Darmstädter Tagblatt 1913


28. August 1913

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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

n Gegenwart des Kaiſerpaares fanden geſtern in
Poſen die Einweihung der Kapelle im Reſidenzſchloß
und des renovierten Rathausbaues und abends Zivil=
diner
im Reſidenzſchloſſe ſtatt.
er bayeriſche Landtag iſt zu ſeiner zweiten Seſ=
ſion
auf Samstag, den 27. September, einberufen.
n Liegnitz und in Dohnau a. d. Katzbach fanden
Gedenkſeiern an die Schlacht an der Katzbach ſtatt.
er engliſche Botſchafter in Wien. Cart=
wright
, iſt zurückgetreten. An ſeine Stelle
tritt der Botſchafter in Madrid, de Bunſen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

ur Einweihung des Friedens=
paleiten

** Im Anſchluß an den 20. Weltfriedenskongreß
idet heute, Donnerstag, im Haag die Einweihung
sdort im Zergolikpark errichteten Friedens=
rlaſtes
ſtatt, für den der bekannte Philantrop und
illiardär Andrew Carnegie eine Summe von an=
rthalb
Millionen Dollars zur Verfügung geſtellt hatte.
er Gedanke an die Errichtung eines ſolchen Palaſtes
tſtand bald nach der erſten Friedenskonferenz, und
irnegie, der dafür intereſſiert worden war, trat mit der
lländiſchen Regierung wegen der Annahme einer den
zubeines Friedenstempels bezweckenden Stiftung in
erbindung. Am 30. Mai 1904 wurde die Stiftung per=
tlund
am 15. Auguſt 1905 ein internationaler Wett=
werb
für den Bau ausgeſchrieben; aus der großen Zahl
r eingegangenen Entwürfe erhielt derjenige des fran=
ſiſchen
Architekten Cordonnier den erſten Preis
d wurde auch zur Ausführung beſtimmt. Während der
eiten Friedenskonferenz, am 30. Juli 1907, fand die
rundſteinlegung ſtatt, die der Vorſitzende der
iedenskonferenz, der ruſſiſche Botſchafter Nelidow, voll=
Sechs Jahre hat der Bau gewährt, für den Holland
s. Grundſtück zur Verfügung ſtellte, und die übrigen
gaten Geſchenke aller Art beitrugen, Deutſchland z. B.
i Gartenzaun und Gittertore. Im flämiſchen Re=
iſſance
=Stil macht der Bau (von dem wir bereits in
198 unſeres Blattes eine eingehende Beſchreibung
pracht haben) einen vornehmen Eindruck und bildet ein
irdiges Heim für den hehren Zweck, dem er dienen ſoll.
i großen Sitzungsſaale wird ſich heute, um 2½ Uhr
chmittags, in Anweſenheit der Königin Wilhel=
ine
, des Stifters Carnegie mit ſeiner Gemahlin,
fremden Geſandten und anderer geladener Perſonen
Einweihung vollziehen, welcher am Tage darauf ein
rtenfeſt im Parke folgen wird.
Der Friedenspalaſt ſteht alſo vollendet da, der inter=
tionale
Schiedsgerichtshof hat nun ein eigenes Heim,
welchem die dritte Friedenskonferenz, wenn ſie in
em der nächſten Jahre zuſammentritt, tagen kann. Die
ten beiden Konferenzen haben ja noch manchen berech=
ten
Wunſch unerfüllt gelaſſen, wenn auch die Bedeu=
ig
des bereits Geleiſteten nicht verkannt werden ſoll,
mentlich iſt auf dem Gebiete der Humanität ſchon viel
chehen. Aber von der Verwirklichung des Gedankens
es dauernden Völkerfriedens ſind wir noch weit ent=
nt
, die Haager Beſchlüſſe, ſo beſtimmt ſie auch lauten,
den noch in keinem ernſtlicheren Falle einen Krieg ver=
dern
können, und weder im fernen Oſten noch im
iege Italiens mit der Türkei oder bei den letzten
lkankonflikten iſt auch nur der Verſuch gemacht worden,
Vorſchriften der Konferenzbeſchlüſſe zu erfüllen. Wir
llen wünſchen, daß der Ausbau des internationalen
iedenswerkes in dem eigenen Heim eine größere För=
ung
erfährt als bisher und damit die Stiftung Car=
zies
wirklich der ganzen Menſchheit zugute kommt.

Verabſchiedete Offiziere als
Kaufleute.

* Der Vorgänger des jetzigen preußiſchen Kriegs=
niſters
v. Falkenhayn, General v. Heeringen, hatte be=
ntlich
an die Handelskammern ein Rundſchreiben ge=
itet
, in dem er um möglichſt weitgehende Berückſichti=
ig
verabſchiedeter Offiziere bei der Beſetzung leitender
fmänniſcher und induſtrieller Stellungen bat. Dieſe

Anregung hatte, wie gemeldet, in kaufmänniſchen Kreiſen
Beunruhigung hervorgerufen und zu zahlreichen ſchrift=
lichen
Proteſten und Verſammlungsreſolutionen Anlaß
gegeben. Die Soziale Arbeitsgemeinſchaft
der kaufmänniſchen Angeſtellten, die in
Leipzig ihren Sitz hat, hatte ſich dagegen mit einer Ein=
gabe
an das Kriegsminiſterium gewandt, auf die
nunmehr nachſtehender Beſcheid ergangen iſt:
Für die freundliche Zuſendung der Eingabe vom
26. Juli 1913 ſpreche ich der Arbeitsgemeinſchaft meinen
aufrichtigen Dank aus. Die Eingabe gibt mir den er=
wünſchten
Anlaß, mich auch meinerſeits zu dem von mei=
nem
Herrn Vorgänger an die Handelskammern gerichteten
Schreiben zu äußern. Ich ſchicke voraus, daß das warme
Eintreten der Sozialen Arbeitsgemeinſchaft für ihre
Mitglieder mir von ihrem Standpunkt aus durchaus ver=
ſtändlich
iſt. Aber ich möchte glauben, daß die Eingabe
doch von unzutreffenden Vorausſetzungen ausgeht, und
daß daher die ernſten Befürchtungen, wie ſie in der Ein=
gabe
zutage treten, bei näherer Betrachtung ſich als nicht
ganz gerechtfertigt herausſtellen werden. Die Zahl der
verabſchiedeten Offiziere iſt im Verhältnis zur Zahl der
im Handel, in der Induſtrie und im Bankfach vorhande=
nen
Stellen nur gering. Bedenkt mam außerdem, daß von
dieſen Offizieren ein großer Teil im Staats= und
Kommunaldienſt Anſtellung, findet, daß ein anderer,
vielleicht noch größerer Teil auf Anſtellung weder
im Stcts= und Gemeindedienſt, noch im Privatdienſt
überhaupt Anſpruch macht, ſo ergibt ſich ein ſolches Ver=
hälinis
der beiden Zahlen, daß meiner Ueberzeugung
nach von einer merkbaren Herabminderung der Ausſicht
der von Anfang an in dieſen Betrieben tätigen Angeſtell=
ten
auf Erlangung beſſerer Stellungen weder jetzt noch in
Zukunſt wird geſprochen werden können. Die in jüngerem
Lebensalter und alſo meiſt ohne lebenslängliche Penſion
ausſcheidenden Offiziere müſſen hier, meines Erachtens,
überhaupt außer Beipacht bleiben, denn es iſt ganz ſelbſt=
verſtändlich
, daß dieſe in jedem von ihnen nach der Ver=
abſchiedung
gewählten Beruf wie alle anderen von der
Pike auf beginnen müſſen. Ein weiterer Grund, der die
kundgegebenen Beſorgniſſe als zu weitgehend erſcheinen
läßt, liegt darin, daß die verabſchiedeten Offiziere ſicher
nur dann in leitenden Stellungen Verwendung ſinden
werden wenn ſie ſich für ſolche Stellungen eignen. Keine
Betriebsleitung wird einen Angeſtellten nur deswegen in
eine wichtige und verantwortungsvolle Stellung einrücken
laſſen, weil er früher Offizier war. Einer ſolchen Täu=
ſchung
wird ſich wohl auch nur ſelten ein ehemaliger Offiſ=
eier
hingeben. Vorkommendenfalls wäre es gerade eine
der Aufgaben der am 1. April ds. Js. errichteten Aus=
kunftserteilung
, den Betreffenden rechtzeitig zu warnen
und vor Enttäuſchungen zu bewahren, Gerade dem fri=
heren
Offizier ſtellen ſich in ſeinem Streben, vorwärts zu
kommen, aanz beſondere Hinderniſſe in den Weg, zumal,
da er in Wettbewerb mit Männern treten muß, die dem
Beruf ſeit langen Jahren angehören. Die Bewerber auf
alle Schwierigkeiten hinzuweiſen, ihnen die Anforderun=
gen
, die ihrer warten. auseinanderzuſetzen, ihnen aber auch
nach Möglichkeit die Wege zu zeigen, auf denen ſis ihr Ziel
vielleicht erreichen, iſt als die weitere Aufgabe der Aus=
kunftsſtelle
in Ausſicht genommen, die keineswegs als
Vermittelungsſtelle im gewöhnlichen Sinne gedacht iſt.
Es war der Hauptzweck des an die Handelskammern ge=
richteten
Schreibens, Unterlagen zu erhalten, um ihr dieſe
Aufgabe zu erleichtern. Die eigenartigen Verhältniſſe des
Solkatenberufs zwingen vielfach auch beſonders tüchtige
und ſchaffensfreudige Männer oft wegen beſtimmter,
in anderen Berufszweigen aar nicht zur Geltung kommen=
der
Mängel (insbeſondere 1örperlicher Art) den Veruf
ohne auskömmliche Penſion in einem Alter aufzugeben,
in dem die Angſehörigen anderer Beruſe mitten in der
beſten Tätigkeit ſtehen. Deswegen halte auch ich es gleich
meinem Herrn Vorgänger für eine ernſte Pflicht des
Kriegsminiſteriums, nach Kräften dafür zu ſorgen, daß
die hierin liegendie Härte gemildert wird. und daß zu die=
ſem
Zwecke alle ſich bietenden Möglichkeiten ausgenutzt
werden, auch wenn jede einzelne nur einer geringen An=
zahl
von Offizieren zu weilerer Betätigung Gelegenheit
bieten ſollte. Und wie ich ſicher bin, daß das Kriegs=
miniſterium
in dieſem Beſtreben von weiten Kreiſen des
Volkes unterſtützt werden wird, ſo würde es mir bei der
Bedeutung der Sozialen Arbeitsgemeinſtchaft eine beſon=
dere
Freude ſein, wenn auch dieſe ſich entſchließen könnte,
ihre Bedenken beiſeite zu kaſſen und unter ihren Mit=
gliedern
im Sinne obiger Ausführungen aufklärend zu
wirken. v. Falkenhain.
Wie man aus dieſem Beſcheid des Kriegsminiſters
erſieht, zerſtreut er die Befürchtungen, daß die verabſchie=
deten
Offiziere in höherem Maße als ſchon bisher die
gehobenen Stellungen im Privatdienſt bekleiden ſollten,
und er macht kein Hehl daraus, daß junge Offiziere von
der Pikke auf wieder zu arbeiten haben, wenn ſie es im
Kaufmannsſtand zu etwas bringen wollen, und daß äl=
tere
und erfahrene Offiziere auch nicht etwa auf Grund
ihrer Offizierseigenſchaft in Stellungen hineinkommen,
ſondern nur, wenn ſie das Zeug dazu haben.

Der Rücktritt Cartwrights.

* Der engliſche Botſchafter in Wien,
Cartwright, iſt zurückgetreten. An ſeine Stelle
tritt der Botſchafter in Madrid de Bunſen. Der Geſandte
in Liſſabon Hardinge geht nach Madrid.

Die Voſſiſche Zeitung ſchreibt hierzu: Der Augenblick
des Raſtens nach zehnmonatiger Erregung zeichnet ſich
durch ſchleunigen Antritt von Urlaub, ſowie durch den
ſchleunigen Rücktritt von allerhand Diplomaten aus, de=
nen
man vorwirft, daß ſie ſich auf ihren Poſten nicht
bewährt haben. In dieſe Götterdämmerung, die ſich
durch die Flammenröte des Balkans ankündigt, wird
auch ein Botſchafter mit hineingezogen, der die Befähi=
gung
beſaß, in ſeiner ganzen Diplomatenlauf=
bahnnur
ein einziges Mal vonſich ſpre=
chen
gemacht zu haben. Es iſt dies der ſehr ehren=
werte
Sir Fairfax Cartwright, ſeit Dezember 1908 Vertre=
ter
Englands am Wiener Hofe. Es war juſt während der
ſchwierigſten Periode der deutſch=franzöſiſchen Marokko=
verhandlungen
von 1911, als Cartwright es für
angemeſſen erachtete, dem Mitarbeiter eines Wiener Blat=
tes
ſein deutſchfeindliches Herz auszuſchütten.
Er erzählte ihm, daß Deutſchland nur die Wahl habe
zwiſchen der Unzufriedenheit der Alldeutſchen und einem
Konflikt mit Frankreich. Englland bedauere, ja verurteile
entſchieden Deutſchlands Haltung. Nicht Frankreich, ſon=
dern
Deutſchland ſei zur Mäßigung zu ermahnen. Hinter
Deutſchlands Politik ſtehe nicht das deutſche Volk. Wie
1870 in Franlreich die Tuilerien, ſo regiere jest in
Deutſchland eine Clique. Die Tat von Agadir ſei von der
Umgebung des Kaiſers inſpiriert worden uſw.
Cartwright bekannte ſich einige Wochen ſpäter zur
Autorſchaft des Interviews, erklärte aber, den deutſchen
Kaiſer mit keinem Wort darin erwähnt zu haben; auch
ſonſt habe er ſo ſcharfe Wendungen nicht gebraucht und nur
das Verlangen der Alldeutſchen als übertrieben bezeichnet.
Zum Falle war Cartwright ſchon damals reif und wenn
er trotzdem erſt jetzt fällt, ſo liegt die Urſache darin, daß
die deutſch=engliſchen Beziehungen nicht derart waren, daß
man es in London für angebracht hielt, den groben Takt=
fehler
des Botſchafters durch ſeine Abberufung gut zu
machen.

Deutſches Reich.

Das zweite Geſchwader der Hochſſee=
flotte
und die kleinen Kreuzer haben am Mittwoch
vormittag die Ausreiſe zu den Manövern in der Nord=
ſee
durch den Kaiſer=Wilhelm=Kanal angetreten. Die
Panzerkreuzer haben den Weg um Skagen genommen.
Zum Werftarbeiterſtreik. Bei der Ver=
einigung
der Eiſeninduſtriellen und deren Arbeitsnach=
weiſen
in Stettin wurde am Dienstag abend folgender
Anſchlag angebracht: Nachdem für ſämtliche Arbeiter und
Kategorien in den drei Steltiner Werften die Erklärung
abgegeben worden iſt, daß ſie zur Wiederaufnahme der
AArbeit durch den vom Arbeitsnachweis angeforderten
Umfange bereit ſind, wird die Arbeiterannahme in den
Stettiner Werften am 27. Auguſt wieder geöffnet.
Automobilverkehr in Süd=Kamerun.
In Kribi wurde in Form einer G. m. b. H. die Süd=
kameruner
Laſtautomobil=Geſellſchaft mit einem Kapital
von 100000 Mark gegründet. In Ermangelung von Eiſen=
bahnen
will die Geſellſchaft den Perſonen= und Laſtenver=
kehr
, ſoweit das Wegenetz dieſes bisher ermöglicht, aus
dem Innern zur Küſte und umgekehrt durch Einrichtung
von regelmäßigen Automobilverbindungen organiſieren.
Da der Gouvernementsrat der Kolonie bei ſeinen letzten
Beratungen die Einſtellung von rund einer Million Mark
in den Haushalt für Ausbau des Wegenetzes im Süden
von Kamerun befürwortet hat, dürfte in den nächſten
Jahren mit einer weiteren Ausdehnung des Automobil=
verkehrs
zu rechnen ſein. Kribi iſt Hauptausfuhrhafen
für Kautſchuk im Süden der Kolonie. Von 21 Millionen
Mark für Geſamtausfuhr entfielen im letzten Jahre 9,5
Millionen Mark auf Kribi, während von Duala Produkte
im Werte von nur 6,8 Millionen Mark zur Ausfuhr ge=
langten
.
Der bayeriſche Landtag iſt durch könig=
liche
Verordnung zum 27. September einberufen. Der
Prinz=Regent ernannte zum erblichen Reichsrat den Gra=
fen
Fugger=Glött für die Dauer der zweiten Landtags=
ſeſſion
zum erſten Präſidenten der Reichsratskammer.

Ausland.

Frankreich.
Unterhandlungen franzöſiſcher und
deutſcher Banken in der Bagdadbahn=
angelegenheit
. Der Temps beſtätigt die Meldungen
deutſcher Blätter, betreffend die Unterhandlungen fran=
zöſiſcher
und deutſcher Banken in der Angelegenheit der

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Seite

armſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Augnſt 1913.

Nummer 201.

Bagdadbahn. Dieſe Verhandlungen werden gleichzeitig
in Berlin und Paris geführt. Rußland und England wer=
den
über den Gang dieſer Verhandlungen täglich auf dem
laufenden gehalten. Rußland ſagt der Temps hat.
ſeine Stellung zur Bagdadbahn bereits in Potsdam ge=
regelt
. England ſteht vor der Unterſchrift eines Abkom=
mens
, durch welches es auf die Strecke bis Bagdad ver=
zichtet
. Wir Franzoſen ſchreiten unſererſeits zu einer Li=
quidation
. Die großen Linien der Unterhandlungen ſind
ffolgende: Die ottomaniſche Bank tritt der Deutſchen Bank
ihren Aktienbeſitz an der Bagdadbahn ab. Die Deuſche
Bank gibt dieſe Aktien zurück und verzichtet zugunſten der
Franzoſen auf andere Eiſenbahnkonzeſſionen in der
Küſtenſtrecke des Schwarzen Meeres und in Syrien.
Deutſchland erhält auf ſeiner Strecke volle Freiheiten ohne
fremde Kontrolle. Frankreich wird in den erwähnten Ge=
genden
der deutſchen Konkurrenz entledigt. Das Abkom=
men
wird Reibungsurſachen zwiſchen den beiden Ländern
in Kriſetagen unterdrücken. Die neuen Arrangements
werden erſt endgültig nach vollkommener Verſtändigung
zwiſchen Paris, Petersburg und London und nach einem
vollſtändigen und wechſelſeitigen Abkommen der drei
Ententemächte mit der Türkei. Was die bevorſtehende
Ausgabe eines neuen türkiſchen Anlehens im November
in Paris betrifft, ſo bemerkt der Demps, daß dieſe Ange=
legenheit
auf alle Fälle der Regelung der Frage von
Adrianopel untergeordnet ſein werde
Das Militärflugweſen. General Bernard
der zur Verfügung des Kriegsminiſters geſtellt war, über=
mimmt
demnächſt die Leitung des Militärflugweſens, deſ=
ſen
Grundlagen das Parlament durch Bewilligung der
Kredite zu Beginn der außerordentlichen Seſſion ſicher=
ſſtelllen
wird. Bernard wird vor Wiederbeginn der Kam=
imerverhandlungen
diejenigen Maßnahmen prüfen und
vorſchlagen, welche geeignet ſind, dem Flugweſen eine den
(Umſtänden entſprechende Ausdehnung zu geben.
Belgien.
Die großen belgiſchen Manöver, an denen
24000 Mann teilnehmen, haben am Mittwoch begonnen.
Die rote Partei rückt von Marche, unweit der luxem=
burgiſchen
Grenze, nach Nordweſten vor und ſoll ein die
Neutralität des Landes verletzendes deutſches Heer dar=
ſtellen
. Ihm entgegen rückt von Thuin in der Provinz
Hainaut eine belgiſche Armee. Im Tal der Marche wird
es in der Umgegend von Bioul St. Gérard zur Ent=
ſcheidungsſchlacht
kommen. Die Leitung des Manövers
liegt in den Händen des Generalleutnants Ceuninca.
König Albert wird den entſcheidenden Schlußübungen
ivom 3. bis 5. September beiwohnen und in Dinant ſein
Hauptquartier aufſchlagen, wo auch der Sitz der Schieds=
gerichtskommiſſion
iſt. Beſonderes Intereſſe erregt in
militäriſchen Kreiſen die Teilnahme einer aus einberufe=
ner
berittener Zivilgarde beſtehenden Kavalleriediviſion,
die der mobiliſierten Garniſon von Namur zugeteilt wor=
den
iſt. Man will deren Brauchbarkeit für den Kriegsfall
prüfen.
Griechenland.
Die neue engliſche Marinemiſſion,
die am 7. September ihren Dienſt in Griechenland an=
ſtreten
ſoll, beſteht aus dem Chef der Miſſion, dem Konter=
ſadmiral
Mark Kerr, und 17 Offizieren, die verſchiedenen
Zweigen der Marine zugeteilt ſind. Die engliſchen Offi=
ziere
werden bei ihrem Eintritt in die griechiſche Marine
zu dem nächſt höheren Rang befördert. Der Kontrakt iſt
auf zwei Jahre abgeſchloſſen.
Serbien.
Kriſengerüchte. In den letzten Tagen ſind in
Belgrad Kriſengerüchte im Umlauf. Es verlautet, daß
Miniſterpräſident Paſitſch und mit ihm auch ſeine Stützen,
der Finanzminiſter und der Miniſter des Innern, zum

(Rücktritt entſchloſſen ſeien. Ueber die Beweggründe ſind
zwei Lesarten verbreitet. Nach der einen ſeien die drei
Miniſter und beſonders Paſitſch infolge der Anſtrengun=
gen
und Aufregungen der letzten Monate in hohem
Brade übermüdet und ruhebedürftig. Das iſt an ſich rich=
tig
. Auch würde er ſchwerlich einen beſſeren Abgang fin=
den
können, als im gegenwärtigen Augenblick. Es wird
aber auch erzählt, daß ſeine Amtsmüdigkeit auf angebliche
Unſtimmigkeiten zurückzuführen ſei, die zwiſchen der Re=
gierung
und den Militärkreiſen über die Art der Ver=
waltung
in den neuen Gebieten herrſchen ſollen. Die Mi=
litärkreiſe
halten eine feſte Hand und ein ſtrammes Regi=
ment
in den neuen Provinzen, namentlich für die näch=
ſten
fünf bis ſechs Jahre für unerläßlich, damit da nicht
wieder das Unkraut der nationaliſtiſchen Umtriebe auf=
ſchieße
und alles jetzt erreichte in Frage ſtelle. Die Re=
gierung
hingegen ſoll ein liberales Regime wünſchen,
damit die Neuſerben der Segnungen der neuen Aera in
tunlichſt weitem Umfang teilhaftig werden. Viele Ken=
ner
der Taktik Paſitſchs glauben aber, daß hier wieder
eines ſeiner Manöver vorliegt zur Ueberwindung irgend=
welcher
Schwierigkeiten.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Entgegen der Meldung aus Waſhington, daß man Lind
nicht zurückberufen werde und er nicht beabſichtige, Mexiko
zu verlaſſen, wird mitgeteikt, daß Lind am Dienstag nach
Veracruz abgereiſt iſt, um ſich ſogleich nach den Ver=
einigten
Staaten zu begeben. Mit dem Bahnzuge, mit
dem Lind nach Veracruz reiſte, ſind auch zahlreiche Ame=
rilaner
abgefahren. Das Geſuch Huertas an den Präſi=
denten
Wilſon, die Verleſung der Botſchaft um einen Tag
zu verſchieben, wird als ein Anzeichen für ein Kompromiß
ſeitens Linds oder Wilſons aufgefaßt, welches ſchließlich
die Beilegung des Streites ermöglichen könnte. Die von
den Vereinigten Staaten Huerta übermittelten For=
derungen
ſind: 1. Einſtellung der Feindſeligkeiten, 2. Vor=
nahme
einer allgemeinen Präſidentenwahl ohne Druck
auf die Wähler, 3. Huerta verpflichtet ſich, ſeine Kan=
didatur
fallen zu laſſen, 4. die beiden Parteien erkennen
ohne weiſteres das Reſultat an.
Südafrika.
Eine Buren=Revolution in Sicht? Die
ſeit längerer Zeit wegen der Gegenſätze zwiſchen Botha
und Hertzog beſtehende Spaltung in der nationalen Par=
tei
tritt in eine neue Phaſe ein. Die Anhänger Hertzogs
entwickeln eine bedeutende Propaganda und große Ener=
gie
. In dieſer Woche ſind zwei gleichzeitige Verſammlun=
gen
im Diſtrikt Ruſtenburg beabſichtigt. Die Reſte der al=
ten
Krügerpartei, die jetzt Hertzogs Anhänger ſind, ſuchen
den Gegenſactz zwiſchen den beiden Führern noch weiter
zu verſchärſen. Die Partei Hertzogs beſteht auf dem Rück=
tritt
Bothas und droht, wenn Botha nicht friedlich geht,
mit Gewalt. Nach zuverläſſigen Meldungen kaufen die
Buren anormale Mengen Munition. Kenner der Ver=
hältniſſe
betrachten eine revolutionäre Bewegung als un=
vermeidlich
, wenn Botha den Rücktritt verweigert.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 28. Auguſt.

* Ordensverleihungen. Die Erlaubnis zur An=
legung
nichtpreußiſcher Orden wurde erteilt: des Kgl.
Bayeriſchen Militär=Verdienſtordens zweiter Klaſſe: den
Generalmajoren Clifford Kocg v. Breugel,
Kommandeur der 25. Kav.=Brig. (Großh. Heſſ.), v. R an=
dow
Kommandant von Darmſtadt; des Offizierkreuzes
desſellben Ordens: dem Oberſten v. Helldorff. Kom=
mandeur
des Leib=Garde=Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 115; der vierten Klaſſe desſelben Ordens: dem Haupt=
mann
v. Oidtman, den Oblts. Frhrn. Gans Edler Herr
zu Putlitz, v. Wachter, den Lts. v. Bomhard,

Heinr. Scanzoni v. Lichtenfels, Baron vonde
Recke, von den Brincken, Friedr. Karl v. Wa
ter, ſämtlich in demſelben Regiment, dem Rittmeiſt
v. Harnier, dem Oblt. Frhrn. v. Biſſing, den Lt
v. Enkevort, v. Linſingen, v. Moßner, vo
Fiſſcher, ſämtlich im Garde=Dragoner=Regt. (1. Groß
Heſſ.) Nr. 23, dem Oblt. Ludwig Riedeſel Frhrn.
Eiſenbach, dem Lt. v. Iſſendorff, beide im Lei=
Dragoner=Regt. (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24; des Kgl. Bay
riſchen Militärverdienſtkreuzes erſter Klaſſe: dem Obe
muſikmeiſter Hauske im Leib=Garde=Inf.=Reaimer
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115.
Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr.
vom 27. Auguſt, hat folgenden Inhalt: 1. Ueberſic
über die in den Gemeinden des Kreiſes Heppenheim
erhebenden Umlagen und beſonderen Ausſchläge
Rechnungsjahr 1913. 2. Ueberſicht über die in den G
meinden des Kreiſes Friedberg zu erhebenden Gemeind=
ſteuern
für das Rechnungsjahr 1913. 3. Ueberſicht üb
die in den Gemeinden des Kreiſes Alzey (Finanzamt
bezirk Birgen) zu erhebenden Gemeindeſteuern für d
Rechnungsjahr 1913. 4. Ueberſicht der von Großh.
niſterium des Innern für das Rechnungsjahr 1913.
Beſtreitung der Gemeindebedürfniſſe der iſraelitiſche
Religionsgemeinden des Kreiſes Groß=Gerau genehmigte
Umlagen.
g. Kriegsgericht. Dem mit Weißbinderarbeitenh
den Neubauten der Fliegerkompagnie aufen
Griesheimer beſchäftigten Simmermacher kam a
Juni ſein in der Halle abgeſtelltese
Rad abhanden, ohne daß eine Spur davon entde
werden konnte. Die von zwei ebenfalls auf der Fliege
ſtation beſchäftigten Schloſſern gemachten Ausſagen lenkt
den Verdacht auf den zur Fliegertruppe kommandiert
Unteroffizier Heinrich Hermann Backhaus vom
fanterie=Regiment Nr. 78 in Osnabrück, der ſchließlich z
Anklage gegen ihn führte. Der Schloſſer ſagte beſtim
und unter ſeinem Eide aus, daß er zwiſchen 5 und ½6
an dem fraglichen Samstage, an dem der Diebſtahlepe
ſierte, den Angeklagten erkannt habe, als er mit eine
neuen Rade vom Lager nach der Chauſſee zu fuhr=
habe
den Angeklagten bereits vorher einigemale geſehe
aber nicht in ſeiner Regimentsuniform. Deshalb habe
ſich dafür intereſſiert, welchem Regiment er angehör
Er habe deutlich die weiße Achſelklappe mit der Ziffer
erkannt. Die Zeit ſei ihm darum in Erinnerung, weil
Maurer, die um 5 Uhr Feierabend machen, ſchon
waren, während er um ½6 Uhr Feierabend hatte.N
dieſer Zeit ſei er nicht mehr dort geweſen. Dieſe Ausſa
wird im weſentlichen von einem 15jährigen Schloſſ
lehrling unbeeidigt beſtätigt; dieſer hatte den Angeklag=
auf
dem neuen Rade ebenfalls erkannt, aber von ein
anderen Standpunkt aus. Backhaus ſtellt ganz entſchier
in Abrede, daß er an dem Tage Rad gefahren ſei. Er
bis 5 Uhr 20 Minuten etwa beim Appell geweſen
habe ſich dann umgezogen, um mit der Dampfbahn
Darmſtadt zu fahren. Er kann dieſes Alibi auch du
Kameraden, den Bahnſchaffner, mit dem er einige W
wechſelte, und einem Angeſtellten ir? Hallenſchwimmb
beſtätigen. Der Beſtohlene hatte das Rad erſt am T
vorher für 130 Mark gekauft. Der Anklagevertreker
achtete den Beweis des Diebſtahls für erbracht und be=
tragte
gegen den Angeklagten, da er bisher noch unbeſt
iſt und ein tadelloſes Vorleben hat, 3 Wochen=G
fängnis Degradation und Verſetzung in die zu
Klaſſe des Soldatenſtandes. Der Verteidiger des A
klagten hält einen Irrtum des Schloſſers und des L
lings trotz der beſtimmten Ausſagen für möglich und=bi
zu berückſichtigen, daß dem Angeklagten nach den einwa
freien Zeugenausſagen keine Zeit zur Verübung des D.
ſtahls bezw. zum Beiſeiteſchaffen des Rades gegeben
Das Gericht erkannte in ſeinem Urteil auf Fr
ſprechung, da das Alibi einwandfrei nachgewieſen
Der im Oktober 1911 eingeſtellte Musketier Valer
Diefenbach von Griesheim wurde wieder am 23.
tober 1911 zur Dispoſition der Erſatzbehörden entla
Er hatte nun bereits im Vorjahre verabſäumt, ſei=
Aufenthaltsort anzugeben. Er gab damals an, et
darüber nicht unterrichtet geweſen. Dies wurde ihm
geglaubt und ihm eine eingehende Belehrung ert=
Trotzdem zog Diefenbach wieder im Lande mit ei
Karuſſellbeſitzer herum, ohne ſeinen Aufenthaltsort
zumelden. Es konnte ihm darum nicht der Befehl
Hauptgeſtellung 1913 zugeſtellt werden. Er wurde
18. Auguſt in Ober=Ramſtadt von einem Gendarm fe=

Sternenhimmel.
Planeten. Jupiter.
Von Joſeph Lößer.

II.
Jupiter, der gewaltige, rieſenhafte Weltkörper, der
größte der Planeten, den acht Monde umkreiſen, von den
Griechen bisweilen Phaeton, der Leuchtende, von den
Aegyptern Oſiris, von den Indern Brihaspati (Herr des
Wachſens) genannt, ſoll uns hier vorzugsweiſe beſchäfti=
gen
. Er kommt an Helligkeit gleich nach der Venus, dem
herrlichen Abend= und Morgenſtern, obgleich er mehr als
ſiebenmal ſo weit von der Sonne entfernt iſt und in ſeiner
größten Nähe zur Erde noch mehr als doppelt ſo weit von
dieſer abſteht wie Venus bei größter Entfernung. Dies
rührt eben hauptſächlich von ſeiner Größe her. Goethe
zeichnet ihn aus mit den Verſen:
Und Jupiter bleibt doch der ſchönſte Schein,
Saturn iſt groß, dem Auge fern und klein.
Für Wallenſtein in Schillers Tragödie iſt er der Stern des
Glückes, des Erfolges. Der Dichter läßt ihn ſagen:
Nicht Zeit iſt’s, mehr zu brüten und zu ſinnen,
Denn Jupiter, der glänzende, regiert
Und zieht das dunkel zubereitete Werk
Gewaltig in das Reich des Lichts. Jetzt muß
Gehandelt werden, ſchleunig, eh’ die Glücks=
Geſtalt mir wieder wegflieht überm Haupt.
Dann an anderer Stelle:
Und dahin ſteht der Jupiter. Doch jetzt
Deckt ihn die Schwärze des Gewitterhimmels!
Mir däucht, wenn ich ihn ſähe, wär’ mir wohl.
Es iſt der Stern, der meinem Leben ſtrahlt,
Und wunderbar oft ſtärkte mich ſein Anblick.
Auch aus Theklas Erzählung von dem aſtrologiſchen Turm
wäre hier anzuführen:
Ganz in der Mitte glänzte ſilberhell
Ein heitrer Mann, mit einer Königsſtirn,
Das iſt der Jupiter, des Vaters Stern
Und Mond und Sonne ſtanden ihm zur Seite.
Unſer Planet ſteht eben im Sternbild des Schützen; ſeine
tägliche Bahn ſtimmt alſo ungefähr mit derjenigen über=

ein, welche die Sonne zu Anfang des Winters zurücklegt;
er ſteigt folglich nicht hoch, ſo daß er, wenn er ſeinen Höchſt=
ſtand
, alſo den Himmelsmeridian von Darmſtadt erreicht,
nur etwa 17 vom Südpunkte abſteht. Das beeinträchtigt
natürlich ſeine Helligkeit. Ende Auguſt geht er etwa um
12 Uhr, Mitte September ungefähr um 11 Uhr unter. Die
Sonne verſchwindet in dieſen Tagen unter dem Horizont
ſchon um 6¾4 bezw. 6¼ Uhr, ſo daß Jupiter anfangs zwi=
ſchen
6¾ und 12, dann zwiſchen 6½ und 11 Uhr zu ſehen
ſein wird, klarer Himmel ſelbſtverſtändlich vorausgeſetzt
Ende Auguſt geht er etwa um 4, am 15. September un=
gefähr
3 Uhr nachmittags auf, alſo noch im Tageslicht.
Im Himmelsmeridian von Darmſtadt erſcheint er in der
Hälfte der Zeit zwiſchen Auf= und Untergang, alſo Ende
Auguſt um 8, Mitte September um 7 Uhr abends, wenn
alſo die Sonne bereits 1½ bezw. ¾ Stunden zur Neige
gegangen iſt. Dieſem Verlauf liegt zu Grunde, daß Ju=
piter
in dem in Rede ſtehendem Zeitabſchnitt von einem
halben Monat zu den Fixſternen eine feſte, unveränderte
Lage beibehält; eine Möglichkeit, die ja ſchon erörtert wor=
den
iſt. Seine Rektaſzenſion bleibt 278% 450
Jupiter bewegt ſich in einer faſt kreisrunden Bahn
um die Sonne, im Mittel 777000000 Kilometer von ihr
entfernt, alſo etwa 5,2mal ſo weit wie die Erde. Dieſen
Umlauf bewirkt er in 11 Jahren 315 Tagen. Das iſt das
Jupiterjahr, welches alſo nahezu 12mal ſo lang iſt als
das Erdenjahr. Die Bahn iſt gegen die Ekliptikebene nur
um 1 18' geneigt. Faßt man die Stelle der Ekliptik ins
Auge, wo die Sonne zu Anfang des Frühlings ſteht
das fand im laufenden Jahre am 21. März ſtatt und
rechnet von da auf der Ekliptik von Weſt nach Oſt 990 ſo
entſpricht dieſer Punkt der Stelle, wo Jupiter ſich über
die Ekliptikebene erhebt; 180 weiter erhält man den
Punkt, der ſeinem Durchgang durch dieſe Ebene in ſüd=
licher
Richtung entſpricht.
Ereignet es ſich bei den Bewegungen von Erde und
Jupiter um die Sonne, daß erſtere zwiſchen dieſe beiden
zu ſtehen kommt, daß alſo eine vom Jupiter nach der Erde
gezogene gerade Linie in ihrer Verlängerung die Sonne
trifft, ſo ſteht er uns beſonders nahe; er hat dann von der
Erde im Mittel einen Abſtand von (777 149) Millionen
628000 000 Kilometer, nämlich Differenz der mittleren
Abſtände von Jupiter und Erde von der Sonne. Befindet
ſich Jupiter aber in der Verlängerung der Linie
Erde-Sonne, ſo iſt er beſonders weit von uns entfernt,

im Mittel (777149) Millionen 926 000000 Kilom=
Die extremſten Entfernungen zwiſchen Erde und Ju
ſind 587000 000 Kilometer (Erdnähe) und 959000000
meter (Erdferne).
Der gewaltige Jupiterkörper dreht ſich auch in 9E
den 56 Minuten um ſich ſelbſt; ſo kurz, nicht ganz 10E
den, iſt alſo dort der Tag. Die Drehungsachſe iſt=
Bahnebene unter einem Winkel von 86 34 geneig
daß ſein Aequator mit dieſer Ebene einen Winkel
90% 86 34 3% 26 bildet. Der Aequatordurchn.
iſt übrigens weſentlich größer als der Durchmeſſer
Drehungsachſe (Polardurchmeſſer); jener hat 143750
meter, dieſer mißt 9000 Kilometer weniger. Jupite=
alſo
bedeutend ſtärker abgeplattet als die Erde. Ir
Erdnähe bietet der Aequatordurchmeſſer einen Sehn=
von
51 in der Erdferne einen ſolchen von 31. Dane
die geringe Ausdehnung des Jupiterſcheibchens für
unbewaffnete Auge zu beurteilen. Nach den ange
nen Maßen iſt Jupiter 1280mal ſo groß wie die
doch hat die Sonne einen noch 1000mal größeren R
inhalt als Jupiter.
Die klimatiſchen Unterſchiede der Jahreszeiten
auf dem Jupiter nur wenig ausgeſprochen, da dieſe h
ſächlich von der Neigung des Aequators des Planet
ſeiner Bahn um die Sonne abhängen; je größe
Neigungswinkel beider, deſto bedeutender jene 1
ſchiede. Bei der Erde beträgt derſelbe 23% 27 bein
Die Ta
piter, wie ſchon angegeben, nur 3 26'
dem langen Jupiterjahr würden hiernach viel gleicht
ger verlaufen wie die Erdentage, wobei vielleicht
noch der Umſtand mitwirkt, daß ſich der Jupitertag
ſchnittlich in rund nur 5 Stunden Tageslicht und 5
den Nacht teilt und daher keine ſo großen Tempe=
unterſchiede
aufkommen läßt.
Wenn auch Fupiter 1280 mal ſo groß iſt wie die
ſo hat die auf den Geſetzen der Maſſenanziehung fu
Berechnung doch nicht dasſelbe Verhältnis hinſi
hrer Maſſen ergeben; Jupiter hat nämlich nur 310
ſo viel Maſſe wie die Erde, er iſt weniger dicht wie
316
ſeine Dichte beträgt nur 1586 rund ½ derjenige
Erde. Letztere iſt 5,6 mal ſo groß wie die desWe
ſo daß die Dichte des Jupiters mit 14 anzuſetzen iſt
es würde 1 Kubikzentimeter des Jupiterkörpers im
ſchnitt auf der Erde 1,4 Gramm wiegen. Von ird

[ ][  ][ ]

kommen, wo er am 12. Auguſt Arbeit an einer Dreſch=
naſchine
angenommen hatte. Das Gericht verurteilte ihn
vegen erſchwerter unerlaubter Entfer=
rung
zu 43 Tagen Gefängnis abzüglich 1 Woche
ſer Unterſuchungshaft.
* Von der Techniſchen Hochſchule. Dem Privat=
ozenten
für allgemeine Chemie an der Techniſchen
ochſchule Dr.=Ing. Johannes D’Ans wurde vom
Verbande zur wiſſenſchaftlichen Erforſchung der deut=
chen
Kaliſalzlagerſtätten zur Förderung der Arbeiten
von van’t Hoff über ozeaniſche Salzablagerungen ein
Betrag von 1000 Mark überwieſen.
* Der zweite Direktor der Landes=Hypothekenbank,
derr Dr. Freſenius, iſt, wie wir erfahren, von der Reichs=
Kkolonialverwaltung unter etwa 70 Bewerbern auser=
pählt
worden, um in Windhuk eine Landes= Hypo=
hekenbank
für unſere Kolonien zu errichten. Wenn die
och ſchwebenden Verhandlungen zum Abſchluß gelangt
ind, was ſtündlich zu erwarten iſt, dürfte die Ueber=
jedelung
Dr. Freſenius baldigſt erfolgen.
* Die Großh. Zentrale für Mutter= und Säug=
ingsfürſorge
in Heſſen hat beſchloſſen, ihre Wander=
usſtellung
Das Kind wegen des ſtarken, fortgeſetzt
ligenden Beſuchs noch weitere 3 Wochen, bis Mitte
Sptember, in Darmſtadt zu laſſen, und möchten wir
lle, die ſie noch nicht beſucht haben, noch einmal darauf
ufmerkſam machen. In der letzten Zeit kamen beſon=
ers
viel Touriſten und Fremde, ſowie Vertreter aus=
bärtiger
Säuglingsanſtalten, die die Ausſtellung ein=
hend
beſichtigten und ihre praktiſche, überſichtliche An=
rdnung
ſehr rühmten. Die neu hinzugekommene, aus
ner alten Kiſte hergeſtellte Wickelkommode mit
ner vollſtändigen Babyausſtattung dürfte auch manche
er früheren Beſucher noch intereſſieren.
D Ortsſchnelldienſt und Eilabholungsdienſt. Die
on der Reichs=Poſt= und Telegraphenverwaltung ſeit
em 1. April 1911 getroffenen Einrichtungen des Orts=
hnell
=und Eilabholungsdienſtes ſind in weiten Kreiſen des
zublikums noch nicht genügend bekannt geworden. Es
ird deshalb auf die Vorteile der neuen Betriebsein=
ichtungen
erneut aufmerkſam gemacht. Der Ortsſchnell=
enſt
iſt dem Telegraphenamt übertragen; er umfaßt
e Abholung und unmittelbar daran anſchließend
ie Beſtellung einer gewöhnlichen Briefſendung ( Poſt=
irte
, Druckſache, Warenprobe) innerhalb der Stadt in
er Zeit von 6 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. An Ge=
ühren
werden erhoben: für die Eilabholung und gleich=
itige
Beſtellung einer Sendung 50 Pfg.; für jede
eitere Sendung für denſelben Empfänger 10 Pfg.
ehr; bei der gleichzeitigen Eilabholung und Beſtellung
n zwei Sendungen an zwei verſchiedene Empfänger:
r die erſte Sendung an den erſten Empfänger 50 Pfg.,
r die Sendung an den zweiten Empfänger 30 Pfg.,
r eine von dem Boten dem Abſender etwa zurückzu=
ingende
Antwort des Empfängers oder bei nachträg=
her
Zurückziehung eines Auftrags, ſofern der Bete
en Weg zum Auftraggeber inzwiſchen bereits ange=
ten
hat, je 25 Pfg. Die Antwort kann auf Ver=
ngen
des Auftragebers, falls dieſer einen Fernſprech=
ſchluß
beſitzt, vom Boten auch zugeſprochen werden.
er Eilabholungsdienſt wird ebenfalls vom Telegraphen=
nt
wahrgenommen. Er erſtreckt ſich auf die Eilab=
lung
gewöhnlicher Brief= uſw.=Sendungen und Tele=
amme
, die bei dem Poſtamt aufgeliefert werden ſollen.
e Gebühr für die Eilabholung einer Sendung beträgt
Pfg.; für jede weitere Sendung 10 Pfg. mehr.
waige Aufträge für den Ortsſchnelldienſt und für den
ilabholungsdienſt ſind dem Telegraphenamt am zweck=
äßigſten
mittels des Fernſprechanſchluſſes Nr. 0 (Null)
zuſprechen; ſie können aber auch an den Poſtſchaltern
ündlich oder unter Benutzung der Vriefkaſten ſchriftlich
ſtellt werden.
* Kirchliche Jahrhundertfeier. Der 19. Oktober
Js. wird auch der Tag kirchlicher Erinnerungsfeiern
die Befreiungskriege in unſerm Lande ſein. Vor=
ittags
finden in hieſiger Stadt in allen Kirchen Feſt=
ttesdienſte
unter Mitwirkung der Kirchengeſangvereine
tt. Eine beſondere liturgiſch=muſikaliſche
ubiläumsfeier werden außerdem die ſämtlichen
ſigen Kirchengeſangvereine 6 an der Zahl ( nach=
ttags
um 5 oder 6 Uhr) in der Stadtkirche veran=
ilten
. Der etwa 300350 Stimmen zählende Geſamt=
or
, der ſeit einer Reihe von Jahren nicht zuſammen=

gewirkt hat, wird unter der Leitung des Herrn Pro=
feſſors
Mendelsſohn eine Reihe von kirchlichen
Tonwerken zur Vorführung bringen, u. a. eine von
Arnold Mendelsſohn für dieſen Tag komponierte, ſo=
eben
erſchienene Feſtmotette: Lobet den Herrn, daß
ſein Volk wieder frei ward uſw. Näheres wird ſpäter
bekannt gegeben werden.
Die Kunſtſchule von Profeſſor Adolf Beyer in
Darmſtadt veranſtaltet von Sonntag, den 31. Auguſt bis
Samstag, den 6. September, eine Ausſtellung von
Schülerarbeiten. Es gelangen nur Zeichnungen,
Skizzen und Malſtudien des letzten Schuljahres nach der
Natur, beſonders Zeichnungen nach dem lebenden Modell
zur Ausſtellung. Das Atelier (Saalbauſtr. 73, Garten=
gebäude
) iſt täglich von 101 und 36 Uhr dem Be=
uche
geöffnet.
* Zum Jugendfeſt am letzten Sonntag waren, wie
man noch mitzuteilen bittet, auch Vertreter der Militär=
und Zivilbehörden erſchienen. Wir ſahen u. a. Exzellenz
von Plüskow, Oberſt von Falkenhayn, Oberſtleutnant
Freiherrn Treuſch von Buttlar=Brandenfels, Oberſt=
leutnant
Mootz, Major von Teichman und Logiſchen,
Platzmajor Hauptmann von Kropff, den Referenten für
Jugendfürſorge im Miniſterium des Innern Ober=
regierungsrat
Dr. Stammler ferner Regierungsrat
von Werner, Landgerichtsrat Dr. Jungk=Mainz, Schul=
rat
Profeſſor Gunderloch=Dieburg, und Roth, Vertreter
der Ortsgruppe Worms Jungdeutſchland. Die Herren
General Frhr. v. Heyl und Bürgermeiſter Mueller hatten
Glückwunſchtelegramme geſchickt, Generalleutnant Ex=
zellenz
Bernhard hatte ſein Nichterſcheinen brieflich ent=
ſchuldigt
. Die in der Militärſchwimmanſtalt und auf
dem Exerzierplatz aufgeſchlagenen vielumlagerten Stände
der Maggi=Geſellſchaft ſpeiſten koſtenlos etwa 2000 junge
Leute. Die Erzeugniſſe waren tadellos. Namentlich
ſtärkte vormittags die vortreffliche Nudel=Suppe vor
und nach den Uebungen die Schwimmer und nach=
mittags
und abends Erbs=Suppe mit Schinken die
zahlreichen Sportliebhaber, die vielfach ſchon durch
Wanderungen uſw. Kenner und Liebhaber des Ge=
botenen
waren.
* Geburtstag der 50jährigen. Man ſchreibt uns
verſpätet: Am Sonntag nachmittag hatten ſich in der
Reſtauration Zur Fortuna‟ Dieburgerſtraße 18, zirka
35 Männer zuſammengefunden, um ihren Geburtstag
gemeinſam feſtlich zu begehen. Von den noch lebenden
Lehrern waren die Herren Oberlehrer Werner i. P.,
Lehrer Kopp und Lehrer Schäfer zu der Feier einge=
laden
und auch erſchienen. Schöne, zu Herzen dringende
Worte wurden zwiſchen Lehrern und Schülern gewechſelt,
die gewiß noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Sälchen und Garten der Reſtauration waren paradieſiſch
geſchmückt, paſſende Geſangsvorträge des Doppel=
quartetts
Rheingold erhöhten die humorvolle und
herzliche Stimmung der Jubilare und ihrer Angehörigen,
und gegen Abend war für Tanzbeluſtigung für Jung und
Alt in dem kleinen Sälchen geſorgt. Eine Kinderpolonäſe,
wobei Brezeln zur Verteilung gelangten, und eine ſolche
für die Jubilare mit ihren Frauen unter Vorantritt
von vier Spielleuten, ebenfalls Jubilare, darf nicht ver=
geſſen
werden. Die kleine aber erhebende Feier wird
allen Teilneümern in Erinnerung bleiben.
m Bekämpfung der Staubentwickekung. Die große
Schülerzahl des Realgymnaſiums brachte es mit
ſich, daß die Staubentwickelung auf dem Schulhofe wäh=
rend
der Pauſen trotz öfteren Sprengens immer wieder
läſtig wurde. Der Spielplatz iſt darum, mit Ausnahme
des mit Bäumen bepflanzten Teiles, in dieſen Tagen,
ähnlich wie die Spazierwege, geteert worden.
* Konzerte. Konzertgarten Hugenſchütz
Felſenkeller. Morgen, Freitag, gibt Herr Ober=
muſikmeiſter
Weber mit der Kapelle des Großh. Heſſ.
Artillerie=Regiments Nr. 61 einen volkstümlichen
Abend. Das Programm enthält außer einem Piſton=
vortrag
des Virtuoſen Herrn Ehlers nur gern gehörte
und neue Muſikſtücke. Beſonders hervorgehoben ſeien
hiervon die Kompoſition von Léon Jeſſel, wobei eine
neue, Aufziehen der Stadtwache von der Biedermeier=
zeit
, beſonderes Intereſſe verdienen dürſte. (S. Anzeige.)
H. Gundernhauſen, 26. Aug. Bei der heutigen Ge=
meinderatswahl
erhielten die Herren Ludwig

Schantz I., Landwirt, 98 Stimmen, Johann Michael
Bickert I., Wohnungsinſpektor, 95 Stimmen, Karl Ro=
mig
I., Milchhändler, 76 Stimmen, Jakob Schroth, Zim=
mermann
, 58 Stimmen, J. Baumann, Bahnhofsvorſteher,
69 Stimmen, und Heinrich Riedel II., Zimmermann, 55
Stimmen. Die drei erſteren Herren wären ſomit gewählt.
Wie man hört, ſoll die Wahl angefochten werden,
weil der Polizeidiener Hanſtein Wahlzettel verteilt hätte.
Es wirkt beſonders merkwürdig, daß trotz der vielen
Kandidaten und den verſchiedenartigſten Wahlzetteln von
den 268 Wahlberechtigten nur 142 zur Wahlurne ſchritten.
Bürſtadt, 27. Aug. Die 15jährige Elly Strauß
von Nied, deren Verſchwinden gemeldet wurde, iſtein
Luxemburg ermittelt und von der Polizei in Gewahr=
am
genommen worden.
Mainz, 27. Aug. Ein junger Mann von hier fuhr am
Nachmittag die Stefanshohl herab, verlor an der Kurve
gegen die Willigisſtraße zu die Herrſchaft über ſein Rad
und ſtieß in voller Fahrt gegen ein Haus.
Der obere Teil der Geſichts= und der Kopfhaut wurde
dem Fahrer vollſtändig abgeriſſen. In bewußtloſem=
Zuſtande wurde er von der Sanitätswache ins Rochus=
hoſpital
gebracht. Das Fahrrad war vollſtändig
zertrümmert. Ein Schüler raſte mit ſeinem Fahr=
rad
die Neue Anlage herab, ſtieß gegen die Fußwegkante,
ſtürzte ab und zog ſich erhebliche Kopfwunden zu. Der
Verletzte wurde in die elterliche Wohnung gebracht.
Das 3¼jährige Mädchen, das vor einigen Wochen im
Kaiſer Wilhelmring aus dem dritten Stockwerk in den Hof
hinabfiel, den Abortdeckel durchſchlug und in die Grube
ſtürzte, wurde geſtern aus dem Rochushoſpital als voll=
ſtändig
geheilt entlaſſen. Der Firma Zuſtav
Kunze, Waſſergasſchweißwerk in Worms
wurde die Erlaubnis erteilt, außerhalb ihrer Fabrikanlage
eine Arbeitshalle zu errichten, aber unter der Bedingung,
daß die Arbeiten in der geſchloſſenen Halle derart verrichtet
würden, daß die öffentliche Ruhe nicht geſtört werde. In
den Monaten März, April, Mai und ſpäter wurde bei
offenen Fenſtern und Türen gearbeitet; da
beſonders auch bei Nacht die Arbeiten vorgenommen, wur=
den
die Bewohner von Worms durch donnerähnliche Ge=
räuſche
in ihrer Ruhe geſtört. Die Folge war eine große
Anzahl von Anzeigen und der Leiter des Werks, der In=
genieur
Jakob Hubert Giegel, erhielt mehrere Straf=
befehle
in Höhe von 10. 15 und 20 Mark. Gegen die
Strafbefehle erhob G. Einſpruch beim Schöffengericht
Worms. Das Schöffengericht erkannte auf eine Strafe in
Höhe von 20 Mark. Gegen dieſes Urteil legte G Be=
rufung
ein. Er behauptete, daß es ſich um eine ge=
ſchloſſene
Halle handle, ſelbſt wenn Fenſter oder Türen ge=
öffnet
ſeien. Als offene Halle ſei eine ſolche ohne eine
oder mehrere Wände zu betrachten. Der Sachverſtändige
Gewerberat Dr. Müller=Worms war der Anſicht, daß das
Oeffnen eines oder mehrerer Fenſter oder Türen die Er=
laubnisbedingungen
nicht verletze. Die Mainzer Straf=
kammer
prüfte nur die Frage, ob eine offene oder ge=
ſchloſſene
Halle vorliege und ſchloß ſich darin der Auf=
aſſung
des Angeklagten an. Der Angeklagte wurde frei=
geſprochen
.
Worms, 27. Ang. Im Hauptbahnhof wurde heute
vormittag zwiſchen 9 Uhr 10 Minuten ein Mann über=
fahren
und getötet. Um 9.20 Uhr vormittags fährt
der von Gundheim kommende Perſonenzug auf dem hie=
ſigen
Hauptbahnhofe ein. Schon eine Viertelſtunde vor=
her
hielt ſich ein ſehr großer, etwa 4050 Jahre alter
Mann auf dem Bahnſteig auf. Als der Zug einfuhr,
ſcheint ſich der Mann vor die Maſchine geworfen zu haben.
Er wurde über Beine und Leib gefahren. Der Ueber=
fahrene
iſt der 48jährige Korreſpondent Dretzel aus
Frankenthal der dort in der Maſchinenfabrik von
Klein, Schanzlin und Becker beſchäftigt war. Ein unheil=
bares
Leiden ſoll den Unglücklichen in den Tod getrieben
haben. Wie von Augenzeugen verſichert wird, ſoll der
Selbſtmörder ſchon verſucht haben, ſich unter die Räder
des Ludwigshafener Schnellzuges zu werfen. Offenbar
hat er dieſe Abſicht der zahlreichen Paſſagiere wegen
nicht ausgeführt und ging auf den Bahnſteig 3 hinüber,
wo weniger Menſchen anweſend waren. In der
machte
geſtrigen Stadtverordneten=Sitzung
Herr Oberbürgermeiſter Köhler die Mitteilung, daß ein

örpern haben Braunkohle, Ebenholz und feiner, trocke=
r
Sand nahezu die gleiche Schwere. Nach Maßgabe ſei=
r
Maſſe und der Entfernung ſeiner Oberfläche vom
ttelpunkt (auch unter Berückſichtigung der Fliehkraft)
erden die Körper auf dem Jupiter im Mittel 2,5 mal
ſtark angezogen als auf der Erde; was hier z. B. 80
ilogramm wiegt, würde dort 200 Kilogramm ſchwer
mzauch fallen die Körper auf dem Jupiter entſprechend
meller.
Die Beobachtung mittels Fernrohr, Spektrum und
hotographie haben uns auch über die phyſiſche Be=
affenheit
des Planeten manchen Aufſchluß gegeben. Der
tronom Profeſſor Dr. Oswald Lohſe vom aſtrophyſi=
liſchen
Obſervatorium in Potsdam (geb. 23. Februar
45in Leipzig) hat ſich durch derartige langjährige Unter=
chungen
beſonders hervorgetan. Greifen wir eine ſeiner
elen Beobachtungen heraus. Am 31. Auguſt 1880, nachts
2 Uhr, nahm er nahe über und unter dem Aequator,
rallel zu demſelben, dunkle Bänder wahr, die ſich von
tem zum anderen Rand der Scheibe hinzogen. Nächſt
mſüdlichen Bande war ein großer roter Fleck in Form
er geſtreckten Ellipſe, nahezu ein Drittel der hier vor=
ndenen
Breite der Scheibe einnehmend. Dann folgten
beiden Seiten des Aequators hellere Stellen, nördlich
n ſchmalen grauen Streifen, ſüdlich von bogenförmigen
auen Flecken unterbrochen. Gegen die Ränder graue
hleier, die an den Polen dunkler wurden. Fortwährend
nmen nun Veränderungen in dieſen Gebilden vor; es
ten andere an ihre Stelle, helle oder graue Flecken oder
kreifen; nur die dunklen Bänder beiderſeits des Aequa=
rs
haben, abgeſehen von Formveränderungen, große
ſtändigkeit. Nach allem darf angenommen werden, daß
piter eine dichte, waſſerdampfhaltige Atmoſphäre mit
waltigen, wolkenartigen Kondenſationsgebilden umgibt.
eſe folgen mehr oder weniger der Rotation des Pla=
ten
. Der erwähnte große rote Fleck trat im Auguſt
78 auf und übertraf an Ausdehnung ganz Europa,
Jahre 1889 hatte er eine Länge von 29803 Kilometerhi.
ich ¾ des Erdumfanges. Er iſt aber jetzt nahezu ver=
wunden
. Lohſe hat nun beobachtet, daß auch ſonſt bis=
ilen
rötliche Maſſen hervorbrechen, deren abweichende
wegungen verraten, daß ſie aus Tiefen kommen, wo
nz andere Bewegungsverhältniſſe herrſchen Zu dieſen
lkaniſchen Ausbrüchen zählt auch unſer roter Fleck. Mit
n Aſtronomen Struve und Wilhelm Meyer können wir
s darunter einen Lavaſee vorſtellen, ähnlich den ihm
genüber allerdings winzigen Feuerſeen von Kilauea
d Mauna Loa auf der Inſel Hawaii (größte der Sand=
ch
=Inſeln in der nördlichen Hälfte des Großen Ozeans).
e von einem ſolchen ausgehenden heißen Dämpfe und
iſe würden die wahrgenommene Zerteilung und Aus=

biegung der Wolken über dem roten Fleck gut erklären.
Wahrſcheinlich bleibt die Oberfläche des Kernes unſeres
Planeten ſtändig von der dichten Atmoſphäre und den
Wolkengebilden verhüllt; jener rote Fleck war dann der
Widerſchein der Glut der aus dem Innern emporgequol=
lenen
Maſſe. Auch geht die Anſicht der meiſten Fach=
gelehrten
dahin, daß in den Strahlen des Jupiter nicht
nur reflektiertes Sonnenlicht, ſondern auch Eigenlicht zum
Ausdruck kommt, daß er ſich noch in heißem, glühendem
Zuſtand befindet, in einem Mittelſtadium von Sonne und
Erde. Darauf würden denn auch die auffälligen Ver=
änderungen
in ſeiner Atmoſphäre zurückgeführt werden
können, und es wäre müßig, die Frage aufzuwerfen, ob
der gewaltige Himmelskörper die Wohnſtätte lebender
Weſen iſt. Unſere Erde iſt in ihrer Entwickelung zweifel=
os
auch durch einen ſolchen Glühzuſtand von Jahrmillio=
nen
in abſteigender Linie hindurchgegangen, hat aber die
Eigenwärme bis zu gewiſſer Tiefe durch Ausſtrahlung
ins Weltall verloren, ſie gilt jetzt als erkalteter Körper
Niemand aber wird nach ihrer geologiſchen Erforſchung
annehmen, daß ſie ſchon damals, im Glühzuſtand. Lebe=
weſen
irgendwelcher Art getragen oder geborgen hat.
Warum ſollte es bei Jupiter anders ſein?

Feuilleton.

** Der König von Dänemark im Seeräuber=Film.
König Chriſtian von Dänemark hat jüngſt bei einer kine=
matographiſchen
Aufnahme als Schauſpieler mitgewirkt,
allerdings unfreiwillig, aber doch unter ſo romantiſchen
und eigenartigen Bedingungen, daß ſich die Geſchichte, die
in Kopenhagener Blättern berichtet wird, der Wieder=
erzählung
wohl lohnt. Der König kreuzte mit der Köni=
gin
und ſeinen zwei Söhnen auf ſeiner Jacht Rita in
der Nähe von Aarhus in Jütland, als die ſich ihrer Ver=
gnügungsfahrt
behaglich erfreuenden Herrſchaften plötzlich
von Gewehrſchüſſen und gellenden Hilfeſchreien aufge=
ſchreckt
wurden. Der König gab ſofort Befehl, nach der
Richtung zu ſegeln, aus der der verworrene und unheim=
liche
Lärm herkam. Man fand einige Boote, die mit aben=
teuerlich
ausſtaffierten und wild dreinblickenden Geſellen
bemannt waren; die Kerle lieferten ſich mit Gewehren
und Revolvern eine regelrechte Schlacht, und der Kampf
ging augenſcheinlich um eine ſchöne Frau, die verzweifelt
in dem einen Boot die Hände rang. König Chriſtian
hatte bereis die Vorbereitungen zu ſchleunigſtem Ein=
ſchreiten
getroffen, als er plötzlich durch ſein Fernrohr
noch ein weiteres Boot erblickte, das in einiger Entfern=
una
von den übrigen ruhig und friedlich dalag und in

dem ein Mann mit gelaſſener Aufmerkſamkeit die Kurbel
eines kinematographiſchen Apparates drehte. Lachend er=
kannte
der Herrſcher die wahre Bedeutung dieſes ſelt=
amen
Schauſpiels und ließ die Jacht außer Gefecht
ſetzen Aber das Schickſal, das ihn mit dieſer Aufführung
verknüpft hatte, ließ ihn nicht ſo bald los. Die Schau=
ſpielerin
, die die Heldin darſtellte, Frau Stub aus Kopen=
hagen
, ſtürzte ſich in das Meer, um den Schurken zu ent=
gehen
; auf dem halben Wege zur Küſte aber ſchwanden
ihr die Kräfte, und ſie wäre ertrunken, wenn der König
nicht aus ihrem Hilfeſchreien erkannt hätte, daß es dies=
mal
ernſt ſei. Er ſprang ſelbſt ins Rettungsboot, nahm
die halb ohnmächtige Künſtlerin auf und mußte ſo mit
auf den Film.
Die Marſchleiſtung einer Katze. Welch ſtattliche
Entferungen eine einfache Hauskatze zurückzulegen vermag,
zeigt ein intereſſanter Fall, der ſich in England ereignete
und mit dem ſich die Zeitſchrift Nos Loiſirs beſchäftigt.
Eine Frau White hatte von Ripon die Reiſe nach Car=
diff
unternommen, um ihre alten Eltern zu beſuchen. Bei
der Bahnfahrt nahm ſie in einem Korbe eine ſchöne
ſchwarze Katze mit, die ſie Tumimi getauft hatte und
ihren Eltern zum Geſchenk machen wollte. Die Eltern
reuten ſich auch ſehr über die ſchöne Katze, aber bereits
am nächſten Morgen war der vierbeinige Gaſt aus ſei=
nem
neuen Heime verſchwunden, und alle Nachforſchun=
gen
verliefen ergebnislos. Das einzige, was man er=
fahren
konnte, war der Umſtand, daß einige Leute bei den
Eiſenbahnſchienen die Bahnlinie führt nahe am Hauſe
der Alten vorüber eine ſchwarze Katze geſehen haben
wollten. Das Tier war und blieb verſchwunden, bis zehn
Tage ſpäter aus Ripon die Nachricht kam, Tumimi ſei
wieder zu Hauſe aufgetaucht. Die Katze war vollkommen
erſchöpft, die Pfoten bluteten, aber ſie hatte den Weg in
ihr altes Heim wiedergefunden. Was das bedeutet, wird
erſt klar, wenn man erfährt, daß die Entfernung von
Cardiff nach Ripon rund 400 Kilometer beträgt, ſo daß
Tumimi durchſchnittlich 40 Kilometer am Tage zurückge=
legt
haben muß. Noch intereſſanter als dieſer Rekord
der Zähigkeit bei einer einfachen Hauskatze iſt aber die
verblüffende Leiſtung des Orientierungsſinnes. Wie hat
die Katze heimgefunden? Iſt ſie geradenwegs durchs Land
gewandert, oder folgte ſie der Bahnlinie, auf der ſie nach
Cardiff gekommen war? Auf jeden Fall hat weder die
große Entfernung noch die Eiſenbahnfahrt im geſchloſſe=
nen
Korbe den Orientierungsinſtinkt Tumimis irre zu
machen vermocht.
ml. Wie Raritäten entdeckt werden. Die Auffindung
eines koſtbaren Gobelins in einem weltverlorenen Winkel

[ ][  ][ ]

2,

Darmſtadter Tagolatt, Donnerstag, den e8. Auguſt 1915.

Nummer 20r.

Sohn der Stadt Worms, der gegenwärtig ſtudienhalber
in Rom weilt, Herr Otto Eugen Meſſinger, unſerer
neuen ſtädtiſchen Gemäldegalerie zwei Paſtell=
bilder
moderner italieniſcher Maler geſchenkweiſe über=
laſſen
hat. Bei der kommenden Landtags=
wahl
iſt die Stadt Worms in zwei Landtags=
wahlkreiſe
einzuteilen. Man hat ſich auf eine Linie
geeinigt, die zwiſchen Hochheim und Neuhauſen beginnt,
durch die Donnersberger= Brunhilden=, Krimhildenſtraße,
Stephansgaſſe, Peters=, Römer=, Paulus= und Ludwigs=
ſtraße
nach dem Rhein führt. Durch dieſe Einteilung iſt
die Stadt in zwei faſt gleiche Teile zerlegt; auch die Be=
Wohnerzahl der Stadt iſt abgerechnet die Militärper=
ſonen
faſt halbiert, die nördliche Hälfte hat alsdann
22440, die ſüdliche 22428 Bewohner. Der Vorſchlag
wurde angenommen. Stadtv. Ruppert hatte einen
Antrag betr. Veröffentlichung der ſtädtiſchen
Bekanntmachungen in allen am Ort erſcheinenden
Zeitungen geſtellt. Der Antrag wurde gegen wenige
Stimmen abgelehnt.
Büdesheim, 26. Aug. Die Arbeiten an dem Bau der
ſtrategiſchen Brücke zwiſchen Rüdesheim
und Kempten ſind in vollem Gange und, wenn ſie ſo
wie ſeither gefördert werden, dann wird die Brücke zum
vorgeſehenen Termin, Spätherbſt 1914, ſicher fertig. =
desheim
ſoll am Scharlachberg einen Bahnhof erhalten,
der in direkter Verbindung mit der neuen Bahnlinie ſteht.
Dieſer Entſchluß iſt durchaus zu billigen und ſeine Durch=
führung
unter allen Umſtänden zu wünſchen, auch dann,
wenn Büdesheim wegen ſeiner keineswegs glänzenden
finanziellen Lage die nötigen Mittel nicht allein aufbrin=
gen
kann. Da Büdesheim dies nicht vermag, muß der
Kreis, die Provinz, ja das ganze Land, einſpringen, denn
das ganze Großherzogtum Heſſen iſt in ganz außerordent=
lichem
Maße daran intereſſiert, daß die neue Eiſenbahn=
linie
Büdesheim-Sarmsheim eine Station auf heſſiſchem
Boden in der Nähe der Kreisſtadt Bingen erhält. Die
nächſte Gemeinde, die eine direkte Verbindung mit der
neuen Eiſenbahn erhält, iſt der an der Nahe liegende preu=
ßiſche
Ort Sarmsheim.
K. Nieder=Saulheim, 26. Aug. Man ſchreibt uns:
Noch einen Monat, und ein volles Jahr iſt ſeit unſerer
Bürgermeiſterwahl verfloſſen, ohne daß bis jetzt
der in der Stichwahl gewählte Herr Johann Oehler II.,
Sparkaſſen= und Kirchenrechner, beſtätigt worden iſt.
Ohne dem Kreisamt Oppenheim einen Vorwurf machen
zu wollen denn wer die Verhältniſſe näher kennt, weiß,
daß ſich dort diesbezüglich ein nicht unbedeutender Akten=
ſtoß
aufgehäuft hat iſt die Angelegenheit doch be=
denklich
, da der jetzige Bürgermeiſter nahezu 80 Jahre alt
iſt. die Arbeit für ihn doch recht anſtrengend ſein muß
für dieſen großen Ort, und ferner der Beigeordnete ſchon
längſt ſein Amt niedergelegt hat. In den letzten Tagen
zirkuliert nun wieder ein Schreiben, in dem die Behörde
gebeten wird, den gewählten Oehler zu beſtätigen. Sollte
Oehler nicht beſtätigt werden, ſo kämen in kurzen Zwi=
ſchenpauſen
aufeinander: Gemeinderats= Beigeordneten=
Bürgermeiſter=, Kirchenrechner= und Schulvorſtandswahl
und die Wogen der Erregung in Saulheim müßten noch
viel höher ſchlagen, wie es jetzt ſchon der Fall iſt.
Gau=Algesheim, 27. Aug. Während der Tanz=
muſik
von Herzkrämpfen befallen wurde am
Kirchweihmontag die Tochter des Glöckners Illy von dem
nahen Jakobsberg. Sie tanzte eine Tour, als ſie plötzlich
wie leblos zu Boden fiel. Der Arzt ſtellte ſchwere Herz=
krämpfe
feſt. Das Mädchen liegt ſeitdem völlig bewußt=
los
danieder.
Heidesheim, 27. Aug. Zu rohen Ausſchreitun=
gen
durch drei hieſige vorbeſtrafte Arbeiter kam es am
Samstag abend in einem Triebwagen. Die Arbeiter hat=
ten
in Gaulsheim, wo ſie am Brückenbau beſchäftigt ſind,
den letzten Abend=Perſonenzug verſäumt und mußten den
Triebwagen benutzen. Sie verſuchten, den Bahnfiskus um
das Fahrgeld dritter Klaſſe von Gau=Algesheim nach Hei=
desheim
zu betrügen, indem ſie nur bis Gau=Algesheim
Fahrkarten löſten, aber bis Heidesheim weiterfuhren. Der
Wagenſchaffner bemerkte den Betrug. Die Arbeiter be=
leidigten
den Beamten ſchwer und ſchlugen ein Fenſter des
Wagens hinaus. In Heidesheim ſprangen ſie, um der
Feſtſtellung der Perſonalien zu entgehen, aus dem fahren=
den
Wagen und verſchwanden jenſeits des Stationsgebäu=
des
in den Spargeläckern. Die Perſonalien ſind durch
Mitreiſende feſtgeſtellt worden. Zwei der Betreffenden
ſind für Roheitsdelikte bereits erheblich vorbeſtraft.

Frankreichs zeigt wieder einmal, unter welch merkwürdigen
Umſtänden koſtbare Raritäten oft durch den Zufall ent=
deckt
und ans Licht gezogen werden. So diente beiſpiels=
weiſe
einer der ſchönſten aller bekannten Diamanten lange
Zeit ein paar Negerkindern als Spielzeug, die ihn gefun=
den
hatten und ihn für ein Glasſtück hielten. Ein Selbſt=
porträt
Rembrandts, das heute das Kleinod einer der be=
deutendſten
Gemäldeſammlungen Europas bildet, wurde
in einem Landhauſe entdeckt, wo es als Wachstuchtiſch=
decke
benutzt wurde, Die Magna Charta aus dem Jahre
1215, die Grundlage der engliſchen Verfaſſung, fiel Sir
Robert Cotton im Gewölbe eines Trödlers in die Hände
der im Begriffe war, die Urkunde zu zerſchneiden, um ſie
als Material für eine Pappſchachtel zu verwenden. Das
älteſte Manuſkript des griechiſchen Teſtaments wurde durch
einen wunderbaren Zufall den Händen eines Kochs ent=
riſſen
, der ſich gerade anſchickte, damit Feuer zu machen.
Als der bekannte ruſſiſche Sammler Tiſchendorff einmal
das Kloſter beſuchte, das ſich auf den Abhängen des
Sinais erhebt, ſah er in der Küche unter Pfannen und
Töpfen und allerlei Gerümpel verſchiedene Pergament=
blätter
. Er ließ ſie herausſuchen und entdeckte in ihnen
einen Teil der koſtbaren Handſchrift, die heute im Peters=
burger
Muſeum bewahrt wird. Im vergangenen Sommer
endlich ſtieg eine Radfahrerin, die auf einer Vergnüg=
ungstour
ein ſchottiſches Dorf paſſierte, vom Rade, um
ſich in dem einzigen Laden des Dorfes etwas zu kaufen,
was ihr als Steuerkette dienen könnte. Man bot ihr eine
erſichtlich falſche Perlenkette an, die ſie für 15 Mark kaufte.
Als ſie nach London zurückgekehrt war und die Kette ge=
legentlich
ſchätzen ließ, bot ihr der Juwelier 10000 Mark
für das Schmuckſtück. Das Gebot machte die Dame ſtutzig
und ließ ſie von dem Verkauf abſehen. Wie recht ſie ge=
habt
, erfuhr ſie ein paar Tage ſpäter, als ihr ein Sach=
kundiger
die Verſicherung gab, daß die Kette nichts an=
deres
ſei, als das berühmte Perlenkollier Marig Stuarts.
Sie verkaufte es in der Folge für 300000 Mark.
* Ein Aennchen von Tharau=Denkmal. In der
Jenaiſchen Zeitung war nach der Enthüllung des Denk=
mals
für den Jäger aus Kurpfalz der ſpöttiſche Ruf: mehr
Denkmäler! erklungen. Das ſpöttiſche Bedauern der
Zeitung über die denkmalsloſen Volksliedgeſtalten trifft
auf das dabei auch erwähnte Aennchen von Tharau=
nicht
mehr zu. Seit zwei Jahren hat die Stadt Memel,
in der Simon Dach geboren iſt, einen nach ihm benann=
ten
Brunnen mit einem reizenden Aennchen=Standbild
darauf, an dem die Memeler ihre Freude haben.

Der Frau des Schmiedemeiſters Altenkirch ſind für die
Schädigung der Geſundheit durch Abſturz aus einem Per=
ſonenzuge
infolge der mangelhaften Beſchaffenheit des
Bahnſteiges in Heidesheim vom Eiſenbahnfiskus
im Vergleichswege 12000 Mark ausgezahlt
worden.
Gießen, 27. Aug. Auch das hieſige Polizeiamt macht
nunmehr gegen die ſpitzigen Hutnadelln der Da=
men
, die auf der Elektriſchen oder in ſonſtigem Gedränge
ſchon ſo manches ernſte Unheil angerichtet haben, Front.
Nach einer amtlichen Verfügung iſt das Tragen unge=
ſicherter
Nadeln verboten. Zuwiderhandlungen wer=
den
mit Strafe bedroht.
Wallenrod, 27. Aug. Vorgeſtern fand der Land=
wirt
Scheig beim Abmähen eines Gerſtenfeldes
einen kleinen Luftballon mit einer Anſichts=
karte
in einer ihm unverſtändlichen Sprache. Die Ent=
zifferung
derſelben durch den Ortspfarrer ergab, daß der
Ballon anläßlich eines Feſtes in Enghien=les=Bains, De=
partement
Seine=et=Oiſe, nordweſtlich von Paris, aufge=
laſſen
war und nach einer Luftfahrt von 600
Kilometern Luftlinie hier landete. Dem auf der
Karte ausgeſprochenen Wunſch, Ort und Perſon des Fin=
ders
nach Enghien an die dortige Bürgermeiſterei zu
melden, wurde nachgekommen.

Bezirkstierſchau zu Gernsheim a. Rh.
am 20. September 1913.

* Die Bezirkstierſchau für den Zuchtbezirk I findet
Samstag, den 20. September 1913, vormittags 9 Uhr an=
fangend
, zu Gernsheim a. Rh. ſtatt, zu welcher nur Züch=
ter
aus obigem Zuchtbezirk, der die Kreiſe Darm=
ſtadt
, Groß=Gerau, vom Kreiſe Bensheim den in der
Ebene gelegenen Teil, vom Kreiſe Heppenheim die Orte
Heppenheim, Viernheim und Wimpfen umfaßt, zugelaſſen
werden. Zugleich mit der Bezirkstierſchau werden außer=
dem
abgehalten: a) eine Ausſtellung landwirtſchaftlicher
Bodenerzeugniſſe und b) eine Ausſtellung landwirtſchaft=
licher
Maſchinen und Geräte, verbunden mit Markt. Die
Beſchickung der zuerſt genannten Ausſtellung iſt auf den
erwähnten Zuchtbezirk beſchränkt. Landwirtſchaftliche Ma=
ſchinen
und Geräte können auch von außerhalb dieſes Be=
zirks
wohnenden Intereſſenten ausgeſtellt werden. Das
Programm für die Ausſtellung landwirtſchaftlicher Boden=
erzeugniſſe
(Obſt= und Ackerbauprodukte) wird demnächſt
veröffentlicht werden.
Die zugelaſſenen Tiere müſſen zur Zucht beſtimmt ſein
und heſſiſchen Züchtern angehören. Eingeführte Tiere
können nur zugelaſſen werden, wenn ſie reinraſſig und
nachweislich (laut bürgermeiſteramtlicher Beſcheinigung)
bereits 6 Monate (Schweine und Ziegen 3 Monate) in
der Wirtſchaft des betreffenden Züchters zur Zucht ge=
halten
worden ſind. Tiere von gewerbsmäßigen Händ=
lern
ſind vom Preisbewerb ausgeſchloſſen. Es dürfen
nur Tiere aus Gemarkungen (Gemeinden) aufgetrieben
werden, die bezüglich der Maul= und Klauenſeuche weder
zu einem Sperr= noch Beobachtungsbezirk gehören. Prämi=
ierte
Tiere können auf ſpäteren Schauen wieder prämi=
iert
werden, jedoch werden die Preiſe nur dann in Geld
ausbezahlt, wenn ſie höher ſind, als die in derſelben Klaſſe
früher erworbenen. Die Preiſe, mit Ausnahme der be=
ſonders
bezeichneten Pferdepreiſe, werden zunächſt nur
zur Hälfte ausbezahlt. Die Auszahlung der anderen
Hälfte erfolgt nach Jahresfriſt gegen Einſendung einer
bürgermeiſteramtlichen Beſcheinigung, daß das betreffende
Tier innerhalb des Großherzogtums noch zur Zucht ver=
wendet
wird.
Die Anmeldungen ſind längſtens am 10. Septem=
ber
I. Js. beim Landwirtſchaftskammer=Ausſchuß in
Darmſtadt (Bismarckſtraße 52, 1. Stock) einzureichen.
Später eingehende Anmeldungen werden nicht mehr be=
rückſichtigt

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 26. Aug. Die Entſcheidung
über den freien Architekten des Opernhaus= Neu=
baues
iſt gefallen. Geheimrat Hoffmann, der eine
Zeitlang noch unentſchloſſen war, die Wahl anzunehmen,
hat ſich nunmehr bereit erklärt, als freier Architekt den
Neubau zu leiten. Mit den Vorarbeiten ſoll unmittelbar
nach der Rückkehr des Kaiſers nach Berlin begonnen wer=
den
. 173690570 Fahrkarten ſind nach der ſoeben
erſchienenen Verkehrsſtatiſtik im letzten Rechnungsjahre
auf den Eiſenbahnſtationen Groß=Berlins verkauft wor=
den
, über 8 Millionen mehr als im Vorjahre. Auf den
Stadt= und Vorortverkehr allein entfallen nahezu 160 Mil=
lionen
Fahrkarten. Als der in Charlottenburg woh=
nende
Major Friedel in den Tatterſall reiten wollte
ſcheute das Pferd vor einem Automobil. Es ſprang
auf den Kühler des Automobils und der Reiter wurde
in weitem Bogen auf den Straßendamm geſchleudert, wo
er verletzt liegen blieb. Gegen 10 Uhr abends erſchien
der Chauffeur Kurau im Zigarrenladen der Frau
Becker in der Heinersdorfer Straße und verlangte von
ihr Zuſagen auf Grund des Verhältniſſes, das die mit
ihrem Mann nicht glücklich lebende Frau ſeit einiger Zeit
mit ihm unterhielt. Als die Frau dem Verlangen des
Chauffeurs Widerſtand entgegenſetzte, nahm Kurau eine
derartig drohende Haltung ein, daß die Frau ſich zur Not=
wehr
berechtigt hielt und durch drei Revolverſchüſſe
den Kurau ſo in den Kopf traf, daß er alsbald verſtarb.
Sie ſelbſt wurde von den Hausbewohnern feſtgenommen
und der Polizei übergeben. Ein eigenartiges
Koſtüm hatte geſtern in neunter Abendſtunde ein Mann
gewählt, der, nur mit dem Badeanzug, Socken und San=
dalen
bekleidet, den Weg durch die Tauentzienſtraße nahm
Eine große Menſchenmenge heftete ſich bald an die Ferſen
dieſes Spaziergängers, der ſo von Wannſee den Weg nach
Berlin zurückgelegt haben will. Die Polizei machte dem
Schauſpiel am Wittenbergplatz ein Ende und nahm den
Wanderer in Gewahrſam.
Mannheim, 27. Aug. Nach einer von der Direktion
der Firma Benz u. Co. der Neuen Badiſchen Landes=
zeitung
zugegangenen Mitteilung beſtätigt ſich nicht, daß
bei ihr große Unterſchlagungen und Dieb=
ſtähle
von Material aufgedeckt worden ſind, durch
die ſie um etwa 100000 Mark geſchädigt worden iſt. Ein
Magazinier verſuchte nur einen Waggon Materialabfälle
an eine Alteiſenwarenfirma zu verkaufen. Der Verſuch
mißlang durch die Kontrolleinrichtungen der Firma und
die betreffende Alteiſenfirma, die die Lieferung erhielt,
bezahlte ſofort den Betrag an die Firma, ſo daß gar
kein Schaden entſtanden iſt. Der Angeſtellte wurde ſofort
entlaſſen.
Weſel, 27. Aug. Heute nacht verſuchten Diebe in
die Villa des verreiſten Bürgermeiſters Poppelbaum ein=
zudringen
. Als der Schutzmann Nolle ſie überraſchte, ent=
ſpann
ſich ein Kampf, in deſſen Verlauf der Schutzmann
erſchoſſen wurde. Die Täter ſind unerkannt ent=
kommen
.

Neumünſter, 27. Aug. Heute nacht brach in der Wol
warenfabrik der Gebrüder Hanſſen in Brachenfel
bei Neumünſter Großfeuer aus, das einen großen Te
der Warenvorräte vernichtete. Auch die zu dem Fabri=
komplex
gehörige Carboniſierfabrik brannte vollkomm
nieder. Der Schaden beläuft ſich auf eine Million Mar
Lemberg, 26. Aug. Auf den von Stanislau nach Len
berg fahrenden Schnellzug wurde bei Sichow ei
Banditen=Ueberfall verübt. Plötzlich wurde d
Notleine gezogen, und als der Zug ſtand, wandten ſich m
Revolvern bewaffnete Strolche gegen den Lokomotit=
führer
, während andere in den Poſtwagen eindringe=
wollten
, der jedoch noch ſchnell verriegelt werden konnt
Die Banditen feuerten etwa 30 Schüſſe gegen den Zu
ab, jedoch wurden nur Fenſterſcheiben zertrümmert. Da
auf wandten ſich die Räuber zur Flucht. Die Unterſug
ung des Ueberfalles ergab, daß die Räuber in dem a
gehaltenen Zug Komplizen hatten, die an der verabred=
ten
Stelle den Zug durch Ziehen der Notleine anhielte
Bisher wurde der Heizer des angehaltenen Schnellzuge
wegen Einverſtändniſſes mit den Räubern verhaftet. Vo
den Räubern ſelbſt hat man noch keine Spur.
London, 27. Aug. Durch eine Keſſelexploſio
in den Leeds=Eiſenwerken in Hunſet wurde
geſtern vier Arbeiter getötet und 16 zum Teil ſchwer be=
letzt
. Ein Dampfrohr eines Keſſels platzte und ein Stü
davon fiel in flüſſiges Metall, an dem eine Gruppe Arbe
ter beſchäftigt war. Zwei Arbeiter wurden von demſli
henden Metall förmlich zerriſſen. Unter den Schwerver
letzten befand ſich auch ein Knabe, der ſeinemBlude
Eſſen brachte.
London, 27. Aug. In der Nähe von Kap Corn
fuhr der kleine ſpaniſche Dampfer Galaicod
Hapag=Dampfer Schwarzwald in die Se
Der Galaico ſank. Die Mannſchaft wurde auf
Schwarzwald übernommen, welcher ſie nach Falmo
zurückbringt. Der Dampfer Schwarzwald iſt unbed
tend beſchädigt und braucht die Fahrt nicht zu un
brechen.
Romanowskaja (Kubangebiet), 26. Aug. In
Nähe der Station Konakowo ſind bei einem Zuſa
menſtoß zweier Züge zwei Schaffner getötet
ſiebzig Wagen zertrümmert worden.

Parlamentariſches.

Darmſtadt, 27. Aug. Die Wirtſchaftlichels
einigung im heſſiſchen Landtag hielt heute in der Zwe
Kammer eine Sitzung ab, an der die Mitglieder faſt
zählig teilnahmen. Die Vereinigung verhandelte u
dem Vorſitz des Abg. Korell=Angenrod ſehr eingeh
über die Beſoldungsvorlage, doch wurden
Einzelheiten der Beratung ſtreng geheim gehalten.
wurde den Preſſevertretern nur mitgeteilt, daß z.
Kommiſſionen gewählt wurden, die ſich mit
Vorarbeiten und der Durcharbeitung der Regierungsv
lage nach den feſtgeſetzten Richtlinien befaſſen ſoll.
nächſte Sitzung wird in etwa drei Wochen ſtattfinder

Kaiſertage in Poſene

Paradetafel.
* Poſen, 26. Aug. Heute abend 7 Uhr fandk
Kaiſerpaar im Reſidenzſchloß Paradetafel für
5. Armeekorps im großen Feſtſaale und im Wisbyſe
ſtatt. Zur Tafel führte der Prinz=Regent=
Bayern die Kaiſerin, der Kaiſer führte die K
prinzeſſin, der Kronprinz die Prinzeſſin Auguſts
helm. Bei der Tafel ſaß der Kaiſer rechts neben der=
ſerin
; rechts vom Kaiſer folgten zunächſt die Kronp
zeſſin, Prinz Eitel Friedrich, die Oberhofmeiſterin Gr
Brockdorff, Prinz Auguſt Wilhelm, Oberhofmeiſterin
von Alvensleben, Prinz Joachim, Ehrendame Gräfi=
Eulenburg. Generaloberſt von Pleſſen, Hofdame
Klinkowſtröm, Fürſt Radolin, bayeriſcher Generalleut
Walter von Walderſtätten, Oberhofmarſchall Graf Er
burg; links von der Kaiſerin ſaßen der Prinz=Regen
Bayern, Prinzeſſin Auguſt Wilhelm, der Kronprin
Fürſtin Radolin, Prinz Oskar, Hofſtaatsdame Fräi
v. Gersdorff. der Reichskanzler, Hofdame Gräfin Ke
lingk, Fürſt Fürſtenberg, General Graf v. Kirchbach, O
präſident Dr. Schwartzkopff. Gegenüber dem Kaiſerſ
ſaß der kommandierende General v. Strantz, rechts
ihm Generalfeldmarſchall Graf Häſeler, Generale
v. Keſſel, Generaloberſt v. Bülow uſw.; links ſaßenG
ralfeldmarſchall Frhr. von der Goltz, italieniſcher Gen=
leutnant
Pollio, Generaloberſt v. Prittwitz und Gaf
General v. Moltke, der Chef des Generalſtabs, uſw.=
Verlaufe des Mahles brachte der Kaiſer folger
Trinkſpruch aus: Mein Glas gilt dem 5. Ko
welches die Gelegenheit hatte, heute vor mir in tadel
Verfaſſung zu erſcheinen und damit die Probe in der7
densausbildung zu leiſten. Ich erwarte von dem Kr
daß es im Ernſtfalle den Geisbergſtürmern nacheifert
gleichen Ruhm an ſeine Fahnen heften wird. Drei Hu
für das 5. Korps!
Nach der Tafel hielten das Kaiſerpaar und der P
Regent in der Städtehalle und im Löwenſaale Cercle
halb 10 Uhr begann der große Zapfenſtreich
Ehrenhof des Königlichen Reſidenzſchloſſes unter Le
des erſten Armeemuſikinſpizienten Profeſſor Grawert
Das Wetter iſt beſſer geworden. Kopf an Kopf ſtand
Publikum vor dem Schloſſe. Das Kaiſerpaar, der P
Regent von Bayern und die anderen anweſenden
lichkeiten erſchienen an den offenen Fenſtern des Schl
und wurden mit brauſenden Hochrufen begrüßt. Die S
iſt reich illuminiert.
Einweihung der Kapelle im Reſidenzſchloß.
* Poſen, 27. Aug. Heute vormittag halb 11
wurde die Kapelleim Reſidenzſchloß durche
liturgiſchen Gottesdienſt feierlich eingeweiht.
nicht ſehr große, aber hohe Raum, ganz in Marmor
herrlichem Goldmoſaik, iſt ein Meiſterwerk im romani
Stil. Der große Chriſtuskopf in der Altarniſche,
Figuren der Propheten und Apoſtel und das Wa
der Provinz Poſen treten aus dem ſchweren gold
Hintergrunde in fein abgetönten Farben hervor. In
den Ecken, die dem Altar ſchräg gegenüberliegen, er
ſich ein breiter, hochlehniger Thron über einigen St
In der Lehne des für den Kaiſer beſtimmten Thr
ſieht man den Reichsadler, in dem Thron der Kaiſerin
Jeruſalemkreuz. Auf jenem nahm der Kaiſer zwi
dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel=Friedrich
auf dieſem die Kaiſerin zwiſchen der Kronprinz
und der Prinzeſſin Auguſt Wilhelm. In der Umge
des Kaiſerthrones ſaßen ferner die Prinzen Auguſt
helm, Oskar, Joachim, der Reichskanzler, Fürſt Für
berg, Graf Wilczek, Oberhofmarſchall Graf Eulen=
Generaloberſt v. Pleſſen und die Herren des Gefo
Am Thron der Kaiſerin ſah man die Oberhofmeif

[ ][  ][ ]

Nummer 201.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913.

Seite 5.

Gräfin Brockdorff, die Damen der Umgebungen, die Für=
ſtin
Radolin, Frau v. Strantz und den Dienſt bei Ihrer
Majeſtät, den Grafen v. Hutten=Czapski, den Zeremonien=
meiſter
Hardt. Im Hauptraum der Kapelle waren Seſſel
aufgeſtellt, worauf die geladenen Herren Platz nahmen,
u. a. die Generalfeldmarſchälle Graf Häſeler, Freiherr v. d.
Goltz, ruſſiſcher Generalmajor v. Tatitſchew, Fürſt Rado=
lin
, Generaloberſt v. Keſſel, Oberpräſident Dr. Schwartz=
kopff
, Geſandter v. Treutler, die Generaloberſten v. Bülow,
v. Prittwitz und Gaffron, der Kriegsminiſter v. Falken=
hayn
, der kommandierende General der Infanterie von
Strantz und der Vorſitzende des Provinzialausſchuſſes.
Oberhofprediger D. Dryander ſprach das Weihe=
gebet
und nahm den Weiheakt vor. Der Domchor in=
tonierte
Bortnianskys: Du Hirte Jsraels‟ Den Schluß
der Feier bildete das Niederländiſche Dankgebet. Der
Kaiſer überreichte nach dem Gottesdienſt dem Maler
Profeſſor Oetken=Berlin perſönlich den Kronenorden
2. Klaſſe.
Einweihung des renovierten Rathausbaues.
* Poſen, 27. Aug. Gegen 12 Uhr begab ſich das
Kaiſerpaar im offenen Automobil bei prächtigem
Petter nach dem Rathaus. Vor dem Schloſſe nahmen
einige Abteilungen des Jungdeutſchland=Bundes Auf=
ſtellung
. Der ganze Weg war von dichten Reihen des Pu=
blikums
beſetzt, die dem Kaiſerpaar ſtürmiſch zujubelten.
Ein beſonders hübſches Bild bot der Markt mit ſeinen
teilweiſe ſehr alten Häuſern, deren Fenſter, Balkone und
Dächer gedrängt voll von Menſchen waren. Das Kaiſer=
paar
, das Kronprinzenpaar, die Prinzeſſin Auguſt Wil=
helm
und die anderen Prinzenſöhne wurden vor dem Rat=
hauſe
vom Oberbürgermeiſter Dr. Wilms, dem Bürger=
meiſter
Künzer, Stadtverordnetenvorſteher Ploszek und
dem ſtellvertretenden Stadtverordnetenvorſteher Buſſe
empfangen. Die Gemahlin des Oberbürgermeiſters über=
reichte
der Kaiſerin einen Blumenſtrauß. Kleine Mädchen
in weiß, mit Roſenkränzen im Haar, ſtreuten Blumen auf
die Teppiche, welche von dem Halteplatze der Wagen bis
zur Freitreppe gelegt waren. Mit dem Kaiſerpaar be=
traten
das Rathaus der Reichskanzler, der Oberpräſident
v. Schwartzkopff, der Regierungspräſident Krahmer und
der Polizeipräſident von dem Kneſebeck. Der Kaiſer trug
die Uniform der Königsjäger zu Pferde, die Kaiſerin eine
Fraugrüne Robe. Die Fürſtlichkeiten wurden in die im
erſten Stock gelegene hiſtoriſche Halle geleitet. Hier
waren die ſtädtiſchen Körperſchaften verſammelt.
Oberbürgermeiſter Dr. Wilms hielt an das Kaiſer=
aar
eine Anſprache, in der er den ehrfurchtsvollſten Dank
der Bürgerſchaft für die hohe Ehre ausſprach, die der
Stadt durch den Beſuch des Kaiſerpaares auf dem alten
Rathauſe zuteil geworden ſei und einen Rückblick auf die
Beſchichte des Rathausbaues warf und ſodann fortfuhr:
Prächtig und wirkungsvoll ſehen wir heute den ehrwür=
igen
Bau in neuem Glanze vor unſeren Augen, als ein
Vahrzeichen aus alter Zeit in einer gewaltig vorwärts=
trebenden
Gegenwart. Unter dem machtvollen Schutze des
ſeeinten Deutſchen Reiches und der beſonderen landes=
äterlichen
Fürſorge Euerer Kaiſerlichen und Königlichen
Najeſtät während einer 25jährigen ſegensreichen, fried=
ichen
Regierung hat ſich wie unſer ganzes deutſches Vater=
and
ſo auch unſer Gemeinweſen in einer ungeahnten
Leiſe entwickelt. Wir verbinden mit dem tiefgefühlten
Dank hierfür die Verſicherung unwandelbarer Treue gegen
nſer liebes deutſches und preußiſches Vaterland und Euere
aiſerlichen und Königlichen Majeſtäten. Dieſes Gelöbnis
er Liebe, Treue und Anhänglichkeit zu erneuern, iſt uns
ine beſonders hohe Freude an einem ſo denkwürdigen
Feſt= und Ehrentage wie dem heutigen, der durch die An=
weſenheit
Euerer Majeſtäten eine ſo ſchöne und hohe
Leihe erhält. Indem ich bitte, als Willkommensgruß der
Stadt in der hiſtoriſchen Halle unſeres alten Rathauſes
ieſen Pokal, gefüllt mit rheiniſchem Traubenblut, huld=
ollſt
entgegenzunehmen, fordere ich meine Mitbürger auf,
nit mir einzuſtimmen in den Ruf: Seine Majeſtät der
kaiſer und König und Ihre Majeſtät die Kaiſerin und
önigin, ſie leben hoch!
Der Kaiſer erwiderte mit folgender Rede: Mein
ieber Herr Oberbürgermeiſter! Nehmen Sie für das Ge=
öbnis
der Treue, welches Sie namens der Bürgerſchaft
teiner Reſidenzſtadt Poſen hier ſoeben erneuert haben,
keinen Königlichen Dank. Was vor hundert Jahren
nter der Regierung meines Ahnherrn die Not des Vater=
indes
auszuführen verbot, das iſt unter Gottes gnä=
igem
Beiſtande heute zur Wirklichkeit geworden. Durch
ie Kunſt der Bauleute iſt dieſe altehrwürdige Ratsſtätte
u der Pracht früherer Tage wieder erſtanden, und gern
in ich heute gekommen, dem Bau die Weihe zu geben.
ſit Befriedigung habe ich wahrgenommen wie die Stadt
Joſen ſich entwickelt und verſchönt hat, ſeit ich ſie von dem
einernen Gürtel der alten Feſtungswerke habe befreien
innen. Eine neue Zeit raſchen Emporblühens iſt für ſie an=
brochen
. Mit ſtattlichen Bauten und freundlichen Anlagen
eziert ſteht ſie jetzt im neuen Kleide da, und als Zeichen
ieſer neuen und, wie ich hoffe, glücklichen Zeit hat nun
uch Ihr Rathaus ein neues Gewand angelegt. Alle Zeit
i dieſes Haus eine Pflanzſtätte einträchtigen Gemein=
nnes
und wahrer Vaterlandsliebe. Dann können die, ſo
arin raten und taten, deſſen gewiß ſein, daß meine
andesväterliche Huld, als deren Symbol meine Königs=
one
dieſes Hauſes ragenden Turm ziert, ſie bei ihrer
lrbeit zum Heile der Stadt geleiten wird. Und ſo erhebe
ch dieſen Pokal, gefüllt mit deutſchem Weine, und leere
h auf das Blühen und Gedeihen meiner Reſidenzſtadt
oſen.
Es folgte ein Rundgang durch alle Räume des
lten Hauſes. Der Bau des Battiſte di Quedro iſt unter
er Leitung des Regierungsbaumeiſters Boetenſtaedt und
nter der Mithilfe des Kunſtmalers Kutſchmann=Berlin
t ſeiner ganzen Renaiſſance=Herrlichkeit wiedererſtanden.
nsbeſondere bot die hiſtoriſche Halle, durch deren niedere,
eigefaßte Scheiben die Sonnenſtrahlen fielen, durchaus
en Eindruck eines Ratsſaales des 16. Jahrhunderts.
jeſonderes Intereſſe erregten die farbigen Reliefs an der
ecke, welche Planeten, ſeltene Tiere, Wappen und
ibliſche Bilder darſtellen.
Als der Kaiſer, dann die Kaiſerin und die Kron=
rinzeſſin
und ſchließlich alle Prinzen auf der oberen
ffenen Galerie der Oſtfront ſichtbar wurden, wurden ſie
on der dichtgedrängten Menſchenmenge auf dem alten
karkte mit endloſen Hochrufen begrüßt. Das Kaiſerpaar
nd das Kronprinzenpaar dankten auf das liebenswür=
igſte
. Um 12¾ Uhr verließen die Fürſtlichkeiten das
aus und fuhren unter andauernden Kundgebungen
ie Kaiſerin nach dem Reſidenzſchloß, der Kaiſer nach dem
ffizierkorps der Jäger zu Pferde, wo er am Früh=
ü
ck teilnahm.
Zivildiner im Reſidensſchloſſe.
* Poſen, 27. Aug. Abends fand im Reſidenzſchloſſe
ivildiner ſtatt, bei dem der Kaiſer folgende An=

ſprache hielt: Im Namen Ihrer Majeſtät der Kaiſe=
rin
wie im eigenen Namen heiße Ich Sie, meine Herren,
hier in meiner ſchönen Pfalz herzlich willkommen. Wir
freuen Uns, daß die diesjährigen Manöver Uns für einige
Tage in Ihre Provinz geführt haben und mit Ihren be=
währten
Vertretern und treuen Bewohnern in nähere Be=
rührung
bringen. Ich benutze gern auch dieſe Gelegen=
heit
, nochmals wärmſten Dank zu ſagen für die freund=
lichen
Glückwünſche und Kundgebungen der Anhänglich=
keit
, welche Mir zu Meinem 25jährigen Regierungsjubi=
läum
aus Stadt und Land der Provinz Poſen in reicher
Fülle zugegangen ſind. Heute früh iſt es mir vergönnt ge=
weſen
, der Weihe der fertiggeſtellten Kapelle dieſes Mei=
nes
Reſidenzſchloſſes beizuwohnen. Als ein prächtiges
Zeugnis deutſchen Kunſtſchaffens bildet ſie einen würdigen
Abſchluß der ausgezeichneten Arbeit, die hier geleiſtet iſt.
Vollendet iſt der feſtgefügte, harmoniſch gegliederte Bau,
ein Wahrzeichen landesherrlicher Macht und Fürſorge, und
lobt ſeinen Meiſter. So möge auch die treue Arbeit und
Fürſorge, die Preußens Könige der Provinz Poſen in
langen Jahren zugewendet haben, mit Erfolg gekrönt
werden und die Provinz ſich immer mehr zu einem feſt=
gefügten
, zuverläſſigen Gliede des herrlichen Baues un=
ſeres
preußiſchen, unſeres deutſchen Vaterlandes ent=
wickeln
. Mögen ihre Bewohner gleichviel, welcher Na=
tionalität
und Konfeſſion , eng verbunden durch das
Band der Liebe zur gemeinſamen ſchönen Heimat und
das Band der Treue gegen König und Vaterland, ſich die
Errungenſchaften deutſcher Kultur zu eigen machen und
ihres Segens froh werden. Gleich Meinen Vorfahren
wird Mir das Wohl Meiner Provinz Poſen ſtets beſon=
ders
am Herzen liegen. Ich trinke auf eine glückliche Zu=
kunft
der Provinz Poſen und ihrer Bewohner!

IIB. Poſen, 27. Aug. Bei der Abfahrt der prinz=
lichen
Herrſchaften nach der beendeten Feier im Rathauſe
ereignete ſich ein aufregender Zwiſchenfall. Als
der Kronprinz mit der Prinzeſſin Auguſt Wilhelm ein
Hofautomobil beſtiegen hatte, gingen die Pferde eines
der Hofwagen durch und rannten direkt auf das Auto des
Kronprinzen zu, deſſen rechte Außenwand ſtark beſchädigt
wurde, während der Kronprinz mit Geiſtesgegenwart
ſchnell die Prinzeſſin herausriß, ſo daß niemand zu Scha=
den
kam. Mehrere andere anweſende Prinzen eilten
hinzu und es gelang ihnen, die Pferde zu halten.

Gedächtnisfeiern.

* Dresden, 26. Aug. Heute abend wurde hier im
großen Gewerbehausſaal von der Stadt Dresden eine
Gedächtnisfeier zum 100. Todestag Theodor
Körners veranſtaltet. Anweſend waren: Kronprinz
Georg, ſeine beiden Brüder, die Prinzen Friedrich Chri=
ſtian
und Ernſt Heinrich, die Miniſter Graf Vitzthum, Dr.
Beck, Dr. Nagel, Intendant Graf Seebach, die Spitzen der
übrigen ſtaatlichen und ſtädtiſchen Behörden und die lite=
rariſchen
Kreiſe Dresdens. Die Hofſchauſpielerin Frau
Baſts ſprach einen von Max Bewer verfaßten Prolog.
Darauf trug der Kreuzchor (Schüler der Kreuzſchule, zu
der bekanntlich auch Körner einſt gehörte) verſchiedene
Körner=Lieder in der Vertonung von Weber vor. Die
Feſtrede hielt der Direktor der Städtiſchen Sammlungen,
Profeſſor Minde=Pouet. Karl Reineckes Deutſcher Sang
ſchloß die ſchöne Feier ab. Zum Gedächtnis Körners
wurden außerdem in allen Dresdener Schulen Feiern ab=
gehalten
. Zahlreiche Klaſſen und Tauſende von Privat=
perſonen
beſuchten das Körner=Muſeum. Auch das Denk=
mal
Körners war prächtig geſchmückt. Unter den Kränzen
befand ſich auch ein Eichenkranz aus Wöbbelin.
* Liegnitz, 26. Aug. Unter lebhafter Beteiligung
der Einwohner feierte heute die Stadt Liegnitz die
Erinnerung an den heute vor hundert Jahren vor
ihren Toren an der Katzbach erfochtenen Sieg der
ſchleſiſchen Armee über die Franzoſen. In den Anlagen
des Stadtparkes wurde heute vormittag ein Gedenkſtein
für zwei erfolgreiche Truppenführer der Befreiunaskriege,
Friedrich von Hellwia und Heinrich von Wedel,
enthüllt, welche beide in Liegnitz begraben liegen. Heute
mittag wurden die auf dem Wilhelmsplatz errichteten
Bronzebüſten der vier Heerführer in der Katzbach=
ſchlacht
: Blücher, Gneiſenau. York und von Sacken, der
Oeffentlichkeit übergeben. Die Denkmäler ſind Stiftungen
Liegnitzer Bürger. Nachmittags bewegte ſich ein imvo=
ſanter
Feſtzua mit zahlreichen Gruppen in hiſtoriſcher
Tracht durch die reich geſchmückten und beflagaten Straßen.
Auf dem Friedrichsplatz hielt der erſte Bürgermeiſter,
Charbonnier, eine patriotiſche Anſprache.
* Dohnau a. d. Katzbach, 26. Aug. Die in der Kir=
chengemeinde
Hochkirch vereinigten Dörfer begingen heute
auf dem Schlachtfelde die Jahrhundertfeier der
Schlacht an der Katzbach. Das Feſt wurde auf
dem Malhügel an der Katzbach gefeiert. Anſprachen hiel=
ten
Freiherr von Richthofen=Merſchütz und Paſtor Ger=
hardt
=Hochkirch. Die erſchienene Menge zählte nach Tau=
ſenden
. An den Kaiſer von Rußland wurde ein Tele=
gramm
abgeſandt mit der Verſicherung, daß die Provinz
Schleſien nicht des tapferen und heldenmütigen Generals
von Sacken und die tapferen Ruſſen vergeſſen wird, die
Schleſien mit befreien halfen. Auf dem Feſtplatz fand
eine Aufführung des vaterländiſchen Feſtſpiels Die
Schlacht an der Katzbach ſtatt, womit die Feier ihr Ende
erreichte.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
g. Darmſtadt 27. Aug. Geſtern malhte Leut=
nant
v. Hiddeßen mit Leutnant Müller alls Begleiter
auf einem Euler=Doppeldecker einen prachtvollen Ueber=
landflug
nach der Bergſtraße. Bei dem
Rückſlua nach dem Flugplatz wurde Darmſtadt in großer
Höhe überfſlogen. Leutnant v Hiddeßen landete aus
1000 Meter Höhe im Glleitfluge mit voll=
ſtändig
abaeſtelltem Motor. Gefreiter Gorlt
landete ebenhalls im Gleitfluge mit abgeſtelltem Motor
aus 900 Meter Höhe. Ferner flogen Leutnant Rein=
hardt
mit Leutnant Arntzen. Leutnant Koch mit
Oberleutnank Dickoff. ferner allein Unteroffizier
Steindorf. Sämtliche Flieger ſind glatt gelandet.
Neben den Euler=Flugapparaten ſind jetzt auch die elegan=
ten
Aviatik=Doppeldecker auf dem hieſigen Flugplatz ver=
treten
.

Deutſche Flugrekorde.
Ein Flug von 7½ Stunden.
* Habsheim, 26. Aug. Die Flugleiſtung, die der
Flieger Stöffler durch ſeinen Flug nach Jüterbog voll=
brachte
, bedeutete, wie ſchon gemeldet, eine aviatiſche Re=
kordleiſtung
allererſten Ranges. In bezug auf die Strecken=
länge
bedeutet der Flug einen deutſchen Rekord, in bezug
auf die Dauer einen Weltrekord. (Stöffler war,

wie gemeldet, um 5.45 Uhr früh in Habsheim bei Mül=
hauſen
i. E. mit Paſſagier aufgeſtiegen und hatte ohne
Zwiſchenlandung um 1 Uhr nachmittags Jüterbog er=
reicht
. D. Red.)
* Johannisthal, 26. Aug. Stöffler iſt nach
einer Zwiſchenlandung in Altengrabow hier niederge=
gangen
und um 5.27 Uhr wieder aufgeſtiegen.
* Johannisthal, 26. Aug. Stöffler iſt um
7½ Uhr abends 40 Kilometer vor Inſterburg glatt gelan=
det
. Die Entfernung Mülhauſen-Berlin-Inſterburg be=
trägt
1200 Kilometer. Der Flug iſt die größte Leiſtung,
die bis jetzt von einem deutſchen Flieger in einem Tage
vollführt wurde. Stöffler beabſichtigt, von Inſterburg
nach Berlin zu fliegen, um am Samstag an dem Wett=
fliegen
Rund um Berlin teilzunehmen.
* Johannistal, 27. Aug. Der Flieger Stöff=
ler
, der geſtern bei Schloppe (Weſtpr.) landete, iſt dort
heute früh 8½ Uhr wieder aufgeſtiegen und nach Jaſtrow
geflogen, um Benzin und Oel zu holen. Von dort trat
er um 12½ Uhr den Flug nach Berlin an und landete um
3 Uhr in Johannistal.
Ein 6¾ Stunden=Flug.
* Neumünſter, 26. Aug. Der Flieger Steffen
ſtieg heute nachmittag 12.34 Uhr zu einem Dauerfluge
um den Preis der Nationalflugſpende auf
und landete nach einem ununterbrochenen Fluge von 6
Stunden 48 Minuten um 7.30 Uhr, weil er ſeinen Benzin=
vorrat
verbraucht hatte. Er erhält 6000 Mark und 2000
Mark Monatsrente Der bisherige Rekord wurde von
Leutnant Ganter mit 6 Stunden 19 Minuten gehalten.

Das erſte Flugzeug auf Helgoland.
Helgoland, 27. Aug. Das Waſſerflug=
zeug
D 7, Führer Leutnant v. Gorriſſen, das
geſtern um 3 Uhr 12 Minuten die Kugelbacke bei Cux=
haven
mit einem Beobachter zu einem Fluge nach Helgo=
land
verlaſſen hatte, traf um 4 Uhr 2 Minuten in Helgo=
land
ein. Es landete bei der Helgoländer Düne in glat=
tem
Gleitfluge auf dem Waſſer und durchfuhr noch 500
Meter Waſſerſtrecke. Die 35 Seemellen Fahrt hatte es
in 50 Minuten zurückgelegt. Das Flugzeug wurde in
die neue Flughalle am Kriegshafen bugſiert. Es wird
an den Manövern der Hochſeeflotte teilnehmen.

* Cannſtatt, 27. Aug. Die beiden Fliegeroffiziere
Leutnant Zwickau und Leutnant Klees, die am
Samstag nachmittag auf dem Exerzierplatz gelandet wa=
ren
, ſtiegen heute früh zum Weiterfluge nach München auf.
Nachdem der Doppeldecker in einer Höhe von mehreren
hundert Metern einige Runden beſchrieben hatte, flog er
in der Richtung nach Eßlingen ab.
* Innsbruck, 27. Aug. Der geſtern bei Innsbruck
aufgeſtiegene Freiballon Graf Zeppelin überflog
die italieniſche Grenze und wurde in Galeriano
(Provinz Undine) von den italieniſchen Militärbehörden
beſchlagnahmt. Die vier Inſaſſen, ſämtlich Oeſter=
reicher
, ſind feſtgenommen worden. Das Wiener Aus=
wärtige
Amt hat die notwendigen Schritte eingeleitet.
* Paris 27. Aug. Der Flieger Letort, der,
geſtern gegen Mitternacht aus Danzig eingetroffen war,
erklärte, daß er durch die hereinbrechende Nacht gehindert
wurde, die ihm zur Erringung des Pommerypokals noch
fehlenden 50 Kilometer zurückzulegen. Er ſei bei der Er=
ledigung
der Formalitäten von den deutſchen Behörden
außerordentlich liebenswürdig behandelt worden.
* London, 26. Aug. Der Flieger Hawker über=
nachtet
in Oban. Er hat bis Donnerstag 9 Uhr 30 Mi=
nuten
früh 704 Meilen zurückzulegen, um den Preis für
den Flug um Großbritannien zu gewinnen.

Kriſis im Aeroklub.
* Paris 27. Aug. Der Beſchluß des Vorſtandes
des Aeroklubs von Frankreich, nach welchem der Wett=
bewerb
um den Gordon=Bennett=Preis auf dem Flugplatz
von Reims ſtattfinden ſoll, der zur Konkursmaſſe des ver=
hafteten
Schwindlers Deperduſſin gehört, rief vielfach
Mißbilligung hervor. So iſt der bekannte Aeroplankon=
ſtrukteur
Louis Blériot infolge dieſes Beſchluſſes aus
dem Vorſtand des Aeroklubs ausgeſchieden, ebenſo der
Deputierte Benazet, welcher den Bericht erſtattete für
das Militärweſen. Auch hat Henei de la Vaulr, der be=
kannte
Erbauer und Lenker von Luftſchiffen, deſſen Anſich=
ten
häufig im Widerſpruch zu jenen der Aviatiker ſtehen,
die den Aeroklub beherrſchen wollen, ſeinen Austritt aus
dem Vorſtande des Klubs angemeldet.

Landwirtſchaftliches.

Faſelmarkt zu Darmſtadt. Die Intereſſenten
ſeien nochmals auf den am Samstag, 30. Auguſt, vor=
mittags
9 Uhr beginnend, hier ſtattfindenden Faſel=
markt
, verbunden mit Prämiierung, aufmerkſam
gemacht. Die Beſchicker des Marktes haben beim Auftrieb
eine bürgermeiſteramtliche Beſcheinigung, daß in den letzten
vier Wochen keine Maul= und Klauenſeuche geherrſcht, vor=
zuweiſen
.
Frankfurt a. M., 27. Aug. Schlachtvieh=
markt
. (Amtlicher Bericht.) Auftrieb: 1592 Schweine.
Preiſe für 50 Kilogramm Lebendgewicht: Fettſchweine
über drei Zentner Lebendgewicht 6365 Mark ( Schlacht=
gewicht
8082 Mk.), vollfleiſchige Schweine über 2½
Zentner Lebendgewicht 6267 Mark (7982 Mk.), voll=
fleiſchige
Schweine über zwei Zentner Lebendgewicht 62
bis 65 Mark (8082 Mk.), vollfleiſchige Schweine bis zu
zwei Zentner Lebendgewicht 6265 Mark (8082 Mk.).
Marktverlauf: Geſchäft mittelmäßig; bleibt Ueberſtand.

Der Eiſenbahnunfall bei Krojanke.

* Berlin, 27. Aug. Die Morgenblätter melden: Der
Unglückszug aus Königsberg, dem kurz vor der
Station Krojanke von dem letzten Paſſagierwagen die
Vorderachſe brach, traf geſtern nachmittag gegen 4 Uhr
auf dem Schleſiſchen Bahnhof ein. Es war angeordnet
worden, die noch im Zuge befindlichen Verletzten ſofort
nach dem Bahnhof Friedrichſtraße zu bringen, wo der
Bahnarzt mit einigen im Rettungsdienſt geſchulten Bahn=
beamten
den Zug erwartete. Eine Dame, die allem An=
ſchein
nach ſehr ſchwer verletzt war, wurde in ein nahe=
gelegenes
Hotel gebracht. Einigen anderen leichter ver=
letzten
Paſſagieren wurde im Zimmer des Bahnhofsvor=
ſtehers
die erſte Hilfe zuteil. Ein Paſſagier machte einem
Mitarbeiter der Voſſiſchen Zeitung folgende Angaben:
Wir befanden uns in dem letzten Durchgangswagen, der
mit Paſſagieren mit dem Ziel Berlin dicht beſetzt war.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913.

Nummer 201,

Unterwegs fiel uns ſchon auf, daß dreimal auf offener
Strecke gehalten wurde. Ungefähr 50 Kilometer vor Kro=
anke
vernahmen wir ein verdächtiges Surren; gleichzeitig
flogen Steine vor dem Fenſter in die Höhe. Ein Herr
war im Begriff, die Notleine zu ziehen, als ein dumpfer
dröhnender Schlag erfolgte durch den ein markerſchüttern=
der
Schrei der zu Tode erſchrockenen Frauen und Kinder
hindurchgellte. Unſer Wagen war vollkommen umgekippt.
Die Fenſterſcheiben ſchauten nur als drohende Scherben
aus dem Rahmen heraus. Die Sitzbänke waren abge=
brochen
und die Paſſagiere lagen im wirren Knäuel
durcheinander. Die Befreiung aus dem umgekippten Wa=
gen
fand durch Leitern ſtatt. Man war kaum aus dem
Wagen heraus, als man aus demſelben Flammen empor=
züngeln
ſah.

Vom Balkan.

* Belgrad, 26. Aug. Nachdem eine Einigung
zwiſchen den Regierungen Serbiens und
Montenegros erzielt worden iſt, wird im Mini=
ſterium
des Aeußern an der definitiven Feſtſetzung der
Grenzlinie gearbeitet. Montenegro erhält Djakowitza,
Plevlje und Ipek. Am Freitag ſindet unter militäriſcher
Kontrolle bei der Grenzſtation Sukowo der Austauſch
der Kriegsgefangenen zwiſchen Serbien und Bul=
garien
ſtatt.
* Paris, 26. Aug. Die Abordnung der Ein=
wohner
Adrianopels wurde heute im Miniſterium
des Aeußern vom Unterdirektor Margerie empfangen,
welcher das Memorandum entgegennahm und es dem
Miniſter des Aeußern zu überreichen verſprach.
* Konſtantinopel, 26. Aug. Alle Blätter teilen
die Anſicht, daß offizielle oder offiziöſe unmittelbare Ver=
handlungen
zwiſchen der Türkei und Bul=
garien
begonnen haben und halten dafür, daß dies das
einzige Mittel ſei, raſch zu einem Abkommen zu gelangen.
* Sofia, 27. Aug. Nach Informationen aus dem
Miniſterium des Innern haben die rumäniſchen
Truppen das bulgariſche Gebiet faſt vollſtändig ge=
räumt
. Vorausſichtlich wird morgen kein rumäniſcher
Soldat mehr auf bulgariſchem Gebiet ſtehen. Die Behör=
den
hoffen, daß der normale Eiſenbahndienſt in Bul=
garien
Ende Auguſt wiederhergeſtellt ſein wird.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 27. Aug. Der Kaiſer hat am 23. d. M.
folgendes Telegramm an Kaiſer Franz Joſef gerich=
tet
: Mit herzlicher Teilnahme höre ich ſoeben, daß Vize=
admiral
Graf Lanjus ſeinen ſchweren Verletzungen
erlegen iſt. Ich betrauere mit Dir den Verluſt dieſes
Offiziers, der Treue im Dienſt bis zum Tode bewies.
Ich werde meiner warmen Teilnahme Ausdruck geben.
indem ich mich durch Major von Kageneck bei der Beerdi=
gung
vertreten laſſen werde. (gez.) Wilhelm. Kaiſer
Franz Joſſef antwortete mit einem ſehr herzlichen
Danktelegramm.
* Berlin, 27. Aug. Das Königspaar von
Griechenland hat ſich für Anfang September bei dem
Prinzenpaar Friedrich Karl von Heſſen zu einem Er=
holungsurlaub
auf Schloß Friedrichshof bei Kron=
berg
im Taunus angeſagt. Von Kronberg aus nimmt
der König von Griechenland auf Einladung Kaiſer Wil=
helms
auch an den Kaiſermanövern teil.
* Mexiko, 27. Aug. Trotzdem Lind ſich jetzt in
Veracruz befindet, ſteht er mit dem Miniſter des Aeußern
Gamboa in einem Notenaustauſch, der, wie man zu wiſ=
en
glaubt, ſich auf die Bitte Mexikos bezieht, daß Prä=
ſident
Wilſon die Verleſung der Botſchaft vor dem
Kongreß aufſchiebt, während Mexiko die Veröffentlichung
der Akten über die Angelegenheit vorbereitet. Unter
den Ausländern in Mexiko herrſcht Un=
ruhe
. Zahlreiche Amerikaner reiſen nach Veracruz.
Gamboa erklärte, es gebe vorläufig keinen Grund zur
Aufregung, die Lage ſei keineswegs verzweifelt, ſie ſei
nur ernſt. Es ſei alſo zu wünſchen, daß die Bevölkerung
beſonnen bleibe; ſo würde ſie am beſten der Regierung
hellfen.
HB. Köln, 27. Aug. Der 20jährige Fleiſchergeſelle
Hahn, der vor einiger Zeit bei einem Einbruchsverſuch
ertappt und verhaftet wurde, hat im hieſigen Gerichts=
gefängnis
eingeſtanden daß er die Wirtſchafterin
des Kaplans in München=Gladbach ſeinerzeit ermordet
habe. Er geſtand weiter ein, in verſchiedenen Fällen
maskiert mit ſeinem Komplizen Völkel in Häuſer einge=
drungen
zu fein und die Bewohner durch vorgehaltene
Revolver gezwungen zu haben, ihr Geld auszuliefern.
Dieſe Räubereien wurden in verſchiedenen Städten, ſo in
Hannover, München, Heidelberg uſw. begangen.
Düſſeldorf, 27. Aug. Der Prokuriſt Karl Steeg
verfügte bei ſeiner Feſtnahme nur noch über geringe Gelld=
mittel
. Anſcheinend benutzte er die Unterſchlagungen zu
neuen Spekulationen, um die alten Defizite zu decken.
Helgoland, 27. Aug. Prinz und Prinzeſ=
ſin
Heinrich von Preußen trafen heute morgen
8.10 Uhr, von Kiel kommend, auf der Stationsjacht Car=
men
in Helgoland ein. Sie beſichtigten ſämtliche Be=
feſtigungswerke
, insbeſondere die neuen 30,5=Zentimeter=
Türme der neuen Nordgruppe. Der Fliegeroffizier Leut=
nant
v. Gorriſſen führte verſchiedene ſehr gut ge=
lungene
Flüge vor den Fürſtlichkeiten aus. Er umflog
den Helgoländer Felſen und ſchlug dann die Richtung nach
Wilhelmshaven ein.
Oſtende, 27. Aug. Die Perſönlichkeit der beiden
Frauen, die in Oſtende Selbſtmord verübten, iſt feſt=
geſtellt
worden. Es iſt die 55jährige Stickerin Wiltwe
Knops und ihre 34jährige Tochter. Beide ſind Belgierin=
nen
, die in Aachen wohnten. Da ſie grundlos ihre Aus=
weiſung
befürchteten, verübten ſie aus Schwermut Selbſt=
mord
.
HB London, 27. Aug. Die Meldung des Temps von
deutſch=franzöſiſchen Verhandlungen über
die Bagdadbahn wird in hieſigen diplomatiſchen Kreiſen
ſehr beachtet. An deutſcher unterrichteter Stelle iſt aller=
dings
von Verhandlungen, die zwiſchen deutſchen und
franzöſiſchen Finanzgruppen in dieſer Frage ſchweben
ſollen, nichts bekannt. Es iſt aber möglich, daß vielleicht
unverbindliche Beſprechungen zwiſchen der Deutſchen
Bank und der Otkoman=Bank ſtattfinden. Zwiſchen den
beiden Regierungen von Deutſchland und Frankreich fin=
den
aber, wie von informierter Seite verlautet, ſolche
Verhandlungen nicht ſtatt.
Waſhington, 27. Aug. Huerta hat an den Bot=
ſchafter
Lind der ſich noch in Veracruz befindet. eine
neue Note gerichtet.

Briefkaſten.

* Schneiderei. Wenden Sie ſich an die Hand=
werkskammer
Darmſtadt. Sie erhalten da am beſten und
ausführlichſten Beſcheid.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Der hohe Druck über dem Feſtland hat ſich verflacht;
über Island macht ſich eine Depreſſion bemerkbar, während
das flache Tief über Rußland zurückgewichen iſt. Ueber
England ſteigt der Druck wieder, ſo daß wir mit meiſt hei=
terem
, bis auf Gewitterregen trockenem Wetter rechnen
können.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den 28.
Auguſt: Meiſt heiter und trocken, warm, Gewitterneigung.

Ein goldenes Gemüt

hat doch dieſe liebenswürdige Frau B. Immer guter
Laune, bringt ſie Frohſinn in das Leben aller ihrer An=
gehörigen
. Jede aufſteigende Gereiztheit, Abgeſpannt=
heit
, Unluſt bekämpft ſie mit 2 Stück der echten Kola=
Paſtillen Dallkolat. 1 Schachtel Dallkolat Mk. 1.
(I,17894
in Apotheken und Drogenhandlungen.

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sind unsere Spezial-Preislagen für gediegen gearbeitete,
formvollendete, komplette Ausstattungen. Wir bieten
darin eine großartige Auswahl bei billigsten Preisen und
bitten Interessenten, sich durch einen unverbindlichen
Besuch unserer Ausstellungsräume davon zu überzeugen.
Gebrüder Fischer
Alexanderstraße 10.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Amerika‟, 21. Aug. 12 Uhr 30 Min.
mittags von Neu=York über Cherbourg und Southamton
nach Hamburg. Cheruskia 20. Aug. abends von San=
tiago
de Cuba nach Neu=York. Hamburg von Neu=
York nach Genua, 21. Aug. 11 Uhr vorm. in Neapel.
Imperator nach Neu=York, 21. Aug. 7 Uhr abends
von Cherbourg. Patricia von Neu=York kommend,
22. Aug. 6 Uhr morgens auf der Elbe. Prinz Adalbert‟,
von Philadelphia kommend, 21. Aug. 4 Uhr 30 Min.
nachm. in Hamburg. Cincinnati, von Boſton kom=
mend
, 21. Aug. 10 Uhr 5 Min. morgens von Plymouth.
Pretoria 23. Aug. 3 Uhr nachm. von Neu=York direkt
nach Hamburg. Salamanca 23. Aug. 6 Uhr abends
von Neu=York nach Philadelphia. Weſtindien, Mexiko:
Fürſt Bismarck nach Havana und Meriko, 21. Aug. 4 Uhr
nachm. von Coruna. Grunewald 21. Aug. in Veracruz,
ausgehend. Dania von Mexiko und Havana kom=
mend
, 24. Aug. 11 Uhr abends von Bilbao über Ply=
mouth
und Hapre nach Hamburg. Grunewald 24. Aug.
von Veracruz, ausgehend. Patagonia von Weſtindien
kommend, 25. Aug. 1 Uhr morgens in Havre. Sardinia‟,
von Weſtindien kommend, 25. Aug. 1 Uhr morgens in
Havre. Wasgenwald 24. Aug. in Veracruz, ausgehend.
Oſtaſien: Altmark 24. Aug. in Marſeille, heim=
kehrend
. Ambria 22. Aug. 2 Uhr nachm. von Kobe
nach Yokohama. Arabia 24. Aug. 2 Uhr 30 Min.
nachm. nach Rotterdam. Belgravia 23. Aug. 8 Uhr
abends von Moji nach Kobe. Fürſt Bülow 22. Aug.
nachm. Sagres paſſiert, heimkehrend. Hoerde 25. Aug.
morgens von Sabang nach Singapore. Sithonia‟
24. Aug. von Malta nach Marſeille. Suevia 24. Aug.
von Hankow nach Schanghai Verſchiedene Fahrten:
Kronprinzeſſin Cecilie‟, Aerzteſtudienfahrt, 21. Aug. 6 Uhr
morgens in Belfaſt. Vergnügungsdampfer Meteor,
neunte Nordlandfahrt, 21. Aug. 3 Uhr nachm. in Bal=
holmen
. Victoria Luiſe, achte Nordlandfahrt, 21. Aug.
in Digermulen. Kronprinzeſſin Cecilie‟, Aerzteſtudien=
fahrt
, 23. Aug. nachm. Lizard paſſiert. Markomannia
nach Perſien, 24. Aug. 4 Uhr nachm. in Emden. Ver=
gnügungsdampfer
Meteor neunte Nordlandfahrt,
24. Aug. 4 Uhr morgens in Dortheim. Victoria Luiſe‟,
achte Nordlandfahrt, 24. Aug. in Gudvangen.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
Rotterdam 20. Aug. 8 Uhr vorm. Lizard paſſiert.
Nieuw Amſterdam 17. Aug. nachm. in Neu=York ein=
getroffen
. Noordam 17. Aug. 9 Uhr vorm. Lizard
paſſiert. Ryndam 8. Aug. nachm. in Rotterdam ein=
getroffen
. Potsdam 19. Aug. vorm. von Neu=York
abgegangen.

Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Unſer liebes Söhnchen

Arnold

iſt uns im Alter von zwei Monaten uner=
wartet
durch den Tod entriſſen worden.
Darmſtadt, 27. Auguſt 1913.
Landgerichtsrat Dr. Stein
und Frau Elsa,
geb. Hochstraßer.
Die Beerdigung findet in der Stille ſtatt.
Blumenſpenden und Beileidsbeſuche dankend
abgelehnt.
(17931

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten
die traurige Nachricht, daß mein herzensguter
Gatte, unſer lieber Vater, Schwiegerſohn, Bru=
der
, Schwager und Onkel
(17922
Herr Karl Klenk
Schreinermeister
nach kurzem, ſchwerem Leiden im Herrn ent=
chlafen
iſt.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, Sensfelderhof, 27. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags
3 Uhr, vom Portale des ſtädtiſchen Friedhofes=
aus
, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Heute morgen 6½ Uhr entſchlief nach
längerem, ſchwerem Leiden unſere liebe Schweſter=
und Tante
(17918
Susanne Pfnor
geb. Henning
im 78. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Freitag, vormittags
11 Uhr, vom Sterbehauſe Kiesſtraße 82 aus,
auf dem hieſigen Friedhofe ſtatt. Die Einſeg=
nung
10¾ Uhr.

Hiermit machen wir Verwandten, Freun=
den
und Bekannten die ſchmerzliche Mitteilung,
daß heute nachmittag unſer lieber, braver, un=
vergeßlicher
und einziger Sohn, Neffe u. Couſin
Heinrich
nach langem, ſchwerem, mit Geduld ertragenem
Leiden, im kaum vollendeten 20. Jahre ſanft
entſchlafen iſt.
(*6822
Für die tieftrauernden Hinterbliebenen:
Familie W. Reichard,
Frankfurterſtraße 86.
Darmſtadt, 26. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Freitag, vormittags
11 Uhr, vom Portale des Darmſtädter Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Allen Verwandten und Bekannten die=
traurige
Mitteilung, daß geſtern vormittag=
um
9 Uhr unſere gute Mutter, Großmutter,
Schwiegermutter und Tante
(17926
Frau Philippine Becker Wwe.
im 64. Lebensjahre ſanft entſchlafen iſt.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 27. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Freitag, den 29. Aug.,
nachmittags 5 Uhr, vom Beſſunger Friedhof=
aus
, ſtatt.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 29. Auguſt.

Bahnſchwellen=Verſteigerung um 9 Uhr
der Ladeſtraße des früheren Heſſ. Ludwigs=Bahnh
Pferde=Verſteigerung um 11 Uhr in der Tre
kaſerne (Eſchollbrückerſtraße).
Grummetgras=Verſteigerung um 5 Uhr
den früher Wienerſchen Wieſen (Zuſammenkunft an
Waſenmeiſterei).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruck
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuille
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übr
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Str. den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilun
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſt
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwe
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche wer
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werdenn
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Nummer 201

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Anguſt 1913.

Seite 7.

(17887a

2
CSchz Rr. die Flasche ohne Glas 60 Pfg.

Weiblich

Angebende tüchtige Verkäuferin
ſucht Stellung per 1. Oktober oder
ſpäter in Kolonial= oder Manu=
fakturwarenbranche
. Offerten u.
L 54 a. d. Expedition. (17774imd

ſucht Stellung
Jüng. Fräulenn als Verkäufe=
rin
, Lageriſtin od. ähnlichen Poſten.
Off. unt. MI 6 an die Exp. (*6872

perſ. in ſein=
Schneiderin Damen= und
Kindergarder., nimmt noch Kund=
ſchaft
an, in und außer dem Hauſe.
*6886)
Rhönring 123, III.
PPerfekte Büglerin empfiehlt
ſich außer dem Hauſe.
(*6878
MNäh. Rheinſtr. 5, Seitenb., 2. St.
Schneiderin, ſelbſt., tücht., nimmt
nöch einige Kund. an in u. auß. dem
Hauſe, billigſt, auch h. Tage. Karte
genügt. Kaupſtr. 37, III. r. (*6876

Eine in allen Fächern tüchtig
erfahr. Haushälterin ſucht Stelle
am liebſten bei einzelnem Herrn,
ſper 1. Oktober 1913. Pflege wird
mit übernommen. Off. unt. L 38
an die Expedition ds. Bl. (*6605id

Junge Frau ſucht für nach=
ittags
Beſchäftigung. Offerten
1. L. 91 a. d. Exped. (*6824dso

Mehr. Mädch. ſ. Stellg. p. 15. Sept.
u. 1. Okt. Karolina Beck, gewerbsmäßige
tellenvermittlerin. Elisabethenstr. 22, II. (*

Reſtaur.=Köchin geht aus Koch.
iuf Kirchweihen, Hochzeiten ꝛc.
Karolina Beck, gewerbsmäßige Stellen-
vermittlerin
, Elisabethenstr. 22, II. (*6860

Junge unabh. Frau nimmt noch
Kunden zum Waſchen u. Putzen
in. Liebfrauenſtr. 86, 4. St. (*6870

Junges, kräft. Mädchen, 16 J.,
ucht per 1. Oktober Stellung.
6869)
Mühlſtraße 24, II. I.

Fr. hat n. T. fr. i. Waſch., Putz. u.
Aush. Bismarckſtr. 16, Mſ. l. (*6855df

Empfehle mich im Putzen, Waſchen
der als Stundenfrau.
(*6813
Frau Blaser, Gardiſtenſtr. 9.

Beſſeres Mädchen, mit aller
hausarbeit vertraut, ſucht Stellung
of. bei kinderl. Leuten. Zeugn. vor=
and
. Off. u. L. 87 Exp. (*6810dfs

44
ler kath. Mädchenſchutzverein
N.=Ramſtädterſtr. 30 (tägl. v. 3-5)
mpfiehlt z. 1. Oktober oder früher:
2 jüng. Hausmädchen,
2 ältere Herrſchaftsköchinnen,
1 Kindergärtnerin,
1 Kindermädchen.
(17884

S. Mädchen ſ. Laufd. f. morg.
mitt. Hoffmannſtr. 8, II. (*6882

leiß., brav.,
1jähriges Mädchen
ucht Stelle zu Kindern oder als
hausmädchen zum 1. September.
äh. Kaupſtraße 27, III. (*6892

Aelt. Mädchen ſ. Monatsſtelle.
Veinbergſtr. 14, Hth., pt., I. (B17924

Beſſere fleihige Frau, geſchäftsk.,
Beſchäftigung für vormittags.
Ff. u. M 2 an die Exped. (*6843

Männlich

Junger Kaufmann ſucht Neben=
beſchäftig
. im Bücher=Nachtragen
oder ſonſt ſchriftl. Arbeiten. Off.
unter L. 67 an die Exp. (*6698mds

Student
Bauing., 5jährige Praxis, ſucht
Nebenbeſchäftigung techniſcher oder
allgemeiner Art. Gefl. Off. unt.
§ 40 hauptpoſtlagernd. (*6865

Jg. Mann (Reiſender), welcher
noch einige Tage in der Woche
frei hat, ſucht Nebenbeſchäftigung.
Off. u. M 7 an die Erp. (*6891
Henee ee ee
Zme eere t
Große Körperſchaft ſucht infolge
Sitzverlegung ihrer Büros fürihren
verheirateten, durchaus zuverl
und gewandten Bürodiener ander
weit Stellung als
(17933dfs
onnnghafte dion
ng
Büre-Oder Herrschattsuiher.
Beſte Zeugniſſe u. nähere Aus=
kunftſtehen
jederzeit zur Verfügung.
Anfr. befördert die Exp. u. M 13.

Papier=
branchekundige
jüngere

zum 1. Oktober event. früher
geſucht. Angebote unt. L. 73
a. d. Exped. d. Bl. erbeten.
(17830md)


gewandt und
Fraulein, ſicherin Steno=
graphie
u. an Schreibm., aushilfs=
weiſe
für die Abendſtunden geſucht.
Off. unt. M 5 an die Exp. (*6374

mit guter Schulbildung,
abſolut firm in Steno=
graphie
und Maſchinen=
ſchreiben
, auch in einfachen
Bureauarbeiten erfahren,
wird von erſter hieſig. Firma
für ſofort geſucht. An=
fangsgehalt
M. 100. Hand=
ſchriftlichen
Bewerbungen
wolle man Photo beifügen.
Anfängerinnen können nicht
berückſichtigt werden. Offert.
unter L. 92 an die Exped.
dieſes Blattes.
(17883

Näh. in der Exp. ds. Bl. (*6954

gegen ſofortige
Lehrmädchen Vergütung geſucht
A. Anton, Küchen=Magazin
Eliſabethenſtr. 1. (*6903dfs

Nicht zu junges Dienſtmädchen
ſucht. Soderſtr. 44, I. (*6815df

Der 1. Oktober
ſuchen
tüchtigen

Buchhalter.

Nur Herren, die über eine
ſchöne Handſchrift verfügen
und an flottes, ſicheres und
ſelbſtändiges Arbeiten ge=
wöhnt
ſind, wollen Offerten
mit Zeugnisabſchriften und
Gehaltsanſprüche an
Gebr. Rothschild
Markt 2
ich ten.
(17927ds

58
Buchhalter

dauernde Stellung geſucht.

(6 r.

Eähn Av
Fur Aapealtion
In= und Ausland) und Betriebs=
ureau
=Arbeiten tüchtige Kraft

17708od

Herr oder Dame

(B17390

Jüngerer

Schreibgehilfe

zum Eintritt per 1. Oktober
für das Büro eines größeren
Detailgeſchäftes geſucht.
Gute, gewandte Handſchrift
verlangt. Offerten mit Ge=
haltsanſprüchen
unter M 16
an die Exped. d. Bl. (17877

Junger Reisender

Einkomnen.
(345
Erbacherſtraße 18.

Junger Kaufmann
ab 1. Oktober auf 4 Monate zur
Aushilfe geſucht.
Gefl. Offerten erbitte unter
L 99 a. d. Expedition. (17899df

2
Jüng. Kontolist
einf. Buchhalt., flotter Stenograph
und Maſchinenſchreiber, ſowie
jung. Bautechniker
für Architekturbüro alsbald ge=
ſucht
. Eintritt ſpäteſt. 1. Okt. d. J.
Schriftl. Offerten u. L. 94 an
die Expedition ds. Bl. (*6820df

. tägl. z. verdienen. Proſp.
2-10OMk. frei. Adressen-Verlag
Joh. H. Schultz. Cöln 146. (I,16002

Beumten
iſt augenblicklich eine ſehr günſtige
Gelegenheit geboten, ſich einen
ſchönen Nebenverdienſt zu ver=
ſchaffen
. Erforderl. Kapital ca.
500 Mark. Off. unter L 88 an
die Exp. d. Bl. erbeten.
(*6806

lank u. mehr i. Hauſetägl.
510 Mdi k z. verd. (Poſtk. genügt).

16828a)

B. Hinrichs, Hamburg 15.

Braver junger Burſche
für vorm. für Milchgeſchäft auf ſof.
geſucht. Radfahrer bevorz. (*6873df
Wendelſtadtſtr. 31, Gartenh., 1. St.

Zuverläſſiger
Pf.
Heizer und Maſchiniſt
per ſofort geſucht. Lebensſtellung.
Wohnung u. Heizung frei, Schloſſer
u. verheiratet bevorzugt. Off. u.
L 97 a. d. Expedition. (17897

Jg. Hausburſche (Radf.) geſucht
*6812)
Karlſtraße 18.

4
Junger Hausburſche
zum Nachfragen, nur mit guten
Zeugniſſen, per 1. Sept. geſucht
Emanuel Fuld. (17935

In hieſigem ſeinem Detalge=
ſchäft
iſt kaufmänniſche Lehrſtelle
zu beſetzen. Selbſtgeſchr. Off. erb.
unt. M 11 an die Exp. (*6900dfs

Adolf Dingeldein, Darmstadt 22s
gewerbsmäßiger Stellenvermittler,
Eliſabethenſtraße 5, 2. Stock, Tele=
phon
531, ſpeziell für männliche
u. weibliche Hotel= u. Reſtaurant=
Angeſtellte.
(*6896

Landſchafts=
gartner

empfiehlt ſich in Anlegen und
Unterhaltung von Gärten. Billige
Preiſe und fachgemäße Bedienung.
Rudolf Hank, Moosbergſtraße 24.
Poſtkarte genügt.
(B16301

E2
Piano

modern, kreuzſ., wie neu, für 280 M.
ſof. z. verk. Heinheimerstr. 25. (16310a

Kurſe vom 27. Auguſt 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
Dtſche. Reichsſchatzanw. 98,60
Deutſche Reichsanl. . 83,80
74,20
do.
Preuß. Schatzanweiſg. 98,60
½ do. Conſols . . . 83,90
74,10
do.
do.
Bad. Staatsanleihe . . 97,70
91,00
do.
do.
Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,70
82,70
do.
73,70
do.
Hamburger Staatsanl. 97,60
98,20
Heſſ. Staatsanleihe
do. do. (unk. 1918) 96,50
do.
82,50
72,25
do.
Sächſiſche Rente.
75,40
Württemberg unk. 1921 97,40
do. v. 1875 93,70
Bulgaren=Tabak=Anl.
¼ Griechen v. 1887 . 57,00
Italiener Rent=
½ Oeſterr. Silberrent: 86,00
do. Goldrente . . . 91,50
do. einheitl. Rente . 81,70
Portug. unif. Serie I 61,10
do. unif. Ser. III 65,30
do.. Spezial . . . . 10,00
Rumänier v. 1903 . . 99,00
do.
v. 1890 . . 93,60
do.
v. 1905 . . 88,50
Ruſſen v. 1880 . . . . 88,50
do. v. 1902 . . . . 90,0)
do. v. 1905 . . . . 99,99
Schweden . . . . . .
Serbier amort. v. 1895
Türk. Admin. v. 1903 78,00
Türk. unifiz. v. 1903 87,80
Ungar. Goldrente . . . 86,00
do. Staatsrente. . . 82,00

Zi.
In Prot.
5 Argentinier . . . .
98,00
do.
41 Chile Gold=Anleihe . 92,10
5 Chineſ. Staatsanleihe. 97,50
90,80
do.
4½ Japaner . . . . . . . 91,10
5 Innere Mexikaner. . . 77,60
do.
4 Gold=Merikanerv. 1904 75,00
5 Gold=Merikaner . . . . 91,00
3 Buenos Aires Provinz 65,70
Aktien inländiſher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 138,75
7 Nordd. Bloyd . . . . . 116,40
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. . 127,50
Aktienausländiſchee
Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 69½
Einz. Mk. 403 .
6 Baltimore und Ohis . 99,00
6 Schantungbahn . . . . 122,75
8 Luremb. Prince Henri 164,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 27,10
6 Pennſylvania R. R. .
Letzt: Induſtrie=
Aktien.
Divid.
4 Brauerei Werzer
60,00
28 Bad. Anilin= u. Soda
Fabrik . .
544,00
14 Chem. Fabrik Grie:=
Pheim . .
.236,90
30 Farbwerke Höhlt . . 613,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . .
10 Cement Heidelberg . . 144,50
30 Chem. Werke Albert 443,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 314,00
5 Lahmeyer. . . . . . .

Eeite
Inprar=
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 151,00
12 Siemens & Halske 214,30
124,00
5 Beramann Electr. .
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 164,00
0 Gummi Peter . . . . 69,70
0 Kunſtſeide Frankfurt
30 Adler=Fahrradwerk:
Kleyer . . . . . . 402,00
9 Maſchinenk. Badeniz 145,00
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 159,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 219,00
12,83 Bad. Zucker= Waz=
häuſel
. . . . . . . 202,70
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 70,00
0 Südd. Immobilien . 50,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumeß=Friede . . . . 168,00
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 219,50
11 Deutſch=Luremburz.
Bergb. . . . . . . 146,00
10 Gelſenkirchener . . . . 184,75
9 Harpener . . . . . . . 188,00
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 258,50
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 75,50
6 Laurahütte . . . .
166,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 141,00
13
Weſteregeln 185,70
7½ South Weſt Africx
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 87,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . .
4 Franz=Joſefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . .
71,20
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,70
4 Oeſterr. Staatsbahn.
do.
76,50
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 96,10
4
do.

Bf.
Znpern.
2 Oeſt. Sädb. (Lomb.) 52,70
3 Raak=Oedenburg .
74,40
4 Kronprinz Rudolfbahn

4 Ruſſ. Südweſt. . . . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 93,40
4
84,60
do.
4 Wladichawchas .. .. 86,00
4 Rjäſan Koslow . . . . 85,00
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 73,00
4½
84,00
do.
24) Livorneſer . . . . . 68,90
3 Salonique=Monaſtir
62,00
4 Baadadbahn . . . . . .
4½ Anatoliſche Eiſend. . 92,00
4 Miſſouri=Paciſie. . . . 90,00
4 Northern=Paciſie . . . 94,50
4 Southern=Paciſic . . . 91,00
5 St. Louis und San
Francisco. . . . .
-
5 Tehuantepee . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . .
. . . 143,60
9½ Berlin. Handelsgef.
6½ Darmſtädter Bank . 114,30
12½ Deutſche Bank . . . 246,20
6 Deutſche Vereinsbank 115,75
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 111,50
10 Diskonto=Kommandit 182,75
8½ Dresdener Bank . . 147,30
10 Frankf. Hypoth.=B. 205,50
6½ Mitteld. Kreditbank 113,70
7 Nationalb. für Deutſchl. 114,50
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,90
6,95 Reichsbank . . . 133,50
7 Rhein. Kreditbank. . .127,00
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 106,75
½ Wiener Bankverein . 130,90
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17. . . 94,50

Zf.
In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19. . . . . . . 85,00
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.1519, 2126 93,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
84,00
bo.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,
3½
84,20
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
96,60
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . . . . 96,60
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
84,20
S. 1 u. 2, 68 . . .
S. 35 . . . . . . . . 84,00
S. 911 . . . . .
84,10
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
31
do.
84,00
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,30
3t) do. (unk. 1914) . . 83,40
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,60
3½
do.
85,00
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . .
94,50
3½
do.
86,20
Frankfurt. . . . . . . 96,60
3½
do.
96,20
4 Gießen . . . . . . .
31
do.
86,00
4 Heidelberg . . . .. . 93,70
Zu
do.
4 Karlsruhe . . . . . . 95,00
31
do.
4 Magdeburg. ... ..
31
.
4 Mainz . . . . . . .. 94,30
31
do.
4 Mannheim . . . . . . 94,00
Zu
89,00
do.
4 München . . . . . . . 98,00
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 96,00
3½
do.
84,00
4 Offenbach. . . . . . 94,50

M.
In Pro.
3½ Offenbach . . . . . . 85,40
4 Wiesbaden . . . . . .
-
3u
do.
4 Worms. . . . . . . . 94,00
3½
85,50
do.
4 Liſſaboner v. 1886 . 74,50
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 100 182,00
3½ Cöln=Mindner 100 135,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 115,60
3 Madrider . . Fs. 100 73,50
4 Meininger Pr.=Pfand=
135,50
briefe . . . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 181,00
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . .
.fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 194,50
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs.45
.. . . Fs.10
do.
.fl. 7
Meininger . .
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 560,00
do. v. 1858fl. 100 502,00
Ungar. Staats . . fl. 100 382,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,38
20 Franks=Stücke . . . . 16,17
Amerikaniſche Noten. . . 4,19
Engliſche Noten . . . . . 20,40
Franzöſiſche Noten. . . . 80,90
Holländiſche Noten. . . . 168,35
Italieniſche Noten . ..
79,25
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,55
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,90

Reichsbank=Diskonto. . . 6
Reichsbank=Lombard 3sf. 70a

[ ][  ][ ]

abgegeben.

Damen-Blusen, weisse Stoffe mit
Stickerei . . .
Damen-Blusen, farbige Waschstoffe
mit farbigen Garnierungen 1.95,
Damen-Blusen, waschb. Biberstoff.
Damen-Blusen, farbige Satin- Biber-
stoffe
mit Krawatte
Damen-Blusen, reine Wolle, ganz
gefüttert mit Tüllkragen. . .
Damen-Blusen, Tüllstoff mit Eins.
ganz auf Tüll gefüttert . .
Kostüm-Röcke aus Stoff, engl. Art
Kostüm-Röcke aus gemust. Stoffen
in den neuesten Fassons . . .
Kostüm-Röcke, aus blauem oder
schwarzem Cheviot . .
Matinées aus türkisch gemusterter
Taschentüchern
Unterröcke, aus gestreiften Wasch-
stoff
. mit hoh. Vol. 2.95, 1.95,
Unterröcke, Lüsterstoffe, enorm bill.
Kinderkleidchen, Wasch- u. Biber-
. 2.95, 1.95,
stoffe . .
Kindermantel, aus blauem Cheviot
Kindermantel, aus weissem Lamm-
fellstoff

Russenkittel, Waschstoffe u. Halb-
tuch
mit Borden besetzt 1.95,
Schwarze Satin-Blusen, Vorder-
und Rückenschluss 2.95, 1.95,

1 elegantes Ueberhandtuch . .
1 Läufer mit Einsatz und Spitzen
garniert
1 Decke mit Einsatz und Spitzen
garniert . . . . . . .
, ,
1 Diwan-Gobelin .
1 Bürstentasche mit 2 Bürsten
,
1 Zeitungshalter

,
1 Staubtuchtasche . . . . .
Handarbeitsbeutel . .
1 fertiges Gobelin- oder Leinen-
kissen
mit Füllung .
1 Kissenplatte, bestickt od. bedruckt
hochelegante Kissenplatte, hand-
gestickt

Ae
1 hochelegantes Sofakissen, hand-
gestickt
mit Füllung . . .

95
95
95
95
95
95
955
95

Taschentücher

1 elegante Hutform . . . . . . 95
1 Kinderhut
1 Kinder-Südwester mit farbigem
Unterrand
1 moderne Hutfantasiefeder . . . 95
1 Knaben-Mütze mit Schild
1 eleg. garn. Kinderhut 2.95, 1.95, 95
Eleganter Uebergangshut, letzte
Modeneuheit, alle Farben 2.95, 1.95
2½ Meter reinseidenes Taftband
95
ca. 11 cm breit .
Lange Straussfedern . 2.95, 1.95 95

95
. . 95
95

12 St. Taschentücher, gebrauchsf.
12 Stück Batisttücher . . .
3 Stück Taschentücher mit hand
gestickter Ecke .
6 Stück Taschentücher mit geweb-
ten
Kanten
,
6 Stück Taschentücher, sehr gute
Qualität, gebrauchsfertig . .
6 Stück Herren- Batist- Taschen-
tücher
mit buntem Rand
6 St. bunte Arbeiter-Taschentücher
6 Stück reinl. Taschentücher
3 St. Taschentücher, Madeirastick.

95
95
95
95
95
95
95
1.95
1.95

3 Meter gestreiften Hemdenflanell
3 Meter weisses Hemdentuch
2½ Meter gestreiften Blusenflanell
½ Meter Rhenaniastoff, kariert
2 Meter doppeltbreiten Kleiderstoff
2 Meter Schürzenstoff. gestreift .
1½ Meter Schürzenstoff, 120 cm breit
2 Meter weissen Flock-Piqué
,
2½ Meter bunten Jackenbiber
Handtuchgebild in Längen von 3 bis
. 2.95, 1.95,
7 Meter . .
1 Meter weissen Bettdamast, 130 cm
breit
1 Meter roten Bettdamast, 130 cn
,
breit . .
1 graue Schlafdecke mit Rand .
1 Kinder-Steppdecke .
1 Biberbettuch, weiss oder bunt
Schlafdecke, Blumenmuster 2.95,
1 Waffelbettdecke m. Fransen 2.95,
Blusenstoffe m. Bordüren . Meter
1 Kaffeedecke, kariert . .
Kaffeedecke mit Fransen . . 2.95,
1 weisses Tischtuch . .
1.95,
10 Meter gutes Wäschetuch . . .
12 Stück Staubtücher mit gelbem
Rand. . . . . . . . . .

95
95
95
95
95
95
95
95
95

95
95
95
95
1.95
1.95
95
95 .
1.95
95
3.95

Modewaren
1 Plisseekragen und 1 Gürtel zus. 95
1 eleganter Blusenkragen mit Kra-
watte
und 1 Blusennadel
95
Plisseekragen, sehr elegant . . 95
2 Stück Spachtel- Kragen für
95
Blusen . .
hocheleganter Spachtelkragen 95
Samt- Frisee- od. Lackgürtel . 95
1 hocheleganter Plisseekragen,
letzte Neuheit. .
1.95
1 Posten Spachtel-Kragen für
Jaketts
2.95, 1.95
1 Spachtel-Garnitur, Kragen und
Manschetten
. . . 95
Madapolam- und Cambric-Stickereien
4,10 bis 4,50 m' langes Stück
95
2.95
1.95

Korsetts

Schürzen

1 Doppel-Schallplatte, sehr billig

Wäsche

Damenhemd, Schulterschluss, mit
Zacken besetzt
.
Damenhemd, Fantasieform . . .
Damen-Beinkleid, mit breiter
Feston-Volant . .
Nachtjacke, aus gerauhtem Köper,
mit Zacken besetzt . . . .
6 Schlauchnabelbinden .
,
weisse Gummieinlagen . . .
6 Lätzchen . .
1 Wickeldecke, weiss od. farbig .
1 Wickeldecke und 1 Binde .
1 Paket hygienische Binden und
Gürtel . . . . . . .
2 Untertaillen . .
Untertaille mit prachtv. Stickerei
1 hochelegante Untertaille . . .
1 weisses Kinderkleidchen
1 Taufkleidchen . .
1 elegantes Fantasiehemd m. Band
elegant. Damenbeinkleid, versch.
Ausführungen . .
,
1 Nachtjacke, Finet od. Chiffon
1 hochelegantes Fantasiehemd .
1 hochelegantes Kniebeinkleid.
Stickerei-Unterrock 2.95, 1.95,
2.95, 1.95,
1 Badetuch .
2 Frottier-Handtücher
1 Frottierhandtuch, schwere Qual.

95
95
95

95
95
95
-
95
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1.95
1.95
2.95
1.95
1.95
1.95
2.95
2.95
95
95
95
95


Kur zwaren

Armblätter, z. Anziehen‟ 2 Paar 95
Druckknöpfe, garantiert rostfrei
24 Dutzend 95
Kragenstäbe, Seide umsponnen
Dutzend 95 g
Kragenstäbe, Zelluloid 24 Dutzend 95
Gurt-Strumpfhalter . . 2 Paar 95
1 sehr schöner Nähkasten mit all.
praktischen Nähutensilien ge-
füllt
, verschliessbar 2.95, 1.95, 95

Stück Mädchen-Schürzen
Kinder-Schürze a. gut. Siamosen-
stoff
, bis 75 cm lang . .

1 schwarze Kinder-Schürze aus
Panamastoff, m. Bord. bes., 1.95,
2 St. Knaben-Schürzeu mit Bilder-
täschen

,
1 Knaben-Schürze aus braunem
Manchester-Samt
1 farbige Damen-Hausschürze
1 Damen-Reform-Schürze
,
1 Blusen-Schürze aus Siamosen
oder türkisch gemustertem Stoff
1 Zierschürze a. bunt. Satinm. Träg.
2 Stück Haus-Schürzen
,
1 weisse Damen-Zierschürze mi
Träger und breiter Stickerei
1 Damen-Blusen-Schürze mit Borde
oder gepaspelten Blenden garn.
1 elegante, weisse Zier-Träger-
Schürze mit Stickerei-Einsatz
und Feston . .
1 grosse, weite Kleider-Schürze
mit ¾ Aermel aus Siamosen
oder anderen Stoffen . . . .

TOnnonauMCah
Hertehwäsche an Krawätten
3 Kragen, moderne Formen, 4fach 95
95
2 Paar Manschetten .
Serviteurs, weiss oder farbig, 2 St. 95
Garnituren, weicher Percal oder
Zephir, Vorhemd und Mansch. 95
Hosenträger aus starkem Gummi-
gurt

.. 1 oder 2 Paar 95
Selbstbinder, breite, offene Form,
95
zum Teil reine Seide . .
2 Stück Selbstbinder od. Regattes
für Steh- oder Umlegekragen 95
1 Westengürtel, schwarz od. farbig 95
1 Oberhemd aus gestreift. Zephir,
2.95
mit festen Manschetten .
1 Herren-Sport- und Reise-Hemd
aus solid. Flanell m. losem Krag. 2.95
Schirme u. Stöcke
Regen-Schirme für Herren und
Damen, mit Futteral, 3.95, 2.95, 1.95
Herren-Stock-Schirm mit imitiert.
3.95
Lederfutteral .
Spazierstöcke, moderne Hölzer, mit
und ohne Beschlag . . 1.95, 95

Grosse Posten
CoüPohs,
RESTE u. ABScHNITTE
Waschstoffe, wie: Mousseline imit.,
Zephirs, Sahürzenstoffe, Hemdenstoffe
jeder Coupon zum Aussuchen 95

Trikotagen Strümpfe
3 Paar Herren-Schweiss-Socken,
nicht einlaufend, für empfind-
liche
Füsse .
95
2 Paar Herren-Socken, schwarz od
braun . .
95
Paar Herren-Socken, reine Wolle 95
2 Paar Damen-Strümpfe, schwarz
oder braun . .
. 95
Paar Dam.-Strümpfe, reine Wolle 95
3 Paar Kinder-Söckchen, zum Auss. 95
Paar Füsslinge, schwarz od. braun 95
1 Paar Damen-Strümpfe mit be-
sticktem
Tupfendessin . .
95
2 Paar Frauen-Strümpfe, 1X1
Strickart . .
95

1 Herren-Hemd, Macco imit. . . 95
Herren-Hose, Macco imit. . . . 95
2 Herren-Netzjacken
95
1 Herren- oder Damen-Hautjacke 95
1 Herren-Macco-Hemd, Vorderschl. 1.95
1 Paar Herren-Beinkleider, Macco 1.95
1 Herren-Macco-Hemd mit breitem
Einsatz, viele Muster . .
1.95
1 Herren-Einsatz-Hemd, Ia Qual.
mit feinen Piqué-Einsätzen . . 2.95

1 blauer Herren-Sweater .
95
.Blusenschoner, weiss
95
1 Paar Trikot-Reform-Hosen
für Mädchen, anger. Qualit. 95

Lederwaren
Ein Posten Herren- und Damen-
Portemonnaies
95
1 Damentasche, Kunstleder, Ueber-
schlagform
. .
95
Damentasche, garant. rein. Led. 1.95
1 Damentasche, garant. rein. Led.,
Ueberschlagform
regulärer
Preis 7.50
. . jetzt 2.95
1 Posten Sammettaschen
1.95, 95
1 Posten Brieftaschen . 2.95, 1.95, 95
1 Posten Zigarrentasch. 2.95, 1.95, 95
1 Reise-Necesaires . . 3.95, 2.95, 95

1 grosser Posten Damen- Perl-
taschen
, neueste Formen und
Farben . . . . 2.95, 1.95, 95

1 Büsten-Halter, weiss Batist, gut
sitzenc
95
1 Kinder-Leibchen, grau Drell . . 95
1 Damen-Korsett, grauer Drellstoff 95
1 Direktoir-Korsett, mit Strumpf-
halter
, aus gelbem Drellstoff . 1.95
1 Direktoir-Korsett mit Strumpf-
halter
, aus gutem Satin-Drell 2.95
1 Direktoir-Korsett mit Strumpf-
halter
, 55 cm lang, sehr gute
Qualität . . . . . . . . . 3.95
Toilette-Artikel
10 Stück Blumenseife
. . . 95
10 Stück Seife Nr. 330 . . . . 95
7 Stück Lanolinseife
95
7 Stück Seife, St. ¼ Pfd. schw. 95
Stück Konkurrenzseife . . . . 95
Stück Palmitinseife . . .
95
4 Riegel Mandelseife . . .
95
Posten Haarbürsten
95
1 Frisierkamm und 1 Haarbürste 95
1 Frisierspiegel, 1 Frisierkamm u
1 Bartbinde . . . zusammen 95
1 Zelluloid-Handspiegel
95
1 Zahnbürstenständer a. Zelluloid
mit 1 Zahnbürste
95
1 Garnitur Kopf- und Kleider-
bürste
, Silber imitiert . .
95
1 Gummischwamm, sehr gross 95
1 Zahnbürste, 1 Dose Zahnpulver
oder Pasta
zusammen 95
1 Flasche Eau de Cologne .
.95
Reise-Artikel
Reise-Handtaschen, Grösse 33 cm 1.95
Grösse 39 cm 2.95
Reisekarton mit starkem Leder-
1.95, 95
riemen .
Rucksäcke für Damen, Herren u.
Kinder . . . . . 2.95, 1.95, 95

Japanische Reisekörbe, mit 2 Riemen
und Lederecken, enorm billig 2.95

Handschuhe
1 Posten weisse durchbrochene
Damen-Handschuhe, 1 oder 2
Paar . .
. . . . . 95
1 Posten Halb-Handschuhe mit
Finger, Garantie-Qual., Paar 95
Lange Halb- u. Finger-Handschuhe,
weiss, schwarz u. farbig, Paar 95
Kurze glatte Reise-Handschuhe,
farbig, Ia Qualitäten . Paar 95
Lange Flor-Halb- u. Fingerhand-
schuhe
, weiss u. schwarz, Paar 1.95

1 Kinder-Steppdecke .
. 95
1 Kinder-Wagendecke, Sticker.,
farbig unterlegt . . . . . 95

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Nummer 201.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913.

Seite

Séé Die hier aufgezählten Artikel bilden nur einen Teil der für den SERIEN-VERKAUF reservierten Waren. 255

Papier-
und Schreibwaren
1 Kassette Leinenpapier, 75 Bogen
und 75 Kuverts, mit Seiden-
Papierfutter
. . 95
1 Kassette Leinenpapier, 50 Bogen
und 50 Kuverts, mit Seiden-
. 95
papierfutter
100 Billetkarten u. 100 Kuverts 95
95
12 Rollen Klosettpapier
3 Pakete Frühstücksbeutel (300St.) 95
5 Rollen Butterbrot- Papier (500
95
Blatt) . .
200 Stück weisse Papier-Servietten,
.95
gezackt .
1 Tischläufer und 100 Servietten
mit bunter Kante .
95
6 Rollen weisses oder farbiges
.95
Schrankpapier . .. .
1 elegantes Postkarten-Album . . 95
1 elegantes Reklamemarken-Album
und 6 Reklamemarken . zus. 95
2 Spielkarten, gestempelt . . . 95
1 Schreibunterlage . . . . . . 95
12 Schnellhefter
95
1 Briefordner und 2 Schnellhefter 95
2 Dtzd. Bleistifte, Marke ,Taunus‟ 95
95
6 Gros Reissnägel
75 St. Darmstädter Ansichtskarten 95
1 Schul-Etuis, gefüllt oder leer
95
1 Schulranzen, für Knaben oder
Mädchen . .
. . . . 95
1 Schulmappe mit Griff . .
.95
1 Gros Börsenfedern und 1 Dtzd.
Bleistifte
zusammen 1.95
12 Rollen Klossettpapier, Marke
Jodler‟
1.95
1 Füllfederhalter mit garantiert
14 karätiger Goldfeder . . . 1.95
1 Davidis Kochbuch . . . . . 95
1 Herren-Tasehenuir mit zelb.
Zifferblatt u. gutgeh. Werk 2.95

Gardinen
und Tischdecken
Meter Gardinen-Tüll, weiss,
ereme oder bunt . . . . . . 95
Meter Alover-Net . . . . . . 95
3 Meter Galerie-Borde . . . . . 95
Fllztuch-Tischdecke
.95
Kommoden- und 1 Nähtischdecke
zusammen
. 95
Filztuch-Tischdecke, reich be-
stickt
, rot oder grün . . 2.95, 1.95
1 Paar engl. Tüll-Brise-bise und
2 Brise-bise-Stangen .
zus. 95
1 Paar Erbstüll-Brise-bise mit
Volant .
2.95, 1.95, 95
1 Leinen-Fenster-Garnitur, 3teilig,
2 Chales u. 1 Lambrequin . . 4.95
engl. Tüll-Bettdecke . .
2.95
1 Paar Rouleaux, 2teilig . 2.95, 1.95
Teppiche
und Vorlagen
Bettvorlage, doppelseitig . . . 95
Meter Läuferstoff . . . . . . 95
Linoleum-Vorlage . . . . . . 95
2 oder 1 Kokosmatte . . . . . 95
Fussmatten
.95
Japan-Badevorlage . . . . . 95
Tapestry-Bettvorlage
. . . 1.95
Tapestry-Bettvorlage, gross . . 2.95
grosse Linoleum-Vorlage . . . 1.95
Meter Linoleum-Läufer
. 95
. 2.95
Plüsch-Bettvorlage . .
Stück Wachstuch- Wandschoner 95
Meter Wachstuch, 70 cm breit . 95
Pfd. Kapok für Kissenfüllungen 95

Galanterie-
Waren

1 feiner Nickelbrodkorb mit
Majolikaeinlage
1 Menage, 3teilig, vernickelt
1 feiner Tafelaufsatz . . .
1 Cakesdose . . . . .
1 Blumenvase, Ton, bemalt .

1 Familien-Rahmen, hell . . . . 3
1 Ständer mit Thermometer
2 Blumenvasen mit Beschlag zus.
1 Teekannenuntersatz mit Nickel-
einfassung
. . . . .
1 Zierlämpchen mit 2 Armen und
2 Schirmen . . . .
1 Posten Nippfiguren, Porz., Stück
1 hochfeinen Familienrahmen
1 Posten Steingutdosen, Zucker u.
Kaffee, fein dekoriert mit ver-
nickeltem
Deckel .
1 Posten Bilder, fein gerahmt St.
1 Posten Bilder, Landschaften, gut
gerahmt, gross . . . . . .
Holzwaren
1 Handtuchhalter für Ueberhand-
tuch
, Hartholz . . .
.
1 Besteckkasten, 3 teilig
2
1 Eierschrank mit dekor. Einlage
1 grosses Hackbrett, Hartholz und
1 Wiegemesser . . zusammen 1
1 Wäschetrockner . .
1 Kleiderleiste mit 6 Haken, hell
oder dunkel . . . . . .
1 Fusschemel . . . . .
1 Wandschrank, als Hausapotheke 95
1 Hausapotheke, Eichenholz
1 Zeitungsmappe u. 1 Bürstenkasten
zusammen
1 Rasierkasten, verschliessbar . .
1 Bücheretagere mit 3 Böden, fein
poliert . . .
1 Kammkasten u. 1 Bürstenkasten
zusammen
1 Blumentisch, weiss
1 Bambustisch mit dek. Teller . 95
1 Handtuchhalter, braun . . . .

.95
.95
.95
95
95
95
95
95
95
95
95
1.95

1 Käckenwoeher, sehr gros und etablt 1011.. 95 1 Bügelbrett, gut gepolstert . 1.95 1 Waschbrett u. 1 Wäscheleine zus. 1.95 1 Triumphstuhl mit Armstütze . 2.95 1 groser Maritiord 1.95 1 ovaler Waschkorb, ganz Weide 95 1 Marktkorb .95 1 Deckelkorb, estra gros 1.55.

Glas-
und Beleuchtungs-
Artikel
1 grosse Tortenplatte auf Fuss . 95
1 Satz Kompotts, 6 Stück . . . 95
12 Likörgläser .
. . 95
5 Einmachgläser, 2 Liter . . . . 95
6 Weingläser mit Tablett . .
.95
4 Konservengläser, Sachsen, ½ L 95
1 Käseglocke u. 1 Butterdose zus. 95
1 Tischlampe mit Messingfuss . . 2.95
1 Tischlampe, sehr gross .
. 1.95
1 Küchenlampe mit dek. Behälter 95
1 Hängelampe mit Zug .
. 3.95
3 Glühstrümpfe . . . .
95

95
95
2.95

95
95
95
1.95
95
.95
95
2.95
95
95
2.95
95
1.95
95

Emaille-
und Ziniewaren
1 Sand-, Seife-, Soda-Garnitur . 95
1 Fleischtopf, 22 cm, mit Deckel . 95
2 Milchtöpfe, 15 u. 16 cm . zus. 95
1 ovale Wanne auf Fuss, 40 cm . 95
1 Einsatztopf, 20 cm . . . . . 95
1 Wassereimer, 28 cm . . . . . 95
4 Milchtöpfe 9, 10, 11, 12 cm, zus. 95
1 oval. Waschbecken m. Seifennapf 95
1 Backform, 20 cm . . . . . . 95
1 grosse Kaffeekanne . . . . . 95
1 Kaffeekessel, 20 cm . . . . . 95
1 Suppenschüssel mit 2 Henkel . 95
3 Milchtöpfe, Netzmarmor, im Satz 95
1 Fleischtopf, 20 cm, mit Deckel,
Netzmarmor
.95
1 Salz- oder 1 Mehlmetze, fein
dekoriert . .
Stück 95
1 Teigschüssel, 44 cm .
. . 1.95
1 Petroleumkanne, 2 Liter .
95
1 Fenstereimer mit Aufschrift und
1 Fensterleder . . zusammen 95
1 Fleischtopf, 30 cm
1.95
,
1 ovale, verzinkte Wanne, 65 cm
gross . . . . . . . . . . 2.95
1 Zinkeimer, 30 cm .
. . . 95
1 runde Zinkwanne, 36 cm . . . 95
1 geschliff. Bratpfanne m. Holzstiel 95
1 Schöpflöffel, 1 Schaumlöffel,
1 Wender u. 1 Saucenlöffel, zus. 95
1 Klosettbürstenhalter, Delftdekor 95
1 Zwiebelbehälter, Delftdekor . . 95
1 Milchkanne, ca. 3 Liter . . . . 95
3 Schüsseln 18, 26, 32 cm . . zus. 95
1 viereckige Bratpfanne m. 2 Griff. 95
1 Bettpfanne
. 1.95
1 inoxidierter Bräter mit Deckel 95
1 runde Küchenschüssel, 34 cm, dek. 95

Blech-
und Lackierwaren
1 Kartoffelpresse, verzinnt . . . 95
1 Kuchenform, 26 cm . .
. 95
1 Petroleumkanne, 3 Lit., fein lack. 95
1 Briefkasten, extra gross
.95
1 Brotkasten, oval, für 6 Pfund
Brot geeignet . . . . . . . 1.95
1 Puddingform, sehr gross . . . 95
1 Vogelkäfig .
. 1.95
1 Spirituskocher für 2 Töpfe . . 95
1 Giesskanne, 13 Liter, fein lack. 1.95
1 Thermalflasche, jeden Inhalt 24
Stunden warm oder kalt haltend 1.95
1 Brotkasten, rund oder oval . . 95
1 grosser Gebäckkasten . .
.95
1 Krümmelschaufel, fein lackiert,
mit Besen
. 95
1 Schirmständer, lackiert
. 95
1 Blumengitter, extra gross . . . 95

Ein groster Posten Aluminlannaren
Fleischtöpfe, Milchtöpfe, Durchschläge
Bratpfannen etc. . .
.95

Stahlwaren
Wirtschafts-Artikel

1 Tranchierbesteck mit Karton .
6 Löffel und 6 Gabeln, zusammen
6 Paar Messer u. Gabeln mit Holz-
oder
Nickelgriff . . .
1 Rasieraparat in eleg. Etuis .
1 Wand-Kaffeemühle mit Ia Werk
u. dekoriertem Steingutbehälter
1 Küchen-Wage mit emailiertem
Zifferblatt
, , ,
1 Fleischhackmaschine, emailliert
oder verzinnt . .
1 Buttermaschine (2 Liter) . .
1 Kohlenbügeleisen u. 1 Untersatz
1 Kaffeemühle, Blech, lackiert . .
1 Petroleumkocher, 3flammig . . .
1 Holzbeil, gut verstählt . . . .

95
95
1.95
95
2.95

1.95

2.95
1.95
2.95
95
1.95
95

Steingut
und Porzellan
1 Posten Kuchenteller, echt Por-
zellan
, fein dekoriert . Stück 95
1 viereckige Gemüseschüssel und
1 gr. ovale Fleischplatte, zus. 95
12 Stück Speiseteller, echt Porz.,
fast fehlerfrei . . zusammen 1.95
6 Dessertteller mit buntem Rand 95
1 Fruchtaufsatz mit 6 Teller, echt
Porzellan
. . . zusammen 95
1 Posten Blumentöpfe, fein be-
malt

Stück 95
Waschbecken und 1 Krug, zus. 95
1 Suppenterrine mit Deckel . . . 95
1 Blumenampel, Majolika . .
.95
1 Suppenschüssel mit 2 Griffen,
extra gross .

95
1 Posten Wasserkrüge, weiss und
Golddekor .
Stück 95
2 Gemüseschüsseln, sehr gross, zus. 95
1 Wasehgarutur, Sreiig, fein
dekoriert, besonders gross . 2.95

Bürstenwaren und
Scheuer-Artikel
1 Rosshaarbesen mit Stiel .
.95
1 Strassenbesen, Piassava.
.95
1 Schrubber, 1 Scheuerbürste, 2
Scheuertücher u. 2 Pack Seifen-
sand
. . . . . . zusammen 95
1 Dose Sidol oder Glanziol, 1¼
Kilo Inhalt . .
. 95
Parkettbohner mit Stiel
1.95
2 Pakete Kerzen, 6er oder Ser,
à 500 Gramm schwer, zusam. 95
1 Bodenbesen und 1 Handfeger,
reine Borsten . . zusammen 95
Teppichbesen (Wurzel) mit
1 Stick
95
6 verschiedene Bürsten im Karton 95
1 grosser Rosshaarbesen mit Stiel 1.95
1 fein volierter Bürstenhalter mit
1 Kleider-, 1 Hutbürste, zus. 95
1 Posten Kleiderbürsten, besonders
billig . . . . . . . . 1.95, 95
1 Kolochanteger. 1 Pose Me=
tallputz
, 6 Pakete Seifen-
pulver
und 2 Scheuertücher
zusammen 95

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Augnſt 1913.

Nummer 201.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Vor einigen Tagen las ich in Ihrem geſchätzten Blatte
eine amtliche Aufforderung an die Beſitzer von Obſtbäumen,
die Bekämpfung der Blutlaus zu bewerkſtelligen. Es iſt ſehr
lobenswert, wenn mit einiger Strenge auf die Durchführung
dieſer Maßregel gehalten wird, um dieſes ſchädliche Inſekt
ſo viel als möglich zu vernichten, was illuſoriſch wird,
wenn nicht jeder Obſtbaumbeſitzer ſeine volle Schuldigkeit
tut. Es würde ſehr empfehlenswert ſein, wenn ebenſo
ſtrenge MMaßnahmen getroffen würden, zur energiſchen
Bekämpfung des Apfelwicklers (Carpocapsa pomo-
nana
), deſſen Larve, die Apfel= und Zwetſchenmade, mehr
Schaden unter den Obſtbeſtänden anrichtet als die Blut=
laus
. Derjenige Obſtzüchter, der fleißig auf die Letztere
fahndet und ſie mit Leichtigkeit vernichtet, wird auch nur
wenig Schaden von ihr haben, während dem vorſichtigſten
Züchter ſeine Aepfel, Zwetſchen und Pflaumen wurmig
werden, wenn der Nachbar zu bequem iſt, dieſes Tier
ebenfalls energiſch zu bekämpfen. Gerade in dieſem Som=
mer
, wo der Behang der Apfelbäume nur ein geringer iſt,
kann man recht deutlich die Verheerungen beobachten, die
dieſer kleine Schmetterling durch ſeine Brut anrichtet. Es
gibt heuer eine Menge Apfelbäume, die über die Hälfte
ihrer Früchte vor der Zeit fallen laſſen, weil dieſelben von
der Obſtmade befallen ſind.
Als ſehr empfehlenswertes Mittel gegen dieſes Inſekt
bewähren ſich Inſekten=Fanggürtel. Ferner das Spritzen
der Bäume, ſobald die Früchte knapp wallnußgroß ſind,
mit einer ſchwach arſenikhaltigen Flüſſigkeit. Es wird je=
doch
nur dann die gewünſchte Wirkung erzielt, wenn jeder
Obſtbaumbeſitzer in dieſer Weiſe vorgeht.
Die in Frage kommende Behörde würde ſich um den
Obſtbau ein großes Verdienſt erwerben, wenn ſie energiſch
für eine ſcharfe Bekämpfung des Apfelwicklers eintreten
würde.
W.
Je länger die Linie der ſtädtiſchen Straßenbahn durch
die Heidelberger Straße in Benutzung iſt, um ſo dring=
licher
tritt das Bedürfnis, die Halteſtellen daſelbſt zu ver=
mehren
, zutage. Ganz beſonders möchten wir eine ſolche
an der Annaſtraße befürworten, und zwar deren ſofortige
Herſtellung, noch bevor die neue Spielzeit im Theater
ihren Anfang nimmt. Zahlreiche Bewohner der unteren
Annaſtraße, rechts und links von der Heidelberger Straße,
ſowie ſolche der Eichberg= und unteren Saalbauſtraße einer=
ſeits
, der Artillerieſtraße andererſeits, ſind regelmäßige
Theaterbeſucher, und daß Fahrgelegenheiten in gleichem
Maße lieber benutzt werden, indem ſie bequem erreichbar
ſind, iſt ja eine bekannte Tatſache. Durch das Verlegen
der jetzigen Halteſtelle an der Heinrichſtraße um ein
Weniges nördlich, etwa bis zur alten Oktroiwage, käme
man denn auch den Anwohnern der Riedeſel= und Eſcholl=
brückerſtraße
aufs beſte entgegen. An der Rheinſtraße ſind
ja ebenfalls mit vollem Recht Halteſtellen an ſämt=
lichen
Straßenkreuzungen; warum alſo dieſen Modus
nicht tunlichſt auch in der Heidelberger Straße einführen?
In der Karlſtraße, wo anfangs gleichfalls keine Halteſtelle
an der Annaſtraße vorgeſehen war, ſtellte ſich bei ihrer

ſpäteren Einführung der Nutzen für Publikum und Bahn
allſogleich heraus. Steht niemand winkend am Wege,
ſo überfährt ja der Wagenführer dieſe Punkte; verlorene
Zeit kann alſo nicht mitſprechen, zudem dauert es doch,
wenn ihrer Viele an den bis jetzt vorgeſehenen Stellen
ein= und ausſteigen, ja dort um ſo länger, und kann er
oder ſie an ſeiner reſp. ihrer Halteſtelle einſteigen,
tut’s manch Einer und Eine nochmal ſo oft.
Einer im Namen Vieler.

Vermiſchtes.

P. Der Blitz als Zeichner. Am 16. Auguſt 1860 ſchlug
der Blitz in eine der Mühlen von Lappion und hinterließ
auf dem Rücken einer Frau in roter Farbe das Abbild
eines Baumes, an dem man Sſtamm, Aeſte und Laub ge=
nau
unterſcheiden konnte, ohne daß die Kleider eine Spur
von dem Blitz aufwieſen. Franklin erzählt: Bei einem
Manne, der während eines Gewitters auf einer Tür=
ſchwelle
ſtehend den Blitz in einen gegenüberſtehenden
Baum einſchlagen ſah, ſei das Abbild jenes Baumes auf
der Bruſt entſtanden. In der Provinz Jibacoa auf Kuba
prägte im Auguſt 1832 der Blitz einem großen Baum=
ſtamm
das Bild eines Nagels ein, der ſich an einem oberen
Zweig befand, und zwar mit umgekehrter Krümmungs=
richtung
. Auf der Reede von Zante wurde der Fockmaſt
einer Brigantine vom Blitz getroffen, wobei ein Seemann
getötet wurde. Auf der linken Bruſtwarze des Toten ſah
man die Zahl 44, die nach Ausſage aller ſeiner Kameraden
vorher nicht dageweſen ſei. Dieſe Zahl, mit einem Punkt
in der Mitte, glich vollkommen einer Metallnummer, die
an der Takelage des Schiffes zwiſchen dem Maſt und dem
Lager des während des Gewitters ſchlummernden Matro=
ſen
befeſtigt war.
Ein ähnlicher Fall ereignete ſich im September 1825
in der Bai Armiro. Der Blitz ſchlug in die vor Anker
liegende Brigantine II. Burn Servo ein und erſchlug
einen am Fuß des Fockmaſtes ſitzenden Matroſen. Auf
dem Hals des Getöteten bemerkte man eine leichte gelbe
und ſchwarze Spur, welche den Rücken entlang bis zuc
Nierengegend ging, wo ſich ganz deutlich ein Hufeiſen
eingeprägt fand von derſelben Größe, wie das Hufeiſen,
das an den Maſt genagelt war. Im Jahre 1812 wurden
ſechs Hammel vom Blitz erſchlagen, die auf einem Acker
50 Yards im Geviert weideten, der mitten in einem gro=
ßen
, vier Meilen von Bath, aus Haſelnußbüſchen und
Eichen beſtehenden Gehölz lag. Als man die Hammel ab=
häutete
, fand man auf der Innenfläche jeder Haut ein Ab=
bild
eines Stückes der umgebenden Landſchaft von ſolcher
Treue, daß man alle Einzelheiten erkennen konnte. Im
September 1857 wurde eine Bäuerin von Seine=et=Marne,
die eine Kuh hütete, unter einem Baum vom Blitze ge=
troffen
. Die Kuh blieb tot, die Bäuerin kam nach einigen
Bemühungen wieder zu ſich. Bei den Belebungsverſuchen
erblickte man auf ihrer Bruſt das deutlich erkennbare Bild
der Kuh. Am 24. Juli 1852 ſchlug der Blitz auf einer
Plantage von St. Vicente (Kuba) in eine Palme. In die
trockenen Blätter fand man das Bild von Pinien wie mit
dem Grabſtichel eingegraben. Dieſe Pinien ſtanden 339
Meter entfernt von der Palme. Am 14. November 1830
ſchlug der Blitz in das Schloß Benotonniére in der Vendée.

Am anderen Tag fand man auf dem Rücken eines Klei=
des
das Bild zweier Stücke der Lehne des Stuhls, auf
dem eine Dame in dem Augenblick ſaß, in dem der Blitz
einſchlug. Das Bild war ſo genau und deutlich, als ob
es eben friſch gemalt ſei. Pedco Saluyarria erzählt, daß
er 1830 eine Dame von Trinidad gekannt habe, die in
ihrer Jugend vom Blitz getroffen, auf dem Unterleib ein
vom Blitz aufgeprägtes Bild eines Metallkammes hatte,
den ſie gerade im Augenblick des Blitzſchlags in der
Schürze trug.

Literariſches.

Die Welt im Waſſertropfen dieſes bekannte
Schlagwort, hat die gänzlich irrige Anſicht erweckt, als ſei
jedweder kleinſte Mengenteil des Waſſers gleichviel aus
welchem Graben, welcher Pfütze man ihn ſchöpfte mit
einer bunten Fülle von Lebensträgern bevölkert, die nur
darauf warten, mikroſkopiſch unterſucht und ſtudiert zu
werden. Es gibt vielmehr in der freien Natur Gewäſſer,
die im biologiſchen Sinne als abſolut rein und organis=
menleer
gelten können. Die Kunde von dem Vorhanden=
ſein
ſolcher Kleinwelt in unſeren binnenländiſchen Waſſer=
anſammlungen
iſt erſt neuerdings in weitere Kreiſe ge=
drungen
, und auch ihre wiſſenſchaftliche Erforſchung datiert
noch nicht weit zurück. Zum erſtenmal in populärer Dar=
ſtellung
und durch viele ſeltene mikrophotographiſche Ab=
bildungen
erläutert, finden wir dieſes intereſſante Gebiet
behandelt in Hans Kraemers Prachtwerk Der Menſch
und die Erde deſſen Lieferungen 174179 ſoebene
ſchienen ſind (Deutſches Verlagshaus Bong & Co., Ber=
lin
W. 57, Lieferung 60 Pfg.) Sie entſtammen der Feder
des verdienſtvollen Leiters der biologiſchen Station am
Plöner See, Profeſſors O. Zacharias, und ſie ſind für
den Fachmann wie Laien beſonders deshalb von beſon=
derem
Wert, weil in demſelben Werke die biologiſche Rei=
nigung
des Waſſers und die Fiſchzucht in gleicher gemein=
verſtändlicher
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die der Allgemeinheit weniger bekannt ſein dürften und
deshalb wohl geeignet ſind, touriſtiſches Intereſſe zu er=
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Erzählungskunſt, ſichere Schürzung dramatiſcher
Konflikte, auf denen ſich eine feſſelnde Handlung aufbaut,
und klare Charakteriſtik der einzelnen Geſtalten, die aus
dem Leben unmittelbar in den Roman übergetreten er=
ſcheinen
das ſind die Vorzüge, die Hanna Brandenfels
in die erſte Reihe unſerer Autorinnen ſtellen. Sie verleihen
auch ihrem neueſten Werke Kuckucksei in dem dieſe
Schriftſtellerin den tiefen Ernſt und die ſchweren Schiekſale
eines Menſchenlebens mit ergreifender Wucht darſtellt,
ſeinen hohen Wert. Dieſe Tendenz tritt nirgends unter
kahler Abſichtlichkeit hervor, ſondern ſie hat in der blühen=
den
Fülle und Friſche dieſes Romans dichteriſche Geſtalt
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[ ][  ][ ]

Amtsverkündiaungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt.

§ 99.

Donnerstag, 28. Auguſt.

1913.

Bekanntmnachung.

Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß das Proviantamt Darmſtadt den
Ankauf von Roggen und Hafer aufgenommen hat.
Darmſtadt, den 25. Auguſt 1913.
(17906
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Wir fordern hierdurch dieienigen Teilnehmer an der Hundertjahrfeier des
Kurheſſiſchen Jägerbataillons Nr. 11, welche beim vormaligen Kurheſſiſchen
Täger= und Schützenbataillon gedient und die anläßlich der Hundertiahrfeier die
Jubiläumsdenkmünze erhalten haben, auf, ſich ſofort und ſpäteſtens bis 2. k. Mts.,
in den Landgemeinden unſeres Kreiſes bei den Bürgermeiſtereien ihres Wohnorts,
in Darmſtadt bei uns, Zimmer Nr. 38, zu melden.
(179074
Darmſtadt, den 26. Auguſt 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Foxterrier, 1 Dachshund. 1 Dobermann (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(17902

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 42 der Verordnung, die Anlegung des Grund=
buchs
und die Ausführung der Grundbuchordnung betreffend, vom
13. Januar 1900, hat das Großherzogliche Miniſterium der Juſtiz
beſtimmt daß das Grundbuch für die Flur II der Gemarkung Darm=
ſtadt
=Beſſungen vom 15. September 1913 an als angelegt anzuſehen iſt.
Die Vorſchriften darüber, was ſeitens der Beteiligten noch bis
zu dem angegebenen Zeitpunkt zu geſchehen hat, können auf den
Amtsſtuben der Großherzoglichen Ortsgerichtsvorſteher zu Darm=
ſtadt
I und II und aus dem Anſchlag an den dortigen Ortstafeln
erſehen werden.
Darmſtadt, den 26. Auguſt 1913.
(17901
Großherzogliches Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

Grummet-Verſteigerung.
Montag, den 1. September
wird das Grummet von Bauerswieſe Los 16 (je 3700 am) und
Hahnwieſe Los 26 und 27 (ie 3750 am) losweiſe verſteigert.
Zuſammenkunft in Bauerswieſe Los 6, vormittags 9 Uhr.
Die Hahnwieſenloſe ſind vorher einzuſehen. Auskunſt bei
Gzoßh. Forſtwart Klipſtein in Bayerseich.
(17896
Darmſtadt, den 27. Auauſt 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hopp.

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Darmſtadt.

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Hründliche Ausbildung im Hochbau und Tiefbau. Pflege der
heimatlichen Bauweiſe.
Vorbereitung für die mittlere Beamtenlaufbahn im Baufache.
Die Abgangszeugniſſe der Großh. Landes=Baugewerkſchule ſind den=
jenigen
der Königl. Preußiſchen Baugewerkſchulen gleichgeſtellt.
Semeſterdauer 20 Wochen. Unterrichtsgeld 100 Mk.
Das Winterſemeſter beginnt am 15. Oktober ds. Js.
Schluß der Anmeldefriſt
1. Oktober.
Programme und Anmeldeformulare ſind durch die Direktion,
Darmſtadt, Neckarſtraße 3, zu erhalten.
(17136a
Die Großherzogliche Direktion.

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Gute Verpfleg. u. Aufſicht. Sorgf. überwachung der Schularb. Großer Garten. Neubau
mit Zentalheiz., elektr. Licht. Mäß. Penſionspreis. Proſpekte durch die Direktion.

Donnerstag Ioldl-Ausverhauf vonnerstag

Heute
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sämtlicher

Heute
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Darnſcht 6. Zamſt 91.
In der Privatklageſache

der Dora Funk, geb. Deppert,
in Darmſtadt,Privatklägerin, gegen
die Marie Schäfer, geb. Brück=
mann
. in Darmſtadt, Angeklagte,
wegen Beleidigung, erſchienen bei
Aufruf der Sache:
1. die Privatklägerin und
Rechtsanwalt Dr. Wolf,
Darmſtadt,
2. die Angeklagte.
Die Verhandlung begann mit
dem Aufruf der Zeugen. Es mel=
deten
ſich:
1. Frau Michgel Bauer,
2. Frau Wilhelm Ratke.
Die Parteien ſchließen folgenden
Vergleich:
Die Angeklagte bedauert lebhaft,
irgend etwas Ehrenrühriges der
Klägerin nachgeſagt zu haben und
erklärt, der Klägerin auch nicht
das Geringſte nachſagen zu kön=
nen
. Die Angeklagte übernimmt
ſämtliche Koſten, einſchließlich des
zwiſchen der Klägerin und ihrem!
Anwalt vereinbarten Honorars.
Die Klägerin erhält das Recht,
binnen eines Monats nach Zu=
rücknahme
der Klage den Ver=
gleich
einmal im Darmſtädter Tag=
blatt
auf Koſten der Angelagten
veröffentlichen zu laſſen. Die Klage
wird zurückgenommen, wenn die
Koſten von der Angeklagten be=
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zahlt ſind.

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913.

Nummer 201.

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auf der

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am Sonntag, den 31. August 1913,
nachmittags 3 Uhr:
4 Dauer-Rennen
hinter grossen Schrittmachermotoren.
SMotorrennen Clubrennen Wander-
2
preisfahren Tandemrennen.
Rennen hinter Tandemführung.
Vorverkauf und Eintrittspreise siehe
Plakate. Num. Karten nur im Verkehrsbüro. Mitglieder
haben freien Zutritt gegen Vorzeigung der Mitglieds-
(17748ids
karte.
2
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Morgen Freitag, den 29. Auguſt, abends 8 Uhr:
Militär-Konzert

Leitung: Herr Obermuſikmeiſter M. Weber
vom Großh. Heſſ. Art.=Regt. Nr. 61.

Volkstümliches Programm.

U. a.: Aufzug der Stadtwache aus der Biedermeierzeit. Der
Roſe Hochzeitszug. Parade der Zinnſoldaten. Die Mühle im
Schwarzwald. Piſton=Solo des Virtuoſen Herrn Ehlers vom
Art.=Regt. Nr. 61. Wiener Volksmuſik. Potpourri von Komzak.
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Die Kinokönigin.
Eintritt mit Programm 15 Pfg.

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Mk. 1.60
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Gesp. Lendenbraten, garn.
Junger Hahn mit Salat
und Kompott
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Souper von 6 bis 10 Uhr
Mk. 1.20
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mit Spargelsalat und
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Obst oder Käse.

Menn 1.20 (mabon 10,
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Nummer 201.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913.

Seite 13.

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Wie wir vergeben unſern
Schuldigern
Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
32

Ruhig, hochaufgerichtet ſchritt ſie ihren Weg, weder
die Schauſpielerin mit ihrer Geſellſchaft, noch den Tiſch
der Herren gegenüber beachtend. Da, als ſie eben an der
Schauſpielerin vorübergehen wollte, ſtand dieſe auf und
trat ihr entgegen, das liebenswürdigſte Lächeln auf dem
Geſicht.
Verzeihen Sie, meine verehrte gnädige Frau, ſagte
ſie mit ihrem volltönenden Organ ſo laut, daß es an al=
len
Tiſchen ringsum gehört werden konnte, veerzeihen
Sie, daß ich vorhin nicht Gelegenheit genommen habe,
eine alte Bekannte in Ihnen zu begrüßen. Der Name
irritierte mich. Als ich den Vorzug hatte, Sie kennen
zu lernen, nannten Sie ſich noch Fräulein Schmidt
vder Schulz?
Anita war nur einen Augenblick tödlich erſchrocken,
im nächſten kam ihr zum Bewußtſein, daß es von ihrer
Antwort auf die ſcheinheilige Anrede abhängen würde,
welche Rolle ſie fernerhin in dieſer Geſellſchaft ſpielen
ſollte. Sie nahm alle ihre Kraft zuſammen und es ge=
lang
ihr, eine ſpöttiſch=höfliche Miene auf ihr Geſicht und
einen kühl=kritiſchen Blick in ihr Auge zu zwingen.
Schmidt, gnädige Frau, ſagte ſie ruhig.
Pardon! Sie ſpielten damals im Theater des Ba=
des
, wo ich mich zur Kur aufhielt. Allerdings können Sie
ſich meiner nicht erinnern. Sie waren damals vom her=
zoglichen
Hofe ſo in Anſpruch genommen, daß ich nicht
den Mut fand, Ihnen Ihre koſtbare Zeit zu rauben.

Das iſt ſchade, gnädige Frau!! Wenn Sie mir die
Ehre gegeben hätten, mich perſönlich kennen zu lernen,
würden Sie geſehen haben, daß ich nur zweimal in Vor=
ſtellungen
vom herzoglichen Hofe beſchäftigt war, im übri=
gen
aber keinerlei Beziehungen zu ihm hatte.
Dann bedauere ich doppelt meine Zurückhaltung, die
ich wahrſcheinlich doch auch noch aufgegeben hätte, wenn
Sie nicht urplötzlich wie vom Erdboden verſchwunden ge=
weſen
wären. Das ganze Bad hat damals beklagt, ſei=
nen
Liebling auf der Bühne verloren zu haben! Sie
waren leidend, wie ich hörte.
Mein Vater war plötzlich geſtorben das haben Sie
wohl nur vergeſſen, gnädige Frau!
Es koſtete Anita unſäglich Mühe, die wenigen Worte
hervorzubringen, aber ſie ſtand äußerlich vollkommen be=
herrſcht
der anderen gegenüber und blickte mit einem
Ausdruck kalter Unnahbarkeit auf die viel kleinere Perſon
herab, die unter dieſem hartnäckigen, verächtlichen Blick
allmählich anfing, unſicher zu werden.
O nein, gnädige Frau, das habe ich ſelbſtverſtändlich
nicht gewußt wie hätte ich ſonſt . . . ich bitte tauſend=
mal
um Verzeihung! Welch harter Schlag für Sie!
Gott ſei Dank darf man hoffen, daß Sie ihn nun über=
wunden
haben. Sie ſind Geſanglehrerin, wie ich höre,
aber nach dem heutigen Debüt zu ſchließen, werde ich wohl
bald das Vergnügen haben, Ihnen als Kollegin an der
Königlichen Oper wieder zu begegnen. Bei Ihren Kon=
nexionen
.
Sie kam nicht weiter. An Anitas Seite ſtand plötz=
lich
, hochaufgerichtet, mit einem ſtrengen, ſtolzen Geſicht,
Eberhardt von Drewensberg.
Er hatte am Tiſch nebenan geſeſſen und war ſchon,
als der boshafte Mund mit dieſem zweideutigen Ton

erie etete en enen e enten e
aufgeſprungen, hatte aber nicht ſchneller an den Herren
vorbei zu ihr gelangen können.
Sie vergeſſen, gnädige Frau, daß Sie mit meiner
Schwägerin ſprechen und eine Drewensberg zur Aus=
übung
ihres Talentes es nicht nötig hat, ſich auf einer
öffentlichen Bühne übelgeſinnten Kritiken auszuſetzen.
Geben Sie mir Ihren Arm, Anita.
Sie faßte nach ſeinem Arm wie ein Ertrinkender nach
einem Halt. Sie klammerte ſich an ihn, aber ſie hatte
Selbſtbeherrſchung und Kraft genug, mit ruhiger Haltung
neben ihm zu ſchreiten, als habe der Ueberfall der Schau=
ſpielerin
, ihre Abſicht, ſie zu demütigen, keine Faſer ihres
Innern berührt.
Er hielt ihren Arm feſt an ſich gepreßt, und während
ſie dem Ausgang zuſchritten, neigte er ſich über ſie und
ſagte im Ton heißen Schmerzes:
Warum tun Sie das, Anita? Warum wüten Sie ſo
gegen ſich ſelber und gegen unſer Geſchick? Wir kön=
nen
ihm ja doch nicht entrinnen! Sie richten ſich und
mich zugrunde mit Ihrem fürchterlichen Starrſinn.
Sie machte einen Verſuch, ihren Arm zu befreien,
aber er hielt ihn feſt, und ſie war zu ſchwach, zu veräng=
ſtigt
und elend, um ihm widerſtehen zu können.
Herr von Drewensberg ... bat ſie.
Finden Sie nicht ſelber, daß es doch faſt kindiſch
iſt, wenn Sie noch immer dieſe formelle Anrede mir ge=
genüber
anwenden? Anita, ich bitte Sie noch einmal, das
letzte Mal, ſtellen Sie ſich unter meinen Schutz und küm=
mern
Sie ſich dann um nichts weiter. Es wird alles gut
werden.
Nein, ſtieß ſie hervor! Ich bin Ihnen ſchon jetzt
zu Dank verpflichtet . .. nicht meinetwillen! Was macht

[ ][  ][ ]

Nummer 201.

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913

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dem verwöhnteſten Geſchmack Rechnung tragen zu können.
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bethenſtraße
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Parfümerie.

zs mir, ob ein Menſch mehr ſeine Bosheit an mir aus=
läßt
. Aber Sie haben Heinis Mutter beſchützt! Soll ich
noch tiefer in eine Schuld geraten, die ich nie werde ab=
zahlen
können?
Sie können Sie abzahlen.
Womit? fragte ſie zuſammenſchauernd.
Damit, daß Sie mir das Recht erteilen, für Sie zu
ſorgen, Ihnen Rat und Stütze ſein zu dürfen. Damit, daß
Sie mir das Glück gewähren, mich als Ihren Freund und
meines Bruders Söhnchen als mein eigenes betrachten
zu dürfen. Mit dem hohen Preis, daß Sie meinem Le=
ben
Wert und Inhalt geben. Wer da zu danken hat,
bedarf wohl keiner Ausführung.
Das das ſagen Sie, nachdem die boshaften Reden
der Schauſpielerin nun ja endlich der Familie Drewens=
berg
das erwünſchte Zeugnismaterial für meine dunkle
Vergangenheit geliefert haben? Das ſagen Sie dem
ehemaligen Fräulein Schulz oder Schmidt, der Schmie=
renkomödiantin
, die vom herzoglichen Hofe ſo ganz in
Anſpruch genommen war?
Das ſage ich der Frau meines Bruders, von der ich
als höchſte Gunſt erbitte, daß ſie ſich erſt einmal daran
gewöhnt, mich Schwager zu nennen.
Herr von Drewensberg, ich habe Sie vorhin gebeten,
ſeien Sie barmherzig laſſen Sie mich! Gewiß, Sie ſind
mir nicht freiwillig wieder gegenübergetreten, Ihr ritter=
liches
Empfinden hat Sie dazu veranlaßt. Das danke ich
Ihnen gern, und ich will auch gern eingeſtehen, daß ich
meines Mannes Urteil über Sie jetzt beiſtimme, Sie ſind
eine ehrenwerte und vornehme Natur. Aber gerade die
Ritterlichkeit gegen ein armes verfolgtes Weib iſt ſchon
Ihrem Bruder zum Schlimmen ausgeſchlagen, und da=
rum
habe ich doppelten Grund, darüber zu wachen, daß nicht
noch ein Drewensberg durch mich zu Schaden kommt. Sie
ſagen, Sie haben nichts gewußt von dem Vorgehen Ihres

Vaters gegen mich. Ich . . . ich will ich muß es jetzt
glauben, aber beweiſt das nicht, daß Sie ſich bereits mei=
netwegen
mit IIhrem Vater veruneinigt haben? Das
iſt mir entſetzlich das kann ich nicht gutheißen und
unterſtützen. Wie können Sie mein Freund ſein, ohne
Ihren Vater tödlich zu beleidigen? Und wie können
Sie ſo, wie Sie es wünſchen, mein Beſchützer ſein, ohne
daß die Welt Grund finden wird, daraus wieder Ver=
dächtigungen
gegen mich abzuleiten? Wir können nicht
zuſammengehen in Gutem . . . und nach dem heutigen
Abend wird es mir ſchwer werden, Ihnen in Böſem ent=
gegenzutreten
. Darum müſſen wir uns meiden.
Warum können wir nicht in Gutem zuſammengehen
Anita? Mein Vater wird nachgeben, ehe er auch den
zweiten Sohn verloren geben muß.
Sie blieb entſetzt ſtehen.
So weit iſt’s ſchon gekommen? Soll das heißen,
daß Sie . .
Sie ſtockte, es ſprach ſich ſo ſchwer aus. Er fiel ihr
ruhig ins Wort.
Daß ich meinen Vater vor die Wahl geſtellt habe,
entweder Sie gleichberechtigt mit mir als ſein Kind an=
zuerkennen
, oder auch mich aus ſeinem Geſchlecht zu ſtrei=
chen
. Das heißt’s! Sie ſehen, wir dürfen nicht nur,
wir müſſen ſogar zuſammenhalten.
Das haben Sie über mich gebracht das hinter
meinem Rücken! Wie durften Sie ſich in dieſer Weiſe
mit meiner Perſon eins erklären? Haben Sie ſich nicht
geſagt, daß Ihres Vaters Meinung über meinen Charak=
ter
, meine zweifelhafte Moral, dadurch gerechten Grund
erhält? Darf ich mich noch beklagen, wenn er mich als
berechnendes Geſchöpf betrachtet, das ihm gewiſſenlos
ſeine Söhne abwendig macht, und mich für unwürdig hält,
ſeinen Enkel zu erziehen? Uebereilt tun Sie nichts,
Eberhardt von Drewensberg, Sie haben mit reiflicher

Ueberlegung gehandelt, ja, haben Sie denn kein Ge=
wiſſen
?
Sie ſtanden im Korridor vor den Garderobenzim=
mern
. Hier war es ganz einſam. Selbſt die Diener und
Garderobenmädchen hatten ſich heimlich davongeſtohlen,
um einen Blick auf das Feſt zu erhaſchen. Anitas Auge
flammte ihm entgegen, ſie ſtieß die Worte aus heftig at=
mender
Bruſt.
Eberhardt hob den Kopf mit einer ſtolzen und ener=
giſchen
Gebärde. Mein Gewiſſen iſt rein; nicht ein Schat=
ten
iſt auf Sie gefallen, Anita. Sie haben recht, unüber=
legt
tue ich nichts! Ich bin kein Brauſekopf, wie Heinz
war, und viel weniger idealiſtiſch veranlagt als er. Mein
Vater weiß, daß ich mich durch das Aeußere eines Men=
ſchen
nicht beſtechen laſſe und meine Freundſchaft nicht
übereilt verſchenke. Aber er weiß auch, daß ich von dem,
was ich einmal für mich als notwendig erkannt habe, nicht
wieder laſſe und gelobte Treue halte bis zum letzten
Atemzuge. Wie Sie ſich mir auch in Zukunft gegen=
überſtellen
werden, es ändert an meinem Verhältnis zu
meinem Vater nichts.
Muß ich das auch noch tragen? Sie haben mir
mehr geſchadet mit Ihrer Freundſchaft, als Sie es je mit
Ihrem Haß hätten tun können! Es iſt alſo die Antwort
auf Ihr Eintreten für mich, daß Ihr Vater ſeinen Enkel
dem Einfluß einer ſolchen Mutter entziehen will?
Einer Frau, die ihm, wie er glauben muß, ſelbſtſüchtig,
mit klugem Vorbedacht alle ſeine Kinder geraubt hat.
Darf ich mich noch über ſeine Härte beklagen? Darf
ich mich noch auflehnen dagegen, wenn er mich für un=
wert
hält, Mutter zu ſein? Bis jetzt hat er mir gegrollt,
von jetzt ab wird er mir fluchen und er hat ein Recht
dazu von ſeinem Standpunkt.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 201.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 28. Auguſt 1913.

Seite 15.

Sporf, Spiel und Turnen.

Großes Rad= und Motor=Rennen zu Darmſtadt.
Mit dem vom Velozipedklub Darmſtadt am
Sonntag, den 31. Auguſt, nachmittags 3 Uhr, auf der Rad=
rennbahn
angeſetzten Rad= und Motor= Rennen
iſt die Verloſung eines erſtklaſſigen Fahrrades, Marke
Viktoria, verbunden. Die Ausloſung geſchieht auf der
Radrennbahn, und zwar in der Weiſe, daß der Sieger des
Großen Preiſes einer verſiegelten Urne eine Nummer ent=
nimmt
, die alsdann an der Tafel bekannt gegeben wird,
worauf der Inhaber des mit der gleichen Nummer ver=
ſehenen
Loſes das Rad in Empfang nehmen kann. Die
Gelegenheit, ein erſtklaſſiges Fahrrad für 20 Pfg. erſtehen
zu können, werden ſich ohne Zweifel die Freunde des Rad=
ſportes
nicht entgehen laſſen. Hinſichtlich des am Sonntag
gebotenen Sportes ſei geſagt, daß derſelbe hervorragend
zu werden verſpricht. Die einzelnen Felder haben eine
ziemlich ſtarke Beſetzung erfahren, die recht ſpannende
Kämpfe gewährleiſtet. Der Vorliebe des Publikums für
Rennen mit Schrittmacher=Motoren iſt ausreichend Rech=
nung
getragen durch die Austragung von 4 Wettbewerben
dieſer Art, wobei die Teilnahme von Weiß=Frankfurt,
Gruber=Straßburg, Fröhlich=Würzburg beſonders ſpan=
nende
Momente in Ausſicht ſtellt. Nicht minder heiß wird
das Motorfahren beſtritten werden, das als der am 20.
Juli d. J. verregnete Endlauf des damaligen Motor=
fahrens
zum Austrag gelangt und die Fahrer Michel=
Frankfurt, Schaub=Darmſtadt, Weyhknecht und Aſiani=
Frankfurt am Start vereinigt. Die Genannten ſind dem
hieſigen Rennbahn=Publikum durch ihr ſchneidiges Fahren
zur Genüge bekannt, ſo daß ſich ein beſonderer Hinweis
auf zu erwartende beſonders ſpannende Kämpfe erübrigt.
Die Eintrittspreiſe zum Rennen ſind bekannt und aus
den Plakaten erſichtlich, während den ſämtlichen Mitglie=
dern
des Velozipedklubs Darmſtadt freier Eintritt, jedoch
nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte, zuſteht. Die
Jugendmitglieder des Klubs genießen die gleiche Ver=
günſtigung
.
Automobilerfolge. Bei der Internationalen Auto=
mobilfahrt
Rallye Automobile de Spa über 263 Kilo=
meter
wurde Joerns auf Opel Sieger unter 38 Kon=
kurrenten
; in dem gleichzeitig ſtattgefundenen Schnellig=
keitsrennen
über ſieben Kilometer fuhr Joerns auf einem
kleinen 8/30 PS.=Opel=Rennwagen die enorme Durch=
ſchnittsgeſchwindigkeit
von 105,4 Kilometer pro Stunde
und erhielt den erſten Preis des Geſamtklaſſements Ein
weiteres Telegramm meldet, daß Herr Baruch=Stettin auf
Opel die Ohnehaltfahrt des achten Gaues des A. D.
A.=K. nach Oſtſeebad Misdroy ſtrafpunktlos zurücklegte
und den erſten Preis gewann.
sr. Pferde=Rennen. Badener Zukunfts= Ren=
nen
. Jugend=Handikap: 9000 Mark Diſtanz 1000 Meter:
1. Hrn. Haniels Lady Bird (Archibald), 2. Aſtarte (F.
Bullock), 3. Alabaſter (O'Connor). Tot. 15:10. Pl. 12,
17110. Unpl.: Eile mit Weile (4), Achilles, Prinz von
Sagan. Kampf Kopf-¾/½ Lg. Preis vom Rhein;
6500 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Hrn. A. u. C. v. Wein=
bergs
Poltergeiſt (F. Bullock), 2. Grand d’Eſpagne II

(Marſh), 3. Manzanita (O'Neill). Tot. 101:10. Pl. 18,
12:10. Unpl.: Le Grais. Ueberlegen 1/ Lg. Zu=
kunfts
=Rennen; 50 000 Mark, Diſtanz 1200 Meter: 1. Monſ.
Edmond Blancs Guerroyante (Stern), 2. Orelio (F. Bul=
lock
), 3. Kriegsgöttin (Archibald). Tot. 15:10. Drei Pferde
liefen. Sehr ſicher ½3 Lg. Sandweier=Rennen; 8000
Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Hrn. W. Lindenſtädts
Hebron (Bums), 2. Orinoco (Archibald), 3. Ninive ( Gar=
ner
). Tot. 69110. Pl. 20, 14:10. Unpl.: Hofwarpnir,
Orkade, Magellan. Kampf ¾2½ Lg. Oos= Handi=
kap
; 12.700 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Hrn. A. u. C.
v. Weinbergs Pirol (F. Bullock), 2. Colleoni (O'Connoc),
3. Whiſpering Captain (Burns). Tot. 87110. Pl. 23, 16,
19110. Unpl.: Sirene (4), Prince Chriſtian, Lockruf, Holly
Hill. Leicht 12½2 Lg.
Heyden=Linden=Hürden=
Rennen; 5400 Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1. Monſ. H. de
Mumms Pompadour (O'Connor), 2. Duc de Dantzig
(Laſſus) 3. Coral Wave (Unterholzner). Tot. 13:10. Pl.
16. 15:10. Unpl.: Bretelle, Ekpanok. Ueberlegen ¾1½
bis ½ Lg.
* Lawn=Tennis. Turnier zu Bad Homburg.
Bei ſehr günſtigem Wetter wurde Dienstag vormittag das
Lawn=Tennis=Turnier flott fortgeſetzt. Oskar Kreuzer und
Lindpaintner ſind eingetroffen, ihnen wird ſich O. Froitz=
heim
zugeſellen. Oskar Kreuzers erſtes Auftreten bedeu=
tete
gleich einen Sieg für ihn; er ſchlug L. Grüder. Frhr.
v. Biſſing, der ſich ſeit dem vorjährigen Homburger Tur=
nier
erheblich verbeſſert hat, errang zwei Siege über Kren=
gel
und Magnus. In der zweiten Runde des Herren=
Einzelſpiels ohne Vorgabe, in dem ſich ſcharfe Kämpfe ent=
ſpannen
zwiſchen Poincilit und Hertz, erwies ſich erſterer
als ſehr routinierter Spieler; daß er ſchließlich ſiegte, hat
er ſeiner größeren Turnierpraxis zu verdanken. Beſon=
ders
guten Sport brachten die Damenkonkurrenzen; hier
indet man Namen von beſtem Klang in der Tonniswelt,
wie Frl. Bamberger, Frl. Salin, Frau Lent, Frl. Flinſch,
Brl. Bacher, Frl. Hoddes. Was die Zahl der Nennungen
anbetrifft, ſo beträgt ſie wie im Vorjahre 272. Die Haupt=
ergebniſſe
ſind: Im Herren=Einzelſpiel ohne Vorgabe um
den Homburger Pokal ſiegte Ernſt gegen L. Grüder 6:2,
6:3, Wolfgang gegen Maanus 3:6, 610, 622, v. Biſſing.
gegen Krengel 6:0, 6:0, Behrend gegen Hertz 6:4, 614. Im
Herren=Einzelſpiel ohne Vorgabe um die Meiſterſchaft von
Homburg gewann in der erſten Runde Ernſt gegen
Brodsky 6:2, Poincilit gegen v. Biſſing 2:6, 622, 6:3, H.
Albrecht gegen L. Grüder 6:4. 6:2. Wetzlar gegen v Le=
winski
60. 614, im Damen=Einzelſpiel ohne Vorgabe in
der erſten Runde Frl. H. Hoddes gegen Frl. Weihermann
6:4. 2:6, 6:3, Frl. Flinſch gegen Frl. Schuſter 6:0, 611,
Frl. Bamberger gegen Miß Gardner 7:5 6:4, in der zwei=
ten
Runde Frl. Weihermann gegen Frl. Bacher 6:3, 715,
Frau Lent gegen Frau Specht 60. 610, Frl. Hermans gegen
Mrs. Hall=Walker 611, 6:4. Im Herren=Doppelſpiel um
den Stewart=Pokal ohne Vorgabe ſiegte das Paar Poin=
cilit
=Groos gegen Behrend=Schadow 10:8. 614, im Damen=
und Herren=Doppelſpiel ohne Vorgabe Frl. Schuſter= Wetz=
lar
gegen Frl. v. Grunelius=A. v. Marx 6:2, 715.

Handel und Verkehr.

H Frankfurt a. M., 26. Aug. Fruchtmarkt=
bericht
. Am Wochenmarkt war neuer Landweizen und
neuer Landroggen überreichlich angeboten, und die nach=
gebenden
Preiſe wurden vielfach von den Mühlen zum
Kaufen benutzt; auch Haſer war ſtärker und in ſehr ſchö=
nen
Qualitäten offeriert, dabei ebenfalls billiger erhält=
lich
. Ausländiſche Brotfrüchte wurden hingegen von den
Abgebern noch hochgehalten, ſo daß die Umſätze gering
blieben. Mais und Gerſte ſchließen unverändert gegen
die Vorwoche. Die Forderungen für Mehl wurden vom
Mühlenring nicht ermäßigt, aber auch die Nachfrage war
unbedertend. Futtermittel ruhig. Futtergerſte auf Lie=
ferung
weſentlich niedriger erhältlich.
Der Mannheimer Getreidemarkt zeitigte
nur kleine Umſätze bei ſchwacher Stimmung. An der
Berliner Produktenbörſe war Getreide matt
auf die reichlichen und auch nachgiebigen Offerten Ruß=
lands
und Amerikas, auch aus erſter Hand. Die Wetter=
meldungen
aus den Provinzen lauten befriedigend, und
die verſchiedenen kurzen Gewitter dürften keinen beſon=
deren
Schaden angerichtet haben. Ebenſo iſt Hafer
ſchwächer. Nach den letzten Kabelnachrichten von den
amerikaniſchen Getreidemärkten (Neu=York
und Chicago) waren Weizen und Mais nach anfänglicher
Mattigkeit auf Abgaben der Firma Armour und das gute,
für Dreſcharbeiten günſtige Wetter ſchließlich jedoch ge=
feſtigt
auf Käufe der Baiſſiers und Deckungen der Hauſ=
ſiers
, ſowie größere Nachfrage für effektuierte Ware. Die
ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort dieſe Woche von 45,40
Millionen Buſh. auf 45,45 Millionen Buſh. geſtiegen, hin=
gegen
die Maisvorräte von 3,60 Millionen Buſh. auf.
22,62 Millionen Buſh. zurückgegangen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
Weizen, hieſiger und Wetterauer 20,4020,60, nord=
deutſcher
20,5020,60, kurheſſiſcher 20,5020,70, ruſſiſcher
23,5024,25, Laplata 23,2523,75, rumäniſcher 23,50 bis
24,25, Kanſas 2323,50, Manitoba 21,7523, Redwinter
23.
523,75, Walla=Walla 22,2523,50; Roggen. hie=
ſiger
16,7516,85, bayeriſcher 16.8016,90, ruſſiſcher 18
bis 18,50, rumäniſcher 1818,50; Gerſte. Pfälzer 17 bis
17,50, hieſice und Wetterauer 16,5017, fränkiſche 17 bis
17,50, Riedgerſte 1717,50, ungariſche 2323,50; Hafer,
hieſiger 16,7517.75, bayeriſcher 1717.75, ruſſiſcher
17,7520. rumäniſcher 17,7520, amerikaniſcher 17,75 bis
18,50; Mais, mixed 1414,25, ruſſiſcher 14,2514,60,
Donaumais 14,2014,50, rumäniſcher 14,3014,60, La=
plata
14.5014,60, weißer Mais 14,5014,60; Weizen=
ſchalen
99,50; Weizenkleie 9,509,75; Roggenkleie 10
bis 10,50; Futtermehl 1214; Biertreber, getrocknet 12,50
bis 13; Futtergerſte 1414,25; Weizenmehl, hieſiges
(Baſis ab Mannheim), Nr. 0 31,2531.50, feinere Mar=
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31.7532, Nr. 1 3030.25, feinere Marken 30,50 bis
30,75. Nr. 2 29,5029,75, feinere Marken 3030,25, Nr. 3
2727,25. feinere Marken 27,5027,75, Nr. 4 2323,25,
feinere Marken 23,5023,75; Roggenmehl, hieſiges,
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