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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Reichstag tritt heute zu ſeiner erſten Sitzung nach
den Weihnachtsferien wieder zuſammen. Auf der
Tages=
ordnung ſtehen Pettionen, die den Reichstag auch am
Mittwoch noch beſchäftigen dürſten.
In Leipzig iſt am Sonntag der Seniorchef der
welt=
bekannten Verlagsbuchhandlung F. A. Brockhaus,
Hein=
rich Eduard Brockhaus, im 85. Lebensjahre
ge=
ſtorben.
Zum Nachfolger Delcaſſés als franzöſiſcher
Bot=
ſchafter in Petersburg wurde Paleologue,
Direktor im Miniſterium des Aeußern, ernannt.
Der Präſident Juanſchikai hat die Auflöſung des
chineſiſchen Parlaments und eine Aenderung
des Geſetzes über das Parlament und die Wahlen
an=
geordnet.
Auf der Inſel Sakuraſchima (Japan) iſt ein
vulkani=
ſcher Ausbruch erfolgt. Die Stadt Kagoſchima
und die umliegenden Dörfer brennen.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
13. Januar 1814: Erſtürmung von Wittenberg, das ſeit
14. September belagert iſt: die Preußen nahmen die
Feſtung im Sturm.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.
Induſtrie und Auslandspreſſe.
* Man ſchreibt uns: Der Bund der
Indu=
ſtriellen hat bereits bei Gelegenheit der Beratung des
Wehrbeitrages in ſeiner Beſchlußfaſſung vom 15. April
1913 zum Ausdruck gebracht, daß er Hand in Hand mit
einer Verbeſſerung der Rüſtungen auch eine Verbeſſerung
des journaliſtiſchen Dienſtes für unſere handelspolitiſchen
und weltpolitiſchen Intereſſen erſtrebe. Aus dieſem
Grunde hat er die Forderung aufgeſtellt, daß vom
Reiche Mittel für eine Verbeſſerung und
Vervollkommnung des internationalen
Nachrichtendienſtes möglichſt auf der Grundlage
der Errichtung eines deutſchen
Nachrich=
tenbureaus zur Verſügung geſtellt würden, zumal die
Bekämpfung des internationalen Preſſefeldzuges gegen die
deutſche Politik und die deutſche Volkswirtſchaft eine
wichtige Aufgabe der Gegenwart iſt.
In Verfolg dieſer Beſchlußfaſſung hat der Vorſtand
des Bundes der Induſtriellen weiter in ſeiner Sitzung
vom 25. Juni 1913 erneut zu dieſer Frage Stellung
ge=
nommen und nach Anhörung ſachverſtändiger Kreiſe und
nach Entgegennahme von Darlegungen über die
Vorar=
beiten für die Begründung eines dieſelben Ziele
erſtreben=
den Komitees für die Wahrung der deutſchen
Wirtſchafts=
intereſſen beſchloſſen, dieſe Vorarbeiten auch ſeinerſeits
weiter zu fördern.
Nachdem inzwiſchen dieſe Vorarbeiten zu einem
ge=
wiſſen Abſchluß gekommen ſind, ſich aber dabei ergeben
hat, daß das gleiche Ziel von verſchiedenen Ausſchüſſen
gleichzeitig in Angriff genommen iſt, erachtet der Bund
der Induſtriellen bei der nationalen Bedeutung dieſer
Frage die Zuſammenfaſſung dieſer Beſtrebungen für
un=
bedingt notwendig, um das Ziel der Verbeſſerung des
deutſchen Nachrichtendienſtes von und nach dem Auslande
auf möglichſt weiter und großzügiger Baſis zu errichten
und ſicherzuſtellen. Er hofft, daß Reichsregierung und
Reichstag der Bewilligung von Mitteln für die
Unter=
ſtützung eines ſolchen Nachrichtendienſtes zuſtimmen, im
übrigen aber die notwendige Unabhängigkeit
des Unternehmens anerkennen werden. Dieſe
Geſichts=
punkte werden auf Grund der Verhandlungen der
Vor=
ſtandsſitzung des Bundes der Induſtriellen vom 9.
Ja=
nuar ds. Js. den in Betracht kommenden ſtaatlichen
Be=
hörden unterbreitet werden.
Die Zivilverwaltung in Zabern.
* Ueber die tieferen Urſachen des Verſagens der
Zivilbehörden in Zabern äußert ſich im Tag
der Straßburger Univerſitätsprofeſſor Dr. Martin
Spahn, ein Sohn des Zentrumsführers und
Frank=
furter Oberlandesgerichtspräſidenten, in folgender
ruhi=
ger und zu den leidenſchaftlichen, von Parteihaß
einge=
gebenen Ausführungen radikaler Blätter in angenehm
be=
rührendem Gegenſatze ſtehender Weiſe:
„Der Gegenſatz (zwiſchen Militär= und
Zivilverwal=
tung) entſtammt der verſchiedenen Ueberzeugung, die
große Teile des,elſaß=lothringiſchen
Beamten=
tums und des in Elſaß=Lothringen ſtehenden
Offi=
zierkorps vom Weſen und von den Pflichten der
ſtaat=
lichen Autorität haben. Hier iſt der Hebel anzuſetzen!
El=
ſaß=Lothringen wird im Unterſchied von allen deutſchen
Einzelſtaaten nicht durch einen Monarchen oder eine
Oli=
garchie, ſondern durch eine Beamtenkolonie regiert. Dieſe
ſetzt ſich ſeit 1870 aus Beamten aller deutſchen Gebiete in
bunter Miſchung zuſammen. Mit den Jahren ſind auch
Einheimiſche hinzugekommen. In denſelben Jahren iſt
aber auch der Einſchlag preußiſcher Beamten im
elſaß=
lothringiſchen Beamtentum immer geringer geworden,
Un=
ter den Beamten, die die Spitze der Verwaltung bilden,
iſt heute, abgeſehen von dem Kolmarer
Bezirkspräſiden=
ten, überhaupt kein Preuße mehr. Das will beſagen, daß
dem elſaß=lothringiſchen Beamtentum in der deutſchen
Zeit immer mehr die Ueberlieferungen des Beamtentums
eines großen Staates abhanden gekommen ſind.
Mittlerweile iſt nun die Ohnmacht der
Zivil=
gewalt in Elſaß=Lothringen — zunächſt durch
die faſt widerſtandsloſe Ausbreitung einer Denkart im
Volke, die immer neue politiſche
Zugeſtänd=
niſſe an die Eigenart des Landes begehrt, zugleich aber
jede weitere geiſtige Annäherung an die nationale Kultur
Deutſchlands und an den deutſchen Staatsgeiſt ablehnt.
ſodann durch den Entſchluß des Zaberner Oberſten zur
Selbſthilfe — von zwei ganz entgegengeſetzten Seiten
her greller als je beleuchtet worden. Wie auch die Geiſter
ſich zurzeit im Lande und im Reiche ſcheiden mögen, die
Zivilverwaltung findet nirgends Rückhalt und Sympathie.
So kann es nicht lange mehr weitergehen. Der jetzige
Statthalter Graf Wedel iſt mit peinlicher Sorgfalt und
Sachkunde bemüht, die ſchwierigen Verhältniſſe des ihm
unterſtellten Landes zu durchdringen. Darauf muß die
Hoffnung beruhen, daß, als er in Donaueſchingen ſeinen
kai=
ſerlichen Herrn bat, die Zaberner Offiziere wieder
aus=
drücklich in die normalen, vom Geſetz bezeichneten
Schran=
ken ihrer Zuſtändigkeit zurückzuweiſen, er ſich gleichzeit'g
die Sicherheit verſchaffte, endlich eine
Umwand=
kung des die Zivilverwaltung
lähmen=
den Geiſtes anbahnen zu dürfen. Fälle von der
Trag=
weite wie das Zaberner Vorkommnis können nur dann
ohne ſchwere Schädigung des ganzen
Staatsorganismus=
verwunden werden, wenn ſie zu großen Verbeſſerungen
dieſes Organismus den Anſtoß geben.”
Zur Kriminalſtatiſtik des
Jahres 1912
iſt die „vorläufige Mitteilung” ſoeben erſchienen.
Dar=
nach iſt die Zahl der wegen Verbrechen und Vergehen
ge=
gen das Strafgeſetzbuch verurteilten Perſonen von
rund 497 000 beider Vorjahre auf 522172 geſtiegen,
nach=
dem ſie im Jahre 1908 rund 504 000 betragen hatte. Stellt
man von den Einzelzahlen der Statiſtik zunächſt die
we=
ſentlichſten derer zuſammen, die Verletzungen der
öffentlichen Ordnung betreffen und fügt die
ent=
ſprechende Zahl des Vorjahres eingeklammert hinzu, ſo
iſt folgendes anzuführen: wegen öffentlicher Aufforderung
zum Ungehorſam wurden 8 (9) Perſonen verurteilt, wegen
erfolgloſer öffentlicher Aufforderung zur Begehung
ſtraf=
barer Handlungen 17 (7), wegen Aufforderung von
Per=
ſonen des Soldatenſtandes zum Ungehorſam 5 (4), wegen
Aufruhrs 41 (59), wegen Auflaufs 187 (228), wegen
vor=
ſätzlicher Befreiung von Gefangenen 1750 (1648), wegen
Landfriedensbruchs 129 (145), wegen Aufreizung
verſchie=
dener Bevölkerungsklaſſen gegen einander 20 (16), wegen
Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen 0 (0), wegen
Beleidigung des Kaiſers oder des Landesherrn 20 (14).
Die vorſtehenden Zahlen ſprechen im allgemeinen für
eine günſtige Entwickelung; ſie haben nirgends
erheblich zugenommen und gerade bei den ſchwerſten
Verſtößen gegen die öffentliche Ordnung (Aufruhr
Land=
friedensbruch) abgenommen. Verhältnismäßig ſtark
ha=
ben ſich die Wahlfälſchungen vermehrt, da wegen
dieſes Verbrechens 38 Perſonen gegenüber 7 im Vorjahre
und 28 im Wahljahre 1907 verurteilt wurden. Erfreulich
vermindert hat ſich die Verletzung der Wehrpflicht:
es wurden deswegen rund 7209 gegen 7699, 8193, 7580,
8327 und 9936 in den Vorjahren verurtelt. Dagegen iſt
die Anwerbung Deutſcher zu ausländiſchem
Militär=
dienſt und Verleitung zur Fahnenflucht in 19 (16) Fällen
beſtraft worden. Die Anwendung von Täuſchungsmitteln
zur Umgehung der Wehrpflicht, ſowie
Selbſtverſtümme=
lung wurde in 2 (6), bezw. 2 (1) Fallen beſtraft.
Was die Roheitsverbrechen anbelangt, ſo
wurden wegen Mordes 94 (93) Perſonen verurteilt,
we=
gen Totſchlags 102 (88), wegen leichter Körperverletzung
23850 (23745), wegen gefährlicher Körperverletzung
96 820 (90 881) wegen ſchwerer Körperverletzung 146 (147),
wegen vorſätzlicher Körververletzung mit Verurſachung
des Todes 375 (316). Das Anwachſen faſt aller Zahlen.
das bei der gefährlichen Körperverletzung recht erheblich
iſt, bezeugt eine Zunahme der
Roheitsverbre=
chen, nachdem in den Jahren 1909, 1910 und 1911 eine
Abnahme eingetreten war.
Dieſelbe ungünſtige Entwickelung iſt bei den
Ver=
brechen gegen das Vermögen zu beobachten Es
wur=
den nämlich beſtraft: wegen einfachen Diebſtahls 82 697
(78019), wegen einſachen Diebſtahls in wiederholtem
Rück=
fall 15 028 (14646), wegen ſchweren Diebſtahls 14921
(13719) wegen ſchweren Diebſtahls im wiederholten
Rück=
ſall 4677 (4364) wegen Unterſchlagung 31353 (30 117),
we=
gen einfachen Raubes 141 (122), wegen ſchweren Raubes
467 (448), wegen einfacher Erpreſſung 715 (822), wegen
Sachenhehlerei 9181 (8391) wegen gewerbsmäß’ger
Heh=
lerei 237 (208), wegen Betruges 25142 (24446), wegen
Untreue 1413 (1457), wegen Urkundenfälſchung aus
Ge=
winnſucht oder in der Abſicht zu ſchaden 6092 (5642),
we=
gen einfachen Wuchers 14 (10), wegen gewerbsmäßigen
Wuchers 13 (3). Unter den Verurteilungen infolge von
Sittlichkeitsverbrechen ſind erfolgt: wegen
Ehebruchs 387 (456), wegen Kuppelei 2953 (3070), wegen
Sittlichke tsverbrechens gegen Perſonen unter 14 Jahren
4822 (4650), wegen unzüchtiger Handlungen 2558 (2371),
wegen ſonſtiger Verbrechen 3773 (3835). Eine
allge=
meine Zunahme der Sittlichkeitsverbrechen hat hiernach
nicht ſtattgefunden.
An ſonſtigen Einzelheiten ſei der Statiſtik noch
ent=
nommen, daß wegen Gottesläſterung und
Be=
ſchimpfung von Religionsgemeinſchaften 120 (127), wegen
Störung des Gottesdienſtes 79 (78), wegen Meineides
der Partei 79 (49), wegen Meineides des Zeugen oder
Sachverſtändigen 254 (220), wegen verſuchter Verleitung
zum Meineid 191 (187) wegen falſcher Anſchuldigung 403
(375) und wegen Verleumdung 676 (749) Perſonen
be=
ſtraft worden ſind.
Deutſches Reich.
— Die Regierung und der Fall Zabern.
Wiederholt und von verſchiedenen Seiten iſt gefragt
wor=
den, wo die Veröffentlichung bleibt, die Auskunft geben
ſoll über das Ergebnis des Verfahrens, das wegen der
bekannten Kundgebung des Berliner Polizeipräſidenten,
Herrn v. Jagow, eingeleitet worden iſt. Die Einleitung
des Verfahrens iſt angekündigt worden, mithin, ſo wurde
gefolgert, müſſe doch auch das Ergebnis mitgeteilt werden.
Wie die Tägl. Rundſchau hört, iſt eine derartige
Ver=
öffentlichung nicht zu erwarten. Die Regierung rechnet
damit, daß die Angelegenheit im preußiſchen Landtage
zur Sprache kommen wird. Dort wird ſich dann auch die
Regierung dazu äußern. Die Erfüllung der Hoffnungen
einiger radikaler Blätter, die von einer ſtrengen
Maß=
regelung des Herrn v. Jagow redeten, dürfte nicht
ein=
treten.
— Aerzte und Krankenkaſſen. Am
Sonn=
tag traten die Vertrauensmänner, der Beirat und
Vor=
ſtand des Leipziger Aerzteverbandes und der
Geſchäfts=
ausſchuß des Deutſchen Aerztevereinsbundes abermals zu
einer Sitzung zuſammen, die ſtellenweiſe ſehr erregt
ver=
lief und nach deren Verlauf leicht geſchloſſen werden
könnte, daß der erſt kürzlich zuſtande gekommene Frieden
infolge neuer Differenzen zwiſchen Aerzten und Kaſſen
ſehr gefährdet ſei. In Berlin ſollen neue Verhandlungen
im Reichsamt des Innern ſtattfinden.
— Die Krankenverſicherung der
Dienſt=
boten. Im preußiſchen Abgeordnetenhauſe hat die
freikonſervative Fraktion eine Interpellation wegen der
Krankenverſicherung der Dienſtboten eingebracht. Sie
lautet: Was gedenkt die königliche Staatsregierung zur
Abhilfe der bei der Dienſtbotenverſicherung in
Ortskran=
kenkaſſen hervorgetretenen Mißſtände zu tun? Der
Ber=
liner Lokal=Anzeiger, der auf dieſe Mißſtände aufmerkſam
gemacht hat, bemerkt dazu:
„Nachdem der Reichstag mitſamt der Reichsregierung
bei der Debatte über die konſervat ve Interpellation
voll=
ſtändig verſagt hat, war es ein guter Gedanke der
Inter=
pellanten, die Angelegenheit in der von ihnen gewählten
Form nunmehr vor das Forum des preußiſchen
Abge=
ordnetenhauſes zu bringen. Für die Aus ührung des
Ge=
ſetzes ſind ja die Einzelregierungen verantwortlich, und
zu der preuß ſchen Regierung darf man ſchon eher das
Zutrauen haben, daß ſie der Willkürherrſchaft einzelner
Kaſſenverwaltungen, wie ſie jetzt ſchon jeden Tag in die
Erſcheinung tritt, nicht gleichmütig zuſchauen wird. Mit
dem Zugeſtändnis des Staatsſekretärs Dr. Delbrück, daß
er ſich die Durchführung des Geſetzes eigentlch anders
ge=
dacht habe, iſt den Verſicherten ungemein wenig geholfen,
und wir wollen hoffen, daß die freikonſervative Aktion im
Abgeordnetenhauſe einen anderen Ausgang nehmen wird
als die Reichstagsdebatte im Dezember.”
— Eine dreiſte Anfrage. Der Bund der
Kon=
feſſionsloſen hat die Kaiſerliche Oberpoſtdirektion in
Ber=
lin in einem Schreiben gefragt, ob ſie bereit ſei, ihren
Beamten gegenüber in religiöſen Fragen, auch im Falle
eines Austritts aus der Landeskirche, völlige
Unpartei=
lichkeit zu üben, und, falls ſie Kenntnis von dienſtlicher
Benachteiligung eines konfeſſionsloſen Beamten erhalte,
gegen den betreffenden Vorgeſetzten entſchieden
einzu=
ſchreiten. Die Oberpoſtdirektion hat darauf erwidert:
„Die Oberpoſtdirektion lehnt es ab, in eine Erörterung
der in dem Schreiben geſtellten Fragen einzutreten.‟ Der
Bund der Konfeſſionsloſen erklärt daraufhin, daß er ſich
nunmehr an den Staatsſekretär wenden werde.
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Nummer 13.
Ausland.
Frankreich.
Ein Beſuch Poincarésin der deutſchen
Botſchaft. Präſident Poincaré wird anläßlich einer
Kaiſer=Geburtstags=Vorfeier am 26. d. M. der deutſchen
Botſchaft in Paris einen offiziellen Beſuch abſtatten. Es
wäre dies das erſte Mal, daß ein Präſident der
franzö=
ſiſchen Republik die Räume der Pariſer Botſchaft betritt.
Dieſer Schritt wird in politiſchen Kreiſen einiges Aufſehen
hervorrufen.
Delcaſſés Nachfolger. Der Miniſterrat hat
das Demiſſionsgeſuch des Petersburger Botſchafters
Del=
caſſé angenommen. Der Präſident der Republik hat das
Dekret unterzeichnet, wodurch Herr Paleologue zum
Bot=
ſchafter in Petersburg ernannt wird. Paleologue ſtehr
anfangs der 50er Jahre und ſeit 1880 in diplomatiſchen
Dienſten Frankreichs. Fünf Jahre lang bekleidete er den
Geſandtenpoſten in Sofia und arbeitete in letzter Zeit im
Auswärtigen Amt. Er beſaß dort eine Stellung, die
un=
gefähr der des deutſchen Unterſtaatsſekretärs entſpricht.
Er gilt als intimer Freund Poincarés. Es iſt in einge
weihten Kreiſen bekannt, daß Paleologue ſich bereits ſeit
langem um einen Auslandspoſten bewarb.
Angriffe gegen den Finanzminiſter
Caillaux. Anläßlich der Aufforderung des
Finanz=
miniſters Caillaux, die in der Angelegenheit der
Prieu=
ſchen Erbſchaft gegen ihn erhobenen Beſchuldigungen zu
beweiſen, veröffentlicht der Figaro u. a. Briefe zweier
Pariſer Perſönlichkeiten, in denen erklärt wird, der
Ver=
treter der Prieuſchen Erben, ein gewiſſer Schneider, habe
in Gegenwart mehrerer Zeugen verſichert, daß die Re
gierung für Wahlzwecke einen ſehr beträchtlichen Teil der
Erbſchaft beanſprucht habe. Nunmehr weigere ſich
Schnei=
der allerdings, dieſe Behauptung zu beſtätigen. Der
Fi=
garo richtet allerdings neue Angriffe gegen den
Finanz=
miniſter, indem er behauptet, daß Caillaux mehrere große
und kleine Banken erſucht habe, ihm Geld für den
Wahl=
fonds der radikalen Partei ſowie für Preſſebeſtechungen
zur Verfügung zu ſtellen. Dieſem Anſuchen ſei auch von
einigen Bankinſtituten Folge geleiſtet worden. So hätten
die Leiter des Comptoire d’Escompte dem Finanzminiſter
für die von ihm bezeichneten Zwecke 400000 Francs
an=
geboten.
England.
Ueber die Homerulefrage werden von den
engliſchen Blättern die widerſprechendſten Nachrichten
ver=
breitet. Man behauptet mit gleicher Zuverſicht, daß die
Unterhandlungen über eine Verſtändigung geſcheitert ſeien,
daß ſie fortdauern und daß ſie noch gar nicht begonnen
haben. Sicher iſt nur, daß Asquith und Bonar Law
mindeſtens eine Unterredung hatten, und daß man es bis
jetzt nur mit Präliminarien zu tun hat, die feſtſtellen
ſol=
len, ob ein Ausgleich möglich ſein wird, wenn die
Home=
rule=Vorlage das Unterhaus das dritte Mal paſſiert hat
und dann das „Suggeſtionsſtadium” gekommen iſt, das
die Parlamentsakte vorſieht.
Rußland.
Die deutſche‟ Militärmiſſion. Laut
No=
woje Wremja dauern die Verhandlungen zwiſchen
Ruß=
land und Deutſchland über die deutſche Militärmiſſion
fort. Deutſchland habe erklärt, keine Schwierigkeiten
ſchaffen zu wollen. Rußland hoffe daher auf eine
beider=
ſeitig befriedigende Löſung der Frage.
Türkei.
Die türkiſch=ſerbiſchen
Friedensver=
handlungen werden in diplomatiſchen Kreiſen als
ab=
gebrochen betrachtet. Die Delegierten ſind ſeit drei
Wo=
chen nicht zu Verhandlungen zuſammengetreten. Von
ſerbiſcher Seite wird erklärt, daß dieſe Unterbrechung
ver=
anlaßt worden ſei, durch neue Forderungen der Türkei in
Fragen, die ſchon dreimal beſprochen und angenommen
worden ſeien. So ſeien die Fragen der Nationalität, der
Wakufs und der muſelmaniſchen Gemeinden noch ſtrittig.
Die ſerbiſche Regierung ſei entſchloſſen, dieſe Fragen auf
dem Wege der Geſetzgebung zu löſen, ohne in dem Frie=
densvertrag eine Verpflichtung der Türkei gegenüber zu
übernehmen.
Die Veränderungen in der Armee. Da
ſich der türkiſche Botſchafter in Berlin, Mahmud Mukthar
Paſcha, geweigert hat, den Poſten als Inſpekteur der
drit=
ten Armee=Inſpektion anzutreten, iſt er in den Ruheſtand
verſetzt worden. Der Kommandeur des zweiten
Armee=
korps, General Haſſan Jzzet, wurde zum Inſpekteur der
dritten Armee=Inſpektion ernannt. An ſeine Stelle tritt
General Haſſan Riza Paſcha. In Pfortekreiſen ſieht
man die Enthebung des Generals Liman von Sanders
om Kommando des 1. Korps und ſeine Ernennung zum
Generalinſpekteur der Armee und der Militärſchulen als
endgültig an. Die Aenderung in den dem General
zuge=
achten Funktionen iſt, wie offiziös erklärt wird, nicht die
Folge irgend eines Schrittes ſeitens Rußlands, ſondern iſt
ausſchließlich der Initiative des Kriegsminiſters Enver
Paſchas zuzuſchreiben, der in einer Beſprechung mit
Ge=
neral Liman von Sanders dieſem die Abſicht mitteile, ihm
das Generalinſpektorat über die Armee anzuvertrauen und
ihm die Laſt des Kommandos des 1. Korps abzunehmen.
Beneral Liman von Sanders hat geantwortet, er ſei zur
Reorganiſation der ottomaniſchen Armee bereit,
gleich=
gültig, in welcher Eigenſchaft. In den Kreiſen der Pforte
glaubt man übrigens, daß dieſe Aenderung geeignet ſei,
Rußland zufriedenzuſtellen.
Die Inſelfrage. Wie verlautet, richtete die
Pforte an ihre Vertreter im Ausland ein Zirkular, in dem
ſie an die Vorbehalte erinnert, als ſie das Schickſal der
Inſeln den Großmächten anvertraute und hervorhebt, daß
die Zuweiſung von Chios und Mytilene an Griechenland
die oſtanatoliſchen Reformen beeinfluſſen und die Ruhe
ruf dem anatoliſchen Kontinent und den Handel
Smyr=
nas ſchädigen könne. Die Pforte lehne die Verantwortung
für die böſen Folgen ab, falls die Großmächte
Entſchei=
dungen treffen, die dem Intereſſe der Türkei zuwiderliefen.
China.
Die Auflöſung des Parlaments. In
ſeinem Erlaß erklärte der Präſident Juanſchikai, die
Auf=
löſung des Parlaments erfolgte deshalb, weil es
unmög=
lich ſei, ſeine Beſchlußfähigkeit zu erreichen. Ein zweiter
Erlaß weiſt die Notwendigkeit nach, die das Parlament
ind die Wahlen betreffenden Geſetze umzuarbeiten. Die
Wiedereinberufung des Parlaments nach der Abänderung
dieſer Geſetze wird feierlich verſprochen. Gleichzeitig wird
der Verwaltungsrat beauftragt, das Ergebnis ſeiner
Er=
wägungen über die Organiſation einer Kommiſſion zur
Abänderung der Verfaſſung vorzulegen.
* Kronprinz Georg von Sachſen. In den
ächſten Tagen, am 15. Januar, vollendet Kronprinz
Georg von Sachſen ſein 21. Lebensjahr und wird damit
volljährig. Nach der ſächſiſchen Verfaſſung tritt
Kron=
prinz Georg mit erreichter Mündigkeit in die Erſte
Kam=
ner ein Auf Grund des Hausgeſetzes von 1837 iſt ihm
bei Vollendung des 21. Lebensjahres außerdem ein
Etablierungsbeitrag aus der Staatskaſſe zu zahlen, der
ſich auf 77083.33 Mark beläuft, weiter eine jährliche
Apa=
nage von 30000 Talern Konventionsgeld oder 92500 M.
Da ſich ſeit Erlaß des Hausgeſetzes der Geldwert
weſent=
lich verringert hat, erſcheint es der Regierung geboten,
die Apanage um rund ein Drittel zu erhöhen, und ſie
ſchlägt daher den Kammern in dem neuen
Staatshaus=
haltsentwurf vor, ſie auf jährlich 125000 Mark feſtzuſetzen.
Vorausſichtlich wird die Kammer dieſer Forderung
zu=
ſtimmen. Uebrigens vollendet auch der nächſtälteſte
Bru=
der des Kronprinzen, Prinz Friedrich Chriſtian, noch in
dieſem Jahre, am 31. Dezember, das 21. Lebensjahr. Für
ihn iſt bei den Kammern ein Etablierungsbeitrag von
und 30000 Mark und eine Apanage von 85000 Mark
be=
antragt worden.
* Auch ein Fall Forſtner. Die Süddeutſche
Ztg. in Stuttgart erfährt aus Straßburg: Wie hier in
Offizierskreiſen bekannt wird, iſt bei den Straßenunruhen
gegen den Leutnant von Forſtner am Dienstag ein 18 Burſche verhaftet worden, der ſich beſonders
fle=
gelhaft benommen hatte. Ein paar Stunden ſpäter
er=
ſchien der Vater dieſes Burſchen, ein anſtändiger alter
Mann, in dem Hotel, in welchem Leutnant von Forſtner
abgeſtiegen war, um dieſen zu bitten, keinen Strafantrag
gegen ſeinen Sohn zu ſtellen. Es wird in Straßburg ſehr
gervorgehoben, daß Leutnant von Forſtner trotz aller üb=
len Erfahrungen, die er gemacht, der Bitte ohne weiteres
ntſprochen hat.
* Beirut. 12. Jan. Nach hier eingetroffenen
Nach=
richten hat in Kairo ein blutiger
Zuſammen=
ſtoß zwiſchen Deutſchen und Franzoſen
ſtattgefunden, deſſen Veranlaſſung der Flieger Vedrines
geweſen ſein ſoll. Auch in Beirut hat Vedrines nicht die
beſten Eindrücke hinterlaſſen, da ſein Auſtreten auch
Fran=
zoſen gegenüber wenig höflich und korrekt war. Vor einer
Verſammlung der Unione Francaiſe hat der Flieger
deutſch eindliche Reden gehalten, die auch außerhalb der
deutſchen Kolonie ſtehende verſtimmt haben. Da die
Unione Francaiſe international iſt, und der Präſident, ein
Franzoſe, gegen die Aeußerungen Vedrines nicht
ein=
ſchritt, ſind ſamtliche deutſche Mitglieder aus dem Verein
ausgetreten.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 18. Januar.
Arbeitsloſenfürſorge in Darmſtadt.
Die Beſchäftigung von Arbeitsloſen im Winter 1912/18
hatte ſich bis zum 12. April ausgedehnt. Von 398 um
Be=
ſchäftigung Nachſuchenden konnten 267 eingeſtellt werden.
Von ihnen wurden 12190 Arbeitsſchichten geleiſtet. Die
Geſamtlohnſumme hierfür betrug bei meiſtenteils
achtſtün=
diger Arbeitszeit 36 280 Mark. Für den Winter 1913/14
ſind durch das Tiefbauamt Arbeiten bereitgeſtellt mit
zu=
ſammen 10500 Arbeitsſchichten. Mit Einſtellung von
Ar=
beitsloſen wurde am 10. November begonnen, und es
wer=
den, wie im Winter vorher, durchſchnittlich 100—120 Leute
täglich beſchäftigt.
Die Stadt hat in ihrer Fürſorge für die Arbeitsloſen
auch jetzt wieder eine große Anzahl von Straßen= und
Kanalbauarbeiten für den Winter zurückgeſtellt, um den
Arbeitsloſen Beſchäftigung bieten zu können. Würde ſie
dieſe Arbeiten im Sommer zur Ausführung bringen, ſo
würde ſie wirtſchaftlicher verfahren, d. h. die Arbeiten
würden um 30 bis 40 Prozent billiger werden. Statt
deſſen geht die Stadtverwaltung in der Sorge für die
Ar=
beitsloſen ſo weit, daß ſie dieſe Verteuerung der Arbeiten
im Intereſſe der Beſchäftigung der Arbeitsloſen zuläßt.
Die hier zurückgeſtellten Straßenbau= und Kanalarbeiteu
bedingen eine Ausgabe von über 220000 Mark. Die
Ver=
gütungen für die Notſtandsarbeiter wurden vor noch nicht
langer Zeit erhöht, trotzdem feſtſtand, daß die Stadt
Darm=
ſtadt an der Spitze aller heſſiſchen Städte ſteht in der Höhe
der Vergütung der Notſtandsarbeiten.
Es beſteht der Grundſatz, daß mit der Beſchäftigung
von Notſtandsarbeitern abgewechſelt werden muß, um
auch den Leuten, die ſeither bei der Stadt nicht beſchäftigt
wurden, Arbeit und Verdienſt zuteil werden zu laſſen. Die
Verwaltung hat ſtets alles aufgeboten, um Arbeiten im
Winter möglich zu machen. Sie hat vor allen Dingen für
eine Vermehrung der öffentlichen Bautätigkeit geſorgt.
Der Umfang der öffentlichen Bautätigkeit iſt, was die in
Zukunft für Rechnung des Reiches und anderer öffentlicher
Korporationen zu errichtenden Bauten anlangt,
außer=
gewöhnlich groß. Keine Stadt in der Größe von
Darm=
ſtadt iſt in der Lage, eine derartige Verſtärkung der
öffent=
lichen Bautätigkeit aufzuweiſen, wie das jetzt und in
Zu=
kunft bei der Stadt Darmſtadt glücklicherweiſe möglich
ſein wird.
Nach wie vor wird die Stadtverwaltung für
diejeni=
gen Arbeitsloſen beſorat ſein, die wirklich arbeiten wollen,
d. h. eine ihnen angebotene Arbeit nicht abgeſchlagen
haben. In dieſem Sinne wird ſie auch in Zukunft nach
Feſtſtellung der einzelnen Verhältniſſe ſich der Arbeitsloſen
annehmen.
* Dienſtentlaſſung. Lehrer Johann Janſohn an
er Volksſchule zu Wackernheim, Kreis Bingen, iſt auf
ſein Nachſuchen ſeines Dienſtes entlaſſen worden.
* Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog haben dem Landrentmeiſter beim Kaiſerlichen
Gouvernement von Deutſch=Oſtafrika, Rechnungsrat
Ler=
gen, z. Zt. in Darmſtadt, die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen der ihm von Seiner Majeſtät dem
Deut=
ſchen Kaiſer und König von Preußen verliehenen
Kolo=
nialdenkmünze erteilt.
* Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der
Großher=
zog haben den Steuereinnehmer beim Steueramt Groß=
Berau Wilhelm Köhler II. zu Groß=Gerau zum
Haupt=
teueramtsaſſiſtenten bei dem Hauptſteueramt Mainz
er=
nannt. — Ernannt wurde der Schreibgehilfe bei dem
Finanzamt Bingen Philipp Blum zu Bingen zum
Finanzamtsgehilfen bei dem Finanzamt Heppenheim.
* Erledigt ſind: Eine mit einem katholiſchen Lehrer
zu beſetzende Lehrerſtelle zu Sörgenloch. Die Stelle
eines Steuereinnehmers des Steueramts Gernsheim.
— Provinzialausſchuß. Die Tagesordnung zur
Sitz=
ung des Provinzialausſchuſſes der Provinz Starkenburg
am Samstag, den 17. Januar, vormittags halb 10 Uhr,
lautet: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Reichelsheim
Wie Blinde ſehen.
( Die ungenannte engliſche Wohltäterin, die vor
längerer Zeit eine ſehr große Summe zur Errichtung eines
Kolleges für Blinde ſtiftete und dabei beſtimmte, daß die
Anſtalt an einem landſchaftlich beſonders ſchönen Punkte
mit einem Ausblick auf die Malvernhügel erſtehen ſolle, hat
ſeinerzeit manche ironiſche Bemerkungen hinnehmen
müſ=
ſen, weil ſie für die Blinden eine landſchaftliche Schönheit
forderte, die zu genießen die unglücklichen, der Sehkraft
be=
raubten Menſchen, doch nie imſtande ſein würden. Der
Leiter dieſes inzwiſchen erſtandenen großen Blinden=
Kolleges von Worceſter G. C. Brown ergreift
nun in einem außerordentlich feſſelnden Aufſatz in der
Daily Mail das Wort, um zu zeigen, wie weiſe und
ver=
ſtändnisvoll jene Stifterin gehandelt hat und was alles
Blinde ſehen können.
Gewiß können die Blinden nicht in dem Sinne ſehen
wie die anderen Menſchen, bei denen der Sehnerv die
Spiegelung der Netzhaut ins Gehirn überleitet; wenn man
von dem Sehen der Blinden” ſpricht, iſt die Fähigkeit
gemeint, Geſichtsvorſtellungen im Gehirn zu
produzieren; es iſt ein viſionäres Sehen. Wenn man
beiſpielsweiſe einen Apfel in das Geſichtsfeld eines
nor=
malen Menſchen bringt, vermag nach der Meinung der
Pſychologen unſer Geſichtsſinn auch nicht nur mechaniſch
und allein zu reagieren; wir ſehen nicht nur den Apfel,
ſondern nehmen zugleich ſeine Größe, ſeine Farbe, den
Grad ſeiner Reife und viele andere Dinge wahr. Alle
dieſe Eigenſchaften vermag auch der Blinde
wahrzuneh=
men, wenn er den Apfel betaſtet, wenngleich bei ihm die
einzelnen Eigenſchaften mit wechſelnder Stärke
wahrge=
nommen werden. Wahrſcheinlich hat der ſehende Menſch
eine viel ſtärkere Farbenwahrnehmung, während der
Blinde dagegen, der mit den Fingern „ſieht” gewiß die
Form und die Struktur der Schale ſchärfer erkennt oder
verzipiert. Wie dem auch ſein möge, jedenfalls erkennt
der Blinde in dem Gegenſtand, den er in der Hand hält,
einen Apfel; und in ſeiner Vorſtellung ſieht er tatſächlich
einen Apfel. Die Erfahrung zeigt, daß der Blinde in der
Reproduktion von Erinnerungsbildern dem ſehenden
Men=
ſchen keineswegs nachſteht; ja im Gegenteil, daß die
Prü=
fung der Dinge durch die Finger eine gründlichere iſt und
ſtärker im Gehirn regiſtriert wird. Im Traum erleben die
Blinden ebenſo lebhafte Geſichtsvorſtellungen wie die
Sehenden. Das Pferd, das das blinde Kind mit Schrecken
oder Angſt im Traume ſieht, mag mit dem wirklichen Pferd
in Form und Farbe nicht ganz übereinſtimmen; aber das
Kind hat die Vorſtellung eines Pferdes, und wenn es ein
Pferd vorher geſehen und betaſtet hat, ſo wird dieſe
Vor=
ſtellung vermutlich nicht mehr von der Wirklichkeit
ab=
weichen, als die von 99 Prozent ſehender Menſchen. Erſt
kürzlich” berichtete Brown, „erzählte mir ein
blindgebore=
ner Schüler von einem unwahrſcheinlichen und
phantaſti=
ſchen Traum einer Strafe, die ich ihm auferleat haben
ſollte, und fügte lachend hinzu: Ach, und ſo böſe ſahen
Sie aus!“
Auf dieſem Wege, durch gleichſam viſionäre
Geſichts=
vorſtellungen, können die Blinden auch die Schönheit
einer Landſchaft genießen. Jeder Fremde, der
bei=
ſpielsweiſe das Blindenkollege von Worceſter beſucht,
ſpricht von der herrlichen Ausſicht; die Jungen hören es,
und in ihrem Geiſte erzeugen ſie die Vorſtellung dieſer
im=
mer wieder bewunderten Ausſicht. Sie kennen das
Bauern=
haus, das in der Tiefe zwiſchen Pappeln liegt; ſie kennen
gepflügte Aecker, kennen Pferde und Pflugſchar; in ihnen
erſteht das Bild der in der Ferne ſich dehnenden Stadt mit
ihrem Dom und den mächtigen Türmen; ſie ſehen im Geiſt
den Fluß ſich durchs Tal ſchlängeln, die Morgenröte kom=
men und die Dinge vergolden — das alles ſind Bilder,
die ſie im Geiſte ſehen und die im Tagesgeſpräch immer
wieder erwähnt werden. Sie wenden ſich nach Weſten und
ihr Geiſt malt ihnen eine Landſchaft aus, die vielleicht noch
herrlicher und ſchöner iſt als jene, die die Augen
wieder=
geben können. Brown erzählt, wie blindgeborene Jungen
ihre Landausflüge machen und nach der Heimkehr mit
Begeiſterung die Einzelheiten und die Schönheit der
durch=
wanderten Landſchaft ſchildern. Erſt kürzlich erzählte mir
einer meiner Jungen, wie prachtvoll bei einem militäriſchen
Zapfenſtreich die Fackeln im Dunkel gewirkt hätten und
ſchilderte den Eindruck der leuchtenden Flammen in der
Nacht; und ein anderer berichtete mir von ſeinen
Ein=
drücken, während er betäubt worden war und beſchrieb,
wie er ſeine Freunde weinend um den Overationstiſch ſtehen
„ſah”. So kommt es, daß Blinde ſelbſt an
Theatervorſtel=
lungen und an Lichtbildern große Freude haben; auch
wenn kein ſehender Freund ſie begleitet. Vor kurzem nahm
ein blinder Student den Sohn Browns, einen
ſiebenjähri=
gen Jungen, mit zu einer Vorführung der Schlacht von
Waterloo. „Als mein Junge nach Hauſe kam und befragt
wurde, was er geſehen habe, wunderte man ſich über ſeine
genaue Kenntnis aller Einzelheiten. Da erzählte er, daß
ſein blinder Begleiter ihm alle Bilder, die auf der
Lein=
wandfläche erſchienen, ganz genau erklärt hatte
Solche Beiſpiele von der „Sehkraft” der Blinden
könnten in endloſer Menge aufgezählt werden. Während
die Sehenden ihrem Gehirne faſt ausnahmslos alle
An=
regung durch das Auge zuführen, formt der Blinde aus
der Zuſammenarbeit von Taſtſinn, Gehörſinn und
Ge=
ſchmackſinn ſeine Geſichtsvorſtellungen: und nicht
unbe=
wußt, ſondern notgedrungen ſtets mit voller Bewußtheit.
Und ſo werden ſeine Geſichtsbilder außerordentlich ſcharf:
auch ohne den ſogen, ſechſten Sinn.
Nummer
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Seite
i. Odw. gegen den Ortsarmenverband Ober=Schönmatten
wag wegen Erſtattung von Unterſtützungskoſten für die
Jakob Antonioli=Witwe in Reichelsheim. 2. Enteignung
von Gelände zur Eröffnung der Weiterſtädter Straße
zwi=
ſchen Kirſchenallee und dem verlegten Teil jener Straße
3. Klage des Philipp Hufnagel zu Offenbach a. M. gegen
die Stadt Offenbach wegen Heranziehung zur Bezahlung
von Fußwegherſtellungskoſten.
* Wehrſteuergeſetz. Der Heſſiſche Handelskammertag
hat an das Großh. Miniſterium der Finanzen die Bitte
gerichtet, es möchten auf Grund des § 15, Abſatz 2 des
Wehrſteuergeſetzes und § 13 der
Ausführungsbeſtimmun=
gen des Bundesrats die Finanzämter allgemein
ermäch=
tigt werden, ſolchen Betriebsinhabern, die ihrer
Ver=
mogenserklärung den Abſchluß für den 3. Dezember 1913
zu Grunde legen wollen, auf Verlangen eine Verlängerung
der Friſt für die Abgabe der Vermögenserklärung bis
zum 15. April 1914 zu gewähren.
* Die ärziliche Beratungsſtelle für Epileptiſche
in Nieder=Ramſtadt wurde im Jahre 1913, abgeſehen
von einer Anzahl Patienten aus frü eren Jahren, noch
von 11 Kranken in Anſpruch genommen, die alle aus
dem Großherzogtum Heſſen waren, und zwar ſtammten
aus dem Kreiſe Darmſtadt 4, Groß=Gerau 1, Dieburg 3,
Erbach 2 und Alzey 1. Die Beratungsſtelle ſoll auch im
laufenden Jahre beibehalten werden. Die Beratung iſ
für Unbemittelte unentgeltlich und wird abgehalten an
jedem erſten Montag im Monat in der Anſtalt für
Epileptiſche in Nieder=Ramſtadt, an deren ärztlichen
Leiter, Herrn Dr. Heid, man ſich wegen näherer Auskunft
wenden wolle.
* Die Kirchengemeindevertretung der
Paulus=
gemeinde Beſſungen hielt im Gemeindeſaale der
Paulus=
kirche eine zahlreich beſuchte Sitzung ab, in der der
Vor=
ſitzende, Herr Pfarrer Rückert, zunächſt den Bericht
über den religiös=ſittlichen Zuſtand der Paulusgemeinde
im Jahre 1912 erſtattete. Sodann wurde nach längerer
Debatte einſtimmig beſchloſſen, zwecks Erwerbung des
zwiſchen Kirche und Hobrechtſtraße gelegenen
Bau=
geländes und zur Erbauung einer noch in dieſem Jahre
in Angriff zu nehmenden Kinderkrippe für die
Paulus=
gemeinde einen Betrag von 60000 Mark in den
Vor=
anſchlag einzuſtellen. Auch im übrigen fand der
vorge=
tragene Voranſchlag für 1914/15, der in Einnahme und
Ausgabe mit 105982 Mark abſchließt, einſtimmige
An=
nahme.
* Der Teeabend des Frauenvereins der
Schloßge=
meinde nahm einen allſeitig befriedigenden Verlauf. Schon
lange vor Beginn waren die Räume des Gemeindehauſes
dicht beſetzt. Eine weſentliche Anziehungskraft hatte wohl
der Redner des Abends, Herr Profeſſor D. Dr. Diehl=
Friedberg, ausgeübt, der in trefflichen Ausführungen die
Frage beantwortete: „Welche Aufgaben ſtellt die moderne
Austrittsbewegung an das Gemeindeleben?”. Zunächſt
wies er darauf hin, daß ſolche Bewegungen auch in Heſſen
nicht ſelten geweſen ſind, man denke nur an die
Wieder=
täufer 1538, an die Freiproteſtanten und Altlutheraner.
Während dieſe jedoch durch religiöſe Gründe verurſacht
waren, wird heute mit bewußter Abſicht die Loslöſung
von Kirche und Chriſtentum erſtrebt. Die Anhänger der
Bewegung finden ſich bei den Gebildeten, wie bei den
ſozial Gedrückten. Erſteren gegenüber ſteht die Tatſache
feſt, daß ſie vielfach nichts wiſſen von Chriſtenglauben,
auch nicht den Unterſchied von Glauben und Wiſſen. Das
Chriſtentum iſt keine Summe von Lehren ſondern neues
Leben. So haben ſie auch vielfach kein Verſtändnis für
die Arbeit des Pfarrers, der Seelſorger ſein, d. h. dem
Einzelnen nachgehen ſoll. Letzteres aber iſt in den
Maſſen=
gemeinden der Großſtädte einfach unmöglich. Die
Per=
ſonalgemeinden mit ihren Begleiterſcheinungen (
Acciden=
zien) ſind ein Auswuchs, dem in Heſſen ſeit zwei
Jahr=
zehnten abgeholfen wurde. So fordert der Redner
Ein=
zelgemeinden mit aktiven und mobilen Organen. Sie
müſſen im haſtenden Leben der Gegenwart ein
Sammel=
punkt werden auch für die fluktuierende Bevölkerung, die,
vom Lande kommend, in der Stadt keine Heimat findet.
Es gilt, nach dem alten Worte Luthers „der chriſtlichen
Haushaltung vorſtehen und chriſtliche Zucht üben” Wenn
die moderne Bewegung uns Schäden im kirchlichen Leben
gezeigt hat, ſo müſſen wir dankbar ſein und mit Liebe
und Pflichttreue in Familie und Gemeinde arbeiten, daß
es beſſer werde. Reicher Beifall lohnte den mit den
Ver=
hältniſſen unſerer Stadt ſo wohlvertrauten Redner. Nicht
minder aber auch die trefflichen Vorträge des
feingeſchul=
ten Trios (Frau M. Sturmfels. Herr Hch. Falkenſtein und
Herr Hch. Pfaff), die zündenden Lieder des Herrn L.
Müller, unter Begleitung von Herrn Niebergall, ſowie die
von Herrn Pfaff und Frl. Sturmfels geſpielten Celloſtücke
von R. Strauß. Alle haben zum feinen Verlauf des
Abends beigetragen, wofür ihnen Herr Pfarrer
Zimmer=
mann herzlichſten Dank ſagte. Wie der Abend mit einem
Choral begonnen ſo klang er aus in dem gemeinſamen
Geſang des Lutherliedes „Ein feſte Burg”
* Vorträge. Man ſchreibt uns: Wie durch Inſerate
ſchon bekannt gegeben, hält der durch ſeine
Miſſionstätig=
keit in weiten Kreiſen auch der hieſigen Bevölkerung
be=
kannte und beliebte Evangeliſt Herr Dölken aus Thun
(Schweiz) vom 12. Januar bis einſchließlich 18. Januar
einen Zyllus von Vorträgen im Verſammlungsſaal,
Mauerſtraße 17, ab. Seine von Herzen zu Herzen
gehen=
den Worte in feſſelnder und doch volkstümlicher Rede ſind
ſeinen Zuhörern zum bleibenden Segen geworden. Ueberall
wird der Evangeliſationsarbeit des Herrn Dölken
größ=
tes Intereſſe entgegengebracht, weil die Erſahrung
be=
zeugt, daß er vielen, dem wahren Heil in Gott
Fernſtehen=
den ein Wegweiſer zum Licht und Frieden geworden iſt.
Die Verſammlungen finden allabendlich 7½ Uhr ſtatt.
Nachmittags 4 Uhr Bibelſtunde.
* Odenwaldklub. Man ſchreibt uns: Mit dem
biede=
ren Optimismus, wie er einmal Lehrern eigen iſt,
ver=
ſicherten die Führer der 10. Vereinswanderung, die als
Leiter der Klubſchülerwanderungen hochverdienten Herren
H. und K. Schäfer, am Freitag auf dem Klubabend unter
ſtrömendem Regen, der Wintergang nach Zwingenberg
werde ſich von anderen Wanderungen nicht übertreffen
laſſen. Der Winter als Arzt und Künſtler hatte die
ver=
heißungsvollen Worte zur Tat werden laſſen. Zwar
folgte ein kecker Geſelle, der mantelzauſende Wind, den 137
Wandergenoſſen über die Bergrücken, aber er gab Friſche
und Farbe den erſtaunten Geſichtern, die ſich nach dem
Zauber der herrlichen Schneelandſchaften richteten. Nur
die flüchtige Spur des eilenden Windes und die
ſcharf=
gerandeten Bänder der Skiläufer kreuzten die
verſchnei=
ten Pfade, die der glückliche Blick der Führer ausgewählt
hatte. Ludwigshöhe, Bordenberg, Rabenberg,
Franken=
hauſen bezeichnen die Richtpunkte des Marſches bis zur
Frühſtücksraſt, die Klubgenoſſe Schuchmann, unterſtützt von
den Schönen des Dorfes, im mollig gewärmten Saale
zu einer angenehmen Marſchpauſe werden ließ. Der
Wei=
termarſch wurde unterbrochen durch eine Kaffeeraſt auf
der Kuralpe, und als die neuzeitlichen Recken auf dem
Felsberg und der Neunkircher Höhe gemeinſam mit den
ſteinernen Zeugen aus alter Zeit von den Höhen der
Bergſtraße die Wanderer grüßten, erſchienen zum Geleit
die Freunde aus Zwingenberg, um beim Abſtieg die Macht
des Winters in ſeiner zerſtörenden Kraft, die im Hang
eines Weinberges ſchweren Schaden durch wühlendes
Waſſer angerichtet hatte, zu zeigen. Am Eingang zu
Zwingenbergs Mauern empfing eine Muſikkapelle die
Darmſtädter Wanderer, und in fröhlichem Zug gings
zum Klubgenoſſen Fuchs in die „Traube” wo ein
vorzüg=
liches Mahl, der unermüdliche Eifer der braven Hausmuſik
und ganz beſonders die Herzlichkeit der erfreulich
aufblü=
henden Ortsgruppe Zwingenberg ſchöne Stunden
hervor=
zauberten. Der rührige Vorſitzende der Ortsgruppe
Zwingenberg, Herr Aktuar Peppler, widmete den
Freun=
den aus Darmſtadt herzliche Worte der Begrüßung, Herr
Bürgermeiſter Mueller=Darmſtadt warf einen Rückblick auf
das vergangene Jahr und wies auf die Aufgaben des
neuen Vereinsjahres hin. Dr. Köſer ſprach im Namen
des Zentralausſchuſſes auf das gute Einvernehmen der
Ortsgruppen und die Erziehung des Menſchen zum
Natur=
genuß. Es folgten Anſprachen der Herren Poſtverwalter
Rechel=Zwingenberg, des Herrn Th. Klump=Darmſtadt,
Ge=
ſangsvorträge des Herrn Dr. Scherer=Darmſtadt und des
Herrn Malers Held=Zwingenberg, gemeinſame Geſänge
und fröhlicher Tanz. Als die Kapelle unter den
Klän=
gen des „Muß i denn zum Städtle hinaus” die
Zwingen=
berger und Darmſtädter Wanderfreunde zum Bahnhof
brachte, klangs aus aller Munde: Dank den Führern und
der Ortsgruppe an der Bergſtraße für den unvergeßlichen
Tag in Zwingenberg.
* Landesverband Heſſiſcher Tanzlehrer. Die
Grün=
dung eines Landesverbandes Heſſiſcher Tanzlehrer
voll=
zog ſich geſtern unter guter Beteiligung aus allen
Landes=
teillen. In ſeiner Begrüßung wies der Einberufer, Herr
Schrimpff, darauf hin, daß die in Deutſchland
be=
ſtehenden Fachvereine eine einheitliche Vertretung der
be=
ruflichen Intereſſen in den einzelnen Staaten unmöglich
ausführen können, und daß die Bildung von
Landesver=
bänden nötig geworden iſt, zudem auch von ſeiten der
Be=
hörden dieſer Mangel ſchon empfunden wurde. Das
be=
rufliche Intereſſe vereinigt ſich mit dem öffentlichen
In=
tereſſe, da der Tanz heute einer Reorganiſation
entgegen=
geht und eine fachkünſtleriſche Ausbildung angeſtrebt
wer=
den muß. In ſeinem eingehenden, ſehr intereſſanten
Re=
ferat wies Redner darauf hin, daß unſer Zeitalter im
Be=
griffe ſteht, dem Tanze auf kulturellem Gebiete den ihm
gebührenden Platz zurückzuerobern, ſo daß die Tanzkunſt
heute wieder auf eine höhere Stufe geſtellt wird. wie ſich
dies aus der Bildung verſchiedener Kunſtanſtalten, die
ſich der beſonderen Pflege der Tanzkunſt widmen, ergibt.
Auch in den gewerblichen Tanzinſtituten muß die
gewal=
tige Reaktion der Körperkultur gegen die einſeitige
Gei=
ſteskultur zum Ausdruck kommen. Auch das
Gemeinwohl des Standes bedinge die Gründung des Ver=
bandes. Hierauf wurde einſtimmig eine Reſolution
angenommen, in welcher die einmütige Ueberzeugung zum
Ausdruck kam, daß der heſſiſche Tanzlehrerſtand durch einen
dauernden, feſtorganiſierten Zuſammenſchluß ſeine
berech=
tigten Intereſſen gegen Schadigungen und
Vergewaltig=
ungen zu ſchützen vermag, ferner poſitive, zum Schutze
dieſes Standes dienende Vorſchläge zu machen und auf
Ausgleichung von Gegenſätzen in den eigenen Reihen
hinzuwirken. Der zu wählende Vorſtand, ſowie eine zu
wählende Kommiſſion wird ermächtigt, alle nötigen
Schritte hierzu zu unternehmen, Satzungen auszuarbeiten
uſw. Der Vorſtand ſetzt ſich wie folgt zuſammen: Zum
Vorſitzenden wurde A. Schrimpff=Darmſtadt gewählt.
Weitere Vorſtandsmitglieder ſind: v. Hoff=Bingen,
Mei=
ſinger=Darmſtadt, Anger=Ofenbach, Hoftanzlehrerin Frl.
Swoboda=Darmſtadt, Haas=Offenbach, Schneid=Lauterbach.
An den Großherzog wurde ein Ergebenheitstelegramm
abgeſchickt.
* Muſik=Verein. Für das Winterfeſt des Muſik=
Ver=
eins am 17. d. M. zeigt ſich erfreulicherweiſe allſeitig ein
reges Intereſſe, das beſonders ſeinen Ausdruck findet in
der lebhaften Anfrage nach Eintrittskarten. Schon jetzt
iſt man zu der Annahme berechtigt, daß der Saalbau an
jenem Abend ausverkauft ſein wird. Die Proben zu dem
Theaterſtück in Darmſtädter Mundart und zu den
Koſtüm=
tänzen ſind dem Abſchluß nahe, ſo daß den Mitwirkenden
für die aufgewendete große Mühe wohl ein ſicherer Erfolg
beſchieden ſein wird. In muſikaliſchen Darbietungen
wer=
den neben einigen Orcheſterſtücken von einem kleinen Chor
die Liebeslieder von Brahms mit Klavierbegleitung zu
Gehör gebracht. Ferner hat ſich die Hofopernſängerin
Fräulein Eva Unger vom hieſigen Hoftheater für den
Vortrag einiger Lieder für Sopran freundlichſt bereit
fin=
den laſſen. Für die Tombola ſind wertvolle Gewinne
in großer Zahl geſtiftet. Ganz beſonders ſei auf den
Hauptgewinn hingewieſen, ein Geſchenk unſeres
einhei=
miſchen Bildhauers Hanns Jochheim, welches auch
über den Kreis des Muſik=Vereins hinaus hohes Intereſſe
beanſpruchen darf. Es iſt dies eine von Herrn Jochheim
nach dem Leben modellierte Plakette des langjährigen
ver=
dienſtvollen Vereinsdirigenten, Herrn Geheimen Hofrats
de Haan, ein Kunſtwerk, deſſen Beſichtigung allein ſchon
einen Beſuch des Feſtes verlohnen dürfte. Aber auch die
übrigen Gewinne ſind auserleſener, teils künſtleriſcher
Natur. Weiter wird eine in Farbendruck ausgeführte
Feſtpoſtkarte ausgegeben, die ein aktives Mitglied
entwor=
fen hat. Noch andere Ueberraſchungen, beſonders im
Bauerntheater in dem prächtig dekorierten Gartenſaal
und auf der Bunten Bühne, ſtehen bevor. Sie ſollen aber
als ſolche zunächſt den Beſuchern des Feſtes vorenthalten
bleiben. Das Orcheſter ſtellt die Kapelle des Feldartillerie=
Regiments Nr. 61 unter Leitung des Herrn
Obermuſik=
meiſters Weber. Es ſei nochmals ausdrücklich darauf
aufmerkſam gemacht, daß das Feſt auch Nichtmitgliedern
zugängig iſt.
* Arztkonferenz. Am Dienstag, den 20. Januar,
nachmittags 5 Uhr, findet im Bahnhofshotel zu
Darm=
ſtadt, am 24. Januar, nachmittags 5¼ Uhr, in der
Kinder=
klinik zu Gießen, Friedrichſtraße 16, und am 3. Februar,
nachmittags 4¼ Uhr, im Gutenberg=Kaſino zu Mainz eine
Konferenz der leitenden Aerzte der
Beratungs=
ſtellen der Großh. Zentrale für Mutter=
und Säuglingsfürſorge in Heſſen ſtatt. Durch
die ärztlichen Kreisvereine haben ſämtliche Aerzte aus
Darmſtadt und Umgebung Einladung hierzu erhalten.
die Tagesordnung iſt folgende: 1. Vortrag des Herrn Dr.
Sell, leitender Arzt der Eleonoren=Heilſtätte zu
Linden=
fels: „Wichtige Ernährungsfragen” 2. Anfragen und
Diskuſſion.
* Verein für Geflügel= und Vogelzucht „Ornis”. Auf
der 17. nationalen Gelügelausſtellung in Berlin erhielt
Mitglied Herr Gg. Schleidt auf ſeine dort ausgeſtellten
Puten zwei 2. und drei 3. Preiſe und auf Ind.
Kämpfer=
henne einen 2. Preis.
* Orpheum. (Max Walden=Enſemble.) „Das
Farmermädchen” der neueſte Operettenſchlager von Georg
Jarno, mit dem das Walden=Enſemble ſein erfolgreiches
Gaſtſpiel fortſetzt, geht heute Dienstag, 13. Januar,
erſt=
malig in Szene. In Leipzig, wo das Stück kürzlich 25
Aufführungen erlebte, ſchrieben u. a. die Leipziger
Neueſten Nachrichten: Georg Jarno hat mit ſeinen
Mä=
dels in Leipzig Glück. Wie vor einer Reihe von Jahren
ſeiner Förſterchriſtl und ſpäter ſeinem Muſikantenmädel,
ſo iſt auch ſeinem Farmermädchen ſeitens eines
ausver=
kauften Hauſes eine Aufnahme geworden, die darauf
ſchlie=
ßen läßt, daß ſich ein Dauererfolg entwickeln wird. Der
Komponiſt Jarno zeigt, daß er auch größeren Aufgaben
gewachſen iſt, als Tanzweiſen zuſammenzuſtellen. Er
offenbart hier in dieſen großen Geſangsnummern Gemüt,
ind er ſchreibt hier, wie auch im zweiten Akt ein Finale,
das an den Stil der Oper gemahnt, ohne dabei doch das
Weſentliche eines Operettenfinales hintanzuſetzen. Die
Melodien haben das Zeug an ſich, populär zu werden,
Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Darmſtädter Künſtler auswärts. Herr
Kapellmeiſter Lert iſt für dieſen Sommer nach Berlin
an das Theater des Weſtens engagiert worden, um den
Nibelungenring neu zu inſzenieren und zu dirigieren.
P. Münchener Theater. „Die Uhr”, Spiel
in zwei Akten von Roda Roda und Guſtav
Mey=
rink, wurde bei der Unaufführung im Königl.
Reſidenz=
theater am 10. Januar vom Publikum abgelehnt. Dieſes
Schickſal war in hohem Maße unverdient, denn das Werk
iſt originell und enthält Stellen von ſtarker ſuggeſtiver
Kraft. Die Handlung ſpielt auf dem Turme des Prager
Hradſchin, wo der alte Herr von Hajek mit ſeiner Tochter
Marie in ſelbſtgewählter Einſamkeit hauſt. Der Vater hält
die Tochter von den Menſchen fern. Marie ahnt ein
Ge=
heimnis, denn der Vater ſpricht, gepeinigt von
Erinnerun=
den, im Schlaf Dinge, die auf ſchwere Schuld ſchließen
laſſen. In techniſch glänzender, retardierender Weiſe wird
nun ſchrittweiſe die Vorgeſchichte aufgehellt. Mariens
Mutter hat ſich vom Turm herabgeſtürzt, da ſie die Geliebte
eines anderen war. Dieſer andere iſt Dobrusky, ein nun
alter Mann, der, obwohl von Haß gegen Hajek erfüllt, in
ſeinem Sohn Jahn eine romantiſche Liebe zu deſſen
Toch=
ter zu züchten wußte. Der heißeſte Wunſch Dobruskys,
die beiden Kinder möchten ſich einſt lieben, geht in
Er=
füllung. Aber Jahns Freund Rudolf wird plötzlich von
wahnſinniger Liebe zu Marien erfaßt. Es kommt zu einem
Ringen zwiſchen den beiden auf der Plattform des Turms,
und Jahn ſtürzt in die Tiefe.
Doch dieſe Geſchehniſſe ſind nicht die Hauptſache. Die
Hauptperſon iſt die „Uhr”. Sie wird zum myſtiſchen
Sym=
bol des metaphyſiſchen Begriffes Zeit” Ihre Schläge
raſſeln herein in die Schickſale der Menſchen. Bald
klin=
gen ſie mild, verſöhnlich, bald wie das hölliſche Gelächter
eines Teufels. Alles Menſchenleben wird nur zum Ara=
beskenwerk. Alles ſägt die „Uhr” dieſe langſame
Säge=
mühle, durch: Liebe, Leben, Leidenſchaften, Haß und
Er=
innerungen.
Leider haben die Autoren es nicht unterlaſſen können,
in dieſer tiefſinngen und originellen Arbeit allerlei Witze
und Kalauer anzubringen. Dadurch wurde der Teil des
Publikums ermutigt und ſicher gemacht, der nicht bloß
lachen, ſondern auch grinſen will. Und gerade der Teil
des Publikums war es dann, der der Dichtung den Garaus
machte. Die Aufführung war ſehr gut. Die Szenerie,
die zuerſt die Galerie des Turmkranzes, dann das Innere
der Turmſtube zeigt, war vortrefflich. Der Eindruck wurde
noch durch ziehende Wolken verſtärkt. Steinrück machte
aus dem alten Hajek eine ergreifende, vom Schickſal
zu=
gleich gepeinigte und geadelte Geſtalt.
* Wochenſpielplan der Frankfurter
Stadttheater. 1. Opernhaus: Dienstag, 13.
Jan.: „Madame Butterfly”. Mittwoch, 14.: „Parſifal”.
Donnerstag, 15.: „Orpheus in der Unterwelt”. Freitag,
16.: „Der Waffenſchmied” Samstag, 17.: „Die
Fleder=
maus”. Sonntag, 18., 4 Uhr: „Parſifal”. Montag, 19.:
„Der fliegende Holländer‟ Dienstag, 20.: „Manon”
2. Schauſpielhaus: Dienstag, 13. Jan.: „Der Herr
Miniſter”. Mittwoch, 14., 4½ Uhr: „Der geſtiefelte
Kater”. 8 Uhr: Zum erſten Male: „Chriſtiane‟ Ein Spiel
in 3 Akten aus der Goethezeit von Lothar Schmidt.
Don=
nerstag, 15.: „Pygmalion”. Freitaa, 16.: „Wie einſt im
Mai” Samstag. 17 ½8 Uhr: „Der geſtiefelte Kater”
8 Uhr: Zum erſten Male: „Schirin und Gertraude‟. Ein
Scherzſpiel in 4 Akten von Ernſt Hardt. Sonntag, 18.,
½4 Uhr: „Der geſtiefelte Kater” 7 Uhr: „Schirin und
Gertraude” Montag, 19.: „Chriſtiane‟. Dienstag, 20.:
„Schirin und Gertraude‟
* Wochenſpielplan des Großh. Hof= und
National=Theaters Mannheim. Dienstag,
13. Jan.: „Die fünf Frankfurter”. Mittwoch, 14.: „Don
Juan”. Donnerstag, 15. „Medea” Freitag, 16.: „
Sam=
ſon und Dalila”. Samstag, 17.: „Madame Butterfly”.
Sonntag, 18.: „Der fliegende Holländer”. Montag, 19.:
„Die heitere Reſidenz”.
* Ueber den Herzog von Braunſchweig wird der Voſſ.
Ztg. aus Braunſchweig geſchrieben: Das junge
Herzogs=
paar fühlt ſich in ſeiner neuen Reſidenz vollkommen zu
Hauſe. Der Verkehr mit der Bevölkerung iſt auf einen
einfachen, herzlichen Ton geſtimmt; oft ſieht man den
Her=
zog und die Herzogin gemeinſam oder einzeln in den
Straßen Einkäufe machen oder in den zahlreichen
öffent=
lichen Parks ſpazieren gehen, überall ebenſo herzlich wie
ehrfurchtsvoll begrüßt. Der Herzog beteiligt ſich eifrigſt an
allen militäriſchen wie ſportlichen Veranſtaltungen. Seine
reichen Privatmittel geſtatten es dem Herzog, zahlreiche
Beſſerungen einzuführen, wie die jüngſt verfügte
Gehalts=
erhöhung der Angeſtellten des Hofſtaates und beſonders
des Hoftheaters. Dort war in den Zeiten der Regentſchaft
viel Unzufriedenheit zu ſpüren. Auch das
Künſtlerperſo=
nal der vom Herzogspaar eifrig beſuchten Hofbühne ſoll
durch Neuengagements hervorragender Leiter und
Soli=
ſten auf den einer gut dotierten Hofbühne würdigen Stand
gebracht werden. Größere Hoffeſtlichkeiten verbieten ſich
zurzeit durch den Zuſtand der Herzogin Viktoria Luiſe
Von der Erbauung neuer Schlöſſer für den Hofhalt wird
jetzt viel gefabelt; zurzeit wird erſt das Schloß
Blanken=
burg am Harz mit bedeutenden Koſten als eine zu
länge=
rem Beſuch eingerichtete Sommerreſidenz umgebaut. Des
jungen Herrſchers Regierungstätigkeit zeigt ſich zunächſt
in ſeiner Zugänglichkeit für jedermann; kein Geſuch
bleibt unbeantwortet, faſt alle haben nach Möglichkeit den
gewünſchten Erfolg. Umgeben iſt Herzog Ernſt Auauſt
von einem Stab rein braunſchweigiſcher Miniſter,
Rat=
geber und Hofbeamten; der einzige „Fremde” iſt Adjutant
Freiherr von Lichtenſtern, der dem Herzog ſchon in
Mün=
chen zugeteilt war und ihm nach Rathenow und
Braun=
ſchweig folgte.
— Tango hüben und drüben. Einen intereſſanten
Vergleich zwiſchen dem echten argentiniſchen Tango und
Seite 4.
Mummer 13
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
die Weiſe vom Fredy, das Banjo=Duett, das
Büffel=
eptett, das Duett von dem blühenden Leben, das
Tanz=
uett des zweiten und das Telephon=Duett des dritten
Aktes. „Das Farmermädchen” bleibt auch während der
nächſten Tage auf dem Spielplan. Das bedeutend
ver=
tärkte Orcheſter ſteht unter der Leitung des Kapellmeiſters
Schirmer. Die Vorſtellung beginnt pünktlich um
3 Uhr.
§ Sachbeſchädigung. Am Sonntag abend wurde ein
Fenſterreiniger wegen fortgeſetzter Beläſtigung der Gäſte
aus einer Wirtſchaft in der Dieburgerſtraße auf die Straße
befördert. Aus Rache hierüber hat er eine größere
An=
zahl Fenſterſcheiben der Wirtſchaft von außen
eingeſchla=
gen und ſich dabei derart an dem rechten Unterarm
ver=
etzt, daß er ſofort in das ſtädtiſche Krankenhaus verbracht
verden mußte.
§ Hundefang. Während des Monats Dezember ſind
von dem hieſigen Polizeihundeaufſeher 39 Hunde
einge=
fangen worden. Hiervon wurden 14 Hunde von ihren
Eigentümern wieder ausgelöſt, 5 Hunde ſind verkauft
wor=
den und 20 Hunde mußten getötet werden.
§ Brand. Am Sonntag nachmittag kurz nach 2 Uhr
explodierte im Hauſe Ohlyſtraße Nr. 40 ein
Porzellan=
ofen, infolgedeſſen die daneben ſtehenden Möbelſtücke in
Brand grieten. Die herbeigerufene Feuerwehewache
öſchte das Feuer alsbald ab.
Strafkammer II.
*g. Am 8. September vorigen Jahres wurde am
Eiſenbahnübergang an der Sprendlinger Landſtraße in
Offenbach das Milchfuhrwerk des Händlers Karl Hermann
Neubecker vom Eilzug 34 überfahren und vollſtändig
zertrümmert. Bei dem Zuſammenſtoß wurde die
Milch=
händlerin Witwe Suſanne Schäfer XXIX. ſofort getötet
und der Milchhändler Neubecker ſo ſchwer verletzt, daß
er nach kurzer Zeit im Offenbacher Krankenhaus verſtarb.
Die Ehefrau Neubecker erlitt ebenfalls erhebliche
Ver=
letzungen, iſt jedoch wieder ziemlich hergeſtellt und wird
dauernde Nachteile wohl nicht davontragen. Die Urſache
des Unfalls war, daß die Schranken nicht geſchloſſen
waren, ſo daß das Fuhrwerk auf die Gleiſe kam und als
der heranbrauſende Zug bemerkt wurde, war es bereits
zu ſpät. Es werden für dieſen Unfall verantwortlich
gemacht und hatten ſich deshalb geſtern vor der hieſigen
Straſkammer wegen fahrläſſiger Tötung zu verantworten
der 22jährige Aushilfsweichenſteller Jakob Herzog von
Klein=Oſtheim, der den Schrankenwärterdienſt verſah, und
der 59jährige Weichenſteller 1. Klaſſe Franz Ludwig
Burk=
hardt von Ebersberg, der am fraglichen Tag den
Dienſt im Stellwerk ausübte. Zur Verhandlung waren
12 Zeugen und drei Sachverſtändige geladen. Der
Ange=
klagte Herzog gibt an, daß er das erſte Signal, das die
Abfahrt des Zuges im Frankfurter Bahnhof meldete,
ge=
hört habe. Da aber das zweite, das ſogenannte
Kontakt=
ſignal, nicht ertönte, habe er mit dem Schließen der
Schranken gewartet, da er annahm, der Zug habe keine
freie Fahrt, da es wiederholt vorkomme, daß die Züge
nach erfolgtem Ertönen des Abfahrtſignals auf freier
Strecke halten müſſen. Als er das Herannahmen des
Zu=
ges bemerken konnte, war es bereits zu ſpät; das
Fuhr=
werk des Neubecker ſtand bereits auf dem Gleiſe. Er gibt
weiter auf Vorhalt zu, daß für ihn in erſter Linie der
Fahrplan maßgebend ſei. Auch, daß er die Schanken hätte
ſchließen müſſen, wenn das Kontaktſignal nicht ertönte.
Der Dienſt ſei außerordentlich anſtrengend. Täglich
ver=
kehren an dieſer Stelle 199 Züge. Er habe täglich morgens
von 6 Uhr 40 Minuten bis abends 6 Uhr 40 Minuten
Dienſt und nur alle zwei Wochen einen freien Tag.
Außer den allgemeinen Dienſtvorſchriften beſteht für
die fragliche Stelle noch eine beſondere Anweiſung vom
Betriebsamt Hanau, nach der für die von Frankfurt
kom=
menden Züge das Einfahrtsſignal nicht gezogen werden
darf, bevor die Schranken geſchloſſen ſind. Dieſer
Vor=
ſchrift ſoll der zweite Angeklagte, Burkhardt, ein im Dienſt
ergrauter Beamter, zuwider gehandelt haben. Er iſt ſeit
1876 im Dienſt der Bahn und hat bereits dreimal
Be=
lohnungen erhalten, und wurde auch anläßlich ſeines 25 Dienſtjubiläums ausgezeichnet. Er gibt an, daß
er die oberen Spitzen der Schranken ſich habe bewegen
ſehen, und, da er im gleichen Augenblick eine andere Weiche
habe umlegen müſſen, habe er nicht weiter acht gegeben,
ob die Schranken geſchloſſen ſind. Er nahm an, daß
Schrankenwärter Diehl, ein alter, zuverläſſiger Beamter,
Dienſt an der Schranke verſah, Wenn er mit der Freigabe
der Einfahrt ſo lange warten würde, bis die Schranken
geſchloſſen ſind, würde ſich in der Praxis ein Mißſtand
inſofern ergeben, als die Züge im letzten Moment zum
Stehen gebracht würden. Andererſeits dürfe der
Schran=
kenwärter nicht zu früh ſchließen, um den Verkehr nicht zu
hemmen.
Staatsanwalt Dr. Leoni ſieht in dem Angeklagten
Herzog den Hauptſchuldigen. Sein Verſchulden lag
beſonders darin, daß er die Schranken nicht ſchloß, obgleich
r wußte, daß der Zug fahrplanmäßig um die Zeit
paſſie=
ren mußte, auch war ihm die Abfahrt gemeldet worden.
Er hätte nicht auf das Kontaktſignal warten dürfen. Auch
konnte er ſehen, daß die Nebenſchranken geſchloſſen
wur=
den Das Verſchulden des Burkhardt ſei verhältnismäßig
geringer. Er durfte ſich aber nicht darauf verlaſſen, daß
ein zuverläſſiger Beamter an den Schranken ſtand,
ſon=
dern er mußte ſich vergewiſſern, ob die Schranken
ge=
ſchloſſen waren. Ein verſchulden des Burkhardt ſei ſchon
deshalb erwieſen, weil er damit rechnen mußte, daß
durch ſeine Unterlaſſung ein Unglück entſtehen könne, aber
uch ſchon die Nichtbefolgung einer Dienſtvorſchrift mache
ihn ſtrafbar. B. hatte einen ſchweren,
verantwortungs=
reichen Dienſt und iſt in Ehren in dieſem Dienſt grau
geworden, aber die Vorſchrift verlangt nichts
unmög=
iches. Strafmindernd komme bei beiden in Betracht, daß
beide unter dem Unglück ſeeliſch ſchwer zu leiden hatten, bei
B. komme beſonders noch mildernd in Betracht, daß in
erſter Linie Herzog für die Schließung der Schranken
ver=
antwortlich war und er annehmen mußte, daß dieſer
ſei=
nen Dienſt ordnungsgemäß erlediate. Erſchwerend komme
die Schwere des Unglücks in Betracht. Er beantragte
gegen B. die Mindeſtſtrafe von 1 Monat
Gefäng=
nis, gegen Herzog 10 Monate Gefängnis.
Das Gericht erkannte bezüglich beider Angeklagter auf
je einen Monat Gefängnis, indem es die Schuld
des Burkhardt für größer erachtete, aber in Rückſicht auf
eine einwandfreie Dienſtzeit auf die gleiche Strafe
er=
kannte.
D. Gundernhauſen, 11. Jan. (Verſteigerung.)
Die große Hofreite des Landwirts Georg
Bau=
mann ging bei der Verſteigerung auf die angrenzende
Großmetzgerei Hanſtein über, wodurch es dem Beſitzer
der „Germania” möglich iſt, den großen Saal weiter
aus=
zubauen. Es iſt dann auch dem hieſigen, in den letzten
Jahren ſtark zunehmenden Fremdenverkehr gebührend
Rechnung getragen.
Rüſſelsheim, 12. Jan. (Beigeordnetenwahl.)
Der wiederholt von der Regierung nicht beſtätigte
ſozial=
emokratiſche Gemeinderat Georg Jung wurde bei der
Wahl am Samstag abermals mit 438 Stimmen zum
Bei=
geordneten gewählt. Der bürgerliche Gegenkandidat
er=
ſielt 358 Stimmen.
Offenbach, 12. Jan. (Todesfall.) Der
Stadtver=
rdnete Brunn iſt heute nacht im Alter von 38 Jahren
geſtorben. Er gehörte der Nationalliberalen Partei
n und war ſeit 1907 Stadtverordneter. — (Offenbachs
Bahnhofsbauten.) Für die Erweiterung des
Hauptbahnhofs Offenbach a. M. iſt eine fernere
ſate von 1000000 Mark in den Etat der preußiſchen
Eiſen=
bahnverwaltung für das Jahr 1914 eingeſtellt worden. —
(Unter dem Keſſel.) In der Offenbacher
Zement=
fabrik ereignete ſich vorgeſtern ein ſchwerer Unfall. Der
Arbeiter Karl Ebeling hatte ein Loch in eine Mauer
gebrochen, durch das ein großer, 50 Zentner ſchwerer Keſſel
efördert werden ſollte. Den Arbeitern, die mit dieſem
Transport beſchäftigt waren, entglitt jedoch der
Keſſel, der dadurch ins Rutſchen kam, Ebeling auf das
Bein fiel und ihm einen komplizierten Bruch des
Ober=
chenkels beibrachte. Der Schwerverletzte wurde in das
ſtädtiſche Krankenhaus eingeliefert. — (Grober
Un=
fug.) Der 34 Jahre alte Arbeiter Auguſt Brückner
verübte geſtern im hieſigen Hauptbahnhof, nachdem er
eben aus dem Stadtkrankenhaus entlaſſen worden war,
in angetrunkenem Zuſtand allerhand Unfug. Einem
Schutzmann, der ihn hinausbefördern wollte, ſetzte er
hef=
tigen Widerſtand entgegen. Brückner gebärdete ſich
hier=
bei wie ein Wütender, ſo daß verſchiedene Paſſanten dem
Schutzmann zu Hilfe eilen mußten. Erſt als ein Wagen
geholt worden war, gelang es, den Wütenden in das
Haft=
lokal zu bringen.
Sprendlingen, 12. Jan. (Unfall.) Der Brenner
Adam Schreiner ſtürzte von einer Leiter herab und fiel
mit dem Hinterkopf auf einen am Boden liegenden
Ham=
mer, ſo daß eine klaffende Wunde am Hinterkopf entſtand.
Der Arzt hatte Mühe, die Wunde zuzunähen, da der
Ver=
letzte Krampfanfälle bekam und um ſich ſchlug und biß. Eine
Frau wurde von ihm derart in den Oberarm gebiſſen,
daß er hoch anſchwoll.
H. Lampertheim. 12. Jan. (Jünglingsverein.)
Am Sonntag hielt der hieſige evangeliſche
Jünglingsver=
ein und Jugendvereinigung ſein Jahresfeſt ab, damit auch
die Feier der 100jährigen Wiederkehr der Erhebung
Deutſchlands verbindend. Vormittags fand
Feſtgottes=
dienſt unter Mitwirkung des Kirchenchors ſtatt, wobei Herr
Pfarraſſiſtent Strack=Guſtavsburg die Feſtpredigt hielt.
Am Nachmittag fand die Nachfeier im Saale des
Gaſt=
hauſes „Zur Roſe” ſtatt. Herr Pfarrer Roos, der Vor=
ſitzende des Vereins, hieß die Feſtverſammlung herzlich
wllkommen. Die Feſtrede hielt Herr Lehrer Schwamb.
Der gewaltigen Zeit entſprechend angepaßte
Deklamatio=
nen und Schülerchöre von E. M. Arndt und Theodor
Körner gaben der Feſtrede den würdigen Nachdruck Ein
Freiheitsſpiel „Der Trommeljunge von Dennewitz” wurde
flott wiedergegeben. Weitere Deklamationen und
Ge=
ſangsvorträge verherrlichten die Feier, der ein ſehr
reich=
haltiges Programm zugrunde lag. Auch der
Poſaunen=
chor hatte ſich wieder in den Dienſt der Sache geſtellt. In
ſeinem Schlußwort dankte Herr Pfarrer Roos, der ſelbſt
ein großes Stück Arbeit zu bewältigen hatte, allen
Mit=
virkenden.
Worms, 12. Jan. (Frhr. v. Heyl) hat an den
Oberſt v. Reuter folgendes Telegramm gerichtet:
„Von zahlreichen treudeutſchen Männern und vom
Vor=
ſitzenden der Nationalliberalen Vereine meines
Wahl=
kreiſes bin ich beauftragt, Ihnen, Herr Oberſt, für den
ritlerlichen Mannesmut zu danken, mit dem Sie in
kri=
tiſchen Tagen die Ehre der Armee und des Vaterlandes
vor aller Welt vertreten und gegen unberechtigte Angriffe
geſchützt haben. Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Mitglied
des Reichstages für den Wahlkreis Worms=Heppenheim=
Wimpfen.” — (Selbſtmord?) Auf der Straßenbrücke
wurden geſtern früh ein Damenhut, Regenſchirm und ein
Handtäſchchen gefunden. In dem Täſchchen befand ſich
ein Zettel mit der Adreſſe eines hieſigen Mädchens Die
ſofortigen Nachforſchungen haben ergeben, daß bei dem
erwähnten Mädchen geſtern eine Freundin aus Weinhem
an der Bergſtraße zu Beſuch war, die angab, daß ſie
Samstag Hochzeit habe, davor habe ſie ein Angſtgefühl
und dergleichen. Die Feſtſtellungen in Weinheim haben
ergeben, daß tatſächlich heute die Trauung des erſt 17 Jahre
alten Mädchens ſtattſinden ſollte, das Mädchen iſt aber
nicht dort eingetroffen. Hiernach muß vermutet werden,
daß es ſich im Rhein ertränkt hat.
H. Oppenheim, 12. Jan. (
Krankenkaſſen=
wahl.) Man ſchreibt uns: Der vor zwei Jahren zum
Beigeordneten von Nieder=Saulheim wiedergewählte und
unlängſt zurückgetretene Herr Johann Walldorf III. wurde
bei der letzten Kreisausſchußſitzung zum Vertreter der
Arbeitgeber der neuen Landkrankenkaſſe für den Kreis
Oppenheim einſtimmig gewählt; ein ſchöner Beweis, daß
man den ſelbſtloſen und konſequenten Herrn in der
Kreis=
verwaltung nicht miſſen will.
Abenheim, 12. Jan. (Kirchenraub.) In der
Nacht zum Sonntag wurde unſere Kirche der Schauplätz
eines ganz ungewöhnlich frechen Einbruchs und
Kirchen=
raubs. Zwei bis jetzt noch nicht ermittelte Diebe erbrachen
das ſüdliche Portal der Kirche und machten ſich ſchleunigſt
ans Werk, das Tabernakel auszuplündern. Eine
wert=
volle Monſtranz mit dem Allerheiligſten fiel
ihnen in die Hände. Alsdann öffneten ſie den
Cibocien=
kelch, der noch im Tabernakel ſtand und zerſtreuten die
Hoſtie auf dem Boden der Kirche. Von dem ganzen
Vor=
fall wurde in der Nacht ſelbſt nichts bemerkt. Die Diebe
eilten dann in der Richtung nach Worms davon. Noch
ehe ſie das Dorf verließen, öffneten die beiden
Kirchen=
räuber die Monſtranz und brachen die Lunula mit dem
Sanktiſſimum heraus. Dann wickelten ſie die Hoſtie in
Papier ein und ließen ſie auf einem Acker am Ausgange
des Ortes nach Worms hin liegen. Am Sonntag wurde
die Hoſtie dort von zwei Mädchen gefunden. Anwohner
der Wormſer Chauſſee wollen nachts zwiſchen 2 und 3 Uhr
zwei Männer vorbeilaufen gehört haben. Erſt gegen
6.30 Uhr morgens wurde die Tat von dem Küſter beim
Betreten der Kirche entdeckt. Von den Tätern fehlt noch
jede Spur.
Gießen, 12. Jan. (Bürgermeiſterwahl.) Die
Stadtverordneten werden ſich nächſten Mittwoch in
nicht=
öffentlicher Sitzung mit der Wahl des
Oberbürger=
meiſters befaſſen. — (Ein Freiballon) überflog
am Sonntag Oberheſſen. Er wurde in verſchiedenen
Ort=
ſchaften geſichtet. In Reichelsheim landete er um ½9 Uhr
n der Straße nach Dorn=Aſſenheim. Er war von vier
Offizieren beſetzt. Die Inſaſſen wollten, da ihnen die
Gegend ganz fremd war, Erkundigungen einziehen.
Nach=
dem dies geſchehen, ſtieg der Ballon wieder auf und flog
in der Richtung nach Bad=Nauheim zu. Er war am
Samstag um 4 Uhr nachmittags in Berlin aufgeſtiegen. —
(Eine aufregende Szene) ſpielte ſich geſtern um
12 Uhr am Bahnübergang in der Liebigſtraße ab. Nach
der Einfahrt des Fuldaer Zuges öffnete der
Schranken=
wärter nochmals, um eine Anzahl Leute durchzulaſſen, da
der Zeitraum zwiſchen beiden Zügen erfahrungsgemäß
ſtets mindeſtens 5 Minuten beträgt. Ob nun der
Melde=
kontakt verſagt hatte oder der Schrankenwärter die Zeit,
innerhalb welcher der Gelnhäuſer Zug eintreffen mußte,
unterſchätzte, ſei dahingeſtellt. Plötzlich kam der Zug
her=
ngebrauſt, bevor der Schrankenwärter wieder ſchließen
onnte. Verzweifelt rief er: „Achtung, Achtung!” — aber
drei ältere Damen und ein Kind waren ſo in ihre
Unter=
haltung vertieft, daß ſie buchſtäblich nichts hörten und
ſahen. Der Lokomotibführer konnte zum Glück auf das
Notſignal des Wärters hin den Zug zum Stehen bringen,
ſo daß ein ſchweres Unglück vermieden wurde.
Gießen, 12. Jan. (Stiftung.) Freiherr Heyl zu
Herrnsheim hat dieſer Tage der Landesuniverſität
Gießen ein Kapital von 40000 Mark zur Förderung der
wiſſenſchaftlichen Forſchung auf dem Gebiete des Rechts=
und Wirtſchaftslebens zur Verfügung geſtellt. Die Summe
ſoll u. a. zum Ankauf der Bibliothek des verſtorbenen
Pro=
feſſors der Staatswiſſenſchaften Dr. Magnus Biermer
für die Univerſitätsbibliothek dienen.
(*) Nieder=Eſchbach, 11. Jan. (Ein ſchweres
Un=
glück) traf den Großhändler Gutmann aus Dortelweil
auf der Straße von hier nach Ober=Eſchbach. Als ein
Auto wegen der Schlüpfrigkeit der Straße dicht an dem
Fuhrwerke Gutmanns vorbeiraſte, ſcheuten deſſen Pferde
und ſprangen mit dem Wagen die Böſchung hinunter. Der
Wagen wurde vollſtändig zertrümmert. Straßenpaſſanten
leiſteten Gutmann, der ſchwer verletzt wurde, die erſte
Hilfe.
Vilbel, 12. Jan. (Ein Volkshaus.) Von dem
Erlös, den die Gemeinde einſt durch den Verkauf des
Rußlandsgeländes in Höhe von 1086000 Mark erzielte,
hat die Gemeindeverwaltung bis jetzt 971000 Mark für
beſondere Zwecke verausgabt. Es iſt geplant, für einen
Teil der Reſtſumme ein Volkshaus zu bauen.
Der Platz dazu iſt bereits angekauft.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 11. Jan. Am heutigen
Sonntag waren die Gotteshäuſer Groß=Berlins
überfüllt. Der Kampf gegen die Kirche hatte einen
Kampf für die Kirche ausgelöſt. Um den
Gemeindemit=
gliedern außerhalb des gewohnten gottesdienſtlichen
Rah=
mens die Not der Kirche darzulegen, war ein allgemeiner
Kirchenſonntag veranſtaltet. Die ebenfalls am geſtrigen
Tage einberufenen 16 Kirchenaustrittsverſammlungen
unterſchieden ſich dadurch von den bisherigen, daß die
liberalen Geiſtlichen zur Teilnahme an der Diskuſſion ein=
dem neu entdeckten, ſo ſchnell berühmt gewordenen Tango
der Europäer zieht in der in Paris erſcheinenden
ſüdame=
rikaniſchen Revue ein Argentinier, der mit ſichtlichem
Staunen in Paris den viel umſtrittenen Modetanz ſah,
den wir in der alten Welt offenbar recht willkürlich Tango
getauft haben. Was ſieht man in Paris? Von den
Por=
talen vornehmer Häuſer und Hotels ſieht man elegant
gekleidete Modedamen in faſhionable Automobile
ſchlüpfen. Ihre Roben ſind trotz der Winterkälte aus
zar=
teſtem, durchſichtigem Material, Schlitze ermöglichen es, in
dieſen engen Röcken zu tanzen, die kleinen Füße und
Feſſeln der Schönen ſind in durchbrochene Strümpfe von
entzückender Durchſichtigkeit gehüllt, ſo daß die Paſſanten
ſtehen bleiben, um dieſes Schauſpiel mit anzuſehen.
Wo=
hin entführt das Automobil dieſe mondänen Weſen? Sie
fahren zum Tango=Tee, ſelbſtverſtändlich, und hier tanzen
ſie einen ſeltſamen Tanz, bei dem ſie ſich in den Armen
elegant gekleideter Dandys vor= und zurückwerfen, beim
Klange einer hübſch uniformierten Salon=Zigeunerkapelle.
Ja, das nennen ſie Tango, aber wenig, ja nichts hat dies
gemein mit dem wirklichen Tango, den nur der
argenti=
niſche Gaucho und ſeine Liebſte, ſeine „Novia” kennen.
Dort, in den Steppen Argentiniens, ſieht man in ſtiller
Mondnacht vor den kleinen Ranchos einen anderen Tango.
Seine „Chiripa” zieht der Gaucho feſter, ſeinen „Poncho”
wirft er zurück, packt die dunkeläugige Schöne an der
Taille, in raſender Bewegung wirbelt er ſie umher, um
plötzlich inne zu halten und in wilder Ekſtaſe ſein Auge auf
ſie zu richten. Die Hunde heulen und bellen zum Klange
der Gitarre, und wenn die Männer ein Glas Branntwein
nach dem anderen geleert haben, dann endet die Szene
meiſt mit einem ſchnell improviſierten Zweikampf, wobei
die Meſſer blitzen und wobei ſtets einer der beiden
Kämpfer ſicher ſein kann, nicht mehr vom Erdboden
auf=
zuſtehen. Die Weiber ſchreien und heulen, die kärglichen
Lichter verlöſchen, mit einem Schnitte befreit der Saucho
ſein Pferd von der Leine, die es gefeſſelt hielt; hinaus
ins Dunkel galoppiert er, iſt im Nu verſchwunden, und
zurück bleibt, auf der Erde hingeſtreckt, der Tote, den
vielleicht am nächſten Morgen irgendwer begräbt. Ta=
— das iſt der wirkliche Tango.
C.K. Seltſame Witterungserſcheinungen. Aus
Frank=
reich kommen Berichte über ungewöhnliche
Witterungs=
erſcheinungen, die während der letzten Tage beſonders
as ſüdweſtliche Frankreich heimgeſucht haben. Während
es in Paris ziemlich warm war, wurde das ſüdweſtliche
Frankreich die Stätte wilder, ganz ungewohnt heftiger
Schneeſtürme, und in Moulin=ſur=Allier brach dabei ein
Gewitter los, das nach den eingelaufenen Telegrammen
zu den herrlichſten und zugleich ſeltſamſten
Naturerſchei=
nungen gehört, die man ſeit Menſchengedenken in jener
Gegend beobachtet. Ueber eine Stunde lang rollte mit
kurzen Unterbrechungen der Donner und zuckten die Blitze
über der ſchneeverwehten Landſchaft, und das
Einſchla=
gen der Blitze in die weiße Schneedecke war ein
unvergeß=
licher Anblick. Aber dabei ereignete ſich auch ein
tragi=
ſcher Unglücksfall: ein 16jähriger Junge und ein 13
jähri=
ges Mädchen wurden plötzlich, während ſie mit fröhlich
geröteten Wangen an einer Schneeballſchlacht teilnahmen
vom Blitze erſchlagen. In Tours fiel am Mittwoch abend
gegen ½9 Uhr ein Meteor von ſo ungewöhnlicher
Leucht=
kraft oder Größe, daß er in ſeinem Fluge die ganze Stadt
in grelle Tageshelle tauchte. Das Licht des Metors hatte
einen rötlichen, faſt purpurfarbenen Schimmer und dabei
die Intenſität des die Augen blendenden Magneſiums.
Den Sturz des Meteors begleitete ein donnerndes
Kra=
chen, das wie eine gewaltige Exploſion klang, aber bis
jetzt iſt es noch nicht gelungen, die Stelle zu finden, wo
der Meteor den Erdboden traf.
* Noch eine „Wackes=Geſchichte” Wie aus Metz
ge=
meldet wird teilt der Lorraine mit, daß Herr Jean, der
frühere Präſident des aufgelöſten „Souvenir d’Alſace=
Lor=
raine” den verantwortlichen Redakteur der Leipziger
Neueſten Nachrichten verklagt habe. Herr Jean fühlt ſich
beleidigt, weil das Blatt in einem Artikel vom 15.
Novem=
ber mit der Spitzmarke: „Der Fall Zabern und die
Fran=
zoſen” mit bezug auf ihn den Ausdruck Wackes gebraucht
hat. Der intereſſante Prozeß wird am 20. Januar vor dem
Metzer Schöffengericht verhandelt werden.
Nummer 13
Seite 5
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
geladen und zum Teil dieſer Einladung gefolgt waren.
— Die Fünfmillionenſtiftung an die Stadt
Berlin, über die wir berichteten, wird in der nächſten
Sitzung bereits die Stadtverordneten beſchäftigen. Der
Spender, der Rentner Repphan, hat Berlin dieſe Summe
mit der Bedingung vermacht, daß an den Stifter eine
jähr=
liche Rente von 180000 Mark und nach ſeinem Tode an
ſeine Witwe eine Rente von 90000 Mark oder eine
Abfin=
dungsſumme von 800000 Mark gezahlt wird. Die
Wald=
ſchule ſoll mindeſtens 60 Kilometer von Berlin entfernt,
möglichſt im Harz, errichtet werden. Sie kann indeſſen
uuch im Gebiet der Herrſchaft Lanke erbaut werden. Sollte
indeſſen die Großſtadt ſich bis Lanke ausdehnen, dann iſt
die Waldſchule in den Harz zu verlegen. Die alte
Schul=
anlage in Lanke kann dann anderen Zwecken dienſtbar
ge=
macht werden. Aufgenommen werden ſollen nur Knaben,
vorzugsweiſe evangeliſcher Konfeſſion. Das Kapital reicht
aus, um in oder bei Lanke eine Oberrealſchule zu
errich=
ten und zu unterhalten, die ganz im Sinne des Stifters
800 bis 1000 Knaben gegen geringe Penſion aufnehmen
kann. — Der 35jährige Apothekergehilfe Hugo Cohn
wurde in ſeiner Wohnung von ſeiner Geliebten, der 34
jäh=
rigen Kontoriſtin Luiſe Röhl, nach einem
vorangegange=
nen heftigen Wortwechſel durch einen Revolverſchuß,
der die rechte Wange durchbohrte, erheblich verletzt. Nach
der Tat tötete ſich das Mädchen ſelbſt durch einen Schuß
in den Mund.
Wiesbaden, 12. Jan. (Todesfall.) Der erſte
Charakterdarſteller am hieſigen Reſidenztheater, Georg
Rücke, iſt in der vergangenen Nacht an den Folgen
einer Magenoperation im Alter von 45 Jahren
ge=
ſtorben.
h. Mannheim, 12. Jan. (Verurteilter
Brand=
ſtifter.) Der lange Zeit vergeblich geſuchte Brandſtifter
von Königshofen, der 23jährige Maurer Emil Freitag
von Unter=Balbach, wohnhaft in Königshofen, wurde
heute vom Schwurgericht wegen Brandſtiftung in fünf
Fällen und verſuchter Brandſtiftung in zwei Fällen zu 12
Jahren Zuchthaus verurteilt; außerdem zu 10
Jah=
ren Ehrverluſt und Stellung unter Polizeiaufſicht. Durch
die Brandſtiftungen wurde ein Schaden von annähernd
300000 Mark verurſacht. Wegen der Brandſtiftungen
hatten mehrere Bürger mehrere Monate unſchuldig in
Unterſuchungshaft geſeſſen.
Karlsruhe. 12. Jan. (Folgen einer
Urlaubs=
überſchreitung.) Der Dragoner Jung hat nach
einer ſpäteren Meldung heute mittag das Bewußtſein
wieder erlangt. Er hatte den Zapfenſtreich verſäumt und
war dann planlos umhergeirrt, bis er, von Müdigkeit
übermannt, eingeſchlafen war.
München, 12. Jan. (Ein Tanzer laß der
Münchener Polizei) kündigt an, daß ſie gegen
an=
ſtößige Tänze jeder Art ſcharf vorgehen werde, ſo auch
gegen den Tango. Dieſer ſtehe auf derſelben Stufe wie
die ſogenannten Apachentänze und ſei nach dem Urteil der
Sachverſtändigen eher „eine Art ſinnlichen Reizmittels,
denn ein Tanz.”
Nürnberg, 12. Jan. (Beim
Schlittſchuhlau=
fen) an einer polizeilich nicht freigegebenen Stelle
bra=
chen geſtern mehrere Perſonen ein. Zwei Realſchüler
er=
tranken.
Aſchaffenburg, 12. Jan. (Erſchofſen auf
gefun=
den) wurden heute früh 9 Uhr auf einer Bank in der
Faſanerie der ledige Peter Vinzenz Becker und ſeine
Geliebte Sabine Schirmer aus Groß=Oſtheim.
An=
ſcheinend hat Becker zuerſt ſeine Geliebte und dann ſich
ſelbſt erſchoſſen. In einem hinterlaſſenen Briefe erklären
die Unglücklichen, da ſie ſich nicht im Leben angehören
könnten, hätten ſie gemeinſam ſterben wollen.
Saarbrücken, 12. Jan. (Diebſtahl.) Bei einem
Einbruch in der Villa von Rexroth in Saarbrücken wurden
heute nacht 50000 Mark in
Tauſendmark=
ſcheinen entwendet. Die Täter hatten es zunächſt
auf das Silberzeug, das in Säcken verpackt,
umherver=
ſtreut aufgefunden wurde, abgeſehen, bis ſie ſodann den
Schreibtiſch durch Abheben der Tiſchplatte erbrachen und
mit dem Gelde flüchteten Bemerkenswert iſt, daß die
Einbrecher große Maſſen von Schmierſeife und Pfeffer zur
Verwiſchung der Spuren vor Polizeihunden verwandten.
Am Tatort wurden ein Stemmeiſen, anſcheinend aus einer
Glaſerwerkſtätte herrührend, ſowie eine Rohrzange, wie
ſie von Inſtallateuren gebraucht werden, aufgefunden
Die Zange iſt mit einem lateiniſchen H. gezeichnet. Für
die Herbeiſchaffung des Geldes und Ermittelung der
Tä=
ter iſt eine Belohnung von 5 Prozent des wiedererlangten
Geldes ausgeſetzt.
Alzenau, 12. Jan. (Ertrunken.) Geſtern
nach=
mittag fiel der neunjährige Sohn des Maurers
Seba=
ſtian Köppel von hier in die zurzeit hochgehende Kahl und
ertrank. Die Leiche wurde wegen des trüben! Waſſers
noch nicht gefunden.
Kannſtatt, 12. Jan. (Ertrunken.) Als geſtern
der Fiſcher Jakob Käfer und der Maurer Johannes
Lauſterer aus Münſter am Neckar mit dem Feldhüter
Oberer aus Mühlheim am Neckar in dem hochgehenden
Fluß fiſchten, wurden ſie über die Wehranlage der
Ar=
noldſchen Spinnerei ſamt ihrem Nachen geſchleudert und
verſchwanden in den Fluten. Dem Fiſcher Käfer gelang
es, das Uſer zu erreichen, der 40jährige Lauſterer und der
42 Jahre alte Oberer ertranken. Ihre Leichen
wur=
den noch nicht gefunden.
Tübingen, 12 Jan. (Mord.) Im Kellerraum eines
Hauſes der Uhlandſtraße wurde heute nacht die Leiche der
10jährigen Irma Deſſauer aufgefunden. Als
der Tat verdächt’g wurde der 28 Jahre alte Hausknecht
Karl Maier aus Unterjeſingen verhaftet. Er wird
be=
ſchuldigt, das Kind erwürgt zu haben. Maier wurde
ver=
hört, leugnet aber die Tat. Das Opfer iſt das Töchterchen
einer hier lebenden Witwe. Die Staatsanwaltſchaft war
heute kurz nach 8 Uhr an Ort und Stelle.
Braunſchweig, 12. Jan. (Trauerfeier.) Heute
vormittag fand in der Domkirche die Trauerfeier für den
Staatsminiſter Hartwieg ſtatt. Am Altar war unter
einer Füll= von Palmen und Kränzen, unter denen ſich
auch ein prachtvoller Kranz des Herzogs befand, der
Sarg aufgebahrt. Um ½11 Uhr erſchien der Herzog. Der
Hof= und Domprediger v. Schwartz hielt die Trauerrede.
Unter Glockengeläute erfolgte die Ueberführung des
Sar=
ges in den Domfriedhof. Der Herzog beauftragte mit
ſeiner Vertretung bei der Beſtattung den Oberſtallmeiſter
Freiherrn von Hirſewald.
Dresden, 12. Jan. (Juwelendiebſtahl.) Bei
einem Einbruch in einem Juwelengeſchäft in der
Seeſtraße haben die Diebe für 60—70000 Mark
Goldwaren und Juwelen erbeutet.
Leipzig, 12. Jan. (Todesfall.) Geſtern iſt der
Seniorchef der Verlagsfirma Brockhaus, der frühere
Par=
lamentarier Heinrich Eduard Brockhaus, im Alter von 84
Jahren geſtorben. Mehr als 40 Jahre hat er erſt an der
Seite ſeines Vaters, dann ſeit deſſen Tode mit ſeinem
jüngeren Bruder Heinrich Rudolf Brockhaus das
umfang=
reiche und weitverzweigte Unternehmen geleitet und, wie
ie Voſſiſche Zeitung ſchreibt, ihm die hohe Stellung, die
es ſeit ſeiner Begründung im deutſchen Buchhandel
ein=
nimmt, dauernd zu wahren gewußt.
Baſel, 12. Jan. (Zu dem Konkurs der Bank
Tredito Ticineſe) wird noch gemeldet: In
Lo=
carno und Lugano, wo die Bank Niederlagen hat, herrſcht
große Erregung. In der Vorausſicht von Unruhen
wurde Verſtärkung der Polizei verlangt.
Peſt. 12. Jan. (Mord.) Es ſcheint nunmehr
feſtzu=
ſtehen, daß die ermordete Frau, deren Leiche in einem
Reiſekorbe aus der Donau gefiſcht wurde, die Orpheumdiva
Elza Tunchanyi iſt. Sie ſoll am Freitag abend mit
einem elegant gekleideten Herrn ihre Wohnung im
Auto=
mobil verlaſſen haben und ſeitdem verſchwunden ſein.
Rom. 12. Jan. (Eingeäſcherte Stadt.) Durch
ein im Poſtamt ausgebrochenes Feuer iſt das Städtchen
Taſtel=Guglielmo faſt völlig eingeäſchert worden. Etwa
3000 Menſchen ſind obdachlos.
Petersburg, 12. Jan. (60 Soldaten erfroren.)
Während des letzten Schneeſturms marſchierte von
Kron=
ſtadt nach Oranienbaum eine Abteilung von 60 Rekruten.
Sie verloren die Richtung und ſind nicht an ihrem
Be=
ſtimmungsort angelangt. Man nimmt an, daß ſie alle
er=
froren ſind.
Petersburg, 12. Jan. (Der durch Schneewehen
in Unordnung geratene Bahnverkehr) iſt,
rusgenommen auf der Nikolai= und Warſchauer Bahn,
vieder hergeſtellt. Auf den beiden genannten
Strecken dauern die mehrſtündigen Zugverſpätungen
ioch an.
Ymuiden, 12. Jan. (Beendeter Streik.) Eine
Verſammlung der Reeder hat die Forderungen der
Aus=
ſtändigen wegen des Stehgeldes und der Fiſchverteilung
an die Mannſchaft bei der Ankunft der Schiffe im Hafen
genehmigt. Der Streik kann ſomit als beendigt angeſehen
werden.
Tokio, 11. Jan. (Die Hungersnot) in den
ſüd=
lichen Provinzen Japans dauert fort und man hegt große
Beſorgnis für die Zuſtände, die eintreten würden, wenn
der geringe Beſtand an Nahrungsmitteln ganz
aufge=
braucht iſt.
Gerichtszeitung.
Prozeß Hopf.
* Frankfurt a. M., 12. Jan. Vor dem
Schwur=
gericht begann heute unter dem Vorſitz von
Land=
gerichtsdirektor Heldmann die Verhandlung gegen den
51 Jahre alten Kaufmann und Artiſten Karl Hopf der
in vier Fällen des Mordes und in drei Fällen des
Mord=
verſuchs beſchuldigt wird. Zu der Verhandlung, die
vor=
ausſichtlich fünf Tage dauern wird, ſind 46 Zeugen und
18 Sachverſtändige geladen. Der Andrang zum
Zuſchauer=
raum iſt überaus ſtark. Der Vorſitzende eröffnete die
Ver=
handlung mit einer Anſprache an die Geſchworenen, in
der er die Herren auffordert, ohne Vorurteil an die Sache
heranzutreten und alle Rückſichten ſchwinden zu laſſen, die
abſeits von dem Wege liegen, dem die Wahrheit als Ziel
geſetzt iſt. Hopf wird von zwei Kriminalbeamten in den
Schwurgerichtsſaal geführt. Er nimmt auf dem
hinter=
ſten Sitz des Raumes für die Angeklagten Platz, ſo daß
er von den Zuſchauern nur wenig geſehen werden kann.
Nach der Anklage ſoll er ſeine Mutter, ſeine erſte
Frau und zwei Kinder, ein uneheliches und das
Kind von ſeiner zweiten Frau, durch Gift ums
Leben gebracht haben. Des Mordverſuchs vermittels
Giftes wird er beſchuldigt gegenüber ſeinem Vater,
ſei=
ner weiten und dritten Frau.
Schon in ſeinem früheren Wohnort Niederhöchſtadt
im Taunus waren Gerüchte umgelaufen, daß er ſeine Frau
habe vergiften wollen, denen er durch erfolgreiche
Privat=
klagen entgegengetreten war. Er ſiedelte ſpäter nach
Frankfurt a. M. über, wo ſeine dritte Frau wenige
Monate nach dem Abſchluß einer hohen Verſicherung unter
eigentümlichen Erſcheinungen erkrankte. Die Unterſuchung
im Krankenhaus hatte zur Folge, daß Hopf am 14. April
verhaftet wurde. Nach anfänglichem Leugnen geſtand
er auch, ſeiner Frau Arſenik in Tee und Sekt gegeben
zu haben. Die Staatsanwaltſchaft ließ nun endlich auch
die Leichen der beiden erſten Frauen, der Eltern Hopfs
und der Kinder ausgraben. In allen Leichenreſten
wur=
den verhältnismäßig große Mengen Arſenik
nachgewie=
ſen. Auf die Frage des Vorſitzenden, was er zu der
An=
klage zu ſagen habe, erklärte ſich Hopf für unſchuldig. Die
vielen Gifte, erklärt er, für die Hundezucht und die
Hei=
lung erkrankter Tiere gebraucht zu haben. Weiter
behaup=
tet Hopf, die bei ihm gefundenen Kulturen an Cholera=
Typhus= und anderen Bazillen zu Verſuchszwecken ſich
aus Wien verſchrieben zu haben. Er ſelbſt habe von
die=
ſen Bazillen eingenommen. Er geſteht zu, daß er auch
ſeiner dritten Frau Cholera= und Typhusbazillen
einge=
geben habe, will das aber in einem Zuſtand
geiſti=
ger Störung getan haben.
Der Vorſitzende geht dann mit dem Angeklagten die
Todesfälle der einzelnen Perſonen durch, an deren Tode
Hopf nicht unſchuldig ſein ſoll. Am 1. April 18965 ſtarb
das uneheliche Kind Hopfs. In der Leiche wurde bei der
im Sommer 1913 erfolgten Ausgrabung Arſenik
feſtge=
ſtellt. Der Angeklagte erklärt dazu, daß er nach dem Tode
des Kindes der Leiche Arſenik injektiert habe, um den
ein=
tretenden Fäulnisprozeß zu verlangſamen. Auch in der
Leiche des am 3. April 1896 angeblich an einem
Blaſen=
leiden verſtorbenen Vaters von Hopf wurde Arſenik
feſt=
geſtellt. Hierzu gibt Hopf die Erklärung ab, daß ſein
Vater viel Offenbacher Waſſer getrunken, das Arſenik
ent=
halte. Das Vorhandenſein direkten Giftes in der Leiche
ſeiner am 28. November 1902 geſtorbenen erſten Frau
will er damit erklären, daß die Frau ſtets
Schönheits=
villen eingenommen habe, die bekanntlich häufig Arſenik
nthalten. Gravierend für ihn iſt der Umſtand, daß er
kurz nach dem Tode ſeiner mit 20000 Mark verſicherten
Frau ſeinem Schwiegervater den Betrag von 1400 Mark
zurückerſtattete, als er das Geld von der Verſicherung
er=
halten hatte, und dabei ſeinem Schwiegervater ſagte, daß
das Geld aus dem Verkauf von Serum ſtammt, das er
gegen die Hunde=Räude erfunden habe. Der
Schwieger=
vater wußte überhaupt nichts davon, daß ſeine Tochter
für den Todesfall verſichert geweſen ſei.
In der weiteren Folge der Verhandlung wird die
Geſchichte von Hopfs zweiter Ehe beſprochen. Als der
Angeklagte dieſe Frau mit 30000 Mark verſicherte,
ver=
ſchwieg er der Verſicherungsgeſellſchaft die Tatſache, daß
ſeine erſte Frau verſichert war und er nach deren Tode
20000 Mark erhalten habe. Da die zweite Frau erſt ein
Jahr nach der erfolaten Eheſcheidung von Hopf geſtorben
war, nimmt die Anklage in dieſem Fall Mordverſuch an.
Die Frau ſtarb an Tuberkuloſe und Hopf gibt zu. ſchon
damals Tuberbelkulturen beſeſſen zu haben. Hopf ſoll
da=
gegen an dem Tode des ihm von dieſer Frau im Februar
geborenen und im April 1906 geſtorbenen Kindes ſchuldig
ſein, da auch in dem kleinen Körper Arſenik gefunden
wurde. Auch da will der Angeklagte in die Adern der
Leiche arſenige Säure eingeſpritzt haben, um den
Ver=
weſungsprozeß aufzuhalten. Im Jahre 1911 ſtarb dann
Hopfs Mutter an Brechdurchfall, nachdem ſie kurz vorher
ihrem Sohne gegenüber geäußert hatte, daß ſie ein
ande=
res Teſtament machen wollte. Die Leiche enthielt auch
Arſen. Hier behauptet der Angeklagte, daß er ſeiner
Mutter für einen kranken Hund Arſentropfen gegeben
habe, von der die Frau getrunken haben müſſe. Da aber
Hopfs Mutter an einer ſchleichenden Krankenheit gelitten
hatte und auch in den letzten Jahren oft krank geweſen
war, nimmt die Anklage auch in dieſem Falle nur
Mord=
verſuch an. Der dritte Mordverſuch betrifft dann ſeine
dritte Frau, der zur Verhaftung Hopfs im April 1913
eführt hat.
Um ½3 Uhr beſchließt das Gericht den Ausſchluß
der Oeffentlichkeit. Die nichtöffentliche Sitzung
dauert nur kurze Zeit; dann wird die weitere
Verhand=
lung auf morgen vertagt.
Die angeblichen Unregelmäßigkeiten
bei der Zaberner Fot.
* Berlin, 12. Jan. Nach den Zeitungsnachrichten
ſagte Oberſt von Reuter in den Verhandlungen vor
dem Kriegsgericht aus, daß die Poſtbehörde in
Za=
bern Karten mit beleidigenden Angaben an die Offiziere
unbeanſtandet beſtellt, während ſie Karten, in welchen das
Verhalten der Offiziere gelobt wurde, zurückgehalten habe.
Reuter erklärte einem Vertreter der Poſtverwaltung
ge=
genüber, daß er eine ſo ſchwere Beſchuldigung
gegen das Poſtamt in Zabern nicht habe
ausſprechen wollen. Die vor Gericht gemachte
Ausſage ſei entſtellt wiedergegeben worden, es
ſeien aber in Wirklichkeit Unregelmäßigkeiten bei
der Beſtellung der fraglichen Sendungen
vorgekommen. Die von ſeiten der Poſt eingeleitete
Unterſuchung hat ergeben, daß bei der nach vielen
Hun=
derten zählenden Menge der in Zabern für einzelne
Offi=
ziere eingegangenen Schmähkarten tatſächlich einzelne
Sen=
dungen mit erkennbar beleidigenden Angaben in der Haſt
des Betriebsdienſtes der Aufmerkſamkeit des Perſonals
ntgingen. Dieſe Fälle ſind aber im Hinblick darauf, daß
viele Hunderte von Schmähkarten in Zabern als
unzu=
läſſig erkannt und zurückgeſandt worden
ſind, als vereinzelte zu betrachten. Von den ebenfalls
ahlreich eingegangenen Zuſtimmungspoſtkarten uſw. ſind
nur zwei vom Perſonal wegen Zweifelüber
die Zuläſſigkeit des darin enthaltenen Ausdrucks
zunächſt beanſtandet worden. Beide Karten ſind
ber auf Anordnung des Poſtbeamten den Empfängern
ausgehändigt worden, eine ohne jede Verſpätung, die
zweite bei dem nächſten Beſtellgange.
Hochwaſſer und Schnee.
Die Ueberſchwemmungs=Kataſtrophe an
der Oſtſee.
* Köslin 12. Jan. Die Hochwaſſerflut hat
be=
ſonders in den Bezirken Rügenwalde, Köslin und Schlawe
furchtbar gewütet. Im Kösliner Kreis ſind vier
Ortſchaf=
ten ſo gut wie vernichtet. Schon die Fahrt mit der
neuer=
bauten elektriſchen Straßenbahn von Köslin nach den
idylliſchen Badeorten Mölln. Groß=Mölln und Neſt zeigt
die Verheerungen der Sturmflut. Die Orte liegen ebenſo
wie die vom Waſſer verſchlungenen Ortſchaften Damkerort,
Laſe, Sorenhofen und Bauernhufen auf einer ſchmalen
Landzunge, die auf der einen Seite von der Oſtſee, auf
der anderen von dem Bukower= und Jamunderſee begrenzt
wird. und, wie ſchon gemeldet, von der anſtürmenden See
durchbrochen iſt. Furchtbare Szenen ſpielten ſich in Laſe
und Damkerort ab. In beden Dörfern, die vollkommen
vernichtet ſind, ſtieg das Waſſer am Samstag vormittag
innerhalb 2 Stunden ſo ſchnell, daß die Bewohner nichts
als das nackte Leben retten konnten. Die Häuſer wurden von
den Wogen unterſpült und ſtürzten ſchließlich ein. Die
Be=
vohner retteten ſich ſchwimmend b’s zu den nächſten
Häu=
ſern und flüchteten dann, als eine Zufluchtsſtätte nach der
anderen verſchwand, auf die höchſte Düne, wo ſie noch
aus=
harren. Dort ſteht ein feſtes Haus, in dem die
Bedauerns=
werten eng zuſammengevfercht Zuflucht gefunden haben.
Den meiſten der Unglücklichen war es nicht gelungen, ſich
ausreichend mit Nahrungsmitteln zu verſehen. So geſellen
ſich zu der Qual noch Kälte und Hunger. Die Ortſchaft
Damkerort iſt vollſtändig vom Erdboden verſchwunden.
Die See rauſcht über ſie hinweg, und kein Merkmal ragt
aus den Fluten heraus, die Stelle zu künden, wo das
fried=
liche Dörfchen geſtanden hat. Das Dorf Sorenhofen am
Jamunderſee iſt am Samstag geräumt worden. Das
Waſſer ſteht dort bis zu den Dachfirſten herauf. In der
Ortſchaft Bauernhufen ſind 5 Gebäude eingeſtürzt,
nach=
dem ſie die Bewohner hatten verlaſſen müſſen. Der
Bauernhufener Berg, im Sommer ein beliebtes
Ausflugs=
ziel, der ein Höhe von mehr als 20 Meter hat ragt nur
noch vier Meter aus den Fluten hervor. Auch in Deep
hat die See gehauſt Die ganze Uferpromenade iſt
über=
ſchwemmt und 6 Häuſer ſind eingeſtürzt. Aus allen
Ort=
ſchaften am Bukower= und Jamunder=See kommen
drin=
gende Hilferufe, doch kann man ihnen vorläufig nicht
nach=
ommen. Große Gefahr droht auch den Dörfern Neſt,
Mölln und Groß=Mölln, ſowie dem Dorfe Pultendorf,
falls auch die letzte Düne von Neſt der emvörten See zum
Opfer fällt. Dann überſchwemmt die See die ganze
Land=
zunge in einer Ausdehnung von 4 bis 5 Kilometer.
* Köslin 12. Jan. Der Sturm hat
abge=
flaut. Heute herrſcht leichter Weſtwind. Das Dorf
Laſe iſt dem Verkehr wieder erſchloſſen. Nach Wuſſecken
hinüber kann die vereiſte Landſtraße benutzt werden. Der
See iſt bei ſtarkem Froſt vollſtändig zugekeoren und
er=
nöglicht den Verkehr. Das Schlimmſte ſcheint überſtanden
u ſein und die Bevölkerung faßt wieder Mut.
* Köslin. 12. Jan. Der Statthalter von
ommern. Prinz Eitel Friedrich, traf um 1 Uhr
20 Minuten mit dem D=Zuge von Berln hier ein. Er
be=
gab ſich in Begleitung des Landrats von Eiſenhart=Rothe
mit der elektriſchen Bahn nach Groß=Mölln und von dort
mittels Wagen nach dem Tief.
* Köslin, 12 Jan. Prinz Eitel Friedrich
traf im Automobil in Sohrenbohm ein und
beſich=
tigte dort die Verwüſtungen. Die Häuſer der unteren
eile des Dorfes ſind vollſtändig vereiſt; zwei Gehöfte
nd dem Einſturz nahe. Von beiden Häuſern ſind bereits
roße Teile abgebröckelt. Die Strandbefeſtigungen ſind
te lweiſe verwüſtet. Von dort fuhr der Prinz nach Deep.
Zei Neſt begegnete ihm eine Hilfskolonne des Inſanterie=
Regiments Nr. 54, von deren Führer er ſich über die
Ar=
eiten am Tief berichten ließ. Der Führer teilte mit, daß
s nach fünkſtündiger Arbeit gelungen ſei, das Tief
frei=
umachen. Prinz Eitel Friedrich beſichtigte eingehend die
rbeiten am Tief und fuhr den Jamunderſee entlang nach
roß=Mölln. Sodann fuhr der Prinz zurück nach
Köslin, wo er um 5 Uhr anlangte. Die Ortſchaften, die
er Prinz paſſierte, waren ſämtlich geflaggt. Er wurde
Seite 6.
Nummer 13.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
überall von der Bevölkerung freudig begrüßt. Der See
iſt ziemlich ruhig zurückgetreten. Das Waſſer des
Ja=
munder Sees fällt ſtändig, die Einwohner befinden ſich
wohl.
* Köslin, 12. Jan. Von Köslin ſind 50 Mann des
Infanterie=Regiments Nr. 54 nach Neſt
gefah=
ren, um an der Verbreiterung der ziemlich eng
gewor=
denen Tiefe zu arbeiten. Regierungspräſident Drews=
Köslin und Geh. Baurat Wilhelms haben ſich nach
Rügenwalde begeben, um von dort Damkerort zu
er=
reichen. Die Damkerorter Einwohner befinden ſich noch
immer in einem Hauſe auf der Düne; es geht ihnen jetzt
verhältnismäßig gut. Eine unmittelbare Gefahr liegt
augenblicklich nicht mehr vor.
* Danzig, 12. Jan. Die Kronprinzeſſin
weilte im Laufe des heutigen Vormittags am Strande des
Seebades Bröſen und beſichtigte lange Zeit das
Zer=
ſtörungswerk der großen Sturmflut.
* Berlin, 12. Jan. Das unter dem Protektorat des
Kronprinzen ſtehende ſtändige Hochwaſſerkomitee
iſt wieder zuſammengetreten und hat für die durch die
Kataſtrophe ſchwer geſchädigten Mitbürger eine Hilfsaktion
eingeleitet. An der Spitze ſteht der Miniſter des Innern.
Eine ſchnelle und kräftige Unterſtützung wird erbeten
* Konſtanz, 12. Jan. Infolge neuer großer
Schneefälle und darauffolgenden Föhns, der die
Schneemaſſen zum Auftauen brachte, ſind die Flüſſe
über die Ufer getreten. Ein Motorlaſtſchiff, das
auf der Dornkirner Aach verankert war, wurde
losgeriſ=
ſen und führerlos ohne Signallichter in den Bodenſee
ge=
trieben. Die Feuerwehr, ſowie Militär leiſten Hilfe.
* Marburg a. L., 12. Jan. Die
Hochwaſſer=
gefahr für das Lahntal iſt zurzeit
geſchwun=
den. Es iſt Froſtwetter und Schneefall eingetreten. Auch
aus Wetzlar wird Schneefall gemeldet.
* Waldshut, 12. Jan. Auf die ausgiebigen
Regen=
fälle vom Freitag und Samstag iſt heute ſtarker
Schnee=
fall eingetreten. Der Rhein iſt ſtark geſtiegen und
droht über ſeine Ufer zu treten.
* Frankfurt a. M., 12. Jan. Bei klarem
Froſt=
wetter herrſcht ſeit 7½ Uhr früh leichtes Schneetreiben.
Die hieſige Waſſerbauinſpektion erfährt drahtlich aus
Maxau, daß der Rhein, der 6,33 Meter hoch ſteht, ſtark
ſteigt. Sie teilt dagegen mit, daß der Main überall
fällt.
* Mannheim, 12. Jan. Vom Oberlauf des
Rheines wird fallender Waſſerſtand gemeldet.
So ging er in vergangener Nacht bei Hüningen von 3,95
auf 5,30 zurück, ſtieg dagegen in Kehl von 3,93 auf 4,58
Meter und in Mannheim von 4,93 auf 5,80 Meter. Das
Hochwaſſer des Neckars hält an. Der Neckar ſtieg in der
Nacht vom 10. auf 11. Januar von 1,05 auf 4.05 bei
Heil=
bronn, während er bei Mannheim in der Nacht vom 11.
auf 12. Januar von 6,16 auf 6,10 Meter zurückging.
* Sigmaringen, 12. Jan. Die Donau und
ihre Nebenflüſſe ſind ſtark geſtiegen. Die
Ufer ſind überſchwemmt. Heute herrſcht Kälte und
unge=
mein ſtarker Schneefall.
* München, 12. Jan. Nach 36ſtündigem Regen
trat in den Voralpen ſtarker Schneefall ein,
wo=
durch einer Hochwaſſerkataſtrophe vorgebeugt iſt. Der in
den letzten 10 Stunden niedergefallene Schnee erreichte
ſtellenweiſe eine Höhe von einem Meter. Wie die
Staats=
bahn in Innsbruck mitteilt, muß der Verkehr auf der
Strecke Innsbruck-Mittenwald infolge des Schneefalls
bis zum 14. Januar, möglicherweiſe noch länger,
einge=
ſtellt werden. Der Zug 616 Garmiſch-Mittenwald blieb
bei Kaltenbrunn im Schnee ſtecken und wurde nach
Gar=
miſch zurückgeholt. Mehrere Züge dieſer Strecke fallen
aus. Auf der Strecke Garmiſch-Grieſen iſt der elektriſche
Betrieb eingeſtellt worden; der Verkehr wird mit Dampf
fortgeführt. Auch hierbei erwachſen Schwierigkeiten, da
die Waſſereinnahmeſtationen für den Dampfbetrieb fehlen.
Der Zug 220 Reutte-Heiterwand iſt im Schnee ſtecken
geblieben, andere Züge ſind ausgefallen. Es muß mit der
Möglichkeit gerechnet werden, daß der Verkehr zwiſchen
Garmiſch und Reutte ganz eingeſtellt wird.
* Innsbruck, 12. Jan. Der 60 Stunden
an=
dauernde ſtarke Schneeſturm verurſachte in ganz
Nord=
tirol und Vorarlberg außerordentliche Verkehrsſtörungen
durch Lawinenſtürze.
* Isny, 12. Jan. Infolge des ſtarken
Schnee=
falles im Algäu konnten am geſtrigen Sonntag und
auch heute auf der Strecke Isny-Kempten keine
Züge verkehren. Der Sonntag=Vormittagszug blieb
auf offener Strecke ſtecken. Von Kempten iſt ein Hilfszug
mit 30 Arbeitern abgegangen; gleichwohl iſt es bis heute
abend noch nicht gelungen, den Zug freizumachen.
* Brüſſel, 12. Jan. Aus dem ganzen Lande
kom=
men Nachrichten, daß das Hochwaſſer infolge der
großen Schneefälle geſtern geſtiegen iſt. Im Tale
der Vesdre ſchätzt man den Schaden, der bisher angerichtet
wurde, auf mehrere Millionen. Es ſcheint, daß die
Ge=
gend von Verviers, Lüttich und Namur außerordentlich
ſtark heimgeſucht worden iſt. Auch aus der Scheldegegend
wird Hochwaſſer gemeldet. Der Eiſenbahnverkehr konnte
aber bis jetzt im ganzen Lande noch aufrecht erhalten
werden.
* Verviers, 12. Jan. Die Fluten der
Vos=
dre gehen langſam zurück. In Crepont,
Gauf=
fonteine und Neſſenvaux ſind durch die Ueberſchwemmung
viele Mauern eingeſtürzt.
Ein Aufruf für die Hilfsbedürftigen.
* Berlin, 12. Jan. Das Ständige Komitee
für die durch Hochwaſſer betroffenen
Hilfsbedürftigen veröffentlicht folgenden Aufruf:
Weite Gebiete unſeres Vaterlandes ſind durch
Sturm=
fluten ſchwer betroffen. An dem größten Teile der
Oſt=
ſeeküſte Preußens iſt durch Bruch der Dünen, Deiche und
ſonſt gen Schutzanlagen eine große Anzahl von Ortſchaften
unter Waſſer geſetzt worden. An Haus, Land und Vieh
ſind ſchwere Schädigungen verurſacht worden. Hilfe, und
zwar baldige und ausgiebige Hilfe, tut dringend not, um
viele unſchuldig ins Unglück geratene Mitbürger vor Not
und wirtſchaftlichem Verfall zu bewahren. Neben der
vom Staate und den beteiligten Kommunalverbänden zu
erwartenden Hilfe iſt ein kraftvolles Eingreifen der freien
Liebestätigkeit dringend erforderlich. Unſer Volk, das
ſchon bei ſo mancher Notlage ſeine Hilfsbereitſchaft und
Opferwilligkeit gezeigt hat, wird mit warmem Herzen und
offener Hand auch für dieſe unſere notleidenden Brüder
eintreten. Wir bitten demgemäß alle hilfsbereiten Frauen
und Männer des Waterlandes, überall Sammlungen zu
ver=
anſtalten. Alle Spenden, auch die kleinſten, ſind entweder
durch Vermittelung der zu errichtenden Provinzialkomitees
oder direkt hierher abzuführen. Ueber die eingehenden
Gaben wird demnächſt öffentlich quittiert. Das Bureau
des Komitees befindet ſich in Berlin NW. 40, Alſenſtraße
Nr. 10. Die Zahlſtellen werden noch bekannt gegeben.
Der Protektor: Wilhelm, Kronprinz des Deutſchen
Reiches und von Preußen. Das Präſidium: v.
Dall=
witz, Miniſter des Innern, v. Kröcher, Wirkl. Geh. Rat,
Freiherr v Spitzemberg, Kabinettsrat. Kammerherr
vom Dienſt der Kaiſerin und Königin, Emil Selberg,
Kommerzienrat, Schneider, Geh. Oberregierungsrat
und Vortragender Rot im Miniſterium des Innern,
Mit=
glied der Ständigen Komm’ſſion, v. Koch.
Kommerzien=
rat, Direktor der Deutſchen Bank, Schatzmeiſter.
Landwirtſchaftliches.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 12. Januar. Auftrieb durch Händler 180
Schweine, durch die Bezugsvereinigung 67 Schweine.
Preiſe (Schlachtgewicht 50 Kilogramm) 1. Qual. 75 Mk.,
2. Qual. 74 Mk., 3. Qual. 73 Mk. Marktverlauf: Lebhaft,
wenig Ueberſtand.
Literariſches.
— Das verborgene Leben von Ludwig
Reeg. 99 Seiten fein geb. 2 Mk. C. H. Beckſche
Ver=
lagshandlung in München. Von des Lebens Mitte, von
ſeiner Geſtalt und Wirkung redet der Autor zu denen, die
ſich mit dem Leben wahrhaft auseinanderſetzen. Da iſt
kein Gedankengang, den man im voraus kennt. Aus
ſeinem eigenſten ſchöpft der Verfaſſer. Und dieſes ſein
Eigenleben ſiſt unendlich mantſigfaltig. Ein Reichtum
ohne Ziel und Ende tut ſich vor uns auf. Unerſchöpflich
dringt das Leben an ſeine Seele heran. Ein Bild, das er
ſieht (es ſind die großen Meiſter der Kunſt), eine
Stim=
mung in Feld oder am Meer zeichnet er mit wenig
Strichen in Worten. Und wir ſtehen gepackt unter dem
Eindruck deſſen, was eine äſthetiſch hochgebildete Natur
mit reifer Lebensweisheit in den unſcheinbarſten
Erleb=
niſſen erfährt Nirgends eine feſte Formel. Nirgends ein
Verſuch zu überreden. Wahr iſt was er ſagt. Schön iſts,
ſtark iſts, ernſt iſts aber förderlich immer. Groß und
er=
hebend auch im Schwerſten. Wer nach tiefer
Lebensweis=
heit verlangt, dem weiſt Reeg den Weg. Mancher ſchon
iſt an ihm geneſen. Immer mehr werden es werden, die
von ihm zum Leben ſich führen laſſen.
2.
Vom Balkan.
* Konſtantinopel, 12. Jan. Der Tasfir=i=Efkiar
erklärt, die in Valona verhafteten Offiziere
und Soldaten ſeien nicht von der türkiſchen Regierung
entſandt worden, die Albanien gegenüber Neutralität
be=
obachte. Die inſpirierten Blätter betonen, die Verhafteten
ſeien aus der türkiſchen Armee entlaſſene und in ihre
Heimat zurückkehrende Albaneſen. — Die Smyrnaer
Poli=
zei hat zahlreiche albaneſiſche Handwerker und Hauſierer
aufgefordert, binnen 14 Tagen die ottomaniſche
Staats=
bürgerſchaft nachzuweiſen oder das Land zu verlaſſen.
* Konſtantinopel, 12. Jan. Die Pforte hat
die letzte Rate für den Ueberdreadnought
„Sultan Osman” im Betrage von 70000 Pfund Sterling
hinterlegt. Die Auszahlung an die Firma Armſtrong
erfolgt am 15. Januar.
* Sofia, 12. Jan. Die Agence Bulgare meldet, die
im Auslande verbreiteten Gerüchte, daß die Regierung
beſchloſſen habe, die Sobranjeaufzulöſen, ſeien
verfrüht. Der Miniſterpräſident erklärt, man habe
noch nicht alle Mittel erſchöpft, die gegenwärtige Kammer
arbeitsfähig zu machen.
* Sofia, 12. Jan. In der Sitzung der
So=
branje wurde ein Antrag eingebracht, in dem die
Einſetzung einer parlamentariſchen
Kom=
miſſion gefordert wird, die die Unterſuchung der
Ge=
ſchäftsführung der Kabinette Geſchow und Danew,
beſonders nach der Kriegserklärung, vornehmen ſoll.
* Cetinje, 12. Jan. Geſtern haben die Wahlen
zur Skupſchtina ſtattgefunden. Bisher ſind 50
Wahlergebniſſe bekannt. 46 ſind zugunſten der Regierung
ausgefallen. 10 ſtehen noch aus.
Der Eiſenbahnerausſtand in Südafrika.
* Kapſtadt, 12. Jan. Heute nachmittag fand eine
Maſſenverſammlung der Eiſenbahner ſtatt,
um zu entſcheiden, ob geſtreikt werden ſoll. Mehrere
tau=
ſend Perſonen waren anweſend, aber nur 2000 davon
wa=
ren Eiſenbahner. Die Redner der Eiſenbahner mit einer
Ausnahme ſprachen ſich gegen den Streik aus. Der
Vizepräſident der Eiſenbahnergewerkſchaft erklärte, die
Ar=
beiter der Kapkolonie glaubten an eine konſtitutionelle
Me=
thode. Der Sekretär der Eiſenbahnergewerkſchaft ſagte, die
Streikenden ſeien bereits hoffnungslos geſchlagen, und
fügte hinzu, die Arbeiter ſollten an ihre Frauen und
Kin=
der denken. Die Verſammlung verlief, ſoweit die
Eiſen=
bahner in Betracht kommen, ruhig und in Ordnung.
Nach=
dem die Verſammlung der Eiſenbahner für geſchloſſen
er=
klärt worden war, wurde eine allgemeine
Arbeiterver=
ſammlung abgehalten. Mehrere Redner ſprachen ſich hier
für den Streik aus.
* Kapſtadt, 12. Jan. Der ſozialiſtiſche Agitator
Harriſon iſt heute nachmittag verhaftet worden,
weil er in Verſammlungen zu Sant River die
Eiſen=
bahner aufgefordert hatte, die Züge in die
Luft zu ſprengen.
* Pretpria, 11. Jan. Eine
Maſſenver=
ſammlung der Arbeiter aus dem
Bauge=
werbe und aus anderen Gewerben nahm einſtimmig
eine Reſolution an zugunſten des allgemeinen
Streiks. Die Verſammlung verlief in Ordnung.
* Durban, 11. Jan. Die Abſtimmung unter
den Arbeitern der Eiſenbahnwerkſtätten
ergab eine Mehrheit für den Streik. Die Zugführer und
die nichtorganiſierten Arbeiter ſtimmten dagegen. Die
Mehrzahl des Fahrdienſtperſonals ſtimmte ebenfalls
ge=
gen den Streik und erklärte, ſie würde ärbeiten, ſo lange
ſie geſchützt würde. Das Lokomotivperſonal nahm zwar
eine Reſolution gegen den Streik an, erklärte aber, es
würde keine Zuge nach dem Rande bedienen.
* Pietermaritzburg, 11. Jan. Eine
Abſtim=
mung unter den Eiſenbahnern iſt gegen den Streik
aus=
gefallen.
* Lad yſmith, 11. Jan. Eine Verſammlung hat
heute abend eine Reſolution für den Streik
ange=
nommen.
* Bloemfontein, 11. Jan. Aus Ferreire
wird gemeldet, daß verſucht worden iſt, die
Eiſen=
bahnſtrecke in die Luft zu ſprengen. An einer
Stelle haben die Streikenden einen Güterzug aufgehalten
und das Waſſer aus der Maſchine entfernt. Die
Burgher=
kommandos konzentrieren ſich mit großer Schnelligkeit.
Man glaubt, daß am Dienstag alle Brücken auf der ganzen
Linie geſchützt ſein werden.
Konzerte.
mm. Seine dieswinterliche Tätigkeit beſchloß das
Darmſtädter Streichquartett geſtern abend im
„Traube‟=Saal mit dem 3. Kammermuſikabend im 15.
Jahre ſeines Beſtehens. Von zwei hier zum erſten Male
zu Gehör gebrachten Werken intereſſierte Anton
Dvor=
ſchaks G=Dur=Quartett, Op. 106 als Kompoſition ſowohl,
als auch in der glücklichen Wiedergabe am meiſten. Machte
ſich auch am Anfang einige Male unreine Intonation und
bei exotiſchen Alkordfolgen, durch ungewohnte
Ortho=
graphie in der melodiſchen Führung, nicht mit der
ge=
wohnten generalbaßartigen Harmonik kornzidierende
Diſſonanz geltend ſo darf für den erſten Fall der jähe
Temperaturwechſel als Urſache gelten, der
mehr=
faches Nachſtimmen nötig machte. Dvorſchaks Kunſt iſt
eigentlich im Verhältnis zu ſeiner künſtleriſchen
Beden=
tung noch viel zu wenig bekannt, und die 4 Herren (
Meh=
mel, Diedrich. Brückmann und Emil Andrä) verdienen
darum Dank, daß ſie ſich hatten angelegen ſein laſſen, ſeine
vornehme, in den Grenzen des Schönen gehaltene Kunſt
auszubreiten; möchte von ihnen das ſehr ſchöne, klangſatte
und ſtimmungsvolle Werk recht bald wieder auf das
Pro=
gramm geſetzt werden und in vertiefter Auffaſſung
er=
klingen. Daß Dvorſchak, eine echte böhmiſche
Muſikanten=
natur in edlerem Verſtande, der ſchon in der Wiege mit
dieſer Kunſt bekannt wurde, ſelbſt alle Inſtrumente aufs
genaueſte in den verborgenſten Feinheiten kennt dürfte
jedermänniglich bekannt. Daß er ſich aber aus dürftigen
Verhältniſſen ſeine edlere Natur, die höchſten ſittlichen
Idealwerte, oft äußerlich darbend (wie ſo viele wahre
Künſtler), retten konnte, iſt ſein eigenes Verdienſt und die
ernſte Energie, mit der er ſein Ziel (nicht Reichtum und
Ehren, ſondern Wahrheit, ſittliche Charakter= und
Ge=
mütsbildung) erreichte, ſichert ihm dauernd unſere
Be=
wunderung.
Von den vier Sätzen ſeiner vorerwähnten
Streich=
quartett=Kompoſition kamen der 2. und 3., das Adagio
und das lebenſprühende vivace ſehr ſchön zur Geltung.
Die zweite Nummer, Max Regers Oo. 86, Variationen
und Fuge für zwei Klaviere über ein Thema von
Beet=
hoven (B=dur=Bagatelle Op. 119) war im
Variationen=
werk im ganzen erträglich, die Auffaſſung und ſchulmäßige
Aufführung der Fuge hätte uns aber zur Flucht
veran=
laßt, wenn wir eine ſolche Wiedergabe vorher hätten
ahnen können. Die Herren F. M. Voß und Ludwig
Ster=
nitzki aus Mainz teilen ſich in den Ruhm ihrer Exekution.
Die beiden Steinway=Flügel aus dem Zimmermannſchen
Lager bewährten ſich klanglich glänzend, doch mag die für
die Ausführenden ungünſtige Aufſtellung zu einem allzu
laktmäßigen, trockenen Spiel gezwungen haben, denn
Herrn F. M. Voß wenigſtens hatten wir glücklicherweiſe
bereits als feinfühlenden Künſtler und gediegenen
Pia=
niſten (und Begleiter) kennen gelernt. Mit Joſeph Haydns
D=Dur=Quartett Op. 20 Nr. 4, das zu den beſten
Spe=
zialitäten des Darmſtädter Streichquartetts zählt, ſchloß
der Abend.
Freie Literariſch=Künſtleriſche
Geſellſchaft.
Rudolf G. Binding=Buchſchlag
las in dem geſtrigen Vereinsabend im Mathildenhöhſaale
eigene Dichtungen. Es iſt eine in der modern
gewor=
denen Uebung, Dichter ihre eigenen Werke leſen zu
laſſen, oft zutage getretene bedauerliche Erſcheinung,
daß viele Dichter herzlich ſchlechte Interpreten
ihrer Werke ſind, und ſich um den nicht immer für beide
Teile wertvollen Preis dem Publikum die Bekanntſchaft
ihrer Perſönlichkeit zu vermitteln, um den künſtleriſchen
Erfolg ihrer Geiſtesſchöpfungen bringen. Daß trotz dieſer
Erfahrungen immer noch Dichter ſich zum Vortrag ihrer
Werke bereit finden laſſen, iſt, wo nicht äußere Gründe es
bedingen, wohl nur zu erklären in einem gewiſſen Mangel
an Selbſtkritik oder damit, daß der Dichter „über den
Waſſern” des realen Lebens ſchwebt und nicht daran denkt,
daß das Publikum, das zu ſeinem Vortragsabend
veran=
laßt wird, ein Anrecht darauf hat, daß ihm Kunſt und
nicht ein Gemiſch von kraſſem Dilettantismus mit
künſt=
leriſch zweifellos wertvollen Geiſtesgaben geboten wird.
die ein reines Genießen dieſer Dichtungen zur
Unmöglich=
keit machen. Es liegt im beiderſeitigen Intereſſe, wenn
das immer wiederholt wird.
Der geſtrige Binding=Abend war eine erneute
Be=
ſtätigung dieſer Tatſache. Der Dichter und Bürgermeiſter
der jüngſten heſſiſchen Gemeinde R. G. Binding leitete
den Abend ein mit der Vorleſung von Stücken aus dem
Triſtan nach einer Uebertragung aus dem Franzöſiſchen.
Sein viel zu wenig ausdrucksvolles, mehr wie
zurückhal=
tendes Organ, dem jede rhetoriſche Schulung mangelt,
konnte der herrlichen Dichtung keinerlei Eindruck
verſchaf=
fen. Es iſt ja auch ſelbſtverſtändlich, daß eine Dichtung,
die jedem Gebildeten ſo bekannt iſt, wie Schillers Glocke,
nur dann noch beſonderes Intereſſe erwecken kann, wenn der
Vortrag in künſtleriſcher Form erfolgt. Etwas beſſer und
von tieferer Wirkung war der Vortrag der eigenen
Dich=
tungen Bindings. Ihre ſchlichte Innigkeit und klangvolle
Poeſie wirken durch ſich ſelbſt, wenn ihnen eine rhetoriſche
Kraft auch einen viel nachhaltigeren Eindruck geliehen
hätte. In ſeinen Gedichten, Balladen und Novellen eint
der Dichter mit moderner „Technik” will ſagen,
Dicht=
form, eine ſympathiſch wirkende, innig empfundene,
warm=
herzige Poeſie, die in ihrer Schlichtheit ſich oſt zu wahrer
Gedankengröße emporrankt. Sein Zyklus „Geſpräch mit
dem Tod” iſt inhaltlich von gedankentiefem Ernſt und
entbehrt auch in den wenigen, mehr realiſtiſch
anklingen=
den Sätzen nicht der feinen poetiſchen Form, von denen
dies Gedichtchen eine Perle ſein mag:
Herd und Heimat mag betrauern,
Wer da lag in ihren Ketten;
Doch ſollt ihr mich nicht bedauern
Den die Enge nicht kann betten.
Denn ich tauſche. Velbeſchwerte,
Nimmer mit euch Land und Stand:
Meine Mutter iſt die Erde
Und mein Vater unbekannt.
Ueberwundene Gefühle
Sind die Beſten meiner Freunde
Und mein göttlichſter Geſpiele
Iſt ein Gott, den ich verneinte.
Novellen beſchloſſen den Abend.
Nummer 13.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Seite 7.
Johannesburg, 11. Zan. Man ſchät, daß
nach der Ankunft aller Aufgebote etwa 12 000
bis 15000 Mann in Witwatersrand unter Waffen ſtehen
werden. Die Haftbefehle gegen die Streikführer
Boin und Maſon ſind noch nicht ausgeführt. Die
Beam=
ten der Gewerkſchaften treffen ausgedehnte Vorkehrungen.
um ihre Verhaftung zu verhindern. — Eine von 9000
Per=
ſonen beſuchte Verſammlung von Streikenden nahm heute
nachmittag eine Reſolution zugunſten eines allgemeinen
Streiks an. Die Verſammlung verlief in Ruhe und
Ord=
nung. Die Redner waren im Tone gemäßigter als früher.
Mehrere Redner warnten vor Ueberſchreitung der Geſetze.
Kein Poliziſt, Detektiv oder Soldat war zugegen, doch
hätte die Behörde in wenigen Minuten tauſend Bewaffnete
auf den Platz werfen können.
* Kimberley, 12. Jan. In der letzten Nacht wurde
verſucht, die Eiſenbahnbrücke der Hauptlinie nach
Johannesburg und Mafeking über den Vaalfluß
bei Fourteenſtreams in die Luft zu ſprengen.
Der Verſuch mißlang; nur die Weichen wurden beſchädigt
und die Schienen abgehoben. Seitdem ſind ſtarke Wachen
aufgeſtellt.
Germiſton (Transvaal), 12. Jan. Geſtern
abend marſchierte ein Arbeiterhaufe nach einer
Verſamm=
lung zum Gefängnis und drohte, dieſes zu
zerſtören, wenn nicht ſofort der Arbeiterführer Wade,
der am 9. Januar verhaftet worden iſt, in Freiheit geſetzt
werde. Eine ſtarke berittene Polize abteilung trieb die
Menge auseinander.
Darmſtadt, 13. Januar.
* Entgleiſt. Geſtern abend nach 9 Uhr iſt vor dem
Theater ein Wagen der Linie 8 beim Paſſieren der Weiche
entgleiſt. Es entſtand dadurch eine erhebliche
Betriebs=
ſtörung, da es erſt den vereinten Bemühungen der etwa
20 Schaffner und einigen Paſſanten gelang, den Wagen,
der übrigens keinen Schaden genommen hatte, wieder in
die Schienen zu bugſieren.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Stuttgart, 12. Jan. Der König iſt heute
nach=
mittag um 3 Uhr 21 Minuten mit dem fahrplanmäßigen
Zuge zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Kap
Mar=
tin abgereiſt.
* Tübingen, 12. Jan. Der unter dem Verdachte, an
der Irma Deſſauer einen Luſtmord verübt zu
haben, verhaftete Hausknecht Karl Maier aus
Unterjeſin=
gen hat heute nachmittag ein Geſtändnis abgelegt.
Gegen Abend wurde die Sektion der Leiche im
Patholo=
giſchen Inſtitut der Univerſität vorgenommen.
* Karlsruhe, 12. Jan. Zu Wiederbeginn der
Landtagsſitzungen führte der Präſident der
Zweiten Kammer, Rohrhuſt, in längerer
An=
ſprache aus, einen wie ſchweren Verluſt das Badener
Land durch das Hinſcheiden der Königin=Witwe
von Schweden und der Fürſtin=Mutter von
Hohen=
zollern erlitten habe. Er gedachte ferner in warmen
Worten des verſtorbenen früheren Finanzminiſters Becker,
der von 1904 bis 1906 an der Spitze des
Finanzminiſte=
riums geſtanden habe. Der Chef der Nationalliberalen
Partei, Geheimer Hofrat Rebmann feierte in längeren
Ausführungen das Andenken des kürzlich verſtorbenen
Heidelberger Oberbürgermeiſters a. D. Wilckens, der
lange Zeit hindurch Präſident der Zweiten Kammer und
gleichzeitig Präſident der Nationalliberalen Partei
ge=
weſen war. — Dem Staatsanzeiger zufolge hat der
Großherzog anſtelle des verſtorbenen Mitglieds der Erſten
Kammer Geheimen Rats Dr. Reiß den Geheimen
Kom=
merzienrat Dr.=Ing. Friedrich Schott für die Zeit bis
zum Ablauf der gegenwärtigen Landtagsperiode zum
Mitglied der Erſten Kammer ernannt.
* Konſtanz, 12. Jan. Heute früh verunglückte
ein mit vier Perſonen beſetztes Boot auf dem
Unterſee zwiſchen Oehningen und Mammern. Vier
aus Oehningen ſtammende junge Leute, die täglich von
dort nach dem ſchweizeriſchen Ufer zur Arbeit fahren,
ge=
rieten infolge des heftigen Oſtwindes in den Wellengang,
der das Boot ſofort mit Waſſer füllte und zum Sinken
brachte. Zwei der jungen Leute, der 29 Jahre alte Auguſt
Schmidt und der 17 Jahre alte Anton Ruf. ſanken
ſo=
gleich in die Tiefe, während die beiden anderen
von der Beſatzung eines Nachens aufgenommen werden
konnten. Der 23 Jahre alte Auguſt Duttle ſtarb
jedoch ſeinen Rettern unter den Händen, während der 16
Jahre alte Heinrich Ruf, kaum ans Land gebracht,
ver=
ſchied.
* Dresden, 12. Jan. Der König hat heute mittag
in Gegenwart des Staatsminiſters Vitzthum von
Eck=
ſtaedt den Staatsſekretär v. Jagow in Audienz
empfangen. Anſchließend hieran fand eine Frühſtückstrfel
ſtatt, an der auch der preußiſche Geſandte Dr. v. Büloid
teilnahm. Der König verlieh v. Jagow das Großkreuz
des Albrechtsordens.
2 Freiberg (Sachſen) 12. Jan. Geſtern nachmtag
iſt in Hermsdorf bei Nehefeld der Kunſtmaler
Wer=
ner Hieckmann aus Freiberg neben ſeiner Staffelei im
Walde erfroren aufgefunden worden.
* Peſt, 12. Jan. Der Reichtagsabgeordnete
Koſſuth iſt bedenklich erkrankt. Die Aerzte
be=
fürchten das Schlimmſte. Der Abgeordnete ließ ſich mit
der Gräfin Lenyovszky, mit der er ſich kürzlich verlobt hat,
trauen.
* Rom, 12. Jan. Der Papſt hat den
Kardinalunter=
ſtaatsſekretär Merry del Val zum Erzprieſter der
Peterskirche und zum Präfekten der Kongregation Sankt
Peter anſtelle des verſtorbenen Kardinals
Ram=
polla ernannt.
* Haag, 12. Jan. Die im Friedenspalaſt
ab=
gehaltenen Beſprechungen haben zur Gründung
einer Akademie für internationales Recht
geführt.
* Paris, 12. Jan. Im Miniſterrate, unter dem
Vorſitz des Präſidenten Poincaré, wurde der Direktor
der politiſchen und Handelsangelegenheiten im
Mini=
ſterium des Aeußern, Paleologue, zum Botſchafter in
Petersburg ernannt. Paleologue wird der Nachfolger
Delcaſſés, der auf ſeinen Wunſch endgültig nach
Frank=
reich zurückkehrt. Demargerie iſt an Stelle Paleologues
zum Direktor für politiſche Angelegenheiten im
Mini=
ſterium des Aeußern ernannt worden. — Der
Finanz=
miniſter dementiert neuerlich die angeblichen
Ent=
hüllungen des Figaro von heute früh und die
Angabe des Blattes über eine von dem Direktor des
Kre=
ditinſtituts Comptoir deEscompte angebotene Finanzhilfe.
* Paris, 12. Jan. Der griechiſche
Miniſter=
präſident Venizelos iſt heute nachmittag hier
eingetroffen.
* Warſchau, 12. Jan. In dem Mordprozeß
Ronicker wurde Graf Ronicker zu 11jähriger und
Zawadski zu 10jähriger Zwangsarbeit
ver=
urte lt. Ronicker behielt ſich vor, Beruſung zu verfolgen
* Urga, 12. Jan. Nach einer Nachricht aus
mongöli=
ſcher Quelle iſt der ehemalige finanzielle Beirat
der mongoliſchen Regierung, Moskwitin, gegenwärtig
von dem mongoliſchen Finanzminiſterium nach
Deutſch=
land und England abgeſandt worden. Moskwitin
ſoll die Frage einer bei Privatkapitaliſten
aufzunehmen=
den Anleihe zu löſen verſuchen und deutſche Waffen
an=
kaufen.
Vulkanausbruch.
* Tokio. 12. Jan. Auf der Inſel Sakuraſchima
iſt ein ſtarker vulkaniſcher Ausbruch erfolgt.
Die SStadt Kagoſchima und die umliegenden Dörfer
brennen.
Preußiſch=Süddeutſche Klaſſenlotterie.
* Berlin, 12. Jan. In der
Vormittags=
ziehung der Preuß.=Südd. Klaſſenlotterie
fiel ein Gewinn von 30 000 Mark auf die Nr. 107030. In
der Nachmittagsziehung fielen 50000 Mark auf die Nr.
190 935, 5000 Mark auf die Nr. 121950, 3000 Mark auf die
Nr. 205 120. (Ohne Gewähr.)
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Sanfte Ueberredung, kein Zwang!
Winke für Mütter.
Wenn ein Kind unwohl iſt, dann behandelt es die
Mutter ganz inſtinktiv nachſichtiger als in geſunden
Tagen. Und dieſem natürlichen Inſtinkt der Mutter muß
man rechtgeben. Nur wird es einem oft ſchwer, den
Eigenwillen unſerer Lieblinge zu brechen, beſonders wenn
beim Eingeben der „bittern Arzenei” alle möglichen
Ver=
ſprechungen kommender Süßigkeiten nichts mehr helfen
wollen. Wie anders verhält es ſich aber wenn Du
Dei=
nem Kinde den Californiſchen Feigen=Syrup „Califig”
gibſt! Dieſes altbeliebte Abführmittel beſitzt einen ſo
an=
genehmen Geſchmack, daß Kinder immer ſofort dafür zu
haben ſind. Da er ein reines Frucht= und Pflanzenmittel
aus dem Schatze der Natur iſt, ſchadet er dem zarten
Or=
ganismus in keiner Weiſe erzielt vielmehr eine
gründ=
liche, dabei völlig beſchwerdeloſe Entleerung, wie ſie der
natürlichen Funktion am nächſten kommt. „Califig” iſt
das vorzüglichſte Abführmittel für die Kinder, von dem
jede Mutter ſtets eine Flaſche bei der Hand haben ſollte;
ſeine zuverläſſige ſtuhlregelnde Wirkung iſt oft gerade
das, was man zur Behebung ihrer kleinen Leiden
(I,1765
braucht.
In allen Apotheken zu haben zu Mk. 1.50 die Flaſche; ertra große Flaſche
Mk. 250. Beſt.: Spr. Aei Galiforn. 75, Est. Senn. Ug. 20, Plis Garpoph.
er er hananen
In dem Schaufenſter des Herrn S. Joſeph,
Zigar=
renhandlung, Rheinſtraße 20, iſt zurzeit eine kleine
Samm=
lung hübſcher alter Meerſchaumpfeifen mit Silberbeſchlag,
darünter ſeltene, wertvolle Stücke, ausgeſtellt.
Deine grimmigſte Laune zeigt erzumeiſt im Januar
der Winter nämlich. Dann muß man beſondere
Sorgfalt auf die Geſundheit verwenden, und die
Tzweckmäßige Kleidung allein reicht da nicht aus.
§ Eine der benen Waffen gegen die Gefahren des
Winters ſind Fays (man achte auf den Namen!) ächte
3 Sodener Minera.=Panillen. Sie ſind glänzend be=
§ währt — vorbeugend und belämpfend — bei akuten
und chroniſchen Katarrhen, hartnäckiger Verſchleimung,
Hunen, ſtimmlicher Indiſpoſition ꝛc. Fays ächte
3 Sodener ſind überall für 85 Pfg. zu haben. (I,1727
Zim. beken J-AA-Lück.
72&
URKAPABSTE
FRANKFURTNAIN
elangen
Die gaale u. ſango
TüRkAPABSTI Kochbuck!
eräder-Blusen ..
(985a
-Jackenkleider
-Taillenkleider
=Röcke a
in grösster Auswahl, vom einkachsten bis
elegantesten Genre. Aenderungen sofort.
G. m.
D. Rhleld Do. b.h.
Ludwigstr. 5 Darmstadt Teleph. 2539
Fensendieck Farken
Bei genügender Beteiligung beabsichtige
ich Kurse in Darmstadt einzurichten. (*854
Leitung: Frau Professor N. Krauth.
Anmeldungen unter A 21 an die Expedit.
Familiennachrichten.
Statt Karten!
Die glückliche Geburt eines kräftigen
Jungen zeigen hocherfreut an
Eichmeister Richard Schott
u. Frau Amalie, geb. Stumpf.
Worms, den 11. Januar 1914.
(*877.
Dankſagung.
Wie wohltuend bei dem größten Erdenſchmerze
liebevolle Teilnahm: iſt, das haben wir in dieſen
Tagen bei dem Tode unſeres lieben Vaters
empfunden. Sie Alle, die bemüht waren, uns
bei dieſer ſchweren Prüfung zu tröſten und
auf=
zurichten, die durch ſo zahlreiche Begleitung und
reiche Blumenſpenden uns und unſern geliebten
Toten ehrten, nehmen Sie Alle unſeren innigſten
Dank entg gen. Beſonders Herrn Pfarrer
Dingel=
dey für die troſtreiche Grabrede.
(1715
Die trauernden Hinterbliebenen?
Geſchwiſter Röder.
Darmſtadt, im Januar 1914.
M. . . . .e. e
Beſtellungen auf die
Wochen=Chronik
monatlich 20 Pfennia
(einzelne Nummer 10 Pfg.) nehmen unſere Expedition, unſere Trägerinnen, ſowie unſere Agenturen
und ſämtliche Poſtanſtalten entgegen, die letzteren jedoch unter der Bezeichnung Darmſtädter Tagblatt
Ausgabe B. Die Chronik wird 8ſeitig mit reichem Bilderſchmuck in Tiefdruck und in tadelloſer
Ausführung erſcheinen, ſo daß ſie fortlaufend eine Illuſtrierung der hervorragenden Ereigniſſe der letzten Woche
bietet und eine Ergänzung des mehr feuilletoniſtiſch gehaltenen Illuſtrierten Unterhaltungsblattes darſtellt.
(26918
[ ← ][ ][ → ]Seite
Nummer 13.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Tageskalender.
Dienstag, 13. Januar.
Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende vor 10
Uhr (Ab. A): „Das Phantom”
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Dr. Pinder um 8¼ Uhr im
Hörſaal 330 der Techniſchen Hochſchule (
Volksbildungs=
verein)
Lichtbilder=Vortrag von Geh. Forſtrat
Kull=
mann um 8½ Uhr im Saalbau (Odenwaldklub).
Vortrag von Evangeliſt Dölken um 8½ Uhr,
Mauer=
ſtraße 17 (Bibelſtunde um 4 Uhr).
Konzert um 8 Uhr auf der Eisbahn an der
Klappacher=
ſtraße.
Verſteigerungskalender.
Mitwoch, 14. Januar.
Mobiliar=uſw.=Verſteigerung um 10 Uhr
Magda=
lenenſtraße 7.
Stamm= und Brennholz=Verſteigerung um
10 Uhr im Ober=Ramſtädter Gemeindewald (
Zuſam=
menkunft im Diſtrikt Tannacker an der Kronetswieſe
oberhalb der Schachenmühlen).
Holzverſteigerung um 9 Uhr in der „
Ludwigs=
halle” zu Erzhauſen.
Wetter.
Vorausſichtliche Witterung in Heſſen für
Diens=
tag, 13. Januar: Erneute Aufheiterung und Froſt, kalt,
öſtliche Winde.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem
Geſchäfts=
leben: Carl Iriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen;
nachträg=
liche werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.
Heute mittag 1¼ Uhr entschlief sanft an den Folgen eines Schlaganfalls mein heiss
geliebter Manr
Julius Martin Hebbinghaus
Leutnant a. D.
im noch nicht vollendeten 52. Lebensjahre.
Carola Hebbinghaus
geb. Freiin von Starck
(Zugleich für die Angehörigen).
(B1756
Darmstadt (Schiesshausstr. 124), den 10. Januar 1914.
Die Einsegnung im Trauerhaus, Montag, den 12. Januar, nachmittags 5½ Uhr, darauf folgt
auf Wunsch des Entschlafenen Einäscherung in Offenbach a. M.
Nachruf.
Am 11. Januar verſchied infolge eines
Schlaganfalles unerwartet unſer langjähriger,
älteſter Reiſende
(1743
Herr
Kaufmann Heury Narten
in Eberstadt.
Ein aufrichtiger, liebenswürdiger u. tüchtiger
Mitarbeiter iſt mit ihm dahingegangen, und
wir bedauern von Herzen ſein plötzliches
Hin=
ſcheiden. Wir werden dem Heimgegangenen
ſtets ein ehrenvolles Andenken bewahren.
Eberſtadt, den 12. Januar 1914.
Gebrüder Bickelhaupt
Papierwarenfabrik.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag,
um 4 Uhr vom Sterbehauſe, Pfungſtädterſtr. 43,
nach dem Main=Neckar=Bahnhof Eberſtadt,
zur Ueberführung nach Hannover, ſtatt.
Todes=Anzeige.
Hierdurch die traurige Nachricht, daß unſere
liebe Mutter und Schwiegermutter
Frau Katharina Schüllerwu.
nach langem Leiden im 68. Lebensjahre
Sonn=
tag früh 7 Uhr ſanft entſchlafen iſt.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Zipp,
Familie Daum.
Ueberau, den 11. Januar 1914.
Die Beerdigung findet Dienstag nachmitttag
um 2 Uhr ſtatt.
(1760
Statt beſonderer Anzeige.
Geſtern abend entſchlief ſanft unſere liebe
Mutter, Großmutter, Schweſter und
Schwieger=
mutter
(1786
Sofie Birnbaum
geb. Machenheimer
im 85. Lebensjahre.
Darmſtadt, Dresden, Langen=Schwalbach,
Berkeley, den 12. Januar 1914.
Für die Hinterbliebenen:
Imroth, Geheimer Oberbaurat.
Die Einſegnung findet Mittwoch, den 14. Jan.,
nachmittags 3½ Uhr, in der Friedhofskapelle
ſtatt.
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden meiner innigſtgeliebten Gattin
Frau
Margarethe Frank
geb. Spengler.
ſage ich innigſten Dank.
Anton Frank,
Kunſt= und Handelsgärtner,
Pankratiusſtraße 49.
Darmſtadt, den 12. Januar 1914.
(1751
Statt besonderer Anzeige.
Heute entschlief sanft meine liebe Gattin, unsere treubesorgte Mutter,
(1788
Schwiegermutter und Grossmutter
Frau Margarete Riedel
geb. Bohrmann
im 69. Lebensjahre.
Darmstadt, Dornberg, Saarbrücken und Offenbach, den 12. Januar 1914.
Christian Riedel, Major a. D.,
Anna Weissenbruch, geb. Riedel, Adolf Weissenbruch, Geh. Oberfinanzrat,
Elisabeth Kleinkopf, geb. Riedel, Friedrich Kleinkopf, Grossh.
Forst-
meister,
Robert Riedel, Major im
General-
stab der 31. Division,
Helene Riedel, geb. Maurer,
Ferdinand Welcker, Grossh. Finanzrat
Toni Welcker, geb. Riedel,
und 6 Enkel.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 14. Januar, nachmittags 3½ Uhr, statt; die Einsegnung
¼/ Stunde vorher im Trauerhause, Heinrichstrasse 75.
Von Blumenspenden und Beileidsbesuchen bittet man gütigst abzusehen.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unſere
liebe Gattin, Mutter, Großmutter u.
Schwieger=
mutter
Sophie Brücher
geb. Rose
nach mehrtägigem ſchwerem Leiden im 71.
Lebens=
jahr zu ſich zu rufen.
Arheilgen, den 12. Januar 1914.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Thom. Brücher II.
Die Beerdigung findet Mittwoch, 14. Jan. 1914,
nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhauſe, Die=
(*950
burgerſtraße 55, aus ſtatt.
Schneebericht.
Beerfelden. Schneehöhe 22 Zentimeter.
Lücken=
loſer alter Schnee, Oberfläche hart gefroren. —
Fels=
berg. Schneehöhe 26 Zentimeter. Beſchaffenheit die
gleiche.
Inventur-Ausverkaufes
bei
(1075a
Ludwigs-
Herren-, Knaben- u. Mädchen-Kleidung.
WillV Schwab: platz
[ ← ][ ][ → ]Nummer 13.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Seite 9.
Storke Dortene
mein
Saison-Ausverkau.
Korsetten weit unter Preis.
Serie I 95 Pfg., regul. Wert bis Mk. 4.50.
Serie II 1.25 Mk., regul. Wert bis Mk. 8.00.
Ein grosser Posten gutsitzender Korsetten zu und unter
der Hälfte des regulären Wertes.
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Kurſe vom 12. Januar 1914.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
In Proz.
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Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,70
3½ Deutſche Reichsanl. . 85,60
76,00
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99.70
85,50
3½ do. Confols
76,00
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,40
92,20
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 97,10
83,90
do.
31
74,70
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,30
4 Heſſ. Staatsanleihe 97,75
4 do. do. (unk. 1918) 97,10
83,40
3½
do.
73,40
do.
. 76,40
3 Sächſiſche Rente.
4 Württemb. (unk. 1921) 98,6
do. v. 1875 92,60
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887.
4 Italiener Rente . . . . 97,50
4½ Oeſterr. Silberrente
88,90
do. Goldrente .
do. einheitl. Rente . 83,00
3 Portug. unif. Serie I 62,60
3 do. unif. Serie III 64,00
9,9
3 do. Spezial
5 Rumänier v. 1903 . . 99,60
4 do. v. 1890
4 do. v. 1905 . . 85,30
87,60
4 Ruſſen v. 1880 . .
90,60
4 do. v. 1902
98,90
4½ do. v. 1705
3½ Schweden .
4 Serbier amort v. 1895 78,70
4 Türk. Admin. v. 1903 77,80
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,90
4 Ungar. Goldrente . . . 84,50
4 do. Staatsrente . . 82,40
In Proz.
Zf.
5 Argentinier
. 99,60
81,30
dog.
4½ Chile Gold=Anleihe. 90,60
5 Chineſ. Staatsanleihe. 98,80
91,50
do.
4½
91,60
4½ Japaner . . . . .
5 Innere Mexikaner . . . 70,75
3
48,00
do.
4 Gold=Mexikaner v. 1904 73,80
5 Gold=Mexikaner . . .
3½ Buenos Aires Prov. 67½
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
8 Hamb.=Amerika=
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3 Nordd. Lloyd . . . . . 118,40
6 Südd. Eiſenb.=Geſell. . 122,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 117,00
8 Baltimore und Ohio . 89,90
6 Schantungbahn . 128,0)
6½ Luxemb. Prince Henri 157,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 22,25
6 Pennſylvania R. R. . 110,00
Letzte Induſtrie=
Divib. Aktien.
3 Brauerei Werger. . . 67,00
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . 578,00
14 Chem. Fabrik Gries=
.. 253,50
heim .
27 Farbwerke Höchſt. . . 628,00
20 Verein chem Fabriken
Mannheim . . . . 335,50
8 Cement Heidelberg . . 151,50
32 Chem. Werke Albert 450,00
12½ Holzverkohl. Kon=
. 310,00
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4 Lahmeyer . . . . . . . 121,50
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12 Stemens & Halske . 215,25
12 Bergmann Electr. . . 127,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 167,60
25 Gummi Peter . . . . 93,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . . 350,00
12 Maſchinenf. Badenia 131,00
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 148,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 223,00
12½ Bad. Zucker=
Wag=
häuſel . . . . . . . 211,80
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 91,00
3 Südd. Immobilien 58,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 160,75
12 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 217,90
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 136,75
10 Gelſenkirchener . . . . 189½
7 Harpener . . . . . . . 178,50
15 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb . . . 238,70
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro
61,50
4 Laurahütte . . . . . . 156,50
10 Kaliwerke Aſchersleben —
10
. Weſteregeln 186,75
5 South Weſt Africa .115,75
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 83,90
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 88,75
4 Franz=Joſefs=Bahn . . 85,60
3 Prag=Duxer . . . . . . 71,90
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 87,80
do.
75,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 98,10
4 Oeſt. Südb. (Lomb.) . . 71,50
ZnPos.
8t.
2‟ Oeſt. Südb. (Lomb.) 52,20
76,20
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 85,30
86,00
4 Ruſſ. Südweſt. .
96,00
4½ Moskau=Kaſan .
86,60
do.
86,50
4 Wladichawchas
4 Rjäſan Koslow
3 Portugieſ. Eiſenb. . . . 68,60
83,50
do.
4½
71,50
2¾/0 Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . . 62,80
79,2)
4 Bagdadbahn .
4½ Anatoliſche Eifenb. . 91,50
4 Miſſouri=Pacific
93,70
4 Northern=Pacific
90,00
4 Southern=Paciſic .
5 St. Louis und San
Francisco . . . . . 101,00
5 Tehuantepec .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 187,00
8½ Bergiſch= Märkiſche
Bank . . . . .
143,30
9 Berlin. Handelsgeſ. . . 157,30
6½ Darmſtädter Bank . 117,50
12½ Deutſche Bank. . . 250,20
6 Deutſche Vereinsbank . 119,50
5½ Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 113,50
10 Diskonto=Kommandit 187,30
8½ Dresdener Bank .. 153½
9½ Frankf. Hypoth.=B. 212,0/
6½ Mitteld. Kreditbank 118,00
7 Nationalb. f. Deutſchl. 117½
5½ Pfälziſche Bank . . . 122,25
6.4. Reichsbank . . . . . 138,20
7 Rhein. Kreditbank . . . 126,40
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 101,50
7½ Wiener Bankverein: 135½
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17 .
94.00
13.
In pol.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
. . . 84,5)
S. 19
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 15—19, 2 —26 93,504 Worms.
4 Hamb. Hypoth.=Bunk . 95,00
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,20
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 .
86.50
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23 .
96,50
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 84,20
84,00
S. 3—5 .
.84,10
S. 9—11.
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
do.
3½
54,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 83,30
3½ do. (unk. 1914) . . 83,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 96,90
86,40
do.
3½
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . . 94,70
86,00
3½ do.
95,60
4 Frankfurt.
97,30
3½ do.
4 Gießen .
3½ do.
86,80
4 Heidelberg
3½ do.
84,50
4 Karlsruhe.
93,80
3½ do.
85,30
4 Magdeburg
4 Mainz
95,00
3½ do.
85,50
4 Mannheim
94,40
do.
86,80
4 München .
96,25
3½ Nauheim
83,00
4 Nürnberg
95,2
3½ do.
84,60
4 Offenbach
-
18t.
Iu ves
3½ Offenbach
4 Wiesbaden
95,40
3½ do.
86,00
92,80
-
3½ do.
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Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 176,50
3½ Cöln=Mindner 100 141,80
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100 75,00
4 Meininger Pr.=Pfand=
141,50
briefe . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 177,00
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,00
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
.ſl. 7 34,90
Augsburger .
Braunſchweiger Tlr. 20 —
Fs. 15 —
Freiburger .
Fs. 45
Mailänder
Fs. 10
do.
Meininger ..
ſl. 7
Oeſterreicher v. 1864 fl. 100
do. v. 1858 fl. 100 560,20
Ungar. Staats . . fl. 100 440,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 169,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,45
20 Francs=Stücke
16,18
Amerikaniſche Noten
4,19½
Engliſche Noten .
20,49
Franzöſiſche Noten .
81,25
169,35
Holländiſche Noten. .
Italieniſche Noten .
80,85
Leſterr.=Ungariſche Noten 25,05
Ruſſiſche Noten . . . . . 215,00
Schweizer Noten . . . . . 21,10
Reichsbank=Diskonto . . . 5%
Reichsbank=Lombard Z5f. 6%
Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Nummer 13.
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Mit dem Dampfboot auf der Theiß (Herrliche Natnraufnahme).
(1784
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Heute letzter Tag
der brillanten Darbietungen
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Die Helden des Bergwerks
grosses Drama in 3 Akten
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Welche sterben, wenn sie lieben
eine Film-Tragödie in 5 Akten
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Friedrich
(1766
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Szenen aus dem epochemachenden Meisterwerk werden jetzt
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Bekanntmachung.
Nachſtehend bringen wir eine Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem
Truppen=
übungsplatz bei Darmſtadt für die Zeit vom 15. bis 24. Januar 1914 zur öffentlichen
Kenntnis. Die Abſperrungsgrenze, ſowie die Dauer der Abſperrung ſind in der
Zuſammenſtellung enthalten.
(1735a
Darmſtadt, den 6. Januar 1914.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 15. Januar bis 24. Januar 1914.
Die
Dauer der
Tag
Datum
Truppenteil Abſperrung
Abſperrung! Bemerkungen
erſtreckt ſich
von 1 bis
15. Jan.! Donnerstag
100 V. 490
Fußartillerie
16. „ Freitag
100V. 40 N. 1 über das
Mittwoch
21.
90 B. 30
ganze
Donnerstag
90 V.
* Abſperr=
Feldartillerie
Freitag
23.
gelände
24. „ 1 Samstag
g-B. 3= N.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Ausführung der Krankenverſicherung nach der R.V.O.
Mit dem Inkrafttreten des zweiten Buches der R ihsverſicherungsordnung iſt
vom 1. Januar 1914 ab der Kreis der Verſicherten erweitert worden. Die zur
Mit=
gliedſchaft bei der Allgemeinen Orts ranken aſſe für die Landgemeinden des Kreiſes
Darmſtadt Verpflichteten müſſen von dem Abetgeber bei der durch unſere
Bekannt=
machung vom 17. Dezember 1913 (Amtsverkündi, ungsblatt Nr. 141) beſtimmten
ört=
lichen Melde= und Zahlſtelle, die zur Mitgliedſchaft bei der Ortskrankenkaſſe Ober=
Ramſtadt Verpflichte en bei der Geſchäftsſtelle dieſer Kaſſe rechtzeitig gemeldet werden
(§ 317 der Reichsverſich rungsordnung). Dieſe Weldepflicht haben auch die
Haus=
gewerbetreibenden für ſich ſelbſt und ihre hausgewerblich Beſchäftigten im Falle
des § 468 Abſ. 2 R.V. O., ſowie die unſtändig Beſchäfti ten für ſich ſelbſt. Wer
der Meldepflicht nicht nachtommt, macht ſich nach § 530 R. V. O. ſtrafbar.
Der Kreis der verſicherten Perſonen iſt nach der Reichsverſicherungsordnung
nicht unweſentlch erweitert worden. Die Verſicherungspflicht ergreift jetzt ohne Rück,
ſicht auf die Beſchäftigungs= oder Betriebsart aller Arbeiter, Gehlen, Geſellen=
Lehrlinge, Dienſtboten, die im Haushalt beſchäftigten Perſonen, ferner unter der
Vorausſetzung, daß ihr regelmäßiger Jahresarbei sverdienſt 2500 Mk. (ſeitber 2000 Mk.)
nicht übeiſte gt: ungeſtellte in gehobener Stelle, wie Betriebsbeamte und Werkmeiſter,
wenn dieſe Beſchäftigung ihren Hauptberuf bildet, Handlungsgehilfen und=Lehrlinge,
Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, Bühnen= und Orcheſtermitglieder Lehrer und
Erzieher. Schließl ch ſind durch die Reichsverſicherungsordnung dem
Verſicherungs=
zwang neu unterworfen worden alle Hausgewerbetreibenden, die unſtändig, ſowie
die im Wandergewerbe Beſchäftigten.
(1436sd
Vorausſetzung der Verſicherungspflicht iſt, daß die Beſchäftigung gegen
Ent=
gelt erfolgt. Hausgewerbtreibende und Lehrlinge ſind auch dann
verſicherungs=
pflichtig, wenn ſie nicht gegen Entgelt beſchäftigt werden.
Darmſtadt, den 7. Januar 1914.
Großherzogliches Kreisamt (Verſicherungsamt) Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Vekanntmachung.
Diejenigen im Jahre 1894 geborenen Militärpflichtigen, welche ſich im Beſitz des
Verechtigungsſcheines zum einjährig=freiwilligen Militärdienſt befinden und im
Kreis Darmſtadt dauernden Aufenthalt haben, werden darauf hingewieſen, daß
M e
gefordert, ihre Berechtigungsſcheine alsbald hier, Neckarſtraße 3, 3. Stock — Zimmer
Nr. 38 — vorzulegen, damit in denſelben der erforderliche Zurückſtellungsvermerk
ein=
getragen werden kann.
Es wird noch ausdrücklich darauf hingewieſen, daß die Abſicht, ſich am 1. April
oder 1. Oktober l. J. zum Dienſtantritt melden zu wollen, von der Verpflichtung, die
Zurückſtellung zu beantragen, nicht entbindet.
Darmſtadt, den 3. Januar 1914.
(1013a
Der Zivilvorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart, Reg.=Rat.
Bekanntmachung.
Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derjenigen jungen Leute, welche ſich zum
mehrjährig freiwilligen Dienſt (als zwei=, drei= vier= fünf= oder ſechsjährige) im
Heere, in einer Unteroffizierſchule oder der Kaiſerlichen Marine melden wollen, hierzu
eines Meldeſcheins bedürfen. Dieſer Schein wird für diejenigen jungen Leute,
welche im Kre ſe Darmſtadt eine Lehranſtalt beſuchen, ſich in Stellung, in einem
Arbeits= oder Dienſtverhältnis befinden, auf meinem Bureau, Neckarſtraße 3, Zimmer
Nr. 38, ausgefertigt.
Hierzu iſt erforderlich die Vorlage:
1. eines Gburtsſcheines (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter),
2. ſchriftliche und beglaubigte Einwilligung des Vaters,
3. Leumundszeugnis über die Führung für die Zeit vom Austritt aus der
Schule ab. Für den Fall, daß der Nachſuchende ſich währenddem an
ver=
ſchiedenen Orten aufgehalten haben ſollte, müßte von der Polizeibehörde
jedes dieſer Orte ein Zeugnis erbracht werden.
4. Zeugnis, daß der ſich Meldende durch Zivilverhältniſſe nicht gebunden iſt.
Die Beſcheinigung zu 1 wird durch das Standesamt, die zu 3 und 4 durch die
Bürgermeiſterei bezw. die Ortspolizeibehörde und zwar, für Militärzwecke, koſtenfrei
ausgefertigt.
Ausdrücklich wird bemerkt, daß ſofortige Ausfertigung des Meldeſcheins nicht
erfolgen kann, daß die Nachſuchung vielmehr mindeſtens 3 Tage vor dem
Zeit=
punkt, zu welchem von demſelben Gebrauch gemacht werden ſoll, zu bewirken iſt.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1913.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
An die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Indem ich Sie auf vorſtehende Bekanntmachung hinweiſe, empfehle ich Ihnen.
dieſelbe zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen und dieſe insbeſondere auf den
Schlußſaßz ausdrücklich aufmerkſam zu machen.
Darmſtadt, den 31. Dezember 1913.
(1015a
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
Bekanntmachung.
Ich bringe hierdurch zur Kenntnis derjenigen Militärpflichtigen, welche
Berechti=
zungsſchein zum einjährigefreiwilligen Miltärdienſt beſitzen und deren Zurückſtellung
am 1. Oktober I. Js. abläuft, daß Geſuche um Verlängerung der Zurückſtellung
1. bei derjenigen Erſatz=Kommiſſion einzureichen ſind, welche nach Ausweis
des Berechtigungsſcheines die erſte Zurückſtellung verfügt hat,
2. daß dieſe Geſuche ſchriftlich unter näherer Begründung zu ſtellen und
den=
ſelben der Berechtigungsſchein, ſowie eine Beſcheinigung, aus der ſich die
Not=
wendigkeit weiterer Zurückſtellung ergibt, beizufügen und
3. daß dieſe Geſuche, ſoweit die Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt zuſtändig iſt, im
Juli oder Auguſt l. Js. anzubringen ſind. Geſuche, die jetzt ſchon eingereicht
werden, würden als verfrüht zurückgegeben werden müſſen.
Darmſtadt, den 3. Januar 1914.
(1017a
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion des Aushebungsbezirks Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Ver=
ſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
(1741
tag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
Nächſter Zuchtviehmarkt in Darmſtadt
Dienstag, den 20. Januar 1914.
Darmſtadt, den 10. Januar 1914.
Der Oberbürgermeiſter.
(1780ms
J. V.: Schmitt.
Verſtetgerungs=Anzeige.
Mittwoch, den 14. Januar 1914, vorm. 11 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration zur
Roſenhöhe) dahier Kommoden, Tiſche, Kleiderſchränke, Spiegelſchränke,
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1 Landauer durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Berbert, Gerichtsvollzieher.
1764)
Verſteigerungs=Anzeige.
Mittwoch, 14. Januar 1914, vormittags 10 Uhr,
verſteigere ich auf freiwilligen Antrag
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und dreiarmig), 3 große Fliegenfenſter, große
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Darmſtadt, den 12. Januar 1914.
Johannes Krummeck,
Auktionator und Taxator.
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holt. Gg. Treusch. Poſtkarte genügt. (225a
Stener=Gehebung.
Das V. Ziel der
Gemeinde=
ſteuern für das Rechnungsjahr
1913 iſt, bei Vermeidung der
Mah=
nung, bis Ende dieſes Monats
an den Werktagen, vormittags von
8 bis 12½ Uhr, hierher zu
ent=
richten.
Im Intereſſe raſcheſter
Ab=
fertigung an den Zahlſchaltern
wird gebeten, die Gelder
abge=
zählt bereit zu halten.
Darmſtadt, 3. Januar 1914.
Die Stadtkaſſe.
Koch. (1331a
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
a teilung B, unter Nr. 105 wurde
heute die Geſellſchaft mit
be=
ſchränkter Haftung unter der
Firma:
Süddeutſche Waſchmittel=
Induſtrie, Geſellſchaft mit
beſchränkter Haftung, und
mit dem Sitz in Darmſtadt,
eingetragen.
Gegenſtand des Unternehmens
iſt:
Die Herſtellung und der
Ver=
trieb eines unter Nr. 5590 IV.(18
zum Patent angemeldeten
Waſch=
pulvers, das der Kaufmann Emil
Kleinen in Darmſtadt erfunden
hat und das unter dem Namen
Hanol in den Handel gebracht
werden ſoll, und die gewerbliche
Verwertung der dafür
angemel=
deten oder künftig dafür erteilten
Patente und ſonſtigen Schutzrechte,
ferner der Erwerb und die
Ver=
wertung von Erfindungen aller
Art, ſowie der Betrieh verwandter
und mit dieſem Gebiet
zuſammen=
hängender Geſchäftszweige:
Das Stamm=Kapital beträgt:
20 000 Mark.
Geſchäftsführer ſind:
Georg Geiger, Ingenieur
in Darmſtadt.
Emil Kleinen, Kaufmann
in Darmſtadt.
Der Geſellſchaftsvestrag iſt am
20. Dezember 1913 feſtgeſtellt.
Die Geſellſchaft wird durch ihre
beiden Geſchäftsführer gemeinſam
(1721
vertreten.
Darmſtadt, 5. Januar 1914.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
an Private.
Meialibetten Katalog frei.
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Bekanntmachung.
Dienstag. 20. Januar 1914,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die den Friedrich Amelung
Ehe=
leuten dahier zugeſchriebene
Lie=
genſchaft:
Flur Nr. qm
II 657 238 Hofreite
Lieb=
frauenſtraße
Nr. 104,
II 657¾/10 42 Grasgarten,
Vor=
garten, daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K59/13
FFalls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 15. Dezember 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,26148
Bekanntmachung.
Dienstag, 20. Januar 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die dem Georg Philipp VolzII.
in Groß=Bieberau, im Grundbuch
hieſiger Gemarkung zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. am
III 481 260 Hofreite
Eckhardt=
ſtraße 35.
III 481¾/10 151 Grasgarten,
Vor=
garten, da.
ſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K4/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 29. Dezember 1913.1
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII,26984
Pferde=Verkauf.
Am 14. Januar 1914,
vor=
mittags 11 Uhr, wird auf dem
Hofe des Feld=Artillerie=
Regi=
ments Nr. 25 — Ahaſtraße — ein
Dienſt=Zugpferd öffentlich
meiſt=
bietend verkauf:
(1761
I. Abteilung
Feldartillerie=Regiments Nr. 25.
Bekanntmachung.
Dienstag, 17. Februar 1914,
vormittags 11 Uhr,
ſollen die dem Guſtav Ganßmann
und deſſen Ehefrau Anna, geb.
Knöll, dahier zugeſchriebenen
Lie=
genſchaften:
Flur Nr. qm
VI 169 287 Hofreite
Sand=
bergſtr. Nr. 49,
VI 170 50 Grasgarten
da=
ſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer,
Witt=
mannſtraße 1, zwangsweiſe
ver=
ſteigert werden.
(K2114
Darmſtadt, 10. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen). (IX,1733
Frantz.
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verdecks mit u. ohne
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Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
Nummer
Turngeselschaft Darmstadt
Eingetragener Verein.
Wir laden hiermit unſere Mitglieder zu
der am Sonntag, den 25. Januar 1914,
nachmittags 3 Uhr, im Vereinslokal,
Die=
burgerſtr. 26, ſtattfindenden
Hauptversammlung
ein und bitten um recht zahlreichen Beſuch.
Tagesordnung: 1. Rechenſchaftsbericht des Vorſtandes.
2. Neuwahl des Vorſtandes und Schiedsgerichts,
3. Eingelaufene Anträge uſw.
Anträge zur, Hauptverſammlung ſind 8 Tage vorher ſchriftlich
bei dem Vorſtand einzureichen. Die Wahl der Rechnungsprüfer
wird auf der Kneipe am Samstag, den 17. Januar vorgenommen.
Der Vorſtand.
-Restaurant
(für Nichtmitglieder)
Ecke Rhein- und Neckarstrasse (Eingang Neckarstr.)
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21. Februar ſtatt.
Maskenball findet am
Samstag, den
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Jachwalaklab, Urtsgruppe Darmstaut.
(E. v.)
Dienstag, den 13. Januar 1914.
abends 8½ Uhr (pünktlich)
im Gartenſaal des ſtädt. Saalbaus
rvortrag
Eieh
des Herrn
Geheimen Forſtrats Kullmann
über:
„Der Vogelſchutz nach Freiherr v. Berlepſch und ſeine
Anwendungin Wald und Feld der Stadt Darmſtadt‟
Die Mitglieder und Freunde des Klubs nebſt Damen ſind
(1109mgi
hierzu herzlichſt eingeladen.
Der Vorstand.
M e
U er.
Musik-Vereins-Saal Steinstrasse, Darmstadt, 17. Januar,
abends 8 Uhr.
Anna Hesse (Gesang)
Paul Schramm (Klavier)
Programm:
1. Alte englische und französische Lieder. — 2. Sear-
Iatil: Sonate pastorale, Mosart: Sonate a dur. — 3. Hugo Wolf:
4 Lieder. — 4. Chopin: a) Nocturne des dur b) Etude cis
moll; o) Preludes as dur des dur. Liszt: Rhapsodie Nr. 2.
— 5. Lieder von Rachmaninoff, Gretschaninoff u. Tschalkowsky.
Grotrian, Steinwog-Konzertflügel. Vertreter: A. W.
Zimmer-
mann, Hofl., Rheinstrasse 14.
Karten zu Mk. 3.—, 2.—, 1.—. Im Vorverkauf: Mk. 2.50,
1.50, —.80 in der Hofmusikalien- u. Pianohandlung G. Thies
Nachf. L. Schutter, Elisabethenstr. 12. (1603sif
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.—
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
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Dienstag, den 13. Januar, abends 8—11
Nachtlaufen
mit Militär=Konzert.
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Modernes Tanzrepertoire in höchster Vollendung.
Original-Boston, One Step, Rag, Maxixe; ausführliche Anleitung
zum Tango, welche hier die grösste Anerkennung fand.
Unterricht in Privat-Zirkeln sowie in Einzelstunden,
Neckar-
Privat-Tanzlehrinstitut Schrimpff, str. 23.
Gute Kegelbahn
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Dienstag= und Mittwoch=Abend frei
(1632a
im Concordiasaal. Waldstrasse 33.
Menter! 2. Sperrsitr 1. Eaten Mitar- u. Mbandliech
für Herren u. Damen, evtl. veget.
(5. Reihe) für den Reſt der Spielzeit Küche. Kochſchule,
Frankfurter=
abzugeb. Frankfurterſtr. 14, I. (*949ſtraße 74, I.
(1734a
ORPHEUN
Farstrur
soeben
neu erschienen
in Grammophon-Platten,
passend für alle
Grammophon-Apparate.
Paul Knüpfer
„He! Ho! Waldhüter ihr!‟
I. Szene des I. Aufzuges
Einseitig, schwarze Etikette
Mk. 5.75
Hermann Jadlowker u. Paul Knüpfer
Charfreitagszauber, I. Teil,
III. Akt: „Mein erstes Amt
verricht’ ich so.‟
dto., II. Teil, III. Akt: „Du
siehst, das ist nicht so.‟
Etikoffe rot:
Preis pro Platte Mk. 9.50
Margarethe Matzenauer
„Ich sah das Kind an seiner
Mutter Brust.‟ Erzählung
Kundry’s, II. Akt
Etikette rosa: Preis Mk. 13.50
Jean Müller
„Vom Bade kehrt der König
heim‟, Verwandlungsmusik,
I. Akt, I. Teil
„Nun achte wohl!‟
Verwand-
lungsmusik, I. Akt, II. Teil,
Glocken- u. Gralsszene (
An-
fang der grossen
Liebesmahl-
feier) mit Chor
Chor der Kgl. Hofoper
Grosse Liebesmahlfeier, II.:
„Den sündigen Welten” Chor
der Jünglinge und Knaben
dto., III.: „Mein Sohn
Am-
fortas!‟ Titurels Ruf und
Amfortas Klage, I. Teil
Cornelis Bronsgeest u. Rud. Krasa
Cornells Bronsgeest, Rudolf Krasa
und Chor
Grosse Liebesmahlfeier, IV.:
„Des Weihgefässes göttlicher
Gehalt” Titurels Ruf und
Amfortas Klage, II. Teil
dto., V.: „Nehmet hin meinen
Leib‟ (Liebesmahlspruch).
Chor der Jünglinge und
Knaben (Enthüllung desGrals)
Rudolf Krasa und Chor
Chor der Kgl. Hofoper
Grosse Liebesmahlfeier, VI.:
„Wein und Brot des letzten
Mahles”, Chor der Knaben,
Jünglinge u. Ritter
dto., VII.: „Selig im Glauben‟,
Schluss des ersten Aufzuges,
Gurnemanz mit Chor
Jean Müller und Chor
Melanie Kurf
„Ich sah das Kind an seiner
Mutter Brust‟ Erzählung
Kundry’s, II. Akt
„Seit Ewigkeiten harr” ich
Deiner‟, Kundry’s Hingebung,
II. Akt
Karl Jörn
Vision der Heilandsklage:
„Amfortas! Die Wunde!‟
Gesang Parsifals, II. Akt
„Nur eine Waffe taugt!‟
Ge-
sang Parsifals, III. Akt
Richard Breitenfeld, mit Chor
„Wir geleiten ihn heut‟
Totenfeier für Titurel und
Gebet des Amfortas, I. Teil.
III. Akt
„Tod! Sterben!‟ dto., II. Teil
Karl Jörn und Jean Müller
Charfreitagszauber, I. Teil,
III. Akt
dto., II. Teil
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Telephon 2579.
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Walden-Ensemble.
Dienstag, 13. Januar
Zum 1. Male!
DasFarmermädchen
Deutsch-ämerikan. Operette
in 3 Akten
von Gg. Okonkowsky.
Musik von Gg. Jarno.
In Berlin, Leipzig, Bres-
Mlau, Hannover mit
gröss-
tem Erfolg aufgeführt.
Mittwoch,
Morgen
14. Januar
und folgende Tage:
DasFarmermädchen
Gesangs-Schlager:
„Heimatslied‟, „Der schöne
Fredy%,„Banjo-Ständchen‟.
„Büffelseptett‟, „Du bist das
blühende Leben” (
Walzer-
duett), „Beim Boston, da bin
ich auf dem Posten‟, „
Tele-
phon-Duett‟
Num. Park. bei Hugo de Waal,
Rheinstrasse 14. (1777
Vorvorkat und freise niebek.
Aufin
Vhr.
Im Märchenlande.
Ecke Rhein=u. Grafenſtr. finden
in Wochentagen nachm. um 3 und
5 Uhr, Soantags um 3, 4½ und
6 Uhr Märchen=Vorleſungen von
Heinz Weila mit wundervollen
Lichtbildern aus Künſtlerhandſtatt.
Das vollſtändig neue Programm
ab Samstag (10. Januar):
„Die ſieben Raben”, Bilder von
F. Staſſen.
„Heinz Sauſebraus” Bilder von
A. Schmidhammer (humoriſtiſch).
„Der Wolf u. die ſieben Geislein”
Bilder von E. Oßwald.
„Sonnenſcheinchens erſte Reiſe‟,
Bilder von H. Schroedter.
„Schneeweißchen und Roſenrot”,
Bilder von F. Müller, Münſter.
Muſikaliſche Einlagen.
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2.
Die kleine Klingelbahn, welche von der Hauptlinie
abzweigte und vorwiegend dem ländlichen Güterverkehr
diente, rollte mit träger Langſamkeit zwiſchen ſandigen
Ackerflächen und dürftigen Kiefernſchonungen dahin, pfiff
und fauchte ein paarmal ganz unnötig laut und hielt
dann mitten im Walde auf einer kleinen Station.
Der einzige Fahrgaſt, welcher dem gemiſchten Zuge
entſtieg, war Fräulein Flotts Stellvertreterin. Sie trug
ein neues dunkelblaues Koſtüm, das bei aller Feſchheit die
billige Maſſenkonfektion verriet, und einen ſchlichten
ſchwarzen, ſeitwärts aufgeklappten Hut, welcher auf einem
tiefen Haarknoten und einem ſanft gewellten Scheitel lag.
Dieſer Scheitel veränderte die ganze Erſcheinung. Er
umrahmte in völlig ungewohnter Weiſe Gabis reizendes
Geſicht, verlieh ihm einen ernſten, beſcheidenen Ausdruck
und ließ es länger und ſchmaler ausſehen als es wirklich
war. Ein weißer Leinenkragen mit rotſeidenem
Kra=
wattenknoten vervollſtändigte ihre Toilette, Regenmantel
und Regenſchirm ihre Ausſtattung. Alles, was auf eine
bevorzugte Lebenslage hinweiſen konnte, hatte die Gräſin
Gabi wohlweislich zu Hauſe gelaſſen, und ein beſcheidenes
Köfferchen ſtand als einziges Gepäckſtück neben ihr.
Erwartungsvoll, mit einem Gefühl prickelnder
Neu=
gier, hatte ſie die Reiſe angetreten, die ihr intereſſante
Einblicke gewähren und gewohnte Verhältniſſe in neuer,
ungewohnter Beleuchtung zeigen ſollte. Ihrer Rolle
ge=
treu, war ſie die letzte Strecke ſogar dritter Klaſſe
ge=
fahren, aber ſie hatte bisher nicht das geringſte erlebt,
und auf dem öden Bahnſteig war niemand, der ſie
be=
grüßte oder auch nur beachtete. Auch ein Wagen war
nicht zu ſehen, und ſo wandte Gabi ſich ſchließlich an
zwei Arbeiter, die damit beſchäftigt waren, einen hohen,
umfangreichen Kaſten aus dem Dunkel eines Güterwagens
hervorzuholen.
Wiſſen Sie vielleicht, ob eine Abholung aus Hellborn
hier iſt? fragte ſie höflich mit gewollter Schüchternheit.
Der eine der beiden Männer nickte gelaſſen. Freilich,
ſagte er, mit breitem, behaglichem Grinſen auf die Kiſte
deutend, der junge Herr hier ſoll ja auch noch mit, und
der iſt heute die Hauptperſon.
Der andere lachte unbändig und ſchlug ſich ſchallend
aufs Knie, fügte dann aber beruhigend hinzu: Nur keine
Bange nicht, Fräulein, der Johann vom Herrn Baron
hält hinter dem Schuppen, und der zweite Paſſagier
kommt auch gleich nach.
Gabbi ahnte nicht, was die Leute ſo ſehr erheiterte,
folgte aber der Weiſung und ging, um das
Stations=
gebäude herum.
Da ſtand denn auch wirklich das Hellborner Gefährt,
aber mit der herrſchaftlichen Eqquipage, die ihr
unwill=
kürlich vorgeſchwebt hatte, zeigte es verzweifelt wenig
Aehnlichkeit. Ein flacher, offener Kaſten, für Kiſten und
Koffer beſtimmt, bildete den Hauptbeſtandtell des
Wa=
gens, und der einzige Sitzplatz, der noch vorhanden war
befand ſich auf dem ſteilen und ſchmalen Kutſcherbock.
Hier thronte Johann, der erſte Kutſcher des Barons von
Haſſelmann, in einer ganz verblichenen und verbrauchten
Livree, und der Umſtand, daß er ganz ungeniert rauchte,
kennzeichnete am beſten die Situation.
Im übrigen war Johann ein geweckter und
intelli=
genter Mneſch, der ſich als Offiziersburſche einen gewiſſen
Schliff angeeignet batte und es ſiebte, über Welt und
Menſchen ſein Urteil abzugeben. Als er Gabt zögernd
herankommen fah, zog er die Mütze, beugte ſich ein wenig
herab und ſagte aufmunternd: Na, wollen Sie mit nach
Hellborn, Fräulein? Sie ſind ja wohl die neue
Schreib=
mamſell, die der Herr Baron engagiert hat? Dann ſteigen
Sie nur auf. Das heißt, Sie müſſen erſt aufs Rad treten
und ſich dann mit einem Ruck hinauſſchwingen. Sehen
Sie, ſo! Wenn man erſt oben iſt, hat man die ſchönſte
Ausſicht umſonſt.
Und mein Koffer? fragte Gabi, wenig erbaut von dem
unbequemen Aufſtieg.
Den legen wir obenauf, wenn alles andere verſtaur
iſt. Der wiegt nicht viel. Die anderen Tippfräuleins
brachten viel größere mit.
Gabi rückte ſich auf dem harten Sitz zurecht. Das
mag ſchon ſein, ſagte ſie ruhig, die mußten ſich gleich für
längere Zeit einrichten. Ich komme nur zur
Vertre=
tung her.
So, ſo! meinte Johann befriedigt. Ich dachte ſchon,
Sie hätten davon gehört, daß unſer Herr General
zu=
weilen etwas wunderlich iſt. Länger als vierzehn Tage
hält es bei dem keine aus.
Weshalb denn nicht? fragte Gabi betroffen.
Weils ihm keine rechte machen kann. Er quält die
armen Mädel bei der Arbeit bis aufs Blut. Von
Her=
zen iſt er aber gut und in Geldangelegenheiten nobel,
ſehr nobel ſogar. Wenn er eine Hals über Kopf
weg=
ſchickt, zahlt er ihr auf Heller und Pfennig, was ſie für
die ganze Zeit zu beanſpruchen hat, und Koſtgeld bekommt
ſie noch obendrein. Nur ſehen mag er ſie nicht mehr, das
iſt die Sache.
Er wirft ſie alſo kurzerhand zum Hauſe hinaus?
Wenn ſie Dummheiten machen, ja. Der Herr General
äßt doch alles aufſchreiben, was er von Urzeiten her über
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
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er gleich fuchswild. Das kommt, weil er ſo lange beim
Militär war, da iſt er an Gehorſam, Pünktlickſkeit und
AAlkurateſſe gewöhnt und kann ſie nicht miſſen.
Gabi lacht. Das ſind ja nette Ausſichten, ſagte ſie,
aber ich habe keine Angſt. Ich kenne den Rummel mit
der Familiengeſchichte, und mit dem alten Herrn werde
ich wohl auch noch fertig.
Gott, Fräulein, meinte Johann, ich hätte Ihnen das
alles wohl nicht gleich verraten ſollen. Das nimmt den
Mut. Aber wenn Sie nur zur Vertretung da ſind, kann
es Ihnen ja egal ſein. Ein Glück iſt es, daß Sie gerade
heute kommen. Wegen des Bockes mußten wir heute
ſowieſo auf die Bahn, und ein paar Frachtſtücke fürs
Schloß ſind auch wieder da Nun können wir alles mit
einer einzigen Fuhre abmachen.
Sind denn ſo wenig Pferde im Stall? meinte Gabi
erſtaunt.
Johann lachte. I wo, meinte er, Pferde haben wir
genug, aber die Ackerplerde gibt der Herr Oberinſpektor
nicht gern, und die Kutſchpferde kriegen wir erſt recht
nicht. Die brauchen die Herrſchaften jetzt zum Ausfahhren.
Da bleiben eben nur die Milchpferde übrig, und die ſind
ſchon den ganzen Vormittag unterwegs.
Sie ſagten doch eben etwas von einem Bock, Johann.
Iſſt der für die Schäferei beſtimmt?
Der Kutſcher ſchüttelte den Kopf. Nee, Fräulein,
Schafe halten wir gar nicht mehr. Der Bock, den wir
mitbringen ſollen, iſt ein großer ſchwarzer Ziegenbock.
Er kommt von ſehr weit her und koſtet viel Geld. Eine
ganz ſeine Raſſe ſoll es ſein. Der Herr Oberinspektor hat
ihn für die Kinder beſtellt und einen Wagen und rotes
Schellengeſchirr dazu. Mit der Ziegenequ page ſollen ſie
im Park ſpazieren ſahren, und ſie freuen ſich ſchon ganz
diebiſch darauf.
Gabi war über die Auskunft nicht wenig erſtaunt.
Kinder? wiederholte ſie zögernd Ich denke, der Herr=
General lebt mit der alten Dame, ſeiner Schweſter, ganz
allein.
Tut er auch für gewöhnlich, war die Entgegnung, und
dann iſt alles bei uns im Schloß ſo ſtill wie in einer
Kirche. Fremde Herrſchaften ſieht man ſelten, und ein
Tag vergeht wie der andere. Wenn aber unſere Frau
Gräfin, das heißt die Tochter vom Herrn General, hier
iſt, kommt Leben in die Bude, und in dieſem Jahre iſt
überhaupt alles anders als ſonſt. Ihr Mann, der Herr
Graf von Treſſenſtein, der immer bei den Geſandtſchaften
im Auslande lebt und ſehr leidend ausſieht, hat für ein
ganzes Jahr Urlaub genommen, um ſich einmal gründlich
auszukurieren, und lebt nun mit ſeiner Familie und der
Dienerſchaft ganz in Hellborn. An Platz fehlt es nicht.
Das Schloß iſt groß genug, aber eine Wirtſchaft gibt
das=
jetzt bei uns — nſicht zu beſchreiben! Die Mamſell iſt
manchmall ganz verzweifelt. Das Haus wird von Gäſten
überhaupt nicht mehr leer, und die Frau Gräſin, eine ſehr
lebhafte und luſtige Dame, ſtellt alles auf den Kopf. Ein
wunderſchönes Auto hat ſie auch mitgebracht, und für ihre
beiden Kinder, den Buben und die Nina, wird nun die
Ziegenequipage angeſchafft.
Gabi war nachdenklich geworden. Was tun die
Herr=
ſchaften den ganzen Tag, wenn ſie nur zum Vergnügen
hier ſind? Langweilen ſie ſich nicht?
Keine Spur, meinte Johann ruhig. Wir haben einen
famoſen Wildſtand, und für die Herren iſt die Jagd ja
immer die Hauptſache. Die fahren täglich auf die
Reh=
pirſche und bleiben ſtundenlang auf dem Anſtand. Vor
Tan und Tage ſtehen ſie manchmal auf, um nur ja nichts
zu verpaſſen. Wenn dann einer einen kapitalen Bock
ge=
ſchoſſen hat, beneiden ihn die anderen und ruhen nicht, bis
ſie auch einen haben. Außerdem ſpielen ſie viel, mit den
Damen natürlich. Die Alten Karten und Billard, die
Eungen Tentis, dereie und rgeicher Menhant at
zen und muſizieren ſie auch oder ſie ſitzen in den großen
bequemen Seſſeln und leſen.
Gehen ſie nicht auch ſpazieren?
Ja, aber meiſt im Park. Der iſt groß genug. Da
kann man ſich müde laufen, und überall ſind Sitzplätze
angebracht. Die Herrſchaften fahren auch aus und machen
Beſuche in der Nachbarſchaft. Jedenſalls amüſieren ſie
ſich prachtvoll, und die Zeit wird ihnen nicmals lang.
Unſere Frau Grä in ſorgt dafür. Die hat alle
Augen=
blicke eine neue Idee.
Und der alte Herr iſt immer dabei, macht alles mit?
I wo, Fräulein. Der Herr General erſcheint pünktlich
zu den Mahlzeiten. Im übrigen kümmert er ſich um die
ganze Geſellſchaft wenig oder gar nicht. Er ülerläßt alles
ſeiner Tochſte und ſeinem Schwiegerſohn und iſt froh,
wenn er die Gäſte wenig ſieht. Er ſagt immer, ſie ſtören
ihn nur bei ſeinen Arbeiten.
Iſt er ſo fleißig? fragte Gabi weiter.
Freilich. Viele Stunden täglich ſitzt er in ſeinem
Ar=
chiv, ſucht nach den allen muffigen Scharteken und ſtudiert
darin herum, um etwas über die früheren Haſſelmanns
zu erfahren. Je länger die Leute tot ſind, um ſo lieber
iſt es ihm. Bei der Arbeit darf ihn keiner aufſuchen. Nur
der Herr Oberinſpektor hat immer Zutritt. Der erſcheint
täglich im Archiv zum Rapport.
Gabi nickte verſtändnisvoll. Natürlich, meinte ſie. Die
Herren beraten dann, was in der Wirtſchaft geſchehen ſoll.
Ja, aber das iſt alles nur zum Schein, entgegnete
Jo=
hann mit pfiffigem Lächeln. Der Herr General verſteht
nichts, aber rein gar nichts von der Wirlſchaft, und er
intereſſiert ſich auch nicht daſür. Wenn der Herr
Ober=
inſpeltor nicht wäre, ginge alles drunter und drüber,
(Fortſetzung folgt.)
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Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 13. Januar 1914.
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Seite 18.
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folgende Leiſtungen:
A) Erſter Teil des
Zuverläſſigkeits=
fluges (zirka 800 Kilometer), zu erledigen
vom 17. Mai morgens bis ſpäteſtens 19.
Mai, 8,30 Uhr abends.
Erſte Etappe: Abflug in Darmſtadt,
Flug über die Kontrollſtationen in
Mann=
heim, Pforzheim, Straßburg, Speyer,
Mann=
heim, Worms. Landen in Frankfurt a. M.
(400 Kilometer). Die Dauer des
Aufenthal=
tes in Frankfurt iſt freigeſtellt.
Zweite Etappe: Abflug in
Frank=
furt a. M., Flug über die Kontrollſtationen
in Wiesbaden, Koblenz Köln. Landen in
Frankfurt a. M. (375 Kilometer).
B) Zweiter Teil des
Zuverläſſig=
keitsfluges (zirka 1000 Kilometer), zu
erledi=
gen vom 20. Mai morgens bis ſpäteſtens
22. Mai, 8,30 Uhr abends.
Dritte Etappe: Abflug in
Frank=
furt a. M., Flug über die Kontrollſtationen
in Marburg, Kaſſel, Braunſchweig. Landen
in Hamburg (440 Kilometer). Die Dauer
des Aufenthaltes in Hamburg iſt freigeſtellt.
Vierte Etappe: Abflug in
Ham=
burg, Flug über die Kontrollſtationen in
Hannover, Minden, Herford, Münſter,
Osnabrück, Bremen. Landen in Hamburg
(565 Kilometer).
C) Strategiſche
Aufklärungs=
übung am 23. Mai zwiſchen Hamburg,
Münſter und Köln. Landen in Koln (zirka
400 Kilometer).
D) Taktiſche
Aufklärungs=
übungen am 25. Mai bei Köln.
Luftfahrt
* Die verbrannte Rumpler=Taube — ein
Schaden=
erſatzanſpruch von 22000 Mark abgelehnt. Der Flieger
Witterſtätter in Berlin wollte ſich an einer
Flugkon=
kurrenz in Kiel beteiligen. Er ließ eine ihm gehörige
Rumpler=Taube als Frachtgut bei der Eiſenbahn zur
Be=
förderung nach Kiel einliefern. Der Apparat wurde auf
einem offenen Wagen unmittelbar hinter der Lokomotive
verladen, da er wegen ſeiner Größe in einem verdeckten
Wagen nicht transportiert werden konnte. Die
überragen=
den Teile der Flügel uſw. waren mit einer Decke verhüllt.
Dieſe Flugmaſchine iſt während der Bahnfahrt offenbar
infolge eines Funkens aus der Lokomotive, in Brand
ge=
raten und vollſtändig vernichtet worden. Witterſtätter
verlangt vom preußiſchen Eiſenbahnſiskus Erſatz des ihm
entſtandenen Schadens von über 22000 Mark mit der
Be=
gründung: der Flugapparat habe als leicht feuerfängender
Gegenſtand nicht in dem offenen Wagen unmittelbar
hin=
ter der Lokomotive transportiert werden dürfen. Das
entſpricht in der Tat den Vorſchriften der Eiſenbahn=Bau=
und Betriebsordnung, vorausgeſetzt, daß die Rumpler=
Taube „leicht feuerfangend” war. Das Land= und
Kam=
mergericht erklärte ſie nur für „leicht brennbar”
wenn auch die Leinwand der Flügel, wie Kläger
behaup=
tete, mit Gummi imprägniert war; die Beamten der Bahn
treffe kein Verſchulden, weil ſie dies nicht erkennen
konn=
ten. Es ſei nicht von ihnen zu verlangen, daß ſie an der.
Leinwand riechen, um feſtzuſtellen, ob eine Imprägnierung
vorliege, und übrigens ſei der Gummigeruch auch im
Freien ſchwer wahrnehmbar. Es wäre Sache des
Ver=
ſenders geweſen, die Verwaltung darauf aufmerkſam zu
machen, daß beſondere Vorſicht bei Beförderung des
Flug=
apparates nötig ſei. Aus dieſen Gründen wurde der
Schadenerſatzanſpruch abgewieſen. Wie die Ztg. d.
Ver. D. Eiſenb.=Verw mitteilt, hat das Reichsgericht
die gegen dieſes Urteil eingelegte Reviſion
ver=
worfen.
Sport, Spiel und Turnen.
sr. Pferde=Rennen. Stall Liénart gewinnt
den Grand=Prix de Nice. Dec im Verlauf des
internationalen Hindernis=Meetings an der Riviera
bis=
lung nicht allzu ſehr in den Vordergrund getretene Stall
des Monſ. Ch. Liénart, konnte am Sonntag mit dem
vor=
jährigen Hengſt Ma Love auf das wertvollſte Ereignis
der ganzen Veranſtaltung, den mit 100000 Francs
ausge=
ſtatteten Grand=Prix de la Ville de Nice Beſchlag legen.
Wie gemeldet wird, herrſchte prachtvolles Wetter und die
ſchmucke Rennbahn wies den gewohnten Maſſenbeſuch
auf. Für die über 4400 Meter führende Steeple=Chaſe
erſchienen zehn der beſten franzöſiſchen Hindernis=Pferde
am Start. Der vom Stalljockei A. Carter geſteuerte Ma
Love wurde von ſeinen Stallgefährten Manthorpe und
Phebus begleitet, der Stall Henneſſy ſtützte ſich auf
Cham=
poreau, Etrurie und Pyrrhus, während der Stall Veil=
Picard Ultimatum und Prince Chriſtian ins Rennen
ſchickte. Nach dem Stact übernahm Chauporeau die
Führung vor Prince Chriſtian, Etrurie und dem gut
ge=
ſchloſſenen Felde. Auf der den Tribünen
gegenüberliegen=
den Seite hatte ſich Prince Chriſtian an die Spitze
ge=
ſchoben und galopierte vor Etrurie, Champoreau,
Ulti=
matum, Tripot II, Ma Love und den übrigen Pferden.
Im Einlaufsbogen bildeten Champoreau, Etrurie,
Ulti=
matum und Ma Love das Vordertreffen. Vor der
Di=
ſtanz hatte Ultimatum einen kurzen Vorſpeung erlangt,
aber nach dem letzten Sprung rückte Ma Love zu
Ulti=
matum (Parfrement) auf, der zum Schluß ſeinem hohen
Gewicht erlag und von Ma Love nach ſchönem Kampf
ſicher mit zwei Längen geſchlagen wurde; anderthalb
Längen zurück beſetzte Etrurie (Hawkins) den dritten
Platz. Tot. 31:10. Pl. 20. 21, 32:10. — In den Jahren
vorher konnte der Stall Liénart den reichen Preis bereits
dreimal gewinnen; 1904 mit Killarney, 1905 mit Le Matin
und 1908 mit Hamed.
* Lawn=Tennis. Neue deutſche Lawn=
Ten=
nis=Siege in Paris. Der dritte Tag des Lawn=
Tennis=Matches Paris-Berlin in der franzöſiſchen
Hauptſtadt brachte den deutſchen Teilnehmern wiederum
ſchöne Erfolge. Sie gewannen alle vier Einzelſpiele, nur
Freiherr von Biſſing=R. Kleinſchroth unterlagen im
Dop=
pelſpiel mit 4:6. 6:1, 6:4 gegen Poulain=Gault. Kreuzer
ſchlug Gault nach Gegenwehr 6:4, 7:5, Rahe erfocht über
Canet den bemerkenswerten Sieg von 6:4, 6=2, H.
Klein=
ſchroth ſchlug Vermont 6:1, 6:0 überlegen und Froitzheim
nur knapp 6:4, 2:6, 633 Poulain. Den Deutſchen fehlt
nunmehr nur noch ein gewonnenes Spiel an dem
end=
gültigen Siege.
Wie nicht anders zu erwarten, konnten die deutſchen
Spieler nach den vorzüglichen Reſultaten der Vortage am
Sonntag als Sieger die franzöſiſche
Haupt=
ſtadt verlaſſen. Trotzdem die einheimiſchen
Ver=
treter am letzten Spieltage nicht mit ſo gutem Erfolge
operierten, war ihnen ein Sieg nicht mehr zu nehmen,
denn es fehlte ihnen zum endgültigen Triumph nur noch
ein Punkt. Eine Ueberraſchung brachte die Niederlage
von Froitzheim, den Gaubert mit 4:6, 5.7 ſchlug. Auch
Freiherr von Biſſing verlor gegen Guillemant 4:6, 7.5,
4:6, wenn auch erſt nach hartnäckigem Widerſtande. Rahe
dagegen konnte ſeine Begegnung mit Poulain, den er mit
6:4, 64 abfertigte, zu einem Siege geſtalten. Dann
ver=
loren die Deutſchen auch noch die Doppelſpiele, und zwar
Rahe=H. Kleinſchroth mit 3:6, 2:6 gegen Micard=Vermont
und von Biſſing=R. Kleinſchroth mit 5.7, 16 gegen
Gau=
bert=Canet. Berlin hat ſomit 15 und Paris 7 Spiele
ge=
wonnen.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
— Wieder einmal hat das ſogen. Tintenviertel
An=
laß zu lebhaften Klagen über den Zuſtand des
Leitungs=
waſſers. Wer am Sonntag früh ſeine gewohnten
Reinig=
ungen vornehmen wollte, mußte beim Oeffnen des
Waſſer=
hahnes zu ſeinem Schrecken bemecken, daß das nicht
mög=
lich war, denn dem Rohr entlief eine ekle gelbe Brühe,
in die man nicht ſeine Hand zu tauchen wagte.
Schlim=
mer noch war es für ſolche reinliche Leute, die nicht
um=
hin können, die Annehmlichkeit ihrer Mundtoilette mit
einem friſchen Glas Waſſer zu erhöhen. Doch ohne
Scherz: Es iſt eine ſtarke Rückſichtsloſigkeit oder —
Un=
geſchicklichkeit, wenn die Waſſerleitungsſpülung zu einer
Zeit und in einer Weiſe vorgenommen wird, daß am
hellen Tage — um 11 Uhr und ſpäter lief noch gelbe Brühe
aus den Rohren — kein Waſſer zu haben iſt. Man denke
nur an Krankheits= und Unglücksfälle, bei denen Waſſer
unentbehrlich iſt; man denke auch daran, daß ſolches zum
Kochen benötigt wird. Es iſt auch nicht das erſtemal,
daß man darüber zu klagen Anlaß hätte. Hat die
Stadt=
verwaltung darauf keinen Einfluß, muß ſie nicht darauf
hinwirken, daß die Einwohnerſchaft trinkbares Waſſer
hat?! Und noch eine Frage: In der betreffenden
Bekannt=
machung der Waſſerwerksverwaltung heißt es, daß die
Spülung des Waſſerrohrnetzes in der Abteilung D (denn
um dieſe handelt es ſich) am Montag, den 12. ds.,
vorge=
nommen würde; was iſt dann die Urſache, daß das Waſſer
Civis.
bereits einen Tag vorher verdorben war?!
„Volkskunſtl und „Denkmalpflegel.
— Als ich letzten Samstag etwa um 7 Uhr abends
von der Eliſabethenſtraße her mich dem Ludwigsplatz
näherte, tönte mir ſchon von weitem eine urkräftige Muſik
entgegen. Eine Anzahl Knabenſtimmen ſang — wenn
man es ſo nennen darf — als Marſchlied ohne Worte
„Liebliche kleine Dingerchen”, im Takt begleitet von einem
Schlaginſtrument, das wie eine nicht mehr recht
dienſt=
fähige Pauke tlang. Mit der Aufnahme dieſer Nummer
als Straßen=Marſchlied der Jugend ſcheint für das liebe
„Puppchen” ein würdiger Erſatz gefunden zu ſein. Näher
gekommen, bemerkte ich, daß ich mich geiret hatte. Es war
kein Umzug, ſondern ein Promenadekonzert. Die „
Ka=
pelle”, beſtehend aus 8—10 Vollblut=Heinern verſchiedener
Größe, hatte auf dem Brunnenrand des Bismarck=
Denk=
mals Platz genommen. Einer der größten, der auf
er=
höhtem Platz in der Mitte ſaß, gab als Paukenſchläger
den Takt an, indem er das Bronzerelief, über dem ſeine
Veine baumelten, aus Leibeskräften mit den
Stiefel=
abſätzen bearbeitete. Sein Nachbar betätigte ſich auf
einer Mundharmonika, und dann folgten, zu beiden
Sei=
ten maleriſch geuppiert, die Sänger. Für jeden wahren
Jugend= und Voltsfreund gewiß ein herzerfreuender
An=
blick! Anderer Anſicht ſchien merkwürdigerweiſe ein Herr
zu ſein, der, während ich von dem Wohllaut der Töne
ge=
bannt ſtehen geblieben war, auf das Denkmal zuſchritt
und mit allen Zeichen der Entrüſtung die ſofortige
Unter=
brechung des Konzerts und Entfernung der Muſiker
ver=
langte; andere Paſſanten ſchenen dieſem gewalttätigen
Vorgehen zuzuſtimmen. Die Jungen kletterten nun
her=
unter und zerſtreuten ſich, während der entrüſtete Herr
ſeinen Weg fortſetzte. Kaum war er außer Sicht, als die
Mitglieder der „Kapelle” von verſchiedenen Seiten her
wieder auftauchten. Mit dem Triumphruf „Eigange!”
ſtürmte der Kleinſte den übrigen voran in das
Brunnen=
baſſin; und als ich mich anſchickte, nach der Schulſtraße
weiterzugehen, hatten ſie ihre alten Plätze wieder
einge=
nommen. Leider fehlte mir die Zeit, die Fortſetzung des
Konzerts mit anzuhören.
Der Standpunkt des entrüſteten Herrn wird
hoffent=
lich den meiſten Leſern ebenſo unverſtändlich erſcheinen
wie mir. Wenn eine Schar geſunder Jungen, anſtatt ſich
ihres Kräfteüberſchuſſes an Hauswänden, Klingeln und
Kellerläden zu entledigen, ſich zuſammentut, um in ihrer
Freizeit die edle Muſika und im beſonderen das deutſche
„Volkslied” zu pflegen, und wenn ſie ſich dazu in ſo
un=
gemein ſinniger und pietätvoller Weiſe das Denkmal
un=
ſeres großen Ehrenbürgers auserſieht, ſo verdient dies
nur Anerkennung und Unterſtützung. Dem ethiſchen Wert
ſolcher Veranſtaltungen gegenüber können etwaige
Beſchä=
digungen der Reliefs durch die oft mit kleinen Hufeiſen
verſehenen Stiefelabſätze gewiß nicht ernſtlich in Betracht
kommen. Welch ein Glück, ſagte ich mir beim Weggehen,
daß Darmſtadt noch keine Großſtadt iſt. In dieſem Falle
nämlich wäre wohl der Polizeigewaltige ſchon längſt auf
den unheilvollen Gedanken gekommen an einem ſo
beleb=
ten Straßenknotenpunkt einen Schutzmannspoſten
aufzu=
ſtellen, und von dieſem wäre vielleicht zu befürchten, daß
er imſtande wäre, Szenen, wie die obige, zu bemerken und
am Ende gar als groben Unfug zu behandeln. So weit
ſind wir glücklicherweiſe noch nicht. Bei uns darf ſich die
Jugend noch ausleben, wie es der moderne Zeitgeiſt
ver=
langt. Und wenn den Geſinnungsgenoſſen des entrüſteten
Herrn ihr Einſchreiten in ſolchen Fällen mit Hohngebrüll
und Schimpfworten beantwortet wird, ſo geſchieht ihnen
nur das, was ſolcher unzeitigen Bevormundung unſerer
vorwärtsſtrebenden Jugend gebührt.
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