Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 127., Samstag, den 9. Mai.

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1777. Jahrgang
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ſigan für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

täe heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

ſr Kaiſer hat ſich geſtern von Karlsruhe nach Türk=
ſtäm
begeben, um einer Gebirgsübung bei Kolmar bei=
Aſuwohnen. Das Kaiſerpaar reiſte abends wieder
ern Karlsruhe ab.
inz Heinrich von Preußen iſt am Donners=
ſan
abend in London eingetroffen.

ſr Reichstag erledigte geſtern zunächſt Anfragen,
epann wurde das Aufwandsentſchädigungs=
ſetz
in dritter Leſung angenommen und ſchließlich
Uhſe zweite Leſung des Militäretats ſortgeſetzt,
pobei das Preſſereferat des Kriegsminiſteriums
ſand die Auskunftsſtelle für die Ziwilverſorgung
lherr Offiziere abgelehnt wurden.
ſter dem Verdacht, die Beſudelung des Kaiſer=
Friedrich=Denkmals in Charlottenburg mit ro=
e
Anilinfarbe begangen zu haben, wurden 5 Per=
t
nen verhaftet.
dder ſpaniſchen Kammer brachte der Marine=
m
niſter einen Geſetzentwurf ein, der für Marine=
binuten
einen jährlichen Kredit von 36 Millionen
Alpeſetas auf 9 Jahre vorſieht.
Siehe auch Letzte Nachrichten.

ſu m Beſuche des Kaiſerpaares
in Braunſchweig.

** Anläßlich der Taufe des Erbprinzen von Braun=
ſſweig
wird am heutigen Samstag außer zahlreichen
hdaren Fürſtlichkeiten und Vertretern fremder Höfe das
ſtttiche Kaiſerpaar in der alten Welfenſtadt weilen, um
llufnahme ſeines jüngſten Enkels in die chriſtliche Ge=
ſtifſchaft
beizuwohnen. Große Vorbereitungen ſind für
ſi FFeier getroffen worden, denn ſchon ſeit vielen Jahr=
ſintten
hat Braunſchweig kein ſo freudiges Feſt ſeines
ſürfſtammten Fürſtenhauſes in ſeinen Mauern begehen
ſſtein. Der alte Herzog Wilhelm, der über 50 Jahre
ſiarte, hatte keine Familie, er war überhaupt allen um=
ſtgreichen
offiziellen Veranſtaltungen abgeneigt, ſah auch
ſuſſelten Gäſte bei ſich, jedenfalls nicht in größerer Zahl,
Id unter den beiden ihm folgenden Regenten bot nur
Wermählung des Herzogs Johann Albrecht zu Meck=
brtrg
mit der Prinzeſſin Eliſabeth zu Stolberg=Roßla
ſlegenheit zur Anweſenheit fürſtlicher Gäſte im Braun=
reiger
Schloſſe. Daß das ganze Herzogtum, insbeſon=
Ferauch die Bevölkerung der Reſidenz, an der Feier teil=
hinnt
, braucht nicht ausdrücklich betont zu werden, hat
doch das junge fürſtliche Paar ſeit ſeinem Einzuge in
welfiſchen Lande verſtanden, ſich in hohem Maße Liebe
d Wertſchätzung zu erwerben.
Mit herzlicher Freude wird namentlich das Kaiſer=
ſinr
begrüßt werden. Kaiſer Wilhelm weilte nach ſeiner
lfronbeſteigung im Juni 1889 in Braunſchweig. Es war
Aimals das erſte Mal, daß ein deutſcher Kaiſer die Stad:
Alluchte, denn weder der Begründer des Reiches noch
Alliſer Friedrich waren während ihrer Regierung dort ge=
liſem
, trotz der engen und nahen geſchichtlichen Beziehun=
Aln, die zwiſchen den beiden Herrſcherhäuſern ſeit Jahr=
Untoerten beſtanden hatten und auf welche unſer jetziger
Miſeer bei ſeiner erſten Anweſenheit hinwies. Er konnte
Aaals konſtatieren, daß das braunſchweigiſche Volk an
fer Tradition feſtgehalten und die treue Geſinnung ſich
Araahrt hatte. Abgeſehen von mehreren Jagdbeſuchen
Alankenburg, hielt der Kaiſer wieder im Dezember 1905
Viraunſchweig Einkehr, wo er auch die Sehenswürdig=
ſten
der Stadt in Augenſchein nahm. Mit der Kaiſerin
ammen war er dort zum erſten Male am 15. Dezember
zur Hochzeit des Prinz=Regenten Johann Albrecht.
Pitdem hat er die Stadt nicht wieder beſucht, dagegen
bekanntlich die Kaiſerin nach der Vermählung ihrer
chtter mehrere Male, zuletzt vor und nach der Geburt
OErbprinzen, Gaſt des Herzogspaares geweſen.
Wie bei der Verlobung und Vermählung des jungen
ritenpaares weit über die preußiſchen und braunſchwei=
ſicheen
Grenzen hinaus ſich lebhaftes Intereſſe und freu=
Teilnahme kundgab, die nicht allein dem Glücke der
den fürſtlichen Perſonen, ſondern auch der Befriedigung
ſer die Löſung der braunſchweigiſchen Frage galt, die
Wierteljahrhundert lang die Gemüter bewegt und
Pieſpalt aller Art verurſacht hatte, ſo machte ſich die

gleiche außerordentliche Anteilnahme bei der Geburt des
Erbprinzen geltend, und ſie erſtreckt ſich auch auf den ſeier=
lichen
Akt, der heute im Braunſchweiger Dome unter den
Augen des Kaiſerpaares ſich vollzieht. Daß der Erbprinz
in echt nationalem Sinne, in Treue zu Kaiſer und Reich,
erzogen werden wird, des ſind wir gewiß.

Eine ſozialpolitiſche Kund=
gebung
.

St. Am Samstag und Sonntag tagt in der Reichs=
hauptſtadt
die Geſellſchaft für ſoziale Reform, um zunächſt
über Angeſtelltenfragen, beſonders über Erfinderſchutz
und Koalitionsfreiheit der Privatangeſtellten, zu verhan=
deln
, dann aber auch zur Veranſtaltung einer großen
öffentlichen Kundgebung zugunſten der Fortſetzung unſerer
ſozialen Geſetzgebung. In einer Maſſenverſammlung
werden die beiden Vorſitzenden der Geſellſchaft, Staats=
miniſter
a. D. Freiherr v. Berlepſch und Profeſſor Dr.
Francke, zu dem in letzter Zeit geäußerten Verlangen nach
einer ſozialpolitiſchen Ruhepauſe Stellung nehmen.
Beide Redner geben die Gewähr dafür, daß ſie das
ſchwierige Thema durchaus objektiv behandeln und den
verſchiedenen Standpunkten Rechnung tragen werden, die
ſich hinſichtlich der Weiterführung der Sozialpolitik Gel=
tung
zu verſchaffen ſuchen. Auf der einen Seite ſpricht
man von einer ſozialpolitiſchen Ueberſpannung, die ſich
namentlich auf Koſten des gewerblichen Mittelſtandes ent=
wickelt
habe und zu deſſen Ruin führe, wenn nicht eine
Pauſe einträte. Man weiſt darauf hin, daß die allzu
weite Ausdehnung der Fürſorge unſerem Volke zum Scha=
den
gereiche, es läſſig und träge mache, aus eigener Kraft
den Wechſelfällen des Lebens zu begegnen und für dieſe
vorzuſorgen. Verlangt wird vor allen Dingen bei der
Fortführung der Sozialpolitik eine größere Rückſichtnahme
auf die Wirtſchaftspolitik. Unſere Produktion müſſe, ſo
argumentiert man, im Wettkampfe mit anderen Staaten
leiſtungsfähig bleiben, was aber unmöglich ſei, wenn die
Opfer der Unternehmer für die Sozialpolitik immer grö=
ßer
und wenn die Arbeiter an den Erfolgen unſerer In=
duſtrie
, an deren Proſperieren immer intereſſeloſer wür=
den
, wie es der Fall wäre, ſobald auch noch die Arbeits=
loſenverſicherung
zur Einführung käme. Aehnlichen An=
ſchauungen
hat vor einiger Zeit Staatsſekretär Dr. Del=
brück
im Reichstage Ausdruck gegeben, wobei er, wie das
nicht anders zu erwarten war, Zuſtimmung und Wider=
ſpruch
fand. Er redete nicht etwa einem Abbau unſerer
Sozialpolitik das Wort, ſondern betonte, daß eine gebil=
dete
, geſellſchaftlich und wirtſchaftlich gut geſtellte Ar=
beiterſchaft
eine der Säulen ſei, auf der unſere Induſtrie
und unſer nationaler Wohlſtand beruhe. Nur auf dieſer
Grundlage könne die Pflege der ſittlichen und vaterländi=
ſchen
Ideale betätigt werden. Eine verſtändige Sozial=
politik
ſei auch eine der Kraftquellen für das Deutſche
Reich, aber ſie müſſe nicht nur den Arbeitern, ſondern
auch den Arbeitgebern das nötige Maß wirtſchaftlicher
und moraliſcher Ellbogenfreiheit gewähren und in den
Grenzen des wirtſchaftlich Möglichen bleiben. Der Um=
fang
der Betätigung auf ſozialpolitiſchem Gebiete müſſe
ſtets im Einklang ſtehen mit der allgemeinen Wirtſchafts=
politik
.
Dieſe Erklärung des Staatsſekretärs wird im Mittel=
punkte
der Verhandlungen in Berlin ſtehen, wo auch die=
jenigen
zu Worte kommen werden, welche den Segen der
Sozialpolitik ohne jene Einſchränkungen wirken laſſen
und von der Notwendigkeit einer Ruhepauſe nichts wiſſen
wollen, weil ſie die Rückwirkung einer ſolchen in ſozialer,
wirtſchaftlicher und politiſcher Hinſicht befürchten. Zwi=
ſchen
beiden Strömungen einen Ausgleich zu finden, der
den Geſamtintereſſen unſeres Volkes entſpricht und den
berechtigten Forderungen beider Teile Rechnung trägt, iſt
ein ebenſo bedeutſames wie ſchwieriges Problem. Man
darf geſpannt ſein, ob zur Löſung desſelben die bevor=
ſtehenden
Verhandlungen der Geſellſchaft für ſoziale Re=
form
geeignete Richtlinien geben werden.

Deutſches Reich

Zur zweiten Beratung des Militär=
etats
beantragten die Reichstagsabgeordneten Erz=
berger
, Gothein, Lieſching, Liſt=Eßlingen, Müller= Meinin=
gen
und Schiffer=Magdeburg, die Anſätze für die Kom=
mandanten
von Karlsruhe, Darmſtadt und Königſtein zu
ſtreichen und für Stuttgart als Kommandanten nur einen
penſionierten Offizier mit 3852 Mark Stellenzulage an

Stelle eines aktiven Offiziers mit Gehalt, Dienſtzulage
und Wohnungsgeldzuſchuß anzuſetzen.
Das Sonntagsruhegeſetz. Die Kommiſ=
ſion
des Reichstags zur Vorberatung der Sonntagsruhe
ſetzte die Beratung über die Beſchäftigung der Angeſtell=
ten
in den Kontoren fort. Ein Zentrumsmitglied bean=
tragte
, für die Geſchäftsreiſenden eine Sonntagsbeſchäfti=
gung
bis zu einer Stunde zuzulaſſen. Ein Ausgleichsan=
trag
der bürgerlichen Parteien will den höheren Verwal=
tungsbehörden
die Möglichkeit geben, in Gewerbebetrieben
eine Beſchäftigung bis zu zwei Stunden zuzulaſſen, ſo=
weit
es ſich um die Abfertigung und Beförderung von
Gütern handelt. Der Antrag wurde angenommen. Ein
anderer Antrag der Ausgleichsparteien, der die Arbeit in
den Kontoren unterſagt, wurde ebenfalls angenommen,
die Zulaſſung einer Arbeitszeit für Geſchäftsreiſende ab=
gelehnt
. Im Speditions= und Schiffsmaklergewerbe ſoll
eine Beſchäftigung bis zu fünf Stunden erlaubt ſein.
Eine längere Erörterung knüpfte ſich an den § 3, betref=
fend
die Ausnahmebeſtimmungen für geſetzestreue Juden.
Die einſchlägigen Beſtimmungen wurden ſchließlich mit
17 gegen 4 Stimmen abgelehnt, einige Mitglieder enthiel=
ten
ſich der Abſtimmung. Ein Nationalliberaler bat die
Regierungen, für den Fall der Schließung des Reichstags,
den Entwurf im Herbſt ſofort wieder einzubringen.
Die Beihilfe für die Altpenſio=
näre
. Da vorerſt damit gerechnet werden muß, daß die
Beſoldungsnovelle geſcheitert iſt, ſo iſt auch die Vorlage
über Reichsbeihilfe für die Altpenſionäre aufs äußerſte
gefährdet, da die Reichsregierung auf die Erledigung des
Geſetzentwurfes, der ſich zurzeit im Bundesrat befindet,
verzichten dürfte. Unter dieſen Umſtänden dürfte ſich der
Bundesrat im Plenum mit dem Entwurf gar nicht erſt
befaſſen.
Der badiſche Großblock. Die ſechstägigen
Verhandlungen in der Zweiten badiſchen Kammer über
Volksſchulfragen gelangten am Donnerstag zum Ab=
ſchluß
. Ein ſozialdemokratiſcher Antrag auf Aufhebung
des Schulgeldes wurde mit allen Stimmen gegen die der
Fortſchrittler und Sozialdemokraten abgelehnt, ebenſo der
konſervative Antrag auf Uebernahme der Lehrergehälter
auf die Staatskaſſe. Für den fortſchrittlichen Antrag,
wonach den Volksſchullehrern das Recht auf Ablehnung
der Erteilung des Religionsunterrichts zugeſtanden wer=
den
ſolle, ſtimmten nur die Fortſchrittler und die Sozial=
demokraten
. Der Antrag der Nationalliberalen, weitere
Geldmittel für die Jugendpflege in das Nachtragsbudget
einzuſtellen, wurde mit allen gegen die Stimmen der So=
zialdemokraten
angenommen. Bemerkenswert war noch
in der Sitzung die Erwiderung des nationalliberalen
Parteiführers auf die von Kolb angedrohte Kündigung
des Großblocks wegen der angeblich lauen Haltung der
Nationalliberalen in den Volksſchulfragen. Unter Zu=
ſtimmung
ſeiner Fraktion erklärte Geheimrat Rebmann,
daß das Großblockabkommen rein wahltaktiſchen Charak=
ter
trage und jede Großblockpartei in politiſchen Fragen
frei und ſelbſtändig handeln könne. Die kirchenpolitiſche
Haltung der Nationalliberalen war den Sozialdemokraten
ſchon bekannt, ehe ſie dem Großblock zugeſtimmt haben.
Einen Ausfall des Fortſchrittlers Venedey, der die Na=
tionalliberalen
für unſichere Bundesgenoſſen wegen ihrer
Haltung in Schul= und Kirchenfragen erklärte, wies der
jungliberale Abgeordnete Koch mit bemerkenswerter
Schärfe zurück.

Ausland:

England.
Die Homerulefrage. In Parlamentskreiſen
wird erklärt, die Regierung ſei entſchloſſen, die iriſche
Homerulebill in der nächſten Woche nach der Annahme im
Unterhauſe an das Oberhaus gelangen zu laſſen und
dann, wenn die Oppoſition entgegenkommend ſei, eine
Nachtragsbill einzubringen. Eine Herbſtſeſſion wird
nicht ſtattfinden.
Spanien.
Neue Marinebauten. In der Kammer brachte
der Marineminiſter einen Geſetzentwurf ein, der einen
jährlichen Kredit von 36 Millionen Peſetas ( 28,8 Mil=
lionen
Mark) neun Jahre hindurch vorſieht. Dieſe
Summe ſoll ausſchließlich für Marinebauten verwandt
werden, um den ſpaniſchen Arſenalen dauernd Arbeit zu
geben und die Entwickelung der Marineinduſtrie zu ge=
währleiſten
, ſo daß ein Schlachtſchiff, deſſen Bau im Jahre
1917 begonnen werden ſoll, vollſtändig von der heimiſchen
Induſtrie gebaut werden wird. Die Regierung wird zu
gelegener Zeit die notwendigen Geſetzentwürfe zur un=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127.

unterbrochenen Entwickelung der Seeausrüſtung ein=
bringen
.
In dem Geſetzentwurf wird angekündigt, daß in den
Jahren 1915, 1916 und 1917 folgende Arbeiten in den ein=
heimiſchen
Arſenalen ausgeführt werden ſollen: 1. Ein
Schlachtſchiff, mit allen Kampfmitteln ausgeſtattet, zum
Preiſe von 70 Millionen, wird auf Stapel gelegt ſobald
das Schlachtſchiff Jaime I. vom Stapel gelaufen ſein
wird, und wird im Jahre 1917 vom Stapel laufen.
2. Im Jahre 1917 wird ein Schlachtſchiff auf Stapel ge=
legt
werden. 3. Ein Schnellkreuzer von 1000 Tonnen zum
Preiſe von 4½ Millionen wird im Jahre 1917 in Dienſt
geſtellt werden müſſen 4. Ein ähnlicher Kreuzer zum
Preiſe von 2½ Millionen iſt bis 1917 vorgeſehen. 5. Drer
Unterſeeboote zum Preiſe von je drei Millionen werden
1918 in Dienſt geſtellt werden müſſen. Ein Kredit von
einer Million wird offen gelaſſen, um den Bau von drei
weiteren Unterſeebooten zu beginnen. Ein Kredit von 14
Millionen wird dazu benutzt werden, die Arbeiten des
Flottengeſetzes von 1908 zu beenden. Verſchiedene andere
Kredite werden zu Anſchaffungen von Ausrüſtungsgegen=
ſtänden
benutzt werden, hauptſächlich zum Bau von zwei
Docks für das Arſenal in Ferrol, von denen eins 230 Me=
ter
lang ſein wird, und das eine 1 Millionen und das
andere 14 Millionen koſten wird. Ein Kredit von 9½ Mik=
lionen
wird zur Ausbaggerung des Hafens und zu ande=
ren
Arbeiten im Arſenal von Cadiz benutzt werden. Der
Arbeitsminiſter wird mit Beſchleunigung an die Verlän=
gerung
des Schienennetzes von drei Häfen, die als Stütz=
punkte
der Flotte dienen, herangehen.
Die ſpaniſch=italieniſchen Beziehun=
gen
. Auf eine Anfrage erklärte der Miniſter des Aus=
wärtigen
: Der Beſuch, den neulich italieniſche Induſtrielle
und Kaufleute in Madrid machten, hatte den Zweck, die
auf dem Gebiete des Handels und des Geiſtes ſchon ſehr
herzlichen ſpaniſch=italieniſchen Beziehungen zu entwickeln
und noch intimer zu geſtalten, Beziehungen, die der Ab=
ſchluß
eines Handelsvertrags krönen wird.
Rußland.
Rüſtungsausgaben. Der Reichsrat hat be=
ſchloſſen
, von den 68 Millionen Rubeln, die 1912 zur Or=
ganiſation
und Einrichtung von Kriegshäfen und See=
Funkenſtationen ausgeworfen wurden, für das laufende
Jahr 10 Millionen auszugeben, von denen 7 Millionen
für Bauarbeiten, 310000 Rubel für die Einrichtung und
2700000 Rubel für den Bau von Trockendocks in Kron=
ſtadt
und Sewaſtopol verwendet werden ſollen. Ferner
wurde ein Geſetzentwurf betr die Auswerfung von Er=
gänzungskrediten
angenommen für den Zweck, Stabsoffi=
ziere
in das Ausland zu ſchicken, damit ſie ſich in den
fremden Sprachen vervollkommnen. Weiter wurde an=
genommen
ein Geſetzentwurf, durch den von den 481 Mil=
lionen
Rubel, die 1912 für die Wiederherſtellung der
Flotte ausgeworfen waren, 77752000 Rubel genehmigt
werden, von denen 63800000 Rubel zum Ausbau der
Kriegsflotte, 6 Millionen zum Bau von Hilfsſchiffen und
Schwimmdocks, 6 Millionen für Minen und Artillerie
und 1500000 Rubel zur Errichtung von Fabriken für das
Marinereſſort dienen ſollen.
Balkanſtaaten.
Die Epirusfrage. Am Mittwoch abend iſt die
internationale Kontrollkommiſſion von Durazzo nach
Santi Quaranta abgereiſt, um dort mit Zographos über
die Löſung der Epirusfrage zu verhandeln. Nach einer
anſcheinend offiziellen Meldung wird die internationale
Kontrollkommiſſion in Albanien folgende Vorſchläge zur
Löſung der Epirusfrage machen: Epirus ſoll in zwei Be=
zirke
, Koritza und Argyrokaſtro, eingeteilt werden. Jeder
Bezirk werde einen von der Bevölkerung gewählten Rat
und einen von dem Fürſten ernannnten Gouverneur er=
halten
. Der Gebrauch der griechiſchen Sprache im Ver=
kehr
zwiſchen dem Gouverneur und den Bewohnern würde
geſtattet ſein. Ferner werde jede Gemeinde das Recht
haben, den Unterricht in griechiſcher Sprache erteilen zu
laſſen unter der Bedingung, daß die Kinder in den
Volksſchulen auch die albaniſche Sprache lernen. Der
Sicherheitsdienſt ſoll durch eine aus Epirus rekrutierte
und von holländiſchen Inſtrukteuren ausgebildete Gen=
darmerie
verſehen werden.
Das Konkordat zwiſchen Serbien und
dem Vatikan. Das Echo de Paris meldet aus Rom:

Der Erfolg der Verhandlungen zwiſchen der Belgrader
Regierung und dem Vatikan über den Abſchluß eines)
Konkordats ſind hauptſächlich dem Eingreifen des ruſſi=
ſchen
Geſandten Nelidoff zu danken. Rußland habe er=
kannt
, daß es in ſeinem und im Intereſſe der Tripel=
Entente überhaupt liege, Serbien dem katholiſchen Pro=
tektorat
Oeſterreich=Ungarns zu entziehen.
Die Orientbahn=Frage. Die ſerbiſche
offiziöſe Samouprava ſchreibt in ihrem Leitartikel über
die Orientbahn:
Serbien verzichtet auf den franzöſiſchen Vorſchlag, be=
treffend
Internationaliſierung der Orientbahn. Es kann
aber die nachträglichen öſterreichiſch=ungariſchen Vor=
ſchläge
, die den franzöſiſchen Vorſchlag weſentlich zu ver=
ändern
geeignet ſind, nicht annehmen. Als Eigentümer
glaubt es in ſeinem Rechte zu ſein; wenn die neuen der
Geſellſchaft gemachten Vorſchläge angenommen würden,
ſo würden damit alle internationalen Verhandlungen
ausgeſchloſſen ſein; werden ſie nicht angenommen, ſo müſ=
ſſen
ſie vor die Finanzkommiſſion in Paris gebracht wer=
den
, und wenn dieſe Frage dort nicht einſtimmig gelöſt
wird, ſo hat Serbien das Recht, die Frage des Ankaufs
der Eiſenbahn vor das Haager Schiedsgericht zu bringen
oder ſelbſt eine neue Eiſenbahn zu bauen und den Betrieb
der alten Linie der Orientbahn=Geſellſchaft zu denſelben
alten Bedingungen zu überlaſſen, wie ſie durch den Ver=
trag
mit der Türkei begründet waren. Aus den Pachtzin=
ſen
wird Serbien die Mittel gewinnen können, um eine
neue Linie als Konkurrenz gegen die alte Linie zu bauen,
denn man kann ſich darauf gefaßt machen, daß binnen 10
Jahren die Linie, welche die kürzeſte und ſchnellſte von
Europa nach Saloniki und Aſien iſt, zweigleiſig ausge=
baut
ſein wird, und daß über dieſe Etappe hinaus die
alte Linie in die Hände Serbiens zurückgelangen wird.

B.B. Beſuch ſchwediſcher Schulkinder in
Deutſchland. Eine Maſſenfahrt ſchwediſcher Schul=
kinder
nach Deutſchland ſteht für den Anfang November
d. J. bevor. Etwa 600 Schulkinder, davon allein 300 aus
Stockholm, treffen dann in Deutſchland ein und begeben
ſich zunächſt nach Lützen, um an dem Feſtzuge nach dem
Schwedenſtein und ſpäter an der Feier in der dortigen
Guſtav Adolf=Kapelle teilzunehmen. Hieran ſchließt ſich
eine Beſichtigung der Hauptſehenswürdigkeiten von Leip=
zig
, Dresden und Berlin. Der König von Sachſen und
der Kaiſer wollen ſich die ſchwediſchen Schulkinder vor=
ſtellen
laſſen.

* Die Affäre des ruſſiſchen Marine=
kapitäns
PPoljakow, die noch in aller Gedächtnis
iſt, erlebt jetzt ein Nachſpiel. Der Tatbeſtand braucht nicht
wiederholt zu werden. Es ſei nur noch einmal erwähnt,
daß Poljakow am 23. Februar in Köln feſtgenommen und
bei gleichzeitiger Einſtellung des gegen ihn eingeleiteten
Strafverfahrens am 2. März aus der Unterſuchungshaft
entlaſſen wurde. Die deutſche Preſſe, welche ſich in der
Berichterſtattung große Zurückhaltung auferlegt hatte, mel=
dete
das Vorkommnis und die Freilaſſung am 17. März
und hob hervor, daß Poljakow offenbar das Opfer einer
Myſtifikation geworden ſei. In der Abendausgabe vom
19. März beſchäftigte ſich die Berliner Poſt mit der An=
gelegenheit
, wobei ſie die Wendung gebrauchte, es ſei ſo
gut wie erwieſen, daß Poljakow während des Roſen=
montags
in Köln ſeine Hände für einen Augenblick in
einer Taſche gehabt, die ihm nicht gehörte. Am Schluß
des auch ſonſt mit unfreundlichen Bemerkungen gegen die
Perſon des Kapitäns erfüllten Artikels heißt es dann,
Petersburger Blätter drohten in überreizter Stimmung
mit dem Boykott gegen Deutſchland, wenn ein diebiſcher
Kapitän in flagranti ertappt und ordnungsgemäß behan=
delt
werde. Wegen dieſer, ſiebzehn Tage nach der Ein=
ſtellung
des Verfahrens, gemachten Aeußerungen hat Ka=
pitän
Poljakow den Hauptſchriftleiter und den verant=
wortlichen
Redakteur der Poſt im Wege der Privatklage
wegen Beleidigung belangt. Er hat damit gewar=
tet
, bis durch die Erklärung des Staatsſekretärs v. Jagow
in der Budgetkommiſſion am 23. April feſtgeſtellt war,
daß die betreffenden Beamten in Köln nicht korrekt ver=
fahren
wären und deshalb eine Zurechtweiſung erhalten
hatten. Der Ausgang dieſes Prozeſſes wird nicht nur
vom deutſchen Journalismus ſondern auch im großen
Publikum mit einer gewiſſen Spannung erwartet werden.
Es wird nicht oft vorgekommen ſein, daß ein höherer aus=
ländiſcher
Offizier mit Billigung ſeiner Vorgeſetzten eine
Klage gegen eine deutſche politiſche Zeitung einleitet.

* Steinamanger, 8. Mai. Der König von
Bayern iſt mit Familie geſtern abend in Sarvar ein=
getroffen
, nachdem er an der Grenze des Komitats von
dem Obergeſpan Bekoſſy willkommen geheißen war. Vor
dem Schloß in Sarvar begrüßte an der Spitze einer Depu=
tation
des Komitats der Vizegeſpan Herbſt die königliche
Familie. Den Damen wurden ſchöne Blumenſträuße
überreicht. Der König empfing auf dem Schloſſe eine
Reihe von Abordnungen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 9. Maſ
Frühobſt= und Gemüſe=Ansſtellung
in Darmſtadt.
* Eine für Obſt= und Gemüſezüchter, Gartenbeſtte
Induſtrielle und für Konſumenten gleich wichtige und
deutſame Veranſtaltung plant für die zweite Hälften
Monats Juni der Obſt= und Gartenbau=
band
für den Kreis Darmſtadt. Es iſt eine
Fachmann natürlich längſt bekannte, von dem Laien
lange nicht genügend berückſichtigte Tatſache, daß
Boden ſeine beſonderen Eigenſchaften hat, wie jede
gend; daß das gleiche aber auch mit den Früchten des
des und des Gartens der Fall iſt. Und daß die
Erträgniſſe nur da zu verzeichnen ſind, wo die Eigenhe
des Bodens und der Frucht, der dieſer Lebensbedinglt
gibt, zuſammen harmonieren. Mancher Feld= und
tenbeſitzer, der ſich darüber beklagt, daß die Erträgſ
ſeines Grundbeſitzes trotz allen Fleißes und aller
falt, die er der Bebauung ſeines Beſitzes zuteil wer
läßt, ungenügend ſind, wird zu beſſeren Reſultaten
men, wenn er die richtigen, für ſeinen Boden ge
neten Arten anpflanzt. Die Unkenntnishi
über iſt noch ſehr groß. Beſonders in bezug
Kern= und Beerenobſt. Hier abzuhelfen, ſoll die für un
Gegend völlig neuartige Ausſtellung dienen.
Der Zweck dieſer Frühobſt= und Gemüſe=Ausſtell
ſoll ſein:
1. einen Einblick in den Stand des Frühobſt= und
müſebaues zu gewinnen;
2, die vorhandenen, in dieſer Jahreszeit reifen
Sorten, in welchen beſonders hinſichtlich der Kirſch
ſorten ein großer Wirrwarr herrſcht, zu beſtimmen
3. die angebauten Sorten auf ihre Geeignethl
für die verſchiedenen Kulturverhältniſſe zu prüfen, um
Verbreitung der geeignetſten Sorten Sorge tragen
können;
4. die Frage der zweckmäßigen Verwertung der
ſchiedenen Sorten zu klären.
Zur Ausſtellung ſollen gelangen in erſter Linie
ſchen, Erdbeeren, Johannis= und Stachelbeeren,
beeren uſw. Weiter ſoll die Ausſtellung das Obſt
Gemüſe aus Treibereien (Pfirſiche, Gurken, Toll
ten uſw.) umfaſſen, womit eine Ausſtellung von Frü
müſe aus dem freien Lande (Salat, Frühwir
Kohlrabi) verbunden ſein ſoll. Im Anſchluß daran iſte
abſichtigt, Obſt= und Gemüſekonſerven, Präſerven,
Bienenhonig zuzulaſſen und eine Ausſtellung vonohl
ſervengeräten Schädlingsbekämpfun
und Düngemittel und der hierzu verwendeten
arbeitungsgeräte anzugliedern. Es beſteht ferner die
ſicht, einen Vogelſchutzverein zu intereſſieren, damit
die zum Vogelſchutz geeigneten Einrichtungen vorgefühn
werden, wodurch auch in dieſer Hinſicht Belehrunge
gen kann.
Die Staats= Kreis= und landwirtſchaftlichen Behön
ſowie Private haben ihre Unterſtützung zugeſagt undes
den auch Mittel zur Prämiierung der ausgeſteln
Prodükte zur Verfügung ſtellen.
Ordensverleihung. Der Großherzoßhau
dem Bürgermeiſter, Ortsgerichtsvorſteher und Standess
beamten Wilhelm Alles zu Nieder=Florſtadtdas=Rikten
kreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Gry
mütigen verliehen.
* Ernannt wurde zum Forſtaſſeſſor derg
referendar Heinrich Zimmer in Lich.
g. Strafkammer II. Der trotz ſeiner Jugend ſch
vorbeſtrafte 19jährige Taglöhner Johann Peter Pfral
von Offenbach unternahm in der Nacht zum 28. Märzl
dem noch unbeſtraften 19jährigen Schloſſer Karl Edu
Fritzinger und dem Arbeiter Töpfer beide ebenf
von Offenbach, einen äußerſt frechen Einbruch. Nach
der Plan in einer Wirtſchaft gründlich durchgeſpro
worden war, ſtiegen die drei Angeklagten in der
furter Straße durch das Baugerüſt eines Neubaues auf
Dach des Nebenhauſes. Durch Eindrücken eines
fenſters gelangten Fritzinger und Pfrang in dasH
während Töpfer draußen Schmiere ſtand. Ausei
Herrenartikelgeſchäft erbeuteten die beiden Einbreche
Mark bares Geld, außerdem Krawatten, Strümpfe
Pfrang behielt das Geld als Unternehmer für ſich und
ſeinen Komplizen nur je 3,30 Mark. Wie ſich in der n
ſuchung herausſtellte, iſt Töpfer geiſteskrank und
deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden.
beiden übrigen Angeklagten ſind geſtändig und
von der Strafkammer Pfrang zu 2 Jahren
haus und 5 Jahren Ehrverluſt, Fritzingen
4 Monaten Gefängnis verurteilt. Beiden
1 Monat der Unterſuchungshaft angerechnet. Der
Alexander Stiefvater von Offenbach hatte ein Klaſ
für 550 Mark auf Abzahlung gekauft, das er unberech
Weiſe weiter verkaufte. Er wurde vom Schöffengel

Ein Tag im Leben Kaiſer Franz
Joſefs.

** Die Erkrankung des greiſen Kaiſers Franz Jo=
ſef
hat die Blicke der Welt nach dem Schloſſe Schönbrunn
gelenkt, das in den letzten Jahren immer mehr der Haupt=
wohnſitz
des Monarchen geworden iſt, und wo ihn auch
jetzt das Unwohlſein nicht hindert, ſeine ſtrengen Lebensge=
wohnheiten
innezuhalten. Es gibt wohl kaum einen Mon=
archen
, deſſen Tageseinteilung ſo ſorgſam feſtgelegt und
ſo gewifſenhaft eingehalten wird, als die des greiſen Ober=
hauptes
des Hauſes Habsburg. In allen Berichten von
Perſönlichkeiten, die das Leben des Kaiſers aus der Nähe
beobachten konnten, klingt die Verwunderung über die faſt
ſpartaniſche Lebensweiſe ein, die Franz Joſef ſich als
ſeinem Weſen gemäß auferlegte und an der ſelbſt das Alter
wenig oder nichts ändern konnte, trotz aller Vorſtellungen
des heilkundigen getreuen Ekkehard des Monarchen, des
Hofrates Kerzl, der mit ſeinem kaiſerlichen Patienten
ſchon manchen bitteren Strauß durchgekämpft hat und es
nur mit Mühe vor einiger Zeit durchſetzte, daß Franz
Jofef ſeine ſchweren und ſchwarzen Virginias aufgab und
ſich mit einer leichteren und milderen Zigarre befreundete.
Sonſt aber iſt der Kaiſer allen jenen Gewohnheiten treu
geblieben, die er von ſeiner Mutter übernahm und deren
Grundzug immer in dem Glauben gipfelte: Wer viel ar=
beiten
will, muß früh anfangen.
Im Auguſt wird Franz Joſef ſeinen 84. Geburtstag
erleben; aber trotz dieſes patriarchaliſchen Reichtums an
Jahren erlebt die Wiener Stadt wenig Sonnenaufgänge,
denen der Monarch nicht zuvorkäme. Unerſchütterlich gilt
das Geſetz: im Sommer um 4 Uhr morgens im Winter
um 5 heißt es aufſtehen. Der Kammerdiener, der um dieſe

Zeit an das ſchmale Feldbett tritt, in dem der Kaiſer ruht
raucht ſeinen Herrn nicht erſt zu wecken. Der Monarch
erwacht von ſelbſt unweigerlich zur beſtimmten Stunde.
Er ſteht dann ſofort auf, eine kalte Abwaſchung erfolgt,
und dann beginnt die Toilette, bei der auf die aktive Hilfe
des Kammerdieners verzichtet wird: nur die Kleidungs=
ſtücke
darf der Diener ſeinem kaiſerlichen Herrn reichen.
Auch der Friſeur iſt überzählig, Franz Joſef raſiert ſich
ſelbſt. Mehr als einmal baten ihn Töchter und Enkelkin=
der
, das dem Friſeur zu überlaſſen, ſie mochten fürchten
daß die Zeit nahen könne, da des Kaiſers Hand unſicher
werde und er ſich ſchneiden könne. Aber der Monarch
lächelte nur und ſchüttelte den Kopf: er hat ſich immer
ſelbſt raſiert und ſo ſoll es auch bleiben. Selbſt die Bitte,
ſtatt des gewöhnlichen Raſiermeſſers einen Raſierapparat
zu benutzen, blieb fruchtlos. Nach der Toilette, bei der der
Kaiſer ſofort ſeine Uniform anlegt, wird das Frühſtück
ſerviert. Hier hat der Hofrat Kerzl nach langen Mühen
ſeinen Willen durchgeſetzt: der Monarch erhält nicht mehr
regelmäßig ſein Lieblingsfrühſtück, Kaffee und Wiener
Gebäck Kipferln ſondern mit einem leiſen Seufzer
fügte er ſich in das leichte engliſche Frühſtück, das ſein
Leibarzt ihm aufdrängt: Tee, ein weiches Ei, ein wenig
Schinken. Hin und wieder bringt ein kleiner Teller friſcher
Erdbeeren eine willkommene Abwechſlung in dieſes Menu.
Dann folgt faſt immer ein kleiner Spaziergang, der erſt
ſeit wenigen Jahren von dee Witterung abhängig gewor=
den
iſt. Und nun beginnt die Arbeit, das Aktenſtudium,
bei dem der Kaiſer ſich einer Brille bedient. Wenn es
8 Uhr ſchlägt, ſetzen bereits die Audienzen ein, jeden
Mittwoch erſcheinen der Chef des Generalſtabes, Miniſter,
Räte und Sekretäre. Den ganzen Morgen und den ganzen
Vormittag bleibt nun der Kaiſer am Schreibtiſch; die Ein=
geweihten
müſſen ſich dabei immer wieder von neuem wun=
dern
, wie gründlich der Kaiſer das zu bearbeitende Ma=

terial bis in die geringfügigſten Einzelheiten beher
ein erſtaunliches Gedächtnis unterſtützt dabei den
archen. Um 12 Uhr wird im Arbeitszimmer aufe
kleinen Tablett das zweite Frühſtück ſerviert: einel
Suppe, Fleiſch, etwas Gemüſe und dazu ein kleiner
Bier, aus dem jedoch der Kaiſer nur einen Zug nim
Acht, zehn, im beſten Falle zwölf Minuten opfert der
ſcher dieſer zweiten Mahlzeit: und er wird faſt ungeduldl
wenn das Tablett dann nicht ſchleunigſt verſchwindet
mit er weiter arbeiten kann. Denn nur, wenn beſon
Anläſſe vorliegen, verläßt der Kaiſer ſeinen Arbeitsl
vor nachmittags ½5 Uhr; es iſt die Regel, daß er vol
Uhr früh bis um dieſe Nachmittagsſtunde in ſeinem
beitszimmer weilt. Erſt dann gönnt er ſich die Erholll
einer kleinen Ausfahrt oder eines einſamen Spaziergaſ
im Schloßgarten. Um 7 Uhr erfolgt das Diner.
gangenen Zeiten wurden dazu bisweilen Angehörige
Hofgeſellſchaft geladen; in den letzten Jahren erſcheil
faſt nur noch die zufällig anweſenden Familienmitglie
zur Tafel, ja oft ißt der Kaiſer allein. Das Menu iſt
bei durchaus bürgerlich: Suppe, eine, höchſtens
Fleiſchſpeiſen, eine Mehlſpeiſe und dazu entweder
Glas öſterreichiſchen Landweines oder ein Schluck
Nur in Iſchl verändert ſich die Speiſenfolge der Aben
mahlzeit: das Iſchler Souper beſteht aus einem größ
Glaſe ſaurer Milch und einem Butterbrot. Nach
Abendeſſen lieſt der Kaiſer ſeine Zeitung, lieſt ſierſe
gründlich; dann noch einen Blick in Akten oder eine Vill
telſtunde am Arbeitstiſche. Punkt 8 Uhr abends begibtt
der Kaiſer zur Ruhe. Das iſt der Tageslauf des Trägel
der öſterreichiſchen und ungariſchen Krone, das iſt Fld
Joſefs Leben. Denn in den letzten Jahren ſind die Füll
in denen Repräſentationspflichten dieſe Tagesordnſ
veränderten, ſo ſelten geworden, daß ſie kaum zählen

[ ][  ][ ]

Mhmer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Seite 3.

egemlnterſchlagung zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt.
ufliße Berufung hin ermäßigte die Strafkammer dieſe
traſſſtraf 1 Woche Gefängnis. Im Juni 1912
n 19jährige Eisverkäufer Auguſt Serafini aus
illalſiemale (Südtirol) nach einem Sittlichkeitsattentat
nWenbach flüchtig. Nachdem nun ziemlich zwei Jahre
raſſſen waren, ſchrieb er an das Polizeiamt Offenbach,
etdder zurückkehren dürfe, was ihm ſelbſtverſtändlich
achtäewehrt wurde. Bei ſeiner Ankunft in Offenbach
urke ſofort in Haft genommen. Geſtern wurde er von
er ſurſkkammer wegen Vergehens nach Paragraph 176,3
g Mi naten Gefängnis abzüglich 1 Monat der
dartelthrtngshaft verurteilt. Am Totenſonntag hatte
ſtr ſtt Johann Jakob Melk von Babenhauſen dem
jähiſten Friſeur Adam Delp aus Pfungſtadt Feier=
nenſesoten
und als dieſer ihn beſchimpfte und anzu=
eifhien
, ihm mit einem Maßkrug einen Schlag auf
bendzichf verſetzt und hinausgeworfen, wobei Delp gegen
eſtoßen wurde. Das Schöffengericht Seligenſtadt
ittele k zu 40 Mark Geldſtrafe wegen Körperverletzung
rümt und Delp wegen Hausfriedensbruch zu 10 Mk.
dif Die Strafkammer verwarf geſtern die vom
ia Miigelegte Berufung.
IIn der nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverord=
aerſammlung
wurde eine Neuordnung der
heagt ungsweiſe der kleinen Unterhal=
ſorbeiten
gutgeheißen, die eine gleichmäßige
henrgung der Arbeiten an alle in Betracht kommen=
imätverber
der Reihe und dem Alphabet nach vorſieht.
ſeitherigen Verfahren der Ausloſung unter den
rhiſſer hatten ſich Unſtimmigkeiten inſofern ergeben,
uſichen Meiſtern die Arbeiten wiederholt in kurzen
ifnräumen übertragen wurden, während andere
e ſrur ſelten berückſichtigt werden konnten. Dem
der Revierpolizeikommiſſäre Bär und Berg=
am
um Verſetzung in den Ruheſtand wurde ſtattge=
bilind
die von dem Polizeiamt beantragte Beförde=
r
Polizeiwachtmeiſter Schilling und Schäfer
Mierpolizeikommiſſären und der Schutzleute Leh=
und Weber zu Polizeiwachtmeiſtern genehmigt
uctzleute wurden definitiv angeſtellt die ſeitherigen
Ahitzleute Wilhelm Feix. Johannes Leppla
khannes Dittmann. Ein Geſuch des Darmſtäd=
igxvereins
der deutſchen freien Architektenſchaft um
Ajung der ortsanſäſſſigen Privat=
Meckten zum Wettbewerb zur Erlangung
iltwürfen für ſtädtiſche Neubauten, wurde dahin be=
daß
zu einem Wettbewerb für ſtädtiſche Bauten
Mmeinen kein Anlaß vorliegt, daß aber bei größe=
nuebeſonders
gearteten Bauwerken von Fall zu Fall
plilf wwerden wird, ob ein beſchränkter Wettbewerb
ſſen ſoll. Neue Erhebſtellen der Pfen=
aſarrkaſſe
wurden übertragen an Kaufmann Beck,
chußelbaue und Eliſabethenſtraße, Kaufmann Stumpf,
ckuſigel= und Neckarſtraße, und Frau Hebermehl, Eli=
beihrſrraße
56.
Alon den Frühlings=Feſtſpielen. Generalmuſik=
rliſt
Maxvon Schillings, der Leiter der Stutt=
Ur foper, iſt in Darmſtadt eingetroffen, um die letz=
inAlhiſſterproben
zur dritten Feſtſpiel=Vorſtellung, Mo=
artlEmtführung
, ſelbſt zu leiten. Mit Schillings
imdie Reihe der Meiſter=Dirigenten, die durch die Früh=
na
=lleſeſpiele nach Darmſtadt geführt worden ſind, um
nanllanzenden Namen vermehrt. Schillings iſt im
zahr1868 geboren und ſteht im 47. Lebensjahre. Seine
inſtliſche Ausbildung genoß er in Bonn und München,
o Airch bis zu ſeiner Berufung nach Stuttgart im
ahr908 lebte. In ſeinem verantwortungsvollen Wir=
ngſiſie
, in dem ihm die Leitung der Opern und Kon=
täffführungen
obliegt, hat ſich Schillings als ein Mei=
rillter
Kunſt bewährt und die hohen Erwartungen,
eaauf ihn ſetzte, vollauf erfüllt. Auch als Komponiſt
MRtgeprägter Eigenart hat der Künſtler die Aufmerk=
ſämitäter
muſikaliſchen Welt, die ihm die Opern Ing=
der
Pfeifertag und Moloch verdankt, auf ſich
Ein beſonders enges Verhältnis verbindet ihn
ſätzübzarts Kunſt, die er in Stuttgart unter Mitwir=
nhreorragender
Meiſter der Szene, wie Pankok und
eihllſer, zu hoher Blüte gebracht hat, und unter Mo=
arksAlbarken
wieder vorzugsweiſe mit der Entführung
Serail die er nicht etwa lediglich um dem mo=
rüWWeeſchmack
eine Konzeſſion zu machen, ſondern aus
liſtiſſen Gründen und gewiß nicht zum Schaden des
geMMdurch Einfügung in echt mozartiſchem Geiſte ge=
le
Rezitative aus dem Singſpiel in die geſchloſſe=
rlſran
der durchkomponierten Oper umgegoſſen hat.
ehelEcchillings probt auch Hofrat Gerhäuſer bereits

mit dem vom Darmſtädter Hofthegter geſtellten Chor. Be=
denkt
man, daß außerdem Felix von Weingartner ſeit Wo=
chen
die Vorbereitungen zur Uraufführung ſeiner neuen
Oper Kain und Abel leitet, und daß die Dekora=
tions
= und Koſtümproben zu Alda bereits in vollem
Gange ſind, ſo wird man ſich von dem Umfang und der
Vielgeſtaltigkeit der Feſtſpiel=Vorarbeiten einen ungefäh=
ren
Begriff machen können.
* Profeſſor Dr. Max von Schillings, ſowie Hofrat
Emil Gerhäuſer ſind zu den Frühlingsfeſtſpielen
in Darmſtadt angekommen und haben im Britannia=Hotel
Wohnung genommen.
* Felix von Weingartner und Gemahlin, die vorma=
lige
Wiener Hofopernſängerin Lucille Marcel, ſind, an=
läßlich
ihrer Mitwirkung bei den diesjährigen Frühlings=
feſtſpielen
im Hoftheater, jetzt zu längerem Aufenthalt
hier eingetroffen und als Gäſte des Herrn Dr. v. Oſter=
mann
in deſſen Villa auf der Mathildenhöhe abgeſtiegen.
Am 17. ds. Mts findet bekanntlich die Uraufführung
von Weingartners neueſtem Opernwerk Kain und Abel
hier ſtatt, in welchem Frau von Weingartner die Rolle
der Ada ſingen wird.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Der Diplom= Inge=
nieur
Anton Cherbuliez aus Mülhauſen i. E. hat ſich
am 7. ds. Mts. an der hieſigen Techniſchen Hochſchule der
mündlichen Doktor=Ingenieur=Prüfung im Bauingenieur=
fach
unterzogen und dieſelbe gut beſtanden.
Die Großh. Hofbibliothek iſt wegen Herſtellung des
Treppenhauſes Montag, den 11. Mai, bis einſchließlich
Mittwoch, den 13. Mai, geſchloſſen.
Eine neue Sicherheitskuppelung für Eiſenbahn=
wagen
hat, ſo ſchreibt man uns, der Lehrer i. P. Gunſch=
mann
in Darmſtadt, der ſich ſchon lange mit dieſem
Problem beſchäftigt, konſtruiert und ſich zunächſt als
Gebrauchsmuſterſchutz eintragen laſſen. Dieſe Sicher=
heitskupvelung
arbeitet ſelbſttätig und macht bei dem
Rangieren und Abhängen von Eiſenbahnwagen die
bisher nicht ungefährliche Arbeit des Rangierperſonals,
die manches Opfer koſtete, überflüſſig. Durch die Eiſen=
bahnbehörden
werden Verſuche mit der neuen Erfindung
gemacht, deren Reſultate man abwarten muß.
Polizei und Tierſchutz. Das Großh. Polizeiamt
Darmſtadt hat unter Mitwirkung des verſtorbenen Herrn
Rittmeiſters Fenner und des Herrn Oberlandſtall=
meiſters
v. Willich aus Mitteln des Tierſchutzvereins für
das Großherzogtum Heſſen im Intereſſe der Tierſchutzes,
ſowie aus verkehrs= und ſicherheitspolizeilichen Gründen
Merkblätter über Pferdepflege, Anſchirren und Fahren
anfertigen laſſen, die zurzeit von den Sektionsſchutzleuten
an die Pferdebeſitzer verteilt werden. Sie ſollen in den
Pferdeſtällen aufgehangen werden und auf die Kutſcher
und Fahrburſchen belehrend wirken. Von dieſer Einrich=
tung
darf man ſich eine gute erzieheriſche Einwirkung ver=
ſprechen
auf die Pferdepfleger in der Richtung eines zu=
nehmenden
Verſtändniſſes für eine ſachgemäße Behand=
lung
und Führung der Pferde. Alle Pferdebeſitzer, die bis
zum 1. Juni noch nicht im Beſitze dieſer Merkblätter ſind,
werden gebeten, ſich telephoniſch, mündlich oder ſchriftlich
an Großh. Polizeiamt, Hügelſtr. 3133, Telephon Nr. 8,
zu wenden.
* Dem Heſſiſchen Jagdklub iſt vom Großh. Miniſte=
rium
des Innern die große bronzene Staats=
medaille
für hervorragende Verdienſte in der Jagd=
hundezucht
verliehen worden. Seit über zehn Jahren
hält der genannte Verein, der dem Verband der Deutſchen
Gebrauchshundevereine angehört, alljährlich zwei große,
hochdotierte Prüfungen für Jagdhunde ab, die, was Zahl
der Nennungen, Schönheit und Güte des Materials an=
langen
, zu den erſten derartigen Veranſtaltungen Deutſch=
lands
gehören. Ferner ſind an heſſiſche Förſter in dieſer
Zeit mehr als 50 Jagdhunde edelſter Abſtammung um=
ſonſt
vergeben worden, nur mit der Verpflichtung, mit
denſelben zu züchten, wozu wiederum die Vaterhunde gra=
tis
geſtellt werden, zwei Welpen abzugeben und die Tiere
jagdlich zu führen. Durch dieſe Einführung hat die Zucht
und Führung des Gebrauchshundes in Heſſen einen be=
deutenden
Aufſchwung genommen, viel Geld bleibt im
Lande, die heſſiſchen Förſter haben wieder gute Hunde
und die heſſiſchen Jagden und Jäger haben ebenfalls=
Vorteile davon Bei der diesjährigen Verbandsjugend=
ſuche
am 17. April in Gernsheim erhielt ein Zuchtprodukt
des Heſſiſchen Jaadklubs den erſten Preis und wurde durch
einſtimmigen Beſchluß der Preisrichter dem Großh. Mini=
ſterium
für die obengenannte hohe Auszeichnung emp=
fohlen
.

* Die Orrsgruppe Darmſtadt des Reichsverbands rei=
ſender
Gewerbetreibender Deutſchlands hielt gelegentlich
der Frühjahrsmeſſe eine öffentliche Intereſſenten=
verſammlung
ab in ihrem Vereinslokal Schiller=
eck
, Marktplatz, die gut beſucht war. Von geladenen
Gäſten waren u. a. mehrere Stadtverordnete erſchienen.
Zur Verhandlung ſtand die Darmſtädter Meſſe und ihre
Begleiterſcheinungen. Vorſitzender Levi hatte hierzu das
Referat und betonte die Mißſtände, die gelegentlich der
Meßplätzevergebung obwalten, und fand in ſeinen Aus=
führungen
Beifall. Kollege Hoffmann, Schriftführer, be=
ſprach
im allgemeinen die Mißſtände bei der Verſteigerung
und kam auch auf das ſchöne Ausſehen der Darmſtädter
Spätjahrsmeſſe 1913 zu ſprechen, und fand mit ſeinen
Ausführungen lebhaften Beifall. Kollege Kappes führte
aus, daß die Meßplätzeverſteigerung nicht vorgenommen
würde, indem die Stadt Plätze aus der Hand ver=
gibt
, und fordert in ſeinen Ausführungen, die Stadtver=
waltung
möge mehr Meßſtandplätze verſteigern. Kollege
Schäfer betont, daß die Reſolution vom Jahre 1913 für
ihn eine derartige Wirkung gehabt habe, daß er für ſeinen
Standplatz, für den er früher 5 Mark zahlte, heute 56 M.
bezahlen muß. Kollege Levi kommt nochmals auf die
Platzvergebung zu ſprechen, rügt das einſeitige Vorgehen
der Stadtverwaltung und berechnet den Ausfall von zwer
Plätzen, die aus der Hand vergeben wurden, auf je=
weils
1000 Mark pro Jahr. Kollege Levi betont noch
die Platzvergebung des Obſt= und Gemüſemarktes, wie
die Handhabung der Vergebung zu Gehäſſigkeiten
unter den Steigerern führte; der eine hat den Platz
aus der Hand, der andere mußte ihn ſteigern. Wegen die=
ſer
Frage wird ebenfalls ein Geſuch eingereicht werden.
Es meldeten ſich noch zum Wort: Calley, Böhme, Kappes,
Grünebaum, Stier, Poth. Rück, Kegel und Jung. Es
wurde hierauf eine Reſolution angenommen, die Stadt=
verwaltung
möge in Zukunſt ſämtliche Plätze für Luſt=
barkeitsgeſchäfte
, Schau= und Verkaufsbuden verſteigern,
ohne Ausnahme, wie in früheren Jahren. Nach dieſen
Ausführungen ergriff Herr Stadtverordneter Saeng
das Wort und führte aus, daß die geäußerten Anregun=
gen
unterſtützt würden. Nach Erledigung interner Ange=
legenheiten
wurde die Verſammlung mit einem Dank an
die erſchienenen Stadtverordneten geſchloſſen.
* Hiſtoriſcher Verein. Der für Samstag, den 9. Mai,
angeſetzte Ausflug nach Mönchbruch und Haßloch muß
wegen des ſchlechten Wetters bis auf weiteres verſchoben
werden.
* Der Kirchengeſangverein der evangeliſchen Paulus=
gemeinde
hält am 19. Mai ſeine Hauptverſammlung ab.
(Näheres ſiehe Anzeige in dem heutigen Blatte.)
* Der Frauenverein der Guſtav Adolf=Stiftung
wird demnächſt, wie alljährlich, eine Verloſung veran=
ſtalten
. Der Verkauf der Loſe, à 20 Pfg., hat bereits be=
gonnen
und es iſt zu wünſchen, daß dieſelben im In=
tereſſe
der guten Sache raſchen Abgang finden. Die
Ausſtellung der Gewinne iſt, wie ſeither, im Alten Palais
am Luiſenplatz, Eingang im Hof ebner Erde im Haupt=
bau
, am Sonntag, den 17. Mai, nachmittags von
36 Uhr, und Montag, den 18. Mai, vormittags von
1012½ Uhr und nachm. von 36 Uhr. Zu dieſen Stunden
werden dort auch Gewinne dankend entgegengenommen
und Loſe verkauft. Die Gewinnummern werden am
Samstag, den 23. Mai, im Darmſtädter Tagblatt be=
kannt
gemacht; die Gewinne nur am Montag, den 25.,
und Dienstag, den 26. Mai, von 10 12½ Uhr und
nachmittags von 36 Uhr im Ausſtellungsraum verab=
reicht
. Gewinne, welche an dieſen beiden Tagen, zur
beſtimmten Zeit nicht abgeholt werden, verfallen dem
Verein.
* Von der Meſſe Man ſchreibt uns: Der lange Jo=
ſeph
bildet nach wie vor einen Hauptanziehungspunkt
der Meßbeſucher. Man muß ihn geſehen haben, den frü=
heren
Reiſebegleiter des Kaiſers, den langen Joſeph.
Intereſſant iſt es, zu hören, wenn er von den Reiſen er=
zählt
, die er im Gefolge des Kaiſers gemacht hat, und auf
denen er überall den auswärtigen Herrſchern vorgeſtellt
wurde. Der lange Joſeph iſt ein ſſchmucker Burſche,
ſeine Wiege ſtand in M=Gladbach. Niemand ſollte ver=
ſäumen
, dieſen Rieſengardiſt ſich einmal anzuſehen, der
die größten normalen Menſchen unter ſeinen Armen hin=
wegſpazieren
läßt, als ſeien ſie Kinder.
§ Milchreviſionen. Während des Monats März
ſind durch die hieſige Polizei 2820 Milchreviſionen vor=
genommen
worden. Hierbei wurden ſechs Proben teils
wegen Waſſerzuſatz und teils wegen zu geringem Fett=
gehalt
beanſtandet und dem chemiſchen Unterſuchungs=
amt
zur Unterſuchung übergeben. Infolge dieſer Bean=

Feuilleton.

Perlenkriſe. Es iſt kein Zweifel mehr: die
Allſtämdler, die in den letzten Jahren infolge der
eillſteide und der damit verbundenen gewaltigen Preis=
igtlng
der Perlen Millionen und Abermillionen ver=
zengonnten
, gehen ſchweren Zeiten entgegen. Die Per=
nhälſteerung
iſt im Abflauen, die ſchönen Käuferinnen,
ein Halsband oder eine beſonders ſchöne Perle
illmßt antaſiepreiſe bezahlten, ſind ſeltener und zurück=
Illel geworden, kurz, die Mode ſteht an einem Wende=
unDie
erſte Wirkung dieſer Wandlung hat ſich be=
itsAſliend
gemacht: die Perlenpreiſe ſinken mit einer
erafſt beängſtigenden Schnelligkeit, und wer ſich noch
orage Jahren einen koſtbaren Perlenſchmuck kaufte.
irdlihy rmit dem Gedanken vertraut machen müſſen, daß
ineßats heute bereits um ein Drittel weniger wert iſt
salt twei Jahren und vermutlich noch weitere Wert=
nbuß
errleiden wird. Auf dem Pariſer Perlenmarkt, der
n ferdes letzten Jahrzehntes neben London eine maß=
ebei
Stellung eroberte, herrſcht tiefe Niedergeſchlagen=
eitp
zu kommt, daß eine Reihe führender engliſcher
ankluſer beſchloſſen hat, die von ihnen beliehenen Perlen
Midieeren, ſo daß in der nächſten Zeit das Ueberan=
ebolſſoch
ſteigen wird, vielleicht zum Entzücken der
ra eeinſtweilen aber zum Entſetzen der Händler.
ineler maßgebnden, großen Pariſer Perlenhändler ver=
fenüht
im Journal einen recht trüben Zukunftsausblick.
eſi man wird die Perlen immer lieben; und ihr Wert
arſs Schwankungen unterworfen, Schwankungen, die
egelaßig wiederkehren. Aber man muß eingeſtehen, daß
eiälige Baiſſe wirklich beunruhigenden Charakter an=
enolten
hat. Die Urſachen dieſes heftigen Preisrück=
anſind
mannigfacher Art. Perlen ſind ein Lurus=
gelſind
, Perlen werden nur mit überſchüſſigem Geld
kauf Im September 1912, unmittelbar vor Beginn des
alklſtrieges, erreichten die Perlen ihren höchſten Preis=
indlie
wurden nahezu doppelt ſo hoch bezahlt wie im
ahmgo8. Und beſonders die größeren Perlen, die
erlſporn mehr als vier Karat, erzielten ſtattliche Preiſe.
asehrt e dazu, daß die Händler zu ſpekulieren begannen
ndlſiße Einkäufe machten, ſo daß die Lager jetzt über=
illitd
. Dazu traten die Folgewirkungen des Krieges,
eAltellärte politiſche Lage, die Depreſſion des Geld=
a
Die Folgen treten jetzt zutage: im Verlaufe eines

einzigen Jahres iſt der Wert der ſchönen Perlen um 20
bis 25 Prozent geſunken. Der Jahreszufluß von Perlen,
die in den Handel kommen, erreicht zurzeit nahezu 80 Mil=
lionen
Mark. Als 1908 eine Perlenkriſe drohte, konnte das
Verhängnis durch große Ankäufe abgewendet werden: aber
damals betrug der Wert der Jahresernte halb ſoviel wie
heute. Dazu kommt, daß nur allzuviel Privatleute, die
vor 8 Jahren zu billigen Preiſen Perlen erwarben, ihre
Schätze verkaufen, weil ſie noch immer dabei große Ver=
dienſte
verzeichnen können. Damit wächſt die Summe der
angebotenen Perlen immer mehr. Das Ergebnis iſt, daß
wir in den nächſten Monaten, zur Freude der Damenwelt,
eine wahre Perlenüberſchwemmung auf dem Juwelier=
markt
erleben werden und daß man dann Gelegenheit
haben wird, Perlen zu Preiſen zu kaufen, die vorausſicht=
lich
tief unter dem Normalwert ſtehen werden.
C Die Zeit des Fliegenkrieges. Mit dem Heran=
nahen
der warmen Sommermonate wird die ſeufzende
Menſchheit wieder Opfer einer Plage, die Jahr um Jahr
unausrottbar wiederzukehren ſcheint und unter Umſtänden
ſelbſt das langmütigſte Temperament an die Grenzen der
Geduld treiben kann; die Fliegen kehren wieder, laden ſich
zum Mittagstiſch auf der Veranda taktlos zu Gaſte und
vergeſſen auch nicht, den Mittagsſchlaf bedächtiger Bürger
mit ſurrendem Summen und Landungen an Ohr und Naſe
ihrer Opfer zu würzen. Allein wie heiter der ſelige Wil=
helm
Buſch auch die kleinen Tücken der Fliege beſungen
hat, dieAngelegenheit hat auch ihre ernſteSeite, und immer
wieder nimmt die Wiſſenſchaft die undankbare Pflicht auf
ſich, die Allgemeinheit zu warnen und zum Kampfe gegen
das ſcheinbar ſo harmloſe kleine Inſekt aufzurufen. In
einer intereſſanten neuen Veröffentlichung der Cambridge
Univerſity Preß beſchäftigt ſich der engliſche Hygieniker
Graham=Smith mit der Stubenfliege und den geſundheit=
lichen
Gefahren, die ſie auf Schritt und Tritt gegen ihre
geduldigen Gaſtgeber, die Menſchen, ausſät. Man weiß,
daß es die Fliege mit der Reinlichkeit nicht allzu genau
nimmt und mit Behagen auf den widerlichſten Stoffen
und Abfällen einherſtolziert, um ſich dann wieder, mit den
mannigfachſten Krankheitsſtoffen bedeckt. auf den Speiſen
niederzulaſſen, die auf der Tafel des Menſchen erſcheinen.
Dabei ſondern ſie auch Säfte aus ihren Verdauungs=
organen
ab die für den Menſchen nicht zu unterſchätzende
geſundheitliche Gefahren mit ſich bringen. Die Fliegen
verfügen über eine Art Verdauungsſack, den alle flüſſigen
Nährſtoffe durchlaufen, ere ſie ihren Kreislauf durch den

geſamten Verdauungsorganismus der Fliege antreten.
Wenn die Fliege nun härtere Nahrungspartikel zu ſich
nehmen will, pflegt ſie dieſe zäheren Leckerbiſſen vorher zu
erweichen. Das geſchieht in der Weiſe, daß die Fliege aus
ihremVerdauungsſack einenTropfen der dort angeſammel=
ten
flüſſigen Nahrung ausſondert, gleichſam erbricht. Die
mikroſkopiſche Forſchung hat nun erwieſen, daß dieſe Aus=
ſonderungen
faſt immer, oder jedenfalls ſehr häufig, anſtek=
kungsfähige
Bazillen und Krankheitskeime enthalten. Wei=
tere
Bazillen ſät die Fliege mit ihren Beinen und ihren
Exkrementen aus und wiſſenſchaftliche Verſuche haben ge=
zeigt
, daß die auf dieſe Weiſe in die menſchlichen Wohnun=
gen
und auf die menſchlichen Nahrungsmittel verpflanzten
Krankheitsſtoffe wochenlang fortleben und ihre Anſtek=
kungskraft
bewahren. Und zwar hat ſich gezeigt, daß auf
dieſe Weiſe ſowohl Typhus wie Cholora, chroniſche Diarr=
höe
, ägyptiſche Augenkrankheit, Furunkuloſe, Schwind=
ſucht
, Diphtherie und Pocken auf den Menſchen über=
tragen
werden könen. Außerdem hat man in derartigen
Ausſonderungen der Fliegen auch die Eier von Paraſiten
feſtgeſtellt, die bei gewiſſen Darmkrankheiten als Urſache
auftreten.
Die Schwierigkeiten, die ſich einer durchgreifenden Aus=
rottung
der Eindämmung der Fliegenplage entgegen=
ſtellen
, ſind größer, als der Laie das gewöhnlich annimmt.
In Amerika und in England hat man Verſuche mit einem
fliegentötenden Pilz, der Empuſa muscge, angeſtellt, aber
die dabei erzielten Reſultate haben ſich als nicht zufrieden=
ſtellend
erwieſen. Das beſte und wirkſamſte Mittel gegen
die Fliegen und deren Fortpflanzung bleibt einſtweilen
die peinlichſte Reinlichkeit. An dem Tage, da die Fliegen
keine in Fäulnis übergegangenen organiſchen Stoffe mehr
vorfinden, in denen ſie ihre Eier niederlegen können, an
jenem Tage wird das Geſchlecht der Hausfliegen ausge=
rottet
und die Menſchheit um einen läſtigen Störenfried
und einen tückiſchen Feind ärmer ſein.
* Der Schatz im Sofa. Eine überraſchende Entdeck=
ung
machte der Wäſchereibeſitzer V. in Köpenick. Vor etwa
20 Jahren hatte V. aus dem Nachlaß eines alten Geizhalſes
für wenige Mark ein altes Sopha erſtanden. Als dies
nun einer gründlichen Renovierung unterzogen wurde,
entdeckte man, im Innern verborgen, eine Ledertaſche, die
n Pergamentpapier eingehüllt war. Die Taſche enthielt
eine Anzahl von Tauſendmarkſcheinen, die ſämtlich gut er=
halten
ſind. Jedenfalls hatte der frühere Beſitzer aus
Furcht vor Dieben den Schatz im Sofa verſteckt.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer

ſtandungen und zwecks Aufklärung des Sachverhalts
war die Erhebung von drei Lieferproben und einer
Stallprobe erforderlich. Zehn Liter gewäſſerte Milch
wurden dem Verkehr entzogen.
* Konzerte. Ludwigshöhe. Mit Rückſicht auf
die Rote Kreuz=Feierlichkeiten beginnt das morgige Kon=
zert
der Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 um
4½ Uhr. Bei ungünſtiger Witterung findet Streichmuſik
in den Sälen ſtatt. Das Programm iſt dem Geſchmacke
des Publikums angepaßt. (Siehe Anzeige.)

Die Veranſtaltungen des Roten Kreuzes.

* Es ſei hier auch nochmals ausdrücklich auf die Ver=
anſtaltungen
im 4. Bezirk hingewieſen. Das Programm
für den Feſtabend in der Turnhalle am Woogs=
platz
, der unter der Leitung des Herrn Kapellmeiſters
Richard Lert ſteht, iſt erſtklaſſig. Wer wollte es ſich entge=
hen
laſſen, Freiherrn von Wolzogen zu hören, der den von
ihm verfaßten Prolog ſelbſt ſpricht. Die meiſterhaften
Leiſtungen der Gattin des Dichters, Elſa Laura Freifrau
von Wolzogen, die Deutſche Volkslieder zur Laute vor=
trägt
, ſind bekannt. Auserleſene Perlen der Geſangs=
und Vortragskunſt bieten auch unſere trefflichen Künſtle=
rinnen
und Künſtler vom Hoftheater, Hofopernſängerin
Hede Schaub, Hofſchauſpielerin Käthe Schneider=Gothe,
Kammerſänger Alfred Stephani, Hofopernſänger Georg
Becker, Hofopernſänger Otto Semper und Hofſchauſpieler
Bruno Harprecht. Daß der Mozart=Verein, unter
Leitung ſeines trefflichen Dirigenten, Kapellmeiſter Reh=
bock
, erſtklaſſiges leiſtet, iſt weit über Darmſtadts Gren=
zen
hinaus bekannt. Auch ſind Vorführungen der Turn=
gemeinde
Darmſtadt, die ſtets zu den beſten zählen,
eingeflochten. Die Feſtrede wird in bekannter Meiſterſchaft
Profeſſor Kißner halten. Die Kapellen der beiden Dra=
gonerregimenter
werden das Programm mit ihren Darbie=
tungen
würdig umrahmen. Nach Schluß desſelben iſt
Tanz. Der Konzertflügel iſt von der Firma A. W. Zim=
mermann
, hier, unentgeltlich zur Verfügung geſtellt. Auch
ſei hier nochmals auf die Promenadekonzerte im 4. Be=
zirk
hingewieſen, die, wie folgt, ſtattfinden: Sonntag, den
10. Mai: Auf dem Marktplatz von 11½ bis 1 Uhr vormit=
tags
; auf dem Kapellplatz von 3½ bis 4½ Uhr, und auf
dem Platz an der Inſel (Altſtadt) von 4½ bis 5 Uhr nach=
mittags
.
Das Martinsviertel iſt unſtreitig in Bezug auf
die Veranſtaltungen am Samstag beſonders gut bedacht
worden. Die Feier im Mathildenhöhſaal bringt, wie bekannt,
ein glänzendes Programm, auch in der nahe gelegenen
Turnhalle am Woogsplatz wird nur vorzügliches geboten.
So ſteht denn auch der Verkauf der Karten für dieſe Säle
nicht zurück gegenüber denjenigen für die anderen Lokale.
Die Plätze ſind faſt ausverkauft. Wer noch nicht mit Kar=
ten
verſehen iſt, möge ſich deshalb umgehend ſolche be=
ſorgen
. Sie ſind zu 3, 2 und 1 Mark. ſowie zu 30 Pf. im
Verkehrsbureau erhältlich. Bezüglich der Promena=
dekonzerte
am Sonntag dürfte intereſſieren, daß
auch hier bei der Ausloſung der Kapellen dem nördlichen
Stadtbezirk das Glück beſonders hold war. So wird
denn von ½12 bis 1 Uhr auf dem Schloßgartenplatz unter
Leitung von Obermuſikmeiſter Hauske die Kapelle des
Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115 konzertieren.
Zugleich iſt Gelegenheit gegeben, ſich die im Prinz
Georgs=Palais gegenüber der neuen kath. Kirche befind=
liche
Großh. Porzellan=Sammlung anzuſehen. Die Be=
ſichtigung
kann gegen den üblichen Eintrittspreis von 10
Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags ſtattſinden. Der
Erlös wird der Sammlung überwieſen. Nachmittags läßt
von ½3 bis 4 Uhr die Kapelle Weber (61er Artillerie)
auf dem Riegerplatz ihre Weiſen hören. Sicherlich kann
von einer ſtiefmütterlichen Behandlung des Martinsvier=
tels
bei dieſer Gelegenheit nicht geſprochen werden und iſt
wohl auf eine rührige Beteiligung der Bevölkerung zu
hoffen.
Ein Kaffeekonzert auf deem Heiligen
Kreuz veranſtaltet aus Anlaß der Sammlungen zum
Beſten des Roten Kreuzes der 5. Bezirk ( Mathilden=
höhe
) am Sonntag nachmittag. Das Konzert findet, dies mag
beſonders betont werden, bei freiem Eintritt ſtatt, doch
werden, wie auch bei den übrigen Veranſtaltungen, junge
Damen Poſtkarten, Fähnchen uſw. verkaufen. Hoffentlich
hat das Wetter bis zum Sonntag ein Einſehen, damit der
mit dem Konzert verbundene wohltätige Zweck in ausgie=
bigſtem
Maße erreicht wird. Im übrigen ſei auch noch
auf die Veranſtaltung im Mathildenhöhſaal am heutigen
Samstag abend 8½ Uhr hingewieſen, das einen auserle=
ſenen
Kunſtgenuß verſpricht. Die beliebteſten Kräfte un=
ſeres
Hoftheaters, die Liedertafel und die Turngeſellſchaft
haben ſich für die gute Sache zur Verfügung geſtellt und
werden mit ganz beſonderen künſtleriſchen Gaben auf=
warten
.
Mme. Nofru= iſt durch die Rekonſtruktion an=
tikker
Tänze, ſpeztell altägypliſcher, berühmt geworden.
Durch ein intenſives Studium am Kgl. Aegyptiſchen Mu=
ſeum
zu Berlin, der Sammlungen des Sonore und der
wiſſenſchaftlichen Publikationen wurde ſie die Wiederbele=
berin
altägyptiſcher Kultur. Als ſie nach jahtelangen
Vorbereitungen vor den Aegyptologen und Wiſſenſchaft=
lern
Berlins debütierte, errang ſie nicht nur die vollſte An=
erkennung
, ſondern wirkte in mancher Hinſicht bahnbre=
chend
in der ägyptologiſchen Wiſſenſchaft. Sie iſt Verfaſſe=
rin
verſchiedener antiker Dramen und wird auch an die=
ſem
Abend eine Szene aus dem altägytiſchen Drama
Echnaton aufführen; voraufgehen werden ein griechiſcher
Mänadentanz und ein Mantelſpiel in antiker Faſſung. Als
Vorbild für das letztere dienten die bekannten Tanagra=
Terrakotten und Vaſenbilder. Die in ihren farbenpräch=
tigen
Bühnenbildern vorkommenden Dekorationen, Ko=
ſtüme
uſw. ſind getreue Nachbildungen von Originalen,
der in den Muſeen Europas befindlichen Sammelſtücke.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

* Reſidenztheater am weißen Turm. Die Di.
rektion hat ſich bereit erklärt, einen Teil der Geſamteinnah=
men
von heute und morgen zum Beſten des Vereins
vom Roten Kreuz zu ſtiften. Auf vielſeitigen Wunſch
wird der durch ſeine großartige Aufnahme bekannte Film
Das Märchenfeſt beim kleinen König vom Juni 1913
als Einlage vorgeführt. Die Vorführungszeit iſt auf 5,
7 und 9 Uhr feſtgeſetzt. Es muß doch für jeden Beteiligten
hochintereſſant ſein, wenn er ſich nach Jahresfriſt im Bilde
wiederſieht, und empfehlen wir den Beſuch des Theaters
ſchon der guten Sache willen auf das beſte. Das übrige
Programm iſt ſo geſchickt gewählt, daß auch der verwöhn=
teſte
Beſucher auf ſeine Koſten kommt. Ingomar III., der
Hauptſchlager, iſt ein äußerſt ſpannender Derektivroman
ſin drei Alten, dem ſich die Geſchichte einer Ehe Neues
Glück, auch ein Dreigkter, anſchliest. Die herrliche Na=

turaufnahme auf der Elbe bei Dresden, die intereſſante
Wochenchronik müſſen genannt werden. Einige Hu=
moresken
und Komödien vervollſtändigen den Spielplan.

Offenbach, 8. Mai. (Schrecklich verbrannt.)
Von einem ſchweren Brandunglück wurden die Taglöh=
ners
=Eheleute Martin Schätzlein aus der Domſtraße 6 be=
troffen
. Als deren 12jährige Tochter Margarete geſtern
mittag auf einem Spirituskocher das Mittageſſen in Ab=
weſenheit
der auf Arbeit befindlichen Eltern wärmen
wollte, fiel dieſer um. Die Kleider des Kindes fingen als=
bald
Feuer, ſo daß es einer Feuerſäule glich. Auf die Hilfe=
rufe
des Kindes eilte der Stadtkaſſebote Theodor Schrau=
der
herbei, der auch die Flammen erſticken konnte. Dabet
zog er ſich einige Brandwunden zu. Das Kind wurde am
ganzen Körpor ſchrecklich verbrannt und in ſchwerverletz=
tem
Zuſtand im Krankenautomobil ins Städtiſche Kran=
kenhaus
gebracht. Der Zuſtand des Kindes iſt ſehr be=
denklich
.
Neu=Iſenburg, 8. Mai. (Seltſamer Tod.) Ein
15jähriges Mädchen wurde unter beſonderen Umſtänden
ins Krankenhaus eingeliefert, wo es bald ſtarb. Da man
im Körper der Toten Gift vorfand, ſo rechnet man da=
mit
, daß an dem Mädchen möglicherweiſe ein Verbrechen
begangen worden iſt.
Mainz, 8. Mai. (Die Stadtverordneten=
wahlen
.) Bei lebhafter Beteiligung der Bürger ging
geſtern die zweite Wahl der Stadtverordneten vor ſich.
Gegen die am 4. Dezember 1913 ſtattgefundene Wahl war
bekanntlich Einſpruch erhoben worden, der zu einem neuen
Wahlgange führte. Während am 4. Dezember 10973
Wähler ihr Wahlrecht ausübten, waren es geſtern 12386
Wähler. Von dieſen gaben für die vereinigten bürger=
lichen
Parteien 4137 ungeſtrichene und 1523 geſtrichene
Wahlzettel und für die ſozialdemokratiſchen und fort=
ſchrittlichen
Kandidaten 6376 Wähler ungeſtrichene und
340 geſtrichene Wahlzettel ab. Die Kandidaten der letz=
teren
ſind alſo mit einer Mehrheit von rund 1000 Stim=
men
gewählt. Bei der am 4. Dezember 1913 abgehaltenen
Wahl wurden für die Kandidaten der vereinigten bürger=
lichen
Parteien 4421 ungeſtrichene und 333 geſtrichene
Wahlzettel und für die der Sozialdemokraten 5709 unge=
ſtrichene
und 333 geſtrichene Wahlzettel abgegeben. Ge=
wählt
wurden geſtern 16 Stadtverordnete. Als gewählt
ſind 6 volksparteiliche und 3 nalionalliberale Kandidaten
zu betrachten; ferner 7 Sozialdemokraten. Unter den
Nichtgewählten, die gleichzeitig aus dem Stadtverord=
netenkollegium
ausſcheiden, befinden ſich zwei Mitglieder
der neuen Fortſchrittlichen Volkspartei, Landtagsabgeord=
neter
Heerdt und Geheimer Juſtizrat Wolf, ferner dec
nationalliberale Hotelbeſitzer Weißmüller. Die Wahl hat
inſofern prinzipielle Bedeutung, als nunmehr im Stadt=
haus
der Linksliberalismus mit den Sozialdemokraten die
gleiche Stimmenzahl (25) hat wie die rechtsſtehenden Par=
teien
. Das Stadtverordnetenkollegium ſetzt ſich nunmehr
zuſammen aus 10 Nationalliberalen, 14 Fortſchrittlern,
9 Zentrum, 2 Parteiloſe und 16 Sozialdemokraten.
Mainz, 8. Mai. (Vermißt.) Ein unbekannter
Schüler hat ſich hier am 6. ds. Mts. bei einem Bootsver=
mieter
im alten Winterhafen auf zwei Stunden einen
Rudernachen gemietet und iſt kurz vor Ablauf der zwei
Stunden mit dem Nachen aus dem Hafen verſchwunden,
vermutlich iſt er rheinabwärts gerudert. Der Schüler ſtellte
vorher bei dem Bootsverleiher ein Fahrrad nieder, das
hier im neuen Gymnaſium einem Schüler am 5. ds. Mts.,
vormittags, geſtohlen wurde. (Die Umbauar=
beiten
am Hauptbahnhof) bei der Münſterbrücke
nehmen jetzt rüſtig Fortgang. Bereits ſind mehrere Haupt=
bogen
der Bahnſteighalle aufgeſtellt. Die Konſtruktion
iſt etwas ſtärker als die alte gehalten und der obere Auf=
bau
mit den ſeitlichen Oeffnungen zum Abzug für Rauch
und Waſſerdampf wird gegen den früheren um 1,50 Meter
erhöht. Zu den Arbeiten iſt ein mächtiges, auf Schienen
fahrbares Gerüſt erbaut, welches zum Schutze der unten
verkehrenden Züge mit ſtarken Bohlen abgedeckt iſt. Die
Arbeiten zur Verlängerung der Münſterbrücke um etwa
20 Meter nach der Weſtſeite ſind jetzt auch begonnen wor=
den
, wobei mehrere tauſend Kubikmeter Erdmaſſen zum
Transport kommen. Die Münſterbrücke iſt an der Ar=
beitsſtelle
bis auf einen ſchmalen Weg mit den Gleiſen
der Dampfbahn eingezäunt und für den Verkehr mit ſchwe=
ren
Laſtfuhrwerken und Kraftwagen geſperrt.
Worms, 8. Mai. (Wieder geneſen.) Die Frau
des Möbelſabrikanten Meffert, die bei dem Automobil=
unglück
bei Rheindürkheim am 1. März I. J. ſo ſchwere
Verletzungen erlitten hat, daß man das Schlimmſte be=
fürchten
mußte, iſt erfreulicherweiſe wieder ſoweit herge=
ſtellt
, daß ſie am verfloſſenen Montag aus dem hieſigen
Städtiſchen Krankenhauſe, wo ſie ſich ſeit dem Unfall be=
findet
, entlaſſen werden konnte. (Tod auf
den Schienen.) Heute nacht zwiſchen 12 und 1 Uhr
wurde ein hier in der Eisbachſtraße wohnhafter Wirt
und Fabrikarbeiter auf dem Gleiſe der Staatsbahn
Worms-Ludwigshafen tot aufgefunden. Die Leiche
zeigte erhebliche Verletzungen am Kopf und den SSchultern,
das linke Bein war vollſtändig abgequetſcht. Zweifellos
hat ſich der Verlebte in ſelbſtmörderiſcher Abſicht vom
Zuge überfahren laſſen.
* Gießen, 7. Mai. (Die feierliche Beerdig=
ung
Dr. Egid Gutfleiſchs) erfolgte auf dem neuen
Friedhof. Der Sarg war von koſtbaren Kränzen verdeckt,
die von Stadt, Kreis und Provinz geſtiftet worden waren.
Nachrufe widmeten Juſtizrat Cauſé=Mainz, der Vor=
ſitzende
der Heſſiſchen Anwaltskammer, für die Gießener
Kollegen Geh. Juſtizrat Metz=Gießen. Oberbürgermeiſter
Keller=Gießen für die Stadt Gießen. Provinzial=
direktor
Geheimerat Dr Uſinger hob die Tätigkeit des Ge=
ſchiedenen
im Provinzialausſchuß Oberheſſens und
im Kreistage des Kreiſes Gießen hervor. Für
die Landesuniverſität überbrachte der Rektor, Pro=
feſſor
Dr. Eck, für die philoſophiſche Fakultät,
deren Ehrendoktor Gutfleiſch war, Prof. Dr. Horn die letz=
ten
Grüße. Landtagsabg. Henrich=Darmſtadt ſchilderte
die Verdienſte des Verſtorbenen im Landtage. Stadtv.
Petri=Gießen ſprach für die Gewerbebank Gießen, deren
Aufſichtsratsmitglied Gutfleiſch geweſen iſt. Im Auftrag
der Fraktion der Fortſchrittlichen Volkspartei im heſſiſchen
Landtage ſprach Juſtizrat Grünewald=Gießen warme
Worte. Stadtv. Eichenauer=Gießen ſprach für den Verein
der Fortſchrittlichen Volkspartei des erſten heſſiſchen
Reichstagswahlkreiſes. Oberlehrer Michel für den Fort=
ſchrittlichen
Volksverein Worms. Direktor Baſtian für die
Heſſiſche Landeshypothekenbank.
* Bad=Nauheim, 8. Mai. (Die Großh. Kur=
kapelle
) unter Prof. Winderſteins Leitung (Leipziger
Philharmoniſches Orcheſter) hat für die kommende Saiſon
ein ſehr ausgewähltes, reichhaltiges Programm vorge=
ſehen
. Es werden außer dem laufenden Tagesprogramm
12 Sinfonie= und 8 Künſtlerkonzerte (Soliſten=Abende)
ſtattfinden. Für die letzteren ſind gewonnen Mme. Char=
les
Cahier aus München, Dr. Ludwig Wüllner ( Rezita=
tor
), Frl. Magdalena Heebe von der Dresdener Hojoper,

Joſeph Szigeti (Violine), Frau Elly Hogſtraaten (81
vier), Frl. May Peterſon von der Opéra comiqus
Paris. Dienstag, den 12. Mai, findet ein von Felix
Weingartner geleitetes großes Feſtkonzert ſtatt. Als So
wurde der Großh. Heſſ. Hofkonzertmeiſter Prof. Gu
Havemann gewonnen. Das Orcheſter beſteht aus
Künſtlern von der Großh. Hofkapelle Darmſtadt und
Großh. Kurkapelle Bad=Nauheim. Es kommen die
ſchütz=Ouvertüre von C M. v. Weber, das Violinkon
in G=dur von F. v. Weingartner, und die Sinfonie
(Eroika) von L. v. Beethoven zu Gehör. Während=
Bad=Nauheimer Woche (1. bis 7. Juni) werden die
Sinfonie von Beethoven mit Chor unter Leitung
Königl. Profeſſors Hans Winderſtein, ſowie Paria
der 137. Pſalm von Prof. A. Mendelſohn unter Leitm
des Komponiſten aufgeführt werden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 7. Mai. Der Streik
der Handelshochſchule dauert fort. Das Dozen
kollegium hat geſtern wieder ſtundenlang über die Sehl
lage beraten. Die Beſchlüſſe werden vorläufig gehe
gehalten. Der Voſſiſchen Zeitung zufolge wird vorg
ſichtlich die Aufſichtsbehörde in den nächſten Tagen ver
chen, den leidigen Zuſtand aus der Welt zu ſchaffen
Die Weinſtuben von Rudolf Dreſſel, Unter
Linden, ſind einſtweilen geſchloſſen. Den Anlaß hat=
ſeit
Wochen beobachteter übler Geruch gegeben, der
in einem Teil der Gaſträume dauernd bemerkbar macht
Wie die Bauwelt berichtet, iſt man bisher vergeblich
müht geweſen, die Urſache dieſes Geruchs, der an Jo
form oder Chloroform erinnert, feſtzuſtellen. Man
durch Lüftung und Heizung aller Räume den Geruch
beſeitigen geſucht, aber ohne Erfolg. Der Inhaber=
Firma, Ronacher, hat im vorigen Jahre einen Mietr
trag auf 10 Jahre abgeſchloſſen, zu einem Mietpreis v
100000 Mark jährlich. Im Vertrage iſt u. a. beſtimt
daß bei vorzeitiger Aufhebung des Vertrages 50000 M
bei der Kündigung und weitere 50000 Mark bei der Re
mung des Lokals zu zahlen ſind. Die Miete iſt bis
1. Juli bezahlt, ebenſo die erſten 50000 Mark als
ſtandsſumme. Nunmehr werden dieſe 50000 Mark
rückgefordert; ferner wird ein Schadenerſatz für entgan
nen Gewinn verlangt. Ein falſcher Krimina
beamter ſpielte einem durchreiſenden Galizier einen
gewöhnlichen Streich. An einen Arbeiter, der auf
Schleſiſchen Bahnhof in Berlin angekommen war, trat
Mann heran, gab ſich für einen Kriminalbeamten
und erklärte ihn für verhaftet. Der Galizier war ſich zu
keines Verbrechens bewußt, fügte ſich aber der Feſtnahe
und fand auch nichts dabei, daß ihn der vermeintliche
minalbeamte ſofort auf offener Straße viſitierte. Obl
Widerſtand ließ er ſich das Portemonnaie mit geringd
Inhalt, Uhr und Kette und die Ausweispapiere abn
men. Der Aufforderung, nach der Wache mitzukommc
folgte er um ſo lieber, als er hoffte, daß ſich dort baſ
alles auſklären werde. Als jedoch plötzlich der Beam
verſchwunden war, dämmerte es dem Reiſenden. Er ſellſt
ſuchte nun nach der Wache, fand ſie aber nicht, und land
ſchließlich in einem Lokal in der Nähe des Bahnhofs. Duſ
ſah er zu ſeiner freudigen Ueberraſchung den Krimin=
beamten
wieder. Bevor ihn dieſer noch erblickt hatte, em
fernte er ſich wieder, holte einen Schutzmann, und nm
mußte der Beamte nach der Wache. Dort entpuppte
ſich als der Arbeiter Franz Katſuba, der ſchon ſehr viel a
dem Kerbholz hat und deshalb auch aus Berlin ause
wieſen war.
Brandenburg, 7. Mai. (Unfall bei einer
ſchützübung.) Bei einer Uebung des Feldartillerie=
giments
Nr. 3 überſchlug ſich die Lafettee
Geſchützes und begrub einen Soldaten unter ſich. Der
dem Geſchütz ſitzende Kanonier Hennig wurde ſo ſch
verletzt, daß er auf der Stelle tot war. Der Kanont
Pede wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins
niſonlazarett gebracht. An ſeinem Aufkommen wied
zweifelt.
Dresden, 8. Mai. (Mord und Selbſtmolk
In der geſtrigen Nacht durchſchnitt der 29 Jahre alte
geriſt Max Schenk ſeiner drei Jahre jüngeren Frau
Kehle und tötete ſich dann ſelbſt. Offenbar iſt die Tat
beiderſeitigem Einverſtändnis geſchehen.
Köslin, 7. Mai. (Die Angelegenheit des
ſchen Bürgermeiſters Thormann=,
Alexander) wird ſich vermutlich noch längere Zeith
ziehen, ehe es zur Verhandlung kommt. Infolge dern
in der Schwebe befindlichen Ablehnung ſämtlicher
ner Richter kann die Vorunterſuchung materiell nicht
führt werden. Der Magiſtrat zu Köslin hat
gegen ſeinen ehemaligen zweiten Bürgermeiſter einen Za=
lungsbeſehl
in Höhe von 800 Mark beantragt, mit der
hauptung, Thormann habe dieſen Betrag in amtlich
Eigenſchaft einem Architekten Johannſen behufs Zahlm
bei der Stadtkaſſe angewieſen, aber ſelbſt behalten, inde
er fälſchlich eine Quittung anfertigte. Das Amtsgerle
Köslin hat den Zahlungsbefehl erlaſſen. Thormannhe
durch Rechtsanwalt Wahn, der mit Rechtsanwalt Ben
min die Verteidigung führt, Widerſpruch erheben laſſe
und beſtreitet entſchieden, den Betrag erhalten zu habe
Es ſoll ſich um die Bezahlung eines Projektes fürd
Kösliner Jugendheim handeln, welches im Jubiläum=
jahr
1916 fertiggeſtellt werden ſollte. Inzwiſchen hat
Ehefrau Thormann die Anſechtungsklage gegenübers
Eheſchließung angeſtrengt und die Zivilkammer
Landgerichts Köslin hat jetzt einen Beſchluß erlaſſen,d
dem Thormann die Verfügung über das Vermögen
Ehefrau unterſagt und ihm die Nutznießung entzieht.
Schwerin, 8. Mai. (Für den Bau des neue
Reſidenzſchloſſes,) das bekanntlich vor einige=
Monaten durch eine Feuersbrunſt eingeäſchert wur
ſind die Vorbereitungen in vollem Gange. DieVon
Großherzog ernannte Schloßbaukommiſſion hat berei=
zur
Gewinnung von Motiven eine Anzahl hervorragende
Schloßbauten beſichtigt. Jetzt hat ſie eine Reiſe naes
Dänemark angetreten, um an den dortigen Königsſchlö
ſern ebenfalls Studien zu machen. Nach alledem zu
teilen, wird das neue Reſidenzſchloß ein impoſanter
werden.
Prag, 7. Mai. (Die Demonſtrationende
tſchechiſchen Handelsakademiker,) welc
durch den Selbſtmord des Handelsſchülers Hajek veru=
ſacht
wurden, haben ſich heute in verſtärktem Maße wie=
derholt
. An dem Demonſtrationszuge beteiligtenie
über 800 Schüler und Schülerinnen. Tauſende von Men
ſchen bildeten in den Straßen Spalier. Die Polizei has
umfaſſende Sicherheitsmaßregeln getroffen. Profeſſo
Liebeſchein, dem die Schuld an dem Vorkommnis zugeſch
ben wird, hat ſeine Lehrtätigkeit eingeſtellt.
Peſt, 7. Mai. (Ein Kilogramm Zyankalige
ſtohlen.) Heute wurde in einem Bureau der Cunan
Line ein Paket mit einem Kilogramm Zyankall
geſtohlen, das ein Beamter des Geographiſchen Inſtils
für dieſes Inſtitut beſorgt und nur einen Moment in

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Nkummer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Seite 5.

Mmannten Bureau auf das Fenſterbrett gelegt hatte. Die
Alzzei forſcht eifrig nach dem verſchwundenen Paket, deſ=
IInhalt zur Tötung von 1000 Menſchen aus=
ct
.
Ferrara, 7. Mai. (Unfall.) Als die Brüder Meſ=
auf einem Motorrad vom Flugplatz, wo ſie den Flü=
ſtneines
italieniſchen Fliegers beigewohnt hatten, nach
aara zurückkehren wollten, ſtürzten ſie mit dem Rade
ein Brückengeländer und ertranken.
Paris 8. Mai. (Das Odeon=Theater) wird am
lrten Montag wieder eröffnet werden. Es heißt,
ldie dieſem Theater gewährte Jahresunterſtützung von
000 auf 300000 Franken erhöht werden wird.
Wondon, 7. Mai. (200000 Ulſtergewehre ge=
len
.) In dem iriſchen Städtchen Moville in der
llaſsſchaft Donegal wurde geſtern nacht die Exerzierhalle
lUlſter=Freiwilligen von iriſchen Nationaliſten erbro=
ln
Den Ulſterleuten wurden 200000 der unter ſo ro=
Unttiſchen Umſtänden eingeſchmuggelten Gewehre ge=
r
bt. Als die Mannſchaften heute früh zum Morgen=
ſil
antreten wollten, fanden ſie die Gewehrläufe auf der
ſſhoſtraße liegen. Die Nationaliſten hatten die Schäfte
pftſchlagen und verbrannt.
Mondon, 7. Mai. (Bei der Verſteigerung der
ſrnmlung von Dresdener Porzellan) in
frfſties Auktionslokal erzielte ein Tafelaufſatz, der eine
ſige Schale mit chineſiſchen Figuren darſtellt, den höch=
ſſſt
bisher gebotenen Preis von 25740 Mark.
Petersburg, 8. Mai. (Der frühere ruſſiſche
ſpriſul in Frankfurt a. M., Baumgarten,) der
eeinem Jahr wegen Unterſchlagung von Mündelgeldern
ſeäner Gefängnisſtrafe verurteilt worden war, iſt geſtern
ſend im Gefängnis geſtorben.

Parlamentariſches.

St. Der geſtrigen Sitzung des Finanzaus=
huſſes
der Zweiten Kammer wohnten die Vertreter
P Finanzminiſteriums bei. Der Ausſchuß beſchäftigte
Zunächſt mit der Vorlage, betr. die Dienſtbezüge der
ſinimunalforſtwarte. Durch das Geſetz vom 17. Januar
) wurde das Gehalt der Kommunalforſtwarte dahin
ſpergelt, daß ſie im allgemeinen 70 Prozent der Gehalte
efſtaatlichen Forſtwarte erhalten ſollen. Die Vorlage
ſflangt dieſen Prozentſatz berechnet nach der neuen Be=
ſſdtngsordnung
. In dem Finanzausſchuß wurde dar=
ſiet
verhandelt, ob nicht eine vollſtändige Gleichſtellung zu
ſtenchen angebracht ſei. Die Regierung machte demgegen=
ſiet
geltend, daß die damalige Feſtſetzung auf 70 Prozent
uf Grund langer Kompromißverhandlungen erfolgt ſei.
ſſan habe ſich damals entſchloſſen, an den 70 Prozent feſt=
ſhürlten
, wenn auch die dienſtliche Tätigkeit und die Vor=
ſſſelldung
der Kommunalforſtwarte, ſoweit ſie voll be=
lättigt
ſind, die gleiche iſt, wie bei den Domanialforſt=
ſurten
. Der Finanzausſchuß rechnet zunächſt die in der
ſtoldungsvorlage feſtgeſetzte Alterszulage von 200 Mark
lie ſſtaatliche Forſtwarte den Dienſtbezügen der Kommu=
ſiltorſtwarte
hinzu, ſo daß auch dieſe nach 21 Dienſtjahren
200 Mark erhalten. Weiter hält es der Ausſchuß für
ſtrichtfertigt, die Bekleidungszulage den Kommunalforſt=
ürrten
ebenfalls zukommen zu laſſen. Die Abſtimmung
ſtrüber, ob die 70 Prozent beizubehalten ſeien, wurde zu=
ſtchſſt
ausgeſetzt, um Gelegenheit zu geben, in den Frak=
hren
dazu Stellung zu nehmen.
Dann behandelte der Ausſchuß die Regierungsvorlage,
r den Verkauf des Senßfelder Hofgutes. Die Regie=
uia
erklärte, daß ſie weder einen Verkauf an die Ge=
ſtinde
, noch an ein privates Konſortium beabſichtige, ſon=
ſirns
eine öffentliche Verſteigerung in Ausſicht genom=
ſin
habe. Dieſer Stellungnahme der Regierung wurde
ſſſähitig zugeſtimmt, und dieſe Art der Verwertung vom
luſſchuß als die richtige bezeichnet. Allerdings wurden
ſia gegen die Verwendung des Erlöſes Bedenken er=
bien
, weil der Verſteigerungserlös zum Ankauf von Ge=
nie
für das Großherzogliche Familieneigentum ver=
erdet
werden, alſo dem Domänenakquiſitionsfonds zu=
jeizen
, und damit der Einwirkung der Stände, wenig=
lins
hinſichtlich der Subſtanz des Vermögens, entzogen
Es ſollen noch von der Regierung Erkundigungen
ſtrüber eingezogen werden, wie hoch ſich der Verſteige=
ſſingserlös
etwa berechnen könne.
Der Antrag des Abg. Dr. Boxheimer betr. die
ranziehung des Fiskus zu den Koſten der Waſſergenoſ=
ſikhaft
Lampertheim und Bürſtadt, für das Waldgelände
ſiotſcher und Bürſtädter Wald), wurde abgelehnt, nach=
Im die Regierung durch ihre forſtwirtſchaftlichen Räte
rgelegt hatte, daß die Entwäſſerung des Lorſcher Waldes
ſſuem Vorteil nicht bringe.
Die Regierungsvorlage, betr. die Anſtellungsverhält=
ſſſi
= der heſſiſchen mittleren Eiſenbahnbeamten, wurde als
nwankenswertes Entgegenkommen der preußiſchen Eiſen=
hrtverwaltung
gegenüber den heſſiſchen Beamten be=
lüßt
. Nach der Vorlage ſoll nicht, wie ſeither, eine be=
immte
Anzahl von Stellen für heſſiſche Beamten vorbe=
ſilien
ſein, denn dieſes hatte, beſonders in der letzten Zeit,
rFolge, daß die heſſiſchen Beamten weit länger als die
ſterßiſchen auf Anſtellung warten mußten. Der preu=
ſſſchge
Eiſenbahnminiſter macht Heſſen vielmehr das An=
kieten
, daß die Anwärter heſſiſcher und preußiſcher
ſusgorien gleich behandelt und ihrem An=
änterdienſtalter
entſprechend, in einer gemeinſamen An=
ſſtäntterliſte
vereinigt werden ſollen. Der Finanzausſchuß
ignüßt dieſes Entgegenkommen als für die heſſiſchen An=
ſänter
außerordentlich vorteilhaft und genehmigte es ein=
immmig
. Es ſoll aber noch der Wunſch angefügt werden,
ß den Beamten, die früher der Penſionskaſſe der heſ=
ſſchen
Ludwigsbahn angehört haben, aber nachher aus=
ſchieden
ſind. die Zeit der Angehörigkeit zur Penſions=
:als penſionsfähige Dienſtzeit angerechnet werden
ſöchte.
Ein Antrag des Abg. Grünewald hatte zum
ſegenſtand, Material über die Belaſtung des Immobilar=
riehrs
durch Stempelkoſten vorzulegen. Nachdem die
ſegtierung dieſes Material vorgelegt hat, wird der Antrag
r erledigt erklärt.
Die nächſte Sitzung findet erſt übernächſte Woche ſtatt.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 8. Mai. Präſident Dr. Kaempf
köfffnet die Sitzung um 10 Uhr 20 Minuten. Eingegan=
iſt
die Vorlage eines Geſetzentwurfes auf
ufbeſſerung der Bezüge der Altpenſio=
llämre
und Althinterbliebenen.
Auf der
agzesordnung ſtehen zunächſt
Anfragen.
Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr. Volkspt.)
agt: Iſt es richtig, daß zur Verhütung von Ehen von
friſtlichen Negermädchen mit nichtchriſtlichen Männern in
iner Miſſionsſtation in Deutſch= Oſt=
frrika
die Verhängung der Prügelſtrafe gegen größere,

das heißt, heiratsfähige Mädchen angewendet wird, und
was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um dieſen
Mißſtänden ein Ende zu machen? Direktor im Reichs=
kolonialamt
Dr. Gleim: Ueber die in der Anfrage er=
wähnten
Vorgänge iſt bisher amtlich hier nichts bekannt
geworden. Nach deutſch=oſtafrikaniſchen Zeitungsnach=
richten
ſoll auf einer Miſſionsſtation allerdings eine der=
artige
Prügelſtrafe an größeren heiratsfähigen Mädchen
vollzogen worden ſein. Nach derſelben Quelle ſoll aber
auch die zuſtändige Rechtsſtelle dagegen eingeſchritten ſein.
Ueber dieſe Angelegenheit iſt vom Gouverneur in Dares=
ſalam
ein Bericht eingefordert worden. Sollte ſich die
Tatſache bewahrheiten, ſo wird Vorſorge getroffen wer=
den
, daß Wiederholungen ſolcher Verſtöße gegen geſetzliche
Beſtimmungen vorgebeugt wird. (Beifall.)
Abg. Wendel (Soz.) fragt: Iſt dem Herrn Reichs=
kanzler
bekannt, daß bei einer im Eispalaſt veranſtalteten
theatraliſchen Aufführung des Hilfsbundes gegen
die Fremdenlegion, die in Frankreich große Miß=
ſtimmung
erregt hat, aktive Angehörige des deutſchen Hee=
res
in Uniform mitgewirkt haben, und was denkt er zu
tun, um ſolchen Vorkommniſſen in Zukunft vorzubeugen?
Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Lewald:
Nach den vorläufigen amtlichen Erkundigungen hat der
Hilfsbund gegen die Fremdenlegion am 30. April 1914
im Eispalaſt in der Lutherſtraße ein Wohltätigkeitsfeſt
veranſtaltet, bei dem unter Nr. 5 des Programms ein
vaterländiſches Ausſtattungsſtück Die Wacht am Rhein
in der Form lebender Bilder dargeſtellt wurde. Ent=
ſprechend
den beſtehenden militäriſchen Grundſätzen ha=
ben
die zuſtändigen miltäriſchen Stellen auf ein Geſuch des
Hilfsbundes den ſich dazu freiwillig meldenden Mann=
ſchaften
geſtattet, in den Bildern, deren näherer Inhalt
nicht bekannt war, mitzuwirken. Bei dieſen Bildern, von
denen zwei mit der Fremdenlegion in Zuſammenhang
ſtehen, ſind Angeſtellte des Eispalaſtes in einer der Uni=
form
der Fremdenlegion ähnlichen Uniform aufgetreten.
Die Reichsleitung hat bereits in der Vergangenheit darauf
hingewirkt, daß bei öffentlichen Aufführungen die ( Ver=
wendung
derartiger, zu bedauerlichen Mißverſtändniſſen
Anlaß gebenden Uniformen unterbleibt. Sie wird aus
Anlaß des vorliegenden Falles erneut und allgemein ſich
angelegen ſein laſſen, ſoweit die geſetzlichen Beſtimmun=
gen
eine Handhabe dazu bieten, entſprechend zu verfah=
ren
. Die franzöſiſche Regierung hat analoge Maßnahmen
hinſichtlich der Verwendung von deutſchen Uniformen bei
Aufführungen in Frankreich getroffen. (Beifall.)
Hierauf wird das Aufwandsentſchädigungs=
geſetz
(Unpfändbarkeit der Familienentſchädigung) ohne
Debatte in dritter Leſung angenommen. Die
zweite Leſung des Militäretats
wird fortgeſetzt. Abg. Gothein (Fortſchr. Volkspt.):
Dem Sanitätsoffiziermangel kann man nur dadurch bei=
kommen
, daß man den Aerzten die Studienzeit oder einen
Teil derſelben auf die Penſionsfähigkeit anrechnet. Das
Preſſe=Referat müſſen wir bewilligen, wenn auch einmal
Mißbräuche vorkommen mögen, das kann uns von der Zu=
ſtimmung
nicht abhalten. Auch uns liegt das Schickſal der
verabſchiedeten Offiziere ſehr am Herzen. Sache des
Reiches iſt es aber nicht, eine Stelle im Kriegsminiſterium
zu ſchaffen, durch die den Kaufleuten eine Konkurrenz
ſeitens der verabſchiedeten Offiziere entſteht. Der Bun=
desrat
ſollte nicht den Mut beſitzen, hier zu behaupten,
daß religiöſe Rückſichten bei Offiziers= und Reſerveoffi=
ziersernennungen
nicht ausſchlaggebend geweſen ſeien.
Warum gibt man keine Statiſtik über jüdiſche Reſerve=
offiziere
? Die Verfaſſung wird ſeit 1885 ſyſtematiſch ver=
letzt
. Wo iſt in einem Reichsamt noch ein Herr, der ſei=
nem
Bekenntnis nach Jude iſt. Ich erhebe die Anklage,
daß dieſe Stellen die Verfaſſung dauernd verletzen.
(Glocke. Vizepräſident Dove: Ich bitte Sie, ſich zu
mäßigen. Heiterkeit.) Jüdiſche Offiziere haben ſich in
den früheren Kriegen ſehr wohl bewährt. Die Militär=
verwaltung
dürfte nicht die Hand dazu bieten, auf die Ju=
den
einen Makel zu werfen und ſie von dem verfaſſungs=
mäßigen
Recht auszuſchließen. Wir verlangen, daß Ge=
rechtigkeit
beſtehen bleibt und die Verfaſſung reſpektiert
wird. (Beifall.)
Abg. Graf v. Weſtarp (Konſ.): Der Abgeordnete
Dr. Liebknecht will in ſeiner antimilitariſtiſchen Propa=
ganda
nicht gegen das Militär, ſondern gegen den militari=
ſtiſchen
Geiſt vorgehen. Dieſe Unterſcheidung erfordert
Verſtändnis für die Rabuliſtik einer Talmudlogik. Die
Sozialdemokratie will das ſtehende Heer beſeitigen und es
durch eine Miliz erſetzen. Damit will ſie auch die mon=
archiſche
Grundlage unſeres Heeres beſeitigen. Es iſt
lediglich ein Spiel mit Worten, wenn man ſagt, wir be=
kämpfen
nicht das Heer, ſondern den Militarismus. An
dem Recht des Königs auf Ernennungen und Entlaſſung
von Offizieren müſſen wir unbedingt feſthalten. (Sehr
richtig!) Wir wollen die alte und perſönliche Treue zum
König erhalten. Wird die Mitwirkung des Parlaments
und die Verantwortung der Miniſter eingeführt, ſo wäre
das eine ſchwere Erſchütterung einer unſerer wichtigſten
Grundlagen des Staatsweſens. (Lebhaftes Bravo.) Die
Kaſernenpropaganda wird von der offiziellen ſozialdemo=
kratiſchen
Parteileitung abgelehnt, weil ſie ſich dadurch
ſchwer ſtrafbar machen würde und auch unſere milde und
manchmal ſchwächliche Handhabung der Strafgeſetze würde
ein ſolches Vorgehen doch ſchwer fühnen. (Lebh. Hört,
Hört bei den Soz.) Sie wollen dem Rekruten bei ſeinem
Eintritt das ganze Militär verekeln und damit den mili=
täriſchen
Geiſt zerſetzen und zermürben. Unſere Wünſche
gehen dahin, daß nicht nur für die Mannſchaften, ſondern
auch für die Offiziere geſorgt wird. In der Fürſorge für
die Angehörigen des Heeres laſſen wir uns von niemand
ibertreffen. Ernſte Aufgabe für die Militärverwaltung iſt
s, neben dieſer poſitiven Fürſorge alles zu tun, um die
antimiltariſtiſche Propaganda von der Armee fernzuhalten.
Das Heer muß frei bleiben von der Sozialdemokratie, da
muß mit Stärke und Entſchiedenheit vorgegangen wer=
en
. Im Falle Stöcker iſt durchaus das Richtige getrof=
fen
worden; denn die moraliſche Vorbedingung für treue
Dienſtleiſtung muß unter allen Umſtänden aufrechterhalten
bleiben. Wir begrüßen die nationale Jugendbewegung
ind haben die Hoffnung, daß der Kriegsminiſter ſie ſtets
fördern wird. Ebenſo ſehen wir die Kriegervereine als
Stätten an, in denen männlicher Geiſt, Gehorſam und Diſ=
ziplin
aufrechterhalten wird und dieſe wollen wir fördern.
(Lebhafter Beifall.)
Abg. Rupp=Marburg (Wirtſch. Vereinig.): Schon
wiederholt iſt hier darauf hingewieſen worden, daß die
Entſchädigungen für Manöverſchäden und Vorſpanndienſte
gleichmäßig behandelt werden müſſen. Nach dem jetzigen
Modus ſind die Landwirte benachteiligt. Bei der Beur=
aubung
der Soldaten müſſen Ungerechtigkeiten und Härten
vermieden werden. Wünſchenswert iſt auch, daß die Kon=
trollverſammlungen
nur einmal jährlich ſtattfinden. Bei
der Vergebung von Arbeiten ſollte die Militärverwaltung
den berechtigten Wünſchen der Handwerker entgegenkom=
men
. Was die jüdiſchen Offiziere betrifft, ſo erkennen
ſelbſt die Juden an, daß die Fähigkeiten der jüdiſchen Mit=
bürger
auf anderem Gebiete liegen.

Abg. Frhr. v. Scheele (Welfe): Die Altpenſionäre
müßten mehr berückſichtigt werden als bisher. Um den
Mißhandlungen vorzubeugen, ſollte man Offiziere und
Mannſchaften aus dem gleichen Landesteil wählen. Der
Wehrverein ſtellt eine falſche Rechnung auf, wenn er auch
die franzöſiſche Kolonialarmee oder die aſiatiſch=ruſſiſchen
Truppen in Vergleich ſtellt zu unſerer Kriegstruppe. Dieſe
Nachbarländer können ihre entfernt liegenden Gegenden
nicht von Truppen entblößen.
Kriegsminiſter v. Falkenhayn: Ich habe den
Wehrverein nicht verteidigt. Ich habe nur die Heeresver=
waltung
gegen Verſuche verteidigt, ſie zur Einwirkung auf
den Wehrverein zu gebrauchen. Von den Sozialdemo=
kraten
wird empfohlen, unſer Heer zu einem Milizſyſtem
auszubauen. Unſer Heer beruht im weſentlichen auf der
Grundlage des Milizſyſtems, darauf, daß jeder waffen=
fähige
Mann auch waffenpflichtig iſt. Wenn dieſes Ideal
nicht erreicht wird, ſo liegt das an den uns auferlegten
Beſchränkungen. Der Uebergang aus dem Friedens= in
den Kriegszuſtand, die Mobiliſierung erfolgt beim Miliz=
ſyſtem
langſamer, als bei unſerem Syſtem und dem Syſtem
unſerer Nachbarn, mit denen wir hoffentlich noch lange
nicht mit einem Konflikt zu rechnen haben werden. Deutſch=
land
iſt infolge ſeiner militäriſchen, geographiſchen, poli=
tiſchen
und auch wirtſchaftlichen Lage unbedingt gezwun=
gen
, mit Blitzesſchnelle die Offenſive zu ergreifen und
demnach Truppen haben muß, die Rückſchläge vertragen
können. Irgend welche finanzielle Erleichterungen durch
das Milizſyſtem ſind für uns in Deutſchland nicht zu er=
hoffen
, im Gegenteil, es ſind Erſchwerungen zu erwarten.
Ein ſolches Experiment würde für Deutſchland unheilvoll
ſein. (Sehr richtig.) Aus militäriſchen Gründen kann
dies nicht empfohlen werden, auch nicht aus politiſchen,
denn dieſe haben das Ganze des Vaterlandes im Auge.
Es geſchieht lediglich aus Parteirückſichten, um den Ein=
fluß
der Parteien zu heben, verſucht man, die Stütze des
Staates zu erſchüttern. Deshalb legt man die Axt an die
Wurzel der Macht des Reiches. (Sehr wahr rechts, Un=
ruhe
bei den Soz.) Ein ſolches Beginnen iſt verwerflich.
Unſere Nachbarn verlingern die Dienſtzeit; ihre Cadres
der erſten Linie ſind bei ihnen weit mehr verſtärkt als bei
uns. Da muß ich ein ſolches Anſinnen geradezu unbe=
greiflich
nennen. (Zurufe.) Theoretiker und Fanatiker
vertreten ja manchmal unbegreifliche Dinge. (Sehr
richtig rechts. Ironiſche Rufe bei den Soz.) Unſer geſun=
des
Volk wird ſich auf die Dauer nicht in den Bann dieſer
Anſchauungen ſpannen laſſen. Der Tag wird ſchon an=
brechen
, wo es ſich keine Phantaſtereien und Hirngeſpinſte
mehr vormachen laſſen wird. Was die Nichtbeförderung
von Iſcaeliten anlangt, ſo hätte der Abg. Gothein auch
die Aeußerung des Herrn v Einem zitieren ſollen, daß
der Zuſtand, daß ſchon ſeit langen Jahren kein iſraeliti=
ſcher
Soldat, auch wenn er ſonſt tüchtig iſt, zum Unteroffi=
zier
befördert wurde, gegen die allerhöchſte Beſtimmung
verſtößt. Daß der gegenwärtige Zuſtand im Reiche von
den Iſraeliten bellagt wird, wird jeder begreifen. Auch
ich beklage ihn. (Hört, hört!) Indeſſen handelt es ſich um
einen tatſächlichen Zuſtand. Daß er verfaſſungswidrig iſt,
muß ich zugeben, nicht aber, daß er durch irgend welche
verfaſſungswidrige Maßnahmen veranlaßt und aufrecht
erhalten wird, das beſtreite ich. Es kann kein Zweifel
beſtehen, daß ein Iſraelit, ſobald er die für alle Reſerve=
offizieraſpiranten
ganz gleichmäßig vorgeſchriebenen Be=
dingungen
erfüllt, anſtandslos zum Offizier befördert
werden würde. (Lachen bei den Soz.) Was die Jugend=
bewegung
anlangt, ſo hat von ſozialdemokratiſcher Seite
ein Abgeordneter darüber geſprochen, der im vorigen
Jahre ſagte: Es wäre beſſer geweſen, ich wäre 100 Jahre
früher geboren worden. Ich verſtehe den Wunſch. ( Hei=
terkeit
.) Auch ich wünſchte es. Ich hätte heute lieber zu
Füßen Fichtes geſeſſen und deſſen von glühender Vater=
landsliehe
getragenen Reden hören mögen, als jetzt Reden
anhören zu müſſen, denen dieſe Eigenſchaft fehlt, um ſie
ſchmackhaft zu machen. Ich wäre lieber mit Frieſen und
Körner hinausgezogen zum offenen Kampf gegen den
Dämon, der damals das Vaterland erdroſſeln wollte, als
heute Redeübungen halten zu müſſen. Das kann keinem
unangenehmer ſein als mir ſelbſt. (Große allgemeine
beiterkeit.) Wenn mich etwas tröſten kann, ſo iſt es der
Blick auf die Jugendbewegung. Sie hat das Gefühl, daß
wieder ein Dämon an der Arbeit iſt, das Vaterland zu
unterwühlen; ſie iſt nicht gewillt, die Ideale, die ſeit Jahr=
hunderten
die deutſchen Herzen erfüllten, von Hämiſchen
in den Staub ziehen zu laſſen. Es iſt das der Dämon
des verſchwommenen Weltbürgertums, des unklaren In=
ternationalismus
und Materialismus. Die Jugend be=
ginnt
ſich dagegen zu wehren und macht ihr Naturrecht
geltend an der Freude für das herrliche Land das ihr
durch Verunglimpfung verekelt werden ſoll. Sie ſtärkt
durch Wanderungen, Sport und Spiel Körper und Seele,
ſie verlacht die falſchen Propheten der internationalen Ver=
brüderung
. Sie befindet ſich auf dem Weg zum alten
deutſchen Ideal: zur Armee. Hätten wir dieſe Jugend=
bewegung
nicht, ſo müßten wir ſie ſchaffen, ſie gehört zur
Armee und die Armes zu ihr.
Generalmajor Wild v. Hohenborn: Der Krieger=
verein
mit der Artilleriemuſik nahm an der Veteranen=
beerdigung
nicht teil, weil ein Kranz, der von der wel=
fiſchen
Partei ſtammen ſollte, der Muſik vorangetragen
werden ſollte. Dieſe vermeintliche Demonſtration wollte
der Vorſitzende nicht dulden; da der Sohn des Verſtor=
benen
nicht damit einverſtanden war, den Kranz hinterher
tragen zu laſſen, kam es leider dazu, daß der Kriegerver=
ein
abrückte. Generalmajor Freiherr v. Langermann
und Erlenkamp: Die Veteranenfürſorge iſt Sache
der Landesbehörde, alſo des Miniſteriums des Innern.
Sie dem Kriegsminiſterium zu übertragen, ſcheint nicht
zweckmäßig zu ſein. Damit muß ſich Freihere * Scheele
an eine andere Adreſſe wenden.
Abg. Schöpflin (Soz.): Das ſchweizeriſche Miliz=
ſyſtem
iſt nicht ganz das Ideal, das wir uns von einem
Milizheer machen. Mit unſerem Streben, das Heerweſen
zu ändern, wollen wir nicht, wie der Kriegsminiſter meinte,
die Art an die Wurzel der Macht des Reiches legen. Die
Konſervativen ollten doch nicht ſo ſchroff gegen die Juden
vorgehen. Wollen ſie denn behaupten, daß in alten ade=
ligen
Familien rein ariſches Blut fließt?
Abg. Dr. Müller=Meiningen (Fortſchr. Vpt.):
Den Gegenſatz, jüdiſches und deutſches Volk, der erſt von
Kollegen Rupp hier konſtruiert worden iſt, muß ich zurück=
weiſen
. Darauf, was getan wird, um den verfafſungs=
widrigen
Zuſtand gegen die Juden zu beſeitigen, hat der
Kriegsminiſter keine Antwort gegeben. Für den Krieg
gibt es jüdiſche Offiziersaſpiranten, aber nicht für den
Frieden, in dem eine geſellſchaftliche Gleichſtellung erfolgen
könnte. Das Kriegsminiſterium lehnte eine Einmiſchung
in die Agitation des Wehrvereins ab. Das iſt eine Sym=
pathieerklärung
für dieſen Verein. Es muß eine parla=
mentariſche
Kommiſſion eingeſetzt werden, um dem unhalt=
baren
Zuſtand entgegenzutreten, der bezüglich der Zuſtän=
digkeit
des Kriegsminiſteriums und des Militärkabinetts

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127.

beſteht. Das läßt ſich aber nicht durch ſchöne Worte aus=
drücken
, ſondern einzig und allein durch Taten.
Abg. Gröber (Ztr.): Der Reichstag hat wiederholt
Reſolutionen angenommen in der Richtung, daß irgend
eine Zurückſetzung beim Militär aus politiſchen oder reli=
giöſen
Gründen nicht ſtattfinden ſoll. Der Bundesrat
antwortete darauf, daß aus religiöſen Rückſichten keine
Zurückſetzung ſtattfindet. Ja, weny es nur das wäre, dann
konnten wir durchaus zufrieden ſein. Daß überhaupt keine
Juden fähig wären, eine Reſerveoffiziersſtelle einzuneh=
men
, kann doch kein Menſch mit Ernſt behaupten. Wir
müſſen verlangen, daß das Duellgeſetz noch vor Schluß
der Seſſion erledigt wird.
Kriegsminiſter v. Falkenhayn: Wenn auch nicht
ausführlich, ſo habe ich doch in meinen Ausführungen
über die Befugniſſe des Militärkabinetts und des Kriegs=
miniſteriums
rechtliche Geſichtspunkte dargelegt. In
Preußen muß der Zuſtand maßgebend ſein, wie er bei Ein=
führung
der Reichsverfaſſung beſtanden hat. Damals be=
ſtand
keine Gegenzeichnung des Kriegsminiſters und ſo
wird es auch jetzt gehandhabt. Es handelt ſich bei der
Abgrenzung der Befugniſſe zwiſchen Militärkabinett und
Kriegsminiſterium nicht um Organiſationsfragen, ſondern
um den inneren Dienſt. Als Säulen und Grundlagen der
preußiſchen Armee habe ich die Verfaſſungsbeſtimmungen
bezeichnet, die dem König freie Verfügung über das Heer
innerhalb der Geſetze gibt und auf dieſem Standpunkt
werde ich ſtehen bleiben. Davon werde ich nicht zurückge=
hen
. (Bravo! rechts.)
Abg. Frhr. v. Scheele (Welfe): Ich möchte feſtſtellen,
daß der Kriegsminiſter bei der Verweigerung der militä=
riſchen
Ehren bei einem verſtorbenen Kriegskameraden wiſ=
ſentlich
falſch berichtet worden iſt. Der Herzog von Cum=
berland
hat den Kranz einem ehemaligen Regimentskame=
raden
geſtiftet. Von einem politiſchen Akt konnte keine
Rede ſein.
Die Generaldebatte iſt damit geſchloſ=
ſſen
. Titel 1 der Ausgaben (Gehalt des Kriegsminiſters)
wird angenommen, ebenſo eine Reſolution der Wirtſchaft=
lichen
Vereinigung auf Nachprüfung und Erhöhung der
Vergütungsſätze für Vorſpannleiſtungen für die bewaff=
nete
Macht, ferner eine Reſolution der beiden konſervati=
ven
Parteien, die neue Verhandlungen mit den verbünde=
ten
Regierungen über die gleichmäßige Ausdehnung der
Heer= und Marinedienſtzeit der Militäranwärter auf das
Beſoldungsdienſtalter in allen Bundesſtaaten wünſcht.
Ferner erſucht die Reſolution, dahin zu wirken, daß die
Vorſchriften hierüber bei den Kommunal= und ſonſtigen
Verwaltungen recht bald geſetzlich eingeführt werden.
Beim Titel Offiziere des Kriegsminiſterium hat die
Kommiſſion mehrere Offiziere geſtrichen, darunter die für
das Preßreferat in Ausſicht genommenen
Perſonen.
Abg. Dr. Oertel (konſ.) begründet einen Antrag
ſeiner Partei, der die Regierungsvorlage wieder her=
ſtellen
will, und führt aus: In der Forderung der
Wiederherſtellung des Preſſereferats werden wir von der
geſamten Preſſe unterſtützt. Es iſt nötig, daß auf die Be=
dürfniſſe
der Preſſe im Reichstag Rückſicht genommen wird
und die Preſſe hat bis jetzt auch ſtets bei dem Reichstag
Verſtändnis gefunden. Hoffentlich findet die Preſſe auch
bei dieſem Wunſche Gehör im Reichstag. Abg. Schif=
fer
(natl.): Auch wir wollen, daß die Preſſe gut und
ſchnell informiert wird und zu dieſem Zweck iſt eine enge
Verbindung zwiſchen Preſſe und Verwaltung notwendig.
Im Intereſſe der Preſſe iſt die Annahme der Regierungs=
vorlage
wünſchenswert. Abg. Stücklen (Soz.): Wir
haben uns gegen die Auskunftsſtelle als ſolche nicht ge=
wandt
, ſondern nur gegen die vom Kriegsminiſter gefor=
derte
Vermehrung, zumal eine Beeinfluſſung der Preſſe
durch dieſe Stelle zu befürchten iſt. Abg. Lieſching
(Fortſchr. Volkspt.): Wenn wir auch gegen das Preſſe=
referat
als ſolches nichts einzuwenden haben, ſo wünſchen
wir doch, daß es nicht zu politiſchen Zwecken gemißbraucht
wird.
Kriegsminiſter v. Falkenhayn: Ich werde dafür
ſorgen, daß die Auskunftſtelle nicht zu Parteizwecken aus=
genützt
wird. Die Debatte ſchließt. Die Abſtimmung
wird einſtweilen ausgeſetzt.
Beim Titel penſionierte Offiziere uſw. hat die Kom=
miſſion
Abſtriche vorgenommen. Ein Antrag Baſſermann
(nat.) will die Regierungsvorlage wiederherſtellen. Der
Antrag wird abgelehnt und der Titel in der Kommiſſions=
faſſung
angenommen. Damit iſt die im Intereſſe der Zi=
vilverſorgung
der Offiziere zu errich=
tende
Auskunftsſtelle abgelehnt. Bei der
hierauf folgenden Abſtimmung über den Titel Offiziere
des Kriegsminiſteriums wurden ſämtliche Anträge abge
lehnt und der Titel in der Kommiſſionsfaſſung angenom=
men
. Das vom Kriegsminiſterium beantragte Preſſe=
referat
iſt ſomit abgelehnt. Dafür ſtimmen
die Konſervativen, die Freiſinnigen, ein Teil der Natio=
nalliberalen
und einige Mitglieder des Zentrums. Eine
Reihe weiterer Titel wird entſprechend den Kommiſſions=
beſchlüſſen
erledigt. Beim Titel Militärintendanturen
fragt Abg. Kunert (Soz.), wo die längſt verſprochene
Denkſchrift über die Reorganiſation der Militärintendan=
turen
bleibt und erklärt, daß ſeine Partei dieſe Poſition
ablehnen werde. Abg. Häusler (Zentr.): Auch ich
warte ſchon ſeit Jahren auf die Reform des Intendantur=
weſens
. Es iſt geradezu erſtaunlich, mit welcher Fixig=
keit
man bei uns mit großen Heeresvorlagen bei der Hand
iſt und wie langſam arbeitet die Heeresverwaltung, wenn
es ſich um die Reorganiſation eines ſo wichtigen Teiles
der Armee= wie es das Intendanturweſen iſt, handelt.
Wenn bei den vermehrten Heeresmaſſen in der Verpro=
viantierung
eine Stockung eintritt, dann iſt das ein großes
Unheil für die Armee. Abg. Werner=Hersfeld
(Wirtſch. Vgg): Auch ich bitte den Kriegsminiſter, recht
bald an die Reform des Intendanturweſens zu gehen.
Kriegsminiſter v. Falkenhayn: Daß ſich die In=
tendanturbeamten
eine höhere Bildung aneignen, iſt nur
wünſchenswert und die Ausbildung wird noch intenſiver
werden, wenn die Mittel, die in den Etat eingeſtellt
ſind, bewilligt werden. Daß der kommandierende Gene=
ral
Vorgeſetzter des Intendanten des Armeekorps in be=
zug
auf Kontrolle und Rechnungsführung ſei trifft nicht
zu. Der Intendant hat ſeinen beſtimmten Arbeitskreis.
Einer muß natürlich die oberſte Entſcheidung zu treffen
haben, und da ziehe ich es vor, daß dies der kommandie=
rende
General tut, der über die Bedürfniſſe der ihm un=
terſtellten
Truppenteile das klarſte Urteil fällen wird.
Die Ausführungen des Abg. Häusler über die Organi=
ſation
der Intendanturen hätte wohl gedrängter ſein
können. (Großer Lärm bei den Sozialdemokraten.) Das
ſollte kein Vorwurf ſein, ich ſagte es nur in bezug auf
ſeine früheren Ausführungen. In den Intendanturen
haben wir Männer, die die Verpflegung der Armee im
Kriege ſichern. (Lebhaſtes Bravo rechts.) Daß wir re=
formieren
können, wird nicht beſtritten, das beweiſt auch
die Denkſchrift, die in Vorbereitung iſt. Die Verpflegung
in Zukunft iſt eine ernſte und ſchwierige Aufgabe. Aber
ebenſo wenig iſt daran zu zweiſeln, daß wir, was in
Menſchenkräften ſteht, dafür geſorgt haben, daß unſere

Truppen in dieſer Beziehung keinen Mangel leiden wer=
den
. (Beifall.)
Abg. Häusler (Ztr.): Der Kriegsminiſter hat es
für gut befunden, mir Vorhaltungen zu machen über die
Länge meiner Ausführungen. Ich hätte gewünſcht, daß
auch er ausführlicher geweſen wäre. (Sehr gut!) Er hat
ſich, ohne auf meine Bemängelungen einzugehen, an
Kleinigkeiten gehalten, über die kein Wort nötig geweſen
wäre. Die Intendanturoffiziere ſind viel zu wenig als
Dolmetſcher ausgebildet. Gewiß haben wir in Deutſch=
land
genügend tüchtige Männer, die die Intendantur gut
beſorgen können, nur die Heeresverwaltung kennt ſie nicht.
Damit ſchließt die Debatte. Der Titel wird be=
willigt
. Es folgt das Kapitel Militärſeelſorge Abg.
Schultz=Erfurt (Soz.): Alle Konfeſſionen müſſen dienen,
auch Diſſidenten und Atheiſten. Da muß auch auf dieſe
Rückſicht genommen werden. Ein Zwang ſollte nicht aus=
geübt
werden und anſtelle der Vereidigung die Verpflich=
tung
treten, wie auch der Kaiſer einen derartigen Rekruten
durch Handſchlag verpflichtete. Generalmajor Frhr.
v. Langermann und Erlenkamp: Die Geiſtlichen
treten den Soldaten auch außerkirchlich nahe und ſind in
Freud und Leid ihr guter Freund und Kamerad. Ein
Zwang darf nicht eintreten, ebenſo wenig eine Proſeliten=
macherei
. Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt Kapitel
Militärjuſtizverwaltung Abg. Hofrichter (Soz.)
Die Beſtrafung wegen Fahnenflucht nimmt immer mehr
zu. Sie iſt meiſt die Folge von Mißhandlungen, das
beweiſt wieder, daß den Soldaten das Recht der Notwehr
gegeben werden muß. Generalmajor Freiherr von
Langermann und Erlen k am p: Die
Fälle von Fahnenflucht ſind nicht ſo erheblich,
wie der Vorredner angab. Bei den vorgekom=
menen
Fällen ſind aber nicht nur aktive Soldaten beſtraft
worden, ſondern auch Mannſchaften des Beurlaubten=
ſtandes
. Daß die Urſachen der Fahnenfluchtsfälle auf Miß=
handlungen
zurückzuführen ſeien, dafür iſt uns der Red=
ner
den Beweis ſchuldig geblieben. Die Zahl der Miß=
handlungen
iſt tatſächlich zurückgegangen.
Darauf wird vertagt. Nächſte Sitzung Sams=
tag
12 Uhr. Schluß ¼8 Uhr.

Von der Haſſia.

* Die Kriegerkameradſchaft Haſſſia verſendet ſo=
eben
ihren Jahresbericht über das 39, und 40. Verbands=
jahn
, der zugleich Feſtſchrift und Chronik zur Feier des
40jährigen Beſtehens der Haſſia bildet. Der Bericht ent=
hält
u. a. folgende bemerkenswerte Kundgebung des
1. Schriftführers Dr. Vogt:
Ein ernſtes Mahnwort ſoll es heute ſein, aus einer
Beobachtung heraus, die mich mit tiefer Trauer und
ernſter Beſorgnis zugleich für die Zukunft unſerer idealen
Beſtrebungen und Ziele erfüllt Wir in den Kriegerver=
einen
leben in der Zeit und müſſen mit ihr leben. Unſere
Daſeinsberechtigung hat ſich im Laufe der letzten Jahr=
zehnte
immer mehr daraufhin entwickelt, daß wir uns be=
trachten
als die hervorragendſte ſtaats= und monarchie=
erhaltende
Vereinsorganiſation im Reiche, d. h ein Ver=
einsweſen
, das mit dem gegenwärtigen Reichsgedanken
und =beſtand ſteht und fällt. Alle deutſchen Kriegerver=
bände
und mit ihnen ſämtliche bürgerlichen politiſchen
Parteien ſtehen auf einem gemeinſamen Boden, dem
Boden des Gottesglaubens, der Vaterlandsliebe und der
Fürſtentreue. Von dieſer Grundlage aus haben wir
unſere ſtaatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen, haben wir
uns ſelbſtverſtändlich auch politiſch zu betätigen.
Nun hat ſich in den letzten Jahren im parteipolitiſchen
Kampfe eine Gepflogenheit ich will den ſchlimmeren
Namen, den dieſe Handlungsweiſe eigentlich verdient, nicht
gebrauchen herausgebildet, die geeignet iſt, Verwirrung
und Zweifel in die Seelen unſerer Kameraden zu bragen,
und ſie ſchließlich irre zu machen an der ſoldatiſchen Ehr=
lichkeit
und Aufrichtigkeit unſerer Vereinsleitungen, aber
auch an dem Glauben an die jeweiligen Programme und
Grundſätze ihrer Parteien ich meine das unglückſelige
Paktieren mit der Sozialdemokratie. Wenn
ich oben das gemeinſame Fundament aller bürgerlichen
politiſchen Parteien kennzeichnete, ſo ſollte man doch mei=
nen
, daß alle dieſe Parteien für die Wahrung dieſes Fun=
damentes
, das der jetzigen bürgerlichen Geſellſchaft, dem
jetzigen Reichsbeſtand und ſeiner Verfaſſung die Exiſtenz
ſichert, ſolidariſch und ohne jegliches Wanken eintreten
müßten, gegenüber der Partei, die der Religion, dem
Vaterland und dem Thron als unverſöhnlicher Feind
gegenüberſteht, d. h. der Sozialdemokratie. Leider, leider
iſt dem nicht immer ſo, und ſtatt die feſtgefügte Front
gegen den gemeinſamen Gegner unter allen Umſtänden
einzuhalten, da wird im Kampfe der politiſchen Parteien
des Bürgertums untereinander in den letzten Jahren wie=
derholt
, ſei es direkt, ſei es indirekt, mit der Sozialdemo=
kratie
paktiert d. h. Vereinbarungen mit ihr getroffen,
im Intereſſe eines augenblicklichen Erfolges bei den Wah=
len
gegenüber Parteien des eigenen großbürgerlichen
Lagers. Mich däucht, daß dieſe Gepflogenheit einmal ſehr
kurzſichtig, zum anderen geradezu verwerflich genannt wer=
den
ſollte. Ich habe da keine bürgerliche Partei beſonders
im Auge, aber ich nehme auch keine aus, von der äußerſten
Rechten bis zur extremen Linken. Daß es den bürger=
lichen
Parteien bei dieſem Paktieren ſelbſt nicht wohl zu
Mute iſt, das beweiſen die Vorwürfe die eine der anderen
im gegebenen Falle nicht erſpart. Wohl mögen auch nicht
bei allen Pakten die leitenden Parteiführer im Spiele ſein,
oft ſind es lokale Frage oder perſönlicher Ehrgeiz, perſön=
liche
und lokale Streitfragen, Mandatshunger, Verärge=
rungen
uſw die zu der unnatürlichen Verbrüderung An=
laß
geben. Auch iſt ſie nicht immer offen und ehrlich zu=
geſtanden
, gar mancher falſche Händedruck findet im Ge=
heimen
ſtatt.
Ich kann keinen dieſer Beweggründe gelten laſſen.
Wer ſo kurzſichtig iſt, daß er glaubt, die Sozialdemokratie
würde für jede geleiſtete Wahlhilfe nicht ihre Rechnung
präſentieren, und zwar mit Zins und Zinſeszinſen, dem
iſt nicht zu helfen, der kennt dieſe Partei nicht. Wie oft
aber wird ſpäter die Zahlung der ſozialdemokratiſchen
Hilfe=Rechnung auf Koſten der eigenen Partei ecfolgen.
Iſt es menſchlich dann nicht begreiflich, wenn die im Ver=
ein
mit der roten Partei vordem bekämpfte bürgerliche
Partei dann nicht ſo eifrig in der Hilfeleiſtung iſt, wenn
es wieder gilt, das gemeinſame großbürgerliche Banner
zu verteidigen? Daß dieſer letztere Kampf aber kommt,
und kommen muß, daran kann doch ernſtlich niemand
zweifeln. Das Vaterland über der Partei zu dieſem
Grundſatze bekennen ſich alle bürgerlichen Parteien. Iſt
es dann aber nicht verwerflich, ja faſt ein Verrat am Vater=
land
, wenn ſich eine Partei mit einer Genoſſenſchaft auch
nur in loſer Form verbindet, die nachgewieſenermaßen für
das Vaterland nichts übrig hat, die alles, was uns lieb
und wert, heilig und teuer iſt, mit Füßen tritt? Wio leben
in und mit der Zeit, ſo ſagte ich. Wohl die meiſten Krie=
gervereinskameraden
ſind Angehörige einer bürgerlichen
Partei und wir hoffen, wünſchen und empfeglen es ibnen

jederzeit, ihre ſtaatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen=
Wir in der Haſſia, und mit uns alle deutſchen Bruderver= erheben aber bei jeder Wahl unſere warnende
Stimme gegen die Sozialdemokratie, und ich kann heuts
nur die dringende Bitte an Euch, meine lieben heſſiſchen
Kameraden, richten, wenn irgend eine Partei, der Ihr ans
gehört, Euch auffordert, mit der Sozialdemokratie gemein=
ſam
in den Wahlkampf oder gar für ſie einzutreten, daß
Ihr dann dieſen Euren Freunden die Heeresfolge vem
weigert. Dann handelt Ihr im Sinne Eucer Satzungg
der Ihr Euch freiwillig aus innerſter Ueberzeugung unters
geordnet habt, und getreu Enrem Fahneneide, dann han=
delt
Ihr rechtſchaffen.
Wohl liegt in dem Satze: Die Politik verdiebt dem
Charakter etwas wahres, indeſſen mögen ſich die mit den
ſozialdemokratiſchen Verbrüderung abfinden, die ihr Ge=
wiſſen
dadurch nicht beſchwert fühlen. In der Seeledes
ehrlich denkenden gemeinen Mannes muß es Verwierung
und berechtigte Zweifel erregen, wenn ihm heute auf dis
Sozialdemokratie hingewieſen wird als der ſchärfſten Geg=
nerin
unſerer religiöſen, vaterländiſchen und monarchiſchen
Ideale, die zu bekämpfen heilige Pflicht iſt und morgen
ihm empfohlen wird, ihr Hilfe und Heeresfolge als Bun=
desbruder
zu leiſten gegen eine andere Partei auf den
gleichen allgemeinen bürgerlichen Standpunkt wie ſeins
Partei. Glauben denn die Führer unſerer bürgerlichen
Parteien, daß ſie ihre eigenen Parteiangehörigen inde
Hand behalten, von ihrem Vertrauen getragen bleiben
wenn ſie ihnen zumuten, ſo leichthin von den Geundſätzen
abzuweichen, die in allen ihren Programmen an die Spitze
geſtellt ſind? Wird der ſchlichte Mann des Volkes nich
ſchließlich fragen: wo iſt die Wahrheit worin beſtehlt
denn jetzt die Gefahr, in der das teure Vaterland ſich dur
die Betätigung der Sozialdemokratie befinden ſoll?
dieſer einfache gerade Mann nicht denken, wenn uns unſen
Führer das Paktieren empfehlen, kann es doch nich
Schlimmes ſein. Nein, ich ſage, hüten wir uns vor dieſe
erſten Schritt auf dieſer ſchiefen Ebene. Iſt ſie betreie
iſt das Gewiſſen eingeſchläfert, dann wird es ſpäter ſchm
halten, vielleicht unmöglich ſein, die Parteidiſziplin
vaterländiſchem Sinne aufrecht zu erhalten. Solchen
teimachenſchaften ſollen unſere Kameraden ihren feſte
Willen mit einem unentwegten Nein entgegenſetzell
ſelbſt Manns genug zu ſein, um ſich darüber klar zu wel
den, daß es ſich mit unſerem Kriegervereinsgewiſſen nich
verträat, auch nur den Schein auf ſich zu nehmen, daß will
einer Partei dienen, die Unglauben, Vaterlandsverachtung
und Fürſtenhaß auf ihre Fahne geſchrieben hat.

Die Darmſtädter große Flugwoche,

Prinz=Heinrich=Flug 1914.

* Der Sieger im Sternfluge nach Monaco, der fran=
zöſiſche
Flieger Roland Garros, ſprach ſich, wohll
angeſichts der großartigen Flugleiſtung Helam
Hirths auf dieſem Fluge, über das deutſche Flugweſen
wie folgt aus: Ich bin überzeugt, daß die Deutſchen in
nächſten Jahre außerdem eine leichte Aviatik be=
ſitzen
werden, die im Gegenſatz zu der anderen die unſerigs
(franzöſiſche) zum Vorbild haben muß, die ihr aben
überlegen ſein wird, weil ſie methodiſcher, ſorg=
fältiger
und durch den Geſamtwillen des Landes
unterſtützt ſein wird.
Wer verkennt die Notwendigkeit, aus dem Urteil des
Gegners zu lernen? Um ſo mehr zu lernen, wenn es ſich
um das Urteil eines auch ſachlich maßgebenden Gegner
handelt, aus deſſen Ausſpruch die ſchlecht unterdrüc
Angſt klingt, die auch zum Warnruf für die franzöſ
Nation wird: Das deutſche Flugweſen ſetzt ſeinen Sieg
zug fort, es nimmt auch für ſich jetzt den Wahr= und Walll
ſpruch: Deutſchland in der Welt voran in
ſpruch. Noch aber iſt der Sieg nicht errungen, noch hei
es weiter arbeiten, weiter ſtreben mit der ganzen,
deutſchen Grundcharakterzug treffend verkörpernd
Zähigleit, Gründlichkeit und Ausdauer, ungeachtet
ſchweren Opfer an Leben und Gut, bis die deutſche Flie
kunſt ſieghaft iſt, keinen Gegner mehr zu fürchten h
Noch eins aber hat der Franzoſe mit Recht als die
gende Kraft unſeres Erfolges erkannt und es ſeiner
tion mahnend zugerufen: Unſere Flieger werden du
den Geſamtwillen des Landes unterſtühl
Das iſt eine unerläßliche Notwendigkeit. Wie der
ſamtwille der Nation, die allgemeine Opferfreudigkeit
ſere Lenkluftſchiffe nach Graf Zeppelins genialem Könn
und Wollen zum Siege getragen hat, ſo muß er auchd
deutſche Fliegkunſt zur Vollendung, zur Weltherrſch
tragen helfen. Und wie dort, ſo hier kann die Nation
nur und in erſter Linie durch Opferfreudigkei
Tagtäglich geben unſere Flieger reſtlos ihr alles,
Leben hin. Ohne Zaudern, nur beſeelt von dem feſte
ſtolzen Willen: Sieg dem deutſchen Gedankel
in der Welt ſetzen ſie ihr Leben ein. Niemand v
denen, die, in der Blüte ihrer Jahre ſtehend, zu kühneſ
Fluge ſieghaft zu den Wolken emporſteigen, kann wiſſeſ
ob er die Erde lebend wieder erreicht. Niemand abel
fragt darnach. Es gilt dem Vaterland, dem ſein Lebeſt
zu weihen des Soldaten freudiger Stolz iſt.
Wie klein iſt dagegen, was an Opfern ſonſt dem deil
ſchen Volke, der Allgemeinheit zugemutet wird.i
kleines Opfer an Geld nur, an Materiellem, das u
einmal leider nicht zu entbehren iſt im Kampfe
um die idealen Güter der Nation.
Unſerer ſchönen Heſſen=Reſidenz fällt die ſtoll
aber ſchwere Aufgabe zu, die größte deutſche Flugprüfun
den Prinz=Heinrich=Flug 1914, zu arrangieren
der hier ſeinen Anfang nehmen ſoll. Der Verein fül
Luftfahrt, der die Rieſenaufgabe übernommen, kann
unmöglich aus eigener Kraft. Er bedarf dringend derta
kräftigen und opferfreudigen Unterſtützung der i
wohner, an die er ſich jetzt mit einem Rundſchreihe
wendet, in dem es u. a. heißt:
Die Luftfahrt hat in den letzten Jahren in Deutſch
land einen ungeahnten Aufſchwung genommen. Wenn
uns früher Frankreich und England in bezug auf Flug=
zeuge
entſchieden überlegen waren, ſo haben deutſchel
Fleiß und deutſche Ausdauer, verbunden mit der Opfel=
willigkeit
des deutſchen Volkes, es fertig gebracht, daß wil
nunmehr auch mit unſeren Flugzeugen an erſter Stelle
ſtehen. Um die Leiſtungsfähigkeit der deutſchen Fluce
zeuge wieder zu erproben, findet der Prinz Heinrich=Fluc
als größte ſportliche Veranſtaltung auf dem Gebieteder
Luftfahrt im Mai ds. Js. ſtatt.
Es iſt unſerem Verein nach vielen Bemühungen und
unter großem Koſtenaufwand gelungen, den Beginndes
Prinz Heinrich=Fluges für Darmſtadt zu erreichen,
werden über 40 Flieger mit über 150 Bedienungsmann
ſchaften Anfang dieſes Monats hier in Darmſtadtein
treffen; die Veranſtaltungen ſelbſt finden am 15., 16. und
17. Mai ds. Js., alſo während dreier Tage, ſtatt. Hier=
ei
iſt reichlich Gelegenheit geboten, die Fortſchritte und
den heutigen Stand unſeres Flugweſens kennen zu lei
nen. Tauſende von Fremden werden an dieſen Taget

[ ][  ][ ]

ſtmmmer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Seite 7.

Darmſtadt kommen und es wird dadurch auch den
Atääiften Darmſtadts ein wirtſchaftlicher Vorteil erwach=
Wenn wir dieſe Veranſtaltung dem Anſehen der
Ed: Darmſtadt entſprechend würdig durchführen wollen,
ſſif fen wir aber bedeutender Mittel. Wir haben allein
ilie Oberleitung des Prinz Heinrich=Fluges 17500
abzuführen, ohne die enormen Koſten, die uns ſonſt
Et die Veranſtaltung entſtehen. Wir möchten daher
e die Bitte an Sie richten, unſere Beſtrebungen durch
A Beitrag zu unterſtützen und dadurch mit dazu beizu=
Aheri, daß Deutſchlands Flugweſen den errungenen guten
bbehält. Bei der Bank für Handel und Induſtrie,
Alrſt= und Depoſitenkaſſe, ebenſo bei ſämtlichen! Zei=
Aaredaktionen ſind Sammelſtellen errichtet. Wir ſind
gern bereit, jeden Betrag bei Ihnen abholen zu
r., wenn Sie uns dazu kurz auffordern.
Wir wünſchen der dringenden und berechtigten Bitte
lemr Erfolg. Die materielle Stärkung kann dem Verein
idurch Maſſenbeitritte zuteil werden. Durch
ein iſt Gelegenheit geboten, mit geringen Opfern die
Eh= der deutſchen Fliegkunſt zu fördern und jedes Mit=
ſd
erwirbt ſich gleichzeitig die Gelegenheit, allen Ver=
hartungen
unter weitgehenden Vorzugsbedingungen bei=
ſtehhnen
.

Luftfahrt.

Aus ruſſiſcher Gefangenſchaft zurück.
Berlin, 8. Mai. Geſtern abend um 7,25 Uhr ſind
in Rußland längere Zeit gefangen gehaltenen
ltiehen Luftſchiffer, der Ingenieur Hans Berliner und
ſſte Leidensgenoſſen Haſe und Nikolai, über Eydtkuhnen
nder in Berlin eingetroffen. Auf dem Schleſiſchen Bahn=
R, wo ſich einige Freunde der Luftſchiffer eingefun=
lhatten
, wurde während des Zugaufenthaltes eine
tzllichtaufnahme gemacht. Dann ging die Reiſe bis
Bahnhof Friedrichſtraße, wo die Herren von den
Ueliedern des Berliner Vereins für Luftſchiffahrt emp=
Arn wurden. Auch zahlreiche Freunde, Bekannte und
ſtwandte der Luftſchiffer hatten ſich eingeſtellt, und be=
Alleten den Ankommenden einen herzlichen Empfang.
Anln dreien ſieht man die überſtandenen Strapazen nur
lrig an. Berliner erklärte, daß das Kartenmate=
Ii! das er auf der Fahrt mit ſich führte, und auf das
ſ weſentlich die ruſſiſchen Behörden als Beweismittel
Aſlten, in jeder Buchhandlung käuflich ſei.
Aßen photographiſchen Apparat, der im Urteil erwähnt
Allden ſei, hätten ſie überhaupt nicht an Bord gehabr.
lrner erklärte, daß das Urteil der Sachverſtändigen,
oas hin ihre Verurteilung im weſentlichen erfolgte,
gänzlich falſchen Vorausſetzungen baſiere. Die Bal=
lfahhrt
wurde in der Nacht zurückgelegt. Eine Beobach=
lig
aus der Luft ſei alſo nahezu unmöglich geweſen.
rächtig ſei es den ruſſiſchen Behörden vorgekommen,
ſſie aus Unachtſamkeit über Straßen und Bahnver=
Altriiſſe einige Fragen geſtellt hätten. Der Ballon, der
Anr Werliner Verein für Luftſchiffahrt gehört, befindet ſich
üh in den Händen der ruſſiſchen Behörden.
Berlin, 8. Mai. Heute mittag ſchlug der Blitz
Alemen unbemannten Feſſelballon, mit dem
Telgraphenbataillon Nr. 5 bei Zoſſen eine Funker=
ſſirg
machte. Der Feſſelballon wurde zerſtört, Menſchen
eden nicht verletzt.

Turnen, Spiele und Sport.

Die Taunus=Höhenfahrt.
* Wiesbaden, 8. Mai. Heute morgen gegen 6 Uhr
rn hier der Start zu der Taunus=Höhenfahrt, deren
ſtangement der Wiesbadener Automobilklub aus Anlaß
Aſteis 10jährigen Stiftungsfeſtes übernommen hat. Die
Aſrs, welche als Zuverläſſigkeitsfahrt gedacht iſt, führt
Ahr die Strecke von Wiesbaden über Langen=
Aſpllbach. Naſſau. Montabaur. Diez, Niedern=
Aßſim, Königſtein, Bad=Homburg, Weilburg, Weilmün=
ſt
ieen Großen Feldberg nach der Platte bei Wieshaden.
ſder Fahrt nahmen 16 Fahrzeuge teil.
Der Preſſewagen verunglückt.
Wiesbaden, 8. Mai. Bei der Taunus= Höhen=
ſtt
kam ein mit Vertretern der Preſſe beſetztes Auto=
ppil
: in der Nähe von Langenſchwalbach infolge des
ſtüf frigen Weges ins Rutſchen und ſchlug um. Sämt=
n
Inſaſſen wurden herausgeſchleudert. Dabei kam der
Pfoedakteur der Rheiniſchen Volkszeitung Wiesbaden,
Geuleke, unter den Wagen zu liegen und wurde ſchwer=
Ableist in das Wiesbadener Krankenhaus gebracht. Wie
I ffeſtgeſtellt wurde, hatte Dr. Geuleke ſich ſchwere Rip=
Abrüche zugezogen. Das Automobil wurde total zer=
knmert
.

Gerichtszeitung

Leipzig, 8. Mai. In dem Spionageprozeß
en den früheren Volksſchullehrer Stroh wurde heute
mittag das Urteil gefällt. Der Angeklagte wird
Ihen Verbrechens gegen Paragraph 3 des Spionage=
Abtzes zu fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren
ſverluſt und Stellung unter Polizeiaufſicht verurteilt.
der Beweiserhebung ging hervor, daß der Angeklagte
Agenten eines fremden Spionagebureaus in Genf in
Abrndung geſtanden hat und von dieſen Geldbeträge
fungen hat. Zwei 15= bzw. 17jährige Burſchen, welche
Angeklagte zu verleiten verſuchte, ihm geheimzuhal=
be
Nachrichten zu übermitteln, veranlaßten ſeine Ver=
Aung. Bei der Hausſuchung in der Wohnung des An=
argten
wurde eine Karte von Straßburg beſchlagnahmt,
Awelche einige neue, geheimzuhaltende Feſtungswerke
Wezeichnet waren. Wie ſich herausſtellte, wollte Stroh
ſearte fremden Nachrichtenbureaus übermitteln.

Die Reiſe des Kaiſerpaares.

Karlsruhe 8. Mai. Der Kaiſer hat ſich
te morgen mit Gefolge im Sonderzuge nach Türk=
Eim begeben, während die Kaiſerin in Karlsruhe
bbleibt. Der Großherzog geleitete den Kaiſer zur Bahn.
Türlheim wird der Kaiſer nach einer Meldung des
Urmandierenden Generals des 15. Armeekorps den
Aitwagen beſteigen und über die Dreiähren nach Evaux
rem, um einer Gebirgsübung bei Kolmar beizuwohnen.
handelt ſich dabei um einen Angriff einer verſtärkten
Manterie=Brigade auf der Linie Unterzell=Evaux gegen
höhen ſüdlich von Henfeld. Beteiligt ſind die Trup=
deer
Standorte Kolmar, Neubreiſach und Schlettſtadt.
Frühſtück wird auf der Hohkönigsburg genommen
den. Der Kaiſer hat geſtern auf der Fahrt hierher
Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Ge=
Adteen von Treutler gehört.
* Kolmar i. E., 8. Mai. Der kaiſerliche Hoz=
traf
um 9 Uhr 20 Minuten in Kolmar ein und fuhr,
ndeem die Maſchine gewachſelt worden war. um 9,30 Uhr

nach Türkheim weiter. In Türkheim fuhr der Zug
pünktlich um 9,40 Uhr ein. Zur Begrüßung hatten ſich
eingefunden General von Deimling mit dem militäriſchen
Gefolge, Bezirkspräſident von Puttkamer, die Kreisdirek=
toren
von Kolmar und Rappoltsweiler, ſowie der Ge=
meinderat
von Türkheim. Nach der Begrüßung fuhren die
Herren in Automobilen über Dreiähren nach Evaux, wo
die Gebirgsübungen beginnen.
* (Dreiähren 8. Mai. In Anweſenheit des
kaiſers fand heute in den Vogeſen zwiſchen Urbeis
und dem Höhenkurort Dreiähren eine Gebirgsübung
ſtatt, welche der kommandierende General v. Deimling
leitete. Sie endete nach einem anſtrengenden mehrſtün=
digen
Gefecht in teilweiſe glacisartigem Gebirgsgelände
mit einem Sturm auf das mächtige Vogeſenmaſſiv la Ro=
hette
. Große Bewunderung erregte ein Flieger der
Straßburger Fliegerſtation, welcher von Kolmar aus trotz
der Regenböen die feindliche Stellung in kriegsmäßiger
Höhe erkundete.
* Schlettſtadt 8. Mai. Um 2½ Uhr traf der
Kaiſer mit Gefolge im Kraftwagen aus dem Ge=
fechtsfelde
bei Evaux kommend, über Rappoltsweiler und
Thannenkirch auf der Hohkönigsburg ein. Auf der großen
Freiung vor dem Burgportal meldete ſich der kaiſerliche
Statthalter von Elſaß=Lothringen, Dr. v. Dallwitz. Eben=
ſo
begrüßten hier den Kaiſer u. a. Staatsſekretär Grai
. Rödern, ſowie der Schloßhauptmann der Hohkönigs=
burg
Staatsſekretär a. D. Freiherr Zorn v. Bulach. Ber
dem Rundgang durch die Räume der Burg unter Führung
Bodo Ebhards wurden beſonders die neuen Wandmale=
reien
des Malers Leo Schnug beſichtigt. Kurz vor 4½ Uhr
erfolgte die Abfahrt nach Schlettſtadt, von wo
die Fahrt nach Braunſchweig über Karlsruhe mittels Son=
derzuges
gegen 5 Uhr angetreten wurde. Vor der Hoh=
königsburg
, über der während der Anweſenheit des Kai=
ſers
ein Geſchwader aus ſechs Straßburger Flugzeugen
kreuzte, hatte der Kaiſer eine Parade über die elſaß= loth=
ringiſchen
Pfadfinder in Stärke von 700 Mann abge=
halten
.
* Karlsruhe 8. Mai. Heute mittag 1 Uhr fand
im Großherzoglichen Palais Frühſtückstafel ſtatt
an der außer dem Großherzogspaar von Baden nur die
deutſche Kaiſerin und Großherzogin Luiſe von Baden
teilnahmen. Für das Gefolge fand ebendaſelbſt Marſchall=
tafel
zu 32 Gedecken ſtatt.
* Karlsruhe 8. Mai. Der Kaiſer kehrte heute
abend 7 Uhr 27 Minuten von der militäriſchen Uebung
aus dem Elſaß hierher zurück. Der Großherzog erwartete
ſeinen hohen Gaſt am Bahnhofe und geleitete ihn nach
dem Reſidenzſchloß, woſelbſt um 8 Uhr Fürſtentafel
und um ½9 Uhr Marſchalltafel ſtattfand.
* Karlsruhe 8. Mai. Das Kaiſerpaar iſt
heute abend 10 Uhr 50 Minuten wieder abgereiſt. Der
Großherzog von Baden und ſeine Mutter, die Großher=
zogin
Luiſe von Baden, gaben den Majeſtäten das Geleite
bis zum Salonwagen.

Die Tauffeierlichkeiten in Braunſchweig.

* Braunſchweig, 8. Mai. Zur Teilnahme an
der morgigen Tauffeſtlichkeit ſind hier Prinz und
Prinzeſſin Max von Baden eingetroffen. Der
Herzog war zum Empfang auf dem Bahnhof erſchienen.
Kurz vorher war Prinz Adalbert von Preußen eingetrof=
fen
. Um 10½ Uhr trafen der Großherzog und die
Großherzogin von Mecklenburg=Schwerin
ein. Zu ihrem Empfange hatte ſich das Herzogspaar vor
Braunſchweig auf dem Bahnhofe eingefunden. Auf dem
Bahnhofsvorplatze war eine Ehrenkompagnie des 92. Inf.=
Regts. aufgeſtellt. Der Großherzog und der Herzog ſchrit=
ten
die Front der Ehrenkompagnie ab, worauf der Vor=
beimarſch
der Truppen erfolgte. Hierauf beſtiegen der
Großherzog und der Herzog einen offenen, ſechsſpännigen
à la Daumont beſpannten Wogen. In einem zweiten
Wagen folgten die Großherzogin und die Herzogin, eskor=
tiert
von je einer halben Schwadron des 17. Huſaren=
Regiments. Die Fürſtlichkeiten wurden von dem zahl=
reichen
Publikum lebhaft begrüßt.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

Vermittelungsverſuche.
* Rom, 7. Mai. Der chileniſche Geſandte beim
päpſtlichen Stuhl hatte mit Merry del Val eine Un=
terredung
über die Lage in Mexiko und die Ver=
mittelung
zugunſten des Friedens. Der Kardinal=
Staatsſekretär ſandte an den Erzbiſchofvon Mexiko
ein Telegramm folgenden Inhalts: Der Papſt gibt ſei=
nen
lebhaften Wünſchen für das hochherzige Eintreten der
drei ſüdamerikaniſchen Republiken zugunſten des Friedens
Ausdruck, das eine wirkſame Förderung für die Bemühun=
gen
zur Wiederherſtellung der Ruhe und des Wohlſtandes
Mexikos darſtellt. Der Papſt würde ſich ſehr freuen,
wenn dieſe Wünſche und Gefühle dem Präſidenten und
den anderen einflußreichen Perſönlichkeiten in Mexiko
mitgeteilt würden.
* Paris 8. Mai. In dem Telegramm, das der
Kardinalſtaatsſekretär Merry del Val an den Erz=
biſchof
von Mexiko richtete, wird ferner erklärt,
Mexiko habe jederzeit ſeine unabänderliche Achtung vor
dem Oberhaupte der katholiſchen Welt bewieſen. Der
Papſt bitte den Erzbiſchof, ſeinen Wunſch mit allem Nach=
druck
bei General Huerta und allen einflußreichen Per=
ſönlichkeiten
Mexikos zu unterſtützen.
Die Lage in Veracruz.
* Waſhington, 7. Mai, Auf Erſuchen des Kon=
teradmirals
Badger hat ſich der Vertreter des Roten
Kreuzes, Charles Kenkons, in Veracruz eingeſchifft,
um in den verſchiedenen kleinen Häfen längs des Golfes
von Mexiko für die Abreiſe der Nordamerikaner nach den
Vereinigten Staaten zu ſorgen, da die amerikaniſchen
Autoritäten der Meinung ſind, daß die Rückſichten auf
den Geſundheitszuſtand während des Sommers dieſe
Maßnahme angebracht erſcheinen laſſen. Vorher tele=
graphierte
Jenkinſon, daß in Veracruz einige Pockenfälle
vorgekommen, aber ſonſt die Vorausſetzungen für die Ge=
ſundheitspflege
gut ſeien. Der allgemeine Geſundheits=
zuſtand
der Stadt ſei befriedigend.
Erfolge der Rebellen.
* Los Angelrs, 7. Mai. Der hieſige Vertreter
Carranzas hat eine Depeſche erhalten, daß die Rebel=
len
Mazatlan eingenommen haben.
* Waſhington, 7. Mai. Das Staatsdepartement
hat eine Meldung von dem braſilianiſchen Geſandten in
Mexiko erhalten, daß drei Züge mit 500 bis 600 Flücht=
lingen
unter der braſilianiſchen Flagge nach Veracruz ab=
gegangen
ſind. Unter denFlüchtlingen befindet ſich auch der
Amerikaner Dr. Ryan. Der braſilianiſche Ge=
ſandte
meldet ferner, daß die Wahrſcheinlichkeit eines
Angriffes der Konſtitutionaliſten auf Sal=
tillo
es unmöglich mache, die Anordnungen der mexikani=
ſchen
Regierung zur Befreiung der dortigen Amerikaner
auszuführen. Dieſe Meldung ſtimmt mit einem Bericht aus

Durango überein, wonach ſich die Vorhut der Konſtitutio=
naliſten
auf dem Marſche zur Einnahme von Saltillo und
Zacatecos befindet.
Vernichtende Niederlage der Bundestruppen.
* Neu=York 8. Mai. Ein hier eingelaufenes
Telegramm vom amerikaniſchen Kreuzer Californien be=
ſagt
, daß die geſamte Garniſon der Bundestruppen von
Acapoceta im Staate Tepio vernichtet oder gefangen
genommen worden ſei Die Rebellen marſchieren unauf=
haltſam
vorwärts und ihre Vorpoſten ſind bereits bis
Durango bei Saltillo vorgedrungen.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telege. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 8. Mai. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt: Der
Entwurf eines Geſetzes zur Einſchränkung der
Verfügungen über Miet= und Pachtzins=
forderungen
, dem der Bundesrat vor einiger Zeit
zugeſtimmt hat, will einige Mängel beſeitigen, die ſich
als Folge der beſtehenden Rechtsordnung auf dem Ge=
biete
des Realkredites herausgeſtellt haben, worüber von
den Beteiligten lebhaft Klage geführt wurde. Die Durch=
führung
der Vorſchriften erfordert die Aenderung einer
Reihe von Paragraphen des Bürgerlichen Geſetzbuches
des Zwangsverſteigerungsgeſetzes der Konkursordnung.
Uebergangsvorſchriften vervollſtändigen den Entwurf
Da bei der Geſchäftslage des Reichstages die Vearbſchie=
dung
des Entwurfes in dieſem Frühjahr unmöglich iſt,
ſoll der Entwurf dem Reichstage im Herbſt vorgelegt
werden.
* Karlsruhe, 8. Mai. Die Zweite Kammer des
Landtages hat in ihrer heutigen Vormittagsſitzung den
Antrag des Zentrums auf Aufhebung der Forſt=
abteilung
an der Techniſchen Hochſchule mit 37 gegen
25 Stimmen abgelehnt.
* Köln, 8. Mai. Nach der Rheinſtrombefah=
rung
, die vor einigen Tagen ſtattgefunden hat, iſt jetzt
das Projekt, das eine Vertiefung der Fahrrinne
von St. Goar bis Mannheim auf die gleiche Tiefe wie
zwiſchen St. Goar und Koblenz nebſt dem Einbau einer
Schleuſe im Binger Loch (linksrheiniſch) vorſieht, mit den
Vertretern der Rheinſtaaten und den Schiffahrtsintereſſen=
ten
eingehend beraten worden. Die Ausführung, deren
Koſten auf 30 Millionen Mark veranſchlagt wird, ſoll erſt
erfolgen, wenn die Schiffahrtsabgaben eingeführt wor=
den
ſind. Die nächſte Rheinſtrombefahrung iſt nach Zu=
ſammenſetzung
des neuen Waſſerſtraßenbeirates vom Ober=
präſidenten
etwa für Juli in Ausſicht genommen.
* Neuſtrelitz, 8. Mai. Die Landeszeitung für beide
Mecklenburg meldet: Der Großherzog von Meck=
lenburg
=Strelitz fühlte ſich in den letzten Tagen
der vorigen Woche nicht ſo wohl wie vordem. In den
letzten Tagen iſt der Fortſchritt in der Erholung und der
Kräftigung ſo erfreulich, daß der Großherzog geſtern im
Schloſſe etwas auf und ab gehen konnte. Bei gutem
Wetter wird der Patient ſich wieder im Schloßgarten be=
wegen
können.
* Brüſſel, 8. Mai. Die Kammer hat das Invali=
dengeſetz
und das Alterspenſionsgeſetz mit 83 Stimmen
bei 57 Stimmenthaltungen angenommen. Verſicherungs=
pflichtig
ſind Arbeiter und Angeſtellte bis zu einem Ein=
kommen
von 2400 Mark. Die Kammer wurde geſchloſſen,
da am 24. Mai die Neuwahlen ſtattfinden, bei denen die
Hälfte der Kammer ſicher neu beſetzt wird.
Die Denkmalſchänder ermittelt.
* Berlin, 8. Mai. Den Bemühungen der Charlotten=
burger
Kriminalpolizei, der Täter habhaft zu werden, die
in der Nacht vom 10. auf 11. März das Kaiſer Frie=
drich
=Denkmal mit Anilinfarbe beſudelten und
mit der Aufſchrift Rote Woche verſahen, waren erfolg=
reich
. Als der Tat dringend verdächtig ſind 5 Perſonen
verhaftet worden, darunter ein Schankwirt, in deſſen Lokal
der Plan ausgeklügelt worden war. Die Beſudelung hat
angeblich ein Schloſſer Line begangen. Die drei anderen
Verhafteten ſtanden Poſten. Die Verhafteten ſind ge=
ſtändig
. Auf die Ergreifung der Täter waren damals
1000 Mark ausgeſetzt worden.
Die Dualafrage.
* Berlin, 8. Mai. Die Norddeutſche Allgemeine Zei=
tung
ſchreibt: Zur Dualafrage hat der Rechtsanwalt
Helvert der Preſſe eine Erwiderung auf die Denkſchrift
der Regierung zugehen laſſen. Auch dieſe Erwiderung
enthält Unrichtigkeiten, die nur dadurch erklärlich ſind, daß
Rechtsanwalt Helpert die Denkſchrift nicht geleſen hat. Die
Norddeutſche Allgemeine Zeitung widerlegt im einzelnen
in einer Erwiderung die aufgeſtellten Behauptungen und
ſtellt ſchließlich den Bemängelungen der Denkſchrift die
Tatſache gegenüber, daß Helpert ſich nicht geſcheut habe, in
einer Petition an den Reichstag den ihm zugegangenen
amtlichen Beſcheid des Reichskolonialamtes, wie er in der
Denkſchrift dargelegt war, in ſinnentſtellender Weiſe zu
verſtümmeln.
Prinz Heinrich in London.
* London, 8. Mai. Prinz Heinrich von Preu=
ßen
wohnte heute in Vertretung des Kaiſers Wilhelm
einem Trauergottesdienſt in der Weſtminſter=
abtei
für den Herzog von Argyll bei Unter den Anweſen=
den
befanden ſich das Königspaar, der Prinz von Wales,
Prinzeſſin Mary, die Königin=Mutter Alexandra, die
Witwe des verſtorbenen Herzogs, Prinzeſſin Luiſe, und
andere Mitglieder der königlichen Familie.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Dringende Mitteilung an Alle!
Ihr vortreffliches Bioſon kann ich nicht dringend ge=
nug
empfehlen, ſo aute Dienſte hat es mir und meinen
Kindern geleiſtet. Ich trank es zur Stärkung meiner in=
folge
ſchlechter Verdauung ſtark derangierten Nerven und
hatte damit vollen Erfolg. Auch meinen drei etwas ſchwäch=
lichen
Jungens gebe ich Bioſon, bei denen ich die ſichtbare
gute Wirkung ebenfalls wahrnehme, ſo daß es ſtändia im
Haushalt verwendet wird. Clara Siering, Stettin, Berg=
ſtraße
15. Unterſchrift beglaubigt: 28. 1. 14. Leiſtner, Kgl.
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[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127.

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Das Bankhaus Hermann Wertheim, Filiale
Darmſtadt, gibt im Inſeratenteil bekannt, daß es beauf=
tragt
iſt, Anmeldungen auf die am Dienstag, den 12. ds.
Mts. ſtattfindende Zeichnung von 12000000 Mark 4proz.
Frankfurter Stadt=Anleihe à 96,80 ſpeſenfrei entgegen=
zunehmen
. Angeſichts der günſtigen Finanzen und Entwick=
lung
der Stadt Frankfurt dürfte mit einem großen Erfolg
zu rechnen ſein.
So manchen Uebels iſt man Herr geworden, nur
einem ſcheint man nicht richtig beizukommen, vielleicht
weil man ſeine Verderblichkeit zu gering einſchätzt, und
das iſt das Aufbewahren und Lagern von Altmaterialien,
insbeſondere von Abfallpapier. Immer wieder leſen
wir von Kellerbränden, Bränden in Erdgeſchoſſen,
Magazinen uſw., die alle durch aufgeſammelte und loſe
aufbewahrte Abfallpapiere entſtehen. Erſt in den letzten
Tagen ging die Schreckensnachricht durch alle Zeitungen,
daß in New=York 14 Perſonen in einem Hauſe ver=
brannt
ſind, in welchem das Feuer im Erdgeſchoß aus=
gebrochen
war. Entſtehung und Urſachen dieſes furcht=
baren
Brandes beweiſen, daß das Obengeſagte zu=
treffend
iſt. Längſt ſchon ſollte das Anſammeln von
Abfallpapieren in loſen Haufen verboten, und dafür die
Aufbewahrung in feſt gepackten Ballen vorgeſchrieben
ſein, weil ſo die Feuergefährlichkeit beſchränkt, ja nahezu
ganz beſeitigt iſt. Preſſen, mit denen man Abfallpapiere
izu feſten Ballen zuſammenpreſſen kann, liefert die Firma
Ph. Mayfarth & Co., Frankfurt a. M.

Danksagung.
Für die liebevolle Teilnahme an
unſerem ſchweren Verluſte ſagen wir
Allen, insbeſondere dem Kriegerverein
unſeren innigſten Dank. (11694
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Christine Coy, geb. Lutzl.
Darmſtadt, den 8. Mai 1914.

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Geſtern entſchlief nach langem, ſchwerem
Leiden meine liebe Frau, unſere gute Mutter,
Schwiegermutter und Großmutter (11704
Frau Karoline Nagel
geb. Rühl
im 84. Lebensjahre.
Darmſtadt, Eßlingen, Hetzbach i. O.,
den 8. Mai 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Samstag, den 9. d. M.,
nachmittags 4 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Friedhofes aus ſtatt.

Todes=Anzeige.
Heute Nacht ¾1 Uhr entſchlief ſanft unſere
liebe Mutter
Frau Marie Mergott
geb. Heckwolf
nach langem, ſchwerem Leiden.
Darmſtadt, 8. Mai 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet Sonntag, 10. Mai, nach=
mittags
5 Uhr, vom Sterbehaus, Schwanen=
ſtraße
4, aus ſtatt.
(*12361

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Nachricht, daß es Gott dem All=
mächtigen
gefallen hat, meinen treubeſorgten
Mann, unſeren lieben Bruder
Herrn Philipp Kredel
im Alter von 27 Jahren zu ſich zu rufen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt (Darmſtr. 39), 8. Mai 1914.
Die Beerdigung findet Sonntag, 10. Mai,
vormittags 11¾ Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofs aus ſtatt.
(11709

Todes=Anzeige.
Hiermit die traurige Nachricht, daß unſer
lieber Sohn und Bruder
(11685
Julius Marx
im 26. Lebensjahre nach längerem Leiden ver=
ſchieden
iſt.
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Heinrich Marx.
Darmſtadt, den 8. Mai 1914.
Karlſtr. 36.
Die Beerdigung findet Sonntag, 10. Mai, vor=
mittags
11 Uhr, vom Portal des iſraelitiſchen
Friedhofs aus ſtatt.

Dankſagung

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
und zahlreichen Blumen= und Kranzſpenden bei
dem Verluſte unſeres lieben, unvergeßlichen Kindes,
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer Dr.
Waitz für die troſtvollen Worte der Einſegnung,
ſowie meinen werten Kollegen vom Milchhändler=
verein
Darmſtadt unſeren innigſtgefühlten Dank.
In tiefer Trauer:
Familie Konrad Weſp.
Darmſtadt, den 2. Mai 1914. (11675

Städtiſches Muſeum (Schloßgraben 9). Geöffnet
Sonn= und Feiertags, ſowie Mittwochs und Frei=
tags
von 111 und 35 Uhr, bei freiem Eintritt.
Dienstags, Donnerstags und Samstags von 101
Uhr (Eintritt 30 Pfg.),

Danksagung.
(Nur auf dieſem Wege.)
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer lieben, guten, unver=
geßlichen
Mutter, Schwiegermutter und Großmutter
Margarete Haun
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer
Wagner für die herzlichen Tröſtungen am Grabe,
ſowie allen denen, die ſich ihr während ihrem
Leiden angenommen und ihr die letzte Ehre er=
wieſen
haben, unſeren herzlichſten Dank. (*13412
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Hamburg, München, 8. Mai 1914

Danksagung.

Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
an unſerem ſchweren, unerſetzlichen Verluſt ſagen
wir herzlichen Dank.
(*12343
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarete Bernhard Wwe.
Darmſtadt, den 8. Mai 1914.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer unvergeßlichen Mutter
Wilhelmine Schönemann

Dankſagung.

ſagen wir allen, beſonders Herrn Pfarrer Rückert
für die troſtreiche Grabrede unſeren innigſten Dank.
In tiefer Trauer:
die Kinder.

Darmſtadt, den 8. Mai 1914.

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ür den Prinz=Heinrich=Flug 1914 ſind weiter
7 gegangen: Ferdinand Jordis 10 . Ph. Heß 10
Finanzminiſter Braun 10 . Geh. Juſtizrat Hohenſtehl
6 . Kommerzienrat Louis Trier 50 . Kommerzi
rat Eugen Trier 50 . Bank für Handel und Induſtſ
Darmſtadt 100 . Bankdirektor Hugo Brink 20
Rittmeiſter von Harnier 5 . Bankbeamter AuguſtBll
1.50 . Zuſammen 262.50 , mit den bereits veröffelſt
lichten 510 insgeſamt 772.50 . Weitere Spend
nehmen wir gerne entgegen.
Darmſtädter Tagblatt‟
Die Geſchäftsſtelle.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
treter: Adolf Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße
Nordamerika: Armenia über Halifax nach Baltimon
5. Mai 10 Uhr 45 Min. morgens Lizard paſſiert.
covado von Neu=York nach der Levante, 5. Mai vo
Smyrna, Pallanza nach Kanada, 5. Mai 12
20 Min. mittags Eaſtbourne paſſiert. Prinz Adalbel
von Philadelphia kommend, 5. Mai 8 Uhr abends
Hamburg. Weſtindien, Mexiko: Schwarzwald vol
Weſtindien kommend, 5. Mai 9 Uhr morg. in Havren
Südamerika, Weſtküſte Amerikas: Artemiſia 4.M
in Guayaquil, ausgehend. Dacia von dem La Platl
kommend, 5. Mai 6 Uhr morgens Dungeneß paſſien
Habsburg von Mittelbraſilien kommend, 5. Mo
11 Uhr morgens von Oporto. König Wilhelm
nach dem La Plata, 6. Mai 2 Uhr 55 Min. morgeſ
Cuxhaven paſſiert. Palatia von Braſilien kommen
5. Mai nachm. in Antwerpen. Pontos von der Weſt
üſte Amerikas kommend, 5. Mai 4 Uhr nachm. Dungeneß
paſſiert. Pruſſia 5. Mai 12 Uhr mittags in Santos=
Salamanca 5. Mai morgens von Pernambuco,a
gehend. Verſchiedene Fahrten: Vergnügungsdampfel
Meteor, fünfte Mittelmeerfahrt, 5. Mai 3 Uhr nachh.
in Monaco. Rhenania von Afrika kommend, 5. Mal
7 Uhr 40 Min. abends von Vliſſingen. Windhuknach
Afrika, 5. Mai von Suez.

Tageskalender.
Samstag. 9. Mai.

Sitzung des Provinzialtages der Provi
Starkenburg um 10¼ Uhr im Rathausſaal.
Religiöſer Vortrag von Karl Richter um 8½ Uh
im Kaiſerſaal
Generalverſammlung des Kaufmänniſchen Ver=
eins
um 9 Uhr im Vereinslokal.
Konzert um 4 Uhr auf der Ludwigshöhe.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckereig
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil Max Streeſe; für den Anzeigenteil
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren,
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträge
liche werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripten
werden nicht zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Mummer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Seite 9.

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Seite 19.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127.

Futterverſteigerung.

Die am 4. lfd. Mts. ſtattgehabte Verſteigerung der Futter=
nutzung
von einem Teil der ſtädtiſchen Pallaswieſe iſt genehmigt=
Die Mähſcheine können bei der Stadtkaſſe in Empfang genommen
werden.
Darmſtadt, den 5. Mai 1914.
Der Oberbürgermeiſter!
J. V.: Jaeger.
(11542fs

Bauplan=Offenlage.

Der von der Stadtverordneten=Verſammlung gutgeheißene=
Bebauungsplan über die Baublöcke nördlich und ſüdlich der=
Landgraf=Georgs=Straße am Oſtbahnhof liegt in der Zeit vom=
4. bis einſchl. 19. Mai ds. Js. auf dem Stadtbauamt, Grafenſtr. 30,
zur Einſicht der Beteiligten offen.
Einwendungen gegen den Plan ſind bei Meidung des Auss
ſchluſſes während dieſer Friſt dort vorzubringen.
Darmſtadt, den 29. April 1914.
(11176ss
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Jaeger.

Oktroi für Brennholz.

Die Schießhausſtraße, der Heinrichswingertsweg, die Lands
kron=, Moosberg= und Ludwigshöhſtraße ſind für oktroipflichtige
Gegenſtände geſperrt.
Zur Erleichterung der Holzabfuhr wird hiermit den Bewohnern
des ſüdlichen Stadtteils geſtattet, dieſe Straßen zu benutzen, wenn
ſie den Oktroi beim Hinausfahren in den Wald an der Erhebſtelle
in der Klappacher Straße auf Grund des Abfuhrſcheins entrichten
ſo daß beim Einfahren in die Stadt die Fuhrleute im Beſitz der
Quittung ſind, die den ſtädtiſchen Aufſichtsbeamten auf Verlangen
vorzuzeigen iſt.
Der Oktroi für das durch die Eſchollbrücker und Beſſungel
Straße in die Stadt einzuführende Holz iſt vorher an die Oktro
erhebſtelle Heidelberger Straße 17 bezw. 112 zu entrichten.
Für das Holz, das nicht in die Stadt eingebracht, ſondern au
die in der Gemarkung Darmſtadt liegenden Grundſtücke geſetzt wird
iſt ebenfalls der Oktroi beim Hinausfahren in den Wald zu entrichten
Gegen Zuwiderhandelnde wird auf Grund des Oktroi=Regle
ments Anzeige erhoben.
Darmſtadt, den 2. Mai 1914.
(11589sss.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.

Anlieferung von Maſterſteinen.

Mittwoch, den 13. Mai d. Js., nachmittags 5 Uhr, ſoll
im Büro der unterzeichneten Stelle die Anlieferung von zirka 410 chm
Pflaſterſteinen für die Gemeinde Eberſtadt in öffentlicher Submiſſion
vergeben werden, und zwar in zwei Loſen:
Los 1 Seeheimerſtraße zirka 250 cbm
Los 2 Schwanenſtraße 160
Voranſchlag und Bedingungen ſind auf der Großh. Bürger=
meiſterei
Eberſtadt einzuſehen, woſelbſt auch die Offerten, mit ent=
ſprechender
Aufſchrift verſehen, bis zu vorgenanntem Termin einzu=
reichen
und die Angebotsformulare gegen Vergütung der Kopial=
gebühr
erhältlich ſind.
Eberſtadt, den 6. Mai 1914.
(11581
Großh. Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Schäfer.

Nächſter Zuchtviehmarkt in Darmſtadt
Dienstag, den 12. Mai 1914.

Darmſtadt, den 4. Mai 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.

Großer Abbruch Großer=
der
früheren Güterabfertigung mit Güterſchuppen und
Eilgüterſchuppen
zu Darmſtadt.

Es wird von heute ab, um ſchnell zu räumen, ſämtl. ergeb.
Material zu den billigſten Preiſen abgegeben, und zwar:
2000 cbm Bruchſteine, 1400 qm Schichtſteine (Flonheimer),
50000 Stück dicke Backſteine, 30000 Stück Holzmänner Blend=
ſteine
, 60 cbm Hauſteine, als Treppentritte, Abdeckplatten,
Fenſter= und Türumrahmungen, 125 cbm Bauholz in allen
Dimenſionen, 3000 qm Bord, 1000 qm 45 cm ſtarke Holz=
diele
, Dachſchiefer, Zimmertüren, hölzerne und eiſerne Fenſter,
25 Stück Wellblech= und Holzrolltüren. (11083sms

Preiſe für Fleiſch
in der Stadt Darmſtadt
am 5. Mai 1914.

(Mitgeteilt von der Großh. Zentral=
ſtelle
für die Landesſtatiſtik.)
Häufigſter Preis in 3 pro Pfund

Ochſenfleiſch mit Beilage . . 96
Rindfleiſch 80 u. 90
Kuhfleiſch . . . 76)
Kalbfleiſch . . . 100
Hammelfleiſch . . . . 100
Schweinefleiſch,
, . . 7090
Leberwurſt gewöhnliche . . 66
Blutwurſt,
. 66
Geräucherter Speck
. . . 100
Schweineſchmalz, inländiſches 80
*) Durchſchnittspreis.

Die Erhebung erſtreckte ſich auf
45 Metzgereien, und zwar auf 25,
in denen Ochſen=, Rind= od. Kuh=
fleiſch
, auf 16, in denen Kalbfleiſch,
auf 7, in denen Hammelfleiſch und
17, in denen Schweinefleiſch ver=
kauft
wurde.

Bekanntmachung.

In unſerem Handelsregiſter
wurde heute die Firma Johann
Dintelmann in Pfungſtadt ge=
(11706)
löſcht.
Darmſtadt, 29. April 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Bekanntmachung.

In unſerem Handelsregiſter B
wurde heute bei der Firma Appel
& Preß in Pfungſtadt folgendes
eingetragen:
Der Geſellſchaftsvertrag iſt durch
Beſchluß der Geſellſchaftsverſamm=
lung
vom 24. März 1914 ge=
ändert
:
Das Stamm=Kapital iſt auf
100000 Mk. erhöht. (11705
Darmſtadt, 29. April 1914.
Großherzogliches Amtsgericht II.

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[ ][  ][ ]

Str. 56.

Samstag, 9. Mai.

1914.

Bekanntmachung.

Dem Reichs=(Militär=)Fiskus, vertreten durch die Intendantur des XVIII. Armee=
ſtres
in Frankfurt a. M., iſt durch landesherrliche Verordnung vom 14. März 1914,
lazerungsblatt Nr. 11, das Recht erteilt worden, das zur Anlage eines Militärluft=
ſihafens
in der Gemarkung Weiterſtadt erforderliche Gelände, ſoweit nötig, im
Ege der Enteignung zu erwerben.
Die Königl. Intendantur des XVIII. Armeekorps in Frankfurt a. M. hat
rauf für den Reichs=(Militär=)Fiskus Antrag auf Enteignung der unten näher
Re chneten, in der Gemarkung Weiterſtadt gelegenen Grundſtücke geſtellt.

Flur

VIII

Nr.

49
52
53
58
60
61
96

Eigentümer

Egner, Guſtav Eheleute
Dieſelben
Dieſelben
Dieſelben
Weimer, Karl, Kutſcher
Wittmer, Wilhelm
Derſelbe
Adam Hamm IV. Eheleute

Wohnort

Darmſtadt
Weiterſtadt

Inhalt

der Ge= der zu
ſamt: enteig=
nenden

fläche
Fläche
am
qm

3413 1 3413
1700
1700
1700
1700
2400 2400
2400 2400
3006 3006
1619 1619
1613
1613
1613 1613
2425 2425
2006
2006

Der Antrag nebſt Plan liegt vom 12. bis 25. Mai einſchließlich auf der
ßiesſtube der Großh. Bürgermeiſterei Weiterſtadt während der üblichen Dienſtunden
iedermanns Einſicht offen.
Zur Verhandlung über den Plan und die zu leiſtende Entſchädigung, ſowie zur
ltzegennahme etwaiger Einwendungen und Anträge wird Tagfahrt vor der Lokal=
knrniſſion
anberaumt auf
Donnerstag, den 28. Mai 1914, nachmittags 3 Uhr,
(Sitzungsſaal des Kreisausſchuſſes, Darmſtadt, Neckarſtraße 3).
Die Eigentümer, Pächter, Mieter und ſonſtige an den abzutretendem Grund=
lie
perſönlich Verechtigten, ſowie alle übrigen bei der Enkeignung Beteiligten wer=
Uhr aaufgefordert:
Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausſchluſſes und Annahme
der Einwilligung in die beanſpruchte Abtretung oder Beſchränkung,
2. Erklärung auf die angebotene Entſchädigungsſumme bei Meidung der Unter=
ſtellung
der Annahme des Angebots,
3. Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausſchluſſes mit
folchen,
4. Anträge auf Aufrechterhaltung beſtehender Laſten (Art. 19 des Geſ.) bei
Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
5. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen, die für die
benachbarten Grundſtücke oder im öffentlichen Intereſſe zur Sicherung gegen
Gefahren und Nachteile notwendig ſind oder notwendig werden bei Meidung
des Ausſchluſſes mit ſolchen,
6. etwaige noch unbekannte Anſprüche und Rechte an die zu enteignenden
Grundſtücke bei Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen
dem oben erwähnten Termin münblich vorzubringen. Wer am perſönlichen
ßſtheinen verhindert iſt, hat ſich zur Vermeidung der vorgenannten Rechts=
lchteile
durch einen mit ſchriftlicher Vollmacht verſehenen Bevollmächtigten
ireten zu laſſen.
Zugleich werden die Eigentümer auf folgende Beſtimmungen der Art. 27 u. 9
Enteignungsgeſetzes beſonders verwieſen:
1a Artikel 27: Wenn dritte Perſonen als dinglich Berechtigte oder wegen ſonſtiger
Rechtsverhältniſſe bei der Enteignung beteiligt ſind, ſo muß ſie der Eigentümer
ſofort nach Zuſtellung der Bekanntmachung der unterzeichneten Behörde bezeichnen,
welche ſie ſodann unter Androhung des geeigneten Rechtsnachteils zu der Tag=
fahrt
vorzuladen hat.
Unterläßt der Eigentümer dieſe Bezeichnung, ſo bleibt er für dieſe An=
ſprüche
verantwortlich.
4. Artikel 9: Der Eigentümer des abzutretenden Grundſtücks muß von Zuſtellung
der Bekanntmachung an zu neuen Anlagen oder zu einer von der bisherigen,
beziehungsweiſe der gewöhnlichen abweichenden Art der Bewirtſchaftung die
Genehmigung der Königl. Intendantur des XVIII. Armeekorps in Frank=
furt
a. M. einholen, widrigenfalls dafür eine Entſchädigung demnächſt nur
inſoweit verlangt werden kann, als durch die Veränderung auch für den öffent=
lichen
Zweck, für den die Enteignung geſchieht, der Wert des Geländes erhöht
worden iſt.
Räumt der Eigentümer von dem obigen Zeitpunkt an einem anderen
ein dingliches Recht an dem zu enteignenden Grundſtück oder ein perſönliches
Recht auf deſſen Benutzung ohne Genehmigung des Unternehmers ein, ſo
ſteht jenem anderen an den Reichs=(Militär=)Fiskus ein Anſpruch auf eine
beſondere Entſchädigung nicht zu.
Der Unternehmer wird zu dem Termin unter dem Rechtsnachteile geladen,
im Falle ſeines Ausbleibens Verzichtleiſtung auf Fortſetzung des Enteignungs=
pfüehrens
unterſtellt und er mit den bis dahin entſtandenen Koſten belaſtet wer=
wird
.
Darmſtadt, den 8. Mai 1914.
Der Vorſitzende der Lokalkommiſſion:
Piſtor, Großh. Regierungsrat.
(11619

Vieferung von Hafer, Heu und Stroh.

Die für die Pferde der Kreis=Abdeckerei im Rechnungsjahr 1914 erforderlichen
tzer= und Streumittel ſollen öffentlich vergeben werden.
Angebote und mit Kennzeichen verſehene Haferproben ſind bis zum 12. d. Mts.,
tiangs 12 Uhr, bei uns einzureichen.
Die Bedingungen werden in dem Amtsgebäude, Neckarſtraße 3, Zimmer 11
igeſchoß abgegeben.
Darmſtadt, am 5. Mai 1914.
(11691
Der Kreis=Ausſchuß des Kreiſes Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Am 1., 4., 5., 7., 8., 11., 12., 14., 15. 18. und 19. Mai 1914, von 7 Uhr vormit=
tags
bis zum Einbruch der Dunkelheit, wird Schießen mit ſcharfer Munition von
Truppenteilen des XVIII. Armeekorvs auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten. (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 23. April 1914.
(10940a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Z. V.: von. Starck.

Bekanntmachung.

Die Kreisſtraße von Eberſtadt nach Bickenbach, und zwar vom Ende des
Ortspflaſters in Eberſtadt bis zur Kreisarenze Bensheim (km 7,0011,2) iſt wegen
Ausführung von Kleinpflatter von Donnerstag, den 30. d. Mts. ab auf ca.
8 Wochen für ſämtliches Fuhrwerk (Geſpanne, Kraftfahrzeuge uſw.) geſperrt.
Der Durchgangsverkehr hat während der Dauer der Kleinpflaſterherſtellung
den aufgeſtellten Tafeln entſprechend zu erfolgen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Anordnungen ſind nach § 2 der Polizei=
verordnung
vom 12. Februar 1308 ſtrafbar.
Darmſtadt, den 20. April 1914.
(10523a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

An die Schulvorſtänd: der Landgemeinden des Kreiſes.

Trotz mehrfacher Warnnagen durch die Behörden iſt der grobe und gefährliche
Unfug, nach vorüberfahrenden Fuhrwerken und Fahrzeugen, insbeſondere Auto=
mobilen
, mit Steinen zu werten, noch nicht ganz beſeitigt. Beſonders ſind die ge=
ſchloſſenen
Automobile dieſe: Beläſtigung ausgeſetzt.
Ebenſo ſind ſonſtige Beläſtigungen des Fuhrverkehrs, insbeſondere das
abſichtliche Stehenbleiben auf der Fahrbahn bei herannahenden Fahrzeugen,
das Anſchreien vorüberfaßzender Fuhrwerke und Fahrzeuge, das Nachlaufen
und Anhängen an die Fuhrwerke ungehörig und oft ſehr gefährlich.
Dieſem Unweſen kann nur dann wirkſam geſteuert werden, wenn ihm neben
den polizeilichen Behörden auch die Schulverwaltungsſtellen mit allem Nachdruck ſent=
gegentreten
.
Wenn Schulkindern die Obhut kleiner Kinder anvertraut iſt, wie dies auf dem
Lande häufig vorkommt, ſo haben dieſelben ihr beſonderes Augenmerk darauf zu
richten, daß die Kinder von der Fahrbahn wegbleiben und daß ſie die Fahrbahn nur
dann überſchreiten, wenn keine Fuhrwerke, insbeſondere keine Kraftfahrzeuge, in der
Nähe ſind.
Wir empfehlen Ihnen daher wiederholt, mit allen Mitteln der Belehrung, der
Verwarnung und, ſofern erforderlich, der Beſtrafung auf die Schuljugend entſprechend
einzuwirken und dabei namentlich auch daran zu erinnern daß für etwa angerichteten
Schaden die Eltern im vollen Umfange aufzukommen haben würden, ebenſo wie die
Eltern auch, wie aus der nachſtehend abgedruckten Vorſchrift des Heſſiſchen Polizei=
ſtrafgeſetzes
hervorgeht, in Strafe genommen werden können.
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.

Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.
Auszug aus Artikel 44 des Heſſiſchen Polizeiſtrafgeſetzes.

Wenn Eltern, Vormünder oder andere Perſonen, deren Obhut Kinder unter
12 Jahren oder ſonſtige unzurechnungsfähige Perſonen (§§ 51 und 55 des Deutſchen
Strafgeſetzbuchs) anvertraut ſind, es an der erforderlichen Aufſicht über dieſelben haben
ſehlen laſſen und dieſe während der Zeit, wo ſie ohne ſolche Aufſicht waren eine mit
Polizeiſtrafe bedrohte Handlung begangen haben, ſo werden die zur Beaufſichtigung
verpflichteten Perſonen beim erſten Fall polizeilich verwarnt, im Wiederholungsfalle
aber bis zu einem Dritteile der auf die Uebertretung ſelbſt geſetzten Strafe belegt.

An die Ortspolizeibehörden der Landgemeinden und die Gendarmerie
des Kreiſes.

Sie wollen nachdrücklich darauf achten, daß von den, durch die Ortſchaften
fahrenden Kraftfahrzeugen die vorgeſchriebene Fahrgeſchwindigkeit (15 Kilometer
in der Stunde) nicht überſchritten wird. Bei Zuwiderhandlungen iſt das Kennzeichen
zu notieren und Anzeige zu erheben. Auch Pferdefuhrwerke dürfen durch die Ort=
ſchaften
nicht übermäßig ſchnell fahren.
In engen Ortsſtraßen, desgleichen beim Bergabfahren auf ſteilen Ortsſtraßen
ſowie beim Ein= und Ausfahren in oder aus Höfen oder Häuſern und an Orten,
wo die Paſſage durch den Zuſammenfluß von Menſchen verengt wird, darf niemand
(11591si
anders als im Schritt fahren oder reiten.
Darmſtadt, den 6. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Gemäß § 2 Abſatz 4 der Polizeiverordnung über das Fahren mit Hunden
vom 29. November 1911 werden die Beſitzer von Zughunden hiermit aufgefordert,
bis ſpäteſtens 15. Juni 1914 die Erlaubnisſcheine zu erneuern.
Die Erlaubnisſcheine werden in der Stadt Darmſtadt von dem Großh. Polizei=
amt
, in den Landgemeinden von der Bürgermeiſterei des Wohnſitzes des Hunde=
beſitzers
erteilt, nachdem das Großh. Kreisveterinäramt bezw. ein praktiſcher Tierarzt
amtlich beſcheinigt haben, daß das ihnen vorgeführte Hundefuhrwerk den Erforder=
niſſen
der genannten Verordnung genügt. Hat der betreffende Hundebeſitzer im Kreis
(11590
keinen Wohnſitz, ſo iſt die Erlaubnis bei uns zu erwirken.
Darmſtadt, den 2. Mai 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Katiche Rachrichen des Greßb. Politiants Darnſadt

Gefunden: 1 gold. Damenring mit 2 roten Steinchen. 1 Kot=
Mall von einem Auto. 1 Weſtengürtel mit Uhr und Geldbetrag.
Mötille. 1 altes braunes Portemonnaie mit über 2 Mark Inhalt.
Mmittelgroßer Schlüſſel. 1 Brille mit Futteral. 1 Kinderſchirm.
Aſetchseckiges goldenes Medaillon. 1 Portemonnaie mit kleinem
Mtäſchchen und Geldbetrag. Zugelaufen: 1 gelber Dackel.
raune Dogge.
(11594
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
er
= Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
Widann ſich: 1 Dobermann. 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde
Unen von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
rdzen. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
(11597
ſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 10. Mai,
nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Molheken geöffnet: Merckſche Engel=Apotheke. Rheinſtraße, und
unger Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von
ühr ab geſchloſſen.

Mitbaum=Bettſtelle ( Sprung=
ruhmen
) ſehr gut erhalten, bill
(*12264ds
Avterkaufen.
Müiller, Liebfrauenſtraße 27, I.

Gartenkies liefert
H. Kaus, Grüner Weg 93,
Telephon 1591. (B9660

Bekanntmachung.
Mittwoch, den 13. Mai 1914,
vormittags 9 Uhr,

ſollen die zum Nachlaß der Katha=
rina
Fiſcher von Ober=Ramſtadt
gehörigen Immobilien, Gemarkung
Darmſtadt:
Flur I Nr. 201 88 am Hof=
reite
Geiſtberg Nr. 2,
von Flur I Nr. 202 = 1170 qm
Hofreitegrund daſelbſt, die
Hälfte,
auf Antrag des Nachlaßpflegers
öffentlich meiſtbietend verſteigert
(VIII, 11096
werden.
Darmſtadt, 29. April 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.

zebr. Kinderwagen bill. zu verkf.
G*12279) Blumenthalſtr. 54, III.

Kleiderſchr. (antik, eich.) zu verk.
S *12055mds) Taunusſtr. 47.

Bekanntmachung
betr. Ratſchläge für Kutſcher und Fuhrleute.

Im Intereſſe des Tierſchutzes ſowie aus verkehrs= und ſicher=
heitspolizeilichen
Gründen haben wir unter Mitwirkung des ver=
ſtorbenen
Hern Rittmeiſter Fenner und des Herrn Oberlandesſtall=
meiſter
von Wilich aus Mittein des Tierſchutzvereins für das Groß=
herzogtum
Heſſen Merkblätter herſtellen laſſen, die, in Stichworten
überſichtlich zuſammengeſtellt, Ratſchläge für Kutſcher und Fuhrleute
enthalten.
Es ſind darin behandelt die Kapitel Stalleinrichtung, Stall=
pflege
, Futtern, Hufbeſchlag, Geſchirre, Anſpannung, Peitſche, Wagen=
behandlung
, Hemmvorrichtung, Fahrregel und Beleuchtung.
Die Merkblätter werden in den nächſten Tagen durch die Re=
viere
an die Stallbeſitzer verteilt werden. Sie ſollen in den Pferde=
ſtällen
aufgehängt werden und auf die Kutſcher und Fahrburſchen
belehrend wirken in der Richtung eines zunehmenden Verſtändniſſes
für eine ſachgemäße Behandlung und Führung der Pferde.
Darmſtadt, den 5. Mai 1914.
(11598
Großherzogliches Polizeiamt.
J. V.: Stumpf.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127,

Sonntag, den 10. Mai, ist unser Geschäft bis abends 7 Uhr geöffnet!
L
Lle
SSorer

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[ ][  ][ ]

Nummer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

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Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127,

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do. unkdb. p. 1920 .
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unkdb. p. 1930
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do, unkdb. p. 1921 . .
do. . . . . . . . . . . . . . 3½ 85,00
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Griech. Anl. v. 1890 . .
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do. Silber-Rente . . . . 4½ 86,00
do. Papier-Rente . . .4½
do. Gold-Rente . . . . . 4 86,35
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do. unif. Serie I
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III.
do.
64,70
do. Spezial Titel. . .
9,95
Rumänen v. 1903.
5
do. Goldk v. 1913.
4½ 91,40
do. Schatzsch. v.
*4/10000
do. conv..
85,00
do. v. 1890
93,60
do, v. 1891
87,00
do, v. 1905
84,80
do. v. 1908 .
84,50
do. v. 1910
85,00
Russische St--Anl. v.
½ 98,00
do. kons. v. 1880
86,80
do. Gold v. 1890
do. v. 1902 . .
89,50
Schweden v. 1880.
do. v. 1886

21.
Schweden v. 1890. .
3½
Serben steuerfrei
...4½g 87,50
do. amort. v. 1895 . .
(* 79,00
Türk. Egypt. Tribut
do. kons. steuerfreie
do. Admin. v. 1903. . .
76,50
do. unif,v. 1903. . . . .
73,80
do. v. 1905. . . . . . . .
Ungarische Staats-Rente
89,90
1913 unkdb. bis 1923 . .
Ungar. Staatsk.-Scheine
98,55
v. 1913 . . . . . . . . . . . .
82,20
do. Gold-Rente. . .
do. Staats-Rente 1910
80,75
do.
Kr 4
80,80
,
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887 5 99,00
do. äußere v. 1890 . . . 5 99,80
do. innere v. 1888 . . . 4½
do. äußere v. 1888 . . . 4½ 94,50
do. v. 1897 . . . . . . . . 4
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 93,50
4½ 89,00
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4½ 88,00
do. v. 1906
Chines. St.-Anl. v. 189
6
do. v. 1896
99,60
87,10
do. Reorg. Anl.
90,05
do. v. 1905
89,10
Japaner . .
63,85
Innere Mexikaner
84.00
Außere do.
68,80
Mexikan. Gold v.
42,50
do: cons. . . .
do, Irrigat.-Anleihe
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Buenos-Aires Prov.
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Tamaulipas . . .

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do, v. 1913 . . . . . . . . 5
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Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/973½ 84,20
v. 1904 3½
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Darmstadt. . . . . .
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1921
94,75
1922.
95.75
do.
84,30
do. . . . . . . . . .
do. Komm.-Obl. unk. 1918
95,00
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910
95,00
1915
5800
do.
1920 .
96,50
do.
dc. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
unkdb. 1910,
. . . . 3½ 86,50
Frankf. Hyp.-Krod.-Ver.
94,00
Ser. 1542
94,90
4849
do. . . . . .
do. unk. 1922 52
96,00
88,60
do. 1913..
do. Ser. 45 .
. 3½ 86,50
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
Ser. 12, 13, 16
96,90
96,90
do. . . . . 14, 15, 17
97,40
do. unkdb. 1920%
1925 .
4 9750
do.
do. Ser. 1, 2, 68 . . . . 3½ 84.90
do. 35 . . . . . . . 3½ 84.90
do. kündb. 1915 .
.3½
do. Komm. unk. 1913 4 96,.90
19141 4 96,90
do.
1916) 4 97,10
1920) 4 97,40
1925) 4 1 9750
do.
do. verlosb. u. kündb.- 3½ I 84.90
unkdb. 1915 3½ 84,90
do.
Meininger Hyp.-Bk. Pfab. 4% 94.60
4 95,80
do. nnkdb. 1922.
.. . 3½ 86,00
do. . . . .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
unkdb. 1917)
94,00
1919
4 93,75
do. . . . ..
1921 4 94,00
do. . . ..
do. . . . . . 1924) 4 96,20
3½ 84,60
do. . . . . . . .
do. Komm. unk. 1923
4 95,20
1924
4 96,00
do.
9680
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr.
do. . . . . . . . . . . . . . 3½ 88,20
Bank-Aktien.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich . . 10
Berg.-Märkische Bank.
Berliner Handelsges. . . . 8½ 152,10
Darmstädter Bank . . . . 6½ 116,80
4 92.50 Deutsche Bank. . . . . . .12½240,70
Deutsche Vereinsbank. . 6 118,10
1Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 1112,00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 (187.75
Dresdner Bank . . . . . . . 8½ 1149,75

Dir.
Frankf. Hypothek.-Bank 10 213,00
do. do. Kred.-Ver.8½ (155,80
Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 1116,50
Nation.-Bank f. Deutschl. 6 112.30
Pfälzische Bank . . . . . . 7 123,05
Reichsbank . . . . . . . . .8.43 1135,60
Rheinische Kredit-Bank. 7 1127.00
149,00
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver.:
Wiener Bank-Verein . . . 8 1130,25
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 (127,50
Norddeutscher Lloyd. . . 8 1111.25
Frankfurt. Schleppschiff. 4 1116,00
Südd. Eisenb.-Gesellsch. .6½ 132.00
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 1115.00
6 91½
Baltimore
10 1191,00
Canada
7½ 1138,10
Schantung.
§ (155,00
Prinz Henry.
20,75
Lombarden .
6 111,00
Pennsylvania.
Industrie-Aktien.
Badische Anilin-Fabrik 28 1657,90
Chem. Fabrik Griesheim 14 1264,50
Farbwerke Höchst . . . . 30 631,00
Ver. chem. Fabr. Mannh.: 20
Zement Heidelberg . . . . 10 148,75
Chemische Werke Albertl 30 1453,00
Holzverkohl. Konstanz 15 1305,25
20
Lahmeyer . . . . . . . . . 6
Schuckert, Nürnberg. . . 8 1145,20
Siemens & Halske. . . . . 12 (210,00
5 122,00
Bergmann Elektr. . . . .
Allg. Elektr.-Gesellsch. . 14 240,50
. . 25 333,00
Hagen Akkum. . . ..
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (174,50
Gummi Peter . . . . . . . . 0. 8000
Adler-Fahrradwerke . . . 25 332,50
Maschinenfabr. Badenia. 6 130,00
Wittener Stahlröhren . . 0
8½ 155,00
Motoren, Oberursel .
Gasmotoren, Deutz . . . . 9 1119,50
Siemens Glas-Industrie . 15 1236,50
23 288,00
Enzinger Filter .
10 141,75
Steaus Romana
Zellstoff Waldhof: . . . . 15 179,00
Bad. Zucker-Waghäusel .12,83/221,50
Neue Boden-Aktien-Ges. . C
Süddeutsche Immobilien 0 1 61,40
Bergwerks-Aktien.
Aumetz-Friede .
12 1535)
Bochum. Bergb. u. Gußst.) 14 1218,75
Leonhard, Braunkohlen . 9 1159,00
Konkordia Bergbau . . . 23 360,80
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 (122.40
LEschweiler . . . .
. 10 228,75

pr.
Gelsenkirchen Bergw. . .11
Harpen Bersbau.
11
Kaliwerke Aschersleben - 10
Kaliwerke Westeregeln .
Königin Marienhütte .
Laurahütte . . . . .
Oberschles. Eisenbed.
Oberschl. Eisen-Industrie
Phönix Bergbau . .
Rheinische Braunkohlen
Riebeck Montan . . . . . .
South West.-Afr. Shares
Verzinsliche
Anlehenslose. (2f
Badische
. . TIr. 100 4
Cöin-Mindener . TIr. 1003½
Holländ. Komm. . A. 100 4
Madrider . . . . . Frs. 100 3
Meininger Präm.-Pfdbr. .
Osterreicher 1860er Lose . 4
Oldenburger . . . . TIr. 40) 3
Raab-Grazer . . . . H. 1502
Unverzinsliche
Anlehenslose.
Augsburger
.A.7
Braunschweig
TIr. 20
Mailänder
Fs. 45
do.
Fs. 10
Meininger . .
. A.7
Osterreicher v. 1864 . A. 100
do. v. 1858 . A. 100
A. 1004
Ungar. Staats
Venediger
Fs. 30
Türkische . . . . .. Fs. 400
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns. . . . .
20-Franks-Stücke . . . . . .
Amerikanische Noten . .
Englische Noten . . . . . . .
Französische Noten. . . . .
Holländische Noten . . . .
Italienische Noten . . . . .
Osterr.-Ungarische Noten.
Russische Noten . . . . . . .
Schweizer Noten. . . . . .
Reichsbank-Diskont .
do. Lombard Zsf. . .
Tendenz:
Behauptet.

Handel und verkehr.

Frankfurt a. M., 8. Mai. (Börſe.) Die An=
fangskurſe
der heutigen Börſe waren etwas niedriger, an=
ſcheinend
im Zuſammenhange mit der immer noch unge=
klärten
Lage in Epirus und der unentſchiedenen Haltung
der geſtrigen Neu=Yorker Börſe, wo der erneute Rückgang
der Canada Shares verſtimmte. Im Verlauf befeſtigte
ſich der Montanmarkt und von dort ausgehend kam auch
auf den übrigen Gebieten eine etwas günſtigere Stimmung
zum Durchbruch, wozu wohl auch vereinzelte Deckungen
mit beitrugen. Beſonders konnten Schleſiſche Werte, u. a.
Caro Hegenſcheid, ſich befeſtigen. Ferner wurde für Gel=
ſenkirchen
im Zuſammenhange mit dem Millionenauf=
trag
für ſüdamerikaniſche Rechnung Stimmung gemacht.
Ein lebhafterer Verkehr konnte ſich auch heute nicht ent=
wickeln
. Das Geſchäft hält ſich andauernd in den eng=
ſten
Grenzen. Der Kaſſamarkt lag teilweiſe ſchwächer, be=
ſonders
Chemiſche Werte. Niedriger notierten u. a.
Scheideanſtalt 6½, Anilin ca. 4 Prozent, Goldenberg 2¼,
Weiler ter=Mer 2½ Prozent. Von ſonſtigen Werten Mo=
toren
Oberurſel 2, Gritzner Maſchinen ca. 3, Siemens
u. Halske ca. 2, Faber Bleiſtift 3 Prozent. Fonds waren
nicht weſentlich verändert bis auf Mexikaner, von denen
die innere Anleihe ½ Prozent, die 5 prozentige äußere An=
leihe
0,80 Prozent anziehen konnten. Geſamt=Tendenz
behauptet.
H. Frankfurt a. M., 8. Mai. ( Börſenwochen=
bericht
.) Die Börſe wurde dieſe Woche von den ver=
ſchiedenſten
Strömungen hin= und hergeworfen und die
Tendenz wechſelte unvermittelt, je nach dem Eintreffen
von Nachrichten, die dann faſt überwiegend wieder demen=
tiert
wurden. Nur eine Tatſache ließ ſich nicht abſprechen,
nämlich die Aeußerungen des Generaldirektocs vom Phö=
nix
Beukenberg, beim Feſtmahl des Vereins deutſcher
Eiſenhüttenleute. Er konſtatierte zunächſt, daß die Markt=
lage
im Eiſengewerbe zurzeit ſehr ungünſtig ſei, aber es
ſehe faſt ſo aus, als wenn die Induſtrie das Schlimmſte
noch vor ſich habe. Daß es in der Eiſeninduſtrie ſchlecht
geht, weiß man längſt, aber wenn man eine ſolche Erklä=
rung
von hervorragender Stelle hört, macht es noch mehr
Eindruck. Der Schwerpunkt der Rede Beukenbergs liegt
aber in der Vorausſage noch ſchlechterer Zeiten. An der
Börſe bildeten die paar Worte das Hauptgeſpräch. Die
einen meinten: Wie kann der Leiter eines großen Werkes
die Tendenz ſeines eigenen Marktes verderben? Denn
nun wird die Zurückhaltung der Käufer, die ſchon jetzt nuc
von der Hand in den Mund kaufen, noch wachſen. Die Skep=
tiker
werfen ein, es werde wohl bald eine Erklärung fol=
gen
, daß die Aeußerungen nicht ſo ſchlimm gemeint ge=
weſen
ſeien. Aber es fanden auch noch ſchärfere Kritiken
darüber ſtatt. Wieder andere glauben, man wolle mit
dem Peſſimismus in der Eiſeninduſtrie den Beſtrebungen
nach B=Verbänden, die von neuem im Gange ſind, in die
Hände arbeiten. Beukenbergs Worte hätten aber gar nicht
die Bedeutung erlangt, wenn ſie nicht von den Baiſſiers
ſo gierig aufgegriffen und verwertet worden ſeien. Augen=
blicklich
arbeitet an der Börſe eine kleine, aber verwegene
Baiſſe=Clique, die dadurch eine Unterſtützung hat, daß die
Umſätze ſehr gering bleiben, da nirgends Aufnahmeluſt
beſteht, und ſo bringen oft kleine Abgaben ſtärkere Kurs=
verluſte
. Dabei iſt man auch wegen Albanien wieder
nervöſer geworden, und dabei ſprechen neuere Gerüchte
davon, daß der Geſundheitszuſtand des Kaiſers von
Oeſterreich ungünſtiger ſei, wie die offiziellen Berichte er=
kennen
laſſen. Schließlich beunruhigt der Gedanke, daß
der ſchon lange vergeblich erhoffte Aufſchwung des ameri=
kaniſchen
Wirtſchaftslebens durch einen eventuellen Krieg
der Union mit Mexiko weiter auf unbeſtimmte Zeit hin=
ausgeſchoben
werden könnte. All dieſe Momente, die von
der Börſe viel ſchwärzer aufgenommen und beachtet wer=
den
, als ſie in Wirklichkeit eintreffen dürften, bewirkten
während der erſten Wochenhälfte eine ſchwankende Hal=
tung
bei matter Tendenz. In der Zwiſchenzeit erfolgten
dann auch zeitweiſe Deckungskäufe der Kontremine, die
Erholungen brachten. Dann entwickelte ſich auch auf dem
Bankenmarkt größeres Geſchäft auf die verſchiedenſten
Kombinationen, daß wieder Fuſionen geplant ſeien.
Einen erheblichen Kursſtand erzielten Nationalbank für

Deutſchland, die man zunächſt zur Fuſionierung mit einer
Großbank vermutete, aber bisher ſind überall nur Demen=
tis
erfolgt. Ueber die Nationalbank hört man zur Be=
gründung
ihrer Preisbeſſerung noch die Angabe, das In=
ſtitut
bemühe ſich, die Petroleumintereſſen der ihr nahe=
ſtehenden
Deutſchen Orientbank an den Petroleumkonzern
der Deutſchen Bank zu übertraggn. Es ſoll ſich dabei um
Erdölkonzeſſionen in Meſopotamien handeln.
Am Geldmarkte iſt keine Veränderung eingetreten, da
die Bedürfniſſe der Börſe kaum nennenswert ſind, und der
Privatdiskont bleibt ſtabil zwiſchen 2½ und 2/0 Prozent.
Unter dem Einfluß der allgemeinen Börſenſituation hat
das Privatpublikum nur für Anlagepapiere Intereſſe, das
auch unvermindert anhält und den zur Subſkription auf=
gelegten
Werten ſehr zugute kommt. Die am 8 ds. auf=
gelegten
Bosniſch=herzegowiniſchen Anleihen dürften da=
her
den beſten Erfolg gehabt haben; ebenſo die am 12. ds.
kommende 4prozentige Frankfurter Stadtanleihe, für
welche ein Emiſſionspreis von 96,80 Prozent feſtgeſetzt
wurde, ſtark genommen werden.
Am deutſchen Hypothekenmarkte ſind die Verſicher=
ungsgeſellſchaften
neuerdings etwas lebhafter tätig, ihre
Sätze bewegen ſich ein wenig unter denen der Hypotheken=
banken
. Im übrigen kann man die Verhältniſſe dahin
charakteriſieren, daß die potenten Darlehnsſucher die hohen
Zinsſätze nicht bewilligen, während andererſeits nicht erſt=
klaſſige
Beleihungsobjekte von den Hypothekenbanken ab=
gelehnt
werden. Aus dieſem Grunde ſind die Umſätze
ſehr geringfügig und zweite Hypotheken ſind noch immer
nur ſehe ſchwer zu plazieren.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend lagen
Deutſche Renten, Städteobligationen und Pfandbriefe
recht feſt und nur 3prozentige Reichs und 3prozentige
Preuß Konſols, in denen ziemliches Ultimogeſchäft ſtatt=
findet
ſind um Bruchteile billiger Ausländiſche Staats=
fonds
weiſen geringe Veränderungen, ausgenommen die
verſchiedenen Mexikaner, welche kräftig avancierten dann
aber wieder etwas ſchwächer ſchließen, auf. Von Trans=
portaktien
haben Südd. Eiſenbahn=Geſellſchaft um mehrere
Prozente ſteigen können, während Schiffahrtswerte mat=
ter
ſchließen; ebenſo Orientbahnen niedriger auf die Diffe=
renz
zwiſchen Oeſterreich und Serbien in bezug auf die
Behandlung der ſerbiſchen Strecken, wodurch die Aus=
ſchüttung
ſich weiter verzögere. Montanpapiere meiſt ab=
geſchwächt
, beſonders aber Phönix, während für Gelſen=
kirchener
und Concordia eine günſtigere Meinung beſtand,
die auch den Kurs beeinflußten. Für Harpener Bergbau
macht man ſich in Börſenkreiſen auf eine Dividende von
etwa 9 bis 10. Prozent gefaßt, gegen 11 Prozent im Vor=
jahre
Am Kaſſainduſtriemarkt herrſchte im allgemeinen
Realiſationsluſt, ſo daß überwiegend Einbußen zu ver=
zeichnen
ſind Feſter waren Deutſche Gold= und Silber=
Scheideanſtalt um faſt 10 Prozent in Erwartung eines
befriedigenden Bilanzabſchluſſes; ferner noch Chemiſche
Albert Dürkopp und beide Zuckerfabriken höber. Auf
Elektrizitätswerte drückten die Aeußerungen des General=
direktors
Rothenau, daß zwar der Tiefpunkt der konjunk=
turellen
Einſenkung zurzeit erreicht ſei und von einem
merklichen Rückgana der Beſchäftigung nicht die Rede ſein
könne, aber der Geſchäftsgang wäre, wenn auch nicht
ſchlechter, jedoch ruhiger geworden. Das im vorigen
Jahre konſtatierte Tempo ſtürmiſcher Aufwärtsbewegung
hat ſich verlangſamt.
Der Wochenſchluß geſtaltete ſich nach ſehr ſtiller Eröff=
nung
lebhafter und die Tendenz wurde unter Unter=
ſtützung
von größeren Deckungen feſter. Dies gilt vor=
wiegend
vom Wochenmarkt, wo beſonders Phönix und
Gelſenkirchener Bergwerks=Geſ.=Aktien anſehnlich beſſer
ſchließen; bei den letzteren ſtimulierte die Nachricht, daß
die Geſellſchaft von der argentiniſchen Regierung einen
Auftrag auf Lieferung von 65000 Tonnen gußeiſerner
Röhren im Werte von rund 9 Millionen Mark für Kana=
liſations
= und Waſſerleitungszwecke erhalten habe. Am
Kaſſagebiet waren Holzverkohlung anziehend.
Es ſchließen: 4proz. verlosb. Preuß Schatzſch. 99 G.,
4proz. Reichs 99,10. 4proz. Reichs (rückzahlbar 1918) 98,70.
3½proz. Reichs 86,80, 3proz. Reichs 77,80, 4proz. Heſſen
von 1899 97.50. 4proz. Heſſen von 1906 97,60, 4proz. Heſſen

von 1908/09 97,50. 4proz. Heſſen (rückzahlbar 1921)
3½proz. Heſſen 84,60, 3proz. Heſſen 75,40. 4proz. Dag
ſtädter Neue 95 G., 4proz. Darmſtädter 95. 3½
Darmſtädter 87,30, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr (Se
2326) 97,40 G., 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Secie
97,50 G 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie3.
84,90, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (Serie 911)8475
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. Serie 1314) 97,40
4proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr. (Serie 15) 97,50 G., 3½pro
Heſſ. Kommunal=Pfdbe. (Serie 13) 84,90, 3½proz. Heilll
Kommunal=Pfdbr. (Serie 4) 84,90 G., 4proz. Naſſ. Landen
bank=Pfdbr. 99,, 3½proz. Naſſ. Landesbank=Pfdbr. 91,
3proz. Naſſ. Landesbank=Pfdbr. 88 G. Genua=Loſe 215
Türkiſche Loſe 166, Raab=Grazer Anrechtsſcheine 32
Donau=Regulierung 156, Gothaer Prämie II 12
Darmſtädter Bank 117,, Südd. Eiſenb.=Geſ. 132..
dad=Türken S. I 77,60, Bagdad=Türken S. III 75,80, Solll
Weſtafrika 115¾, Otavi=Anteile 116½, Otavi=Genußſchll
100.. Aluminium 273 Adlerwerke Kleyer 332½, Deut
Golde= und Silber=Scheideanſtalt 627,. Chemiſche Mll
heim a. M. 67,40, Lack= und Farben=Fabr Schramm, Offll
bach a. M. 268 G. Rütgerswerke 189,, Voigt u. Hoefffl
200, Brown Boveri u. Co. 146½, Lederwerke vo
Spicharz. Offenbach a. M. 84,20 G., Reiniger Gebhall
u. Schall 194,70 B., Ludwigsh. Walzmühle 159 G Bell
Motoren 181,, Daimler=Motoren 392¼, Bielefelder
ſchinen Dürkopp 312, Faber u. Schleicher, A.=G., O
bach a. M 100 B.. Mannesmann Röhrenwerke 205
Moenus=Maſchinen 167,60, Naphtha 403. Deutſche
lagsanſtalt 169, Waggon=Fabr. Fuchs, Heidelberg 131
Zuckerfabr. Frankenthal 419,. Chemiſche Weiler 217,50
Chemiſche Goldenberg 232,50 G., Maſchinenfabrik u
ner 265 6.

Zahlungen an Poſtkaſſen mitte
Schecks. Zur Förderung der bargeldloſen Zahlungl
werden bei den an Reichsbankplätzen befindlichen Kaſſel
der Reichs=Poſtverwaltung außer Poſtſchecks und Reic
bankſchecks auch Schecks auf Banken, Anſtalten, Genoſſe
ſchaften und Sparkaſſen in Zahlung genommen, wenn
im Scheck als Bezogene genannte Bank uſw. ihre Geſchäffl
ſtelle im Orte hat und ein Girokonto bei der Reichsbal
ſtelle des Ortes unterhält. Derartige Schecks können
in Zahlung gegeben werden bei Einzahlungen auf Poſtil
weiſungen und Zahlkarten, beim Einkaufe von Wertzeichll
im Betrage von mindeſtens 20 Mark, bei Entrichtung
Fernſprechgebühren, geſtundeten Portobeträgen,
grammgebühren, Zeitungsgeld, Schließfachgebühren.
mit Scheck eingelieferten Poſtanweiſungen und Zahlfll
ten werden von den Poſtanſtalten abgeſandt, ſobald
Reichsbank den Betrag der Poſtkaſſe gutgeſchrieben hül
Es iſt dafür geſorgt, daß dieſe Gutſchrift möglichſt räll
erfolgen kann. Eine vorzeitige Abſendung der Poſtann
ſungen und Zahlkarten vor der Gutſchrift tritt jed
ein, wenn die Teilnehmer an dem Verfahren für die voll
ihnen ausgehenden Poſtanweiſungen und Zahlkarten beiſſ
Poſtamt bis zur Höhe der Einzahlungen Sicherheitge
ſtet haben. Die von öffentlichen Behörden, Kaſſenü
Anſtalten ſowie von Sparkaſſen der Kreiſe, Stadt= Un
Landgemeinden aufgelieferten, mit Schecks beglichenel
Poſtanweiſungen und Zahlkarten werden ohne Siche
heitsleiſtung vor der Gutſchrift der Schecks abgeſan
wenn ſich die Behörde uſw. mit der Poſtanſtalt überd
ein für allemal zu beobachtende Einlieferungsverfahle
verſtändigt hat.

Literariſches.

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Weriner Stimmungsbildter.
Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.)

ſer und Kunſt. Die Große Akademiſche Kunſt= Aus=
ung
. Frühere und jetzige Beachtung. Was der
ſechiter Glaspalaſt bietet. Eine Ausſtellung alter
itt. Geheimrat Bode und ſein Einfluß. Die Ernte
Jahrzehnts. Im Märkiſchen Muſeum. Aus
ſſräſcher Vergangenheit. Unſere Altvordern vor drei=
ſſſind
Jahren. Amerikaniſche Gäſte. Das Mirakel.
Wenn der Lenz in der Weltſtadt ſeinen ganzen Zauber
iltet, wenn auf jedem freien Plätzchen innerhalb der
hert Häuſerreihen buntfarbige Blumen aufſprießen, die
eus der ſtädtiſchen Behörden auf das liebevollſte gehegt
den und uns ein Stück inniger Poeſie in die vielge=
Uitte Steinwüſte bringen, wenn wir jetzt des öfteren
ßinenuntergänge haben, die uns nach dem Orient ver=
En könnten, dann treten die Künſtler mit der Natur
ſdem Wettkampf, draußen, in den Glashallen des Moa=
Ausſtellungspalaſtes. Gerad im Frühling fluten
i= künſtleriſche Wogen über Berlin herein und ſuchen
Intereſſe unſerer kunſtliebenden Kreiſe in Anſpruch
ſtehmen. Es gelingt ihnen nur teilweiſe, bei weitem
Ii mehr in ſo hohem Grade, wie einſt, als man mit
Msarſter Spannung der Eröffnung der Großen
ſe demiſchen entgegenſah, deren Hauptwerke man
Aner wieder und wieder in zahlloſen Unterhaltungen be=
ſtelte
. Jetzt bietet unſere Stadt zuviel auch auf künſt=
Eſhem Gebiet während des ganzen Kreislaufes des
ſees, und daneben wird die Aufmerkſamkeit durch an=
ſ
Veranſtaltungen und Vorgänge ſo ſehr abgezogen,
innan der einen Ausſtellung nicht mehr jene frühere
ſhtung ſchenkt. Das zeigt ſich auch in den Zeitungen,
chemals eine ganze Reihe von Aufſätzen mit eingehen=
Beſprechungen veröffentlichten, während ſie ſich heute
f mit kurzen Ueberblicken begnügen. Natürlich wird’s
Künſtler ärgern und kränken, es mag ſie auch in wirt=
ſfllicher
Beziehung empfindlich ſchädigen, iſt aber nicht
zu ändern, eng hängt’s mit dem Gang der Zeit
der Entwicklung Berlins zuſammen Noch eins kommt
Ulizm: das iſt eine gewiſſe Gleichförmigkeit jener Aus=
ſſlümngen
, die ſeit langem nichts Senſationelles mehr
lien, dies oder jenes Werk, das man geſehen haben muß.
s ferneren erſchwert die wachſende Zahl der vorhande=
ſt
Wemälde und Skulpturen die Orientierung, der Inhalt=
m
imehr denn 70 Sälen wirkt ermüdend und zerſtreuend.
ſin ſagt ſich bald, daß man das hier ſo aus dem Vollen
bretene garnicht bewältigen und recht würdigen kann,
n beſchränkt in vielen Fällen ſeinen Beſuch auf das eine
Und doch verdient gerade die diesmalige Aus=
lllung
eine regere Teilnahme. Auch ſie bietet zwar
Ahis Außergewöhnliches ſie enthält jedoch von den ver=
lledenſten
Seiten eine Fülle guter und ernſter Arbeitn,
Ainen klaren Ausdruck der neueren und neueſten (nicht
Aecnſten) Kunſt bilden. Den ſogenannten Kitſch hat
Im glücklich ferngehalten, über einzelnes Fragwürdige
lſt man gern hinweg, denn darauf trifſt man eigentlich
tall; man freut ſich des tüchtigen Strebens und künſt=
ſchen
Lebens, das uns warm und anſprechend umgibt.
mäheres Eingehen müſſen wir uns für heute verſagen,
oll willig nachgeholt werden, wenn der Wochen=
rrniſt
prüfend Ausguck hält nach neuen Anregungen,
Adenen es jetzt hier wahrlich nicht fehlt. Erwähnt ſei nur,
t der Ehrenſaal uns einen Rückblick auf die Ver=
Uner Kunſt der Zeit Wilhelm I. ermöglicht,
ſhi ger ermöglichen ſoll, denn die hier vorhandenen etwa
Bemälde bilden doch nur einen ſehr winzigen Aus=
ſrigt
jener Epoche, die ihren hauptſächlichſten Glanz vom
Ihiee Menzels empfing. Auch hier überragt er rieſengroß
ße Gefährten, von denen uns viel Tüchtiges gezeigt
Ut, ohne daß ſich dies ſo ganz beſonders von dem In=
lſtder
anderen Säle abhebt. In dieſen finden wir dann
Ih eine ſehr reiche Aquarell= und Paſtell=Abteilung mit
ſitigen, wertvollen Gaben und acht Sonderaus=
llmgen
von Malern, unter denen jene des betagten
u is Douzette mit ſtimmungsvollen Mondland=
liften
uns die Schritte hemmen läßt. Auch Karl
ropſtein der bewährte Berliner Tiermaler, ver=
ſinge
eine Zuſammenfaſſung ſeiner Leiſtungen, ebenſo der
ſäener A. von Brandis mit ſeinen feinen Interieurs
ſeiner ſo wirkſam vorgetragenen Freude an Sonne

und Licht. Die im Ehrenſaal aufgeſtellte Büſte des Kaiſers
von Max Bezner von der jüngſthin wegen ihrer
Pariſer Abweiſung ſo viel die Rede war, iſt eine recht
gute Leiſtung, erreicht aber nicht den künſtleriſchen Wert
der gleichen Büſten von Ludwig Manzel und Walter
Schott.
Am ſelben Tage, wie die Große Kunſtausſtellung, öff=
nete
auch die Akademie der Künſte am Pariſer Platz ihre
Pforten zu einer vom Kaiſer Friedrich=Muſeums=Verein
veranſtalteten Ausſtellung alter Kunſt aus
Berliner Privatbeſitz. Wie ſehr zeigen doch die
Schätze dieſer ſieben Säle den Umſchwung gegen früher
im Berliner Kunſtleben! Gewiß hat es ſeit dem erſten
Drittel des vorigen Jahrhunderts hier nicht an Kunſt=
freunden
gefehlt davon zeugt ja am beſten unſere
National=Galerie, die aus der dem Staat vermachten
Privatſammlung des Konſuls Wagener hervorgegangen
aber es handelte ſich meiſt um ein recht planloſes Sam=
meln
, ganz nach perſönlichem Geſchmack und von ungefähr
eingeflößter Liebhaberei, gelegentlich mochten auch billige
Käufe beſtimmenden Einfluß haben. In dieſe vorhandene
Sammelluſt brachte erſt Wilhelm Bode der General=
direktor
unſerer Muſeen, Syſtem, er ſtand unſeren Samm=
lern
ratend und tatend zur Seite er lenkte ihre Aufmork=
ſamkeit
auf beſondere Kunſtperioden und wußte ſie zu be=
ſtimmen
, ſich darauf zu beſchränken, um auch die Berliner
Privatgalerien auf eine höhere Stufe zu bringen, wie ihm
dies ſo meiſterhaft bei unſeren Muſeen gelungen Nicht
zufrieden damit, erweckte er in Berlin etwas, was vor ihm
kaum oder doch nur recht kümmerlich vorhanden war: das
Mäcenatentum im Kreiſe der Privatleute. Mit Recht hob
bei ſeinem vor mehreren Jahren ſtattgefundenen Jubiläum
einer ſeiner treueſten Verehrer hervor, daß Bode’s eigene
Muſeumsſtiftungen unſeren Reichen ein doppelt ſcharfer
Anſporn waren. Die Wucht der Tatſache riß ſie mit ſich
fort, ſie ſahen ſchnell ein, daß hier nicht um der eigenen
Perſon, ſondern nur um der Sache willen Opfer gebracht
wurden, und ſie gewöhnten ſich daran, die Mittel zur Er=
werbung
von Kunſtſchätzen auch dann zur Verfügung zu
ſtellen, wenn ſie nicht allein die Freude an ihrem Beſit haben
können, ſondern dieſe auch die Oeffentlichkeit in weiteſtem
Maße mit ihnen teilt. Dieſe Befriedigung wird nicht die
ſchlechteſte Ernte ihres Lebens ſein, und es iſt anzu=
nehmen
, daß ſo manches Werk aus der erwähnten Aus=
ſtellung
von ſeinem Beſitzer ſchon jetzt für das Kaiſer
Friedrich=Muſeum beſtimmt iſt. Den Einfluß Bodes merkt
man auch bei all dem Herrlichen, das dieſe Akademie=Säle
bergen und das innerhallb von zehn Jahren nach Berlin
gewandert iſt, einen zehnfachen Millionenwert verkörpernd.
Die Holländer und Flämen ſtehen obenan, mit Rubens
und Rembrandt, aber auch Italiens beſte Renaiſſancekunſt
ward aufmerkſam berückſichtigt. Außer den Gemälden und
einzelnen Skulpturen kommen auch Gobelins und Holz=
ſchnitzereien
zur Geltung, des ferneren Bronzan und Kera=
miken
, alles von erleſener Art. Wie der Inhalt der Aus=
ſtellung
im Glaspalaſt im großen Rahmen das Wachstum
und die Bedeutung Berlins als Kunſtſtadt zeigt ſo in
anderer Weihe jener im vornehmen Heim unſerer Akademie
der Künſte über beides kann man ehrliche Freude emp=
finden
!
In ferne Vergangenheit führt uns eine andere Aus=
ſtellung
, die ihren Platz im Märkiſchen Muſeum er=
halten
hat. Das letztere, deſſen ſtolzer, in altertümlichen
Formen gehaltener, markiger Backſteinbau nahe den Flu=
ten
der Spree aufragt und ſich ſofort Beachtung erzwingt,
wird leider bisher viel zu wenig berückſichtigt, ſowohl von
Einheimiſchen, wie von Fremden. Und doch kann man
ſich hier ſo recht zurückverſetzen in jene Zeiten, aus deren
ſtillem, vorbereitendem Schaffen die heutige, vielbewun=
derte
, gewaltige Weltſtadt entſtanden iſt. Es iſt ja auch
der Zweck dieſes, im Jahre 1874 gegründeten Muſeums:
die natürliche und geſchichtliche Entwickelung des Stamm=
landes
des preußiſchen Staates und ſeiner Hauptſtadt
ſinnfällig vor Augen zu führen. Unſeres Stadtbaurats
Hoffmann genialer Kunſt iſt es zu danken, daß in erſtaun=
licher
Mannigfaltigkeit die einzelnen Räume für ihren In=
halt
geſchaffen wurden, daß ſich beides eng ineinanderfügt,
was man im allgemeinen von den wenigſten Muſeen ſagen
kann. Jene Ausſtellung nun, von der wir geſprochen, um=
faßt
die Ergebniſſe merkwürdigſter und feſſelndſter Funde
aus prähiſtoriſchen Zeiten beim nahen Buch.
Man ſtieß auf ſie gelegentlich umfaſſender ſtädtiſcher Bau=
ten
, und es iſt dem verdienſtvollen Altertumsforſcher Dr.
Kiekebuſch zu danken, daß man die von Mutter Erde ſo
ſorgſam gehüteten Reſte eines vor tauſend Jahren vor=
handenen
Dorfes umſichtig ſammelte und ſie nun in zu=

Z e ee
uns, uns eine Vorſtellung zu machen vom Wohnen, Leben
und Treiben jener einſtigen Inſaſſen des märkiſchen
Bodens. Auf das deutlichſte erſteht die geſamte Anſiede=
lung
, die an hundert Häuſer umfaßte, vor uns, wir werden
mit den häuslichen Arbeiten der Frauen, denen der Web=
ſtuhl
nicht unbekannt war, mit den Spielen der Kinder, mit
den Jagd= und Kriegszügen der Männer, mit frohen
Feſten und düſteren Begräbniſſen vertraut gemacht. Arm=
ſelig
und langweilig ſcheint es durchaus nicht in jenem
Dorfe zugegangen zu ſein, von allerhand Schlemmereien
erzählen die feſten Ueberbleibſel der Tafelfreuden und
mächtige, in die Erde eingelaſſene Gefäße, die den Meth
enthielten. Auch künſtleriſchen Sinn hegten jene Alt=
vordern
, das beweiſen die verſchiedenen Ornamente und
ſonſtigen Verzierungen auf den Tongefäßen.
Schade, daß unſere amerikaniſchen Gäſte, die
hauptſächlichſten Hotelbeſitzer der Vereinigten Staaten,
während ihres hieſigen Beſuches nicht Zeit fanden, jene
Ausſtellung zu beſuchen. Sie halten ja Berlin für eine
durch und durch moderne Stadt, deren geſchichtliche Er=
innerungen
von keinerlei Bedeutung und Einfluß ſind.
Da wären ſie nun eines anderen belehrt worden und
vielleicht wäre ihr Staunen über all das Neue, Schöne und
Praktiſche, das ihnen hier aufgeſtoßen und ihr Gefällen
erregt, noch größer geweſen, wenn ſie in jenem Muſeum
die Darſtellungen Berlins aus der zweiten Hälfte des letz=
ten
Jahrhunderts betrachtet hätten. Und da ſie die Gegen=
ſätze
lieben, an denen bekanntlich jenſeits des Atlantic kein
Mangel iſt, ſo hätten ſie ſich mach einer Wanderung durch
das Märkiſche Muſeum nach dem Zirkus Buſch begeben
und dort einer Vorführung des Reinhardtſchen Mira=
kels
beiwohnen müſſen. Tauſende von Menſchen in
dem einen Raum, unten die eleganten Frühlingsgewän=
der
der Damen, oben die Alltagskleidungen hartſchaffen=
der
Männer und Frauen, überall Spannung und Ergrif=
fenheit
auch das ein merkwürdiges Weltſtadtbild! Die
ſzeniſche Kunſt Reinhardts verſteht es, in Verbindung mit
Vollmoellers Myſterienſpiel und Humperdincks Muſik die
Tauſende in ihren Bann zu ſchlagen, bis ſie von demſel=
ben
durch ſtürmiſchen Beifall befreit werden. Von ſeinen
Aufführungen in London und in anderen deutſchen Städten
her iſt dieſes Spiel ja ſchon hinlänglich bekannt , gewiß
nur ein Schauſtück, das man ſpäter kritiſch zergliedert und
an welchem einem nicht alles gefällt, aber doch von ſo un=
mittelbarem
Eindruck und von ſo wechſelnder Wirkung,
daß man ſich gern gefangen nehmen läßt, ſelbſt gegen
inneres Sträuben. Und dies Mirakel hat das Wun=
der
zuſtande gebracht, daß, ungeachtet des lockenden Früh=
lingswetters
, die Berliner in hellen Scharen täglich abend=
lich
zum Zirkus Buſch pilgern und daß vom Mirakel
hier mehr geſprochen wird, wie von all unſeren Muſeen,
wie von all den Kunſtausſtellungen des letzten Jahrzehnts,
wie von allem Zauber des Frühlings!

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Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127.

Ver erste Blick dverzeugr oi

von dem
Grossen

I. Von der Riesen-Auswahl in Mode-Neubeiten

(11702)

ei

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ſſrummer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

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Tiie trägen Waſſer des märkiſchen Fluſſes führten die
len Eisſchollen. Ein hohlklingendes, wie Orgelgetön
eiembares Daherbrauſen eines wüſten Nordweſts gab
elenden Reſten des ſterbenden Winters ſchlingernden
a Giſchtgeſchmückte, ſich bäumende, grünſchwarz ge=
e
?Wellenleiber ſchoben und trieben die Wandernden,
närſchend, wie vor ohnmächtigem Zorn knirſchend, an=
ſinger
fuhren, ſich ſtemmten, trotzten, ſich auflehnten
n dieſe wuchtig preſſenden, machtvollen, kalten Lei=
und dennoch gewiß dahin mußten, ſo gewiß wie
ſchmutziggrauen Fetzen des zerſchliſſenen Winterge=
Aldes der Ebene zu beiden Seiten des Fluſſes. Sie
n überall im Sterben, dieſe kläglichen Reſte einſtiger
ſht:: an die Nordhänge der leiſe anſteigenden, Hügel=
llen
geklebt, in die ſchwarzen Ackerfurchen geduckt, in
ürren Binſenkleider der Gräben und in nackte Brom=
Mhacken verſteckt. Und waren alleſamt wie ſcheue
. die das Erkanntwerden fürchten. Sie zitterten vor
n Sonnenſtrahl, der ſie ſuchte und fand. Sie muß=
halle
dahin. Zudem war es Zeit, daß ihnen der Gar=
gemacht
wurde. Schon war der März über die Hälfte
r Tage hinaus, immer im Morgengrau auf ſeine
te Genoſſin, die jauchzende Lerche, wartend, die heuer
ſie aauf ſich warten ließ.
Zimm Rasmuſſen, der Bauer, dachte das auch. Und
wie der Schein eines ſehnſüchtigen Verlangens auf
n: Geſicht, als dies Denken ſich ſchwerfällig durch
n Sinn ſchob. Er ſtand in müder Haltung weit nach
übergeneigt. Die ſchwieligen, verarbeiteten Hände

ſtützten ſich ſchwer auf den Spaten, mit dem er Furchen
gegraben hatte, um das auf einem Ackerſtreifen angeſam=
melte
Schneewaſſer abzuleiten. Träumeriſche Verſunken=
keit
lag in ſeinen weitgeöffneten, mattblauen Augen, die
den grauen, trägen Fluß ſuchten. War der nicht wie ein
müdes, altes Weib? Ja, ſo alt, ſo müde, ſo faſt gebrech=
lich
. So ohne alle leidenſchaftliche Gewalt eines ſich
Befreienden, ohne jähen, wilden Jubelſchrei eines Siegen=
den
, Neuſtarken, Neujungen.
Und alles ringsum ſo ſchwerfällig, ſo grau, hart,
herbe.
Die hagere, eckige Geſtalt Timm Rasmuſſens paßte
ganz und gar hinein in dieſen Rahmen. Der Bauer war
wohl knapp an die Fünfzig heran und ſah doch wie ein
Sechziger aus. Und als nun gar der ſehnſüchtige Zug
des Wartens auf etwas Fernes, Unausgeſprochenes, kaum
Geahntes aus ſeinem Geſicht ſchwand, war ſo viel Müdes,
Sorgenvolles, Gequältes in dieſem gefurchten, bartloſen
Geſicht mit dem leiſe vorſpringenden Kinn und den
ſcharfgeſchnittenen, ſchmalen Lippen. Ganz gewiß ſah
man’s jetzt: Timm Rasmuſſen iſt kein Froher, Freier,
Friſcher, ſondern einer, der eine Laſt nein, viele Laſten
trägt, viele und ſchwere, ſolche, die ſich nicht abſchütteln
laſſen mit einem einzigen kurzen Ruck.
Drüben wand ſich ein Feldweg durch die Ackerbreiten.
Gekröpfte Weiden, manche hohlleibig, viele von gewalt=
tätiger
Sturmfauſt zur Seite gepreßt, gaben ihm das Ge=
leit
und ſchienen in der ſachte heranſchleichenden Dämme=
rung
wie abenteuerliche Geſtalten. Ein Stück hinaus
kroch der Weg in Kiefernwald. Von dort her kam ein Ge=
fährt
. Ein langſam trottender Gaul mit müde hängendem
Kopf ging im Scherbaum. Die Räder ſchlugen klappernd
und ächzend in den ausgefahrenen Gleiſen. Der übelge=

launte Kutſcher ſchimpfte über den hundserbärmlichen
Weg, und auf dem Hinterſitz ſaß einer und lächelte.
Timm Rasmuſſen riß das zu ihm über das ſtille Feld
laufende Geräuſch aus ſeinem verſunkenen Starren. Er
ſah auf und beobachtete.
Als das Gefährt die ihm gehörende Breite erreichte,
hielt es, und ein Zuruf klang zu ihm herüber.
Heda! Im Winde zerflatternd, kam das Wort nur
ungewiß an ſein Ohr. Er glaubte es für ſich wohl über=
haupt
nicht beſtimmt, wenigſtens blieb er ohne Bewegung
ſtehen.
Heda, Heda! Nun ganz friſch und hell. Wie ein helles
Lachen flog es durch die Luft. Der Fremde im Wagen
hatte ſich erhoben, rief und winkte. Heda, guter Freund!
Da ſtraffte ſich endlich Timm Rasmuſſens zuſammen=
geſunkene
Geſtalt. Er ſchulterte den Spaten und kam.
Seine Augen liefen zum Wege voraus und ſahen nun
ſchon gewiſſer. Ein freundlicher, hübſcher Kerl, dieſer
Fremde. Blanke Augen, ein blondes, kühn aufgeſetztes
Schnurrbärtchen, breite Schultern und eine gewölbte Bruft
der hielt was aus. Die wetterfeſte Joppe und der
grüne, federſtutzgeſchmückte Lodenhut hatten ſicher nicht
erſt einen Regenguß erlebt. Dreißig Jahre, vielleicht auch
ein paar mehr oder weniger mochte der Beſitzer dieſer
Kleidungsſtücke alt ſein.
Nun ſtand Timm Rasmuſſen dicht vor ihm. Der
Fremde muſterte die knochige Geſtalt des Bauern von der
abgegriffenen Schirmmütze an bis zu den kotbeſpritzten,
hochſchäftigen Stiefeln flüchtig.
Timm Rasmuſſen fing den prüfenden Blick auf und
glaubte etwas wie leiſen Spott in ihm zu leſen. Ja,
ſolch verſoffener Acker iſt keine Paradeſtube mit weißge=

[ ][  ][ ]

Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 1275

chanentn diele,ſahte er hntiſch icd nenm nun des
bißchen Saat nicht ganz verſaufen laſſen will, muß man
den Dreck halt mitnehmen.
Der auf dem Wagen hatte eine begütigende Hand=
bewegung
. Aber, gewiß doch! So reden Sie nur nicht.
Ich kenne verſoffene Aecker auch .. und was ich fragen
wollte: Wie weit iſt’s noch bis Trebnitz?
Eine knappe halbe Stunde, wenns gemach geht.
Schließlich haben wir einen Weg?
Ich bin in Trebnitz zu Hauſe, ſagte der Bauer gleich=
mütig
.
Schön. Der Sprecher rückte zur Seite und wies auf
den Sitz. Wenn Sie mitfahren wollen?
Tim Rasmuſſen muſterte den müden Gaul. Nein.
Der Braune wird ſchon mit Zweien in den Sielen liegen
müſſen, daß es knarrt. Der Weg iſt ſchlecht, ich laufe lie=
ber
nebenher.
Er ſchritt ſchon zu und war bereits ein Stück voran,
ehe das Gefährt in Bewegung kam. Bei der dritten
Weide hatte es ihn eingeholt. Er ſchien ſich gar nicht
mehr darum zu kümmern, ſchritt ſchwerfüßig dahin und
ſah ſtarr in den leiſe heranſchleichenden Abend.
Erſt als Worte klangen, drehte er den Kopf ein wenig
zur Seite.
Ich komme wegen der Vermeſſung für die Bahn, die
von Güſterode nach Langenwiſche gebaut werden ſoll.
Tim Rasmuſſen ſchwieg.
Sie wiſſen natürlich davon? Von der Bahn über
den Fluß rüber

On ſo, des veriche inſ werf der Anter ver=
ächtlich
hin.
Sie meinen den Fluß?
Nee, die Bahn! betonte der Gefragte.
Wie können Sie nur! ereiferte ſich der andere. Dieſe
Bahn iſt doch eine hochwichtige Sache für die ganze Ge=
gend
hier, die bis jetzt von jedem Verkehr abgeſchnitten
war.
So? Ganz gleichgültig klang es.
Der junge Mann ſchüttelte erſtaunt den Kopf. Ein
richtiger Bauernſchädel von der alten Sorte, dachte er.
Und dann ſprudelte er hervor: Na, aber natürlich! Es
kommt Leben her, friſches, pulſierendes Leben. Der tote
Winkel macht die verſtaubten Augen auf und lernt ſehen.
Kriegt ſo etwas wie einen neuen Rock auf den alten
Leib, ſo eine Art Sonntagsjacke. Er lachte luſtig und fuhr
dann, ernſter ſprechend, fort: Die Geſchichte wird nur ſo
einfach nicht ſein. Denn der Fluß, eben der Fluß, der iſt
das verrückte Ding. Seine moorigen Uferwieſen ſollen
ja ſcheußlich grundlos ſein. Na, geſchafft wird’s! Morgen
beginne ich von Trebnitz aus mit dem Vermeſſen.
Hm, ſo, machte der Bauer, als kümmere ihn die ganze
Sache überhaupt nicht.
Otto Behring, der Geometer, lehnte ſich mit einer
Bewegung des Unwillens ſcharf zurück. So etwas war
ihm denn doch noch nicht vorgekommen! Dieſe ſtupide
Intereſſeloſigkeit! Aber, Mann, weshalb wollen Sie denn
eigentlich von dieſer Bahn nichts wiſſen? ereiferte er ſich
mit hellem Aerger im Ton. Das iſt doch äußerſt merk=
würdig
!

Eer nioh, menie Diam Remniſten geaſe 30
geradeaus in den ſchwindenden Tag ſtarrend, als ſprä
er zu ſich ſelber. Was ſoll mir die Bahn? Fahren damu
werde ich doch nicht. Zum Verreiſen hat unſereins
Zeit. Da gilt’s immerzu, ſich zu placken und zu ſchin
jeden Tag von früh bis ſpät im Geſchirr, daß manſche
verreckt. Und was ſoll die Bahn überhaupt? Das
mit ihr gerade ſo, als wenn ſich einer für ander
Morgen Acker ne Mähmaſchine kauft. Ueberflüſſig, z
los, einfach verrückt!
Behring lachte ganz laut. Ja, nehmen Sies
nicht übel, lieber Mann, aber das iſt tatſächlich
Lachen.
J, meinetwegen tun Sie’s doch, ſoviel Sie wollen
gab Rasmuſſen gelaſſen zurück. Und dann ſanke
Schweigen, ſchritt noch ſchärfer aus und ſchien das
fährt neben ſich vergeſſen zu haben.
Otto Behring traf gern mit merkwürdigen Menſche
zuſammen. Es war ihm intereſſant, auch in dieſer=
Bauer ein dankbares Objekt für pſychologiſche Studien
gefunden zu haben. Er ſann darüber nach, was es wo
ſein könnte, das dieſem Manne die Abneigung gegen einen
Kulturfortſchritt gab. War’s die alte Bauernphiloſophies
Wozu mit einem Male anders, wenn’s früher nicht
war? Hatte eine grenzenloſe Gleichgültigkeit ſchuld?Des
Nachdenkliche kam nicht zu Rande und verſuchte nach läng
gerem Schweigen ein klärendes Geſpräch neu anzuknüpfen

(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ][ ]

Mummer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Seite 21.

weckmäßige Einrichtung des Zimmer=
Hquariums.)

Das Zimmeraquarium, das ſchon wegen ſeiner be=
hizugten
Aufſtellung in der Regel von den meiſten Lieb=
ſidern
nur mit Fiſchen beſetzt wird, ſollte ſtets ſo einge=
ſttet
ſein, daß ſeine Bewohner die eingebüßte Freiheit
att fühlen und ihnen das Leben ſo angenehm wie mög=
ſch
gſtaltet wird. Es ſoll ein Stückchen Natur darſtellen
demzufolge auch in ſeiner ganzen Einrichtung der
ſkarur ähneln. Da zwiſchen Tieren und Pflanzen Wech=
Aheziehungen beſtehen, iſt es unbedingt nötig, das Aqua=
zumm
mit Pflanzen zu beſetzen. Die Fiſche (wie überhaupt
Tiere) atmen Sauerſtoff ein und Kohlenſäure aus,
e Pflanzen dagegen nehmen Kohlenſäure auf und ſcheiden
ſanterſtoff aus. Von der Verwendung des Goldfiſch=
ſſames
oder gar der ſogenannten Schuſterkugel iſt wegen
liger Untauglichkeit abzuſehen und nur ein mittel=
ſirßes
, rechteckiges Glas= oder Geſtellaquarium zu neh=
ſeia
, das immerhin mindeſtens 30 Liter Waſſer faßt. Für
ſe Pflanzen, vor allem die Pflanzen mit Schwimmblät=
me
und die Sumpfpflanzen, iſt ein nahrhafter Boden un=
Ali ßlich. Wenn man früher vielfach Teichſchlamm als
ſeugneten Bodengrund empfahl, ſo iſt man doch mit Recht
ſſwvon abgekommen, da mit dieſem unter Umſtänden alle
ſſiglichen ſchädlichen Organismen eingeſchkeppt werden
Unmen.
Folgende Miſchung iſt der Erfahrung nach am
engnetſten: ein Drittel ſchwarze Maulwurfserde, ein
Urtttel Torf (der vorher genügend durchweicht und fein
risröckelt ſein muß) und ein Drittel feiner Flußſand, dem
liche noch etwas Lehm beigegeben werden kann. Die Höhe
Bodengrundes richtet ſich nach der Größe des Beckens.
lilline aber mindeſtens 4 Zentimeter betragen. Nachdem
r Grund, der naß gemiſcht und ebenſo eingebracht wer=
In muß, gut aufgedrückt und dafür geſorgt iſt, daß mög=
Uhrt keine Lücken vorhanden ſind, kann mit der Bepflan=
ug
begonnen werden. Unſere einheimiſche Waſſerflora
eret uns ſoviel und auch eine derartige Abwechſelung,
ß es nicht nötig iſt, ſich wegen der Beſchaffung aus=
ſhnoiſcher
Pflanzen den Kopf zu zerbrechen. Trotzdem
ſes ratſam, einige Vallisverina zu verwenden, da dieſe
las im Winter grünen, während faſt ſämtliche einheimi=
ſhen
Pflanzen im Winter einziehen und ſich erſt wieder
ſ mächſten Frühjahr zu neuer Pracht entfalten. Vor dem
ſüöbringen der Pflanzen ſind dieſe gehörig zu reinigen
id von anhaftendem Schlamm, Schmutz, ſowie verfaul=
n
. Zweigen und Blättern zu befreien. Eine zu enge Be=
ſſlunzung
iſt zu vermeiden, um den Pflanzen Gelegenheit
ir Entwicklung zu geben. Nach dieſer Arbeit muß der
frund mit einer mindeſtens 3 Zentimeter hohen Sand=
ſhicht
bedeckt werden, um hierdurch einem Aufwühlen
*s Bodens vorzubeugen. Dieſer feingeſiebte Flußſand
miz vorher ſolange geſpült werden, bis das daraufgegoſ=
n
Waſſer klar abläuft. Die Einbringung von Felſen,
ratten oder ſonſtigen unnützen Zierarten iſt zu verwer=
n
. Alsdann beginnt die Füllung des Beckens, die ſehr
rſichtig vorgenommen werden muß, um nicht den Sand
et zuſchwemmen und dadurch den Grund zu löſen. Man
m daher ein großes Stück Papier auf den Boden und
darauf unter nicht zu ſtarkem Druck das Waſſer lau=
n
. Leitungswaſſer kann hierbei unbedenklich genommen
lleäden.
So läßt man das Aquarium mindeſtens acht Tage
ihen, um den Pflanzen Gelegenheit zum Anwachſen zu
lbeen. Bei der Beſetzung mit Fiſchen vermeide man
ſere Uebervölkerung des Behälters, man könnte ſonſt üble
tfahrungen maſhen. Unter allen Umſtänden hat die
ſuntellung direkt vor oder in unmittelbarer Nähe des
irſſters zu geſchehen. Ein nach Oſten liegendes Fenſter

**) Mitgeteilt vom Verein für Aquarien= und Terra=
nkunde
Hottonia zu Darmſtadt. Vereinslokal Heſſi=
e
: Hof; Vereinsabend am 1. und 3. Samstag im Mo=
Gäſte herzlich willkommen.

iſt wohl der beſte Platz, ſollte der Behälter aber nach =
den
zu ſtehen kommen, dan iſt er vor den grellen Strah=
len
der Mittagsſonne geeignet zu ſchützen. Der ſich etwa
mit der Zeit einſtellende Algenanſatz ſchadet den Fiſchen
keineswegs, doch vereitelt er uns deren ungeſtörte Beob=
achtung
. Man ſetzt deshalb einige Poſthornſchnecken
(Sumpfſchnecken gehen meiſt an die Pflanzen) ein, die ein=
mal
die mit Algen bedeckten Wände als willkommene
Weideplätze benutzen und andererſeits im Vertilgen von
Futterreſten und faulenden Pflanzenteilen vorzügliches
leiſten. Bei der Fütterung halte man Maß und reiche nur
ſo viel, wie die Fiſche in ganz kurzer Zeit zu freſſen ver=
mögen
. Eine Abwechſelung zwiſchen lebendem und Trok=
kenfutter
, das vorher abgebrüht werden muß, iſt ſehr rat=
ſam
. Die vielfach verbreitete Anſicht, das Waſſer müſſe
oft abgelaſſen und durch friſches erſetzt werden, iſt irrig.
Ein zweckmäßig eingerichtetes und ebenſo unterhaltenes
Aquarium bedarf nur höchſt ſelten eines Waſſerwechſels
und nur dann wenn dies aus irgend welchem Umſtand,
der in mancherlei Urſachen ſeinen Grund haben kann, er=
folgen
muß.

Turnen, Spiele und Sport.

* Main=Rhein=Gau deutſcher Turnerſchaft. Morgen,
Sonntag, finden von 2 Uhr nachmittags ab auf dem Exer=
zierplatz
hier die Frühjahrswettſpiele im Main=
Rhein=Gau ſtatt. Es treten hierzu 30 Mtnnſchaften im
Fauſtballſpiel an, ferner 12 Mannſchaften im Fußball= und
2 Mannſchaften im Tamburinballſpiel. Aus den Meldun=
gen
iſt zu erſehen, daß das Spiel in den Reihen der Tur=
nerſchaft
feſten Fuß gefaßt hat. Man darf erwarten, daß
die einzelnen Spiele recht intereſſant verlaufen werden, in=
dem
die verſchiedenen Gaumeiſter und deren Gegner an=
treten
.
* Fußballſport. F.=C. Olympia Darmſtadt
1898. Am Sonntag, den 10. Mai, ſpielt die erſte Mann=
ſchaft
gegen die vorzügliche und beſtbekannte Ligamann=
ſchaft
der Offenbacher Kickers 1901 e. V. Das Vor=
ſpilel
konnten die Offenbacher 4:0 gewinnen. Die Olym=
piamannſchaft
, die in veränderter Aufſtellung ſpielt, wird
ſich ſehr anſtrengen müſſen, um gegen dieſe Liga=Elf
würdig abzuſchneiden. Das Spiel findet um 3 Uhr auf
dem Sportplatz an der Heidelberger Straße ſtatt.
* Darmſtädter Sportklub 1905 e. V.
ſchreibt uns: Am Sonntag nachmittag ſtehen ſich auf dem
Sportplatz am Alten Schießhaus zwei gleichſtarke und gutbe=
kannte
Mannſchaften gegenüber. Es ſind dies die 1. Mann=
ſchaften
des Fußballklub 1899 Offenbach und
des Darmſtädter Sportklub 1905. Vor einer Reihe von
Jahren ſtanden ſich dieſe beiden Mannſchaften ſchon ein=
mal
gegenüber, damals erwieſen ſich die Darmſtädter Spie=
ler
den Offenbachern überlegen und ſchlugen ſie mit einem
hohen Reſultat. Mittlerweile iſt aber nun Offenbach im
Fußball ganz bedeutend emporgeſtiegen und verfügt zur=
zeit
über eine Anzahl erſtklaſſiger Klubs, zu denen auch
der Fußballklub 1899 gehört. Dieſer Verein war ſchon
einmal in der früheren Ligaklaſſe und beſitzt ein ganz vor=
zügliches
Spielermaterial. Die Gäſte werden mit ihrer
beſten Mannſchaft antreten, und den Sieg den Darmſtädtern
ſicher nicht leicht machen. (Näh. ſ. Anz.)
sr. Die engliſche Liga=Mannſchaft Tottenham Hotſpur,
die bei ihrem Debut in Hannover am vergangenen Sonn=
tag
den dortigen Sportverein 96 mit 633 ſchlug, vermochte
gegen den I. Fußball=Club Nürnberg nur unentſchieden
111 abzuſchneiden.
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(J. Reiff), 2. Armen (J. Childs), 3. Vervena (F. Rovella).
Tot. 17.10, Pl.: 15, 29110. Unpl.: Rompart II (4), Serris,

Chaperon Rouge. 3½3 Lg. Prix de Martinvaſt.
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Alarys Rond d’Orleans (J. Childs), 2. Eversley (O'Neill),
3. Mikuit (Garner). Tot. 69110, Pl.: 33, 36:10. Unpl.:
Shannon, Nocia. ½Lg.-Hals-½ Lg. Prix du Cadran.
100000 Fres., Diſtanz 4000 Meter: 1. Monſ. A. Aumonts
Nimbus (H. Henry), 2. Opott (J. Reiff), 3. Ecouen
(Sharpe). Tot. 15:10, Pl.: 12, 31, 16:10. Unpl.: Lynx
Ryed (4), Sainte Gemme (5), Saint Ange III, Saint Pe,
Mon Reve II, Orſonville, Rabble, 1½½2 Lg. Zeit:
4:42, 3. Handikap; 8000 Frs. Diſtanz 2200 Meter:
1. Monſ. E. Dechaup Veillee (Jennings), 2. Douvres
(Sharpe), 3. Templier III (J. Reiff). Tot. 110:10, Pl. 29,
19, 31:10. Unpl.: Lilium (4), Caſſin, Libertad, Roſimond,
Modolon, Le Baledeur, Cavallo, Good Morning, Bonne
Eſperance. 113 Lg. Prix de Louveciennes. 8000
Francs. Diſtanz 2200 Meter: 1. Monſ. J. Tiſſots Djamy
(Roupnel), 2. Sorcy (O'Neill), 3. Silvano (Marſh). Tot.
36:10, Pl. 22, 24:10. Unpl.: Cornelius Nepos (4), Quidor,
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Karlshorſt. Haſelhorſter Jagd=Rennen; 6000
Mark, Diſtanz 4400 Meter: 1. Dr. F. Rieſes Maaßlieb
(B. Streit), 2. Doppelgänger (Martin), 3. Gerolſtein
(Naſh). Tot. 78:10, Pl.: 29, 20:10. Unpl.: Moſes ( aus=
gebr
.), Reveuſe (gef.). Leicht 45 Lg. Anvil
Jagdrennen; Ehrenpreis und 7000 Mark, Diſtanz 4200
Meter: 1. Lt. v. Salders Magiſter (Lt. Graf Holck), 2.
Jungchen (Lt. v. Egan=Krieger), 3. Samham (Lt. Freiherr
v. Wangenheim). Tot. 19:10, Pl.: 14, 19:10. Unpl.: Eilig
(4), Dandolo, Inſtruktor. Leicht 436 Lg. Wilmers=
dorfer
Jagdrennen; 4000 Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1.
Herrn F. C. Biermanns Parbleu (B. Streit), 2. La Turbie
(Jentzſch), 3. Seneca (Weishaupt). Tot. 18:10, Pl.: 12,
14, 31:10. Unpl.: Salut (4), Muſchy, Bascaville, Irme,
Muriel, Flüchtig, Siskin, Stretenſe. Sicher 1 Lg.-Hals-
4 Lg. Prinz Friedrich Leopold Jagd=Rennen; Ehren=
preis
und 7000 Mark. Diſtanz 5200 Meter: 1. Herrn O.
Breckows Princelles Cherry (Lt. v. Platen, Huſ.), 2. Siſter
Phoebe (Lt. Braune), 3. Talmont (Lt. Frhr. v. Berchem).
Tot. 175:10, Pl.: 36, 22, 20:10. Unpl.: Bendigo II (4),
The Sinner, Jago, Feſtival. Kampf ¾ Lg.13 Lg.
Jungfern=Hürden=Rennen; 4200 Mark. Diſtanz 3000 Meter:
1. Herrn O. Gaſts Alice (Wiſchek), 2. Macte (A. Reith),
3. Brantome (Dyhr). Tot. 58:10, Pl.: 20. 33, 43:10. Unpl.:
Rheinfels (4), Fife honours, Nuſcha, Malta, Wippſtarrt,
Well off, Suitier, Induſtrieritter. Lin. Sicher ½11½
Lg. Maſter Willie=Jagdrennen; Ehrenpreis und 3200
Mark. Diſtanz 4200 Meter: 1. Freiherrn v. Wangenheims
Pariſienne (Freiherr v. Wangenheim), 2. Revanche (Lt. v.
Alten), 3. Republican (Lt. Graf Holck). Tot. 242:10. Pl.:
38, 22, 17110. Unpl.: Over the Matter (4), Clog Dance
(ausgebr.), Hernani, Saint Mihiel, Belle of Tipperary.
Sicher 1½6 Lg. Preis von Pichelsdorf; 3000 Mark,
Diſtanz 1200 Meter: 1. Herrn Friedheims Askania ( Lud=
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zu machen, daß ich einen Teil meiner Tageseinnahme
von Sonntag, den 10. Mai, zum Beſten des Roten Kreuzes
überweiſe, weshalb ich um gütige Unterſtützung bitte.

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[ ][  ][ ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127

Rheinstraße6

Orhor Feater

Telephon 173

Um ebenfalls aufklärend auf unsere heutige Jugend einzuwirken, haben wir uns entschlossen, ab Samstag, den 9. ds. Mts., und
folgende Tage die grosse Filmtragödie:

Die Schrecken ule

Oprer der Freildchlesien

eine gewaltige Tragödie zweier junger Deutschen, die das Opfer einer menschenunwürdigen Staatseinrichtung wurden,

in 4 Abteilungen

zur Vorführung zu bringen.

Ein Mahnruf an unsere deutsche Jugend

I

Man kann sich der Tränen nicht erwehren beim Anblick zweier hoffnungsvoller Jünglinge, welche aus falscher Scham Heimat u. Eltern-
haus
verlassen und unter unsäglichen Strapazen, Entbehrungen und schauderhaften qualvollen Behandlungen eines fremden Staates schliesslich
ihr junges Leben lassen müssen.
Reihenfolge der Bilder:

Die Flucht aus dem Elternhause. Auf der Landstrasse. Im Werbebureau. Brutale Gewalt der
Werber. Nach Algier. Entbehrungen. Wasser, Wasser. Desertiert. Eingefangen. Grosse
Qualen. Unmenschliche Behandlung. Zum Tode verurteilt. Der letzte Abschiedsgruss. Zu spät.

Es genügt nicht nur durch die Presse, diese unwürdige Erniedrigung der Deutschen zu brandmarken, sondern eine besondere Auffassung wird
man durch den Fiim haben, welcher die krassesten Vorfälle in der Fremdenlegion schildert und abscheuend auf die mit übermütigen IIIusionen
durchschwärmten Köpfe wirkt. Es versäume niemand der Vorführung dieser tieferschütternden Tatsachen, welche nach
einer wahren Begebenheit naturgetreu wiedergegeben sind, beizuwohnen. Ausserdem ein ganz auserwähltes Beiprogramm.

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Teil der Gesamteinnahmen von heute
Samstag und Sonntag
zum Besten des Vereins

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ſimmmer 127.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Seite 23.

B. Kirchengeſangverein der Paulusgemeinde.
Hauptverſammlung

Dienstag, den 19. Mai, abends 7½ Uhr,
im Gemeindeſaal.
Tages=Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnung für 1913,
Worſtandswahl. 4. Sonſtiges.
Die aktiven und inaktiven Vereinsmitglieder werden herzlich
Helladen.
(11654
Der Vorstand.

Krankenkasse

für Gewerbetreibende, Kaufleute und Beamte a. G.
zu Darmſtadt.
Lirdentliche Generalverſammlung
dam Sonntag, den 24. Mai 1914, nachmittags 2 Uhr
im Lokale der Turnhalle am Woogsplatz.
hiesordnung: 1. Prüfung der Abgeordneten=Mandate. 2. Jahres=
ſast
. 3. Entlaſtung des Vorſtandes und Aufſichtsrats. 4. Neuwahl
Vorſtandes und Aufſichtsrats. 5. Abänderung der §§ 7 und 11
Satzungen. 6. Betreffend § 19 Abſatz 5 der Satzung. (9579a
Hierzu ladet freundlichſt ein
Der Vorſtand und Aufſichtsrat.
J. A.: Carl Kaiser, Vorſitzender.

Sonntag, den 10. Mai 1914
bei jeder Witterung
Familien=Ausflug.
Wanderung von Erfelden, Schwedenſäule, Forſthaus Knob=
ſhaaue
(Frühſtück), von hier mit dem Schiff nach Nierſtein (Kaffee=
und gemütliches Zuſammenſein, für Intereſſenten Abſtecher nach
lbenheim). Von Nierſtein wieder mit dem Schiff nach der
hemaue, Gang durch die Baumblüte der Jakobsberger=, Langen=
Monnenaue nach Ginsheim, Biſchofsheim, von hier Rückfahrt
ſh Darmſtadt.
Marſchzeit zuſammen 4½5 Stunden, Frühſtück und Vesper
ſinttzubringen.
Abfahrt: 72 Hauptbahnhof IV. Kl. Goddelau=Erfelden (35 ).
Rückfahrt von Biſchofsheim IV. Kl. (55 Z).
Schiff: per Perſon 1.00, Kinder die Hälfte. (11487ds
Gäſte willkommen. Liederbücher nicht vergeſſen. Auch
ämen können als Mitglied beitreten. Beitrag pro Jahr 4 .

Ludwioshöhe
ngen Sonntag, den 10. Mai, nachmittags 4½ Uhr
Hosses Fiiiur Konzer

Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61.
Leitung: Obermuſiker M Weber.
Mhit Rückſicht auf die Rote Kreuz=Feierlichkeiten
beginnt das Konzert um 4½ Uhr.
Bei ungünſtiger Witterung
Freich-Konzert in den Sälen.
Eintritt 30 Pfg. Programme an der Kaſſe. (B11686

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ſſſhſtets
friſcher Stangenſpargel, Spargelgemüs und Gurkenſalat.
Die meiſten Speiſen werden ſofort ſerviert.
im weißen Saale.
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Am 15. Mai, nachm. 3 Uhr: Abnahme der Flugzeuge und Ausſcheidungsflüge.
Am 16. Mai, nachm. 3 Uhr: Abnahme der Flugzeuge und Ausſcheidungsflüge.
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im Vorverkauf 2.50 Mk.; Tageskarte 1.50 Mk., im Vorverkauf 1.30 Mk. III. Platz: Dauerkarte
80 Pfg., im Vorverkauf 70 Pfg.; Tageskarte 40 Pfg., im Vorverkauf 30 Pfg. Tribüne: (nur be=
ſchränkte
Anzahl von Plätzen): Dauerkarte 12. Mk., im Vorverkauf 10. Mk.; Tageskarte 6. Mk.,
im Vorverkauf 5. Mk. Kinder unter 15 Jahren zahlen die Hälfte. Die Karten ſind ſichtbar zu tragen.
Auf allen Plätzen Reſtauration und Muſik.
Am 15. Mai, nachmittags bis 5 Uhr, findet Beſichtigung der Flugzeuge für Inhaber von
Tribünen= und I. Platz=Karten unter Führung ſachkundiger Herren ſtatt. Preis 50 Pfg. pro Perſon.
Das Betreten des Fluggeländes iſt ſtreng verboten.
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Der Vorverkauf findet von Montag, den 11. Mai 1914, bis 14. Mai abends ſtatt.
Darmſtadt: Hugo de Waal, Rheinſtraße 14; S. Joſeph, Rhein=
Vorverkaufsſtellen ſtraße 20; Heinrich Lautz, Rheinſtraße 12¾; Haas & Bernhardt,
Rheinſtraße 19; Müller & Ober, Karlſtraße 30; Robert Schneider, Hochſtraße 2; Jul. Mylius,
Herdweg 13; Verkehrsbüro, Ernſt=Ludwigsplatz; Sigmund Guttmann, Wendelſtadtſtraße 26; Lina
Paul, Wendelſtadtſtraße; Müller & Rühle, Eliſabethenſtraße 5: L. F. Ohnacker, Ludwigſtraße 1;
Goddelau: F. Heinz; Heinr. Krafft III. Pfungſtadt: J. Helene; Jak. Zimbrich. Babenhauſen:
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Iſenburg: Kgl. Lotterie=Einnehmer Gg. Ludw. Wörner. Zwingenberg (Heſſen); Gg. Mahr, Buch=
binder
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Darmſtädterſtraße; L. Kilian III., Weiterſtädterſtraße. Auerbach (Bergſtraße): M. Greve, Darm=
ſtädterſtraße
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Groß=Bieberau: Gg. Becker vorm. Fleiſcher. Nieder=Ramſtadt: Gemeindeeinnehmer Gg. Wagner,
Kirchſtraße; Karl Block. Groß=Gerau: Herm. Neuffer; Jakob Engelleitner. Ober=Ramſtadt:
Friedr. Wilh. Göbel; Jakob Müller. Jugenheim (Bergſtraße): Aug. Loos jr.; Karl Metzger.
Rüſſelsheim a. M.: Ludw. Klingelhöffer, Darmſtädterſtraße. Michelſtadt: Konſtantin Burger.
Heppenheim (Bergſtraße): Franz Hillenbrand; Verordnungs= und Anzeigeblatt Guſt. Otto. Langen
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Samstag, den 9. Mai 1914.
Keine Vorſtellung.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Sonntag, 10. Mai. Außer Ab.
Frühlings=Feſtſpiele. 3. Abend.
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Montag, 11. Mai. Außer Ab.
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7½ Uhr. (Vorverkauf bis
einſchl. Montag, 11. Mai, im Ver=
kehrsbüro
, Ernſt=Ludwigsplatz.
Verkauf der etwa noch vorhan=
denen
Karten am Tage der Vor=
ſtellung
auch an der Tageskaſſe
im Hoftheater zu den üblichen
Kaſſeſtunden.)
Aus dem Spielplan.
Gerhart Hanptmann=Zyklus.
Im Abonnement. Kleine Preiſe.
Dienstag, 12. Mai. 164. Ab.=
Vorſt. A 42. Die verſunkene
Glocke.
Freitag, 15. Mai. 167. Ab.=
Vorſt. D 42. Zum erſten Male
wiederholt: Hanneles Him=
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Mittwoch, 20. Mai. 169. Ab.=
Vorſt. B 42. Neu einſt.: Der
Biberpelz.
Montag, 25. Mai. 172. Ab.=
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(Eine Vorverkaufsgebühr wird
für dieſes Sonder=Abonnement
nicht erhoben.)
Der Kartenverkauf für die Son=
der
=Abonnenten erfolgt an der
Tageskaſſe des Hoftheaters am
Samstag, 9. Mai, nachm. von
3½5 Uhr, ſowie an den darauf
folgenden Tagen vormittags zu
den üblichen Kaſſeſtunden bis ein=
ſchließlich
Dienstag, 12. Mai.
Der Einzelverkauf für die erſte
Vorſtellung im Hauptmann=Zyklus
(Die verſunkene Glocke‟) findet am
Dienstag, 12. Mai, bei kleinen
Preiſen ſtatt.

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[ ][  ][ ]

Seite 24.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 12a,

Bader, Sommertrischen, Austlugserte, Horeis, Restadrants

Nordſeebad Büſum. Die großen Holels haben ihre
Tore geöffnet, um die Kurgäſte zu empfangen. Penſionen
und Privathäuſer ſind neu hergerichtet worden. Das Nord=
ſeeaquarium
iſt weiter ausgebaut worden und wird den
Beſuchern manche Seltenheiten der Meeresflora und

=Fauna zeigen können. Die erſten Kurgäſte gewiſſer=
maßen
die Gourmands des Nordſeeklimas die mehr
Wert auf Ruhe und Einſamkeit als auf Unterhaltungen
und Badeleben legen, ſind eingetroffen. Wer über unſer
Bad ſich informieren will, der laſſe ſich von der Badever=

waltung den neuen illuſtrierten Führer, der alle Pe
angaben enthält, kommen; auch iſt er bei der
Haaſenſtein u. Vogler A.=G., und bei den Auskunftsſtl
des Verbandes deutſcher Nordſeebäder zu haben. Er
übeoall umſonſt abgegeben.

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[ ][  ][ ]

Nummer 127.

Darmſtädter Tagbkatt, Samstag, den 9.=Mai 1914.

Seite 25.

Vorträge.

)(*) Gießen, 7. Mai. Die Vorträge über den
ſeligionsunterricht fanden heute ihren Abſchluß.
el drei Vorleſungstage waren von Geiſtlichen und beſon=
von
Lehrern ſehr ſtark beſucht. Selbſt aus den ent=
ſeunſten
Teilen Oberheſſens waren Zuhörer erſchienen.
lute ſprach Pfarrer D. Waitz=Darmſtadt über Kir=
nggeſchichte
und Kirchenlied Beſonders kam er auf die
hfeſtoffe und die methodiſche Behandlung zu ſprechen.
e Kirchengeſchichte zeige die chriſtlichen Perſönlichkeiten,
han Lebensbilder vorzuführen ſeien. Ein Lehrbuch über
Kirchengeſchichte ſei noch nicht vorhanden, müſſe aber
ſeinem Dafürhalten kommen. In dem Kirchenlied
chriſtliche Begeiſterung, es führe in das kirchliche Le=
üoein
, das Kirchenlied verbinde Kirche und Schule. Ver=
ſillich
einzuüben ſeien künftig ſtatt bisher 20 Lieder 24,
die Zahl der Strophen ſei ſehr gekürzt. Für die ein=
uten
Klaſſen ſeien die Lieder nach dem Geſichtspunkt des
lichen Verſtändniſſes ausgewählt. 30 Melodien ſeien
lverbindlich zu üben, dazu käme noch eine Anzahl Me=
Aien, die nur ſo zu üben ſeien, daß ſie mit Orgelbeglei=
geſungen
werden könnten. Künftig würden nur noch
Uſangbücher mit Noten gedruckt. Als zweiter Vortragen=
ſprach
Pfarrer Matthes=Darmſtadt über die Bedeu=
n
und Behandlung des Katechismusunterrichts. Er
hheete an die Lehrer Dankesworte für ihre bisherige
ſurvirkung in dieſem wichtigen Unterricht und bat ſie
auch ferner zu tun. Beide Redner ernteten für ihre
flllichen Ausführungen lebhafte Zuſtimmung. Kreis=
ufinſpektor
Prof. Dr. Alles dankte Herrn Geh. Ober=
ii
ſtorialrat D. Peterſen=Darmſtadt für die Leitung
ſIdrei Verſammlungen. Dieſer gab ſeiner Freude für
ffreudige Aufnahme der Vorträge in Oeberheſſen Aus=

druck, dankte für den ſehr ſtarken Beſuch und das große
Intereſſe der Zuhörer und hofft, daß nun Lehrer und
Geiſtliche mit neuer Freudigkeit ſich dem Religionsunter=
richt
widmen. Die gleichen Vorträge finden noch in
Mainz für die Provinz Rheinheſſen ſtatt.

Landwirtſchaftliches.

F. C. Frankfurt, 8 Mai. (Heu= und Stroh=
markt
.) Es war heute weder Heu noch Stroh am Markte
angefahren.
Frankfurt a. M., 7. Mai. Schlachtvieh=
markt
. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 122
Stück, darunter Ochſen 56, Bullen 1, Färſen und Kühe 65,
Kälber 842, Schafe 103, Schweine 948. Preiſe für 1 Zent=
ner
Lebendgewicht (Schlachtgewicht), 1. Kälber: a) Dop=
pellender
feinſte Maſt 6066 (100110), b) feinſte Maſt=
(Vollm.=Maſt) und beſte Saugkälber 5558 (9398), c)
mittlere Maſt= und gute Saugkälber 5053 (8592), d)
geringere Saugkälber 4448 (7581). 2. Schafe: a)
Maſtlämmer und jüngere Maſthammel 4243 (9299),
b) ältere Maſthammel und gut genährte Schafe 36 (86).
3. Schweine: a) Fettſchweine über 3 Ztr. Lebend=
gewicht
4649 (6062), b) vollfleiſchige Schweine über
2½ Ztr. Lebendgewicht 4648 (6062), e) vollfleiſchige
Schweine über 2 Ztr. Lebendgewicht 4649 (6062), d)
vollfleiſchige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgewicht 4649
(6062). Marktverlauf: Kälber und Schafe ruhig,
Schweine rege; ausverkauft.
* Berlin, 7. Mai. Der Saatenſtand Deutſch=
lands
Anfang Mai 1914 iſt wenn 2 gut und 3
mittel bedeutet, für Winterweizen 25 gegen 2,5 im Vor=
jahr
, für Winterſpelz 2,2 (2,7), für Winterroggen 2,6 (2,7)

für Klee 2,5 (2,5), für Luzerne 2,6 (2,8), bewäſſerte Wieſen
2,2 (2,3) und andere Wieſen 2,6 (2,6). In den Bemer=
kungen
des Statiſtiſchen Amts für den Saatenſtand
Deutſchlands Anfang Mai 1914 heißt es: War der Ver=
lauf
der Witterung für die Entwickelung des Winterge=
treides
allgemein wenig fördernd, ſo wurde dagegen die
Frühjahrsbeſtellung durch das trockene Wetter begünſtigt.
Die Sommerſaaten waren Ende April nahezu vollſtändig
eingeſät, zum großen Teil auch die Kactoffelausſaat ſchon
beſchafft. Die infolge von Winterſchäden notwendig ge=
wordenen
Umpflügungen hatten mit Ausnahmen allge=
mein
keinen großen Umfang; nur in einigen weſtdeutſchen
Gebieten waren ſie recht erheblich. Es wird mehrfach
über ſtarke Verunkrautung berichtet. Gegenüber dem Vor=
monat
ſind in der Beurteilung des Winterweizens in den
einzelnen Bundesſtaaten nur geringfügige Abweichungen
teils zum Beſſeren, teils zum Schlechteren zu verzeichnen,
Winterſpelz wird ſogac allgemein etwas beſſer beurteilt,
dagegen verſchlechterten ſich die Begutachtungsziffern für
Winterroggen faſt durchweg, teilweiſe ſogar ziemlich er=
heblich
. Infolge der Trockenheit und der kalten Nächte
wurden die Roggenſaaten vielfach gelbſpitzig. Die Be=
ſtockung
läßt zu wünſchen übrig. In der Bewertung des
Standes der beiden Futterkräuter, beſonders des Klees,
gehen die Berichte der Staaten ziemlich weit auseinander,
im großen und ganzen wird jedoch damit gerechnet, daß
das im April ſtark zurückgehaltene Wachstum mit Eintritt
feuchter und wärmerer Witterung wieder kräftiger einſetzt,
zumal die Pflanzen meiſt kräftig angeſetzt haben. Wäh=
rend
in einigen Staaten die Wieſen infolge der kalten
und trockenen Witterung zurückblieben, finden ſie nach an=
deren
Berichten, beſonders in Süddeutſchland, günſtige
Beurteilung.

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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

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[ ][  ][ ]

ſummer 127.

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Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

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Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 122.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt i.

Geöffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
85 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 3. Mai: dem Fabrikarbeiter Heinrich
Nees, Wendelſtadtſtraße 48, eine T. Anna Thekla. Am
4.: dem Glaſer Wilhelm Stumpf, Kiesſtraße 20, eine T.
Luiſe Anna. Dem Vizefeldwebel und Bataillonstambour
im Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115 Adolf Gräf
Riegerplatz 3, eine T. Johanna Eulalia. Am 1.: dem
Kaufmann Ludwig Weyrauch, Wittmannſtraße 43, ein
S. Wilhelm Georg Rudolf, hier Grafenſtraße 9. Am 29.
April: dem Kaufmann Heinrich Rullmann, Becker=
ſtraße
23, ein S. Walter Heinrich. Am 4. Mai: dem Tag=
löhner
Franz Kremsler, Große Ochſengaſſe 34, eine T.
Eliſe Karoline. Am 2.: dem Dienſtknecht Ernſt Keller
in Georgenhauſen eine T. Maria, hier Dieburger Straße.
Dem Metzgermeiſter Guſtav Bechtold, Roßdörfer
Straße 11, eine T. Maria Katharina Eliſabeth. Am 5.:
dem Polier Schol Chaim Spiegel, Schloßgaſſe 16, eine
T. Sara. Am 1.: dem Schriftſetzer Georg Weimer,
Neue Ireneſtraße 3, ein S. Georg Auguſt. Am 6.: dem
Schloſſer Johannes Lohr, Bleichſtraße 17, ein Sohn.
Am 2.: dem Taglöhner Friedrich Eckart, Arheilger
Straße 37, ein S. Karl. Am 4.: dem Telegraphenſekretär
Heinrich Flath, Lichtenbergſtraße 14, ein Sohn. Am 2.:
dem Bäckermeiſter Wilhelm Quenzer, Viktoriaſtraße 96,
eine T. Elfriede Lina Grete. Dem Fuhrmann Sebaſtian
Haas, Grafenſtraße 22, eine T. Paula.
Aufgebotene. Am 4. Mai: Sergeant im Leib=Drag.=
Regt. Nr. 24 Paul Wilhelm Lutze, Holzhofallee 25, mit
Eliſabethe Renkel, Habitzheim. Am 5.: Vizewacht=
meiſter
Wilhelm Richard König, hier, mit Eliſabetha
Juliana Jung, Ober=Mörlen. Kaufmann Joh. Friedr.
Wilhelm Kowalke, hier, mit Wilhelmine Herrmann,
Saarbrücken. Chemigraph und Inſtallations=Hilfsarbeiter
Adam Eckle, Landwehrſtr. 31, mit Hausmädchen Marie
Ober, Landwehrſtr. 68. Bäckergehilfe Chriſtian Friedr.
Walther, Bleichſtr. 34, mit Hildegard Marie Adelheid
Margarete Hartmann, Mühlſtr. 8. Hilfsarbeiter Wilh.
Friedrich, Schloßgaſſe 15, mit Katharina Chriſtiane Jo=
hanna
Preis, Schloßgaſſe 34. Bureaudiener Friedrich
Fundo, Saalbauſtr. 63½, mit Köchin Maria Heck,
Frankfurt a. M. Am 6.: Bäcker Ludwig Buß, Steinau,
mit Maria Katharina Volk, Erbach. Schloſſer Johannes
Schmidt, Traiſa, mit Dienſtmagd Katharina Diel,
Arheilgen. Handarbeiter Konrad Raab Hahn, mit
Dienſtmädchen Margareta Zimbrich, Hahn. Schloſſer
Georg Peter Balles, Wenckſtr. 43, mit Dienſtbote The=
reſia
Schädle, Heinrichſtr. 92. Am 7.: Bäcker Wilhelm
Götz, Erbach, mit Dienſtmagd Anna Chriſtine Leiß,
Langen=Brombach. Möbelpolierer Ernſt Pleier, hier,
mit Schirmhalternäherin Henriette Pauline Schmitz,
Crefeld.
Geſtorbene. Am 4. Mai: Georg Jakob Krämer,
Sohn des Taglöhners, 6 M., ev., Gr. Ochſengaſſe 12.
Jakob Coy, Privatier, 72 J., kath., Gardiſtenſtr. 17.
Am 5.: Heinrich Bernhard, Gr. Steueraufſeher, 67 J.,
ev., Stiftsſtr. 46. Adolf Jakob Knell, Sohn des Loko=
motivführers
, 3 Mte., ev., Liebfrauenſtr. 80. Ludwig Karl
Jakob Blöcher, Mechaniker, 46 J., kath., Rhönring 57.
Margarete Haun, geb Löffler, Wwe, des Kutſchers
68 J., ev., Grafenſtr. 9. Philipp Beck. Bäckermſtr., 61 J.,
ev., Bleichſtr. 34. Dorothea Opel. Privatin, ledig, 71 J.,
ev., Erbacherſtr. 25. Am 7.: Eliſabetha Krauß, geb.
Magſamen, Ehefrau des Weinwirts, 56 J., ev Taunus=
ſtraße
6. Am 6.: Ferdinand Karl Weſp, Sohn des Milch=
händlers
, 7 Mte., ev., Kranichſteiner Straße 37. Am 7.:
Karoline Geilfus, geb Wagemann, Wwe, des Rech=
nungsrats
, 81 J., kath., Gervinusſtr. 95.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 20. April: Dem Kutſcher Konrad=
Schanz, Beſſungerſtr. 88½, eine T. Lina Margarete.
Am 22.: dem Kaiſerl. Bankkaſſier Wilhelm Otto Rößler,
Roßdörfer Straße 81, ein S. Hermann Willi Franz Otto.
Am 23.: dem Poſtſchaffner Adam Ihrig, Neue Nieder=
ſtraße
17, ein S. Friedrich. Am 25.: dem Magazinver=
walter
Ludwig Berth, Ludwigshöhſtr. 59, eine T. Eliſa=
beth
Elſa. Am 26.: dem Ingenieur Paul Richard
Schmittmann, Ohlyſtr. 37, ein S. Am 24.: dem Weiß=
binder
Friedrich Wilhelm Dick, Ludwigshöhſtr. 78, eine
T. Luiſe. Am 30.: dem Kaufmann Karl Hugo Hermann
Bankwitz, Heinrichſtr. 136, ein S. Rolf Philipp Hugo.
Am 4. Mai: dem Futtermeiſter Franz Mocek, Heidel=
berger
Straße 25, ein Sohn Franz Joſeph Karl. Am 6.:
dem Schreiner Friedrich Amend, Tannenſtr. 1½, ein S.
Richard Walter.
Aufgebotene, Am 23. April: Diener Johannes Hilde=
brand
, Wilhelminenſtr. 59, mit Eliſabetha Kraus, Teich=
hausſtr
. 50. Am 24.: Bankbeamter Joſeph Hermann
Subke, Beſſunger Straße 112, mit Katharina Sophie
Maria Müller, Neue Niederſtr. 5. Am 27.: Maler= und
Weißbindermeiſter Ludwig Friedrich Müller, Neue
Niederſtr. 5, mit Karoline Schaller zu Nieder=Modau.
Am 25.: Schloſſer Wilhelm Hartmann, Heidelberger
Straße 115, mit Katharina Tullius, Heinrichſtr. 23.
Am 28.: Inſtruktor im Raiffeiſen=Verbande zu Erſurt Joh.
Richard Emil Gallenbeck zu Erfurt, mit Katharina
Suſanna Berta Erna Pieper, Mathildenſtr. 54. Großh.
Aktuariats=Aſſiſtent Johann Karl Friedrich Heinrich
Merkel, Karlſtr. 103, mit Maria Vögler zu Frankfurt
am Main. Am 29.: Pfarrverwalter Heinrich Schultheis
zu Büdingen (Oberheſſen), mit Eliſabeth Margareta Adel=
heid
Anna Waas, Heidenreichſtr. 37. Am 4. Mai:
Gutsbeſitzer und Großh. Kammerjunker Moritz Karl Wil=
helm
Franz Willich genannt von Pöllnitz, zu Hof Illbach
bei Reinheim i. O., mit Marie Ada Lili Tony Sophie
Emmy von Hahn, Ohlyſtr. 59. Am 5.: Stuhlflechter
Ludwig Emig, Ludwigshöhſtr. 64, mit Eliſabethe
Meiſel, Orangerieſtr. 32. Maſchinenſchloſſer Wilhelm
Schuchmann, Moosbergſtr. 60, mit Margareta Schroth,
Niederſtr. 22. Tapezier Friedrich Wilhelm Schleckmann,
Moosbergſtr. 19, mit Eliſabethe Franziska Küſter,
Moosbergſtr. 53. Eiſendreher Karl Wilhelm Heinrich
Reeſe, Kiesbergſtr. 1, mit Klara Schnorr, Sandberg=
ſtraße
46. Am 6.: Laborant Philipp Gotha zu Bürſtadt,
mit Anna Eliſabetha Schwab, Beſſunger Straße 88.
Eheſchließungen. Am 24. April: Regierungsbau=
meiſter
Heinrich Emil Müller, zu Nakel a. d. Netze, und
Karoline Margareta Anna Schmidt, Hochſtr. 49.
Am 25.: Elektromonteur Heinrich Theobald Neuroler,
Neue Niederſtr. 13, und Eva Eberhard daſelbſt. Ser=
geant
in der Train=Abteilung Nr. 18 Auguſt Otto Rich=
ter
, Eſchollbrücker Straße und Katharina Margaretha
Reichel. Ludwigshöbſtr. 59. Am 29.: Telegraphen=

aſſiſtent Wülhelm Schwing, Frankfurt a. M., und
Emma Luiſe Fiedler, Groß=Gerauer Weg 13. Am
2. Mai: Friſeur Johann Adam Müller, Beſſunger
Straße 79, und Anna Maul daſelbſt.
Sterbefälle. Am 23. April: Rentner Wilhelm Freiherr
v. Wedekind, 83 J., ev., Heidelberger Straße 73. Am 24.:
Eberhard Graf von Büdingen, 5 J., ev., Am Erlen=
berg
21. Am 25.: Eliſe Moroſoff geb. Tſchibiſoff, Ehefrau
des Kaufmanns, 35 J., gr.=kath., Moskau. Am 26.: Eber=
hard
Viktor Karl Emil Ludwig Freiherr von Stetten,
10 J., ev., Wilhelmſtr. 14. Am 25.: Dekorateur Joſeph
Kieſer, 29 J., kath., Klappacherſtr. 78. Am 29.: Luiſe
Becker geb. Lanz, Witwe des Geh. Baurats, 77 J., ev.,
Roßdörfer Straße 69. Privatier Karl Gottſchald, 73 J.,
ev., Frankenſteinſtr. 36.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden
Sonntag Cantate, den 10. Mai 1914
Hofkirche: Samstag, den 9. Mai, abends um 6 Uhr:
Beichte. Sonntag, den 10. Mai, vorm. um ½ 10 Uhr:
Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der
Sakriſtei. Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des heil. Abendmahls. Nachm. um 3 Uhr:
Prüfung der Konfirmanden. Mittwoch, den 13. Mai,
abends um 6 Uhr: Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer
Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Zimmer=
mann
. Vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Kleberger. Abends um 6 Uhr: Pfarrer
Beringer.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntaa, den
10. Mai, vormittags um 9 Uhr: Chriſtenlehre für die
Lukasgemeinde. Pfarrer Kleberger. Vormittags
um 11¼ Uhr: Chriſtenlehre für die Schloßgemeinde.
Pfarrer Zimmermann. Vorm. um 11¼ Uhr:
Chriſtenlehre für die Kaplaneigemeinde. Pfarrer
Beringer.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr.
Vormittags um 10½ Uhr: Kindergottesdienſt ( Stein=
ſtraße
24, Muſikſaal).
Johanneskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingeldey. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Vorm. um 9 Uhr: Chriſtenlehre für den
Südbezirk im Gemeindehaus. Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Vorm. um 11 Uhr: Kindergottesdienſt für den Weſt=
bezirk
. Pfarrer D. Waitz. Nachmittags um 4 Uhr:
Bibelſtunde im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Pfründnerhaus: Vorm. um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Lindenſtruth.
Herberge zur Heimat: Vormittags um 8 Uhr: Pfarrer
Memmert.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Vorm. um 10 Uhr:
Pfarraſſiſtent Lic. Adolph. Um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarraſſiſtent Lie. Adolph. Nachm. um
1½ Uhr: Chriſtenlehre für die 1. Gruppe der Konfir=
mierten
. Pfarraſſiſtent Lic. Adolph.
Panlnskirche: Kollekte für das heſſiſche Krüppelheim.
Vorm. um 8½ Uhr: Chriſtenlehre. Pfarraſſiſtent
Sann. Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Rückert. Vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottes=
dienſt
. Pfarrer Rückert.
Evang. Gemeinde in Eberſtadt: Sonntag, den 10. Mai,
vormittags um ½10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrer Paul.
Um ½11 Uhr: Chriſtenlehre der Mädchen. Pfarrer
Paul. Abends um 8 Uhr: Bibelerklärung. Pfarrer
Paul.
Evang. Gemeinde in Nieder=Ramſtadt: Sonntag, den
10. Mai. vorm. um ½10 Uhr: Gottesdienſt. Pfarrver=
walter
Weik. Nachmittags um ½2 Uhr: Chriſten=
ehre
. Pfarrverwalter Weik.

Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 10. Mai,
vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibliſcher Vortrag von Sekretär
Richter. Abends um 8½ Uhr: Bibliſcher Vortrag von
Sekretär Richter. Montag, den 11. Mai, nachm. um
4 Uhr: Bibelſtunde von Sekretär Richter. Abends
um 8½ Uhr: Bibliſcher Vortrag im Kaiſerſaal. Diens=
tag
, den 12. Mai, nachm. um 4 Uhr: Frauen= und
Jungfrauen=Bibelſtunde im Kaiſerſaal. Abends um
8½ Uhr: Bibliſcher Vortrag für Männer und Jünglinge
im Kaiſerſaal. Mittwoch, den 13. Mai, abends um
8½ Uhr: Bibliſcher Vortrag im Kaiſerſaal. Donners=
tag
, den 14. Mai, nachm. um 4 Uhr: Bibelſtunde im
Stadtmiſſionsſaal. Abends um 8½ Uhr: Bibliſcher
Vortrag im Stadtmiſſionsſaal. Zweig der Stadt=
miſſion
(Beſſungerſtr. 88, Hth.). Sonntag, den 10. Mai,
vorm. um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Freitag, den
15. Mai, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde.

Griesheim bei D.: Sonntag, den 10. Mai, abends
um 8½ Uhr: Religiöſer Vortrag im Kleinkinderſchulſaal.

Evangeliſche Gemeinſchaft (Kiesſtr. 43): Sonntag,
den 10. Mai, nachm. um 2½ Uhr: Sonntagsſchule.
Abends um 8½ Uhr: Predigt. Prediger A. Berner aus
Frankfurt a. M. Dienstag, den 12. Mai, abends um
8¼ Uhr: Bibelſtunde. Pred. A. Berner=Frankfurt a. M.

Gottesdienſt der Neuapoſtoliſchen Gemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.

Gemeinde gläubig getauſter Chriſten (Waptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 10. Mai, vorm. um 9½ Uhr:
Predigt. Prediger Winhold. Um 10½ Uhr: Sonn=
tagsſchule
. Nachm. um 4 Uhr: Predigt, Taufe und
Abendmahl. Prediger Winhold. Mittwoch, den
13. Mai, abends um 8½ Uhr: Bibel= und Gebetſtunde.

Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 10. Mai, nachm. um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule.
Um 4 Uhr: Predigt. Freitag, den 15. Mai, abends
um ½9 Uhr: Bibel= und Gebetſtunde.

Katholiſche Gemeinden
4. Sonntag nach Oſtern, den 10. Mai 1914
Kollekte für den Mädchen=Schutzverein in Mainz
St. Ludwigskirche: Samstag, den 9. Mai, nachm.
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil.
Beichte. Abends um 8 Uhr: Maiandacht.
Sonntag, vorm. von ½ 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil Beichte. Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. Um ½10 Uhr: Hoch=
amt
mit Predigt. Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottes=

dienſt. Nachmittags um 3 Uhr: Katechetiſche Pre=
und Andacht zu Ehren der hochheil. Dreifaltigkeit.
An allen Werktagen, vormittags um 6 Uhr: Gelegenz)
zur heil. Beichte. Abends um 8 Uhr: Maiandacht.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Sonntag, vo
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Nachm. um 5 Uhr
ſammlung des Vereins chriſtlicher Mütter. Um 61
Maiandacht.
Kapelle der Engliſchen Fräulein: Sonntag, vormitt=
um
7 Uhr: heil. Meſſe.
Kapelle zu Griesheim: Sonntag, vorm. um 9
Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 9. Mai, nachm
tags um ½5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit
heil. Beichte. Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. Um8
heil. Meſſe mit Predigt. Um ½ 10 Uhr: Hochamt
Predigt. Nachm. um 2 Uhr: Maiandacht. Dieg
tag und Freitag, abends um ½ 6 Uhr: Maiandacht.
Kapelle zu Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10
Amt und Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag,
9. Mai, nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhrn
legenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. um 6 Uhr: Gelegenheit zurh
Beichte. Um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe. Um ½9
Amt mit Predigt. Nachm. um ½3 Uhr: Herz=Mand
Andacht. Mittwoch, abends um 6 Uhr: Maiandan
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 9. Mai, nach
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenhei
Sonntag, vormittags um ½ 6 Uhr: Beichte. ll
½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion.
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. Nachmittagsn
½5 Uhr: Maipredigt eines fremden Geiſtlichen und
dacht. Werktags um ¼7 Uhr: Singmeſſe. Don
tag, abends um 6 Uhr: Maiandacht.
Kapelle zu Pſungſtadt: Sonntag, vorm. um
Beichte. Um ½8 Uhr: Amt und Predigt. Nal
um ½2 Uhr: Andacht. Montag, um ½5 Uhr
andacht.

The Church of England Services in the
Hofkirche

4th Sunday after Easter, 10th May 1914
Holy Communion 8 a. m.
Morning Prayer and Sermon 12 a. m.
Evensong Prayer and Sermon 6 p. m.
The Rev. G. H. Butler, British Chaplain, will officht

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Lukasgemeinde: 3. Mai: Dem Maſchinenarbeie
Philipp Schanz S. Leonhard Philipp, geb. 8. Apfil
4. Mai: Dem Tapeziermeiſter Martin Hoffmann
Chriſtina Margarete Mathilde, geb. 14. März.
Kaplaneigemeinde: 1. Mai: Dem Fabrikarbee
Philipp Schnur S. Georg, geb. 9. Febr.
Johannesgemeinde: 3. Mai: Dem Poſtſchaffle
Jakob Lerch T. Emilie, geb. 4. April. Dem Montel
Johannes Sachs T. Marie, geb. 8. April. Dem Eiſem
bahnſchaffner Heinrich Flauaus V. S. Ludwig,
13. April. Dem Prokuriſt Max Wiemann T. Gertoll
Margot, geb. 12. April. Dem Werkzeugſchloſſer Ludſ
Arndt S. Ludwig Georg Friedrich, geb. 9. April.
Martinsgemeinde: 4. Mai: Dem Lagen
walter Philipp Schwebel T. Herta, geb. 11. Febr. 23.
Dem Wirt Ludwig Gelfius T. Elſa, geb. 20.
1. Mai: Dem Schornſteinfegermeiſter Konrad Klei
Georg Chriſtoph, geb. 1. April. 2. Mai: Dem Schlöe
Johannes Auguſt Avemarie T. Frieda, geb. 13.8m
3. Mai: Dem Berufsgenoſſenſchaftsſekretär Jacob
T. Elſa Marie Wilhelmine, geb. 7. März.
Petrusgemeinde: 3. Mai: Dem Kaufmann Hül
rich Bauer T. Lieſelotte Eva Philippine Katharing,
11. April.
Paulusgemeinde: 3. Mai: Dem Profeſſoh
der Techn. Hochſchule Dr. Emil Friedrich Heuſer S.
rich Ernſt Ludwig, geb. 9. Okt. Dem Weißbinder Fill
rich Wilhelm Dick T. Luiſe, geb. 24. April. Deml
ſchloſſer Andreas Joh. Bong T. Marie Magdalena,
5. April. Dem Keſſelſchmied Wilhelm Gimbel T.
gard, geb. 17. März.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Johannesgemeinde: 2. Mai: Eiſenbahnu
ſtättenarbeiter Heinrich Gunkel und Anna Becker,
hier. 6. Mai: Fabrikdirektor Kurt Fankhaenel von
und Gertrud Löbe in Jena.
Martinsgemeinde: 2. Mai: Architekt Heint
Schneider und Karoline Geilfuß, beide hier. Hilfshell
Georg Gelloy in Mainz und Anna Marie Schring
Langen. 25. April: Metzger Konrad Hartmann ſſ
Margarete Frieß.
Petrusgemeinde: 3. Mai: Friſeur Joh.
Müller dahier und Anna Maul, dahier.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Lukasgemeinde: 3. Mai: Marie Keil, geb. Jul
Ehefrau des Friſeurs Ludwig Keil, 31 J., ſtarb 1. Man
8. Mai: Privatin Dorothea Opel, ledig, 71 J., ſtarb 5. M
Markusgemeinde: 4. Mai: Witwe Helene Lüſſe
Werth, geb. Wendelin, 98 J., 7 Mon., ſtarb 2.
7. Mai: Steueraufſeher Heinrich Bernhard 67 J., 8 Mo
ſtarb 5. Mai.
Kaplaneigemeinde: 1. Mai: Wilhelm Aulſl
Jakob Goll S. des Taglöhners Adolf Heinrich Gol
1 J., ſtarb 29. April. 7. Mai: Georg Jakob Krämer
des Dienſtknechts Georg Krämer, 6 Mon., ſtarb 4.
Johannesgemeinde: 5. Mai: Eliſabeth Spamel
geb. Eißfeller, Witwe des Tuchmachers Heinrich Spamel
78 J., ſtarb 3. Mai. 8. Mai: Bäckermeiſter Philip
Beck, 61 J., ſtarb 5. Mai.
Martinsgemeinde: 30. April: Dem Gaſtwill
Georg Gunder S. Fritz Wilhelm, 1 J., ſtarb 30. Apfll
5. Mai: Holzbildhauer Rudolf Wannenmacher, 34
ſtarb 2. Mai. 6. Mai: Dem Taglöhner Leonhard Klein
ſchmidt S. Wilhelm Ludwig, 3 Wochen, ſtarb 4. Mah
Gartenarbeiter Friedrich Feyd, 81 J., ſtarb 3. Mai.
Petrusgemeinde: 1. Mai: KaufmannKa
Gottſchald, 73 J., ſtarb 29. April.
Paulusgemeinde: 28. April: Karoline Walthen
geb. Haas, Ehefrau des Taglöhners Jean Walther,
J., ſtarb 25. April. 1. Mai: Luiſe Becker, geb. Lan
Witwe des Geheimen Baurats Ferdinand Becker, 76J
ſtarb 29. April.
Trauungen auswärt. Paare: Pfarrer Vogel=
Beerdigungen auswärts Verſtorbener: Pfarren
Kleberger.

[ ][  ][ ]

ſüte 31.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

Nummer 127.

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Seite 32.

Darmſtädter Tagblatt, Samstag, den 9. Mai 1914.

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