Darmstädter Tagblatt 1914


De2 N 22., Donnerstag, den 22. Januar.

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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstag ſetzte geſtern die zweite Leſung des
Etats des Reichsamts des Innern fort.
Die 21. Kommiſſion des Reichstags beſtimmte
nach Ablehnung des nationalliberalen Antrages, der den
Anſchluß des Kolonialgerichtshofes an das Reichsgericht
in Leipzig forderte, mit 14 gegen 7 Stimmen die Stadt
Hamburg als Sitz des Kolonialgerichts=
hofes
.
Die Wahlprüfungskommiſſion des Reichstags
erklärte die Wahl v. Halems (Rpt., 5. Marienwerder=
Schwetz) für ungültig.
Der Reichstagsabgeordnete von Liebert
(Rpt.), 14. Sachſen (Borna), legte ſein Mandat
nieder.
Im dritten Krupp=Prozeß verurteilte das Ge=
richt
die Zeugleutnants Schleuder und Hinſt zu je
6 Wochen verſchärftem Stubenarreſt, den
Feuerwerker Schmidt zu 4 Wochen gelindem
Arreſt und den Zeugleutnant Hoge zu 3 Wochen
verſchärftem Stübenarreſt. Der Angellagte
Pfeiffer wurde freigeſprochen.
Der griechiſche Miniſterpräſident Venizelos iſt am
Dienstag abend in London eingetroffen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.,

Zum Kampfe gegen den
amerikaniſchen Tabaktruſt.

** In neuerer Zeit wird gegen das weitere Ein=
dringen
des amerikaniſchen Tabaktruſts in Deutſchland
wieder eifriger mobil gemacht, da dieſer eine unſerer
blühendſten Induſtrien, die mehrere Hunderttauſend Per=
ſonen
beſchäftigt und namentlich auch für die Heimarbeit
von großer Bedeutung iſt, ernſtlich bedroht. Auf dieſe
Gefahr wurde auch in der Montagsſitzung des Reichstags
wieder hingewieſen. An Maßnahmen gegen den Truſt
hat es nicht gefehlt, und beſonders bemerkenswert war
eine Verfügung, wodurch in allen bayeriſchen Offizier=
kaſinos
und Kantinen amerikaniſche Fabrikate des Tabak=
truſts
künftig nicht geführt werden dürfen. Dieſes Ver=
bot
verdient Nachahmung, da es wenigſtens auf beſchränk=
tem
Gebiete dem Eindringen der Truſtfabrikate Einhalt
gebietet und auch für weitere Kreiſe vorbildlich wirken
kann. Die Beſtrebungen des amerikaniſchen Truſts, den
deutſchen Tabakmarkt zu erobern, ſind bekanntlich nicht
erſt jüngeren Datums, ſie reichen vielmehr ſchon über ein
Jahrzehnt zurück. Anfangs hatten die Amerikaner bei
uns wenig Erfolg, und ihr Liebesmühen, das ſich auf den
Erwerb angeſehener deutſcher Fabriken richtete, war ver=
geblich
. Die gut fundierten Fabriken dachten gar nicht
daran, in dem Truſt aufzugehen, und nur bei einzelnen
finanziell weniger günſtig ſtehenden Unternehmungen
konnte der Truſt Erfolg haben. Die deutſche Tabakindu=
ſtrie
fühlte ſich infolgedeſſen damals gar nicht ernſtlich
beunruhigt und hielt eine organiſierte Gegenwehr kaum
für nötig. Das iſt im Laufe der Zeit anders geworden,
und hauptſächlich unſere Zigaretteninduſtrie hat durch den
Truſt erheblich gelitten. Mehrere Schutzverbände ſind
deshalb gegründet worden, aber dieſe ſind noch nicht aus=
reichend
, und ein feſter Zuſammenſchluß ſämtlicher deut=
ſcher
Intereſſenten zu Abwehrverbänden erſcheint dringend
notwendig, zumal der Truſt nicht nur die Fabrikation,
ſondern auch den Detailhandel unter ſeine Herrſchaft zu
ziehen ſucht.
In letzter Zeit hat auch der deutſche Handelstag An=
ſtrengungen
gemacht, den Tabaktruſt abzuwehren, und es
iſt zu hoffen, daß ein ſyſtematiſches Vorgehen aller Inter=
eſſentenkreiſe
die drohende Gefahr abzuwenden vermag.
Vielfach iſt die Frage erörtert worden, ob es nicht zweck=
mäßig
wäre, auf reichsgeſetzlichem Wege dem Eindringen
ausländiſcher Truſts entgegenzutreten, um eine Beunruhi=
gung
der deutſchen Induſtrie zu verhindern. Wir neh=
men
an, daß die Möglichkeit eines geſetzlichen Vorgehens
innerhalb der Regierung erwogen wird, wenn es ſich als
unumgänglich herausſtellen ſollte.
Großes Aufſehen rufen in Dresden die Haus=
ſuchungen
herpor, die in über 20 der großen Dres=
dener
Z garettenfabriken mit einem Rieſenauf=
gebot
von Polizeibeamten vorgenommen wurden. Es
wurden vor allem Beamte herangezogen, die fremder
Sprachen kundig ſind. Sie wurden in einem beſonderen

Vortrag vom Unterſuchungsrichter Oberamtsrichter Güns=
burg
auf den Zweck der Durchſuchungen hingewieſen und
dabei beſonders feierlich an ihren Dienſteid erinnert. Bei
der bekannten zum Tabaktruſt gehörenden Firma Georg
A. Jasmatzi A.=G. wurden zum Beiſpiel ſämtliche Ein=
und Ausgänge beſetzt und niemand durfte ſeinen Platz
verlaſſen. Zahlreiche Briefſchaften wurden beſchlagnahmt.
Aber nicht nur bei der Firma Jasmatzi, ſondern auch bei
mehreren anderen Tabakfirmen ſind Hausſuchungen vor=
genommen
worden. Es handelt ſich um ein gerichtliches
Vorgehen gegen den amerikaniſchen Tabak=
truſt
, deſſen Verbindungen man offenbar aufdecken will.

Konferenz für die Sicherheit
auf dem Meere.

Die Schlußſitzung der Konferenzfür die
Sicherheit des Lebens auf dem Meere fand
am Dienstag in London ſtatt. Lord Merſey, der den Vor=
ſitz
führte, erklärte, daß der Wortlaut der von Groß=
britannien
, Deutſchland, Frankreich, den Vereinigten Staa=
ten
, Oeſterreich=Ungarn, Italien, Spanien, Schweden,
Norwegen, Holland, Belgien und Dänemark unterzeich=
neten
Konvention 74 Artikel enthalte und vor dem 15. Fe=
bruar
nicht veröffentlicht werden würde, um den Abord=
nungen
der die Konvention abſchließenden Staaten Zeit
zu geben, den Wortlaut ihren Regierungen mitzuteilen.
Lord Merſey gab ſodann einen allgemeinen Ueberblick
über die Hauptpunkte der Konvention.
Er erklärte, es ſei vorgeſehen, einen internationalen
Dienſt zu ſchaffen um den Eisgang im nord=
atlantiſchen
Ozean zu beobachten und dort treibende
Wracks zu zerſtören. Es ſei beabſichtigt, dieſen Dienſt
der Aufſicht der Vereinigten Staaten zu unterſtellen. Die
Konvention legt den Kapitänen aller Schiffe die Pflicht
auf, auf ſchnellſtem Wege alle gefährlichen Eisberge und
Wracks zu melden. Die Konvention nehme den inter=
nationalen
Signal=Code an. Ferner ſetzt die Konvention
nach den Erklärungen Merſeys eine Anzahl von Bau=
vorſchriften
feſt hinſichtlich der Schotten, der Dop=
pelböden
und des Steuerapparates, ſowie hinſichtlich der
Kontrolle der Schiffe in allem, was die Keſſel= und die
Maſchinenanlagen uſw. betrifft. Die Konvention unter=
ſcheidet
zwiſchen bereits vorhandenen und neu hinzukom=
menden
Schiffen. Zu den letzteren gehören alle Schiffe,
für welche der Kiel nach dem Zeitpunkt gelegt wird, an
dem die Konbention in Kraſt tritt. Die Bauvorſchriſten
gelten für alle neu hinzukommenden Schiffe, für die vor=
handenen
nur ſo weit, als es nach den Entſchlüſſen der
beteiligten Staaten für zweckmäßig gehalten wird. Die
Konvention ſieht ferner vor, daß alle Handelsſchiffe, die
ſich auf internationalen Reiſen oder auf Fahrten
nach Kolonien befinden, gleichviel ob ſie Paſſagiere
an Bord haben oder nicht, drahtloſe Telegraphie
führen müſſen, falls ſie 50 oder mehr Perſonen an Bord
haben. Auf ſchnellen Paſſagierſchiffen und auf Schiffen,
die bei ihren Fahrten mehr als 500 Meilen von Hafen zu
Hafen zurücklegen muß der drahtloſe Dienſt unausgeſetzt
in Vereitſchaft ſein. Weiterhin ſchreibt die Konvention
vor, daß die Schiffe eine genügende Anzahl von Rett=
tungsbooten
führen müſſen. um 75 Prozent aller an
Bord befindlichen Perſonen aufzunehmen und daß für
die verbleibenden 25 Prozent entweder Flöße oder wei=
tere
Retungsboote vorhanden ſein müſſen.
Rußland hat die Konvention nicht unter=
zeichnet
. Dem Vernehmen nach erwarten ſeine Dele=
gierten
Inſtruktionen von Petersburg. Lord Merſey be=
glückwünſchte
in der geſtrigen Schlußſitzung die Delegier=
ten
zu der von ihnen geleiſteten Arbeit. Handelsminiſter
Buxton tat das gleiche und dankte beſonders dem deut=
ſchen
Kaiſer für das beſondere Intereſſe, das er für die
Einberufung der Konferenz gezeigt habe.

Deutſches Reich.

Die Schaffung eines einheitlichen
Angeſtelltenrechtes wird ſeit längerer Zeit von
den Organiſationen der Privatbeamten und der kauf=
männiſchen
Angeſtellten erſtrebt. Es handelt ſich hierbei
darum, die im Bürgerlichen Geſetzbuch, im Handelsgeſetz=
buch
und in der Gewerbeordnung enthaltenen einſchlägi=
gen
Beſtimmungen zu einem eigenen Privatbeamtenrecht
zuſammenzuſaſſen und zugleich im Wege der Geſetzgebung
Feſtſetzungen über die Arbeitszeit und die Errichtung einer
beſonderen Standesvertretung zu treffen. Der gegen=
wärtige
Reichstag unterſtützt dieſe Forderungen. Bei
der Reichsregierung ſchweben, einer offiziöſen Korreſpon=
denz
zufolge, eingehende Erwägungen über eine Neurege=
lung
der Verhältniſſe der kaufmänniſchen und techniſchen
Angeſtellten. Bei der großen Bedeutung der Frage und
der Vielgeſtaltigkeit der Verhältniſſe handelt es ſich um
ſehr umfangreiche Vorarbeiten.
Die Veranlagung der Grundſtücke
zum Wehrbeitrag. Es ſind Zweifel darüber laut
geworden, welchen Einfluß die künftige Veranlagung zur

Beſitzſteuer ausübe, ob namentlich verſchiedene Werter=
mittelungen
des Grundſtücks nach dem Stande am 1. Ja=
nuar
1914 einmal zum Zwecke der Veranlagung des Wehr=
beitrags
und ferner zum Zwecke der für die Beſitzſteuer
maßgebenden Feſtſtellung des Vermögenswertes zuläſſig
ſeien In einer halbamtlichen Auslaſſung wird dieſe
Frage auf Grund eingehender Erwägungen verneint mit
dem Hinzufügen, daß dieſe Auslegung des Bundesrats,
da ſie von dem einen Faktor der Geſetzgebung herrührt,
als eine autoritative anerkannt werden muß. Sie wird
unzweifelhaft dem inneren Zuſammenhang zwiſchen Wehr=
beitragsgeſetz
und Beſitzſteuergeſetz wie dem Willen des
Geſetzgebers allein gerecht.
Gebühren für Zeugen und Sachver=
ſtändige
. Die Reichstagskommiſſion für die Gebühren=
ordnung
für Zeugen und Sachverſtändige beſchloß eine
Aenderung des Entwurfs dahin, daß der Zeuge für ſeine
Zeitverſäumnis nicht eine Entſchädigung von 10 Pfennig
bis zu 1 Mark, ſondern von 30 Pfennig bis zu 1,50 Mark
für jede angefangene Stunde erhalten ſoll. Die Regie=
rung
behielt ſich die Stellungnahme zu dieſem Beſchluß
noch vor.
Die Konſervativen und der Schutz
der Arbeitswilligen. Die bereits angekündigte
Entſchließung zum Schutze der Arbeitsfreiheit, die die
konſervative Reichstagsfraktion wiederum zur Beratung
des Haushalts des Innern eingebracht hat, iſt nunmehr
dem Reichstage zugegangen und hat folgenden Wortlaut:
Der Reichstag wolle beſchließen: den Herrn Reichskanzler
zu erſuchen, noch vor der in Ausſicht geſtellten allgemeinen
Reviſion des Reichsſtrafgeſetzbuches dem Reichstag einen
Geſetzentwurf vorzulegen, durch welchen ein wirkſamer ge=
ſetzlicher
Schutz gegen den zunehmenden Mißbrauch des
Koalitionsrechtes geſchaffen, dem immer ſchärfer ausge=
übten
Terrorismus gegenüber arbeitswilligen Arbeitern
entſchieden entgegengetreten, insbeſondere aber das Streik=
poſtenſtehen
verboten wird.
Genugtuung für Bayern. Wie in baye=
riſchen
Regierungskreiſen verlautet, wird im Reichstage,
und zwar von ſeiten des Reichskanzlers und des Kriegs=
miniſters
von Falkenhayn, zu den Angriffen auf die
bayeriſche Armee auf dem Berliner Preußentage Stellung
genommen werden. Durch Hervorhebung der Taten der
bayeriſchen Armee und der treuen Bundesfreundſchaft
will man Bayern eine gewiſſe Genugtuung geben.

Ausland,

Frankreich.
Zum Empfang auf der Pariſer deutp
ſchen Botſchaft. Die Pariſer Preſſe kommentiert
den Beſuch des Präſidenten Poincaré auf der deutſchen
Botſchaft nur ſehr ſpärlich. Die offiziellen Blätter zeigen
ganz offen das Beſtreben, die Angelegenheit als eine rein
private Sache zu betrachten, und bringen die Nachricht faſt
ſämtlich unter der Rubrik Aus der Geſellſchaft. Auch
die unabhängige Preſſe iſt durchaus nicht geneigt, dem
Beſuche politiſche Tragweite beizumeſſen, und begrüßt
den Beſuch als ein Zeichen des guten Einvernehmens, das
augenblicklich zwiſchen Deutſchland und Frankreich herrſcht.
Die nationaliſtiſchen Blätter natürlich ſind mit dieſem
Staatsſtreich Poincarés ſehr unzufrieden, und die Libre
Parole macht dazu verſchiedene unhöfliche Bemerkungen.
Staatsbegräbnis Piequarts. Die Familie
des Generals Picquart hat die dem Verſtorbenen zuge=
dachte
nationale Leichenfeier, entſprechend ſeinem letztwilli=
gen
Wunſche, abgelehnt. Der Miniſterpräſident und der
Kriegsminiſter werden dem Leichenbegängnis beiwohnen,
wobei lediglich die vorgeſchriebenen Ehrenbezeugungen
erfolgen ſollen.
England.
Das Dementi Churchills. Als der erſte Lord
der Admiralität Churchill ſein (geſtern mitgeteiltes. D. R.)
Dementi abgab, befand er ſich mit den anderen Mitglie=
dern
der Admiralität bei einer Beſprechung der Voran=
ſchläge
. Es wird für ſo gut wie ſicher gehalten, daß
Churchill die Erklärung nicht nur in ſeinem eigenen Na=
men
, ſondern auch im Namen des geſamten Admiralitäts=
rates
abgab. Was Lloyd George anbetrifft, ſo wird in
ſeinem Namen erklärt, daß er ganz gewiß nicht zurück=
treten
werde.
Portugal.
Der Senat hat den Antrag Torenas, die Re=
gierung
gemäß den Verfaſſungsbeſtimmungen zur Teil=
nahme
an den Senatsſitzungen aufzufordern, mit 33 ge=

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Seite 2.

Darmſtädrer Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1912.

Nummer 22.

gen eine Stimme angenommen. Die Miniſteriellen ent=
hielten
ſich der Abſtimmung.

Rußland.

Miniſterpräſident Venizelos wird am
28. ds. Mts. in Petersburg erwartet. Nach mehrtägigem
Aufenthalt wird er nach Wien und wahrſcheinlich auch nach
Bukareſt, Belgrad und Saloniki reiſen. Hier will ſich
Venizelos die Zuſtimmung Rußlands zu einem
neuen Balkanblock ſichern, deſſen Programm er dem ruſſi=
ſchen
Miniſterpräſidenten und dem Miniſter des Auswär=
tigen
eingehend mitteilen wird. Wie die Athener offiziöſe
Zeitung Ethnos meldet, wird ſich Venizelos nach ſeiner
Rückreiſe auch nach Konſtantinopel begeben, um dort alle
Schwierigkeiten in der griechiſch=türkiſchen Frage zu erle=
digen
. Angeblich will Venizelos verſuchen, in Berlin
eine Anleihe durchzuſetzen, da er in Paris in dieſer Hin=
ſicht
keinen Erfolg hatte.
Balkanſtaaten.
Albanien. Wie die halbamtliche Wiener Allge=
meine
Zeitung mitteilt, ſteht es nunmehr feſt, daß ſich der
Prinz zu Wied unter allen Umſtänden wahrſcheinlich im
Laufe dieſes Monats nach Albanien begeben werde. Die
Meldungen über ſchwere Unruhen in Albanien ſeien un=
richtig
. Richtig ſei, daß Eſſad Paſcha ſeinen Einfluß
vergrößern und ſowohl Elbaſſan als auch die Maliſſoren
für ſich gewinnen wolle. Tatſächlich ſcheine ſein Einfluß
im Steigen begriffen. Die Meldung der Agenzia Ste=
fani
über den Beginn der Räumung von Epirus durch
die griechiſchen Truppen werde von amtlicher griechiſcher
Stelle für ſalſch erklärt. Man glaube in Athen, der
Räumungstermin werde auf den 18. Januar alten, nicht
neuen Stils, verlegt werden.
Griechenland. Politiſche Kreiſe behaupten,
Premierminiſter Venizelos habe außer einer Anleihe von
500 Millionen, die in zwei Raten demnächſt in Paris
zur Auflage gelangen werde, noch das Verſprechen wei=
terer
300 Millionen erhalten, die gleichfalls noch im Laufe
dieſes Jahres ausgegeben würden.
Türkei. Der engliſche Botſchafter hatte eine
Unterredung mit dem Großweſir über die Inſelfrage.
Enver Paſcha hat für alle Fälle Befehl erteilt, daß ver=
ſchiedene
Jahrgänge ſich zur Mobiliſation bereit halten
ſollen. Trotzdem hofft man, daß die Großmächte der
Türkei gewiſſe Zugeſtändniſſe erwirken werden.
Vereinigte Staaten.
Präſident Wilſons Botſchaft. Der Prä=
ſident
erklärte gelegentlich der Verleſung der Botſchaft
im Kongreß, das Produktionsgeſchäft müſſe vom Trans=
portgeſchäft
getrennt werden. Er nimmt offenbar darauf
Bezug, daß die Eiſenbahnen, welche an ihren Linien lie=
gende
Kohlengruben und Oelquellen beſitzen, bisher den
unabhängigen Händlern gegenüber einen Vorteil genoſſen.
Dieſe Erklärung des Präſidenten rief lauten Beifall her=
vor
, ebenſo wie die andere, daß die Strafen nicht auf das
Geſchäft als ſolches, ſondern auf die Perſon fallen ſollten,
welche die ihnen durch das Geſchäft in die Hand gegebenen
Mittel dazu benutzen, jene Dinge zu tun, die vom Stand=
punkt
des öffentlichen Intereſſes und des ſoliden Ge=
ſchäftsgebarens
verurteilt werden. Wilſon wies auch auf
die Regulierung der Finanzierung der Eiſenbahnen hin,
was ebenfalls beifällig aufgenommen wurde.

* Die Zahl der Invaliden aus den Krie=
gen
vor 1870 iſt noch verhältnismäßig groß; ſie be=
trägt
3359, dazu kommen noch 190 Offiziere. Das durch=
ſchnittliche
Lebensalter dieſer Invaliden ſteht zwiſchen 67
und 76 Jahren. Die Zahl der Invaliden aus dem Kriege
von 1870/71 beträgt an Feldwebeln und Wachtmeiſtern
508, an Sergeanten und Unteroffizieren 2304 und an Ge=
freiten
und Gemeinen 19970, insgeſamt 22782, und an
Ofizieren 2115. Das durchſchnittliche Lebensalter ſteht
zwiſchen 68 und 74 Lebensjahren.

Zeitungsſchau.

Ueber die wirtſchaftliche Bedeutung des Wehrbeitrages
leſen wir in dem neueſten Heft der Zeitſchrift Recht und
Wirtſchaft (3. Jahrgang, Nr. 1, Carl Heymanns Verlag,
Berlin W. 8) eine im weſentlichen ungünſtige Beurteilung
eines hervorragenden Vertreters der national= ökonomi=
ſchen
Wiſſenſchaft. Studiendirektor Prof. Dr. Chriſtian
Eckert=Köln betrachtet die finanzwirtſchaftliche, die privat=
wirtſchaftliche
und die volkswirtſchaftliche Seite des
Wehrbeitrages und ſieht finanzwiſſenſchaftlich ein vorbild=
loſes
Experiment darin, deſſen Vorgänger man in den
Tagen der Huſſitengefahr und der Türkennot und in den
ganz anders gelagerten Verhältniſſen des griechiſch= römi=
ſchen
Altertums ſuchen muß und durch welches alle ſeit=
herigen
Grundſätze für die Finanzverteilung zwiſchen
Reich und Einzelſtaaten über den Hauſen geworfen wer=
den
. Privatwirtſchaftlich erblickt er in dieſer Zwangs=
entziehung
von Einkommen und Vermögen einen empfind=
lichen
Eingriff in die Produktion neben einer recht un=
gleichmäßigen
Belaſtung namentlich durch die unſyſtema=
tiſche
und auswahlweiſe Heranziehung von Erwerbs=
geſellſchaften
Beſonders aber in Rückſicht auf die Entwick=
lung
der Volkswirtſchaft kann er die Wirkungen des
Wehrbeitrages nur ungünſtig anſehen. Bricht nach Durch=
führung
der Wehrvorlage Krieg aus, ſo wird ſich der Mil=
liardenaufwand
gewiß auch bezahlt machen, bricht aber
kein Krieg aus, ſo iſt zwar die Vorausſage des Kom=
menden
nicht leicht, wohl aber wird eine ganz weſentliche
Verſchiebung in der Produktionsrichtung ſtatt inden, in=
ſofern
man ſich der meiſt unproduktiven und wirtſchaftlich
nutzloſen Herſtellung von Waffen, Feſtungswerken uſw.
wird widmen müſſen, während Arbeit und Kapital an=
deren
Zweigen wirtſchaftlicher und nutzbringender Be=
tätigung
entzogen werden. Der Verfaſſer legt im Ver=
laufe
ſeiner Ausführungen dar, daß die Beſchaf ung auf
dem Wege der Anleihe volkswirtſchaftlich vorteilhafter ge=
weſen
wäre, während jetzt der Wehrbeitrag u. a. auch
den Verſuch darſtelle, ſoziale Verſchieb ungen nach unten
hin durchzuführen und eine beginnende Sozialiſierung
großen Stils bedeute.

Deutſche Mode? Unter dieſer Ueberſchrift ſchreibt
Bernhard Siepen in der Deutſchen Handelskorreſpondenz
(Nürnberg): In einem ſeiner bekannten Bücher über
Deutſchland ſpricht der franzöſiſche Schriftſteller Huret von
dem unentwickelten Eigengeſchmack unſeres Volkes. Wie
wenig von einem ſolchen Geſchmack die Rede ſein könne,
erhelle am beſten daraus, daß wir weder in den niederen
Ständen eine Volkstracht, noch in den höheren eine deut=
ſche
Mode beſäßen, wohingegen ſich der Engländer wie
der Amerikaner, der Franzoſe wie der Italiener einer
dem Landesgeſchmack entſprechenden Bekleidung erfreu=
ten
, der Ruſſe zum mindeſten einer ausgeprägt ruſſiſchen
Volkstracht. Es iſt wahr, es gibt noch keine wirklich
deutſche Mode. Das erſcheint um ſo verwunderlicher, als
der Allgemeinſatz Hurets von unſerem unentwickelten
Eigengeſchmack falſch iſt. Wir haben heute ein ausge=
ſprochen
deutſches und dazu ausgeſprochen neuzeitliches
Kunſtgewerbe, dem die Franzoſen nichts auch nur ähn=
liches
an die Seite ſtellen können. Kunſtgewerblicher Na=
tur
ſind aber auch alle Modeſchöpfungen, die Erfindungs=
gabe
und Schönheitsſinn vereinigen. Es iſt alſo nicht ein=
zuſehen
, warum wir, deren Baukunſt, Plaſtik, Malerei
und Kunſtgewerbe ſich mit anderen Völkern getroſt ver=
gleichen
dürften, nicht auch eine deutſche Mode haben ſoll=
ten
. Daß wir trotzdem keine haben, das verſchuldet un=
ſere
Ausländerei. Wie Kommerzienrat Gautſch kürzlich
in einer Sitzung der Münchener Handelskammer mitteilte,
iſt es in Kaufmannskreiſen längſt bekannt, welch eine
Unſumme von Modeartikeln deutſchen Urſprungs, Stoffen
wie fertigen Arbeiten, unter dem Deckmantel eines fran=
zöſiſchen
Erzeugniſſes auf den Markt kommt, teilweiſe
auch ausgeführt und wieder eingeführt wird, bloß um
die Bezeichnung franzöſiſches Modeprodukt zu recht=
fertigen
. Und dabei habe gerade München ſchon bewieſen,
daß es in der Lage ſei, auf dem Gebiete der Mode eine
gewiſſe Selbſtändigkeit und Unabhängigkeit herbeizu=
führen‟
. Daß Münchener Modegeſchäfte von Münchener
Künſtlern entworfene Kleider mit Erfolg in Paris ver=
kauft
hätten, daß ſogar ein Pariſer Atelier die Vermitt=
lungsſtelle
des Münchener Bundes um die Namen der=
jenigen
Künſtler gebeten habe, die als Modezeichner= und
emaler nach Paris zu gehen gewillt ſeien das wiſſe
man in München recht wohl. Allerdings, wenn unſere
tonangebenden Kleiderhäuſer nicht den Mut fänden, ein
deutſches Kleid als deutſche Arbeit zu verkaufen, werde
auch keine deutſche Modedame den Mut finden, ein deut=
ſches
Kleid zu tragen. Nun, am Käufer wird es wohl
nicht weniger liegen wie am Verkäufer. Gewiß, der Ver=
käufer
kann durch geſchmackvolle deutſche Bezeichnung,

durch ſtändigen perſönlichen Hinweis auf die Ueberlegen=
heit
der deutſchen über die Fremdware viel erreichen, aber
ſolange nicht unſerem ganzen Volke, namentlich unſerer
Jugend, eingepflanzt wird der Stolz auf die deutſche Ar=
beit
und der Wille, ihr Ehrenſchild rein zu erhalten, ſo=
lange
iſt im Kern der Sache nichts getan. Erſt wenn
Käu er und Verkäufer zuſammenſtehen, dann wird unſer
eigenwüchſiger, erfindungsbegabter und fleißiger Kunſt=
gewerbler
die deutſche Mode ſchaffen, und zwar über
Nacht.
Veraltete Beſtimmungen. Die Poſt ſchreibt: Im
nationalen Intereſſe iſt ohne Zweifel zu wünſchen, daß
nicht nur die Elſäſſer und die anderen deutſchen Stämme
durch einen kürzeren oder längeren Aufenthalt in Preußen
norddeutſches Weſen kennen und ſchätzen lernen, ſondern
daß auch umgekehrt der Norddeutſche den Süden des Rei=
ches
beſucht, um den bayeriſchen und elſäſſiſchen Charakter=
eigentümlichkeiten
gerecht zu werden. Um ſo mehr muß
man bedauern, daß es noch immer bureaukratiſche Be=
ſtimmungen
gibt, welche der Verſchmelzung der deutſchen
Stämme im Wege ſtehen. So wurde uns kürzlich ein
bezeichnender Fall mitgeteilt. Die Tochter eines ange=
ſehenen
deutſchgeſinnten Pfarrers im Elſaß hat in Preu=
ßen
ihre Prüfung als Kindergärtnerin beſtanden und iſt
nunmehr in ihre Heimat zurückgekehrt. Es iſt ihr aber
unmöglich, im Elſaß eine Stellung zu erhalten; man weiſt
ſie überall darauf hin, daß ſie ia in Preußen ihre Prü=
ſung
gemacht habe und daß für Kindergärknerinnen noch
kein Austauſchvertrag beſtehe! Im Reichsintereſſe muß
dringend gewünſcht werden, daß ſolche veralteten Be=
ſtimmungen
, die das gegenſeitige Kennenlernen und Aſſi=
milieren
der deutſchen Stämme erſchweren, endlich aufge=
hoben
werden.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 22. Januar.
Vom ſtädtiſchen Leihamt.
* Am 1. April 1913 trat die neue Satzung vom
1. März 1913 an Stelle derjenigen vom 18. Auguſt 1900 in
Kraft. Die weſentlichſten Aenderungen ſind: 1. Bezeich=
nung
der Anſtalt: Leihamt (ſtatt Pfandhaus). 2. Ein=
führung
der Beſtimmung, daß neue, für den Handel be=
ſtimmte
Waren, ſowie ganze Warenpoſten (beſonders von
Auswärtigen) von der Verpfändung ausgeſchloſſen ſind,
um bei etwaiger Verſteigerung ſorcher Gegenſtände die
hieſigen Geſchäftsleute nicht zu ſchädigen. 3. Dauer der
Verpfändung: 1 Jahr, ſtatt ſeither ½ Jahr. 4. Erhebung
einer Verpackungsgebühr bei Verſendung ausgelöſter
Pfänder nach auswärts von 30 oder 50 Pfennig für jede
Sendung. 5. Erhebung einer Erneuerungsgebühr von
3 vom Hundert des Darlehnsbetrages gegen ſeither 2
oder 4 vom Hundert. 6. Abhaltung von jährlich 3 Pfän=
derverſteigerungen
(im Januar, Mai und September),
ſtatt ſeither nur deren 2 (im April und Oktober), wodurch
der früher kurz vor den Verſteigerungen eingetretene
außerordentliche Andrang des Publikums ſich vorausſicht=
lich
etwas ermäßigen wird.
Am Jahresſchluß waren 500 Pfänder mit rund 5000
Mark Darlehn mehr beliehen wie im Vorjahr. Durch=
ſchnittlich
kamen auf ein neu ausgeliehenes Pfand 8 Mark
Darlehn. Zur Verlängerung der Verſatzzeit wurden
eingereicht 4023 Pfandſcheine über 47393 Mark Darlehn.
An Verlängerungsgebühren ſind 1270,42 Mark zur Leih=
amtskaſſe
entrichtet worden.
Nach einem vorläufigen Abſchluß des Handbuchs für
1913 werden als Zuſchuß der Stadtkaſſe zur Leihamtskaſſe
rund 7000 Mark (wie im Voranſchlag vorgeſehen) erfor=
derlich
werden. Dieſer Zuſchuß findet ſeine Begründung
in der vom 1. Juli 1912 ab erfolgten Erhöhung der Ge=
halte
des Leihamts=Perſonals, hauptſächlich aber durch
Verrechnung von 2 Penſionen (2194 Mark), die früher
direkt aus der Stadtkaſſe gezahlt nunmehr in der Leih=
amtskaſſerechnung
zu verausgaben ſind. Ferner ſollen im
Jahre 1913 erſtmalig für Verzinſung von rund 110000
Mark des in Pfändern angelegten Darlehnsbetrags 4
Prozent Zinſen jährlich mit 4400 Mark an die Stadtkaſſe
gezahlt werden. Würden dieſe Poſten wie früher noch bei
der Stadtkaſſe zur Verrechnung kommen, dann wäre ein
Zuſchuß kaum nötig, da die ordentlichen Einnahmen etwa
die Betriebskoſten des Leihamtes gerade decken.
Auch im Jahre 1913 hat der Verſatz wieder etwas zu=
genommen
(500 Pfänder mit 5000 Mark Darlehn), wohl
eine Folge der Verteuerung der Lebensverhältniſſe Es
wurden verſetzt: im Rechnungsjahr 1883 9467 Pfänder
mit 65 568 Mk. Darlehn, im Rechnungsjahr 1890 12 451
Pfänder mit 70112 Mk. Darlehn, im Rechnungsjahr 1900

Ein Dante=Haus in Rom.

* Ueber eine zu Ehren des größten Sohnes Italiens
am ketzten Sonntag, den 18. Januar 1914 begangene Feier=
lichkeit
berichtet uns Profeſſor Dr. Ludwig, Rom,
nähere Einzelheiten.
Rom beginnt ſich nun doch in tatkräftiger Weiſe der
alten Ehrenſchuld zu erinnern, die es noch immer dem
großen Dichter abzutragen hat, der auch auf die Schöpf=
ungen
der Renaiſſance und ihre genialen Meiſter ſo
ſtarken Einfluß genommen und die Antike in den Dienſt
der ahnungsvoll dichteriſch erſchauten nationalen Idee
nahm. Um ſo mehr mußte es befremden, daß Rom den
großen Seher bisher ſo ſtiefmütterlich behandelt hat. Wo
man nicht müde wurde, allen berühmten und unberühmten
Patrioten und Heroen der Nation Büſten, Statuen, Denk=
mäler
und Bildniſſe zu errichten, hat man bislang für den
Gewaltigen, der in jedes Italieners Herz unſterblich
glorreich leben ſollte, nichts dergleichen zu ſchaffen ge=
wußt
. Die Piazza Dante in einem wenig beſuchten
Stadtviertel wird man doch nicht als eine würdige Er=
inerung
auffaſſen können, noch weniger die im Caſino
Maſſimi befindlichen Fresken aus der Göttlichen Komödie,
welche deutſcher Fleiß den Römern geſchaffen hat.
Dies hat man auch in Rom ſtets lebhaft empfunden,
und ſowohl die Regierung wie auch das inoffizielle kunſt=
freundliche
Italien und die zahlloſen Dante=Verehrer
fühlten den Mangel einer des Dichters würdigen Erinne=
rung
wie eine an der ewigen Stadt zehrende Krankheit.
Parlamentariſche Kommiſſionen ſtudierten bereits Pro=
jekte
, die jedoch durch die Meinung des darüber befragten
Gioſue Carducci wieder fallen gelaſſen wurden. Das
Giornale d’Italia hat nicht ſo unrecht, wenn es dieſe
Unterlaſſungsſünde Roms damit zu begründen ſucht, daß
ſich das Bild des großen Dichters in jedem wie das einer
Gottheit nach ſeinem beſonderen Bekenniniſſe ſpiegelt;
Mazzini ſah in ihm den Apoſtel der Einheit des Vater=
landes
, Carlyle den Propheten der Nation, Roſetti den
Inaugurator einer geheimen Genoſſenſchaft, L’Aroux den
ketzeriſchen Vorläufer der Reformation. . . . Und doch iſt

Dante einem jeden das geweſen, was jeder ſelbſt wünſchte,
indem er die gleichſam noch ſchlummernde Flamme in der
Seele jedem entfachte.
Der Italia=Platz in Traſtevere, auf welchem der
romantiſche, im 12. Jahrhundert von dem ſtolzen Ge=
ſchlechte
der Anguillara erbaute Turm Torre degli An=
guillara
mit ſeinem ſtreng mittelalterlichen Anblick
einſt Gregorovius zur Geſchichte Roms im Mittelalter be=
geiſternd
war am 18. Januar 1914 Zeuge, wie ſich Rom
ſeiner Pflicht gegen Dante Alighieri bewußt wird. Der hiſto=
riſche
Palazzetto Degli Anguillara mit ſeinen Zinnen und
Wappen, den altertümlichen Steinkreuzfenſtern, den drei=
bogigen
Kolonnaden und Marmorbrunnen im düſteren
Hofe ſoll zur ſtändigen Caſa di Dante werden. Wie die
dort Sonntag, den 18., begangene Feier in Erinne=
rung
brachte, iſt es einer Gruppe begeiſterter Verehrer des
Dichters gelungen, dieſes ſchöne, ſo recht ſtilvolle mittel=
alterliche
Heim für faſt ein Dezennium dem Dante=Kult
zu ſichern.
Die Pflege Dantes wird daſelbſt inauguriert von
einem Manne, der den Ruhm genießt, in ſich ſelbſt die
beſten Traditionen italieniſcher Kultur zu vereinigen:
Pasquale Villari. Fortgeführt werden ſoll das Werk von
Männern, die um das Dante=Studium hochverdient ſind:
Iſidore del Lungo, Corrado Ricci. Guido Mazzoni, E. G.
Parodi, Aleſſandro Chiapelli. Luigi Pietrobono, Luigi
Valli, Francesco Torraca, Guido Biagi und Ferdinando
Martim. Doch will man von ſeiten der Förderer dieſer
Dante=Studien nicht bei jener Form ſtehen bleiben, die
in Florenz und Orſanmichele entſtanden iſt und ſich in den
meiſten Städten Italiens verbreitet hat, was ſicher viel
zur beſſeren Kenntnis und Wertſchätzung des Dichters bei=
getragen
hat, vielmehr beabſichtigt die römiſche Gruppe
der Dante=Verehrer ohne Präjudiz der verdienſtvollen
offiziellen Dante=Geſellſchaft im Palazzo Anguillara ein
neues Inſtitut ſchaffen, das dem Bedürfnis vieler Stu=
dierender
praktiſch Rechnung tragen ſoll und von dem
man ſich erhofft, daß es wie ein Flammenherd zu neuer
nationaler Energie die Jugend befeuern ſoll als ein
Dante wahrhaft würdiges Werk der Erinnerung. Eine
Bibliothek zur Benützung aller Editionen des In= und

Auslandes, der Schriften, welche ſich auf die Dichtung be=
ziehen
, und die Erforſchung ſeines Lebens, Wirkens, ſeiner
Lebensanſchauung, ſeiner literariſchen und künſtleriſchen
Bildung uſw. zum Gegenſtande haben, ſerner auch aller
Quellen, aus denen der Dichter für ſein Werk geſchöpft
hat, ſoll geſchaffen werden. Damit ſoll ein Archiv ver=
bunden
ſein, in welchem ſich die Fakſimiles aller Doku=
mente
vorfinden, die ſonſt auf der ganzen Welt zerſtreut
ſind. Auch Illuſtrationen ſeines Werkes, eine vollſtän=
dige
ikonographiſche Sammlung, eine Kollektion von
Photographien, welche die künſtleriſchen Illuſtrationen der
Komödie reproduzieren das alles ſoll dort aufgeſtapelt
werden. Die Verwirklichung dieſes gewaltigen, des Dich=
ters
würdigen Planes, der auch Rom zur Zierde gereichen
würde, erhofft man ſich von der Beihilfe der akademiſchen
Geſellſchaften, der Vereine und Freunde der Kunſt, ſowie
der Kommune, die bereits ihre Sympathie in der Erwer=
bung
der Caſa di Dante für die Vorleſungszwecke be=
wieſen
hat. Ein reicher und ausgezeichneter Gelehrter,
der über eine große Dante=Bibliothek verfügt, hat dieſe
vorzügliche Sammlung ſchon dem Dante=Haus in Aus=
ſicht
geſtellt.
Man erwartet, daß dieſes edle Beiſpiel nicht ohne
Frucht bliebe, ſobald nur einmal die in der Oeffentlich=
keit
propagierte Idee weiteren Kreiſen bekannt geworden
wäre. Um ſo mehr, wenn man bedenkt, daß ein Shelley
und Keats in Rom ein gaſtliches Heim gefunden haben,
während Dante hier noch immer wie ein Exilierter behan=
delt
wurde, trotzdem er wie Piero Misciatelli, mit
ſeinen Zeitgenoſſen ins Gericht gehend hervorheben kann
den Ruhm der ewigen Stadt wie nicht leicht ein an=
derer
mehr erhoben hat, indem er ſie nennt: La Tapitake
che tutti li Italiani debbono amare fervidamentecome
principio di lor Civilta Für das 6. Zentenar ſeines
Todes wird Rom dann gerüſtet ſein, wie es der Stadt
und Dante geziemt. Mit der Konferenz Dante e IIta=
lia
die Sonntag, den 18. Januar, Pasquale Villari im
Palazzo del l'Anguillara hielt, iſt der Anfang für die
Vorbereitung zum Zentenar gemacht worden.

[ ][  ][ ]

Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Seite 3.

14644 Pfänder mit 131088 Mk. Darlehn, im Rechnungs=
jahr
1910 23 282 Pfänder mit 188 523 Mk. Darlehn, im
Kalenderjahr 1913 25000 Pfänder mit 198000 Mk. Dar=
lehn
. Der im vorigen Bericht erwähnte mit elektriſcher
Kraft betrielene Aufzug wurde im Jahre 1913 fertig ge=
ſtellt
. (Aus dem Bericht des Oberbürgermeiſters).

* Vom Hofe. Prinz Waldemar von Preußen
iſt Dienstag vormittag 10 Uhr 31 Min., Prinzeſſin
Friedrich Karl von Heſſen abends 6 Uhr 45 Min.
zum Beſuch im Neuen Palais eingetroffen. Um 8 Uhr
fand im Neuen Palais Thé dansant ſtatt, zu dem etwa
200 Einladungen ergangen waren. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihung. Gelegentlich des Ordens=
feſtes
wurde ferner dem erſten Vorſtand der Reichsbank=
ſtelle
Darmſtadt, Herrn Bankdirektor Offenberg, der
Kronen=Orden 3. Klaſſe verliehen.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Johannes Pflanz
in Holzheim, Kreis Gießen, die erledigte Lehrerſtelle an
der Volksſchule zu Atzenhain, Kreis Alsfeld; vem Schul=
amtsaſpiranten
Ernſt Bernhardt aus Rodheim a. d.
Bieber die erledigte Lehrerſtelle an der Volksſchule zu
Bernsfeld, Kreis Alsfeld; dem Schulamtsaſpiranten Gg.
Treuſch aus Brandau, Kreis Dieburg, eine Lehrerſtelle
an der Volksſchule zu Nieder=Erlenbach, Kreis Friedberg.
* Erledigt iſt die mit einem evangeliſchen Lehrer zu
beſetzende Lehrerſtelle zu Lauter. Mit der Stelle iſt
Organiſtendienſt verbunden.
g. Strafkammer II. Eine ſchwere Meſſer=
ſtecherei
, wie ſie ſich ſo oft in Offenbach abſpielen, bil=
dete
geſtern Gegenſtand der Verhandlung vor der Straf=
kammer
. Angeklagt war der 20jährige, noch unbeſtrafte
Schloſſer Ernſt Spamann von Ravensburg ( Württem=
berg
) wegen gefährlicher Körperverletzung.
Der Angeklagte, der ſeit 2 Jahren in Offenbach arbeitet,
kam am Abend des 9. Auguſt v. J. in die Müllerſche Wirt=
ſchaft
in der Waldſtraße, wo es zur Eröffnung Freibier
gab. Hier ſtörte er fortwährend durch Hineinreden die
humoriſtiſchen Vorträge, ſo daß er ſchließlich an die friſche
Luft geſetzt wurde. In der Wirtſchaft ſchon äußerte er zu
einem Gaſt: Heute kommſt Du noch ins Spital, und ich ins
Zuchthaus. Als der nichts ahnende Friſeur Heinrich Beuſt
ruhig das Lokal verließ, um nach Hauſe zu gehen, ſtach
ihn der auf der Straße wartende Angeklagte mit einem
feſtſtehenden Meſſer zuſammen. Der Schwerverletzte hatte
ſechs Stiche in den Kopf, ins Bein, Genick und Rücken er=
halten
und war drei Wochen im Spital. Er klagt jetzt noch
über Schmerzen. Der zufällig hinzugekommene Kriminal=
ſchutzmann
Boller riß den Spamann von ſeinem am Bo=
den
liegenden Opfer, auf das er immer noch einſtach,
empor und ſtellte ihn zur Rede. Statt der Antwort ver=
ſetzte
ihm Spamann einen Meſſerſtich in die Bruſt. Der
Schutzman hatte noch die Kraft, den Meſſerhelden zu ver=
folgen
und ihn mit dem Stock zuſammenzuſchlagen. Boller
trug als Folge des Stiches eine ſchwere Rippenfellentzünd=
ung
davon und iſt ebenfalls noch nicht völlig wiederher=
geſtellt
. Der Angeklagte gibt an, er ſei zuerſt geſtochen
worden, was jedoch von allen Zeugen in Abrede geſtellt
wird. Das Gericht verurteilt den Angeklagten nach dem
Antrage des Staatsanwalts zu 3 Jahren Gefäng=
nis
, abzüglich fünf Monaten der Unterſuchungshaft.
* 4prozentige Preußiſche Schatzanweiſungen. Zu
den offizellen Zeichnungsſtellen für die am 29. d. Mts.
ſtattfindende Subſkription auf nominal 350000000 Mark
4 proz. auslosbare Preußiſche Schatzanweiſungen von 1914
gehört auch die Reichsbankſtelle Darmſtadt.
* Zur Sonntagsruhe im Friſeurgewerbe wird uns
mitgeteit, daß die hieſige Friſeur=Innung in einer Ver=
ſammlung
beſchloſſen hat, ihre Ladengeſchäfte an
Sonntagen ſchon um ¾12 Uhr zu ſchließen. Dieſer Be=
ſchluß
iſt veranlaßt durch die Tatſache, daß infolge der
geſetzlichen Beſtimmungen, nach wecher die Weiter=
bedienung
der Kundſchaft über den Glockenſchlag 12 Uhr
hinaus verboten iſt, nicht nur vielfache empfindliche Be=
ſtrafungen
erfolgt, ſondern auch zum Teil recht unan=
genehme
Mißhelligkeiten mit dem Publikum zutage ge=
treten
ſind, die man mit dem ſchon ¼ Stunde vorher
erfolgenden Ladenſchluß zu beſeitigen hofft. (Siehe
Anzeige.)
Droſchkenanruf Luiſenplatz, Telephon=Nr. 1770. Die
ſtarke Inanſpruchnahme des Auto= und Pferdedroſchken=
Anrufs durch das Publikum ſpricht für die Zweckmäßigkeit
und Wohltat dieſer Einrichtung. Die Telephon=Nr. 1770
iſt leicht zu merken: Die Zahl iſt um 100 kleiner, als die
Jahreszahl des Krieges 1870. Im Intereſſe des tadel=
loſen
Funktionierens der Einrichtung tun alle Perſonen,
die Beſchwerden haben über mangelhafte telephoniſche
Verſtändigung mit den Kutſchern oder Unfreundlichkeiten
der Kutſcher, gut daran, die Beſchwerdevorfälle unverzüg=
lich
ſchriftlich oder mündlich dem Großh. Polizeiamt, =
gelſtraße
31/33, mitzuteilen.
* Vom Roten Kreuz. So wenig wie das Heer und
die Flotte darf die freiwillige Krankenpflege nachlaſſen in
der Sorgfalt der Vorbereitungen für einen Krieg; iſt ſie
doch berufen, unter dem Zeichen des Roten Kreuzes tätig

zu werden bei der Unterſtützung des militäriſchen Sani=
tätsdienſtes
ſowohl im Etappen= als auch im Heimats=
gebiet
. Hier in der Heimat braucht das Rote Kreuz eine
große Anzahl vm Helferinnen, d. h. von Damen,
die durch eine theoretiſche Ausbildung von etwa 20 Dop=
pelſtunden
und eine darauf folgende 46wöchige praktiſche
Tätigkeit in einem Krankenhaus ſich das Anrecht erwerben
auf Verwendung bei der Pflege der Verwundeten und
Kranken in den Lazaretten und bei den Verband= und Er=
friſchungsſtellen
. Der Heſſiſche Landesverein vom Roten
Kreuz hat einen beſonders großen Bedarf an Helferinnen
und richtet daher in Gemeinſchaft mit dem Alice= Frauen=
verein
auch jetzt wieder einen Aufruf zu Anmeld=
ungen
für den theoretiſchen Lehrgang an
die Damen von Darmſtadt und Umgegend. Der Anzeigen=
teil
dieſer Nummer enthält den Aufruf, den wir der Auf=
merkſamkeit
der Leſer und beſonders der Leſerinnen auf
das wärmſte empfehlen.
Darmſtädter Konferenz für evangeliſche Gemeinde=
arbeit
. Im Gemeindehauſe der Stadtgemeinde fand die
erſte zahlreich beſuchte Verſammlung der Gemeindekonfe=
renz
in dieſem Jahre ſtatt, in der Pfarrer Lic. Flöel von
Langen ſeinen Bericht über den vierten Gemeindetag zu
Dresden erſtattete. Sein Vortrag war mehr als ein bloßer
Bericht über die Vorgänge an jenem Gemeindetag, an
dem ſich ein Stück ſächſiſcher und deutſcher Kirchengeſchichte
abgeſpielt hat, ſondern es war zugleich eine Einführung
in die ernſten Gegenwartsfragen, die die Freunde der
Kirche heute bewegen, und er war getragen von Begeiſte=
rung
für das Ideal einer lebendigen Gemeinde, die nicht
allein genießen will, was ihr von dem Pfarrer gepredigt
wird, ſondern auch ſelbſt mitarbeitet an der Verwirklichung
der Worte des Evangeliums. Der Ertrag der Verſamm=
lung
war der einmütige Beſchluß, auch weiterhin die
Darmſtädter lokale Gemeindekonferenz auszubauen und zu
vertiefen, damit ſie an ihrem Teile etwas beitrage zur
Pflege des chriſtlichen Gemeindelebens.
* Sektion Darmſtadt, Deutſcher und Oeſterr. Alpenver=
ein
. In der erſten Monatsſitzung des Jahres ſprach Herr
Kapitän Kränzlin von Bremen über eine Fahrt nach
der Südküſte von England. Nachdem der Redner über die
Verkehrsſteigerung zwiſchen Deutſchland und England
berichtet hatte, ließ derſelbe die zahlreich erſchienene Ver=
ſammlung
im Geiſte eine achttägige Reiſe auf dem Rieſen=
dampfer
George Waſhington des Norddeutſchen Lloyds
nach dem Kanal miterleben, wobei vortreffliche Lichtbilder
die anſchauliche Schilderung aufs beſte unterſtützten. Nach=
dem
man während der Fahrt Gelegenheit hatte, die Ein=
richtungen
eines modernen Schnelldampfers bis ins Ein=
zelne
kennen zu lernen und ſich von der allen Anſprüchen
Rechnung tragenden Ausſtattung, ſowie von den Maß=
regeln
für die Sicherheit der Reiſenden auf dem deutſchen
Dampfer zu überzeugen, lernte man die landſchaftlich und
hiſtoriſch intereſſante Küſte Englands von Dover bis Kap
Lizzard kennen. Die prächtigen Bilder der Steilküſte, das
Badeleben in Brighton und auf der Inſel Wight mit dem
reich ausgeſtatteten Schloß Osborne, der Handelshafen
Southampton und die mächtige Flottenſtation Portsmouth
fanden eine eingehende Betrachtung; der Ausflüge in das
Küſtenland, z. B. zu den Stonehenges, wurde gedacht, und
ſchließlich lernte man auf der Rückfahrt auch noch den fran=
zöſiſchen
Hafen Cherbourg kennen. Der formvollendete
Vortrag erntete mit ſeinen vielfachen Anregungen lebhaften
Beifall bei den Zuhörern, woran der Vorſitzende der Sek=
tion
noch beſondere Dankesworte für den Redner und den
Norddeutſchen Lloyd in Bremen, der den Vortrag angeregt
hatte, anſchloß.
K Vogelsberger Höhenklub, Zweigverein Darmſtadt.
Dienstag abend hielt im dicht beſetzten Saale der Landes=
baugewerkſchule
hier das V. H. C.=Mitglied Herr K. Mei=
ſinger
einen hochintereſſanten Lichtbildervortrag über
die von ihm ſelbſt geſchauten erhabenen Schönheiten der
Alpen, wobei er eine lebendige Schilderung mehrerer grö=
ßerer
Touren in den Ortler=Alpen gab und herrliche Par=
tien
der Bergrieſen, ſowie wunderbare Ausblicke auf die
Gletſcherwelt in Wort und Bild den Erſchienenen vor
Augen führte. Reicher Beifall für den mit geſundem Hu=
mor
gewürzten Vortrag dankte dem Vortragenden für ſeine
vorzüglichen Leiſtungen.
* Krüppelfürſorge. Es ſei nochmals auf die heute
Donnerstag nachmittags 3 Uhr im Feierabend Stift=
ſtraße
51, ſtattfindende 18. Frauenkonferenz hingewieſen,
in der die Herren Dr. Wolf und Pfarrer Memmert
über Krüppelfürſorge ſprechen werden.
* Ortsgewerbeverein. Auf die heutige Anzeige des
Ortsgewerbevereins, betr. Vortrag, wird hierdurch
verwieſen.
* Zu dem Konzert Werner S. von Siemens mit der
Großh. Hofkapelle, das heute Donnerstag ſtattfin=
det
, haben, gleichwie die in Frage kommenden Vereine,
auch die Abonnenten der Hofmuſikkonzerte Preiser=
mäßigung
.
* Der Kavallerie=Verein Darmſtadt (Mitglied des
Haſſia=Verbandes) feiert Sonntag, den 25 d. Mts.,
im Schützenhof den Geburtstag Sr. Maj. des Deutſchen
Kaiſers. (Näheres ſ. Anz.)

* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Ein ungewöhnlich
reiches und feſſelndes, vielſeitiges Programm harrt, wie
jetzt ſchon feſtgeſtellt werden darf, der Beſucher der erſten
und vorausſichtlich einzigen großen Damen= und
Herren=Sitzung der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla,
die am Sonntag, den 1. Februar, im Städti=
ſchen
Saalbau ſtattfindet. Mit den anerkannt bewähr=
teſten
hieſigen Rednern werden die Karnevalgrößen von
Mainz auf den Plan treten und ſich gegenſeitig zu über=
bieten
trachten im Aufflammen der Geiſtesblitze, in Hu=
mor
, Satire und Witz. Die Kunſt wird in ganz hervor=
ragendem
Maße durch ein Künſtlerpaar vertreten ſein, das
zu den erklärten Lieblingen unſeres Theaterpublikums
zählt und allein ſchon den Beſuch der Veranſtaltung lohnen
würde. Ein reichhaltiges Liederbuch mit Beiträgen der
bekannten Darmſtädter Lokaldichter dient gemeinſamem
Geſange, und wenn ſchließlich noch die muſikaliſchen Lei=
ſtungen
der närriſchen Hofkapelle unter Obermuſikmeiſter
Hauskes Leitung und laſt not leaſt der Ball nach der Sitz=
ung
erwähnt werden, welch letzterer wieder die neueſten
Schöpfungen der Tanzmode bringen ſoll, ſo iſt ſicher nicht
zuviel geſagt, wenn konſtatiert wird, daß dieſe Sitzung
das Ereignis der Karnevalſaiſon 1914 werden wird, wie
die Sitzungen der Karnevalgeſellſchaft Narrhalla es ja ſeit
über 30 Jahren ſind. Wie immer wird eine beſchränkte
Anzahl numerierter Eintrittskarten ausge=
geben
werden, die im Vorverkauf im Verkehrsbureau zu
haben ſind. Es iſt ratſam, ſich möglichſt bald dieſer Kar=
ten
zu ſichern, denn es werden im ganzen nicht mehr Kar=
ten
ausgegeben, als Plätze vorhanden ſind, um einer un=
gemütlichen
Ueberfüllung vorzubeugen.
* Hotel Heß Man ſchreibt uns: Die geſtern im
Hotel Heß mit dem Kaffeekonzert verbundene Tango=
Reunion war wieder von vielen hundert Perſonen be=
ſucht
. Nachdem die Kapelle unter Leitung des Herrn
Kapellmeiſters Jakobs, als erſten Teil der Veranſtaltung,
eine Reihe ausgewählter Konzertſtücke zum Vortrag ge=
bracht
hatte konnte man mit Bewunderung wahrnehmen,
wie ſchnell ſich der berühmte Tango in unſeren Geſell=
ſchaftskreiſen
eingeführt hat. Auch andere moderne Tänze
wie Oneſtep Boſton und Maxixe wurden ge=
tanzt
und mit Beifall von dem mit großem Intereſſe zu=
ſehenden
Publikum beobachtet. Für nächſten Mittwoch
wird eine ähnliche Veranſtaltung getroffen werden
* Konzerte uſw. Café zur Oper. Infolge des
lebhaften Anklanges, den die Künſtler=Konzerte
im Café zur Oper während des vorjährigen Karnevals
gefunden haben, werden dieſe Konzerte bereits heute
Donnerstag wieder ihren Anfang nehmen. Sie be=
ginnen
abends 8 Uhr bei freiem Eintritt. (Näheres ſiehe
Anzeige.)

Kunſtrotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
Gertrud Leiſtikow.
Die Kunſt, einer Tänzerin, wie Gertrud Leiſtikow, ver=
langt
beinahe, daß man nicht ganz unvorbereitet an ſie
herantritt. Denn die Vorſtellungen von Tanz, die man
heute noch gemeinhin hat, können hier iere führen. Der
Tanz Gertrud Leiſtikows iſt große Kunſt, die uns mit
der Kraft eines mächtigen Ereigniſſes erſchüttert, entzückt
und erhebt, alſo nicht etwa ein bloßes reizendes Spiel für
das Auge, ſondern Geſtaltung aller menſchlichen Gefühle
von der größten Freude bis zum größten Schmerz. Ger=
trud
Leiſtikow tanzt keine Vergangenheiten, ſie gibt nicht
in hübſchen Bildern und Poſen Erinnerungen an frühere
Kulturen wieder, ſondern ſie ſchafft aus der Tiefe des
perſönlichen Erlebniſſes heraus, aber dieſe Erlebniſſe neh=
men
tückiſche Masken und Geſtalten an, ſie ſind in Koſtüm
und Gebärde ſo ſinnfällig, ſo überzeugend und allgemein
verſtändlich ausgedrückt, daß ſie jedem etwas zu ſagen
haben und für den empfindenden Zuſchauer unvergeßlich
ſind .
Ich möchte nicht der Kritik vorgreifen, ſondern nur in
das beſondere Wrſen dieſer großen Kunſt und dieſer
großen Künſtlerin ein wenig einführen. Gertrud Leiſti=
kow
hat die Natur einer heroiſchen Tragödin die von allen
Gegenſtänden des Daſeins, von Verhängnis und Tod,
von den feindlichen Mächten des Schickſals innerlichſt an=
gefaßt
wird. Nur befreit ſie ſich mit uns von dieſen
Gewalten nicht durch das geſprochene Wort, ſondern
allein durch das Mittel des rhythmiſch bewagen Körpers
und wir könnten uns denken daß ſo, wie ihr Tanz ent=
ſteht
, in Urzeiten der Menſchheit der Tanz überhaupt ent=
ſtanden
iſt, der Tanz als Kultus welcher das menſchliche
Verhältnis zum Ewigen unmittelbar mit dem Körper, der
nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen ſein ſoll, darſtellte,
als die Sprache noch längſt nicht zu ſolcher Darſtellung
fähig war. Auch der Tanz unſerer Künſtlerin hat etwas
Urtümliches, Elementares und die Schauer, die wir von
ihrem Vogel als Prophet oder ihrer langſamen Ma=
zurka
(Chopin, Opus 33 Nr. 4) empfinden, ſie ſcheinen
in der Tat bis in die älteſte Zeit zurückzureichen und ver=
künden
die Unterordnung, zu der die Menſchheit von Adam

Feuilleton,

C K. Was iſt die Mona Liſa wert? Der Florentiner
Kunſthändler Geri, durch den die Mona Liſa wieder=
gefunden
wurde, iſt mit dem Beſchluß der franzöſiſchen
Regierung, ihm für den geleiſteten großen Dienſt eine
Auszeichnung zu gewähren, unzufrieden. Er wünſcht die
ganze Angelegenheit nüchtern geſchäftlich behandelt zu
ſehen. Durch ihn hat Frankreich das verlorene Meiſter=
werk
wieder erhalten, er hat es gefunden und verlangt
gleichſam als Finderlohn den üblichen Prozentſatz vom
Werte des Fundobjektes, alſo 10 Prozent. In Paris hat
man dieſen Anſpruch des italieniſchen Kunſthändlers mit
ſehr geringer Begeiſterung aufgenommen, man hielt die
Angelegenheit durch die Verleihung einer Auszeichnung
für geordnet und weigert ſich einſtweilen, auf Geris An=
ſprüche
einzugehen. Trotzdem aber beginnt ſich die Oeffent=
lichkeit
mit der Frage zu beſchäftigen, welche Summe dem
Finder im Falle der Anerkennung ſeiner Forderung zuge=
ſprochen
werden müßte, und dies führt naturgemäß zu der
intereſſanten Frage: wie hoch iſt heute der Wert der Mona
Liſa zu bemeſſen? Welche Summe würde Lionardos
Meiſterwerk darſtellen, wenn das Bild heute rechtmäßig
auf dem Kunſtmarkt erſchiene? Ein Pariſer Blatt hat ſich
mit dieſer Frage an eine Reihe der bedeutendſten Pariſer
Kunſthändler gewandt und die Schätzungen dieſer mit den
Strömungen im Kunſthandel vertrauten Fachleute geben
ein intereſſantes Bild. Zuerſt äußerte ſich Kleinberger,
der als einer der größten franzöſiſchen Händler in alten
Bildern gelten muß und der erſt vor einiger Zeit in
Deutſchland die Sammlung de Ridder für einen Preis
von nahezu 10 Millionen Francs gekauft hat. Es iſt
außerordentlich ſchwierig, meinte der Kunſthändler, den

Marktwert eines ſo großen Meiſterwerkes, wie der Mona
Liſa abzuſchätzen. Vielleicht darf man ſich auf die Preiſe
ſtützen, die in letzter Zeit für Werke aus der gleichen
Epoche angelegt wurden. Für einen Raffael ſind 2 Mil=
lionen
Francs bezahlt worden, und für ein Bild aus der
Werkſtätte des Lionardo, eine Jungfrau mit dem Kinde,
hat die Petersburger Eremitage erſt ganz kürzlich 800000
Francs gezahlt. Man wird alſo, bei niedriger Schätzung,
annehmen dürfen, daß die Mona Liſa zu allermindeſt
1½Millionen Francs wert iſt. Durand=Ruel, der Doyen
der Pariſer Kunſthändler ſchätzt den Wert der Mona Liſa
noch höher ein: wenn ich das Bild für eine Verſteige=
rung
abzuſchätzen hätte, würde ich 2 Millionen fordern und
das mit der Ueberzeugung, Abnehmer zu finden, die einen
viel höheren Preis anlegen würden. Bei Georges Petit
glaubt man, daß der Weltruhm des Bildes ſeinen Markt=
wert
bedeutend ſteigern würde: Auf jeden Fall bin ich
überzeugt, daß die Mona Liſa für 56 Millionen leicht
zu verkaufen wäre. Bernheim jun, weiſt darauf hin,
daß die Londoner Nationalgalerie für ein ſehr ſchönes
Bild aus der Schule des Lionardo eine Million Francs
angelegt hat, die Mona Liſa könne alſo kaum hoch genug
eingeſchätzt werden. Marcel Bernheim aber erklärt:
Wenn ich eine Schätzung vornehmen müßte, würde ich,
geſtützt auf die gewaltige Wertſteigerung großer Kunſt=
werke
auf dem Markte die Mona Liſa auf 2½ Millionen
abſchätzen. Als Franz I. das berühmte Werk ankaufte,
brauchte er nur 12000 Livres anzulegen.
* Der Pomadekonſum des neuen China. Seitdem in
Europa bei den Männern die ſchön gelockten Haare und
die ſorglich über den Schädel hingeſtrichenen Haarwellen
außer Mode gekommen und durch die kurze Haartracht
oder die längeren ſchlichten Haare erſetzt ſind, iſt die Po=
made
faſt überſlüſſig geworden. Man benutzt zur Kopf=

waſchung allerlei Haarwaſſer, aber die Sitte, die Friſur
durch fetthaltige Subſtanzen zu unterſtützen, iſt verſchwun=
den
, zum Schmerz der Pomadefabrikanten, die ſich wohl
oder übel damit abfinden mußten, daß ihre mehr oder
minder duftenden Pomaden faſt gar keine Liebhaber mehr
finden. Allein eine Art Entſchädigung hat ihnen dafür
das Reich der Mitte gebracht. Die politiſche Umwälzung
in China füllt die Taſche der Pomadefabrikanten. Das
bweiſt die Statiſtik. Und in der Tat, ſeitdem die Chineſen
ſich den Zopf abſchneiden und europäiſche Haartracht er=
ſtreben
, ſind ſie die beſten Pomadenkonſumenten der Welt
geworden, denn die an den Zopf gewöhnten Haare ſind
beſonders rebelliſch, legen ſich ſchlecht und können nur
durch Pomade gebändigt werden. So erklärt es ſich auch,
daß nach der letzten Statiſtik der chineſiſchen Zollverwal=
tung
ſich die Pomadeeinfuhr in China während des erſten
Halbjahres 1912 auf ſage und ſchreibe 240000 Tonnen be=
laufen
hat! Das iſt ein Weltrekord. Selbſt wenn man
annimmt, daß die Geſamtbevölkerung von China rund
400 Millionen Menſchen umfaßt, entfallen danach immer
noch auf jeden Kopf der Bevölkerung monatlich 25 Gramm
Pomade. .
B.
* Gäſte als Kellner. Wie man aus Wien meldet,
traten in einem der vornehmſten und eleganteſten Kaffee=
häuſer
der Donauſtadt, im Café Adlon, am letzten Sonn=
tag
während des Five o’clocks die Kellner plötzlich in
den Ausſtand ſo daß das ganze Etabliſſement ohne
Bedienung war. Die anweſenden Gäſte, die meiſtens der
beſten Wiener Geſellſchaft angehörten, fanden jedoch un=
heimliches
Vergnügen daran, ſich die Speiſen ſelbſt aus
der Küche zu holen und der Geſchäftsführer erklärte, er
hätte beſſere Geſchäfte gemacht, wie an anderen Sonn=
tagen
.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

bis auf den heutigen Tag von den übermenſchlichen Ge=
walten
gezwungen wurde. In dem erſten dieſer beiden
Tänze iſt der ausgedrückte Schmerz zugleich die weltver=
lorene
Seligkeit, mit welcher man der inneren Stimme
lauſcht, und im zweiten zugleich bunte Harlekin=Laune,
welche die Harlekin=Melancholie freilich umſo ergreifender
ſteigert. Aber ſchon in der ſchnellen Mazurka im gleichen
Koſtüm getanzt löſt ſich alle Schwere in jener ganz ent=
ſtofflichten
Leichtigkeit auf, die wir in der Tanzkunſt meiſt
zu ſuchen gewohnt ſind. Oſt treibt ihr genialer Humor
ein draſtiſches und groteskes Spiel mit den Dingen, die
ihr und uns leicht eine feindliche Miene zeigen ſo in
dem köſtlichen Faun er flattert als lenzſeliger
Schmetterling, er wirbelt in trunkenen Walzern
und hüpft, ſchwebt und ſtampft in himmliſch fröhlichem
Landlerſchritt. Und wir erleben außerdem, daß uns die
Tänzerin als ein reifer, bewußter und höchſt kultivierter
Menſch unſerer Zeit aus dem Zuſtande der Angſt und
des blinden Gehorſams in ein Reich freier Menſchlichkeit
hinaufführt. Während wir noch glauben, daß ſolch pa=
thetiſche
Künſtlerin ihr tragiſches Erleben nur in den
äußerſten Gegenſätzen des Ekſtatiſchen einerſeits und des
Grotesken andererſeits überwindet, überraſcht ſie uns nur
um ſo mehr, daß ſie uns noch dies hohe Gut jenſeits ihrer
Ueberwindungen zeigt, dies höchſte überhaupt, dieſe ganz
reine, kindliche Freude, die nicht zu ſiegen braucht, weil
ſie längſt ſchon ſiegte, dieſen lieblichen Jubel, den wir ihr
vielleicht gar nicht zutrauten und der uns nun deſto mehr
entzückt.
Gertrud Leiſtikow hat auf ihrem Programm ihr
Beſtes vereinigt und gibt alſo ihre ganze erſtaunliche
Vielſeitigkeit. Und da das Auftreten dieſer ſeltenen
Künſtlerin, wie ich zu Anfang ſagte, ein ſeltenes und wirk=
liches
Ereignis iſt, muß es Sache des Publikums ſein, ein
folches Ereignis mit allem Danke würdig aufzunehmen.
Hans Brandenburg=München.
Heute abend 8 Uhr findet im Städtiſchen Saalbau
das Orcheſterkonzert Kammerſängerin Hedy Jra=
cema
=Brügelmann vom Hoftheater in Stuttgart, des
Dirigenten Werner F. von Siemens unter Mitwirkung
des Großh. Hoforcheſters Darmſtadt ſtatt Zur Auffüh=
rung
gelangen wie bereits mitgeteilt, außer Orcheſter=
geſängen
von Hermann W. von Waltershauſen, noch die
Ouvertüre zu Coriolan von Beethoven und die Vierte
Symphonie E-moll von Johannes Brahms. Verkauf der
Karten bei Hofmuſikalienhandlung Gg. Thies Nachf.,
Leopold Schutter, Eliſabethenſtraße 12, Telephon 815.
C Das Künſtlerpaar Lieſelott und
Conrad Berner gibt am Montag, den 26. d. M., im
Saale des Hotels Zur Traube einen Liederabend.
Die beiden Künſtler haben mit ihren einzigartigen Vor=
trägen
in über 100 Konzerten in Deutſchland und Oeſter=
reich
große Triumphe gefeiert. Ganz beſonderes Intereſſe
wurde ihnen in Hofkreiſen zuteil. Gelegentlich eines Kon=
zerts
vor J. H. der Prinzeſſin Reuß ließ ſich dieſe die
Künſtler vorſtellen und ſprach ihnen ihren begeiſterten Dank
aus. Sie ließ ſich die Inſtrumente zeigen und intereſſierte
ſich beſonders lebhaft für die Viola d’Amour. Conrad
Berner, ein Lieblingsſchüler Joachims, hatte bereits
in ſeiner Jugend große Erfolge; er hat als Paganini=
ſpieler
, beſonders aber als Viola=d’ Amour= Spie=
ler
, einen weitverbreiteten Namen. Die Viola
d’ Amour iſt eine Abart der Violenlyren oder Lauten=
gattung
und war noch vor ca. 100 Jahren das beliebteſte
aller Streichinſtrumente. Sie iſt nicht mit der Viola oder
Bratſche zu verwechſeln, welche mit der Violine eine
andere Abart der Violengattung darſtellt. Wegen der
leichteren Spielbarkeit zugunſten der Technik wurde die
Violine verbreiteter, mußte aber auf das volle Akkordſpiel
und den unerreichten Wohllaut der Violenarten verzichten.
Die ſieben Oberſaiten aus Darm, zum Teil beſponnen,
welche mit einem Bogen geſtrichen und mit den Fingern
gezupft werden, bringen 21 in drei Oktaven geſtimmte
Stahlſeiten unter dem Griffbrett zum Mitklingen. Da
nun ein Ton nicht nur die gleichen, ſondern auch die Ober=
und Untertöne miterregt, ſo entſtehen ſtatt einzelner Töne
ganze Klänge, was dem Inſtrument zuweilen etwas
Sphärenhaftes verleiht. Beſonders klangvoll ſind des=
halb
die Doppelgriffe, während die einzelne Melodie von
ſentimentaler, zarteſter Klangfarbe zuweilen wirkſam durch
volle Akkorde im Pizzikato unterſtützt wird. Dieſe Eigen=
ſchaft
hebt die Viola d’Amour über den Wert eines ein=
zelnen
Streichinſtruments weit hinaus. Von keinem an=
deren
Inſtrument wird auch die große Brillanz der Fla=
geolett
=Töne erreicht. Der ſüße, koloſſal ſchmelzreiche Ton
paßt ganz beſonders gut zum Geſang und zur Gitarre
oder Laute. Die Virtuoſen auf dieſem Inſtrument ſind in
Deutſchland ſelten. Herrn Berner ward des öfteren die
hohe Ehre zuteil, dieſes Inſtrument in Hofkreifen zu ſpie=
len
. Herr Berner darf ſich rühmen, dieſes ſchöne Inſtru=
ment
aus ſeinem Dornröschenſchlaf erweckt zu haben, und
da er dieſe ſchwierige Spielweiſe mit bewundernswerter
Leichtigkeit meiſtert, ſo verlangten die Zuhörer in allen

Fällen, von dem wunderbaren Wohllaut der Viola
d’Amour entzückt, ſtürmiſch Zugaben.

* Arheilgen, 21. Jan. (Im Silberkranz.)
Dienstag, den 27. Januar, feiert der Briefträger
Ph. Fornoff und ſeine Frau, geb. Vetter, das Feſt der
Silbernen Hochzeit; am gleichen Tage feiert auch der
Weichenſteller Karl Schön und ſeine Frau, geb. Andres,
das Feſt der Silbernen Hochzeit.
* Wixhauſen, 20. Jan. (Einen begeiſternden
Familienabend) veranſtaltete hier der evange=
liſche
Kirchengeſangverein. Im Mittelpunkt des feſtlichen
Abends der ſich einer ſehr ſtarken Beteiligung von ſeiten
der hieſigen Gemeinde erfreute ſtand die Aufführung des
bekannten, den Heldenſinn der Zeit der Erhebung Deutſch=
lands
1813 darſtellenden Volksſchauſpiels Aus großer
Zeit Mit großer Wärme und großem Geſchick geſpielt,
errang dies Schauſpiel einen ſtarken Erfolg. Durch einen
von ſchönen Deklamationen unterſtützten Vortrag über
Helden und Heldinnen aus Deutſchlands großer Zeit
vor 100 Jahren wurde dem Verſtändnis des Schauſpiels
der Weg bereitet. Patriotiſche Geſänge umrahmten die
feſtliche Veranſtaltung, erhebende Lieder des Kirchen=
geſangvereins
, deſſen Leitung in den Händen des Herrn
Heinrich Anthes von Arheilgen liegt, ſowie ſchöne Muſik=
vorträge
, (größtenteils von muſikaliſchen Kräften Ar=
heilgens
ausgeführt) vertieften die Wirkung des ge=
ſprochenen
Wortes. Die begeiſternden Klänge des Fa=
milienabends
werden wohl in vielen Herzen noch lange
nachklingen. Die Koſtüme, die dem Schauſpiel ſehr
weſentlich zu ſeinem nachhaltigen Eindruck verhalfen,
waren aus der leiſtungfähigen Koſtümverleihanſtalt des
Herrn Schlegel in Darmſtadt geliehen.
Offenbach, 21. Jan. (Der Main unter Eis.)
Der anhaltende Froſt hat bewirkt, daß der Main ſeit eini=
gen
Tagen ſtarkes Treibeis mit ſich führt. Die Schiffahrt
iſt infolgedeſſen gezwungen, vollſtändig zu feiern, und die
Schleuſe iſt, um dem Treibeis einen ungehinderten Ab=
zug
zu gewähren, hochgezogen. Die Vorausſicht, daß ſich
das Treibeis bei anhaltender ſtrenger Kälte feſtſetzen und
der Main dadurch eine Eisdecke erhalten werde, iſt bereits
eingetroffen. Unterhalb der Gerbermühle ſtauen ſich die
mächtigen Eisſchollen und der Froſt ſorgt für eine enge
Verbindung der einzelnen Schollen zu einer feſten Decke.
Infolgedeſſen iſt der Offenbacher Mainwaſſerpegel von
1,56 auf 1,86 Meter geſtiegen.
M. Stockſtadt a. Rh., 20. Jan. (Tödlicher Un=
fall
.) Der Landwirt Gg. Müller, der beim Pflügen
ſeines Ackers dadurch verunglückte, weil das Pferd vor
einem Schnellzug geſcheut und durchging, wobei dem
Bedauernswerten die Pflugſchar das ganze Bein aufriß,
iſt heute ſeinen Verletzungen erlegen. Seit geſtern hatte
ſich Wundſtarrkrampf eingeſtellt und der in den mittleren
Jahren ſtehende Mann war rettungslos verloren.
H. Lampertheim, 20. Jan. ( Schnakenvertilg=
ung
.) Die Gemeinde läßt zurzeit eine gründliche Ver=
tilgung
der Schnaken in den Gebäuden mittelſt Inſekti=
zid
vornehmen. Die Wirkung dieſes Vertilgungsmittels,
das mit eigens hierzu angeſchafften Spritzen an den
Kellerwänden ꝛc. verteilt wird, ſoll ganz verblüffend ſein.
Hoffentlich wird dadurch der auch hier ſchon lange als
recht läſtig empfundenen Schnakenplage einigermaßen ge=
ſteuert
.
Biſchofsheim. 21. Jan. (In der Gemeinde=
ratsſitzung
vom Tode überraſcht) wurde der
Gemeinderat M. Dammel II. Er erlitt während der
Verhandlung einen Schlaganfall, an deſſen Folgen er als=
bald
verſtarb.
Bingen, 21. Jan. (Ein ſchwerer Unfall) er=
eignete
ſich am Bau der neuen Rheinbrücke Bingen= Rüdes=
heim
. Dem am Bau auf der rechten Rheinſeite von der
Firma Holzmann beſchäftigten Zimmerparlier Conrad
fiel von einer Höhe von 3 Metern eine ſchwere Kette eines
Krans auf den Kopf. Er erlitt ſchwere Verletzungen am
Kopfe und wurde in bewußtloſem Zuſtande ins Kranken=
haus
zu Rüdesheim gebracht. ( Fahrkarten=
mangel
.) Eine eigenartige Erſcheinung hatte der ſtarke
Beſuch der auswärtigen Eisbahnen gezeitigt. In Gauls=
heim
war der Beſuch von Bingen aus ſo ſtark, daß die
Kartenausgabeſtelle dort für die Rückfahrt nach Bingen
nicht Fahrkarten genug hatte. (Gauner.) Schule ge=
macht
hat hier der Trick dem vor wenigen Tagen ein Pelz=
händler
zum Opfer fiel und wie gemeldet, um 300 Mark
beſchwindelt wurde. Zu einem anderen hieſigen Pelz=
händler
kam heute ein beſſer gekleidetes Mädchen und
ſuchte ſich eine Pelzgarnitur im Werte von 100 Mark aus.
Nach einiger Zeit gelang es der Schwindlerin habhaft zu
werden und zwar in dem Augenblick, als ſie das Trajekt=
boot
nach Rüdesheim benutzen wollte. Es war die Kell=
nerin
Brendel aus Mainz. (Raub.) Auf der Mainzer=
ſtraße
wurde hier eine 38jährige Dame von einem
unbekannten Manne überfallen und zu Boden

geriſſen. Als auf die Hilferufe der Ueberfallenen
Leute hinzukamen, floh der Täter unter Mitnahme des
Handtäſchchens der Ueberfallenen.
Vilbel, 21. Jan. (Ein bruch.) In der Nacht auf
Montag wurde in einem in unmittelbarer Nähe des Bahn=
hofs
Berkersheim gelegenen, dem Mechantker Bocher ge=
hörigen
Anweſen eingebrochen. Das Gehöft iſt mit einem
etwa 1,50 Meter hohen Drahtzaun umgeben. Der Draht=
zaun
war an einer Stelle mittels Drahtſchere durch=
ſchnitten
. Die Türen zum Hühner= und Entenſtall waren
erbrochen und Hühner und Enten im ungefähren Werte von
300 Mark geſtohlen. Die Täter ſind noch nicht ermittelt.
Ein an Ort und Stelle geſchaffter Polizeihund nahm die
Spur auf und verfolgte ſie bis kurz vor Harheim.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 20. Jan. Der Beitrag, den
der Berliner Magiſtrat für die Olympiade
bewilligen will, ſoll 50000 Mark betragen. An der Zu=
ſtimmung
der Stadtverordneten iſt nicht zu zweifeln. Der
Zuſchuß iſt an keine Bedingung geknüpft. Oberbürger=
meiſter
Wermuth erklärte beim geſtrigen Empfang einer
Abordnung von Arbeitsloſen, es ſei in Ausſicht genom=
men
, für neun Millionen Mark Bauarbei=
ten
, die ſpäter ausgeführt werden ſollten, ſchon in der
nächſten Zeit in Angriff zu nehmen. Es werde ſtreng
darauf gehalten, daß alle Arbeiten, welche die Stadt zu
vergeben habe, von Berliner Arbeitern und Handwerkern
ausgeführt werden.
21. Jan. Ueber 200000 Zigaretten wurden
heute nacht aus einer Zigarettenfabrik in der Auguſtaſtraße
durch Einbrecher erbeutet.
Frankfurt, 21. Jan. (Der Main iſt zugefro=
ren
!) Nachdem ſich bereits Montag nachmittag das Eis
bei Koſtheim geſtellt hatte, verſuchte man dort vergebens,
durch Sprengungen das Eis wieder flott zu machen.
Geſtern abend ſtand die Eisdecke der ineinandergeſcho=
benen
Schollen bereits bis zum Oſthafen. Das Feſtſtellen
des Eiſes hatte ein Steigen des Waſſerſpiegels, geſtern
nachmittag bereits 1,07 Meter über Stauhöhe, zur Folge.
Frankfurt, 21. Jan. (Der Giftmörder Hopf)
hat geſtern nach einer Unterredung mit ſeinem Verteidiger,
Rechtsanwalt Dr. Sinzheimer, vorläufig auf eine Be=
rufung
gegen ſein Todesurteil verzichtet. Die end=
gültige
Friſt läuft am Samstag ab.
Metz, 21. Jan. (30 Mark für Wackes.) Der
verantwortliche Redakteur Karſten der Leipziger Neueſten
Nachrichten wurde in einer Privatklage des früheren
Vorſitzenden des Souvenir Alſacien=Lorrain. Jean,
vom Schöffengericht zu 30 Mark Geldſtrafe und Urteils=
publikation
in ſeinem Blatte verurteilt, weil in einer Pa=
riſer
Korreſpondenz des Blattes mit deutlicher Anſpielung
auf den Privatkläger der Ausdruck Wackes ge=
b
.raucht worden war.
Duisburg, 21. Jan. (Feuer.) Geſtern abend 9 Uhr
brach bei der Speditionsfirma M. Zietzſchmann am
Parallelhafen infolge Kurzſchluſſes Feuer aus, das erſt
heute früh gelöſcht werden konnte. Fünf große Schuppen
mit Lagergütern, beſtehend aus Zelluloſe, Mehl. Zei=
tungspapier
, Mineralöl und Holz, ſind verbrannt. Der
Schaden, der auf 300000 Mark geſchätzt wird, iſt durch
Verſicherungen gedeckt. Da zwei Schuppen unverſehrt
blieben, wird der Betrieb der Firma nicht geſtört.
Hannover, 21. Jan. (Verſchwundenes Kind.)
Der Regierungspräſident ſetzte eine hohe Belohnung
aus für die Wiederauffindung der fünfjährigen
Tochter des Arbeiters Wildhagen. Es wird angenom=
men
, daß das Kind einem Verbrechen zum Opfer fiel.
Die Laubengärten Hannovers wurden von 300 Soldaten
mit Polizeihunden abgeſucht. Es wurde keine Spur von
dem Kinde geſunden.
Celle, 20. Jan. (Beſuch des Königlichen
Schloſſes durch das Kaiſerpaar.) Das König=
liche
Schloß in Celle erfährt gegenwärtig einen umfang=
reichen
Erweiterungs= und Umbau und wird neu aus=
möbliert
. Als der Kaiſer am 14. Juni v. J. mit der Kai=
ſerin
in Celle weilte und das Schloß beſichtigte, wartete
ſeiner eine unliebſame Ueberraſchung: Das Mobiliar
war bis auf wenige Stücke nach und nach in andere =
nigliche
Schlöſſer transportiert worden, ſo daß ſich das
Celler Schloß mit ſeinen 80 Räumen dem Kaiſerpaar
faſt leer präſentierte. Das war dem Kaiſer ſehr peinlich,
zumal ſich in dem Schloß auch das Geburtszimmer der
Ahnherrin des Kaiſers und des Herzogs von Braun=
ſchweig
, der Prinzeſſin von Ahlden, befindet. Der Kaiſer
ordnete daraufhin ſofort eine Umgeſtaltung und eine
Möblierung des Schloſſes an, wobei er in Ausſicht ſtellte,
daß er im Sommer 1914 in Begleitung der Kaiſerin und
des braunſchweigiſchen Herzogspaares das Schloß wieder
beſuchen werde. Dem Vernehmen nach ſoll das Schloß
auch einem der Königlichen Prinzen zu gelegentlichem Auf=
enthalt
dienen.
Bromberg, 21. Jan. (Im Alter von 108 Jah=
ren
) ſtarb die Lehrerswitwe Henriette Kriſt.

Naturwiſſenſchaftlicher Verein
zu Darmſtadt.

289. Sitzung am 19. Januar 1914.
Der Vorſitzende, Profeſſor Dr. Liſt, erſtattete zunächſt
den Jahresbericht. Es fanden 7 wiſſenſchaftliche Sitzun=
gen
ſtatt, die durchſchnittlich von 71 Perſonen beſucht
waren. An den Vorträgen und Mitteilungen beteiligten
ſich 12 Herren. Die Zahl der Mitglieder betrug am 1. Ja=
nuar
1914 395. Nach dem Kaſſenbericht, den Privatdozent
Dr. D’Ans erſtattete, betrugen die Einnahmen 450,28
Mark, die Ausgaben 430,86 Mark, das Vermögen des Ver=
eins
966,02 Mark. Auf Vorſchlag von Lehrer Jung
wurde der ſeitherige Vorſtand einſtimmig wieder=
gewählt
.
Dr. L. Nick ſprach über Leuchtende Tiere‟.
Eine der ſeltſamſten und auffallendſten Erſcheinungen, die
ſeit alter Zeit die Aufmerkſamkeit der Naturforſcher und
Laien in gleichem Maße auf ſich gezogen hat, ſind die
Lichterſcheinungen, die von tieriſchen und auch von pflanz=
lichen
Organismen ausgehen. Wohl jeder hat einmal in
warmer Juninacht das Spiel der Glühwürmchen am
Waldrand geſehen, viele Gelegenheit gehabt, das glän=
zende
Phänomen eines Meerleuchtens zu beobachten. Wäh=
kend
leuchtende Tiere auf dem Lande nur in verhältnis=
mäßig
geringer Artenzahl bekannt ſind, bilden Organis=
men
mit Leuchtvermögen einen ſehr beträchtlichen Teil
der marinen Fauna. Da treten vor allem leuchtende Ein=
zeller
in ungeheuren Maſſen auf, ſo die bekannte Nocti=
luca
, ein kleines Bläschen von faſt 1 Millimeter Durch=
meſſor
, die Urſache des Meerleuchtens der Nordſee im
Spätſommer, und dann die Peridineen, überall verbreitet
und in den europäiſchen Meeren, namentlich im Mittel=
meer
, eine Haupturſache jener Erſcheinung. Auch Leucht=

bakterien können das Meer in ſelteneren Fällen weithin
in gleichmäßig milchigem Glanze erſtrahlen laſſen, wäh=
rend
man bei jenen anderen ein ſtändiges Glitzern und
Funkeln im bewegten Waſſer wahrnimmt. Eine andere,
namentlich aus warmen Meeren, beſchriebene Form der
Phosphoreszens iſt das Auftreten feuriger Kugeln und
Zapfen im Waſſer: es ſind verſchiedene Quallen, Rippen=
quallen
, Salpen und vor allem eine koloniebildende Asci=
die
, die Feuerwalze Pyroſoma, die alle anderen an Inten=
ſität
des Lichtes hinter ſich läßt. Der Größe nach einen
Uebergang zwiſchen dieſen und den Einzellern bilden die
zahlloſen leuchtenden Krebſe aus den verſchiedenen Grup=
pen
, die in ungeheuren Mengen auftreten können. Alle
dieſe Formen, die das Meerleuchten im engeren Sinne
hervorrufen, ſind Lebeweſen, die in den oberſten Schich=
ten
des freien Waſſers ſchweben. Sie ſind jedoch nur ein
Bruchteil der leuchtenden Lebewelt des Meeres. Schon
in der Küſtenregion trifft man am Boden auf leuchtende
Alcyonarien, Federkorallen, Korallen, Würmer, See= und
Schlangenſterne, Mollusken und Fiſche. Wenn die Netze
Material aus großen Tiefen heraufholen, dann handelt es
ſich in der Fauna der lichtloſen Tiefſee nicht mehr um
einzelne leuchtende Formen, ſondern die überwiegende
Mehrzahl vermag zu leuchten. Leuchtende Tiefſeekorallen
haben enthuſiaſtiſche Schilderungen hervorgerufen, durch
die Fänge der deutſchen Tiefſee=Expedition 1898/99 iſt ein
ungeahnter Reichtum an Tiefſeefiſchen mit den ſonderbar=
ſten
und verſchiedenſt konſtruierten Leuchtorganen bekannt
geworden. In unſerer Landfauna ſind die verbreitet=
ſten
leuchtenden Tiere die erwähnten Leuchtkäfer; ſüdliche
und tropiſche Vertreter dieſer und anderer Familien laſſen
ihr Licht noch viel heller leuchten, wie die berühmten
Cucujos der braſilianiſchen Urwälder. Aber auch bei an=
deren
Inſektenordnungen wurde Leuchten beobachtet,
ebenſo bei Tauſendfüßen und Regenwürmern unſerer
Fauna. Jedoch wird bei verſchiedenen Fliegen und auch
bei Tauſendfüßen die Erſcheinung auf eine Infektion mit

leuchtenden Bakterien oder Pilzen zurückzuführen ſein.
Nur auf Leuchtbakterien beruht der Schein, der von toten
Seefiſchen ausgeht, ſowie gelegentlich von menſchlichen
Leichen, von Fleiſch und von allerhand Nahrungsmitteln.
Bei den niederſten einzelligen Lebeweſen, die Leucht=
kraft
beſitzen, iſt dieſe Fähigkeit dem ganzen Plasma
eigen. Ein leuchtendes Bakterium erſtrahlt vollſtändig in
gleichmäßig mildem Licht, eine Noctiluca läßt überall in
ihrem maſchigen Plasma, bald hier, bald dort, leuchtende
Punkte aufblitzen. Bei den höheren wird die Leuchtfähig=
keit
an irgend welchen Stellen des Körpers lokaliſiert; bei
Quallen, Rippenquallen, Würmern und Salpen iſt oft der
Bereich der Geſchlechtsdrüſe, eine Stelle lebhaften Stoff=
umſatzes
, auch der Sitz des Leuchtens. Außerordentlich
häufig ſind es Hautzellen, die ſich zu Flecken und Streifen
zuſammengruppieren können und ſchließlich Drüſencharak=
ter
annehmen. Es iſt dies z. B. der Fall bei Krebſen,
Würmern, Mollusken, Tauſendfüßen. Man findet hier alle
Uebergänge von einem Zuſtande, wo nur einzelne Zellen
intrazellular leuchten, bis zur Ausſcheidung von Sekreten
aus Hautdrüſen, die auch außerhalb des Körpers leuchten
können. Schließlich reſultieren große, von demEpithel
aus gebildete Leuchtdrüſen mit langem Ausführgang, die
bei manchen Fiſchen ganze Wolken leuchtender Säfte lie=
fern
können. Bei den lichtproduzierenden Tiefſeefiſchen
trifft man dann auf Bindeglieder zwiſchen ſolchen offe=
nen
Drüſen und geſchloſſenen Leuchtkörpern, die nicht mehr
die Fähigkeit haben. Sekrete zu bilden, und ſchließlich zu
hrchkomplizierten Organen mit Nebenapparaten, wie
Reflektoren, Blenden, Sammellinſen, beſondere Muskula=
tur
uſw. Da dieſe in ganz verſchiedenen Familien in ähn=
licher
Form auftreten, ſo haben wir in ihrer Ausgeſtaltung
einen ſehr klaren Fall der Konvergenz, der gleichgerichte=
ten
Anpaſſung an gleiche Lebensbedingungen. Bei Tin=
tenfiſchen
der Tiefſee iſt die Organiſationshöhe und Diffe=
renzierung
der Leuchtorgane zu außerordentlicher Höhe
gediehen. Thaumatolampas beſitzt 22 zum Teil prächtige

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Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Seite 5.

Madrid, 21. Jan. (Infolge der anhaltenden
Winterſtrenge) macht die Stadt den Eindruck einer
belagerten Feſtung Allenthalben ſieht man verlaſſene
Fuhrwerke, deren Zugtiere nach einem Fall oder Knochen=
bruch
getötet werden mußten. Die Lebensmittel werden
immer ſpärlicher. Die Preiſe ſteigen enorm. Die Theater
ſind geſchloſſen.
Kopenhagen, 21. Jan. (Brand einer Kirche.)
Die Methodiſtenkirche in Rigensgade iſt durch
eine Feuersbrunſt vollſtändig zerſtört worden. Der Brand
entſtand um 2 Uhr nachts in den Anlagen der Wärme=
leitung
, breitete ſich über die ganze Kirche aus und hüllte
bald das ganze Gebäude mit dem Turm in ein Flammen=
meer
. Um 3 Uhr ſtürzte das Dach in das Innere der
Kirche; um 4 Uhr ſtürzte der Turm mit lautem Getöſe
in das Flammenmeer. 28 Kinder, die ſich in dem in der
Kirche untergebrachten Kinderheim befanden, wurden ge=
rettet
. Die Kopenhagener Feuerwehr mußte ſich darauf
beſchränken, das nahe Marinedepot zu ſchützen, in dem
durch die große Hitze einige Tuchballen in Brand gerieten.
Es gelang, den Brand dort ſofort im Keime zu erſticken.

Parlamentariſches.

St. Der Finanzausſchuß ſetzte die Beratung des Haupt=
voranſchlages
geſtern bei Kapitel 12 fort und erörterte zu=
nächſt
die erhöhten Einnahmen aus den Steuern, die in
Höhe von 900000 Mark vorgeſehen ſind. Dieſe erhebliche
Steigerung gegenüber den früheren Jahren läßt ſich nur
durch die Deklaration bei der Gemeindeſteuer und durch die
Ergebniſſe beſonders günſtiger Art der letzten zwei bis drei
Jahre erklären. Bezüglich des Wehrbeitrages und der
Wirkung des Generalpardons wird noch die Feſtſtellung
der Regierung zu erwarten ſein, wenn die Deklarationen
vorliegen. Auch hier wird insbeſondere durch die Ver=
mögensſteuer
eine erhebliche Zunahme für die Zukunft er=
wartet
. Der Ausſchuß ging mit der Regierung einig, daß
für die folgenden Jahre an Strafen für Steuerdelikte
50000 Mark weniger einzuſetzen ſeien, da eine Beſtrafung
jetzt weniger erbringen wird, wenn der Generalpardon
ſeine Wirkung äußert. Die Gemeindeſteuerveranlagung
habe im Jahre 1913 100000 Mark mehr Ausgaben erfor=
dert
; die Regierung wolle jetzt für 1914 85000 Mark für
die rückſtändigen Arbeiten bei dem Gemeindeumlagengeſetz
und für die Veranlagungskoſten des Wehrbeitrages, welche
von den einzelnen Staaten zu tragen ſind, einſtellen.
Die Schreibhilfekoſten (245000 Mark) für dieſes
Reſſort ſind mit 13000 Mark höher vorgeſehen. Eine vor=
liegende
Petition der Schreibgehilfen um Erhöhung ihrer
Gehälter ſoll der Regierung zunächſt zur Aeußerung zu=
gehen
und dann mit ihr beſprochen werden. Kapitel 13:
Landſtände. Hier wurde angefragt, ob die von der
Regierung zugeſagte Erhöhung der Diäten für die Abge=
ordneten
jetzt feſtere Geſtaltung gewonnen hätte; worüber
bei der Regierung Erkundigung eingezogen werden ſoll.
Keine Beanſtandung fanden die Kapitel 14: Staats=
miniſterium
, 15: Auswärtige und Bundesverhältniſſe, 16:
Kabinettsdirektion, 17: Oberrechnungskammer, bei der eine
Weniger=Einnahme von 25000 Mark veranſchlagt iſt, da
die Gebühren für die Prüfung der Gemeinderechnungen
durch Vereinfachung im Rechnungsweſen ſich um dieſen
Betrag vermindert hat. Kapitel 18: Verwaltungsgerichts=
hof
, fordert für einen Bureauvorſtand 4600 Mark. Mit
Rückſicht auf die durch die Geſetze feſtgelegte Erweiterung
der Tätigkeit des Oberverwaltungsgerichtshofes wurde
dieſe Forderung, wie auch weitere kleine Forderungen des
Verwaltungsgerichtshofes bewilligt. Kapitel 19: Haus=
und Staatsarchiv, 20: Rheinſchiffahrt, 21: Sterbequartale,
22: Porto=, Telegraphen= und Fernſprechgebühren im Ge=
ſchäftsbereich
des Staatsminiſteriums, wurden nach der
Vorlage der Regierung bewilligt. Kapitel 23: Miniſterium
des Innern. Das Verlangen nach einer weiteren Stelle
eines vortragenden Rates im Schulminiſterium ſoll mit
der Regierung zunächſt beſprochen werden. Von den all=
gemeinen
Koſten für Vertretung und Aushilfe werden 4500
Mark Mehrforderung geſtrichen. Regierungs= und
Reichsgeſetzblatt. Die Erhöhung der Koſten für
das Regierungsblatt wurde beanſtandet und dabei die
Frage erörtert, ob ſtaatsrechtlich dem Staatsverlag eine
geſonderte Stellung, unabhängig von der Kontrolle der
landſtändiſchen Vertretung, eingeräumt werden könne.
Auch hierüber ſind noch Verhandlungen mit der Regierung
erforderlich.
Kapitel 28: Zentralbauweſen. Hier beantragte
der Ausſchuß Strich der Vorforderung von 3000 Mark für
die laufende Unterhaltung der Bauten im Gebiet des Mi=
niſteriums
des Innern. Neubauten und größere Herſtel=
lungen
wurden vorbehältlich der Beſichtigung durch die
Referenten, Büchergeſtelle für die Univerſitätsbibliothek,
Erweiterung der Räume und Einrichtungen des Hochſpan=
nungslaboratoriums
der Techniſchen Hochſchule, Neubau=
ten
im Botaniſchen Garten bewilligt. Ebenſo die Ein=
führung
der Zentralheizung in der Turnhalle und im

Hauptgebäude des Gymnaſiums zu Büdingen. Ferner die
Anforderung der zweiten Rate für das Philippshoſpital
und die Pflegeanſtalt in Heppenheim in Höhe von 38000
Mark. Das Regierungsgebäude in Mainz ſoll bei Ge=
legenheit
der Reiſe zur Beſichtigung der Heilanſtalt in
Alzey ebenfalls beſichtigt werden.
Kapitel 30: Provinzialdirektionen und Kreisämter,
31: Gendarmerie, 32: Polizei, 33: Polizeikaſſen, 34:
Arbeitshaus Dieburg, ergaben keinerlei Anſtände. Bei
den Kirchen (Kapitel 35) mußte die Mehrforderung von
25000 Mark für die Heranziehung der Pfarrbeſoldungs=
güter
auf Grund des neuen Gemeindeſteuergeſetzes zuge=
ſtanden
werden. Kapitel 36 und 37: Univerſität und Tech=
niſche
Hochſchule, fanden im allgemeinen Annahme. Ein=
zelne
Poſitionen ſollen noch mit der Regierung beſprochen
werden. Auffallend erſcheint bei der Techni=
ſchen
Hochſchule der Rückgang der Unter=
richtsgelder
in Höhe von 10000 Mark. Im Bericht
des Finanzausſchuſſes wird eine Ueberſicht über die Fre=
quenz
der Univerſität und Techniſchen Hochſchule in den
letzten zehn Jahren beigegeben werden. Bei der Univer=
ſität
Gießen wurde die Frage erörtert, ob eine zahnärzt=
liche
Anſtalt einzurichten ſei, insbeſondere mit Rückſicht auf
die der Univerſität zuſtehende Berechtigung, den Doktor=
titel
zu verleihen. Auch hierüber ſind noch Erörterungen
mit der Regierung notwendig. Kapitel 38: Gymnaſien
uſw. Das Verlangen der Kammer nach Vereinigung der
beiden Darmſtädter Gymnaſien ſoll wiederholt werden.
Gegen die Trennung der Oberrealſchule und des Realgym=
naſiums
in Gießen, die einen neuen Direktor erfordert,
wurden Einwendungen nicht geltend gemacht. Kapitel 39:
Höhere Bürgerſchule, ergab keine Anſtände. Die Kapitel
4045 wurden wegen Abweſenheit des Referenten ab=
geſetzt
.
Zu Kapitel 46: Hofbibliothek, wurde die For=
derung
der Erhöhuna der Gehälter für Bibliotheksgehil=
finnen
von 121600 Mark auf 141600 Mark gutgeheißen.
In der Frage des Neubaues der Bibliothek bezw. des Um=
baues
des früheren Ludwigsbahngebäudes
zu Zwecken der Hofbibliothek wird mit der Re=
gierung
noch verhandelt. Die Kapitel 4760 ergeben keine
Beanſtandung und werden nach der Regierungsvorlage
angenommen. Fortſetzung der Beratung Donners=
tag
.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 21. Jan. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 1 Uhr 18 Min. Es wird die
zweite Beratung des
Etats für das Reichsamt des Innern
fortgeſetzt. Bisher liegen hierzu neun Reſolu=
tionen
vor. Abg. Weilnböck (konſ.): Wir erkennen
gern an, daß der Staatsſekretär ſich geſtern zu unſerer
Wirtſchaftspolitik und dem damit untrennbar verbundenen
Einfuhrſcheinſyſtem bekannt hat. Wenn er namens der
Reichsregierung zugeſagt hat, den Schutz der nationalen
Arbeit grundſätzlich und unbedingt zum mindeſten in dem
bisherigen Urtfange hochzuhalten, ſo findet die Reichs=
leitung
unſere volle Unterſtützung. Wir hoffen, daß die
Regierung an dem bisherigen Seuchenſchutz feſthalten
wird. Mit dem Staatsſekretär halten wir Verbeſſerungen
des Zolltarifes, die ſich aus der wirtſchaftlichen Entwick=
lung
ergeben haben, für notwendig. Gleichwohl erheben
wir keinen Einſpruch gegen die Abſicht, vorläufig von der
Vorlegung einer Zolltarifnovelle und von der Kündigung
der Handelstarife abzuſehen. Sollten aber beſondere Um=
ſtände
eintreten, ſo müſſen wir eine derartige Veränderung
ins Auge faſſen. Die niedrigen Getreidepreiſe erfüllen
manches Bauernhaus mit großer Sorge. Die fortwährend
geſtiegenen Laſten auf ſozialem Gebiet, die erhöhten Löhne
und die Mehrausgaben auf allen Gebieten belaſten den
kleinen und mittleren Beſitz ganz beſonders. In Süd= und
Mitteldeutſchland beunruhigt uns beſonders der Sturz der
Braugerſtepreiſe. Am beſten wäre es, wenn überhaupt
kein Unterſchied in der Verzollung der Gerſte einträte, ſon=
dern
, wie es die bayeriſche Kammer verlangt, vielmehr
eine Rückvergütung ſtattfindet für nicht zu Brauzwecken
verwendete Gerſte. Beſonderen Schutz verlangt auch der
Hopfenbau, da dieſer ungünſtigen Witterungsverhältniſſen
beſonders ausgeſetzt iſt. Obſt und Gemüſe müſſen durch
einen erhöhten Zoll geſchützt werden; nicht, um die Pro=
dukte
zu verteuern, ſondern um unſere heimiſchen Erzeug=
niſſe
nicht zu entwerten. Unſere ganze Wirtſchaftsvolitik
hat, das muß jeder anerkennen, nie einen größeren Auf=
ſchwung
genommen als zur Zeit des Schutzzolles, von
dem nicht nur die Landwirtſchaft, ſondern auch unſere Ar=
beiter
Nutzen gehabt haben. Wir ſind Anhänger einer ver=
nünftigen
inneren Koloniſation; ein ſprunghaftes Haſten
wäre aber verderblich. (Sehr richtig! rechts.) Durch Feſt=

halten an unſerer Wirtſchaftspolitik dienen wir der Größe
unſeres Vaterlandes. (Beifall rechts.)
Miniſterialdirektor Müller: Ich kann namens der
Regierung erklären, daß wir an dem Seuchenſchutz wie
bisher feſthalten werden. (Bravo! rechts.) Ein Geſetz
zum Schutz des Blumenſamenhandels iſt in Vorbereitung.
Bei den Getreidezöllen iſt Rußland autonom. Auf recht=
lichem
Wege iſt da zugunſten unſeres ſeit Abſchluß der
Verträge erheblich gewachſenen Getreidexportes nichts zu
erreichen. Die erhöhten ruſſiſchen Eiſenbahntarife haben
unſeren Holzhandel ſchwer geſchädigt. Die Tarife beſtehen
aber auch für den inneren ruſſiſchen Verkehr. Daher iſt
nichts zu machen. Es wird vielfach geklagt über rigoroſe
Handhabung des franzöſiſchen Zolltarifes. Die franzöſiſche
Regierung hat uns aber zugeſagt, bis zu einer bevorſtehen=
den
endgültigen Regelung die früheren Beſtimmungen an=
zuwenden
.
Abg. Gothein (Fortſchr. Vpt.): Es iſt nicht nötig,
daß, wie der Staatsſekretär behauptet, eine Pauſe in der
Sozialpolitik eintritt. Wenn wir warten wollen, bis
unſere Bureaukratie alles verdaut hat, dann wird lange
Zeit vergehen. Es iſt ein Unglück, daß bei der Verſicher=
ung
die Selbſtverwaltung durch die Bureaukratie erſetzt
worden iſt. Bei der Umwandlung der Ortskrankenkaſſen
in Landkrankenkaſſen tritt häufig eine große Willkür zu=
tage
. Der ſozialdemokratiſchen Reſolution betr. die Sonn=
tagsruhe
in der Binnenſchiffahrt ſtimmen wir zu. Die
Zahlen, die der Staatsſekretär geſtern hier vorgetragen
hat, um den Aufſchwung unſeres Handels zu beweiſen,
beſagen nichts. Der große wirtſchaftliche Aufſchwung iſt
nicht auf die Zollſchutzpolitik zurückzuführen, ſondern viel=
mehr
auf ungeheuere Fortſchritte der Technik und der Wiſ=
ſenſchaft
, insbeſondere der angewandten Naturwiſſenſchaft.
Auch die Freihandelsländer haben den gleichen Aufſchwung
genommen. Der heilige Imanuel Kant würde ſich ob
dieſer Logik der Regierung im Grabe umdrehen, wenn er
noch lebte. (Schallende Heiterkeit.) Die Zunahme unſeres
Exportes entfällt zum überwiegenden Teile auf landwirt=
ſchaftliche
Produkte. Je feiner die Produktion, deſto ge=
ringer
der Export. Das ſind die Wirkungen der Schutz=
zölle
und Kartelle, die Ergebniſſe unſerer bewährten
Schutzzollpolitik. Die Ausfuhr roher Stoffe, der Halb=
fabrikate
und Produktionsmittel (Maſchinen) iſt gefördert
worden, die der Fertigfabrikate iſt aber in jeder Weiſe
unterbunden worden. Damit werden die Geſchäfte des
Auslandes beſorgt, wenn die Halbfabrikate an das Aus=
land
verſchleudert, unſere Induſtrieerzeugniſſe aber nicht
abgeſetzt werden können. Wenn geſagt wird, die deutſche
Landwirtſchaft werde alsbald Deutſchland ſelber ernähren
können, ſo iſt das unverſtändlich angeſichts der Tatſache,
daß ſeit dem Beſtehen des Zolltarifes der Import der
Nahrungsmittel erheblich zugenommen hat. Tatſache iſt,
daß infolge des Syſtems der Einfuhrſcheine nur
in den öſtlichen Provinzen eine Vermehrung der Anbau=
fläche
eingetreten iſt, zum Teil durch Umwandlung guter
Wieſen in Getreideboden. Schon als die Einfuhrſcheine
eingeführt werden ſollten, wurden Bedenken laut, daß von
einer Ware mehr ausgeführt, als eingeführt werden könne.
(Hört, hört! links.) Durch das jetzige Syſtem wird die
Reichskaſſe erheblich geſchädigt, da ſollte doch der Reichs=
ſchatzſekretär
ein ernſtes Wort mitſprechen. Das jetzt gel=
tende
Einfuhrſcheinſyſtem iſt nichts weiter, als eine Aus=
fuhrprämie
. Wir wollen das Syſtem an und für ſich nicht
aufheben, da es notwendig iſt für die öſtlichen Provinzen;
aber man ſollte zu dem Zuſtande von 1894 zurückkehren.
Im Oſten wird der Roggen, der nicht für den menſchlichen
Konſum verbraucht wird, als Viehfutter benutzt. Eine
Verbilligung der Futtermittel wollen auch wir, aber eine
Rückvergütung für Futtergerſte, wie ſie der Abg. Weilnböck
wünſcht, iſt aus praktiſchen Gründen undurchführbar. Durch
das Arrondieren großer Güter, wie es beſonders die Fidei=
kommiſſe
anſtreben, wird das platte Land entvölkert und
die Verteidigungskräfte in den Grenzgebieten lahmgelegt.
Da ſollte die innere Koloniſation kräftig einſetzen. Was
von ſeiten Preußens für die innere Koloniſation geſchieht,
iſt minimal. So ſehr ich auch für die Selbſtändigkeit der
Bundesſtaaten eintrete, würde ich angeſichts des völligen
Verſagens Preußens die innere Koloniſation durch das
Reich befürworten. Wir ſind für einen ſchrittweiſen Ab=
bau
der Getreidezölle. Will man den Arbeitern helfen, ſo
muß man die veraltete, reaktionäre Geſindeordnung beſei=
tigen
und ihnen das Koalitionsrecht geben, nicht ſo, wie
Dr. Böhme es verlangt, daß er gleich einer Springprozeſ=
ſion
einen Schritt vorwärts und zwei rückwärts machte.
Die Anregung, daß die Antworten des Bundesrats auf
die Reſolutionen des Reichstages an die Budgetkommiſ=
ſion
überwieſen werden, kann uns recht ſein; aber nach den
Erklärungen des Reichskanzlers im Herrenhaus haben wir
nur wenig Hoffnung und Erwartung. Wir werden ja an=
geſehen
als eine ſehr gemiſchte Geſellſchaft.
Wir ſind aber auch eine ſehr gemiſchte Geſellſchaft ( Heiter=
keit
), die vertritt, was das Volk verlangt, und das iſt eine
Politik des Innern, wie ſie dem Volke entſpricht. ( Bei=
fall
.)
Miniſterialſekretär Müller: Der Abg. Gothein be=
mängelte
es, daß bei der Beurteilung des Aufſchwunges
unſerer Wirtſchaftspolitik natürliche Faktoren überſehen
worden ſeien. Er meinte, daß die derzeitige Zoll= und
Handelspolitik es uns erſchwert hätten, unſere Induſtrie=
erzeugniſſe
im Auslande unterzubringen. Das trifft nicht
zu: im Gegenteil, unſere Fertiginduſtrie hat unter den ſo=
genannten
Bülowverträgen ebenfalls einen ſehr weſent=
lichen
Aufſchwung genommen. Die Statiſtik beweiſt, daß
in beiden Zweigen der Fertiginduſtrie eine erhebliche Ex=
portzunahme
erreicht wurde, wenn dieſe auch naturgemäß
hinter dem Rekordjahre 1907 zurückblieb. Dabei iſt feſt=
zuſtellen
, daß die von der Induſtrie angegebenen Zahlen
durchaus das Richtige treffen.
Abg. Dr. Arendt (Reichspt.): Was dem Zolltarif
und dem Schutzzoll überhaupt vorausgeſagt worden iſt,
nämlich der Ruin der deutſchen Induſtrie, iſt nicht einge=
treten
, im Gegenteil, ein koloſſaler Aufſchwung der In=
duſtrie
iſt zu verzeichnen, von dem nicht nur die Groß=
grundbeſitzer
, ſondern das ganze Volk Vorteile hat. Die
Capriviſchen Handelsverträge, die der Abg. Gothein eine
rettende Tat nannte, haben die Intereſſen der Landwirt=
ſchaft
nicht genügend gewahrt. Was die Aeußerung des
Staatsſekretärs anbelangt, daß eine Kündigung der
Handelsverträge nicht erfolgen ſoll, ſo
weiß ich nicht, ob es diplomatiſch war, das Ausland ſchon
jetzt in die Karten ſehen zu laſſen. (Sehr gut! rechts.) Nicht
nur die Landwirtſchaft, ſondern auch die Induſtrie hat
manche Wünſche hinſichtlich des Zolltarifes. Unſere Wirt=
ſchaftspolitik
muß immer bedenken, daß Arbeitgeber und
Arbeitnehmer auf Gedeih und Verderb miteinander ver=
bunden
ſind. Die Arbeiter ſollten einſehen, daß Kampf=
organiſationen
keinen Wert mehr haben, da ihre Organi=
ſotionen
die Organiſationen der Arbeitgeber hervorgerufen
haben. Wir hoffen, daß hinſichtlich der Verſicherung die
Altersgrenze bald auf 65 Jahre herabgeſetzt wird. (Bravo!
rechts.) Wir hätten auch gewünſcht, daß die Dienſtboten
nicht in die Krankenverſicherung einbezogen würden, und
nur mit ſchwerem Herzen ſind wir dem Kompromiß bei=
getreten
. Der ſtädtiſche Hausbeſitz, für den eigentlich noch

bunte Organe, die nach nicht weniger als 10 verſchiedenen
Prinzipien konſtruiert ſind.
Ueber das eigentliche Weſen des Leuchtprozeſſes be=
ſitzen
wir heute eine Reihe von Unterſuchungen, die
namenttlich von botaniſcher Seite an den leicht zugäng=
lichen
Bakterien angeſtellt wurden, aber auch ſehr bezeich=
nende
zoologiſche Ergebniſſe. Feſt ſteht, daß das Leuchten
der Organismen an die Oxydation beſtimmter, vom Kör=
per
produzierter Subſtanzen gebunden iſt, nicht aber mit
einem eigentlichen Lebensvorgang in engerem Konnex
ſteht, etwa der Umbildung eines Peptons zu organiſier=
ter
lebender Subſtanz, wie angenommen wurde. Ein Be=
weis
dafür iſt die Tatſache, daß ſich die Leuchtſubſtanz in
den meiſten Fällen iſolieren läßt und außerhalb des Kör=
pers
in Aktion treten kann. Dabei iſt aber die Erſcheinung
normalerweiſe an den lebendigen Organismus gebunden,
ohne irgend Bedingung für ſein Leben zu ſein. Das
Leuchten kann in den meiſten Fällen zeitweilig unterdrückt
werden; manchte Leuchtbakterien laſſen ſich unter abnor=
men
Bedingungen nicht=leuchtend züchten. Seit alters be=
kannt
iſt, daß leuchtende Tiere im Vacuum nicht mehr
leuchten, denn Gegenwart von Sauerſtoff iſt eine Haupt=
bedingung
. Sind die lichterzeugenden Stellen nicht direkt
mit dem Sauerſtoff der Luft in Verbindung, ſo treten, wie
bei den meiſten Leuchtorganen. Blutgefäße, oder, bei den
leuchtenden Inſekten, reichlich Tracheen heran. Sehr nahe=
liegend
war daher die Annahme, daß Leuchten und Atmen
in enger Korrelation ſtehen. Doch trifft auch dies nicht
zu: Stoffwechſel und Atmung fördernde Einflüſſe, wie
die Erhöhung der Temperatur, ſetzt z. B. bei Leuchtbakte=
rien
das Leuchten ſtark herab, während umgekehrt ein Sin=
ken
der Temperatur jene Funktionen hemmt, das Licht da=
gegen
ſtärker werden läßt. Aeußere Reize haben bei leuch=
tenden
Tieren ſehr großen Einfluß auf die Intenſität des
Lichtes; bei den höheren Formen unterliegen die Leucht=
organe
in der Regel dem regulären Einfluß des Nerven=
ſyſtems
. Ueber die chemiſche Natur der leuchtenden Körper
iſt recht wenig bekannt. Doch iſt der Leuchtvorgang als
Begleiterſcheinung einer Oxydation für eine ſehr große
Reihe organiſcher Körper bekannt, von denen zahlreiche im

Organismus vorkommen können. Verſuche an der Bohr=
muſchel
(Pholas) haben ergeben, daß hier ein ſolcher Kör=
per
(Lnciferin) orydiert wird mit Hilfe einer zweiten,
ebenfalls vom Organismus produzierten Subſtanz, der
Luciferaſe; dieſe ſoll ein ſauerſtoffübertragendes Enzym,
eine Oxydaſe, enthalten. Noch lückenhafter ſind unſere
Kenntniſſe der phyſikaliſchen Seite des Organismenlich=
tes
. Im ganzen iſt die entwickelte Lichtintenſität, photo=
metriſch
gemeſſen, überraſchend ſchwach; die Spektren ſind
immer kontinuierlich.
Sehr viel mehr Intereſſe aber wurde von jeher der
Frage nach der biologiſchen Bedeutung der Lichterzeugung
durch lebende Tiere entgegengebracht. Für die Einzeller
des Meerleuchtens ſteht eine plauſible Theorie heute noch
aus; man hält ihr Blitzen und Funkeln mit jeder Welle
für eine ökologiſch gleichgültige Begleiterſcheinung des
Stoffwechſels. Die nächſtliegende Annahme iſt bei den
Nacht= und Dunkeltieren Beleuchtung der Umgebung. In
der Tat beleuchten die Leuchtkäfer ihren Weg und Tiefſee=
fiſche
ſuchen die Beute in ihrem Licht; gerade bei ihnen
wären Augen ſonſt ganz ſinnlos. Dann aber dient das
Licht dem Finden der Geſchlechter. Dies iſt ja für unſere
Leuchtkäfer ſehr bekannt. Das Weibchen ſitzt dauernd=
leuchtend
im Graſe und macht ſich ſo dem fliegenden
Männchen, das ſein Licht nur von Zeit zu Zeit aufglänzen
läßt, bemerkbar. Bei Tiefſeetieren müſſen Organe dem=
ſelben
Zweck dienen, namentlich wenn ſie bei und O
einer Art verſchieden ausgebildet ſind. Die Leuchtfähig=
keit
vertritt damit bei den Bewohnern dieſer ewigen Fin=
ſternis
das, was den Tagtieren Farbe und Zeichnung iſt.
Damit iſt aber die Möglichkeit gegeben, alle die Theorien,
die die Bedeutung der Färbung bei den Helltieren zu er=
klären
ſuchen, auch auf die Dunkeltiere anzuwenden. In
der Tat weiſen eine Reihe von Einzelheiten, namentlich
in Bau, Lage und Anordnung der Organe, darauf hin,
daß man hier nicht zu weit geht, und vereinzelte Beobach=
tungen
an lebenden leuchtenden Küſtentieren haben die
Beſtätiaung gegeben, daß in vielen Leuchteinrichtungen
Lock=, Schreck= und Schutzfarben zu ſuchen ſind, genau wie
etwa bei unſeren Schmetterlingen.

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Seite 6

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

nie eiwas gelan worden iſt, defindet ſch zurzeit in einer
großen Notlage, beſonders durch die Steigerung des Zins=
fußes
. Das Sinken der Kurſe war international. Jetzt
ſcheint ja das Schlimmſte überſtanden zu ſein. Wir
begrüßen heute hier den Präſidenten der Reichsbank,
deſſen erfolgreiche Tätigkeit wir anerkennen. (Bravo!)
Eine Aenderung des Zinsfußes iſt durchaus notwendig im
Intereſſe unſeres Wirtſchaftslebens. Ein ſo hoher Bank=
diskont
, wie wir ihn in den letzten Jahren hatten, war nur
zu ertragen im Hinblick auf drohende kriegeriſche Ereig=
niſſe
. Zu begrüßen iſt., daß die Reichsbank nicht mehr ſo
abhängig vom ausländiſchen Geldmarkt iſt, wie in früheren
Jahren. Dankens= und nachahmenswert iſt das Vorgehen
Preußens bei der Ausgabe der neuen Schatzanleihe. Wol=
len
wir vorwärts kommen in unſerer Wirtſchaftspolitik,
dann müſſen wir feſthalten am Schutz der nationalen Ar=
beit
im Intereſſe der Arbeiter und Unternehmer. (Beifall.)
Darauf wird die Weiterberatung auf Donnerstag um
1 Uhr vertagt. Schluß nach 7.15 Uhr.

* Berlin, 21. Jan. Als Ergebnis der Erörterung
über die Beamtenpetition in der Budgetkommiſ=
ſion
des Reichstages ſtellte der Vorſitzende feſt,
daß dem Referenten das Recht zuſtehe, die Petitionen von
Beamten, die nicht den zuſtändigen Reichsämtern vorge=
legen
haben. beiſette zu legen.
* Berlin, 21. Jan. Polen, Elſäſſer und Lothringer
haben im Reichstag folgenden Antrag geſtellt: Der
Reichstag wolle beſchließen in Anbetracht 1. des durch das
Vorgehen des Oberſten von Reuter in Zabern
entſtandenen Konfliktes zwiſchen der Militärbehörde und
der Zivilverwaltung, 2. der Meinungsverſchiedenheit
zwiſchen der Militärbehörde und der Militärjuſtiz einer=
ſeits
und dem Unterſtaatsſekretär des Innern im Miniſte=
rium
für Elſaß=Lothringen andererſeits über die Gültig=
keit
der preußiſchen Kabinettsorder von 1820 in Elſaß=
Lothringen, 3. der Gefahren, welche für die öffentliche
Sicherheit und Rechtsordnung für die Perſönlichkeit und
bürgerliche Freiheit aus dieſer Rechtsungewißheit ſich er=
geben
, die umſo größer iſt, als für die in Elſaß=Lothringen
ſtehenden bayeriſchen Truppenteile andere Vorſchriften
gelten, den Reichskanzler zu erſuchen, baldigſt einen be=
ſchleunigten
Geſetzentwurf einzubringen, welcher die Be=
fugniſſe
der bewaffneten Macht zur Ausübung der ſtaat=
lichen
Zwangsgewalt für das Reich einheitlich regelt und
der Rechtsauffaſſung Geltung verſchafft, daß das Militär
nur bei Requiſition der Zivilbehörden zu polizeilichen
Zwecken verwendet werden darf.

Preußenbund und Bayern.

* Dr. Rocke, der Vorſitzende des Preußen=Bundes,
bittet uns, folgende Erklärung zu veröfſentlichen:
Aus mir innerhalb der erſten 24 Stunden nach Schluß
ds Preußen=Tages zu Geſicht kommenden Preſſe=
äußerungen
erſehe ich, daß die Verhandlungen in Bayern
eine dem Bunde ſelbſt unliebſame Aufnahme gefunden
haben, was durchaus gerechtfertigt wäre, wenn die Be=
richterſtattung
über die Reden und die daran geknüpften
Folgerungen zutreffend wären. Letzteres iſt aber nicht
der Fall. Vielmehr hat eine tendenziöſe und falſche Be=
richterſtattung
die öffentliche Meinung irregeleitet. Es iſt
deshalb dem Berl. Tageblatt am 19. Januar vormittags
folgende Berichtigung zugeſtellt:
Es iſt unwahr, daß in der geſtrigen Tagung des
Preußen=Bundes von irgendeiner Seite die Leiſtungen
der bayeriſchen Soldaten im Kriege 1870/71 herabgeſetzt
worden ſeien. Wahr iſt vielmehr, daß der Redner, Gene=
ralmajor
v. Kracht, eine Epiſode aus der Schlacht von
Orleans erzählte, in welcher, wie er ausdrücklich aner=
kannte
, die bayeriſchen Soldaten wegen der Gewalt des
franzöſiſchen Feuers hätten Deckung ſuchen müſſen, aus
welcher ſie erſt durch den Flankenſtoß von vier preußiſchen
Bataillonen befreit werden konnten, ſo daß ſie nunmehr,
wie er ausdrücklich anerkannte, mit erneutem Mute und
ſelbſtloſeſter Hingebung vorzugehen in der Lage waren.
Es darf in Ergänzung hierzu außerhalb des Rah=
mens
der preßgeſetzlichen Berichtigung mitgeteilt werden,
daß der Redner die Angabe hinzufügte, daß aus dem ge=
ſchilderten
Anlaſſe wie ihm, ſobayeriſchen Kame=
raden
das Eiſerne Kreuz verliehen wurde,
und daß überhaupt die ganze Erzählung ohne jede vom
Redner gewollte und von den Höörern empfundene Herab=
ſetzung
bayeriſcher Waffenleiſtungen lediglich mit der
anekdotenhaften Pointierung vorgetragen wurde, wie
etwa des hiſtoriſchen Stoßſeufzers: Ich wollte, es wäre
Abend oder die Preußen kämen!
Aehnlich verhält es ſich mit der angeblichen Aeußerung
des Herrn Freiherrn von Pechmann=München: Ich
bin Preuße nicht durch die Geburt, aber längſt durch die
freie Wahl meines Herzens. Ich beſtreite ganz entſchie=
den
, dieſen Satz als Originaläußerung und Willens=
meinung
des Herrn Freiherrn von Pechmann verleſen zu
haben, habe ihn vielmehr als uns vom genannten Herrn
übermitteltes Zitat eines Nichtpreußen wiedergegeben
aus dem die Folgerung zu ziehen ſei, daß auch außerhalb
der ſchwarzweißen Grenzpfähle ſchon ſeit längerer Zeit

bei vorurteilsloſen Köpken Verſtändnis für die Be=
ſtrebungen
des Preußen=Bundes vorhanden ſei.
Angeſichts des breiten Raumes, den ein großer Teil
der Preſſe Kritikern des Preußen=Bundes einräumt, darf
ich vielleicht auch mir als nicht ganz Unmaßgeblichem die
Mitteilung und Verſicherung geſtatten, daß bislang nie=
mandem
im Preußen=Bunde der Gedanke gekommen iſt,
ihn als Kampforganiſation oder auch nur indirekt als
Verkleinerer anderer Bundesſtaaten und deren Angehöri=
gen
anzuſehen. Das ergibt ſich ſowohl aus meiner Er=
öffnungsanſprache
wie aus Aeußerungen anderer Redner,
die eine vorurteilsloſe und warmherzige Anerkennung der
Vorzüge und Leiſtungen aller vaterlandiſch empfindenden
und handelnden Deutſchen enthielten.
Aus voller Ueberzeugung ſchließe ich mich der Anſicht
eines dem Preußen=Bunde recht kritiſch gegenüberſtehen=
den
Blattes an, daß die wahren und gefährlichſten Feinde
des Preußengeiſtes nicht in anderen Bundesſtaaten, ſon=
dern
in Preußen ſelbſt ſitzen; gegen dieſe richtet ſich der
Kampf des Bundes.

* München, 21. Jan. Die Bayeriſche Staatsztg.
veröffentlicht einen ihr vom Generalmajor v. Kracht zuge=
gangenen
Brief, der im weſentlichen denſelben Inhalt
wie der von der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung ver=
öffentlichte
Brief an den preußiſchen Kriegsminiſter hat,
und fügt offiziös hinzu: Die vom Geiſte ritterlicher Ka=
meradſchaft
diktierten Worte der Anerkennung, die von
Kracht dem Waffenruhm und der Tapferkeit der bayeri=
ſchen
Armee widmete, werden in den weiteſten Kreiſen
der Armee und ganz beſonders unter den Teilnehmern an
den glorreichen Kämp en von Orleans mit aufrichtiger
Genugtuung vernommen werden. Es iſt zu bedauern, daß
v. Kracht ſeine immerhin mißverſtändlichen Worte nicht
vor der Veröffentlichung einer Nachprüfung unterziehen
konnte. Die Loyalität, mit der er das Mißverſtändnis
nunmehr aufklärte, gereicht ihm zu hoher Ehre. Es darf
erwartet werden, daß nunmehr auch die beteiligten Kreiſe,
nicht nur die Feldzugsteilnehmer, ſich zufrieden geben und
das offene und ehrliche Soldatenwort eines alten hoch=
angeſehenen
Kriegskameraden reſpektieren werden.
* München, 21. Jan. In der Sitzung der
Kammer kamen die Ereigniſſe des Preußen=
tages
nochmals zur Sprache. Abg. Günther (lib.)
ſagte, daß der Kriegsminiſter geſtern die Erklärung ab=
gegeben
habe, die den Wünſchen des Hauſes entſpreche
Wenn General v. Kracht die Rede auch nicht ſo gemeint
habe, ſo müſſe man ſich doch gegen den Geiſt des Milieus
wenden, aus dem heraus die Aeußerungen gefallen waren.
Es war nicht am Platze, das Preußentum auf eine ganz
unnatürliche Höhe zu heben. Die bayeriſche Volksver=
tretung
muß Front machen gegen dieſen Geiſt, welcher uns
der Vorteile berauben will, die durch bayeriſches und
preußiſches Blut erkämpft worden ſind. (Lebhaltes Bravo
bei den Liberalen.) Abg. Kopp (lib.) erklärte, daß Gene=
ral
v. Kracht nicht die Gefühle kennen gelernt habe, die
die Truppen damals zueinander hegten. Wir alle ge=
lobten
damals, als Deutſche gegen den gemeinſamen
Feind zu kämpfen. Wir möchten wünſchen, daß es immer
ſo bleibe und Störenfriede gründlich abgewieſen werden,
wie es diesmal geſchehen iſt. Im weiteren Verlaufe
der Sitzung führte der Abgeordnete Beckh (konſ.)
aus daß die Kundgebung der Kammer der ſich
auch der Kriegsminiſter angeſchloſſen habe, auf Grund un=
wahrer
Zeitungsberichte erfolgt ſei. Eine verlogene und
hetzeriſche Preſſe ſuchte auch hier das deutſche Volk gegen=
einander
zu hetz en. Die preußiſchen Konſervativen ſeien
keine Partikulariſten, ſondern Förderaliſten. Sie hielten
an dem Reichsgedanken feſt, aber ſie wollten keinen Ein=
heitsſtaat
. Der Zweck des Preußentages ſei, den zentra=
liſtiſchen
Beſtrebungen des Reichstages entgegenzutreten.
(Lebhafte Unruhe links.) Freiherr Freyberg (Ztr.)
proteſtierte gleichfalls gegen die Vorkommniſſe. Trotzdem
ſeien aber die Bayern bereit, ſich die Freude an dem deut=
ſchen
Reiche nicht verbittern zu laſſen. v. Vollmar
(Soz.) erklärte, die Sozialiſten ſchlöſſen ſich dem Pro=
teſt
vollſtändig an und wieſen voll und ganz die Unver=
ſchämtheiten
zurück, die von Berlin ausgegangen ſeien.
Abgeordneter Pflaumer (konſ.) konſtatierte, daß der
Fraktionsvorſitzende Beckh ſeine Ausführungen nur füc
ſeine Perſon gemacht habe. Namens eines Teiles ſeiner
Fraktion möchte er erklären, daß ſie ſich mit den Aus=
führungen
der übrigen Redner einverſtanden erklärten.

Gerichtszeitung.

Der dritte Drupp=Prozeß.
* Berlin, 21. Jan. Die Verhandlungen im
Prozeß Tilian finden heute zunächſt unter Aus=
ſchluß
der Oeffentlichkeit ſtatt. Gegen 12¼ Uhr
begannen die Plädoyers. Der Anklagevertreter be=
merkte
, es liege zweifellos erſchwerter militäriſcher Un=
gehorſam
vor, wodurch das Anſehen der Heeresverwaltung
ſchwer gelitten hat, auch liege eine Benachteiligung des
Reiches vor, weil eine Erhöhung der Preiſe von der Firma
Krupp hätte vorgenommen werden können. Eine Be=
ſtechung
liege weder bei Tilian noch bei Hoge vor, mili=

täriſches Geheimnis liege überhaupt nicht vor. Er bean=
trage
alſo in bezug auf die Anklage wegen Vergehens
gegen das Spionagegeſetz bezüglich aller Angeklagten
Freiſprechung, dagegen hätten ſich die Angeklagten
Schleuder, Hinſt, Schmidt und Pfeiffer der paſſiven Be=
ſtechung
ſchuldig gemacht. Pfeiffer könne wegen Verrats
von Amtsgeheimniſſen, jedoch nur auf Grund des Diſe
ziplinargeſetzes beſtraft werden. Der Vertreter der An=
klage
, Krieg,’gerichtsrat Tſchierſchke, beantragte gegen
Tilian wegen erſchwerten militäriſchen Un horſams
ſechs Wochen Stubenarreſt und wegen Beſtechung Frei=
ſprechung
, im übrigen Verwerfung der Berufung des Ge=
richtsherrn
, gegen Schleuder wegen erſchwerten milie
täriſchen Ungehorſams und paſſiver Beſtechung drei Ma=
nate
Gefängnis und Dienſtentlaſſung, gegen Hinſt wegen
desſelben Vergehens die gleiche Strafe, gegen Schmiht
wegen erſchwerten militäriſchen Ungehorſams und paſſiver
Beſtechung drei Monate Gefängnis unter Abſtandnahme
von dem Antrag auf Degradation, gegen Hoge wegen er=
ſchwerten
militäriſchen Ungehorſams ſechs Wochen Stuben=
arreſt
und gegen Pfeiffer wegen paſſiver Beſtechung drei
Monate Gefängnis und außerdem Aberkennung des Rechts
zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer eines
Jahres. Bezüglich aller übrigen Angelegenheiten bean=
tragte
er Verwerfung der Berufung des Gerichtsheren.
In dem Prozeß wider den Zeugoffizier Tilian und
Genoſſen verurteilte heute das Oberkriegsgericht die
Zeugleutnants Schleuder und Hinſt wegen erſchwer=
ten
militäriſchen Ungehorſams und paſſiver Beſtechung zu
je 6 Wochen verſchärftem Stubenarreſt, den Feuerwerker
Schmidt wegen erſchwerten militäriſchen Ungehorſams
und Beſtechung zu vier Wochen gelindem Arreſt, den Zeug=
leutnant
Hoge wegen erſchwerten militäriſchen Ungehor=
ſams
zu drei Wochen verſchärftem Stubenarreſt. Bei
Schleuder, Hinſt und Schmidt ſind je 14 Tage, bei Hoge
ſieben Tage auf die Unterſuchungshaft angerechnet worden.
Wegen des Angeklagten Zeugleutnant Tilian wurde
das Verfahren wegen Verjährung eingeſtellt,
negen der Beſtechung auf Freiſprechung erkannt.
Bezüglich des Angeklagten Oberintendanturſekretär Pfeif=
fer
hat es das Gericht nicht mit Sicherheit für nachgewieſen
erachtet, daß er Nachrichten dem Brandt gegeben habe
und ſich habe beſtechen laſſen; er wurde deshalb freigeſpro=
chen
. (Das Urteil vom 5. Auguſt hatte folgendermaßen
gelautet: Gegen Tilian auf 2 Monate Gefängnis und
Dienſtentlaſſung; gegen Schleuder und Hinſt auf vier Mo=
nate
Gefängnis und Dienſtentlaſſung; gegen Schmidt auf
zweieinhalb Monate und Degradation; gegen Dröſe auf
drei Wochen gelinden Arreſt; gegen Hoge auf 43 Tage
Feſtungshaft; gegen Pfeiffer auf ſechs Monate Gefängnis
und Unfähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes
auf die Dauer von einem Jahre.) In der Begründ=
ung
des Urteils heißt es: Der Gerichtshof habe in
den Handlungen der Angeklagten Schleuder, Hinſt und
Hoge einen ſchweren Fall erblickt, da ſie fortwährend
gegen die amtlich auferlegte Schweigepflicht verſtoßen hät=
ten
. Sie hätten mit Ausnahme von Hoge auch Vorteile
von Brandt angenommen. Dadurch hätten ſie ſich gegen
die Paragraphen 140 und 193 des Militärſtrafgeſetzbuches
vergangen. Bei Hoge ſei eine Beſtechung nicht nachgewie=
ſen
. Gegen Tilian ſei das Verfahren wegen militäriſchen
Ungehorſams eingeſtellt und er ſei von der Beſtechung frei=
geſprochen
worden. Eine Verletzung des Spionagegeſetzes
ſei bei keinem der Angeklagten angenommen worden, da
die Angeklagten nicht hätten annehmen können, daß die von
ihnen mitgeteilten Dinge einer fremden Macht übermittelt
werden könnten. Tatſächlich ſei auch ein derartiger Scha=
den
nicht entſtanden und hätte nicht entſtehen können, da
die Firma Krupp dafür geſorgt habe, daß die Nachrichten
nicht zur Kenntnis Unbefugter kamen. Der Gerichtshof
habe den Angeklagten mildernde Umſtände zugebilligt und
hier einen minder ſchweren Fall angenommen. Dabei ſei
die bisherige gute Führung der Angeklagten und ihre Un=
erfahrenheit
berückſichtigt worden, ſowie daß die Angeklag=
ten unüberlegt gehandelt und urſprünglich nicht des Vor=
eils
wegen ſich des Verrats von Amtsgeheimniſſen ſchul=
dig
gemacht hätten. Deshalb habe der Gerichtshof von
jeder Ehrenſtrafe Abſtand genommen. Bei dem Angeklag=
ten
Pfeiffer ſei nicht mit Sicherheit nachgewieſen worden,
daß er wirklich den Verrat von Amtsgeheimniſſen begangen
habe. Deshalb habe er auch nicht wegen paſſiver Beſtech=
ung
beſtraft werden können. Er ſei infolgedeſſen von Strafe
und Koſten freigeſprochen worden.

* Berlin, 20. Jan. Vor dem Landgericht III
wurde der frühere Angeſtllte der Siemens=Schuckert=Werke
Karl Richter, der ſich Erpreſſungsverſuche gegen dieſe
Firma ſchuldig gemacht hatte, dieſerhalb und wegen Dieb=
ſtahls
zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehr=
verluſt
verurteilt Richter hatte auf Grund gefälſchter
Zeugniſſe eine Anſtellung bei der Firma erlangt. Er iſt
wegen Diebſtahls und Urkundenfälſchung ſchon vorbe=
ſtraft
. Als Direktionsſekretär der Siemens=Schuckert= Toch=
tergeſellſchaft
in Tokio eignete er ſich Briefe an, aus denen
hervorgehen ſoll, daß die Firma hohe japaniſche Marine=
offiziere
mit klingenden Zuwendungen bedachte und in
Japan 30 bis 40 Prozent billiger als in Deutſchland ver=
kaufe
. Richter hatte das Angebot gemacht, die Briefe
gegen 50000 Mark der Firma wieder zuzuſtellen.
* Berlin, 21. Jan. Zu dem geſtrigen Prozeß gegen
den Erpreſſer Richter, aus dem hervorzugehen
ſchien, daß die japaniſche Tochtergeſellllſchaft der Sie=
mens
=Schuckert=Werke Kommiſſionen an japani=
ſche
Staatsbeamte bezahlte, teilen die Siemens=Schuckert=
Werke mit, daß ſämtliche Marinegeſchäfte in Japan durch
einheimiſche Agenten, wie dies in außereuropäiſchen Län=
dern
üblich iſt, getätigt ſind, wofür dieſelben naturgemäß
Kommiſſionen ertielten. An japaniſche Staatsbeamte
zahlten die Siemens=Schuckert=Werke niemals Kommiſ=
ſionen
irgendwelcher Art weder direkt noch indirekt. So=
bald
die Erpreſſung verſucht wurde, hätten die Siemens=
Schuckert=Werke der Staatsanwaltſchaft Anzeige erſtattet
und die Behörden Japans davon in Kenntnis geſetzt.
* Frankfurt a. M., 21. Jan. Vor dem Schwur=
gericht
begann heute die Verhandlung gegen die Brü=
der
Hugo und Kuno Scholten wegen Krankenver=
ſicherungsſchwindels
. Sie hatten in den letzten
Jahren verſchiedene Krankenkaſſen gegründet, ſo die Süd=
weſtdeutſche
Verſicherungsanſtalt in Frankfurt a. M., die
Mittelrheiniſche Verſicherungs=Geſellſchaft in Wiesbaden,
die Royal=Renten= und Verſicherungs=Anſtalt in Darm=
ſtadt
. Die Gründungen erfolgten nur, um ſich ſelbſt zu be=
reichern
. Die Mitglieder erhielten in den ſeltenſten Fällen
Krankenunterſtützung; denn alle Mitglieder wurden von
den Vorſtänden der Geſellſchaften, das waren die beiden
angeklagten Brüder, im Erkrankungsfalle immer in ein
Krankenhaus verwieſen Wenn die Mitglieder dann nicht
in das Krankenhaus gingen, verloren ſie alle Anſprüche
an die Kaſſe.

Konzerte.

Willy Burmeſter.
Wenn ein Künſtler, ein Mittler der Kunſt, es ver=
mag
, die geheimnisvollſten Tiefen einer ſo unendlichen
Macht zu erſchließen, wie es die der Töne iſt, ſo zu er=
ſchließen
, daß ſie den Hörer zur Andacht in die Knie
zwingt, gehört er zu den Begnadeten, Geſegneten, wie
ſie nur einmal in langen Zeitläuften der Welt gegeben
werden. Zu dieſen Begnadeten zählt als einer der
wenigen Auserleſenen der Gegenwart Willy Burmeſter.
Immer wieder ſchlägt ſeine einzigartige Kunſt die Hörer
in Bann, fasziniert er durch die wunderſame Macht eines
ganz individuell ausgeprägten, überragenden Könnens.
Auch geſtern abend wieder ließ eine große Gemeinde,
willig dem Zwange ſeiner Geigentöne Zaubermacht hin=
gegeben
, ſich hinübertragen ins Märchenreich, das ſeine
Kunſt, in herrlicher Schöne ſtrahlend, erſchloß. Willig auch
legte die Kritik ihr Amt nieder. Hier war ihres Waltens
nicht; ſie durfte, ohne pflichtvergeſſen zu ſcheinen, ſich dem
Genuſſe hingeben und darf ſich der Lobpreiſung der Zu=
hörer
, die in rauſchendem Beifall, der armen, aber immer
noch einzig möglichen Form, ſich äußerte, rückhaltlos an=
ſchließen
.
Den Abend eröffnete Beethovens Sonate Nr. 6,
A=Dur, für Violine und Klavier (Allegro, Adagio molto
espressivo, Allegro con variazione). Paganinis Konzert
D=Dur folgte. Fabelhaft, wie Burmeſter der unendlichen
techniſchen Klippen und Schwierigkeiten Herr wurde, ſpie=
lend
, unmerklich faſt. Wie er vom Lerchenzwitſchern und
Nachtigallflöten des Flageoletts bis zum übervollen, in=
haltstielen
Saitenklang ſeines herrlichen Inſtruments
einen Reichtum an Tönen über die Hörer ergoß, der eine

ganze Skala von Gefühlsanklängen mitſchwingen ließ;
von jubilierender Lebensluſt, überſchäumender Daſeins=
freude
zu tiefen, wortloſen Klagen, herbſtem Schmerze er=
preßt
. Und dann, wie die Größe ſeiner Kunſt ſich erſt
wahrhaft offenbarte in den ſchlichten, anſpruchsloſen und
doch ſo herrlich ſchönen Tanzmelodien, von denen er in
eigener freier Bearbeitung ſpielte: Haydn (17321809):
Menuett. Hummel (17731837): Walzer. Dittersdorf
(17391799): Deutſcher Tanz. Duſſek (17611812): Alter
Tanz. Weber (17821826): Walzer. Mit dieſen kleinen,
ſchlichten Melodien faszinierte der Künſtler im wahren
Sinne des Wortes. Stürmiſch wurde Duſſeks Alter
Tanz, in dem der Künſtler bei kaum merklicher Bogen=
bewegung
eine wunderbare Fülle rhythmiſcher Tonklänge
erzielte. da capo verlangt. Eine Gavotte von Goſſen, die
dieſer Abteilung ſich inhaltlich anpaßte, ſpielte der Künſtler
als Zugabe. Saint=Saéns Rondo capriccioso bildete
den offiziellen Schluß des Programms. Dieſe melodien=
reiche
Kompoſition gab dem Künſtler noch einmal Ge=
legenheit
, ſein fabelhaftes techniſches Können in hellſten
Strahlen leuchten zu laſſen. Neapolitaniſch von Tſchai=
kowski
und Bachs wundervoll tief angelegte, reinen
Seelenlebens volle Aire als Zugaben auf ſtürmiſches
Beifallsklatſchen geſpielt, beſchloſſen den Abend:
In Enrico Kris hatte Profeſſor Burmeſter nicht
nur einen außerordentlich taktvollen, feinfühlenden Be=
gleiter
, der Künſtler zeigte ſich auch in den von ihm ge=
ſpielten
Soli: Rameau=Godowsky: Rigaudon und Liſzt:
Tarantella Veneziae Napoli als Meiſter des Flügels,
der keine techniſchen Schwierigkeiten kennt und auch dem
ſeeliſchen Gehalt der Kompoſitionen reiſſtes Verſtändnis
entgegenbringt.
Das Großherzogspaar ſowie Graf Stol=
berg
=Roßla wohnten dem Konzert bei. M. St.

[ ][  ][ ]

Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Seite 7.

Die deutſche Militärmiſſion.

* Köln, 21. Jan. Ein aus Berlin datierter Artikel
der Kölniſchen Zeitung beſchäftigt ſich mit der deut=
ſchen
Militälrmiſſion. Einleitend wird betont,
daß die Miſſion nicht einem Gedanken der
deutſchen Politik, ſondern dem Wunſche der
Pforte entſprungen war, was ein Blick auf die Ent=
ſtehungsgeſchichte
beweiſe. Im Mai 1913 erſuchte der
Großweſir Mahmud Scheſket Paſcha den deutſchen Bot=
ſchafter
Frhrn. von Wangenheim, der deutſchen Regierung
die Bitte um Entſendung eines deutſchen Generals
nach der Türkei zu unterbreiten. Der General ſollte mit
weitgehenden Befugniſſen in allen militäri=
ſchen
Fragen ausgeſtattet werden und an der Spitze der
deutſchen Reformer ſtehen, um die gleichmäßige Durch=
führung
der Reformen in der türkiſchen Armee zu ſichern.
Nach Prüfung dieſes Wunſches kam man zu dem Schluſſe,
daß man ihn nicht ablehnen könne, in erſter Linie des=
halb
nicht, weil er ſonſt ſofort von anderer Seite ange=
nommen
würde, und bezeichnete dem Nachfolger des in=
zwiſchen
ermordeten Großweſirs Mahmud Schefket Paſcha,
Said Halim, den General Liman von Sanders als für
die von der Türkei geſtellte Aufgabe beſonders geeignet.
Die Frage der dieſem General zu erteilenden Macht=
befugniſſe
wurde von den leitenden türkiſchen Krei=
ſen
mit großem Intereſſe behandelt, und zwar namentlich
mit Rückſicht darauf, daß es den früheren Inſtruktoren
an der notwendigen Autorität für ihre Arbeit mangelte.
Von Berlin aus iſt die Frage der Kommandogewalt des
Generals Liman von Sanders von Anfang an nicht als
eine ſolche unſeres Preſtiges oder unſerer politiſchen
Geltung behandelt worden, ſondern nach Geſichtspunk=
ten
der militäriſch techniſchen Zweckmäßigkeit. Maß=
gebend
war der Gedanke, daß der deutſche General Be=
fugniſſe
haben müſſe, die eine wirkſame Durchführung ſei=
ner
Reformarbeit verbürgten. Dabei iſt auch ſicher von
deutſcher Seite nicht vergeſſen worden, daß die politiſche
Stellung Deutſchlands in Konſtantinopel nicht durch Er=
folge
oder Nichterfolge dieſer Miſſion berührt werden
dürfe.
Im Laufe des Septembers wurde für die Tätigkeit
der deutſchen Miſſion der Plan aufgeſtellt, mit dem die
türkiſche Regierung vor allen Dingen den Zweck der
Sicherung der notwenligen Kontinuität der
Reformarbeit verfolgte. Der Vektrag ſollte für
fünf Jahre gelten. Politiſche Geſichtspunkte traten bei
den Verhandlungen keinen Auxenblick hervor. Von tür=
kiſcher
Seite ging auch ſpäter der Gedanke aus, das Kon=
ſtantinopeler
Armeekorps dem General Liman von San=
ders
zu unterſtellen, ein Gedanke, für den man deutſcher=
ſeits
aus gewichtigen Geſichtspunkten nicht beſonders ein=
genommen
geweſen war. Bei der Anweſenheit des ruſſi=
ſchen
Miniſterpräſidenten in Berlin im November, fährt
das Blatt fort, wurde die Frage der Militärmiſſion zwi=
ſchen
ihm und den deutſchen Staatsmännern eingehend
erörtert und eine eingehende Prüfung der ruſſiſchen
Wünſche nach dem Fallenlaſſen der Kommandogewalt oder
der Wegverlegung des Amtsſitzes des Generals von Kon=
ſtantinopel
zugeſagt. Im Laufe dieſer Beſprechungen
wurde der Petersburger Regierung mitgeteilt, die Ver=
handlungen
mit der Pforte ſeien ſoweit abgeſchloſſen, daß
eine Aenderung der Bedingungen für die Tätigkeit der
Miſſion zurzeit nicht mehr möglich ſei; jedoch werde der
Miſſionschef nochmals an Ort und Stelle prüfen, ob ſich
die Verlegung des Miſſionsſitzes nach Adria=
nopel
oder Smyrna ermöglichen laſſe. Nach der bisheri=
gen
Prüfung ſcheine es allerdings aus techniſchen Grün=
den
nicht möglich, die Rekormtätigkeit an einem anderen
Platze als in der Hauptſtadt aufzunehmen. Der Artikel
erwähnt dann die Ernennung des Gencrals Liman von
Sanders zum Korpskommandeur, den Schritt der Mächte
der Tripel=Entente, die Ablehnung der offiziellen Antwort
und das Eintreffen der Miſſion am 14. Dezember und be=
tont
, General Liman von Sanders ſtellte ſich von Anfang
an unter Ausſchaltung jedes politiſchen Geſichtspunktes
wie es ganz ſelbſtverſtändlich iſt, auf einen rein militäriſch=
techniſchen
Standpunkt.
Durch die Verjüngung der oberen Kommandoſtellen
wurde der Alters= und Rangunterſchied zu erheblich, um
gegen Liman von Sanders Verbleiben in ſeiner Stellung
als Korpskommandeur nicht ſtarke Bedenken zu wecken.
Die Rangfrage fand mit der Ernennung Liman von San=
ders
zum General der Kavallerie und ſeiner Bekörderung
zu der ranghöheren Stufe eines Marſchalls der türkiſchen
Armee ihren Abſchluß. Gleichzeitig wurden ihm Inſpek=
tionsbefugniſſe
übertragen, nicht nur wegen der Rang=
erhöhung
, ſondern weil man es für zweckmäßig hielt ihm
freie Inſpektionsbefugniſſe zu geben. Der Artikel ſchließt:
Aus der hiſtoriſchen Betrachtung der Angelegenheit geht
hervor, daß ſie für Deutſchland niemals eine Preſtige=
frage
, ſondern ſtets eine Zweckmäßigkeitsfrage und vor=
wiegend
innerer türkiſcher Natur geweſen iſt. Daraus
ergibt ſich einmal, daß es durchaus unverſtändlich wäre
wenn ſich aus dieſer Angelegenheit, die für uns vom poli=
tiſchen
Standpunkt durchaus nicht von derartiger Bedeu=
tung
iſt, wegen etwaiger, wenn auch unberechtigter
Wünſche Rußlands eine Verſtimmung zwiſchen
uns und Rußland ergeben hätte Zum anderen geht
aber auch hervor, daß es durchaus unrichtig iſt wenn ſich
einige deutſche Blätter jetzt auch wieder durch die Hal=
tung
der franzöſiſchen Preſſe dahin beeinfluſſen laſſen, von
einem Fiasko der deutſchen Politik zu ſprechen.
Für den unbefangenen Beurteiler liegt dazu nicht der
mindeſte Anlaß vor.

Luftfahrt.

Die Frage der Einführung von Leuchtfeuern für die
Luftſchiffahrt.
sr. Mit dieſer Frage beſchäftigt ſich zurzeit der Deutſche
Luftfahrer=Verband in intenſiver WWeiſe. Die diesbezüg=
lichen
Vorarbeiten waren recht erſchwert und nahmen
keinen nennenswerten Fortgang, weil auch die Militär=
verwaltung
der Idee kein Intereſſe entgegenbrachte, viel=
mehr
befürchtete, daß die Einführung von Leuchtfeuern
für die Luftſchiffahrt geeignet ſei, die Ausbildung der
Führung ungünſtig zu beeinfluſſen. Neuerdings hat ſich
aber bei einer Reihe von Stadtverwaltungen Entgegen=
kommen
gezeigt. Die Arbeiten ſollten vor einiger Zeit
wieder aufgenommen werden und neue Beſprechungen
mit intereſſierten Kreiſen haben ergeben, daß zweifellos
ein Bedürfnis für die Einführung von derartigen Leucht=
feuern
beſteht. Auch die Militärverwaltung hat ſich mit
der Idee weiter befreundet und es wurden nunmehr für
die weitere Durcharbeitung folgende Grundſätze aufge=
ſtellt
: 1. Feuer erſter Ordnung mit möglichſt großer Licht=
quelle
: a) als Warnungsfeuer mit einer gleichmäßigen
Kennung zur Bezeichnung aller vermuteten Hinderniſſe,
die auf der durchſchnittlichen Höhe ihrer Umgebung un=
vermutet
über 100 Meter hervorragen wie z. B. Statio=
nen
für Funkentelegraphie und Drachenſtationen. Hier=
unter
fallen aber nicht Hinderniſſe, die im Bereiche von
Ortſchaften oder größeren Induſtriekomplexen ohne wei=
teres
auf den Luftfahrerkarten erkenntlich ſind; b) leich=

tere Orientierungsfeuer mit verſchiedenen Kennungen
zur Kennzeichnung von Luftſchiffhäfen größerer Flugplätze
und beſonders exponierten geographiſchen Punkten.
2. Feuer zweiter Ordnung, für die geringere Leuchtſtärke
angewandt werden kann, zur Kenntlichmachung kleinerer
Flugplätze und Flugſtützpunkte, ſowie als Zwiſchenfeuer
zwiſchen den Hauptorientierungsfeuern. Die Spannun=
gen
ſind verſchieden und den Hauptorientierungsfeuern an=
zupaſſen
. 3. Bei der Befeuerung von Luftſchiffhäfen und
Plätzen wird unterſchieden zwiſchen den Anſteuerungs=
feuern
, die identiſch ſind mit den oben bezeichneten Orien=
tierungsfeuern
, und zwiſchen Feuern oder Lichtſignalen,
die als Landungsanweiſungen dienen ſollen. Zurzeit
werden von einer beſonderen Kommiſſion diejenigen
Punkte zuſammengeſtellt, für die nach dem Bedürfnis der
Luftfahrer die Feuer erſter Ordnung in Betracht kom=
men
. Ueber die leichteren Feuer der Luftfahrzeuge, die
der neue Erlaß der Luftverkehrsordnung vorſieht, haben
wir bereits berichtet.

* München, 21. Jan. Heute vormittag iſt auf dem
Flugplatz der Fliegerſtation Schleißheim der Unteroffizier=
flieger
Schweißer aus Nürnberg beim Nehmen einer
Kurve aus einer Höhe von 35 Metern abgeſtürzt. Er war
ſofort tot. Das Flugzeug wurde völlig zertrümmert.

Der Ausſtand in Südafrika.

* Johannesburg, 20. Jan. Der General=
ſekretär
des ſüdafrikaniſchen Bergarbei=
terverbandes
erklärte, in einem Interview, daß die
Mitglieder des Bergarbeiterverbandes nicht
zur Arbeit zurückkehren könnten bis die Regierung das
Kriegsgericht aufgehoben habe, oder der Bergarbeiterver=
band
, oder der Gewerkſchaftsverband ihren durch die Ab=
ſtimmung
gefaßten Streikbeſchluß zurückgenommen hätten.
* Pretoria, 20. Jan. Eine Proklamation
ordnete die unverzügliche Demobiliſierung einzelner Trup=
penteile
in Pretoria, Faureſmith und Durban an.
Gleichzeitig wurde verfügt, daß am 23. Januar in Natal
und Rand einzelne Truppenteile demobiliſieren.
* Johannesburg. 20. Jan. Die Verluſte
die der Rand, abgeſehen von den Koſten des Belagerungs=
zuſtandes
, durch den Streik erleidet, werden auf 2 Mil=
lionen
Mark pro Woche geſchätzt. Nach einer
Schätzung iſt ein Viertel der Bergwerke am Rande noch
außer Betrieb. Der dadurch verurſachte Verluſt an Gold=
förderung
werde auf 3,6 Millionen Mack pro Woche, und
der Verluſt an Löhnen auf 1 Million angegeben. Nach
ſpät heute abend bei den Gruben angeſtellten Anfragen
hält die Beſſerung der Lage an.

Erdbeben.

* Erdbebenwarte Jugenheim, 2/. Jan. Die
Erdbebenſtation Darmſtadt=Jugenheim meldet vom 21.
Januar, 12 Uhr mittags: Bei dem geſtern von mehreren
Erdbebenſtationen kurz nach 1 Uhr beobachteten Fernbeben
handelt es ſich diesmal nicht um ein japaniſches Erdbeben,
der Herd liegt vielmehr in Amerika an der Südküſte von
Alaska.

Handel und Verkehr.

* Berlin, 21. Jan. Der Zentralausſchuß
der Reichsbank wird auf morgen vormittag einbe=
rufen
. Es handelt ſich um eine Diskontherab=
ſetzung
.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt a. M., 21. Jan. Schlachtviehmarkt.
(Amtlicher Bericht.) Auftrieb 1941 Schweine. Preiſe für
50 Kilogramm Lebendgewicht: Fettſchweine über 3 Ztr.
Lebendgewicht 54,557 Mk. (Schlachtgewicht 6871 Mk.),
vollfleiſchige Schweine über 2,5 Zentner Lebendgewicht 54
bis 56 Mk. (6870 Mk.), vollfleiſchige Schweine über 2 Ztr.
Lebendgewicht 54,557 Mk. (6871 Mk.), vollfleiſchige
Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgewicht 5456 Mk. (6870
Mark). Marktverlauf: Geſchäft langſam; Ueberſtand.
Frankfurt a. M., 21. Jan. (Kartoffelmarkt.)
Kartoffel, en gros 3,504 Mark, en détail 4,505 Mk.

Vermiſchtes.

* Eine große Kunſtausſtellung in Stutt=
gart
1914 wird von dem Verband der Kunſtfreunde in
den Ländern am Rhein in der Zeit vom 24. Mai bis zum
15. Oktober veranſtaltet werden. Sie wird vier Gruppen
umfaſſen, nämlich eine württembergiſche Sonderausſtellung
unter eigener Jury der Stuttgarter Kunſtkommiſſion, eine
Ausſtellung der übrigen Verbandsgebiete nach Lands=
mannſchaften
geordnet in je einem Saal, alſo der Schweiz,
von Elſaß=Lothringen, Baden, Heſſen=Darmſtadt,
der Pfalz, Heſſen=Naſſau, Rheinprovinz und Weſtfalen,
ebenfalls unter eigener Jury der jeweils zuſtändigen
Kunſtkommiſſion; eine gemeinſame Ausſtellung hervor=
ragender
Werke aus allen Verbandsgebieten, wobei die
Auswahl durch eine beſondere Jury geſchehen ſoll, die ſich
zuſammenſetzt aus einem Mitglied der Stuttgarter Kunſt=
kommiſſion
, einem vom Verbande ernannten Künſtler und
je einem Künſtler der Kunſtkommiſſion, aus deren Gebiet
Werke zur Auswahl in Frage ſtehen; endlich eine Sonder=
ausſtellung
der ſogen. Expreſſioniſten des Verbandsgebiets
unter beſonderer Jury. Die Ausſtellungen umfaſſen Ge=
mälde
, Plaſtiken und graphiſche Arbeiten. Eine allgemeine
Beſchickung der Ausſtellung aus den einzelnen Verbands=
gebieten
iſt alſo nicht möglich; die Beteiligung hat viel=
mehr
eine Einladung einzelner Werke durch die zuſtändige
Kunſtkommiſſion zur Vorausſetzung. Auch bei den Ein=
ladungen
ſind die Kunſtkommiſſionen genötigt, ſich Be=
ſchränkung
aufzuerlegen, da die den einzelnen Verbands=
gebieten
zugewieſenen Räumlichkeiten naturgemäß be=
grenzt
ſind. Mit der Ausſtellung wird ein Preiswettbe=
werb
vereinigt. Nähere Auskunft erteilt Herr Bürger=
meiſter
Mueller (Rheinſtraße 18), der kürzlich an Stelle
des wegen Arbeitsüberlaſtung zurückgetretenen Herrn Dr.
Willy Merck zum Vorſitzenden der Kunſtkommiſſion Darm=
ſtadt
gewählt worden iſt.

Muſik.

* Im Drei Masken=Verlag Berlin W 30 erſchienen
acht Geſänge für eine hohe Stimme mit Orcheſter von
W. v. Waltershauſen, die in dem heutigen Konzert
von der Kammerſängerin Jracema=Brügelmann geſungen
werden. Der Komponiſt der Oper Oberſt Chabert er=
weiſt
ſich nach den Klavierauszügen in dieſen Liedern auch
als ein feinſinniger, die Kompoſitionstechnik ſicher beherr=
ſchender
Liederkomponiſt von ausgeprägter Eigenart. Den
von dem Komponiſten gewünſchten Eindruck wird man
indeſſen erſt aus dem Vortrag der Lieder mit Orcheſter=
begleitung
erhalten.

Literariſches.

2000 Mark für die Darſtellung zwanzig ausſichts=
reicher
und hoffnungsloſer Frauenberufe. Das Da=
heim
veröffentlicht in ſeiner am 3. Januar erſchiene=
nen
Nr. 14 das Ergebnis ſeines neueſten Preisausſchrei=
bens
, das der erwerbtätigen Frauenwelt durch die über=
ſichtliche
Darſtellung zwanzig neuer Berufe zugute kommt.
Den Preis von 2000 Mark hat die Oberlehrerin Anna
Ramsauer in Hannover errungen. Sie gibt knapp und
klar praktiſche Auskunſt über Vorbildung Ausbildung und
Ausſichten von zwanzig Frauenberufen, die nicht zu den
alltäglichen gehören.
Hygiene der Lunge im geſunden und
kranken Zuſtande. Von Profeſſor Dr. L. von
Schrötter. Zweite verbeſſerte und erweiterte Auflage.
Mit 1 farbigen, 3 ſchwarzen Tafeln und 14 Textbildern.
Broſch. 1,80 Mark, geb. 2,25 Mark. Hygiene des
Auges im geſunden und kranken Zuſtande.
Von Prof. Dr. O. v. Sicherer. Zweite verbeſſerte und er=
weiterte
Auflage. Mit 3 farbigen Tafeln und 13 Text=
bildern
. Broſch. 1,80 Mark, geb. 2,25 Mark. Hygiene
der Zähneund des Mundes im geſunden und
kranken Zuſtande. Vor Prof. Dr. G. Port= Heidel=
berg
. Zweite verbeſſerte und erweiterte Auflage. Mit
4 Tafeln und Textbildern. Broſch. 1,40 Mark, geb. 1,80 M.
Von der altbekannten, im Verlage von Ernſt Heinrich Mo=
ritz
in Stuttgart erſcheinenden Bücherei der Geſundheits=
pflege
liegen wieder drei Bände in neuen Auflagen vor.
Aus den Titeln geht hervor, daß ſie drei ungemein wich=
tige
Gebiete der Geſundheitspflege behandeln. Die Bände
der Bücherei der Geſundheitspflege ſind Meiſterſtücke der
Volksauſklärungskunſt. Proſpekte über die in 24 Bänden
vollſtändig vorliegende Sammlung von Geſundheitsbü=
chern
ſind koſtenlos beim Verlag Ernſt Heinrich Moritz
in Stuttgart bzw. in jeder Buchhandlung zu haben.

Darmſtadt, 22. Januar.
W-l. Großh. Hoftheater. Als Silvio in Leoncavallos
Bajazzo ſetzte Herr Paul Wieſendanger aus Poſen
geſtern ſein Gaſtſpiel fort. Wir können nach dieſer kleinen
Partie, die er zu ſingen hatte, zu einem anderen Urteil
als nach dem erſten Gaſtſpiel nicht kommen. Die Stimme
weiſt in der Höhe einige ſchöne Töne auf, entbehrt aber
in der Tiefe der Modulation und der Plaſtik des Tones,
auch ſteht der Ton nicht immer feſt. Für einen lyriſchen
Bariton iſt das Organ überdies zu dunkel gefärbt. Wir
kommen auf unſeren Vorſchlag zurück, noch mehrere Be=
werber
für das Fach des lyriſchen Baritons, und zwar
in einer der Hauptpartien, gaſtieren zu laſſen.

Letzte Nachricnten.

(Wolffs telege. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 21. Jan. Die Berliner Korreſpondenz weiß
neuerdings auf die ſchweren Ueberſchwemmungs=
ſchäden
der Oſtſee, auf die der Staatsverwaltung
erwachſenden Aufwendungen für die Wiederherſtellung der
Dünen, Dämme und Schutzanlagen und auf die Verluſte
der Gemeinden und Privalbeſitzer hin. Die feſtgeſtellten
Schäden betragen über eine Million Mark; weitere Er=
mittelungen
ſind durch die ausgedehnten Verkehrs=
ſtörungen
, durch Schnee und Eis noch verhindert. Neben
ſtaatlichen und öffentlichen Mitteln ſind finanzielle Bei=
hilfen
von bedeutender Höhe nötig, um die Not der be=
troffenen
Privatperſonen zu lindern. Die Hilfsaktion
liegt in den Händen des ſtandigen Hilfskomitees, Berlin,
Alſenſtraße 10, deſſen Protektorat der Kronprinz über=
nommen
hat.
* Stuttgart, 21. Jan. Heute nachmittag nahm der
Landtag ſeine Sitzungen wieder auf. Im Einlaufe be=
findet
ſich u. a. eine Anfrage des Zentrums und
der Volkspartei mit folgendem Wortlaut: Sind die
Staatsminiſter des Innern und des Kriegsweſens in der
Lage, die auf Grund des Geſetzes vom 28. Auguſt 1849
betreffend, Aufgebot der bewaffneten Macht ſich ergeben=
den
ſtaatsrechtlichen Annahmen zu beſtätigen, daß in
Württemberg bei inneren Unruhen ein Eingreifen
des Militärs nur nach vorausgegangener Aufforde=
rung
der zuſtändigen Zivilbehörde erfolgen darf? Iſt
Vorſorge getroffen, daß die zuſtändigen Organe in den
beiden Departements über dieſe Rechtslage fortlaufend
unterrichtet ſind?
* Wien, 21. Jan. Das Abgeordnetenhaus
hat nach kurzer Debatte einſtimmig den Bericht der
gemeinſamen Konferenz beider Kammern
über die Perſonalein kommenſteuer, zunächſt
ohne Steuerſkala angenommen und den Abände=
rungsantrag
der Slowenen und Chriſtlich=Sozialen auf
Beibehaltung der bisherigen Steuerſätze für Einkommen
von 1800 bis 10000 Kronen mit 268 gegen 77 Stimmen
abgelehnt und lehnte darauf den Chriſtlich=Sozialen Even=
tual
=Antrag, die Steuererhöhung auf die Einkommen
über 4800 Kronen zu beſchränken, ſofern der Ertrag der
Pauſchaleinkommenſteuer 130 Millionen erreiche, ab. In
namentlicher Abſtimmung nahm die Kammer die Steuer=
ſkala
gemäß dem Antrage der gemeinſamen Konferenz und
die Beſchlüſſe der gemeinſamen Konferenz in dritter Leſung
und damit die Perſonaleinkommenſteuer übereinſtimmend
mit den Herrenhausbeſchlüſſen an. (Lebhafter Beifill.)
Darauf wurden Immunitätsangelegenheiten verhandelt.
* Paris, 21. Jan. Aus der Atlantiſchen Kon=
ferenz
, welche ihre Arbeiten heute beendete, wurden
folgende Mitteilungen ausgegeben: Die Anträge der
Hamburg-Amerika=Linie wurden von der Atlantiſchen
Konferenz eingehend erörtert, aber es wurde nicht als
möglich crachtet, ſich über eine Verlängerung der
Uebereinkommen auf einer Grundlage zu verſtändi=
gen
, welche den von der Hamburg-Amerika=Linie ange=
kündigten
Anſchauungen entſprechen würde. Demgemäß
werden alle gegenwärtig zu Kraft beſtehenden Konven=
tionen
der Atlantiſchen Konferenz am 31. d. M. erlöſchen.
Zwiſchen den anderen Geſellſchaften wurden Abmachungen
getroffen, wonach die Bureaus der Konferenz für ſtatiſtiſche
Zwecke ihre Tätigkeit fortſetzen und die Tarife dieſer Ge=
ſellſchaften
in Zukunft von den Umſtänden beſtimmt werden
ſollen. Die Vertragsparteien werden, ſoweit es die Ver=
hältniſſe
zulaſſen, im Einvernehmen vorgehen.
* Paris, 21. Jan. Nach einer Blättermeldung aus
Hanoi (Indochina) wurden in Kanton die Mitglie=
der
der anamitiſchen Revolutionspartei
Pham Boi Scho und Moi Bao Bang verhaftet, welche
beſchuldigt ſind, das im April vorigen Jahres verübte
Bombenattentat angeſtiftet zu haben.
* Amiens, 21. Jan. Heute vormittag fand die Trauer=
feier
für General Picquart ſtatt, welcher Miniſterprä=
ſident
Doumerque, Kriegsminiſter Noulens, Clemenceau
und andere ehemalige Miniſter und zahlreiche Senatoren,
Deputierte und Generäle, darunter Joffre, Alix, d’Amade
und Percin, ſowie Angehörige der wiſſenſchaftlichen, künſt=
leriſchen
und literariſchen Kreiſe beiwohnten. Unter den
Anweſenden bemerkte man auch Alfred und Mathieu Drer
fus und den Advokaten Labori. Eine zahlreiche Menſchen=

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

menge folgte dem Zuge, dem militäriſche Ehrenbezeugun=
gen
erwieſen wurden. Nach dem Vorbeimarſch der Trup=
pen
wurde der Sarg nach dem Bahnhof gebracht, um nach
Paris übergeführt zu werden.
* Liſſabon, 21. Jan. Metallarbeiter und einige
andere Gewerkſchaften legten die Arbeit nieder. Das
Perſonal der Eiſenbahnen im Nordoſten hat die Arbeit
wieder aufgenommen.
* London, 21. Jan. Miniſterpräſident Venizelos
beſuchte in Begleitung des griechiſchen Geſandten Gena=
dius
mittags Sir Edward Grey im Auswär=
tigen
Amt.
* London, 21. Jan. Miniſterpräſident Venizelos
blieb eine Stunde bei Sir Edward Grey und beſprach
mit ihm einige Fragen betr. die Regelung der Balkan=
Angelegenheiten; darauf beſuchte er die Vertreter
einiger fremder Mächte.
* London, 21. Jan. Die Kohlenträger und
Fuhrleute traten heute in den Ausſtand, um einen
höheren Lohn zu erzwingen. Etwa 200 Kohlenhandlungen
werden von dem Ausſtand betroffen. Die Zahl der Strei=
kenden
beträgt etwa 710000.
* Petersburg, 21. Jan. Der Kaiſer empfing heute
im Winterpalais anläßlich der 50jährigen Feier
der Semſtwos die in Petersburg anweſenden Ver=
treter
der Semſtwos. Er richtete an ſie eine kurze An=
ſprache
.
* Konſtantinopel, 21. Jan. Die Befugniſſe des
Marſchalls Liman von Sanders, werden als
innere Angelegenheit der türkiſchen Armee behandelt und
deshalb im einzelnen nicht bekannt gegeben. Ueber den
Umfang und die Ausübung ſeiner Befugniſſe beſteht ein
völliges Einvernehmen zwiſchen dem Marſchall und
Kriegsminiſter. Marſchall Liman von Sanders übt un=
beſchränkte
Inſpektionsrechte aus. Er iſt von ſeiner
gegenwärtigen Stellung, die ihm eine volle Entfaltung
ſeiner Reformarbeit erlaubt, ſehr befriedigt.

H. B. Dresden, 21. Jan. Die Hausſuchungen
bei der Zigarettenfabrik Georg A. Jasmatzi
A.=G. und verſchiedenen anderen Dresdener Zigaretten=
fabriken
haben ein überraſchend umfangreiches Material
ergeben, das die Erwartungen der Gerichtsbehörde bei
Weitem übertroffen hat. Es ſollen Firmen belaſtet ſein,
von denen man bisher geglaubt hatte, ſie hielten ſich vom
amerikaniſchen Tabaktruſt fern. Vor allem ſind die bei
der Jasmatzi A.=G. beſchlagnahmten Briefſchaften von
höchſtem Wert, da Jasmatzi den Mittelpunkt des amerika=
niſchen
Truſtes in Deutſchland bildet. Daß der Truſt
auch in Deutſchland in ſiegreichem Vordringen war, trotz
der gegen ihn getroffenen Maßnahmen erhellt aus einer
Mitteilung, die die Firma Jasmatzi machte. Danach iſt
im letzten Jahre die Fabrikation um 500 Millionen Ziga=
retten
geſtiegen. Hieraus geht hervor, daß ſich der Truſt
Anhänger verſchafft haben muß, deren Betriebe man
bisher für truſtfrei hielt. Ueber das Ergebnis der Unter=
ſuchung
wird vorläufig nichts in die Oeffentlichkeit
dringen, da alle beteiligten Perſonen ſich zum Still=
ſchweigen
verpflichtet haben.

Der Generalpardon.

* Berlin, 21. Jan. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: In der Sitzung des Reichstages vom
16. Januar wurde zur Sprache gebracht, daß in einigen
Verwaltungsbezirken Preußens der den ſogenann=
ten
Generalpardon behandelnde Para=
graph
68 des Wehrbeitragsgeſetzes dahin aus=
gelegt
wurde, daß die von den Beitragspflichtigen gemach=
ten
berichtigenden Angaben nur die Freiheit von Strafe
und einer Nachſteuer für frühere Jahre, nicht aber auch
für das laufende Steuerjahr 1913 zur Folge habe. Wenn
einige preußiſche Veranlagungsbehörden ſich auf dieſen
Standpunkt ſtellten, ſo beruht dieſes Verfahren auf
einer irrigen Auslegung der geſetzlichen
Beſtimmungen. Der Finanzminiſter iſt dem in=
zwiſchen
durch eine Rundverfügung entgegengetreten

Das untergegangene engliſche Unterſeeboot.
* Plymouth, 21. Jan. Nach fünftägigem Suchen iſt
es heute nachmittag gelungen die Liegeſtelle des
geſunkenen Unterſeebootes A. 7 feſtzuſtellen.

Vulkanausbruch auf den Neuen Hebriden.

* Melbourne, 21. Jan. Der hier eingetroffene Damp=
fer
Makambo meldet, daß die Lage der Inſel Am=
brym
(Neue Hebriden) infolge von Vulkanaus=
brüchen
verändert iſt. Das Miſſionsgebäude
und das Hoſpital liegen jetzt 13 Faden unter dem
Waſſerſpiegel, während an anderen Stellen, wo
früher Meer war, zwei Meilen hügeliges Land erſchienen
ſei. Während des Ausbruches bildete die Inſel eine ein=
zige
Maſſe ſiedender Lava. Auch das Waſſer des Meeres
ſiedete und Schildkröten und Fiſche kamen gekocht an die
Oberfläche. Während des Ausbruches waren die Inſeln
Paama und Lovely in Rauch gehüllt.

Briefkaſten.

F. R. Die letzte Aufführung der Medea fand im
September 1911 ſtatt.
W. J., Groß=Gerau. Wir können die Namen in Ihrem
Briefe nicht entziffern. Uebrigens gibt Ihnen jede Buch=
handlung
Auskunft.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hochdruckgebiet hat ſeit geſtern beträchtlich an
Stärke, nicht an Ausdehnung gewonnen und liegt heute
mit einem Kern über England, Nordfrankreich und der
Nordſee. Im Bereich ziemlich gleichmäßig verteilten hohen
Druckes haben wir zwar wolkiges, doch vorwiegend trocke=
nes
, kaltes Wetter. Wir haben morgen keine weſentliche
Aenderung unſerer Witterung zu erwarten.
Vorausſichtliche Witterung in Heſſen am Donners=
tag
, 22. Jan.: Vorwiegend wolkig, keine weſentlichen
Niederſchläge, Froſt, nordöſtliche Winde.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Amerika, von Neu=York kommend,
15. Jan. 6 Uhr 30 Min. morgens Dover paſſiert. Pre=
ſident
Grant, von Neu=York kommend, 14. Jan. 4 Uhr
nachm. Dover paſſiert. Weſtindien, Mexiko: Schaum=
burg
13. Jan. von St. Thomas über Havre nach
Hamburg. Wasgenwald nach Havanna und Mexiko,
14. Jan. 12 Uhr nachts Cuxhaven paſſiert. Süd=
amerika
, Weſtküſte Amerikas: Artemiſia, von der Weſt=
küſte
Amerikas kommend, 14. Jan. 10 Uhr morgens
Dover paſſiert. Batavia, von Buenos Aires kommend,
13. Jan. nachm. von Montevideo über Las Palmas
nach Hamburg. König Friedrich Auguſt, von dem
La Plata kommend, 14. Jan. 7 Uhr morgens von Bou=
logne
. Naſſovia nach Braſilien, 13. Jan. 8 Uhr
abends von Havre. Rugia, von Mittelbraſilien kom=
mend
, 14. Jan. 12 Uhr nachts Queſſant paſſiert. Sala=
manca
nach Braſilien, 14. Jan. 11 Ubr 10 Min abends
Cuxhaven paſſiert. Oſtaſien: Arabia 14. Jan. 5 Uhr
morgens in Rotterdam, heimkehrend. C. Ferd. Laeisz
14. Jan. 6 Uhr morgens von Manila nach Singapore.
Iſtria‟ 14. Jan. morgens Perim paſſiert, heimkehrend
Patricia, Truppentransport nach Oſtaſien, 14. Jan.
3 Uhr nachm. Queſſant paſſiert. Sileſia‟ 14. Jan. 7 Uhr
morgens von Kobe nach Moji. Verſchiedene Fahrten:
Almeria 14. Jan. in Basra. Königin Luiſe nach
dem Miteelmeer, 14. Jan. 12 Uhr mittags Cuxhaven
paſſiert. Vergnügungsdampfer Meteor erſte Mittel=
meerfahrt
, 14. Jan. 8 Uhr morgens in Guernſey.
Victoria Luiſe erſte Weſtindienfahrt, 14. Jan. 1 Uhr
nachm. von Neu=York.

Tageskalender.

Donnerstag, 22. Januar.
Großh. Hoftheater. Anfang 7½ Uhr, Ende nach
10 Uhr (Ab. C): Der Feldherrnhügel.
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Konzert von Jracema=Brügelmann und Werner F.
von Siemens um 8 Uhr im Saalbau.
Frauenkonferenz des Verbandes evang.=kirchlicher
Frauenvereine um 3 Uhr im Feierabend
Wählerverſammlung zur Ortskrankenkaſſe um 8½
Uhr im Feierabend‟
Konzerte: Rummelbräu um 8 Uhr. Café zur Oper
um 8 Uhr.
Ausſtellung zum Kampfe gegen den Schmutz und
Schund in Wort und Bild im Ausſtellungsgebäude auf
der Mathildenhöhe (geöffnet von 108 Uhr).
Bilder vom Tage. (Auslage unſerer Expedition
Rheinſtraße 23): Militäriſche Hilfsmannſchaften im
Ueberſchwemmungsgebiet an der Oſtſee. Winter im
Jungfraugebiet; grönländiſche Polarhunde in der
Schweiz. Nordanſicht von Valona in Albanien.
Empfang katholiſcher Geſellen aus Deutſchland durch
Papſt Pius X. in Rom.
Verſteigerungskalender.
Freitag, 23. Januar.
Holzverſteigerung um 9¼ Uhr in der Oberförſterei
Meſſel (Zuſammenkunft auf der Kreuzung von Waizen=
born
= und Schmellenbruchſchneiſe).
Stamm= und Stangenholz=Verſteigerung
um 9 Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald ( Zuſam=
menkunft
am Diſtrikt Schorrsberg auf der Straße Ober=
Ramſtadt-Nieder=Modau).

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Fdus 3 Jahrzehnten bewährt bei Husten, Heiserkeit,
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Familiennachrichten.

Statt beſonderer Anzeige.
Heute früh verſchied nach langen, ſchweren
(*1633
Leiden der Leutnant a. D.
Herr Julius Ameluna
im 55. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Elisabeth Beyer,
geb. Amelung.
Darmſtadt und Parchim i. M.,
den 21. Januar 1914.
Die Einäſcherung findet nachmittags 3 Uhr im
Krematorium zu Offenbach a. M., Freitag,
den 23. Januar, ſtatt.

Statt jeder beſonderen Anzeige.
Heute früh verſchied infolge eines Herz=
ſchlags
im 80. Lebensjahre unſere gute Mutter,
Großmutter und Schwiegermutter
(2541
Frau Emilie Gross.

Darmſtadt, den 21. Januar 1914.
Für die Hinterbliebenen:
Louis Hisserich.
Die Beiſetzung findet in Stuttgart ſtatt.

Danksagung.
Für die freundliche troſtreiche Teil=
nahme
anläßlich des erlittenen herben
Verluſtes dankt beſtens
Darmſtadt, den 21. Januar 1914
Wilhelm von Follenius
Hauptmann des k. und k. Feſtungs=
Artillerie=Bataillons Nr. 5.
(2546

Danksagung.
Für die anläßlich der Bezrdigung unſerer
teuren Mutter, Großmutter uxld Schwiegermutter
Frau Lehfer Schatel Miend
geb. Hörle
erwieſene Teilnahme, ſowie für die überaus zahl=
reichen
Blumenſpenden, ſagen wir herzlichen Dankg
Darmſtadt, Feldkrücken, 21. Januar 1914.
Die Hinterbliebenen:
Familie Keil,
Frau Traub Witwe und Kinder,
2575)
Emilie Schäfer.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem Geſchäfts=
leben
: Carl Iriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträg=
liche
werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.

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Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

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Herluns, ½= bis
¾pfündig . Pfd. 35 Pfg.
Gebackene Liſchkoteletts
Pfd. 60 Pfg., täglich friſch
Marinierte Heringe
in milchner Sauce, Stück 12 Pfg.
Rieſen=Rollmöpſe
Stück 12 Pfg.
Ruſſiſcher u. Herings=Salat
½ Pfund 60 Pfg.

la Landbutter
bei Ballen Pfund

1.15

Karlstr. 47
Telephon 641.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

In Proz.
Staatspaviere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 100,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 85,60
76,40
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99.60
3½ do. Conſols . . . 85,50
76,20
do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,40
91,50
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 96,75
84,00
do.
75,00
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,00
4 Heſſ. Staatsanleihe 97,80
4 do. do. (unk. 1918) 96,80
do.
3½
73,50
do.
76,25
3 Sächſiſche Rente . .
4 Württemb. (unk. 1921) 98,70
31
do. v. 1875 92,50
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 95,60
1½ Griechen v. 1887 .
4 Italiener Rente . . . . 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente 86,75
4 do. Goldrente . . . 88,60
4 bo. einheitl. Rente . 82,90
3 Portug. unif. Serie I 61,90
3 do. unif. Serie III 64,10
3 do. Spezial . . . . 9,7
5 Rumänier v. 1903 . . 100,00
4 do. v. 1890 . .
4 do. v. 1905 . . 85,00
87,50
4 Ruſſen v. 1880 .
9 50
4 do. v. 1902
99,10
½ do. v. 1905 .
1½ Schweden . . .
4 Serbier amort v. 1895 79,00
4 Türk. Admin. v. 1903 77,50
4 Türk. uniſiz. v. 1903 86,8
4 Ungar. Galdrente . . .84, 10
4 do. Staatsrente . . 82,50

f.
In Proz.
5 Agentinier . . . . . . . 99,50
do.
4
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,00
5 Chineſ. Staatsanleihe.
90,70
do.
4½
4½ Japaner . . . . . .
5 Innere Mexikaner. . . 64,0)
do.
3
4 Gold=Mexikaner v. 1904 70,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 89,75
3½ Buenos Aires Prov. 67,25
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=Paket=
.. . 136,71
fahrt
7 Nordd. Lloyd. . . . . 117,25
6½ Südd. Eiſenb.=Geſell. 122,30
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5½ Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 117,25
6 Baltimore und Ohio 93,25
7½ Schantungbahn . . . 127½
8 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.)
6 Pennſylvania R. R. . 110,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger. . . 67,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 578,80
14 Chem. Fabrik Gries=
heim

.. . . . 253,00
30 Farbwerke Höchſt. . . 626,00
20 Verein chem Fabriken
Mannheim . . . . 348,00
10 Cement Heidelberg . . 152,0
33 Chem. Werke Albert 449,50
12 Holzverkohl. Kon=
ſtanz
. . . . . . . 316,00
6 Lahneyer . . . . . . 179,50

ketzte
InProl.,
Divid.
8 Schuckert, Nürnberg . . 146,00
12 Siemens & Halske . 214,00
5 Bergmann Electr. . . 128,0
11 Deutſch. Ueberſee Electr. 171,20
0 Gummi Peter . . . . 90,75
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . . 363,25
9 Maſchinenf. Badenia 131,00
0 Wittener Stahlröhren
10 Steana Romana Petr. 149,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 224,00
12.83 Bad. Zucker=Wag=
208,00
häuſel .
0 Neue Boden=A. A.=Geſ. 91,00
0 Südd. Immobilien . 56,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 162,50
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 219,00
10 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 136,40
10 Gelſenkirchener . . . . 191½
11 Harpener . . . . . . . 184,70
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 239,30
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro
. 63,50
8 Laurahütte . . . . . . 156,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 148,00
Weſteregeln 191,75
13
5 South Weſt Africa . 115,00
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 84,20
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 92,10
4 Eliſahethbahn, freie . . 88,90
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 86,00
3 Prag=Duxer . . . . . . 71,60
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,30
4 Oeſterr. Staatsbahn . 87,90
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,70
4 Oezt. Südb. (Lomb.).

In Pest
Zf.
20. Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,80
. 76,90
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 85,40
4 Ruſſ Südweſt. .
86,50
4½ Moskau=Kaſan . . . 96,10
86,60
do.
4 Wladichawchas . . . . 87,20
4 Rjäſan Koslow . . . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . . 68,50
do.
85,50
4½
24/10 Livorneſer . . . . . 71,75
3 Salonique=Monaſtir . . 62,70
4 Bagdadbahn . . . . . . 79,90
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 91,80
4 Miſſouri=Pacific
94,10
4 Northern=Pacific
. 91,25
Southern=Paciſic
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 101,00
5 Tehuantepec . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 186,80
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bank . . . . . . . 145,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 159,00
6½ Darmſtädter Bank . 119,50
12½ Deutſche Bank . . . 252½
6 Deutſche Vereinsbank . 120,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 114,50
10 Diskonto=Kommandit 191,00
8½ Dresdener Bank . . 154½
10 Frankf. Hypoth.=B. 213,50
6½ Mitteld. Kreditbank 119,00
7 Nationalb. f. Deutſchl. 117, 0
7 Pfälziſche Bank
123,50
6.95 Reichsbank . . . . . 139,00
7 Rhein Kreditbank . . . 128,75
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 101,70
7½ Wiener Bankverein . 134,90
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 . . . 94,00

In pon.
3t.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . 84,50
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 1519, 2 26 93.50
4 Hamb. Hypoth.=Bunk . 95,00
84,00
do.
3½
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,20
84,20
do.
31
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
96,50
S. 12, 13, 16 .
G. 14, 15, 17, 24/26
96,50
1823
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 84,20
84,00
S. 35
84,10
S. 911.
4 Meininger Hyp.-Bank 95,00
do.
84,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 83,40
3½ do. (unk. 1914) . . 83,20
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 96,90
do.
86,50
3½
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt
94,50
.
3½ do.
4 Frankfurt.
95,70
3½ do.
96,00
4 Gießen
3½ do.
84,00
4 Heidelberg
93,60
3½ do.
84,50
4 Karlsruhe.
3½ do.
85,40
4 Magdeburg
4 Mainz
95,00
3½ do.
4 Mannheim
91,40
3½ do.
84,8
4 München
96,30
3½ Nauheim
83,1O
4 Nürnberg
95,30
do.
84,60
4 Offenbach
-

3t.
In Proz=
3½ Offenbach
4 Wiesbaden .
3½ do.
4 Worms .
3½ do.
4 Liſſabonner v. 1888 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 176,40
3½ Cöln=Mindner 100 111,70
3 Holl. Komm. . fl. 100 117,50
3 Madri er . . Fs. 100 75,50
4 Meininger Pr. Pfand=
142,00
briefe .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 178,50
128,00
3 Oldenburger .
2½ Raab=Grazer fl. 150 110,25
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
..ſl. 7
Augsburger.
Braunſchweiger Tlr. 20 207,40
. Fs. 15
Freiburger .
Fs. 45
Mailänder .
Fs. 10
do.
Meininger . . . . fl. 7 34,10
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100 564,00
Ungar. Staats . . fl. 105
Venediger . . . . Fs. 30 74,50
Türkiſche . . . . Fs. 400 169,80
Gold, Silber und
Bantnoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,45
20 Francs Stücke . . . . 16,20
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten .
20,51
Franzöſiſche Noten . . . . 81,30
Holländiſche Noten . . . . 169,35
Italieniſche Noten . . . . 80,90
Leſterr =Ungariſche Noten 85,00
Ruſſiſche Noten . . . . . 215,00
Schweizer Noten . . . . . .1,15
Reichsbank=Diskonto . . . 5
Reichsbank=Lombard Zsf. 6%

Aolansd

Allgemeines Handels-Institut
Heinrich Moeller.

Sanierungen. Moratorien.
Aussergerichtliche Arrangements.
L. quisat. onen.

Revisionen von Büchern und Bilanzen. :: Bilanzaufstellungen.
Beratung in Steuerangelegenheiten. (Wehrsteuer u. s. w.
Vermögens- und Nachlassverwaltung. :: Testamentsvollstreckung.
Auseinan dersetzungen.
Uebernahme von Treuhandfunktionen aller Art.
Ankauf. :: Beleihung.
Einziehung von Forderungen (ohne Kostenvorschuss).
Bankkommission.
(1924a

Rheinstrasse 4.

Jelepfion 476.

Tanz onterricht.

Bis Faſtnacht werden noch ſämtliche Rund= und moderne
Tänze gründlich gelehrt. Auch können ſich noch einige Damen und
Herren an einem Privat=Zirkel beteiligen.
(*1614

Privatſtunden jederzeit.
H. Volkert und Tochter
Ellsabethenstraße 17, I., Ecke Wilhelminenſtraße.
oo6606t6660060600

Nach den gesetzl. Bestimmungen ist die Weiterbedienung
der Kundschaft an Sonntagen nach 12 Uhr verboten. Da in letzter
Zeit eine grosse Zahl unserer Mitglieder empfindlich bestraft worden
sind und um einen rechtzeitigen Ladenschluss zu ermöglichen
sehen wir uns veranlasst, unsere Geschäfte an Sonntagen

um ¾12 Uhr

zu schliessen. Wir bitten verehrl. Publikum hiervon gefl. Kenntnis
nehmen zu wollen.
Hochachtungsvoll
2563)
Friseur-Innung Darmstadt.
Wogsesgessteeseeeeeeee
Boheere7
Hepuhee
CRRAEE‟
Verſicherungs-Aktiengeſellſchaft
Winterthur

Speck
feinste westfäl. Pfund 1.00
Dörrfleisch Ware Pfund 1.05
Blutwurst geräuchert . . Pfund 60 Pf.
Rotwurst geräuchert . . Pfund 70 Pf.
Leberwurst ger., westfäl., Pfd. 85, 75 Pf.
Mettwurst, ger., ausgew. Pfund 1.20
zum Kochen und Rohessen
Mettwurst braunschw. Pfund 1.25
Echte Thüringer
Cervelat u. Salami ausgew. Pfd. 1.70

Monatsbinden
in hygienisch einwandfreier
und bester Qualität, ebenso
Damengürtel
kaufen Sie am vorteil-
haftesten
im (2571a
Reformgeschäft,Arista‟
Ernst-Ludwigstraße 3.

Kaffee billig
stets frisch gebrannt
Pfund 1.80, 1.70, 1.60, 1.50, 1.40, 1.30, 1.20
Jedes Pfund mit 4 Prozent Rabattmarken.
Nährsalz-Kaffee Familienwohl‟
Pfund 45 Pf.
Tafelmargarine täglich frische Sendungen
Pfund 100, 90, 80, 75, 70, 05 Pf.
Jedes Pfund mit 4 Prozent Rabattmarken.

Verloren

(*1616

wurde eine ſilberne Damenuhr
mit Kugelkette. Abzugeben gegen
Belohnung Rhönring 65, 1. Stock.
Medaillon
verloren
am Sonntag abend, von Frank=
furterſtraße
nach Hotel Prinz Carl;
mattgold mit lila Stein, im
Innern 2 Photographien von Ver=
ſiorbenen
, weshalb um dringende
Rückg. gebeten wird bei g. Belohn.
*1629) Frankfurterſtr. 88, I.

Entlaufen
Jagdhund mit br. Flecken, ohne
Halsband. Vor Ank. wird gewarnt.
Nachr. erb Haller, Gemeinderechner,
Hahn b. Pfungſtadt.
(503

Schwarzer Dackelhund
zugelaufen.
(2550
Landgraf=Philipp=Anlage 62.

Kanee- und Bobchbiketckhaus
nur Rheinstrasse 5 am Schloss
Telephon 1558.
(2540

Akademiſche Zuſchneide=Schule
Darmſtadt, 34 Waldſtraße 34.
Vorzüglichen erſtklaſſigen Unterricht im Zeichnen, Zuſchneiden,
praktiſchem Verarbeiten, Modellieren nebſt Spezialkurſen in Jackett=
kleidern
(Schneiderarbeit) erteilt
(2515
Frieda Erbes
akademiſch geb. Lehrerin. Damenſchneidermeiſterin.
Schnittmuſterverkauf. Entritt am 1. und 15. jeden Monats.
Keinſte Referenzen.

Spoltb. z. vert.: 2 gl. pol. Beite,
dazu paſſ. Waſch= u. Nachttiſch,
Marmor, 2 Dienſtbotenbetten, kl.
Tiſch u. Verſch. Alte Schwanen=
ſtraße
12, Ecke Gardiſtenſtr. (*1660

1 Glasſchrauk
Waſchkommode, Salontiſch, Spiegel
4 Stühle ꝛc. ꝛc. billig aus Privath.
Magdalenenſtr. 1, part.
(*1638

Kurſe vom 21. Januar 1914.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß perſönliche Rück=
ſprachen
in allen Militär=Erſatzangelegenheiten ſowie wegen Erteilung der Berech=
tigungsſcheine
für den einjährig=freiwilligen Dienſt und Zulaſſung zur Prüfung für
den einjährig=freiwilligen Dienſt auf dem Militär=Büro der unterzeichneten Stellen
von jetzt ab bis zum 1. April d. Js. nur in den Vormittagsſtunden von 9 bis
12 Uhr ſtattfinden können.
Darmſtadt, den 20. Januar 1914.
(2517
Großh. Kreisamt
Der Vorſitzende der Großh. Prüfungs=
Darmſtadt.
Kommiſſion für Einjährig=Freiwillige.
In Vertr.: Dr. Reinhart.
von Starck.

Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur Kenntnis der Beteiligten, daß die Leib=Kompagnie des
Leibgarde=Regiments Nr. 115 bis 31. März 1914 2 jährig Freiwillige für Herbſt 1914
annimmt.
Dieſelben müſſen gute Füße und gute Augen haben und, ohne Stiefel gemeſſen,
mindeſtens 1,78 m groß ſein.
Schuhmacher und Schneider können auch geringere Größe haben.
Meldung der Freiwilligen Dienstags vormittags bis 10 Uhr auf der Schreib=
ſtube
der Kompagnie, Darmſtadt, Infanterie=Kaſerne, Alexanderſtraße 22, Neubau.
*Darmſtadt, den 9. Januar 1914.
(1899dd
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks
Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
üinden
ſich: 1 Pinſcher. 1 deutſcher Schäferhund. 1 Pinſcher ( zuge=
laufen
). Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=
Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten
Hunde findet dartſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt. (2511

Beranntmachung.

Unter den Pferden der 2. Eskadron des Garde=Dragoner=
Regiments (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23 iſt die Bruſtſeuche ausgebrochen.
Darmſtadt, den 20. Januar 1914.
(2510
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Holzverſteigerung.

Mittwoch, den 28. Januar I. Js., vorm. ½9 Uhr,
wird in der Brücher’ſchen Wirtſchaft zu Arheilgen das Durch=
forſtungsholz
aus Niederes Hirtenhäuſer Hegſtück 19 und 21, Forſt=
wartei
Kalkofen (Nr. 20526), ſowie das Türr= und Windfallhols
aus Feldhügel, Waldaxtteil, Brunnershegſtück und Zachariaseck der
Forſtwartei Steinacker (Nr. 100196) verſteigert:
Scheiter, rm: 154 Buchen I. Kl., 147 Buchen II. Kl.,
125,6 Eichen, 2 Erlen, 36 Kiefern, 2 Fichten, 1 Lärche;
Knüppel, rm: 234 Buchen, 18: Eichen, 28 Birken, 4 Erlen,
45 Kiefern, 3 Fichten: Reiſig, Wellen: 8570 Buchen ( hier=
von
3300 Wellen Stammreiſig im Diſtr. Waldaxtteil);
Stöcke, rm: 75 Buchen, 14 Eichen.
Der Durchforſtungsſchlag in Forſtwartei Kalkofen liegt zwiſchen
Dreiſchläger=Allee, Erzhäuſer Weg und Langſchneiſe; das Holz aus
Forſtwartei Steinacker ſitzt größtenteils in nächſter Nähe der Drei=
ſchläger
=Allee zwiſchen Langſchneiſe und Mühlwieſe und iſt auf der
Hanauer=Steinſchneiſe nach der Frankfurterſtraße hin gut abzufahren.
Auskunſt erkeilen Förſter Loeſch zu Kalkoſen und Forſtwart
Bayerer zu Krauſe=Buche, Poſt Egelsbach.
Darmſtadt, den 20. Januar 1914.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(2508

Staum= u. Stangenholz= Verſeigerung.

Im Gemeindewald Ober=Ramſtadt werden an Ort und Stelle
verſteigert:
Freitag, den 23. Januar Ifd. Js., vorm. 9 Uhr,
im Diſtrikt Schorrsberg:
179 Fichte=Stämme v. 1428 cm mittl. Durchm., 818 m Länge
28 Fichtederbſtangen v. 1011 cm
1216 m
Samstag, den 24. Januar lfd. Js., vorm. 9 Uhr,
in den Diſtrikten Finſterhöllenberg, Griesbach, Eichelberg und Gün=
kelbach
:
148 Fichte=Stämme v. 1531 cm mittl. Durchm., 1018 m Länge,
Zuſammenkunft am erſten Tag am Diſtrikt Schorrsberg auf
der Kreisſtraße Ober=Ramſtadt-Nieder=Modau. Am zweiten Tag
am Diſtrikt Finſterhöllenberg auf dem Vezinalweg Nieder=Ramſtadt-
Nieder=Modau, auf der ſog. Kreuzſtraße.
(2163gid
Ober=Ramſtadt, 16. Januar 1914.
Großherzogl. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Stammholzverſteigerung.

Montag, den 26. Januar 1914, vormittags 9 Uhr
anfangend, werden im Pfungſtädter Gemeindewald, Diſtrikt Malcher=
tanne
,
217 Kiefernſtämme
von 7053 cm mittlerem Durchmeſſer und 316 m Länge an Ort
und Stelle meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft am Seeheimerwen (Bahnwärterhaus).
Korſtwart Weingärtner iſt zur Auskunfterteilung beauſtragt.
Bemerkt wird, daß ſich ſehr ſchönes Schnittholz darunter befindet.
Pfungſtadt am 19. Januar 1914.
(2381md
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Das Scke der Bahnhof= und
Schulſtraße

gelegene reichseigene Poſtgrundſtück in Friedberg (Heſſen) Flur II
Nr. 348¾10, Flächeninhalt 714 qm. Schätzungswert 94 000 Mark,
(1970fdm
ſoll am
Samstag, den 14. Februar ds. Js.,
11 Uhr vormittags,
im Amtszimmer des Unterzeich eten öffentlich verſteigert werden.
Das Grundſtück iſt mit einem zweigeſchoſſigen Hauptgebäude
und einem eingeſchoſſigen Nebengebäude in einer Geſamtfläche von
etwa 490 am bebaut. Das Hauptgebäude umfaßt außer den Keller=
und 11 Dahgeſchoßräumen im 1. und 2 Geſchoſſe zuſammen 19, meitt
größere Räumlichkeiten. Die Verſteigerungsbedingungen können auf
dem Amtszimmer des Unterzeichneten, ſowie des Kaiſerl chen Poſt=
amts
in Friedberg während der Geſchäftsſtunden eingeſehn werden
und werden außerdem beim Beginn der Verſteigerung verleſen werden.
Friedberg, den 12. Januar 1914.
Der Großherzogliche Notar:
öckel. Geh. Irſtirat.

Sute Regelbaln-
Dienstag= und Mittwoch=Abend frei
(1632a
im Coneordiasaal, Waldstrasse 33.

Bekanntmachung.

Donnerstag, 26. Februar I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die der Witwe des Zimmer=
manns
Jakob Appelmann, Anna
Margarete, geb. Montog, dahier
und deren Kindern zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 594¾/10 222 Hofreite Rhön=
ring
Nr. 15,
III 594 67 Grasgarten
(Vorgarten)
daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(B793
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 16. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII, 2531

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Die Holzverſteigerungen Nr 5
und Nr. 6 vom 19. bezw. 20. Ja=
nuar
l. Js. ſind genehmigt. Aus=
gabe
der Abfuhrſcheine am 26.
bezw. 29. ds. Mts., Tag der Ueber=
weiſung
und erſter Abfuhrtag am
26. bezw. 29. ds. Mts. (2506
Darmſtadt, 20. Januar 1914.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Versteigerungen
und Taxationen
von Nachläſſen, Haushaltungen
u. Waren aller Art übernimmt
unter gewiſſenhafter Ausführung
F. Kurtz
Auktionator u. Taxator
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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

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Durch Mitglieder eingeführte Gäste willkommen.

NB. Unsere Mitglieder erhaften gegen Vorzeigen der Mitglieds-
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Heinrich Arnold, Wilhelminenstrasse.
(*1376gid

Berein ſur das Brusſchtnm iur Rabland
(Allgemeiner deutſcher Schulverein) E. V.
Männerortsgruppe Darmſtadt.
Mitglieder=Verſammlung
Freitag, den 23. Januar 1914
im Gartenſaale der Vereinigten Geſellſchaft
um 6 Uhr abends.
Tagesordnung: 1. Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr.
2. Abhörung der Rechnung.
3. Verwendung über das verfügbare Vermögen.
4. Neuwahl des Vorſtandes.
(2507
Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder bittet
Der Vorſtand.

Kriegerverein Darmstadt
Schutzherr: Se. Kgl. Hoh. d. Großherzog Ernſt Ludwig.
Feier des Allerhöchsten
Geburtstages Sr. Majestät d. Kaisers
Samstag, den 24. Januar, abends 8½ Uhr
im Städtiſchen Saalbau
beſtehend aus Deklamation, Geſana Feſtanſprache, Konzert u. Tanz.
Zutritt haben nur die geladenen Ehrengäſte, unſere Ehrenmitglieder
und Mitglieder nebſt ihren Familienangehörigen. Fremde Perſonen
können nur durch Mitglieder eingeführt werden.
(2537
Orden, Ehren= und Verbandsabzeichen ſind anzulegen.
Der Vorſtand.

Kavallerie-Verein Darmstadt
(Mitglied des Haſſia=Verbandes).
Sonntag, 25. Januar 1914, abends präzis 7½ Uhr
im großen Saal des Schützenhofs:
Kaiſersgeburtstags-Feier
beſtehend aus Vorträgen, Theater und lebenden Bildern. Anſchließend
Ball

wozu wir ſämtliche Kameraden und deren Angehörigen, ſowie
Freunde und Gönner des Vereins herzlich willkommen heißen. (2512ds
Eintritt 35 Pf., 1 Dame frei. Kaſſenöffn. 6½ Uhr. Der Vorstand.

ded
Donnerstag, 22. und Freitag, 23. Januar
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Saalbau Darmstadt
Donnerstag, den 22. Januar 1914, abends 8 Uhr
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Stuttgart
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Werner F. von Siemens, nünchen
unter gütiger Mitwirkung der
Grossherzoglichen Hofkapelle Darmstadt.
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.. . L. van Beethoven
2. Acht Gesänge für eine hohe Stimme u. Orchester Hermann W. von Waltershausen

a) An einem Grabe (Mathias Claudius).
b) Virgo et Mater (Friedrich Hebbel),
c) Aus dem dreissigjährigen Krieg (Ricarda Huch),
d) Aus dem Wiener Prater (Friedrich Hebbel),
e) Liebster, nur dich sehn, dich hören (Fr. Rückert).

7) Romanze aus der Postkutsche (ulius Otto
Stoeger),
9) Das verschwundene Sternlein (Mathias Claudius),
h) Wenn Gott sich ernebt (Friedr. Gottl. Klopstock)
Zum ersten Male.

PAUSE.
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Joh. Brahms.
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derOriginal-Tango
getanzt v. Resi Krizek und
Heinz Oehlerking
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v. d. Riedburg, beſt. Polizeihund
Darmſtadts, vielfach mit erſten
Preiſen gekrönt; Mutter: Nelly
v. Meerbach (nach Champion Ruſh
von Grafenſtaden), auf Ausſtellung
und bei Polizeijunghundprüfung
prämiert. Die Welpen ſind gut
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Vicenza . . . . Br. Harprecht
Herzog Karl Eber=
hard
von Fries=
. Frz. Schneider
land . .
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burg
, ſ. Flügel=
adjutant
. . Emil Jannings
Der Korpskom=
. Heinrich Hacker
mandant .
Oberſt von Leuck=
Johs. Heinz
feld . .

Seine Frau
Seine Tochter
Minka . ..
Der Major. .
Seine Frau

Minna Müller=
(Rudolph
Eliſabeth Horn
Paul Peterſen
Agn. Wisthaler

Rittmeiſter Turek Hans Debus
Seine Frau . . Ottilie Forſt
Seine Tochter Ada Luiſe Kümmel
Rittm. Mirkowitſch
von Drinabran . Auguſt Kräger
Ritm. Frhr. von
Jennewein . . Kurt Ehrle
Oberlt. Riedel v.
Treuſchwert, Re=
gimentsadjutant
Emil Kroczak
Oberlt. Graf Ri=
manski
, Proviant=
offizier

. A. Waſſermann
Oberlt. Jäger. . Hans Vertram
Leutn. Palitſchek. Otto Thomſen
Der Fähnrich . . Käthe Gothe
Der Regiments=
arzt
.
. Rich. Jürgas
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. Paul Eisner
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kaſſe
im Hoftheater von 9½1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 31 Uhr und von 2½, Uhr
bis kurz vor Beginn der Vor=
ſtellung
. (Im Verkehrsbüroswer=
den
auch telephoniſch Kartenbe=
ſtellungen
entgegengenommen.
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ Uhr. Ende nach 10 Uhr.
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Freitag, 23. Jan. 95. Ab.=Vſt.
D 25. Grillparzer=Zyklus. Zweiter
Abend: Die Ahnfrau meu
einſtudiert) Kleine Preiſe. An=
fang
7½ Uhr.
Samstag, 24. Jan. 96. Ab.=Vſt.
C 24. König Karl. Gew.
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Sonntag, 25. Jan. Nachmitt.
2½ Uhr. Außer Abon. 22. Volks=
vorſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Wenn ich König wäre!
Vorverkauf bis einſchl. Samstag,
24. Jan., nur im Verkehrsbüro,
Ernſt=Ludwigsplatz. Verkauf der=
etwa
noch vorhandenen Karten am
Tage der Vorſtellung auch an der
Tageskaſſe im Hoftheater, vorm.
von 11 Uhr ab. Abends 7½
Uhr. 97. Ab.=Vſt. A 25. Film=
zauber‟
Gewöhnliche Preiſe.
Aus dem Spielplan.
Montag, 26. Jan. Außer Ab.
23. Volksvorſtellung zu ermäßigten
Preiſen. Grigri. Anfang 7½
Uhr. Vorverkauf bis einſchließl.
Montag, 26. Jan., nur im Ver=
kehrsbüro
, Ernſt.: Ludwigsplatz.
Verkauf der etwanochvorhandenen
Karten am Tage der Vorſtellung
auch an der Tageskaſſe im Hof=
theater
zu den übl. Kaſſeſtunden.

[ ][  ][ ]

Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Jauuar 1914.

Seite 13.

Das Tippfräulein.
Roman von Gertrud Stokmans.
(Nachdruck verboten).
12

Nun weiß man aber, wer und wo er iſt, warf Gabi
mit unterdrückter Erregung ein.
Die alte Dame nickte. Das mag wohl ſein. Die Wahr=
heit
dringt früher oder ſpäter immer durch, und er hat
keinen Grund, ſich auf die Dauer zu verſtecken, aber es gibt
viele Wardenburgs in der Provinz, und wer ſich in der
guten Geſellſchaft nicht zeigt, wird ſchnell vergeſſen. Er
iſt auch immer noch ein bißchen menſchenſcheu. Der An=
ſchluß
an unſere Familie genügt ihm vollkommen, und ich
bin überzeugt, er wird ſich freuen, wenn all die fremden
Menſchen wieder abgereiſt ſind.
Gabi ſchüttelte das kleine Köpfchen und ſchauſpielerte
geſchickt weiter, um noch mehr zu erfahren. Dieſe Freude
begreife ich nicht, ſagte ſie ſeufzend. Die vielen Gäſte brin=
gen
doch Leben ins Haus, und er könnte doch gewiß in
Ihren Kreis eingeführt werden, wenn er es nur wollte.
Aber er will eben nicht, war die Antwort. Er iſt ein
ſtolzer, ſpröder Charakter, und man kann ihn weder modeln
noch zwingen. Auch ſeine Abhängigkeit von meinem Bru=
der
iſt nur Schein. Er beherrſcht in Wahrheit die Wirt=
ſchaft
mit unbeſchränkter Machtvollkommenheit, aber ſein
feines Taktgefühl weiß nach außen die Grenze zu wahren,
und ſo kommt es nie zu Differenzen irgend welcher Art.
Beſucht der Herr Oberinſpektor Sie jetzt auch noch zu=
weilen
? fragte Gabi zögernd.
Freilich, war die Antwort, ich bin ſeine beſondere
Freundin, wie ich die Freundin ſeiner verſtorbenen Mut=
ter
war. Seit meine Augen ſo ſchlecht geworden ſind,

kommt er jeden Tag auf ein halbes Stündchen oder ein
paar Minuten, je nachdem, und wir plandern ſehr gemüt=
lich
zuſammen. Von Ihnen und Ihrer vortrefflichen Aus=
bildung
habe ich ihm auch ſchon erzählt, und er freut ſich,
daß ich eine ſo gute Vorleſerin habe. Im übrigen will er
aber von jungen Mädchen nichts wiſſen. Sie werden ihn
kaum bei mir treffen. Nur ein Zufall kann Sie mit ihm
zuſammenführen.
Dieſer Zufall, auf den die alte Dame durchaus nicht
rechnete trat ſchon am nächſten Morgen ein.
Gräfin Gabi ſaß hinter ihrer Schreibmaſchine und
klapperte eifrig, während der General diktierte, als War=
denburg
eilig mit kurzem Gruß und dröhnendem Schritt
das Archiv betrat. Er kam ſonſt nie um dieſe Zeit und
entſchuldigte ſein Erſcheinen durch die Dringlichkeit der
Angelegenheit. Daß der Baron ſeinen und Gabis Namen
vorſtellend flüchtig nannte, bemerkte er kaum. Er wandte
ſich ſogleich an ihn, zeigte ihm eine Offerte, die mit der
Morgenpoſt angekommen war, und legte die Antwort
gleich daneben.
Fräulein Flotts Stellvertreterin klopfte das Herz. Sie
ſchaute vorſichtig ſeitwärts nach ihm hin, Glaubte ſich ſelbſt
aber hinter ihrer Maſchine genügend geborgen und neigte
den Kopf ſo tief herab, daß man von weitem nur den
ſchwarzen Scheitel ſah.
Plötzlich ſagte der Baron: Fräulein Schacht, wir
müſſen unſere Arbeit unterbrechen. Hier iſt ein Brief, der
ſogleich abgeſchrieben werden muß, und im nächſten Augen=
blick
ſtand Wardenburg vor ihr.
Er legte das Konzept vor ſie hin, um noch einige
Weiſungen zu geben, und ſie konnte in ihrer Stellung nicht
verharren. Sie mußte ihn anhören und, ſachgemäße Will=

fährigkeit und Aufmerkſamkeit bekundend, zu ihm auf=
ſehen
.
Die gefürchtete Wirkung blieb nicht aus. Er ver=
ſtummte
mitten im Satz und ſtarrte ſie regungslos an.
Wäre der General nicht ſchon wieder in ſeine Folianten
vertieft geweſen, das kurze Zwiſchenſpiel hätte ihm auf=
fallen
müſſen. Glücklicherweiſe bemerkte er nichts, und
Wardenburg, an ſtrenge Selbſtbeherrſchung gewöhnt,
faßte ſich ſchnell. Er ſprach jetzt nur langſamer, zögern=
der
, als wolle er Zeit gewinnen, das neue Tippfräulein
länger zu betrachten, und ſagte zum Schluß:
Können Sie meine Schrift auch leſen? Dabei war er
aber in größter Erregung, und in ſeinem Innern ſprach
eine Stimme lauter und lauter: Dieſe Aehnlichkeit,
Gott im Himmel, dieſe Aehnlichkeit!
Gabi war das Blut ins Geſicht geſtiegen. Sie ſenkte
wieder den Blick und machte eine bejahende Bewegung,
aber das genügte Wardenburg nicht. Er wollte nun auch
ihre Stimme hören, und auf eine Korrektur deutend, die
ganz klein und eng geſchrieben war, meinte er: Dieſe Stelle
iſt beſonders wichtig, Fräulein. Es wäre mir lieb, wenn
Sie mir dieſen Teil des Briefes einmal laut vorleſen
möchten.
Sie mußte gehorchen. Ach, ſie kannte dieſe Schrift ja
nur allzugut, aber ſie ſtockte doch ein wenig, als ſie die
betreffenden Zeilen las, denn ſie ſah, wie er bei dem erſten
Laut ihrer Stimme leicht zuſammenzuckte und ſeine Blicke
noch forſchender auf ihr ruhen ließ. Wie überlegend blieb
er noch einen Augenblick ſtehen, dann bat er, die Abſchrift
mit der nächſten Poſt zu befördern, und ging ſchnell
hinaus.
In heimlicher Erregung ſah Gabi ihm nach. Es war

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[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

doch etwas andere, ihm ſelbſt gegenüberzuſtehen, als ihn
nur von ferne zu beobachten und mit einer anderen reden
zu hören. Trotzdem ſie auf dieſe Begegnung vorbereitet
war, wirkte ſie doch mächtig auf ſie ein, und während ſie
mechaniſch ihre Arbeit verrichtete, dachte ſie darüber nach,
welchen Eindruck Wardenburg von ihr empfangen haben
mochte.
Die wunderliche Lage, in der er ſie fand, wie der
fremde Zug in ihrem Geſicht, der durch die veränderte
Friſur hervorgebracht wurde, verwireten ihn natülich vor=
läufig
noch, aber er war der Wahrheit ſchon bedenklich
nahe, das fühlte ſie, und wenn er ſie nicht gleich erkannt
hatte, ſo war dies wohl hauptſächlich der erſten Ueber=
raſchung
zuzuſchreiben. Jedes Wiederſehen konnte bei
ihm den Verdacht ſteigern, jeder Tag eine peinliche Ent=
deckung
bringen Zugleich empfand Gabi eine gewiſſe Ge=
nugtuung
darüber, daß dieſe Aehnlichkeit ſo ſtark auf ihn
wirkte. Ungläubiges Staunen, Neugier, Zweifel und Un=
behagen
, alles hatte ſich bei ihrem Anblick blitzartig auf
ſeinem Antlitz gezeigt, nur das eine, die Gleichgültigkeit,
hatte gänzlich gefehlt, und das ſchien ihr merkwürdiger=
weiſe
die Hauptſache zu ſein= als ſeine einſtige Braut
wollte ſie lieber von ihm gehaßt als abgetan ſein, und ſo
ſah ſie den nächſten Tagen mit fröhlicher Spannung ent=
gegen
.
Inzwiſchen ritt der Oberinſpektor über die Felder,
prüfte die Arbeiten und gab ſeine Befehle, es koſtete ihn
jedoch Mühe, ſeine Gedanken zu konzentrieren. Sie irrten
immer wieder ab, und der ſo unerwartet empfangene ſtarke
Eindruck verfolgte ihn wie eine Zwangsvorſtellung.
Zum erſten Male ſeit ſieben Jahren rief eine äußere

Veranlaſſung die Erinnerung an Gabi Gartenhauſen in
ihm wach, und ein bedeutſames Stück Vergangenheit
wurde dadurch wieder lebendig. Die Aehnlichkeit, welche
das kleine Tippfräulein mit der verwöhnten Berliner
Erbin aufwies, war geradezu verblüffend, und ſtatt ihn
abzuſtoßen, zog ſie ihn wunderbarerweiſe an. Das heißt,
ſie reizte ihn, wie ein geheimnisvolles Rätſel, und da=
zwiſchen
kam immer wieder der Gedanke an eine Identität.
Wenn Gabi ſelbſt hier in Hellborn wäre! Er verlachte ſich
ſelbſt ob dieſer Idee. Sie erſchien ihm zu unwahrſchein=
lich
, zu ungeheuerlich, aber ſie tauchte doch immer wieder
in ihm auf und zeitigte ſchließlich den Wunſch, den erſten
ſinnverwirrenden Eindruck durch einen zweiten und dritten
recht bald zu verwiſchen. Er war überzeugt, wenn er
Fräulein Flotts Stellvertreterin häufiger hörte und ſah,
würde ſie ihre Aehnlichkeit mit der jungen Gräfin Garten=
hauſen
ſehr bald verlieren und ſeine Seelenruhe nicht
mehr geſtört werden. Es galt nur, die Probe auf das
Exempel zu machen. Dieſer Zuſtand der Ungewißheit
war unerträglich für ihn.
Werner v. Wardenburg überließ nie dem Zufall, was
er ſelbſt herbeiführen und veranlaſſen konnte, und ſo er=
ſchien
er ſchon am nächſten Tage kurz vor Beginn der Leſe=
ſtunden
bei ſeiner alten Gönnerin, der Baroneſſe.
Ich komme heute mit einer ſeltſamen Bitte, ſagte er
gleich nach der erſten Begrüßung. Sie werden dieſe be=
lächeln
, aber gern erfüllen. Fräulein Schacht, Ihre neue
Vorleſerin, intereſſiert mich und ich möchte ſie einmal bei
Ihnen in Ruhe ſehen und beobachten. Ich hatte nämlich
geſtern zum erſten Male mit dem jungen Mädchen flüchtig
zu tun und ſprach mit ihr im Archiv wegen eines Briefes.

Dabei frappierte mich ihre Aehnlichkeit mit meiner ein=
ſtigen
Braut in Ausſehen, Haltung und Stimme. Dieſe
Aehnlichkeit verfolgt mich förmlich, und um den Gedanken
daran wieder los zu werden, reſpektive ihn beſtätigt zu
ſehen, möchte ich das kleine Tippfräulein einmal in der
Nähe betrachten. Sie meinten ja, ſie gebe und bewege ſich
bei Ihnen ganz unbefangen.
Die alte Dame lächelte. Allerdings, lieber Warden=
burg
, aber ſie bleibt immer in den Grenzen ihrer Stel=
lung
. Ihre Beſcheidenheit iſt ſo groß, daß ſie mich zu=
weilen
überraſcht. Dabei überragt ſie an Geiſtes= und
Herzensbildung alle ihre Vorgängerinnen. Ich muß ge=
ſtehen
, ſie intereſſiert mich ſehr, und ich würde gern mehr
über ihre Verhältniſſe und ihre Familie erfahren, aber in
dieſem Punkt iſt ſie überraſchend zurückhaltend und weiß
jeder Frage geſchickt zu begegnen.
Man hörte auf dem Korridor eineni leichten Schritt.
Das iſt ſie, ſagte die Baroneſſe. Wenn wir leſen,
ſitzen wir nebenan in meinem Wohnzimmer. Alſo bleiben
Sie ruhig hier. Ich kann mir denken, wie überraſchend
und aufregend eine ſolche Aehnlichkeit für Sie iſt, und
ſchließe die Portiere nicht ganz. Dann können Sie blei=
ben
, ſolange Sie wollen, und von hier aus Ihre Be=
obachtungen
machen. Der dicke Teppich dämpft Ihren
Schritt, und wenn Sie ſich hier neben den alten Sekretär
ſtellen, ſehen Sie der Kleinen gerade ins Geſicht. Eine
Störung iſt heute nicht zu befürchten.
Wardenburg dankte, und die Dame verſchwande
(Fortſetzung folgt.)

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[ ][  ][ ]

Nummer 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Seite 15.

Darmſtadt, den 21. Januar 1914.
Kasur
in die Damen von Darmſtadt und Umgegend!
Für den Fall eines Krieges fehlt es noch ſehr an Damen nicht
unter 20 Jahren, die als Helferinnen zur Pflege der Verwundeten
und Kranken in den Lazaretten unſerer engeren Heimat, oder zum
Dienſt bei den Verband= und Erfriſchungsſtellen hier in der Nähe
bereit ſind. Vorbedingung für eine ſolche Verwendung iſt ein theore=
tiſcher
und ein praktiſcher Lehrgang, den die Damen durchmachen müſſen.
Der nächſte theoretiſche Lehrgang, den auch diesmal wieder der
Großherzogliche Leibarzt, Herr Geheimer Medizinalrat Dr. Happel
halten wird, beginnt
Mittwoch, den 4. Februar 1914, nachmittags 5 Uhr
im Feſtſaal des Ludwig Georgs=Gymnaſiums, Karlſtraße 2,
findet von da ab jeden Montag und Freitag von 57 Uhr abends
ebenda ſtatt und dauert bis Ende März. Ein praktiſcher Lehrgang
von 46 Wochen in einem hieſigen Krankenhauſe ſchließt ſich in
einem der folgenden Monate dem theoretiſchen an. Beide Lehrgänge
ſind unentgeltlich.
Wir hoffen auf eine recht zahlreiche Beteiligung und bitten An=
rneldungen
alsbald zu richten an Generalleutnant Korwan, Bis=
marckſtraße
16.
(2526
Für den Alice=Frauenverein:
Für den Heſſiſchen
Im Allerhöchſten Auftrag
Landesverein vom
der Präſidentin, Ihrer Königlichen
Roten Kreuz:
Hoheit der Großherzogin,
Der Generalſekretär
Der Vorſitzende
Korwan, Generalleutnant z. D. Dr. Kratz, Miniſterialrat.

Augſein des heſchen Poltsſaetſtanerite
gegen den Schund und Schmutz in Wort und Bild
vom 17. Januar bis 8. Februar.
Geöffnet täglich von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, und
Sonntags von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Mit der Aus=
ſtellung
iſt eine
(2505-
Verloſung von Lildern
im Werte von 1 bis 50 Mark
verbunden. Es kommen zur Ausloſung Original=Lithographien,
Radierungen und Künſtlerſteinzeichnungen. Loſe à 1 Mk. ſind in
der Ausſtellung erhältlich. Der Beſuch der Ausſtellung ſei jedermann
wärmſtens empfohlen.

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monatlich 20 Pfennig
(einzelne Nummer 10 Pfg.) nehmen unſere Expedition, unſere Trägerinnen, ſowie unſere Agenturen
und ſämtliche Poſtanſtalten entgegen, die letzteren jedoch unter der Bezeichnung Darmſtädter Tagblatt
Ausgabe B. Die Chronik wird 8ſeitig mit reichem Bilderſchmuck in Tiefdruck und in tadelloſer
Ausführung erſcheinen, ſo daß ſie fortlaufend eine Illuſtrierung der hervorragenden Ereigniſſe der letzten Woche
bietet und eine Ergänzung des mehr feuilletoniſtiſch gehaltenen Illuſtrierten Unterhaltungsblattes darſtellt.

(26918

[ ][  ][ ]

Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

Donnerstag Freitag-Samstac
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jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 26.
Unseren Vorrat Herren-Anzüge
in der Preislage von Mk. 43. bis 57.
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in der Preislage bis Mk. 67. durchweg zum Ausverkaufsprois v. Mk. 48.

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in der Preielage bis Mk. 51.-, gröstentelle
eigene Masstolle
jetzt durelwetz zum Ausvorkaufsprels v. Mk. 58.
Einen Posten Cutaways u. Westen
in marenge u. uchwirz. voreügliele
Qualiaten, in nollester Formt
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 38.-
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u. Meters in der Freisige von Mk. 3.
bis 42.
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 28.
Unseren Vorrat Herren-Paletots
u. Wisters in der Breidlage bis Mk. 57.
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 38.

Unseren Vorrat Herren-Paletots
u. Visters in der Freislage v. Mk. 58.
bis 67.
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 46.
Einen Posten Herren-Paletots
u. Uisters in der Preislage bis Mk. 50.
vorwiegend Qualitäten unserer EFF-EFF-
Verarbeitung
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 56.
Zwei Posten Touristen-Anzüge
hochgeschlosene und olene Fasons, in
der Preislage bis Mk. 37. jetzt durchweg
zum Ausverkaufspreis v. Mk. 22. und 17.-
Zwel Posten Sport-Anzüge
in der Preielage bis Mk. 53.- ietzt dureh-
weg
zum Ausverkaufspreis v. Mk. 38. u. 26.

zwei Posten Touristen- u. Jagd-Mäntel Zwei Posten Gummi-Mäntel aus Reststolen aufgenrbeitet, jetzt Aurehweg
zum Ausverkaufspreis von Mk. 17. u. 15. garant. wasserd., gaun bedeut. unt. Preis, jetzt
2
durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 22. u. 17.

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Khlaben-, Schuter- u. Jangiinigs Bektleidung

Zwei Posten Knaben-Anzüge
in der Preislage bis Mk. 20., jetzt durch-
50
weg zum Ausverkaufspreis von Mk. 10. u. 7-

Einen Posten Knaben-Anzüge
in der Freidie 1is M. 23.
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk.
zwei Posten Norfolk-Anzüge
für das Alter bis 12 Jahre, jetzt durchweg
zum Ausverkaufspreis von Mk. 10. und

Versand nur gegen Nachnahme!

13.-

950
7

zwei Posten Norfolk-Anzüge
für Schüler im Alter bis 17 Jahre
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis
von Mk. 17. und 13.
Unseren Vorrat Jünglings-Anzüge
darunter viele blaue und schwarze
Konfirmanden-Anzüge, in der Preis-
lage
bis Mk. 34., jetzt durchweg zum
Ausverkaufspreis von Mk. 22. und 17.-
Einen Posten Jünglings-Anzüge
ausschliesslich bessere Qualitäten, in der
Preislage bis Mk. 59.
jetzt durchweg zum Ausverkaufspreis v. Mk. 26.
Für nicht Zusagendes Geld zurück!

Einen grossen Posten Schüler-Pelerinen
aus ganz vorzüglichen grauen u. bräun-
lichen
imprägnierten Strich- u. Kamel-
950
haarloden, bis 110 cm Länge
Ausverkaufspreis Mk. 7
Einen grossen Posten Knaben-Hosen
für das Alter von 39 Jahren, aus ganz
vorzürlich strapazierbaren Bux-
kin
-Resten aufgearbeitet, ganz ge-
füttert
. . . . . Ausverkaufspreis Mk. 155
Einen grossen Posten Knaben-Hosen
für das Alter von 3 bis 9 Jahren, aus Bux-
kin
-Resten aufgearbeitet
Ausverkaufspreis 35
Aenderungen nur gegen Berechnung!

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Zeil 112 (neben der Hauptpost).

(IX,2509
m

[ ][  ][ ]

N 22.

Donnerstag, 22. Januar.

1914.

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Beſſungerſtraße 56.
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kochen kann und Hausarbeit mit
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welcher zur Zeit als Filialleiter
in einem größeren Kolonialwaren=
und Delikateſſengeſchäft tätig iſt,
ſucht zum 1. März d. J. ander=
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Gehilfenprüfung beſtanden hat,
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2haltung ſof. geſucht. (*1585md
Alexanderſtraße 18.

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Dasſelbe muß gute Zeugniſſe
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Frau Oberſtlt. Collmann,
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von 4 Uhr ab. Nur ſolche mit
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Fuchsſtraße 21, 1. St. (*1402ids

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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 22. Januar 1914.

Nummer 22.

Ein um das Wohl ſeiner Gäſte be=
ſorgter
Hausherr läßt nach dem Diner
nur Kaffee Hag ſervieren. Dieſer cof=
feinfreie
und veredelte Bohnenkaffee
ſchmeckt und bekommt am beſten.

Sport, Spiel und Turnen.

Die Fußballſpiele.
* Der Fußballklub Olympia Darmſtadt
1898 ſchreibt uns: Mit dem Spiel am vergangenen Sonn=
tag
gegen den Fußballklub Germania=Ludwigshafen, das
Olympia in Ludwigshafen mit 211 Toren allerdings
mit Erſatz für Prillwitz, Kehr, Beck und Heini Schmidt,
und zudem durch Elfmeter verlor, haben die Verbands=
ſpiele
um die Meiſterſchaft der A=Klaſſe im zweiten Bezirk
des Weſtkreiſes ihr Ende erreicht. Olympia hat ſich trotz=
dem
einen guten Platz in der Tabelle geſichert. Als Meiſter
iſt der F.=V. Frankenthal mit 20 Punkten in 14 Spie=
len
hervorgegangen. Die nachſtehenden Angaben ſollen den
Stand der Vereine veranſchaulichen:
1. Fußballverein Frankenthal 20 Punkte, 2. Germania=
Pfungſtadt 19 P., 3. Olympia=Darmſtadt 17 P., 4. Ale=
mannia
=Worms 16 P., 5. Fußballverein Mainz 11 P.,
6. Darmſtädter Sportklub 1905 10 P., 7. Germania= Lud=
wigshafen
9 P., 8. Fußballvereinigung Kaſtel 5 P.
Der Darmſtädter Sportklub 1905 hat wegen Verſtoßes
gegen die Verbandsſatzungen 4 Punkte verloren. Die 14
Verbandsſpiele haben folgende Reſultate gezeitigt:
Gewonnen wurden die Spiele gegen den Meiſter,
F.=V. Frankenthal, mit 3:2 Toren, gegen Alemannia=
Worms mit 311, Fußballverein Mainz 210, Darmſtädter
Sporiklub 1905 211, Germania=Ludwigshafen 210, Fuß=
ballvereinigung
Kaſtel 2:0 Toren.
Unentſchieden wurde geſpielt gegen Fußballver=
ein
Mainz (dort) mit 0.0 Toren, Germania=Pfungſtadt
(hier) mit 2:2, Fußballvereingung Kaſtel (dort) mit 111,
Darmſtädter Sportklub 1905 (auf deſſen Sportplatz) mit
000 Toren.
Verloren gingen die Spiele gegen den Meiſter,
F.=V. Frankenthal (dort) mit 31 Toren, Germania= Pfung=
ſtadt
(dort) mit 3:0, Alemannia=Worms (dort) mit 2:1,
Germania=Ludwigshafen (dort) mit 211 Toren.
Bemerkenswert dürfte noch ſein, daß von den in der
letzten Zeit gegen den Konkurrenzverein Darmſtädter
Sportklub 1905 ausgetragenen drei Spielen dieſer kein
einziges Spiel gewinnen konnte, obwohl 2 Spiele
auf ſeinem Sportplatze ausgetragen wurden. Die zweiten
und dritten Mannſchaften haben in den Meiſterſchaftsſpie=
len
der A=Klaſſe die zweiten Plätze mit je 1 Punkt hinter
den Meiſtern behauptet. Die vierte Mannſchaft und die
Jugendmannſchaft haben nur Privatſpiele ausgetragen.
Auch ſie konnten manchen Sieg mit nach Hauſe nehmen.
Nach zweijähriger Pauſe hat Olymvia wiederum ein
Weihnachtswettſpiel veranſtaltet. Als Gegner wurde die
hekannte Marinemannſchaft S. M. S. Poſen der Meiſter
der Hochſeeflotte, verpflichtet. Das Spiel fand am erſten
Feiertag ſtatt. Trotz der herrſchenden Kälte und des hohen
Schnees hatte ſich eine Rekordzuſchauermenge eingefunden,
die Zeuge war von dem vortrefflichen Spiele der Blau=
jacken
. Das äußerſt faire Spiel endete mit 311 zugunſten
des Fldttenmeiſters. Da das auf den 28. Dezember feſt=
geſetzte
Spiel der Marinemannſchaft gegen eine hieſige
Militärmannſchaft nicht zuſtande kam, war es dem Fuß=
ballklub
Olympia vergönnt, zum zweiten Male dem ſym=
pathiſchen
Flottenmeiſter im friedlichen Wettkampfe gegen=
überzuſtehen
. Auch dieſes Sviel konnten die Blaujacken
mit 2:0 für ſich entſcheiden. Dem hochintereſſanten Wett=
ſpiel
wohnte Herr Leutnant z. S. Köllmann von dem
Schiff Poſen als Zuſchauer bei. Die Marinemannſchaft
S. M. S. Poſen hat ſich durch ihr hervorragendes und
faires Spiel große Sympathie in Darmſtadt erworben.
Der Fußballklub Olympia und das Darmſtädter Sport=
publikum
wird ſich ihrer ſtets dankbar erinnern.
Das Vereinsleben hat in letzter Zeit einen großen Um=
ſchwung
genommen. Nicht allein in ſportlicher, ſondern
auch in geſelliger Beziehung iſt ein geſunder Fortſchritt
zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl iſt auf 260 geſtiegen.
Mit dieſer Rekordzahl ſteht der Fußballklub Olympia=
Darmſtadt in ſeinem 16. Geſchäftsjahr an der Spitze im
Mittelrheingau.
* Die Ablehnung des Reichszuſchuſſes für die Olym=
piſchen
Spiele 1916 durch den Budgetausſchuß des Deut=
ſchen
Reichstages fand im Vorſtande des Deutſchen
Schwimmverbandes, der mit etwa 60000 Mitgliedern in
mehr als 400 Vereinen über das ganze Deutſche Reich
verbreitet iſt, eine lebhafte Erörterung. Es wurde be=
ſchloſſen
, folgende Reſolution der Oeffentlichkeit zu
übergeben: Der Deutſche Schwimmverband ſpricht ſein
tiefes Bedauern darüber aus, daß der von der Reichsregie=
rung
für die Olympiſchen Spiele 1916 beantragte Zuſchuß
von der Mehrheit des Budgetausſchuſſes abgelehnt wurde.
Die Sportverbände und die Deutſche Turnerſchaft ſind in
unabläſſiger Arbeit bemüht, durch ſyſtematiſche Leibes=
übungen
zur Geſunderhaltung und Wehrfähigkeit des
Deutſchen Volkes beizutragen. Dieſe Arbeit, deren Gründ=
lichkeit
und Opferwilligkeit heute durch das Beſtreben,
Deutſchland im ſportlichen Wettkampf an die Spitze aller
Nationen zu bringen, aufs höchſte geſteigert wird, hätte
gewiß einen beſſeren Dank verdient. Beſonders bedauer=
lich
iſt der Beſchluß des Budgetausſchuſſes wegen des Ein=
drucks
nach außen. Sind doch in andern Ländern nament=
lich
in England, bereits erhebliche Mittel bereitgeſtellt,
um eine erfolgreiche Beſchickung der deutſchen Olympiade
zu ermöglichen. Es bedarf bedeutender Anſtrengung, um

in der Durchführung der Olympiſchen Spiele 1916 auch
hinſichtlich der Erfolge nicht hinter dem kleineren und
ärmeren Schweden zurückzuſtehen, deſſen glänzend durch=
geführte
Olympiade noch in friſcher Erinnerung iſt. Da
die nötigen Mittel durch die Verbände und deren Vereine
unmöglich aufgebracht werden können, ſo iſt die Hilfe der
Regierung dringend notwendig. Der Deutſche Schwimm=
verband
hegt darum die Erwartung, daß der Reichstag
den von der Regierung beantragten Zuſchuß für die
Olympiſchen Spiele 1916 wieder in den Etat einſtellen
wird. Gez.: Deutſcher Schwimmverband, A. Witt, Vor=
ſitzender
, A. Benecke, Schriftwart. Der Deutſche Schwimm=
verband
zeichnete ſich auf der Stockholmer Olympiade vor
allen deutſchen Sportverbänden durch beſonders günſtige
Erfolge aus. Seinen Vertretern war es in erſter Linie
zu danken, daß Deutſchland damals in den athletiſchen
Uebungen unter den Nationen an die vierte Stelle rückte.

Handel und Verkehr.

* Bern, 20. Jan. In der heutigen Konferenz
die zwiſchen Vertretern des ſchweizeriſchen Bundesrats.
den Banken und der Teſſiner Regierung in der Angele=
genheit
der teſſiniſchen Bankkriſe ſtattfand,
wurde beſchloſſen, ein Syndikat mit einem Kapital von 10
Millionen zu gründen, das bald in eine neue Banque du
Teſſin umgewandelt werden ſoll. Der Zweck der Gründung
iſt die Wiederherſtellung des Kredits des Kantons Teſſin
und die Liquidation der in Zahlungsſchwierigkeiten ge=
ratenen
Banken. Der Kanton Teſſin iſt berechtigt, inner=
halb
einer beſtimmten Friſt die neugegründete Bank zu
übernehmen. Der Bundesrat ſandte an die Teſſiner Re=
gierung
ein Telegramm, in dem er ſeine Sorge um die
durch den Krach verurſachte Finanzlage bezeugt, und ferner
der Regierung mitteilt, daß der Bundesrat Mittel zur
Milderung des Unglücks in Erwägung ziehe. Die Regie=
rung
des Kantons Teſſin wird darin erſucht, die Bevölke=
rung
zur Ruhe und Mannhaftigkeit aufzufordern.

Landwirtſchaftliches.

* Wie wiertvoll abfallendes Laub für
den Garten iſt. Der Garten wurde ſäuberlich gekehrt,
das Laub aber fortgebracht, denn wir hatten nicht gelernt,
wie nützlich es iſt. Der Winter kam, und wir Garten=
unkundigen
Großſtadtleute hatten nichts, womit wir die
frierenden Gewächſe zudecken konnten. Nachbarn hatten
im Spätherbſt die empfindlichſten Gartengewächſe ausge=
putzt
, alles Tote entfernt und um die Pflanzen Stäbe ge=
ſteckt
. Als der Froſt einſetzte, wurden dann die Zwiſchen=
räume
mit dem trockenen Laub ausgefüllt. In dieſer wei=
chen
, warmen Umhüllung konnte weder Froſt noch Näſſe
den Pflanzen etwas anhaben, das ſahen wir wohl ein.
Doch dieſe Einſicht kam zu ſpät, und unſere, nur mit
Kiefernzweigen bedeckten Gewächſe mußten unſere Dumm=
heit
mit dem Leben bezahlen. War dies die erſte Erfah=
rung
, wozu das Herbſtlaub im Garten Verwendung ſinden
kann, ſo ſollten ihr verſchiedene andere folgen. Ein alter
Praktikus erklärte uns die vielfache Nützlichteit. Er hatte
in einer Ecke ſeines Gartens feſtgepackte Laubhaufen zu
liegen, die feucht und geſchloſſen gehalten wurden, und die
er von Zeit zu Zeit umſetzte. Die älteren davon, die un=
gefähr
zwei Jahre lagen, bildeten bereits eine lockere,
ſchwarze Maſſe, die als vorzügliche Lauberde zu den ver=
ſchiellenſten
Gartenkulturen Verwendung fand. Farner
benutzte er das Herbſtlaub dazu, um frühzeitig neue Setz=
pflanzen
zu ziehen. An einer Stelle ſeines Gartens die
beſonders geſchützt gegen Wind und Wetter war, andrer=
ſeits
von der Sonne beſonders erwärmt wurde, hatte er
Mitte März eine ungefähr ½ Meter tiefe, 1,20 Meter breite
und 3 Meter lange Grube ausgeworfen, deren Ränder er
mit einem Rahmen von Brettern ſteifte. Faſt dreiviertel
voll füllte er dieſe Grube mit dem Herbſtlaub und ſiebte
reichlich handhoch Erde darauf. Dieſes Laubbeet bedeckte
er mit Fenſtern und hatte ſich ſo eine ideale Stelle ge=
ſchaffen
, an der er Gemüſe treiben und Pflanzen aus
Samen ziehen konnte. Dieſe Belehrung iſt dem prak=
tiſchen
Ratgeber im Obſt= und Gartenbau in Frankfurt
an der Oder entnommen, von dem Intereſſenten Probe=
nummern
koſtenfrei erhalten können.

H. Frankfurt a. M., 20. Jan. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war bei größerer Kaufluſt
lebhafteres Geſchäft und die Stimmung im allgemeinen
eine feſte. Während Landweizen in beſſerer Sorte, ſowie
Landroggen zu gut behaupteten Preiſen gehandelt wurden,
waren Weizen in geringen Qualitäten kaum verkäuflich.
Gerſte und Mais ruhig und faſt unverändert. Hafer in
feinen Sorten knapp und ſchlank anzubringen. Die For=
derungen
für Mehl ſind vom Mühlenring erhöht. Futter=
artikel
feſt; insbeſondere Weizenmehl höher bezahlt.
Der Mannheimer Getreidemarkt ſchließt
unverändert. An der Berliner Produktenbörſe
war Getreide matt auf die billigeren Auslandsforderun=
gen
, Abgaben der Importeure und Kommiſſionäre und
das ſtärkere Inlandsangebot. Die Käufer hielten zurück.
Auch Hafer iſt etwas abgeſchwächt.
Nach den letzten Kabelmeldungen von den amerika=
niſchen
Getreidemärkten (Neu=York und Chi=
kago
) waren Weizen und Mais durchweg in ſchwacher Hal=
tung
bei Preisverſchlechterungen von zirka 1½ Cents, auf
Abgaben der Firma Armour per Mai und die enttäuſchende
Nachfrage vom Publikum. Auch ſtimulierten günſtigere
Berichte aus Argentinien. Die ſichtbaren Weizenvorräte
ſind dort in dieſer Woche von 72,98 Millionen Buſhels auf
71,15 Mill. Buſh. zurückgegangen, hingegen die Maisvor=
räte
von 14,21 Mill. Buſh. auf 15,28 Mill. Buſh. geſtiegen.
In Kanada reduzierten ſich die Weizenvorräte in dieſer
Woche von 26,31 Millionen Buſhels auf 26,05 Mill. Buſh.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilogramm wie
folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer 19.2519,40,

Kurheſſiſcher 19.2519.40, Norddeutſcher 19.2519.40, La=
plata
2222.50, Ruſſiſcher 21.7522.25, Rumäniſcher 21.75
bis 22.25, Kanſas 22.2523.25, Manitoba 22.2522.75,
Redwinter 2222.75, Walla Walla 2222.50; Roggen,
hieſiger 1616.25, Bayeriſcher 15.5017, Ruſſiſcher
Rumäniſcher . Amerikaniſcher .; Gerſte, Pfälzer
17.5018, hieſige und Wetterauer 1717.50, Riedgerſte
17.5018, Türkiſche 17.5018, Ungariſche .; Hafer,
hieſiger 15.5017, Bayeriſcher 15.7517, Ruſſiſcher 17.50
bis 19, Rumäniſcher 17.5018.75, Amerikaniſcher 17.50 bis
17.75; Mais mixed 14.6014.70, Ruſſiſcher 14.7014.80,
Donaumais 14.7014.80, Rumäniſcher 18.7014.80, La=
plata
14.7014.75, Weißer Mais 14.75, Weizenſchalen 10.25
bis 10.50, Weizenkleie 9.509.75, Roggenkleie 1010.50,
Futtermehl 1214, Biertreber getrocknet 12.5013, Fut=
tergerſte
1313.75; Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab
Mannheim) Nr. 0 30.5030.75, feinere Marken 3131.25,
Nr. 1 29.5029.75, feinere Marken 3030.25, Nr. 2 28 bis
28.25, feinere Marken 28.5028.75, Nr. 3 26.5026.75, fei=
nere
Marken 2727.25, Nr. 4 22.5022.75, feinere Marken
2323.25; Roggenmehl, hieſiges Nr. 0 24.5025
Nr. 1 22.5023, Nr. 2 2020.25.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Vorſicht an Toreinfahrten.
Bei einem hieſigen Geſchäft wurde geſtern ein Hand=
wagen
mit Leitern und Material in raſender Geſchwin=
digkeit
auf die Straße befördert, als im gleichen Moment
eine Frau mit zwei kleinen Kindern paſſierte. Nur mit
knapper Not iſt durch Geiſtesgegenwart ein größeres Un=
glück
verhütet worden. Ein Schutzmann war Augenzeuge.
Möge dieſer Vorfall allen, die es betrifft, zur dringenden
Warnung dienen, denn eine ſolche nachgewieſene Fahr=
läſſigkeit
kann für die Beteiligten die unangenehmſten
Konſequenzen haben.
Ein Abonnent.
Die beiden Eingeſandts in dieſem Blatte vom
20, ds betr. die enorm hohen Fleiſch= und Milchpreiſe,
ſind allen Hausfrauen aus der Seele geſprochen. Es iſt
unerhört, daß die Metzgermeiſter und Milchhändler trotz
des Rückgangs der Rohpreiſe den Konſumenten in Darm=
ſtadt
immer noch Preiſe verlangen, die alle anderen in
den meiſten heſſiſchen und preußiſchen Städten weit über=
treffen
. Einer derartigen willkürlichen Preistreiberei
ſollten ſeitens der ſtädtiſchen Behörden und maßgebenden
Faktoren energiſche Maßnahmen entgegengeſetzt werden.
Die Konſumenten ſollten ſich zu dieſem Zweck zuſammen=
ſchließen
und ſich dieſe unverhältnismäßig hohen Fleiſch=
und Milchpreiſe nicht länger gefallen laſſen. Ein ſehr
wirkſames Gegenmittel wäre hier: Einſchränkung des
Fleiſch= und Milchgenuſſes alle Konſumenten auf der
ganzen Linie ſollten ſich das zu eigen machen und den
wohltätigen Erfolg würden ſie bald am Geldbeutel ver=
ſpüren
. Die Herren Metzgermeiſter und Milchhändler
dürften ſich dann eines beſſeren beſinnen und im Herab=
ſetzen
der Preiſe anderen Städten folgen.
Eine Hausfrau.
Vor einigen Wochen konnte man einen Gang nach
dem Böllenfalltor oder den Hirſchköpfen nicht machen,
weil man von den vorüberjagenden Automobilen über und
über mit Schlamm beſpritzt wurde. Jetzt iſt es wieder
unmöglich wegen des ungeheuren Staubes. Viertelſtun=
denlang
bleibt er bei Windſtille ſtehen, und Hunderte die
ihrer Arbeit nachgehen oder ſich erholen wollen, müſſen
ihn und die aufgewirbelten Bazillen ſchlucken, während
die meiſt zum Vergnügen Automobilfahrenden hohnlachend
davonraſen. Und nicht nur auf genannten Wegen, nein
in allen Straßen der Stadt erfüllt der aufgewirbelte
Staub lange Zeit die Luft. Wo bleibt da der Ortsgeſund=
heitsrat
? Gießen kann man eben nicht, wegen des Glatt=
eiſes
; außerdem haben die Steuerzahler durchaus nicht
nötig, für das Vergnügen von noch nicht 1 Prozent der
Einwohnerſchaft etwa anzuwendende ſtaubbindende Mittel
zu bezahlen. Angeſichts ſolcher geradezu unerträglichen
Zuſtände gibt es noch naive Leute, die ſich die Automobil=
feindlichkeit
des Volkes nicht erklären können. E.

Goas gans anders

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