Abonnementspreis
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177. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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werden angenommen in Darmſtadt
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl, verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der wöchentlichen Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Geſtern iſt der preußiſche Landtag mit einer vom
Miniſterpräſident von Bethmann Hollweg verleſenen
Thronrede eröffnet worden.
Die Urteilsverkündigung im Prozeß gegen
den Oberſten v. Reuter erfolgt am Samstag
vor=
mittag 10 Uhr. Der Anklagevertreter beantragte gegen
Oberſt v. Reuter 7 Tage und gegen Leutnant Schadt
3 Tage Gefängnis.
Das für Dresden beſtimmte neue
Militärluft=
ſchiff „L. Z. 22‟ (3. 7) hat geſtern vormittag 9 Uhr
46 Minuten unter Führung von Direktor Dürr ſeine
erſte Probefahrt von Friedrichshafen aus angetreten.
Bei der Exploſion eines Films in einer Wiener
Filmfabrik verbrannten zwei Perſonen, zwei ſind
ſchwer verletzt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.
Wehrbeitrag und
kauf=
mänitns Milanr.
8 Die Bilanzen vieler Kaufleute werden in dieſem
Jahre beſonders genau von den Steuerbehörden darauf
angeſehen werden, ob die eingeſetzten Werte auch den
tatſächlichen entſprechen. Handelt es ſich doch diesmal
nicht nur um die Herleitung des ſteuerpflichtigen
Einkom=
mens aus der Bilanz, ſondern auch um die Ermittelung
des Vermögens für den Wehrbeitrag und die
Ergänzungs=
ſteuer. Das Handelsgeſetzbuch enthält bekanntlich — und
glücklicherweiſe— nur wenige Richtlinien für die
Bilanz=
aufſtellung. Es heißt im weſentlichen nur, daß ihre
Auf=
ſtellung nach den Grundſätzen ordnungsmäßiger
Buch=
führung geſchehen ſolle. Wie hat nun ein ordentlicher
Kaufmann Wertpapiere oder Waren in die Inventur und
aus dieſer in die Bilanz aufzunehmen? Zum
Erſtehungs=
preiſe, zum Kurs=(Markt)Werte, wenn dieſer niederiger
iſt als der erſte, oder zum Kurs=(Markt)Werte, wenn er
höher iſt als der Einkaufspreis?
Für die Bilanzaufſtellung der Aktiengeſellſchaften (und
verwandter Geſellſchaften) gibt das H.G.B einige
Finger=
zeige (§ 261). Danach darf niemals ein höherer Wert als
der Erſtehungspreis angeſetzt werden, iſt aber der
Kurs=
wert des Bilanzabſchlußtages geringer als der
Erſtehungs=
preis dann nur dieſer niedrigere Kurswert Viele
Ein=
zelkaufleute und offene Handelsgeſellſchaften verfahren
bei ihren Billanzen ebenſo, und man wird dieſem
zweifel=
los vorſichtigen Gebaren nicht den Vorwurf machen
kön=
nen, daß es kaufmänniſch unrichtig ſei. Anders ſteht es
dagegen mit der ſteuerlichen Richtigkeit einer nach
der=
artigen Grundſätzen aufgeſtellten kaufmänniſchen Bilanz=
Für dieſe gilt nur, was §§ 39 und 40 des H. G.B.
beſtim=
men: „Jeder Kaufmann hat . . . ſeine
Vermögensgegen=
ſtände genau zu bezeichnen, dabei den Wert der einzelnen
Vermögensgegenſtände anzugeben uſw. Sämtliche
Ver=
mögensgegenſtände und Schulden ſind nach dem Werte
anzuſetzen, der ihnen in dem Zeitpunkt beizulegen iſt, für
welchen die Aufſtellung ſtattfindet. Wenn das Geſetz
wolle, daß die für die Bilanzaufſtellung der A.=G.
ge=
ſtroffenen ſchärferen Vorſchriften, die den einzelnen zur
Büchereinſicht nicht berechtigten Aktionär ſchützen ſollen,
auch für die Bilanz des Einzelkaufmanns bindend ſein
ſollten, ſo hätte es die im § 261 angeordneten
Beſtim=
mungen zweifellos ſchon in den allgemeinen Vorſchriften
des § 38 ff. zum Ausdruck gebracht Gerade deshalb, weil
dies unterblieben iſt, drängt ſich der Schluß auf, daß
unter der Angabe des Wertes der einzelnen
Vermögens=
gegenſtände nur die Angabe des wirklichen Wertes
zur Zeit der Bilanzaufſtellung zu verſtehen iſt. Iſt dieſer
geringer als der Einkaufspreis oder ihm gleich, ſo iſt die
Lage einfach: es gilt dann dasſelbe, wie für die Bilanz
der Aktiengeſellſchaften. Iſt er aber höher, ſo muß der
höhere Wert eingeſetzt werden. Hat alſo ein Kaumann
zum Betriebsvermögen gehörende Wertpapiere zu einem
Kurfe von 200 eingekauft und iſt der Kurs bis zum
Ab=
ſchlußtage auf 215 geſtiegen, ſo gehört dieſer letztere Wert
in die für die ſteuerliche Beurteilung aufzuſtellende
Bi=
lanz: ebenſo muß z. B. Zucker, der zu ör eingekauft und
bis zum Abſchlußtage auf 38½ geſtiegen iſt, mit 38½
ein=
geſetzt werden uſw. Der Kommentar zum
Wehrbeitrags=
geſetz von Fernow ſagt zu dieſer Frage auf Seite 61: Als
Anhalt für die Schätzung (des Vermögens) können die
vorſchriftsmäßig aufgeſtellten Bilanzen und Inventuren
der Kaulleute dienen, inſofern darin die ſämtlichen
Ver=
mögensgegenſtände und Schulden nach dem Werte
ange=
ſetzt worden ſind, der ihnen in dem Zeitpunkte beizu=
Alegen iſt, für welchen die Aufſtellung ſtattfindet. Eine
Divergen= zwiſchen kaufmänniſch Richtigem und
ſteuer=
lich Richtigem findet ſich noch öſter. Steuern, namentlich
Gewerbe= und Grundſteuern, bucht der Kaufmann zumeiſt
als Geſchäftsunkoſten. Steuerlich iſt das für die
Perſonal=
ſteuern überhaupt nicht und für die Realſteuern nur bis
zur Höhe von 100 Prozent der Gewerbe= und Grundſteuer
zuläſſig.
Die Telegramme
des deutſchen Kronprinzen.
* Die Voſſiſche Zeitung und das Berliner Tageblatt
erfahren, daß der Kronprinz tatſächlich aus Anlaß
der Zaberner Vorfälle telegraphierte. Der
bis=
her veröffentlichte Text entſpreche aber in keiner Weiſe
dem wahren Wortlaut. Von durchaus zuverläſſiger Seite
werden den beiden Blättern Aeußerungen des
Kronprin=
zen vor einem größeren Kreiſe über die Zaberner
Vor=
fälle und das angebliche Telegramm mitgeteilt. Danach
äußerte der Kronprinz, er verſtehe nicht, wie man zu der
Auffaſſung komme, daß er Elſaß=Lothringen als
Feindes=
land betrachte. Er wünſche, daß zwiſchen Altdeutſchen
und Elſaß=Lothringern im Reichslande keine Gegenſätze
beſtänden, und daß die Reichsländer ſich mit der übrigen
Reichsbevölkerung als gute Deutſche fühlen möchten. Ihm
läge die Anſchauung durchaus fern, daß im Deutſchen
Reiche Willkür herrſchen dürſte und die Geſetze nicht
be=
achtet zu werden brauchten. Ueber die Zaberner
Fälle äußerte der Kronprinz, er könne nicht daran
zwei=
feln, daß das Ehrenkleid des Offiziers auch nach der
An=
ſicht der überwiegenden Mehrheit des deutſchen Volkes
un=
bedingt vor Beſchimpfungen geſchützt werden müſſe. Eines
Oberſten Pflicht gegenüber ſeinem Regiment, der Armee
und dem deutſchen Volke ſei es, ſeine Offiziere und
Mannſchaften mit allen ihm verfügbaren geſetzlichen
Mit=
teln vor Beſchimpfungen zu ſchützen. Das
Gerichtsver=
fahren könne erſt entſcheiden, inwieweit von der einen oder
anderen Seite Fehler oder Ungeſetzlichkeiten
vorgekom=
men ſeien. Er ſei entrüſtet darüber, daß man mit
Fäl=
ſchung rein privater Aeußerungen ihm ein
Eingreifen in ein ſchwebendes Verſahren andichte
und ihm unterſtelle, er ſei für eine Willkürherrſchaft und
hege die Meinung, daß die Geſetze nicht, gleichgültig von
wem immer, beachtet werden müßten.
Aus Berlin wird der Köln. Ztg. zu der Angelegenheit
telegraphiert: Der Wortlaut der Depeſche iſt nicht
be=
kannt. Nach den Mitteilungen des Pariſer Blattes, das
die erſte Nachricht brachte, beſchränkt ſich das Telegramm
auf den Ausdruck der Genugtuung, daß das Militär
ein=
gegriffen hat. Im Anſchluß daran iſt die Frage
aufge=
worfen worden, ob man angeſichts deſſen von einer
politiſchen Demonſtration des Kronprinzen
gegen den Kaiſer und den Reichskanzler ſprechen kann.
Aus dem angegebenen Wortlaut und dem Sinn der
De=
peſche läßt ſich eine derartige Folgerung nicht ziehen.
Eine politiſche Demonſtration würde nur dann vorliegen,
wenn die Depeſche nach den Debatten im
Reichstage abgegangen wäre. Das iſt aber
unzwei=
ſelhaft nicht der Fall. Der Angabe, daß es ſich um ein
Neujahrstelegramm handelte, iſt bereits widerſprochen
worden. Wir wiſſen aber auch, daß die Abſendung der
Begrüßungsdepeſche an den Oberſten von Reuter vor
der Interpellationsdebatte und unmittelbar
nach den Ereigniſſen vom 27. und 28. November erfolgt
iſt. Inhaltlich und zeitlich erſcheint alſo der Gedanke
einer politiſchen Demonſtration ausgeſchloſſen, und die
Depeſche würde demnach den Charakter einer privaten
und nicht zur Veröffentlichung beſtimmten Aeußerung des
Kronprinzen gegenüber einem anderen
Regimentskom=
mandeur gehabt haben. Das gleiche würde von einer
Depeſche an General von Deimling gelten, deren
angeb=
licher Inhalt bereits beſtimmt dementiert iſt.
Die Mächte und die Frage
der Inſeln,
* Eine Erklärung der Dreibundmächte in
der Frage der Inſeln an die engliſche Regierung dürfte
unmittelbar bevorſtehen. Auch ohne in den
Inhalt der Antwort eingeweiht zu ſein, darf man
ver=
muten, daß die Dreibundregierungen die Frage der
Zu=
teilung von Chios und Mytilene unter Geſichtspunkten
der politiſchen Zweckmäßigkeit anſehen werden. Ein
Be=
ſchluß der Großmächte, dieſe Inſeln der Türkei
zurück=
zuerſtatten, würde, ſelbſt wenn ſich ein ſolcher Beſchluß
diplomatiſch zuſtandebringen ließe, praktiſch nicht
durch=
führbar ſein. Denn keine Großmacht würde ſich dazu
verſtehen, ihre Streitkräfte aufzubieten, um Chios und
Mytilene aus den Händen der Griechen für die Türkei
zurückzuerobern, und auch die Türkei ſelbſt würde für
ab=
ſehbare Zeit ſchwerlich in der Lage ſein, einem Beſchluß
der Mächte, der ihr Chios und Mytilene zuſpräche,
Gel=
tung zu verſchaffen. Daß aber Griechenland dieſe Inſeln
ohne Kampf nicht herausgibt, hat es deutlich genug
er=
kennen laſſen. Die Umſtände liegen ähnlich wie nach der
Wiederbeſetzung Adrianopels durch die Türkei, die
ent=
gegen dem Wunſch Bulgariens, die Räumung
Adriano=
pels verweigerte. Die Großmächte waren mit dieſer
Weigerung nicht einverſtanden, zogen aber aus der
Hal=
tung der Pforte nicht die Folgerung, daß Europa durch
andere als diplomatiſche Mittel Adrianopel für Bulgarien
zurückgewinnen ſollte.
Griechenland iſt noch nicht von der Entſcheidung
der Mächte hinſichtlich des Datums, bis zu dem die
Trup=
pen zurückgezogen ſein müſſen, in Kenntnis geſetzt
wor=
den. Es ſcheint wahrſcheinlich, daß keine Mitteilung nach
Athen gemacht wird, bis die Entſcheidungen über die
Inſeln und Grenze von Epirus zuſammen mitgeteilt
werden können.
Wie weiter mitgeteilt wird, ſind ſich der Dreibund
und England völlig einig darüber, daß Italien allein
auf Grund des Friedens von Lauſanne mit der Türkei
die Angelegenheit der von Italien beſetzten Inſeln zu
er=
ledigen habe. Italien brauche die Inſeln nicht eher
her=
auszugeben, bis die Türkei ihre Verpflichtungen in
Li=
byen erfüllt habe und dann werde die Auslieferung an
die Türkei erfolgen.
Deutſches Reich.
— Die Rüſtungskommiſſion. Am Mittwoch
trat der Geſchäftsordnungsausſchuß der
Rüſtungskom=
miſſion im Reichstagsgebäude zuſammen, um für die
fol=
gende Tagung der Kommiſſion die Vorbereitungen zu
treffen. Am Donnerstag, mittags 1½ Uhr, verſammelte
ſich unter dem Vorſitz des Staatsſekretärs des Innern
Dr. Delbrück die Kommiſſion ſelbſt zur Fortſetzung ihrer
Beratungen. Wie der Berl. Lok.=Anz. hört, waren für
Donnerstag die Vorträge der Herren Gontard, des
Ge=
neraldirektors der Deutſchen Waffen= und
Munitions=
fabriken, und von Mauſer, des Inhabers der Mauſerſchen
Waffenfabriken, vorgeſehen. Man beabſichtigt, bis zum
10. Januar Sitzungen abzuhalten. Inzwiſchen ſoll eine
weitere Ausgeſtaltung des Arbeitsprogramms und eine
Auswahl der Sachverſtändigen erfolgen. Auch eine
Er=
örterung der Fragen, die aus der Mitte der Kommiſſion
gewünſcht werden, iſt beabſichtigt. Am letzten Tage, dem
Samstag dieſer Woche, ſoll eine Beſichtigung der
Deut=
ſchen Waffen= und Munitionsfabriken durch die
Mit=
glieder der Kommiſſion ſtattfinden.
— Die Neuausprägung von
Silber=
münzen. Noch in dieſem Monat wird dem Bundesrat
eine Vorlage zugehen über die Neuausprägung von
Silbermünzen, und zwar von Stücken im Werte von 3,
2 und 1 Mark. Die im Münzgeſetz vorgeſehene Quote
von 20 Mark auf den Kopf der Bevölkerung iſt noch nicht
erreicht; ſie ſtellt ſich vielmehr gegenwärtig auf rund 17
Mark. Im vergangenen Jahre ſind an Silbermünzen für
20 Millionen Mark geprägt, und zwar 15 Millionen in
Dreimarkſtücken, 3 Millionen in Zweimarkſtücken und
2 Millionen in Einmarkſtücken. Außerdem wurde die
Prä=
gung von Fünfmarkſtücken im Betrage von 20 Millionen
Mark vom Bundesrat beſchloſſen. Im Jahre 1911 erteilte
der Bundesrat die Ermächtigung zur Ausprägung von
Silbermünzen im Werte von 40 Millionen Mark, davon
fielen 30 Millionen Mark auf Dreimarkſtücke und je 5
Mil=
lionen auf Zwei= und Einmarkſtücke. Außerdem gelangten
Stücke von einer halben Mark im Werte von 2½
Mil=
lionen zur Ausprägung. Der ſinkende Silberpreis bis auf
rund 85 Mark für das Kilo Feinſilber, aus dem nach der
Beſtimmung des Münzgeſetzes 200 Mark in Silbermünzen
ausgeprägt werden, ermöglicht einen anſehnlichen
Ueber=
ſchuß aus den Prägungen für die Reichskaſſe, der
be=
kanntlich zur Beſchaffung der außerordentlichen
Silber=
reſerve verwandt wird. Insgeſamt ſind bisher
Silber=
münzen, nach Abzug der wieder eingezogenen, für 1,1
Milliarde Mark ausgeprägt gegen faſt 5 Milliarden
Gold=
münzen, 105 Millionen Nickelmünzen und 23 Millionen
Kupfermünzen.
Die chriſtliche
Gewerkſchaftsbewe=
gung im Jahre 1913. Man ſchreibt uns: Das
Zen=
tralblatt der chriſtlichen Gewerkſchaften hebt in ſeinem
Rückblick auf das Jahr 1913 ebenſo wie das Zentralorgan
der ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften hervor, daß die
Ungunſt der Wirtſchaftslage in manchen Gewerbezweigen
auf die Mitgliederbewegung der Berufsverbände
hem=
mend eingewirkt habe. Neben dieſen äußeren
Hemmun=
gen hatten einzelne chriſtliche Gewerkſchaften noch innere
organiſatoriſche Schwierigkeiten zu überwinden. Der
Gewerkverein chriſtlicher Bergarbeiter zum Beiſpiel
er=
höhte ſeine Wochenbeiträge von 40 Pfg. auf 70 Pfg.; ſolche
Maßnahmen haben erſahrungsgemäß einen
vorüber=
gehenden Rückgang in der Mitgliederzahl zur Folge. Da
aber das Zentralblatt der chriſtlichen Gewerkſchaften, ohne
im einzelnen Zahlen anzuführen, die allgemeine Angabe
macht, daß die meiſten chriſtlichen Berufsverbände trotz
der rückläufigen Wirtſchaftskonjunktur ihren
Mitglieder=
beſtand noch hätten erhöhen können, ſcheint es mit Recht
für das abgelaufene Jahr einen lleinen Fortſchritt in
der Mitgliederbewegung anzunehmen. Entſpricht dieſe
Vorausſage der tatſächlichen Entwickelung, dann haben
die chriſtlichen Gewerkſchaften die Ungunſt der
wirtſchaft=
lichen Geſamtlage beſſer überſtanden, als die
ſozialdemo=
kratiſchen, die bereits für das Ende des 3. Vierteljahrs
1913 einen Rückgang von rund 15000 Mitgliedern zu
ver=
zeichnen hatten.
— Der „Fall Mielzynski‟ Die
Staatsan=
waltſchaft iſt beim Reichstag um die Genehmigung zum
Vorgehen gegen den Abgeordneten Grafen Mielzynski
eingekommen. Da letzterer inzwiſchen ſein Mandat
nie=
dergelegt hat, iſt der Reichstag der unangenehmen Lage
überhoben worden, eine Entſcheidung in dieſer
Ange=
legenheit zu treffen.
Aus den Kolonien.
Aus Kamerun iſt die drahtliche Meldung des
Gou=
vernements eingegangen, daß der Tod des Oberleutnants
v. Raven nunmehr ſeine Sühne gefunden hat. Raven
war am 12. Oktober 1913 beim Vorgehen gegen das zwei
Tagemärſche nordweſtlich von Nola am Sanga gelegene
Dorf Nguku, deſſen Häuptling Gabola ſchon der
franzöſi=
ſchen Verwaltung dauernd Schwierigkeiten machte, von
Eingeborenen durch einen Lungenſchuß getötet worden,
während bei derſelben Gelegenheit der Bezirksrichter Dr.
Seger durch einen Schuß in den rechten Oberſchenkel
ver=
wundet wurde. Auf die Nachricht von dieſen Ereigniſſen
brach der Leiter des Bezirks Mittel=Sanga=Lobaye,
Haupt=
mann v. Puttkamer, ſofort von Mbaiki auf, um die
auf=
ſtändiſchen Dörſer zu unterwerfen, und eroberte mit der
6. Kompagnie der Schutztruppe am 18. Dezember das
Hauptdorf Nguku nach hartnäckigem Widerſtande. Er
be=
gann ſofort die Verfolgung des fliehenden Gegners. Auf
unſerer Seite wurden zwei Soldaten verwündet. Die
Verluſte des Gegners ſind bedeutend. Ein weiteres
Vor=
gehen ſcheint noch gegen die Häuptlinge nördlich und
nordöſtlich von Nguku erforderlich, ſoweit ſie ſich der
Auf=
ſtandsbewegung anſchloſſen.
Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.
Oeſterreich=Ungarns Verhältnis zu
Rumänien. Das Wiener Fremdenblatt ſchreibt: Die
Ausſprache, mit der der rumäniſche Miniſterpräſident in
ſeiner letzten Kammerrede die Haltung Oeſterreich=
Un=
garns während der letzten Kriſe und über die die
Inter=
eſſen Rumäniens berührenden Fragen in prägnanter
Weiſe darſtellte, dürfte nun endlich die Legende abgetan
haben, als ob die Monarchie Rumänien nicht voll und
tatkräftig unterſtützt hätte. Graf Berchtold hat
Veran=
laſſung genommen, Herrn Majorescu durch den K. K.
Ge=
ſandten in Bukareſt zu ſeiner Rede zu beglückwünſchen
Der rumäniſche Miniſterpräſident ließ durch den
Ge=
ſandten Czernin dem Grafen Berchtold für ſeine
Glück=
wünſche danken und drückte dabei die Hoffnung aus, ſeine
Worte dürften zur Beſeitigung der Mißverſtändniſſe der
letzten Zeit beitragen.
Das öſterreichiſche Herrenhaus und die
Perſonaleinkommenſteuer. Das öſterreichiſche
Herrenhaus nahm die Anträge der Finanzkommiſſion an
wonach das Herrenhaus an ſeinen bisherigen Beſchlüſſen
bezüglich der Perſonaleinkommenſteuernovelle feſthält und
die Vorlage einer gemeinſamen Kommiſſion beider
Häu=
ſer überweiſt. Es entwickelte ſich eine längere Debatte.
Freiherr v. Plehner gab dem Wunſche nach
Zuſtande=
kommen eines Kompromiſſes mit dem Abgeordnetenhauſe
Ausdruck. Der Präſident des oberſten Gerichtshofes,
Ru=
ber, trat für die unveränderte Annahme der Beſchlüſſe
ein und erklärte, es handle ſich um die Frage des Preſtiges
des Herrenhauſes. Miniſterpräſident Graf Stürgkh
ver=
wies darauf, daß das Herrenhaus wohl in materieller
Beziehung nur einen beſcheidenen Teilerfolg gegenüber
dem Abgeordnetenhauſe erzielte, jedoch in politiſcher und
parlamentariſcher Beziehung einen großen
durchſchlagen=
den Erſolg erreicht habe. Das Abgeordnetenhaus habe
mit anerkennenswerter Energie am 30. Dezember bis in
die Mitternachtsſtunde das ganze Geſetzeswerk ſeinerſeits
parlamentariſch fertiggeſtellt. Unter dem unmittelbaren
Eindruck der Geſtaltung der Dinge im Abgeordnetenhauſe
hätte das Herrenhaus über die relativ geringe Differenz
hinweggehen ſollen. Gegenüber den materiellen Beſchlüſſen.
der Steuerkommiſſion halte die Regierung an ihrem
bis=
herigen Standpunkt feſt. Die Regierung hatte Beſorgniſſe
bezüglich der Schwierigkeiten, die aus der Zuweiſung der
Vorlage an eine gemeinſame Konferenz ſich ergeben
könn=
ten. Die Regierung werde jedoch alles tun, damit das
vom Herrenhaus vorgeſchlagene Verfahren zu einem
Er=
folg führe. Der Miniſterpänident betonte die Dringlichkeit
der Steuerreform und ſprach ſchließlich die Hoffnung aus,
daß der vom Herrenhaus vorgeſchlagene Weg zum Ziele
führen werde.
Frankreich.
Geſetzentwurf über die Kapitalſteuer.
Caillaux wird ſofort nach dem Wiederzuſammentritt der
Kammer einen Geſetzentwurf, betreffend die
Kapital=
ſteuer, einbringen, die zur Deckung der durch das
Drei=
jahrsgeſetz entſtehenden neuen Ausgaben dienen ſoll.
Caillaux wird ſodann die betreffende Kommiſſion
er=
ſuchen, mit größter Beſchleunigung den Bericht zu
erſtat=
ten, damit die Kammer in kürzeſter Friſt, die höchſtens
einige Tage betragen dürfte, den Geſetzentwurf beraten
kann. Die Regierung wird hinſichtlich der weſentlichen
Beſtimmungen des Geſetzentwurfs die Vertrauensfrage
ſtellen und ſodann den Senat um ſchleunige Abſtimmung
über den Entwurf bitten.
England.
Joſeph Chamberlain teilte in einem Briefe
den Wählern Birminghams mit, daß er ſich bei
Gelegen=
heit der nächſten allgemeinen Wahlen von ſeiner
parla=
mentariſchen Tätigkeit zurückziehe. Er bedauere, den
Wahlkreis, den er 37 Jahre vertrat, aufgeben zu müſſen,
meine jedoch, daß Birmingham einen jüngeren Mann
brauche, der an den parlamentariſchen Kämpfen tätigen
Anteil nehme. Als Nachfolger werden ſeine Söhne Auſten
Chamberlain und Neville Chamberlain genannt.
Türkei.
Die Veränderungen in der Armee.
Unter den Offizieren, die ihren Abſchied erhalten,
be=
finden ſich die Marſchälle Zeki und Ibrahim Paſcha, der
General der 1. Diviſion Abdullah Paſcha, die Generale
Ahmed, Hamdi, Muenir, Enver, Ismail, Faſil, Fethi,
Yavar, Fewſi, Schewket, Torghut, Haſſan und Tahſin, im
ganzen 33 Diviſionsgenerale, 40 Brigadegenerale, 12
Oberſten im Generalſtab und 76 andere Oberſten. Die
betreffenden Jrades ſind bereits erſchienen. Gleichzeitig
ſind weitere Jrades über Ernennungen und
Beförderun=
gen erſchienen. Der Berliner Botſchafter, General
Mah=
mud Muhktar Paſcha, wird zum Inſpekteur der 3. Armee=
Inſpektion ernannt. Er erhielt vom Kriegsminiſterium
telegraphiſch den Befehl, ſofort von Berlin abzureiſen
und ſeinen neuen Poſten anzutreten. Brigadegeneral
Dſchavid Paſcha wurde zum Inſpekteur der 4., Marſchall
Osman Paſcha zum Inſpekteur der 1. und General Teki
zum Inſpekteur der 2. Armee=Inſpektion ernannt. Ein
Brigadegeneral und 30 Oberſten wurden zu
Diviſionskom=
mandeuren ernannt, u. a. Oberſt Bronſart v. Schellendor
zum Kommandeur der 3. Diviſion. In der Liſte ſteht
auch General Liman v. Sanders als Kommandeur des
1. Korps. Kriegsminiſter Enver Paſcha übernimmt auch
die Funktionen des Chefs des Generalſtabs. Der
ſtellver=
tretende Chef des Generalſtabs wird noch ernannt; zum
zweiten ſtellvertretenden Chef des Generalſtabs iſt Oberſt
Ismail Hakki, ein Schwiegerſohn des Sultans und
frü=
her Militärattaché in Wien, ernannt worden. Das neue
Budget des Kriegsminiſteriums weiſt gegen das laufende
Jahr Erſparniſſe von drei Millionen Pfund auf.
* Trieſt, 7. Jan. Heute vormittag iſt der deutſche
kleine Kreuzer „Breslau” unter dem Kommando
des Fregattenkapitäns Kettner aus Merſina hier
einge=
troffen und hat nach Abgabe der üblichen Salutſchüſſe vor
der Werft San Marco feſtgemacht, wo er behufs
Inſtand=
ſetzung vorausſichtlich mehrere Wochen verbleibt.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 9. Januar.
Die Entwicklung der Stadt Darmſtadt
im Jahre 1913.
(Aus dem Bericht des Oberbürgermeiſters.)
Ein Blick auf das abgelaufene Jahr zeigt, daß, trotz.
mancher außergewöhnlichen Erſcheinung, keine
Veranlaſ=
ung beſteht zu einer peſſimiſtiſchen Beurteilung der
Gegen=
wart und der Zukunſt. Wenn das Volksvermogen
Frank=
reichs nach Théry vom Jahre 1892 bis 1908 von rund 200
uf 232 Milliarden, dasjenige Deutſchlands von 1895 bis
912 von 200 auf 300—320 Milliarden zugenommen hat;
wenn ferner des deutſchen Volkes Einkommen, das vor
25 Jahren hinter dem franzöſiſchen noch zurückſtand, 42
Milliarden beträgt und das franzöſiſche nicht viel mehr
ils 20 Milliarden, ſo kommt hierin ein großes Wachstum
zugunſten der deutſchen Bevölkerung zum Ausdruck.
Auch in unſerer Stadt war die finanzielle Entwicklung
eit dem Jahre 1910 günſtig. Es zeigt ſich dies in erſter
inie an dem natürlichen Wachstum der Steuerkraft.
Be=
anntlich war die Stadtverwaltung im Jahre 1910 genötigt,
infolge des Wegfalles der Oktroi=Einnahmen und einer
außerordentlichen Belaſtung durch die Reichsgeſetzgebung,
eine erhebliche Steuererhöhung eintreten zu laſſen. In
en Jahren 1911, 1912 und 1913 war es dagegen möglich,
hne Erhöhung der Zuſchlagsziffer zur Einkommenſteuer
uszukommen. Dieſen Erfolg verdankt die Verwaltung
in erſter Linie ihrer Zurückhaltung auf dem Gebiete der
Vermögensausgaben. Der Erfolg iſt bedeutſam, wenn
nan erwägt, daß das ſtädtiſche Budget ſeit dem Jahre 1910
nahezu ſechs Millionen weitere Ausgaben getragen hat.
Unter dieſen hohen Ausgaben ſind hier folgende zu nennen:
Die Stadt war genötigt, rund 2700000 Mark für ihre
Beteiligung an dem Erwerb und der künftigen
Verwert=
ung des aus Anlaß der Bahnhofsverlegung freiwerdenden
eländes zu zahlen. Der Straßendurchbruch nach dem
Oſtbahnhof, die neuen Straßen und Plätze nach und vor
den neuen Bahnhöfen bedingen mit Ausgaben der
Kanali=
ſation und anderer techniſcher Leitungen, ſowie dem
Bar=
eitrag der Stadt von einer halben Million für die
Er=
bauung des Hauptbahnhofes und anderen Ausgaben einen
oſtenaufwand von ſechs Millionen Mark. Hierzu treten
die hohen Koſten, die durch die außerordentliche
Ausdeh=
nung der Stadt in neuerer Zeit, ſowie durch die auf
Rech=
ntung des Reiches auszuführenden Bauten veranlaßt ſind.
Es iſt, wie dies auch aus der Zuſammenſtellung
ervorgeht, eine außergewöhnliche Förderung der
öffent=
lichen Bautätigkeit zu verzeichnen. Zur Genugtuung der
Steuerzahler darf konſtatiert werden, daß durch die
Stra=
ßenanlagen zu den neuen, auf Rechnung des Reiches
aus=
zuführenden Bauten eine Belaſtung der Steuerzahler nicht
hervorgerufen wird. Nach den eingehenden
Vertragsbe=
ſtimmungen, die zwiſchen dem Reich und der
Stadtver=
waltung für die neuen Bauten feſtgeſetzt ſind, tritt ein
Erſatz der Straßenkoſten ein; der Steuerzahler wird alſo
nicht belaſtet.
Ich hoffe, daß es in den nächſten Jahren möglich ſein
vird, der Förderung der gewerblichen und wirtſchaftlichen
Verhältniſſe unſerer Stadt durch Löſung weiterer Aufgaden
näher zu treten. Bereits bei der Tarifierung der Preiſe
für elektriſches Licht und elektriſche Kraft ſind wir dem Ziel
näher gekommen, die Induſtrie und das Gewerbe in
gro=
em Umfange zu fördern. Auch die Herabſetzung der Preiſe
für Gas, das weite Entgegenkommen der Stadt in der
ebernahme eines erheblichen Koſtenanteils bei
Gasanſchlüſ=
ſen verfolgen dasſelbe Ziel. In dem großen, in der Nähe
des neuen Hauptbahnhofes entſtandenen Induſtriegebiet
hat die Stadtverwaltung kein Opfer geſcheut, um den
Plan der Induſtriegleisanlage zur Durchführung zu
brin=
gen. So hat ſie noch in letzter Zeit zur Arrondierung des
vorhandenen ſtädtiſchen Grundbeſitzes ein großes Gebiet
erworben, in der ausgeſprochenen Abſicht, die Anſiedelung
neuer Induſtrien zu begünſtigen. Die ſtädtiſche
Verwal=
tung kann den Aufgaben, die im Gebiete der Förderung
des gewerblichen Lebens an ſie herantreten, nicht aus dem
Wege gehen. Nur durch Schaffung neuer Werte iſt die
Stadt vor der Gefahr geſchützt, daß das wirtſchaftliche
Leben ſtagniert. Selbſt unter dem Riſiko einer
voraus=
gehenden Belaſtung der Zukunft hat die Stadt neuen
Erundbeſitz zu erwerben, wenn es ſich darum handelt. neue
wirtſchaftliche Werte für die Folgezeit erſtehen zu laſſen.
Auch der bevorſtehende Ausbau unſerer Fernbahnen wird,
das darf beſtimmt erhofft werden, das erwerbstätige
Leben in der Stadt und in der Provinz fördern. Die
Stadtverwaltung wird in ihrem finanziellen Programm
die bevorſtehenden Aufgaben löſen müſſen, jedoch bei der
Art der Durchführung die größte Vorſicht an den Tag
legen. Nur dank der größten Zurückhaltung im Gebiete
unproduktiver Ausgaben und der in dem Ausgleichs= und
Schulhausbaufonds begonnenen Fondsbildung war es
möglich, ſich eine Reſerve für die Zeiten der Not zu ſichern.
Auch die Beteiligung der Stadt an der neugegründeten
Eiſenbahn=Aktien=Geſellſchaft kann, das darf einer ſpäteren
Beurteilung einmal vorbehalten ſein, ſich als eine
Fonds=
bildung erweiſen, ſo daß die Zeiten der Belaſtung nicht in
Eine Federzeichnung
vom Zaren.
CK. Das perſönliche Leben des Zaren, von dem
bis=
her verhältnismäßig wenig in die Oeffentlichkeit
gedrun=
gen war, wird in vielen intereſſanten Einzelheiten durch
ein Buch beleuchtet, deſſen engliſche Ueberſetzung ſoeben
erſchienen iſt. Der Verfaſſer, Generalmajor Elchaninow,
ſchildert den Beherrſcher aller Reußen als einen
uner=
müdlichen Arbeiter, der mehr vollbringt, als die meiſten
ſeiner Untertanen. Die Staatsgeſchäfte erledigt er zum
großen Teil allein, und in ſeinem 12ſtündigen Arbeitstag
verbringt er nicht weniger als 4 Stunden ohne ſeine 10
Sekretäre in angeſtrengter Tätigkeit für ſich. Er ſchläft
höchſtens 7 Stunden. Um 9 Uhr früh iſt das Frühſtück
be=
endet; er beginnt ſein Tagewerk allein in ſeinem
Arbeits=
zimmer, lieſt die Morgenzeitungen, die Telegramme und
die Informationen, die ihm von den Gouverneuren der
einzelnen Bezirke zugeſandt werden. Dabei macht er ſich
zahlreiche Aufzeichnungen in ſein Notizbuch, das ſtets auf
ſeinem Schreibtiſch liegt. Bevor die Audienzen für die
Miniſter und hohen Beamten um 11 Uhr beginnen, koſtet
er die Rationen der Soldaten, die ihm immer über den
anderen Tag von den Kaſernen der kaiſerlichen Leibwache
und ſeines Infanterie=Regiments in beſonders
verſchloſſe=
nen Schüſſeln gebracht werden. Nach einem einfachen
Eſſen mit ſeiner Familie nimmt er ſeine Arbeit, die nur
am Nachmittag wenige Stunden unterbrochen wird,
zwi=
ſchen 5 und 6 Uhr wieder auf. Während dieſer Mußezeit
reitet er oder geht er ſpazieren fährt auch Rad oder
unter=
nimmt, wenn er in Peterhof iſt, einen Ausflug im Boot.
Dann arbeitet er wieder von 6—8, häufig allein. 1½
Stunden ſind dann dem Diner am Abend gewidmet, und
½10 Uhr ſitzt er wieder an ſeinem Schreibtiſch. Vor 11 Uhr
begibt er ſich ſelten zur Ruhe. Sein Arbeitstag endet,
wie er begann, mit einem Gebet.
Der Zar iſt ſeltſamerweiſe ein Feind des Telephons
und hat keinen Apparat in ſeinem Arbeitszimmer. Ein
Telephon iſt jedoch im Zimmer des Kammerdieners
an=
gebracht, und wenn der Zar einen telephoniſchen Auftrag
geben will, wird dieſer durch einen der Palaſtbeamten
ausgeführt. Jeden Abend, bevor ſich der Zar zur Ruhe
begibt mag er zu Hauſe oder auf Reiſen ſein, trägt er
ſeine Eindrücke des Tages in ſein Tagebuch ein. Alle
Tiſche und Sofas im Arbeitszimmer des Herrſchers ſind
mit Papieren bedeckt, aber die Arbeit wird durch dieſe
ſcheinbare Unordnung nie aufgehalten. Denn der Zar
hat ein vorzügliches Gedächtnis, erinnert ſich an den
Platz jedes Papiers und weiß alles zu finden. Den
größ=
ten Teil der Berichte, die er empfängt, öffnet und
ent=
ſiegelt er ſelbſt; ebenſo ſchließt er auch eigenhändig die
meiſten ſeiner Verordnungen und Befehle. Er lieſt auch
die unleſerlichſten Handſchriften mit großer Leichtigkeit.
Wie überhaupt in ſeinem Auftreten und in ſeinen
Ge=
wohnheiten verleugnet der Zar auch in ſeiner
Arbeits=
weiſe eine gewiſſe Sparſamkeit nicht. Mit ſeinen
Schreib=
materialien geht er recht haushälteriſch um und benutzt
z. B. alle Bleiſtifte, bis nur noch ganz kleine Endchen
vorhanden ſind. Dieſe Stümpfe ſchenkt er dann dem
Zarewitſch, der mit ihnen ſpielt. Eine Vorbereitung für
ſeine Reden kennt er nicht. „Ich überlege niemals vorher
genau, was ich ſage,” pflegt er zu erzählen. „Aber ich
bete zu Gott, und dann ſpreche ich, was mir in den Sinn
kommt.”
In ſeinem Familienleben zeigt ſich der Monarch von
ſeiner glücklichſten Seite. Seine Kinder begrüßen jede
Minute, die er mit ihnen verbringt, mit Jubel. Die
Mädchen gehorchen ihm aufs Wort; ſie ſind als gute
Haustöchter erzogen, müſſen aber auch etwas Ordentliches
lernen und haben 30 Unterrichtsſtunden die Woche. Sie
ſprechen drei Sprachen, malen und ſpielen Klavier, aber
auch in ihren „Freiſtunden” ſind ſie zumeiſt mit einer
Handarbeit beſchäftigt. Die höchſte Liebe des Zaren
ge=
hört aber ſeinem Sohne, den er „wirklich vergöttert”.
Während ſeiner jüngſten Krankheit brachte der Vater dem
kleinen Patienten häuſig einfache, aber mit dem größten
Verſtändnis für ſeine Neigungen ausgeſuchte Spielſachen,
und der Zarewitſch hatte dieſe am liebſten. Der Zar
nimmt ſeinen Jungen überallhin mit ſich, auf ſeine
Spa=
ziergänge und Ausflüge, und wenn er die Zeit findet,
verbringt er 3—4 Stunden mit ſeinem Sohne in
geſun=
dem Spiel im Freien, baut mit ihm Sand= und
Schnee=
burgen, ſpaltet mit ihm zuſammen Holz und rudert mit
ihm. Der Zar iſt ein großer Freund des Sports und
leiſtet darin Treffliches. Er iſt ein vorzüglicher
Schwim=
mer und Taucher ein ausgezeichneter Schütze, der die
Jagd liebt. Bei ſeinem Beſuch in Viborg ſchoß er jüngſt
einen Fuchs, und die finniſchen Behörden ſchickten ihm
die übliche Schußprämie von einem Rubel. Der Zar
nahm das Geld an und ſtellte einen Empfangsſchein aus,
der als Merkwürdigkeit bewahrt wird. Der Zar hält
alle Faſttage mit ſeiner Familie in der ſtrengſten Form;
in ſeinem Privatleben hat er eine beſondere Vorliebe für
alles Ruſſiſche, ißt am liebſten ruſſiſche Speiſen und trinkt
nur ruſſiſchen Champagner.
Nummer 9.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Seite 3.
vollem Unzfange in der Bilanz der ſtädtiſchen Verwaltung
zum Ausdruck kommen.
Acch Schluſſe des abgelaufenen Jahres dürfte es
inter=
eſſant ſein, die Förderung des wirtſchaftlichen Lebens der
Stadt auch nach einer anderen Richtung rückblickend zu
verfolgen. Soweit es in der Macht der ſtädtiſchen
Ver=
waltung lag, iſt ſie in jeder Weiſe darauf bedacht geweſen,
durch Förderung der öffentlichen Bautätigkeit den
einhei=
miſchen Unternehmerſtand und ſeine Arbeiter zu ſtützen.
Die folgende Zuſammenſtellung der für größere
Bauaus=
führungen in Darmſtadt aufgewendeten und noch
aufzu=
wendenden Mittel ergibt einen Betrag von etwa 18
Mil=
lionen Mark neuer Bauwerte innerhalb der
Stadtgemar=
kung Darmſtadt.
I. In den letzten Jahren ausgeführte größere Bau=,
Straßen= und Kanalherſtellungen: 1. Kanal= und
Straßen=
herſtellungen infolge der Bahnhofsverlegung 326 100 Mk.,
2. Errichtung ſtädtiſcher Gebäude am neuen Bahnhof (
La=
gerhaus, Oktroierhebgebäude, Bedürfnisanſtalt) 164 260
Mark 3. Kanal= und Straßenherſtellung durch die
Land=
graf=Georg=Straße (teilweiſe ausgeführt) 198000 Mark.
II. In Ausführung begriffene Herſtellungen: 4.
An=
legung eines Waldfriedhofes 623900 Mark; 5.
Waſſerver=
ſorgung von Wixhauſen und Einlegung eines neuen
Druck=
rohres für die Hochzone 65000 Mark; 6.
Straßenherſtel=
kungen 215500 Mark; 7. Kanalherſtellungen 107300 Mark;
8. Krankenhauserweiterung 100000 Mark; 9. Gebäude
für die Landwirtſchaftskammer in der Breiten Allee 200000
Mark; 10. Militärbauten: Schuppen für das Artillerie=
Depot 11600 Mark, Militärlazarett 1340000 Mark,
Wa=
genhalle 136000 Mark, Aufbau auf die Kavallerie=Kaſerne
26000 Mark, Schuppen im Artillerie=Depot 6000 Mark,
Stallbau für die Artilleriekaſerne 20000 Mark,
Kammer=
gebäude für Dragoner 29300 Mark, zuſammen 1568000
Mark; 11. Für Privatbauten wurden laut Bericht der
Baupolizei in dieſem Jahr aufgewendet etwa 3000000 Mk.
III. In Vorbereitung befindliche und mögliche
Her=
ſtellungen: 12. Straßenherſtellungen 231720 Mark, 13.
Kanalherſtellungen 161 150 Mark; 14. Errichtung eines
Ge=
bäudes für die Gewerbeſchule 450000 Mark; 15. Die
Er=
richtung drehbarer Hallen für die militäriſche Luftſchiffahrt
und aller in Betracht kommenden Zubehörbauten, geſchätzt
auf 1500000 Mark; 16. Militärbauten: Neubau einer
Doppelkompagniekaſerne 464000 Mark, bauliche
Ausfüh=
rungen beim Dragoner=Regiment Nr. 23 152660 Mark,
desgleichen beim Dragoner=Regiment Nr. 24 54000 Mark,
desgleichen beim Feldartillerie=Regt. Nr. 25 165000 Mark,
desgleichen beim Feldartillerie=Regiment Nr. 61 70000
Mark. Neubau einer Kaſerne für das Train=Bataillon
1000000 Mark, für Barackenbauten für das Train=
Batail=
lon 72000 Mark, Neubau einer Kaſerne für die Luftſchiffer
420000 Mark, desgleichen für die Funker 630000 Mark,
Erweiterung der Schießſtände 29000 Mark, techniſche
An=
lagen für die Fliegerkompagnie 462000 Mark, Neubau
einer Kaſerne für die Fliegerkompagnie 365000 Mark,
des=
gleichen für die Maſchinengewehrkompagnie 115 = 204500
Mark, Neubau einer Bataillonskaſerne, Mietsbau 113000
Mark, desgleichen einer Garniſonskirche 480000 Mark,
zu=
ſammen 4681160 Mark; 17. Erbauung einer
Reforma=
tionskirche etwa 400000 Mark; 18. Angemeldete
Bauge=
ſuche für größere Privatbauten im Werte von rund 900000
Mark; 19. Hierzu: Sonſtige Privatgebäude (es liegen
zur=
zeit ſchon zehn Baugeſuche des Bauvereins für das
Hein=
rrichwingertswegviertel vor; außerdem wird das
Sander=
ſſche Haus für die Deutſche Bank umgebaut pp.). Für
Pri=
wvatgebäude wird mit dem gleichen Betrage wie im
Vor=
jahre gerechnet werden können das ſind 3000000 Mark.
Summa: 17 Millionen 892990 Mark.
Wenn hierzu noch die weiteren, in obiger
Zuſammen=
ſtellung noch nicht enthaltenen bedeutſamen Projekte treten,
bezüglich deren die ſtädtiſche Verwaltung bereits eine
för=
dernde Stellung eingenommen hat, ſo wird die Summe
von 20 Millionen überſchritten. Mit dem neuen
Haupt=
bahnhof und ſeinen umfangreichen Terrainarbeiten
betra=
gen die Summen der Ausgaben für neue Bauwerte weit
über 40 Millionen. Die Stadtverwaltung wird fortfahren
in ihrem Streben, jede Möglichkeit zu benutzen, um das
wirtſchaftliche Leben in der Stadt auch nach dieſer Seite
Hin zu fördern.
* Vom Hofe. Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſſen
iſt am Mittwoch vormittag 11 Uhr abgereiſt. Prinz und
Prinzeſſin Reinhard zu Solms=Lich ſind nachmittags 5.49
Uhr abgereiſt. Die Abreiſe des Prinzen Waldemar von
Preußen erfolgte abends 10.25 Uhr. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog den Königlich Preußiſchen Hauptmann a. D.
Bornemann zum Großherzoglichen Major à la suite
der Infanterie.
* Verliehen haben Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog dem Ober=Poſtkaſſenrendanten Wilhelm
Bön=
ning in Darmſtadt die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen und dem
Ober=Poſtſchaffner Nikolaus Weber in Fürth das
All=
gemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für langjährige
treue Dienſte‟
* Aus dem Staatsdienſt entlaſſen haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Oberlehrer an dem Neuen
Gymnaſium zu Darmſtadt Profeſſor Richard Hölſcher
mit Wirkung vom 1. April 1914 an auf ſein Nachſuchen
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl Hoheit
der Großherzog den Direktor des Landeszuchthauſes
Marienſchloß, Alexander Bornemann, auf ſein
Nach=
ſuchen mit Wirkung vom 1. Februar 1914 und unter
An=
erkennung ſeiner langjährigen treuen und erſprießlichen
Dienſte. — In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Ge=
fangenaufſeher an der Zellenſtrafanſtalt Butzbach Kaſpar
Stoll auf ſein Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner
langjährigen treuen Dienſte mit Wirkung vom 1. Februau
1914 an.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Wil=
helm Waldmann aus Offenbach eine Lehrerſtelle an
der Volksſchule zu Hainſtadt, Kreis Offenbach.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 1 enthält:
1. Bekanntmachung, die Ausführung des Reichs= und
Staatsangehörigkeitsgeſetzes vom 22. Juli 1913 betreffend.
2. Bekanntmachung, die Gründung eines Zweckverbandes
der Landgemeinden des Kreiſes Darmſtadt für den Bau
billiger Eigenhäuſer betreffend.
* Landtagserſatzwahl in Wald=Michelbach. Bei
der Stichwahl im 4. Wahlkreis der Provinz
Starken=
burg, Wald=Michelbach, wurden der Darmſt. Ztg. zufolge
nach amtlicher Feſtſtellung 3414 Stimmen abgegeben.
Hiervon entfielen auf Oberamtsrichter Wünzer=
Darm=
ſtadt (nat.=lib.) 1939, auf Gemeinderat Haſenzahl=
Erbach (ſoz.=dem.) 1475 Stimmen.
— Vom Hoftheater. Heute gelangt als D=
Abonne=
mentsvorſtellung die erfolgreiche Poſſenneuheit „
Film=
zauber” zur Wiederholung. Der Beginn iſt auf 7½
Uhr angeſetzt. Am Sonntag nachmittag geht als
neun=
zehnte Volksvorſtellung zu ermäßigten Preiſen die
Schwanknovität „Die ſpaniſche Fliege” von
Ar=
nold und Bach in Szene. Die Vorſtellung beginnt
aus=
nahmsweiſe bereits um 2 Uhr. In der Sonntags=
Auffüh=
rung von „Götterdämmerung” in der dekorativen
Neueinrichtung der vorjährigen Frühlings=Feſtſpiele ſind
in den Hauptpartien beſchäftigt die Damen Callwey (
erſt=
malig die Brünhilde), Geyersbach (Gutrune), Jacobs
(erſtmalig die Waltraute), Kallenſee, Becker, Jacobs
(Rheintöchter), Jacobs, Liſchke, Feiſtle (Nornen) und die
Herren Weber (Gunther), Stephani (Hagen), Becker (
Sieg=
fried), Schützendorf (Alberich). Die muſikaliſche Leitung
hat Hofkapellmeiſter Ottenheimer, die Spielleitung Herr
Nowack. Die Vorſtellung, die im C=Abonnement
ſtatt=
findet, beginnt um ſechs Uhr.
In der nächſten Woche ſindet die Erſtaufführung des
„Feldherrnhügels” von Rößler (dem Autor der
„Fünf Frankfurter) und Roda Roda ſtatt.
C Herr Oberingenieur Baurat Schöberl ſcheidet, wie
wir ſchon kurz gemeldet, aus den Dienſten des heſſiſchen
Staates, um eine führende Stellung in der
Privatindu=
ſtrie einzunehmen. Doch iſt die frühere Meldung dahin
zu berichtigen, daß Herr Baurat Schöberl nicht in die
A. E G., ſondern, wie wir auf Grund zuverläſſigſter
In=
formation erfahren, in den Vorſtand der Rheiniſchen
Schuckert=Geſellſchaft in Mannheim als
Di=
rektor eintritt. Der Zeitpunkt des Eintritts iſt
noch nicht feſtgelegt, ſteht jedoch in allernächſter
Zeit=
zu erwarten. Oberingenieur Baurat Schöberl war
auch früher ſchon einige Zeit in der Privatinduſtrie tätig,
ind zwar nach Beendigung ſeiner Studien an den
Hoch=
ſchulen Karlsruhe und Darmſtadt. Er kam im Jahre
1900 nach Darmſtadt zurück und war während mehrerer
Jahre Aſſiſtent und Mitarbeiter des Herrn Geheimrats
Proſeſſor Dr. Kittler, der auch ſein bewährter Lehrer
geweſen iſt, bis er in den Staatsdienſt eintrat. Er iſt
ſeit etwa 10 Jahren Dezernent im Miniſterium der
Fi=
tanzen und hat als ſolcher die elektrotechniſchen und
ma=
ſchinentechniſchen Angelegenheiten des Staates, der Kreiſe
und Gemeinden zu behandeln. Herr Schöberl genießt den
Ruf eines außergewöhnlich tüchtigen Fachmannes und
Verwaltungsbeamten, was auch mehrfach Beſtätiaung an
maßgebender Stelle fand und u. a. beredt zum Ausdruck
kam gelegentlich des letzten Beſichtigungsausflugs der
beiden Kammern mit der Regierung nach Oberheſſen, bei
welcher Gelegenheit der Herr Finanzminiſter mit lebhaf=
tem Bedauern von dem zu erwartenden Scheiden des
Herrn Schöberl aus dem Staatsdienſt Mittellung machte.
Mehrſach trat Herr Schöberl auch in der Kammer als
Regierungskommiſſar auf, und ſeine Ausführungen
zeich=
neten ſich durch Klarheit und überzeugende
Darſtellungs=
kraft aus. Seine bedeutendſten Arbeiten in Heſſen waren
die elektrotechniſchen und maſchinentechniſchen
Einrichtun=
gen der Pflege= und Strafanſtalten, das Elektrizitätswerk
und die Fernheizanlage in Bad Nauheim, das
Kraft=
werk in Wölfersheim, die Ueberlandanlage der
Pro=
vinz Oberheſſen uſw. Ueber all dieſe großzügigen und
als vorb ldlich und muſterhaft anerkannten Anlagen iſt
des öfteren in dieſem Blatte berichtet worden.
nn. Ehrung. Die Vereinigung der Reſerve= und
Land=
wehr=Offiziere des Bezirks I Darmſtadt hat an ihrem
Jahresfeſt den ſeitherigen Bezirksadjutanten, Herrn
Hauptmann Coulmann im Infanterie=Regiment
Kai=
ſer Wilhelm II. (Großh. Heſſ.) Nr. 116, in dankbarer
An=
erkennung ſeiner beſonderen Verdienſte um die
Vereini=
gung zum Ehrenmitglied ernannt und demſelben eine
kunſtvoll ausgeführte Ehrenurkunde überreichen laſſen. Die
Ausführung dee Urkunde lag in den Händen des
Hofkalli=
graphen J. Göttmann in Darmſtadt.
* 70. Geburtstag. Heute, den 9. d. M., feiert der
Großh. Hofgärtenaufſeher Johs.,Büttner in
geiſti=
ger und körperlicher Friſche ſeinen 70. Geburtstag. Büttner
iſt ſeit dem Jahre 1908 1. Vorſitzender des Haſſia=Bezirks
Darmſtadt und gehört dem Vorſtand des hieſigen
Krieger=
vereins ſchon lange Jahre an. An der Gründung der
Haſſia vor 40 Jahren war er hervorragend beteiligt. Bei
der allſeitigen Beliebtheit, der ſich der Jubilar erfreut,
wird es ihm an Ehrungen zu dieſer Feier nicht fehlen.
* Kurſus für Reparatur und Juſtierung von Wagen
und Gewichten. Die Zahl der Fachleute, welche die
Re=
paratur und Juſtierung von Wagen und Gewichten
ſach=
gemäß ausführen können, iſt im Großherzogtum Heſſen
noch ſehr gering, ſo daß zurzeit der jährlichen geſetzlichen
Nacheichungen ein empfindlicher Mangel an ſolchen
Fach=
leuten herrſcht. Daher beabſichtigt die Großh.
Zentral=
tellefür die Gewerbe in Darmſtadt im
Ein=
vernehmen mit dex Großh. Eichungs=
Inſpek=
tion, einen Kurſus abzuhalten, bei dem
Schloſſermeiſter und Mechanikermeiſter in der Reparatur
und Juſtierung von Wagen und Gewichten unterrichtet
und ausgebildet werden ſollen. Der Kurſus ſoll am
Dienstag den 3. Februar dieſes Jahres,
vor=
mittags 9 Uhr bei der Großh. Eichungs=Inſpektion zu
Darmſtadt, Paradeplatz 3, beginnen. Er wird
voraus=
ſichtlich in Darmſtadt eine Woche dauern, wobei
vor=
mittags theoretiſche Vorträge und Erläuterungen;
nach=
mittags praktiſche Uebungen ſtattfinden werden. An dieſe
Woche ſchließt ſich eine weitere praktiſche Tätigkeit an
bei einem der Großh. Haupteichämter Darmſtadt,
Offen=
bach, Gießen oder Mainz von mindeſtens einwöchiger
Dauer, auf Wunſch auch länger. Die Zahl der
Teil=
nehmer am praktiſchen Teil muß aus räumlichen und
Be=
triebsrückſichten beſchränkt werden, beim theoretiſchen Teil
kann ſie größer ſein, doch genügt eine Teilnahme am
letz=
teren allein erfahrungsgemäß nicht. Anmeldungen
ſind bis längſtens zum 18. Januar an die Großh.
Zen=
tralſtelle für die Gewerbe zu Darmſtadt, Neckarſtr. 3, zu
richten. Auch Anmeldungen aus größeren Landgemeinden,
die nicht Sitz eines Eichamts ſind, ſind erwünſcht. Die
Auswahl unter den ſich Meldenden bleibt nach Maßgabe
des vorerſt dringendſten Bedarfes vorbehalten. Nach
er=
haltener Mitteilung haben die Zugelaſſenen die Gebühr
von 10 Mark für den theoretiſchen Teil bezw. 25 Mark für
den ganzen Kurſus (theoretiſchen und praktiſchen Teil)
an die Kaſſe der Großh. Zentralſtelle für die Gewerbe
ein=
zuzahlen.
V Erfolge Heſſiſcher Architekten und Ingenieure
aus=
wärts. Man ſchreibt uns: Herr Profeſſor Dr.=Ing.
Vetterlein=Darmſtadt und Herr Ingenieur A.
Imhof=Bad=Nauheim haben gemeinſam in Fürth bei
Nürnberg für eine Aktien=Geſellſchaft eine Bade=Anlage
geſchaffen, die bayeriſche Blätter als vorbildlich
bezeich=
nen. Am 4. Januar waren eine große Anzahl Aerzte
aus dem Reiche, am 5. Preſſe=Vertreter und am 6.
ver=
ſchiedene Behörden zur Beſichtigung des „König Ludwig=
Bades” eingeladen. Die hübſchen architektoniſchen
For=
men, verbunden mit ſehr praktiſcher Raum=Einteilung und
Ausnutzung, fanden ebenſo wohlverdiente Anerkennung,
wie die muſterhaſten und zum Teil ganz neuartigen
tech=
niſchen Einrichtungen, welche beſonders bei den
Moor=
bädern mit der Thermalwaſſerüberſchichtung und bei der
Erwärmung des Thermalwaſſers mit Vermeidung von
Kohlenſäure=Verluſt hervortraten — beides patentierte
Verfahren der Firma A. Imhof in Bad=Nauheim, die
bald weitere Verwendung finden dürften.
Feuilleton.
H. Die erſten bayeriſchen Königsmarken werden noch
im Laufe des Frühjahrs zur Ausgabe kommen und eine
im Briefmarkendruck noch nie angewandte
Reproduk=
tionstechnik zeigen. Sie ſind im Mezzotintendruck
herge=
ſtellt, dem neuen Kupfer=Tiefdruck, mit dem eine Reihe
von Blättern prachtvolle Reproduktionswirkungen erzielt
hat. Die neuen Marken zeigen den König Ludwig III.
in zwei verſchiedenen Auffaſſungen nach Entwürfen des
bekannten Münchener Kunſtmalers Profeſſor Walter
Firles eines gebürtigen Schleſiers. Die Markenwerte von
3—80 Pfennig zeigen den Kopf des Königs en face, leicht
nach rechts gewendet in kreisförmiger Umrahmung; die
Werte zu 1. 2. 3, 5. 10 und 20 Mark zeigen das Profil=
Porträt des Königs aus allerjüngſter Zeit in einfachem
ovalen Rahmen. Bei den Werten zu 5, 10 und 20 Mark
wird das Bild von einem breiten Lorbeerkranz umrahmt.
Die Werte bis zu 80 Pfennig haben die Größe der
bis=
herigen niederen Werte die Werte von 1. 2 und 3 Mark
die Größe der bisherigen 30=Pfennig=Marken und die
Werte zu 5, 10 und 20 Mark die Größe der bisherigen
Markenwerte, jedoch in ſtehendem Rechteck. Die
Poſt=
karten, Poſtanweiſungen und Kartenbriefe werden wie
bisher im Buchdruck gefertigt und zwar nach den
Ent=
würfen des bekannten Heraldik=Malers Profeſſor Otto
Hupp=Schleißheim, demſelben Künſtler, der auch das Werk
geſchaffen, das die Stadt München dem Kaiſer bei ſeinem
Regierungsjubiläum zum Geſchenk gemacht hat.
** Die verkehrsreichſten Straßen der Welt.
Unter=
ſuchungen der jüngſten Zeit, die ſich mit dem
Straßen=
verkehr in den Großſtädten beſchäftigen, haben feſtgeſtellt,
welche von den Hauptſtraßen der größten Städte der Welt
lals die belebteſten anzuſehen ſind. Das Reſultat ergab
lals die beiden verkehrsreichſten Straßen, die es heute auf
Erden gibt, die Straßenecke bei Manſion Houſe in der
City von London und den Pariſer Opernplatz. Bei
Manſion Houſe kommen täglich die meiſten Fußgänger
vo=
bei; über den Opernplatz fahren die meiſten Wagen. An
jedem Wochentag beträgt die Zahl der Perſonen, die bei
Manſion Houſe vorbeigehen, durchſchnittlich 500000, die
Zahl der Gefährte beläuft ſich auf 50000. Den Opernplatz
paſſieren 450000 Fußgänger und 63000 Wagen. Nach
dieſen beiden größten Verkehrsadern der modernen
Groß=
ſtädte iſt der Broadway von Neu=Yock zu nennen, den
täglich 480000 Fußgänger im Durchſchnitt paſſieren.
Be=
rechnet man die Zahl der Menſchen, die hier in
Straßen=
bahnwagen und anderen Gefährten vorbeikommen, ſo
be=
läuft ſie ſich ſogar auf über 700000. An vierter Stelle
dürfte die Puerta del Sol in Madrid ſtehen, in der 9 oder
10 große Verkehrsadern zuſammentreffen; durch dieſes
Tor gehen durchſchnittlich 360000 Leute am Tage. Mit
je 300000 Paſſanten ſchließen ſich die Friedrichsſtraße in
Berlin und der Wladimirski=Proſpekt in St. Petersburg
an, während der Wiener Graben durchſchnittlich von
270000 Perſonen täglich paſſiert wird.
— 5 Millionen Brandſchaden durch die Wahlweiber!
5 Millionen Mark iſt die Summe, die die Times nach einer
glaubwürdigen Schätzung als den Schaden angibt, der
durch die Brandſtiftungen der Wahlweiber im
vergange=
nen Jahre verurſacht wurde. Die Geſamtzahl der Brände.
die auf ſie zurückgeführt werden müſſen, beläuft ſich auf
33, und dabei ſind nur die Brände berechnet, deren
Scha=
den ſich auf über 20000 Mark beläuft. Der ſchlimmſte
Monat war der Juni; er brachte 7 Feuersbrünſte mit
einem Schaden von faſt 1 Million Mark; April Oktober
und Dezember wieſen je 5 große Brände auf; die beiden
Feuersbrünſte, die im September von den Wahlweibern
angelegt wurden, riefen allein einen Schaden von 1
Mil=
lion Mark hervor. Wie ſehr dieſer Schaden den
Geſamt=
feuerſchaden von 1913 beeinflußt, geht daraus hervor, daß
die Geſamtſumme der Verluſte durch Feuer ſich im vorigen
Jahre auf über 72 Millionen Mack belief, während ſie im
Jahre 1912 nur 54 Millionen und im Jahre 1911 gegen
64 Millionen betrug. Mitſchuldig an dieſen Verluſten
ſind die engliſchen Behörden, die dieſen
verabſcheuungs=
würdigen Verbrecherinnen gegenüber eine zu große
Nach=
ſicht an den Tag legen.
* Vier Brüder gleichzeitig bayeriſche Generale. Durch
die zum Geburtstag König Ludwigs III. von Bayern
er=
folgten Beförderungen tritt jetzt der in der deutſchen
Armee einzig daſtehende Fall ein, daß vier Brüder zu
gleicher Zeit der aktiven Generalität angehören. Es be=
trifft dies die Brüder Schoch. Der älteſte,
General=
leutnant Guſtav Ritter von Schoch, befehligt die 5.
Di=
viſion in Nürnberg, der zweite Generalleutnant Albert
Ritter von Schoch, führt die 1. Diviſion in München, der
dritte, Generalmajor Emil Schoch, iſt
Brigadekomman=
deur in Augsburg und der vierte, Generalmajor Karl
Schoch, ſolcher in Neu=Ulm. Sie ſind Söhne des 1868 zu
München verſtorbenen Oberſten im
Generalquartier=
meiſterſtabe Karl Schoch, eines wiſſenſchaftlich ſehr
hochge=
bildeten Offiziers, und haben alle in bevorzugten
Stellungen, teils im Generalſtab, teils in der höheren
Adjutantur gedient.
* Nach der Gemeinderatswahl. Von den letzten
würt=
tembergiſchen Gemeinderatswahlen erzählt das
Stuti=
garter Neue Tagblatt. Morgens 9 Uhr klingelt es bei
dem Arzte eines Dorfes im württembergiſchen
Ober=
ſchwaben. Vor der Tür ſteht ein Bauernjunge von etwa
13 Jahren und ſagt: „Der Herr Doktor ſoll au in
d’ Gmeind komme. Mei Vater mueß verbunne werre.”
Der Arzt fragt: „Was iſch denn deim Vater g’ſchehe?”
„Er hat e blau’s Aug?” „Sonſchſt nix?” „Doch ſonſchſt
noch alles.” „Was denn alles?” „I weiß nitt!” „Hot denn
noch aner e blau’s Aug?” „Jo.” „Wer denn?‟ Der Knabe
nannte darauf drei oder vier Namen. Darauf der Arzt:
„Sag deim Vater, ich komm mittags.” Mittags traf der
Arzt in dem fünf Kilometer entfernten Flecken ein. Der
Doktor fand den Patienten im Bett liegen mit einem
Katzenjammer einem gehörig verſchlagenen Schädel, einem
usgerenkten Arm, einem verſtauchten Bein und einer ſtark
gequetſchten Zehe. Während er den Verletzten verband,
fragte er nach den Urſachen: „Sagt Bärenbauer! Geſtern
war doch nit Sonntich, nit Kerme und nirgends Tanz,
Kindstauf oder Hochzeit. Warum hent r g’rauft?‟
Dar=
auf antwortete der Bärenbauer: „'s war
Gemeinderats=
vahl!“
* Das Wiederſehen, Frau Schulze macht im
Pfarr=
haus Beſuch. „Ach, was für ſchöne Knöpfe nähen Sie da
an Ihres Mannes Weſte,” meint ſie, als ſie die Frau
Pfarrer an ihrem Nähtiſch begrüßt, „wiſſen Sie, mein
Mann hatte einmal ebenſolche Knöpfe.” Worauf die
Frau Pfarrer in freundlicher Erklärung erwidert: „Ja,
wir fanden ſie immer Sonntags im Klingelbeutel..
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Nummer 9.
nn. Haupt= und Fachprüfung der heſſiſchen
Finanz=
amts=Gehilfen. An der diesjährigen Haupt= und
Fach=
prüfung der heſſiſchen Finanzamts=Gehilfen haben 28
Kandidaten aus den Provinzen Starkenburg, Rheinheſſen
und Oberheſſen teilgenommen. Als Prüfungskommiſſäre
amtierten die Herren Oberfinanzrat Braun=Darmſtadt,
Finanzrat Nikolaus=Mainz und Finanzrat Stroh=
Darmſtadt. Von den 28 Kandidaten waren 2 während der
Prüfung zurückgetreten, 6 haben die Prüfung nicht
beſtan=
den und 20 Kandidaten, darunter einer mit der Note „ſehr
gut”, haben die ſehr umfangreiche Prüfung im
Finanz=
verwaltungsfach beſtanden. Die Fachprüfung für
die Kreisamtsgehilfen wird vorausſichtlich
Ende Januar im Prüfungslokal am Paradeplatz zu
Darmſtadt ſtattfinden.
* Die Zeichnung auf die Darmſtädter Stadtanleihe
iſt wegen ſtarker Ueberzeichnung alsbald nach der
Er=
öffnung wieder geſchloſſen worden.
* Die Ausſtellung der Staatsbauten im
Gewerbe=
muſeum iſt noch bis einſchließlich 18. dieſes Monats zu
beſichtigen.
* Ueber die Tätigkeit der Arbeitsnachweisſtelle im
ſtädtiſchen Hauſe Waldſtraße 6 und Grafenſtraße 30 (
Tele=
phon 371) werden für den Monat Dezember folgende
Zahlen mitgeteilt: 420 offene Stellen, 711 Arbeitſuchende,
230 Vermittelungen, darunter 40 Dienſtboten.
— Im 4. neuſprachlichen Vortrag redete Herr
Wright über Eecentric authors at the time of the
revolution‟. Obwohl der Engländer ſehr konſervativ
iſt, wurde er im 18. Jahrhundert doch ſtark von den
Enzy=
klopädiſten beeinflußt, und wenn ſich ſein proſaiſcher
Cha=
rakter mit revolutionären Ideen erfüllte, entſtand die
Geiſtesrichtung, die im Engliſchen „eccentrie” heißt. Als
erſten Vertreter lernte man Thomas Day kennen, der
Rouſſeauſche Grundſätze allzu getreulich in Wirklichkeit
umſetzen will. In Tom Paines Lebenslauf ſieht man,
wie ein Theoretiker, der ſeine Ideen verwirklichen will,
ſoweit kommen kann, ſeine Vaterlandsliebe zu vergeſſen.
Bekannter als dieſe beiden iſt Shelley. Schon auf der
Schule ein Träumer, der am liebſten chemiſche Verſuche
anſtellt, wird er in Orford, namentlich unter dem Einfluß
von Godwins Political Juſtice, zum Verbreiter
revolu=
tionärer Ideen. Der Grundzug bei ſeinem Tun, das die
Zeitgenoſſen meiſt verkannten, war Menſchenliebe. Der
Redner ſprach außerordentlich deutlich und klar, ſo daß es
ein Genuß war, ſeinen Ausführungen zu folgen.
* Krieger=Verein Darmſtadt. In ſeinem Vereinslokal,
der Turnhalle der Turngemeinde Darmſtadt, hielt der
Verein ſeine recht gut beſuchte Januar=Verſammlung ab.
Der 1. Vorſitzende eröffnete die Tagung, den Mitgliedern
aufrichtige Glück= und Segenswünſche zum begonnenen
neuen Jahre wünſchend. Einen Ausblick in das neue
Jahr werfend, teilte er mit, daß der Verein in dieſem
Jahre ſein 40jähriges Beſtehen feiern werde in
Verbin=
dung mit dem gleichalterigen Kameradſchaftlichen Krieger=
Verein und noch anderen hieſigen Haſſia=Vereinen. Nach
Verleſung des Protokolls der letzten Monatsverſammlung
berichtete der 1. Vorſitzende über die Tätigkeit des
Vor=
ſtandes im abgelaufenen Monat. Das Andenken der
ver=
ſtorbenen Kameraden ehrte die Verſammlung durch
Er=
heben von den Sitzen. Sodann ergriff Kamerad
Ober=
bürgermeiſter Schäfer das Wort, um in einem längeren
Vortrag über das Thema „Warum braucht Deutſchland
eine ſtarke Flotte” zu ſprechen. Den ſehr bedeutenden
Ueberſeehandel Deutſchlands mit dem der anderen
Groß=
mächte, ſowie die Flottenſtärken des Dreiverbandes mit
denjenigen des Dreibundes vergleichend, auch die im
Ernſtfalle bedingte Stellungnahme der in Frage
kommen=
den ſogen. neutralen Staaten beleuchtend, konnte die
Ver=
ſammlung mit dem Redner nur dahin einig gehen, daß
zur Erhaltung des Friedens und um gegneriſchen
An=
griffen entgegentreten zu können, der weitere Ausbau
einer ſtarken Flotte eine unbedingte Notwendigkeit ſei.
Der Vorſitzende ſprach im Namen der Verſammlung dem
Redner ſeinen Dank für den überaus lehrreichen Vortrag
aus. Nach erfolgter Bücherausgabe ſchloß der Vorſitzende
die Verſammlung.
* In der Freien Literariſch=Künſtleriſchen Geſellſchaft
wird Montag, den 12. Januar, abends 8 Uhr (
Mathilden=
höhſaal), Rudolf G. Binding eigene Dichtungen zur
Vorleſung bringen. Der Dichter lebt in der Frankfurt
am Main benachbarten Villenkolonie Buchſchlag, zu deren
Bürgermeiſter er unlängſt gewählt worden iſt. Er iſt
be=
kannt als geiſtvoller Feuilletoniſt, als Verfaſſer des
pracht=
vollen Novellenbandes „Die Geige” als feinſinniger
Nach=
dichter franzöſiſcher und italieniſcher Literatur, und jetzt
zu Weihnachten iſt von ihm ein ſtattlicher Gedichteband
in der hieſigen Ernſt Ludwig=Preſſe zu Druck gekommen,
der ganz köſtliche Gaben echter Poeſie enthält. — So wird
man dem Programm des Montagabends berechtigtes
Intereſſe entgegenbringen. Es enthält Stücke aus dem
„Triſtan” nach dem Franßöſiſchen, ein paar Legenden
aus den „Blümlein des Heiligen Franz” nach dem
Alt=
italieniſchen eine Ausleſe von Gedichten und die Novelle:
„Die Waffenbrüder”. Auch Nichtmitglieder
er=
halten Karten in A. Bergſträßers Hofbuchhandlung,
Rhein=
ſtraße 6. (Vergl. Anzeige im heutigen Anzeigenteil des
Blattes.)
* Im Ortsgewerbeverein ſpricht am Freitag, den 16.
ds. Mts., Herr Profeſſor Dr. Kollmann über „
Hand=
werk und Maſchine” eine für Handel= und
Gewerbe=
treibende ganz hochbedeutſame Frage. Nähere
Mit=
teilungen folgen demnächſt.
* Darmſtädter Schwimmklub Jung=Deutſchland. Am
18. Januar, nachmittags 4 Uhr, findet das
dieswinter=
liche und ſeit Begründung des Klubs zweite
öffent=
liche Schwimmfeſt im Hallenſchwimmbad
ſtatt Zahlreiche Schwimmer und Springer von Berlin,
Mainz. Frankfurt, Wiesbaden, Magdeburg haben bereits
ihr Erſcheinen zugeſagt, darunter Luber und Lang, zwei
deutſche Meiſter, und es ſteht zu erwarten, daß es zu
ſpannenden Kämpfen kommen wird. Die Glanzpunkte
werden der Kampf um den Wanderpokal Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs (Verteidiger Gymnaſial=
Schwimmverein Wiesbaden) und das Städte=
Waſſerball=
wettſpiel Wiesbaden=Darmſtadt (Sieger 1913:
Wies=
baden) bilden. Allen kräftigen Darmſtädter Jungen, die
dem ſo ſchönen Schwimmſport noch ferngeblieben ſind,
ſollten dieſe Wettkämpfe, in denen der junge Klub die
heſſiſchen Farben gegen eine altbewährte Mannſchaft des
nachbarlichen Preußen trägt, der Anlaß ſein, durch ihren
Beitritt neue Kräfte für ſpätere Sportfeſte zuzuführen
* Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen
Gym=
naſiums. Es ſei nochmals auf den Vortrag von Profeſſor
Bulle hingewieſen, der heute im Kaiſerſaal
ſtatt=
finden wird. (Näheres ſiehe Anz.)
* Stenographen=Vereinigung Gabelsberger. Zu dem
am 5. Januar begonnenen Lehrgang für
An=
fänger können Anmeldungen noch bis 12. Januar
ent=
gegengenommen werden. (Näheres ſiehe Anzeige.)
* Odenwaldklub, Ortsgruppe Darmſtadt. Die 10.
Wanderung führt am nächſten Sonntag von
Darm=
ſtadt nach Zwingenberg. Der Abmarſch erfolgt
um 8 Uhr von der Landskronſtraße. In Frankenhauſen,
auf der Kuralp und in Zwingenberg werden die
Klub=
genoſſen Schuchmann, Bormuth und Fuchs die
Wander=
ſchar freundlich aufnehmen. Die friſch aufſtrebende
Orts=
gruppe Zwingenberg hat einen fröhlichen Empfang
zu=
geſagt. Näheres über die Wanderung iſt Freitag abend im
Klublokal zu erfahren. Friſch auf!
* Karnevalgeſellſchaft Narrhalla. Das erſte große
Eröffnungskonzert der Karnevalgeſellſchaft Narchalla im
großen Saale des Städtiſchen Saalbaues wird, wie
be=
kanntlich alle Veranſtaltungen dieſer Geſellſchaft, in
ge=
wohnt großzügigem gediegenen Rahmen gehalten ſein
und einen fröhlichen Auftakt bilden zu den kommenden
Veranſtaltungen, die der Zahl nach, den allgemeinen
Zeit=
läuften Rechnung tragend, wohl beſchränkt werden, im
einzelnen aber deſto ſchöner und glanzvoller werden ſollen.
Wer alſo in dieſem Jahre des Heils die
Karnevalsfreu=
den bis zur Neige auskoſten will, der wird gut tun,
ſämt=
liche Veranſtaltungen der Narrhalla zu beſuchen.
Der darf aber auch ſchon das erſte Eröffnungskonzert nicht
verſäumen, um ſo weniger, als ihm dieſer Beſuch
Ge=
legenheit bietet, die größte Veranſtaltung des
Darm=
ſtädter Faſchings, den Maskenball am Faſtnachtsſamstag,
zu bedeutend ermäßigtem Preiſe zu beſuchen. Gegen
Vorzeigung ſeiner Karte zum Eröffnungskonzert erhält
nämlich jeder Maskenballbeſucher das Anrecht auf eine
Mitgliedskarte. Der dem Konzert folgende Tanz wird
dadurch von beſonderem Intereſſe ſein, daß er den
be=
rühmten Tango argentino, in muſterhafter Weiſe
getanzt, bringen wird. Das Konzert ſelbſt ſpielt die
Ka=
pelle Weber. Zu ihrem Lobe braucht kaum noch etwas
geſagt zu werden. (Siehe Anz.)
— Droſchken=Anruf Luiſenplatz Nr. 1770. Auf dem
Luiſenplatz neben der jetzigen Halteſtelle der
Pferdedroſch=
ken iſt nunmehr ein Fernſprechgehäuſe aufgeſtellt, neben
dem auch die Autodroſchken in Zukunft halten. Wer raſch
ein Auto oder eine Droſchke braucht, läßt ſich an ſeinem
Telephon verbinden mit dem Deoſchken=Anruf
Luiſen=
platz, der die Nummer 1770 führt. An dem
Telephon=
häuschen iſt eine ſtändige Wache, die den Auftrag
ent=
gegennimmt und das gewünſchte Fahrzeug (Pferde= oder
Autodroſchke) zu dem Beſteller ſchickt.
§ Einbruchsdiebſtahl. Mittwoch abend zwiſchen
9 und 12 Uhr iſt in einem Laden in der Ernſt=
Ludwig=
ſtraße ein Einbruchsdiebſtahl verübt worden. Die
Ein=
brecher haben eine Anzahl Waffen, Munition, Meſſer
und ſonſtige Gegenſtände im Werte von etwa 700 Mark
geſtohlen.
Strafkammer.
g. Der 23 Jahre alte Geſchäftsdiener Franz
Guthier von Kirchhauſen trat im November vorigen
Jahres in Salzburg in einem Gaſthofe in Stellung. Am
23. November öffnete er, wie er angibt, „vorſchriftsmäßig‟
die Kaſſe und entnahm ihr den Betrag von 609,88 Kronen,
außerdem erbrach er die Kaſſe des Automobilklubs und
erbeutete hier 197 Kronen. Unter Mitnahme eines
Segel=
tuchkoffers und eines Schirmes machte er ſich auf die
Heimreiſe. Das Geld verjubelte er in München und in
Frankfurt und wurde dann in der Nähe ſeines
Heimat=
ortes feſtgenommen. Die Strafkammer verurteilte den
Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis, abzüglich
zwei Monate der Unterſuchungshaft. — Der 33jährige
Schuhmacher Eugen Decker von Weißweiler trieb ſich
im Jahre 1911 hier in Darmſtadt herum und ſtahl bei
Gelegenheit in der Bleichſtraße von einem Wäſchewagen
ein Paket Wäſche, das er dem ihm begegnenden 28jährigen
Taglöhner Jakob Schmidt von Zotzenbach zum Tragen
gab. Letzterer gab ihm an, wo er die Wäſche verkaufen
könne. In zwei Trödlern der Schloßgaſſe fanden ſie
Ab=
nehmer des Diebesgutes. Schmidt erhielt von dem Erlös
50 Pfg. Decker hat ſich weiter einer Urkundenfälſchung
und eines verſuchten Betrugs dadurch ſchuldig gemacht, daß
er den Vertrag über den Kauf eines Fahrrades mit einem
falſchen Namen unterſchrieb. Auf Grund dieſes Vertrages
hätte er ein Fahrrad erhalten, wenn er eine bare
Anzah=
lung geleiſtet hätte. Darum war es ihm jedoch nicht zu
tun, ſondern er verſuchte, ſich auf den Vertrag hin von
einem Wirt 20 Mark geben zu laſſen. Er ſpiegelte ihm
vor, er bekäme das Fahrrad, wenn er ihm 20 Mark gäbe.
Das Gericht verurteilte Decker zu drei Monaten
Gefängnis und Schmidt wegen Hehlerei zu drei
Wochen Gefängnis.
Der 28jährige vielfach vorbeſtrafte Taglöhner
Michael Schröbel von Ober=Klingen war in
Groß=Zimmern bei einem Mühlenbeſitzer tätig und
erhielt am 8. November von einem Landwirt in Klein=
Zimmern einen Sack Korn im Werte von 16 Mark zum
Transport in die Mühle. Dieſen Sack lieferte er jedoch
nicht ab, ſondern verkaufte ihn für 5 Mark. Am 23. Nov.
ſtieg er in der Frühe in den Hühnerſtall des Gaſtwirts
Pullmann und nahm drei Hühner im Werte von 9 Mark
mit. Er wurde verhaftet, als er in Darmſtadt verſuchte,
die Tiere zu verkaufen. Er wurde wegen Unterſchlagung
und Diebſtahls zu drei Monaten zwei Wochen
Gefängnis, abzüglich ſechs Wochen der Unterſuchungshaft,
verurteilt. — Am 12. Oktober kam es in der Weißſchen
Wirtſchaft in Bensheim zu einem Renkontre zwiſchen dem
39jährigen Taglöhner Friedrich Kalkbrenner und
anderen Gäſten wegen der an Kalkbrenner gerichteten
Frage, ob er organiſiert ſei. Als nun K. ſeine Zeche
be=
zahlen wollte, gab es mit dem Wirt eine Differenz, die
ſofort beigelegt werden konnte. Nun ging jedoch die
Sti=
chelei weiter, denn dem K, wurde vorgeworfen, er habe den
Wirt betrügen wollen. Als ſich der 21jährige Schneider
Pfeiffer hinaus begab ging Kalkbrenner hinterher und
verſetzte ihm einen Meſſerſtich in den Kopf. Das
Schöffen=
gericht hatte den Angeklagten zu ſechs Monaten
Ge=
fängnis verurteilt. Kalkbrenner legte gegen dieſes
Urteil Berufung ein; er bezweckte Herabſetzung der Strafe.
Auch die Amtsanwaltſchaft hatte Berufung eingelegt. Die
Strafkammer verwarf beide Berufungen.
Kriegsgericht.
g. Eine längere Verhandlung des Kriegsgerichts
be=
traf eine Anklage wegen gemeinſchaftlicher
Kör=
perverletzung gegen den aus dem Elſaß
ſtammen=
den Dragoner Nikolaus Bürell vom Dragoner=
Regi=
ment Nr. 24 und den Dragoner Paul Vogel aus
Wil=
lau (Kreis Zwickau) von demſelben Regiment. Es wurde
ihnen zur Laſt gelegt, die Rekruten mißhandelt zu haben,
indem ſie nächtlicherweile als Klopfgeiſter auftraten.
Die Rekruten der Stube 22 fanden am 5. November bei
der Rückkehr von einem Spaziergang ihre Lampe
zerſchla=
gen vor. Der im dritten Jahre dienende Angeklagte Bürell
hatte dies geſehen und fiel nun über den Rekruten Löſſer
her, warf ihn an die Wand und warf ihm einen Schemel
in den Rücken mit dem Ausruf: „Was, ihr Hammel, wir
ſollen die Lampe zerſchlagen haben!” Als nun die
Rekru=
ten zu Bett gegangen waren, erſchienen die Klopfgeiſter
nachdem ſie vorſichtshalber die Flurlampe ebenfalls
aus=
gelöſcht hatten. Die alten Leute waren mit Schemelbei=
nen, Klopfpeitſchen und ähnlichen Inſtrumenten
bewaff=
net. Die den Rekruten zugefügten Verletzungen waren
teils ſehr ſchwerer Natur. Der Rekrut Kratzert hatte von
Bürell einen Schlag ins linke Auge erhalten, wodurch er
auf dieſem Auge das halbe Sehvermögen einbüßte. Es
konnten leider nur die beiden Angeklagten ermittelt
wer=
den. Die 16 vernommenen Rekruten ſind ſehr ängſtlich
in ihren Ausſagen, zwei wollen von dem nächtlichen Spuk
überhaupt nichts gehört haben, ſo daß ſie nicht vereidigt
werden. Das Gericht ſah die gemeinſchaftliche
Körperver=
letzung nicht als erwieſen an und erkannte deshalb auf
Freiſprechung. Wegen des Wurfes in den Rücken mit dem
Schemel wird Bürell zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt.
Der beim Dragoner=Regiment Nr. 24 dienende Sattler
Johann Heinrich Kaſpar von Darmſtadt iſt wiederholt
diſziplinariſch beſtraft wegen Urlaubsüberſchreitung und
unerlaubter Entfernung. Auch am Silveſterabend konnte
er den Urlaub nicht einhalten und überſchritt die Zeit um
zwei Stunden. Am 2. Januar blieb er jedoch länger
als einen Tag fort. Er hatte, wie er angibt, ſtets große
Sehnſucht nach ſeinen Eltern, die in Eberſtadt wohnen.
Das Gericht erkannte wegen zwei unerlaubten
Entfernun=
gen auf 2 Monate Gefängnis und Verſetzung in
die zweite Klaſſe des Soldatenſtandes. — Der Musketier
vom Infanterie=Regiment Nr. 168 in Offenbach Jakob
Möſinger aus Stockſtadt a. Rh., der Burſche eines
Leutnants war, hatte einen Auftrag ſeines Leutnants nicht
ausgeführt. Später ging er, von Reue getrieben, in die
Wohnung ſeines Leutnants, um ſich zu melden. Dabei ſah
er den Schreibtiſch offen ſtehen. Dieſem entnahm er 20 M.,
um jedoch ſpäter wieder 10 Mark zurückzulegen. Das
Kriegsgericht, vor dem ſich Möſinger deshalb zu
verant=
worten hatte, verurteilte ihn wegen Nichtausführung eines
Befehls und Diebſtahls zu 24 Tagen ſtrengem
Arreſt und Verſetzung in die zweite Klaſſe des
Solda=
tenſtandes.
Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im
Nach=
ſtehenden Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
— Darmſtädter
Kammermuſikvereini=
gung (de Haan, Schmidt, Raſche, Sprenger, Andrege). Es
ſei nochmals auf die am Sonntag, den 11. ds.,
ſtattfin=
dende Schubert=Matinee aufmerkſam gemacht, deren
Pro=
gramm wieder Großes verſpricht. Das neu
zuſammen=
getretene Streichquartett, das ſich in der erſten Matinee
gewiß aufs vorteilhafteſte eingeführt hat, wird die Reihe
mit dem A-moll=Quartett eröffnen und die Stimmung
für die folgenden Lieder vorbereiten, zu deren
Wieder=
gabe ſich Frau Sophie Schmidt=Illing in
liebenswürdi=
ger Weiſe bereit erklärt hat. Den Beſchluß bildet das
einzig ſchöne „Forellen=Quintett” für deſſen Ausführung
die Vereinigung den erſten Kontrabaſſiſten des
Hof=
orcheſters, Herrn Kammermuſiker Müller, zugezogen hat.
Der Beginn der Veranſtaltung, der aus den Plakaten nicht
erſichtlich iſt, iſt, wie immer, auf 11 ¼ Uhr feſtgeſetzt.
* Reſidenztheater am Weißen Turm.
Es=
wird an dieſer Stelle nochmals darauf aufmerkſam gemacht,
daß das Luſtſpiel „Die Tangokönigin” mit H. Weiſe nur
heute noch gezeigt wird. Der Film mit der Film=
Prima=
donna Aſta Nielſen wird nur einmal, und zwar nachm. 5½.
Uhr, vorgeführt. Morgen kommt die Löſung der
vie=
len Fragen: „Woiſt die blaue Maus?‟. Die blaue
Maus iſt ein Luſtſpiel in vier Akten von Alex. Engel und
Jul. Horſt. In der Titelrolle Madge Leſſing, welche
ſei=
nerzeit ſchon im „Coletti” ſo rieſig gefallen hat. Der luſtige
Inhalt des Schwankes kommt in der Darſtellung durch
die Kinekunſt zur vollen Wirkung. Wer einmal von Herzen
lachen will, verſäume nicht, ſich dieſen Film anzuſehen.
(Siehe Anzeige.)
=gs. Arheilgen, 8. Jan. (Selbſtmordverſuch.)
Geſtern abend ſprang ein 18jähriges Mädchen aus dem
Fenſter ihrer Wohnung und erlitt einen Oberſchenkel= und
Naſenbeinbruch. Sie wurde durch die Rettungswache in
das Städtiſche Krankenhaus nach Darmſtadt gebracht.
* Wixhauſen, 8. Jan. (Prämiierter
Geflügel=
züchter.) Bei der Allgemeinen Ausſtellung für
Geflü=
gelzucht in Heilbronn erhielt Peter Dietz II. folgende
Auszeichnungen: Die ſilberne Klubmedaille des Deutſchen
Raſſegeflügelzüchterklubs, vier Ehrenpreiſe, zwei 1., zwei
2. und einen 3. Preis.
W Gernsheim, 8. Jan. (Feuer.) Heute nacht um
3 Uhr ertönte Feuerlärm. Es brannte in dem Anweſen
der Frau Witwe Wenzel in der Ludwigſtraße, und zwar
brannten das zweiſtöckige Wohnhaus und die Scheuer
voll=
ſtändig nieder. Der raſch zur Stelle gerufenen
Feuer=
wehr gelang es, die Nachbarhäuſer, von welchen das
Wohnhaus des Herrn Allendörfer ebenfalls ſchon Feuer
gefangen hatte, zu ſchützen. Das Vieh konnte nach
be=
endetem Brande unbeſchädigt aus dem Stalle herausgeholt
werden. Beſondere Schwierigkeiten veranlaßte das
Her=
beifahren von Waſſer, da Gernsheim eine der wenigen
Gemeinden iſt, welche leider immer noch ohne
Waſſer=
leitung ſind.
M. Stockſtadt, 8. Jan. (Unfall.) Einen
bedauer=
lichen, recht ſchweren Unfall erlitt der
Bauers=
mann G. Müller von hier. Derſelbe war in der Nähe
der Bahn mit Ackern eines Feldes beſchäftigt. Durch den
Eilgüterzug ſcheu geworden, raſte das junge Pferd über dier
Aecker. Dabei kam der Bauersmann zu Fall und direkt
vor die ſcharfe Pflugſchar zu liegen und
wurde in dieſer gefährlichen Lage eine große Strecke
ge=
ſchleift. Dabei riß ihm die Pflugſchar das ganze rechte
Bein etwa 40 Zentimeter weit auf. Mittelſt Wagen wurde
der Verunglückte nach Hauſe geſchafft, woſelbſt ihm Herr
Dr. Barth aus Goddelau und die hieſige Krankenſchweſter
die erſte Hilfe angedeihen ließen.
Offenbach, 8. Jan. (Weiterbau der
Bahn=
linie Offen bach-Dietzenbach.) Seit Eröffnung
der Nebenbahn Offenbach-Dietzenbach ſind nunmehr 15
Jahre verfloſſen. Da der Perſonen= und Güterverkehr ein
recht lebhafter war, hat ſich die Strecke als rentabel
erwie=
ſen. Die Weiterführung nach Darmſtadt ſoll jetzt
bean=
tragt werden in einer demnächſt ſtattfindenden
Verſamm=
lung. — (Racheakt.) Die Vermutung, daß bei dem
Brand der Feuerbachſchen Scheune am vergangenen
Sonn=
tag Obdachloſe, die darin genächtigt haben, ums Leben
gekommen ſind, hat ſich nicht beſtätigt. Das Abſuchen der
Brandſtätte hat nach dieſer Richtung hin auch nicht den
geringſten Anhaltspunkt ergeben. Ebenſo haben die
poli=
zeilichen Ermittelungen nach dem vermutlichen Brandſtifter
zu keinem beſtimmten Ergebnis geführt. Es liegt ohne
Zweifel ein Racheakt vor.
Groß=Steinheim. 8. Jan. (Die
Bürgermeiſter=
wahl.) Die Beſtätigung des im November
gewähl=
ten Bürgermeiſters Jean Buſch iſt bisher noch nicht
erfolgt. A Grund der Verzögerung glaubt man, die
Verhandlungen wegen Beſetzung der
Krankenhausverwal=
terſtelle annehmen zu dürfen, die ſeither ſtets der jeweilige
Bürgermeiſter inne hatte und zu der ſich jetzt noch andere
Bewerber gemeldet haben.
Heppenheim a. d. B., 8. Jan. (Die Finanzlage
Heppenheims.) Aus der letztjährigen Rechnung iſt
erſichtlich, daß die Stadt eine Einnahme von 431399 Mark
hatte, denen eine Ausgabe von 393955 Mark
gegenüber=
ſteht, ſo daß ein Ueberſchuß von 37455 Mk. vorhanden iſt.
Erbach, 8. Jan. (Einlegung eines
Eilzug=
paares Darmſtadt-Eberbach.) An den Fürſten
zu Erbach=Schönberg, der ſich in der Angelegenheit in
dan=
kenswerter Weiſe perſönlich in Berlin bemüht hat, iſt jetzt
ein Schreiben des Eiſenbahnminiſters eingelaufen, wonach
„die Einlegung eines Eilzugpaares ſich vorausſichtlich im
Laufe des Jahres 1914 ermöglichen laſſen wird‟.
Es=
würde damit ein langgehegter Wunſch unſerer Bevölkerung
endlich zur Verwirklichung kommen und die Anſtrengungen
der beteiligten Herren, an der Spitze Seine Durchlaucht
der Fürſt zu Erbach=Schönberg, hätten endlich den
wohl=
verdienten Lohn gefunden. (Kreisbl.)
Wald=Michelbach, 8. Jan. (Neuer Schnee.) Geſtern
und vorgeſtern iſt der Schnee in hieſiger Gegend durch das
Tauwetter ſehr zurückgegangen. In letzter Nacht hat es
aber wieder recht gefroren und neuer Schnee iſt gefallen.
An Plätzen für den Schneeſport ſind zu nennen die Tromm,
ſowie die nächſte Umgebung von Wald=Michelbach.
Mainz, 8. Jan. (Beleidigungsprozeß.) Am
30. Juni vor. Js. wurde der Redakteur Karl Meisner
aus Frankfurt a. M., der damals am Rheinh. Beobachter
in Ober=Ingelheim tätig war, und der Redakteur vom
Anzeigenteil Greif, wegen ſchwerer Beleidigung des
Kon=
kurrenten des Beobachters, Buchdruckereibeſitzer E. und
deſſen Tochter, ſowie des Waiſenhausinſpektorehepaares
M. von Ingelheim, verübt in der Faſchingsnummer 14
vom 5. Februar 1913, von der Mainzer Strafkammer
ver=
urteilt; Meisner erhielt zwei und Greif einen Monat
Ge=
fängnis; außerdem wurde Meisner wegen drei weiteren
Fällen zu je 50 Mark, Greif zu je 25 Mark Geldſtrafe
ver=
urteilt. und wegen der verſchiedenen Preßdelikte wurde auf
je 20 Mark Geldſtrafe erkannt. Dagegen hatten die Beiden
Reviſion beim Reichsgericht eingelegt. Die
Reviſion wurde verworfen. Nur wegen des
Preß=
deliktes bei Meisner, da auf zwei beſondere Geldſtrafen
erkannt worden war, wurde dieſer Strafausſpruch
auf=
gehoben und an die Vorinſtanz zurückgewieſen. Meisner
war heute nicht erſchienen. Es mußte wegen des
Preß=
deliktes das Verfahren eingeſtellt werden.
Nierſtein, 8. Jan. (Ein Opfer ſeines Berufs.)
iſt Jak. Geſſert II. geworden. Bei Vornahme von
Sprengarbeiten erlitt er ſehr ſchwere Verletzungen
und mußte nach Mainz ins Krankenhaus gebracht werden.
An den Folgen dieſer ſchweren Verletzungen iſt jetzt
Geſ=
ſert im Krankenhaus geſtorben.
Aus Rheinheſſen, 8. Jan. (Unangenehme
Fol=
gen des Verſagens der elektriſchen
Be=
leuchtung.) Recht unangenehme Folgen können für
das Elektrizitätswerk Rheinheſſen die in letzter Zeit
wie=
der öfter vorgekommenen Störungen haben. So war
die=
ſer Tage eine Frau in Dienheim mit Melken im Stall
beſchäftigt, als plötzlich das Licht ausging. Die Kuh
ſcheute, und nur dem raſchen Hinzuſpringen der zufällig
auch im Stall anweſenden Tochter hatte ſie es zu
verdan=
ken, daß ſie von der wildgewordenen Kuh nicht totgetreten
wurde. Das häufige Verſagen wird darauf zurückgeführt,
ddaß entlaſſene Monteure durch aufgeworfenen Draht die
Leitung unterbrechen, um die Geſellſchaft zu ſchädigen.
Damit die Täter gefaßt werden können hat die Geſellſchaft
größere Beträge für entſprechende Mitteilungen
ausge=
ſſchrieben.
Laubach, 8. Jan. (Von Wegelagerern
ange=
fallen.) Ein Fuhrwerk der Wollſpinnerei Walkmühle
bei Lauter wurde zwiſchen Falltorhaus und Jägerhaus
von einem Wegelagerer angefallen. Der Kutſcher hatte bei
der Einkehr auf dem Falltorhaus beim Bezahlen ſeiner
Zeche einen Fünfzigmarkſchein wechſeln laſſen, was
jeden=
falls von dem im Wirtszimmer anweſenden
Handwerks=
burſchen bemerkt worden war. Noch vor Abfahrt des
Fuhrwerks war dieſer verſchwunden. Auf der Straße
zwiſchen Falltor= und Jägerhaus ſprang er plötzlich auf
den Wagen und bedrohte den Kutſcher; dieſem gelang es
aber, ihn vom Wagen herunterzuſtoßen und davon zu
fah=
ren. Der Burſche gab noch mehrere Schüſſe auf den Wagen
ab, die aber fehlgingen.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 7. Jan. Ludwig
Hoff=
manns Pläne für das neue Opernhaus, die nach
den erſten, dem Kaiſer vorgelegten Skizzen unter
Mitwir=
kung einer Reihe von Architekten zeichneriſch ausgearbeitet
rverden, ſollen bis zum 15. d. M. fertiggeſtellt werden,
da=
mit die Entwürfe den beteiligten Miniſtern und dem
Ab=
geordnetenhaus rechtzeitig zugehen können. Im
Abgeord=
metenhaus, das die erſte Leſung des Etats wahrſcheinlich
am nächſten Montag beginnen wird, dürften die
Hoffmann=
ſſchen Opernhauspläne erſt der Budgetkommiſſion vorgelegt
werden, wenn dieſe den Bauetat behandelt. — Wegen
Vergehen gegen das Geſetz über Verrat
militäriſcher Geheimniſſe waren die
Handels=
ſchülerin Anyſas=Riga, der Filmſchauſpieler Kiehn und das
Stubenmädchen Finck=Charlottenburg angeklagt. Die
Ver=
handlung und auch die Urteilsbegründung fanden unter
Ausſchluß der Oeffentlichkeit ſtatt. Die Anyſas und Kiehn
wurden zu je einem Jahr Gefängnis unter Anrechnung
von je drei Monaten Unterſuchungshaft, die Finck zu zwei
Monaten Gefängnis, die als verbüßt erachtet wurden,
ver=
urteilt. — In der in der Gerichtsſtraße untergebrachten
Melde= und Zahlſtelle der Berliner Allgemeinen
Ortskranken kaſſe kam es in den geſtrigen
Vormit=
tagsſtunden zu heftigen und ſogar tumultuariſchen
Auf=
tritten. Der Andrang des Publikums zu den
Neuanmel=
dungen hatte gegen 11 Uhr einen derartigen Umfang
an=
genommen, daß die Schalterräume geſperrt werden
muß=
ten. Eine große Anzahl von Frauen wurde durch das
ſtundenlange Warten ohnmächtig. In den Schalterräumen
ſelbſt nahm das Gedränge lebensgefährliche Formen an.
Die an den Schaltern befindlichen Perſonen wurden direkt
in die Schalterfenſter hineingepreßt, ſo daß dieſe in
Trüm=
mer gingen. Die Polizei legte ſich ins Mittel. Das
Publi=
kum wurde im ſpäteren Laufe des Tages nur noch
trupp=
weiſe eingelaſſen.
8. Jan. Der ſeit Anfang Dezember flüchtige Direktor
Dr. Seeger der Berliniſchen
Lebensverſicherungsgeſell=
ſchaft hat ſich ſelbſt der Polizei geſtellt. Er
be=
findet ſich bereits im Unterſuchungsgefängnis Moabit.
Frankfurt, 8. Jan. (Mord.) Heute morgen
er=
ſchoß der in der Höhenſtraße 40 wohnhafte 28jährige
Rudolf Kleinſchrot aus Neckarſulm die 29 Jahre alte
Ehe=
frau ſeines Logisherrn, des Kutſchers Epple, mit der er,
wie aus einem von ihm hinterlaſſenen Briefe an den
Ehe=
mann hervorgeht, ein Liebesverhältnis angeknüpft batte.
Er drang heute früh, während Frau Epple noch ſchlief, in
ihr Zimmer ein und tötete ſie durch zwei Schüſſe in die
Alinke Schläfe und die Herzgegend. Hierauf brachte er ſich
ſelbſt einen Schuß in die rechte Schläfe bei und verletzte ſich
tödlich. Nachbarn, denen das lange Geſchloſſenſein der
Wohnung auffiel, verſtändigten die Polizei, und dieſe fand
den Kleinſchrot auf dem Boden liegend, die Frau im Bett
tot vor. Die ſtaatsanwaltſchaftliche Unterſuchung iſt
ein=
geleitet.
Mannheim, 7. Jan. (Der nervöſe
Hofkapell=
meiſter.) Der erſte Kapellmeiſter des hieſigen
Hofthe=
aters Arthur Bodanſky hatte gegen den
Muſikreferen=
ten der hieſigen Volksſtimme Dr. Egel Klage erhoben, weil
er bei Beſprechung eines Konzerts, in dem Bodanſky
wegen Unruhe des Publikums abgeklopft hatte, ihm
vor=
warf, er habe taktlos gehandelt. Vom Amtsgericht wurde
geſtern die Klage des Hofkapellmeiſters Bodanſky
koſten=
pflichtig abgewieſen mit der Begründung, daß Dr. Egel
in Wahrung berechtigter Intereſſen gehandelt habe.
München, 8. Jan. (Erfroren.) Der Beſitzer
Rei=
cher von Neuenberg (Oberbayern) iſt beim Holzfahren mit
ſeinem Fuhrwerk in eine Schneemulde geraten und mit
ſeinem Kinde, ſowie den zwei Pferden erfroren.
Oberneubrunn (Thüringen), 8. Jan. (Brand.)
Hier iſt das Hohmannſche Sägewerk
niederge=
brannt. Drei der in dem Gebäude wohnenden Arbeiter
wurden von dem Feuer im Schlafe überraſcht und
ſpran=
gen aus dem Fenſter. Sie erlitten ſchwere Verletzungen.
Dresden, 8. Jan. (Stiftung.) Der ſeinerzeit bei
dem Eiſenbahnunglück in Dänemark umgekommene
Fabrik=
beſitzer Wellner aus Dresden hat ſeiner Vaterſtadt Plauen
die Summe von 100000 Mark vermacht, die unbemittelten
älteren Plauener Bürgern zugute kommen ſoll.
Wien, 8. Jan. (Brandunglück.) In den
Räu=
men der Filmfabrik Gaumont in der
Mariahilfer=
ſtraße explodierte heute vormittag infolge
Unvorſich=
tigkeit einer Arbeiterin, die Films mit Benzin reinigte,
eine Anzahl Films. Die Flammen verbreiteten ſich mit
raſender Geſchwindigkeit. Zwei Beamtinnen ſind
ver=
brannt; zwei Perſonen wurden ſchwer verletzt, eine
Per=
ſon wird vermißt. Nach zweiſtündigen Löſcharbeiten
wurde das Feuer auf ſeinen Herd beſchränkt.
Brüſſel, 8. Jan. (Prinz Eitel Friedrich), ber
ſich ſeit Montag inkognito hier aufhält, und bei dem
Her=
zog von Arenberg abgeſtiegen iſt, wird nach einer
Blätter=
meldung Gaſt des belgiſchen Königspaares ſein.
Orleans, 7. Jan. (15 Jahre in einer
Hunde=
hütte angekettet.) Dem Matin wird gemeldet daß
in dem ſieben Kilometer von der Stadt entfernten Dorfe
Olivet ein ſchweres Verbrechen entdeckt wurde.
Dort iſt in einem Bauernhofe ein älteres Mädchen
auf=
gefunden worden, das ſeit 15 Jahren von ſeiner
Stiefmut=
ter und ſeinem Stiefbruder in einer Art Hundehütte
ein=
gekerkert und an Ketten angeſchloſſen war. Als
Nahrung bekam es nur Küchenabfälle und gegen die
Un=
bilden der Witterung hatte es nichts als ein Decke. Sonſt
war es nackt. Die entmenſchten Verwandten ſperrten das
arme Mädchen ein, weil dieſes von ſeinem Vater 15000
Francs geerbt hatte, in deren Beſitz ſich Stiefmutter und
Stiefbruder ſetzen wollten, Zufällig hörte ein
Geſchäfts=
reiſender, der in Abweſenheit der beiden den Bauernhof
betrat, das Wimmern der Unglücklichen und entdeckte ſie in
der Hundehütte, worauf er dem Gemeindewächter davon
Mitteilung machte. Der legte ſich in der nächſten Nacht
auf die Lauer und machte die gleiche Beobachtung. Er
ver=
haftete dann Mutter und Sohn und befreite das Mädchen,
das ſich in einem erbarmungswürdigen Zuſtand befand,
aus ſeinem Kerker. Die Verhafteten legten bereits ein
Geſtändnis ab mit der Erklärung, ſie hätten gehofft,
daß das Mädchen in der elenden Behauſung bei der
küm=
merlichen Nahrung und der ungenügenden Bekleidung
eines natürlichen Todes ſterben würde.
Stilſtrömungen in der Kunſt des
13., 14. und 15. Jahrhunderts.
Vortragszyklus im Volksbildungsverein
I.
St. Im Hörſaal 326 der Techniſchen Hochſchule
er=
öffnete geſtern abend Herr Profeſſor Dr. Pinder auf
Veranlaſſung des „Vereins für Verbreitung von
Volks=
bildung” einen auf drei Abende berechneten
Vortrags=
zyklus. Der Saal war überfüllt. Die Vorträge ſollen
Ergänzungen bilden zu den Ausführungen des Herrn
Profeſſors Dr. A. E. Berger im vergangenen Jahre übet
„Kulturgeſchichte des Mittelalters‟. Die Stilwandlung in
drei Jahrhunderten ſoll an Beiſpielen aus der deutſchen
Plaſtik erläutert werden, mit wenigen Seitenblicken auf
Baukunſt und Malerei.
Der erſte Vortrag behandelt den Stilcharakter
des 13. Jahrhunderts und bewegte ſich etwa in
folgendem Gedankengange: Trotz des bedingten
Zuſam=
menhanges mit den Vortragszyklen über die Kulturge
ſchichte haben die heutigen Vorträge eine innere
Unabhän=
gigkeit, ſind ſie von der Kulturgeſchichte gewiſſermaßen ganz
zu trennen. Die Stilſtrömung bedeutet eine Bewegung für
ſich. Die Belege für das Auszuführende ſind der
deut=
ſchen Kunſt entnommen, weil es abſolut unnötig iſt, hier
auf außerdeutſche Kunſt zurückzugreifen, und weil die
Kenntnis der deutſchen Kunſt für uns naturgemäß
dop=
pelter Gewinn iſt. Zum Teil ſtammen wir ja noch ab
von den Menſchen, die die alte deutſche Kunſt und Kultur
geſchaffen haben, doch ſind wir ſpätere Menſchen, derer
Anſchauung ſich doch weſentlich anders entwickelt hat.
Jene anderen Menſchen haben etwas anderes gewollt, als
wir heute wollen. In der künſtleriſchen Entwicklung
han=
delt es ſich niemals um ein Fortſchreiten der Erkennung
der Naturwahrheit. Die italieniſche Renaiſſance, die
An=
tike ſelbſt ſind Beweis dafür. Es iſt unter allen Um
ſtänden zu beſtreiten, daß das höchſte Können der Kunſ
darin zu ſuchen iſt, etwa den menſchlichen Körper möglichſt
naturwahr, in möglichſt anatomiſcher Treue darzuſtellen.
Wolle man dieſe Forderung erheben, fällt damit eine
un=
geheure Menge Kunſt, beſonders der Plaſtik, wie der
ägyp=
tiſchen, japaniſchen und mittelalterlichen. Die ganze
mit=
telalterliche Plaſtik iſt keine Standbildkunſt. Unbeſtritten
iſt, daß die Kirche von durchaus maßgebendem Einſluß
auf die Entwicklung der Kunſt des 13. Jahrhunderts
ward. Daß die Gothik eine Laienkunſt, eine Volkskunſt
war, iſt total falſch, obwohl es auch heute noch behaupter
wird. Dieſe Kunſt iſt durchaus unbürgerlich. Wohl aber
lieferten die Ritter vermöge ihrer geiſtigen Bildung und
auf ſportlicher Grundlage beruhenden Körperkultur etwas
ähnliches wie die durchgebildeten Menſchen der griechiſchen
Kultur. Die „Bauhütten” (deren heutigen Reſte die
Frei=
maurerlogen ſind), deren Arbeitsart Gleichgewicht
und Gemeinſchaft zwiſchen Architektur und Plaſtik
war, die von großem Einfluß auf die
Kunſtent=
wicklung waren und in denen keineswegs nur die
Künſtler des betreffenden Landes tätig waren, ſchufen die
Plaſtik in der Kathedralbaukunſt. Dieſe Kunſt ging
keineswegs auf eine möglichſt naturtreue Darſtellung aus,
wie die Kathedralen und ihr bildneriſcher Schmuck
be=
weiſen, ſondern vielmehr auf die Verherrlichung, die
Ver=
jüngung der Darzuſtellenden. Hierin liegt eine
Verwandt=
ſchaft mit der Antike: Völlig getrennt behandelt dieſe
Kunſt die Darſtellung des menſchlichen Körpers und die
Gewandung. Die ganze große Kunſt war eine
Kathe=
dralenkunſt. Nur in Deutſchland gingen ihr gewiſſe
bild=
haueriſche, bildneriſche Kunſtbeſtrebungen voraus. Das
Halberſtädter Kruzifix führte der Vortragende als
Muſter=
beiſpiel hierzu vor. Es zeugt ſchon deutlich von einem
Streben, den inneren Ausdruck feſtzuhalten. In der
deut=
ſchen Kunſt erwuchs ein ungeheuer kraftvolles
zeichneri=
ſches Können und Ausdrucksvermögen, mit dem die
Ent=
wicklung einer höchſtkünſtleriſchen Formengebung Hand in
Hand ging. Trotz bedeutend fortſchreitender Kenntnis und
Erkenntnis der Natur und des Naturſehens entfernte man
ſich, um eben Kunſt zu ſchaffen, von dem natürlichen
Ein=
druck. Der in vielen Plaſtiken wundervoll komponierte
Faltenwurf beweiſt das deutlich. Beſonders ausgeprägt
betonte die ſächſiſche Kunſt jener Zeit das Typiſche einer
heute auch von franzöſiſchen Forſchern anerkannten
deut=
ſchen Kunſt. Das plaſtiſche Ideal blieb die jugendliche
Schönheit, zu deren Ausdruck ſich in der deutſchen Kunſt
die urwüchſige Kraft geſellte, im Gegenſatz zu der
fran=
zöſiſchen, in deren Werken eine höfiſche Feinheit, oft nicht
frei von Süße, Triumphe feierte. Obwohl faſt alle
kirch=
lichen Plaſtiken jener Zeit in Gewändern dargeſtellt ſind
und gerade der Faltenwurf, wie ſchon geſagt, die
unge=
mein feine Linienführung in dieſem und die Kompoſition
der reich fließenden Gewänder um den Körper die
Meiſter=
ſchaft der deutſchen Künſtler belegen, prägt ſich deutlich
die Entfaltung blühender Körperlichkeit aus, und klar ſind
Körperformen und Gewand in der Statue unterſchieden.
Hier tritt deutlich eine innere Verwandtſchaft mit der
Antike zutage, und die Meiſter des 13. Jahrhunderts
ſchu=
fen die erſte der Antike ebenbürtige Plaſtik. Zu ganz
wunderbaren Schöpfungen führte das
Hintereinander=
ſtellen künſtleriſcher Formen, wie es z. B. in der „
Syna=
goge” der weiblichen Figur mit verbundenen Augen und
dem zerbrochenen Stab, im Gegenſatz zur jubilierenden
Kirche dargeſtellt iſt. Mit ſtaunenswerter Meiſterſchaft
iſt hier das dünne, ſchleierartige Tuch, das die Augen
verſchließt, aus dem Stein herausgearbeitet, ſo daß die
Formen der Augen und Stirn noch zutage treten
Eingehender behandelte der Vortragende dann das
Verhältnis der deutſchen Kunſt zu der der anderen
Län=
der. Dabei kommt er an Hand überzeugender Beiſpiele
zu dem Schluſſe, daß z. B. Italiens Kunſt im Rückſtand
blieb gegen die nordiſche, während ſich vielfach enge
Be=
ziehungen zu Frankreich nachweiſen laſſen. So zwar, daß
an vielen berühmten Werken franzöſiſcher
Kathedralen=
plaſtik die Künſtlerhand deutſcher Meiſter heute
nachge=
wieſen iſt. Intereſſante Beiſpiele aus der Mitte des
Jahrhunderts im Dom zu Bamberg, deſſen Vorbilder ſich
in Reims nachweiſen laſſen, die aber doch ein durchaus
eigenes kraftvolles Kunſtſchaffen verraten, belegen das.
Während die franzöſiſche Monumentalfigur zum Teil mit
und aus der Gewänderfigur entwickelt wurde, entſtand
die deutſche mehr aus der beweglichen Kunſt, bedingt durch
die Bedeutung der Metall= und Kleinkunſt in
Deutſch=
land. Die deutſchen Meiſter kamen zu einer ſcharfen
Kon=
traſtierung innerhalb der Figuren und deren Gewandung,
gleichwie ſie Michel Angelos Werke aufweiſen, was zu
ganz überraſchender kraftvoller Wirkung führte, zu einer
fabelhaften Klarheit des künſtleriſchen Ausdrucks, mit der
wunderbare Feinheiten im einzelnen (Gewandung.
Hände uſw.) Hand in Hand gingen. In dieſer
abſicht=
lichen Kunſtſtilgebung iſt keineswegs eine Primitivität der
Anſchauung oder gar des Könnens gegeben. Im
Gegen=
teil, die Künſtler, die dieſe Plaſtiken ſchufen, konnten
ein=
fach alles. Wie ſie es ſchufen, diktierte der Ausdruck
ihres künſtleriſchen Wollens. Eine große Aehnlichkeit
ſpiegelt ſich wieder zwiſchen dem 5. Jahrhundert, der
grie=
chiſchen Kunſt, und dem 13., der nordiſchen Kunſt. Das
Eindringen der franzöſiſchen Gothik brachte den Sieg der
Kathedralenplaſtik Die höhere Freiheit der deutſchen
Meiſterleiſtungen aber bewieſen die Beiſpiele aus Sachſen,
Bamberg, Straßburg und Naumburg überzeugend.
Die zahlreichen Zuhörer ſpendeten dem Vortragenden
rauſchenden Beifall.
Stadtverordnetenverſammlung.
St. Darmſtadt, 8. Januar.
19. Sitzung.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitz=
ung um 4 Uhr und ſpricht in ſeinem und der Verwaltung
Namen den Stadtverordneten herzlichſte Glückwünſche
zum neuen Jahre aus. Seine erſte Amtshandlung beſteht
heute in der
Einführung und Verpflichtung der neu
gewählten Stadtverordneten.
Es ſind dies die Herren Hammann, Herbert, Wolf, Jung,
Ritzert, Kalbfuß, Delp, Schönberger. (Die Stadtvv. von
Heſſert und Haury ſind bereits verpflichtet.)
Nach einer kurzen Anſprache, in der er die neuen
Stadträte ermahnte, das Intereſſe der Stadt ſtets allem
anderen voranzuſtellen, leiſteten die Herren durch
Hand=
ſchlag den Eid. Die wiedergewählten Herren werden auf
ihre frühere Verpflichtung verwieſen.
Der Vorſitzende macht dann die Mitteilung von einem
Vermächtnis.
Die verſtorbene Privatin Lilli C. Heyl hat
letzt=
willig die Stadt Darmſtadt zu zwei Dritteln ihres
Nach=
laſſes als Erbin eingeſetzt mit der Maßgabe, daß ſie
ver=
pflichtet ſein ſoll den Zinsertrag des ihr zuſtehenden
Erbteils in erſter Linie dazu zu verwenden, jährlich bei
Beginn der Schule für den Winter arme, kränkliche und
ſchwächliche Kinder mit Schuhen zu beſchenken und das
ererbte Geld niemals zu Bauten oder Denkmälern zu
ver=
wenden. — Das Vermächtnis wird mit Dank
ange=
nommen.
Der Vorſitzende gibt weiter Kenntnis von einer
Ein=
gabe der Vereinigung der Spenglermeiſter
und Inſtallateure in Sachen der von der
Stadtverord=
neten=Verſammlung beſchloſſenen Maßnahmen zur
Er=
höhung des Gasverbrauchs. Die Eingabe geht an die
Gaswerks=Deputation.
Stadtv. Bormet hat einen Antrag eingereicht auf
Schaffung eines Verbindungsweges im Zuge der
projektierten Verlängerung der Landskronſtraße nach dem
Südbahnhofe. — Der Antrag geht in
geſchäftsordnungs=
gemäße Behandlung.
Steuerpfändung Arbeitsloſer.
Stadtv. Dr. Fulda kommt auf ſeine Mitteilung in
letzter Sitzung zu ſprechen, nach der Arbeitsloſe der
rück=
ſtändigen Steuern wegen gepfändet wurden. Der
Ober=
bürgermeiſter habe das bezweifelt und Redner legt heute
die urkundlichen Beweiſe der Richtigkeit ſeiner Angaben
vor. Er hoffe, daß der Oberbürgermeiſter dieſe
Richtig=
keit nunmehr öffentlich anerkennen werde. Stadtv. Delp
führt ebenfalls einige Fälle an, die das Geſagte
be=
tätigen.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing: Wenn das
rich=
tig iſt, ſei es gegen ſeine Anordnung geſchehen, und er
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Nummer 9.
werde ſofort veranlaſſen, daß ſeine Anordnungen befolgt
werden. In dem Augenblick, da ihm die Unterlagen zur
Verfügung ſtehen, werde er den ſozialpolitiſchen Ausſchuß
damit ſofort beſchäftigen. Er ſtehe nicht an, zu erklären,
daß der Beamte, der ſo gegen ſeine Anordnung gehandelt
habe, ihm perſönlich dafür verantwortlich ſein werde.
Stadtv. Saeng rügte, daß, nachdem die Angelegenheit
vor 14 Tagen hier zur Sprache gebracht wurde, noch nicht
die nötigen Feſtſtellungen erfolgt ſind. Das mußte viel
ſchneller gehen. — Der Oberbürgermeiſter ſtellt feſt, daß
er erſt vor zwei Tagen die Mitteilung erhielt, daß die
Originalurkunden heute ihm überreicht werden würden.
Er habe ſofort der Stadtkaſſe entſprechende Mitteilung
gemacht und heute doch erſt das Material echalten.
Nun=
mehr würde die Unterſuchung ſofort eingeleitet, und an
die Stadtkaſſe iſt ſtrengſte Anordnung ergangen, daß
der=
artige Fälle ſich nicht wiederholen.
Stadtv. Delp: Das Ungeheuerliche liegt darin, daß
noch nach der letzten Stadtverordneten=Verſammlung
ſolche Lohnpfändungen und Zahlungsverbote
vorgekom=
men ſind. Den Arbeitgebern iſt es ſelbſt unangenehm,
ſolchen Geboten Folge zu leiſten. — Stadtv. Saeng iſt
mit der Erklärung noch nicht zufrieden und wirft der
Stadtverwaltung bureaukratiſche Handlungsweiſe vor, ein
Vorwurf, der vom Oberbürgermeiſter unter
noch=
maliger Darlegung der Maßnahmen auf das Entſchiedenſte
zurückgewieſen wird. — Stadtv. Schäfer möchte doch
bitten, nicht in dieſer ſcharfen Weiſe hier Vorwürfe zu
er=
heben, die doch nicht berechtigt ſind. Er hoffe, daß die
ſcharfe Auseinanderſetzung kein ſchlechtes Omen für das
neue Geſchäftsjahr bedeuten möge. Nach weiterer kurzer
Auseinanderſetzung ſchließt die Beſprechung.
Ausſchußwahl.
Es folgt die Wahl eines Ausſchuſſes zur
Vor=
lage von Vorſchlägen für die Neuwahl der
Deputationen und Ausſchüſſe. Stadtv.
Dr. Noellner macht folgenden Vorſchlag:
Stadt=
verordnete Sames, Saeng, Dr. Kolb Henrich,
Kahn Bormet, Link, L. Lautz, Wittmann,
Dr. Noellner Dr. Oſann, Markwort,
Aßmuth. — Stadtv. Dr. Bender hat eine
Wieder=
wahl abgelehnt.
Stadtv. Lindt beantragt, dieſer Ausſchuß ſolle auch
einen Ausſchuß wählen, der die neue Geſchäftsordnung
zu beraten hat. Doch wird der Antrag nach kurzer
Be=
ratung zurückgezogen. — Der Vorſchlag Dr.
Noell=
ners wird dann einſtimmig angenommen.
Es folgt der
Bericht des Oberbürgermeiſters über den Stand der
Gemeindeangelegenheiten.
Der Bericht erwähnt zunächſt die mehrfachen
Per=
ſonalveränderungen, über die wir im einzelnen jeweils
be=
richtet haben. — Ueber die
Verwaltungstäſigkeit im allgemeinen
und die allgemeine Finanzlage
führt der Bericht folgendes aus:
Das Jahr 1913 war für die finanziellen Verhältniſſe
der Stadt von beſonderer Bedeutung. Für die
Ein=
ſchätzung der Erträgniſſe der Einnahmequellen war von
vornherein mit dem Beginn neuer veränderter
Verhält=
niſſe zu rechnen. Die Wirkungen des neuen
Gemeinde=
umlagengeſetzes das am 1. April 1913 in Kraft getreten
iſt, waren in Betracht zu ziehen; die Vertragsgemeinſchaf
mit der Heſſiſchen Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft erforderte
beſondere Vorſicht in der Veranſchlagung der Einnahmen
aus den Betrieben, und ſchließlich war erſtmals mit den
neuen Einnahmen aus der Warenhaus= und Filialſteuer,
der Billettſteuer und der Erhöhung der
Kanalbenutzungs=
gebühren zu rechnen. Dazu kam die Belaſtung, die durch
die Erhöhung der Gehalte der Beamten und Lehrer und
der Löhne der Arbeiter, ſowie durch die Aufnahme eines
neuen Anlehens bedingt waren. Der verhältnismäßig
günſtige Abſchluß des Jahres 1912 — die vorgeſehene
Entnahme aus dem Ausgleichsfonds iſt trotz der
Be=
laſtung durch die Erhöhung der Beamten= uſw. Gehalte
nicht erforderlich geworden — läßt aber vielleicht erhoffen,
daß das finanzielle Ergebnis des Jahres 1913 nicht ſo
ungünſtig ſein wird, wie angeſichts der geſpannten
Ver=
hältniſſe angenommen werden mußte.
Was die Feſtſtellung der Gemeindeſteuern für
das Jahr 1913 anlangt, ſo wurde, um den Steuerertrag
in der ſeitherigen Höhe zu erhalten, eine allgemeine
Er=
höhung alſo zu vermeiden, der Ausſchlagskoeffizient nach
Maßgabe der neuen Beſtimmungen des
Gemeinde=
umlagengeſetzes wie folgt feſtgeſetzt: 128,4 Pfennig auf
1 Mark ſtaatlicher Einkommenſteuer, 21,6 Pfennig auf 100
Mark ſteuerbares Vermögen. Der Ausſchlag ergab
hier=
nach für das Jahr 1913: 894940 Mark Grundſteuer,
391 274 Mark Gewerbeſteuer, 369914 Mark Kapitalſteuer,
2247307 Mark Einkommenſteuer und im ganzen
3903 435 Mark. Aus dem Ergebnis der Veranlagung
folgt im allgemeinen, daß das neue
Gemeindeumlagen=
geſetz für die Stadt Darmſtadt eine ſtärkere Belaſtung
des Grundvermögens und neben einer geringen
Beſſer=
ſtellung des Kapitalvermögens eine Entlaſtung des
mitt=
leren und kleinen Gewerbebetriebes gebracht hat. Bei
Beurteilung der Wirkungen des neuen
Gemeindeumlagen=
geſetzes muß berückſichtigt werden, daß die Grundlagen
der Beſteuerung ſich vollſtändia geändert haben und die
frühere Art der Grundbeſitz= und Gewerbebeſteuerung
ver=
altet und unzweckmäßig war. Trotzdem ſind einzelne
Kla=
gen aus den Kreiſen von Grundbeſitzern und
Gewerbe=
treibenden über große Härten des Geſetzes vorgebracht
worden, deren Berechtigung nicht von der Hand gewieſen
werden kann und die bereits der Regierung Veranlaſſung
zu Erhebungen gegeben haben. Auch die Stadtverwaltung
hat auf einen Antrag aus der Mitte der Stadtverordneten=
Verſammlung ſich bereit erklärt, mit den Verwaltungen
der anderen heſſiſchen Städte an der Hand von amtlichem
Material die Wirkung der neuen Steuergeſetze und etwa
geplanter Geſetzesänderungen feſtzuſtellen und auf einem
demnächſt einzuberufenden Städtetag hierzu Stellung zu
nehmen.
Die erſtmalige Veranlagung der auf Grund des
Ge=
meindeumlagengeſetzes vom 1. April 1913 ab
eingeführ=
ten Filial= und Warenhausſteuer ergab für die
in Betracht kommenden Gewerbebetriebe (3 Warenhäuſer
und etwa 30 Filialgeſchäfte) die Summe von rund 38 500
Mark. gegenüber 30000 Mark im Voranſchlag.
Ein beſonders günſtiges Ergebnis hatte die mit dem
gleichen Zeitpunkt eingeführte Billettſſteuter. Die
bis Ende des Jahres erfallene Einnahme beträgt rund
24000 bis 25000 Mark, wobei zu beachten iſt, daß die
Veranſtaltungen, die der Steuerpflicht unterliegen, in der
nächſten Zeit durch den Karneval beſonders zahlreich ſein
werden. Die auf 20000 Mark geſchätzte Einnahme wird
daher bis zu Ende des Rechnungsjahres noch eine
be=
trächtliche Steigerung erfahren.
Von dem zu Beginn des Jahres feſtgeſtellten
An=
lehensbedarf von 8 Millionen Mark iſt, wie
be=
kannt. nur ein Teil von 4 Millionen Mark alsbald
be=
geben worden, der für den Beitraa der Stadt zu den
Koſten der Bahnhofsverlegung von 2,7 Millionen Mark,
ſowie für die Koſten der Krankenhauserweiterung und
der neuen Friedhofsanlage erforderlich war und in dieſer
Höhe bereits früher die Genehmigung der Regierung
ge=
funden hatte. Aus dem Geſchäftsbereich der
Hauplver=
waltung iſt von Intereſſe, daß infolge des Ablebens von
Beamten im Laufe des Jahres Gelegenheit zu einer
Neu=
einteilung der Sekretariate gegeben war, die in der Weiſe
erfolgt iſt, daß an Stelle der bisher vorhandenen fünf
nur drei Sekretariate unter der Leitung je eines
Ober=
ſekretärs gebildet wurden, nämlich das Sekretariat der
allgemeinen Verwaltung, das Finanzſekretariat und das
Sekretariat für Bauweſen und Betriebe. Die Zahl der
Oberſekretärſtellen iſt dementſprechend reduziert worden.
Eine weitere Vereinfachung des
Oktroiverwaltungsappa=
rats iſt dadurch erreicht worden, daß die Oktroierhebſtellen
am Dornheimer Weg und an der Stadtallee künftig durch
Aufſeher verſehen werden. Die Anordnung bedeutet
gleich=
zeitig eine Verminderung der bisherigen hohen
Verwal=
tungskoſten. Der Mangel einer beſonderen Deputation
für die Behandlung der Markt= und Meßangelegenheiten
hat ſich früher des öfteren ſtörend bemerkbar gemacht
Dieſer Mangel iſt nunmehr dadurch beſeitigt worden, daß
der Verkehrsausſchuß ermächt’gt wurde, hinſichtlich der
Marktangelegenheiten die Funktionen einer Deputation
auszuüben.
Von der in Artikel 132 der Städteordnung erteilten
Ermächtigung, in beſtimmte Deputationen Frauen als
ſtimmberechtigte Mitglieder zu wählen, iſt
erſtmals für die Deputation für das Armen= und
Für=
ſorgeweſen Gebrauch gemacht und dieſe Deputation durch
Zuwahl von zwei Frauen ergänzt worden. Dieſe
Ein=
richtung hat ſich bisher beſtens bewährt.
Am 16. Mai ſind nach längeren Verhandlungen die
Verträge mit der Militärverwaltung zum Abſchluß
gekom=
men, durch die die Stadt das Gelände des Hopfengartens
und des ſtädtiſchen Waldes an der Weſtſeite des
Exerzier=
platzes gegen Gelände dieſes Platzes längs der Allee
aus=
getauſcht und die Verpflichtung übernommen hat, auf dem
Mittelſtück des Hopfengartens eine Kaſerne für ein
Bataillon Infanterie zu erbauen und an die
Militärverwaltung zu vermieten, unter Zuſicherung des
Ankaufsrechtes zum Buchwert und der unentgeltlichen
Uebereignung an den Reichsfiskus nach erfolgter
Amorti=
ſation. Die beiderſeitige Geländeübergabe hat nach
er=
folgter Beſtätigung der Verträge durch das
Kriegsminiſte=
rium inzwiſchen ſtattgefunden. Auf dem öſtlichen Teil des
Hopfengartengeländes wird zurzeit eine Kaſerne für zwei
Kompagnien Infanterie erbaut. Mit dem vorgeſehenen
Kaſernenbau durch die Stadt wird im neuen Jahre
be=
gonnen werden.
Auf einem Teil des in den Beſitz der Stadt
überge=
gangenen Exerzierplatzgeländes längs der Allee, den die
Stadt inzwiſchen weiter veräußert hat, iſt mit den
Bau=
arbeiten für einen Neubau der Landwirtſchaftskammer
bereits begonnen worden.
Kurze Zeit nach obigem Vertragsabſchluß war die
Stadt abermals in die Lage verſetzt, der
Militärverwalt=
ung Entgegenkommen zu beweiſen, nachdem durch die
neue Wehrvorlage unſere Stadt als Station für die
Militärluftſchiffahrt und Standort für
eine Luftſchifferkompagnie beſtimmt worden
war. Die Anforderungen, die in dieſer Hinſicht an die
Stadtverwaltung geſtellt wurden, ſind nach eingehenden
Verhandlungen auf die unentgeltliche Hergabe des für die
Kaſernenbauten beanſpruchten Grund und Bodens
be=
ſchränkt worden. Die Stadtverwaltung hatte ſich zur
Ge=
ländeſtellung unter der Vorausſetzung bereit erklärt, daß
die Kaſernenbauten auf Darmſtädter Gebiet errichtet
wür=
den. Anfänglich beſtand nämlich die Abſicht, die Kaſernen
in unmittelbarer Nähe des als Militärluftſchiffhafen in
Ausſicht genommenen Weiterſtädter Exerzierplatzes auf
Weiterſtädter Gemarkung zu erbauen. Dieſem Verlangen
der Stadtverwaltung wurde durch die Wahl des
ange=
botenen Standortes in der Nähe des neuen
Hauptbahn=
hofes entſprochen. War das Opfer auch hoch, das die
Stadtverwaltung gebracht hat, ſo ſtand doch von
vorn=
herein feſt, daß die Neuanlagen von großer Bedeutung
und geeignet ſind, eine wirtſchaftliche Förderung der
Stadt Darmſtadt herbeizuführen. Die Stadtverwaltung
hat bei dem Abſchluſſe des Vertrages an die
Militärver=
waltung das Erſuchen gerichtet, bei allen in Betracht
kom=
menden Arbeitsvergebungen auf den einheimiſchen
Ge=
werbeſtand Rückſicht zu nehmen. Das Gelände iſt der
Militärverwaltung inzwiſchen übereignet und zum Teil
bereits abgeholzt worden. Die Wegeherſtellungsarbeiten
ſind in der Ausführung begriffen; auch liegen die Pläne
für die Kaſernenbauten der Baupolizei vor, ſo daß mit
dem Bau in aller Kürze begonnen werden kann.
Im Laufe des Jahres iſt die unter Mitwirkung der
Stadtverwaltung von dem Generalſekretär des Vereins für
Kommunalwirtſchaft und Kommunalpolitik
herausge=
gebene Monographie der Stadt Darmſt adt,
als einer der erſten Bände des Sammelwerkes „
Mono=
graphien deutſcher Städte” erſchienen. Das Buch, das einen
Umfang von 220 Seiten hat, und mit zahlreichen
Abbil=
dungen geſchmückt iſt, gibt ein anſchauliches Bild von dem
Stand unſeres Gemeinweſens und dem wiſſenſchaftlichen
und künſtleriſchen Leben unſerer Stadt. Es hat bei ſeinem
Erſcheinen eine ſehr günſtige Beurteilung erfahren und iſt
ſicher ein ſehr geeignetes Werbemittel, um die Kenntnis
von den Annehmlichkeiten und Vorzügen unſerer Stadt in
weitere Kreiſe zu tragen. Von dem Buche iſt eine größere
Anzahl von Exemplaren beſchafft worden, die bei
Kon=
greſſen und ähnlichen Veranſtaltungen von beſonderer
Be=
deutung an auswärtige Teilnehmer abgegeben werden
ſollen.
Der Bericht wird mit lebhaftem Bravo
aufgenom=
men. — Stadtv. Schäfer: Dem Lob, das der
Ober=
bürgermeiſter der ſtädtiſchen Bauverwaltung
ge=
ſpendet hat könne man ſich durchaus anſchließen. Doch
ſei es vielleicht nicht richtig, daß dieſe Tätigkeit nicht auch
hier, ſondern nur auswärts anerkannt worden ſei. Er,
Redner, habe wiederholt gerne Gelegenheit genommen,
dem Hochbauamt Dank und Anerkennung und Lob
aus=
zuſprechen, beſonders auch Herrn Stadtbaurat Buxbaum.
Der Oberbürgermeiſter ſtimmt dem zu. Seine
Feſt=
ſtellungen betrafen nicht die Stadtverordneten, ſondern die
Oeffentlichkeit, die ſich ſo ſelten zu einem Lob aufſchwingt,
daß man in dem Schweigen der Kritik die höchſte
An=
erkennung zu finden ſich gewöhnt habe. Hingegen haben
Kapazitäten auf baulichem Gebiete, wie der Berliner
Stadtbaumeiſter, der verſtorbene Meſſel ꝛc. der
Stadt=
bauverwaltung öfters höchſtes Lob geſpendet.
Stadtr. Kahn als Aelteſter der Stadtverordneten=
Verſammlung ſpricht dem Herrn Oberbürgermeiſter für
ſeinen Vortrag den verbindlichſten Dank aus,
ebenſo den übrigen Herren der Stadtverwaltung. (Bravo!)
Stadtv. L. Lautz vermißt in dem Bericht etwas über
die Grube Meſſel. — Stadtv. Lehr wollte das
gleiche fragen. — Der Oberbürgermeiſter dankt für das
Lob und dehnt es auf ſeine Kollegen und die
Stadtver=
ordneten=Verſammlung aus. Was die Grube Meſſel
be=
trifft, ſo möchte er der Hoffnung Ausdruck geben, daß es
ihr gut gehen möge. Man habe jedenfalls Anlaß, dem
Herrn Spiegel zu vertrauen, der ein Gutachten für die
nächſte Zeit in Ausſicht geſtellt hat.
Stadtv. Saeng freut ſich, dem Herrn
Oberbürger=
meiſter nun auch ein Kompliment machen zu können. Er
ſchließt ſich dem Dank an.
Dienſtbotenverſicherung.
Stadtv. Dr. Noellner fragt an, ob der
Oberbür=
germeiſter Auskunft geben kann über den Stand und die
Handhabung der Dienſtbotenverſicherung, über die in der
Stadt vielfach Unkenntnis herrſche. — Oberbürgermeiſter
Dr. Gläſſing teilt mit, daß formell der Antrag bei
der Regierung geſtellt iſt, eine Kaſſe zu errichten, um ſich
auch nach dieſer Richtung zu ſichern. Die Angelegenheit
liegt noch beim Oberverſicherungsamt, das noch
Entſchei=
dung zu treffen habe. Der ſeinerzeit gefaßte Beſchluß,
die Dienſtboten der Ortskrankenkaſſe zu überweiſen, beſteht
roch zu Recht, da die Ortskrankenkaſſe ſich mit allen
Be=
dingungen einverſtanden erklärt habe. Von der
Ent=
ſcheidung des Oberverſicherungsamtes wird das weitere
abhängen. — Stad’v. Dr Noellner weiſt nochmals auf
die Notwendigkeit der Klärung der Angelegenheit hin. —
Auch Stadtv. Sames hält eine orientierende
Veröffent=
lichung für notwendig. — Der Oberbürgermeiſter ſagt die
Veröfſentlichung einer entſprechenden Notiz zu. Es
ſpre=
chen noch zu der Angelegenheit Stadtv. Dr. Kolb, der
Oberbürgermeiſter, Stadtvv. Dr. Vaubel, Dr.
Noell=
ner, Dr. Fulda, Sames.
Ein Wandermuſeum
Beig. Jäger: Die in der internationalen
Baufach=
ausſtellung in Leipzig in einer beſonderen
wiſſenſchaft=
lichen Abteilung ausgeſtellt geweſenen Gegenſtände über
Städtebau, Siedelungs= und Wohnweſen wurden nach
Schluß der Leipziger Ausſtellung in einem
Wander=
muſeum vereinigt, um in dieſer Form in einer größeren
Anzahl deutſcher Städte zur Schau geſtellt zu werden.
Die Stadtverwaltung hat ſich auf Anfrage ſeinerzeit bereit
erklärt, die Ausſtellung aufzunehmen. Die hierfür von
der Stadt aufzubringenden Koſten betragen, wenn die
Ausſtellung auf 14 Tage in dem Ausſtellungsgebäude
untergebracht wird, rund 3000 Mark. Die Verwaltung
eantragt die Bewilligung eines Kredits in dieſer Höhe
unter der Vorausſetzung, daß ſich der Staat mit einer
angemeſſenen Summe beteiligt
Stadtv. Schäfer hält es für notwendig, die
Aus=
ſtellung aufzunehmen und nach Kräften zu fördern. Er
bittet, den Antrag ohne weiteres anzunehmen. — Stadtv.
Gretzſchel ſchließt ſich dem an. Da die Ausſtellung
ruch noch anderen Städten der Umgebung angeboten iſt,
empfiehlt es ſich, ſchnellſtens zuſtimmenden Beſchluß zu
faſſen. — Stadtv. v. Heſſert iſt entgegengeſetzter
Mei=
nunng, zumal für die kurze Zeit die Aufwendungen doch
hoch ſeien und die Oeffentlichkeit wenig Intereſſe an der
Ausſtellung habe. (Widerſpruch.) — Der
Oberbür=
germeiſter meint, man müſſe eine längere Dauer der
Ausſtellung anſtreben. Entgehen laſſen dürfe ſich
Darm=
ſtadt die Ausſtellung nicht. — Stadtv. Dr. Noellner iſt
ebenfalls für eine längere Dauer der Ausſtellung. —
Stadtv. Sames tritt auch für die Ausſtellung ein.
Stadtv. Delp ſtellt feſt, daß auch die Arbeiterſchaft ein
großes Intereſſe an der Ausſtellung hat. Er bittet um
Zuſtimmung und eventuell ebenfalls um längere Dauer
der Ausſtellung. — Nach weiteren Ausführungen des
Stadtv. Wolff und des Oberbürgermeiſters wird
be=
ſchloſſen, den Betrag unter der Vorausſetzung zu
be=
willigen, daß die Ausſtellung vier Wochen nach
Darm=
ſtadt kommt. — Damit iſt die Tagesordnung erledigte
Gerichtszeitung.
Prozeß gegen den Oberſten v. Reuter.
(Vierter Verhandlungstag.)
* Straßburg (Elſaß), 8. Jan. Auf dem Platze
or dem Gerichtsgebäude herrſcht Ruhe, und nur wenige
Paſſanten kreuzen die Straße. Als erſter Zeuge ſagt heute
Major Ude u. a. aus, daß nach ſeiner Anſchauung die
Polizei in Zabern ſehr minderwertig ſei, und daß ſie auch
ſonſt nur eingeſchritten ſei, wenn es nötig geweſen iſt.
Zeuge, der außerhalb der Stadt wohnt, hörte von ſeinem
Friſeur am Morgen des 1. November, daß es geſtern in
der Stadt ſehr luſtig geweſen ſei, ſo eine Art Gaudi, wie
m Karneval, und die Polizei ſei feſt verhöhnt worden.
Man habe aber allgemein die Anſicht gehabt, daß alles
auf=
gehört hätte, ſobald die Polizei bezw die Gendarmerie
heimgegangen wäre. Dieſen ſeinen Bericht beſtätigt Zeuge
Friſeur Anſtatt. Gendarmeriewachtmeiſter
Schmitt=
weiß von Steinwürfen zu berichten, von deren einem er
ſelbſt getroffen worden ſei. Ein Polizeidiener habe einen
Steinwurf gegen den Kopf über die Schuppenkette des
Helms erhalten. Die Menge an dem kritiſchen Montage
ſchätzt Gendarmeriewachtmeiſter Schmitt auf 800 bis 1000
Perſonen, meiſtens junge Leute, viele neugierige Frauen
und Kinder. Auf Befragen erklärt Zeuge, daß das
Kom=
mando über Polizei und Gendarmerie der alte
Polizei=
wachtmeiſter Mutſchler gehabt habe.
Die nächſten Zeugen, mehrere
Gendarmeriewacht=
meiſter aus Zabern, berichten nur Bekanntes aus jenen
bewegten Tagen. Einer, Gendarmeriewachtmeiſter
Stei=
ner, erklärt ausdrücklich, daß ihm das Auftreten der
pro=
menierenden Offiziere nicht provozierend vorgekommen
ſei. Kreisdirektor Mahl ſei immer auf der Straße
ge=
weſen. Einer der Beiſitzeroffiziere fragte den Zeugen, ob
die Gendarmerie und Polizei nach ſeiner Anſicht wohl in
der Lage geweſen ſeien, die Offiziere vor Beſchimpfungen
und Anrempelungen zu ſchützen. Der Zeuge bejaht dies
bedingt; ja, wenn wir ſolche Fälle geſehen hätten, und ſo
weit wir in der Lage dazu waren.
Gendarmeriewacht=
meiſter Dörin g beſtätigt auf Befragen, daß die
Gen=
darmerie mit der Maſſe nicht hätte fertig werden können.
Leutnant Tigör erklärt hierzu, daß ihm ein Gendarm
auf dem Schloßplatz ſagte: Wir können hier nichts machen;
ich glaube, es iſt das beſte, wenn man Militär requiriert.
Hauptmann Köppen erklärt, wie er mit anderen
Offi=
zieren gegen 7 Uhr abends im „Karpfen” geſeſſen ſei, haben
man auf dem Platze lebhaftes Gehen und Geſchrei gehört;
dann ſei ein Trommelwirbel erfolgt, und da ſeien ſie nach
der Kaſerne gegangen. Hauptmann Velte: Die Bevöl= in Zabern hielt es, wie ich jetzt weiß, ſchon für
pro=
vozierend, wenn die Leutnants die Hand am Degengriff
hielten. Zeuge ſagt noch aus, die Gendarmen in Zabern
hätten auf ihn einen geradezu unerklärlichen Eindruck
ge=
macht. Major Rabe von den 99ern hat auf Befragen
eines Gendarmen die Antwort erhalten: Die Straßen
werden deshalb nicht geräumt, weil Kreisdirektor und
Bürgermeiſter die Weiſung gegeben hätten, es dürfe nicht
ſcharf vorgegangen werden. Als der Zeuge einem
Feuer=
wehrchargierten zurief, er möge doch endlich zu ſpritzen
beginnen, damit die Schreier den Rücken kehren, habe
dieſer erwidert: Glauben Sie denn, daß wir gegen unſere
Mitbürger kämpfen? Die Polizei in Zabern erſchien dem
Zeugen ungenügend. In den Aufläufen ſei ein gewiſſes
Nummer 9.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Seite 7.
Syſtem geweſen, wobei die Kinder in den Vordergrund
gedrängt wurden. Leutnant von Forſtner ſagt aus,
er habe gehört, wie Major Rabe von einem Gendarmen
die Antwort erhielt: Wir dürfen nicht energiſch eingreifen,
der Kreisdirektor hat es verboten.
Gendarmeriehaupt=
mann Schotte erklärt, der Oberwachtmeiſter habe einen
ſehr eingeſchüchterten Eindruck gemacht. Den Befehl über
die Gendarmerie führe immer der Oberwachtmetſter, nie
ein Polizeiwachtmeiſter. Von der Tätigkeit der Polizei in
Zabern hätten die Gendarmen eine ſehr geringe Achtung
gehabt. Kreisdirektor Mahl erklärte: Ich hatte den
Oberbefehl ſelbſt übernommen. Die Gendarmen waren
gern bereit, ſich den Anordnungen des dienſtälteſten
Poli=
zeiwachtmeiſters unterzuordnen. — Als zur
Zeugenver=
eidigung geſchritten wird, teilt Gendarmeriewachtmeiſter
Schmitt II. mit, daß ſie — die Gendarmen — im Auftrage
der Ortspolizei gehandelt hätten. Es folgt die
Vereidig=
ung der Zeugen, Offiziere und Gendarmen, ſowie des
Fri=
ſeurs Anſtätt. Die Gendarmen verſichern wiederholt, daß
ſie vom Kreisdirektor in keiner Weiſe beeinflußt ſeien.
Gendarmeriewachtmeiſter Schmitt II. erklärt noch
aus=
rdrücklich, die Polizei hätte nicht ausgereicht. — Nach
Ver=
leſung der verſchiedenen Artikel im Zaberner Anzeiger vom
November wird um halb 12 Uhr die
Beweisauf=
mahme geſchloſſen.
Nach einer kurzen Pauſe nimmt der Kriegsgerichtsrat
Oſſiander das Wort zur Begründung der
An=
klage und führt aus: Seit zwei Monaten iſt Zabern
aktuell geworden und ſeit fünf Wochen wurden über die
dortigen Vorfälle widerſprechende Meldungen und
An=
ſichten verbreitet. Feſtgeſtellt iſt, daß am 8. November eine
brüllende Menge vor dem „Karpfen” ſtand. Oberſt von
Reuter holte den Leutnant von Forſtner heraus. Typiſch
iſt nun die Ausſage der Zeugin, daß der Oberſt gekommen
ſei „wie ein Engel vom Himmel”. Sicherheitsbeamte
waren nicht da. Der Oberſt richtete eine Anſprache an die
Menge, die aber vom Volk ganz anders aufgefaßt wurde,
als ſie gemeint war. Es wurden vielfach Schimpfworte,
wie „Schwob” gerufen. Auch ein Beitrag zur
Harmloſig=
keit und Friedfertigkeit der Bevölkerung! fügt der
An=
klagevertreter hinzu. Bezeichnend ſei die Ausſage der
Zeu=
gin Görke bezüglich der Vorfälle am folgenden Sonntag.
Die ſprach von einer „Horde‟ Das werde ihr
unauslöſch=
lich ſein; ſie habe es nicht für möglich gehalten, daß auf
deutſchem Boden deutſche Offiziere in dieſer Weiſe
be=
läſtigt und angegriffen werden könnten. Es beſteht alſo
die Tatſache, daß ohne jeden Grund auf der Straße zwei
Offiziere — Leutnant von Forſtner und Sanitätsoffizier
Wogt — von einer großen ſchreienden Menge in
gröblich=
ifter Weiſe beläſtigt und mit etwa 20 Steinen beworfen
rvurden. Der Aufzug ſetzte ſich abends auf der Straße
Fort. Nachmittags ſah es aus, wie am Karneval. Man
amüſierte ſich auf Koſten des Leutnants von Forſtner.
Während Janus am Tage ſein heiteres Geſicht trug, trug
er mit dem Einbruch der Dunkelheit ſein ernſtes Geſicht zur
Schau. Der Anklagevertreter ſchildert in eingehender
Weiſe die Vorgänge an den folgenden Tagen. Es erhebt
ſich nun die Frage, ob die Maßnahmen des Kreisdirektors
genügten, oder nicht. Ich möchte die Frage bejahen unter
der Vorausſetzung, daß eine Kontrolle über die Polzei
ausgeübt wurde, ob ſie auch ihre Pflicht und
Schuldig=
eit in vollem Maße erfüllte. Der Anklagevertreter kommt
des weiteren auf die Haltung des Zaberner Anzeigers zu
ſprechen. Er ſei überzeugt, daß Redakteur Wiebecke einen
großen Teil der moraliſchen Schuld für die
Vorkomm=
niſſe in Zabern trage. Er ſei gleichſam der Regiſſeur der
Verhetzung geweſen. Als der Oberſt, der am 12. Nov.
beurlaubt worden war, am 17. November die Führung des
Regiments wieder übernahm, hätten die hetzeriſchen
Artikel wieder eingeſetzt. Der Pöbel machte ſich erneut
bemerkbar. Ich ſagte mit Abſicht „Pöbel” weil ich die
gute Zaberner Bevölkerung nicht für fähig halte, ſich an
derartigen Demonſtrationen zu beteiligen. Es waren
kalbwüchſige Burſchen, die Freude am Spektakel hatten.
Zisher war von ſeiten der Offiziere nichts geſchehen, um
ſich der Schmähungen zu erwehren. Man muß ſich aber
fragen: Hatte denn die Bevölkerung ein Recht, ſich über
vie Offiziere in der Weiſe auszulaſſen? Waren die
Offi=
ziere vogelfrei? Weder durch die Polizei, noch von der
Gendarmerie wurden ſie beſchützt. Aus allem, was wir
ſhörten, ſchließe ich, daß Syſtem in der Handlungsweiſe
der Unruheſtifter war. War nun das Einſchreiten des
Militärs berechtigt? Hat dieſe Hauptverhandlung
dar=
über Klarheit geſchaffen? Dieſe Frage habe ich heute dem
Gericht vorzulegen.
Der Anklagevertreter kommt zu dem Schluß: Nachdem
die Polizei verſagt hatte, war Oberſt v. Reuter
der vollen Ueberzeugung, daß ihm Pflicht und Ehre
ge=
bieten, die angegriffene Ehre und das geſchädigte
An=
ſehen der Offiziere wieder herzuſtellen. Er hielt ſich für
berechtigt, am 28. November an die Stelle der
ausſtän=
digen Zivilgewalt zu treten. Damit fällt das
Be=
pußtſein der Rechtswidrigkeit. Es galt
eben taſächlich, den unwürdigen Zuſtänden ein Ende zu
bereiten. Daß Mißgriffe in der Ausübung des Befehls
vorgekommen ſind iſt angeſichts der Situation begreiflich.
Die Annahme, daß ſich Oberſt v. Reuter die
Exekutiv=
gewalt angemaßt habe läßt ſich nicht
aufrecht=
erhalten und er beantrage daher, in dieſem Punkt die
Freiſprechung. Anders ſtehe es mit der Anklage
wegen Freiheitsberaubung. Hier beantrage er
ſieben Tage Gefängnis. Der Angeklagte durfte
die Ziviliſten nicht länger zurückhalten, nachdem ihm
Re=
lgierungsamtmann Großmann auf das Beſtimmteſte
ver=
ſichert hatte daß er weiterhin mit allen ihm zu Gebote
ſtehenden Mitteln für die Aufrechterhaltung der Ordnung
ſorgen werde. Der Oberſt hatte infolgedeſſen nicht
Amehr die Gewalt in Händen. Gegen Leutnant
Schadt beantragte der Anklagevertreter drei Tage
Gefängnis weil er es für erwieſen hält, daß
Leut=
nant Schadt dem Zeugen Kornmann auf die Backe
ge=
ſchlagen habe. Von der Anklage der
Freiheits=
beraubung und des Hausfrie densbruchs
ſei Leutnant Schadt freizuſprechen.
Rechtsanwalt Groſſert führt in längerer Rede
aus, daß Oberſt v. Reuter ſchweres Unrecht geſchehen ſei.
Man müſſe lebhaft beklagen, daß der Zaberner
Angelegen=
heit eine politiſche Note gewaltſam aufgedrängt worden
ſei und im Reichstag niemand Mannes genug
geweſen wäre mit dem Reichskanzler zu ſagen:
Wartet ab es ſteht Ausſage gegen Ausſage, die
Ge=
richte werden die volle Aufklärung bringen. Die
Mahn=
rufe des Reichskanzlers und des Kriegsminiſters
verhall=
ten in dem Wutgeſchrei der Parteien. Was in Zabern
vorgekommen, das ſei nicht von den guten Elementen
aus=
gegangen, ſondern von Leuten, die Unfrieden ſchaffen
wollten und nur ihr eigenes Intereſſe im Auge hatten.
Man wird jetzt aufatmen und jeder anſtändige Elſäſſer wird
ſſich ſagen, daß es nur infolge der infamen Aufbauſchung
lund Entſtellung des wahren Sachverhalts, geſtützt auf die
AArtikel des Zaberner Anzeigers, ſo weit kommen konnte.
Es war ein Schimpf für Zabern, daß am hellen Tage
lauf öffentlicher Straße Offiziere der deutſchen Armee in
der unerhörteſten Weiſe beleidigt und beläſtigt worden
ſind. Im Elſaß ſei man ſo etwas nicht gewöhnt. Am
28. November hätten Volksaufläufe ſtattgefunden.
Der Verteidiger beſpricht hierauf auf Grund der
einſchlägigen geſetzlichen Beſtimmungen und militäriſchen
Dienſtvorſchriften den Standpunkt, daß Oberſt v. Reuter
auch objektiv zu ſeinen Maßnahmen berechtigt war. Die
Verhafteten habe er zum Zweck der Feſtſtellung
zurück=
halten müſſen. Oberſt v. Reuter ſei nicht der Soldat, der
ſich auf das Bürgertum geſtürzt hat, ſondern der in
ehr=
licher Ueberzeugung beſtrebt war, die Ordnung wieder
herzuſtellen, die in unverantwortlicher Weiſe geſtört
wor=
den war. Die Perſon des Oberſten v. Reuter ſei in jeder
Beziehung einwandfrei, wenn auch das Verhältnis
zwi=
ſchen ihm und dem Kreisdirektor nicht war, wie es ſein
ſollte. Der Oberſt ſei ein Mann, vor dem man Achtung
haben müſſe. Man dürfe einen verdienten Offizier, der
ſeit 35 Jahren ſeine Pflicht tadellos erfüllt habe, nicht ins
Gefängnis ſchicken, weil er das Anſehen der deutſchen
Armee wahrte. Der Verteidiger beantragt volle
Freiſprechung des Oberſten von Reuter. Nach
kurzer Berührung des Falles Kornmann — dieſer Zeuge
hatte behauptet, von Leutnant Schadt geſchlagen
worden zu ſein und einen Backenzahn verloren zu haben
— äußerte der Verteidiger den Vorfall habe niemand
ge=
ſehen und Behauptung ſtehe gegen Behauptung. Der
Verteidiger kommt daher zu dem Schluß, auch der
Ange=
klagte Schadt, der in ſtrenger Pflichterfüllung gehandelt
habe und dem weder Borſätzlichkeit noch Fahrläſſigkeit
beizumeſſen ſei, ſei freizuſprechen. Redner iſt
über=
zeugt, daß die ſogenannte öffentliche Meinung nach dem
Ergebnis des Prozeſſes umſchwenken werde.
In ſeinem Schlußwort tritt der angeklagte
Oberſt dafür ein, daß bei dem, was vorgekommen, nur
ihn, nicht ſeine Offiziere, Unteroffiziere und Mannſchaften
die volle Verantwortlichkeit treffe. Auch heute noch habe
er den Eindruck, daß er gezwungen geweſen ſei, ſo
zu handeln, wie er es tat, und daß er genau nach den
Vor=
ſchriften gehandelt habe und in bitterer Notwendigkeit.
Auch menſchlich gerecht ſei ſein Handeln geweſen; denn
hätte er die Leute aus dem Keller an jenem Abend noch
freigegeben, ſo wären Ruheſtörungen und vielleicht
Blut=
vergießen ſicher geweſen und das ſei ſo verhütet worden.
So habe er in jeder Hinſicht ſeine Pflicht und
Schuldig=
keit getan. Leutnant Schadt betont noch einmal,
daß er getan habe, was er für recht hielt und für
not=
wendig, um die Ruhe herzuſtellen.
Die Verkündigung des Urteils wird
ausgeſetzt, weil die Prüfung ſchwieriger
Rechts=
fragen Zeit beanſprucht; ſie wird am kommenden
Sams=
tag vormittags zehn Uhr erfolgen.
Kurz nach zwei Uhr ſchloß nach dreieinhalbtägiger
Dauer die Verhandlung. Vor dem Gerichtsgebäude hatten
ſich zahlreiche Gruppen Neugieriger angeſammelt, zu
ruheſtörenden Auftritten iſt es aber nicht gekommen.
* Berlin, 7. Jan. Die Mitteilung des Oberſten
v. Reuter in dem zurzeit vor dem Kriegsgericht in
Straßburg gegen ihn ſchwebenden Prozeß daß ihm die
Poſt zwar Hunderte von offenen Schmähkarten pünktlich
beſtellt, dagegen Zuſchriften, die Zuſtimmungen enthielten,
zurückgehalten habe, hat, wie aus Kreiſen der
Poſtver=
waltung verlautet, Anlaß zu einer eingehenden
Unter=
ſuchung gegeben. Dieſe iſt noch nicht abgeſchloſſen; aber
es heißt, daß nach dem, was bisher ſchon ermittelt worden
iſt, tatſächlich mit der Möglichkeit gerechnet werden muß,
daß die in Zabern herrſchende Stimmung zu
Pflichtver=
letzungen geführt hat, die im deutſchen Poſtdienſte für
un=
erhört gelten. Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß über das
Reſultat der abgeſchloſſenen Unterſuchung eine öffentliche
amtliche Mitteilung erfolgen muß. (Frankf. Ztg.).
Zabern.
* Straßburg, 8. Jan. In der dritten
Plenarſitz=
ung der Zweiten Kammer richtete vor Eintritt in
die Tagesordnung der Abg. Böhle (Soz.) an die
Re=
gierung die Anfrage, ob es richtig ſei, daß geſtern eine
Schwadron Hufaren in Zabern zum
Ein=
greifen bereitgehalten worden ſei.
Unterſtaats=
ſekretär Mandel bemerkt, daß während der
Kriegsge=
richtsverhandlung im Einverſtändnis mit der Zivil= und
Militärbehörde eine Schwadron Huſaren bereitgehalten
worden ſei, um ſie auf Erſuchen der Zivilverwaltung
un=
verzüglich eingreifen zu laſſen. Die Regierung erhoffe aber
von dem geſunden Sinn der Bevölkerung, daß ein
Ein=
greifen nicht nötig werden würde.
* Straßburg, 8. Jan. Von zuſtändiger Seite wird
dem W. T.=B. geſchrieben: Hieſige Blätter brachten die
Nachricht, Oberkriegsgerichtsrat Dr. Medikus
habe geäußert, am Donnerstag werde Oberſt von
Reuter freigeſprochen und am Samstag werde
ich von Forſtner freiſprechen. Selbſt wenn das Dr.
Medikus geſprochen habe, habe dies für die
Kriegsgerichts=
verhandlung nichts zu ſagen, denn Oberkriegsgerichtsrat
Dr. Medikus hat weder mit der Verhandlung
gegen den Oberſten von Reuter etwas zu tun, noch
wird er in der Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht
gegen von Forſtner irgendwie befaßt werden.
Eröffnung des preußiſchen Landtags.
* Berlin, 8. Jan. Der preußiſche Landtag wurde
heute mit folgender, vom Miniſterpräſidenten v.
Beth=
mann Hollweg verleſenen Thronrede eröffnet:
Die Staatsfinanzen befinden ſich auf dem Wege
völliger Geſundung. Das Etatsjahr 1912 ergab einen
Ueberſchuß von 29 Millionen, zu dem noch eine Rücklage
von 173. Millionen für den Ausgleichsfonds der
Eiſen=
bahnverwaltung hinzutritt. Der Staatshaushalt für das
laufende Jahr, in deſſen Voranſchlag zum erſtenmal
wie=
der die Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht
ſtan=
den, läßt gleichfalls befriedigende Ergebniſſe erwarten.
Neuerdings wurde zwar, dem Gange des
Wirtſchafts=
lebens folgend, ein Nachlaſſen in der Entwicklung der
Staatsertragniſſe bemerkbar. Der Haushalt iſt aber
der=
art gekräftigt, daß auch im Voranſchlag für 1914 die
Aus=
gaben in den Einnahmen volle Deckung finden und für
den Eiſenbahnausgleichsfonds noch eine
an=
gemeſſene Rücklage vorgeſehen werden kann. Dabei iſt der
Fonds für außerordentliche Ausgaben ſo reichlich
ausge=
ſtattet, daß eine erwünſchte Stärkung des
In=
duſtriemarktes und des Arbeitsmarktes durch
Staatsaufträge ermöglicht iſt.
Dem Vorgehen des Reiches entſprechend, konnten
etatsmäßige Mittel für die Aufbeſſerung der
Be=
ſoldung einzelner Beamtengruppen
bereit=
geſtellt werden. Es wird Ihnen deshalb ein
Geſetzent=
wurf zugehen, der für den geringer beſoldeten Teil der
Unterbeamten, ſowie für die Aſſiſtenten und die mit dieſer
Beſoldungsklaſſe zuſammenhängenden Beamtengruppen
Gehaltserhöhungen vorſieht. Für die Erweiterung und
beſſere Ausrüſtung des Staatseiſenbahnnetzes, ſowie für
den Bau von Kleinbahnen wird auch diesmal eine
um=
fangreiche Vorlage unterbreitet. Die wirtſchaftliche
Ent=
wicklung und die ſie begleitenden Verſchiebungen der
Be=
völkerung führten vielfach zu unbefriedigenden Zuſtänden
in den Wohn= und Unterkunftsverhältniſſen der
minder=
bemittelten Schichten. Durch den Ihnen zugehenden
Ent=
wurf eines Wohnungsgeſetzes ſollen die geſetzlichen
Grundlagen für eine nachhaltige Verbeſſerung der
Zu=
ſtände geſchaffen werden. Die Jugendpflege hat ſich
auch in dieſem Jahre erfreulich entwickelt. Zu ihrer
wei=
teren Förderung wurden die im Kultusetat eingeſtellten
Mittel nicht unerheblich erhöht.
Auf dem Gebiete der Verwaltungsreform
wird der Entwurf einer umfaſſenden Novelle zum
Landes=
verwaltungsgeſetz zur Beſchlußfaſſung gelangen, die u. a.
auch die Verbeſſerung des Abgabenweſens der
Gemein=
den und weiteren Kommunalverbände bezweckt. Im
An=
ſchluß daran erſcheint noch ein Geſetzentwurf über die
Feſtſtellung der Zuſtändigkeit beim Volks= und
Privatſchulweſen. Der im Vorjahr nicht zur
Ver=
abſchiedung gelangte Entwurf eines
Ausgrabungs=
geſetzes wird wiederum vorgelegt werden. Ferner ſoll
eine Neuordnung des Rechtes der
Familienfidei=
kommiſſe vorgenommen werden. Schließlich wird dem
Landtag der Entwurf eines Grundteilungsgeſetzes
beſchäf=
tigen, um der unwirtſchaftlichen Zerſchlagung ländlicher
Grundſtücke entgegenzutreten, andererſeits aber die
Tei=
lung ſolcher Grundſtücke zur Förderung der inneren
Koloniſation zu erleichtern. Mit einem Ausblick auf den
geſicherten Weltfrieden und die dadurch geſchaffene
Gewähr nutzbringender Arbeit ſchließt die Thronrede.
* Berlin, 8. Jan. Auf Vorſchlag des Herzogs
v. Trachenberg wurde das bisherige Präſidium
des Herrenhauſes: v. Wedel=Piesdorf als
Präſi=
dent, Exzellenz v. Becker als Erſter, und Freiherr v.
Lands=
berg als Zweiter Vizepräſident durch Zuruf
wieder=
gewählt.
* Berlin, 8. Jan. Das dem Landtage
vor=
gelegte Wohnungsgeſetz ſtellt in dem Artikel 1,
Bau=
gelände, Normen für die Verwendung des Baugeländes
in bewohnten Orten gemäß den verſchiedenen
Wohnbe=
dürfniſſen und dem Bedarf an Freiflächen auf und regelt
die Befugniſſe der zuſtändigen Behörden. Artikel 2 (
Bau=
polizeiliche Vorſchriften) neht Bauordnungen vor, die
die vauliche und induſtrielle Bodenausnützung, ſowie die
Herſtellung von Straßen in verſchiedenen Gemeinden und
Gemeindeteilen unterſchiedlich regeln und Einfluß auf das
architektoniſche Bild der Straßenfronten nehmen. Artikel 3,
Benutzung der Gebäude, ſchreibt den Erlaß von
Woh=
nungsordnungen für alle Orte mit mehr als 10000
Ein=
wohnern vor, welche die Benutzung von Gebäuden zum
Wohnen, Schlafen, die bauliche Inſtandhaltung, die
Be=
legungszahl der Wohn= und Schlafräume, die Trennung
der Haushaltungen, die Beſchaffenheit der Schlafräume
für Dienſtboten, Gewerbegehilfen, das Chambregarniſten=
und Schlafgängerweſen und die Beſchaffenheit von
Ar=
beiterunterkünften regeln. Nach Artikel 4,
Wohnungs=
aufſicht, müſſen für die Großſtädte und können für kleinere
Gemeinden, auch für mehrere gemeinſam, Wohnungsämter
errichtet werden, denen auf Anordnung des
Regierungs=
präſidenten auch die Nachweiſung kleinerer Wohnungen
zu übertragen iſt. Ferner wird hier die
Wohnungsauf=
ſicht geordnet. Die Schlußbeſtimmungen nehmen die
Schlöſſer des Königs und der Kgl. Familie, öffentliche
Gebäude und ſtaatlich beaufſichtigte Anſtalten von dem
Geſetze aus, dem eine umfangreiche Begründung
bei=
gegeben iſt.
Vom Balkan.
Der Handſtreich von Valona.
* Valona, 7. Jan. Geſtern abend traf der Dampfer
„Meran” von Konſtantinopel mit 200 Soldaten
und ſechs türkiſchen Offizieren ein, welche beabſichtigten,
nachts zu landen und die Bevölkerung
aufzu=
wiegeln, um Izzet Paſcha zum Fürſten von
Albanien zu proklamieren. Die proviſoriſche
Regie=
rung ließ ſofort im Einverſtändnis mit der
Kontrollkom=
miſſion und den holländiſchen Gendexmerie=Offizieren die
Türken feſtnehmen. Das Ereignis rief einen tiefen
Ein=
druck hervor.
* Rom, 7. Jan. Die Tribuna meldet aus Valona:
Nachdem die Regierung den Belagerungszuſtand
verhängt hat, hat ſie ein Kriegsgericht unter Leitung der
holländiſchen Offiziere eingerichtet. Die holländiſchen
Offiziere haben im Einverſtändnis mit der Regierung die
Bevölkerung zu einer ſofortigen Auslieferung der Waffen
gezwungen. Bei den türkiſchen Offizieren, die verhaftet
wurden, als ſie von dem Dampfer „Meran” an Land
gingen, wurden bedeutende Summen Geldes gefunden.
* Rom, 8. Jan. Der Handſtreich von Valona
hat die offiziellen Kreiſe nicht überraſcht. Man wußte
von dem Plan und hatte die internationale Kommiſſion
angewieſen, Gegenmaßregeln zu treffen. Ueberraſcht war
man jedoch, daß der Verdacht gegen Ismael Kemal, mit
Izzet unter einer Decke zu ſtecken, falſch geweſen iſt. Prinz
Wilhelm zu Wied dürfte infolge des Handſtreiches ſeine
Thronbeſteigung beſchleunigen. Die in Bari
angekom=
mene albaneſiſche Huldigungsdeputation begibt ſich über
Rom direkt nach Neuwied.
* Konſtantinopel, 7. Jan. Die
Generaldirek=
tion der Preſſe im Miniſterium des Aeußern
veröffent=
licht folgendes Communiqué: Die Veröffentlichungen,
denen man ſeit einigen Tagen in der Preſſe begegnet,
wo=
nach der geweſene Kriegsminiſter Izzet Paſcha
an=
geblich in Beziehungen zu gewiſſen politiſchen
Bewegun=
gen in Albanien ſtände, ſind vollſtändig unbegründet und
erfunden.
* Wien, 7. Jan. Der Konſtantinopeler
Korreſpon=
dent der Neuen Freien Preſſe befragte den früheren
Kriegsminiſter Izzet Paſcha über die Nachricht von
ſeiner Proklamation in Durazzo. Der General
erwiderte wörtlich: Davon weiß ich gar nichts. Sie
können melden, daß ich der Sache gänzlich fernſtehe.
Ich habe ein amtliches Dementi betreffs meiner Perſon
bereits veranlaßt. Ich beſitze wohl Güter in dem jetzt
griechiſchen Südalbanien und Verwandte und Freunde in
Nordalbanien. Mit Eſſad Paſcha, namentlich ſeit ſeinen
Heldentaten in Skutari, ſtehe ich in freundſchaftlichem
Briefwechſel. Ich habe aber keinen politiſchen Ehrgeis,
ſondern will nur nach zehn Dienſtjahren ausruhen und
Europa beſuchen.
* Rom. 8. Jan. Der Präſident der proviſoriſchen
Regierung Albaniens, Ismail Kemal, telegraphierte
der Agenzia Stephani: „Valona Wollen Sie, bitte, ſo
energiſch wie möglich jede Beziehung zwiſchen
mir und Izzet Paſcha dementieren Ich
ar=
beitete und arbeite für die Proklamation des von den
Großmächten auserſehenen europä ſchen Fürſten, ohne
den weder die Unabhängigkeit noch das Schickſal
Alba=
niens geſichert werden kann.”
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Nummer 9.
* Konſtantinopel, 8. Jan. Faſt alle
Mili=
tärattachés im Auslande ſind abberufen worden
und werden durch neue erſetzt werden. Es bleiben nur
Blaque Paſcha in Wien und Chemel Bey in Berlin.
* Rom, 8. Jan. Die Tribung ſchreibt: Die
Ant=
wort des Dreibundes in der Frage der Aegäiſchen
Inſeln ſtehe nahe bevor, werde aber weder heute noch
morgen, vielleicht auch noch nicht übermorgen überreicht
werden können. Zwiſchen den Mächten des Dreibundes
herrſcht über die wichtigſten Punkte vollſtändiges
Ein=
vernehmen. Es bleibt nur noch feſtzuſetzen, wem
Lem=
nos und Samothoka zuerkannt werden ſolle.
Zur Lage in Mexiko.
* Mexiko (City), 7. Jan. Alles in Mexiko
vor=
handene Papiergeld wurde heute zwangsweiſe
in Umlauf geſetzt nach Erlaß einer Verfügung
Huertas, wodurch die Noten aller Staatsbanken als
ge=
ſetzliches Zahlungsmittel bezeichnet werden und die
An=
nahme für alle Zahlungen obligatoriſch gemacht wird.
Die Einlöſung dieſer Noten ſoll ſichergeſtellt werden durch
Fonds, die von den Ausgabebanken aufgebracht werden.
Zur Regulierung dieſer Fonds wurde eine Kommiſſion
eingeſetzt.
* Mexiko, 8. Jan. Der Erlaß Huertas übet
die Banknoten hat die Lage noch nicht gebeſſert.
Der Geldmangel in den von der Zentralregierung
kon=
trollierten Städten veranlaßt zahlreiche bedeutende
Ban=
ken, die Frage in Erwägung zu ziehen, ihre Geſchäfte zu
ſchließen. Einige Banken haben Papiergeld ausgegeben,
das auch angenommen wurde. Der Geſchäftsträger der
Union=Staaten begab ſich auf Aufforderung des
Sonder=
geſandten Lind nach Veracruz. Der katholiſche
Erz=
biſchof und andere kirchliche Würdenträger richteten an die
Umgebung Huertas die Bitte, bei dieſem alle für den
Frieden notwendigen Zugeſtändniſſe durchzuſetzen. Höhere
Militärs und andere Perſonen verſuchen Huerta von der
Notwendigkeit ſeines Rücktritts zu überzeugen.
Der Eiſenbahnerausſtand in Südafrika.
* Johannesburg, 7. Jan. Der bevorſtehende
Eiſenbahnerſtreik durch welchen die Zufuhr von
Kohlen zu den Elektrizitätswerken und Goldminen
un=
möglich gemacht würde, rief hier ſchwere
Beſorg=
niſſe hervor, da man befürchtet, daß die Minen
ge=
zwungen werden, die Arbeit einzuſtellen.
* Johannesburg, 7. Jan.Die
Eiſenbahnver=
waltung hat beſchloſſen, im Falle des Streikes einen
eingeſchränkten Bahnverkehr aufrecht zu
er=
halten. Die Banken haben das für den Export beſtimmte
ungemünzte Gold heute per Bahn abgeſchickt, anſtatt
mor=
gen. Der Streik iſt jetzt auf morgen 7 Uhr feſtgeſetzt. Nach
Nachrichten, welche die Führer der Eiſenbahner erhalten
hahen, werden ſowohl die Angeſtellten der verſchiedenen
Eiſenbahnwerkſtätten wie auch das Fahrdienſtperſonal
in den Streik treten. 300 Eiſenbahnangeſtellte aller Grade
in Braamfontein haben ſich für einen ſofortigen Streik
entſchieden.
* Kimberley, 7. Jan. Eine Abſtimmung der
organiſierten und nichtorganiſierten Arbeiter ergab 58
Stimmen gegen und 41 für den Streik.
* Kapſtadt, 7. Jan. Eine Maſſenverſammlung von
Eiſenbahnangeſtellten und Hafenarbeitern hat beſchloſſen,
über die Frage eines Streikes noch nicht
abzu=
ſtimmen, ſondern die Lage erſt in einer neuen
Ver=
ſammlung zu beſprechen. Die allgemeine Stimmung war
gegen einen Streik. Das hieſige Lokomotivperſonal hat
einſtimmig eine Reſolution angenommen, ſich an keiner,
ſaufgefordert werden. Im Laufe des Abends wurde
be=
teiligen.
* Pretoria, 7. Jan. Die Behörden erließen
heute nachmittag einen Aufruf, in dem die Bürger zur
Bildung freiwilliger Schutzmansſchaften
aufgefordert werden. Im Laufe des abends wurde
be=
reits eine große Zahl Freiwilliger vereidigt. Wie der
Korreſpondent des Reuterſchen Bureaus erfährt,
ver=
ſprachen die Mitglieder der Gewerkſchaftsverbände, den
Generalſtreik zu erklären, falls bis Samstag keine
Eini=
gung erzielt iſt.
* Pretoria, 7. Jan. Die Bürgerwehr wurde
für heute nacht zuſammengerufen. 400 Schützen der
berit=
tenen Polizei werden die Eiſenbahnſtation von
Mitter=
nacht an bewachen.
* Pretoria, 7. Jan. Der Sekretär des
Eiſenbahnarbeiterverbandes beſuchte heute
nachmittag verſchiedene Mitglieder des
Gewerkſchaftsver=
bandes, die verſprachen, um der gewerkſchaftlichen Sache
Willen nichts anzurühren, was nach 7 Uhr morgen früh
durch die Eiſenbahnzüge nach den Minen befördert würde,
ſeien es Kohlen oder Nahrungsmittel.
* Durban, 7. Jan. Die Arbeiter in den
Eiſen=
bahnwerkſtätten haben beſchloſſen, auf ein gegebengs
Signal hin ſofort mit dem Streik zu
be=
ginnen.
* Pretoria, 8. Jan. Die Angeſtellten der
Eiſenbahnwerkſtätten begaben ſich heute nicht
zur Arbeit. Die Polizei bewachte den Bahnhof und die
Werkſtätten und ſchützte die Zugangeſtellten, von denen
keiner fehlte. Der Eiſenbahnverkehr iſt normal.
* Johannesburg, 8. Jan. Das Verhalten
der Ausſtändigen iſt ruhig. Die Angeſtellten von
Braamfontein, die geſtern den Streik beſchloſſen hatten,
erſchienen zur Arbeit erklären aber, die Arbeit
nieder=
legen zu wollen, ſobald ſie dazu die Anweiſung von
Pre=
toria erhalten.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 8. Jan. Der Kronprinz hat geſtern dem
Reichskanzler einen längeren Beſuch abgeſtattet.
* Berlin, 8. Jan. Der Bundesrat ſtimmte der
Vorlage betreffend Prägung von Denk=
münzen anläßlich der Silberhochzeit des
Herzogspaares von Anhalt zu. Er vollzog
hierauf die Wahl von Beiſitzern der
Berufungskommiſ=
ſion für das Ordnungsſtrafverfahren wegen verbotener
Börſentermingeſchäfte in Getreide und nahm den Entwurf
des Beſoldungs= und Penſionsetat für die höheren
Be=
amten der Reichsverſicherungsanſtalt für Angeſtellte auf
das Geſchäftsjahr 1914 an, ferner die Vorlage betreffend
die von den privaten Verſicherungsunternehmungen zu
erhebenden Gebühren für 1913 und die Berechnung der
nach dem Reichshaushaltetats 1914 zur Deckung der
Ge=
ſamtausgabe des ordentlichen Etats aufzubringenden
Matrikularbeiträge.
* München. 8. Jan. In der heutigen
Verhand=
lung des Landtags kam bei der Beratung des
Militäretats der ſozialdemokratiſche Abgeordnete Schmitt
auf die Zaberner Angelegenheit zu ſprechen,
wobei er gegen das Verhalten des deutſchen Kronprinzen
und des preußiſchen Kriegsminiſters ſcharfe Ausfälle
richtete.
* Karlsruhe, 8. Jan. Die von der Badiſchen Warte
aus der Süddeutſchen Korreſpondenz übernommene
Nach=
richt, Staatsminiſter Freiherr v. Duſch ſei amtsmüde
und der Miniſter des Innern v. Bodman ſei als ſein
Nachfolger auserſehen, iſt, wie von maßgebender Stelle
erklärt wird, unbegründet
* Konſtanz, 8. Jan. In der heutigen
Stadtrats=
ſitzung gab der Oberbürgermeiſter Dr. Weber
die Erklärung ab, daß er wegen ſeines leidenden
Geſund=
heitszuſtandes gezwungen ſei, ſein Amt
niederzu=
legen und am 1. März in den Ruheſtand zu treten
be=
abſichtige
* Rom, 8. Jan. Die Tribuna glaubt zu wiſſen, daß
der Miniſter des Aeußern di San Giuliano in den
erſten Apriltagen nach Wien reiſen werde.
** Rom, 8. Jan. Als in der Ortſchaft Paliano,
wo es unter der bäuerlichen Bevölkerung gärt, eine
Gruppe Bauern vor den Fenſtern eines gewiſſen Andree
Tucci Demonſtrationen veranſtaltete, ſchoß Tucci auf die
Menſchenmenge und tötete ein junges Mädchen
und verletzte 30 Perſonen.
* Paris, 8. Jan. Einer offiziöſen Meldung zufolge,
wird in Paris eine aus franzöſiſchen, deutſchen, engliſchen
und ſpaniſchen Ingenieuren beſtehende Kommiſſion
zuſammentreten, um die von dem Oberingenieur der
Generalreſidentſchaft in Rabat Porché ausgearbeiteten
Pläne betreffend den Hafen von Tanger zu prüfen.
Die Kommiſſion wird auch über die Vergebung des Baues
Beſchluß faſſen.
* Waſhington, 8. Jan. Der Generalſtabschef Wood
riet dem Militärkomitee dess
Repräſentan=
tenhauſes, indem er ausdrücklich betonte, daß ſeine
Anſicht nicht durch die Lage in Mexiko beeinflußt
werde die ſechs Millionen Dollars für Feldartillerie und
Munition zwiſchen der regulären Armee und den Milizen
zu teilen. Er erklärte, wenn die Truppen im
gegenwär=
tigen Zuſtande ohne Kanonen und Munition ins Feld
ge=
ſchickt würden, bedeute dies eine vollſtändige Niederlage.
Er fügte hinzu, das Kriegsamt halte in einem Kriegsfalle
mit einer Macht erſten Ranges eine Armee von 500000
Mann für nötig, um Ausſicht auf Erfolg zu haben. Im
Invaſionsfalle müßte dieſe Anzahl ſofort zur Verfügung
ſtehen, damit man eine genügende mobile Streitmacht
bil=
den könne.
Die Kommiſſion für die Rüſtungslieferungen.
* Berlin, 8. Jan. In der heutigen Sitzung der
Kommiſſion zur Prüfung der
Rüſtungs=
lieferungen waren ſämtliche Mitglieder und
zahl=
reiche Mitglieder der betreffenden Reſſorts vertreten. Der
Vorſitzende, Staatsſekretär Dr. Delbrück, gab eine
län=
gere Darlegung. Daran ſchloß ſich eine Diskuſſion. Die
Beratungen werden morgen fortgeſetzt.
Zum Ausgleich in Böhmen.
* Wien, 8. Jan. Miniſterpräſident Graf Stürgkh
richtete an die Vorſtände der Parteien Böhmens
Ein=
ladungen zu einleitenden Beſprechungen
über die Ausgleichsfrage. Bei den
Beſprech=
ungen, die am 20. Januar ſtattfinden werden, wird den
Parteivertretern von der Regierung eine Ausarbeitung
des Entwurfs vorgelegt werden, die als Baſis für die
weiteren Verhandlungen beſtimmt iſt.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit und bei dem Hinſcheiden
meines lieben, guten Gatten, unſeres Vaters,
Sohnes, Bruders, Schwiegerſohnes, Schwagers
und Onkels
Herrn Carl Ueker
Eiſenbahn=Aſſiſtent
ſagen wir Allen, insbeſondere Herrn Pfarrer Marx
für die troſtreichen Worte, dem Trompeterkorps
des Großh. Heſſ. Train=Bataillons Nr. 18, den
Stations= und Telegraphenbeamten des
Haupt=
bahnhofs Darmſtadt, dem Verein mittlerer
Staats=
eiſenbahn=Beamten, ſowie für die überaus
zahl=
reichen Blumenſpenden auf dieſem Wege unſeren
(1432
innigſten Dank.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen:
J. d. N.:
Christine Ueker, geb. Hallstein.
Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige
Pflicht, ihre lb. A. H. A. H. und A. M. A. M.
von dem am 19. Dezember 1913 in Raſtatt i. B.
erfolgten Ableben ihres lieben A. H. (1412
Herrn
aktiv W. S. 97/98 — W. S. 98/99
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Die A. T.V. „Alemannia‟
J. A.:
Rich. Halbach X.
Darmſtadt, am 9. Januar 1914.
Statt jeder beſonderen Nachricht.
Wir machen hierdurch die traurige
Mit=
teilung, daß unſer lieber Vater,
Schwieger=
vater und Großvater
(1411
Georg FriedrichBraun
heute vormittag im 87. Lebensjahre ſanft
entſchlafen iſt.
Darmſtadt, den 8. Januar 1914.
Lilli Braun,
Familie Vonderheit.
Die Beerdigung erfolgt in der Stille.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des
Ver=
ſtorbenen.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute früh 8 Uhr entſchlief ſanft nach
kurzem, ſchwerem Leiden im 36. Lebensjahre
meine innigſtgeliebte Gattin, die liebe Mutter,
Schweſter, Schwägerin und Tante
(*654
Frau
Margarethe Frank
geb. Spengler.
Darmſtadt, den 8. Januar 1914.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Anton Frank,
Kunſt= und Handelsgärtner.
Die Beerdigung findet Samstag, den 10. Jan.,
vom Sterbehaus Pankratiusſtr. 49 aus, ſtatt.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater Anfang 7½ Uhr, Ende gegen
10½ Uhr (Ab. D): „Filmzauber”
Vorſtellung um 8 Uhr im Orpheum.
Vortrag von Profeſſor Dr. Bulle um 8½ Uhr im
„Kaiſerſaal” (Vereinigung der Freunde des
humaniſti=
ſchen Gymnaſiums).
Verſteigerungskalender.
Samstag, 10. Januar.
Bauplatz=Verſteigerung des Ludwig Finger
(Rhönring) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil: Max Streeſe; für den Inſeratenteil,
Inſeratbeilagen und Mitteilungen aus dem
Geſchäfts=
leben: Carl Sriedrich Romacker, ſämtlich in Darmſtadt. —
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren.
Etwaige Honorarforderungen ſind beizufügen;
nachträg=
liche werden nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte
werden nicht zurückgeſandt.
Nummer 9.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
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jeder verlangten Form kann geleiſtet werden. Diskretion wird
er=
wartet. Vermittler höfl. verbeten.
(*616
Offerten unter W 34 an die Exped. ds. Blattes.
Dame
mit violettem Kleid,
mit grünem Hut und weißer
Feder, die am 7. Januar
1914 im Café Ernſt=
Lud=
wig in Begleit. eines Herrn
und einer Dame war, wird,
wenn Annäherung geſtattet,
um Lebenszeichen unt. E. Z.
1000 Darmſtadt
hauptpoſt=
lagernd gebeten.
(*607
Entlaufen
am Mittwoch nachmittag
deutſcher, kurzhaar. Jagdhund,
hellbraun geſcheckt, ohne
Hunde=
marke. Vor Ankauf wird gewarnt.
Wiederbringer Belohnung.
Wilhelminenſtr. 59.
*657)
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Valencia-
Orangen
10 Stück . . 48 Pfg.
extra große ſüße
10 Stück 58 Pfg.
feinſte ſüße
Murcia-Orangen
10 Stück 68 Pfg.
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ſper Stück von 4 Pfg. an
Friſche Sied=
Pfg.
10 Stück von 68 an
empfiehlt
Darmſtädter
Tiergroßhandel
Hath. Rosenstock
Ludwigſtr. 18, Filial. Karlſtr. 102,
Kaupſtr. 42, Landwehrſtr. 13
und
Nd.=Ramſtädterſtr. 53.
1425
20
12210
sowie alle modernen und hier üblichen Tänze lehrt einzelnen
Personen und Gesellschaften zu jeder beliebigen Zeit
Tanzlehrer Guttmann
Telephon 1679
Wendelstadtstr. 26.
(1067ifg
[ ← ][ ][ → ]Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Nummer 9.
SAISON-ASSVERRAUFF
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Grafenſtr. 22, 1. St.
(*651
nimmt noch
Tücht. Schneiderin Kunden in
u. auß. dem Hauſe an, daſ. wird
Weißnäh u. Maſchinenſtopf.
ange=
nomm. Näh. Ruthsſtr. 19, I. (*5981g
perf. in ſein. Damen=
Schneiderll, u. Kindergarderobe,
nimmt noch Kundſch. an in u. auß.
d. H. Rhönring 123, III. (*381mf
Aelt. anſtänd. Fräulein ſucht
Stelle zu einzelnem Herrn als
Haushälterin. Offerten unter
W12 an die Expeditton. (*538df
Frau h. noch T. z. Waſch. u. Putz.
frei. Näh. Lauteſchlägerſtr. 48, II. (*18
Jg. ſaubere Frau ſucht morgens
2 Std. Laufſtelle Löffelgaſſe 23,
parterre, rechts.
(*591
Jg. Frau ſ. Aufwärtung nur m
nettem, angene)m. Haush. Näh.
Pallgswieſenſtr. 37, 3. St. (*652
Junge franz. Schweizerin
ſucht Stelle zu Kindern für 1.
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Freundinnen=
büro Wittmannſtr. 45. Sprechſtdn.
Montag und Donnerstag von 11
bis 12 Uhr.
(*645
Männiien
Ein Her, verhetralet, empiehlt
ſich zur Anfert. aller ſchriftl. Arb.,
Nachtragen von Büchern insbeſ.
Anfertigung jeglicher Geſuche an
alle Behörd. Ludwigſtr. 10 II. (*586
Zuverläſſiger, verh. Mann ſucht
anderweitig Sellung als Kafſter,
Lageriſt od. ſonſt Vertrauenspoſt.
Kaulion kann geſtellt werd. Off.
u. W45 an die Exp. (*642fi
Dunge, 16 J. alt, ſucht Stelle als
Hausburſche od. dergl. ſofort.
Näh. Arheilgerſtr. 75, Lad (*545df
n verh., ſucht Stell.
Jg. Mann als Haus= oder
Fahrburſche. Derſ. iſt im Fahren
bewand. Zeugn. vorh. Zu erſr. bei
A. Lohr, Fuhrmannſtr. 12, I., r. (*594
Junger Mann
militärfrei, ſucht Stelle als
Haus=
od. Fahrburſche ſofort od. ſpäter.
Gute Zeugn. vorhand. Off. u. W43
a. d. Exped. d. Bl. erbeten. (*625fs
gedienter Artilleriſt, im 2. Jahre
Majorsburſche, fleißig u.
gewiſſen=
haft, ſuch als Herrſchaftskutſter
dauernde Stellung. Da verheiratet,
kann Hausverwaltung mit
über=
nommen werden. Gefl. Offerten
unter W 53 an die Expedition
dieſes Blattes.
(6591s
Käffe
W.
zu Per 1. März 2m
ſuchen tüchtige
Verkäuferin
für unſere Putz=Abteilung.
Offert. mit Zeugnisabſchriften
u. Gehaltsanſprüchen erbitten
Cehr. Rolsehlt
Markt. (164a
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Putzverkäuferinnen
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Wir ſuchen per 15. Februar
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Verkäuferin
für unſere Putzabteilung. Offert.
nebſt Gehaltsanſprüchen, Zeugnis=Tüchtiges, gewandtes Daus=
Abſchriſten und Photographie
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beten an
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Carl Schürmann & Co.
ge=
II. Putzarbeiterin ſucht.
Gg. Heckmann-Schmidt
Darmſtadt. (117 mdf
Wir ſuchen zum Eintritt per
1. Febr. einige tüchtige (1372
Putz-
arbeiterinnen
Garlseautrmanngte.
ſelbſtändige Arbeiterin, die auch
im Verkauf tätig ſein muß, zum
15. März geſucht. Offerten mit
Zeuanisalſchriften und
Gehalts=
forderungen unter W 41 an die
Expedition.
Wir ſuchen für unſer
Mode=
warengeſchäft per Oſtern einige
Lehrmädchen
gegen ſofortige ſteigende Ver=
(1373
gütung.
Carl Schürmann &Co.
Weien Erkrankung meines jetzigen
W Mädchens ſuche für ſofort ein
für die Haus=
Mädchen arbeit. (177a
L. Graßmann. Wilhelminenſtr. 6.
Wetblich
Köchin, die Hausarbeit
ver=
richtet, wird ab 1. Februar oder
früher geſucht. Nur ſolche mit
guten Zeugniſſen haben ſich zu
melden. Offerten unter W 44
(*620
an die Exped. d. Bl.
Jg. ſanb. Mädchen
das kochen kann, tagsüber
geſ. Kiesſtr. 66, II. (1077a
Rheinſtraße 3, 2. Etage.
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geſucht zu 2 Damen. Eintr. 1. Febr.
Nähen und Bügeln verlangt.
t
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Lauffrau nachmittags
Grüner Weg 14, pt.
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über geſ Viktoriaſtr. 69, I. (*608 h
Mädchen
zum Spülen und Putzen ſofort p
geſucht. 30 Mk. Gehalt. (*596F
Britannia=Hotel.n
Chriſtliches Dienſtmädchenlo
ſof. geſ. für alle Arbeit und zu
2 Kind. Wienersſtr. 52, II., I. (*597 Aushilfe tagsüber oder Lauf=
frau auf ſofort geſucht Roßdörfer=a
ſtraße 76, III.
(1405fs Laufmädchen ſofort geſucht
Mathldenſtraße 17 (*67 Unabhängiges, ſauberes Lauf=
mädchen oder Frau für 2 Stun=?
den vormittags geſucht Bismarck=
(*614
ſtraße 31, I. mädchen für ſofort oder 15. Jan.
geſucht. Gute Zeugniſſe Beding=
(*613fo
ung. Näheres
Wilhelmſtraße 18. Wbaſchfrau e
Läheres Exvedition. (*3291s Zum baldigen Eintr. ſauberes
ordtl. Dienſtmädch. geſ. Frau Postrat
Scherpo, Martinſtr. 70, I. (*583fs Zwölfähriges
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(*585
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Zeugniſſen, das koch. kann u.
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S che Laufmädch. für vorm.
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Lauffrau
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ig u. zuverläſſig, für morgens
nachmittags
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Martinſtraße 52, I.
Mäanlieh
Welcher Kaufmann
ünche
Tüchtige
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(26
allr Vereuf
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ze Vakanzen=
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Oe e ee
Korkenfabrik
ſucht b. Weinhdl. u.
Brauer=
eien ꝛc. eingef. Platzvertreter
f. Darmſtadt u. Umgeb. Off.
unt. F. T. M. 186 an Rudolf Mosse,
(I, 1383
Trankfurt a. M.
Mlaniger Schihnacher
35dtz.
Friedrichſtraße 13.
Güng. reinl. Hausburſche ſofort
geſ. (Kein Fortbildungsſchüler).
Roßdörferſtraße 40.
(*547df
ſichiger
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Hoſleſeranten
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Junger, ſauberer Hausburſche
Radfahrer) per ſofort geſucht
Hofmetzger Schneider
Holzſtraße 5. (*619
in
Junge Lehre geſucht.
J. Luckhaupt, Tapeziermſtr.,
Mühlſtraße 62. (*603
Hieſiges en gros Geſchäft ſucht
für Oſtern
(1401fsg
Lehrling.
Off. unt. W 33 an die Exped.
Ordentlicher Junge kann geg.
ſof. Vergütung die ſeinere
Maß=
ſchuhmacherei erlernen. Eintritt
ſofort ider auf Oſtern.
J. Lotz, Schuhmachermeiſter,
Saalbauſtr. 38. (1417fse
Junge, ſtrebſame Leute
ſuchen die Leitung einer Filiale
zu übernehmen (gleich welcher
Branche). Kaution kann geſtellt
werden. Off. unter V 33 an die
Exped. d. Bl. erbeten. (1968a
und Rar bei der Della=
Beihilſe ration z. Wehrsteuer
von erfahrenem Herrn. (*581
Näh. unt. W. St. 13 an Café,
Landgraf Georgſtr. 34, part.
Hektdr.
Ich ſuche für Verwandten ohne
deſſen Vorwiſſen ein tüchtiges,
einfaches, aber nicht ungebildetes
Fräulein. Er iſt Beamter in nettem
Städtchen, 39 Jahre alt,
evange=
liſch, ledig, 3400 (bis 4800) Mk.
Ge=
halt, ſchuldenfrei vermögend und
wird deshalb größeres Vermögen
gewünſcht. Offerten mit Angabe
der Familien= und genanen
Ver=
mögensverhältniſſe unter W 32
an die Exped ds. Bl. (*611
Diskretion Ehrenſache. Anonym
und poſtlagernd ganz zwecklos.
Mittlerer Beamter, 43 Jahre,
M vermögend, mit 3 erwachſen.
Kindern, ſucht die Bekanntſchaft
eines braven Mädchens, welches
kinderlieb u. ein ſorgenfr. gemütl
Heim ſucht, wenn auch ohne Verm.,
zwecks bald. Heirat. Offert. u.
W 42 an die Expedit. (*821
Jg. Mann, 25 J., mit ſicherem
Einkomm., jährl. 3—4000 Mk.,
ſucht ſich ſofort b. längſt. Anfang
Febr. m. Frl. od. Witwe, ev. mit
1 Kind, zu verheir. Annon. zweckl.
Off. u. W 7 a. d. Exped. (*506df
vermittelt ſtreng reil
Heiraten ohne Vorſpeſen. Off.
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Kakaos- und Schokoladen-Niederlage.
Wir ſuchen zur Bedienung unſerer Privatkundſchaft und
Mtent. 3.
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Geſucht
möglichſt per ſofort
größere Lager= und Kellerräumlichkeiten
ev. mit Laden am Markt
oder unmittelbarer Nähe desſelben. Gefl. Offerten mit
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gabe der Laze, der Größe und des Preiſts erbeſen unter
G. 14047 an Haasenstein & Vogler, A.-G.,
Frank-
furt a. M.
(II,1384
Nummer 9.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Seite 11.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Wolfshund. 1 ſchottiſcher Schäferhund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittaas 10 Uhr, ſtatt.
(1392
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Organiſation des Rettungsdienſtes in der Stadt
Darmſtadt.
Der allgemeine Rettungsdienſt (Hilfeleiſtung bei
Unglücks=
fällen) wird in der Stadt Darmſtadt von der ſtändigen
Rettungs=
wache der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz dahie
ausgeführt. Die Mitglieder dieſer Kolonne ſind im Rettungs= und
Krankenträgerdienſt ausgebildet und ſtehen zur Leiſtung der erſten
Hilfe bei Unglücksfällen zur Verfügung. Die ſtändige
Rettungs=
wache hat ihren Sitz in dem Hauſe Bismarckſtraße 28. In deſſen
Erdgeſchoß befindet ſich der vom Hauseingang zu erreichende
Ver=
bandsraum, das Krankentransport=Automobil und der mit Pferden
beſpannbare Krankenwagen; in dem 1. und 2. Obergeſchoß der Tages=
und Schlafraum der Wache, ſowie die Wohnung des Obmanns der
Rettungswache.
Der Rettungsdienſt iſt folgenderweiſe organiſiert:
I. Um bei plötzlichen Unglücksfällen die erſte Hilfeleiſtung
raſch zu ermöglichen, ſind an den nachſtehend aufgeführten 21 Stellen
der Stadt Räderbahren (R.=B.), Krankentragen (K.=T.) und
Ver=
bandskäſten (V.=K.), für das Publikum jederzeit zugänglich,
auf=
geſtellt:
1. Dienſtgebäude des Großh. Polizeiamts Hügelſtraße 31/33
(V.=K.)
2. Dienſträume des I. Polizeireviers (V.=K.)
3. Dienſträume des II. Polizeireviers (V.=K.)
4. Orpheum (V.=K.)
5. Alicehoſpital (K.=T.)
6. Oberwaldhaus (K.=T. und V.=K.)
7. Einſiedel (K.=T. und V.=K.)
8 III. Polizeirevier: Griesheimer Weg 28, Maſchinenfabrik
Göbel (K.=T.)
9. Ständige Rettungswache der Sanitätskolonne,
Bismarck=
ſtraße 28 (3 R.=B.)
10. Landwehrſtraße 79: Zugführer der Sanitätskolonne Stier
(V.=K. und R.=B.)
11. Dienſträume des IV. Polizeireviers (V.=K.)
12. Karlſtraße 55: Kaufmann Chriſt (V.=K.)
13. Dienſträume des V. Polizeireviers (R.=B. und V.=K.)
14. Heidelberger Straße 72: Sanitätskolonnenmitglied Friſeur
Zeſchky (V.=K.)
15. Klappacherſtraße 90 (Oktroihaus) (K.=T.)
16. Ludwigshöhe: Reſtaurateur Wenz (K.=T. und V.=K.)
17. Dienſträume des VI. Polizeireviers (V.=K.)
18. Im Geißenſee 9: Lehrer Heinrich Schäfer (V.=K.)
19. Böllenfalltor, Elektriſche Wagenhalle (K.=T.)
20. Dienſträume des VII. Polizeireviers (V.=K.)
21. Arheilger Straße 43 (V.=K.)
Außerdem ſteht zur Beförderung der Krankentransport=
Kraftwagen und ein geſchloſſener mit Pferden beſpannbarer
Kranken=
wagen zur Verfügung.
II. Die Inanſpruchnahme der Hilfeleiſtung erfolgt entwede
durch Vermittlung der Polizeiwache, Hügelſtraße 31/33 (Telephon
Nr. 8 und 109) oder durch unmittelbaren Anruf der ſtändigen
Rettungswache (Telephon Nr. 1707). Beide Stellen können von
eder Fernſprechſtelle der Reichsfernſprechanlage, ſowie von jeder
Feuer= und Unfall=Meldeſtelle, die als ſolche durch Schilder und
Laternen gekennzeichnet iſt, zu jeder Tages= und Nachtzeit angerufen
erden. Die Bermittlung kann auch durch die einzelnen
Polizei=
reviere erfolgen, die an die Reichsfernſprechanlage angeſchloſſen ſind,
und zwar:
I. Polizeirevier: Tel. Nr. 2161,I V. Polizeirevier: Tel. Nr. 2165,
II
2162,
„ 2166,
III.
2163, IVII.
„ 2167.
IV
2164,
III. Bei Veranſtaltungen, mit denen eine größere
Menſchen=
anſammlung oder eine erhöhte Gefahr für die Teilnehmer
ver=
bunden iſt, werden zufolge polizeilicher Anordnung Sanitätsmann
ſchaften von der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz
geſtellt, die mit den erforderlichen Hilfsmitteln ausgeſtattet ſind.
Insbeſondere ſind bei jeder Vorſtellung im Großh. Hoftheater
land im Orpheum zwei Krankenträger zur Verſehung des
Rettungs=
dienſtes anweſend. Bei jedem größeren Brand hat ſich eine
Ab=
eilung der Sanitätskolonne an der Brandſtelle einzufinden. Falls
Hilfeleiſtungen in außergewöhnlich großem Umfang notwendig werden
ſollten, ſind Alarmvorkehrungen getroffen, durch die die Heranziehung
der geſamten freiwilligen Sanitätskolonne in kürzeſter Zeit
gewähr=
eiſtet iſt.
(1009id
Darmſtadt, den 3. Januar 1914.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Feuer= und Unfallmeldeſtellen.
Die zurzeit in der Stadt Darmſtadt vorhandenen Feuer= und
Unfallmeldeſtellen bringen wir hierdurch wiederholt zur öffentlichen
Kenntnis.
Die Meldeſtellen ſind ſämtlich mit der Haupt=Polizeiwache im
Polizeiamtsgebäude und der Feuerwehrwache durch eine beſondere
ſtädtiſche Fernſprechleitung verbunden und jederzeit, auch nachts
zugänglich. Sie ſind durch Schilder und während der Dunkelheit
durch Laternen mit grünen (bei Polizeiwachen blauen) Scheiben und
entſprechender Inſchrift kenntlich gemacht.
Das Polizeiamt kann außerdem von jeder Fernſprechſtelle der
Reichsfernſprechanlage jederzeit, auch nachts, angerufen werden
(Telephon Nr. 8 und 109), ebenſo die Feuerwehrwache in der
Kirch=
ſtraße (Telephon Nr. 1772) ſowie die einzelnen Polizeireviere (I. Revier:
Telephon Nr. 2161, II. Revier: Telephon Nr. 2162, III. Revier:
Telephon Nr. 2163, IV. Revier: Telephon Nr. 2164, V. Revier:
Telephon Nr. 2165, VI. Revier: Telephon, Nr. 2166, VII. Revier:
Telephon Nr. 2167). Um Verzögerungen zu vermeiden, empfiehlt
les ſich, Feuermeldungen direkt der Feuerwehrwache (Telephon
Nr. 1772) oder dem Polizeiamt (Telephon Nr. 8 und 109)
zu übermitteln.
Die Rettungswache der Freiwilligen Sanitätskolonne befindet
ſich in dem Hauſe Bismarckſtraße Nr. 28 (Telephon Nr. 1707).
Darmſtadt, den 3. Januar 1914.
(1010id
Großh. Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
Feuer= und Unfallmeldeſtellen in der Stadt Darmſtadt:
Im I. Polizei=Revier:
1. Kirchſtraße 9 (Polizeiwache).
2. Alexanderſtraße 10 (Branddirektor Fiſcher).
3. Kirchſtraße 13 (Feuerwehrwache).
4. Obergaſſe 42 (Bäckermeiſter Heinrich Jäckel).
Im II. Polizei=Revier:
1. Alexanderſtraße 26 (Polizeiwache).
2. Dieburger Straße 104 (Oktroi=Erhebeſtelle).
3. Erbacher Straße 41 (Oktroi=Erhebeſtelle).
4. Kranichſteiner Straße 58 (Oktroi=Erhebeſtelle).
Im III. Polizei=Revier:
1. Lagerhausſtraße 5 (Polizeiwache).
2. Bleichſtraße 13 (Hofbäckermeiſter Mainzer).
3. Feldbergſtraße 71 (Bäckermeiſter Deuchert).
4. Griesheimer Weg 57 (Maſchinenfabrik Göbel).
5. Pallaswieſenſtraße 33 (Bäckermeiſter Sproß).
6. Pallaswieſenſtraße 121 (Kolonialwarenhdlg. von W. Deeg).
7. Rheinſtraße 55 (Oktroi=Erhebeſtelle).
8. Dornheimer Weg 31 (Gaſtwirt Miſchlich).
9. Dornheimer Weg 60 (Elektrizitätswerk).
Im IV. Polizei=Revier:
1. Hügelſtraße 31/33 (Polizeiamts=Wache).
2. Waldſtraße 21 (Polizeiwache).
3. Heidelbergerſtraße 17 (Oktroi=Erhebeſtelle).
4. Heinrichſtraße 42 (Kolonialwarenhandlung von Jean Chriſt).
5. Saalbauſtraße 29 (Kolonialwarenhandlung von Wilh. Beck).
6. Waldſtraße 17 (Lohnkutſcher Fiſcher).
Im V. Polizei=Revier:
1. Ludwigshöhſtraße 4 (Polizeiwache).
2. Heidelberger Straße 112 (Oktroi=Erhebeſtelle).
3. Karlſtraße 98 (Bäckermeiſter Hofmann).
4. Klappacherſtraße 90 (Oktroi=Erhebeſtelle).
5. Schießhausſtraße 64 (Kolonialwarenhandlung von Axt).
Im VI. Polizei=Revier:
1. Nieder=Ramſtädterſtraße 51 (Polizeiwache).
2. Hochſtraße 44 (Schuldienerwohnung der Viktoriaſchule).
3. Im Geißenſee 8 (Lehrer Wilhelm Grimm).
4. Soderſtraße 79 (Bäckermeiſter Heinrich Lepp).
Im VII. Polizei=Revier:
1. Schwanenſtraße 66 (Polizeiwache).
2. Arheilger Straße 43 (Städt. Faſelſtall).
3. Frankfurter Straße 59 (Oktroi=Erhebeſtelle).
4. Schloßgartenplatz 14 (Gendarmerie=Kaſerne).
Freiſtellen an den Mittelſchulen.
Geſuche um Freiſtellen an den Mittelſchulen für das
Schul=
jahr 1914/15 ſind bis zum 15. Januar 1914 bei mir einzureichen.
Es wird darauf hingewieſen, daß Freiſtellen nur bis zu 5%
der Zahl der Schüler und Schülerinnen und nur in den vier oberſten
Klaſſen vergeben werden können. Vorausſetzung der Bewilligung
iſt die Bedürftigkeit der Eltern ſowie regelmäßiger Schulbeſuch,
Fleiß, Ordnungsliebe, Reinlichkeit und gutes Betragen des
betreffen=
des Kindes.
Die Vergebung der Freiſtellen erfolgt auf ein Jahr und in
ſtets widerruflicher Weiſe. Für die Kinder, die für das laufende
Schuljahr im Beſitze einer Freiſtelle ſind, muß ſonach um weitere
Verleihung nachgeſucht werden.
In den Geſuchen iſt außer dem Beruf und der Wohnung der
Eltern oder der Pflegeeltern noch die Schulgruppe, die das betreffende
Kind beſucht, anzugeben.
(246fof
Darmſtadt, den 29. Dezember 1913.
Der Oberbürgermeiſter
Dr. Gläſſing.
Stenographen-Vereinigung, Gabelsberger‟
Übungslokal: Luisenstr. 10, II. (Handelsschule Held & Schneider).
Lehrgang für Anfänger
unter bewährter Leitung Montag, den 12. Januar.
1415)
Honorar Mk. 6.—.
Paul Kratzsch
staatl. geprüfter Lehrer der Stenographie.
Wittmannstrasse 31.
Garrenkanst
Auf Wunſch des Gartenbauvereins veranſtalten wir, anſchließend
an den Lichtbildervortrag des
Herrn Gartenarchitekten Hans Gerlach
über die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts und ihre ſoziale Bedeutung
am Donnerstag, den 8. Januar 1914
im Kaiſerſaal (Grafenſtraße), abends 8 Uhr,
eine Gartenkunſt=Ausſtellung
und laden hiermit zum Beſuche dieſer Veranſtaltung ergebenſt ein.
Eintritt frei.
W. Cossmann Nachf.
Wirtz & Eicke, Gartenarchitekten,
Darmſtadt, Neckarſtraße 11.
(844a
Mein diesjähriger
Saison-
Ausverkauf
beginnt (*643
Samstag, 10. Dezember
Auf ſämtliche feineren
Schuhwaren
am Lager gebe ich
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Extra-Rabatt!
Winterſchuhe und Stiefel
verkaufe, um gänzlich
da=
mit zu räumen, zu u. unter
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Ich führe nur einen kleinen
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Waren hier an.
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für die Schwitzbäder 1½ Stunde
vor Ablauf der Badezeit.
Die Badeverwaltung.
Bekanntmachung.
Freitag, 30. Januar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Gaſtwirt Heinrich
Steinhaus Eheleuten dahier
zuge=
ſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
17 25 1062 Hofreite
Sand=
ſtraße Nr. 40,
nebſt
Wirt=
ſchafts=
In=
ventar,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K72/13
Falls andere rechtliche
Hinder=
liſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
eicht.
Darmſtadt, 5. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII, 1389
Bekanntmachung.
Freitag, 30. Januar I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Zimmermann
Lud=
wig Roßler Eheleuten dahier
zu=
geſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
I 427 212 Hofreite Kleine
Kaplaneigaſſe
Nr. 5,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
erſteigert werden. (K63/13
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, wird
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das
einge=
legte Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 5. Januar 1914.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (VIII.1388
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Samstag, 10. Januar 1914, abends 8 Uhr,
im Festsaale der Turngemeinde:
KONZERT
von
Franz von Vecsey (Violne)
unter Mitwirkung
(1429
von Professor Hermann Lafont (Klavier).
Programm: 1. Konzert in E-moll für Violine, op. 64 von
Felix Mendelsschn. 2. Chaconne für Violine allein aus der 4. Sonate
in D-moll von Johann Sebastian Bach. 3. Symphonie Espagnole
für Violine, op. 21 von Fduard Lalo. 4. Vier Stücke für Violine:
a) Adagio aus dem 11. Violin-Konzert von Ludwig Spohr, b) Valse
mignonne (zum erstenmale) von Paul Juon, c) Nocturne Des-dur von
Friedrich Chopin, d) Caprice (zum erstenmale) von Franz von Vecsey.
Der Schiedmayer-Konzertflügel ist aus dem Lager der
Piano-
fortefabrik von Karl Arnold (Mühlstraße 12).
Eintrittskarten für Nichtmitelieder: Sperrsitz im Saal zu
5 Mk., Saalkarten zu 3 Mk., Numerierter Balkon zu 3 Mk. und
Galerie zu 1.50 Mk.; Studentenkarten zu 1 Mk. und Schülerkarten
zu 50 Pfg. bei Heinrich Arnold, im Verkehrsbüro und abends
an der Kasse. — Beitrittserklärungen für das am 1. Januar
begonnene neue Vereinsjahr, die noch vor dem obigen Konzerte
erfolgen, berechtigen zu dessen freiem Besuche. Der Jahres-
Der Vorstand.
beitrag beträgt 12 Mk.
Freie Eterarisch-Kunstierische Gesellschalt.
Montag, 12. Januar, abends 8 Uhr, Mathildenhöhsaal
(Dieburgerstrasse 26):
Rudolf G. Binding (Buchschlag)
liest seine Dichtungen.
Karten für Nichtmitglieder zu Mk. 3.—, 2.—, 1.— in
A. Bergstraesser’s Hofbuchhandlung, Rheinstrasse 6 und an
(1400
der Abendkasse.
Vereinigung uel Freunde deb Hamahist. G)hhablums
Einladung.
Freitag, den 9. Januar 1914, 8½ Uhr abends,
im Kaiſerſaal, Grafenſtraße
Vortrag mit Lichtbildern
von Herrn Univerſitätsprofeſſor Dr. Bulle=Würzburg
über:
„Die griechiſche Schönheit”
Gäſte, auch Damen, willkommen.
(1378
Eintritt frei.
Der Vorſtand: Velte.
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.—
(B271
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe
SüD-riRoL. WäRMSTER KLIMATIScHER
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der Oester.-Ung. Monarchie.
Prospekte, Hotel- und
Pensionsver-
zeichnisse durch die Kurverwaltung.
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10. Ausflug
Sonntag, den 11. Jan. 1914.
Odenweldk
Ziel:
Zwingenberg.
Abmarſch8Uhr
pünktl.
Lands=
kronſtr.
Marſch=
zeit 6¼ Stund.
Führer:
H. u. K. chäfer.
Teilnehmer=
kart. bei R.
Berg-
pe Dart mann u. Frei=
(1376
tags im Kruviokal.
Der Vorstand.
Anfing 8 Uhr.
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Iil Marthentaude.
Ab Mittwoch, den 7. Januar
finden im Lichtbildtheater,
Grafenſtr. 12, tägl. um 3 u. 5 Uhr
Märchenvorträge mit
wunder=
vollen Bildern aus Künſtlerhand
von Heinz Weila ſtatt.
Eröffnungsprogramm:
1. Frau Holle mit Bildern v. F. Kunz.
2. Hans im Glück m. Bild. v. Hans Schroedter.
3. Heinzelmäunchen m. Bild. v. A.
Schmid-
hammer, (humoriſtiſch).
4. Rotkäppchen m. Bild. v. A. Schmidhammer.
5. Bilder aus den 3 Helden v. A.
Schmid-
hammer, (humoriſtiſch).
Muſikaliſche Einlagen zwiſchen
den Rezitationen.
Preiſe: I. Pl. 50 Pf., II. Pl. 30 Pf.,
III. Pl. 15 Pf.
Programme u. Karten im
Vor=
verkauf ſind in der Papierhandlung
von Lautz, Ecke Rhein= u. Grafen=
(1334a
ſtraße, zu haben.
ORPHEUM
Gastspiel: Max
Walden-Ensemble.
Freitag,
Mente
9. Januar
und folgende Tage:
Nur noch wenige
Aufführungen!
Die erfolgreiche Flieger-Posse:
Restaurat. Michael Roth.
Samstag, den 10. Jan. 1914:
Meßzel=
Suppe
wozu freundlichſt einladet (*514fs
Ludwig Roth, Wirt.
Im 2. Akt:
Gross. Gesangs- u. Tanzfinale
(Bärentanz und Schieber)
— Nächste Novität:
DasFarmermädchen
Operette in 3 Akten.
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Großherz. Hoftheater.
Freitag, den 9. Januar 1914.
87. Abonnem.=Vorſtellung. D 23.
Filmzauber.
Poſſe mit Geſang und Tanz in
4 Bildern von Rudolph Bernauer
und Rudolph Schanzer. Muſik
von Walter Kollo und Willy
Bredſchneider.
Spielleiter: Bruno Harprecht.
Muſikal. Leiter: Erich Kleiber.
Perſonen:
Erſtes Bild.
„Franz und Fränze‟.
Adalb. Muſenfett Br. Harprecht
Fränze Papendieck Käthe Gothe
Max Rademacher Frz. Schneider
Wanda Hammer=
Hede Schaub
ſchmidt .
Eufemia Breit= Minna Müller=
ſprecher .
Anaſtaſius .
v. Klemczinski
„Rudolph
Paul Peterſen
Rich. Jürgas
Maria Geſticulata Charlotte Pils
Clement. Feiſtle
Erſtes
Louiſe Kümmel
Zweites
Drittes Tipp= Lydia Riethof
Viertes (fräulein Evelyn Moore
L. Sturmfels
Fünftes
Eva Unger
Sechſtes)
Zweites Bild.
„Napoleon
und die Müllerstochter”.
Friedrich Auguſt
Käſebier . . . Adolf Jordan
Cordula, ſ. Frau Sofie Doſtal
Adalbert
Muſen=
fett . . . . . Br. Harprecht
FränzePapendieck Käthe Gothe
Max Rademacher Frz. Schneider
Wanda Hammer=
Hede Schaub
ſchmidt .
Maria Geſticulata Charlotte Pils
Eufemia Breit= Minna
Müller=
ſprecher .
Rudolph
Paul Peterſen
Anaſtaſius .
Thomas Rind=
. Adolf Klotz
fleiſch
(In der Filmaufnahme: Die
Völ=
kerſchlacht bei Leipzig.)
Napoleon(
Muſen=
fett) . . .
Br. Harprecht
Müllerstochter
. Käthe Gothe
(Fränze) .
Marketenderin 1 Minna Müller=
(Eufemia) .
Rudolph
Der meldende
Offizier.
Heinrich Geyer
Der Spion.
Fr. Jachtmann.
Drittes Bild:
„Hab’n wir uns nicht ſchon
mal kennen gelernt?‟
Geheimrat
Papen=
dieck .
Heinrich Hacker
Fränze, ſ. Tocht. Käthe Gothe
Adalb. Muſenfett Br. Harprecht
Friedrich Auguſt
Käſebier . . . Adolf Jordar
Wanda
Hammer=
ſchmidt .
Hede Schaub
Max Rademacher Frz. Schneider
v. Klemczinski . Richard Jürgas
Eufemia Breit= 1 Minna Müller
ſprecher . . .
Rudolph
Viertes Bild:
„Otto der Faule‟.
Adalb. Muſenfett Br. Harprecht
Fränze Papendieck Käthe Gothe
Friedrich Auguſt
Käſebier
Adolf Jordan
Cordula Käſebier Sofie Doſtal
Max Rademacher Frz. Schneide.
Wanda
Hammer=
ſchmidt . .
Hede Schaub
v. Klemczinski . Rich. Jürgas
Eufemia Breit=1 Minna
Müller=
ſprecher
Rudolph
Thomas Rind=
,
fleiſch
. Adolf Klotz
Anna,
Stuben=
mädchen . . . Ellen Widmann
Preiſe der Plätze (Gew.
Preiſe): Sperrſitz: 1.—13. Reihen
4.20 ℳ, 14.—20. Reihe 3.40 ℳ,
Parterre: 1.—5. Reihe 290 ℳ,
6.—8. Reihe 2.35 ℳ,
Proſzeniums=
loge 6.20 ℳ, Mittelloge 6.20 ℳ,
Balkonloge 5.20 ℳ, 1. Rang 4.70 ℳ,
2. Rang: 1.—6. Reihe 2.70 ℳ, 7. u
8. Reihe 2.15 ℳ, 1. Galerie 1.35 ℳ,
2. Galerie 0.75 ℳ.
Kartenverkauf: an der
Tages=
kaſſe im Hoftheater von 9½—1½
Uhr und eine Stunde vor Beginn
der Vorſtellung; im Verkehrsbüro
von 8—1 Uhr und von 2½ Uhr
bis kurz vor Beginn der
Vor=
ſtellung. (Im Verkehrsbüro
wer=
den auch telephoniſch
Kartenbe=
ſtellungen entgegengenommen. —
Telephon Nr. 1582.)
Anf. 7½ U. — Ende geg. 10½ I
Vorverkauf f. die Vorſtellungen:
Samstag, 10. Jan. Außer Ab.
VIII. Sonder=Vorſtellung. „Rog
bert und Bertram.” Anfang
8 Uhr. (Zu dieſer Vorſtellung
findet kein Kartenverkauf ſtatt.)
Sonntag, 11. Jan. Nchm. 2 U.
Auß. Abon. 19. Volksvorſtellung
zu ermäß. Preiſen. „Die
ſpa=
niſche Fliege.” Vorverkauf
bis einſchl. Samstag, 10. Jan,
nur im Verkehrsbüro, Ernſt=
Lud=
wigspl. Verkauf der etwa noch
vorhandenen Karten auch an der
Tageskaſſe im Hoftheater am Tage
der Vorſtellung, vorm. von 11 Uhr
ab. — Abds. 6 Uhr. 88. Ab.=Vſt.
C 22. Der Ring des Nibelungen
Dritter Tag: „
Götterdäm=
merung‟. Gew. Preiſe.
Montag, 12. Jan. Außer Ab.
Vorſtellung zu
Volksvorſtellungs=
preiſen. Zum Beſten der
Wohl=
fahrtskaſſen d. Deutſchen
Bühnen=
vereins. „Krieg im Frieden.
Anfang 7½ Uhr.
Dienstag, 13. Jan. 89. Ab.=Vſt.
A 23. „Das Phantom.”
Ge=
wöhnl. Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
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Familien=Roman aus den Jahren 1812 und 1813.
Von Oskar T. Schweriner.
Alle Rechte vorbehalten.
Copyright 1913 by Carl Duncker in Berlin.
(Nachdru verboten.)
35
Und Dir! murmelte Sander mit einem warmen Blick
zu Fritz hinüber. Der hörte die Worte nicht; Ruth aber
hatte ſie vernommen. Sie drückte dem jungen Manne in
fieberhafter Erregung dankbar die Hand.
Mehr kann ich Euch heute nicht berichten. Sobald der
König Berlin verlaſſen hat, werden unauffällig eine
grö=
ßere Anzahl von Offizieren und Mannſchaften gleichfalls
nach Breslau aufbrechen. Unter den allererſten werden
ſelbſtverſtändlich wir vier ſein. Es iſt ſo eingerichtet, daß
Awir womöglich gleichzeitig mit dem König in Breslau
ein=
treffen. Ihr ſeht alſo, wozu ich Euch in der Hauptſache
hierher beruſen habe. Es gilt, Abſchied zu nehmen. Ueber=
Amorgen ziehen wir davon, um entweder als Sieger und
freie Männer zurückzukehren oder — gar nicht!
Tiefſte Stille folgte dieſen Worten. Keiner wagte,
ſich zu rühren.
Plötzlich lautes Schluchzen. Franz hatte Kopf und
Arme auf den Tiſch geſchlagen und weinte laut wie ein
Kind. Und Lieſelotte hatte ihren Kov’ neben den ſeinen
Agelegt und tat das gleiche.
Fritz erbleichte; dann erhob er ſich zögernd und trat
zum Freund und zur Schweſter.
Sei ein Mann, Franz, ſagte er, ihm beruhigend die
Hand auf die Schulter legend. Dabei zitterte die eigene
Stimme.
Franz blickte auf; ſein Geſicht war gramverzerrt.
Du biſt mein Freund, Fritz! Ich fühle es, ich weiß
es! Ihr alle hier ſeid meine Freunde! So helft mir.
Ich bitte Euch um alles, was Euch heilig iſt — helft mir!
Sie verſtanden ihn alle. Und keiner ſſchien eine
Ant=
wort finden zu können. Sie konnten nur Mitleid haben
mit dem Verzweifelnden- hlfen konnten ſie nicht.
Da ertönte Ruths Stimme:
Ich will Euch einen Ausweg weiſen, ſagte ſie ruhig.
Wie neu belebt, richteten Franz und Lieſelotte ſich
auf.
Dann retten Sie damit mein Leben!
Wie Sie einſtmals halfen, das meinige zu retten,
er=
widerte Ruth. Sie war aufgeſtanden. Begeiſtert blickte
Fritz zu ihr auf; wie eine Göttin der Erleuchtung, der
Weisheit, der Energie ſchien ſie ihm.
Hört, meine Lieben, was ich Euch zu ſagen habe. Ich
beabſichtige, mit in den Krieg zu ziehen.
Ruth!
Dabei blickte Fritz erſchreckt hinüber zum alten
Salo=
mon. Doch der blieb ruhig — und lächelte mild. Auch
die übrigen Anweſenden ſchüttelten verwundert die Köpfe.
Sei ruhig, Fritz, und laß mich ausſprechen, ſetzte Ruth
indeſſen fort. Auch ich will mitarbeiten an der heiligen
Sache. Was mir gehört, gehört dem Vaterland. Aber
mit materiellen Opfern iſt es nicht getan; Ihr werdet
Pflegerinnen im Felde brauchen und das ſoll meine
Auf=
gabe ſein! Die Verwundeten will ich pflegen, die
Kran=
ken heilen helfen!
Eine lange Pauſe entſtand.
Und Dein Vater, Ruth?!”
Denkt wie ich. Gott hat ihm das Leben erhalten;
da=
für will ich verſuchen, es anderen zu erhalten. Wir haben
längſt alles beſprochen. Haben auch ſchon eine
gewiſſen=
hafte Pflegerin gefunden, die meine Stelle vertreten wird,
bis wir zurückkehren.
Salomon nickt zuſtimmend vor ſich hin.
Wir müſſen mithelfen! Wir ſind alle in Gottes Hand.
ſagte er mit leiſer Stimme.
Wieder entſtand eine Pauſe. Alle waren ergriffen.
Und ich? Es war Franz.
Und Sie, Franz, tun dasſelbe. Müſſen Sie denn die
Waffen ergreifen? Müſſen Sie denn Partei nehmen?!
Kommen Sie mit mir ins Feld; ſorgen auch Sie für
Kranke und Verwundete und Sie erweiſen damit dem
deutſchen Vaterland einen Dienſt, erweiſen der
Menſch=
heit einen Dienſt, und niemand kann dann ſagen, daß
Franz Schwabe ein Feigling ſei, oder auf ſeine Brüder
geſchoſſen hätte!
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
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Auch Fritz war entzückt.
Ruth, mein Liebling, den Gedanken hat Dir Gott
eingegeben!
Er umſchlang und küßte ſie. Nur der alte Dögen hatte
anſcheinend ruhig und teilnahmslos zugehört. Jetzt
wandte er ſich an ſeine Tochter:
Und Du, Lieſelotte?
Sie ſah ihn fragend an.
Du willſt zurückſtehen, wo alles hinauszieht in den
heiligen Krieg?!
Lieſelotte machte große Augen; ihre Wangen röteten
ſich, ein Feuer, das nie zuvor dageweſen, kam in ihre
Augen.
Vater — darf ich?!
Der Alte nickte nur ſtumm, während eine Träne ihm
über die Wange lief.
Da ſtanden ſie alle auf; Männer und Frauen. Und
erhoben ihre Hand zum Himmel und ſchwuren, Gut und
Blut einzuſetzen für König und Vaterland.
Es mer es demn niſchedet. Ate gihner heale
ſie zugleich von dannen ziehen. Franz mit Lieſelotte, Fritz
mit Ruth und den anderen. Am liebſten wäre der alte
Dögen auch noch ins Feld gezogen; dann fand er ſich mit
dem Gedanken ab, daß er auch in Berlin etwas nützen
könne. Um den alten Salomon wollte er ſein; Tag und
Nacht.
Der nächſte Tag war mit den dringendſten
Vorberei=
tungen ausgefüllt. Da mußten Pferde beſorgt werden
und Wagen für die beiden Mädchen, Verbandzeug und
ſonſtige notwendige Lazarettbedürfniſſe. Die Koſten für
alles zuſammen beſtritt Ruth aus ihren reichen Mitteln.
Am Morgen des zweiundzwanzigſten Januar
ver=
ſammelten ſie ſich alle noch einmal in der
Heiligengeiſt=
ſtraße. Die Dienerſchaft war entlaſſen worden; ein
ein=
ziger, treu erprobter alter Diener und die Pflegerin
blie=
ben bei dem Bankier zurück.
Ein letzter wehmütiger Abſchied von Haus und Hof.
Und dann fiel mit einem lauten Schlag die Tür ins
Schloß. Am Fenſter ſtand Salomon. Noch einen letzten
Gruß mit der Hand. Dann war die kleine Gruppe auff
dem Wege zum Schloßplatz. Mit Bewunderung im
Her=
zen bemerkte Fritz, daß ſich Ruth an der Ecke nicht einmal
in dnen leite Alſchicebick atf dnter und deis un
wendete.
Etwa eine halbe Stunde, nachdem der König Berlin
verlaſſen und das Volk ſich verlaufen hatte, machte ſich
auch unſere kleine Heldenſchar au fden Weg, denſelben
Weg, den der König eingeſchlagen.
Es kam, wie Fritz Dögen vorausgeſagt hatte.
Vier=
zehn Tage nachdem der König Berlin verlaſſen hatte,
for=
derte er das Volk zur Bildung von Freiwilligen=Korps
auf. Wie ſie da herbeieilten; die Tauſende aus allen
Ständen! Wie die Begeiſterung ſtieg! Wie arm und reich
alles nur Entbehrliche auf dem Altar des Vaterlandes
opferte! Der Jubel erreichte den Höhepunkt, als am 28.
Februar zu Kaliſch das Bündnis mit Rußland geſchloſſen
wurde. Nun mußte bald die Kriegserklärung erfolgen.
Länger ließ ſich das Volk nicht zurückhalten.
So kam der denkwürdige 17. März. Ueberall in
deutſchen Landen las man ſich gegenſeitig die Worte des
Königs von Preußen vor. „An mein Volk!” waren ſie
überſchrieben.
(Schluß folgt.)
Nummer 9.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Seite 13.
6
CALIFORN. FEIGEN-
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Das beliebte Abführmittel
Angenehmer Geschmack. Vorzüglich milde, gründliche Wirkung.
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Vorträge von Profeſſor D. Dunkmann.
II.
Jeſus” — ſo lautete das Thema des Vortrages,
den Profeſſor D. Dunkmann am 6. Januar im
dichtbeſetzten „Kaiſerſaal” hielt. Er begann mit der
Be=
merkung, daß der Maßſtab für die Beurteilung einer
Per=
ſönlichkeit auf dem Gebiete zu ſuchen ſei, dem ihre
Wirk=
ſamkeit hauptſächlich angehört habe, alſo bei Jeſus auf
dem Gebiete der Religion. Vergleicht man nun die
Re=
ligion, die er gebracht hat, mit den anderen ſo zeigt ſich,
daß ſie weitaus die reinſte Sittlichkeit enthält
und, da hiernach der Wert der Religion zu bemeſſen iſt,
die übrigen — auch den Buddhismus — völlig in den
Schatten ſtellt. Das wird auch von den Meiſten
zugege=
ben. Allein man möchte häufig zwar den ſittlichen Kern
des Chriſtentums feſthalten, aber vieles andere ihm
Eigentümliche, woran man Anſtoß nimmt, fallen laſſen:
„Was ſoll,” ſo fragt man wohl, „der religiöſe Aufputz
in den Evangelien? Was ſollen die Wunder, der
Jeſus=
kült, der Chriſtusglaube die Mythen und Legenden, die
dort erzählt werden?” Auf dieſem Standpunkt ſtehen viele
„Moderne‟. Es iſt nicht ſchwer, ſolche unüberlegte Fragen
zu beantworten.
Sittenlehren können nur dann Erfolg haben, wenn
bes Sittenlehrers Handlungsweiſe im Einklange
mit ſeinen Forderungen ſteht. Das war ein Unterſchied
von anderen, z. B. von den Phariſäern, bei Jeſus in
pollem Maß der Fall. Darum iſt alles, was die
Evan=
gelien von ſeinem Tun und Leben uns berichten, von
Be=
beutung und Intereſſe. Und von den einzelnen
Hand=
lungen wendet ſich bald der Blick auf die Perſon, von
der ſie ausgehen. Jeſus iſt, was er lehrt, iſt die
leben=
dige Darſtellung ſeiner Sittenlehre in der Bergpredigt.
Schon deshalb ſteht ſeine Perſon im Mittelpunkt der
Svangelien. Jeſus iſt die vollkonmene Geſtaltung der
beinſten Sittlichkeit, der Gottes= und der Menſchenliebe,
die in völligem Gehorſam gegen Gott und den
Men=
ſchen gegenüber in dienender, helfender, rettender
Hei=
landsliebe ſich betätigt. Beſonders deutlich tritt in dem
Charakterbild der Evangelien Jeſu Leidensgeſtalt
hervor, ſeine Selbſterniedrigung von der Krippe bis zum
Kreuz. Das Leiden Jeſu iſt ein überzeugender Beweis
der Wahrheit ſeiner Liebe und ſeiner ſittlichen Hoheit
überhaupt. Wir wollen nicht leiden, ſondern leben, weil
uns Selbſtſucht erfüllt. „Das iſt unſere ſündige Natur,
baß wir nicht leiden mögen,” ſagt Melanchthon. Jeſus
dagegen leidet gehorſam, leidet freudig. In ſeinem
Lei=
ben, das am Kreuze gipfelt, ſteht er in
übermenſch=
ſicher Hoheit vor uns. Rieſengroß iſt der Abſtand
zwi=
ſchen ſeiner göttlichen Hoheit und unſerer Jämmerlichkeit.
Er iſt der vollendete Offenbarer Gottes der Sohn des
ſebendigen Gottes, deſſen Liebe in ihm Fleiſch geworden
iſt. Zugleich aber iſt er in ſeiner Erniedrigung und ſeinen
Leiden uns nahe gerückt, unſer Bruder geworden, der, ſich
unſerer Not erbarmend, zu uns ſagen kann: „Sei getroſt,
mein Kind, deine Sünden ſind dir vergeben”. So
ſchil=
dern uns die Evangelien den leidenden Jeſus in ſeiner
Erniedrigung und ſeiner göttlichen Hoheit, ſo ſtellt ſich
ſchon in ihnen — nicht erſt bei Paulus — die „Religion
Geſu”, von der ſo oft in unſerer Zeit geſprochen wird,
als Jeſusreligion, als Chriſtusglaube dar.
Ans aber bringt der Blick auf den gekreuzigten Heiland
polle Erkenntnis unſerer Sündennot und der in ihm uns
pffenbarten Gottesliebe. Es zeigt ſich alſo, daß uns
weder bloße Sittenlehren helfen können, noch die beliebte
Schwärmerei für hohe Grundſätze, ſondern allein die der
Wirklichkeit entſprechende Geſtalt des Leidensmeſſias wie
ihn uns die Evangelien ſchildern. Aber es muß dieſe
Er=
kenntnis auch in unſerem Leben Wahrheit werden. Welche
Segensſtröme ſind doch von der chriſtlichen Liebestätigkeit
ſchon ausgegangen. Und welche Bedeutung hat echtes
Chriſtentum, das durch Ueberwindung der Selbſtſucht die
rechte ſoziale Geſinnung ſchafft, auch im Völkerleben
der Gegenwart. Die Chriſtusreligion wird nicht
ver=
gehen. Möge an ihr auch unſer Volk zu ſeinem Heile
feſthalten.
6.
Landwirtſchaftliches.
— Schlachtviehmarkt Darmſtadt.
Schweine=
markt am 7. Januar. Auftrieb durch Händler 174
Schweine. Preiſe 1. Qual. für Schlachtgewicht 50
Kilo=
gramm 75 Mk., 2. Qual. 74 Mk., 3. Qual. 73 Mk.
Markt=
verlauf: mäßig, Ueberſtand. — Schweinemarkt am
8. Januar. Auftrieb durch Händler 183 Schweine. Preiſe:
1. Qual. für 50 Kilogramm Schlachtgewicht 75 Mk., 2.
Qual. 74 Mk., 3. Qual. 73 Mk. Marktverlauf: rege,
Ueber=
ſtand. — Kälbermarkt am 8. Januar. Auftrieb durch
Händler 191 Kälber, 1 Schaf. Preiſe je nach Qualität für
50 Kilogramm Lebendgewicht 60—66 Mk. Marktverlauf:
lebhaft.
— Frankfurt a. M., 8. Jan.
Schlachtvieh=
markt. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: Rinder 158
Stück: darunter Ochſen 32. Bullen 4, Färſen und Kühe
122, Kälber 846, Schafe 129, Schweine 886 Stück.
Preiſe für 1 Zentner Lebendgewicht (Schlachtgewicht) in
Mark: Kälber: a) Doppellender ſeinſte Maſt 68—70
(116—117), b) feinſte Maſt= (Vollm.=Maſt) und beſte
Saugkälber 63—67 (105—114), e) mittlere Maſt= und gute
Saugkälber 58—62 (98—105), d) geringere Saugkälber
50—54 (85—92). Schafe: a) Maſtlämmer und jüngere
Maſthammel 44—45 (92—94), b) ältere Maſthammel und
gut genährte Schafe 56—58 (86—90). Schweine:
a) Fettſchweine über 3 Zentner Lebendgewicht 56½—58
(72—75), b) vollfleiſchige Schweine über 2½ Zentner
Lebendgewicht 56—57½ (71—74), c) vollfleiſchige Schweine
über 2 Zentner Lebendgewicht 56—58 (71—74), d)
voll=
fleiſchige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 56
bis 58 (72—74). Marttverlauf: Kälber gedrückt, Schafe
ruhig, Schweine rege, bei Schweinen Ueberſtand.
Handel und Verkehr.
* Mergentheim, 8. Jan. Bei der geſtrigen
Generalverſammlung der Süddeutſchen
Volks=
bank erſtattete der Aufſichtsrat und Liquidator Bericht.
Die von dem Liquidator aufgeſtellte Bilanz bis 13. Oktober
1913 weiſt eine Liquidationsmaſſe von 93000 Mark auf.
Dieſe Bilanz wurde von der Generalverſammlung
ein=
ſtimmig angenommen. Der Bericht des Liquidators
be=
ſagt u. a., daß ſich unter den Ausſtänden etwa 850 000 Mk.
befinden, die teilweiſe vollſtändig uneinbringlich ſind. Es
wird noch geraume Zeit anſtehen, bis die verſchiedenen
Konkurſe und Prozeſſe abgewickelt ſind und ſich ein genaues
Bild der tatſächlichen Verluſte ergeben wird. Der
Liqui=
dator ſprach die Hoffnung aus, daß von den zweifelhaften
Ausſtänden mehr als angenommen eingehen wird. Unter
den Paſſiven ſind alle an die Geſellſchaften gemachten, wenn
auch zweifelhaften. Anſprüche eingeſtellt. Die Erhebungen
von Regreßanſprüchen an die Mitglieder des früheren
Aufſichtsrats und an die Gründer ſind Sache eingehender
Unterſuchung. Als Grundlage für die Feſtſetzung des
Wehrbeitrages können 90 Prozent pro Aktie angenommen
werden.
* Hamburg, 8. Jan. Der Aufſichtsrat der
Ham=
burgSüdamerikaniſchen
Dampfſchiff=
fahrtsgeſellſchaft beſchloß, 14 Prozent Dividende
bei noch reichlicheren Abſchreibungen und den gleichen
Rückſtellungen wie im Vorjahre vorzuſchlagen.
* London, 8. Jan. Die Bank von England
ermäßigte den Diskont von 5 auf 4½ Prozent.
Hochwaſſer.
* Stolp (Pommern), 7. Jan. (Amtlich.) Die Strecke
Bütow-Rummelsburg iſt durch weitere
Damm=
rutſchungen bei Kilometer 4.2 und 10.17 unfahrbar.
Der Betrieb auf der Strecke Bütow-Groß=Tuchen iſt
voll=
ſtändig unterbrochen. Auf der Strecke Groß=Tuchen-
Rummelsburg wird er aufrechterhalten. Die Störung
wird mindeſtens bis zum 10. Januar währen.
* Wismar, 7. Jan. Seit heute nachmittag 4 Uhr
herrſcht bei ſtarkem Schneeſturm Hochwaſſer. Die am
Hafen gelegenen Straßen ſind überflutet und das Waſſer
iſt in die Häuſer eingedrungen.
* Roſtock, 8. Jan. Durch die erneut drohende
Sturmflutgefahr ſind die Einwohner Roſtocks und
Warnemündes aufs ſchwerſte beunruhigt. Das
zwi=
ſchen Roſtock und Gehlsdorf verkehrende Motorboot hat,
wie dem Berliner Lokalanzeiger gemeldet wird, geſtern
mittag ſeine Fahrten eingeſtellt, da die Anlegebrücken
überſchwemmt ſind. In Warnemünde hat die Flut den
Waſſerflugzeugplatz und den Marineflugzeugſchuppen
überſchwemmt.
* Brüſſel, 8. Jan. Infolge der eingetretenen
Schneeſchmelze und fortdauernden Regenfälle
wächſt die Maas und ſämtliche Nebenflüſſe in
rapider Weiſe. Es ſind ganz beſonders die Gegend von
Lüttich und Namur gefährdet, ſowie die Täler in den
Ardennen. Wenn kein Stillſtand eintritt, ſo ſind ſtarke
Ueberſchwemmungen in den nächſten Tagen zu erwarten.
Gstiesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 9. Januar:
Vorabendgottesdienſt 4 Uhr 45 Min.
Samstag, den 10. Januar:
Morgengottesdienſt 9 Uhr. Sabbatausgang 5 Uhr 35 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen
Religions=
geſellſchaft.
Samstag, den 10. Januar:
Vorabend 4 Uhr 20 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr. Sabbatausgang 5 Uhr 35 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 11. Januar, an
Morgens 7 Uhr Nachmittags 4 Uhr. 40 Min
Inventur-Ausverkaufsferz!
D. Dennann, Prannrarr u. M.
des grossen
[ ← ][ ]Seite 16.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 9. Januar 1914.
Nummer 9.
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