Darmstädter Tagblatt 1914


N 27., Dienstag, den 27. Januar.

[  ][ ]

Abonnementspreis:
Anzeigenpreis:
177. Jahrgang
Ausg. A (mit Ill. Unterhaltungsbl.) mouatl. 60 Pfg.,
Die 49mm breite Petitzeile oder deren Raum:
vierteljährl. Mk. 130: Ausgabe B (mit 31 Unter=
im
Kreiſe Darmſtadt 10 Pfg, auswärts 20 Pfg.;
die 84 mm breite Reklamezeile oder deren Raum
haltungsblatt u. Ill. Wochen=Chronik) monatl. verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der wöchentlichen Beilage:
80 Pfg., vierteljährl. Mk. 2. 40. Abonnements nehmen
im Kreiſe Darmſtadt 30 Pfg., auswärts 75 Pfg,;
entgegen: die Geſchäftsſtelle Rheinſtr. 23 (Fernſpr.
Rabatt nach Tarif. Anzeigen nehmen entgegen: die
Nr. 1 u. 426), unſere Filialen Landagenturen u. alle
Geſchäftsſtelle Rheinſtr. 23, die Filialen u. Agen=
Poſtämter. Verantwortlichkeit für Aufnahme von
turen, Annonenerpeb des In= u. Auslandes. Bei
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
Anzeigen an beſtimmten Tagen wird nicht übernom.
Fentirs od. geribil. bſtreis, alt er eheſt aige
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Großherzog wird ſich wegen Erkrankung des
Prinzen Ludwig an Scharlach zu Kaiſers Geburtstag
nicht nach Berlin begeben.
*=
Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos iſt geſtern
morgen 8 Uhr 10 Minuten mit dem Norderpreß in
Berlin eingetroffen und wurde von dem griechiſchen
Geſandten und dem Geſandtſchaftsperſonal empfangen.
Fürſt Lichnowsky und Gemahlin begeben ſich als
Gäſte des engliſchen Königspaares zu
einem mehrtägigen Beſuche auf Schloß Windfor.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Dem Kaiſer!

** Der Kaiſer vollendet heute das 55. Lebensjahr
und mit den deutſchen Fürſten vereinigt ſich auch das
heutſche Volk in herzlichen und aufrichtigen Wünſchen für
den Herrſcher, deſſen Handlungen in allen Dingen von
dem ernſten und tiefen Gefühl der Verantwortlichkeit ge=
leitet
werden. Das verfloſſene Lebensjahr war für den
Kaiſer außerordentlich bedeutungsvoll. Stand es doch
unter der Einwirkung der Hundertjahrfeiern, an denen
ter Monarch naturgemäß den regſten Anteil nahm und
die ihn zu einer Reihe wichtiger und eindrucksvoller
Agundgebungen vpranlaßten. Für ihn perſönlich hatte
ſſdas Jahr aber noch eine weitere Bedeutung, weil es das
URegierungsjubiläum brachte mit all den Tauſenden Be=
lheiſen
der Liebe und Treue, die bis in die breiteſten
Schichten des Volkes hinein dem Kaiſer gewidmet wur=
orn
. Die materiellen Beweiſe dieſer Anhänglichkeit ſind
aher dem Volke in Geſtalt zahlreicher Stiftungen wieder
Uugute gekommen, und auch die umfaſſende Amneſtie, die
par Kaiſer an ſeinem Jubiläumstage erließ, hat viel Se=
tem
verbreitet, manchen Schmerz geſtillt oder gelindert.
lUnd noch ein drittes brachte das Jahr dem Kaiſer: die
vermählung ſeiner einzigen Tochter und in Verbindung
ſhemit die Ausſöhnung mit dem Welfenhauſe, die wieder
ie Erledigung der braunſchweigiſchen Thronfolgefrage,
ie Löſung eines Problems im Gefolge hatte, die dem
inneren Frieden im Reiche hoffentlich gute Dienſte leiſten
Avird.
An der Aufgabe, den Weltfrieden zu ſichern, hat der
Ukaiſer im Verein mit ſeinen Verbündeten im verfloſſenen
jehhre eifrig zu wirken Gelegenheit gehabt, und damit
leinen Ruf als Friedensfürſt weiter befeſtigen können=
enn
in den ſchweren europäiſchen Konflikten der jüng=
ſer
Vergangenheit der Friede aufrecht erhalten wurde,
Ab äſt das nicht zum geringſten unſerem Kaiſer zu danken,
r ſeine perſönlichen Freundſchaftsbeziehungen zu den
Inieren Monarchen, namentlich auch zum Zaren, in den
lianſt des Friedens ſtellte und wiederum bekundete, was
von dem Monarchenveruf einmal ſagte, der ſeiner An=
ſche
nach darin beſtände, die Völker ſo weit wie möglich
Auf friedlichem Wege vorwärts zu bringen und zur Blüte
Imneorzuführen.
Iſt es da ein Wunder, daß ſelbſt im heftigſten Streite
r Tagesmeinungen und der ſchroffen Kämpfe, die na=
Ienstlich auch in letzter Zeit wieder an der Einigkeit un=
ſires
Volkes rüttelten, letzteres der Perſon des Kaiſers
Ullees Vertrauen entgegenbringt und zu ihm aufſchaut
zu dem Hort der friedlichen Entwickelung der gei=
gan
und materiellen Güter unſerer Nation? In Nord
d Süd unſeres großen Vaterlandes geht denn auch am
ſſunigen Tage von Mund zu Mund der innigſte Wunſch
das Wohlergehen des Herrſchers des Deutſchen Reichs:
t ſegne den Kaiſer!

Meitere franzöſiſche Rüſtungen.

Obwohl erſt wenige Monate ins Land gegangen
ſd, daß in Frankreich die letzte große Heeresvorlage
Förgebracht wurde, in deren Ausführung man noch im
Poriff iſt, kommt von der Seine her Kunde, daß in der
ſſmmer neue Heereskredite in beträchtlicher Höhe gefor=
ttwerden
ſollen. So ſehr überraſchend kam das nicht,
An auch wir in Deutſchland haben ja mehr wie einmal
Erfahrung gemacht, daß bei Militärvorlagen immer
Pder ſich ein hinkender Bote einſtellte, in der Geſtalt

von Nachtragsforderungen, indem ſich bei der Durchfüh=
rung
herausſtellte, daß hier und da noch Lücken vorhanden
ſind, die der Ausfüllung bedürfen. So auch in Frankreich.
In der Kammer iſt, wie gemeldet, jetzt der bereits vor
einiger Zeit angekündigte Geſetzentwurf eingebracht wor=
den
, der ſowohl die einmaligen Ausgaben für die Ein=
führung
der dreijährigen Dienſtzeit enthält, aber auch
Ausgaben für die Beſchleunigung der die Nationalver=
teidigung
betreffenden Arbeiten; auch eine Verbeſſerung
des Materials, namentlich der Feſtungswerke und der
Truppenübungsplätze, iſt vorgeſehen. Der für das Jahr
1913 feſtgeſetzte Betrag beziffert ſich auf mehr, als 300
Millionen Mark, während die Sonderausgaben für 1914
mit nicht weniger als 487 Millionen angeſetzt worden
ſind, wovon auf die Bewaffnung ungefähr die Hälfte
entfällt, während die übrige Summe für andere Zwecke
verwandt werden ſoll. Im Marineetat ſind für die ein=
maligen
Ausgaben über 135 Millionen ausgeſetzt, u. a.
ſollen drei Aufklärungsſchiffe gebaut werden, und des
weiteren verlangt man 30 Millionen Francs für die Or=
ganiſation
der Marineluftſchiffahrt.
Das ſind recht reſpektable Summen, die zweifellos
im großen und ganzen von Kammer und Senat ange=
nommen
werden dürften. Nun aber fragt ſich, wo man
die Deckung hernehmen ſoll, denn für 1913 und 1914 be=
laufen
ſich dieſe Ausgaben auf nicht weniger als 924 Mil=
lionen
Francs. Hierüber ſchweigt ſich der Entwurf be=
zeichnenderweiſe
völlig aus, weil man wohl im Schoße
der Regierung ſelber noch nicht recht weiß, woher man
das Geld nehmen ſoll. Den Miniſtern mag in ihrer
Haut nicht ganz wohl ſein, denn es wäre nicht ausge=
ſchloſſen
, daß auch ſie über dieſe Frage ſtolpern, genau
wie das vorangegangene Kabinett.

Deutſches Feick.

Bayern und der Reichskanzler. Die
Korreſpondenz Hoffmann meldet: Auf ein von dem Mi=
niſterpräſidenten
an den Reichskanzler gerichtetes Tele=
gramm
, in dem dieſer den Dank der bayeriſchen Regierung
dafür ausſprach, daß der Reichskanzler in der Sitzung des
Reichstages vom 23. Januar ſo entſchieden die Ehre der
bayeriſchen Armee wahrte, lief folgendes Antworttele=
gramm
ein: Eurer Exzellenz danke ich verbindlichſt für
Ihr geſtriges Telegramm. Es iſt mir eine Freude ge=
weſen
, für die Ehre der bayeriſchen Armee einzutreten, und
ich hoffe, daß nunmehr die ſo bedauerlichen Folgen der
mißverſtändlichen Aeußerung des Generals von Kracht be=
ſeitigt
ſind. Bethmann Hollweg.
Venizelos in Berlin. Der griechiſche Mi=
niſterpräſident
Venizelos begab ſich nach ſeiner Ankunft in
Berlin zur Meldung bei der Königin Sophie von Grie=
chenland
und dann nach dem Auswärtigen Amt, wo er
vom Staatsſekretär von Jagow empfangen wurde, mit
dem er eine längere Unterredung hatte. Ueber die Ab=
reiſe
ſteht noch nichts Definitives feſt. Sie erfolgt erſt am
Mittwoch oder Donnerstag morgen. Es ſteht auch noch
nicht feſt, ob Venizelos ſich zunächſt nach Wien oder nach
Petersburg begeben wird. Es iſt darüber ein umfang=
reicher
Depeſchenwechſel zwiſchen Venizelos und der Re=
gierung
in Athen, ſowie den Kanzleien in Wien und Pe=
tersburg
im Gange.
. Die franzöſiſche Preſſe über die
Zaberndebatte. Der Eindruck von der letzten
Zabern=Debatte im Reichstag ſpiegelt ſich in langen Be=
richten
in den franzöſiſchen Blättern wider, die faſt ſämt=
lich
von einer Niederlage der Oppoſition und einem
Sieg der Regierung ſprechen. Der Temps kommt zu dem
Ergebnis, daß, wenn man auch dem Reichstage für
Deutſchland neue Verordnungen verſpreche, man Elſaß=
Lothringen doch der Willkür überlaſſen und der Reichstag
nichts dazu ſagen werde. Das Journal des Débats ſtellt
aus dem Verlauf der Debatte feſt, daß vom Norden
bis zum Süden und vom Oſten bis zum Weſten
des Reichs trotz aller Unterſchiede des Temperaments
und der partikulariſtiſchen Tendenzen in gewiſſen Gebieten
das Reichsgefühl über alle Einzelkritik vorwiegt, und es
genügt, zu behaupten, daß das Reich und das Heer be=
droht
ſind, um alle Parteien, mit Ausnahme der Sozia=
liſten
, zu einem feſten Block zu vereinigen. Wenn man
in Frankreich dieſe Feſtſtellung beherzigte, ſo wäre das
von großem Nutzen für das franzöſiſche Volk ſelbſt. Es
würde dadurch vor gefährlichen Enttäuſchungen bewahrt
bleiben, die ihm aus den Vorgängen von Zabern der
Chauvinismus bereits einzugeben ſucht, indem er ihm

Deutſchland ſo vorſtellt, als ob es aus dem Gegenſatz ſei=
nes
militäriſchen und bürgerlichen Geiſtes über kurz oder
lang ſicher auseinanderfallen werde.
Zur chriſtlichen Gewerkſchaftsbe=
wegung
. Graf von Oppersdorff veröffentlicht in einer
Zuſchrift Klarheit und Wahrheit einen intereſſanten
Briefwechſel, den er mit dem Kardinal Kopp, dem Fürſt=
biſchof
von Breslau, in der Frage der chriſtlichen Gewerk=
ſchaften
geführt hat. Kardinal Kopp, der ausdrücklich den
Grafen Oppersdorff zur Veröffentlichung ermächtigt hat,
erklärt, daß er ſeine Zuſtimmung zu der Erläuterung der
päpſtlichen Enzyklika, die Biſchof Schulte von Paderborn
auf dem Eſſener Gewerkſchaftskongreß gegeben hat, in
einem Schreiben an den Paderborner Biſchof vom 1. De=
zember
1912 zurückgenommen habe, da die Führer der
chriſtlichen Gewerkſchaften ſich ſchroff ablehnend verhalten
hätten. Auch der Verlauf des eben beendeten Prozeſſes
der chriſtlichen Gewerkſchaften gegen die ſozialdemokrati=
ſchen
Redakteure habe ihn in ſeinem Urteil noch beſtärkt.
Die Ausführungen des Kardinal=Fürſtbiſchofs Kopp wer=
den
nicht verfehlen, in der Gewerkſchaftsbewegung das
größte Aufſehen zu erregen.
Der erſte Aerztekrieg. Nun iſt es in
Braunſchweig, wo, wie bereits gemeldet, die Verhand=
lungen
zwiſchen Aerzten und Krankenkaſſen geſcheitert
waren, zum offenen Kriegszuſtand gekommen. Wie ein
Blatt meldet, iſt dort in aller Form der Aerzteſtreik prokla=
miert
worden. Sämtliche dem Leipziger Verbande an=
gehörenden
Aezte ſind in den Streik getreten und behan=
deln
keinen Angehörigen der Krankenkaſſen mehr. Da
die Kaſſen nicht genügend Aerzte zur Verfügung haben,
die dem Leipziger Verband nicht angeſchloſſen ſind, ſo
ſind ſie ſehr in Verlegenheit. Augenblicklich praktizieren
in Braunſchweig von freien Aerzten nur drei, die natür=
lich
nicht ausreichen. Das Oberverſicherungsamt hat an
die herzogliche Regierung das dringende Erſuchen geſtellt,
eine Einigung zwiſchen dem Aerzteverband und den
Krankenkaſſen herbeizuführen, oder den Krankenkaſſen auf=
zugeben
, bis zu dieſem Termin die erforderlichen zwölf
Aerzte einzuſtellen. Das Oberverſicherungsamt begrün=
det
dieſen Antrag damit, daß infolge ſehlender ausreichen=
der
ärztlicher Verſorgung die Zahl der Halb= und Ganz=
invaliden
unverhältnismäßig hoch werden dürfte, weil
eine individuelle Behandlung bei der geringen Aerzte=
zahl
vollſtändig unmöglich ſei.
Schutz der Arbeitswilligen. Der Na=
tionalliberale
Verein in Nürnberg nahm nach einem
Vortrag des Syndikus Dr. Kuhlo (München) eine Ent=
ſchließung
an, die einen ausgiebigen und nachhaltigen
Schutz der Arbeitswilligen insbeſondere gegen Behelli=
gungen
und Verfolgungen durch Streikpoſten durch ſchär=
fere
Schutzbeſtimmungen im neuen Strafgeſetzbuch fordert,
da die beſtehenden Beſtimmungen nicht genügten. Der
Verein bekennt ſich zugleich als Anhänger des Koalitions=
rechtes
und als Gegner von Ausnahmegeſetzen; er ver=
wirft
dagegen den Koalitionszwang.

Ausland.

Die neue Vermögensſteuer. Der Finanz=
miniſter
hat, wie gemeldet, in der Kammer den Entwurf
der neuen Vermögensſteuer auf den beweglichen und un=
beweglichen
Beſitz eingebracht, die bekanntlich dazu be=
ſtimmt
iſt, einen Teil der Mehrausgaben des Budgets zu
decken, die durch die dreijährige Dienſtzeit verurſacht wor=
den
ſind.
Nach dem Wortlaut des Entwurfs iſt der Steuer unter=
worfen
jede Perſon, Franzoſe oder Ausländer, der ſei=
nen
gewohnten Wohnſitz in Frankreich hat, und zwar auf
den geſamten Betrag ſeines beweglichen und unbeweg=
lichen
Vermögens, unter Abzug der Schulden und mit
Ausnahme nur der Gebrauchs= und unbeweglichen Güter,
die er im Auslande beſitzt Ebenſo iſt jeder Franzoſe
oder Ausländer, der, ohne ſeinen gewohnten Wohnſitz in
Frankreich zu haben, bewegliche oder unbewegliche Güter
beſitzt, deren Anlage ſich in Frankreich befindet, der Steuer
auf ſein Vermögen unterworfen zum Betrag des Bruch=
teils
, den dieſe Güter von ſeinem Vermögen ausmachen.
Von den Vermögensgemeinſchaften ſind der Steuer un=
terworſen
die Vereine von nicht anerkannter öffentlicher
Nützlichkeit, die franzöſiſchen Aktiengeſellſchaften, ſowie die
ausländiſchen Geſellſchaften jeder Art. Das ſteuerpflichtige
Vermögen der franzöſiſchen Aktiengeſellſchaften wird be=
ſtimmt
unter Abzug ihres Aktienwertes und ihrer Gewinn=
anteile
. Wie früher ſchon mitgeteilt, ſind dieienigen Ver=
mögen
ſteuerfrei, die nach Abzug von 300 Fraues für jede
der= Unterhaltungspflicht des Steuerpflichtigen anheim=
fallende
Perſon weniger als 30000 Fraues betragen. Der
dieſen Betrag überſteigende Teil der Vermögen wird nach
den obigen geſetzlichen Abzügen einer ſtufenweiſe anſtei=

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblait, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

genden Beſteuerung unterworfen, der als Berechnung der
Satz von 2,50 Francs auf je 1000 Francs zugrunde gelegt
iſt, mit Abſchwachungen für die unteren Stufen. Die Feſt=
ſtellung
des Vermögens erfolgt auf Grund der eigenen
Vermogensangabe durch die Steuerpflichtigen. Dieſe An=
gabe
muß den Geſamtbetrag durch Einzelheiten über die
Zuſammenſetzung der Schulden uſw. erläutern. Die Ver=
mögensangabe
gilt für fünf Jahre und muß dann er=
neuert
werden. Im Grundſatz ſollen dieſe Angaben des
Steuerpflichtigen der Steuerverwaltung zur Grundlage
dienen; falls jedoch anderweite Auskünfte der Steuerbe=
hörde
die eigene Vermögensangabe als ungenügend dar=
tun
, ſo hat ſie das Recht, einen entſprechend höheren
Steuerbetrag anzuſetzen. Die Gerichte entſcheiden, wenn
dieſe Einſchatzung durch den Steuerpflichtigen beſtritten
wird. Neu für Frankreich iſt der Erklärungszwang, dem
man bisher aus dem Wege gegangen iſt. Man iſt ge=
ſpannt
, wie die Kammern und das Volk die Vermögens=
und Einkommenſteuer nach preußiſchem Muſter aufnehmen
werden.
Marokkaniſches. Der Bericht des Deputierten
Long über die marokkaniſche Anleihe, der in der Kam=
mer
zur Verteilung gelangen wird, tritt dafür ein, daß
Rabat nur vorübergehend den Sitz der Generalreſident=
ſchaft
von Marokko bilden möge. Rabat biete im Falle
von europäiſchen Verwickelungen und eines allgemeinen
Aufſtandes in Marokko gegenwärtig zwar eine größere
militäriſche Sicherheit und eine beſſere Verbindung mit
dem Mutterlande, aber ſobald die Verbindung mit Alge=
rien
eine vollendete Tatſache und der Schienenweg von
Oran bis Fez verlängert ſei, werde Fez weit mehr als
Rabat den Schlußſtein der Herrſchaft und Sicherheit
Frankreichs in Marokko bilden.
Rußland.
Hohe Ordensauszeichnung für Del=
caſſs
. Die ſonſt nur für Staatsoberhäupter beſtimmte
Verleihung des Andreas=Ordens an Delcaſſe erregt großes
Aufſehen. Augenblicklich beſitzen dieſen Orden nur Loubet,
Fallieres und Poincaré. Die Nowoje Wremja erblickt
in dieſer ungewöhnlichen Ehrung Delcaſſés eine offene
Kundgebung für den Dreiverband.
Griechenland.
Anleihe. In politiſchen Kreiſen erwartet man,
daß es Venizelos gelingen werde, in Berlin eine größere
Anleihe aufzunehmen. Auch der Finanzminiſter hat ſich
in dieſer Richtung geäußert.
Amerika.
Die chineſiſche Gefahr für Mexiko. Ge=
neral
Carranza erklärt in einem Erlaß die Chineſen für
eine Gefahr der mexikaniſchen Nation und verbietet ihre
Einwanderung in Mexiko, ausgenommen unter der Be=
dingung
, wie ſie das Ausſchließungsgeſetz der Vereinig=
ten
Staaten enthält. Die Chineſen, in deren Händen ſich
faſt alle kleineren Geſchäfte in Sonora befinden, wollen
bei dem chineſiſchen Geſandten in Waſhington Proteſt er=
heben
.
Japan.
Innere Kriſis? Die Times meldet aus Tokio
vom 25.: Der Prozeß Karl Richter ſcheint Tendenzen in
dem modernen Japan aufzudecken, gegen die nach Auf=
faſſung
vieler Japaner General Nogi durch ſeinen Selbſt=
mord
proteſtieren wollte. Inzwiſchen hat ſich der Flot=
tenſkandal
zu einer politiſchen Frage erſter Ordnung ent=
wickelt
und droht das Miniſterium zu ſtürzen. Der Pre=
mierminiſter
iſt bereits die Zielſcheibe bösartiger An=
griffe
in der gelben Preſſe und letztere hat zur Freude,
wenn nicht mit Unterſtützung des Choſchingeſchlechtes, das
die Armee beherrſcht, den Streit in das Parlament getra=
gen
. Es iſt eine Ironie des Schickſals, daß dieſer Skan=
dal
gerade in dem Augenblicke entſteht, wo die Flotte eine
neue Erweiterung ihres Programms fordert, hinter dem
ſie eingeſtandenermaßen noch ein größeres Programm in
Reſerve hat, das die Auſwendung von 750 Millionen für
einen Zeitraum von zehn Jahren verlangen würde. Was
die Times mit dieſen Erörterungen bezweckt, iſt vorerſt
nicht zu erkennen.

China.
Die Verfaſſungsänderung. Alle Provin=
zen
haben der Aenderung der Verfaſſung zugeſtimmt, die
dem Präſidenten die alleinige Verantwortung für die Re=
gierung
überträgt. Es iſt daher zu erwarten, daß die
Aenderung innerhalb zweier Monate durchgeführt wird.
Der Miniſterrat dürfte eine dem früheren Staatsrat der
Mandſchuzeit ähnliche Stellung erhalten. Halbamtlich wird
verſichert, Hſiunghſiling werde dann Finanzminiſter blei=
ben
. Das Unterkomitee des politiſchen Ausſchuſſes ſchlägt
vor, der Präſident ſolle ſich ſelbſt bei Darbringung des
Himmelsopfers die Krone aufs Haupt ſetzen und das
Opfer unter Kotau vollziehen.

* Aus Zabern. Das Zaberner Tageblatt ver=
öffentlicht
von dem in Zabern lebenden preußiſchen Major
a. D. Schäfer eine Zuſchrift, worin es heißt: Montag,
den 12. ds. Mts., nachmittags gegen 2½ Uhr, wurde Herrn
Kreisdirektor Mahl in verſchloſſenem Briefumſchlag mein
Geſuch um einen Waffenſchein eingehändigt, ich brachte
auch zum Ausdruck, ich möchte das Erſcheinen in Uniform
vermeiden. Sonntag, den 18., hatte ein mir bis dahin
unbekannter Herr die Freundlichkeit, mir mitzuteilen, in
dem am 17. erſchienenen Zaberner Anzeiger ſeien der In=
halt
meines Geſuchs, ſowie deſſen abſchlägige Beſcheidung
bekannt gemacht und in der bekannten hetzeriſchen Weiſe
ausgeſchlachtet. Montag, den 19., nachmittags 4¾ Uhr,
erhielt ich dann den vorberegten Beſcheid der Kaiferlichen
Kreisdirektion, der vor dem 17. zu hetzeriſcher Betätigung
dem Zaberner Anzeiger zugeſtellt war, durch die Poſt, der
er, der Abſtempelung nach zu ſchließen, an dieſem Tage
übergeben worden war.
* Der neue Sproß des Hauſes Bona=
parte
. Für die Bonapartiſten iſt die Ankunft eines
neuen Prätendenten natürlich ein großes Ereignis, das
ſie mit Jubel begrüßen, aber auch der glückliche Vater hat
allen Anlaß, ſich zu freuen, denn jetzt erſt eröffnet ſich ſei=
ner
Familie die Anwartſchaft auf das ſehr große Ver=
mögen
ſeiner Tante, der Kaiſerin Eugenie, die die Erb=
folge
der Familie ihrer Neffen von der Geburt eines neuen
Napoleoniden abhängig gemacht hat. Aus Paris wird der
Köln. Ztg zu der Geburt des napoleoniſchen Stammhal=
ters
geſchrieben: Die Nachricht, daß dem Prinzen und der
Prinzeſſin Viktor Napoleon ein Sohn geboren wurde, der
Erbe des napoleoniſchen Namens und alles deſſen, was
dieſer Name für den Bonapartismus in Frankreich be=
deutet
, iſt hier in den Kreiſen der Bonapartiſten mit gro=
ßer
Freude aufgenommen worden. Das hieſige politiſche
Komitee für Volksabſtimmung wie ſich der Parteivor=
ſtand
der Bonapartiſten nennt, hat ſogleich dem Prinzen
Viktor Glückwünſche geſandt, worin es den neuen Napo=
leoniden
als die Hoffnung der franzöſiſchen Demokratie,
das Pfand der nationalen Größe und den Erben des größ=
ten
Namens für die Ehre des Vaterlandes begrüßt. Der
Vorſitzende der bonapartiſtiſchen Ausſchüſſe des Seine=
departements
, de Provoſt Delaunay, erklärte, die ohnehin
ſchon ſo tätige bonapartiſtiſche Propaganda werde aus der
Geburt des Prinzen neue Stärkung ſchöpfen. Das füh=
rende
Organ der Bonapartiſten, die Autorité, verſteigt ſich
ſogar dazu, den Neugeboxenen mit einem Meſſias zu ver=
gleichen
, der Frankreich als die Hoffnung ſeiner Zukunft
erſcheine gerade in dem Augenblick, wo die am Ruder be=
findliche
Partei ihre Unfähigkeit, zu regieren, dartue. Bei
der Taufe des Prinzen werden Prinz Louis Bonaparte,
ruſſiſcher General, und die Königin=Witwe Marguerita von
Italien, Pate ſtehen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 27. Januar.

Die ſtaatliche Unterſtützung der Jugendpflege
in Heſſen.
Mit der für das Rechnungsjahr 1912 erſtmals be=
willigten
Staatsbeihilfe von 15000 Mark konnte nur eine
verhältnismäßig geringe Zahl von Geſuchen der dem
Jungdeutſchlandbund, den beiden konfeſſionellen Verbän=
den
und der deutſchen Turnerſchaft angeſchloſſenen Vereine
um Gewährung von Beihilfen, hauptſächlich zur Errichtung
von Spiel= und Sportplätzen und zur Anſchaffung der er=
forderlichen
Geräte, berückſichtigt werden. Der Ausbau
der Jugendpflege auf vaterländiſcher Grundlage bedarf in
den nächſten Jahren größerer Mittel, als der in den Vor=
anſchlag
von 1913 wieder eingeſtellten 15000 Mark jährlich,
wenn die berechtigten Wünſche der Jugendvereinigungen,
namentlich auf dem Lande, wo Turnplätze und =geräte noch
vielfach fehlen, tatkräftige Unterſtützung finden ſollen, und

wenn in der Pflege der ſchulentlaſſenen Jugend poſitive,
erſprießliche Arbeit geleiſtet werden ſoll. Deshalb ſoll die
Ausgabe für das Etatsjahr 1914 um 15000 Mark, alſo auf
30000 Mark, erhöht werden. Mit einer Jahresbei=
hilfe
von 30000 Mark hofft man jedoch in Zukunft der Ju=
gendpflege
ausreichend dienen zu können, ſo daß eine wei=
tere
Erhöhung dieſer Ausgabe in abſehbarer Zeit nicht zu
erwarten iſt.
Der Finanzausſchuß hat bekanntlich der Erhöhung die=
ſer
Summe zugeſtimmt. Nur ein Vertreter, der Abg.
Ulrich, proteſtierte dagegen. Die Sozialdemokratie hat
mehrfach auch im Plenum erklärt, daß ſie gegen jede ſtaat=
liche
Unterſtützung dieſer Beſtrebungen iſt, ſolange die Un=
terſtützung
nicht auch den ſozialdemokratiſchen Jugendhe=
ſtrebungen
zuteil wird. Miniſter von Hombergk zu Vach
hat mehrfach klar und beſtimmt verſichert, daß das aus
naheliegenden Gründen nicht geſchehen wird.

Die direkten Steuern Heſſens.

An direkten Steuern ſieht der Hauptvoranſchlag für
1914 vor:
Einkommenſteuer 15590000 Mk.
Vermögensſteuer 4800000

das ſind zuſammen 20 390000 Mk.
und gegen 1913 mehr 900000 Mark.
Nach den bisherigen Ergebniſſen der Veranlagung für
1914, die allerdings nur zum kleineren Teil abgeſchloſſen
iſt, und unter Berückſichtigung der dermaligen wirtſchaft=
lichen
Verhältniſſe darf erwartet werden, daß die Haupt=
veranlagung
für 1914 bei Anwendung der ſeit 1910
erhobenen und auch für 1914 vorzuſehenden Steuerſätze den
Betrag von
Einkom.=
Vermög.=
Steuer
Steuer
Mk.
Mk.
15090000 4750000
ergeben wird.
Aus den im Laufe des Jahres
feſtzuſtellenden Nachträgen ( in=
folge
Zugangs von Steuerpflich=
tigen
uſw.) ſind eingegangen:
Einkom.= Vermög.=
Steuer Steuer
Mk.
Mk.
611744 75406
1910:
644 598 74251
1911:
710 584 68028
1912:

zuſam.: 1966 926 217685
durchſchn.: 655642 72562
Es können danach an Nach=
trägen
für 1914 erwartet wer=
den
mindeſtens
50000
500000
ſo daß ſich eine Geſamteinnahme
15590000 4800 000
von
ergibt.
Die Einnahme an Zuwachsſteuer betrug im Jahre
1912: 36 74969 Mark; für 1914 ſind vorſorglich nur 30000
Mark vorgeſehen.
* Vom Hofe. Prinz Ludwig iſt an Scharlach
erkrankt. Das Befinden iſt den Umſtändm ent=
ſprechend
. Die Großherzoglichen Herrſchaften und der
Erbgroßherzog beſuchten Sonntag vormittag den Gottes=
dienſt
in der Hofkirche. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
haben dem Poſtſekretär a. D. Karl Mayer in
Gießen, anläßlich des 40jährigen Jubiläums des Krieger=
vereins
Gießen, die Krone zum Ritterkreuz 2. Klaſſe des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren
wurde verliehen durch Entſchließung Sr. Königl. Hoheit
des Großherzogs an Philipp Wieland in Alzey,
ſowie an Wilhelm Strunck, Heinrich Ilſen, Karl
Baatſch und Chriſtian Götzmann, ſämtlich in Sprend=
lingen
(Kreis Alzey).
* Verſetzungen in den Ruheſtand. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben den Vorſtand des Finanzamts
Reinheim, Finanzrat Heinrich Kriegk zu Reinheim, auf
ſein Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner langjährigen
treuen Dienſte mit Wirkung vom 1. April 1914 an in den
Ruheſtand verſetzt, ferner den Hilfskaſſier bei der Haupt=
ſtaatskaſſe
, Rechnungsrat Auguſt Baldauf, auf ſein
Nachſuchen, unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte mit Wirkung vom 1. Februar d. J. an in den
Ruheſtand verſetzt und ihm aus dieſem Anlaß die Krone
zum Ritterkreuz 2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps
des Großmütigen verliehen.

Fichte und die Freiheitskriege.
Zum 100. Todestage J. G. Fichtes, 27. Januar.

** Als der Philoſoph der Befreiung iſt Fichte
der eigentliche geiſtige Heros des Zeitalters der Freiheits=
kriege
; dem Volke der Denker ward er ein Führer zur
Tat, und ſo erſcheint uns heute ſeine Geſtalt wie die eines
gewaltigen Rolands und getreuen Eckarts, neben der des
Freiherrn vom Stein aufgepflanzt am Eingang zu dem
Pantheon unſerer großen Erinnerungen. Die Perſönlich=
keiten
des genialen Staatsmannes und des großen Den=
kers
waren ſich ja in ihrer Zeit am nächſten verwandt.
Ernſt Moritz Arndt wurde ſchon im Aeußeren bei Stein
an Fichte erinnert; zunächſt wußte er nicht recht, wem der
Freiherr ſo ähnlich ſah; dann aber ging es ihm plötzlich
auf: Fichte! Ja, mein Fichte, mein alter Fichte war es
faſt leibhaftig: dieſelbe gedrungene Geſtalt, dieſelbe Stirn,
die auch bei Fichte zuweilen recht hell und freundlich glän=
zen
konnte, dieſelbe mächtige Naſe bei beiden; die Worte
derb, klar, feſt, mit kurzer Geſchwindigkeit gleich Pfeilen
vom Bogen gerade ins Ziel ſchlagend; in beiden ein
tiefer Ernſt und zuweilen auch eine ſchreckliche Furchtbar=
keit
des Blickes, der bei dem Sohn des deutſchen Ritters
gelegentlich doch viel ſchrecklicher war als bei dem Sohn
des armen Lauſitzer Webers.
Den Weltbürger Fichte machte das Schickſal des Va=
terlandes
zum leidenſchaftlichen Patrioten, zum Helden
des Gedankens, der daraus die Tat gebar. Schon bei dem
Feldzuge 1806 wollte der Philoſoph nicht müßig zu Hauſe
bleiben. Er bat den König um die Erlaubnis, als eine
Art weltlicher Feldprediger das Hauptquartier begleiten
zu dürfen, und in der Rede an die deutſchen Krieger zu
Infang des Feldzuges 1806 ſprach er ſeine Aufgabe mit
aller Kraft aus: Da er nur reden kann, wunſcht er
Schwerter und Blitze zu reden. Auch begehrt er dasſelbe
nicht gefahrlos und ſicher zu tun. Er wird im Verlaufe
dieſer Reden Wahrheiten, die hierher gehören, mit aller
Klarheit, in der er ſie einſieht, mit allem Nachdrucke, deſſen

er fähig iſt, mit ſeines Namens Unterſchrift ausſprechen,
Wahrheiten, die vor dem Gerichte des Feindes des Todes
ſchuldig ſind. Er wird aber darum keineswegs feigherzig
ſich verbergen, ſondern er gibt vor eurem Angeſichte das
Wort, entweder mit dem Vaterlande frei zu leben oder
n ſeinem Untergange auch unterzugehen. Der König
lehnte freundlich dankend ab. Fichte blieb aber nun auch
in der Zeit der tiefſten Not, die nun einbrach, der hohen
Aufgabe getreu, die er ſeiner Beredſamkeit geſtellt, die
chon entzündende Glut zur dauernden, freien und beſon=
nenen
Flamme zu verdichten und das heilige Feuer alſo,
daß es in jedem Augenblicke zweckmäßig ſich anfache, zu
bewahren. In voller Erkenntnis der Situation ſchrieb
er für ſich das Fazit nach Tilſit 1807 nieder, das Bitterſte
und Schärfſte, was damals über die verſinkende Welt des
alten Preußen geſagt worden iſt; aber öffentlich zeigte er
ungebrochenen Mut, prophezeite im bibliſchen Seherton
das herrliche Erwachen der Geiſterwelt, die unſeren Na=
tionalkörper
zu einem neuen und verklärten Leben zuſam=
menfügen
werde. Dem geſunkenen Mut ſeines Volkes
zeigte er die Morgenröte einer beſſeren Welt. Ich will,
ſchrieb er damals, ſo ich es kann, die Strahlen dieſer
Morgenröte faſſen und ſie verdichten zu einem Spiegel,
in welchem die troſtloſe Zeit ſich erblicke, damit ſie glaube,
daß ſie noch da iſt und in ihm ihr wahrer Kern ſich ihr
darſtelle, und die Entfaltungen und Geſtaltungen desſel=
ben
in einem weisſagenden Geſichte vor ihr vorübergehen.
So war er bereit und gerüſtet zu der Großtat ſeines
Lebens, die nun gleich den Höhepunkt der nun endlich
ins Leben greifenden deutſchen Philoſophie darſtellt, zu
den Reden an die deutſche Nation Sein
Leben ſetzte er freudig dobei ein. Ich weiß recht gut,
was ich wage. ſchrieb er, ich weiß, daß ebenſo wie Palm
ein Blei mich treffen kann. Aber dies iſt es nicht, was
ich fürchte, und für den Zweck, den ich habe, würde ich
gern ſterben. An der öffentlichſten Stelle, im Saal der
Akademie, trat er gegen den allmächtigen Napoleon auf,
während ſeine Stimme oft von franzöſiſchen Tcommeln,
die durch die Straßen zogen, übertäubt wurde und wäh=

rend allgemein bekannte Aufpaſſer im Saale erſchienen
Seine Frau verlor die Todesangſt nicht, ſo lange noch
ein Franzoſe in der Stadt war; er aber bewies hier mit
der Tat ſeine Lehre, nach der das Leben in der Idee
mehr iſt als alles andere Leben, ſelbſt das Nachleben. Die
Wirkung dieſer Flammenworte war gewaltig; als ein
wahrer Herzog der Geiſter ſchritt Fichte hier ſeinem
Volke voran und zog es ſich nach. Und als dann der
Völkerfrühling losbrach, als der Aufruf an mein Vollk
erſchien, ſchrieb er im Anſchluß an dieſes Königswort als
ſein Vermächtnis jenen Entwurf zu einer politiſchen=
Schrift, der die Einheit der Nation ſo dringend forder
und bereits einen Zwingherrn zur Deutſchheit voraus=
ahnt
. Wieder wollte er als Feldprediger teilnehmen an
der großen Bewegung der Zeit, um die Kriegführer in
Gott einzutauchen . Aber er mußte ſich ſchließlich be=
gnügen
, ein gichtiſcher, ſchon vom Tode gezeichteter Mann
im Berliner Landſturm zu ſtehen, nicht als Offizier: Hier
tauge ich nur zum Gemeinen aber durch die ungeheure
Feurigkeit ſeines Haſſes durch ſeine fromme Liebe zum
Vaterland alle ſtärkend und fortreißend. Er unterlag
dem Gedränge der Zeit auch ein Opfer auf dem Altare
der Freiheit und der Pflicht. In ungeheurer Spannung
erlebte er den Krieg, berichtet ſein treuer Freund Nied=
lovius
. Als der Landſturm eingerichtet wurde, machte
er mit halbgelähmtem Körper die Uebungen gleich einem
Geſunden mit. Nachdem die Schlachten in der Nähe uns
viele Tauſend Verwundete brachten, und Frauen aller
Stände zu ihnen hinzutraten, trieb er die ſeinige. Sie
wurde vom Lazarettfieber ergriffen, fing aber an zu ge=
neſen
, als er in einer anderen Stube dem Fieber, das ihn
gleich beſinnungslos niederwarf, erlag. Sein Tod machte
einen gewaltigen Eindruck.
Die letzte Kunde, die er mit Bewußtſein vernahm,
war die Nachricht von Blüchers Rheinübergang. u
ſprachſt zu Deutſchen, als die andern ſchwiegen,
riefſt uns aus der Schmach zu neuen Siegen! ſo dichtste
Achim von Arnim in einem ſchönen Sonett an ſeinem
Grabe.

[ ][  ][ ]

Nummer 27.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Seite 3.

*Erledigt iſt die Stelle des Vorſtands des Großh.
Finanzamts Reinheim.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 3 vom
26. Januar enthält: Bekanntmachung, Aenderung der
Deutſchen Wehrordnung betreffend.
* Darmſtadts Bevölkerung. In der Köln. Ztg. vom
Sonntag leſen wir: Die Bevölkerung der heſ=
ſiſchen
Reſidenz geht zurzeit weſentlich zurück. Wäh=
rend
Darmſtadt vor fünf Jahren noch 90000 Einwohner
hatte, beſitzt es heute nur noch 86000. Die Stadtverwal=
tung
bemüht ſich nach verſchiedenen Richtungen, die An=
ſiedelung
im Stadtgebiet zu fördern, um dieſer bedenk=
lichen
Entwickelung zu begegnen.
Dazu iſt zu bemerken, daß Darmſtadt noch niemals
90000 Einwohner gehabt hat, ſondern nach der
letzten Volkszählung am 1. Dezember 1910 87089 Einwoh=
ner
(gegen 83 123 im Jahre 1905) zählte. Die Zahl der
gegenwärtigen Bevölkerung beruht nur auf Schätzung.
In dem letzten in der Darmſt. Ztg. veröffentlichten amt=
lichen
Nachweis über die Bevölkerungsvorgänge in den
größeren Städten des Großherzogtums Heſſen für die
Woche vom 4. Januar bis 10. Januar 1914 iſt die gegen=
wärtige
Einwohnerzahl Darmſtadts auf
89 900 geſchätzt. Von einem Rückgang der Bevölkerung
iſt bis jetzt nichts bekannt geworden.
* Ortskrankenkaſſe=Wahl. Bei der Wahl der Aus=
ſchußmitglieder
zur Ortskrankenkaſſe erhielten von 5082
gültigen Stimmen die freien Gewerkſchaften 3855, die
Chriſtlich=nationalen 1226 Stimmen. Von 60 Ausſchuß=
mitgliedern
dürften nunmehr auf die freien Gewerk=
ſchaften
etwa 46, auf die Chriſtlich=nationalen etwa 14
entfallen
* Ein wertvolles Hilfsmittel für Bürgermeiſter und
Gemeinderechner. Der Großh. Oberrechnungsreviſor
Stumpf hat an Hand der Rubrikeneinteilung der neuen
Gemeindevoranſchlagsanweiſung eine Tabelle aufgeſtellt,
die eine ſofort orientierende Ueberſicht über die Ausga=
ben
und Einnahmen der einzelnen Rubriken und ein alpha=
betiſches
Verzeichnis enthält, aus dem zu erſehen iſt, unter
welche Rubrik die einzelnen Einnahmen und Ausgaben ge=
hören
. Die Tabelle wird alſo für den Bürgermeiſter bei
Aufſtellung des Voranſchlags und Erteilung der Ein=
nahme
= und Ausgabeanweiſungen und für den Gemeinde=
rechner
bei Führung ſeiner Bücher ein wertvolles Hilfs=
mittel
ſein. Sie kann daher jeder Gemeinde zur Anſchaf=
fung
empfohlen werden.
* Führungen im Landesmuſeum. Die 8. Führung
findet Sonntag, den 1. Februar 1914, vormittags von 8¾
bis 9¾4 Uhr ſtatt. Thema: Vlämiſche und holländiſche
Malerei des 17. Jahrhunderts. Karten ſind im Verkehrs=
büro
von Donnerstag bis Samstag um 12 Uhr unentgelt=
lich
zu haben.
H. K. Die Bedeutung des Deutſchen Handwerks= und
Gewerbekammertags hat, ſo ſchreibt man uns, wie ſchon
ſo oft, ſich auch im vorliegenden Fall erwieſen. Während
früher die Rechtſprechung der Gerichte und Verwaltungs=
behörden
die Frage, ob juriſtiſche Perſonen, insbeſondere
G. m. b. H., von Zwangsinnungen als Mitglieder in An=
ſpruch
genommen werden können, verneinte, und dieſe
Entſcheidungen von Pfuſchern und Leuten, die zwar die
Vorteile einer Innung genießen, ſich an ihre Beſchlüſſe
aber nicht halten und von ihren Laſten drücken wollten,
in der Weiſe ausgenutzt wurden, daß ſie ſich einſach in
eine G. m. b. H. umwandelten, iſt am 11. Dezember 1913
eine Entſcheidung des Stadt= und Landamts Lübeck er=
gangen
des Inhalts: Die Firma Hanſa G. m. b. H.,
vormals Samſon u. Co., in Lübeck, hat wegen des in L.
betriebenen photographiſchen Ateliers der Photographen=
innung
zu L. anzugehören. Dieſe Entſcheidung beruht,
ſo wird in ihren Gründen anerkannt, auf den eingehenden
Unterſuchungen, die der Deutſche Handwerks= und Ge=
werbekammertag
, die geſetzlich berufene Vertretung des
Deutſchen Handwerks, angeſtellt und in einer umfaſſenden
Eingabe an den Staatsſekretär des Innern vom 7. Ja=
nuar
1913 niedergelegt hat. In einer Reihe von Entſchei=
dungen
der Aufſichtsbehörde (u. a. einer Entſcheidung
des Stadtmagiſtrats in München in Sachen der dortigen
Filiale der obengenannten Firma S. u. Co.) iſt konſequent

der Standpunkt zur Geltung gebracht worden, daß juriſti=
ſche
Perſonen, insbeſondere G. m. b. H., ſehr wohl ver=
pflichtet
werden können, den für ihr Gewerbe beſtehenden
Zwangsinnungen als Mitglieder anzugehören, und im
Intereſſe der vom Geſetz gewollten wirkſamen Durchfüh=
rung
der Handwerkerorganiſationen als Zwangsmitglie=
der
angeſprochen werden müſſen. Auch der ſächſiſche Mi=
niſter
des Innern hat ſich in einem Erlaß vom 1. April
1913 dahin ausgeſprochen, daß künftig bei Entſcheidungen
über jene Frage nicht ohne weiteres die bisher überwie=
gende
Auffaſſung zugrunde gelegt werden ſolle, ſondern
im einzelnen Fall die in der Eingabe
des Deutſchen Handwerks= und Gewerbe=
kammertags
dargelegten Geſichtspunkte
geprüft werden müßten. Insbeſondere werden
in den Gründen der angezogenen Entſcheidung dieſe Ge=
ſichtspunkte
dargelegt: Wennweiter, ſo heißt es u. a., gel=
tend
gemacht wird, die G. m. b. H. gelte nach dem Geſetz
als Handelsgeſellſchaft und ſei daher ſtets Kaufmann, ſo
iſt das ohne Bedeutung für die Frage der Innungszuge=
hörigkeit
, denn jene Regelung hat lediglich privatrechtliche
Bedeutung. Daß eine Handelsgeſellſchaft, deren Firma
eingetragen iſt, nach den §§ 5, 6, H=G.=B. als Handels=
geſellſchat
zu gelten hat, beſagt nicht zugleich, daß ſie
Kaufmann iſt. Daß dieſe vorſtehend wiedergegebenen,
als zutreffend anerkannten Darlegungen des Deutſchen
Handwerks= und Gewerbekammertags, die Ergebniſſe ſei=
ner
zielbewußten ſyſtematiſchen Arbeit, einen ſolchen Ein=
fluß
auf die Rechtſprechung auszuüben vermögen, be=
weiſt
ſeine bedeutende Stellung, die er
im gewerblichen Leben einnimmt.
* Die Ausſtellung des Heſſiſchen Volksſchriftenvereins
auf der Mathildenhöhe enthält auch eine Abteilung zur
Bekämpfung der Schundliteratur. Dieſe im zweiten Saale
untergebrachte Abteilung will einen Ueberblick über den
Umfang und die große Mannigfaltigkeit der Schundlite=
ratur
geben. Sie will dadurch die Gewiſſen zum wei=
teren
Kampf dagegen rege machen und will zugleich die
literariſchen Hilfsmittel im Kampfe gegen den Schund
vorführen. Darum zerfällt ſie in zwei Hauptteile: Eine
Darſtellung der Schundliteratur und eine Ausſtellung von
Sammlungen guter und billiger Bücher. Wir ſehen hier
zunächſt die Schundliteratur in ihrer von den meiſten
kaum geahnten Mannigfaltigkeit. Da ſind Tafeln mit
Detektivheften, mit Indianergeſchichten, mit Räuberroma=
nen
, mit Kolportage=Romanen, mit Nick=Carter und Sher=
lock
Holmes=Geſchichten, mit pikanten Geſchichten und ähn=
lichem
. Ja ſelbſt die bedeutſamen Jugendbewegungen,
z. B. die der Pfadfinder, werden dazu benutzt, um die
Taſchen dieſer Schundverleger zu füllen. Bei genauerer
Betrachtung finden wir, daß wir es mit Stoffen aus den
verſchiedenſten Ländern zu tun haben. Das Herz könnte
ſich einem zuſammenkrampfen, wenn man bedenkt, dieſe
Hefte mit ihren ſchauderhaften Bildern und ihrem grauen=
vollen
Inhalt lieſt zu ſeiner Unterhaltung und Erholung
deutſches Volk und deutſche Jugend. Daß die großen
Schädigungen, die durch dieſe Lektüre hervorgerufen wer=
den
, allerſeits erkannt worden ſind, iſt nur mit großer
Freude zu begrüßen. Wie man dann von den verſchieden=
ſten
Seiten billige Bücherſammlungen herausgab, das
zeigt der zweite Teil. Wir finden hier die exotiſchen Aben=
teuer
, die deutſchen Volksbücher, die deutſche Jugend=
bücherei
, die bunten Jugendbücher, die bunten Bücher, die
Schatzgräberhefte, Schaffſteins grüne und blaue Bänd=
chen
, den deutſchen Spielmann, die Reclamſche Univerſal=
Bibliothek, Heſſes Volksbücherei, die Wiesbadener Volks=
bücherei
, die heſſiſchen Volksbücher, die deutſche Bücherei
die Rheiniſche Hausbücherei, die deutſche Seebücherei, die
Volks= und Hausbücher der deutſchen Dichter=Gedächtnis=
Stiftung, die Mainzer Volks= und Jugendbücher, die
Jung=Mädchenbücher, die Kunſtgaben in Heftform, die
Vaterländiſchen Bilderbücher, das deutſche Bilderbuch, die
künſtleriſchen Volksbilderbücher u. a. m. Das ſind lauter
prächtige wertvolle Bücherſammlungen. Wer es mit der
Jugend, mit der Zukunft unſeres Volkes gut meint, der
wird gerne an der Verbreitung dieſer guten und dabei
ſehr billigen Volks= und Jugendſchriften mithelfen, denn
durch dieſe Hefte wird echte Freude in die Herzen und
Häuſer kommen. Die Dichtung läßt uns ja an ſo vielen

Schickſalen innerlich teilnehmen: Wir ſorgen mit den
Königen und ſiegen mit den Helden. Wir werden jung
nit Kindern und leiden mit den Märtyrern. Wir ſchreiten
durch die Wälder unſerer Ahnen und ſtreifen mit den For=
ſchern
durch unentdeckte Länder. Wir belauſchen die ge=
heimſten
Gedanken eines Goethe und ſehen aus der Höhe
des Luftſchiffes auf die kleine Erde herab. Wahre Dich=
tung
feſſelt und ſie befreit uns doch im tiefſten. Sie
macht die Augen klar, die Herzen licht und den Willen
tark. Seelen adeln, Menſchen fröhlich machen, das iſt ja
der hohe Beruf der Dichter. So ſchaffen ſie Werke, die die
Aermſten an Geiſt aufnehmen können, und Werke, die der
Weiſeſte nicht ausſchöpft. Laßt uns doch alle aus dieſer
Quelle mehr Freude in die Welt holen, mehr Glück. Da
die Ausſtellung nur noch bis 1. Februar einſchließlich ge=
öffnet
iſt, ſo ſeien alle diejenigen, die ſich für die ſo wich=
tige
Frage der Jugend= und Volksliteratur intereſſieren,
nochmals nachdrücklichſt auf ſie hingewieſen.
* Der freie Sonntag der kaufmänniſchen Angeſtellten.
In dem Bericht über die von der Sozialen Arbeitsgemein=
ſchaft
der Vereinigten Darmſtädter Kaufmänniſchen Ver=
eine
veranſtalteten Verſammlung ſind infolge eines Ver=
ſehens
die Ausführungen des Herrn Pfarrer Liz. D.
Waitz und des Geſchäftsführers des 58er Vereins W.
Fecht=Frankfurt unerwähnt geblieben. Letzterer äußerte
ſich ausführlich über die Notwendigkeit und Möglichkeit der
Sonntagsruhe, während Herr Pfarrer Liz. D. Waitz die
Sonntagsruhe vom kirchlichen Standpunkt beleuchtete und
daran erinnerte, daß er ſchon vor 20 Jahren einen Antrag
auf Abänderung der Gewerbeordnung zur Schaffung eines
freien Sonntags in der Landesſynode veranlaßt habe.
Der neue Reichsgeſetzentwurf ſei als ſozialer Rückſchritt zu
bezeichnen. Der Einſicht der Stadtverordneten und der
Geſchäftswelt von Darmſtadt hat man es zu verdanken,
wenn bei uns ſeit Jahren der Sonntag, der ein uraltes
Gebot und eine Kraftquelle für das Leben iſt, für die Er=
holung
frei bleibt.
Konzert Berner. Das Künſtlerpaar Lieſelott
und Conrad Berner veranſtaltete geſtern abend im
Saale des Hotels zur Traube ein Konzert in dem Ge=
ſänge
zur Laute mit Viola d’Amour und Violine und
Soli für Viola d’Amour und Violine mit Lau=
tenbegleitung
zum Vortrag gelangten. Die Lieder zur
Laute ſang Frau Lieſelott Berner, die Inſtrumentalſoli
wurden von Herrn Conrad Berner geſpielt. Die Stimme
der Sängerin, obwohl nicht groß, paßt ſich ihrem Inſtru=
mente
gut an, auch ſingt ſie mit Geſchmack und Empfin=
dung
. Die ſiebenſaitige Viola d’Amour, die die weichen
und hellen Flageolettöne einer Geige mit den pathetiſchen
und tiefen Tönen des Cellos vereinigt, eignet ſich wegen
ihrer geſättigten Klangfarbe und ungemeinen Ausdrucks=
fähigkeit
ſehr wohl für die Lieder= und Lautenbegleitung;
in der Beherrſchung dieſes Inſtrumentes zeigte ſich Herr
Berner als Meiſter. Auch im Violinſpiel bot er weit über
das Durchſchnittsmaß hinausgehende Leiſtungen. Der
Lautengeſang findet immer ein dankbares Publikum, was
ſowohl in dem lieblichen Charakter des Inſtrumentes als
auch in den vorgetragenen Liedern, faſt ausſchließlich leicht=
gefälligen
Volksliedern ernſt= und ſcherzhafter Art, be=
gründet
iſt. So fand auch das Publikum an den unterhal=
tenden
und anregenden Darbietungen des Künſtlerpaares
Berner viel Gefallen und ſpendete ſehr lebhaften Bei=
fall
, für den beide durch mehrere Zugaben dankten.
C Das ſprechende Lichtbild. Ediſons neueſte Erfin=
dung
, das Kinetophon, wurde geſtern nachmittag im
Uniontheater vor ausverkauftem Hauſe gezeigt und er=
regte
das lebhafteſte Intereſſe. Wir haben gelegentlich
der Sondervorführung des Kinetophons im Neuen Pa=
lais
bereits ausführlich darüber geſchrieben, ſo daß wir
uns heute darauf beſchränken können, daß die Vorführung
in dem Uniontheater ausgezeichnet klappte, wenn vielleicht
auch der Schall des geſprochenen und geſungenen Wortes
nicht ganz ſo vernehmlich klang, als in einem kleineren
Raum. Jedenfalls waren wohl alle Beſucher einig in
der Bewunderung dieſer großartigen Erfindung, deren
Endergebniſſe ja heute noch nicht abzuſehen ſind. Man
denke nur, welche Erleichterung der ſprechende Film z. B.
im Wahlkampf ſchaffen kann. Der Kandidat kann ſo zu

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

P. Die diesjährige Winterausſtellung
der Münchner Sezeſſion bringt ausſchließlich
Wraphik. Das impreſſioniſtiſche Programm nötigte unſere
Künſtler, nur rein maleriſche Werte anzuſtreben, und alles,
was an Witz, Gedanken, Laune, Humor in ihnen ſteckte,
zu unterdrücken. Die Angſt vor dem Anekdotenhaften
ging ſo weit, daß man in den Ausſtellungen faſt nur noch
Landſchaften (ſelbſtverſtändlich ohne Staffage), Stilleben
und Akte ſah. Aber die Phantaſie, dieſer Urquell alles
Schöpferiſchen, läßt ſich doch nicht auf die Dauer unter=
winden
, ſei auch die äſthetiſche Forderung des Tages noch
ſo tyranniſch. Aus der Malerei vertrieben, flüchtete ſie
ſüch in die zeichnenden Künſte und entſchädigte ſich durch
ſehantaſtiſche Purzelbäume für die aufgezwungene Aſkeſe.
So kommt es, daß die Graphik heute mehr vom inneren
Weſen der Künſtler, und damit der Kunſt, verrät, als die
Mälerei. In ihr vornehmlich konſtatieren wir die feinen
Wibrationen der Künſtlerſeele, die mit der Empfindlichkeit
per Magnetnadel die Richtung der geiſtigen Strömungen
anzeigen. Es war alſo ein glücklicher Gedanke der Se=
geſſion
, diesmal ausſchließlich die zeichnenden Künſte zu
Wort kommen zu laſſen. Leider iſt der gute Gedanke
micht energiſch und konſequent genug durchgeführt. Man
wahm zu viel Arbeiten auf von Malern, die auch zeich=
meten
, während die reinen Graphiker, für welche die Zeich=
nung
nicht bloß ein Nebenbei, ſondern die einzig mögliche
Aleußerungsform iſt, in den Hintergrund treten. Die
beſten Leute fehlen ganz. Der Maſſe des Gebotenen man=
geelt
noch dazu die Gliederung. Aber die Ausſtellung bietet
innmerhin noch genug des Erfreulichen. Als prächtige
Zeichner entpuppen ſich die Maler Richard Pietzſch,
heermann Groeber und Hans von Hayek.
Gonz beſonders der letztere mit ſeinen Manöverſtudien
mitt mit einer ganz neuen Art hervor, militäriſche Vor=
gänge
zu erfaſſen und zu geſtalten. Das elementare Leben
der Natur ſcheint in dieſen Truppenbildern zu pulſieren.
Hayek fühlt den Rhythmus der jeweiligen Situation und
beingt ihn reſtlos aufs Papier. Leo Samberger, der
imt Porträt das Erbe Lenbachs angetreten hat, zeigt vier
Bildniſſe Münchner Künſtler, die wieder wahre Meiſter=
lweerke
pſychologiſchen Tiefblicks und zeichneriſcher Bra=
veur
ſind. Die Zeichner des Simpliziſſimus und der Flie=
gunden
Blätter: Gulbranſon, Th. Th. Heine,
Eugen Kirchner ſind gut vertreten. Letzterer über=
lleſcht
durch eine größere Anzahl ganz brillant gezeichneter
Alleeiner Landſchaften. Stuck mit ſeinen zwei Circe= Bil=
hern
der Durieux enttäuſcht. Ernſt Kreidolf mit
lſehnen prachtvollen Lithographien Hundeſchlummerlied,

Wiegenlied und Clematis ſchlägt einen heimeligen,
vertrauten Ton an, der ſonſt nicht wieder in der Aus=
ſtellung
erklingt. Das Beſte aus Richter und Schwind
ſcheint hier in unſere anſpruchsvollere Zeit herübergerettet,
ohne daß man jedoch von Nachahmung zu ſprechen berech=
tigt
wäre. Käthe Kollwitz geht in ihrer Zeichnung
Frau mit totem Kind in der Darſtellung phyſiſcher und
ſeeliſcher Marter bis an die Grenze des Erträglichen. Die
Ausſtellung bietet auch Gelegenheit ältere und jüngere
franzöſiſche Meiſter zu ſtudieren, wie Daumier, Ga=
varni
, Millet, Manet, Toulonſe=Lautrec,
Degas, Denis Vuillard und Auguſte Renoir.
Unſere deutſchen Künſtler können aber jeden Vergleich mit
ihnen aushalten.
* Wochenſpielplan der Frankfurter
Stadttheater. 1. Opernhaus. Dienstag, 27. Januar:
Die Entführung aus dem Serail Mittwoch, 28.:
Alleſſandro Stradella‟. Donnerstag, 29: Alda Frei=
tag
, 30.: Die Braut von Meſſina. Samstag, 31.: Mar=
garethe
Sonntag, 1. Februar, ½4 Uhr: Wiener Blut
7 Uhr: Manon. Montag, 2.: Tiefland Pedro: Herr
Forchhammer a. G. 2. Schauſpielhaus. Dienstag, 27.
Januar: Colberg. Mittwoch, 28., 3 Uhr: Wilhelm
Tell; 8 Uhr: Schirin und Gertraude‟ Donnerstag, 29.:
Wie einſt im Mai. Freitag, 30.: Pygmalion Sams=
tag
, 31.: Nora Sonntag, 1. Februar, ½4 Uhr: Der
geſtiefelte Kater; 7 Uhr: Wie einſt im Mai. Mon=
tag
. 2.: Nathan der Weiſe‟.
* Wochenſpielplan des Großh. Hof= und
Nationaſltheaters Mannheim. Dienstag, 27.
Die Hermannsſchlacht Mittwoch, 28.: Vater
und Sohn‟ Donnerstag 29.: Der Evangelimann Frei=
tag
, 30.: Tosca‟ Samstag, 31.: Im weißen Rößl.
Sonntag, 1. Februar: Carmen. Montag, 2.: Die Her=
mannsſchlacht

* Moderner Kameenſchmuck. In den faſhionablen
Kreiſen der britiſchen Metropole macht ſich, wie wir dem
Berliner Lokalanzeiger entnehmen, ſeit kurzem die Neig=
ung
bemerkbar, die altmodiſche Kamee wieder in Gunſt
zu bringen. Umgekehrt, als es ſonſt zu ſein pflegt, begann
die neu erwachende Liebhaberei für einen veralteten
Schmuck in den mittleren Schichten der Geſellſchaft. Unter
billigen Bijouterien fand das putzliebende Mädchen des
kleinen Bürgerſtandes entzückende Kameen=Broſchen und
=Anhänger. Fein geſchnittene Geſichtchen von tödlicher
Bläſſe auf einem himmelblauen oder grasgrünen Unter=
grund
wohlfeile Imitationen frühviktorianiſcher Mo=
tive
wurden von unbemittelten Frauen gern gekauft,
als ſie vor einigen Monaten in den Warenhauſern auf=
tauchten
. Nun erſt fängt die ſmarte Modedame der ele=
ganten
Geſellſchaft langſam an, ſich für koſtbare Kameen

zu begeiſtern. Eine vielgeſehene Lady trägt ſeit kurzem
eine mit Brillanten umrandete Kameen=Nadel, die das
Profil ihres Lieblingsdichters erkennen läßt. Das heißt,
dieſer Dichter iſt noch jung und wenig bekannt, und Mi=
lady
hofft, ihrem Schützling durch das Tragen ſeines Bild=
chens
in Kameenform zu baldiger Berühmtheit zu ver=
helſen
. Eine andere Dame der großen Welt, eine ge=
wiſſenhafte
Premierenbeſucherin, hat ihren Lieblingsſchau=
pieler
durch eine wunderſchöne Kamee verewigen laſſen,
die ſie als Talisman trägt. Auch die Vertreter der Gol=
denen
Jugend haben bereits erkannt, wie reizend das
Lärrchen eines ſüßen Mädels, für das man gerade
ſchwärmt, als Kamee in Form eines Manſchettenknopfes
wirken kann.
Eine gute Tat. Eine in tiefe Trauer gekleidete alte
Dame geht langſam, auf den Arm eines Begleiters ge=
ſtützt
, in den Champs Elyſées ſpazieren. Ein alter, dürf=
tig
gekleideter Mann, dem man die Kälte und den Hunger
aus den hohlen Augen und den zitternden Gliedern ab=
lieſt
, ſchleppt ſich mühſam an ihr vorbei. Obwohl er mit
keinem Wort und keiner Gebärde um ein Almoſen bittet,
öffnet die Dame in Trauer ihre Börſe und will ihm eben
ein Geldſtück in die Hand drücken, als plötzlich ein Poliziſt
auſtaucht. Ich habe Sie beobachtet, ſagt er barſch und
legt die ſchwere Hand feſt auf die Schulter des faſt zu=
ſammenbrechenden
Alten. Ich verhafte Sie wegen
Bettelei. Lebhaft wendet ſich die Dame in Trauer da=
gegen
. Sie ieren ſich wirklich, mein Herr, ſagt ſie eifrig
zu dem Poliziſten, wir beide auf den Alten deutend
hatten nur eine alte Rechnung zu begleichen. Dann nimmt
ſie eine Hundertfrancsnote aus dem Portemonnaie und
drückt ſie dem Alten in die Hand. Nicht wahr, jetzt iſt
alles richtig, nun ſind wir quitt? ſagt ſie mit einem
reundlichen Lächeln. Der alte Mann bleibt in ſeiner
Freude ſtehen und murmelt Segenswünſche für ſeine
Wohltäterin; der Poliziſt geht kopfſchüttelnd weiter, und
die Kaiſerin Eugenie ſetzt ihren Spaziergang fort.
ml. Ein Tagesverdienſt von 2 400000 Mark. Den
höchſten Handelsgewinn, der je innerhalb von 24 Stunden
erzielt wurde, dürfte die Finanztransaktion ergeben haben,
die neulich die beiden Neu=Yorker Bankfirmen Kuhn,
Löb u. Co. und William A. Read u. Co. durchführten.
Der Staat von Neu=York hatte in dieſen Tagen einen
Stock von 4½prozentigen Bonds im Nominalwert von
204 Millionen Mark zur öffentlichen Verſteigerung ge=
bracht
. Die beiden, zu einem Syndikat vereinten Bank=
firmen
überboten die Konkurcenten und erhielten mit
einem Gebot von etwas über 420 Mark für den auf 400
lautenden Bond den Zuſchlag. Am nächſten Morgen
brachten ſie die Papiere an den Markt und verkauften ſie
m Laufe von zwei Stunden mit einem Nutzen von
2 400000 Mark,

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

gleicher Zeit an zahlreichen Orten ſein Programm ent=
wickeln
, ſeine Wahlreden halten uſw., eine Tatſache, auf
welche der Deutſche Conferencier im Kinetophon ſelbſt als
erſte Nummer der Vorführungen hinwies. Weiter wur=
den
dann noch an ſprechenden Films vorgeführt: Ediſons
Varieté Ediſons Minſtrels A few Shamrocks of
Ireland Die luſtige Hufſchmiede (Muſical Blackſmith)
und Studentenulk (in College Days). Es muß der Direktion
des Uniontheaters dankbar anerkannt werden, daß ſie
trotz der ſicher ſehr erheblichen materiellen Opfer es er=
möglichte
, das Kinetophon in Darmſtadt, als einer der
erſten deutſchen Städte überhaupt, zu zeigen und dadurch
die Erfindung weiteren Kreiſen bekannt zu machen.
* Deutſche Friedensgeſellſchaft. Man ſchreibt uns:
Als vor etwa einem Jahre der berühmte Wanderredner
Feldhaus=Baſel auf Anregung des Vereins für Frau=
enſtimmrecht
über: Die Friedensbewegung und der Bal=
kankrieg
ſprach, veranlaßte dieſer reich von Lichtbildern
belebte Vortrag eine Anzahl Friedensfreunde zum Beitritt
zur Deutſchen Friedensgeſellſchaft. Da auch noch eine
Anzahl alte Mitglieder vorhanden, die ſeit Jahren dem
Frankfurter Friedensverein zugeteilt waren, ſo ſchien es
an der Zeit, eine eigene Ortsgruppe zu bilden. Am Montag,
den 2. Februar, abends 8¼ Uhr, ſoll im Saale des Muſik=
vereins
Steinſtraße 24, unter dem Vorſitz des Herrn
Rechtsanwalt Staedel eine Verſammlung der hie=
ſigen
Mitglieder ſtattfinden, deren Zweck der Zuſammen=
ſchluß
iſt. Der zweite Vorſitzende der Deutſchen Friedens=
gefellſchaft
, Herr Baron de Neufville=Frankfurt a. M.,
wird über den Stand der Friedensbewegung, namentlich
über die Beſtrebungen der internationalen Verſtändigung
und über die Beſtrebungen und Reſultate des internationa=
len
Schiedsgerichtsweſens, referieren. Herr de Neufville
hat an vielen europäiſchen und außereuropäiſchen Kon=
greſſen
und Verhandlungen teilgenommen und iſt deshalb
beſondars geeignet, in die Frage einzuführen. An das Re=
ferat
wird ſich eine freie Ausſprache anſchließen. Alle
Männer und Frauen, die ſich für eine friedliche Verſtändi=
gung
der Völker intereſſieren, ſind freundlichſt eingeladen.
(Siehe Anzeige.)
nn. Die Turngeſellſchaft Darmſtadt hielt ihre diesjäh=
rige
Hauptverſammlung in ihrem Vereinshaus ( Mathil=
denhöhſaal
) ab, die von den Mitgliedern ſehr zahlreich be=
ſucht
war. Eingeleitet wurde dieſe Verſammlung durch
einen Begrüßungschor der Turnerſingmannſchaft und eine
Anſprache durch den 1. Sprecher, Turner Stichel, in der
er hervorhob, daß auch in dieſem Jahre die Turngeſell=
ſchaft
mit ihren turneriſchen Leiſtungen gut abgeſchnit=
ten
und weit über 30 Preiſe in friedlichem Wettkampfe
errungen habe. Die Vereinsgeſchäfte wurden in 25 Vor=
ſtandsſitzungen
erledigt und die Mitgliederzahl iſt in
ſtetem Steigen begriffen. Der von dem Rechner, Turner
Müller, erſtattete Kaſſenbericht ergab ein erfreuliches finan=
zielles
Bild des Vereins, der heute ein Reinvermögen
von 10000 Mark ſein eigen nennen kann. Nach dem Bericht
des zweiten Turnwarts Bernhardt erſtreckte ſich der
Turnbetrieb auf 94 Turnabende mit einer Geſamtteilneh=
merzahl
von 2596 Turnern und durchſchnittlich 27 Turnen=
den
pro Abend. Unter Führung von Turner Huthmann
fanden 6 Turngänge ſtatt. Die Turnmannſchaft betei=
ligte
ſich mit gleich gutem Erfolg an ſämtlichen
Wetturnfeſten des Kreiſes und konnte mit zahlreichen
Preiſen heimkehren. Auch die Damenriege kann mit
Stolz auf ihre Leiſtungen zurückblicken. Die unter Lei=
tung
von Turner Grün ſtehende Damenriege turnte an
72 Turnabenden mit durchſchnittlich 18 Teilnehmerinnen.
Neu gegründet wurde eine Schülerriege mit wöchentlich
zwei Turnabenden und 2835 Teilnehmern, die unter der
tüchtigen Leitung von Turner Guthmann ſteht. Den
Glanzpunkt des Jahres 1913 bildete das öffentliche Schau=
turnen
des Vereins. Mit einem Gut Heil auf das wei=
tere
Blühen der Turnſache ſchloß Turnwart Bernhardt
ſeinen Bericht. Auch die übrigen Vereinsorgane konnten
über ein Vorwärtsſchreiten des Turnbetriebs berichten.
Bei der Vorſtandswahl wurden die beiden verdienſtvollen
Sprecher, Turner Stichel und Ad. Emig, einſtimmig durch
Zuruf wiedergewählt und auch die meiſten übrigen Vor=
ſtandsmitglieder
in ihren Aemtern beſtätigt. Mit einem
dreifachen Gut Heil auf das weitere Blühen und Ge=
deihen
der Turngeſellſchaft wurde die Hauptverſammlung
geſchloſſen.
* Der Geſangverein Liederzweig hielt ſeine 60. Gene=
ralverſammlung
ab. Der erſte Vorſitzende, Herr A.
Schneider, eröffnete die Verſammlung mit Erſtattung
des Jahresberichtes, in dem er beſonders die Beteiligung
am Maintalſängerfeſte in Klingenberg a. M., an dem ſich
der Sängerchor vollſtändig beteiligte, ſowie ſein Herbſt=
konzert
hervorhob, bei welchen Feſten der Chor ſein beſtes
Können zeigte, was ſowohl den Sängern, als auch ihrem
Dirigenten, Herrn Kammermuſiker F. Brückmann, alle
Ehre machte. Der Rechner, Herr Ph. Köhler, erſtattete
den Rechenſchaftsbericht. Aus dieſem iſt zu entnehmen:
Die Einnahmen betrugen 2120,63 Mk., die Ausgaben
1864 92 Mk., bleibt ein Ueberſchuß von 255.71 Mk. Das
Geſamtvermögen beträgt 4048,78 Mk. Der Verein, der
nächſtes Jahr ſein 60jähriges Jubiläum feiert, wird allen
Vorausſichten nach dasſelbe mit dem 20. Maintalſänger=
feſt
, das in Darmſtadt abgehalten werden ſoll, verbin=
den
. Bei der Vorſtandswahl wurde der alte Vorſtand
wiedergewählt, mit Ausnahme des Herrn B. Finger, an
deſſen Stelle Herr Eiſenbahnaſſiſtent P. Kranz trat. Mit
einem Hoch auf die hohe Protektorin, die Großherzo=
gin
Eleonore, ſchloß Herr Schneider die anregend verlau=
fene
Verſammlung.
* Der Bezirksverband Darmſtadt des Heſſiſchen Lan=
desgewerbevereins
hielt eine gut beſuchte Vertreterver=
ſammlung
in Erzhauſen ab, an der auch die Mitglieder
des dortigen Gewerbevereins ſich lebhaft beteiligten. Die
Zentralſtelle für die Gewerbe hatte ſich durch Herrn Ge=
werbeſchuldirektor
Profeſſor Dr. Meiſel und die Hand=
werkskammer
durch Herrn Stadtverordneten Sames ver=
treten
laſſen. Nach Beſichtigung der ausgeſtellten Schüler=
arbeiten
der Handwerker=Zeichenſchule wurde zunächſt ein
kurzer Bericht über die Tätigkeit des Bezirksverbandes
durch den Vorſitzenden, Herrn Sattlermeiſter Wallauer,
erſtattet. Danach haben 8 Bezirksverbandsverſammlungen
ſtattgefunden, die das Sonntagszeichenſchulweſen, den un=
lauteren
Wettbewerb, die Arbeitsvergebungen, die Grün=
dung
einer Einziehungsgenoſſenſchaft, die Wahlen zur
Handwerkskammer, die Unfallverſicherung, die Wahlen zur
Ortskrankenkaſſe für den Kreis Darmſtadt u. a. m. zum
Gegenſtand ihrer Tagesordnungen und Beratungen
hatten. Berichtet wurde weiter über die Kaſſenverhältniſſe
und die vorgetragene Rechnungsablage genehmigt. Herr
Stadtverordneter Sames kommt im Anſchluß daran auf
das Ergebnis der vorgenommenen Wahlen zur Ortskran=
kenkaſſe
für den Landkreis Darmſtadt zu ſprechen und
bringt weiter noch zur Kenntnis, daß die Handwerkskam=
mer
nunmehr nach langwierigen Verhandlungen in Ge=
meinſchaft
mit dem Heſſiſchen Privatarchitektenverband ein
einheitliches Vertragsformular für Arbeitsvergebungen
feſtgelegt habe, das Gewähr für ein gutes Einvernehmen
der Handwerker mit den Privatarchitekten biete. Die Neu=

wahlen des erſten und ſtellvertretenden Vorſitzenden, der
Vertreter für den Ausſchuß des Landesgewerbevereins,
ſowie der Delegierten zur Sterbekaſſe des Verbandes
Deutſcher Gewerbevereine ergaben Wiederwahl der ſeit=
herigen
Herren. Nach Beſprechung weiterer Angelegen=
heiten
und nachdem noch Griesheim für die nächſte
Verſammlung beſtimmt war, wurde die Verſammlung
unter Dankesworten geſchloſſen.
* Kaffee=Konzert und Tango=Reunion im Hotel Heß.
Es ſei hiermit noch einmal darauf hingewieſen, daß mor=
gen
, Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, im Hotel Heß ein
Kaffee=Konzert mit Tango=Reunion ſtattfindet.
* Konzerte. Ludwigshöhe. Auch an dieſer
Stelle ſei auf das heute ſtattfindende Konzert zur Feier
des Geburtstags Sr. Maj. des Kaiſers hingewieſen.
(S. Anz.)
* Noch einer. Zwei Knaben aus der Kaupſtraße zeig=
ten
geſtern in der Redaktion einen munter flatternden klei=
nen
Kohl=Weißling oder Rüben=Weißling vor. Nach ihrer
Angabe hatten ſie den zu früh Erwachten an ihrem
Küchenfenſter gefangen.
§ Unſall. Am Samstag nachmittag kurz nach 4 Uhr
hat eine 12 Jahre alte Schülerin beim Schlittſchuhlaufen
auf dem Woog das linke Bein gebrochen. Die Schülerin
wurde alsbald mittelſt Krankenautomobil durch die
Sanitätswache in das Städtiſche Krankenhaus gebracht.

Strafkammer II.

g. Wegen Bigamie hatte ſich geſtern der 43jährige
Schmiedegeſelle Karl Auguſt Ernſt Blumberg von Nuß=
hagen
vor der Strafkammer zu verantworten. Nachdem
er in ſeinem Heimatsort Anfang der neunziger Jahre ge=
heiratet
hatte, perließ er nach dem Verleben der Flitter=
wochen
ſeine junge Frau und gelangte auf ſeiner Wander=
ſchift
nach Offenbach, wo er Arbeit fand. Er vergaß an=
ſcheinend
vollſtändig die Roſenfeſſeln, durch die er mit
ſeiner fern von ihm weilenden Gattin verbunden war,
denn er fing in Offenbach bald ein ſolides Verhältnis mit
einer Offenbacherin an, das 1896 auf Drängen der Braut
zu einer dauernden ehelichen Verbindung führte. Als nun
1910 die treulos verlaſſene Frau die Klage auf Eheſchei=
dung
einreichte, wurde der Aufenthalt des Angeklagten
ermittelt und auch die Tatſache ſeiner Doppelehe wurde
feſtgeſtellt. Als nun Blumberg erfuhr, daß er wegen
Doppelehe verfolgt werden ſollte, ging er flüchtig und
konnte erſt im Herbſt vergangenen Jahres feſtgenommen
werden. Er wurde von der Strafkammer zu 9 Monaten
Gefängnis abzüglich 6 Wochen der Unterſuchungshaft
verurteilt. Die zweite Frau hatte die Ehe für nichtig er=
klären
laſſen, ſo daß der Angeklagte, obgleich zweimal ver=
heiratet
, keine Frau hat.
Der 36jährige Kaufmann Edmund Eduard Gold=
berg
von Seeheim hat am 23. Februar 1913 den Gaſt=
wirt
Chriſtoph Drott zu Hahn dadurch um 8,50 Mark ge=
ſchädigt
, daß er ſich von ihm Zigaretten geben ließ unter
der falſchen Angabe, er müſſe die von einer Frankfurter
Firma an Drott zu viel gelieferten Zigaretten zurück
holen. In Neu=Iſenburg reiſte er im Jult auf Wetzſteine.
Um die Proviſion von 30 Mark zu erhalten, fälſchte er 9
Beſtellſcheine. Eine Frankfurter Firma ſchädigte er da=
durch
, daß er angab, er habe Waſchpulver verkauft und
ließ ſich 3¼ Zentner von dem Waſchpulver nach Station
Gaimühle ſenden, das er dann auf eigene Rechnung in
Hainhauſen und anderen Orten verkaufte. In Hainhauſen
lieh er ſich einen Spazierſtock, um dieſen für eine Zech=
ſchuld
zu verpfänden. In Zellhauſen, wo er feſtgenommen
wurde, gab er einen falſchen Namen an. Für alle dieſe
Betrügereien erkannte die Strafkammer auf 1 Jahr 4
Monate Gefängnis und 1 Woche Haft. 1 Monat
1 Woche der Unterſuchungshaft wurden ihm angerechnet
Der Landwirt Paul Adam Back von Hofheim war
vom Schöffengericht zu 4 Mark Geldſtrafe verurteilt wor=
den
, weil er den Vorſchriften zuwider, das Ertönen des
Läutewerks beim Eiſenbahnübergang bei Hofheim nicht
beachtete und durch ſein Verhalten einen Eiſenbahnzug ge=
fährdete
. Er gab zu ſeiner Entſchuldigung an, das Läute=
werk
ſei erſt ertönt, als er mit ſeinem Fuhrwerk bereits
auf den Gleiſen war. Da er nicht mehr zurückkonnte und
die Schranken noch nicht geſchloſſen waren, habe er ange=
nommen
, er käme noch darüber. In dem Augenblick, als
er die zweite Schranke paſſierte, ſei,dieſe heruntergegangen
und vom Wagen zerſtört worden. Der Schrankenwärter
gab an, daß er in dem Augenblick, als er die Schranken
niederließ, und das Läutewerk ertönte, nach dem Ueber=
gang
hinſah. Da ſtand noch kein Wagen auf den Schienen.
Die Angaben des Angeklagten können alſo nicht richtig ſein.
Die Strafkammer verwarf geſtern die vom Angeklagten
eingelegte Berufung.
In unverantwortlicher Weiſe nutzte der 21jährige
Kaufmann Franz Hermann Joſeph Burkhard von
Lorſch ſeine Ueberlegenheit aus, um einen 12jährigen
Schüler dazu zu verleiten, ſeinen Vater fortgeſetzt zu be=
ſtehlen
. Insgeſamt ließ er ſich von dem Jungen in 12 Fällen
20 bis 30 Mark geben. In einem Fall ließ er ſich ein
altes Spinnrad zum Weiterverkauf geben, gab aber den
Verkaufspreis erſt heraus, als das Strafverfahren einge=
leitet
war. Die Strafkammer erkannte auf die Berufung
des Angeklagten hin in zwei anderen Fällen auf Frei=
ſprechung
und ermäßigte dementſprechend die vom Schöf=
fengericht
erkannte Strafe von 12 Wochen Gefängnis auf
2 Monate Gefängnis.

Traiſa, 25. Jan. (Vortrag.) Eines zahlreichen
Zuſpruchs konnte ſich der Vortrag erfreuen, den am geſtri=
gen
Sonntagnachmittag auf Veranlaſſung des Verkehrs=
und Verſchönerungsvereins Herr Miniſterialregiſtrator
Philipp Jünger über den Wehrbeitrag hielt. In ein=
gehender
und überaus klarer Weiſe ſchilderte Redner die
verſchiedenen Arten des Vermögens: Grund=, Gewerbe=
und Kapitalvermögen, ſowie die Begriffe über das Ein=
kommen
, ſodann Vermögen und Einkommen. Beſondere
Berückſichtigung fanden die ſteuerliche Deklaration und die
Veranlagung, die Ermittelung des Ertragswertes von
Häuſern und Grundſtücken, wie die beſonderen Beſtimmun=
gen
über die darauf ruhenden Reallaſten, ſowie weiter die
Vorſchriften, die bei Wertpapieren uſw zu beachten ſind.
Reicher Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen und
ſprach der Vorſitzende Heydt den herzlichſten Dank der
Verſammlung über die gegebenen Aufklärungen aus. Bei
der folgenden Ausſprache, an der ſich der Vortragende, der
Vorſitzende, Bürgermeiſter Walther, Gemeinderechner
Berth u. a. beteiligten, wurden noch verſchiedene Punkte
genauer erörtert. Allgemein iſt der Wunſch, daß Herr
Jünger demnächſt wiederum einen Vortrag über Steuer=
fragen
halten möchte.
Bensheim, 26. Jan. (Feuer.) Geſtern nacht gegen
2 Uhr brach in einem Doppelhaus der Baugenoſſenſchaft
an der Lorſcher Straße ein Feuer aus, das bald das
ganze Treppenhaus ergriff. Die Bewohner mußten durch
die Fenſter gerettet werden. Hierbei fiel ein 20 Jahre
altes Mädchen infolge eines Fehltrittes von einer Leiter

auf die Straße. Sie verletzte ſich innerlich ſo ſchwer, daß
ſie nach kurzer Zeit an den Folgen der Verletzungen ſtarb.
F. Dornberg, 26. Jan. (Ausgrabungen.) Die
hieſige Burg ward am 14. Februar 1689 durch die Fran=
zoſen
in Aſche gelegt und auch ſeitdem nicht mehr aufge=
baut
. Die Fundamente der Mauern und die Tore ſind
jedoch noch vorhanden. Hinter dem ſüdlichen Tor erhebt
ſich außerdem ein Hügel, der bisher mit Gebüſch bewachſen
war. Ueber deſſen Zweck möchte nun die Altertumsfor=
ſchung
genauen Beſcheid erlangen, weshalb ſeit einigen
Wochen hier Ausgrabungen vorgenommen werden. Bis
jetzt wurden Knochen und Eiſenſtücke gefunden und eine
Mauer bloßgelegt. Ueber weitere Funde ſoll ſpäter be=
richtet
werden.
Biblis, 26. Jan. (Ein gefährlicher Meſſer=
held
) iſt der ſchon oft vorbeſtrafte 22jährige Arbeiter
Martin Mett von hier. Weil er von dem Leiter der che=
miſchen
Fabrik in Gernsheim, Dr. Schütt, entlaſſen
wurde, trieb er ſich am Abend in der Nähe der Fabrik
herum, bedrohte den Dr. Schütt, beläſtigte die Paſſan=
ten
mit offenſtehendem Meſſer und verſetzte ſchließlich ohne
jede Veranlaſſung dem Arbeiter Karl Engraf aus Gerns=
heim
einen Stich in die Bruſt. Bei der Feſtnahme ſpielte
er noch den wilden Mann und verurſachte großen Lärm.
Vom Schöffengericht in Gernsheim wurde nun jetzt Mett
wegen Körperverletzung. Bedrohung und Ruheſtörung zu
zwei Monaten Gefängnis und drei Tagen Haft verurteilt.
Mainz, 26. Jan. (Vom Zugüberfahren.) Der
45jährige Maſchinenputzer Lorenz Fuchs aus Nackenheim
wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen
halb 1 Uhr zwiſchen dem Schienenſtrang im Hauptbahn=
hof
tot aufgefunden. Die Leiche wies ſchwere Schädel=
verletzungen
, ſowie Bein= und Armbrüche auf. Fuchs iſt
wahrſcheinlich infolge des bereiften Bodens, während er
das Geleiſe überſchreiten wollte, zu Fall gekommen und
wurde von dem um 12,24 Uhr aus Frankfurt ankommenden
Zuge erfaßt. Die Leiche des Verunglückten, der Frau und
Kinder hinterläßt, wurde auf den hieſigen Friedhof ver=
bracht
. (Unfall.) Der 60jährige Matroſe Jooſt Lan=
ſer
aus Holland wurde beim Anziehen des Schlepptaues
erwiſcht und ihm ein Finger abgeriſſen.
P.A. Worms, 26. Jan. (Einen großen
nationalen Geſangswettſtreit) veranſtiltet
der 1864 gegründete Männergeſangverein Eintracht an=
läßlich
ſeines goldenen Jubiläums am 6., 7. und 8. Jüni.
ds. Js. Das Protektorat über dieſen Wettſtreit hat in
liebenswürdiger Weiſe Seine Exzellenz Freiherr Heylezu
Herrnsheim übernommen. Zu dieſem Geſangswettſtreite
ſtehen dem feſtgebenden Verein eine größere Anzahl werk=
voller
Ehrenpreiſe, darunter ein Ehrenpreis S. K. Hoheit
des Großherzogs von Heſſen, ſowie ein ſolcher Sr. Exz.
Freiherrn Heyl zu Herrnsheim zur Verfügung. Da außer
dieſen Ehrenpreiſen noch zirka 1600 Mark Barpreiſe für
die Stadtvereine und zirka 1100 Mack Barpreiſe für die
Landvereine, ſowie wertvolle Kunſtgegenſtände und Di=
plome
als weitere Preiſe zur Verteilung kommen, ſo dürfte
eine zahlreiche Beteiligung an dem Wettſtreite ze erhoffen
ſein. Der Delegiertentag findet bereits am Sonntag, den
15. Februar ſtatt und müſſen bis dahin alle Vereine, die
an dem Wettſtreit teilzunehmen gedenken. ihre Anmeldung
vollzogen und die Einſätze entrichtet haben.
* Gießen, 25. Jan. (Radiumbeſchaffung.)
Ein Antrag, den der Vorſitzende des im November be=
gründeten
Vereins für Krebsforſchung im Großherzogtum
Heſſen, Proſeſſor Dr. v. Opitz, bei der ſtädtiſchen Verwal=
tung
geſtellt hatte, wonach die Stadt Gießen jähslich 200
Mark für Zwecke des Vereins und einen einmaligen Bei=
trag
von 10000 Mark zur Beſchaffung von Radium zur
Verfügung ſtellen ſollte, wofür die unentgeltliche Behand=
lung
unbemittelter Krebskranker der Stadt in Ausſicht
geſtellt wurde, rief in der Stadtverordneten=Verſammlung
eine lebhafte Debatte hervor. Die Finanzdeputation
ſprach ſich für die Bewilligung der Summen aus. Die
Gegner der Bewilligung erklärten, es ſei Sache des Staats,
Mittel zur Beſchaf ung von Radium zu geben. Die Stadt=
verordneten
beſchloſſen, den einmaligen Betrag von 10000
Mark abzulehnen, dagegen ſich vorerſt auf zwei Jahre mit
einem Jahresbeitrag von 400 Mark als Mitglied für den
Verein zur Erforſchung der Krebskrankheit für Heſſen an=
zuſchließen
.
* Bad=Nauheim, 26. Jan. (Die Geſamtfre=
quenzdes
Bades) im Jahre 1913 betrug 34951 Kur=
gäſte
, wovon 25147 Deutſche und 9804 Ausländer waren.
Von den letzteren entfallen auf: Afrika 90, Amerika 1667,
Aſien 26, Auſtralien 5. Belgien 168, Bulgarien 9. Däne=
mark
77, Frankreich 290. Griechenland 5, Großbritannien
und Irland 885, Holland 454, Italien 88. Luxemburg 33,
Monako 1, Norwegen 64, Oeſterreich 783, Ungarn 317, Por=
tugal
61, Rumänien 153, Rußland 4214, Schweden 114,
Schweiz 211, Serbien 24. Spanien 42, Türkei 23. Bäder
wurden insgeſamt 480520 abgegeben, und zwar wurder
gefertigt: 441672 in den ſtaatlichen Badehäuſern, 22289
im Badehaus des Konitzkyſtifts und 16559 im Eliſabeth
haus. Nach Bäderarten verteilt ſich dieſe Summe folgen=
dermaßen
: 539 Brunnenbäder, 27621 Solbäder, 153 114
Thermalbäder, 137321 Thermalſprudelbäder, 15855
Sprudelbäder, 189 Duſchebäder,. 2816 Süßwaſſerbäder, 363
Moorbäder. Die höchſte Tagesbäderzahl am 21. Juli be=
trug
3952, und zwar: 271 Solbäder, 1205 Thermalbäder,
1193 Thermalſprudelbäder, 1262 Sprudelbäder, 18 Süß=
waſſerbäder
und 3 Moorbäder.
Lich, 26. Jan. (Mäuſe in der Orgel.) Daßdas
Heer der Mäuſe auf den Aeckern ungeheuren Schaden an=
richten
kann, iſt allgemein bekannt. Mit allen möglichen
Mitteln führt man gegen ſie den Vernichtungskrieg. Wel=
chen
Schaden aber ’ſchon eine kleine Zahl dieſer Nager an=
richten
kann, ſollte man an der Orgel zu Hattenrod
erfahren. Schon etliche Wochen zeigten ſich beim Sakelen
Mängel, die man allgemein der Feuchtigkeit der Luft zu=
ſchrieb
. Daher ließ man die Orgel in dieſen Tagen von
einer hieſigen Firma einer Reparatur unterwerfen.In
der pneumatiſchen Orgel wurden die einzelnen Pfeifen
durch zuſtrömenden Wind geöffnet, ſo daß ſie erklingen
können. Der zuſtrömende Wind füllt zuerſt kleine Wind=
ſäckchen
aus dünnem Leder, die durch Aufblähen
das Oeffnen der einzelnen Pfeifen bewirken. Nun hatten
die armen Kirchenmäuſe etwa 100 dieſer Säck=
chen
abgenagt, ſo daß dieſe ſich nicht mehr füllten. Die
Folge war, daß die entſprechenden Pfeifen ſtreikten.
Mäuſe hatten ſich eine teure Mahlzeit geleiſtet undſin
vahrſcheinlich doch nicht ſatt geworden.
Schotten, 26. Jan. (Schwindler.) Wanderphotd
graphen haben in verſchiedenen Orten der Umgebung
zahlreiche Eltern von Schulkindern betrogen. Sie machten
mit Erlaubnis der Lehrer Schulaufnahmen, ließen ſich von
den Kindern, die Bilder beſtellten, im voraus die Koniel
feis bezahlen und verſchwanden dann auf Nimmerwiede
ſehen. Da in manchen Dörfern ſeit Jahren kein Schul
photograph geweſen war, war hier das Intereſſe andel
Bildern beſonders groß. Die Schwindler heimſten
dieſen Ortſchaften hohe Summen ein.

[ ][  ][ ]

Nummer 27.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Sette 5.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 25. Jan. Der jüngſte
Sohn des Kronprinzen, Ptinz Hubertus,
iſt von ſeinen beiden älteren Brüdern trotz der ſtreng durch=
geführten
Iſolierung nun doch vom Keuchhuſten angeſteckt
worden. Intereſſant dürfte ſein, wie der eine Sohn des
Kronprinzen mit dem Keuchhuſten behaftet worden iſt. Er
hat nämlich in Danzig mit einem am Keuchhuſten erkrank=
ten
Knaben in einem Schilderhaus geſpielt und ſich auf
dieſe Weiſe die Infektion zugezogen. Die evangeli=
ſchen
Verbandsvereine hatten zu heute eine öffent=
liche
Verſammlung nach dem Zirkus Buſch einberufen,
die ſich zu einer Kundgebung der poſitiv=kirchlichen Ele=
mente
Berlins gegenüber der Austrittsbewegung aus der
Landeskirche geſtaltete. In Lichtenberg ereignete ſich
heute nachmittag ein folgenſchweres Automobil=
unglück
. Der Arzt Dr. Neuhaus aus Charlottenburg
fuhr die Familie des Zigarrenfabrikanten Fritzſch in ſei=
nem
Automobil ſpazieren. In der Hauptſtraße brach eine
Feder des Kraftwagens und die 5 Inſaſſen und der
Chauffeur des Wagens wurden herausgeſchleudert. Der
Chauffeur und ein 12 Jahre alter Knabe kamen mit leich=
teren
Verletzungen davon. Bei den anderen Inſaſſen wa=
ren
die Verletzungen ſo ſchwer, daß ihre Ueberführung in
das Krankenhaus notwendig wurde. In der vergange=
nen
Nacht wurden durch Einbruch in das Paſſagekauf=
haus
in der Friedrichſtraße Schmuckſachen im Werte von
30000 Mark geraubt.
Frankfurt, 26. Jan. (Vom zugefrorenen Main)
berichtet die Frankf. Ztg.: Die Eisdecke, die ſeit einigen
Tagen den Main überſpannt, hat am Sonntag ihre Bela=
ſtungsprobe
beſtanden. Sie hat viele, viele Tauſende ge=
tragen
und ſoweit bekannt, iſt niemand zu Schaden ge=
kommen
. Die Freude über das ſeltene Naturereignis, die
in den erſten Tagen der Woche nur von den Nächſtbeteilig=
ten
, von den Uferbewohnern, empfunden und gewürdigt
wurde, hat nun ganz Frankfurt erfaßt. Die Wanderung
nach dem Fluß war am Sonntag allgemein; es war am
Main wie an einem feſtlichen Sommertag. Die Brücken
haben gewiſſermaßen ihren Zweck verfehlt; ſie ſchienen nur
vorhanden, um den rieſigen Winterſportplatz zu gliedern
und ſeine bildhafte Wirkung zu erhöhen. Ideal kann die=
ſer
Winterſportplatz vorerſt nicht genannt werden. Die
Eisſchollen ſind regellos übereinander geſchoben. Die
Fläche iſt kraus und uneben. Die Feuerwehr wollte die=
ſem
Mißſtand abhelfen. Sie warf am Samstag große
Waſſermengen auf die Eisdecke, mit der guten Abſicht, eine
Schlittſchuhbahn zu ſchaffen, aber der Zweck wurde nicht
erreicht. So begnügte ſich die Menge mit Schleifen, wan=
derte
auf und ab, kletterte über die Eisberge an der Alten
1Brücke und ſetzte ſchließlich die vielen fliegenden Händler
iin Nahrung, denen die Polizei in letzter Stunde den Ver=
Rauf auf dem Main freigegeben hatte. Hunderte von Pho=
ſtographen
haben das Winterleben auf dem Main feſtge=
hhalten
, das ſich geſtern ganz ſo präſentierte, wie es Bilder
raus früherer Zeit zeigen. Trotz des rieſigen Verkehrs iſt,
wwie geſagt, kein Unglück paſſiert. Aus Vorſicht ſperrte die
Polizei am ſpäten Abend einige Stellen am Frankfurter
Ufer, an denen ſich Waſſer zeigte.
Frankfurt, 26. Jan. (Der Carré= Reklameun=
ugpolizeilich
verboten.) Geſtern nachmittag ſollte
auf dem Flugplatze ein Flieger aufſteigen, um bei einem
Uleberlandfluge kleine Reklamezettelchen aus lufti=
iger
Höhe auszuſtreuen. An dieſem Vorhaben wurde der
vierfür gewonnene Luftpilot durch zwei Schutzleute ver=
windert
, die den Auftrag vom Polizeipräſidenten hatten,
die Reklamezettel zu beſchlagnahmen ſofern dieſe
mit in den Apparai genommen würden.
) Weinheim, 25. Jan. (Ein Weinheimer bei
der Feemdenlegion.) Der 21jährige Sohn eines
ſsieſigen Handwerkers war im Oktober v. J. bei einem
Ulufenthalte in Elſaß=Lothringen franzöſiſchen Werbern in
hie Hände gefallen und hatte ſich verleiten laſſen, in den
Oienſt der Fremdenlegion einzutreten. Von Belfort war
ar nach Marſeille gebracht worden, von wo die Ueber=
ſahrt
nach Afrika ſtattfand. Jetzt ſchreibt der Fremden=
legionär
an ſeine hier wohnenden Eltern einen von bit=
terer
Reue diktierten Brief aus Algier worin er mitteilt,
daß das dort herrſchende Elend jeder Beſchreibung ſpottet.
Seit Weihnachten ſeien 165 Mann deſertiert, von denen
auuch ein Teil entkam. Die wieder eingefangenen Deſer=
teure
werden aber in den Gefängniſſen ſehr ſchlecht behan=
telt
. Zweimal drei Stunden täglich kommen ſie in den
wof des Gefängniſſes und müſſen 60 Pfund Sand auf dem
Krücken herumtragen. Einer fiel dabei zweimal zu Boden
umnd wurde ins Lazarett gebracht, wo er bald darauf ſtarb.
Wie der Briefſchreiber weiter mitteilt, kommen immer
n ieder Neulinge an. zumeiſt Deutſche, und zwar Burſchen
unnd Männer, die ſich lieber hätten eine Kugel in den Kopf
ſchießen ſollen, als in Afrika elend zu Grunde zu gehen.
Stuttgart, 26. Jan. (Der Maſſenmörder
AYzagner.) Die Vorunterſuchung gegen den Leh=
Utar Wagner aus Degerloch iſt abgeſchloſſen. Die Anklage
Ulautet auf 6 vollendete Morde in Degerloch, 10 vollendete
Worde in Mülhauſen, 10 verſuchte Morde daſelbſt und

das Verbrechen der vorſätzlichen Brandſtiftung in neun
Fällen.
Niefern bei Pforzheim, 26. Jan. (Brand.) Die be=
kannte
Papierfabrik von Bohnenberger u. Co, ſteht in
Flammen. Die alte Fabrik iſt wahrſcheinlich verloren.
Von Pforzheim iſt Hilfe verlangt worden.
Leipzig, 26. Jan. (Prozeß Knittel.) Das
Reichsgericht hat die Reviſion des Amtsrichters
Knittel=Rybnik, der vom Landgericht Gleiwitz am
3. Oktober v. J. wegen Beleidigung in vier Fällen zu
2400 Mark Geldſtrafe verurteilt worden war, verwor=
fen
. In der Begründung wird erklärt, daß mit Recht
vier einzelne Handlungen angenommen worden ſind, weil
die vier beleidigten Perſonen in den fraglichen Schreiben
namentlich aufgeführt ſind.
Beuthen, 26. Jan. (Erſtickt.) Am Samstag
ſtiegen mehrere mit der Ausbeſſerung der Rohr=
leitung
in der Donnersmarkhütte beſchäftigte Mon=
teure
trotz des Verbotes in die Rohrleitung. Drei von
ihnen wurden betäubt, wovon zwei erſtickten.
Paris, 26. Jan. (Revolverattentat.) Als ſich
geſtern abend der Schauſpieler Paul Guidé in Geſellſchaft
ſeiner Geliebten nach Hauſe begeben wollte, gab ſie in
dem Augenblick, als Guidé eine Droſchke beſteigen wollte,
mehrere Revolverſchüſſe auf ihn ab und ergriff darauf die
Flucht. Der Schauſpieler wurde lebensgefährlich verletzt.
Die Täterin wurde eingeholt und feſtgenommen.
Brüſſel, 25. Jan. (Die Vermögensverhält=
niſſe
der Prinzeſſin Luiſe.) Der ſchon vor
einigen Tagen als bevorſtehend gemeldete Akkord zwiſchen
der belgiſchen Regierung und der Prinzeſſin Luiſe iſt jetzt
rechtsgültig abgeſchloſſen worden. Luiſe erhält, ebenſo
wie die Prinzeſſin Stephanie, zu den nach den Teſtaments=
beſtimmungen
empfangenen 6 Millionen noch 5½ Millio=
nen
als Abfindung für die Liegenſchaften und die Werte,
die der König an die verſchiedenen Stiftungen vermacht
hat und die vom Staate in Anſpruch genommen wurden.
Von dieſen 5½ Millionen zahlt, wie ſchon kurz gemeldet,
die Regierung 4½ Millionen direkt an die Vertreter der
Gläubiger, die ihre Forderungen entſprechend ermäßig=
ten
. Der Prinzeſſin bleiben alsdann noch 1 Million, und
man hegt am belgiſchen Königshof den ſehnlichſten Wunſch,
daß ſie ſich mit den Zinſen daraus und mit dem ihr vom
früheren Gatten zufließenden recht erheblichen Jahres=
gelde
einrichten möge, damit die unerfreulichen Privat=
angelegenheiten
dieſer belgiſchen Königstochter endlich
aufhören möchten, die belgiſche Regierung weiterhin zu
beſchäftigen. Der Prinzeſſin ſteht noch immer die ihr wie=
derholt
vom König angebotene ſtandesgemäße Reſidenz
in Belgien zur Verfügung, wenn ſie ſich entſchließen
wollte, ſich von ihrer Umgebung zu trennen. Solange dies
nicht geſchieht, iſt allerdings zu befürchten, daß die frühere
Mißwirtſchaft ſich fortſetzt, im Hinblick auf die zukünftige
Erbſchaft von der greiſen Tante der Prinzeſſin, der Kai=
ſerin
Charlotte. Man will verſuchen, Mittel und Wege
zu finden, um dem entgegenzuwirken.
Johannesburg, 25. Jan. (Aufreizung zum
Streik.) Der Sekretär der Ortsgruppe der Arbeiter=
partei
in Springs iſt zu einem Monat Zwangsarbeit
und zu 500 Mark Geldbuße verurteilt worden, weil er die
Eingeborenen in den Bergwerken Springs zu m Streike
aufgereizt hatte.

Kaiſergeburtstagsfeiern.

* Die militäriſche Feier von Kaiſers
Geburtstag wurde geſtern abend durch einen großen
Zapfenſtreich eingeleitet. Am Zapfenſtreich beteiligten ſich
die Muſikkorps des Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr.
115, des Garde=Dragoner=Regiments Nr. 23, des Leib=
Dragoner=Regiments Nr. 24, des Feldartillerie=Regiments
Nr. 25, des Trainbataillons Nr. 18 und die Spielleute des
Leibgarde=Infanterie=Regiments Nr. 115 unter Leitung
des Obermuſikmeiſters Mickley. Die Kapellen verſammelten
ſich 7½ Uhr abends auf dem Marienplatz. Unter Füh=
rung
des Herrn Leutnants Baron von der Recke vom
Leibgarde=Infanterie=Regiment Nr. 115 marſchierte der
Zapfenſtreich um 7¾4 Uhr vom Marienplatz ab und bewegte
ſich durch die Neckar=, Rhein=, Wilhelminenſtraße nach dem
Neuen Palais, wo eingeſchwenkt und ein Muſikſtück ge=
ſpielt
wurde, dann folgte der Zapfenſtreichmarſch. Der
Rückmarſch erfolgte durch die Wilhelminen=, Heidelberger
Straße nach dem Marienplatz, wo die Muſikkorps entlaſſen
wurden.
* Techniſche Hochſchule. Aus Anlaß des Ge=
burtstages
des Kaiſers fallen heute die Vorleſungen und
Uebungen an der Techniſchen Hochſchule aus. Das Portal
bleibt während des ganzen Tages geſchloſſen. Der All=
gemeine
Studenten=Verband veranſtaltet am Mittwoch,
den 28. ds. Mts., abends 8 Uhr, im Städtiſchen Saalbau
einen Feſtkommers, wobei Herr Pfarrer Weisgerber
die Feſtrede halten wird über das Thema: Deutſche
Staatsgeſinnung und das Ideale der freien Perſönlich=
keit
.
* Inſtitut der Engliſchen Fräulein. Man
ſchreibt uns: Eine überaus ſinnige Huldigung brachten die

Schülerinnen der höheren Mädchenſchule der Engliſchen
Fräulein unſerm Kaiſer am Sonntag, den 25. ds. Mts.,
im Konkordiaſaale dar. Es war nach längeren Jahren
das erſtemal, daß ſie mit einer derartigen Feier in die
Oeffentlichkeit traten. Aber die Einladungen an Eltern,
Schülerinnen und Freunde der Schule waren nicht umſonſt
ergangen. Der Saal war dicht beſetzt, ein erfreulicher Be=
weis
für das Anſehen und Intereſſe, das die ſtets wach=
ſende
Lehranſtalt genießt. Leider konnte Frau Staats=
miniſter
von Ewald. Exz. einer Erkältung wegen der Feier
nicht beiwohnen. Nach dem einleitenden Chor: Danket
dem Herrn, der voll und warm von friſchen Kinderſtim=
men
erſcholl, und einem weihevollen Feſtgedicht mit ſchö=
ner
Dekmamation, vorgetragen von Katharina Uebel,
ergriff der Religionslehrer der 5.10. Klaſſe, Herr Kaplan
Wilhelm, das Wort zu einer von geſchichtlichem und
patriotiſchem Geiſte getragenen Feſtrede. Mit einem
Rückblick auf Kaiſer Karl den Großen, den Gründer
und Förderer der Schulen, wandte er die von ſeinen Zeit=
genoſſen
von ihm geſagten Worte auf unſern Kaiſer an: Du
biſt Ehre und Ruhm der Völker, Freude und Stolz des Lan=
des
. Jetzt öffnete ſich der Vorhang für das eigentliche
Feſtſpiel der von dem jüngſten Publikum erſehnteſte
Augenblick. Der Streit der Jahreszeiten mit
ſo viel Fleiß und Eifer, mit ſo viel Luſt und Lieb’ unter
der Leitung der Engl. Fräulein eingeübt, beginnt. In bun=
ter
Abwechſlung ſehen wir die Vertreibung des Winters
durch den holden Lenz, die erſten Blümchen melden ſich,
Vogelſtimmen ertönen mehr und mehr Blumenkinder
erſcheinen, um einen lieblichen Reigentanz auszuführen.
Das 2. Bild zaubert uns die warme Sommernacht
vor. Kleine Elfen, darunter ganz kleine aus dem drit=
ten
Schuljahr, mit farbigen Lampions, begegnen ſich in
einer niedlichen Polonäſe, die aber gleich danach von dem
Tanz der Nixen an Gewandtheit und Anmut noch über=
troffen
wird. Erntefeſt mit buntgekleideten Bäuerinnen
und Winzerinnen im Schmuck der Reben repräſentieren im
dritten Bild den Herbſt. Hier fand der kunſtvolle Rei=
gen
der Winzerinnen, von größeren Schülerinnen (bis
zum 10. Schuljahr) getanzt, außerordentlichen Beifall und
gereicht der Turnſtunde zu beſonderer Ehre. Als Sieger
im Streit denn ihm gehört ja des Deutſchen Kaiſers
Wiegenfeſt tritt der Winter nochmals auf. Ihn ver=
herrlichen
übermütige Schneeflocken, beim Tanz mit Schnee=
ballen
werfend und zum Schluß eine Anzahl jugend=
licher
Muſikanten. Mit Abſicht iſt hier eine Kinder=
ſymphonie
eingeflochten, um auch das muſikaliſche
Element unter den Schülerinnen zur Geltung zu bringen.
Alles aber gipfelte im fünften und letzten Bild in einer
unſerm Kaiſer dargebrachten freudigen Huldigung, die
mit dem begeiſtert geſungenen Heil dir im Siegerkranz
ſchloß. Die Zuſchauer ſpendeten den jungen Künſtlerinnen
reichen, wiederholten Beifall und lautes, wohlverdientes
Lob. Alle Darſtellerinnen zu nennen iſt bei der großen
Zahl leider unmöglich. Erwähnt ſeien: Johanna Cher=
bourg
(Frühling), Hedwig Haußmann (Winter), Eliſe
Straub (Zeit), ſowie die Penſionärinnen Lina Warthorſt
(Elfenkönigin), Frl. Edith Walther und Frl. Anni Kordel
(Klavierbegleitung) die beiden letzteren mit beſonderem
Dank für ihre aufopfernden Leiſtungen.
* Bund Deutſcher Militäranwärter
(Zweigverein Darmſtadt). Die im großen Saale der
Turnhalle am Woogsplatz veranſtaltete Feier des Ge=
burtstages
Sr. Majeſtät des Kaiſers war in jeder Hinſicht
von einem vollen Erfolg begleitet. Der dicht beſetzte Saal
gab Zeugnis von dem Zuſammenhalten der Mitglieder
und der Pflege der Kameradſchaft; die Darbietungen
waren feſſelnd und die Stimmung vorzüglich. Eingeleitet
wurde die Feier durch einige Muſikſtücke der Kapelle des
Vereins unter Leitung ihres Dirigenten Kamerad Krü=
ger
, an welche ſich ein Prolog, geſprochen von Fräulein
Schminke, anſchloß. Hierauf ergriff der 1. Vorſitzende,
Kamerad Salomon, das Wort, dankte den Kameraden
nebſt Angehörigen und den Herren Landtagsabgeordneten
Dr. Oſann, Henrich, Wiegand und Stadtv. Dr. Noellner
für ihr Erſcheinen und hieß ſie herzlich willkommen. Er
wies auf die Bedeutung des Tages hin, ſein Hoch galt
Sr. Majeſtät dem Kaiſer. Das Programm bot außer
Darbietungen der Geſangsabteilung unter Leitung ihres
verdienten Dirigenten, Kamerad R. Etzold, die wie immer
vorzüglich waren, Liedervorträge von Frl. Hübner und
Frl. Erbes, die lebhaften Beifall fanden. Beide Damen
verfügen über gutgeſchulte Stimmen. Einige von Damen
und Herren des Vereins friſch und flott geſpielte Theater=
ſtücke
die von Kamerad Heß ſorgfältig einſtudiert waren,
ſchloſſen ſich an. Hierbei wirkten mit die Damen Frl.
Kaiſer, Gr. und El. Kuhl, Finger, Städtler und Schminke,
ſowie die Herren Koch, Heß jun., Burhenné jun. und
Peppler jun. (Klavier). Allen, die zur Verſchönerung des
Feſtes beigetragen haben, ſei auch an dieſer Stelle noch=
mals
herzlich gedankt. Im Laufe des Abends ſprachen
noch die Herren Stadtv. Dr. Noellner. Landtagsabgeord=
nete
Wiegand und Henrich, deren Ausführungen mit
ſtürmiſchem Beifall aufgenommen wurden. Für 10jährige
Mitgliedſchaft konnten wieder einige Kameraden durch
Verleihung eines Abzeichens dekoriert werden. Ein kleines
Tänzchen ſchloß die ſchöne Feier, die ſicherlich allen in
ſchöner Erinnerung bleiben wird.
un. Marine=Verein Darmſtadt. In den
feſtlich geſchmückten Räumen des Mathildenhöhſaales hielt
der Marine=Verein ſeine Kaiſers=Geburtstagsfeier ab,
die von den Kameraden und deren Familien
zahlreich beſucht war. Als Ehrengäſte waren erſchienen
das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Admiral a. D.
Weſtphal, weiter zahlreiche Offiziere der Marine und
Deputationen der hieſigen Garniſon. Eingeleitet wurde
die Feier mit dem Kaiſermarſch und dem prächtig ge=
ſungenen
Chor Gott grüße dich des Darmſtädter Män=
nerquartetts
. In zündender Rede gedachte der 2. Vor=
ſitzende
, Kamerad Wenzel, Sr. Kgl. Hoheit des Großher=
zogs
, des treueſten Bundesgenoſſen des deutſchen Kaiſers,
nd brachte auf den Landesherrn und deſſen Familie ein
dreifaches Hurra aus, in das die Feſtverſammlung be=
geiſtert
einſtimmte. Ein mit echt patriotiſchem Schwung=
von
dem Ehrenmitglied Kamerad Göttmann gedichteter
Prolog mit einer Huldigung nach Seemannsart vor der
lorbeergeſchmückten Büſte Sr. Majeſtät Kaiſer Wil= IIll, wurde von Fräulein Lang vortrefflich zum
Vortrag gebracht und trug der Sprecherin rauſchenden
Beifall ein. In einer zündenden Feſtrede feierte der 1.
Vorſitzende, Kamerad Schnellbacher, den Kaiſer als den
Gründer der deutſchen Marine, deren Wimpel zum Schutz
on Handel und Induſtrie und des Reiches heute auf
allen Meeren der Welt wehen. Sein dreifaches Hipp
Hipp Hucra galt dem Geburtstagskind dem Friedens=
Kaiſer Wilhelm II., das mächtig durch den Saal brauſte.
Eine ergreiſende dramatiſche Dichtung Zuviel oder
Frauentreue in der die Kameraden B. Seipp. Reichert,
Koch, Klein, Spies und beſonders Frau Reichert und der
kleine Wiliy Lang ihr Beſtes boten, wurde mit reichem
Beifall ausgezeichnet. Chöre des Darmſtädter Männer=
quartetts
, lebende Bilder aus dem Marineleben, ſowie ein

Tanzabend Gertrud Leiſtikow.

Wir haben uns ſchon gelegentlich ihres erſten Tanz=
ſſoh
ends in Darmſtadt dahin ausgeſprochen, daß Gertrud
Leiſtikow in dem Flor der berühmten Tanzkünſtlerin=
lnem
der Gegenwart und derer, die durch mehr oder weni=
er
geſchickte Reklame dazu gemacht werden, eine Sonder=
telllung
einnimmt. Das geſtrige Auftreten der Künſtlerin
hatt dieſen Eindruck gefeſtigt. Gertrud Leiſtikow iſt wirk=
ieh
in ihrer Art einzig. Sie bringt für ihre Kunſt als her=
horrragendſtes
und allerdings unentbehrlichſtes Requiſit
in Paar wundervoll geformte und bis zur Vollendung
hunchtrainierte Beine mit, die in ihrer Kunſt übrigens
was durchaus nicht bei allen Tanzkünſtlerinnen der Fall
ſt die Hauptrolle ſpielen. Sie verfügt ferner über ein
usgeprägtes muſikaliſches Empfinden und edles rhythmi=
ches
Gefühl. Die Künſtlerin tanzt nicht eigentlich, ſie ver=
önpert
aber ein inneres, bis zur Leidenſchaft und Ekſtaſe
Du ſteigerndes Empfinden, das nach formalem Ausdruck
ſſinggt und drängt zu plaſtiſchem Muſik=Erleben. Gertrud
ei ſtikow hängt förmlich an den Tönen, ſie klettert daran
n die Höhe, daß ſie der Erdenſchwere zu entſchweben
Abeeint, wiegt ſich mit den Tönen und badet ihren ſchlan=
n
Körper in den Tonwellen, wobei ſie, was ſie offenbar
Plieſt empfindet, zur Leidenſchaft geſteigerte Lebensluſt
inde Freude auch im Beſchauer auslöſt. Es mag zweifel=
hs
richtig ſein, daß die Künſtlerin vielleicht, wenn ſie von
er Tönen mehr frei käme, wenn eigene Phantaſie ſie von
eim Rhythmus der Muſik löſen könnte, ohne daß dadurch
ler von der Muſik an ſich nicht zu trennende Rhythmus
ſ ider Tanzbewegung beeinträchtigt würde, zu anderer,
den Laien vielleicht ſchönerer Bildwirkung in ihren
ſämzen gelangen würde. Möglich aber auch, daß ſie da=
nach
das Charakteriſtikum ihrer Tänze, das in allen ſcharf

ausgeprägt iſt, hin und wieder beeinträchtigen würde.
Jedenfalls liegt die Gefahr der Veräußerlichung nahe, und
wir möchten der Künſtlerin beſonders hoch anrechnen, daß
ſie nicht um äußerer Wirkung willen das Charakteriſtiſche
ihres tanzlichen Empfindens vernachläſſigt.
Der geſtrige Abend wurde mit einer Suite (Gavotte
und Sarabande) von Rameau eröffnet. Dieſe an ſich ſehr
charakteriſtiſch gefühlten, aber kalten Tänze verfehlten jeg=
lichen
Eindruck auf das erfreulich zahlreiche Publikum,
das erſt durch den recht flotten, aber anſpruchsloſeren
Ländler von Schubert gefangen wurde, dann aber den
Abend über mit ſteigender Wärme der Künſtlerin applau=
dierte
. Entzückend, wie ein zur Wirklichkeit gewordenes
muſikaliſches Phantom, wirkte Schuberts Moment muſi=
cal
, der Faun=Tanz; Scherzo von Schubert war ſchon
vom Vorjahre her bekannt. Ganz entzückend kam Brahms
Rhapſodie II zum formalen Ausdruck in der Bewegung,
während Chopins Mazurka Op. 33 Nr. 4 ganz muſikaliſcher
Rhythmus war, wie auch die weiteren Chopin=Mazurkas
und=Walzer und der auch in der Bildwirkung ganz rei=
zende
Schmetterlingstanz von Grieg.
Der muſikaliſche Teil des Abends lag in den Händen
des Herrn Kapellmeiſters Sautier vom Großh. Hof=
theater
, der uußer der ſehr präzis durchgeführten ſchwie=
rigen
Begleitung der Tänze auch in einigen Soli zu Worte
kam. Er ſpielte mit brillantem Vortrag lyriſche Stücke
von Grieg (Albumblatt, Hochzeitstag auf Fooldhangen,
Tag der Zwerge und die Ungariſche Rhapſodie Nr. 2 von
Franz Liſzt. Das Publikum ſpendete beiden Künſtlern
lebhaften Beifall. Gertrud Leiſtikow wurde durch koſt=
bare
Blumenſpenden ausgezeichnet.
Die Koſtüme waren entworfen von Architekt Siegfried
Werner Müller=München, das Schmetterlingskoſtüm von
M. St.
Dora Brandenburg=Polſter.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

Theaterſtück Zurückgekehrt in die Heimat verſchönten den
Feſtabend, an den ſich ein ſolenner Feſtball anſchloß.
* Die Kriegerkameradſchaft Germania,
Darmſtadt, beging den Geburtstag des Kaiſers am Sams=
tag
abend in dem ſchön geſchmückten Vereinslokal bei
Kamerad Gunder. Die Kameraden nebſt Angehörigen
hatten ſich zahlreich eingefunden. Die Singmannſchaft des
Vereins unter Kamerad Stephanis Leitung trug mehrere
Chöre vor. Der erſte Vorſitzende, Kamerad Ganßmann,
hielt eine Anſprache und ſchloß mit einem dreifachen Hoch
auf den Kaiſer. Ein kleines Tänzchen beſchloß die Feker.
* Der Kavallerie=Verein Darmſtadt
feierte am 25. ds. Mts. Kaiſers Geburtstag in den Räu=
men
der Brauerei zum Schützenhof. se Beteiligung wac
eine derartige, daß der Saal ſchon ver Beginn der Feier
bis zum letzten Platz beſetzt war. Muſikſtücke, Theater=
aufführungen
, von Vereinsmitgliedern geſpielt, eine Kai=
ſerhuldigung
durch Darſtellung lebender Bilder, fanden
ganz beſonderen Beifall. Die Muſik ſtellte das Garde=
Dragoner=Regiment Nr. 23, deren vorgetragene Soloſtücke
zur Verſchönerung des Feſtes ſehr viel beigetragen haben.

* Berlin, 26. Jan. Bei den Majeſtäten fand
heute abend im Eliſabethenſaale auf der Eliſabethen=
galerie
des Königlichen Schloſſes Tafel ſtatt, an der die
aus Anlaß des Geburtstages des Kaiſers hier
eingetroffenen deutſchen Bundesfürſten und Prinzen, die
Königin und der Kronprinz von Griechenland, der ruma=
niſche
Thronfolger, Prinz Carol von Rumänien teilnah=
men
. Geladen waren u. a. der Reichskanzler, die Geſand=
ten
der deutſchen Bundesſtaaten, Miniſterpräſident Veni=
zelos
, Staatsſekretär von Jagow, die Kabinettschefs, die
Hofſtaaten und das Gefolge.
* Paris, 26. Jan. Heute abend gaben anläßlich des
Geburtstages des Kaiſers Borſchafter Frhr. von
Schoen und Gemahlin einen Empfang für die deutſche
Kolonie.
* Berlin, 26. Jan. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung bringt anläßlich des Geburtstages des
Kaiſers einen Arnikel, in welchem es heißt: Gleich
ſeinem großen Ahnherrn fühlt ſich der Kaiſer und König
als erſter Diener des Staates. Für jede ſeiner Entſchlie=
ßungen
iſt das Bewußtſein maßgebend, daß ſie der Nation
fromme. Von der Ueberzeugung perſönlichſter Verant=
wortung
vor der Vorſehung wird die unverbrüchliche
Pflichterfüllung getragen, die zu jeder Stunde das Wohl
des Ganzen im Auge hält. Nur der außerordentlichen
Willenskraft und unermüdlichen Wirkſamkeit konnte es
gelingen, nach allen Seiten eine ſo fruchtbringende Tätig=
keit
zu entfalten, deren Erfolge jedermann ſichtbar ſind.
Seine Majeſtät betrachtete es von Beginn an nicht als
Auſgabe, das von ſeinen Vätern übernommene Erbe ledig=
lich
zu verwalten. Dieſes Erbe wurde in der Weiſe ge=
mehrt
wie es niemand vorahnen konnte. Ob es ſich um
die Sicherung des Reiches durch die Wehrmacht auf dem
Lande oder zur See, um die Fortbildung des Rechts, den
Ausbau der ſozialen Geſetzgebung, die Förderung der
wirtſchaftlichen Wohlfahrt, die Entwickelung des Bil=
dungsweſens
aller Stuſen, die Unterſtützung der Wiſſen=
ſchaft
, Kunſt und Technik und die Anregung zur allge=
meinen
Körperpflege handelt, immer wieder begegnen wir
der regſten Anteilnahme und dem perſönlichen Eingreifen
unſeres Herrſchers, dies alles in einer Zeit, die die an=
geſpannte
Auſmertſamkeit des Monarchen für die Steue=
eung
des Reichsſchiffs durch vielerlei Fährniſſe in Anſpruch
nahm. Eine ſolche Fülle von Pflichten vermochte nur
eine Herrſcherperſönlichkeit zu tragen, die von den höchſten
Auffaſſungen über den Sinn des irdiſchen Daſeins für
den Einzelnen wie für das Volk beſeelt iſt. Aus den Er=
eigniſſen
vor 100 Jahren entnahm der Kaiſer die dring=
liche
Mahnung, daß nicht kriegeriſche Lorbeeren, nicht
Wohlſtand, Macht und Anſehen letzten Endes das Schick=
ſal
und die Zukunft des Volkes ſichern, ſondern allein
die ſittliche Kraft, die ihm innewohnt In dieſen Worten
liegt eine tieigreifende Erläuterung zu den Bemühungen
des Monarchen, allen wertvollen Lebensäußerungen der
Nation die Bahn zu ebnen.
* München, 26. Jan. Die Bayeriſche Staatszei=
tung
bringt heute folgenden offiziöſen Artikel:
Dem Kaiſer! Kaiſer Wilhelm begeht morgen im Kreiſe
ſeiner erlauchten Familie ſein 55. Geburtstagsfeſt. Das
deutſche Volk blickt an dieſem Tage mit dem Gefühl freu=
digen
Stolzes und hoher Verehrung nach der Reichshaupt=
ſtadt
und ſchließt ſich zuſammen in innigen Glück= und Se=
genswünſchen
für das Wohl des Kaiſers, in deſſen kraft=
voller
Perſönlichkeit ſich die Einheit und Geſchloſſenheit
der Nation verkörpert. In aufrichtiger Dankbarkeit gedenkt
es all deſſen, was der Kaiſer in einem Vierteljahrhundert
unabläſſiger Sorge und Arbeit für des Reiches Glanz und
Ehre geleiſtet und errungen hat und hofft zu Gott, daß ihm
noch lange Jahre eines ſchaffensfrohen und reichgeſegneten
Wirkens beſchieden ſein mögen. Oefters als ſeit lan=
gen
Jahren wandte ſich in dem abgelaufenen Jahre das
vaterländiſche Empfinden des deutſchen Volkes dem Kaiſer
zu. Die Feier ſeines 25jährigen Regierungsjubiläums,
das er, umgeben von den deutſchen Bundesfürſten und den
Vertretern der Freien und Hanſaſtädte, unter einmütiger
und herzlichſter Begeiſterung Deutſchlands begehen durfte,
legte vor der ganzen Welt ein ſichtbares Zeugnis dafür
ab, welche reiche Ernte dem Kaiſer aus der Saat hinge=
bender
Pflichterfüllung und umfaſſender Tätigkeit erblühte.
die er, den Blick auf die der Nation gemeinſamen großen
Intereſſen gerichtet, ausſäte. An jenem denkwürdigen
Tage, dem auch das Ausland ſympathiſche Anteilnahme
bezeugte, kam das Bewußtſein der unlöslichen Zuſammen=
gehörigkeit
, in dem die deutſchen Fürſten und Stämme ſich
verbunden fühlen, klar und freudig zum Ausdruck. Der
Ernſt, mit dem ſich die geſamte öffentliche Meinung zu die=
ſem
nationalen Empfinden bekannte, bewies auch, daß auf
den Schlachtfeldern von 1870/71 in der im gemeinſamen
opfervollen Ringen erſtrittenen Eintracht, in dem tiefen Be=
wußtſein
des deutſchen Volkes verankert iſt, daß nichts und
niemand dieſe Eintracht je mit Ausſicht auf mehr als einen
Eintagserfolg wird ſtören können. Dieſes Bewußtſein
unſerer nationalen Stärke und inneren Geſchloſſenheit er=
fuhr
in den erhebenden Gedächtnisfeiern, die in den deut=
ſchen
Landen im Laufe des Jahres 1913 den Helden der
Kämpfe 1813 gewidmet worden ſind, wiederholt neue Be=
kräftigung
. Im Zuſammenhang damit kam anläßlich der
Verabſchiedung der Wehr= und Deckungsvorlagen 1913 der
unbeugſame Wille Deutſchlands zum Ausdruck, das mit
ſo großen Opfern errungene Gut der nationalen Einigung
gegen jeden Angriff und jede feindliche Konſtellation zu
ſchützen und zu behaupten. Ueber der Freude wie über
der Sorge all dieſer erinnerungsreichen Tage ſtand, alle
Kräfte der Nation nach ſich ziehend das ſchlichte Bild des
Kaiſers. Liebe und Vertrauen ſind ihm, ſeinem hohen
Streben und ſeiner raſtloſen Tatkraft in reichem Maße zu=
teil
geworden. Die feierlichen Worte, in denen der Kai=
ſer
an ſeinem Jubiläumstage betonte, an den verfaſſungs=
mäßigen
Grundlagen des Reiches feſtzuhalten, die Ent=

ſchiedenheit, mit der er ſeine Achtung vor den verbrieften
Rechten der Einzelſtaaten bekundete, fanden im deutſchen
Volke freudigen Widerhall. Deutſchland gewöhnte ſich, in
dem Kaiſer einen treuen Hort nicht nur unſerer nationalen
Einigung, ſondern auch der verfaſſungsmäßigen Selbſtän=
digkeit
der Bundesſtaaten zu erblicken. Alle Gaue und=
Stämme des großen deutſchen Vaterlandes entbieten da=
her
dem Kaiſer heute, am Vorabend ſeines Geburtstags=
feſtes
den Gruß vertrauensvoller Treue und Ergebenheit.
Mit an erſter Stelle ſteht unter ihnen das bayeriſche Volk,
das mit ſeinem geliebten König ſich in dem ſtolzen Gefühl
der Zuſammengehörigkeit eins weiß, das Bayern mit dem
Reiche verbindet. Es begleitet den Geburtstag des Kai=
ſers
mit dem von Herzen kommenden Wunſch: Gott ſchütze,
Gott ſegne und erhalte unſern Kaiſer!

Parlamentariſches.

Am Montag vormittag tagte, teilweiſe unter Be=
teiligung
der Regierung, der dritte Ausſchuß der
Zweiten Kammer. Der Ausſchuß beſchäftigte ſich mit der
Erſatzwahl im vierten Wahlkreis Starkenburg, Wald=
michelbach
(Abg. Dr. Wünzer). Nach dem kurzen Referat
des Abg. Breidenbach wurde die Wahl für gültig erklärt,
weil keinerlei Beanſtandungen vorlagen. Die Beratung
der Vorſtellung des Rechtsanwalts Dr. Lindt in Darm=
ſtadt
, die eine Beſchwerde über die Anwaltskammer zum
Gegenſtand hat, wurde wegen Abweſenheit des Referenten,
Abg. Dr. Zuckmeyer, vertagt. Zur Vorſtelluna des Fach=
ſehrers
i. P. Pfeifer zu Oppenheim, ſeine Penſionsver=
hältniſſe
uſw. betreffend, liegen zwei Gutachten vor, die
neue Geſichtspunkte zu der Angelegenheit ergeben; es ſollen
deshalb noch Erhebungen angeſtellt werden, die Angelegen=
heit
mußte deshalb ebenfalls vertagt werden. Zur Be=
ratung
der Vorſtellung des Verbandes der heſſiſchen Pri=
vat
=Architekten zu Darmſtadt, die Beſeitigung der Neben=
arbeiten
der ſtaatlichen Baubeamten betreffend, waren als
Vertreter der Regierung die Herren Miniſterialrat Dr.
Kratz und Baurat Wagner erſchienen. Auch zu dieſer An=
gelegenheit
ſind noch weitere Erhebungen notwendig. Die
Vorſtellung ſoll deshalb in acht Tagen nochmals verhan=
delt
werden.

Eis und Schnee.

* Konſtanz, 26. Jan. Infolge der anhalten=
den
Kälte iſt nun auch der Unterſee zwiſchen der Inſel
Reichenau und dem ſchweizeriſchen Ufer zugefroren,
ſo daß der Schiffahrtsverkehr zwiſchen Konſtanz und
Schaffhauſen mit dem heutigen Tage eingeſtellt werden
mußte. Auf der anderen Seite, zwiſchen der Inſel Rei=
chenau
und dem badiſchen Ufer, iſt der See ſchon ſeit vori=
ger
Woche feſt zugefroren. Jetzt kann die weite Fläche
von Schlittſchuhläufern gefahrlos belaufen werden. In
Konſtanz zeigt das Thermometer 10 Grad unter Null und
in Meßkirch 15 Grad.
* Breslau, 26. Jan. Die Schleſiſche Zeitung mel=
det
aus Reichenbach (Eulengebirge): Seit Samstag
herrſcht ſtarker Schneeſturm. Die Züge der Eulen=
gebirgsbahn
, die zwiſchen Silberberg und Reichenbach ver=
kehren
, ſind geſtern vormittag im Schnee ſtecken geblieben.
Der Sturm dauert an.
* Riga, 26. Jan. Durch den Eisbrecher Jermak
ſind 13 Dampfer eingebracht worden. Von dieſen
wurden 5 in den Hafen eingeſchleppt, die anderen wurden
durch den Wind in ſüdweſtlicher Richtung wieder abge=
trieben
. Heute ſind den Eisbrechern Jermak und Her=
kules
10 Dampfer zu Hilfe gekommen und ſie verſuchen
gemeinſam zu den 8 Dampfern zu gelangen, die durch
Treibeis nach Neubad und Pernow abgetrieben wur=
den
. Die Arbeit der Eisbrecher iſt durch Treibeis und
Regen ſehr erſchwert.
* Paris, 25. Jan. Die ungeheure Kälte der
letzten Tage dauert an. Die Seine iſt in ihrem unteren
Teile faſt unſchiffbar geworden. Im Walde von Barbillon
wurden Wölfe geſichtet. Eine Treibjagd nach ihnen
hatte keinen einzigen zur Strecke bringen können. Auch
aus anderen Ortſchaften im Norden Frankreichs kommen
Nachrichten vom Erſcheinen von Wölfen. Der Bevölkerung
hat ſich große Erregung bemächtigt.
* Ismail (Beſſarabien), 26. Jan. Da die Dönau
durch Eispflöcke und Schneemaſſen verſtopft iſt,
iſt eine Ueberſchwemmung eingetreten, die großen
Schaden an der an den Flüſſen anſäſſigen Bevölkerung
Beſſarabiens angerichtet hat: Viele Häuſer ſtehen unter
Waſſer. Die Behörden haben eine Hilfsaktion eingeleitet.
Viele fremde, mit Getreide beladene Schiffe ſitzen bei
Ismail, Kilia und Breni im Eiſe feſt.

Luftfahrt.

* Madrid 26. Jan. Auf dem Militärflugplatz
von Cuatrovientos iſt Leutnant Ramos, der Sohn
eines Generals, aus 300 Meter abgeſtürzt. Er war ſofort
tot.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. ( Schweine=
markt
am 26. Jan) Auftrieb durch Händler 167 Schweine,
durch die Bezugsvereinigung 78 Schweine. Schlachtgewicht
50 Kilogramm. Preiſe 1. Qualität 71 Mark. 2. Qualität
70 Mark, 3. Qualität 69 Mark. Marktverlauf: ruhig;
Ueberſtand.
Frankfurt a. M., 26. Jan. ( Schlachtvieh=
markt
). Amtlicher Bericht. Auftrieb: 1340 Rinder, dar=
unter
486 Ochſen, 50 Bullen. 804 Färſen und Kühe, 306
Kälber, 131 Schafe, 2414 Schweine. Marktverlauf: Ge=
drückter
Handel; Rinder und Schweine hinterlaſſen Ueber=
ſtand
. I. Rinder. Ochſen: 1. vollfleiſchige, ausge=
mäſtete
höchſten Schlachtwertes im Alter von 4 bis 7 Jah=
ren
Lebendgewicht 5054 M. (Schlachtgewicht 9093 M.;
2. junge, fleiſchige nicht ausgemäſtete und ältere ausge=
mäſtete
4649 (8389); 3. mäßig genährte junge, gut ge=
nährte
ältere 4345 (7983). Bullen: 1. vollfleiſchige,
ausgewachſene höchſten Schlachtwertes 4749 (7981), 2.
vollfleiſchige, jüngere 4345 (7478). Färſen und
Kühe: 1. vollfleiſchige, ausgemäſtete Färſen höchſten
Schlachtwertes 4750 (8490), 2. vollfleiſchige, ausge=
mäſtete
Kühe höchſten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 44
bis 47 (8284), 3. a) wenig gut entwickelte Färſen 4145
(7987), b) ältere, ausgemäſtete Kühe und wenig gut ent=
wickelte
jüngere Kühe 3943 (7280) 4. mäßig genährte
Kühe und Färſen 3438 (6876), 5. gering genährte Kühe
und Färſen 2530 (5767). Kälber: 1. mittlere Maſt=
und beſte Saugkälber 6064 (102108), 2. geringere Maſt=
und gute Saugkälber 5559 (93100), 3. geringe Saug=
tälber
5054 (8592) Schafe: Maſtlämmer und Maſt=
hammel
45 (98). Schweine: 1. vollfleiſchige Schweine
von 80100 Kilogramm (160 bis 200 Pfund) Lebendge=
wicht
52,5055 (6668), 2. vollfleiſchige Schweine unter

80 Kilogramm (160 Pfund) Lebendgewicht 5254 (6567),
3. vollfleiſchige von 100 bis 120 Kilogramm (200 bis 240
Pfund) Lebendgewicht 5255 (6568), 4. vollfleiſchige von
120 bis 150 Kilogramm (240 bis 300 Pfund) Lebendgewicht
52,5055 (6567).

Vom Balkan.

* Paris 26. Jan. Die Liberts will wiſſen, daß
der erſte Teil der griechiſchen 500 Millio=
nen
=Anleihe, über welche Miniſterpräſident Veni=
zelos
mit der franzöſiſchen Regierung und den großen
Bankinſtituten verhandelt hat, kaum vor der zweiten
Hälfte des Monats März zur Ausgabe gelangen wird.
Die türkiſche 600 Millionen=Anleihe werde bis 1. Mai
vertagt werden. Nach einer offiziöſen Meldung hat
die franzöſiſche Regierung in Wien erklären
laſſen, daß ſie bereit ſei, ſich an der albaniſchen Anleihe
zu beteiligen und derſelben ihre Bürgſchaft zu gewähren,
jedoch nur unter der Bedingung, daß die Anleihe auf
Grund nationaler Gleichheit, alſo nicht durch Vermitte=
lung
der öſterreichiſch=italieniſchen Bank von Albanien
erfolge.
* Konſtantinopel, 26. Jan. In offiziellen
Kreiſen werden die Meldungen, nach welchen der Kriegs=
miniſter
den Beſehl erteilt habe, die Mobiliſierung
von zwölf Reſervejahrgängen vorzubereiten, kategoriſch
dementiert. Ein offiziöſes Communigué ſetzt den
Gerüchten ein formelles Dementi gegenüber und betont,
es ſei eigentümlich, daß ſie mit den Anleiheverhandlungen
zuſammenfallen, und das Scheitern der Anleihe bezwecken.
Das Communigué bemerkt: Entgegen dieſen peſſimiſti=
ſchen
Meldungen betrachten die kompetenten Kreiſe die
auswärtige Lage mit vollem Vertrauen auf die Erhaltung
des für die wirtſchaftliche Entwickelung des Reiches und
die Durchführung der Reformen ſo notwendigen Frie=
dens
. Der Ertrag der Anleihe werde dieſem Zweck ge=
widmet
und nicht zu Militärausgaben verwendet werden.
* Athen, 26. Jan. Die Agence d’Athènes iſt er=
nächtigt
, die Meldung zu dementieren, daß der Miniſter
des Aeußern über die Anleihe, die angeblich in
Deutſchland aufgenommen werden ſolle, Erklärungen
abgegeben habe.
* Wien 26. Jan. Der gegenwärtig hier weilende
bulgariſche Geſandte in Konſtantinopel Tont=
ſchew
, bezeichnet die ihm von dem Konſtantinopeler
Korreſpondenten des Temps zugeſchriebenen Aeußerun=
gen
, dach denen Bulgarien notwendigerweiſe an einem
etwaigen türkiſch=griechiſchen Krieg teilnehmen werde, als
böswillige Erfindung. Die Inſelfrage intere
eſſiere Bulgarien nicht.

Vermiſchtes.

Die Frauen im franzöſiſchen Staats=
weſen
. Im franzöſiſchen Staatsweſen iſt der Andraug
der Frauen in den letzten Jahren ungeheuer geſtiegen.
Die Beamtinnen haben eine ſehr angenehme Arbeitszeit
und ſind im Durchſchnitt von 9 bis 3 Uhr beſchäftigt; ſie
ſind penſionsberechtigt und beziehen ein Gehalt, von dem
ſie angenehm und ſtandesgemäß leben können. Im fran=
zöſiſchen
Staat ſind augenblicklich 128000 Frauen beſchäf=
tigt
; von ihnen ſind 18 702 im Poſtdienſt tätig, 7856
Frauen haben im Eiſenbahndienſt Anſtellung gefunden,
und zwar ſind ſie als Weichenſtellerinnen, Zugreinigerinnen
und Billettverkäuferinnen tätig. Etwa 6000 Frauenſind
bei den Staatsſtraßenbahnen angeſtellt; ſie habenhabei
vielfach die Schranken an den Straßenübergängen zube=
dienen
, ſind aber auch als Weichenſtellerinnen tätig. Im
Auswärtigen Amt fungieren 30 Frauen als Dolmetſcht=
rinnen
, die in Spanien, Marokko, der Türkei uſw. ihres
Amtes walten. 800 Frauen ſtehen im Dienſte des Kriegs=
miniſteriums
; ihnen iſt als oberſte Pflicht die Verſchwie=
genheit
geſetzt, ſtrengſte, treueſte Pflichterfüllung iſt ihnen
Gehot. Dieſe Stellungen ſind auf Jahre hinaus vor=
notiert
; es kommen hauptſächlich Töchter von Beamten
in Betracht, und vor allen Dingen ſolche, deren Väter ſich
im Staatsdienſte irgend welche Verdienſte erworben
haben.
London auf Rädern. Um einen Ueberblick
über die gewaltige Verkehrsſteigerung Londons zu
halten und um die immer weiter greifenden Schwierig=
keiten
in ſeiner Bewältigung kennen zu lernen, hat die
Stadtverwaltung von London eingehende ſtatiſtiſche
Unterſuchungen über dieſes Gebiet angeſtellt und ſie ſoeben
in einem beſonderen Bericht veröffentlicht. In der Tat
ſind darin ſtaunenerregende Daten enthalten. Im Jahre
1912 haben nicht weniger als rund 1 Milliarde 800 Mil=
lionen
Perſonen Gebrauch von Fahrzeugen gemacht, un
zwar 436 Millionen von der Stadt= und Untergrundbaht
800 Millionen von der Elektriſchen und 564 Millionen von
Omnibus und Automobil. Dabei ſind in dieſen Ziffern
die Droſchken nicht einbegriffen. Der Bericht führt an,
daß leider die Verkehrsunfälle ſich von Jahr zu Jahr ſtei=
gern
; ſie haben ſich in den letzten acht Jahren verdoppelt,
Das Jahr 1912 hatte allein 60000 aufzuweiſen, von denen
eine große Anzahl tödlich auslief, im ganzen ungefähn
3 v. H. Man ſieht alſo, daß die ſo oft erzählte Mär von
der Verkehrsſicherheit in London wirklich ein Märchen iſt
Die Londoner Behörden zerbrechen ſich die Köpfe, wie
ſie den Verkehr an einzelnen wichtigen Plätzen und Knd=
tenpunkten
bewältigen können. Alle bis jetzt probierten
Mittel haben nichts getaugt.
SK. Ein unterirdiſcher Gemüſegarten
In Springfield in Amerika gibt es, wie eine engliſche
Wochenſchrift meldet, einen wundervollen Höhlengarten,
in welchem nicht nur Champignons, ſondern auch Rha=
barber
und andere Gemüſe, 22½ Meter unter der Obel=
fläche
der Erde, gezüchtet werden. Die Höhle iſt nur zu
Waſſer erreichbar; darum hat man zu dieſem Zwecke ein
eigenes, beſonders konſtruiertes Boot gebaut, für welches
an der Flußmündung auch ein eigener Landungsplatzher=
geſtellt
iſt. Früher wollte keiner glauben, daß der Rhabar=
ber
, der doch allem Anſchein nach viel Luft und Licht bend
tigt, in der Dunkelheit ſo viele Meter unter der Erdober
fläche gezogen werden könnte; aber das Wachstum dieſer
Pflanze iſt geradezu wunderbar. Man verfährt ſo, daß
man den Rhabarber zuerſt in Freiluftbeeten anpflatzi
um ihn dann, wenn er in Wurzeln geſchoſſen iſt, näch
unten zu verpflanzen. Daß die Champignons dort unten
ſo gut gedeihen, iſt ja eigentlich kein Wunder. Die meiſten
Champignonzüchtereien, beſonders ſolche in oder dicht be
Großſtädten, befinden ſich ja in Kellerräumlichkeiten. In
der Höhle von Springfield iſt der Ertrag ein ſehr beden=
tender
, und man rechnet auf drei vollſtändige Ernten pro
Jahr. Auch als Vorratskammer für Gemüſe aller An
dient die Höhle, und die Landleute im Umkreiſe von
Kilometern bringen ihre Kartoffeln hier unter. Ebenſch
eignet ſich die Höhle vorzüglich zum Bleichen von Sellerien
und große Mengen desſelben werden hingebracht.e
Hauptvorzug dieſes unterirdiſchen Gartens liegt in der
gleichmäßigen Temperatur, welche jahraus, jahrein in ihm
herrſcht. Die großen Schwankungen der Außentemper
tur machen ſich in dieſer Tiefe nicht mehr fühlbar, unde

[ ][  ][ ]

Nummer 27.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Seite 7.

Verderden der Voräie durch überaraße Hißze oder durch
Froſt iſt in ihr ausgeſchloſſen.

Literariſches.

Anſtändige Frauen. Roman von Emil
Marriot. Verlag Ullſtein u. Co., Berlin=Wien. 1 Mk.
Die Wienerin Emilie Marriot=Mataja, die ſeit den Tagen
des Naturalismus unter den Dichterinnen ihrer Heimat
an erſter Stelle ſteht, führt uns hier in die Kreiſe des
öſterreichiſchen Hochadels. Nur eine ſtarke Dichterin konnte
dieſes Buch ſchreiben, die über alle quälende Eiferſucht
und Herrſchſucht in den Beziehungen von Mann und Frau
verſtändnisvolles Mitleid erhebt, und in der ganzen
modernen Frauenliteratur gibt es wenige Dokumente, die
ihm an Kraft und Wahrheit gleichen.
Bis zum Lenz und der neuen Frühjahrsmode iſt’s
noch weit, die Geheimniſſe der Wintermode aber ſind
längſt enthüllt. . . Neue Variationen, auch kapriziöſe,
elegante Bizarrerien woher ſie nehmen?! Heft 13
des Pariſer Chie iſt erſchienen . .. durchblättere
es, ſchöne Frau, du findeſt alles darinnen . . der Pa=
rifer
Chie findet immer wieder eine überraſchende, ent=
zückende
Variante, ja, eine veritable Neuheit. Haſt du
ein ſchmales, feinzügiges Geſicht, ſtülpt er dir ſogar unver=
ſehens
eine Jakobinermütze auf! Und du ſiehſt zum
Raſendmachen reizend darinnen aus. Pariſer Chie‟
drapiert und rafft den Stoff um deine ſchlanke Anmut,
daß du figürlich wie eine Amphore eine antike Vaſe,
die in der Mitte weiter wird ſilhouettiert erſcheinſt.
Kühn? Originell? Ja ohne Zweifel, aber doch voll
Charme und Chie. Lächelſt du, ſchöne, elegante Dame?
Abonnements nimmt jede Buchhandlung, Poſtamt oder
direkt der Verlag Guſtav Lyon, Berlin SWV. 68, Schützen=
fſtraße
8, entgegen. Preis 40 Pfg. pro Heft. 1,20 Mk.
kvierteljährlich und 4,50 Mk. pro Jahr.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 26. Jan. Das Großherzogspaar von
Sachſen iſt heute nachmittag hier eingetroffen.
* Stuttgart, 26. Jan. Die württembergiſche
Finanzverwaltung hat mit der Stuttgarter
Lebensverſicherungsbank (Alte Stuttgarter) einen für beide
Teile auf 10 Jahre unkündbaren Darlehensvertrag über 3
Millionen abgeſchloſſen. Sie iſt dadurch, wie das Neue
Tagblatt meldet, in der Lage, auf die Ausgabe einer An=
keihe
, der ſich ſeinerzeit erhebliche Schwierigkeiten in den
Weg ſtellten, vorderhand zu verzichten.
* Schwäbiſch=Hall, 26. Jan. Die frühere Erziehe=
ein
der deutſchen Kaiſerin Johanna Lebküchner, iſt
rm 76. Lebensjahre im hieſigen Diakoniſſenhauſe, wo ſie
Ihren Lebensabend verbrachte, geſtorben.
* Bremen, 26. Jan. Das Schulſchiff des Deutſchen
Schulſchiffvereins Prinzeß Eitel Friedrich iſt
am 26. Januar wohlbehalten in Havanna ange=
lommen
und wird am 28. Januar nach Plymouth
dbgehen.
* Genua, 26. Jan. Der Chef der deutſchen Mittel=
meerdiviſion
, Admiral Souchon, beſuchte in Begleitung
iees Kommandanten des Panzerkreuzers Goeben Kapi=
tän
z. S. Philipp, und des deutſchen Generalkonſuls von
beerff den Bürgermeiſter, den Präfekten und die Generale
Eraf Cadoran und Maſi Ricci. Abends gab Admiral
A mero d’Aſte=Stella zu Ehren Souchons und der
eutſchen Offiziere ein Diner.
* Paris, 26. Jan. Heute nachmittag wurde hier das
von einer Baugeſellſchaft für die Neue Eduard VII.=Straße
geſtiftete Reiterſtandbild des verſtorbenen Königs
Eduard enthüllt.
* Paris, 26. Jan. Nach einer Meldung aus Börſen=
kzeiſen
wurde der Vertrag über den erſten Teil der ruſ=
Illfi ſchen Eiſenbahnanleihe im Nominalbetrage
lvren 650 Millionen unterzeichnet. Der Emiſſions=
kurs
der 4½prozentigen Anleihe ſoll mit 92 Prozent feſt=
labſetzt
werden.
* Paris, 26. Jan. Aus Madrid wird gemeldet: Die
aniſche Kolonie in Argentinien hatte den
Tiniſterpräſidenten Dato erſucht, ihr einen Vertreter
im den Cortes zu bewilligen. Dato erwiderte, daß zur
Efüllung dieſes Wunſches eine neue Verfaſſungsänderung
lurtwendig wäre. Dieſelbe Antwort wird den ſpaniſchen
Kolonien in Kuba und Mexiko erteilt werden, welche eben=
llalls
den Wunſch nach einer Vertretung in den Cortes er=
halben
.
* Madrid. 26. Jan. Bezüglich des Gerüchtes, daß
dar König ſich im Laufe des Sommers nach Argen=
lunien
begeben wolle, wird vom Miniſterpräſidenten
karto erklärt, er habe zwar über dieſen Reiſeplan mit dem
Ungentiniſchen Geſandten geſprochen, doch ſei die Reiſe aus
lachlichen Gründen unmöglich.
* London, 26. Jan. Die Cunard=Line, die White=
Saar=Line und die American=Line haben ihre Tarife
für die Paſſagierbeförderung herabge=
ettzt
.
** Stockholm, 26. Jan. Der König beauftragte den
lbrffmarſchall Printzſkjöld und den Landeshauptmann
lhaummerſkjöld, nach Petersburg zu reiſen, um mit
wei von dem Kaiſer beſtimmten Perſönlichkeiten über die
ſſtegelung der Eheſcheidungsangelegenheit
Un iſchen dem Herzog und der Herzogin
isdermanland zu verhandeln
* Durban, 26. Jan. Der Eiſenbahnerſtreik
nffür beendet erklärt worden.
* Peking, 26. Jan. Hſiung=Hſi=Ling iſt als
ſünanzminiſter zurückgetreten, bleibt aber Miniſter=
irä
ſident bis zur Einführung des vom Präſidenten befür=
Aborrteten neuen Regierungsſyſtems.

Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos in Berlin.

* Berlin, 26. Jan. Der griechiſche Miniſterpräſident
ſenizelos ſtattete heute bormittag dem Staatsſekretär
s Auswärtigen Amtes v. Jagow einen längeren Be=
ſch
ab, ſodann nahm Venizelos das Frühſtück auf der ru=
läntiſchen
Geſandtſchaft ein. An dem Frühſtück nahmen
r Kronprinz von Rumänien, Prinz Carol von Rumä=
ſem
,, der Fürſt von Hohenzollern, der griechiſche Geſchäfts=

träger in Verlim Whesiold, der Miniſter des kiniglichen
Hauſes Graf zu Eulenburg, der Staatsſekretär des Aus=
wärtigen
Amts von Jagow, Unterſtaatsſekretär Zimmer=
mann
u. a. teil. Nach dem Frühſtück beſuchte der Miniſter=
präſident
den Reichskanzler Hierauf wurde er von der
Königin der Hellenen empfangen und ſtattete mehreren
Botſchaſtern Beſuch ab. Abends iſt der Miniſterpräſident
zum Galadiner bei dem Kaiſer geladen.

Eine Stiftung zur Stärkung der deutſchen Seemacht.
Hamburg, 26. Jan. Wie der Hamburgiſche Korreſpon=
dent
aus Lübeck meldet, hat der verſtorbene Kunſtmaler
Vahldick=Eutin dem Kaiſer eine halbe Million
Mark zum Ausbau der Seemacht vermacht.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Rehnehmnadlen
ze
TURKR PABSTE
easen u. e
Eter &e gue
Lagae
Kochbuch von. V. 2.& Franſu

Aus dem Geſchäftsleben.

Der Billettvorverkauf für die Zirkus
Carré=Feſtſpiele iſt für Frankfurter Verhältniſſe ein
rieſiger zu nennen. Noch nie erzielte der Zirkus derart
hohe Summen, was ja wohl auch der Größe dieſes
Kaloſſalunternehmens angepaßt iſt. Ein rechtzeitiges Löſen
der Karten für die einzig daſtehende prunkvolle Premiere
iſt ſehr zu empfehlen. Die erſte Feſtſpielvorſtellung iſt ge=
viſſermaßen
die Reklamevorſtellung des Millionenbetrie=
bes
Carré. Es dürfte in den Carré=Feſtſpielen das erſte
Unternehmen in Frankfurts Mauern weilen, welches dem
Publikum die Möglichkeit gibt, einer großſtädtiſchen
Zirkusvorſtellung in einem Weltetabliſſement beiwohnen
zu können, denn darin liegt der rieſige, noch nirgends ge=
ſehene
große Erfolg des Unternehmens Carré. Direktor
Carré hat das große Wagnis unternommen, ſein Rieſen=
programm
von 80 Attraktionen, das größte, was je in
einem Zirkus zu ſehen war, in jeder Vorſtellung zu brin=
gen
, und das Unmögliche iſt eingetroffen, die Carré= Feſt=
ſpiele
reuſſieren allerwärts glänzend, da ſie jeden Tag total
ausverkauft ſind, wo ſie auch gaſtieren.
ür die durch Sturm und Unwetter geſchädigten Be=
4) wohner der Oſtſeeküſte ſind weiter eingegangen:
Ungenannt 4 Frau C. S. 3 . T. Lautenberger
3 . Frl. A. B. 5 . Dr. W. Hüffell 5 . Ph. Fey
1 . Ober=Poſtdirektor Milkau 5 . Abonnent St. 1 .
Schriftleitung des heſſ. evang. Sonntagsblattes 25 .
Ungenannt 3 . Geh. Finanzrat Dr. Lauer 5 . J. W.
2 . H. H. 2 . E. L. 2. . Roether 2 . K. W. 10 .
Fr. J. Hottes 2 . F. M. 5 . Frau Möſſner 3 .
Ungenannt 2) . Ungenannt 2 . Ungenannt 6 .
Geſammelt bei der Verſammlung der Gewerbevereine 5 .
Geſammelt bei der Verſammlung des Bezirksverbandes
Darmſtadt in Erzhauſen 11 von Kneisl 1 . P. Sch.
2 . M. B. 2 . Pfarrer Marguth N.=Beerbach 2 .
Polizeidiener May 2 . O. H. 2 . Frl. Du Mont
10 . S. Knaus 4 . H. F. 5 . E. W. 5 . Strauß
& Mayer 2 . Raupp 10 . Huck 3 . Ungenannt
2 . J. S. 3 . E. P. 5 . F. Sch. 3 . Ungenannt
5 . Frau Louis Nebling 10 . A. C. 3 . Unge=
nannt
3 . Wilhelm Schmidt 5 4. M. H. 2 . K. Sch.
1 . J. H. 5 . Frau Gottfried Schwab 10 . Frau
v. H. 3 . Geſchwiſter Vetterlein 2 . Ch. v. Sch. 5
Frau Helene Treſſel 3 . Frl. Schwab 20 . Unge=
nannt
2 . Cloos 2 . Mit den bereits veröffentlichten
281.50 zuſammen 557.50. Mit herzlichem Danke an
die Spender verbinden wir die Bitte um weitere gütige
Zuwendungen.
Darmſtädter Tagblatt. Geſchäftsſtelle.

Familiennachrichten.

Empfang:

Statt Karten!
da Joseph
Josef Rothschild
VERLOBTE.
Darmstadt
Frankfurt a. M.
Alicenstr. 21
Grosse Friedbergerstr. 23

Samstag, 31. Januar.
Sonntag, 1. Februar.

Die Beerdigung des Herrn Haus
Haas findet am Mittwoch, 28. Jan.,
nachm. 4 Uhr, von der Kapelle des
Darmſtädter Friedhofs aus, ſtatt. (2931

kostsp.

ielig

nen. Sie.
Machen
gent.
Degea‟
besten Glühkörper

ellschaft!

Todes=Anzeige.
Am 25. ds. Mts. verſtarb im Alter von
32 Jahren nach kurzem, ſchwerem Leiden
Herr Arno Walther
Mitglied der Grossh. Hofkapelle.
Wiewohl der Verſtorbene (vordem im ſtädt.
Orcheſter zu Baden=Baden) erſt ſeit 1. Januar
unſerer Korporation angehörte, ſo hat er ſich
raſch die Sympathien der Direktion ſowohl wie
der geſamten Kollegen erworben.
Mit der ſchwerbetroffenen Mutter und dem
Bruder des Dahingeſchiedenen trauern tief=
erſchüttert

die Mitglieder
der Grossh. Hofkapelle.
Darmſtadt, den 25. Januar 1914.
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
28. Januar, vormittags 11 Uhr, von der Fried=
hofskapelle
aus ſtatt.
(2947

Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres Sohnes, Vaters und
Schwiegerſohnes
Herrh Chrtstian Brocker
Schreiner
ſagen wir unſeren tiefgefühlteſten Dank.
Darmſtadt, den 26. Januar 1914. (2943
Frau Johannette Bröckel Wwe.,
Marie Bröckel,
Familie Schuchmann.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Hinſcheiden meines lieben Mannes, unſeres
Vaters
(B2919
Herrn Heinrich Lösch
und die überaus zahlreichen Blumenſpenden, ſagen
wir hierdurch unſeren innigſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Der tiefe Druck über Nordeuropa hat ſich weiter
oſtwärts bewegt und bei ſtarken weſtlichen Winden an
der Küſte Trübung und Erwärmung gebracht, während
im Binnenlande das kalte Froſtwetter anhält. Unter
dem Einfluß eines Teiltiefs, das heute über dem Kanal
liegt, wird bei uns ebenfalls Trübung und Erwärmung
eintreten, doch ſteigt der Luftdruck über England bereits
wieder an.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 27. Jan.:
Vorwiegend wolkig, wärmer, einzelne Schneefälle, lebhafte
weſtliche Winde.

Tageskalender.
Dienstag, 27. Januar.

Großh. Hoftheater. Anfang 7½ Uhr, Ende 10¾
Uhr (Ab. A): Königskinder.
Vorſtellung um 8 uhr im Orpheum.
Zichtbilder=Vortrag von Pfarrer Liz. Lueken um
8 Uhr Kahlertſtraße 26 (Frauenverein der Johannes=
gemeinde
).
Konzerte: Hotel Heß um 3 Uhr. Ludwigshöhe um
4 Uhr.
Ausſtellung zum Kampfe gegen den Schmutz und
Schund in Wort und Bild im Ausſtellungsgebäude auf
der Mathildenhöhe (geöffnet von 105 Uhr).
Berſteigerungskalender.
Mittwoch, 28. Januar.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der Ludwigshalle‟.
Brennholz=Verſteigerung um 8½ Uhr in der
Brücherſchen Wirtſchaft zu Arheilgen.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Friedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

(VII,2268

rhältlich bas u Krunner, Ludwig Kling & Co., Hofl., Klink & Rettberg. Ph. Kraus Nachf., Adolf Bender. Jacob Nohl, Franz Schulz, Heinrie
act.

[ ][  ][ ]

Nummer 27.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914

Telephon 173.

Rheinstrasse 6.
Unwiderruffich vorletzter Tag!!
Die größte Errungenschaft, die Sensation des 20. Jahrhunderts, ist der

Sprechende Film

Neueste Erfindung von Thomas A. Edison. Zu hören und zu sehen nur Montag, den 26., Dienstag, den 27. und
Mittwoch, den 28. Januar, von Mittags 3½ Uhr ununterbrochen.
Nachstehendes Anerkennungsschreiben wurde vom Grossherzoglichen
Es kommen 6 Edisons sprechende Films zur Vorführung.
marschallamt an die Deutsche Edison-Kinetophon-Gesellschaft gerichtet.
Darmstadt, den 19. Jan. 1914. Die Vorführung dauert 2 Stunden. Durch die enormen Un-
ssherzogliches
Hofmarschallamt.
Unter Bezugnahme auf ihr letztes Schreiben, welches wir Seiner kosten, welche uns dieses 3tägige Gastspiel auferlegt, sind wir
Königlichen Hoheit, dem Grossherzon vorgelegt haben, bestätigen wir gezwungen, die Preise wie folgt zu erhöhen:
Ihnen, dass die Grossherzoglichen Herrschaften sowie die geladenen
Gäste den von Ihrem Herrn Direktor Paschka am 7. ds. Mts. im
Neuen Palais veranstalteten Kinetophon-Vorführungen mit grossemIII. Platz 55 Pf., II. Platz 1 Mk., I. Platz 1.50 Mk.,
Interesse gefolgt sind und sich in sehr lobender Weise über dieselben
ausgesprochen haben.
Balkon 2 Mk., Loge 2.50 Mk.
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog lässt Ihnen noch be-
Sonders für die schöne Veranstaltung vielmals danken.
Vorzugskarten irgend welcher Art haben während diesem
Mit vorzüglicher Hochachtung
Gastspiele keine Gültigkeit.
(2933
gez Frhr v. Sternberg.

Speiſezimmer
ſchwer Eiche prima Ausführung,
Büfett, Kredenz, Standuhr, Aus=
zugtiſch
, 6 Lederſtühle, Diwan
zu jedem annehmbaren Preis.
*2017
Rhönring 101, part.

Kotel Iess

Darmſtadt
2 Rhemſtraße 2

Inhaber:
Georg Brand.

Mittwoch, den 28. Januar,
nachmittags 4 Uhr
Kaffee-Konzert
mit
Jango-Reunion.
(2952im

Programm=
für
Dienstag, Mitwoch, Donnerstag und Freitas.

Feretene Baite.
M Chiſon Ueberl. in Malerei,
Gr. 4042, weißſeid. Ballkleid,
hochfein, f. Tanzſtundenball, Gold=
chiffonkleid
mit Perlen, weißes
Spitzenkleid (echte Spitzen), hell=
blaues
Masken=Koſtüm, alle
Toiletten wie neu, ſehr billig
2o000.
Drangerre=Allee 10 I.

Großer Indianer=Schlager in 2 Akten

Für Brautieute!
Pol. Wohnzim., eich. Schlaf=
zimmer
mit beſt. Inh., mit groß.
2tür. Spiegelſchrank, eleg. Küche
mit Kunſtverglaſ., alles neu, ſehr
(*2016
bilig zu verkaufen.
Lauteſchlägerſtr. 7 1. Etage links.
in gut erhalt. Sitz=Llegewagen
E billig zu verkaufen (*1840sm
Müllerſtraße 8.

Der geplagte Michel
Humoriſtiſch, zum Wälzen.

Eis Menrnger
Große Kinder=Vorſtellung.
Dieſes auserwählte Kinder=
Programm bringt außerdem
noch 2 hervorragende Dramas.
Kartenverkauf in der Tor=
halle
bei Herrn Beutke.
Anfang 9½ Uhr.
Im Vorverkauf 1. u. 2. Pl. 10

Intereſſent 4
wünſcht Freimaurerverein
kennen zu lernen, um Mitglied zu
werden. Off. u. D 95 Exp. (*2005
Beell.
Beſſerer Handwerker, 40 Jahre alt,
ſchön. Eink, wünſcht m. nett. Frl.,
auch jung. Wwe., wenn a. m. Kind,
zwecks Heirat bek. zu werd. Bed.
angen. Aeuß. Strengſte Diskr. Off.
unter D 85 an die Exp. (*1989

Aie Einlages n
Robert der Krüppel, Drama.
Gottlieb Wurm spielt Lotterie
Humoriſtiſch.

Heute vollständig neues Programm u. a

Preie der Plägze:
Loge 85 , 1. Platz 65=
Platz 45 , 3. Platz 19

Drama in 2 Akten v. Gaumont
mit der kl. Schauspielerin Suzanne Privat in der Hauptrolle.

Die Lame

Grosses Lustspiel in 2 Akten.

American Bio

welche am vorletzten Sonntag
abend auf der Treppe des Hotel
Prinz Carl das Medaillon auf=
gehoben
hat, wird erſucht, dasſelbe
unverzüglich auf dem Polizeiamt
abzugeben, falls ſie ſich nicht großer
Unannehmlichkeiten ausſetzen will.
Achtung!
Ich erſuche denjenigen, welcher
am 25. ds. Monats., morgens
zwiſchen 78 Uhr, m. Stammkrug
m d. bayr. Wappen, a. mein. Lokal
mitgenommen hat u. erkannt word.
iſt denſ. alsb. wied. zurückzubling.,
widrigenf. Anzeige erſtattet wird
Gaſtwirtſchaft zur Sonne. (*1960

Ecce So haben die noch nie geineht Sobe

Ernst-Ludwigstraße 23, am Bismarck-Denkmal-
Heute ab 10 Uhr vormittags:

Grosse Schüler-Vorstellungen

Humoreske.

mit erstklassigen Bildern.
Kinder zahlen auf allen Plätzen 10 Pf., Erwachsene 19 Pf.

Leizter Tag des Hiesen-Programmst
Preise wie gewöhnlich III. Platz 19 Pf.

Komödie.

Ab morgen, den 28. Januar:
Vollständig neues Programm! U.a. das große Drama:

Das Telephon als Anklager

Wild-West-Drama,

1 wertvoll. Zobelpelz
wurde Samstag, 8 Uhr abends,
in derVikto=
Abzu=
riaſtraße
42 verlorenl. geben
geg Belohn. Viktoriaſtr. 42, part.
Vor Ankauf wird gewarnt. (*1963

Spannendes Drama in 3 Akten
und weitere Sensationen.

Heute ab 10 Uhr: Schülervorstellungen.

zugelaufen. Abzuholen geg. Ver=
gütung
des Futergeldes u. Inſer=
tionskoſten
. Näh. Exped. (*1934im

Schreibmaſchinen=Arbeiten,
Vervielfältigungen, Stenogramm=Uebertragungen
Zeugnisabſchriften, Diplomarbeiten, Diſſertationsabſchriften,
Schreibmaſchinen= und Stenograph e=Unterricht (Gabelsberger
Verkehrs= u. Redeſchrift. Gelegenheit zum Ueben.
Diplom= und techniſche Arbeiten auf mathematiſch=techn. Maſchine
Schützenstrasse 5, I. (2389a

empfehle meine schöne, ge-
gedeckte
Reitbahn zur gefl.
Benutzung.
(2652sm

Abhanten geggnnen, et

B Affenpinſcher u0m
voränkauf wird gew, abzugeb geg.
Belohn. Pallaswieſenſtr. 41, I. (*1968

Julius hat Schulden
(*1947
Humoriſtiſcher Schlager. bertran aut Galt
Aus Not zum Einbrechen
verführt
Sehr ergreifendes Drama. Der Fruhlng
kommt
Eine hervorragende Komödie. He gchare ünte Großes Kriminal= Drama in
1 3 Akten. Sehr ſpannend. 8 u [ ][  ][ ]

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

Mete Zimme

Einfämilienhaus
Martinſtraße 41
Herrſchaftshaus mit 15 Zimmer,
Souterrain, reichliche Nebenräume,
Dienerſchaftsräume, 2 Bädern,
Veranden, Garten iſt z. vermieten
od. z. verkauf. Alles nähere durch
C. W. Braun, Martinſtr. 74. (1677ids

Ecke Soder= und
Soderſtr. 44 Stiftsſtr., ſchöne
greäum. 5 Zimmerwohnung mit
Zubeh. per 1. April, evtl. früher,
zu verm. Näh. part. (1515t
Für 1. April 5 Zim.=Wohn.
mit Speiſek. u. Badez. zu verm.
Einzuſ. zwiſchen 115 Uhr.
Näh. bei Dr. Heil, Fried=
(760is
richſtraße 21.

Ernst-Ludwigstr. 18, II.
5 Zim.=Wohnung, neuhergerichtet,
alsbald oder ſpät. zu verm. Näh.
1. Stock, von 103 Uhr. (183ids

Schützenſtr. 17, eine Wohnung
v. 4 Zimmer u. Badez. nebſt all.
Bequemlichkeit. im Vorderh. 1. St.,
wegzugsh. p. 1. Mai zu verm. Ein=
zuſehen
morgens von 111 Uhr,
mittags von 35 Uhr. (2363t
Zu erfragen parterre.

Bleichſtraße 17 Manſarden=
wohnung
, 4 Zimmer, per 1. April
zu vermieten.
(836ids

Viktoriaſtraße 72, 3 Zimmer=
wohn
. p. 1. April zu vm. (2614t

Grosser 3 Zim.-Parterestock
in ſchönem 4 Familienhauſe Obere
Liebfrauenſtraße an ordentliche
Leute mit Hausaufſicht p. 1. April
z. vm. Off. u. D 7 a. d. Exp. (2628lgoi

Eckhardtstr. 3
Nähe Schloßgartenplatz, ſch.
3 Zimmerwohnung mit allem
Zubehör per April zu verm.
Näheres 1. Stock. (*1612dgi

Wienersſtraße 54, Stb., eine
ſchöne 3 Zimmerwohnung mit all.
Zubehör, per 1. April. (768ims

Kaupſtraße 51
3 Zim.=W. ſof., evtl. ſpät. zu verm.
Näh. dortſ. bei Wirt I. Riegler od.
bei B. Ringler, Waldſtr. 54. (*1739sid
Heinheimerſtr. 71, 2. St., ſchöne
3 Zim.=W. p. 1. April z. v. (*1787sif

Zimmer

Ernst-Ludwigstr. 22, 2 Zim.=Wohn.
ſof. zu verm.; für alleinſt. Dame
paſſend. Näh. Entreſol. (282if

Gartenſtr. 21, III., gr., leeres
Zimmer zu vermieten. Näheres
1. Stock.
(2251a

2 unmöbl. Zim. mit Benutz. der
Küche zu verm., evt. z. Möbelunter=
ſtellen
. Wo? ſagt die Exp. (B1889ids

Neue Darmſtädter=
Eberſtadt, ſtraße 74 iſt der erſte
Stock (3 Zimmer u. Manſarden=
ſtube
ꝛc.) p. 1. April zu vm. (1949a

Eberſtadt, Georgſtr. 42
hübſches Landhaus, 5 Zimmer,
Veranda, reichlich. Zubehör als=
(*1191%s
bald zu vermiete

Für 1. Juli ſuche ich eine mod.
56 Zim.=Wohn. im Zentrum
der Stadt. Offerten unt. D 98
an die Expedition.
(*2003

Manſarde
3 Zimmer=Wohnung mit großer,
glasbedeckter Veranda an Damen
per 1. April zu vermieten.
2917ms)
Stiftſtraße 21.

Schöner Saat mir Wohnung
zu verm. Gute Lage, part. Off
unt. D 65 an die Exved.

Geeäen 42 Eliſabelhenſtraße 4
heller luftig. Raum, zu Werkſtatt,
Verkaufsraum ꝛc. geeignet, per
1. Januar.
(284if Mlerte Zimmer Waldſtraße 32 ſchön möbliert.
Zimmer zu vermieten. (1215t Kiesſtr. 47, part, möbl. Zim.
billig zu verm.
(2609a Neckarſtr. 4, Gartenh., part. I.,
möbl. Zim. zu verm. (2854a Rheinſtraße 2, Hths., nette Z.
mit aufmerkſ. Bedien. z. v. (*1829soi Koſt u. Wohnung im 1. Stock,
wöchentlich 10 Mark, Heinheimer=
ſtraße
31½, Metzgerladen. (*1872gim Pension Mink
gut möbl. Zimmer m. P. zu 75,Mk.
Wohn= u. Schlafzimmer, elegant,
ſofort zu verm. Zimmer auf jede
Zeitdauer. Elisabethonstr. 4, II. (1709a Eliſabethenſtraße 29, 1. St.,
zwei fein möbl. Zimmer ( Wohn=
u
. Schlafz.) per 1. Febr. (2094ids Neckarſtr. 16 gut möbl. Wohn=
u
. Schlafzim. zu verm. (197ids Luiſenſtraße 16, 2. St., möbl.
Zimmer zu verm.
(*1661dsi Mauerſtr. 15
möbl. Zimmer, auf Wunſch
mit Penſion.
(*1999igo Gartenſtr. 12, II., möbl. Zim.
zu verm. (ſep. Eingang). (*1984 Schuchardſtr. 11, II., frdl. möbl.
Zim. ſof., per Woche 4 Mk. (*1983 Soderſtr. 56, II., gut möbl. Zim.
a. anſt. Dame od. Herrn z. v. (*1958im Karlſtr. 28½, III., möbl. Z. m.
1 od. 2 Bett., p. W. nur 3 M. (*1961ids Zmeten gscht Cchöne 3 Zim.=Wohn. mit Bad u.
all. Zub., freie ſonnige Lage,
evtl. mit Gartenant., i. d. Umgeb.
d. Pauluskirche v. kl. Fam. (3 Perſ.)
per ſof. geſ. Off. mit Preisang.
unter D 80 a. d. Exped. (*1997 Gross. hell. Zimmer
mit Nordlicht für Maleratelier zu
mieten geſ. Näh. Exp. (B2745

Geſucht.
Beamter (2 erwachſene Perſonen)
ſucht per 1. April in beſſerem
Hauſe, 1. oder 2. Etage, ſchöne
3 Zimmerwohnung mit einem
Fremden= oder Manſardenzimmer.
Ruhige Lage, doch nicht zu weit
vom Zentrum der Stadt. Erw.
Bad, elektr. Licht. Preis bis 500
Mark. Offerten unter D 83 an
die Exp. ds. Bl. (*1993ids

Schöne 23 Zimmerwohnung,
Nähe der Johannesk., Vorderh.,
bis 1. März o. 1. April v. kleiner,
ruhiger Familie zu mieten geſucht.
Off. u. E 1 an die Exped. (*2014

ſucht für
In guter Familie Oſtern ält.
Student Penſion (ev. auch veget.).
Auf Wunſch wäre er bereit, ſich d.
Erziehung von Kindern mit anzu=
nehmen
. Sonnige, freie Lage der
Wohnung erwünſcht. Angeb. m. Pr.
unt. D 22 an die Exp. erb. (*1786gi

ſucht per 1. Febr.
Fräulein in anſt. Hauſe
ein Zimmer. Offerten mit Preis=
angabe
erbeten unter D 71 an
die Exp. ds. Bl.
(*1936im

Herrschaftshaus
in guter Lage, 18 Zimmer, mit
Stallung für 6 Pferde, umſtände=
halber
unter Ortstaxe zu verkauf.
Tauſch bei Herauszahlung nicht
ausgeſchloſſen, event. wird gute
2. Hypoth. in Zahlung genommen.
Offert. von Selbſtreflektanten unt.
D 48 an die Exp.
(B2800

Gut rentierendes Zinshaus
Mitte der Stadt, unter
günſtigen Bedingungen zu
verkaufen durch Heinrich
Funk, Grafenſtraße 23½
Telephon 446.
(2343ids

zum Penſionat geeignet,
Villa, zu kaufen geſucht.
Offert. unt. J. C. 5656 bef. Rudolf
Mosse, Frankfurt a. M. (I,2889

kleineres, wenn auch äll.
Kaufe Haus mit Hof u. Garten,
ſofern Bauplatz (beſte Wohnlage)
in Zahlung genommen wird.
Offerten unter D 91 an die Ex=
pedition
ds. Blattes. (*1973im

Da kadfen gesdchf
ca. 2000 qm Ackerland mit evt.
ſpäter. Bauplatz. Gegend zwiſch.
Beſſungen und Eberſtadt od. beim
Südbahnhof. Offerten m. Preis=
ingabe
unt. D 88 a. d. Exp. (*1978

Verdingung.
Die Anfertigung, Anlieferung und Aufſtellung der Eiſen=
konſtruktion
einſchl. Anfertigung der Werkzeichnungen und Berech=
nungen
für die Ueberbauten des Bauwerks 30 Los I Nahebrücke bei
Sarmsheim, Stützweite 79,80 m, und des Bauwerks 10 Los II
(Ueberführuug von 38,5 m Stützweite über die Straße von Geiſen=
heim
nach Rüdesheim in Station 34.02 der Anſchlußſtrecke Geiſen=
heim
-Rheinbrücke der neuen Verbindungsbahn Rüdesheim ( Geiſen=
heim
)Sarmsheim (Ockenheim) ſoll vergeben werden.
Die Lieferung umfaßt
rd. 760,0 Tonnen Flußeiſen Los I Vollendungsfriſt
rd. 22,0
Flußſtahlguß 9 Monate nach Zuſchlag.
rd. 238,0
Flußeiſen 1 Los II Vollendungsfriſt
rd. 5,7
Flußſtahlguß 6 Monate nach Zuſchlag.
Die Verdingungsunterlagen und die Ueberſichtszeichnungen
liegen in unſerm Verwaltungsgebäude, Rhabanusſtraße 1 Zimmer 99a
während der Dienſtſtunden zur Einſichtnahme aus, können auch gegen
gebührenfreie Einſendung von Mk. 5. für die Bedingungen
Los I
Zeichnung
1.
5. Bedingungen
LosII
0.80
Zeichnung
von unſerem Zentralbureau, ſolange der Vorrat reicht, bezogen werden.
Die Angebote ſind verſiegelt und mit der Aufſchrift:
Angebot auf den eiſernen Ueberbau für Bauwerk 30 der
Verbindungsbahn Rüdesheim-Sarmsheim Los I bezw.
für Bauwerk 10. . . Los II‟
zu verſehen, bis zum Eröffnungstage, den 20. Februar 1914, vor=
mittags
11 Uhr, an uns einzuſenden.
Die Eröffnung der Angebote findet auf Zimmer 72 unſeres
Verwaltungsgebäudes ſtatt.
Mainz, den 23. Januar 1914.
(IV,2949
Königl. Preußiſche und Großh. Heſſiſche Eiſenbahndirektion.

Besonderheiten: Progreseiv fallende Prümi.
für Lebensversicherungen, für Männer und
Frauen getrennie Rententarife.
Gegründes
1833.
meine Reit.
Verein g. 8.
Stutt.
2
mtentersicherune,
Billigste
Prämientarife für Lebens-
(ebens u. N.
wie für Rentenversicherungen.
Vertreter in allen grösseren Plätzen.
Generalagentur Darmstadt, Zimmerstrassé 3.

Erststellige Hypothekengelder
ſind per März unter zeitgemäß coulanten Bedingungen für
pa. Objekte abzugeben. Anfragen an Agent Streng=
Landwehrſtraße 19½.
(*1942
600
u

Weissbinder-
Geschäft
älteres, gutgehendes, zu verkaufen
u. Werkſtatträume zu vermieten.
Offerten unter D 62 an die Ex=
pedition
ds. Bl.
(*1919idg

zu pachten ge=
Ein Acker ſucht in der
Nähe Darmſtadt=Oſt. (*1923
Darmſtraße 3 (Michael Poth).

4000 Mark als II. Hypothek
von einem pünktlichen Zinszahler
auf ein Landhaus gegen 10 pCt.
Nachlaß geſucht. Off. erbet. unter
D 31 an die Exp.
(2763a

Darlehen
von 501000 Mk. an ſolv. Leute
jeden Standes zu vergeben. Raten=
rückzahlung
. Streng, reell u. diskret.
Firma Dänner & Co., Cassel,
Untere Karlſtraße 7, part. (1021a
ſofort bar an jedermann bei
Gel0kl. Ratenrückzahlungibis
5 Jahre. Reell, diskret u. ſchnell.
W. Lützow, Berlin 114,
04s 11
Dennewitzſtr. 32. (III, 10.4
Koſtenloſe Ausk. Viele Dankſchr.

verdient fleiß. Proviſionsreiſender
in Stadt u. Land. Kein Kapital.
I,28 0 P. Lichtent äler, Berlin O. 27.
als II.Hyp., auf ein gut
500 Mk. rent. Wohnh. v. Selbſt=
geb
. geſ. Off. u. D 77 Exped. (*1967

erhalt. ſichere Perſon.
Darlehen v. Selbſtgeb. d. Wilh.
Schuchmann, Stiftſtr. 46. (2923a

Kurſe vom 26. Januar 1914.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

In Proz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. 86,90
76,90
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99.90
3½ do. Conſols 86,90
77,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe 97,00
91,90
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 96,80
85,00
do.
75,00
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,30
4 Heſſ. Staatsanleihe 97,75
4 do. do. (unk. 1918) 97,00
do.
84,70
3½
74,50
do.
76,70
3 Sächſiſche Rente .
4 Württemb. (unk. 1921) 98,80
3½ do. v. 1875 92,50
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 95,25
1¾ Griechen v. 1887
4 Italiener Rente . . . . 100,50
4½ Oeſterr. Silberrente 87,60
4 do. Goldrente
89,40
4 do. einheitl. Rente . 83,20
3 Portug. unif. Serie I 62,20
3 do. unif. Serie III 64,10
3 do. Spezial
9,60
5 Rumänier v. 1903 . . 100,59
4 do. v. 1890 . . 93,90
4 do. v. 1905 . . 85,60
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 87,75
4 do. v. 1902 . . . . 90,30
4½ do. v. 1905 .
3½ Schweden .
89,70
4 Serbier amort v. 1895 78,80
4 Türk. Admin. v. 1903 77,30
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,50
4 Ungar. Goldrente . . . 84,40
44 hs. Staatsrente . . 32,75

In Proz
5 Argentinier . . . . . . 100,30
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,10
5 Chineſ. Staatsanleihe.
do.
91,20
4½ Japaner . . .
91,80
5 Innere Mexikaner. . . 67,10
do.
3
45,00
4 Gold=Mexikaner v. 1904 69,30
5 Gold=Mexikaner .
3½ Buenos Aires Prov. 68½
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=Paket=
. . 134,50
fahrt .
7 Nordd. Lloyd. . . . . 115,25
6½ Südd. Eiſenb.=Geſell. 122,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5½ Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 116,80
6 Baltimore und Ohio 97,25
7½ Schantungbahn . . . 130,30
8 Luxemb. Prince Henri 156,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 21½
6 Penuſylvania R. R. . 112,75
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger. . . 67,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 579,80
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

260,50
30 Farbwerke Höchſt. . . 628,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim
343,02
10 Cement Heidelberg . . 150,00
33 Chem. Werke Albert 449,00
12 Holzverkohl. Kon=
ſtanz

. . . . 313,75
6 Lahmeyer .
. . . . 120,50

Letzte
In Proz.
Divid.
8 Schuckert, Nürnberg . . 145,60
12 Siemens & Halske . 214½
14 Bergmann Electr. 127,50
11 Deutſch. Ueberſee Electr. 172,90
0 Gummi Peter . . . 89,60
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 365,00
9 Maſchinenf. Badenia 131,00
0 Wittener Stahlröhren
10 Steana Romana Petr. 149,40
15 Zellſtoff Waldhof . . 227,75
12.83 Bad. Zucker=Wag=
. 209,60
häuſel .
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 91,00
0 Südd. Immobilien 56,80
Vergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 164,75
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 220,00
10 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 136,00
10 Gelſenkirchener . . . . 193½
11 Harpener . . . . . . . 185,25
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 240,20
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
. 63,00
Caro
8 Laurahütte
.156,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 149,00
Weſteregeln 191,50
13
5 South Weſt Africa . 115,75
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 84,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 98,10
4 Eliſabethbahn, freie . . 89,00
4 Franz=Joſefs=Bahn 86,40
72,20
3 Prag=Duxer
5 Oeſterr. Staatsbahn
4 Oeſterr. Staatsbahn . 88,20
do.
3
75,20
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,40
4 Oeſt. Südb. (Lomb.) . . 71,80

In Proz.
Z.
*/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,20
3 Raab=Oedenburg
76,60
4 Kronprinz Rudolfbahn 86,30
4 Ruſſ. Südweſt.
.86,20
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,00
do.
86,30
4 Wladichawchas
86,80
4 Rjäſan Koslow
3 Portugieſ. Eiſenb..
do.
4½
2¼/10 Livorneſer .
71,20
3 Salonique=Monaſtir. . 62,00
4 Bagdadbahn .
. . 79,50
4½ Anatoliſche Eiſenb. 91,90
4 Miſſouri=Pacific
. 93,50
4 Northern=Pacific . . . 94,60
Southern=Pacific . . . 92,25
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 101,00
90,00
5 Tehuantepec . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 186,75
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bank
145,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 159,25
6½ Darmſtädter Bank . 119,75
2½ Deutſche Bank . . . 252,75
6 Deutſche Vereinsbank . 121,00
Deutſche Effekt.= und
W.=Bank
116,00
10 Diskonto=Kommandit 190,50
½ Dresdener Bank . . 154,25
10 Frankf. Hypoth.=B. 214,00
6½ Mitteld. Kreditbank 119,25
Nationalb. f. Deutſchl. 118,00
Pfälziſche Bank . . . 125,50
6.95 Reichsbank .
138,80
Rhein. Kreditbank. . . 130,50
A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 101,80
½ Wiener Bankverein . 137,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 94.0

In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
. 84,50
S. 19
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2126 23,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
84,00
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,20
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 . . . . 96,50
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 .
96,50
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 84,20
S. 35
. 84,00
S. 911.
. 84,10
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
do.
84,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 93,50
3½ do. (unk. 1914) . . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 96,90
3½
do.
86,50
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 94,60
3½ do.
87,00
4 Frankfurt.
95,70
3½ do.
96,25
4 Gießen
. 94,30
½ do.
86,50
4 Heidelberg
. 93,80
3½ do.
85,00
4 Karlsruhe
93,50
3½ do.
85,40
Magdeburg
Mainz
do.
85,50
Mannheim
94,20
do.
84,60
München
96,30
3½ Nauheim
83,00
4 Nürnberg
95,70
3½ do.
84,60
Offenbach

In Pe
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
95,80
3½ do.
4 Worms . . . . .
3½ do.
4 Liſſabonner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 176,20
3½ Cöln=Mindner 100 141,80
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 76,60
4 Meininger Pr.=Pfand=
142,00
briefe .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 179,20
128,00
3 Oldenburger
2½ Raab=Grazer fl. 150 119,10
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger.
fl. 7 35,00
Braunſchweiger Tlr. 20 207,60
Freiburger .
Fs. 15
Mailänder .
Fs. 45
do.
.Fs. 10 38,50
Meininger .
fl. 7 34,10
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100 603,00
do. v. 1858 fl. 100 574,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Js. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 169,60
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns.
20,45
20 Francs=Stücke
16,20
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten
20,46
Franzöſiſche Noten
81,30
Holländiſche Noten.
169,45
81,00
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . . . 215,00
Schweizer Noten . . . . . 81,15
Reichsbank=Diskonto . .
teichsbauk=Lombard Zöf. 5½%

[ ][  ][ ]

An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.

Beſtehender Vorſchrift gemäß ſollen die in Ihren Gemeinden aufgeſtellten
Sammelbüchſen am 31. Januar jeden Jahres von Ihnen und dem den Mitver=
ſchluß
führenden Gemeinderatsmitglied geöffnet und deren Inhalt nebſt dem vor=
ſchriftsmäßig
ausgefertigten und unterſchriebenen Sortenzettel bis ſpäteſtens 31. März
jeden Jahres von Ihnen mit ſicherer, Koſten nicht verurſachender Gelegenheit an
unſer Bureau abgeliefert werden. Sollte nichts eingegangen ſein, ſo iſt eine von
Ihnen und dem betreffenden Gemeinderatsmitglied zu unterſchreibende Beſcheinigung
hierüber vorzulegen.
Wir empfehlen Ihnen, dieſer erwähnten Vorſchrift nachzukommen.
Darmſtadt, den 19. Januar 1914.
(2879
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.; von Starck.

Bekanntmachung.

Betreffend: Antrag der freien Innung der Friſeure und Perückenmacher in den Land=
gemeinden
des Kreiſes Darmſtadt, eine Anordnung gemäß § 41b der
Reichs=Gewerbeordnung zu erlaſſen.
Nachdem bei der Abſtimmung ſich die geſetzlich erforderliche Mehrheit der Be=
teiligten
dem von der freien Innung der Friſeure und Perückenmacher in den Land=
gemeinden
des Kreiſes Darmſtadt geſtellen Antrag ſiehe unſere Bekanntmachung vom
12. Dezember 1913, Amtsverkündigungsblatt Nr. 139) angeſchloſſen hat, beſtimmen wir
hiermit unter Abänderung der ſeither giltigen Vorſchriften für die Gemeinden Arheilgen,
Eberſtadt, Eſchollbrücken, Griesheim und Pfungſtadt auf Grund des § 41b der Reichs=
Gewerbeordnung in Verbindung mit § 171 der Ausführungsverordnung hierzu mit
Wirkung vom 15. Februar 1914 an folgendes:
Der Gewerbebetrieb im geſamten Friſeur=, Barbier= und Perücken=
machergewerbe
iſt ſowohl innerhalb als auch außerhalb der Betriebsſtätte am
zweiten Weihnachts=. Oſter= und Pfingſtfeiertage gänzlich, an den übrigen Feſt=
tagen
und an den Sonntagen nach 2 Uhr nachmittags verboten.
Ausgenommen ſind dieſenigen Arbeiten, die an den genannten Tagen
zur Vorbereitung von öffentlichen Theatervorſtellungen und Schauſtellungen
erforderlich werden.
Darmſtadt, den 21. Januar 1914.
(2878ids
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Piſtor.

Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derjenigen jungen Leute, welche ſich zum
mehrjährig freiwilligen Dienſt (als zwei=, drei=, vier= fünf= oder ſechsjährige) im
Heere, in einer Unteroffizierſchule oder der Kaiſerlichen Marine melden wollen, hierzu
eines Meldeſcheins bedürfen. Dieſer Schein wird für dieienigen jungen Leute,

weiche im Kreiſe Darmſtadt eine Lebranſtalt beſuchen, ſich in Stellung, in einem
Arbeits= oder Dienſtverhältnis befinden, auf meinem Bureau, Neckarſtraße 3, Zimmer
Nr. 38, ausgefertigt.
Hierzu iſt erforderlich die Vorlage:
1. eines Geburtsſcheines (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter),
2. ſchriftliche und beglaubigte Einwilligung des Vaters,
3. Leumundszeugnis über die Führung für die Zeit vom Austritt aus der
Schule ab. Für den Fall, daß der Nachſuchende ſich währenddem an ver=
ſchiedenen
Orten aufgehalten haben ſollte, müßte von der Polizeibehörde
jedes dieſer Orte ein Zeugnis erbracht werden.
4. Zeugnis, daß der ſich Meldende durch Zivilverhältniſſe nicht gebunden iſt.
Die Beſcheinigung zu 1 wird durch das Standesamt, die zu 3 und 4 durch die
Bürgermeiſterei bezw. die Ortspolizeibehörde und zwar, für Militärzwecke, koſtenfrei
ausgefertigt.
Ausdrücklich wird bemerkt, daß ſofortige Ausfertigung des Meldeſcheins nicht
erfolgen kann, daß die Nachſuchung vielmehr mindeſtens 3 Tage vor dem Zeit=
punkt
, zu welchem von demſelben Gebrauch gemacht werden ſoll, zu bewirken iſt.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1913.
Der Zivil=Vorſttzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Indem ich Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hinweiſe, empfehle ich Ihnen,
dieſelbe zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen und dieſe insbeſondere auf den
Schlußſatz ausdrücklich aufmerkſam zu machen.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1913.
(1015a
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derienigen Militärpflichtigen, welche Berechti=
gungsſchein
zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt beſitzen und deren Zurückſtellung
am 1. Oktober I. Js. abläuft, daß Geſuche um Verlängerung der Zurückſtellung
1. bei derienigen Erſatz=Kommiſſion einzureichen ſind, weiche nach Ausweis
des Berechtigungsſcheines die erſte Zurückſtellung verfügt hat,
2. daß dieſe Geſuche ſchriftlich unter näherer Begründung zu ſtellen und den=
ſelben
der Berechtigungsſchein, ſowie eine Beſcheinigung, aus der ſich die Not=
wendigkeit
weiterer Zurückſtellung ergibt, beizufügen und
3. daß dieſe Geſuche, ſoweit die Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt zuſtändig iſt, im
Juli oder Auguſt l. Js. anzubringen ſind. Geſuche, die jetzt ſchon eingereicht
werden, würden als verfrüht zurückgegeben werden müſſen.
Darmſtadt, den 3. Januar 1914.
(1017a
Der Zivil=Varſthende der Erſatz=Kommiſſton des Anshebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Kriegshund (zugel). Die Hunde können von den Eigen=
tümern
bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteige=
rung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vor=
mittags
10 Uhr, ſtatt.
(290

Bekanntmachung.

Aus der am 19. Februar 1827 zur Feier der Goldenen Hoch=
zeit
. Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs Ludwig I. und
der Eroßherzozin Louiſe von der Vereinigten Geſellſchaft gegrün=
deten
Stiftung ſoll am 19. Februar 1914 einem durch Sittlichkeit
ausgezeichneten unbemittelten Brautpaare, welches ſich bleibend in
Darmſtadt niederläßt, die ſtiftungsmäßige Ausſtattung zuerkannt
werden
Diejenigen Brautpaare, welche auf dieſe Ausſtattung Anſpruch
tmachen zu können glauben, haben ihre Anmeldungen nebſt den
verforderlichen Beſcheinigungen über ihre Sittlichkeit ſowohl, als
idarüber, daß ſie ſich bleibend dahier niederlaſſen wollen und, im Falle
lie Dienſtboten ſind, über ihre Dienſtzeit längſtens bis zum
110. Februar 1914, bei dem Ausſchuß der Geſellſchaft ( Rhein=
traße
36) einzureichen.
(2915
Darmſtadt, im Januar 1914.
Der Ausſchuß der Vereinigten Geſellſchaft.

Holzanfuhr-Vergebung.

Die Anfuhr des diesjä hrigen Holzbedarfs in den Großh
Holzhof dahier, beſtehend in:
50 rm Buchen=Scheiter
500 Buchen=Knüppel
Kiefern=Scheiter
voll in 4 Loſen auf dem Submiſſionswege an die Wenigſtfordernde
wergeben werden.
Von dem Holz werden 300 rm Buchen=Knüppel je zur Hälfte
aus Domanialwald=Diſtrikt Böllenfalltor und Beſſunger Forſthaus
her Großh. Oberförſterei Beſſungen, 50 rm Buchen=Scheiter, 200 rm
Buchen=Knüppel, 7 rm Kiefern=Scheiter aus den Domanialwald=
Diſtrikten Pfingſtweide, Weinweg, Kirchberg und Gebrannter Schlag
der Großh. Oberförſterei Ober=Ramſtadt entnommen. Die Sub=
miſſionsforderungen
ſind verſchloſſen und mit entſprechender Auf=
ſährift
verſehen bei unterzeichneter Stelle (Holzhofallee Nr. 10) bis
ſwäteſtens Samstag, 31. d. Mts., vormittags 11 Uhr, einzu=
neichen
, um welche Zeit deren Eröffnung in Gegenwart etwa er=
ſchienener
Submittenten erfolgen wird. Daſelbſt, ſowie bei Herrn
hoolzwart Schnellbächer dahier, kann über die Zuſammenſetzung
der einzelnen Loſe, die Akkordbedingungen u. dergl. nähere Auskunft
eſchalten werden.
Darmſtadt, 25. Januar 1914.
Großherzogliche Holzmagazins=Verwaltung:
Heinemann, Geh. Forſtrat.
(2905

Sügoverpuchtung.

Samstag, den 31. d. Mts., nachmittags 2 Uhr,
wird in dem Rathaus zu Niedernhauſen die Gemeindeiagd, circa
157 ha groß, worunter 200 ha Wald, mit gutem Rehſtand, auf
3: Jahre öffentlich verpachtet. Die Jagdgrenze iſt 3 Kilometer von
der Bahnſtation Groß=Bieberau entfernt.
Niedernhauſen, den 22. Januar 1914.
(2793gi
Großh. Bürgermeiſterei Niedernhauſen.
Beilſtein.

Faſeleber-Verkauf.

Ein der Gemeinde Hahn gehöriger gut genährter Faſeleber
oll auf dem Submiſſionswege verkauft werden.
Angebote ſind bis
Freitag, den 30. Januar 1914, vormittags 11 Uhr,
lei der Bürgermeiſterei daſelbſt einzureichen, wo auch die Bedingungen
ſeher eingeholt werden können.
(2886
Hahn bei Pfungſtadt, den 24. Januar 1914.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Hahn.
Geibel.

Schreinerarbeiten.

Die bei Errichtung des Eintritts=
gebäudes
im Stadtkrankenhaus
vorkommenden Schreinerarbeiten
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Samstag, 31. Januar 1914,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(2837gi
Darmſtadt, 24. Januar 1914
Stadtbauamt.
Burbaum.

Weißbinderarbeiten.

Die bei Erbauung eines Kre=
matoriums
beim neuen Friedhof
vorkommenden inneren Weiß=
binderarbeiten
ſollen vergeben
werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis Samstag,
31. Januar 1914, vormittags
10 Uhr, einzureichen. (2791gi
Darmſtadt, 24. Januar 1914.
Stadtbauamt.
Burbaum.

Bekanntmachung.
Dienstag, 17. Februar 1914,
vormittags 11 Uhr

ſollen die dem Guſtav Ganßmann
und deſſen Ehefrau Anna, geb.
Knöll, dahier zugeſchriebenen Lie=
genſchaften
:
Flur Nr. qm
VI 169 287 Hofreite Sand=
bergſtr
. Nr. 49,
VI 170 50 Grasgarten da=
ſelbſt
,
in unſerem Geſchäftszimmer Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
(K2/14
Darmſtadt, 10. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen). (IX,1733
Erantz.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Backſtein: Verkaufsſtelle
Darmſtadt, Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
Darmſtadt.
Kaufmann Georg Heyne in
Darmſtadt iſt als Geſchäftsführer
ausgeſchieden; ſtatt ſeiner iſt der
Kaufmann Leopold Katzmann in
Darmſtadt als Geſchäftsführer be=
(2881
ſtellt.
Darmſtadt, 22. Januar 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B. wurde heute ein=
getragen
hinſichtlich der Firma:
Sterbekaſſe des Bundes
Deutſcher Gaſtwirte, Ver=
ſicherungsverein
auf Ge=
genſeitiakeit
, Darmſtadt.
Hermann Koch iſt aus dem
Vorſtande ausgeſchieden und an
ſeiner Stelle der Gaſtwirt Georg
Heppenheimer in Darmſtadt zam
Vorſtandsmitglied beſtellt. (2880
Darmſtadt, 22. Januar 1914.
Großh. Amtagaricht Darmſtädt

Verſteigerungs=Anzeige.

Mittwoch, den 28. Januar 1914, nachmittags 3 Uhr,
verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle‟ ( Ober=
gaſſe
) zwangsweiſe gegen Barzahlung:
1 Bohrmaſchine, 1 Blechſchere, 1 Werkbank mit 4 Schraub=
ſtöcken
, 2 Warenſchränke, 2 Kaſſenſchränke, 1 Faherad,
eine Partie Kurz= und Schnittwaren, ſowie Hausmobilien
durch alle Rubriken.
(2940
Kapp,
Großh. Gerichtsvollzieher zu Darmſtadt.
Georgenſtraße 1, I.

Verſteigerungs-Anzeige.

Mittwoch, den 28. Januar 1914, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtaur. zur Roſen=
höhe
) dahier Kleiderſchränke, Spiegelſchränke, Tiſche, Kommoden,
1 vollſt. Bett, Diwans, Sofas, 1 Büfett, 1 Plüſchgarnitur, 1 Salon=
ſchrank
, 1 Bücherſchrank, Brockhaus Lexikon 1 Schreibtiſch, Trumeau=
ſpiegel
, Galerieſchränke, Stühle, Bilder, 1 Sekretär, 1 Grammophon,
ausgeſtopfte Tiere, 1 Ladenſchrank, 1 Ladentheke, 1 Kaſſenſchrank,
1 Schreibmaſchine, 1 Papierſchneidmaſchine, 1 Landauer, 91 Bände
Bibliothek, Zigarren, Taſchentücher und Unterjacken durch den Unter=
zeichneten
zwangsweiſe verſteigert.
(2932
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
Georgenſtraße 11.

Auh= und Brennholz=Verſeigerung.

Donnerstag, den 29., Freitag, deu 30. und Samstag.
den 31. Januar 1914, vorm. 9 Uhr anfangend,
werden in dem Ober=Ramſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Griesbach,
Abt. 7 und 8, nachſtehende Holzſortimente verſteigert!
43 Eichenſtämme von 1639 cm Durchm. und 610 m Länge,
47 rm Eichenknüppel,
700 rm Buchenſcheiter,
60 rm Eichenſcheiter,
183 rm Buchenſtöcke,
22 rm Eichenſtöcke.
150 rm Buchenknüppel,
Am erſten Tag kommt das Nutzholz und Brennholz bis zu
Nr. 1450 zur Verſteigerung. An den beiden übrigen Tagen wird
nur Brennholz verſteigert.
Die Zuſammenkunft iſt an jedem Tag in der Griesbach auf
dem Waſchenbach-Ober=Ramſtädter Vizinalweg.
Ober=Ramſtadt, 22. Januar 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
(2794gim
Rückert.

Pappelſtammholz= Verſteigerung.

Freitag, den 30. d. Mts.
werden in den Anlagen der Gemeinde Goddelau an der Sandbach
16 Stück prima Schwarzpappel=Werkholzſtämme von 4261 cm
Durchmeſſer, zuſammen 34 obm enthaltend,
öffentlich verſteigert. Zuſammenkunft nachmittags 2 Uhr an der
Sandbach, 10 Minuten vom Philippshoſpital entfernt.
Goddelau, den 25. Januar 1914.
(2948
Großh. Bürgermeiſterei Goddelau.
Hartung.

Kähnig. vereilie Herthinenhurhuten
Maschinenbau. Eiberfeld-Barmen. Elektrotechnik.
Abteilung I: Höhere Maschinenbauschule.
Abteilung II: Maschinenbauschule. (IV,1923
Berechtigung zum Reichs- und Staatsdienst. Frogramme kostenlos.

Bezin des Sonmersem stort m l. pril 51

Pferdedung
von 3 Pferden ſtändig abzug. Off.
D 66 an die (en.
*(914

(Ein noch ſehr gut erh. Schreib=
Etiſch mit ausziehbar. Schreib=
platte
hillig zu verkaufen. Näher.
Sioche

[ ][  ][ ]

bobeg
60
Bezirksverein der Innenstadt.

Mädplversammung

auf Mittwoch, den 28. Januar 1914,
abends 8¾ Uhr im grünen Zimmer
des Kaisersaales, Grafenstrasse 18.
Um zahlreiche Beteiligung bittet
(IV,2898
der Vorstand.
I. A.: Dr. Kolb.

6000

Dienstag, den
27. Januar gros. Militär-Konzert

Heute Dienstag:

KaisenokzEt!
auf der Eisbahn hinterm Woog
und Orangeriebahn, Klappacherſtr.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

Kinder 10 Pfg.
J. Gunder.

2913

Täglich nachmittags

Kunfee-kenzert

im Hotel Hess‟.

(2756a

Ludwigshöhe
Heute Dienstag, den 27. Januar 1914
zur Feier des Geburtstages S. M. des deutſchen Kaiſers
Feerkonser
ausgeführt von einem Teile der Kapelle
des Leibgarde=Regiments.
(B2920
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 30 Pfg

Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.

Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
(B271

Hessischer Fechtverein Waisenschutz‟
Zweigverein Darmſtadt.
Lieder und Vorträge zu der am 8. Februar im Mathilden=
höhſale
ſtattfindenden
Damen- und Herren-Sitzung
bitten wir bis ſpäteſtens 1. Februar an Herrn Georg Burggraf,
Kaſinoſtraße 28, gelangen zu laſſen.
(2926

Der Vorstand.

Zum Raisertesr. Weinnachts

Verſand in Flaſchenbier. Füllung direkt vom Lagerfaß.
Blerbrauerei Erbacherhof
Gabrier Gronee
Karlſtraße 10

Nestaurauf Schontnat, Gross-Zimmern.

Heute Dienstag
Großes Schlachtfeſt
Ausſchank: ff. Löwenbräu u. Münchner Auguſtinerbräu.
Hierzu ladet ergebenſt ein
(2937

Karl Schultheiss.

Tango-gtunden
Unterricht in allen neuen Tänzen.
Privat-Tanzlehrinstitnt Schrimpff, Neckarstrasse 22.

Letze 4 Tage!

KFHEUF

Dienstag,
ute
27. Januar
ind folgende Tage:

Der letzte Schlager des
Walden-Ensembles:

Die Tango-Tanz-Posse
Nu schlägt’s 13
in 3 Akten
von Max Walden und
Hugo Busse.
Eine Lachbombe.

Im II. Akt: (2930
der Original-Tango
getanzt v. Resi Krizek und
Heinz Oehlerking
sowie gr. Tango-Finale, aus-
geführt
v. ganzen Personal.
!
Vorverkauf und Preise wie bek.

Anfang 8 Uhr.

Eliſabethen=
Pension Mink, ſtraße 4, II.
Mittag= und Abendtiſch. (2830a

Täglich frische
MAZZEN
MAZZE NTABRIK
SIMON MAINZER
Obere Bleichstr. 13.
Versand nach allen Stadtteilen
und Postkollis nach auswärts.
2640a) Telek. 1065.

Großherz. Hoftheater.
Dienstag, den 27. Januar 1914.
98. Abonnem.=Vorſtellung. A 26.
Feſtvorſtellung
bei feſtlich beleuchtetem Hauſe.
Zur Feier des Allerhöchsten
Geburtsfestes Sr. Majestät
des Deutsehen Kaisers.
Königskinder.
Muſikmärchen in 3 Bildern von
Engelbert Humperdinck.
Keine Ouvertüre!
Muſikal. Leiter: Willem de Haan.
Spielleiter: Otto Nowack.
Perſonen:
Der Königsſohn . Georg Becker
Die Gänſemagd Grt. Geyersbach
Der Spielmann . Otto Semper
. Anna Jacobs
Die Hexe .
Der Holzhacker . AlfredStephani
Der Beſenbinder . Karl Bernhardt
Sein Töchterchen Erna Stoffer
Der Ratsälteſte . Auguſt Kräger
. L. Schützendorf
Der Wirt
Die Wirtstochter Clement. Feiſtle
Der Schneider . Fritz Hilsdorf
Die Stallmagd . Lydia Riethof

Erſter Tor= Ludwig Wenzel
Zweiter) wächter
Eine Frau ..

Heinrich Geyer
Käthe Müller

Orcheſter=Vorſpiel: im 1. Akt
Der Königsſohn im 2. Akt:
Hellafeſt und Kinderreigen; im
3. Akt: Verdorben. Ge=
Spielmanns letzter
ſtorben.
Geſang.
Chöre: Robert Preuß.
Krank: Annemarie Liſchke.
Preiſe der Plätze (Gewöhnl.
Preiſe): Sperrſitz: 1.13. Reihe
4.20 , 14.20. Reihe 3.40 ,
Parterre: 1.5. Reihe 290 ,
6.8. Reihe 2.35 , Proſzeniums=
oge
6.20 , Mittelloge 6.20 ,
Balkonloge 5.20 , 1. Rang 4.70 ,
2. Rang: 1.6. Reihe 2.70 , 7. u.
Reihe 2.15 , 1. Galerie 1.35 ,
2. Galerie 0.75 .
Kartenverkauf: an der Tages=
kaſſe
im Hoftheater von 9½ 1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 81 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüro wer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ Uhr. Ende 10¾ Uhr.
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Mittwoch, 28. Jan. 99. Ab.=Vſt.
B 24. Der Feldherrn=
hügel
. Gewöhnliche Preiſe. An=
fang
7½ Uhr.
Donnerstag, 29. Jan. 100. Ab.=
Vorſt. C 25. Grillparzer=Zyklus.
Dritter Abend. Sappho (neu
einſtudiert). Kleine Preiſe. An=
fang
7½ Uhr.
Freitag, 30. Jan. 101. Ab.=Vſt.
D 26. Rigoletto Gewöhnl.
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Aus dem Spielplan.
Samstag, 31. Jan. (Keine
Vorſtellung.)
Sonntag, 1. Febr. 102. Ab.=Vſt.
B 25. Neu einſtudiert: Der
Opernball. Gewöhnl. Preiſe.
Anfang 7 Uhr.

Marrut.

Weite Gebiete unſeres Vaterlandes ſind durch Sturmfluten
chwer betroffen. An dem größten Teile der Oſtſeeküſte Preußens
ſind durch Bruch der Dünen, Deiche und ſonſtigen Schutzanlagen
eine große Anzahl von Ortſchaften unter Waſſer geſetzt und an Haus,
Land, Vieh und Vorräten ſchwere Schädigungen verurſacht. Hilfe
und zwar baldige und ausgiebige Hilfe tut dringend not, um
iele unſchuldig ins Unglück geratene Mitbürger vor Not und wirt=
ſchaftlichem
Verfall zu bewahren. Neben der vom Staate und den
beteiligten Kommunalverbänden zu erwartenden Hilfe iſt ein kraft=
volles
Eingreifen der freien Liebestätigkeit dringend erforderlich.
Unſer Volk, das ſchon bei ſo mancher Notlage Hilfsbereitſchaft und
Opferwilligkeit gezeigt hat, wird mit warmem Herzen und offener
Hand auch für dieſe unſere notleidenden Brüder eintreten.
Wir bitten demgemäß alle hilfsbereiten Frauen und Männer
unſeres Vaterlandes, überall Sammlungen zu veranſtalten und alle
Spenden, auch die kleinſten, entweder durch Vermittlung der zu
errichtenden Provinzial=Komitees oder direkt hierher abzuführen.
Ueber die eingehenden Gaben wird demnächſt öffentlich quittiert
(2885
werden.
Das Präſidium:
von Kröcher,
von Dallwitz,
Freiherr von Spitzemberg,
Miniſter des
Wirklicher
Kabinettsrat
Innern.
Geheimer Rat. Ihrer Majeſtät der Kaiſerin.
Emil Selberg,
Schneider,
R. von Koch,
Kommerzienrat. Geheimer Oberregierungsrat Kommerzienrat
und vortragender Rat im Schatzmeiſter.
Miniſterium des Innern.
Mitglied der ſtändigen Kommiſſion.
Beiträge nehmen am hieſigen Platze entgegen:
Reichsbankſtelle Darmſtadt.
Bank für Handel und Induſtrie,
Landgraf Philipp=Anlage 6. Wilhelminenſtraße 14.
ſowie die Expedition des Darmſtädter Tagblatts.

Schachklub Darmstadt.

I

Jeden Mittwoch von 8 Uhr ab:
Spielabend
im Kaiſerſaal, Grafenſtraße.

Gäſte ſtets willkommen.

(2311a

Sufe Regeibann
Dienstag= und Mittwoch=Abend frei
(1632a
im Concordiasaal, Waldstrasse 33.

C STIMME SEMEF HERAN
Spezlalgeschatt
in echt. Grammophonen
(Gramola) und Platten
K. Jäger, Darmstadt
Georgenstr. 11. Tel. 2579.

lavierſtimmer Emnil Schultze,
R Kammermuſiker, Herderſtr. 11.
Aufträge auch bei Fräul. Walther,
Wilhelminenſtraße 13. (2862a

Hochf. hell nußb. poliertes
Schlafzimmer
mit beſten Stahl= u. Auflieg=Matr.
Kücheneinrichtung
natur=pitſch=pine, alles in nur beſter
Ausführung, äußerſt billig abzug.,
einige beſſ. Diwans, Chaiſelongue,
Trumeauſpiegel, kl. u. gr. Flur=
garderoben
, Stegtiſch, Sofaſpiegel,
Leinenportieren, Blumenkrippen,
Klubſeſſel, echt Leder, alles zur
Zeit äußerſt billig abzug. (*1988
Mederle, Schreinerei
Gartenſtraße 21, I.

Teppich, gr. Spiegel
Salontiſch, Kinderbett, Stühle,
Bauerntiſche, Gasofen billig zu
verk. Magdalenenſtr. 1, pt. (*1991
zehrere getrag. Herrenkleider,
M ferner Waſchmaſchine,
Schaukelbadewanne, Hüte, Holz=
koffer
zu verkaufen. (2916
Hügelſtraße 4, part.

Narurfreue
gerantiert.
Von der einfschsten bis eleganfesten Ausfuhrung.
Solide Preise
Schonendste Behandlung
f. schmerzios. Zahnziehen
Mk. 1. (165a
Zahn-Atelier
Karl Drautz
Marktplatz 11
(am Marktbrunnen)
früher Ernst-Ludwigstr. 8.
Teilzahlung gestattet.
Nachsehen des Mundes u.
der Zähne kostenlos.

ſm Ziehung 7. Februar Ge
Genehmigt im Fürstentum Lippe,
zugel. 1. d. preuß. Prov. Westlalen,
Hannover, Sachsen u. Brandenburg
mit Berlin.
Detmolder
Geld-Lotterie
125000 Lose. 3704 Gewhme von M-
I2500h
Hauptgewinne:
Bo2eon
29500f.
16son.
bar ohne Abzug zahlbar.
Porto u. Liste
Lose à 3 M. zo Pfg. estra.
Ueberall erhältlich.
Lose-Vertriebs-Gesellschaft
Königl. Preuß. Lotterie-Einnehmer,
Berlin C. 2, Burgstrasse 27.

Jahre bewährt ſich nung
mehr Retter’s Haarwasser
(München) ſtaatl. geprüft
u. begutachtet. Zu h. um
40 Pfg. u. Mk. 1. 10 beiſſ
Prassel, Schulstr. 19. (II,2

K.. Muffe
werden zu großen und Baretts
verändert.
(2236a
Mode-Salon, Mauerſtr. 20.
13 Jahre alt
Pferd, zugfeſt, fromn
guter Läufer, preiswert zu ver=
kaufen
. Näh. bei Konrad Zimmer=
mann
, Landw., Schneppenhauſen
(*1918
bei Darmſtadt.

Junge
Kriegshunde
wegen Platzmang. bill. zu verkauf.
Rüde 10 Mark., Hündin 5 Mark
Näh. in der Expedit. (2631a

Stubenvögel
haben faſt alle Milben, welche
nicht nur läſtig, ſondern auch
ſehr gefäbrlich ſind; ſie verur=
ſachen
das Ausfallen der Fe=
dern
, Katarrhe, Abzehrung der
Vögel uſw. Die Folge iſt, daß
ein guker Sänger nicht mehr
ſingt. Dieſes iſt zu beſeitigen
oder vorzubeugen durch
Extur=Vogelſand
Säckch. 25 Pfg. Zu haben in den
Drogen- u. Samenhandlung.
Engros: L. C. Kahl,
Frankfurt a. M.,
Römerberg 20/22.

[ ][  ][ ]

Nummer 27.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Seite 13.

Heute Dienstae
abend 8 Uhr
Saldss

unseres

Ausverkaufes

Nur noch
heute

Extra-
Rabatt
auf alle nicht
reduzierten Waren.

Sebrtorkschiffd

Markt.

Mekatieren

(2924

aller Damen-
(8,,
und
Herren-Stoffe (749a)

Sonnenfalten-,
Frau B. Dietsch Hoch- und Flachplisse
Schulstrasse 3 Gaufrieren, Auszacken
Gestatte mir auf meine

ierch.

Wegen Umzug
Wer
billige Schuhe kaufen will
wirklich billig
(2661a
komme sofort nach
37 Elisäbethenstrasse 37
zwischen Grafen- und Saalbaustrasse.

Henmagnerschen Karen
aufmerksam zu machen. Anwendbar und bewährt bei Nerven-
nd
Stoffwechsel-Leiden, Zirkulations- und Funktions-
störungen
, wie z. B.: Rheuma, Gicht, Ischias, Herz-, Leber-,
Magen-, Nieren-, Blasen-, Darm- und Haut-Leiden;
Schreib-, Klavierspiel-u. a. Krämpfe; Hysterie, Lähmung,
Geschwulste (Kopf, Ohren, Augen u. a.), Schmerzen aller Art.
Johanna Becker
Mitglied der Vereinigung Deutscher Magnetopathen, E. V., gegr. 1888
Darmstadt, Rossdörferstrasse 28
(früher Teichhausstrasse 53, I.) (2555a
Sprechzeit: Dienstag und Freitag 912 und 35 Uhr.
Besuche auch im Hause der Patienten. Vorzügl. Referenzen. hies. Familien.

Mutre Aahrt
Prima Ia schnittfeste hellrote
Salami
nach Ital. Art. Beste haltbare
Winterware, pikant i. Geschmack!
Aus feinstem untersuchtem Roß-,
Rind- u. Schweinefl. à Pfd. 110 Pf.,
desgleichen schöne schnittfeste
Knackwurst (polnische), geräuch.
Zungenwurst in Schweinsblasen.
Feinste pikante weiche Mettwurst,
Göttinger Art, per Pfd. 70 Pfg. ab
hier. Jeder Versuch führt zur
dauernden Nachbestellung. Viele
Anerk. Vers. nur geg. Nachn. (166a
A. Schindler, Wurstfabrik,
Chemnitz, Sachsen 33.

ehrok, Frack, Smoting= An=
züge
, Zylinder zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (309a

Das Tippfräulein.
Roman von Gertrud Stokmans.
druck verb

Der Oberjägermeiſter des Herzogs ſtarb, und an ſeine
ſtllle trat ein Fremder, ein hübſcher und intereſſanter
ſnger Kavalier, der Freiherr Hans Wieprecht von War=
erlburg
. Zu dieſem Manne faßte die ſpröde Gräfin vom
ſten Augenblick an eine heftige und tiefe Neigung und
ar feſt entſchloſſen, ihn zu heiraten. Bei ihrem Reich=
ut
und ihrer bevorzugten Stellung am Hofe ſchien es
r ein Leichtes, den Geliebten für ſich zu gewinnen.
Unglücklicherweiſe erwiderte der neue Oberjäger=
ſeiſter
die Gefühle der ſchlimmen Gräfin nicht. Sie war
im fogar in hohem Maße unſympathiſch, und bald liebte
iine andere junge Dame der Hofgeſellſchaft, das Fräu=
En Marie Iſolde von Haſſelmann. Sie war noch ſehr
Uing, hatte ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
kn te, der Oberhofmeiſterin der Herzogin, ausgeführt.
glänzenden Gaben der ſchlimmen Gräfin fehlten ihr,
ler durch ihre Unſchuld und Anmut gewann ſie die Her=
n
, und als einziges Kind des Barons von Haſſelmann
Alt ſie auch für eine gute Partie. Daran dachte der
ſjeher am allerwenigſten. Er ſelbſt beſaß nur ein be=
leindenes
Vermögen, aber jede Art von Berechnung lag
in fern, und die beiden jungen Leute folgten nur dem
ge ihrer Herzen, als ſie ſich nach kurzer Bekanntſchaft
teänander verlobten. Strahlend vor Seligkeit, ſahen
geiner gemeinſamen Zukunft entgegen, und keine
Unung kommenden Elends trübte ihr Glück.
Da trat die ſchlimme Gräfin verderbenbringend auf
mt Lebenswege

Das kluge Mädchen empfand die Verlobung des
Oberjägermeiſters wie einen Schlag ins Geſicht und gab
ſich in bezug auf ſeine Beweggründe keinen Illuſionen
hin. Sie wußte, daß ſie von dem heißgeliebten Manne
infach verſchmäht worden war. Wäre ſie ſelbſt ein
einfaches Hoffräulein geweſen, hätte ſie ſich mit der An=
nahme
tröſten können, daß die glänzenden Ausſichten der
Erbtochter ihn beſtochen und betört hatten, aber ſie Ulrike
von Dunten, war ja viel reicher als ſeine Braut, und ihr
Vermögen lag längſt bereit, während Iſolde noch von
dem guten Willen ihres Vaters abhängig war. Ihre
Liebe zu dem jungen Oberjägermeiſter ſtarb nicht und ver=
löſchte
nicht. Als ein verzehrendes Feuer, ein glühender
Haß lebte ſie weiter in ihrem Herzen, und aufgeſtachelt
durch ihren Stolz, durch Neid, Schmerz und Eiferſucht,
ſchwur ſie dem jungen Paare Rache.
Nach außen hin beherrſchte ſie ſich meiſterhaft, im ge=
heimen
wußte ſie es aber bei der Herzogin durchzuſetzen,
daß die Hochzeit des jungen Paares nicht in Hellborn,
ſondern am Hofe gefeiert wurde. Dazu mußte der Vater
der Braut, Baron Amandus von Haſſelmann, in der Re=
ſidenz
erſcheinen, und damit war ihr die Gelegenheit ge=
geben
, ihre böſen Abſichten in unauffälliger Weiſe ein=
zuleiten
.
Der alte Baron kam denn auch, und es gefiel ihm
ſo gut in der Reſidenz, daß er als Gaſt des Herzogs einige
Wochen im Schloſſe verblieb.
Dieſe Wochen benutzte die ſchlimme Gräfin, um den
ſtattlichen Fünfziger mit ihren koketten Künſten vollſtän=
dig
zu umgarnen. Er, welcher feſt entſchloſſen geweſen
war, der über alles geliebten verſtorbenen Gattin keine
Nachfolgerin zu geben, fühlte ſich von der raffinierten
Art, in welcher die junge Schönheit ihn auszeichnete, be=

rauſcht, geſchmeichelt und gerührt. Ihr Reichtum ſchloß
in ſeinen Augen jede Möglichkeit niederer und unreiner
Motive aus, und ſchließlich kannte er keinen anderen
Wunſch mehr, als die ſchlimme Gräfin zu ſeiner Gattin
zu machen. Das Ueble, das man ihr nachſagte, hielt er
für böswillige Verleumdung, und eine ſchüchterne War=
nung
der jungen Frau von Wardenburg hatte nur die
Wickung, ihn ſeiner Tochter zu entfremden. Ehe er ab=
reiſte
, verlobte er ſich mit der ſchönen Ulrike, und drei
Monate ſpäter zog ſie als ſein vergöttertes Weib im
Hellborner Schloß ein.
Nun hatte die ſchlimme Gräfin die erſte Etappe ihres
klug gewählten Ziels erreccht. Sie durfte mit ſich zu=
frieden
ſein.
Sie haßte die beiden Wardenburgs. Darum wollte
ſie in enger und dauernder Verbindung mit ihnen blei=
ben
, wollte Einfluß auf ihr Leben gewinnen und ſie bis
zu einem gewiſſen Grade von ihrer Gunſt und Ungunſt
abhängig machen.
Als ihre Stief= und Schwiegermutter konnte ſie das
am beſten. In jeder Weiſe ſollten ſie ihre Macht empfin=
den
, und jede Gelegenheit war ihr willkommen, um ſie
heimlich und öffentlich zu kränken und zu ſchädigen.
Amandus von Haſſelmann war weiches Wachs in
der Hand ſeiner ſchönen und klugen Frau, und als ſie
ihm nach zweijähriger Ehe ein Söhnchen ſchenkte, ver=
wandelte
er ſeinen ganzen Beſitz in ein Fideikommiß, bei
dem als Erben nur ſeine männlichen Nachkommen, die
Träger ſeines Namens, in Betracht kamen. Erſt wenn
dieſe ausſtarben, ſollte das Majorat auf die Kinder und
Kindeskinder ſeiner Tochter Iſolde von Wardenburg
übergehen. Sie ſelbſt war von der Erbfolge ein für alle=
mal
ausgeſchloſſen. Solange der Baron lebte, bekam ſie

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

In den letzten Tagen
Chles-NasverRabfec

Ball= und Kostümblumen
Früchte, Beeren, Pilze, Laub. Gräser etc.
in enormer Auswahl.

wird sämtliche

Herren- und Khlaben
Winlter Beileldung
30 bis 50 Prozent unter Preis,
teils zu und unter Selbstkostenpreis
ausverkauft.
(2910

6
Wilnenn Beuster

KARNEVAL-DEKORATIONEN
Papierguirlanden- Fahnen- Kränze- Sprüche- Ansteckblumen
Papier-Dekorationsblumen- Kopfbedeckungen Lieder Orden
Lampions Polonaisenstäbe: Scherz-Artikel- Konfetti- Knall-
erbsen
Fächer Schirme- Pfau-, Fasan- und Indianerfedern.
Für Vereine und Gesellschaften:
Eintritts- und Garderobekarten, Tombolalose
Metallorden nach Muster
(1876a
Karnevalartikel in Kommission.
Rheinstr. 4
Schubkegel,
Tel. 1227.
Geord

Markt 11½, Ecke Marktstrasse.

Kiefern=Brennnolz
kurz geſchnitten, prima trocken, daher
in Schwarten od. Klötzchen, direkt zum Anfeuern verwendbar, liefert
per Zentner Mk. 1.40 inkl. Oktroi frei Keller
Karl Schimmer,

158a)

Telephon 212. Heinheimerstrasse 76.

Schlechte
Schubputzmittel

können Sie an allen Orten bekommen.
Eine bessere Schuheréme als Pilo aber
nirgends.

Was tun Sie nun in Ihrem eigenen Interesse um
sich für jeden Fall vor Schaden geschützt zu
wissen? Sie kaufen ein für allemal nur noch
Pilo und weisen andere Produkte zurück. Wird
je einmal Pilo in einem Geschäft nicht geführt,
dann bitte holen Sie dasselbe im nächstliegenden
Laden. Die altbekannte Pilo-Fabrik garantiert
Ihnen für vorzügliche Qualität.
(20

Zu kalt. Aufſchnitt
empfehle täglich friſch:
Roaſtbeef
getrüffelt Wildſchweinskopf
getrüffelt Geflügelgalatine
Schweinsleberpaſtete
Schinkenpaſtete
Schweinskopf
Thüringer Preßkopf
ff. Kalbsleberwurſt
ſowie alle andere Horten
feine Wurſt
Aufſchnitt per ¼ Pfund
25 bis 50 Pfg.
Jakob Heil
Hoflieferant (1330a
Telephon 203 Markt 5.
Fichtenzapfen
per Hektoliter Mk. 0.45, bei
10 Hektoliter Mk. 0.40 frei
(1046a
ins Haus.
Conrad Appel,
Bismarckſtr. 61, Tel. 91.

Schirmfabrik Schlüter,
Kirchſtraße 27
Reparaturen u. Ueberziehen per
ſofort, billig und gut. (787a

Erbstüll-Gardinen
und Decken werden von geübter
Stickerin billigſt wieder hergerichtet.
Off. unt. D 68 an die Exp. (*1941is

Achtung Radfahrer! Achtung!
Laufdecken u. Luftſchläuche, nur
erſtklaſſige Ware.
(*1927
Ludwigshöhſtr. 78, Fahrradhandl.

Die Korb= und Stuhlflechterei
Eckhardſtraße 33 empfieht ſich im
Flechten von Körben und Stühlen.
Reparaturen bill., Arbeit wird abge=
holt
. Gg. Treusch. Poſtkarte genügt. (*28a

Aufpol. v. Möb.
Spezialität: uſw., ſowie alle
vorkomm. Schreinerarbeiten (1170a
Adolf Zeller, Schützenſtraße 8.

Detmolder Geld-Lotterie
Ziehung 7. Februar 1914 Lose à 3. Mk.
Wohlfahrts-Geld-Lotterie
zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete.
Ziehung 19.-21. Februar 1914 Lose à 3.30 Mk.
Eisenacher Geld-Lotterie
Ziehung 20. und 21. März 1914 Lose à 1 Mk.
noch zu haben bei
(2761a
Phil. J. Schmidt, Königl. Freuss. Lotterie-Einnehmer
Darmstadt, Rheinstraße 33 Telephon 127.

Empfehle:
Kaffee von 1.301.80 Mk.
Tee, Kakao, Schokolade in allen Preislagen
Schokoladepulver per Pfund 80 Pfg. bis 1 Mk.
Malzkaffee 25 und 35 Pfg.
Kolonialwaren zu bekannt billigen Preiſen.
Neu eingeführt Schepeler’s Kaffee.
(269a
Ecke
L. Pabst, Dieburgerſtr. 19, Stiftſtraße

In 5 Minuten iſt jede Dame
ſowie jedes Mädchen im Stande, perfekt wie eine
Schneiderin
Bluſen zuzuſchneiden. Verblüffend praktiſch. Von tauſenden Damen
und Mädchen benutzt. Preis für das komplette Syſtem Mk. 2,75.
(I,2891
Verſand per Nachnahme.
Wiener Chie=Vertrieb. Eliſe Haſch, Darmſtadt, Soderſtr. 34.

5 Mech. Strickerei Pfirſch

verkauft, solange Vorrat, fast zum Selbstkostenpreis
5 Sweater, Kinderanzüge, div. Strümpfe.5
685
Grafenstraße 18 Schuhgeschäft Falter. a 8

Gut erhaltenes Damenrad
zu verkaufen.
(2883imd
Näh. Frankfurterſtr. 10, 2. St.

Weize, Muffe werden zu Baretts,
Stolas u. groß. Muffen, ſowie
Phantaſie=Muffen bill. angefertigt.
Ludwigsplatz 8, Vdh., III. (2355a

eine Bettſtelle nebſt Matraße,
EPreis 14 Mk., 1 Nähmaſchine,
Preis 12 Mk., zu verk. (*1932.
Dieburgerſtr. 17, 1. St.

Standuhr m. G.ask., 1 Blumen=
1 tiſch, 1 Maskenanz. (Pierette),
Klaviernoten, alles ſehr billig.
*1925) Heinheimerſtr. 59, 3. St.

einen jährlichen Zuſchuß, der bald höher, bald niedriger
ausfiel, ganz nach Gutdünken der ſchlimmen Gräfin,
wenn er ſtarb, ein Kapital, welches kaum den fünften
Teil des Vermögens darſtellte, das ihr früher zugedacht
war. Seine Frau wurde zur Obervormünderin ſeines
Sohnes ernannt und deſſen Mündigkeit einige Jahre hin=
ausgeſchoben
. So glaubte der Stifter des Majorats alles
aufs beſte geordnet zu haben.
Am 22. Mai 1730 ſtarb Amandus von Haſſelmann.
Seine Witwe war damals kaum dreißig Jahre alt und
auf der Höhe ihrer Schönheit und Kraft, aber ſie dachte
nicht daran, ſich wieder zu verheiraten. Frei wollte ſie
ſein und unumſchränkt herrſchen. So blieb ſie in Hell=
born
, erzog ihren Knaben und verwaltete den großen Be=
ſitz
mit Klugheit und Energie.
Die nötigen Mittel floſſen der Gräfin aus dem eige=
nen
Vermögen reichlich zu, und ſie tat alles, um das Ma=
jorat
zu heben und auszubauen. In dieſer Beziehung
hat ſie entſchieden ſegensreich gewirkt. Ihren Unter=
gebenen
war ſie aber keine gütige Herrin. Sie führte
durch rierzig Jahre ein ſtrenges Regiment, und ihre Ge=
nauigkeit
hatte eine verzweifelte Aehnlichkeit mit Geiz.
Dazwiſchen war ſie prachtliebend und verſchwende=
riſch
. Sie erweiterte den Park, errichtete die Terraſſe und
vergrößerte das Schloß, indem ſie durch fremde Bauleute
die beiden Flügel anbauen ließ. Sie pflegte auch den
Verkehr mit den Nachbarn, hatte monatelang Gäſte im
Hauſe und gab zuweilen glänzende Feſte, bei denen es
an Maskeraden und ſcherzhaften Ueberraſchungen nicht
fehlte. Zugleich erregte ſie Aufſehen durch ihre koſtbaren
Toiletten und ihren herrlichen, aus neun Teilen beſtehen=
den
Rokokoſchmuck, der bald eine gewiſſe Berühmtheit er=

langte. Er beſtand aus einer Fülle ſeltener bunter Edel=
ſteine
in einer eigenartigen goldenen Faſſung, wurde ſpä=
ter
zum Majorat geſchlagen und ſollte bis in ferne Zeiten
dazu dienen, den Glanz des Hauſes zu erhöhen. Leider
kam es nie dazu: Seit dem Tode der ſchlimmen Gräfin iſt
der Schmuck auf rätſelhafte Weiſe ſpurlos verſchwunden,
und nur auf ihrem Bilde kann man ihn noch jetzt bewun=
dern
. Kein Menſch weiß, wohin er gekommen iſt.
Ulrike von Haſſelmann, geborene Gräfin Dunten,
ließ ſich nämlich in ihrem dreiunddreißigſten Lebensjahre
malen. Es entſprach dies der Sitte jener Zeit, und als
Stammutter eines vornehmen Geſchlechts wollte ſie den
Zauber ihrer ſtolzen Schönheit unverkürzt der Nachwelt
überliefern.
Die Gelegenheit war günſtig. Ein junger Maler
Italiener von Geburt, weilte in der Gegend und hatte
ſchon verſchiedene Porträts zur allgemeinen Zufriedenheit
beendet. Frauenbildniſſe gelangen ihm beſonders gut,
und mit Freuden war er bereit, die Herrin von Hellborn
in großer Toilette und ganzer Figur auf die Leinwand zu
bringen. Die Rokokotracht mit dem gepuderten Haar
ſtand ihr vortrefflich, und auch der berühmte Schmuck ſollte
bei dieſer Gelegenheit verewigt werden. Um dem Bilde
aber noch einen beſonderen pikanten Reiz zu verleihen,
wollte er ſie im leicht übergeworfenen Domino, die
ſchwarze Halbmaske in der Hand, wie eilig von einer Re=
doute
heimkehrend, malen, und die ſchlimme Gräfin war
mit dieſer Aufforderung ganz einverſtanden. Sie liebte
es, Ausnahmen für ſich zu ſchaffen.
Der Meiſter arbeitete mit großer Sorgfalt. Die
Sitzungen währten lange und wiederholten ſich einige
Wochen hindurch. Während dieſer Zeit entzündete ſich

das Herz des Künſtlers an der berauſchenden Schönheit
ſeines Modells, und die Gräfin unterdrückte das Feuer
nicht. Sie fand es ganz lehrreich und amüſant, das Wach=
ſen
einer Leidenſchaft zu beobachten, welche von einem
ſüdlichen Temperament getragen wurde und ſteigerte ſie
noch durch eine klug berechnete grauſame Koketterie. Wäh=
rend
ſie im Innerſten kühl und unnahbar blieb, wußte ſie
in dem jungen Italiener den Glauben zu erwecken, daß
ſeine Gefühle erwidert würden, und riß ſo die unſicht
baren Grenzen nieder, welche der Reſpekt und der Stan=
desunterſchied
zwiſchen ihnen aufgebaut hatten.
Als das Bild fertig war, ging auch die Selbſtbeherk
ſchung des Künſtlers zu Ende und kühner geworden, er=
flehte
er von der ſchlimmen Gräfin ſüßeren Lohn als den
welchen man in klingender Münze auszahlen kann. Doch
nun war ſie des Spieles müde. Der unebenbürtige Ver=
ehrer
begann anſpruchsvoll zu werden. Sie wollte ihn
ſo bald wie möglich los ſein. Darum zeigte ſie ihm nun
ihr wahres Antlitz, wies ihn kalt und höhniſch von ſich
und nannte ſeine Werbung eine Unverſchämtheit. Dan
rauſchte ſie hoheitsvoll zum Zimmer hinaus und befahl
ihren Leuten, am nächſten Tag alles zu ſeiner Abreiſe zu
rüſten.
Der junge Maler war zuerſt wie betäubt, dann gans
von Sinnen vor Zorn und Schmerz. Er ſchloß ſich indas
Zimmer ein, in dem er gearbeitet hatte, und am andern
Morgen fand man ihn als Leiche vor ſeinem herrlichen
Werk. Er hatte ſich ſelbſt den italieniſchen Dolch ins Heis
geſtoßen.

(Fortſetzung felgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 27.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Seite 15.

Wer Odol konſequent lag=
Slich anwendet, übt nach unſeren
Sheutigen Kenntniſſen die denkbar
beſte Zahn= und Mundpflege aus.
Preis: ½ Flaſche (Monate ausreichend)
Mk. 1.50, 1 Flaſche Mk. .85.
(I,2140

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
ſeinerlei Verantwortung: für ſie bleiht auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Bei der am Samstag ſtattgefundenen Wahl zur
Ortskrankenkaſſe hat ſich deutlich gezeigt, wie gering der
Einfluß der Frauenrechtlerinnen auf die Geſamtheit der
Hausfrauen und weiblichen Hausangeſtellten einzuſchätzen
iſt. Die ſehr mäßige Beteiligung der letzten an der Wahl
läßt darauf ſchließen, daß ihre Arbeitgeberinnen ſie nicht
zur Ausübung ihres Wahlrechts angehalten haben. Der
Erfolg wird der ſein, daß die Sozialdemokraten die Mehr=
heit
im Ausſchuß der Krankenkaſſe erhalten. Dieſe haben
zugunſten ihrer Wahlliſte gehörig agitiert, ſie hatten in
der Umgebung des Wahllokals nicht nur männliche, ſon=
dern
auch weibliche Zettelverteiler aufgeſtellt, die die zur
Wahl gehenden Mädchen mit Eifer zu veranlaſſen ſuchten,
ſtatt des bürgerlichen Wahlzettels den ſozialdemokratiſchen
abzugeben, während die anweſenden Verteiler des erſteren
ſich auffällig ruhig verhielten. Wo waren da die ſonſt ſo
lauten Rufer im Streit für die Frauenrechte? Das im
Dienſte der Einſenderin ſtehende, zur Ausübung der Wahl
angehaltene Mädchen erklärte, daß ſie nie wieder wählen
würde, da ſie ſich den Neckereien und Anulkungen nicht noch
einmal ausſetzen wolle. Gott bewahre uns vor dem von
gewiſſer Seite ſo glühend herbeigewünſchten Wahlrecht
zum Stadt=, Land= und Reichsparlament.
Eine von den vielen Hausfrauen, die auf das
politiſche Wahlrecht gerne verzichten.

Die hohen Fleiſch=, Milch= und Brotpreiſe.
Der Verwertungsgeſellſchaft für landwirtſchaftliche
Erzeugniſſe, e. G. m. b. H., möchte ich auf die Ausführun=
gen
in Nr. 25 ds. Bl. folgendes erwidern: 1. Daß die Ein=
ſender
zu obiger Frage kein Intereſſe an einem guten
Einvernehmen zwiſchen Stadt und Land haben ſollen,
kann ich für meine Perſon nicht behaupten. Das Gegen=
zeil
trifft zu. 2. Es handelt ſich nicht etwa darum, einen
Segenſatz zwiſchen Produzenten und Milchhändlern zu
konſtruieren, ſondern die ſehr einfache Frage iſt die: iſt es
mötig, daß in Anbetracht der ganz ausgezeichneten (nicht
izur mittel bis gut, wie die V.=G. zugibt!), Futterernte
ieer letzten beiden Jahre der Milchpreis für den Konſu=
untenten
auf 24 Pfg. pro Liter beharrt oder iſt eine Ermäßi=
nung
(und welche?) geboten? 3. Welchen Preis verlangt
der Milchproduzent vom Händler, und iſt es richtig, daß,
wie der Abgeordnete Lutz im Frühjahr 1913 geſagt hat:
Für die Milch, die in der Stadt bis zu 28 Pfg. pro Liter
hoſtet, bekommen die Bauern 1014 Pfg. 4. Wenn die
1S.=G. jetzt mitteilt, daß der Milchpreis bereits um 1 Pfg.
pro Liter, und zwar von 19 auf 18 Pfg., bezw. von 18
auf 17 Pfg., zurückgegangen ſei ſo entſteht die Frage,
ob dann nicht auch die Milchhändler ebenfalls um 1 Pfg.
pro Liter ihre Forderung ermäßigen können. Die Span=
nung
würde dann immer noch (176) die von den Händ=
larn
als angemeſſen bezeichnete Grenze einhalten. 5. Iſt
der von den Produzenten erzielte Preis von 18 bezw.
1 Pfg. pro Liter berechtigt? In München (Großſtadt!)
hiſ: unlängſt ein neuer Milchvertrag abgeſchloſſen worden,
dar den Produzenten folgende Preiſe gewährt: Januar
bis März und Oktober bis Dezember 15 bis 15,5 Pfg.,
lütorige Zeit 14,5 bis 15 Pfg. Wie kommt es, daß in der
Ggoßſtadt München die Milch zu dieſen Preiſen geliefert
Ulveerden kann? Iſt dies etwa darauf zurückzuführen, daß

ben dorigen Produzenten in Anfehung der früher ge=
machten
Erfahrungen vor einem Milchkrieg bange iſt?
Unterſuchungen werden hier nachzuweiſen haben, ob nicht
noch in einer ganzen Anzähl anderer Städte die Milch=
preiſe
unter den heſſiſchen liegen. 6. Die V.=G. behaup=
tet
, daß das 1913er Futter eine mangelhafte Beſchaffen=
heit
zeige und deshalb erhöhte Kraftfutterzugaben erfor=
derlich
wären. Dies einwandfrei nachzuweiſen, dürfte der
V.=G. ſchwer fallen, denn ich glaube, daß eher das Gegen=
teil
zutrifft. Das zeigt ja auch die ganze Verfaſſung des
Kraftfuttermittelmarktes, die ſeit längerer Zeit infolge
Mangel an Nachfrage ausgeſprochen flau iſt. 7. Wenn
die V.=G. anführt, daß auch die Brot= und
Mehlpreiſe viel zu hoch ſeien, ſo wird auch
hier der Hebel genau ſo anzuſetzen ſein,
wie bezüglich des Unfugs mit den Fleiſch=
preiſen
! 8. In einem Punkt ſtimme ich der V.=G. durch=
aus
bei: Es iſt niemanden zu verdenken, wenn er ſich
zur Wahrung ſeiner Intereſſen zu Organiſationen zuſam=
menſchließt
, und es iſt wohl ein wenig zu weit gegangen,
wenn in einem Eingeſandt gefordert wird, gegen ſolchen
Zuſammenſchluß von Staats wegen einzuſchreiten. Daß
derartiger Zuſammenſchluß nicht auch auf Seiten der
Konſumenten beſteht, iſt höchſt bedauerlich!
Wir gebrauchen einen kräftigen Bauernſtand, der mit
die Grundlage unſeres Staates bildet; es iſt aber auch
Aufgabe dieſes Standes, dafür zu ſorgen, daß nicht etwa
durch ungeſunde Steigerung der Lebensmittelpreiſe dem
Stadtbewohner die Sympathie zum Bauernſtand genom=
men
wird. In ſchlechten Futterjahren muß dem
Landwirt ein erhöhter Preis für ſeine Erzeugniſſe
gezahlt werden, aber es muß dann auch, wenn wie=
der
beſſere Jahre kommen, mit einer entſprechen=
den
Ermäßigung gerechnet werden. Bezüglich
der Lebensmittel Fleiſch, Milch, Mehl und Brot darf man
die Periode 1912/13, zum mindeſten aber die jetzige Zeit,
als beſſere Zeiten für die Landwirtſchaft bezeichnen.
K.

Die hohen Milchpreiſe uſw.
Als Einſender von Nr. 24 dieſes Blattes erwidere ich
auf die Erklärung Nr. 25 der Verwertungsgeſellſchaft für
landwirtſchaftliche Erzeugniſſe, daß die Milchproduzenten
ſeit 1913 wohl in der Lage geweſen ſein dürften, billige
Milch zu produzieren. Zugegeben, daß der Nährwert des
Grünfutters, insbeſondere vielleicht des Klees, gering war
und die Preiſe für Kraftfutter nicht heruntergegangen ſind,
ſo war doch die Ernte eine gute und es beſtand die Mög=
lichkeit
, den Gehalt des Futters auch auf billigem Wege
zu erhöhen. Dickwurz, Mälzereiabfälle, Kleie und Zucker=
rübenſchnitzel
, die bei der Fütterung der Milchkühe eine
große Rolle ſpielen, dürften nicht zu teuer geweſen ſein.
Vor allem aber ſtanden anfangs 1913 entſprechend große
Vorräte billiger Kartoffeln, wie es auch jetzt iſt, zur Ver=
fügung
. Die Kartoffeln, roh zerkleinert unter das andere
Futter gemiſcht, ſollen die reichliche Produktion guter
Milch in hohem Maße fördern und eine beträchtliche Er=
ſparnis
an Kraftfuttermitteln ermöglichen. Der Umfang
dieſer Kartoffelfütterung z. B. in der Umgegend von Leng=
feld
und Groß=Bieberau läßt ſich erkunden. Wenn in
Nr. 25 ds. Bl. neben einem Rückgange der Viehpreiſe be=
tont
wird, daß die Preiſe für Milchkühe erheblich geſtiegen
wären und durch letzteren Umſtand die Milchpreiſe erheb=
lich
beeinflußt würden, ſo läßt ſich daraus nicht ohne wei=
teres
ſchließen, daß die Milch deshalb teuerer geworden
ſein müſſe. Es wird mehr und mehr den Kühen beſſerer
Schläge der Vorzug gegeben vor Kühen geringerer
Schläge. Erſtere koſten mehr rentieren ſich aber auch
beſſer und ziehen unter Umſtänden ſogar eine Verbillig=
ung
der Milchproduktion nach ſich, wenn ſie entſprechend
mehr Milch von guter Beſchaffenheit geben. Gegen das
Riſiko der Einſtellung teuerer Kühe dürfte die Viehver=
ſicherung
ſchützen. Einwendungen in dieſer Richtung
machen den Kohl nicht fett, und alle umſtändlichen Vor=
rechnungen
dürften nichts an der Möglichkeit einer zeit=
gemäßen
Herabſetzung des Milchverkaufspreiſes ändern,
die ſich bei gutem Willen wohl durchführen ließe.
Die Unterſtellung, daß ich jedenfalls keine große Liebe
zur landwirtſchaftlichen Bevölkerung hätte, muß ich ent=
ſchieden
zurückweiſen, um ſo mehr, als ich nicht von ihrer
Geſamtheit geſprochen habe, ſondern nur von einer geö=
ßeren
Anzahl kapitalkräftiger Milchproduzenten. Ueber
allem ſteht ſchließlich das gemeine Wohl der Bevölkerung,
für deren Erhaltung zunächſt die Magenfrage und dann
der Hausbrand in Betracht kommt. Die Milch ſpielt dabei
die vornehmſte Rolle. Sie iſt die erſte und einzige Nah=
rung
der Neugeborenen. Sie können ſie nicht entbehren
und ſie muß auch den ärmſten Eltern zum billigſten Preiſe
zugänglich ſein. Ihre unzureichende Verabreichung ſchädigt
das heranwachſende Geſchlecht in nicht mehr gut zu machen=
der
Weiſe. Milch brauchen auch die Aermſten unter den
Kranken. Noch mehr als bei anderen Nahrungsmitteln
muß bei ihr, unter Schonung der Produzenten und Milch=
händler
, auf die größte Verbilligung hingearbeitet werden.
Wenn gewiſſe Kreiſe der Landbevölkerung dem, wenn ſie

können, nicht euſprechen, ſo ſind ſe es, die den weiten
Kreiſen der Konſumenten keine große Liebe entgegenbrin=
gen
. Ich habe nichts gegen die Verteuerung alkoholiſcher
Getränke. Liebhaber derſelben zahlen ſchließlich auch die
höchſten Preiſe. Andere beſchränken ſich im Genuſſe des
Alkohols oder verzichten ganz auf ihn, ohne Schaden zu
nehmen. Seifen, Hüte, Stiefel. Eiſenwaren uſw. kann
man immer noch, dem Stande ſeiner Finanzen entſpre=
chend
, billig oder teuer kaufen. Das drückt nicht; wohl
aber die Lebensmittelteuerung. Vor allen Dingen braucht
der Menſch Nahrung, wenn auch in noch ſo beſcheidenem
Maße. Die Lebensmittel dürfen nicht ſaſt unerſchwinglich
ſein. Da ſoll es heißen: Leben und leben laſſen, aber
nicht: Möglichſt viel verdienen. Für das eine und gegen
das andere zu kämpfen, iſt das Naturrecht jedes Menſchen,
das ihm nicht verkümmert werden und dem man deshalb
nicht Mangel an Liebe zur landwirtſchaftlichen Bevölker=
ung
unterſtellen darf.
Was die amerikaniſchen Verhältniſſe angeht, ſo halte
ich mich durch Leſen der amerikaniſchen Preſſe auf dem
Laufenden undbin genügend orientiert. Nur wenig aus ihren
kleinwirtſchaftlichen Artikeln ſickert in die deutſchen Zei=
tungen
. Nicht große Induſtriezweige und Monopole, die
unſer Wirtſchaftsleben berühren (mit anderen Worten: die
Truſts), habe ich gemeint, ſondern die Tätigkeit der Ge=
richte
gegenüber der Verteuerung der nötigſten Nahrungs=
mittel
, des Hausbrandes und des Eiſes für Kranke und
für den in jeder amerikaniſchen Haushaltung befindlichen
Eisſchrank. Aber es hat auch in größeren deutſchen Zei=
tungen
eine Botſchaft des Präſidenten Wilſon von Nord=
amerika
geſtanden, daß er es als ſeine Aufgabe betrachte,
dem Volke die notwendigen Lebensmittel zu vechilligen.
Ein gewiſſes Nachdenken führt dazu, daß nur auf geſetz=
geberiſchem
bezw. adminiſtrativem Wege dieſes Ziel er=
reicht
werden kann, vorausgeſetzt, daß nicht der Zwang
einer allgemeinen wirtſchaftlichen Notlage vorliegt. Eins
iſt ſicher: Mit dem Schwinden der allzu großen Lebens=
mittelteuerung
ſteiat die Kauſtraft der Bevölkerung und
ihre Wohlfahrt. Das zu erlangen, unter Schonung des
Nährſtandes, iſt die Aufgabe eines jeden guten Staats=
bürgers
. Unpolitiſch iſt es wenn Vertreter der Landwirt=
ſchaft
in Nr. 25 ſagen: Die Einſender uſw. würden im
Intereſſe eines guten Verhältniſſes zwiſchen Stadt und
Land beſſer tun, wenn ſie ſich über die Verhältniſſe auf
letzterem orientieren wollten, mit anderen Worten: Ihr
Einſender ſtört den Frieden zwiſchen Stadt und Land
und wißt nicht, von was ihr redet. Will man die Ein=
ſender
durch derartige Hinweiſe mundtot machen? Das
fehlte gerade noch. Das Verhältnis zwiſchen Stadt und
Land hängt, Gott ſei dank. nicht ausſchließlich von dem
Geldverdienſte beim Milchhandel ab, zumal ſehr viele
Landbewohner ihre Milch kaufen müſſen und mit den
Städtern an einem Strange ziehen. Wie ſoll man ſich
genügend über die einſchlägigen Verhältniſſe auf dem
Lande orientieren, frage ichs Eingeweiht wird man von
den Milchproduzenten doch nicht. Deshalb ſchneidet man
am beſten ſolche Fragen öffentlich an, um möglichſt viele
Perſonen, namentlich Hausfrauen und Mütter, für ihre
Löſung zu gewinnen. Alle werden helfen, den Schleier
zu lüften, der den wirklichen Profit der Intereſſenten vor
nicht genehmen Augen verhüllt. Und alle werden ſich an
der Prüſung, ſowie an Vorſchlägen zur Beſſerung betei=
ligen
, ſei es mit, ſei es gegen die Produzenten, welche
zurzeit das Heſt in der Hand haben.
Wenn ich in Nr. 24 ds. Bl. geſagt habe, daß die Ver=
dienſtausfälle
der Milchproduzenten durch Verſicherungs=
geſellſchaften
gedeckt werden ſollen, ſo verbeſſere ich meinen
Schreibfehler mit dem Worte: Verſicherungseinrichtun=
gen‟
. Der Verwertungsgenoſſenſchaft dürften die Sta=
tuten
und der Geſchäftsgang des Vereins der Milchprodu=
zenten
, deſſen Vorſitzender Herr Oekonomierat Fritſch in
Dilshofen ſein ſoll, wahrſcheinlich bekannt ſein. Aus der
Vereinskaſſe ſollen die erwähnten Ausfälle bezahlt wer=
den
; und darauf kommt es an. Die Milchhändler (denen
ich einen angemeſſenen Verdienſt gerne gönne), dürften
daher im weiten Sinne von den Produzenten abhängig
ſein. Vielleicht äußert ſich die Verwertungsgenoſſenſchaft
einmal ausführlicher zu dieſen Punkten.
Ueber die Information hinſichtlich der niederen Vieh=
und Getreidepreiſe quittiere ich dankend da ſie in wert=
voller
Weiſe im Kampfe des Publikums gegen die über=
mäßige
Höhe der Brot= und Fleiſchpreiſe Verwendung
finden wird.

Literariſches.

Roellig, Geflüſter im Dunkeln. Ein
Roman in Briefen. Hans Sachs=Verlag in München.
Preis 1,75 Mk. bezw. 3 Mk. Abälard und Heloſſe
Triſtan und Iſolde im Geiſte unſerer Zeit. Ein Buch voll
zarteſter Klänge und Schwingungen, voll blühender, duf=
tender
Bilder, voll dionyſiſcher Verzückungen, die in begei=
ſterten
Dithyramben dahinſtrömen, bis ihre Glut alles
körperliche Sein zerſtört, um die Seelen in der läuternden
Flamme einer überſinnlichen und doch köſtlich=keuſchen
Brautnacht zu einen.

Beſtellungen auf die

Vochen= Chronik=
monatlich
20 Pfennig

(einzelne Nummer 10 Pfg.) nehmen unſere Expedition, unſere Trägerinnen, ſowie unſere Agenturen
und ſämtliche Poſtanſtalten entgegen, die letzteren jedoch unter der Bezeichnung Darmſtädter Tagblatt
Ausgabe B. Die Chronik wird 8ſeitig mit reichem Bilderſchmuck in Tiefdruck und in tadelloſer
Ausführung erſcheinen, ſo daß ſie fortlaufend eine Illuſtrierung der hervorragenden Ereigniſſe der letzten Woche
bietet und eine Ergänzung des mebr feuilletoniſtiſch gehaltenen Illuſtrierten Unterhaltungsblattes darſtellt.

6918

[ ][  ][ ]

Nur noch heute u. morgen

Darmſtädter Tagblatt. Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer

Heate und Hor

sind die Schluss-Tage unseres

SaistnAusverkauf

Besonders günstige Angebote in allen Abteilungen.

Stück 25
Stück 95 Knabenschürzen
Reformschürzen
Stück 95
Stück 88 Zierschürzen
Blusenschürzen
Stück 1.75 Teeschürzen
Stück 1.25
Blusenschürzen

Ein Posten

Zierschürzen.

Prozent Rabatt
auf alle Waren, mit Ausnahme der
Marken-Artikel und Garne.

Damenhemd, Achselschluss . Stück 95 Anstandsröcke
Stück 95
Damenhemd, mit reich Stick., Stück 1.50 Oxfordhose, farbig
Stück 95
Wäsche:
Damenhemd, handgest., weit unt. Preis 2.50 Damenhose, weiss
Stück 95

Ein Posten

stolls, 4½ Meter . Stück

Trikot-Wäsche

Normalhemden . . . . 1.95, 1.50, 1.10 Direktoire-Hosen . . . . Stück 88
Normalhosen . . . . 1.95, 1.50, 95 Reformhosen für Mädchen, 1.75, 1.25 95
1.50, 95 Reformhosen für Erwachsene, Stück 2.25
Normaljacken
Ein Posten-
Einsatzhemdensse 1.50

Strumpfe

Frauenstrümpfe, schwarz . Paar 45 Socken, Baumwolle
Paar 24
Damenstrümpfe, schwarz, Wolle, P. 95 Socken, Halbwolle
Paar 65
schwarz, Wolle, m.
Damenstrümpfe, farbigem Zwickel 95 Kinderstrümpfe, Halbwolle, anfgd. 33

28

Ein faſt neues ſilberplattiertes
Zweiſpänner=Pferdegeſchirr
preiswert zu verkaufen. (B2744
Näheres Beſſungerſtr. 7.
Paskenkoſtüm (eleg. Spanierin),
Menur einmal getragen, zu ver=
kaufen
oder zu verleihen. (2726a
Näheres Karlſtraße 6, part.
in großer
Damen=Masken Auswahl.
Domino billig zu verk. (2853a
Ballonpfatz 10. part., neben der Hofapof heke.
Damen=Masken, Goldſiſch,
Pierot u. Rokoko zu verl. od.
zu verk. Beſſungerſtr. 74, I., r. (B2617

Hocheleg. Masken:

leihen

uißm. 2 Pierretten, Waſſerroſe,
für Herrn Arbeilgerſtr. 4, II. (*1955if

p. Mitte od. Ende
Rücktrausport März, v. 2 Z.=W.,
n. Goßlar a. Harz geſ. Off. m. äuß.
Preis u. D 76 an die Exp. (*1959 Hel
kaufe
getr. Herren= u. Damen=Kleider,
auch Stiefel, Bettfedern, Gold,
Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets kon=
kurrenzl
. Preiſe. Der erſte Verkauf
überzeugt Sie. Poſtkarte genügt.
Max Schnitzer, Schloßgaſſe 33.
Telephon 2097. (2032a Käfe Zuterh. Linoleum als Küchen=
Gbelag zu kauf. geſ. Off. mit
Pr. u. D 72 an die Exp. (*1935 ahers od. Brockhaus Lexikon
zu kaufen geſucht.
Offerten mit Preisangabe unter
D 64 an die Exp. (*1950im Landauer
*gut erhalten, zu kaufen geſ. Off.
un, Mohn, Schneball. Ver=ünter D 44 an die Exp. (*1922
ebrauchte biaue Waſſenröcke
Klee, Winzorin, Baby u. Herzbauer zu kaufen geſucht. (*1974im kauit zum höchſten Wert. (*9ta
Juwelenhandlung Kurtz
Pädagogſtr. 2. Telephon 1202.
Flaschen
werd. zu allerhöchſten Preiſen angek.

Ludwigsplatz 8, II., r.

Rubin, Kaupſtr. 46, II. (1080a

Tnkauf
getr. Kleider, Stiefel, Bettfedern,
Zahngeb., alte Brenn=Apparate f.
Brandmalerei, Uniformen, Waffen.
Poſtkarte genügt.
M. Obstfeld, kl. Bachgaſſe 7
Telephon 2085. (2164a
192
(2
Wer dert? (2328a
hier V. Schatz, Schloßgaſſe 23.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Möbel, Zahn=
gebiſſe
, alte Federbett.ſtets diehöchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt.

Haare
ausgekämmte und abgeſchnittene
kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen.
G. Kanzler, Friſeur, Marktſtr.8
zu kaufe
4sitz. Schlitten geſuchte
Off. u. D 75 an die Exp. (*196
Photographie,
Gebr. Satiniermaſchine geſuch
Walzenlänge ca. 30 cm. Offertel
unter D 61 an die Exp.

Dauerhaſtes,
auterhaltenes Geſchäftsrad
zu kaufen geſucht.
Offerten mit Preisang. unter
D 67 an die Exredit. (*1946

mit Schlitte
Strickmaſchine gut erhalle

k. geſ.

Näh. Expedition. (*1953id

[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

6 27.

Dienstag, 27. Januar.

Preiswerte

Ronsenven

Ananas
Singapore in
Scheiben
Aprikoſen
½ Frucht .
Erabeeren
naturell
Heidelbeeren

Pflaumen
ſüß, ohne Stein
Reineclauden .

Ko-
Doſe - Ko-
Doſe 1.20 .68 1.45 .78 120 -65 56 36 .60.35 . 85.49

Produkte erſter deutſcher Kon=
ſerven
=Fabriken. Gewähr für
ſtramme, reelle Packung und
tadelloſen Inhalt jeder Doſe.
¼ Ko- Ko-
Doſe Doſe
Kirſchen
rot, mit Stein .92.52
Kirſchen
ſchwarz, m. Stein1.92.52
Hirabellen
rheiniſche
4-43
Mirabellen
feinſte Metzer ..10,44

Schade. Süorabe.
Filialen in allen Stadtteilen.

Uenerstche

Weiblich

Fräulin
Sanderg=
geht
aus Dülgeln. ſtraße 45,
3. St. rechts. Poſtk. genügt. (B2922

Akad. gebildete
Schneiderin
nimmt noch beſſere Kunden außer
dem Hauſe an. Zu erfragen
Alexanderſtraße 11, part. (2805gid

Ofe Stellen

t ah 1e Stenſaht. t, g
Saalbauſtraße 27, II., r.

Aelt Mädchen mit ſehr guten
Zeugniſſen ſucht Stelle als einf.
Kinderfräulein. Off. unter D 1
an die Exped.
(*1747goi

Eine Witwe ſucht Laufdienſt
Gr. Kaplaneigaſſe 39, pt. (*2000

Perf.Schneiderin empf ſich t. u.
a. d. Hauſe Gartenſtr. 18, III. (2936a

Aeltere einſ. Perſon ſucht tags=
über
leichte Arbeit in Kochen
und Krankenpflege Viktoria=
ſtraße
98, III.
(*1962idg

Junge unabhäng. Frau

ſucht Beſchäftigung
Clemensſtraße 8.

Fr. Keil,
(*1964

, ſucht Stellng als
Fräulein Empfangsdame.
Mit ſchriftl. Arbeit. bewand. und
Kenntniſſe der engl. Sprache. (*1916
Gefl. Off. unt. D 70 a. d. Exp.

Junge Frau ſucht Lauſdienſt
12 Stunden
(*1982
Landwehrſtr., 37, II., r., Vdh.

Junge, unabhüngige Frau geht
Waſchen und Putzen Liebfrauen=
ſſtraße
86, 4 St.
(*1985

Gebild. Fräulein ſucht Stelle
als Stütze per 1. Febr. (*1987
Offert. unt. D 92 an die Exp.

Männien

Meneler hehlte
Wehilfenprüſung beſtanden hat,
ſucht zur weiteren Ausbildung
Anfangsſtellung
igegen geringe Vergütung, event.
zunächſt auch als Volontär.
Gefl. Offerten unter B 44 an
ſoie Exped. erb.
(2138sgi

Ein in den mitl.
Jahren ſtehender Mann
ſucht Stelle als Kaſſenbote, Büro=
heiener
, Portier oder dergleichen.
Prima langjährige Zeugniſſe ſteh.
zur Verfügung. Offerten unter
D 73 an die Expedition dieſes
Blattes erbeten.
(*1929

Zuverläſſiger, junger Mann,
auf Baubüro und kaufm. Büro
tätig geweſen, ſucht ähnliche
Stellung. Offerten unter D 28
am die Expedition. (*1956im

mit allen Arbeiten
Schloſſer vertraut, geprüſter
Hoeizer, ſucht ſof. Stellung. (*2007im
Offert. unt. E 2 an die Esped.

Gewandte Stenotpiſtin mit
guter Schulbildung per ſofort
geſucht. Genaue Offerten ſind unt.
D 97 an die Exped. d. B. zu
richten.
(*2004im

Verkädfermien
geſucht
für Herren=Artikel,
ferner für Kurz=, Woll= u. Weiß=
waren
. Nur durchaus tüchtige,
branchekundige Kräfte wollen ſich
melden. Zeugnisabſchriften mit
Gehaltsangaben an
(2938
Gg. Heckmann-Schmidt
Darmſtadt.

tüchtige
Geſucht Buchhalterin,
gewandt im Rechnen u. Buchfüh=
rung
, ſowie Mahn= u. Klageweſen,
für halbe Tage, ſpäter ganz. Off.
m. Zeugnisabſchr. u. Gehaltsanſpr.
u. D 42 an die Exped. (*1945im

Einlegerin
per ſofort geſucht
(2882
L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei
Rheinſtraße 23.

Tücht. gelernte Näherinnen
auf unſere Werkſtatt per ſof. geſ.
Oppenheimer & Co.,
Knabenkonfektion (2927
Stirnweg 25 nahe Hauptbahnhof.

Lehrmädchen
Modent
geſucht
Hölgesſtraße 9, parterre. (*1793si

Suche zum baldigen Eintritt
nicht zu junges, beſſeres, evang.
Mädchen
zu 2 Kindern. Dieſelbe muß ſehr
zuverläſſig und ſelbſtändig ſein.
Ebenſo ſuche zum 1. od. 15. Febr.
ſauberes
Hotelzimmermädchen
(2777gi
in Jahresſtelle.
Frau L. Seibert
Hotel HALBER MOND‟
Heppenheim a. d. B.
meite hhen
(B2834
geſucht per ſofort
Moosbergſtr. 32, II.

Junges, aber durchaus reinl.
Mädchen zu Leuten ohne Kinder
zum 1. od. 15. Febr. geſucht. Näh.
Karlſtraße 46, 1. Stock. (2700sid

Perſ. ält. Stubenmädchen,neben
Köchin, für kl. Haushalt z. 1. März,
wegen Verheiratung d. bisherigen
Mädchens, geſucht. Vorzuſtellen
Ohlyſtr. 58, v. 91 Uhr. (*17313id
Unabhäng. Pliekkrau geſucht
(*1921
Kiesſtraße 35, II., I.

Fleißiges Laufmädchen geſucht
Mathildenſtr. 54, I.
(*1926

per
Lauf=od. Dienſtmädch. u. Febr.

Tüchtiges und zuverlaſſiges
Mädchen
für Zimmer und Hausarbeit wird
für vormittags dauernd zur Aus=
hilfe
geſucht.

Suche perf. Herrſchaftsköchinn.,
Lohn b. 50 Mk., monatlich, Haus=
mädch
., Kindermädch., Alleinmädch.,
welche koch. u. nicht koch. können, Uebenverdienſt Mk. jährlich.
Küchenmädch. f. Hotels u. Reſtaur.
Stützen, welche kochen können, für
Frau Minna Dingeldein, ge=

Falztrau

geſucht (*2011
Karlstrasse 21, Laden.

Ein Mädchen für leichte Küchen=
arbeit
ſucht
(*2012
Kaiſer=Automat.

Mädch. v. Land, nicht üb. 16 J.,
b. 1. Febr. geſ. Heinheimerſtr. 13.(*
Fleiß. ſaub. Monatsfrau geſucht
Lauteſchlägerſtr. 46, II. (*1994

Unabh. ſaub. Laufmädch. geſ. f.
vorm. u. teilw. nachm. Vorzuſt. zw.
67 nachm. Beckſtr. 62, pt. (*1395

Suche in kleinen feinen Haush.
beſſeres Mädchen oder einfache
Stütze, muß die feine bürgerliche
Küche verſtehen und aute Zeugn.
von ähnl. Stellen beſitzen; hoher
Lohn, tüchtige Lauffrau vorhand.
Eintritt 1. Februar. Frau Minna
Dingeldein, gewerbsmäßige Stel=
lenvermittlerin
, Eliſabethenſtr. 5,
Telephon 531.
(*2015

Saub. Mädchen oder Frau geſ.
Grafenſtr. 13, II. (*1931

Saub. Laufmädchen ſofort geſ.
Ludwiaſtraße 10, II. (*1349

geſucht Georg
Laufmädchen Zorn, Wilhel=
minenſtraße
4.
(*1951im

Solide zuverläſſige Lauffrau in
kinderl. Haushalt geſucht für vor=
u
. nachm. Es kann a. ſpät. kleine
ſchöne Wohng. gegeb. werd. ( Neckar=
ſtr
.) Gfl. Off. u. 974 Exp. (*1966

Ordentl. Lauffrau od. Mädch.
für Mittwochs u. Samstags ſof.
geſ. Heidelbergerſtr. 23, pt. (B2921
Ordentl. Dienſtmädchen in kl.
Haush. ſof. od. per 1. Febr. geſ. Näh.
Ernſt=Ludwigſtr. 8, Lad. r. (*1979im

Tücht. Mädchen f. alle Hausarb.
geſucht. Fuchsſtr. 21, I. (*1980imd

Tücht. ehrl. Laufmädchen geſ.
Saalbauſtraße 8, I. Vorzuſtellen
von 10 Uhr ab.
(*1981

Ordentliche Frau oder Mädchen
wird zur tägl. Reinigung unſeres
Büros geſucht. Näheres (*1971
Glückaufss
Darmſt. Kohlen=Verk.=Geſ. m. b. H.
Heidelbergerſtraße 1. Laufmädchen v. morgens 9 Uhr
bis mittags nach dem Spülen zur
Aushilfe ſofort geſucht (*1948
Kiesſtraße 124, 2. St. für tägl. 2 Std.
Putzfrau (vormittags)
geſucht. Näheres zu erfragen
Schwanenſtraße 41, I. (*1990 Putz= od. Waſchfrau oder ält.
Mädchen kann frei ſchlafen (möbl.),
gegen kl. Gegenleiſtung d. abends
Schulſtraße 15, II.
(2911 Männlich 20 Mk. pro ag
können redegew. Kaufl., Techniker
u. dergl. verdienen. Offerten u.
D 89 an die Expedition. (*1970 Anwaltsgehilfe, der etwas
ſelbſtändig arbeitet, per ſof. od.
ſp. geſ. Off. m. Zeugnisabſchr. u.
Angabe der bish. Tätigkeit u. Ge=
haltsanſpr
. unt. D 86 an die
Exp. d. Bl.
(*1998ids alle Beruſe
Offene Stellen enthält ſtets
die Zeitung Deutſche Vakanzen=
Poſt, Eßlingen 143. (I,1984 Strebsame Leute für flotten
OArtikel zum Verkauf an Herren
geſucht. Muſter gegen 80 Pfg.,
ſowie alles weitere unter D 69
an die Expedition.
(B2925 täglich zu verdienen.
2928210 Mk. Proſp. frei. Mdresen=
Verlag Joh. H. Schultz. Cöin 101. (II,2384 Hauplagentur
einer erſtkl. Lebens=, Unfall= Haft=
pfl
., Sterbekaſſen= u. Kinder=Verſich.
iſt neu mit Inkaſſo zu beſetzen.
Refl. wird auf eine gewiſſenhafte
Perſönlichk., die auch in der Lage
(2887imd iſt, das beſtehende Geſchäft zu ver=
größern
. Offerten unter P. R. J. 649
an Rudolf Mosse, Frankfurt a. M. I, 22 v. 600800
Für die Colportage des 1. Mor=
genblattes
der Frankfurter Zei=
hier
u. ausw. für ſofort u. ſpäter tung in hieſig. Hotels, Cafés ꝛc.
während der Abendſtunden wird
werbsmäßige Stellenvermittlerin,ſolider u. pflichteifriger Mann ge=
Eliſabethenſtr. 5, Tel. 531. (*2912 ſucht. Rüſt. Penſionär, auch klein.
ſelbſtänd. Handwerker ꝛc. dauernder
Nebenverd. gebot. Kl. Kaut. erford.
Meld. zw. 101 u. 58 Uhr bei der
Agent. d. Frankf. Zeit. (Chr. Kull=
mann
), Wilhelminenſtr. 9. (IV,2907 Ein älterer, tüchtiger (*1933im
Installateur
und Spengler ſofort für dauernd
geſucht. Verheirateter bevorzugt.
J. Rühl, Saalbauſtr. 24. fücht. Suhrtnecht
zu 2 Pferden von einer hieſigen
Kohlenhdlg. per ſofort geſ. Näh.
Viktoriaſtr. 30, Comptotr. (2912im Jüng. Hausburſche
ſofort geſucht (Radfahrer). (2944
Gebrüder Nösinger,
Grafenſtraße 19. Tücht. Hausbursche
Radfahrer, ſofort geſucht Frank=
*2018
furterſtraße 6.

1914.

Jüngerer Hausburache
für dauernd geſucht. Näheres in
der Expediton.
(*2019
Für ſofort
wird ein jung. Hausburſche
geſucht. Wo ſagt die Exped. (*1924

Junge

aus guter Familie in die Lehre
geſucht. Viel, Dentiſt, Hoffmann=
ſtraße
23.
(2662a

Mühlſtraße 39, I.
(*1899gi

geſucht ChriſtianHeß,
Lehrling Maler= u. Lackierermſtr.

Lehrling
auf größeres kaufmänniſches Büro
per ſofort oder Oſtern geſucht.
Selbſtgeſchriebene Offerten unter
D 87 an die Exped. (*1976id

Ein braver Junge
wird zu Oſtern in die Lehre geſucht.
Josef Georg, Tapeziermeiſter
Schwanenſtraße 20. (*1977

Uerch

Mme. Matifas, Institutrice frangaise
M(ay. tous ses dipl.) donnerait
deslecons. Frankensteinstr. 49, III
chez elle Mardi & Jendi de 11 hres
2u
à 2½.
(2329a

zünſtler, und einf. Dieſbrand=
N Unterricht, Schnitzen. Oel=,
Aquarell=, Porzellan=, Samt=
Malunterricht wird gründlich
erteilt. Waldſtraße 1½, 1. Stock.
Käte Ross.
(1518a

wünſcht engliſch.
Engländerin Unterricht zu er=
teilen
Wilhelminenplatz 10, I. (308a

35 Prwatstunden zu 2
für Franzöſiſch zu günſtigem Preis.
Näheres Berlitz School, (2941

Für engliſchen Privatzirkel noch
7 1 Teilnehmer geſucht. Näh.
Berlitz School. (2942

Junge Mädchen können das
Weißzeugnähen u. Zuſchneiden
gründlich erlernen Frau E. Zeitz,
geb. Roese, Schützenſtr. 7. (2346a

oachims Gesangschule,
Parcusstr. 9, für Oper, Konzert,
Haus. Vorzügl. Tonbildg. (1069a

Stenographie (Gabelsberger)
kann gegen geringes Honorar
gründlich erlernt werden. Off. u.
D 81 an die Exved.
(*1996

getr. Herren=
Ich kaufe u. Damenklei=
der
, Stiefel, Wäſche uſw. Zahle
die höchſt. Preiſe. Poſtkarte genügt.
J. Schnitzer. (2946a
Kleine Ochſengaſſe 13, Laden.

Waute alte Zahngebisse, p. Lahn 30 Pfg.,
D sowie alle Arten altertümliche Möbel,
2935a) G. Best, Ludwigshöhstr. 60. 1. St.

für feine Sohuhrepara-
Werkstatte turen und Massarbeit
Schuh-
Heinr. Gahl, macher,
Schillerplatz 2, I. Stock. H

ittagstisch
Fleisch u. veg. Kost von
60 Pf. h. M. 1. im Abonn.
bendtisch
Fleisch u. veget. Kost v.
50 Pf. bis 70 Pf. im Abonn.

Ausehant des berünten
:: Wormser Weinmostes::

kein Teinierwang. (11
Damenzimmer.
Reform-Restaurant
4 Alexanderstrasse 4, I. Stock.

Neunmalneununcneuneig Schuh
Putfman mit kadaf im Ne.

Der Einfender Chiedenen AbC-Anzeigen erhtälteinen gan. am
Satzvon 25 ABf-Kunſtlermarken von der Erdal. Fabrik in Naigr.,;

[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 27. Januar 1914.

Nummer 27.

Ueberaſterung der höheren Poſtbeamten.

* Man ſchreibt uns: Es dürfte wohl allgemein aner=
kannt
ſein, daß diejenigen Männer, die berufen ſind, am
Fortſchritt der Kultur mitzuarbeiten, möglichſt Mitte der
dreißiger Jahre in ſelbſtändige Stellen kommen ſollten,
die an ihre Verantwortlichleit und ihre Initiative mög=
lichſt
große Anſprüche ſtellen, damit ſie ſich ihre Friſche
auch für ſpätere höhere und leitende Stellen bewahren.
Wer bis Mitte der vierziger Jahre in unſelbſtändigen
und untergeordneten Stellen feſtgehalten wird, dem man=
gelt
ſpäter nur zu leicht die Entſchluffähigkeit zu friſchem
Vorwärtsſchreiten. Namentlich in großen Betrieben, an
die täglich neue Aufgaben herantreten, iſt es bedenklich,
wenn die Beamten in zu ſpätem Alter in leitende Stellen
kommen. Vor dieſer Gefahr ſteht zurzeit in beſonderem
Maße unſere Reichspoſtverwaltung.
Die höheren Poſtbeamten ſind nach dem Beſtehen der
höheren Verwaltungsprüfung (im Durchſchnittsalter von
30 Jahren) zunächſt als Ober=Poſtpraktikanten bei den
Oberpoſtdirektionen tätig, nach zurzeit etwa 10 Jahren (!)
rücken ſie in Inſpektorſtellen bei den Poſt= und Telegra=
phenämtern
ein, darauf in Oberpoſtinſpektorſtellen bei den
Oberpoſtdirektionen, als welche ſie den Bezirksaufſichts=
dienſt
wahrzunehmen haben, oder in Vizedirektorſtellen
zur Unterſtützung der Direktoren der großen und größten
Poſt= und Telegcaphenämter. Nachdem ſie dieſe drei
Durchgangsſtellen durchlaufen haben, erreichen ſie dann
ſchließlich die Stelle eines Direktors oder Poſtrats. Erſt
dieſe Stellen geben ihnen in größerem Umfange Gelegen=
heit
zu eigener Verantwortlichkeit und eigener organi=
ſatoriſcher
Tätigkeit. Vorher ſind ſie ſtets mehr oder
weniger vorbereitende oder den Willen anderer ausfüh=
rende
Organe, die eine eigene Entſcheidung nicht zu fällen
haben.
Die Wartezeit vom Beſtehen der höheren Prüfung bis
zum Einrücken in eine Direktorſtellung beträgt zurzeit über
13 Jahre, die Wartezeit bis zum Einrücken in eine Poſt=
ratſtelle
über 16 Jahre. Alſo erſt Mitte der vierziger
Jahre rücken dieſe Beamten in eine Stelle ein, in die ſie
bei geſunden Verhältniſſen Mitte der dreißiger Jahre ein=
rücken
ſollten, was auch bis zum Jahre 1894 der Fall war.
In wenigen Jahren wird die Wartezeit bis zum Ein=
rücken
in eine Poſtratſtelle 20 Jahre und mehr betragen
und die Poſtverwaltung wird keine Poſträte un er 50 Jah=
ren
mehr haben. Das ſind ungeſunde Verhältniſſe, die
dringend der Berichtigung bedürfen.
Die Poſtverwaltung will nun, um die mit dieſen
ſchlechten Beförderungsverhältniſſen für die Beamten ver=
bundenen
Gehaltsnachteile zu verringern, eine größere An=
zähl
von Inſpektorſtellen in Vizedirektorſtellen umwandeln,
und hat entſprechende Vorſchläge bereits in den Etat für
1914 eingeſetzt. Dieſe Maßregel kann aber das Uebel nicht
beſeitigen. Gehaltsſchäden für die Beamten können wirk=
ſam
und ein= für allemal nur dadurch beſeitig werden,
daß die höheren Poſtbeamten vom Oberpoſtpraktikanten
bis zum Poſtdirektor in eine gemeinſame Gehaltsklaſſe
zuſammengefaßt werden, wie es nach den Verhältniſſen

bei anderen Verwaltungen auch aus anderen Gründen be=
rechtigt
wäre. Vor allem aber faßt die Umwandlung von
Inſpektorſtellen in Vizedirektorſtellen das Uebel vom äll=
gemeinen
Standpunkte aus nicht an der Wurzel. Es iſt
zwar ſelbſtverſtändlich, daß dieſe Umwandlung der In=
ſpektorſtellen
in Vizedirektorſtellen nicht nur dem Namen
nach erfolgen ſöll, daß vielmehr den Beamten damit auch
eine größere Selbſtändigkeit und größere Befugniſſe ge=
geben
werden ſollen, aber man müßte, wenn man einmal
zu beſonderen Mitteln greift, keinen halben Schritt tun.
Hat man ſchon den Fehler gemacht, daß man ſeinerzeit
zuviel Anwärter annahm, ſo ſollte man wenigſtens jetzt
die dadurch geſchaffene Lage, daß man eine große Anzahl
dienſterfahrener höherer Beamten zur Verfügung hat, da=
zu
ausnutzen, um unter Anſpannung aller Kräfte überall
in alle Zweige des Betriebes hineinzuleuchten, wo etwas
zu beſſern und wo etwas zu vervollkommnen iſt. Iſt es
nicht ein ganz ſonderbarer Zuſtand, daß ſich an allen
Ecken und Enden die höheren Beamten, vor allem die
Poſträte beklagen, daß ſie überlaſtet ſind, und wegen lau=
fender
Dienſtgeſchäfte ihren höheren Aufgaben entzogen
werden, während die jüngeren ſich darüber beklagen, daß
ihnen keine Aufgaben geſtellt werden, an denen ſie ihre
Kenntniſſe meſſen und ihren Tätigkeitsdrang ausüben
können? Man ſollte die Beamtenkräfte, die man hat, aus=
nutzen
, indem man nicht nur bei den Verkehrsanſtalten
den Beamten ein größeres Betriebsfeld ſchafft, ſondern
auch bei den Bezirksbehörden, indem man die Stellen der
Hilfsreferenten (Poſtinſpektoren) in Stellen für Referen=
ten
(Poſträte) und Stellen für Oberpoſtpraktikanten in
Stellen für Hilfsreſerenten umwandelt. Dadurch würde
eine große Anzahl von Kräften für eine nützliche Tätigkeit
frei gemacht werden können, ohne daß die Zahl der Be=
mten
auch nur um einen einzigen vermehrt zu werden
brauchte. Dadurch könnte die Poſtverwaltung dafür ſor=
gen
, daß ihre Beamten nicht in untergeordneten Stellen
verkümmern und verbittert werden, bevor ſie in Stellen
berufen werden, die friſche und arbeitsfrohe Männer ver=
langen
. Ja, ſo könnte ſogar der Fehler der früheren
Stephanſchen Politik zu einem Segen für die Poſtverwal=
tung
werden, und zu einer geſteigerten, dem Handel und
dem Verkehr beſonders ſegensreichen Tätigkeit führen.
Wenn die Poſtverwaltung dieſen Weg gehen will ſo wird
ſie vorausſichtlich im Reichstage, der im Vorjahre in einer
eſonderen Reſolution ſchon eine Vermehrung der End=
ſtellen
gefordert hat, eine bereitwillige Hilfe finden.

Sport, Spiel und Turnen.

Sr. Lawn=Tennis. Uhl ſchlägt Froitzheim.
Das Berliner Hallen=Lawn=Tennis=Turnier hatte am
Sonntag eine Senſation zu verzeichnen. In der Schluß=
runde
des offenen Herren=Einzelſpieles mußte Froitzheim
nach hartem Kampfe die Waffen vor dem jugendlichen Uhl
ſtrecken. Das Spiel der beiden Kämpen hielt die Zuſchaner
in großer Spannung. Nach dem erſten von Froitzheim
mit 633 gewonnenen Satz glich Uhl 6:2 aus. Froitzheim

übernahm anfangs mit 6:3 die Führung, aber Uhl er=
zwang
nach prächtigem Spiel mit 11.9 wieder den Aus=
gleich
. Den letzten entſcheidenden Satz gewann wiederum
Uhl 6:4 und brachte ſomit Froitzheim eine überraſchende
Niederlage bei. Frl. Kribben trat in der Schlußrunde des
ffenen Damen=Einzelſpieles nicht an und überließ Frau
Dahl einen kampfloſen Sieg. Eine weitere Entſcheidung
ſiel im Herren=Doppelſpiel mit Vorgabe, wo Kupſch=
Amen- ( ¾) mit 13113 zurückzog und Schoneiche=Bayer
(0) den Sieg überließ.
sr. Eisſport. Eislauf= Weltmeiſterſchaf=
en
in St. Moritz. Die Damenkunſtlaufmeiſterſchaft
und die Paarlaufmeiſterſchaft der Welt auf dem Eiſe, die
vom Internationalen Eislauf=Verband zur Entſcheidung
nach St. Moritz überwieſen worden waren, hatten am
Sonntag, wie aus St. Moritz gemeldet wird, bei herr=
ichem
Winterwetter einen Rieſenbeſuch angelockt. Für
die Damenmeiſterſchaft hatten ſich neun Teilnehmerinnen
ingefunden, davon deutſcherſeits nur die deutſche Meiſte=
in
Frl. Frenſſen=Berlin. Die vorjährige Siegerin, Frl.
Meray=Horvath=Peſt, ſowie Frl. Hanka=Wien abſolvier=
en
ihre Pflichtübungen am beſten. Dagegen enttäuſchte
bei beiden die Kür. Trotzdem beſetzte Frl. Meray=Horvath
den erſten Platz vor Frl. Hanka=Wien und Frl. Hohnſon=
London. Frl. Frenſſen wurde vierte. Die Paarlauf=
meiſterſchaft
, die von dem Wiener Paar Frl. Engelmann=
Herrn Mejſtrick zu verteidigen war, ſah nicht die Vertei=
diger
als Sieger. Das Ehepaar Jacobſon=Helſingfors
Frau Jacobſon iſt die bekannte frühere Berliner Eiskunſt=
läuferin
Frl. Eilers holte ſich die Meiſterſchaft vor den
Verteidigern Frl. Engelmann=Herrn Mejſtrick. Drittes
Paar wurden Frl. von Szabo=Herr Horwitz=Wien, vierte
das Berliner Paar Frl. Frenſſen=Herr Vogel und fünfte
das Ehepaar Bryn=Chriſtiania. Das Junior=Kunſtlaufen
für Herren gewann unter 8 Startern Jarros=Peſt vor
Beaumont=London, Clarke=London und Vogel=Berlin. Im
Damen=Junior=Kunſtlaufen zeigte ſich Miß Sawle=London
ils die Beſte. Die einzige Berliner Teilnehmerin, Frl.
Bigner, wurde unter ſechs Konkurrenten Letzte.

2894

3255555520
Aaggeeege

Ze meistenEauEt

Der Rotti-Bouillon-Würfel
erste und älleste Marks)
ersetzt das Suppenfleisch!

bleiben deshalb so hartnäckig bei
Rotti, weil nach ihrer Ansicht nichts
eine solchbillige und doch durchaus
vollwertige Fleischbrühe gibt, wie
die echte Münchener

1 Würfel 5 Pfg.
5 Würfel 20 Pfg.

Vertreter: Ferdinand Joos, Agenturen und Kommissionen, Darmstadt.

(II,2909

Ia Speisckartoffeln,
Induſtrie und Ella
Zwiebeln, (2003a
holländiſche und ungariſche
Apfelsinen,
ſchönfarbige, ſüße Frucht
Citronen
in Kiſten mit 300 u. 360 Stück
garantiert froſtfreie Ware
offeriert äußerſt billig
Georg Crößmann
En gros Grafenstr. 16 En detail.
Telephon 2154.

Milchabſchlag
täglich frifche Vollmilch per Ltr.
22 Pfg. liefert frei ins Haus.
Offerten erbeten unter D 93
an die Exvedition.
(*1986is

Iu Phuer Benkaress Saderkrauf
das Beſte, was in dieſem Artikel
geboten werden kann, per Pfund 12 Pfg.
Ia Salz- und Essig-Gurken
von bekannter Güte 410 Pfg. per Stück.
Ia Stangen-Schnittbohnen
in 1 Stunde weichkoch., p. Pfd. 25 Pf., abgebrühte p. Pfd. 28 Pf.

Meine Waren ſind in vielen hieſigen Geſchäften
(durch Plakate erſichtlich) zu haben.
Georg Korbus

(2906a

Gurken=, Konſerven=
und Sauerkraut=Fabrik

Luiſenſtraße 36, Tel. 1093.

Tüchtige, kautionsfähige
Wirtsleute
von auswärtiger Großbrauerei unter
günſtigen Bedingungen geſucht.

Offerten unter D 38 an die Exvedition d. Bl.

(2760si

aüsheren, Hausverwater u. Archlfekten
Wenden Sie ſich bei
Kanal-Verstopfung
nur an das Darmstädter Kanalreinigungsinstitut.
Auh werden Neuanlagen billigſt ausgeführt. Voranſchläge koſtenlos.
Inhaber: Philipp Maul, Eſchollbrückerſtraße 6. (2908a

Zut erh. Einſp.=Feder=Rolle zu Kuterh. Winterüberzieher bill.
pk. Magdalenenſtr. 19. (*1795si abzug. Soderſtr. 56, II. (*1957im

Zur Beseitigung von
Gesichts-u. Körperhaaren
Damenbart
ist tatsäch-
lich
das
beste Mittel
der Welt
Subito‟
weil es die
Haare
sofort
schmerzlos
enifernt
radikal mit Wurzel
so dass ein Wiederwachsen
dieser Haare ausgeschlossen
ist. Keine Hautreizung und
besser alsElektrolyse. 6.101.38
Garantie absol. unschädl.
sicherer Erfolg. Preis 3.50.
Preisgekrönt gold. Medalle. VieleDankschr.
Versund diskret geg. Nachn.
od. Voreinsnd. (auch Briefm.)
Allein-Verkauf
für Darmstadt
Parfümerie (2904a
Friedrich Tillmann
Elisabethenstr. 21. Tel. 2231.

Kohlen, Briketts u. Hole
empfiehlt frei Keller nach
jedem Stadtiel V. Metz, Die=
burgerſtraße
32.
Horeleg. Geſellſchafts= od.
m. Schleppe, 1mal
Ball=Coilette getr. 500 Mk. gek.,
bill. abzug. Off. u. D 79 Erp. (*1954
Ge dſchrank
Fur Liebhaber! (Altertum) zu
verkaufen. Näh Exped. (*193 im

2 Gasöfchen u. Gasherd
zu verkaufen Stiftſtr. 21. (2918a

Für eine altrenommierte gute
Wirtſchaft werden
tüchtige Wirtsleute
geſucht, die nachweislich mit Erfolg
ſchon Wirtſchaft betrieben haben
und Kaution ſtellen können. Off.
sub E-77 d. d. Exped. (2250a

Sie werden unbedingt in
34 Tagen von Ihren
Schmerzen befreit, wenn
Sie morgens und abends
eine Taſſe von meinem
erprobten Rheuma-Tee
trinken. Selbſt Perſonen
mit Gelenk= Rheumatis=
mus
und veralteten rheu=
matiſchen
Leiden, beidenen
Pflaſter, Maſſage, Ein=
reibungen
, Bäder uſw.
nutzlos waren, wurden
durch meinen Tee in 4
Tagen geheilt. Verſand er=
folgt
portofrei gegen Nach=
nahme
von 2 Mk. durch
M. Lenneberg,
Remſcheid. (II,283