Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 98., Mittwoch, den 8. April.

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177. Jahrgang
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Drgan für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

ſs Prinzenpaar Heinrich von Preußen
iſt am Montag in Alberdi eingetroffen.
Pie aus zuverläſſiger Quelle verlautet, wird das Statt=
halterpaar
Straßburg im letzten Drittel d. M.
Averlaſſen und nach Berlin überſiedeln.
ſas engliſche Unterhaus nahm die Home=
rulebill
in zweiter Leſung mit 356 gegen 276
Stimmen an.
ſas Befinden des Königs von Schweden
hat ſich nach dem neueſten Bericht verſchlechtert,
ſo daß eine Operation erforderlich iſt.
Im Montag nachmittag ſind auf der Pforte die Ratifika=
tionsurkunden
des türkiſch=ſerbiſchen Frie=
densvertrags
ausgetauſcht worden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Das Rote Kreuz.

Fünfzig Jahre werden es demnächſt, daß die In=
ſitution
des Roten Kreuzes geſchaffen wurde, jener Ein=
ſichtung
, die ſich nicht nur im Kriege, ſondern auch im
Ftieden auf das trefflichſte bewährt und im höchſten
Maße ſegensreich gewirkt hat. Entſprungen iſt das Rote
kreuz den furchtbaren Erfahrungen, die in einer Reihe
ſſroßer Kriege gemacht worden ſind, und man muß ſich im
Frunde genommen wundern, daß für die Kranken= und
Perwundetenpflege im Kriege nicht ſchon viel länger vor=
jeſorgt
worden iſt. Dieſer Mangel hatte die großen Ver=
ſuſte
an Toten zufolge, die in früheren Jahren ſelbſt bei
ſleineren Schlachten zu verzeichnen waren, denn die Zahl
herer, die ihren Verwundungen erlagen, war oft weit
trößer als die Zahl der im Kampfe ſelbſt Gefallenen.
Endlich nach den ſchweren Verluſten des öſterreichiſch=
ſtalieniſchen
Feldzuges im Jahre 1859 kam man zur Ein=
ſicht
, daß Abhilfe unbedingt geſchaffen werden müßte, und
luf Anregung Henry Dunants bildete ſich die Genfer
Konvention, der im Laufe der Jahre ſämtliche Kultur=
ſtgaten
beigetreten ſind. Sehr ſchnell bot ſich Gelegenheit,
die neue Einrichtung in Tätigkeit zu ſetzen: im deutſch=
ſpäniſchen
Kriege erſchien zum erſten Male das Rote
Kreuz. Zum erſten Male als geſchloſſene Organiſation
ſahm das Rote Kreuz im deutſch=franzöſiſchen Kriege im
ſumfangreichen Maßſtabe ſeine Tätigkeit auf, und nicht
eniger als 56 Millionen Mark wurden zu Zwecken der
Fürſorge aufgebracht. Seitdem hat das deutſche Rote
Kreuz mehrfach Gelegenheit gefunden, ſich zu betätigen,
glücklicherweiſe allerdings nicht in einem Kampfe, in den
Deutſchland verwickelt war, ſondern man hat anderen
ölkern ſich bereitwilligſt zur Verfügung geſtellt, und
ſüberall, wo unſere brapen Pfleger und Pflegerinnen mit
ihren Aerzten erſchienen, fanden ſie uneingeſchränktes Lob.
Wir haben jetzt auch für Friedenszeiten eine feſte Organi=
ſſation
, in der alles für den Ernſtfall vorbereitet wird,
und Tauſende von Pflegern und Pflegerinnen werden
lalljährlich ausgebildtt, um in Kriegszeiten ſofort fün
den Liebesdienſt eintreten zu können. Aber nicht hierauf
ſallein beſchränkt das Rote Kreuz ſeine Tätigkeit im Frie=
den
, ſondern es hat auch auf einem anderen Felde ſich
jals ein trefflicher Helfer erwieſen, arf dem Gebiete der
Bekämpfung von Volkskrankheiten, namentlich der der
Tuberkuloſe, iſt vom Roten Kreuz Muſtergültiges ge=
ſchaffen
worden. Tauſende verdanken Geneſung oder
wenigſtens Beſſerung den verſchiedenartigen Einrichtun=
gen
, Fürſorgeſtellen, Sanatorien uſw., die vom Roten
Kreuz oder unter deſſen Mitwirkung gegründet wor=
den
ſind.
Allenthalben in Deutſchland und auch außerhalb wird
darum des erſprießlichen Wirkens des Roten Kreuzes
ſtets gern gedacht, und man wird ſeine Beſtrebungen
unterſtützen, es wird da ein gutes Stück ſozialer und kul=
tureller
Arbeit geleiſtet zum Ruhme Deutſchlands,

Die Friedensſtärke
des franzöſiſchen Heeres.

Senator Gervais, Mitglied des franzöſiſchen
Heeresausſchuſſes, hat im Matin die Friedensſtärke der
franzöſiſchen Armge auf 769000 Mann beziffert. Dieſe
Angabe ſtimmt beinahe vollſtändig mit dem Ergebnis
einer Berechnung überein, zu dem die Abhandlung eines
Fachmannes im Aprilheft der Deutſchen Rundſchau

(Gebr. Paetel, Berlin) gelangt. Dieſer nämlich hat für
den Frühling 1914 die Friedensſtärke des fran=
zöſiſchen
Heeres an ausgebildeter Mannſchaft auf
mindeſtens 767000 Mann veranſchlagt. Offiziere und Be=
amte
(33000), Kolonialtruppen (35000 Mann) und Gen=
darmerie
(24000 Mann) ſind dabei nicht mitgerechnet,
ebenſowenig die Leute der Hilfsdienſte, von denen die
letzten drei Jahrgänge 18661 bezw. 17038 bezw. 6970
Mann geliefert haben. Die Friedensſtärke des
deutſchen Heeres betrug am 1. Januar d. J. rund
758000 Köpfe. Wie ſich die Kopfſtärke des franzöſiſchen
Heeres in den folgenden Jahren ſtellen wird, vermag der
Gewährsmann der Deutſchen Rundſchau nicht genau an=
zugeben
, weil ſie nach den jährlichen Rekrutierungsergeb=
niſſen
ſchwanke und durch die Anwerbung von Freiwilli=
gen
und Kapitulanten fühlbar beeinflußt werde. Nur
ſchätzungsweiſe könne angenommen werden, daß im Herbſt
1916 das franzöſiſche Heer eine Geſamtſtärke von rund
870000 Mann gegen 831000 bei uns
einſchließlich Offiziere, Kapitulanten uſw. erreichen
werde. Für die Zukunft erſcheine es beſonders beachtens=
wert
, daß die franzöſiſche Armee auch im Winter ſtets
über zwei Jahrgänge, alſo wenigſtens über 460000 aus=
gebildete
Mannſchaften, verfügen werde, und daß der
Kriegsminiſter durch das neue Wehrgeſetz ermächtigt ſei,
wenn die Umſtände es erfordern, auch noch den Jahrgang,
der ſein drittes Jahr beendet hat, eine Zeitlang unter
den Fahnen zu halten.
Frankreichs militäriſche Machtmittel bewegten ſich
alſo unſtreitig in aufſteigender Linie und ſeien für die
Verbündeten und Freunde wie für ihre Gegner nicht zu
unterſchätzende Waffen. Aber gegenüber dieſer Aner=
kennungen
des franzöſiſchen Heeres, heißt es in der Deut=
ſchen
Rundſchau treffend, dürſen wir nicht in den Fehler
verfallen, der häufig ſogar von ſachmänniſcher Seite bei
uns gemacht wird, die Friedenspräſenzſtärke der Armee
unſerer weſtlichen Nachbarn gegen die deutſche für be=
trächtlich
überlegen anzuſehen und darzuſtellen; durch die
nicht zutreffende Betonung und Wiederholung dieſer an=
geblichen
Tatſache werden ganz unnötigerweiſe in weite
Kreiſe Unſicherheit und Mißtrauen gegen die
verantwortlichen Leiter unſerer Heeresangelegenheiten
getragen und das Vertrauen auf einen Erfolg erſchüttert,
das ſchon den halben Sieg in der Stunde der Entſchei=
dung
bedeutet.

Deutſches Reich.

Der Reichskanzler als Gaſt des Kai=
ſers
. Der Reichskanzler wird, wie ſchon bemerkt, ſeine
Reiſe nach Korſu ſo einrichten, daß er bereits vor den
Oſterfeiertagen im Achilleion eintrifft. Die Einladung
des Kaiſers wird in politiſchen Kreiſen als eine ganz be=
ſondere
Auszeichnung des Kanzlers aufgefaßt, die gleich=
zeitig
als ein nicht mißzuverſtehendes Dementi der in
letzter Zeit vielfach verbreiteten Rücktrittsgerüchte ange=
ſehen
werden kann. Auch die Annahme, daß der Kanzler
bei Gelegenheit der Kieler Woche ſeinen Abſchied ein=
reichen
werde, wie dies bei den letzten Kriſen behauptet
worden iſt, wird in unterrichteten Kreiſen als gegen=
ſtandslos
erklärt.
Ein Kongreß für einheitliches Ange=
ſtelltenrecht
findet am 26. April in Berlin ſtatt. Er
iſt von der Arbeitsgemeinſchaft für einheitliches Ange=
ſtelltenrecht
einberufen und ſoll in erſter Linie dazu dienen,
das Intereſſe aller Angeſtelltengruppen an der Verein=
heitlichung
des Angeſtelltenrechts darzulegen. Aber auch
die Einwände der Gegner ſollen unterſucht und gewür=
digt
werden. Das Hauptreferat über die Notwendigkeit
eines einheitlichen Angeſtelltenrechts wird der bekannte
Sozialpeilitiker Rechtsanwalt Dr. Hugo Sinzheimer=
Frankfurt a. M. erſtatten. An der Veranſtaltung ſind
beteiligt: Allgemeiner Verband der Deutſchen Bankbeam=
ten
, Allgemeine Vereinigung Deutſcher Buchhandlungs=
gehilſen
, Bund der techniſch=induſtriellen Beamten, Deut=
ſcher
Steiger=Verband, Deutſcher TechnikerVerband, Ver=
band
der Bureauangeſtellten, Verband der Kunſtgewerbe=
zeichner
, Verband techniſcher Schiffsoffiziere, Verein der
Deutſchen Kaufleute, Werkmeiſterverband für das Deut=
ſche
Buchbindergewerbe und Zentralverband der Hand=
lungsgehilfen
.
Der Reichskanzler über die deutſch=
amerikaniſchen
Beziehungen. Das ſchon kurz
erwähnte Schreiben des Reichskanzlers v. Bethmann
Hollweg an Herrn Theodor Sutro, den Präſidenten des
Deutſch=Amerikaniſchen Nationalbundes, über ſeine Stel=

lung zum Deutſch=Amerikanertum wird jetzt im vollen
Wortlaut bekannt gegeben. Es lautet:
Euer Hochwohlgeboren haben mir den Wunſch zu
erkennen gegeben, darüber unterrichtet zu werden, ob für
das Fernbleiben des amtlichen Deutſchland von der Welt=
ausſtellung
in San Franzisko noch andere als
wirtſchaftliche Gründe entſcheidend geweſen ſind. In Er=
füllung
Ihrer Bitte beſtätige ich Ihnen gern, daß die
Reichsregierung ſich bei ihrer Entſchließung von politi=
ſchen
Geſichtspunkten nicht hat leiten laſſen. Sie haben
der Beſorgnis Ausdruck verliehen, daß die mannigfachen
kulturellen Bande, die zwiſchen Deutſchland und den Ver=
einigten
Staaten beſtehen, ſich in Zukunft nicht mehr der
gleichen Beachtung und ſorgfältigen Pflege erfreuen ſollen,
wie dies bisher zum Vorteil beider Länder der Fall ge=
weſen
iſt. Seien Sie verſichert, daß dieſe Beſorgnis un=
begründet
iſt. Insbeſondere wird das ſympathiſche In=
tereſſe
, das wir den auf Erhaltung deutſcher Sprache und
Kulur gerichſeten Bemühungen jener amerikaniſchen
Bürger ſtets zugewandt haben, die ſelbſt oder deren Vor=
fahren
aus deutſchen Landen nach den Vereinigten Staa=
ten
eingewandert ſind, denſelben auch weiterhin erhalten
bleiben. Hierfür bürgen ſchon die vielfachen Kundgebun=
gen
Ihrer Landsleute deutſcher Abſtammung, die in er=
freulicher
Weiſe erkennen laſſen, daß ſie als treue Bürger
der Vereinigten Staaten doch die alte Heimat und ihr
deutſches Vollstum nicht vergeſen haben.
Das liberale Wahlbündnis in
Sachſen. In einer in Meißen abgehaltenen national=
liberalen
Verſammlung wandte ſich Dr. Streſemann gegen
die Bemühungen der Konſervativen, das liberale Wahl=
abkommen
in Sachſen zu ſtören. Es handle ſich, ſo er=
klärte
er, bei den nächſten Landtagswahlen im König=
reich
Sachſen um die Entſcheidung über die Frage, ob die
Konſervative Partei die jahrzehntelang ausgeübte Allein=
herrſchaft
wieder erhalte, oder ob die Nationalliberale
Partei in Zuſammenwirkung mit der Fortſchrittlichen
Volkspartei ihre ausſchlaggebende Stellung behaupten ſoll!
In dieſer Situation wäre es eine Torheit, der National=
liberalen
Partei zuzumuten, ſich durch die Ablöſung eines
Wahlbündniſſes mit der Volkspartei von der Möglichkeit
zu befreien, ihren Einfluß aufrecht zu erhalten

Eusland.

Italien.
Salandra über das Ehegeſetz. In der ita=
lieniſchen
Kammer gab Miniſterpräſident Salandra im
Anſchluß an ſeine bereits am Donnerstag gemachten
Aeußerungen weitere Erklärungen über die Politik, die
er einzuſchlagen willens ſei, ab. Im weſentlichen iſt ſein
Programm ſchon belannt. Nur über die Frage der Ehe=
ſcheidung
machte er einige intereſſante Bemerkungen.
Sollte eine ſolche Vorlage vor das Parlament kommen,
ſo würden die einzelnen Miniſter nach ihrer Ueberzeugung
ſtimmen, er ſelbſt jedoch dagegen. Doch werde dies der
Stellung des Kabinetts weiter keinen Abbruch tun. Aber,
ſo erklärte er, an der Vorlage über die vom Vatikan be=
kämpfte
Präzedenz der ſtandesamtlichen vor der kirchlichen
Trauung werde er unbedingt feſthalten.
Frankreich.
Der Ertrag der indirekten Steuern
und Monopole im Monat März überſtieg die Ein=
nahmen
des gleichen Zeitraumes des Vorjahres um rund
10½ Millionen Francs.
Englang.
Die Annahme der Homerulebill. Im
Unterhauſe eröffnete Redmond die Beratung des letzten
Tages, die zweite Leſung der Homerulebill.
Er erklärte, die Nationaliſten würden die Löſung im
Wege des Föderativſyſtems annehmen, wenn erſtens Ir=
land
unter einer Einketöſorm geeinigt und nicht in
Ulſter und das übrige Irland geteilt würde, wenn zwei=
tens
die Geltungskraft der gegenwärtigen Bill nicht ver=
mindert
und wenn drittens die Ausſchlußfriſt von ſechs
Jahren für Ulſter aufrecht erhalten würde. (Lachen bei
der Oppoſition.) Die Nationaliſten könnten den dauern=
den
Ausſchluß Ulſters nicht annehmen. Das Opfer der
Nationaliſten, die in den Sechsjahresvorſchlag eingewil=
ligt
hätten, der eine Spitze gegen ſie enthalte, ſei nutzlos
geweſen. Sie wären halbwegs entgegengekommen, aber
Ulſter, das auf ſeiner urſprünglichen Forderung des gänz=
lichen
Ausſchluſſes beſtünde, wäre nicht einen Zoll ent=
gegengekommen
. Unter dieſen Umſtänden bliebe ſeiner
Anſicht nach dem Hauſe nur übrig, in der Beratung der
Vill, wie ſie wäre, fortzufahren. (Lauter Beifall bei den
Miniſteriellen.) Er glaube nicht, daß es darum in Ulſter
zum Bürgerkrieg komme. Wenn jedoch die Bill Geſetz
würde, würde ſich die Lage ändern. Carſon hielt daran
feſt, den gänzlichen Ausſchluß Ulſters oder eine Volksab=
ſtimmung
oder allgemeine Wahlen zu fordern, und er=
klärte
, die Regierung müßte die Politik der Gewalt auf=
geben
. Gewalt würde der weiteſte Weg zum Frieden
ſein und den Untergang für Ulſter Irland und wahr=
ſcheinlich
für England bedeuten. Der Liberale Simon

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Seite 4

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Nummer 98.

Hermann Knispel=Abend. Die Vortragsabende
des Hofrezitators und Hofſchauſpielers Hermann Knispa
ſind nun ſchon zu einer ſtehenden Einrichtung geworden
in Darmſtadt. Und die Tatſache, daß ſie ſich anhaltend
guten Beſuches zu erfreuen haben, iſt um ſo bemerkens=
werter
, als ſonſt ſehr viele Veranſtaltungen in Darmſtadt
unter der Fülle deſſen, was die Saiſon bringt, immer
mehr zu leiden haben, was ſich natürlich in erſter Linie
meiſt durch gähnende Leere bemerkbar macht. Nicht ſo
die Knispel=Abende. Auch geſtern war der Saal des
Hotels Zur Traube wieder dicht beſetzt, und das Audi=
torium
bereitete dem beliebten Vortragskünſtler warme
Sympathiekundgebungen. Im Reiche des Humors war
wieder das Signum des Abends. In dieſem brachte Herr
Knispel Geiſtesſchöpfungen klaſſiſcher und moderner Dich=
ter
in bunter Reihe. Fedor von Zobeltitz eröffnete den
Abend, dann folgten drei kleine Dichtungen von Goethe
dann Wilhelm Hauff und Gottfried Keller. Die zweite
Abteilung brachte Dichtungen von Gottfried Schwab,
Otto Roquette, Julius Sturm, G. Bötticher, Adolf Holſt
und Chriſtian Morgenſtern. Die dritte Abteilung brachte,
wie immer, heitere Dichtungen in Pfälzer Mundart, Altes
und Neues von Lina Sommer, Ph. Grünberger, Richard
Braunbeck, Brechter, K. A. Wolf, von Kobell, Völker und
Barack. Und wie immer hatte er mit dieſen Dialektvor=
trägen
den ſtärkſten Erfolg zu verzeichnen. Wie Hermann
Knispel vortrug? Sollen wir oft geſpendetem Lob neues
hinzufügen? Der von Vortrag zu Vortrag ſich ſteigernde
Beifall bewies aufs beſte, daß ſowohl in der Auswahl
der Vorträge, wie in der Art des Vortrages Herr Knispel
den Geſchmack des Publikums getroffen. Und das ſichert
ja immer den Erfolg.
Außergewöhnliche Paketbeſtellung. Am Kar=
freitag
, den 10., und Oſterſonntag, den 12. April, findet
behufs Bewältigung des geſteigerten Poſtpäckereiver=
kehrs
eine einmalige Paket= und Wertbriefbeſtellung am
Vormittag ſtatt.
Briefumſchläge für den Poſtſcheckverkehr. Nach dem
neuen Poſtſcheckgeſetz unterliegen vom 1. Juli ab die
Briefe der Kontoinhaber an die Poſtſcheckämter allgemein
der billigen Ortstare von 5 Pfg., wenn die Kontoinhaber
dabei von der Poſtverwaltung vorgeſchriebene Briefum=
ſchläge
benutzen. Dieſe beſonderen Umſchläge können von
den Poſtſcheckämtern bezogen, aber auch von der Privat=
induſtrie
hergeſtellt werden, wenn ſie in der Größe, Farbe
und Stärke des Papiers, ſowie im Vordruck mit den amt=
lichen
genau übereinſtimmen. Für die Kontoinhaber, die
nicht am Orte des Poſtſcheckamtes wohnen und die gegen=
wärtig
Briefumſchläge mit der vorgedruckten Adreſſe des
Poſtſcheckamtes benützen, empfiehlt es ſich deshalb, den
Bedarf an dieſen Umſchlägen nur noch bis Ende Juni zu
bemeſſen. Die Poſtverwaltung wird demnächſt das Muſter
für den vom 1. Juli ab zu benützenden Briefumſchlag be=
kanntgeben
. Muſterbriefumſchläge können dann von den
Poſtſcheckämtern koſtenfrei bezogen werden.
* Brandbericht. In der Lackfabrik Georg Liebig,
Inh. K. Koller, kam der Inhalt eines Keſſels (3 Zeniner
Leinöl) durch Selbſtentzündung in Brand, wodurch als=
bald
der ganze Raum in Flammen ſtand. Durch raſches
Handeln des Siedmeiſters, der ſofort die Türen ſchloß, um
das Feuer zu erſticken, wurde größere Gefahr verhütet.
Die 1250 Uhr alarmierte Feuerwehr fand bei Ankunft
den Brand auf ſeinen Herd beſchränkt und hatte nur noch
vollſtändiges Ablöſchen des Feuers vorzunehmen; auf ver=
ſchiedene
noch in der Nähe lagernde feuergefährliche
Flüſſigkeiten war Bedacht zu nehmen. Die Feuerwache
war 2.12 Uhr zurück.

Orpheum. Das Gaſtſpiel Pariſiana= Kammer=
ſpiele
und Künſtler=Cabaret wird die Bekanntſchaft ver=
ſchiedener
hervorragender Cabaretkünſtler vermitteln, die
für Darmſtadt vollſtändig neu ſind. Wir nennen in
erſter Reihe die renommierte Chanſonniére Margot Béru,
eine Künſtlerin von Klaſſe. Sie verfügt über brillante
Stimmittel und bringt feinpointierte, mondaine
Chanſons. Ferner den Humoriſten am Flügel Ferdinand
Seiler, deſſen Name noch aus der Zeit des v. Wol=
zogenſchen
Ueberbrettls beſten Klang hat. Das moderne
Tanzduett Occy und Ly wird die neueſten Saiſontänze
vorführen: Furlana, Tango, Maxix brésilienne, Ragtime,
Two step, Boston double et triple uſw. Richard
Manz, der langjährige Regiſſeur und erſter Bonvivant
des Münchner Gärtnerplatz Theaters, iſt Spezialiſt für
Münchner Humor. Des weiteren ſind noch zu nennen

die feſche Wiener Operettendiva Fritzi Gella, die
Soubrette Friede Gallenkamp, der Humoriſt Otto
Vasco und der elegante Chanſonnier Walter René.

Neu hergeſtellte Fernſprechanſchlüſſe
und Henderungen bei beſtehenden Sprechſtellen.

A) Neue Anſchlüſſe. 2289 Bieger, Emil,
Schloſſermeiſter, Waldſtraße 25. 2295 Ehrle, Kurt, Hof=
ſchauſpieler
, und Ehrle, Hedwig, Hofballettmeiſterin, Hof=
theaterplatz
1. 2288 Evangeliſches Arbeiterſekretariat,
Stiftſtraße 51. (2428) Feldart.=Regt. Nr. 84, 2. Abteil.,
Uebungsplatz. (2428) Funker=Komp. Telegr.=Batl. Nr. 3,
Uebungsplatz. 2428 Garde=Füſilier=Bataillon J.=R. 115,
9. Komp., Uebungsplatz. 2429 Garde=Füſilier=Bataillon
Leibg.=Inf.=Regts. Nr. 115, Alexanderſtraße 22, Wirt=
ſchaftsgebäude
Nr. 28. 2282 Gebhardt, von, Frau, Mar=
tinſtraße
53. 2281 Gemündt, Jean, Schloſſermeiſter, Roß=
dörfer
Straße 30. 2271 Kern. Aloys, Rechtsanwalt,
Privatwohnung Stirnweg 16. 2280 Kugel, Ludwig, Inh.
Heinrich Kugel, Weißbinder=, Maler= und Lackiergeſchäft,
Seekatzſtraße 10. 2286 Schüttler, Wilh., Handwerkskam=
meraſſiſtent
, Bruchwieſenſtraße 4. 2279 Simon, Caroline,
Frau, Privatin, Mollerſtraße 17.
B) Aenderungen. 2106 Anſpach, T., Liebig=
ſtraße
10, jetzt Friedrichſtraße 13. 2577 Bendheim, Lud=
wig
, Luiſenplatz 7, jetzt Bismarckſtraße 64. 2035 Dein=
hard
, Wwe., übertragen an M. S. Roſtchakowsky, Geſandt=
ſchaftsſekretär
. 904 Geiſel, Karl, Tannenſtraße 44, jetzt
Schießhausſtraße 80. 1611 Heim, Karl, Inſelſtraße 29,
jetzt Wienersſtraße 66. 1120 Heuß, Albert, Hoffmann=
ſtraße
16, jetzt Hügelſtraße 6. 2215 Kanzler, Guſt., Markt=
ſtraße
3, jetzt Schulſtraße 12. (154) Knoblauch, G., Bis=
marckſtraße
52, jetzt Neckarſtraße 9. 2126 Köppen, von
Hermannſtraße 31, jetzt Roquetteweg 3. 736 Kuhlen,
E., Hügelſtraße 4, übertragen an Kindſcher, Albert, Schul=
ſtraße
6. 1961 Meinhardt, L., Rheinſtraße 1, jetzt Grafen=
ſtraße
4. 608 Münch, Grüner Weg 44, jetzt Herrngarten=
ſtraße
33. 1316 Peniger, Maſchinenfabrik, Frankfurter
Straße 84, jetzt Stirnweg 16. 1413 Pertſch, Ferd. Adolf,
Wilhelminenſtraße 31, jetzt Neckarſtraße 8. 1959 Wenz,
Dora, übertragen an Hellmuth, Erwin.
C) Abgebrochene Sprechſtellen. 1951 Front,
H. 25 Graefſche Armaturen= und Maſchinenfabrik
1335 Homberger, Hugo. 1885 Knell, Wilhelm. 1889 Meyer,
Heinrich. 1399 Rapp, Karl, Wwe., Arheilgen.

Die Elektriſche Bahn nach Arheilgen.

* Arheilgen, 7. April. In der geſtrigen unter dem
Vorſitze des Herrn Bürgermeiſters Benz abgehaltenen Ge=
meinderatsſitzung
wurde in Anweſenheit des Herrn Ober=
bürgermeiſters
Dr. Gläſſing und des Herrn Direktors
Möller von der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. Darmſtadt der
vom Kreisamt Darmſtadt unter dem 10. Dezember 1912
vorgelegte Vertragsentwurf wegen Umwandlung des
Dampfbahnbetriebes zwiſchen Darmſtadt=Arheilgen und
Einführung des elektriſchen Betriebes beraten. Allgemein
wurde anerkannt, daß durch die Erſtellung der direkten
Straßenbahnverbindung mit Darmſtadt den hieſigen Be=
wohnern
große Vorteile zugeführt würden. Es iſt beab=
ſichtigt
, die Zugfolge zu verdoppeln oder zu verdreifachen,
und iſt hierdurch den Bewohnern die Möglichkeit gegeben,
ſchneller und häufiger zu ihren Arbeitsſtellen in der Stadt
und nach Hauſe zu gelangen. Der Gemeinderat, welcher
vollzählig vertreten war, beſchloß einſtimmig, den vom
Kreisamt aufgeſtellten Vertrag zwiſchen der Gemeinde
Arheilgen und der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. zu tätigen,
und erklärte ſich damit einverſtanden, den vorgeſehenen Ga=
rantiezuſchuß
von 3500 Mark zu leiſten, um ſo mehr, als
aus den Ausführungen des Herrn Direktors Möller die
fortſchreitende Entwickelung des geſamten Bahnnetzes
feſtzuſtellen war.
Hiernach iſt in den letzten zwei Jahren (19121914)
die Zahl der beförderten Fahrgäſte von 5,8 auf 68 Mil=
lionen
geſtiegen. Das Verkehrsmittel innerhalb der
Stadt iſt beim Publikum beliebter geworden, und hat
nicht allein die Fahrluſtigkeit der Bewohner angeregt, ſon=
dern
auch verſchiedene neue Wlohngebiete aufgeſchloſſen.
Von den Bahnen der Heag kann behauptet werden, daß
dieſelben ſich mit zunehmender Verzinſung rentieren, ſo
daß ohne Bedenken ſeitens der Gemeinde Arheilgen die
Garantieverpflichtung übernommenſwerden konnte, zumal
die von der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. bisher verfolgten

Projekte einen günſtigen Abſchluß erwarten. Auch das
für den Ausbau des zweiten Gleiſes erforderliche Gelände
wurde ſeitens der Gemeinde zur Verfügung geſtellt, bezw.
ſoll als Eigentum, nach Erwerb von den bisherigen
Grundbeſitzern, der Heſſiſchen Eiſenbahn=A.=G. übertragen
werden. Hiernach ſteht zu erwarten, daß auch die zweite
Dampfbahnſtrecke alsbald aufgehoben wird, und ein leb=
hafter
Verkehr ſich mit einem zweiten Ort entwickelt.
Mit den Vorarbeiten ſoll ſofort begon=
nen
werden, und ſteht zu erwarten, daß nach Ein=
treffen
der erforderlichen Schienen und neuen Wagen der
Betrieb im Laufe dieſes oder anfangs nächſten Jahres
aufgenommen werden kann.
* Groß=Zimmern, 7. April. (Lichtbild=Vortrag.)
Ein hochintereſſanter Vortreg mit den dazu erläuternden
85 Lichtbildern, u. a. das große Deutſche Turnfeſt in
Leipzig darſtellend, findet nächſten Samstag abend im
Saale des Herrn Delrieux hier ſtatt. Vortragender iſt
Herr Turnlehrer Braun aus Frankfurt. Der Vortrag
iſt für jedermann. Herr Lant hat in liebenswürdiger
Weiſe ſeine Apparate und ſein Licht zur Verfügung ge=
ſtellt
. Nach Beendigung des Vortrags findet ein gemüt=
liches
Zuſammenſein ſtatt.
R. Heubach, 6. April. (Hohes Alter.) In
körperlicher und geiſtiger Rüſtigkeit feierte dieſer Tage
die älteſte Einwohnerin unſeres Ortes, Eva Maria Spatz,
ihren 90. Geburtstag.
Seligenſtadt, 7. April. (Der Steinheimertor=
turm
.) Die ſchon ſeit einer längeren Jahresreihe zwi=
ſchen
der Stadtverwaltung, der Staatsregierung und den
Baubehörden wegen der Renovierung reſp. Erhaltung
des Steinheimertorturmes gepflogenen Verhandlungen
traten neuerdings in ein frohe Hoffnung erweckendes Sta=
dium
. Nachdem nämlich kürzlich eine aus Vertretern der
Staatsregierung, der Baubehörden, der Kreis= und Stadt=
verwaltung
beſtehende Kommiſſion den für baufällig gel=
tenden
Turm einer eingehenden Beſichtigung unterzogen
hatte, nahm am letzten Freitag der Stadtvorſtand in einer
außerordentlichen nichtöffentlichen Sitzung zur beregten
bedeutſamen Frage definitive Stellung. Der Stadtvor=
ſtand
faßte den bemerkenswerten Beſchluß, grundſätzlich
für die Erhaltung des gefährdeten Turmhauſes einzutre=
ten
und zur Sicherung des Fundament=Mauerwerks den
Betrag von 4000 Mark unter der Vorausſetzung zu be=
willigen
, daß ſeitens des Herrn Denkmalpflegers die be=
reits
zugeſagten 2000 Mark Zuſchuß alsbald zur Ver=
fügung
geſtellt werden und die Staatskaſſe einen größeren
Beitrag zu den Renovierungskoſten, die ſich auf etwar
30000 Mark belaufen, leiſtet. Herr Bürgermeiſter Singer=
wird
in ſeiner Eigenſchaft als Landtagsabgeordneter bei
Regierung und Ständekammer einen entſprechenden An=
trag
einreichen.
Biſchofsheim, 7. April. (Leichenfund.) Heute
wurde in einem großen Waſſerloch die Leiche eines etwar
25 Jahre alten Mannes gefunden, der anſtändig gekleidet=
war
. Nach den Ermittelungen hat man es mit dem aus
Biſchofsheim ſtammenden Heinrich Hoffmann zu tun, der
ſchwermütig geworden war, ſo daß wahrſcheinlich Selbſt=
mord
vorliegt. Am Dienstag fand die gerichtliche Lei=
chenſchau
ſtatt.
Mainz, 7. April. (Ein Motor=Radfahren
verunglückt.) Aus Nackenheim wird gemeldet:
Ein die abſchüſſige Lörzweiler Straße herabkommender
Motorradfahrer rannte hier mit ſolcher Wucht gegen ein
Wohnhaus, daß er rückwärts vom Rad geſchleudert wurde
und, aus mehreren Kopfwunden blutend, bewußtlos lie=
gen
blieb. Von den hieſigen Krankenſchweſtern wurde=
der
Verunglückte verbunden und in das Rochusſpital
nach Maiz gebracht. Den Schriftſtücken nach, die er bei=
ſich
trug, wohnt er in Mainz und hatte den Delegierten=
tag
zum Lörzweiler Geſangswettſtreit beſucht. Wie man
ſpäter erfuhr, iſt es der Maſchiniſt der Militärwaſchanſtalt
aus der Dagobertſtraße, Peter Dill. Die Verletzungen
ſind lebensgefährlicher Natur.
Nieder=Ingelheim, 7. April. (Jugendlicher
Dieb.) Bei einem hieſigen Wirt wurde kürzlich ein Ein=
bruchsdiebſtahl
verübt. Geſtohlen wurden außer =
waren
12 Flaſchen Wein. Die Gendarmerie Ober= Ingel=
heim
hat als Täter einen zwölfjährigen Jungen ermittelt,
der erſt kürzlich von der Strafkammer in Mainz wegen
Diebſtahls mit einem gerichtlichen Verweis beſtraft wurde
und gegen den inzwiſchen drei weitere Anzeigen wegen
Diebſtahls erſtattet wurden.

Die Johannes=Paſſion von J. S. Bach
und ihre Aufführung am Karfreitag in der
Stadtkirche.

Nur allzu leicht iſt man geneigt, die Johannes=
Paſſion im Vergleich mit der Matthäus=Paſſion zu
unterſchätzen. Gewiß iſt letztere die ſtrahlendere, ja die
vollkommenere von beiden, aber ſeien wir dankbar, wenn
uns ab und zu Gelegenheit geboten wird, uns mit der
Schweſterkompoſition zu befaſſen, die ebenfalls eine Fülle
von Schönheiten aufweiſt.
Die Johannes=Paſſion die ältere von beiden, wurde
höchſtwahrſcheinlich in 1723 geſchrieben. Bach war noch
in Cöthen und kam das Jahr darauf als Thomaskankor
nach Leipzig, in welcher Eigenſchaft er ſie dort am Kar=
freitag
1724 aufführte. Sie hatte damals noch nicht die
endgültige Form, in welcher ſie uns jetzt vorliegt, ſondern
wies zum Teil andere Arien auf, hatte einen anderen
Schluß und namentlich nicht den gewaltigen Eingangs=
chor
, den wir jetzt in ihr bewundern. Damals wurde das
Werk eröffnet mit dem figuriſchen Choral in E-dur O
Menſch, bewein dein' Sünde groß den wir jetzt aus der
Matthäus=Paſſion (Schluß des erſten Teiles) kennen, und
den Bach dorthin verlegte als er entſchloſſen war einen
neuen Einleitungschor für die Johannes=Paſſion zu
ſchreiben.
Iſt nun die Einleitung zur Matthäus=Paſſion eines
der populärſten Muſikſtücke, die Bach geſchrieben hat, mit
ihrem Doppelchor, Doppelorcheſter und mit dem dagegen
anbrauſenden Knabenchor, ſo atmet dagegen die Einlei=
tung
zur Johannes=Paſſion eine düſtere majeſtätiſche
Größe, wie ſie vielleicht der Feier des düſteren Karfrei=
tags
weit eher entſpricht. Man höre nur das Eingangs=
motiv
im Orcheſter. Wie langgeſtreckte Meereswogen
wälzt es ſich heran. Immer näher ſcheint es zu kommen.
Und wenn es nun die höchſte Steigerung erreicht hat,
ſtimmt der Chor mit ungeheurer Wucht ſeinen dreimaligen
Anruf an: Herr! Herr, unſer Herrſcher, deſſen Ruhm in
allen Landen herrlich iſt! Nun übernehmen die Sing=
ſtimmen
die wogende Figur, die wir von der Orcheſter=
einleitung
her kennen, bis ein Zwiſchenſatz die nötige Ab=
wechſelung
anbringt und in charakteriſtiſchen Intervallen
die Worte vertont: Zeig uns durch deine Paſſion, daß du,
der wahre Gottesſohn, auch in der größten Niedrigkeit
verherrlicht worden biſt‟ Langatmige Diſſonanzen, die
ſich erſt ſpät auflöſen und mit einer ungeahnten Kühnheit
und hartnäckigen Breite die Bewegung durchqueren, illu=
ſtrieren
den Text und malen ſo den Zwieſpalt zwiſchen

göttlicher Größe und irdiſchem Leiden. Von großer Wir=
kung
iſt ein von Bach ſelbſt vorgeſchriebenes piano Bach
ſchrieb nur äußerſt ſelten eine Bezeichnung für den dyna=
miſchen
Vortrag vor bei den Worten: auch in der
größten Niedrigkeit wo wir gleichſam mit den Tönen
hoch vom Himmel bis in die Tiefen der Erde des Stau=
bes
herabgedrückt werden. So leitet dieſe düſter= maje=
ſtätiſche
Chornummer das Werk auf würdigſte Weiſe ein
und bereitet uns vor, das erſchütternde Paſſions=Drama
in uns aufzunehmen.
Worin nun aber die Johannes=Paſſion der Matthäus=
Paſſion nachſtehen dürfte, iſt in der äußerlichen Anlage
des ganzen Werkes. Hier zwei gleichmäßig große Teile,
einheitlich verteilte lyriſche Betrachtungen und Ruhepunkte
in Arien und Chorälen, in der Johannes=Paſſion dagegen
zwei Hauptteile, wovon der erſte relativ kurz, der zweite
doppelt ſo lang iſt. Zwei Arien der beiden Frauenſtim=
men
befinden ſich ganz im Anfang und dann erſt wieder
ganz am Schluß des Werkes, ſo daß wir die Mitwirkung
der beiden Soliſtinnen im Laufe der Paſſion recht ent=
behren
. Auch ſind die textlichen Unterlagen der Arien
nicht ſo glücklich wie in der Masthäus=Paſſion. Aber
worin die Johannes=Paſſion der jüngeren Schweſterkom=
poſition
(dieſe wurde um 1729 geſchrieben) nichts nachgibt,
das iſt in den Volkschören und in den Rezitativen des
Evangeliſten. Erſtere weiſen eine erſtaunliche Schlag=
kraft
, eine Prägnanz und bewundernswürdige Kühnheit
der Harmonie und der Stimmenführung auf. Man denke
nur an das fanatiſche: Wäre Dieſer nicht ein Uebeltäter
deſſen Vertonung ſich in Wir dürfen niemand töten
wiederholt, oder an das wie aus Granit gehauene Wir
haben ein Geſetz und nach dem Geſetz ſoll er ſterben und
man wird geſtehen müſſen, daß dieſes Aehnlichem in der
Matthäus=Paſſion gleichkommt. Ferner herrſcht in den
Rezitativen des Evangeliſten, namentlich überall, wo von
Jeſus die Rede iſt eine weit größere Innigkeit, als in
der Matthäus=Paſſion, als ob der Erzähler ſelbſt wär=
meren
Anteil nähme an den von ihm erzählten Vorgängen.
Aber worin die Johannes=Paſſion die Matthäus=Paſſion
geradezu übertrifft, das iſt in den Chorälen. In bezug
auf Charakteriſtik der Vertonung des Wortes, und in der
Art, wie die Melodien dementſprechend harmoniſiert ſind,
ſind ſie einfach unvergleichlich.
Die größere Kürze des Evangeliums Johanni und
dadurch der Mangel an Gelegenheit zu lyriſchen Betrach=
tungen
oder zu ausgedehnterer muſikaliſcher Illuſtration,
mag wohl Veranlaſſung zu den oben erwähnten Schatten=
ſeiten
ſein, und Bach u. a. bewogen haben, zwei Stellen
aus dem Evangelium Matthäi berüber zu nehmen und

hierher zu verlegen. Das Erſte iſt die Stelle vom bitter=
lich
weinenden Petrus, das zweite die Erzählung vom
Erdbeben und vom Zerreißen des Vorhangs im Tempel
bei Jeſus’ Tod (Matth. 26 V. 75 und Kap. 26 V. 5152).
die bei Johannes fehlen
Betrachten wir die Arien, ſo iſt vor allen die herr=
liche
Alt=Arie Es iſt vollbracht und die an Innigkeit ſo
reiche Arie für Sopran Zerfließe, mein Herze zu nennen.
Auch die herbe Tenor=Arie Ach, mein Sinn iſt von eigen=
tümlicher
Schönheit, während unter den Baß=Arien das
ſchöne Arioſo mit Begleitung von Laute und von zwei
Violen d’amore Betrachte, mein Seel und namentlich
die letzte Arie Mein teurer Heiland hervorzuheben iſt.
Die wehmütig=kindlich=fromme Stimmung iſt hier herrlich
getroßen, und von wunderbarer Wirkung iſt der pianiſſimo
hingehauchte Choral des Chores, der die Soloſtimme und
die Orcheſterbegleitung umrauſcht.
Das Weck ſchließt mit dem Choral Ach Herr, laß
dein lieb’ Engelein‟ Dieſes ſtammt noch von der Sitte
her, nach Aufführung der Paſſion die Grablegung darzu=
ſtellen
, wozu dann ein entſprechender Choral geſungen
wurde. Bach hat ihn in der Matthus=Paſſion ſchon
weggelaſſen, und wir könnten die Johannes=Paſſion füg=
lich
ebenfalls mit dem großen C-moll=Trauerchor ſchließen,
wenn nicht gerade dieſer Choral von ſo ergreifender Schön=
heit
wäre und uns zugleich daran erinnerte daß die evan=
geliſche
Kirchenkantate aus dem Choral hervorgegangen
iſt und hier wie in den Paſſionen ein weſentliches Grund=
element
bildet.
Unſere Aufführung lehnt ſich ſo getreulich wie möglich
an die Original=Partitur an. Die Orgel iſt das Haupt=
inſtrument
, um welches herum ſich die übrigen Inſtru=
mente
. Streicher, Flöten, Hoboen und Laute gruppieren.
Einzelne ältere Inſtrumente wie Viola da Gamba und
Oboe da caccia (Jagdhoboe) werden durch Cello und
Engliſchhorn erſetzt, die ſich im Klang wenig von den vor=
geſchriebenen
Inſtrumenten unterſcheiden. Die Laute und
eine Viola damore werden bei der diesmalign Auffüh=
rung
vertreten ſein.
Tüchtige Soliſten, wie Frau Emmi Küchler=
Weißbrod aus Weimar und Frau Agnes Braun=
fels
aus Frankfurt, ſowie Herr Franz Müller von
hier und Herr Profeſſor Freytag aus Stuttgart, haben
ihre Mitwirkung zugeſagt. Und ſo möge das Werk, das
hier ſeit 1909 nicht mehr aufgeführt wurde, als eine will=
kommene
Abwechſelung zwiſchen den ſonſtigen Auffüh=
rungen
der Matthäus=Paſſion aufs herzlichſte begeüßt=
werden
.
Darmſtadt, April 1914.
W. de Haan.

[ ][  ][ ]

Nummer 98.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 5.

Deidesheim, 7. April. (Ein frecher Kirchen=
ſaub
) wurde in der vergangenen Nacht in der Rup=
ſertsberger
Kirche verübt. Es wurden vier wert=
ſpolle
Kelche geſtohlen. Vermutlich ließ ſich der Dieb am
end vorher in die Kirche einſchließen, ſo daß er wäh=
ſnd
der Nacht den Raub der Kirchengeräte ausführen
hrnte, womit dem Täter Geräte im Werte von 2000 Mark
die Hände fielen.
Wallertheim, 7. April. (Durch ein Schaden=
Luer) wurde geſtern früh das Mahlhaus der großen
Pallertheimer Mühlenwerke vollſtändig zerſtört. Das
FFeuer, deſſen Entſtehungsurſache bis jetzt nicht feſtgeſtellt
ſt, verbreitete ſich raſch über ſämtliche Mühlräume, wo
ſroße Vorräte aufgeſtapelt waren. Dieſe, ſowie alle Ma=
hhinen
, wurden vernichtet. Dagegen konnte das angren=
ſende
Wohnhaus, die Stallungen und die Bureauräume
ſerettet werden. Der Schaden iſt ſehr groß.
Gießen 7. April. (Teilung des Realgym=
ſaſiums
und der Oberrealſchule.) Das Real=
zymnaſium
und die Oberrealſchule zu Gießen ſind vom
April 1914 ab in zwei ſelbſtändige Schulen zerlegt
porden. Mit Ermächtigung des Großherzogs werden von
ſer gemeinſamen Schule zugewieſen: A. dem Realgym=
ſaſium
die Oberlehrer Profeſſoren D. Holzmann, Dr.
Erb. Storck. Dr. Collin, Dr. Weimar, Dr. Dittmar, Schau=
mann
, Dr. Knauß, die Oberlehrer Schmoll, Dr. Horn und
Reallehrer Kiſſel. B. der Oberrealſchule die Oberlehrer
Profeſſoren Dr. Wiederhold Müller, Hedderich, Koob,
Beyer, Dr. Trapp, Dr. Noll, Dr. Krausmüller, Wüſten=
höfer
, Dr. Klein, die Oberlehrer Dr. Weimer, Dr. Richter,
Weber, Lamby, Dr. Boeck Barth, Dr. Faber, die Real=
ſehrer
Jann, Grimm, Will, Salomon, Hebermehl.
Birſtein, 7. April. (Hoher Beſuch.) Prinz Hein=
ſich
der Niederlande ſtattete geſtern dem Fürſten und der
Fürſtin zu Iſenburg auf Schloß Birſtein einen Beſuch ab
und nahm dann an der fürſtlichen Tafel teil.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 6. April. 128 Kinobe=
ſitzer
wollen den Ertrag ihrer Theaterinſtitute am
F. Mai dem Zentralkomitee für Luftfahrt zur Verfügung
ſtellen. Der zehnjährige Sohn Willy des
Bauarbeiters Ganſchow aus Berlin beteiligte ſich vor
4 Tagen an einem Schulausfluge nach Straus
berg. Im Walde ſpielten die Knaben u. a. Fuchs und
Haſe‟. Der kleine Willy war Haſe und flüchtete vor
den ihn verfolgenden Kameraden, die die Füchſe darſtell=
ſten
. Als der Weitermarſch angetreten werden ſollte, fehlte
Willy Canſchow und wurde, obwohl ſofort ſeine Kame=
lraden
nach ihm ſuchten, nicht gefunden. Vergebens forſch=
ſten
Strausberger Bürger, Schüler, Förſter und Gendar=
imen
fortgeſetzt nach ihm. Am Sonntag vor acht Tagen
Aſuchten 350 Jugendturner der Berliner Turnerſchaft gleich=
ffalls
umſonſt nach dem vermißten Schüler. Geſtern ka=
Amen zur Suche nun wieder nach Strausberg einige hun=
dert
Mitglieder der Männerabteilungen. Ihnen gelang
les, die Leiche des unglücklichen Jungen aufzufinden.
Anſcheinend iſt der Knabe, der ſich nicht mehr zu den Ge=
illnoſſen
zurückfand, hilflos im Walde umhergeirrt,
Avollſtändig erſchöpft zuſammengebrochen und zuletzt nachts
Alerſtarrt. Die genaue Todesurſache kann erſt durch die ärzt=
llliche
Unterſuchung der Leiche feſtgeſtellt werden. Vielleicht
ſiſt der arme Knabe auch zuletzt vor Angſt an einem Herz=
ſchlag
geſtorben. Bei dieſem traurigen Vorfall wird an=
lgeregt
, daß auf Schülerausflügen auf unüberſichtlichem
Gelände oder in Wäldern ein laut tönendes Signalhorn
mitgenommen werden ſollte, auf deſſen Ruf die zerſtreu=
ten
Schüler ſich raſch zu ſammeln hätten. Es könnten auf
Aſolch einem Inſtrument, wenn es rechtzeitig und ſachgemäß
Ahenutzt würde, auch Kommandos und Richtungsſignale ge=
geben
werden, die ein ſolch furchtbares Schickſal, wie es
den armen Jungen Ganſchow ereilte, unmöglich machte.
Das Opfer einer unſinnigen Wette iſt am
Sonntaa der 37jährige obdachloſe Gelegenheitsarbeiter
Ernſt Weinreich geworden. W., der von einer Geburts=
Atagsfeier kam, behauptete, als er mit ſeinen Freunden die
Charlottenburger Schloßbrücke überſchritt, daß er 100 Me=
ter
unter Waſſer zu ſchwimmen vermöge. Als man das
bezweifelte, ſprang er ins Waſſer, unter deſſen Oberfläche
er verſchwand. Als er jedoch nicht wieder zum Vorſchein
lam, machten ſeine Begleiter einen Rettungskahn los
und fanden den Vermißten unter der Brücke, im Waſſer
treibend, tot auf. W., der überhaupt nicht ſchwimmen
konnte, war einem Herzſchlag erlegen.
7. April. Infolge der Ausſtrömung des Gaſes aus
leiner ſchadhaften Rohrleitung wurde der 90jährige Haus=
verwalter
Noack vergiftet. Seine 88jährige Frau
iſt ſchwer erkrankt. Auch die 30jährige Tochter des Ehe=
paares
, welche in einem anderen Zimmer ſchlief, iſt er=
krankt
, jedoch nicht ſchwer.
Wiesbaden, 7. April. (Selbſtmord.) Heute früh
ließ ſich auf dem Bahnhof Biebrich=Weſt die Witwe des
kürzlich verſtorbenen Hotelbeſitzers und Stadtverordneten
Horz von hier überfahren. Sie war ſofort tot. Frau
Horz hatte bereits vor einiger Zeit den Verſuch gemacht,
ſich im Rhein zu ertränken, war damals aber gerettet
worden.
München, 7. April. (Begnadigter Mörder.)
König Ludwig hat den Mörder Weißenſee, der ein
Dienſtmädchen ermordet hatte und vom Schwurgericht
Würzburg zum Tode verurteilt worden war, zu lebens=
länglichem
Zuchthaus begnadigt.
Würzburg, 7. April. (Eiſenbahnunfall.) Amt=
liche
Meldung. In der Station Aſchaffenburg ſtieß geſtern
vormittag um 7½ Uhr eine preußiſche Lokomotive bei der
Fahrt in das Maſchinenhaus auf einen beſetzten Gepäck=
vagen
. Von dem in dem Wagen befindlichen Perſonal
vurde ein Zugführer anſcheinend ſchwer, vier andere
Beamte wurden leicht verletzt.
Frankenthal, 7. April. (Einſturz eines Neu=
baues
.) In Freinsheim in der Pfalz ſtürzte ein
Neubau ein. Drei Arbeiter wurden ſchwer verletzt.
Neuſtadt a. d. H., 7. April. (Von der Winzer=
bewegung
.) Heute vormittag traten unter dem Vorſitz
des Bezirksamtmanns Regierungsrat Juncker in Sachen
der Winzerbewegung die Vertreter der Arbeitgeber und
Vertreter der beiden Organiſationen der Arbeitnehmer zu
einer Beſprechung zuſammen. Nach längere Debatte kam
eine Einigung zuſtande auf einer mittleren Linie, die
ungefähr den Forderungen der chriſtlich=nationalen Arbei=
ter
entſpricht. Der neue Tarif iſt auf drei Jahre feſtgeſetzt.
In den erſten beiden Jahren wird ein Stundenlohn von
33 Pfg. im Sommer und von 35 Pfg. im Winter bezahlt;
im dritten Jahre wird der Sommerſtundenlohn auf 34
Pfennig erhöht. Der Tagelohn im Herbſt iſt auf 4 Mk.
pro Tag feſtgeſetzt. Das Spritzen und Schwefeln wird mit
3,70 Mk. pro Tag bezahlt. Der Streik wurde daraufhin
ſofort aufgehoben.
Dresden, 7. April. (Verhafteter Defrau=
dant
.) Der Ratsregiſtrator Engelmann in Wilsdruf
wurde verhaftet. Er ſoll Unterſchlagungen in Höhe von
23000 Mark begangen haben.

Dresden, 7. April. (Vereitelter Raub.) Ein
angeblicher Friſeur Brandt aus Charlottenburg verſuchte
in dem Gebäude der ſtädtiſchen Sparkaſſe einer Frau, die
eine größere Summe einzahlen wollte, das Geld zu ent=
reißen
. Er wurde ertappt und verhaftet.
Leipzig, 7. April. (Jubiläum.) Die Buchhändler=
firma
K. F. Koehler, welche in Gemeinſchaft zweier ande=
rer
Firmen zirka 1500 auswärtige Buchhandlungen ver=
tritt
, feiert ihr 125jähriges Beſtehen. Während der gan=
zen
Zeit befiidet ſie ſich in dem Beſitz der Familie Koehler.
Wilhelmshaven, 7. April. (Der Mörder des
Paſtors Loetz feſtgenommen.) Der oldenburgi=
ſchen
Gendarmerie iſt es gelungen, den Arbeiter Chriſtof
fes als den mutmaßlichen Mörder des Paſtors Loetz in
Reepholt zu verhaften.
Swinemünde, 7. April. ( Hafenarbeiteraus=
ſtand
.) Die Mitglieder des chriſtlich=nationalen Hafen=
arbeiterverbandes
haben die Arbeit niedergelegt, weil ihr
Vorſtand ohne Genehmigung einen Tarifvertrag abge=
ſchloſſen
hat, der eine Verſchlechterung gegen den frühe=
ren
enthält.
Paris, 7. April. (Antoines Mißerfolg.) Der
Direktor des vom Staat unterſtützten Odeonthea=
ters
, Antoine, der ſich um die moderne franzöſiſche
Schauſpielkunſt ſehr große Verdienſte erworben hat, hat
ſeine Entlaſſung gegeben, da er trotz der ihm jüngſt vom
Parlament bewilligten außerdrdentlichen Subvention von
125000 Francs außerſtande war, das während ſeiner
7jährigen Theaterleitung angewachſene Defizit zu decken.
Brüſſel, 7. April. (Gemäldediebſtahl.) Wie
das Antwerpener Blatt La Métropole erfährt, ſoll
geſtern früh ein für das Plantinmuſeum in Antwerpen
beſtimmtes Gemälde Maria mit dem Jeſus=
kinde
auf den Knien im ungefähren Werte von
250000 Francs verſchwunden ſein. Der Diebſtahl
ſei auf dem Polizeibureau der Antwerpener Vorſtadt Ber=
chem
gemeldet worden, wo der Herr, der die Anzeige er=
ſtattete
, erklärte, die Kiſte, die das Gemälde enthielt und
die er von Brüſſel nach Antwerpen bringen ſollte, ſei ihm,
während er einen Pneumatikfehler ausbeſſerte, geſtohlen
worden. Die Nachricht iſt bis jetzt nicht beſtätigt. Auch
der Maler des Bildes wurde nicht angegeben.
London, 7. April. (Raſcher Frauenwechſel.)
Geſtern wurde die Mutter des Marineminiſters Winſton
Churchill von ihrem Ehemann G. Cornwallis=Weſt
geſchieden. Eine Stunde ſpäter verheiratete ſich der ge=
ſchiedene
Ehemann mit der Schauſpielerin Patricia
Cambell.
London, 6. April. (Infolge der Exploſion
eines Heizrohres) wurden auf dem Torpedoboots=
zerſtörer
Albacore in Chatham drei Heizer getötet.
Bombay, 7. April. (Feuer.) Heute früh entſtand
wiederum ein Feuer in den Baumwollagern. Es
wurde gelöſcht, nachdem ein Schaden von 80000 Mark
angerichtet worden war. Ein anderes Feuer iſt noch nicht
gelöſcht. Der geſamte Betrag dieſer Brandſchäden wird
auf mindeſtens 1,6 Millionen Mark geſchätzt.
Batavia, 7. April. (Raubmord.) Ein chineſiſcher
Kaſſierer, der mit 11000 Dollar auf der Reiſe nach hier=
her
war, wurde unterwegs überfallen, ermordet und ſeine
Leiche auf die Schienen geworfen. Der Mörder iſt ver=
haftet
worden.

Parlamentariſches.

Sitzung des Vereinfachungsausſchuſſes.
C Der Vereinfachungsausſchuß hielt geſtern eine Sitzung
gemeinſam mit Vertretern der Regierung ab; es wurde
zunächſt verhandelt über die Organiſation der ſtaatlichen
Kaſſenverwaltungen, wobei insbeſondere die Vorſchläge
zur Sprache kamen, die Erhebung der Steuern den Ge=
meinden
zu übertragen. Die Regierung ſtellte ſich auf den
Standpunkt, daß dies ohne weſentliche Zubuße an die Ge=
meinden
nicht würde geſchehen können. Dann ging man
zur Beratung der Reorganiſation der Baubehörden über,
die den Vor= und Nachmittag ausfüllte. Dabei kam der
Wunſch zum Ausdruck, daß die Hochbaubehörden für je=
den
Kreis eingerichtet werden ſollten, während Tiefbau=
ämter
am beſten für jede Provinz zu organiſieren ſeien.
Den Tieſbauämtern ſoll der eigentliche Tiefbau ( Straßen=
bau
) zugewieſen werden und auch das landwirtſchaftliche
Meliorationsweſen. Im übrigen wurde betont, daß mög=
lichſte
Selbſtändigkeit der Baubehörden unabhängig von
den Kreisämtern erſtrebt werden ſoll. Wieviel nun die
Anzahl der Hochbauämter und Tiefbauämter betragen
ſoll, das müſſe den Vorſchlägen der Regierung zum Bud=
get
vorbehalten bleiben.
* Ein Dementi. In dem Rheinheſſiſchen Beob=
achter
wird eine Behauptung aufgeſtellt, Dr. Oſann habe
in der Zentralvorſtandsſitzung vom 29. März eine emp=
findliche
Niederlage erlitten; nicht er und Dr. Stephan
ſeien als Mitglieder des Zentralvorſtandes kooptiert, ſon=
dern
es ſeien die Herren Dr. Pagenſtecher, Böhm und Dr.
Krausmüller gewählt worden. Demgegenüber ſei feſtge=
ſtellt
, daß Zuwahlen zu dem Zentralvorſtand in der
Sitzung vom 29. März überhaupt nicht vorgenommen, ſon=
dern
auf Herbſt vertagt wurden.

Gerichtszeitung.

G. N. Kaſſel, 7. April. Vor der Strafkammer I ſtand
geſtern der mehrfach vorbeſtrafte Kaufmann Karl
Friedrich Ebert von hier, zuletzt in Mainz, wegen
elf Betrugsfällen unter Anklage. Die Vorſtrafen
des Angeklagten bewegen ſich faſt nur auf dem Gebiete
des Betrugs und der Unterſchlagung. Vom Landgericht
Mainz hatte er zuletzt 10 Monate Gefängnis und 5 Jahre
Ehrverluſt zudiktiert bekommen. Gänzlich mittellos kam
der Angeklagte im vorigen Frühjahr nach Kaſſel und grün=
dete
zunächſt in einem Hauſe der Tränkepforte ein
Rechtsauskunftsbureau. Das Geſchäft ging
aber ſcheinbar nicht ſo gut und er wandte ſich hochfliegen=
deren
Plänen zu. Er wollte eine Zeitung grün=
den
, die unter dem hochtönenden Namen Deutſche
Bürger=Zeitung das Licht der Welt erblicken ſollte,
Da ihm aber das nötige Kapital fehlte, verfiel er auf den
nicht mehr ungewöhnlichen Gedanken, durch Zeitungsan=
zeigen
Bureauperſonal zu ſuchen, das Kaution leiſten
mußte, die gleichzeitig als Geſchäftseinlage gelten ſollte.
Zunächſt ſuchte und fand er auch einen Buchhalter, dem
er 500 Mark Kaution abknöpfte. Dann ſuchte er einen
Stadtreiſenden. Bei dieſem war er mit 20 Mark Kaution
einverſtanden. Ferner verpflichtete er einen Geſchäfts=
führer
und bekam auch von dieſem 500 Mark Kaution. Auf
dieſe Weiſe ſuchte er aber noch anderwärts, in Frankfurt
Darmſtadt, Leipzig, Halle uſw. Perſonal und verſuchte
ſich Kautionen zu ergattern. Dem Perſonal machte der An=
geklagte
die raffinierteſten Verſprechungen. Er prahlte
es ſei ein Millionenobjekt, das in weit über 200
Filialen über ganz Deutſchland verbreitet ſei. In Kaſſel
beabſichtigte er demnächſt eine große Druckerei zu grün=

den, in der die Deutſche Bürger=Zeitung gedruckt werden
ſollte. Vorläufig müſſe aber ein hieſiger Drucker die
Zeitung herſtellen. Da ſich nun ein Drucker nicht fand,
ließ der Angeklagte das Millionen=Projekt überhaupt
fallen und teilte ſeinem Perſonal mit, daß er jetzt ein
Wohnungsbureau gründen wollte und ein Kehrichteimer=
Reinigungs=Inſtitut ſei in Ausſicht genommen. Die En=
gagementsverträge
waren großſpurig aufgemacht. Groß
und dick prangte auf den Briefbogen Deutſche Bürger=
Zeitung und in Proſpekten machte der Angeklagte die
hochfahrendſten Verſprechungen. Hatte der Angeklagte
aber erſt die Kaution, dann ließ er ſich auf dem Bureau
tagelang nicht mehr ſehen und das Bureau=Perſonal, das
inzwiſchen auf vier Perſonen angewachſen war, wußte
vor Langeweile nicht die Tage hinzubringen, denn es war
abſolut nichts zu tun Waren einzelne Angeſtellte nach
Abſchluß des Vertrages wieder unſchlüſſig und mißtrauiſch
geworden und verweigerten die Zahlung der Kaution,
ſo verllagte ſie der Angeklagte ohne weiteres wegen Ver=
tragsbruchs
und erzielte merkwürdigerweiſe auch obſie=
gende
Urteile. Ein Reflektant auf die Filialſtelle in
Frankfurt a. M. hatte vorſichtigerweiſe nur ein Probe=
engagement
auf einen Monat angenommen und, als das
Geſchäft es handelte ſich um Vermietungen leerſtehen=
der
Wohnungen abſolut nicht ging, trat er zurück. In
Leipzig ſtellte E. zugleich zwei Hauptvertreter an und mie=
tete
ein Geſchäftslokal. Hatten alle Angeſtellten einen
Monat für den Angeklagten gearbeitet oder vielmehr nicht
gearbeitet, da ja nichts zu tun war, ſo bekamen ſie nicht
nur keinen Gehalt, ſondern auch die Geſchäftslokale wur=
den
auf Betreiben der Eigentümer geräumt.
Neben der Wohnungsvermittelung hatte der Ange=
klagte
auch noch eine Mietsausfall= Verſiche=
rung
gegründet. Gegen einmalige Zahlung von 2 M.
ſollten die betreffenden Hausbeſitzer im Falle des Leer=
ſtehens
der Wohnungen zwei Drittel des Mietsausfalls
bekommen. In dieſer Weiſe arbeitete der Angeklagte in
Darmſtadt; ſein gemeingefährliches Treiben bot dem
Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein Veranlaſ=
ſung
, öffentliche Warnungen zu erlaſſen. In Leipzig
wurde der Angeklagte verhaftet. Die Verhaftung kam ihm
ſo überraſchend, daß er kaum noch Zeit hatte zu flüchten,
wie es in ſeiner Abſicht lag, denn er ſprang aus dem
Fenſter des erſten Stockes auf die Straße und verletzte ſich
dabei ſo ſchwer, daß er drei Monate im Leipziger Kran=
kenhaus
zubringen mußte. Nach alter Verbrechermanier
beſtritt der Angeklagte natürlich die Betrügereien, hielt eine
große Verteidigungsrede und bat ſchließlich um ſeine
Freiſprechung Der Staatsanwalt hatte 3½ Jahre Zucht=
haus
, 2160 Mark Geldſtrafe, eventuell weitere 144 Tage
Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverluſt beantragt. Das Ge=
richt
ſah für erwieſen an, daß der Angeklagte überhaupt
nicht die Abſicht hatte, die geſchilderten Unternehmen ins
Leben zu rufen und da er die ihm übergebenen Gelder
für ſich verbrauchte, hat er ſich des Betrugs ſchuldig ge=
macht
. Mit Rückſicht auf das gemeingefährliche Treiben
des Angeklagten erkannte das Gericht auf 3 Jahre
Zuchthaus, 900 Mark Geldſtrafe, eventuell weitere
60 Tage Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverluſt.

* Berlin, 7. April. In dem großen Wucher=
prozeß
, in dem es ſich um Geldgeſchäfte mit Offizieren
aus allen Gegenden Deutſchlands handelt, wurde heute
nachmittag nach 14tägiger Dauer vor der Erſten Straf=
kammer
des Landgerichts I Berlin das Urteil verkün=
det
. Der Privatier Holzapfel und der Rentier
Adolph wurden wegen Wuchers zu je vier Monaten,
der Agent Hinrich wegen Wuchers zu je vier Monaten
Gefängnis verurteilt. Wegen Beihilfe zum Wucher erhielt
der Agent Kruſchwitz zwei Monate und drei Wochen,
der Hypothekenmakler Schumann drei Wochen, der
Agent Gräſer zwei Monate und der Kaufmann Bein
aus Hannover acht Monate Gefängnis. Außerdem wurde
auf die üblichen Zuſatzſtrafen erkannt. Der Agent Roſen=
blatt
wurde freigeſprochen.

Elſaß=Lothringiſcher Landtag.

* Straßburg, 7. April. In der heutigen Nach=
mittagsſitzung
der Zweiten Kammer interpellierte
Abg. Emmel (Soz.) die Regierung wegen des Erlaſ=
ſes
, betr. den Gebrauch der hochdeutſchen
Sprache an den höheren Schulen. Durch den=
ſelben
werde dem an ſich berechtigten Ziele ein ſchlechter
Dienſt erwieſen. Der Dialekt und die franzöſiſche Unter=
haltungsſprache
werden indirekt verboten. Das ſei eine
falſche und ſchädliche Maßnahme, die nur die Denun=
ziation
fördere. Der Oberſchulrat bezichtige ſich aber ſelbſt
einer großen Unterlaſſungsſünde. Im vorliegenden Falle
müſſe man die Indiskretion begrüßen. Der Staats=
ſekretär
erwiderte, daß der Erlaß ſich lediglich auf das
Verhalten der Lehrer und Schüler innerhalb des Schul=
gebäudes
und des Schulhofes beziehe und in der Aufgabe
unſerer höheren Schulen begründet ſei, nämlich in erſter
Linie die deutſche Bildung zu pflegen. Es werde nicht
in den Privatverkehr der Lehrer eingegriffen. Daß wir
mit dem Erlaß die Denunziation großzögen, muß ich auf
das entſchiedenſte beſtreiten. Der Erlaß richtet ſich an
einen hochgeſtellten Stand, dem Denunziation wie mir
zuwider iſt, und ich bin überzeugt, daß der Erlaß richtig
verſtanden wird Nach wie vor ſtehen wir auf dem Stand=
punkt
, daß es ſich um ein Internum der Schulverwal=
tung
handelt. Die Regierung braucht aber die Oeffent=
lichkeit
nicht zu ſcheuen, und tut es auch nicht. Gleich=
wohl
bedauere ich es außererdentlich, daß ein derartiger
Erlaß im Wortlaut in die Oeffentlichkeit gebracht wurde.
Ich gebe Ihnen anheim, ob Sie es billigen werden, wenn
durch Leichtfertigkeit oder böſe Abſicht ein derartiger Erlaß
in die Preſſe gebracht wird und ob dieſes von einem ſehr
großen Staatsbürgerbewußtſein ſpricht. Dadurch wird
nicht der Regierung, ſondern dem Lande und der Lehrer=
ſchaft
geſchadet.
In der Beſprechung führt Abg. Hauß (Zentr.) an,
der Erlaß bedeute eine Herabwürdigung der jüngeren
Lehrerſchaft in den Augen der Schüler und der Schülerin=
nen
. Es ſei eine verfehlte Maßnahme, ein ſchwerer, nicht
zu rechtfertigender Mißgriff. Die Veröffentlichung war ein
Akt der Notwehr. Der Erlaß ſei eine Verbeugung vor
der Mittelpartei. Redner betont, nicht der Dialekt ſollte
getroffen werden, ſondern man wolle der franzöſiſchen
Konverſation auf dem Schulhofe zu Leibe gehen. Die
Abgg. Zimmer (Lothr.) und Wolf (lib.) mißbilligten
gleichfalls den Schulerlaß. Letzterer hält eine Reform des
höheren Unterrichtsweſens für notwendig, nach der Rich=
tung
, daß es in nähere Verbindung mit den heimatlichen
Kulturaufgaben gebracht wird. Abg. Fuchs (Soz.) be=
gründet
eine Reſolution ſeiner Partei, dahingehend: Der
Erlaß wird mit den zu befürchtenden ſchweren denunziato=
riſchen
Folgen ſeinen Zweck nicht erreichen. Dieſer An=
trag
wird mit Stimmengleichheit abgelehnt und fol=
gende
Reſolution des Zentrums einſtimmig
angenommen: Die Kammer kann den Erklärungen
der Regierung nicht beipflichten. Sie bedauert den Er=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Nummer 38.

laß, der den Intereſſen der höheren Schulen nicht förder=
lich
iſt. Die Zweite Kammer kann die Auffaſſung der Re=
gierung
nicht teilen.

Luftfahrt.

Der Sternflug nach Monaco.
Hirths Mißgeſchick.
* Monte Carlo 7. April. Ueber Hirths Miß=
geſchick
wird der Voſſ. Zeitung berichtet: Nach dem ſo
brillant durchgeführten erſten Teil ſgines Fluges nach
Monaco, der die 1100 Kilometer lange Strecke von Gotha
nach Marſeille umfaßt, iſt Helmut Hirth auf dem zweiten
Teil ſeines Fluges, der 200 Kilometer langen Route Mar=
ſeille
-Monaco, von einem bedauerlichen Unfall betroffen
worden, der weder von der Qualität des Flugzeuges noch
der Fähigkeit des Piloten abhängig war. Das Waſſer=
flugzeug
, das Hirth von Marſeille aus benutzte, geriet
in der Tamarisbucht in ein Fiſchernetz und ſchlug
um. Hirth hatte in der 47 Kilometer von Marſeille ent=
fernten
Bucht von Tamaris, dem Hafen von Toulon, eine
Zwiſchenlandung ausgeführt; als er dann wieder ſtarten
wollte, geriet der Albatrosdoppeldecker in ein über Waſſer
nicht ſichtbares Fiſchernetz. Hirth und ſein Paſſagier
wurden in die See geſchleudert. Glücklicherweiſe befand
ſich eine Fiſcherbark in der Nähe, die ſofort herbeieilte
und die Verunglückten aufnahm. Beide hatten einige
Schrammen erlitten. Man brachte ſie in das Hotel Juſt,
wo ſie verpflegt werden. Der Apparat iſt ſchwer
beſchädigt. Es iſt noch nicht ſicher, ob Hirth nach Er=
ledigung
der nötigen Reparaturen weiterfliegen oder auf=
geben
wird.
Nach dem Lokalanzeiger iſt Brindejonc geſtern
nachmittag von Monaco nach Genua abgeflogen, um den
Fernflug über die italieniſche Strecke möglichſt noch zu
verlängern. Der Präſident der franzöſiſchen Republik, der
geſtern an der Riviera eintraf, ſetzte einen Preis für die
beſte Flugleiſtung Paris-Monaco aus.
Flug Paris-Peking.
* Paris, 7. April. Der deutſche Flieger Heinz
Fleiderbaum bewirbt ſich um den Preis für den
Flug Paris-Peking. Der ehemalige Cheſpilot der
Grade=Werke, der ſchon einige Zeit den Flug Paris- Pe=
king
beabſichtigt, iſt geſtern früh 5.30 Uhr in Köln nach
Paris geſtartet. Er erreichte Paris 12.33 Uhr. Heute
morgen iſt er in Paris geſtartet, um über Genua und
Trieſt nach Wken zu gelangen, von wo er heute nacht 12
Uhr über Warſchau-Moskau nach Petersburg weiter=
fliegen
wird. Von Petersburg wird der Flieger die Rich=
tung
entlang der transſibiriſchen Bahn nach Peking neh=
men
, wo er zwiſchen dem 20. und 25. April einzutreffen
gedenkt, um dadurch den Flugpreis des Matin von 155000
Francs zu gewinnen. Der deutſche Flieger benutzt einen
Eindecker eigener Konſtruktion.

* Hamburg, 7. April. Oberleutnant zur See
Plüſchow wollte kurz vor ½6 Uhr mit einer Rumpler=
taube
auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel aufſteigen, um
nach Döberitz zurückzufliegen. Beim Start ſtürzte die
Maſchine aus 50 bis 60 Meter Höhe hinter dem Borſteler
Gehölz ab und ging in Trümmer. Der Flieger und
ſein Begleiter, Oberleutnant Strehle von der Kriegs=
gkademie
, blieben unverletzt.
* Kopenhagen, 7. April. Die geſtern in einem
deutſchen Ballon auf der Inſel Samſö gelandeten drei
deutſchen Luftfahrer wurden nach ihrer Landung
einem polizeilichen Verhör unterzogen. Sie erklärten,
daß ſie am Sonntag vormittag 10½ Uhr in Eutin auf=
geſtiegen
ſeien, um über Flensburg zu fliegen. Unter=
wegs
habe der Wind jedoch eine andere Richtung genom=
men
ſo daß ſie nach Samſö verſchlagen wurden. Die drei
deutſchen Luftfahrer ſind Hauptmann Freiherr v. Ham=
merſtein
, Leutnant Müller und Schulinſpektor Har=
der
. Alle drei Herren ſind aus Lübeck. Der Ballon heißt
auch Lübeck und gehört einem privaten Luftfahrtverein.
Die drei deutſchen Herren ſind heute mit dem Dampfer
nach Aarhus abgefahren, um dort den Ballon auszubeſſern,
worauf ſie die Rückfahrt nach Eutin antreten wollen.

Der Prozeß Caillaux.

* Paris, 7. April. Die Zeugenausſage des
Präſidenten der Republik in der Angelegen=
heit
der Frau Caillaux bildet in Advokaten= und Richter=
kreiſen
den Gegenſtand eifriger und widerſpruchsvoller Er=
örterungen
. Die Freunde des früheren Finanzminiſters
ſind der Anſicht, daß die Ausſage Poincarés für die Gat=
tin
Caillaux ſehr günſtig ſei und ihr weitgehende mil=
dernde
Umſtände verbürge, denn es zeige ſich immer deut=
licher
, wie dieſe Frau durch die Angſt vor der Veröffent=
lichung
der intimen Briefe in eine die Willensfreiheit be=
ſchränkende
Aufregung geraten ſei. Caillaux habe ſeiner
Gattin zweifellos von ſeinem Geſpräch mit dem Präſi=
denten
der Republik Mitteilung gemacht und ihr auch
ſeine Bemerkung wiederholt: Wenn Calmette das tut,
dann töte ich ihn. Frau Caillaux habe ſich offenbar in
ihrer Verzweiflung geſagt, ich werde Calmette töten, be=
vor
mein Mann es tut. Von den Gegnern Caillaux’ da=
gegen
wird erklärt, daß die Ausſage Poincarés für Frau
Caillaux ſehr belaſtend ſei, denn der Vorbedacht mit dem
ſie gehandelt habe, werde immer unleugbarer. Abec auch
für Caillaux ſelbſt ſei die von ihm provozierte Ausſage
Poincarés ſehr bedenklich Es trete nun zu Tage, wie
ſehr er ſeine Frau in ihre exaltierte Stimmung hinein=
gehetzt
habe. Selbſtverſtändlich beſchäftigt ſich auch die
geſamte Preſſe lebhaft mit der Ausſage Poincarés. Der
Figaro ſchreibt: Die Freunde Caillaur haben geſtern
triumphierende Mienen zur Schau getragen. Aber, wie
ſchon ſo oft, wird der frühere Finanzminiſter auch dies=
mal
das Opfer ſeiner eigenen Verteidigung. Die Zeu=
genausſage
des Präſidenten der Republik iſt für Caillaux
niederſchmetternd. Der dem früheren Finanzminiſter
naheſtehende Radical ſagt, Präſident Poincaré werde ſich
durch ſeine mutige Tat bei denjenigen, die nur ihren Groll
befriedigen, nicht aber der Wahrheit dienen wollen, ſcha=
den
. Nach der Ausſage Poincarés kann niemand mehr
daran zweifeln, daß die Empörung Caillaur’ und ſeiner
Frau durch Gründe intimer Natur hervorgerufen wor=
den
war.
* Paris, 7. April. Der Unterſuchungsrichter
Boucard vernahm heute abermals den ehemaligen Fi=

nanzminiſter Caillaux, welcher insbeſondere über die
intimen Briefe Mitteilung machte, deren Veröffent=
lichung
er und ſeine Frau befürchtet hätten. Caillaux
erzählte, daß ihm im September 1912, als er mit ſeiner
erſten Frau in Mamers dem Hauptort ſeines Wahlbe=
zirks
, weilte, nachts aus einem Schreibtiſche ein Bündel
Briefe geſtohlen worden ſei, darunter befanden ſich auch
zwei Brieſe, die er an die damalige Frau Clariettie ge=
richtet
hatte, welche ſpäter ſeine zweite Gattin geworden
iſt. Der eine dieſer Briefe war ganz kurz, der andere ent=
hielt
eine 16 Seiten lange Schilderung ſeines intimen
Lebens. Er habe darin insbeſondere die hauptſächlich
mit ſeiner politiſchen Stellung zuſammenhängenden Gründe
auseinandergeſetzt, warum er ſich im Jahre 1906 entſchloſ=
ſen
habe, in das politiſche Leben näher hineinzukommen.
Caillaux ſagte weiter aus daß er, als er die Entwendung
des zweiten Briefes feſtgeſtellt hatte, ſeiner Gattin die Ehe=
ſcheidung
oder eine Wiederverſöhnung angeboten habe,
unter der Bedingung, daß ihm die entwendeten Briefe
zurückerſtattet würden. Seine Gattin habe in die Wieder=
verſöhnung
eingewilligt. Kurze Zeit darauf ſeien auch
tatſächlich in Gegenwart des Generalſekretärs des Finanz=
miniſteriums
Deschanel die zurückerſtatteten Briefe gleich=
zeitig
mit anderen Briefen und Schriftſtücken verbrannt
worden, welche die von Caillaux gegen ſeine Gattin er=
hobenen
Beſchwerden enthielten. Vorher fordert Caillauz
ſeine Gattin in Gegenwart Privat Deschanels auf, ſeier=
lich
zu erklären, daß ſie weder eine Abſchrift, noch eine
Photographie der Briefe behalten habe Seine Gattin gab
auch dieſe Erklärung ab. Im weiteren Verlaufe des Ver=
hörs
ſetzte Caillaux eingehend auseinander, warum ſeine
Frau die Veröffentlichung dieſer Briefe ſo fürchtete.

Vermiſchtes.

S. Der Deutſche Bauarbeiter=Verband
ſozialdemokratiſche Gewerkſchaft (Sitz in Hamburg), hat
in den letzten Tagen ſeine Abrechnung für das Jahr 1913
veröffentlicht. Die Einnahmen betragen 5124 482,14 M.,
zu der Einnahme ſteht als Hauptpoſten: Beiträge und
Eintrittsgelder 4 119855,58 M., Zinſen ausgeliehener Ka=
pitalien
510 469,62 M., an Ausgaben: Beträge an Haupt=
poſten
: Verbandsorgan 332 568,56 M., Zeitungen in frem=
den
Sprachen 17870 M., Agitation und Zuſchuß an Be=
zirkskaſſen
236 220,33 M., Gehaltszuſchuß an Zweigver=
einsbeamte
50829,52 M., Streiks und Sperren 498 183,76
Mark, Streiks in anderen Gewerben 77840 M., Verbands=
tage
und Konferenzen koſteten 136 99394 M., an perſön=
lichen
Verwaltungskoſten 157627,28 M., der Ueberſchuß
betrug 3 276 329,85 M., die Mitgliederzahl betrug im Jah=
resdurchſchnitt
326 631.
Die Bauarbeiter des Bezirks Darmſtadt mit 2199
Mitgliedern haben 45715,32 M. aufgebracht, wovon
2188085 Mark an die Hauptkaſſe abgeliefert wurden, in
der hieſigen Kaſſe verblieben nach Abzug der Streikunter=
ſtützungen
4922,15 M., Reiſeunterſtützung 227 M., Rechts=
ſchutz
105,15 M., Gemaßregelten=Unterſtützung 35 M.,
Krankenunterſtützung 8771,22 M., Sterbegeld 642.50 M.,
Anteil der Zweigvereine 9131,45 M., noch 12651,36 M.
In dem Deutſchen Bauarbeiter=Verband ſind die
Maurer mit 186656 Mitaliedern, Flieſenleger und Te=
razzoarbeiter
mit 2430 Mitgliedern, Putzer und Tüncher
mit 3964 Mitgliedern, Stuckateure mit 9730 Mitgliedern,
Zement= u Betonarbeiter mit 7160 Mitgliedern, Iſolierer
und Steinholzleger mit 1465 Mitgliedern, Taglöhner und
Bauhilfsarbeiter mit 102872 Mitgliedern, Erdarbeiter mit
12354 Mitgliedern organiſiert. In 1912 betrug die Mit=
gliederzahl
335560, 1913: 326 631, mithin weniger 8929.
Das Geſamtvermögen des Verbandes beträgt
am Schluſſe des Jahres 1913 18315300,56 M. Die an=
gegliederte
ſozialdemokratiſche Jugendabteilung beſteht
aus 105 Abteilungen mit 2419 Mitgliedern, einer Jahres=
einnahme
von 10152,92 M. Der Kaſſebeſtand beträgt am
Schluſſe des Jahres 7614,79 M.
Aus dieſen Zahlen geht hervor, welche ungeheuer
großen Kapitalien bei einer einzigen Gewerkſchaft im
Deutſchen Reiche zuſammenfließen.

Literariſches.

St. Ausgewählte Bauaufgaben und
Entwürfe von Heinrich Stumpf. Architekt B. D. A.
in Darmſtadt. (Verlag Wilhelm Engelmann=Beclin.) In
einem ſtattlichen Bande von über 100 Druckſeiten gibt der
Verfaſſer in 35 verſchiedenen Bauprojekten eine Samm=
lung
von Architekturſchöpfungen, die man als das Lebens=
werk
eines Architekten anſehen könnte, das vom unſchein=
baren
Einfamilienhaus eines Arbeiters beginnend, über=
geht
zu Villen, ſtädtiſchen Häuſern, großen Induſtrie=
gebäuden
, in anhaltendem Steigern in monumentaler und
architektoniſch=künſtleriſcher Beziehung fortgeführt wird
bis zum gewaltigen großzügigen Bau eines Bismarck=
denkmals
auf der Eliſenhöhe bei Bingen, wenn nicht
aus dieſer Fülle von Arbeit eine ſo imponierende Fülle
ſchöpferiſcher, friſcher Kraft ſpräche. Wenn nicht alle dieſe
Arbeiten immer noch einen Schluß, eine Hoffnung auf
neue Reſultate dieſer ſchöpferiſchen Kraft erſtehen ließen.
Nach dem Vorwort verdankt das Werk im weſentlichen der
Lehrtätigkeit des Verfaſſers ſeine Entſtehung. Die Ge=
diegenheit
der einzelnen Entwürfe, der künſtleriſche Ernſt,
mit dem ſie offenſichtlich durchgearbeitet ſind, bürgen da=
für
, daß das vorliegende Werk dieſer ſeiner Zweckbeſtim=
mung
voll und ganz entſpricht. Es iſt ihm die weiteſte
Verbreitung zu wünſchen. Mit dem vorliegenden Werk=
chen
will der Verfaſſer weder einen neuen Weg in der
Architektur zeigen, noch möchte er dieſe ſeine Arbeiten in
konſtruktiver und techniſcher Beziehung als unbedingt vor=
bildlich
hinſtellen. Er entſpricht mit ihrer Herausgabe nur
dem Wunſche vieler ſeiner Schüler, Studierenden und
jüngeren Baubefliſſenen. Dieſe Sammlung Ausgewählte
Bauaufgaben und Entwürfe mit kurzen Erläuterungen
enthält Aufgaben, wie ſie in der Praxis durch öffentliche
Ausſchreiben, oder im Bureau, oder auch als Privatauf=
trag
an einen Architekten herantreten. Der Verfaſſer will
mit dieſem Büchlein den jüngeren Bauleuten ein Nach=
ſchlage
= und Anregungswerkchen in die Hand geben, indem
eine möglichſt große Anzahl der verſchiedenartigſten Bau=
aufgaben
vom Arbeiterhaus bis zu dem monumentalen
Warenhaus zu finden iſt. Des Verfaſſers langjährige
Tätigkeit als Aſſiſtent an der Techniſchen Hochſchule in
Darmſtadt und als Hauptlehrer für Entwerfen an der
Großherzoglichen Landes=Baugewerkſchule daſelbſt, gab
ihm Gelegenheit zu beobachten, daß den jungen Bauleuten

ein kleiner Fingerzeig bei der Löſung der einen oder an=
deren
Bauaufgabe zur beſſeren Auffaſſung und zur flotteren
Arbeit in den meiſten Fällen ſehr erwünſcht und auch
nötig iſt. Jedoch nicht nur in bezug auf die Löſung und
Formenſprache der Aufgabe muß der junge Baukünſtler
eiwas angeregt und geleitet werden, ſondern auch für die
Darſtellung hat er Fingerzeige nötig, die nicht unterſchätzt
werden dürfen. Bei der heutigen ſtarken Konkurrenz
ſei es bei der Bewerbung um eine Stelle oder bei dem
öffentlichen oder beſchränkten Wettbewerb wird in vielen
Fällen die Art und Weiſe der Darſtellung und die Auf=
machung
des Entwurfs überhaupt von großer Wichtigkeit,
vielleicht ſogar Hauptſache ſein. Iſt auch dieſer Stand=
punkt
nicht gerade der richtige, ſo hat man doch heute ſehr
damit zu rechnen und wenn man als Geſelle mit Erfolg
in der Praxis beſtehen will, muß die Lehrzeit in der gün=
ſtigen
Weiſe ausgenützt werden.
Die Drud. Roman von Marie Thereſe.
Verlag von W. Härtel u. Co., Nachf., Leipzig. Preis
broſch. 1 Mk. Der Titel (hochdeutſch Das Alpdrücken)
verrät es ſchon, daß der Schauplatz, an welchem die Hand=
lung
ſpielt, Oeſterreich iſt. Die Verfaſſerin führt uns in
Offizierskreiſe, die, wie es ſcheint, ihr nicht fremd ſind.
Es iſt zwar nicht ihre Abſicht, Enthüllungen zu machen,
ſie will uns nur ein Sittenbild vorführen, das der Beach=
tung
wert und Aufſehen erregen wird. Die Autorin ver=
fügt
über eine elegante, packende Sprache, ſie verſteht Stim=
mungen
hervorzuzaubern, die Charaktere ſind vortrefflich
geſchildert, und ſo iſt ein Werk entſtanden, das man immer
wieder leſen wird.

Aus Mexiko.

* Neu=York, 6. April. Nach einem Telegramm
aus Mexiko hat das mexikaniſche auswärtige
Amt dem amerikaniſchen Vizekonſul in Torreon, Ca=
rothes
, die Beglaubigung entzogen, da er unwahre Be=
richte
über die dortigen Erfolge des Generals Villa ge=
ſandt
habe.
* Waſhington, 7. April. Die mexikaniſche
Botſchaft erhielt von dem Miniſter des Aeußern ein
Telegramm, das beſagt: Die mexikaniſche Regierung
weiß ſehr wohl, daß verſucht wird, Telegramme, die an
Wilſon und Bryan gerichtet ſind, als Telegramme Huertas
erſcheinen zu laſſen, obwohl deren Wortlaut ſchon ſig als
Apogryph und böswillig kennzeichnen müßte. Erklären
Sie kategoriſch, daß weder die Regierung der Republik
noch der Präſident irgend ein Telegcamm an Wilſon oder
Bryan richteten, abgsſehen von den Neujahrswünſchen
am 1. Januar.
* Veracruz 7. April. Der amerikaniſche Konſul
erhielt geſtern aus Tampico ein drahtloſes Telegramm,
nach dem an der Stadtgrenze ſeit Sonntag ein heftiges
Gefecht tobt. Eine Anzahl Toter und Verwundeter
wurde nach Tampico gebracht.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Frankfurt a. M., 7. April. Der Leiter der Sitten=
polizei
, Polizeikommiſſar Schmidt, der ſeit einer Woche
vom Dienſt ſuspendiert war, weil er ſich habe beſtechen
laſſen, wurde heute auf Verfügung des Unterſuchungs=
richters
verhaftet.
* Baden=Baden, 7. April. Im 84. Lebensjahre iſt ge=
ſtern
hier der frühere badiſche Oberſtaatsanwalt Rudolf
Nokk, ein Bruder des verſtorbenen Staatsmannes Dr.
Wilhelm Nokk, geſtorben.
* Freiburg (Breisgau), 7. April. Hier ſtarb geſtern
Reichsfreiherr Johann Eduard von und zu Bodman,
preußiſcher Oberſt a. D. und Ritter des Eiſernen Kreuzes
zweiter Klaſſe.
* Breslan, 7. April. Heute nachmittag trat das Dom=
kapitel
im Kapitelſaale zuſammen, um die Liſte der
Biſchofskandidaten aufzuſtellen, unter denen
das Domkapitel zu wählen gedenkt. Die Liſte wird der
Staatsregierung zugeſtellt werden.
* Wien, 7. April. Nach Mitteilungen von zuverläſſi=
ger
Seite erfreut ſich Kaiſer Franz Joſef, der vor=
übergehend
an einer leichten Erkältung gelitten hat, des
beſten Wohlſeins
* Wien, 7. April. Kaiſer Franz Joſef
empfing heute den Prinzen Franz von Bayern, den
gemeinſamen Finanzminiſter Ritter v. Bilinski und an=
dere
Würdenträger in beſonderen Audienzen.
* Belgrad, 7. April. Die ſerbiſchen Poſtbedienſte=
ten
haben für das ſerbiſche Oſterfeſt die paſſive Reſiſtenz
angekündigt, weil bei der Budgetberatung in der
Skupſchtina ihre Forderungen auf eine Regelung des Ge=
halts
nicht beachtet worden ſind.
* Paris, 7. April. Wie offiziös gemeldet wird, iſt
die Ernennung des Rates am Oberſten Gerichtshof und
des Kaſſationshofes Herbau zum Nachfolger des
Oberſtaatsanwalts Fabre als ſicher anzuſehen.
* Paris, 7. April. Der Kaſſationshof ſprach in
einem Urteil aus, daß Frauen die Ausübung poli=
tiſcher
Rechte und Eintragung in die Wählerliſten
mangels einer geſetzlichen Beſtimmung nicht zu=
komme
.
* Paris, 7. April. Heute vormittag erſchoß der
Polizeiinſpektor de Larroix in der Polizei=
präfektur
aus Eiferſucht ſeinen Kollegen Dupin. Er
meldete unverzüglich ſeinem Vorgeſetzten ſeine Tat und
ließ ſich in Haft nehmen.
* Paris, 7. April. Wie aus Madrid gemeldet wird,
wird der engliſche Marineminiſter Winſton Churchill,
der daſelbſt in wenigen Tagen eintreffen wird, vom König
Alfons, dem Miniſterpräſidenten und dem Marine=
miniſter
empfangen werden Der Beſuch wird keiner=
lei
amtlichen Charakter haben.
* Nizza, 7. April. Sieben Arbeiter, die auf dem
Grunde eines Schachtes beſchäftigt waren, wurden durch
einen Waſſereinbruch überraſcht; zwei ſind
ertrunken, zwei andere befinden ſich in bedenklichem
Zuſtand.
* Brüſſel, 7. April. Der angebliche Gemälde dieb=
ſtahl
in dem Antwerpener Muſeum iſt von
einem Händler erfunden worden, um den Preis des Bil=
des
zu erhöhen.
* London, 7. April. Das Reuterſche Bureau erfährt,
daß in Windſor Caſtle nichts davon bekannt ſei, daß der

Feiertags=Flaſchenbier
Sschenbrad-Cold 0C

(9179

[ ][  ][ ]

Nummer 98.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 7.

König von England in dieſen Jahre eine Reiſe nach
Rußland unternimmt.
* London, 7. April. Der Kongreß der Ar=
beiterpartei
faßte eine Reſolution, durch die die
engliſche Regierung erſucht wird, der ſüdafrikaniſchen Re=
Tierung die Aufhebung der die Deportation der
Arbeiterführer betrefienden Beſtimmungen der In=
Demnitätsbill anzuraten. Die Reſolution ſoll durch eine
Deputation Asquith unterbreitet werden. Die Arbeiter=
Führer Macdonald und Seddon werden beauftragt, nach
Südafrika zu reiſen und Botha eine Denkſchrift zu über=
reichen
.
* Zarskoje Sſelo, 7. April. Der Kaiſer, die Kai=
ſerin
, der Thronfolger und die Prinzeſſinnen ſind nach
Livadia abgereiſt.
* Waſhington, 7. April. Die Senatskommiſſion für
interozeaniſche Kanäle hat bezüglich des Geſetzentwurfs,
durch den die Gebührenfreiheit amerikani=
ſcher
Küſtenſchiffe im Panamakanal aufge=
hoben
wird fünfzehn öffentliche Verhandlungen anbe=
raumt
, um die Intereſſenten und Sachverſtändigen zu hören,
Dieſe Verhandlungen werden am 9. April beginnen.

Aus Korfu.

* Achilleion, 7. April. Zur Mittagstafel waren
geladen die Königin der Hellenen, ſowie Graf
und Gräfin Quadt. Nachmittags unternahmen die
Majeſtäten eine Automobilfahrt nach Pantaleimon. Vor=
mittags
nahmen der Generaloberſt v. Pleſſen und Admi=
ral
v. Müller anläßlich des griechiſchen Nationalfeſtes in
Vertretung des Kaiſers an dem Tedeum in der Haupt=
kirche
Korfus teil.
Das Befinden des Königs von Schweden.
* Stockholm, 7. April. Die den König behandelnden
Aerzte, darunter Geheimrat Dr. Fleiner=Heidelberg,
haben über das Befinden des Königs Guſtav
folgenden Bericht veröffentlicht: Die Unterſuchungen, die
in den letzten Wochen ſtattgefunden haben, ſind jetzt ab=
geſchloſſen
. Sie ergaben, daß der König nach unſerer An=
ſicht
an einer Magenwunde leidet. Die Krankheit hat ſich
in den letzten Monaten verſchlechtert, ſo daß wir
eine Operation für das Mittel anſehen, das ſicher
hoffen läßt, die Geſundheit des Königs wieder herzu=
ſtellen
. Der König hat dem Vorſchlag zugeſtimmt und
wünſcht, daß die Operation bald vorgenommen wird.

Neue Ausbrüche des Aetna.
Catania, 7. April. Aus dem Hauptkrater des
Aetna ſteigen gewaltige Rauchwolken auf, die
größere Ausbrüche erwarten laſſen.

Preußiſch=ſüddeutſche Klaſſenlotterie.
* Berlin, 7. April. In der heutigen Vormittags=
ziehung
der Preußiſch=ſüddeutſchen Klaſſenlotterie fielen
60 000 Mark auf die Nr. 83 460, 5000 Mark auf die Nr.
158 160, 3000 Mark auf die Nr. 56 478. In der Nach=
mittagsziehung
fielen 100000 Mark auf die Nr. 15538,
20 000 Mark auf die Nr. 29888, 5000 Mark auf die Nr.
54 831 157549, 300 Mark auf die Nrn. 13906 191431
228 288. (Ohne Gewähr.)
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Mühlstr. 50 und Grafenstr. 4.

Die Frucht der Oaſe. Vor langen Jahren wanderte
ein Zug der Pilger durch die Wüſte, deren Ziel ein
Wallfahrtsort war. Endlos und öde dehnte ſich die
Sandwüſte vor den Blicken der Pilger aus, oft erſt nach
tagelanger Wanderung trafen ſie ein Dorf an, das ihnen
kurze Zeit der Erholung und Ruhe bof. Die Wanderung
der Pilger durch die Wüſte wurde immer beſchwerlicher.
Schon eine Reihe von Tagen hatten ſie die Sandwüſte
durchquert, ohne ein Dorf anzutreffen. Der Führer
hatte den rechten Weg verloren, ſo daß ſie nunmehr in
der Irre gingen. Große Erſchöpfung bemächtigte ſich
der Pilger, dazu ein quälender Durſt und keine Ausſicht
auf eine Quelle, an der man ſeinen Durſt ſtillen konnte,
nur ein Sandmeer ſoweit das Auge reichte. Da fielen
die Blicke einiger Pilger auf einen Baum, der reich mit
ſeltenen Früchten überladen, in der Nähe ſtand. Sie
pflückten einige der Früchte, koſteten ſie und fanden
ihren Geſchmack ſüß und erfriſchend. Neubelebt pflückten
ſie die wunderbare Frucht, die ihnen eine ſo köſtliche
Erfriſchung bot. Dleſe köſtliche Frucht, die den Pilgern
nach den ausgeſtandenen Gefahren zur Erfriſchung
diente, finden wir heute zur Vereitung eines ausgezeich=
neten
Produkies verwendet der vortrefflichen Sanella
Mandelmilch=Pflanzenbutter=Margarine.

uirkeinLtzgaufden

(
Hehlkorf Schufzen Sie Sich
daherVorflusten Feiser
Beit, Kafarrn durde-5

wübertKplelen
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Die Gelegenheit iſt günſtig zu einem Verſuch,
die teure Butter durch Dr. Schlinck’s Palmona,
die allgemein beliebte Pflanzen=Butter=Margarine, zu
erſetzen. Keine Hausfrau ſollte verſäumen, ihre Feier=
tagskuchen
einmal mit Palmona zu backen! Das
Reſultat iſt dasſelbe wie mit Butter, dabei erzielt man
eine ganz weſentliche Erſparnis. Auch als Brotaufſtrich
iſt Palmona ſehr zu empfehlen, da Geſchmack und Aroma
der feinſten Meiereibutter gleichkommen.

Ein gut geratener Kuchen iſt von jeher der Stolz
aller Hausfrauen geweſen. Früher, als man Hefe als
Treibmittel verwenden mußte, war das Kuchenhacken
immer eine zeitraubende und umſtändliche Sache. Das
wurde anders, als Dr. Oetker ſein Backpulver Backin=
in
den Handel brachte und den Hausfrauen ſeine zuver=
läſſigen
Rezepte koſtenlos zur Verfügung ſtellte. Heute
kann jede Hausfrau mit Dr. Oetkers Backin= Back=
pulver
und nach Dr. Oetkers Rezepten in kurzer Zeit
einen wohlgelungenen Kuchen auf den Tiſch bringen, und
das iſt der Grund, daß Dr. Deiters Baclin=Backpulver
heute faſt in jedem Hauſe verwandt wird. Dr. Oetkers
Backin=Backpulver iſt überall zu haben, das Päck=
chen
zu 10 Pfg. Man verſuche die Rezepte auf der Rück=
ſeite
der Päckchen.
Creme Elcaya. Seit einiger Zeit hat namentlich
bei den Damen ein neuer amerikaniſcher Haut=Creme,
Ereme Eleaha, Aufſehen erregt, der in Amerika, Eng=
land
, Frankreich und neuerdings auch in Deutſchland mit
großem Erfolge eingeführt worden iſt. Creme Elcaya iſt
ein Blumen=Creme von köſtlichem Wohlgeruch; er iſt nicht=
fettend
. läßt ſich auf der Haut vollkommen verreiben und
macht ſie weich wie Sammet, entſpricht ſomit in vollkom=
mener
Weiſe allen an ein erſtklaſſiges Kosmetikum zu
ſtellenden Anforderungen. Creme Elcaya iſt namentlich in
den erſten Geſellſchafts= und Künſtlerkreiſen mit großem
Beifall aufgenommen, von Tauſenden erprobt und glän=
zend
begutachtet worden Namentlich im Winter findet
dieſer ausgezeichnete Geſichts=Creme eine vorteilhafte und
ſtets ſteigende Verwendung zum Schutze der Haut vor den
ſchädlichen Einflüſſen der rauhen Witterung. Verkaufs=
ſtellen
befinden ſich u. a. bei Carl Bley, Parfümerie,
Darmſtadt, wo auf Wunſch Proben, Proſpekte und Gut=
achtenſammlung
erhältlich ſind.

Dampfernachrichten.

Nordd. Lloyd, Bremen. Mitgeteilt von dem Ver=
treter
: Anton Fiſcher in Darmſtadt, Frankfurterſtr. 12/14.
Poſtdampfer Main: 3. April 6 Uhr nachm. in Phila=
delphia
angekommen Poſtdampfer Seydlitz 3. April
6 Uhr nachm. in Neu=York angekommen. Schnelldampfer
Kaiſer Wilhelm der Großet 31. März 3 Uhr vorm. von
Neu=York abgegangen. Schnelldampfer Kaiſer Wil=
heim
II. 1. April 10 Uhr vorm. in Neu=York angekom.
Schnelldampfer Kronprinz Wilhelm: 1. April 4 Uhr
nachm. von Cherbourg abgegangen. Schnelldampfer
König Albert 3. April 1 Uhr vorm. in Neu=Yerk an=
gekommen
. Schnelldampfer Hannover 2 April 7 Uhr
nachm. von Neuorleans abgegangen. Schnelldampfer
Barbaroſſa 2. April 1 Uhr nachm. von Neu=York abgeg.
Schnelldampfer Wittelind‟ 2. April 3 Uhr nachm. von

Brenerhaven abgegangen. Poſtdampſer Derflinger=
1. April 7 Uhr nachm. in Colombo abgegangen. Poſt=
dampfer
Prinz Eitel Friedrich 2. April 6 Uhr nachm.
von Manila abgegangen. Poſtdampfer Prinzeß Alice‟
2. April 9 Uhr nachm. in Hongkong angekommen. Poſt=
dampfer
Lützow‟ 2. April 12 Uhr mittags von Genua
abgegangen. Poſtdampfer Prinz Ludwig: 2. April
11 Uhr vorm. Eushafen paſſiert. Göttingen: 1. April
8 Uhr nachm. von Manila abgegangen. Sigmaringen
3. April 10 Uhr vorm. in Hongkong angekommen.
Helgoland 2. April 8 Uhr nachm. von Port Said ab=
gegangen
. Borkum 31. März 2 Uhr nachm. von
Antwerpen abgegangen. Poſtdampfer Zieten‟ 1. April
7 Uhr nachm. Gibraltar paſſiert. Poſtdampfer Weſt=
falen‟
2. April 6 Uhr nachm. in Bremerhaven angek.
Lothringen: 3. April 7 Uhr vorm. in Sydney angel.
Heſſen‟ 1. April 10 Uhr vorm. von Sydney abgegangen.
Franken 2. April 5 Uhr nachm. von Emden abgeg.
Gießen‟ 1. April von Montevideo abgegangen. Gothan
2. April Vorkum paſſiert.

Danksagung.

Für die vielen Beweiſe liebevoller
Teilnahme beim Heimgange unſerer
lieben, unvergeßlichen Mutter
Frau
Johann Baptiſt Bauer Wwe.
Maria Anna, geb. Reichert
ſprechen wir den herzlichſten Dank
aus.
(*9533
Darmſtadt, den 7. April 1914.
Geschwister Bauer,
Ludwigſtraße Nr. 16 und Nr. 17.

Dankſagung.
Für die Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Hinſcheiden meines geliebten Mannes, unſeres
unvergeßlichen Vaters, Bruders, Schwiegerſohnes,
Schwagers und Onkels
(B9321
Heinrich Kreutzer
ſage ich hiermit im Namen der Hinterbliebenen
herzlichſten Dank.
In tiefer Trauer:
Martha Kreutzer
und Kinder.
Darmſtadt, 7. April 1914.
Rückertſtr. 19.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Tiefdruckgebiet, deſſen Randwirbel in ganz
Deutſchland veränderliches Wetter mit Regenfällen verur=
ſachten
, hat geſtern ſeinen Einfluß über ganz Europa aus=
gedehnt
. Von Weſten her naht ein neues Fallgebiet. Wir
haben daher zunächſt mit Fortdauer der unbeſtändigen
Witterung zu rechnen.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, den 8. April:
Unbeſtändig, meiſt trüb und wolkig, zeitweiſe Regenfälle,
etwas kühler, weſtliche Winde.

Tageskalender.
Mittwoch, 8. April.

Spielabend des Schachklubs um 8 Uhr im Reſtaurant
Kaiſerſaal

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redattionellen Teil Rar Streſe; für den Anzeigenteil,
Anzeigenbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Sriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen: nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſtripkei
werden nicht zurückgeſandt.

Für die Oster-Feiertag

Versand ab Montag, den 6. April ds. Js. (6899som
Vorzüglicher Feiertagstrunk.
Beſtellungen hierauf nehmen jetzt ſchon die bekannten Verkaufsſtellen, ſowie die Brauerei ſelbſt (Tel. 385) entgegen.

[ ][  ][ ]

Seite 3.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwocg, den 8. April 1914.

Nummer 98.

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Nummer 38.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

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sämtliche Kandidaten die Abiturienten- Prüfung.
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Erfolge: ausserdem bestanden 72 Schüler die Aufnahme-
prüfung
für andere Klassen.
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Der Unterricht beginnt am 16. April, nachmittags 1 Uhr.
Anmeldungen werden durch Vorlage des Entlassungszeugnisses
noch bei Beginn des Unterrichts entgegengenommen.
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Rechnen, Stenographie, Maschinenschreiben,
Französisch und Englisch.
Anmeldungen nehmen entgegen: Frl. A. Ruths, Heidenreich=
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Auskunft erteilt Frl. Neudecker, Schirmgeſchäft, Ernſt=
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[ ][  ][ ]

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

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[ ][  ][ ]

Nummer 98.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 11.

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aarkette mit Medaillon. 2 Schlüſſel. 1 blaues Damenportemonnaie
met über 2 Mk. Inhalt. 1 Knderſchirm mit braunem gebogenen
Priff. 1 Tulanadel. 1 Kinderwagen=Decke. 3 Reichsbankkaſſenſcheine.
Trauring, gez. N. M. 1 Haaruhrkette.
(9180
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
llicher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
ſinden
ſich: 1 Spitzhund, 1 Pinſcher. Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
ag
, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(9238

Bekanntmachung

Die Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen, hier Ausnahmetage
betreffend.
Als Ausnahmetage im Sinne des § 139d Ziffer 3 der Reichs=
ggewerbeordnung
(Ueberbeſchäftigung von Gehilfen ꝛc), ſowie im Sinne
des § 139e Abſatz 2 Ziffer 2 der Reichsgewerbeordnung ( Verlänge=
rung
der Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen bis 10 Uhr
abends) werden hiermit beſtimmt:
die zwei letzten Werktage vor Oſtern.
Hiernach dürfen am 9. und 11. April lfd. Js. ſämtliche offene
Verkaufsſtellen in hieſiger Stadt bis 10 Uhr abends für den geſchäft=
lichen
Verkehr geöffnet ſein. An den gleichen Tagen finden die
Beſtimmungen über die Mindeſtruhezeit und Mittagspauſen der
Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsſtellen keine
Anwendung.
Darmſtadt, den 1. April 1914.
(8788sm
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Bekanntmachung.

Betr.: Polizeiliche Schutzmaßregeln in den bei Darmſtadt ge=
legenen
Waldungen.
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß mit Wirkung
lvom 11. April I. J. der Sicherheitsdienſt in der Waldumgebung der
Stadt, gleichwie in den Vorjahren, wiederum in Kraft tritt. Der
Aufſichtsdienſt wird von 7 Forſtaufſehern ausgeübt, welche die Uni=
form
der ſtaatlichen Forſtwarte tragen und mit Gewehr ausgerüſtet
ſind. Ihre Aufgabe iſt die ſtändige Beaufſichtigung der die Stadt
lumgebenden Waldungen unter beſonderer Berückſichtigung der von
dem Publikum begangenen Spazierwege.
Da den Forſtaufſehern die polizeiliche Ueberwachung der Wald=
umgebung
obliegt, ſind ſie von dem Großh. Kreisamt eidlich als
Polizeibeamte auf den Polizeiſchutz verpflichtet und im Beſitz einer
von dem unterzeichneten Polizeiamt ausgeſtellten Ausweiskarte.
In der Ueberzeugung, daß durch die ſtändige polizeiliche Ueber=
wachung
der Waldungen eine erhöhte Gewähr für die Sicherheit der
Spaziergänger gegeben iſt, richten wir hiermit an die Einwohner=
ſchaft
die Bitte, von etwaigen verdächtigen Wahrnehmungen in den
Wäldern die Forſtaufſeher oder das unterzeichnete Polizeiamt in
Kenntnis ſetzen zu wollen.
Darmſtadt, den 6. April 1914.
(9239mdf
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Jubiläums=Stipendien=Stiftung zu Ehren der25jährigen
Regierung des höchſtſeligen Großherzogs Ludwig III.

Aus obiger Stiftung, die bezweckt, daß aus den Kapitalzinſen
drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen einer, eine
gleichmäßige Beihilfe zu den Koſten ihrer Ausbildung auf einer
höheren Bildungsanſtalt erhalten ſollen, ſind für das Jahr 1914 drei
Stipendien von je 400 Mark zu vergeben.
Das Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden; es
können jedoch nur Angehörige ſolcher Gemeinden berückſichtigt werden,
die Beiträge zu dieſer Stiftung geleiſtet haben.
Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, die zum
Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanſtalt beſuchen oder
beſuchen wollen und ſich um das Stipendium zu bewerben beabſichtigen,
ind eingeladen, ihre Geſuche durch ihre betreffende Bürgermeiſterei
an den Oberbürgermeiſter der Hauptſtadt ihrer Provinz, alſo aus
Orten der Provinz Starkenburg an den Oberbürgermeiſter der Stadt
Darmſtadt, aus Rheinheſſen an den Oberbürgermeiſter der Stadt
Mainz, aus Oberheſſen an den Oberbürgermeiſter der Stadt Gießen
bis längſtens zum 20. April d. J.
gelangen zu laſſen.
An Zeugniſſen ſind den Geſuchen beizulegen:
1. ein behördlich beglaubigtes Vermögenszeugnis,
2. eine behördliche Beſcheinigung, daß und wo Geſuchſteller
ſtudiert,
3. das Mutaritäts=, bezw. Schulabgangszeugnis,
4. ein Führungs= (Leumunds=) Zeugnis.
Außerdem iſt der Nachweis zu erbringen, daß der Geſuchſteller
in Heſſen geboren und heſſiſcher Staatsangehöriger iſt.
Mainz, Darmſtadt, Gießen, den 12. März 1914.
(8255a
Das Kuratorinm:
Dr. Gläſſing
Dr. Göttelmann
Keller
Oberbürgermeiſter. Oberbürgermeiſter. Oberbürgermeiſter.

Die Verſteigerungen im ſtädtiſchen Leihamt.

Nach Ausſchreibung der Pfänderverſteigerung laufen erfahrungs=
gemäß
ſtets mündliche oder ſchriftliche Geſuche von Leihamtsſchuldnern
ein, teils auf Verſchiebung der Verſteigerung ihrer Pfänder, teils auf
gänzliche Ausnahme derſelben von der Verſteigerung gerichtet. Um
den Schuldnern zweckloſe Gänge und Mühe zu erſparen, geben wir
hiermit bekannt, daß alle derartige Geſuche abgewieſen werden müſſen,
da die Leihamtsordnung die Verſteigerung aller verfallenden Pfänder,
deren Einlöſung oder Verlängerung innerhalb des hierfür beſtimmten
Zeitraums vor dem Verſteigerungstermin nicht erfolgt, ausdrücklich
vorſchreibt und Ausnahmen von dieſer Vorſchrift nicht zuläſſig ſind.
Darmſtadt, den 4. April 1914.
(9176md
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.

Holz=Verſteigerung.

Dienstag, 14. April, vorm. 9 Uhr anfangend,
wird auf dem Rathaus dahier das im hieſigen Gemeindewald in
verſchiedenen Diſtritten zerſtreut liegende und ſitzende Dürr= und
Windfallholz meiſtbietend verſteigert.
Bau= und Nutzholz.
Stämme: Lärchen 7 St. Kl. V. Fichten 3 St. Kl. IV,
Fichten 86 St. Kl. V;
Derbſtangen: Fichten 11 St. Kl. I, Fichten 11 St. Kl. II.
Brennholz.
Scheiter, rm: 12 Buchen, 6 Eichen, 2 Kiefern;
Knüppel, rm: 24 Buchen, 10 Eichen, 61 Kiefern, 95 Fichten;
Reiſig, Stück: 80 Buchen, 180 Eichen, 370 Fichten=Wellen;
Stöcke, rm: 2 Buchen, 2 Eichen, 27 Fichten.
Nähere Auskunft erteilt Förſter Trautmann dahier.
(9173
Ober=Ramſtadt, den 6. April 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Kohlen, Holz, Wriketts,
ch Sackzentner, billigſt. (2136a zu verkaufen.
Koch, Eliſabethenſtr. 49.

uterhaltene Salongarnitur bill.
(8813a
Ludwigsplatz 6, II.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 13. Mai I. Js.,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die dem Schreinermeiſter Peter
Arnold und deſſen Tochter Auguſte
Johanna Arnold dahier zugeſchrie=
bene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 967 369 Hofreite Parcus=
ſtraße
Nr. 12,
in unſerem Bureau, Grafenſtr. 30,
zwangsweiſe verſteigert werden.
Darmſtadt, 1. April 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
K36/14) Müller. (VIII,9211

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 13. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll das der Friedrich Henning
Witwe, Margarete, geb. Schuch=
mann
dahier, an der Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IX 251 379 Hofreite Beckſtraße
Nr. 2,
zuſtehende ideelle Eigentumsanteil
in unſerem Bureau, Grafen=
ſtraße
Nr. 30, II, zwangsweiſe ver
ſteigert werden.
(K26/14
Darmſtadt, 4. April 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,9212

Bekanntmachung.

Die zur Zeit der Eintragung
des Verſteigerungsvermerks im
Grundbuche fürDarmſtadt Band VI,
Blatt 474 auf den Namen:
a) Peter Trautmann, Schuh=
machermeiſter
,
b) Karoline Trautmann, geb.
Gutbrodt (deſſen Ehefrau),
beide in Darmſtadt,
eingetragenen Grundſtücke:
Flur Nr.
qm
II 760 37 Grabgarten Hein=
heimerſtraße
,
II 761 118 Hofreite Hein=
heimerſtr
61,
II 761¾/10 32Grasgarten ( Vor=
garten
) daſelbſt,
ſollen:
Donnerstag, 28. Mai I. Js.,
nachmittags 3 Uhr,
durch das Großh. Amtsgericht
Darmſtadt I im Saal Nr. 219 im
Wege der Zwangsvollſtreckung
verſteigert werden.
(K4/14
Darmſtadt, 30. März 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,9213

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 13. Mai 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Fiſcher
und deſſen Ehefrau Margarethe
geb. Weber, dahier gehörigen Lie=
genſchaften
:
Flur Nr. qm
V 553 110 Grasgarten ( Vor=
garten
) Heidel=
bergerſtraße
,
V. 553¾/10 615 Hofreite Heidel=
bergerſtraße

Nr. 42,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
gert
werden.
(K22/14
Darmſtadt, 4. April 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,9209

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 13. Mai 1914,
vormittags 10¾ Uhr,
ſollen die dem Gaſtwirt Ludwig
Wolff dahier zugeſchriebenen Lie=
genſchaften
:
Flur Nr. qm
XVIII 139 292. Grabgarten Beſ=
ſungerſtraße
,
XVIII 140 301 Wohnhaus mit
Hofraum Nr. 107
daſelbſt,
XVIII 142 46 Grasgarten da=
ſelbſt
,
XVIII 143 341 Hofreite Nr. 107
daſelbſt,
XVIII 144 61 Grasgarten da=
ſelbſt
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe verſtei=
(K91/13
gert werden.
Darmſtadt, 6. April 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,9210

Der Plan über die Aenderung
der unterirdiſchen Telegra=

phenlinie an der Landſtraße von
Darmſtadt nach Griesheim und
nach dem Uebungsplatz liegt bei
dem Kaiſerlichen Telegraphenamt
hier von heute ab vier Wochen
(9249
aus.
Darmſtadt, 6. April 1914.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.

inige zurückgeſetzte Wanderer=
E und Diamant=
Fahrräder
Modelle 1913, geben billig ab
J. Donges & Wiest
Grafenſtr. 26. (8998a

ut erhatt. Fahrſtuhl zu verkauf.
9342im) Wienersſtraße 56.

üf., nußb., 50 M., Waſchk. u. Nacht=
tiſch
b. z. vf. Arheilgerstr. 54. (*9573

Kokspreiſe des ſtädt. Gaswerks
ab 1. April 1914.

A. Für den Koks=Kleinverkauf.
Nach Maß und nur gegen Barzahlung ab Gaswerk:
a) Gabelkoks der Hektoliter Mk. 1.15
b) Nußkoks
1.35
c) Bohnenkoks
Für das Faſſen und Anliefern von Koks in Säcken mit je einem
Hektoliter Inhalt, Mindeſtabnahme 3 Säcke, werden für den Hekto=
liter
20 Pfg. erhoben. Die Säcke müſſen ſofort entleert und zurück=
genommen
werden können.
B. Für den Koks=Großverkauf.
Nach Gewicht, in Fuhren nicht unter 30 Zentner, ab Gaswerk:
a) Gabelkoks der Zentner Mk. 1.25
b) Nußkoks
1.35
Bei Abnahme von 40 bis weniger als 60 Zentnern lediglich in
Wagenladungen an einem Tage ab Gaswerk wird bis auf weiteres
ein Nachlaß von 3 Pfg. auf den Zentner, bei Abnahme von 60 bis
weniger als 100 Zentner ein ſolcher von 5 Pfg., bei Abnahme von
100 bis weniger als 200 Zentner ein ſolcher von 7 Pfg. und bei Ab=
nahme
von 200 bis weniger als 400 Zentner ein ſolcher von 10 Pfg.
gewährt.
Für ſtändige Abnehmer (Selbſtverbraucher in der Stadt und
der nächſten Umgebung, ſoweit der Koks in Fuhren bezogen wird),
d. h. für ſolche, die eine dahingehende Erklärung bei der ſtädtiſchen
Gaswerksverwaltung abgeben und mindeſtens 30 Zentner auf einmal
beziehen, kommt für den ganzen, im Laufe eines Verwaltungsjahres
(1. April bis 31. März) ſtattfindenden Koksbezug der nachſtehende
Nachlaß auf die Grundpreiſe B nach Schluß des Jahres zur Feſt=
ſtellung
und Rückvergütung.
1. Bei Abnahme von 200 bis weniger als 400 Ztr. 10 Pfg. pr. Ztr.
2. Bei Abnahme von 400 bis weniger als 600 Ztr. 12
3. Bei Abnahme von 600 bis weniger als 1000 Ztr. 14
4. Bei Abnahme von 1000 bis weniger als 2000 Ztr. 16
5. Bei Abnahme von 2000 und mehr Zentner . . . 18
,
Die durch das ſtädtiſche Gaswerk bezogenen Koks werden mit
10 Pfg. Fuhrlohn für den Zentner berechnet. In dieſem Preis iſt
das einfache Abwerfen vom Wagen oder Karren in den Hof oder
Schuppen einbegriffen.
Für das Abtragen des Kokſes in Körben oder das nochmalige
Aufnehmen desſelben mit der Schaufel zur Weiterbeförderung an den
Aufbewahrungsort werden für den Zentner 5 Pfg. in Rechnung ge=
ſtellt
. Dahingehende Wünſche ſind gleichzeitig mit der Beſtellung bei
der ſtädtiſchen Gaswerksverwaltung, Frankfurterſtraße 29, aufzugeben.
Aus der Beſtellung muß die Menge und Sorte des ge=
wünſchten
Kokſes, ſowie der Stand oder Beruf und die Woh=
iung
des Beſtellers genau hervorgehen.
Die Fuhrleute ſind nicht berechtigt, Trinkgelder zu fordern.
Die Namen hieſiger Firmen, die infolge vertraglicher Verein=
barungen
in der Lage ſind, Koks aus dem ſtädtiſchen Gaswerk zu
den gleichen Preiſen und Fuhrlöhnen, wie oben angeführt, zu liefern,
werden demnächſt noch bekannt gegeben.
(8894sm
Darmſtadt, den 1. April 1914.
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Ekert.

Bwangsverſteigerung.

Das Grundſtück:
Flur II, Nr. 534¾/10 173 qm Hofreite Obere Liebfrauenſtraße 12,
37 Grasgarten, Vorgarten daſelbſt,
40 Grasgarten, Bleichplatz daſelbſt,
das zur Zeit der Eintragung des Verſteigerungsvermerks auf den
Namen des
Feldmann, Philipp, ledig, Maurer zu Darmſtadt,
im Grundbuch eingetragen war, foll
Donnerstag, den 16. April I. Js., nachmittags 3 Uhr,
durch das Großherzogliche Amtsgericht Darmſtadt I (neues Gerichts=
gebäude
, Saal Nr. 219) verſteigert werden.
Die Verſteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollſtreckung.
Der Verſteigerungsvermerk iſt am 29. Dezember 1913 in das
Grundbuch eingetragen worden.
Inſoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Verſteigerungs=
vermerks
aus dem Grundbuch nicht erſichtlich waren, ſind ſie ſpäteſtens
im Verſteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von
Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der
Gläubiger widerſpricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls ſie bei
der Feſtſtellung des geringſten Gebots nicht berückſichtigt und bei
er Verteilung des Verſteigerungserlöſes dem Anſpruche des Gläu=
bigers
und den übrigen Rechten nachgeſetzt werden. Diejenigen,
welche ein der Verſteigerung entgegenſtehendes Recht haben, werden
aufgefordert, vor der Erteilung des Zuſchlags die Aufhebung oder
einſtweilige Einſtellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls
für das Recht der Verſteigerungserlös an die Stelle des verſteigerten
Gegenſtandes tritt.
(5266a
Darmſtadt, den 17. Februar 1914.
Großherzogliches Amtsgericht I.

Berdingung eines Bohrbrunnens.

Die Gemeinde Semd vergibt die Bohrung, einſchließlich Rohr=
lieferung
eines Brunnens auf Submiſſion.
Angebote ſind bis zum 25. April d. Js. an die Bürger=
meiſterei
, woſelbſt auch die näheren Bedingungen offen liegen, ein=
zureichen
.
(*9578
Großh. Bürgermeiſterei Semd.
Voltz.

Nächſter Zuchwviehmarkt in Darmſtadt

Dienstag, den 14. April 1914.
Darmſtadt, den 3. April 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
(9181ms
J. V.: Schmitt.

Mannheimer
Jubllaums-Maimarkt 1614 1914
3. bis 5. Mai.
Pferderennen am 3., 5. und 10. Mai
Ziehung der Lotterie bar Geld sofort am 6. Mai
42 Hauptgewinne, Jubiläumspreis Mk. 7000.
1958 Silberpreise und andere Gegenstände
zus. 2000 Gewinne im Werte von Mk. 60000..
Für die Wagenpferde 75%, für die Arbeitspferde und Rind-
viehgewinne
80% bar, für die Silberpreise der volle Geldwert.
Los Mark 1., 11 Lose Mark 10.
Kassier: Johs. Peters, O 7, 5.
Mannheim, im Januar 1914.
(II,7099
Landwirtschaftlicher- Bezirksverein. Badischer Rennverein.
Lose zu beziehen durch J. F. Lang Sohn in Heddesheim.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Aktiva.
Kasse, fremde Geldsorten und Kupons
23140 591156
Guthaben bei Noten- u. Abrechnungs-
25 244 889137
(Clearing-) Banken.
Wechsel und unverzinsliche Schatz-
anweisungen

a) Wechsel (mit Ausschluss von b.
c, d) und unverzinsliche Schatz-
anweisungen
des Reichs u. der
Bundesstaaten . . .
182374 522196
296 697104
b) eigene Akzepte
2 230 899127
c) eigene Ziehungen. . .
d) Solawechsel der Kunden an die
120758/33) 185 022877160
Order der Bank . . . .
Nostroguthaben bei Banken und Bank-

firmen
52 195 998114
t
Reports und Lombards gegen börsen-
110 473 22717f
gängige Wertpapiere . .
Vorschüsse auf Waren und Waren-
17190 543134
verschiffungen
davon am Bilanztag gedeckt:
a) d. Waren, Fracht-
od
. Lagerscheine 6 897 511.25
b) durch andere Si-
cherheiten
. . 3 161 309.24
Eigene Wertpapiere
a) Anleihen u. verzinsliche Schatz-
anweisungen
des Reichs und der
Bundesstaaten .
22 418 988/18
b) sonstige bei der Reichsbank und
anderen Zentralnotenbanken be-
leihbare
Wertpapiere . .
4 914 061/32
c) sonstig. börsengäng. Wertpapiere 1 19 151 866/15
7961 16758) 54 446 083123
d) sonstige Wertpapiere
44 552 323/61
Konsortialbeteiligungen . . .
Dauernde Beteiligungen bei anderen
Banken und Bankfirmen . .
8026 300/05
Debitoren in laufender Rechnung
a) gedeckte
350 962 282151
88 479345/30) 439 441 627181
b) ungedeckte .
c) Aval- u. Bürg-
schaftsdebitoren
47707 273.81
18014 086179
Bankgebäude .
308 023/83
Sonstige Immobilien . . . . . . .
Sonstige Aktiva.
Verrechnungskonto der Zentrale
mit d. Filialen u. Niederlassungen
81927/20
978 138 50028

Passiva.

160000 000
Aktienkapital . .
32000000-
Reserven .
Kreditoren:
a) Nostroverpflichtungen
394 56204f
b) seitens d. Kundschaft bei Dritten
benutzte Kredite .
2960 35162
c) Guthaben deutscher Banken und
Bankfirmen .
44 797940/81
d) Einlagen auf provisionsfreier
Rechnung
1. innerhalb 7 Tagen fällig.
88 785 87665)
2. darüber hinaus bis zu 3 Mo-
naten
fällig
93 433 840/03
3. nach 3 Monaten fällig .
48 648 016167
e) sonstige Kreditoren
1. innerhalb 7 Tagen fällig . . 195 781 808177
2. darüber hinaus bis zu 3 Mo-
naten
fällig .
111356 536/82
3. nach 3 Monaten fällig .
21521 966/65) 607 680 90006
Akzepte und Schecks
a) Akzepte . .
164 016 648/16
b) noch nicht eingelöste Schecks
2334 778151) 166 351 426167
c) Aval- u. Bürg-
schaftsverpflich
-
. 47707 273.81
tungen .
Eigene Ziehungen 2612 791.80
davon für Rechnung
Dritter
Weiterbegeb. Sola-
wechsel
der Kun-
den
an die Order
der Bank .
380 000.
Sonstige Passiva:
Unerhobene Dividende .
25 461/50
Talonsteuer-Reserve .
457000
Wehrsteuer-Reserve . . .
946 686/50
464 225-
Gewinn- und Verlust-Konto
11 159 48705
978 138 500/28
Gewinn- und Verlust-Konto pro 1913.
Soll.


Geschäfts-Unkosten:
Handlungsunkosten (einschliesslich
der Tantiémen an den Vorstand und
die Oberbeamten im Betrage von
1720748.58, verteilt a. 234 Köpfe) I 11 19171755l
Steuern . . .
1 336 91078
Gratifikationen an d. Beamten ( Weih-
nachten
, Abschluss, Invaliden- und
Krankenversicherung, Reichsver-
sicherung
), Ehrengaben an Beamte,
Zuwendung an die Pensionskasse
und für wohltätige Zwecke.
2 282 395/34
14811023/67
618 973/18
Abschreibung a. Immobilien u. Mobilien
160000-
Talonsteuer-Reserve .
464 225
Wehrsteuer-Reserve . . . . . . .
Gewinn-Saldo
11 159 487105
.,
Verwendung des Gewinnes:
1. Dividende pro 1913
. 10 400000.
von 6½%
2. Tantiemen des Auf-
280000.
sichtsrats .
3. Gewinn-Vortrag . 479487.05
27 213 705ſo
Kaben.
Provisionen .
10 552 89157
Zinsen aus dem Konto Korrent-Geschäft und aus
Wechseln, aus dauernden Beteiligungen bei anderen
1441774156
Banken und Bankfirmen und aus Valuten
Gewinne aus Effekten
784 303175
Gewinne aus Finanzoperationen
956 41709
Diverse Eingänge .
27054190
475 30003
Gewinn-Vortrag von 1912. . . . . . . .
29175)
27 215 70500

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Nummer 98.

Bann Tar Hander und Maustrie
Bilanz per 31. Bezember 1913.

Bank fur Handel und Maustrie.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis, dass der Gewinnanteil
für das Geschäftsjahr 1913
für die Aktien à Mk. 1000 auf Mk. 65. Aktie
à f. 250 27.85
,

Bei den Kassen unserer Niederlassungen in Berlin

Braunschweig bei der Braunschweigischen Bank
und Kreditanstalt Aktien-Gesellschaft,
Bremen bei der Deutschen Nationalbank Komman-
ditgesellschaft
auf Aktien,
Coblenz bei Herrn Leopold Seligmann,
Cöln bei den Herren Sal. Oppenheim jr. & Co.
und bei dem A. Schaaffhausen’schen Bankverein,
Dortmund bei der Deutschen Nationalbank Kom-
manditgesellschaft
auf Aktien,
Dresden bei den Herren Albert Kuntze & Co.,
Essen a. d. Ruhr bei Herrn Simon Hirschland,
Glogau bei Herrn H. M. Fliesbach’s Wwe.,
Grünberg i. Schl. bei Herrn H. M. Fliesbach’s Wwe.,
Hannover bei den Herren Ephraim Meyer & Sohn,
Heilbronn bei den Herren Rümelin & Co.,
Karlsruhe bei Herrn Veit L. Homburger,
Königsberg i. Pr. bei der Ostbank für Handel und
Gewerbe,
München bei den Herren Merck, Finck & Co.,
der Baverischen Handelsbank und
Herrn H. Aufhäuser,
Nürnberg bei der Vereinsbank,
Osnabrück bei der Deutschen Nationalbank Kom-
manditgesellschaft
auf Aktien, Zweignieder
lassung Osnabrück,
Pforzheim bei den Herren Fuld & Co.,
Posen bei der Ostbank für Handel und Gewerbe,
Rostock bei der Vereinsbank in Wismar, Filiale
Rostock,
Stuttgart bei der Württembergischen Bankanstalt
vorm. Pflaum & Co.,
Württembergischen Vereinsbank u.
Königl. Württembergischen Hof-
bank
, G. m. b. H.,
Wismar bei der Vereinsbank in Wismar,
Amsterdam, für die Niederlande, bei der Amsterdam-
schen
Bank,
Wien bei der k. K. priv. Bank und Wechselstuben-
Actien-Gesellschaft Mercur‟
Nach dem 30. April 1914 werden die Gewinnanteilscheine
bei den Niederlassungen unserer Bank ausbezahlt.
Berlin und Darmstadt, den 6. April 1914.
(P9174
Bank für Handel und Industrie.
v. Klitzing. Marks.
Für Osterspaziergänge
benutzen Sie bitte meine
Pharus-Wanderkarte durch den Odenwald,
die Bergstrasse und das Meckartal
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Nummer 38.

Darmſtudrer Tagblatt, ittwoch, den 8. April 1914.

Seite 13.

Deutsche Dank.
Bezugsangebot von M. 20 000 000 neuen Aktien.

Die ordentliche Generalversammlung vom 31. März 1914 hat beschlossen, zwecks
Fusion mit der Bergisch Märkischen Bank in Elberfeld das Grundkapital von 200000000
um 50000000 auf M. 250000000 zu erhöhen. Die Aufforderung an die
Aktionäre der Bergisch Märkischen Bank zum Umtausch ihrer Aktien in unsere neuen
Aktien ist erlassen worden. Ein Konsortium hat sich verpflichtet, die auf seinen Besitz
in Aktien der Bergisch Märkischen Bank entfallenden
M. 20 000 000 neue Aktien der Deutschen Bank
zum Zwecke des Angebots an unsere Aktionäre zur Verfügung zu stellen mit der Mass-
gabe
, dass auf je nom. M. 12000 alte Deutsche Bank-Aktien eine neue
von nom. M. 1200 mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1914
ab unter sofortiger Zahlung des Bezugpreises von 210% franko Zinsen
bezogen werden kann.
Nachdem die Generalversammlungsbeschlüsse der deutschen Bank und der Bergisch
Märkischen Bank vom 31. März 1914 sowie die durchgeführte Kapitalserhöhung der
Deutschen Bank ins Handelsregister eingetragen sind, fordern wir im Auftrage des
Konsortiums unsere Aktionäre auf, das Bezugsrecht unter folgenden Bedingungen
Anuszuüben:
1) Die Ausübung des Bezugsrechts hat bei Vermeidung des Ausschlusses bis
zum 21. April 1914 einschliesslich
bei der Deutschen Bank,
in Berlin
Aachen
Deutschen Bank Filiale Aachen,
Deutschen Bank Zweigstelle Augsburg,
Augsburg

Deutschen Bank Filiale Barmen,
Barmen
Deutschen Bank Filiale Bremen,
Bremen
dem Schlesischen Bankverein,
Breslau
der Deutschen Bank Zweigstelle Chemnitz,
Chemnitz
Deutschen Bank Filiale Crefeld,
Crefeld
Deutschen Bank Zweigstelle
Darmstadt,
Darmstadt,
Deutschen Bank Filiale Dresden,
Dresden
Deutschen Bank Filiale Düsseldorf,
Düsseldorf
Bergisch Märkischen Bank Filiale der
Elberfeld
Deutschen Bank,
Essener Credit-Anstalt,
Essen-Ruhr
Deutschen Bank Filiale Frankfurt,
Frankfurt a. M.
Deutschen Vereinsbank,

dem Bankhause Lazard Speyer-Ellissen,
Jacob S. H. Stern,

Gebrüder Sulzbach,

der Direction der Privatbank zu Gotha,
Gotha
Deutschen Bank Filiale Hamburg,
Hamburg
Hannoverschen Bank,
Hannover
Hildesheimer Bank,
Hildesheim
Deutschen Bank Filiale Köln,
Köln
dem Bankhause Deichmann & Co.,
der Niederlausitzer Bank Aktiengesellschaft,
Kottbus
Deutschen Bank Filiale Leipzig,
Leipzig
Privatbank zu Gotha, Filiale Leipzig,
Ludwigshafen a. Rhein bei der Pfälzischen Bank,
Mannheim bei der Rheinischen Creditbank,
Süddeutschen Bank Abteilung der Pfäl-
zischen
Bank,
Deutschen Bank Zweigstelle Meissen,
Meissen
Deutschen Bank Filiale München,
München

Bayerischen Vereinsbank,

Bayerischen Handelsbank,

Deutschen Bank Filiale Nürnberg,
Nürnberg

Oldenburgischen Spar- und Leih-Bank,
Oldenburg
Osnabrücker Bank,
Osnabrück
Deutschen Bank Filiale Saarbrücken,
Saarbrücken
Mecklenburgischen Hypotheken- und
Schwerin i. M.
Wechselbank,
Mecklenburgischen Spar-Bank,
Siegener Bank für Handel und Gewerbe,
Siegen
Württembergischen Vereinsbank,
Stuttgart
Dsutschen Bank Zweigstelle Wiesbaden
Wiesbaden
zu erfolgen.
2) Auf je nom. M. 12000 alte Aktien kann eine neue Aktie von nom.
M. 1200 zum Preise von 210% franko Zinsen M. 2520 bezogen
werden. Der Bezugspreis ist bei der Anmeldung des Bezugsrechts
bar einzuzahlen. Den Schlussscheinstempel trägt der beziehende Aktionär.
3) Bei der Anmeldung sind die Aktien, für welche das Bezugsrecht geltend ge-
macht
werden soll, ohne Dividendenscheine in Begleitung eines doppelt aus-
gefertigten
Anmeldescheines, wofür Formulare bei den Bezugsstellen erhältlich
sind, einzureichen. Die Aktien, auf welche das Bezugsrecht ausgeübt ist, werden
abgestempelt und demnächst zurückgegeben.
4) Die Aushändigung der neuen Aktien erfolgt vom 6. Mai 1914 ab
gegen Rückgabe der auf dem einen Formular des Anmeldescheins erteilten
Quittung bei derjenigen Stelle, bei welcher das Bezugsrecht ausgeübten worden ist-
Die Vermittlung von Ankauf und Verkauf des Bezugsrechts einzelner Aktien
übernehmen die Bezugsstellen.
Berlin, im April 1914.
Deutsche Bank.
A. v. Gwinner. Mankiewitzz.
(9285

Umtausch

von.
Aktien der Bergisch Märkischen Bank
neue Aktien der Deutschen Bank.
Nachdem durch die Eintragung der Generalversammlungsbeschlüsse der
Deutschen Bank und der Bergisch Märkischen Bank vom 31. März 1914 ins
Handelsregister die Bergisch Märkische Bank zu Elberfeld ohne Liquidation
aufgelöst und ihr Vermögen als Ganzes auf uns übergegangen ist, fordern wir
gemäss § 305 Abs. 3 und § 290 des H. G. B. hierdurch die Inhaber von Aktien
der Bergisch Märkischen Bank auf, ihre Aktien nebst Dividenden-
scheinen
für 1914 u. folg. zwecks Umtauschs in Deutsche Bank-Aktien
nach Massgabe der folgenden Bedingungen einzureichen:
1. Die Einreichung der Aktien soll bis zum 28. April 1914
erfolgen:
in Berlin
bei der Deutschen Bank,
Elberfeld
Bergisch Märkischen Bank Filiale der
Deutschen Bank, sowie bei den Nieder-
lassungen
der ehemaligen Bergisch Märk-
ischen
Bankin Aachen, Barmen, Berncastel-
Cues, Bielefeld, Bocholt, Bonn, Coblenz,
Crefeld, Cronenberg, Düsseldorf, M.- Glad-
bach
, Goch, Hagen, Hamm, Hilden, Idar,
Köln, Köln-Mülheim, Langerfeld, Lippstadt,
Mörs. Neheim, Neuss, Opladen, Paderborn,
Bemscheid, Rhevdt, Ronsdorf, Saarbrücken,
Schlebusch, Schwelm, Soest, Solingen,
Trier, Velbert, Wald, Warburg,
Deutschen Bank Zweigstelle Augsburg,
Augsburg
Deutschen Bapk Filiale Bremen,

Bremen
dem Schlesischen Bankverein,
Breslau
der Deutschen Bank Zweigstelle Chemnitz,
Chemnitz
in Darmstaar veiger Beutschen Bankzweigstenle Darmstadt,
in Dresden
bei der Deutschen Bank Filiale Dresden,
Essener Credit-Anstalt,
Essen-Ruhr
Deutschen Bank Filiale Frankfart,
Frankfurt a. M.

Deutschen Vereinsbank,

dem Bankhause Lazard Speyer-Ellissen,
Jacob S. H. Stern,

Gebrüder Sulzbach,
der Direction der Privatbank zu Gotha,
Gotha
Deutschen Bank Filiale Hamburg,
Hamburg
Hannoverschen Bank,
Hannover

Hildesheimer Bank,
Hi desheim

Deutschen Bank Filiale Köln (der ehe-
Köin

maligen Bergisch Märkischen Bank Köln),
dem Bankhause Deichmann & C0.,
der Niederlausitzer Bank Aktiengesellschaft,
Kottbus
Deutschen Bank Filiale Leipzig,
Leipzig
Privatbank zu Gotha, Filiale Leipzig,
Pfälzischen Bank,
Ludwigshafen a. Rhein,
Rheinischen Creditbank.
Mannheim

Süddentschen Bank Abteilung der Pfälz-
ischen
Bank,
Deutschen Bank Zweigstelle Meissen,
Meissen
Deutschen Bank Filiale München,
München
Bayerischen Vereinsbank,
Bayerischen Handelsbank,
Deutschen Bank Filiale Nürnberg.
Mürnberg
Oldenburgischen Spar- und Leih-Bank,
Oldenburg

Osnabrücker Bank,
Osnabrück

Mecklenburgischen Hypotheken- und
Schwerin 1. M.
Wechselbank,
Mecklenburgischen Spar-Bank,
Siegener Bank für Handel und Gewerbe,
Siegen
Württembergischen Vereinsbank,
Stuttgart
Deutschen Bank Zweigstelle Wiesbaden
Wiesbaden
während der bei diesen Stellen üblichen Geschäftsstunden.
2. Auf je nom. M. 9600 Aktien der Bergisch Märkischen Bank mit Dividenden-
scheinen
für 1914 u. folg. entfallen nom. M. 6000 neue Aktien der Deut-
schen
Bank mit Dividendenberechtigung vom 1. Januar 1914 ab. Die
neuen Aktien lauten über je nom. M. 1200, zwei Stück über je nom.
M. 1600.
3. Um den Besitzern von Bergisch Märkischen Bank-Aktien unter
nom. M. 9600 bezw. in nicht durch M. 9600 teilbaren Nenn-
beträgen
den Umtausch zu ermöglichen, sind die Umtauschstellen
bereit, den Zukauf oder Verkauf der sich zur Abrundung auf einen dar-
stellbaren
Nennbetrag der neuen Deutschen Bank-Aktien ergebenden
Spitzenbeträge Bergisch Märkischer Bank-Aktien zu vermitteln.
Die Spitzenberechnung erfolgt zum Berliner Börsenkurs der letzteren
Aktien.
Formulare zum Umtausch mit Tabellen für die Spitzenverrechnung
sind bei den Umtauschstellen erhältlich.
4. Die Ausgabe der neuen Aktien der Deutschen Bank erfolgt vom 6. Mai
1914 ab bei derselben Stelle, bei der der Umtausch angemeldet ist.
Nach dem 28. April 1914 kann die Einreichung von Aktien der
Bergisch Märkischen Bank nur noch bei der Deutschen Bank in
Berlin erfolgen. Die Aktien, die nicht spätestens bis zum 31. Juli 1914
bei uns eingereicht sind, werden für kraftlos erklärt werden. Das Gleiche
gilt, soweit keine Spitzenregulierung stattgefunden hat, von den Aktien der
Bergisch Märkischen Bank, die eine zum Ersatz durch Deutsche Bank-Aktien
erforderliche Zahl nicht erreichen und uns nicht bis zum 31. Juli 1914 zur
Verwertung für Rechnung der Beteiligten zur Verfügung gestellt sind.
Die an Stelle der für kraftlos erklärten Bergisch Märkischen Bank-Aktien
auszugebenden neuen Deutschen Bank-Aktien werden verkauft und der Eclös
den Beteiligten von uns zur Verfügung gehalten.
Berlin, im April 1914.
Deutsche Bank
A, v. Gwinner,
Klönne.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

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Nummer 98.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 15.

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Alefkum- und Salem Gold-Cigaretten;
der Druck auf den Cigaretten wird täu-
schend
nachgeahmt. Salem Aleikum-
und Salem Gold-Cisaretten sind nur
echt mit Firma auf jeder Cigarette:
Orientalische Tabak- und Cigaretten-
fabrik
Tenidze‟, Inhaber: Hugo
Zietz, Dresden.

Turnen, Spiele und Sport

* Fußball. Darmſtädter Sportklub 1905,
V. S. M, S. Heſſen wird am Oſterſonntag mit
ſner Fußballmannſchaft in Darmſtadt weilen und der
Mannſchaft des Darmſtädter Sportklubs 1905, E. V.,
mt einem intereſſanten Fußballwettſpiel aufwarten.
M. S. Heſſen zählt zu den beſten Marinemannſchaf=
m
unſerer Hochſeeflotte. Vor drei Jahren errang die
Nannſchaft die Meiſterſchaft als Flottenmeiſter und ſomit
uch den ſilbernen Schild des Prinzen Heinrich von
Preußen. Seit vier Jahren vertritt ſie den Titel als
Leiſter des 2. Geſchwaders, was auf eine vorzügliche
Eielſtärke deuten läßt. Seit einer Reihe von Jahren
Uternimmt die Elf in jedem Jahre eine Reiſe aufs Feſt=
lnd
und konnte auf ihrer letztjährigen Tournee die Liga=
nannſchaft
des Sportklubs Chemnitz mit 3.2 ſchlagen.
kiesmal führt ſie der Weg ins Heſſenland. Die Mann=
ſhaft
ſetzt ſich lediglich aus erſtklaſſigen Spielern größe=
hr
Sportvereine zuſammen und beſitzt mit Rückſicht auf
bs ſtändige Training ein flüſſiges und flinkes Kombina=
tonsſpiel
. Der Darmſtädter Sportklub 1905 hat ſomit
nen guten Griff getan, aus der großen Anzahl Mann=
ſhaften
, welche die deutſche Flotte beſitzt, diejenige unſe=
ur
ſtolzen Heſſen zu engagieren. Sportklubs Mann=
ſhaft
, welche eben in weit beſſerer Form iſt, während
ſen Meiſterſchaftsſpielen, wird den blauen Jungen einen
ſhweren Gegner abgeben. Das Spiel findet ſtatt am
dſterſonntag nachmittags auf dem Sportplatz am alten

Schießhaus und wird von einem vorzüglichen Schiedsrich=
ter
geleitet.

Vermiſchtes.

CK Das Amulett als Schmuck. Schöne Frauen tra=
gen
auch in unſerem aufgeklärten Zeitalter noch gern ein
Schmuckſtück, dem ſie eine beſonders ſegensreiche Kraft zu=
ſchreiben
, und es gibt ſogar in den Amuletts eine gewiſſe
Mode, die bald irgend einen Edelſtein, bald irgend ein
exotiſches Götzenbild oder irgend ein glückverheißendes
Tier bevorzugt. Wie heute, ſo war es zu allen Zeiten.
Der Aberglaube des weiblichen Geſchlechts ſpielt in der
Geſchichte des Schmuckes eine große Rolle; wir finden
Amulette ſchon in den prähiſtoriſchen Epochen und ſie die=
nen
, wie bei den Naturvölkern, dazu, unheilvollen Zauber
von der Trägerin abzuwehren und die böſen Dämonen
zu verſöhnen. Jene ſchönen zylindriſchen Siegelſteine, die
die Babylonier im 4. Jahrtauſend vor Chr. trugen und die
jetzt ſo koſtbare Schätze der Muſeen bilden, hatten ganz
dieſelbe Bedeutung: Durch ſie und ihre Symbolik ſuchte
man die Götter gnädig zu ſtimmen, und deshalb trug man
ſie als Amulette um den Hals oder im Fingerring. Noch
zahlreicher ſind die mit dem Aberglauben in Verbindung
ſtehenden Schmuckſtücke bei den Aegyptern. Die Skarabäen,
die ein Symbol des Sonnengottes darſtellen, treten am
häufigſten als Amulette auf; doch auch ſonſt dient der meiſte
Schmuck mehr einem religiöſen als einem äſthetiſchen
Zwecke. Die Römerin trug ihre Abwehrmittel gegen allen
Zauber in einer reichgeſchmückten Bulla oder Kapſel; ſie
prunkte mit ihren Amuletten in Armbändern und Dia=
demen
. Als beſonders wirkſam gegen jeden böſen Einfluß
galten die ſchwarze Koralle und der Bernſtein. Kinder
hielt man vor allem für ſchutzbedürftig und behängte ſie
mit Halsketten, an denen ganze Inventare von geheimnis=
vollen
Symbolen und beſchriebenen Metallblättchen auf=
gereiht
waren.
Der Glaube an die wunderbaren Kräfte der Edel=
ſteine
, der im alten Rom die Vorliebe für Diamanten und
Juwelen beſtimmte, tritt im Mittelalter nicht minder ſtark
hervor. Die Steinbücher erzählen davon, und die Dichter
preiſen die Zaubermacht der Steine: Wir wiſſen von ſol=
chen
Schmuckſtücken, die wahre Univerſalmittel bildeten.
So beſaß Dietrich von Graz einen mit mehr als 50 Edel=
ſteinen
verzierten Wundergürtel, der dem Träger Ehre und
Glück, Macht und Reichtum, Unverletzlichkeit gegen Waf=
fen
, Feuer und Waſſer und allezeit Sieg verlieh. Den
Damen waren andere Dinge durch ihre Schmuckſachen
garantiert. Der Rubin gab ihnen inneren Frieden und
Heiterkeit, der Saphir Eheglück uſw. Gegen Augenleiden
brauchte man den Smaragd, der Amethyſt vertrieb das
Kopfweh und nach einem auch beim ſchöneren Geſchlecht

nicht unbeliebten Rauſch den Kater. Da man von ſolchen
wirkſamen Amuletten nicht genug haben konnte, ſo er=
hielten
die Ringe und Ketten rieſige Dimenſionen, ſo daß
ie Damen mit ihnen ganz überladen waren. Bis ins 18.
Jahrhundert hinein gab es die wunderlichſten Schmuck=
amulette
, kurioſe Gegenſtände aus dem Tierreich, wie Hai=
fiſchzähne
, Stücke vom Einhorn, die gegen Gift gut waren;
Krebsaugen, die von der fallenden Sucht heilten; Deckel der
Mondſchnecke gegen das Naſenbluten, Biſamäpfel und
wohlriechenden Amber, ja ſogar tieriſche und menſchliche
Darm= und Magenſteine, die man alle weniger ihrer
Schönheit, als ibrer Wunderwirkung wegen als Amulette
trug.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
leinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Wer das Eingeſandt im Darmſtädter Tagblatt vom
2. April dieſes Jahres nur einigermaßen aufmerkſam
durchgeleſen hat, wird gefunden haben, daß darin die
Sicherheit im Eberſtädter Villenviertel gar nicht in Zwei=
fel
gezogen worden iſt. Es handelte ſich lediglich darum,
den Nachweis zu führen, daß der Weg von der in der
Darmſtädter Gemarkung liegenden Halteſtelle Ludwigs=
höhe
nach der Villenkolonie des Abends nach eingetretener
Dunkelheit nicht ungefährlich und die Errichtung einer
Halteſtelle an der Moltkeſtraße dringend notwendig iſt.
Die Erwiderung der Bürgermeiſterei Eberſtadt im Tag=
blatt
vom 6. dieſes Monats iſt daher vollkommen unver=
ſtändlich
.
Der Intereſſent.

Städtiſche Leſe= und Bücherhalle, Louiſen=
ſtraße
20. Die Leſehalle iſt geöffnet an Wochen=
tagen
von 102 und von 69 Uhr, Sonntags von
111 und von 69 Uhr. Bücherausgabe findet
ſtatt an jedem Wochentage von ½11 bis ½1 Uhr und
abends von 6 bis 9½ Uhr.
Städtiſches Hallenſchwimmbad Mühl=
ſtraße
33 (geöffnet an Werktagen von 7 Uhr morgens
bis 8½ Uhr abends, Sonntags von 712½ Uhr
morgens).

Bestbewährte
gesunde
und
magen-
darmkranke

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

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Zur Geographie des Kapitals.

** In einer feſſelnden Studie über die geographiſche
Verteilung des Kapitals auf der Erde und der damit ver=
bundenen
Wechſelbeziehungen zwiſchen der Induſtrie und
dem Handel der Weltteile und der Nationen ſtellt der be=

kannte Pariſer Juriſt De. Auguſte Péliſſier in der Revue
auch einige intereſſante Berechnungen über das Vermögen
und den Reichtum der Hauptkulturſtaaten an.
Die Unterſuchung beſchränkt ſich nur auf das bewegliche
Kapital, alſo auf den Beſitz an Staatsgeldern Staats=
papieren
, Obligationen, Renten, Aktien und Induſtrie=
papieren
, denn ſie beſtimmen heutzutage die Kaufkraft einer
Nation und damit die Möglichkeit einer Steigerung der
Lebenshaltung. Von dieſem Standpunkt aus betrachtet
zählt die Welt heute nur vier wirklich reiche Länder: Eng=
land
, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Deutſch=
land
. Der bewegliche Beſitz dieſer vier Völker erreicht
nahezu 520 Milliarden Francs, und damit verfügen ſie
über nicht weniger als zwei Drittel des geſamten mobilen
Kapitals der Erde, das nicht mehr als 850 Milliarden be=
trägt
. Mit England, den Vereinigten Staaten, Frank=
reich
und Deutſchland verglichen ſind die übrigen Groß=
mächté
und Staaten als arm zu bezeichnen: Rußland beſitzt
an mobilem Kapital nicht mehr als 35 Milliarden, Oeſter=
reich
gegen 25 Milliarden Italien 18 und Japan 16 Mil=
liarden
. Tcotz des gewaltigen kapitaliſtiſchen Aufſchwun=
ges
der Vereinigten Staaten iſt Großbritannien
noch immer das reichſte Land, denn ſein bewegliches Ka=
pital
erreicht etwa 150 Milliarden Francs und wächſt Jahr
um Jahr um rund 3 Milliarden. Die Vereinigten
Staaten, die noch im Jahre 1800 kaum mehr als eine
Milliarde beſitzen mochten, verfügen heute über aufgehäufte
Erſparniſſe in Höhe von 140 Milliarden, ſie ſind alſo Eng=
land
bereits auf den Ferſen. Wenn trotzdem die Möglich=
keiten
einer gehobenen Lebenshaltung in Amerika weniger
allgemein verteillt ſind als in England, ſo liegt das an
der doppelt ſo hohen Einwohnerzahl der Vereinigten
Staaten. Frankreich ſteht an dritter Stelle; ſeit den
Tagen des zweiten Kaiſerreiches iſt ſein bewegliches Ka=

pital gewaltig gewachſen, und iſt heute auf 115 Milliarden
zu beziffern. Der ſparſame Nationalcharakter der Fran=
zoſen
läßt dieſe Summe jährlich um durchſchnittlich 2½
Milliarden zunehmen.
Deutſchlands Reichtum iſt bekanntlich jüngſten
Datums erreicht aber ziffernmäßig das bewegliche Kapital
Frankreichs ſchon heute beinahe ganz. Das bewegliche
Vermögen Deutſchlands berechnet Péliſſier auf rund 110
Milliarden Francs. Auf den Kopf der Bevölkerung ge=
rechnet
iſt natürlich der Franzoſe nahezu doppelt ſo reich
wie der Deutſche. Allein infolge der intenſiven wirtſchaft=
lichen
Arbeit Deutſchlands iſt die Zunahme des beweg=
lichen
Vermögens ungleich größer wie in Frankreich, ja
mehr als doppelt ſo groß. Während Frankreich mit einem
mobilen Kapital von 115 Milliarden jährlich 2½ Milliar=
den
neu gewinnt, erarbeitet Deutſchland mit 110 Milliar=
den
beweglichem Kapital einen jährlichen Vermögens=
zuwachs
von rund 5 Milliarden. Damit wird auch die
Expanſionskraft des deutſchen Kapitals immer größer
werden. Als Gläubiger=Staaten, als Staaten, die einen
großen Teil ihres mobilen Kapitals an das Ausland ab=
geben
, ſteht freilich noch immer England an der Spitze:
es hat über 100 Milliarden, alſo mehr als zwei Drittel
ſeines mobilen Vermögens, außerhalb der Grenze ſeines
Mutterlandes angelegt. Frankreichs auswärtige Kapi=
talsanlagen
erreichen daneben 40 Milliarden, etwas mehr
als ein Drittel des beweglichen Geſamtvermögens.
Amerika und Deutſchland folgen hier mit ſehr großen Ab=
ſtänden
, was ſich dadurch erkläct, daß ſie bis in die jüngſte
Zeit hinein den weitaus größten Teil ihres mobilen Ka=
pitals
zum Aufbau und zum Ausbau ihrer gewaltigen
eigenen Induſtrie benötigten.

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Der Sieg des Herzens.
Roman von Otto Elſter.

Nachdruc verboten.)
6)
Das Frühſtück ſtand kalt und unberührt auf dem
Tiſch. Sein Schreibtiſch war ſauber aufgeräumt; das
Buch, in dem er geſtern ſtudiert, lag noch aufgeſchlagen
da es ekelte ihn alles an. Er warf ſich in einen Seſſel
und ſtützte die Stirn in die Hand.
So ſaß er eine Zeitlang da, ohne die Kraft zu fin=
den
, ſich aufzuraffen. Es war ihm, als wenn ihn aller
Mut, alle Kraft, alle Energie verlaſſen hätte, als habe
er ſich ſelbſt weggeworfen; als ſei er in einem ſchmutzigen
Sumpf verſunken, aus dem es keine Rettung mehr gab.
Er hatte doch früher auch manche Nacht durchtollt,
aber keine dieſer fröhlichen Nächte hatte dieſes jämmerliche
Gefühl hinterlaſſen, dieſe Reue und dieſe Scham, welche
an dieſem Morgen ſchwer auf ſeiner Seele laſteten.
Da klopfte es leiſe, faſt ſchüchtern an die Tür. Er
fuhr empor. Sollte dieſer Rautheim ſchon wieder kom=
men
? Doch nein es war Eva, die mit ſcheuem Seiten=
blick
auf ihn hereintrat.
Verzeihen Sie, Herr Baron, ſagte ſie leiſe. Ich wollte
nachſehen, ob Sie ſchon gefrühſtückt hätten
Nehmen Sie nur fort, entgegnete er barſch.
Aber Sie haben ja noch gar nicht getrunken?
Ich habe keinen Hunger.
Er wandte ſich ab, um ihr ernſtes, trauriges Geſicht=
chen
nicht ſehen zu müſſen.

Shwoitgend ränmie ſe des Kaſſegeſchir zuſanmen
Sie wollte ſich entfernen, doch dann zögerte ſie und fragte
leiſe: Darf ich Ihnen eine friſche Taſſe Kaffee machen?
Laſſen Sie mich in Ruhe!
Verzeihen Sie, ich meinte es ja nicht böſe!
Er glaubte in ihrer Stimme ein leiſes Schluchzen zu
hören. Er wandte ſich um und ſah ihr in die blauen
Augen, die ſich langſam mit Tränen zu füllen ſchienen.
Da wußte er mit einem Male, wo er Rettung finden
konnte vor den wilden Mächten, vor den Leidenſchaften,
die ihn zu umſchlingen und in den Abgrund zu ziehen
drohten.
Er trat auf Eva zu.
Verzeihen Sie mir, Fräulein Eva, ſprach er, und ſeine
Stimme bebte leicht. Ich habe Sie verletzt
Sie haben mir weh getan, entgegnete ſie mit nieder=
geſchlagenen
Augen, während eine leichte Röte in ihren
Wangen emporſtieg.
Ja, ich bin ein ſchlechter Menſch, ſtieß er heftig her=
vor
, und Sie müſſen mich verachten
O, Herr von Ballhauſen! wehrte ſie erſchrocken.
Ja, ja, ich bin Ihrer Achtung, Ihrer Freundſchaft
nicht wert, fuhr er ſelbſtanklägeriſch fort. Geſtern habe
ich Sie durch leichtfertige Worte beleidigt, und dann bin
ich darauflosgeſtürmt, habe alles, habe Sie vergeſſen und
habe mich mit ſchlimmen Menſchen und laſterhaften Wei=
bern
umhergetrieben ich habe alles vergeſſen ich bin
in einen Sumpf geraten, der mich zu erſticken droht
wenn wenn Sie mir nicht helfen.
Wie könnte ich Ihnen helfen? fragte ſie ſcheu und
ſchüchtern.

Weiter Ste nich auhbten Feinlen Gief
Sie nickte ihm ſchweigend zu.
Und dann erzählte er ihr in haſtigen Worten ſein
ganzes Leben, ſeine ſtrenge Jugend, ſeine Hoffnungen,
ſeine Wünſche, ſein frohes Leutnantsleben und ſeine
Schuld und ſein Unglück.
So kam ich hierher, fuhr er fort und atmete tief auf.
Ein aus der Bahn geworfener Menſch, aber nicht ohne
Mut, nicht ohne Kraft, mir ein neues Leben zu ſchaffen.
Ich ſah Sie, Fräulein Eva, Ihren ſtillen Fleiß, Ihren
fröhlichen Mut; Ihre Heiterkeit entzückte mich, Ihr Fleiß,
Ihr Mut, Ihre Kraft richteten mich auf, und ich nahm
mir vor, es Ihnen gleich zu tun. Ich wollte mich nicht
von Ihnen beſchämen laſſen. Ich wollte ebenfo fleißig,
ebenſo ſtark, ebenſo mutig wie Sie ſein, denn ich hatte Sie
lieb, Eva von ganzem Herzen lieb
Abwehrend ſtreckte ſie ihm die Hände entgegen; ihre
Wangen überzog eine tiefe Bläſſe. Mit ziſchender Stimme
ſprach ſie:
So dürfen Sie nicht ſprechen, Herr Baron
Weshalb nicht? fuhr er auf. Bin ich beſſer als Sie?
Iſt es meine Stellung, mein Name, der uns trennen
könnte? Eine Stellung in der Welt habe ich nicht und
mein Name? Pah, der iſt auch nicht viel mehr wert.
Bei Ihnen hoffte ich Frieden und ein ſtilles Glück zu fin=
den
aber das iſt nun alles verſunken und verſtorben.
Was iſt geſchehen? fragte ſie bebend.
Ich ſagte es Ihnen ſchon, entgegnete er ſchroff. Ich
habe mich Ihnen unwert gezeigt Sie können mich nicht
lieb haben.
O, Herr von Ballhauſen

Apehe

EFETE
Gegeue
Me

[ ][  ][ ]

Zn

Darmſtadter Tagotan, Matwoch, den 6. Apri 1914.

Nummer 35.

Dreiswerte Famten Rohfentiot
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auf den Kaffeetiſch zu bringen. Sie wird ſtets Ehre mit ihrem Kuchen
einlegen, wenn ſie dazu das echte Dr. Oetker’s Backpulver Backin verwendet.
(Der Name Backin iſt geſetzlich für Dr. Oetker’s Fabrikate geſchützt und darf
nicht nachgemacht werden.)
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Zutaten: 250 g Butter, 200 g Zucker, 7 Eier, das
Weiße zu Schnee geſchlagen, 500 g Weizenmehl, 1 Päckchen
von Dr. Oetker’s Backin, 100 g Korinthen, 100 g
Roſinen, 50 g Sukkade, das abgeriebene Gelbe einer
halben Zitrone, ½ bis ¼ Liter Milch.
Zubereitung: Die Butter rühre ſchaumiga, gib
Zucker, Eigelb, Milch, Mehl, dieſes mit dem Backin ge=
miſcht
, hinzu, und zuletzt die Korinthen und Roſinen, die
Selkkade, das Zitronengelb und den Eierſchnee. Fülle die
Maſſe in die gefettete und mit Mandeln ausgeſtreute
Form und backe den Kuchen in rund 1½ Stunden.
Anmerkung. Man gibt zu dem Teig ſo viel Milch, daß er dick vom
Löffel fließt.

e ee e er r en
Stimme. Sie ſchlug ihre Hände vor das Geſicht, wie um
ihr heißes Erröten zu verbergen. In heftiger Erregung
wogte ihre Bruſt auf und ab.
Eva, ich hatte Sie ſo lieb, ſprach er weich, können Sie
mir verzeihen?
Was habe ich Ihnen zu verzeihen? O, Herr von Ball=
hauſen
, treiben Sie keinen leichtfertigen Scherz mit mir!
Sie wiſſen nicht, wie weh das tut!
Ich ſollte Ihnen weh tun? Ich ſollte einen leichten
Scherz mit Ihnen treiben, Eva? Ich ſchwöre Dir, Mäd=
chen
, daß ich Dich liebe daß ich niemals daran gedacht
habe, mit Dir zu ſcherzen, daß ich der glücklichſte Menſch
würde, wenn Du mich ein wenig lieb haben könnteſt!
Er hatte ihre beiden Hände ergriffen und ſah ihr tief in
die Augen.
Haſt Du mich lieb, Eva? fragte er. Willſt Du meine,
liebe, kleine, ſüße Braut ſein?
Und da nickte ſie ſelig unter Tränen lächelnd zu ihm
auf und ſank in ſeine Arme. Ihre Lippen fanden ſich zu
einem innigen Kuß.
Nun bin ich gerettet! jubelte er auf.
Verwirrt, errötend entwand ſie ſich ſeinen Armen.
Mein Gott, flüſterte ſie, was habe ich getan!
Etwas Liebes und Gutes, meine Eva, ſprach er lachend.
Du haſt mich zu einem glücklichen Menſchen gemacht, der
wieder froh in die Zukunft ſehen kann. Sieh, ehe Du
eintrateſt, da war ich ganz verzweifelt. Die letzte Nacht,
wo ich mich ſelbſt vergeſſen, hatte mir gezeigt, welch

e tete er e er e e
Halt in meinem einſamen Leben ich war ſtolz darauf,
daß ich in jenen Kreis von vornehmen Lebemännern auf=
genommen
wurde ich ſah nicht die Gefahr, welche unter
der glänzenden Oberfläche lauert, und ich unterlag der
Verſuchung. Jetzt, wo ich Deine Liebe habe, da habe ich
einen Halt gewonnen, der mich aufrecht erhalten wird, der
mich vor allen Gefahren ſchützen wird. Du haſt mich lieb
und alles iſt gewonnen!
Sie lächelte ſanft und ſtreichelte ſeine Hand. Was
kann Dir meine Liebe bieten? Ich bin ein einfaches Bür=
germädchen
Du ein Baron wie ſollen wir da zu=
ſammenkommen
?
Das laß meine Sorge ſein, mein Liebling, entgegnete
er froh. Ich werde arbeiten, daß ich mir raſch eine Stel=
lung
erringe, und dann wirſt Du meine kleine, liebe Frau,
und wir leben ein glückliches, wenn auch beſcheidenes
Leben.
Sie ſchüttelte leicht den Kopf.
Ich kann noch nicht an dieſes Glück glauben
Du ſollſt daran glauben! Du ſollſt Vertrauen zu mir
haben. Noch heute ſpreche ich mit Deinen Eltern.
Da ſah ſie ernſt zu ihm empor.
Nein, Hans, ſagte ſie. Sprich noch nicht mit meinen
Eltern. Meine Mutter iſt eine ſtrenge, etwas mißtrauiſche
Natur ſie würde nicht an unſere Liebe glauben. Und
Vater er iſt lebhaft und gutmütig er würde ſich wohl
freuen, aber er würde ſehr ſtolz ſein und es allen Leuten
erzählen. Nein, ſprich noch nicht mit meinen Eltern. Ich

e ene e e e et
ſo gut ich es vermag. Und wenn es dann ſoweit iſt, dann
tritt vor meine Eltern und ſage ihnen, daß wir uns lieb
haben.
Und bis dahin ſoll ich Dir fremd gegenüberſtehen?
Soll Dich nicht in meine Arme ſchließen, Deine Lippen
nicht küſſen dürfen?
Sie errötete heiß und ſchlug in reizender Verwirrung
die Augen nieder.
Wir werden uns allein ſehen können. . .. flüſterte ſie,
Aufjubelnd zog er ſie in die Arme und küßte ſie im=
mer
wieder auf den roten Mund, bis ſie ihn ſanft von
ſich ſchob.
Genug, genug, Liebſter, ſprach ſie lachend. Du darfſt
nicht ſo wild ſein ſonſt fürchte ich mich.
Wir haben uns doch lieb
Ja, Hans und ich habe auch Vertrauen zu Dir,
daß Du mich als Deine künftige Frau achteſt.
Ja ja . ..
Dann will ich mit Dir auch einmal abends aus=
gehen
, ſagte ſie lächelnd, wenn Du ganz artig biſt, und
nun leb wohl .
Noch einen Kuß, Eva!
Sie warf ſich noch einmal in ſeine Arme, dann riß
ſie ſich los und floh davon.
Tief und glückſelig antmete Hans auf. Die böſe Nacht
war vergeſſen.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

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Der Kartenverkauf für die Son=
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wie
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Tagen (mit Ausnahme Karfreitag
und Oſterſonntag) vormittags zu
den üblichen Kaſſeſtunden bis ein=
ſchließlich
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[ ][  ][ ]

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Nummer 98.

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[ ][  ][ ]

Nummer 98.

Darmſtadter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 25.

Frankfurter Kursbericht vom 7. April 1914.
Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)


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4 91,10
Staffelanleihe.
3½ 87,05
Consols . .
78,15
do. . . . . .
Badische Staats-Anleihe: 4 96.70
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do. v. 92/94 .
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E.-B.-Anl. kdb. ab 1906) 4 97,20
97,20
do. unkdb. p. 1918 .
97,20
do. unkdb. p. 1920 . .
E.-B.- u. Allgem. Anl.
97,40
unkdb. p. 1930 .
3½ 84,70
do. Anleihe . .
3 76,00
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Hamburger Staats-Anl. . 4 97,00
.3½
do. v. 1887/94 .
3' 79,20
do. . . . . . . . . . .
97,40
Hessische Staats-Anleihe
do, unkdb. p. 1921 . . . 4 97,40
3½ 84,00
do. . . . . . . . . . . .
74,60
do. . . . . . . . . . . . .
Sächeische Staats-Rente
77,80
Württembg. Staats-Anl.
98,00
(unkdb. p. 1921).
do. v. 79/80 .
88,25
do. . . . .
76.00
Bulgarische Gid.-Anl.
96,50
Griech. Anl. v. 1890 . . . . 1,6) 55,50
do. v. 1887 Monopol
52,00
Ttalienische Rente . . .
Osterr. Staats-R. v. 1913 . 4
91,75
do. Silber-Rente . .
86,30
do. Papier-Rente . . . 41,
do. Gold-Rente . . . .
86,75
do. einheitl. Rente . .4
82,30
Portug. Tab-Anl. 1891 . .4½ 97.50
do. inn. amort. 1905 . .4½) 74,50
do. unif. Serie I
61,50
do.
III. 3 64,00
do. Spezial Titel. . . .
*960
Zumänen v. 1903 . . . . .
99,90
do. Gold v. 1913.
4½ 91,10
do. Schatzsch. v. 1
4½100,00
do. conv..
4 1 85,00
do. v. 1890
94,00
do. v. 1891
85,75
do. v. 1905
4 85,75
do. v. 1908
4 86,50
do. v. 1910
4 85,10
Russische St.-Anl. v.
½ 98.00
do, kons. v. 1880
4 86,90
do. Gold v. 1890
4
do. v. 1902 .
89,95
Schweden v. 1880. .
do. v. 1885


Schweden v. 1890. . . . . .3½
Serben steuerfrei . . . . .4½ 87,00
78,80
do. amort. v. 1895 .
Türk. Egypt. Tribut . . .
do. kons. Steuerfreie .
do. Admin. v. 1903 . .
76,75
do. unif. v. 1903. .
do. v. 1905. . . . . . . .
Ein
Ungarische Staats-Rente
1913 unkdb. bis 1923 . . 4½ 90,20
Ungar. Staatsk.-Scheine
V. 1913. . . . . . . . . . . . 4½ 99,10
83,75
do. Gold-Rente. . .
do. Staats-Rente 1910 4 81,55
do.
, Kr. 4 81,85
Argent. innere Gold-Anl.
v. 1887 5
5 99,80
do. äußere v. 1890
14½, 9400
do. innere v. 1888
do. äußere v. 1888
4½
do. v. 1897 .
4 81,00
.
Chile Gold-Anl. v. 1911. . 5 93.30
35.00
do. v. 1889 . . .
4½
do. v. 1906 . . . .
.4½ 89, 10
Chines. St.-Anl. v. 1895.
6*
5 100,45
do, V. 1896 . . .
5 88,50
do. Reorg. Anl.
do. v. 1898 .
4½ 90,50
4½ 89,55
Japaner . . . . . . .
64,15
Innere Mexikaner . .
Außere. do. v. 1899) 5 83,60
68,00
Mexikan. Gold v. 1904 .
do. cons. . . .
3 43,00
do, Irrigat.-Anleihe .4½ 69,00
3½ 65,75
Buenos-Aires Prov.
5
Tamaulipas . .
Sao Pauſo E.-B.
5 92,30
do. v. 1913 .
5 96,70
Siam v. 1907. . .
4½ 95,60
Prioritäts-
Obligationen.
Südd. Eisenb.-Gesellsch.
v. 1895/973½ 84,10
v. 19043½
Hess. Eisenb.-Akt.-Ges.
Oblig., gar. v. d. Stadkt
Darmstadt. .
93,95
Nordd. Lloyd-Obligat.
99,00
Donau-Dampfschiff. v. 82
92.40
Elisabethbahn
91,50
Franz-Josef-Bahn. .
86,75
Kaschau-Oderberger:
4 83,80
Prag-Duker
72,50

Osterreich. Staat
89,90
do. . .
do.
74,60
98,00
do. Südbahn (Lomb.)
72,40
do. do.
27/10 50.90
do, do.
77,30
Raab-Oedenburg
8975
Kronprinz Rudoifbahn
85,30
Russ. Südwest

2t.
Moskau-Kasan . . . .
41
86,00
do. . . . . . . . . . . ..
8600
wladikawkas. . . .
Rjäsan-Koslow . .
Portugies. Eisenb. v. 1886
85,80
do. . . . ..
geſpf 60,70
Livorneser . .
Salonique Monastir. .
62,30
Bagdadbahn . . . . . . . . 4 78,50
Anatolische Eisenbahn .4½ 90,10
Missouri-Pacie I.
61,50
do. do. v. 1905 .
495.0
Northern-Pacific . . .
Southern-Pacitie . . . . .
92,70
St. Louis & San Francisco
Tehuantepec . . . .
5 sol
Ungar. Lokalbahn .
Provinz-Anleihen.
96,20
Rheinprov. Obl. Em. 20/21
3½ 86,30
do, Em. 10 .
3 83,25
do. 9. . .
3½
Posen Prov. ..
95,80
Westfalen Prov. V.::
95,50
Hess. Prov. Oberhessen
3½ 85,80
do. Starkenburg . .
Städte-
Obligationen.
94,80
Darmstadt.
3½g 87.70
do. . . . .
4* 95,75
Frankfurt . . . . . . .
88,20
do. . . . . . . . . . . . ..
Gießen
. . . . . . . . . 4
do. . . . . . . . . . . . . .3½ 85,50
Heidelberg . . . . . . . . . . 4
Go. . . . . . . . . . . . . .3½
Karlsruhe . . . . . . . . . . 4 94,80
do. . . . . . . . . . . . . .3½ 87.00
Magdeburg . . . . . . . . . 4
4 94,80
Mainz......
3½1 87,00
do. . . . . . . . . .
4 94,95
Mannheim . .
3½ 85.55
d0. . . .
4 96,50
München .
3½
Nauheim .
4½ 94,75
Nürnberg
3½ 86,50
(0o. . . .
4
Offenbach
4 93,80
do. v. 1914 .
3½ 87,10
do.
4
Wiesbaden.
do.
94,50
Worms .
86,80
do. .
Lissabon v. 188
93,60
Moskau v. 1912
Stockholm v. 1880 .
Wien Komm. .
98,65
Wiener Kassenscheine
Zürich v. 1889 .
Buenos Stadt v. 1892 . . . 6

C
Pfandbriefe.
Berliner Hyp.-Bk.-Pf. . . 4½1100,00
do. unkäb. 1918..
93,00
do.
1910. .::
93,50
do.
1921:
94,25
do. 1922. ..
9550
do. . . . . . . . . . . . . . 3½, 8360
do. Komm.-Obl. unk. 1918
95.00
Frankf. Hyp.-Bk. pr. 1910
95,00
do.
1915 .. . .
9600
do.
1920 . . . . 4 96,50
dc. Ser. 1219. . . . . . 3½ 86,40
Kommunal-Oblig. Ser. 1,
unkdb. 1910 .
.. . . 3½ 86,50
Frankf. Hyp.-Kred.-Ver.
Ser. 1542)
94,00
4849
94.90
do. . .
96,00
do. unk. 1922 52
do. 1913...
3¾/ 88.60
do. Ser. 45 . . .
3½ 86,50
Hess. Land.-Hyp.-Bk. Pf.
Ser. 12, 13, 16
96,90
96.90
14, 15, 17
do. . . . .
97,40
do. unkdb. 1920 . . . .
do.
1923 ..
97,50
do. Ser. 1, 2, 68 . . . . 3½ 84,0
84.30
do. 35 . . . . . .
81,30
do. kündb. 1915 . . . . .
96,90
do. Komm. unk. 1913
965.00
1914
do.
1916
do.
97,10
97,40
1920
do,
1923) 4 97,50
do.
d5. verlosb. u. kündb. 3½ 84.30
unkab. 1915 3½ 84,30
do.
Meininger Hyp.-Bk. Pfdb.
94.50
4 95,50
do. unkdb. 1922. .
.. 3½ . 8600
do. . .
Rheinische Hyp.-Bk. Pfb.
unkdb. 19171
94,00
94,00
1919)
do. . . . . .
1921 4 94,10
do. . . .
96,20
1924
do. ..
3½ 84,60
do.
95,20
do. Komm. unk. 1923 .
96,00
do.
1924
96,40
Südd. Bod.-Kred.-Pfdbr. .
83,00
do. .
Bank-Aktien.
Bank für elektr. Unter-
nehmungen
Zürich .
Berg.-Märkische Bank. . 7½ 152,30
Berliner Handelsges. . .
Darmstädter Bank . . . . 6½ 123,50
Deutsche Bank. . . . . . .12½249,00
Deutsche Vereinsbank. . 6 117,50
Dt. Effekt.- u. Wechs.-Bk. 6 118,00
Disk.-Kommand.-Ant. . . 10 186,80
resdner Bank. .
.8½ 1151,00

M
Frankf. Hypothek.-Bankl 10 212,00
do. do. Kred.-Ver. l8½ (154.90
Mitteldeutsche Kred.-Bk. 6½ 116.90
Nation.-Bank f. Deutschl.
111,50
Pfälzische Bank . . . . . .
(123,00
Reichsbank . .
.. . . . .8.42 /135,50
Rheinische Kredit-Bank.
(127,00
A. Schaaffhaus. Bk.-Ver..
(103.75
Wiener Bank-Verein . . . 8 1131,75
Aktien von Trans-
port
-Anstalten.
Hamb.-Amerika-Packetf. 10 (131,10
115,30
Norddeutscher Lloyd..
Frankfurt. Schleppschiff. 4 (116.00
Südd. Eisenb.-Gesellsch. . 6½ 128,95
Anatol. Eisenb. 60%-Akt. 5½ 115.25
(90.25
Baltimore .
10 207,75
Canada.
14500
Schantung.
8 (158,00
Prinz Henry.
0 2100
Lombarden .
6 1113,00
Pennsylvania . .
Industrie-Aktien.
Badische Anilin-Fabrik . 28 642,50
Ichem. Fabrik Griesheim 14 267.10
Farbwerke Höchst . . . . 30 1636,00
Ver. chem. Fabr. Mannh., 20 (330,00
10 1157,80
Zoment Heidelberg
Chemische Werke Albert 30 1446,00
Holzverkohl. Konstanz . 15 1313,00
Lahmeyer
. . . . . . . 6 (129,20
Schuckert, Nürnberg. . . 8 149,00
12 219,00
Siemens & Halske. . .
Bergmann Elektr. .
123,00
Allg. Elektr. -Gesellsch. 14 (217.10
25 342,90
Hagen Akkum. . .
Deutsch. Übersee-Elektr. 11 (177,80
0 82,00
Gummi Peter . .
,
25 335,75
Adler-Fahrradwerke . .
Maschinenfabr. Badenia. 6 125,00
Wittener Stahlröhron . . 0
Gasmotoren, Oberursel .8½ 159,00
9 122,20
Gasmotoren, Deutz . .
Siemens Glas-Industrie . 15 (236,50
23 318,00
Enzinger Filter . .
10 (146,40
Steaua Romana ..
Zellstoff Waldhof . . . . . 15 1188.50
Bad. Zucker-Waghäusel .12,831220,50
Neue Boden-Aktien-Ges. . O I 81,00
Süddeutsche Immobilien 0 57,50
Bergwerks-Aktien.
Aumetz-Friede .
12 (160,25
Bochum. Bergb. u. Gußst.) 14 (225,25
Leonhard, Braunkohlen . 9 1162,00
Konkordia Bergbau .
23 (9730
Deutsch-Luxemb. Bergb. 10 1131,60
Eschweiler . . . . . .
10 221.50

e
Gelsenkirchen Bergw. . . 11 193,50
Harpen Bergbau. . . . . . 11 183,00
Kaliwerke Aschersleben - 10 148,80
Kaliwerke Westeregeln . 13 204,50
Königin Marienhütte . . 6 81,00
Laurahütte . . . . . . . . 8 15200
Oberschles. Eisenbed. . . 6 84,50
Oberschl. Eisen-Industrie 3 69,00
Phönix Bergbau . . . . . . 18 238,75
Rheinische Braunkohlen 10 22000
Riebeck Montan . . . . . . 12 197,80
South West.-Afr. Shares . 5
Verzinsliche
Anlehenslose. zf.
Badische . . . . . TIr. 100 4
Cöln-Mindener . TIr. 100/3½
Holländ. Komm. . H. 100 3 116,00
Madrider . . . . . Frs. 100 3 7760
Meininger Präm.-Pfdbr. . 4 1141,00
Osterreicher 1860or Lose . 4 1179,50
Oldenburger . . . . TIr. 40 3 128,30
Raab-Grazer . . . . H. 1502½112,30
Unverzinsliche
Mk.
Anlehenslose.
p. St.
Augsburger ..
.A. 7 35,90
Braunschweiger
TIr. 20 /203,00
Mailänder .
Fs. 45
do.
-
Fs. 10
Meininger ..
. A. 7 36,90
Osterreicher v. 1864
H. 100
do. v. 1858 . H. 100
Ungar. Staats .
H. 100 440,00
Venediger .
Fs. 30 74,50
Türkische .
Fs. 400 166,80
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns. .
20,42
20-Franks-Stücke . .
16,28
Amerikanischo Noten .
4,26½
Englische Noten.
20,45
Französische Noten.
81,35
Holländische Noten
169,20
IItalienische Noten
81,10
Osterr.-Ungarische Noter
85,10
Russische Noten . . . .
Schweizer Noten. . . . .
81,21
Reichsbank-Diskont . .
do. Lombard Zsf..
Tendenzt
Schwächer,

Handel und verkehr.

Frankfurt a. M., 7. April. (Börſe.) Die
politiſche Beunruhigung auf dem Balkan und die bevor=
Aſehenden Feiertage ließen auch an der heutigen Börſe
ene freundlichere Stimmung nicht aufkommen und die
Kurſe bröckelten bei kleinem Geſchäft faſt auf der ganzen
Linie ab. Die Worte des Herrn Kirdorf in der geſtrigen
Eeneralverſammlung der Gelſenkirchener Bergwerksgeſell=
Aſchaft lenkten erneut die Aufmerkſamkeit der Spekulation
euf die beſtehenden Widerſtände in den Verbandsfragen
Dund ließen die ſchon vorhandene Geſchäftsunluſt noch
ſchärfer hervortreten. Im Verlauf trat eine weſentliche
Aenderung der Stimmung nicht ein. Die Schlußkurſe
liegen etwa ½ bis ½ Prozent unter dem geſtrigen Kurs=
Aniveau. Der Kaſſamarkt war ſtill. Höher notierten heute
Au. a. chemiſche Werte, z. B. Anilin 3½ Prozent, Scheide=
anſtalt
2 Prozent, ferner Buntpapier 2 Prozent, Ulrich
2½ Prozent, Berlin=Frankfurter Gummi 3 Prozent; nied=
trger
notierten u. a. Höchſter Farbwerke 4½ Prozent,
Chemiſche Goldſchmidt 2 Prozent, Kleyer 1½ Prozent,
Neue Boden 4½ Prozent, Süddeutſche Immobilien 2
Prozent. Auf den 3proz. Dividendenrückgang erlitten
Vellſtoff Waldhof einen Kursſturz von 31½ Prozent. Der
Geldmarkt iſt weiter ſehr flüſſig. Tendenz ſchwächer.
* Berlin, 6. April. In der heutigen Aufſichts=
lratsſitzung
der C. Lorenz Aktien= Geſell=
ſchaft
. Telephon= und Telegraphenwerke in Berlin,
Awurde beſchloſſen, der Generalverſammlung eine Divi=
dende
von 20 Prozent und aus den Erträgniſſen der Ge=
ſchäftsverbindung
mit der Hochfrequenz=Maſchinen=A.=G.
für drahtloſe Telegraphie einen Bonus von 5 Prozent vor=
zuſchlagen
. Das Erträgnis für das Jahr 1913 ſtellt ſich
einſchließlich 56 645 Mark Vortrag (36 125 Mk.) auf 927808
Mark (648674 Mk.). Von dem nach Berückſichtigung der
Abſchreibungen in Höhe von 335338 Mark (254 420 Mk.)
verbleibenden Nettoerträgnis von 592 469 Mark (394 253
Mark) ſollen dem Reſervefonds II 60000 Mark (40000
Mark) der Talonſteuerreſerve 8000 Mark (2000 Mark)
zugewieſen werden und danach 20 Prozent Dividende gleich
280000 Mark (20 Prozent gleich 280000 Mark) und ein
5prozentiger Bonus gleich 70000 Mark () zur Vertei=
Alung gelangen. Nach Berückſichtigung der Aufſichtsrats=
tantieme
von 24709 Mark (15607 Mark) ſollen 149760 Mk.
(56 645 Mk.) auf neue Rechnung vorgetragen werden.
* Berlin, 6. April. Nach der Telephonverbindung
mit Mailand iſt jetzt auch der Fernſprechverkehr
Rom-Berlin eröffnet worden. Ferner kann jetzt mit
Aneun italieniſchen Provinzſtädten von Berlin telephoniſch
verkehrt werden. Dieſes erfreuliche Ergebnis konnte, wie
der Berliner Lokalanzeiger mitteilt, erzielt werden, da die
Sprechverbindung zwiſchen Berlin und Mailand eine aus=
gezeichnete
Verſtändigung ermöglichte. Die Provinzſtädte
außer Mailand ſind Bologna, Brescia, Genua, Pavia,
Venedig, Bergamo, Novara und Turin. Die Leitung zwi=
ſchen
Berlin und Rom ſtellt die größte Sprechverbindung
dar, die von Berlin aus zur Verfügung ſteht; ſie iſt 2015
Kilometer lang. Die neue Verbindung hat den Vorzug
einer gewiſſen Billigkeit: ein gewöhnliches Geſpräch bis
zur Dauer von 3 Minuten koſtet 5 Mark, mit Marſeille
6,50 Mark. Ein Geſpräch zwiſchen Berlin und Bologna,
Prescia, Genua, Pavia und Venedig koſtet 4,50 Mark; ein
Geſpräch mit Bergamo, Novara und Turin ebenſo wie mit
Mailand je 4 Mark.
* Die Deutſchen Staatsbahnen haben zur
Förderung des Reiſeverkehrs am 14. März d. J. in Lon=
don
, Pall Mall 125, eine amtliche Auskunfts=
ſtelle
errichtet, der die mündliche und ſchriftliche Aus=

kunfterteilung über alle Verkehrs=, Unterkunfts= und
Lebensverhältniſſe in Deutſchland obliegt. Mit der Lei=
tung
der Auskunftsſtelle iſt der bisherige Direktor des Ver=
bandes
deutſcher Oſtſeebäder in Berlin, Herr Mann, be=
traut
worden, dem zur Auskunftserteilung zwei ſprach=
kundige
Verkehrsbeamte zugeteilt worden ſind. Die Auf=
ſicht
über die Auskunftſtelle übt die Königliche Eiſenbahn=
direktion
Köln aus.

Landwirtſchaftliches.

H. Frankfurt a. M., 7. April. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Die bevorſtehenden Oſterfeiertage übten be=
reits
heute ihren Einfluß auf den Verkehr aus, der ein
ſehr ruhiger blieb. Die Mühlen kauften nur mäßige
Quantitäten und auch ſonſt fehlte jede Anregung; aber
das ſchöne Wetter bringt doch mehr Ware an den Markt,
und feiner Landweizen und Hafer in guten Sorten waren
knapper vorhanden. Die Forderungen für Mehl und
Futtermittel ſind unverändert.
Der Mannheimer Getreidemarkt zeigt keine
Preisänderung. An der Berliner Produkten=
börſe
war Getreide anfangs billiger erhältlich auf den
ziemlich günſtigen Saatenſtandsbericht Preußens und
Realiſationen per Mai, dann aber wieder feſter auf das
kleine Inlandsangebot und vereinzelte Käufe für auswär=
tige
Rechnung. Hafer hielt ſich feſt auf den Regen, der
die Ausſaat ſtört. Nach den letzten Kabelnachrichten
von den amerikaniſchen Getreidemärkten
(Neu=York und Chikago) war Weizen bei Eröffnung in
ſchwächerer Haltung unter dem Einfluß des à la baisse
lautenden Wochenausweiſes der Weltverſchiffungen, gün=
ſtiges
Wetter und gute Saatenſtandsberichte im Südweſten
der Vereinigten Staaten und den baiſſelautenden Saaten=
bericht
des Staates Miſſouri. Die Preiseinbußen ſind bei
Schluß etwa ¾ Prozent. Mais iſt hingegen durchweg
feſt auf beſſere Lokonachfrage und das ſehr geringe erſt=
händige
Angebot. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort
in dieſer Woche von 56,75 Millionen Buſhels auf 55,15
Millionen Buſhels und die Maisvorräte von 19,75 Mil=
lionen
Buſhels auf 1881 Millionen Buſhels zurückgegan=
gen
, während die Weizenvorräte in Kanada von 20,64
Millionen Buſhels auf 21,36 Millionen Buſhels ſtiegen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 20,7020,75, Nord=
deutſcher
20,7020,80, Kurheſſiſcher 20,7520,85, Rumä=
niſcher
22,2523, La Plata 22,5022,75, Ruſſiſcher 22.25
bis 23. Kanſas 22,5023, Manitoba 22,5023, Redwin=
ter
22,5023, Walla Walla 22,5022,75; Roggen, hieſi=
ger
16,2516,35, Bayeriſcher 16,3516,40, Ruſſiſcher ,
Amerikaniſcher , Rumäniſcher ; Gerſte, Pfälzer
17,2518, hieſige und Wetterauer 1717,50, Fränkiſche
17,5018,25, Ungariſche , Riedgerſte 17,2517,75;
Hafer hieſiger 16,5017, Bayeriſcher 16,6017. Ruſſi=
ſcher
1717.75, Amerikaniſcher 1717,50, Rumäniſcher 17
bis 17,75; Mais mired 1515,10, Ruſſiſcher 15,1015,30,
Donaumais 14,9015.20, Rumäniſcher 15,2015.25, La
Plata 1515,25, weißer Mais 1515,20, Weizenſchalen
10,7511. Weizenkleie 10,2510,50, Roggenkleie 1010,50,
Futtermehl 1314, Biertreber, getrocknet, 12.7513, Futter=
gerſte
13.2513,75; Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mann=
heim
), Nr. O: 30,7531, feinere Marken 3131,25, Nr. 1:
29,5029,75, feinere Marken 3030,25, Nr. 2: 2828,50,
feinere Marken 28,7529, Nr. 3: 26,5026,75, feinere Mar=
ken
2727,25, Nr. 4: 22.5022,75, feinere Marken 2323,25,
Roggenmehl. hieſiges, Nr. O: 24,7525, Nr. 1: 22,2522,75,
Nr. 2: 2020,25.

Getreidewochendericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 31. März bis 6. April.
Der Getreidemarkt hatte in der verfloſſenen Woche
keinen einheitlichen Charakter, ſondern war, wie die Wit=
terung
ſelbſt, erheblichen Schwankungen unterworfen. Es
zeigte ſich dabei noch mehr als zuvor, einen wie großen
Einfluß die Ausſichten für die neue Ernte nach dem Stande
der Saaten auf die Preisbewegung auszuüben beginnen.
Die Nachrichten über die Winterſaaten lauteten ſowohl im
Auslande als im Inlande im allgemeinen günſtig,wenn
auch in Deutſchland die nach kurzer Unterbrechung wieder.
eingetretene naſſe und kühle Witterung hin und wieder=
einige
Beſorgnis über die Weiterentwickelung der Winter=
ſaaten
und über eine rechtzeitige Beſtellung der Sommer=
ſaaten
erweckt hat. Befeſtigend wirkten neben der nach wie
vor geringen Ausfuhr Argentiniens die kleineren Verſchif=
fungen
aus den Vereinigten Staaten und aus Rußland.
Auf dem Wleizenmarkte wirkte die niedrige Bewertung
der Einfuhrſcheine auch in dieſer Woche verſtimmend. Für
den Oſten Deutſchlands war es günſtig, daß die Roggen=
ausfuhr
nach Rußland eine ſtarke geblieben war, da man
weiter beſtrebt war, vor der Einführung der Getreidezölle
in Rußland noch möglichſt viel über die Grenze zu brin=
gen
. Roggen lag deshalb an einigen Tagen feſt, doch
wurde er ſchließlich von der flauen Weizenſtimmung be=
einflußt
. Das Endergebnis iſt daß am Schluſſe der Be=
richtswoche
ſowohl der Preis für greifbare Ware, als auch
für ſpätere Sichten den Stand der letzten Woche nicht mehr
aufrecht erhalten konnten. Der Maitermin an der Berliner
Produktenbörſe begann für Weizen mit 198,50 und ſchloß
mit 196,25 und Mai=Roggen begann mit 162,25 und ſchloß
mit 159,25 Mark. Aehnlich, wenn auch weniger nachgiebig,
erging es dem Hafer. Demgegenüber bot der Julitermin
eine beſſere Stütze, wenn er auch den Stand der vorigen
Woche nicht ganz behaupten konnte. Auch Gerſte und Mais
ſchloſſen im allgemeinen etwas matter. Es ſtellten ſich die
Preiſe für inländiſches Getreide am letzten Markttage
gegenüber der Vorwoche wie folgt:

Weizen
Roggen Hafer
154½(-3½) 156 (4
Königsberg. . 183 (3
191 (*2 ) 154
157 (4:
Danzig
183 (7
152
147
Stettin
189
150
150
Poſen
144
181
148
Breslau.
156 (-
)179
Berlin
191
152 (
165(
180
Magdeburg
157
191
170
Halle .
162
159 (*1
188
Leipzig
196 (*1
154 (*1 ) 161
Dresden
183
Roſtock
152 (*2 ) 148
157 ( ) 162
197
Hamburg
155 (*1 ) 164
186
Hannover
159 (*3 ) 178
Düſſeldorf
198
160 (*4 ) 169
Köln
197½ (-
175
164
Frankfurt a. M. 205
165
182½(
Mannheim . . 207½
175
172½
Straßburg . . 207½
162 ( ) 166
200
München

Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Mai 196,25 ( 2
Peſt April 214,85 (3,55), Liverpool Mai 162 ( 1,15),
Chikago Mai 141 ( 2,60), Roggen: Berlin Mai 159,25
(3), Hafer Berlin Mai , Futtergerſte Südruſſ. frei
Hamburg unverzollt ſchwim. 112,50 (*0,50), März
112 (* 1), Mais Argent. ſchwim. 115 (), AprilMai
103,50 ( 1), Donau März 108 (), April 105,50 () Mk.

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Seite 24

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

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Nummer 98.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 25.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

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[ ][  ][ ]

Nummer 98.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 8. April 1914.

Seite 31.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt i.

kiffnet an Wochentagen von 912 Uhr vorm. und
5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 30. März: Dem Glaſer Wilh. Keidel,
fnkelsgaſſe 17, eine T. Berta. Dem Schloſſer Friedrich
Mahr, Erbacher Straße 17, ein S. Karl Ludwig. Dem
Mtzger Emanuel Blum, Große Ochſengaſſe 19, ein S.
Plter Julius. Am 1. April: dem Kaminfeger Konrad
Aßlenk, Lichtenbergſtr. 78, ein S. Georg Chriſtoph. Am
März: dem Fuhrmann Konrad Seibel, Lauteſchlä=
ſtraße
48, ein S. Ludwig. Am 2. April: dem Schloſſer
lriſtian Becker, Lindenhofſtraße 7, ein S. Georg. Am
März: dem Bauführer Chriſtian Sames, Kranich=
ſiner
Straße 59/10, eine T. Margarete Eliſabeth. Am
AApril: dem Poſtſchaffner Jakob Lerch, Feldbergſtr. 34,
ide T. Emilie. Am 5.: dem Schuhmacher Leonhard
Straub, Nieder=Ramſtädter Straße 31, eine T. Lina.
m Lokomotivheizer bei der Staatsbahn Phil. Schulz,
ſllaswieſenſtraße 48, eine T. Eliſa Katharina.
Aufgebote. Am 2. April: Hofgartengehilfe Wilhelm
ſtiedrich Karl Märtirer, Mauerſtraße 21, mit Haus=
ndchen
Johanna Heines, Neue Ireneſtraße 19. Am 3.:
pſtbote Georg Pirkl mit Maria Eliſabetha Fleiſch,
hde in Frankfurt a. M. Kaiſerl. deutſcher Konſul Lud=
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Franz Hugo Graf v. Spee in Belgrad mit Maria
Lagdalena Franziska Wilhelmine Gräfin v. Oriola,
Aitwe, in München. Eiſenbahnwerkſtättenarbeiter Hein=
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Gunkel mit Anna Becker, beide Kahlertſtraße 43.
brikarbeiter Adam Möſer, Große Kaplaneigaſſe 36,
ſt Anna Margarethe Dörner, Schloßgaſſe 29. Am 4.:
Lchhalter Auguſt Müßig mit Eliſabetha Bätz, beide
Mannheim. Kaiſerl. Bankbuchhalter Paul Schnur,
Fesſtraße 73, mit Ottilie Mathilde Wolf, Liebigſtr. 49.
n 6.: prakt. Arzt Dr. med. Karl Ludwig Schneider,
Aenckſtraße 10, mit Hedwig Magdalena Bräunlich in
Alsnitz (Vogtland). Hilfsſchaffner Phil. Dyroff, Kah=
Etſtraße 11, mit Marie Breitwieſer in Langſtadt. Ober=
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Roth, Kahlertſtraße 37. Buchdrucker Valentin Duſſel,
Liſenſtraße 36, mit Kathar. Schmunk, ebenda. Metzger
bnrad Hartmann, Heinheimerſtraße 90, mit Verkäuferin
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Ehefrau des Tagl., 66 J., ev., Karlſtraße 36. Daniel
Krumb, Taglöhner, 81 J., ev., aus Dornheim, hier Gra=
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folzſtraße 15. Dr. Wilhelm Bauder, Profeſſor, Ober=
hrer
a. D., 61 J., ev., Wienersſtraße 56. Hedwig Auguſte
lma Müller, T. des Polſterers und Dekorateurs, 7 M.,
bergaſſe 40. Am 3.: Heinrich Reining, Invalide, 79 J.,

ev., Große Kaplaneigaſſe 37. Anna Marg. Judith geb.
Hönig, Witwe des Straßenwärters, 81 J., ev., Frankfurter
Straße 35. Emma Salg, T. des Tagl., 2 J., ev., aus
Pfungſtadt, hier Erbacher Straße 25. Am 4.: Johanna
Kolb geb. Wegebauer, Witwe des Landwirts, 59 J., ev.,
aus Goddelau, hier Dieburgerſtraße 21.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden
Gründonnerstag, den 9. April 1914
Hofkirche: Vorm. um 10 Uhr: Beichte für die heil.
Kommunion am Gründonnerstag abend und Karfreitag
vormittags. Abenbs um 6 Uhr: Feier des heiligen
Abendmahls.
Stadtkapelle: Nachm. um 6 Uhr: Pfarrer Beringer.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Nachm. um 4½ Uhr:
Heil. Abendmahl für Familien mit vorangehender Beichte.
Johanneskirche: Abends um 8 Uhr: Abendmahls=
feier
. Pfarrer Dingeldey.
Martinskirche: Abends um 8 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. Anmeldung
von ½8 an in der Sakriſtei.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Lenz. Nachm. um 3 Uhr: Paſſions=
andacht
mit anſchließender Beichte.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Abends um 8 Uhr:
7. Paſſionsgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lic. Adolph.
Feier des heil. Abendmahls mit vorangehender Beichte.
Anmeldungen von ½8 Uhr ab in der Sakriſtei.
Pauluskirche: Abends um 6 Uhr: Abendmahls=
gottesdienſt
mit Einzelkelch. Anmeldung von ½ 6 Uhr
an. Pfarrer Rückert.
Karfreitag, den 10. April 1914
Hofkirche: Vorm. um 9 Uhr: Feier des hl. Abend=
mahls
. Vormittags um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Nachm. um 3 Uhr: 8. Paſſionsandacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Velte.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. Kollekte
für die Reformationskirche. Vorm. um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer Velte. Nachmittags um
4 Uhr: Pfarrer Vogel. Feier des hl. Abendmahls mit
Vorbereitung. Kollekte für die Reformationskirche.
Stadtkapelle: Vorm um 10 Uhr: Pfarrer Zimmer=
mann
. Kollekte für die Reformationskirche. Vorm. um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 8 Uhr.
Johanneskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Dingeldey (mit Abendmahl). Vorm. um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. Abends um 5 Uhr: Abendmahls=
feier
. Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
Widmann. Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung.
Anmeldung von 9¼ Uhr an in der Sakriſtei. Nachm.
um 2 Uhr: Kindergottesdienſt für den Oſt bezirk. Pfarrer
Widmann. Abends um ½ 6 Uhr: Liturgiſche Feier
des Kirchengeſangvereins. Kollekte für die Chorſchule.
Abends um 8 Uhr: Pfarraſſiſtent Lindenſtruth. Feier
des heil. Abendmahls mit Vorbereitung. Anmeldung von
7¼ Uhr an in der Sakriſtei und im Martinsſtift.
Pfründnerhans: Vormittags um 10 Uhr: Pfarr=
aſſiſtent
Lindenſtruth.
Herberge zur Heimat: Vorm. um 9 Uhr: Pfarrer
Memmert.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
mit Abendmahl. Pfarrer Hickel. Nachm. um
3 Uhr: Paſſionsandacht.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Kollekte für die
Chorſchule. Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Wagner.
Feier des heil. Abendmahls mit vorangehender Beichte.
Anmeldungen von ½10 ab in der Sakriſtei. Abends
um 5 Uhr: 8. Paſſionsgottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lic.
Adolph.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Rückert.
Feier des hl. Abendmahls. Anmeldung von ½10 Uhr

an. Abends um 5 Uhr: Liturgiſcher Gottesdienſt.
Pfarraſſiſtent Sann. Kollekte für die Chorſchule.
Karſamstag, den 11. April 1914
Hoſkirche: Abends um 6 Uhr: 9. Paſſionsandacht.
Eliſabethenſtift: Nachmittags um 3 Uhr: Paſſions=
andacht
mit Beichte.

Katholiſche Gemeinden

Gründonnerstag, den 9. April 1914
St. Ludwigskirche: Mittwoch, den 8. April, nachm.
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil.
Beichte. Abends um 8 Uhr: Predigt und Paſſions=
andacht
.
Donnerstag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit
zur heil. Beichte. Um 6 Uhr und von da an halbſtünd=
lich
Austeilung der heil. Kommunion. Um 9 Uhr:
Hochamt und darauf Ausſetzung des allerheiligſten
Sakramentes. Abends um 8 Uhr: Predigt und darauf
Paſſionsandacht.
Kapelle der Barmherzigen Schweſtern: Donnerstag, vor=
mittagsum
½7 Uhr: heil. Meſſe.
St. Eliſabethenkirche: Mittwoch, den 8. April, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Donnerstag, vorm. von 6½ Uhr an: Gelegenheit
zur heil. Beichte. Um 8 Uhr: Hochamt und Austeilung
der heil. Kommunion. Nachm. um 5 Uhr: Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Mittwoch, den
8. April, nachm. um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Ge=
legenheit
zur heil. Beichte.
Donnerstag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um 7 Uhr: Austeilung der hl. Kom=
munion
. Um 8 Uhr: Amt mit hl. Kommunion.
Nachm. um 6 Uhr: Leidensandacht. Während des
Tages ſtille Anbetung des Allerheiligſten.
Karfreitag, den 10. April 1914
Kollekte für das hl. Grab
St. Ludwigskirche: Vormittags um 7 Uhr: Ausſetzung
des allerheiligſten Sakramentes. Um 9 Uhr: Hoch=
amt
und lateiniſche Paſſion nach Johannes; Enthüllung
und Verehrung des hl. Kreuzes; Missa praesanctifi-
catorum
. Nachm. um 6 Uhr: Predigt und darauf
Paſſionsandacht, wobei die ſieben letzten Worte Jeſu
nach H. F. Müller geſungen werden.
St. Eliſabethenkirche: Vorm. um 8 Uhr: Gottesdienſt
und Predigt eines Ordensmannes. Nachm. um 5 Uhr:
Andacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Vormittags um
8 Uhr: Leidenszeremonien. Nachm. um 6 Uhr: Leidens=
andacht
. Während des Tages ſtille Anbetung des
Allerheiligſten.
Karſamstag, den 11. April 1914
Kollekte für das hl. Land
St. Ludwigskirche: Vorm. um 8 Uhr: Weihe des
Feuers, der Oſterkerze und des Taufwaſſers. Um
9 Uhr: Hochamt.
St. Eliſabethenkirche: Vormittags um 7 Uhr: Amt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Vorm. um 7 Uhr:
Heil. Weihen. Um 8 Uhr: Auferſtehungsamt.
The Church of England Serviee in the
Hofkirche
Passion Week
Wednesday 4,30 p. m. Thursday 4,30 p. m. Good
Friday 11,30 a. m. Saturday 4,30 p. m.
Easter-Sunday
8 a. m.: Celebration of the Holy Communion.
12 p. m.: Mattins followed by celebration of the Holy
Communion.
6 p. m.: Evensong.
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