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Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung
des Etats des Reichsamts des Innern
fort.
Bei der Reichstagserſatzwahl im Wahlkreiſe
Marienwerder 2 wurde v. Brünneck (Reichspt) im
erſten Wahlgange gewählt.
Die Deutſche Reichsbank hat den Diskont von
5 auf 4½ Prozent und den Lombardzinsfuß von
6 auf 5½ Prozent herabgeſetzt.
In Petersburg ſind 70000 Fabrikarbeiter
in den Ausſtand getreten.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
Die Tarifverträge in
Deutſchland.
BC. Das Kaiſerliche Statiſtiſche Amt veröffentlicht im
7. Sonderheft zum Reichs=Arbeitsblatte eine vollſtändige
Beſtandsſtatiſtik der Arbeitstariſverträge in Deutſchland.
In dem Werke wird ein vollſtändiges Bild der tariflich
geregelten Arbeitsbedingungen in Deutſchland gegeben.
Die wachſende Bedeutung der Tarifverträge für unſer
wirtſchaftliches Leben wird aus der Feſtſtellung erſichtlich,
daß ſich in den letzten ſechs Jahren die Zahl der
Tarif=
verträge und der von ihnen erfaßten Perſonen mehr als
verdoppelt hat, mit dem Ergebniſſe, daß Ende 1912 10 739
Tarifgemeinſchaften in 151930 Betrieben für 1774285
be=
ſchäftigte Perſonen galten. Die Tarifgemeinſchaften ſind
in Betriebe jeder Größe eingedrungen, in kleine und
handwerksmäßige, in mittlere und große. In den
ein=
zelnen Gewerbegruppen aber iſt die Verbreitung der
Tarifverträge ſehr verſchieden; während das
polygraphi=
ſche Gewerbe (Buchdruck uſw.) ſehr ſtark von
Tarifver=
trägen erfaßt iſt, ſo daß etwa zwei Drittel aller Arbeiter
dort von Tarifverträgen erfaßt werden, und auch im
Be=
kleidungsgewerbe und Baugewerbe die Arbeitsverhältniſſe
zum großen Teil durch Tarifverträge geregelt werden,
ſind letztere in der Textilinduſtrie und in der chemiſchen
Induſtri nur wenig verbreitet. Der Bergbau in
Deutſch=
land hat überhaupt keine Tarifverträge, während in
Groß=
britannien — wie aus einer internationalen
Vergleichs=
tabelle der Statiſtik hervorgeht — gerade im Bergbau die
Tarifverträge außerordentlich ſtark verbreitet ſind.
Bei dem Abſchluß der Tarifverträge in Deutſchland
ſind die Arbeitnehmerverbände auf ſeiten der
Arbeitneh=
mer faſt ausnahmslos beteiligt. Mehr als die Hälfte
al=
ler tariflich gebundenen Perſonen ſind in ihnen
organi=
ſiert. Auf der Arbeitgeberſeite dagegen ſchließen in der
Mehrzahl der Fälle nicht die Arbeitgeberverbände, ſondern
einzelne Firmen die Verträge ab. Auch eine nicht geringe
Zahl von Innungen iſt an den Verträgen beteiligt. In
einem Anhang ſind die von Innungen abgeſchloſſenen,
wie überhaupt die für das Handwerk gültigen
Tarifver=
träge beſondes bearbeitet.
Von den in Tariſverträgen feſtgelegten
Arbeitsbe=
dingungen ſind Arbeitslohn und Arbeitszeit am
wichtig=
ſten. Aus der Statiſtik geht hervor, daß für die
Mehr=
zahl der Arbeiter eine tägliche Arbeitszeit von mehr
als 9 bis 10 Stunden, bezw. eine wöchentliche
Arbeits=
zeit im Sommer von mehr als 58 bis 60 Stunden die
Regel bildet. Was den Arbeitslohn angeht, ſo gelten
die Tarifgemeinſchaften, die einen niedrigſten
Stunden=
lohn für gelernte männliche Arbeiter von mehr als
45 Pfg. angeben, für die Mehrzahl der Arbeiter.
An=
dererſeits findet ſich dagegen ein niedrigſter Stundenlohn
für ungelernte männliche Arbeiter von 45 Pfg. und
dar=
unter in den Tarifgemeinſchaften, die die überwiegende
Mehrzahl aller Arbeiter umfaſſen. Die Tarifverträge mit
der Mehrzahl aller Arbeiter enthalten einen niedrigſten
Wochenlohn männlicher gelernter Arbeiter von mehr als
25 bis 30 Mark, während ſie andererſeits für ungelernte
männliche Arbeiter einen niedrigſten Wochenlohn von
25 Mark und darunter enthalten.
Außer dieſen allgemeinen Feſtſtellungen über den
Ar=
beitslohn enthält die Tarifſtatiſtik eine beſonders
ein=
gehende tabellariſche Darſtellung der Lohnſätze in den
ein=
zelnen Beruſgarten an den verſchiedenen Orten und
Be=
zirken des Reiches, die eine geeignete Unterlage für
ver=
gleichende Lohnbetrachtungen bildet. So ſind denn auch
in einer beſonderen Tabelle der amtlichen Veröffentlichung
die Lohnſätze für eine Reihe der wichtigeren
Berufs=
arten und die ortsüblichen Tagelöhne in ausgewählten
Bezirken mit den in Berlin herrſchenden Lohnſätzen
ver=
glichen worden.
Die Miſſion des
Miniſter=
präſidenten Venizelos.
* Zu der Reiſe des griechiſchen
Miniſter=
präſidenten nach London erfährt das Reuterſche
Bureau, daß Venizelos von dem Ergebnis ſeiner
Reiſe und den Beſprechungen, die er mit den
verſchiede=
nen Staatsmännern hatte, befriedigt iſt. In den
Beſpre=
chungen wurde die ganze Frage der Stellung
Griechen=
lands, einſchließlich der Grenze vom Epirus und der
Aegäiſchen Inſeln, erſchöpfend erörtert. Ferner
wurde der griechiſche Vorſchlag, betreffend eine kleine
Aenderung an der griechiſch=albaniſchen Grenze,
beſpro=
chen. Dieſer Vorſchlag, der jetzt erwogen wird, zielt
da=
hin, einen kleinen Diſtrikt in der Nähe von Argyrocaſtro,
der ausſchließlich von Griechen bewohnt wird,
Griechen=
land einzuverleiben.
Obwohl auf griechiſcher Seite hinſichtlich der Lage
an der Grenze vom Epirus eine gewiſſe Beſorgnis
be=
ſteht, iſt Venizelos doch, wie erklärt wird, feſt überzeugt,
daß die Lage keine Geſtalt annehmen wird, die
möglicher=
weiſe zu internationalen Schwierigkeiten führen würde.
Griechenland hat von der Entſcheidung der Mächte
hin=
ſichtlich der Grenze offiziell noch keine Kenntnis, doch
be=
ſteht kein Zweifel, daß es bereit iſt, die Wünſche der
Mächte in loyaler Weiſe auszuführen und die Albanien
zuerkannten Diſtrikte zu räumen. Bisher ſind allerdings
noch keine Schritte zur Zurückziehung der griechiſchen
Truppen erfolgt. Gerüchten, die das Gegenteil melden,
wird kein Glauben beigemeſſen. Was den 18. ds. Mts.
als den Zeitpunkt der Räumung anbetrifft, ſo
wird darauf hingewieſen, daß Griechenland von dieſem
Datum, das ausſchließlich zwiſchen den Mächten
verein=
bart wurde, keine Kenntnis habe.
Die italieniſche Tribuna ſchreibt in Erwiderung des
Artikels des Tanin zu der Frage der zwölf
In=
ſeln, daß Italien der türkiſchen Methode gegenüber, die
Sache hinauszuſchieben, ſeine Ruhe nicht verlieren dürfe.
Das Blatt erklärt neuerlich, daß Italien die von ihm
be=
ſetzten Inſeln nicht eher räumen werde, bis es für
die Opfer an Gut und Blut entſchädigt worden ſei,
die es infolge der Nichterfüllung des Lauſanner Vertrages
auf ſich nehmen mußte. Es werde in dieſer Haltung von
ſeinen Verbündeten unterſtützt und habe
Grund, anzunehmen, daß die Gerechtigkeit ſeiner
Geſichts=
punkte auch von dem Dreiverbande anerkannt werde.
Italiens Abſicht ſei es nicht, die Türkei zu ſchwächen,
ſon=
dern zu ſtärken, denn es verlange nur die Beteiligung
Italiens an der wirtſchaftlichen Betätigung Europas am
öſtlichen Mittelmeer. Dadurch werde es Mitintereſſent
an der Wohlfahrt und der Integrität der Türkei. Italien
wolle keinen Landerwerb, es werde aber als Großmacht
am Mittelmeere um jeden Preis darauf beſtehen, an dem
friedlichen wirtſchaftlichen Wettbewerb der Großmächte
teilzunehmen und ſich am öſtlichen Mittelmeere den ihm
gebührenden Platz ſichern. Das ſei ein Lebensintereſſe
für Italien. Italien ſei entſchloſſen, dieſes Ziel, das mit
allen geſetzmäßigen Intereſſen der Türkei und Europas
vereinbar ſei, zu erreichen.
Deutſches Reich.
— Reichstagserſatzwahl. Bei der durch den
Tod des Reichstagsabg. Zürn (Reichspt.) im
Wahl=
kreiſe Marienwerder 2 notwendig gewordenen
Reichstags=
erſatzwahl erhielten Landrat v. Brünneck=Roſenberg
(Reichspt.) 11334, Gutsbeſitzer Rasjkowski=Krzeniniewo
(Pole) 8146 Stimmen. Zerſplittert waren 28 Stimmen.
v. Brünneck iſt ſomit gewählt. Bei der Hauptwahl im
Jahre 1912 erhielten Zürn (Reichspt) 11119, der polniſche
Kandidat 8778 und der ſozialdemokratiſche Kandidat 309
Stimmen.
— Eine zweimal kaſſierte
Reichstags=
wahl. Wie ſchon mitgeteilt, wurde die Wahl des Abg.
v. Halem (Reichsp., Wahlkreis Marienwerder=Schwetz), von
der Wahlprüfungskommiſſion des Reichstags für
ungül=
tig erklärt. Damit iſt die Wahl dieſes Abgeordneten zum
zweiten Male der Ungültigkeitserklärung verfallen. Beim
erſten Wahlgange 1912 fehlten den Polen nur zwei
Stim=
men an der unbedingten Mehrheit; bei der Stichwahl
ſiegte dann der freikonſervative Landrat von Halem mit
der überraſchend großen Mehrheit von faſt 600 Stimmen
(8608 gegen 8039). Da die Wahl von der Kommiſſion
für ungültig erklärt wurde, legte v. Halem am 11.
De=
zember 1912 ſein Mandat nieder. Am 30. Dezember 1912
fand eine Erſatzwahl ſtatt. Bei dieſer erhielt v. Halem
8017, der Pole 7855, der Sozialdemokrat 33 Stimmen.
3 Stimmen waren zerſplittert. Die Mehrheit betrug alſo
nur 26 Stimmen. Jetzt iſt die Wahl von der Kommiſſion
abermals für ungültig erklärt worden. Der Wahlkreis
iſt zwiſchen Polen und Deutſchen der allerumſtrittenſte und
wohl an Wahlen reichſte. Bei den Wahlen 1893 war der
Freikonſervative Holtz mit wenigen Stimmen Mehrheit
gewählt worden; 1896 wurde die Wahl als ungültig
er=
klärt und Holtz darauf wiedergewählt. Das Mandat aber
wieder ungültig und in der zweiten Erſatzwahl (März
1897) wurde der Pole Saß=Jaworski gewählt. Bei der
nächſten Hauptwahl (1898) ſiegte wieder der Deutſche,
1907 aber der Pole. Jetzt muß in der gegenwärtigen
Reichstagsperiode zum dritten Male gewählt werden.
— Die Reichstagskommiſſion für die
Errichtung eines Kolonialgerichtshofes
beſchäftigte ſich mit dem Antrag des Nationalliberalen
Dr. Junck, keinen beſonderen Kolonialgerichtshof zu
be=
gründen, ſondern die einſchlägige Rechtſprechung einem
neuen Senat des Reichsgerichts zu übertragen.
Der Antrag Junck wurde insbeſondere damit
be=
gründet. daß er die Rechtseinheit ſicherſtelle. Von
fort=
ſchritlicher Seite wurde er unter Hinweis auf die große
Belaſtung des Reichsgerichts und auf die beſondere
Eigen=
art der kolonialen Rechtsfragen bekämpft. Der
Staats=
ſekretär des Reichsjuſtizamts bemerkte, die ganze Frage
ſollte eigentlich turch die Beratung einer früheren
Kom=
miſſion vom Jahre 1907 als erledigt gelten. Die jetzige
Vorlage ſei nach den Wünſchen des damaligen Reichstags
ausgearbeitet. Es müſſe bei einem beſonderen
Kolonial=
gerichtshof bleiben. Die Rechtseinheit könne man durch
Annahme eines von konſervativer Seite geſtellten Antrages
ſichern, der bei Abweichung des Kolonialgerichtshofs von
einem Grundſatz des Reichsgerichts die endgültige
Ent=
ſcheidung einem aus Mitgliedern beider Gerichtshöfe
zu=
ſammengeſetzten beſonderen Gericht übertragen will. Der
Antrag Junck wurde darauf abgelehnt, worauf die
Kom=
miſſion in die Beratung der einzelnen Paragraphen
ein=
trat. Nach dem Beſchluß der Kommiſſion zu § 1 ſoll das
Gericht die Bezeichnung Reichskolonialgerichtshof erhalten.
Als Sitz des Gerichts wurde unter Abänderung der
Re=
gierungsvorlage mit 14 gegen 7 Stimmen nicht Verlin,
ſondern Hamburg beſtimmt. Darauf wurde die Beratung
abgebrochen.
— Doch ein Reichszuſchuß für die
olym=
piſchen Spiele? Der vom Haushaltsausſchuß des
Reichstags abgelehnte Reichszuſchuß für die olympiſchen
Spiele in Berlin im Jahre 1916 dürfte vorausſichtlich von
der Vollverſammlung des Reichstages wiederhergeſtellt
werden. In den letzten Tagen haben, Berliner Meldungen
zufolge, zwiſchen den Vertretern der Fraktionen und der
Regierung darüber Beſprechungen ſtattgefunden. Mit
Ausnahme des Zentrums und der Sozialdemokraten, die
allerdings die Mehrheit bilden, ſind alle übrigen
Frak=
tionen mit der Bewilligung des Reichszuſchuſſes
einver=
ſtanden. Man hofft, daß wenigſtens ein Teil des
Zen=
trums ſeinen bisherigen Widerſtand aufgeben wird. Die
Fortſchrittliche Volkspartei des Reichstags hat den
An=
trag geſtellt, die im Haushalt für 1914 geforderte erſte
Rate in Höhe von 46000 Mark wiederherzuſtellen.
— Rücktritt der elſäſſiſchen Regierung?
Wie die Germania aus gut unterrichteten Kreiſen erfährt,
dürften in Kürze in der elſaß=lothringiſchen Regierung
Veränderungen zu erwarten ſein. In erſter Linie dürfte
Staatsſekretär Zorn von Bulach ſeinen Rücktritt
nach=
ſuchen. Aber auch Unterſtaatsſekretär Mandel wird in
dieſem Falle wohl ſein Amt verlaſſen. Ob auch der
Statt=
halter Graf Wedel demiſſionieren wird, wie manche Kreiſe
wiſſen wollen, muß als zweifelhaft bezeichnet werden.
Die Berliner Morgenpoſt dagegen meldet, daß ſämtliche
Mitglieder der elſäſſiſchen Regierung, mit Ausnahme des
Unterſtaatsſekretärs Köhler, nach Abwicklung aller mit
dem Zaberner Fall in Zuſammenhang ſtehenden
Ange=
legenheiten zurücktreten werden.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Zu den Erklärungen des
Staatsſekre=
tärs Dr. Delbrück im Deutſchen Reichstage
ſchreibt das Wiener Fremdenblatt:
Die Rede des Staatsſekretärs muß als erſte offizielle
Denunziation über die Erneuerung des Shſtems der
mitteleuropäiſchen Handelsverträge und als überaus
be=
merkenswertes Signal zur öffentlichen Diskuſſion über
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Nummer 23.
die künftigen Handelsverträge bezeichnet werden. Die
Aeußerung Delbrücks, die im Namen eines ſo machtvollen
wirtſchaftspolitiſchen Faktors, wie es das deutſche
Wirt=
ſchaftsgebiet darſtellt, getan iſt, wird unter allen
Umſtän=
den ſtets als eine höchſt wichtige Kundgebung für die
Sta=
biliſierung der handelspolitiſchen Beziehungen Geltung
haben. Es wird die Sache der Korporationen der
Mon=
archie ſein, zu dieſer Kundgebung der deutſchen
Reichs=
regierung Stellung zu nehmen. Es wird ihre Aufgabe
ſein, im einzelnen zu prüfen, ob es ſich mit den Intereſſen
unſerer Volkswirtſchaft vereinbaren laſſe, daß ſie auf die
Wünſche der deutſchen Reichsregierung eingehe, und da
noch zwei Jahre bis zur Kündigung der Handelsverträge
Zeit, iſt noch genügend Spielraum für die höchſtwichtige
Prüſung der gegebenen Verhältniſſe vorhanden. Die
beutſche Reichsregierung ſcheint vorziehen zu wollen,
mög=
ſichſt eine bloße Verlängerung ihrer Handelsverträge zu
erzielen. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß eine einfache
Ver=
längerung undenkbar iſt und daß ſelbſtverſtändlich gewiſſe
Reviſionen durch Zuſatzanträge beſchloſſen werden müſſen.
Frankreich.
Die Kammerwahlen. Es heißt, daß die
Re=
gierung die Abſicht habe, die allgemeinen Kammerwahlen
möglichſt bald, wahrſcheinlich ſchon im Monat April, zu
veranſtalten. Der Kriegsminiſter hat bereits verfügt, daß
die Reſerviſten wegen der Kammerwahlen in der Zeit
vom 12. April bis 22. Mai zu keinen Waffenübungen
ein=
berufen werden ſollen.
Picquarts Beiſetzung. Da die Neffen des
Generals Picquart nach ihrer Unterredung mit dem
Mi=
niſterpräſidenten und dem Kriegsminiſter ihre Weigerung,
betr. Veranſtaltung eines nationalen Leichenbegängniſſes,
zurückgezogen haben, wird der Verſtorbene am Samstag
in feierlicher Weiſe vom Invalidenhauſe aus zu Grabe
getragen werden.
Paris im Kriegsfalle. Im Pariſer
Gemeinde=
rat wurde in der letzten Zeit wiederholt darauf
hinge=
wieſen, daß Paris im Kriegsfalle nur ſehr
mangelhaft=
mit Lebensmitteln verſehen ſei und daß namentlich die
Brotvorräte für kaum vier Tage ausreichen würden. Es
fand nun zwiſchen dem Unterſtaatsſekretär des Krieges
Manginot und den Vertretern des Gemeinderats eine
Beſprechung ſtatt, bei der Manginot erklärte, daß der
Staat bereit ſei, zur Hälfte die Koſten für die Beſchaffung
der erforderlichen Getreide= und Mehlvorräte zu tragen,
falls die Stadt Paris und das Seinedepartement die
an=
dere Hälfte übernehmen. Dieſe Art der Verteilung wird
am Samstag im Gemeinderat geprüft werden. Der
Prü=
fung werden der Generalgouverneur von Paris, General
Michel, und der Generalintendant Ducuing beiwohnen,
um im Namen des Kriegsminiſteriums eine baldige
Lö=
ſung diefe: Frage zu befürworten. Man glaubt, daß die
Angelegenheit im Sinne des Regierungsantrages geregelt
werden wird und daß die Koſten für die Errichtung der
Lebensmitteldocks zu gleichen Teilen vom Staat und der
Stadt ſamt den übrigen Gemeinden des
Seinedeparte=
ments vorläufig für einen Zeitraum von drei Jahren
übernommen werden dürften.
Portugal.
Dringlichkeitsantrag der
Regierungs=
partei. Braga, der Führer der Regierungspartei, hat
in der Kammer einen Dringlichkeitsantrag eingebracht,
der die Einberufung des Kongreſſes fordert, um über eine
Vertagung des Parlaments für die Dauer von 10 Tagen
abzuſtimmen und eine Auslegung des Artikels 25 der
Verfaſſung herbeizuführen, der zu den
Meinungsverſchie=
denheiten zwiſchen der Regierung und dem Senat Anlaß
gegeben hat. Die Dringlichkeit wurde mit 81 gegen 46
Stimmen beſchloſſen. Die Diskuſſion über den Antrag
Braga war ſehr lebhaft.
Türkei.
Ankäufe für Heereszwecke. Die Türkei
macht umfaſſende Ankäufe für Heereszwecke in
verſchie=
denen Ländern. U. a. wird mit Frankreich über den
An=
kauf von Patronentaſchen, Riemenzeug und ſonſtigen
Aus=
rüſtungsgegenſtänden verhandelt.
Japan.
Das Abgeordnetenhaus trat wieder
zuſam=
men. Der Miniſter des Aeußern erklärte in bezug auf die
chineſiſch=japaniſche Kriſis, die ſich im September 1913
aus dem Zwiſchenfall von Nanking ergab, daß die
fried=
liche Löſung zum größten Teil auf das engliſch=japaniſche
Bündnis zurückzuführen ſei. Hinſichtlich der
chineſiſch=
japaniſchen Beziehungen, ſagte der Miniſter, die Feſtigung
und Entwicklung der wirtſchaftlichen Beziehungen beider
Länder ſei von Bedeutung für die Förderung der
japani=
ſchen Intereſſen in China. Bezüglich der kaliforniſchen
Frage ſagte der Miniſter, Amerika habe auf Japans
drit=
ten Proteſt nicht geantwortet. Die früheren Antworten
ſeien unbefriedigend geweſen. Andere Pläne zur Erledigung
der Frage, auf die er zurzeit nicht eingehen könne, ſeien
in der Ausarbeitung begriffen.
* Dresden, 21. Jan. Heute erfolgte in der
Erſten Kammer die feierliche Verpflichtung
des Kronprinzen Georg, der gemäß der
Be=
ſtimmung des § 63 der Verfaſſung nach erreichter
Groß=
jährigkeit in die Erſte Kammer eintritt. Die Mitglieder
waren faſt vollzählig erſchienen, am Miniſtertiſch waren
ſämtliche Miniſter. Auf den Tribünen ſaßen vollzählig
die Abgeordneten aller Fraktionen der Zweiten Kammer.
Graf Vitzthum v. Eckſtadt hielt eine Anſprache. Der
Kronprinz trat hierauf vor den Tiſch des Präſidiums und
legte unter Handſchlag den vorgeſchriebenen Eid ab.
Dar=
auf trat das Haus in die Tagesordnung ein.
* Die umfangreichen Hausſuchungen
bei Dresdener Zigarettenfirmen, deren
Ver=
hältnis zum Tabaktruſt auf dieſe Weiſe ermittelt werden
ſollte, bleiben in ihrem Zweck wie in ihrer Begründung
zunächſt noch rätſelhaft. Man erfährt, wie die Frankf.
Ztg. ſchreibt, daß die Maßnahme ſich auf den § 128 des
Strafgeſetzbuches ſtützt, der beſtimmt, daß „die Teilnahme
an einer Verbindung, deren Daſein, Verfaſſung oder
Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden
ſoll, oder in welcher gegen unbekannte Obern Gehorſam
oder gegen bekannte Obern bedingter Gehorſam
verſpro=
chen wird, an den Mitgliedern mit Gefängnis bis zu
ſechs Monaten, an den Stiftern und Vorſtehern der
Ver=
bindung mit Gefängnis bis zu einem Jahre zu beſtrafen”
iſt. Aber genügende Klärung gibt das nicht. Es wäre
ein völliges Novum, wenn man Truſtbildungen und
ähn=
liche Finanzkonſtruktionen plötzlich als Geheimbündelei
anſehen und beſtrafen wollte — ein an ſich außerordentlich
intereſſanter Verſuch, von dem man aber zunächſt nicht
verſteht, wie er mit Wortlaut und Sinn jenes
Paragra=
phen in Einklang zu bringen iſt. Möglich wäre es ja.
daß einzelne Manipulationen des Tabaktruſts dafür einen
Anhalt böten, doch wird an informierten Stellen darüber
einſtweilen ſtriktes Schweigen gewahrt. Inzwiſchen aber
gehen die Hausſuchungen weiter. Ueber den nächſten
Er=
folg der Hausſuchungen wird mitgeteilt, daß bei
verſchie=
denen Firmen umfangreiche Briefſchaften beſchlagnahmt
worden ſind. Es handelt ſich augenſcheinlich namentlich
darum, aus ihnen die Beziehungen zu der engliſchen
Tochtergeſellſchaft des amerikaniſchen Truſts kennen zu
ler=
nen. Bei einer Firma, die bisher nicht truſtverdächtig
war, ſollen Beziehungen zum Truſt feſtgeſtellt worden
ſein. Natürlich hat die außergewöhnliche Maßregel der
Hausſuchung bei angeſehenen Firmen zu mancherlei
Ge=
rüchten Anlaß gegeben. Sicheres über den Erfolg der
Hausſuchungen iſt nicht bekannt, wie überhaupt das ganze
Verfahren, wie geſagt. ſehr geheimnisvoll behandelt wird.
* Braunſchweig, 22. Jan. Der
Braunſchweigi=
ſchen Landeszeitung zufolge haben ſich die
Verhand=
lungen zwiſchen den Aerzten und der
All=
gemeinen Ortskrankenkaſſe zerſchlagen. Sie
wurden geſtern völlig abgebrochen. Die Krankenkaſſen
beabſichtigen, ſich mit weiteren auswärtigen Aerzten zu
verſorgen.
* Kiel, 22. Jan. Die auf der Vulkanwerft in
Stet=
tin für die griechiſche Marine erbauten
ſechs Torpedoboote traten heute vormittag nach
einem mehrtägigen Aufenthalt in dem hieſigen Hafen die
Ausreiſe nach den griechiſchen Gewäſſern durch den Kaiſer=
Wilhelm=Kanal an. Die Kommandanten der
Torpedo=
boote wurden geſtern nachmittag von dem
Generalinſpek=
teur der Marine, dem Prinzen Heinrich, empfangen.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 23. Januar.
Vom Waſſerwerk.
(Aus dem Bericht des Oberbürgermeiſters.)
* Der Waſſerverbrauch hat ſich in erfreulicher
Weiſe gehoben, ſo daß ſchon in den erſten ſechs Monaten
des Verwaltungsjahres nahezu 160000 Kubikmeter mehr
als im Vorjahre gegen Bezahlung abgegeben wurden. An
der Steigerung iſt ſowohl die Abgabe an
Waſſerverbrau=
cher, wie die für ſtädtiſche Zwecke beteiligt, auch iſt der
Verbrauch von Arheilgen darin enthalten; beſonders trägt
aber der Umſtand dazu bei, daß die Lieferung an den
Bahnhof Kranichſtein, die im Vorjahre zeitweiſe ganz
ein=
geſtellt war, durch Anlage einer zweiten Zuleitung von
Arheilgen aus weſentlich erhöht werden konnte. Der
Waſ=
ſerverbrauch von Arheilgen entwickelt ſich langſam,
aber ſtetig, ſo daß in zwei Jahren mit der Rentabilität
der Anlage zu rechnen ſein dürfte. Im Anſchluß daran
mag der inzwiſchen abgeſchloſſene Vertrag mit Wixhauſen
zwecks Waſſerverſorgung dieſes Ortes aus der ſtädtiſchen
Anlage Erwähnung finden. Der Vertrag wurde auf
glei=
cher Grundlage wie der mit Arheilgen abgeſchloſſen, nur
mußte wegen der Lage des Geldmarktes eine 6prozentige
Verzinſung des Anlagekapitals ſtatt der 5prozentigen ver=
langt werden. Mit den Rohrverlegungsarbeiten iſt vor
einiger Zeit begonnen worden, und es kann zum 1. April
1914 mit Inbetriebnahme der Waſſerabgabe nach
Wix=
hauſen gerechnet werdes.
Die Betriebseinrichtungen zur Waſſergewinnung und
eförderung arbeiteten zufriedenſtellend. Die im Jahre 1893
errichtete Brunnenanlage mit 100 engen Brunnen iſt in
ihrer Leiſtung zurückgegangen. Es wurde daher ein
Rohr=
brunnen in einer neuerdings mit Erfolg verwendeten
Konſtruktion mit 500 Millimeter Bohrung und 150
Milli=
meter Rohrweite in dieſer Anlage niedergebracht. Der neue
Brunnen hat ein günſtiges Ergebnis geliefert, weshalb für
das nächſte Jahr vorſorglich noch die Herſtellung einiger
gleichen Brunnen in dieſem Teile der Anlage vorgeſehen
iſt. Zur Beobachtung des Grundwaſſerſtandes iſt in der
Umgebung der Brunnenanlage eine Anzahl Meßrohre
nie=
dergebracht, die im kommenden Jahre noch vermehrt wese
den ſoll. Den Klagen über mangelhafte Waſſerverſorgung
im Hochzonegebiet wurde für den nordöſtlichen Teil
Ab=
hilfe geſchaffen durch Verlegung eines Hauptrohres von
250 Millimeter Weite zwiſchen der Hochzonepumpſtation
und der Dieburger Straße, das durch die Heinrich=, Beck=,
Landgraf=Georg=Straße und den Fiedlerweg geführt iſt.
Für den ſüdweſtlichen Teil ſoll im kommenden Jahre ein
Rohr von 300 Millimeter Weite zwiſchen Hochzone=Pump= und dem Hochbehälter am Dachsberg in der Nieder=
Ramſtädter Straße eingelegt werden.
Zu erwähnen iſt noch die in der Nähe wichtiger
Ge=
bäude erfolgte Aufſtellung einer Anzahl von
Oberflur=
hydranten von 100 Millimeter Weite mit
Anſchlußvorricht=
ung an die Motorſpritze. Am 1. April vor. Js. wurde das
Magazin des Waſſerwerks im alten Lagerhaus wegen des
fortfallenden Gleisanſchluſſes aufgegeben und mit dem des
Gaswerks vereinigt, ſo daß beide Werke nun ein
gemeit=
ſames, vom Gaswerk verwaltetes Lager haben.
Feuerwehr. Die im Vorjahre von der Firma Ad.
Opel in Rüſſelsheim gelieferte Automobilſpritze mit
Ben=
zinbetrieb hat ſich gut bewährt, wenn ſie auch durch
glück=
liche Fügung ernſten Proben nicht unterzogen werden
mußte; nach Ablauf eines Probejahres iſt ſie nach
gründ=
licher Prüfung dauernd in den Beſitz der Stadt
übernom=
men worden. Im Hinblick auf die überall ſtattfindende
Automobiliſierung der Feuerwehr, die bei erhöhter
Schlag=
fertigkeit und Leiſtung noch wirtſchaftliche Vorteile durch
Fortfall der Pferdehaltung mit ſich bringt, iſt die
Beſchaf=
fung einer automobilen Drehleiter beſchloſſen und bereits
in die Wege geleitet worden. Nach Indienſtſtellung der
automobilen Leiter wird der Löſchzug ein geſchloſſenes
Ganzes bilden, was um ſo mehr in die Wagſchale fällt, als
es bei Gefährdung von Menſchenleben nicht angängig iſt,
daß die Leiter infolge des Pferdebetriebes weſentlich ſpäter
auf der Brandſtelle erſcheint, wie die Spritze. Im Laufe
des Jahres wird alſo der Feuerwache ein
automobi=
ler Löſchzug zur Verfügung ſtehen.
* Vom Hofe. Se. Königl. Hoh. der Großherzog
empfingen am Mittwoch, vormittag 11 Uhr, im Neuen
Palais den Profeſſor Dr. Heck, Direktor des Zoologiſchen
Gartens in Berlin. — Prinzeſſin Friedrich Karl von
Heſſen iſt mittags 12 Uhr abgereiſt. — Prinz Waldemal
von Preußen iſt abends 10.25 Uhr abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoh. der
Groß=
herzog haben dem Landgerichtsdirektor Geheimen
Ober=
juſtizrat Dr. Ludwig Rüſter in Darmſtadt die Annahme
und das Tragen des ihm von Seiner Majeſtät dem Konig
von Preußen verliehenen Kgl. Kronen=Ordens 2.
Klaſſea=
ſtattet. — Dieſe Auszeichnung darf als Anerkennung Dr.
Rüſters für ſeine Tätigkeit in der Kommiſſion zur
Aus=
arbeitung des Entwurfs des neuen Strafgeſetzbuchs, die
längere Zeit in Berlin tagte, angeſehen werden. Dr,
Rüſter hat ſich in hervorragender Weiſe daran beteiligt,
und die ganze Arbeit weſentlich gefördert.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 2 vom 22.
Ja=
nuar hat folgenden Inhalt: 1. Geſetz, die Hingabe
eines Darlehns und die Eröffnung eines Kredits an die
Zentralkaſſe der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſen=
ſchaften, E. G. m. b. H. zu Darmſtadt, betreffend. 2.
Ge=
ſetz, Beteiligung des Staates an der Heſſiſchen
Landes=
hypothekenbank betreffend. 3. Verordnung, die ſtaatliche
Betriebskrankenkaſſe für das Großherzogtum Heſſen
be=
treffend. 4. Bekanntmachung, die Verſicherungsbehörden
für die ſtaatliche Betriebskrankenkaſſe für das
Großher=
zogtum Heſſen betreffend. 5. Bekanntmachung, die
Er=
richtung eines ſelbſtändigen Standesamts für die
Ge=
meinde Münch=Leuſel betreffend. 6. Bekanntmachung, die
Anlegung des Grundbuches betreffend. 7.
Bekannt=
machung, die Durchführung der Beſtimmungen des
Bun=
desrats über Hausarbeit in der Tabakinduſtrie vom 17.
November 1913 betreffend.
* Militärdienſtnachrichten. Im aktiven Heere:
Ver=
ſetzt: Leutnant Müller im 5. Großh. Heſſ. Inf.=Regt.
Nr. 168, in das 1. Lothr. Inf.=Regt. Nr. 130. Vom 1.
Fe=
bruar 1914 ab auf ein Jahr zur Dienſtleiſtung
komman=
diert: der Leutnant der Reſerve Niezoldi des Inf.=
Regiments Prinz Karl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118 (Mainz),
früher in dieſem Regiment, beim 3. Unterelſäſſ. Inf.=Regt.
Nr. 138; während dieſer Dienſtleiſtung iſt ſein Patent als
vom 3. Auguſt 1910 datiert anzuſehen. Mit Penſion und
der Erlaubnis zum ferneren Tragen der Uniform des
be=
treffenden Regiments zur Dispoſition geſtellt: Buſſe,
Hauptmann a. D. im Landw.=Bez. Waren, zuletzt Komp.=
Chef im Inf.=Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.)
Nr. 116. — Im Beurlaubtenſtande: Der Abſchied bewil=
Der neue Sudermann.
* Aus Hamburg, 20. Januar, ſchreibt unſer
Korre=
ſpondent: Es war das erſtemal, daß ſich eine Sudermann=
Premiere nicht in der Reichshauptſtadt begab. Wollte
Hermann Sudermann, der viel und ſicherlich oft zu
un=
recht geläſterte, ſein neues Werk einmal einem anderen,
unbefangeneren und einer anderen, weniger biſſigen Kritik
vorſetzen? Es mochte ſo ſcheinen. Aber nun man das
neue Stück kennt, dieſe fünfaktigen „Lobgeſänge der
Claudian” die das duldſame Hamburger Publikum
im Deutſchen Schauſpielhauſe von acht bis
Mitternacht erleben durfte, wird man wohl annehmen
müſſen, daß ſich in Berlin keine Bühne von Rang
gefun=
den hat, die bereit geweſen wäre, das Wagnis einer
Ur=
aufführung dieſer weitſchweifigen, redſeligen und
mono=
ton dramatiſierten Hiſtorie aus dem verfallenden
römi=
ſchen Reich zu unternehmen.
Hermann Sudermann hat mit dieſem hiſtoriſchen
Trauerſpiel gewiß ſeine beſonderen künſtleriſchen und
lite=
rariſchen Abſichten gehabt. Ihm mag das Ziel ſeines
Ehrgeizes, eine von modernem Geiſt erfüllte geſchichtliche
Tragödie, vorgeſchwebt haben. Unſer modernes Drama
ſeit Hebbel, Ibſen und Hauptmann begnügt ſich nicht
mehr mit dem Gegenſtändlichen; es zerlegt die Dinge und
Geſchehniſſe in ihre feinſten, inneren Beſtandteile, es iſt
ganz und gar Analyſe geworden, mag es ſich nun um
materielle, geiſtige oder ſeeliſche Vorgänge handeln. Her=
mann Sudermann wird nun vielleicht geglaubt haben,
das hiſtoriſche Drama von allen materiellen Geſchehniſſen
zu befreien, und an ihr Stelle die detaillierte Analyſe
von Seelenſtimmungen hiſtoriſcher Perſönlichkeiten ſetzen
zu müſſen, um modern im feinſten Sinne zu ſein. So
kommt er fünf Akte lang pſychologiſch, immer nur
pſycho=
logiſch. Und da durchaus keine Taten geſchehen, ſo
müſſen die Perſonen reden, immer nur reden. Und ſie
hören nicht eher auf, bis ſie mehr oder minder plötzlich
in ein beſſeres Jenſeits befördert werden. In dieſem
Drama wird keine Hiſtorie dargeſtellt, ſondern
Hi=
ſtorie erklärt. Es iſt alſo gar kein Drama, ſondern
ein in fünf Kapitel zerlegtes Kompendium der
Meinun=
gen Hermann Sudermanns über die unterſchiedlichen
See=
lenſtimmungen der Herren Stilicho, Verweſer des
weſt=
römiſchen Reiches, Alarich, König der Weſtgoten, und
des Dichters Claudius Claudianus, nach deſſen
Lobgeſängen auf Seine Majeſtät den dekadenten und
ver=
rückten Kaiſer Honorius das Stück unberechtigterweiſe ſeinen
Namen hat. Was ſich zwiſchen dieſen Perſonen und einer
großen Fülle anderer Römlinge vollzieht, bleibt ſo
ziem=
lich das Geheimnis des Dichters. Wir hören allerlei von
den Heldentaten des großen Vandalenabkömmlings
Sti=
licho der das in allen Fugen krachende weſtrömiſche Reich
(5. Jahrhundert n. Chr.) durch die ſuggeſtive Macht ſeiner
Perſönlichkeit zuſammenhält, und ſeinen freundſchaftlichen
Beziehungen zu dem temperamentvollen Dichter Claudius
Claudianus, der alle Tugenden Homers und Virgils in
ſeiner Perſon vereint. Dieſe Beziehungen erhalten durch
einen Gewaltſtreich des Dichters, der ſeinem erhabenen
Gönner den wackeren Weſtgotenkönig Alarich in die Hand
ſpielt, eine ſchwere Erſchütterung, die in ihrer Konſequenz
mit dem tödlichen Exitus der beiden Hauptperſonen endet.
Mehr Materielles läßt ſich beim beſten Willen nicht aus
der Verworrenheit des Stücke herausfinden. Alles andere
iſt Gerede, oder nach des Dichters Meinung, Pſychdlogie.
Aber da die redenden Perſonen niemals menſchliche Töne
anſchlagen, ſondern immer nur vom Dichter am
Schreib=
tiſch klüglich und ohne Wärme erſonnene Ausſprachen
über ſich ſelbſt halten, ſo wirkt das Ganze in ſeiner
harren=
den Monotonie grenzenlos langweilig, und nur ein paar
ſchöne Bühnenbilder und eine ſehr hübſch vorbereitete
Szene des zweiten Aktes, die in der Senſation der heiligen
Erſcheinung des gehirnkranken Kaiſers Honorius gipfelt,
werfen ſpärliche Farben in die troſtloſe Oede dieſes
grau=
ſamen Spieles.
Das Publikum, unter dem ſich zahlreiche Berliner
be=
fanden, war von rührender Geduld. Obwohl man
durch=
weg der Anſicht war, eine herzlich wenig aufregende Sache
zu erleben, harrte man treu aus, um am Schluſſe des
Stückes den Dichter auf der Bühne zu ſehen, der ſich dann
auch etliche Male verneigen konnte. Aber dieſe Tatſache
wird ihn nicht darüber hinwegtäuſchen können, daß die
deutſche Bühne mit dieſem kalten und blutleeren
Römer=
ſtück nichts gewonnen hat. Daran konnte auch die wackere
Arbeit des Schauſpieles unter der Regie von Alex Otto
nichts ändern.
Kurt Küchler.
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Seite 3.
ligt: dem Oberleutnant der Reſ. Felſing des Kurheſſ.
Train=Batls. Nr. 11 (II Darmſtadt) mit der Erlaubnis
zum Tragen der Landwehr=Armee=Uniform; den
Ober=
leutnants: Auler (II Darmſtadt) der Landw.=Kavallerie
2. Au,geb., Pfeiffer (I Darmſtadt) der Landw.=Feldart.
2. Aufgeb.; dem Leutnant Demmerle der Landw.=
Pio=
niere 2. Aufgeb. (Mainz). — Im Beurlaubtenſtande des
Sanitätskorps der Abſchied bewilligt mit der Erlaubnis
zum Tragen ihrer bisherigen Uniform: dem Stabsarzt
der Reſ. Dr. Büchner (Gießen), dem Stabsarzt der
Landw. 1. Aufgeb. Dr. Schinke (Mainz), dem Oberarzt
der Reſ. Dr. Klein (Gießen).
* Zur Feier des Geburtstages Seiner Majeſtät des
Kaiſers. Auf nachträglichen Wunſch der Königlich
Preu=
ßiſchen Geſandtſchaft findet der Zapfenſtreich vor derſelben
erſt um 9.15 Uhr abends ſtatt. Der’Abmarſch vom
Ma=
tienplatz erfolgt alſo erſt um 8.15 Uhr abends durch die
Meckar=, Rheinſtraße, Paradeplatz, Alexander=, Dieburger,
Stift=, Erbacher Straße nach der Wohnung des
König=
lich Preußiſchen Geſandten, woſelbſt die Kapellen um
9.15 Uhr eintreffen. An der Parade nehmen auch die
Kriegervereine und der Jungdeutſchlandbund teil. Die
Fahnenkompagnie und Standarteneskadron marſchieren
nach dem Vorbeimarſch auf den alten Bahnhofsplatz und
warten dort das Eintreffen der Fahnen bezw. Standarten
ab. Der Abmarſch mit den geſamten Fahnen und
Standarten erfolgt erſt nach Beendigung der Parade,
da=
mit dieſe nicht geſtört wird. Die Fahnenkompagnie
mar=
ſchiert vor der Standarteneskadron ab, letztere folgt nach
fünf Minuten.
* Wehrſteuergeſetz. Das Großherzogliche Miniſterium
der Finanzen hat nunmehr, dem Wunſche des Heſſiſchen
Handelskammertages entſprechend, die Finanzämter
ange=
wieſen, es ſei auf Grund des § 15 Abſ. 2 des
Wehrſteuer=
geſetzes und § 13 der Ausführungsbeſtimmungen ſolchen
Betriebsinhabern, die ihrer Vermogenserklärung den
Ab=
ſchluß für den 31. Dezember 1913 zugrunde legen wollen,
auf Verlangen eine Verlängerung der Friſt für die
Ab=
gabe der Vermögenserklärung bis zum 15. April 1914 zu
gewähren. Selbſtverſtändlich ſoll in den einzelnen Fällen
nachgeprüft werden, ob ein derartiges Geſuch auch
hin=
reichend begründet iſt.
— Vom Hoftheater, Heute wird der Grillparzer=
Zyklus mit der Neuinſzenierung der „Ahnfrau”
weiter=
geführt werden. Die Leitung des Abends hat Regiſſeur
Baumeiſter. Die Vorſtellung, die der Abonnementsreihe
D zufällt, beginnt um 7½ Uhr. Es gelten die kleinen
Preiſe. Am Samstag geht im C=Abonnement Wolzogens
Trauerſpiel „König Karl” in Szene. Am Sonntag
nach=
mittag gelangt als Volksvorſtellung zu ermäßigten
Prei=
ſen Adams Märchenoper „Wenn ich König wäre‟
zur Aufführung. Der Vorverkauf findet bis zum
Sams=
tag im Verkehrsbureau ſtatt. Als Abendvorſtellung iſt für
Sonntag die Poſſenneuheit „Filmzauber” angeſetzt.
* Von der Ausſtellung auf der Mathildenhöhe. Bei
der Eröffnung der Ausſtellung des Heſſiſchen
Volks=
ſchriftenvereins iſt wegen der Fülle des Gebotenen
die Aufmerkfamkeit von den im dritten großen Saale
aus=
geſtellten Radierungen Karlsruher Künſtler
abgelenkt worden. Es darf deshalb hier beſonders darauf
hingewieſen werden. Die Radierungen bilden eine Gruppe
für ſich und gehören zu dem wertvollſten Teile der
Aus=
ſtellung. Wer ſie einer ruhigen, intimen Betrachtung
unterwirft, wird großen Genuß davon haben. Sie rühren
nicht an tiefe Probleme und geben nicht temperamentvollen
Empfindungen Ausdruck. Was ſie auszeichnet, iſt die
In=
tenſität und zugleich die Feinheit des Naturempſindens.
An ihnen ſieht man die unverſiegbare Freude des
Künſt=
lers an den ſchönen und ſchlichten Eindrücken der
Land=
ſchaft, des Waldes, der Wieſe, der ſtillen Straße, der Stadt
und des Dorfes, des Gartens und Abhanges und der
alter=
tümlichen Burg auf der Bergeshöhe. Die Menſchen und
Tiere auf dieſen Blättern treten nur vereinzelt als
Indi=
vidualitäten hervor. Das Beſchauliche und Beſinnliche
herrſcht vor. Man betrachte nur das „Schwarzwälder
Vordach”, die „Sägemühle”, die „Wetterwolken” von Hans
Thoma; die fein ausgeführten Radierungen von Hans
v. Volkmann („Mühle in der Eifel”, „Aprilſonne”, „Lange
Schatten”); das „Wieſenbächlein” von Glück, und man
ſieht hier, wie die Liebe zur Natur dem Künſtler die Hand
geführt hat. Mehr in das Leben ländlicher Tätigkeit führt
uns das große Bild von Eckner: „Das pflügende
Ochſen=
geſpann” während von dem Ernſte harter Arbeit die
Bil=
der von Sigriſt: „Zahltag” und „Opfer der Arbeit” reden.
Eine wunderbare Friedensſtimmung ſtrömt das Bild
Steinhauſens „Ruhe auf der Wanderung” aus, und gewiß
ſind auch die Züge ſtillen Seelenfriedens in dem Bilde der
„Frau von H.” von Konz ein Ausdruck des Empfindens
des Künſtlers beim Anblick des lieben alten Frauenanlitzes.
Noch viele andere, wie Kallmorgen, Kampmann, Biringer,
Daur, H. Schroedter, Fehr, Fikenſcher Freytag Luntz und
A. Volkmann werden den Beſucher der Ausſtellung feſſeln,
deren Beſuch faſt allein ſchon der Radierungen wegen emp=
fohlen werden kann. Im ganzen enthält die Ausſtellung
in drei Sälen 382 Bilder:
* Die Offenbacher Stadtanleihe iſt, wie uns von der
Bank für Handel und Induſtrie mitgeteilt wird,
ausver=
kauft.
* Die Hauptverſammlung des Vereins für Geflügel=
und Vogelzucht „Ornis” eröffnete der 1. Vorſitzende
Rech=
nungsrat Schömer mit Begrüßung der zahlreich
erſchie=
nenen Mitglieder. Nach Bekanntgabe der Einläufe und
Beſprechung von Verbandsangelegenheiten erhielt zunächſt
der erſte Schriftführer Herr Wenz das Wort zur
Ver=
leſung der beiden letzten Niederſchriften, die nicht
bean=
ſtandet wurden. Hierauf wurde in die Tagesordnung
ein=
getreten. Der zweite Vorſitzende erſtattete den
Jahres=
bericht, der mit Beifall entgegengenommen wurde. Die
Rechnungsablage ergab eine Einnahme von 1703,73 Mart
und eine Ausgabe von 1674,80 Mark, mithin einen
Kaſſe=
vorrat von 28 Mark 93 Pfg. Das Vermögen beträgt nach
einer zehnprozentigen Abſchreibung am Inventarwert 210
Mark 78 Pfg.; Schulden ſind nicht vorhanden. Zum
näch=
ſten Punkte der Tagesordnung „Ausſtellung” beſchloß die
Verſammlung einſtimmig, im November die übliche „
Ver=
einsſchau” wieder zu veranſtalten. Als Preisrichter iſt
bereits, wie der zweite Vorſitzende mitteilte, in der Perſon
des Herrn Arthur Wulf zu Leipzig eine auf dem Gebiete
der Geflügelzucht hervorragende Kraft gewonnen. Da
An=
träge nicht eingegangen ſind, konnte zur Neuwahl des
Vor=
ſtandes geſchritten werden. Auf Vorſchlag der Herren
Geppert und Waldſchmidt wurde der geſamte Vorſtand
durch Zuruf wiedergewählt. Dies iſt gewiß ein ſicheres
Zeichen beſten Einvernehmens zwiſchen Vorſtand und den
übrigen Vereinsmitgliedern. Die beiden Vorſitzenden
dankten für die dem Vorſtande gezollte Anerkennung und
das ihm erneut entgegengebrachte Vertrauen. Nach Wahl
der Rechnungsreviſoren ſchloß um 12 Uhr der erſte
Vor=
ſitzende die Hauptverſammlung.
Sonntagsruhe. Die Vertretungen des Handels,
die Handelskammer, der Detailliſtenverein, haben ihr
Erſcheinen zu der Proteſtverſammlung im Kaiſerſaal
zu=
geſagt. Sicherlich werden auch die Geaner der
voll=
ſtändigen Sonntagsruhe erſcheinen und ihre Anſicht zum
Ausdruck bringen. Es iſt daher zu erwarten, daß die
Verſammlung einen recht intereſſanten Verlauf nimmt.
Die Verſammlung iſt öffentlich und iſt jedermann
freund=
lichſt eingeladen; auch Damen haben Zutritt.
* Ortsgewerbeverein, Es wird nochmals an den heute
abend pünktlich um 8 Uhr in der Aula der
Landesbau=
gewerkſchule (Neckarſtraße 3) ſtattfindenden
Lichtbildervor=
trag „Leipzig und die Internationale Baufachausſtellung‟
erinnert.
* Radium=Experimental=Vortrag. Der heute Freitag,
den 23. d. M., abends 8¼ Uhr, im Hotel „Zur Traube‟
ſtattfindende Vortrag des Phyſikers Hermann Scheffler=
Dresden wird — veranſchaulicht durch intereſſante
Expe=
rimente — unter anderem behandeln: Die Gewinnung
des Radiums. — Die chemiſchen, phyſikaliſchen und
phy=
ſiologiſchen Wirkungen. — Die verſchiedenen
Strahlen=
arten. — Das Radiumgas. — Die Umwandlung der
Ele=
mente. — Atomzerfall. — Die Elektronen=Theorie. — Die
elektriſchen Erſcheinungen der Luft unter dem Einfluſſe
des Radiums. — Das Photographieren mit Radium. —
Das Durchleuchten von Holz= und Metallplatten, auch
Händen. — Das Aufleuchten echter Diamanten im
Dun=
keln uſw. Karten ſind in der Hofmuſikalienhandlung
Heinrich Arnold, Wilhelminenſtraße, zu haben.
* Lichtbildervortrag über Eduard von Gebhardt.
Man ſchreibt uns: Wer je in der Friedenskirche in
Düſſel=
dorf geſtanden hat, wird den gewaltigen Eindruck nicht
vergeſſen können, den dieſe Kirche auf jeden empfänglichen
Menſchen, der ſie betritt, macht. Nicht der Bau an ſich iſt
es, der die Wirkung ausübt; es iſt vielmehr eines der
Bau=
werke, von denen man ſagen kann, es wäre beſſer nie
geſchaf=
fen worden. Aber das Wunder, das der Meiſter der Farbe
Eduard von Gebhardt in dieſem nüchternen Bau geſchaffen
hat, iſt es, was jedem den Eindruck vermittelt, daß er in
einem Heiligtum geweſen iſt. Was iſt es, was uns dieſen
Eindruck vermittelt? Es iſt nicht die religiöſe
Innerlich=
keit, wie ſie bei den Bildern Steinhauſens zu unſerem
Gemüte ſpricht; es iſt auch nicht die Gegenwartsſtimmung,
die uns bei Uhdes Darſtellungen von dem wahrhaftigen
Lichte, das alle Menſchen erleuchtet, ſo anſpricht und den
modernen Menſchen etwas ahnen läßt von dem Erlöſer
von Finſternis, Sünde und Tod; bei Eduard von
Geb=
hardt iſt alles Handlung und alles Wille, und darin beſteht
der beſondere Dienſt, den er dem Geſchlechte unſerer Tage
erweiſen kann. Kein anderer Meiſter der Gegenwart hat
es ähnlich verſtanden, die bibliſche Handlung uns nahe
zu bringen wie Gebhardt und ſo den Willen anzuregen,
wie er. Es ſind darum immer Stunden hoher Erbauung,
wenn wir uns dem Einfluſſe eines ſolchen Meiſters
unter=
ſtellen und wenn es unter ſo ſachkundiger Führung
ge=
ſchieht, wie in dem Lichtbildervortrag, den am Montag
den 2, Februar, abends 8 Uhr, Pfarrer Deggau zugunſten
des Diakoniſſenhauſes Eliſabethenſtift hier im Kaiſerſaal
halten wird; ſo kann jeder Beſucher von vornherein gewiß
ſein, einen gewinnreichen Abend zu verleben. Es ſei darum
der Beſuch des Vortrages jedermann angelegentlichſt
emp=
fohlen. (Näheres ſ. Anz.)
— Ediſons Kinetophon in Darmſtadt. Wie man uns
mitteilt, hat die Leitung des hieſigen Union=Theaters mit
der Deutſchen Kinetophon=Geſellſchaft in Berlin einen
Ver=
trag abgeſchloſſen, um die geniale Erfindung des
berühm=
ten Amerikaners Ediſon in den nächſten Tagen auch dem
Darmſtädter Publikum vorführen zu können. Wie
erinner=
lich, wurde die neue Erfindung vor wenigen Tagen erſt
am hieſigen Hofe den hohen Herrſchaften vorgeführt, die
ſich in anerkennenswerter Weiſe über das Kinetophon
aus=
ſprachen. Bekanntlich handelt es ſich beim Kinetophon um
die Löſung des Problems, die auf der Leinwand
erſchei=
nenden Perſonen auch ſprechen zu laſſen; eine Aufgabe, die
Ediſon in genialer Weiſe gelöſt hat, denn die darſtellenden
Perſonen werden individualiſiert; ſie reden zum Publikum
in ihrer Sprache mit all ihren Eigentümlichkeiten; jedes
Geräuſch, Hundegebell, Gläſerklirren uſw. hören wir, und
nicht ſelten kommt es vor, daß man nach einer
Meiſterleiſt=
ung in geſanglicher und muſikaliſcher Beziehung in
Bei=
fallskundgebungen ausbricht, obwohl es ſich doch nur um
Bilder handelt. Die mit außerordentlich hohen Unkoſten
verknüpften Vorführungen werden am Montag, den 26.,
Dienstag, den 27. und Mittwoch, den 28. Januar,
ſtatt=
finden. (Näheres ſ. Anz.)
* Die Frauen=Ortsgruppe Darmſtadt des Vereins für
das Deutſchtum im Ausland (Allg Deutſcher Schulverein)
E. V. hält ihre Hauptverſammlung am Montag, den 26
Januar, ab. (Näh. ſiehe Anz.)
* Methodiſtengemeinde. Wie uns mitgeteilt wird,
findet am Sonntag. 25. Januar, im Lokal der
Methodiſten=
gemeinde (Taunusſtraße 53) ein Gemeindefeſt ſtatt.
Das=
ſelbe bietet ein abwechſelndes Programm in Geſang,
De=
klamation und Violinvorträgen. Auch findet eine Teepauſe
ſtatt.
* Der Bürgerverein und Darmſtädter Fechtklub halten
ihr diesjähriges Faſtnachtsvergnügen am
Sams=
tag, den 14. Februar, ab. Die Veranſtaltung findet in den
hierzu feſtlich dekorierten Räumen des Kaiſerſaales (
Gra=
fenſtraße) in Form eines großen Maskenballes ſtatt, bei
welchem völlig freie Koſtümwahl herrſcht. Die
Teilneh=
mer ſind alſo, entgegen den ſeither üblich geweſenen
Koſtümfeſten, diesmal nicht an ein beſtimmtes
Masken=
koſtüm gebunden. Eine Muſikkapelle wird zur
Unterhal=
tung des Abends beitragen helfen, und vor Mitternacht
ſoll die Teilnehmer eine farbenprächtige, prunkhaft
arran=
gierte Maskenfeſt=Polonäſe zu dem darauffolgenden Ball
vereinigen.
* Für die durch Sturm und Ueberſchwemmung
geſchädigten Bewohner der Oſtſeeküſte iſt bei unſerer
Expedition eine Zeichnungsliſte aufgelegt worden. Ueber
die Beiträge wird öffentlich quittiert werden. (Näheres
ſiehe Anzeige.)
Strafkammer.
g. Auf recht ſchlaue Weiſe glaubte der Reiſende Karl
Volk von Frankfurt a. M. ein ihn belaſtendes Indiz
bei=
ſeite ſchaffen zu können. Er bot im Sommer vorigen
Jah=
res in einer Villa in Auerbach dem Dienſtmädchen ſeine
Waren an. Da dieſe keinen Bedarf dafür hatte,
ebenſo=
wenig wie für die danach angebotenen Zärtlichkeiten, ſchlug
er ihr vor, die Karten zu legen, worauf das „Kocherl”
ein=
ging. Sie gab ihm für feine anſtrengenden Bemühungen
60 Pfg. (ein Geſchäft, das alſo noch etwas einbringt). Als
das Mädchen noch das Portemonnaie in der Hand hatte,
klingelte das im Flur befindliche Telephon. Sie legte das
Portemonnaie aus der Hand, und als ſie wieder
zurück=
kam, war der Reiſende und das Portemonnaie
verſchwun=
den. Der ſofort benachrichtigte Polizeidiener holte Volk
in Bensheim ein und brachte ihn zurück. Da er ganz
energiſch in Abrede ſtellte, daß er das Geld habe und
ver=
langte, ſelbſt in der Küche nachſuchen zu dürfen, gab man
ſeinem Verlangen nach. Hier ſuchte er nun in den
un=
wahrſcheinlichſten Ecken, und ein Zeuge beobachtete dann
auch, wie er einen geſchickten Griff nach dem Löffelablauf
machte. An dieſem kurioſen Aufbewahrungsort fand man
dann das Portemonnaie, das, wie vom Schöffengericht
angenommen wurde, von Volk dorthin praktiziert worden
war. Es verurteilte ihn deshalb zu vier Wochen
Ge=
fängnis. Die Strafkammer verwarf geſtern die von
ihm eingelegte Berufung als unbegründet.
Der Landwirt F. Koppert vom Hof Hartenau bei
Bickenbach hatte ſich wegen Vergehens gegen das
Vieh=
ſeuchengeſetz zu verantworten. Ein von Mannheim
gekommenes Pferd des Angeklagten war im vorigen
Som=
mer unter Seuchenverdacht geſtellt worden, da es in
Mann=
heim mit rotzkranken Pferden in Berührung gekommen
war. Dem Angeklagten wurde insbeſondere ſtreng
unter=
ſagt, dieſes Pferd mit anderen Pferden in Berührung zu
bringen. Deſſenungeachtet leiſtete er am 11. Auguſt mit
Feuilleton.
* Toilette bei der Berliner Galacour. Der Berliner
Lokalanzeiger beſchreibt einige von den Toiletten der bei
der Galacour dem Kaiſerpaar vorgeſtellten Damen, die
unſere Leſerinnen intereſſieren werden: Frl. Beſeler, die
Tochter des Juſtizminiſters, erſchien in einem
an=
mutigen weißen Libertykleid mit weißer Stickerei
Chif=
fon= und Goldroſen, die mit dem Goldbandbeſatz der
Courſchleppe aus weißem Atlas mit weißen Alencon=
Spitzen harmonierten. Beſonders vornehme Toiletten
hatten die Töchter des Staatsminiſters Sydow gewählt.
Frl. Hedwig Sydow trug auf hellblauer Seide einen
köſt=
lichen goldbordürten Ueberwurf und alte Spitzen als
Schleppengarnitur; Frl. Hildegard Sydow erſchien mit
einem echten Malmes=Ueberwurf auf grüner Seide, die
gleichfarbige Schleppe war mit koſtbaren antiken Spitzen
garniert. Beide Damen trugen als Schmuck hübſche, echte
Perlenſchnüre. Ein weißes, ſchweres Goldbrokatkleid mit
Brüſſeler Spitzen und Skunks hatte Frau Staatsſekretär
Kühn gewählt, deren goldgelbe Moiréſchleppe
Skunks=
umrandung zeigte Den Schleier aus alten
Chantilly=
ſpitzen hielt ein Brillantdiadem. Ffl Eliſabeth Kühn
trug ein Kleid aus weißer Charmeuſe mit weißer
Roſen=
ſtickerei und Perlen auf blaßroſa Chiffon. Weiße Roſen
ſchmückten die ganz in Weiß gehaltene Crépe=de=chine=
Schleppe und das dunkle Haar. Gabriele Gräfin von
Moltke, erſchien in einer Toilette aus weißem Satin
Ducheſſe mit prachtvollem Perlbeſatz und echten Spitzen;
die Courſchleppe aus goldgelbem Seidenſamt zeigte
Skunksbeſatz und reiche Goldſtickerei. Dazu trug Gräfin
Moltke eine lange Kette aus echten, großen Perlen und im
rückwärtigen Taillenſchluß eine zwanzigfache Kette aus
kleinen echten Perlen mit Diamantroſen, in einer Länge
von etwa 60 Zentimetern. Das tiefſchwarze Haar ſchmückte
ein Diadem von Diamanten und Saphiren und den Hals
eine Arabeske aus großen Brillanten und Perlen. Die
Schleppe zierten Brillantrivieren aus altem
Familien=
ſchmuck. Die Courrobe der Freifrau Baronin von
Dun=
gern=Dehrn beſtand aus einer goldfarbenen Toilette, die
reich mit golddurchwirkter Spitze beſetzt war. Die
Schleppe aus heller bleu Seide mit Goldſtickerei erhöhte
den vornehmen Eindruck der Toilette, Baronin von
Gold=
ammer trug ein Silberbrokatkleid mit echten Spitzen;
hübſch war dazu die Schleppe aus apfelgrünem
Seiden=
ſamt mit plaſtiſch wirkenden Silberbrokatroſen und
ge=
ſtickten Empirekränzen. In einer Toilette mit weißer
Seide mit alten Points und Goldſpitzen erſchien die
ele=
gante Gräfin von der Gröben; ſie trug zu der reich
dra=
pierten Robe eine Goldbrokatſchleppe mit
Hermelinum=
randung und ein Diadem aus koſtbaren Perlen. Ihre
Tochter, Komteſſe von der Gröben, eine ſchöne, große
Er=
ſcheinung, war in zarter türkisfarbener Seide gekommen,
über die eine weiße Tunika mit Silberperlſtickerei fiel.
Anmutig wirkte hierzu die roſa Seidenſchleppe mit türkis
Band im Louis=XV.=Stil und mit Schneeballentuffs
garniert Frau Hauptmann von Boehn=Buckow hatte eine
mit Zobel verbrämte bleu-ciel moirée-antique Toilette
mit einem Silberperl=Ueberkleid angelegt, und dazu einen
Manteau von bleu-ciel Brokat mit ſehr breitem
Zobel=
pelzrand. Frau Gräfin von Wilamowitz=Moellendorff,
erſchien in reichem Brillanten= und Perlſchmuck, in einer
Robe aus goldgelbem Crépe de chine; über dem ringsum
gerafften neuartigen Rock trug ſie eine Kaſaque in
gold=
gelbem Chiffon mit Prints roses véritables und
Straßen=
ſchnüren. Dazu einen prächtig wirkenden goldgelben
Velours=Manteau mit Familienſpitzen und Chiffon. Eine
hellblaue Moirée=Toilette mit weißem, perlgeſticktem
Ueberkleid trug Exzellenz Frau von Koerner, die Gattin
des Direktors vom Auswärtigen Amt. Sie hatte dazu
eine Schleppe aus bronze Brokat mit Pelz und echten
Spitzen gewählt und trug als Kopfſchmuck zum echten
Spitzenſchleier ein Diamantdiadem, den Hals ſchmückte
ein Perlkollier. Exzellenz von Schubert, geb. Freiin von
Stumm, erſchien in einer reich mit echten Spitzen gar=
nierten Goldtoilette, zu der die Courſchleppe aus rotem
Samt mit Goldſtickerei pompös wirkte. Frl. von Bonin
ſah äußerſt graziös aus in einer lachsfarbenen Toilette
mit zarten Silberſpitzen, die vorzüglich mit der
Cour=
ſchleppe aus Silberſtoff und darüber fließendem
lachs=
farbigen Chiffon harmonierten. Frau Marie Schmid von
Schwind kam in einer ecrufarbenen Brokatſamtrobe mit
echten frackartig arrangierten Spitzen; das duftige
Spitzen=
corſage wurde von einem cog=derrochesfarbenen
Samt=
gürtel gehalten. Aeußerſt effektvoll wargdie Courſchleppe
aus Velours=Chiffon, die in den Farben der
untergehen=
den Sonne ſchimmerte und mit kunſtvoller Altgoldſtickerei
verziert war. Ein Diadem aus herrlichen Steinen krönte
die elegakte und vornehme Erſcheinung. Ihre Tochter,
Frl. Carla von Schwind trug eine Courſchleppe aus
ſalm=
farbener Charmeuſe mit graziöſen Spitzenarrangements,
die von Vergißmeinnichttuffs gehalten wurden. Das
Kleid aus mattroſa Chiffon mit aparter Schmelzſtickerei
war dem intereſſanten ſüdlichen Typ der Trägerin
vorzüg=
lich angepaßt. Frau Regierungsrat von Puttkamer hatte
eine ſalmfarbene Toilette aus Satingrenadine mit
köſt=
lichen Brüſſeler Spitzengeweben; die gleichen Spitzen
bil=
deten auch das duftige Corſage, deſſen Dékolleté von einer
Aigrette aus köſtlichen Steinen abgeſchloſſen wurde.
Matt=
blaue Samtlinien wirkten höchſt maleriſch zu der
perl=
farbenen Courſchleppe aus Duchesse liberty. Das blonde
Haar ſchmückte ein Diadem aus Brillanten, mit einem
Schleier aus alten, koſtbaren, echten Spitzen, eine prächtige
Perlriviére vervollſtändigte den Schmuck.
— Das Neueſte vom gedeckten Tiſch. Dem modernen
Kulturmenſchen iſt die Tafel, von der er ißt, nicht minder
wichtig, als was er ißt, und die feinſten Genüſſe der Küche
ſchmecken ihm nicht, wenn nicht auch der Rahmen und die
Art, in der ſie ſerviert werden, ſeinen äſthetiſchen Sinn
befriedigen. Während man in früheren Zeiten Reichtum
und Prunk des gedeckten Tiſches durch eine Anhäufung
koſtbarer Geſchirre zum Ausdruck brachte, haßt der moderne
Geſchmack jede Ueberladung und möchte auch den mate=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Nummer 23.
dieſem rotzverdächtigen und einem weiteren Pferde ſeinem
Nachbar Vorſpann, als dieſer eine Dreſchmaſchine
trans=
portierte und deſſen Pferde nicht ausreichten. Der
Ange=
klagte gibt an, daß er in dem Moment nicht an das Verbot
gedacht habe. Das Gericht nahm aber „Vorſatz” an und
verurteilte ihn zu 100 Mark Geldſtrafe.
Der 43jährige Gärtnergehilfe Peter Schmidt aus
Lampertheim hat ſich in drei Fällen des Betruges ſchuldig
gemacht. Einer Frau, die Möbel zu verkaufen hatte,
er=
zählte er, ſein Bruder werde die Möbel kaufen oder er
werde ein Zimmer zum Abvermieten damit einrichten. Man
wurde auf einen Preis von 60 Mark einig und der
Ange=
klagte holte die Möbel. Die Verkäuferin tröſtete er, als
ſie ihn wegen der 60 Mark mahnte, durch allerhand
Vor=
ſpiegelungen auf ſpäter. Als ſie die Möbel zurückforderte,
mußte ſie erfahren, daß Schmidt die Sachen ſchon für 21
Mark verſchleudert hatte. In zwei weiteren Fällen
er=
ſchwindelte ſich Schmidt Betten unter der Angabe, er ſei
Gärtnereibeſitzer und brauche die Betten für ſeine
Lehr=
linge. Durch ſein forſches Auftreten bekam er in beiden
Fällen ohne Barzahlung die Betten, die er ſofort
weiter=
verkaufte. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu
1 Jahr Gefängnis und 3 Jahren Ehrverluſt.
Kriegsgericht.
-g. Wegen einer vor ſeinem Dienſteintritt begangenen
Körperverletzung und Bedrohung hatte ſich
geſtern der aus Rüſſelsheim ſtammende Schloſſer Konrad
Lotz vom Infanterie=Regiment Nr. 117 vor dem
Kriegs=
gericht zu verantworten. Nach einer gemeinſamen
Knei=
perei mit anderen Arbeitskollegen kämen ſie auf dem
Heim=
weg mit Paſſanten in Streit, wobei Lotz und ſeine
Kolle=
gen den Arbeiter Knoll zu Boden warfen und ihn
körper=
lich mißhandelten. Lotz traktierte den am Boden
Liegen=
den mit Fußtritten und drohte ihm, eine Kugel in den
Leib zu jagen. Er gibt jetzt zur Entſchuldigung an, er
habe es mit der Drohung nicht ernſt gemeint, denn er
habe gar keinen Revolver gehabt. Das Gericht verurteilte
ihn unter Zubilligung mildernder Umſtände zu 20 Mark
Geldſtrafe eventl. 4 Tagen Gefängnis. Seine
Mit=
täter werden vor den Zivilgerichten abgeurteilt werden.
Nachdem er erſt 14 Tage beim Artillerie=Regiment
Nr. 61 Dienſt getan hatte, war dem Hausburſchen
Wil=
helm König von Aalen (Württemberg) ſchon das
Sol=
datenleben leid und er deſertierte am 1. November
vori=
gen Jahres. Er begab ſich auf dem kürzeſten Wege in
die Schweiz, um dort, wie er ſelbſt angibt, ſich Arbeit zu
ſuchen. Am Nachmittag des 2. Dezember fiel nun dem
auf dem Bahnhof in St. Ludwig ſtationierten
Zollbeam=
ten ein Mann auf, der in größter Eile den Mühlhauſener
Zug beſteigen wollte. Er hielt ihn an und unterſuchte ihn,
wobei er in deſſen Bruſttaſche 56 Büchel Zigarettenpapier
fand, das der Mann einſchmuggeln wollte. Bei der
Feſt=
nahme verſetzte er dem Zollbeamten, dem zur Hilfe
her=
beigerufenen Bahnſteigſchaffner und ſchließlich auch dem
Gendarmen Fußtritte gegen den Leib und das
Schien=
bein. Auch drohte er dem Zollbeamten, er wolle ihn kaput
machen, wenn er frei iſt. Er konnte erſt beruhigt werden, als
ihm außer der Kette auch die Schließfeſſel angelegt war.
Es ſtellte ſich dann heraus, daß er der flüchtige Fahrer
König vom Artillerie=Regiment Nr. 61 iſt, der ſich durch
den Schmuggel ſeinen Unterhalt verdienen wollte. Das
Gericht erkannte wegen Fahnenflucht,
Wider=
ſtands gegen die Staa=tsgewalt und
Be=
drohung auf eine Geſamtſtrafe von 10 Monaten
Gefängnis und Verſetzung in die zweite Klaſſe des
Soldatenſtandes. Ein Monat der Unterſuchungshaft wird
ihm auf die Strafe angerechnet.
Wegen eines Mädchens beſtand zwiſchen dem Arbeiter
Chriſtoph Hofmann von Nürnberg, der jetzt beim
In=
fanterie=Regiment Nr. 118 dient, und dem Arbeiter
Engenoff ein geſpanntes Verhältnis, was zur Folge hatte,
daß Hofmann am 24. November 1912 den E. in Nauheim
überfrel und ihn in Gemeinſchaft mit einem nicht
ermittel=
ten Komplizen mißhandelte, wobei auch ein Schlagring
zum Schlagen benutzt wurde. Das Kriegsgericht
verur=
teilte den Angeklagten wegen gemeinſchaftlicher
Körperverletzung, begangen vor ſeinem
Dienſtein=
tritt. zu 15 Mark Geldſtrafe eventuell drei Tagen
Gefängnis.
Der ſchon häufig wegen Körperverletzung vorbeſtrafte
Taglöhner Adam Vettel von Bürſtadt war zum Inf.=
Regt. 168 ausgehoben und beurlaubt worden. Sein
Geſtel=
lungsbefehl konnte ihm nicht zugeſtellt werden, da er ſich
ohne Abmeldung von Bürſtadt entfernt hatte. Am 16.
No=
vember wurde er von einem Wormſer Schutzmann
feſt=
genommen, wobei er einen falſchen Namen angab, und
denn als unſicherer Heerespflichtiger eingeſtellt. Vettel, der
ſich deshalb geſtern wegen unerlaubter Entfernung vor dem
Kriegsgericht zu verantworten hatte, gibt an, daß er ſich
in Worms und Bürſtadt umhergetrieben habe. Er habe
einen falſchen Namen angegeben, da er ſich angeblich am
nächſten Tage ſelbſt ſtellen wollte. Weiter hat er am 26.
Auguſt einem Arbeiter in Lampertheim ohne Grund einen
Schlag ins Geſicht verſetzt, und mit den Worten: „Wenn
Du noch einmal das Maul auftuſt, ſteche ich Dich tot”, ſetzte
er ihm ſein Dolchmeſſer auf die Bruſt. Das Kriegsgericht
verurteilte den Angeklagten unter Einrechnung einer vom
Amtsgericht Lorſch wegen Körperverletzung erkannten
Ge=
fängnisſtrafe von neun Monaten zu einer Geſamtſtrafe von
1 Jahr Gefängnis, ſowie drei Tagen Haft wegen
Angabe eines falſchen Namens. Ein Monat der
Unter=
ſuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet, und die
Haftſtrafe gilt als verbüßt.
Die Eiſenbahnüberſchüſſe des heſſiſchen Staates.
C Der Anteil Heſſens an dem Betriebsüberſchuß der
in d Preußiſch=Heſſiſche Eiſenbahngemeinſchaft
ein=
gewor en Bahnen beläuft ſich im Hauptvoranſchlag für
das Etatsjahr 1914 auf rund 17994000 Mark, gegen 1913
mehr 551000 Mark. Die Anteile Heſſens haben betragen
1910: 15 526802,87 Mark, 1911: 17852317,32 Mark und
1912: 18 587019,46 Mark.
Nach den bis jetzt vorliegenden Betriebsergebniſſen
der Eiſenbahngemeinſchaft darf angenommen werden, daß
der heſſiſche Ueberſchußanteil in 1913 mindeſtens den im
Voranſchlag eingeſtellten Betrag erreicht. Für 1914 wird
nit dem hier vorgeſehenen Ueberſchußanteil gerechnet. Die
Teilungsziffern betragen nach den Rechnungsergebniſſen:
Für Preußen
Etats= Betrag
Betrag
jahr
Mk.
Mk.
Proz.
Proz.
411031 700 — 979728
1897/98 8 504 923 = 2.0272
1898/99 8 597846 — 2,0339 414 135 720 — 97,9661
1899/00 8 700835 — 2,0378
418 276063 — 97,9622
1900/01 9832872 — 2,0505
421 938 595 — 97,9495
1901/02 9024667 = 2.0730
426 317237 = 97,9270
1902/03 9 236 594 — 2,0988
430 842 435 — 97,9012
1903/04 9 436 722 — 2,1212 435 433093 — 97,8788
1904 9 624971 — 2,1148 445 490 964 — 97,8852
451 405 327 — 97,8777
1905 9 7787946 = 2,1223
457 605044 — 97,8742
1906 9938802 — 2,1258
1907 10098 152 = 2,1203
466 164 353 = 97,8787
1908 10 370975 - 2,1225
478 243 867 — 97,8775
1909 10 630058 — 2,1207
490 633 411 — 97,8793
1910 10 993867 — 2,1309
504 922 482 — 97,8691
517012080 — 97,8699
1911 11252416 — 2,1301
1912 11584744 — 2,1344 531 188302 — 97,8656
Die Regierung iſt ermächtigt, Beträge für den
An=
kauf von Grundſtücken aus heſſiſchem Staatseigentum
oder aus dem Familieneigentum des Großh. Hauſes, die
zu Laſten heſſiſcher Baufonds verrechnet worden ſind, bei
der Feſtſtellung der Teilungsziffern außer acht zu laſſen.
Sie iſt weiter ermächtigt, ſolche Beträge an den
Betriebs=
ausgaben der Eiſenbahngemeinſchaft und am heſſiſchen
Ueberſchußanteil abſetzen zu laſſen, wenn ſie aus
Betriebs=
fonds der Gemeinſchaft beſtritten werden.
Die Vorgänge in der Ernſt Ludwig=Heilſtätte
(Lungenheilſtätte für Männer) bei Sandbach j. O.
* Von der Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen
wird der „Darmſt. Ztg.” zur Richtigſtellung der vielfach
ungenau wiedergegebenen Vorgänge in der Ernſt Ludwig=
Heilſtätte folgendes mitgeteilt:
Heſſiſche und auswärtige Zeitungen haben in den
letz=
ten Tagen die Vorgänge behandelt, die ſich vor kurzem in
der der Landesverſicherungsanſtalt Großh. Heſſen
gehöri=
gen Lungenheilſtätte bei Sandbach i. O. abgeſpielt haben.
Mit dieſen Vorgängen hat ſich inzwiſchen der Vorſtand
der Landesverſicherungsanſtalt als zuſtändige
Aufſichts=
behörde in einer eingehenden Unterſuchung beſchäftigt.
Da=
nach war der Gang der Ereigniſſe folgender: Der
Vor=
ſitzende des Vorſtandes der Landesverſicherungsanſtalt
Großh. Heſſen, Geheimer Regierungsrat Dr. Dietz, der die
Heilſtätte von Zeit zu Zeit unangemeldet beſucht und den
Betrieb kontrolliert, war am 6. laufenden Monats zum
letzten Male auf der Heilſtätte anweſend. Die Patienten
hätten alſo bereits damals Gelegenheit gehabt, etwaige
Beſchwerden bei maßgebendſter Stelle vorzubringen, es
ſind aber keine Klagen geäußert worden. Erſt durch eine
telephoniſche Mitteilung des Chefarztes der Anſtalt,
Sani=
tätsrat Dr. Lipp, erhielt die Landesverſicherungsanſtalt
am 16. laufenden Monats Kenntnis davon, daß zwiſchen
der Leitung der Heilſtätte und den Patienten Differenzen
eingetreten ſeien. Bereits am Nachmittag des gleichen
Tages lief bei der Landesverſicherungsanſtalt ein
Tele=
gramm der Patienten ein, worin bis längſtens zum Mittag
folgenden Tages um den Beſuch des Geheimerats Dr.
Dietz zur Regelung der Mißſtände auf der Heilſtätte
ge=
beten wurde. Da Geheimer Regierungsrat Dr. Dietz am
letzten Samstag durch ein anderes bereits anberaumtes
Dienſtgeſchäft in Anſpruch genommen war, wurde alsbald
telephoniſch zur Bedeutung der Patienten verfügt, daß er
im Laufe des Montags, des 19. laufenden Monats, auf
der Heilſtätte eintreffen werde. Inzwiſchen hatte aber die
Bewegung unter den Patienten derartige Formen
an=
genommen, daß ſich der Chefarzt genötigt ſah, zur
Auf=
rechterhaltung der Ordnung und Ruhe, ſowie zu ſeiner
per=
ſönlichen Sicherheit zwei Gendarmen in Zivil zu
requi=
rieren und zwei Patienten, die nach ſeinen Feſtſtellungen
die Führer und Anſtifter der Bewegung, insbeſondere auch
eines „Eßſtreiks” waren, aus diſziplinaren Gründen aus
der Anſtalt auszuweiſen. Außerdem wurde von dem
Chef=
arzt ein dritter Patient, der ſich beſonders am Sonntag
früh beim Schreien hervortat, entlaſſen. Mit den
Entlaſ=
ſenen erklärten ſich daraufhin 61 Patienten ſolidariſch und
verließen im Laufe des 18. dieſes Monats (Sonntag) die
Heilſtätte. — Was die Beſchwerden der Patienten betrifft,
ſo ergab die eingeleitete eingehende Unterſuchung
folgen=
des: Die Klagen bezogen ſich im weſentlichen auf die
Quantität und Qualität des von der Heilſtätte gereichten
Eſſens; ſie wurden von den Patienten bei dem Chefarzt
vorgebracht und, ſoweit ſie begründet waren, von dieſem
durch entſprechende Maßnahmen berückſichtigt. Ein
An=
laß dazu, in einen Eßſtreik einzutreten und einen Druck
auf die Verwaltung auszuüben, lag nicht vor. Auch wurde
durch eingehende Vernehmungen feſtgeſtellt, daß der
Hungerſtreik von den beiden Patienten, die der Chefarzt
zuerſt entlaſſen hatte, planmäßig organiſiert worden iſt,
und daß die übrigen Patienten durch Hetzreden und
Droh=
ungen von den Anführern zur Beteiligung gedrängt
wur=
den. Die Entlaſſung der beiden Anführer, die der Chefarzt
verfügt hatte, wurde deshalb von dem zur Entſcheidung
über den Streitfall zuſammenberufenen Geſamt=Vorſtand
der Landesverſicherungsanſtalt, verſtärkt durch die
Mit=
glieder des Verwaltungsausſchuſſes der Heilſtätte, als zu
Recht vorgenommen beſtätigt. Diejenigen Patienten, die
ſich mit den beiden entlaſſenen Führern ſolidariſch erklärt
und die Anſtalt verlaſſen haben, handelten auf eigene
Ge=
fahr; es muß ihnen überlaſſen bleiben, um eine
Fortfüh=
rung der unterbrochenen Kur durch neue Antragſtellung bei
der Landesverſicherungsanſtalt nachzuſuchen. Die
Entſchei=
dung über dieſe Geſuche behält ſich der Vorſtand der
Landesverſicherungsanſtalt vor.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Darmſtädter Vortragsverband. Für
den heiteren Dichterabend, den Max Hofpaur heute
im Feſtſaale der Turngemeinde veranſtaltet, macht ſich
ein ſo großer Andrang geltend, daß ſich Beſchaffung von
Entrittskarten im voraus dringend empfehlen dürfte. Das
luſtige Programm lebender deutſcher Humoriſten und
Sa=
tiriker, das Hofpaur zuſammengeſtellt hat und das er
völlig frei aus dem Gedächtnis zum Vortrag bringt, wird
in auswärtigen Blättern als ſchlechthin meiſterhaft und
von überwältigend komiſcher Wirkung bezeichnet. Allen,
die in dieſer ernſten Zeit einmal herzlich lachen wollen,
kann ein Beſuch des Hoſpaur=Abends um ſo mehr
ange=
raten werden, als Marcell Salzer, ſein großer Kollege,
in dieſem Winter nicht nach Darmſtadt kommen wird.
* Reſidenztheater am Weißen Turm. Es
wird an dieſer Stelle nochmals darauf aufmerkſam
ge=
macht, daß heute das Filmwunder der Welt: „Cleopatra,
die Herrin des Nils”, zum letztenmal vorgeführt wird.
* Wixhauſen, 21. Jan. (Goldene Hochzeit.)
Unter großer Teilnahme von nah und fern feierten heute
Herr Johann Peter Engel, Gutspächter zu Sensfelder Hof,
und ſeine Frau das Feſt ihrer goldenen Hochzeit. Eine
ſtattliche Schar von Verwandten und Freunden war um
das Jubelpaar verſammelt, um das ſeltene Feſt
mitzu=
feiern; viele Glückwünſche trafen aus der Nähe und aus
der Ferne ein. Im Namen Seiner Königlichen Hoheit
wurde dem Jubelpaar ein Glückwunſchſchreiben und das
mit eigenhändiger Unterſchrift verſehene Bild Seiner
Königlichen Hoheit des Großherzogs überreicht. Im
Namen der evangeliſchen Gemeinde Wixhauſen wurde
dem Jubelpaar eine ſchöne Bibel übergeben. — Am Abend
des feſtlichen Tages brachte der Männergeſangverein
„Liederkranz” aus Wixhauſen auf dem Sensfelder Hof ein
Ständchen dar. Möge Herrn Engel und ſeiner Frau, die
noch rüſtig ſind, ein ſchöner Lebensabend beſchieden ſein!
* Crumſtadt, 22. Jan. (Konzert.) Dem
Ver=
nehmen nach beabſichtigt der unter der Leitung des Heren
Dirigenten Grim=Darmſtadt ſtehende Geſangverein
„Germania” am Sonntag, den 1. März dieſes Jahres,
anläßlich des Feſtes ſeiner 50jährigen Fahnenweihe ein
in größerem Rahmen gehaltenes, künſtleriſches Konzert zu
veranſtalten. Wie verlautet, ſollen bedeutende Künſtler
und auswärtige Vereine ihre Mitwirkung in Ausſicht
ge=
ſtellt, und unter anderem ſoll der bekannte und beliebte
Komponiſt Herr Sonnet=Pforzheim ſeine Zuſage ſchon
er=
teilt haben.
F Worfelden, 22. Jan. (Die alte Kirchenorgel.)
Im Laufe dieſes Jahres wird unſere intereſſante alte
Kir=
chenorgel aus hieſiger Kirche entfernt und durch eine neue
Orgel erſetzt werden. Es dürfte darum gewiß viele
inter=
eſſieren, etwas von der alten Orgel zu erfahren. Dieſelbe
wurde im Jahre 1632 von einem Orgelmacher aus dem
Stift Bamberg auf Befehl des Landgrafen Georg II. für
die Schloßkapelle zu Darmſtadt gebaut und koſtete damals
400 Gulden. Ihre Eigentümlichkeit beſteht in den guten
Zinkpfeifen mit feſtem Ton und der gebrochenen Oktave,
d. h. der Ton Cis hat keine beſondere Obertaſte, ebenſo
Fis. Außerdem fehlt das Pedal. Die Bälge werden an
zwei Riemen gezogen. Zu beachten iſt auch das ſchöne
Orgelgehäuſe (Proſpekt) mit Engelfiguren. Als im Jahre
1709 die Schloßkapelle zu Darmſtadt einer gründlichen
inneren Erneuerung unterzogen wurde, ließ Landgraf
Ludwig auch eine neue Orgel durch den Orgelmacher Chr.
Vetter aus Hannover um den Preis von 800 Gulden
bauen und ſchenkte die bisherige Orgel laut Dekrets vom
1. Mai 1709 der Stadtkirche zu Zwingenberg, welche im
Jahre 1693 bei der Einäſcherung der Stadt durch die
Fran=
zoſen ihrer Orgel beraubt worden war. Hier ſtand dieſe
Orgel über dem Eingang der Kirchentür bis zum Jahre
1830, wo ſie wieder einem neuen Orgelwerk Platz machen
mußte. Damals kaufte die Gemeinde Worfelden das
Orgel=
werk und ſtellte es in ihrer Kirche auf. Nun ſoll es auch
hier einem neuen Werk weichen. Es wäre angebracht, das
alte Werk ins Darmſtädter Muſeum zu ſchaffen.
Offenbach, 22. Jan. (Die Unterſuchung gegen
den Friedhofsaufſeher Otto Steitz) hat eine
Fülle weiteren belaſtenden Materials zutage gefördert.
Steitz hatte ſich ein eigenes Lager beſſerer Särge angelegt,
die er zu horrenden Preiſen verkaufte. Der Betrag, um
den die Stadt durch die betrügeriſchen Manipulationen
geſchädigt wurde, beziffert ſich auf rund 2500 Mark. Bei
der Fülle des angeſammelten Beweismaterials wird die
Aburteilung nicht vor Ende März oder Anfang April er=
riellen Genuß, der nun einmal im Eſſen liegt, gleichſam
durch eine immaterielle Form der äußeren Umgebung
ver=
feinern und verklären. Deshalb will man nur wenige,
aber erleſene Dinge auf der Speiſetafel ſehen, köſtliches
Leinen, Tiſchdecken mit Spitzeninkruſtationen und Deckchen
in durchbrochener Arbeit. Den eigentlichen Schmuck der
Tafel bilden Blumenkörbe aus Porzellan, auf deren
Bo=
den kleine elektriſche Lampen angebracht ſind, die dem
feinen Material eine leuchtende Durchſichtigkeit verleihen.
Auch zarte künſtliche Porzellanblumen, beſonders Roſen
und Waſſerlilien, ſind beliebt; ſie ſind auf dem Tiſch
ver=
ſtreut, oder die Waſſerlilien wachſen empor aus einem
kleinen von Najaden umgebenen See, der durch einen
blitzenden Spiegel dargeſtellt wird. Neben ſolch diskreter
künſtlicher Zierde darf der Schmuck mit natürlichen
Blu=
men und Früchten nicht vernachläſſigt werden. Große
Weintrauben, kleine Bündel von Nüſſen. Mandarinen
und andere erotiſche Früchte ſind überall auf dem feinen
Linnen ausgebreitet und gewähren ſo den Dinierenden
das Vergnügen, die Früchte ſich mit eigener Hand
gleich=
ſam vom Zweige zu brechen und bequem wie aus einem
künſtlichen Fruchtgarten auszuwählen. Eingebettet in ihr
eigenes Laub locken erleſene Aepfel und Birnen, und
zwi=
ſchen Veilchenbuketts ſchauen Zitronen hervor, die man
ſich über die Auſtern ausdrückt. Die vornehmſte.
Beleuch=
tungsform für den modernen Eßtiſch ſind Kerzen, und
zwar gelten elektriſche Leuchtkörper, die die ſtrenge und
feierliche Stimmung der wirklichen Wachskerze nicht
vor=
täuſchen können, nur als matte Surrogate. Am ſchönſten
brennen richtige Wachskerzen in ſilbernen Leuchtern mit
ihrem ruhigen Licht unter ſchattenden kleinen Schirmen,
die durch eine ſinnreiche Vorrichtung immer tiefer
herab=
ſinken, je mehr die Kerze niederbrennt. Für die einzelnen
Gänge gibt es beſtimmte Feinheiten des Servierens. Am
beſten trägt man ein Gericht in einer Dekorierung auf.
die mit ſeinem Urſprung im Zuſammenhang ſteht. Die
getrüffelte Gänſeleberpaſtete erſcheint z. B. eingerahmt von
dem ganzen Gefieder einer Gans: Geflügel wird in
einer vergoldeten Schale aufgetragen, die genau die For=
men des Tieres wiederholt und mit einem paſſenden
Or=
ament, z. B. einem roten Hahnenkamm, geſchmückt iſt.
Das gleiche gilt von den Fiſchen.
* Die fünf größten Wehrbeiträge erbringen die
ſtatt=
liche Summe von 20 Millionen; den höchſten Beitrag hat
Frau Berta Krupp zu zahlen, nämlich 5 Millionen.
Unter denen, welche vier Millionen entrichten, wird an
erſter Stelle der deutſche Kaiſer hervorgehoben. Er ſteht
in der Höhe ſeines Beitrags an der Spitze aller von den
ſonſtigen deutſchen Bundesfürſten zu entrichtenden
Wehr=
beiträge. Ihm gleich ſtehen auf Grund ihres Vermögens
und Einkommens der Fürſt Guido Henckel von
Donners=
marck und der Fürſt Chriſtian Kraft zu Hohenlohe=
Oehrin=
gen. Sehr groß wird ſich auch der Beitrag des Fürſten
von Pleß und des Freiherrn Max v. Goldſchmidt=
Roth=
ſchild geſtalten.
** Verkannt. Der britiſche Admiral Sir John Fiſher
erlebte kürzlich bei einem Inſpektionsgang durch die
Werften und Dockanlagen einen luſtigen kleinen
Zwiſchen=
fall, den eine engliſche Wochenſchrift berichtet. Durch
einen Zufall verlor der Admiral die Herren ſeiner
Be=
gleitung wanderte allein weiter und ſtieß ſchließlich auf
einen Arbeiter, der gemächlich vor den großen Werkſtätten
an einem Eiſenſtücke hämmerte. „Sind die Herren von
der Admiralität hier irgendwo in der Nähe?” fragte Sir
John. „Keine Sorge, Herr,” erwiderte beruhigend der
Arbeiter, der den ſehr einfach und nachläſſig in Zivil
ge=
kleideten Admiral nicht erkannte, „ich ſtehe ja hier
Schmiere.” „Schmiere? Wieſo denn?” „Was? Das
wiſſen Sie nicht? Sehen Sie, jetzt machen es ſich meine
Kameraden drin in den Werkſtätten bequem. Solange
niemand naht, auf den es ankommt, klopfe ich wie jetzt
ganz ſanft. Aber wenn der alte Jacky Fiſher in Sicht
kommt, dann hämmere ich wie wild, und die Kameraden
drin wiſſen Beſcheid und hämmern ebenſo.” Sir John
Fiſher ſagte nichts, aber am nächſten Tage war dieſer
„Beobachtungspoſten” eingezogen. .
Nummer 23
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Seite 5
folgen können. Die Anklage wird auf Betrug lauten
und die Strafkammer beſchäftigen.
R Heubach, 21. Jan. (Obſt= und
Gartenbau=
verein.) Der Obſt= und Gartenbauverein hielt geſtern
abend in dem großen Rathausſaale eine
Verſamm=
lung ab. Der Vorſitzende Lehrer Darmſtädter erörterte
in einigen Fragen „Das Pflanzen, die Pflege und
Behand=
lung der Obſtbäume, hier namentlich die Pflege im dritten
Jahre des Anpflanzens”. In ſeinem ſpannenden Vortrag
betonte Redner, daß gerade im dritten Jahre des
ange=
pflanzten Obſtbaumes die Züchter ihr Augenmerk auf das
Anlegen eines ſogen. Kreisgrabens richten müſſen.
Ob=
gleich gegen frühere Jahre dem Obſtbau jetzt eine viel
grö=
ßere Pflege zuteil werde, ſo ſei dieſe immer noch nicht
hin=
reichend genug, dadurch den Höhepunkt der Obſtbaumzucht
zu erreichen.
Nierſtein, 22. Jan. (Unſchuldig verhaftet.)
Der unter dem Verdacht des Totſchlags mit den Gebrüdern
Ullrich verhaftete Bäckergeſelle Joh. Schmitt iſt aus der
Haft entlaſſen worden, da ſich die Unſchuld des Mannes
herausgeſtellt hat. Dagegen ſteht die Schuld des älteſten
Ullrich außer Zweifel.
Schornsheim, 22. Jan. (Tot aufgefunden.)
Nachdem man den 61jährigen ledigen Tagöhner Joh.
Peter Wolf einige Tage vermißt hatte, öffnete man deſſen
Wohnung und fand ihn ausgekleidet im Bett liegend als
Leiche. Zur Feſtſtellung der Todesurſache iſt gerichtliche
Unterſuchung eingeleitet worden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 21. Jan. Der Bau
eines Dozentenhauſes und die Beſchaffung eines
zu ſeinem Betrieb erforderlichen Vermögens wird in
Ber=
lin angeſtrebt. Zur Verwirklichung des Plans iſt, wie die
Voſſ. Ztg. mitteilt, ein Ausſchuß zuſammengetreten. Das
Dozentenhaus iſt beſtimmt zur Vorbereitung künftiger
Dozenten für ihren Lehrberuf, zur Ausführung
wiſſen=
ſchaftlicher Arbeiten und zur Abhaltung von Vorträgen;
vor allem aber ſoll damit ein Mittelpunkt geſchaffen
wer=
den für die Anregung und Erhaltung eines lebendigen
Verkehrs und Gedankenrustauſchs unter jungen
Gelehr=
ten verſchiedener Wiſſensgebiete. Durch die Verleihung
von Jahresgehältern an junge Gelehrte, die ſich der
aka=
demiſchen Laufbahn zuwenden wollen und durch
Be=
gabung und Charaktereigenſchaften dafür beſonders
be=
rufen ſind, ſoll verhindert werden, daß fernerhin wertvolle
Kräfte bloß aus Mangel an Mitteln der Wiſſenſchaft
ver=
loren gehen oder, von der Sorge um den Lebensunterhalt
getrieben, zu verflachenden Nebenbeſchäftigungen genötigt
werden. — Heute nacht gegen 2 Uhr entſtand in einem Teil
der mechaniſchen Werkſtätte der Borſigſchen
Maſchinen=
fabrik in Tegel Feuer, das einen Teil der Mechaniſchen
Werkſtätte vernichtete. Die Fabrikfeuerwehr und die
Feuerwehr des Ortes, ſowie der Nachbarorte waren bald
zur Stelle.
22. Jan. Heute mittag wurde Prinz Carol von
Rumänien bei der 3. Kompagnie des 1. Garde=
Regi=
ments in Potsdam als Oberleutnant eingeſtellt.
An=
weſend war auch Kronprinz Ferdinand von Rumänien. —
Der Herausgeber der Politiſchen Nachrichten, Viktor
Schweinburg iſt im 69. Lebensjahre geſtorben. —
Als die in Steglitz wohnhafte Frau Zillmann auf dem
Gaskocher das Mittagbrot bereiten wollte, fingen ihre
Kleider Feuer. Die Nachbarn erſtickten auf das
Ge=
ſchrei die Flammen, doch liegt die Frau
hoffnungs=
los darnieder.
Saarbrücken, 22. Jan. (Ein zweifacher Mord)
ſcheint jetzt ſeine Aufklärung gefunden zu haben. Am 18.
Januar fand man im Walde bei Friebrichstal die Leiche
der Frau Pfaff aus Friedrichstal=Elversberg. Der
Mann der Ermordeten, der 31 Jahre alte Grubenarbeiter
Pfaff war vor drei Jahren mit ſeiner Familie nach Aachen
übergeſiedelt, die Familie wurde aber, da Pfaff ſich nicht
um ſie kümmerte, der Gemeinde Altenwald in
Armen=
pflege verwieſen. Am 21. Dezember vorigen Jahres traf
Pfaff mit ſeiner Frau in Friedrichstal wieder zuſammen
und ging am 22. Dezember mit ihr nach Elversberg um
dort eine Wohnung zu mieten. Auf dem Heimwege ſoll
er die Frau ermordet und die Leiche im Walde verſteckt
haben, wo ſie am 18. Januar gefunden wurde. Seit
die=
ſer Zeit war Pfaff verſchwunden. Wie ſich herausſtellt,
hatte er ſich ſofort nach der Mordtat wieder nach Aachen
begeben. Dort ermordete er am 13. Januar ſeine
Logis=
frau und ging nach Weſtfalen, wo er wegen des Mordes
in Aachen verhaftet wurde. Inzwiſchen wurde
auch die Mordtat in Friedrichstal bekannt und aus einem
Briefe ſoll die Behörde Kenntnis erhalten haben, daß
Pfaff auch in dieſem Falle als Mörder in Frage komme.
Geſtern hat die Konfrontation und die
Zeugenverneh=
mung ſtattgefunden. Der verhaftete Pfaff hat geſtanden,
daß er ſeine Frau in Elversberg getötet hat, aber er
leug=
net den Mord an ſeiner Logisfrau in Aachen.
Karlsruhe, 22. Jan. (Tödlicher Unfall.) Im
Rheinhafen wurde der 67 Jahre alte Arbeiter Johann
Adam Stern von dem infolge des Bruches der Kette
herabſtürzenden Greifer eines Kranes der
Firma Stinnes derart am Rücken getroffen, daß er ſofort
tot zuſammenbrach.
Raſtatt, 22. Jan. (Vor dem Kriegsgericht)
der 28. Diviſion hatte ſich heute der Musketier
Ditt=
mann aus Gernsbach, von der 7. Kompagnie des 111.
Infanterie=Regiments zu verantworten, der am
Neujahrs=
tage in der Ludwigsfeſte den Musketier Rux aus Chemnitz
(Sachſen) mit dem Dienſtgewehr erſchoſſen
hatte. Dittmann hatte, wie ſeinerzeit gemeldet wurde,
eine alte Hülſe gefunden und ſie in der Meinung, daß ſie
leer ſei, in das Dienſtgewehr geladen und auf R angelegt.
der in den Hals getroffen, ſofort tot zuſammenbrach. Das
Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten zu ſechs
Mo=
naten Gefängnis. Die Anklage hatte auf fahrläſſige
Tö=
tung durch unvorſichtige Behandlung der Waffe und
Un=
gehorſam gelautet.
Dresden, 22. Jan. (Selbſtmordverſuch.) Der
Oberzollaſſiſtent Schwatlo verſuchte ſich und ſeine Familie
angeblich infolge finanzieller Schwierigkeiten zu vergiften.
Die 17jährige Tochter iſt geſtorben, während die Eltern
lebensgefährlich erkrankt im Krankenhauſe liegen.
Leipzig, 22. Jan. (Geh. Sanitätsrat Götz), der
Senior der deutſchen Turnerſchaft, dem bekanntlich ein
Arm abgenommen werden mußte, iſt als
ge=
neſen aus dem Krankenhauſe entlaſſen worden.
Halle a. d. Saale, 22. Jan. (Keine
Lepraerkran=
kungen.) Die Nachricht, daß in Halle
Lepraerkran=
kungen durch Haarauflagen vorgekommen ſein ſollen,
iſt völlig erfunden. Nach Mitteilung des ſtädtiſchen
Ge=
ſundheitsamts ereignete ſich in der Stadt kein Leprafall.
Paris, 22. Jan. (Pulverexploſion.) In der
ſtaatlichen Pulvermühle von Ripault bei Tours
wurden durch eine Erploſion von 500 Kilogamm
Ge=
wehrpulver zahlreiche Arbeiter verwundet, darunter
fünf ſehr ſchwer. Man glaubt daß die Exploſion durch
Kurzſchluß verurſacht worden iſt.
Paris, 22. Jan. (Zugeſchneite Dörfer.)
In=
folge der Schneeſtürme ſind mehrere Dörfer bei
Be=
ciers (Südfrankreich) ſeit faſt einer Woche von der
Außenwelt abgeſchnitten. Die Bürgermeiſter teilten dem
Präfekten telegraphiſch mit, daß die Lebensmittelvorräte
der Bevölkerung erſchöpft ſeien und die Dörfer um jeden
Preis aus ihrer bedrohlichen Lage befreit werden müßten.
Nizza, 22. Jan. (Waſſerflugzeugaufſtiege.)
Die Großherzogin=Mutter Anaſtaſia von
Mecklenburg=Schwerin unternahm geſtern auf
einem von dem Piloten Maitcon geſteuerten
Waſſerflug=
zeug einen Aufſtieg. Sie flog in 400 Meter Höhe über die
Ortſchaften Eze, Beaulieu und Saint Jean. Der Flug
dauerte etwa 20 Minuten. Bei einem Aufſtieg, den die
Baronin Vaughan und eines ihrer Kinder geſtern
nach=
mittag mit dem Waſſerflugzeug Maitcons unternahm,
ver=
lor der Apparat das Gleichgewicht, da einer der
bei=
den Schwimmer des Flugzeuges von einer ſtarken Welle
weggeriſſen wurde und ſank ins Meer zurück. Es gelang
jedoch noch zur rechten Zeit, die Mutter, das Kind und den
Flieger mittels Motorbootes zu retten.
Brüſſel, 22. Jan. (Die Gläubiger der
Prin=
zeſſin Luiſe.) Geſtern abend haben die Advokaten
der Prinzeſſin Luiſe dem belgiſchen Staat
mitge=
teilt, daß der angeſtoebte Vergleich zwiſchen ihrer
Man=
dantin und deren Gläubigern zuſtande gekommen iſt. Es
wurden 100 Gläubiger mit 16 Millionen Francs
Forde=
rungen mit 4½ Millionen Francs abgefunden. Es
blei=
ben aber noch einige Gläubiger, mit denen ein
Arrange=
ment zu treffen iſt.
Oeffentliche Verſammlung
der Nationalliberalen Partei.
Im „Kaiſerſaal” fand Mittwoch abend eine
zahl=
reich beſuchte öffentliche Verſammlung der
National=
liberalen Partei ſtatt. Redner des Abends war Referendar
Ed. Dingeldey, der über „Reichsfinanzpolitik” ſprach.
Nach der Eröffnung der Verſammlung durch Herrn Dr.
Oſann führte der Redner in etwa zweiſtündiger Rede
folgendes aus:
Seit den heißen Kämpfen um die Finanzreform im
Jahre 1909 liegt ein Druck auf der innerpolitiſchen
Ent=
wicklung unſeres Reiches, der ſich in den vier Jahren nicht
gemindert hat. Alle die Spaltungen, Gegnerſchaften und
leidenſchaftlichen Erregungen innerhalb der bürgerlichen
Parteien nehmen ihren Ausgang von jenen
finanzpoliti=
ſchen Kämpfen. Wie iſt es zu erklären, daß finanzpolitiſche
Probleme, die doch eigentlich einer nüchternen, ſachlichen
Beratung viel zugänglicher ſind als andere Fragen, ſo der
Anſtoß wurden zu einer tiefgreifenden Umwälzung unſeres
innerpolitiſchen Lebens? Deutſchland hat in den vier
ver=
floſſenen Jahrzehnten eine geiſtige Umwandlung erlebt.
Noch vor drei Jahrzehnten ſtanden im Vordergrunde der
politiſchen Debatte die großen innerſten Probleme der
hohen Politik: der Kampf der individuellen Freiheit mit
der ſtaatlichen Autorität, der verfaſſungsmäßige Ausbau
des Reiches. Dann aber wuchs der deutſche Volkskörper,
immer neue Glieder wuchſen ihm zu. Auf demſelben
Flek=
ken Erde, der ver 40 Jahren 40 Millionen Menſchen
er=
nährte, ſuchen heute 65 Millionen Brot und Arbeit! Dieſes
gewaltige Wachstum der Volkskraft ſetzte ſich um in eine
ungeheuere wirtſchaftliche Energie und trug die deutſche
Wirtſchaft hinaus in die Welt, über die europäiſchen
Gren=
zen hinaus. Wir ſtehen in der Weltwirtſchaft und leben
in der Weltpolitik! Dieſe Umwälzung der Geſtalt und
der Wirtſchaftskraft des Volkes bedeutete auch eine geiſtigo
Wandlung. Materielle, wirtſchaftliche Dinge geben der
politiſchen Situation unſerer Tage ihr Gepräge.
Die Finanzreform von 1909 bedeutete aber mehr, als
nur die Löſung einer finanzpolitiſchen Frage. Sie brachte
gleichzeitig den Zuſammenbruch der Bülowſchen
Block=
politik. Dies iſt ein politiſches Ereignis, deſſen Bedeutung
kaum unterſchätzt werden kann. Gerade die
National=
liberale Partei wurde von dieſem Zuſammenbruch
beſon=
ders berührt. Denn die Idee, welche der Blockpolitik zu
Grunde lag, war ein Gedanke, der aus der geſchichtlichen
Entwicklung eigenſter Beſitz der Nationalliberalen Partei
geworden war. Dieſe Idee war etwa die: es gilt, ein
gerechtes und glückliches Zuſammenwirken zu finden
zwi=
ſchen den Maſſen des induſtriellen Proletariats und den
Maſſen der politiſch organiſierten katholiſchen Minorität
(Zentrum) einerſeits und den nicht maſſigen und
organi=
ſierten, aber an geiſtigen und kulturellen Kräften viel
reicheren Schichten des ſelbſtändigen Mittelſtandes, der
In=
tellektuellen und des Unternehmertums. So kam die
Ver=
einigung von Konſervativen und Liberalen, um in einer
maßvollen, echt konſervativen, aber ebenſo modern=liberalen
Entwickelung das Volk weiterzuführen. Der
Zuſammen=
bruch dieſer Idee führte zu einer großen Erregung,
Hoff=
nungsloſigkeit und Unzufriedenheit im Volke.
Nun gilt es, die rein finanzpolitiſchen Fragen aus
dem Schwall von erregten Phraſen und agitatoriſcher
Ver=
dunkelung herauszuheben. Die Hauptfrage lautet: direkte
oder indirekte Steuern für das Reich? Klar und objektiv
kann man dieſe Frage nur durch eine Verfolgung der
finanzpolitiſchen Entwickelung im Reiche beantworten. Der
Redner gab nun ein Bild von der hiſtoriſchen Entwicklung
der Ausgabenpolitik, des Schuldenweſens und der
Steuer=
volitik. Die Ausgaben für Machtzwecke ſind zwar
gewal=
tig geſtiegen, die Ausgaben für die Wohlfahrtspflege ſind
aber in noch ſchnellerem Tempo geſtiegen. Während die
Ausgaben für Rüſtungen unter dem Druck der politiſchen
Lage mit Notwendigkeit ſteigen, liegt es in der Hand des
Geſetzgebers, das Maß der ſozialen Ausgaben unabhängig
zu beſtimmen. Es muß Bedenken erregen, wenn der
bay=
riſche Miniſterpräſident von verantwortlicher Stelle aus
erklärt, wir ſeien am Rande unſerer wirtſchaftlichen Kraft
in der Rüſtungspolitik angelangt. Selbſt wenn es wahr
wäre, ſo bleiht dieſes Wort aus dem Munde eines
verant=
wortlichen Miniſters vor dem aufhorchenden Auslande
überaus bedenklich! (Lebhafte Zuſtimmung.) — Die
Schuldenlaſt des Deutſchen Reiches iſt in erſchreckendem
Temvo bis zur Höhe von 5 Milliarden geſtiegen. Das iſt
die Folge einer mangelhaften Trennung der ordentlichen
und außerordentlichen Ausgaben in der Vergangenheit.
Die Geſetze von 1909 haben unſere Schuldenpolitik endlich
auf den feſten Boden ſtrenger Grundſätze geſtellt.
Die Einnahmen des Reiches floſſen bis zum Jahre
1906, das die Erbſchaftsſteuer brachte, nur aus der Quelle
der indirekten Beſteuerung. Dieſe Tatſache beweiſt, daß
die bürgerlichen Parteien nicht grundſätzliche Gegner der
indirekten Steuern im Reiche ſind. Nur die
Sozialdemo=
kratie lehnt indirekte Steuern überhaupt ab nach der
Maxime des Abgeordneten Queſſel: „Nur die Steuern ſind
gut, die wir nicht zu bezahlen brauchen‟ Den Luxus einer
ſo oberflächlichen und agitatoriſchen Stellungnahme können
wir uns nicht leiſten. Wir haben die volkswirtſchafkliche
Bedeutung der indirekten Steuern zu prüfen. Dabei muß
maßgebend ſein das Bild unſerer geſamten Beſteuerung im
Reich, Staat, Gemeinde. Im Staat und Gemeinde ruht
die Hauptlaſt auf den Schultern des Beſitzes. Die indirekte
Beſteuerung als Ergänzung iſt deshalb berechtigt Gute
Aufwandsſteuern (Tabak= Wein= Schaumwein=,
Bier=
ſteuer) ſind volkswirtſchaftlich nicht entbehrlich. Sie gehen
von dem Gedanken aus, daß zwiſchen dem Aufwand, den
einer treibt, und ſeinem Einkommen ein gewiſſes
Verhält=
nis beſteht. Verfehlt ſind die Salz=, Zündholz= und
Fahr=
kartenſteuer. Im Jahre 1909 haben wir aus ſozialem
Empfinden gefordert, daß nunmehr, nachdem bisher alle
Laſten durch indirekte Steuern aufgebracht waren, auch
der Beſitz einmal beſondere Opfer bringen müſſe. Die
Konſervativen haben kein Verſtändnis für dieſe ſoziale
Verpflichtung gefunden und durch die törichte Begründung
ihrer Haltung, dem angeblich gefährdeten deutſchen
Familienſinn, nur Verbitterung erregt. Die Meinung des
Herrn v. Heydebrand, „man dürfe einer demokratiſchen
Mehrheit im Reichstage nicht das Portemonnaie der
Be=
ſitzenden ausliefern” iſt in dieſer Form unrichtig,
übertrie=
ben. Gewiß, wenn einmal eine demokratiſche Mehrheit
im Reichstage wäre, könnte man die Beſorgnis wohl
haben, daß die Leiſtungsfähigkeit der Beſitzenden
ausge=
beutet würde — aber, ſo weit ſind wir noch nicht. Und
wir mußten unſerem ſozialen Pflichtgefühl folgen.
Mit dem Wehrbeitrag und dem Beſitzſteuergeſetz iſt
der ſozialen Forderung genügt. Nun iſt die Situation
wieder eine andere. Wir ſtehen vor der Tatſache, daß dem
Beſitze Laſten in einer Höhe auferlegt werden, wie ſie
nie=
mand, der noch 1909 eine Beſitzſteuer aus ſozialem
Emp=
finden gefordert hat, vorausgeahnt hätte. Die
National=
liberale Partei lehnt eine weitere derartige Heranziehung
nur des Beſitzes grundſätzlich ab. Wir wollen den
Einzel=
ſtaaten nicht ihre finanzielle Unabhängigkeit rauben. Denn
nur ſo lange ſie finanziell ſichergeſtellt ſind, können ſie
ihren kulturellen Beruf erfüllen. Der Reichtum des
geiſti=
gen, künſtleriſchen und wirtſchaftlichen Deutſchlands beruht
auf der föderaliſtiſchen Grundlage unſeres Reiches. Wir
halten auch eine weitere Belaſtung des Beſitzes durch das
Reich für volkswirtſchaftlich gefährlich. Diejenigen
Volks=
kreiſe, die in Preußen ſteuerfrei bleiben, alſo unter 900
Mark Einkommen haben, ſind durch Zölle und indirekte
Steuern durchſchnittlich mit 10 Prozent ihres jährlichen
Einkommens belaſtet. Der „Beſitz” iſt dagegen durch die
direkten und indirekten Steuern im Reich, Staat und
Ge=
meinde mit 25 Prozent belaſtet. Und dieſer hohe Satz
ſteigt noch durch die ſozialen Laſten gelegentlich bis auf
45 Prozent des jährlichen Einkommens! Das iſt eine
Be=
laſtung, die an der Grenze des Zuläſſigen läuft. Dabei iſt
zu bedenken, daß wir kein Rentnervolk, wie etwa
Frank=
reich und England, ſondern ein Wirtſchaftsvolk ſind, das
jede Mark ſeines Vermögens wieder arbeiten laſſen muß.
Die indirekten Steuern ſind auch deshalb berechtigt, zumal
etwa künftighin in der Form des Monopols, weil ſich die
Lage der arbeitenden Klaſſen in den vergangenen 25
Jah=
ren außerordentlich gehoben hat. Die Zahl der
Steuer=
zenſiten unter 900 Mark hat ſich weſentlich vermindert; das
Jahreseinkommen der Bergarbeiter in Weſtfalen und in
Schleſien zum Beiſpiel hat ſich verdoppelt! Die
Sozial=
demokratie und die Demokratie wollen durch die
Abgrab=
ung der Finanzquellen der Einzelſtaaten die Macht
Preu=
ßens treffen und dem Reichstag die Möglichkeit geben, auf
dieſe Weiſe Preußen zu demokratiſieren. Wir machen das
nicht mit! (Beifall.) Wir lehnen es ab, die
Unabhängig=
keit der Einzelſtaaten zu ſchmälern. Auf ihr ruht die
innere Kraft unſeres Reiches. Wir wiſſen aber beſonders
auch, und gerade wir Heſſen, daß nur die preußiſche
Staatsgeſinnung, preußiſche Volkskraft, preußiſche
militä=
riſche Energie unſer Reich ſchaffen konnten. Auf dieſen
Faktoren ruht auch in Zukunft des Reiches Stärke. Wir
verteidigen die Zukunft des Reiches, wenn wir Preußen
gegen die Demokratie ſchützen. Aber wir fordern auch von
Preußen, daß es ſich ſeiner hohen Pflichten gegen das
Reich ſtets bewußt bleibe. (Beifall.) Solche Aeußerungen
und ſolche Stimmungen, wie ſie jetzt bei dem neuen
Preu=
ßenbunde zutage getreten ſind, gefährden den inneren
Be=
ſtand unſeres Reiches und können gar nicht ſcharf genug
zurückgewieſen werden. (Lebhafte Zuſtimmung.)
Wir lehnen aber auch das parlamentariſche Regime
entſchieden ab. Wenn die Frankfurter Zeitung Zabern
zum Anlaß des Kampfes für den Parlamentarismus in
Deutſchland machen will, und zwar mit der „Mehrheit der
großen Linken”, ſo machen wir nicht mit! Eine ſolche
große Linke gibt es nicht für uns Nationalliberale! Eine
Mehrheit, die in allen nationalen Fragen, in
wirtſchafts=
politiſchen und verfaſſungspolitiſchen Grundſätzen verſagt,
iſt unfähig zur poſitiven Arbeit! Wir halten feſt an dem
geſchichtlich gewordenen deutſchen Staat mit einer
Zwei=
teilung zwiſchen Regierung und Parlament. Wir lehnen
die Parlamentsherrſchaft ab. Daß der Reichstag ſowohl
in der Geſetzgebung, wie in der Kontrolle der Regierung
ſtark und unabhängig iſt, beweiſt gerade unſere
ſteuerpoli=
tiſche Entwickelung. Neben dem ſtarken Parlament wollen
wir aber den gleichberechtigten ſtarken König! Die
Natio=
nalliberale Partei wird immer unter Abwägung aller
Dinge ihre Stellung nehmen. Wenn man ſie darum die
„Einerſeits-Andererſeits”=Partei genannt hat, ſo iſt das
ihr Ruhmestitel. Denn es drückt die große Wahrheit aus,
daß die Partei den Bahnen des wirklichen Lebens unſeres
Volkes folgt. Nur ſo wird eine geſunde Entwickelung
ge=
währleiſtet. (Lebhafter Beifall.)
Nachdem Herr Germann dem Redner den Dank und
die Zuſtimmung, auch des Jungliberalen Vereins, zu
ſei=
nen Ausführungen ausgedrückt hatte, und nach einem
kur=
zen Schlußwort des Redners wurde die Verſammlung um
halb 12 Uhr durch Herrn Dr. Oſann geſchloſſen.
Darſamentariſches.
Die Etatsberatung im Finanzausſchuß.
St. Der Finanzausſchuß behandelte in ſeiner geſtrigen
Sitzung, in der die Beratung des Hauptvoranſchlages
fort=
geſetzt wurde, zunächſt das Kapitel 65, Fonds für
öffentliche und gemeinnützige Zwecke, und
beanſtandete hierbei, wie das auch ſchon in früheren
Jah=
ren geſchah, daß hier, ohne den Nachweis der
Verwen=
dung, jedenfalls aber ohne Einfluß der Kammern auf die
Verwendung, öffentliche Gelder der Regierung zur
Ver=
fügung ſtänden. Nachdem die Einkünfte dieſes Fonds
durch Abgaben der Feuerverſicherungsgeſellſchaft geſetzlich
feſtgelegt worden ſeien, ſei es auch notwendig, daß bei
der Verwendung dieſer Abgaben die Kammern auch
mit=
zuwirken hätten. Ebenſo wurde bezüglich des
Inpa=
lidenfonds, Kapitel 72, ausgeſprochen. Es ſoll hier
nochmals mit der Regierung verhandelt werden.
Die Beratung kehrte dann zunächſt zu Kapitel 40,
Lehrerſeminar, zurück, und es fand dieſes ſowie
das folgende Kapitel. Volksſchulen, keinerlei
Wider=
ſpruch. Bei Kapitel 42a, Jugendpflege, wurde von
einer Seite gegen die Verwilligung in Höhe von 30000
Mark prinzipiell, wie auch gegen die Erhöhung um 15000
Mark für 1914 Widerſpruch erhoben. Bei Kapitel 45,
Privaterziehungs= und Beſſerungs=
An=
ſtalten, regte ein Mitglied an, daß dieſe wohltätig
wirkenden Anſtalten einen größeren Zuſchuß erhalten
mögen. Das Kapitel 69, Kreisgeometer, gab
Ver=
anlaſſung, die Lage des Geometerweſens in Heſſen über=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Nummer 23.
haupt eingehend zu behandeln, insbeſondere auch die
ſchlechten Anſtellungsverhältniſſe der Geometer 2. Klaſſe
ſowohl in dieſem Kapitel wie auch in der
Feldbereini=
gung, und dann die Verhältniſſe der Kataſtergeometer, die
zurzeit lediglich auf Gebühren angewieſen ſind. Nach
ein=
gehender Auseinanderſetzung wurde hierzu eine
Rück=
ſprache mit der Regierung in Ausſicht genommen, in der
dieſer bisher ziemlich planloſe Zuſtand organiſatoriſch
behandelt werden ſoll. Die folgenden Kapitel ergaben bis
auf die Landwirtſchaftskammer mit Staatsbeiträgen in
Höhe von 144190 Mark keine Anſtände.
Bei der Landwirtſchaftskammer wurde von
verſchiedenen Seiten eine Erhöhung der ſeitherigen
Be=
züge um 53 100 Mark verlangt, welche die Regierung
ab=
lehnte, weil die eigenen Mittel der Landwirtſchaftskammer
an ſich ſteigen würden und eine Erhöhung des
Staatszu=
ſchuſſes alſo nicht erforderlich würde. Die Beratung über
dieſes Kapitel wurde noch zurückgeſtellt, bis weitere
Unterlagen gegeben ſeien. Beim Kapitel Eichweſen
wurde die Mehreinnahme von 40000 Mark, auf der
Reichsgeſetzgebung beruhend, als erfreulich bezeichnet. Die
übrigen Kapitel des Miniſteriums des Innern wurden
ohne Diskuſſion angenommen.
Bei der Beratung des Miniſteriums der
Ju=
ſtiz wurde auf die ſchlechte Lage der
Gerichtsaſſeſ=
ſoren hingewieſen, die allzulange auf Anſtellung
war=
ten müſſen, obwohl eine ganze Reihe von Stellen, die
proviſoriſch von Aſſeſſoren verwaltet werden, ſich als
dauernd notwendig herausgeſtellt haben. Die Verwaltung
von Richterſtellen durch nicht angeſtellte Aſſeſſoren habe
auch in den Augen des Publikums große Schäden. Ebenſo
wurde die Lage der Aktuariatsaſſiſtenten, für
welche 10 neue Stellen im Etat vorgeſehen ſind, beſprochen
und auch hier behandelt, daß insbeſondere durch die
Ein=
richtung der Grundbücher und deren Fortführung eine
ganze Reihe von Stellen ſich als notwendig herausgeſtellt
hätten, die niemals mehr entbehrt werden können. Die
Aſpiranten bei den Hilfsgerichtsſchreiber= und
Gerichts=
ſchreiberſtellen ſollten fernerhin nicht mehr unter die
Schreibhilfe bei den Amtsgerichten geſtellt werden, weil
ſie die Anwartſchaft auf höhere Stellen nach abgelegter
Prüfung erlangt hätten und darum auch nicht in die
Reihe der Schreibhilfen aufzunehmen wären. Dieſe
Be=
anſtandungen ſollen nochmals mit der Regierung
dem=
nächſt verhandelt werden.
Im Kapitel 94, Zentralbauweſen, ſollen die
Prüfungen der Neubauten und größeren Herſtellungen
durch Beſichtigungen, ſoweit erforderlich, vorgenommen
werden. Im Kapitel 96 wurde die Mehrforderung für
den allgemeinen Fonds für Stellvertretungs= und
Aus=
hilfekoſten von 5000 Mark geſtrichen, wie das auch mit
dem ähnlichen Poſten im Miniſterium des Innern
ge=
ſchehen war.
Das geſamte Miniſterium der Finanzen bot
mit Ausnahme der Organiſation des Geometerweſens,
welche, wie bemerkt, noch mit der Regierung verhandelt
werden ſoll, zu Beanſtandungen keinen Anlaß und wurde
endgültig beſprochen und erledigt.
Die nächſte Sitzung ſoll am Mittwoch, den 28. ds.
Mts., ſtattfinden.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 22. Jan. Vizepräſident Dr. Paaſche
eröffnet die Sitzung um 1.30 Uhr. Die
zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern
wird beim Titel „Staatsſekretär” fortgeſetzt (5. Tag).
Hierzu liegen 12 Reſolutionen vor. — Abg. Nowicki
(Pole), bei großer Unruhe im Hauſe: Die polniſchen
Be=
rufsvereine werden vielſach von der Polizei als politiſche
Vereine behandelt. Das Oberverwaltungsgericht hat ſich
dieſer Anſicht angeſchloſſen, in einem Falle ſogar auf
Aus=
ſage einer Zeugin. Von dieſen wirtſchaftlichen Vereinen
wird daher auch die Einreichung der Mitgliederliſten
ver=
langt. — Abg. Haegy (Elſäſſer): Wir ſtehen ebenfalls
auf dem Standpunkt, daß die bisherige Wirtſchaftspolitik
beibehalten werden muß, wenn auch einzelne
Modifika=
tionen erwünſcht erſcheinen. Die wirtſchaftlichen Erfolge
waren in den letzten Jahren in Elſaß=Lothringen nicht
ſo groß als im übrigen Deutſchland. Nirgends iſt die
Sehnſucht nach Erhaltung des Friedens und nach
Ver=
ſöhnung und Entſpannung ſo groß als in dem
Grenz=
land Elſaß=Lothringen, nirgends wirken dieſe Umſtände
mehr als dort auf das wirtſchaftliche und finanzielle Wohl
des Landes. Schwer empfunden wird, daß die
Steuer=
politik des Reiches ſo tief einſchneidet in die politiſchen
Zuſtände des Landes. Eine alte Forderung des
Reichs=
landes iſt, daß das Reich die für die Zollerhebung für
das Reich gemachten Ausgaben in voller Höhe
zurückver=
gütet. Elſaß=Lothringen hat ſehr große Ausgaben in
die=
ſer Hinſicht, da es einen großen Tranſitverkehr aufweiſt.
Die Handelskammern in Elſaß=Lothringen wünſchen
nun=
mehr ſchon ſeit 30 Jahren die Errichtung von Konſulaten,
die für den elſaß=lothringiſchen Handel ſehr wichtig ſind,
insbeſondere iſt die Errichtung eines franzöſiſchen
Kon=
ſulats notwendig. Die Befürchtung, daß daraus eine
Zentralſtelle für franzöſiſche Wühlereien entſtehen würde
erregt bei uns nur ein Lächeln. Eine alte Forderung iſt
Konzerte.
mm. Im Saalbau fand geſtern abend ein
außerordent=
ich gut beſuchtes und ausgezeichnet verlaufenes Konzert
ſtatt. Werner von Siemens leitete dasſelbe mit der von
der Hofkapelle prachtvoll geſpielten Coriolan=Ouvertüre
ein. In allen Bewegungen verriet er den zielbewußten,
energiſchen Orcheſterleiter und verſtand es, Licht und
Schat=
ten wirkſam zu verteilen, ſo daß die Wiedergabe der
Ouvertüre ganz vollendet war. Die zweite Nummer des
Programms: Acht Lieder für eine hohe Stimme und
Orcheſter von Hermann von Waltershauſen, wurden zum
erſten Male geſungen. In denſelben verrät ſich ein ganz
hervorragendes Talent, und bei größter Originalität klingt
alles ganz natürlich und einfach. In Klangeffekten weiß
der Komponiſt immer Neues zu erſinnen und bleibt doch
immer klar und durchſichtig und rhythmiſch einfach und
verſtändlich. Ganz beſonders gefielen daraus die Romanze
aus der Poſtkutſche, die wiederholt wurde, ebenſo wie das
Lied „Aus dem Wiener Prater”. Indes ſind auch die
übri=
gen wahre Perlen der Satzkunſt und Inſtrumentation. Ein
Lked aus dem 30jährigen Krieg intereſſierte durch ſeinen
geſchichtlichen Vorwurf ebenſo, wie durch die Prägnanz
im Ausdruck. Frau Hedy Jracema=Brügelmann aus
Stutt=
gart ſang dieſelben mit ſteigendem Intereſſe und mit viel
Ausdruck der Stimmung. Zum Schluß konnte man ſich an
der vollendeten Wiedergabe der Vierten Symphonie
(E=Moll) Op. 98 von Johs. Brahms erfreuen. Die Sätze
Allegro und Andante moderato, von ſchwermütigem
Aus=
druck, werden durch ein ſcherzhaftes Allegro abgelöſt, dem
ſich der reizende Schlußſatz anfügt. Die ganze Symphonie
ſtellt recht hohe Anforderungen an Kapelle und
Kapell=
meiſter, denen beide gerecht wurden und verdienten Beifall
ernteten.
auch die Moſelkanaliſation. Die elſaß=lothringiſche
In=
duſtrie, namentlich die Eiſeninduſtrie, hat das allergrößte
Intereſſe daran. Elſaß=Lothringen trägt zu den
Militär=
laſten Deutſchlands ſo ungeheuerlich viel bei, daß ihm
endlich auf wirtſchaftlichem Gebiete ein Aequivalent
ge=
ſchaffen werden muß. Bei einer künftigen
Kaligeſetz=
novelle muß auch eine Reviſionsinſtanz geſchaffen
wer=
den, damit nicht zwei fiskaliſche Beamte Preußens und
ein Vertreter eines anderen Bundesſtaates die letzte
In=
ſtanz für die elſaß=lothringiſchen Werke abgeben. Elſaß=
Lothringen leidet außerordentlich unter dem
Reblaus=
geſetz, das für unwirkſame Mittel große Ausgaben
ver=
langt. Ein Ausbau des reichsländiſchen Rebengeländes
auf amerikaniſcher Grundlage allein kann uns helfen. Wir
wünſchen von der Reichsleitung mehr Verſtändnis für
die inneren Angelegenheiten. Wenn man Milliarden für
den auswärtigen Feind ausgibt, ſo muß man genügend.
Mittel zur Verfügung ſtellen, um der gärenden
Unzufrie=
denheit weiter Volkskreiſe wirkſam begegnen zu konnen.
Im lothringiſchen Induſtrierevier fehlt es an geeigneten
Arbeiterwohnungen. Die Koſt= und Logierhäuſer müſſen
recht genau überwacht werden. Die Gefahr der
Ein=
ſchleppung der Maul= und Klauenſeuche aus Frankreich
findet bei uns nicht rechten Glauben. Man ſollte die
Grenzſperre nicht ſo ſtreng handhaben.
Kommiſſar des Bundesrats, Präſident des
Reichs=
bankdirektoriums v. Havenſtein: Die Politik der
Reichsbank iſt ja im allgemeinen günſtig beurteilt
wor=
den, aber es ſind doch eine Reihe von Ausführungen
ge=
macht worden, die Anlaß geben können zu allgemeinen
Bedenken und Beſorgniſſen. Herr Dr. Arendt hat ſich
mit der Diskontpolitik genauer beſchäftigt und ganz
be=
ſonders das Verhalten der Reichsbank im Auguſt v. J.
getadelt. Aber dieſe Politik war durch die Lage der
Dinge vollſtändig gerechtfertigt und ich übernehme dafür
die volle Verantwortung. Wir ſtanden allerdings einer
hochgeſteigerten Wirtſchaftskonjunktur gegenüber,
anderer=
ſeits hat der Balkankrieg zu ganz erheblichen
Theſau=
rierungen geführt. Es ſind auch die Ausführungen nicht
richtig geweſen, daß ſich überall ein Sinken des
Privat=
diskonts geltend machte. Das war nur in gewiſſem
Maße in London der Fall, auf faſt allen anderen
Bank=
plätzen herrſchte eher eine ſteigende Tendenz des
Privat=
diskonts. Dazu kam ein ganz beſonderes Geldbedürfnis,
ſo daß eine allgemeine Geldknappheit herrſchte. Die
Geld=
flüſſigkeit, die hier im Hauſe erwähnt wurde, war nur
vorgetäuſcht und tatſächlich nicht vorhanden. Sogar die
Bank von Frankreich hatte einen für ihre Verhältniſſe
hohen Diskont. Dasſelbe gilt auch von der Bank von
England. Die Anſpannung des Geldmarktes ließ erſt im
Oktober etwas nach. Die Politik der Reichsbank war
alſo bei Lage der Dinge gerechtfertigt, andererſeits wäre
vielleicht nur die Spekulation gefördert worden, was ein
ſchwerer Fehler geweſen wäre. Auch heute noch iſt der
Kapitalmarkt außerordentlich geſpannt. Der Baumarkt
liegt darnieder, daran iſt die Diskontpolitik der
Reichs=
bank nicht ſchuldig. Der Baumarkt hätte ſich bei dem
Bankdiskont ſogar erholen können; wenn er ſich nicht
er=
holt hat, ſo liegt das an der ungünſtigen Finanzierung
der meiſten Unternehmungen auf dieſem Gebiete. Auch
auf dem Hypothelenmarkt zeigt ſich dasſelbe Bild. Auf
die Notenſteuer konnten wir nicht verzichten, ſie war
ge=
wiſſermaßen das Warnungsſignal für das Publikum.
Wir ſind heute ſtark und unabhängig von ausländiſchen
Einflüſſen. Wir ſtehen auf eigenen Füßen. (Lebhafter
Beifall.) Aber wir gerade in Deutſchland müſſen alle
Erſparniſſe immer wieder in das deutſche
Wirtſchafts=
leben hineinſtecken. Die Reichsbank hat natürlich ein
In=
tereſſe, unſerer ſchaffenden Arbeit Laſten nicht länger auf
zulegen, als es unbedingt nötig iſt, aber ſie muß ſich
da=
bei nach den Zeitumſtänden richten. Der Redner geht
dann genau auf die Frage der Goldreſerven der
Reichs=
bank und auf die Notenreſerve ein, ebenſo hebt er
her=
vor, daß die Reichsbank während dieſer ganzen Kriſe
bemüht geweſen iſt, die Liquidität der Banken zu
er=
halten. Wir haben alles getan, um Schlimmeres zu
ver=
hüten. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Werner=Gießen (Wirtſch. Vgg.): Der
Mit=
telſtand muß ſich gegen die Schmutzkonkurrenz und
Pfu=
ſcherei ſchützen. Der beſtehende Befähigungsnachweis
muß ausgedehnt werden. Die Bevorzugung der jüdiſchen
Geſchäfte in demsonntagsruhegeſetz wäre völlig
ungerecht=
fertigt. Schon vor längerer Zeit habe ich in einer
kur=
zen Anfrage wegen des offiziöſen Nachrichtenbureaus
an=
gefragt, ohne von der Regierung Auskunft erhalten zu
haben. Es ſcheint daher richtig zu ſein, daß ein
inter=
nationaler Konzern unter jüdiſcher Oberleitung beſteht.
Das Geſetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs
verſagt völlig, da die Polizei nichts ſieht und nichts ſehen
will. Das Zugabenweſen müßte verboten werden. Das
Warenhaus iſt kein Fortſchritt und keine Verbilligung.
Wir freuen uns, daß ſich auch in Beamtenkreiſen der
Ge=
danke Bahn bricht, daß die Beamten nicht nur den
Kon=
ſumentenſtandpunkt zu vertreten, ſondern das
Geſamt=
wohl zu berückſichtigen haben. Mit ſeiner Anſicht über
den Freihandel ſteht der Abg. Gothein allein in ſeiner
Partei. Wir halten an unſerer bewährten
Schutzzollpoli=
tik feſt. Will man einen wirkſamen Schutz des
Mittel=
ſtandes, dann müſſen auch die Beamtenkonſumvereine
beſeitigt werden. Die Arbeiterkonſumvereine ſind
aner=
kanntermaßen politiſche Kampf= und Machtmittel, die den
Ruin des Mittelſtandes zum Ziele haben. Wir
ver=
langen von den Regierungen eine zielbewußte
Mittel=
ſtandspolitik. (Beifall.)
Abg. Heine (Soz.): Während wir eine Sicherung
des Koalitionsrechtes fordern, verlangen die
Konſer=
vativen eine Beſchränkung dieſes Rechts. In dieſem
Kampf zeigt ſich der Uebermut der Reaktionäre. Die
Herrenmenſchen vertragen es nicht, daß das Volk
ſelbſtän=
dig ſeine Angelegenheiten in die Hand nehmen will,
Lohn=
aufbeſſerungen und Verbeſſerung der Arbeitzsbedingungen
zu erlangen. Sie wollen, daß das Volk bittet. Eine
For=
derung, namentlich Zwangsmittel halten ſie für offene
Auflehnung. Es iſt eine bewußte Volksfeindſchaft,
in der dieſe Forderung der Reaktionäre zum Ausdruck
kommt. Auch wir bedauern Streikausſchreitungen. Auf
Kirchweihen und in Gaſthäuſern kommen auch
Ausſchrei=
tungen vor, wollen Sie deshalb die Kirchweihen
beſei=
tigen und das Schnapsbrennen aufgeben? (Sehr gut bei
den Sozialdemokraten.) Ein Unteroffizier, Offizier oder
Inſpektor ſchimpft wie ein Rohrſpatz, halten Sie dies für
erfriſchende Jugendlichkeit und derbe Volksſeele? Ganz
anders urteilen Sie aber, wenn ein Arbeiter ein kräftiges
Wort gebraucht. Wird die Volksbildung gefördert, dann
verſchwinden auch ſolche rohen Redensarten. Die Exzeſſe
ſind nach Zahl und Schwere im Abnehmen begeiffen,
dank dem Erſtarken der Organiſationen. Mit
Straf=
beſtimmungen wird hier nichts erreicht. Das Eingreifen
der Behörden veranlaßt die Arbeiter erſt zu
Gewalt=
tätigkeiten zu ſchreiten, (Sehr richtig.) da die Behörden
ſich faſt ausnahmslos auf die Seite der Unternehmer
ſtellen. Vizepräſident Dove: Sie dürfen den Behörden
nicht abſichtliche einſeitige Parteinahme vorwerfen.) Heine
fortfahrend: Dann will ich meine Behauptungen
ein=
ſchränken auf die Fälle wo es wirklich vorgekommen iſt
(Heiterkeit.) Den Streikbrechern aus Not kann man
manches nachſehen, aber es gibt auch Streikbrecher von
Beruf. Wie dieſe in Moabit gewütet haben, dafür hier
ein Beweis. Der Redner zeigt einen Gummiknüppel, der
an beiden Enden mit Eiſenſtücken beſchwert iſt. (Lebhafte
Pfuirufe bei den Sozialdemokraten.) Dieſen
Streik=
brechern kommt es, wie es tatſächlich vorkommt, gar nicht
darauf an, einen ſtreikenden Arbeitskollegen totzuſchlagen.
Sie erzählen laut: Uns geſchieht doch nichts. Wir
ver=
langen, daß der § 252 des Strafgefetzbuchs auf Lohn= und
Arbeitskämpfe nicht angewendet werden kann, und daß
deshalb unter der abſichtlichen Verſchaffung eines
rechts=
widrigen Vermögensvorteils nur die Abſicht zu verſtehen
iſt, ſich oder einem Dritten ein dem Recht
zuwiderlaufen=
der Vermögensvorteil zu verſchaffen. Ferner muß im
Ge=
ſetz zum Ausdruck gebracht werden, daß die Ankündigung
der Arbeitsniederlegung keine Drohung im Sinne des
Ge=
ſetzes darſtellt. Das neue Strafgeſetzbuch wird mit ſeinen
Strafen ein Ausnahmegeſetz ſchlimmſter Art ſein, vor dem
energiſch gewarnt werden muß. Das Streikpoſtenſtehen
iſt für die Streikenden unentbehrlich. Eine Kontrolle der
Arbeitswilligen iſt nötig, um an ihr Ehr= und
Solidari=
tätsgefühl appellieren zu können. Dieſes Recht muß den
Arbeitern geſetzlich eingeräumt werden. In unſerem
Ge=
ſetzbuch haben wir bereits Ausnahmegeſetze gegen die
Arbeiterkoalitionen. Die Haftbarmachung der
Gewerk=
ſchaften für entſtandenen Schaden des Unternehmers iſt
ein Ausnahmegeſetz ſondergleichen! Der Terrorismus der
Unternehmer fördert nur das Anwachſen der
Sozialdemo=
kratie. Wer Wind ſäet, wird Sturm ernten. Bei einem
Arbeiter wird vom Gericht immer das Bewußtſein der
Rechtswidrigkeit angenommen, bei einem noch ſo gelehrten
Unternehmer oder auch bei einem Oberſten nicht. (Sehr
gut.) Die Rechtſprechung iſt immer ſchärfer geworden
gegen die Arbeiter. Das nennt man unabhängige Juſtiz.
Wir wollen das Koalitionsrecht ausdehnen auf
Land=
arbeiter, Dienſtboten. Schiffsangeſtellte, Staatsarbeiter
und Beamte. Die Angſt vor einem Staatsarbeiterſtreik iſt
eine Chimäre. Das Streikrecht kann man ihnen durch ein
beſonderes Geſetz nehmen, das Koalitionsrecht darf man
ihnen aber nicht vorenthalten. Zunächſt hat die
Regie=
rung Gleichheit und Gleichberechtigung der Arbeitgeber
und Arbeitnehmer zu ſchaffen, damit wird das Streben
der Scharfmacher vernichtet, die Arbeiter zu Kulis
herab=
zudrücken. Wer es gut meint mit der Macht, Ehre und
dem Ruhm des Vaterlandes, der gebe den Arbeitern das
freie Koalitionsrecht. (Lebhafter Beifall bei den
Sozial=
demokraten.)
Darauf wird vertagt. — Nächſte Sitzung
Frei=
tag 12 Uhr. Anfragen Interpellationen betr.
Zabern Initiativanträge, betr. Befugniſſe der
bewaff=
neten Macht.
An den Vorſchlag des Präſidenten knüpft ſich eine
Geſchäftsordnungsdebatte. Abg. Graff vion
Weſtarp bittet, die Initiativanträge von der
Tages=
ordnung abzuſetzen, da ſeiner Zeit bei Schaffung der
Interpellationsanträge betont wurde, daß ſolche Anträge
ausgeſchloſſen ſein ſollten. — Abg. Haaſe (Soz.): Die
Bedenken des Grafen Weſtarp ſind nicht zutreffend. — Abg.
Gröber (Ztr.): Der Vorſchlag des Präſidenten iſt
un=
bedenklich. — Abg. Baſſermann (natl.): Wir halten
den Vorſchlag des Präſidenten für richtig. — Abg. Graf
p. Weſtarp wiederholt ſeine Bedenken. — Abg. Dove
(Fortſchr. Vpt.): Die Anträge ſind vollſtändig ſelbſtändig,
mag mit der Interpellation geſchehen was will. — Abg.
Dr. Spahn (Ztr.): Graf Weſtarp iſt falſcher Auffaſſung.
Früher iſt ähnlich ſo verfahren worden, wie hier
vorge=
ſchlagen wird. — Abg. Baſſermann (natl.): Es würde
nicht zweckmäßig ſein, zweimal kurz hintereinander dieſe
Debatte hervorzurufen. — Abg. Graf v. Weſtarp (konſ.):
Die Einwendungen haben uns nicht überzeugen können.
(Heiterkeit.) Die Abſtimmung ergibt die Ablehnung des
Antrages des Grafen Weſtarp. Es bleibt alſo bei der
vom Präſidenten vorgeſchlagenen
Tages=
ordn ung. — Schluß 6½ Uhr.
* Berlin, 22. Jan. Der Seniorenkonvent
des Reichstags trat heute vor der Plenarſitzung
zu=
ſammen und einigte ſich dahin, auf die Tagesordnung für
Freitag die Beſprechung der Interpellationen betreffend
die Kriegsgerichtsurteile in Straßburg bezüglich der
Vorkommniſſe in Zabern zu ſetzen. Selbſtändig, aber
un=
mittelbar anſchließend an die Interpellationen ſollen die
Anträge der Fortſchrittlichen Volkspartei und der Elſäſſer,
und gegebenenfalls die noch zu erwartenden Anträge
bezw. Reſolutionen über die reichsgeſetzliche Regelung der
Befugniſſe des Militärs zur Ausübung der ſtaatlichen
Zwangsgewalt erledigt werden. Der Beginn der
mor=
gigen Sitzung iſt auf 12 Uhr feſtgeſetzt, der der
Samstags=
ſitzung iſt für 10 Uhr vorgeſehen. Montag und Dienstag
nächſter Woche ſollen ſitzungsfrei bleiben. Der Mittwoch
nächſter Woche ſoll nötigenfalls zum Abſchluß der
Za=
berner Debatte verwandt werden. Weiter ſprach ſich der
Seniorenkonvent dahin aus, am Schluſſe der zweiten
Leſung des Etats des Reichsamts des Innern diejenigen
Fragen beſonders zu behandeln, die mit der Handhabung
des Vereinsgeſetzes zuſammenhängen. Die Fraktionen
können dann Anträge zu dieſer Materie ſtellen, die ſofort
erledigt werden ſollen, ſo daß die Abſtimmung hierüber
nicht bis zur dritten Leſung hinausgeſchoben zu werden
braucht.
* Berlin, 22. Jan. Die Kommiſſion zur
Ausſchmückung des Reichstagsgebäudes
trat heute vormittag zuſammen. Sie beſchloß, in der
Frage des Ankaufes von Gobelins von der Gräflich
Baudiſſin=Rantzauſchen Fideikommißverwaltung in
Rantzau bei Plön am 7. Februar nach Rantzau zu reiſen,
um die Gobelins zu beſichtigen und zu prüfen, ob ſie für
den Feſtſaal im Hauſe des Reichstagspräſidenten
geeig=
net ſeien. Weiter wurde beſchloſſen, zur Ausführung der
vier Niſchen an der Oſtſeite des Plenarſitzungsſaales
figürliche Darſtellungen in Bronze zu wählen, welche die
vier Kardinaltugenden Weisheit Tapferkeit, Gerechtigkeit
und Mäßigung (!) darſtellen ſollen. Die Ausführung der
Allegorien wurde dem Profeſſor Fritz Klimſch übertragen.
In der Budgetkommiſſion des Reichstages
teilte heute bei der Beratung des Etats der Reichspoſt=
und Telegraphenverwaltung der Referent mit, daß die
Vorbeſprechungen zur Löſung der
Beamtenbeſoldungs=
fragen zu keinem Ergebnis geführt haben. Die
Kom=
miſſion ſolle daher den dringenden Wunſch auf baldige
Vorlegung einer Novelle zum Beamtenbeſoldungsgeſetz
ausſprechen, So beſchloß auch die Kommiſſion
Staats=
ſekretär Kraetke erwiderte, er halte es ebenfalls für
nütz=
lich und notwendig, daß die Novelle bald komme. Was
er dafür tun könne werde geſchehen.
* Berlin, 22. Jan. Die Abgeordneten
Baſſermann und Genoſſen haben im
Reichs=
tag folgende Reſolution eingebracht: Der Reichstag
wolle beſchließen: den Herrn Reichskanzler um Vorlegung
eines Geſetzentwurfs über den Ausbau des
Bundes=
amts fur das Heimatweſen zu einem Reichs=
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Seite 7
amt für das Heimats= und Finanzweſen
be=
hufs Uebernahme der letztinſtanzlichen Entſcheidungen in
Rechtsſtreitigkeiten aus dem Wehrbeitragsgeſetz und dem
Beſitzſteuergeſetz zu erſuchen.
* Berlin, 22. Jan. Reichstagsabgeordneter Dr.
Quarck=Frankfurt a. M. (Soz.), hat im Reichstag
folgende Anfrage geſtellt: Will der Herr Reichskanzler die
nötigen Schritte tun, um angeſichts der Feſtſtellungen im
Krankfurter Giftmordprozeß Hopf eine
Er=
gänzung der deutſchen Geſetze und Verordnungen über den
Handel mit Giften durch Einbeziehung ſeuchenerregender
Mikroorganismen in das amtliche Verzeichnis der Gifte,
ſowie eine internationale Regelung des Handels mit Gift
und ſolchen Mikroorganismen in Anlehnung an § 12 der
preußiſchen Landespolizeiverordnung vom 22. Februar
1906 in die Wege zu leiten?
Die Kriegervereine und die Vorgänge
in Zabern.
* Wir leſen in der Parole dem Blatte des Deutſchen
Kriegerbundes, folgende Erklärung:
Die Vorgänge in Zabern haben kein deutſches Herz
unberührt gelaſſen; mit höchſter Spannung wurden ſie von
denen verfolgt, die einſt des Königs Rock als Ehrenkleid
trugen. Nun iſt ein Abſchluß erreicht; an dieſer Stelle
haben die Hergänge die den Tatſachen entſprechende
Dar=
ſtellung bereits gefunden.
Die politiſchen und ſtaatsrechtlichen Seiten der
Zaberner Vorkommniſſe zu beſprechen iſt nicht Sache der
Kriegervereine. Die Kameraden des Preußiſchen Landes=
Kriegerverbandes erwarten jedoch mit Recht, daß nunmehr
auch ihr Vorſtand das Wort ergreift in dieſer das Anſehen
und Intereſſe der Armee ſo nahe berührenden
Angelegen=
heit. Jeder Angriff auf die Ehre der Armee ruft an ihrer
Seite die alten Soldaten in die Schranken.
Die Armee iſt der feſte Grund, auf dem der Staat
be=
ruht; mit ihr haben unſere Herrſcher Preußens Größe
be=
gründet, die Siege der Kriegsmacht aller reutſchen Lande
haben das Reich geſchaffen. Das feſte Gefüge der Armee
iſt die Grundlage für Ruhe und Sicherheit des Bürgers
im Innern und für den Frieden nach außen. Die Armee
iſt daher die vornehmſte Einrichtung im Staate, ihr
An=
ſehen muß aufrecht erhalten werden, wenn der Staat
be=
ſtehen ſoll. Wird ihre Ehre böswillig oder leichtfertig
an=
getaſtet, ſo erheiſcht die Pflicht, mit den Mitteln
einzu=
ſchreiten, die durch die Befehle des oberſten Kriegsherrn
vorgeſchrieben ſind.
Die Armee beruht auf Diſziplin und
Ge=
horſam. Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere haben
die Befehle ihrer Vorgeſetzten auszuführen und nicht
dar=
über zu klügeln, ob der Befehl richtig oder falſch iſt. Die
Verantwortung trifft den, der den Befehl gegeben hat.
Das hat von jeher in der preußiſchen Armee als ehernes
Geſetz gegolten, zum Heile des Staates und ſeiner Bürger.
Die Armee beruht ferner auf
Kamerad=
ſchaft: auf der Kameradſchaft der Soldaten
untereinan=
der, auf der Kameradſchaft und dem Vertrauen der
Vor=
geſetzten zu den Untergebenen und der Untergebenen zu
ihren Führern. An dieſem herzlichen
Vertrauensverhält=
nis haben zum Glück unſeres Vaterlandes alle
Verhetzun=
gen der Sozialdemokratie nichts zu ändern vermocht. Reich
an glänzenden Beiſpielen ſind die ſchweren Kämpfe in
Südweſtafrika, in denen Offiziere für ihre Soldaten, wie
dieſe für die Führer freudig ihr Leben einſetzen und den
letzten Biſſen wie den letzten Tropfen miteinander teilten.
Und liefern wir nicht ſelbſt den Beweis für die
Unlösbar=
keit des Bandes, das Soldaten jedes Ranges bis an das
Lebensende umſchließt? Würden Millionen ſich
zuſammen=
ſcharen zu den deutſchen Kriegervereinen, wenn nicht die
Liebe zu ihrer Dienſtzeit, der Stolz auf ihr
Soldatenver=
hältnis und der Entſchluß ſie zuſammenführte, die Treue
zu halten bis zum letzten Atemzuge? An dem
Granit=
felſen des kameradſchaftlichen Vertrauens zwiſchen
Vorge=
ſetzten und Untergebenen werden alle Angriffe auf unſere
Armee zu Schanden werden.
Endlich und vornhmlich beruht unſere Armee auf
der Treue und dem Gehorſam zu ihrem
oberſten Kriegsherrn. Jeder alte Soldat weiß,
daß in der Armee nur ein Wille gelten darf, der Wille des
Kaiſers. Ohne dieſes vornehmſte Gebot kann die Armee
nicht das ſein, was ſie zum Heile des Volkes ſein muß,
das ſcharfe Schwert in der Hand deſſen, der über Krieg und
Frieden zu entſcheiden hat, in der Hand Seiner Majeſtät
des Kaiſers und Königs.
Unbedingte Königstreue hat von jeher unſere Armee
beſeelt und ſoll ſie für immer erfüllen. Die alten Soldaten
in den Kriegervereinen wiſſen, daß der Allerhöchſte
Kriegs=
herr und die Armee zuſammengehören, und daß die
Heeresgewalt in der Hand des Kaiſers bleiben muß. Der
Parteien Haß und Gunf darf nicht bei ihr Einkehr halten.
Die in den deutſchen Herzen tief wurzelnde Königstreue
und monarchiſche Geſinnung bürgen dafür, daß dies gelte
für alle Zeiten!
Der Vorſtand des Preußiſchen Landes=
Kriegerver=
bandes weiß, daß dies Bekenntnis zur Armee ſeinen
Ka=
meraden aus dem Herzen geſprochen iſt, denn der alte
Preußengeiſt aus der Väter Zeiten iſt in uns Allen
lebendig.
Mit unſeren Kameraden im Heere bekräftigen wir dies
in dem Rufe: „Es lebe der Kaiſer!” Wir alten Soldaten
fügen hinzu: „Es lebe des Kaiſers Armee!”
Der Vorſtand des Preußiſchen Landes=Kriegerverbandes.
von Lindequiſt,
Generaloberſt, Generaladjutant Seiner Majeſtät des
Kaiſers und Königs,
Präſident.
Gerichtszeitung.
* Frankfurt a. M., 22. Jan. Das
Schwur=
gericht ſprach nach zweitägiger Verhandlung die
Vor=
ſtandsmitglieder der Südweſtdeutſchen
Verſicherungs=Geſellſchaft, die am 30. April
vorigen Jahres in Konkurs geraten iſt, Gebrüder Hugo
und Kuno Scholten des Vergehens gegen das
Privat=
verſicherungsgeſetz und der ſchweren Untreue bezw. der
Beihilfe dazu ſchuldig. Hugo Scholten wurde zu
einem Jahr neun Monaten Gefängnis und
500 Mark Geldſtrafe Kuno Scholten zu einem
Jahr und 200 Mark Geldſtrafe verurteilt.
Handel und Verkehr.
* München, 22. Jan. Die Bayeriſche
Noten=
bank hat den Wechſeldiskont von 5 auf 4½ Proz.
und den Lombardzinsfuß von 6 Prozent auf 5½ Prozent
herabgeſetzt.
* Daresſalam, 22. Jan. Der Außenhandel
Deu tſchoſtafrikas hat nach vorläufiger Feſtſtellung
trotz der Kautſchukkriſis im Kalenderjahre 1913 um faſt
ſieben Millionen Mark zugenomm en. Davon
entfallen vier Millionen Mark auf die Ausfuhr, obwohl
der Wert der Kautſchukausfuhr um anderthalb Millionen
hinter dem Vorjahre zurückgeblieben iſt. Der Geſamthandel
beträgt rund 88,5 Millionen Mark. 1908 betrug er 36,6
1909 47, 1910 59,4, 1911 68,3 und 1912 81,7 Millionen Mark.
Sport, Spiel und Turnen.
Die Stätten des Winterſports in Deutſchland.
C.K. Während der Eislauf im modernen Winterſport
ein wenig in den Hintergrund getreten iſt, haben ſich Ski=
und Rodelſchlitten heute die unbedingte Herrſchaft
erwor=
ben. Die Anforderungen, die dieſe beiden Sportzweige
an das Gelände ſtellen, ſind aber ſehr verſchieden, und ſo
läßt ſich unter dieſem Geſichtspunkt eine Scheidung
zwi=
ſchen den deutſchen Winterſportplätzen vornehmen. Aus
der Geſchichte der heute ſo reich entwickelten deutſchen
Winterſportbewegung ſtellt A. Fendrich in einem Aufſatz
der bei der Deutſchen Verlags=Anſtalt in Stuttgart
er=
ſcheinenden Zeitſchrift Ueber Land und Meer dieſe
Gegen=
ſätze feſt. Der Schlittenſport war ſchon, wenn auch
in einer zahmen altväteriſchen Form, jahrzehntelang im
Rieſengebirge und Erzgebirge bekannt, bevor der moderne
Winterſport ſeinen Siegeszug durch Deutſchland hielt.
Dieſe Gebirge ſind eben, wie die Vogeſen in
Süddeutſch=
land, Kammformationen, die alle klimatiſchen Vorteile für
das Rodeln aufweiſen. Da gibt es langgeſtreckte, vom
Schnee mehr oder weniger reingefegte und verharſchte
Hochflächen und dichtbewaldete, von vielen Wegen
durch=
ſchnittene Flanken. Als nun aber die nordiſchen
Lehr=
meiſter des Skis den Schneeſchuh nach Deutſchland
brach=
ten, da fand dieſer neue Sport ſeine erſte Pflege im
ſüd=
lichen Schwarzwald, weil dieſes Gebirge alle Vorteile für
das Skilaufen beſitzt. Der Feldberg im Schwarzwald
wurde ſo zur Wiege des deutſchen
Schnee=
ſchuhlaufes, und er hat erſt ſpäter gegen das
Baye=
riſche Hochgebirge zurücktreten müſſen, wo die viel
ſchwie=
riger gearteten Terrain= und Schneeverhältniſſe eine
Wei=
terentwickelung der Ski=Technik erzwangen. Dort haben
die Schwarzwälder Schneeſchuhläufer dann die neuen
Künſte eines verfeinerten Stemmfahrens, des
Umſprin=
gens, der Querſprünge uſw. gelernt. Im Feldberg=Gebiet
konnte eine neue Ski=Kultur entſtehen, ſie konnte im
Baye=
riſchen Hochwald ihre höchſte Entwickelung erlangen, weil
in dieſen beiden Gebirgen die Vorausſetzungen die denkbar
günſtigſten waren. Und in den mitteldeutſchen Waldgebirgen
Thüringens und Schleſiens wurden die höchſten Rekorde
im Schlittenfahren erreicht, weil hier klimatiſche Forſt=
und Strukturverhältniſſe des Gebirges am meiſten für
die techniſche Ausbildung dieſes Sportes taten. Das
höchſte deutſche Mittelgebirge, das Rieſengebirge, iſt
und bleibt das Eldorado der Rodel= und
Hörnerſchlitten=
bahnen, unter denen beſonders die zwei Schlittenbahnen
von der Prinz Heinrich=Baude nach Krummhübel und
von der Schleſiſchen Baude nach Schreiberhau und dann
die von der Peter=Baude nach Spindelmühl hervorragen.
Günſtiger für den Ski iſt ſchon das Erzgebirge,
ob=
wohl auch hier das Gelände für das Rodeln geeigneter iſt.
Der Hauptſportplatz des weſtlichen Erzgebirges iſt
Jo=
hanngeorgenſtadt; am Fichtelberg und Keilberg entfaltet
ſich echtes, fröhliches Skiläuferleben. Im öſtlichen
Erz=
gebirge iſt beſonders Geiſing mit ſeinen vielen kunſtgerecht
angelegten Schneebahnen zu nennen. Der Harz eignet
ſich, mit Ausnahme des hohen Brockengebietes, bei ſeiner
ſtarken Bewaldung und der Zerklüftung ſeiner Berge
be=
ſonders für den Rodelſport. In den Thüringer
Bergen iſt man ebenfalls hauptſächlich auf den
Schlit=
ten angewieſen; großzügiger Skiſport iſt nur in ſehr
ſchneereichen Wintern möglich. Ein intereſſantes und wenig
bekanntes Winterſportgebiet iſt die Eifel, die für den
eigentlichen Wander=Skiläufer zwiſchen den Bahnlinien
Köln=Trier und Aachen=St. Vit ein großes und reizvolles
Gelände darbietet. In den Vogeſen kommt als
Win=
terſportgelände das Hochfeld mit der 1200 Meter langen
Rodelbahn des Straßburger Rodelklubs, und das ganze
Gebiet der Hochvogeſen in Betracht. Die Hochvogeſen
be=
ſitzen vom Weißen See bis zum Molkenrain einen 70
Kilo=
meter langen Skiweg, der mit ſeinen wunderbaren
Fern=
ſichten in den deutſchen Mittelgebirgen ſeinesgleichen nicht
hat. Das intereſſanteſte Winterſportgebiet Deutſchlands
aber ſind die Vorberge des Bayeriſchen
Hoch=
gebirges, und mit ihnen kann nur der ſüdliche
Schwarzwald rivaliſieren, in dem beſonders der 1500
Meter hohe Feldberg, der erſte deutſche Winterſportplatz,
hervorragt.
Vermiſchtes.
— In der Detailhandels=
Berufsgenoſ=
ſenſchaft ſind alle Detailhandelsunternehmen
ver=
ſicherungspflichtig, welche 1 Arbeiter, Packer,
Diener, Laufjungen uſw. oder 2 Verkaufsperſonen
beſchäf=
tigen. Lehrlinge und Verwandte (mit Ausnahme der
Ehe=
gatten) werden mitgerechnet. Für die mit der Anmeldung
noch rückſtändigen Unternehmer ſei bei dieſer Gelegenheit
die ernſtliche Warnung ausgeſprochen, daß die weitere
Verſäumnis der Anmeldung mit Strafe bis zu 300 Mark
belegt wird; auch müſſen die Beiträge nachgezahlt werden.
Die Anmeldung iſt bei dem Verſicherungsamt, welches für
den Sitz des Unternehmens zuſtändig iſt, unverzüglich zu
bewerkſtelligen.
Vom Balkan.
* Athen, 22. Jan. (Agence d’Athènes.) Das Blatt
Patris erhält aus Saloniki folgende auf der
amt=
lichen Darſtellung beruhende Meldung: In der Nähe des
Poſtens von Oxilar an der griechiſch=bulgariſchen Grenze
kam es zwiſchen den Mitgliedern der gemiſchten
Militär=
kommiſſion zur Abſteckung der Grenze zu einem ernſten
Zwiſchenfall. Die Urſache des Zwiſchenfalls war
die verhetzende Aeußerung eines
bulgari=
ſchen Offiziers bezüglich des Verhaltens der
grie=
chiſchen Truppen gelegentlich der Grenzabſteckung, auf
welche ein griechiſcher Oflizier in ſcharfer Weiſe erwiderte.
Im weiteren Verlaufe befahl der Oberſt den griechiſchen
Soldaten, das Bajonett aufzupflanzen. Der
Zwiſchenkall rief in der griechiſchen Garniſon große
Erregung hervor, welche ſich erſt legte, als abends ein
höherer bulgariſcher Offizier bei dem griechiſchen Poſten
erſchien, um genügende Aufklärungen zu geben und ſein
Bedauern über den Zwiſchenfall auszudrücken. Am
näch=
ſten Tage kam es neuerlich zu einem Konflikt, da die
Bulgaren ſich weigerten, das am Tage zuvor beſchloſſene
Protokoll zu unterzeichnen. Die griechiſchen Offiziere
zogen ſich angeſichts der Ausſichtsloſigkeit einer Einigung
zurück. Die griechiſchen Mitglieder der Kommiſſion, die
ſich auflöſte, kehrten nach Athen zurück.
* Valona, 22. Jan. Unter dem Vorſitz des
Ober=
ſten Deweer hat heute unter dem Ausſchluß der
Oeffentlichkeit der Prozeß gegen Bekir Aga und
27 Mitſchuldige begonnen. Es ſind ſehr ſtrenge
Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden.
* Sofia, 22. Jan. (Agence Bulgare.) Die
ge=
miſchte Kommiſſion, welche mit der Unterbringung
der türkiſchen und bulgariſchen
Flücht=
linge in Thrazien betraut iſt, hat ihre Arbeiten
unterbrochen, bis einige grundſätzliche Fragen geregelt
ſind. Die Löſung derſelben wird angeſichts der
zuvor=
kommenden Haltung der türkiſchen Kommiſſare auf keine
Schwierigkeiten ſtoßen.
* Athen, 22. Jan. Der türkiſche Geſandte Ghalib
Kemal Bey erklärte den Vertretern der Preſſe, er
komme mit der Miſſion nach Athen, um
freundſchaft=
liche Beziehungen zwiſchen beiden
Län=
dern aufrecht zu erhalten. Er perſönlich wünſche
die Beziehungen enger zu geſtalten und hoffe auf
beider=
ſeitige Mäßigung und Billigkeit.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 22. Jan. Heute abend 8 Uhr fand im
Ritter=
ſaal des Schloſſes Defiliercour für die Herren vom
Militäc deren Gemahlinnen und Töchter ſtatt. Der
Kaiſer und die Kaiſerin, die Prinzen und
Prin=
zeſſinnen nebſt Umgebung, der Hof und das Hauptquartier
nahmen im Ritterſaal Aufſtellung.
* Berlin, 22. Jan. Der Bundesrat überwies den
Ausſchüſſen den Entwurf des Geſetzes betr. die
Ueber=
nahme von Bürgſchaften durch den Reichsfiskus,
zwecks Förderung des Baues von
Kleinwoh=
tungen für Reichs= und Militärbedienſtete, die
Ergän=
zung der Ausführungsbeſtimmungen zum Kaligeſetz, den
Entwurf des Geſetzes über eine weitere Zulaſſung von
Hilfsmitgliedern im Kaiſerlichen Patentamt ſowie die
Entwürfe einer Wechſelordnung und eines
Einführungs=
geſetzes. Die Zuſtimmung wurde erteilt der Aenderung
des Schlußprotokolls der dritten internationalen Konſerenz
für die techniſche Einheit im Eiſenbahnweſen, dem
Ent=
wurf einer neuen Anlage 1 zu dem internationalen
Ueber=
einkommen über den Eiſenbahnfrachtverkehr. Ueber die
Beſetzung der Reichsgerichtsſtelle wurde Beſchluß gefaßt.
* Berlin, 22. Jan. Die Betriebseinnahmen
der Preußiſch=Heſſiſchen
Staatseiſenbah=
nen haben im Monat Dezember 1913 gegen den gleichen
Monat des Vorjahres im Perſonenverkehr 0,4 Millionen
Mark gleich 0,67 Prozent mehr, im Güterverkehr 1,7
Mil=
lionen Mark gleich 1,25 Prozent weniger, insgeſamt, unter
Berückſichtigung der Mehreinnahmen aus ſonſtigen
Quel=
len, 0,04 Millionen gleich 0,02 Prozent mehr
be=
tragen. Der Dezember des laufenden Etatsjahres hatte
einen Werktag mehr und einen Sonntag weniger, als der
gleiche Monat des Vorjahres.
* Berlin, 22. Jan. Der Abgeordnete Werner=Gießen
hat heute im Reichstage Behauptungen über das
Wolffſche Telegraphen=Bureau aufgeſtellt,
die ſich auf die Bildung eines Ringes mit
aus=
ländiſchen Agenturen zur Beeinfluſſung der
öffentlichen Meinung, ſowie auf eine Bevorzugung des
Bankhauſes S. Bleichröder bei der Mitteilung der
De=
peſchen des Bureaus beziehen. — Alle derartigen
Behaup=
tungen ſind vollſtändig aus der Luft gegriff en
und haben niemals irgend eine tatſächliche Begründung
gehabt.
* Hamburg, 22. Jan. Den Hamburger Nachrichten
zu=
folge hat Edmund J. A. Siemers=Hamburg, der ſich
für die Verlegung des Kolonialgerichtshofes
nach Hamburg bemüht, ſich erboten, ein eventuell
er=
forderliches Gebäude für den Kolonialgerichtshof zu
ſtiften.
* Paris, 22. Jan. In der Konferenz der
kon=
tinentalen am Nordamerika=Geſchäft
intereſſierten Schiffahrtslinien wurden die
Forderungen der Hapag eingehend beſprochen. Die Linien
lehnten die Forderungen ab und beſchloſſen, der bisherige
Vertrag ſoll zwiſchen ihnen auch ohne die Hapag
fort=
geſetzt werden in der Abſicht, die Organiſation aufrecht zu
erhalten und den Beſitzſtand der Parteien gegenſeitig zu
ſchützen.
* Liſſabon, 22. Jan. Die Nord=Oſt=
Eiſen=
bahngeſellſchaft betrachtet den Streik als
be=
endet. Nur etwa 100 Eiſenbahnarbeiter haben den
Dienſt noch nicht wieder aufgenommen. Auch die anderen
Ausſtände ſind beendet. Heute morgen ſind alle
Liſſa=
boner Zeitungen wieder erſchienen.
* London, 22. Jan. Die heutige Sitzung des
Miniſterrats in welcher das Budget der
Ma=
rine beraten wurde, dauerte über zwei Stunden. Nach
Schluß der Sitzung gingen der Schatzkanzler Lloyd
George und der Marineminiſter Winſton Churchill
zuſammen die Whitehallſtraße entlang.
* London, 22. Jan. Die Bankvon England
er=
mäßigte den Diskont auf 4 Prozent.
* Kopenhagen, 22. Jan. Der Komponiſt und erſte
Kapellmeiſter an der Königlichen Oper, Frederik Rung,
iſt heute im 59. Lebensjahre geſtorben.
* Petersburg, 22. Jan. Wie die Abendblätter melden,
erſchoß ein Gardeoffizier in einem Reſtaurant
den Dirigenten eines Zigeunerorcheſters,
verwundete deſſen Tochter und zwei Zigeuner.
* Neu=York, 22. Jan. Nach einem Telegramm aus
Meriko gibt der Kriegsminiſter bekannt, daß die Rebellen
bei dem Verſuche, Cuernovaca zu nehmen, von den
Regierungstruppen geſchlagen worden feien
und 2000 Mann verloren hätten.
* Port=au Prince, 22. Jan. Die Aufſtändiſchen
haben ein Komitee gebildet, das für die
Aufrechterhal=
tung der Ordnung Sorge tragen ſoll. Ein
ameri=
kaniſches Kriegsſchiff wird jeden Augenblick
er=
wartet. Der Doyen des diplomatiſchen Korps wurde vom
Präſidenten empfangen und erhielt die Verſicherung, daß
alle Maßnahmen getroffen werden, um die öffentliche
Sicherheit in Port=au=Prince aufrecht zu erhalten.
* Johannesburg, 22. Jan. Die Stunde, zu der
unter dem Kriegsrecht alle Perſonen, die keine
Erlaubnisſcheine beſaßen, zu Hauſe ſein mußten, wurde
von 8 auf 10 Uhr abends verſchoben. Die
Beſchrän=
kungen für den Fuhrwerksverkehr wurden
aufgehoben. Falls ſich die Lage weiter beſſert,
dür=
fen auch die Gaſtwirtſchaften am Montag wieder öffnen.
Die Maßnahmen gelten für das ganze Randgebiet mit
Ausnahme von Benoni.
* Boksburg. 22. Jan. In einer gemeinſamen
Ver=
ſammling der Arbeitgeber und Arbeiter des Baugewerbes
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Nummer 23.
wurde der Streit bebingungskos für dendet
erklärt
Demonſtrationsſtreiks in Rußland.
* Petersburg, 22. Jan. Bis heute mittag traten von
350000 Fabrikarbeitern der Hauptſtadt 70000 in den
Streik. In einigen Fabriken verſuchten die Arbeiter
beim Verlaſſen der Wertſtätten revolutionäre Lieder zu
ſingen und Demonſtrationen zu veranſtalten, was jedoch
durch die Polizei vereitelt wurde. Aehnliche Vorgänge
ſpielten ſich an zwei Punkten, am Newsky Proſpekt und in
der Sadowaſtraße, ab. Auf dem Newsky Proſpekt mußte
die Polizei die blanke Waffe gebrauchen, um die Menge
zu zerſtreuen. Sechs Perſonen wurden verhaftet.
* Moskau, 22. Jan. Der Verſuch, anläßlich des
Jahrestages der Demonſtrationen von 1905
einen Streik zu organiſieren, iſt mißlungen. Nur
8519 Arbeiter, 5½ Prozent aller Moskauer Arbeiter ſind
ausſtändig. Die Mehrzahl der Ausſtändigen iſt in
Metall=
fabriken, ein Teil in Druckereien angeſtellt. Zwiſchenfälle
haben ſich nicht ereignet.
* Warſchau, 22. Jan. In acht Fabriken in der Stadt
und in den Vorſtädten ſind 2600 Arbeiter
aus=
ſtändig.
Briefkaſten.
A. M. Richten Sie Ihre Anfrage doch direkt an die
Heilſtätten=Leitung.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Reine weiße Haut. Dr. Kuhns.
ugend: Edelweiß=Crème, 2.50, 1.50 u,
=Seife 1.00, 0.60. Franz Kuhn, Kronen=Parf.
Nürnberg. Hier: F. B. Grodhaus, Seifenf
a. weiß. Turm, ſowie in Apoth., Drog. u. Parfüm. (IX,2595
Hilfe
für die durch Sturm und Unwetter
geschädigten Bewohner
der Ostseeküste!
Die letzten großen Stürme und
Ueber=
ſchwemmungen haben über eine große
An=
zahl deutſcher Familien an der Oſtſeeküſte
Not und Elend gebracht. Vielen ſind die
Wohnſtätten, anderen die Exiſtenzmittel
ver=
nichtet worden. Schnelle Hilfe allein
ver=
mag die größte Not bei der anhaltend ſtrengen
Kälte zu lindern. Die Expedition des „
Darm=
ſtädter Tagblatt”, Rheinſtraße 23, hat eine
Zeichnungsliſte für Beiträge aufgelegt.
Quittung erfolgt öffentlich.
(2597fsg
Doppelt gibt, wer ſchnell gibt!
Die Expedition
des „Darmſtädter Tagblatt”.
Allen Damen,
die es mir durch ihre tätige Mithilfe ermöglichten, am
vergangenen Weihnachtsfeſte wie in den Vorjahren
Kinder armer Eltern zu beſchenken und ihnen
Weih=
nachsfreude zu bereiten, ſage ich an dieſer Stelle meinen
herzlichſten Dank.
Mit dieſem Danke verbinde ich auch weiterhin wieder
den Wunſch, ſtets des Wortes zu gedenken: „Laß den
Armen nicht Not leiden”, und durch treue Mitarbeit
unſer ſchönes Werk zu fördern. — Zur nächſten
Zuſam=
menkunft lade ich die Damen auf den 1. Samstag nach
(*1697
Faſtnacht, 2½ Uhr, ein.
Die Leiterin des Näh= und Stickkranzes
„Der Verſchwiegene‟
A. Sch. K.
Dampfernachrichten.
Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: „Armenia”, von Philadelphia kommend,
18. Jan. 3 Uhr 40 Min. nachm. 120 Meilen weſtlich
Lands End paſſiert. „Barcelona” von Philadelphia
kommend 19. Jan. 1 Uhr 30 Min. morgens Prawle
Point paſſiert. „Bohemia”, von Neuorleans kommend,
19. Jan. morgens auf der Elbe. „Bosnia” 17. Jan.
3 Uhr nachm. von Baltimore nach Hamburg .„Dortmund”
17. Jan. 4 Uhr 45 Min. von Neuorleans nach
Ham=
burg. „Fürſt Bismarck” 17. Jan. 8 Uhr morgens in
Boſton. „Hornſund” 17. Jan 8 Uhr abends von Neu=
York nach Hamburg. „Preſident Lincoln” 17. Jan 3 Uhr
30 Min. nachm. von Neu=York über Plymouth und
Cherbourg nach Hamburg. „Pretoria” nach Neu=York,
18. Jan. 12 Uhr mittags Cuxhaven paſſiert. „Rhaetia”
nach Boſton, 19. Jan. 6 Uhr morgens Dover paſſiert. —
Weſtindien, Merito: „Frankenwaldt nach Havanna
und Mexiko, 18. Jan. 3 Uhr 5 Min. morgens Cuxhaven
paſſiert. „Georgia”, von Weſtindien kommend, 18. Jan.
1 Uhr nachm. von Havre. „Sachſenwald” 17. Jan. in
Colon. „Syria” von Weſtindien kommend, 17. Jan.
8 Uhr abends in Hamburg. „Weſterwald” nach
Ha=
vanna und Mexiko, 18. Jan. 2 Uhr morgens von
Hapre — Oſtaſien: „Aleſia” 18. Jan. 4 Uhr 30 Min.
nachm. von Cuxhaven nach Liverpool. „Altmark” 18. Jan.
morgens Perim poſſiert, ausgehend. „Ambria” von Neu=
York, 17. Jan. von Suez nach Sabang. — Verſchiedene
Fahrten: „Baden” von Vegelack, 17. Jau. 7 Uhr 30 Min.
abends in Hamburg. Vergnügungsdampfer „Meteor”,
erſte Mittelmeerfahrt, 18. Jan. 10 Uhr morgens in
Liſſabon „Nicomedia”, von Perſien kommend, 17. Jan.
in Malta. „Parthia” von Neuorleans 18. Jan. in
Kopenhagen. „Perſepolis”, von Perſien kommend, 17. Jan.
3 Uhr morgens in Dünkirchen. „Victoria Luiſe”, erſte
Weſtindienfahrt, 17. Jan. nachm. in Havanna.
Fanilennadtrichten.
Statt Karten!
Unsere TRAUUNG findet am SONNTAG,
den 25. Januar, nachmittags 3 Uhr, in der
JOHANNESKIRCHE statt.
Gretel Hill.
Peter Kadel.
(*1719
Todes=Anzeige.
Heute mittag 12 Uhr verſchied nach kurzem
Krankenlager mein lieber Mann, unſer
treu=
beſorgter Vater, Schwiegervater, Großvater,
Sohn, Schwager und Onkel
(B2608
Herr Heinrich Lösch
im vollendeten 57. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Frau Marie Lösch,
geb. Schneider,
und Kinder.
Darmſtadt, den 21. Januar 1914.
Die Beerdigung findet am Samstag,
nachmit=
tags 2½ Uhr, vom Sterbehauſe
Sandberg=
ſtraße 8 aus, ſtatt.
Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Mitteilung.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzliche Nachricht, daß mein lieber Sohn,
unſer guter Vater und Schwiegerſohn (2603
Herr
Christian Bröckel
Schreiner
nach langem Leiden im 38. Jahre ſanft
ent=
ſchlafen iſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Johannette Bröckel Wwe.,
Marie Bröckel,
Familie Schuchmann.
Darmſtadt, den 22. Januar 1914.
Die Beerdigung findet am Samstag, 24. Jan.,
nachmittags 3 Uhr, vom Portal des Friedhofs
aus, ſtatt.
Dankſagung.
Für die herzliche Teilnahme beim Hin=
(2639
ſcheiden des
Fradiein Marte Lucas
und die troſtreiche Grabrede des Herrn Pfarrer
Vogel, ſagen herzlichen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem Heimgang unſerer lieben Mutter,
Schwieger=
mutter, Großmutter, Schweſter und Tante, ſagen
wir herzlichſten Dank.
(2576
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Adam Gottwalz.
Darmſtadt, den 22. Januar 1914.
Danksagung.
Für die uns beim Hinſcheiden unſerer lieben
Frau Emilie Groß
von Freunden und Bekannten bezeugte Teilnahme
und die ſchönen Blumenſpenden danken wir
herzlich.
(2634
Darmſtadt u. Stuttgart, 22. Januar 1914.
Familie Louis Hisserich,
Familie Emil Bitzer.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Feier der Allerhöchſten Geburtstags
Sr. Maj. des deutſchen Kaiſers.
Freitag, den 23. Januar:
Vorabendgottesdienſt 5 Uhr 15 Min.
Samstag, den 24. Januar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Predigt 9 Uhr 35 Min.
Sabbatausgang 5 Uhr 55 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 24. Januar:
Vorabend 4 Uhr 40 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr. Sabbatausgang 5 Uhr 55 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 25. Januar, an
Morgens 7 Uhr Nachmittags 4 Uhr 45 Min.
NB. Mittwoch, den 28. Januar:
Rausch Chaudesch Schewat.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hochdruckgebiet hat ſich ſeit geſtern verſtärkt und
bedeckt heute ganz Europa, während über Island und
Nordrußland tiefer Druck liegt. Im Bereich des
ausgedehnten hohen Druckes haben wir morgen keine
weſentliche Aenderung unſerer Witterung zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Freitag, 23. Januar:
Keine weſentliche Aenderung, vorwiegend heiter, trocken,
Froſt, nordöſtliche Winde.
Tageskalender.
Freitag, 23. Januar.
Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende 10¼ Uhr.
(Ab. D): „Die Ahnfrau”.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Heiterer deutſcher Dichterabend von
Hofſchau=
ſpieler Hofpauer um 8¼ Uhr in der Turnhalle am
Woogsplatz. (Vortragsverband.)
Experimentalvortrag von Phyſiker Scheffler um
8¼ Uhr im Hotel „Zur Traube‟
Lichtbildervortrag um 8 Uhr in der Aula der
Landesbaugewerkſchule. (Ortsgewerbeverein.)
Verſammlung des Vereins für das Deutſchtum im
Ausland (Allg. deutſcher Schulverein) um 6 Uhr im
„Gartenſaal” der Vereinigten Geſellſchaft.
Proteſtverſammlung um den freien Sonntag um
8¾ Uhr im „Kaiſerſaal”.
Verſteigerungskalender.
Samstag, 24. Januar:
Stamm= und Stangenholz=Verſteigerung
um 9 Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald (
Zuſam=
menkunft am Diſtrikt Finſterhöllenberg auf dem Weg
Nieder=Ramſtadt-Nieder=Modau).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Mar Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem
Geſchäfts=
leben: Carl Jtriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen;
nachträg=
liche werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.
Miese Schulemarte
Schrauth’s Waschpulver, geustiene
(1381a
Salmiak-Terpentin-Seife in heissem Wasser gut aufgelöst,
öine
ist und bleibt das beste Waschmittel.
Garantie.
Pfund-Paket 18 Pfennig überait zu haben.
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Seite 9.
Von heute an bis zum Schluss meines
Iveitur
Gsverkaufes
Foisen
gewähre ich, trotz meiner ohnehin schon billigen Preise, auf:
Norwalhemden, -Jacken, -Hosen, gestr. Unterhosen, Futterhosen
hasatt!
10
Auf alle übrige Herren- Damen- u. Kinderwäsche
gestrickte Westen Knaben- und Herren-Sweater
Rodel-Sweater:: Mützen und Strümpfe Schirme
Gkabatt
1a
Darmstauf
D
Aass
Wäscheabteilung
(2643
Kurſe vom 22. Januar 1914.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
In Proz.
Zf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 85,70
76,70
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99.50
3½ do. Conſols 85,70
76,60
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,40
92,10
do.
82,25
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 96,90
84,00
do.
74,70
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,20
4 Heſſ. Staatsanleihe .
4 do. do. (unk. 1918) 96,70
do.
3½
do.
74,00
3 Sächſiſche Rente . . . . 76,40
4 Württemb. (unk. 1921) 98,70
do. v. 1875 92,50
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griechen v. 1887.
4 Italiener Rente . . . . 100,50
4½ Oeſterr. Silberrente 86,60
4 do. Goldrente . . . 88,60
4 do. einheitl. Rente . 82,70
3 Portug. unif. Serie I 62,00
3 do. unif. Serie III 64,00
3 do. Spezial
5 Rumänier v. 1903 . . 100,40
4 do. v. 1890 . . 93,70
4 do. v. 1905 . . 85,00
4 Ruſſen v. 1880
90,50
4 do. v. 1902 .
99,00
4½ do. v. 1905 .
84,50
3½ Schweden .
4 Serbier amort v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 77,50
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,50
4 Ungar. Goldrente . . . 84,10
4 do. Staatsrente . . 82,60
Zf.
In Proz.
5 Agentinier . . . . . . . 99,70
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,20
5 Chineſ. Staatsanleihe. 99,00
91,10
4½
do.
4½ Japaner . . .
92,00
5 Innere Mexikaner . . . 65,50
44,90
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 70,50
5 Gold=Mexikaner . . . .
3½ Buenos Aires Prov. 67,75
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 136,50
7 Nordd. Lloyd. . . . . 117,40
6½ Südd. Eiſenb.=Geſell. 122,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5½ Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,25
6 Baltimore und Ohio
7½ Schantungbahn . . . 127,90
8 Luxemb. Prince Henri 156,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 22½/
6 Pennſylvania R. R. . 110,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger. . . 67,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 578,80
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim .
.. . . 255,00
30 Farbwerke Höchſt. . . 630,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 349,00
10 Cement Heidelberg . . 152,00)
33 Chem. Werke Albert 449,50
12 Holzverkohl.
Kon=
ſtanz
.. 316,50
6 Lahmener
. . . . 120,50
Tezte
In Proz.
Dioid.
8 Schuckert, Nürnberg . . 145,00
12 Siemens & Halske . 214,50
14 Bergmann Electr. . . 128,00
11 Deutſch. Ueberſee Electr. 172,50
90,00
0 Gummi Peter . .
30 Adler=Fahrradwerke
Kleher. . . . . . . 363,00
9 Maſchinenf. Badenia 131,00
0 Wittener Stahlröhren
10 Steana Romana Petr. 149,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 226,25
12.83 Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . . . . . .. 208,00
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 91,00
0 Südd. Immobilien . 56,75
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 162,60
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 221,00
10 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb.
.136,60
10 Gelſenkirchener . . . . 192,50
11 Harpener . . . . . . . 184,00
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 239,50
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro .
63,40
8 Laurahütte . . . . . . 156,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 149,50
19
Weſteregeln 193,25
5 South Weſt Africa . 115½
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 84,20
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 98,10
4 Eliſabethbahn, freie . . 89,00
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 86,00
3 Prag=Duxer . . . . . . 72,00
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,30
4 Oeſterr. Staatsbahn
do.
75,00
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,00
4 Oeſt. Südb. (Lomb.) . .
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,90
3 Raab=Oedenburg
76,60
4 Kronprinz Rudolfbahn 86,00
4 Ruſſ. Südweſt. .
86,30
4½ Moskau=Kaſan .
96,10
do.
86,60
4 Wladichawchas .
86,80
4 Rjäſan Koslow .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . . 68,70
do.
85,50
71,50
2½ Livorneſer .
3 Salonique=Monaſtir. . 62,70
4 Bagdadbahn . . . . . . 79,80
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 91,80
4 Miſſouri=Paeiſie . . .
. 94,20
4 Northern=Pacific .
4 Southern=Pacific . . . 91,50
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 101,00
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 186,75
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bank .
.. 145,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 159,00
6½ Darmſtädter Bank . 119,75
12½ Deutſche Bank . . . 252,90
6 Deutſche Vereinsbank . 120,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 114,50
10 Diskonto=Kommandit 191,10
8½ Dresdener Bank . . 154,40
10 Frankf. Hypoth.=B. 213,00
6½ Mitteld. Kreditbank 119,50
7 Nationalb. f. Deutſchl. 118,00
7 Pfälziſche Bank . . . 123,50
6.95 Reichsbank . . . . 139,00
7 Rhein. Kreditbank . . . 129,00
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 101,70
7½ Wiener Bankverein . 134,80
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 94,00
Zf.
InPot.
3½ Frankf. Hypoth.=Banl
S. 19 . . . . . . 84.50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 21—26 93,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
84,00
3½
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,20
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
86,50
S. 12, 13, 16 . .
S. 14, 15, 17, 24/26
96,50
18—23.
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 84,20
84,00
S. 3—5
84,10
S. 9—11..
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
3½
84,00
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917). . 93,40
3½ do. (unk. 1914). . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 96,90
do.
86,50
3½
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 94,60
86,10
3½ do.
95,70
4 Frankfurt . .
3½ do.
96,50
4 Gießen .
84,00
3½ do.
4 Heidelberg
93,80
3½ do.
84,50
4 Karlsruhe.
3½ do.
85,40
4 Magdeburg
4 Mainz
95,00
3½ do.
87,20
4 Mannheim
94,20
do.
85,30
4 München
96,30
3½ Nauheim
83,00
4 Nürnberg
95,30
3½ do.
84,60
4 Offenbach
3t.
In Pra.
3½ Offenbach
4 Wiesbaden . . . .
3½ do.
4 Worms .
93,20
3½ do.
4 Liſſabonner v. 1888 . 74,80
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 100 —
3½ Cöln=Mindner „ 100 141,80
3 Holl. Komm. . fl. 100 118,70
3 Madrider . . Fs. 100 75,50
4 Meininger Pr.=
Pfand=
briefe . . . . . . . 142,00
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,50
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,00
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
fl. 7 —
Augsburger.
Braunſchweiger Tlr. 20 —
Fs. 15 —
Freiburger .
Fs. 45 —
Mailänder
do.
Fs. 10
Meininger .
fl. 7 34,10
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100 564,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30 74,50
Türkiſche . . . . Fs. 400 170,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,45
20 Franes=Stücke .
16,20
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten .
20,46
Franzöſiſche Noten .
81,30
Holländiſche Noten. .
169,45
81,00
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 85,00
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Nummer 23.
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6 Ahorn, 3 Erlen, 1 Birke:
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Slöcke rm: 38 Buchen, 73 Eichen, 4 Eſchen, 2 Ahorn, 1 Erle.
Zum Ausgebot kommen die Nummern 372 bis 638. Nähert
Auskunft erteilt der Großh. Forſtwart Kolb zu Beſſunger Forſthaus.
Darmſtadt, am 16. Januar 1914.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
(2305if
Daab.
Jagdverpachtung.
Dienstag, den 3. Februar d. Js., nachm. 2 Uhr,
werden auf dem Stadthaus zu Gernsheim folgende am 31. Januar
I. Js. lehfäligen Domanialſagdbezirke der Großh. Oberförſtereien
Gernsheim und Worms auf 12 Jahre öffentiich verpachtet:
1. Oberförſterei Gernsheim:
Jagdbezirk Nr. IV in der Gemarkung Erumſtadt = 120 ha Feld,
- 274 „ Feld
,
,
und Wieſen.
2. Oberförſterei Worms:
Die Jagd auf den forſt= und baufiskaliſchen Grundſtücken der
Ge=
markung Hammerau (149,06 ha Wieſen, 9,50 ha Weidenklauer und
110,92 ha Waſſerfläche).
Gernsheim und Worms. den 20. Januar 1914.
(2615
Großh. Oberförſterei Gernsheim. Großh. Oberförſterei Worms.
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[ ← ][ ][ → ] Nachtrag
zur Polizei=Verordnung vom 1. April 1910, betreffend
die Einfuhr von friſchem Fleiſch in den
Gemeinde=
bezirk Darmſtadt.
Nach Anhörung der Stadtverordneten=Verſammlung
und mit Genehmigung Großh. Miniſteriums des Innern
zu Nr. M. d. J. II 7115 vom 5. Januar 1914 wird die
vorgenannte Polizeiverordnung folgendermaßen ergänzt:
Artikel 1.
Der § 1 erhält folgenden Zuſatz:
Die Einfuhr und die Durchfuhr von friſchem Fleiſch
in oder durch den Stadtbezirk Darmſtadt darf wahrend
des ganzen Jahres nur in der Zeit von 6 Uhr vormittags
bis 8 Uhr abends ſtattfinden.
Artikel 2.
Dieſer Nachtrag tritt mit dem Tage der
Veröffent=
lichung in Kraft.
Darmſtadt, den 12. Januar 1914.
Großherzogliches Polizeiamt,
Gennes.
Im Anſchluß hieran veröffentlichen wir den
Wort=
laut der Polizei=Verordnung vom 1. April 1910 mit dem
durch den heutigen Nacherag bedingten Zuſatz, ſowie die
neuen Vollzugsvorſchriften, die gleichfalls mit der
Ver=
öffentlichung in Kraft treten.
Darmſtadt, den 12. Januar 1914.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Polizeiverordnung
betreffend die Einfuhr von friſchem Fleiſch in den
Gemeindebezirk Darmſtadt.
Auf Antrag und nach Anhörung der
Stadtverord=
neten=Verſammlung wird auf Grund des Art. 1 des
Ge=
ſetzes, die Ausführung des Reichsgeſetzes über die
Schlacht=
vieh= und Fleiſchbeſchau betr., vom 4. April 1903, ſowie
des Art. 56 Abſ. 2 Ziff. 1 der Städteordnung mit
Geneh=
migung des Großh. Miniſteriums des Innern vom 31.
März 1910 zu Nr. M. d. J. II. 1263 verordnet, was folgt:
§ 1. Friſches Fleiſch von Tieren, die nach § 1 des
Reichsgeſetzes vom 3. Juni 1900 der Schlachtvieh= und
Fleiſchbeſchau unterliegen, darf aus dem Zollinland in
den Gemeindebezirk Darmſtadt nur dann eingeführt und
daſelbſt verwendet werden, wenn durch eine amtliche
Nach=
unterſuchung feſtgeſtellt wird,
1. daß die Schlachttiere, von denen dieſes Fleiſch
her=
rührt, der nach dem Reichsgeſetz vorgeſchriebenen
amt=
lichen Unterſuchung unterlegen haben und hierbei nicht
beanſtandet worden ſind, ſowie
2. daß dieſes Fleiſch inzwiſchen nicht verdorben iſt, noch
auch ſonſt eine geſundheitsſchädliche Veränderung
ſeiner Beſchaffenheit erlitten hat.
Die Einfuhr und die Durchfuhr von friſchem Fleiſch
in oder durch den Stadtbezirk Darmſtadt darf wahrend
des ganzen Jahres nur in der Zeit von 6 Uhr vormittags
bis 8 Uhr abends ſtattfinden.
§ 2. Die Einfuhr von gehacktem Fleiſch (Hackfleiſch)
in den Gemeindebezirk Darmſtadt iſt verboten.
§ 3. Die unmittelbare Durchfuhr mit Durchgangsſchein
und amtlicher Kennzeichnung — im Poſt= und
Eiſenbahn=
verkehr (nicht im Dampfſtraßenbahn= und elektriſchen=
zStra=
ßenbahnverkehr) auch ohne dieſe — iſt nicht als Einfuhr
im Sinne dieſer Polizeiverordnung zu betrachten.
Erfolgt bei der Durchfuhr im Gemeindebezyirk
Darm=
ſtadt ein Aufenthalt von längerer Dauer, als durch die
ordnungsmäßige Warenbeförderung bedingt iſt, ſo liegt
unmittelbare Durchfuhr im Sinne des Abſ. 1 nicht vor.
§ 4. Die Vorſchriften dieſer Polizeiverordnung
fin=
den keine Anwendung auf von Privaten eingeführtes
friſches Fleiſch, ſofern es zum Verbrauch im eigenen
Haus=
halt (§ 2 des Reichsfleiſchbeſchaugeſetzes) beſtimmt iſt.
Der Haushalt der Kaſernen, Krankenhäuſer,
Erzieh=
ungsanſtalten, Speiſeanſtalten, Gefangenanſtalten,
Armen=
häuſer und ähnlicher Anſtalten, ſowie der Haushalt der
Metzger, Fleiſchhädler, Gaſt=, Schank und Speiſewirte,
ſo=
wie der Familienpenſionen iſt nicht als eigener Haushalt
im Sinne des Abſ. 1 anzuſehen.
§ 5. Mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark wird beſtraft, wer
den §§ 1—3 oder den gemäß § 6 erlaſſenen
Vollzugsvor=
ſchriften zuwider handelt.
Die Verfolgung tritt nur auf Antrag des Großh.
Porizeiamts ein. Die Rücknahme des Antrags iſt zuläſſig.
§ 6. Die zum Vollzug dieſer Polizeiverordnung
er=
forderlichen weiteren Vorſchriften werden im Benehmen
mit der Großh. Bürgermeiſterei vom Großb. Polizeiamt
erlaſſen.
§ 7. Dieſe Polizeiverordnung tritt mit dem Tag der
Veröffentlichung in Kraft.
Mit dem gleichen Tag treten die Vorſchriften der §§ 2
und 5 des Reglements, das Einbringen von friſchem
Fleiſch uſw. betr., vom 2. November 1833 (Reg.=Blatt
Nr. 65) außer Kraft.
Darmſtadt, den 1. April 1910.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Vollzugsvorſchriften
zur Polizeiverordnung vom 1. April 1910, betr. die
Ein=
fuhr von friſchem Fleiſch in den Gemeindebezirk
Darmſtadt.
Auf Grund des§ 6 der vorgenannten Polizeiverordnung
werden im Benehmen mit dem Großh. Oberbürgermeiſter
der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt unter
Auf=
hebung der Vollzugsvorſchriften vom
1. April 1910 folgende Vorſchriften erlaſſen:
§ 1. „Fleiſch” im Sinne der Polizeiverordnung
ſind alle zum menſchlichen Genuß geeigneten Teile von der
Fleiſchbeſchau unterliegenden Tieren (insbeſondere von
Rindvieh, Schweinen, Schafen, Ziegen, Pferden und
Hunden).
Dazu gehört:
a) Muskelfleiſch (mit oder ohne Knochen, Fettgewebe,
Bindegewebe und Lymphdrüſen), Zunge, Herz, Lunge,
Leber, Milz, Nieren, Gehirn, Bruſtdrüſe (Bröſchen,
Bries, Brieschen, Kalbsmilcher, Thymus), Schlund,
Magen, Dünn= und Dickdarm, Gekröſe, Blaſe,
Milch=
drüſe (Euter), vom Schwein die ganze Haut
(Schwarte), vom Rindvieh die Haut am Kopfe (
ein=
ſchließlich Naſenſpiegel, Gaumen und Ohren), ſowie
die Haut an den Unterfüßen; ferner Knochen mit
daran haftenden Weichteilen, friſches Blut;
b) unverarbeitete Fette, insbeſondere Talg, Unſchlitt,
Speck, Ließen (rohes Schweineſchmalz), ſowie Gekrös=
und Netzfett.
Als „friſches Fleiſch” iſt Fleiſch anzuſehen, das —
abgeſehen von einem etwaigen Kühlverfahren — einer
auf die Haltbarkeit einwirkenden Behandlung nicht
unter=
worfen worden iſt, ferner Fleiſch, das zwar einer ſolchen
Behandlung unterzogen worden iſt, aber die Eigenſchaften
friſchen Fleiſches im weſentlichen behalten hat oder durch
entſprechende Behandlung wieder gewinnen kann. Die
Eigenſchaft als friſches Fleiſch geht insbeſondere nicht
ver=
loren:
durch Gefrieren oder Austrocknen, ausgenommen bei
getrockneten Därmen,
durch oberflächliche Behandlung mit Salz, Zucker oder
anderen chemiſchen Stoffen,
durch bloßes Räuchern,
durch Einlegen in Eſſig,
durch Einhüllung in Fett, Gelatine oder andere, den
Luftabſchluß bezweckende Stoffe,
durch Einſpritzen von Konſervierungsmitteln in die
Blutgefäße oder in die Fleiſchſubſtanz.
§ 2. Die Einfuhr von nachunterſuchungspflichtigem
friſchem Fleiſch darf nur über beſtimmte
Eingangs=
ſtellen erfolgen.
Als Eingangsſtellen kommen ausſchließlich die
Oktroierhebeſtellen in Betracht. Dieſe befinden
ſich nur noch in folgenden Straßen:
1. Eſchollbrückerſtraße,
2. Allee,
3. Dornheimer Weg,
4. Landwehrweg,
5. Pallaswieſenſtraße,
6. Frankfurterſtraße,
7. Kranichſteinerſtraße,
8. Dieburgerſtraße,
9. Erbacherſtraße,
10. Roßdörferſtraße,
11. Nieder=Ramſtädterſtraße
12. Klappacherſtraße.
13. Heidelbergerſtraße.
Für ſichunterſuchungspflichtiges Fleiſch, das in die
Stadt=Gemarkung Darmſtadt eingeführt wird:
a) auf der Frankfurter Straße oder
b) auf der Beſſunger Straße
iſt Eingangsſtelle:
zu a) der ſtädtiſche Schlachthof,
zu b) die Oktroierhebeſtelle in der Eſchollbrücker
Straße oder in der Heidelberger Straße.
§ 3. Der Einführende hat durch eine der
Eingangs=
ſtelle vorzulegende Beſcheinigung des Fleiſchbeſchauers des
Urſprungsortes (Anlage 2 zu den bundesratlichen
Aus=
führungsbeſtimmungen zum Reichs=Fleiſchbeſchaugeſetz
vom 3. Juni 1900) nachzuweiſen, daß das Tier, von dem
das Fleiſch herrührt, der vorgeſchriebenen amtlichen
Un=
terſuchung unterlegen hat. Auf dieſer Beſcheinigung ſind
vom Fleiſchbeſchauer Zahl und Art der einzuführenden
einzelnen Fleiſchſtücke, ſowie das Geſamtaewicht des Flei=
ſches anzugeben. Dieſer Angaben, ſowie der erwähnten
Beſcheinigung bedarf es nicht, ſoweit die einzelnen
Fleiſch=
ſtücke mit dem Beſchauſtempel für taugliches Fleiſch
ver=
ſehen ſind.
§ 4. Der Einführende hat der Eingangsſtelle ſeinen
Namen und Wohnort, ſowie Namen und Wohnung des
Abſenders und des Empfängers des Fleiſches
wahrheits=
gemäß anzugeben.
Die Eingangsſtelle erhebt die Gebühr für die
Nach=
unterſuchung nach Maßgabe des Tarifs und ſtellt hierüber
eine Quittung aus, die der Einführende als Beweis
der Anmeldung dem Polizei= und Aufſichtsperſonal auf
Verlangen jederzeit vorzuzeigen hat.
Der Einführende hat hierauf das Fleiſch ſofort, ohne
Aufenthalt und auf dem kürzeſten Wege nach dem
Schlacht=
hof zur Nachunterſuchung zu bringen und dort die
An=
meldebeſcheinigung (Quittung) abzugeben.
§ 5. Gehacktes (von den Knochen befreites,
zer=
kleinertes) Fleiſch iſt durch die Eingangsſtelle von der
Ein=
fuhr zurückzuweiſen und im Weigerungsfalle zu
beſchlag=
nahmen (§ 2 der Polizeiverordnung).
§ 6. Die Nachunterſuchung erfolgt durch das
Fleiſch=
beſchauamt. Sie wird im ſtädtiſchen Schlachthof
wäh=
rend der üblichen Dienſtſtunden (von 7 Uhr morgens bis
6 Uhr abends, an Sonn= und Feiertagen von 9 bis 10
Uhr morgens) unter Aufſicht des Vorſtandes des
Fleiſch=
beſchauamtes von einem der tierärztlichen oder
nichttier=
ärztlichen Beſchauer mit der Maßgabe vorgenommen, daß
ein nichttierärztlicher Beſchauer nur dann entſcheiden kann,
wenn der Nachweis der ſtattgehabten Unterſuchung
er=
bracht iſt (§ 3), das Fleiſch nicht verdorben iſt und keine
ſonſtige geſundheitsſchädliche Veränderung ſeiner
Beſchaf=
fenheit erlitten hat.
§ 7. Nach erfolgter Nachunterſuchung entſcheidet das
Fleiſchbeſchauamt, ob und unter welchen Bedingungen das
Fleiſch zur Einfuhr zugelaſſen werden kann. Das zur
Einfuhr zugelaſſene Fleiſch iſt vom Fleiſchbeſchauamt zu
kennzeichnen.
Fleiſch, deſſen amtliche Unterſuchung in der
vorge=
ſchriebenen Weiſe nicht nachgewieſen werden kann, (§ 3)
oder das verdorben iſt oder ſonſt eine
geſundheitsſchäd=
liche Veränderung ſeiner Beſchaffenheit erlitten hat, iſt
von der Einfuhr zurückzuweiſen und erforderlichenfalls zu
beſchlagnahmen. In geeigneten Fällen kann auch
ange=
ordnet werden, daß das Fleiſch zum menſchlichen Genuſſe
untauglich gemacht wird.
§ 8. Die Eingangsſtellen und das Fleiſchbeſchauamt
haben die ihnen gemäß §§ 3 und 4 vorgelegten
Beſchei=
nigungen und ſonſtigen Schriftſtücke durch
Stempelauf=
druck zu kennzeichnen.
§ 9. Die mit der Eiſenbahn ankommenden, durch
die Poſt oder die bahnamtlichen Güterbeſtätter zu
be=
ſtellenden Sendungen friſchen Fleiſches werden durch
be=
ſondere Beamte kontrolliert.
Derartige Fleiſchſendungen ſind noch am Tage der
Zuſtellung, bei Empfang nach 3 Uhr nachmittags bis
ſpä=
teſtens 10 Uhr des darauffolgenden Morgens, vom
Emp=
fänger dem Fleiſchbeſchauamt zur Nachunterſuchung
vor=
zulegen. In dieſen Fällen wird die
Nachunterſuchungs=
gebühr vom Fleiſchbeſchauamt erhoben.
Mit der Dampfſtraßenbahn oder der
elek=
triſchen Straßenbahn ankommendes friſches
Fleiſch iſt nach §§ 2 bis 8 zu behandeln.
§ 10. Wer friſches Fleiſch zur unmittelbaren
Durch=
fuhr (§ 3 der Polizeiverordnung) in die
Stadtgemar=
kung einführen will, hat es ebenſo wie das zur Einfuhr
und Verwendung in die Stadtgemarkung beſtimmte friſche
Fleiſch der Eingangsſtelle vorzulegen. Dieſe kennzeichnet
das Fleiſch und ſtellt einen Durchgangsſchein aus, worin
die Ausgangsſtelle, an der das Fleiſch ausgeführt werden
ſoll, und eine unter Berückſichtigung der Umſtände
mög=
lichſt kurz zu bemeſſende Friſt für die Ausfuhr
anzu=
geben iſt.
Innerhalb der beſtimmten Friſt (Abſatz 1) iſt das
Fleiſch mit dem Durchgangsſchein der Ausgangsſtelle
vor=
zulegen. Dieſe erteilt bei ordnungsmäßigem Befund einen
Ausgangsſchein und überwacht die Ausfuhr des
Flei=
ſches. Der Durchgangsſchein iſt auf Verlangen jederzeit
dem Polizei= und Aufſichtsperſonal vorzulegen.
Stellt die Ausgangsſtelle Unregelmäßigkeiten oder
Ordnungswidrigkeiten feſt, ſo hat ſie —
erforderlichen=
falls unter Beſchlagnahme des Fleiſches — die
Entſchei=
dung des Fleiſchbeſchauamtes einzuholen.
§ 11. Die Beamten der Oktroierhebſtellen, ſowie die
im § 9 erwähnten Beamten haben bei Ausübung der
ihnen nach der Polizeiverordnung vom 1. April 1910 und
nach dieſen Vollzugsvorſchriften obliegenden dienſtlichen
Verpflichtungen die Eigenſchaft von Polizeibeamten. Sie
werden, inſoweit erforderlich, vom Großh. Kreisamt in
dieſer Eigenſchaft verpflichtet.
Darmſtadt, den 12. Januar 1914.
Graßherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
(2345id
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 deutſcher Schäferhund, 2 Pinſcher (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
aus=
gelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(2607
Die Arbeiten und die Lieferung der Materialien
zur Pflaſterung der Ladeſtraße auf Bahnhof Bensheim ſoll in drei
Loſen getrennt vergeben werden.
Los I: Lieferung von rd. 3600 qm Granitpflaſterſteinen
II. Sorte.
Los II: Pflaſterarbeiten rd. 4100 am Reihenpflaſter.
Los III: Schloſſerarbeiten 7 t Flußeiſen zur Einfaſſung der
Ladeſtraße.
Verdingungsunterlagen ſind bei dem unterzeichneten Amt
ein=
zuſehen und können auch, ſoweit der Vorrat reicht, gegen poſtfreie
Einſendung von 0,50 Mk. in bar (nicht in Briefmarken) für jedes
Los bezogen werden.
Angebote mit entſprechender Aufſchrift ſind bis Donnerstag,
den 5. Februar ds. Js., vormittags 11 Uhr, einzureichen.
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Zuſchlagsfriſt vier Wochen.
Eiſenbahnbetriebsamt Darmſtadt 3.
Jagd-Verpachtung.
Montag, den 9. Februar 1914, vormittags
1130 Uhr,
vird auf hieſigem Rathaus die zirka 4600 Morgen betragende
Auer=
bacher Gemeindejagd unter den vorgeſchriebenen Bedingungen auf
neun Jahre verpachtet. Dieſelbe iſt in vier Bezirke eingeteilt und
beſteht aus Feld=, Wieſen= und Waldjagd.
(2610
Nähere Auskunft wird von uns gerne erteilt.
Auerbach, den 20. Januar 1914.
Großh. Bürgermeiſterei Auerbach.
Gölz.
Steuer=Erhebung.
Das V. Ziel der
Gemeinde=
ſteuern für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu
ent=
richten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 3. Januar 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (1331a
Bekanntmachung.
Freitag, 30. Januar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Gaſtwirt Heinrich
Steinhaus Eheleuten dahier
zuge=
ſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
17 25 1062 Hofreite
Sand=
ſtraße Nr. 40,
nebſt
Wirt=
ſchafts=
In=
ventar,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K72/13
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 5. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,1389
Bekanntmachung.
Freitag, 30. Januar l. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Zimmermann
Lud=
wig Roßler Eheleuten dahier
zu=
geſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 427 212 Hofreite Kleine
Kaplaneigaſſe
Nr. 5,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K63/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das
einge=
legte Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 5. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,1388
Mittwoch, 4. Februar 1914,
vormittags 11 Uhr,
findet im Geſchäftszimmer der
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Riedeſelſtraße 60 — die Verdingung
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aus, können auch gegen
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werden.
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Garniſonverwaltung Darmſtadt.
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Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Januar 1914.
Nummer 23.
Bis zu diesem Tage
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Dienstag
Letzter Tag meines
den
27. Januar
Saisor-Ausverkaufs!
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Ecke Kirchstraße
Trikotagen, Strumpf- und Wollwaren,
u. Schustergasse I Weisswaren, Schürzen, Korsetten, Putz
Richard Wagner-Verein Darmstadt.
Dienstag, den 3. Februar 1914, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde
Sechstes Konzert
der
Meintiger Verkapene
unter Leitung von Generalmusikdirektor
Programm: 1. Symphonie Nr. 35 in D-dur von Mozart.
2. Siegfried-Idyll von Richard Wagner. 3. Vier Tondichtungen
für grosses Orchester nach Arnold Böcklin, op. 128 von Max
Reger (zum ersten Male.) 4. Symphonie Nr. 5 in C-moll von
Beethoven.
Eintrittskarten für Nichtmitglieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Numerierter Balkon zu 3.50 Mk. und Galeriekarten zu 2 Mk.
bei Heinrich Arnold, im Verkehrsbureau und abends an
der Kasse. — (Die städtische Billettsteuer wird von der
Vereins-
kasse getragen). — Beitrittserklärungen für das am 1. Januar
begonnene neue Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte
erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Jahres-
(2605
beitrag beträgt 12 Mk.
Der Vorverkauf hat begonnen.
Der Vorstand.
Frauen=Ortsgruppe Darmſtad
des Vereins für das Deutſchtum im Ausland
(Allg. Deutſcher Schulverein) E. B.
Madproersammung
5
Montag, den 26. Januar, vormittags 10½ Uhr,
im Sitzungszimmer des Muſikvereins (Steinſtr. 24).
Tagesordnung: Jahresbericht, Rechnungsablage,
Geſuche, Neuwahl des Vorſtandes.
Die verehrlichen Mitglieder werden freundlichſt
dazu eingeladen.
Der Vorſtand.
Oiion Fedrer
Rheinstrasse 6.
Telephon 173.
Ab heute: Nur 4 Tage!
Drama in 3 Akten, nach dem gleichnamigen ſpannenden
eng=
liſchen Roman, von erſten Pariſer Bühnenkünſtlern dargeſtellt.
Fräulein Regina Badet in der Hauptrolle als „Zoe‟.
Gesühnt
Ergreifendes Drama.
Freuden des Landlebens
Komödie mit herrlichen Naturſchönheiten.
Der kranke Lemke
Humoreske.
Der Regenschirm
Humoreske.
(2584
Walrossjagd
Ansichten aus der Normandie
Beides ſehr ſchöne kolorierte Naturaufnahmen.
U.-T.-Wochenbericht. Sonntags Anfana 3 Uhr.
Der Kampf um den freien Sonntag.
Am Freitag, den 23. Januar ds. Js., abends 8¾ Uhr,
findet im Kaiſerſaal, Grafenſtraße,
eine große öffentliche Proteſt-Verſammlung
ſtatt. Referent: Herr W. Fecht, Frankfurt a. M.,
Geſhäftsführer des 58er Vereins.
Als weitere Redner ſind gewonnen die Herren
Stadtverord=
neter Sanitätsrat Dr. Nöllner u. Pfarrer Lic. D. Waitz, Darmſtadt.
Geſchäftsinhaber, Angeſtellte, Käufer, wenn Ihr wollt, daß
dem Darmſtädter Kaufmannsſtand der freie Sonntag erhalten bleibe,
(2380mf
dann beſucht dieſe Verſammlung.
Soziale Arbeitsgemeinſchaft:
Kaufmänniſcher Verein E. V. Darmſtadt.
Verein für Handlungskommis von 1858, Bezirk Darmſtadt
Verband deutſcher Handlungsgehilfen Leipzig, Darmſtadt.
Kaufmänniſcher Verein Frankfurt a. M., Darmſtadt=
Kriegerkameradſchaft „Germania‟
Darmſtadt
Samstag, den 24. Januar 1914,
abends 9 Uhr
Geburtstagsfeier Sr. Majestätdes Deutschen Kaisers
im Vereinslokal bei Kamerad Gunder, Schloßgartenplatz,
wozu wir unſere Kameraden, ſowie deren Familien freundlichſt
einladen.
(2623
Zur Beteiligung an der Parade am Dienstag iſt Sammlung
der Kameraden um 11½ Uhr am alten Bahnhof. Anzug:
Ueber=
zieher, hoher Hut und Verbandsabzeichen.
Der Vorstand.
Kaiser’s Geburtstag
Fahnen, Flaggen
Wappenfahnen, Nationalfahnen,
Fahnenstangen, Fahnenknöpfe.
Nioderlage der Bonner Fahnenfahrik.
D. Faix & Söhne,
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lieferanten.
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Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.—
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
(B271
See Zmereeneäe
Heute unwiderruflich letzter Tag!
Keine Preiserhöhung mehr!
Preise der Plätze wie folgt:
Reserv. Pl. 45 Pf., I. Pl. 35 Pf., II. Pl. 19 Pf.
Es ist somit jedem die Gelegenheit geboten, sich das
epoche-
machende Meisterwerk „Welche sterben, wenn sie
lieben” mit dem glänzenden Beiprogramm anzusehen.
Ab Samstag, den 24. Januar:
Vollständig neues Trogramm mit nur erstklass. Bildern
ohne Preisaufschlag.
(Siehe morgiges Inserat).
(2626
Erstklassige Musikbegleitung auf einem Bechsteinflügel durch
den beliebten Kinop anist Georg v. Harscher.
Nur noch
kurze Zeit
ORPHEUMR
Heute
und folgende Tage:
Freitag,
23. Januar
Der letzte Schlager des
Walden-Ensembles:
Die Tango-Tanz-Posse
„Nu schlägt’s 13 3 Akten
von Max Walden und
Hugo Busse.
Eine Lachbomhe. d
Im II. Akt: (2621
derOriginal-Tango
getanzt v. Resi Krizek und
Heinz Oehlerking
sowie gr. Tango-Finale,
aus-
geführt v. ganzen Personal.
Vorverkauf und Freise wie bek.
Me e. re
Großherz. Hoftheater.
Freitag, den 23. Januar 1914.
95. Abonnem.=Vorſtellung. P 25.
Grillparzer-Zyklus.
Zweiter Abend.
Neu einſtudiert:
Die Ahnfran.
Trauerſpiel in 5 Aufzügen
von Grillparzer.
Spielleiter: Hans Baumeiſter.
Perſonen:
Graf Zdenko von
Johs. Heinz
Borotin:
Berta, ſ. Tochter . Charlotte Pils
Hs. Baumeiſter
Jaromir . .
Kt. Weſtermann
Boleslav.
Günther, Kaſtellan Herm. Knispel
Ein Hauptmann. Heinrich Hacker
Ein Soldat. . . Frz. Schneider
Die Ahnfrau des
Hauſes Borotin
Preiſe der Plätze: (Kleine
Preiſe): Sperrſitz: 1.—13. Reihe
3.70 ℳ, 14.—20. Reihe 3.20 ℳ,
Par=
terre: 1.—5. Reihe 2.35 ℳ, 6.—8.
Reihe 1.95 ℳ, Proſzeniumsloge
5.20 ℳ, Mittelloge 5.20 ℳ,
Bal=
konloge 4.70 ℳ, I. Rang 4.20 ℳ,
II. Rang: 1.—6. Reihe 2.15 ℳ,
7. u. 8. Reihe 1.75 ℳ, I. Galerie
1.15 ℳ, II. Galerie 65 ₰.
Kartenverkauf: an der
Tages=
kaſſe im Hoftheater von 9½—1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 8—1 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der
Vor=
ſtellung. (Im Verkehrsbüro
wer=
den auch telephoniſch
Kartenbe=
ſtellungen entgegengenommen. —
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ Uhr. — Ende 10½ Uhr.
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Samstag, 24. Jan. 96. Ab.=Vſt.
C 24. „König Karl.” Gew.
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Sonntag, 25. Jan. Nachmitt.
2½ Uhr. Außer Abon. 22.
Volks=
vorſtellung zu ermäßigten Preiſen.
Wenn ich König wäre!”
Vorverkauf bis einſchl. Samstag,
24. Jan., nur im Verkehrsbüro,
Ernſt=Ludwigsplatz. Verkauf der
etwa noch vorhandenen Karten am
Tage der Vorſtellung auch an der
Tageskaſſe im Hoftheater, vorm.
von 11 Uhr ab. — Abends 7½
Uhr. 97. Ab.=Vſt. A 25. „
Film=
zauber‟. Gewöhnliche Preiſe.
Montag, 26. Jan. Außer Ab.
23. Volksvorſtellung zu ermäßigten
Preiſen. „Grigri” Anfang 7½
Uhr. Vorverkauf bis einſchließl.
Montag, 26. Jan., nur im
Ver=
lehrsbüro, Ernſt=Ludwigsplatz.
Verkauf der etwa noch vorhandenen
Karten am Tage der Vorſtellung
auch an der Tageskaſſe im
Hof=
theater zu den übl. Kaſſeſtunden.
Nummer 23.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 23. Jauuar 1914.
Seite 13.
und
Freitag
Samstag
sind diebeiden letzten Tage
unseres
2596
(o
Grossen
Januar
Januar
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Das Tippfräulein.
Roman von Gertrud Stokmans.
audruck verbo
13
An dieſem Tage las Gabi mit größter
Aufmerkſam=
keit eine luſtige engliſche Geſchichte vor. Sie unterbrach
die Lektüre zuweilen durch ihr weiches, fröhliches Lachen,
und der heimliche Beobachter hatte reichlich Gelegenheit,
ſeine Studien zu machen. Lange konnte er nicht bleiben,
aber eine Viertelſtunde hinter der Portiere genügte, um
ſeine Unruhe zu ſteigern, ſtatt ſie zu beſchwichtigen. Den
einen Augenblick ſagte er ſich: Sie iſt’s, ſie muß es ſein!
Den nächſten Augenblick dachte er wieder: Nein, Gott
be=
wahre, ſie iſt es nicht! Von den Augen ſah er nicht viel,
ſie waren naturgemäß auf das Buch geſenkt, und der tiefe
Scheitel, welcher das Geſicht ſo eigentümlich einrahmte,
irritierte ihn. Wenn er dem Mädchen nur einmal, ein
einziges Mal hätte das Haar aus der Stirn ſtreichen
dürfen, wäre er zu einem Reſultat gekommen; nun
ſchwankte er wieder hin und her wie zuvor. Auch die
Stimme war ja dieſelbe, nur weicher und reicher erſchien
ſie ihm als die ſeiner einſtigen Braut, und eine ganze
Reihe von Erinnerungen tauchte wieder in ihm empor.
Das wollte er nicht. Vergeſſenheit ſuchend, ſtürzte er
ſich wieder von neuem in die Arbeit und gönnte ſich
keine Raſt und Ruhe; aber der übernächſte Tag war ein
Sonntag, und wenn er abkömmlich war, ging er immer
zur Kirche, ſchon des guten Beiſpiels wegen. Da ſaß
nun wieder, wenige Schritte von ihm entfernt, oben im
Chor im Hellborner Beamtengeſtühl züchtig und ernſt die
kleine Tippmamſell. Er konnte gerade ihr Profil ſehen
und daran herumſtudieren. Das nahm ihm die Samm=
lung und andächtige Stimmung, und von der Predigt
hörte er kein Wort. Dann, nach dem Gottesdienſt, tat
er etwas, was er noch nie getan hatte.
Der Kirchweg für die Fußgänger führte über die
Wieſen durch einen prächtigen Eichenhain, und die nach
Hellborn Zurückkehrenden ſchloſſen ſich meiſt zu Gruppen
zuſammen, die gemächlich plaudernd nach Hauſe gingen,
während Wardenburg allein blieb und allen anderen
vor=
aneilte. Heute benutzte er die Gelegenheit, um Gabi an
der Kirchentür anzuſprechen und aufzuhalten, bis alle
anderen ſich zerſtreut hatten. Dann geleitete er ſie nach
Hauſe zum Erſtaunen der wenigen, welche ſie zuſammen
ſahen, und blieb dann und wann noch zögernd ſtehen.
Gabis Herz klopfte, als ſie ſo allein mit ihm
dahin=
ſchritt, und bemerkte, daß er die Abſicht habe, ſie
auszu=
forſchen, aber ſie fand einen eigenen Reiz darin, ihn zu
myſtifizieren und auch ihm gegenüber ihr Inkognito
auf=
recht zu erhalten. Es war gewiſſermaßen eine Probe
auf ihre ſchauſpieleriſche Leiſtungsfähigkeit und zugleich
ein grauſames und reizvolles Spiel: Vielleicht auch eine
Notwendigkeit. Sie wußte ja nicht, wie er die
Wahr=
heit aufnehmen würde, und mußte ihn hinhalten ſolange
wie möglich.
So zog Gabi denn den Schleier herab, ſenkte den
Blick und ging in beſcheidener Haltung neben
Warden=
burg. Die Befangenheit, die ſie zeigte, brauchte ſie nicht
zu heucheln, die überkam ſie ganz von ſelbſt, wenn ſie der
früheren gemeinſamen Spaziergänge gedachte, und
da=
zwiſchen meldete ſich heimlich auch ſchon wieder ihr
Uebermut, dem die Situation nicht nur peinlich, ſondern
vor allem tragikomiſch erſchien.
Wardenburg fiel nicht gleich mit der Tür ins Haus.
Er ſprach zuerſt über gleichgültige Dinge und ging erſt
allmählich auf das Perſönliche über.
Wie gefällt es Ihnen bei uns? fragte er dann.
Er=
ſcheint Ihnen das Landleben nicht reizlos und öde nach
dem abwechſelungsreichen, bunten Leben der Großſtadt?
Gabi zuckte die Achſeln. Ach, meinte ſie, wir haben
ja jetzt Sommer, und abwechſelungsreich iſt das Berliner
Leben doch nur für die höheren Stände, die Reichen und
Vornehmen. Wer beſtimmte Arbeitsſtunden hat und nur
über beſcheidene Mittel verfügt, führt ein recht eintöniges
Daſein. Er kommt ſelten zu einer Freude und einem
Genuß und muß ſich früh in der Kunſt üben, ſchweigend
zu entſagen.
Ja, meinte er begütigend, ganz ſo ſchlimm wird es
wohl nicht ſein. Jeder Stand hat ſeine eigenen Freuden.
Sie haben doch gewiß Freunde und Bekannte, mit denen
Sie an Sonntagen die Theater beſuchen und im Sommer
allerlei Ausflüge machen. Früher, als ich noch zuweilen
in Berlin war, habe ich mich immer gefreut, wie herrlich
die Arbeitsbienen der Großſtadt ſich paarweiſe zu
amü=
ſieren verſtehen.
Paarweiſe? Gabi wiederholte es und blickte erſtaunk
zu dem geſtrengen Oberinſpektor auf, der mit einem Male
zu ſcherzen ſchien. Dann ſagte ſie: Das mag bei anderen
wohl zutreffen. Ich bin aber weder verlobt noch
ver=
heiratet. Wie ſollte ich da zu einer Begleitung kommen?
Nun, erwiderte er, es gibt ja noch andere
Möglich=
keiten. Ihre Kolleginnen von der Schreibmaſchine machen
reichlich Gebrauch davon.
Aber ich nicht, war die ſchüchtern abwehrende
Ant=
wort. Meine Eltern haben mich ſehr ſtreng erzogen. Ich
würde nie auf die Idee kommen, allein mit einem
frem=
den Herrn auszugehen.
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Eie ſchen es neh nie geint
Nein, Herr Oberinſpektor.
Und Fräulein Flott iſt eine Freundin von Ihnen?
Eine gute Bekannte wenigſtens. Um ihr aus der
Verlegenheit zu helfen, kam ich hierher.
Und bereuen es nicht?
Im Gegenteil, ich freue mich, daß ich ſie vertreten
darf. Es iſt ja ſo ſchön hier, und die Herrſchaften ſind
ſo gütig! Es macht mir auch Spaß, die vornehmen Leute
einmal in der Nähe zu ſehen und ihr Tun und Treiben
beobachten zu können. Unſereins kommt ja ſo ſelten dazu,
und manches iſt ganz anders als man denkt. In Berlin
ſind es doch vorwiegend Geſchäftsleute, welche uns
be=
ſchäftigen, und in ihr Privatleben gewinnt man keinen
Einblick.
Allerdings, meinte er zerſtreut, mit den
widerſtre=
bendſten Eindrücken kämpfend. Dann fragte er:
Hat man Sie der Tochter des Hauſes, der Gräfin
Treſſenſtein, vorgeſtellt?
Gabi ſchüttelte den Kopf. Nein, bisher noch nicht,
aber ich habe ſie wiederholt geſehen. Mir ſcheint, ſie
iſt eine ſehr elegante und ſchöne Dame.
Ja, meinte er, ſchön, liebenswürdig und klug. Sie
verträgt es nur nicht, wenn man ihre Pläne kreuzt.
Dazu werde ich wohl kaum Gelegenheit haben, war
Gabis lächelnde Erwiderung. Ein ſo unwichtiges, un=
bedeutendes Weſen wie meine Wenigkeit exiſtiert für die
Gäſte des Herrn Barons wahrſcheinlich nicht.
Er blieb einen Augenblick ſtehen und blickte
Fräu=
lein Flotts Stellvertreterin mit ſchlecht verhehltem
Miß=
trauen an. Sind Sie wirklich ſo unbedeutend und
harm=
los, Fräulein Schacht? fragte er dann. Ich muß geſtehen,
ich bezweifle es ſtark.
Sie lachte hell auf wie ein Kind, das plötzlich etwas
ſehr Luſtiges entdeckt. Wirklich, Herr Oberinſpektor?
Dann möchte ich nur wiſſen, weshalb und wieſo. Sie
kennen mich ja noch gar nicht, ſprechen heute zum erſten
Male mit mir.
Wer weiß, ſagte er mit herber Ironie. Mir ſcheint,
Sie ſind ein Kobold, ein ganz gefährliches Doppelweſen,
das die Leute narrt und vor allem nicht das iſt, was es
vorgibt zu ſein.
Nun war ſie es, die ſtehn blieb. Mein Himmel, ſagte
ſie, wie kommen Sie nur auf eine ſolche Idee? Ich bin
ein einfaches Tippfräulein, das ſeine Pflicht und
Schul=
digkeit tut, weiter nichts.
Er ſah ſie feſt an. Gerade das erſcheint mir
zweifel=
haft, Fräulein Schacht. Kennen Sie in Berlin eine
Grä=
fin Gabriele Gartenhauſen? Es iſt eine noch junge
Dame, in Ihrem Alter ungefähr.
Gabi erſchrak, faßte ſich aber ſchnell und ſagte ruhig:
Fräulein Flott kennt ſie. Die Herrſchaften wohnen in
demſelben Hauſe wie ſie, das heißt in der Beletage, vorn
heraus, während ſie mit ihrer Mutter eine beſcheidene
Gartenwohnung inne hat.
Sprach ſie nie von Ihrer phänomenalen Aehnlichkeit
mit dieſer Dame?
Doch ja, ich entſinne mich, daß ſie dieſe ſtaunend
er=
wähnte. Es geſchah aber nur einmal, als ich ſcherzweiſe
für einen Abend meine Friſur geändert und mein Haau
hoch aus der Stirn gekämmt hatte; ſpäter kam ſie nie
wieder darauf zurück.
Hatte ſie eine Phoſographie von der Komteſſe?
Ich glaube kaum, herr Oberinſpektor, jedenfalls habe
ich ſie nie geſehen.
Dann will ich ſie Ihnen zeigen, Fräulein Schacht.
Er griff in ſeine Bruſttaſche, zog ein Lederetui heraus,
das eine Photographie umſchloß, öffnete es und hielt es
mit einer brüsken Gebärde ſeiner Begleiterin hin.
Da, ſehen Sie ſelbſt, ſagte er. Ich glaubte bei unſerer
erſten Begegnung, eine Einbildung narre mich. Darum
ſuchte ich dieſes Bild heraus. Ich habe es ſeit Jahren
nicht mehr in die Hand genommen. Trotzdem hat es den
Eindruck einer ſtaunenerregenden Aehnlichkeit zwiſchen
Ihnen und der jungen Gräfin nur verſchärſt.
(Fortſetzung folgt.)
Aagen= und Darmleidende
verſpüren Linderung
wenn ſie nur leichk verdauliche Nahrungs.
mitkel genießen und zum Beiſpiel
regel=
mäßig morgens und abends
Raſſeler Hafer=Rakao
krinken, der bei Magen= und
Darm=
ſtörungen vorzügliche Dienſte leiſtet, ſehr
nahrhaft und dabei leicht verdaulich iſt.
(Nur in blauen Kartons für 1 Mark)
Landwirtſchaftliches.
Keine erhöhten Zuſchüſſe für die Landwirtſchaftskammer.
* Die Landwirtſchaftskammer ſchreibt uns: Unter
dieſer Ueberſchrift iſt in deg letzten Woche in verſchiedenen
Tageszeitungen ein Artikel erſchienen, der die ablehnende
Haltung der Großh. Regierung zu der erbetenen
Echöh=
ung der Staatszuſchüſſe für die Landwirtſchaftskammer,
nach der Begründung im Hauptſtaatsvoranſchlag für 1914
wiedergibt. Die Tatſache iſt richtig, ſo bedauerlich ſie iſt.
In dieſer Begründung werden zunächſt eingangs die
vor=
jährigen Verhandlungen im Landtage über die gleiche
Frage wiedergegeben, es wird aber verſchwiegen, daß zer
Landwirtſchaftskammer damals Hoffnung gemacht wurde,
daß ihr die erbetenen Mehrforderungen in 1914 zur
Ver=
fügung geſtellt werden würden. Auch die Verhandlungen,
die dann ſpäter mit der Landwirtſchaftskammer gepflogen
wurden, erweckten die Hoffnung, daß die Regierung
be=
reit ſei, die Mehranforderungen für die verſchiedenen
Zweige der Tierhaltung, des Obſts, Wein= und
Gemüſe=
baues und der Bodenkultur zur Verfügung zu ſtellen. In
der Ablehnung wird auch nicht die Notwendigkeit der
fraglichen Unternehmungen beſtritten, ſondern nur betont,
daß ſich die Regierung nicht davon habe überzeugen
kön=
nen, daß die vermehrten Ausgaben nicht aus eigenen
Miteln der Landwirtſchaftskammer aufgebracht werden
könnten.
Die Mehrforderungen der Landwirtſchaftskammer
ſollen hauptſächlich dazu dienen, Maßnahmen der
Land=
wirtſchaftskammer=Ausſchüſſe auf den verſchiedenen
tech=
niſchen Gebieten zu vervollſtändigen und zu erweitern.
So hatte der Ausſchuß für Rheinheſſen beſonders zur
Be=
kämpfung der Rebſchädlinge, Oberheſſen und Starkenburg
für tierzüchteriſche Maßnahmen und für Bodenkultur, die
Zentrale für Pferdezucht ꝛc. erhöhte Zuſchüſſe erbeten.
Daß bei unſerem vorherrſchenden Kleingrundbeſitz Forde=
rungen zur Verdeſerung der landwirtſchaftlichen Technt
in erhöhtem Maße in Erſcheinung treten wie in anderen
Gebieten Deutſchlands, wo ſich die kapitalkräftigeren
Land=
wirte ſelbſt helfen können, iſt verſtändlich. Wenn trotzdem
unſere heſſiſche Landwirtſchaft große Fortſchritte gemacht
hat, ſo iſt das neben der Rührigkeit unſerer Landwirte, der
Anregung und Tätigkeit der berufenen öffentlichen Organe
zu verdanken. Eine Verringerung in dieſer Richtung
ein=
treten zu laſſen, würde gleichbedeutend mit einer
Ver=
nachläſſigung unſerer heimiſchen Landwirtſchaft ſein.
Nun behauptet aber die Großh. Regierung in dem
fraglichen Schriftſatz, daß ſie ſich nicht davon habe
über=
zeugen können, daß die Landwirtſchaftskammer die
ver=
mehrten Ausgaben nicht aus eigenen Mitteln aufbringen
könne. Dem muß entſchieden widerſprochen werden. Die
Landwirtſchaftskammer hat allerdings ſeit ihrem
Be=
ſtehen einen größeren, aber bei weitem noch nicht
aus=
reichenden Penſionsfonds angeſummelt und außerdem
ſteht ihr ein Betriebskapital von rund 172000 Mark zur
Verfügung. Will nun aber die Großh. Regierung
behaup=
ten, daß dieſe Fonds nicht nötig ſind? Der
Penſions=
fonds der mit Zuſtimmung der Großh. Regierung errichtet
wurde, war unbedingt notwendig, zumal man auch die
jetzige Zeit, wo faſt noch keine Penſionen an Beamte zu
zahlen ſind, zu den Koſten der ſpäter notwendig
werden=
den Laſten heranziehen wollte. Das geſchieht bei faſt allen
deutſchen Landwirtſchaftskammern und kommunalen
Ein=
richtungen, oft in recht erheblich höherem Maße. Und das
Betriebskapital von 172 0001 Iſt die Großh. Regierung der
Anſicht, daß dieſes in dieſer Höhe nicht nötig ſei? Die
Landwirtſchaftskammer muß in jedem Jahre die
Erfah=
rung machen, daß dasſelbe, da die Kammerbeiträge erſt
im Winterhalbjahr eingehen, noch nicht ausreicht.
Uebrigens hat auch zur Einſtellung dieſes Fonds die
Großh. Regierung ihre Zuſtimmung erteilt. Sie ſcheint
außerdem der Anſicht zu ſein, daß, wenn die
Landwirt=
ſchaftskammer ſo große Beträge habe zurücklegen können,
der Beweis erbracht ſei, daß weitere Staatszuſchüſſe nicht
nötig ſeien. Da nuß doch mit aller Entſchiedenheit
darauf hingewieſen werden, daß die Anſammlung des
Be=
triebskapitals der Hauptſache nach in den erſten Jahren
nach Errichtung der Landwirtſchaftskammer erfolgte, wo
ſie noch in der Organiſation begriffen war, auf
den verſchiedenen Arbeitsgebieten noch nicht alle
Mit=
tel volſtändig in Anſpruch genommen wurden. Für jetzt
muß aber die Tatſache feſtgeſtellt werden, daß neben den
Staatszuſchiſſen auch die eigenen Mitel der
Landwirt=
ſchaftskammer bis auf den letzten Pfennig verbraucht
werden, und daß ſchon jetzt eine Anzahl Aufgaben aus
dem Arbeitsgebiet der Landwirtſchaftskammer wegen
Mangel an Mitteln zurückgeſtellt werden mußte.
Beſon=
ders die Ausſchüſſe werden die Zurückſtellung einer
An=
zahl in Ausſicht genommener neuer Aufgaben recht
ſchmerzlich empfinden. Wie aber die
Landwirtſchaftskam=
mer den ihr geſtellten Aufgaben und den von allen Seiten
an ſe herantreienden Mehrforderungen, wenr die
Rezie=
rung verſagt, gerecht werden ſoll, iſt eine für ſie
unlös=
bare Frage.
Die Ablehnung der Mehrforderung ſeitens der Großh.
Regierung für die Landwirtſchaft, demjenigen Gewerbe,
das auch heute in der Gütererzeugung in Heſſen noch an
erſter Stelle ſteht, iſt daher recht bedauerlich.
Insbeſon=
dere erweckt ſie in den Kreiſen der Landwirtſchaft noch um
deswegen recht große Mißſtimmung, weil zurzeit nicht
etwa die finanzielle Lage des Staates, die es doch
ermög=
licht daß für andere Zwecke Millionenforderungen
ver=
willigt werden können, der Grund für die Ablehnung iſt.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 21. Januar. Auftrieb durch Händler 150
Schweine. Preiſe 1. Qual., Schlachtgewicht 50 Kilogramm,
73 Mark., 2. Qual. 72 Mark, 3. Qual. 71 Mark.
Markt=
verlauf: mäßig, etwas Ueberſtand — Schweinemarkt am
22. Januar. Auftrieb durch Händler 197 Schweine.
Preiſe 1. Qual., Schlachtgewicht 50 Kilogramm, 73 Mark.
2. Qual. 72 Mark, 3. Qual. 71 Mark. Marktverlauf: rege,
Ueberſtand. — Kälbermarkt am 22. Januar. Auftrieb durch
Händler 137 Kälber. Preiſe: Lebendgewicht 50
Kilo=
gramm, 60—64 Mark. Marktverlauf: lebhaft.
— Frankfurt a. M. 22. Jan.
Schlachtvieh=
markt. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 141
Stück, darunter Ochſen 55. Bullen 4, Färſen und Kühe 82,
Kälber 659, Schafe 197 Schweine 1206. Preiſe für 1.
Zent=
ner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in Mark: Kälber:
Doppellender, feinſte Maſt 66—69 (110—115), feinſte Maſt=
(Vollm.=Maſt) und beſte Saugkälber 60—64 (102—108),
mittlere Maſt= und gute Saugkälber 56—59 (95—100),
geringere Saugkälber 53—55 (88—93). Schafe:
Maſt=
lämmer und jüngere Maſthammel 43—44 (94—95).
Schweine: Fettſchweine über 3 Zentner Lebendgewicht
53—56 (66—70), vollfleiſchige Schweine über 2½ Zentner
Lebendgewicht 52—54 (65—38), vollfleiſchige Schweine
über 2 Zentner Lebendgewicht 53—56 (66—69),
voll=
fleiſchige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 53—56
(65—68). Marktverlauf: Kälber langſamer, Schafe rege,
Schweine gedrückt, erheblicher Ueberſtand.
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ſchaft. Am 19. und 20. d. M. fand in Berlin im
Lehrer=
vereinshauſe die erſte ordentliche
Genoſſenſchaftsverſamm=
lung der am 4. November 1912 auf Grund des
Bundes=
ratsbeſchluſſes vom 10. Oktober 1912 neu gegründeten
De=
tailhandels=Berufsgenoſſenſchaft unter dem Vorſitz des
Kaufmanns und Reichstagsabgeordneten Jakob Aſtor=
Berncaſtel=Cues ſtatt. Das Reichsverſicherungsamt war
durch Senatspräſident Dr. Spiegelthal, Regierungsrat
Schmidt, Regierungsrat Dr. von Schack vertreten. An
der Verſammlung nahmen 66 Detailliſtenvertreter aus
ſämtlichen Bezirken des Reiches teil.
Die in dem Wahlvorſchlag des Wahlvorſtandes
ge=
nannten 24 Vorſtandsmitglieder wurden ohne
Gegenvor=
ſchläge gewählt. Der Vorſtand wählte als Vorſitzenden
den Kaufmann und Reichstagsabgeordneten Jakob Aſtor=
Berncaſtel=Eues, als 1. ſtellvertretenden Vorſitzenden
Kauf=
mann und Handelskammermitglied Wilhelm Kalbfuß=
Darmſtadt wieder und als 2. ſtellvertretenden Vorſitzenden
Kaufmann und 2. ſtellvertretenden
Handelskammerpräſi=
denten Hermann Behn=Lübeck neu. Aus dem
umfangrei=
chen Jahresbericht iſt hervorzuheben, daß bei der neuen
Berufsgenoſſenſchaft bereits 62 446 Betriebe mit 355 937
verſicherten Perſonen eingetragen ſind. Zur Entſchädigung
gelangten 1473 Unfälle mit einer Jahreslaſt von 305 855
Mark Jahresentſchädigung. Gemeldet wurden 5023
Un=
fälle, darunter 18 neue Todesfälle.
Von den Verhandlungsgegenſtänden iſt
hervorzu=
heben, daß der Beſchluß zur Feſtlegung des Sitzes bis
zur nächſten Genoſſenſchaftsverſammlung, die im
Septem=
ber in Nürnberg ſtatfindet, vertagt worden iſt. Der
Ge=
fahrtarif wurde in der vom Vorſtand vorgelegten Form
genehmigt. In zwei Jahren ſoll auf Grund des
eige=
nen, bis dahin angeſammelten ſtatiſtiſchen Materials ein
neuer Gefahrtarif aufgeſtellt werden. Eine Dienſtordnung,
in der die Anſtellungsverhältniſſe der Angeſtellten
gere=
gelt ſind, und ein Normalbeſoldungsplan wurden
aufge=
ſtellt.
Die erſte Genoſſenſchaftsverſammlung der
Detailhan=
dels=Berufsgenoſſenſchaft war ein beredtes Zeugnis
da=
für, daß die Detailliſten die vornehme Aufgabe der
Unfall=
fürſorge für die Verletzten ihres ſehr zahlreichen Standes
mit Geſchick und freudigem Eifer in Selbſtverwaltung
ge=
nommen haben. In anerkennenden Worten hob dies der
Vertreter des Präſidenten des Reichsverſicherungsamts
hervor. Die Verſammlung hatte das regſte ſachkundigſte
Intereſſe nicht allein für die Verhandkungsgegenſtände,
ſondern auch für die Entwickelungsfragen. Wiederholt
wurde die Freude über die eigene Berufsgenoſſenſchaft
zum Ausdruck gebracht. Dem Vorſitzenden Aſtor wurde am
Schluſe der Dau ſür ſene vorzüigliche Beſ.
tung und tatkräftige Aufopferung dargebracht.
Handel und Verkehr.
* Die Zeichnung auf die neuen
preußi=
ſchen Schatzanweiſungen. Die gegenwärtig
ſtatt=
findende Zeichnung auf die neue verlosbare Schatzanleihe,
welche am 29. d. M. geſchloſſen werden wird, ſcheint ſich,
der Tägl. Rundſchau zufolge, zu einem
Senſationsereig=
nis auszugeſtalten, wie die Berliner Vörſe es ſeit langer
Zeit nicht erlebt hat. Der Andrang der Zeichner iſt ſchon
unmittelbar nach der Veröffentlichung der
Subſkriptions=
einladung ſo gewaltig, daß man mit einer ſehr ſtarken,
vielleicht ſogar mit einer vielfachen Ueberzeichnung der
aufgelegten 350 Millionen Mark rechnen darf. Daß
ſpeku=
lative Zeichnungen, die bei den letzten Ausgaben
inlän=
diſcher Anleihen ſowohl durch die Geldverhältniſſe wie
durch die damaligen Zeichnungsbedingungen ausgeſchaltet
waren, gegenwärtig eine Rolle ſpielen, mag als möglich
gelten. Immerhin werden ernſthafte Zeichner und
namentlich kleine Kapitaliſten, die nur geringe Beträge zu
feſter Anlage haben wollen, ſich in derartiger Zahl
betei=
ligen, daß von vornherein der Schatzſcheinanleihe eine ſo
vortreffliche Unterkunft geſichert iſt, wie es kaum jemals
vorher bei der Ausgabe iſtländiſcher Anleihen der Fall
geweſen iſt. Dieſe Annahme erſcheint berechtigt angeſichts
der Bereitwilligkeit der Zeichner, auf langfriſtige Sperre
der zugeteilten Stücke einzugehen. Wenn außerdem der
Wunſch ausgeſprochen wird, die zugeteilten Stücke in das
preußiſche Staatsſchuldbuch eintragen zu laſſen, ſo iſt
dar=
auf hinzuweiſen, daß die Einrichtung des Schuldbuches nur
für Anleihen, nicht aber für Schatzanweiſungen beſteht.
Ebenſo ſind die Zeichnungsſtellen nicht in der Lage, für
gezeichnete Beträge im voraus volle Zuteilung zuzuſagen,
ſo daß das Publikum gut tut, keine derartigen Wünſche
oder Bedingungen mit den Zeichnungen zu verbinden.
* Berlin, 22. Jan. In der heutigen Sitzung des
Zentralausſchuſſes der Reichsbank beſprach
Exzellenz Havenſtein die Zahlen des
Zwiſchenaus=
weiſes vom 19. Jan. und führte aus, die Anſprüche an die
Reichsbank ſeien von Dezembermitte bis Dezemberende ſehr
groß geweſen, größer, als jemals in den Vorjahren. Die
Rückflüſſe nach dieſem Termin hätten ſich aber normal
geſtaltet. Die Privatguthaben hätten ſtändig zugenommen.
Die ungedeckten Noten hätten ihren günſtigen Stand
be=
wahrt im Vergleich zu dem Vorjahre. Der Privatdiskont
hielt ſich auf 3 Prozent. Auch auf dem internationalen
Geldmarkte hätte die Entſpannung Fortſchritte gemacht.
Der Stand der Deviſenkurſe ſei noch bedrohlich. Unter
die=
ſen Umſtänden hätte das Reichsbankdirektorium keine
Be=
denken gehabt, den Diskont um ½ Prozent zu ermäßigen.
* Albany (im Staate Neu=York) 21. Jan. Die
Emiſſion von 51 Millionen Dollars
vier=
einhalbprozentiger, 50 Jahre unkündbarer Staatsfonds
iſt hoch überzeichnet worden. Ein Syndikat, an deſſen
Spitze die Firma Kuhn, Loeb und Co, ſteht, hat für die
ganze Emiſſion 106,77 geboten. Man erwartet, daß ein
großer Teil der Emiſſion nach Europa gehen wird, falls
das Syndikat mit ſeinem Angebot Erfolg hat.
* Albany 22. Jan. Das unter Führung von
Kuhn, Loeb & Co, ſtehende Syndikat erhielt den
Zu=
ſchlag auf die ganze 4½prozentige Anleihe des
Staa=
tes Neu=York zu dem Uebernahmepreis von 106,077
Prozent.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerkei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 bes
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— In der geſtrigen Nummer des Tagblattes befindet
ſich eine kurze Notiz aus Berlin, die auch in unſerer Stadt
ſehr der Nachahmung bedürfte. Der Oberbürgermeiſter
von Berlin führte aus, daß er ſtreng darauf halte, daß alle
Arbeiten (in dieſem Falle Notſtandsarbeiten), welche die
Stadt zu vergeben habe, von Berliner Arbeitern und
Hand=
werkern ausgeführt werden. Es wäre unſerem
Bauhand=
werkerſtand zu wünſchen, wenn nicht noch weitere
Exiſtenz=
gefährdungen eintreten ſollen, daß auch unſere
Stadtver=
ordnetenverſammlung einen dahingehenden Beſchluß faßt.
m
Stadt ſchon iſt, davon hat der Außenſtehende gar keinen
Begriff. Der Herr Oberbürgermeiſter hat ja erklärt, daß
über 2 Millionen baureife Projekte vorliegen und zur
Aus=
führung kommen würden. Hoffentlich werden dieſe alle
von einheimiſchen Handwerkern ausgeführt.
W.
Vogelbrut — Vogelſchutz.
Wer im Herbſte in der Richtung von oder nach
Darmſtadt die entlaubten Lindenbäume betrachtete, konnte
dabei eine intereſſante Wahrnehmung machen. Faſt auf
jedem Baum (?) befand ſich ein Vogelneſt, das aber von
den Unbilden der Witterung teilweiſe zerſtört war. Auf der
öſtlichen Baumreihe ſind aber die Neſter in weit
erheb=
licherer Zahl vorhanden, als auf der entgegengeſetzten
Seite. Dieſe Ungleichheit dürfte ſich teilweiſe aus dem
Verkehre der Fußgänger erklären, durch den ſich die
gefie=
derten Sänger weit mehr geſtört fühlen, als durch den
ſtändigen Verkehr der Straßenbahn mit ihrem läſtigen
Rauch, namentlich aber dürfte ſie darin ihre Erklärung
finden, daß die Singvögel ihren Neſtbau in den weitaus
meiſten Fällen an die Oſtſeite des Baumes anlegen.
Wei=
tere Beobachtungen haben ergeben, daß die Anlage von
Niſtſtätten in den um den Ort Arheilgen befindlichen
Obſt=
feldern eine weit geringere iſt als hier. Woher kommt
dies? Meines Erachtens kommt es daher, weil die
Obſt=
bäume jedes Jahr ausgeputzt, d. h. ſo beſchnitten werden,
daß geeignete Gabelungen oder mit Laub verdeckte
Niſt=
plätze ſich in genügender Zahl nicht darbieten. Betrachten
wir dagegen die Lindenbäume mit ihrem Auswuchs
jun=
ger Triebe, ſo ſind hier reichlich Plätze zur Brutſtätte
vorhanden. Wollen daher die Obſtbaumzüchter die
nütz=
lichen Singvögel wieder mehr in ihre Baumgehege
heran=
ziehen, ſo empfhielt es ſich, die Obſtbäume nicht allzu ſehr
zu beſchneiden. Es dürfte dieſe Maßnahme nicht nur mit
Rückſicht auf die Singvögel, ſondern auch mit Rückſicht auf
den Baum ſelbſt, ganz beſonders aber auf die
Ertragsfähig=
keit, die größte Beachtung verdienen. Die Zahl der
Lin=
denbäume zwiſchen Darmſtadt und Arheilgen beträgt 394,
nehmen wir nun auf jeden zweiten Baum ein Vogelneſt
mit nur 4 Jungen an, ſo ergibt das eine geſamt
aufzufüt=
ternde Vogelbrut von 788 Jungen, und hieraus läßt ſich
der gewährte Nutzen durch die Vertilgung ſchädlicher
In=
ſekten einigermaßen ermeſſen. Dabei iſt noch ganz
beſon=
ders zu beachten, daß hier auch faſt keine Brut der rohen
Zerſtörung anheimfällt, ſondern daß ſie alle zuſtande
kom=
men. Die Lindenbäume werden von folgenden
Vogel=
arten bevorzugt: Buch= und Diſtelfinken, Hänflingen,
Fliegenſchnäppern, Amſeln u. a.
Von allen Seiten wird eben dem Vogelſchutz diejenige
Bedeutung gezollt, die ihm auch von Rechts wegen gebührt.
Die Polizei= und Forſtbehörden haben ſich nach dieſer
Hinſicht beſonders bemüht, Erſprießliches zu leiſten. Neben
dem allgemeinen Vogelſchutz beruht die praktiſche Arbeit
in dem Aufhängen von Niſtkäſten, in der Aufſtellung von
Futterhäuschen, in der Errichtung von Tränkſtellen, in der
Anlegung von Schutz= und Niſthecken u. a. m. Der
Er=
folg dieſer Arbeit iſt aber auch ein, man kann, ohne zu
übertreiben ſagen, großartiger. Kommt man z. B. in der
Jahreszeit, in der uns die Zugvögel verlaſſen haben,
in den Kranichſteiner Park, ſo begegnet man auf Schritt
und Tritt Singvögeln verſchiedenſter Art. In erſter Linie
ſind es die vielen Meiſen, die uns durch ihr lebhaſtes
Weſen und ihr fortwährendes Gezwitſcher erfreuen und
deren große Zahl nur den aufgehängten Niſtkäſten zu
ver=
danken iſt. Denjenigen Vögeln aber, die ihre Brutſtätten
nicht in Höhlen einrichten, bieten die eigens zu dieſem!
Zwecke angelegten Hecken genügenden Schutz. Zwar hat
die zuſtändige Forſtbehörde in dem Park einige
Schutz=
hecken angelegt, jedoch dürften dieſelben ihrer Zahl nach
unzureichend erſcheinen und weitere Einrichtungen
ähn=
licher Art erfordern. Durch die diesjährige Holzfällung
in nächſter Nähe der Dianaburg iſt der früher berühmte
Irrgarten zum größten Teile verſchwunden. Hierdurch
iſt ein großer freier Platz, der zu jeder Tageszeit von der
Sonne beſchienen wird, entſtanden, und der ſich ganz
be=
ſonders zu einem Schutzgehölz für Singvögel eignen
dürfte. Vielleicht bedarf es nur dieſer Anregung, um die
obere Forſtbehörde darauf hinzuweiſen, und ſie wird ſchon!
unſern kleinen nützlichen Sängern auch hier eine
entſpre=
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Danenhalbſchnd verern.
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