Darmstädter Tagblatt 1914


Samstag, den 3. Oktober.

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1777. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Nr. 272.

Samstag, den 3. Oktober.

1914.

Der Frreug
Englands Schuld. Eine deutliche Antwort. Vom weſtlichen Kriegsſchauplatz. Vor Antwerpen. Deutſchland
und die Amerikaner. Die Haltuug Griechenlands. Sieben engliſche Dampfer verſenkt.

Zur Belagerung von Antwerpen.

Englands Schuld.

* Kopenhagen, 2. Okt. Nationaltidende ver=
öffentlicht
folgende Aeußerungen des Staatsſekre=
tärs
des Deutſchen Auswärtigen Amtes,
Staatsminiſter von Jagow, die eine Antwort
auf die jüngſt veröffentlichte Unterredung mit dem
engliſchen Unterſtaatsſekretärs Acland darſtellen:
Unterſtaatsſekretär Acland behauptet, das Eingreifen
Englands in den Krieg ſei darauf zurückzuführen, daß
Deutſchland die Neutralität Belgiens verletzt habe. Ich
kann nicht annehmen, daß dieſem hohen Beamten des
Foreign Office unbekannt ſein ſollte, daß Sir E. Grey in
ſeiner Rede im engliſchen Unterhaus am 3. Auguſt erklärt
hat, er habe dem franzöſiſchen Botſchafter bereits am
Nachmittag des vorhergehenden Tages, alſo am 2. Auguſt,
die vollſte Unterſtützung der engliſchen Flotte für den
Fall zugeſichert, daß die deutſche Flotte gegen die fran=
zöſiſche
Küſte oder die franzöſiſche Schiffahrt vorgehe.
Erſt in der Nacht vom 3. auf den 4. Auguſt aber erfolgte
die Verletzung der belgiſchen Neutralität durch deutſche
Truppen. Ebenſo wenig kann der Unterſtaatsſekretär ver=
geſſen
haben, daß Sir E. Grey in ſeiner Unterredung mit
dem Fürſten Lichnowsky am 1. Auguſt es ausdrücklich ab=
gelehnt
hat, Deutſchland die Neutralität Englands für den
Fall zuzuſichern, daß Deutſchland die Neutralität, Bel=
giens
reſpektiere. Es handelt ſich daher um einen nicht
einmal beſonders geſchickten erneuten Verſuch, die Welt
über die Motive irrezuführen, die der engliſchen Betei=
ligung
am Kriege zu Grunde liegen. Sie beſtchen nicht
in einer altruiſtiſchen Fürſorge für die Unabhängigkeit
und Integrität Belgiens. Dieſe war nicht bedroht, wir
hatten ſie England ausdrücklich zugeſichert. Aber es iſt
begreiflich, daß ein Land, das ſeine Kolonialherrſchaft auf
den Trümmern anderer Staaten aufgebaut hat, ein Land,
das ſich wie in jüngſter Zeit noch in Aegypten ſo oft über
gegebene Verſprechen und internationale Verträge hin=
weggeſetzt
hat, dieſer Zuſicherung nicht traute. Ein deut=
ſches
Sprichwort ſagt: Man vermutet niemand hinter
einem Buſch, hinter dem man nicht ſelbſt geſeſſen hat. So
tauchte in der Phantaſie der engliſchen Staatsmänner das
Schreckgeſpenſt einer Beſetzung Antwerpens durch deutſche
Truppen auf und wie Sir E. Grey Frankreich die eng=
liſche
Hilfe ſchon für den Fall einer Bedrohung von Calais
und Cherbourg durch die deutſche Flotte zugeſichert hatte,
ſo veranlaßte ſchließlich die Beſorgnis, ein Teil der Süd=
kuſte
des Kanals könne den ſchwachen Händen Belgiens
entriſſen und zu einer Operationsbaſis für die deutſche
Flotte werden, England nicht nur ſich ſelbſt am Kriege
zu beteiligen, ſondern auch zu dem furchtbaren Verbre=
chen
, das bedauernswerte Belgien zum Widerſtand gegen
den deutſchen Einmarſch zu ermutigen.

Die Haltung Englands iſt ſomit lediglich
durch den rückſichtslojen engliſchen Eigen=
nutz
beſtimmt worden, der überhaupt für den gan=
zen
furchtbaren Krieg verantwortlich iſt. Wenn heute auf
den Schlachtfeldern des Kontinents die Söhne Deutſch=
lands
, Oeſterreichs, Frankreichs und Rußlands für das
Vaterland verbluten müſſen, ſo triſſt die moratiſche
Verantwortung dafür mit in erſter Linie die eng=
liſche
Politik, die unter der Formel der Erhaltung
des europäiſchen Gleichgewichts andauernd die chauvini=
ſtiſchen
Strömungen in Frankreich und Rußland gegen
Deutſchland ermutigt und damit einen Zuſtand der Span=
nung
auf dem Kontinent hervorrief, der ſich im gegen=
wärtigen
Krieg entladen hat. Von jeher iſt es die eng=
liſche
Politik geweſen, die Völker des Kontinents gegen=
einander
aufzureizen, um ſelbſt ungeſtört die Welt be=
herrſchen
zu können.

Eine deutliche Antwort.

* In dem nunmehr erſchienen 1. Kriegsheft der Inter=
nationalen
Monatsſchrift für Wiſſenſchaft, Kunſt und Tech=
nik
, auf das kürzlich hingewieſen wurde, wird im An=
ſchluß
an die Rede A. v. Harnacks bei der deutſch=
amerikaniſchen
Sympathiekundgebung im Berliner Rat=
haus
am 11. Auguſt ein Brief veröffentlicht, in welchem
eine Anzahl hervorragender engliſcher Theologen unter
dem Ausdruck hoher perfönlicher Verehrung und Dank=
barkeit
für Harnack und andere deutſche Lehrer ihren
Schmerz darüber ausſpricht, daß Harnack das Ver=
halten
Großbritanniens in dem gegen=
wärtigen
Kriege als das eines Verräters an
der Ziviliſation habe bezeichnen können. Die wirk=
lichen
Motipe Großbritanniens lägen in der Notwendig=
keit
, für die verletzte Neutralität Belgiens einzutreten und
ſie ſeien der feſten Ueberzeugung, daß Großbritannien in
dieſem Kampfe für Recht und Gewiſſen für Europa, die
Menſchheit und dauernden Frieden fechte. Adolf Har=
nack
antwortet darauf, daß er das Wort Verräter an der
Ziviliſation nicht gebraucht habe, daß es aber ſein Ur:
teil über das Verhalten Großbritanniens
richtig wiedergebe. In glänzender Beweisführung, in
welcher er die angebliche Verpflichtung Großbritanniens,
für die belgiſche Neutralität einzutreten, den elende=
ſten
aller Vorwände nennt, ſchreibt er u. a.:
Nicht wir ſind es geweſen, die die Neutralität Belgiens
zuerſt verletzt haben. Belgien, wie wir befürchten muß=
ten
und wie wir jetzt, durch Tatſachen belehrt, immer deut=
licher
ſehen, war ſchon längſt mit Frankreich im Bunde
und mit Ihnen. Frankreichs Flieger ſchwebten über
Belgien bevor wir einmarſchierten, Abmachungen mit
Frankreich haben ſtattgefunden und in Maubeuge hat man

ein Arſenal mit engliſcher Munition gefunden das vor
der Kriegserklärung dort angelegt war. Dies Arſenal
Sie wiſſen, wo Maubeuge liegt! weiſt auf Verabre=
dungen
Großbritanniens mit Frankreich,
bei denen auch Belgien eine Rolle geſpielt hat.
Dieſe Verabredungen liegen heute aller Welt vor;
denn der Kreis der Beweiſe iſt geſchloſſen und das be=
trügeriſche
Spiel Großbritanniens iſt
aufgedeckt. Sie haben Belgien zum Kriege gegen uns
ermutigt und verpflichtet, und daher fält auf Ihr Haupt
die furchtbare Verantwortung für all das
Elend, das dieſes arme Land getroffen hat

Vom weſtlichen Kriegsſchauplatz.
* Berlin, 2. Okt. Zu der Meldung aus dem Gro=
ßen
Hauptquartier über die Erfolge nordweſtlich
von Noyon ſchreibt das Berliner Tageblatt: In dieſer
Meldung iſt mehr, als eine freudige Nachricht zu erblicken.
Geſtern noch meldete die franzöſiſche Oberleitung nach
Paris, daß der franzöſiſche Vorſtoß gegen unſeren rechten
Flügel ſich des Ortes Roye bemächtigt habe. Heute ſchon
wiſſen wir, daß wir die Höhen um Roye und Fresnoy dem
Gegner entriſſen haben. Dieſer Erfolg ſetzt uns in den
Beſitz der Linie Chaulnes=Roye=Noyon. Wenn
jetzt in der Gegend von Albert die dort liegenden franzöſi=
ſchen
und engliſchen Truppen nicht bald gegen Amiens
zurückgehen, ſo ſind ſie ſtark gefährdet.
Es geht weiter vorwärts, ſo heißt es im Berliner
Lokalanzeiger. Dann ſchreibt das Blatt: Die Nachrich=
ten
vom weſtlichen Kriegsſchauplatz ſind
außerordentlich erfriſchend. Wir ahnten zwar aus dem
Zurückweichen zahlenmäßig überlegener franzöſiſcher
Kräfte, daß die franzöſiſche Offenſive im Zuſammen=
brechen
begriffen ſei, aber daß unſere Truppen nach
17tägigen ununterbrochenen Kämpfen imſtande ſein wür=
den
, ihrerſeits die Offenſive zu übernehmen, das iſt ein
ganz außerordentlicher Beweis für die Brauchbarkeit un=
ſerer
Soldaten und für den prächtigen Kampfesmut, der
ſie erfüllt. Der Feind iſt beträchtlich zurückgedrängt wor=
den
, und was das bei einem ermatteten Feinde bedeutet.
liegt auf der Hand.
* Rotterdam, 1. Okt. (Ctr Bln.) Eine Depeſche
der Times aus Nancy vom 24. Sept. beſagt: Die Deut=
ſchen
rücken wieder vor. Sie beſetzten Domepre,
Blamont, Eirey, Badonpillers ſowie Thianeourt und No=
meny
. Der Ort Nomeny iſt dem Erdboden gleichgemacht,
ebenſo wie Gerbevilliers. Die Deutſchen rücken durch das
Vezouſetal vor.
Die deutſchen Laufgräben.
* Mailand, 1. Okt. (Ctr. Bln.) Der Secolo ſchil=
dert
heute die wundervolle Anlage der deutſchen Lauf=
gräben
. Bewunderungswürdig ſei vom militäriſchen
Standpunkt, daß das rieſenhafte Ameiſenwerk überall, wo
ſich die Deutſchen aufhielten, entſtand. Diejenigen, die
nur davon gehört haben, können ſich keinen Begriff
machen. Man muß die ausgehöhlten Laufgräben mit
eigenen Augen geſehen haben. Sie ſind noch tiefer und
verzweigter, als die an der Marne. Die Laufgräben ſind
tatſächlich in drei Teile geteilt. Der erſte ſei nur für die
nächtlichen Vorpoſten beſtimmt. 200 Meter entfernt liegen
die Hauptlaufgräben, die teilweiſe zementiert und be=
feſtigt
ſeien, um das leichte Eindringen zu verhüten oder
um das Auskundſchaften durch Flieger zu verhindern.
Hinter dieſer zweiten Linie befinden ſich nicht mehr Lauf=
gräben
, ſondern große und lange Höhlen, wo Lebensmittel
und Munition ſowie die Küche untergebracht iſt und auch
die Schlafſtätten ſind. In dieſer Höhle ſind Feldkanonen
untergebracht, während die großen Belagerungskanonen
hinter der dritten Linie auf ihrer Zementplattform ſtehen.
Kurzum, es iſt eine große beinahe unterirdiſche Stadt
mit Kreuz= und Quergängen, die ſich auf 10 Kilometer
im Tale der Aisne bis nach den Argonnen erſtrecken und
wo ſich eine Bevölkerung von Tauſenden und Abertauſen=
den
Männern ſo gut verſtecken kann daß man auf 100
Meter Entfernung ihre Gegenwart nicht ermittelt. (V. Z.)
Vor Antwerpen.
* Berlin, 2. Okt. Das Berliner Tageblatt meldet
aus Amſterdam: Es wird hierher gemeldet, daß ge=
ſtern
die Beſchießung der Forts Waelhem Wawre
und St. Cathelyne fortgeſetzt worden iſt. Auch ſollen
deutſche Truppen ſchon einen Infanterieangriff zwiſchen
Schelde und Tenne gegen die erſte Verteidigungslinie von
Antwerpen gemacht haben. Es zeigt ſich, daß die Deut=
ſchen
energiſch gegen Antwerpen vorgehen. Sie haben Ge=
ſchütze
auf den Höhen bei Heyſt op den Berg aufgeſtellt
und beſchießen von dort aus Lier. Auch wird erneute
Offenſive aus der Gegend von Dendermonde gemeldet.

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Seite 2

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Nummer 272.

Der Untergang der Hela‟.

* Ueber den Untergang unſeres kleinen Kreuzers
Hela geht der Neuen Zürcher Zeitung von einem Teil=
nehmer
folgender Bericht zu: Die Hela war um halb
9 Uhr morgens auf dem Weg nach Hauſe, da ſie ſeit
Dienstag in See war und abgelöſt werden ſollte. Plötz=
lich
ein ſtarker Stoß, deſſen Mittelpunkt Steuerbord
achtern liegend und von der Exploſion eines großen
Sprengkörpers herrührend ſogleich erkannt wurde. Das
Schiff legte ſich achtern gleich um und lief ſchnell voll
Waſſer, da es ſchon über dem Panzerdeck aufgeriſſen
war. Der Schuß war gerade unter der Kammer des
Kommandanten durchgegangen und hatte dieſe aufgeriſſen.
Der Kommandant pflegte ſonſt um dieſe Zeit ſchon unten
zu ſein, um ſich etwas zu waſchen; in dem Moment aber
war er auf der Brücke. Es wurde natürlich noch alles
verſucht, das Schiff zu retten; aber nach 20 Minuten mußte
der Befehl gegeben werden: Alle Mann aus dem Schiff.
Die Haltung der Mannſchaft war tadellos. Mit drei
Hurras ſprang ſie ins Waſſer und ſangen ſchwim=
mend
patriotiſche Lieder. Der Kommandant.
blieb noch ſo lange auf der Brücke, bis er ſah, daß das
Schiff im nächßen Augenblick ſinken würde; dann ſprang
auch er mit dem Ingenieur und dem Arzt über Bord. Als
er zehn Meter entfernt war, verſank das Schiff reſtlos;
wahrſcheinlich war es in der Mitte durchgebrochen. So
ſtarb die brave Hela, die bis zuletzt ſo wacker ihre Pflicht
getan hatte, die in dieſem Kriege, die Auslandskreuzer
abgerechnet, vom erſten Tage an am meiſten draußen war.
Faſt die ganze Beſatzung mit allen Offizieren iſt gerettet;
drei Mann fehlen, einer ſtarb am Herzſchlag, mehrere ſind
verwundet. Der Kommandant iſt eine Stunde bei ziem=
lich
hohem Seegang im Waſſer geweſen, bis er den kleinen
Schlepper erreichte, der ſchon 130 Mann aufgenommen
hatte.
Die Erfolge des Kreuzers Emden‟.
* London, 1. Okt. Im Daily Telegraph ſchreibt
Archibald Kurd über den Kreuzer Emden: Das
Schiff hat, ein ideales Feld für ſeine Operationen gefun=
den
, weil dort eine große Anzahl von Schiffen paſſiert
und weil die Emden viele Buchten benutzen und ſich
vor den engliſchen Kreuzern verbergen kann. Außerdem
hat die Emden den großen Vorteil der Schnelligkeit;
ſie kann ſtets, wenn ſie in Gefahr iſt, flüchten. Ihre Lei=
ſtungen
erfüllen uns mit Bewunderung. Wir dürfen den
Kapitän v. Müller zu ſeinem Unternehmungsgeiſt beglück=
wünſchen
, weil er nicht nur mit Menſchlichkeit, ſondern
auch mit Rückſicht gegen die britiſche Mannſchaft verfährt.
Dieſer Seeoffizier muß als der de Wet des Meeres bezeich=
net
werden. Seine Politik iſt ganz einzigartig. In kei=
nem
Seekriege der alten und neuen Zeit hat ein feindliches
Schiff die Taktik des berühmten Guerillaführers zu Lande
verfolgt, nämlich die, von der Beute zu leben und die Ge=
fangenen
freizulaſſen. Gerade der Erfolg der Emden
macht es ſchwer, ſie zur Strecke zu bringen. In dieſem
Falle wird es nichts nützen, verdächtige Kohlenſchiffe zu
verfolgen. Die Emden kann Kohlen umſonſt bekommen,
und ſie nimmt natürlich, ſo viel ſie führen kann. Wir be=
herrſchen
die Meere, aber nicht jede Quadratmeile der
Meere. Wir benützen die Herrſchaft zur See, um uns die
Zufuhr an Lebensmitteln und Rohſtoffen zu ſichern, ſowie
zur fortſchreitenden militäriſchen Mobiliſierung. Die Lei=
ſtungen
der Emden können den Verlauf des Krieges
nicht ändern. Sie bleiben eine Epiſode. Der Man=
cheſter
Guardian ſchätzt den Schaden, den der Kreuzer
Emden der engliſchen Schiffahrt im Indiſchen Ozean
zugefügt hat, auf eine Million Pfund Sterling ( 20 Mil=
lionen
Mark). Der Tonnengehalt der zerſtörten Schiffe
betrug 50000. Das Blatt rühmt den Kapitän der
Emden der die Bemannung der Kauffahrer ſchonte, und
bemerkt, die engliſche Marine habe in den aſiatiſchen Ge=
wäſſern
kaum ſechs Kreuzer die an Schnelligkeit der
Emden gleichkommen.
Aus Oſtpreußen.
* Königsberg, 1. Okt. Der Oberpräſident von
Windheim hat ſich heute in einer Kundmachung von
der Provinz Oſtpreußen verabſchiedet, in der er
allen Behörden und Beamten für die geleiſtete erfolgreiche
Unterſtützung dankt und ſagt: Ein unſerem Vaterlande
aufgenötigter Krieg hat der Provinz unſäglich ſchwere
Wunden geſchlagen. Wie es unſeren tapferen Truppen im

Oſten gelungen iſt, bisher in heldenhaften Kämpfen den
Feind aus dem Lande zu vertreiben, dürfen wir mit Got=
tes
Hilfe beſtimmt den endgültigen Sieg erhoffen. Daß
dann die Provinz Oſtpreußen ſchöner und gefeſtigter, als
ſie bisher war, wieder aufgebaut werden wird, iſt der
heiße Wunſch, den ich bei meinem Scheiden ausſpreche
und deſſen Erfüllung Gott bald gelingen laſſen möge.
Gleichzeitig hat der neue Oberpräſident von Batocki
ſein Amt übernommen mit einer Bekanntmachung, in
welcher es heißt: Ich trete mein Amt an in dem vollen
Bewußtſein der damit verbundenen ſchweren Verantwort=
ung
gegenüber meiner Heimatprovinz; aber auch in dem
vollen Vertrauen, daß, wenn Gott den deutſchen Waffen
weiter den Sieg verleiht, das Werk der Wiederherſtellung
der Provinz gelingen wird durch ein zielbewußtes Zu=
ſammenwirken
der Staatsbehörden und der Selbſtverwal=
tungsorgane
, ſowie durch einmütige hingebende Mitarbeit
aller Oſtpreußen, ohne Unterſchied der Partei, des Stan=
des
und Berufes.
Deutſche Verwaltung im Kreiſe Bendzin.
* Berlin, 1. Okt. (Ctr. Bln.) Aus Myslowitz
wird dem Berl. Lok.=Anz. geſchrieben: Im benachbarten
Modrzejow iſt folgender Maueranſchlag angebracht:
Nachdem Se. Exz. der Kommandierende General die Er=
richtung
einer Zentralverwaltung im Kreiſe
Bendzin, einſchließlich der Stadt Sosnowizy, angeord=
net
und mich zur Leitung derſelben beſtellt hat, habe ich
die Leitung der Zivilverwaltung am 22. ds. Mts. über=
nommen
. Der Sitz der Zentralverwaltung befindet ſich
im Rathaus. Meine Aufgabe iſt, für Ruhe und Ord=
nung
zu ſorgen, die Wiederaufnahme der friedlichen Be=
rufe
zu fördern und insbeſondere der Wiederbelebung von
Handel und Gewerbe, Induſtrie und Landwirtſchaft die
Wege zu ebnen. Ich erwarte von allen Behörden und
allen Einwohnern, daß ſie mich in dieſem Beſtreben unter=
ſtützen
und meinen Anordnungen unbedingt und unweiger=
lich
Folge leiſten. Nur ſo können die Härten der gegen=
wärtigen
ſchweren Kriegszeit gemildert werden. Bendzin,
den 24. September 1914. Der deutſche Kreischef: (gez.)
Wollenkamp, K. Pr. Landrat.
Der Krieg zur See.
* Paris, 1. Okt. Der Temps bringt einen Artikel
über die deutſchen Unterſeeboote aus dem Lon=
doner
Globe. Darin wird die völlige Ohnmacht der eng=
liſchen
Flotte gegenüber den gänzlich unſichtbaren Unter=
ſeebooten
betont, und gefordert, daß Mittel und Wege
gefunden werden müßten, um ſie zu entdecken.
* London, 1. Okt. Daily News melden aus
Waſhington: Der Senat hat heute eine Reſolution
angenommen, in der Staatsſekretär Bryan aufgefordert
wird, zu unterſuchen, ob England ſich betreffs der Ver=
ſchiffung
von Kupfer von Amerika nach Rotterdam ein=
gemiſcht
hat, und darüber Bericht zu erſtatten.
Nachrichten aus Tſingtau.
* Berlin, 1. Okt. (Ctr. Bln.) Bei der Branden=
burgia
Geſellſchaft für Heimatkunde der Mark Branden=
burg
, ſind, wie die Tägl. Rundſchau mitteilt, kurze Nach=
richten
aus Tſingtau eingetroffen. Am 8. Auguſt ſind
ſie von dem Mitglied der Geſellſchaft, dem an der Pekinger
Univerſität tätig geweſenen Theologen Dr. Solger und
dem Kaufmann Offermann, aufgegeben worden. Sie tei=
len
darin mit, daß ſie ſich zur Verteidigung der
Stadt auf der Land= und Seeſeite bereit halten. Von
allen Seiten ſtrömen die Reſerviſten und Landwehrleute
herbei. Es herrſcht große Begeiſterung.
Deutſchland und die Amerikaner.
* Berlin. 2. Okt. Unter Beteiligung ihres Bot=
ſchafters
traten geſtern die Amerik aner Berlins
im Hotel Adlon zuſammen. Auch Oberbürgermeiſter Wer=
muth
gehörte zu den Geladenen und er nahm während
des Zuſammenſeins im Kaiſerſaal des Hotels Gelegen=
heit
, den Sympathien Deutſchlands für die Amerikaner
Ausdruck zu verleihen. In vollem Vertrauen auf ſeine
Zukunft ſagte Exzellenz Wermuth, wird Deutſchland
den Kampf bis zu Ende führen. Von allen Ländern der
Erde haben die Vereinigten Staaten und Deutſchland in
den Jahrzehnten des Friedens die wundervollſten Fort=
ſchritte
auf den Gebieten des Handels, des Verkehrs und

auf manchen anderen Gebieten verzeichnen können. Möch=
ten
die beiden Länder ihre Miſſionen zum Wohle der gan=
zen
Welt weiter führen können. Es geſchieht aus vollem
und aufrichtigem Herzen, wenn ich auf dieſe Fortſchritte
und auf die deutſch=amerikaniſche Freundſchaft mein Glas
erhebe‟. Der Botſchafter Gerard ſagte: Es iſt kein Bruch
der von den Vereinigten Staaten befolgten Neutralität,
wenn wir den Berlinern, ihrem Oberbürgermeiſter und
vor allem auch den deutſchen Banken für die Art und Weiſe
unſeren Dank ſagen, in der ſie ſich der hier weilenden
Amerikaner angenommen haben.
In der Zuſammenkunft wurde bekannt gegeben, daß
die Damen der amerikaniſchen Kolonie in Berlin beſchloſſen
haben, während des harten Kriegswinters täglich 200 Be=
dürftige
zu ſpeiſen.
Vom ſüdöſtlichen Kriegsſchauplatz.
* Berlin, 1. Okt. (Ctr. Bln.) Aus dem öſter=
reichiſch
=ungariſchen Hauptquartier wird
dem Berl. Tagebl. gemeldet: Die dritte Entwickelungs=
ſtufe
des Ringens auf galiziſchem Boden hat begonnen.
In den letzten beiden Wochen konnte ſich die öſterreichiſch=
ungariſche
Armee unter dem Schutze ihrer ſtarken neuen
Poſitionen hinter der Sanlinie in Ruhe gründlich verpro=
viantieren
, die Verluſte, die bei einzelnen Regimentern
ziemlich hohe Prozente betragen, durch friſche Mannſchaf=
ten
ausgleichen und den Geſamtbeſtand durch große Re=
ſerven
erhöhen. Dank ihrer Erſchöpfung und Munitions=
verausgabung
kamen die Ruſſen währenddeſſen nicht über
die Beſetzung der freiwillig überlaſſenen Gebietsteile Gali=
ziens
und der Nordbukowina und kleinere Plänkeleien
hinaus. Ueberdies erſchwerte der wochenlange Regen die
ruſſiſchen Zufuhren und Nachſchübe. Infolgedeſſen ſetzten
die ruſſiſchen Operationen gegen das Heranziehen und
den Aufmarſch der deutſchen Truppen zu ſpät ein und
blieben wirkungslos. Es reicht nunmehr die deutſche Armee
ihre Hand der verbündeten öſterreichiſch=ungariſchen Armee,
die im Vertrauen darauf monatelang den Stoß der gegen
ſie konzentrierten, weit überlegenen ruſſiſchen Hauptmacht
aufgehalten und den geplanten Durchbruch zweimal ver=
eitelt
hat. Außerſtande, dieſe für ſie verhängnisvolle Ver=
einigung
im Nordoſten zu verhindern, ſuchten die Ruſſen
durch ſtrategiſch bedeutungsloſe Einbrüche in die Kar=
pathenpäſſe
den Südoſten Ungarns zu beunruhigen und
eine Kräftezerſplitterung der öſtereichiſch=ungariſchen
Armee herbeizuführen. Nachdem auch dies mißlungen iſt,
ſind ſie jetzt durch die eingeleitete öſterreichiſch= ungariſch=
deutſche
Offenſive gezwungen, den Kampf in dem von den
Verbündeten vorgeſehenen und vorbereiteten Gelände auf=
zunehmen
.
Die Oifenſive in serbien.
* Peſt, 2. Okt. Zur Berichtigung wiederholt. Die
Peſter Korreſpondenz meldet: Unſere Offenſive in
Serbien ſchreitet erfolgreich vorwärts. Ein Verſuch
der Serben, ſie durch einen neuerlichen Einbruch über die
Save zu ſtören, endete mit einem vollſtändigen
Mißerfolg, da unſere in der Nähe befindlichen Grenz=
ſchutztruppen
die ſerbiſche Truppe, die untergeordneter
Qualität und in minderer Anzahl war, ſofort aus dem
Lande vertrieb.
Die diplomatiſchen Niederlagen
des Dreiverbands.
* Wien, 30. Sept. Die allgemeine Sieges=
zuverſicht
in dem nunmehr beginnenden neuen Ab=
ſchnitt
des Krieges wird noch geſteigert durch die wach=
ſende
Ueberzeugung, daß die Bearbeitung der Neutra=
len
durch den Dreiverband angeſichts des Fehlſchlagens
ſeiner großſprecheriſch angekündigten Pläne und der Ent=
larvung
ſeiner lügneriſchen Berichterſtattung durch die
unerbittlichen Tatſachen gänzlich ergebnislos ge=
blieben
iſt und bleiben wird. Italien in erſter Linie
wird ſeine Neutralität nicht aufgeben. Es hat die Wahr=
nehmung
ſeiner Intereſſen als Leitgedanken ſeiner Po=
litik
erklärt, und wenn es faſt vier Jahrzehnte lang dieſe
Intereſſenpolitik am beſten im Bunde mit den beiden
Zentralmächten treiben zu können geglaubt hat, weil es
an der Stärke dieſer Mächte die denkbar wirkſamſte Stütze
fand, ſo wird es nicht jetzt ſich gegen ſie kehren wollen,
wo es immer klarer wird, daß ſie dank ihrer Stärke im=
ſtande
ſind, allein eine ganze Welt von Feinden niederzu=
zwingen
. San Giuliano hat ja denn auch entſchloſſen

Zwei Tage lang franzöſiſcher
Reſerpeoffizier.

Erlebnis eines deutſchen Flüchtlings in
Frankreich.
Am 16. Auguſt d. J. verließ ich Lyon, wo ich ſeit eini=
ger
Zeit in Stellung war, und ging zuerſt auf der Eiſen=
bahnſtrecke
Lyon-Dijon zu Fuß. An einer kleinen Sta=
tion
traf ich einen Militärtransportzug und benutzte die=
ſen
, indem ich mich in einen Ambulanzwagen verkroch.
Wir fuhren eine Nacht und einen Tag. Ich hatte die Ab=
ſicht
, den Zug in Macon reſp. in Chalons=ſur=Saone zu
verlaſſen, um von dort aus über Bourg und Nantua nach
Genf zu gelangen, verſchlief jedoch beide Stationen und
kam auf dieſe Weiſe nach Dijon, wo ich den Zug auf dem
dortigen Hauptbahnhof verließ, ohne entdeckt zu ſein. Am
18. Auguſt verſuchte ich nun Dijon zu verlaſſen, konnte
aber nicht durch die Truppenlinie kommen. Am 19. Auguſt
machte ich mich abends gegen Dunkelwerden auf den Weg
und verließ die Stadt, indem ich der Eiſenbahnlinie
Dijon-Paris folgte. Kaum 6 Kilometer weit, wurde ich
an einer Brücke von der dortigen Wache angehalten und
nach der Feſtung zurückgebracht. In der Feſtung ange=
kommen
, gab ich mich, dank meiner guten militäriſchen
Sach= und Fachkenntniſſe und meiner guten Kenntnis der
franzöſiſchen Sprache, dem dortigen wachhabenden Offi=
zier
gegenüber als Reſerveoffizier des in Lille ſtehenden
3. Infanterie=Regiments aus, was auch geglaubt wurde.
Mein Kamerad entſchuldigte ſich wegen meiner Arretie=
rung
und führte mich nach Abfertigung der Wache in das
Offizierſpeiſezimmer, woſelbſt ich den höheren Offizieren
vorgeſtellt und zum Eſſen eingeladen wurde. Ich habe
zu lange in Frankreich gelebt, und dadurch die ganzen
Schwächen des franzöſiſchen Heeresweſens ſowie ſeiner
Truppen kennen gelernt, weshalb ich mich auch nicht wun=
derte
, die Mannſchaften mit Damenſchuhen, teils auch mit
Damenbluſen, bekleidet zu ſehen. Bei meinem Eintritt
ins Fort ſah ich die Mannſchaften zu je 4 um eine Schüſſel
voll Waſſerſuppe mit einigen Kartoffelſtücken, einigem
Suppengrün und Brotſtücken, als Fleiſch einen anſtändigen
Knochen, ſitzen. In Frankreich hat ein jeder Kompagnie=
chef
ſeine Leute zu beköſtigen und zu kleiden; daß hierin
ſehr ſkrupellos gehandelt wird, weiß der beteiligte Offi=
zier
, wie jedes franzöſiſche Kind, denn bei meinem Ein=
tritt
in den Offizierſpeiſeſaal ſah ich, daß die Herren. un=

bekümmert um das Schimpfen und Schreien der Mann=
ſchaften
wegen deren ſchlechten Eſſens, in Wohlleben bei
Champagner und Wein ſchwelgten, mit Damen natürlich,
ſoweit man dieſe noch als Damen bezeichnen darf. Die
Truppen in Dijon waren bei Mülhauſen, Schirmeck und
Schlettſtadt im Feuer geweſen und haben, ihren Angaben
nach, vorher nur gewußt, daß ſie zum Manöver ausrück=
ten
, während ihnen erſt kurz vor dem Anrücken auf die ge=
nannten
Städte ſcharfe Munition gegeben wurde. Die
Offiziere brüſteten ſich damit, ihre Leute mit dem. Säbel
in die Front getrieben zu haben, wie eine Hammelherde
mit der Peitſche.
Am 19. Auguſt zeigte man mir die ganze Einrichtung
und Stellung in und um Dijon. Dieſe Gelegenheit be=
nutzte
ich zur Flucht, weil ich jede Minute erwarten mußte,
daß eine Ordonnanz des Gouvernements mit dem Be=
fehle
meines Weitertransportes nach Lille eintreffen
konnte. In einem günſtigen Augenblick ſprang ich von
einer hohen Fortmauer herab und verſchwand. In der
Stadt traf ich auf einen Truppentransport, der erneut auf
der Linie Beſancon-Belfort vorgeſchoben wurde. Ich
ſchloß mich dieſem an und gelangte am 21. abends nach
Beſancon. In derſelben Nacht verſuchte ich mich durch die
Poſtenkette zu drängen, dies gelang jedoch nicht; erſt am
anderen Tage konnte ich mit vorgeſchobenen Poſten mit
Umgehung der inneren Grenzlinie in die Vorpoſtenkette
zwiſchen Belfort und Altmünſterol gelangen. Die Vor=
poſtenketten
beſtehen aus je 2 Mann, von denen einer auf=
rechtſtehend
, der zweite in knieender Stellung verbleibt
während je ein dritter Mann zwiſchen den beiden Doppel=
poſten
, alſo von einem Doppelpoſten zum anderen, hin= und
hergeht, ſich auf einer Diſtanz von zirka 200 Metern mit
dem anderen beweglichen Poſten trifft, um ſich gegenſeitig
die Parole zu ſagen. Ich wartete nun ab, bis dieſe bei=
den
zu ihren feſtſtehenden Poſten zurückgingen, und ging
aufrecht dazwiſchen durch. Als ich gegen 300 Meter fort
war, wurde nach mir geſchoſſen; ich warf mich nieder und
bekam bei dieſer Schießerei nichts anderes ab, als eine
anſtändige Ladung Kartoffelacker. Allem Anſchein nach
glaubten die Poſten, mich erſchoſſen zu haben, denn es
kümmerte ſich niemand um mich. Ich kroch, ſo ſchnell ich
konnte, weiter und erreichte einen kleinen Graben, hinter
welchem Wald mit dichtem Unterholze ſchützend vor mir
lag. Aufſpringend, den Graben nehmend, flogen ſchon
wieder die Kugeln um mich herum. Ich hatte dann Ge=
legenheit
, einige von dieſen Dingern aufzuſuchen, und ge=
wahrte
dabei daß die franzöſiſchen Geſchoſſe, die, jetzt aus

Kupferkompoſition, anſtatt, wie früher, aus dem Nickel=
ſtahlmantel
beſtehend, Einſchnitte zur Spaltung des Ge=
ſchoſſes
trugen, um die damit verurſachten Wunden größer
zu reißen. Jetzt erſt kam ich auf eine Merkwürdigkeit, die
mir bei meinem Aufenthalt zwiſchen den franzöſiſchen
Truppen auffiel. Ich ſah viele Mannſchaften mit ver=
bundenen
Händen und erklärte mir dieſes als bei der Be=
handlung
der Geſchoſſe vorgekommene Verletzung, die,
durch Grünſpan, der dem Kupfer bekanntlich anhaftet,
Blutvergiftungserſcheinungen gezeitigt hat.
Nach ſtundenlangem Umherirren in dem Walde, wagte
ich aus demſelben herauszutreten und ſtieß auf eine aus
4 Mann und einem Korporal beſtehende franzöſiſche Pa=
trouille
, die ſich, wohlgemut und ohne Sorgen, daß ſie
durch den Feind aufgehoben werden könnte, ihre wunden
Füße in dem kleinen, am Gehölz entlang führenden Bache
badete. Nachdem ich den Korporal über einen Weg zur
Umgehung unſerer deutſchen Truppen ausgefragt hatte,
gelang es mir, die Patrouille mitzunehmen, ohne jedoch
eine Ahnung zu haben, den deutſchen Vorpoſten ſchon ſo
nahe zu ſein. Auf dieſem Marſche dauerte mich der Korporal
wegen ſeiner wunden Füße; er gab mir auch nach kur=
zem
Hin= und Herreden ganz ruhig ſein Gewehr, das ich
wohlgemut über meine Schulter hing. Wir waren dann
etwa einen Kilometer gegangen, als wir auf einmal einem
wie aus dem Erdboden herausgeſchoſſenen deutſchen Poſten
gegenüberſtanden. Ich hob gleich beide Hände hoch und
rief meinen Landsleuten zu, ſie möchten nicht ſchießen, ich
ſei Deutſcher und würde ihnen weitere Aufklärung geben.
Der franzöſiſche Korporal warf ſeine Schuhe, die er in den
Händen trug, fort und hob gleichzeitig mit mir ſeine Hände
hoch, während die anderen 4 Mann, die Gewehre und
Torniſter fortwerfend, davonliefen, aber eingeholt wurden.
Im deutſchen Lager angelangt, wurde ich zuerſt der Spio=
nage
verdächtigt, aber dank meiner Bekanntſchaften unter
den Reſerve= und Landwehroffizieren des Infanterie= Re=
giments
(deſſen Nummer ich aus gewiſſen Gründen nicht
nennen darf) war ich bald frei.
Der Weg von Dijon bis zu unſeren Truppen war kein
leichter; was ich in den 38 Stunden, die ich, ohne etwas
zu mir zu nehmen, durchgemacht habe, iſt daraus zu er=
kennen
, daß ich von abends 11 Uhr bis zum anderen Nach=
mittag
2 Uhr geſchlafen habe, ohne meine Körperlage zu
verändern. Den Herren Offizieren wie den Mannſchaften
muß ich für das Wohlwollen und die bei ihnen genoſſene
gute Pflege während der 3 Tage meines Aufenthaltes
danken.
Alwin Heide, Zivil=Ingenieur.

[ ][  ][ ]

Nummer 272.

Darmſtätder Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Seite 3.

allen äußern und innern Fürſprechern einer Schwenkung
ins Dreiverbandlager abgewinkt und ſogar die kriegeriſche
Teilnahme italieniſcher Staatsbürger auf der einen oder
andern Seite für ſtrafbar erklärt. Was Rumänien an=
betrifft
, ſo beginnt jetzt dort auch in den breiten Volks=
ſchichten
die Erkenntnis aufzudämmern, daß die von =
nig
und Regierung durchgeführte Neutralitätspolitik für
Rumänien derzeit die beſte iſt. Das Liebeswerben des
Dreiverbandes um Bulgarien, das zuletzt durch den
Häuptling des Balkankomitees Buxton erfolgte, iſt elend
geſcheitert. Zudem wächſt Bulgariens Erbitterung gegen
Serbien wegen der mazedoniſchen Greueltaten beſtändig.
Die Türkei vollends ſteht mit den Mächten des Drei=
verbands
, namentlich mit England, auf geſpannteſtem
Fuße. Die Schandtaten der engliſchen Marinemiſſion,
die die türkiſchen Kriegsſchiffe unter dem Vorwand der
Reparaturbedürftigkeit durch Auseinandernehmen der
Dampfkeſſel und hinterliſtiges Vergeben der Keſſelteile an
verſchiedene Reparaturwerkſtätten unbrauchbar machte, ſo=
wie
die Ueberwachung der Dardanellen durch die engliſche
Flotte hat dem Faſſe den Boden ausgeſchlagen. (Köln. Ztg.

Die Ueberſeeverbindung Rußlands.

* Kriſtiania, 1. Okt. Tidens Tegn ſchreibt über
die augenblickliche Bedeutung von Archangelsk als
Exporthafen Rußlands nach England und Ame=
rika
für Holz: Nachdem durch die deutſche Flotte die
ruſſiſchen Oſtſeehäfen völlig abgeſperrt
ſind, iſt Archangelsk nunmehr die einzige Ueberſeeverbin=
dung
Rußlands. Die ruſſiſche Amerika=Linie hat die Fahrt
nach Neu=York mit drei Dampfern eröffnet. England
hat für die Fahrt im Weißen Meer die ſonſt ſo ſtrengen
Beſtimmungen über die Deckladungen aufgehoben. Ob es
aber möglich iſt, die Ueberſeefahrten für die Dauer auf=
recht
zu erhalten, erſcheint ſehr unwahrſcheinlich.
Die Haltung Griechenlands.
* Athen, 1. Okt. In der Kammer warf Veni=
ſelos
einen Rückblick auf die Ereigniſſe ſeit der Unter=
brechung
der Arbeiten der Kammer, wie das griechiſch=
türkiſche
Abkommen über die Behandlung der Flüchtlinge
und den Austauſch ihres Eigentums, ſowie den nicht zu=
ſtande
gekommenen Plan einer Zuſammenkunft in Brüſſel,
welche eine Verſtändigung in der Inſelfrage bezweckte.
Bezüglich der Inſeln verſicherte Veniſelos, die Regierung
betrachte die Frage als vom internationalen Standpunkt
endgültig geregelt, nicht nur durch die Verträge von Lon=
don
und Athen, ſondern auch durch den Schiedsſpruch der
Großmächte, der auf den erwähnten Verträgen begründet
war. Die Regierung erklärte nichts deſtoweniger ihre
Geneigtheit, der Türkei eine gewiſſe Genugtuung zuzu=
geſtehen
unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die von
ihr angefochtenen Inſeln auch in Zukunft in genau derſel=
ben
Weiſe beſetzt, regiert und verwaltet würden, wie die
übrigen Provinzen des Königreichs. Veniſelos ſprach
darauf von der in Bukareſt abgehaltenen Konferenz, deren
nach ihrer Meinung durch die europäiſche Lage und innere
Gründe des Reiches begründete Vertagung die Türkei ge=
fordert
habe. Auf den gegenwärtigen Konflikt zu ſprechen
kommend, erinnerte Veniſelos an die Erklärung der Re=
gierung
, daß Griechenland neutral bleibe. Er verheimlichte
aber nicht, daß Griechenland Bündnisverpflichtungen mit
Serbien eingegangen ſei. Griechenland wünſche in der
Tat, daß der Europa verheerende Brand nicht auch auf
die, Balkanhalbinſel übergreife, deren Völker nach den
jüngſten Kriegen Ruhebedürfnis hätten. Jedenfalls könne
man ſicher ſein, daß ſich der Brand nicht auf Veranlaſſung
Griechenlands ausdehnen werde.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 3. Oktober.

* Uebertragen haben Se. Königl. Hoheit der
Großherzog dem Pfarrer Karl Peters zu Ulfa die
evangeliſche Pfarrſtelle zu Bechtheim. Uebertragen wurde
ferner dem Stellenanwärter Karl Lömmert aus Bingen
die Stelle des Pedellen an der Oberrealſchule zu Heppen=
heim
a. d. B.
* Ernannt haben Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
den Aktuar bei dem Amtsgericht Hom=
berg
a. d. Ohm Michael Röhrig zum Aktuar bei dem
Amtsgericht Lampertheim und den Aktuariatsaſſiſtenten
bei dem Amtsgericht Alsfeld Konrad Seim zum Aktuar
bei dem Amtsgericht Homberg a. d. Ohm, beide mit
Wirkung vom 1. November 1914.
* Verliehen haben Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
dem Weichenſteller Jakob Dittewig zu
Mainz und dem Bahnwärter Heinrich Becker zu
Alsfeld, beide in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahn=
gemeinſchaft
, aus Anlaß ihrer Verſetzung in den Ruhe=
ſtand
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift
Für treue Dienſte‟

Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin haben
den Gütervorſteher in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſen=
bahngemeinſchaft
Heinrich Weicker zu Mainz auf ſein
Nachſuchen mit Wirkung vom 1. Oktober d. J. an in
den Ruheſtand verſetzt und ihm aus dieſem Anlaß das
Silberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
mit der Krone verliehen.
* Militärdienſtnachrichten. Befördert zu Fähn=
richen
die Unteroffiziere v. Carſtanjen, Freiherr
v. Preuſchen, Degener im Garde=Drag.=Regt. Nr. 23.
Ritter des Eiſernen Kreuzes. Das Eiſerne Kreuz
erhielten ferner: Lt. d. Reſ. Morell (Walter), Lt. d.
Reſ. Morell (Ernſt), beide im Inf.=Regt. Nr. 115, Lt.
d. Reſ. Hermann Böning im Landw.=Inf.=Regt.
Nr. 116. Zwei Brüder aus einer hieſigen Familie,
Alexander und Georg Becker, in preußiſchen Regimen=
tern
Reſ.=Drag. Nr. 4 und Reſ.=Art. Nr. 15 ſind
ebenfalls mit dem Eiſernen Kreuz ausgezeichnet worden.
Weiter erhielten das Eiſerne Kreuz: Lt. Fritz Nebel,
Telegraphen=Bataillon Nr. 6, Lt. Kurt Müller= Hick=
ler
, Feldart.=Regt. Nr. 27 (Oranien).
Großh. Hoftheater. Bei aufgehobenem Abonne=
ment
und Volksvorſtellungspreiſen wird heute ein Pa=
triotiſcher
Abend veranſtaltet, deſſen erſter Teil un=
ter
Mitwirkung des Lehrerſängerchors, des Hoftheater=
chors
, der Herren Becker und Semper und der Hofkapelle
ſtattfindet. Die Vorträge des Orcheſters dirigiert Kapell=
meiſter
Richard Lert, die Chöre leitet Hofchordirektor Ro=
bert
Preuß. Den Abſchluß der Veranſtaltung bildet das
von Dr. Max Wauer geleitete, unterhaltende Zeitbild
1. Klaſſe zur Grenze in dem zahlreichen
beliebten Schauſpielkräften Gelegenheit gegeben iſt, ſich
ihrer Individualität entſprechend in ernſten und heiteren
Vorträgen zu betätigen. Die Dauer des Abends iſt auf
2½ Stunden berechnet. Morgen abend 6½ Uhr geht als
zweite Vorſtellung der Serie B Wagners Tannhäu=
ſer
in Szene.
Das Landesmuſeum iſt bis auf weiteres Sonn=
tags
, und zwar in der Zeit von vormittags 111 und
nachmittags von 24 Uhr unentgeltlich geöffnet.
Preußiſch=Süddeutſche Klaſſen=Lotterie. Wie uns
von zuverläſſiger Seite mitgeteilt wird, findet die ur=
ſprünglich
auf 8. und 9. Auguſt d. J. feſtgeſetzte Zie=
hung
der 2. Klaſſe der 5. (231.) Lotterie nunmehr am
12. und 13. Februar 1915 ſtatt und werden die neuen
Ziehungstage der weiteren Klaſſen ſpäter noch bekannt=
gegeben
werden. Wie ja bekannt, behalten die Loſe der
bereits abgeſpielten 1. Klaſſe ihre volle Gültigkeit.
* Treuer Mieter! Heute ſind es 28 Jahre, daß Herr
Profeſſor Fritz bei Herrn Schreinermeiſter Bickhardt,
Kiesſtraße 91, wohnt. Ein ſelten gutes Einvernehmen!
* Krieg und Kunſt. Der Kartenverkauf zu dem
vom Darmſtädter Journaliſten= und Schriftſtellerverein
für Zwecke des Roten Kreuzes und der Kriegsfürſorge
veranſtalteten Vortrag des Herrn Hoftheater=Intendanten
Dr. Eger über Krieg und Kunſt der am 12. lfd.
Mts., abends 8¼ Uhr, im Kaiſerſaal ſtattfindet, hat nun=
mehr
begonnen. Den Verkauf der Karten hat die Berg=
ſträßerſche
Hofbuchhandlung übernommen. Auf einen
zahlreichen Beſuch des zeitgemäßen und intereſſanten
Vortrags iſt mit Sicherheit zu rechnen. (S. Anzeige.)
Hypothekenzinszahlung. Der Darmſtädter Hausbeſitzer=
verein
erſucht, wie aus dem Anzeigenteil erſichtlich iſt, alle
Hausbeſitzer, die infolge des Krieges in Schwierigkeiten
wegen der Hypothekenzinszahlung geraten, ſich auf der
Geſchäftsſtelle des Vereins zu melden.
Feſtſetzung von Höchſtpreiſen. Wie wir hören,
finden zurzeit im preußiſchen Handelsminiſterium Ver=
handlungen
zwecks Feſtſetzung von Höchſtpreiſen ſtatt.
Zu dieſen Verhandlungen ſind außer dem Landwirt=
ſchaftsrat
auch aus allen Teilen des Reichs Vertreter
des Großhandels zugezogen worden. Von hier hat
die Firma H. Bodenheimer an der in den letzten
Tagen dieſerhalb in Berlin ſtattgefundenen Sitzung
teilgenommen.
* Paketeinſammlung durch die Poſt. Es iſt noch
nicht genügend bekannt, daß die Poſt abzuſendende Pakete
auf Beſtellung aus den Wohnungen abholen läßt. Man
braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen
Zettel am beſten eine unfrankierte Poſtkarte mit den
Worten: Paket abholen bei (Name und Wohnung) un=
frankiert
in den nächſten Briefkaſten zu werfen oder
einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird
bei der nächſten Paketbeſtellfahrt gegen eine Gebühr von
10 Pfg. aus der Wohnung des Abſenders abgeholt. Das
Verfahren iſt einfach und bequem und beſonders ſolchen
Perſonen zu empfehlen, denen kein Dienſtbote zur Ver=
fügung
ſteht.
Laſſet kein Obſt umkommen! In unſerer Gegend
iſt ein reicher Obſtſegen vorhanden. Es iſt nun wichtig,
daß dieſer für die Volksernährung richtig nutzbar gemacht
wird. Vor allem iſt Sorge zu tragen, daß alles Obſt, das
nicht für den Winter aufgehoben werden kann, zu Dauer=

ware verarbeitet wird. Zwetſchen, Aepfel und Birnen
können gedörrt werden und geben im Winter mit Kartof=
feln
oder Mehlſpeiſen ſchmackhafte Mahlzeiten. An Dörr=
obſt
wird wohl, da die Einfuhr fehlen dürfte, im Winter
Mangel entſtehen. Aus Zwetſchen und Birnen läßt ſich
vorzügliche und haltbare Latwerge herſtellen, die zum
Streichen des Brotes Verwendung finden kann. Außerdem
geben geſottene Kartoffeln mit Latwerge ein, z. B. im
Odenwald, ſehr beliebtes Abendeſſen. Wer ſeinen Obſt=
ſegen
aber für ſich nicht verwenden kann oder will, der
ſtelle ihn der Städtiſchen Hauswirtſchaftlichen
Fortbildungsſchule zur freien Verfügung. Dieſe
verarbeitet alle Obſtſorten für Zwecke der Kriegs=
fürſorge
in Dauerware. Anerbieten wolle man gütigſt
richten an die Hausw. Fortbildungsſchule, Rundeturm=
ſtraße
11. Dort werden auch gern Steinguttöpfe
die vielleicht in manchem Haushalte nutzlos ſtehen, ent=
gegengenommen
. Sie ſollen zur Aufbewahrung von Lat=
werge
für den Winter dienen.
* Dachſtuhlbrand. Donnerstag nacht 11.34 Uhr
wurde der Feuerwache die Meldung: Dachſtuhl=
brand
Forſtmeiſterſtraße 11 In dem Hauſe
(Enes Erben) war in dem Treppenhauſe Feuer zum
Ausbruch gekommen und ſetzte, von innen ſich weiter
verbreitend, den ganzen Dachſtuhl in Brand. Das Feuer
wurde erſt bemerkt, als ſtarke Flammen zum Dach
herausſchlugen. Die Nachbargebäude waren bedroht.
Das Feuer wurde von innen und außen mit drei
Schlauchleitungen angegriffen, ſo daß nach einer halben
Stunde jede Gefahr der Weiterverbreitung beſeitigt war.
Die Löſch= und Räumungsarbeiten nahmen aber noch
längere Zeit in Anſpruch. Bis zur Ankunft der Feuer=
wache
war das Ausräumen einer Wohnung von Unbe=
fugten
vorgenommen, wodurch für den Inhaber Nachteil
entſtand. Die Entſtehungsurſache des Feuers iſt noch
nicht feſtgeſtellt. Der entſtandene Schaden erſtreckt ſich
insbeſondere auf das Gebäude. Die Feuerwache kehrte
1 Uhr 45 Min. nach der Wache zurück. Geſtern vor=
mittag
7 Uhr 20 Min. wurde die Mannſchaft nach
Frankfurterſtraße 85 zum Heben eines geſtürzten Pferdes
gerufen.
Beigeordneter Baurat Jaeger F.
* Mit Herrn Beigeordneten Baurat Jaeger iſt nicht
nur ein Mann von ſeltener Herzensgüte und ein jeder=
mann
wohlwollender und hilfsbereiter Beamter dahinge=
ſchieden
, der durch ſein gewinnendes, vornehmes Weſen
ſich in den Beamten= und Stadtverordnetenkreiſen wie in
der Bürgerſchaft ein ehrendes Andenken geſichert hat, ſon=
dern
auch ein in der Geſchichte der Stadt Darmſtadt hoch
bedeutender und unvergeßlicher Mann, der dank ſeiner
reichen Begabungen und Kenntniſſe und in unermüdlicher
Tatkraft in ſeiner Dienſtſtellung für die Stadt Außer=
gewöhnliches
geleiſtet hat.
Er hat eine vorzügliche techniſche Vorbildung durch
mehrjähriges Studium auf der hieſigen Techniſchen Hoch=
ſchule
genoſſen. Danach hat er ſich, namentlich in der
erſten Zeit, mit architektoniſchen Arbeiten befaßt und da=
bei
ein feines Gefühl für künſtleriſches Wirken bekundet,
das auch bei ſeiner ſpäteren Tätigkeit ſtets zum Ausdruck
kam. Nachdem er ſeiner Militärpflicht im Feldartillerie=
Regiment Nr. 25 genügt und ſein Studium vollendet hatte,
beſtand er im Jahre 1877 ſeine Staatsprüfung für den
höheren Staatsdienſt im Baufach. Im Staatsdienſte fand
er alsbald Verwendung bei der Main=Neckar=Eiſenbahn,
wo er bei größeren Bauten, insbeſondere bei dem Aus=
bau
des hieſigen Main=Neckar=Bahnhofs, tätig war. Nach
kürzerer Dienſtzeit bei dem Kreisbauamt in Dieburg wurde
er im Herbſt 1887 als Sekretär in die Miniſterialbau=
abteilung
berufen und im darauffolgenden Jahr zum
Kreisbaumeiſter in Groß=Gerau ernannt. Dort hat er an
den Bauten des Kreiſes ebenſo wie im Jahre 1895 in
gleicher Eigenſchaft in Bensheim gleichfalls Gelegenheit
gefunden, ſeine reichen. Kenntniſſe und Fähigkeiten im
Baufach und in der Verwaltung praktiſch zu verwerten.
Am 29. Oktober 1896 erfolgte ſeine Wahl zum beſoldeten
techniſchen Beigeordneten der Stadt Darmſtadt mit dem
Dienſtantritt am 2. Januar 1897. In Anerkennung ſeiner
hervorragenden Verdienſte wurde ihm im Jahre 1899 der
Charakter als Großh. Baurat verliehen und die Stadt=
verordneten
=Verſammlung bekundete nach Ablauf der
zwölfjährigen Wahlzeit im Jahre 1908 ihre Hochſchätzung
durch ſeine Wiederwahl auf Lebenszeit.
Sein Wirken in der ſtädtiſchen Verwaltung während
ſeiner nahezu 18jährigen Amtszeit iſt mit der Entfaltung
des hieſigen ſtädtiſchen Bauweſens auf das innigſte ver=
knüpft
. Gerade zur Zeit ſeines Amtsantritts cröffnete
ſich auf dieſem Gebiete für ihn ein weites Wirkungsfeld.
Unter ſeiner Leitung und Mitwirkung ſind erſtanden:
Schulhausneubauten: Viktoriaſchule, Bezirksſchule in
der Lagerhausſtraße, Mittelſchule in der Hermannſtraße,
Stadtmädchenſchule in der Emilſtraße, Liebigs=Ober=

* Der Kaiſer und Prinz Oskar im Felde. Ueber die
Erſtürmung des Forts Camp des Romains gibt der
Kriegsberichterſtatter des Berliner Tageblattes nachträg=
lich
eine ſehr lebendige Schilderung, an deren Schluß er
über einen Beſuch des Kaiſers beim Prinzen Os=
kar
plaudert: Als Nachtquartier war das alte Metz aus=
erſehen
. Im Europäiſchen Hof fand ich Unterkommen.
In der zweiten Etage hatte Prinz Oskar ein Zimmer
bezogen. Seine Königsgrenadiere hatten auch am 24.
September in der Gegend von Verdun wie die Löwen
gekämpft. Wie Affen im Urwald waren die Turkos auf
den Bäumen verſteckt und ſchoſſen auf unſere Grenadiere.
Es gab ein Ringen und ein mörderiſches Kämpfen. Un=
ſere
Soldaten mußten jeden Zoll des Bodens heiß erſtrei=
ten
, denn immer und immer wieder knallte und krachte es
aus den Kronen der hohen Bäume. Der Prinz führte
ſein Regiment durch Kampf zum Sieg. Nach dem Kampf
brach der Prinz jedoch an einer akuten Herzſchwäche zu=
ſammen
. Die tagelangen Anſtrengungen und Gefechte,
das grauſame Finale, der Tod ſeiner Kameraden und
braven Soldaten, die er ſelbſt ins Feuer geriſſen und ge=
führt
hatte, das alles zuſammen drang auf ihn ein und
legte ſeine Kräfte für kurze Zeit lahm. Er fuhr nach Metz
um neuen Kämpfen und Siegen entgegen zu geneſen. Am
26. September mittags gegen 1 Uhr traf die junge Ge=
mahlin
des Prinzen in Metz ein. Sie hatte den Weg von
Köln aus im Automobil zurückgelegt. Nachmittags um
3 Uhr kam dann der Kaiſer, um ſeinen kranken Sohn zu
beſuchen. Der Zufall hatte mich in das Treppenhaus des
Hotels geführt, als der Kaiſer ſeinen Sohn aufſuchte. In
der Tür des Zimmers erſchien die blaſſe junge Gräfin,
der der Kaiſer ritterlich die Hand küßte. Als die Tür
aufging, fiel das Licht der hellen Nachmittagsſonne auf
die Züge des Kaiſers. Rechts neben der Türe ſtand das
Bett des Prinzen. Der Kaiſer ging hinein, in der Türc
die Arme ſchon ausbreitend, mit den Worten: Junge
Junge, da biſt Du ja! Ueber eine Stunde weilte der
sberſte Kriegsherr bei dem jungen Oberſt. Als er hin=

ausging, malte ſich Freude und Zuverſicht auf ſeinen
ernſten Zügen. Am Montag morgen erhielt der Prinz
ein Telegramm, das ihm die Verleihung des Eiſernen
Kreuzes erſter Klaſſe ankündigte. Die zweite hatte er
ſchon vorher erhalten; mitten im Felde war ſie ihm zu=
erkannt
worden. Und da kein Eiſernes Kreuz von dieſem
Eiſernen Jahr vorhanden war im Augenblick, ſo nahm
General v. Strantz ſein im Kriege 1870/71 erworbenes
Eiſernes Kreuz von der Bruſt und gab es dem Prinzen,
der in der Jugendkraft ſeiner 27 Jahre ſein Regiment
zum blutigen Siege geführt hatte.
Die Tragweite der Waffen. Wie tiefgreifend die
Umwälzung in der modernen Kriegführung geweſen iſt,
die durch die ſtändig erhöhte Tragweite der modernen
Feuerwaffen herbeigeführt wurde, das zeigen die Schil=
derungen
, die jetzt von Mitkämpfern in Weſt und Oſt
eintreffen. Merkwürdig iſt dabei, daß der Fortſchritt auf
dieſem Gebiete kaum älter iſt als ein halbes Jahrhun=
dert
. Bis vor 50 Jahren hatte das Gewehr des Soldaten
keine höhere Tragweite als 250 Meter, und auf dieſer
Stufe war es über 200 Jahre, von 16401857 ſtehen ge=
blieben!
Das bedeutet, daß die Kriege Ludwigs XIV.
die Kämpfe der Revolutionszeit wie die Napoleons und
auch noch der Krimkrieg mit Gewehren ausgefochten
wurden, die in einer Entfernung über 250 Meter ihre
Wirkungskraft verloren. Es war im Jahre 1857, als das
glatte Gewehrrohr durch das gezogene erſetzt wurde, und
hierdurch ſchnellte die Tragweite ſofort auf 600 Meter hin=
auf
. Dieſes Ergebnis erſchien damals der ganzen Welt
als ein Wunder, aber ſchon im Jahre 1866 erfand ein
franzöſiſcher Hauptmann, Chaſſepot, ein Gewehr von
einem Kaliber von 15 Millimeter, das 1200 Meter weit
trug eine Leiſtung, an die 10 Jahre früher kaum je=
mand
zu denken gewagt hätte. Dieſe Chaſſepot=Gewehre
wurden, wie in einem Aufſatz des Corriere della Sera
hervorgehoben wird, am 4. November 1867 von den
Franzoſen, die zur Beſetzung Roms und zum Widerſtand
gegen den Zug Garibaldis entſandt waren, in der Wirk=

lichkeit erprobt, und es wurde danach ſofort von dem
franzöſiſchen Heer eingeführt; aber im Jahre 1870/71 er=
wies
es ſich dem preußiſchen unterlegen. Das Chaſſepot=
Gewehr wog 4 Kilogramm 300 Gramm; das Gras= Ge=
wehr
, das 1874 eingeführt wurde, hatte ein Gewicht von
4 Kilogramm 200 Gramm und eine Tragweite von 1800
Meter. In 15 Jahren war alſo die Tragweite der Ge=
wehre
um 1550 Meter geſteigert, nachdem ſie 217 Jahre
ſich auf derſelben Stufe erhalten hatte. Zu gleicher Zeit
machten auch die Gewehre, die von den Oeſterreichern,
Preußen und Italienern eingeführt wurden, Fortſchritte.
Die Repetiergewehre kamen auf, die 16 Schüſſe in der
Minute feuerten und 3000 Meter weit trugen. Heute ha=
ben
die Gewehre ein geringeres Gewicht, ſind leicht zu
handhaben und tragen 4000 Meter weit, mit einer Ge=
ſchwindigkeit
von 800 Meter in der Sekunde. Auch die
Revolver, die 1850 erfunden wurden, haben eine verbeſſerte
Tragweite, die ſich von 30 auf 100, dann auf 200 und
ſchließlich auf 1000 Meter erhöhte. Dieſen Leiſtungen ge=
genüber
mag daran erinnert werden, mit welchen Kampf=
mitteln
ſich die Alten begnügen mußten. Der Wurfſpieß
trug 25 Meter weit, die Schleuder 80 Meter, und die
Schleuderer der Balearen waren berühmt, weil ſie den
Stein 100 Meter weit ſchleudern konnten. Der Bogen, der
bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gebraucht wurde, trug
80100 Meter weit, die Armbruſt mit Stahlbügel 100110
Meter, das alte Feuerrohr, das auf eine Gabel geſtützt
wurde, kam nicht über 150 Meter, die Muskete bis 180
Meter, und dann wurde das Gewehr eingeführt, mit
deſſen 250 Meter Tragweite die Welt ſich ſo lange be=
gnügt
hatte.
* Der älteſte dienſttuende Leutnant. Das Frankfur=
ter
Generalkommando teilt folgendes mit: Beim Erſatz=
Landſturmbataillon Wiesbaden tut der 71jährige
Konſul H. Rieth aus Antwerpen, ehemaliger Reſerve=
Offizier des Huſaren=Regiments König Wilhelm I., Rhei=
niſches
Nr. 7, als Leutnant Dienſt. Er dürfte mithin wohl
der älteſte dienſttnende Leutnant der Armee ſein.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Nummer 272.

realſchule, Eleonorenſchule und Peſtalozziſchule. Hoch=
bauten
für den Betrieb der elektriſchen Straßenbahn, Neu=
bau
des Elektrizitätswerks im Dornheimer Weg und Er=
weiterung
des Elektrizitätswerks in der Schuchardſtraße.
Kleinwohnungen in der Darmſtraße. Gaswerk, Schlacht=
hof
, Oberwaldhaus, Badeanſtalten am Woog, Erweite=
rungsbauten
des Krankenhauſes, Ausſtellungsgebäude auf
der Mathildenhöhe, Hallenſchwimmbad.
Aus dieſer auszugsweiſen Zuſammenſtellung ergibt
ſch eine außerordentliche Vielſeitigkeit der ihm zugefalle=
nen
baufachlichen Aufgaben, die bei weiſer Sparſamkeit
unter Berückſichtigung einer künſtleriſchen Geſtaltung ſtets
in hervorragend zweckmäßiger Weiſe gelöſt wurden.
Aber ſeine Tätigkeit beſchränkte ſich nicht auf das Ge=
biet
der ſtädtiſchen Hochbauten, vielmehr lag ihm auch ob,
die Geſamtgeſtaltung unſeres Stadtbauweſens, die
ſtädtiſche Bodenpolitik mit der Gelände=Erwerbung und
=Verwertung, die Ausgeſtaltung des Induſtriegebietes mit
ſeinen Gleisanlagen und Bahnanſchlüſſen, wie überhaupt
die Feſtſetzung der Bebauungspläne, die in Anbetracht der
allſeitigen Eröffnung neuer Baugebiete einen großen Um=
fang
annahmen. Hierbei war nicht allein die wirtſchaft=
liche
Seite in bezug auf die Anlegung der Straßen, Ka=
näle
und Verſorgungsleitungen ſeiner Ueberwachung un=
terſtellt
, ſondern auch die äſthetiſche Geſtaltung der Stra=
ßenführung
und Platzanlage, ſowie die Anordnung der
Bauten. Seine hingebende Arbeit auf dieſen Gebieten
ſchuf in unſeren neueren Bauvierteln ein Städtebild, das
in vieler Beziehung als muſtergültig gilt und dem
Verſtorbenen Ehre macht.
Wenn der Wirkungskreis, welchen Herr Baurat Jaeger
in unſerem Städtebauweſen beſchieden war, die Arbeits=
kraft
eines Einzelnen faſt erſchöpfen mußte, ſo waren ihm
dennoch weitere Aufgaben zugefallen, die er mit gleicher
Liebe und Sorgfalt zu löſen verſtand. So konnte er ſein
tatkräftiges Wirken außerdem noch auf dem Gebiete der
Pflege unſerer ſchönen Waldumgebung, der Ausgeſtaltung
der ſtädtiſchen Gartenanlagen und der landwirtſchaft=
lichen
Verwertung ſtädtiſchen Grundbeſitzes entfalten.
Seinem ausgeprägten Sinn für die lokalen Verhältniſſe
und die Geſchichte ſeiner Vaterſtadt iſt die Errichtung
eines ſtädtiſchen Muſeums mit ſeinen wertvollen Samm=
lungen
, die ſchon einen anſehnlichen Umfang angenommen
haben, zu verdanken.
Außer ſeiner vielſeitigen amtlichen Tätigkeit war er
Vorſitzender der Gewerbeſchule und des Mittelrheiniſchen
Architekten= und Ingenieurvereins, techniſches Mitglied
im Kirchenvorſtand und langjähriges Mitglied des Kreis=
tages
.
Durch ſein weitverzweigtes Wirkungsgebiet kam Herr
Baurat Jaeger mit faſt allen Teilen der Bevölkerung in
Berührung und war eine allſeits bekannte, hochgeachtete
und beliebte Perſönlichkeit. Die Stadt Darmſtadt und
ihre Bürgerſchaft wird ihrem Baurat Jaeger daher auch
ſtets ein ehrendes Andenken bewahren und ihn mit ſeinem
leutſeligen, wohlwollenden und dabei von ſeltenem Humor
begleiteten Weſen nicht ſo ſchnell vergeſſen.

Der Hofheimer Raubmord.

-g. Vor dem Schwurgericht begann geſtern die Ver=
handlung
wegen des entſetzlichen dreifachen Raub=
mordes
in Hofheim bei Worms in der Nacht zum 13.
Juni. Angeklagt iſt der am 28. Auguſt 1884 zu Monzern=
heim
(Rheinh) geborene vorbeſtrafte Bäckergeſelle Philipp
Flörſch des dreifachen Mordes, des Mordverſuchs
in einem Fall, des Raubes und der Brandſtiftung.
Die Verhandlung, für die zwei Tage vorgeſehen ſind,
leitet Landgerichtsrat v. Pfiſter, die Anklage vertritt
Oberſtaatsanwalt Schwarz, Verteidiger iſt Rechtsanwalt
Carnier. Geladen ſind 5 Sachverſtändige und eine
Reihe von Zeugen.
Der Angeklagte, der ungefeſſelt zur Verhandlung vor=
geführt
wurde, iſt ein Mann von mittelgroßer, kräftiger
Statur, mit faſt kahlem Kopf. Er folgt anſcheinend ſehr
intereſſiert den Verhandlungen und gibt mit ruhiger, faſt
ſchüchterner Rede Auskunft über ſein Vorleben und die
einzelnen Vorgänge der Tat, ſowie über die der Tat
voraufgegangenen Ereigniſſe. Er hat in Rheinheſſen das
Bäckerhandwerk erlernt und war dann von 1904 bis 1907
in Freinsheim, wo er wegen einer Körperverletzung zu
2 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ein hier unter=
haltenes
Verhältnis endete damit, daß das Mädchen nach
Krefeld in Dienſt ging. Flörſch reiſte dem Mädchen nach,
angeblich auf deſſen Erſuchen. Da ſie aber nichts weiter
von ihm wiſſen wollte, begab ſich Flörſch von Düſſeldorf,
wo er ſich vorübergehend aufhielt, am Morgen des 20.
März 1909 mit einem geladenen Revolver nach Krefeld
und ſuchte das Mädchen auf, das er, ohne ein Wort mit
ihm zu reden, auf der Straße durch drei Schüſſe zu Boden
ſtreckte. Er gibt an, er wollte dem Mädchen in ſeiner
Eiferſucht einen Denkzettel geben. Er wurde am 23. Auguſt
1909 vom Schwurgericht wegen Totſchlags zu 4½ Jahren
Gefängnis und 5 Jahren Ehrverluſt verurteilt, die er am
23. Oktober 1913 verbüßt hatte. Mit 230 Mark im Zucht=
haus
verdientem Gelde wurde er entlaſſen. Im Februar
dieſes Jahres fand er dann bei Back Beſchäftigung, der
mit ihm ſehr zufrieden war. Flörſch wurde wie zur Fa=
milie
gehörig behandelt. Er erhielt 9 Mark Wochenlohn
und freie Station; er führte ein ſehr häusliches Leben.
Von ſeiner Strafe hat er niemals etwas erzählt.
Da kam am 7. Juni ein Brief von der Gerichtsſchrei=
berei
in Krefeld, durch welchen Flörſch aufgefordert wurde,
innerhalb 8 Tagen 2209,46 Mark Koſten ſeiner Verurteie
lung und der Verpflegung während der Strafverbüßung
zu bezahlen. Am 7. Juni kündigte er nach ſeiner Angabe
ſeine Stellung auf und bemerkte zum Meiſter, das Gericht
finde einen auch überall. Als Back nach dem Inhalt des
Schreibens fragte, ſagte er, das ſeien Gerichtskoſten, 3000
Mark, die er ſofort bezahlen müſſe. Er habe ſeine Braut
erſchoſſen, das komme ihn auf 3000 Mark zu ſtehen.
Es wurde nun die Vernehmung des F. unterbrochen,
um das Augenſcheinsprotokoll zu verleſen. Danach befan=
den
ſich die Schlafräume der Eheleute und der Kinder Back
im Erdgeſchoß, daran anſtoßend die Backſtube. Im Ober=
geſchoß
ſchlief der Flörſch. In dem Backofenraum fanden
ſich an den Wänden Blutſpritzer und eine große Blutlache
vor, mit Mehl überſtreut. Die Leiche des Bäckermeiſters
lag im Schlafzimmer, die der Frau im halbverbrannten
Bett.
Flörſch gibt dann folgendes an: In der Kündigungs=
zeit
ſei er wiederholt mit Back in Streit geraten, da die
ſer immer etwas an ſeiner Arbeit auszuſetzen hatte. In
der Nacht zum 13. Juni wurde er wie immer geweckt. Back
habe ihm dann wieder Vorwürfe gemacht, daß er den Teig
nicht richtig hergeſtellt habe. Er habe ihm ärgerlich er=
widert
, er ſolle die Arbeit ſelbſt machen. Als ihm B. dar=
auf
etwas wie ein Schimpfwort zuſchleuderte, habe er ein
zufällig daſtehendes Handbeil ergriffen und dem Back einen
Schlag auf den Kopf verſetzt; darauf habe er noch zwei=
mal
zugeſchlagen. Er habe dann gedacht, die Frau könne
kommen, deshalb ſei er in deren Schlafzimmer eingedrun=

gen und habe auch ihr ein paar Schläge verſetzt und dar=
auf
den beiden Töchtern. Er habe darauf die Ladenkaſſe
geſucht, und als er dieſe nicht fand, ſuchte er im Hauſe
nach, angeblich, um ſein vieles Kleingeld in Gold umzu=
wechſeln
. Er habe jedoch das ganze Geld genommen, als
er einen Ruckſack gefunden hatte. Bevor er ging, hatte
er ſich gewaſchen und die Leiche des Back aus dem Back
ofenraum nach dem Schlafzimmer gebracht. Den Ruck=
ſack
mit dem Geld, 872 Mark, warf Flörſch unterwegs in
ein Getreidefeld. Nach ſeiner Angabe iſt Flörſch dann
nach Monzernheim gelaufen, um ſich einen Anzug zu
holen, da er am anderen Abend in Worms einen Bäckerball
mitmachen wollte. (!) In Gundersheim wurde er noch
am Mittag desſelben Tages feſtgenommen; der dortige
Polizeidiener hatte Verdacht auf den Fremdling gehabt,
der ſchon am Vormittag im Wirtshaus vorſprach. Wäh=
rend
Flörſch bei ſeiner erſten Vernehmung angab, er ſei
in jener Nacht gar nicht in Hofheim geweſen, da er ſich
habe vertreten laſſen, gab er ſpäter die auch jetzt noch auf=
recht
erhaltene Schilderung, wonach ſich ſeine grauenhafte
Tat nicht als Raubmord, ſondern als Totſchlag darſtellt,
den er in ſinnloſer Erregung begangen habe. Dem wider=
ſprechen
aber eine ganze Reihe charakteriſtiſcher Merkmale
und ſeine Vorſtrafen.
Als erſter Zeuge wurde ein Bäckermeiſter aus Freins=
heim
vernommen, der damals dem Flörſch den Dolch
abnahm, nachdem Flörſch einen jungen Mann durch einen
Stich verletzt hatte. Dabei ritzte ſich der Bäckermeiſter
an dem Dolch des Flörſch, der ihm ſagte, er ſolle die
Wunde auswaſchen, da er den Dolch in Vitriol=
löſung
getaucht habe. Flörſch ſtellt die Warnung
nicht in Abrede, doch habe er ſeinen Dolch niemals derart
präpariert. Der Zeuge gibt dann weiter an, daß Flörſch
immer einen Dolch und einen Revolver im Beſitz hatte
Kreisaſſiſtenzarzt Dr. Martin aus Bensheim hat die
Sektion der Leichen der Eheleute Back vorgenommen.
Nach dem Befund müſſe man beim Ehemann Back mit 4
oder 5 Schlägen rechnen, davon ſind mindeſtens zwei mit
der ſcharfen Kante geführt worden; die Schläge müſſen
mit einer ziemlichen Gewalt geführt worden ſein, denn
die Schläge haben die Schädeldecke, die an der dünnſten
Stelle 0,5 und an der dickſten Stelle 1 Zentimeter ſtark
war, vollſtändig durchſchlagen. Auch der Frau wurden
zwei Schläge mit der ſcharfen Kante verſetzt, wovon einer
eine klaffende Spalte verurſachte. Der Schädel der Frau
hatte eine Stärke von 0,8 bis 1,2 Zentimeter. Während
der Ehemann beim Ausbruch des Brandes ſchon tot ge=
weſen
ſein mußte, hat die Frau noch einige Zeit gelebt.
Kreisarzt Medizinalrat Dr. Schiffers=Worms hat
die Sektion der 19 jährigen Tochter Auguſte vorgenommen.
Der Schädel wies eine Zertrümmerung an der rechten
Kopfſeite auf. Der Tod iſt durch die Verletzung eingetre=
ten
. Die 15jährige Anna Back, die noch nicht ganz
wieder hergeſtellt iſt, gibt an, ſie ſei plötzlich unter einem
heftigen Schmerzgefühl auf einen Moment erwacht und
habe einen Schmerzensruf aufgeſtoßen. Dann habe ſie
nur noch gehört, wie ihre Schweſter Auguſte ausrief: Was
iſt denn los? Dann ſei ſie wieder bewußtlos geworden.
Flörſch hatte angegeben, er habe erſt die Auguſte und dann
die Anna geſchlagen, jetzt ſagt er, die Angaben der Anna
Bock ſeien falſch. Die ältere Schweſter Katharina befand
ſich zufällig bei ihrer verheirateten Schweſter in Bens=
heim
zu Beſuch und entging ſo einem ſchrecklichen Tode.
Eine Reihe von Gefängnisbeamten und die Gefäng=
nisgeiſtlichen
, die mit Flörſch bisher zu tun hatten, geben
dem Angeklagten teils das Zeugnis eines leicht erreg=
baren
, jähzornigen, teils eines Menſchen, der ſich ſehr gut
zu beherrſchen weiß. Nach der Ausſage ſeines Lehrers
iſt er ein mittelmäßig begabter Schüler geweſen. Eine
Anzahl Hofheimer Einwohner ſagen über den Befund im
Hauſe des Bock nach dem Ausbruch des Feuers aus.
Nach dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Sie=
ben
=Goddelau iſt der Angeklagte ein minderwertiger
Menſch mit nervöſen und Entartungsanzeichen. Doch iſt
er für ſeine Tat in vollem Umfange verantwortlich, da er
ſich nicht in einem Zuſtand krankhafter Störung der Gei=
ſtestätigkeit
befand, durch welchen ſeine freie Willens=
beſtimmung
ausgeſchloſſen geweſen wäre. Als bemerkens=
wert
bezeichnete es der Sachverſtändige, daß der Ange=
klagte
bei ſeiner Unterſuchung einen gewiſſen Stolz auf
ſeine Tat an den Tag legte. Dem entſpricht auch ſein Ver=
halten
während der ganzen Verhandlung, man merkte faſt
nie eine Spur von einer Erregung an Flörſch. Um ½9 Uhr
abends wurde die Beweisaufnahme abgeſchloſſen und die
Fortſetzung der Verhandlung auf heute früh 9 Uhr an=
geſetzt
.

Rotes Kreuz.

(Bureau: Rheinſtraße 36, Fernruf 25. Geöffnet ununter=
brochen
von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Bureau
der Materialien=Abteilung: Altes Palais, Fernruf 20.)
Das Rote Kreuz iſt das Wahrzeichen und Abzei=
chen
des Sanitätsdienſtes der Heere‟ Es iſt, wie viel=
leicht
manchem entgangen iſt, obwohl es uns eben täglich
öfters in die Augen fällt, die Umkehrung der ſchweizeri=
ſchen
, eidgenöſſiſchen Landesfarben. Wie es ſeinen Ur=
ſprung
in einem förmlichen Abkommen der an der Gen=
fer
Konvention teilnehmenden Staaten hat, ſo iſt es ein
Abzeichen, deſſen Achtung aus guten Gründen bei Freund
und Feind ſtreng überwacht und deſſen Mißbrauch beſon=
ders
unnachſichtlich beſtraft werden muß, weil ſonſt Treu
und Glauben, die Sicherheit und Pflege kranker und ver=
wundeter
Soldaten und ihnen dienender Menſchen gefähr=
det
würden. Das Neutralitätszeichen iſt daher auch ſchon
im Frieden beſonders geſchützt. Da hierüber noch nicht
überall genügende Klarheit im Publikum herrſcht, nehmen
wir Veranlaſſung, auf das Folgende wiederholt hinzu=
weiſen
:
Das Reichsgeſetz vom 22. März 1902 zum Schutz des
Genfer Neutralitätszeichens beſtimmt: 1. Das in der
Genfer Konvention zum Neutralitätszeichen erklärte Rote
Kreuz auf weißem Grunde, ſowie die Worte Rotes
Kreuz dürfen, unbeſchadet der Verwendung für Zwecke
des militäriſchen Sanitätsdienſtes, zu geſchäftlichen Zwek=
ken
ſowie zur Bezeichnung von Vereinen oder Geſellſchaf=
ten
oder zur Kennzeichnung ihrer Tätigkeit nur auf Grund
einer Erlaubnis gebraucht werden. Die Erlaubnis wird
von den Landes=Zentralbehörden erteilt. 2. Wer den
Vorſchriften dieſes Geſetzes zuwider das Rote Kreuz ge=
braucht
, wird mit Geldſtrafe bis zu einhundertfünfzig
Mark oder mit Haft beſtraft. 3. Die Anwendung der Vor=
ſchriften
dieſes Geſetzes wird durch Abweichungen nicht
ausgeſchloſſen, mit denen das im § 1 erwähnte Zeichen
wiedergegeben wird, ſofern ungeachtet dieſer Abweichun=
gen
die Gefahr einer Verwechſelung vorliegt. Die Ver=
wendung
ſoll nach dem Genfer Abkommen vom 6. Juli
1906 ſowohl in Friedens= als auch Kriegszeiten nur zum
Schutz und zur Bezeichnung von Sanitätsorganiſationen
und=Anſtalten, Perſonal und Ausrüſtung, die durch
dieſes Abkommen geſchützt ſind, geſtattet ſein. Wir war=
nen
alſo vor unbefugter Verwendung des Roten Kreuzes
und ſind in Zweifelsfällen gerne zu jeder Auskunft über
Berechtigung oder Verbot beleit.

In den in hieſigen Geſchäften und Reſtaurationen
aufgeſtellten Sammelbüchſen vom Roten Kreuz waren
weiter enthalten: Fa. Müller und Rühle, Eliſabethen=
ſtraße
12,24 Mk. Gebr. Rothſchild Marktplatz, 41,70 Mk.;
Verkehrsbüro, Ernſt Ludwigsplatz, 82,48 Mk.; von den
Arbeiterinnen am Proviantamt 14,47 Mark. Ferner wur=
den
, durch den Verkauf von Fähnchen, Poſtkarten uſw.,
auf den Straßen geſammelt: von Frl. Frieda Scheuer=
mann
75,44 Mk., Frl. Giſela Buxmann und Frl. Dingel=
dey
49,49 Mk., Frl. Emmy Sondheimer u. Gertrude Paul
52,37 Mk., Frl. Elſe Stade 53,77 Mk., Frl. Ziegenbruch
und Frl. Heyl 76,23 Mk., Frl. Lang und Frl. Ulrich 49,60
Mark, Frl. Grünewald und Frl. Schwab 57,77 Mk., Frl.
Hanny Engelbach 43,33 Mk., Frl. Logel, Hammer und
Henkel 45,88 Mk., Frl. Döhring und Lentz 20,73 Mk., Frl.
Lotte Milkau 25,73 Mk., Frl. Ziegenbruch und Heyl 64,69
Mark, Frl. Lotte Schaffner 26,52 Mk. Hierzu laut letzter
Veröffentlichung 421,84 Mk., ergibt zuſammen 1214,28 Mk.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Reſidenz=Theater am Weißen Turm. Am
Altar der Liebe betitelt ſich der große Zweiakter, welcher
ab heute als Hauptſchlager zur Vorführung gelangt. Es
iſt ein echt deutſcher Film, den Berliner Geſellſchafts=
kreiſen
entnommen, in welchem geſchickt und äußerſt
ſpannend die Geſchichte einer großen Liebe geſchildert
wird. Die Senſation kommt in einem weiteren Zwei=
akter
An einſamer Küſte auf ihre Rechnung und
zeichnet ſich dieſer Film durch ſeine herrlichen Naturauf=
nahmen
der italieniſchen Küſte vorteilhaft aus. Die
allerneueſten kinematographiſchen Berichte vom Kriegs=
ſchauplatz
und das übliche Beiprogramm machen den
Spielplan zu einem äußerſt abwechſelungsreichen. Am
Dienstag kann man wieder die ſo mit Recht beliebten
Schauſpieler Wanda Treumann und Viggo Larſen in
Motive unbekannt bewundern. (Siehe Anzeige.)
Union=Theater (Rheinſtr. 6). Auch das
diesmalige Programm weiſt eine Reihe hervorragender
Schöpfungen der deutſchen Filminduſtrie auf. So vor
illem das glänzende Drama Freund der Königin das
uns in drei Akten ergreifende Lebensſchickſale bringt. Die
Bilder ſind prächtig koloriert und in der Ausführung ganz
hervorragend. Ein zweites Drama betitelt ſich Die Sünde
des Arztes und wird auch dieſes den Beifall aller Kino=
freunde
finden. Zur Abwechſelung werden auch einige
Humoresken dezenten Inhalts gegeben und auch die Na=
turaufnahmen
ſind erſtklaſſige zu nennen. Den Haupt=
anziehungspunkt
dürften aber wieder die Kriegsbilder, in
denen wir Szenen vom weſtlichen und öſtlichen Kriegs=
ſchauplatz
ſehen können, bilden. (S. Anz.)

Arheilgen, 2. Okt. (Die Sterne des Tages.)
Der Arheilger Anzeiger ſchreibt: Seit mehreren Tagen
brennen die Laternen unregelmäßig. Manche davon
brennen am Tage und kaum beginnen die nächtlichen
Laternen zu ſtrahlen, erlöſchen ſie plötzlich, und in der
ganzen Umgegend tritt völlige Dunkelheit ein.
Mainz, 2. Okt. (Entlaſſung von 2000 Re=
ſerviſten
in Mainz.) In Mainz wurden geſtern
gegen 2000 Reſerviſten entlaſſen, da ſie nicht mehr gebraucht
wurden. Es handelt ſich dabei um Erſatzreſerviſten. Die
felddienſtfähigen Leute werden ausgebildet, die anderen
heimgeſchickt. Verſchiedene Kompagnien wurden auf=
gelöſt
.
Nierſtein, 2. Okt. (Eine weitere vaterlän=
diſche
Liebestätigkeit) iſt hier neben den bereits
beſtehenden eingeleitet. Im Rheinhotel iſt eine Kriegs=
nähſtube
errichtet worden, in der Frauen und Jluig=
frauen
von 17 Jahren ab Hemden und Unterzeug ſchnei=
dern
. Mädchen von 14 Jahren an werden mit Stricken
von Strümpfen, Ohrenwärmern, Stauchen u. a. m. be=
ſchäftigt
. Aus den reichen Liebesgaben ſind die nötigen
Stoffe zum Verarbeiten vorhanden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 2. Okt. Dr. Max Bauer,
als Schriftſteller unter dem Namen Ruſticus bekannt,
iſt im Alter von 85 Jahren geſtorben.
Cronberg, 2. Okt. Prinz Oskar von Preußen
war heute nachmittag mit ſeiner Gemahlin auf Schloß
Friedrichshof eingetroffen, um Prinz Friedrich Karl von
Heſſen einen Beſuch zu machen. Nach dem Tee fuhr das
Prinzenpaar im Automobil wieder nach Homburg.
Magdeburg, 1. Okt. In der heutigen Stadtverord=
netenſitzung
wurde dem Antrage des Magiſtrats auf Er=
nennung
des Generaloberſten v. Hindenburg zum
Ehrenbürger der Stadt einſtimmig zugeſtimmt. Ge=
neraloberſt
v. Hindenburg war früher Kommandeur des
4. Korps.
Halle (Saale), 2. Okt. Der Sohn des Deutſchenhetzers
Delcaſſé, Leutnant Delcaſſé, welcher Schüſſe durch
beide Oberſchenkel erhalten hatte und als Verwundeter
in das Lazarett in Merſeburg eingeliefert worden war,
iſt als geheilt entlaſſen und nach dem Gefangenen=
lager
Halle übergeführt worden. Er rühmt die aus=
gezeichnete
, zuvorkommende Behandlung der franzöſiſchen
Verwundeten und Gefangenen.
Leipzig, 2. Okt. In dem heute vor dem Reichsge=
richt
verhandelten Spionageprozeß gegen den
Schreiber bei der Eiſenbahndirektion Oppeln, P a u I
Czech wurde der Angeklagte wegen verſuchten Verrats
militäriſcher Geheimniſſe in Tateinheit mit Diebſtahl
unter Einrechnung einer vom Schwurgericht Oppeln gegen
ihn erkannten neunmonatigen Gefängnisſtrafe zu einer
Geſamtſtrafe von 5 Jahren 3 Monaten Zucht=
haus
, Verluſt der bürgerlichen Ehrenrechte auf die
Dauer von 10 Jahren und Zuläſſigkeit der Polizeiaufſicht
verurteilt. Strafverſchärfend kam in Betracht, daß der
Angeklagte Deutſcher iſt und daß er, wie er wußte, die ge=
heim
zu haltenden Pläne über Bahnhöfe und
Eiſenbahnſtrecken, die im Kriegsfalle zur Ver=
wendung
kommen ſollten, zu einer Zeit verraten wollte,
als allgemein ſchon mit dem Krieg gerechnet wurde. Wie
aus der Urteilsbegründung weiter hervorgeht, hat Czech
ſich mit ſeinem Angebot an den ruſſiſchen Militärattaché
in Berlin gewandt.
Kriſtiania, 1. Okt. Die ſibiriſche Expedition
von Lied iſt geſtern nach Hammerfeſt zurückgekehrt.
Sie war bis zur Mündung des Ob über den Geniſſei
vorgedrungen. Lieb iſt der Anſicht, daß im Sommer in
jenem Gebiet eine regelmäßige Schiffahrt möglich iſt.
Kriſtiania, 2. Okt. In der Nähe von Wilby iſt am
29. September der norwegiſche Dampfer Veſtlandet
geſcheitert. Von der aus 71 Mann beſtehenden Be=
ſatzung
konnten 20 in ein Boot aufgenommen werden, in
dem ſie zwei Tage lang bei Sturm und Kälte umhertrie=
ben
. Das Boot iſt geſtern abend in Hoborg angekommen.
Vier Mann waren inzwiſchen vor Erſchöpfung geſtorben.

[ ][  ][ ]

Nummer 272.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914

Seite 5.

Erdbeben.

Jugenheim, Erdbebenwarte, 2. Okt. Geſtern,
am 1. Oktober, abends 9 Uhr 32 Minuten, wurde ein
ſchwächeres Erdbeben aufg. zeichnet, das vermut=
lich
im Süden in einer Entfernung von einigen 100 Kilo=
metern
von hier ſtattgefunden hat. (Schweiz?) Die Auf=
zeichnung
begann 9 Uhr 32 Minuten 6 Sekunden und
dauerte bis zum völligen Erlöſchen nahe 4 Minuten. Dem
Erdbeben gingen 2 ſchwache Stöße nachmittags 6 Uhr
26 Minuten und 6 Uhr 32 Minuten voraus.
* Hohenheim, 2. Okt. Geſtern wurden von den
hieſigen Erdbebeninſtrumenten drei mittelſtarke Nah=
beben
aufgezeichnet, die ein und dieſelbe Herdentfernung
von etwa 160 Kilometer haben. Das erſte Beben erfolgte
um 6 Uhr 26 Min. 10 Sek., das zweite um 6 Uhr 32 Min.
41 Sek. und das dritte um 9 Uhr 31 Min. 59 Sekunden

Neues aus dem Velten
und Oſten.

* Großes Hauptquartier, 2. Okt.,
abends. (W. T. B. Amtlich.) Von dem
weſtlichen Armeeflügel wurden erneute
Umfaſſungsverſuche der Franzoſen
abgewieſen.
Südlich Roye ſind die Franzoſen aus
ihren Stellungen geworfen.
In der Mitte der Schlachtfeont blieb
die Lage unverändert.
Die an den Argonnen vordringenden
Truppen erkämpften im Vorſchreiten
nach Süden weſentliche Vorteile.
Oeſtlich der Maas unternahmen die
Franzoſen aus Toul energiſche nächt=
liche
Vorſtöße, die unter ſchweren Ver=
luſten
für ſie zurückgeworfen wurden.
Vor Antwerpen ſind Fort Wabre
Gatherine und die Redoute Dorpweldt
mit Zwiſchenwerken geſtern nachmittag
5 Uhr geſtürmt worden. Das Fort
Wöelhem iſt eingeſchloſſen.
Der weſtlich vorgeſchobene wichtige
Schulterpunkt Termonde befindet ſich
in unſerem Beſitz.
Auf dem öſtlichen Kriegsſchauplatz
ſcheint der Vormarſch ruſſiſcher
Kräfte über den Njemen gegen das
Gouvernement Suwalki bevorzuſtehen.

7 engliſche Dampfer
verſenkt.

Berlin, 2. Okt. (W. T. B. Nicht=
amtlich
.) Das Berliner Tageblatt mel=
det
aus Amſterdam: Nach hier vor=
liegenden
Nachrichten hat der kleine
Krenzer Karlsruhe im Atlan=
tiſchen
Ozean 7 engliſche Dampfer
verſenkt.

Die Organiſation des deutſchen Feldſanitäts=
weſens
.

* Berlin, 2. Okt. Die Nordd. Allgem. Ztg. teilt
die Beobachtungen des Generalſtabsarztes und Chefs des
Feldſanitätsweſens, von Schjerning, über die Or=
ganiſation
der Kriegskrankenpflege mit, in
denen es heißt: Im Weſten nur über dieſen kann ich
aus eigener Anſchauung urteilen hat ſich die Organi=
ſation
und das Material durchaus gut bewährt. Es
iſt zu bedenken, daß zunächſt die Armeen in Belgien ohne
Train und ohne das Sanitätsweſen vorſchreiten mußten,
ſodann der überaus ſchnelle Vormarſch notwendig war,
ohne daß an den Ausbau der Etappen gedacht werden
konnte, dazu die vielen großen und kleinen Schlachten mit
bedeutenden Verluſten und daß es auf weit ausgedehnten
Strecken täglich viele Verwundete gab.
Die langen und heftigen Artilleriekämpfe geſtatten
nicht das Betreten gewiſſer Teile der Schlachtfelder, ſo daß
Stunden hindurch jede Hilfe, die man den Verwundeten
hätte bringen wollen, Wahnſinn geweſen wäre. Es kann
aber feſtgeſtellt werden, daß allen die erſte Hilfe nach jeder
Hinſicht geſichert werden konnte, alle Verwundeten ſind auf
dem Schlachtfeld ordnungsgemäß verbunden worden und
ſo ſicher und gut, daß bei den meiſten Verwundeten der
erſte Verband auf dem ganzen Transport liegen bleiben
konnte. Die Schwerkranken ſind ſofort in ein Zeltlazarett
und dann in ein Kriegslazarett gebracht worden. In
einer Woche ſind allein 4050000 Leichtverwundete in die
Heimat geſchickt worden. Die Lazarettzüge reichten dazu
nicht aus, weshalb Güterzüge benutzt werden mußten; die
angerollten Wagen durften nicht zu lange ſtehen bleiben,
um Epidemien zu verhüten.
Das iſt gelungen. Der Geſundheitszuſtand
des Heeres iſt ſehr gut. Darmkatarrh und einige
leichte Ruhrkranke ſind im Abnehmen begriffen. Typhus
iſt nur vereinzelt aufgetreten. Ich betone, der Trans=
port
iſt gut gegangen. Die Soldaten wurden faſt
auf allen Stationen verpflegt. Der Dienſt auf dem Schlacht=
feld
und den Etappenhauptorten war der ſchwerſte und
erſchöpfendſte. Die Aerzte und Krankenpfleger arbeiteten
Tag und Nacht mit dem Aufgebot aller Kräfte. Ich habe
zu meiner größten Freude und Genugtuung den Dank des

Kaiſers und der Kommandoſtellen gefunden. Natürlich iſt
es dem einen oder anderen der Verwundeten nicht nach
Wunſch gegangen. Die Angehörigen können ſich nicht in
die Lage auf dem Kriegsſchauplatz finden. Der Krieg von
heute iſt rückſichtslos. Haben doch unſere Gegner ſelbſt
Verwundete in Gefangenſchaft geführt und Aerzte und
Krankenpfleger ermordet. Aber es wäre ein
großer Fehler, einzelne Fälle zu verallgemeinern.
Was die Organiſation anbetrifft, ſo haben wir jetzt
9000 Aerzte in der Armee. Ueberall ſind unter dem Zei=
chen
des Roten Kreuzes liebevolle Hände bereit, zu helfen
und Schmerzen zu lindern. Wir können ganz beruhigt
ſein, daß alles geſchieht, was möglich iſt. Die Schwierig=
keiten
des Transportes vom Schlachtfeld zur Etappe ſind
durch die Beſchaffung weiterer Transportmittel behoben.
Was das Verbandmaterial und Arzneimittelerſatz be=
trifft
, können wir zufrieden ſein.
* Bern 29. Sept. Die Zeitung Der Bund bringt
einen Artikel über das deutſche Heeres= Sanitäts=
weſen
, der die glänzende deutſche Organiſation lobt
und die Einzelbehandlung rühmend hervorhebt. Profeſſor
von Oettingens Richtlinien für die chirurgiſche Tätigkeit
in Front, Etappe und Heimat werden anerkennend be=
ſprochen
. Der Artikel ſchließt: Wenn man erwäge, daß
die deutſchen Armeen auch gegenüber jeglicher Seuchen=
gefahr
, Typhus, Ruhr, Cholera und Peſt ganz vorzüglich
gewappnet ſeien, ſo erhalte man den Eindruck einer rück=
haltloſen
, bis in die kleinſte Einzelheit durchgeführten
Organiſation, in den ſich aber auch ein klein wenig Neid=
gefühl
miſche.
Maßnahmen gegen Landesverräter.
* Straßburg, 2. Okt. Das Kriegsgericht
Neu=Breiſ ach erläßt eine Beſchlagnahmever=
fügung
über das Vermögen des Fabrikanten Johann
Haeffele, bisher in Gebweiler wohnhaft, zurzeit ohne
bekannten Wohn= und Aufenthaltsort. Es iſt gegen ihn
eine Unterſuchung wegen Landesverrats im Gange. Haef=
fele
iſt, nach der Straßburger Poſt, hinreichend verdächtig,
ſich dieſes Verbrechens dadurch ſchuldig gemacht zu haben
daß er franzöſiſchen Truppen in Gebweiler
als Führer gedient und ihnen auf dem Poſtamt die
Telegraphenapparate und Leitungen zum Zwecke der Zer=
ſtörung
gezeigt hat.
Wie dasſelbe Blatt aus Baſel berichtet, iſt der 53
Jahre alte Agent Adolf Reiſſer aus Sennheim im
Oberelſaß in der Berufungsinſtanz vom ſchweizeriſchen
Gericht wiederum zu drei Jahren Zuchth aus ver=
urteilt
worden, weil man in ſeinem Beſitz eine Bombe
gefunden hatte. Er wollte damit im Intereſſe Frankreichs
die Waldshuter Eiſenbahnbrücke in die
Luft ſprengen. In der Verhandlung wurde auch be=
kannt
, daß ein noch nicht ermittelter Täter anfangs Sep=
tember
einen Anſchlag auf die Schwarzwaldbahn bei der
Station Ortenberg verübt hat.
Die Lage auf dem ſüdlichen Kriegsſchauplatz.
* Wien 2. Okt. Das Armee=Oberkommando teilt
mit: Trotz der unausgeſetzten Niederlagen der Serben ver=
ſucht
es die ſerbiſche Preſſe durch Verbreitung
von Nachrichten über erfundene Siege und Ueber=
treibung
der Einfälle von Banden, Stimmung zu machen,
während ſie ſich ſelbſt bewußt iſt, daß dies nuk dazu dienen
ſoll, um den Zuſammenbruch Serbiens zu ver=
ſchleiern
. Auf die unwahren Behauptungen der aus=
wärtigen
Preſſe über die Lage auf dem Balkan=
Kriegsſchauplatz ſoll nur kurz und bündig erwidert
werden, daß wir nicht nur die eroberten Poſitionen öſtlich
der Drina in ſicherem Beſitz haben, ſondern daß
wir ununterbrochen an Raum gewinnen.
Die Behandlung verwundeter Ruſſen
in Oeſterreich.
* Wien, 2. Okt. Nach einer Mitteilung des Roten
Kreuzes haben die im Radetzki=Kaſernenſpital unterge=
brachten
ruſſiſchen Gefangenen an das ruſ=
ſiſche
Rote Kreuz ein Schreiben gerichtet in dem
ſie für die ihnen hier zuteil gewordene humane Pflege
ihre tiefſte Dankbarkeit ausſprechen und an das
ruſſiſche Rote Kreuz und das ruſſiſche Volk die Bitte rich=
ten
, den in ruſſiſchen Spitälern befindlichen Oeſterreichern
die gleiche Fürſorge zuteil werden zu laſſen wie den
ruſſiſchen Brüdern. In den letzten Tagen iſt bei der Ge=
fangenen
=Auskunftſtelle des hieſigen Roten Kreuzes eine
große Anzahl offener Briefe und Karten von in ruſſiſche
Gefangenſchaft geratenen öſterreichiſch=ungariſchen Mili=
tärperſonen
eingetroffen. Aus ihnen ergibt ſich, daß die
Behandlung der Kriegs gefangenen in Ruß=
land
eine durchaus humane iſt. Dasſelbe Bureau
hat auch zahlreiche Briefe von in öſterreichiſch=ungariſcher
Gefangenſchaft befindlichen ruſſiſchen und ſerbiſchen Sol=
daten
abgeſchickt, die ſich im allgemeinen über die gute Be=
handlung
mit Dankbarkeit ausſprechen. Einzelne Be=
ſchwerden
, die in ſolchen Briefen enthalten ſind, ſind ſofort
zur Kenntnis des Kriegsminiſteriums gebracht worden,
das den Wünſchen der Kriegsgefangenen in entgegenkom=
mendſter
Weiſe entſprochen hat.
Die polniſchen Legionen.
* Wien, 2. Okt. Die Politiſche Korreſpondenz
ſchreibt: Die öſterreichiſch=ungariſche Regie=
rung
hat, wie man uns mitteilt, den Regierungen der
neutralen Staaten folgende Verbalnote betr.
die polniſchen Legionen zukommen laſſen:
Der Oberkommandierende der ruſſiſchen Armee hat in
polniſchen Blättern eine Erklärung veröffentlichen laſſen,
die beſagt, daß die Mitglieder der Sokols genannten pol=
niſchen
Organiſationen in Galizien an den Kämpfen
gegen die ruſſiſchen Truppen teilnehmen und Exploſiv=
kugeln
mit abgeſchnittener Spitze verwenden. Daran
knüpfte der Oberkommandierende die Weiſung, die Sokols
und andere Vereine dieſer Artnicht als
Kriegführende anzuerkennen und gegen die Mit=
glieder
mit aller Strenge des Heeresgeſetzes vorzugehen.
Die öſterreichiſch=ungariſche Regierung ſtellt demgegenüber
in aller Form folgendes feſt: Mit der erwähnten Bezeich=
nung
Sokols und andere Vereine können offenbar nur
die polniſchen Legionen gemeint ſein, die zum Teil aus
Mitgliedern ſolcher Vereine zuſammenge=
ſetzt
ſind. Dieſer Umſtand kann aber inbezug auf die
Qualifizierung der polniſchen Legionen hinſichtlich des
Kriegsrechts in keiner Weiſe in Betracht kommen. Die
Legionen wurden auf eine ſolche Art gebildet, daß ſie nicht
nur allen Bedingungen entſprechen, die im erſten Artikel
des Reglements, betreffend die Geſetze und Bräuche des
Landkrieges, vorgeſchrieben ſind, ſondern ſie bilden auch
einen Teil der öſterreichiſch=ungariſchen Armee, mit der ſie
durch ein organiſches Band verknüpft ſind. Ihre Mitglie=
der
haben den Fahneneid geleiſtet, die Unterabteilungen
werden von öſterreichiſch=ungariſchen Offizieren komman=
diert
und haben an der Spitze einen öſterreichiſch= ungari=
ſchen
General, der ſelbſt unter dem Befehl des Armeekom=
mandos
ſteht. Was die angebliche Verwendung von Ex=
ploſivkugeln
mit abgeſchnittener Spitze durch die polniſchen

Legionen anbelangt, erklärt die öſterreichiſch=ungariſche
Regierung, daß weder dieſe Legionen noch irgend ein
anderer Teil der öſterreichiſch=ungariſchen Armee ſich ſol=
cher
Projektile bedient. Angeſichts dieſes Standes der
Dinge würde jede Handlung Rußlands, welche die Nicht=
anerkennung
der polniſchen Legionen als Kriegführende
enthielte, offenbar eine flagrante Verletzung der Haager
Beſtimmungen bilden, gegen die die öſterreichiſch= unga=
riſche
Regierung auf das entſchiedenſte Proteſt erhebt.
Die franzöſiſchen Drohungen gegen Norwegen.
* Kriſtiania, 2. Okt. Norges Handels og Schoef=
fahrtstiding
nimmt heute Stellung gegen die im The
Globe und dem Temps gegen Norwegen gerichte=
ten
Angriffe. Das Blatt drückt ſeine Verwunderung
darüber aus, daß Blätter dieſer Größe Berichterſtatter
nach Kriſtiania ſenden, die nichts von den norwegiſchen
Verhältniſſen verſtänden. Die Behauptung, daß Skan=
dinavien
Gewehre und Pulver an Deutſchland liefere, iſt
eine bloße Erfindung. Was die Frage der von Frankreich
geliehenen Gelder angehe, ſo habe Skandinavien dieſe
immer nur als Geſchäft und als nichts weiter betrachtet.
Was dieſe Anleihen angehe, ſo habe Skandinavien
ſeine Verpflichtungen ſtets bis auf den letzten Oer
erfüllt, was nicht von allen Geldleuten Frankreichs geſagt
werden kann. Wenn man uns erwieſene Barmherzigkeit
als Undank anrechnet, ſo können wir nur bedauern, daß
wir nicht ſchon früher darauf aufmerkſam gemacht worden
ſind. Skandinavien wollte gerne Geſchäfte mit Frankreich,
gleichviel ob mit Geld oder Waren, machen; aber Almoſen
nähme Skandinavien nicht an.
England und die neutralen Staaten.
* Kriſtiania, 2. Okt. (Nichtamtlich.) Der Lon=
doner
Korreſpondent des Morgenbladet telegraphiert ſei=
nem
Blatte, ihm ſei amtlich mitgeteilt worden, daß die
engliſche Regierung ihren Standpunkt in der Frage, ob
Eiſenerz zur Kriegskonterbande gehöre, noch=
mals
genau prüfen werde. England täte alles, um das
Wohlergehen und die Sicherheit der neutralen Länder zu
ſtützen und die unbehagliche Wirkung des Krieges zu mil=
dern
. Die ſchwediſchen Blätter träfen aber nicht den Kern
der Frage, wenn ſie nur von der Londoner Deklaration
des Jahrs 1900 ſprächen.
* Kriſtiania, 2. Okt. (W.T. B. Nichtamtlich.) Die
norwegiſche Reederei Wrangel, welcher der in Phila=
delphia
zurückgehaltene Dampfer Fram gehört, bezeich=
net
die geſtrige Depeſche des Reuterſchen Bureaus in Lon=
don
, daß die Zurückhaltung auf Erſuchen der engliſchen
Regierung durch die Regierung in Waſhington geſchehen
ſei, als eine Entſtellung. Genau wie im Falle der
Sommerſtad habe die Reederei Anweiſung zur Zurück=
haltung
gegeben, da die amerikaniſchen Verfrachter, die das
Schiff in Timech arter hatten, wahrſcheinlich die
Schiffsladung für ein Kriegsſchiff einer kriegführenden
Partei beſtimmt hatten. Die Reederei habe, wie alle nor=
wegiſchen
Reedereien, das größte Intereſſe daran, daß
ihre Schiffe auch im Timecharter nicht gegen die Neutra=
litätsgeſetze
gebraucht würden, da die Reeder keinen grö=
ßeren
Verdienſt hätten, aber das größte Riſiko durch eine
derartige Verfrachtung auf ſich nähmen, wie der vorlie=
gende
Fall zur Genüge zeige. Es iſt bedauerlich, ſchreibt
das Blatt Tidens Tegn, daß ſich das Reuterſche Bureau
dazu hergibt, Norwegen derartig zu verdächtigen, da die
norwegiſchen Reeder ihre Pflicht getan haben, ohne Ein=
miſchung
von England oder der amerikaniſchen Regierung.
Der Krieg zur See.
* Hartlepol, 2. Okt. Der Dampfer Selby mit
mehr als 3000 Tonnen Kohlen von Shields nach Ant=
werpen
unterwegs, iſt geſtern nacht in der Nordſee auf
eine Mine geſtoßen und geſunken. Die 20 Mann
ſtarke Beſatzung rettete ein Boot eines Loweſtofter Küſten=
ſchiffes
, das in Loweſtoft landete.
* London, 2. Okt. Der holländiſche Dampfer Agda
von Rotterdam iſt bei Kap Taron auf ein Wrack ge=
ſtoßen
und geſunken. Ein Teil der Beſatzung iſt
gerettet worden.
Der Krieg in den Kolonien.
* Pretoria 2. Okt. Das Reuterſche Bureau mel=
det
amtlich: Südafrikaniſche Truppenabtei=
lungen
überraſchten zwei deutſche Poſten, den einen bei
Grasplatz in der Nähe von Lüderitzbucht, den zweiten
bei Anichab, 25 Meilen nördlich von Lüderitzbucht.
Fünf Deutſche ſind gefangen genommen worden,
davon iſt einer tödlich verwundet.
Die Beſteuerung der Ausländer in der Türkei.
* Konſt antinopel, 2. Okt. Der Finanz=
minfſter
hat an die Behörden des Reiches ein Rund=
ſchreiben
mit genauen Weiſungen bezügl. der Gewerbe=
ſteuer
der Ausl änder gerichtet, die heute in Kraft
treten ſoll. In dem Rundſchreiben werden auch Ratſchläge
betr. die den Ausländern gegenüber zu beobachtende Hal=
tung
erteilt. Es heißt darin, man dürfe nicht vergeſſen,
daß der Handel der gewerbetreibenden Ausländer zu der
wirtſchaftlichen Entwicklung der Türkei in großem Maße
beitrage, und daß man den Ausländern Vertrauen zu den
Geſetzen des Landes einflößen müſſe.
* Berlin 2. Okt. Der Hilfslazarettzug der
Kronprinzeſſin Cecilie, der vom Verein vom
Roten Kreuz in Wilmersdorf und Schöneberg ausgeſtattet
wurde, iſt von ſeiner erſten Fahrt vom weſtlichen Kriegs=
ſchauplatz
in Dresden angekommen. Er brachte 320 Ver=
wundete
, größtenteils Sachſen. Profeſſor von Oettingen
teilte mit, daß ſich die Einrichtungen des Zuges ausge=
zeichnet
bewährt haben. Er erzählte, daß es ihm gelungen
ſei, während der Fahrt Operationen auszuführen. Keiner
der Verwundeten iſt unterwegs geſtorben. Der Zug bleibt
bis heute nachmittag in Dresden und wird dann wieder
zum weſtlichen Kriegsſchauplatz abgehen.
* Berlin, 2. Okt. (Amtlich.) Nach einer amtlichen
Mitteilung der ruſſiſchen Regierung ſind in Rußland
Priſengerichte in Kronſtadt, Sebaſtopol und Wla=
diwoſtok
eingerichtet worden.
* Berlin, 2. Okt. Wir hatten, ſo ſchreibt die Nordd.
Allg. Ztg., bald nach Ausbruch des Krieges Anlaß zu der
Mahnung, man möge chineſiſche Staatsange=
hörige
nicht beläſtigen, ſondern ihnen überall mit der=
jenigen
Rückſicht begegnen, die wir den Angehörigen des
neutralen befreundeten Landes ſchuldig ſind. Die gleiche
Mahnung gilt ſelbſtverſtändlich auch für das Verhalten
gegen die im Deutſchen Reich lebenden Siameſen, wie
überhaupt gegen alle neutralen Fremden. Es iſt keine
Erklärung mehr für unhöfliche oder rückſichtsloſe Behand=
lung
von neutralen Ausländern, wenn angegeben wird,
man habe ſie mit Japanern verwechſelt. Denn japaniſche
Staatsangehörige befinden ſich nicht mehr auf deutſchem
Boden. Wir wollen in den neutralen Ländern keinen
Zweifel darüber aufkommen laſſen, daß ihre Bürger in
Deutſchland unter dem Schutze unſerer Geſetze und unſerer
Kultur unangefochten leben.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Nummer 272.

2 Wien, 2. Dt. Der Kaiſer hat laut Handſchrei=
ben
vom 26. Sept. dem Kapitänleutnant Weddigen,
Kommandanten des U 9, das Ritterkreuz des Leo=
poldordens
mit der Kriegsdekoration verliehen.
* Paris, 2. Oktober. Die zweite Nummer von
Clemenceaus neuer Zeitung Homme en
chaine wurde in Bordeaux beſchlagnahmt.
* Paris, 2. Okt. Der Figaro erſcheint ſeit dem 28.
September wieder in Paris.
* Lyck, 2. Okt. Björn Björnſon, der Sohn des
Dichters, iſt kürzlich, von mehreren Offizieren begleitet,
hier eingetroffen, um ſich durch perſönlichen Augenſchein
von den von den Ruſſen verübten Greuel=
taten
zu überzeugen.
* Sofia, 2. Okt. Das bulgariſche Rote
Kreu z hat für das öſterreichiſche und das ungariſche
Rote Kreuz je 25000 Lei geſtiftet.

Darmſtadt, 3. Oktober.
Der Krieg und unſere Flotte. Ueber dieſes Thema
hielt geſtern abend auf Veranlaſſung des hieſigen Gar=
tenbauvereins
Herr Kontreadmiral Weſtphal im
Kaiſerſaal vor einem zahlreich erſchienenen Publikum
einen ſehr intereſſanten Vortrag. Der Redner ging von
der Tatſache aus, daß England ſeit Jahren in der ganzen
Welt zum Kriege gegen Deutſchland gehetzt hat, weil nach
ſeiner Anſicht der politiſche Einfluß unſeres Vaterlandes
zu groß wurde, und weil vor allen Dingen die Deutſchen
dem engliſchen Handel eine immer ſtärker werdende Kon=
kurrenz
machten. Er zeigte dann weiter, wie der Krieg
ein kaufmänniſches Rechenexempel von Sir Edward Grey
ſei, bei dem ſich der engliſche Miniſter allerdings recht
bedeutend verrechnet habe, denn viele ſeiner Maßnahmen
zur Aushungerung Deutſchlands ſchädigen ſein eigenes
Land. An einer Reihe von Beiſpielen zeigte dann der
Redner, wie England gegenwärtig nach dem Sprichwort
handle: Gewalt geht vor Recht. Es kümmere ſich weder
um das Seerecht, noch um irgend welche internationalen
Vereinbarungen. Beim Vergleich der Seeſtreitkräfte zeigte
ſchon die Gegenüberſtellung der Friedensſtärke, daß wir
es mit England mit einem bedeutend überlegenen Gegner
zu tun haben. Trotzdem hat dieſer ſeine Aufgaben als
ſolche, nämlich die Vernichtung der feindlichen Flotte,
und die Blockierung aller feindlichen Seehäfen, keineswegs
erfüllt, geſchweige denn, ſeine prahleriſch auspoſaunten
Drohungen wahr gemacht, das Nordſeegeſchwader in den
Grund und Boden zu ſchießen, bevor noch die Deutſchen
an eine Mobilmachung denken könnten. Die Verzögerung
der Entſcheidung aber könne für Deutſchland nur erwünſcht
ſein, weil es dann ſeine Aufgaben um ſo beſſer bewältigen
könne und weil das jetzt einſetzende neblige Wetter ſol=
chem
Kleinkriege günſtiger ſei. Nach einer Beſprechung
über die bisherige Tätigkeit unſerer Heimat= und über=
ſeeiſchen
Geſchwader zeigte der Redner an ſehr guten Bei=
ſpielen
(Lichtbildern) den Bau und die Armierung bei
den einzelnen Schiffstypen, ſchilderte die Gefechtsweiſe
der Kriegsſchiffe und beleuchtete insbeſondere die Bedeu=
tung
der deutſchen Tauchboote, welche durch die kühne
Heldentat unſeres U 9 großes Aufſehen erregt haben.
Der Redner erwarb ſich mit ſeinen Darbietungen ſtürmi=
ſchen
Beifall. Die Anweſenden ſangen ſtehend: Deutſch=
land
, Deutſchland über alles und ſtimmten begeiſtert in ein
Hoch auf unſer Vaterland ein.

Feldpoſtſendungen.

* Um die Verſendung kleiner Bekleidungsſtücke und
Gebrauchsgegenſtände an die Angehörigen des Feldheeres
zu erleichtern, wird zunächſt verſuchsweiſe auf die Dauer
einer Woche, vom 5. Oktober bis einſchl. 11. Oktober, das
Meiſtgewicht der Feldpoſtbriefe von 250 g auf 500 g er=
höht
. Wenn die Verhältniſſe es geſtatten, wird die Zu=
laſſung
der 500 g=Briefe bald wiederholt werden. Die
Gebühr für die Feldpoſtbriefe über 250 bis 500 g beträgt
20 Pfg. Gleichzeitig wird die Gebühr für die Feldpoſt=
briefe
über 50 bis 250 g dauernd auf 10 Pfg. ermäßigt.
Die Sendungen mit Wareninhalt ( Liebesgaben=
päckchen
) müſſen ſehr dauerhaft verpackt ſein. Nur ſtarke
Pappkartons, feſtes Packpapier oder dauerhafte Lein=
wand
ſind zu verwenden. Für die Wahl des Ver=
packungsſtoffes
iſt die Natur des Inhalts maßgebend;
zerbrechliche Gegenſtände ſind ausſchließlich in ſtarken
Kartons nach vorheriger Umhüllung mit Papier oder
Leinwand zu verpacken. Die gebräuchlichen Klammer=
verſchlüſſe
ſind faſt durchweg ungeeignet. Die Päckchen,
auch die mit Klammerverſchluß verſehenen, müſſen all=
gemein
mit dauerhaftem Bindfaden feſt umſchnürt
werden, bei Sendungen von größerer Ausdehnung in
mehrfacher Kreuzung. Streichhölzer und andere feuer=
gefährliche
Gegenſtände, insbeſondere Taſchenfeuerzeuge
mit Benzinfüllung, ſind von der Verſendung durch die
Feldpoſt unbedingt ausgeſchloſſen.
Die Aufſchriften ſind auf die Sendungen niederzu=
ſchreiben
oder unbedingt haltbar auf ihnen zu befeſtigen
und müſſen deutlich, vollſtändig und richtig ſein.
Sendungen, die den vorſtehenden Bedingungen nicht
entſprechen, werden von den Poſtanſtalten unweigerlich
zurückgewieſen.
Der Staatsſekretär des Reichs=Poſtamts.
Kraetke.

Unterkleider für unſere soldaten.

Für die nahende kalte Jahreszeit wäre es der Es=
adron
in hohem Maße erwünſcht, in den Beſitz warmer
Unterkleider für die im Felde ſtehenden Unteroffiziere und
Mannſchaften zu kommen, als da ſind wollene Weſten,
Hemden, Unterhemden, Strümpfe, Leib=
wärmer
, Pulswärmer, Handſchuhe Ohren=
ſchützer
uſw. Auch wäre die Eskadron für elek=
triſche
Taſchenlampen mit Erſatzbarterien,
Feldſtecher, Tabakspfeifen und Tabak (nicht
Zigarren) ſehr dankbar. Die Angehörigen der im Regi=
ment
dienenden Unteroffiziere und Mannſchaften werden
daher gebeten, dem ausgeſprochenen Wunſch nach Mög=
lichkeit
Rechnung tragen und Sendungen, deren Beför=
derung
von hier aus erfolgt, der Eskadron mit genauer
Adreſſe des Empfängers zukommen laſſen zu wollen.
Erſatz=Eskadron Leib=Drag.=Regts. Nr. 24.

Verluſtliſte (Nr. 38).

Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115, Darmſtadt.
Rancourt am 27. und 28. Auguſt.
I. Bataillon.
Leib=Kompagnie: Gard. Wilhelm Wendland,
Rumpenheim, t.; Gard. Philipp Vetter, Burggräfen=
rode
, ſchv.; Gard. Robert Kuntzmann, Kolmar, lv.;
Gard. Clemens Meyer I., St. Pilt, vw.; Gard. Johann
Winkelmann, Steele, vw.; Reſ. Heinrich Glück,
Bürſtadt, vw.; U=O. Otto Lampmann, Büdingen,
t.: Gefr. d. Reſ. Jakob Müller, Egelsbach, vw.; Gard.
Wilhelm Sitzius, Bretzenheim, vw.; Einj.=Freiw. Heinr.

Schmidt, Echei, vw., Gefr. d. Reſ. Wilheim Rein=
hardt
, Frankfurt a. M., vm.; Tambour Chriſtopl
Franke, Mühlhauſen i. Th., lv.; Gefr. d. Reſ. Johann
David Rühl, Seligenſtadt, vw.; Reſ. Johann Kunz,
Seligenſtadt, vw.; Gefr. d. Reſ. Peter Chatt, Seligen=
ſtadt
, vw.: Reſ. Johannes Groh, Urberach, vw.; Reſ.
Johann Muſel, Offenbach, t.; Einj.=Freiw. Konrad
Erwin Jakob Gibfried, Worms, lv.; Gard. Wilhelm
Meuſer, Büdingen, vw.; Reſ. Eduard Schäfer,
Offenbach, vw.; Reſ. Friedrich Schmuck Klein=
Steinheim, vw.; Gefr. Walter Rupp, Duisburg,
vw.; Gardiſt Karl Schück, Helmhof, vw.; Reſerviſt
Adam Junker, Glattbach, vw.: Reſ. Lorenz
Mühlum, Bensheim, vw.; Reſ Adam Groh, Brens=
bach
, vw.; Reſ. Karl Saufaus Dreieichenhain, t.; Reſ.
Heinrich Grünewald, Eberſtadt, vw.; Gard. Heinrich
Schwinn, Rothenberg, vw.; Reſ. Karl Beck, Schönder=
ling
, vw.; Reſ. Friedrich Gerhold, Oberrad, vw.; Reſ.
Leonhard Michel, Darmſtadt, lv.; Gard. Karl Hahn,
Alsfeld, vw.; U.=O. Heinz Heberer, Frankfurt a. M.
lv.; Reſ. Johann Schwerdt, Roth, vw.: Gard. Emil
Bommert, Wiſchlichhofen, vw.; U.=O. Michael Witt=
ling
, Schiffweiler, vw.
Reſerve=Infanterie=Regiment Nr. 118, Worms.
Stab und II. Bataillon.
Izel am 23., Yoncg am 28., Mouzon am 28., La Berliere
am 31. Aug. und Revigny am 6. Sept. 1914.
Stab: Oberſtlt. u. Kommandeur v. Weſtrell, vw.;
Oberlt. u. Adjutant v. Reckow, vw.
II. Bataillon.
5. Kompagnie: Lt. d. Reſ. Bernheim, Saales
im Unterelſaß, lv.: Lt. Müller, Mainz, t.; Reſ. Philipp
Grünewald, König, t.; Reſ. Peter Hofferberth,
Mümling=Grumbach, t.; U.=O. d. Reſ. Adam Zimbrich,
Eſchollbrücken, ſchv.; U.=O. d. Reſ. Ludwig Weißmann,
Viernheim, lv.; U.=O. d. Reſ. Karl Rumpf, Darmſtadt, vw.;
U.=O. d. Reſ. Ludwig Sauer, Steinbach, lv.; U.=O. d. Reſ.
Philipp Groh, Niederfelden, vw.; U.=O. d. Reſ. Wilhelm
Schmucker, Michelſtadt, vw.: Reſ. Wilhelm Weber,
Hummetrot, vw.; Reſ. Peter Weidmann, Haſſenroth,
vw.; Wehrm. Karl Wetter, Unterſchönmattenwag, vw.;
Reſ. Johannes Reitz, Hetſchbach, vw.; Reſ. Michel
Brenner, Höchſt, vw.; Wehrm. Heinrich Kumpf,
Beerfelden, vw.; Reſ. Peter Dingeldein, Reichelsheim,
vw.; Reſ. Georg Ehrhardt, Steinbach, vw.; Reſ. Adam
Menges, Güttersbach, vw.; Reſ. Johann Dietrich,
Würzberg, vw.; Reſ. Eugen Schmitt, Münchhauſen, vw.;
Reſ. Georg Spreitzer, Weiſenau, vw.; Reſ. Leonhard
Buchhammer, Pfirſchbach, vw.; Reſ. Leonhard
Spatz, Erbach, vw.; Reſ. Georg Peter Spatz, Erbach,
vw.; Reſ. Georg Körber, Bullau, vw.; Reſ. Philipp
Erhardt, Winterkaſten, vw.; Reſ. Heinrich Heckler, Viel=
brunn
, vw.; Reſ. Johann Adam Berger, Hüttenthal, vw.;
Reſ. Johann Dingeldein, Steinbach, vw.; U.=O. d. R.
Valentin Löſch, Hofheim, vm.; Reſ. Jakob Holſchuh,
Unterſensbach, vm.; Reſ. Wilhelm Holſchuh, Unterſensbach,
om.; Reſ. Ernſt Schneider, Heppenheim, vm.; Reſ.
Johann Georg Emmerich, Kordelshütte, vm.; Reſ.
Wilhelm Friedrich, Lützel=Wiebelsboch, vm.: Reſ.
Georg Konrad Lenz, Oberfinkenbach, vm.; Reſ. Johann
Bickelhaupt, Reichelsheim, vm.; Reſ. Heinrich Neff,
Unieroſtern, vm.: Reſ. Ignaz Zulka, Zakrzewo, vm.;
Reſ. Leonhard Müller, Erlenbach, vm.; Reſ. Adam
Löw. Erlenbach, vm.; Reſ. Richard Franz Henning,
Neudamm, vm.; Reſ. Philipp Kautz, Böllſtein, vm.;
Gefr. d= Reſ. Adam Gölz, Lauerbach, vm.; Reſ. Georg
Heilmann, Schönnen, vm.; Reſ. Peter Völker,
Rothenberg, vm.; Reſ. Ludwig Reith, Cham in Bayern,
vm.; Reſ. Salomon Roſenthal Beerfelden, t.; Reſ.
Franz Riſch, Neubrunn, t.: Reſ. Wilhelm Reeg=
Birkert, t.; Reſ. Wilhelm Schäfer, König, t.; Reſ.
Peter Lang, Erlenbach, t.; Reſ. Jakob Weyrich,
Vielbrunn, t.: Gefr. d. Reſ. Leonhard Hofferberth,
König, t.; Reſ. Jakob Leiß, Vielbrunn, ſchv.; Reſ. Phil.
Seemann, Vielbrunn, vw.; Reſ. Joh. Seibert, Könia,
vw.; U.=O. d. R. Strobl, Kirchberg, lv.; Gefr. d. R.
Ferdinand Schneider Lauerbach, lv.; Reſ. Adam
Vogt, Höchſt, ſchv; Reſ. Andreas Weiß, Frensdorf,
vw.; Reſ. Georg Kunz, Wembach, vw.
6. Kompagnie: Hauptm. Franz Külp Darm=
ſtadt
, ſchv.; Lt. d. R. Angenete, Herford, ſchv.;
Wehrm. Georg Eiſenhauer Waldmichelbach, t.;
Wehrm. Jakob Rudolph, Hainſtadt, t.; Wehrm. Hein=
rich
Schäfer, Beerfelden, ſchv.; Wehrm. Georg Schott,
Günterfürſt, t.; Wehrm. Philipp Schweitzer, Kirch=
Brombach, t.; Wehrm. Peter Beyſel, Rothenberg, t.;
Gefr. d. Landw. Georg Willemann, Mümling= Crum=
bach
, t.; Vizef. d. R. Offiz.=Stellvertr. Georg Wolf,
Mainz, lv.; Wehrm. Chriſtian Martin, Seckmauern,
ſchv.; Wehrm. Georg Leitz, Vielbrunn, lv.; Wehrm.
Michael Berres, Vielbrunn, vw.; Wehrm. Georg
Sattler, Weitenbrunn, vw.: Wehrm. Georg Heß,
Seckmauern, ſchv.; Gefr. d. R. Ludwig Karl Bär,
Lampertheim, ſchv.; Wehrm. Heinrich Grimm, Nieder=
Klingen, lv.; Reſ. Johann Müller, Mommert, ſchv.;
Wehrm. Leonhard Arras Kimbach, lv.; U=O. d.
Landw. Wilhelm Glenz, Erbach, lv.; Wehrm. Wilhelm
Koch, Sandbach, vw.; Wehrm. Leonhard Fornoff,
Haingrund, vw.; Wehrm. Karl Schulze, Kirch= Beer=
furth
, vw.; Wehrm. Wilhelm Marquardt, Sandbach,
vw.; Wehrm. Leondard Degius, Pfaffen=Beerfurth,
vw.; Reſ. Jakob Keil, Steinbach, lv.; U.=O. d. Reſ.
Jakob Wetterich, Reichelsheim, vw.; Wehrm. Max
David, Reichelsheim, vw.: Reſ. Auguſt Gebhardt,
Erbach, vw.; Wehrm. Wilhelm Thomasberger,
Gutersbach, lv.; Wehrm. Martin Mathias Rhein,
Heppenheim, lv.; Wehrm. Leonhard Schneider, Etzen=
geſäß
, vw.; Wehrm. Johannes Uhrig, Michelſtadt, vw.;
Wehrm. Johannes Göttmann, Michelſtadt, vw.; Reſ.
Leonhard Wohlgemuth, Waldmichelbach, vw.; U.=O.
d. Landw. Arthur Kimmer, Chemnitz, ſchv.; Wehrm.
Heinrich Joſeph Heß, Seckmauern, vm.; Wehrm. Fried=
rich
Wilhelm Beeg, Zell, vm.: Wehrm. Adam
Schweitzer, Stockheim, vm.: Wehrm. Leonhard
Menges Gittersbach, vm.; Wehrm. Philipp Hener,
Haingrund, vm.; Wehrm. Jakob Weihrauch Erlen=
bach
, vm.; Wehrm. Georg Grünewald, Lützel= Wiebels=
bach
, vm.; Wehrm. Georg Heckmann, Birkenau, vm.;
Wehrm. Heinrich Kaffenberger, Unter=Moſſau,
vm.; Wehrm. Georg Ph. Kredel, Ober=Oſtern, t.;
Wehrm. Joh. Georg Bartmann, Raubach, t.; Wehrm.
Netzer, Vielbrunn, t.; Wehrm. Karl Theodor Lei=
ninger
, Ober=Moſſau, vm.; Wehrm. Adam Klein,
Fürſtengrund, vm.; Wehrm. Johann Nikolai, Birke=
nau
, vm.; Wehrm. Georg Philipp Reichert, Würz=
berg
, vm.
7. Kompagnie: Oberlt. Sieger, Cöln, vm.;
Reſ. Franz Bräuer, Erbach, lv.: Reſ. Johann Fried=
rich
, Hummetroth, t.: Reſ. Philipp Steinmann,
Mitlechtern, t.; Reſ. Auguſt Müller, Viernheim, t.;
Reſ. Johann Lanz, Viernheim, lv.: Reſ. Friedrich
Eckert, Lützel=Wiebelsbach, lv.; Reſ. Georg Edel=
mann
, Hirſchhorn, lv.; Reſ. Konrad Treiber,
Heppenheim, lv.; Reſ. Jakob Helfrich, Viernheim,

lv.; Reſ. Adam Rothenhauſen, Neuſtadt, lv.; Reſ.
Adam Kiß, Viernheim, lv.; Gefr. d. Reſ. Georg Vetter,
Ellenbach, lv.; Reſ. Philipp Bauer, Viernheim, lv.;
Reſ. Heinrich Wenner, Crumſtadt, lv.; Reſ. Michael
Klee, Biernheim, lv.; Reſ. Georg Klee, Viernheim,
lv.; Reſ. Georg Bauer, Hammelbach, lv.; U.=O. d.
Reſ. Jakob Bartmann, Mörlenbach, lv.; U.=O. d.
Reſ. Leonhard Helbig, Viernheim, lv.; Reſ. Adam
Oberle, Lörzenbach, lv.; Reſ. Franz Fiſcher, Fürth,
lv.; Reſ. Adolf Lenz, Mannheim, lv.; Gefr. d. Reſ.
Friedrich Ullmann, Viernheim, lv.; Reſ. Georg Kolb,
Fürth, lv.; Reſ. Georg Umhauer, Erbach, vm.; Reſ.
Lorenz Bauer, Erbach, vm.; Reſ. Johann Lutz, Heppen=
heim
, vm.: Reſ. Heinrich Heß, Hirſchhorn, vm.; Reſ.
Peter Rehberger, Dorsberg, vm.; Reſ. Peter Bauer,
Fürth, vm.; Vizef. Baum, Wien, lv.; Vizef. Diefen=
bach
, Auerbach, lv.; U.=O. Michel, Habitzheim, vm.
8. Kompagnie: Hptm. d. Reſ. Weſternacher,
Lindheim, lv.; Lt. Meyer, Reichelsheim, ſchv.; Wehrm.
Jacob Burkard, Hirſchhorn, lv.; Gefr. Peter Schmitt,
Unterflockenbach, t.; Wehrm. Adam Weber, Birkenau,
t.; Wehrm. Nicolaus Schmidt, Bonsweiher, t.; Wehrm.
Jacob Fiſcher. Viernheim, t.; U.=O. Johannes Kautz=
mann
, Groß=Rohrheim, ſchv.; U.=O. Konrad Pfau,
Wimpfen, lv.; U.=O. Karl Klenk, Hüffenhardt, ſchv.;
U.=O. Wilhelm Nicklas, Kirchbrombach, lv.; U.=O.
Georg Michel, Rimbach, lv.; Gefr. (Tambour) Peter
Steinmann, Mittershauſen, lv.; Gefr. Wilhelm Brix=
ner
, Schwetzingen, lv.; Wehrm. Michael Schütz, Rim=
bach
, lv.; Wehrm. Heinrich Wolf, Wimpfen, lv.;
Wehrm. Karl Mandel, Viernheim, lv.; Wehrm. Franz
Schmidt, Mackenheim, lv.; Wehrm. Sebaſtian Ball=
mann
, Unter=Schönmattenwag, lv.; Wehrm. Wilhelm
Pojatti, Neckarhauſen, lv.; Wehrm. Joh. Kandler,
Mettendorf, lv.; Wehrm. Johann Krug, Viernheim,
lv.; Wehrm. Adam Joſt, Birkenau, vm.; Wehrm.
Karl Staudt, Hohenſtadt, vm.; Wehrm. Johann
Kadel, Niederliebersbach, vm.; Wehrm. Johannes
Krauß, Birkenau, vm.; Wehrm. Joh. Adam Arnold,
Affolterbach, vm.; Wehrm. Adam Jochum, Affolter=
bach
, vm.; Wehrm. Adam Schäfer, Rimbach, vm,;
Wehrm. Karl Bergmann, Wimpfen, vm.; Offizier=
dienſttuer
Beaufort, Bad Dürkheim, lv.; Wehrm.
Albert Förſchle, Wimpfen, t.; Wehrm. Georg Bickel,
Ober=Mombach, lv.; Wehrm. Adam Held, Heppen=
heim
, lv.: Wehrm. Leonhard Mergenthaler,
Rothenberg, lv.
Infanterie=Regiment Nr. 137, Hagenau.
Geiſtkirch am 15., Vergaville am 20., Seranvillers am 25.
und Moyen am 28. und 29. Auguſt 1914.
III. Bataillon.
9. Kompagnie: U.=O. Jakob Wohn, Ebersheim, t.
12. Kompagnie: Musk. Adam Eiſenhauer,
Waldmichelbach, ſchv.; Musk. Ferdinand Emmerich,
Offenbach, vm,
Feldartillerie=Regiment Nr. 61.
Sermaize am 8. und Auderney am 10. Sept. 1914.
I. Abteilung, Darmſtadt.
1. Batterie: Kan. Hermann Baier, Löbernitz, lv.;
Kan. Georg Erbeldinger, Groß=Bieberau, vw.
2. Batterie: Gefr. Wilhelm Schäfer, Gambach,
t.; Kan. Adolf Blecher, Heſſelbach, t.; Kan. Anton
Konvalski, Deutſch Krone, ſchv.; Gefr. Wilhelm Lehr,
Eckardtshauſen, ſchv: Gefr. Johann Röhrig, Unter=
hambach
, lv.; Kan. Balthaſar Müller, Langenhain, ſchv.

Verwundete in Mainzer Lazaretten.

Inf.=Regt. 117: Reſ. Karl Schneider, 2. Rekrutendepot.
Inf.=Regt. 118: Wehrm. Adam Wiegand. Reſerve=
Inf.=Regt. 118: Reſ. Joh. Friedrich. Landwehr=Inf.=
Regt. 118: Wehrm. Georg Schilling; Unteroff. Ferdinand
Titon. Feldgendarmerie, 18. Armeekorps: Unteroff. Joh.
Lahr. Inf.=Regt. 117: Unteroff. Jakob Emrich; Musk.
Georg Fornoff; Musk. Peter Pongratz. Inf.=Regt. 118:
Reſ. Albert Greder; Unteroff. Gg. Groskopf. Landwehr=
Inf.=Regt. 118: Feldw.=Ltn. Joſ. Munſch; Feldw.=Ltn.
Ferd. Kreyer.

Auswahlsendungen bereitwill=
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Trauer-Röcke . v. 12.50an und Wilhelminenstrasse,
Trauer-Hüte . v. 9.50an

Anfertigung nach Mass in kürzester Zeit.

(19312fs

Familiennachrichten.

Statt Karten.
Allen Denjenigen, die uns aus Anlaß unſerer
Silbernen Hochzeit erfreut haben, ſagen wir
(B19383
hiermit unſeren
herzlichſten Dank.
Juſtus Becker u. Frau.

Statt Karten!

Die Geburt eines JUNGEN
zeigen hiermit an
Gustav Vroome u. Frau
Frieda, geb. Ohnacker.
Darmstadt, den 2. Oktober 1914. (19397.

[ ][  ][ ]

Kriegerverein
Darmſtadt.

Die Beerdigung unſeres Mit=
glieds

Herrn Friedrich Jaeger, Beigeordneter,
findet am 3. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom
ſtädtiſchen Friedhof Nieder=Ramſtädterſtraße
aus, ſtatt.
(19393
Wir erſuchen alle Kameraden, ſich dort zu
verſammeln.
Der Vorſtand.

Heute iſt mein lieber Mann, unſer guter
(19398
Vater und Schwiegervater
Fabrikant

Statt beſonderer Anzeige.

HermannHeinmüller

nac

kurze

ebensjahre

59.

ver

im

ſchieden

Zinterbliebenen.

trauernden

ie

Oktober

1914.

den

Stille

ſtatt

aller

Die

Beerdigung

findet

Krankheit

Den Heldentod fürs Vaterland
erlitt unſer geliebter Sohn, Bruder,
Enkel, Neffe und Vetter
Dizefeldwebel und Offizier-Stellvertreter
im Infanterie-Regiment Nr. 171
Dr. jur. Erich Walter
Referendar bei der Regierung zu Wiesbaden.
Er fiel am 13. Auguſt in einem Vorpoſten=
Gefecht am Weißen See bei Urbeis, Ober=Elſaß.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Baurat Felix Walter
und Frau Helene, geb. Würth
z. Zt. in Klingenberg a. M.

Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei unſerem namenloſen
Schmerz danke ich im Namen aller
Verwandten.
(19415

Frau Luiſe Jaide, geb. Dingeldei.
Z. Zt. Darmſtadt, den 2. Okt. 1914.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Kurt Mitſching; für den Anzeigen=
teil
, Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Ge=
ſchäftsleben
: Paul Lange, ſämtlich in Darmſtadt. Für
den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an
die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer=
den
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden
nicht zurückgeſandt.

Dankſagung.
Für die uns erwieſene herzliche
Teilnahme beim Ableben unſeres
lieben, unvergeßlichen Mutterchens
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn
Pfarrer Storck für die troſtreiche Grab=
rede
, wie auch der lieben Schweſter
der Martinsgemeinde für die gütige
Pflege, unſeren innigſten Dank.
Die Tieftrauernden:
*6455) Greta u. Eliſabeth Bauer.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1914.

Tageskalender.
Samstag, 3. Oktober.

Großh. Hoftheater, Anfang 8 Uhr, Ende gegen
10½ Uhr: Vaterländiſcher Abend.

Nummer 272.

Darmſtädter Tagbiatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Statt beſonderer Anzeige.
Am 13. September erlitt den Heldentod
unſer guter, innigſtgeliebter Sohn, Bräutigam,
Bruder, Schwager und Onkel
Architelt
Haus Bohländer
Leutnant der Reſerve im Niederrheiniſchen
Füſilier-Regiment Nr. 39, Büſſeldorf
vorgeſchlagen zum Eiſernen Kreuz für ſein
tapferes Verhalten vor Maubeuge. (19419
In tiefem Schmerze:
Heinrich Bohländer,
Marie Bohländer, geb. Lehr,
Elſe Wochinger, als Braut,
Ernſt Bohländer,
Erna Bohländer, geb. Saeng,
Fritz Bohländer,
Emma Bohländer, geb. Geiger,
Familie Wochinger.
Darmſtadt, Traunſtein, Wilhelmshaven.

Nachruf.
Den Heldentod fürs Vaterland fand unſer
verehrter Chef
(*6387
Herr
Auguſt Jacobi
Oberleutnant der 4. Landſturmbatterie.
In ihm verlieren wir einen humanen und
guten Vorgeſetzten.
Die Arbeiterſchaft
der Firma Auguſt Jacobi.

Am 15. September erlitt den Heldentod
fürs Vaterland unser innigstgeliebter, teurer,
ältester Sohn, Bruder, Schwager u. Onkel
Dr. Dnl. Lndwig Honmann
Offizierstellvertreter im Landw. -Infant.-
Regiment 116.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Anna Hoffmann Witwe,
Marie Hoffmann,
Heinz Hoffmann, cand. med.,
Aenne Voltz, geb. Hoffmann,
Dr. med. E. Voltz, z. Zt. Oberarzt
im Felde.

Giessen u. Darmstadt-Arheilgen,
2. Oktober 1914.
(*6448

Aus den Reihen unserer Angestellten starben den Tod für das Vatérland:
am 24. August der Beamte unserer Filiale in Frankfurt a. M.
Alezander Scherer
Vizefeldwebel d. R. und Offiziersaspirant im Grossherzoglich Mecklenburgischen Jägerbataillon Nr. 14,
am 28. August der Beamte unserer Hauptniederlassung
Heinrich Schaffnit
Leutnant d. R. im Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115,
am 6. September der Beamte unserer Depositenkasse Hardenbergstrasse
Fritz Dessin
Gefreiter d. R. im Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3,
am 8. September der Beamte unserer Depositenkasse Leipzigerstrasse
Karl Wagner
Vizefeldwebel d. R. und Offizierstellvertreter im Infanterie-Regiment Graf Schwerin Nr. 14,
am 8. September der Beamte unserer Hauptniederlassung
Hans Henken
Leutnant d. R. im Oldenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 91,
am 15. September der Beamte unserer Filiale in Mainz
Julius Schloss
Unteroffizier d. R. im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 118,
am 19. September der Beamte unserer Hauptniederlassung
Waldemar Zielcke
Vizefeldwebel d. L. im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 12.
Ehre ihrem Andenken!
Berlin, den 30. September 1914.
(19344
Direction der Disconto-Gesellschaft,

Für Deutschlands Ruhm und Ehre fand
den Heldentod in Feindesland unser Vor-
standsmitglied

Herr Fabrikanr
August Jacobi
Oberleutnant d. L. des Art.-Regts. Nr. 25
Inhaber des Eisernen Kreuzes.
Der Verstorbene hat an den Bestre-
bungen
unseres Vereins zur Hebung von
Darmstadts Handel und Industrie stets
regen Anteil genommen und wir beklagen
den Verlust eines eifrigen Vorstandsmit-
gliedes
. Sein Andenken wird bei uns stets
in Ehren bleiben.
Der Vorstand
des Handelsvereins E. V.
Darmstadt.
19361)

Am 25. Auguſt erlitt den Heldentod fürs
Vaterland unſer lieber, unvergeßlicher Sohn,
Bruder, Neffe und Vetter
(19391
Karl Sieger
Poſtbote
Landwehrmann der 1. Erſatz-Batterie des
Großh. Heſſ. Feldart.-Regts. Nr. 25.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Georg Vogel, Poſtſchaffner,
und Frau, geb. Eidenmüller,
nebſt Kindern.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1914.
Rhönring 73.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darm tädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Nummer 272.

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Mit Allerhöchſter Genehmigung

Sechs sinionie=konzerte
der Großherzoglichen Hofmuſik
zum Beſten ihres Witwen= und Waiſenfonds, ſowie der Kriegs=
fürſorge
der Stadt Darmſtadt und des Allgem. Deutſchen
Muſiker=Verbandes
im Großherzoglichen Hoftheater.
Dirigenten: Generalmuſikdir. Felir v. Weingartner
Geheime Hofrat W. de Haan
Hofrat Paul Ottenheimer.

Konzerttage: Montags, abends ½ 8 Uhr

19. Oktober, 16. November, 7. Dezember,

4. Januar, 8. Februar, 8. März.
Abonnement.
Schriftliche Beſtellungen ſind zu richten an: Kammermuſiker
A. Diedrich, Kiesſtraße 47 I., oder Hof=Muſikalienhandlung von
Gg. Thies Nachf. (Leopold Schutter), Eliſabethenſtr. 12.
Perſönliche Beſtellungen werden am Montag, den 5. Oktober,
vormittags von 111 Uhr, im Muſikſaal des Großh. Hof=
theaters
(Eingang beim Portier) entgegengenommen.
Die Abonnementskarten können vom 12. bis 18. Oktober gegen
Entrichtung des Betrages abgeholt werden in der Pianoforte= und
Muſikalienhandlung von Gg. Thies Nachf. (Leopold Schutter),
Hoflieferant, Eliſabethenſtr. 12. (Daſelbſt ſind auch Hauptprobekarten
à Mk. 1.50 zu haben.)
Die nicht abgeholten Karten ſind am 1. Konzerttage (19. Oktober)
nur an der Hoftheater=Tageskaſſe erhältlich.
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Samstag, 3. Oktober 1914,
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Vaterländiſcher Abend.
Mitwirkende: Die Großh. Hof=
kapelle
, der Sängerchor des Darm=
ſtädter
Lehrervereins, der Großh.
Hoftheaterchor, die Herren Hof=
opernſänger
Georg Becker u. Otto
Semper, die Herren Hofſchauſpieler
Hans Baumeiſter, BrunoHarprecht,
Johannes Heinz, Herm. Knispel,
Paul Peterſen u. Kurt Weſtermann.
Muſikal. Leiter: Richard Lert.
Dirig. d. Männerchöre: Rob. Preuß.
Vortragsfolge:
1. 3. Sinf. (Eroica), 1.
Satz . . . . . . . . L. v. Beethoven
2. Sechs altniederld.

Volkslieder aus d.

Samml. d. Adria=
nus
Balerius vom,
Jahre 1626 . . . Ed. Kremſer
a)Klage, b) Wilhel=
mus
von Naſſauen
(Otto Semper)
e)Kriegslied, d) Ab=

ſchied (Gg. Becker),

6) Berg op Zoom,
4) Dankgebet.
3. a) Quv. zu, Rienzil Rich. Wagner
b Gebetd.=Rienzi
(Georg Becker).
Pauſe.
4. Ouvertüre über d.
Deſſauer Marſch' Fr. Schneider
5. 2 Lied. f. Bariton:
a) Mit Trommeln
und Pfeifen. . . . Phil. Gretſcher
b) Deutſches Sol=
. . Eug. Lindner
datenlied .
6. Drei Männerchöre
a eapella:
a) Gebet während
der Schlacht . . . . Fried. Himmel
b) Prinz Eugen
(Volksweiſe),
c) Hymne an Neu=
deutſchland
. . . J. W. Borngäſſer
z. Preußiſch Lapfen=
ſtreich
eingericht v. H. Saro.
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Spielleiter: Dr. Max Wauer.
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Ein Bayer ½ will. H. Baumeiſter
Ein Mädchen . . . . FriedaHerbach
Ein Sachſe, Freiw. =B. Harprecht
Ein Hamburger,
Matroſe . . . . . . Paul Peterſen
Ein Darmſtädter,

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Tobias Wilders Weg zur Höhe.
Von Zdenko von Kraft.
(Nachdruck verboten.)
51)

Erasmus atmete tief.
Und anders war’s nöd, Vater?
Der Alte ſchüttelte ſich, als wollte er etwas von ſich
abwerfen.
Na anders nöd! Aber kaasweiß is der Lerch im
Gſicht gweſen und nöd anſchau’n hat er mich können
und ſo ausg’ſchaut hat er, als ob er an Schwindel
kriegen tät der Lerch, weißt der ſeiner Lebtag noch
nie nöd ſchwindlig worden is! No ja und da haben
wir halt nachher abiſteigen müſſen mir zwei der Lerch
und ich!
Erasmus packte mit der Fauſt die Schulter des Alten,
und ſeine Augen öffneten ſich weit.
Und da Vater, da mußt doch ſchon g’wußt haben . ..
Als der Alte das Entſetzen des Sohnes gewahrte,
verging auch ihm die erzwungene Ruhe. Seine Stirn
bekam Zornfalten und er ballte die Fäuſte.
Nix hab’ ich g’wußt, nix, nix, nix! Was ſoll ich denn
ſelbigsmal g’wußt haben?
Er ſpuckte aus.
Erſt am andern Tag’ wie’s geheißen hat, der Lerch
wär’ krank und tät nix reden können oder nir reden
mögen und wie d’ Schandarm kommen ſind und haben
ſo dumm und g’ſpaßig umanandg’fragt weißt, Bub’,
da is mir auf amal ſo a Gedanken ins Hirnkaſtl auffig’fah=
ren
, daß . daß ich mich ſchamen hab’ müſſen vor mir
ſelber. Schlecht denken von ander Leut’ was miſerabli=
gers
gibt’s ja nöd! Und was hab’ ich denn g’wußt?
Nix, nir, nix!
Eine Weile gingen die beiden ſtumm nebeneinander
her.
Aber wie’s mich nachher davongejagt haben als Füh=
rer
und wie ich Zeit zum Nachdenken g’habt hab’
in die Wirtsſtuben, weißt da is allweil wieder was
aufg’ſtiegen in mir! So lang’ ich halbwegs nüchtern g’we=
ſen
bin, hab’ ich mir’s allweil wieder ausg’redt. Aber der
Rauſch weißt, wann der Rauſch in mir ang’fangt hat
da hab’ ich ſichtige Augen kriegt und alles hab’ ich
g’ſehen, wie’s war und reden hab’ ich müſſen im
Rauſch. Und was ich am Schanktiſch hören hab’ müſſen
von die andern, weißt das hat mich hell g’macht.
Und eins iſt zum andern kommen daß er nöd hinſteigen
hat mögen zum ſelbigen Platzl wo der Winter gllegen
is und daß er ſich krank g’ſtellt hat . und daß er den
andern nöd hat anſchau’n können, wie’s ihn bracht haben.
Und daß er mir ausgwichen is und daß er ſich allweil
gröber g’ſtellt hat gegen mich und hat mir ſo ſeine eis=

kalten Augen herg’macht eins is zum andern kommen,
Bub’! Und a halbs Jahr ſpäter, in der Nacht amal da
hab’ ich mich aufſetzen müſſen im Bett und da hab'
ich’s gradaus vor mich hinſagen müſſen: Umbracht hat
er ihn!
Vater, Vater! keuchte Erasmus. Und Du haſt g’ſchwie=
gen
, Vater! Um’s lieben Heilands willen, Vater warum
haſt denn nöd g’redt?
Warum nöd? Unter dieſen ſchrillenden Worten be=
wegte
der Alte die zuckenden Fäuſte, als hätte er einen
Unſichtbaren an der Bruſt gefaßt, um ihn niederzureißen
und zu erwürgen. Weil ich nix g’wußt hab’ nix. nix,
nix! Und ſo hab’ ichs acht Jahr lang umtragen in mir
und jahrlang hat ſich oft nix mehr g’rührt in mir und
über Nacht war’s wieder da und hat mich plagt und hat
mich umtrieben bis ich ſaufen hab’ müſſen daß ich
wieder ſchlafen hab’ können weißt! Aber jetzt, am Gamseck
droben, wie ich den andern g’ſehen hab’, den Jungen,
da is d’ Wahrheit auf amal dag’ſtanden vor mir, daß ich
drauf ſchwören kann. Und derweil ’s Greterl krank in
der Wiegen gllegen is da hab’ ich mir g’ſagt: Wann’s
Kindl am Leben bleibt, ſo muß ich ’s ander einſperren in
mir für alle Zeit wann aber ’s Kindl ſterben ſollt, ſo
hab’ ich a Zeichen, daß ich reden muß.
Erſchrocken machte Erasmus mit dem Arm eine weh=
rende
Bewegung.
Und tonlos, wie ein Betrunkener taumelnd, raunte der
Alte vor ſich hin:
G’ſtorben is’s!
Sie ſprachen kein Wort mehr.
Als ſie ſchon faſt bis Naßwald gekommen waren,
ſahen ſie das Haus über die Schneewieſen herüber grüßen,
das ſeit zwei Tagen ärmer geworden war um ein ſchla=
gendes
Herz. Und da erwachte in den beiden wieder der
Gedanke an die Gegenwart und verwiſchte das dunkle
Bild, das halb verſchollen lag im weiten Walde der Ver=
gangenheit
.
Erasmus blieb ſtehen.
Vater, ſagte er, jetzt laß Dir a paar Tag’ lang Zeit!
Und ſchau, daß D' a Ruh’ kriegſt in Dir. Und nachher gehſt
hin zum Herrn Winter und ſagſt ihm d’ Wahrheit. Ein
müder Seufzer. Es ſcheint, unſer Herrgott will’s haben.
Und d’ Wahrheit es is ſchon wahr die hat allweil
an graden Weg.
Der Alte nickte.
So, Vater! Und komm jetzt ſchauen wir eini zur
Lieſel. Das arme gute Weiberleut wird a hart’s Stünd’l
durchg’macht haben.
Sie traten in das kleine ſtille Haus. Und Erasmus
nahm auf der Schwelle den Hut herunter auf jene
ſcheue, fromme Art, wie gläubige Bauern beim Eintritt
in eine Kirche den Kopf entblößen.

21.
Das war ein ſüßer Spätherbſtmorgen.
Seit zwei Tagen war der Schnee ſchon wieder aus dem
Tal verſchwunden. Nur auf dem Gottesacker zu Kapellen
war noch ein langer, kalter weißer Streif im Schatten der
Mauer geblieben.
Und nun war Sonne überall, Sonne in dem entlaub=
ten
Gebüſch, Sonne auf den blätterüberſtreuten Wegen.
Nur nicht auf den Wangen und im Herzen deſſen, der leiſe
das Tor des Friedhofes von Kapellen öffnete und es noch
leiſer hinter ſich wieder ſchloß.
Tobias Wilder ging vorſichtig und langſam, als trüge
er einen Stachel im Herzen, der ſich bei jedem Schritt, den
er tat, tiefer einbohrte. Doch er ging nicht lange. Auf dem
Friedhof in Kapellen wohnten die Toten nicht als zahl=
reiche
Gäſte da war ein neuer Hügel lange zu erkennen,
ehe daneben ein anderer kam, der ſich noch friſcher anſah.
Auch ſtand auf dem eiſernen Kreuz zu leſen, wer da ſchlum=
merte
: Frau Forſtrat Amalia Wilder.
Tobias blieb ſtehen. In der Mitte des kleinen Toten=
ackers
ſtand ein großes Holzkreuz mit dem Bilde des Er=
löſers
. Das ſah auf ihn herab, als wollt’ es ihn grüßen.
Dahinter aber ſtieg wie ein ungeheurer, ferner Wall das
Maſſiv der Rax empor, übergoſſen von dem kühlen Lichte
der Spätherbſtſonne, auf der Höhe ſchimmernd in ſilbriger
Weiße. Deutlich zeichnete ſich das wilde Gamseck in den
ſtahlblauen Himmel, der wie ein Vorhang dahinter zur
Erde fiel, um vor den Augen der Menſchen das Ewige zu
verhüllen.
Lange ſah Tobias da hinauf. Immer weiter wurden
ſeine Augen. Dann warf er ſich ungeſtüm vor dem ſchwar=
zen
Hügel zu Boden.
Mutter! Ich ſterbe daran!
Tobias hob den Kopf. Und wieder hing ſein verſtör=
ter
Blick dort oben auf dem fernen, ſteilen Grat. Erasmus!
Mich haſt Du erhalten können, an Deinem derben Seil und
mit Deinen treuen Händen. Aber mein Herz iſt hinunter=
gerollt
. Und das wird keiner retten als nur ich ſelbſt.
Die Tiefe, in der es liegt, iſt finſter. Ich will für mein
Herz einen Weg zu heller Höhe ſuchen! Wer führt mich?
Lautloſe Stille war um ihn her.
Tobias ging aufrecht, als er den Gottesacker von
Kapellen verließ. Doch ſeine Augen ſchienen blind ge=
worden
. Er ſah nicht Bäume und Mauern, nicht Häuſer
und Dächer, nicht Wieſen und Wald und ſah die beiden
Männer nicht, die nahe da drüben auf der Straße ſtanden
und ſich wunderlich betrachteten, als hätte der Zufall des
Augenblicks ſie unerwartet ſo voreinander hingeſtellt: Ber=
kens
, der nach Altenberg wollte, und Karl von der Tenne,
der nach der Prein unterwegs war. (Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Nummer 272,

Paunelircher Vorm. um 10 Uhr: Hauptgotes=
dienſt
. Pfarraſſiſtent Sann. Vorm. um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Sann. Mittwoch,
den 7. Okt., abends um 8 Uhr: Kriegsbetſtunde. Pfarr=
aſſiſtent
Sann.
Evang. Gemeinde in Eberſtadt: Sonntag, den 4. Oktober,
vorm. um ½10 Uhr. Um 11 Uhr: Militärgottesdienſt.
abends um 6 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Paul.
Evang. Gemeinde in Nieder=Ramſtadt: Sonntag, den
4. Oktober, vorm. um ½ 10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarr=
verwalter
Weit.
Evang. Gottesdienſt in Fraiſa: Sonntag, den 4. Okt.,
nachmittags um 2 Uhr: Gottesdienſt im Rathausſaal.
Pfarrverwalter Weik.
Stablmiſſton (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 4. Oktober,
vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 3 Uhr: Predigt. Herr Pfarrer Correvon.
Jahresfeſt der Stadtmiſſion. Dienstag, den 6. Okt.,
abends um 8½ Uhr: Blaukreuzbibelſtunde und Gebets=
vereinigung
. Donnerstag den 8. Oktober, abends um
8½ Uhr: Bibelſtunde und Gebetsvereinigung. Zweig
der Stadtmiſſion (Beſſungerſtraße 88, Hth.). Sonn=
tag
, den 4. Okt., vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Freitag, den 9. Oktober, abends um 8½ Uhr:
Bibelſtunde und Gebetsvereinigung.
Epangeliſche Gemeinſchaſt (Kiesſtr. 54): Dienstag,
den 6. Oktober, abends 8½ Uhr: Gottesdienſt. Prediger
Berner=Frankfurt a. M.
Gottesdienſt der Neuapoſloliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.
Gemeinde gläubig getauſter Ehriſten (Waptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 4. Oktober, vormittags um
9½ Uhr: Predigt. Prediger Winhold. Um ¾11 Uhr:
Sonntagsſchule. Nachmittags um 4 Uhr: Predigt.
Prediger Winhold. Abends um 6 Uhr: Jugendverein.
Mittwoch, den 7. Oktober, abends um 8½ Uhr: Kriegs=
gebetſtunde
.
Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 4. Okt., nachmittags um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule.
Um 4 Uhr: Predigt. Freitag, den 9. Oktober, abends
um ½ 9 Uhr: Bibel= und Gebetſtunde.
Katholiſche Gemeinden
18. Sonntag nach Pfingſten, den 4. Oktober 1914
Roſenkranzfeſt
St. Ludwigskirche: Samstag, den 3. Oktober, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur heil. Beichte. Um 8 Uhr: Roſenkranzandacht.
Sonntag, vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 6 Uhr: Erſte heil. Meſſe und Roſen=
kranzandacht
. Um 7 Uhr: Austeilung der heil. Kom=
munion
. Um 8 Uhr: Militärgottesdienſt mit Predigt.
Um ½ 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Um 11 Uhr:
Letzte heil. Meſſe. Nachmittags um 3 Uhr: Roſenkranz=
Bruderſchaftsandacht mit Predigt und ſakramentaliſche
Prozeſſion. Abends um ½7 Uhr: Roſenkranzandacht.
Von Montag an beginnt die werktägige Frühmeſſe
um ½7 Uhr. An allen Werktagen, abends um 8 Uhr:
Roſenkranzandacht.
Kapelle der Marmüerzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 2 Uhr: Roſen=
kranzandacht
.
Kapelle in der Waldſtraße: Sonntag, vormittags um
7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 4 Uhr: Verſammlung
der kath. Dienſtmädchen.
Kapelle zu Nieder=Ramſtadt: Sonntag, vorm. um
9 Uhr: Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 3. Oktober, nach=
mittags
um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um 8 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hochamt und
Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Andacht und Segen.
Montag, Mittwoch und Freitag, abends um 8 Uhr:
Kriegsandacht.
Kapelle zu Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
3. Okt., nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: hl. Meſſe. Um ½9 Uhr:
Amt mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Roſenkranz=
andacht
. Mittwoch, abends um 8 Uhr: Kriegsgebet.
An allen Werktagen Roſenkranzmeſſe.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 3. Okt., nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½6 Uhr: Beichte.
Um ½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um

½ 10 Uhr: Hochamt,Predigt und Gebet für unſere Krieger.
Nachm. um ½2 Uhr: Chriſtenlehre. Um 2 Uhr:
Andacht. Werktags um ¼8 Uhr: Singmeſſe mit heil.
Kommunion und Kriegsbetſtunde; vorher Beichtge=
legenheit
.
In der Provinzial=Pflegeanſtalt bei
Eberſtadt: Während der Kriegszeit an allen Donners=
kagen
, nachm. um 4 Uhr: Kriegsbetſtunde und Predigt.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, vorm. um 7 Uhr:
Beichte. Um ½8 Uhr: Amt, Predigt und Gebet für
unſere Krieger. Nachmittags um ½2 Uhr: Andacht.
An allen Wochentagen, nachm. um 4 Uhr: Andacht
zur Erflebung der göttlichen Hilfe und Erbarmung in
der gegenwärtigen Kriegszeit.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Lukasgemeinde: 27. Sept.: Dem Kaufmann Karl
Friedrich Wilhelm Schmuck, T. Luiſe Eliſabeth, geb. 25. Juli.
1. Okt.: Dem Schaffner und Wagenführer Leonhard
Fornauf, S. Karl, geb. 9. Sept.
Schloßgemeinde: 23. Aug.: Dem Weißbinder
Johannes Müller, S. Georg Jakob, geb. 29. Juli. 26. Aug.:
Dem Maſchiniſten Wilh. Gotttieb Knapp, T. Eliſabeth,
Frieda, geb. 29. Juni. Unehel. Sohn Kurt, geb. 18. Juli.
6. Sept.: Dem Kaufmann Ludwig Paul Schömbs, S.
Karl Theodor, geb. 3. März 1913. 3. Sept.: Dem Kellner
Heinrich Lorenz, S. Otto Lorenz, geb. 4. Juli. 18. Sept.:
Dem Taglöhner Georg Hch. Hönig, T. Anna Eliſabeth
geb. 28. Aug. 21. Sept.: Dem Kellner Johann Auguſt
Walrafen, S. Eugen Ludwig, geb. 24. Juli.
Kaplaneigemeinde: 27. Sept.: DemFabrikarbeiter
Johann Heinz, T. Frieda, geb. 26. Aug.
Johannesgemeinde: 27. Sept.: Dem Pedell
Johannes Schellhaas, Zwillingstöchter Emilie und Jo=
hanna
, geb. 13. Sept.
Martinsgemeinde: 24. Sept.: Dem Poſtſchaffner
Georg Köbler, S. Georg, geb. 10. Sept. Ein unehelicher
Sohn, Willy Konrad, geb. 15. Sept. 27. Sept.: Dem
Unterzahlmeiſter Richard Oppelt, T. Margarethe, geb.
15. Aug. Dem Ingenieur Johann Floeth, S. Hermann,
geb. 11. Sept.
Petrusgemeinde: 27. Sept.: Dem Kaufmann
Georg Denger, S. Georg Hugo Helmut geb. 8. Sept.
27. Sept.: Dem Bäcker Peter Engel, T. Maria Eliſabeth,
geb. 14. Sept.
Paulusgemeinde: 20. Sept.: Dem Bäcker Lud=
wig
Heiſt, T. Eliſe, geb. 27. Aug. 1. Okt.: Dem Stuk=
kateur
Karl Enk, S. Ernſt, geb. 24. Aug.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Kaplaneigemeinde: 29. Sept.: Johann Georg
Weidmann, Spengler und Inſtallateur, zur Zeit Erſatz=
reſerviſt
, und Margarete Groß.
Schloßgemeinde: 11. Aug.: Tapezier Richard
Hahn und Erna Thieraus, beide aus Darmſtadt.
Martinsgemeinde: 26. Sept.: Kaufmann Jo.
hann Heinrich Möſer, Witwer hier und Anna Barbara
Baumann, geb. Eckhard Witwe in Frankfurt a. M.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Lukasgemeinde: 29. Sept.: Kanzleirat Peter
Schäfer, 84 J. alt, ſtarb 27. Sept. 30. Sept.: Privatmann
Wilhelm Eckhard, 61 J. alt, ſtarb 27. Sept. 2. Okt.:
Karl Schwägerle, S. des Schuhmachermeiſters Kurt
Schwägerle, 17¾ J. alt, ſtarb 30. Sept.
Petrusgemeinde: 27. Sept.: Landgeſtütsdiener
i. P. Johann Juſtus Schaffner, 81 J. alt, ſtarb 24. Sept.
Martinsgemeinde: 18. Sept.: Kätha Schäfer, T.
des Schloſſers Martin Schäfer, alt ½ J., ſtarb 16. Sept.
26. Sept.: Marie Schmidt, T. des Gärtners Peter Schmidt,
alt ¾ J., ſtarb 24. Sept. Wilhelmine Pfannenſchmid.
geb. Linck, Witwe des Kaufmanns Heinrich Pfannen=
ſchmid
, alt 69 J., ſtarb 23. Sept.
Beerdigte von auswärts: 30. Sept.: Eleonore
Fiſcher, geb. Klipſtein, Ehefrau des Geh. Regierungs=
rates
Karl Fiſcher zu Wiesbaden, 70 J. alt, ſtarb 27. Sept.
Trauungen auswärtiger Paare: Pfarrer Vogel.
Beerdigungen auswärts Verſtorbener: Pfarrer
Kleberger.

Feimnent u der Snerne der bemtliſen Feilins
geſellſchaft.

Sukkaus Feſt.
Montag, den 5. Okt. Vorabend 5 Uhr 45 Min.
Morgens 7 Uhr 45 Min. Nachmittags 4 Uhr 30 Min.
Abends 6 Uhr 40 Min.
Dienstag, den 6. Okt. Morgens 7 Uhr 45 Min.
Nachmittags 4 Uhr 30 Min. Feſtesausgang 6 Uhr 40 Min.
Wochengottesdienſt: Morgens 6 Uhr 15 Min. Nach=
mittags
5 Uhr 30 Min.

Salmiak-Terpentin-Seife in heissem Wasser gut aufgelöst,

Schrauth’s Waschpulver, genahlene

Muthrigten des Sindermnute Darmſchl ſ.

Geöffnet an Wöchentagen von 9 12 Uhr vorm. und
B—5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur jür
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 24. Sept.: dem Großh. Bürgermeiſter
Georg Peter Bauer in Hammelbach, Kr. Heppenheim,
hier Lagerhausſtraße 24, ein S. Georg Wilhelm. Dem
Zahnarzt Karl Nachtigall, Waldſtraße 1, ein S. Otto
Heinrich Leonhard. Am 27.: dem Schmelzer Philipp
Wolf, Feldbergſtraße 92, ein S. Franz. Am 25.: dem
Sergeanten und Hoboiſten im Leibgarde=Inf.=Regt. Nr. 115
Guſtav Robert Greilich, Ruthsſtraße 24, ein S. Erich
Georg Wilhelm Ludwig. Dem Eiſenbahnoberſekretär
Wilhelm Simon, Lichtenbergſtraße 60, ein S. Heinrich
Rudolf Wilhelm. Am 24.: dem Buchbindermeiſter Chri=
ſtian
Nübling, Mühlſtraße 24, ein S. Karl Viktor. Am
26.: dem Fuhrmann Julius Oppermann Geiſtberg 2,
eine T. Frieda. Am 30.: dem Kaufmann Otto Jahn,
Zimmerſtraße 5, ein S. Heinz Otto Karl Wilhelm.
Aufgebotene. Am 25. Sept.: Artiſt Theodor Auguſt
Ferdinand Ott, Schuchardſtraße 11, mit Artiſtin Marie
Sophie Louiſe Muntermann, Schuchardſtraße 11. Am
28.: Apotheker und Nahrungsmittelchemiker Dr. phil. Her=
vard
Kurt Richard Lillig, hier, mit Berta Emma Erne=
ſtine
Auguſte Frieda Brandes, Braunſchweig. Am 29.:
Schloſſer Johann Rothermel II. in Eberſtadt mit Köchin
Agnes Rick, hier. Am 30.: Schloſſer Georg Chriſtian
Hermann Preuſch, Schwanenſtraße 33, mit Verkäuferin
Katharina Wilhelmine Großkurth, Frankfurt a. M.
Geſtorbene. Am 27. Sept.: Paul Johannes Illgen,
Kaufmann, z. Zt. Unteroffizier im Feldart.=Regt. Nr. 32,
24 J., ev., Grafenſtraße 9. Wilhelm Eckhard, Hilfs=
diener
, 61 J., ev., Erbacher Straße 25. Am 29.: Karl
Buchinger, Sohn des Bierbrauers, 9 Mte., ev., Lieb=
frauenſtraße
85. Am 30.: Karl Wilhelm Schwägerle,
Sohn des Schuhmachermeiſters, 17 J., ev., ohne Beruf.
Heinrichſtraße 66. Margaretha Maria Weisrock, Tochter
des Kaminfegers, 3 Mte., kath., Kranichſteiner Straße 13.
Am 29.; Albert Reigner, Schneider, z. Zt. Soldat im
franzöſ. Inf.=Regt. Nr. 27, 21 J., kath., ledig, Grafen=
ſtraße
9. Am 30.: Sophie Reubold, Privatin, 70 J.
ev., ledig, Dieburger Straße 20. Eva Hochſtaetter, geb.
Schmitt, Witwe des Tapetenfabrikanten, 74 J., kath., Eli=
ſabethenſtraße
29. Am 1. Okt.: Peter Kern, Landwirt,
59 J., ev., aus Zwingenberg a. d. B., hier Grafenſtraße 9.

Gottesdienſtliche Anzeigen.
Evangeliſche Gemeinden
17. Sonntag nach Trinitatis, den 4. Oktober 1914
Erntedankfeſt

Hoſſirche: Samstag, den 3. Okt., abends um 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, den 4. Okt., vorm. um ½10 Uhr:
Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der Sa=
kriſtei
. Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit Feier
des heil. Abendmahls. Kollekte für die evang. Gemeinden
in Oeſterreich. Mittwoch, den 7. Oktober, abends um
6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Velte. Abends um 6 Uhr: Pfarrer Velte. Mitt=
woch
, den 7. Oktober, abends um 8½ Uhr: Kriegsbet=
ſtunde
. Pfarrer Beringer.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr:
Pfarrer Memmert. Vorm. um 10¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
(Steinſtraße 24, Muſikſaal).
Johanneskirche: Kollekte für die Kleinkinderſchule.
Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx. Vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Mittwoch, den 7. Okt.,
abends um 8 Uhr: Andacht. Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrver=
walter
Storck. Kollekte für das Eliſabethenſtift. Vor=
mittags
um 11 Uhr: Kindergottesdienſt für den Oſt=
bezirk
. Pfarrverwalter Storck. Nachm. um 2 Uhr:
Kindergottesdienſt für den Weſt bezirk. Pfarrer D. Waitz.
Nachmittags um 4 Uhr: Betſtunde im Martinsſtift.
Pfarrer Veller. Abends um 6 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Mittwoch, den 7. Okt., abends um 8 Uhr: Andacht.
Pfarrverwalter Storck.
Pfründnerſaus: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
D. Waitz.
Herberge zur Heimat: Vormittags um 8 Uhr: Pfarrer
Memmert.
Gliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Freitag, den 9. Oktober, abends um
8¾ Uhr: Kriegsbetſtunde.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vormittags um
10 Uhr: Pfarrer Wagner. Feier des hl. Abendmahls
mit vorausgehender Beichte. Anmeldung von ½10 Uhr
ab in der Sakriſtei. Mittwoch, den 7. Oktober, abends
8 Uhr: Kriegsbetſtunde. Pfarrer Wagner.

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[ ][  ][ ]

Nr. 143.
Samstag, 3. Otober.
1914.

Bekanntmachung.

Wie uns Großh. Miniſterium des Innern mitteilt, hat das Auswärtige Amt
in Verlin ſich durch Vermittelung der neutralen Botſchaften in Berlin mit den feind=
lichen
Mächten zwecks Aufſtellung und Austauſch von genauen Liſten der in den
einzelnen Staaten zurückbehaltenen Gefangenen und Verwundeten nach dem
Prinzip der Gegenſeitigkeit in Verbindung geſetzt.
Etwaige Anfragen wegen deutſcher Gefangenen oder Verwundeten, von denen
man annimmt, daß ſie in feindlichem Gewahrſam ſind, wollen von Angehörigen,
die im Kreiſe Darmſtadt wohnen, an uns ſchriftlich unter Angabe von Namen,
Geburtsort und =Tag, Militärverhältnis und Truppenteil, Ort der letzten Nachricht,
oder Angabe des Gefechts, in dem die Gefangennahme oder Verwundung ſtattfand,
gerichtet werden.
Wir bemerken noch, daß über Verwundete, deren Aufenthaltsort unbekannt
iſt, die ſich aber vorausſichtlich im Inlande befinden, das Zentralnachweiſebüro
des Kgl. Preuß. Kriegsminiſteriums in Berlin NW. 7, Dorotheenſtraße 58/59,
auf Anfrage Auskunft erteilt und daß Poſtkartenformulare mit Rückantwort für
ſolche Anfragen bei den Poſtämtern erhältlich ſind.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1914.
(19378sid
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Nachdem die Kriegsgefangenen in einem, auf dem nordweſtlichen Teile des
Truppenübungsplatzes neu errichteten Lager untergebracht worden ſind, wird die in
unſerer Bekanntmachung vom 14. September d. Js., Amtsverkündigungsblatt Nr. 131,

me e
Barackenlager und den Truppenübungsplatz, ſowie für das Gelände, das im Norden
von dem Reiterpfad, im Weſten von dem Beckerweg, im Süden von dem Truppen=
übungsplatz
und im Oſten von dem Truppenübungsplatz und dem Barackenlager be=
grenzt
wird. Die übrigen Teile des ſeither abgeſperrten Geländes ſind wieder zugänglich.
Außerdem bleibt es dem Publikum verboten, bei dem Transporte von Kriegs=
gefangenen
auf Straßen neben, vor oder hinter dem Transport zu marſchieren. e
Uebertretungen der vorſtehenden, auf Grund des Art. 65 der Kreis= und Pro=
vinzialordnung
erlaſſenen Verbote werden mit Geldſtrafe bis zu 90 Mark beſtraft.
Auch werden Zuwiderhandelnde feſtgenommen und zur Feſtſtellung ihrer Perſönlichkeit
auf die Kommandantur gebracht.
Die Poſten und Gendarmeriemannſchaften ſind mit ſtrenger Durchführung
der Abſperrung beauftragt und mit ſcharfer Munition verſehen.
Darmſtadt, den 29. September 1914.:
(19372sid
Großh. Kommandantur
Großh. Kreisamt Darmſtadt.
des Truppenübungsplatzes.
v. Lyncker.
Fey.

Bekanntmachung.

Am 3. und 5. Oktober ds. Js., jedesmal von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr
nachmittags, findet Schießen mit ſcharfer Infanterie=Munition auf dem Truppenübungs=
platz
ſtatt. Die Abſperrung erſtreckt ſich bis zum Landgraben.
(18910a
Darmſtadt, den 21. September 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 ſchwarzer Herrenſchirm mit gebogenem Griff.
goldene Vorſtecknadel mit Namenszug und Krone. 2 gedrucke
Liederhefte. 2 kleine Schlüſſel mit Doppelkamm. 1 Damenſchirm.
1 rotledernes Portemonnaie mit über 1 Mk. Inhalt. 1 Stock Strick=
nadeln
. 1 Taſchentuch mit einem Geldſtück. 1 Brille. Zugelaufen:
1 gelber ruſiſcher Windhund. 1 kleines graues Kätzchen mit weißer
Bruſt. Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.
(19337
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(19360
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 4. Okt.,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Hof=Apotheke, Ballonplatz, und Adler=Apotheke
Wilhelminenplatz. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr ab
geſchloſſen.

Bekanntmachung,

betreffend die Maß= und Gewichtspolizei und die Durchführung
der Nacheichung in der Stadt Darmſtadt.
Die in zweijähriger Wiederkehr geſetzlich vorgeſchriebene Nach=
eichung
der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Meßgeräte
(d. ſ. Längen= und Flüſſigkeitsmaße, Meßwerkzeuge für Flüſſigkeiten,
Hohlmaße, Gewichte und transportable Handelswagen bis aus=
ſchließlich
3000 kg) ſoll in der Stadt Darmſtadt demnächſt
beginnen und nach dem unten ſtehenden Verteilungsplan durchgeführt
werden. Eichpflichtig ſind nicht nur die im öffentlichen Verkehr be=
findlichen
Meßgeräte, ſondern auch diejenigen des Handelsverkehrs,
wenn er nicht in offenen Verkaufsſtellen ſtattfindet, ſowie diejenigen,
die in fabrikmäßigen Betrieben zur Ermittelung des Arbeitslohnes
dienen. Die Beſitzer ſolcher eichpflichtiger Meßgeräte ſind bei Mei=
dung
der geſetzlichen Strafe verpflichtet, ihre Meßgeräte auch wenn
ſie ſchon geeicht und noch richtig ſind, dem Großh. Eichamt Darm=
ſtadt
, Woogſtraße 4, zur Nacheichung vorzulegen. Ausgenommen
ſind ganz aus Glas hergeſtellte Meßgeräte und alle diejenigen welche
bereits das eichamtliche Jahreszeichen 13 oder 14 tragen. Alle ſchon
geeichten Gegenſtände, die noch kein Jahreszeichen oder das Jahres=
zeichen
12 oder ein älteres Jahr tragen, ſind vom 1. Januar 1915 an
im eichpflichtigen Verkehr nicht mehr zuläſſig und müſſen vorher
nachgeeicht werden. Die Nacheichung macht den Beſitzern nur uner=
hebliche
Koſten, ſofern nicht Reparakuren nörig ſind. Beim Großh.
Eichamt werden ſolche Reparaturen nicht mehr ausgeführt. Es muß
den Intereſſenten überlaſſen bleiben, ſie anderweit bei geeigneten
Fachleuten ausführen zu laſſen.
Jeder Einlieferer hat dem Eichamt zur Vermeidung von Ver=
luſten
und Verwechslungen ein mit ſeinem Namen verſehenes Stücke=
verzeichnis
mit einzureichen. (Vordrucke ſind beim Eichamt koſtenlos
erhältlich.) Die Rückgabe erfolgt gegen Barzahlung der fälligen Eich=
gebühr
. Die dabei erhaltenen Eichſcheine ſind ſorgfältig aufzube=
wahren
und bei der nachfolgenden polizelichen Maß= und Gewichts=
reviſion
vorzuzeigen.
Um eine gleichmäßige und raſche Abwicklung des Nacheichungs=
geſchäfts
zu erzielen, werden für die Nacheichung folgende Zeiten
feſtgeſetzt:
Für das 1. Polizeirevier vom 5. bis 7. Oktober,
19. bis 24. Oktober,
26. bis 31. Oktober,
3. bis 10. November,
11. bis 16. November,
17. bis 24. November,
6.
26. bis 30. November.
In gleicher Reihenfolge und angemeſſenem Abſtande iſt
die polizeiliche Maß= und Gewichts=Reviſion
vorgeſehen.
Den Intereſſenten wird empfohlen, die den einzelnen Revieren
zugeteilten Friſten zu benutzen und ihre Gegenſtände tunlichſt zu
Anfang der einzelnen Zeitabſchnitte, und zwar an den Vormit=
tagen
einzuliefern; Nichteinhalten der Friſten hat verzögerte Ab=
fertigung
zur Folge.
Solche Meßgeräte, die wegen ihrer Größe oder Befeſtigung am
Aufſtelungsort oder aus ähnlichen Gründen nicht zum Eichamt
gebracht werden können, werden auf Antrag an ihrem Aufſtellungs=
ort
nachgeeicht. Hierfür ſind folgende Taue in Ausſicht genommen:
Für das 1. und 2. Polizeirevier der 23., 24., 26. Oktober,
2., 3., 4. November,
,, 3. 4.
5., 6. und 7 Polizeirevier der 26., 27, 28. November.
Für Eichung am Aufſtellungsort wird als Zuſchlag an dieſen
Tagen nur eine Ganggebühr von mindeſtens 1 Mk. erhoben, wäh=
rend
an anderen Tagen der geſetzlich vorgeſchriebene Zuſchlag von
mindeſtens 5 Mk. erhoben werden muß. Auch geht der Transport
der Eichnormale auf Koſten des Antragſtellers.
Außer den vorgenannten Gegenſtänden bedürfen bis längſtens
31. Dezember 1914 auch folgende der Nacheichung:
a) Die dem faßweiſen Verkauf dienenden Vierfäſſer, die nicht
das Jahreszeichen 13 oder 14 tragen;
b) die dem faßweiſen Verkauf dienenden Wein= oder Obſt=
weinfäſſer
, die nicht das Jahreszeichen 1912, 13 oder 14
tragen;
c) alle ortsfeſten Wagen und alle diejenigen von mehr als
3000 kg höchſter Tragkraft, wenn ſie nicht das Jahres=
zeichen
1912, 13 oder i4 tragen.
Für dieſe Arten von Gegenſtänden gilt die Einteilung in Po=
lizeirevieren
nicht. Es bleibt den Beſitzern überlaſſen, die rechtzeitige
Nacheichung zu veranlaſſen.

e ee e
niſteriums des Innern vom 5. Zuk 1912 werden der beſonderen
Beachtung empfohlen.
Darmſtadt, den 29. September 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Vorſchriften für die Beſitzer eichpflichtiger Meßgeräte.
§ 1. Die Beſitzer eichpflichtiger Meßgeräte ſind verpflichtet:
1. dieſe Meßgeräte, ſofern ſie noch nicht geeicht ſind, unverzüg=
lich
eichen zu laſſen:
2. dafür zu ſorgen, daß die Meßgeräte, ſolange ſie im eich=
pflichtigen
Verkehr angewandt oder bereit gehalten werden,
innerhalb der Verkehrsfeblergrenzen richtig ſind und, ſobald
ſie dieſe Fehlergrenzen überſchreiten, aus dem eichpflichtigen
Verkehr entfernt werden;
3. dieſe Meßgeräte, auch wenn ſie geeicht und richtig ſind, in
den durch § 11 der Maß= und Gewichtsordnung beſtimmten
Friſten nacheichen zu laſſen, inſoweit ſie nicht von der Nach=
eichungspflicht
ausgenommen ſind.
§ 2. Die Beſitzer eichpflichtiger Meßgeräte haben dieſe zum
Zweck der Neueichung oder Nacheichung an eine Amtsſtelle der Eich=
behörden
zu bringen und nach beendigtem Eichgeſchäft wieder daſelbſt
in Empfang zu nehmen. Die Rückſendung der vorgelegten Meß=
geräte
durch die Poſt oder Eiſenbahn kann nicht gefordert werden.
Geſchieht ſie trotzdem, ſo geht ſie, ebenſo wie die Verpackung der
Meßgeräte, auf Koſten und Gefahr des Beſitzers.
§ 3. Die Beſitzer haben ihre eichpflichtigen Meßgeräte zur
Eichung gehörig hergerichtet und gereinigt, ſowie mit den erforder=
lichen
und vorſchriftsmäßigen Stempelſtellen (Zinntropfen, Eich=
pfropfen
) verſehen, vorzulegen. Bei eichamtlichen Geſchäften außer=
halb
der Amtsſtellen haben die Antragſteller dafür zu ſorgen, daß
Eichmittel (Belaſtungs=, Prüfungsmaterial) und Arbeitshilfe recht=
zeitig
zur Verfügung des Eichbeamten ſtehen, und daß der Auf=
ſtellungsort
leicht gefahrlos zugängig und ſowohl räumlich wie in
anderer Beziehung ſo beſchaffen iſt, daß er für die ordnungsmäßige
Ausführung der Unterſuchung geeignet erſcheint. Bei Nichterfüllung
dieſer Verpflichtungen hat der Antragſteller keinen Anſpruch auf eich=
amtliche
Erledigung.
§ 4. Die Beſitzer nacheichpflichtiger Meßgeräte haben die ihnen
von den Eichbehörden ausgeſtellten Eich= und Befundſcheine bei poli=
zeilichen
Maß= und Gewichtsreviſionen, ſowie beim Nacheichtermin
vorzuzeigen.
Zu dieſem Zweck, ſowie auch zur Vermeidung von wiederholter
Anforderung eichamtlicher Gebühren ſind die genannten Scheine ſorg=
fältig
bis zur Nacheichung der darauf bezeichneten Meßgeräte auf=
zubewahren
.
§ 5. Es iſt verboten, an geeichten Meßgeräten nachträglich
Maße oder Teilungen oder Nebeneinrichtungen anzubringen, die die
ordnungsmäßige Anwendung und Wirkſamkeit beeinträchtigen können
und deren früheres Vorhandenſein die Eichung unzuläſſig gemacht
haben würde.
Solche Meßgeräte werden als ungeeicht betrachtet und be=
handelt
.
§ 6. Um die Weiterbenutzung unrichtiger, nicht mehr berich=
tigungsfähiger
Meſſinggewichte auszuſchließen, ſind die Eichämter er=
mächtizt
, ſolche Gewichte mit Zuſtimmung des Beſitzers gegen bare
Vergütung des Altmetallwertes zu dem vom Miniſterium des Innern
beſtimmten Sätzen einzubehalten. Ueber dieſe einbehaltenen Gewichte
iſt eine beſondere Nachweiſung zu führen, die zugleich die Luittung
(19262dfs
des Beſitzers über den Geldbetrag enthält.

Liſte der deutſchen Gefangenen.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat ſich durch Vermittelung
der neutralen Botſchaften in Verlin mit den ſeindlichen Mächten
zwecks Aufſtellung und Austauſch von genauen Liſten der in
den einzelnen Staaten zurückbehaltenen Gefangenen und Ver=
wundeten
nach dem Prinzip der Gegenſeitigkeit in Verbindung geſetzt.
Etwaige Anfragen wegen deutſcher Gefangenen oder Verwun=
deten
, von denen man annimmt, daß ſie in feindlichem Gewahrſam
ſind, wollen an Großh. Kreisamt dahier (Neckarſtraße 3) unter An=
aabe
von Namen, Geburtsort und =Tag, Militärverhältnis und
Truppenteil, Ort der letzten Nachricht oder Angabe des Gefechts,
in dem die Gefangennahme oder=Verwundung ſtattfand, gerichtet
werden
(19119gik
Darmſtadt, den 24, September 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Impftermin.

Mittwoch, den 7. Oktober, ſowie an den beiden folgenden
Mittwochen, nachmittags von 2 bis 4 Uhr, finden in dem
Mädchenſchulhauſe Beſſunger Straße 67 öffentliche und unentgelt=
liche
Impf= und Nachſchautermine für die Kinder des Beſſunger
Stadtbezirks ſtatt.
Impfpflichtig ſind alle im vorigen Jahre geborenen, ſowie die
aus früheren Jahrgängen mit der Impfung im Rückſtande verbliebenen
Kinder.
Ich mache noch beſonders darauf aufmerkſam, daß aus einem
Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Krupp, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen
oder die natürlichen Pocken herrſchen, die Impflinge zum allgemeinen
Termin nicht gebracht werden dürfen, und daß die Kinder zum
Impftermin mit reingewaſchenem Körper und mit reinen Kleidern
gebracht werden müſſen.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
(19379a

Ueberſicht

der Durchſchnittspreiſe von folgen=
den
Früchten und Verbrauchsgegen=
ſtänden
in der Zeit
vom 16. bis 30. September 1914:
per Sack à 100 Kilo
Weizen von Mk. 25. bis 26.
Korn
22. 23.
Gerſte
21.50 23.
Hafer
23. 24.
Butter ½ Kilo Mk. 1.40
Butter in Partien Mk. 1.30
Eier per Stück 11 Pfg.
Eier in Partien per 25 Stück
Mk. 2.50
Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 7.
Kartoffeln per 25 Kilo Mk. 2.-=
Kornſtroh per 50 Kilo Mk. 3.
Heu per 50 Kilo Mk. 4.50
Darmſtadt, 2. Oktober 1914.
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Die Zahlung der rückſtändigen
Beträge für erſteigertes Heu= und
Futtergras von der ſtädtiſchen
Pallaswieſe, den früheren Beſſunger
Wieſen und verſchiedenen anderen
ſtädtiſchen Grundſtücken aus den
Verſteigerungen vom 4. Mai,
19. Mai, 4./5. Juni und 21. Sep=
tember
1914 hat bei Vermeidung
des koſtenpflichtigen Zwangsvoll=
ſtreckungsverfahrens
bis längſtens
10. Oktober an den Werktagen vor=
mittags
von 8½ bis 12½ Uhr hier=
(19086a
her zu erfolgen.
Darmſtadt, 25. Seplember 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Mahnung
der Gemeindeſteuer.

Das Ende September ds. Js.
fällig geweſene 3. Ziel der Ge=
meindeſteuer
für 1914 iſt bis zum
10. ds. Mts. hierher zu bezahlen.
Geſchieht dies nicht, dann wird
das koſtenpflichtige Zwangsvoll=
ſtreckungsverfahren
eingeleitet und
es werden vom 12. Oktober ab
Pfandkoſten erhoben.
Dieſe öffentliche Mahnung tritt
mit Genehmigung Großh. Mini=
ſteriums
des Innern für die Dauer
der Kriegszeit an Stelle der ſeit=
herigen
Zettelmahnung.
Darmſtadt, 2. Oktober 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (19381a

Bekanntmachung.

In unſerem Handelsregiſter A
wurde heute bei der Firma Ph.
Heil Söhne in Eberſtadt folgen=
des
eingetragen;
Die offene Handelsgeſellſchaft iſt
ſeit 1. Auguſt 1914 aufgelöſt. Ge=
ſchäft
und Firma iſt mit Aktiven
und Paſſiven übergegangen auf
den ſeitherigen Geſellſchafter Auguſt
Heil, Papierfabrikant in Darm=
ſtadt
. Dieſer führt das Geſchäft
unter der ſeitherigen Firma als
Einzelkaufmann weiter. (19407
Darmſtadt, 30. September 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Dunger=Verſteigerung.
Dienstag, 6. Oktober 1914,
vormittags 9½ Uhr,
wird auf dem Hofe der neuen
Trainkaſerne in der Eſchollbrücker=
(19345
ſtraße die
Matratzenſtreu
der 4. Eskadron meiſtbietend ver=
ſteigert
.
Train=Erſatz
Abteilung 18.
Dünger u. Pfuhl
jedes Quantum, zu ermäßigten
(18618a
Preiſen.
Schlachthof.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Nummer 272.

Einquartierung.

Eine etwaige Vergütung für geleiſtete Quartiere ſowie für
Verpflegung einquartierter Mannſchaften (Offiziere verpflegen ſich
auf eigene Koſten) wird ſpäter nur dann gewährt, wenn die Quartier=
ſcheine
innerhalb der nächſten 10 Tage nach Abgang der Mann=
ſchaften
dem ſtädtiſchen Einquartierungs=Ausſchuß, Stadthaus, Zim=
mer
Nr. 23, zur Anerkennung vorgelegt werden.
Umquartierung von Mannſchaften, die länger als 8 bis
10 Tage in einem und demſelben Quartier lagen, wird auf Nach=
ſuchen
und Vorlage des Quartierſcheines durch den vorſtehend
bezeichneten Ausſchuß vorgenommen.
Darmſtadt, den 7. September 1914.
(18431a
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.

Offenlegung der Urliſte für die Wahl der
Schöffen oder Geſchworenen.

Die Urliſte derjenigen in der Stadt Darmſtadt wohn=
haften
Perſonen, die zu dem Amte eines Schöſſen oder Ge=
ſchworenen
berufen werden können, liegt vom 5. Oktober d. J.
an eine Woche lang während der gewöhnlichen Geſchäftsſtunden
im Stadthauſe, Rheinſtraße 16/18, Zimmer Nr. 21, offen. In der
angegebenen Zeit kann jedermann die Liſte einſehen und gegen die
Richtigkeit oder Vollſtändigkeit derſelben ſchriftlich oder zu Protokoll
(19705sd
Einſprache erheben.
Darmſtadt, den 2. Oktober 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete.

Zum bevorſtehenden Vierteljahreswechſel bringe ich nachſtehen=
des
Ortsſtatut wiederholt zur Kenntnis. Wenn nicht anderes ver=
einbart
iſt, iſt für die Dauer der ſtatutariſchen Räumungsfriſten
Mietzins an den bisherigen Vermieter nicht zu entrichten.
Darmſtadt, den 29. September 1914.
(19270dfs
Der Oberbürgermeiſter:
Dr. Gläſſing.
Auf Grund des Geſetzes vom 6. Januar 1906, betreffend die
Räumungsfriſten bei der Wohnungsmiete, wird auf Beſchluß der
Stadtverordneten=Verſammlung vom 31. Mai 1906, ſowie nach An=
hörung
des Kreisausſchuſſes und mit Genehmigung Großherzoglichen
Miniſteriums des Innern vom 2. November 1906 zu Nr. M. d. J. 37271
folgendes Ortsſtatut erlaſſen, deſſen Beſtimmungen ſofort in Kraft
treten.
§ 1. Endigt das Mietverhältnis am Schluſſe eines Kalender=
vierteljahres
, ſo muß die Räumung gemieteter Wohnungsräume
durch den Mieter:
a) bei kleinen, d. h. aus höchſtens 3 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am erſten Tage des fol=
genden
Monats, ſpäteſtens 5 Uhr nachmittags,
b) bei mittleren, d. h. aus 4 bis 5 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am zweiten Tage des
folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags,
c) bei großen, d. h. aus mehr als 5 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehenden Wohnungen am dritten Tage des
folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mittags,
beendet ſein.
§ 2. Die im §1 beſtimmten Räumungsfriſten werden nur mit
der Beſchränkung gewährt, daß
a) bei Wohnungen, welche aus 3 bis 4 Zimmern und etwaigem
Zubehör beſtehen, ein Zimmer,
b) bei Wohnungen, welche aus mehr als 4 Zimmern und et=
waigem
Zubehör beſtehen, zwei Zimmer,
ſchon am erſten Tag des folgenden Monats, ſpäteſtens 12 Uhr mit=
tags
, vollſtändig geräumt ſind.
§ 3. Kann der Mieter ſchon mit der Beendigung des Miet=
verhältniſſes
ſeinen Ueberzug in die neue Wohnung bewerkſtelligen,
ſo finden die Vorſchriften der §§ 1, 2 keine Anwendung.
Hat der Vermieter auf Grund eines ihm geſetzlich oder ver=
tragsmäßig
zuſtehenden Rechtes das Mietverhältnis ohne Einhaltung
einer Kündigungsfriſt gekündigt, ſo ſtehen die in den §§ 1, 2 bezeich=
neten
Räumungsfriſten dem Mieter nicht zu.
§ 4. Fällt der Tag, an welchem nach den §§1, 2 die Räumung
ganz oder teilweiſe zu beendigen iſt, auf einen Sonntag oder einen
ſtaatlich anerkannten allgemeinen Feiertag, ſo tritt an die Stelle des
Sonntags oder des Feiertags der nächſtfolgende Werktag.
Darmſtadt, den 27. November 1906.
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt.
Morneweg.

-
Lieferung

von Weißzeug, Bettwerks= und Kleiderſtoffen, Wolle uſw. für
das ſtädt. Pfründnerhaus u. das ſtädt. Armenhaus zu Darmſtadt.
Es ſollen die nachverzeichneten Gegenſtände auf dem Verdingungs=
wege
angeſchafft werden, nämlich:
100 m weiß. Leinen zu Bettüchern 50 m Baumwollſtoff zu Schürzen
50
60 Wergleinen
Windeln
100 blaugeſtreiftes Leinen zu 100 Oxfordſtoff zu Nachtkitteln
Bettbezügen
100 Oxfordſtoff zu Hemden
100 rotkar. Baumwollſtoff zu 75 Druckzeug zu Frauenkleid.
Bettbezügen
150 graues Köperfutter
50 weißes Gebildleinen zu 150 Schocktuch zu Putzlumpen
Handtüchern
50 Baumwollſtoff zu Männer=
kleidern

75 Werggebildleinen zu Hand=
tüchern

36 Paar Unterhoſen für Männer
6 Dutz. Taſchentücher f. Männer
50 graues Gebildleinen zu
Küchenhandtüchern
6 Dutz. Taſchentücher für Kinder
50 Moltonſtoff zu Unterlagen 15 kggraue Wolle zu Strümpfen.
50 blaues Leinen zu Schürzen
Wir laden Lieferungsluſtige ein, ihre mit Aufſchrift verſehenen
Angebote verſchloſſen am Mittwoch, den 14. Oktober 1914, bei
dem unterzeichneten Amt, Waldſtraße 6, Zimmer 13, einzureichen.
Muſterſtücke ſind bei dem Oberverwalter der ſtädt. Armenanſtalten,
Frankfurterſtraße 35, abzugeben, der jede gewünſchte Auskunft erteilt,
auch Muſter uſw. vorlegen wird.
Die Preiſe ſind nur in dem Angebot und nicht auf den einzu=
reichenden
Muſterſtücken anzugeben.
Die Muſterſtücke ſollen mit einem Zeichen verſehen ſein, das
auch in dem Angebot enthalten ſein muß. Das Zeichen darf nicht
ſo gewählt werden, daß aus ihm die anbietende Firma erkennbar iſt.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1914.
Städtiſches Armen= und Fürſorgeamt.
J. V.: Hopp.
(19395sd

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Vom 7. Oktober d. J. an müſſen die im Stadtwald geleſenen
ausgereiften braunen Saat=Eicheln bei den ſtädtiſchen Forſtwarten
Herrn Lehr (Klappacherſtraße 84) und Hofmann (Hirſchköpfe) gegen
Vergütung von 10 Pfg. pro Kilo abgeliefert werden. Die Erlaub=
nisſcheine
zum Leſen ſind bei den genannten Forſtwarten unent=
(19338sm
geltlich zu haben.
Darmſtadt, den 1. Oktober 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

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Wilhelminenstrasse 74

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von Wertpapieren aller Art in offenen Depots
(Vermögensverwaltungen).

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Landſturmleute, werd. als Liebes=
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Dienstag, den 6. Oktober, nachmittags 4 Uhr, verſteigere
ich im Pfandlokal Ludwigshöhſtraße 4 meiſtbietend gegen gleich
bare Zahlung:
1. Eine Doppelflinte für Schrot und Kugel nebſt einem
Doppelſchrotlauf extra;
2. eine Schrotflinte mit Doppellauf.
(Beide Gewehre ſind noch ſehr gut erhalten.)
Darmſtadt, 2. Oktober 1914.
Nelle, Pfandmeiſter.
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Vorbereitung zum Einjährigen=, Primaner=,
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63 Einjährige u. v. a.
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Beſter Erſatz für teuere Privatſtunden.
Die Schüler werden nicht nur einfach überwacht. Nichtverſtandenes
durch Fachlehrer erklärt. Erziehung und Gewöhnung zu ſelbſtändigem
Arbeiten (Arbeitsprinzip).
Beginn: 15. Oktober.
Näheres durch den Leiter.
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Köbelſeminar Heidelbergerſtraße 43.
Zur Ausbildung von Erzieherinnen und Jugend=
leiterinnen
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ſtaatlichen Prüfungskommiſſars. Haushaltungsſchule,
Kindergarten. Penſion im Hauſe. Näheres durch die
B19001)
Leiterin E. Klenner.

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Hausbeſitzer!
Wir erſuchen hiermit alle Hausbeſitzer
(Mitglieder und Nichtmitglieder), denen
Schwierigkeiten bei der Hypothekenzins=
zahlung
durch Ausbleiben der Mietein=
gänge
infolge des Krieges entſtehen, und die
eine gütliche Einigung mit ihren Hypotheken=
gläubigern
nicht erzielen, ſich an unſere Ge=
ſchäftsſtelle
, Wilhelminenſtraße 19, zu
wenden.
(19365
Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein, E. 9.

[ ][  ][ ]

Nummer 272.

Darmſtadter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Seite 13.


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erſcheint 2mal wächentlich in der Auflage von 17200 Exemplaren,
bietet ſomit die größte Gewähr für erfolgreichſte Bekanntmachung von Vermietungs=Anzeigen. Für den Wohnungs=Anzeiger beſtimmte Anzeigen müſſen ſtets tagsvorher
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[ ][  ][ ]

Nummer 272.

Seite 14.

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Nummer 272.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914.

Seite 15.

Stimmen aus dem Publikum.

Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
kinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
* Die Belagerungsarmee vor Antwerpen, bei der ſich
auch viele Heſſen befinden, bittet ſehr, einen Auto= Liebes=
dienſt
zu organiſieren, der zweimal wöchentlich Briefe und
kleinere Sendungen von der Heimat bringen könnte. Vor
Antwerpen liegen auch Crefelder Truppen, für die infolge
einer Aufforderung in der Crefelder Zeitung viele Liebes=
gaben
eingegangen ſind. Es wäre dies hier vielleicht
auch möglich.

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(9093), b) 3435 (8083). Schweine a) 5158 (6668)
b) 51½—53 (6567), c) 5254 (6568), d) 5254 (6568)
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Deſſauer, Die Fauſt am Pickel. Cd 209. Dumbrava, Der
Pandur, Geſchichte des rumäniſchen Volksaufſtandes 1821.
d 150/3. Enking, Ach ja, in Altenhagen. e 45/4. En=
king
, Matthias Tedebus, der Wandersmann. e 45/3.
Ethel, Vierzig Jahre im Dienſte der Kunſt. Le 28. Feuer=
bach
, Henriette, Ihr Leben in Briefen. Le 79/3. Floe=
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und König. Lw 123. Naumann, Das blaue Buch von
Vaterland und Freiheit. Fo 9/2. Niemann, Die Muſik
ſeit Richard Wagner. Kt 211. Oberländer, Herbſtblätter.
Dz 755. Puttkamer, Gouvernementsjahre in Kamerun.
Cf 242. Rohrbach, Die Geſchichte der Menſchheit. B 172.
Schmoller, Charakterbilder. L. 95. Simmel, Goethe, Lg
108. Storm, Gertrud, Theodor Storm. Ein Bild ſeines
Lebens. Lſ 191/2. Trierenberg, Togo, die Aufrichtung
der deutſchen Schutzherrſchaft und die Erſchließung des
Landes. Cf 245. Vogelſang, Der junge Flugzeugbauer.
Ev 88/12. Voßberg=Rekow, Die Revolution in China,
ihr Urſprung und ihre Wirkung. Ca 217. Weber, Carl
Maria, Ein Lebensbild. Lw 116/2. Weinel, Johann
Gottlieb Fichte. R 4/10. Werner, im Boot auf dem
Ozean. w 147/3. Wette, Wunderliche Heilige. w. 23/4.
Wygodzinski, Wandlungen in der deutſchen Volkswirt=
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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 3. Oktober 1914

Nummer 272.

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Heinrichſtr. bis Heidelbergerſtraße.
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