Inſerate
Abonnementspreis
176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoncen=Expeditionen. — Bet
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an
vorge=
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 16 Seiten.
An unſere Leſer!
Schon ſeit längerer Zeit iſt es als ein
Miß=
ſtand empfunden worden, daß unſere Samstags=
Nummer für zwei Tage berechnet werden muß,
während unſere Montags=Nummer vielfach noch
Meldungen zu berückſichtigen hatte, die von den am
Sonntag erſcheinenden auswärtigen Blättern ſchon
überholt waren. Um dieſem Mißſtand zu
be=
gegnen und den Anforderungen einer
vor=
geſchrittenen Zeit Rechnung zu tragen, zugleich auch
unſer Blatt aktueller zu geſtalten, haben wir
be=
ſchloſſen, vom nächſten Quartal ab das Tagblatt
wöchentlich ſiebenmal, alſo auch am Sonntag
erſcheinen zu laſſen. Wir ſind überzeugt, daß
dieſe Neuerung, die im Intereſſe unſerer verehrten
Abonnenten erfolgt, auch deren Beifall finden wird
und hoffen, daß ſie dazu beitragen wird, das
Tag=
blatt als Familienblatt noch heimiſcher zu machen.
Indem wir unſere Abonnenten bitten, hiervon
Kenntnis zu nehmen, bemerken wir noch, daß in
dem Bezugspreiſe des Tagblatts keinerlei
Ande=
rung eintreten wird.
Verlag und Redaktion
des „Darmſtädter Tagblatts”.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Großherzo= beſichtigte am Samstag nachmittag
die Weinbau=Ausſtellung in der Stadthalle zu
Mainz.
Der König und der Kronprinz von
Griechen=
land ſind am Samstag morgen in Berlin
eingetrof=
fen, vom Kaiſer empfangen worden und mit ihm nach
dem Neuen Palais gefahren.
Der Kaiſer iſt am Sonntag mittag mit dem König
und dem Kronprinzen von Griechenland in
das Manövergelände abgereiſt.
Bei der Jahrhundertfeier der Schlacht bei
Dennewitz in Niedergörsdorf hielt Fürſt Bülow
die Feſtrede.
Die Gerichtskommiſſion hat den Maſſenmörder
Wagener für geiſtig normal erklärt. Die Zahl
der von ihm Getöteten beträgt 16.
Der Prinz von Wales iſt in London wieder
ein=
getroffen.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
8. September 1813: Bayern ſagt ſich vom Rheinbund los.
Napoleon rückt von Dresden aus gegen die Böhmiſche
Armee vor.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7 und 8.
Jdealismus und Realismus
in der Dolitik.
C Gute Menſchen, aber ſchlechte Muſikanten trifft
man in der Politik faſt noch häufiger als anderswo, aber
meiſtens nicht an den leitenden Stellen, die immer noch die
guten Muſikanten inne haben, die freilich nicht alles in der
Welt durch die roſenrote Brille der Optimiſten betrachten,
ſondern die Dinge ſo hart nehmen, wie ſie in Wirklichkeit
ſind. Im Grunde genommen, ſind ſie übrigens nicht nur
die beſſeren Muſikanten, ſondern wohl auch die beſſeren
Menſchen, die die frommen Wünſche der wohlmeinenden
Philantropen, Weltverbeſſerer und Friedensfreunde im
Grunde ihres Herzens teilen, aber ſich wegen ihres tieferen
politiſchen Blickes und ihres größeren
Verantwortlichkeits=
gefühls nicht dazu entſchließen können, kritiklos eine
Be=
wegung mitzumachen, die erſt recht alle Schrecken des
Krieges und der Vernichtung über die Welt
heraufbeſchwö=
ren kann. Nicht aus Zynismus und Freude am Kampfe
der Zerſtörung treten daher ernſte Politiker den
begeiſter=
ten Friedensphantaſten und ähnlichen Leuten entgegen,
ſondern aus einer wohlverſtandenen Menſchlichkeit und
Menſchenliebe heraus.
Trotzdem möchte man dieſes Element in der Politik
nicht miſſen, weil doch ſchließlich auch die kühle Vernunft
der Anregung aus der Tiefe des Gemütes bedarf, um
neue Wege zu gehen und neuen Zielen entgegenzuſtreben.
Wenn man auch die phantaſtiſche Frau Berta von Suttner
unbedingt ablehnen muß, ſo möchte man doch kaum den
friedensbegeiſterten Herrn Carnegie miſſen, deſſen
fürſt=
liche Freigebigkeit der Welt den Friedenspalaſt im Haag
geſchenkt hat. Gewiß wird man dort den ewigen Frieden
ebenſowenig „erfinden”, wie ihn bis jetzt jemand
er=
funden hat. Aber ſchließlich kann es den im Dienſte harter
politiſcher Pflichterfüllung ergrauten Diplomaten und
Dienern der Politik, die von ihren Regierungen dorthin
entſandt worden ſind, nichts ſchaden, wenn ſie ſich einmal
an einer warmen ehrlichen Begeiſterung mit erwärmen
und darüber die Bedenken des Gewerbes vergeſſen, die
nur zu oft einem wirklichen Fortſchritt hinderlich geweſen
ſind. Daß die Bäume der Friedensfreunde nicht in den
Himmel wachſen, dafür wird die Welt und politiſche
Er=
fahrung dieſer Leute ſchon ſorgen und ebenſo dafür, daß
die gefährlichen Auswüchſe einer derartigen kritikloſen
Begeiſterung beſeitigt und der Schlange des Friedens,
wenn man ſo ſagen darf, die Giftzähne ausgebrochen
werden.
Etwas verwandt mit dieſem Weltverbeſſerer iſt im
Grunde ſeines Herzens der frühere engliſche
Kriegs=
miniſter und jetzige Lordgroßkanzler von Großbritannien,
Viscount Haldane, der kürzlich in Montreal in Kanada
den Ruf nach „voller internationaler Sittlichkeit” hat
er=
klingen laſſen. Wäre er kein Staatsmann geworden, ſo
würde er vielleicht heute auch im Lager der
Friedens=
freunde ſtehen und unbekümmert um die Welt der
Tat=
ſachen dem blauen Schmetterling ſeiner Phantaſie
nach=
jagen. Infolge der langen politiſchen Erfahrung, die er
hinter ſich hat, begnügt er ſich jedoch, für ein größeres Maß
von Idealismus einzutreten, und entgegen dem alten
eng=
liſchen Grundſatz: „Our country, right or wrong!”, deſſen
Befolgung Großbritannien zu dem gemacht hat, was es
heute iſt, ein größeres Maß in den internationalen
Be=
ziehungen zu empfehlen und den Wunſch nach einer vollen
internationalen Sittlichkeit auszuſprechen.
Weſentlich anders hat ſich über dieſe Frage vor etwa
Monatsfriſt ein Kollege im engliſchen Miniſterium, Sir
Edward Grey, der kühle Leiter der engliſchen
auswärti=
gen Politik, ausgeſprochen, als ihm im engliſchen
Parla=
ment eine Anzahl knifflicher Fragen über die Logik im
Verhalten der Großmächte den Balkanwirren gegenüber
vorgelegt wurde. Wäre Sir E. Grey ebenfalls Profeſſor
für Verfaſſungsrecht geweſen, ſo würde er ſich vielleicht
auf die hingehaltene Leimrute geſetzt haben. So aber
be=
gnügte er ſich, zu erklären, daß die Politik nicht von Logik
und vom Recht geregelt, ſondern von dem Geſichtspunkt
des eigenen Intereſſes der Großmächte regiert werde, und
ſo werde es auch in Zukunft ſein. Da Sir E. Grey die
engliſche auswärtige Politik leitet und vorausſichtlich noch
längere Zeit leiten wird, wird man alſo kaum zu
be=
fürchten haben, daß England plötzlich ſeinen altbewährten
Grundſatz: „Our country, right or wrong!” abſchwören
wird und die Haldaneſchen Bäume der vollen
internatio=
nalen Sittlichkeit in den Himmel wachſen werden. Für
die kühle, verſtandesmäßige Rückſichtsloſigkeit, die die
eng=
liſche auswärtige Politik ſtets ausgezeichnet hat, ſind
der=
artige Theorien, wie ſie Viscount Haldane geäußert hat,
auch nicht ſehr gefährlich, viel eher unterliegen wir
Deut=
ſchen mit unſerem alles überwuchernden Gemüt dieſer
Verſuchung, was ſchon Bismarck ſeinerzeit zu der
War=
nung veranlaßt hat: „Die Neigung, ſich für fremde
Na=
tionalitäten und nationale Beſtrebungen zu begeiſtern,
auch dann, wenn dieſelben nur auf Koſten des eigenen
Vaterlandes verwirklicht werden können, iſt eine politiſche
Krankheitsform.” Auch gerade jetzt, wo unſere
Beziehun=
gen zu England ſich gebeſſert haben, ſollten wir dieſe
Bis=
marckſchen Worte nicht vergeſſen und nicht gar zu begeiſtert
in den Haldaneſchen Ruf nach der vollen internationalen
Sittlichkeit einſtimmen. Es gibt Leute, deren Bekehrung
Viscount Haldane ſchon nach dem engliſchen Grundſatz:
„Charit begins at home” näher liegen ſollte, als gerade
die unſere, und auf die er mit Recht ſtolzer ſein könnte.
Uber Fortſchritte im
Wohnungs=
weſen in Deutſchland ſeit 1910
hat die Zentralſtelle für Volkswohlfahrt durch ihren
De=
zernenten Dr. Altenrath dem am 8. d. M. beginnenden
10. Internationalen Wohnungskongreß
einen Bericht erſtattet, der nach eingehender Betrachtung
des Bauplans= und Bauordnungsweſens, der
kommu=
nalen Bodenpolitik, der Wohnungsaufſicht und
Woh=
nungspflege, der gemeinnützigen Bautätigkeit, der
Kredit=
förderung uſw. auf Grund eines reichhaltigen Tatſachen=
und Zahlenmaterials zu folgendem Schlußergebnis
kommt:
Bauplanweſen und Städtebau ſind ſowohl durch die
Ausſtellungen der letzten Jahre als auch durch das tatkräftige
und zum Teil großzügige Vorgehen zablreicher
Gemeinde=
verwaltungen in ein Stadium allerlebhafteſter
Entwick=
lung eingetreten, wobei auch die ſoziale Seite der Frage
zum wenigſten nicht unberückſichtigt blieb. Die
ſyſtemg=
tiſche Regelung des Baurechts hat in den ſüddeutſchen
Staaten wiederum Fortſchritte zu verzeichnen, und
allge=
mein iſt bei den neuen Bauordnungen eine Abſtufung der
Vorſchriften hinſichtlich der baulichen Ausnutzung und eine
gewiſſe Erleichterung des Baues von Einfamilienhäuſern
und Kleinwohnungen zu beobachten. Der Frage der
Bodenbeſchaffung für die kommunalen Einrichtungen und
die Zwecke der Stadterweiterung ſtehen die Gemeinden
zum mindeſten nicht mehr gleichgültig gegenüber, wenn
auch ein planmäßig betriebenes kommunales Grundſtücks=
und Aufſchließungsgeſchäft in großem Stil noch bei den
meiſten Gemeinden in weitem Felde liegt.
Wohnungs=
aufſicht und Wohnungspflege haben namentlich in den
ſüd=
deutſchen Staaten eine breitere Ausdehnung und in
Bayern, Württemberg, Baden und Heſſen planmäßige
Förderung erfahren. Der Eintritt der Frauen, in dieſes
ſoziale Arbeitsgebiet berechtigt zu den beſten
Zukunfts=
erwartungen Die gemeinnützige Bautätigkeit hat in den
rund 1200 Baugenoſſenſchaften einen bedeutſamen Faktor
des greifbaren praktiſchen Fortſchritts herangebildet, als
deſſen feſtes Rückarat die Mitwirkung der aufſtrebenden
Arbeiterſchaft mehr und mehr in die Erſcheinung tritt.
Die allgemeine Kreditnot hat als wichtigſten Fortſchritt
das Eintreten der Gemeinden, die Gründung kommunaler
Anſtalten für erſte und namentlich zweite Hypotheken
ge=
zeitigt. Auch die äſthetiſche und techniſch=wirtſchaftliche
Förderung des Wohnungsbaues hat durch die neu auf den
Plan getretenen Bauberatungsſtellen einen lebhaften
An=
ſtoß erhalten.
Das alles ſind wichtige Tatſachen, die unbedingt einen
Fortſchritt im Wohnungsweſen bedeuten. Dahinter ſteht
aber als wichtigſter und hauptſächlich treibender Faktor
die wachſende Anteilnahme der Algemeinheit an dieſen
Fragen, als deren ſchönſtes Ergebnis das endliche
Er=
wachen der geſetzgebenden Faktoren, die eingehende
Be=
ſchäftigung des Reichstages mit den Aufgaben des
Woh=
nungsweſens und die Veröffentlichung eines
Wohnungs=
geſetzentwurfs durch die preußiſche Regierung von allen
Freunden der Sache aufs lebhafteſte begrüßt wird.
Deutſches Reich.
— Wohnungsfürſorge des Reiches. Wie
zuverläſſig verlautet, wurde zur Förderung der
Klein=
wohnungen für gering beſoldete Beamte und Arbeiter des
Reiches wiederum ein Betrag von 4¼ Mill. Mark in den
Reichsetat eingeſtellt. Zwiſchen dem Reichsſchatzamt und
dem Reichsamt des Innern iſt bereits vor einiger Zeit
eine Verſtändigung erzielt worden, für die nächſten Jahre
auch weiterhin die gleiche Summe, die vor zwei Jahren
nur 2 Mill. Mark betrug, aus Reichsmitteln bereitzuſtellen.
Bis zum Ablauf dieſes Etatsjahres werden 53 Mill. Mark
für Zwecke der Wohnungsfürſorge ſeitens des Reiches
aufgewendet ſein.
Die Novelle zur
Beſoldungsord=
nung. In einem Berliner Blatte fanden ſich
Ausfüh=
rungen, aus denen entnommen werden konnte, daß die
Reichsregierung eine Neuregelung der Beſoldungen in
größerem Umfange erwägt. Die Reichsbeamten werden
jedoch gut tun, an dieſe Ausführungen keine übertriebenen
Erwartungen zu knüpfen. Als wahrſcheinlich iſt
aller=
dings anzuſehen, daß im Laufe der nächſten Tagung dem
Reichstage eine Novelle zur Beſoldungsordnung vorgelegt
wird, durch welche die Gehaltsbezüge derjenigen
Beamten=
klaſſen eine Abänderung erfahren ſollen, deren Endgehalt
demjenigen der Poſtaſſiſtenten gleich iſt. Dieſe Vorlage
iſt die Folge der auf Drängen des Reichstages
durchge=
führten Gehaltserhöhung für die Aſſiſtenten und
Schaff=
ner der Reichspoſtverwaltung. Daß hierüber hinaus die
Abſicht beſtehen ſoll, auch andere Beamtengruppen in
ihren Gehaltsbezügen aufzubeſſern, iſt nicht zutreffend.
Welchen finanziellen Umfang die in Ausſicht genommene
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913,
Nummer 210.
Novelle zur Beſoldungsordnung haben wird, läßt ſich
zur=
zeit noch nicht überſehen. Werden alle Aſſiſtentenklaſſen
den Poſtaſſiſtenten gleichgeſtellt, ſo dürfte es kaum angängig
ſein, an den Gehältern der Aſſiſtenten der
Reichseiſen=
bahnen vorüberzugehen.
— Deutſchland und die Ausſtellung in
San Franzisko. Die auf Anregung der Hamburg=
Amerika=Linie ins Leben gerufene private Organiſation
für eine Beteiligung der deutſchen Induſtrie an der
Welt=
ausſtellung in San Franzisko hat in Berlin eine
Zentral=
ſtelle für Vorbereitung dieſer Ausſtellung eröffnet und
mit der Leitung dieſer den Syndikus des Bundes der
In=
duſtriellen, Dr. Ernſt Stapff, beauftragt. Der Bund der
Induſtriellen hat zur Uebernahme dieſer Tätigkeit Dr.
Stapff beurlaubt. Die Zentralſtelle ſteht allen
Inter=
eſſenten für Auskunft und Vermittelung von Anmeldungen
zur Verfügung. Es iſt zunächſt in Ausſicht genommen,
ein Komitee aus den beteiligten Kreiſen zu bilden und
einen Garantiefonds aufzubringen, für den erhebliche
Zeichnungen bereits vorliegen.
Ausland.
Frankreich.
Drahtloſe telegraphiſche Verbindung
mit Rußland. Das Wochenblatt Opinion meldet, daß
Arbeiten zur Herſtellung drahtloſer telegraphiſcher
Ver=
bindungen zwiſchen dem Eiffelturm in Paris und einer,
wenige Kilometer von der deutſchen Grenze entfernten
ruſ=
ſiſchen Feſtung im Gange ſeien. Im Kriegsfalle werde
ſich die franzöſiſche Oſtarmee in direkter Verbindung mit
der vorderſten Spitze der ruſſiſchen Truppen befinden.
Spanien.
Portugieſiſches Royaliſten=Komplott.
Es beſtätigt ſich, daß man einem royaliſtiſchen Komplott
der in Spanien in der Nähe der Grenze ſich aufhaltenden
Portugieſen auf die Spur gekommen iſt, wie auch
tatſäch=
lich die Waffendepots von der Polizei entdeckt und
beſei=
tigt wurden. Man glaubt, daß die Royaliſten ſich an
einem Punkte verſammeln wollten, um von dort in
Portu=
gal einzufallen. Auch jenſeits der Grenze ſollen die
Royaliſten umfangreiche Maßnahmen getroffen haben, um
eine Erhebung für den gegebenen Moment vorzubereiten.
Mit Rückſicht hierauf hat die ſpaniſche Regierung einige
Stellen der Grenze militäriſch beſetzt und die als etwaige
Führer in Betracht kommenden Perſonen durch die Polizei
überwachen laſſen.
Griechenland.
Die Reiſe des Königs nach Berlin
be=
gleitet die öffentliche Meinung in Griechenland mit großer
Sympathie, da man im allgemeinen von der
griechen=
freundlichen Stimmung in Berlin überzeugt iſt. Man hat
den Eindruck, daß ſich gegenwärtig ein gewiſſer
Wettbe=
werb in Europa um die Geneigtheit Griechenlands geltend
macht.
Serbien.
Der Miniſterpräſident Paſitſch, der ſich
zur Kur in Karlsbad aufhält, dürfte, wie in diplomatiſchen
Kreiſen mitgeteilt wird, vorausſichtlich bis mindeſtens 20.
September dort verbleiben. Dann gedenkt er ſich nach
Biarritz zu begeben, um ſeine Familie abzuholen. Bei der
Rückkehr nach Belgrad wird er einige Tage in Wien
zu=
bringen und vorausſichtlich eine eingehende Beſprechung
mit dem Grafen Berchtold haben. Eine Demiſſion
Pa=
ſitſchs wird nicht erfolgen. Serbien dürfte zunächſt nur
eine Anleihe von 150 Millionen abſchließen. Der Abſchluß
einer größeren Anleihe iſt vorläufig nicht in Ausſicht
ge=
nommen.
Vereinigte Staaten.
Die Panamaausſtellung. Dem Vernehmen
nach hat die Regierung den früheren Präſidenten
Rooſe=
velt daraufhin ſondiert, ob er bereit ſei, England,
Deutſch=
land, Frankreich und andere Länder Europas zu beſuchen,
um zu verſuchen, ſie zu tätiger Anteilnahme an der
Pa=
namaausſtellung zu beſtimmen.
Mexiko.
Huerta verzichtet. Amtlich wird in Waſhington
mitgeteilt, die nordamerikaniſche Regierung habe eine
mündliche Zuſicherung erhalten, daß der proviſoriſche
Prä=
ſident von Mexiko, Huerta, nicht als Kandidat für die
Wahl eines definitiven Präſidenten auftreten werde.
Prä=
ſident Wilſon erklärte ſich voll befriedigt über die letzte
Er=
klärung des mexikaniſchen Miniſters des Auswärtigen
Gamboa. Die mexikaniſche Präſidentenwahl wird
vor=
ausſichtlich im Oktober ſtattfinden. Wilſon ſagt, daß er
eine Kontrolle über die Präſidentenwahl ausüben wolle,
aber er fügt nicht hinzu, auf welche Weiſe. Man glaubt,
daß General Trenino der ausſichtsreichſte Bewerber um
die Präſidentſchaft iſt. Lind wird in Mexiko verbleiben,
da er hofft, mit den Revolutionären in Verbindung treten
zu können. Gleichzeitig würde er dann in der Lage ſein,
die Ueberwachung der Präſidentenwahlen auszuüben.
China und Japan.
In den Beziehungen zwiſchen China und Japan iſt
in den letzten Tagen eine ſtarke Spannung eingetreten. Die
ſiegreiche chineſiſche Nordarmee iſt ſehr ſchlecht auf die
Ja=
paner zu ſprechen, die im Verdacht ſtehen, die Revolution
geſchürt zu haben. Als ſich acht Japaner in das japaniſche
Konſulat in Nanking begeben wollten, wurden ſie von einer
chineſiſchen Abteilung Soldaten angegriffen. Drei Japaner
wurden erſchoſſen, während ein vierter ſchwer verwundet
wurde, ſo daß auch er bald darauf ſtarb. In Japan herrſcht
über dieſen Vorfall die größte Erregung. Die geſamte
Preſſe Tokios verlangt die ſofortige Beſetzung eines
chine=
ſiſchen Hafens. Der japaniſche Parteiführer Tomitſu
meint, daß man dem Beiſpiele Deutſchlands im Jahre 1897
folgen ſolle. Ein japaniſches Geſchwader müſſe ſofort nach
China abgehen. Das Reuterſche Bureau erfährt aus
Tokio: Das japaniſche Miniſterium des Aeußern
beabſich=
tige nicht, wegen der Tötung mehrerer Japaner durch
Sol=
daten der Regierungstruppen in Nanking ſofort einen
Schritt zu unternehmen, ſondern wolle erſt die
ergänzen=
den Berichte abwarten. In jedem Falle werde der erſte
Schritt auf diplomatiſchem Wege erfolgen.
* Haag, 5. Sept. Die
interparlamentari=
che Konferenz nahm in ihrer Schlußſitzung eine
Re=
olution an, die ein Zuſammenarbeiten der
interparlamen=
tariſchen Union mit den Vereinigungen befürwortet, die
ſich die Erweiterung des internationalen Rechts und die
Förderung guter Beziehungen zwiſchen den einzelnen
Na=
tionen zum Ziel geſetzt haben. Die Konferenz wiederholte
den Wunſch der früheren Konferenzen, daß endlich die
Re=
gierungen ohne Verzua die dritte Friedenskonferenz
vor=
bereiten möchten. Auf den Vorſchlag des Präſidenten der
Union, Lord Weardale, werden die öſterreichiſche und die
rumäniſche Gruppe ſich den offiziöſen Schritten des
Exe=
kutivkomitees anſchließen, um die italieniſche Gruppe
wie=
der zum Eintritt in die Union zu bewegen. Sodann nahm
die Konferenz eine Reſolution Roßkowski=Oeſterreich und
Lahovary=Rumänien an, wonach die Regierungen
aufge=
fordert werden ſollen, auf die Tagesordnung der dritten
Friedenskonferenz die Frage zu ſetzen, wie man am beſten
Verletzungen des Völkerrechts, wie ſie im letzten Kriege
vorgekommen ſeien, vorbeugen könne. Die nächſte
Konfe=
renz wird in Stockholm zuſammentreten. Die
nieder=
ländiſche Gruppe gab am Freitag abend den Mitgliedern
der interparlamentariſchen Konferenz in Scheveningen ein
Feſtmahl, an dem 800 Perſonen teilnahmen. Der
Vor=
ſitzende, Tydeman begrüßte die Gäſte. Den Toaſt auf
die Königin brachte Lord Weardale aus, auf die übrigen
Souveräne der Vorſitzende Tydeman.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 8. September.
* Vom Hofe. An der Frühſtückstafel am Freitag
zu Jagdſchloß Wolfsgarten nahm Freifrau von Starck
aus Bad Nauheim teil. (Darmſt. Ztg.)
* Perſonalnachrichten der Ober=Poſtdirektion in
Darmſtadt. Verliehen: aus Anlaß des Scheidens
aus dem Dienſte der Charakter als „Ober=Poſtſekretär”
dem Poſtſekretär Bredel in Mainz. Verſetzt:
Poſt=
ſekretär Rohr von Herne nach Mainz; die Poſtaſſiſtenten
Mertſchenk von Kyritz nach Lauterbach und Wendt von
Bad Nauheim nach Kyritz. Etatsmäßig
ange=
ſtellt: Telegraphengehilfin Scherer in Mainz.
Ange=
nommen: zu Telegraphengehilfinnen Haag, Flath
und Röth in Darmſtadt, Keil in Mainz. Freiwillig
ausgeſchieden: die Telegraphengehilfinnen Heuchert
und Noll in Worms, Mohr, Röhren und Strauch in
Darmſtadt, Steigerwald in Mainz. Geſtorben: Ober=
Poſtaſſiſtent Brandau in Mainz.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß
ver=
kündete in ſeiner Sitzung am Samstag unter dem Vorſitz
von Regierungsrat v. Werner das Urteil in der
Be=
rufung zweier Anlieger gegen das Geſuch des
Schreiner=
meiſters Michael Leonhard in Neu=Iſenburg zum
Auf=
ſtellen einer Dampfkeſſelanlage. Es wird der Berufung
ſtattgegeben, indem angeordnet wird, daß die Entſtaub=
ungsanlage ſo aufgeſtellt wird daß das Geräuſch und der
Staub auf das denkbar niedrigſte Maß beſchränkt wird=
Die Fräsmaſchine iſt im allgemeinen Maſchinenraum
auf=
zuſtellen, und im Glasbau dürfen Maſchinen nicht
aufge=
ſtellt werden. Während des Betriebes ſind Fenſter und
Türen geſchloſſen zu halten. — Die Witwe Eva Marie
Hörr in Darmſtadt ſucht um Erteilung eines
Wander=
gewerbeſchefns zumſ Verkauf von Anſickſtskanſten und
Zuckerwaren nach. Die Geſuchſtellerin hat eine
Lupus=
erkrankung im Geſicht und an der rechten Hand, weshalb
ihr der Schein verſagt wurde. Der Provinzialausſchuß
verwirft die Berufung. — Im Hauſe Schloßgaſſe 5 wird
ſeit 1850 ein Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus
betrieben. Karl Rothermel ſucht nun um Erlaubnis des
weiteren Verkaufs nach, da er das elterliche Geſchäft
wei=
terführen will. Das Polizeiamt und der Gaſtwirteverein
verneinen das Bedürfnis, während die
Wirtſchaftsdepu=
tation das Geſuch befürwortet. Der
Provinzialausſchuß=
gibt dem Geſuch ſtatt.
Der Ortsarmenverband Darmſtadt klagt gegen
den Ortsarmenverband Arheilgen wegen Erſatz von
Krankenhauspflegekoſten für das Kind Waldemar Gell= aus Darmſtadt. Das Kind war vom 27. Juli bis
1. Oktober 1912 im Städtiſchen Krankenhaus zu Darmſtadt
in Behandlung, wodurch 66 Mark Pflegekoſten entſtanden
ſind. Der Ortsarmenverband Darmſtadt klagt nun gegen
Arheilgen wegen Erſatz dieſer Koſten, da die Kindesmutter
bei der Erkrankung des Kindes, nämlich vom 18. Jun
bis 27. Juli in Arheilgen in Stellung war. Arheilgen
weigert die Zahlung, da das Kind ſchon vorher krank war=
und bereits einmal im Krankenhaus ſich befand.
Darm=
ſtadt behauptet, das Kind ſei am 15. Juni als geheilt
aus dem Krankenhaus entlaſſen worden. Der
Provin=
zialausſchuß verurteilt den Ortsarmenverband Arheilgen
zur Zahlung von 66 Mark Krankenpflegekoſten, ſowie der
Koſten des Verfahrens.
Durch den Betrieb des Waſſerwerkes Inheiden der
Provinz Oberheſſen fühlt ſich der Mühlenbeſitzer Louis
Bopp zu Reichelsheim in der Wetterau erheblich in ſeinem=
Mühlenbetrieb geſchädigt, und er klagt nun gegen die
Provinz Oberheſſen auf eine angemeſſene
Entſchä=
von
digung. Er verlangt eine Entſchädigung
250 000 Mark bezw. 25000 Mark und eine
immerwäh=
rende jährliche Rente von 8950 Mark. Später ermäßigte
Kläger ſeine Schadenerſatzanſprüche auf 83000 Mark nebſt
4 Prozent Zinſen vom 1. April 1912 an. Der
Kläger=
wurde mit ſeiner Klage vom Kreisausſchuß Gießen
ab=
gewieſen, da der Schadenerſatzanſpruch nicht innerhalb
3 Monaten nach Mißlingen der gütlichen Verſtändigung
geſtellt worden ſei, wie es die Novelle zum Bachgeſetz
vor=
ſchreibt. Der Verſuch einer gütlichen Verſtändigung iſt
am 22. Mai 1912 geſcheitert. Klage auf Entſcheidung
iſt=
erſt am 5. Oktober eingereicht. Aus dieſem Grund
er=
kannte der Kreisausſchuß Gießen dahin, daß die
Klage=
unzuläſſig ſei, auch ſei durchaus nicht erwieſen, daß dem
Kläger ein erheblicher Schaden entſtanden. Letztere
An=
nahme beſtritt Kläger in der Verhandlung vor dem
Pro=
vinziglausſchuß, dem vom Verwaltungsgericht die Sache
überwieſen wurde. Er gab an, daß er als Erſatz für die
entgangene Waſſerkraft der Horloff eine
Erſatzmaſchinen=
anlage beſchaffen mußte. Die Horloff werde bis zu ſeiner
Mühle nur mit Quellwaſſer geſpeiſt und habe daher
ſehr=
unter dem Waſſerentzug zu leiden. Der
Provinzialaus=
ſchuß wies die Sache an die Vorinſtanz zurück.
Die Provinz Oberheſſen benötigt in der Gemarkung
Birklar zur Erſtellung einer elektriſchen Fernleitung des
Ueberlandwerkes Wölfersheim zwiſchen den Gemeinden
Bettenhauſen und Lich Gelände. Da die Provinz ein
In=
tereſſe an dem Gelände an ſich nicht hat, ſondern nur
an dem Recht, auf den Grundſtücken Maſten aufzuſtellen
und Drähte darüber zu ſpannen, beantragt ſie daher,
die Grundſtücke gegen Entſchädigung mit dieſem
Nutzungs=
recht zu belaſten. Das Urteil wird in der nächſten Sitzung
verkündet werden.
g. Ferienſtrafkammer. Der 22jährige Taglöhne
Heinrich Gehbauer von hier hat bei einem hieſigen
Spediteur in mehreren Fällen bei dieſem lagernde Kiſten
geöffnet und ſich von dem Inhalt alles mögliche angeeige
net. Er war bereits früher unter Einbeziehung anderen
Strafen zu zwei Jahren ſechs Monaten Gefängnis
verur=
teilt worden. Es hat ſich inzwiſchen herausgeſtellt, daß
er noch weitere Sendungen beſtohlen hat. Er gab bei der
letzten Verhandlung beiläufig an, daß der 17jährige
Kauf=
mannslehrlina Philipp M. einige Sachen von ihm be
kommen habe, und auch verſchiedenes ſelbſt aus Kiſten
ent=
nommen habe. Dieſer gab bei ſeinen bisherigen Ver
nehmungen nur zu, daß er von Gehbauer Sachen erhalter
habe, einen Diebſtahl habe er aber nicht begangen. It
der geſtrigen Verhandlung gab er aber zu, daß er ſich ſelbſ
Kleinigkeiten genommen hat. Den Schaden hat er erſetzt=
Der Staatsanwalt erachtet bezüglich des Gehbauer ein
fortgeſetztes Delikt für vorliegend, es könne alſo eine neu
Beſtrafung nicht eintreten. Das Gericht erkannte demgemät
und verurteilte nur den Angeklagten M. wegen
Dieb=
ſtahls zu einer Woche Gefängnis. — Der Ingenieu=
Müller von Offenbach iſt ein entſchiedene Impf
gegner und obgleich er auf einen Erfolg nicht hoffer
Der Paſſagierflug — die neueſte
Leidenſchaft der engliſchen
Damen.
** Die britiſchen Frauen der vornehmen Welt, die
nach Senſationen und extravaganten Vergnügungen ſo
hungrig ſind, haben eine neue Befriedigung ihrer
Sehn=
ſucht gefunden: den Paſſagierflug. In den verſchiedenen
eleganten Seebädern, wo ſich Flieger eingefunden haben,
in Folkeſtone, Margate, Scarborough u. a., bilden die
Damen das begeiſterte Publikum, und von dem
Enthuſias=
mus zu dem Wunſche, mitzufliegen, iſt nur ein kleiner
Schritt, und kein viel größerer bis zur Verwirklichung
dieſes Wunſches. Was ſie in ſolche Verzückung der
Flug=
kunſt gegenüber verſetzt, das iſt wohl zum großen Teile
weniger die Verehrung der Flugmaſchine als des Fliegers.
Die vollendete Meiſterſchaft und Kühnheit, mit der er ſeine
Maſchine lenkt, erobert ihm die Herzen des ſchöneren
Ge=
ſchlechts im Sturm. Das Paſſagierfliegen wird
mehr und mehr eine Mode der engliſchen
Damen=
welt der man eifrig huldigt. In Hull iſt es ein kleiner,
eleganter franzöſiſcher Flieger, M. Salmet, der die Frauen
nicht mehr ruhig ſchlafen läßt; täglich macht er mehrere
Flüge, bei denen ihn verheiratete Damen aus den beſten
Kreiſen begleiten, und dabei ſpielen ſich amüſante Szenen
ab, von denen eine Reihe Ruſſell H. Stannard in einer
intereſſanten Plauderei der Daily Mail feſtgehalten hat.
Gegen 50 Damen haben den Flieger bereits begleitet,
ſeit er ſeine Tomen begann. Es iſt aber auch zu reizend,
wie galant er die Damen auf ſeine Flugmaſchine einladet,
wie er ſie überredet, die Hüte abzulegen, ihnen ſicher den
Schleier um Kopf und Nacken windet, ihnen auf den Sitz
hilft und mit einem liebenswürdigen Lächeln Mut
ein=
flößt. Und was für ein Hochgefühl für die Dame, wenn
ſie dann nach dem Hinſchweben in der Höhe wieder auf
der feſten Erde ſteht und von ihren Freundinnen
bewun=
dert und — beneidet wird. Eine Dame empfing ſo den
ganzen Tag nach ihrem Fluge Beſucher, die ſie
beglück=
wünſchten und bewunderten. Manche der Herren machen
ihr Teſtament, bevor ſie ſich auf die Maſchine ſchwingen;
keine der vielen Damen hat das getan, ſie fühlen ſich ſo
ſicher und geborgen in der Hut dieſes geſchmeidigen
Fran=
zoſen und überlaſſen ihren unten bleibenden Männern mit
Freuden alle Angſt und Sorge. Und während die Gattin,
die teure, in himmelferne Weiten emporſchwebt, ſteht der
Mann kopfſchüttelnd und nervös unten, guckt ſich die
Augen aus und murmelt vor ſich hin: „Nicht für 500 Pfund
würde ich ſo etwas tun!‟ Die Herren der Schöpfung
flie=
ßen über voll Lob für Salmet; ſie beruhigen ſich über das
Schickſal ihrer Ehehälften, indem ſie immer wieder die
Tüchtigkeit des Fliegers betonen, aber ihr Vertrauen geht
doch zumeiſt nicht ſo weit, als daß ſie ſelbſt ihm ihr Leben
in die Hand geben würden. Unter den Damen aber iſt
eine reine Manie des Fliegens ausgebrochen. „Junge
Frauen, Frauen im Mittelalter und ſogar eine oder zwei
alte ſtürzten haſtig auf den Flugplatz, um ſich dieſe
Sen=
ſation zu verſchaffen, bevor irgend ein naher Verwandter
ſie daran verhindern könnte. Atemlos rannte eine junge
Frau nach dem Hangar und rief ſchon von weitem: „Kann
M. Salmet jetzt gleich mit mir fliegen? Ich bin vor einer
Stunde zu Hauſe weggelaufen undemein Mann weiß nicht.
wo ich bin. Wenn er es erfährt, dann iſt’s aus.” „Bitte
bitte, nehmen Sie mich doch mit”, flehte ſie. „Ich mut
fliegen, ich muß fliegen!“
Jede Frau, die einmal aufgeſtiegen iſt, wünſcht, kaun
daß ſie den Boden berührt, ſogleich wieder zu fliegen
Sicherlich glaubten alle die Wahrheit zu ſagen, wennſi
erklärten, ſie hätten nicht einen Augenblick Angſt gehabt
aber ein bißchen wird wohl jeder das Herz gebebt haber
und dieſe Aufregung und Spannung war es ja gerade, di
ſie ſuchten. Eine junge Dame verglich ihre Empfindunge
beim Fliegen mit dem, was ſie bei einer Operation durch
lebt hatte, und meinte, die Sinne wären ihr beim Empon
ſteigen ebenſo geſchwunden, wie bei der Narkotiſierung
Eine Dame, die beſonderen Enthuſiasmus an den Ta
legte, machte drei Flüge in vier Tagen und zwang de
Flieger, Achten und andere Figuren in der Luft zu be
ſchreiben. Ihr Mann ſtand währenddeſſen in höchſter Au
regung in einer Ecke. „Ich ängſtige mich ja ſo um ſie
murmelte er „aber es iſt beſſer, ſie fliegt, denn kein Menſe
hat ja eine Ahnung, was ich vorher ausgeſtanden habe
Die Freundſchaft zwiſchen den Frauen und den Flieger
beruht auf Gegenſeitigkeit. „Ich habe lieber Frauen al
Paſſagiere”, erklärte Salmet, „ſie haben mehr Zutrauer
ſie ſind beherzter. Sie lachen die ganze Zeit und werfe
die Arme jauchzend in die Luft. Die Männer ſind vi
vorſichtiger. Manche halten ſich auf ihren Sitzen feſt un
ſehen aus, wie wenn ſie direkt auf dem Wege zum Schafo
wären.”
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Seite 3.
kann, führt er den ausſichtsloſen Kampf mit Energie
wei=
ter. Er erhielt vom amtlichen Impfarzt die Aufforderung,
ſeine 1905 geborene Tochter zur Unterſuchung vorzuführen,
da das Kind bereits zweimal auf Grund eines
privatärzt=
lichen Zeugniſſes von der Impfung zurückgeſtellt wurde.
Nach den Bundesratsbeſtimmungen zum Reichsimpfgeſetz
hat im Zweifelsfalle der Impfarzt die Entſcheidung
dar=
über zu treffen, ob eine Gefährdung für Leben und
Ge=
ſundheit des zu Impfenden beſteht, wenn dieſer ſchon
zweimal befreit wurde. Müller führte ſein Kind nicht vor
und wurde durch das Schöffengericht mit 15 Mark
Geld=
ſtrafe belegt, weil er den Nachweis nicht erbracht habe
daß ſein Kind geimpft ſei, beziehungsweiſe daß
es geſetzmäßig von der Impfung befreit ſei. Die
Straf=
kammer verwarf die eingelegte Berufung, und zwar, weil
er das Kind der Impfung entzogen habe. Das
Ober=
kandesgericht Darmſtadt verwies die Sache zur
nochmali=
gen Verhandlung an das Landgericht zurück, da eine
Ent=
ziehung von der Impfung nicht vorliegen könne. In der
nunmehrigen Verhandlung vor der Ferienſtrafkammer am
Samstag verſuchte der Vertreter des Angeklagten,
Rechts=
mwalt Dr. Spohr=Gießen, das Gericht davon zu
über=
zeugen, daß eine Aufforderung des Impfarztes zur
Unter=
ſuchung nicht zuläſſig ſein könne, ſolange nicht die durch
das Geſetz auf 1 Jahr beſchränkte Wirkſamkeit des
ärzt=
ichen Zeugniſſes erloſchen ſei, oder ſolange nicht
nachge=
wieſen ſei, daß dieſes Zeugnis falſch oder ungeſetzlich ſei.
Die Anwendung des Rechtsgrundſatzes: Ne bis in idem,
daß über eine Sache, die ſchon einmal rechtsgültig
ent=
ſchieden iſt, nicht nochmals verhandelt werden kann,
er=
treben die Impfgegner heute nicht mehr, denn es iſt durch
höchſtinſtanzliche Entſcheidung feſtgeſtellt, daß durch jede
ieue Aufforderung ein neuer Fall entſtehe. Das Gericht
rat den Ausführungen des Verteidigers nicht bei, ſondern
verwarf die Berufung aus den vom Schöffengericht
ge=
vürdigten und vom Oberlandesgericht beſtätigen Gründen.
Stadtverordnetenſitzung. Die Tagesordnung
zur 10. Sitzung der Stadtverordneten=Verſammlung am
Donnerstag, den 11. September, nachmittags 3½ Uhr,
autet: 1. Mitteilungen. 2. Bericht des
Oberbürger=
neiſters über die Entwickelung der Heſſiſchen Eiſenbahn=
Aktien=Geſellſchaft. 3. Geſuche um Befreiung von
bau=
ichen Beſtimmungen: a) in § 2 des Nachtrags zum
Ortsbauſtatut vom 6. Oktober 1906 für die Stiftſtraße,
)in § 64, Ziffer 2 der Ausführungs=Verordnung zur
Allgemeinen Bauordnung für Mathildenplatz 5, c) in
1 des Nachtrags zum Ortsbauſtatut vom 22.
Sep=
ember 1903 für den Lucasweg, d) in § 5 des Ortsbau
tatuts bei Errichtung eines Gartenhauſes auf einem
Hrundſtück am Martinspfad, e) desgleichen bei
Errich=
ung eines Schuppens auf einem Grundſtück am
Atz=
vinkelweg, k) des Nachtrags zum Ortsbauſtatut vom
8. Februar 1907 für die Goetheſtraße und Aenderung
ieſes Statutennachtrags. 4. Heranziehung der
Straßen=
mlieger zu den Geländeerwerbskoſten für Straßen.
Bauliche Aenderungen in der Pächterwohnung des
Oberwaldhauſes. 6. Feſtſtellung des Bebauungsplanes
ür das ehemalige Bahngelände zwiſchen
Bismarck=
nd Landwehrſtraße. 7. Vergebung der kleinen ſtädtiſchen
lnterhaltungsarbeiten für die Zeit bis Ende März 1914.
Sicherungsmaßnahmen gegen Gasentzündungen bei
kohrbrüchen ꝛc.
9. Der Abſchluß der ſtädtiſchen
Polizeikaſſe für 1912. 10. Geſuche um Bewilligung eines
tädtiſchen Beitrags: a) des Hilfsvereins deutſcher
teichsangehöriger in Teplitz, b) des deutſchen
See=
annsheims in Rotterdam, e) des Heſſiſchen
Volks=
hriftenvereins. 11. Herſtellung der Seitenſtraße der
tieder=Ramſtädter Straße nächſt des Rückertſchen
Ge=
ändes. 12. Fußſteigherſtellung auf der Oſtſeite des
brünen Wegs zwiſchen Herdweg und Hobrechtſtraße.
3. Desgleichen vor dem Hauſe Riedeſelſtraße 18. 14. Die
Seſchaffung von Wahlurnen. 15. Vermehrung der
ganz=
tächtigen Straßenlaternen.
* Zum Jubiläum Geheimerats Wilbrand ſchreibt die
armſt. Ztg.: Der Chef des heſſiſchen Forſtweſens, das
em Finanzminiſterium unterſtellt iſt, Geheimerat
Wil=
rand, feierte in letzter Woche ſein 50jähriges
Dienſtjubi=
äum. Wenn auch tiefe Trauer in der Familie des
Jubi=
ars eine laute Feier verbot, ſo mag doch der
Jubiläums=
rg des heſſiſchen oberſten Forſtbeamten Anlaß dazu geben,
inmal darauf hinzuweiſen, wie Muſtergültiges er und
eine grüne Schar im heſſiſchen Walde leiſten. Das
Ar=
eitsfeld des Forſtmannes liegt ja etwas abſeits von der
roßen Heerſtraße, höchſtens der Wanderer draußen freut
ich an den prächtigen Wäldern; den Wert der Arbeit, die
ort geleiſtet wird, weiß aber auch er meiſtens kaum zu
bürdigen, denn die handgreiflichen Ergebniſſe liegen nicht
o zutage, wie bei jeder anderen Arbeitsleiſtung. Vom
forſtmann heißt es: Was wir ſäen, werden andere ernten!
Zei der langen Umtriebszeit in der Forſtwirtſchaft, d. h.
ie Zeit, die vergehen muß, bis der jetzt gepflanzte
Wald=
aum mit dem größtmöglichſten Nutzen für den Betrieb
bgehauen werden kann, und die etwa 80 bis 100, ja oft
noch mehr Jahre beträgt, vergehen Menſchenalter, bis die
Zeit der Ernte in der Forſtwirtſchaft herankommt. Die
Leiſtungen der heſſiſchen Staatsforſtwirtſchaft werden
zur=
zeit im ganzen Deutſchen Reiche von den grünen
Fach=
leuten als vorzüglich anerkannt. Noch mehr werden ſicher
dereinſt unſere Enkel die Arbeit unſerer heutigen
Forſt=
männer zu ſchätzen wiſſen, dann, wenn ſie den materiellen
Nutzen dieſer Arbeit ernten können.
Wanderausſtellung „Das Kind‟. Die
Ausſtel=
lung der Großh. Zentrale für Mutter= und
Säuglinasfürſorge in Heſſen „Das Kind in
den erſten Lebensjahren” wird, wie ſchon bekannt gegeben.
am Sonntag, den 14. September, abends 9 Uhr,
ge=
ſchloſſen, nachdem ſie über zwei Monate in Darmſtadt
geweſen iſt und vor allem zur Belehrung unſerer Mütter
und Töchter beigetragen hat. Sie ſoll von hier aus durch
das ganze Großherzogtum wandern und auch in kleinen
Orten vorgeführt werden. So dauert es vorausſichtlich
ſehr lange, bis die Ausſtellung wieder nach Darmſtadt
zu=
rückkommt, und darum ſeien noch einmal diejenigen
dar=
auf hingewieſen, die bis jetzt noch nicht dazu gekommen
ſind, ſie zu beſuchen, und auch alle früheren Beſucher, die
den einen oder anderen der praktiſchen Gegenſtände ein
zweites Mal anſehen oder ſich noch mit Schnitten
ver=
ſorgen wollen.
* Die Landesorganiſation der heſſiſchen
Zentrums=
partei veranſtaltet lt. M. J. am 28. September in
Friedberg einen Parteitag für die Provinz Oberheſſen
In der öffentlichen Verſammlung, die unter dem Vorſitz
des Abgeordneten Juſtizrats Dr. Schmitt=Mainz tagt,
wird Reichstagsabgeordneter Erzberger über die
gegen=
wärtige politiſche Lage ſprechen.
* Darmſtädter Hausbeſitzer=Verein. Von der Ge
ſchäftsſtelle des Vereins, Wilhelminenſtraße 19, wird uns
über die Tätigkeit im Monat Auguſt folgendes mitgeteilt:
Es iſt in erſter Linie ein ſtetiges Anwachſen der
Mitglie=
derzahl zu konſtatieren. Die Geſchäftsſtelle wurde im
ver=
floſſenen Monat von 308 Perſonen in Anſpruch
genom=
men. 153 Beſuche betrafen den Wohnungsnachweis
(wohnungſuchende Mieter), die übrigen 155 Beſucher
ver=
langten und erhielten Beratung und Auskunft in den
verſchiedenſten Angelegenheiten. Der bedeutend erweiterte
Wohnungsnachweis des Vereins erfreut ſich immer
grö=
ßerer Beliebtheit bei den Mietern ſowohl wie bei den
Vermietern. Die Anfragen nach freien Wohnungen
ſei=
tens der von auswärts zuziehenden Mieter mehren ſich
von Monat zu Monat. Es konnte den Reflektanten immer
eine genügende Auswahl freier Wohnungen aufgegeben
werden. Durch die gleichzeitige Angabe der Mietpreiſe
uſw. wird den Mietern das Wohnungfuchen bedeutend
erleichtert. Des weiteren wurden Mahn= und
Kündig=
ungsſchreiben angefertigt, Mietſtreitigkeiten durch die
Ver=
mittelung der Geſchäftsſtelle beigelegt uſw. Daneben war
der Vorſtand unermüdlich tätig, Material zu ſammeln, um
die ſteuerliche Ueberlaſtung des Haus= und Grundbeſitzes
nachzuweiſen und dieſelbe zu beſeitigen. Die
umfang=
reichen Vorarbeiten ſind nahezu beendet und wird das
Material mit den Wünſchen der Hausbeſitzer den
geſetz=
gebenden Körperſchaften und der Oeffentlichkeit übergeben.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer
Expe=
dition (Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende
Bil=
der neu ausgeſtellt: Von der Herbſtparade in Berlin,
Vor=
beimarſch der Garde=Infanterie. Die tollkühne Flugleiſtung
des Fliegers Pegoud, der Flieger Pegoud im Apparat,
der ſich überſtürzende Apparat in der Luft. Die Oder mit
Hanſa= und Baumbrücke in Stettin aus der Vogelſchau.
Siegesfeierlichkeiten in Serbien, König Peter dekoriert den
heimkehrenden Kronprinzen Alexander.
g. Ertrunken iſt am Freitag nachmittag der Dragoner
Faber von der Leibſchwadron des Garde=Dragoner=
Regiments Nr. 23, als die Schwadron bei Gernsheim mit
Booten über den Rhein ſetzte. Der Soldat wurde von
dem neben dem Boot ſchwimmenden Pferd aus dem Boot
in den Strom geriſſen. Anſcheinend hat ein Herzſchlag
dem als guten Schwimmer bekannten Soldaten den Tod
gebracht. Er diente im letzten Jahre.
— Gernsheim, 6. Sept. Wegen der vorausſichtlich zu
erwartenden ſtarken Beſchickung der
Bezirkstier=
ſchau in Gernsheim am 20. September I. Js., wird
noch=
mals darauf hingewieſen, daß die Anmeldungen für dieſe
Schau bis ſpäteſtens 10. September beim
Land=
wirtſchaftskammer=Ausſchuß in Darmſtadt einzuſenden
ſind; nach dieſem Termin eingehende Anmeldungen
wer=
den nicht mehr berückſichtigt.
Offenbach, 6. Sept. (Der unredliche
Fried=
hofsverwalter.) Die Friedhofsaffäre, die zur
Ver=
haftung des Friedhofsverwalters Otto Reitz führte, nimmt
einen größeren Umfang an, als anfänglich vermutet
wurde. Der ungetreue Beamte hat neben den falſchen
Verrechnungen über für den Friedhof gelieferte Gegen=
ſtände ſich ſchwere Verfehlungen zuſchulden kommen laſſen,
die hier allgemeines Aufſehen erregen. So wurden bei
einer Hausſuchung mehrere Ringe zutage gefördert, über
deren Herkunft er ſich nicht recht ausweiſen konnte.
Außer=
dem wurden mehrere Sektrechnungen beſchlagnahmt, aus
denen hervorgeht, daß Reitz weit über ſeine Verhältniſſe
gelebt hat, obwohl er bei freier Dienſtwohnung ein
Jah=
reseinkommen von 3200 Mark bezog. Auch ſoll er bei
Exhumierungen den Friedhofsarbeitern die Trinkgelder
vorenthalten und bei auswärtigen Leichentransporten die
Hinterbliebenen nicht nur erheblich übervorteilt, ſondern
auch die Stadt dabei geſchädigt haben.
t. Reinheim, 5. Sept. Bei der hier ſtattgefundenen
Gemeinderatswahl wurden unter zahlreichen
Kandidaten 3 bürgerliche Kandidaten
ge=
wählt. Es ſind die Herren: Landwirt L. Seibold,
Spe=
diteur Rankel und Wagnermeiſter Hölzer.
* Mainz, 6. Sept. Heute vormittag wurde in der
Stadthalle der hier tagende 27. deutſche
Weinbau=
kongreß, verbunden mit einer Ausſtellung, feierlich
er=
öffnet. Außer den drei heſſiſchen Miniſtern, Dr. v. Ewald,
Dr. Braun und v. Hombergk zu Vach, dem Präſidenten des
Deutſchen Weinbauverbandes, Reichsrat Buhl von
Dei=
desheim, waren Zivil= und Militärbehörden vertreten.
Anſprachen hielten Oberbürgermeiſter Dr. Göttelmann
und Beigeordneter Gündert. Die Ausſtellung bringt die
Fortſchritte auf dem Gebiete des Weinbaues, in der
Weinbehandlung und der Kellereiwirtſchaft in
anſchau=
licher Weiſe zum Ausdruck. Sie iſt von den
Weinbau=
treibenden aus allen Gegenden Deutſchlands und dem
Aus=
lande beſucht. Der Kongreß nimmt heute mit einem
Be=
grüßungsabend ſeinen Anfang.
— Mainz, 6. Sept. Weinkoſtprobe auf dem
deutſchen Weinbaukongreß. Auch für die als
eine Veranſtaltung des 27. deutſchen Weinbaukongreſſes
vorgeſehene Koſtprobe heſſiſcher Weine ſind nunmehr alle
Vorarbeiten beendigt. Der für die Vorbereitung der
Koſt=
probe eingeſetzte beſondere Ausſchuß unter dem Vorſitze
des Herrn Beigeordneten Kommerzienrat Haffner hat in
ſeiner vorgeſtrigen Sitzung die letzten Anordnungen
ge=
troffen und über den Druck des Katalogs der ausgeſtellten
Weine beſchloſſen. Rund 3000 Flaſchen ausgewählter
heſſiſcher Weine aus den verſchiedenſten Gemarkungen und
Lagen liegen dank der Opferwilligkeit unſerer heſſiſchen
Weinproduzenten und Weinhändler in den kühlen Kellern
der Stadthalle bereit, um durch die zahlreich zu
erwarten=
den kritiſchen ſachverſtändigen Beurteiler aus nahe und
fern verkoſtet zu werden; darunter fehlt auch nicht das
Edelſte und Beſte was in unſeren vom Rheinſtrom
be=
ſpiegelten Rebenhängen der Weinſtock unter dem Einfluß
günſtiger Naturfaktoren und der unermüdlichen pfleglichen
Behandlung durch unſere Winzer hervorzubringen
ver=
mag. Man darf darnach zuverſichtlich hoffen, daß die
Koſtprobe den guten Ruf der heſſiſchen Weine beſtätigen
und ihn zum Vorteile unſeres Weinbaues und
Wein=
handels in weitere Kreiſe tragen wird, denn die
Erwar=
tungen, die man inbezug auf Beſchickung der Koſtprobe
hegte, ſind ſowohl was die Menge als auch was die Güte
der dem Ausſchuſſe überlaſſenen Weine betrifft, weit
über=
troffen worden. Befinden ſich doch unter den zur Probe
ſtehenden 273 Sorten ſolche mit tatſächlich gezahlten
Ver=
kaufspreiſen bis zu 25000 Mark für 1200 Liter. Die
Hauptgruppe der Weißweine umfaßt außer 32 Weinen
älterer Jahrgänge, 140 Sorten aus dem Sonnenjahr 1911
und 75 1912er Weine. Von heſſiſchen Rotweinen werden
26 Proben aufgeſtellt werden. Die Koſtprobe, die am
Dienstag, den 9. September, mittags 12 Uhr, im runden
Saal der Stadthalle ſtattfindet und kaum vor 5 Uhr
be=
endigt ſein wird, iſt zugängig für Inhaber von
Kongreß=
karten gegen Vorzeigung derſelben. Andere Intereſſenten
haben Zutritt gegen Löſung einer Tageskarte zum Preiſe
von 5 Mark. Da die Koſtprobe ſtets zu den wichtigſten
und intereſſanteſten Veranſtaltungen eines deutſchen
Weinbaukongreſſes gehört, wird vorausſichtlich auf einen
zahlreichen Beſuch zu rechnen ſein, ſodaß eine baldige
Löſung der Teilnehmerkarten ſich empfiehlt.
Mainz, 6. Sept. (Reiche Tomatenernte.) Die
Tomatenernte in Mombach liefert in dieſem Jahre ſo
außerordentlich reiche Erträge, daß es den Landwirten
ſchwer hält, die enormen Vorräte, die tagtäglich auf dem
Felde reifen, an den Mann zu bringen. Seit Jahren
wurde nie ſolch reicher Behang prachtvoll entwickelter
Früchte beobachtet, wie in dieſem Jahre. Es iſt zu
be=
fürchten, daß viele der ſonſt ſo beliebten Früchte infolge
Ueberproduktion zugrunde gehen. Der Preis iſt infolge
deſſen auch recht niedrig. Die Händler zahlen kaum 5 Mark
per Zentner. Einzelne Firmen verſchicken täglich bis zu
80 Zentnern.
Feuilleton.
** Das rote Haar wird Mode. Der Volksmund iſt
warauf die Rothaarigen nicht gut zu ſprechen und dichtet
men allerhand ſchlimme Eigenſchaſten an, aber die Mode
t über derartige Vorurteile erhaben und als eine
ge=
echte Verteilerin der Güter reicht ſie dem roten Haar in
er neuen Saiſon den Preis der Schönheit. Von den
ötlichen Fuchspelzen, die dieſen Herbſt ſo modern
wer=
en, iſt die Vorliebe ausgegangen, und da man nun heute
inmal beſonders gern Harmonien ſchafft, ſo ſoll das
vaar mit dem Pelz einen Gleichklang bilden, und die
ame, deren Coiffüre im ſchönſten Henna=Ton prangt
enügt damit den neueſten Forderungen des mondänen
Schönheitskoder. Folgendermaßen ſtellt ſich das Bild der
ſodedame nach den Angaben eines Londoner Kenners
ar: „Sie trägt weiße Kleider mit einer Stola und einem
ſuff von rotem Fuchs. Ihr =Haar muß die Farbe des
efen Rotbraun haben und ihr Teint leuchtet in einem
bhaften Lachsrot. Eine Kette von Bernſteinperlen
ver=
ollſtändigt dieſe warme Farbenſkala und krönt den Effekt
er gelben und roten Töne.” Auch die Londoner Coiffeure
nd der Anſicht, daß in der kommenden Saiſon Rot
rumpf iſt. „Rotes Haar wird das ganze Land
überblu=
en,” ſagte einer der erſten Haarkünſtler der britiſchen
rauptſtadt. „Es gibt ja kein anderes Mittel, als das
Fär=
en mit Henna, wenn man zu dem Pelz die nötige Har
ionie herſtellen will. Freilich iſt dabei der feinſte Takt
t der Wahl der Nüancen des Rot notwendig; es muß
um Teint ſorgfältig abgeſtimmt werden, und vielfach
ird es nicht anders gehen, als daß auch die Hautfarbe
urch geeignete Behandlung in dieſe „rote Sinfonie‟
ineingezogen wird. Die Coiffüren werden übrigens in
ieſem Winter wieder höher und immer höher getragen
derden.”
C.K. Die jüngſten Unterſuchungen des ſchiefen Turmes
on Piſa haben die Gefahr eines baldigen
Ein=
urzes dieſes einzigartigen Wunderbaues beſtätigt, die
achder immer mehr zunehmenden Neigung in den letzten
Jahren vielfach befürchtet wurde. Wie in der Kunſtchronik
mitgeteilt wird, hat eine von der Regierung ernannte
Kommiſſion im Beiſein des Generaldirektors der
italieni=
ſchen Kunſtſammlungen, Corrado Ricci, eine Prüfung der
ſtatiſchen Verhältniſſe vorgenommen. Das einſtimmig
angenommene Gutachten ſchlägt vor, der Gefahr dadurch
vorzubeugen, daß man das Ausgrabungsbecken teilweiſe
erhöht, um das an der Baſis des Turmes auftretende
Waſſer unſchädlich zu machen. Im Anſchluß an dieſe
Er=
höhung des Ausgrabungsbeckens ſollen dann die
Funda=
mente des Turmes durch Anſtückungen verſtärkt und
nöti=
genfalls muß eine Verbindung zwiſchen dem Niveau des
Domplatzes und dem erhöhten Beckengrund hergeſtellt
wer=
den. Außerdem wird unterſucht werden, ob es für die
Stabilität des Turmes von Vorteil iſt, wenn der innere
Hohlraum in voller Höhe des Fundamentes ausgefüllt
wird. Bei ſeiner Anweſenheit in Piſa beſuchte übrigens
Corrado Ricci auch den Campoſanti, deſſen berühmte
Fresken von Benozzo Gozzoli durch Abblätterung der
Farbe gefährdet ſind; ſie ſollen mit großen Glasſcheiben
bedeckt werden.
— Die Verſicherung der Sommerfriſchler. Die
Lon=
doner ſtehen in dem Ruf, außerordentlich vorſichtige und
ſparſame Leute zu ſein, die ſehr gern für nichts etwas
er=
halten und ſehr ſorgſam der Gefahr ausweichen, für nichts
etwas zu bezahlen. Aber in dieſem Jahre des
ſommer=
lichen Regens hat ſie ihre Sparſamkeit und ihre Vorſicht
um ſehr angenehme Einnahmen und Gewinne betrogen
Seit Jahren beſteht in England eine große
Verſicher=
ungsgeſellſchaft, die es unternimmt, Ferienreiſende und
Sommerfriſchler gegen ſchlechtes Wetter zu
ver=
ſichern. Beſonders nach langen ſchönen Wetterperioden
iſt die Bereitwilligkeit der Londoner, eine ſolche
Ver=
ſicherung abzuſchließen, ſtets ſehr groß, denn die
ſpekula=
tiven Geiſter ſagen ſich: „Nun iſt es ſchon ſo lange gutes
Wetter geweſen, wenn ich jetzt in Urlaub fahre, dann
kommt totſicher der Landregen.” Je nach den allgemeinen
meteorologiſchen Verhältniſſen ſchwanken die
Verſicher=
ungsſätze, aber nicht ſelten legen die Londoner 15
Schil=
ling die Woche an, um dagegen die Gewißheit zu erlan=
gen, daß ſie für jeden Regentag von der Verſicherung 10
Schilling vergütet bekommen, was ja immerhin ein
ge=
wiſſer Troſt im Leide iſt. Aber in dieſem Jahre waren
die Sommermonate ſo regenreich, daß die ſchlauen
Lon=
doner ſich verkalkulierten; ſie ſagten ſich: „Nun war
wochenlang ſchlechtes Wetter, jetzt wird es ſicher ſchön,
ſparen wir die Verſicherung,” Und bei den vielen
Regen=
tagen des Jahres ſind ſie diesmal um ein kleines
Ver=
mögen gekommen, das ihnen in Form von Prämien
zu=
gefallen wäre. Im Gegenſatz zu den Sommerfriſchlern
aber, ſo erzählte ein Beamter der Verſicherungsbranche
einem engliſchen Interviewer, ſind in dieſem Sommer alle
Veranſtältungen im Freien ſo eifrig wie nie zuvor
ver=
ſichert worden. Es ſind nicht nur die Gaſtwirte, die ihr
Riſiko auf dieſe Art zu vermindern trachten; in den
letz=
ten Jahren iſt es immer üblicher geworden, Privatfeſte,
die im Freien ſtattfinden ſollen, Gartenfeſte, Picknicks uſw.
gegen Regen zu verſichern, um bei ſchlechter Witterung
nicht den ganzen Verluſt der vorbereiteten Speiſen und
Getränke, die bei der Abſage des Feſtes nahezu wertlos
werden, tragen zu müſſen. Auch Fußballwettkämpfe
wer=
den in England gegen Regen verſichert.
ml. Der vergeſſene Zylinder des Miniſterpräſidenten.
Als in dieſen Tagen der Eilzug von Madrid nach Paris,
in dem Graf Romanones, der ſpaniſche Premierminiſter,
in einem Salonwagen ſaß, eben den Bahnhof verlaſſen
hatte, wurde er wieder zurückbeordert und blieb drei
Viertelſtunden im Bahnhof ſtehen. Vergebens ſuchten die
ärgerlichen Reiſenden zu erfahren, weshalb der Zug ſo
lange ſtehen bliebe. Der Stationsvorſteher verweigerte
jede Aufklärung. Inzwiſchen kam ein Bote atemlos
her=
beigelaufen, der eine Hutſchachtel in der Hand trug, die er
im Salonwagen des Grafen Romanones abgab. Gleich
darauf gab der Stationsvorſteher das Zeichen zur
Ab=
fahrt. Man erfuhr dann auch die Gründe des
dreiviertel=
ſtündigen Aufenthalts: Der Premierminiſter hatte ſeinen
Zylinderhut in der Wohnung vergeſſen und geſtattete
nicht eher abzufahren, bis der Hut herangeſchafft
wor=
den war.
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Nummer 210.
Guntersblum, 6. Sept. (Räuberiſcher
Ueber=
fall.) Von zwei Straßenräubern überfallen und
aus=
geraubt wurde der Schloſſergeſelle Gutjahr aus Eich. Auf
der Heimreiſe von Duisburg hatte er in der Nähe des
Ortes am Wegrand Mittagraſt gehalten. Hierbei wurde
er plötzlich von zwei fremden Wanderern überfallen, und
trotzdem ſich G. kräftig zur Wehr ſetzte, wurde er von den
Strauchdieben überwältigt. Sein geſamtes Bargeld, etwa
60—70 Mark, nahmen ihm die Kerle unter
Mißhandlun=
gen ab. Gendarmeriewachtmeiſter Krafft nahm bald nach
der Tat mit einem Automobil die Verfolgung der
Stra=
ßenräuber auf, konnte aber niemand erwiſchen.
Bad Nauheim, 6. Sept. Bis zum 4. September
ſind 31864 Kurgäſte angekommen. Bäder wurden bis
zum 4. September 415295 abgegeben.
Bad Nauheim, 6. Sept. Der frühere
Reichskom=
miſſar Dr. Karl Peters iſt nach mehrwöchigem
Kur=
gebrauch nach Iſerlohn zu Verwandten abgereiſt. Er wird
ſpäter nach London zurückkehren. Für das Karl Peters=
Denkmal, das Kolonialfreunde in Daresſalam errichten
wollen, iſt laut Frankf. Generalanz. bereits ein Fonds von
über 20000 Mark vorhanden. Auch Fürſt Bülow iſt mit
einem namhaften Betrag vertreten.
Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 6. September.
Butter, ½ kg . . 1,40 M.
in Partien, ½ kg 1,30 M.
Eier, Stück
10 P
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-2
Handkäſe, Stück . 4—10 P
Kartoffeln, Ztr. 2,50-3,00 M.
Kumpf (10 Liter) 40—45 Pf.
½ kg . . . . 3—4 Pf.
Obſt u. dergl.:
Eierſchwämme, ½ kg 40 Pf.
Tafeläpfel, ½ kg 6—12 A
Falläpfel, ½ kg 4—5 P
Pf.
Zitronen, Stück . 7—8
Zwetſchen, ½ kg 8—10 Pf.
Apfelſinen, Stück 8—10 Pf.
Preiſelbeeren, ½ kg 30-35 Pf
Trauben, ausl. ½kg30-35 Pf.
— hieſige, ½ kg 30-35 Pf
Tafelbirnen, ½ kg 15-25 P
Kochbirnen, ½ kg 10-12 P
Brombeer., Schopp. 14-15 Pf
Mirabellen, ½ kg 30-35 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.
Kopfſalat, Stück . 4—5 P
Endivien, Stück 4—6 Pf.
Kohlrabi, Stück . 3—5 Pf
Radieschen, Bündel 2 A
Rettiche, Stück . 3—5 Pf
Meerrettich, Stück 25—30 Pf
Roterüben, ½ kg 8—10 Pf.
Zwiebeln, ½ kg. 5—6 Pf.
Tomaten, ½ kg . 10 Pf.
. 10 Pf
Spinat, ½ kg
Weißkraut, Stück 8—30
Sf.
Rotkraut, Stück 15—25 Pf.
Blumenkohl, Stück 10—30 Pf
Wirſing, Stück . 5—15 Pf
Erbſen, ½ kg . 16—20 P
Bohnen, ½ kg . 10—16 P
Saubohnen, ½ kg.
Gelberüben, ½ kg 5—10 Pf.
Gelberüben, Bündel 3—6
Rhabarber, ½ kg 10—12
Schälgurken, Stück 10-20
Einleggurken, Stück 1—2
100 Stück 1,00-2,50 M.
Römiſch=Kohl, Bündel 2 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 0,90—1,00 M.
Enten, Stück 3,50—4,50 M.
Hahnen, Stück 1,00—2,50 M.
Hühner, Stück 2,50—3,50
Tauben, Stück 60—70 Pf.
4 M.
Haſen, Stück
Lapins, Stück 0,90—1,00 M.
Fiſche:
Hecht, ½ kg 0,90—1,00 M.
Aal, ½ kg 1,10—1,20 M.
Karpfen, ½ kg 70—80 Pf.
Andere Rheinfiſche,
. 35—40 P
1 kg.
Rotzungen, ½ kg 50 P
Schollen, ½ kg
50
22
Kabeljau, ½ kg 20—2
Schellfiſche, gr. ½ kg 28 Pf.
Seelachs ohne Kopf,
15 Pf.
½ kg
Bratſchellfiſche, ½ kg 19 Pf
Seehecht, ½ kg . . 27 Pf.
In den Fleiſchſtänden
Rindfleiſch, ½ kg . 70
Hackfleiſch, ½ kg . 76 P
56
Rindsfett, ½ kg
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 92 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
1 M.
2 kg .
1
Schwartemagen u. Fleiſch=
90 Pf.
wurſt, ½ kg .
Leber= und Blutwurſt,
½ kg . . . . . 72 Pf.
Gewerbeverein für das Großherzogtum Heſſen.
— Ueber die Tätigkeit des
Gewerbever=
eins für das Großherzogtum Heſſen hat
ſoeben, am Schluſſe des 77. Vereinsjahres, die
Großher=
zogliche Zentralſtelle für die Gewerbe einen ausführlichen
Bericht veröffentlicht, aus welchem wir zunächſt
ent=
nehmen, daß in der Mitgliederzahl wieder ein
Aufſteigen zu verzeichnen iſt auf rund 10700. Unter 85
Todesfällen betrauert der Verein auch den Verluſt zweier
Ehrenmitglieder, des Geh. Baurats Ferd. Becker zu
Darm=
ſtadt und des Bauunternehmers und Maurermeiſters
Kon=
rad Haaf in Bensheim. Der Bericht, welcher als
Vor=
lage für die Hauptverſammlung des
Lan=
desgewerbevereins am 14. September zu
Lauterbach erſtattet iſt, erwähnt die bedeutende
An=
regung, welche auf der vorjährigen Hauptverſammlung zu
Bingen durch den Vortrag des Herrn Geh.
Regierungs=
rats Dr. Dietz=Darmſtadt über: „
Tuberkuloſebekämpf=
ung im Mittelſtande” gegeben wurde. Ein neuer
Wirk=
ungskreis wurde hiermit den Verbänden von
Gewerbe=
vereinen und Handwerkervereinigungen eröffnet,
insbe=
ſondere durch die Forderung der Gründung eines
Unter=
ſtützungsfonds für ihre Mitglieder, welcher im Falle der
Tuberkuloſeerkrankung wenig bemittelten Handwerkern
und Gewerbetreibenden, ſowie deren Familienangehörigen
den Kuräufenthalt in einer Heilſtätte ermöglichen ſoll.
Ein=
ſtimmig wurde beſchloſſen, die aus den
Verſicherungs=
abſchlüſſen mit großen Verſicherungsgeſellſchaften dem
Landesgewerbeverein zufließenden Proviſionsanteile zu
kapitaliſieren als Hilfskaſſe zur Bekämpfung der
Tuber=
kuloſe. Der Ausſchuß des Landesgewerbevereins
ver=
folgte mit großer Aufmerkſamkeit die Fürſorge für
die gewerbliche Jugend und empfahl beſonders
denjenigen Gewerbevereinen, die über eigene Schulhäuſer
verfügen, ſich mit dieſer Frage eingehend zu befaſſen.
Weiterhin wurde neu eingerichtet eine
Rechtsaus=
kunftsſtelle. Finanzielle Schwierigkeiten ſind in dem
Voranſchlagsweſen der gewerblichen
Unterrichts=
anſtalten insbeſondere dadurch entſtanden, daß eine
Neu=
belaſtung durch die Beiträge zur Heſſiſchen Fürſorgekaſſe
und zur reichsgeſetzlichen Angeſtellten=Verſicherung
er=
wachſen iſt, wozu die vorhandenen Mittel nicht ausreichen.
Dieſe Beiträge für Lehrer und Angeſtellten belaufen ſich
in ihrem Anteil für die Schulkaſſen auf mehr als 10000
Mark jährlich. — Die Abhaltung praktiſcher
Meiſterkurſe durch die Zentralſtelle für die Gewerbe
hat im abgelaufenen Jahre bedeutend an Umfang
zu=
genommen, beſonders durch den ſtarken Zudrang zu den
neu eingerichteten elektrotechniſchen Fachkurſen, die der
weiteren Ausbildung von Handwerksmeiſtern, in deren
Gewerbebetrieb auch Inſtallationsarbeiten einſchlagen
dienen ſollen. In wirtſchaftlicher Beziehung
war der Landesgewerbeverein bemüht, ſeinen Mitgliedern
beſondere Vorteile zu bieten durch eine Sterbekaſſe und
durch Meiſtbegünſtigungsverträge auf dem Gebiete der
Haftpflicht= Unfall=, Lebens= und Feuerverſicherung und
anderer. Die Sterbekaſſe für Mitglieder des
Landes=
gewerbevereins und des Verbandes Deutſcher Gewerbe
vereine hat im Berichtsjahre einen Vermögensſtand von
145000 Mark aufzuweiſen. Das Jahr ſchloß mit einem
namhaften Ueberſchuß ab. Zur Unterſtützung für bedürf=
tige Lehrlinge beſteht ferner bei dem Landesgewerbeverein
und bei 6 Ortsgewerbevereinen die Eckhardt=Stiftung mit
einem Vermögen von rund 18000 Mark.
Die Bibliothek des Landesgewerbevereins mit
ihrer Auslegeſtelle deutſcher Patentſchriften, der
Vor=
bilderſammlung und Lichtbilderſammlung, ſowie der
Ein=
richtung eines Mappenumlaufs bei den Ortsgewerbever
einen hatte ſich eines regen Zuſpruchs zu erfreuen. Der
Leſeſaal bei der Zentralſtelle für die Gewerbe war von
6500 Perſonen beſucht, der Vorbilderſaal von 1640. Die
Auslegeſtelle der deutſchen Patentſchriften wurde von 350
Perſonen in Anſpruch genommen. Ausgeliehen wurden
2646 Bände und 8420 Vorbilder. — Das
Gewerbe=
muſeum erfuhr in ſeinen 5 Gruppen eine Erweiterung
durch Ankauf von 132 Nummern, wobei eine beſondere
Sorgfalt im Berichtsjahre dem Ausbau der
buchgewerb=
lichen Gruppe gewidmet war. Sonderausſtellungen fander
im ganzen 9 ſtatt. Die Beſucherzahl des Muſeums
bezif=
ferte ſich auf rund 14000. Der Landesgewerbeverein,
welchem ſeit 11 Jahren die Vorortſchaft und
Geſchäfts=
leitung des Verbandes Deutſcher Gewerbevereine und
Handwerkervereinigungen obliegt, ſteht durch dieſe
Tätig=
keit in innigſter Verbindung mit den großen, dem
Ver=
bande angehörenden 17 Landesverbänden und 9
Einzel=
vereinen in Deutſchland, die zurzeit 150000 Mitglieder
zählen mit rund 100000 Handwerkern.
In den Ortsgewerbevereinen wurden im
abgelaufe=
nen Jahre, größtenteils mit Unterſtützung der
Zentral=
ſtelle, 135 Wintervorträge abgehalten, worunter allein 39
das neue Gemeindumlagegeſetz betrafen. In Verbindung
mit dem Gewerbeverein Gießen iſt eine
Handwerkerzen=
trale entſtanden, deren Aufgabe es ſein ſoll, den
Hand=
werker=Mitgliedern in gewerblichen Angelegenheiten
be=
ratend zur Seite zu ſtehen. Von den im Lande vorhandenen
125 Ortsgewerbevereinen, die ſich in 13 Bezirksverbände
vereinigen, haben 93 Vereine für 2207 Lehrlinge
Geſellen=
prüfungen abgehalten. Eine ausführliche Betrachtung iſt
dem gewerblichen Unterrichtsweſen und
zu=
nächſt den 119 Handwerkerſchulen gewidmet. Die Zahl der
Schüler hat ſich hier um 228 im abgelaufenen Jahre
ver=
mehrt, ſie betrug 7084. Noch günſtiger geſtaltete ſich die
Beteiligung von Schülern der Handwerkerſchulen am
Un=
terricht der mit 39 derſelben verbundenen gewerblichen
Fortbildungsſchulen. Hier ergab ſich eine Zunahme von
672, was insbeſondere der bei 10 Handwerkerſchulen
ein=
geführten Verlegung des Sonntagsunterrichts auf
Werk=
tage zuzuſchreiben iſt, wobei die Schüler neben dem
Zei=
chenunterricht auch an einem gewerblichen
Fortbildungs=
unterricht teilnehmen müſſen. Gewerbliche
Fortbildungs=
ſchulen in Verbindung mit Handwerkerzeichenſchulen ſind
39 im Lande vorhanden, wovon 8 den Gewerbe= und
Kunſtgewerbeſchulen angegliedert ſind und unter Leitung
der betreffenden Großh. Hauptlehrer und Direktoren ſtehen.
Die Gewerbe=. Kunſtgewerbe= und Fachſchulen waren von
2219 Schülern beſucht. Einzelne Schulen haben eine
Ab=
nahme des Beſuches zu verzeichnen, während insgeſamt
eine Zunahme von 125 gegenüber dem Vorjahre vorliegt
Die Gewerbeſchule zu Gießen feierte am 6. April 1913 ihr
75jähriges Beſtehen. An der Schule in Worms wurde der
Unterricht erweitert durch Angliederung einer
Fachabtei=
lung für Müller. Vorbereitungskurſe für die
Meiſter=
prüfung hielten 5 Gewerbeſchulen ab mit 98 Teilnehmern.
Der Bericht enthält weiter intereſſante Aufſchlüſſe über
die finanziellen Verhältniſſe der Großh. Zen
tralſtelle für die Gewerbe und des Landesgewerbevereins
ſowie der chemiſchen Prüfungsſtation für die Gewerbe
und das gewerbliche Unterrichtsweſen. Die eigenen
Ein=
nahmen, insbeſondere an Schulgeld, betrugen 225072 M.,
der geſamte Staatsbeitrag 397288 M., die Beiträge von
Ortsgewerbevereinen 54066 M., von Gemeinden 153 490
Mark. von Kreis= und Sparkaſſen 34 220 M., von Privaten
und ſonſtigen Kaſſen 6329 M. Von der Geſamteinnahme
von 870 465 M. wurden 397 288 M. oder rund 45,7
Pro=
zent aus Staatsmitteln aufgebracht. Der Prozentſatz des
Staatsbeitrages hat ſich im Vergleich zum Vorjahre um
0,9 Prozent erhöht. Nach einer ſtatiſtiſchen Nachweiſung
über die finanzielle Lage der gewerblichen
Unterrichtsan=
ſtalten für das Schuljahr 1911/1912 hat der Schulbetrieb
insgeſamt eine Barausgabe von 658 395 M. erfordert,
wo=
von 493 536 M. auf perſönliche Ausgaben entfallen. Die
koſtenfrei geſtellten Schulräume oder die Zinſen des
hier=
für aufgewendeten Kapitals, ſowie Naturalleiſtungen für
Heizung und Beleuchtung ſind auf weitere 67456 M. zu
veranſchlagen. Die Geſamtausgabe der gewerblichen
Un=
terrichtsanſtalten ſtellt ſich hiernach auf 725851 M. — Die
Großh. chemiſche Prüfungsſtation für die
Gewerbe zeigt eine Erweiterung ihres Arbeitsgebietes
durch die Aufnahme regelmäßiger Unterſuchungen
techniſch=
pharmazeutiſcher Präparate, indem das „
Warenzeichen=
unternehmen des Deutſchen Apotheker=Vereins” auf Grund
eines Vertrages die von ſeinen Mitgliedern hergeſtellten
Präparate der Kontrolle der Prüfungsſtation unterſtellte.
Die Zahl der eingeſandten Proben, der Sondergutachten
und der Auskunftserteilungen vermehrte ſich auf 2944.
Unterſucht wurden 2726 Gegenſtände, darunter 1487
or=
ganiſche Präparate. Die Prüfungsſtation wurde von 906
Behörden, Körperſchaften, Firmen und Einzelperſonen in
Anſpruch genommen, die ſich auf 463 Ortſchaften verteilen
und auf die Bundesſtaaten Heſſen, Preußen, Bayern
Württembera, Baden, Sachſen und Mecklenburg; auf das
Ausland kommen 22 Orte. Vier Anlagen zu dem
Tätig=
keitsbericht enthalten Verzeichniſſe der Mitglieder des
Ausſchuſſes des Landesgewerbevereins, der verſtorbenen
Mitglieder, der Ortsgewerbevereine nebſt Zahl der
gehal=
tenen Vorträge und der geprüften Lehrlinge, ſowie der
gewerblichen Unterrichtsanſtalten.
Beich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 6. Sept. Wie der
Lokal=
anzeiger hört, wird der preußiſche Kultusminiſter dem
Wunſch nach einer beſſeren Belehrung der Jugend
in Bürgerkunde und Staatsbürgerrecht
durch Einrichtung von geſchichtlichen und
ſtaatswiſſen=
ſchaftlichen Fortbildungskurſen für akademiſch gebildete
Lehrer an höheren Lehranſtalten Rechnung tragen. Der
erſte dieſer Kurſe ſoll vom 13. bis 25. Oktober d. J. in
Berlin ſtattfinden. — Die Beſtätigung des neuen
Char=
lottenburger Oberbürgermeiſters Dr
Scholz wird, wie das Tageblatt hört, heute durch den
Kaiſer erfolgen. Die Akten liegen bereits ſeit mehreren
Tagen im Zivilkabinett. — In der geſtrigen gemeinſamen
Verhandlung der ſelbſtändigen Kürſchner, der Arbeiter
und Arbeiterinnen wurde berichtet, daß 700 Arbeitnehmer
im Streik ſtehen, während 150 zu den neuen
Bedingun=
gen arbeiten. Der Streik ſoll fortgeſetzt und namentlich
die Verkürzung der Arbeitszeit auf 8½ Stunden ſoll
auf=
recht erhalten werden.
Höchſt a. M., 6. Sept. Ein ſehr ſchwerer
Un=
glücksfall ereignete ſich geſtern mittag in
Schwan=
heim im Hofe des Landwirts Bürgel. Nach der
Veſper=
pauſe wollte dort ein älterer Arbeiter ſeinen Stand auf
der Dreſchmaſchine wieder einnehmen, wobei er auf dem
infolge des Regens glatt gewordenen Maſchinenboden
ausglitt und mit einem Bein in die Trommel geriet. Das
Bein wurde ihm augenblicklich gänzlich zermalmt. In
faſt hoffnungsloſem Zuſtande wurde der Mann dem
Krankenhaus zugeführt.
Birnbaum, 6. Sept. Nach dem Genuß von Pilzen
erkrankten im Dorfe Grabitz 3 Kinder eines Anſiedlers
im Alter von 4—6 Jahren. Die beiden älteren Kinder
ſind bereits geſtorben; das dritte hofft man am
Leben=
zu erhalten.
Peſt, 6. Sept. Der verſchwundene ungariſche.
Biſchof Dr. Bogdanowitſch dürfte, wenn er nich
erfroren oder abgeſtürzt iſt. an Hunger geſtorben ſein,
Es ſind auch Gerüchte im Umlauf, daß der Biſchof
wahr=
ſcheinlich das Opfer einer ſüdſlawiſchen Verſchwörung
ge=
worden iſt und daß die Verſchwörer ihn überfallen und
getötet haben.
Rom, 6. Sept. Der internationale Wette
bewerb katholiſcher Turnvereine, an welchem
123 Vereine, darunter 88 italieniſche und 35 ausländiſche,
teilnahmen, hat heute vormittag im Stadion begonnen.
Auch zwei elſaß=lothringiſche Vereine mit etwa 70
Tur=
nern nehmen an dem Wettbewerb teil.
Liſſabon, 5. Sepl. Das Hochzeitsgeſchenk
des Königs Manuel ſoll bekanntlich hier
zurückge=
halten worden ſein. Die Zollbehörden erklären aber, daß
keineswegs beabſichtigt ſei, die für König Manuel
be=
ſtimmte Sendung, die ein in Silber getriebenes Modell
eines portugieſiſchen Schiffes enthält, zurückzubehalten
Die Sendung werde ſofort nach der Erfüllung gewiſſer
Zollformalitäten befördert. Sie iſt von der engliſchen
Ge=
ſandtſchaft an das Auswärtige Amt in London zur
Ueber=
reichung an den König adreſſiert.
Petersburg, 5. Sepk. Der ſchwediſche
Leut=
nant von Eſſen der am 15. Auguſt in
Peterhof=
verhaftet worden iſt, während er Manöverepiſoden
photographierte, wurde ins Unterſuchungsgefängnis
ge=
bracht. Er ſteht unter Anklage nach dem Artikel 112 des
Strafgeſetzbuches, welcher die Anfertigung von
Zeich=
nungen befeſtigter Gebiete betrifft. Unter derſelben
An=
klage ſteht eine ruſſiſche Untertanin, die Tochter der
Haus=
wirtin des Leutnants Eſſen, die in der
Mobiliſations=
abteilung der Moskauer Eiſenbahn angeſtellt iſt.
Hot Springe (Arkanſas), 6. Sept. Großfeuer
wütete im Geſchäftsdiſtrikt der Stadt. Die Gebäude der
ganzen Straße und noch 12 andere Häuſergevierte ſind
zer=
ſtört. Die Feuerwehr ſprengte die Häuſer mit Dynamit,
um das weitere Umſichgreifen der Flammen zu verhüter
Es tobte ein heftiger Sturm. Die Feuersbrunſt hat
gro=
ßen Schaden angerichtet, der auf etwa 10 Millionen
Dol=
lars geſchätzt wird. Das Feuer wütete in einer Ausdeh
nung von einer Meile Länge und einer halben Meile
Breite. 2000 Perſonen ſind obdachlos.
Gottesglaube und moderne
Weltanſchauung.
II.
In ſeinem zweiten Vortrag am Freitag begam
Herr Prof. D. Dr. Weinel zu ſprechen über Geſchichts
wiſſenſchaft und Gottesglaube, und zwar behandelte
zunächſt den Offenbarungsanſpruch der Religionen und
die Religionsgeſchichte. Einleitend ging der Vortragend
ein auf den Unterſchied der alten, religiöſen und
de=
neuen, natürlichen Geſchichtsauffaſſung. Daraus ent
wickelte er die Parallele der Geſchichtswiſſenſchaft zu
Naturwiſſenſchaft. In ihrer Stellung zum Gottesglauber
weiſen beide denſelben Fehlſchluß auf. Denn wie di
Naturwiſſenſchaft, ſo behauptet auch die Geſchichtswiſſen
ſchaft, die notwendige natürliche Erklärungsweiſe alle
Geſchehens ſchließe den Gottesglauben aus. Dieſen Fehl
ſchluß ſtützt die Geſchichtswiſſenſchaft weſentlich auf
Sätze. 1. Der Offenbarungsanſpruch der Religioneni
zu beſtreiten. 2. Die Geſchichtsſchreibung verzichtet auf di
religiöſe Erklärung, und 3. Das Gewiſſen als ſitkliche
Empfinden der Menſchen iſt auch der Entwicklung unter
worfen
Zunächſt alſo wird der Offenbarungsanſpruch der Re
ligionen angegriffen, weil die Offenbarungen verſchiede
ſind. Alle Religionen aber ſind aus Offenbarungen en
ſtanden, das heißt aus perſönlichen Erlebniſſen, Viſion
ihrer Stifter. Dem zweiten Einwande, Viſionen ſeie
etwas Krankhaftes, iſt entgegenzuhalten die Tatſache,
da=
auch geſunde, ja gerade die hervorragendſten Menſch
Viſionen gehabt haben (Cäſar, Napoleon und Goetl
uſw.). Die Kraft ungeheuerer Konzentration des geiſt
gen Lebens, ſo, daß die Sinnesorgane dabei erregt we
den, eignet eben nur den genialen Menſchen. Weil ſie un
fehlt, deshalb iſt ſie noch lange nicht krankhaft. Wir kon
men zu dem Schluß, daß Viſionen ein Zeichen von Kran
heit, wie ein Zeichen von größter Genialität ſein könne
Jedenfalls aber kann die Wahrheit einer Offenbarungm
durch ihren Inhalt bewieſen werden. Auch der Einwan
daß die Maſſen und wirtſchaftlichen Verhältniſſe die R
ligionen geſchaffen haben kann den Gottesglauben nie
entkräften. Die Verſchiedenheit der Offenbarungen, d
Möglichkeit auch krankhafter Viſionen, die Raſſentheorie,
haben gewiß alle eine richtige Seite, die von der Wiſſenſcha
feſtgeſtellt iſt. Dieſe Seite iſt aber nur die eine un
nicht das Weſentliche und die wiſſenſchaftlichen Momen
nicht allein entſcheidend. Fragen wir uns vielmehr ei
mal, wie die Menſchen zu ihren Göttern gekommen ſin
Darauf gibt uns die Religionsgeſchichte Antwort. S
geht davon aus, daß der Menſch als ſolcher Religion he
wie er auch Schönheit hat. Hier können wir nun imm
3 Stufen verfolgen: Die 1. Stufe iſt die primitive Rel
gion, der Animismus der Kulturvölker. Mit der
Bi=
dung größerer Staaten vertieft ſich die Weltanſchaum
des Menſchen zugleich mit ſeinem ſittlichen Gefühl.
kommt es zu dem verſittlichten Götterbegriff der Bab
lonier, Aegypter, Aſſyrer, Griechen und Römer. A
Schluß dieſer Entwicklung endlich ſtehen die groß
genialen Erneuerer der Religion, die kraft ihrer Offe
barungen die vielen alten Götterbegriffe vereinigen
einen großen, ganz verſittlichten Gott. So taucht ſchließl
überall langſam der Weltengott auf. Wir können al
eine aufſteigende Entwickelungslinie verfolgen. Zu
Schluß fragen wir uns, zeigt uns die Geſchichte e
Chaos, ein Auf und Nieder, oder tritt uns etwas
Menſ=
liches entgegen? Zur Beantwortung dieſer Frage hab
wir uns genau ſo zu ſtellen, wie bei der Naturwiſſenſcha
Stellen wir dieſe Frage von der religiöſen Seite, ſo E
deutet uns auch dieſer Entwicklungsgang eine Vertiefur
des Gottesglaubens. Wir ſehen in der planvollen
ſtets wiederholenden Entwicklungsreihe eine Gottesoffe
barung. Der Vortragende ſchloß mit dem Wunſch, in Z
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Seite 5.
kunft auch die Religionsgeſchichte im Volksſchulunterricht
zu berückſichtigen.
III.
Im dritten Vortrage am Samstag ſetzte Herr
Prof. D. Dr. Weinel die Ausführungen über
Geſchichts=
wiſſenſchaft und Gottesglauben fort. Die realiſtiſche
Ge=
ſchichtsbetrachtung und der Glaube an die „ſittliche,
Welt=
ordnung” geraten in Widerſtreit, und zwar iſt der alte
Glaube an eine ſittliche Ordnung im Sinne des
Einwir=
kens Gottes auf die Geſchichte üverwunden worden.
Zu=
nächſt iſt zu ſehen, woher überhaupt der Gedanke an eine
ſittliche Weltordnung ſtammt. Er iſt zurückzuführen: 1. auf
das Alte Teſtament (Geſchichtsbücher), 2. auf unſer
Leſe=
buch in der Schule (Durchſetzung mit rationaliſtiſchen
Ge=
ſchichten, und 3., auf unſere alten Romane (gerade die
verbreitete Unterhaltungsliteratur). So kommt es, daß
jener Glaube in die große Maſſe des Volkes gedrungen
iſt. Hat nun auch die moderne, realiſtiſche
Geſchichtsbe=
trachtung dieſen Glauben widerlegt, ſo iſt nicht genug zu
betonen, daß der Zweifel an der Sittlichkeit der
Weltord=
nung ſehr alt iſt und zu dieſen Zeiten mehr, zu jenen
Zei=
ten weniger laut geworden iſt. In Egypten und Babylon,
Iſrael und Griechenland, auch bei den Indern können
wir ihn finden. So kommt es, daß ſich von da aus der
Glaube an eine jenſeitige Gerechtigkeit ausgebildet hat.
Für Griechenland iſt uns Sophokles ein ergreifendes
Bei=
ſpiel eines an der ſittlichen Weltordnung verzweifelnden,
trotzdem aber religiöſen Menſchen (König Oedipus). Im
Alten Teſtament haben wir eine ähnliche Geſtalt, den
Verfaſſer des Buches Hiob. Hier haben wir zwei
Män=
ner, die verzweifeln an der ſittlichen Weltordnung und doch
ihren Gottesglauben aufrecht halten. Freilich gibt es auch
von da an Leute, die an Allem, auch an Gott, verzweifeln.
Jedenfalls iſt modernen Menſchen, die mit der Meinung
auftreten, fertig zu ſein mit der ſittlichen Weltordnung,
gar nichts zuzugeben, weil jene Erkenntnis eben ſchon alt
iſt. Wir müſſen zu dem Schluß kommen, unſeren
Gottes=
glauben vereinigen zu können mit der Tatſache, daß es
auf Erden keine abſolute Gerechtigkeit gäbe. Die Löſung
dieſes Problems kann aber erſt die Behandlung des
Lei=
dens in der Welt geben. Doch ſchon der indirekte
Be=
weis, die bloße Annahme, daß es dem Guten gut, dem
Schlechten ſchlecht gehe, beweiſt uns die Exiſtenz eines
hei=
ligen, ſittlichen Weſens. Denn niemand wäre dann ſo
töricht, ſich dieſem erkannten Geſetz nicht zu fügen. Das
Gute täte man nicht um des Guten willen, ſondern nur
darum, weil es dem Schlechten nach der Erfahrung ſchlecht
gehen muß. So wäre wahre Sittlichkeit unmöglich.
Einen weiteren Einwand gegen die Sittlichkeit
be=
deutet der materialiſtiſche, „ökonomiſche” Relativismus,
indem er ſagt: 1. Die ſittlichen Auffaſſungen ſind
verſchie=
den, ſind relativ; 2. das Sittliche iſt das Nützliche.
Dar=
aus wird der Fehlſchluß gezogen, alſo gibt es keine
Sitt=
lichkeit, kein Gewiſſen. Auf das erſte gibt uns die
Entwickelung der ſittlichen Ideale Antwort. Das zweite
iſt leicht zu widerlegen. Das Sittliche ſoll das Nützliche
ſein. Demgegenüber iſt zu ſagen, daß das Sittliche bei
ſeinem erſten Auftreten dem Menſchen böſe vorkommt und
daß gerade die Verkünder einer neuen Sittlichkeit gehaßt
und verfolgt worden ſind. Jeſus ſelbſt iſt ein Beiſpiel
dafür. Nicht aus Nützlichkeit hat er ſeine ſittlichen Gebote
aufgeſtellt, vielmehr ſagen das Volk und die Prieſter, was
Jeſus ſage, iſt unnütz und ſchlecht. Deshalb wird er auch
verfolgt. Das Sittliche iſt alſo nicht das Nützliche, iſt nicht
relatib, ſondern abſolut und heilig. Jener materialiſtiſche,
„ökonomiſche‟ Relativismus iſt eine unglaubliche
Unmög=
lichkeit.
Ein ſehr lehrreiches Beiſpiel iſt hier die Auffaſſung
vom Krieg. Wir ſtehen hier heute vor der offenen
Gewiſ=
ſensfrage, iſt der Krieg ſittlich oder unſittlich? Hier wird
die Unrichtigkeit der Gleichung ſittlich=nützlich offenſichtlich.
Die Vorkämpfer des Friedens begründen die Unſittlichkeit
des Krieges oft damit, daß er unnützlich, ſchädlich ſei. Ein
glücklich geführter Eroberungskrieg kann für das
betref=
fende Land aber doch ungeheueren Nutzen bringen (
Ver=
mehrung an Beſitz und Menſchen). Alſo muß nach jener
Gleichung gerade ein ſolcher Krieg beſonders ſittlich ſein.
Die Verſchiedenheit und das Wechſeln der
Sittlichkeits=
begriffe hat Häckel veranlaßt, den Satz aufzuſtellen, das
Sittliche ſei in der Biologie feſter begründet, wie in der
Religion, und Oswald zu ſeinem energetiſchen Imperativ
geführt. Beide machen den Anſpruch, einen
wiſſenſchaft=
lichen Beweis geführt zu haben. Hier muß wieder
hin=
gewieſen werden auf die Unmöglichkeit eines
wiſſenſchaft=
lichen Beweiſes. Die Ethik als ſolche kann nun nicht
wiſ=
ſenſchaftlich beweiſen, vielmehr hat ſie als Wiſſenſchaft
nur pſychologiſchen Wert. Die Normen des Sittlichen,
denen die Menſchen nachfolgen, kann ſie nicht aufſtellen.
Das Sittliche iſt vielmehr das Geheimnisvolle, das über
uns iſt, wie das Schöne. Ein Blick in den
Entwickelungs=
gang der Ideale zeigt uns auch hier eine große
aufſtei=
gende Linie. Ueberall bei allen Völkern können wir
ver=
folgen, wie die primitiven und widrigen Begriffe, wie
Blutrache und Liſt, fortgeführt werden zu Wahrheit. Treue
und Menſchenliebe. So ſehen wir, wie ununterbrochen
vom Tier auf arbeitend das Geheimnisvolle, das Sittliche
aufſteigt. Dies iſt die wahre, ſittliche Weltordnung, die
uns die Geſchichte lehrt.
Ueberblickt man das Ganze in ſeiner Bedeutung für
den Gottesglauben, iſt es dann wahrſcheinlicher zu ſagen,
weil ſich alles wandelt, gibt es keinen Gott, oder zu
er=
kennen, daß das Geheimnisvolle, aus dem wir alle
auf=
ſteigen, in ſeiner Heiligkeit, Reinheit und Wahrheit, die
Menſchen durch ihre Großen, gegen die ſie ſich ſträuben,
aufwärts zu Gott führt?
Um das Verſtändnis der Vorträge zu vertiefen, wird
nach einer längeren Diskuſſion vom Vortragenden die
Ein=
richtung ſchriftlicher Anfragen getroffen.
W.
Die Mühlhauſer Schreckenstat.
* Berlin, 5. Sept. Zu dem Blutbad in
Mühl=
hauſen an der Enz melden die Abendblätter: Bei der
Tat trug Wagener eine ſchwarze Maske und einen Schleier
vor dem Geſicht. Aus einem Nachbarort hatte er an ſeine
Hausbewohner eine Karte folgenden Inhalts geſandt:
„Verzeiht mir, ich mußte es tun, obwohl ich weiß, daß es
keinen Wert hat”. Früher iſt noch nie irgend eine Spur
geiſtigen Störung bei ihm wahrgenommen worden. In
der letzten Zeit zeigte er allerdings ein eigentümliches
Weſen. Dem Rektor der Volksſchule hatte er in einem
längeren Briefe die bevorſtehende Tat mitgeteilt.
Außer=
dem richtete er einen wirren Brief an das Stuttgarter
Neue Tagblatt, in dem es u. a. heißt: „An mein Volk!
Ich glaube an keinen Gott, wünſche mich als
Bundes=
genoſſen des Teufels und eines jeden erbärmlichen
Bun=
des. Ich möchte alles, was ſich vor meiner Piſtole findet,
martern, aber ich weiß, daß es nicht immer geht. Ich
wünſche auch, daß ich nach der Tat gemartert werde. Ich
ſelbſt gehe ſeit Jahren ſtets mit einem Dolchmeſſer ins
Bett.” Wagener iſt vernehmungsfähig, er verweigert
je=
doch jede Auskunft. Nach der Anſicht zweier Aerzte, die
ihn unterſuchten, iſt er nicht unzurechnungsfähig. In ſeinem
Ruckſack fand man einen dritten Revolver. Wagener iſt
erſt überwältigt worden, als er die Piſtolen abgeſchoſſen
hatte und keine Zeit zum Laden mehr fand. Der
Polizei=
diener ſtreckte ihn mit einem Säbelhieb nieder.
* Mühlhauſen a. d. Enz, 5. Sept. Der
Mör=
der Wagener wurde bei ſeiner Ueberwältigung am
linken Arm ſo ſchwer verletzt, daß dieſer im Krankenhaus
in Vaihingen abgenommen werden mußte. Eine
Gerichts=
kommiſſion erklärte Wagener für geiſtig normal. Er macht
überhaupt nicht den Eindruck eines Geiſtesgeſtörten. Bei
allen Vernehmungsverſuchen erklärte er, nichts ausſagen
zu wollen, und daß er alles, was mit der Tat in
Zuſam=
menhang ſtehe, ſchriftlich niedergelegt habe. Der=Grund
der Tat wird in mißlichen Familienverhältniſſen geſucht.
* Stuttgart, 6. Sept. Von den durch den
Leh=
rer Wagener in Mühlhauſen ſchwer
verletz=
ten Perſonen ſind geſtern nachmittag drei
geſtor=
ben. Der Täter hat, wie durch amtliche Erkundigungen
feſtgeſtellt worden iſt, bei ſeinem Eintreffen in Mühlhauſen
300 Patronen im Beſitz gehabt. Bei ſeiner Feſtnahme
wurden noch 220 Patronen vorgefunden, ſo daß er gegen
60 Schuß abgegeben haben muß. Er gab bei ſeiner
Ver=
nehmung zu, die Tat ſeit 6 Jahren vorbereitet zu haben
* Mühlhauſen a. d. Enz, 6. Sept. Wie aus den
Angaben und Schriftſtücken des Lehrers Wagener
hervorgeht, hat er ſeine Schreckenstat begangen, um
ſich dafür zu rächen, daß er ſeine Frau wegen der Folgen
eines Liebesverhältniſſes heiraten mußte. In ſeinem
Schriftſtück und den drei Briefen, von denen er zwei in
Groß=Sachſenheim zur Poſt gab hat er ſeine Unkat
plan=
mäßig ausgearbeitet und vollſtändig logiſch geſchildert.
Er fuhr nach Anſicht der Gerichtskommiſſion nach
Vietig=
heim und von hier mit dem Rade nach Mühlhauſen.
Un=
terwegs gab er die zwei Briefe in Groß=Sachſenheim auf,
deren Inhalt ſich vollſtändig mit dem dritten, den die
Staatsanwaltſchaft beſchlagnahmt hat, deckt. In dem
be=
ſchlagnahmten Briefe gibt Wagener an, daß er die Tat
ſchon ſeit ſechs Jahren geplant habe und ſie jetzt endlich
zur Ausführung bringe, Aus der Schriftweiſe des Briefes
geht die ruhige und planmäßige Ueberlegung Wageners
hervor. Wagener ſtellte ſich längere Zeit tot, erſt als er
unter dem Schutze eines Gendarmen im Armenhaus lag,
gab ersſeine Verſtellung auf. Er ließ die Aeußerung
ver=
lauten, daß es ihm nicht mehr gereicht habe, ſich ſelbſt eine
Kugel beizubringen. Bei der Vernehmung ſuchte der
Oberamtsrichter erſt längere Zeit vergebens etwas aus
dem Mörder herauszubeingen. Schließlich ließ er ſich zu
dem Geſtändnis herbei, daß er die Motive der Tat ganz
genau ſchriftlich ausgearbeitet habe, und daß man alles
erfahre, wenn man ihn nach Vaihingen bringe. Seine
Tat ſei als Racheakt gegen die Einwohnerſchaft
Mühl=
hauſens anzuſehen, er habe ſich ſchon ſeit ſechs Jahren
da=
mit beſchäftigt. Schließlich gab er noch an, daß er in
Degerloch ſeiner Frau und ſeinen vier Kindern den Hals
durchgeſchnitten habe. Die Gerichtskommiſſion
gelangte einſtimmig zu der Anſicht, daß die Taten
Wage=
ners bei klarem Verſtande (?) und mit voller Ueberlegung
und durchaus nicht im Wahnſinn ausgeführt ſeien. Zu
dem gleichen Ergebnis kamen auch die beiden Aerzte,
die in Mühlhauſen dem Schwerverletzten Verbände
anleg=
ten. Zum Schutze des Mörders gegen die Volksmenge
mußten zeitweiſe ſechs Gendarmen aufgeboten werden.
H.B. Stuttgart, 6. Sept. Was das
Fami=
lienleben Wageners betrifft, ſo hört man jetzt von
Bekannten der Familie, daß dieſes völlig zerrüttet
geweſen ſei. Es hat oft Zwiſtigkeiten zwiſchen den
Ehe=
leuten gegeben. Den Hauptteil ſeines Einkommens
ver=
praßte er in ſchmutzigen Spelunken und in öffentlichen
Häuſern führte er wahre Orgien auf. Er hat es aber ſtets
verſtanden, vor der Oeffentlichkeit ſein Familienleben als
ein harmoniſches hinzuſtellen. Sowohl dem Amtsrichter
gegenüber wie dem Staatsanwalt verweigert er jede
Auskunft über das Motiv der Tat. In den abgeſandten
Schriftſtücken gibt Wagener an, daß er ſeine Angehörigen
zuerſt mit einem Pulver betäubt und ſie dann getötet hat.
Die Beerdigung aller Opfer, einſchließlich der Familie
Wageners, wird vermutlich an dem Ort der Schreckenstat,
in Mühlhauſen, ſtattfinden. Von den Schwerverletzten iſt
heute noch einer geſtorben, ſo daß die Zahl der
Todes=
opfer auf 16 ſteigt. Die übrigen hoffen die Aerzte am
Leben zu erhalten.
Vaihingen, 6. Sept. Bei ſeiner heutigen
Ver=
nehmung gab Wagner, wie der „Schwäbiſche Merkur”
berichtet, an, er habe die Welt durch eine Schreckenstat
in Entſetzen bringen wollen. Er erklärte weiter, er habe
ſchon vor Jahren ſchwere Delikte ſexueller Natur
ver=
übt. Aus Anſpielungen von Perſonen, mit denen er
verkehrte, habe er entnommen, daß dieſe Kenntnis von
dieſen Delikten hatten, und ſo habe er ſich entſchloſſen,
aus dem Leben zu ſcheiden. Auf die Frage, warum er
die Tat von Mühlhauſen begangen habe, gab er an, er
habe wohl gegen die einzelnen Menſchen nichts gehabt,
aber weil Mühlhauſen die Stadt ſeiner Verirrungen
geweſen ſei, habe er an der ganzen Gemeinde Rache
nehmen wollen. Er gab weiter an, daß er die Abſicht
gehabt habe, ſich nach der Tat ſelbſt zu erſchießen.
Die Beteiligung Deutſchlands an der
Weltausſtellung in San Franzisko.
* Berlin, 6. Sept. Zu den Erörterungen über den
von der Reichsregierung gefaßten Beſchluß, die
Ein=
ladung für die Weltausſtellung in San
Franzisko 1915 abzulehnen, äußert ſich auf eine
Anfrage die Ständige
Ausſtellungskommiſ=
ſion für die deutſche Induſtrie folgendermaßen:
1. In verſchiedenen Verhandlungen, zuletzt am 2. Juni,
unmittelbar vor der von dem Staatsſekretär des Innern
einberufenen Konferenz, befaßte ſich der Plenarvorſtand
der Ständigen Ausſtellungskommiſſion für die deutſche
Induſtrie, in der ſowohl die Rohſtoff= wie Halbfabrikate=
und Fertiginduſtrie vertreten war, mit der Frage der
Be=
ſchickung. Um die Stellungnahme der einzelnen für die
Erörterung bei dem Staatsſekretär nicht zu präjudizieren.
fand eine eigentliche Abſtimmung nicht ſtatt, doch wurde
mit überwältigender Mehrheit ein durchaus ablehnender
Standpunkt eingenommen. Dieſer war auch trotz einiger
divergierender Auffaſſungen bei der oben erwähnten
Kon=
ferenz feſtzuſtellen, zu der außer dem Geſamtvorſtand der
Ständigen Ausſtellungskommiſſion die Vertreter der
ver=
ſchiedenſten Gebiete des deutſchen Wirtſchaftslebens
ge=
laden waren, in der auch über die ablehnenden
Anſchauun=
gen zahlreicher Ausſchußmitglieder des Deutſchen
Handels=
tages referiert wurde. 2. Aus den vom Standpunkte der
Induſtrie gegen die Beteiligung geltend gemachten
Er=
wägungen ſeien hervorgehoben: a) die allgemeine
Aus=
ſtellungsmüdigkeit die ganz beſonders ſtark innerhalb
wichtiger Erwerbsgruppen, wie der Eiſen= und
Stahlindu=
ſtrie, der chemiſchen Induſtrie, weiten Zweigen der
Tex=
tilinduſtrie, des Buchgewerbes und der Graphik
hervor=
tritt und die ſich, wie ſich das auch aus der Ablehnung
Englands ergibt, nicht auf Deutſchland beſchränkt und
ihren Hauptgrund hat in der allzugroßen Häufigkeit der
Ausſtellungen und ſpeziell der Weltausſtellungen, ihrer
Koſtſpieligkeit und in der Auffaſſung, mit den dafür
auf=
zuwendenden Summen auf anderen, direkten Wegen den
Export ſicherer und dauernder fördern zu können,
insbe=
ſondere auch nach den angeblich hier in Betracht
kommen=
den Märkten Zentral= und Südamerikas ſowie Oſtaſiens;
in den Vereinigten Staaten ſelbſt ſind unſere Induſtriellen
angeſehen und die Gediegenheit unſerer induſtriellen
Pro=
duktion genügend anerkannt: b) die wirtſchaftlichen
Er=
gebniſſe der deutſchen Beteiligung an früheren
amerika=
niſchen Weltausſtellungen, insbeſondere in Chikago und in
St. Louis, die, abgeſehen von dem momentanen Erfolg,
eine entſprechende konſtante Steigerung des Abſatzes nicht
herbeizuführen vermochten; e) die Unwahrſcheinlichkeit
eines beſſeren Ergebniſſes in San Franzisko, für deſſen
Be=
ſchickung dem Reiche Aufwendungen von ungefähr 6 Mill.
Sroßherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 7. September.
Tannhäuſer.
Wel. Mit Richard Wagners neu inſzenierter und neu
einſtudierter Oper „Tannhäuſer” wurde die Saiſon
heute eröffnet. Muſikaliſcher Leiter der Aufführung war
Herr Kapellmeiſter Ottenheimer, die Regie führte der
neu engagierte Regiſſeur Herr Nowack. Das Haus war
nahezu ausverkauft.
Der ſzeniſche Rahmen der Oper war vollſtändia neu.
Die frühere Inſzenierung des Venusberges, die mit
äußer=
lichem ſzeniſchem Beiwerk überladen war, entſprach dem
heutigen Geſchmack nicht mehr und war neuerungs= und
verbeſſerungsbedürftig, während man dasſelbe von den
Wartburg=Landſchaften eigentlich nicht behaupten kann.
Vielleicht wird man bedauern, daß dem neuen Prinzip
auch die herrliche und ſtimmungsvolle Herbſtlandſchaft des
dritten Aktes, eines unſerer ſchönſten Bühnenbilder,
ge=
opfert werden mußte. Dagegen wird man angeſichts der
neuen prächtigen Sängerhalle der alten keine Träne
nach=
weinen, zumal die Wirkung der ganzen Szene durch ſie
bedeutend gehoben worden iſt.
In der Venusbergſzene iſt der ganze frühere Prunk
über Bord geworfen worden. In das Innere, in dem
Halbdunkel herrſcht, fällt vom Hintergrunde her ein
bläu=
licher Lichtſchein; von dieſer phantaſtiſchen Beleuchtung
heben ſich die durch magiſche Lichteffekte von oben her
be=
leuchteten Geſtalten der Venus und des Tannhäuſer
wir=
kungsvoll ab. Sehr verſtändig und lobenswert iſt, daß
man auf die bildliche Darſtellung der Grotte jetzt ganz
verzichtet hat; die jetzt gewählte Löſung, ſie ſeitwärts
liegend zu denken, iſt die einzig richtige. Die
Wartbura=
landſchaft im erſten und letzten Akt iſt die gleiche, nur iſt
dieſe herbſtlicher. Die Anſicht der Wartburg, die einen
ſteil anſteigenden Berg krönt, iſt vom Tal vor dem Hörſel=
berge aus gedacht, der ſich im dritten Akte öffnet; mit der
früheren Landſchaft hätte ſich dieſe Idee freilich kaum
ver=
wirklichen laſſen.
Die Sängerhalle im zweiten Akte ſtellt eine bedeutende
Verbeſſerung gegen früher vor. Abgeſehen von der
male=
riſchen Schönheit, ermöglicht ſie durch die beſſere
Auf=
ſtellung der Chöre, die jetzt nicht ſeitwärts, ſondern im
Hintergrunde an der ganzen Längswand ſitzen und ſtehen,
bedeutend ſchönere Gruppierungen und geſangliche
Wir=
kungen. Auch daß die Fanfarenbläſer jetzt auf der Galerie
aufgeſtellt ſind, trägt zur Erhöhung der tonlichen Wirkung
weſentlich bei. So iſt aus dem Aufmarſch der Gäſte jetzt
eine ganz neue Szene entſtanden, die ſozuſagen wie eine
künſtleriſche Erlöſung gegen früher wirkt. Im letzten Akte
iſt die umſtändliche und unwahrſcheinliche Verwandlung
der Landſchaft in den Venusberg ſehr einfach und
zweck=
entſprechend dadurch aufgehoben worden, daß ſich der
Hörſelberg am Fuße der Wartburg öffnet und man in das
Innere hineinblickt.
Die neuen Dekorationen ſind von Herrn
Hoftheater=
maler Kurt Kempin gemalt, der damit einen neuen
Be=
weis ſeines produktiven Schaffens und ſeiner
hervorragen=
den Kunſt gegeben hat. Nächſt ihm hat ſich auch Herr
Maſchineriedirektor Schwertfeger um die Geſtaltung
der neuen Bühnenbilder verdient gemacht.
Die neuen ſtilvollen Koſtüme, auf die im einzelnen
einzugehen, zu weit führen würde, haben jedenfalls ein
beſonderes und ſorgfältiges Studium erfordert. Sie ſind
nach Angaben des Herrn Müller=Hickler in den
Werkſtätten des Hoftheaters angefertigt.
Aber nicht bloß Bühnenbilder, ſondern auch
muſika=
liſche Werte waren neu geſchaffen worden. Schon die
glänzend geſpielte Ouvertüre mit den prachtvoll
heraus=
gearbeiteten Kontraſten und Steigerungen bedeutete für
den neuen Kapellmeiſter Herrn Ottenheimer einen
durchſchlagenden Erfolg. Sie war ſozuſagen ſein
künſt=
leriſches Programm, das ihm rauſchenden Beifall eintrug.
Auf der gleichen künſtleriſchen Höhe ſtand die ganze Auf=
führung, in deren muſikaliſchen Details ſich ebenſoviel
eines Empfinden, wie in der Geſamtleiſtung urſprüngliche
Genialität und hinreißender Schwung bekundeten. Ein
Meiſter iſt Herr Ottenheimer in der Herausarbeitung
muſikaliſcher Steigerungen. Außer der Ouvertüre waren
in dieſem Sinne der Aufmarſch der Gäſte und das
wunder=
volle Schlußenſemble des zweiten Aktes Glanzpunkte der
Aufführung, die von prachtvoller Wirkung waren. Auch
die Verbeſſerungen in der Auffaſſung und den Leiſtungen
der Soliſten ſind wohl in erſter Linie ſein Verdienſt.
Da=
gegen hat uns das verlangſamte Tempo im dritten Akt von
dem Vorſpiel an bis zum Auftreten Tannhäuſers weniger
gefallen. Neben Herrn Ottenheimer ſei auch Herrn
Re=
giſſeur Nowack das verdiente Lob für die glänzend
ge=
lungene Aufführung nicht vorenthalten.
Die Soliſten waren ſämtlich aufs beſte disponiert.
Herr Becker als Tannhäuſer, ſtimmlich und geſanglich
zuverläſſig wie immer, zeichnete ſich heute noch durch ein
viel lebhafteres und temperamentvolleres Spiel aus. In
der Partie der Venus bewährte ſich Frau Callwey als
eine mit ſchönen ſtimmlichen Mitteln ausgeſtattete,
intelli=
gente Wagner=Sängerin. Wir müſſen geſtehen, daß wir
dieſe Partie hier lange nicht mehr mit ſolchem
Verſtänd=
nis und ſolcher künſtleriſchen Beherrſchung ſingen gehört
haben. Wundervoll ſang wieder Frl. Geyersbach als
Eliſabeth, die eine wahrhaft ideale Leiſtung bot. Die
Partie des Landgrafen, die Herr Stephani prächtig
ſang, erſchien in neuer muſikaliſcher Auffaſſung, nämlich
in bedeutend verlangſamtem Tempo und mit viel
wuch=
tigeren dramatiſchen Akzenten geſungen. Das Enſemble
wurde durch Herrn Semper äls Wolfram, Frau
Be=
ling=Schäfer als Hirte und Herrn Globerger als
Walther uſw in trefflichſter Weiſe ergänzt.
Die Aufführung war eine Glanzleiſtung unſerer Oper,
und alle neuen Kräfte haben ſich aufs beſte eingeführt.
Der Großherzog und die Großherzogin und die
Prinz=
lich Battenbergſchen Herrſchaften wohnten der
Auf=
führung bei.
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Mark erwachſen wären und das auch nach der Eröffnung
des Panamakanals ungünſtig gelegen iſt. Sprechen doch
ſelbſt anerkannte Führer aus Amerikas Induſtrie und
Handel der Veranſtaltung, ſoweit die kommerzielle
Trag=
weite in Betracht kommt, nur eine begrenzte Bedeutung zu.
Die Hoffnungen auf große Beſucherſcharen ſeien ſowohl
von Zentralamerika, da die Reiſe von Panama hierher
zwei bis drei Wochen dauert, als auch von Südamerika,
da z. B. die Reiſe von Valparaiſo nach hier fünf Wochen
Fahrt beanſprucht, oder gar von Oſtaſien unbegründet.
Die Bevölkerungsziffer San Franziskos und Kaliforniens
iſt zudem verhältnismäßig gering, insbeſonder im
Ver=
gleich zu St. Louis und deſſen Umgebung; d) der
unzu=
reichende amerikaniſche Patent= und Muſterſchutz, deſſen
ſchädigende Wirkungen durch ein lediglich für die
Aus=
ſtellung geplantes zeitlich und örtlich begrenztes
Spezial=
geſetz nur notdürftig behoben werden können; e; die
Be=
denken, ob die derzeitige Tarifreviſion, namentlich auch die
Regelung des als beſonders hemmend empfundenen
Zoll=
verwaltungsverfahrens rechtzeitig zu einem günſtigen
Ab=
ſchluß führen würden; es ſei ſelbſt bis zur Stunde nicht
abzuſehen, wann und wie die Entſcheidung fallen wird.
3. Wenn aber trotzdem einzelne Spezialinduſtrien oder
Firmen von der Beſchickung der Ausſtellung in San
Fran=
zisko geſchäftliche Vorteile ſich verſprechen, wird ſie
nie=
mand bekämpfen; nur ſollte man ſich bewußt halten, und
die Ständige Ausſtellungskommiſſion brachte dieſen
Ge=
danken öfters zum Ausdruck, daß durch die Darbietung nur
eines Bruchteiles der deutſchen Indſtrie auf den großen
allgemeinen internationalen Ausſtellungen in fremden
Ländern leicht ein falſches, in ſeinen Wirkungen ſchädliches
Bild deutſchen Könnens und deutſcher Leiſtungsfähigkeit
erweckt werden kann.
Kongreſſe und Verbandstage.
* Mainz, 6. Sept. (Weinbaukongreß.) Heute
nachmittag 3 Uhr traf der Großherzog von Heſſen
in Begleitung ſeines Adjutanten, Rittmeiſter v. Schröder,
im Automobil an der Stadthalle zur Beſichtigung
der Ausſtellung ein. Unter Führung des
Ober=
bürgermeiſters Dr. Göttelmann beſichtigte der
Großher=
zog die einzelnen Abteilungen und fuhr um 4 Uhr
wie=
der nach der Reſidenz zurück. Abends fand im
Konzert=
hauſe der „Liedertafel” ein Begrüßungsabend ſtatt,
wo=
bei Beigeordneter Dr. Külb namens der Stadt,
Wein=
gutsbeſitzer Sittmann (Oppenheim) für den
Rheinpfäl=
ziſchen Weinbauverein und Reichsrat Buhl (Deidesheim)
für den Deutſchen Weinbauverband Anſprachen hielten.
* Mainz, 7. Sept. Nach einer heute vormittag
ſtattgehabten Sitzung des Geſamt=Ausſchuſſes fand heute
nachmittag unter zahlreicher Beteiligung die erſte
öf=
fentliche Kongreß=Sitzung ſtatt. Offizielle
Ver=
treter hatten entſandt das Reichsamt des Innern, das
preußiſche Landwirtſchaftsminiſterium, ferner die
Mini=
ſterien von Bayern, Baden, Heſſen und Elſaß=Lothringen,
der Deutſche Landwirtſchaftsrat, die Landwirtſchaftsräte
von Bayern und Elſaß=Lothringen, mehrere
Landwirt=
ſchaftskammern, landwirtſchaftliche Vereine, die
Handels=
kammern von Mainz, Bingen, Mannheim, Trier, Koblenz,
Karlsruhe und Würzburg, die Stadt=Magiſtrate von
Würz=
burg und Mainz u. a. Der Präſident des Deutſchen
Wein=
bau=Verbandes, Reichsrat Buhl, begrüßte die
Verſamm=
lung, vorauf ſprachen zunächſt für die Stadt Mainz
Ober=
bürgermeiſter Dr. Goettelmann, für das Reichsamt des
Innern Geh. Reg.=Rat Dr. Jung, für die heſſiſche
Regie=
rung Miniſterialrat Hölzinger, welcher gleichzeitig im
Auftrag des Großherzogs Ernſt Ludwig dem
Präſiden=
ten Reichsrat Buhl das Komthurkreuz vom
Verdienſt=
orden Philipps des Großmütigen überreichte. Im
Na=
men des Kgl. preußiſchen Miniſteriums für
Landwirt=
ſchaft, Domänen und Forſten ſprach Geh. Reg.=Rat Frhr.
v. Hammerſtein=Loxten, und für die heſſiſche
Handelskam=
mer Geh. Kommerzienrat Dr. Bamberger=Mainz.
Hier=
auf hielten Vorträge der Vorſitzende des heſſiſchen
Wein=
bauverbandes, Weingutsbeſitzer Sittmann=Oppenheim,
über „die Bedeutung des heſſiſchen Weinbaues und
Wein=
handels” und Prof. Dr. Kroemer=Geiſenheim a. Rh. über
„Neuere Forſchungen über das Wurzelwachstum der
Re=
ben und ſeine Bedeutung für die Bodenbearbeitung und
Düngung der Weinberge”. An den Kaiſer und den
Groß=
herzog von Heſſen wurden Huldigungstelegramme
ab=
geſandt.
Jahrhundertfeier der Schlacht
bei Dennewitz.
* Nieder=Görsdorf, 6. Sept. Die
Jahr=
hundertfeier der Schlacht bei Dennewitz
begann heute mittag mit einer Feier am Denkmalsberg bei
Nieder=Görsdorf, der nächſten Station ſüdlich vom
Haupt=
orte der Schlacht, wo den gefallenen Helden ein eiſernes
Denkmal, welches mit dem Eiſernen Kreuz geſchmückt iſt,
errichtet wurde. Der Himmel war trübe und regenſchwer.
Trotzdem hatte ſich aus der engeren und weiteren
Um=
gebung eine große Menſchenmenge in dem Dorf
einge=
funden, das reich geſchmückt war mit Ehrenpforten, mit
Fahnen und Girlanden in buntem Gemiſch. Um 12 Uhr
langte der Zug der Vereine vom Dorfe auf dem Feſtplatz
an. Unter den Anweſenden bemerkte man als Vertreter
des Kaiſers den Generaladjutanten General von Löwen
feld. Die Familie des Helden von Dennewitz, des
Gene=
rals Grafen v. Bülow, war durch den Fürſten und
die Fürſtin Bülow, ſowie zahlreiche andere
Mit=
glieder der Familie vertreten. Ferner ſah man eine
Ab=
ordnung des Infanterie=Regiments Grafen Bülow von
Dennewitz (6. Weſtfäliſches) Nr. 55, ſowie zahlreiche
an=
dere Offiziere, deren Uniformen mit den bunten Trachten
der Bevölkerung und den hiſtoriſchen Uniformen dem
Gan=
zen ein ungemein reizvolles Bild gaben. Nach Muſik und
einem Chorgeſang hielt Fürſt Bülow der einen
außerordentlich friſchen und elaſtiſchen Eindruck machte,
frei aus dem Gedächtnis eine halbſtündige Rede, die mit
den Worten ſchloß: Angeſichts der Gedenkhalle, die der
Er=
innerung an einen der ſchönſten Siege des preußiſchen
Hee=
res geweiht iſt, angeſichts dieſer märkiſchen Felder, wo
heute vor einem Jahrhundert der Sieg von Dennewitz
er=
fochten wurde; angeſichts des Schlachtfeldes, wo ſo viele
brave Männer für König und Vaterland in den Tod
gingen, erneuern wir an dem Tage, wo wir das Denkmal
des Siegers von Dennewitz einweihen, das Gelübde, treu
zu ſtehen zu unſerm alten ruhmvollen Preußen, zu unſerm
großen und geliebten deutſchen Vaterland, zu dem
glor=
reichen Hauſe der Hohenzollern, das von ſeinem
ſchwäbi=
ſchen Felſenhorſt hierher kam, um von dieſer Mark
Bran=
denburg aus das deutſche Volk zu einigen und auf die
Höhe ſeiner Geſchicke zu führen; erneuern wir das
Ge=
lübde der Treue und Liebe zu unſerm kaiſerlichen Herrn,
indem wir rufen: Seine Majeſtät der Kaiſer und König
lebe hoch! —
Markig und kraftvoll wurde ſie geſprochen
und brauſend klang das Kaiſerhoch über das weite Feld.
„Heil dir im Siegerkranz” wurde geſungen. Zwei
Bat=
terien ſchoſſen Salut. Nach dem Niederländiſchen Dank=
gebet, von 300 Sängern aus der Umgebung vorgetragen,
ordnete ſich der Feſtzug, insgeſamt etwa 3000 Perſonen,
zum Marſch nach Dennewitz. Ueber 100 Vereine,
Schützen=
gilden, Innungen, Schulen und einige hiſtoriſche Gruppen,
unter denen etwa 200 Frauen, Mädchen und Kinder in
fläminger Trachten, ſowie preußiſche und franzöſiſche
Krie=
ger von 1813, beſonders maleriſch wirkten, zogen an der
Dennewitz=Gedenkhalle, in der alle Andenken an die
Schlacht geſammelt ſind, vorüber nach dem Hauptorte der
Schlacht. Das Dorf zeigte ſich ebenfalls im feſtlichen
Ge=
wande.
* Dennewitz, 6. Sept. Mit weiß gekleideten
Mäd=
chen an der Spitze zog der Feſtzug in das Dorf Dennewitz
ein, das ebenfalls ein feſtliches Gewand angelegt hatte.
Auf dem mit friſchem Grün und Obelisken geſchmückten
Kirchplatz ſammelte ſich der Feſtzug um das verhüllte
Denkmal für den Sieger der Schlacht. Nach dem
macht=
vollen Chorgeſang „Das Volk ſteht auf, der Sturm bricht
los”, ergriff Pfarrer Borchmann=Dennewitz das Wort zu
einer Begrüßungsanſprache und dankte den Spendern
des Denkmals. Im Anſchluß daran hielt Prof. Dr.
Scholz=Berlin die Weiherede, in der er die Perſönlichkeit
des Grafen Bülow v. Dennewitz eingehend würdigte
deſſen tiefes Gottvertrauen er hervorhob. Auf Befehl des
Generaladjutanten v. Löwenfeld fiel unter Gewehrſalven
die Hülle. Das Denkmal zeigt auf einem granitnen
Unter=
bau zwei ſpähende Krieger von 1813 in Bronce. Die
Vorderſeite zeigt eine Tafel mit dem Bild des Gefeierten,
worunter die Worte Ernſt Moritz Arndts ſtehen: „Auf!
Mutig drein und nimmer bleich, denn Gott iſt
allent=
halben, die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine
Halben!” Landrat v. Coſſel übernahm im weiteren
Verlauf der Feier das Denkmal in den Schutz des Kreiſes
Jüterbog=Luckenwalde und legte im Namen des Kreiſes
einen Kranz nieder. Weitere Kränze wurden niedergelegt
von den Enkeln und Urenkeln des Grafen Bülow, in deren
Namen Dietrich Graf Bülow v. Dennewitz=Grünhoff
ſprach und von den Abordnungen der Regimenter, die an
der Schlacht teilgenommen hatten. Als Vertreter des
Kaiſers hielt Generaladjutant v. Löwenfeld eine
An=
ſprache und legte im Auftrage des Kaiſers einen Kranz
nieder, der allen Braven von Dennewitz gelten ſolle. Mit
dem Geſang: „Nun danket alle Gott” ſchloß die
eindrucks=
volle Feier. Sodann formierten ſich die Kriegervereine
zu einem Parademarſch vor dem Generaladjutanten des
Kaiſers.
Die Herbſtmanöver der deutſchen Flotte.
* Berlin, 6. Sept. Der Herzog der
Abruz=
zen iſt am 31. Auguſt mit der Eiſenbahn in Kuxhaven
eingetroffen und mit dem Kreuzer „Hela” zu der vor
Helgoland ankernden Flotte gefahren, um an den
Herbſtmanövern der deutſchen Flotte teilzunehmen. Die
Schiffe flaggten über den Toppen, empfingen den Herzog
nit Salut und paradierten. Der Herzog hat ſpäter auf
der „Deutſchland” in den dem Kaiſer vorbehaltenen
Räu=
men Quartier genommen. Im Laufe des Tages wurde
Helgoland unter der Führung des Kommandanten
beſich=
tigt; abends war beim Flottenchef Diner. Vom 1. bis
3. September nahm der Herzog an verſchiedenen Tag= und
Nachtübungen der Hochſeeflotte teil, an denen ſich auch das
Marineluftſchiff „L. 1” beteiligte. Am 4. September
ver=
ließ der Herzog die „Deutſchland” und fuhr auf der „Hela”
nach Emden. Den Uebungen am 3. September wohnte
der Herzog tagsüber auf dem Flottenflaggſchiff „
Fried=
rich der Große” und an den anderen Tagen auf der
„Deutſchland” bei, wo der zweite Admiral des zweiten
Geſchwaders mit ſeinem Stabe dem Herzog zur Verfügung
ſtand. Der Herzog, als Vizeadmiral à la suite der
Marine ſtehend, trug deutſche Seeoffiziersuniform. Im
Gefolge befanden ſich der perſönliche Adjutant Marquis
Duranza, Fregattenkapitän Gonz und der italieniſche
Ma=
rineattaché in Berlin, Marquis von Palavicini.
Beſuch des Königs und des Kronprinzen
von Griechenland.
* Berlin, 6. Sept. Der König und der
Kron=
prinz von Griechenland ſind um 8 Uhr 28 Min.
auf dem Anhalter Bahnhof eingetroffen und vom
Kai=
ſer, Prinzen Eitel Friedrich, Prinzen Auguſt Wilhelm
und Prinzen Oskar empfangen worden. Der Bahnhof
war mit Blumen, Blattpflanzen und Fahnen in den
deut=
ſchen und griechiſchen Farben geſchmückt. Der König trug
die Uniform des 2. Garde=Regiments zu Fuß mit dem
Bande des Schwarzen Adlerordens. Der Kaiſer hatte die
Uniform des 2. Garde=Regiments mit dem hellblauen
Bande des griechiſchen Erlöſerordens angelegt.
Erſchie=
nen waren u. a. zahlreiche Herren der griechiſchen
Geſandt=
ſchaft, der hieſigen griechiſchen Kolonie, der ruſſiſche
Gene=
ral v. Tatiſchtſchew und Staatsſekretär v Jagow. Als
der Zug einlief, ſpielte die Muſik. Die Ehrenkompagnie
des 2. Garde=Regiments zu Fuß präſentierte. Nach
herz=
licher Begrüßung der Herrſcher erfolgte die Vorſtellunn
der Herren des Gefolges und des Ehrendienſtes. Nach
dem Vorbeimarſch der Ehrenkompagnie begaben ſich die
Fürſtlichkeiten im Automobil nach dem Neuen Palais
in Potsdam und fuhren an der Gartenſeite des Neuen
Palais bei der Wohnung der Kaiſerin vor. Die
Kai=
ſerin trat auf die Terraſſe heraus. Nach gegenſeitiger
Begrüßung überreichte der Kaiſer dem König die Kette
zum Schwarzen Adlerorden und den Feldmarſchallſtab
und ernannte ihn zum Chef des 2. Naſſauiſchen
Infan=
terie=Regiments Nr. 88. Dem Kronprinzen überreichte
der Kaiſer das Großkreuz des Roten Adlerordens mit
Schwertern und den Roten Adlerorden 2. Klaſſe mit
Schwertern und der Königskrone. Später frühſtückte das
Kaiſerpaar mit dem König und dem Kronprinzen im
Teehäuschen. Die Herren des griechiſchen Gefolges, ſowie
Generaloberſt v. Keſſel und die anderen Herren des
Ehren=
dienſtes waren gleichfalls eingetroffen.
* Neues Palais bei Potsdam, 6. Sept. Der
König und der Kronprinz von Griechenland
beſuchten heute nachmittag die in Potsdam wohnenden
Mitglieder des Königshauſes. Um 7 Uhr empfing der
König den Staatsſekretär v. Jagow. Um 8 Uhr war
Abendtafel beim Kaiſerpaar in der Jaſpisgalerie im
Neuen Palais. Der Kaiſer trug die Uniform der Poſener
Königsjäger zu Pferd, der König diejenige des zweiten
Garde=Regiments zu Fuß. Der König führte die Kaiſerin
zu Tiſch, der Kronprinz von Griechenland die Prinzeſſin
Auguſt Wilhelm. Bei der Tafel ſaß die Kaiſerin zwiſchen
dem König und dem Kronprinzen von Griechenland.
Gegenüber ſaß der Kaiſer, neben ihm der griechiſche
Ge=
ſchäftsträger Theotoky und Staatsſekretär v. Jagow.
* Berlin, 7. Sept. Der Kaiſer iſt heute mittag
um 12 Uhr mit dem König und dem Kronprinzen
von Griechenland und mit den Gefolgen, ſowie dem
Ehrendienſt von der Station Wildpark nach Bad
Salz=
brunn abgereiſt und nimmt dort in dem Grand=Hotel
der fürſtlich Pleßſchen Hadeverwaltung Quartier. Der
König von Sachſen wohnt in ſeinem Schloß Sybillenort,
eine Reihe von Generalen in Waldenburg, die
Manöver=
gäſte des Kaiſers und die fremdherrlichen Offiziere
woh=
nen in Breslau. 2
Die Bundesfürſten und der
Wehrbeitrag.
* Berlin, 6. Sept. Die „Norddeutſche Allgemeine
Zeitung” ſchreibt: Immer wieder wird auch in der
Preſſe die Frage erortert, in welcher Weiſe die
deut=
chen Bundesfürſten ihr Verſprechen einlöſen
werden, durch Beiſteuerung der freiwilligen
Wehr=
beiträge ein Beiſpiel vaterländiſchen Opferſinnes
zu geben. Der Reichsſchatzſekretär hat bei der Bes
ratung des Wehrbeitragsgeſetzes in der Kommiſſion für
den Reichshaushaltetat mitgeteilt, daß die Fürſten aus
eigenem Antrieb ſich bereit erklärt haben, nach Maßgabe
und in Anlehnung an die Vorſchriften des Geſetzes betr.
den einmaligen Wehrbeitrag von ihrem Vermögen an
das Reich zu entrichten. Er betonte dabei ausdrücklich,
daß bei der Feſtſetzung des Betrages nicht kleinlich
ge=
rechnet werde, daß, wenn eine Abrundung erfolgt, dieſe
jedenfalls nicht nach unten erfolge. Nach dieſer Erklärung
kann kein Zweifel darüber beſtehen, daß die deutſchen
Bundesfürſten, ſobald der Wehrbeitrag zur
Erhebung=
gelangt, ihre Beiträge ſo entrichten werden, als wenn ſie
den Beſtimmungen des
Wehrbeitrags=
geſetzes unterworfen wären.
Luftfahrt.
Zur Flugzeugmodell=Ausſtellung 1913 in Darmſtadt.
Auf dem Infanterie=Exerzierplatz fand geſtern mits
tag ein Ausſcheidungs=Wettbewerb für
Flug=
zeugmodelle ſtatt. Vom „Frankfurter Flugmodellverein”
wurden 10 Modelle verſchiedenſter Konſtruktion, ſämtlich
Eindecker, dem Wettbewerb unterſtellt, von denen 6—8 die
vorgeſchriebenen Prüfungen beſtanden. Die erzielten
Höchſt=
leiſtungen der mit Gummiantrieb verſehenen Modelle, die
faſt durchweg von gefälliger, gut durchdachter
Bauart=
waren und ihren Herſtellern, meiſt wohl noch Schülern,
alle Ehre machen, waren 76 Meter Entfernung, 5 Meter
Höhe und 15 Sekunden Flugzeit. Die Apparate wurden
im Hand= und Bodenſtart geprüft. Obwohl die
inter=
eſſante Veranſtaltung vorher nicht angekündigt war, hatte
ſich eine große Anzahl Zuſchauer eingefunden, die lebhaft
intereſſiert den Flugleiſtungen der kleinen Aeroplane
folgten. Die Vorprüfung läßt von der Flugmodell=
Aus=
ſtellung, die bekanntlich vom 9. bis 12. Oktober im
Aus=
ſtellungsgebäude auf der Mathildenhöhe ſtattfindet, das
Beſte erhoffen. Jedenfalls darf jetzt ſchon geſagt werden,
daß es gelungen iſt, die Jugend lebhaft für die
Veran=
ſtaltung und damit für die praktiſche Luftfahrt überhaupt
zu intereſſieren.
Darmſtadt, 7. Sept. Einen Flug bei Sturm
und Regen unternahm heute Lt. v. Hiddeſſen mit
Major Siegert der Fliegertruppe von Darmſtadt aus,
um das ihnen vorgeſchriebene Manöverziel zu erreichen.
Die Flieger waren gezwungen, zur Erhaltung der
Orien=
tierung dicht über den ausgedehnten Waldungen des
Speſſart hinwegzufliegen und ſich den durch ſie
verur=
ſachten heftigen Böen auszuſetzen. Die Landung erfolgte
glatt an der befohlenen Stelle bei Gelnhauſen.
Frankfurt a. M., 6. Sept. Das Luftſchiff
„Viktoria Luiſe” das bereits heute wieder nach
Frankfurt überſiedeln wollte, wird die Reiſe von Baden=
Baden hierher erſt am Montag antreten.
* Friedrichshafen, 6. Sept. Das neue
Marineluftſchiff „L. 2‟ iſt heute nachmittag 3.45
Uhr unter Führung des Grafen Zeppelin zu ſeiner erſten
Werkſtättenfahrt aufgeſtiegen.
* Berlin, 6. Sept. Bei der
Etrichſportfliegergeſell=
ſchaft lief eine Depeſche des Fliegers Friedrichs ein,
daß er infolge von Sturm und Nebel an der
Bahn=
linie Brüſſel-Paris bei Bruyeres glatt gelandet ſei.
Er beabſichtigt, Paris baldmöglichſt zu erreichen.
Johannisthal, 7. Sept. Um 1 Uhr 26 Min.
mittags ſtieg der Pilot Reichelt mit ſeinem Neffen
Hähnel als Paſſagier auf einem Harlan=Eindecker zu
einem Fernfluge nach Paris auf.
Helgoland, 6. Sept. Ein Marineflugzeug,
fiel auf dem Fluge von Wilhelmshaven nach Helgoland
heute Abend zwiſchen der Inſel und der Düne ins
Meer. Ein Waſſerſchuh brach ab. Es wurde
nie=
mand verletzt. Die erſte Hilfe leiſtete ein Helgoländer=
Motorboot von Paul Denker. Der Bergungsdampfer
„Albatros” aſſiſtierte. Das Flugzeug wurde nach dem
Bootshafen gebracht, wo es ſich in der Flughalle befindet.
— Paris, 6. Sept. Der Flieger Friedrich iſt
bis geſtern abend in Iſſy=les=Moulineaux nicht
ein=
getroffen. Man nimmt an, daß er mit ſeinem
Paſſa=
gier unterwegs eine neue Zwiſchenlandung wegen der
un=
günſtigen Witterungsverhältniſſe hat vornehmen müſſen.
Der in Paris zum Empfange Friedrichs anweſende
öſter=
reichiſche Inſtrukteur Etrich hat ſich ſofort an die
maß=
gebenden Stellen gewandt, um Nachricht über den Flieger
einzuziehen.
Villacoublay, 7. Sept. Der deutſche Flieger=
Friedrich iſt gegen 5 Uhr nachmittags gelandet.
* Lille, 6. Sept. Agence Havas. Die deutſchen
Luftſchiffer, die geſtern in Seclin bei Lille
nie=
dergingen, ſind der Klavierfabrikant Konſtantin
Heiners=
dorff und der Arzt Dr. Wilhelm Momm. Sie fuhren im
Ballon „Krefeld” vom Düſſeldorfer Klub, welcher in der
Donnerstagnacht aufgeſtiegen war. Der Ballon durchflog
ganz Belgien und verirrte ſich dann nach Frankreich. Nach
Erledigung der internationalen Förmlichkeiten und nach
einem Verhör durch den Generalſekretär der Präfektur
wurden die Luftſchifer nach 24ſtündiger Haft freigelaſſen.
Sport, Spiel und Turnen.
Der Deutſchvölkiſche Turnverein „Jahn”
veranſtaltete geſtern anläßlich ſeines 5. Gründungsfeſtes
ein Zöglings= und Schüler=Wetturnen, welches vormittags
9 Uhr ſeinen Anfang nahm. Nach dem Liede „Ein Ru
iſt erklungen” wies der Dietwart Turnbruder Gorr in
einer Anſprache auf die Bedeutung des Turnens für un
ſere Jugend und in weiterem Sinne für unſer Volkstun
hin. In friedlichem Wettkampfe um den ſchlichten Eichen
kranz die Kräfte zu meſſen, ſei der Zweck der Veran
ſtaltung. Das Kämpfen iſt als Erbteil unſerer Väter zu
betrachten. Die alten Germanen hatten einen ausgepräg
ten Eifer für Leibesübungen, welcher in der
damal=
rauhen Zeit unbedingte Notwendigkeit für Sein und
Nichtſein darſtellte. Im Mittelalter wurden Leibesübun
gen nur von Rittern in Form der Ritterkampfſpiele ge
pflegt, doch blieb die Allgemeinheit davon unbeeinflußt
Der damals vorherrſchende, auf Abwege geratene chriſt
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Seite 7.
liche Zeitgeiſt forderte Kaſteiung, Zerfleiſchung und
Zer=
knirſchung, aber keine Kräftigung des Körpers. Das
eigentliche Turnen entſtand vor hundert Jahren in der
Zeit der größten Not. Damals haben die Turner ihren
Mut und ihre Tatkraft im Kampfe gegen den Unterdrücker
in heldenhafter Weiſe bewieſen. So wie Jahn damals
das Turnen als Erziehung zur Wehrhaftigkeit und zu
völkiſchem Weſen lehrte, in derſelben Art und Weiſe will
auch der deutſche Turnerbund ſeine Mitglieder
bil=
den. Mit der Kräftigung des Körpers ſollen auch die
ſeeliſchen Kräfte erweckt und gefördert werden durch
Unter=
weiſung in deutſcher Geſchichte, hauptſächlich in der
Ver=
ehrung und Würdigung germaniſch=deutſchen Heldentums
ſeine Grundlagen findend. Aus allen dieſen Gründen iſt
auch beim Wettkampf eine völkiſche Prüfung vorgeſehen.
Starker Arm, Schwung der Seele, ehrliches Streben und
ernſtes Wollen ſeien die Leitworte für alles Beginnen jetzt
und alle Zeit.
In ſtrammer Haltung zogen die jugendlichen
Wett=
turner an die Geräte und konnten mit ihrem Eifer und
Ernſt, den ſie bei den Uebungen entwickelten, manchem
älteren Turner als Vorbild dienen. Als Sieger gingen
hervor von den Zöglingen in der Oberſtufe: 1. Jakobs
mit 59¼ Punkten, 2. Paul Treſſer mit 52½ Punkten. Von
den Zöglingen in der Unterſtufe erhielt eine Anerkennung
Kompenhans. Von den Schülern wurden ausgezeichnet:
Friedrich Treſſer mit 58½ Punkten, 2. Hans Treſſer mit
5734 Punkten, 3. Friedrich Pirreck mit 54½ Punkten,
4. Wilhelm Pirreck mit 49½ Punkten, 5. Kahl mit 48¾4
Punkten, 6. Wolf Mahr mit 47 Punkten. Eine
Anerken=
nung erhielten Willi Mahr und Haslinger.
Nachdem durch den Turnwart Stein die Kränze
über=
reicht worden waren, forderte der Vorſitzende Trbr. Dr.
Mahr die jugendlichen Turner auf, emſig weiter zu üben
und unermüdlich beſtrebt zu ſein, den Körper und Geiſt
zur Mannhaftigkeit empor zu ringen, damit ſie einſt als
wackere Streiter in den Reihen des deutſchen
Turner=
bundes ihren Mann ſtehen könnten zum Wohle des
deut=
ſchen Volkes und Vaterlandes. Mit dem Liede „O.
Deutſch=
land, hoch in Ehren” ſchloß das in würdiger Weiſe
ver=
laufene Wetturnen.
* Athletik. Am geſtrigen Sonntag weilten die beiden
Darmſtädter ſchwerathletiſchen Vereine, Athletenverein
und Kraftſportverein, in Koſtheim, wo ein Vereins=
Zehn=
kampf in der Leichtathletik ſtattfand. Der
Athleten=
verein erhielt den erſten, der Kraftſportverein
den zweiten Preis mit 739 bezw. 686½ Punkten.
* Ymuiden, 6. Sept. Bei dem Rennen der
Jachten der A=Klaſſe um den Becher der Königin
ge=
wann die kaiſerliche Jacht „Meteor‟ Die Jacht „
Ger=
mania” von Dr. Krupp von Bohlen und Halbach gab
das Rennen unter Proteſt auf. Dem Wettſegeln wohnte
Prinz Heinrich der Niederlande auf der Prinzeß
Juliana” bei. Sodann begab er ſich an Bord des
„Meteor” zu einer Segelfahrt in der Nordſee.
Vom Balkan.
Wiederaufnahme der diplomatiſchen Beziehungen zwiſchen
Griechenland und der Türkei.
* Athen, 6. Sept. Der Miniſter des Aeußern,
Panas, iſt nach Lutraki abgereiſt, um im Miniſterrate
dem Miniſterpräſidenten Venizelos den Plan hinſichtlich
der endgültigen griechiſchen Vorſchläge für die
Wieder=
aufnahme der diplomatiſchen
Beziehun=
gen zwiſchen Griechenland und der Türkei
zu unterbreiten. Nur zwei Fragen blieben noch
unent=
ſchieden: die Wakufgüter und die Nationalitäten. Die
Pforte verlangt, daß alle Immobilien, die in den
erober=
ten Provinzen dem Staate gehörten, als Wakufgüter
an=
erkannt würden. Die griechiſche Regierung will als
Wakufgüter nur die religiöſen Anſtalten anerkennen. Was
die Nationalitätenfrage betrifft, ſo erkennt die Pforte als
griechiſche Untertanen nur die Bewohner der eroberten
Provinzen an, während die griechiſche Regierung darauf
beſteht, die Frage auch für alle ihre in der Türkei
wohnen=
den Untertanen zu löſen. Hinſichtlich der Kapitulationen
wurde beſchloſſen, daß der Statusquo vor dem letzten
Kriege, der auf der ſchiedsgerichtlichen Entſcheidung der
Mächte vom Jahre 1902 und auf entſprechenden Verträgen
gegründet iſt, aufrecht erhalten werden ſoll. Die Pforte
iſt damit einverſtanden, daß die Uebergabe der
Kriegs=
gefangenen erſt nach dem gegenſeitigen Austauſch des
Friedensvertrages ſtattfindet; ebenſo wurde die Frage
betreffend die Uebergabe der Dampfer geregelt. Die
Frage der Entſchädigung wird der Finanzkonferenz in
Paris und dem Schiedsgericht im Haag unterbreitet
wer=
den. — Der türliſche Delegierte Reſchid Bey reiſt morgen
nach Konſtantinopel ab, um der Pforte den Plan zu
unter=
breiten. Man glaubt, daß vor Ablauf von 14 Tagen alle
Fragen endgültig geregelt ſind.
.
Die bulgariſch=türkiſchen Verhandlungen.
* Paris, 6. Sept. Der bulgariſche
Friedensunter=
händler, General Sawow, erklärte dem
Spezialkorre=
ſpondenten des Matin: Wir wollen daran arbeiten, die
Verluſte des Krieges wieder gut zu machen, unſere Kräfte
wiederherzuſtellen und dann wird kommen, was kommen
muß. Gegenwärtig wollen wir den Frieden und ich bin
hergekommen, um ihn abzuſchließen. Wir werden alles
bewilligen, was zum Schutze der Türkei notwendig iſt;
wir wollen in guter Freundſchaft mit der Türkei leben.
Ich bin nur hierher gekommen, um über die Frage der
Grenzabſteckung und des Austauſches der Gefangenen zu
verhandeln. Wir bleiben auf dem Terrain des Londoner
Vertrages; ſoweit es von mir abhängt, wird alles ſchnell
gehen. Griechenland ſtellt an die Türkei bezügliche
Kapi=
tulationen, um mehr Rechte von der Türkei zu verlangen,
die man als unannehmbar für eine Regierung bezeichnen
darf. Die Türkei wird ſehen, daß unſere
Unterhandlun=
gen in einem anderen Geiſte geführt werden. Wenn alles
vorüber ſein wird, kann die Türkei im Frieden leben, dann
wird alles ruhig ſein. Wir Bulgaren werden uns mit
Griechenland niemals verſtehen, niemals!
* Konſtantinopel 6. Sept. Die
Konferen=
zen zwiſchen den bulgariſchen und den
tür=
kiſchen Delegierten werden am 8. September
be=
ginnen. Der Militärgouverneur von Konſtantinopel
Dſche=
mal Bey iſt zum militäriſchen Berater der ottomaniſchen
Delegation ernannt worden.
* Konſtantinopel, 7. Sept. Die Pforte
verhandelt durch die Botſchaft in Waſhington mit einem
amerikaniſchen Syndikat über eine fünfproz.
Anleihe von 50 Millionen Francs. Ein Einvernehmen
ſoll bereits erzielt ſein.
Konſtantinopel, 7. Sept. Die türkiſchen
Delegierten berieten geſtern vormittag mit dem
Kriegsminiſter, es heißt, über Einzelheiten des Konferenz=
programms. Die Konferenz wird in der Pforte im
Miniſterium des Aeußeren tagen. In der erſten Sitzung
wird der Großweſir, weiterhin Talaat Bey präſidieren.
Vermiſchtes.
— Vom Völkerſchlachtdenkmal. Der
Be=
ſuch des deutſchen Ruhmesmales der Befreiungszeit war
während der Reiſezeit der letzten Monate ein ſehr
erheb=
licher. Es ſtellt ſich die Zahl der Beſucher, die das
Denk=
mal auch im Innern (Krypta und Ruhmeshalle)
beſichtig=
ten, im Juli auf 128 730 (Turnfeſt), im Auguſt auf 91895
und in der Zeit vom 1. Januar d. J. bis zum 31. Auguſt
auf insgeſamt 365904 Perſonen. An Anmeldungen zur
Einweihungsfeier am 18. Oktober ſind in den letzten Tagen
gegen 2000 erfolgt. Damit hat ſich die Zahl der bisher
angemeldeten Feſtteilnehmer von 10000 auf 12000 erhöht.
Die Stätte des Feſtplatzes bietet für 20000 Teilnehmer
reichlich Platz. Tribünenplätze ſind 2800 vorhanden, von
denen 1500 bereits vergeben ſind. Anmeldungen nehmen
der Deutſche Patriotenbund, Leipzig, Blücherſtraße 11,
und alle Geſchäftsſtellen von Haaſenſtein u. Vogler, A.=G.,
entgegen.
— Jubiläumsſtiftungen für die
Jugend=
pflege. In allen an der Jugendpflege beteiligten
Krei=
ſen wird es beſonderes Intereſſe erwecken, daß die
Wohl=
fahrtsſtiftungen, die anläßlich der Jahrhundertfeier der
Befreiungskriege und des Reaierungsjubiläums des
Kai=
ſers errichtet wurden, in zahlreichen Fällen auch der
Ju=
gendpflege zugute kommen. Die Zeitſchrift für
Waiſen=
pflege und Jugendfürſorge, Deutſche Reichsfechtſchule,
ver=
öffentlicht hierüber folgende Zuſammenſtellung:
Die Stadt Hannover hat 200000 Mark für den
Bau eines Jugendheims zur Verfügung geſtellt;
desglei=
chen die Stadt Erfurt 76000 Mark. Königsberc
in Preußen hat beſchloſſen, ein „Kaiſer=Wilhelm=
Wohl=
fahrtshaus” das in erſter Linie für die nationale
Jugend=
pflege beſtimmt ſein ſoll, im Geſamtkoſtenwerte von
175000 Mark zu errichten. Die Stadt Schönebera hat
für die Beſchaffung und Einrichtung eines Spielplatzes
150000 Mark. Osnabrück für denſelben Zweck 100000
Mark bewilligt. Berlin=Grunewald gibt 50000
Mark für die Jugendpflege in der Gemeiende. In
Span=
dau ſind 50000 Mark als Grundſtock zur Errichtung eines
„Jugendheims Kaiſer Wilhelms II.” bewilligt worden. Der
Kreis Herrſchaft Schmalkalden hat beſchloſſen, ſeinen
Kinderfürſorgefonds, der der geſundheitlichen Förderung
der Jugend vor ihrem Eintritt in das Berufsleben dient.
auf 15000 Mark zu erweitern. Die Stadt Liegnitz
über=
wies ſchenkungsweiſe dem Ortsverbande für Jugendpflege
in Liegnitz 10000 Mark für die Errichtung eines
Jugend=
heims. Die Stadtverordnetenverſammlung in Köln hat
beſchloſſen einen Betrag von 1000000 Mark zur
Ver=
fügung zu ſtellen, wovon etwa 300000 Mark für
Jugend=
ſpielplätze vorgeſehen ſind. Die Stadtverordneten von
Eſſen bewilligten 200000 Mark zur Anlegung eines
Volksgartens. Frankfurt a. M. ſtiftete 400000 Mark
für ein Volksbildungshaus und 100000 Mark zur Pflege
des deutſchen Volksliedes. Die
Stadtverordnetenverſamm=
lung in Aachen bewilligte 300000 Mark zur Errichtung
eines Volkswohlfahrtshauſes. Breslau baut für 300000
Mark ein Jugendheim. Krefeld hat für einen Kaiſer=
Wilhelm=Spielpark 200000 Mark bewilligt. Die Stadt
Gelſenkirchen hat 230000 Mark zur Förderung der
Jugendpflege, zum Bau von drei Turnhallen an
Volks=
ſchulen und zum Ausbau beſtehender und zur Anlage
neuer Jugendſpielplätze in den diesjährigen Etat
einge=
ſtellt. Für die Errichtng eines Jugendpllegeheims hat
Allenſtein die Summe von 120000 Mark zur
Ver=
fügung geſtellt. Kommerzienrat Richard Naether=Zeitz
gab 150000 Mark zum Bau eines Jugendheims. In
Lü=
beck ſoll ein Kaiſer=Wilhelm=Volkshaus erſtehen, das als
Stätte der Kunſt. Wiſſenſchaft und Jugendpflege gedacht
iſt. Senator Poſſehl hat hierzu 80000 Mark geſtiftet.
Das ſind zuſammen über drei Millionen
Mark, eine würdige Gabe zur Feier der
Befreiungs=
kriege und des Kaiſerjubiläums.
Literariſches.
* Unſer Landsmann, Herr Prof. E. A. Schaefer
hier, hat ſoeben im Fenienverlag in Leipzig einen Band
Poeſien, zumeiſt lyriſcher Gattung, erſcheinen laſſen. Der
Grundzug, der die moderne Kunſt durchdringt, geſunde
wahre Empfindung mit ſachlicher, edler Form zu
verbin=
den, iſt auch die Grundtendenz dieſer Dichtungen. Sie
halten ſich gleichweit von Ueberſchwänglichkeit wie von
Nüchternheit fern und genügen hinſichtlich ihres formalen
Baues den ſtrengſten Anforderungen echt künſtleriſchen
Geſchmackes, bewegen ſich alſo, wie angedeutet, in
der=
ſelben Richtung, in der die modernſte Kunſt voranſchreitet.
Ihrem Weſen nach ſind dieſe Dichtungen zumeiſt
lied=
artiger Natur, und es ſteht zu hoffen, daß ſie das lebhafte
Intereſſe der Komponiſten erregen werden. Der Druck iſt
vorzüglich, die Ausſtattung des Büchleins vornehm und
geſchmackvoll. So wird es ſelbſt für den anſpruchsvollſten
Büchertiſch zu einer erleſenen Zierde werden.
— Von der im Verlag von Adolf Bonz u. Comp.
in Stuttgart erſcheinenden neuen Jugendbücherei
„Mein Vaterland” die wegen ihres niedrigen
Preiſes für den Band kartoniert nur 60 Pfg.), ihrer
ſchönen Ausſtattung und der Gediegenheit ihrer
Dar=
bietungen — nur anerkannte Jugendſchriftſteller und
Fach=
leute wirken mit — ſchon bei dem Erſcheinen der erſten
3 Bände das Intereſſe der beteiligten Kreiſe lebhaft in
Anſpruch genommen hat, ſind jetzt als weitere Bändchen
herausgegeben: Kaiſer Wilhelm II., von Karl
Dunk=
mann. Eine Schwarzwaldreiſe, von G. Mayer. Wie
Deutſchland ſeine Kolonien bekam, von Alexander Burger.
Die Sänger von Deutſchlands Befreiung, von Auguſt
Alt=
haus.
Die verbreitetſten Pflanzen
Deutſch=
lands. Einfache Tabellen zum Beſtimmen unſerer
häufigſten, wildwachſenden und angebauten Pflanzen nach
der Flora von Schmeil=Fitſchen. Herausgegeben von
Profeſſor Dr. O. Schmeil und Joſt Fitſchen. 103 Seiten.
In biegſamem Leinenband 1,25 Mk. Verlag von Quelle
und Meyer in Leipzig. 1913. Die dritte verbeſſerte
Auf=
lage des Buches liegt vor. Wir können das Lob das wir
dem ſchmucken Bändchen in erſter Auflage ſpenden
durf=
ten heute nur wiederholen. Die zahlreichen Abbildungen
und die große Einfachheit der ganzen Anlage iſt beſonders
hervorzuheben. Der niedere Preis wird dazu
bei=
tragen, daß die kleine Flora von jedem gekauft werden
kann, der zu botaniſieren beabſichtigt.
—— Durch Deutſchböhmen. Unlängſt erſchien
das allen Freunden und Bewunderern der landſchaftlichen
Schönheiten Deutſchböhmens beſtbekannte Buch „Durch
Deutſchböhmen, die Weltbäder, Sommerfriſchen, Fremden=
und Touriſtenorte Deutſchböhmens” in 4. Auflage; die
vorliegende 4. Auflage dieſes Buches wurde einer
ein=
gehenden Umarbeitung nach dem neueſten Stande der
Ver=
hältniſſe unterzogen, wobei auf die praktiſchen Erfahrungen,
welche im Laufe der letzten Jahre gemacht wurden, ſowie
auf Anregungen aus Intereſſentenkreiſen vielfach Rückſicht
genommen wurde. Das Buch wird durch den
Landes=
verband für Fremdenverkehr in Deutſchböhmen, Sitz
Karlsbad, gegen Uebermittlung von 60 Pfennig in Marken
zugemittelt.
Das Wehrbeitragsgeſetz und das
Be=
ſitzſteuergeſetz ſind ſoeben, in einem Bändchen
ver=
einigt, im Verlage von Franz Vahlen, Berlin W. 9,
Link=
ſtraße 16, zum Preiſe von 1,20 Mark erſchienen. Damit
ſind diejenigen Steuergeſetze der weiteren Oeffentlichkeit
zugänglich gemacht, die das allgemeinſte Intereſſe
bean=
ſpruchen. Denn die neuen Steuergeſetze intereſſieren, da
ſie direkte Steuern betreffen nicht nur diejenigen, die
amt=
ich mit denſelben in Berührung kommen, ſondern auch
vornehmlich alle beſitzenden Kreiſe und Geſellſchaften,
ſo=
wie alle Perſonen (Beamte und Angeſtellte) mit höheren
Einkommen aufs lebhafteſte. Die obige Ausgabe wird
dahr den beteiligten Kreiſen ſehr willkommen ſein.
C„Voneinem derauszog”, ein Seelen= und
Wanderjahr auf der Landſtraße. Der berühmte Roman
Paul Barſchs, der bei ſeinem Erſcheinen ſo großes
Auf=
ſehen erregte, iſt nun, wenig gekürzt und neu bearbeitet,
in einem Bande als wohlfeile Volksausgabe erſchienen.
(Verlag L. Heege, Schweidnitz. Geh. 3 Mark.) Der
Roman ſelbſt iſt zu bekannt, als daß er noch einer
beſon=
deren Empfehlung bedarf. Dieſe Seelenſchilderung großen
Stiles, die durch das wahrhafte und reine Menſchentum
weit über dem Durchſchnitt der Romanliteratur ſteht, ſollte
in keiner Bibliothek fehlen, denn das Buch gehört zu denen,
die ihren Zweck nicht verfehlt haben, wenn ſie geleſen ſind
und ein paar Stunden Unterhaltung geboten haben; es iſt
von dauerndem Wert, weil es innerlich lebt.
Letzte Nachrichten.
* Wixhauſen, 8. Sept. Bei der am Samstag
ſtattge=
fundenen Gemeinderatswahl ſtimmten von 353
Wahlberechtigten 313 ab. Gewählt ſind: Jakob Schmidt I.
mit 167, Johannes Volz III. mit 157, und Jakob
Tho=
mas mit 145 Stimmen.
* Berlin, 6. Sept. Drei Männer welche nachts
in ein Kolonialwarengeſchäft in der Nähe der
Haſen=
heide eingedrungen waren, wurden überraſcht und
flüchteten. Nach ſtundenlangem Suchen wurde ein
Einbrecher heute morgen auf einem Hausboden
feſtge=
nommen; ein zweiter Einbrecher wurde in einem
Nach=
barhauſe ermittelt, aus dem er floh und zwei Schüſſe
abgab, ohne zu treffen. Er bedrohte einen ihm
entgegen=
tretenden Schutzmann mit einer Piſtole und einem Meſſer.
Der Beamte verwundete ihn durch einen Schuß in den
rechten Oberſchenkel. Der Einbrecher flüchtete trotzdem in
das gegenüberliegende Haus und bedrohte den
Schutz=
mann neuerdings. Dieſer gab einen zweiten Schuß ab,
der den Mann am linken Fuß traf. Erſt jetzt konnte er
feſtgenommen werden. Der erſte Einbrecher will Neuburg
heißen und aus dem Kreiſe Parchim ſtammen, der zweite
verweigert jede Auskunft über ſeine Perſönlichkeit, er
ſcheint aber Ausländer zu ſein. Der deitte Komplize iſt
entkommen.
Wildpark, 7. Sept. Der Kaiſer, der König
und der Kronprinz von Griechenland mit Gefolge
und dem Ehrendienſt bei den griechiſchen Herrſchaften
begaben ſich heute mittag 12 Uhr mittels Sonderzuges
nach Salzbrunn ins Manövergelände.
* Kronberg, 7. Sept. Die Kinder des
Groß=
herzogs von Heſſen, des Prinzen Andreas von
Griechenland und des Prinzen von Battenbera waren
heute mittag auf Schloß Friedrichshof eingetroffen, um
die Königin von Griechenland und Prinzeſſin Friedrich
Karl zu beſuchen. Nach dem Tee fuhren ſie im Auto
nach Darmſtadt zurück.
Friedrichshafen, 6. Sept. Graf Zeppelin iſt
vom Kaiſer zu den heurigen Kaiſermanövern
ein=
geladen worden und reiſte heute abend in das
Manöver=
gebiet ab.
* Zürich, 6. Sept. Eine verſicherte Geldſendung
der Kantonalbank in Schaffhauſen an ihren Sitz
in Zürich, der Schweizeriſchen Nationalbank, von
40000 Franken, aus Banknoten und Metallgeld
be=
ſtehend, iſt geſtohlen worden. Der Inhalt des
Wert=
beutels iſt durch Papierſchnitzel und Blei ungefähr des
gleichen Gewichts erſetzt worden.
Wien, 6. Sept. Die „Ungariſche Poſt” meldet aus
Gaſtein: Unter dem über die Ache führenden Steg
wurde der Hu t des ſeit Monaten vermißten Patriarchen
Bogdanovic gefunden, was zu der Annahme
be=
rechtigt, daß der Patriarch in die Ache geſtürzt iſt.
* Rom, 7. Sept. Die am internationalen Wettbewerb
der katholiſchen Turnverleine teilnehmenden
Vereine begaben ſich heute früh in die Baſilika im Lateran
zur Meſſe. Darauf zogen ſie zur Peterskirche. Unterwegs
verſuchten einige Antiklerikale eine feindliche Kundgebung.
Es kam aber zu keinen Ausſchreitungen. Am Schluß
ver=
ſammelten ſich die Turner, etwa 4000, mit ihren
Muſik=
kapellen auf dem Hofe Sandomoſo im Vatikan. Mittags
zeigte ſich der Papſt in der Raphaelloge; er wurde mit
langanhaltenden Beifallsrufen: „Es lebe Pius X.!”
be=
grüßt. Als die Turner niederknieten, erhoben ſie ſich auf
ein Zeichen des Papſtes, dem ſie von neuem zujubelten.
Unter völliger Stille erteilte ſodann der Papſt ſeinen
Segen und zog ſich unter neuen Kundgebungen der Turner
zurück.
* Paris, 6. Sept. Heute nachmittag wurden in
Auverbillers durch eine Exploſion bei einem
Feuerwerk fünf Perſonen getötet und zehn
verwundet. Ein Werkmeiſter und vier Arbeiter wurden
vollſtändig auseinandergeriſſen und
zwei=
hundert Meter weit fortgeſchleudert. Steine wurden
weit fortgeſchleudert und verwundeten eine Anzahl in
der Nähe beſchäftigter Eiſenbahnarbeiter.
* Paris, 7. Sept. Im heutigen Miniſterrat im Elyſée
ließ der Miniſter des Aeußern Pichon ein Dekret
unter=
zeichnen, das für Marokko franzöſiſche Gerichtshöfe
errichtet, die beſtimmt ſind, die Konſulargerichte für
Fran=
zoſen und franzöſiſche Schutzgenoſſen zu erſetzen. Ferner
ließ der Marineminiſter ein Dekret unterzeichnen, das
einen Admiralitätsrat ſchafft, der den Auftrag hat, ihn in
militäriſcher und techniſcher Hinſicht in der allgemeinen
Verwaltung des Miniſteriums aufzuklären und zu
unter=
ſtützen.
London, 7. Sept. 500 beim ſtädtiſchen Bauamt
beſchäftigte Elektriker, die kürzlich einen
Sympathie=
ſtreik für die Maler begannen, nahmen die Arbeit
wieder zu den früheren Bedingungen auf.
Bombay, 6. Sept. Infolge eines
plötz=
lichen Wolkenbruchs ertranken 150 Männer,
Frauen und Kinder, welche den Fluß Beas in der
Gegend von Hoſhiapur überſchreiten wollten. Nur
wenige Leichen ſind geborgen worden.
* Tokio, 6. Sept. Der Direktor im politiſchen Bureau
des Miniſteriums des Aeußern, Abe, iſt geſtern abend
durch Dolchſtiche ſchwer verletzt worden. Es
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Nummer 210,
ſcheint ſch entweder un eine Bewegung gegen das
Miniſterium im Zuſammenhang mit den Vorfällen in
Nanking oder um eine Verwechſelung Abes mit dem ihm
ähnlich ſehenden Dr. Sunyatſen zu handeln.
— Halle a. S., 6. Sept. In einer
Gaſtwirt=
ſchaft entſtand heute morgen eine Schlägerei, wobei
die Gäſte mit Biergläſern auf den Wirt einſchlugen.
Dieſer zog in der Notwehr einen Revolver und ſchoß
zwei Angreifer nieder. Einer war ſofort tot, der
andere liegt hoffnungslos danieder. Der Erſchoſſene iſt
der Schwager des Wirtes.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Wie es unſern Großmüttern gelang, noch mit
60 Jahren jung zu erſcheinen.
„Es iſt merkwürdig” äußerte ſich kürzlich ein ſchon
be=
jahrter Chemiker, „daß heutzutage ſo viele Frauen alle
möglichen Verfahren in ihrem Geſicht anwenden, die
häu=
fig recht kompliziert und dabei oft nicht ungefährlich ſind;
dies in der ſicheren Erwartung, ſich dadurch ihrer Runzeln
und anderer Schönheitsfehler zu entledigen, wo ſie dieſen
Zweck doch ſo leicht durch Anwendung des einfachen, alten
Mittels erreichen könnten, deſſen ſich ſchon unſere
Groß=
mütter bedient haben. Früher bewahrte ſich eine 60jährige
Frau ein noch verhältnismäßig jugendliches Ausſehen;
heutzutage aber haben die meiſten Frauen ſchon vor dem
30. Lebensjahre häßliche Linien und Falten aufzuweiſen.
Und trotz vieler Experimente wurde bislang nichts Neues
erfunden, was ſich ſo effektiv erwieſen hätte, wie das
alt=
modiſche reine Parinolwachs, wie man es in den
Apothe=
ken und Drogerien bekommt. Wenn alte Hiſtörchen wahr
ſind, dann verdankten die berühmteſten Schönheiten des
franzöſiſchen Hoflebens, Madame Recamier, Madame du
Barry und andere, lediglich dieſem einfachen Mittel die
lange Erhaltung ihres jugendfriſchen Ausſehen. Wenn
man nur hie und da das Geſicht mit ein wenig reinem
Parinolwachs leicht maſſiert, ſo werden dadurch die Poren
gereinigt, die Hautfarbe wird klar und hell. Eine in dieſer
Weiſe gepflegte Geſichtshaut bleibt von Runzeln verſchont,
und ſelbſt ein erdfahler Teint erhält eine entzückende
Friſche. Ich habe dieſes Mittel von Frauen mit bereits
ſehr tiefen Linien und Fakten anwenden ſehen, und in
kur=
zer Zeit verſchwand faſt jede Spur dieſer Schönheitsfehler.
Trägt man vor dem Ausgehen noch ein wenig Reispuder
auf, ſo iſt alles getan, um dem Geſicht ein wirklich friſches,
VIII, 18645
junges Ausſehen zu verleihen.
Das Vorſtehende weiſt auf ein ſo
ein=
faches und unſchädliches Mittel zur Pflege
der Geſichtshaut hin, daß es im
Intereſſ=
der Leſerinnen hiermit veröffentlicht ſei.
(12965a
W-Jacken kleider
=Taillenkleider
=Röcke a 2 a
in grösster Auswahl, vom einfachsten bis
elegantesten Genre. Aenderungen sofort.
Sladel-Blusen .
G. m.
D. Rehleid De. v.h.
Ludwigstr. 5 Darmstadt Teleph. 2539
Dampfernachrichten.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
„Rotterdam” 31. Aug. 1 Uhr 10 Min. vorm. von
Bou=
logne abgegangen. „Nieuw Amſterdam” 3. Sept. 8 Uhr
50 Min. vorm. Lizard paſſiert. „Noordam” 2. Sept.
vorm. von Neu=York abgegangen. „Ryndam” 1. Sept.
vorm. in Neu=York eingetroffen. „Potsdam” 30. Aug.
vorm. in Rokterdam eingetroffen.
Familiennachrichten.
Kür die zu meinem Dienſtjubiläum empfangenen
O überaus vielen Glückwünſche und Ehrungen
er=
laube ich mir auf dieſem Wege allen meinen
herz=
lichen Dank auszuſprechen.
A. Wagner, Werkmeister.
18637)
STATT KARTEN.
ARCHITEKT HEINRICH STUMPF UND
FRAU TONI STUMPF, GEB. MicHEL,
BEEHREN SICH IHRE VERMAHLUNG
ANZUZElGEN.
DARMSTADT, 6. SEPT. 1913.
EMIL-STRASSE NO. 28.
(18622
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Mitteilung.)
Meine innigſtgeliebte, gute Gattin, unſere
treubeſorgte Mutter, Großmutter,
Schwieger=
mutter, Schweſter und Tante
62
Frau Jettehen- Mann
geb. Grünebaum
iſt heute nacht nach längerem Leiden im Alter
von 73 Jahren ſanft entſchlafen.
18677
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ferdinand Mann.
Darmſtadt, den 7. September 1913.
Hügelſtraße 73
Die Beerdigung findet am Mittwoch, den
10. September, vormittags 11 Uhr, vom Portale
des iſraelitiſchen Friedhofes aus, ſtatt.
Von Kondolenzbeſuchen bittet man abzuſehen.
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
meinen innigſtgeliebten Gatten, unſeren Vater,
Schwiegervater und Großvater
(B18668
Wilhelm Nickels
Schreinermeiſter
nach langem, mit großer Geduld ertragenem
Leiden zu ſich abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 6. September 1913.
Die Beerdigung findet Montag, nachmittags
4 Uhr, vom Sterbehauſe Sandbergſtraße 9
aus, ſtatt.
Kriegerverein
Darmſtadt.
(18671
Die Beerdigung unſeres Mit=
glieds und Feldzugskameraden
Herrn Schreinermeiſter Wilhelm Nickels
indet am Montag, den 8. ds. Mts.,
nachmit=
tags 4 Uhr, vom Sterbehaus Sandbergſtr. 9
aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von
Eck=
hard bis Heppenheimer, ſowie des
5. Bezirks, ſich dort zu verſammeln.
Der Vorſtand.
Tageskalender.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Bilder vom Tage (Auslage Expedition Rhein
ſtraße 23): Von der Herbſtparade in Berlin, Vorbei
marſch der Garde=Infanterie. Die tollkühne Flugleiſt
ung des Fliegers Pegoud, der Flieger Pegoud im
Appa=
rat, der ſich überſtürzende Apparat in der Luft. Di
Oder mit Hanſa= und Baumbrücke in Stettin aus de=
Vogelſchau. Siegesfeierlichkeiten in Serbien, Köni=
Peter dekoriert den heimkehrenden Kronprinze
Alexander.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 9. September.
Obſt=Verſteigerung um 10 Uhr
an der Wieſen
wärterwohnung Plattenhof (Gemarkung Erfelden).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckere
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilletor
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrige
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max
Streeſe=
für des Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilunge
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtad
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſin
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaig=
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werde
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nich
zurückgeſandt.
Verlangen Sie überall ausdrücklich
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Mainzerstrasse 14.
Kurſe vom 6. September 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.
InProz.
Bf.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 98,80
3½ Deutſche Reichsanl. . 83,70
74,00
3
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 98,60
3½ do. Conſols . . . 83,90
74,10
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,70
92,25
do.
3½
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,70
82,70
do.
3½
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 97,60
98,10
4 Heſſ. Staatsanleihe
4 do. do. (unk. 1918) 96,80
82,60
½
do.
71,85
3
do.
3 Sächſiſche Rente.
75,30
4 Württemberg unk. 1921 97,60
3½
do. v. 1875 92,20
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 97,00
1¾ Griechen. v. 1887
57,60
Italiener Rente
D- O
4½ Oeſterr. Silberrente 35,20
do. Goldrente . . . 90,40
do. einheitl. Rente . 81,60
3 Portug. unif. Serie I 62,80
3 do. unif. Ser. III 64,90
3 do. Spezial . . . . 9,90
5 Rumänier v. 1903 . . 99,30
do.
v. 1890 . . 93,60
do.
v. 1905 . . 88,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,09
do. v. 1902 ₰ . . . 91,00
4½ do. v. 1905 . . . . 100,00
3½ Schweden . . . .
86,25
Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 79,20
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 85,10
A de. Staatsrente. . . 82,10
Zſ.
InProz.
5 Argentinier . . . . . . 98,60
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . —
5 Chinef. Staatsanleihe. —
½
91,30
do.
4½ Japaner . . . . . . . 91,50
5 Innere Mexikaner . . . 79,10
3
50,00
do.
4 Gold=Merikanerv. 1904 76,30
5 Gold=Merikaner . . . .
3 Buenos Aires Provinz 66,25
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 143,60
7 Nordd. Lloyd . . . . . 123,00
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. . 127,50
Aktienausländiſcher
Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . .
3 Baltimore und Ohio .
96%
3 Schantungbahn . . . .
124,50
8 Luxemb. Prince Henr!
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 27,50
6 Pennſylvania R. R.
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
4 Brauerei Werger
60,00
28 Bad. Anilin= u. Sodz=
Fabrik ..
. . . . 544,50
4 Chem. Fabrik
Gries=
heim . . . . . . . 239,00
30 Farbwerke Höchſt
.625,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . .
10 Cement Heidelberg . . 145,90
30 Chem. Werke Albert 440,00
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 300,25
5 Lahmeyer. . . . . . 122.50
Letzte
In Proz.
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 149,75
12 Siemens & Halske 215,50
5 Bergmann Electr. . . 127,50
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 166,70
0 Gummi Peter . . . . 82,10
0 Kunſtſeide Frankfurt
30 Adler=Fahrradwerk:
Kleyer . . . . . . 407,50
9 Maſchinenf. Badenia 145,00
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 162,10
15 Zellſtoff Waldbof . . 219,00
12,83 Bad. Zucker=Wag=
208,00
häuſel. .
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 72,00
0 Südd. Immobilien . 51,00
Bergwerks=Aktien.
169,50
10 Aumetz=Friede
14 Bochumer Bergb. u
.220,75
Gußſt. . . .
11 Deutſch=Luxemburg.”
Bergb. . . . . . . 147½
10 Gelſenkirchener . . . . 182,50
189,50
9 Harpener . . . . . .
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 258½
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 75,30
6 Laurahütte . . . . . . 171,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 190,00
13
7½ South Weſt Africa 113,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 87,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 97,10
4 Eliſabethbahn, freie . . 88,50
4 Franz=Joſefs=Bahn ..
71,00
3 Prag=Duxer .
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 88,10
77,80
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomh.) 98,80
73,00
do,
In Prot.
Bf.
2¾/1 Oeſt. Sübb. (Lomb.) 53,60
3 Raab=Oedenburg .
75,20
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 85,10
4½ Moskau=Kaſan . . . 94,00
85,40
do.
4 Wladichawchas . . . . 86,00
4 Rjäſan Koslow . . . .
90
73,
3 Portugieſ. Eiſenb. .
41
85,50
do.
2¼10 Ltvorneſer
69,20
3 Salonique=Monaſtir . 62,50
4 Baadadbahn . . .
79,60
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 92,25
4 Miſſouri=Paciſte. . . . 90,00
4 Northern=Paciſte . . . 94,70
4 Southern=Pacifie . . . 90,50
5 St. Louts und San
-
Francisce. . . .
E Tehnantepee . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 195,50
7½ Vergiſch=Märkiſche
Bahn
144,00
9½ Berlin. Handelögeſ. .160,50
6½ Darmſtädter Bank . 115,50
12½ Deutſche Bank .
249,00
6 Deutſche Vereinsbank . 116,20
3 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . .
112,00
10 Diskonto=Kommandit 184,10
8½ Dresdener Bank
149,20
10 Frankf. Hypoth.=B. 206,00
6½ Mitteld. Kreditbank 113,90
7 Nationalb. für Deutſchl. 116,40
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,70
6,95 Reichsbank . . . . . 134,50
7 Rhein. Kreditbank. . .127,20
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 107,00
7½ Wiener Bankverein . 133,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17. . . 94,50
In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
84,70
S. 19. . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
93,50
S.15—19, 21—26
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
3½
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 27,20
8½
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Banl
96.,60
S. 12, 13, 16 ..
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23. . . . . . . . . 96,60
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 84,20
S. 3—5 . . . . . . . . 84,00
84,10
S. 9—11 . . . . . .
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
31
84,00
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,10
3½ do. (unk. 1914) . . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,60
do.
3½
85,00
Städte=
Obligationen.
-
Darmſtadt . . . . . .
do.
3½
4 Frankfurt. . . . . . . 96,40
3½
do.
95,70
4 Gießen . . . . . . . .
3½
86,00
do.
Heidelberg . . . .. .
93,00
3½
do.
95,00
Karlsruhe . . . . . .
3½
do.
86,00
4 Magdeburg. . . . . .
3½
do.
Mainz . . . . . . .. 94,00
do.
85,50
3½
94,00
4 Mannheim . . . . .
31
89,00
do.
München . . .
97,50
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 96,00
3½
do.
83,90
4 Offenhach. .
In Pr.
Zf.
3½ Offenbach . . . . . . 86,6
4 Wiesbaden . . . . . .
3½
do.
4 Worms. . . . . . . . 94,0
85,
3½
do.
4 Liſſaboner v. 1886
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 180,
3½ Cöln=Mindner , 100 135,
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.=Pfand=
136,
briefe . . . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 181,
3 Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 111,
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
7 34,
Augsburger. . .
Braunſchweiger Tlr. 20 197,
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs.45 —
do. . . . . Fs.10 —
fl. 7
Meininger . . .
Oeſterreicherv. 1864fl. 100
do. v. 1858fl. 100 505,
Ungar. Staats . . fl. 100 385,
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 166/
Gold, Silber und
Banknoten.
20,
Engl. Sovereigns . . .
20 Franks=Stücke . . . . 16,
Amerikaniſche Noten. . .
Engliſche Noten . . . . . 20,
Franzöſiſche Noten. . . . 80
168,
Holländiſche Noten. . .
79,
Italieniſche Noten . .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7½
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Seite 9.
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Seite 10.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Nummer 210.
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Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
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licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dobermann. 1 Spitzhund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dort=
ſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(18620
Bekanntmachung.
Betreffend: Feierabendſtunde in offenen Verkaufsſtellen.
Es iſt die Wahrnehmung gemacht worden, daß die geſetzlichen
Beſtimmungen über die Feierabendſtunde für offene
Verkaufs=
ſtellen (Ladenſchluß) nicht immer beachtet werden.
Wir machen deswegen wiederholt darauf aufmerkſam, daß nach
§§ 139e und k der Gewerbeordnung und den Bekanntmachungen des
Großh. Kreisamts Darmſtadt vom 7. Oktober 1908 und 18. März
1909, abgeſehen von den ſogenannten „Ausnahmetagen”, welche von
uns beſtimmt und beſonders bekannt gemacht werden, ſämtliche
offene Verkaufsſtellen — mit Ausnahme derjenigen der Konditoren
und Friſeure, für die auch weiterhin der Neunuhrladenſchluß gilt
von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens und an den Samstagen
von 9 Uhr abends an für den geſchäftlichen Verkehr geſchloſſen
ſein müſſen. Die beim Ladenſchluß im Laden ſchon anweſenden
Kunden dürfen noch ausbedient, nach Eintritt des Ladenſchluſſes
aber Kunden in den Laden nicht mehr eingelaſſen werden.
Zuwiderhandlungen werden gemäß § 146a der Gewerbe=
Ordnung mit Geldſtrafe bis zu 600 Mk., im
Unvermögens=
falle mit Haft beſtraft.
Wir haben die Schutzmannſchaft mit ſtrenger Ueberwachung
der Einhaltung der Vorſchriften über den geſetzlichen Ladenſchluß
beauftragt und werden Uebertretungen unnachſichtlich zur Anzeige
bringen laſſen.
Darmſtadt, den 3. September 1913.
(18488so
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.
Verloſung von
Schuldverſchrei=
bungen der Stadt Darmſtadt.
In Vollziehung des Schuldentilgungsplanes der Stadt
Darm=
ſtadt ſind nachſtehende ſtädtiſche Schuldverſchreibungen auf den
In=
haber des 4%igen Anlehens Buchſtabe N von 1907 zur
Rückzah=
lung auf den 1. Februar 1914 berufen worden, nämlich:
Abt. I zu 2000 Mk. Nr. 15, 138, 338, 467, 551, 629, 763, 812, 914,
997, 1036, 1147, 1186.
Abt. II zu 1000 Mk. Nr. 32, 296, 312, 461, 526, 807, 928, 934, 970,
1009, 1030, 1141, 1257, 1333, 1344, 1448, 1482, 1644, 1683
1966, 1996, 2085, 2137, 2159, 2274, 2296, 2302, 2602, 2629
2693, 2964.
N0F
Abt. III zu 500 Mk. Nr. 88, 212, 249, 524, 528, 552, 714, 763, 770,
805, 863, 1023, 1120, 1236, 1240, 1315, 1326, 1458, 1554,
1748, 1834, 2053, 2081, 2101, 2120, 2166, 2264, 2359, 2363,
2643.
Abt. IV zu 200 Mk. Nr. 138, 140, 163, 239, 320, 409, 537, 620, 717,
993, 1048, 1159, 1222, 1301, 1393.
Die Einlöſung geſchieht bei der Stadtkaſſe Darmſtadt, ſowie
bei der Deutſchen Bank, dem Bankhaus Delbrück, Schickler & Co.,
der Nationalbank für Deutſchland u. dem Bankhaus Hardy & Co.,
G. m. b. H., ſämtlich in Berlin, der Deutſchen Vereinsbank, Filiale
Darmſtadt (vorm. Ed. G. Gerſt) und dem Bankhaus Ferdinand
Sander in Darmſtadt, der Deutſchen Vereinsbank in Frankfurt
am Main, der Rheiniſchen Kreditbank und der Süddeutſchen
Bank in Mannheim, dem Bankhaus Merck, Finck & Co. in München
und der Württembergiſchen Vereinsbank in Stuttgart.
Die Verzinſung der Schuldverſchreibungen hört vom 1. Februar
1914 an auf,
(18535so
Darmſtadt, den 3. September 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
Impftermin.
Dienstag, den 2. kommenden Monats, ſowie an den
folgen=
den Dienstagen, nachmittags 4 Uhr beginnend, finden in dem
Mädchenſchulhauſe, Beſſungerſtraße 67, öffentliche und
unentgelt=
iche Impf= u. Nachſchantermine für die Kinder des Beſſunger
Stadtbezirks ſtatt.
Impfflichtig ſind alle im vorigen Jahr geborenen, ſowie die
aus früheren Jahrgängen mit der Impfung im Rückſtande
ver=
bliebenen Kinder.
Ich mache noch beſonders darauf aufmerkſam, daß aus einem
Hauſe, in dem anſteckende Krankheiten, wie Scharlach, Maſern,
Diphtherie, Krupp, Keuchhuſten, Flecktyphus, roſenartige Entzündungen
oder die natürlichen Pocken herrſchen, die Impflinge zum allgemeinen
Termin nicht gebracht werden dürfen, und daß die Kinder zum
Impftermin mit rein gewaſchenem Körper und mit reinen Kleidern
gebracht werden müſſen.
Darmſtadt, den 28. Auguſt 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.
(18042soo
Steuerveranlagung für 1914.
Diejenigen hieſigen Einwohner, die im Laufe des Jahres ihr
ſeither betriebenes Gewerbe niedergelegt haben oder es vor Ende
März 1914 niederlegen oder an einen anderen abzutreten oder ſonſtige
Veränderungen im Gewerbebetrieb vorzunehmen beabſichtigen,
wer=
den hiermit aufgefordert, dies alsbald auf dem Stadthaus, Zimmer
Nr. 6, anzuzeigen, damit bei der bevorſtehenden Steuerveranlagung
darauf Rückſicht genommen werden kann.
(18125a
Darmſtadt, den 1. September 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
Bekanntmachung.
(18672oim
Die in dieſem Jahre ausgehobenen, in Darmſtadt wohnhaften
Rekruten und Freiwilligen haben ihre Geſtellungsbefehle in der Zeit
vom 10. bis 20. September ds. Js., von 8—12 Uhr mittags
und 3—6 Uhr nachmittags, beim Bezirkskommando I Darmſtadt,
Neue Niederſtraße 18, I., Zimmer Nr. 4, perſönlich abzuholen.
ie Erd=, Maurer= und Aſphaltarbeiten für das Offizier= und
Wirtſchaftsgebäude und das Familiengebäude der Fliegerkaſerne
L
auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt ſollen in einem Loſe
öffentlich vergeben werden.
Die Zeichnungen liegen in dem Neubaubüro der Fliegerkaſerne
auf dem Truppenübungsplatz Darmſtadt, Gebäude Nr. 1, Zimmer
Nr. 8, vormittags zwiſchen 9 und 11 Uhr, offen und können daſelbſt
eingeſehen werden, auch können die Verdingungsunterlagen von dagegen
vorherige poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung bezogen werden zum
(18667
Preiſe von 3,54 Mark.
Die ausgefüllten Angebote mit den dazu gehörigen Proben
ſind verſiegelt, poſt= und beſtellgeldfrei, mit der bezüglichen
Auf=
ſchrift verſehen, an vorgenanntes Baubüro bis 18. September 1913,
bis ſpäteſtens 10 Uhr vormittags, einzugeben, woſeibſt um dieſe
Zeit die Eröffnung erfolgt.
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
Militär=Bauamt Darmſtadt.
Gußaſphalt= und
Betonarbeiten.
Die Herſtellung von etwa 1000 qm
Gußaſphalt=Fahrbahn in der
Luiſenſtraße ſoll verdungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und
Be=
dingungen liegen bei dem
unter=
zeichneten Amte, Zimmer Nr. 4
zur Einſicht offen. Auch werden dort
die Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Freitag, 12. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
(18523so
reichen.
Darmſtadt, 5. September 1913.
Tiefbauamt.
J. V.: Heuſel.
Dampfleſſel
Einmachzweischen
ausgeſuchte, m. Stiel bill. (*7949oi hochſt., 5m Heizfl., gut erh., zu
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Firmit mäschthrilaut
[ ← ][ ][ → ]Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Nummer 210.
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Eiſenbahnminiſter und Poſts
beamtenwünſche.
* Aus Eiſenbahnkreiſen wird uns geſchrieben: Ein
eigenartiger Krieg, der nicht zur Ruhe kommen will,
herrſcht im Reiche der beiden Verkehrsgewaltigen in
Deutſchland, den Reſſorts des preußiſchen Miniſters der
öffentlichen Arbeiten und des Staatsſekretärs des
Reichs=
poſtamts. Es iſt ein kleiner, aber um ſo erbitterter
Bru=
derzwiſt zwiſchen den beiderſeitigen Aſſiſtentenklaſſen,
deren eine — die Oberpoſt= und Poſtaſſiſtenten — ein
An=
recht auf höhere Bewertung zu haben glaubt, und deren
andere — die Eiſenbahnaſſiſtenten, Oberbahnaſſiſtenten
und mit ihnen die ganze übrige mittlere
Eiſenbahnbeam=
tenſchaft — mit zäher Ausdauer an dem Grundſatz feſthält,
daß beide Kategorien gleichwertig ſind und deshalb
un=
bedingt gleich behandelt werden müſſen.
Für den Laien iſt es ſchwer, wenn nicht unmöglich,
zu entſcheiden, wer Recht und wer Unrecht hat, weil
ge=
rade in Beamtenfragen Vergleiche einzelner Rang= und
Gehaltsklaſſen eine genaue Kenntnis der in Betracht
kom=
menden Einzelheiten der Vorbildung, Ausbildung,
Prüf=
ung, dienſtlichen Beſchäftigung und ſonſtigen zu
berückſich=
tigenden Verhältniſſe vorausſetzen. Welche ungeheueren
Schwierigkeiten zum Beiſpiel die verſtärkte
Budgetkom=
miſſion des preußiſchen Landtages bei der letzten
Beſold=
ungsneuordnung, die auch gleichzeitig mit dem früheren
Wuſt der Beſoldungsverſchiedenheiten aufgeräumt hat
(leider noch nicht vollſtändig durchgreifend), gehabt hat,
davon macht man ſich kaum einen Begriff.
Der Bruderkrieg zwiſchen Poſt= und
Eiſenbahnbeam=
ten währt in ſeiner unverminderten Schärfe ſchon ſeit
langen Jahren, iſt aber erſt bei der Beſoldungsreform von
*1908/09 in das Stadium der öffentlichen Fehde getreten.
Man kann wohl ſagen, daß über dieſe Frage in der
beider=
ſeitigen Fachpreſſe und nicht zum wenigſten auch in der
Tagespreſſe aller Schattierungen ganze Bände geſchrieben
worden ſind. Die Frage hat, abgeſehen von der rein
be=
ruflichen Bedeutung für die beiden intereſſierten Klaſſen,
auch für die größere Allgemeinheit eine nicht zu
unter=
ſchätzende Rückwirkung, als es ſich um zwei der größten
Beamtenklaſſen handelt und daher ſchwerwiegende
finan=
zielle Argumente mit berückſichtigt werden müſſen. Der
preußiſche Eiſenbahnminiſter hat ſich — zweifellos im
Ein=
verſtändnis mit dem Finanzminiſter — offen auf die Seite
der Eiſenbahn= und Oberbahnaſſiſtenten geſtellt.
Die Poſtbeamten waren ſchon im Anfangsgehalt den
Eiſenbahnern um 150 Mark voraus Dieſe Differenz iſt
ſeit vorigem Jahre den Eiſenbahnaſſiſtenten im Wege der
„Zulage” nachgewährt worden, und wäre auch als reiner
Gehaltsteil zur Auszahlung gelangt, wenn man nicht
im preußiſchen Landtage aus gewichtigen Gründen (
Ver=
meidung von Präzedenzfällen) unter allen Umſtänden an
dem Bau der Beſoldungsordnung hätte feſthalten wollen.
Bekanntlich hat nun der Reichstag die inzwiſchen
Geſetz gewordene Beſoldungserhöhung für die
Poſtaſſiſten=
ten trotz des Widerſtrebens der Reichsregierung
durchge=
ſetzt und vom Reichsſchatzſekretär die Erklärung erhalten,
daß das Anfrücken der Poſtaſſiſtenten auf 3600 Mark „auch
ier her er eiertene gerhe ite hiten
Aenderung der Lage folgte eine amtliche Erklärung des
Eiſenbahnminiſters in einer dem
Eiſenbahnaſſiſtentenver=
band gewährten Audienz, wonach „die
Eiſenbahnaſſiſten=
ten darauf rechnen könnten, daß ſie vom 1. April 1914 ab
ebenfalls 3600 Mark Endgehalt erreichen würden‟. Da
dieſe Gleichſtellung nur im Wege des Geſetzes erfolgen
kann und ein Einverſtändnis zwiſchen Eiſenbahn= und
Finanzminiſter auf jeden Fall vorliegen muß, ſo iſt kaum
noch zu bezweifeln, daß man in Regierungskreiſen von
dem Standpunkte des unbedingten Feſthaltens an der
Be=
ſoldungsordnung — die bekanntlich vor 1918 nicht geändert
werden ſollte, abgekommen iſt. Daß der preußiſche
Land=
tag etwa gegen die Abſichten der Staatsregierung ſein
könnte, iſt nach den Erklärungen aller Parteien und den
unabläſſigen Vorſtellungen der mittleren
Eiſenbahnbeam=
ten um völlige Gleichſtellung mit den Reichspoſtbeamten
nicht anzunehmen, und ſo können die Eiſenbahnaſſiſtenten
die Tatſache buchen, daß ihnen der 1. April 1914 das aus
dringenden wirtſchaftlichen Gründen längſt Erſehnte und
Notwendige zuteil werden läßt.
Damit wäre der Bruderkrieg zum beiderſeitigen
Vor=
teil — denn jede Kategorie erhält die Aufbeſſerung auf
3600 Mark — aus der Welt geſchafft. Wenn die mittleren
Eiſenbahnbeamten ſich jetzt mit aller Macht gegen eine
nochmalige, völlig zweckloſe Neuaufrollung des
Bruder=
zwiſtes wenden, in dem Reichspoſtamt und
Eiſenbahn=
miniſter ſchon das letzte Wort geſprochen haben. ſo
wird man ihnen dieſes Recht nicht beſtreiten können.
Eiſen=
bahn und Poſt gehören zuſammen, nicht auseinander!
Sport, Spiel und Turnen.
* Lawn=Tennis=Turnier Baden=Baden. Der
vierte Taa hatte ſtark unter der Ungunſt der Witterung zu
leiden. Nur zwei Vorgabeſpiele, zwei wichtige Matches,
konnten zwiſchen 4 und 6 Uhr erledigt werden. In der
übrigen Zeit war es wegen des Regens nicht möglich zu
ſpielen. In der Schlußrunde des Damen=Einzel
er=
focht Frl. Salin=Frankfurt einen Sieg über Frau Lent=
Düſſeldorf, der nur im zweiten Satz beim Stande von 514
für Frau Lent kurze Zeit gefährdet erſchien. Im Herren=
Einzel ſiegte Grooß gegen OHara Murray 0:6, 611, 622
und kam damit in die Schlußrunde. P. Weil (*-15)
ſchlug A. P. Ford (—15) 64, 622. Frl. Galen (15½)
ſchlug Frau Pammert (15½) 6:5, 5.1, zurückgezogen.
Vermiſchtes.
* Ein Morgenbeſuch bei Liſzt. Liſzt pflegte bereits
um 4 Uhr des Morgens aufzuſtehen und einmal hat er in
aller Herrgottsfrühe einen ganz merkwürdigen Beſuch
gehabt. Er ſelbſt hat das drollige Abenteuer ſeinem
Schü=
ler Siloti, deſſen Liſzt=Erinnerungen in der Zeitſchrift der
Internationalen Muſikgeſellſchaft kürzlich veröffentlicht
wurden, mit folgenden Worten erzählt: „Einmal um
½6 Uhr morgens meldete mir mein Diener, daß zwei
Da=
men mich zu ſehen wünſchten; ich war in guter Laune und
empfing ſie troßz der frühen Morgenſtunde. Zwei große,
ſchlanke Engländerinnen traten ein. Jede hatte einen
Bädeker in der Hand. Sie ſagten, daß ſie auf der
Durch=
reiſe in Weimar wären und daß ihr Zug in einer halben
Stunde abginge, daß ſie aber Weimar nicht verlaſſen
könnten, ohne „Liſzt ſelbſt” geſehen zu haben. Ich
be=
dankte mich für ihre Liebenswürdigkeit. Sie ſahen
ein=
ander an und wollten mir offenbar etwas ſagen. „Was
wünſchen Sie?”
fragte ich. „Ah. Miſter Liſzt. wir möchten
ſo gern, daß Sie uns etwas vorſpielen. Sie zu hören,
würde ein großes Glück für uns ſein‟ „Mit Vergnügen.
Was winſchen Sie zu hörenkt Sie warfen einander Blice
zu und die ältere von beiden ſagte: „Das, was Sie am
beſten ſpielen.” Ich lachte, ſetzte mich aber ans Klavier
und ſpielte die chromatiſche Etude von Moſcheles. Als ich
fertig war, nickten die beiden beifällig mit dem Kopf
und=
ſagte einſtimmig: „Gut, ſehr gut, Sie ſpielen wirklich
gut!‟ Dieſer Beſuch fing ſchon an, mich zu beläſtigen,
Plötzlich zogen ſie ein dickes Album heraus und ſagten:
„Würden Sie vielleicht die Güte haben, hier Ihren
Na=
men einzuſchreiben?‟ Das gefiel mir ſchon nicht
mehr=
ich ſchlug es ziemlich trocken ab. Ich weiß nicht, was ſie
gedacht hatten, aber ſie ſagten zu mir: „Sie haben uns
wie es ſcheint, falſch verſtanden.” (Das waren Worte
die Liſzt nicht vertragen konnte.) Da ſchrie ich: „
Ichver=
ſtehe nie etwas falſch. Hier iſt ein Fenſter und eine Tüt
wählen Sie den beſten Weg, um hinauszukommen.
Sie ſtanden ſtill auf und gingen fort; ich lachte lange
nachdem ſie fort waren.”
V. Spitzner & Cie., Frankturt a. M., Üpernplatz 2.
Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die
Redaktion=
keinerkei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umſange der Einſender verantwortlich.)
Der Milchpreis.
Im Frühjahr ds. Is wurde in der Zweiten Stände
kammer von dem Abgeordneten Lutz u a, die intereſſant
Mitteilung gemacht, daß den Bauern für die Milch, die i
der Stadt bis zu 28 Pf. pro Liter koſte nur 10—14
gezahlt würden. Es wäre Sache der zunächſt intereſſierte
Kreiſe — hier alſo der Milchhändler — geweſen, dieſe B
hauptung zu widerlegen. Da man aber bisher vergebli
hierauf gewartet und ſich auch an dem Milchpreis, deri
Darmſtadt wohl durchweg 24 Pf. pro Liter beträgt, nid
das geringſte geändert hat, ſo wird es nunmehr Aufgal
des konſumierenden Publikums ſein, dieſe Frage indde
Oeffentlichkeit zur Diskuſſion zu ſtellen. Als der Mile
preis vor etwa zwei Jahren in relativ kurzer Zeit zwe
mal in die Höhe ging, hat man auf das damalige tröcken
Jahre 1911 verwieſen und das Publikum war einſichtt
genug, die damals herrſchende tatſächliche
Notlag=
der Bauern zu berückſichtigen und die Milchpreiserhöhun
der Händler als etwas unabänderliches hinzunehmen.
dieſem Jahre aber, wo es nach den übereinſtimmende
Berichten eine ganz ausgezeichnete Ernte gibt und ſich in
beſondere Heu und Grummet in ſo reichem Maße find
daß es den Bauern teilweiſe ſchon an Lagerraum mange
ſollte man annehmen, daß auch der Milchpreis bei weite
nicht mehr auf ſeiner jetzigen Höhe zu halten ſein kan,
Es ſei deshalb hiermit die Anregung gegeben, einmal ei
unparteiiſche Feſtſtellung über den Milchpreis vorzune
men, wie er einerſeits dem Produzenten gezahlt, andere
ſeits von den Milchhändlern gefordert wird.
Viellei=
darf auch erwartet werden, daß die Stadtverwaltung die
Frage einiges Intereſſe entgegenbringt.
NERL.BI
BRURMGH
SERDNED
ZiPELIG
LEIK
RENANVoH
MEG6URBAD
NOPEs
RATTSGUTT
ESENEs
Sind Sie gewandt?
Wir haben 10 Städtenamen ausgewählt u. deren
Buch=
ſtaben umgeſtellt. Können Sie die Löſung finden?
Verſuchen Sie es bitte. Wir haben etwas für Sie,
was wir Ihnen ſenden würden und was eine
ange=
nehme Ueberraſchung für Sie ſein dürfte. Sie
empfangen ein wertvolles Geſchenk bei der Sendung
vollſtändig koſtenlos beigepackt, falls Sie uns die
richtigen Städte=Namen ſowie Ihren Namen, Stand
und Adreſſe auf einer Poſtkarte mitteilen. Bitte
weder Briefmarken noch Geld einzuſenden.
Ver=
ſchieben Sie die Sache nicht! Wer zuerſt kommt,
mahlt zuerſt! Senden Sie Ihre Karte ſofort an:
Heriot-Company, Prämienabteilung,
Friedenau W 297. (VII,18669
Gründl. militäriſche
Aus=
bildung für junge Herren,
die zur Kavallerie eintreten
wollen.
(18320a
Reit- u. Fahr-Institut
Hügelſtr. 85:: Telephon 114.
Bände Meyers Konberſa=
20 tions=Lexikon, neueſte Aufl.,
1alte Geige, 1 Kinderliegewagen
zu verkaufen. Wo? ſagt die
Expedition d. Bl.
(*7857so
Kanervergralinigen.
diesbez. Kaution kann geſtellt werd,
B. Baer, Landwehrſtr. 18. (16007a.
Dr. Noeliner
iſt verreiſt; folgende Herren
werden ihn gütigſt vertreten:
Dr. Degen, Klappacherſtr. 1,
Dr. Göring, Mühlſtr. 64,
Dr. Gros, Riedeſelſtr. 21,
San.-Rat Dr. Habicht, Kaſinoſtr. 2,
Dr. Heper, Hügelſtr. 57, (*914o
Dr. Kayser, Hügelſtr. 6,
Dr. Köpke, Kiesſtr. 90.
Von der Reise zurück
Dr. Lorenz
Spezialarzt für Ohren=, Naſen=
und Halskrankheiten. (*7669fod
Von der Reise zurück
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Dre Roehs
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Friedrichstraße 19.
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Me anzüge aller Art werden
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abzugeben Müller & Ob.
Karlſtraße 30.
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2
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25
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(25
45
55
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(3286a
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Seite ſM.
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GEEE8
Nähere Auskunft an unseren Schaltern.
Meiner geſchätzten Kundſchaft zur Kenntnisnahme,
daß ich nunmehr in der Lage bin, die Aufträge in
kürzeſter Zeit zu erledigen.
(18184a
Günftige Gelegenheit
für Vereine, Reſtaurateure
Zimmerſchützengeſellſchaften etr.
Hochachtungsvoll
A. Pfirsch, Mech. Strumpfstrickerei,
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Hier iſt’s ſchön — o Gott! Die balſamiſche Luft!
Die friedliche Abgeſchiedenheit von aller Welt! — Hier
ausruhen dürfen vom Leben draußen!
Das wirſt und ſollſt Du, Kind, ſagte Zeſina mit
Nach=
druck, ordentlich feierlich. Dies iſt unſere Burg, über
de=
ren Schwelle nur kommen darf, wen wir einlaſſen wollen.
Sei willkommen als eine Drewensberg in Deiner neuen
Heimat.
Und „Willkommen” aus dem Herzen heraus ſagten
auch die alte Haushälterin Mine Köhler und ihr Mann,
der Gärtner, die ſchon wartend auf der Schwelle ſtanden
und vor Rührung ganz blanke Augen hatten.
Die Tür des Lindenhauſes war bekränzt, jedes
Zim=
mer mit duftenden Blumen geſchmückt, der Tiſch im
Gar=
tenſaal feſtlich gedeckt mit Wäſche und Geſchirr, die das
Drewensbergſche Wappen trugen, und aus der Küche
her=
auf duftete es nach friſchgebackenen Butterkrapfen.
So, nun mache es Dir bequem, ſagte Zeſina,
einſt=
weilen nimm mit der alten Einrichtung der Zimmer
vor=
lieb, bis Deine eigenen Sachen kommen. Ich wohne
drü=
ben im Anbau, Du brauchſt alſo nicht Sorge zu haben,
daß Dir die Zeſina allzu nahe auf dem Pelze ſitzt.
Kollege Hartkopf, Sie müſſen ſich in die Beletage
hinauf=
bemühen. Sie beſteht zwar nur aus zwei Giebelſtuben,
aber dafür haben Sie das Bewußtſein, ſich dem Himmel
um ſo näher zu befinden. Der junge Herr hat ſein
Pa=
radies neben ſeiner Mutti erhalten.
Und ein kleines Paradies war es in der Tat. Ein
entzückend eingerichtetes Kinderzimmer mit
wunder=
ſchönen weißlackierten Möbeln, auf denen von
Künſtler=
hand allerlei Szenen aus den Märchen gemalt waren; mit
einem weißen Bettchen, weißen Gardinen und weißen
Wänden, um die ſich als breiter Fries eine gemalte
Pro=
zeſſion von allen Tieren zog, die dem Kinde lieb und
intereſſant ſind. Ein peinlich ſauberes, kühles, reizendes
Neſtchen, das Heinis volles Entzücken hervorrief.
Er begann ſofort ſeinen Spielſchrank auszukramen,
und als er auch ſeine geliebtn Attalariſten und eine
„Faule=Greten=Kanone” fand, war die Seligkeit voll.
Plötzlich unterbrach er ſein Spiel und lief ſchnurſtracks
zur Tante Zeſina, die fortwährend nach ihrer Art halb
paradox, halb geſcheit plauderte, um Anita über
Beklom=
menheit und Heimweh hinwegzubringen.
Schenkſt Du mir das alles, Tante? fragte er.
Das ſchenkt Dir Deine Großmutter, Heini. Sie
ſel=
ber hat alles angeordnet und eingerichtet — eigentlich
ſoll ich es ja nicht ſagen.
Anita blickte freudig bewegt auf. Ihre Augen glitten
dankbar, wie liebkoſend durch das weiße Neſt. Aber ſie
iſt nicht hier! ſagte ſie leiſe, und ſie konnte es nicht
hin=
dern, daß es bitter klang. Vielleicht, wenn Heini gllein,
ohne die Mutter gekommen wäre . .
Mein liebes Kind, ein alter, kernfeſter Eichenſtamm,
wie mein lieber Vetter, Dein Schwiegerpapa, fällt nicht
auf den erſten Streich, und das Schickſal des Efeus, der
ſich um ihn gerankt hat, iſt unlöslich mit dem ſeinen
ver=
knüpft . . . Und dann, Kind, ſollen die alten Füße einen
Weg machen, der den jungen zu ſchwer dünkt?
Anita erwiderte nichts. Angeſichts des Beweiſes dert
Liebe der Großmutter an dem Enkel, wenn er ſich auch
nicht’ ans Licht der Oeffentlichkeit wagte, vermochte ſie
nicht ein Wort zu ihrer eigenen Verteidigung zu ſagen.
Heini lebt ſich raſch in die neuen Verhältniſſe ein
und ebenſo raſch wurde er zum Lieblina aller. Der alte
Schloß „Lindenhaus” war ein altertümlicher,
winkliger, keineswegs künſtleriſch harmoniſch
geſtal=
teter Bau, aber auf den erſten Blick anheimelnd.
Ehemals war es der Pachthof der Deewensburg
ge=
weſen und ſpäter erſt zum Ruheſitz für die Witwen
und ledigen Töchter und Söhne des Geſchlechtes
ausgebaut worden. Er verleugnete aber auch heute
noch nicht ganz ſeine ehemalige Beſtimmung, und das
trug nur dazu bei, ſein Ausſehen maleriſcher zu geſtalten.
Einem einſtöckigen Längsbau mit hohem Kellergeſchoß
und rotem, ſpitzen Ziegeldach war ein zweiſtöckiger
Quer=
flügel ziemlich unmotiviert angebaut. In der Ecke, wo
beide zuſammentrafen, befand ſich auf der Gartenſeite ein
laubenartiger Anbau, von dem aus eine hohe Stiege
di=
rekt hinunter in den Garten führte, einem echten
Natur=
park, ohne beſchnittene Hecken und ſorgfäktig friſierten
Raſen, aber dafür mit alten, ſchönen Bäumen, ſchattigen
Wegen durch dichtes Gebüſch, Beeten mit altmodiſcher
Blütenpracht und Graspartien, ſo blumig und üppig wie
eine fruchtbare Wieſe, auf dem eine große Schar Hühner
Heimatsrechte beſaß. Und dazu das ganze Haus mit
Efeu umſponnen, grüne Jalouſien vor den vielſcheibigen
Fenſtern und aus den hohen weißen Schornſteinen feiner
bläulicher Rauch in dünnen Streifen feierlich friedlich
emporſteigend. Anita atmete auf.
Wie wir vergeben unſern
Schuldigern
Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
41
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Seite 16.
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Tage ſagte er zu Mine Köhler und ihrem Mann, auch zur
Baroneſſe Zeſina, wenn er es irgend anbringen konnte:
Iſt er nicht gerade, wie ſein Vater war? Der hatte auch
ſo ein helles Licht in den Augen. Ach Gott, unſer Junker
Heinz!. Und dann mußte er das Taſchentuch ziehen,
denn die Tränen traten ihm in die Augen.
Hartkopf und die Baroneſſe ſtanden von Beginn an
gegenſeitig auf dem beſten Fuß, obwohl ſie oft
miteinan=
der ſtritten. Sie verkehrten überhaupt in einer häufig
ans Paradoxe grenzenden Form miteinander.
Gewöhn=
lich begrüßte Zeſina Hartkopf mit einem Zitat aus einem
klaſſiſchen Theaterſtück, dramatiſch in Sprache und Geſte,
worauf der alte Schauſpieler in derſelben Art antwortete.
Oder er ſchüttelte mißbilligend ſeinen Charakterkopf: Das
war nicht richtig, Baroneſſe, der Ton liegt auf einem
an=
deren Wort, und Sie verſchlucken wieder die Endſilben
— und dann dieſe Handbewegungen . . . ganz
dilettanten=
haft! Die Stelle muß ſo herausgebracht werden! — Und
er ſpielte ihr die Stelle vor, worauf ſie ihn lachend zu
kopieren verſuchte, was bei der kleinen, dicken Perſon
meiſt urkomiſch wirkte.
Wenn ich’s verſtanden hätte, dann hätte ich ja nicht
zu Kreuze zu kriechen brauchen, Herr Kollege, ſagte ſie.
Zu hungern hätte ich allenfalls ertragen, aber nicht, mich
auslachen zu laſſen. — Uebrigens bin ich aber durchaus
nicht Ihrer Meinung, daß die Stelle unbedingt ſo geſpielt
werden muß . . . Und es gab eine Auseinanderſetzung
zwiſchen ihnen, bei der ſie oft beide ganz rabiat wurden.
Viel mußte er ihr aus ſeinem Künſtlerleben erzählen.
Davon konnte ſie nie genug hören, und beſonders wenn
er Kuliſſenintrigen zum beſten gab und allerhand Ge=
Kähuſeans der Berſaltde Ainen, lehte rich bein
Spielen und Applauserhaſchen, ihre Eigenarten und
Ge=
wohnheiten, ihre Vorzüge und Schwächen — dann
amü=
ſierte ſie ſich köſtlich, und wenn man ihr dabei in die
glänzenden Augen ſah, konnte man in die Verſuchung
kommen, ihr einen boshaften Charakter zuzutrauen. Es
war aber nur das Vergnügen an ſcharfer, ungeſchminkter
Kritik, das aus ihr ſprach. Sie hatte den Trieb, aus der
äußeren Hülle immer den innerſten Kern herauszuſchälen
und bloßzulegen, ihre Mitmenſchen auszukleiden, zu
ſe=
zieren, bis ihr echtes Menſchentum unverhüllt zum
Vor=
ſchein kam, und das konnte ſie dann ebenſo begeiſtert
lie=
ben, wie rückſichtslos haſſen. Aber weil ſie erſt liebte oder
haßte, nachdem dieſe zerſetzende Arbeit hinter ihr lag,
waren dieſe Gefühle von unbedingter Dauer und
Zuver=
läſſigkeit bei ihr.
Das empfand keiner mehr als Anita Die einmal
er=
rungene Liebe der Tante Zeſina blieb ihr unentwegt treu,
eine Liebe, die keineswegs immer mit ſanften Händen
ſchmeichelte und ſorgſam alle Steine aus dem Wege
räumte, dafür aber unerſchrocken durch Dick und Dünn
mitmarſchierte
Anita fand, wie ſie es gewünſcht hatte, Ruhe,
Frie=
den, Stille im Lindenhaus, ja, wie ſie bald meinte, eine
allzu große Stille. Sie war nicht gewöhnt, müßig zu
gehen. Immer im Leben hatte ſie ein beſtimmtes
Ar=
beitspenſum zu leiſten gehabt, ihre Tage waren genau
ein=
geteilt geweſen, und jetzt hatte ſie plötzlich nichts zu tun
und ſollte zwecklos die Zeit vertrödeln.
Anfangs hatte ſie es als ein großes Glück empfunden,
ſich Heini ausſchließlich widmen zu dürfen; aber der hatte
bald herausgemerkt, daß es ſich in des alten Franz Ge=
ſencheſt in Sait dei Dunter, dei Mite Wöhter ir
Speiſekammer oder bei ihrem Mann im Garten unter !
Beerenſträuchern auch ſehr angenehm ſpielen und lel
ließ, und brannte ſeiner Mutter häufig durch. Und
dann eine Woche nach ihrem Einzug im Lindenhaus
Engländerin ihre Stelle als Heinis Erzieherin antrat,
angenehmes, feines Mädchen, dem ſich das Kind raſch
ſchloß. Da kam ſich Anita vollkommen überflüſſig vor, u
ſie klagte Hartkopf mit bitteren Tränen, nun ſei ſie d
bereits an die Seite gedrängt. Ihr Kind werde ihr r
fremden Menſchen ſyſtematiſch abwendig gemacht. We
nun noch, mit Heinis Eintritt ins ſchulpflichtige Alt
der Erzieher kommen würde, könnte ſie getroſt gehen, ol
eine Lücke in Heinis Leben zu hinterlaſſen.
Hartkopfs Hinweis, daß bezahlte Untergebene r
mals einen Erſatz für die Mutter bilden könnten, und i
Mutter nach und nach einen immer größeren Anteil
Daſein ihres Kindes den Anſprüchen der Welt opfe
müßte, nützte nichts. Sie vergrub ſich nur immer m
in ihren Kummer.
Zeſina mit ihren hellen Augen erkannte natürlich A
tas Gemütszuſtand und den Grund dafür. Und in ih
energiſchen Art ſetzte ſie ſofort ohne Zögern das Meſſer
die nach ihrem Ermeſſen ungeſunden Auswüchſe einer ü
triebenen Empfindſamkeit.
Willſt Du einen Drewensberg zum Mutterſöhnd
machen? fragte ſie Anita. Soll auf der Drewensburge
mal ein Herr ſitzen, der wie ein Spießbürger erzogen
und ſeiner Mutter am Schürzenband hängt? Wie kom
Du dazu, vor allen anderen Müttern eine Ausnahmeſte
zu beanſpruchen? Noblesse oblige, meine Liebel
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 210.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 8. September 1913.
Seite 15.
Aus
Darmſtadts Vergangenheit.!
Der Herr von Kranichſtein.
Wir werden in der Geſchichte der europäiſchen Höfe
ſergebens nach einem Fürſten ſuchen, in deſſen
Lebens=
zewohnheiten die Jagd einen ſo breiten Raum einnahm,
vie beim Landgrafen Ludwig VIII. von Heſſen. Er betrieb
ie mit einer ſolchen Leidenſchaft, daß es ſcheinen wollte,
ils ſei ſie ſein einziger Lebenszweck. Er liebte das Wild
ind die Jäger; für ſie hatte er ſtets ein offenes Ohr und
ine offene Hand. Die vielen Jagdbauten ſeines Vaters
vermehrte er noch um einige; ſo ließ er in der Umgebung
von Darmſtadt die Dianaburg im Meſſeler Wald errichten
ind das Griesheimer Haus in der Achſe der Scheppen Allee
rusbauen; beide ſind nicht mehr vorhanden. Auch in
Oberheſſen entſtanden auf ſeinen Befehl einige Jagdhäuſer
nd die vorhandenen wurden erweitert. Am Paradeplatz
u Darmſtadt ließ er den heute noch vorhandenen
Jagd=
narſtall errichten, damit er die zur Parforcejagd
notwen=
igen Pferde und Hunde ſchnell zur Hand habe.
Ludwig VIII. war mit Charlotte, der Erbgräfin von
5anau=Lichtenberg, verheiratet, und als dieſe nach kurzer
Ehe ſtarb, verlegte er ſeine Hofhaltung ganz in das
Jagd=
chloß Kranichſtein. Er erhielt im Volksmund dafür
ten Namen Herr von Kranichſte in. Hier
frachte er die größte Zeit ſeines Lebens in Geſellſchaft
einer Jagdgenoſſen zu. Zur Erledigung der
Regierungs=
geſchäfte erſchien er oft in der Stadt auf einem Gefährt,
as von einem gezähmten Hirſch gezogen wurde. Bei
feſt=
ichen Gelegenheiten beſtand dasſelbe aus einem Geſpann
von fünf Hirſchen und einem Pferd, auf dem der Leiter
des Ganzen ſaß. Sein Abſteigequartier war nicht das
Schloß, ſondern das Alte Palais am Markt, das er für
einen Sohn Georg Karl hatte erbauen laſſen. (Heute die
Kaufhäuſer Homberger und Rothſchild.) Das Schloß ſtand
verwaiſt, bis es ſeine Schwiegertochter Henriette Karoline,
die große Landgräfin, 1767 mit ihren Kindern bezog.
Die Hofhaltung Ludwigs zu Kranichſtein war einfach
ind eines Jägers würdig. Zu den Jagdgenoſſen kamen
ioch die Offiziere des 30 Mann ſtarken Kommandos vom
Zeibgrenadier=Korps, das in der Jagdkaſerne untergebracht
var. Die Grenadiere hatten ein bequemes Leben und wurden
lus der Hofküche gut ernährt, weshalb ſie im Volksmund
as Korps der Brühfleiſcheſſer hießen.
Die Zahl der Jagdbeamten war außerordentlich groß.
Da gab es den Oberjägermeiſter, Leiter der ganzen Jagd;
inen Forſtrat, einen Jägermeiſter, ferner Oberjäger,
Oberförſter, Beſuchsknechte, Faſanenmeiſter, Pürſchmeiſter,
Zeugmeiſter, Zeugknechte, Hofhühnerfänger, Hundeknechte,
Büchſenſpanner, Rüdenknechte, Faſanenjäger, viele
eitende Förſter, 17 Hofjäger, Piqueurs, Sattelknechte.
dundejungen und dergl. Wenn Ludwig zur Jagd nach
inem Jagdſchloß in Oberheſſen reiſte, begleiteten ihn
ge=
vöhnlich 90—120 Perſonen. Dieſer große Jagdapparat
verſchlang große Summen, denn der Landgraf knauſerte
zei der Jagd und den Jagdgenoſſen nicht. Sein
Ober=
ägermeiſter und rechte Hand bei allen
Jagdunternehmun=
gen, Freiherr von Minnigerode, bezog einen Gehalt von
2000 Gulden aus der Forſtkaſſe, 500 fl. aus der Jagdkaſſe,
nebenbei Fourage für drei Pferde, Koſt für einen Knecht,
30 Malter Korn, 15 Malter Gerſte, 1 Malter Erbſen, 30
Klafter Holz, 20 maſtfreie Schweine, 4 Fuder Wein, einen
Keuler (Wildſchwein), 1000 Gulden aus der Jagdkaſſe für
Akzidenzien nebſt freier Wohnung im Jagdhauſe zu
Darm=
ſtadt. Derſelbe war wegen ſeiner Strenge den
Holzfrev=
lern gegenüber beim Volke verhaßt, und er ſollte in der
Volksmeinung nach ſeinem Tode im Griesheimer Hauſe
ſpuken.
Ebenſo freigebig wurden die übrigen Jäger bezahlt.
Hatte einer von ihnen den Standort eines kapitalen
Hir=
ſches erſpäht, ſo mußte er unverzüglich Anzeige machen.
Er erhielt dafür einen Hirſchdukaten, die Ludwig eigens
für dieſen Zweck hatte ſchlagen laſſen. Auf der einen
Seite des Goldſtückes ſtand das Bild eines Hirſches mit
der Umſchrift: „Durch den Dukaten ward ich verraten!“
Auf den Hirſchgulden, die Ludwig zu demſelben Zweck
prägen ließ, war die Aufſchrift: „Ach, wir arme
Hörner=
träger, haben wider Willen Schwäger”. Auch Saudukaten
und =gulden gab es.
Ludwig pirſchte gewöhnlich auf Hirſche und Sauen.
Außer ihm durfte niemand dieſe Jagd ausüben. Des
Morgens in der Frühe und abends in der Dämmerung
zog er mit ſeinem Leibjäger und Büchſenſpanner hinaus
in den Wald, wo ein Hirſch beſtätigt worden war. Nur
Zehnender und ältere Tiere wurden erlegt.
Zur Herbſtzeit zog der Landgraf mit zahlreichem
Ge=
folge nach irgend einem Jagdſchloſſe in Oberheſſen. Dabei
wurde ein beſtimmter Turnus eingehalten, ſo daß er alle
drei Jahre in demſelben Schloſſe erſchien. Das
Jagd=
gefolge wurde in den vielen Nebengebäuden oder in den
umliegenden Dörfern untergebracht. Hier ging er täglich
zweimal auf die Hirſchjagd. Am Sonntag wurde nicht
*) Siehe Nr. 179 und 206 des Tagblatts.
gejagt; dafür erſchienen die Bauern mit ihren Frauen und
Töchtern im Jagdhauſe, wo der Nachmittag mit Spiel
und Tanz unter den Augen des Fürſten heiter zugebracht
wurde.
Auf einem Jagdwagen mit drehbarem Stuhl, der von
einem Pferde gezogen wurde, ſuchte der fürſtliche Jäger
die Brunſtplätze auf, wo er ſo manchem edlen Tiere mit
ſeiner Windbüchſe das Leben ausblies. Die Zahl der
Tiere, die Ludwig VIII. in ſeinem Leben auf ſeinen
Jagd=
zügen erlegte, iſt enorm. Die vielen Hirſchgeweihe in den
verſchiedenen Jagdſchlöſſern, beſonders in Kranichſtein,
geben Kunde davon.
An dem Orte, wo der Landgraf einen Hirſch ſchoß,
wurde zur Kenntnis der Nachwelt ein Pflock errichtet, wo
auf einer Tafel das Bild des Hirſches mit einer Inſchrift,
meiſt in holperigen Verſen, die große Jagdtat meldete.
Vor 50 Jahren waren ſolche Tafeln in unſeren Wäldern
noch ſehr häufig.
Alles, was die Jagd betraf, war an dem Hofe
Lud=
wigs in größter Ordnung. Von den Jagdrevieren
beſtan=
den Karten, auf denen alle Bäche, Lachen, Quellen, Wege,
Schneiſen, Felder, Wieſen und Wälder ſorgſam verzeichnet
waren. Die Wälder waren mit vielen Wegen (Schneiſen)
durchſchnitten, die mit peinlicher Sorgfalt gepflegt wurden.
Für das Jagdzeug, Waffen, Netze, Lappen und dergl.,
beſtimmte man beſondere Zeughäuſer und eine große
An=
zahl von Knechten widmeten deſſen Inhalt ihre Zeit.
Die Parforcejagd, die unter Ernſt Ludwig blühte, trat
bei ſeinem Sohne etwas in den Hintergrund. Sei es, daß
er deren große Koſten ſcheute, oder deren Grauſamkeit
ein=
ſah, übte er ſie nur bei beſonderen Gelegenheiten, bei
Hof=
feſten, fürſtlichen Beſuchen aus, wobei beſonderer Glanz
entfaltet wurde. So meldet die Chronik, daß der Fürſt
im Jahre 1744 bei Anweſenheit des römiſchen Kaiſers
Karl VII. eine ſolenne Parforcejagd in der Mitteldick bei
Trebur abhielt, die einige Stunden währte. Zum
An=
denken ließ er einen 4 Meter hohen Gedenkſtein errichten,
auf dem zu leſen war: „Karl VII., Römiſcher Kaiſer, hat
Anno MDCCXKIIIII den V. May — (folgt das Bild
eines mächtigen Hirſches) dieſen Hirſch par Force gejagt”.
Berühmt iſt die Parforcejagd, die der Landgraf im
Jahre 1740, den 10. März, in unſerer Gegend abhielt, die
ſich bis nach Stockſtadt am Rhein ausdehnte. Der gehetzte
Hirſch war vier Stunden gelaufen, überſetzte den
hart=
gefrorenen Rhein bei Stockſtadt, bis er bei Schmitthauſen
von den Hunden geſtellt und von dem Landgrafen, der
allen Jägern voraus war, erlegt wurde. Auf dem
Land=
deiche bei Stockſtadt ließ Ludwig einen Stein errichten,
ſpäter allgemein Herrnſtein betitelt. Auf demſelben las
man die Inſchrift: „Ludwig der acht — Und Fürſt zu
Heſſen — der Gott der Macht — Wird nie vergeſſen — Iſt,
wo ſteht dieſer Stein — Gegangen über den Rhein — So
lang ein Stein — von dieſem Stück — Leb Unſer
Durch=
laucht — Wohl in Glück!”
Bei Schmittshauſen, wo man das Land wieder betrat,
ſtand ein zweiter Stein mit der Inſchrift: „Den 10. Merz
1740 — ſeynt Euer=Hochfürſtlichen Durchlaucht
Lud=
wig VIII. — Regierenter Ferſt zu Heſſen=Darmſtadt auf
dahieſigem Eus zu Fues über den — Rhein gegangen
— und allhier aufs Land getreten.” (Die Steine ſtehen
jetzt noch.) — Das Vorrecht der Jagd koſtete den
Land=
grafen ein Heidengeld, das kaum zu erſchwingen war.
Waren die Finanzen des Landes unter der Jagdluſt Ernſt
Ludwigs ſchon arg zerrüttet, ſo nahm unter ſeinem Sohn
die Schuldenlaſt derart zu, daß ſie jährlich eine halbe
Mil=
lion Gulden an Zinſen erforderte. Das Land verarmte
und das Reichsgericht zu Wetzlar drohte ſogar mit
Exeku=
tion.
Rb.
Vermiſchtes.
* Die Totenliſte des Meeres. Nach einer amtlichen
Aufſtellung ſind in den fünf Jahren von 1907 bis 1911
zu=
ſammen 1431 Schiffe auf dem Meere in Vecluſt geraten,
wobei jedoch nur Fahrzeuge von mehr als 100 Tonnen
be=
rückſichtigt worden ſind. Die Tonnage der in Verluſt
ge=
ratenen Seeſchiffe zeigt die Neigung zu beſtändiger
Zu=
nahme: während im Jahre 1907 273 Schiffe mit zuſammen
408 328 Tonnen den Wogen zum Opfer gefallen ſind,
waren es im Jahre 1911 305 Schiffe mit nahezu 450000
Tonnen Gehalt. Intereſſant iſt der Tribut, den die
Flotte der verſchiedenen Länder zu dieſer Totenliſte des
Meeres zahlen muß. Im Jahre 1911 führt
Großbritan=
nien die traurige Liſte, deſſen Flotte in dem gedachten
Jahre 112 Schiffe verloren hat. In weitem Abſtande
fol=
gen Norwegen, Deutſchland und Japan, die 23, 20 und 20
Schiffe eingebüßt haben. Ganz anders aber ſtellt ſich das
Verhältnis, wenn man die Schiffsverluſte der
verſchiede=
nen Länder im Verhältniſſe zum Geſamtumfange ihrer
Handelsflotte berechnet. Da ſchneidet am ungünſtigſten
Japan ab, welches 2,32 v. H. ſeiner Flotte im Jahre 1911
eingebüßt hat. Es folgen Norwegen mit 1,67,
Großbritan=
nien mit 1,32. Italien mit 1,25, Frankreich mit 1,24 v. H.
und erſt an ſechſter Stelle in dieſer Liſte ſtoßen wir auf
unſer Vaterland, das nur 1,08 v. H. ſeiner Flotte ver=
loren hat. Dieſe Aufſtellung berechtigt daher zu der
An=
nahme, daß die deutſchen Seeſchiffe ſich im allgemeinen
durch große Seetüchtigkeit auszeichnen und von unſeren
Seeleuten vorſichtig und beſonnen geführt werden.
Literariſches.
— Die Landwirtſchaft im
Großherzog=
tum Heſſen. Rückblick auf die Tätigkeit der
landwirt=
ſchaftlichen Vereine von 1882—1906 und Bericht der
Land=
wirtſchaftskammer für das Großherzogtum Heſſen für die
erſte Wahlperiode 1906—1911. Erſtattet von dem
General=
ſekretär der Landwirtſchaftskammer, Großh. Oekonomierat
Ernſt Ludwig Leithiger, unter Mitwirkung des
üb=
rigen Beamtenkörpers der Landwirtſchaftskammer. Preis
3 Mk. (ohne Porto); erhältlich durch die
Landwirtſchafts=
kammer Darmſtadt. Das Werk bietet ein Bild und eine
kritiſche Würdigung des heutigen Standes der heſſiſchen
Landwirtſchaft und ihrer Entwicklung ſeit dem Jahre 1882.
Reichliches Zahlen= und Tabellenmaterial unterſtützt neben
graphiſchen Darſtellungen den textlichen Teil. Mit großer
Sachkenntnis und Sorgfalt iſt dieſes Standard=Werk der
heſſiſchen Landwirtſchaft von dem Beamtenkörper der
Landwirtſchaftskammer zuſammengeſtellt. Auf alle Fragen,
die mit der heſſiſchen Landwirtſchaft direkt oder indirekt
zuſammenhängen, wird der Leſer Aufklärung und
Ant=
wort erhalten. Jedem, ſei er als Volkswict zur
Kennt=
nis der Produktions= und Konſumptionsverhältniſſe
ver=
pflichtet ſei er als Landwirt vor die Notwendigkeit
ge=
ſtellt, ſich über wirtſchaftliche Fragen ſeines Berufes zu
unterrichten, wird das Studium des Weckes empfohlen.
Gottfried Doehler, ein Dichter, der es
weit mehr verdient, in immer weiteren Kreiſen bekannt
zu werden, als ſo manche moderne Scheingröße, feierte
am 25. Mai ſeinen 50. Geburtstag. Im Verlage von
F. A. Barthel, Leipzig, erſchien ein Sammelband unter
dem Titel „Lyriſche Ernte” (Preis 3 Mk. gebd.), der
mit dem Bild des Dichters geſchmückt iſt und die in erſten
Zeitſchriften und vielen Anthologiena zerſtreuten
Ge=
dichte mit den aus früheren Bänden ausgewählten und
zahlreichen, bisher ungedruckten vereinigt. Gottfr.
Doeh=
ler hat ſich mit ſeinen Werken, die von Freunden
gutdeut=
ſcher, gemütstiefer und geſunder Dichtkunſt hoch eingeſchätzt
werden, den Namen eines echten Volksdichters errungen.
— Aus unſeren Kolonien im fernen Oſten lautet der
Titel des ſoeben erſchienenen 8. Bändchens der im
Auf=
trage der Jugendſchriftenausſchüſſe von Karlsruhe und
Mannheim herausgegebenen Jugend= und Hausbücherei
Heim und Herd. Auch dieſes Bändchen erbringt
einen vollgültigen Beweis, daß die
Verlagsbuchhand=
lung von Moritz Schauenburg in Lahr (Baden) ihre
frü=
here Zuſicherung, dieſe Sammlung trotz des ſehr billigen
Preiſes von 1 Mk. immer mehr und beſſer auszugeſtalten,
getreulich erfüllt.
Neu erſchienene Broſchüren: Die
Herren=
konfektion in Darmſtadt und Umgebung, im Odenwald
und in der Bergſtraße. Von Handwerkskammer=
Syndi=
kus Engelbach in Darmſtadt. Abdruck aus dem Werke:
Die Heimarbeit im rhein=mainiſchen Wirtſchaftsgebiet.
Monographien, herausgegeben im Auftrage des
Wiſſen=
ſchaftlichen Ausſchuſſes der Heimarbeitsausſtellung
Frank=
furt a. M. 1908 von Profeſſor Dr. Paul Arndt. Dritter
Band, erſter Teil. Verlag von Guſtav Fiſcher in Jena.
1913. — Arterienverkalkung des Herzens und des
Ge=
hirns. Urſachen, Verhütung und Behandlung mit
beſon=
derer Berückſichtigung der Lähmungen und des
Schlag=
fluſſes. Von Dr. Honcamp und Dr. Walſer. 11.
Auf=
lage. Hof=Verlag von Edmund Demme, Leipzig. (50 Pfg.)
— Gicht, Rheumatismus, Hüftweh (Iſchias und
Zucker=
krankheit), Verhütung und naturgemäße Behandlung.
Gemeinverſtändlich dargeſtellt von Dr. med. Walſer.
6. Auflage. (1 Mk.) Hof=Verlag von Edmund Demme,
Leipzig. — Wie prüft man Kurszettel und Bilanzen?
Ein leichtverſtändlicher Führer und Lehrmeiſter für
ſorg=
ſame Kapitaliſten und alle Leſer der täglichen Börſen=
und Handelsberichte. Mit zahlreichen Beiſpielen
bear=
beitet von Ph. Ch. Martens, Handelslehrer. (16.
Tau=
ſend.) Preis 1 Mk. (Porto 10 Pfg.) Verlagsanſtalt Emil
Abigt, Wiesbaden 35. — Die ſteuerliche Ueberlaſtung des
deutſchen Haus= und Grundbeſitzes. Stenographiſcher
Bericht der Proteſtverſammlung vom 25. November 1912
in Berlin. Berlin 1912. Selbſtverlag des Verbandes
zum Schutze des deutſchen Grundbeſitzes und Realkredits
(E. V.), Berlin W., Taubenſtraße 44/45. — Vorteile für
die Landwirtſchaft, Forſtwirtſchaft, Obſtplantagen,
Baum=
ſchulen und für den Weinbau durch das Romperit C"
Sprengkultur=Verfahren der Dresdener Dynamitfabrik,
Dresden (gegründet 1882). — In Erwartung des
gro=
ßen Loſes. Was muß der Lotterieſpieler von der
preu=
ßiſch=ſüddeutſchen Klaſſenlotterie wiſſen? Ein
Nachſchlage=
werk für jeden Lotterie=Intereſſenten von E. Chriſt,
Meiningen. 1.—10. Tauſend. Preis 50 Pfg. 1912/13.
Verlag Joſ. C. Huber, Dieſſen vor München. — Knief,
G., Regierungsbeamter: Gemeinverſtändlicher Führer
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nicht verdecken. Vom modernen Kulturmenschen verlangt man tadellose Sauberkeit in erster
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[ ← ][ ]Seite 16.
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