30. Okt. Die vorgeſtern veröffentlichte
Verluſtliſte enthält die erſten Namen der Offiziere des
indiſchen Expeditionskorps.
* Rom, 31. Okt. Agenzia Stefani meldet: Heute
vormittag hat die Beſetzung der Inſel Saſeno ſtattgefun=
den
. Admiral Patries telegraphierte, daß er in Baj=
ba
(?) und San Nicola (?) eine Batterie und die
dritte Kompagnie eines Landesbataillons ausgeſchifft
habe.
* London, 31. Okt. Prinz Moritz von Bat=
tenberg
iſt in Belgien gefallen, während er
ſeine Kompagnie bei einem Angriff führte, wobei er durch
einen Granatſchuß tödlich getroffen wurde. Er ſtarb bald
darauf und wurde in Ipern begraben.
* Konſtantinopel, 31. Okt. Der italieni=
ſche
Marineminiſter teilte dem türkiſchen Marine=
miniſter
mit, daß fremde Kriegsſchiffe in die =
fen
Spezia, Tarent, Brindiſi, Venedig und Maddelena
nur am Tage einfahren dürfen und daß ſie die italieniſchen
Behörden durch Funkenſpruch von der Abſicht in Kennt=
nis
ſetzen müſſen, um ſich einſchleppen zu laſſen.
* Konſtantinopel, 31. Okt. Die ruſſiſche, eng=
liſche
und franzöſiſche Botſchaften hißten geſtern anläß=
lich
des Beiramfeſtes nicht wie ſonſt üblich die
Fahnen.

Letzte Nachrichten.

* Berlin, 31. Okt. Der ruſſiſche Staatsangehörige,
Techniker Conzeff, hatte ſich wegen Ehrenbeleidigung
des deutſchen Kaiſers, begangen in einem Reſtaurant, vor
dem Landgericht Berlin zu verantworten. Der Staats=
anwalt
beantragte 1 Jahr Gefängnis. Der Gerichtshof
erkannte auf Freiſprechung und legte die Koſten des
Verfahrens der Staatskaſſe auf; ferner verfügte er die ſo=
fortige
Haftentlaſſung des Angeklagten. Zu dem Urteil
bemerkte der Vorſitzende, Landgerichtsdirektor Weſtermann,

der Gerichtshof habe die Ueberzeugung erlangt, daß der
Angeklagte zwar die Aeußerung in ehrverletzender Ab=
ſicht
getan, jedoch nicht, daß der Angeklagte mit Ueber=
legung
gehandelt habe.
* Straßburg (Elſ.), 31. Okt. Wie die Blätter mel=
den
, wurde ein hieſiger Holzhändler verhaftet, der der
Militärverwaltung für etwa 8000 Mark Holz geliefert,
dafür aber 25000 Mark verlangt und er=
halten
hatte. Der beſtochene Bauleiter, der den Be=
trug
mit ſeiner Unterſchrift deckte, wurde gleichfalls feſt=
genommen
.
* Stockholm, 31. Okt. In Uebereinſtimmung mit dem
Beſchluß der Schwediſchen Akademie der Wiſſenſchaften
und des Karolinaſchen Inſtitutes ſchlug der Vorſitzende
des Nobelkomitees vor, die Regierung möge geſtatten,
daß die Aufſtellung des Nobelpreiſes 1914, ſowie
1915 für Medizin, Phyſik, Chemie und Literatur erſt am
1. Juni 1916 ſtattfinde.
* Waſhington, 31. Okt. (Reuter.) Das Staatsdeparte=
ment
hat einen Bericht erhalten, nach welchem der Prä=
ſident
von Haiti Porte au Prince verlaſſen
mußte und an Bord eines holländiſchen Schiffes ge=
flüchtet
ſei.
Rücktritt des italieniſchen Kabinetts.
* Rom, 31. Okt. Die Agenzia Stefani meldet: Der
Staatsminiſter Roubini gab den Entſchluß kund, von
ſeinem Amte zurückzutreten. Infolgedeſſen ent=
ſchied
ſich das ganze Kabinett dahin, gleich=
falls
aus dem Amt zu ſcheiden. Miniſterprä=
ſident
Salandra unterbreitete dem König dieſen Ent=
ſchluß
; dieſer behielt ſich ſeine Entſcheidung vor. Nach
einer Mitteilung des Geornale d’Italia iſt der Rücktritt
des Staatsminiſters Roubini auf Meinungsverſchieden=
heiten
zurückzuführen über die Art und Weiſe, wie man
die Ausgaben für die militäriſchen Erfor=
derniſſe
beſtreiten ſollte.

Verluſtliſte (aus Nr. 64).

Infanterie=Regiment Nr. 30, Saarlouis.
Montfaucon am 22. Sept. und Argonnerwald vom
1. bis 6. Okt.
III. Bataillon.
12. Kompagnie: Reſ. Oskar Spahn, Frieſen=
heim
, ſchv.
Füſilier=Regiment Nr. 39, Düſſeldorf.
Craonne vom 13. bis 30. Sept.
III. Bataillon.
10. Kompagnie: Füſ. Ph. Schäfer, Wöllſtein, vm.
11. Kompagnie: U.=O. Leop. Schmidt, Gießen, lv.
Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 40, Mannheim u. Karlsruhe.
Berichtigung früherer Angaben.
Musk. Johannes Dieter, Eberſtadt, bish. vermißt,
iſt im Lazarett.
Infanterie=Regiment Nr. 57, Weſel.
Lobbes am 23., St. Quentin vom 27. bis 29. Aug., Mont=
mirail
am 8., Anderlues am 9., Fismes am 12., 13.,
Brimont am 17., Bois=Soulains am 17. und Suippe
vom 22. bis 27. Sept.
III. Bataillon.
10. Kompagnie: Reſ. Johann Schönnell, Dien=
heim
, vm.
Füſilier=Regiment Nr. 80.
Etrepy am 8. und Ville=ſur=Tourbe am 13., Bermericourt
vom 17. bis 19., Margny am. 27. u. Ognolles am 28. Sept.
I. Bataillon, Wiesbaden.
2. Kompagnie: Füſ. Jacob Albert, Bermers=
heim
, t.; Füſ. Adam Heinz, Büdesheim, t.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 80.
Cernay vom 14. bis 17. und am 25. und 26. Sept.
III. Bataillon, Höchſt.
9. Kompagnie: Wehrm. Michael Arnold, Gau=
bickelheim
, vm.; Wehrm. Jakob Neidlinger, Weinheim,
Kr. Alzey, vm.
10. Kompagnie: Wehrm. Martin Schäfer, Lauben=
heim
, vm.
12. Kompagnie: Wehrm. Adam Reiß, Egelsbach,
vm.; Reſ. Auguſt Wilhelm, Alsfeld, vm.; Wehrm.
Lorenz Theis, Mainz, vm.; Vizef. Off.=Stellv. Ludwig
Friedrich, Darmſtadt, lv.; Tamb. d. Reſ. Ludwig von
Hayn, Rodheim, lv.
Füſilier=Regiment Nr. 86.
Eſternay am 6., La Grange des Moines ferme am 15.,
Autréches am 20. Sept. und Moulin am 4., Okt.
I. Bataillon, Flensburg.
2. Kompagnie: Füſ. Joſef Fröhlich, Offenbach, lv.
Reſerve=Inf.=Regt. Nr. 109, Karlsruhe, Bruchſal.
Fuis am 27., Contalmaiſon am 28. und Fricourt
vom 28. bis 30. Sept.
I. Bataillon.
1. Kompagnie: Gren. Eduard Eckert, Cleveland,
Kanada, wohnhaſt Rimbach, lv.
3. Kompagnie: San.=Gefr. Franz Löbig, Die=
burg
, vw.
II. Bataillon.
5. Kompagnie: Wehrm. Nikol. Bitſch, Mitters=
hauſen
, lv.
III. Bataillon.
Reſerve=Maſchinengewehr=Kompagnie:
U.=O. Georg Wien, Darmſtadt, lv.
Infanterie=Regiment Nr. 117, Mainz.
Berichtigung früherer Angaben.
Musk. Albert Kiſſinger, Selzen, bish. vermißt,
zur Truppe zurück Musk. Hermann Langenſiepen
(Langenſieben), Düſſeldorf, bish. vermißt, z. Truppe zurück.
Infanterie=Regiment Nr. 118, Worms.
Berichtigung früherer Angaben.
Lt. Cares (Kares) wird nicht mehr vermißt; Reſ.
Johannes Seemann, bish. vermißt, in frz. Gefangen=
ſchaft
; Reſ. Paul Blum, Gundheim, nicht tot, ſondern
vermißt.
Infanterie=Regt. Nr. 143, Straßburg i. E., Mutzig.
Amenoncourt am 8. und 13., Laon am 15. und Boucon=
ville
vom 15. bis 30. Sept. und am 2. Okt.
I. Bataillon.
4. Kompagnie: U.=O. d. Reſ. Franz Fleiſcher,
Groß=Bieberau, lv.
II. Bataillon.
5. Kompagnie: U.=O. d. Reſ. Friedrich Weber,
Darmſtadt, lv.
III. Bataillon.
10. Kompagnie: U.=O. d. Reſ. Karl Hoffmann,
Darmſtadt, t.
Infanterie=Regiment Nr. 168, Offeubach,
Butzbach, Friedberg.
Berichtigung früherer Angaben.
Reſ. Albert Gräbener, bish. verwundet, tot; Gefr.
d. Reſ. Rudolf Hinkel, bish. verwundet, verſtorben:
Musk. Karl Bellhäuſer, bish. vermißt, tot; Musk.
Jacob Raiß (Reiß) I., bish. verwundet. tot: Musk.

Blechſchmidt, bish. vermißt, verwundet: Reſ. Böcher=
bish
. vermißt, verwundet; Musk. Bugert, bish. ver=
mißt
, verwundet; Reſ. Adolf Ginsberg, bish. vermißt,
verwundet; Musk. Heinrich Hägerbanner, bish. ver=
mißt
, verwundet; Reſ. Otto Höfling, bish. vermißt,
verwundet; Reſ Jung, bish. vermißt, verwundet; Reſ.
Molter, bish. vermißt, verwundet; Musk. Guſtav
Neuſſer, bish. vermißt, verwundet; Reſ. Aug. Pfeifer,
bish. vermißt, verwundet; Musk. Scherff bish. vermißt,
im Lazarett; Musk. Riepert, bish. vermißt, im Lazarett.
Feldartillerie=Regiment Nr. 61.
Cerny am 27. Sept. und Fresnoy am 5. Okt.
1. Abteilung, Darmſtadt.
1. Batterie: Sergt. Jacob Nikolai, Obermörlen,
ſchv. Einj.=Freiw. Ernſt Sondheimer, Darmſtadt, ſchv.
3. Batterie: Lt., vermutl. d. Reſ., Werner Land=
ſchütz
, Runkel, t.
Berichtigung früherer Angaben.
Gefr. Peter Schilling, Biſchofsheim, bish. ver=
wundet
, verſtorben.
Fußartillerie=Regiment Nr. 3, Mainz.
Orginville am 19. und 20.,
Omencourt am 30. Sept. und Roye am 2. Okt.
I. Bataillon.
3. Batterie: U.=O. David Geil, Harxheim, ſchv.;
Kan. Karl Val. Kramer, Mainz, lv.
Pionier=Bataillon Nr. 7, Cöln.
Pieton am 22., Lobbes am 23. Aug., Montmirail am 8.,
Aisne-Marne=Kanal und Bouconville am 14., Chermizy
vom 14. bis 26., Aquilcourt am 19. Sept., Le Godat
am 3. und Cerny vom 4. bis 7. Okt.
3. Feld=Kompagnie: U.=O. d. Reſ. Fritz Sitt=
mann
, Rüſſelsheim, ſchv.
Pionier=Regiment Nr. 25, Mainz.
Antwerpen und Taiſſeet vom 27. Sept. bis 7. Okt.
I. Bataillon.
1. Reſerve=Kompagnie: Traingefr. Nikol. Maul,
Fleſchenbach, infolge Unfall ſchwer verletzt.
2. Reſerve=Kompagnie: Gefr. Jakob Ebling,
Nierſtein, abermals ſchv.; Pion. Georg Schäfer, Gerns=
heim
, ſchv.
4. Feldkompagnie: U.=O. Bruno Schmitz, Mainz,
lv.; Vizef. Adam Secker, Marienborn, lv., bei der
Truppe; Gefr. Johann Korb, Froſchhauſen, lv., bei der
Truppe; Gefr. Erwin Mahl, Offenbach, lv.; Pion. Joſef
König, Ober=Mörlen, lv., bei der Truppe.
Dragoner=Regiment Nr. 25, Ludwigsburg.
Auf Patrouille auf Montdidier, am 19., Couchy les Pots
am 19., Oguolles am 23., Gueudecourt am 29 Sept.,
Leus am 4., Souche am 7. u. 8. und Angres am 8. Okt.
3. Eskadron: Vizewachtm. d. Reſ. Friedrich Eich=
horn
, Offenbach, vm.
5. Eskadron: Lt. d. Reſ. Johann Eichhorn.
Offenbach, lv.; Vizewachtm. d. Reſ. Friedrich Böhm,
Offenbach, lv.

Verwundete und kranke Soldaten
in Darmſtädter Lazaretten.

Mitgeteilt vom Heſſiſchen Landesverein vom Roten Kreuz.
Die Lazarette ſind durch die nachſtehenden Buchſtaben
bezeichnet:
A Alicehoſpital, Dieburger Straße 21. Täglich 34 Uhr nachm.
B Diakoniſſenhaus Eliſabethenſtift, Erbacher Straße 25. Sonntag, Diens=
tag
, Freitag 34 Uhr nachm. C Eleonorenheim (Lazarett J. K. H. der
Großherzogin, Heinheimerſtraße 21) Sonntags morgens von ½11—½12 Uhr,
nachmittags von 46 Uhr, Dienstags Mittwochs und Freitags von 4—½6
Uhr. D Ernſt=Ludwig=Heilanſtalt (Dr. Loſſen), Steinſtraße 21. Täg=
lich
25 Uhr nachm. E Garniſonlazarett (Reſ.=Laz. I), Alerander=
ſtraße
27. Mittwoch, Samstag und Sonntag 24 Uhr nachm.
F Haus Hagenburg, Dieburger Straße 241 (Hirſchköpfe.) Täglich
45 Uhr nachm. G Dr. Machenhauerſche Klinik, Lagerhausſtraße 24.
Täglich 24 Uhr nachm. H Marienhöhe (Geneſungsheim).
I Schweſternhaus der Barmherzigen Schweſtern, Nieder=Ramſtädter
Straße 30. Nachmittags von 24 Uhr. K Städtiſches Krankenhaus,
Grafenſtraße 1. Werktäglich 23½ Uhr nachm., Sonntags. 1112 Uhr
vorm. L Städt. Saalbau (Reſ=Laz. III), Riedeſelſtraße 40. Mitt=
wochs
, Samstags und Sonntags von 24 Uhr. M Techniſche Hochſchule
(Reſ.=Laz. II), Hochſchulſtraße 1. Sonntags, Mittwochs und Samstags von
24 Uhr nachm. N Klinik Dr. Ollendorff (Weberſche Augenklinik),
Frankfurter Straße 42. Täglich 1012 Uhr orm., 24 Uhr nachm.
O iſt ein neues Lazarett: Vereinslazarett vom Roten Kreuz, Olbrichweg 10,
Vereinslazarett Mathildenhöhe‟.
Hinter jedem Lazarett ſind die Beſuchszeiten angegeben,
die nach Möglichkeit einzuhalten ſind. Ausnahmen werden
zugelaſſen.
Zugang im 28. Oktober:
Angermeier, J., Groß=Zimmern, Art. 25/1, O
Braun, A., Ladenburg, Drag. 23, M v. Britzke, G.,
Warchio, Pr. S., Art. 25, G Gömmer, J., Saarbrücken,
Erſ.=Fl.=Abt. 3, M Görich, K., Worms, Drag. 24. 4., O
Gräf, W., Darmſtadt, Inf. 118, O Hamann, K.,
Darmſtadt, Reſ.=Inf.=Reg. 116/4, I Jonas, B., Wieſen=
kirchen
, J. 115, Erſ.=Batl., M Kleppinger, Fr. Ober=
Ramſtadt, Landw.=Inf. 118/4, I Koch, E., Offenbach=
Bürgel, Drag. 23, M Baumann, K., Roßdorf, Reſ.=Inf.
118/9, A. Lautenſchläger, Hauptmann, Darmſtadt, Land=
wehr
=Inf. 78/7, O Lenz, Ph., Höchſt i. Odw., Landſt.=
Batt. 3/1, B Lotter, J., Darmſtadt, Reſ.=Inf. 116, O
Mathes, H., Nieder=Modau, Drag. 24, O Meyer, V.,
Neuſtadt (H.), Drag. 23/2, I Müller, A., Raibach, Kr.
Dieburg, Erſ.=Landſt.=Batt. 2, L. Pieber, F., Stokow,
Pom., Drag. 23, N Pötich, K., Hartha, Drag. 24/2. C
Reuling, H., Darmſtadt, Reſ.=Art. 25/5, O Roddatz, W.,
Oderberg, Fuß=Art. 7, 3. B., Köln, K Ruhmann, G.,
Münſter, Kr. Dieburg, Erſ.=Landſt.=Bat. 2, L. Sirtus,
O., Celginne, Reſ.=Landſt.=Batt., L. Schweinsberger, A.,
Langenſeelbold, Reſ.=Inf. 88/1, I Schwat, Chr., Weiter=
ſtadt
, Ldw.=Inf. 116/12, I Walter, J., Erbach i. O., Inf.
235/5, K Weber, L., Michelſtadt, Reſ.=Inf. 118/8, C.

Aus den Lazaretten entlaſſen

am 28. Oktober:
Bohland, A., Pfungſtadt, R.=J. 116, H Diehl, J.,
Pfungſtadt, Landw.=Inf. 115/6, H Fux, A., Frankfurt,
18. Reſ.=San.=K., M Gärtner, J., Mittershauſen, Reſ.=
Inf. 118, I Hartmann, P., Erzbach, Inf. 87, N Kle=
ber
, K., Ober=Ramſtadt, Drag. 24. 2., O Kurz, A., Rei=
chenbach
, Inf. 115/3, I Liſt, W., Raibreidenbach, Inf.,
118, M Marr, A., Schmitten, Train=Abt. 18, M
Roth, G., Hochheim, Art. 61, M Schön, G., Wiesbaden,
Inf. 115, Reſ.=B., M Schulteis, P., Inf. 133/7, E
Schüßler III., W., Ueberau, Landw.=Inf. 116, M Stei=
gek
, Ph., Arheilgen, Reſ.=Inf. 115, H Tanger, H.,
Gießefeld, Inf. 63. 3., I Zimmermann, K., Nierſtein,
Inf. 115/8, I.

Mudolf Gericke in Potsdam, Hoflieferant Sr. Majeſtät
des Kaiſers, hat hierſelbſt bei Th. Stemmer, Hofl.,
Eliſabethenſtr. 14, und Georg Wilh. Weidig, Nachf.
Oskar & Ernſt Matzelt, Hofl., Schulſtr. 4, eine Verkaufs=
ſtelle
ſeines berühmten Ambroſia=Brotes nach Profeſſor
Graham, des neuen Vollkorn=Malton=Brotes, ſowie
ſeines außerordentlich bekömmlichen Potsdamer Zwie=
backs
, auch in Feldpoſtbriefen, worauf wir beſonders die
Herren Aerzte aufmerkſam machen.

[ ][  ][ ]

Nummer 301.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Seite 7.

24. Luittung.

In der Sammelſtelle des Darmſtädter Tag=
blatts
wurden für Kriegsnotleidende in Oſtpreußen
weiter folgende Beträge abgegeben:
Sanitätsrat Dr. Birnbaum 10 M., Prof. Hermann
Müller 25 M., W. Löſch 10 M., K. A. 3 M., Frau
Walz, Karlſtraße (2. Gabe), 20 M., Fräulein L. Ritter
3 M., Schützenbund Egelsbach 3.50 M., Jugendver=
einigung
der Paulusgemeinde 25 M., Verband reiſender
Kaufleute Leipzig, Sektion Darmſtadt, 25 M., Starken=
burg
=Loge Darmſtadt 50 M., Lollo von Zangen 5 M.,
Großh. Hoftheater=Hauptkaſſe 300 M., zuſammen 479.50 M.
Hierzu die bereits veröffentlichten 9035.57 M., insgeſamt
9515.07 Mark.

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9. Quittung.

In der Sammelſtelle des Darmſtädter Tag=
blatts
wurden für die Kriegsnotleidenden in Elſaß=
Lothringen folgende Beträge abgegeben:
Sanitätsrat Dr. Birnbaum 10 M., Wilhelm Seip
20 M., Senatspräſident Dr Keller 100 M., Profeſſor
Hermann Müller 25 M., Frau Walz, Karlſtraße 30 M.,
G. B. 10 M., Kirchenrat Neuroth 10 M., Verband rei=
ſender
Kaufleute Leipzig, Sektion Darmſtadt, 25 M.,
Starkenburg=Loge Darmſtadt 50 M., Lollo von Zangen
5 M., Heinrich Fritzges 10 M., Ungenannt 1.50 M.,
Lehrer Weinmann 5 M., zuſammen 301.50 M. Hierzu
die bereits veröffentlichten 1773 M., insgeſamt
2074.50 Mark.

Familiennachrichten.

Statt Karten!
Irene. Wagner
August Kraus
Oberlehrer, Dahme (Mark),
Leutnant d. R, im Infanterie-Leibregiment
Grossherzogin Nr. 117, z. Zt verwundet in Darmstadt
Verlobte
Rheinstrasse 24
Hoffmannstr. 18
Am Reformationsfeste des Kriegsjahres 1914.
(20693

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme beim
Hinſcheiden meines unvergeßlichen Mannes, unſeres
liebevollen Vaters, Bruders und Schwagers, des
Oberpoſtaſſiſtenten
Georg Engel
(20694
ſagt innigen Dank
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Marie Engel geb. Spalt.

Am 23. Oktober erlitt den Helden=
tod
für das Vaterland unſer un=
vergeßlicher
Sohn und Bruder
Willy Ochs
Leutnant der Reſ. und Kompagnieführer
im Reſ.=Inf.=Regt. Nr. 116,
Ritter des Eiſernen Kreuzes.
Darmſtadt, den 31. Oktober 1914.
Ludwig Ochs u. Frau Amalie,
geb. Wundt,
Lili Ochs.

Beſuche dankend verbeten. (20724

Todes=Anzeige.
Heute Nachmittag 12¼ Uhr erlöſte der Tod
meinen lieben Mann, unſern guten Vater,
Bruder, Schwager, Onkel und Großvater
Herrn
Wilhelm Herrlinger
von langen, ſchweren, mit großer Geduld er=
tragenen
Leiden.
In ſtiller Trauer:
Emilie Herrlinger geb. Schott.
Charlotte Herrlinger.
Lilli Schwab geb. Herrlinger.
Leutnant Paul Herrlinger,
z. Zt. im Felde.
Julchen Herrlinger.
Theodor Schwab.
(20723
Darmſtadt, den 31. Oktober 1914.
Die Einſegnung und Beerdigung findet Mon=
tag
, den 2. November, nachmittags 2½ Uhr,
auf dem Beſſunger Friedhof ſtatt.

Dankſagung.
Für die liebevolle Teilnahme beim
Ableben unſeres unvergeßlichen Sohnes
und einzigen Kindes ſagen wir unſeren
herzlichſten Dank.
Amtsgerichtsrat Breidenbach,
Hauptmann der Reſerve des
Großherzoglichen Artilleriekorps.
Frau Anna Breidenbach,
geb. Rummel.
(20722

Darmſtadt, 31. Oktober 1914.

Den Heldentod für das Vater=
land
erlitt am 8. Sept. bei Cheminon
La Ville unſer geliebter, unvergeß=
licher
Sohn und Bruder
Otto Langer
Musketier im Infant.=Regt. Nr. 118.
Familie A. Langer.
Darmſtadt, den 31. Oktober 1914.
(Waldſtraße 33.)
(*8486

Dankſagung.
Für die zahlreichen Beweiſe herz=
licher
Teilnahme bei dem uns ſo ſchwer
betroffenen Verluſte ſagen Allen unſeren
innigſten Dank.
Frau Helene Graeff Wwe.
Familie Maybom.
Familie Fürgang.
(20702

Darmſtadt, 31. Oktober 1914.

Dankſagunge

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem uns betroffenen ſchweren Verluſte ſagen
wir Allen unſeren tiefgefühlten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Wilhelmine Berſch geb. Sonntag.
Familie Fr. Berſch, Briefträger.

Jugenheim, 31. Oktober 1914.

(20695

Wetterbericht.

In der Luftdruckverteilung iſt eine nennenswerte
Aenderung nicht eingetreten; ſowohl das weſteuropäiſche
Tief als auch das nordöſtliche Hoch iſt ſchwächer gewor=
den
. Eine Aenderung der Wetterlage iſt daher nicht zu
rwarten. Bei ſüdöſtlichen Winden dürfte das Wetter
trotz ziemlich ſtarker Bewölkung trocken bleiben.
Wetterausſichten für Sonntag: Wolkig, trocken,
keine weſentliche Temperaturänderung, ſüdöſtliche
Winde.

Tagestalewer.
Sonntag, 1. November.

Großh. Hoftheater, Anfang 7 Uhr, Ende nach 10
Uhr (Ab. B): Hoffmanns Erzählungen.
Ständige Rettungswache der Sanitätskolonne.
Telephonruf Nr. 2425.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei=
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
chäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
den
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

Unheilbare Katarrhe.

Die wenigſten Menſchen ſind ſich bewußt, daß
Schnupfen, Hals= und Rachenverſchleimungen uſw. ihre
Urſache in der Tätigkeit der Kleinlebeweſen (Bakterien)
haben, die in den Schleimhäuten der Atmungsorgane die
günſtigſten Bedingungen zu ihrer Fortpflanzung finden.
Dieſe Bakterien verbreiten durch ihre Fortpflanzung ge=
wiſſe
Abſonderungsprodukte, die giftig wirken (Toxine)
und dadurch weitere Teile der Schleimhäute reizen und
für die Ausbreitung empfänglich machen. Auf dieſe Weiſe
entſtehen leicht durch einen vernachläſſigten Schnupfen
oder Huſten die ſchweren Leiden: Rachen= Naſen=, Kehl=
kopf
=, Luftröhren, Bronchialkatarrh, Aſthma, Influenza
uſw. Natürlich ſind auch alle dieſe Zuſtände anſteckend,
weil die Bakterien ſich im Speichel in Maſſen befinden
und mit dem Atem nach außen geſtoßen werden.
Es ſteht nun aber unumſtößlich feſt, daß die Entfal=
tung
dieſer Bakterienbrut den Luftwegen der Atmungs=
organe
folgt. Logiſcherweiſe kann man ihnen alſo am
ſicherſten nur auf dieſem Wege beikommen, d. h. durch Ein=
atmung
beſonders günſtig desinfizierender Dämpfe, welche
die Bakterien zum Abſterben bringen. Daher haben Pin=
ſelungen
und Gurgeln mit Jod, Höllenſtein uſw. oft kei=
nen
Erfolg, weil ſie nur einen Teil der infizierten Schleim=
häute
treffen und häufig das Uebel verſchlimmern. Ebenſo
nützen auch Trinkkuren mit Salzen oder äußere Behand=
lung
mit warmen oder kalten Umſchlägen oft ſehr wenig
und können unter Umſtänden den Zuſtand des Kranken
ſogar noch verſchlechtern; die tieferliegende Bakterien=
flora
wird dadurch nicht alteriert und nach einiger Zeit
iſt das alte Leiden wieder da. Deshalb erſcheinen dieſe
Zuſtände den meiſten als unheilbare Katarrhe.

Von der Firma Carl A. Taneré, Wiesbaden 18 L, iſt
ein kleiner, ſinnreicher Apparat konſtruiert, der nach be=
ſonderem
Verfahren auserwählte wiſſenſchaftlich begut=
achtete
Stoffe zum Einatmen bis in die tiefſten Luftwege
bringt, ohne Kitzelreize zu verurſachen oder ſonſtwie die
Schleimhäute anzugreifen, und zwar auf kaltem Wege, um
auch einer neuen Erkältung vorzubeugen. Hiermit ſind ganz
ausgezeichnete Erfolge erzielt worden, worüber ſich mehr
als 15000 Patienten, darunter auch zahlreiche Aerzte, in
begeiſterten Briefen ausſprechen. So ſchreiben unter vielen
anderen:
Herr Ernſt Fiſcher, Ingenieur, Hermsdorf bei Ber=
lin
, Hennigsdorferſtr. 29: Der im November verg. Jahres
von Ihnen bezogene Inhalator hat ſowohl mir als auch
meiner Familie ganz hervorragende Dienſte geleiſtet. Ich
litt ſeit September verg. Jahres an einem hartnäckigen
Bronchialkatarrh, der allen Heilmitteln trotzte, und ich ließ
mir deshalb Ihren Inhalator kommen. Schon nach mehr=
maligem
Gebrauch bekam ich Linderung, der Auswurf er=
folgte
ſchmerzlos, der Huſten wurde locker. Nach 14 tägi=
gem
Gebrauch war der Katarrh gänzlich verſchwunden.
Seitdem iſt der Inhalator das Allheilmittel gegen alle
Erkältungskrankheiten in meiner Familie geworden. Bei
Hals= bezw. Mandelentzündung wirkt er geradezu Wun=
der
. Letztere ſind ſtets nach nur eintägigem Gebrauch
des Inhalators beſeitigt. Das Brennen im Halſe hört
ſchon nach einmaligem Gebrauch auf, etwa vorhandener
Belag verſchwindet ſchnell. Ich werde demzufolge jede Ge=
legenheit
gerne benutzen, Ihren Inhalator weiter zu
empfehlen; mehrere befreundete Familien haben denſelben
bereits angeſchafft.
Herr Rudolf Senf, Breslau 6, Frankfurterſtr. 64,
ſchreibt: Zu meiner Freude kann ich Ihnen mitteilen, daß

ſich Ihr Inhalations=Apparat ſehr gut bewährt hat. Nach
den erſten Inhalationen ſchon ſpürte ich Beſſerung bei
einem hartnäckigen Luftröhrenkatarrh und nach dreiwöchi=
gem
Gebrauch war er vollſtändig geſchwunden. Ich kann
und werde Ihren Apparat jederzeit warm empfehlen.
Warnung! Achten Sie genau auf den Namen Tancré
und die patentamtliche Schutzmarke Die Kur im Hauſe‟
damit Sie auch wirklich den echten und altbewährten Ori=
ginal
=Tancré=Inhalator erhalten, da minderwertige Nach=
ahmungen
im Handel ſind. Kein zweiter Apparat kann
ſich wie dieſer auf 15000 Zeugniſſe von Aerzten und Pa=
tienten
berufen.
Nähere Auskunft über den Original=Tancré= Inhala=
tor
wird von der Firma Carl A. Tancré, Wies=
baden
18 L, gerne koſtenlos und ohne Kaufzwang er=
teilt
. Verlangen Sie noch heute gratis belehrende Bro=
ſchüre
. Den Kupon wolle man ausſchneiden und als Druck=
ſache
der Firma einſenden.
(X,20706

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Nummer 301.

Harrermen

Filz, Sammt, Velour, Plüsch etc.
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6.50 6.80 7.20

Plüschhüte
6.80 7.20 7.50
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[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Die Kreisſtraße von Darmſtadt nach Griesheim von der Brauerei zum Felſen=
keller
bis vor Griesheim (km 5,5 bis 6,5) iſt wegen Ausführung von Kleinpflaſter
von Montag, den 26. d. Mts. ab auf ca. 3 Wochen für ſämtliches Fuhrwerk
(Geſpanne, Automobile, Motorräder uſw.) geſperrt.
Der Durchgangsverkehr hat während der Dauer der Kleinpflaſterherſtellung den
aufgeſtellten Tafeln entſprechend zu erfolgen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach § 2 der Polizei=
verordnung
vom 12. Februar 1908 ſtrafbar.
Darmſtadt, den 19. Oktober 1914f50
(20270a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Starck.

Bekanntmachung.

Am 3. und 4. November, jedesmal von 12 bis 6 Uhr nachmittags, findet auf dem
Truppenübungsplatz Scharfſchießen der Fußartillerie ſtatt. Die Abſperrung erſtreckt
ſich über das ganze Abſperrgelände.
Darmſtadt, den 30. Oktober 1914.
(20717
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

In einen Sahſt der bemene Semnpaelats bſchug it du Mal und
Klauenſeuche ausgebrochen.
(20716

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 deutſcher Schäferhund, 1 Boxer (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
(20700
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.

Die Heſſiſche Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft beabſichtigt, die
innere Gleiskurve in der Kirchſtraße vor der Stadtkirche durch neue
Schienen zu erſetzen. Da die Kirchſtraße an dieſer Stelle zur
Hälfte etwa auf 30 Meter aufgeriſſen wird, wird der Durch=
gangsverkehr
mit Fuhrwerken aller Art ein=
ſchließlich
Automobilen verboten.
Zuwiderhandlungen werden beſtraft.
Die Arbeiten ſind in 23 Tagen beendigt.
Darmſtadt, den 31. Oktober 1914.
(20711goi
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Rote Kreuz=Pfennig=Sammlung.

Anſtelle der Sammel=Büchſen fürs Rote Kreuz ſoll ein Kreuz=
Pfennigmarken=Syſtem treten. Die erſte Sitzung des Bezirks=
Arbeits=Ausſchuſſes hierfür findet
Donnerstag, den 5. November d. J., abends 8½ Uhr,
im Saale des Muſikvereins, Steinſtraße 24, ſtatt.
Dringend eingeladen im Intereſſe der guten Sache ſind zu dieſer
Verſammlung die Herren Delegierten und Vertreter ſämtlicher hie=
ſiger
Verbände, Vereine und Geſchäftsfirmen, Fabriken, Banken,
auch Gaſthöfe, Wirtſchaften, Kaffees und dergleichen.
Der Bezirks=Ausſchuß.
20714)

Bekanntmachung.

Bei der am 27. ds. Mts. vorgenommenen Jagdverpachtung
wurde für die Gemeindejagdbezirke III IV und VI (etwa 1400 ha
Feld= Wald= und Wieſengelände) der Anſchlag des Pachtwerts nicht
erreicht. Es fällt daher für dieſe Bezirke eine neue Verſteigerung nötig.
Tagfahrt zur Vornahme dieſer Verſteigerung wird anberaumt auf
Dienstag, den 10. November ds. Js., vormittags 10 Uhr,
in das Rathaus hier.
Wir laden hiezu Pachtliebhaber ein mit dem Bemerken, daß
der Entwurf des Jagdpachtvertrags diesſeits zur Einſicht aufliegt,
und daß in der Tagfahrt als Bieter nur ſolche Perſonen zugelaſſen
werden, welche ſich im Beſitze eines Jagdpaſſes befinden oder durch
ein ſchriftliches Zeugnis der zuſtändigen Behörde (des Bezirksamts)
nachweiſen, daß gegen die Erteilung eines Jagdpaſſes ein Bedenken
nicht obwaltet
(II,20705
Weinheim, den 28. Oktober 1914.
Gemeinderat.
J. V.: Vogler.
Fitzer.

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Nummer 301.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Seite 11.

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Der ſilberne Adoff.
Roman von Horſt Bodemer.
(Nachdruck verboten.)
13)

7. Kapitel.
Am nächſten Morgen hatte der Senator Wommen
Karla Plunk nach dem Bahnhofe begleitet und war dann
nach ſeinem Bureau auf der Troſtbrücke gefahren. Nach
langer Abweſenheit gab es viel zu erledigen. Der Senator
ließ keinen neben ſich aufkommen. Seine beiden Söhne
leiteten Agenturen des Hauſes Charles Hinrich Wom=
men
in Valparaiſo und Schanghai die drei Prokuriſten
im Stammhauſe durften auch nur über das Allernötigſte
disponieren; Großkaufleute pflegen kleine autokratiſche
Könige zu ſein. Als die Börſenzeit herankam, wunderten
ſich die Angeſtellten, daß ihr Chef nicht zum Zylinder griff.
Der ſtand, die Hände in den Taſchen, am Fenſter ſeines
Privatbureaus und ſah nachdenklich hinab auf den ſchma=
len
Waſſerarm. Nie hatte er den Tod ſeiner Frau ſchmerz=
licher
empfunden als im letzten halben Jahre. Ellens
wegen! Die machte jetzt böſe Zeiten durch. Wenn das
Blut rebellierte, half kein Reichtum. Da half nur kühler
Verſtand; wenn es ſein mußte, ein feſter Griff in der rich=
tigen
Sekunde. Jawohl, Sekunde! Auf Sekunden kam
es an. Er kannte doch das Wommenſche Blut. Altes,
ſtolzes Blut, das gewohnt war, zuzugreifen, zu herrſchen.
Das aber in jungen Jahren die Kandare gebrauchte. Er
wußte, warum er ſeine Söhne nach Oſtaſien und Süd=
amerika
geſchickt hatte und ſie dort ließ. Die Hörner
ſollten ſie ſich abſtoßen. Eine ſchöne Sache war die Leiden=
ſchaft
, wenn man ſie in der richtigen Sekunde zu bändi=
gen
verſtand. Und ſchlug ein Sohn einmal über die
Stränge mochte es ſein! Hinrich Wommens Tochter
aber durfte ſich das nicht leiſten! Die hatte kürzlich Lehr=
geld
gezahlt. Es war noch glimpflich abgelaufen! Wenn
auch in befreundeten Kreiſen gemunkelt wurde: die Ellen
Wommen hat ſich von Erich Brüchterloh einen Korb ge=
holt!
Der Zuſatz war Oel auf die Wogen: Und hätt’ ſie
es nicht getan, wär’ der Alte dazwiſchen gefahren, denn
Erich Brüchterloh hätt’ ſich auf den Kopf ſtellen können,
Hinrich Wommen iſt nicht der Mann, der einen Tagedieb
in Kauf nimmt! Und da hatten die Leute recht. Er hatte
Vernunft gepredigt; Erich Brüchterloh jurte weiter auf
den Rennplätzen herum; von jeder Auskunftei konnte man
erfahren, daß er auf dem beſten Wege war, ſein ſehr be=
deutendes
Vermögen ganz klein zu kriegen. Denn wo die
Startglocke auf dem grünen Raſen läutet, da wird auch
geſpielt. Und wer ſpielt, iſt geliefert. Früher oder ſpäter.
Anſtändigen Erwerbsſinn muß ein Hamburger haben,
ſonſt fällt er unten durch! Und das iſt recht ſo. Wer nicht
Werte ſchafft oder erſchließt, iſt eine Drohne. Drohnen
werden vor die Tür geworfen. Nur Arbeit gibt innere
Zufriedenheit. Nur Erfolge machen froh und ſtolz.
Aeußerer Schein gilt nichts in Hamburgs Mauern! Wenn

einer elegant zu Pferde ſaß, forſch ſeine Rennen nach
Hauſe ritt, ſo war das ſchön als ſtählender Zeitvertreib.
Aber nur Mittel zum Zweck! Durfte nie Zweck werden.
Gott ſei Dank hatte Erich Brüchterloh Ellen abfallen laſſen.
Im letzten Augenblick allerdings erſt. Seine Kumpane
hatten ihn wohl auf den Vater aufmerkſam gemacht.
Junge, an dem verbrennſt Du Dir die Finger. Todſicher
hätte er es=getan. Und wenn Ellen geglaubt hatte, der
Leichtfuß würde mit Liebe an die Kandare zu nehmen
ſein, ſo war es jugendlicher Ueberſchwang, der ſich ein
Lebenlang gerächt hätte. Und wenn Ellen dieſe Enttäu=
ſchung
gereift hatte, ſo war die böſe Erfahrung ein Segen.
Die Reiſe nach Liſſabon wäre nicht unbedingt nötig ge=
weſen
, aber er hatte ſie unternommen, weil ſeine Tochter
ſich den feſten Halt allein zurückerkämpfen ſollte. Wom=
menſches
Blut trug das Herz nie auf der Zunge. Ueber
das Schlimmſte war ſie ja weg geweſen bei ſeiner Abfahrt.
Er war ein Menſchenkenner, er fand ſich in ſeinem Mädel
zurecht, dem ſtolzen Mädel mit der feſten Zügelhand, der
gertenſchlanken, biegſamen Figur. Tiefer gruben ſich die
Falten in Hinrich Wommens Stirn. Und nun Adolf von
Ruſten. Dunkel entſann er ſich einer Anſpielung, ganz
nebenbei hingeworfen, als Ellen damals aus Hinterpom=
mern
zurückgekommen war. Ein Herz hab’ ich ein biß=
chen
angeknickt, konnte wahrhaftig nichts dafür er wollte
es ſo haben. In dieſer Ecke verſauern, dafür bedank’ ich
mich ſchön! Und nun? Und nun? Wer derjenige da=
mals
war, jetzt wußte er es. Schon an der Landungs=
brücke
hatte er es gewußt. Ein ganzer Kerl, ein Idealiſt,
na ja!.Einer, der erſt auf die richtige Fährte geſetzt wer=
den
mußte, aber dann leiſtete er etwas. Junkerblut! Mit
ſeinen Vorteilen, ſeinen Nachteilen. In ſchwierigen Lagen
verſtand es ſich aber zu bewähren, das mußte ihm auch der
Gegner laſſen! Und wenn dann die Diplomatie aufhört
und die Fauſt zuſchlägt, ſo mag das Sache der Anſchau=
ung
, der Erziehung ſein. Wer will da rechten, wenn er
auf höherer Warte ſteht? Daß nur Menſchen wir ſind.
Im übervölkerten Deutſchland ſchlägt in unſeren Tagen
jeder zu, ſo gut er kann. Die Zeit rollt ihren Kreislauf.
Wer dem Rad in die Speichen fällt, wird zur Seite ge=
ſchleudert
. Wer das Rad als Vorſpann benutzt, kommt
vorwärts. Langſam zog der Senator Wommen die
Hände aus den Taſchen, atmete tief auf. Sollte er mit
ſeiner Tochter ſprechen? Sollte er warten? Wenn ſie die
Augen klein kniff und die raſſigen Naſenflügel aufblähte,
dann hieß es achtgeben, dann brauten ſich Gedanken in
ihrem Kopfe zuſammen, dann kam’s wahrhaftig auf die
richtige Sekunde an! Auf die richtige Sekunde! Und die
wollte erkannt ſein. Die feſte Hand war ſchon vorhanden,
wenn es ſein mußte.
Ellen Wommen hatte aufgeatmet, als die Rappen im
ſchlanken Trabe davongefahren waren. Sie hatte heraus=
gefühlt
, daß Karla Plunk die Konkurrentin witterte. Ver=
gleiche
waren von allein gekommen. Erich Brüchterloh
Adolf Ruſten! In vielem waren ſich beide ähnlich! Rei=

terblut trägt den Kopf hoch, Reiterblut iſt leidenſchaftlich.
Reiterblut ſetzt, ohne mit der Wimper zu zucken, das Leben
ein für eine Spielerei für eine Tat. Wenn Reiterblut
auf guter Lebensbahn galoppiert, dann gibt es einen fröh=
lichen
Kampf, dann folgen mannhafte Taten. Die richtige
Lebensbahn, darauf kam’s an. Wer aber abirrte, davon=
preſchte
, mit ſeiner Leidenſchaft, bis er abgeſchleudert
wurde, krachte an eine Mauer. Genickbruch! Genickbruch!
Wenige hatten im letzten Augenblick die Kraft, ſich gegen
die Bügel zu ſtemmen, an den Zügeln zu reißen. Erich
Brüchterloh hatte ſie nicht. Geliefert war Erich Brüchter=
loh
. Fröhliche Ritte, dann mannhafte Taten fröhliche
Ritte, dann grüner Tiſch. Ein Nervenſtählen ein Ner=
venzerrütten
. Der eine blanke Augen am nächſten Mor=
gen
, der andere brachte die Lider nicht hoch. Und der mit
den blanken Augen, der riß ein Weib, wie Ellen Wommen,
von Wonne zu Wonne. Der ſchlug ſich lachend ſeinen Weg
durchs Leben. Der gähnte nicht und hatte kein verlebtes
Geſicht. Der ſtrahlte von fröhlicher Geſundheit und ſah
die Schönheit und fühlte die Leidenſchaft. Da zitterten
Ellen Wommens Lippen, da wurden ihre Augen feucht.
Da ſprang ihr das Blut in die Schläfe, da krampften ſich
ihre Hände zu Fäuſten. Da war ſie die Eiferſucht! Ihre
Lippen rümpften ſich zu einem leiſen Hohnlachen. Sie
und Karla Plunk! Sie, die Dame der großen Welt
und die ſpießbürgerliche Rheinländerin, die zum erſten
Male hinausgeſehen über die ſchwarz=weiß=roten Grenzen
und nun glaubte an weiten Blick, an Reife des Urteils,
Sie, die reiche Hanſeatentochter und das arme Haſcherl!
Aber in einem waren ſie gleich an lohender Leiden=
ſchaft
. Und wenn zwei Frauen kämpfen um einen Mann,
dann wird nicht lange mit dem Degen ſalutiert. Dann
gibt es einen ſcharfen Ritt, und oben blieb, wer in allen
Sätteln feſt, die andere ging koppheiſter. Denn, wenn
dem Manne das Herz ſchneller ſchlägt, dann faßt er nach
den durſtigeren Lippen den ſehnſüchtiger ausgebreiteten
Armen nach der Aufmachung, nach der eleganteren,
nach der mit reicheren Händen, nach der mit der biegſame=
ren
Geſtalt. Und wenn ſie ihre Puppen tanzen ließ? Ja,
wo denn? Er war fort und ſie mit ihm. Um 7 Uhr heute
abend legte er ſeiner Mutter die Braut in die Arme. Tie
Braut! Die Braut! Da ſchlug Ellen Wommen die Hände
vors Geſicht. Sie wollte den Kopf heben ſie konnte nicht.
Was blieb denn übrig von der ſtolzen Hanſeatentochter?
Nichts rein gar nichts! Da ſtand nur ein Weib, das
liebte, das den Nacken beugte. Ein Weib, das Hunderte
gerne in die Arme genommen, und das nun gerade den
haben wollte, der einſt über ihren Beſitz ſelig geweſen
wäre. Und wieder klapperten Hufe draußen auf dem
Pflaſter. Ungeduldig klapperten die Hufe. Ihr Rappe
Königsdragoner wartete auf die Herrin. Da eilte ſie in
ihr Ankleidezimmer.
Als ſie gegen Mittag zurückkehrte, hatte Königsdra=
goner
kein trockenes Haar mehr, und das Pferd des Reit=
knechts
war in Schaum gebadet.
(Fortſ. folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Nummer 301.

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[ ][  ][ ]

Beilage
zum Darmſtädter Tagblatt.

301. Sonntag, 1. November. 1914. 1 Mark pro Monat:

koſtet ein Drobe=Abonnement auf die

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betangerwiatter
die mit den herrlichen Gedichten von Rudolf Presber und den patriotiſchen Buntbildern
von E. Heilemann, F. Jüttner, Walter Trier, W. A. Wellner ein ungeheures
Augenblicks=Intereſſe erregen, aber auch für jeden Deutſchen dauernden Wert beſitzen als
bleibendes Kulturdokument aus großer Zeit
Man abonniert in jeder Buchhandlung und bei allen Doſtanſtalten
56 1n
Werlag der Luſtigen Blätter, Berlin GW8

Frauenverein der Johannesgemeinde.
Einladung zur Hauptverſammlung
auf Dienstag, den 3. November, abends 8 Uhr,
im Gemeindehaus.
Vortrag des Herrn Pfarrer Marx über:
Krieg und Gemeindeleben‟
Eintritt frei. Auch Nichtmitglieder, weibliche wie männliche,
willkommen.
Der Vorſtand.
20701)

IiGen-Verenn
Schutzherr: Seine Königliche Koheit der Grossherzog.
erfres konzert
im Winfer 1914/15
(Dreiundachtzigſtes Vereinsjahr)
unter Leitung des Herrn Geh. Hofrats W. de Haan
und unter Mitwirkung der Konzertſängerin Frau Anna
Stronck=Kappel aus Barmen und des Konzertſängers
Herrn Hans Cleuver aus Köln, verſchiedener Mitglieder
des Sängerchors des Lehrerbereins und der Groß=
herzoglichen
Hofkapelle
Samstag, den 7. November 1914
in der Stadtkirche
Ende 9½ Uhr.
Anfang abends 8 Uhr.
Ein deutsches Requiem
nach Worten der heiligen Schrift
für Soloſtimmen, Chor, Orcheſter und Orgel
von Johannes Brahms.
Preiſe der Eintrittskarten (einſchl. Billettſteuer) für Nichtmitglieder
. Mk. 3.30
Chor, die drei vorderſten Reihen
3.30
Plätze neben dem Altar, Südſeite
2.50
Empore gegenüber der Orgel .

2.20
Mittelſchiff 1. bis 11. Reihe
2.20
Chor 4. und 5. Reihe .
2.20
Seitenſchiff gegenüber der Orgel
1.65
Mittelſchiff, die hinteren Reihen
1.10
Nicht numerierte Plätze
Der Sitzplan für die Stadtkirche befindet ſich auf der Rückſeite der Texte.
Text 20 Pfg.
Geffentliche Hauptprobe
Freitag, den 6. November 1914, abends 8 Uhr, in
der Stadtkirche.
Eintrittskarten (alle Plätze ſind unnumeriert): Mark 1.50.
Text 20 Pfg.
Die Kirche wird an beiden Tagen um ½8 Uhr geöffnet.
vom 2. November an in
Verkauf der Eintrittskarten A. Bergſtraeßer’s Hof=
buchhandlung
(W. Kleinſchmidt), Rheinſtraße 6, und in der Einhorn=
Apotheke (P. Ramdohr), gegenüber der Stadtkirche.
(20697

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Gartenstadt Hohlerweg 95 Telefon 1156
Bienenhonig letzter Ernte per Pfd. 1,10 M.
Verkaufsstelle nur:
L. ENGELHARD Nachfolger, Darmstadt, Gr. Ochseng. 27.
Daselbst auch alle zur Bienenzucht nötigen Gerätschaften wie:
Wabenzangen, Imkerhandschuhe, Imkerschleier u.-hauben, Rauch-
apparate
, Königinfangkäfige, Absperrgitter, Ia. Kunstwaben,
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10 Pfund 1 Mk., ſowie
Gold=Parmänen u. Kohläpfel.
Philipp Lang, Eberſtadt,
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. Otto Thomſen
Olga Kallenſee
Zweiter Akt: Giulietta.
. Aug. Globerger
. Anna Jacobs
. Heinrich Hacker
Pitichinaccio . . Otto Thomſen
. Olga Kallenſee

Großh. Hoftheater.
Sonntag, den 1. November 1914.
28. Abonnements=Vorſtellung. B 6.
Hoffmann’s Erzählungen.
Phantaſtiſche Oper in 3 Akten
Muſik von Jacques Offenbach.
Perſonen:
Vorſpiel: In Lutter’s Keller.
Hoffmann .
. Aug. Globerger
Niklaus
. Anna Jacobs
Lutter, Wirt . . Lud. Wenzel
Lud. Kleinböhl
Nathangell
Stud.
Adolf Klotz
Hermann
Erſter Akt=Olympia.
Hoffmann
. Aug. Globerger
. Anna Jacobs
Niklaus .
Coppelius, Brillen=
händler
.
. L. Schützendorf
Spalanzani, Prof.
der Phyſik.
Cochenille, deſſen
Diener
Olympia .
Hoffmann
Niklaus .
Dapertutto, Kapit. L. Schützendorf
Schlemihl
Giulietta.
Dritter Akt: Antonia.
Hoffmann
. Aug. Globerger
. Anna Jacobs
Niklaus
Doktor Mirakel . L. Schützendorf
Creſpel, Muſiker . Alfr. Stephani
Antonia, d. Tochter Olga Kallenſee
Franz, deſſ. Diener Otto Thomſen
Antonia’s Mutter
(Erſcheinung) . . Lucia Redding
Nachſpiel: In Lutter’s Keller.
Aug. Globerger
Hoffmann
. Anna Jacobs
Niklaus
Lutter.
. Ludwig Wenzel
.L. Kleinböhl
Nathanael
Hermann
Adolf Klotz
Nach d. 1. u. 2. Akte längere Pauſen.
Preiſe der Plätze (Kleine
Preiſe): Sperrſitz: 1.12. Reihe
3.70 , 13.19. Reihe 3.20 , Par=
terre
: 1.5. Reihe 2.35 , 6.8.
Reihe 1.95 , Proſzeniumsloge
5.20 , Mittelloge 5.20 , Bal=
konloge
4.70 , I. Rang 4.20 ,
II. Rang: 1.6. Reihe 2.15 ,
7. u. 8. Reihe 1.75 , I. Galerie
1.15 , II. Galerie 65 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 10½—1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung.
Anf. 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Montag, den 2. Nov.: (Keine
Vorſtellung).
Dienstag, 3. Nov.: 29. Ab.=Vſt.
A 8. Zum 1. Male wiederholt:
Der Reviſor. Kleine Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Mittwoch, 4. Nov.: 30. Ab.=Vſt.
B 7. Lohengrin. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 5. Nov.: 31. Ab.=Vſt.
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Kl. Preiſe. Anf. 7 Uhr.
Anmeldungen auf Abonnements
werden noch fortwährend von der
Hoftheater=Hauptkaſſe in den Kaſſe=
ſtunden
vormittags von 1912½

Uhr entgegengenommen

Turnhalle am Woogsplatz
Unter Allerhöchstem Protektorat Ihrer Kgl. Hoh. der Großherzogin
Montag, 9. November 1914, abends 8 Uhr
thoven-Abend

veranstaltet von

Wilnei Backhaus
Grossherzoglich Hessischer Kammervirtuos.
Der gesamte Reinertrag wird der Hinterbliebenen-
Fürsorge der Stadt Darmstadt überwiesen.
Sonaten von Beethoven: Op. 13 in C-moll (pathétique).
Op. 57 in F-moll (appassionata). Op. 101 in A-dur. Op. 111
in E-moll (dem Erzherzog Rudolph gewidmet). Maestoso-
Allegro con brio ed appassionato Arietta. Adagio molto
semplice, cantabile.
Karten: An der Abendkasse Mk. 3.50, 2.50, 1.20, im Vor-
verkauf
Mk. 3., 2., 1. bei Georg Thies Nachf., Leopold
Schutter, Hofmusikalien- u. Pianohandlung, Elisabethenstr. 12
10% Billettsteuer-Aufschlag.
Konzertflügel: Steinway & Sons, Hamburg und New-
Vork. Vertreter: A. W. Zimmermann,f Hoflieferant,
Rheinstrasse 14.
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9½ Uhr abends.
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und Vegetarier. Vorauskarten zu ermäß. Preiſen.
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Darmſtadt E. V.
Der Verein erſucht alle Geſinnungsgenoſſen, Männer und
Frauen, um Unterſtützung durch Anſchluß und Mitgliedſchaft. An=
meldungen
: Nieder=Ramſtädterſtraße 14.
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Pallaswiesenstrasse 3O. (17819a) Telephon 305.

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an die Geſchäftsſtelle. (*8390sg

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[ ][  ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Sonntag, den 1. November 1914.

Nummer 301.

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Arbeitsamt
Waldſtraße 19/21

Darmſtadt
Fernſprecher 371

Stellen=Nachweis

verbunden mit Lehrſtellenvermittlung und Berufsberatung
unter ſtädtiſcher Führung.
Hauptausgleichſtelle in der Provinz Starkenburg.
A. Männliche (gewerbl. und landwirtſchaftl.) Abteilung.
I. Hauptſtelle: Waldſtraße 19/21, parterre, Fernſprecher 371, Ge=
ſchäftszeit
im allgemeinen von 8—½1 und von ½37 Uhr (für
das Transportgewerbe von 910 Uhr vormittags).
Unentgeltlicher Nachweis offener Stellen und gelernter,
ſowie ungelernter Kräfte für Landwirtſchaft, Handel und
Gewerbe, mit Ausnahme der folgenden Berufszweige, für die
die betreffenden Nebenſtellen unter a bis k und die Fachabtei=
lungen
zuſtändig ſind. Im Holzgewerbe findet auch Vermitt=
lung
im Hauſe Bismarckſtraße 19 ſtatt.
a) Nebenſtelle für das Bäckergewerbe (Abteilung der Bäcker=
innung
): Landgraf Georgſtraße 36, Fernſprecher 2510, Ge=
ſchäftszeit
von ½ 1112 Uhr vormittags.
b) Nebenſtelle für das Metzgergewerbe (Abteilung der
Metzgerinnung): Frankfurterſtraße 69 (Schlachthof), Fern=
ſprecher
542, Geſchäftszeit von 8½ Uhr vorm. bis 6 Uhr
nachmittags.
c) Nebenſtelle für das Wirtsgewerbe (Abteilung des deut=
ſchen
Kellnerbundes, Zweigverein Darmſtadt): Pankratius=
ſtraße
5, Fernſprecher 1745, Geſchäftszeit von 8 Uhr vorm.
bis 12 Uhr mittags und von 27 Uhr nachmittags, auch
Sonntags von 812 Uhr. Ungelerntes männliches Perſonal
wird in der Hauptſache von der Hauptſtelle vermittelt (ſ. oben
unter I), weibliches Perſonal von der Dienſtbotenabteilung
(ſ. B II).
d) Nebenſtelle für das Friſeurgewerbe: Große Ochſengaſſe 28,
(Einsfeld), Geſchäftszeit von 8 Uhr vorm. bis 9 Uhr abends.
e) Wanderernachweis: in der Hauptſtelle Waldſtraße 19, Fern=
ſprecher
371, von 57 Uhr nachmittags und in der Neben=
ſtelle
: Herberge zur Heimat, Große Ochſengaſſe 8, Fern=
ſprecher
2583, von 8 Uhr vorm. bis 9 Uhr abends.
k) Lehrſtellenvermittlung, verbunden mit Berufsberatung
(auch für kaufmänniſche Berufe) in der Hauptſtelle: Wald=
ſtraße
19, Fernſprecher 371, von 8 Uhr vorm. bis ½1 und
von ½ 36 Uhr nachmittags.
II. Fachabteilung für das Weißbinder=, Maler= und Lackierer=
gewerbe
: Waldſtraße 19, parterre, Fernſprecher 371, Geſchäfts=
zeit
von 1011 Uhr vormittags.
III. Fachabteilung für das Gewerbe der Polſterer, Tapezierer
und Dekorateure: Waldſtraße 19, parterre, Fernſprecher 371,
Geſchäftszeit von 89 Uhr vormittags.
B. Weibliche Abteilung.
I. Nachweis für gewerbliche und landwirtſchaftliche Berufe
für gelernte und ungelernte Kräfte: Waldſtraße 19, 1. Stock,
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit von 9 Uhr vorm. bis 12 und
von 36 Uhr nachmittags.
II. Dienſtboten=Nachweis. a) Hauptſtelle: Waldſtraße 19, 1. Stock,
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit von 9 Uhr vorm. bis 12 und
von 36 Uhr nachmittags. b) Stellenvermittlung mit billiger
Herbergsgelegenheit für ſtellenloſe Mädchen: 1. im evang.
Marthahaus (Eliſabethenſtift), Stiftſtr. 14, Geſchäftszeit von
8 Uhr vorm. bis 8 Uhr abends; 2. im kathol. Marienheim
(Barmh. Schweſternhaus), Nieder=Ramſtädterſtr. 30 Abt. des
kathol. Mädchenſchutzvereins Geſchäftszeit von 35 Uhr
nachmitags.
III. Hausbeamtinnen=Nachweis auch Auslandsvermittlung
(Abteilung des Internationalen Vereins der Freundinnen
junger Mädchen, Gruppe Darmſtadt): Waldſtraße 19, 1. Stock,
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit: Montags von 1011 Uhr,
Mittwochs und Freitags von 1112 Uhr.
IV. Nachweis und Sprechſtunde für kaufmänniſche weibliche
Berufe und weibl. Büroperſonal (Abteilung der Ortsgruppe
Darmſtadt des Allgemeinen Deutſchen Frauenvereins): Wald=
ſtraße
19, 1. Stock, Fernſprecher 371, Geſchäftszeit: Montags,
Donnerstags und Samstags von 11—½1 Uhr und Dienstags,
Mittwochs und Freitags von 4—½6 Uhr.
V. Frauenberufsberatung (für alle Stände) und Lehrſtellen=
vermittlung
(Abteilung der Ortsgruppe Darmſtadt des All=
gemeinen
Deutſchen Frauenvereins): Waldſtraße 19, 1. Stock,
Fernſprecher 371, Geſchäftszeit: wie bei IV. Sprechſtunden für
muſikſtudierende Frauen mit Stundenvermittlung für Geſang,
Klavier und Violine: Mittwochs von 34 Uhr nachm.
Die Dienſtſtellen des Arbeitsamts können von jedermann,
ohne Rückſicht auf religiöſe, politiſche oder organiſatoriſche Zu=
gehörigkeit
, in Anſpruch genommen werden. Die Inanſpruch=
nahme
iſt grundſätzlich koſtenlos.
Nur in der weiblichen Abteilung (Dienſtboten= und Haus=
beamtinnenabteilung
) müſſen zur teilweiſen Deckung der mit der
Vermittlungstätigkeit verbundenen beſonderen Koſten, aber nur von
den Dienſtherrſchaften, geringe Gebühren erhoben werden (für das
Einſchreiben 20 Pfg., für die Vermittlung 1 Mk.) Dienſtnehmer
zahlen auch bei der weiblichen Abteilung nichts. (10126a
Die Friſeurabteilung hebt von Arbeitgebern, die nicht Mit=
glieder
der Friſeurinnung ſind, für die Vermittlung eine Gebühr von
2 Mk. Innungsmitglieder und Arbeitnehmer haben die Benutzung frei.

Olerach

Gedieg, älteres Fräul., frdl.
Weſen, ſehr tüchtig, ſucht Ver=
trauenspoſt
. in beſſ. Geſchäftsh.,
hier od. ausw., auch wo d. Frau
fehlt. Feinbäckerei, Weinwirtſch.,
Gaſthaus bevorz. Beſcheid. Geh.,
Familienanſchl. erw. Angeb. unt.
C 77 an die Geſchäftsſt. (*8460
Aufängerin in Stenographie u.
Maſchinenſchr. ſ. Stelle Ang. unt.
C 78 an die Geſchäftsſt. (*8485gi!

e e en
Lande ſucht Stelung. Zu erfragen
Magdalenenſtr. 19, Hinterb. (*3458

Gebildetes Kinderfräulein
ſucht Stellung zu ſchulpflicht. Kin=
dern
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gegen ger. Vergütung. Kenntniſſe
i. Nähen. Sprachen, Muſik. Angeb.
unt. C 71 a. d. Geſchäftsſt. (*8457

Mädchen mit gutem Zeugnis
ſucht Stelle. Zu erfragen (*8467
Sandbergſtr. 60, Hth. 1. St. r.

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vor= od nachm. 12 St. Beſchäft.
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Grafenſtr. 18, 4. St., I., ſchön
möbl. Zim., Pr. 16 Mk. (*8382sgo
Kaſinoſtr. 26, I., frdl. möbl. Z.
f 17 Mk. monatl. z. v. (20647t

Waldſtr. 11, II, ein möbl. Zim.
zu vermieten.
(*8394sgo

Loniſenſtr. 32, II., b. Gg. Wedel
möbl. Zimmer zu verm. (*8413sgo

Ludwigſtraße 16, 3. St., möbl.
Zim. billig, auf W. Penſ. (*8354sg
Kiesſtraße 1, part, ſchön möbl.
Zimmer zu verm. (*8318sgi

Saalbauſtraße 25, 3. St., gut
möbl. Zimmer zu verm. (20643a

Reckarſtraſte 24, 2. St., ſchön
möbl. Wohn= u. Schlafz. (*8433sg

Eliſabethenſtr. 29, I., 2 f. mbl.
Zim., Wohn= u. Schlafz. (20146git.
Pankratiusſtr. 2½ II.,mbl. Zim.
m. Schreibt., Gas bald b. z. vm. (*8495gs

Hölgesſtr. 3, pt., h. möbl. Zim.
m. Schreibt., ſep., ſof. b. zu vm. (*8489
Pankratiusſtr. 5, p. r., g. möbl.
Zim. m. od. ohne Penſ. ſof. (*8465

Magdalenenſtr. 6, I., ſch. möbl.
Zimmer ſofort zu verm. (*8464

Luiſenſtr. 34, II., ein ſch. möbl.
Zimmer zu vermieten. (*8459

2 gut möbl. Z. zuſ.od. getr. ſ. bil.zu
2 vm. Schützenſtr. 10½, II. (*8507go
Einquartierung wird angenomm.
Pankratiusſtr. 5, p. r. (*8500gm

wird angen.
Einquartierung
(*8492goi
Stadt Nürnberg, Obergaſſe 38.

Oe
Jpr. jung. Mann Peuſton
erhalten. Witwe May, Pallas=
wieſenſtraße
14, I.
(*7405gig

Weißkraut
Pfund
Rotkraut. . Kopf 21
Wirſing. . . Kopf 21
Blumenkohl
friſche, weiße Köpfe, Stück 40
Maronen. Pfund 20
Tafeltrauben
Pfund 30
Citronen. . Stück
Zwiebeln
20698)
3 Pfund 40

2

Z

3

Filialen in allen Stadtteilen.