Darmstädter Tagblatt 1914


Nr. 44., Freitag, den 13. Februar.

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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung
des Etats des Reichsamts des Innern fort.
Beim Feſteſſen des Deutſchen Landwirtſchafts=
rates
hielt der Reichskanzler eine bedeutungs=
volle
politiſche Anſprache.
Der Prinz zu Wied iſt in der Nacht zum Donners=
tag
von Rom nach Wien abgereiſt.
Die ſchwediſche Studentenſchaft veranſtaltete
am Mittwoch vor dem König einen Huldigungs=
zug
. Der König hielt eine Anſprache an die Studenten,
Der König von Montenegro eröffnete geſtern die
Skupſchtina mit einer Thronrede.
Sſſad Paſcha und 14 albaniſche Delegierte ſind geſtern
morgen abgereiſt, um ſich nach Poks dam zu be=
geben
und dem Prinzen zu Wied die Krone Al=
baniens
anzubieten.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8 und 9.

Deutſch=Oſtafrika.

Der bisherige Gouverneur unſerer oſtafrikaniſchen
ſKolonie, Freiherr v. Rechenberg, iſt, wie gemeldet,
hrunmehr in den Ruheſtand verſetzt worden, nachdem er be=
ſneits
ſeit faſt zwei Jahren keinen Dienſt mehr tat. Mit
ihm ſcheidet einer unſerer beſten Kolonialbeamten aus dem
Oienſt, wenngleich es auch an ſcharfen Angriffen auf ihn
aus verſchiedenen Lagern nicht gefehlt hat. Zweifellos
tiuß anerkannt werden, daß während ſeiner ſechsjährigen
Verwaltung unſere Kolonie ſich kräftig weiter entwickelt
ſieat. Der Außenhandel von Deutſch=Oſtafrika hat
ſſech in dieſer Zeit verdoppelt, die Ein= und Ausfuhrwerte
ſſund von 36 Millionen auf nicht weniger als 82 Millionen
Mark geſtiegen. Noch bedeutender haben die eigenen Ein=
nahmen
des Schutzgebietes zugenommen; ſie haben ſich
vervierfacht, indem ſie ſich von 4 auf 17 Millionen erhöh=
ſten
. Ebenſo iſt der Zuſchuß des Reiches, der früher einen
beträchtlichen Teil der allgemeinen Verwaltungskoſten
deecken mußte, auf ziemlich die Hälfte heruntergegangen;
er wird nur noch zur Beſtreitung des militäriſchen Schutzes
t erwendet. Auch hinſichtlich des Eiſenbahnbaues hat man
während ſeiner Amtsführung in Oſtafrika weſentliche
Fortſchritte gemacht. Im Jahre 1906 verfügte man dort
Anur über 330 Kilometer Bahn, während das Netz jetzt
eine Ausdehnung von 1600 Kilometern angenommen hat.
Gerade in dieſen Tagen iſt man mit der Gleisſpitze der
Tanganjikabahn bis zum See vorgedrungen. Es muß
bei dieſer Gelegenheit hervorgehoben werden, daß gerade
dem tatkräftigen Eintreten des Gouverneurs und ſeiner
gutten Finanzpolitik dieſes bedeutſame Werk zu danken iſt.
Durch die Finanzpolitik Rechenbergs iſt man in Oſt=
effrika
ſogar in der Lage, aus Mitteln des Schutzgebietes
ſſelbſt neue Bahnſtrecken zu bauen in einer Geſamtlänge
von 570 Kilometern. Als Herr von Rechenberg ſein Amt
amtrat, waren die Verhältniſſe in der Kolonie wenig gün=
fſüg
. Nach eben beendetem Aufſtande waren die Erwerbs=
kräfte
des Landes erheblich geſchwächt, und Seuchen unter
Menſchen und Vieh traten hinzu, die Lage zu verſchlech=
Utern. Da ſetzte die Tätigkeit Rechenbergs ein, und wenn
ſeine Maßnahmen auch mehrfach auf Oppoſition ſtießen,
ſo hat er doch, wie oben gezeigt, durch ſein Wirken unſeren
deutſchen Beſitz kräftig gefördert, und das wird auch der
Gegner billigerweiſe zugeben müſſen. Deutſch=Oſtafrika
hat zweifellos noch eine große Zukunft vor ſich, der Grund
iſt hierzu gelegt, und in der Geſchichte dieſes Schutzgebietes
wird der Name Rechenbergs für immer in Ehren ver=
zeichnet
ſein

Eine Rede des Reichskanzlers
im Landwirtſchaftsrat.

* Am Mittwoch abend 6 Uhr fand im Hotel Adlon
zu. Berlin das Feſteſſen des Deutſchen Land=
Apirtſchaftsrates ſtatt. Es nahmen daran u. a.
Attäl: Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der frü=
here
Regent von Braunſchweig, Reichskanzler Dr. von
Bethmann Hollweg, Staatsſekretär des Reichsamts des
Frinern Dr. Delbrück, Handelsminiſter Dr. Sydow, Fi=
Ananzminiſter Dr. Lentze, Landwirtſchaftsminiſter Freiherr
Apen Schorlemer=Lieſer, Staatsſekretär des Reichskolonial=

amts Dr. Solf. Der erſte Redner war der Vorſitzende
des Deutſchen Landwirtſchaftsrats, Präſident des Abge=
ordnetenhauſes
Graf von Schwerin=Löwitz.
Er gab in ſeiner Rede einen Rückblick auf die landwirt=
ſchaftliche
Entwickelung im vergangenen Jahre und zu=
gleich
einen kurzen Ueberblick auf die Lage und Entwicke=
lung
des geſamten Erwerbslebens. Freiherr von Cetto
hielt einen Trinkſpruch auf die Gäſte. Sodann ergriff
Reichskanzler von Bethmann Hollweg das
Wort zu folgender Anſprache:
Ihr verehrter Herr Vorſitzender, Graf von Schwerin=
Löwitz, hat uns von dem gegenwärtigen Stand der
deutſchen Landwirtſchaft ein erfreuliches Bild
gegeben. Wir all, die wir den heimiſchen Boden be=
bauen
, ſind es zufrieden, daß die Zeiten vorüber ſind,
wo die Landwirtſchaft ſcharf um ihren Platz, um die An=
erkennung
ihrer Bedeutung im nationalen Wirtſchaftsleben
Deutſchlands zu kämpfen hatte. Die Beſſerung der Zei=
ten
kann die deutſche Landwirtſchaft um ſo offener aner=
kennen
, als ſie dabei gewiß ſein darf, daß darum die Re=
gierung
in ihrer Fürſorge für die Landwirt=
ſchaft
nicht nachlaſſen wird. Im Gegenteil, der Erfolg
der Maßregeln zur Förderung und zum Gedeihen der
landwirtſchaftlichen Arbeit beſtärkt ſie nur in dem Vorſatz,
auf dem bewährten Weg weiterzuſchreiten. Nun hat uns
aber der Graf von Schwerin=Löwitz über den Kreis der
landwirtſchaftlichen Intereſſen hinausgeführt, auf das
weitere politiſche Feld. Gute Ernte, ernſte
politiſche Zeiten! Das ſcheint mir die Zenſur zu ſein,
die er dem abgelaufenen Jahre ausſtellt. Ich will nicht
die Schwierigkeiten unſerer inneren Zuſtände geringer
darſtellen als ſie ſind. In dieſem, in dem Hauptpunkte,
ſind wir jedenfalls alle einig: das iſt der durch große
Wahlerfolge geſteigerte Hachmut einer
Partei, deren Beſtrebungen darauf hinausgehen, die
Fundamente des Reiches und unſerer Monarchie zu un=
terhöhlen
. Da gibt es kein Paktieren, ſondern den
Kampf. (Beifall.) Ich nehme die entſchiedenen, mu=
tigen
und ſiegesbewußten Worte des Grafen Schwerin
zum Pfande dafür, daß die deutſchen Landwirte
in dieſem Kampfe immer in vorderſter Reihe ſtehen, und
er hat recht, meine Herren, denn mit Mißmut, mit Ver=
droſſenheit
können wir in dieſem Kampfe nicht ſiegen.
Wir leben in einer Zeit der Unluſt an dem Gange der
innerpolitiſchen Geſchäfte Ich will mich in Ihrem Kreiſe
und als ein gern und danibar gekommener Gaſt nicht
ſchärfer ausdrücken. Draußen im Lande ſind mir ja auch
andere Töne entgegengeſchlagen.
In ſolchen Zeitläuften pflegen wir Deutſche uns lei=
der
beſonders liebevoll in unſere eigenen Schwächen zu
vertiefen und ſo hat ſich auch jetzt wieder, ebenſo wie es
bei ſchlechtem Wetter alte Leibesſchäden und auch ſchon
vernarbte Wunden tun, die alte deutſche Na=
tionalſünde
des Partikularismus neu ge=
meldet
Die itio in partes iſt zwar ein altes Inſtitut,
aber es verſagt, wenn der Gegner maskiert daſteht. Mit
ſtaatlicher Abſonderung und Vereinzelung legen wir nur
die Kräfte in unbrauchbare Gegenſätze feſt. Hier, meine
Herren, im Kreiſe des Deutſchen Landwirtſchaftsrats, fra=
gen
wir jedenfalls nicht nach Stamm und Art. Hier ar=
beiten
wir an gemeinſamen Aufgaben in dem Bewußt=
ſein
, damit ſtaatserhaltende Arbeiten für das ganze Reich
zu tun. (Lebhafter Beifall.) In dieſem Kreiſe wird
es dann auch richtig verſtanden werden, wenn ich frage:
Sollen wir gegen die Ausartung demokra=
tiſcher
Einrichtungen, die die Schöpfer des Rei=
ches
in der ausgeſprochenen Abſicht geſchaffen haben, die
partikulariſtiſche Neigung der deutſchen Stämme nieder=
zuhalten
, ſollen wir da Hilfe und Abwehr ſuchen in der
Neubelebung ebenſolcher partikulariſtiſcher Tendenzen?
Erinnern wir uns noch an das, das uns in den letz=
ten
Jahrzehnten auch über die politiſchen Gegenſätze hin=
aus
einig und ſtark gemacht hat und uns auch in der Ge=
genwart
einig und ſtark erhält und erhalten mußz. Das
iſt die Arbeit. in der die Geſamtheit der wirtſchaftlichen
und politiſchen Kräfte der Nation freigeworden iſt, und im
Dienſte jedes heimiſchen Fleißes und weltumſpannender
Unternehmung raſtlos nach immer neuer Betätigung
drängt. Dabei iſt manches alte, manches gute, manches
liebgewordene zerſtört worden in der Haſt und In=
tenſität
unſerer Entwickelung. Ich entſinne mich, es mag
ein Jahrzehnt her ſein, von einem märkiſchen Landwirt
gehört zu haben: Zuckerrüben baue ich nicht, denn es iſt
mit der alten Freude, mit dem alten Behagen des länd=
lichen
Lebens vorbei. Der Mann mag vielleicht mit der
Anſicht über die Intenſität nicht ſo unrecht gehabt haben.
Aber unſer heutiges Leben zwingt uns in andere Bahnen.
Wie viele neue Aufgaben jeder neue Tag jedem Verufe
ſtellt, darüber brauche ich zu Ihnen nicht zu ſprechen. Die
gewaltigen Fortſchritte der deutſchen Landwirtſchaft ſind
ein beredtes Zeugnis dafür. Mit neuen Erfindungen, mit
neuen Entwickelungen und mit neuen Zuſtänden nicht zu
ſpielen, ſondern ſie auszunuben, ſie zu meiſtern, das iſt
unſere täglich neue, ernſtliche Aufgabe. Und der Geiſt
ſolcher Arbeit, der auf allen Gebieten des wiriſchaftlichen
und kulturellen Lebens ſchaffend und neubauend wirkt. der
wird im Zuſammenſchluß aller vom Staatsbewußtſein
getragenen Elemente im ganzen Reiche ſtark genug ſein,
um die Kräfte niederzuhalten, die in der gärenden Ent=
wickelung
unſerer Zeit das Gefüge unſeres ſtaatlichen
Baues nicht feſtigen und beſſern, ſondern lockern und nie=
derreißen
wollen. Präſident Graf von Schwerin=Löwitz
hat gut getan. zu erinnern daß der deutſche Reichstag im
verfloſſenen Jahre in ſtarker Entſchlußkraft die größte al=

ler Wehrvorlagen zum Schutze des Deutſchen Reiches be=
willigt
hat. Und, meine Herren, wenn Sie ſich dem Er=
gebnis
Ihrer eigenen Tätigkeit zuwenden: Ein gut Teil
bleibt Jahr für Jahr den höheren Gewalten vorbehalten.
Was als Ihre eigenſte Leiſtung verbleibt, kann auch Sie
mit ſtolzer Befriedigung erfüllen. Auch hierbei iſt deut=
ſcher
Fleiß, deutſches Wiſſen, auch hierbei die ebenſo friſche
Tüchtigkeit unſeres Volkes. Daß das immer ſo bleiben
möge, das iſt unſer aller Wunſch. Mit einem Hoch auf
die deutſche Landwirtſchaft und ihre Vextretung, den
Deutſchen Landwirtſchaftsrat, ſchloß die Rede.

Deutſches Reich.

Deutſchland und Rußland. Der ruſſiſche
Miniſter des Auswärtigen Saſonow hat ſicherlich nicht
ohne diplomatiſche Einwirkung Deutſchlands die auf=
fallend
unfreundlichen Aeußerungen widerrufen laſſen, die
er nach ruſſiſchen, auf das Stenogramm geſtützten Zei=
tungsberichten
vor dem Haushaltsausſchuß der Duma in
bezug auf die künftige Erneuerung des deutſch=ruſſiſchen
Handelsvertrages getan hat. Mit dem Widerruf jener
Aeußerungen kann der Zwiſchenfall diplomatiſch für er=
ledigt
gelten; er bildet eine Art Gegenſtück zu der Ange=
legenheit
des engliſchen Botſchafters in Wien Cartwright,
die ſeinerzeit im Reichstage vom Staatsſekretär v. Kider=
len
=Waechter in ihrer diplomatiſchen Bedeutung kurz er=
örtert
wurde.
Rechtsabgrenzung zwiſchen Regierung
und Reichstag. Wie die Tägl. Rundſchau erfährt,
iſt man jetzt im Reichsſchatzamt damit beſchäftigt, die
Grundlinien für das neue Reichsbewirtſchaftungsgeſetz zu
ziehen, das dem Vernehmen nach im Jahre 1915 dem
Reichstage vorgelegt werden ſoll. Aehnliche Geſetzentwürfe
haben den Reichstag ſchon wiederholt beſchäftigt, zuletzt
im Jahre 1877. Eine Einigung zwiſchen den verbündeten
Regierungen und dem Reichstage ließ ſich aber damals
nicht herbeiführen, da über eine Reihe grundlegender Ver=
faſſungsfragen
die Anſchauungen weit auseinander=
gingen
. Der Reichstag verlangte jedoch immer wieder
die Vorlage eines neuen Geſetzes, um die Lücken der be=
ſtehenden
Beſtimmungen auszufüllen und die Rechtsgebiete
von Legislative und Exekutive genau abzugrenzen. Das
Nichtzuſtandekommen eines Reichsbewirtſchaftungsgeſetzes
hatte ferner zur Folge, daß immer wieder ein ſogenanntes
Reichskontrollgeſetz notwendig wurde, das zuletzt im
Jahre 1910 auf fünf Jahre bewilligt wurde. Die Be=
willigung
bis zum Jahre 1915 erfolgte in der Voraus=
ſetzung
, daß bis dahin ein Reichsbewirtſchaftungsgeſetz
vorgelegt würde. Das neue Geſetz ſoll in formeller und
materieller Hinſicht eine Reihe der bedeutſamſten ver=
faſſungsrechtlichen
und etatsrechtlichen Fragen zu löſen
verſuchen. Bekanntlich gehen die Anſichten der Regierung
und des Reichstages über die etatsrechtlichen Befugniſſe
des letzteren weit auseinander. Man wird jedenfalls ver=
ſuchen
, eine Einigung auf mittlerer Linie herbeizuführen.
Von großer Bedeutung iſt ferner eine einwandfreie Klar=
ſtellung
des Einnahmen= und Ausgabenbewilligungsrechts
des Reichstags, eine Abgrenzung des dem Reichstage zu=
ſtehenden
Rechts, Etatspoſten zu erhöhen oder herabzu=
ſetzen
, Beſtimmungen über Reichsſchulden und ihre Til=
gung
, Matrikularbeiträge, Grundſätze für die Etatsauf=
ſtellung
, Rechnungslegung und anderes mehr.
Anfragen im Reichstage. Laut Berliner
Lokalanzeiger haben die Abgeordneten Colshorn und Frei=
herr
von Scheele im Reichstage eine Anfrage eingebracht,
wonach die Klagen allgemein ſind, daß in Ausführung
der Reichsverſicherungsordnung auch Eltern, die ſich in
durchaus geſicherten Vermögensverhältniſſen befinden, ge=
zwungen
werden ſollen, ihre in ihren eigenen Betrieben
beſchäftigten ſowie bei ihnen wohnenden Kinder in den
Landkrankenkaſſen zu verſichern. Der Reichskanzler wird
um Antwort erſucht, ob er eine ſolche Interpretation des
Geſetzes für richtig hält.
Das Jeſnitengeſetz. Der nationalliberale
Abgeordnete Dr. Lohmann hat im preußiſchen Abgeord=
netenhauſe
unter dem lebhaften Widerſpruch des Zentrums
an die preußiſche Regierung die Bitte gerichtet, im Bun=
desrat
dafür einzutreten, daß der § 1 des Jeſuitengeſetzes
nicht aufgehoben wird. Wie mitgeteilt wird, iſt ein Vor=
gehen
des Reichskanzlers in dieſer Richtung einſtweilen
nicht zu erwarten. Nichts deutet darauf hin, daß die Je=
ſuitenfrage
in der nächſten Zeit im Bundesrat zum Gegen=
ſtand
von Verhandlungen gemacht werden könnte. Der
die Aufhebung des Jeſuitengeſetzes ſordernde Beſchluß des
Reichstags, der noch ſeiner Erledigung harrt, ruht in den
Ausſchüſſen des Bundesrats. Beſprechungen unter den
verbündeten Regierungen über die Jeſuitenfrage haben in

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Nummer 44.

den letzten Monaten nicht ſtattgefunden. Die gegenteilige,
von verſchiedenen Blättern veröffentlichte Meldung einer
Korreſpondenz war grundlos. Ebenſo grundlos iſt die
vor einiger Zeit verbreitete Meldung, daß Bayern am
8. Dezember, wie behauptet wurde, einen Antrag auf mil=
dere
Auslegung des Jeſuitengeſetzes im Bundesrat geſtellt
hätte.
Die Zabern=Kommiſſion Aus dem
Reichstage wird berichtet, daß die ſogenannte Zabern=
Kommiſſion vorläufig keine Sitzung abhalten wird. Man
will warten, bis der Militäretat in zweiter Leſung im
Plenum beraten wird, wobei Erklärungen des Kriegs=
miniſters
zu dieſer Frage erwartet werden. Es handelt
ſich dabei lediglich um zwei Anträge der Sozialdemokratie
und der Fortſchrittspartei, von denen der erſtere die Auf=
hebung
der Militärgerichtsbarkeit, der letztere einen gan=
zen
Geſetzentwurf über den militäriſchen Waffengebrauck
fordert beziehungsweiſe vorſchlägt. Vorausſichtlich be=
deutet
Herr von Falkenhayn den Antragſtellern, daß dieſe
Dinge noli me tangere darſtellen, weshalb die Regierung
keinen Anlaß hat, an den Verhandlungen der Zabern=
Kommiſſion teilzunehmen.
Die Kapitalien der Sozialverſiche=
rung
. Der Vorſitzende der Landesverſicherungsanſtalt
Berlin, Dr. Freund, hat ſich über die Frage der Kapita=
lien
der Sozialverſicherung zu einem Mitarbeiter des
Berliner Tageblattes ausgeſprochen. Dr. Freund beſtritt,
daß es einen Juliusturm der Sozialverſicherung gebe. Im
einzelnen, erklärte er, werde vorausſichtlich eine Bewe=
gung
, die im Zuge ſei, um die Invalidenbeiträge wie=
der
zu ermäßigen, Erfolg haben. Die angeſtrebte Herab=
ſetzung
der Altersgrenze werde nur durch eine Erhöhung
der Reichszuſchüſſe ermöglicht werden. Eine gewiſſe Kapi=
talgnhäufung
benötige auch die ſtaatliche Verſicherung, um
beisplötzlichen gewaltſamen Attacken, betr. der Kranken=
verſicherung
, etwa einer Influenza=Epidemie, vorbereitet
zu ſein. Für ſolche Fälle ſeien die Reſerven unſerer
Krankenverſicherungen keineswegs hoch. Die Invaliden=
verſicherung
habe und brauche wegen des unbegrenzten
Riſikos beträchtliche Reſerven. Ein Viertel des Ver=
mögens
aller Landesverſicherungsanſtalten ſei nach geſetz=
licher
Vorſchrift in Reichs= und Staatsanleihen, ein an=
derer
Teil in mündelſicheren Hypotheken angelegt. Von
dem Ende 1912 rund 1,5 Milliarden Mark betragenden
Reinvermögen aller Landesverſicherungen im Reich ſeien
1,049 Milliarden als Darlehen für gemeinnützige Zwecke
(u. a. 418 Millionen Mark für den Bau von Arbeiterwoh=
nungen
) hergegeben worden. Der Zinsfuß der Darlehen
habe3½ Prozent nicht überſchritten. 68 Millionen ſeien
für eigene gemeinnützige Veranſtaltungen, Krankenhäuſer,
Invalidenheime uſw. aufgewendet.
Die neue Beſoldungsnovelle und der
Geſetzentwurf über die Aufbeſſerung der Altpenſionäre
werden in der nächſten Zeit an den Bundesrat gelangen
und Anfang März dem Reichstag vorgelegt werden. Es
handelt ſich um eine neue Belaſtung der Reichsfinanzen
in der Höhe von mehreren Millionen, für die unter allen
Umſtänden Deckung gefunden werden muß. Wie verlautet,
wird das Reichsſchatzamt den verbündeten Regierungen
vorſchlagen, die zu erwartenden Einnahmen aus dem
Buchmacherkonzeſſionierungsgeſetz, das ebenfalls in kur=
zer
Zeit an die geſetzgebenden Körperſchaften gelangen
wird, zur Deckung des Mehrbedarfs zu verwenden.
Gegen die Unſittlichkeit in Groß=
ſtädten
. Die Abgeordneten Freiherr von Schenck zu
Schweinsberg (konſ.), Vorſter (freikonſ.), Dr. Dittrich=
Braunsberg (Ztr.), Dr. Schröder=Kaſſel (natl.) und Ge=
noſſen
haben im preußiſchen Abgeordnetenhauſe folgenden
Antrag eingebracht:
Das Abgeordnetenhaus wolle beſchließen: Die König=
liche
Staatsregierung zu erſuchen, die nachgeordneten Be=
hörden
anzuweiſen, mit allen geſetzlichen Mitteln die zu=
nehmende
Unſittlichkeit hauptſächlich in den Großſtädten
zu bekämpfen und ſo einer Gefahr vorzubeugen, welcher
die Jugend körperlich und ſeeliſch ausgeſetzt iſt. Dazu

ſind weiter erforderlich: a) bei dem Bundesrate darauf
hinzuwirken, daß durch Aenderung der beſtehenden Ge=
ſetze
, in erſter Linie der Paragraphen 33, 33a, 33b der
Reichsgewerbeordnung, den Verwaltungsbehörden geeig=
netere
Unterlagen zur Unterdrückung von Animierkneipen,
Bars, Kabaretts, Rummelplätze und ähnlicher Schank=
ſtätten
und Schauſtellungen gegeben werden, inſoweit ſie
der Unſittlichkeit Vorſchub leiſten; b) daß von der Staats=
regierung
baldigſt ein beſonderes Kinematographengeſetz
vorgelegt werde und c) inzwiſchen von den beſtehenden
Beſtimmungen, insbeſondere durch Verkürzung der Poli=
zeiſtunden
nachdrücklicher als bisher Gebrauch gemacht
werde.

Ausland.

Frankreich.
Das Budget für 1915. Der von dem radi=
kalen
Deputierten und ehemaligen Miniſter Clementel
abgefaßte Generalbericht über das Budget=für 1915, der
in der heutigen Kammerſitzung zur Verteilung gelangen
wird, beziffert die Geſamtausgaben auf 5091 Millionen,
doch ſind darin weder die Ausgaben für Marokko im Be=
trage
von 232695000 Francs, noch die außerordentlichen
Ausgaben für Heer und Flotte einbegriffen, die in beſon=
derer
Rechnung geführt und durch beſondere Anleihen ge=
deckt
werden ſollen. Die normalen Einnahmen werden
auf 4 789000 000 Francs veranſchlagt, ſo daß ſich ein Fehl=
betrag
von 302 Millionen ergibt, der teils aus den zu er=
wartenden
Ueberſchüſſen, teils durch Ausgabe kurzfriſtiger
Schatzſcheine gedeckt werden ſoll. Der Bericht Clementels
ſtellt feſt, daß die Staatsausgaben ſeit 10 Jahren um
1500 Millionen geſtiegen ſind, wovon für die Vermehrung
der militäriſchen Ausgaben 553 Millionen und auf die ſo=
zialpolitiſchen
Ausgaben 234 Millionen entfallen. Außer=
dem
wurde die Vermehrung der Ausgaben um 297 Mil=
lionen
durch die Verteuerung der Lebensmittel, um 65
Millionen durch die Verſtaatlichung der Weſtbahn und
um 373 Millionen durch die Ausgeſtaltung der verſchiede=
nen
Dienſtzweige verurſacht.
Die Einkommenſteuer. Der Vorſtand des
republikaniſchen Ausſchuſſes für Handel, Induſtrie und
Landwirtſchaft, an deſſen Spitze der radikale Senator
Mascurand ſteht, hat einen Beſchlußantrag gefaßt, in
dem verlangt wird, daß die Steuerträger durch die ge=
plante
Steuerreform nicht gezwungen werden dürfen, eine
Erklärung über ihre Gewinne oder ihr Einkommen ab=
geben
zu müſſen, und daß jeder Anlaß zu einem inquiſitori=
ſchen
Vorgehen vermieden werde, welches dem National=
charakter
der Franzoſen zuwiderlaufe. Die Gegner der
Geſamteinkommenſteuer meſſen dieſem Beſchlußantrag
große Bedeutung bei.
England.
Homerule=Debatte im Unterhauſe.
Im weiteren Verlaufe der Unterhausdebatte ver=
teidigte
Lloyd George die Politik der Regierung, die
Mitteilungen der beabſichtigten Aenderungen zur Home=
rulebill
zu verſchieben, und erklärte, daß die Veröffent=
lichung
der einzelnen Vorſchläge im gegenwärtigen Sta=
dium
den Frieden nicht fördern, ſondern hindern würde.
Die Regierung werde in geziemender Reihenfolge die Vor=
ſchläge
unterbreiten. Sie werde die Verantwortung für
dieſelben übernehmen, aber eine Verantwortung für eine
Annahme oder eine Ablehnung werde auf die Oppoſition
fallen. Die Regierung werde das äußerſte Zugeſtändnis
machen, das ſich mit dem Hauptzweck der Bill noch ver=
trage
, aber ſie werde die Majorität der Iren nicht ver=
raten
, die auf die Regierung vertrauten. Wenn die Re=
gierung
, nachdem ſie alles getan hat, was in ihrer Macht
ſei, um die berechtigten Beſorgniſſe Ulſters zu beſeitigen,
vor Drohungen mit Gewalt zittern ſollte, wäre ſie un=
würdig
dieſes Vertrauens. Bonar Law betonte die ernſte
Lage und erklärte, daß die Oppoſition ſich vollkommen
ihrer Verantwortung bewußt ſei, die ſie übernommen
habe. Von der Homerule=Vorlage habe man erklärt, daß
ſie eine Einrichtung föderaliſtiſchen Syſtems ſei. Als ein=
zig
gangbarer Weg erſchiene ihm, Ulſter aus dem Spiel

zu laſſen, bis der ganze föderaliſtiſche Entwurf vollendet
ſei, und dann Ulſter zu fragen, ob es ſich dieſem Entwurf
anſchließe. Der Regierung ſtänden nur zwei Wege offen:
entweder Vorſchläge zu machen, um den Widerſtand Ulſters
zu beſeitigen, oder ſich ſelbſt dem Urteil des Volkes zu
unterwerfen. Der Zuſatzantrag Longs wurde ſodann mit
333 gegen 255 Stimmen abgelehnt.
Schweden.
Huldigung der Studentenſchaft vor
dem König. Die ſchwediſchen Studenten veranſtalte=
ten
am Mittwoch vor dem König einen Huldigungszug.
Die Zahl der Studenten, die an dem Huldigungszuge
teilnahmen, betrug 2600, nämlich aus Stockholm 1000, von
Upſala 1000, von der Univerſität Kuhd Lund 550 und aus
Göteborg 60. Außerdem nahmen etwa 60 akademiſche
Lehrer daran teil. Beim Einzug in den Schloßhof be=
grüßten
die Studenten die Königin, die Kronprinzeſſin
und die Herzogin von Weſtgothland, die an einem Fenſter
des Schloſſes Platz genommen hatten, mit Hurrarufen;
Der König erſchien mit dem Kronprinzen und den Her=
zögen
von Weſterbötten, Oeſtergötland und Meriko im
Schloßhofe. Die Anweſenden ſangen die Nationalhymne:
darauf wurde ein Hoch auf den König und die Königin
ausgebracht. Der König erwiderte auf die Huldigungen
der Studenten:
Mit Bewegung begrüße ich Euch in der alten ſchwe=
diſchen
Königsburg und danke Euch für Eure Huldigung,
die von der Begeiſterung Eurer jungen ſchwediſchen Her=
zen
getragen war. Es iſt mein verfaſſungsmäßiges Recht
und meine Pflicht als ſchwediſcher König, in ſorgenvollen
Tagen offen und frei meine Meinung darüber zu ſagen,
was ich für mein Volk als nützlich und notwendig anſehe.
Kultur und Gewerbe ſind nicht möglich ohne das Gefühl=
der
Sicherheit. Die Wehrmacht unſeres Landes nach
außen iſt aber nicht genügend. Deshalb iſt die Regelung
der Landesverteidigung zu der Frage geworden; die älle
Kräfte um ſich vereinigt und bis auf weiteres alles andere
zur Seite drängen muß. Erſt, wenn wir unſere Pflicht
gegen uns ſelbſt und gegen die kommende Zeit erfüllt ha=
ben
, wird es möglich ſein, mit verdoppelten Kräften an
die vielen großen und wichtigen Fragen heranzutreten,
die ihrer Löſung harren, damit die Entwickelung des
Landes noch weiter vorwärts gebracht werden kann. Ich
bin feſt überzeugt, daß mein Volk bereit ſein wird und
auch imſtande iſt, die Opfer zu tragen, die die Verbeſſerung
der Landesverteidigung unumgänglich fordert. Ich rechne
auf Euch Studenten und darauf, daß Ihr mit Hilfe Euren
Kenntniſſe und Eures Wiſſens die Aufklärung über dieſe
Frage über das Land verbreitet. Steht mir bei in den
Beſtrebungen, die mir am Herzen liegen, ſpornt andere an,
es ebenſo zu tun. Dann wird der Erfolg nicht ausblei=
ben
. Bedenkt, es gilt unſer gemeinſames Vaterland, das
Land, deſſen Zukunft auch Eure Zukunft iſt, deſſen Glück
Euer Glück wird und deſſen Ehre Eure eigene Ehre ſein
wird. Welchen Wert würde Eure Arbeit für Euch an dem
Tage haben, an welchem ſie nicht länger darauf gerichtet
ſein könnte, unſere freie Kultur beſtändig feſter und höher
zu bauen? Schweden erwartet von uns, daß wir, dank=
bar
für das, was wir als Schweden anderen Völkern
voraus haben, für das Reich auf der Wacht ſind und es
unantaſtbar für unſere Nachkommen beſchützen und be=
wahren
. Vorwärts zu unſerem Ziel: ein freies und ſtarkes
Schweden. Es lebe Schweden! Darauf löſte ſich der
Zug auf.
Am Mittwoch abend ſammelte ſich eine große Volks=
menge
vor dem Schloſſe, um dem Königspaar eine Hul=
digung
darzubringen. Das Königspaar, umgeben von=
der
übrigen Königsfamilie, trat auf den Balkon und
wurde von der Menge mit lebhaften Hurrarufen begrüßt=
Das Königspaar unternahm auch im Laufe des Tages
im offenen Automobil eine Fahrt durch die Hauptſtadt,
überall von der Bevölkerung herzlichſt begrüßt.
Rußland.
Das Schiffsbauprogramm. In einer Unter=
redung
mit Parlamentsjournaliſten erklärte der Marine=
miniſter
, daß die Vorlage zur Fortſetzung des Schiffsbau=
programms
den Kammern noch dieſes Jahr unterbreitet
werden würde. Mit dem Bau neuer Schiffe könne man
nicht vor 1915 beginnen. Die nötigen Mittel für die fol=
genden
fünf Jahre würden annähernd in derſelben Höhe
gefordert wie für die fünf erſten Jahre. Es ſei unmög=

Richard Wagners Tod
und Begräbnis.

Von Wolfgang Golther.)
Wagner bedurfte nach Vollendung und Erſtaufführung
des Parſifal dringend der Erholung. Sein altes Herz=
leiden
hatte ſich mehrfach bemerklich gemacht. Für den
Winter 1882/83 wurde Venedig als Aufenthalt gewählt.
Mitte September zog Wagner mit ſeiner Familie in einen
Seitenflügel des Palazzo Vendramin am Canale grande
ein. Er bewohnte nicht die Prunkgemächer des durch zahl=
loſe
Bilder bekannten Palaſtes. Der Seitenflügel geht
nicht unmittelbar auf den Kanal, ſondern iſt durch einen
Garten davon getrennt. Hier verbrachte Wagner in ſtiller
Zurückgezogenheit die letzten Monate ſeines Lebens. Er
beſchäftigte ſich mit den Vorbereitungen zum nächſten
Parſifal=Feſtſpiel und mit ſchriftſtelleriſchen Arbeiten.
Am 19. November kam Liſzt zu längerem Beſuch in den
Vendramin. Es war ein glückliches, ungetrübtes Fami=
lienleben
, das den beiden Freunden noch einmal vergönnt
war. Am Weihnachtstag, zur Feier des Geburtstages
von Frau Wagner, wurde im Konzertſaal des Liceo
Benedetto Marcello Wagners Jugendſymphonie in C=dür
geſpielt. Zum letzten Male hat Wagner bei dieſer Ge=
legenheit
den Taktſtock geführt. Am 13. Januar verab=
ſchiedete
ſich Liſzt, um nach Budapeſt zu fahren.
Aus München kamen keine guten Nachrichten. Der
König, krankhaft, menſchenſcheu, hatte ſich zum Beſuch der
Bayreuther Feſtſpiele nicht entſchließen können. Aber den
Parſifal wollte er doch hören, und zwar als Sonder=
*) Aus der Biographie zu: Richard Wagner.
Geſammelte Schriften und Dichtungen. Her=
ausgegeben
, mit Biographie, Einleitungen, Anmerkungen
und Regiſtern verſehen von Geh. Hofrat Prof. Dr. Wolf=
gang
Golther. Goldene Klaſſiker=Bibliothek. Deutſches
Verlagshaus Bong u. Co., Berlin und Leipzig.

vorſtellung in ſeinem Münchener Hoftheater. Vergebens
bot Wagner eine Sondervorſtellung im Feſtſpielhauſe an.
Der König beharrte auf ſeinem Entſchluß, deſſen Aus=
führung
Wagner nicht mehr erlebte. Am 4. Februar fand
ſich Hofkapellmeiſter Levi in Venedig ein, um wegen der
kommenden Feſtſpiele zu beraten. Am 12. Februar nahm
Levi Abſchied. Wagners Befinden war in der letzten Zeit
nicht befriedigend, aber auch nicht ernſtlich beſorgniser=
regend
. Der Maler Joukowsky war täglicher Gaſt im
Vendramin und erzählt in ſeinen Erinnerungen ausführ=
lich
über die Ereigniſſe dieſer Zeit. Am 6. Februar er=
freute
ſich Wagner auf dem Markusplatz am Karnevals=
getriebe
. Die Masken tummelten ſich auf dem erleuch=
teten
Platze. Gegen Mitternacht ward der Prinz Kar=
neval
in feierlichem Trauerzug von der Riva her auf die
Piazetta getragen und verbrannt. Mit dem Schlag der
zwölften Stunde erloſchen alle Flammen, und in ſchwei=
gender
Finſternis verlief ſich die Menge. Gegen 1 Uhr
kehrte Wagner mit den Seinen heim; zum Pförtner ſagte
er die Worte: Amico mio, il carnevale e andate‟ Am
11. und 12. Februar las Wagner abends Fouqués Un=
dine
vor. Am letzten Abend konnte er ſich von den Seinen
gar nicht trennen. Zu vorgeſchrittener Stunde ſpielte er
noch, den Undine=Gedanken weiterſpinnend, die Klage der
Rheintöchter: Traulich und treu iſt’s nur in der Tiefe‟
Den 13. Februar verbrachte er in ſeinem Arbeits=
zimmer
, mit der letzten Abhandlung Uever das Weib=
liche
im Menſchlichen beſchäftigt. Zum Mittageſſen er=
ſchien
er nicht und ließ ſagen, er ſei nicht ganz wohl, man
ſolle ohne ihn anfangen. Gegen 2 Uhr begann ein hof=
tiger
Anfall von Herzkrämpfen. Frau Wagner wurde ge=
rufen
. Die Anfälle ſteigerten ſich. Zwiſchen zwei und
drei Uhr trat der Tod ein. Außer dem Diener weilte
in der letzten Stunde nur Frau Wagner beim Meiſter.
Am 16. Februar, um 1 Uhr, brachte eine Gondel den
Sarg durch den Kanal zum Bahnhof. Der Wagen mit
der Leiche und ein beſonderer Wagen für die Familie
wurden an den Schnellzug nach Vicenza angehängt.
Von dort aus führte ein Sonderzug über Verona, Ala,
Kufſtein, München den toten Meiſtes heinprärts nach Bay=

reuth. An allen größeren Stationen waren feierliche
Empfänge vorbereitet. In München harrten die Künſtler=
mit
geſenkten Fackeln. Die Trauerklänge aus Beethovens
Eroica und der Götterdämmerung grüßten den Toten
Am Sonntag, 18. Februar, war die Trauerfeier in Bay=
reuth
. Bürgermeiſter Muncker hielt am Bahnhofplatz einen
ſchöne, tief empfundene Gedächtnisrede mit dem Gelöb=
nis
, des Meiſtars großem Werke und denen, die ihm auf
Erden das Liebſte waren, treu zu bleiben das ganze
Leben lang. Unter Glockenklang und Muſik ging der
Zug durch die Stadt Bayreuth hinaus nach Wahnfried,
wo im Garten die letzte Ruheſtätte bereitet war. Um
5 Uhr erreichte der Zug die Pforte von Wahnfried, wordie
Kinder harrten. Nur wenigen war der Eintritt verſtattet,
zwölf Freunde trugen die Bahre, darunter Hans Richter,
Levi, Muncker, Feuſtel, Niemann Wolzogen, Joukowskye
Zwei Geiſtliche begleiteten den Zug. Der Dekan Caſſel=
mann
ſegnete die Grabſtätte und ſprach die üblichen e=
bete
. Dann verließen die Freunde den ſtillen Garten,
Am Grabe blieben nur die Kinder und die beiden Hunde
Marke und Froh zurück. Mit einbrechender Dämmerung
erſchien Frau Wagner, in ihrer Gegenwart ward die
Bahre in die Gruft geſenkt und der Eingang verſchloſſen.
Joukowsky ſchrieb am 20. Februar an Liſzt: Ich glaube,
daß ſie ſich darein gefügt hat, zu leben!
Und dieſer Entſchluß war die Erfüllung dies hohen
Amtes, das der Meiſter der Gattin hinterließ: ſein Erbe,
das Feſtſpiel zu wahren und weiterzuführen. Wie eine
mut= und führerloſe Ritterſchar kamen die Künſtler 1883
zum Parſifal zuſammen. Die Erinnerung an den Meis
ſter hielt alle zuſammen, und die Wiederholung des Feſt=
ſpieles
gelang, obwohl eine eigentliche Oberleitung da=
mals
fehlte. Dann aber nahm Frau Wagner das Werk
in ihre Hand und erzog ihren Sohn Siegfried zum Leiter
der Feſtſpiele, die erſt nach des Meiſters Tode ihre höchſter
Blütezeit erlebten. Die Erben ſeines Namens hegten
den einen ſtarken Willen:
Für ihn, den wir liebten,
Rett’ ich das Liebſte!.

[ ][  ][ ]

llich, das Schiffsbauprogramm für eine längere Periode
als fünf Jahre zu ſchätzen, denn angeſichts des ſchnellen
Eechniſchen Fortſchritts im Schiffsbau ſei es unmöglich,
einen Schiffstyp im voraus zu beſtimmen, der in zehn
Jahren erforderlich ſei. Zu der Interpellation der Na=
Eionaliſten, betr. die bei den Putilowwerken als Beamte
Seſchäftigten deutſchen Untertanen, erklärte der Miniſter:
Obwohl die Verwendung ausländiſcher Beamten uner=
wünſcht
iſt, ſo geht dennoch keinerlei Gefahr für den Staat
Daraus hervor, denn dieſe Werke ſtellen keine geheim zu
Haltenden Gegenſtände und Maſchinen her. Indeſſen kann
eine ruſſiſche Fabrik Ausländer entbehren. In drei oder
wier Jahren, wenn wir einen Stamm von einheimiſchen
Ingenieuren und Technikern beſitzen, werden wir verlan=
gen
, daß kein Ausländer in privaten Fabriken beſchäftigt
werde, welche Beſtellungen für die ruſſiſche Marine aus=
führen
. Hinſichtlich der Frage des langſamen Baues der
Schiffe gibt der Miniſter an, daß die Verwirklichung des
Programms in Wirklichkeit im Jahre 1911 begonnen hat.
Der Bau dauere nur zwei oder drei Jahre. Alle in der
Vorlage vorgeſehenen Schiffe würden im Jahre 1914 fer=
iig
ſein. Die Arbeiten in Nikolajew ſchritten rüſtig fort
mit Ausnahme des Baues eines Schiffes, der ſich verlang=
kamt
habe. Auf die Frage, ob Rußland nicht dem Beiſpiel
wer Türkei folgen wolle, welche völlig fertige Kriegsſchiffe
gauſe, bemerkte der Miniſter, daß, ſelbſt wenn Rußland
wlche Schiffe gekauft hätte, es doch keine Möglichkeit ge=
nabt
habe, ſie ins Schwarze Meer zu ſchaffen.
Der Rücktritt Kokowtzows. Laut Nowoje
Wremja wird unter Goremykin wahrſcheinlich der Ver=
tehrsminiſter
Ruchlow Finanzminiſter, der Oberprokura=
wr
des Heiligen Synod Sabler Miniſter für Volksaufklä=
nung
werden. Kokowtzows Verſetzung als Botſchafter nach
Baris dürfte erſt in einigen Monaten erfolgen. Vorigen
Freitag ließ der Zar Kokowtzow unvermutet ins Anitſch=
ww
=Palais kommen und hatte eine zweiſtündige Unter=
gedung
mit ihm. Die Hauptſchwierigkeiten der Poſition
Kokowtzows ſollen aus ſeiner Auslandsreiſe ſtammen.
Seine Gegner behaupteten ſchon damals, er habe die große
Eiſenbahnanleihe in Frankreich zu ungünſtigen Bedingun=
gen
abgeſchloſſen. Ferner hätten ſeine ausländiſchen Inter=
tziews
und ſeine Aeußerungen über die ruſſiſche Preſſe ver=
ſchnupft
. Auch ſein Eintreten für den Kongreß der Volks=
ſthullehrer
und ſein Auftreten gelegentlich der Antialkohol=
norlage
verſtimmte. Schließlich habe er im Kabinett ſel=
ber
Gegner gehabt.
Die Putilow=Werke. Die franzöſiſchen und
nuſſiſchen Finanzdeleſgierten ſind übereingekommen, je
eiine Hälfte der zur Erhöhung des Kapitals der Putilow=
Werke beſtimmten 34 Millionen Rubel zu übernehmen.
Von dieſem Kapital ſind 13 Millionen Aktien, 15 Millio=
nen
Obligationen und 6 Millionen dienen zum Ankauf
der Newski=Werkſtätten. Die Aktien und die Obligatio=
ren
werden am Pariſer Markt emittiert werden.
Vereinigte Staater.
Die Wiederherſtellung der Handels=
nearine
. Präſident Wilſon hat zu einem Beſucher im
Weißen Hauſe geäußert, daß die Pläne zur Wiederher=
ſtellung
der amerikaniſchen Handelsmarine mit anderen
von keiner Partei ausgehenden Angelegenheiten bald nach
Erledigung derjenigen Fragen beraten werden, die jetzt
enner Kommiſſion vorliegen.
* Fürſt Bülows Deutſche Politik in
England. Fürſt Bülows Schrift Deutſche Politik
i: jetzt in einer guten engliſchen Ueberſetzung, die die
btkannte Londoner Buchhandlung Caſſel u. Co. verlegt,
Ueſſchienen. Das iſt ein Vorgang, dem nicht nur litera=
riſche
, ſondern auch große politiſche Bedeutung innewohnt.
Denn erſt die engliſche Ueberſetzung ſchafft die Möglich=
keiit
, daß Fürſt Bülows Schrift in England auf weite
Wolkskreiſe wirkt und jenſeits des Kanals einen dauern=
dien
Einfluß ausübt. Bei der realpolitiſch=offenen Art,

in der Fürſt Bülow die deutſch=engliſchen Beziehungen
erörtert, iſt von der Ueberſetzung ſeiner Schrift der gün=
ſtigſte
Einfluß auf die fortſchreitende Beſſerung des deutſch=
engliſchen
Verhältniſſes zu erhoffen.
* Geſchäft iſt Geſchäft! In der ausgeſproche=
nen
Abſicht, die Zahl ihrer Leſer zu ſteigern, hat die ſozial=
demokratiſche
Münchener Poſt vom 1. April ab die Abon=
nentenverſicherung
aufgenommen. Das Mannheimer So=
zialiſtenblatt
hält infolgedeſſen ſeinem Münchener Bru=
derorgm
die nachſtehende gedämpfte Standkede: Be=
kanntlich
bekämpft die Sozialdemokratie die Verquickung
von Zeitungsbetrieb und Verſicherung gegen Todesfall
oder Invalidität und hat mehr als einmal im Reichstag
darauf gedrungen, daß dem ein reichsgeſetzlicher Riegel
vorgeſchoben wird; freilich, ohne daß dies bisher durch=
zuſetzen
geweſen wäre. Sclange nun der heutige Zuſtand
andauert, der es jedem bürgerlichen Blatke möglich macht,
durch das Lockmitlel der Abonnentenverſicherung ſelbſt
weite Arbeiterſchichten für ſich einzufangen, mag es als
Alt der Notwehr gelten, wenn nun auch die Münchener Poſt
die Abonnentenverſicherung für ihre Leſer einführt.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 13. Februar.
* Scheiden aus dem Staatsdienſt. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben den ſtändigen techniſchen
Hilfsarbeiter bei der Abteilung für Bauweſen des Mi=
niſteriums
der Finanzen Baurat Heinrich Schöberl
mit Wirkung vom 15. Februar 1914 an auf ſein Nachſuchen
aus dem Staatsdienſte entlaſſen und ihm in Anerkennung
ſeiner erſprießlichen Dienſte das Ritterkreuz erſter Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen ver=
liehen
.
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der Großher=
zog
den Kulturingenieur Heinrich Häuſel in Mainz
zum Waſſerbauaſſeſſor mit Wirkung vom 1. April d. J. an.
* Beſtätigter Oberbürgermeiſter. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben die am 14. Januar 1914 durch
die Stadtverordnetenverſammlung vorgenommene Wahl
des Beigeordneten Bürgermeiſters Karl Keller zum Ober=
bürgermeiſter
der Provinzialhauptſtadt Gießen beſtätigt
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl. Hoheit
der Großherzog den evangeliſchen Pfarrer Otto
Schöner zu Nieder=Ramſtadt auf ſein Nachſuchen unter
Anerkennung ſeiner langjährigen treu geleiſteten Dienſte,
mit, Wirkung vom 1. April 1914.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten Franz
Appelmann aus Jügesheim, Kreis Offenbach, die
Lehrerſtelle an der Volksſchule zu Fahrenbach, Kreis
Heppenheim.
* Erledigte Stelle. Eine Lehrerſtelle an der evange=
liſchen
Volksſchule zu Lampertheim.
g. Geſchworenen=Ausloſung. Bei der geſtern erfolg=
ten
Geſchworenen=Ausloſung für die am Montag, den
2. März, vormittags 9½ Uhr unter dem Vorſitz des
Großh. Landgerichtsrats Reuß beginnende Sitzung des
Schwurgerichts der Provinz Starkenburg wurden folgende
Herren ausgeloſt: Rechner Georg Bickel II. in Affolter=
bach
; Bürgermeiſter Adam Jakob VI. in Birkenau;
Schiffer Ludwig Friedrich Götz in Neckarſteinach; Ge=
ſchäftsteilhaber
Heinrich Conte in Offenbach; Prokuriſt
Jakob Rettig in Mühlheim a. M.; Kaufmann Georg
Schmidt in Darmſtadt; Apotheker Ernſt Kühn in
Darmſtadt; Kaufmann Albert Nitſche in Lampertheim;
Rentner Adolf Albert Waterborg in Nieder= Ram=
ſtadt
; Küfer Heinrich Büchner II. in Hainſtadt; Bäcker,
Müller und Landwirt Georg Albrecht Ihrig in Ober=
Moſſau; Lithograph Georg Wilhelm Remy in Neu=
Iſenburg; Bäckermeiſter Chriſtian Bahn in Nieder=
Roden; Bierbrauereibeſitzer Heinrich Oſtertag in Darm=
ſtadt
; Profeſſor Dr. Eduard Anthes in Darmſtadt;
Rentner Philipp Rau III. in Bickenbach; Stadtverord=
neter
Ludwig Wagner in Darmſtadt; Kaufmann Jakob
Hamel II. in Heppenheim; Aufſeher Franz Klares I.
in Viernheim; Schreinermeiſter Jakob Brunnengrä=
ber
V. in Lorſch; Beigeordneter Joſeph Martin III
in Viernheim; Fabrikant Georg Kann in Rumpenheim;
Georg Ohl VIII. in Groß=Umſtadt; Landwirt Peter
Nodnagel I. in Griesheim; Georg Volz V. in Semd:
Landwirt Karl Jakob Hilsheimer I. in Lampertheim;
Beigeordneter Johann Kredel in Lauterbach; Bürger=
meiſter
Georg Munthermann in Sandbach; Buch=
druckereibeſitzer
Rudolf Wittich in Darmſtadt; Gaſt=
wirt
Georg Heppenheimer in Darmſtadt.
-g. Kriegsgericht. Der Flieger=Unteroffizier Wie=
land
von der Flieger=Truppe Darmſtadt iſt morgens
wiederholt nicht rechtzeitig aufgeſtanden und blieb, als

ihn der dienſttuende Unteroffizier wecken ließ, noch einige
Zeit liegen. Er erhielt deshalb diſziplinariſch 7 Tage
Mittelarreſt zudiktiert. Gegen dieſe Beſtrafung hatte er
Beſchwerde eingelegt unter Angaben, die von der Anklage
als falſch angeſehen werden. Er hatte angegeben, er ſei
eine Stunde zu früh geweckt worden, was nicht der Wahr=
heit
entſprechen ſoll. Er hatte ſich deshalb wegen Erſtat=
tung
einer falſchen dienſtlichen Meldung (§ 152 des Militär=
Strafgeſetzbuches) vor dem Kriegsgericht zu verantwor=
ten
. Er wurde jedoch freigeſprochen, da ihm der gute
Glaube zuerkannt wurde.
* Grundbuchanlegung. In dem Verfahren zur An=
legung
des Grundbuches für die Flur I der Gemarkung
Darmſtadt ſind nunmehr, ſoweit es ſich ermöglichen ließ,
von dem Amtsgericht alle Eigentümer vernommen worden,
und es haben alle, denen ein Recht an einem fremden
Grundſtücke zuſteht, eine Mitteilung darüber erhalten oder
erhalten ſie noch in den nächſten Tagen. Damit iſt jedoch
das neue Grundbuch noch nicht fertig. Es muß vielmehr
zunächſt doch eine Friſt abgewartet werden, die am 15.
I. Mts. beginnt und am 14. Mai I. J. endigt. Der Zweck
dieſer Friſt iſt, den Beteiligten Zeit und Gelegenheit zu
geben, etwa Verſäumtes nachzuholen. Wer dieſe Friſt
unbenützt verſtreichen läßt, kann unter Umſtänden zu Scha=
den
kommen: ein nicht rechtzeitig angemeldetes Recht oder
eine Einwendung gegen das einem anderen zuſtehende
Recht bleibt unberückſichtigt, oder es verliert das nicht
rechtzeitig angemeldete Recht ſeinen Vorrang gegenüber den
ihm nachgehenden, aber rechzeitig angemeldeten Rechten.
Es empfiehlt ſich daher dringend, daß jedermann prüft, ob
die Eintragung der ihm zuſtehenden Rechte im neuen
Grundbuch (insbeſondere Eigentum, Hypotheken, Kauf=
ſchillinge
, Dienſtbarkeiten, Nießbrauchsrecht) vorgeſehen iſt.
In Zweifelsfällen wende man ſich an den Anlegungsrich=
ter
, deſſen Amtsſtube ſich Mathildenplatz Nr. 15, Ecke der
Bismarckſtraße (früher Koch=Reulingſches Haus), I. Stock,
Zimmer Nr. 3 befindet. Die hier in Frage kommende
Flur I iſt der Stadtteil, der von folgenden Straßen um=
ſchloſſen
wird: Paradeplatz, Alexanderſtraße, Mühlſtraße
bis Erbacher Straße, Erbacher Straße bis Beckſtraße, Beck=
ſtraße
bis Heinrichſtraße, Heinrichſtraße bis Karlſtraße,
Karlſtraße bis Hölgesſtraße, Hölgesſtraße bis Schützen=
ſtraße
, Schützenſtraße und Ernſt=Ludwigſtraße.
Vom Hoftheater. Albert Heine, der erſte Cha=
rakterſpieler
des k. k. Hofburgtheaters in Wien, wird in
der nächſten Woche an zwei Abenden zum erſten Male vor
unſerem Publikum erſcheinen und ihm Gelegenheit geben,
ſeine hohe Künſtlerſchaft an zwei Glanzrollen ſeines Re=
pertoires
, die er zur Darſtellung bringen wird den
Shylok im Kaufmann von Venedig von Shake=
ſpeare
und den Philipp im Don Carlos von Schil=
ler
, zu ermeſſen. Heine, die markanteſte Erſcheinung der
neuen Burgtheater=Generation, iſt ein Schauſpieler von
internationalem Ruf. Seine zahlreichen Gaſtſpielreiſen,
auf welchen er ſchon zurzeit ſeines Münchener und Ber=
liner
Engagements ſehr gefeiert wurde, haben ſeinen
Namen berühmt gemacht. Als Joſeph Kainz dem Burg=
theater
entriſſen wurde, gab es in den entſcheidenden Krei=
ſen
keinen Zweifel, daß kein deutſcher Schauſpieler wür=
diger
wäre, das große Erbe anzutreten, als Albert Heine,
der in dieſer Zeit am Berliner Theater der jungen Direk=
tion
Meinhard=Bernauer zum glanzvollen Siege verhalf
Heine ging nach Wien an das Burgtheater, dem er ſchon
früher in prominenter Stellung angehört hatte, zurück und
iſt heute der erſte Schauſpieler Wiens.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Der Bericht des
früheren Rektors Geheimen Baurats Prof. Wickop über
die Studienjahre 1911/12 und 1912/13 und die Rede des
neuen Rektors Geh. Hofrats Prof. Dr. R. Müller Ueber
die Anfänge und über das Weſen der maleriſchen Per=
ſpektive
ſind im Druck erſchienen.
Unſere Leſer machen wir hiermit beſonders auf
die im Anzeigenteil unſeres Blattes enthaltene Bekannt=
machung
der Techniſchen Hochſchule aufmerkſam.
Dieſelbe gewährt eine vollſtändige wiſſenſchaftliche und
künſtleriſche Ausbildung für den techniſchen Beruf. In be=
ſonderen
Abteilungen werden Architekten. Bauingenieure,
Kulturingenieure, Maſchineningenieure, Papieringenieure,
Elektroingenieure, Chemiker, Elektrochemiker und Apotheker
ausgebildet; desgleichen in der allgemeinen Abteilung
Lehrer für Mathematik und Naturwiſſenſchaften, ſowie
Geometer. Auch Frauen werden zum Studium zugelaſſen.
Akademiſch gebildete Perſonen und ſelbſtändige Männer,
die ihrer äußeren Lebensſtellung nach nicht als Studie=
ende
oder Hörer eintreten können, ebenſo Frauen können
als Gäſte zum Beſuch einzelner Vorleſungen und Uebungen
zugelaſſen werden. Die Techniſche Hochſchule hat das
Recht, auf Grund beſonderer Prüfungen den Grad eines
Diplom=Ingenieurs und die Würde eines Doktor=Inge=

Feuilleton.

** Die neue Haltung und ihre Gefahren. Die Kunſt=
gallehrten
haben ſich die Köpfe darüber zerbrochen, ob eine
na uartige Körperhaltung auch einen anderen Modeſtil her=
vurrrufe
oder ob die Mode mit ihren kleinen Revolutionen
vmrausgehe und ſich ihr dann der Körper anpaſſe. Jeden=
fallls
ſtehen Körperhaltung und Mode in einem engen Zu=
ammenhang
, und auch wir erleben es jetzt wieder, daß
mit einer neuen Form der Kleidung Stellungen und Poſen
ausftauchen, die ein ganz neues Körperideal erkennen laſſen.
Brachte das Präraffaelitentum vom Ende des vorigen
Jahrhunderts die ſchlanke Linie, eine gotiſche Betonung
dess Geraden und Eckigen, ſo ſind wir jetzt wieder bei einem
uesgeſprochenen Renaiſſanceelement in der Haltung an=
gellangt
. Die Dame muß nun den ſo lange ſtreng vervön=
tein
Bauch haben; ihre Haltung muß den wogigen Dra=
eierungen
der Tracht mit Rundungen und Wellenlinien
mtworten. So hat ſich eine neue Haltung raſch heraus=
gebildet
, die vielfach an den antiken Contrapoſto erinnert,
mo, die Schwere des Körpers auf das eine Bein verlegt,
die eine Hüfte in ſtark geſchwungener Linie hervortreten
äßt und ſo in der ganzen Silhouette eine Kurve hervor=
uft
, mit der ein ähnlicher Linienſchwung in dem vorge=
boggenen
Leib korreſpondiert. Ueberall ſehen wir heute die
dermen in dieſer modernſten Poſe häufig die eine Hand
maleriſch auf die ſtark betonte Hüfte gelegt und dadurch
h: Linie noch mehr akzentuierend. Beſondere Verehrerin=
tenn
der neueſten Haltung aber ſind die Amerikanerinnen,
hie: ja ſtets Uebertreibungen des Modetons lieben und
lucch ſchon im hüpfenden Känguruh=Gang das Unmög=
ichoſte
geleiſtet haben. Mit herausgeſtrecktem Leib, ausge=
bogener
Hüfte und eingeknickten Knien wandeln die Mode=
amen
in langer Reihe auf der Fünften Avenue in Neu=
hoerk
daher und haben durch dieſe mondäne Verzerrung
er weiblichen Haltung einen wahren Entrüſtungsſturm in
vefiten Kreiſen entfeſſelt. Geiſtliche, Pädagogen und Aerzte
wanden ſich in den amerikaniſchen Blättern gegen dieſen
Schlappier=Gang wie man ihn genannt hat und ſehen
harin eine ſchwere Gefahr für die jungen Mädchen. So
va ndte ſich einer der bekannteſten Prediger Neu=Yorks

Dr. Wiſe, dagegen und klagte darüber, daß nicht nur die
vornehmen Tänze von früher vorbei ſind, ſondern ſogar
anſtändiges Gehen in der Damenwelt ſeltener und ſeltener
wird. Der Pädagoge C. Ward Crampton eiferte gegen
dieſe Poſituren, die ebenſo verkrüppelte Seelen wie ver=
krüppelte
Körper hervorrufen. Am ſchroffſten aber iſt
man von mediziniſcher Seite der neuen Modehaltung ent=
gegengetreten
. In den ſchwärzeſten Farben ſchildert ein
bedeutender Neu=Yorker Frauenarzt die furchtbaren Schä=
den
, die dieſe abſichtliche Deformierung des Körpers im
Gefolge habe. Da der eine Fuß die ganze Laſt des Kör=
pers
tragen muß, ſo wird er leicht zum Plattfuß; die be=
vorzugte
Hüfte wird ſtärker und das Rückgrat wird ver=
krümmt
. Die vernachläſſigte Körperhälfte weiſt eine
hohe Schulter, eine dünnere Hüfte und ein weniger ent=
wickeltes
Bein auf. So wird jede Symmetrie und Har=
monie
des Körpers geſtört. Gliederſchmerzen ſtellen ſich
leicht ein und alle Organe funktionieren ſchlechter. Ob=
wohl
die Mode noch jung iſt ſo ſchließt der Arzt, hat
ſie doch ſchon unendlichen Schaden angerichtet, und es iſt
die Pflicht der Aerzte, die Frauen vor dieſer gefährlichen
Unart zu warnen.
CK Der bedrohte Paderewski. Paderewski hat plötz=
lich
ſeine große Gaſtſpielreiſe in Amerika abgebrochen; völ=
lig
erſchöpft und krank traf er dieſer Tage in San Antonio
in Texas ein. Er iſt das Opfer einer wahren Flut von
Drohbriefen, die in den letzten Wochen über ihn herein=
brachen
und ihn ſo nervös machten, daß er alle abgeſchloſ=
ſenen
Engagements im Stiche läßt. Bereits in den letzten
Tagen reiſte er nur noch in Begleitung eines Arztes und
zweier Detektivs. Der Pianiſt vermag ſich nicht zu erklären,
wodurch er ſich plötzlich in den Vereinigten Staaten ſo viel
Feinde gemacht haben könnte. Die Drohbriefe beſchuldi=
gen
ihn, einem polniſchen Blatte in Amerika Geld gegeben
zu haben: einem polniſchen Blatte, das in jüngſter Zeit
eine Reihe maßlos heftiger Aufſätze gegen die ruſſiſchen
Juden veröffentlicht hat. Frau Paderewski gibt zu, daß
ihr Mann zur Gründung einer polniſchen Zeitung auf
dringende Bitten Geld gegeben habe, ohne jedoch zu wiſſen,
daß es ſich dabei um ein antiſemitiſches Kampforgan han=
deln
ſollte. Jedenfalls hat Paderewski infolge der Droh=
briefe
die Fortſetzung ſeiner Tournee aufgegeben und ſoll

nervös ſo zuſammengebrochen ſein, daß er ſich auf längere
Zeit vom Konzertpodium fernhalten und nur der Wieder=
herſtellung
ſeiner Nerven leben muß.
* Die Schuhe der Schulkinder. Die Folgen ſchlecht
paſſenden Schuhwerks in den Kinderjahren hat der Menſch
ſein ganzes Leben lang zu ſpüren. Man vergegenwärtige
ſich, was unſere Füße im Laufe eines arbeitsreichen Lebens
zu leiſten haben, und es wird niemand überflüſſig erſchei=
nen
, einige Aufmerkſamkeit auf die geſunde Entwickelung
dieſer Organe zu verwenden. Dem Vater Staat die Sorge
für die Füße der Schulkinder ans Herz gelegt zu haben,
dies Verdienſt haben die kaliforniſchen wahlberechtigten
Frauen erworben. Unter ihrem Einfluß wurde, wie die
Dokumente des Fortſchritts mitteilen, in der letzten Seſſion
des kaliforniſchen Parlaments ein Geſetz angenommen,
das die Form der Schuhe vorſchreibt, die die Schulkinder
zu tragen haben, um jeder Verkümmerung und Verkrüp=
pelung
der Gehwerkzeuge vorzubeugen.
* Unter gütiger Mitwirkung von In einer nord=
deutſchen
Stadt unterhält man ſich gegenwärtig ſehr auf
Koſten eines Schauſpielers, dem eine unvorſichtige
Zeitungsanzeige einen ſchlimmen Streich geſpielt hat. Der
Schauſpieler nennen wir ihn Hugo Müller iſt bei
ſeinen Fachkollegen und darüber hinaus als beſonders
ſtarker und fröhlicher Eſſer bekannt. Faſt täglich kann man
Herrn Müller, der von unterſetzter Geſtalt iſt. pruſtend und
erſichtlich mit den Folgen eines allzu reichlichen Mahles
kämpfend, im Theater erſcheinen ſehen. Da er ſowohl als
Künſtler wie als Menſch in der Stadt ſehr beliebt iſt, wird
er häufia aufgefordert, ſeine Kunſt in den Dienſt von Ver=
einen
, Wohltätigkeitsveranſtaltungen und dergleichen zu
ſtellen, was er auch immer gerne zuſagt. So wurde er auch
kürzlich gebeten, das Feſtmahl der Ortsgruppe des Mo=
niſtenbundes
durch ſeine Anweſenheit und den Vortrag
einiger Gedichte zu verſchönen. Man tat keine Fehlbitte,
Herr Müller ſagte ſein Erſcheinen zu. Am anderen Tage
aber laſen die Mitglieder des Moniſtenbundes und andere
Leute folgende Ankündigung in der Zeitung: Moniſten=
bund
. Donnerstag, den Januar, Feſteſſen in der Stadt=
halle
, unter gütiger Mitwirkung des Herrn Hugo Müller
vom Stadttheater.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 15. Februar 1914.

Nummer 44

nieurs zu erteilen. Infolge Vertrags zwiſchen der Großh.
Heſſiſchen und Königl. Preußiſchen Landesregierung beſteht
Gleichſtellung und gegenſeitige Anerkennung für die Vor=
prüfung
und erſte Hauptprüfung für den Staatsdienſt im
Hochbau=, Ingenieurbau= und Maſchinenbaufache ſowohl
hinſichtlich der ſeitherigen vor dem Techniſchen Prüfungs=
amt
abgelegten Staatsprüfungen als auch hinſichtlich der
an deren Stelle getretenen auf Grund neuer Diplomprü=
fungsvorſchriften
abzuhaltenden Diplomprüfungen. Ferner
werden an der Techniſchen Hochſchule Fachprüfungen abge=
halten
. Für die Reichsprüfung der Apotheker iſt der Be=
ſuch
der Techniſchen Hochſchule dem einer Univerſität gleich
geſtellt; auch iſt der pharmazeutiſchen Prüfungskommiſſion
zu Darmſtadt durch Bundesratsbeſchluß die Berechtigung
zur Erteilung für das ganze Reich gültiger Approbationen
gegeben worden. Die Vorbereitung zum höheren Staats=
dienſt
des Großherzogtums Heſſen im Forſtfach kann teil=
weiſe
auf der Techniſchen Hochſchule erlangt werden; für
die Vorbereitung zum Gymnaſial= und Real=Lehramt, ſo=
weit
dieſelbe Mathematik und Naturwiſſenſchaften betrifft,
wird das Studium an der Techniſchen Hochſchule dem Stu=
dium
an Univerſitäten bis zu 3 Halbjahren gleichgerechnet.
Beſonders iſt noch hervorzuheben, daß durch die eingerich=
teten
Herbſt= und Oſterkurſe es möglich iſt, zu Oſtern oder
im Herbſt mit dem Studium zu beginnen und ſomit ohne
Zeitverſäumnis nach je vier Semeſtern die Vorprüfung
und nach je acht Semeſtern die Hauptprüfung abzulegen.
* Zur Errichtung öffentlicher Lebensverſicherungs=
anſtalten
. Im Anſchluß an den in Nr. 40 des Darmſtädter
Tagbl. vom 9. Febr. 1914 veröffentlichten Bericht über die
Stellungnahme der Handelskammer Darmſtadt zur Frage
der Errichtung öffentlich=rechtlicher Lebensverſicherungs=
anſtalten
wird uns noch mitgeteilt, daß ſich auch eine ganze
Reihe anderer Handelskammern in Deutſchland aus ähn=
lichen
Gründen gegen die Errichtung derartiger Anſtalten
ausgeſprochen hat. So z. B. die Handelskammern von
München, Nürnberg, Halle a. d. S., Bielefeld, Magdeburg,
Köln, Elberfeld, Mülheim a. Rh., Poſen, Bromberg,
Braunſchweig und Mecklenburg. Auch der Weſtfäliſche
Provinzial=Ausſchuß und die Hannoverſche Provinzial=
Verwaltung, ſowie die Reichshauptſtadt Berlin haben ſich
der Errichtung öffentlich=rechtlicher Lebensverſicherungs=
anſtalten
durch die Provinzen gegenüber ablehnend ver=
halten
.
* Im Silberkranz. Montag, den 16. Februar, feiert
das Ehepaar Hermann Müller, Werkmeiſter, Landwehre
ſtraße 21½, das Feſt der Silbernen Hochzeit.
Akademiſche Volksunterrichtskurſe Darmſtadt (A.
V. D.) Um beſtehenden Mißverſtändniſſen entgegenzutre=
ten
, ſei darauf hingewieſen, daß die mit dem 1. Februar
dieſes Jahres erfolgte Auflöſung der Freien Stu=
dentenſchaft
Darmſtadt auf das Weiterbeſtehen
der Akademiſchen Volksunterrichtskurſe
keinen Einfluß hat. Die Kurſe werden in der bis=
herigen
Weiſe auch in den kommenden Semeſtern weiter
veranſtaltet werden. Am Sonntag, den 1. Februar, ver=
anſtalteten
die A. V. D. für ihre Hörer eine Beſichti=
gung
der Kriegstechniſchen Sammlung in der
Techniſchen Hochſchule. Der Leiter der Sammlung, Herr
Major a. D. von Pfiſter=Schwaighuſen, führte perſön=
lich
und weihte die Beſucher in die Geheimniſſe der Kano=
nen
, Maſchinengewehre, Gewehre uſw. faſt aller Konſtruk=
tionen
ein. Intereſſant iſt, daß die ganze umfangreiche
Sammlung, deren Wert etwa ½ Million Mark beträgt,
ſowie auch das Gebäude, in dem ſie untergebracht iſt, ledig=
lich
durch Stiftungen von Kriegsminiſterien, Firmen
(darunter Krupp und Ehrhardt) und Privatperſonen ent=
ſtanden
iſt. In Anbetracht der Reichhaltigkeit und über=
ſichtlichen
Aufſtellung des auch für den Laien intereſſan=
ten
Materials iſt die Kriegstechniſche Sammlung eine Se=
henswürdigkeit
erſten Ranges. Am Sonntag, den 15. Fe=
bruar
, findet ein Spaziergang der A. V. D. nach
Nieder=Ramſtadt ſtatt. Treffpunkt 2¼ Uhr pünktlich Ecke
Herdweg und Nieder=Ramſtädter Straße.
* Der Ausſchuß des Verbandes der Detailliſten= Ver=
eine
im Großherzogtum Heſſen hielt am Mittwoch unter
der Leitung ſeines 1. Vorſitzenden. W. Kalbfuß= Darm=
ſtadt
, eine Sitzung ab, die ſehr gut beſucht war. Nach=
dem
über die wichtigſten Eingänge ſowie über die Vor=
kommniſſe
der letzten Monate eingehend berichtet worden
war, rief die von den heſſiſchen Handelskammern angeregte
Neuregelung der Ausverkaufsbeſtimmun=
igen
eine lebhafte Beſprechung hervor. Einſtimmig war
man der Anſicht, daß es wünſchenswert ſei, wenn die Be=
ſtimmungen
über die Art der anzumeldenden Ausverkäufe
durch ganz Heſſen gleichmäßig getroffen und ebenſo ein=
heitlich
eine achttägige Anmeldefriſt feſtgeſetzt würde. Je=
doch
war der Ausſchuß gegen eine gleichmäßige Feſtſetzung
der Zeit der Inventur= und Saiſon=Ausverkäufe. Es ſoll
den einzelnen Vereinen überlaſſen bleiben, zweckentſpre=
chende
Beſtimmungen nach Anhören ihrer Mitglieder zu
treffen. Um derartige wichtige Beſchlüſſe in Zukunft der
Vertreter=Konferenz der heſſiſchen Handelskammern recht=
zeitig
unterbreiten zu können, ſoll verſucht werden, die
Ausſchuß=Sitzung des Verbandes jeweils vor der Vertre=
ter
=Konferenz abzuhalten. Der Vorſitzende gab ſodann
Auskunft über den bei der Handelskammer Darmſtadt neu
eingerichteten Ausſchuß in Sachen des unlauteren Wettbe=
werbes
und legte die Satzungen, nach denen gearbeitet
werden ſoll, vor. Man ſieht dieſer Neueinrichtung, von
der man eine Beſſerung der erheblichen Mißſtände im
Ausverkaufsweſen erwartet, mit großem Intereſſe ent=
gegen
. Mit lebhafter Genugtung wurde die Errichtung
eines Submiſſionsamtes der heſſiſchen Handelskammern,
das der Handelskammer Mainz angegliedert wird, be=
grüßt
. Sache der Detailliſten wird es nunmehr ſein, die
vielen Klagen über die Mißſtände bei den Lieferungsver=
gebungen
, beſonders einzelner ſtaatlicher Anſtalten, zu
ſammeln und dem Submiſſionsamt zu unterbreiten. Der
von der Handelskammer Mainz unterbreitete Antrag zum
geheimen Warenhandel wurde einſtimmig, nach lebhafter
Beſprechung, abgelehnt. Der Verband beſteht nach wie vor
auf einem Verbot des Warenhandels durch Beamte, und,
wo das Verbot nicht zu erreichen iſt, auf einer Heran=
ziehung
der Handeltreibenden zu allen Laſten und Pflich=
lten
, wie ſie dem Detailliſten auferlegt ſind. Nachdem der
Vorſitzende noch über die Detailhandels= Berufsgenoſſen=
ſchaft
berichtet hatte und die Frage der ſchärferen Heran=
ziehung
der Filialbetriebe zur Filialſteuer eingehend be=
ſprochen
war, wurde die anregend verlaufene Sitzung ge=
ſchloſſen
.
* Fortſchrittliche Volkspartei. Man ſchreibt uns: Der
Verein der Fortſchrittlichen Volkspartei hielt am Dienstag
ſabend im Hotel Prinz Karl ſeine gutbeſuchte diesjährige
Hauptverſammlung ab. Der Vorſitzende, Stadt=
verordneter
Säng, erſtattete den Jahresbericht,
der von einer lebhaften Vereins= und Verſammlungs=
itätigkeit
Zeugnis ablegte; mit ehrenden Worten gedachte
der Redner dabei des kürzlich verſtorbenen Stadtverord=
neten
Kalbſuß. Die vor 1½ Jahren gegründete Ver=
trauensmännerorganiſation
, über die Herr Architekt Kugel
referierte, hat ſich ausgezeichnet bewährt. Die Zahl der
(Vereinsmitglieder iſt von 425 auf über 700 geſtiegen. Ueber

die Finanzen des Vereins berichtete Herr Bankprokuriſt
Otto Seipp. Der ſeitherige erſte Vorſitzende, Geh. Juſtiz=
rat
Gallus, der krankheitshalber von ſeinem Amt zurück=
getreten
iſt, wurde in Anerkennung ſeiner hervorragenden
Verdienſte zum Ehrenvorſitzenden, der bisherige zweite
Vorſitzende, Herr Stadtverordneter Säng, der während
des vergangenen Jahres allein die Laſt der Geſchäfte des
Vorſitzenden getragen hatte zum Ehrenvorſtandsmitglied
ernannt. Zum erſten Vorſitzenden wählte die Verſamm=
lung
Herrn Stadtverordneten Sanitätsrat Dr. Kolb, zum
zweiten Vorſitzenden Rechtsanwalt Carnier I. In den
Vorſtand, der auf 15 Mitglieder erhöht wurde, wurden
außerdem gewählt: Architekt Kugel, Bankprokuriſt Seipp,
Oberpoſtaſſiſtent Zimmermann, Kaufmann G. Oppen=
heimer
, Stadtverordneter Prof. Dr. Vaubel, Schmiede=
meiſter
Hch. Schneider Kaufmann Ernſt Spieß, Stadtver=
ordneter
Säng, Bäckermeiſter Finger, Redhlteur An=
häuſer
, Lehrer W. Loos, Stadtverordneter Hammann und
Rentner Hornung.
* Pauluskirche. Auf das am nächſten Sonntag um
5 Uhr ſtattfindende Konzert ſei noch einmal aufmerk=
ſam
gemacht. Außer den bereits genannten Soliſten, Frl.
E. Reinhart von hier und Herrn Otto Brämme aus Buch=
ſchlag
wirkt noch der Organiſt der Pauluskirche Herr H.
Keil mit, der das Präludium in H=Moll von J. S. Bach
und von Max Reger eine Fantaſie über Freu dich ſehr,
o meine Seele, zum Vortrag bringen wird.
* Für die Ueberſchwemmten im Oſtſeegebiet. Auf
vielfach ergangene Anfragg ſei mitgeteilt, daß die Adreſſe
für Güterſendungen das Landratsamt des Krei=
ſes
Heydekrug iſt.
* Katholiſcher Volksverein. Auf den am nächſten
Sonntag nachmittag im Katholiſchen Geſellenhauſe ſtatt=
findenden
Lichtbildervortrag des Herrn P. Kilian
aus Ehrenbreitſtein ſei nochmals hingewieſen. Die Karo=
lineninſeln
ſtanden bekanntlich im Jahre 1886 im Vorder=
grunde
des Intereſſes, als das Reich durch den Iltis
auf der Inſel Jap die deutſche Flagge hiſſen ließ; was in
Spanien, das zwar nominell Eigentümer war, aber ſich
um ſeinen Beſitz nie gekümmert hatte, große Erregung her=
vorrief
. Papſt Leo XIII., den Fürſt Bismarck als Schieds=
richter
vorgeſchlagen hatte, entſchied, daß Spanien die Sou=
veränität
haben ſolle, während dem Deutſchen Reich weit=
gehende
Handelsvorteile einzuräumen ſeien. (S. Anz.)
* Odenwald=Klub. In Schwetzingen bei
Heidelberg wurde am 10. d. M. eine neue Orts=
gruppe
des Odenwald=Klubs gegründet. An=
weſend
waren als Vertreter des Zentralausſchuſſes Pro=
feſſor
Kiſſinger Kaſſierer Loewe von Darmſtadt
und Hauptlehrer Weißert von Mannheim, ſowie eine
Anzahl Mitglieder der Mannheimer Ortsgruppe. Nach
einer prächtigen Rede des Herrn Profeſſor Kiſſinger
erklärten ſofort 50 der Anweſenden ihren Beitritt. Vor=
ſitzender
wurde Rektor Dr. Heidinger.
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Auch zu dem karne=
valiſtiſchen
Künſtlerabend am Sonntag, den 15. ds. Mts.,
hat der große Rat wieder eine beſchränkte Anzahl nume=
rierter
Karten ausgegeben, die im Vorverkauf zur Aus=
gabe
gelangen und zwar nur im Verkehrsbureau. Nach
Schluß des Verkehrsbureaus am Sonntag ſind Karten,
ſoweit vorhanden, noch bis abends 6 Uhr in den beiden
Automatenreſtaurants (Reſidenzautomat am weißen Turm
und Kaiſerautomat in der Rheinſtraße) zu haben. Es
empfiehlt ſich dringend, Karten im Vorverkauf zu er=
werben
.
* Auf den Frohſinn=Maskenball am Samstag, den
14. Februar, im Schützenhof ſind Freunde und Gönner
des Vereins freundlichſt eingeladen.
* Orpheum. Nach übereinſtimmendem Urteil iſt das
gegenwärtige Spezialitätenenſemble, das nur noch wenige
Tage das Programm beherrſcht, eines der beſten Variété=
programme
, die wir je hier hatten. Das Sellons=Trio
beſteht aus Hochgymnaſtikern, die ſo bald keine ebenbürtigen
Konkurrenten finden dürften. Eine ganz reizende Unterhal=
tung
bieten Bradley und ſeine Partnerin mit ihren Hand=
ſchatten
=Silhouetten. Lucia Majorano, die italieniſche
Tänzerin, iſt von einem typiſch ſüdländiſchen Temperament
in ihren ausdrucksvollen Tänzen. Max Lampl als bayeri=
ſcher
Bauernkomiker iſt von einem ſo derben, echt bajuwa=
riſchen
Humor, wie ihn wenige ſeinesgleichen entwickeln.
Ganz entzückend ſind die Darſtellungen lebender Bilder
Weidmannsheil durch drei Damen und einen reizenden
ſchneeweißen Gordon=Setter. Der komiſche Dreſſurakt des
Clowns Peppo, der zwei Fox=Terriers und zwei Affen
vorführt, weiſt ebenfalls ganz hervorragende Dreſſur=
reſultate
auf. Entzückende Enſemblebilder ſtellen die 8
Germanias auf das Podium, und ein elegantes Kunſt=
radfahrerpaar
ſind Claire und Guſtave Bleckwenn, die
eine ganze Folge neuer Darbietungen bringen. Die Licht=
ſpiele
bilden den Beſchluß des Programms. Der Beſuch
darf warm empfohlen werden.
* Hotel Heß. Der Tango=Tee im Hotel Heß am
Mittwoch erfreute ſich wieder eines geradezu ausgezeich=
neten
Beſuches, ein Beweis, daß der Tango trotz oder
vielleicht wegen der vielerlei Anfeindungen ein immer grö=
ßeres
Intereſſe beanſprucht. Die weiten Räume waren
bis in die letzten Winkel dicht mit Beſuchern beſetzt und
viele kehrten unverrichteter Dinge wieder um, weil
es mit Rückſicht auf die vielen vorbeſtellten Tiſche unmög=
lich
war, ein Plätzchen zu erhaſchen. Leider traf in letzter
Minute ein Telegramm ein, daß das preisgekrönte Kunſt=
tänzerpaar
Miß Day und Mr. Knight nicht erſcheinen
konnte, da Miß Day plötzlich ſchwer erkrankte, ſo daß der
Wunſch vieler Beſucher, ſich an den ebenſo graziöſen wie
gewandten und dabei dezenten modernen Tanz=
vorführungen
des raſch beliebt gewordenen Tän=
zer
=Paares zum zweiten Male zu erfreuen, zum
größten Bedauern nicht in Erfüllung ging. Raſch
hatte man ſich aber getröſtet, da ſehr bald eine ganze An=
zahl
hieſiger Paare zu den verſchiedenen modernen Tän.
zen antrat und Beweis dafür ablegte, daß der Tango ins=
beſondere
ſich in weiten Geſellſchaftskreiſen immer mehr
Eingang verſchafft. Wie wir hören, iſt für die nächſte
Woche weiterer Erſatz vorgeſehen.
* Reſtaurant Rummelbräu. Man ſchreibt uns:
Der Beſuch der geſtrigen Tango=Reunion im
Feſtſaale, Allee 61, war deract, daß für einige ſpätere Be=
ſucher
kein Platz mehr zu haben war und der Vorſaal mit
in Anſpruch genommen werden mußte. Die ganze Ver=
anſtaltung
trug einen durchaus vornehmen Charakter und
darf nach dem allgemeinen Urteile als vollauf gelungen
bezeichnet werden. Beſonders die Vorführung der mo=
dernen
Geſellſchaftstänze, von Herrn A. Schrimpff und
Frau in wirklich vollendeter Form getanzt, fanden ſtür=
miſſchen
Applaus. Es ſei ſchon jetzt darauf aufmerkſam
gemacht, daß das nächſte Kaffeekonzert mit Tango=Reunion
einen karnevaliſtiſchen Charakter tragen wird, und werden
alle Vorbereitungen getroffen, den Beſuchern einige
humorvolle Stunden bei Muſik und Tanz zu bieten.
Karneval=Samstag wird das erſte Darmſtädter
Tanz=Turnier= und Tango=Koſtümfeſt im
gleichen Lokale von Herrn A. Schrimpff und Frau arran=
giert
. Näheres wird noch bekannt gegeben.

* Elſaß=Lothringen unter vier Statthaltern betitelt ſich
ein Artikel in Nummer 7 unſerer Tiefdruckbeilage ( Illu=
ſtrierte
Wochen=Chronik). Die Illuſtrationen zu
dieſem Artikel zeigen die drei Vorgänger des Grafen von
Wedel, deſſen Photographie das vorige Heft brachte, ſowie
den Staatsſekretär Zorn v. Bulach und den Unterſtaats=
ſekretär
Mandel, die aus dem Amte ſchieden, und ihre
Nachfolger, Graf von Roedern und Freiherr v. Stein,
außerdem das Statthalterpalais und das Sitzungsgebäude
des elſaß=lothringiſchen Landtags. Von Bildern vom
Tage bringt die neueſte Nummer den jungen deutſchen
Piloten Langer, der einen neuen Weltrekord im Dauerflug
aufſtellte, aber ſchon nach wenigen Tagen von einem an=
deren
Deutſchen übertroffen wurde, die Entdecker eines
wertvollen Serums gegen gefährliche Tierſeuchen, Prof.
Dr. Briger und Dr. Krauſe, und den kürzlich, 96 Jahre
alt, verſtorbenen Neſtor der deutſchen Aerzte, Geh. Rat
Dr. Körte. Eine Photographie vom Berliner Preſſeball,
dem vornehmſten Ball der Berliner Geſellſchaft, gibt die=
Miniſterloge mit dem Reichskanzler und anderen bekannten
Staatsmännern wieder. Von anderen aktuellen Aufnah= nennen wir die Photographien von dem jetzt beigeleg=
ten
ſüdafrikaniſchen Minenarbeiterſtreik, vom Kohlen=
arbeiterſtreik
in London, von der ſoeben vollendeten Tan==Bahn in Deutſch=Oſtafrika, vom Begräbnis =
roulédes
, und vom Grubenunglück auf der Zeche Achen= Ein Meiſterſtück der Momentphotographie iſt die
Aufnahme von einem Sturz beim Schneeſport, die ſehr
deutlich die verſchiedenartigen Schutzſtellungen der Stür= feſtgehalten hat. Auf der gleichen Seite plaudert.
in einer Humoreske der bekannte ruſſiſche Schriftſteller
Awertſchenko in ſeiner amüſanten Art von einem ſchweig=
ſamen
Zimmergenoſſen. Aus der Welt der Frau
bringt die neue Ausgabe die diesjährige Meiſterin von
Europa im Eiskunſtlauf, einen Hochzeitszug auf Motor=
rädern
, und zwei abſonderliche Modetorheiten, die Ball=
ſandale
und den Fußmuff.

Strafkammer I.

g. Der 20jährige Hausburſche Auguſt Kaiſer von
hier war in einem hieſigen Geſchäft gegen einen Monats=
lohn
von 30 Mark und freier Koſt beſchäftigt und er kam,
wie er angibt, mit dieſer Entlohnung nicht aus. Er ent=
wendete
im Dezember 1912 fortgeſetzt Zigaretten, Zigar=
ren
, Anſichtskarten und Kohlen im Werte von 20 Mark.
Die Strafkammer verurteilte ihn geſtern zu 3 Monaten
Gefängnis, abzüglich 2 Wochen der Unterſuchungs=
haft
.
Der 57jährige Dachdecker J. von hier hat von einem
Bauplatz Gerüſtbalken im Werte von 22 Mark im Septem=
ber
vorigen Jahres ſich angeeignet, um ſie als Brenn=
holz
zu verwenden. Er iſt bisher noch unbeſtraft und gab
an, daß er ſich ein kleines Vermögen erſpart hatte, das
jedoch durch die Pachtung eines Ausſchankes zugeſetzt
wurde, ſo daß er ſich in Not befand, als der Winter vor
der Tür ſtand. Das Schöffengericht hatte wegen Not=
diebſtahls
auf 15 Mark Geldſtrafe erkannt. Dier
Staatsanwaltſchaft verfolgte Berufung und die Strafkam=
mer
verurteilte den Angeklagten wegen Diebſtahls zu
3 Tagen Gefängnis, da ein Notdiebſtahl nicht vor=
liegen
könne bei dem hohen Wert des geſtohlenen Holzes,
doch wurde ihm anheimgegeben, um bedingte Begnadi=
gung
nachzuſuchen.
Der 53jährige Fahrburſche Heinrich Schumann von
hier hat im Jahre 1911 einen Hund für 3 Mark verkauft,
der ihm nicht gehörte. Sch. war damals bei einem
Metzgermeiſter beſchäftigt und nach ſeiner Angabe ſei ihm
der Hund nachgelaufen, ſo daß von Diebſtahl keine Rede
ſein könne. Der Eigentümer des Hundes ſieht den Hund
als wertlos an. Feſtgeſtellt wurde, daß der Käufer des
Hundes zwei Tage vorher bei dem Angeklagten einen Hund
beſtellt hat, daß es alſo ſehr wahrſcheinlich iſt, daß er den
Hund mit ſich lockte. Das Gericht nahm jedoch nur Unter=
ſchlagung
an und verurteilte Schumann zu 1 Woche
Gefängnis.
Des gewerbsmäßigen Glücksſpiels war
weiter der 33jährige Automatenhändler Franz Taver
Stix von Köln angeklagt. Er hatte in drei hieſigen
Wirtſchaften Automaten aufgeſtellt, bei denen es zweifel=
haft
iſt, ob es ſich um Geſchicklichkeit oder Zufall handelt,
wenn ein Spieler gewinnt. Es ſind Apparate mit einem
Panorama, bei dem dem Gericht vorgeführten Appa=
rat
eine Hubertusjagd mit beweglichen Figuren. Auf den
Einwurf eines Zehnpfennigſtückes ziehen hier ein Horniſt,
ein Jäger, ein Hund und ein Fuchs vorüber in ziemlich
ſchnellem Tempo. Je nachdem nun die eine der vier Figu=
ren
von dem Spieler getroffen wird, erhält er Geldbeträge
von 20 bis 60 Pfg. Nach den Ausführungen des einen
Sachverſtändigen wird nach einiger Uebung gewiſſe Treff=
ſicherheit
erzielt, was durch die praktiſche Prüfung im Ge=
richtsſaal
beſtätigt wurde. Die Automaten hatten hier
keinen großen Anklang gefunden. Das Gericht ſprach
den Angeklagten von der Anklage des
Glückſpiels frei.
Ein hoffnungsvolles Fräulein iſt die 15jährige Eva
K. von Dieburg. Im Mai vorigen Jahres hatte ſie ſich
hier in drei Fällen an kleine Mädchen herangemacht und
dieſen Geld abgenommen. In einem Fall ſollte ſie dabei
Gewalt angewendet haben, doch erachtete das Gericht den=
Beweis dafür nicht erbracht. Die Angeklagte iſt ſtark ent=
wickelt
und hat einen unbändigen Hunger, denn das ge=
ſtohlene
Geld legte ſie in Eßwaren an. Schon in ihrem
ſechſten Lebensjahre hat ſie einmal einem Schulkinde 10
Mark entwendet und dafür Brot und Wurſt gekauft. Siel
ſich ſo voll, daß ſie tatſächlich krank davon wurde. Jetzt
befindet ſie ſich im Ohlyſtift Gräfenhauſen. Die Strafkam=
mer
verurteilte ſie wegen dreier Diebſtähle und einer
Unterſchlagung zu 2 Wochen Gefängnis.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Näch
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor,

Richard Wagner=Verein. Der heute (Freitäg)
zur Freude unſerer muſikaliſchen Kreiſe veranſtaltete So=
naten
=Abend wird drei der herrlichſten Werke der So
natenliteratur für Violine und Klavier von Beethoven
Schubert und Bahms bringen, zu deren Ausführung ſich
mit dem Geiger Adolf Buſch deſſen Bruder, Muſik=
direktor
Fritz Buſch aus Aachen (ein ausgezeichneten
Pianiſt) vereinigen wird. Zur Erinnerung an Richard
Wagners Todestag wird außerdem deſſen Albumblatt füh
Violine zum Vortrag gelangen. Adolf Buſch hat in dem
letzten Tagen in Frankfurt und München wieder gan
außerordentliche Erfolge davongetragen. Die Münchenel
Zeitung ſchrieb über ihn: Er hat die Violinkonzerte von
Beethoven und Brahms und das Mozartſche in A=Duf
in ſo geiſtvoller Ausarbeitung und doch wieder ſo einfach
und mit ſo großem Atem vorgetragen, daß er des Ver=
gleichs
mit Joachim würdig iſt. Von ſeiner untadeligeſ
Technik ſpreche ich gar nicht. Wie er ein klaſſiſches Wel
anpackt und aufbaut, wie er jede Phaſe, jedes Motiv dynd

[ ][  ][ ]

Nummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Seite 5.

miſch und rhythmiſch gliedert, wie er durch ſeine warm=
blütige
, wahrhaft intuitive Art des Spiels alle vorberei=
tende
Feinarbeit des Intellekts vergeſſen läßt, das alles
läßt den geborenen, ganz großen Künſtler erkennen.
5. Hofmuſik=Konzert. Das am nächſten
Montag im Hoftheater ſtattfindende 5. Sinfonie=Konzert
der Hofkapelle zeigt wieder, wie ſehr die Konzertleitung
bemüht iſt, den höchſten Anforderungen gerecht zu werden.
Hofkapellmeiſter Paul Ottenheimer wird in dieſem
Winter zum zweitenmal am Dirigentenpult ſtehen und
mit dem bedeutend verſtärkten Hoforcheſter Berlioz fanta=
ſtiſche
Sinfonie und Liſzts ſinfoniſche Dichtung Mazep=
pa
interpretieren. Der ſoliſtiſche Teil iſt durch das Sän=
her
=Ehepaar Kraus=Osborne in einer Weiſe vertre=
ten
, wie er glänzender kaum denkbar iſt. Es ſteht ſomit
allen Beſuchern des nächſten Hofmuſik=Konzerts ein hober
künſtleriſcher Genuß in ſicherer Ausſicht. Die Haupt=
proben
beginnen fortan, mehrfachen Wünſchen entſprechend,
immer erſt 10½ Uhr. Karten für Probe und Konzert ſind.
auch im Bureau des Verkehrsvereins, Ernſt=Ludwigsplatz,
erhältlich.
) Konzert Gertrude Foerſtel. Das Kon=
zert
der Kammerſängerin Gertrude Foerſtel, das wegen
Erkrankung der Künſtlerin verſchoben werden mußte, fin=
det
nunmehr beſtimmt am Mittwoch den 18. ds.
Mts., im Saale des Hotels Zur Traube ſtatt. Welch
hoher Wertſchätzung ſich die außerordentliche Kunſt Ger=
trude
Foerſtel in ganz Deutſchland erfreut, beweiſt u. a.
das Urteil der führenden Kölniſchen Zeitung über dieſe
Künſtlerin anläßlich eines der berühmten Gürzenich= Kon=
zerte
, woſelbſt Frl. Foerſtel als oft gehörte und bewun=
derte
Soliſtin regelmäßig erſcheint. Frl. Foerſtel, ſagt
das genannte Blatt, hat einen lieblich quellenden So=
pran
. Manchmal glaubt man ihrem Munde den melodi=
ſchen
Silberborn der unvergeßlichen Pauline Lucca ent=
quellen
zu hören. Sie kann übrigens weit mehr als jene,
die zeitlebens im künſtleriſchen Sinne mehr Naturſängerin
war. Tonanſatz, Tonverbindung, Portamento, Koloratur,
Schattierungskunſt alles atmet höchſte Kultur. Kar=
tenverkauf
bei Georg Thies Nchfl. (Leop. Schutter), Eli=
ſabethenſtraße
.
Weiterſtadt, 12. Febr. ( Geflügelausſtel=
lung
.) Bei der am 8. Februar vom Geflügelzucht=
verein
Weiterſtadt im Gaſthaus zum weißen
Schwan veranſtalteten Geflügelausſtellung wur=
den
folgenden Mitgliedern nachſtehende Preiſe zuerkannt:
Adam Bangert 2 Ehrenpr., 5 erſte, 2 dritte Preiſe; Georg
Menzer 1 Ehrenpr., 1 erſter Preis; Phil. Görich 2 Ehren=
tpreiſe
, 3 erſte, 4 zweite, 4 dritte Preiſe; Hrch. Danz
2 Ehrenpr., 2 erſte Preiſe; Ferd. Beißwenger 2 zweits,
*2 dritte Preiſe; Phil. Poth I. 1 Ehrenpr., 3 erſte, 4 zweite,
*3 dritte Preiſe; Karl Behre 1 Ehrenpr., 1 erſter, 1 dritter
Preis: Ludwig Nickel=Braunshardt 1 Ehrenpr., 2 erſte,
2 zweite, 2 dritte Preiſe; Joh. Heß X. 2 erſte, 2 zweite,
I1 dritter Preis; Martin Meinhard 1 erſter 3 zweite,
2 dritte Preiſe; Phil. Poth II. 1 zweiter Preis; Gg. An=
iton
Heß 1 zweiter, 2 dritte Preiſe; Wilhelm Klein 1 zwei=
ſter
Preis; Karl Heuſe 2 zweite Preiſe; Phil. Hahn IV.
11 erſter Preis; Adam Hartmann 2 Ehranpr., 2 erſte, 4
Zweite, 1 dritter Preis. Als Preisrichter fungierte
Herr Großh. Heſſ. Förſter Kolb=Darmſtadt.
* Auerbach, 12. Febr. (Der Verſchönerungs=,
Kur= und Verkehrsverein) hielt ſeine 47. Gene=
walverſammlung
ab, die leider nur ſchwach beſucht war.
Der Vorſitzende, Herr Rentner Sieben, erſtattete einen
umfangreichen Jahresbericht, aus welchem die lebhafte,
arbeits= und erfolgreiche Tätigkeit des Vereins im abge=
Laufenen Jahre hervorging. Durch die innigen Beziehun=
gen
des Vereins zum Verkehrs=Ausſchuß der Bergſtraße,
auf deſſen letzten Jahresbericht ſich der Vorſitzende beſon=
oers
bezog, konnte er eine lebhafte Steigerung des Ver=
hehrs
nachweiſen. Als Verſchönerungs= und Kurverein
igat der Verein ſeine volle Schuldigkeit getan. Er hielt
. B. die ausgedehnten Spazierwege in unſeren Wäldern
un Ordnung, vermehrte und verbeſſerte ſie an vielen
Stellen, hielt den Bänkebeſtand in guter Ordnung, ver=
mehrte
denſelben auf 112 Bänke und ergänzte das große
Syſtem der Wegweiſer auf das beſte. Die beſonderen An=
bagen
des Vereins, die Schutzhütte, der Emmerlingborn,
deer Eigenbrodt=Brunnen, der Ernſt=Ludwigs=Tempel,
wurden beſonders gepflegt. Als Kurverein veranſtaltete
ar die gewohnten Konzerte uſw. mit dem beſten Erfolge.
Oer Bericht zollte der Provinz=, Kreis=, Forſt= und loka=
ſeen
Behörde herzlichen Dank für die mancherlei Förde=
nung
und Unterſtützung, die dem Verein zuteil geworden
hſt. Mit der Verſicherung, daß der Verein auch weiter
freudig ſeine Pflicht erfüllen wolle, ſchloß der Vorſitzende
ſeinen ausführlichen Jahresbericht. Die Jahresrechnung
wurde einſtimmig genehmigt und dem Rechner Entlaſtung
arteilt. Aus derſelben geht hervor, daß die Einnahmen
(99,45 Mark, die Ausgaben 2497,73 Mark betrugen, ſo daß
ſoch das Vereinsvermögen um 601,72 Mark verbeſſert hat,
wozu das dem Verein zugefallene Legat des verſtorbenen
(öfarrers Leydhecker von 500 Mark beigetragen hat. Der
Verein hat demnach faſt ſeine geſamten Einnahmen zu?
lserſchönerung und zur Hebung des Verkehrs verwendet.
doer neue Voranſchlag pro 1914 ſchließt in Einnahme und
Ausgabe mit 3730 Mark, wobei das Vereinsvermögen und
die Reſerven mit 1870 Mark zu erhalten ſind, demnach
vrka 1860 Mark bei vorſichtiger Schätzung der Einnahmen
umd Ausgaben zur Verfügung ſtehen. Die turnusmäßig
ausſcheidenden Vorſtandsmitglieder, die Herren Schön.
ésemmler und Nau, wurden wiedergewählt. Neugewählt
nurden die Herren Rentner Dieſſel, Kommerzienrat Gut=
juhr
, Profeſſor Dr. von Schütz, Dr. med. Wahn. Die Ver=
ſarmmlung
beſchloß, zu den bisherigen Benennungen noch
die weitere Verkehrsverein hinzuzunehmen, ſo daß der
Name des Vereins von jetzt ab lautet: Verſchöne=
riungs
=, Kur= und Verkehrsverein Auerbach=
Heſſen‟ Die eingelaufenen Anträge wurden im Sinne
dier Antragſteller erledigt, ſoweit dieſelben ſich zur Behand=
lung
vor der Hauptverſammlung eigneten. Insbeſondere
prurde hierbei hervorgehoben, daß der Verein ſeinen gan=
zun
Einfluß geltend machen ſolle, um die Schädigungen,
die durch Staub, übermäßige Fahrgeſchwindigkeit der
Automobile uſw. entſtehen, zu mindern. Auf ein ausrei=
chendes
Sprengen der Ortsſtraßen, Verbeſſerung der Fuß=
weege
zum Schloß uſw. möge der Verein ſein ganzes Inter=
ieſſe
wenden. Dem Stenographenverein Auerbach, der zum
125. Geburtstag Gabelsbergers ein Denkmal im Villen=
vieertel
errichten will, das eine Verſchönerung Auerbachs
beldeutet. bewilligte die Verſammlung einen Zuſchuß von
150 Mark.
Heppenheim a. d. B., 12. Febr. (Ein Brand) ent=
ſtand
geſtern abend hier. Aus bisher nicht aufgeklärten
Gründen ſind die Hofreiten der Landwirte L. Rettig III.
umnd L. Traber in Brand geraten und wurden beide Dach=
ſtö
cke ein Raub der Flammen. Der Schaden iſt ziemlich
ſgroß.
h. Langen, 12. Febr. (In der geſtrigen Stadt=
vorſtandsſitzung
) wurde folgendes beſchloſſen:

Dem Maurermeiſter Valent. Friedr. Sehring hier wer=
den
die Arbeiten und Lieferungen für Herſtellung der
Kanalanſchlüſſe in der Friedrichſtraße zu 1095,30 Mk. auf
Grund ſeines Angebotes übertragen. Dem Stenographen=
verein
Gabelsberger=Langen werden die Räume der
Höheren Bürgerſchule gelegentlich des am 4. Mai mit
dem 9. Bezirkstag verbundenen Wettſchreiben zur freien
Verfügung geſtellt. Gleichzeitig wird dem Verein von der
Stadt ein Ehrenpreis im Werte von 25 Mark
geſtiftet. Der Stadtvorſtand erklärt ſich bereit, für
das Autounternehmen Langen Stadt- Lan=
gen
-Bahnhof der Genoſſenſchaft den Betrag des
Kaufpreiſes für das zu beſchaffende Auto eventl. bis zu
16.000 Mark zu 4 Prozent verzinslich zur Verfügung zu
ſtellen. Das Darlehen iſt innerhalb 5 Jahren zurückzu=
zahlen
. Die Stadt Langen leiſtet einen jährlichen Zuſchuß
in Höhe von 640 Mark. Als Mitglieder der Veranlag=
ungskommiſſion
für die Einkommenſteuer, II. Abteilung,
werden die Herren Joh. Gg. Sehring II., Gg. Anthes,
Phil. Mart, Sallwey III., Gg. Peter Heim I., Konr.
Schäfer II., Jerem. Hrch. Herth I., Hrch. Freud II., Joh.
Adam Hofmann II. und Ludw. Keim V. gewählt. Als
Vertreter zur Bezirksſpackaſſe Langen wurden die Herren
Stadtvorſtandsmitglieder Bärenz und Munz beſtimmt.
Als weiteres Mitglied des Schulvorſtandes wird Stadt=
rat
Brehm beſtimmt. Als Kontrolleur für das Rechnungs=
jahr
1914 wurde Stadtrat Bärenz gewählt.
Buchſchlag, 12. Febr. (Wettſingen.) Der im
Jahre 1908 gegründete Geſangverein Lieder=
hort
in Buchſchlag beabſichtigt, am 16. und 17. Mai d. J.
ein Wettſingen (Konkurrenzſingen) zu veranſtalten.
Der feſtgebende Verein iſt in der Lage, eine größere An=
zahl
wertvoller Ehrenpreiſe, ſowie auch Geldpreiſe in
Ausſicht zu ſtellen, ſo daß faſt allen Vereinen eine ent=
ſprechende
Ehrung zugedacht werden kann. Die Leiſtungen
ſollen durch erſte Muſikdirektoren bewertet werden. Die
näheren Bedingungen können jederzeit von dem Vorſtand
des Liederhort=Buchſchlag bezogen werden. Anmeldungen
ſind bis ſpäteſtens zum 22. Februar d. J. zu bewirken.
Mainz, 12. Febr. (Tödlicher Unfall.) Der
Dragoner Möller aus Opperz bei Neuhof, der beim 6.
Dragonerregiment diente, erhielt von einem Pferde einen
Tritt gegen den Leib wodurch er ſchwer verletzt
wurde und ſich einer Operation unterziehen mußte. Doch
bald nach der Operation erlag er ſeinen Verletzungen.
Die Leiche wurde in die Heimat gebracht und dort beer=
digt
. Regimentskameraden erwieſen dem Toten die letzte
Ehre. Viele Kranzſpenden waren von dem Regiment
und den Kameraden eingetroffen. (Eingebrochen.)
Der ſechsjährige vermißte Knabe aus Mainz-Mombach
wurde geſtern vormittag im Floßhafen als Leiche gelän=
det
. Der Kleine war aufs Eis gegangen, brach dabei ein
und ertrank. Das Unglück hatte niemand bemerkt.
(Ein hoffnungsvoller‟ Junge.) Ein dreizehn=
jähriger
hieſiger Knabe wurde von der Realſchule, weil
er den Aufgaben nicht gewachſen war der Volksſchule
überwieſen. Hier ſoll er vor einigen Tagen Drohungen
gegen die Volksſchullehrer geäußert haben, worauf er
einer Viſitation unterzogen wurde. Das Ergebnis war
ein recht bedauerliches; es fanden ſich ein ſcharfge=
ladener
Revolver und zwei Dolche bei dem
Jungen vor.
Nierſtein, 12. Febr. (Gräberſund.) Bei Ro=
dungsarbeiten
im Felde des Weingutsbeſitzers Georg Rei=
chardt
III. auf der Rehbacherſteig in Nierſtein wurde bei
den Erdſprengungsarbeiten in einer Tiefe von ungefähr
3,50 Meter ein Bleiſarg freigelegt. Der Sarg iſt 1,84
Meter lang und beſteht aus vier Bleibrettern, die ſelbſt
5 Millimeter ſtark ſind. Er war feſt verlötet und ſtammt
nach dem Urteil von Fachleuten aus den Jahren 300 bis
350 n. Chr. Geb. Das Grab ſelbſt iſt das eines vornehmen
Römers. Der Deckel wurde abgelöſt und man fand eine
in Gips eingeſſchlemmte Leiche, von der bis jetzt nur der
Kopf blosgelegt werden konnte. Als beſonderes Merk=
mal
im Gegenſatz zu unſeren Tagen iſt das Gebiß ganz
tadellos. Weitere beigelegte Funde konnten, da der
übrige Teil der Leiche noch in Gips liegt, nicht feſt=
geſtellt
werden.
Vilbel, 12. Febr. (Eine Löſung der Bürger=
meiſterfrage
.) Laut Verfügung des Miniſteriumts
der Juſtiz wurde der frühere Bürgermeiſter Mühl=
ſchwein
, dem die Aemter als Ortsgerichtsvorſteher und
Standesbeamter belaſſen waren, auf ſein Nachſuchen mit
Wirkung vom 1. März 1914 von genannten Aemtern ent=
hoben
und die Aemter dem jetzigen Bürgermeiſter Berg
vom genannten Tage ab übertragen.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 11. Febr. In der geſtrigen
Abendſitzung der Budgetkommiſſion des preußiſchen Abge=
ordnetenhauſes
erläuterte der Geheime Baurat Hoffmann
die ausgeſtellten Pläne ſeines Entwurfes zu dem
Opernhausneubau. Bei der ſich hieran anſchlie=
ßenden
Verhandlung wurde zunächſt eine Reihe von Fra=
gen
an Geheimrat Hoffmann geſtellt, die den Zweck hatten,
Bedenken zu widerlegen, die gegen Einzelheiten des Ent=
wurfs
erhoben worden waren. Dieſe Bedenken wurden
in befriedigender Weiſe aufgeklärt. Hervorzuheben iſt,
daß der Hoffmannſche Entwurf in der Kommiſſion faſt un=
geteilten
Beifall gefunden hat. Heute abend in ſpäter
Stunde hat die Sezeſſion Max Liebermann wie=
derum
zum Präſidenten gewählt. Caſſirer hatte erklärt,
er würde kein Amt annehmen. Damit iſt Mar Liebermann
ſtändiger Präſident der Sezeſſion geworden. Zu den
Käufern des Scherlſchen Verlages gehören,
nach dem Finanzherold, die Großinduſtriellen Haniel, vom
Rath und Brüning von den Höchſter Farbwerken, Boet=
tinger
aus der Elberfelder Farbenfabrik. An der Spitze
des Konſortiums befindet ſich bekanntlich Geheimer Regie=
rungsrat
Dr. von Krueger. In dem benachbarten Dorf
Kaulsdorf wurde in ſeiner Wohnung der 46 Jahre
alte Tafeldecker Nigiſch mit ſeinen beiden Töchtern tot
aufgefunden. Der Befund ergab, daß alle drei einer
Leuchtgasvergiftung erlegen waren. Man neigt zu der
Annahme, daß Nigiſch mit ſeinen Kindern das Opfer einer
Unvorſichtigkeit geworden iſt.
12. Febr. Aus dem Inſtitut für mediziniſche Diag=
noſtik
von Dr. Klopſtock am Schiffbauerdamm wurden
heute nacht etwa 30 Meerſchweinchen und Ka=
ninchen
, die auf Tuberkuloſe geimpft
waren, entwendet. Die Leitung des Inſtituts nimmt
an, daß es ſich um den Racheakt eines entlaſſenen Die=
ners
handelt.
Mannheim, 12. Febr. (Brand.) Heute nacht ½11
Uhr brach in den Mannheimer Iſolierwerken und Kork=
ſteinfabrik
in Rheinau Feuer aus, dem der größte
Teil des Fabrikanweſens innerhalb drei Stunden zum
Opfer fiel. Der Schaden beträgt 165000 Mark. Unter
dem Verdachte der Brandſtiftung wurde ein Arbeiter aus
Haudach verhaftet.

Speyer, 12. Febr. (Ein ſchweres Unglück) er=
eignete
ſich geſtern in der Nähe des Angelwaldes, wo die
Frau des Brauereiarbeiters Ohrig mit ihren beiden Kin=
dern
, einem Mädchen von 9 und einem Knaben von 11
Jahren, Holz holen wollte. Um den Weg abzukürzen,
verſuchten ſie, ein mit Eis bedecktes Altwaſſer zu über=
ſchreiten
, brachen aber alle drei ein. Die beiden Kinder
ertranken, während die Mutter von herbeigeeilten Leuten
mit knapper Not gerettet werden konnte.
Schloßböckelheim, 12. Febr. (Tödlich verun=
glückt
.) In der Nähe des Friedhofes ereignete ſich ein
folgenſchwerer Unfall. Dort hatte der 23jährige Hilfs=
monteur
Joh. Barth aus Wallhauſen einen Richtmaſt be=
ſtiegen
. Der Maſt fiel um und der Hilfsmonteur mit ihm.
Auf der Erde kam er unter den Maſt zu liegen und trug
ſehr ſchwere Verletzungen davon. Auf dem Wege in ein
Kreuznacher Krankenhaus verſchied der Verunglückte.
Eckartsberga, 12. Febr. (Verhaftung.) Heute wur=
den
die beiden Arbeiter Morgenſtern und Haniſch aus
Eckartsberga, die an der Erſchießung des Revier=
förſters
Ludwig beteiligt ſind, feſtgenommen. Morgen=
ſtern
hat eingeſtanden, den tödlichen Schuß auf Ludwig
abgegeben zu haben.
Hamburg, 12. Febr. (Der Reichskanzler) wird,
der Einladung des Senates entſprechend, in den erſten
Tagen des März Hamburg beſuchen.
Prag, 12. Febr. (Verhaftung eines Mör=
ders
.) Geſtern wurde der 24jährige Leopold Sochor
aus Wien als Hoteldieb verhaftet. Die Nachfor=
ſchungen
ergaben, daß der Verhaftete ein lange geſuchter
Mörder iſt. Er hatte am 30. Juni die Marie Schmiedt in
Wien, am 19. Januar die Kellnerin Muhr in Jofefſtadt
erwürgt und beraubt. Der Mörder iſt geſtändig. Er hat
ſich monatelang in Wien, Hamburg und Prag in der Uni=
form
eines öſterreichiſchen Zugführers, die den Verdacht
von ihm ablenkte, herumgetrieben.
Trieſt, 12. Febr. (Aus Rache erſchoſſen.) Der
Betriebsingenieur Pichler von der Maſchinenfabrik Sta=
bilimento
tecnico wurde von einem entlaſſenen Arbeiter
aus Rache durch einen Revolverſchuß getötet. Der Mör=
der
entfloh. Etwa 900 Arbeiter der Fabrik legten an=
läßlich
des Attentates die Arbeit nieder.
Paris, 12. Febr. (Zu neuen Mit gliedern der
Academie frangaiſe) wurden gewählt: der Dra=
matiker
Alfred Capus, der Hiſtoriker Pierre de la
Gorck, der Philoſoph Bergſon.
Bourgos, 12. Febr. (Kirchenraub.) In der ver=
gangenen
Nacht drangen bisher unbekannte Miſſetäter in
die aus dem 14. Jahrhundert ſtammende Outrillkirche ein,
richteten die ärgſten Verwüſtungen an und raubten die
goldene Krone von zwei Heiligenſtatuen.
London, 12. Febr. (Verbrechen von Wahl=
weibern
?) Die von Carnegie geſtiftete Bibliothek in
Northfield bei Birmingham iſt heute morgen niederge=
brannt
. Es ſcheint ein Anſchlag von Wahlweibern vorzu=
liegen
.
London, 12. Febr. (Frecher Raub.) Nach einer
Kabelmeldung aus Neu=York drangen ſieben bewaffnete
Banditen in das Tripoli=Reſtaurant im italieniſchen
Viertel Neu=Yorks ein und beraubten die Gäſte ihres
Bargeldes und der Wertſachen, indem ſie ihnen Dolche an
die Kehlen und Revolver an die Schläfen ſetzten. Ein
Mann, der ſich zur Wehr ſetzte, erhielt einen tödlichen
Stich in den Unterleib. Die Strolche erbeuteten
insgeſamt 16000 Mark. Drei wurden von der Polizei
feſtgenommen.
Neu=York, 12. Febr. (Ein heldenmütiger
Kapitän.) Nach einer Meldung aus Neu=Orleans
wurde auf dem kleinen Küſtendampfer Gom der
den Handel mit dem Mexikaniſchen Golf vermittelt, am
Dienstag früh Feuer entdeckt. Die 20 Mann ſtarke Be=
ſatzung
arbeitete verzweifelt, doch griffen die Flammen ſo
ſchnell um ſich, daß man bald die Unmöglichkeit einſah,
das Schiff zu retten. Der 65 Jahre alte Kapitän Brarry
ſteuerte ſofort auf den nächſten Punkt der Küſte von
Louiſiana zu und blieb während des ganzen verzweifel=
ten
Ringens mit dem Tode am Steuerruder. Das Feuer
wurde immer heftiger und es wurde faſt unmöglich, auf
dem Hinterteil des Schiffes zu bleiben. Der Kapitän
ſandte daher die Mannſchaft nach dem Vorderteil des Schif=
fes
und blieb allein auf der Brücke. Als Land geſichtet
wurde, waren der Rauch und das Feuer ſo heftig, daß der
Kapitän das Steuerruder feſtband für den Fall,
daß er zuſammenbrechen ſollte. Er blieb aber auf ſeinem
Poſten. Als jedoch das Schiff aufgelaufen war, lag der
Kapitän bereits im Sterben. Die Mannſchaft
wurde gerettet.

Stadtverordnetenverſammlung.

22. Sitzung.
St. Darmſtadt, 12. Februar.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die Sitz=
ung
um 4 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung ſtellt
Stadtv. v. Heſſert eine Anfrage, betr. die Arbeitsver=
gebung
zur Fliegerkaſerne, die aber am Preſſetiſch nicht
zu verſtehen iſt.
Die hohen Milch preiſe.
Herr Stadtv. Jung ſtellt im Anſchluß an die Einge=
ſandts
in den Tageszeitungen die Anfrage: Was ge=
denkt
der Herr Oberbürgermeiſter zu tun, wenn die orga=
niſierten
Milchproduzenten und Milchhändler den unorga=
niſierten
Milchverbrauchern nicht die den heutigen Pro=
duktionsverhältniſſen
entſprechenden Milchpreiſe be=
willigen
?
Unſere heutigen Milchpreiſe ſeien in dem Futtermittel=
notjahr
1911 entſtanden durch Erhöhung des damaligen
Milchpreiſes von 22 auf 24 Pfg. Mittlerweile habe ſich
ein Umſchwung in den Produktionsverhältniſſen ange=
bahnt
. Der Milchpreis ſei, da die Milch das wichtigſte
aller Lebensmittel iſt, von größtem Einfluß auf die Volks=
geſundheit
und die Volksvermehrung, die Geburten= und
Kinderſterblichkeitsziffer. In verſchiedenen Städten ſei in
letzter Zeit eine Herabſetzung des Milchpreiſes eingetreten,
z. B. in Mannheim durch die ſtädtiſche Milchzentrale, in
Baſel durch den dortigen Konſumverein, dem 90 Prozent
der dortigen Bevölkerung angehören, vom Arbeiter bis
zum Millionär, und der infolge ſeiner Eigenſchaft als
Großabnehmer einen kräftigen Einfluß auf die Preisbil=
dung
ausüben könne, ſo daß eine Preiserniedrigung um
4 Pfg. das Liter möglich war. In Darmſtadt bedeute ein
Preisabſchlag von 2 Pfg. das Liter der ſtädtiſchen Bevöl=
kerung
eine jährliche Erſparnis von 365000 Mark bei einem
täglichen Bedarf von 50000 Litern. Er wolle nicht unter=
ſuchen
, ob an den Milchproduzenten ober an den Milch=
händlern
das Hemmnis der Preisherabſetzung liege. Er
wolle auch nicht die Gründung einer ſtädtiſchen Milchzen=
trale
anregen, da er hoffe, daß auch ohne dieſe Maßnahmo
eine geſunde Preisbildung unter Mitwirkung des Herrn
Bürgermeiſters Mueller zu erreichen ſei. Durch den zu
erwartenden Mehrumſatz in Milch und billigere Futter=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Nummer 44.

mittelpreiſe könnte ein Ausfall im Preis für Händler und
Produzenten ausgeglichen werden.
Bürgermeiſter Mueller: Mit der Einführung einer
Milchverkaufszentrale habe man ſich ſchon früher beſchäf=
tigt
, aber die Erfahrung gemacht, wie auch in Mannheim,
Frankfurt uſw., daß verhältnismäßig nichts dabei heraus=
kommt
. Auch bezüglich der ſonſtigen Lebensmittelver=
käufe
in eigener Regie, die faſt ſtets erhebliche Zuſchüſſe
erforderlich machen, iſt das Reſultat faſt immer gleich Null.
Die Produzenten haben feſtgeſtellt, daß ſie die Situation=
von
1911 nicht einmal voll ausgenützt haben, in Frank=
fürt
uſw. ſeien damals höhere Preiſe eingeführt worden.
Die Milchhändler verdienen etwa 6 Pfg. am Liter, dieſen
Verdienſt müſſen ſie aber haben in Anbetracht ihrer Un=
koſten
uſw. Ein Herabſetzen der Verkaufspreiſe ſeitens der
Produzenten haben dieſe für unmöglich erklärt, weil die
zür Milchkuhfütterung erforderlichen Futtermittel keines=
wegs
billiger geworden ſind. Es iſt zuzugeben, daß die
hohen Milchpreiſe für den Konſumenten ſehr unangenehm
ſind, aber es iſt zurzeit tatſächlich kaum möglich, jetzt Aen=
derung
zu ſchaffen. Die Situation iſt äußerſt ſchwierig.
Stadtv. Dr. Noellner: Die Milchverkaufsverhält=
niſſe
in Darmſtadt ſind zurzeit ſehr fatal. Das liegt zum
größen Teil daran, daß ſehr viel paſteuriſierte
Milch verkauft wird ohne als ſolche bezeichnet zu ſein.
Dieſe Milch birgt eine Menge Gefahren, die frü=
her
nicht bekannt waren. Die ganzen Milchverhältniſſe
bedürfen dringend der Reform. Angefangen muß ſchon
bei der Milchverkaufsordnung werden. Tatſächlich ent=
ſprechen
unſere Milchverhältniſſe nicht einmal den gedruckt
ten Beſtimmungen für die Milchprüfer. Vor allem iſt
notwendig, über den Umfang des Verkaufs paſteuriſierter
Milch Erhebungen anzuſtellen. Eine gründliche Reviſion
aller Beſtimmungen beim Polizeiamt iſt notwendig. Die
Zentrale iſt nicht zu empfehlen. In Frankfurt hat eine
ſolche Zentrale in einem halben Jahre 36000 Mark Zu=
ſchuß
erfordert. Damit iſt es nur gelungen, den Preis
um 1 Pfg. herabzudrücken. Dabei iſt zu bedenken, daß wir
in Darmſtadt Quantitätsmilch haben, was in Frankfurt
nicht ſo der Fall iſt. Die Wünſche, den Fettgehalt der
Milch herabzuſetzen, ſollten nicht erfüllt werden. Die Milch=
händler
ſind nicht ſchuld an der Miſere, ſie müſſen den
Verdienſt haben, wenn ſie beſtehen ſollen.
Stadtv. Stemmer: Die Konſumvereine wollen nichts
anderes, als daß die Stadt mit dem Steuerzahlerkapital
den Milchhändlern in den Arm fällt. Man ſollte doch
bedenken, daß die Milchhändler auch Steuern bezahlen uſw.
Die Beamten haben jetzt die Gehaltserhöhung durchge=
drückt
und nun wolle man anderen Kreiſen des Mittel=
ſtandes
die Einnahmen beſchneiden; das ſollte man doch
laſſen. Stadtv. Dr. Kolb ſtimmt im Prinzip mit dem
Stadtv. Dr. Noellner überein, doch hält er die Er=
richtung
einer Milchverkaufszentrale für wohl angängig.
Der Geſundheitsrat ſöllte ſich einmal der Angelegenheit
annehmen. Stadtv. Jung: Ich habe meine Anfrage
nicht als Konſumvereinler, auch nicht als Lehrer geſtellt,
ſondern im Intereſſe der Volksgeſundheit. Die Lehrer
ſind ſo geſtellt, daß ſie ruhig einen Pfennig für die Milch
mehr bezahlen können. Den Schwerpunkt meiner Aus=
führungen
habe ich auf die Verbilligung der Prodnktions=
verhältniſſe
gelegt. Stadtv. Stemmer: Herr Jung
hat tatſächlich als Konſumvereinler geprochen, denn er
hat den Baſeler Konſumverein als muſtergültig hingeſtellt.
Stadtv. Delp: Es iſt fraglich, ob es notwendig war,
hier eine Attacke gegen die Konſumvereine zu reiten, wie
der=Stadtv. Stemmer es getan. Wir werden ja nächſtens
Gelegenheit haben, darüber zu ſprechen, welche Kreiſe als
Nutznießer der ſtädtiſchen Mittel reſp. der Mittel der
Steuerzahler in Betracht kommen. Damit ſchließt die De=
batte
. Es wird in die Tagesordnung eingetreten.
Baudispensgeſuche.
Der Deutſchvölkiſche Turnverein Jahn
beäbſichtigt, auf dem Grundſtück Flur 24 Nr. 14 einen ge=
deckten
Güterwagen aufzuſtellen, der als Geräteraum uſw.
dienen ſoll. Da das Gelände außerhalb des Bebauungs
planes liegt, iſt Geſtattung einer Ausnahme von § 5 des
Ortsbauſtatuts erforderlich. Die Verwaltung beantragt,
auch der Konſequenzen wegen, der Aufſtellung eines Güter=
wagens
nicht zuzuſtimmen, zumal ſie in nächſter Nähe der
Landhäuſergruppe an der Nieder=Ramſtädter Straße ge=
ſchehen
ſoll.
Referent Stadtv. Wagner befürwortet dieſen Antrag,
die Stadtvv. Saeng und Pickert wenden ſich gegen
den Antrag und empfehlen Genehmigung des Geſuches.
Stadtv. Sames erklärt, der Ausſchuß wolle nur verhin=
dern
, daß ein abgetakelter Güterwagen an den Platz ge=
ſtellt
wird. Wenn eine anſtändige Halle dorthin geſtellt
wird, habe man nichts dagegen. Der Antrag des Aus=
ſchuſſes
wird angenommen.
Für die Errichtung eines Einfamilien=
hauſes
an der außerhalb des Bauplatzes liegenden
Südſeite der Landskronſtraße zwiſchen Ludwigs=
höhſtraße
und Verlängerung der Kiesbergſtraße wird um
Geſtattung einer Ausnahme von § 5 des Ortsbauſtatuts
nachgeſucht. Geſuchſteller rechnet mit einer Breite der
Landskronſtraße von 16 Metern, einer Bauplatzgröße von
500 Quadratmetern und einem Gebäudegrenzabſtand von
3½ Metern. Der Oberbürgermeiſter beantragt Befürwor=
tung
des Geſuchs unter den Bedingungen, daß der Bau=
platz
in den von dem Stadtbauamt vorgeſchlagenen Be=
bauungsplan
ſich eingliedert, eine Mindeſtgröße von 1000
Quadratmetern erhält, und weiter, daß der Gebäude=
abſtand
5 Meter beträgt.
Ein hieſiger Gärtner beabſichtigt, auf ſeinem
Grundſtück in Flur 33 nächſt des Pfarrwieſenwegs ein
Warmhaus nebſt einem Aufenthaltsraum für Gartenarbei=
ter
zu errichten. Hierzu iſt Geſtattung einer Ausnahme
von § 5 des Ortsbauſtatuts erforderlich. Die Verwaltung
beantragt, weil es ſich um eine Gärtnerei handelt, das
Geſuch zu befürworten. Zu beiden Geſuchen wird den
Ausſchußanträgen nach dem Referat des Stadtv. Mark=
wort
zugeſtimmt.
Für die Ludwigs=Oberrealſchule.
Auf Veranlaſſung des Großh. Kreisgeſundheitsamts
mußten größere Herſtellungen in dem Gebäude der Lud=
wigs
=Oberrealſchule vorgenommen werden, mit denen bei
Aufſtellung des Voranſchlags für 1913 nicht gerechnet
wurde. Infolgedeſſen iſt der Unterhaltungskredit aufge=
braucht
und zur Beſtreitung von laufenden Unterhaltungs=
arbeiten
eine Krediterweiterung um 900 Mark nötig. Der
Hochbau=Ausſchuß hat dieſe Nachbewilligung befürwortet.
Nach dem Referat des Stadtv. Sames wird der Aus=
ſchußantrag
angenommen.
Niederlegung eines ſtädtiſchen Gebäudes.
Das Seitengebäude der ſtädtiſchen Hofreite Beſ=
ſunger
Straße 48 iſt vom Hausſchwamm be=
fallen
und auch im übrigen in einem baulich ſehr ſchlechten
Zuſtande, ſo daß von dem Stadtbauamt ſeine Nieder=
legung
beantragt wird. Die in dieſem Gebäude befind=
liche
Beſſunger Leſe= und Bücherhalle muß deshalb in das
Erdgeſchoß des Vordergebäudes verlegt werden: Die Her=
richtung
dieſer Räume für Zwecke der Bücherhalle koſtet

nach vorliegendem Voranſchlag 200 Mark, die von der
Stadt zu tragen ſind. Der Hochbau=Ausſchuß iſt hiermit
einverſtanden. Die Verſammlung ſtimmt nach dem Refe=
rat
des Stadtv. Wittmann zu.
Erneuerung eines Kanals.
Der Kanal in der Schießhausſtraße zwiſchen Beſſun=
ger
Straße und Bruchwieſenſtraße iſt ſehr baufällig und
muß nach dem Bericht des Tiefbauamts alsbald erneuert
werden. Dieſe Maßnahme erfordert einen Koſtenauf=
wand
von 50000 Mark.
Die Verwaltung hat die Erneuerung des Kanals
z. L. von Vermögensmitteln beantragt.
Auch dieſem Antrag wird nach dem Referat des
Stadtv. Wittmann zugeſtimmt.
Maßnahmen zur Erhöhung des Gasver=
brauchs
.
In Ausführung der Maßnahmen zur Erhöhung des
Gasverbrauchs, die grundſätzlich von der Stadtverord=
netenverſammlung
beſchloſſen wurden, ſoll ein Laden
für Ausſtellung und Vorführung von
Gasapparaten gemietet werden.
Es wird Bewilligung der erforderlichen Mittel bean=
tragt
.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing begründet den
Antrag der Verwaltung mit der Notwendigkeit, nach
Herabſetzung des Preiſes für Gas uſw., den Konſum zu=
ſteigern
. Es ſoll dazu ein Laden in einem ſtädtiſchen
Hauſe eingerichtet und eine Werbedame angeſtellt werden.
Stadtv. Haury hält beides nicht für nötig, da
die hieſigen Spengler dem Publikum ausreichend Ge=
legenheit
geben, das Gas und ſeine Vorzüge kennen zu
lernen. Redner fordert weiter, die Steigleitungen durch
Privatinſtallation ausführen zu laſſen und wird vom
Vorſitzenden darauf aufmerkſam gemacht, daß das heute
nicht zur Tagesordnung ſteht Stadtv. Stemmer
unterſtützt die Wünſche des Vorredners. Der Vor=
ſitzende
vertritt nochmals den Antrag der Verwal=
tung
. Beig. Ekert ſtellt dem Stadtv. Haury gegen=
über
feſt, daß es ſich hier keineswegs um eine Förderung
rein ſtädtiſcher Intereſſen handelt, ſondern um eine Ange=
legenheit
von allgemeiner Bedeutung. Mit den Inſtalla=
teuren
iſt Fühlung genommen worden und eine faſt voll=
ſtändige
Einigung erreicht worden. Es iſt zu bedauern,
daß nun auf einmal hier der Angelegenheit eine
ſolche Gegnerſchaft entſteht. Es ſoll doch keineswegs den
Inſtallateuren Konkurrenz gemacht werden. Stadtv.
Henrich: Es iſt notwendig, den Gaskonſum zu popula=
riſieren
. Die Wege dazu müſſen natürlich eingehend ge=
prüft
werden. Der Oberbürgermeiſter und
Stadtv Noellner ſtellen feſt, daß die ganze Angelegen=
heit
doch in dem Intereſſe der Inſtallateure liegen ſoll.
Wenn der Gaskonſum ſich ſteigert, ſteigt doch auch die Ar=
beit
der Inſtallateure. Der Antrag des Oberbürger=
meiſters
, die Angelegenheit nochmals zurückzuſtellen
wird dann angenommen.
Die Rechnung des Realgymnaſiums.
Die Rechnung der Realgymnaſialkaſſe für 1912ſchließt
ab in Einnahme und Ausgabe mit 276 626,38 Mark. Der
ſtädtiſche Zuſchuß beträgt 80 510,85 Mark. Nach dem Re=
ferat
des Stadtv. Bormet wird die Rechnung geneh=
migt
.
25jähriges Jubiläum der Hauswirtſchaft=
lichen
Fortbildungsſchule.
Anläßlich des 25jährigen Beſtehens der Schule ſoll
anfangs April eine größere Feier veranſtaltet werden. Aus
Sparſamkeitsgründen wird das übliche Winterfeſt
nebſt Ausſtellung mit der Feier zuſam=
mengelegt
. Die Mehrkoſten betragen 350 Mark. Die
Mittel ſollen dem Reſervefonds für 1913 entnommen
werden.
Nach dem Referat des Stadtv. Dr. Noellner wird
dem Antrag zugeſtimmt.
Ergänzung der Dienſtmänner=Ordnung.
Das Polizeiamt hat eine Ergänzung des § 14 der
Dienſtmännerordnung vom 6. April 1907 vorgeſchlagen
und die Zuſtimmung der Stadtverwaltung gemäß Artikel
129b der Städteordnung erbeten. Es wird Zuſtimmung
beantragt. Die Ergänzung bezweckt, daß amtlichen
Ladungen bei Strafausſpruch Folge zu
leiſten iſt.
Der Referent Stadtv. Linck empfiehlt Annahme des
Antrages. Stadtv. Dr. Fulda iſt anderer Anſicht.
In anderen Städten kommt man auch ohne dieſe Beſtim=
mung
aus. Zu beanſtanden iſt beſonders die Beſtim=
mung
, daß jeder Dienſtmann der Vorladung des Polizei=
amts
ohne weiteres Folge leiſten muß. Es iſt hierzu
mindeſtens die Einſchränkung nötig, daß es ſich nur um
berufliche Dinge handeln darf.
Bürgermeiſter Mueller: Es ſoll ſich bei dieſer
Ladung keineswegs etwa ſtets um eine Maßregelung
handeln, die Ladung kann und ſoll vielmehr auch den
Intereſſen des Dienſtmanns ſelbſt dienen. Die Ladungs=
möglichkeit
zu beſchränken, würde ſich nicht empfehlen,
denn man kann unmöglich alle etwa denkbaren Fälle be=
ſonders
anführen. Stadtv. Aßmuth empfiehlt Ein=
führung
eines beruflichen Schiedsgerichts, doch wird die=
ſer
Vorſchlag von Stadtv. Sames und dem Bürger=
meiſter
Mueller als undurchführbar bekämpft. Nach
weiterer Debatte wird beſchloſſen, die Angelegenheit dem
Polizeiamt zurückzugeben, um einen anderen
Wortlaut zu formulieren, aus dem hervorgeht, daß es ſich
nur um Angelegenheiten handeln darf, die dienſtlichen
Charakter haben.
Damit iſt die Tagesordnung erſchöpft.

Parlamentariſches.

C Der Vierte Ausſchuß der Zweiten Kammer
hielt geſtern vormittag eine längere Sitzung ab unter dem
Vorſitz des Abg. Raab. Eine längere Ausſprache fand
über den Antrag des Abg. Dr. Winkler, die Obſtmärkte
in Alsheim und Worms betreffend, ſtatt. Es wurde be=
ſchloſſen
, noch einmal mit der Regierung Verhandlungen
hierüber anzubahnen. Zu dem Antrag des Abg. Urſtadt,
die Fideikommißgüter betreffend, über den der Abg. Hauck
referierte, wurde beſchloſſen, zunächſt ſtatiſtiſche Aufſtel=
lungen
von der Regierung zu erbitten. Die Vorſtellung
des Hausbeſitzervereins, der Landes= Brandverſicherungs=
anſtalt
, des Verbandes der Hausbeſitzervereine, betr. Auf=
hebung
der Wertzuwachsſteuer, wurde vorerſt für erledigt
erklärt, weil die Regierung einen entſprechenden Entwurf
zugeſagt hat. Der Antrag des Abg. Senßfelder, die Notar=
ſtelle
in Groß=Gerau betreffend, wurde für erledigt erklärt,
weil er inzwiſchen durch die Tatſache überholt iſt. Die
gleiche Erledigung fanden eine Anzahl weiterer Vorſtel=
lungen
.
Der Finanzausſchuß, der in ſeiner geſtrigen
Sitzung nur die inzwiſchen fertiggeſtellten, von uns bereits
früher ausführlich behandelten Berichte entgegennahm und
genehmigte, wird ſeine nächſte Sitzung am kommenden
Donnerstag abhalten.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 12. Febr. Präſident Dr. Kaempf
eröffnet die Sitzung um 1.16 Uhr. Die
zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern
wird fortgeſetzt.
Präſident. Dr. Kaempf: Nach dem vorliegenden
Stenogramm hat der Abg. Bauer geſtern geſagt, gewiſſe
Beſtimmungen der Reichsverſicherungsordnung ſeien ein
Hohn auf den kaiſerlichen Erlaß von 1890. Dieſe Worte
verſtoßen gegen die Ordnung des Hauſes und enthalten
eine Beleidigung ſowohl des Reichstages wie des Bun=
desrates
.
Abg. Irl (Zentr.): Auch wir wünſchen, daß die
Rechtſprechung des Reichsverſicherungsamts unparteiiſch
und gerecht ſei. Es wirken in ihr doch aber auch die
Vertreter der Verſicherten mit und da ſtellt ſich heraus,
daß die Fälle vielfach ganz anders waren, als ſie zuvor
in der Preſſe geſchildert wurden. (Unruhe und Zurufe
bei den Sozialdemokraten) Wenn ein Redner von Ihnen
(zu den Sozialdemokraten) drei Stunden lang redet, ſo
hören wir ihn ruhig an. Sie ſind aber bereit, bei jedem,
der einen entgegengeſetzten Standpunkt darlegt, ihm ſo=
fort
Schwierigkeiten zu machen. (Lebhaftes: Sehr richtig!)
Bezüglich der Denkſchrift der berufsgenoſſenſchaftlichen
Rücklagen möchte ich fragen, ob zu ihrer Aufſtellung auch
Sachverſtändige, die die Verſicherungstechnik beherrſchen,
hinzugezogen worden ſind, oder ob ſie bloß auf mathema=
tiſchen
Berechnungen beruht Sodann frage ich, ob das
von dem Berufsgenoſſenſchaftsdirektor Markus im Auf=
trage
ſeiner Genoſſenſchaft herausgegebene Buch auch
Sachverſtändigen unterbreitet worden iſt. Wir fordern
in unſerer Reſolution, daß die in der Reichsverſicherungs=
ordnung
vorgeſehenen Vorſchriften behufs Bereitſtellung
der Rücklagen der Berufsgenoſſenſchaften für den Perſo=
nalkredit
, namentlich für das Handwerk und ſonſtige
kleine Gewerbetreibende bald erlaſſen werden. Für die
verſicherten Arbeiter beſteht, wie ausdrücklich hervorge=
hoben
werden muß, kein Grund zu Befürchtungen hin=
ſichtlich
der Sicherſtellung ihrer Anſprüche. Dem Antrag
auf Ueberweiſung der Denkſchrift an eine Kommiſſion
ſtimmen wir zu, wünſchen aber, daß auch Sachverſtändige
zu dieſen Verhandlungen hinzugezogen werden. (Beifall
im Zentrum.)
Abg. Schulenburg (natl.): So ſchlecht, wie die
Reichsverſicherungsordnung geſtern von dem ſozialdemos
kratiſchen Redner gemacht worden iſt, iſt ſie denn doch
nicht. Wir haben etwas Gutes mit ihr geſchaffen. Man=
ſollte
es bezüglich der Rücklagen bei dem bisherigen Zu=
ſtand
bewenden laſſen. Auch wir beantragen Ueberwei=
ſung
an eine Kommiſſon von 15 Mitgliedern. Abg. Dr
Doormann (Fortſchr. Volkspt.): Der Reichstag muß
ſich in Zukunft hüten, wieder in ein Geſetz die Beſtim=
mung
aufzunehmen, daß die geſetzlichen Vorſchriften nach
einer beſtimmten Zeit zur erneuten Beſchlußfaſſung vor=
gelegt
werden ſollen. Wir können beſchließen, was wil
wollen, da der Bundesrat jetzt nicht geneigt iſt, eine Aen=
derung
eintreten zu laſſen, ſo bleibt alles beim alten Den=
Mathematik=Technikern im Miniſterium des Innern fehlte
bei den Berechnungen für die Reichsverſicherungsordnung
eine feſte Grundlage. Die Praxis hat aber ihre Voraus=
berechnungen
beſtätigt. Mit einer Kommiſſionsberatung
ſind wir einverſtanden. Durch die Rücklagen werden nas
mentlich dem kleinen Gewerbetreibenden Kapitalien ent=
zogen
, die zuſammengenommen, eine erhebliche Summe
ausmachen und in der Induſtrie beſſer angelegt wären,
als in den Berufsgenoſſenſchaften. Ich abedauere, däß.
ſchon jetzt die Rücklagen ſolche Dimenſionen angenommen
haben, daß den Unternehmern die Freude an der ſoziälen
Arbeit der Unfallverſicherung genommen wird und das
wäre im Intereſſe der Reichsverſicherungsordnung, die
des deutſchen Namens würdig iſt, zu bedauern.
Kaiſerlicher Rat Aurin: Die Frage, ob das Werk
des Direktors Markus auch ſonſtigen Sachverſtändigen
vorgelegt worden ſei, iſt zu verneinen, ebenſo diefenige,
ob die Denkſchrift auch Sachverſtändigen außerhalb des
Reichsamts des Innern unterbreitet worden ſei. Von einek
Rentenquetſcherei durch die Berufsgenoſſenſchaften kann
keine Rede ſein. Den gemachten Berechnungen fehlt die
feſte Grundlage. Etwa 30 Prozent des Bedarfs ſind ge=
deckt
, an eine volle Deckung denkt kein Menſch. Die Rücke
lagen, die die Regierung verlangt, ſind außerordentlich
milde. Die Anſammlungen des Reſervefonds gingen ſehr
ſchonend vor ſich, wenn auch zuzugeben iſt, daß die Bee
rufsgenoſſenſchaften noch ſtark belaſtet ſind. Solange wir
in einer aufſteigenden Konjunktur ſind, werden die Re=
ſervefonds
immer ſehr ruhig getragen werden, kommen
Schwierigkeiten, dann wird das Verſicherungsamt auch
Milderungen eintreten laſſen.
Abg. Siebenbürger (konſ.): Wir werden in der
Kommiſſion mitarbeiten. Wir begrüßen die Einbeziehung
der Landkrankenkaſſen in die Reichsverſicherungsordnung
Sie hat ſich gut bewährt und heute wird nicht nurein
Berlin und Umgebung ſondern in ganz Deutſchland, der
Ruf nach Landkrankenkaſſen laut. Ein Mangel iſt die
hohe Kaution, die für die Verſicherungsbefreiung gefor=
dert
wird Pro Arbeiter werden vielfach 200 Mark ver=
langt
. Dies iſt ein unhaltbarer Zuſtand. Andere Kaſſen
ſind zwar nicht ſo rigoros, in einem Berliner Vorokte
wurden aber Kautionen von 1000 Mark verlangt. Welche
Stellung nimmt der Staatsſekretär in dieſer die weiteſten
Kreiſe berührenden Frage ein? Die bürgerlichen Par=
teien
mögen ſich an den Krankenkaſſenwahlen eifrigbe=
teiligen
, ſonſt wird die Sozialdemokratie bald wieder
zur Oberherrſchaft in den Kaſſen kommen. Gleichzeitig
appelliere ich an die Regierung, ihr Beſtätigungsrecht da=
hin
anzuwenden, daß nicht Agitatoren in dieſe Stellen
hineinkommen. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Die
Bauern wünſchen, daß dort, wo es fich als nötig heraus=
ſtellen
ſollte, erlaubt wird, daß Ortskrankenkaſſen in
Landkrankenkaſſen umgewandelt werden. Für die Land
krankenkaſſen und die freie Aerztewahl tritt ſogar das
Berliner Tageblatt ein. Der Zentrumsreſolution werden
wir zuſtimmen.
Staatsſekretär Dr. Delbrück: Die zahlreichen ein=
zelnen
Vorwürfe, die der ſozialdemokratiſche Redner hiel
vorgebracht hat, kann ich auf ihre Richtigkeit nicht prüfen
Jedenfalls handelt es ſich aber in einer großen Zahl um
Fälle, die vor den preußiſchen Landtag gehören. Was
die Reichsleitung betrifft, ſo hat der Herr Reichskanzlek
kein allgemeines Aufſichtsrecht bezüglich der einzelnen
Bundesſtaaten, ſondern iſt lediglich auf Grund der Ver=
faſſung
verpflichtet, dafür zu ſorgen, daß die Geſetze grund
ſätzlich richtig durchgeführt werden. Ich bin bereit, alle
hier vorgebrachten Fälle zu prüfen und mich dieſerhalh
mit dem Handelsminiſter in Verbindung zu ſetzen. Bei
der weitaus großen Mehrzahl der vorgebrachten Ber
ſchwerden handelt es ſich nicht um Beſchwerden, die in
der Mangelhaftigkeit des Geſetzes ihren Urſprung haben
ſondern in der Durchführung des Geſetzes. Das iſt nicht
wunderbar. Eine große Zahl von Behörden iſt mitde
Durchführung des Geſetzes betraut worden, die frühen
wenig oder gar nichts mit dieſer Materie zu tun hatte
Darum iſt der Vorwurf ungerechtfertigt, daß die Behöl=

[ ][  ][ ]

Nummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Seite 7.

den geſetzwidrig gehandelt hätten. Laſſen Sie uns Zeit,
uns auch in dieſes Geſetz einzuleben. Wir ſehen hier das=
ſelbe
wie bei anderen Geſetzen, wo auch zuerſt ein Sturm
von Beſchwerden losbrach, die aber im Laufe der Zeit
durch die Zentralbehörde auf ein Minimum beſchränkt
wurden.
Abg. Behrends (Wirtſch. Vgg.): Der Darlegung
des Staatsſekretärs, daß die Behörden über die Materie
des Geſetzes nicht gehörig vertraut geweſen ſeien, kann
man nur zuſtimmen. Bei den Rentenentziehungen könnte
häufig etwas milder verfahren werden, überhaupt ſollten
die Aemter weniger bureaukratiſch vorgehen. Abg.
Feldmann (Soz.): Daß wir Mittelſtandsexiſtenzen
vernichten wollten, trifft nicht zu, daran haben wir kein
Intereſſe. Nach den Entſcheidungen der Verſicherungs=
anſtalt
gilt ein Erblindeter nicht als völlig erwerbsun=
fähig
. Gleichzeitig entſchied man auch dahin, daß, wenn
jemand den Kopf verloren hat, er ſich auch daran gewöh=
nen
kann. (Heiterleit.) Die Entſcheidungen der Verſiche=
nungsämter
ſind viel ach himmelſchreiend. Zum minde=
ſten
müßte ein Exiſtenzminimum feſtgelegt werden.
Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Die Frage der
Kautionsſtellung für die Befreiung von der Verſicherungs=
pflicht
läßt ſich nur von Fall zu Fall entſcheiden. Die
Landkrankenkaſſen haben ſich bewährt, ihre Vermehrung
entzieht ſich aber dem Einfluß des Reichskanzlers. Was
die Verſicherungspflicht der Hauskinder betrifft, die in
der Landwirtſchaft beſchäftigt ſind, ſo bezieht ſie ſich nur
auf ſolche Kinder, die gegen Lohn beſchäftigt ſind. Nah=
rung
gilt dabei nicht als Lohn. Die Rente zu erhöhen,
wenn des Arbeiters Verdienſt geſtiegen iſt, geht nicht an.
Die Uebernahme von Beamten der alten Kaſſen ſteht den
neuen Kaſſen frei und ihre Tätigkeit wird durch eine
Dienſtordnung feſtgelegt. Die Regierung iſt berechtigt,
den Kaſſenbeamten die Befugniſſe von Reichsbeamten zu
gewähren. Außerdienſtlich können ſich dieſe Beamten po=
litiſch
und religiös frei betätigen, während die mittel=
baren
Reichsbeamten ſich gewiſſe Beſchränkungen aufzu=
erlegen
haben.
Abg. Aſtor (Zentr.): Das Hilfsarbeiterweſen in den
Berufsgenoſſenſchaften muß eingeſchränkt werden. Darin
ſind ſchon Beſſerungen eingetreten. Auf die übrigen An=
twürfe
der Sozialdemokraten (Glocke. Vizepräſident
Dr. Dove bittet, dieſen Ausdruck zu vermeiden.) Abg.
Aſtor (Zentr., fortfahrend): Auch die übrigen Vorwürfe
ddes Abg. Giebel gegen die Organiſation der Berufsge=
moſſenſchaften
ſind ungerechtfertigt. Wenn der Abg.
Bauer von einer ſchwankenden, unklaren Rechtſprechung
des Verſicherungsamtes ſpricht, ſo muß er bedenken, daß
bei jedem Unfall beſondere Verhältniſſe obwalten, ſo daß
keine allgemein gültigen Rechtsgrundſätze aufgeſtellt wer=
den
können. Abg. Fegter (Fortſchr. Volkspt.): Die
Klagen über Rentenquetſchereien ſind berechtigt. Bezüg=
lich
der Dienſtbotenverſicherung hätte die preußiſche Re=
gierung
für genügende Aufklärung ſorgen müſſen. Red=
nier
polemiſiert dann ausführlich gegen die Ausführungen
des Abg. Siebenbürger und wird deshalb von dem Vize=
präſidenten
Dove ermahnt, zur Sache zu ſprechen. Red=
mer
fährt fort: Auch die Reichsverſicherungsordnung und
rogar die Landkrankenkaſſen rechnen ſich die Konſervativen
zzum Verdienſt an. Die Konſervativen werden die Land=
nrankenkaſſen
bald gegen die Ortskrankenkaſſen eintauſchen
wollen, denn, wenn die leiſtungsfähigen Betriebe aus den
Landkrankenkaſſen ausgeſchieden ſein werden, ſo wird
man die Beiträge herauf= und die Leiſtungen herabſetzen.
Wir verlangen, daß die Landarbeiter den Arbeitern in
nen Städten gleichgeſtellt werden. Abg. Graf Weſtarp
kkonſ.): Die Landkrankenkaſſen entſprechen den prakliſchen
Bedürſniſſen. Sogar in Großſtädten, wie hier in Berlin,
fordert man für die Dienſtboten die Landkrankenkaſſe.
Wir bitten die Regierung, darauf zu achten, daß die Vor=
ſcchriften
des Geſetzes gewiſſenhaft gehalten und durch=
geführt
werden. Wir wünſchen ferner, daß den Kaſſen=
ungeſtellten
die Beamtenqualität erteilt wird, die dadurch
dem Beamtenrecht unterſtellt würden und nicht mehr für
die Sozialdemokratie agitieren können. Abg. Hoch
(Soz.): Jede Befreiung eines Unternehmers von der
Pflicht, ſeine Angeſtellten zu verſichern, kann zu einer
ſchweren Schädigung der Krankenkaſſen führen. Deshalb
müſſen die Kaſſen das Recht haben, die Verhältniſſe genau
nu prüfen und, wo ſie auch nur den geringſten Argwohn
iaaben, auch eine Kaution zu verlangen. An den Be=
ſchhwerden
, die in der Preſſe und im Parlament vorgebracht
woerden, ſollte die Regierung nicht ſo arglos vorüber=
gehen
. Bei der Frage der Angeſtelltenverhältniſſe der
Ierufsgenoſſenſchaften und Krankenkaſſenbeamten ſollte
die Regierung auf ſtrengſte Durchführung des Geſetzes
aichten. Jetzt wird die Politik in die Kaſſen getragen,
und zwar gegen die Sozialdemokratie. Das Geſetzt wirkt
geradezu verhetzend. (Glocke. Präſident Dr. Kaempf:
Wegen der letzten Aeußerung rufe ich Sie zur Ordnung.
Unruhe.) Darf man nicht einmal mehr von Geſetzen
ſwerechen? Wozu ſind wir dann überhaupt hier? (Sehr
gut! bei den Sozialdemokraten. Glocke. Präſident Dr.
Kaempf. Ich verbitte mir jede Kritik meiner Geſchäfts=
führung
und rufe Sie dieſerhalb zur Ordnung. Lärm bei
dien Sozialdemokraten.)
Aba. Koßmann (Zentr.): Wir ſtimmen der Reſo=
lu
tion Behrens auf Feſtlegung des Begriffs Facharbei=
ter
zu. Die Unkallziffer im Bergbau iſt leider immer
noch im Steigen trotz der Erhöhung der Zahl der Sicher=
häitsmänner
. Dieſe ſollten aber vor allem geſchützt wer=
dan
gegen Uebergriffe ihrer Vorgeſetzten, damit ſie frei
und ohne Schikane ihren Beruf ausüben können. Je klei=
narr
die Unfallziffer iſt, um ſo beſſer für die Berufsgenoſ=

ſenſchaften. Abg. Dr. Pfeiffer (Zentr.): Bei Be=
ratung
der Reichsverſicherungsordnung habe ich die
ſchwammigen Beſtimmungen für die Hausgewerbetreiben=
den
angegriffen. Es wurde damals von der Regierung
die wohlwollendſte Handhabung der Beſtimmungen ver=
ſprochen
. Tatſächlich iſt das Verſprechen nicht gehalten
und ich bin ſchwer enttäuſcht worden. (Hört! hört! bei
den Sozialdemokraten.) Unter den Korbmachern in
Franken herrſcht o’fene Empörung, daß ſie fälſch=
lich
als Heimarbeiter betrachtet werden und verſicherungs=
pflichtig
ſind. Miniſterialdirektor Dr. Caſpar: Die
Verhältniſſe im Korbmachergewerbe ſind zweifellos ſchwie=
rig
. Die Unterſuchung der Frage iſt noch nicht abge=
ſchloſſen
. Auch das Augenzittern der Bergleute wird dar=
auf
noch unterſucht, ob es als Berufskrankheit anzuſehen
iſt.
Damit ſchließt die Diskuſſion. Die Ab=
ſtimmungen
werden morgen vorgenommen. Die Denk=
ſchrift
wird einer Kommiſſion von 14 Mitgliedern
überwieſen. Nach einer perſönlichen Bemerkung wird die
Beratung auf Freitag 1 Uhr vertagt. Vorher An=
fragen
. Schluß 7 Uhr.

* Berlin, 12. Febr. Der Seniorenkonvent
des Reichstags beriet heute vor dem Beginn des
Plenums über die Geſchäftslage. Nach der vorliegenden
Zuſammenſtellung ſtehen vom 12. Februar bis 3. April
1914 nach Abzug der in Ausſicht genommenen ſitzungs=
freien
Tage (23. und 24. Februar, 14. bis 16. März und
25. März) für die Plenarberatungen zur Verfügung 39
Tage. Hiervon ſind vorzuſehen für die zweite Leſung
des Etats 33 Tage, für die dritte Leſung des Etats
3 Tage, für Unvorhergeſehenes 3 Tage. Die Beratung
des Etats des Reichsamts des Innern, die im Jahre 1911
14, 1912 16. 7 und 1913 17, 1 Tage durchſchnittlich be=
anſpruchte
, hat in dieſem Jahre mit Einſchluß des geſt=
rigen
Tages bereits 17 Tage erfordert. Der Senioren=
konvent
hat ſich nun dahin geeinigt, möglichſt nur noch
einen Tag auf die Beratung des Reichsamts des Innern
zu verwenden. Alsdann ſtehen für die übrigen Einzeletats
zur Verfügung: Reichstag ½ Tag, Reichskanzler und
Auswärtiges Amt 3, Militär und Reichsmilitärgericht 7½,
Marine 3. Juſtizverwaltung 3, Reichsſchatzamt und allge=
meiner
Penſionsfonds 1½, Reichsſchuld, Zölle uſw., ſo=
wie
allgemeine Finanzierung 1½, Reichskolonialamt und
Schutzgebietsetat 4½, Reichseiſenbahnamt 1, Reichseiſen=
bahnen
2, Poſt und Reichsdruckerei 4½ Tage. Um dieſe
Verteilung möglichſt durchzuführen, ſollen die Sitzungen
ausgedehnt werden, und zwar ſoll das Plenum bis 7 Uhr
abends tagen und dann vom Präſidenten befragt werden,
ob es gewillt iſt, die Sitzung noch auszudehnen.
* Berlin, 12. Febr. Die geſtern von dem Ver=
treter
des Reichsmarineamtes in der Bud=
getkommiſſion
des Reichstages abgegebene
Erklärung über die erfolgloſen Nachforſchungen nach
dem noch nicht aufgefundenen Wrak bezog ſich auf das
Wrack des Luftſchiffes L. 1 und nicht, wie irrtüm=
lich
gemeldet worden war, auf das des Torpedobootes
S. 178.

Regierung und landwirtſchaftliche
Genoſſenſchaften.

* Die Darmſt. Ztg. veröffentlicht folgende
Bekanntmachung
der Miniſterien des Innern und der Finanzen, die Zen=
tralkaſſe
der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften,
e. G. m. b. H., zu Darmſtadt betr., vom 10. Februar 1914:
Auf Grund des Artikels 3 des Geſetzes über die Hin=
gabe
eines Darlehens und die Eröffnung eines Kredits
an die Zentralkaſſe der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Ge=
noſſenſchaften
vom 10. Januar d. J. (Reg.=Bl. Nr. 2) und
des nachſtehenden Abkommens mit der Zentralkaſſe wurde
der ſtändige Hilfsarbeiter im Großh. Miniſterium der
Finanzen, Abteilung für Finanzwirtſchaft und Eiſenbahn=
weſen
, Finanzrat Dr. Michel nach eingeholter Ermäch=
tigung
Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs beauf=
tragt
, das Amt des Staatskommiſſars bei der Zentralkaſſe
der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften zu ver=
ſehen
. Für die Dauer dieſes Amtes wird Finanzrat
Dr. Michel dem Miniſterium des Innern unterſtellt.
Das zwiſchen der Großh. Staatsregierung und der
Zentralkaſſe der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſchaften
getroffene
Abkommen
lautet: Artikel 1. Die Großh. Regierung gibt der Zen=
tralkaſſe
der heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaf=
ten
, e. G. m. b. H., zu Darmſtadt im folgenden Zentral=
kaſſe
genannt , aus den Beſtänden der Großh. Haupt=
ſtaatskaſſe
ein Darlehen von einer Million Mark. Weiter=
hin
eröffnet die Großh. Regierung der Zentralkaſſe einen
Kredit bei der Groß. Hauptſtaatskaſſe in Höhe von zwei
Millionen Mark. Die auf Darlehen und Kredit entnom=
menen
Staatsmittel ſind beſtimmt: 1. denjenigen noch le=
bensfähigen
und bedürftigen heſſiſchen Genoſſenſchaften,
die infolge Zahlungsſtockung der Landwirtſchaftlichen Ge=
noſſenſchaftsbank
in eine Notlage geraten ſind, nach Mög=
lichkeit
zu helfen; ſie ſollen insbeſondere auch dazu dienen,
würdigen und bedürftigen Mitgliedern einer Genoſſen=
ſchaft
durch deren Vermittelung eine etwa erforderliche
Zuzahlung auf ihren Geſchäftsanteil zu ermöglichen; 2.
mit dem verbleibenden Reſt die Betriebsmittel der Zen=

tralkaſſe zu ſtärken. Die Zentralkaſſe unterwirft ſich hierbei
folgenden Beſtimmungen:
Artikel 2. Das Darlehen und die auf Kredit ent=
nommenen
Beträge ſind durch Verpfändung von Wert=
papieren
, Hypotheten oder Forderungen an die Landwirt=
ſchaftliche
Genoſſenſchaftsbank ſicherzuſtellen, ſofern und ſo=
weit
dieſe Sicherheiten von der Großh. Regierung für ge=
eignet
befunden werden. Eine Auszahlung an die Zen=
tralkaſſe
darf erſt erfolgen, nachdem dieſe Beſtimmungen
durch einen Beſchluß der Generalverſammlung der Zen=
tralkaſſe
zu einem weſentlichen Beſtandteil des Statuts er=
klärt
ſind und dieſer Beſchluß in das Genoſſenſchaftsregi=
ſter
eingetragen iſt.
Artikel 3. Das Darlehen iſt mit 3½ vom Hundert
jährlich zu verzinſen und nach einem von der Zentralkaſſe
zu entwerfenden und von der Großh. Regierung zu geneh=
migenden
Tilgungsplane derart innerhalb 20 Jahren von
dem Beginne des auf die Hingabe folgenden Kalender=
jahres
ab zu tilgen, daß die Zentralkaſſe in den zwei erſten
Kalenderjahren von jedem Tilgungszwange befreit bleibt.
Die Zins= und Tilgungsraten ſind am 15. Januar und 15.
Juli jeden Jahres an die Großh. Hauptſtaatskaſſe abzu=
führen
. Der Zentralkaſſe ſteht es frei, jederzeit außerordent=
liche
Kapitalrückzahlung zu leiſten. Entnahmen auf Kre=
dit
ſind mit 1 Prozent unter Reichsbankdiskont, aber nicht
unter 4 Prozent, zu verzinſen.
Artikel 4. Die Zentralkaſſe unterwirft ſich der
Aufſicht der Großh. Regierung. Dieſe Aufſicht erſtreckt ſich
auf den ganzen Geſchäftsbetrieb der Zentralkaſſe und
dauert auch nach deren etwaigen Auflöſung bis zur völli=
gen
Rückzahlung des Darlehens oder einer Kreditent=
nahme
fort.
Artikel 5. Der Staatskommiſſar hat alle Anord=
nungen
zu treffen, die erforderlich ſind, um den Geſchäfts=
betrieb
der Zentralkaſſe mit den Geſetzen, der Satzung und
den ſonſt in verbindlicher Weiſe getroffenen Beſtimmungen
in Einklang zu erhalten. Der Staatskommiſſar iſt na=
mentlich
befugt: 1. jederzeit die Bücher und Schriften der
Zentralkaſſe einzuſehen, ſowie den Beſtand der Kaſſe und
die Beſtände an Wertpapieren zu unterſuchen; 2. von den
Verwaltungsorganen der Zentralkaſſe Auskunft über alle
Geſchäftsangelegenheiten zu verlangen; 3. den Generalver=
ſammlungen
und den Sitzungen der Verwaltungsorgane
der Zentralkaſſe, ſoweit ihm nicht weitergehende Befug=
niſſe
zuſtehen, mit beratender Stimme beizuwohnen, die
Berufung der Generalverſammlung, die Anberaumung von
Sitzungen der Verwaltungsoraane ſowie die Ankündigung
von Gegenſtänden zur Beſchlußfaſſung zu verlangen;
4. die Ausführung von Beſchlüſſen oder Anordnungen zu
unterſagen, die gegen das Geſetz, die Satzung oder die
ſonſt in verbindlicher Weiſe getroffenen Beſtimmungen
verſtoßen.
Artikel 6. Der Staatskommiſſar iſt ferner befugt,
die Einrichtungen und die Geſchäftsführung der mit der
Zentralkaſſe in Geſchäftsverkehr ſtehenden Genoſſenſchaf=
ten
in der ihm geeignet ſcheinenden Weiſe
zu prüfen, ſofern, und ſolange die Genoſſenſchaften
durch einen billigen Zinsfuß oder einen etwa beſonders
eingeräumten Kredit der Vorteile des Staatsdarlehens
teilhaftig werden; er hat auf Abſtellung etwa von ihm
gefundener Mängel zu dringen und nötigenfalls die Kün=
digung
der einer Genoſſenſchaft gewährten Vergünſtigun=
gen
zu verlangen. Auch bedarf die Art der Verwendung
der Staatsmittel der Zuſtimmung des Staatskommiſſars.
Artikel 7. Die Zentralkaſſe erklärt ſich bereit, allen
in Artikel 1 Ziffer 1 genannten Genoſſenſchaften den Ein=
tritt
in die Zentralkaſſe nach Anhören des! Staatskommiſ=
ſars
zu ermöglichen. Sie wird die Aufnahme einer Genoſ=
ſenſchaft
in die Zentralkaſſe nicht ohne Benehmen mit dem
Staatskommiſſar ablehnen.
Artikel 8. Die Zentralkaſſe iſt verpflichtet, dem
Staatskommiſſar alsbald nach ſtattgehabter Reviſion die
Reviſionsberichte über die mit der Zentralkaſſe in Ge=
ſchäftsverkehr
ſtehenden Genoſſenſchaften vorzulegen.
Artikel 9. Kommt die Zentralkaſſe einer von der
Großh. Regierung auf Grund dieſer Beſtimmungen getrof=
fenen
Anordnung nicht nach, ſo iſt die Großh. Regierung
befugt, das Darlehen und den der Zentralkaſſe eingeräum=
ten
Kredit mit einer Friſt von drei Monaten zu kündigen.
Dies gilt auch für den Fall, daß die Zentralkaſſe mit der
Zahlung einer Zins= oder Tilaungsrate länger als vier
Wochen im Rückſtande verbleibt. Iſt nach Anſicht der
Großh. Reaierung der Zweck der Darlehenshingabe oder
Kreditgewährung weggefallen oder erweiſt ſich die Zentral=
kaſſe
nach Anſicht der Großh. Regierung zur Erfüllung
dieſes Zweckes für nicht oder nicht mehr geeignet, ſo ſteht
es der Großh. Reaierung frei, Darlehen und Kredit jeder=
zeit
ganz oder teilweiſe mit halbjähriger Friſt zu kün=
digen
.
Artikel 10. Eine Abänderung des Statuts der
Zentralkaſſe bedarf der Genehmigung der Großh. Regie=
rung
.

Luftfahrt.
Der Flug über den Montblanc.

* Mailand, 12. Febr. Parmelin überflog den
Montblanc geſtern in einer Höhe von 5300 Metern und
landete zuerſt bei Courmayeur am Fuße des Montblanc=
Dann war er wieder aufgeſtiegen. Als die Menge den
Apparat hoch am Horizont erſcheinen ſah, waren alle von
unbeſchreiblicher Begeiſterung ergriffen. Wegen dichten
Nebels flog Parmelin nicht programmgemäß direkt nach
Turin, ſondern ging im Gleitfluge ſchon bei Aoſta nieder.
Er brauchte zum Ueberfliegen des Montblanc 1¾ Stunden.
Die Menge leiſtete dem halberſtarrten Flieger bereitwillig
Hilfe.
* Mailand 12. Febr. Der Aviatiker Parmelin
hat ſich einem Berichterſtatter des Secolo gegenüber über
ſeinen Flug über den Montblanc mit folgenden
Worten geäußert: Ich hatte mehrtägige Vorbereitungen
getroffen, bevor ich meinen Flug begann. Ich benutzte
einen Apparat mit 80 P.S., und zwar denſelben, den ich
bereits im Jahre 1913 bei dem Gordon=Bennett=Rennen,
in dem ich bekanntlich Dritter wurde, verwendete. Ich
ſtieg in Genf auf und flog nach einigen Verſuchsrunden
irekt auf den Montblanc zu, deſſen ſchneebedeckter Gipfel
ſich am blauen Himmel deutlich abzeichnete. Ich glaubte
anfänglich, wieder niedergehen zu müſſen, da der Motor
ſehr ſchlecht arbeitete. Nach längeren Verſuchen gelang
es mir ſchließlich, den Motor in tadelloſe Funktion zu
bringen. Ueber dem Sabretal erhob ich mich zu einer
Höße von 3000 Meter. Hier ſtieß ich auf ſehr ſtarke Luft=
ſtrömungen
, ſo daß ich fortwährend befürchten mußte,
meine Richtung zu verlieren. Nur unter größten An=
ſtrengungen
gelang es mir, in gerader Linie zu bleiben
und die notwendige Höhe zu erreichen, um den Montblanc
überfliegen zu können. Ueber ihm empfand ich eine furcht=
bare
Kälte, ſo daß mir Schultern, Arme und Hände zu
ſchmerzen begannen. Beim Abſtieg ſtieß ich wieder auf
ſtarke Gegenſtrömungen, die meinen Apparat wiederholt
nach der Seite abdrängten. Schließlich nahm ich die

Robert Kothe.

Robert Kothe war wieder da. Im ſchlichten Gewand
des fahrenden Scholaren ſang er uns ſeine Lieder zur
Larute. Tannengrün war der einzige ſinnige Schmuck des
Prediums, von dem herunter er Frohſinn und Heiterkeit
ſeurmiſcht mit ſchlicht=innigem Ernſt ausgoß über ſeine Zu=
ſürer
, die ihm dafür jubelnd dankten. Und wenn noch
ſumdert andere es verſuchen, ihm gleich zu ſein, er bleibt
hoch der beſte Vertreter ſeiner ſchönen Kunſt, deren Größe
n der Schlichtheit liegt. Wie eine Botſchaft aus Jahr=
umderten
, die lange dahin, klingt uns ſein Lied. Ein
tiled, das Sänger ſangen, die nichts fühlten, nichts woll=
en
,, als eben ein Lied ſingen, ihrem Lieb, ihrer Minne.
In dem ſie jauchzende Freude, tiefes Herzeleid und ſtilles,
rommes Gebet ausklingen ließen. Klingen ließen, wie
ies empfunden, in ſchlichtem, ehrlichem Gefühl, urwüchſig,
riſch und kernhaft, oder in ſtiller, reſignierter Klage. Sän=
ei
,, die nichts wußten vom Kunſtgeſang, die noch nicht an=
ekränkelt
waren von der hyperfeinen Ueberäſthetik unſerer
eit. Und doch hat er die ſchöne alte Volkskunſt ſo zur
funſt veredelt, daß ſie auch dem modern erzogenen Ohr
ls Kunſt ſich gibt. Aber er hat ihr nichts geraubt von
er urwüchſigen Friſche ihrer Melodien, hat ihre Schlicht=
ſeit
: gewahrt und ihren ſonnigen Humor, ihre innige
frösmmigkeit. Das iſt ſein größtes Verdienſt.
Der geſtrige Liederabend, den Robert Kothe im Saale
Traube gab, war erfreulich zahlreich beſucht. Die

Vortragsfolge brachte Perlen deutſcher Volkslieder und
Soldatenlieder aus dem 17. und 18. Jahrhundert, geſun=
gen
nach eigenen Lautenſätzen. Das kernig=friſche Ge=
ſellenlied
Was aber fangt ihr Meiſter an leitete die Ge=
ſänge
ein, ein pfälziſches Volkslied und das reizende
Hätt’ ich ſieben Wünſch’ in meiner G’walt folgten. Mei=
ſterhaft
verſtand es Kothe, in dem Trauergeſang von der
Not Chriſti am Oelberg im Garten (17. Jahrh.) die ſchlichte,
tiefe Tragik in Geſang und Vortrag zum Ausdruck zu
bringen. Wahre Triumphe aber feierte ſeine feine, ausdrucks=
volle
, meiſterhaft ſtudierte Charakteriſierung im Vortrag
des Burlala eines köſtlichen niederdeutſchen Volksliedes
vom Peterlein, dem er als Dank für den ſtürmiſchen Beifall
das reizende kleine ſchleſiſche Marienlied Auf dem Berge,
da geht der Wind folgen ließ. Dann kamen in bunter
Reihe Volks= und Soldatenlieder. Alte bekannte Weiſen,
die doch ſo ganz anders klangen, da ein Meiſter ſie ſang.
Wer kennt nicht das alte Reſervelied Brüder freut euch in
der Runde hat es nicht ſchon ſingen hören im Herbſt,
wenn die Herbſtzeitloſe ihre Blüten im Wieſengras leuch=
ten
läßt, oder das neckiſche Holde Marie uſw. uſw. Und
dann Von ’n Herrn Paſtorn ſin Kou, das die anweſen=
den
Damen leiſe mitſingen durften. Es war köſtlich.
Immer wieder zwang der Beifall den Lautenſänger zu
Zugaben. Und ein herzlich Auf Wiederſehen! rief man
ihm zu. Das war vielleicht der ſchönſte Dank, den einem
Künſtler ſeine Zuhörer ſpenden konnten. M. St.

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Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Nummer 44.

Richtung auf den Mont Chetif, von wo ich bereits das
Aoſtatal, das Ziel meines Fluges, ſehen konnte. Meine
Abſicht, nach Turin weiterzufliegen, mußte ich aufgeben,
da der Nebel ſo ſtark war, daß er mir jegliche Ausſicht
verſperrte und ich ſchließlich froh war, im Aoſtatal an
einer geeigneten Stelle zu landen.
Dem Flieger war beim Landen die Schraube ſeines
Motors beſchädigt worden, ſo daß er ſich eine neue aus
Genf kommen laſſen muß. Nach erfolgter Reparatur wird
Parmelin am Freitag ſeinen Flug quer durch Italien
fortſetzen.
* Berlin, 12. Febr. Wie das W. T.=B. von zuſtändiger
Seite erfährt, hat die Generalinſpektion des Militärverkehrs=
weſens
wegen der erneuten Unglücksfälle in
Johannisthal den auf den Flugplatz kommandierten
Offizieren das Fliegen auf dieſem Platze ver=
boten
, bis Maßnahmen getroffen ſind, die die Gewähr
geben, daß ſolche Vorkommniſſe ſich nicht wieder ereignen.
* Straßburg, 12. Febr. Das königliche preußiſche
Kriegsminiſterium hat für die Koſten des Prinz=
Heinrich=Fluges 1914 einen Zuſchuß von
etwa 20000 Mark in Ausſicht geſtellt und
wird außerdem einen Ehrenpreis für den Flug ſtif=
ten
. Auch das königlich vayeriſche Kriegsminiſterium hat
jetzt eine Beteiligung von bayeriſchen Offizieren zugeſagt.
* Perm, 12. Febr. (Petersburger Telegraphen=
Agentur.) Die hier gelandeten drei Luftſchiffer ſind
Deutſche, die in Berlin am 8. Februar aufgeſtiegen
waren.
* Bitterfeld, 12. Febr. Der Ballon Leip=
zig
2, der heute vormittag über Südſchweden ge=
ſichtet
wurde, iſt geſtern abend vom hieſigen Elektron=
werk
2 aufgeſtiegen. Im Korb befinden ſich drei Liegnitzer
Herren, die Führung hat Herr Petſchow aus Liegnitz. Beim
Bitterfelder Verein für Luftſchiffahrt iſt bisher keine Mel=
dung
über eine Landung eingetroffen.
* Witebsk, 12. Febr. Bei Gorodok iſt ein
Luftballon gelandet, in dem ſich drei Deut=
ſche
befanden ſie gaben an, daß ſie in Bitterfeld
aufgeſtiegen ſeien und mit ihrer Fahrt wiſſenſchaftliche
Zwecke verfolgten.
* Juviſy, 12. Febr. Ein Mann namens Jean
Ors ließ ſich auf einem von ihm erfundenen Fall=
ſchirm
heute aus 200 Meter Höhe von einem
Flugzeug herab und landete nach 39 Sekunden glücklich
auf dem Erdboden.

Handel und Verkehr.

Bad Wildungen, 9. Febr. Die diesjährige
ordentliche Generalverſammlung der Bad Wildunger Heil=
quellen
=Aktiengeſellſchaft Königsquelle fand unter dem
Vorſitze des Herrn Großkaufmanns Karl Dietrich im neu
erbauten Verſandhauſe ſtatt. Die Bilanz wurde geneh=
migt
, dem Vorſtand und Aufſichtsrat Entlaſtung erteilt und
die Dividende auf 8 Prozent feſtgeſetzt. Sämtliche Be=
ſchlüſſe
erfolgten einſtimmig. Das Unternehmen hat im
vergangenen Jahre trotz der ungünſtigen Witterungsver=
hältniſſe
weiteren Aufſchwung genommen. Der Verſand,
welcher ſich von 290000 Flaſchen in 1911 auf 720000 Fla=
ſchen
in 1912 erhöht hatte, ſtieg in 1913 auf 925000 Flaſchen.
Aus Aktionärkreiſen wurde auf die erfolgreiche Geſchäfts=
führung
ſeitens des Vorſtandes und der Direktion hin=
gewieſen
, ſowie auf die glänzenden Reſultate der neuen
Organiſation, welche in den letzten Jahren von einem
beteiligten Herrn eingeleitet und ehrenamtlich geführt
wurde.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweine=
markt
am 11. Februar. Auftrieb durch Händler 181
Schweine. Preiſe 1. Qualität pro 50 Kg. Schlachtgewicht
70 Mark, 2. Qualität 69 Mark, 3. Qualität 68 Mark.
Marktverlauf: ruhig, Ueberſtand. Schweinemarkt am
12. Februar. Auftrieb durch Händler 168 Schweine.
Preiſe 1. Qualität pro 50 Kg. Schlachtgewicht 70 Mark,
2. Qualität 69 Mark, 3. Qualität 68 Mark. Marktverlauf:
mäßig, Ueberſtand. Kälbermarkt am 12. Februar. Auf=
trieb
durch Händler 180 Kälber, 1 Schaf. Preiſe 1. Qua=
lität
pro 50 Kg. Lebendgewicht 60 Mark, 2. Qualität 56
Mark, 3. Qualität 53 Mark. Marktverlauf: ruhig.
Frankfurt a. M., 12. Febr. Schlachtviehmarkt.
(Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 129 Stück, darunter
28 Ochſen, 3 Bullen, 98 Färſen und Kühe, 905 Kälber,
152 Schafe, 905 Schweine. Marktverlauf: Kälber
gedrückt, Schafe ruhig, Schweine rege, wird geräumt.
Kälber: Doppellender, feinſte Maſt 6668 Mark ( Le=
bendgewicht
, 110113 Mark Schlachtgewicht, feinſte Maſt=
(Vollm.=Maſt) und beſte Saugkälber) 5660 (95103),
mittlere Maſt= und gute Saugkälber 5255 (8893), ge=
ringere
Saugkälber 4851 (8186). Schafe: Maſt=
lämmer
und jüngere Maſthammel 4345 (9498), ältere
Maſthammel u. gut genährte Schafe 39 (92). Schweine:
Fettſchweine über 3 Ztr. Lebendgewicht 52,5055 (68),
vollfleiſchige Schweine über 2½ Ztr. Lebendgewicht 53
bis 54 (6667), vollfleiſchige Schweine über 2 Ztr. Le=
vendgewicht
5355 (6768), vollfleiſchige Schweine bis
zu 2 Ztr. Lebendgewicht 5355 (6768).

Literariſches.

Mit einem groß angelegten Unternehmen, das ſich
an die weiteſten Kreiſe wiſſenſchaftlich und allgemein
geiſtig intereſſierter Leſer wendet, tritt jetzt die Deutſche
Verlags=Anſtalt in Stuttgart hervor. Ein Sammelwerk,
das zwanzig ſtarke Groß=Oktavbände umfaſſen wird, ſoll
unter dem Obertitel Das Weltbild der Gegen=
wart
einen Ueberblick über das Schaffen und Wiſſen
unſerer Zeit bieten. Es darf als eine beſondere Empfeh=
lung
dieſes Werkes angeführt werden, daß einer der erſten
lebenden deutſchen Gelehrten, gleich epochemachend durch
ſeine wiſſenſchaftlichen Leiſtungen wie durch ſeine Organi=
ſationsgabe
, der Leipziger Hiſtoriker Karl Lamprecht, den
Arbeitsplan feſtgelegt und die Herausgabe durch ſtändige
Beratung und Anregung gefördert hat, während der durch
eigene Forſchungen wie als Leiter mehrerer volkstümlich=
wiſſenſchaftlicher
Sammelwerke bekannte Hiſtoriker Hans
F. Helmolt die Einzelarbeit beſorgt. Der erſte Band
dieſes impoſanten Unternehmens iſt nun erſchienen; er hat
zum Gegenſtand die Wandlungen des Welt=
bildes
und des Wiſſens von der Erde,, und
zum Verfaſſer den bekannten Darmſtädter Aſtro=
nomen
Ferdinand Meiſel. (Preis 6 Mk.) In drei
großen Abſchnitten: Die Grundbegriffe der Aſtronomie‟
Das Weltall und ſeine Erforſchung, Unſer Wiſſen von
der Erde hat Meiſel ſeinen gewaltigen Stoff klar dispo=
niert
und kunſtvoll zuſammengedrängt. Der erſte Ab=
iſchnitt
führt den Laien in die Welt des mathematiſchen
Denkens mit ihren großen, ſtrengen Formen ein; der

zweite Abſchnitt gibt in feſten, knappen Zügen zunächſt
einen Ueberblick über die geſchichtliche Entwicklung der
Himmelskunde, dann einen Abriß des aſtronomiſchen
Weltbildes der Gegenwart und eine Darſtellung deſſen,
was heute als Weltgeſetz gilt; im dritten Abſchnitt end=
lich
werden uns vor allem die Ergebniſſe der heutigen
Geologie und Geophyſik vorgeführt. Ueberall iſt die Dar=
ſtellung
bis zu den neueſten Ergebniſſen der Forſchung
herangeführt, aber nie begegnen wir jenem Hochmut der
Zeitgenoſſen der die jüngſten Funde nun auch als die
letzten, unumſtößlichen Wahrheiten preiſen zu dürfen
glaubt, ſondern immer betont Meiſel die Vorläufigkeit
und Nichtabgeſchloſſenheit der heute herrſchenden Anſchau=
ungen
und ſucht ſo jedem naturwiſſenſchaftlichen Unfehl=
barkeitsdünkel
entgegenzuwirken.

Vom Balkan.

Eröffnung der montenegriniſchen Skupſchtina.
* Cetinje, 12. Febr. Der König eröffnete die
Skupſchtina mit einer Thronrede, in welcher es
heißt: Das heilige Feuer der ſerbiſchen Eintracht errang
uns den Sieg. Unſere Erwerbungen ſind bedeutend, ob=
wohl
ſie durch die Entreißung Skutaris verſtümmelt ſind.
Dieſe Wunde brennt unheilbar in den ſerbiſchen Herzen.
Es war nicht bloß eine Hand, die uns Skutari nahm, es
waren viele, vor denen wir zurückweichen mußten zu=
gunſten
der Erhaltung des europäiſchen Friedens und zur
Sicherung deſſen, was die ſerbiſchen Waffen errungen
haben. Die Thronrede dankt für die Hilfeleiſtung der Miſ=
ſonen
des Roten Kreuzes aller Kulturländer und fährt
fort: Unſere Hauptſorge iſt, die Armee ſoll in gutem,
kriegsmäßigem Zuſtande erhalten werden und zu dieſem
Zwecke über ſtändige Cadres verfügen. Die Erhaltung
unſerer Erwerbungen und die weiteren nationalen Er=
folge
werden nur von dem dauernden Zuſammenarbeiten
mit unſeren ſerbiſchen Brüdern und von unſerer traditio=
nellen
Treue gegenüber Rußland, unſerem mächtigen Be=
ſchützer
, abhängen. Die Beziehungen mit allen
anderen Staaten ſind korrekt und freundſchaftlich.
die Regierung iſt unabläſſig bemüht, an der Erhal=
tung
des Friedens mitzuarbeiten. Die Thronrede
gedenkt mit Bedauern des Einfalles von bewaffneten
Albaneſen und drückt die Hoffnung aus, daß ſich Albanien
der inneren Konſolidation widmen wird, wenn es ein auf=
richtiges
Element des Friedens und der Ordnung auf dem
Balkan zu werden wünſcht. Die Thronrede wurde an
nehreren Stellen durch lebhaften Beifall unterbrochen.
Die Reiſe des Prinzen zu Wied.
* Rom, 12. Febr. Der Prinz zu Wied iſt um
12,15 Uhr nachts nach Wien abgereiſt. Auf dem
Bahnhof waren zum Abſchied erſchienen der Unterſtaats=
ſekretär
im Miniſterium des Aeußern, di Scalea, der
Oberzeremonienmeiſter Borea d’Olmo und der General=
ſekretär
im Miniſterium des Aeußern, de Martino, der
öſterreichiſch=ungariſche Botſchaftsrat und der rumäniſche
Geſandte. Der Prinz zu Wied trifft am Freitag
früh in Wien ein und kehrt am Samstag nach Berlin
zurück. Für Freitag nachmittag iſt eine Audienz beim Gra=
fen
Berchtold, am Nachmittag eine Audienz beim Kaiſer
Franz Joſef vorgeſehen.
Das Unterbleiben des Beſuches des
Prinzen zu Wied wird in vatikaniſchen Krei=
ſen
als eine Kränkung empfunden, wie aus vatikaniſchen
Kreiſen bekannt wird. Von italieniſcher Seite ſei dem
Prinzen vorgeſtellt worden, daß er als noch nicht gekrön=
ter
Fürſt offiziell keinen Beſuch im Vatikan machen könne,
veil er dadurch auch noch einen anderen als den könig=
lichen
Hof in Rom anerkennen würde. Der Prinz ließ
darauf den Papſt wiſſen. ihn privatim zu empfangen. Dar=
auf
kam aus der Staatskanzlei der kategoriſche Beſcheid:
Entweder kommt der Prinz zu Wied als Fürſt von Alba=
nien
, oder überhaupt nicht. Von unterrichteter Seite wird
verſichert, daß der hauptſächlichſte Grund für die Unter=
laſſung
des Beſuches in der Rückſicht auf die Gefühle der
mohammedaniſchen und orthodoxen Albaneſen liege.
König Ferdinands Amerikafahrt.
* Sofia, 12. Febr. König Ferdinand hat ſich
der amerikaniſchen Miſſion gegenüber, die hier eingetrof=
fen
iſt, um Bulaarien zur Teilnahme an der Ausſtellung
in San Franzisko einzuladen, dahin geäußert, daß er
Amerika zu beſuchen beabſichtige und dieſen
Wunſch im April dieſes Jahres auszuführen gedenke. Der
König wird von mehreren bulgariſchen Politikern, Kauf=
leuten
und Induſtriellen begleitet werden. Der Aufenthalt
iſt auf mehrere Wochen berechnet.
* Belgrad, 12. Febr. Venizelos wurde um
11 Uhr von dem König in feierlicher Audienz
empfangen. Mittags gab ihm zu Ehren Paſitſch ein
Frühſtück. Abends findet ein großes Galadiner im
Königsſchloſſe ſtatt. Venizelos reiſt abends nach Athen
weiter.
* Belgrad, 12. Febr. Dem von dem Miniſterpräſi=
denten
Paſitſch zu Ehren Venizelos gegebenen
Dejeuner wohnten ſämtliche Miniſter, ſowie die Ge=
ſandten
Rußlands, Griechenlands, Rumäniens und Mon=
tenegros
bei.
* Konſtantinopel, 12. Febr. Amtlichen Meldun=
gen
der Pforte zufolge ſchreiten die Anleihever=
handlungen
in Paris gegenwärtig günſtig
fort. Man erwartet, daß ſie in einem Monat beendet
ſein werden.
* Athen, 12. Febr. Nochimera will aus einwand=
freier
Quelle wiſſen, die griechiſche Regierungſei
im Begriff, mächtige Kriegsſchiffe zu er=
werben
, durch die Griechenland das Uebergewicht im
Aegäiſchen Meere geſichert werde.
* Rom, 12. Febr. Agenzia Stefani meldet aus
Durazzo: Eſſad Paſcha übergab geſtern ſeine
Amtsbefugniſſe der internationalen Kon=
trollkommiſſion
. Das Protokoll hierüber iſt geſtern
abend auf dem italieniſchen Konſulat unterzeichnet wor=
den
. Azil Paſcha iſt zum Gouverneur von Durazzo er=
nannt
worden. Heute morgen ſind Eſſad Paſcha und 14
albaniſche Delegierte an Bord des Dampfers Adriatico
abgereiſt, um ſich nach Potsdam zu begeben und dem
Prinzen zu Wied die Krone Albaniens anzu=
bieten
.
* Durazzo, 12. Febr. Anläßlich der Ankunft
Eſſad Paſchas und der Deputation, welche ſich
zum Prinzen zu Wied begibt, ſammelte ſich in den Stra=
ßen
und am Strande eine große Menſchenmenge an. Auf
der Mole hatte eine Ehrenkompagnie Aufſtellung genom=
men
. Eſſad hielt nach ſeiner Ankunft an die Verſammel=
ten
eine Anſprache, in der er die hiſtoriſche Be=
deutung
des Tages hervorhob, den Albanien
heute begehe, indem es nach Beendigung des folgenſchwe=
ren
Balkankrieges ſeine Vertreter dem Fürſten entgegen=

ſende, mit deſſen Ankunft nach Jahren traurigen Schmach=
tens
unter fremdem Joche eine Aera der Freiheit und des
Fortſchritts anbrechen werde. Eſſad ſchloß mit Hochrufen
auf den kommenden Herrſcher und Albanien, in das die
Verſammelten begeiſtert einſtimmten. Nach einer Erwi=
derungsrede
aus der Mitte der Verſammelten brach die
Menge in lebhafte Hochrufe auf Eſſad aus. Auf dem
Wege zur Landungsſtelle leiſtete die Ehrenkompagnie die
Ehrenbezeugungen. Sodann erfolgte die Ueberfahrt zum
Dampfer, an deſſen Bord die Abordnung die Reiſe antritt.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 12. Febr. In der heutigen Sitzung des
Bundesrats wurde die Ueberſicht der Ge=
ſchäfte
des Reichsgerichts im Jahre 1913 zur
Kenntnis genommen. Den zuſtändigen Ausſchüſſen wurde
überwieſen der Entwurf eines Geſetzes, betreffend die
Poſtdampferverbindungen mit überſee=
iſchen
Ländern, und der Entwurf einer Verordnung,
betreffend die Aenderung der Beſtimmungen über die
Tagegelder uſw. der Betriebsbeamten der Reichseiſen=
bahnverwaltung
. Die Wahl von Mitgliedern der Diſ=
ziplinarkammer
für elſaß=lothringiſche Beamte und Lehrer
in Straßburg wurde vollzogen. Ueber die Beſetzung einer
Stelle des Kaiſerlichen Aufſichtsamtes für Privatverſiche=
rung
wurde Beſchluß gefaßt. Der Zollverwaltungskoſten=
etat
für Oldenburg und der Salzſteuer= Verwaltungs=
koſtenetat
für Anhalt wurde genehmigt. Zur Annahme
gelangten die Vorlage, betreffnd Aenderung der Aus=
führungsbeſtimmungen
zum Kaligeſetz, der
Entwurf eines Geſetzes, betreffend Aenderung der Para=
graphen
33, 33a uſw. der Gewerbeordnung, und der Ent=
wurf
eines Geſetzes gegen die Gefährdung
der Jugend durch Zurſchauſtellung von
Schriften, Abbildungen und Darſtellung
gen.
* Berlin, 12. Febr. Die Budgetkommiſſion des Ab=
geordnetenhauſes
verhandelte lediglich den Titel 84 des
Extraordinariums, betreffend den Neubau des =
niglichen
Opernhauſſes in Berlin. Hierzu
wurde folgender von den Deutſchkonſervativen geſtellter
Antrag angenommen: Die Beſchlußfaſſung über den Titel
auszuſetzen, bis ſeitens der Staatsregierung die ſichere
Unterlage beigebracht iſt, in welcher Weiſe und Höhe ſich
die Stadt Berlin am Bau beteiligt. Der Antrag der
Nationalliberalen, die Staatsregierung zu erſuchen, in
beſchleunigter Weiſe den vorgelegten Bauentwurf der
Königlichen Akademie des Bauweſens zur Abgabe eines
Urteils zu unterbreiten, wurde mit allen gegen 5 Stimmen
abgelehnt und ſämtliche zu dieſem Punkte vorliegenden
Petitionen für erledigt erklärt. Hierauf machte der Fi=
nanzminiſter
eingehende Angaben über die Finanzierung
des Projektes.
* Bremen, 12. Febr. Als Gäſte bei der morgen hier
ſtattfindenden Schaffermahlzeit ſind bereits Prinz
Heinrich von Preußen und Staatsminiſter v. Podbielski
hier eingetroffen. Auch der Kriegsminiſter v. Falkenhayn
nimmt daran teil.
* Frieſack, 12. Febr. Zur Feier der 500jährigen
Zugehörigkeit zum preußiſchen Staat fand
eine feſtliche Veranſtaltung ſtatt, an der die ſtädtiſchen und
ſtaatlichen Behörden, ſowie die geſamte Bürgerſchaft ſich
beteiligten. Oberpfarrer Köhler hielt die Feſtrede.
* Lemberg, 12. Febr. Die Polizei ſchritt heute gegen
die Arbeitsloſen ein, die in mehreren Stadtteilen Aus=
ſchreitungen
verübten. Mehrere der Arbeits=
loſen
wurden verhaftet. Die Marktplätze werden po=
lizeilich
bewacht.
* Rom, 12. Febr. Zur Kommiſſion für den Geſetzent=
wurf
, nach dem die bürgerliche Eheſchließung
der kirchlichen Trauung vorangehen ſoll, wählten die
neun Abteilungen der Kammer ſieben Miniſterielle, einen
Oppoſitionellen und einen Sozialiſten.
* Paris, 12. Febr. Das morgige Amtsblatt wird ein
Protokoll veröffentlichen, demzufolge ſich die Regierun=
gen
Frankreichs und Perus geeinigt haben,
die aus den ſechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
herrührenden Forderungen der franzöſiſchen
Gläubiger dem Haager Schiedsgerichtshof zu unter=
breiten
. Die peruaniſche Regierung verpflichtet ſich, falls
der Schiedsſpruch den franzöſiſchen Gläubigern günſtig
iſt, deren Forderungen zu zahlen, ohne daß jedoch die
Summe den Betrag von 25 Millionen Francs überſteige,
* Paris, 12. Febr. Der Budgetausſchuß der Kammer.
hat dem Geſetzentwurf, betreffend die Anleihe von
175 Millionen Francs für Aequatorialafrika, ſeine
Zuſtimmung erteilt.
* Paris, 12. Febr. Zur Wahl des Luſtſpieldichters
Alfred Capus zum Mitgliede der Akademie
Francaiſe iſt noch zu melden, daß er gleich im erſten
Wahlgange mit 16 Stimmen gewählt wurde, während
ſein Gegenkandidat, der frühere Miniſterpräſident Bour=
geois
, mit 13 Stimmen in der Minderheit blieb. Bei der
radikalen Partei hat die Niederlage Bourgeois peinliche
Ueberraſchung hervorgerufen.
* Paris, 12. Febr. Auf die an dem Marinebudgel
geübten Kritiken eingehend, antwortete der Marine=
miniſter
in der Kammer, daß die Verteidigung der
atlantiſchen Küſte durch Unterſeeboote, Küſtentelegraphen,
Luftſchiffe und Flugzeuge geſichert werden müßte, ſei
unter der Berückſichtigung der Konzentration der Mächte
im Mittelmeer eine ſtrategiſche Notwendigkeit, ſolange die
Verhältniſſe ſich nicht änderten.
* London, 12. Febr. Der Unioniſt Hall fragte im
Unterhaus den Marineminiſter, ob ſeit dem Jahre
1912 bei den deutſchen Marinebauten eine Ver=
langſamung
oder eine Verminderung ein=
getreten
ſei, welche die verhältnismäßig große Ver=
minderung
in den britiſchen Marinebauten rechtfertige,
die Churchill verſprochen habe, als er die Marine= Vol=
anſchläge
für 1912 einbrachte und ob das deutſche Bau=
programm
über das Maß deſſen zugenommen habe, mit=
dem
die Admiralität bei der Aufſtellung der Voranſchläge
für 1912 gerechnet habe. Der erſte Lord der Admiralitätz,
Winſton Churchill, erwiderte: Eine Verlangſamung oder
eine Verminderung hat bei den deutſchen Marinebauten
nicht ſtattgefunden. Seit der Einbringung der
britiſchen Voranſchläge für das Jahr 1912 iſt das deutſche
Bauprogramm durch die Novelle zum Flottengesetz vom=
14. Juni 1912 um drei Schlachtſchiffe und zwei kleine
Kreuzer vermehrt worden. Ein Schlachtſchiff iſt im Pro=
gramm
für 1913 vorgeſehen, ein zweites im Programm
für 1916. Den Zeitpunkt für die Stapellegung des dritten
Schlachtſchiffes und der beiden kleinen Kreuzer hat man
ſich noch vorbehalten.
* London, 12. Febr. Wie das Reuterſche Bureauer=
fährt
, iſt die chineſiſche Regierung zu der Ueber=
zeugung
gekommen, daß die Entwickelung des Wirt=
ſchaftslebens
und des Handels in erſter Linie Berückſich=
tigung
verdiene vor der Entwickelung einer Flotte, und

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Nummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Seite 9.

hat deshalb beſchloſſn, den Plan der Erichtung einer
Marineakademie und eines Flottenſtützpunk=
tes
nicht weiter zu verfolgen. Infolgedeſſen ſind die Ver=
handlungen
mit der britiſchen Admiralität wegen Ueber=
laſſung
von Marineoffizieren und Entſendung
einer britiſchen Marinemiſſion nach China ab=
gebrochen
worden. Der neue Finanzagent Tſchintſchentao,
der kürzlich in London angekommen iſt, hat zunächſt den
Auftrag, die Geldmärkte in London und auf dem Konti=
nent
zu beobachten, um eine Gelegenheit für eine baldige
chineſiſche Anleihe ausfindig zu machen.
* Birmingham, 12. Febr. Der Türhüter im Hauſe des
verſtorbenen Chamberlain, eines Bruders Ive
Chamberlains, fand heute morgen eine mit Pulver ge=
füllte
Gasröhre mit einer Zündſchnur; die zur Ent=
zündung
beſtimmte Lampe war allerdings ausgegangen.
In der Nähe lag eine Poſtkarte an den Miniſter des In=
nern
, die anſcheinend von Frauenrechtlerinnen
herrührt, mit der Bemerkung, daß der Kriegszuſtand fort=
beſtehe
.
* Neu=York, 12. Febr. Nach einer Depeſche aus
Guajaquil bombardierten Kanonenboote
der Regierung Esmeralda, das dann von den
Truppen am Dienstag angegeiffen wurde. Man glaubt,
daß die Regierung ſich dieſer Stadt wieder bemächtigt hat.
Mehrere Häuſer wurden durch Granaten in Brand ge=
ſetzt
. Die Aufſtändiſchen, unter dem Befehl des Oberſten
Concha, weigerten ſich, eine neutrale Zone für Nicht=
kämpfer
einzurichten oder den Ausländern zu geſtatten,
gan Bord der im Hafen liegenden Schiffe zu gehen.
* Victoria (Britiſch=Columbia), 12. Febr. Der bri=
itiſche
ungeſchützte Kreuzer Algerine hat ſeeklar
ggemacht, um an die Weſtküſte Mexikos abzu=
ggehen
.
* Kapſtadt, 12. Febr. Das Abgeordnetenhaus
mahm die zweite Leſung der Indemnitätsbill wie=
der
auf. Miniſter Smuts erwiderte dem Arbeiterführer
Creswell, er halte an ſeiner Politik feſt und werde die
Erlaubnis zur Abhaltung der für Sonntag auf dem Markt=
wlatz
in Johannesburg beabſichtigten Verſammlung ver=
wweigern
. Smuts fügte hinzu, daß die Beſchränkungen
ffür gewöhnliche öffentliche Verſammlungen und Ver=
ſammlungen
in geſchloſſenen Räumen zwecks Beſprechung
Der Politik der Regierung aufgehoben würden, daß jedoch
oie Regierung öffentliche Kundgebungen im Freien noch
micht zulaſſe.
Einberufung des preußiſchen Herrenhauſes.
* Berlin, 12. Febr. Das Herrenhaus iſt zum
19. Februar einberufen. Auf der Tagesordnung ſteht
m. a. die Novelle zum Landesverwaltungs=
geſetz
.
Drahtloſer Telegraphenverkehr zwiſchen Amerika
und Deutſchland.
* Nauen, 12. Febr. Die Geſellſchaft für draht=
loſe
Telegraphie hat in den erſten Stunden des
eutigen Tages äußerſt intereſſante Experimente veran=
ſtaltet
, zu denen die Vertreter der deutſchen Preſſe ge=
naden
waren. Es handelt ſich um die Aufnahme eines
ſeirekten drah tloſen Telegraphenverkehrs
wiſchen den Vereinigten Staaten und
Oeutſchland, der zum erſten Male für den öffent=
lichen
Verkehr freigegeben worden war. Das Reichspoſt=
amt
hat geſtattet, daß die große Station Nauen, die ſonſt
nur als Verſuchsſtation den Betrieb führt, Depeſchen für
den internationalen Privatverkehr entgegennehmen und
den Vereinigten Staaten übergeben könne. Dort hat die
vion der Telefunken=Geſellſchaft errichtete Station Saiville
aluf Long Island die Uebermittelung der Telegramme
übernommen. Zunächſt fand eine Führung durch die
Station ſtatt, die der Direktor der Telefunken=Geſellſchaft,
(Braf Arco, übernahm und in liebenswürdiger Weiſe den
amweſenden Preſſevertretern Erklärungen machte. Es
rourde alsdann nach dem Syſtem der tönenden Funken die
Iserbindung mit Saiville hergeſtellt. Man konnte deut=
lich
an dem Telefunken=Apparat vernehmen, wie die Sta=
tron
Saiville einen ausgedehnten Preſſe=Nachrichtendienſt
an die auf dem Ozean verkehrenden Schiffe gab. Punkt
5. Uhr 12 Min. traf das erſte Telegramm aus Neu=York
auuf der Station ein, das von der Neu=York Sun an den
Verliner Lokal=Anzeiger gerichtet war und die herzlichſten
Grüße enthielt. An dem folgenden Depeſchenwechſel be=
thiligte
ſich auch die Telegraphen=Union, die an die
Unnited Preß in Neu=York ein Begrüßungstelegramm
röchtete.
Aufſtand in der Kongo=Kolonie.
* Brüſſel, 12. Febr. Die Tribune Congolaiſe berich=
int
nach einem Brief aus der Kongo=Kolonie, daß
ur der Kaſſai=Gegend ein Aufſtand ausgebrochen ſei.
Trei Soldaten und 46 Eingeborene ſeien in einem Kampf
gietötet worden. Die Soldaten ſollen einen Richter zu
enner Unterſuchung begleitet haben. Es wird eine ſtarke
militäriſche Expedition vorbereitet, um die Ruhe wieder=
hierzuſtellen
. Nach einer Anfrage beim Kolonialminiſte=
rium
iſt die Nachricht ſtark übertrieben: Es ſei lediglich
nahr, daß ein Richter in der Gegend eine Unterſuchung
anſtellen wollte und von einer Kolonne angegriffen wurde.
Von Toten in dieſem Kampfe iſt nichts bekannt.
Keine offizielle engliſche Beteiligung an der Weltaus=
ſtellung
in San Franzisko.
* London, 12. Febr. In Erwiderung auf eine An=
frage
im Unterhaus, ob die Regierung ſich an der
Weltausſtellung in San Franzisko betei=
igren
werde, erklärte Premierminiſter Asquith, die
Regierung habe die Angelegenheit vor kurzem aufs neue
veiraten, habe aber ihren früheren Beſchluß
iſcht ändern können.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Schönheit! 2.50, 1.50, Vional=Seife 80,
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Bolivia, von Port Arthur kommend, 8 Febr. 11 Uhr
morgens in Hamburg. Bulgaria nach Baltimore,
8. Febr. 7 Uhr 10 Min. morgens Cuxhaven paſſiert.
Cincinnati von Neu=York nach Neapel und Genug,
7. Febr. 7 Uhr morgens von Gibraltar. Kaiſerin
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Neu=York. Pretoria 7. Febr. 11 Uhr morgens von
Neu=York direkt nach Hamburg. Prinz Adalbert nach
Philabelphia, 8. Febr. 1 Uhr nachm. Lizard paſſiert.
Steigerwald von Galveſton und Havanna kommend,
8. Febr. 6 Uhr morgens in Hambura. Weſtindien,
Mexiko: Antonina 8. Febr. in Pto. Mexiko, aus=
gehend
. Frankenwald nach Havanna und Mexiko,
4. Febr. von Teneriffa. La Plata nach Weſtindien,
7. Febr. 12 Uhr mittags in Antwerpen. Schwarzwald
von Weſtindien kommend, 7. Febr. 9 Uhr morgens in
Havre. Syria nach Weſtindien, 8. Febr. 1 Uhr morg.
von Grimsby. Venetia nach Weſtindien, 7. Febr.
10 Uhr 50 Min. morgens Dungeneß paſſiert. Wasgen=
wald
7. Febr. von Veracruz, ausgehend. Weſterwald
von Mexiko und Havanna kommend. 9. Febr. 7 Uhr
25 Min. morgens auf der Elbe. Ollaſien: Aleſia‟
nach Wladiwoſtok, 8. Febr. nachm. in Port Said. Anda=
luſia
7. Febr. nachm. von Hongkong nach Manila
Arabia 8. Febr. 1 Uhr 30 Min. morg. Dover paſſiert.
ausgehend. Bayern, 7. Febr. morg. Perim paſſiert,
ausgehend. Bermuda 8. Febr. nachm. von Dalny nach
Wladiwoſtok. Iſtria 7. Febr. 11 Uhr morg. in
Bremerhaven, heimkehrend. O. J. D Ahlers 8. Febr.
in Yokohama, ausgehend. Preußen 8. Febr. von
Schanghai nach Hongkong. Saxonia 7. Febr. nachm.
von Hongkong nach Tſingtau. Sileſia‟ 7. Febr. 8 Uhr
agends von Penang nach Suez. Spezia 9. Febr.
morgens von Hongkong nach Schanghai. Südmark
7. Febr. morgens von Algier nach Port Said. Suevia‟
8. Febr. 12 Uhr mittags von Kobe nach Moji. Ucker=
mark
nach Antwerpen, 7. Febr. 1 Uhr 10 Min. nachm
Cuxhaven paſſiert Verſchiedene Fahrten: Cleve=
land
, Orient= und Indienfahrt, 8. Febr. 7 Uhr morg.
in Piräus. Numantia‟ 7. Febr. in Maskat, ausgehend.
Victoria Luiſe, zweite Weſtindienfahrt, 7. Febr. 1 Uhr
nachm. von Neu=York. Slavonia, von Weſtafrika
kommend, 6. Febr. von Las Palmas. Windhuk nach
Afrika, 8. Febr. morgens Verim paſſiert.

Familiennachrichten.

Statt Karten!
Die glückliche Geburt eines
Sohnes
zeigen hocherfreut an
Heinrich Heppenheimer
und Frau Maja, geb. Hild.
Darmſtadt, 11. Februar 1914.
(4295

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe aufrichtiger Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner lieben Frau, ins=
beſondere
für die troſtreichen Worte des Herrn
Pfarrer Velte ſagt herzlichen Dank (*3721
im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Franz Dörr.
Darmſtadt, den 13. Februar 1914.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlichſter Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres unvergeßlichen Kin=
des
, für die troſtreiche Grabrede des Herrn
Pfarrer Waitz, ſowie für die überaus zahlreichen
Blumenſpenden ſprechen wir hiermit unſeren tief=
gefühlteſten
Dank aus.
(*3711
Darmſtadt, den 12. Februar 1914.
Familie Adam Ihrig.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Nachricht, daß geſtern abend mein
lieber Gatte, unſer lieber Vater, Schwieger=
vater
, Großvater, Schwager, Bruder u. Onkel
Herr J. A. Bernius
Diener
nach kurzem, ſchwerem Leiden ſanft ent=
ſchlafen
iſt.
(4272
Darmſtadt, den 12. Februar 1914.
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Frau Anna Bernins.
Die Beerdigung findet am Samstag, nachmit=
tags
4½ Uhr, vom Portale des Friedhofes
aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger Teilnahme bei
dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſte unſeres
leider ſo früh entriſſenen unvergeßlichen Sohnes,
Bruders und Neffen
(4284
Heinrich Krug
ſowie für die zahlreichen Blumenſpenden ſagen
wir hiermit unſeren herzlichſten Dank.
In tiefer Trauer:
Familie Johannes Krug,
Familie Heinrich Lang.
Darmſtadt, den 11. Februar 1914.

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 13. Februar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 45 Min.
Samstag, den 14. Februar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Sabbatausgang 6 Uhr 25Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religions=
geſellſchaft
.
Samstag, den 14. Februar:
Vorabend 5 Uhr 5 Min. Morgens 8 Uhr Nachmittags
4 Uhr. 30 Min. Sabbatausgang 6 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 15. Februar, an:
Morgens 6 Uhr 45 Min. Nachmittags 5 Uhr.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Unter dem Einfluß einer von Weſten herangezogenen
Depreſſion iſt der hohe Druck über Mitteleuropa zurück=
gedrängt
worden und mildes, trübes Wetter mit leichten
Regenfällen eingetreten. Wir werden morgen unter dem
Einfluß dieſer Depreſſion vorwiegend bleiben und Fort=
dauer
der beſtehenden Witterung erwarten können.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, den 13. Febr.:
Vorwiegend trüb und wolkig, mild, Regenfälle.

Tageskalender.

Freitag, 13. Februar.
Großh. Hoftheater Anfang 7 Uhr, Ende 10½ Uhr
(Ab. D): Der Freiſchütz.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Sonaten=Abend von Adolf und Fritz Buſch um
8 Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz (Richard Wag=
ner
=Verein),
Vorträge für Damen von Frau Roda=Hohenfels um
4 und 8½ Uhr im Fürſtenſaal
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Perkeo um 8 Uhr.
Bürgerkeller um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Bilderauslage in unſerer Expe=
dition
Rheinſtraße 23): Neue Männer für Elſaß=
Lothringen: Graf von Roedern und Freiherr von
Stein. Zum 25jährigen Beſtehen der deutſchen
Schutztruppe: Major von Wißmann, der eigentliche Be=
gründer
der Schutztruppe, Dormedarreiter in voll=
ſtändiger
Ausrüſtung, Feldgeſchütze im Gelände. Die
große Vulkankataſtrophe in Japan. Der Weltrekord=
Dauerflug des deutſchen Fliegers Bruno Langer.

Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
114 und Sonntags von 104 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

nach Pilsner Art u
nach Münchner Art
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feinste Wafelbiere
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1371a

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Nummer 44.

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Kurſe vom 12. Februar 1914.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

In Proz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 87,30
77,60
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,70
3½ do. Conſols . . . 87,10
77,70
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,80
92,30
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 97,20
85,80
do.
77,00
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,00
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 97,80
4 do. do. (unk. 1918) 96,80
85,40
do.
75,80
do.
77,60
3 Sächſiſche Rente .
4 Württemb. (unk. 1921) 98,10
do. v. 1875 94,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 97,80
Griechen v. 1887 . .
4 Italiener Rente . . . . 101,00
4½ Oeſterr. Silberrente 87,90
do. Goldrente . . . 90,70
4 do. einheitl. Rente . 83,60
3 Portug. unif. Serie I 62,20
3 do. unif. Serie III 64,80
3 do. Spezial . . . . 9,80
5 Rumänier v. 1903 . .
4 do. v. 1890 . .
4 do. v. 1905 . . 86,10
4 Ruſſen v. 1880 .
88,40
4 do. r. 1902 . . . . 91,20
4½ do. v. 1905 . . . . 99,00
3½ Schweden
4 Serbier amort v. 1895 79,00
4 Türk. Admin. v. 1903 77,30
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,80
4 Ungar. Goldrente . . . 85,00
4 do. Staatsrente . . 82,90

Zf.
In Proz.
5 Argentinier
99,30
do.
83,00
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,10
5 Chineſ. Staatsanleihe. 99,40
4½
do.
91,90
4½ Japaner . . . . . . .
5 Innere Mexikaner. . . 67,25
3
do.
44,50
4 Gold=Mexikanerv. 1904 69,50
5 Gold=Mexikaner .
3½ Buenos Aires Prov.
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 144,30
7 Nordd. Lloyd. . . . . 125,10
6½ Südd. Eiſenb.=Geſell. 128,00
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5½ Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 115,00
6 Baltimore und Ohio 95,50
7½ Schantungbahn . . . 137,00
8 Luxemb. Prince Henri 160,50
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 22,60
6 Pennſylvania R. R. .
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger. . . 67,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 632,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.268,25
30 Farbwerke Höchſt. . . 660,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 346,50
10 Cement Heidelberg. . 151,40
30 Chem. Werke Albert 447,00
15 Holzverkohl. Kon=
ſtanz

. . . 315,50
6 Lahmeyer . . . . . . . 126,00

Letzte
(
Divid.
8 Schuckert, Nürnberg . . 153,00
12 Siemens & Halske . 220,25
5 Bergmann Electr. . . 127,00
11 Deutſch. Ueberſee Electr. 178,80
0 Gummi Peter . . . 88,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . . 380,00
9 Maſchinenf. Badenia 136,00
0 Wittener Stahlröhren
10 Steana Romana Petr. 152,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 228,00
12.83 Bad. Zucker= Wag=
häuſel
. . . . . . . 211,40
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 96,50
0 Südd. Immobilien . 60,75
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . 167,50
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 225,75
10 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
144,10
10 Gelſenkirchener .
194,75
11 Harpener . . .
.189,00
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 244,00
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro
72,25
8 Laurahütte
10 Kaliwerke Aſchersleben 157,50
13
Weſteregeln 198,00
5 South Weſt Africa . 119½
Prioritäts=
Obligationen.
Südd. Eiſenb.=Geſ. 85,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 90,60
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 87,50
3 Prag=Duxer . . . . . . 73,30
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 90,00
do.
3
76,30
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,91
4 Oeſt. Südb. (Lomb.). . 73,50

Se
Zndet
29/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,60
3 Raab=Oedenburg
77,80
4 Kronprinz Rudolfbahn 87,50
4 Ruſſ. Südweſt . .
87,00
4½ Moskau=Kaſan . . .
do.
87,00
4 Wladichawchas
87,80
4 Rjäſan Koslow
3 Portugieſ. Eiſenb. . . . 69,50
do.
4½
86,00
24/10 Livorneſer
71,00
3 Salonique=Monaſtir . . 62,75
4 Bagdadbahn . . . .
79,00
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 92,00
4 Miſſouri=Pacific
94,50
4 Northern=Pacific
96,00
4 Southern=Pacific
92,90
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 101,00
5 Tehuantepec . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 192,50
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bank . . . . . . . 148,50
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 162,50
6½ Darmſtädter Bank . 123,50
12½ Deutſche Bank . . . 258,25
6 Deutſche Vereinsbank . 122,20
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,50
10 Diskonto=Kommandit 194,50
8½ Dresdener Bank . . 157,90
10 Frankf. Hypoth.=B. 217,00
3½ Mitteld. Kreditbank 121,00
7 Nationalb. f. Deutſchl. 117,60
7 Pfälziſche Bank . . . 129,00
.95 Reichsbank . . . . . 140,30
Rhein. Kreditbank . . . 133,00
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 103,50
7½ Wiener Bankverein . 139,70
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 94,80

(mn
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
65,80
S. 19
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 94,00
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 96,50
85,50.
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,40
85,20
do.
Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
36.70
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . .
36,70
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 85,70
S. 35
85,20
S. 911.
85,20
4 Meininger Hyp.=Bank 95,60
do.
3½
86,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,00
do. (unk. 1914) . . 85,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 96,90
do.
3½
88,00
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt.
. 94,75
3½ do.
86,00
4 Frankfurt
96,50
3½ do.
96,50
4 Gießen
95,10
3½ do.
85,50
4 Heidelberg
94,50
3½ do.
86,00
4 Karlsruhe.
95,60
3½ do.
86,60
4 Magdebur
4 Mainz
95,70
3½ do.
86,50
4 Mannheim
95,80
3½ do.
88,00
4 München
97,20
3½ Nauheim
84,60
4 Nürnberg
95,40
3½ do.
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95,00

Me
3½ Offenbach
88,10
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4 Wiesbaden
-
3½ do.

4 Worms .
do.
4 Liſſabonner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 141,90
3 Holl. Komm. . fl. 100 115,80
3 Madrider . . Fs. 100 78,75
4 Meininger Pr.=Pfand=
. . . . 142,00
briefe .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 181,00
3 Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 110,25
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20
Js. 15
Freiburger .
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
ſl. 7 34,70
Meininger
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100
Ungar. Staats . . fl. 100 439,80
Fs. 30
Penediger .
Fs. 400 170,40
Türkiſche
Gold, Silber und
Banknoten.
20,41
Engl. Sovereigns
16,23
20 Francs=Stücke
4,19½
Amerikaniſche Noten
20,40
Engliſche Noten
81,25
Franzöſiſche Noten
169,50
Holländiſche Noten
81,00
Italieniſche Noten
Oeſterr.=Ungariſche Noten 25,10
Ruſſiſche Noten
Schweizer Noten . . . . . 81,100
Reichsbank=Diskonto . . . 4%
Reichsbank=Lombard 35l. 5%

[ ][  ][ ]

Nummer44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.,
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In poli zei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Jagdhund. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktaa, vormittags
10 Uhr, ſtatt.
(4243
Vergebung eines Stipendiums an einen Studierenden.
Aus der Richard Günther=Stiftung iſt ein Stipendium von
250 Mark jährlich an einen Studierenden der Jurisprudenz oder der
Philologie durch die Stadtverordneten=Verſammlung vom nächſten
Sommerſemeſter an zu vergeben.
Bezugsberechtigt ſind nur Angehörige des Großherzogtums
Heſſen, die auf einer deutſchen Univerſität dem Studium einer der
genannten Wiſſenſchaften ſich widmen wollen oder bereits obliegen,
ſſich über Fleiß und ſittliches Verhalten ausweiſen und die zu ihrem
Studium erforderlichen Mittel nicht in ausreichendem Maße beſitzen.
Nach den Teſtamentsbeſtimmungen iſt diesmal ein Stu=
idierender
der Jurisprudenz aus der Provinz Oberheſſen in erſter
Linie zu berückſichtigen.
Die Verleihung erfolgt auf die Dauer der Studienzeit, jedoch
miemals auf längere Zeit als 4 Jahre. Sie findet in widerruflicher
Weiſe ſtatt, weshalb ſich der Inhaber über die Fortdauer ſeiner
=Würdigkeit durch Zeugnis der Univerſitätsbehörde zu Beginn jeden
Semeſters ausweiſen muß.
Geſuche um Verleihung dieſes Stipendiums, die eine kurze Lebens=
lbeſchreibung
enthalten und durch Zeugniſſe über das Vorhandenſein
ider oben angegebenen Vorausſetzungen belegt ſein müſſen, ſind bis
längſtens 1. März ds. Js. bei mir einzureichen.
(3974iff
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
Schutz der Hecken und des Buſchwerks.
Nachſtehende Polizeiverordnung bringe ich zur Kenntnis der
Beteiligten. Das Feldſchutzperſonal iſt angewieſen, diejenigen, die
ſich der fraglichen Arbeit bis Ende dieſes Monats nicht unterzogen
Haben, zur Anzeige zu bringen, worauf Beſtrafung der Säumigen
gemäß § 5 der Verordnung und das Zurückſchneiden der Hecken auf
Deren Koſten erfolgt.
(3722ff
Darmſtadt, den 3. Februar 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Jaeger.
Polizei=Verordnung.
Auf Grund des Art. 43 Abſ. 2 des Feldſtrafgeſetzbuches vom
73. Juli 1904, der Art. 64 und 48 III Ziffer 1 der Kreis= und Pro=
rinzialordnung
vom 12. Juni 1874 in der Faſſung der Bekannt=
machung
vom 8. Juli 1911 wird mit Zuſtimmung des Kreisaus=
ſchuſſes
und mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern
vom 18. März 1913 zu Nr. M. d. J. 3380 für den Kreis Darmſtadt
werordnet:
§ 1. Hecken und Buſchwerk dürfen mit Rückſicht auf den
Wogelſchutz fernerhin nicht mehr abgebrannt werden.
§ 2. Das Beſchneiden von Hecken und Buſchwerk iſt nur in
her Zeit vom 1. Oktober bis 1. März des folgenden Jahres geſtattet.
§ 3. Außerhalb der in § 2 angegebenen Zeit dürfen Hecken
und Buſchwerk nur mittelſt der von der Ortspolizeibehörde zum
ardnungs mäßigen Gebrauch beſtimmten Werkzeuge (Heckenſchere uſw.)
geſchnitten werden.
§ 4. Hecken und Buſchwerk, deren Zweige auf öffentliche Fahr=
und Fußwege hinausragen, ſind von den Beſitzern zurückzubinden
rdder während der nach § 2 erlaubten Zeit zurückzuſchneiden.
§ 5. Zuwiderhandlungen werden, inſoweit nicht nach geſetz=
lachen
Vorſchriften eine höhere Strafe verwirkt iſt, auf Grund des
Art. 64 der Kreis= und Provinzialordnung mit Geldſtrafe bis zu
20 Mark beſtraft.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
Druckarbeiten.
Der Druck des Jahresberichts der Eleonorenſchule für das
Cschuljahr 1913/14 ſoll vergeben werden.
Angebote ſind bis längſtens Dienstag, den 17. ds. Mts.
vormittags 10 Uhr, verſchloſſen und mit entſprechender Aufſchrift
verſehen im Stadthaus (Zimmer Nr. 59) abzugeben, wo auch die
näheren Bedingungen zu erfahren ſind.
(4157dfo
Darmſtadt, den 10. Februar 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
ſtädtiſche Sparkaſſe Darmſtadt
22 Hügelſtraße 22
Fernſprech=Anſchluß Nr. 456
Mündelſichere Anſtalt unter Haftung der Stadt Darmſtadt.
Strengſte Amtsverſchwiegenheit gegen jedermann, auch gegen=
üner
Behörden (vergl. § 25 der Satzung).
Beſerven über M. 2000000, Aktiven über M. 40000000,
Spareinlagen über M. 38000 000.
Reichsbank=Giro=Konto.
Poſtſcheck=Konto Frankfurt a. M.
Nr. 5869.
Sicheck=Konto bei der Depoſiten=
kaſſe
der Bank für Handel Scheck=Konto bei der Heſſiſchen
und Induſtrie.
Landes=Hypothekenbank.
Scheck=Konto bei der Deutſchen Bank, Zweigſtelle Darmſtadt.
Ausgabe von Heimſparbüchſen.
Verkehrszeit an jedem Werktag:
vormittags vom 1. April bis 30. September von 812½ Uhr,
vom 1. Oktoher bis 31. März von 8½12½ Uhr;
nachmittags (Samstag ausgenommen) von 35 Uhr.
I. Darlehensgeſchäft und Verwaltung: im erſten Stock.
II. Einlagen= und Rückzahlungsgeſchäft: im Erdgeſchoß.
Verzinſung der Einlagen: bis einſchließlich M. 10000 =
§½ %, über M. 10000 = 3% für die ganze Einlage.
Zinsbeginn: Der Zinſenlauf beginnt mit dem auf die Kapital=
inzahlung
folgenden Tage und endigt bei Rückzahlungen mit dem
ei: Erhebung vorausgehenden Tage.
(4263a
Städtiſche Pfennig=Sparkaſſe.
Einzahlungen in Pfennigbeträgen von 10, 20 Pfg. u. ſ. f. bis
inlſchließlich eine Mark, werden jeden Samstag, nachmittags von
8 Uhr, von nachverzeichneten Erhebeſtellen entgegengenommen:
enaſſel, M. W., Schulſtr. 10. Poth, E., Heinheimerſtr. 20.
Lammdau, M., Mathildenplatz 1. Schwab, T., Ernſt=Ludwigspl. 4.
rpp, K., Heinheimerſtr. 74.
Supp, A. J., Marktplatz 8.
eitz, Pfarrer, Mollerſtr. 23. Jarraſch, J., Heinheimerſtr. 35.
Akoulb, Ph., Dieburgerſtr. 9.
Seibert, Fr., Pallaswieſenſtr. 44.
oach, K., Marktplatz 3.
Waitz, E., Eliſabethenſtr. 16.
Büchler, A., Roßdörferſtr. 26.
Atxphan, H., Stiftſtr. 29.
Möſer, J. H., Ruthsſtr. 24.
iske, P. C., Ballonplatz 5.
lockow, F., Pankratiusſtr. 26. Sulzmann, A., Forſtmeiſterſtr. 2.
Mattheß, H., Liebfrauenſtr. 58.
Aeerz, L., Gardiſtenſtraße 1.
Erb, O., Alexanderſtr. 17½.
Pcholl, R., Soderſtr. 44.
Netz, Direktor.
Geſchichte der deutſchen Kunſt, 5 Vde., 30 M.
Zut verkaufen: (Ladenpreis 106 M.), Lübke und Lützow,
Lemkmäler der Kunſt 18 M. (Ladenpreis 46 M.), Weißer, Bilder=
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zur Weltgeſchichte 14 M. (Ladenpreis 30 M.). Näheres in der
(*3692
kpeedition

Schloſſerarbeiten und
Linoleumlieferuug.
Die bei Erweiterung des Stadt=
krankenhauſes
in dem Eintritts=
gebäude
vorkommenden Schloſſer=
arbeiten
, ſowie das Liefern und
Verlegen von Linoleum (ca. 300 qm)
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 18. Februar 1914,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(4182df
Darmſtadt, 10. Februar 1914.
Stadtbauamt.
Bupbaum.

Bekanntmachung.
Freitag, 6. März 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die dem k. k. Rat a. D. Her=
mann
Edler von Suttner=Erenwin
und deſſen Ehefrau Minna, geb.
Meyer=Nebel, zu Darmſtadt, ge=
hörige
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
24 595/100 315 Hofreite Nieder=
Ramſtäderſtr.
Nr. 152,
685 Grasgarten da=
ſelbſt
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
(K5/14
ſteigert werden.
Darmſtadt, 28. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen).
Frantz. (IX.3136
Bekanntmachung.
Freitag, 6. März 1914,
vormittags 10½ Uhr,
ſoll die dem Georg Wilhelm
Geiger I. und deſſen Ehefrau,geh.
Heinz, in: Darmſtadt, gehörige
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
V910 294 Hofreite Beſſun=
gerſtraße
Nr. 18,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
Nr. 1, zwangsweiſe
verſteigert werden.
Darmſtadt, 29. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (IX,3158
Bekanntmachung.
Freitag, den 20. März 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die dem Hermann Edler von
Suttner=Erenwin, K. K. Rat a. D.,
und deſſen Ehefrau Minna, geb.
Meyer=Nebel, dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
XXIV 500/100 315 Hofreite Nieder
Ramſtädter=
ſtraße
152,
685 Grasgarten da=
ſelbſt
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
(K8/14
Darmſtadt, 12. Februar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen).
Frantz. (IX,4296
Die Holz=Verſteigerungen
vom 9. und 10. Februar ſind
genehmigt. Abgabe der Abfuhr=
ſcheine
vom 17. Fe ruar ab. Ueber=
weiſung
am 18. Februar 1914.
Ober=Ramſtadt, 11. Febr. 1914.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Hoffmann. (4234

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Bekanntmachung.

In dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs für die
Gemarkung Darmſtadt Flur I beginnt die Anmeldungsfriſt
am 15. Februar 1914, die Friſt endigt am 14. Mai 1914.
Die Vorſchriften darüber, was ſeitens der Beteiligten während
der Anmeldungsfriſt zu geſchehen hat, können auf der Amtsſtube des
Großherzoglichen Ortsgerichtsvorſtehers zu Darmſtadt I und aus dem
Anſchlag an der dortigen Ortstafel erſehen werden.
(4255
Darmſtädt, den 11. Februar 1914.
Großherzogliches Amtsgericht Darmſtadt I.
Rüchholz=Verſteigerung Nr. 3.
(Stadtwald).
Montag, den 16. Februar lfd. Js., vormittags 9 Uhr
ſollen in der Turnhalle (Woogsplatz 5) hier, aus den Diſtrikten
Holzſchlag 26, Kühlache 20, Eichelacker 56, Scheftheimerſchlag 52, Lang=
wieſe
50 und 51, Hinterhecke 3 und Eichelacker 14 der Forſtwartei
Heiligkreuz (Forſtwart Hofmann) 272,09 fm Nutzholz verſteigert
werden und zwar:
Stämme:

Eichen I. Kl. 3 Stck. 8,40 fm Hain=
II.
3.
5,33 1 buchen VI. Kl. 70 Stck.12,86fm
III. 10
8,43 Birken IV.
0,64
IV. 49 31,
1,43
V. 39
17,24 Kaſtanien IV. 1
0,33
VI. 50 10,89
Erlen V. 1 0,62
Eſchen V. 1 0,39
VI. 3 2 0,86
VI. 32 3,92 Fichten V. 135
26,10
Ahorn VI. 1 0,21
Derbſtangen:
Buchen I. 7 11,84
II. 15 19,78 1Eſchen I. Kl. 11 Stck. 0,61 fm
III. 34 34,93
IV. , 59 = 36,32 Fichten I. 165 12,38
II. 562 12,06
V. 4 1,59
Hain=
Reisſtangen:
buchen IV. 4 1,85
Hain=
Fichten I. Kl. 694 Stck. 5,28 fm
buchen V., 22 6,51
II. 95 0,29

Das Holz trägt die laufenden Nummern 7381341 und iſt
ſämtlich an gut fahrbare Wege gerückt. Unterſtrichene Nummern
kommen nicht zum Ausgebot. Stammholzverzeichniſſe werden an
größere Abnehmer durch Forſtwart Hofmann zu Darmſtädter Forſt=
haus
abgegeben.
(3788sf
Darmſtadt, den 5. Februar 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.
Stammholz=Verſteigerung.
Donnerstag, den 19. Februar, vormittags
von 9 Uhr an,
ſollen in der Turnhalle, Woogsplatz 5, dahier aus den Forſt=
warteien
Beſſungen, Böllenfalltor und Beſſunger Forſthaus ver=
ſteigert
werden:
Stämme.

I. Kl.= 27,03 cbm) 1 Erle IV. Kl. 0,42 cbw
15 Eichen
13
II. 14,17
,
V. 0,74
III. = 9,82
11
VI. 0,33.
IV. 0,88 1 1 Elsbeer VI. 0,20
V. 2.59
5 Kiefern I. 9,45
VI. 16,62
II. = 31,76
10 Eſchen VI. 1,58
III. = 52,47
1 Ahorn
IV. 0,61
IV. 15,43
4 Hainbuchen IV. 1,57
V. 0,42
V. 1,27
1 Lärche III. = 0,56
VI. = 0,32
IV.
0,93
1 Birke
IV. 0,96 11 Fichte III. 1,13
IV. 4,73

Die Eichenſtämme I., II., III. und IV. Kl. lagern zum größten
Teil in der Forſtwartei Beſſunger Forſthaus, diejenigen V. u. VI. Kl.
in der Forſtwartei Böllenfalltor das Kiefernſtammholz faſt aus=
ſchließlich
in den Diſtrikten Baſſinteil und Burgwald. Die Eſchen=
ſtämme
lagern in der Forſtwartei Böllenfalltor. Die blau unter=
ſtrichenen
Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Nähere Auskunft erteilen der Großh. Förſter Klipſtein zu
Böllenfalltor, Schimpf, Forſtmeiſterſtraße 9 dahier und Großh.
Forſtwart Kolb zu Beſſunger Forſthaus.
Darmſtadt, den 11. Februar 1914.
(4297fi
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
Daab.
Grossh. Technische Hochschule zu Darmstackt.
Abteilungen für Architektur, Ingenieurwesen, Maschinenbau, Papier-
ingenieurwesen
, Elektrotechnik, Chemie (Elektrochemie und Phar-
mazie
). Allgemeine Abteilung (insbesondere für Mathematik und
Naturwissenschaften). Kursus für Geometer I. Klasse. Prüfungen
zur Erteilung des Grades eines Diplom-Ingenieurs und der Würde
eines Doktor-Ingenieurs. Fachprüfungen. Reichsprüfung für Phar-
mazeuten
und Nahrungsmittel-Chemiker. (Gegenseitige Anerken-
nung
der Diplom-, Vor- und Hauptprüfung in Hessen und Preussen
für den Staatsdienst im Hochbau-, Ingenieurbau- und Maschinen-
baufache
). Beginn des Studiums im Herbst oder zu Ostern. Auf-
nahmen
vom 17. April bis 18 Mai. Beginn des Unterrichts 21. April.
35 cm von 1 m Höhe gemeſſen. Programm gegen postkreie Einsendung von 60 Pfg., Ausland 89 Pfg.
Das Rektorat.
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Nummer 44.

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Katholiſcher Frauenbund und
Volksverein f. d. kath. Deutſchland.
Sonntag, 15. Februar, nachmittags 5 Uhr
im kath. Geſellenhauſe, Friedrichſtraße 30
Wiſſenſchaftlicher Vortrag:
Land, Leute u. Sitten der deutschen
Karolinen und Marianen
von Miſſionsſekretär P. Kilian=Ehrenbreitſtein (3909gf
mit Lichtbildern.
Zur Deckung der Unkoſten wird ein Eintrittsgeld von 20 Pfg.
per Perſon erhoben. Die Vorstände beider Vereine.
Vereinigte Geſellſchaft.
Donnerstag, den 26. Februar um 5 Uhr:
Kräppelkaffee
um 6½ Uhr:
Der Herr Gegenkandidat
Luſtſpiel von Ottokar Tann=Bergler,
aufgeführt von Damen und Herren der Vereinigten Geſellſchaft
unter Leitung des Herrn Hofſchauſpielers und Regiſſeurs Hacker,
Nach der Aufführung: T ANZ.
Karten für den Kräppelkaffee zum Preiſe von 70 Pf. ſind am
26. Februar bis 1 Uhr mittags bei dem Geſellſchaftswirt zu löſen.
Zu der Luſtſpiel=Aufführung ſind auch die an Kräppelkafſee und
Tanz nicht teilnehmenden Mitglieder freundlichſt eingeſaden. (4264a

Täglich nachmittags
Kaffee=Konzert

im Hotel Hess‟.

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Täglich abends 8 Uhr: Grosse humoristische (3030a
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Spielleiter: Oito Nowack.
Perſonen:
Ottokar, böhm.
Fürſt
. Otto Semper
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Auguſt Kräger
Erbförſter.
Agathe, ſ. Tochter G. Geyershach
Aennchen, e. Ver=
Marg. Beling=
wandte
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Max, 1 Jäger= Georg Becker
Kaſpar, burſchen Alfred Stephani
Hede Schaub
Erſte
Braut= Eva Unger
Zweite
Dritte (jungfer Evelyn Moore
L. Schützendorf
Ein Eremit:
Kilian, ein Bauer Carl Bernhardt
. Emil Kroczak
Erſter
Zweiter Jäger . Adolf Klotz
Hans Debus
Dritter .
Samiel, d. ſchwarze
. Hans Bertram
Jäger
Chöre: Robert Preuß.
Preiſe der Plätze (Gewöhnl.
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Nummer 44.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

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Das Tippfräulein.

Roman von Gertrud Stokmans.
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Dann blickte er ihm noch eine Weile nach, um ſich zu
eiggewiſſern, daß der Patient feſt auf ſeinen Beinen ſtand,
nat rückwärts, die Tür hinter ſich zuziehend, wieder ins
innmer hinein, ſchob den Riegel vor und wandte ſich
hmell dem Innern zu, um zu erledigen, was zu erledigen
ar.
Doch betroffen blieb er ſtehen. Wachte oder träumte
Ein ſeltſamer Anblick bot ſich ihm dar.
Da, wo ſonſt der breite Spiegel die Wand bedeckte,
land, wie ein lebendes Bild im altertümlichen Rahmen,
linge einſtige Braut, Gräfin Gabi Gartenhauſen, ſtemmte
e Hände gegen den Toilettentiſch und lachte ihn in
bermütiger Freude ſchelmiſch an.
So, ſagte ſie lebhaft, das nenne ich Glück. Er iſt fort
d Sie ſind hier. So iſt es recht. Nun können wir uns
ganſeitig helfen, Sie ſchieben hier den ſchweren Tiſch
r Seite, damit ich ins Zimmer hineinſpazieren kann,
ud ich mache hier Ordnung, ſo gut es geht. Allein wer=
nSie
damit doch nimmermehr fertig.
OGanz entgeiſtert ſtarrte er Gabi an. Ihre Stimme
ng heiter und unbefangen, und ſie ſah aus wie das
Aekörperte gute Gewiſſen, aber ihre Anweſenheit an die=
n
Ort erſchien ihm ſo befremdlich und ungeheuerlich,
Aßrer ſich nicht gleich damit abfinden konnte. Durch dieſe
Biergeltür, die wahrſcheinlich niemand kannte als der
ſaf; und ſie, war ſie vielleicht ſchon öfter hereingekom=
Ihr Verehrer hatte ihr wahrſcheinlich die Wege ge=

wieſen, und ſie in ihrer Abendteuerluſt hatte ſie unbe=
kümmert
benutzt.
In normaler Stimmung hätte Wardenburg ſeiner
einſtigen Braut dergleichen ja nie zugetraut, in dieſem
Augenblick überwältigten ihn aber Schreck und Eiferſucht,
und eine Fülle von Mißtrauen ſprach aus ſeinem ſtaunen=
den
und forſchenden Blick.
Sie hier, Gräfin? war das einzige, was er langſam
und zögernd ſagte, und ein ſo deutlicher Vorwurf, ein ſo
unverhülltes Entſetzen lag in dem kurzen Ausruf, daß
eine andere dadurch tief gekränkt worden wäre. Indeſſen
Gabi ließ ſich durch ſeine abwehrende Haltung nicht ein=
ſchüchtern
. Sie ſchwang ſich ſchnell und leicht ins Zim=
mer
hinein und begann, mit raſchem Blick Umſchau hal=
tend
, ſchnell und geſchickt aufzuräumen. Dabei nahm ſie
ſeine Hilfe nur ſelten in Anſpruch und plauderte mit ihm
wie mit einem guten Kameraden.
Der Himmel hat Sie augenſcheinlich zum Retter mei=
nes
Lebens und meines guten Rufes beſtimmt, ſagte ſie
heiter. Denken Sie nur, was mir paſſiert iſt. Die
ſchlimme Gräſin hat mich in eine abſcheuliche Falle gelockt,
und ſie erzählte ihm von ihren heimlichen Beſtrebungen
und Verlegenheiten.
An einen hohen Stuhl gelehnt, folgte er ihrer Schilde=
rung
und den kraftvollen anmutigen Bewegungen ihres
Körpers. Mitleid und Sorge regten ſich leiſe in ſeiner
Seele, zugleich aber auch Eiferſucht und Unwille, und als
ſie geendet hatte, ſagte er finſter: Sollten Sie heute wirk=
lich
zum erſten Male in Graf Dietrichs Zimmer ſein,
Gräfin?
Nun wurde ſie ernſtlich böſe. Pfui, ſagte ſie entrüſtet,

wie können Sie ſo häßlich fragen? Sie ſind ein abſcheu=
licher
Menſch, ein ungläubiger Thomas. Haben Sie je=
mals
Urſache gehabt, an meinem Anſtandsgefühl, meiner
Wahrhaftigkeit zu zweifeln? Habe ich Sie jemals be=
trogen
, jemals Ausflüchte gebraucht?
Früher nicht, meinte er zögernd, aber jetzt, als Fräu=
lein
Flotts Stellvertreterin, ſpielen Sie fortgeſetzt mit
großem Geſchick Komödie, und Ihr Gewiſſen wird da=
durch
nicht im geringſten beunruhigt. Vielleicht haben da=
durch
auch Ihre ſonſtigen Anſchauungen eine Wandlung
erlitten.
Nein, ſagte ſie, der Kern meines Weſens iſt derſelbe
geblieben, und das wiſſen Sie auch ganz genau, Herr von
Wardenburg. Meine Fehler und Schwächen liegen auf
ganz anderem Gebiet, aber Sie ſollten ſich ſelbſt von der
Richtigkeit meiner Ausſage überzeugen. Kommen Sie mit
mir durch den geheimen Gang bis zum Bilde der ſchlim=
men
Gräfin und verſuchen Sie es, von innen zurückzu=
ſchieben
. Sie werden ſehen, daß es unmöglich iſt.
Zögernd folgte der Oberinſpektor ſeiner reizenden
Führerin bis zum Ausgangspunkt ihrer Nachforſchungen,
aber auch er ſchob und rüttelte vergeblich an der geheimen
Tür, welche in das gelbe Zimmer führte, und ſie mußten
wieder umkehren. Schließlich kamen ſie zu der Annahme,
daß die Bildertür nur vom Zimmer, die Spiegeltür nur
vom geheimen Gang aus geöffnet werden konnte und han=
delten
demgemäß. Wardenburg kehrte in das Zimmer
des Grafen zurück, und Gabi ſchob hinter ihm wieder den
Spiegel vor die Oeffnung. Dann begab er ſich auf dem
gewöhnlichen Weg nach unten, um Gabi vom gelben Zim=
mer
aus zu befreien.

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

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ſchloſſen
war, mußte er, um zur ſchlimmen Gräfin zu ge=
langen
, durch das Parterrefenſter einſteigen, und das lag
ziemlich hoch. Wenn jemand den geſtrengen Herrn Ober=
inſpektor
bei dieſem ſeltſamen Vorhaben überraſchte, wie
ſtand er dann da? Er mußte die Dunkelheit abwarten,
ehe er es ausführte, und Gabi ſolange in dem geheimen
Gange ausharren. Doch diesmal hatte ſie Geduld. Sie
wußte, Wardenburg verließ ſie nicht und wendete zugleich
die erforderliche Vorſicht an.
Grollend, aber geſchickt ſetzte er das Rettungswerk in
Szene, und ſiehe da, es gelang vollkommen. Nirgends
blieb eine verräteriſche Spur von Gabis mißlungener Ex=
pedition
zurück, und ſie ſelbſt war ſo glücklich, jeder Angſt
und Gefahr entronnen zu ſein, daß ſie in dem gelben
Zimmer buchſtäblich herumtanzte. Danach vermochte auch
er an der Richtigkeit ihrer Darſtellungen nicht mehr zu
zweifeln, und ihr ſtrahlender Uebermut rief ſchließlich auch
auf ſeinem Antlitz ein befriedigendes Lächeln hervor.
Ich bin überzeugt, ſagte er, vor dem Bilde der ſchlim=
men
Gräfin ſtehen bleibend, es gibt doch eine Möglich=
keit
, dieſe geheime Tür von innen zu öffnen. Wir haben
ſie nur nicht herausgefunden. Es iſt nicht anzunehmen,
daß die ſchöne Ulrike die Brücken hinter ſich abbrach und
ſich ſelbſt den Rückzug abſchnitt, wenn ſie ſich auf ver=
borgenen
Wegen zu ihren galanten Abenteuern begab.
Die geſunde Vernunft ſpricht dagegen.
Zu galanten Abenteuern? wiederholte Gabi erſchreckt.
An ſolche hätte ich in dieſem Falle nie gedacht. Die
ſchlimme Gräfin war eine ſpröde, ſolze Natur und ihr

Ruſ, der Tradilion nach, ſiebelos., Man weiß ja auch
ſie hat nur einen einzigen Mann geliebt, und das war
der Oberjägermeiſter von Wardenburg.
Der Oberinſpektor lächelte ſpöttiſch. Der Schein trügt
zuweilen, Gräfin, und die Moral jener Zeit war eine
leichte und laxe. Die einſame Schloßfrau von Hellborn
verſtand es aber, ihre Wünſche und Maßnahmen mit dem
Schleier des Geheimniſſes zu umgeben, und galt darum
für unnahbar und ſtolz. Ob ſie es wirklich war, bleibt da=
hingeſtellt
. Ich wüßte auch nicht, weshalb ſie den ge=
heimen
Gang mit der Treppe dem Neubau eingefügt
hätte, wenn eine derartige Verwendung für ſie von vorn=
herein
ausgeſchloſſen war.
Wahrſcheinlich, um ihre Gäſte heimlich zu belauſchen
und dadurch Macht über ſie zu gewinnen, meinte Gabi leb=
haft
und ſchnell. Das wäre freilich auch ein ſehr häßliches
und niedriges Motiv, aber mit ihrem herriſchen intri=
ganten
Charakter doch eher vereinbar. Nun, vielleicht
ſtimmt weder die eine noch die andere Annahme, und es
handelt ſich einfach um eine Mode oder eine Laune. Wir
wollen ihr mit einem Verdacht nicht unrecht tun.
Es gefällt mir, daß Sie nur ungern an das Schlechte
glauben, ſagte Wardenburg, immer wärmer werdend,
aber nun verſprechen Sie mir auch, auf weitere Entdeck=
ungsreiſen
zu verzichten. Sie ſehen, wie gefährlich ſie
werden können. Das heutige peinliche Erlebnis ſoll
Ihnen eine Warnung ſein. Es hätte übel ablaufen
können.
Ja, ſagte ſie, ich werde mich in acht nehmen und jetzt
vorſichtiger ſein, aber der Schatz, den die ſchlimme Gräfin

ſin di Aadendaigs auſeſteche des der uns ich
noch finden, eher habe ich keine Ruhe.
Nein, ſagte er heftig, Vorſicht genügt nicht. Sie müſſen
Ihre Neugier bezwingen und ganz und gar ablaſſen von
dieſen Nachforſchungen. Ueberhaupt, Gräfin, was gehl
Sie die ganze Sache an? Wie kann dieſelbe Sie inten
eſſieren? Ich begreife es einfach nicht.
Sie begreifen manches nicht, meinte Gabi kühl, abel
ich habe meine Gründe, und ſie ſind wichtig genug. Spaa
ter will ich ſie Ihnen anvertrauen, jetzt iſt der Moment noch
nicht gekommen. Notabene, ich erzählte Ihnen doch ſchon
von dem Autobeſuch, der mich am Sonntag überraſchte
Ja, ich erinnere mich, er war Ihnen peinlich. Wes=
halb
eigentlich?
Des unnötigen Aufſehens und der falſchen Deutund
wegen, welche man dem intereſſanten Vorfall gab. Man
hielt den eleganten Beſitzer des Autos für den reichen
Liebhaber des armen Tippfräuleins und entrüſtet ſich en
ſprechend darüber. Daß der Chauffeur mein Brudere
glaubte kein Menſch.
Und wie verhielt ſich die Sache in Wirklichkeit?
ſprachen neulich nur flüchtig darüber.
Meine Brüder hielten in Berlin Familienrat und
ſchloſſen einſtimmig, mich zurückzuholen. Erſt ſchickten
Helmut als Parlamentär voraus, was ebenſo unnütz
unvorſichtig war, und zwei Tage ſpäter erſchienenHan
Hermann und Heinz mit dem Auto, um den Beſchluß
zuführen.
(Fortſetzung folgt.)

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Nummer 44.

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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

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§ 44.

Freitag, 13. Februar.

1914.

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u. Knaben von 8 Jahren, ſowie
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ſofort geſucht Front, Eliſabethen=
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Februar oder 1. März geſucht.
Vorzuſtellen von 13 Uhr nachm.
Nieder, Rheinſtraße 12½. (4291 Eine Frau
oder ein Mädchen
wird zu Aushilfsdienſt in der Zeit
von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr
nachmittags in beſſerer Familie
(4294
dieſes Blattes. tagsüber ſofort
Mädchen - geſucht
Lauteſchlägerſtr. ½ part. (*3766fs Frau läger gewerbsmäßige Stel=
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Köch., Haus= u. Alleinm. (*3733fsg Jg. Mädchen f. vorm. geſucht
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Süche erſte u. zweite Hausmädch.,
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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Februar 1914.

Nummer 44.

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Die Großh. Regierung und die
Heſſiſche Landwirtſchaft.

* Man ſchreibt uns: In der gemeinſamen Sitzung
des Finanzausſchuſſes der Zweiten Kammer mit der
Großh. Regierung vom 5. Februar ds. Js. wurde über
Kapitel 75a: den Zuſchuß zur Landwirtſchaftskammer ver=
handelt
und führten, nach dem Bericht der Darmſtädter
Zeitung vom 6. Februar, die Vertreter der Regierung
den Antragſtellern auf eine Erhöhung des Staatszu=
ſchuſſes
für die Landwirtſchaftskammer gegenüber an
der Hand der Rechnung der Landwirtſchaftskammer für
1912 aus, daß es angeſichts dieſes Rechnungsergebniſſes
richtig wäre, wenn die Landwirtſchaftskammer in ihren
Ausgaben etwas zurückhaltender vorgehen würde. Für
das Rechnungsjahr 1914 ſtänden der Landwirtſchafts=
kammer
aus Umlagen 33000 Mark mehr zur Verfügung
wie 1913 und es ſei daher im Hinblick auf die Möglichkeit
von weiteren Erſparniſſen nicht gerechtfertigt, der jetzigen
Mehranforderung von 53100 Mark zuzuſtimmen. Wir
ſtellen zunächſt feſt, daß es nicht richtig iſt, daß der Land=
wirtſchaftskammer
in 1914 33000 Mark an Umlagen mehr
zur Verfügung ſtehen, wie 1913. Die Umlagen ſind in
913 um zirka 31000 Mark gegen 1912 in Folge der
neuen Einſchätzungsbeſtimmungen nach dem Kommunal=
umlagegeſetz
geſtiegen. Für 1914 glauben wir nicht,
daß eine weitere Steigerung ſtattfinden wird.
Am empfindlichſten trifft aber die Landwirtſchafts=
kammer
der Rat, in den Ausgaben zurückhaltender und
ſparſamer zu ſein, der doch den Vorwurf in ſich ſchließt,
daß dies ſeither nicht der Fall geweſen ſei. Die Land=
wirtſchaftskammer
muß dies auf das Entſchiedenſte zurück=
weiſen
. Da die Behauptung aber immer und immer
wiederkehrt, ſo erſcheint es zweckmäßig, das Verhältnis
der Großh. Regierung zur Landwirtſchaft bezw. zur
Landwirtſchaftskammer einmal etwas eingehender zu
unterſuchen und feſtzuſtellen, wer denn eigentlich die
Schuld für die ſteigenden Ausgaben der Landwirtſchafts=
Kuimer zu tragen hat.
Mit der Errichtung der landwirtſchaftlichen Vereine
im Großherzogtum Heſſen im Jahre 1833 hatte die Großh.
Regierung die Maßnahmen zur Förderung und Pflege
der Landwirtſchaft auf ihr Programm geſchrieben und ſie
verwilligte auch der Hauptſache nach die für die Durch=
führung
der betseffenden Maßnahmen nötigen Mittel.
Die Spitze der landwirtſchaftlichen Vereine, die Zentral=
ſtelle
für die Landwirtſchaft, war ja ein ſtaatliches Organ.
Erſt in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wur=
den
die landwirtſchaftlichen Vereine ganz ſelbſtändig und
die Vertretung der Landwirtſchaft im Großh. Miniſterium
übernahm die Obere landw. Behörde. Auch
noch in dieſer Zeit beſtanden enge Beziehungen zwiſchen
den landwirtſchaftlichen Vereinen und der genannten Be=
hörde
; während derſelben, in den Jahren 1897/98 wur=
den
die Staatszuſchüſſe auf über 200000 Mark erhöht, die
Grundlagen für die Förderungsmaßnahmen zur Hebung
der Viehzucht wurden gemeinſam geſchaffen ꝛc. Wir
hatten ähnliche Verhältniſſe wie ſie zurzeit noch in
Württemberg und Bayern und zum Teil auch noch in
Baden beſtehen. Die Mittel zur Förderung der Land=
wirtſchaft
wurden zum Teil von der Regierung ſelbſt,
zum anderen Teil gemeinſam mit den betreffenden Or=
ganen
verwandt. Erhöhten ſich die Anforderungen oder
traten neue Arbeitsgebiete auf, ſo wurden die Mehrfor=
derungen
in den Staatsvoranſchlag eingeſetzt und dann
entſprechend verwandt. Maßgebend allein war ſelbſt=
verſtändlich
nur das Bedürfnis. Anfang dieſes Jahr=
hunderts
ſchlug aber der Wind bei uns in Heſſen um.
Während in dem Jahre 1898/99 zur Förderung der
Landwirtſchaft den landwirtſchaftlichen Vereinen noch
207834 Mark überwieſen wurden, gingen die Zuſchüſſe
von Jahr zu Jahr zurück, und als die Landwirtſchafts=
kammer
im Jahre 1907 errichtet wurde, erhielt dieſe für
die fraglichen Zwecke nur noch 144190 Mark, alſo 63644
Mark weniger. Dazu kamen noch 72000 Mark für Vex=
waltungskoſten
, die der Staat ſeit Errichtung der Land=
wirtſchaftskammer
jährlich ſpart, da dieſe die Koſten ſelbſt
zu tragen hat. Alſo gegen 135000 Mark gibt der Staat
heute gegen vor 1214 Jahren jährlich weniger wie da=
mals
. Dabei kommt aber für die Landwirtſchaftskammer

noch erſchwerend in Betracht, daß heute alle Maßnah=
men
, die irgend eine Förderung der landwirtſchaftlichen
Technik bezwecken, auf die Landwirtſchaftskammer abge=
laden
werden. Wenn die Landwirtſchaftskammeraus=
ſchüſſe
Erweiterungen oder Neueinführung von Maß=
nahmen
auf dem Gebiete der Viehzucht, wenn Kom=
miſſionen
ſolche auf dem Gebiete des Ackerbaues, des
Obſt= und Weinbaues, der Buchführung, des Betriebes,
neue notwendige Maßnahmen beſchließen, die Landwirt=
ſchaftskammer
ſoll und muß das Geld dafür beſchaffen.
Daß bei einem in ſo gewaltigem Maße ſteigenden Ge=
ſchäftsverkehr
die Gehälter, Diäten ꝛc. und damit auch die
Geſchäftsunkoſten ſteigen, iſt begreiflich. Die Großh. Re=
gierung
hat mit dazu beigetragen, daß alle Arbeiten zur
Förderung der landwirſchaftlichen Technik auf die Land=
wirtſchäftskammer
abgewälzt worden ſind und noch
merden. Bekanntlich haben wir in Heſſen an 9 landwirt=
ſchaftliche
Winterſchulen, einer Obſt= und Weinbauſchule
und einer Obſtbauſchule über 20 Landwirtſchaftslehrer
geſchäftigt. Die Tätigkeit depſelben entfällt, abgeſehen
von den Lehrern an den beiden letzteren Anſtalten, der
Hauptſache nach auf den Winter, in 7 Monaten haben ſie
verhältnismäßig wenig zu tun. In faſt allen ſüddeutſchen
Staaten und auch bei den Landwirtſchaftskammern in
Norddeutſchland werden dieſe Landwirtſchaftslehrer zu
Arbeiten auf den verſchiedenſten Gebieten, ſo z. B. zur
Abhaltung von Buchführungskurſen, zum Pflanzenſchutz=
dienſt
, bei der Durchführung von Feldbereingungen, zur
Mitwirkung bei der Herdbuchführung und Körung, zur
Abhaltung von Vorträgen, zur Durchführung von Sor=
ten
= und Düngungsverſuchen ꝛc. herangezogen. Es wäre
auch bei uns in Heſſen ſehr gut möglich geweſen, dieſe
Arbeiten auf den verſchiedenſten Gebieten zu organiſieren
und unter Mitwirkung der Landwirtſchaftslehrer durch=
zuführen
. Das hat man nicht getan, weil die Geoßh. Re=
gierung
die Mittel für die Bezahlung der Diäten ꝛc.
ſparen wollte und keine entſprechenden Voränſchlagspoſten
zur Verfügung hatte. Statt deſſen ſtellte man ſie für Ar=
beiten
auf Einzelgebieten, wie für das Vortragsweſen, für
den Pflanzenſchutzdienſt und für Sorten= und Düngungs=
verſuche
der Landwirtſchaftskammer zur Verfügung und
dieſe mußte dann ſelbſtverſtändlich auch die Diäten und
Transportkoſten übernehmen. Aber immerhin beſteht die
Tatſache, daß die Beamten der Landwirtſchaftskammer
zum Teil überlaſtet ſind, während die ſtaatlichen Land=
wirtſchaftslehrer
im Sommer keine volle Beſchäftigung
haben. Die fortgeſetzt ſteigenden Beträge für Diäten und
Transportkoſten werden dadurch erklärlich, denn wo ge=
arbeitet
wird, wo dienſtliche Geſchäfte außerhalb des
Wohnſitzes erledigt werden müſſen, da vermehren ſich die
Unkoſten; hält man dieſe nicht für nötig, dann kann
man auch letztere ſparen und ſchließlich auch die Beamten.
Ueberall in der Landwirtſchaft kann man im Deut=
ſchen
Reiche einen erfreulichen Fortſchritt verzeichnen. Die
Erträge unſerer Felder, Wieſen, Gärten ſind ſeit einem
Menſchenalter faſt verdoppelt worden, unſere Viehſtände
ſind wertvoller geworden und leiſten das Mehrfache gegen
früher. Auch wir in Heſſen ſind in gleichem Maße an
dieſer Entwickelung beteiligt, trotzdem 95 Prozent unſerer
Landwirte Bauern und Kleinbeſitzer ſind. Dieſer Fort=
ſchritt
iſt aber bei uns zweifellos auf die Anregung von
außen, durch die Vereine, Schulen die Landwirtſchafts=
kammer
uſw. zurückzuführen. In Preußen nimmt ſich die
Regierung in verſtärktem Maße der Landwirtſchaft an,
der preußiſche Landwirtſchaftsminiſter hat bei den letzten
Verhandlungen des preußiſchen Landtags ge=
zeigt
, welches Intereſſe er allen Beſtrebungen ſeines Reſ=
ſorts
entgegenbringt. Millionen ſind in den letzten Jah=
ren
, beſonders in 1913, mehr für Förderungsmaßnahmen
auf allen Gebieten der landwirtſchaftlichen Technik verwil=
ligt
worden. Aehnlich geſchieht es in Süddeutſchland.
Wollen wir in Heſſen nicht zurückbleiben, ſo müſſen auch
unſerer Landwirtſchaft mehr Mittel zur Verfügung geſtellt
werden. Und daß der heſſiſche Staat bei ſeiner jetzigen
Finanzlage, wo er faſt 3 Millionen Mark mehr für die
Erhöhung der Beamtengehälter verwilligen will, dazu in
der Lage iſt, unterliegt wohl keinem Zweifel. Dem Rate
der Regierung an die Landwirtſchaftskammer, in den
Ausgaben zurückhaltender und ſparſamer zu ſein, ent=
ſpricht
die Landwirtſchaftskammer in weitgehendſtem
Maße; über eine gewiſſe Grenze aber hinauszugehen, be=
ſonders
aber jede Anregung, jede neue Maßnahme abzu=
lehnen
, geht auf die Dauer nicht, es würde das Stillſtand
bedeuten, Stillſtand iſt aber bekanntlich Rückgang.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich,)

Seit etwa drei Wochen erſcheint nun keine Zeitung
mehr, ohne daß nicht ein oder mehrere Eingeſandts darin
zu leſen ſind, die ſich mit der Frage beſchäftigen, wer nun
eigentlich den Verſicherungsbeitrag für die Dienſtboten
bezahlen ſoll. Eigentümlich bei der ganzen Sache iſt,
daß von ſeiten der Dienſtmädchen eine eigentliche Auf=
forderung
an die Herrſchaften, den Verſicherungsbeitrag
aus eigener Taſche für ſie zu zahlen, noch gar nicht er=

gangen iſt, nur las man öfter in dieſen Eingeſandts, daß
manche Frauen dieſerhalb ihre Mädchen interpelliert
haben.
Eine derartige Unſicherheit und Nervoſität iſt einfach
unverſtändlich, wo doch das Geſetz klipp und klar beſtimmt,
daß die Beiträge zu zwei Drittel von den Arbeitnehmern
und zu einem Drittel von den Arbeitgebern zu tragen
ſind. Es gibt eben leider noch viele Leute, die es als
einen Verſtoß gegen den guten Ton halten, wenn ſie nicht
fortwährend mit Trinkgeldern um ſich werfen. Betreffs
der Trinkgelderunſitte ſind durchaus nicht diejenigen zu
beſchuldigen, die den Obulus nehmen, ſondern umgekehrt
die, die ihn geben. Kellner, Kutſcher, Straßenbahnſchaff=
nec
, Raſiergehilfen, Badediener, Portiers ꝛc. ſind im
Gegenſatz zu früheren Verhältniſſen, ſo an das Trink=
geldempfangen
gewöhnt, daß viele Leute es vorziehen,
ehe ſie ſich einen geringſchätzenden Blick zuzuziehen glau=
ben
, lieber eine Entbehrung zu erdulden.
Iſt ſo etwas nicht traurig und unter aller Würde?
Die Empfänger haben ja gar nicht unrecht, wenn ſie die
angebotenen Trinkgelder nicht ausſchlagen, aber wenn
Leute fortwährend damit um ſich werfen, ohne daß hierzu
Verpflichtungen beſtehen und wo öfter der Trinkgeld=
empfänger
ſich beſſer ſteht, als der Geber, ſo iſt dieſes als
eine Unſitte des Letzteren zu bezeichnen.
Genau ſo verhält es ſich mit den Verſicherungs=
beiträgen
. Wofür denn das viele Herumfragen? Eine
zielbewußte und reſolute Hausfrau fragt hierüber gar
niemand und am wenigſten ihr Mädchen; ſie weiß einfach
ſelbſt, was ſie zu tun hat. Die mimoſenhaft veranlagten
Frauen hingegen verſagen hierbei gänzlich. Sie mögen
ſich öffentlich oder nicht öffentlich verpflichten, zwei Drittel
des Beitrages in Abzug zu bringen, der Schlußeffehl
wird der ſein, daß ein reſolutes Dienſtmädchen bei einen
ſchwächlichen Frau ihren Willen durchſetzt.
Mit einiger Freude habe ich vor kurzem in Ihrem ge
ſchätzten Blatte das Eingeſandt eines Dienſtmädchens
geleſen, worin dieſelbe mit mir völlig einig geht, daßes
vielleicht für viele Frauen vernünftiger wäre, ihre häus=
lichen
Arbeiten ſelbſt zu verrichten, wie es ihre Mütter ges
tan haben und teilweiſe noch tun. Leider aber gehörtes
heutzutage auch zum guten Ton für viele Hausfrauen, ſich
keine ſchmutzigen Hände mehr zu machen und wenn der
Mann auch fortwährend um höheren Gehalt petitionieren
muß, den lieben Bekannten doch zu zeigen, daß man ſich
ein Dienſtmädchen leiſten kann. Die ſogenannte Dienſt=
botennot
würde nicht in dem Maße in die Erſcheinung
treten, wenn dieſer Mißſtand nicht wäre und in der Haupt=
ſache
nur ſolche Leute ſich Dienſthoten zulegen würden,
die den Letzteren auch mit Erfahrungen imponieren kön=
nen
und die auch mit der erforderlichen Energie ausge=
rüſtet
ſind, den mitunter recht unverfrorenen Zumutungen
nicht allein Widerſtand entgegen zu ſetzen, ſondern eo ipsh
deren Entſtehen unmöglich zu machen.
In unſerem heutigen, jede Autorität negierenden
Zeitalter ſind mehr als je Charaktere von Nöten, die
nicht bei jedem minimalen Anlaß ins Schwanken ge=
raten
, ſondern die wiſſen, was ſie wollen und das für rich=
tig
Erkannte auch durchführen.
R.
(Wir halten die Frage nun vorerſt für genügend er=
örtert
und bitten von weiteren Einſendungen abzuſehen
Die Red.)
Die Heranziehung unſerer Dienſtboten zur Orts=
krankenkaſſe
, die Höhe der Beiträge und deren Verteilung
auf die Beteiligten haben in letzter Zeit eine Menge von
Einſendungen hervorgerufen, die im ganzen nur gezeigt
haben, welche Fülle von Unklarheit und Verſtändnisloſig=
keit
auf dem Gebiete herrſchen. Ein hieſiger Frauenverein
will nun eine öffentliche Verſammlung in dieſer Angele=
genheit
einberufen, die zunächſt eine Klärung der vielen
falſchen Vorſtellungen bringen ſoll. Andere Vereine ſollen
zur Mitarbeit gebeten werden. Man iſt ſich der Schwierig=
keit
des Unternehmens wohl bewußt, hofft aber, daß durch
Entgegenkommen und Beteiligung aller Intereſſenten man
doch vielleicht Mittel und Wege finden wird, um die zu
hoch ſcheinenden Beiträge zu vermindern. Alle Haus=
haltungsvorſtände
werden um ihr Erſcheinen gebeten,
ganz beſonders die unzufriedenen unter ihnen, und auch=
die
, welche aus ſozialer Anſchauung, aus Bequemlichkei
oder weil es ihre Mittel erlauben, ſich bereits mit den
Tatſachen abgefunden haben. Ihre Gleichgültigkeit oder
beſondere Stellungnahme würde andere ſchwer ſchädigen;
auch ſollten ſie bedenken, daß das Geſetz eine erzieheriſche
Seite hat, deren Ueberſehen ſehr bedenklich iſt.

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