Darmstädter Tagblatt 1913


25. August 1913

[  ][ ]

Abonnemenkspreis
Inſerate
176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
werden
angenommen in Darmſtadt,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47
verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. Bei
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
gerichtlicher
Beitreibung oder bei Konkurs
ſchriebenen Tagenwird nicht übernommen.
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 12 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaiſers vom
Großherzog gewährte Amneſtie hat ſich auf
270 Perſonen im Großherzogtum erſtreckt.
Der Kaiſer iſt geſtern nacht im Sonderzuge von Hom=
burg
nach Kelheim abgereiſt.
Bei der Reichstagserſatzwahl in Ragnit=
Pillkallen wurde Gottſchalk (konſ.) ge=
wählt
.
Am Samstag trat die zweite ordentliche Hauptverſamm=
lung
des Reichsdeutſchen Mittelſtandsver=
bandes
in Leipzig zuſammen.
Auf das Kaſſenlokal des Spar= und Vor=
ſchußvereins
in Gablonz wurde ein Atten=
tat
verübt und ein Beamter lebensgefährlich verletzt.
Der Täter wurde ergriffen.
Der Friedenskongreß im Haaa hat eine Re=
ſolution
zugunſten der Annäherung zwiſchen
Deutſchland und Frankreich angenommen.
Der Friedenskongreß im Haag wurde am
Samstag geſchloſſen. Der nächſte Kongreß tritt
in Wien zuſammen.
Die belgiſche Kammer hat die Steuergeſetze
zur Deckung der Heeresvorlage angenommen und
ſich bis zum 14. Oktober vertagt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.

Die Erinnerungsfeier
in Rolim.

Heute, Montag, findet in der großen Be=
freiungshalle
von Kelheim, die von dem König
Ludwig von Bayern zur Erinnerung an die deutſchen
Befreiungskämpfe im Jahre 1863 geſtiftet wurde, unter
Teilnahme des Kaiſers und faſt ſämtlicher deutſcher
Bundesfürſten eine Feier ſtatt, die der Erinnerung an
die große Zeit geweiht iſt. Es war ein ſchöner Gedanke,
gerade hier auf ſüddeutſchem Boden die Fürſten Deutſch=
lands
zu verſammeln, um auf dieſe Weiſe die Einheit
Deutſchland zu dokumentieren und darzutun, wie unſere
regierenden Häupter einig ſind im deutſchen Gedanken.
Die Hoffnungen, die ſich ſeinerzeit an die Befreiungs=
kriege
knüpften, hatten ſich nicht erfüllt, Deutſchland war
nach wie vor zerſplittert, der Zuſammenhang war ein gar
zu loſer und der Gegenſätze zu viele, um ein einheitliches
Staatengebilde zu ſchaffen; nach wie vor dominierte die
Kleinſtaaterei, und gerade ſie war das allergrößte Hemm=
nis
für die politiſche und wirtſchaftliche Entwicklung
Deutſchlands. Jeder Stand ging ſeine eigenen Wege,
und die aufkeimende Rivalität zwiſchen Berlin und Wien
und die damit zuſammenhängende Gruppierung von Nord
und Süd waren ebenſowenig geeignet, einen Aufſchwung
herbeizuführen. Die Folge war eine allgemeine Stagna=
tion
, bis es ſich endlich in Preußen regte und die Erkennt=
nis
ſich durchrang, daß eine Entſcheidung über die Vor=
herrſchaft
in Deutſchland in der einen oder anderen Weiſe
erfolgen müſſe. Trotz aller Unterdrückungsverſuche war
aber der deutſche Gedanke doch nicht untergegangen, im
Gegenteil, er hatte immer weiteren Fuß gefaßt, und
ſchließlich konnten ſich ihm auch die Fürſten nicht mehr ent=
ziehen
, ſie fügten ſich der Volksſtimmung, und ſo kam
nach den Ereigniſſen von 1866 jene Einigung zuſtande, die
den Vorläufer für 1870 und 1871 bildete, und wieder war
es ein Krieg gegen Frankreich, der eine Einigung Deutſch=
lands
zuwege brachte, nur daß ſie diesmal noch inniger
wurde, als zur Zeit der Befreiungskriege; auf dem blut=
getränkten
Boden der Schlachtfelder wurde das Deutſche
Reich geſchmiedet, unter deſſen Schutze wir jetzt leben.
Und dieſe Einigung brachte auch den Rieſenaufſchwung,
Deutſchland wurde zur Großmacht, das in der Weltpolitik
unter der Führung Bismarcks den maßgebenden Faktor
abgab. Trotz mancher von außen drohender Gefahren
ſſteht auch heute noch das Reich gewaltig da. In einer
ganzen Reihe von Ereigniſſen der letzten Jahre auf dem
Gebiete der Weltpolitik hat Deutſchland entſcheidend ein=
gegriffen
, und noch immer hat dies dazu gedient, der
Welt den Frieden zu erhalten, namentlich unter Wil=
helm
II. iſt Deutſchland zu einer Friedensmacht gewor=
den
, die zwar den Krieg nicht ſcheuen würde, aber doch
alles tut, um der Welt die Segnungen des Friedens zu
erhalten und die kulturelle und wirtſchaftliche Entwicklung
nicht zu hemmen.
Wenn ſich jetzt in Kelheim die deutſchen Fürſten zu=
ſammenfinden
, um einer Erinnerungsfeier an eine große
Zeit beizuwohnen, ſo legt dieſer Feſtakt ein erneutes
Zeugnis ab von dem Zuſammenſtehen der deutſchen
Stämme in Nord und Süd, in Oſt und Weſt, und ſie gibt
die Gewähr, daß der Grund, auf dem das Deutſche Reich
gebaut iſt, ein feſter iſt, und daß nicht ſo leicht ein Er=

eignis eintreten kann, das geeignet wäre, dieſe Grundfeſte
des Reiches zu erſchüttern.

Die Bekämpfung der Kriegs=
greuel
.

Miniſter Pichon hat kürzlich in einem Briefe
über die Balkangreuel an den Abgeordneten Berry
mitgeteilt, daß die franzöſiſche Regierung den Legations=
rat
du Halguet von der Geſandtſchaft in Athen und den
Oberſtleutnant Lepidi mit der Unterſuchung der von den
Bulgaren an der wehrloſen Bevölkerung in Mazedonien
verübten Greuel beauftragt habe. Allerdings ſind auch
bisher ſchon die Großmächte an dieſen Kriegsgreueln
nicht achtlos vorübergegangen, haben ſich aber begnügt,
die ihnen von ihren diplomatiſchen Vertretungen und den
Diplomaten zugegangenen Berichte bei den Regierungen
der Balkanſtaaten zur Sprache zu bringen. Wenn die
franzöſiſche Regierung hier zwei Vertreter mit der Unter=
ſuchung
direkt beauftragt hat, ſo bedeutet das alſo einen
erfreulichen weiteren Schritt der hoffentlich bei den übri=
gen
Mächten Anklang und Nachahmung finden wird. Daß
man deutſcherſeits dieſe Greuel ebenfalls ſtets aufmerk=
ſam
beobachtet hat, iſt unter anderem im Reichstage bei
der Beantwortung einer kurzen Anfrage zutage getreten,
wobei die Regierung mitteilen konnte, daß die zu ihrer
Kenntnis gelangten Fälle von ihr weiter verfolgt ſeien.
Beſonderes Intereſſe verdient nachſtehender Satz in
den Briefen Pichons: Ich behalte mir vor, zu prüfen,
welche Folge den Ergebniſſen dieſer Unterſuchungen zu
geben iſt Troßz der diplomatiſchen Zurückhaltung, die in
dieſen Worten liegt, wird man aus dieſen noch die ſille
Abſicht Pichons herausleſen können, ſich nicht nur darauf
zu beſchränken, die feſtgeſtellten Greuel den betreffenden
Regierungen zur Kenntis zu bringen, ſondern weitere
Maßnahmen zu ergreifen oder bei den Großmächten an=
zuregen
, die eine Wiederkehr ähnlicher Scheußlichkeiten
verhindern.
Miniſter Pichon würde ſich damit ein großes Ver=
dienſt
erwerben. Vorgänger hat er auf dieſem Gebiete
allerdings ſchon gehabt. So ſei daran erinnert, daß Eng=
land
nach dem ſerbiſchen Königsmorde ſeinen diplomati=
ſchen
Vertreter in Belgrad abgerufen hat und dieſe Stel=
lung
als Proteſt gegen die Nichtbeſtrafung der Mörder
lange Zeit unbeſetzt ließ. Auch die engliſchen Proteſte
gegen die türkiſchen atrocitys gehören hierher, mögen
ſie auch in höherem Maße von politiſchen Gründen dik=
tiert
geweſen ſein, als von reiner Menſchenliebe und
z. B. im erſten Teil des Balkankrieges, der zweifellos die
größten Kriegsgreuel gezeitigt hat, gegenüber den Bal=
kaniern
ausgeblieben ſind, weil England mit einem ſol=
chen
Entrüſtungsſturm den Balkanſtaaten, auf deren Seite
es mit ſeinen Sympathien ſtand, nicht in den Arm fallen
wollte. Es würde eine große Kulturtat und eine weſent=
liche
Vervollkommnung der Genfer Konvention bedeu=
ten
, wenn es gelänge, wirkſame Mittel und Wege aus=
findig
zu machen, um diejenigen Staaten, die der Gen=
fer
Konvention beigetreten ſind, auch zu einer wirklichen
Beachtung der internationalen Abmachungen zu veran=
laſſen
.
Diplomatiſche Proteſte und Vorſtellungen haben ſich
in dieſer Hinſicht bisher als völlig wirkungslos erwieſen.
Ein flammender Proteſt Europas, der gelegentlich ſeine
Wirkung getan hat, iſt aber leider zu oft von Zufällig=
keiten
und politiſchen, nicht menſchenfreundlichen Erwäg=
ungen
abhängig, als daß man davon eine große Wirkung
erhoffen dürfte, ſo unerfreulich es auch ſein mag, einen
derartig geringen Einfluß der menſchenfreundlichen Be=
geiſterung
feſtſtellen zu müſſen. Gerade diejenigen Län=
der
, die ihre Ehre dareinſetzen, den Krieg ſo menſchlich
wie möglich zu führen und vor allen Dingen die wehr=
loſe
Bevölkerung nicht unter militäriſchen Ausſchreitun=
gen
des Heeres leiden zu laſſen, würden ſich ſelbſt in einem
eventuellen Kriege mit derartigen Halbbarbaren aufs
empfindlichſte ſchädigen, wenn ſie ihnen gegenüber eine
Ritterlichkeit bekunden würden, die von der anderen Seite
nicht erwidert wird, ja für die dort jedes Verſtändnis
fehlt. Deshalb muß darauf hingearbeitet werden, daß
der Zutritt der Genfer Konvention nicht nur von dem
freien Willen der ſich dazu meldenden Staaten
abhängt, ſondern daß in wirkſamer Weiſe auf die Beob=
achtung
der internationalen Abmachungen zur Be=
ſchränkung
der Kriegsgreuel wirkungsvoll ge=
drungen
wird, etwa durch einen irgend wie ausgeſtalteten
internationalen Gerichtshof, der auch das
Recht haben müßte, gewiſſen Ländern, die dieſe Beſtim=
mung
nicht reſpektieren oder vorgekommene Verſtöße nicht
entſprechend beſtrafen, von der Zugehörigkeit zu
der Genfer Konvention auszuſchließen.
Das würde mehr wirken als ein papierner Proteſt, da er
den Betreffenden den Adelsbrief der europäiſchen Kultur=
gemeinſchaft
aberkennen würde Außerdem hätte ein der=
artiges
Aberkenntnis für den Betreffenden natürlich auch
zur Folge, daß die in der Genfer Vereinigung vertrete=
nen
Mächte auch ihrerſeits nicht gehalten wären, in einem
Kriege mit derartigen ausgeſchloſſenen Mächten die huma=
nen
Beſtimmungen der Genfer Konvention anzuwenden.
Die euroväiſchen Kulturſtaaten ſchließen von den Segnun=
gen
der Genſer Konvention grundſätzlich alle halb= oder
unkultivierten Gegner aus, die der Genfer Konvention
nicht angehören oder wegen ihrer niedrigen Kultur und
mangelnder ſtaatlicher Oraaniſation deren Beſtimmungen
nicht erfüllen können; ja ſie lehnen dahingehende Anträge
ſogar grundſätzlich ab. Um wieviel mehr ſollte man nicht
Länder von dieſer ehrenvollen Zugehörigkeit ausſchließen,

die ſich um die Tragweite der dort feſtgelegten humanen Be=
ſtimmungen
nicht kümmern, ſondern ihr militäriſches Ehren=
kleid
durch die Hinſchlachtung wehrloſer Menſchen und
die Schändung wehrloſer Frauen und Mädchen be=
ſchmutzen
. Rückſicht gegen Barbaren und Verbrecher iſt
die größte Rückſichtsloſigkeit gegen ſchwache und anſtän=
dige
Menſchen.

Rußlands Balkanpolitik.

* Der ruſſiſche Botſchafter in Rom, Krupenski,
erklärte einem Vertreter des Giornale d’Italia:
Es iſt verfrüht, eine militäriſche Aktion
Rußlands gegen die Türkei anzunehmen. Ruß=
land
iſt gegenwärtig zu einem friedlichen, aber ſehr
energiſchen Vorgehen gegen die Türkei ent=
ſchloſſen
, um ſie zu veranlaſſen, den Londoner Vertrag zu
reſpektieren. Rußland iſt feſt entſchloſſen, dem Vertrage
Achtung zu verſchaffen. Es hat indeſſen den aufrichtigen
Wunſch, den europäiſchen Frieden nicht zu ſtören. Den
Finanzboykott gegen die Türkei könnte ſehr wirkſam ſein.
Die Mächte ſeien alle vollkommen einig. Man müſſe ver=
ſuchen
, ſchwere internationale Verwickelungen anläßlich
der türkiſch=bulgariſchen Frage zu vermeiden. Die Pforts
werde ſich von dieſem Wunſche Rechenſchaft geben müſſen.
Krupenski hält die Adrianopeler Frage augen=
blicklich
für nicht ſo ſchwerwiegend, wie allgemein ange=
nommen
wird; er glaubt aber nicht an eine endgültige
Löſung der türkiſch=bulgariſchen Frage bezw. ob Adria=
nopel
türkiſch oder bulgariſch bleibe. Man ſah bisher
nur den erſten Akt der Balkantragödie ſich abſpielen. Die
heutigen Vorgänge bildeten einen bloßen Zwiſchenakt.
Schwerer als die Mein ungsverſchiedenheiten
zwiſchen der Türkei und Bulgarien ſeien die zwiſchen den
ehemaligen Verbündeten; beſonders der arie=
chiſch
=bulgariſche Kawalaſtreit könne einen ſehr großen
Umfang annehmon. Krupenski hob weiter hervor, daß
Bulgarien eine wirklich ſtarke Nation mit lebhaftem krie=
geriſchem
Geiſte und ſtarkem Patriotismus, ſowie ſoliden
militäriſchen Einrichtungen ſei. Sie könne ſich baldigſt
aus der augenblicklichen Kriſis erheben und ſei zu einer
großen Zukunſt unter den Balkanvölkern beſtimmt. Der
Bukareſter Friede werde die Lage für den Augen=
blick
konſolidieren. Auf die Bemerkung des Interviewers.
die Türkei ſolle geneigt ſein, Bulgarien den
Krieg zu erklären, erwiderte er, wenn Konſtanti=
nopel
dazu entſchloſſen wäre würde Rußland der Türkei
den Krieg erklären. Das ſei ſicher. Rußland habe jedoch
den guten Willen, den Konſtikt friedlich zu köſen, aber mit
Energie.
Unter der Ueberſchrift Eine tatſächliche =
ſung
ſchreibt der Figaro:
Die ruſſiſche Diplomatie hat noch immer
den Wunſch, Adrianopel zu Bulgarien zurückgehen zu
ſehen, wie es der Londoner Vertrag, den die Türkei an=
genommen
hat, ausdrücklich vorſchreibt. Nun ſei es ebenſo
wenig eine diplomatiſche als eine finanzielle Preſſion.
welche die Pforte veranlaſſen könnte Adrianopel wieder
aufzugeben. Um die Pforte zu zwingen. Adrianopel zu
räumen, bedürfte es eines militäriſchen Eingreifens Ruß=
lands
, d. h. eines großen Krieges mit allen ſeinen Gefah=
ren
. Man begreift, daß die ruſſiſche Regierung eine ſo
große Verantwortlichkeit nicht leichten Herzens auf ſich
nehmen würde. Es iſt natürlich, daß ſie daran denkt
Europa den Frieden zu erhalten, der im Falle eines
ruſſiſch=türkiſchen Konfliktes in eine ernſte
Gefahr käme Rußland wird verſuchen. den Londoner Be=
ſchlüſſen
durch alle friedlichen Mittel Geltung zu verſchaf=
fen
. Es iſt übrigens nicht unmöglich, daß die Türkei mit
Konzeſſionen entgegenkomme Inzwiſchen könnte und
müßte die bulgariſche Demobiliſierung die türkiſche
Demobiliſierung zum Gegenſtück haben. Bulgarien
wird höchſtens 30 000 bis 40 000 Mann un=
ter
Waffen behalten gegenüber den 300000 Türken.
Ein ſolches Mißverhältnis iſt in der Tat etwas ſtark. Die
türkiſche Regierung könnte, ohne ſich der geringſten Ge=
fahr
auszuſetzen, den größten Teil ihrer Truppen ent=
laſſen
, ohne daß ſich eine weitere Bedrohung der Lage, die
ſich heute bereits merklich gebeſſert hat, zeige

Deutſches Reich.

Streikverſicherung. Man ſchreibt uns:
Mit der wachſenden finanziellen und organiſatoriſchen
Rüſtung der Kampfgewerkſchaften iſt die Streikgefahr für
die Induſtrie zu einer allgemeinen und täglich drohenden
Kalamität geworden. Ereigniſſe gerade der jüngſten Zeit
haben bewieſen, daß es den Gewerkſchaftsführern ſelbſt
kaum noch mit den größten Anſtrengungen möglich iſt, ihre
Maſſen in Diſziplin zu halten, die, pochend auf ihre ge=
füllten
Gewerkſchaftskaſſen, ſich in ihrer Streikluſt nicht
zügeln laſſen wollen. So ſtehen die induſtriellen Betriebe
unter dem unerträglichen Druck eines fortwährenden
Streikriſikos, welches die Aufrechterhaltung einer ſtetigen
und geregelten Produktion jeden Augenblick gefährdet.
Die Unternehmer folgen daher nur einem zwingenden
Gebot der Selbſterhaltung und handeln zugleich im all=
gemeinen
volkswirtſchaftlichen Intereſſe, wenn ſie ſich ge=
gen
dieſe Gefahr mit allen Mitteln ſchützen. Durch ſolida=
riſches
Zuſammengehen bei allen Arbeitsſtreitigkeiten und
durch Bereitſtellen ſtarker Streikabwehrfonds ſuchen die
in den Arbeitgeberverbänden organiſierten Unternehmer
in erſter Linie den ungerechtfertigten Angriffen der Ge=

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Angnſt 1913.

Nummer 198.

werkſchaften entgegenzutreten und die Poſition des Un=
ternehmers
zu verteidigen. Als notwendige Ergänzung
zu dieſen Hauptabwehrmitteln hat ſich aber noch eine Ein=
richtung
herausgeſtellt, durch welche für jeden Streikfall,
der den Unternehmer unverſchuldeterweiſe trifft, eine Ent=
ſchädigung
geſichert wird, deren Höhe von vornherein
nach beſtimmten Grundſätzen feſtgelegt iſt. Um dieſem
Bedürfnis nach einer Streikverſicherung gerecht zu wer=
den
, haben die einzelnen Arbeitgeberverbände beſondere
Streikentſchädigungs= bezw. Streikverſicherungseinrichtun=
gen
geſchaffen. Für ſolche Verbände aber, deren beſondere
Verhältniſſe die Schaffung einer eigenen Streikverſiche=
rungseinrichtung
für ihre Mitglieder nicht geſtatten, und
um auch Einzelfirmen die Möglichkeit der Verſicherung
gegen das Streikriſiko zu bieten, hat die Vereinigung der
Deutſchen Arbeitgeberverbände, die Zentral=Organiſation
der deutſchen Arbeitgeber, die Deutſche Streikentſchädi=
gungsgeſellſchaft
eingerichtet. Gegenüber den außen=
ſtehenden
Streikverſicherungseinrichtungen gibt die Deut=
ſche
Streikentſchädigungsgeſellſchaft dem Arbeitgeber des=
halb
eine erheblich wirkungsvollere Stütze, weil er durch
ſie an die Geſamtvertretung der Arbeitgeber, die Ver=
einigung
der Deutſchen Arbeitgeberverbände, angeſchloſ=
ſen
wird und ihm ſonach neben der finanziellen Deckung
auch die geſamten Machtmittel der vereinigten Arbeit=
geberſchaft
zur Verfügung ſtehen. Auch finanziell bietet
die Deutſche Streikentſchädigungsgeſellſchaft ihren Mit=
gliedern
noch eine ganz beſondere Gewähr, weil das Ri=
ſiko
noch durch eine bei der Vereinigung der Deutſchen
Arbeitgeberverbände eingerichtete Rückverſicherung gedeckt
iſt. Mit der Schaffung dieſer Streikverſicherungseinrich=
tung
hat die Vereinigung der Deutſchen Arbeitgeberver=
bände
einen weiteren Schritt zur organiſatoriſchen und
ſolidariſchen Stärkung des deutſchen Unternehmertums
getan.
Der neue Kriegsminiſter und das
Spionagegeſetz. Durch die Preſſe geht die Meldung,
daß der neue Kriegsminiſter von Falkenhayn infolge der
Bekämpfung der insbeſondere die Preſſe berührenden Be=
ſtimmungen
des Spionagegeſetzes durch die öffentliche
Meinung beabſichtigen ſoll, einer Milderung der betref=
fenden
Vorſchriften zuzuſtimmen, bezw. ſie anzuregen.
Wie Berliner Blätter hören, dürfte die Nachricht leider
unbegründet ſein. Es ſei von einer ſolchen Abſicht des
Kriegsminiſters an zuſtändiger Stelle nichts bekannt.
Mit der Frage einer einheitlichen
deutſchen Armengeſetzgebung und der Schaf=
fung
eines deutſchen Reichsarmengeſetzes wird ſich, wie
aus Stuttgart gemeldet wird, der am 25. September dort
ſtattfindende Kongreß des deutſchen Vereins für Armenpflege
beſchäftigen. Nachdem der vorjährige Kongreß im Anſchluß
an die Beratung über die geſetzliche Regelung der Auf=
gaben
der öffentlichen Armenpflege ſich einſtimmig für die
Herbeiführung der Rechtseinheit auf dem Gebiete des Ar=
menweſens
ausgeſprochen hatte, wurde ein aus Vertre=
tern
der Oeffentlichkeit und der privaten Armenpflege ge=
bildeter
Ausſchuß eingeſetzt, der die wiſſenſchaftlichen
Grundlagen für einheitliche deutſche Armengeſetzgebung
feſtſtellen und, darauf aufbauend, die Richtlinien für ein
Reichsarmengeſetz entwerfen ſoll.
Die Amneſtie in Armee und Marine.
Im Zuſammenhang mit der Durchführung des Amneſtie=
erlaſſes
zum Kaiſerjubiläum ſind in Armee und Marine
in 728 Fällen Begnadigungen und Ermäßigungen der
Strafen eingetreten. Auf die Armee entfallen 598, auf
die Marine 130.
Die Beſteuerung der Schecks. Der Prä=
ſident
des deutſchen Handelstages hat an den Bundesrat
eine Eingabe gerichtet, in der er bittet, dem Reichstag ſo=
fort
bei ſeinem Zuſammentritt einen Geſetzentwurf vorzu=

legen, durch welchen die Beſteuerung von Schecks und
ihnen gleichgeſtellten Quittungen bereits mit dem Ablauf
des 31. Dezember 1913 aufgehoben wird.
Die Lebenshaltung der Arbeiter.
Die Tägliche Rundſchau macht darauf aufmerkſam, daß
die Stimmen im ſozialdemokratiſchen Lager ſich mehren,
die nicht nur die Verelendungstheorie des Erfurter Pro=
gramms
als unſinnig bezeichnen, ſondern die ſogar eine
Verbeſſerung der wirtſchaftlichen Lage der arbeitenden
Klaſſen ohne weiteres zugeben. So ſchreibt die freige=
werkſchaftliche
Holzarbeiterzeitung:
Der Fortſchritt iſt freilich nicht von heute auf morgen
zu verſpüren, zeitweilig treten ſogar Rückſchläge ein,
wenn, wie in den letzten Jahren, infolge der verkehrten
Zoll= und Steuerpolitik des Reiches, die Preiſe für die
notwendigen Lebensbedürfniſſe ſo rieſig emporſchnellen
daß die Steigerung der Löhne mit ihnen nicht aleichen
Schritt halten kann. Aber die Hebung der Lebenshaltung
iſt unverkennbar, wenn wir uns um wenige Jahre zurück=
verſetzt
denken und unſere Ernährung, Behauſung, Klei=
dung
uſw. von damals mit der Art vergleichen, wie wir
die entſprechenden Bedürfniſſe heute zu befriedigen ge=
wohnt
ſind.
Vor kurzem veröffentlichte das Reichsarbeitsblatt eine
Lohnſtatiſtik des Oberſchleſiſchen Berg= und Hüttenmänni=
ſchen
Vereins, nach der im Laufe der letzten 25 Jahre ſich
die Durchſchnittslöhne der oberſchleſiſchen Bergarbeiter
um 110 v. H. gebeſſert haben.
Zum Werftarbeiterſtreik. In der an
Verwickelungen reichen Lohnbewegung der Werftarbeiter
iſt, nach einer Meldung des Lok.=Anz. aus Stettin, eine
neue Situation geſchaffen worden. Die Schließung des
Arbeitsnachweiſes der Induſtriellen für die Werftarbeiter
hat zu Unſtimmigkeiten zwiſchen den Hirſch=Dunckerſchen
und den im Deutſchen Metallarbeiterverbande organiſier=
ten
Werftarbeitern geführt. Die Hirſch=Dunckerſchen hiel=
ten
eine Mitgliederverſammlung ab, in der eine Reſolu=
tion
angenommen wurde, die das Verhalten der Nieter
tadelt. Wie gemeldet, iſt der Arbeitsnachweis geſchloſſen
worden, weil die Nieter entgegen den gefaßten Beſchlüſ=
ſen
nicht zur Arbeit erſchienen. Die Hirſch=Dunckerſchen
erklärten nun, daß ſie von jetzt ab allein vorgehen wol=
len
, wenn die Leitung des Metallarbeiterverbandes es
nicht durchſetzt, daß die Mitglieder des Metallarbeiter=
verbandes
ſich an die gemeinſam gefaßten Beſchlüſſe
halten.

Ausland.

Belgien.
Annahme der Steuergeſetze. Die Kammer
hat das Geſetz, durch das der Einfuhrzoll auf Zeitungs=
papier
um 50 Prozent ermäßigt wird, und außerdem ge=
gen
die Stimmen der Linken die Steuergeſetze zur Deckung
der Heeresvorlage angenommen. Darauf vertagte ſie ſich
bis zum 14. Oktober zu einer außerordentlichen Seſſion,
in der das Schulgeſetz erledigt werden ſoll.
Amerika.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Präſident Wilſon wird ſeine Botſchaft, betreffs der mexi=
kaniſchen
Angelegenheiten, in den beiden Häuſern des
Kongreſſes perſönlich verleſen und eine Ueberſicht über
die Schritte geben, die von den Vereinigten Staaten be=
reits
getan ſind, um den Frieden herbeizuführen. Er wird
ſeine Botſchaft wahrſcheinlich erſt am Dienstag im Kon=
greß
verleſen. Der Präſident wird am Montag erſt die
Botſchaft mit den Mitgliedern der Senatskommiſſion für
auswärtige Angelegenheiten beſprechen.
Afrika.
Der Handel von Marokko im Jahre 1912
belief ſich auf 227,5 Millionen Francs gegen 177,8 Mil=
lionen
im Jahre 1911. Die Zunahme beträgt 21,8 Pro=

zent. Auf die Einfuhr entfallen 152 Millionen, auf die
Ausfuhr 75 Millionen. An dem Geſamthandel iſt Frank=
reich
mit 40 Prozent beteiligt, England mit 29 Prozent,
und Deutſchland mit 13 Prozent. Infolge verminderter
Ausfuhr nach Deutſchland iſt der deutſche Anteil am Ge=
ſamthandel
im letzten Jahre von 14 auf 13 Prozent zu=
rückgegangen
. Der deutſche Anteil an der Einfuhr iſt hin=
gegen
trotz der vermehrten Einfuhr von franzöſiſchem
Kriegsmaterial von 7 auf 8 Prozent geſtiegen.

* Der Friedenskongreß im Haag hat
eine Reſolution zugunſten der Annäherung zwiſchen
Deutſchland und Frankreich angenommen, und befürwor=
tete
eine zweite Reſolution, daß der die Panamakanalakie
betreffende engliſch=amerikaniſche Zwiſt für den Fall. daß
er nicht auf diplomatiſchem Wege geſchlichtet werde, dem
Haager Schiedsgericht unterbreitet werden ſolle. Der
Kongreß ſprach ſein Bedauern darüber aus, daß die inter
nationale Finanz während des Balkankrieges die Krieg=
führenden
unterſtützt habe, und drückte den Wunſch aus,
daß die verſchiedenen Fragen (unter anderen die Kodifi=
zierung
des internationalen Rechts und die Frage des
obligatoriſchen Schiedsgerichts in allen Streitigkeiten) auf
die Tagesordnung der dritten Friedenskonferenz geſetzt
und daß unverzüglich eine vorbereitende Kommiſſion ge=
bildet
werden ſolle, damit die Konferenz 1915 zuſammen=
treten
könne. Der Präſident des Berner Bureaus, Lafon=
taine
, legte die Notwendigkeit dringlicher Schritte der
(Friedensfreunde, insbeſondere bei der niederländiſchen
und amerikaniſchen Regierung dar, damit die Friedens=
konferenz
ohne Verzögerung an dem von der Konferenz=
von
1907 feſtgeſetzten Zeitpunkt ſtattfinden könne, weil das
Gerücht umgehe, die Konferenz werde nicht 1915 ſtattfin=
den
. Der Kongreß nahm die Reſolution in dieſem Sinne
an.

Stadt und Land.
Darmſtaßt. 25. Auguſt.

* Vom Hofe. Prinz und Prinzeſſin Franz
Joſeph von Battenberg nahmen am Freitag
an der Frühſtückstafel in Jagdſchloß Wolfsgarten teil.
Die Großherzoglichen Herrſchaften und
Prinzeſſin Luiſe von Battenberg begaben
ſich nachmittags 2 Uhr mit Gefolge im Auto nach Bad
Nauheim, wohnten daſelbſt dem Lawn=Tennis=Turnier
an und kehrten abends 8½ Uhr nach Jagdſchloß Wolfs=
garten
zurück. Der Großherzog begab ſich am
Samstag früh 5 Uhr in den Kranichſteiner Park auf
Jagd. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Hauptmam.
Falkman im Schwediſchen Generalſtab, zur Dienſtleiſtung
beim Leibgarde=Infanterie=Regiment (1. Großh. Heſſ)
Nr. 115 zugelaſſen, den Leutnant v. Schaumberg im
1. Kurheſſiſchen Feld=Artillerie=Regiment Nr. 11 in Kaſſel,
den Pfarraſſiſtenten Hartmann, den Bürgermeiſter Böhm
und den Kirchenvorſtand Reimund von Gadernheim, der
Regierungsbaumeiſter Lincke, den Direktor der Großh.
keramiſchen Manufaktur in Karlsruhe Aug. Fricke; in
beſonderer Audienz den Kaiſerlich Ruſſiſchen Legations
ſekretär Grafen von Kotzebue Baron Pilar von Pilchau
zum Vortrag den Finanzminiſter Braun, den Vorſtand
des Kabinetts Geheimerat Römheld.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem evangeliſchen Pfarrer
Ludwig Berck in Mainz=Mombach das Ritterkreuz
1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütige
und dem Dreher in der Eiſenbahn=Zentralwerkſtätte
Darmſtadt Johannes Geduldig aus Anlaß ſeines
Ausſcheidens aus dem Staatseiſenbahndienſt das Allge=
meine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für treue Arbeſt
verliehen.
*e
Beſtätigt wurde der von dem Herrn Grafen
zu Erbach=Fürſtenau auf die erledigte Lehrerſtelle an der
Eemeindeſchule zu Hüttenthal, Kreis Erbach, präſentierte
Schulamtsaſpirant Friedrich Hermann Arnold aus
König, in demſelben Kreiſe, für dieſe Stelle.
Die Amneſtie anläßlich des Regierungs=
jubiläums
Kaiſer Wilhelms II. Auf Grund der von
Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog aus Anlaß
des Regierungsjubiläums Sr. Maj. des Kaiſers am
16. Juni l. J. gewährten Amneſtie ſind laut Darmſt.

1813.
Jubiläumsnotizen von Willi Dünwald.
(Nachdruck verboten.)

Körners Tod:
Das Lützowſche Freikorps. Körners Verwundung bei
Kitzen. Gefecht bei Gadebuſch. Körners Tod.
Sein Leben und Dichten.
Als das Volk aufſtand, der Sturm losbrach, Ernſt
Moritz Arndt den keineswegs aufſtehenden und losbre=
chenden
Fürſten einen ſie beſchämenden Aufrüttelungs=
marſch
blaſen mußte, da erließ, dazu beraten von Scharn=
horſt
, Preußens König, der Gneiſenaus Denkſchrift über
die Notwendigkeit, die Kräfte des ganzen Volkes zu ent=
feſſeln
als nicht realiſierbare Poeſie gloſſiert, die Ver=
ordnung
zur Bildung von freiwilligen Jägern. Tats um
etwas zu tun, denn er war überzeugt, daß keiner käme
Freiwillige aufrufen, ſagte er, ganz gute Idee, aber keine
kommen. Der König kannte ſein Volk nicht, ahnte nicht, wie
ihm in harter Bedrückung ſeiner völkiſchen Art ſchild=
erhebend
zumute ſein mußte. Denn nicht keiner wie der
König voll Kleinmut meinte, ſondern alle, alle kamen
Niebuhr, der große Gelehrte und Politiker, konnte aus
Berlin an eine Freundin alſo ſchreiben: Das Gedränge
der Freiwilligen, die ſich einſchreiben laſſen, iſt heute ſo
groß auf dem Rathauſe wie bei der Teuerung vor einem
Bäckerladen. Um Dir eine Vorſtellung von dem Eifer zu
geben, mit welchem alles ſich hier zu dem Einſchreiben in die
freiwilligen Jägerdetachements drängt, muß ich Dir noch
einiges ſagen. Erſt ſeit drei Tagen iſt die Bekanntmachung
deshalb erſchienen, und heute fährt die Poſt ſchon mit
neun Beiwagen voll derſelben ab, außer denen, die zu
Fuß gehen oder mit anderen Gelegenheiten reiſen. Na=
türlich
iſt dies nur ein ſehr kleiner Teil: die meiſten haben
noch Geſchäfte und wollen ſich noch equipieren. Es gehen
junge Leute aus allen Ständen: Studenten, Gymnaſiaſten,
Primaner, Handlungskommis, Apotheker, Handwerker
aus allen Zünften; gereifte Männer von Amt und Stand,
Familienväter uſw. Studenten, Primaner . was will
das beſagen, wo Sekundanern und Tertianern der Hoſen=
boden
auf der Schulbank brannte, 134 Schüler vom Gym=
naſium
Graues Kloſter in Berlin dem Rufe folgten, von
dem der König nichts gehalten hatte. Und lebe recht
wohl. guter Bruder! Ehrenvoll oder nie ſiehſt Du mich
wieder . . ſchrieb ein Mädchen, Eleonore Prochaska,
die von Haus heimlich geklotzen und unter dem Namen

Auguſt Renz unerkannt diente der deutſchen Sache als
freiwilliger Jäger in der Lützowſchen Freiſchar und im
Gefecht an der Göhrde mit dem Ruf: Leutnant, ich bin
ein Mädchen ihr tapferes Blut verſtrömte. Und nicht
nur Jugend, ſondern auch geiſtig Erlauchtes kam. So
als erſter Friedrich Ludwig Jahn mit ſeinen Turnern
und mit ihm der Sinner der Turnkunſt, ſein Mitarbeiter
Friedrich Frieſen, der herrliche Jüngling, deſſen irdiſche
Ueberreſte gegenſeitigem Verſprechen gemäß, der junge
Vietinghoff nicht dem feindlichen Boden ließ, ſondern ſie
fünfunddreißig Jahre mit ſich herum führte, ehe ſie in
deutſcher Erde beſtattet werden konnten. Friedrich Fröbel.
der große Pädagoge, kam und auch Dichter, ſo Eichendorff.
Körner u. a. kamen; denn, ſo wollte es Scharnhorſt, das
Freikorps ſollte nicht nur mit der Waffe, ſondern auch
mit dem Worte kämpfen für die große Sache.
Sammeln ſollte dieſe Freiwilligen und ihr Führer
werden der dreißigjährige, kriegserprobte Major v. Lützow.
einſt dem Schillſchen Korps zugehörig geweſen. In
Breslau, im Hotel Zum goldenen Zepter machte er am
18. Februar ſein Werbebureau auf, unterſtützt vom gu=
ten
Engel der Racheſchar, ſeiner Frau, einer geborenen
Gräfin Ahlefeldt. Wäre Theodor Körner als er
nächſtentags von Wien anlangte, noch unentſchloſſen ge=
weſen
, ob er in dies Korps eintreten ſolle, ſein Ent=
ſchluß
war entſchieden, als dieſe wunderbare ſchöne Frau
eine blondgelockte, blauäugige Thusnelda, mit freund=
lichem
Zuſpruch voll Wohllaut und mit deutſchem Hände=
druck
ihn willkommen hieß. Sie, die ſpätere Seelen
freundin Immermanns, war und blieb der gute, von allen
verehrte Engel dieſer ſchwarzen Schar, in der Schillſcher
Rachegeiſt auferſtanden war
Angetan mit einer ſchwarzen, rotſtoßigen, jedoch trod=
del
= und ſchnürloſen Litewka und Tſchako mit wachs=
tüchernem
Ueberzug, exerzierten ſich die Freiſchärler den
März hindurch in Zobten, ihrem Standquartier, ein. Als=
dann
erfolgte der Auszug nach Rogau, wo in der ſchlichten
Dorfkirche die Waffen geſegnet wurden. Körners Einſeg=
nungslied
: Wir treten hier im Gotteshaus ward ge=
ſungen
und dann ſprach der Paſtor des Ortes tief ins
Herz eindringende Worte. Und ließ ſie ſchwören, die
Freiſchärler, zu ſiegen und zu ſterben für die gerechte
Sache. Todesweihe in der Bruſt, ſchworen ſie auf die
Schwerter der den Altar umſtehenden Offiziere; ſangen,
eine feſte Burg iſt unſer Gott und brachten ein donnern=
des
Vivat der deutſchen Freiheit, wobei die Klingen aller
Freiſchärler, weiß aufleuchtend, aus der Scheide flogen.
Ey zog ſie dahin Lützows wilde und verwegene Jagd.

um, nach Scharnhorſt, ihres Erdenkers Idee, Kampf zu
ſäen, Volksaufſtände zu erregen. Und wenn ſie auch nie
teilnahm an entſcheidenden Schlachtmomenten, nie ſich be=
wegte
im großen Schwertertanz, wenn auch durch häufige
Verwundung und Gefangennahme des Führers aus der
wilden, verwegenen oft eine ſtille, verlegene Jagd‟
wurde . . . hielt ſich doch ein Kampfgeiſt ſondergleichen
hier wach. Und dieſer Kampfgeiſt zog befruchtend durch
deutſches Land:
Denn, was berauſcht die Leyer vorgeſungen=
Das hat des Schwertes freie Tat errungen.
Drum wird Lützows wilde und verwegene Jagd nach=
geſagt
bleiben von Enkel zu Enkel, mögen auch immer die
Kriegshandwerker und Kriegsakademiker über ſie die Naſe
rümpfen.
*
*
Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben.
Ich fühl’s an meines Herzens mattem Schlag:
Hier ſteh ich an den Marken meiner Tage,
Gott, wie Du willſt! Dir hab ich mich ergeben!
ſchrieb jener Adjutant, der am 17. Juni wie im ſechſten
Artikel dieſer Jubiläumsnotizen geſchildert als Parla=
mentär
von dem ſich beim Waffenſtillſtand verſpäteten
Lützow zu dem General Fournier geſchickt worden war:
Waffenſtillſtand für Jedermann, nur nicht für euch!
war dem Vertreter der von Napoleon gut gehaßten ſchwar=
zen
Schar geantwortet worden und hatte ihn alsdann zu=
ſammengehauen
. Und während Lützow und die Seinen
den nichtgewollten Kampf, Waffenfrieden brechend, auf=
nahmen
, während das Korps am denkwürdigen Tage von
Kitzen, ſich ſozuſagen auflöſte, lag dieſer Adjutant, Theodor
Körner, bewußtlos im Walde nahe dem Dorfe Groß=
Zſchocher, dahin er ſich noch hatte ſchleppen können. Hier
am Morgen des anderen Tages erwachend, glaubte er
an den Marken ſeiner Tage zu ſtehen, und ſchrieb. Ab=
ſchied
vom Leben nehmend, mit zitternden Händen ins
Tagebuch: Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben.
Noch aber war die Stunde des großen Abſchiednehmens,
ene Stunde, die wir alle einmal erleben müſſen, noch
war dieſe Stunde nicht gekommen. Noch nicht. Ein Holz=
hauer
fand ihn, brachte ihn ins Dorf, von wo der Ver=
wundete
Nachricht nach Leipzig gab. Befreundete Aerzte
kamen, pflegten ſein und ſchafften ihn nach Leipzig. Bald
konnte er ſich zur vollſtändigen Leibesreparatur nach
Karlsbad begeben. Aber ſchon am 15. Juli machte er ſich
wieder auf den Weg zu ſeinem Korns.

[ ][  ][ ]

Nummer 198.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Seite 3.

Ztg. etwa 270 Perſonen Freiheits= und Geld=
ſtrafen
teils unbedingt, teils unter der Bedingung
mehrjährigen Wohlverhaltens erlaſſen oder in eine
mildere Strafart umgewandelt worden.
g. Ferienſtrafkammer. Wegen intellektueller
Urkundenfälſchung hatte ſich am Samstag der
41jährige Kiſtenmacher Karl Felix Gärtner aus Mühl=
heim
in Baden vor der Ferienſtrafkammer zu verantwor=
ten
. Als Landſtreicher von Ort zu Ort ziehend und da=
bei
ſich ſeinen Lebensunterhalt bettelnd erwerbend, hat
er es bereits auf 69 Vorſtrafen, meiſt ſolche wegen Bettelns
und Landſtreichens, gebracht. Um nun dieſes umfang=
reiche
Strafregiſter zu verheimlichen und ſo dem ſicheren
Arbeitshaus zu entgehen, legte er ſich bei ſeiner am 17.
Juni in Seligenſtadt wegen Bettelns erfolgten Feſt=
nahme
einen falſchen Namen bei. Er ließ ſich dann auch
als Johann Schrey in das Gefangenenregiſter eintragen.
Er wird nach dem Antrage des Staatsanwalts zu 4 Mo=
naten
Gefängnis verurteilt. Der 26jährige Gla=
ſer
V., der bei einer hieſigen Behörde als Hilfsdiener be=
ſchäftigt
war, hat während dieſer Zeit zwei Zahlungs=
anweiſungen
über 24 und 40 Mark fälſchlich mit der
Unterſchrift verſehen und den Betrag auf Grund dieſer
Fälſchung bei der Hauptſtaatskaſſe erhoben. Wegen der
Fälſchung der Quittung über 40 Mark und des Betruges
war er bereits am 17. Dezember vorigen Jahres zu 5 Mo=
naten
Gefängnis verurteilt worden. Von der Strafe war
ihm ein Viertel bedingt erlaſſen. Nun ſtellte ſich erſt ſpäter
die zweite Fälſchung heraus und es ergab ſich die inter=
eſſante
Rechtsfrage, ob dem Angeklagten der Vorteil der
Bildung einer Geſamtſtrafe zugute kommen kann.
Der
Staatsanwalt Bernhards plädierte für Bildung einer Ge=
ſamtſtrafe
, da durch die bedingte Begnadigung die
Strafe noch nicht verbüßt oder erlaſſen, ſondern vielmehr
noch in der Schwebe ſei. Es ſei mithin die Bildung einer
Geſamtſtrafe gegeben. Das Gericht trat dieſer Auffaſſung
bei und verurteilte den Angeklagten zu einer Geſamt=
ſtrafe
von 7 Monaten Gefängnis. Es ſteht nun
dem Angeklagten, der angibt, die zweite Fälſchung bei der
erſten Verurteilung vergeſſen zu haben, frei, die Ausdehn=
ung
der Begnadigung auf die Geſamtſtrafe anzuſtreben.
In roher und gefährlicher Art und Weiſe trat der
Fabrikarbeiter Karl Kilian V von Bürſtadt einem
Handelsmann entgegen, der von einem Saufkumpan des
Kilian beſtohlen war und nun deſſen Perſonalien feſt=
ſtellen
wollte. Auf der Meſſe trat die Geſellſchaft
nach einer Bierreiſe an den Stand des Handelsmannes
Spatz. Hierbei nahm einer von der Geſellſchaft ein Porte=
monnaie
an ſich. Ueber die Maßnahmen des Beſtohlenen
zur Feſtſtellung der Perſönlichkeit des Diebes war der
ganz unbeteiligte Kilian ſo erboſt, daß er dem nicht be=
ſonders
kräftigen Mann Schläge mit der Fauſt auf Kopf
und Bruſt verſetzte, daß der Geſchlagene hinfiel. Das
Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu 6 Wochen
Gefängnis. Dieſer verfolgte Berufung und bezweckte
damit zunächſt Freiſprechung; als er aber das Ergebnis
der zweiten Verhandlung betrachtete, war er ſchon mit
einer Geldſtrafe zufrieden. Das Gericht verwarf die Be=
rufung
. Der 15jährige Peter Stegmann von
Zotzenbach, der in Rimbach im Odenwald in Stellung
war, fälſchte einen Gutſchein über 20 Mark, den er mit
der Unterſchrift ſeines Dienſtherrn verſah. Er veran=
laßte
damit einen Kaufmann, ihm einen Anzug zu ver=
kaufen
. Das Gericht erkannte wegen Urkundenfälſchung
und Betrug auf 3 Tage Gefängnis.
* Brandverſicherungsbeiträge und Ausnahme=
zulaſſungen
. Der auf Grund von Art. 193 der Städte=
ordnung
ſeit 1. April I. J. in Kraft befindliche Tarif für
die Erhebung einer Kanalbenutzungsgebühr hat den
Brandverſicherungswerten von 91000 Mk. ab erhöhte Bei=
träge
auferlegt. Gründe der Billigkeit laſſen es geboten
erſcheinen, hiervon Ausnahmen zuzulaſſen, wie dies
Art. 196, Abſ. 2 der Städteordnung für Unterrichts= und
Bildungsanſtalten, Kranken=, Heil= und Pflegeanſtalten,
ſowie für vorzugsweiſe den Bedürfniſſen der unbe=
mittelten
Volksklaſſen dienende Veranſtaltungen vorſieht.
Einen bezüglichen Antrag hat, wie wir erfahren, der
Stadtverordnete Lindt bei der Stadtverwaltung
geſtellt.
* Die Handwerkskammer zu Darmſtadt ſchreibt
uns: Anläßlich des von der Handwerkskammer er=
laſſenen
Erſuchens an die verſchiedenen Reichs=, Staats=
und Kommunalbehörden, die Ausſchreibungen
für in Ausſicht ſtehende Arbeiten und
Lieferungen möglichſt frühzeitig und mit
ausgiebig bemeſſenen Friſten zu erlaſſen, werden wir

von intereſſierter Seite darauf hingewieſen, daß es viel=
fach
als ein Mißſtand empfunden wird, wenn die
Handwerksmeiſter ſich erſt 12 Tage vor der Ver=
dingung
um die bei den vergebenden Aemtern aus
liegenden Bedingungen kümmern. Es wird hierbei be
tont, daß eine weitere Verlängerung der Einreichungs
friſten ſo lange zwecklos bleiben muß, wie dieſe Unſitte
beſteht.
Wir erſuchen darum die Handwerksmeiſter, auch
ihrerſeits durch Beachtung dieſer Beanſtandung zur
Beſſerung der Verhältniſſe im Verdingungsweſen beizu=
tragen
. Unſere Beſtrebungen finden zweifellos größeres
Entgegenkommen, wenn die Handwerksmeiſter durch
frühzeitiges Einholen der entſprechenden Unterlagen ihr
Intereſſe bekunden. Hierdurch wird dem Handwerk
gedient, aber auch der Behörde die beſonders bei
größeren Vergebungen nicht zu unterſchätzende Arbeits=
laſt
erheblich erleichtert.
* Religionswiſſenſchaftliche Vorträge. Man
ſchreibt uns: Der bekannte Theologe D. Dr. Weinel
von der Univerſität zu Jena wird am 4., 5., 6., 11., 12.
und 13. September, jedesmal von 4¼6 Uhr, im Hör=
ſaal
330 der Großh. Techniſchen Hochſchule eine Reihe
von Vorträgen über Gottesglauben und moderne
Weltanſchauung halten. Er ſpricht an den
einzelnen Tagen über Naturwiſſenſchaft und Gottes=
glauben
, Geſchichtswiſſenſchaft und Gottesglauben, das
Wunder, das Leiden in der Welt und das Böſe in der
Welt. Zu den Vorträgen, die vom Darmſtädter Lehrer=
verein
veranſtaltet werden, haben auch Nichtmitglieder
Zutritt. Teilnehmerkarten zu 5 Mk. für ſämtliche Vor=
träge
und zu 1 Mk. für Einzelvorträge ſind am Ver=
kehrsbureau
oder durch den Vorſitzenden des Lehrer=
vereins
, Lehrer Gerbig, Nieder=Ramſtädterſtraße 45, zu
erhalten.
* Große Rad= und Motorrennen. Der Veloziped=
Klub Darmſtadt veranſtaltet am Sonntag, den
31. Auguſt ds. Js., nachmittags 3 Uhr, ſeine letzten dies=
jährigen
Rad= und Motor=Rennen auf der Radrennbahn.
Heidelberger Straße. Das Programm des Tages umfaßt
neben mehreren Flieger=Rennen 4 Dauerrennen hinter
MMotorführung, ſowie den Endlauf des Motorrennens vom
20. Juli ds. Js., welcher damals regenshalber nicht zum
Austrag gebracht werden konnte. Die Zuſammenſtellung
der Wettbewerbe läßt auch diesmal wieder erkennen, daß
der Veloziped=Klub keine Mühen und Koſten ſcheut, dem
hieſigen Sportpublikum gute Rennen zu bieten. Hoffent=
lich
hat nunmehr Jupiter Pluvius ein Einſehen und be=
ſchert
der letzten diesjährigen rennſportlichen Veranſtal=
tung
des Veloziped=Klubs Darmſtadt gutes Wetter. Die
Radrennbahn hat übrigens in letzter Zeit infolge Ver=
breiterung
der Gleisanlagen der elektriſchen Straßenbahn
eine Veränderung erfahren inſofern, als die ſeitherige
Tribüne auf beide Seiten vom Haupteingang aus ver=
teilt
werden mußte, wodurch jetzt von den Tribünenplätzen
aus eine beſſere Ueberſicht möglich iſt.
§ Erpreſſungsverſuch. Die hieſige Polizei verhaftete
am Freitag abend auf dem hieſigen Bahnhof einen Er=
preſſer
, der ſich in den Beſitz von Briefen geſetzt hatte, mit
deren Hilfe er Erpreſſungsverſuche bei einer Heppenheimer
Dame machte. Er ſprach zunächſt bei der Betreffenden
vor und erklärte ſich bereit, gegen 1700 Francs die Briefe
herauszugeben. Als er hiermit keinen Erfolg hatte, ver=
ſuchte
er es ſchriftlich. Die inzwiſchen benachrichtigte Po=
lizei
nahm den Erpreſſer feſt, der zunächſt behauptete, die
Briefe zur Nachforſchung erhalten zu haben. Es iſt noch
nicht aufgeklärt, wie er zu den Briefen gekommen iſt. Auch
zweifelt man an der Richtigkeit des von ihm angegebe=
nen
Namens. Er will Franz von Straeten heißen und
in Johannesburg (Südafrika) geboren ſein. Es iſt nicht
ausgeſchloſſen, daß man es mit einer Perſon zu tun hat,
die auch von anderen Gerichten geſucht wird.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expedi=
tion
, Rheinſtr. 23, ſind von heute ab folgende Bilder neu
ausgeſtellt: Oeſterreichiſche Artillerie im Hochgebirge
Einzug der Friedensdelegierten der Verbündeten in Bel=
grad
Deutſche und franzöſiſche Soldaten auf dem
Hoheneck in den Vogeſen Zur Heimkehr der Grönland=
Expedition des Kapitäns Koch Moden Tages=
ereigniſſe
.
§ Krämpfe. Vergangene Nacht wurde in der Stift=
ſtraße
ein Schreiner von Krämpfen befallen. Er iſt
mittelſt Krankenautomobil in das Städtiſche Kranken=
haus
verbracht worden.
§ Brand. Am Freitag nachmittag kurz nach 7 Uhr
iſt in dem Trocken=Raum der Schokoladen=Fabrik in der

Frankfurter Straße Nr. 26 Feuer ausgebrochen, welches
durch die herbeigerufene Feuerwehrwache alsbald ge=
löſcht
wurde. Die Entſtehungsurſache iſt unbekannt.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 23. Auguſt.

Butter, ½ kg . . 1,40 M.
in Partien ½ kg 1,20 M.
10 Pf
Eier, Stück
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-22 Pf.
Handkäſe, Stück 410 Pf
Kartoffeln, Ztr. 2,50-3,00 M.
Kumpf (10 Liter) 4550 Pf.
½ kg . . . . . 3 Pf.
Obſt u. dergl.:
Eierſchwämme ½kg 20-22 Pf.
Reineklauden, ½ kg 20-25 Pf.
Zwetſchen, ½ kg 2025 Pf.
Birnen, ½ kg . 1525 Pf.
kg . 1220A
Aepfel, ½
kg 67 P
Falläpfel
Zitronen, Stück 68 Pf.
Brombeer., Schopp. 12-15 A
Apfelſinen, Stück 910 Pf
Preiſelbeeren, ½kg 28-30 Pf.
Mirabellen, ½ kg 30-35 Pf
Trauben, ½ kg 4045 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück . 56 Pf.
Endivien, Stück 510 Pf
Bohnen, ½ kg 1020 Pf.
Radieschen, Bündel 2 Pf.
Rettiche, Stück . 36 Pf
Meerrettich, Stück . 30 Pf.
Roterüben, Bündel 510 P
Zwiebeln, ½ kg. 67
20
Tomaten, ½ kg
0 P
Spinat, ½ kg . 18
Weißkraut, Stück 1020
Rotkraut, Stück 1050 P
Blumenkohl, Stück 1040 Pf.
Wirſing, Stück . 510 Pf.
Rhabarber, ½ kg 1012 Pf.

Römiſch=Kohl, Bdl. 2 Pf.
Kohlrabi, Stück . 35 Pf
Gelberüben, ½ kg 510
Bdl. 36 Pf.
Gurken, Stück . 430 Pf.
Einleggurken, Stück 23 Pf.
100 Stück 1,20-2,50 M.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 1,001,10 M.
Enten, Stück 3,504,50 M.
Hahnen, Stück 1,002,50 M.
Hühner, Stück 2,503,50 M.
Tauben, Stück 6070 Pf.
Lapins, Stück . . . 1 M.
Fiſche:
90 Pf.
Hecht, ½ kg
Aal, ½ kg 1,101,20 M.
Karpfen,
kg. 7080 Pf.
Andere Rheinfiſche,
. 3540 Pf.
½ kg.
60 Pf.
½ kg
Rotzungen,
Schollen,
50 Pf.
kg
Kabeljau, ½ kg 1720 P
Schellfiſche, ½ kg 1530 Pf.
19 Pf.
Seelachs, ½ kg .
In den Fleiſchſtänden:
70 P
Rindfleiſch, ½ kg
76%
Hackfleiſch,
Kg
56 2
Rindsfett,
k
Rindswürſtchen, Stück 15
Schweinefleiſch,
kg 92 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
1,00 M.
kg .
Schwartemagen u. Fleiſch=
90 Pf.
wurſt, ½ kg
Leber= und Blutwurſt,
½ kg . . . . . 72 Pf.

Lindenſels, 22. Aug. Heute um die Mittagszeit
wurde die hieſige Einwohnerſchaft durch Feuerlärm
in Aufregung verſetzt. Der dicht an das Sanatorium
angrenzende Holzſchuppen des Holzhändlers Pfeifer
ſtand in Flammen. Der Feuerwehr gelang es, den
Brand auf ſeinen Herd zu beſchränken. Pfeifer iſt ver=
ichert
. Die Brombeerenernte hat nun begonnen.
Bei günſtigem Wetter wird dieſelbe einen guten Ertrag
liefern, während bei weiterer ungünſtiger Witterung
die Beeren zum großen Teile nicht zur Reife kommen.
Es werden 12 Pfg. für den Schoppen bezahlt.
Offenbach, 23. Aug. Wie gemeldet, wurde der Fried=
hofsverwalter
Otto Steitz, der am verfloſſenen Sonn=
tag
feſtgenommen worden war, am Dienstag wieder aus
der Haft entlaſſen. Der Freiheit hat er ſich nicht lange er=
freuen
können. Denn geſtern nachmittag wurde der Fried=
hofsverwalter
auf Grund eines Haftbefehls des Unter=
ſuchungsrichtersl
in Darmſtadt erneut feſtgenom=
men
und in das hieſige Haftlokal eingeliefert.
Mainz, 22. Aug. Die militäriſche Förder:
bahn von Mainz über den Großen Sand nach Uhler=
born
wurde geſtern beendet und am Nachmittag der
Munitionstransport in größerem Maßſtabe aufgenommen.
Der Transport wird die ganze Nacht hindurch fortgeſetzt.
Gerade dieſe Uebung gibt ein hochintereſſantes militäri=
ſches
Bild ab. Wagen hinter Wagen rollt die durch den
Wald führende Bahn entlang dahin. Gegen 6 Uhr nach=
mittags
wurde die ganze Bahnſtrecke durch höhere Offi=
ziere
beſichtigt. Am Dienstag wurde in Biebrich ein
Mainzer Dragoner feſtgenommen, der ſich von
einem Truppenteil ohne Urlaub entfernt und in der hie=
ſigen
Gemarkung herumgetrieben hatte. Er iſt aus Furcht
vor einer zu erwartenden Beſtrafung davongelaufen.
Die vermißte Näherin Frieda Kaiſer wurde im Hafen als
Leiche geländet. Es liegt Selbſtmord aus unglück=
licher
Liebe vor. Geſtern nachmittag verunglück=
ten
bei dem Bahnbau der Förderbahn zwei
Mann des Fußartillerie=Regiments Nr. 3 dadurch, daß
zwei Rollwagen aufeinander prallten und entgleiſten. Der

Noch ehe der Herbſtfeldzug ſeinen Beginn nahm, war
er wieder bei ſeiner Schar, die, dem General Walmoden
zugeteilt, mit verhindern ſollte, daß Davout von Hamburg
gen Berlin und Magdeburg vordringe. Gefechte gab es
nach Wiederbeginn der Feindſeligkeiten alltäglich. So
auch am 25. Auguſt. Die Schar hatte Biwack bei Wöbbe=
lin
und Warſow genommen, Lützow ſelbſt mit zweihun=
dert
Reitern ſich auf den Streifzug nach Gottesgabe, drei
Stunden weſtlich von Schwerin, begeben. Rechts der
Straße Gadebuſch=Schwerin lag man über Nacht im Ge=
hölz
. Kaum, daß der Morgen des 26. Auguſt graute
ward ein feindlicher Wagenzug unter ſtarker Infanterie=
bedeckung
gemeldet. Drauf und dran. Und wie dem auch
ſei: ob die Kugel, die vermaledeite, geflogen kam beim
Gefecht aus dem Dickicht, oder ob ein gefangener Fran=
zoſe
von dem neben ihm reitenden Adjutanten ſein Vater=
land
nicht ſchmähen laſſen wollte und meuchlings ab=
feuerte
ein Held und ein Sänger, Theodor Körner,
war nicht mehr. Ein Held und ein Sänger, der wenige
Stunden zuvor auf das Schwert an ſeiner Linken ein Lied
gedichtet.
Nahe Wöbbelin, unter einer Eiche, gruben ihm
die Freunde und Waffengenoſſen unter Tränen ein Grab
Und alsdann, unter gedämpftem Trommelſchlag und ſei=
nem
eigenen Schlachtgebet: Vater, ich rufe dich! ſenkten
ſie ihren lieben Sänger hinab. Sangen ihm ſcheidend
ſein Lied von Lützows wilder, verwegener Jagd ins
Grab hinein, ließen alſo die Lieder, die an Wachtfeuern
entſtandenen, ſelbſt klagen um ihren jungen Meiſter, um
den, den ſie unſterblich gemacht.
*
Nicht 22 Jahre alt war er geworden. Geboren am
23. September 1791 in Dresden, war er hervorgegangen
aus einer Ehe, die den Sprößling zum künſtleriſch empfin=
denden
Menſchen prädeſtinieren mußte: der Vater, Kon=
ſiſtorialrat
Chriſtian Gottfried Körner, von ſolcher Art
und Geſinnung, daß er Schiller zeitlebens ein Freund
ſein konnte; die Mutter, Minna, geb. Stock, Tochter des
bekannten Kupferſtechers, ſchön von Körper und Geiſt und
hochbegabt für die Künſte. Dieſe günſtigen Verhältniſſe
gaben ihm das Leben und förderten und beeinflußten es
unter den beſten äußeren Bedingungen. Und als der
Sohn in die Jahre väterlicher Leitung und Lenkung ge=
kommen
, da konnte Vater Körner, anſtelle des verſtorbe=
nen
Schillers, auf den er bei Erziehung des Sohnes ge=

rechnet, ſich gar von Goethe in vielen Briefen beraten
laſſen. Zu ſchweigen von anderen Freunden des Hauſes:
Wilhelm v. Humboldt, Gebrüder Schlegel, Oehlenſchläger.
Noch nicht ſiebzehnjährig, war dieſer von großen
Geiſtern Beſchützte und Beratene Student in Freiburg;
willens, dem Studium des Bergbaues akademiſch und
praktiſch ergeben zu ſein, alſo gelenkt vom Vater, der den
ſich zeigenden künſtleriſchen Beſtrebungen ein Gegengewicht
zu geben beabſichtigte. Der Vater wurde dem zuerſt in
die Fremde ziehenden jungen Sohne ein Freund. Als
ſolcher ſchrieb er: Seit heute biſt Du nun, lieber Sohn,
Dir ſelbſt überlaſſen. Ueber dieſe wichtige Veränderung
in Deinem Leben habe ich Dir wenig zu ſagen. Ich liebe
die Vermahnungen nicht, weil ich ſie für unnötig halte,
wenn man Grund zum Vertrauen hat, und weil ſie im
entgegengeſetzten Falle ganz unnötig ſind.
Er hatte Vertrauen, der Vater, auch, als dem Sohne
das Studium des Bergbaues trotz allen Fleißes nicht mehr
ſchmeckte und er an die Naturwiſſenſchaft mit Ueberſiedel=
ung
nach Leipzig dachte. Auch, als dieſe Wiſſenſchaft für
Geſchichte und Philoſophie ausgetauſcht werden ſollte,
war der Vater mit dem Sohne eins. Und als in Leipzig
Sohn Theodor als Mitglied einer Landsmannſchaft ein
wenig in Reibereien und ein wenig mehr in Sumpfereien
kam, da ſchrie Vater Körner nicht Zeter und Mordio ſon=
dern
ſchrieb als feiner Seelenkenner und guter Erzieher:
Ich glaube ſchon, daß in dem, was man von den Leip=
ziger
Studenten erzählt, viel Uebertriebenes iſt. Es
graut mir nicht, wie manchem anderen, vor jedem Aus=
bruch
des Burſchenlebens, und ich verkenne ſeine poetiſche
Seite nicht. Aber es gibt einen glatten Saus und Braus,
der nur ein Behelf der Leerheit und Stumpfheit iſt. Man
braucht eben nicht ein Philiſter zu ſein, um daran keinen
Gefallen zu finden. Du haſt Dir die Burſchenwelt ver=
ſchönert
und ich habe nichts dawider. Aber bleibe nur
Deinem Ideale getreu, ſinke nicht zu Deinen Umgebungen
herab, ſondern ziehe ſie zu Dir herauf.
Auch als der Knabe Theodor anfing, ein wenig fürch=
terlich
zu werden, Prügelſzenen auf offener Straße hatte,
Klage über ihn erhoben wurde, der Karzerſtrafe und
als er
Drohung der Univerſitätsverweiſung folgte . .
die Strafe nicht achtete und ſtatt deſſen einen Zweikampf
ausfocht, der ihn verwundete . . . auch da verließ den
Vater das ſchöne, ihn ſelbſt ehrende Vertrauen nicht. Du
weißt, ſchrieb er, daß es mir ſchwer wird, Dir nicht zu
vergeben, ſelbſt wenn ich Urſache hätte, mit Dir unzu=

frieden zu ſein. In dem gegenwärtigen Falle hätte ich
freilich eine ſolche Wendung der Sache nicht erwartet.
Nach dem, was vorgefallen war, kann ich Dir freilich nicht
verdenken, daß Du lieber von Leipzig heimlich weggingſt,
als Dich der Gefahr ausſetzteſt, ein halbes Jahr in den
Karzer geſperrt zu werden. Du kannſt mir nicht ſchuld
geben, daß ich einen Pedanten oder Philiſter aus Dir
machen will, aber von einem Jüngling von zwanzig
Jahren, dem es nicht an Verſtand und Stärke der Seele
fehlt, kann man in wichtigen Fällen einige Beſonnenheit
fordern; man kann erwarten, daß er nicht wie ein Trun=
kener
ſich von jeder Leidenſchaft fortreißen laſſe. Die
Ruhe meines Lebens beruht auf dem Glauben an Dei=
nen
perſönlichen Wert und Deine Liebe zu mir. Dieſen
Glauben habe ich auch jetzt nicht verloren. Ich weiß, daß
Du unfähig biſt, unedel zu handeln, daß es Dich ſchmerzt,
mich zu betrüben, und daß es Dein eifriger Wunſch iſt,
mir Freude zu machen.
Kalten Fiebers wegen und auch, weil ihm die Uni=
verſität
Berlin geſperrt wurde, ging er von Berlin, dahin
er von Leipzig geflohen, nach Wien, um dort ſeine Stu=
dien
zu vollenden. Ward aber nun als ſtändiger Gaſt
des Humboldtſchen Hauſes und als noch ſtändigerer Be=
ſucher
des Theaters im Künſtleriſchen derart befruchtet,
daß er ſein ganzes Leben auf mitbekommene Talente zu
ſtellen gedachte. Der Vater hatte Bedenken, aber Durch
war Theodors Wahlwort. Das Burgtheater ſpielte bald
zwei Luſtſpiele von ihm, und in dieſen ſpielte eine junge,
ſchöne Schauſpielerin: Toni Adamberger. Glückes über=
voll
, ſchrieb er: Vater, treuer, treuer Freund, ich habe
mein Ziel gefunden, wo ich meinen Anker werfen ſoll.
Vater, ich liebe . . . Vertrauen gegen Vertrauen, Vater
und Sohn waren ſich wert. Verſtanden ſich auch, als es
galt, geliebtes Weib und geliebte Kunſt hintanzuſetzen,
weil das Leben auf eine andere, einzige Karte zu ſetzen
war.
Vorläufig aber lebte und liebte er; ſchrieb, ein Sieben=
mal
=Glücklicher, neben anderen: Zriny und wurde nach
Aufführung dieſes Trauerſpiels ein Siebenmalſieben= Glück=
licher
: wurde Kaiſerl. Königl. Hoftheaterdichter mit einem
Gehalt von 1500 Gulden. Dies war am 9. Januar 1813.
Aber, ein Kind ſeiner Zeit, lebte in ihm der Gedanke ſei=
ner
Zeit und hinwarf er die Siebenmalſieben= Glückſelig=
keiten
ein paar Wochen drauf, eh noch der Zweifel: Frei=
willige
aufrufen, ganz gute Idee; aber keine kommen, im
Munde des Königs kalt geworden.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Nummer 198.

eine Soldat erlitt einen Oberſchenkelbruch, während der
andere mit leichteren Bruſtquetſchungen davonkam. Mit=
glieder
der Mombacher Sanitätskolonne leiſteten die erſte
Hilfe. Später brachte das Krankenautomobil der Mili=
tärverwaltung
die Verunglückten ins Lazarett. Der Un=
fall
fand in der Nähe des ehemaligen großen Kugel=
fanges
(Kapellenſchanze) in der Gemarkung Mombach
ſtatt.
Worms, 23. Aug. Eine Sammlung für Anſchaf=
fung
von Radium für das Wormſer Krankenhaus iſt
eingeleitet. Es ergeht an die wohlhabenden Kreiſe der
Stadt die dringende Bitte, der Stadt eine möglichſt hohe
Summe als Beitrag zur Beſchaffung von Radium zur
Verfügung zu ſtellen. Durch beſondere Beziehungen hat
der Leiter des Wormſer Krankenhauſes, Herr Profeſſor
Heidenhain, ein Angebot von Radium zu 330 und zu 350
Mark das Milligramm bei Lieferung im Anfang nächſten
Jahres oder ſchon früher erhalten.
Weſthofen, 23. Aug. Geſtern abend kurz vor 9 Uhr
iſt auf der Abenheimer Chauſſee dicht bei Weſthofen das
Automobil des Möbelfabrikanten Herrn Heinrich
Merkel aus Worms=Hochheim verbrannt. Das Auto=
mobil
war nicht richtig gelaufen und Herr Merkel hielt
an, um nachzuſehrn. Kaum hatte er den Kaſten über dem
Motor abgehoben, als die Flammen herausſchlugen. Bin=
nen
drei Minuten war das Auto ein Raub der Flammen.
Herr Merkel wurde nicht verletzt.
Gießen, 23. Aug. Freiherr Heyl zu Herrns=
heim
, der unlängſt zum Ehrendoktor der juriſtiſchen
Fakultät ernannt worden iſt, hat, wie die Darmſt. Ztg.
erfährt, die Bibliothek des im Februar d. J. verſtorbenen
Nationalökonomen Profeſſor Dr. Biermer erworben und
der Landesuniverſität zum Geſchenk ge=
macht
. Es iſt erfreulich, daß auf dieſe Weiſe die Biblio=
thek
, die ſich als eine muſtergültige Sammlung der ge=
ſamten
älteren und neueren nationalökonomiſchen Lite=
ratur
erweiſt, der Univerſität und damit dem Heſſenlande
erhalten bleibt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 23. Aug. 350 Fran=
zoſen
und Franzöſinnen trafen heute vormittag
9.36 Uhr mit einem Sonderzug aus Paris auf dem Bahn=
hof
Charlottenburg ein, wo ſie von der franzöſiſchen Ko=
lonie
empfangen wurden. Es ſind dies die Teilnehmer
der achten vom Journal d’Allemagne veranſtalteten Ge=
ſellſchaftsreiſe
Paris=Berlin. Während die größte Anzahl
der franzöſiſchen Gäſte im Hotel Cumberland unterge=
bracht
wurden, nahmen die anderen in den Penſionen des
Weſtens für die Dauer ihres achttägigen Aufenthaltes in
Berlin Wohnung. Nach Ablauf dieſer Zeit, während der
ſie alle Sehenswürdigkeiten Berlins und Potsdams be=
ſichtigen
, fahren ſie nach Frankfurt a. M. Rechtsanwalt
Mehl in Guben, der vom Braumeiſter Stöhr durch
vier Revolverſchüſſe ſchwer verletzt wurde, iſt am Freitag
abend hier geſtorben. Der Beſitzer des Hotels zur Stadt
Breslau im Hauſe Koppenſtraße 100, Joſef Mühlan, hat
heute nacht ½3 Uhr auf offener Straße den ihm gegenüber
im Hauſe wohnenden Schlächtermeiſter Stanislaus Sledz
erſchoſſen. Sledz hatte von dem Hotelbeſitzer ver=
langt
, daß er die Fenſter ſeiner Hotelzimmer verhänge,
damit man nicht im gegenüber liegenden Hauſe das Trei=
ben
der Dirnen beobachten könne. Sledz wollte in ein
Haus flüchten, brach aber vor der Haustür zuſammen. Er
ſtarb auf dem Transport nach dem Krankenhauſe.
Geſtern ſchoß der 56jährige Arbeiter Bock auf ſeine frühere
Geliebte, eine Frau, und verletzte ſie durch einen Schuß in
die Lunge lebensgefährlich. Darauf erſchoß Bock den
jetzigen Geliebten der Frau, den Arbeiter Borgfeld,
und dann ſich ſelbſt.
Frankfurt, 23. Aug. Die Eiſenbahnbehörde
ſetzte auf die Ermittelung der Täter, die in der Nähe der
Station Oberrad jüngſt Eiſenſtücke und Schwellen auf
den Bahnkörper legten, eine Belohnung von 2000
Mark aus. Der vor einigen Tagen feſtgenommene Tage=
löhner
Spiller aus Oberrad bleibt nach wie vor als der
Tat dringend verdächtig in Haft.
Frankfurt, 23. Aug. Die Vorunterſuchung
gegen Hopf wird, ſoweit ſie ſich auf Zeugenvernehm=
ung
und Ermittelungen erſtreckt, dieſer Tage geſchloſſen.
Es ſtehen dann nur noch die Gutachten über die chemiſche
Unterſuchung der Leichenteile des Vaters von Hopf, der
zweiten Frau und des unehelichen, in Wörrſtadt begra=
benen
Kindes aus. Bei den ſeit der Verhaftung erfolgten

Vernehmungen hat Hopf in keiner Weiſe ſein Geſtändnis
erweitert.
Wiesbaden, 23. Aug. Die Ankündigung, daß die
Wiesbadener Schutzmannſchaft in der Wil=
helmſtraße
Promenademuſik machen werde, hatte
ſchon geſtern dort eine Menſchenmenge zuſammengeführt,
wie ſie ſelbſt in dieſer bevorzugten Promenadenſtraße ſel=
ten
zu ſehen iſt. Die Schutzmannskapelle, die übrigens
nicht aus bloßen Liebhabern, ſondern durchweg aus ehe=
maligen
Militärmuſikern von mindeſtens neunjähriger
Dienſtzeit beſteht, erfreute die Spaziergänger von 12 bis
1 Uhr mit ſechs Programmſtücken, die alle außerordent=
lichen
Beifall fanden. Durch anhaltendes Händeklatſchen
wurden die muſikaliſchen Sicherheitsbeamten, die in Uni
form mit Mütze ſpielten, zu Zugaben bewogen. Mög=
licherweiſe
Verhandlungen ſchweben darüber wird
das Schutzmannspromenadekonzert eine ſtändige Einrich=
tung
, die dann jedenfalls einzig auf dem weiten Erden=
runde
daſtehen würde!
Homburg, 23. Aug. Das Kaiſerpaar fuhr heute
nachmittag im offenen Automobil nach Kronberg. Hiec
ſchloß ſich die Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſſen der
Fahrt an, die über Königſtein durch das Daisbachtal an
den Rhein führte. Der geplante Beſuch des Niederwald=
denkmals
wurde aufgegeben, obwohl dort Tauſende auf
die Nachricht von der bevorſtehenden Ankunft des Kaiſer=
paares
warteten. Die Majeſtäten fuhren den Rhein ent=
lang
über Eltville, Wiesbaden, durch das Lorsbachtal nach
Kronberg, wo Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſſen den
Wagen verließ und nach Schloß Friedrichshof zurückkehrte.
Das Kaiſerpaar begab ſich dann nach Homburg zurück, wo
die Ankunft um halb 8 Uhr erfolgte. Auf dem bei Lau=
genſchwalbach
gelegenen Gerold wurde im Freien der Tee
eingenommen.
Hohemark, 23. Aug. Prinz Heinrich der Nie=
derlande
begab ſich heute mittag im Automobil nach
Bad Homburg, wo er an der kaiſerlichen Frühſtückstafel
teilnahm. Morgen früh verläßt der Prinz Hohemark bei
beſtem Wohlſein und völliger Befreiung von ſeinen Be=
ſchwerden
und begibt ſich nach einem Beſuche bei dem
Prinzen Yſenburg=Büdingen in Büdingen am Montag
früh nach dem Haag zurück, wo er an der Eröffnung des
neuen Friedenspalaſtes teilnehmen wird.
Stuttgart. 23. Aug. Als heute nachmittag eine eng=
liſche
Studienkommiſſion die Einrichtungen der Berufs=
feuerwehr
beſichtigte, wurde anſchließend daran auch mit
einem neuen Feuerwehrautomobil eine Probe=
fahrt
unternommen. Als der Chauffeur zwei Knaben
ausweichen wollte, fuhr er auf ein Haus und ſodann
auf ein Gerüſt auf. Ein Feuerwehrmann wurde heraus=
geworfen
und ziemlich ſchwer verletzt. Die jungen Eng=
länder
, die zum Studium der deutſchen Sprache ſchon ſeit
langer Zeit hier weilen, waren nicht in dem Auto und
blieben ſo unverletzt.
Müuchen, 23. Aug. Der zum Tode verurteilte Dop=
pelmörder
Straſſer hat jetzt, nachdem das Reichs=
gericht
ſeine Reviſion verworfen hat, durch ſeinen Ver=
teidiger
beim Prinz=Regenten ein Gnadengeſuch ein=
reichen
laſſen.
Eſſen, 22. Aug. Der Kaſſierer des ſozialdemokratiſchen
Gewerkſchaftskartells, des Arbeiterſekretariats und des
Bildungsausſchuſſes, Wohlſein, iſt für Veruntreu=
ungen
die er als Verwalter dieſer Aemter beging, und
die die Höhe von 11000 Mark erreichten, zu neun Monaten
Gefängnis verurteilt worden. Wohlſein verwaltete alle
drei Aemter ehrenamtlich, unentgeltlich. Er hatte ein
Zigarrengeſchäft mit einem kleinen Buchhandel und er=
klärte
, im Anfang wohl von ſeinen Genoſſen durch Kund=
ſchaft
unterſtützt worden zu ſein, nach einigen Jahren aber
ſeien die Parteifreunde meiſt ausgeblieben; er habe aus
den Einnahmen ſeinen Lebensunterhalt nicht mehr beſtrei=
ten
können und ſei dann in der Not zum Diebe geworden.
Dieſe Umſtände ſind vom Gericht auch bei der Strafab=
meſſung
berückſichtigt worden.
Erfurt, 23. Aug. Das Landgericht hat drei dem
Mühlenarbeiterverbande angehörende Arbeiter, die
verſchuldet hatten, daß ein Arbeitswilliger von
einer Malzfabrik entlaſſen wurde und ſeitdem nicht wieder
Arbeit fand, zu 1100 Mark Schadenerſatz an den Ar=
beitswilligen
verurteilt. Das Landgerichtsurteil wird
ausdrücklich als Teilurteil bezeichnet. Dem Kläger bleibt
es überlaſſen, wieder klagbar gegen die drei Verurteilten
worzugehen. Das Oberlandesgericht Naumburg hatte als
höchſte Inſtanz vorher die Anſprüche des Klägers auf
Schadenerſatz dem Grunde nach als berechtigt anerkannt.
Chemnitz, 23. Aug. Bei Neuenhain in Sachſen iſt
geſtern wegen eines Stückes Brot ein Tot=

ſchlag verübt worden. Dort erſtach der 19jährige Kroate
Nicolitſch, der beim Chemnitzer Talſperrenbau beſchäftigt
iſt, den 20jährigen Italiener Baſſo, der ein Stück Brot,
um das ihn Nicolitſch gebeten hatte, dieſem nicht gab.
Der Täter iſt geflüchtet.
Kottbus, 23. Aug. Vor der Ferienſtrafkammer
des Kottbuſer Landgerichts hatte ſich heute der 13 Jahre
alte Knabe Richard Hänſchen aus Bärenbrück
wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs
und wegen Mordes zu verantworten. Der Knabe hatte
am 16. Juli im Verlaufe eines Streites das achtjährige
Töchterchen ſeiner Schweſter durch Axthiebe ſo ſchwer ver=
letzt
, daß der Tod auf der Stelle eintrat, und die Leiche
ſodann in einem Kornfelde verſteckt. Das Urteil lautete
wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange unter
Zubilligung mildernder Umſtände auf ein Jahr Ge=
fängnis
.
Brieg, 22. Aug. Auf der Hochwaſſer führenden Oder
ſchlug heute nachmittag ein mit den vier Kindern des
Schuhmachers W. Seifert beſetzter kleiner Kahn um. Der
17 Jahre alte, der 8 Jahre alte und die 6jährige Tochter
ertranken. Der 12 Jahre alte Sohn wurde gerettet,
Wien, 22. Aug. Prinzeſſin Luiſe von Ko=
burg
veröffentlicht eine Erklärung, daß die Straf=
anzeigen
gegen ſie den Zweck verfolgen, ſie mürbe zu
machen, damit ſie jeden Vergleich mit Belgien akzeptiere.
Sie ſei von den Anzeigern ſchwer geſchädigt und bewuchert
worden. Vom Referendar Dr. Inhoffen in Berlin habe
ſie 400000 Mark erhalten, 300000 Francs jedoch zurück=
gezahlt
und über ein Jahr Inhoffens lururiöſes Leben
beſtritten. Jetzt verlange er noch eine Million. Sie hoffe,
ihren Prozeß gegen den belgiſchen Staat zu gewinnen,
Aehnlich wie mit Inhoffen ſtehe es mit anderen Gläu=
bigern
, die zuſammen 17 Millionen Francs verlangen;
ſie habe aber nur 5 Millionen bekommen. Ihre Mobilien
aus dem Nachlaß des Königs Leopold, die von den Gläu=
bigern
mit Beſchlag belegt wurden, werden auf acht Mil=
lionen
geſchätzt, ſo daß alle Gläubiger gedeckt ſind. Den
Angaben der Prinzeſſin über ihre Schulden und ihre
Gläubiger muß man ſtarken Zweifel entgegenſetzen.
Wien, 22. Aug. Der Offiziersdiener Jan=
kubovic
, deſſen Befinden ſich gebeſſert hat, hat aus=
geſagt
, er habe die Tat gegen den Hauptmann Eiſenkolb
aus Rachſucht und nach reiflicher Ueberlegung ausgeführt
und ſich die beiden Schußverletzungen ſelbſt zugefügt. Daß
der Hauptmann Eiſenkolb auf ihn gefeuert habe, entſpreche
nicht den Tatſachen. Er habe, nachdem er ſeinen Herrn
niedergeſtreckt, dreimal auf die Komteſſe geſchoſſen, die
ſofort tot war.
Rom, 23. Aug. Auf Sardinien wüten furchtbare
Waldbrände. Vom Golf von Aramit bis Terrenova
brennen alle Wälder. Die reichen Holzbezirke von Pat
tede und Crotelli und zahlreiche Herden ſind verbrannt
Pola, 22. Aug. Admiral Lanjus iſt heute abend
ſeinen Verletzungen erlegen.
Quebec, 22. Aug. Gegen den Kapitän des dent
ſchen Dampfers Barcelona Vandohern, iſt von der
Einwanderungsbehörde ein gerichtliches Verfahren ein=
geleitet
worden, weil er untaugliche Einwanderer in Ka=
nada
gelandet haben ſoll
Neu=York, 22. Aug. Zu dem gemeldeten Dynamit=
fund
wird berichtet, daß kein Beweis für einen geplan=
ten
Anſchlag gegen das Neu=Yorker Rathaus vorliegt
In dem Gange vor dem Rathaus wurde allerdings ein
Paket mit vier Stangen Dynamit und einer angezündet
geweſenen Zündſchnur gefunden. Man nimmt jedoch an,
daß ein bei dem Tunnelbau beſchäftigter Arbeiter das
Dynamit ſtahl und verſteckte. Der Inſpektor des Bureaus
für Exploſivſtoffe meint, es ſei nur ein Bluff der italieni=
ſchen
Schwarzen Hand zur Einſchüchterung der Polizei
Wenn eine Exploſion ſtattgefunden, konnte der Schaden
nach den örtlichen Verhältniſſen nur gering ſein.

Luftfahrt.

Die Nationalflugſpende,
die von der Entſchloſſenheit des deutſchen Volkes zeugte,
die Flugtechnik und die Flugzeuafabrikation Deutſch=
lands
im Wettbewerb mit dem Ausland, namentlich mit
Frankreich, konkurrenzfähig zu geſtalten, hat unter denen,
die es am meiſten angeht, unter den Fliegern, doch
nicht die einhellige Begeiſterung erweckt, die man nach der
Bereitſtellung ſo gewaltiger Mittel hätte erwarten ſollen.
Das liegt natürlich nicht an der Spende ſelbſt, wohl aber
an der Art ihrer Verwendung. Vor kurze mhat nämlich
die Verwaltung der Nationalflugſpende 300000 Mark

Feuilleton.

C.K. Die Geheimniſſe des Haarmarktes. Die große
Zahl jener Erdenbürger, die mit ihren natürlichen Locken
nicht ganz zufrieden ſind und gewiſſe Mängel ihres Haar=
wuchſes
ſchmerzlich empfinden, und dazu noch die Legion
der Frauen, die die Schönheit ihres natürlichen Kopf=
ſchmuckes
noch durch einige künſtliche Löckchen und künſt=
liche
Zöpfe ſteigern ſie alle gehen ſchweren Zeiten ent=
gegen
. Denn mit der wachſenden Nachfrage nach falſchen
Haaren vermag die Zufuhr nicht mehr Schritt zu halten;
ſchon beſteht eine wahre Not an Menſchenhaaren.
In England iſt man bereits ratlos, wie dieſer Haarnot
zu ſteuern wäre. Die in den letzten Jahren aus allen
Veltteilen importierten Maſſen von Menſchenhaar
ſchrumpfen bedenklich zuſammen; und das Schlimmſte iſt,
daß es immer ſchwerer wird, ausreichende neue Vorräte
zu erlangen. Langes, ſchönes Menſchenhaar iſt beinahe
ſchon eine Rarität geworden. Alljährlich kommen etwa
eine Million Pfund Menſchenhaar aus China und gegen
500000 Pfund aus dem ſüdlichen Europa und auch aus
Böhmen , ſo erklärte einer der größten Haarhändler
Londons dem Mitarbeiter eines engliſchen Blattes; raſt=
los
gehen die Preiſe in die Höhe. Heute ſchwanken die
Summen, die für ein Pfund Menſchenhaar gewöhnlicher
Färbung angelegt werden müſſen, bereits zwiſchen 30 und
1000 Mark. Und beſonders für echtes, reines, ſchneeweißes
Haar beſteht eine große Nachfrage. Ich erhielt vor eini=
gen
Tagen für eine Unze weißen Haares es war aller=
dings
beſonders ſchön 125 Mark, was einem Preiſe von
2000 Mark für das Pfund entſpricht. Das beſte
weiße Menſchenhaar kommt aus Italien, aus Süd=
frankreich
und aus Böhmen. Es wird zu Perücken
und Transformationen für alte Herren und Damen ver=
arbeitet
. Alles wirklich ſchöne Haar kommt aus Europa;
das chineſiſche Haar iſt ſehr grobſträhnig. Zu der Schwie=
rigkeit
, ſchönes weißes, echtes Haar zu erlangen, tritt in
jüngſter Zeit noch der Umſtand, daß das Tragen von
Perücken ſich immer mehr verbreitet. Die hohen Leiſt=
ungen
der Perückenmacherkunſt mögen dazu beigetragen
haben; jedenfalls ſchwindet das Vorurteil gegen das Tra=
gen
künſtlicher Haare immer mehr, ganz beſonders unter
den Stadtbewohnern. Es iſt faſt, als habe die Eitelkeit
der alten Herren und Damen zugenommen, denn die Zahl
derer, die wunderſchöne Silberlocken tragen, die auf frem=

den Schädeln wuchſen, wird immer größer. Auch die
älteren Damen kommen immer mehr davon ab, blondes
oder braunes Haar zu tragen; ſie erkennen, daß eine ältere
Dame nichts ſo gut kleidet, wie wirklich echtes, ſchönes,
weißes Haar. Allein dieſe neuen Strömungen im Ge=
ſchmacke
der Perücken= und Lockenabnehmer würden ſchon
ausreichen, die Haarnot unaufhörlich zu ſteigern; aber da=
zu
kommen jetzt noch die Theater. Die Entwickelung
der modernen Bühnenausſtattung beſchränkt ſich nicht auf
Kuliſſe und Koſtüm, ſie hat auch die Maske des Schau=
ſpielers
erfaßt, und in den großen Londoner Theatern hat
man ſogar für die Statiſten und Choriſten die altgewohn=
ten
Perücken aus künſtlichen Haaren ausrangiert. Die
Bühnen verbrauchen daher eine gewaltige Menge von
echtem Menſchenhaar; allein für eine einzige Neueinſtu=
dierung
haben wir in dieſen Tagen Sir Herbert Tree
bezw. ſeinem Theater, mehrere Hundert Perücken aus
echtem Menſchenhaar liefern müſſen.
ml. Das Klavierſviel als Antriebsmotor für die Näh=
maſchine
. Die Energie, die die moderne Menſchheit beim
Klavierſpiel betätigt, hat einem Mitarbeiter Ediſons den
Gedanken eingegeben, den hier vergeudeten Kraftaufwand
einem praktiſchen Zweck dienſtbar zu machen. Und da ſich
dieſer Kraftvergeudung in erſter Linie die Vertreterinnen
des ſchönen Geſchlechts ſchuldig machen, ſo hat er die Näh=
maſchine
gewählt, um dieſes Nützlichkeitsinſtrument in
den Dienſt des pianiſtiſchen Betätigungsdranges zu ſtellen.
Er hat zu dem Zweck einen Apparat konſtruiert, der die
auf dem Klavierangewandte mechaniſche Kraft ſammelt
und ſie auf das Triebrad der Nähmaſchine überträgt. Da=
mit
iſt es ihm geglückt, ein Verfahren zu finden, das einer
Dame geſtattet, einen Walzer oder eine Berceuſe zu ſpie=
len
und im Nebenberuf gleichzeitig ihrem Bräutigam oder
Gatten ein halbes Dutzend Taſchentücher zu ſäumen. Der
Erfinder hat berechnet, daß das Herunterſpielen eines
Wagnerſchen Muſikdramas einen Kraftaufwand bedingt,
der ausreicht, auf der neben dem Klavier ſtehenden Ma=
ſchine
eine ganze Brautausſtattung herunterzunähen. Der
Fauſtwalzer würde zur Herſtellung einer Weſte gut und
gern langen, das Intermezzo aus der Cavalleria Ruſti=
cana
ſtellt einen Kraftaufwand dar, der vollſtändig ge=
nügt
, eine Tändelſchürze anzufertigen, während man mit
dem Gebet einer Jungfrau gleichzeitia einem Kinder=
häubchen
zum Leben verhelfen könnte. (Wir behalten uns
vor, das Thema in unſerer nächſten Faſtnachtszeitung
weiter auszuführen.)

* Ein Juwelenhandel während des Dreißigjährigen
Krieges. (Aus einer Familienchronik.) Dem Fürſten
Rakoci von Siebenbürgen, der Nachfolger des be=
rühmten
Fürſten Bethlem Gabor, hatte der Juwelier
Philipp Milkau aus Frankenthal in der Pfalz
für 22000 Thaler Juwelen abgekauft. Als Abſchlags=
zahlung
gab der Fürſt tauſend Stück Ochſen, das Paar
um zehn Thaler gerechnet. Der Juwelier zog mit ſeiner
lebendigen Abſchlagszahlung am 11. July 1633 von
Weiſſenburg, der Hauptſtadt Siebenbürgens, nach Jaros=
lau
in Pohlen. Er ließ die anſehnliche Herde Ochſen durch
Wallachen dorthin treiben, weil daſelbſt der vornehmſte
Viehmarkt in ganz Europa war. Da aber wegen den
damaligen Kriegsunruhen und der damit verbundenen
Gefahr eine geringe Anzahl Kaufleute aus Deutſchland
dahin gekommen war, ſo konnten die Ochſen nicht verkauft
werden. Milkau entſchloß ſich alſo, ſein Vieh nach Butt=
ſtadt
bei Weimar in Thüringen, woſelbſt ein berühmter
Viehmarkt gehalten wurde, treiben zu laſſen. Unterwegs
wurden ihm von ſtreifenden Feegbeutern mehr als ſechzig
Stück Ochſen weggenommen. Die Kaufmann ließ dem
Oberſten des Freykorps einen koſtbaren türkiſchen Zaum
als Geſchenk überreichen und dabei um Rückgabe des ab=
genommenen
Vieh’s bitten. Der Hauptmann verſprach es
auch, hielt aber nicht Wort. Dieſes ſchreckte unſern Kauf=
mann
ab und er entſchloß ſich daher, ſeine Ochſen in Butt=
ſtadt
zu verkaufen. Der geweſene Churpfälziſche Zahl=
meiſter
in Heidelberg gab ihm für das Paar fünf und
fünfzig Thaler, und verkaufte ſie hernach mit großem Ge=
winn
, Stück für Stück in Frankfurt am Main für fünfzig
Thaler. Trotz des Verluſtes von 60 Ochſen hatte alſo
Milkau nicht nur ſeine Juwelen voll bezahlt erhalten, ſon=
dern
auch noch einen Ueberſchuß von mehreren Tauſend
Thalern gemacht, ungerechnet der reſtierenden ſieben Tau=
ſend
Thalern, die er noch vom Fürſten Rakoci zu erhalten
hatte. Beinahe wäre er aber ſeines errungenen Gewinnes
verluſtig gegangen, denn als er mit einigen Begleitern
von Erfurt durch den thüringer Wald reiſete, wurden ſie
von einigen Reutern angegriffen, die eine Reuterzehrung
von ihnen begehrten. Da ſie aber mit guten Gewehren
verſehen waren, woran es den Reutern mangelte, ſo muß=
ten
dieſe unverrichteter Sache ſich flüchten. Milkau fand
in Würzburg Schutz und begab ſich nach langer Abweſen=
A.C.E.
heit auf ſein Gut bei Nürnberg.

[ ][  ][ ]

Nummer 193.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Seire 3.

Preiſe für Ueberlandflüge ausgeſetzt. Dieſe ſtattliche
Summe ſoll den Beſitzern der Flugzeuge zukommen,
und dieſe Beſtimmung hat unter den Fliegern viel böſes
Blut gemacht. Es wurde nämlich feſtgeſtellt, daß von den
deutſchen Fliegern, die überhaupt imſtande ſind, ſich an
großen Ueberlandflügen zu beteiligen, nur ein ein=
zigger
ein eigenes Flugzeug beſitzt; alle ſind An=
geſtellte
von Flugzeugfabriken. Man verſteht es daher,
wenn für die von der Verwaltung der Nationalflugſpende
ausgeſchriebene Ueberlandflugkonkurrenz unter den Flie=
gern
nur mäßige Begeiſterung herrſcht, und es wäre zu
erwägen, ob nicht die Beſtimmungen dahin geändert wer=
den
ſollen, daß die Flieger wenigſtens unbedingt einen
Teil des Preiſes erhalten. Eine Unterſtützung der Flua=
zeuginduſtrie
iſt gewiß ſehr am Platze, aber was nützen
ſchließlich die ſchönſten Maſchinen, wenn die Männer
fehlen, die ſie zu Siegen im Luftmeer führen? Man
kann es ſchließlich keinem Menſchen verdenken, wenn er
ohne Ausſicht auf entſprechenden, auch materiellen Gewinn
Bedenken trägt, ſich den Gefahren einer langen Luftreiſe
auszuſetzen. Mit dem Opfermut und der Ehre allein iſt
es nicht getan, und es liegt auch ſicherlich im Sinne der
zahlloſen Spender, wenn nicht nur die Flugzeugfabrika=
tion
, ſondern auch die Flieger ihren Teil an der Spende
erhalten. Denn die Leiſtungen der Flieger ſind es doch
letzten Endes, die die Anteilnahme der großen Maſſen
erregen und nicht die Technik des Flugzeuges.

sr. An dem Völkerſchlacht= Erinnerungs=
flug
, der auf dem Flugplatz Leipzig=Mockau am Sams=
tag
und Sonntag ſtattfand haben ſich nach den
letzten Diſpoſitionen folgende Flieger beteiligt: Von Zivil=
fliegern
Krieger (Harlan=Eindecker), Oelerich (D. F. W.=
Doppeldecker), Gaſſer (D.F. W.=Doppeldecker), Reichelt
(Aero=Eindecker), V. Stoeffler (Aviatik=Doppeldecker),
Stiploſchek (Jeannin=Stahltaube), Breton (Otto= Doppel=
decker
) und Schwandt (Grade=Eindecker). Von Offiziers=
fliegern
beteiligten ſich Oberleutnant Ladewig,
Leutnant Bonde, Leutnant Reuß, Leutnant Wiegant und
die Leutnants der Reſerve Mayer und Caſper, letzterer
auf Gotha=Taube. Als Erſatzleute kamen in Frage
Kohnert (Harlan=Eindecker), Tybelski (Komet= Doppel=
decker
) und Schiedeck (A.F. G.=Taube).

Ein Flug Paris-Petersburg.
* Johannisthal, 23. Aug. Der franzöſiſche Flie=
ger
Letort iſt heute morgen mit einem Morane= Saul=
nier
=Eindecker von Paris aus geſtartet. Er beabſichtigt.
nach Berlin zu fliegen.
* Johannisthal, 23. Aug. Um 2 Uhr 21 Min.
iſt der franzöſiſche Flieger Letort gelandet der
heute morgen in Paris aufgeſtiegen war.
* Johannisthal, 23. Aug. Der Flieger Letort
ſtieg um 3 Uhr 13 Min. zum Weiterfluge nach
Petersburg auf.

* Straßburg, 23. Aug. Leutnant Geyer von
der hieſigen Fliegerſtation iſt geſtern abend von einem be=
merkenswerten
Ueberlandflug zurückgekehrt. Er war
am 19. ds. Mts., von Dresden nach Weimar ge=
flogen
und am 20. nach Gotha, am 21. von Gotha über
Friedrichsroda und Oberhof nach Koburg mit einer
Zwiſchenlandung in Hildburghauſen. Geſtern am 22.
Auguſt erfolgte der Rückflug von Koburg, dem neuen Flug=
ſtützpunkt
, in 3¾ Stunden nach Straßburg.
Rouen, 24, Aug. Beim Waſſerflugzeug= Wettbe=
werb
Paris=Deauville ſtürzte infolge Motordefekts
das Flugzeug des Fliegers Montalent ab. Der Flieger
und ſein Paſſagier wurden aus dem Apparat geſchleudert
und getötet.

Jugendtag.

** Die Ortsgruppe Darmſtadt des heſſiſchen Landes=
verbandes
Jungdeutſchland veranſtaltete geſtern
ihren 2. Jugendtag. Ein herrlicher Spätſommertag war
der Veranſtaltung beſchieden und die außerordentlich zahl=
reiche
Beteiligung auch von ſeiten der Bevölkerung be=
wies
einerſeits, daß das Intereſſe an der Jugendbewe=
gung
fortgeſetzt im Steigen begriffen iſt, und andererſeits,
daß man doch wohl beginnt, die bei einer ſo mächtig in
alle Kreiſe und beſonders in die ſchon ſeit Jahrzehnten
auf allen Einzelgebieten beſtehenden Vereinsorganiſatio=
nen
eingreifenden Bewegung unausbleiblichen Schwierig=
keiten
zu überwinden, daß man die richtigen Wege zum
einzigen großen Ziel einzuſchlagen beginnt, und daß allent=
halben
die Erkenntnis ſich Bahn bricht: Ueber allen Ein=
zel
= und Sonderintereſſen muß das eine große und unver=
rückbare
Ziel ſtehen, das in der körperlichen und geiſtigen
Ertüchtigung unſeres Volkes gipfelt. Ganz gleich, auf
welchem Wege wir dieſes Ziel zu erreichen ſuchen. Die
ganze Entwickelung unſeres wirtſchaftlichen und politiſchen
Lebens deutet darauf hin, daß die kommende Generation
unſeres Volkes vor große, gewaltige Aufgaben geſtellt
wird und wenn wir unſere Jugend dazu zu erziehen be=
ſtrebt
ſind, daß ſie ihre Zeit, die aller Vorausſicht nach eine
große und ſchwere ſein wird, nicht klein, ſondern groß
und ſtark findet, ſo erfüllen wir damit eine nationale und
kulturelle Pflicht. Dieſe Erkenntnis und die Tatſache,
daß andere Nationen ſchon vor uns mit der Ertüchtigung
der Jugend begannen, ließ uns es ſoll ihnen ehrlich
gedankt ſein Männer finden, die mit warmem Herzen
ich der Jugend widmen, und ſich der nicht immer dank=
baren
Aufgabe unterziehen, ſie hinaus zu führen in Got=
tes
freie ſchöne Natur, deren Erkennen vorzubereiten und
den Jungen lehren, ſelbſtändig handel und denken,
die ſeichten Genüſſe des Lebens richtig einzuſchätzen und
die unendlich größeren Werte erkennen, die nicht käuflich
ſind, die allein in der Geſundung des Körpers und Geiſtes
am Urborn der Natur zu finden ſind. Sie legen das Sa=
menkorn
zu einem neuen ſtarken Geſchlecht. Damit iſt
ihre Pflicht vorerſt erfüllt. Dieſe Erkenntnis ließ auch den
Jungdeutſchlandbund erſtehen und es iſt, wie ge=
ſagt
, ein hocherfreuliches Zeichen, daß ſeine Beſtrebungen
ſich ſo kräftig und wirkſam Bahn brechen. Der zweite
Jugendtag war ein beredtes Zeugnis dafür.
Die Veranſtaltungen begannen am Vormittag um
11½ Uhr mit
Schwimmübungen im großen Woog.
Unter den Strahlen der Sonne war die Waſſertem=
peratur
auf 20 Grad und die Lufttemperatur wohl auf
2628 Grad geſtiegen, ſodaß wohl nicht nur die beteilig=
ten
Schwimmer den Wunſch hatten, in das kühle‟ Ele=
ment
unterzutauchen. Das terraſſenförmig anſteigende
weſtliche und ein Teil des ſüdlichen Ufers ſowie die
Schwimmanſtalten waren von einem ſehr zahlreichen
Publikum in Anſpruch genommen, das ſich äußerſt male=
riſch
gruppierte Die Uebungen nahmen ihren pünktlichen
Anfang mit einem Ordnungsſchwimmen der
Schwimmriege der Darmſtädter Turnerſchaft und des
Die 60 Schwim=
Schwimmklubs Jung=Deutſchland.
mer vollführten unter Leitung des Gruppenführers, Herrn
Georg Maurer, über die ganze Breite des Woogs exakte

Schwimmübungen, wobei das ganze Feld muſterhaft
Richtung hielt. Die einzelnen Kommandos wurden ſicher
ausgeführt.
Erfreuliche Leiſtungen boten die Mitglie=
der
der Schwimmriege der Turngemeinde Darmſtadt im
Springen vom hohen Sprungbrett der Männer=
Schwimmanſtalt. Die Sprünge zeugten von turneriſcher
Gewandtheit. Es wurden Salto vor= und rückwärts,
Doppelſalto, Springen aus dem Handſtand uſw. ausge=
führt
. In dem Stafettenſchwimmen der Ju=
gendmannſchaften
, das über eine Strecke von
6 mal 50 Meter, zwiſchen der Männer= und Militär=
ſchwimmanſtalt
, ausgetragen wurde, errang die gut trai=
nierte
Mannſchaft des Jungdeutſchland=Schwimmklubs
die Palme des Sieges, zweite wurde die Mannſchaft Jung=
Darmſtadts und dritte die Schwimmabteilung der Turn=
gemeinde
. Den, Beſchluß der Schwimmübungen machte
ein Waſſerballſpiel, das ſpannende und nicht we=
nige
beluſtigende Momente bot. Sieger wurde die rote
Mannſchaft mit 410. Halbzeit ſtand das Spiel 210.
Die Uebungen verliefen ohne Unfall, für einen umfaſſen=
den
Rettungsdienſt war Sorge getragen.
Die ſiegende Mannſchaft war im Stafettenſchwimmen
Selzam I., Lachmann, Klein, Ref, Pfannmüller, Krechel.
Zeit 4,23 Minuten. Im Waſſerball: Rütgers, Selzam I.,
Ref, Wißner I., Klein.
Nachmittags von 3 Uhr ab fanden ſich ſämtliche Teil=
nehmer
am Jugendtag auf dem Platz vor dem Hoftheater
ein, wo ſie zum
Feſtzug
geordnet wurden. Um 3½ Uhr erfolgte der Abmarſch
des Zuges zum Exerzierplatz. Den Feſtzug, dem mehrere
Muſikkapellen eingeordnet waren und den viele Hunderte
durch die Straßen zum Feſtplatz geleiteten, eröffnete ein
Automobil mit dem Vorſtand des Veloziped=Klubs
Darmſtadt. Im übrigen wurde in folgender Zugsord=
nung
marſchiert: 1. Jugendabteilung des Veloziped=Klubs
Darmſtadt, 2. Muſik, 3. Geſchäftsführender Ausſchuß der
Ortsgruppe Darmſtadt des Heſſiſchen Landesverbandes
Jungdeutſchland, 4. Jung=Darmſtadt der vereinigten
Kriegervereine, 5. Pfadfinderbund, Ortsgruppe Darm=
ſtadt
, 6. Jung=Konſtantia, 7. Darmſtädter Schwimmklub
Jungdeutſchland‟
8. Liebiegs=Oberrealſchule und
Schüler=Stafettenmannſchaften der hieſigen Schulen,
9. Muſik, 10. Darmſtädter Turnerſchaft, 11. Deutſchvölki=
ſcher
Turnverein Jahn 12. Evangeliſche Jugendver=
einigungen
Darmſtadts, 13. Darmſtädter Sportklub 1905,
14. Deutſchnationaler Handlungsgehülfenverband, Orts=
gruppe
Darmſtadt, 15. Darmſtädter Sportklub Haſſia
1908 16. Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz.
Nach Eintreffen des Zuges auf dem Exerzierplatz hielt
Herr Profeſſor Kiſſinger die Feſtrede, in der er be=
ſonders
ſich über die Aufgaben des Jungdeutſchland=
Bundes verbreitete. Der Bund Jungdeutſchland will den
Zweig der Jugendpflege fördern helfen, der durch plan=
mäßige
Leibesübungen die körperliche und ſittliche Kräf=
tigung
der deutſchen Jugend in vaterländiſchem Geiſte
anſtrebt. Der Bund Jungdeutſchland will dazu alle an
dieſem Ziele intereſſierten Vereinigungen und Einzelper=
ſonen
zuſammenſchließen, um ein planmäßiges Vorgehen
Aller zu dem gemeinſam erſtrebten Ziele zu erreichen und
um in weitgehenderem Maße, wie dies ſeither möglich
war, die heranwachſende Jugend, namentlich die Jugend
zwiſchen Schule und Heer, zu körperlicher Betätigung zu
gewinnen. Es iſt dabei nicht beabſichtigt, Uebungen zu
betreiben, die dem Heeresdienſt zugute kommen ſollen, ſon=
dern
überhaupt die Jugend zu ſtärken und tüchtig zu
machen, ſie abzuhärten, für das ganze Leben zu ſtählen,
ihre Sinne zu ſchärfen, ihre Intelligenz und ihre Freude
an der Natur zu heben und ihr Liebe zum Vaterland
ins Herz zu pflanzen. Es iſt dabei ganz einerlei, in wel=
cher
Weiſe die Körperpflege betrieben wird; ob Wandern
oder Turnen oder Spiele, jede geſunde Leibesübung dient
zur Erreichung des Zweckes. Der Bund’will nicht in
die Selbſtändigkeit der einzelnen Vereine
eingreifen; er will dieſe nur ſtärken und unterſtützen.
Die Rede klang aus in ein Hoch auf das deutſche
Vaterland. Dann ſangen die Feſtteilnehmer das gemein=
ſame
Lied O. Deutſchland, hoch in Ehren, worauf die

Schauübungen
ihren Anfang nahmen, die unter der Oberleitung der
Gauturnwarte W. Hofferbert und K. Saum ſtanden. Der
Exerzierplatz war in 10 Felder aufgeteilt, die den ein=
zelnen
Abteilungen bezw. Vereinen reſerviert waren. Die
Darmſtädter Turnerſchaft führte unter Leitung
des Gruppenführers, Oberturnwarts W. Hofferbert, zuerſt
gemeinſchaftliche Uebungen, und zwar allgemeine Frei=
übungen
der Turner und Turnerinnen und allgemeines
Riegenturnen, und dann Sondervorführungen in ver=
ſchiedenen
Gruppen vor, wie Stab= und Hüpfübungen,
Pferdturnen. Barrenturnen der Turnerinnen, Frei= und
Ordnungsübungen der Schüler, Stabwindübungen der
Zöglinge, Fechtübungen der Turner, Barrenturnen der
Schüler, Pferdſpringen der Zöglinge, Reckturnen der Tur=
ner
, Fauſt= und Tamburinballſpiele, Neckſpiele. Die
Uebungen, beſonders die Freiübungen der geſamten Tur=
nerſchaft
, zeichneten ſich durch Exaktheit und Diſziplin
aus. Die Liebigs=Oberrealſchule unter dem
Gruppenführer Referendar Koch brachte Fauſtball, Schleu=
derball
. 100=Meter=Lauf, Stafettenläufe und Stafetten=
äufe
der Jugendmannſchaften zur Vorführung. Die
Evangel. Jugendvereinigungen Darm=
ſtadts
unter den Gruppenführern Pfarraſſiſtent Fr.
Müller und O. Wambold führten Stabübungen, Turnen
der 1. Riege am Reck und der 2. Riege am Barren, Fauſt=
ballſpiele
und Barlauf. Aufmarſch mit Ordnungsübungen.
Stufenturnen an mehreren Barren. 800=Meter=Lauf,
Sprünge über Quer= und Längspferd, ſowie allgemeines
Niegenturnen vor. Der Veloziped=Klub Darm=
ſtadt
(Gruppenführer Herr Hax) brachte Radpoloſpiele,
Radreigen der Jugendabteilung, die außerordentlich er=
freuliche
Leiſtungen zeigte, ſowie Kunſtfahren uſw.
Auch eine Anzahl Fußballſpiele wurden vorge=
führt
. Unter den Gruppenführern Herren Helfmann und
Heß ſpielten Jung=Conſtantia gegen Darmſtädter Sport=
klub
1905 und Sportklub Haſſia 1908 gegen Turngemeinde
Beſſungen. Der Darmſtädter Sportklub 1905
(Gruppenführer Herr Meß) brachte ein Fußballwettſpiel
Darmſtädter Sportklub-Fußballabteilung Germania 1894
des Turnvereins Frankfurt 1860 (1. Mannſchaften), ſowie
leichtathletiſche Uebungen in Gemeinſchaft mit dem Fuß=
ballklub
Olympia‟. Der Deutſchvölkiſche Turn=
verein
Jahn führte freie Uebungen, Geräteturnen,
Mauerſpringen, Hindernislaufen, Sprünge mit Gepäck,
Schülerturnen uſw. vor. Jung=Darmſtadt unter
den Gruppenführern Herren Hauptmann Deiß und B.=Aſſ.
Lang erfreute durch Spiele, Nehmen der Hindernisbahn.
Läufe uſw. Der Pfadfinderbund, Ortsgruppe
Darmſtadt (Gruppenführer Herr Lorey) hatte ein Zelt=
lager
errichtet, in dem er Lagerſpiele, Abkochen, eine Sa=
nitätsübung
uſw. zeigte und ſo Einblick nehmen ließ in
ſeine Beſtrebungen. Der Deutſchnationale Hand=
lungsgehilfenverband
, Ortsgruppe Darmſtadt,
unter dem Gruppenführer Herrn Seifert zeigte ebenfalls
ein Lagerleben, Lagerſpiele, Abkochen uſw.
Um 6 Uhr wurden auf ein Trompetenſignal die
Uebungen abgebrochen. Die Vereine ſammelten ſich vor

dem Exerzierhaus längs der Anlagen. Hier erfolgte die
Siegerverkündigung der Stafettenläufe und des
Stafettenſchwimmens. Im Schülerſtafettenlauf unter 14
Jahren ſiegte die Mannſchaft des Realgymnaſiums
in 1 Min. 31 Sek. Im Schülerſtafettenlauf über 14 Jahren
wurde erſte die Mannſchaft des Realgymnaſiums in
1 Min. 19½ Sek., zweite die des Schwimmklubs Jung=
deutſchland
in 1 Min. 20 Sek.
Sämtliche Vorführungen fanden lebhaftes Intereſſe.
Die Organiſation war vortrefflich. Nach einer Schluß=
anſprache
, der der gemeinſame Geſang des Liedes
Deutſchland über alles folgte, ordnete man ſich wieder
zum Feſtzug, der nach dem Paradeplatz marſchierte, wo=
ſelbſt
der 2. Jugendtag ſein Ende fand.

Tagung des heſſiſchen Flottenvereins.

(*) Lehrerheim Vogelsberg, 24. Aug. Im ſchönen
Vogelsberg fand heute die diesjährige Hauptver=
amml
ung des deutſchen Flottenvereins
für das Großherzogtum Heſſen unter Leitung
des langjährigen Vorſitzenden Dr. Merck=Darmſtadt
ſtatt. Aus allen Kreisgruppen der drei Provinzen haben
ſich zahlreiche Vertreter eingefunden, ſo daß der Saal im
Lehrerheim kaum alle faſſen konnte. Der Vorſitzende ge=
dachte
in ſeiner Eröffnungsanſprache des 25jährigen Jubi=
läums
des Kaiſers, der der Schöpfer der deutſchen See=
macht
iſt, ſowie des Großherzogs, der die Schutzherrſchaft
über den Landesverband in Heſſen übernommen hat. An
den Großherzog wurde eine Huldigungsdrahtung, an den
Präſidenten des deutſchen Geſamtvereins eine Begrüßung
abgeſandt. Er begrüßte den Vertreter der Regierung,
Kreisrat Dr. Kranzbühler=Schotten den Bürgermeiſter
Kromm=Schotten und den eifrigen Förderer des Flotten=
vereins
im Vogelsberg, Geheimerat Schönfeld. Letzterem
übergab er die Ehrentafel und das goldene Ehrenwart=
abzeichen
. Der Vorſitzende wies auf die Annahme der
Heeresvorlage hin; Deutſchland müſſe auch kraftvoll auf
dem Meere ſein. Notwendig ſei daher die baldige Rege=
lung
der Kreuzerfrage und die Schaffung eines fliegenden
Geſchwaders, damit die deutſchen Reichsangehörigen
durch das Vaterland jederzeit geſchützt werden könnten
und nicht wie in Mexiko die Union angerufen zu werden
brauche. Admiral Weſtphal, der aus Geſundheitsrück=
ſichten
ſein Amt als 2. Vorſitzender niedergelegt hat, er=
hielt
eine Ehrenurkunde. Den Willkommen der Regierung
und des Kreiſes Schotten ſprach Kreisrat Dr. Kranz=
bühler
aus, namens der Stadt ſprach Bürgermeiſter Kromm.
Weitere Ehrenurkunden erhielten: Oberförſter Groos=
Viernheim, Kaufmann Krämer=Darmſtadt, Förſter Frank=
Alsfeld und Kaufmann Jährling=Nieder=Ramſtadt. Ehren=
zeichen
wurden weiter verliehen an Geheimerat Lahn=
Mainz, Profeſſor Bauer=Darmſtadt, Kreisrat Wolf= Oppen=
heim
, Wilkens=Crumſtadt, Oberſtleutnant Mootz=Auerbach,
Klump=Dieburg und Heiderich
Den Jahresbericht erſtattete Admiral Weſtphal=
Darmſtadt. Die Lehrerfahrt fand vom 24. bis 29. Juli
an die Waſſerkante ſtatt. Da 1914 die allgemeine deutſche
Lehrerverſammlung in Kiel tagt, ſo ſoll auf Koſten des
Flottenvereins für 1000 Lehrer eine Studienfahrt nach
Sonderburg und Mürwik veranſtaltet werden. Die über=
aus
erfolgreiche Mitwirkung des deutſchen Lehrerſtandes
für die Sache des Flottenvereins wird rühmend hervor=
gehoben
. Die Kreisgruppe Mainz veranſtaltete eine Fahrt
an die Waſſerkante, der Landesausſchuß eine Reiſe nach
Oeſterreich und Italien. Während im Reich der Deutſche
Flottenverein um 52 Ortsgruppen und 12000 Mitglieder
zunahm, zeigt Heſſen eine kleine Abnahme; eine Werbe=
ätigkeit
durch Vorträge iſt daher weiterhin geboten.
Die Rechnungsablage für 1912 zeigte eine Einnahme von
16 236 Mark 78 Pfg., eine Ausgabe von 14 179 Mk. 17 Pfg.,
alſo einen Ueberſchuß von 2057,61 Mark. Für Werbetätig=
keit
und Vorträge wurden nahezu 1000 Mark ausgegeben.
Die Mitgliederbeiträge ergaben 14913 Mark. Der Voran=
ſchlag
für 1913 ſieht eine Einnahme von 16800 Mark und
eine Ausgabe von 14000 Mtrk vor.
Die Präſidialgeſchäftsſtelle zu Berlin erſucht um Er=
höhung
des Bezugspreiſes der Flotte. Der Landesaus=
ſchuß
ſchlägt eine Erhöhung von 10 Pfg. für den Flotten=
Bezug vor; dieſe ſoll aber aus dem Beſtande der Landes=
kaſſe
gedeckt werden, ſo daß ſich der Beitrag für das Mit=
glied
nicht erhöht. Die Verſammlung beſchloß Hemgemäß.
Ueber die Hauptverſammlung des Deutſchen Flotten=
vereins
in Bremen vom 23. bis 26. Mai berichtete Ober=
bürgermeiſter
i. P. Schäfer=Darmſtadt. Sein patrioti=
ſches
Schlußwort fand lebhaften Beifall. Der Deutſche
Flottentag 1914 findet in Breslau ſtatt. Auf die Gründung
des Deutſchen Marineheims weiſt der Vorſitzende
hin; er bittet die Gruppen um Beiträge durch Sammlun=
gen
. Eine Lotterie iſt geplant; ein Grundſtück bei Eckern=
förde
iſt bereits erworben. Für die Jahresverſammlung
1914 meldeten ſich die Ortsgruppen Offenbach und Heppen=
heim
. Auf Antrag des Kreisrats Kranzbühler wird die
Entſcheidung dem Ausſchuß überlaſſen. Das gleiche ge=
chieht
mit der Wahl eines zweiten Vorſitzenden. An die
Verhandlungen ſchloß ſich das Feſteſſen im Lehrerheim.
Eine feſſelnde und anregende Feier bildete um halb 3 Uhr
das Volksfeſt im Waldesgrün des Altenburgkopfes.
Um halb 2 Uhr wurde auf der Platte bei Schotten der Feſt=
zug
aufgeſtellt, der dann durch die Stadt nach dem Alte=
burgkopf
führte. Auf dem Naturtheater am Alteburgskopf
zeigten die Schottener Jungfrauen und Turner ſchöne Dar=
bietungen
in dem Marinefeſtſpiel. Daran ſchloſſen ſich
Schülerturnen, Chorgeſang des Turn= und Geſangvereins,
Spiele. Konzert und Tanz. Die Muſik wurde von der
Hüttenkavelle aus Hirzenhain ausgeführt. Abends wur=
den
die Felsvartien bengaliſch beleuchtet.

Sporf, Spiel und Turnen.

Brüſſel, 24. Aug. Bei der heutigen Meiſter=
chaftsregatta
für Europa ſiegte im Vierer mit
Steuermann der Grashopper=Ruderklub Zürich,
Zweiter wurde der Mainzer Ruderverein. Im
Einer ſiegte Graf vom Heidelberger Ruderklub, im
Doppeldecker ſiegte der Rowingklub Paris, Berliner
Rudergeſellſchaft Wicking wurde als Dritter placiert.
Im Achter ſiegte der Mainzer Ruderverein,
Zweiter wurde der Grashopper Ruderklub Zürich. Im
Vierer für Junioren=Mannſchaften ſiegte der Mainzer
Ruderverein.

Attentat in einem Kaſſenlokal.

* Gablonz, 23. Aug. Heute nachmittag erſchien
ein elegant gekleideter Mann im Kaſſenlokal des
Spar= und Vorſchußvereins und feuerte fünf
Schüſſe auf die drei Beamten ab. Ein Beamter er=
widerte
das Feuer und traf den Räuber am Bein. Dieſer
flüchtete, wurde aber durch die herbeigeeilte Menſchen=
menge
feſtgenommen. Der Täter iſt der Baumeiſter =
gener
aus Marſchendorf bei Reichenberg. Ein über=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Nummer 198

fallener Beamter iſt lebensgefährlich, die anderen ſind
leicht verletzt
* Gablonz, 23. Aug. Zu dem Attentat im
Kaſſenlokal des hieſigen Spar= und Vorſchußvereins
wird noch gemeldet, daß der Baumeiſter Fügener den
Ueberfall wahrſcheinlich begangen hat, um ſich für die
heutige Ablohnung der Arbeiter in den Beſitz von Geld=
mitteln
zu ſetzen. Fügener war heute morgen von ſeiner
Kanzlei weggefahren und hatte erklärt, er werde ſich in
Reichenberg Geld verſchaffen.

Reichstagserſatzwahl.

* Ragnit, 23. Aug. Bei der Reichstagserſatzwahl
im Wahlkreis Ragnit=Pillkollen wurden gezählt:
für Gottſchalk (konſ.) 9452, für Ventzki (natl.) 5983
und für Hofer (Soz.) 3241 Stimmen; 11 Stimmen ſind
zerſplittert. Gottſchalk iſt ſomit gewählt.
Die Erſatzwahl war durch den Tod des Grafen v. Kanitz
nötig geworden. Bei der Wahl im Jahre 1912 erhielt er
10032 Stimmen, der nationalliberale Kandidat 6216 und
der ſozialdemokratiſche Kandidat 2969 Stimmen. Der
Wahlkreis iſt ſeit 1878 im Beſitze der Konſervativen.

Der Werftarbeiterſtreik.

* Hamburg. 23. Aug. In der geſtrigen Sitzung
der Vertreter der Werften iſt beſchloſſen worden, am
Dienstag die Arbeitsnachweiſe wieder zu er=
öffnen
, ſofern von allen Werftplätzen Nachrichten vor=
liegen
, daß die Arbeiterorganiſationen beſchloſſen haben.
die Arbeit in der von den Arbeitgebern gewünſchten
Weiſe wieder aufzunehmen.

Ermordung eines Reichsdeutſchen
in Mexiko.

* Mexiko, 23. Aug. Bei dem Ueberfall der Rebel=
len
auf das Landgut Chiluco, 20 Kilometer nordöſtlich
der Hauptſtadt, wurde der Reichsdeutſche Friedrich
Locht durch einen Schuß leicht verletzt. Sein Bruder
Hans wurde von den Angreifern mitgeſchleppt und er=
ſchoſſen
; ihre Schweſter Henriette befindet ſich in
Sicherheit, ebenſo ein dritter Bruder Alfred. Auf Be=
treiben
der deutſchen Geſandtſchaft in Mexiko
wurde die Rebellenbande ſofort nach dem Bekanntwerden
des Ueberfalles von den Regierungstruppen verfolgt und
unweit des Tatortes mit einem Verluſt von 30 Toten auf=
gerieben
.
Der erſchoſſene Hans Locht wurde geſtern
im Beiſein des deutſchen Geſchäftsträgers von Kardorft
beſtattet. Die Mörder befinden ſich vermutlich unter den
getöteten Rebellen. Die Unterſuchung wird fort=
geſetzt
.

Die Lage auf dem Balkan.

Die Adrianopeler Frage.
* London, 22. Aug. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, iſt in London über die Annahme eines endgül=
tigen
Vorſchlages betreffend Adrianopel durch
die Großmächtenichts bekannt. Demnach iſt das
in Wien verbreitete Gerücht, daß die Ueberreichung einer
Kollektivnote der Mächte in Konſtantinopel nahe bevor=
ſtehe
, als den Tatſachen vorauseilend anzuſehen. Man iſt
der Anſicht, daß durch die von der ottomaniſchen Regie=
rung
gegebenen Zuſicherungen die brennende Frage hin=
ſichtlich
der Gebiete auf dem rechten Ufer der Maritza aus=
geſchaltet
worden ſei. Inzwiſchen gehen die Verhand=
lungen
über Adrianopel weiter und man hofft, daß ſie
demnächſt zu einem feſtumriſſenen Vorſchlag führen
werden.
* Sofia 23. Aug. Die Konſtantinopeler Nachrich=
ten
, daß zwiſchen der Türkei und Bulgarien direkte
Verhandlungen betr. Adrianopel eingeleitet worden ſeien,
ſind irrtümlich. Bulgarien iſt der Anſchauung, daß
die Frage Adrianopels als durch den Londoner Frieden
endgültig geregelt angeſehen werden kann, und iſt daher
in direkte Verhandlungen mit der Pforte nicht eingetreten.
Die Annäherung der Balkanſtaaten.
* Athen, 23. Aug. Die der Regierung naheſtehende
Zeitung Patris ſtellt feſt, daß das Werk herzlicher An=
näherung
und des Zuſammengehens der drei
Balkanſtaaten Griechenland Serbien und
Rumänien glücklich fortſchreite dank der breiten
Grundlage, die bei der letzten Zuſammenkunft der drei
Miniſterpräſidenten in Bukareſt gelegt wurde. Die Porto=
vereinbarung
der Staaten und Montenegros ſei der erſte
Schritt zu einem engeren Verkehr zwiſchen den beteiligten
Völkern, der ihre Entwickelung und das politiſche Werk
der Regierungsleiter weſentlich fördern würde. Im
Herbſt würden die drei Regierungen weitgehende Ver=
ſtändigungen
über den Abſchluß von Ver=
trägen
wirtſchaftlicher Natur treffen, die verſchiedenen
Schwierigkeiten des Handels und der Induſtrie einen un=
gewöhnlichen
Aufſchwung verleihen würden.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 22. Aug. Der ruſſiſche Bot=
ſchafter
Baron v. Giers hatte heute vormittag eine
Unterredung mit dem Großweſir. Dieſer
hat geſtern einigen Diplomaten gegenüber neuerlich die
Verſicherung abgegeben, daß die Türkei Dedeagatſch nicht
beſetzen, ſondern bloß die Beſetzung einiger ſtrategiſch
wichtiger Punkte aufrecht erhalten werde. Tanin teilt
mit, daß die Meldung, die Griechen hätten Dedeagatſch
geräumt, falſch ſei.
Konſtantinopel, 24. Aug. An gut unter=
richteter
Stelle der Pforte verlautet, daß Natſchewitſch,
der geſtern Abend den Großweſir beſuchte, aus Sofia
Inſtruktion erhielt, er ſolle unmittelbar und offit
ziell mit der Pforte verhandeln. Man glaubt,
daß er die vertraulichen Verhandlungen über Adrianopel,
die bisher durch Mittelsperſonen, insbeſondere durch den
früheren Deputierten von Monaſtir, geführt wurden,
fortſetzen wird. Der Miniſter des Innern iſt geſtern
Abend nach kurzem Aufenthalt von Adrianopel abgereiſt.
Konſtantinopel, 24. Aug. Der Sultan verlieh
dem Großweſir die Brillanten des Medſchidieh=Ordens.

Landwirtſchaftliches.

* Berlin, 23. Aug. Wöchentlicher Saaten=
ſtandsbericht
der Preisberichtsſtelle des
Deutſchen Landwirtſchaftsrats. Auch wäh=
rend
des größten Teiles der Berichtswoche herrſchte ſo
ungünſtiges Wetter, daß faſt jede Feldarbeit unterbleiben
mußte. Nicht nur ein großer Teil der Weizen= und der
Haferernte, auch Roggen und Gerſte ſtanden bei Beginn

der faſt 14 Tage andauernden Regenperiode noch im Felde,
ſo daß ſich der durch die Näſſe angerichtete Schaden als
ſehr erheblich herausſtellt. Verſchärft wurde die Situation
beſonders durch die mit großer Feuchtigkeit verbundene
Windſtille und warme Temperatur, wodurch das Aus=
wachſen
in ſtarkem Maße begünſtigt wurde. Am meiſten
ſind Weizen und Hafer in Mitleidenſchaft gezogen, von
welchen Getreidearten in vielen Gegenden kaum die Hälfte
geborgen war. Sowohl bei dem in Hocken ſtehenden als
auch bei dem noch ungemähten Getreide zeigt ſich Aus=
wuchs
, und von der Gerſte iſt ſtellenweiſe noch ein anſehn=
licher
Teil für Brauzwecke unbrauchbar geworden. Seit
geſtern hat ſich die Wetterlage weſentlich geändert, und es
wäre dringend zu wünſchen, daß das heitere und ſonnige
Wetter nunmehr anhält, um die rückſtändigen und durch
ſtarkes Lagern erſchwerten Erntearbeiten zu Ende führen
zu können. Den Futterpflanzen kamen die warmen Nie=
derſchläge
zu ſtatten, auch in den bis vor kurzem über
Trockenheit klagenden Gebieten Mitteldeutſchlands haben
ſich die Ausſichten für den zweiten Schnitt noch vielfach
gebeſſert; allerdings iſt von dem geſchnittenen Futter be=
reits
ein Teil durch Näſſe geſchädigt worden. Was die
Kartoffeln anlangt, ſo war das feuchte Wetter zwar hier
und da von Vorteil, aber viel häufiger finden ſich in den
Berichten Klagen über eine Zunahme der verſchiedenen
Krankheiten und über vorzeitiges Abſterben. Die frühen
Sorten, bei denen ſich vielfach faule Knollen zeigen, laſſen
meiſt im Ertrage zu wünſchen übrig. Auch die ſpäten
Sorten begannen in tieferen Lagen und auf weniger durch=
läſſigen
Böden zu leiden und ſtellenweiſe durchzuwachſen.
Die Zuckerrüben haben ſich im allgemeinen günſtig weiter
entwickelt, wenn auch häufig darauf hingewieſen wird, daß
die Größe der Wurzel nicht immer der Ueppigkeit des
Blattwerkes entſpreche.

Literariſches.

Rings um den Kaiſer iſt der Titel der
deutſchen Ausgabe eines Buches, das ſpeziell bei unſeren
Vettern jenſeits des Kanals viel Aufſehen erregt hat.
Es handelt ſich um die deutſche Ausgabe einer Samm=
lung
von Charakteriſtiken führender deutſcher Männer, die
den geiſtvollen Berliner Vertreter der Daily Mail und der
Neu=York Times Mr. Wile zum Verfaſſer hat. Es iſt
eine recht bunte Geſellſchaft, die in dem erwähnten Buch
vereinigt erſcheint. Das Buch, das mit 32 Porträts ge=
ſchmückt
iſt, erſcheint bei der Prometheus=Verlags= Geſell=
ſchaft
m. b. H., Berlin W. 30, Motzſtraße 8. Preis 4 Mk.,
geb. 5 Mk.

Darmſtadt, 25. Auguſt.
Von der Techniſchen Hochſchule. Herr Prof.
Dr. A. Kolb von der Techniſchen Hechſchule hat, wie
mitgeteilt wird, den ſehr ehrenvollen Antrag erhalten,
einen leitenden Poſten in einem bedeutenden Unter=
nehmen
der Berliner chemiſchen Großinduſtrie zu be=
kleiden
, und hat das glänzende Anerbieten, wie wir
hören, angenommen.
m. In der Johanniskirche wurden geſtern die neu=
gewählten
18 Kirchengemeindevertreter durch den erſten
Pfarrer, Herrn Dingeldein, verpflichtet und in ihr Amt
eingewieſen. Auch in der Paulusgemeinde wurden die
Gemeindevertreter in ihr Amt eingeführt.
Der Veloeiped=Club Darmſtadt hat geſtern
einen außerordentlichen ſportlichen Sieg errungen. Seine
aus den Herren Damus, Zimmermann, Becker,
Proeſer, Köhler und Sehring gebildete Mannſchaft
gewann die Stafettenfahrt über 150 Kilometer, die von
Frankfurt über Rüſſelsheim, Wolfskehlen, Ober=Ramſtadt,
Babenhauſen, Hanau nach Frankfurt führte, in der aus=
gezeichneten
Zeit von 4 Stunden 224 Minuten mit
9 Minuten Vorſprung vor der zweiten Mannſchaft.

u. Klein=Gerau, 24. Aug. Geſtern abend entſtand
gegen ½12 Uhr in der nahe gelegenen, zu Klein=Gerau
gehörigen Knopsmühle auf bis jetzt noch unaufgeklärte
Weiſe Feuer. Der wahrſcheinlich in den Mahlräumen
ausgebrochene Brand breitete ſich nach kurzer Zeit über
ſämtliche Teile des großen, ſtattlichen Wohnhauſes, das
im Anfang des vorigen Jahrhunderts erbaut und in
den letzten Jahren zur Reſtauration eingerichtet worden
war, aus. Das meiſt aus Eichenholz errichtete ſehr
geräumige Gebäude ſetzte dem Feuer mehrere Stunden
Widerſtand entgegen, bis es endlich zuſammenbrach.
Scheuer und angrenzende Gebäulichkeiten wurden durch
tatkräftiges Einſchreiten der ſchnell zur Hilfe herbei=
geeilten
Klein=Gerauer Feuerwehr gerettet. Der Eigen=
tümer
der Mühle iſt ſeit etwa zwei Monaten
verſchwunden.
*) Grünberg, 22. Aug. Endlich hat man die Ein=
brecher
gefaßt, die ſeit Wochen die ganze Umgegend
unſicher machten und viele Bewohner ſchwer geſchädigt
haben. In Gießen, von wo aus ſie ihre Raubzüge an=
traten
, gelang es, drei Spitzbuben abzufaſſen und einen
großen Teil geraubter Gegenſtände, Speiſewaren uſw., zu
finden. Die drei Einbrecher ſind E. Haas=Gießen, Fr.
Heß=Gießen=Linden und Büttner=Reinhardshain. Büttner
war in der Umgegend Grünbergs als früherer Arbeiter
ehr bekannt und mußte die paſſenden Gebäude auskund=
ſchaften
und die beſten Einbruchsgelegenheiten aufſuchen.
Dem Gaſtwirt Schapp=Saaſen konnte man wieder eine
Anzahl Würſte zurückgeben. Nach drei weiteren Geſellen
der Räuberbande wird eifrig gefahndet.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
Berlin, 23. Aug. Nach den vorliegenden amtlichen
Nachrichten hat der Rebellenführer Hohainin dem
deutſchen Konſul und dem Kommandanten
der Baden ſchriftlich ſein Bedauern wegen des
gemeldeten Vorfalles ausgeſprochen. Damit iſt der
Zwiſchenfall erledigt.
* Berlin, 23. Aug. Heute nachmitag gab der tür=
kiſche
Botſchafter in der Botſchaft zu Ehren der
in Berlin anweſenden Mitglieder der Adrianopeler
Deputation einen Tee, wozu eine große Zahl von
Vertretern der deutſchen und ausländiſchen Preſſe ge=
laden
war. Der Botſchafter, umgeben von den Mit=
gliedern
der Botſchaft, empfing die Gäſte in den Feſt=
räumen
des erſten Stockwerks, woſelbſt Tee und andere
Erfriſchungen gereicht wurden. Eine lebhafte Unterhal
tung über den Aufenthalt der Deputation in Berlin blieb
während der ganzen Veranſtaltung im regſten Fluſſe.
Bad Homburg, 25. Aug. Das Kaiſerpaar
begab ſich geſtern abend um 10,45 Uhr im Automobil
zum Bahnhof. Die Kaiſerin fuhr um 11.30 Uhr nach
Poſen, der Kaiſer um 12,30 Uhr nach Kelheim.
Cronberg i. T., 24. Aug. Heute nachmittag wurde
das vom Phyſikaliſchen Verein in Frankfurt gegründete
Taunus=Obſervatorium auf dem 827 Mtr. hohen
Kleinen Feldberg eingeweiht. Zugegen waren außer
den Spitzen der Frankfurter Behörden die wiſſenſchaft=

lichen Vorſtände und die bedeutendſten Vertreter von
phyſikgliſchen und ſeismographiſchen deutſchen Inſtituten.
* Großbeeren, 23. Aug. Im Beiſein des Pinzen Eitel
Friedrich als Vertreter des Kaiſers wurde heute der Ge=
denktag
der hundertjährigen Wiederkehr
der Schlacht bei Großbeeren feierlich begangen.
Großbeeren und die Feſtſtraße zum Turm waren feſtlich
geſchmückt. Heller Sonnenſchein verſchönte das bunte Bild.
Als gegen ½3 Uhr Prinz Eitel Friedrich am
Ehrenzelt eintraf, empfing Landrat v. Achenbach den
Prinzen mit den übrigen Ehrengäſten, unter ihnen den
Regierungspräſidenten von der Schulenburg, den Ober=
präſident
Grafen v. Roedern, den Zweckverbandsdicektor
Steiniger, die Vertreter der Stadt Berlin und des Tel=
tower
Kreistages, Grafen Bülow v. Dennewitz, den Ur=
enkel
des Siegers der Schlacht bei Großbeeren, mit den
übrigen Nachkommen, ferner höhere Offiziere und Depu=
tationen
der vor hundert Jahren ſiegreichen Regimenter,
Durch Fanfarenklänge der Gardeküraſſiere wurde die
Feier eingeleitet. Pfarrer Pariſius=Großbeeren ſprach
ein Gebet, worauf Schulkinder den 24. Pſalm ſangen,
Landrat v. Achenbach hielt eine Anſprache, die in ein
Kaiſerhoch ausklang. Hierauf übergab er den großen,
feſtlich geſchmückten Gedenkturm der Obhut der Gemeinde.
Nach dem Geſang der Schulkinder: Vater, ich rufe dich
hielt Graf Bülow v. Dennewitz die Feſt= und Ges
denkrede, welche die Erhebung und Aufopferung der Frei=
heitskämpfer
zum Mittelpunkt hatte, beſonders hob er hers
vor, was dieſe für das Königshaus, das Reich und Berlin
geleiſtet haben. Die Rede fand reichen Beifall. Nach dem
Preußenlied beſchloß das Niederländiſche Dankgebet die
Feier. Prinz Eitel Friedrich hielt nach der Eröffnung der
Gedenkhalle im Turm Parade über die zahlreich er=
ſchienenen
Kriegervereine ab.
* Kannſtatt, 23. Aug. Bei den Vorarbeiten
zum Tunneleinſchnitt beim Zuckerlesberg kam
von rechts eine etwa 2½ bis 3 Meter hohe Wand, die
ordnungsgemäß abgeſpriſt war, infolge Erſchütterung
durch die Maſchine ins Rutſchen. Die Wand ſtürzie
vor und verſchüttete zwei Tiroler Arbeiter die
auf die falſche Seite ausgewichen waren. Die ſofort von
der Feuerwehr und dem raſch herbeigeeilten Arzt ange=
ſtellten
Wiederbelebungsverſuche waren ohne Erfolg. Ein
dritter Arbeiter aus Feuerbach hat nur leichte Verletzs
ungen erlitten.
* Kaſſel, 23. Aug. Heute mittag erfolgte in Gegen=
wart
des Kultusminiſters von Trott zu Solz und Ver=
tretern
der Behörden und der Direktoren vieler auswär=
tiger
Muſeen, ſowie des Erbauers Prof. Dr. Theodor
Fiſcher die feierliche Einweihung des neu er=
bauten
heſſiſchen Landesmuſeums. Die
Eröffnungsrede hielt der um das Zuſtandekommen des
Muſeums beſonders verdiente Muſeums=Direktor D.
Böhlau
Bonn, 25. Aug. Der Chirurg, Geheimerat Prof
Dr. Robert Rieder iſt im Alter von 51 Jahrenges
ſtorben
Hönningen (Ahr). 23. Aug. Beim Abbruch der
alten Ahrbrücke ſtürzte heute nachmittag der letzte
noch ſtehende Bogen plötzlich zuſammen. Vier Arbeiter
wurden durch die Trümmer getötet.
* Haag, 23. Aug. Der Weltfriedenskongreß
hielt heute vormittag ſeine Schlußſitzung ab. Es wurde
beſchloſſen, ein Telegramm an den Präſidenten der Ver=
einigten
Staaten zu richten und ihm für ſeine Haltung
gegenüber der Friedensbewegung zu danken. Der Kon=
greß
nahm ferner einen Antrag von Slayden=Waſhinaton
und eine Reſolution von Slocum=Colorado an, in denen
die amerikaniſche Regierung aufgefordert wird, den Pa=
namakanal
nicht zu befeſtigen. Der Kongreß drückte fer=
ner
den Wunſch aus, das Berner Bureau und die Frie=
densgeſellſchaften
der verſchiedenen Länder möchten ſich
mit den Telegraphenagenturen und mit der Preſſe in ſtän=
dige
Verbindung ſetzen. Der Kongreß ſprach alsdann auf=
einen
Antrag Coll=Waſhington ſeine große Genugtuung
über den Vorſchlaa des Präſidenten Wilſon aus, daßedie
verſchiedenen Differenzen, die auf diplomatiſchem Wege
nicht gelöſt werden könnten, der internationalen Unter=
ſuchungskommiſſion
unterbreitet werden ſollen, undver=
klärte
ſich für die Ausbildung der Schiedsgerichtsausbil=
dung
. Der nächſte Kongreß tritt 1914 in Wien
zuſammen. Für 1915 hat San Franzisko den Kongreß
eingeladen.
* Drontheim, 23. Aug. Ein drahtloſes Telegramm
teilt mit, daß der franzöſiſche General Negrier am Don=
nerstag
auf ſeiner Reiſe von Spitzbergen nach Hammer=
feſt
an einem Schlaganfall geſtorben iſt.
Iſchl, 24. Aug. Der italieniſche General Caneva
iſt als Gaſt des Kaiſers in Begleitung des italieniſcheu
Militär=Attachés Albricci, des Kapitäns Grafen Franchini
und des Grafen Della Chieſa heute morgen hier eingetroffen
und im Auftrag des Kaiſers vom Flügeladjutanten
Oberſt Margutti empfangen worden. Erzherzog Franz
Ferdinand iſt mit Gemahlin heute morgen aus Blühn=
bach
hier eingetroffen. General Caneva iſt um
1 Uhr mittags vom Kaiſer in Audienz empfangen
worden. Die Audienz dauerte 20 Minuten. Sodann
empfing der Kaiſer die italieniſchen Ofſiziere aus der Be=
gleitung
Canevas in einer kurzen, gemeinſamen Audienz,
* Paris, 24. Aug. Die Adrianopeler Dele=
gation
iſt, von London kommend, hier eingetroffen.
Petersburg, 23. Aug. Der franzöſiſche Botſchafter
in Petersburg, Delcaſſé, iſt mit Urlaub nach Paris
abgereiſt.
Waſhington, 23. Aug. Barret, der Direktor der
Panamerican Union hat mitgeteilt, er ſei davon unter=
richtet
worden, daß wahrſcheinlich zahlreiche deutſche
Induſtrien in San Francisco ausſtellen
werden. Es ſeien für die Ausſteller beſondere Fracht=
raten
=Privilegien geplant.
Waſhington, 23. Aug. Es verlautet, daß Huerta
als ſeinen perſönlichen Vertreter Emilio Rabaſa entſenden
werde, der im Falle der Anerkennung zum mexikaniſchen
Botſchafter in Waſhington ernannt werden ſoll. Auf die
Meldung hin, daß Huerta einen Geſandten nach Waſhing=
ton
entſenden werde, hat die Regierung der Vereinigten
Staaten Huerta mitteilen laſſen, falls ſein Geſandter
keine entgegenkommende Antwort auf ihre Note mit=
bringe
, würde ſeine Miſſion fruchtlos ſein.
Waſhington, 24. Aug. Wie verlautet, ſind Pläne
ausgearbeitet worden, um die Diviſion die an den
Manövern an der mexikaniſchen Grenze teilnimmt, aus=
giebig
zu verſtärken. Gegenwärtig ſtehen dort unter
dem Kommando des Generals Carter 11000 Soldaten,
die den Waffenſchmuggel nach Mexiko, ſowie Grenzüber=
ſchreitungen
der von den Bundestruppen bedrängten
Rebellen verhindern ſollen. Dieſe Truppen ſollen nun
in den Stand verſetzt werden, ihren gegenwärtigen
Dienſt wirkſamer zu verſehen oder ſich im Bedarfsfall
zu einem leiſtungsfähigen Expeditionskorps zuſammen=
zuſchließen
.
* Chiwa, 23. Aug. Der Premierminiſter des Kha=
nats
Chiwa, Seid Jslam Chodſcha, wurde durch Meuchel=
mord
getötet.

[ ][  ][ ]

Nummer 198.

Darmſtüdter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Seite 7.

Rio de Janeiro, 24. Aug. Nach einer Meldung
des Jornal do Commercio beſtätigt ſich das Gerücht
von ſchweren Zwiſchenfällen in Manaos nicht.
Nanking, 23. Aug. Das deutſche Konſulat
wurde von den Aufſtändiſchen bisher nicht behelligt.
Berlin, 23. Aug. An dem Denkmal des
Generals von Bülow Unter den Linden, hat die
Stadt Berlin einen Kranz niederlegen laſſen, der die In=
ſchrift
trägt: Ihrem Retter in dankbarer Erinnerung
an den 23. Auguſt 1813. Die Haupt= und Reſidenzſtadt
Berlin‟ Der Magiſtrat von Berlin hat ferner an den
Oberbürgermeiſter von Königsberg i. Pr. das Erſuchen ge=
richtet
, am Grabe des Generals von Bülow auf dem dor=
tigen
Friedhofe einen Kranz niederzulegen.
HB Dresden, 23. Aug. Am Grabe ſeines Vaters er=
choß
ſich auf dem Friedhofe in Radebeul der erſte Vor=
ſitzende
des Vereins der Buchhändler in Leipzig, Ferdinand
Lomnitz. In einem hinterlaſſenen Briefe an ſeinen
Bruder gibt er an, daß er infolge finanzieller Schwierig=
keiten
aus dem Leben ſcheide. Lomnitz war ſeit 1891 In=
haber
der bekannten alten Verlagsfirma Geora Wiegand
in Leipzig. Er war in Leipzig eine ſehr angeſehene Per=
ſſönlichkeit
. Große Verluſte bei verſchiedenen Firmen
(haben ihn zum Selbſtmord getrieben.
H. B. Graz, 23. Aug. 8 Reichsdeutſche Ange=
ſtellte
der Schuhfabrik in Neumark (Krain) wurden bei
einem Ausflug in das Mangartgebiet von italieniſchen
Grenzſoldaten wegen Spionageverdacht feſt=
genommen
. Das deutſche Konſulat hat telegraphiſch
interveniert, um ihre Freilaſſung zu erwirken.

Briefkaſten.

K. Sp. Deutſchland hatte im Jahre 1910: 64903423
inwohner, die deutſchen Schutzgebiete 14788000.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

(200
Ludwigshohe.
Montag, den 25. August 1913

Zur Feier des Hädwigstages

der Kapelle des 5. Großh. Hess. Inf.-
Regts. Nr. 168 in Offenbach a. M.
Dirigent:
Obermusikmeister MA X PAGEL.
Anfang 4 Uhr.
Eintritt 30 Pfg.
NB. Für Nichtkonzertbesucher ist der hintere
Garten geöffnet.
(17744

FABRIK-
ANsichr


Sden-elkuf
(Geld-
IdlemGolc mundstück)
Cigarerfer
Oe
Gs Klue
PreisNe 3§ 4 5 6 8 10
32 4. 5 6 8 10 Pfd. Stck.
Orienf labaku. Cigareffenfebriks
JenidzeDresden, Inh HugoZietz,
Hoflieferanf Slld KörgsvSachsen

erenetenene

(12965a

A-Jackenkleider
-Taillenkleider
Gläder-Busen
=Röcke a a a
in grösster Auswahl, vom einkachsten bis
elegantesten Genre. Nenderungen sofort.
G. m.
D. Rebleid 8 L0. b.h.
Ludwigstr. 5 Darmstadt Teleph. 2539

neitee

Familiennachrichten.

Dankſagung.

Für die bei der Beerdigung unſerer lieben
verſtorbenen
(17734

Eleohore Hledel weltwe
bewieſene Liebe und treue Anhänglichkeit und die
uns erwieſene Teilnahme ſagen wir herzlichſten
Dank.
Darmſtadt, den 25. Auguſt 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Unterfertigter C. C. erfüllt hiermit die traurige
Pflicht, ſ. l. A. H. A. H. und i. a. C. B. i. a. C. B.
von dem am 22. Auguſt zu Haine St. Pierre
(Belgien) erfolgten Ableben ſ. I. A. H.
Louis Goldschmid
(rez. 1868)
Directeur gérant de Ia Société anonyme de Ferges,
Usines et Fonderies des Haine St. Pierre
(17730
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
Der C. C. der Chattia zu Darmstadt.
J. A.: von der Bey XX.
Die Beerdigung findet Montag, den 25. Aug.,
vormittags 10½ Uhr, in Haine St. Pierre ſtatt.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem plötzlichen Hinſcheiden unſerer lieben
Mutter, Schweſter, Schwiegermutter u. Großmutter
Frau Johanna Bischoff
ſagt innigſten Dank
(17728
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Lehramtsassessor Bischoff.
Darmſtadt, den 23. Auguſt 1913.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während der Krankheit und bei der Beerdigung
unſerer lieben Schweſter, Tante und Couſine
Fräulein
Sophie Steinheimer
ſowie für die troſtreichen Worte des Herrn Pfarrer
Müller aus Michelſtadt, welcher auf ſeinen Wunſch
der Entſchlafenen die letzte Ehre erwies, und für
die zahlreichen Blumenſpenden ſagen wir hiermit
unſeren herzlichſten Dank.
(*6589
Die trauernden Hinterbliebenen.

Tageskalender.

Ludwigsfeſt um 3 Uhr in der Knaben=Arbeitsanſtalt.
Konzert um 8 Uhr im Bürgerkeller.
Bilder vom Tage (Auslage Expedition Rheinſtr. 23):
Oeſterreichiſche Artillerie im Hochgebirge Einzug der
Friedensdelegierten der Verbündeten in Belgrad
Deutſche und franzöſiſche Soldaten auf dem Hoheneck in
den Vogeſen Zur Heimkehr der Grönland=Expedition
des Kapitäns Koch=Moden Tagesereigniſſe.

Verſteigerungskalender.
Dienstag, 26. Auguſt.

Hofreite=Verſteigerung der Firma Bruſt und
Poſt vormals P. Gräf, G. m. b. H. (Bachgang 20), um
11 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Grummetgras=Verſteigerung: um 8½ Uhr
von der früher Kausſchen Wieſe und der ſtädtiſchen
Wieſen öſtlich des Friedhofes (Zuſammenkunft am
Woogsdamm), um 2 Uhr im Großh. Herrngarten
und um 4 Uhr im Schloßgarten zu Kranichſtein.

Druckkund Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei,
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto=Waldaeſtek; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inferatbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftoleben: Hans Heitz,ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

rote Plüſchgarnitur
Zu verſ. . Gaskoch., Salonſchr.,
Sofa, Kleidungsſtücke
*6545
Hügelſtraße 69, 3. St.

ſuchen bis
Tücht. Wirtsleute 1. Okt. d. Z
gutgeh. Wirtſch. zu übernehm. Off.
unt. L. 25 an die Exp. (*6547om

KUINSTSCHLILE
des Städel’schen Kunst-Instituts
.
zu Frankfurt am Main.
3
Beginn des Winterhalbjahres: Montag, 13. Okt. 1913
Unterricht in Blldhauerei, figürl. Malerei und Land-
schafts
-Malerei, Radierkunst und Kunstdruck. .
Vorlesungen über Kunstgeschichte, plast. Anatomie,
Perspektive. Prosp. durch das Sekreiariat, Dürer-
strasse
2, welches auch weitere Auskunft erteilt.
Die Administration.

Sanitätsrat 1773a
o1
Me
BrMasient
hat ſeine ärztliche Tätigkeit
wieder aufgenommen.

irtſchaft

direkt vom Beſitzer von Fachmann
zu mieten geſucht.
(*6579oi
Offerten unter L 35 an die Exped. ds. Bl.

Nach Stägigem Gebrauch von
Obermeher’s Medizinal=Herba=
Seife wurde ich von meinem
(II,17716
jahrelangen
Hautjucken
vollſtändig befreit. T. W. Poſtaſſiſt.
Herba=Seife à Stck. 50 Pf., 30%
verſtärktes Präparat Mk. 1.
Zur Nachbehandlung Herba=
Creme à Tube 75 Pf., Glasdoſe
Mk. 1.50. Zu haben in allen
Apotheken, Drogerien, Parfümerien.

Regelmäßige Mitteilung von
Verlobungen
nicht aus Zeitungen
honoriert Oppermanns Ver=
lobunganzeiger
, Charlotten=
burg
4, Kantſtraße 99. Gefl. Mel=
dungen
erbeten.
(I,17719


Hausverwaltungen
übern. zu kulanten Bedingungen,
diesbez. Kaution kann geſtellt werd.
B. Baer, Landwehrſtr. 18. (16007a

Von der Reise
zurück!
12
A
Vien
Dentist (B17640
Hoffmannstraße 23.
Von der Reise zurück

jetzt
(17489a
Rheinstrasse 29, I.
Telephon 1659.

Ein gr., ſtark gebautes, gut erhalt.
Gig
billig zu verkaufen.
(*6584osi
Zu erfragen in der Exp.

Folonialwaren : Einrichtung,
e Kolonialwar., Kurzw., Seide,
10 St. ſchw.=weiß=rote u. rot=weiße
Fahnen, Ausſtellkaſt., gr. ov. Tiſch,
gr. Apfelgerüſt zu verk.
*6577
Bleichſtraße 27, Laden.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Nummer 198.

Die Möbel-Industrie FEIDEL ladet zur freien
Ausstellungsräume, Hügelstrasse 131)

Besichtigung ihrer
ergebenst ein.

(VII, 12184

Amtliche Nachrichten des Großh. Polzelamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Dobermann. 1 Dachshund (zugelaufen).
Die Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier
ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde
findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(17712

Sedan=Feier.

An die Einwohner Darmſtadts richte ich hiermit die Bitte
am 2. September dem Sedautage
durch Schmuck der Häuſer darzutun, daß wir die Erinnerung an den
großen Tag und die Dankbarkeit gegen die tapferen Kämpfer von
1870/71 unauslöſchlich bewahren.
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
Dr. Gläſſing.
(17670so


Grummetgrasverſteigerung.

Dienstag, den 26. und Mittwoch, den 27. d. Mts., je
vormittags 8½ Uhr beginnend, wird das Grummetgras von der
früher Kaus’ſchen Wieſe und den ſtädt. Wieſen öſtlich des Friedhofs
pp. an Ort und Stelle öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Zuſammenkunft: Dienstag am Woogsdamm, ſodann hinter
dem alten Schießhaus. Mittwoch an der Kreuzung von Atz=
winkel
= und Völlenfalltorweg.
Darmſtadt, den 22. Auguſt 1913.
(17662so
Der Oberbürgermeiſter
J. V.: Ekert.

Spülung des Waſſerrohrnetzes.

Im Laufe der nächſten Woche wird eine Spülung des Waſſer=
rohrnetzes
in den unten bezeichneten Stadtteilen vorgenommen, welche
in der Zeit von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens eine zeitweiſe
Unterbrechung der Waſſerabgabe, ſowie eine Trübung des Waſſers
mit ſich bringt; die Waſſerabnehmer werden deshalb gebeten, ſich
vorher mit Waſſer zu verſorgen.
Spülplan.
1. In der Nacht von Montag, den 25. zu Dienstag, den
26. ds. Mts. wird geſpült:
Spülbezirk V.
Derſelbe wird umfaßt von der Frankfurter=Straße ( Herrngarten=
ſeite
), Odenwaldbahn, Dieburger= und Alexanderſtraße und enthält
Theaterplatz und Muſeum.
Mitgeſpült werden die außerhalb liegenden Straßenteile Kranich=
ſteiner
=Straße, Hohler Weg, Dieburger=Straße und Ringſtraße (äußere),
zwiſchen Dieburger=Straße und Seiterswieſenweg.
Spülbezirk VIII.
Derſelbe liegt ſüdlich der Heinrichsſtraße bis zur Wilhelminen=,
Karls= und Beſſunger=Straße und öſtlich der Ludwigshöhſtraße.
Mitgeſpült werden die Straßen der Mathildenhöhe.
2. In der Nacht von Mittwoch, den 27. zu Donnerstag,
den 28. ds. Mts, wird geſpült:
Spülbezirk Kx.
Derſelbe liegt weſtlich des Straßenzuges Ludwigshöhſtraße,
Beſſunger=, Karls= und Wilhelminenſtraße und wird von der Heinrichs=
und Eſchollbrücker=Straße begrenzt.
Außerdem findet in der Nacht von Donnerstag, den 28. zu
Freitag, den 29. ds. Mts. eine Druckrohrſpülung ſtatt.
Darmſtadt, den 13. Auguſt 1913.
Städtiſche Waſſerwerksverwaltung.
Rudolph.
(17592so

Verſteigerung im ſtädtiſchen Leihamt.

Die Inhaber der Pfandſcheine Nr. 2642 bis einſchl. Nr. 37918
werden aufgefordert, die Verſatzzeit der Pfänder verlängern zu laſſen.
Bis Ende Auguſt d. J. iſt die einfache, vom 1. bis 10. September
1913 die doppelte Verlängerungsgebühr zu entrichten.
Alle Pfänder, deren Verſatzzeit bis 10. September d. Js. nicht
verlängert wurde, ſind bis ſpäteſtens Samstag, den 25. Oktober
d. Js., vormittags 11 Uhr, auszulöſen. Von Montag, den 27. Ok=
tober
d. J. ab werden die verfallenen Pfänder verſteigert.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14134a
Städtiſche Leihamts=Verwaltung.
Paul.

Neubau einer Kaſerne für eine Luftſchiffer=Kompagnie
in Darmſtadt.

Die Erd=, Maurer= und Aſphaltarbeiten zum Neubau des
Mannſchaftsgebäudes, ſowie die Steinmetzarbeiten zum Mannſchafts=
und Wirtſchaftsgebäude ſollen in 2 Loſen vergeben werden. Los I
Erd=, Maurer= und Aſphaltarbeiten zum Neubau des Mannſchafts=
gebäudes
, Los II Steinmetzarbeiten zum Mannſchafts= und Wirt=
ſchaftsgebäude
.
Die Zeichnungen und Bedingungen liegen im Neubaubureau
der Luftſchifferkaſerne, Hopfengarten, während der Dienſtſtunden,
vormittags von 8½ bis 12½ und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, aus.
Dortſelbſt können die Verdingungsunterlagen für Los I zum Prriſe
von M. 1,60 und Los II zum Preiſe M. 6,90 oder gegen poſt= und
beſtellgeldfreie Einſendung der Beträge bezogen werden.
Die ausgefüllten Angebote nebſt den vorgeſchriebenen Proben
ſind verſiegelt, mit entſprechender Aufſchrift verſehen, bis zum 6. Sep=
tember
, für Los I vormittags 10 Uhr, für Los II vormittags
10½ Uhr, an vorgenanntes Neubaubureau poſt= und beſtellgeldfrei
einzuſenden, zu welchen Zeitpunkten die Eröffnungen erfolgen.
Die Zuſchlagsfriſt beträgt 28 Tage.
(IV, 17731,86
Militär=Bauamt.

m kommenden Donnerstag, den 28. ds. Mts., abends 8½ Uhr,
röffnet der im Jahre 1900 gegründete Verein für Stenotachygraphie,
hier, einen
Unterrichtskursus
im Reſtaurant Bavaria, Grafenſtraße Nr. 21,
(17589so
vozu Intereſſenten höfl. eingeladen werden.
Honorar Mk. 4., einſchließlich Lehrmaterial.
Der Vexstand.

Klee= und Grummet=
grasverſteigerung
.

Die Verſteigerung des Grummet=
graſes
und der Kleenutzung von
der ſtädtiſchen Pallaswieſe uſw.
iſt genehmigt.
(17663so
Die Mähſcheine ſind bei der
Stadtkaſſe erhältlich und müſſen
bis zum 5. k. Mts. abgeholt ſein.
Darmſtadt, 20. Auguſt 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Ekert.

Schulgeld=Erhebung.

Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſium, die Großh.
Liebigs=und die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchule, die Vorſchule der
Großh. Gymnaſien, die Vik=
toriaſchule
und das Lehrerinnen=
ſeminar
, die Eleonoren= und
Frauenſchule, ſowie die Mittel=
ſchulen
für das III. Kalender=
vierteljahr
1913 iſt bei Mei=
dung
des Beitreibungsverfahrens
bis Ende lfd. Mts. an den
Werktagen, vormittags von 8 bis
12½ Uhr, hierher zu entrichten.
Darmſtadt, 4. Auguſt 1913.
Die Stadtkaſſe.
(16661a
Koch.

Bekanntmachung.

Mittwoch, 24. September1913,
vormittags 9 Uhr,
ſoll das dem Schreinermeiſter
Friedrich Röder zu Darmſtadt
zuſtehende ideelle Drittel Eigen=
tumsanteil
an nachverzeichneten
Grundſtücken:
Flur Nr.
qm
KKI 1
918 Acker im Gem=
merloch
,
V
XI 1¾/10 105 Acker daſelbſt,
KXI
1538 Acker daſelbſt,
Se
XXI 2¾/10 596 Acker daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, zwangsweiſe ver=
ſteigert
werden.
(K57/13
Darmſtadt, 7. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen.)
Frantz. (VI,16851

Umzugshalber
ein vollſtändiges, faſt noch neues
Bett etc.
preiswürdig zu verkaufen (*6543
Karlſtraße 60, Hinterh. part.

Hochfeines
M
D
Planie

kreuzſaitig, wird un=
ter
6jähr. Garantie bill. abgegeben.
Teilzahlungen geſtattet.
(*6555
Nied.=Ramſtädterſtr. 31, 1. St. r.

Darmst. Wach- u. Schliebges., Plakat-,
Eilboten- u. Reinigungs-Institut
n.
Ibeid Lolzn.
Abteilung:
e
L.Versicherung gegen
1970
Unlgezierer

Elisabethenstr. 31 Telephon 461


e
Vertilgung von Ungeziefer
jed. Art, wie Wanzen, Käfer,
Ratten, Mäuse, Motten,
Ameisen usw., billigst unter
schriftlicher Garantieund
Diskretion. (11272a

Für Hausbesitzer etc. Ver-
sicherung
gegen Ungeziefer
besonders zu empfehlen. Sehr
geringe Jahresprämie.
Feinste Zeugnisse u.
Referenzen. Kostenlose
Auskunft an Ort und Stelle.
e

Konsumenten
kaufen Bindfaden u. Packkordel gut u. billig
in dem Spezial-Engros-Geschäft von
Hermann Hachenburger
37 Rheinstrasse 37. Telephon 1829. (5297a
Wegzugshalber

Spiegelschrank, Nachtstuhl, Servier-
tisch
, Stühle, Küchentisch, Uhr, Gas-
lampe
, gr. Bank, Geschirr und dergl.
Obere Liebfrauenſtr. 36, pt. (*6564

Ja Ruhrkohlenu. Koks
Union Briets
Brenmholz
fhunoitUncoh

Ia Anthrdere Hasskenlen

von Zeche Dominiale
(Erhielt auf der Brüſſeler Welt=
ausſtellung
1910 die goldene
Medaille.)
(17308a
empfiehlt zu äußerſt billigen Preiſen


Dar
ax
12
1
aufe
Ich

Viktoriaſtr. 53, Telephon 395.

Geisgenhelskauf.
Schwarzes Empirekleid, faſt neu,
Größe 50; ſchwarzes, ſchwer ſeid.,
Gr. 4244, faſt neu, 18 Mk.; Geſell=
ſchaftskleider
, Koſtüme, Empire=
kleider
, Bluſ., weiße Röcke, Mäntel,
Sportanzüge, Gehrock= u. Frack=
anzüge
und vieles mehr billig zu
verkaufen. Ballonplatz 10, part.,
neben der Hofapotheke. (17724a

Fur Brautpaar!
Kompl. eleg. neue 4Z.= Wohnungs=
einrichtung
mit Küche wegzugsh.
für die Hälfte des Preiſes zu verk.
Näheres in der Exped.
(*6567oi

Wontag, d. 25. d. Mts., mache
an der Stat. Roſenh. e. gr. Poſt.
ab, à Pfd.
Gelee-Aepfel
7 Pfg.

*6576)

Gg. Wacker.

Zwei 15 Mon. alte glatthaarige
fa
I
braune Hühnerhunde
ſind billig abzugeben. Offerten
unt. L 30 an die Exped. (*6565omf

20
Miteſſer,
6
Pickel im Geſicht und am Körper
beſeitigt raſch und zuverläſſig
Zucker’s Patent-Medizinal-
Seife, à St. 50 Pf. (15% ig) und
1.50 M. (35% ig, ſtärkſte Form).
Nach jed. Waſchung m. Zuckooh-
Creme (50 und 75 Pf). nach=
behandeln
. Frappante Wirkung,
von Tauſenden beſtätigt. Bei Fr.
Schaefer, A. Logel, Ch. Schwinn,
Drog., Georg Liebig Nachf., Hof=
lieferanten
, u. Gg. Frz. Frank,
Parfümerie.

SebeSebp5
Kapati
tötet Kopfläuſe über Nacht.
Fl. zu 30 und 50 Pfg. zu haben in
Darmſtadt bei
(I,15714
A. Fischer, Adler=Drog.

Bin Freitag

zum Ankauf getragener Herren=
kleider
, Stiefel, Wäſche, Uni=
formen
, ſowie Zahngebiſſe. Off.
unt. J 22 an die Exp. (*6554oim

Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierabfälle aller Art, Ge-
schäftspap
. Bücher u. Akten
unter Garantie des Einſtampfens
zahle ſtets die höchſt. Preiſe. 7915a
Lippmann May,
Tel. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werd. jederz. prompt erled.

Wir zahlen
die höchſten Preiſe
für alt. Eiſen u. Metalle, Papier=
abfälle
, Geſchäftsbüch. u. Akten,
unt. Garantie des Einſtampfens.
Alle Aufträge werden nur
im Hauſe abgeholt und finden
(9432a
prompteſte Erledigung.
M. Löb & Co.,
Liebigſtr. 30. Telephon 479.

Gebrauchte Viergläſer
Vier= oder Fünfzehntel, zu kaufen
geſ. Näh. Gr. Ochſengaſſe 36, I. (*5454so

Suche Bild
Jephthas Tochter
zu kaufen.
Gefl. Offerten mit Preis u. K9
(17500a
bef. die Exped.
Telephon 2085.
(17292a
Kaufe
e

Gerrug. Kleider
Stiefel, Bettfedern, Zahngebiſſe,
alte Fahrräder. Poſtkarte genügt.
M. Obstfeld, Kl. Bachgaſſe 7.

Füir üle Faſchen
zahle von 3½ Pfennig bis zu
6 Pfennig für das Stück
Rubin, Kaupſtr. 46, II. (17226a
zu
Konverſationslexikon raufen
geſucht. Off. m. Preis u. Angabe des
Jahrgangs u. K 48 Exp. (*6306fso



1
Wer dort? (17361a
hier V. Schatz, Schloßgaſſe 23.
Ich komme ſof. u. zahle Ihnen für
getrag. Kleid., Schuhe, Wäſche, Zahn=
gebiſſe
, alte Federbett.ſtets diehöchſt.
Preiſe. Tel. Nr. 1924. Poſtk. genügt

getr. Herren= u. Damen=Kleider,
auch Stiefel, Bettfedern, Gold,
Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets kon=
kurrenzl
. Preiſe. Der erſte Verkauf
überzeugt Sie. Poſtkarte genügt.
Max Schnitzer, Schloßgaſſe 33.
(17090a
Telephon 2097.

Altes Gold
Brillanten, Platin, Silber, ſowie
Pfandscheine
auf obige Gegenſtände kauft zum
(16107a
höchſten Wert
onhondlur
Kartz, Jnwelchuaudlang,
Pädagogſtr. 2. Telephon 1202

[ ][  ][ ]

Nummer 198.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Seite 9.

Unien Deutſche Verlagsgeſellſchaft in Stutigart. Berlin. Beinzia
Ein neuer Jahrgang beginnt ſoeben von:
53 De


24
Hee
2

Altbewährte, durchaus gediegene, bereits im
49. Jahrgang
erſcheinende illuſtrierte Familienzeitſchrift.
Beſondere Vorzüge:
Große Reichhaltigkeit, ſorgfältig gewählter intereſſanter Inhalt,
viele prachtvolle Illuſtrationen, außerordentliche Billigkeit.
Jährlich 28 Hefte. Preis für das Heft nur 30 Pfg.

jedon
der Unterhanlung und des Worsschs.
Jährlich 13 elegant in Leinen gebundene, reich
illuſtrierte Bände zum Preiſe von nur je 75 Pfg.
In vielen Millionen von Bänden verbreitet, hat unſere
Bibliothek ihre Hauptaufgabe, jedem Bücherliebhaher (652s
fegenbeit ai gehen zur Anlegung. einer wirtlich (ehtsgenen
Menele nerhethnen Auntd Shne nerchenlche ennegrithe

Meene halech. etetchete

(,1638

Privatbibliothek,
während ihres 37jährigen Beſtehens ſtets aufs beſte erfüllt.
Beſtellungen nehmen Buch= und Kolportage=
handlungen
, Journalexpeditionen ꝛc. entgegen.d

M

Hoffärberei
Ch. Reich

chem, Waschanstalt

für Herrenkleider
Damengarderobe
Teppiche
Gardinen
Spitzen
Federn
Panamahüte
Felie etc.
in unübertroffener fachmännischer
und schneller Ausführung.

Eigene Läden:
Rheinstr. 12½, Tel. 1472
Karlstrasse 115
Nieder-Ramstädterstr. 15
Riegerplatz 8
Schillerstrasse 50,
Mainz:
elephon 1317.
Fabrik: Pallaswiesen-
strasse
146, Tel. 1501.

Mässige Preise.

(16089a

Gute gebr. Möbel.
Kleiderſchränke, Waſch= u. Nacht=
ſchränke
, Diplomat=Schreibtiſch,
Bücherſchrank, Diwans, Spiegel=
ſchrank
(zweitür.), Sofa, Vertikos,
Waſchkommode, Flurgarderoben,
Küchenſchrank, vollſt. neue Küchen=
einrichtung
, Seſſel, Damenſchreib=
tiſche
, Konſolſchränkchen, Tiſche aller
Art, Stühle, Spiegel, Bilder, große
Vogelhecke, Gasherd, vollſt. Betten,
einz. Betteile u. vieles Ungenannte
billig abzugeben bei Jul. Lich,
Alexanderſtraße 3.
(*6320io

Sie ſparen viel Geld,

wenn Sie meine Preiſe ver=
gleichen
mit den Preiſen, die
Site ſonſt zahlen müſen für mitnter ſehr geringe andere Fabrikate.
Verlangen Sie bitte meine koſtenloſe Preisliſte über Strumpf=
waren
.
(17275a
Mechanische Strampfstrickerei
Antonie Pfirsch, Beckerstrasse 26, I.

Wanderer-Fahrrad
wie neu, ſehr billig
(9414a
Grafenſtraße 26.

Gebrauchte, gut erhal. komplete
a zu ver=
Kücheneinrichtung kaufen
*6282fo) Erbacherſtr. 55, 1. St.

für den Herbst biete eine grosse Serie selbstgefertigter Jacken-
kleider
von Backfisch- bis zu den weitesten Frauengrössen, aus
neuesten prima deutschen und englischen Stoffen hergesteilt,
deren regufäre Kalkulationspreise Mark 58. bis 72. sind, zum durchschnitt-
lichen
Einheitspreise von Mark 48.. Diese Serie ist auf dem
Etikett jeder Piéce mit einem aufgedruckten X markiert und für
den so ausserordentlich vorteilhaften Kauf einstweilen bis zum
15. September cr. vorgesehen. Eleganz der Schnitte, sowie
prima Verarbeitung bieten einen vollständigen Ersatz für Mass-
anfertigung
. Eventuelie Abänderungen werden zu mässigem
Seibstkostenpreis berechnet.
(IV,17714,94

Frankfurt a-
gegenüber
der Hauptpost :

M., Zeil 109,

Haltestelle der Straßenbahn.

Wie wir vergeben unſern
Schuldigern
Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
29

12. Kapitel.
Sie flüchtete in den Schutz der Geſellſchaft auf der
Terraſſe. Aber ſie bewegte ſich von nun an wie unter
einem hypnotiſchen Zwange. Ein ſeltſamer Hang zum
Luſtigſein hatte ſie gepackt, vor dem ihr ſelber graute. Sie
lachte und ſcherzte mit der Baronin Schölterlin und ihrer
Tochter, ſie tauſche mit den jüngeren Herren, die ſie um=
drängten
, Rede und Gegenrede in einer geiſtreich=witzigen
Form, mit der ſie alle bezauberte und doch ferner von ſich
hielt als mit prüder Reſerve. Sie war ja geübt, läſtige
Verehrer abzuwehren. Sie wußte ſogar die Damen mit
ihrem Charme zu entzücken. Alle waren begeiſtert von
ihr, und als ſich der General zu ihr geſellte und mit der
Bemerkung, er müſſe ſie das Vorpoſtengefecht im Tee=
häuschen
vergeſſen machen, ſich ihr ausſchließlich in rit=
terlicher
Weiſe widmete, ſie ganz in Beſchlag nahm und
gewiſſermaßen von der Geſellſchaft iſolierte, ging ſie auf
ſeinen, auf den alten Onkel abgeſtimmten Neckton harmlos
ein und glänzte nach jeder Richtung durch ihre ſcheinbar
brillante Laune. Eine heitere Stimmung brachte erſt ihre
Schönheit zu voller ſieghafter Geltung, ließ ſie aufblühen.
Der General war einfach hingeriſſen von ihr und erklärte
in drolliger Verzweiflung, trotz ſeiner fünfundſechzig
Jahre noch einmal ſein Herz entdeckt zu haben.
Aber manchmal, mitten im Geſpräch, überfiel Anita
urplötzlich wieder die zehrende Angſt, daß ſie glaubte, an
den wilden Schlägen ihres Herzens erſticken zu müſſen,
und ein andermal wieder zuckte ſie empor, weil ſie meinte,

erten e emne e e enten
auftauchen zu ſehen, und ihre Augen hatten den Ausdruck
eines gehetzten Wildes. Eine unnütze Befürchtung, er
ließ ſich nicht blicken. Saß er noch einſam auf der Bank
im Gebüſch? Befand er ſich in einer der verſteckten Lau=
ben
, oder war er gegangen? Wollte er ihren Wunſch er=
füllen
, ſich nicht mehr um ſie zu kümmern? In jedem
Falle empfand Anita das erſte Mal ein Gefühl des Dan=
kes
gegen ihn für ſeine Zurückhaltung.
Einmal fuhr ſie erſchrocken zuſammen. Neben ihr war
der Name Drewensberg genannt worden. Haben Sie
nicht den Leutnant Drewensberg mit ſeiner Schweſter ge=
ſehen
? hatte ein Herr einen anderen gefragt. Unzweifel=
haft
, das war ein Irrtum ſie mußte falſch gehört haben.
Eberhardt von Drewensberg war niemals Soldat ge=
weſen
, und eine Schweſter beſaß er nicht. Aber Anita
wagte doch nicht, nach der Richtung zu blicken, aus der die
Stimme kam.
Es befremdete Anita, daß Brigitte und ihr Bruder
ſich jetzt fern von ihr hielten, obgleich Wolfgang von Steltz
ſie doch mit ſoviel Begeiſterung ſeines Schutzes verſichert
hatte. Waren ſie mißgeſtimmt, weil ſie aus dem Teehaus
geflohen war? Aber ſie mußten doch wiſſen, daß das nicht
ihnen gegolten hatte. Vielleicht hatte ſich Wolfgang, wie
es recht war, den Jungen zugeſellt. Aber dann ſah ihn
Anita in einem Seitengang in eifrigſtem Disput mit ſeiner
Tante Zeſina promenieren. Das war nun freilich kein Er=
ſatz
für die Jungen.
Es war dunkel geworden. Die elektriſchen Glüh=
birnengirlanden
am Hauſe, dem Tanzzelt und den Lauben
flammten auf und wirkten wie leuchtend weiße, mit bunten
Blüten durchflochtene Kränze. Auf den Tiſchen ſtanden
Windlichter. Da, wo die Terraſſe in den Park überging,
lohten Pechfackeln und bis tief hinein ins Gebüſch zogen

ee ene e en.
geheimnisvolles Licht glühte aus einer Laube oder Grotte.
Die Geſandten mit ihren Damen waren erſchienen
und die deklamatoriſchen und muſikaliſchen Soloaufführ=
ungen
ſollten im Gartenſaale beginnen. Ein allgemeiner
Aufbruch dahin erfolgte.
Der General bot Anita den Arm. Ich laſſe es mir
nicht nehmen, ich führe Sie zum Podium.
Anita erſchrak. Sie hatte nicht mehr dacan gedacht,
daß ſie ſingen ſollte, und der Gedanke bereitete ihr jetzt
ein beinahe phyſiſches Unbehagen. Ihre künſtlich aufge=
ſchraubte
Heiterkeit war mit einem Schlage verſchwunden.
Sie fühlte nur noch die große Angſt und das geheime
Weh, die ſie vergebens hatte betäuben wollen. Das war
nicht die geeignete Stimmung, vor einer ſo großen, ver=
wöhnten
und kunſtverſtändigen Verſarumlung in Geſangs=
vorträgen
zu glänzen.
Nun, meine Enädige, doch wohl ein wenig Lampen=
fieber
? ſcherzte der General, der die jähe Veränderung
ihres Geſichtsausdrucks wahrgenommen hatte.
Nein o nein, beſtritt ſie raſch, ich fühle mich nur
nicht beſonders aufgelegt zum Singen . .. wünſchte, die
Hausfrau dispenſierte mich.
Das wird wohl kaum noch möglich ſein und wir
würden auch alle energiſch dagegen Einſpruch erheben.
Aus Höflichkeit! Wer kennt denn hier mich und
meinen Geſang! Aber meine Abſage könnte der Frau Grä=
fin
Ungelegenheiten bereiten ſelbſtverſtändlich ſinge ich.
Meine Nummer iſt zum Glück erſt die dritte. Ich werde
im Zimmer neben dem Podium warten, bis ich an der
Reihe bin. Adieu, Exzellenz, ich will mich ſogleich, nach=
dem
ich geſungen habe, zurückziehen.

[ ][  ][ ]

Seite 1v.

Metallbetten
Mk. 7.50, 11.50,
14.50, 16.50, 21.
25, 29, 33, 36, 39,
42 bis 55.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Anguſt 1913.

Nummer 198.

Diese elegante
schwere Bettstelle
mit Patent-Matratzen
Mk. 23.

Holzbetten
Mk. 15.50, 19.50, 23,
25, 29,
poliert Mk. 45, 48, 56.

Betten-
Markt 11
Darmstadt
Mainz Frankfurt a. M.

Spezial-Häuser Buehdaf

Markt 11
Karlsruhe

Durch den gemeinschaftlichen riesigen Einkauf der Spezial-Betten-
Geschäfte bin ich in der Lage, die besten Fabrikate zu enorm
niedrigen Preisen in den Verkauf zu bringen.
Seegras-Matratzen
Mk. 9.75, 11, 14, 17.50, 21
Woll-Matratzen, 4teil.
Mk. 22.50, 24, 27, 30
Kapok-Matratzen, Ateil. . Mk. 48, 52, 55, 58
Roßhaar-Matratzen, 4teil. Mk. 70, 95, 115, 125

Deckbetten und Kissen
in jeder Preislage.
Bettfedern und Daunen
in 14 verschiedenen Sorten
und doppelt gereinigt.

Eigene Polsterei.

Patent-Matratzen f. Holzbetten
Mk. 13.50, 16, 17.50,
21.50, 26.

.
Seiten Hanstiges fngebor.
Maß-Atelier engl. Damenschneiderei
41 Pankratiusstrasse 41
August Knieriemen,
bisher bei Firma Berger, Ernst-Ludwigstraße Martins-Drogerie
liefert nach Mass unter Garantie für tadellosen Sitz
und feinste Ausführung
schwarz
engl. Art blau
echt engl.
Kostüme.
38-65 20120 ℳ₰ 46150 85170

Mäntel:
17578a)

blau u. schwarz farbig, reine Wolle
25-45 30-40

echt engl
42-80

Das Beste
Daderwäsche
in

kalt abwaschbar, hochelegant
Krawatten Hosentrüger Mechanikknöpfe
Spezial-Geschäft
(15142a
ſe
Mebendle Kirchstr. 17,
Miath. Becher, Darmistuet neb. 4.Stasktirche


In den Schullanzen
kalte Haemacolade!
II, 13860)
Beim Wassertrinken gibts sonst leicht Durchfall!
1 Pfd. 2., ½ Pfd. ℳi.lo (wertvolle Gutscheine i. d. Dosen).
Generalvertr.: Wilh. Lulay II., Heppenheim a. d. Bergstr.
Fabrikant: Berliner Hygiene Ges. m. b. H., Frankfurt a. M.

Es wiet
nichts
Besseres
uls eine
Cigarre

von


Nächste Ziehungen

Straßburger Geldloſe, à 50 Pfg., Ziehung 6. September,
Alsfelder Geldloſe, à 1 Mk., Ziehung 11. September,
Weinsberger Geldloſe, à 1 Mk., Ziehung 25. September,
Mainzer Pferdeloſe, à 1 Mk., Ziehung 27. September
(*6574
empfiehlt und verſendet
Lotterie-Agentur Fr. Marguth, Darmstadt
Marktstrasse 3 und Ecke Schillerplatz und Grosse Ochsengasse.

26 mittl. Elisabethenstr. 26
Eneben Jos. Trier.

2

öbel werd. pol. u. umgebeizt
*6087mii)
Neugaſſe 1.

Brennholz
ff. geſpalten, per Zentner Mk. 1.40, frei Keller
empfiehlt
(16787a
J. Awerbuch

Wendelstadtstr. 47
Telephon 1422
NB. Bei Fuhren von 10 Zentner bedeutend billiger.

amen, die sich im Korsett unbequem fühlen, sich aber elegant,
modegerecht und doch absolut gesund kleiden wollen, tragen
D. R. P. Patente
aller
Kalastris uterstaten.
902a
Sofortiges Wohlbefinden. Grösste Leichtigkeit u. Be-
quemlichkeit
. Kein Hochrutschen. Vorzügl. Halt im Rücken.
Natürl. Geradehalter. Völlig freie Atmung und Bewegung.
Elegante schlanke Figur. Für jeden Sport geeignet. Für
leidende und korpulente Damen Spezial-Facons.
IIlustrierte Broschüre und Auskunft kostenlos durch:
210
40
häff Inh.: Frau E. Spreng,
Kalasir is-Spezlal-Geschafe Schulstrasse 12. 1. Stock.

e e ee e e
in nur bester Quali=
Sſſieſt
tät. Für Haltbarkeit
der Borsten wird
weitgehendste Ga

rantie geleistet.

Niederlage der J. H. C.-Zahnbürste, offiziell empfohlen durch
die Internationale Hygiene-Commission, den Vereinsbund
Deutscher Zahnärzte und den wirtschaftlichen Verband
Deutscher Zahnärzte.
Preis: Stück 35, 40, 60 Pfennig.

Lign
Parfümerie Gg. u n Ze Frank
Telephon 886.
(9431a)
Elisabethenstrasse 9.

ſp. hI 35 Pfg.,
Brenntaunäpfel b. 10h180 Pfg.
frei ins Haus geliefert. (1670a
Conrad Appel,
Bismarckſtr. 61. Telephon 91.

Gehrock=, Frack=, Smoking= An=
züge
, Zylinder zu verleihen
Rheinſtraße 5, 2. Stock. (10399a

Megzngshalben zu verkaufen:
gut erhaltene
Badeeinrichtung, Vaillant= Gas=
badeofen
, weiß=emaillierte Wanne,
1 Gasherd,
1 Gasheizofen,
Petroleumofen,
2 Verandavorhänge,
2 Blumenampeln
Heinrichſtraße 92, II.
*6521so)

Aber Gnädigſte werden doch das Souper nicht ſchwän=
zen
wollen! Die Gräfin führt eine anerkannt vorzügliche
Küche.
Es klang erſtaunt vorwurfsvoll, die Exzellenz war ein
großer Gourmet.
Anita mußte unwillkürlich lächeln. Oh, Exzellenz, da=
heim
wartet eine Delikateſſe auf mich, die ich nicht gegen
Auſtern und Hummern austauſche.
Da bin ich begierig, forſchte der General und ſeine
Augen glänzten vor Erwartung. Löſen Sie mir das Rät=
ſel
, damit ich nicht eine ſchlafloſe Nacht habe.
Ich werde zwar unfehlbar tief in Ihrer Achtung
ſinken, aber immerhin . . . ich habe nun einmal gewiſſe
plebejiſche Neigungen. Die Löſung lautet: Saure Milch!
eine beſcheidene Satte ſaure Milch.
Oh, machte der General, nicht übel, erfriſchend bei der
Hitze, eine leicht bekömmliche Koſt fördert den Stoff=
wechſel
wird, wenn ich nicht irre, verordnet gegen
Fettleibigkeit und Blutarmut ſoll auch gut gegen den
Schlagfluß ſein! Ich habe ſchon längſt die Abſicht, eine
Kur mit ſaurer Milch zu machen, aber ſyſtematiſch, alle
drei Stunden einen Eßlöffel voll denn nehmen Sie
es mir nicht übel freiwillig, als Genußmittel . . . puh!
Tun Sie es nur, Exzellenz, ſaure Milch iſt gut gegen
alle Gebreſten des Leibes und der Seele, ſagte ſie lachend,
ohne zu wiſſen, was ſie da ſchwatzte. Noch einmal, adieu,
Exzellenz, und ich danke Ihnen. Sie haben ſich ſo treu
meiner angenommen, meine Freundin ſcheint mich ganz
vergeſſen zu haben.
Gnädigſte, wenn einer zu danken hat, ſo bin ich es für
das Glück Ihrer Gegenwart wenn es auch nur ein=
ſeitig
und zudem kein ungetrübtes war! Nun ja, gnädige
Frau, beantwortete er ihren fragenden Blick und lachte
verſchmitzt: ich durfte mich doch nur als Vertreter eines

anderen fühlen, der mit ſchwerem Herzen auf Ihre Gegen=
wart
verzichten muß.
Er meint Wolfgang von Steltz, dachte Anita, aber ſie
erwiderte nichts.
Der General küßte ihr galant die Hand. Auf bal=
diges
fröhliches Wiederſehen, ſagte er mit Nachdruck, und
ſie ſchritt mit einem Gefühl der Erleichterung durch den
Gartenſaal, froh, bei dem allgemeinen Hin und Her des
Plätzeſuchens unbemerkt zum Podium gelangen zu können.
Vor der Bühne ſtanden die Seſſel für die vornehmſten
Gäſte. Ein Prinz aus dem königlichen Hauſe war erſchie=
nen
und mehrere andere Fürſtlichkeiten. Bis hierher drang
das Feſtgewühl nicht. Die Herrſchaften hatten bereits ihre
Sitze eingenommen. Nur einige Herren ſtanden noch
plaudernd auf dem freien Platz vor dem Podium: ein
Herr in vorgeſchrittenen Jahren, das war der Prinz, ein
Geſandter und . . . Eberhardt von Drewensberg.
Anita mußte dicht an der Gruppe vorüber, um zur Tür
nach dem Bühnenraum zu gelangen. Sie zauderte eine
Sekunde, ſchien zurückweichen zu wollen. Da traf ſie ihres
Schwagers Auge mit einem vollen, ernſten Blick. Ein be=
ſonderer
Ausdruck lag nicht in ſeinem Auge, aber es wich
nicht von ihr, hielt ſie ruhig feſt in ſeinem Bann. Jetzt
wäre ſie um die Welt nicht geflohen. Sie hob den Kopf
und ſchritt, äußerlich vollkommen beherrſcht, mit ihrer
ſtolzen Haltung, deren Würde doch ſoviel unbewußte Be=
ſcheidenheit
hatte, an den Herrſchaften vorüber, ſich vor
den Fürſtlichkeiten tief verneigend.
Als ſie die Tür zum Bühnenraum öffnete, hörte ſie
eben noch den Prinzen aus ſeinem Erſtaunen heraus ſagen:
Alle Wetter, welch ungewöhnliche Erſcheinung! Welche
Haltung! und dieſer Charme . Wer iſt ſie?
Sie zog die Tür hinter ſich ins Schloß und ſtand einen
Augenblick, Atem ſchöpfend, ſtill. Ihr Herz hämmerte wie=

der in wilden Schlägen. Was würde der Drewensberg
antworten? Würde er ſich zu ihr bekennen?
Pah, was ging das ſie an! Was gingen ſie überhaupt
alle die Leute hier an! Sie wollte ja nichts, als daß ihr
Geſang ſie veranlaſſen ſollte, Stunden bei ihr zu nehmen
und ein möglichſt hohes Honorar zu zahlen. Aber das
ſagte ihr Kopf, das jagende Blut kam dadurch nicht zur
Ruhe. Herrgott, ſie würde daran zugrunde gehen
müſſen, wenn ſie dem Drewensberg öfter begegnete. Noch
keinen Menſchen hatte es gegeben, deſſen bloßer Anblick
ſie in ſolch fiebernde Aufregung verſetzt hätte wie der ſeine.
Das Bewußtſein ſeiner Gegenwart genügte, ſie zu ver=
wirren
.
Und in dieſer gärenden Stimmung ſollte ſie Spinn.
ſpinn und das Heideröslein und andere ſchlicht=innige
und ſinnige Lieder anſpruchslos ſingen? Das würde
ein ſchauderhaftes Fiasko werden.
Blamieren Sie ſich um Gotteswillen nicht! hatte
Harto geſagt, und ſie wußte, es galt hier nicht allein ihrer
Zukunft als Sängerin, ſondern auch ihrer Stellung in der
Familie Drewensberg. Wenn ihre Kunſt verſagte, wenn
ſie ſich als Trägerin des Namens Drewensberg vor der
vornehmſten Geſellſchaft der Reſidenz und in Gegenwart
eines Drewensberg lächerlich machte . .. das könnte von
ungbſehbaren Folgen für ſie ſein. Sie mußte gut, nein,
hervorragend ſingen. Und ſie fühlte, daß ihe in ihrer
Stimmung nur Lieder mit dramatiſchem Inhalt und Vor=
trag
gelingen würden. Sie wühlte mit zitternden Hän=
den
in einem Notenſtoß und griff das Schubertalbum
heraus. Ohne lange zu prüfen, wählte ſie ein paar Lieder
aus und verſtändigte ſich mit ihrem Partner, einem jungen
Offizier, der die Begleitung übernommen hatte.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1918.

Seite 11.

Der Friedenspalaſt.

WB. Der Scheveninger Weg, in Holland wie im Aus=
lande
gleich berühmt, wird eine noch größere Bedeutung
erlangen, wenn der Friedenspalaſt, der am näch=
ſten
28. Auguſt eingeweiht werden wird, ſeine Be=
ſtimmung
als Weltgerichtshof erfüllen wird. Die erſte
Friedenskonferenz, die 1899 zu Haag, unter den Auſpizien
des Kaiſers von Rußland, Nikolaus II., im Haus zum
Walde (Huis ten Boſch) tagte rief den ſtändigen Schieds=
gerichtshof
ins Leben, und dieſe Schöpfung flößte dem be=
kannten
amerikaniſchen Milliardär Andrew Carnegie im
Jahre 1902 den Gedanken ein, eine Bibliothek zum Ge=
brauch
dieſes Hofes zu ſtiften. Später faßte Carnegie je=
doch
den Entſchluß, ſeinem urſprünglichen Vorſchlage eine
erhebliche Ausdehnung zu geben, indem er der niederlän=
diſchen
Regierung eine Summe von 3¾ Millionen Gulden
(über 6 Millionen Mark) zur Verfügung ſtellte zum Bau
eines Juſtizpalaſtes. Die Carnegie=Stiftung wurde
unter die Verwaltung eines Rates von Mitgliedern ge=
ſtellt
, von denen 4 von der Königin der Niederlande und
der fünfte vom Verwaltungsrat des ſtändigen Schieds=
gerichtshofes
ernannt werden. Jetziger Vorſitzender des
Verwaltungsrates iſt Dr. jur. Jonkheer A. P. C. van
Karneek, früherer Miniſter des Aeußern und Mitglied
der Zweiten Kammer.
Am 30. Juli 1907, als die zweite Friedens=
konferenz
im Haag tagte, wurde der Grundſtein des
Friedenspalaſtes gelegt. Der Vorſitzende, Herr von Neli=

doff, der damalige ruſſiſche Botſchafter in Paris, vollzog
dieſen ſymboliſchen Akt. Der Grundſtein, aus bayeriſchem
Granit, trägt die Inſchrift: Paci justitia firmandae
hanc aedem Andreae Carnegii munificentia dedicavit‟.
Im Mai 1908 wurde mit dem Bau der Fundamente,
die ſich auf eine Oberfläche von über ½ Hektar erſtrecken,
ein Anfang gemacht. Gerade ein Jahr ſpäter war die
Konſtruktion der Fundamente vollendet. Der Bau des
ganzen rieſigen Gebäudes hat ſich ſo gut wie ohne Un=
glücksfälle
vollzogen.
Was die innere Einrichtung anbelangt, ſo
haben faſt alle Regierungen der Signatarmächte des
Haager Vertrags von 1899, der den ſtändigen Schieds=
gerichtshof
ins Leben rief, prachtvolle Spenden geſtiftet,
um den Palaſt auszuſchmücken und auszuſtatten. Ein
prachtvolles Portal aus ſchön bearbeitetem Schmiedeeiſen,
flankiert von 2 Pylonen, gibt Zutritt zu dem das Ge=
bäude
ganz umringenden Garten. Zunächſt feſſelt dann
den Blick die große Faſſade mit ihrem mächtigen Turm
zur Linken. Die äußeren Treppen hinaufſteigend, ſteht
man dann vor einem prachtvollen Portal aus ziſeliertem
Eiſen, mit Bronzeornamenten geſchmückt, ein Geſchenk
Belgiens, das den Haupteingang bildet. Den unteren Teil
des oberen Stockwerks ſchmücken prächtige Statuen, von
hervorragenden holländiſchen Künſtlern modelliert, die eine
Darſtellung des Geſetzes, des Friedens uſw. geben. Die
Farben der Faſſade verſchmelzen ſich zu einer Symphonie
in rot und weiß, weil dazu ausſchließlich Ziegel= und
Sandſteine zur Verwendung gekommen ſind. Das Ganze
wird gekrönt von dem dunklen Blaugrau der ſchiefernen
Dachbedeckung. Wenn man die Halle mit ihrer mächtigen
Doppelfreitreppe betritt bekommt man den Eindruck, ſich
in einer Kathedrale zu befinden. In der Tat iſt denn auch
die Decke der Halle ein Kuppelbau und die großen Korri=
dore
, welche von den Sälen zum Portal der Treppenhalle
führen, ſind Gewölbegänge. Die obere Mitte der Kuppel
iſt in blau, braun und gold gemalt und verziert mit den
Moſaikbildniſſen der Dike, Themis, Irene und Eunomia.
Das einfallende Licht wird von hohen bemalten Glas=
fenſtern
gedämpft, die ein Geſchenk Hollands ſind. Das
mittlere Fenſter ſtellt das Bild der Sonne dar und ihre
goldgelben Strahlen verlängern ſich bis auf die anderen
Fenſter, ſie geben die völlige Illuſion wirklicher Sonnen=
ſtrahlen
.
Das Ganze iſt von zauberhafter Wirkung. Die Halle
wird getragen von marmornen Säulen und Pilaſtern, mit
prachtvollen Sockeln und Kapitälen, von Italien geſtiftet.
Auf der Haupttreppe bemerkt man eine Bildgruppe, ge=
ſchenkt
von den Vereinigten Staaten Nordamerikas. Der
erſte nächſtfolgende große Saal iſt dann die große Gerichts=
halle
, mit Wänden, teilweiſe bemalt, teilweiſe in Stukko
ausgeführt und geſchmückt mit Wandmalereien, ſowie mit
einer überaus prachtvollen Gobelin=Wandtapete. Der an=
ſtoßende
Saal der als Ratſaal verwendet werden wird,
iſt wie übrigens auch die meiſten anderen Zeremonien=
Säle im Friedenspalaſt mit Velours dUtrecht tapeziert,
die Decke iſt aus Goldleder. Dann folgen ein Sprechzim=
mer
in weißem Velours d’Utrecht, Empfangsſäle, das
Bureau des Verwaltungsrates der Carnegie=Stiftung,
und ein Saal für Vorleſungen über Internationales Recht.
Im gegenüberliegenden Flügel des Gebäudes befindet ſich
noch eine Gerichtshalle, kleine Juſtizhalle genannt, mit
anſtoßendem Saal für Empfänge, mit reichgeſchmückter
Decke und einem Beratungsſaal mit Wandmalereien von
dem berühmten niederländiſchen Altmeiſter Ferdinand

Bol; die Decke iſt mit goldenen Eichenkränzen geſchmückt.
Die kleine Juſtizhalle, worin die gewöhnlichen Sitzungen
des Schiedsgerichtshofes abgehalten werden ſollen, hat
eine Galerie für das Publikum. Beim Eintritt in dieſe
Halle fällt ſofort eine große, prachtvolle Vaſe aus Mala=
chit
auf, ein Geſchenk Rußlands. Eine Marmortreppe
führt zur öffentlichen Galerie. Bemerkenswert ſind die
Fenſter der Vorzimmer, die mit ganz modernen Malereien
bemalt ſind. In die Galerie der von Italien geſtifteten
Marmorſäulen zurückgekehrt, ſteigt man jetzt die Treppen
zum oberen Stockweck hinauf. Hier befindet ſich zunächſt
der Saal für den Verwaltungsrat des Schiedsgerichts=
hofes
, tapeziert mit japaniſcher Seide, ein Geſchenk des
Inſelreiches des fernen Oſtens. Sodann folgen die Ge=
mächer
des Vorſitzenden, des Verwaltungsrates, ferner
die Bibliothekkammer, das Zimmer des Sekretärs ein
Sprechzimmer und dann der ſogenannte Bol=Saal, ge=
ſchmückt
mit prachtvollen Gemälden des holländiſchen Alt=
meiſters
Ferdinand Bol, an der Decke leuchten Malereien
eines ebenfalls berühmten alten holländiſchen Meiſters,
Gerard de Laireſſe, die Eigentum der Carnegie=Stiftung
ſind. Ferner gibt es dort noch ein Zimmer für höhere und
niedere Beamte, Maſchinenſchreiber, die Preſſe, uſw.
Die feierliche Einweihung wird den Stem=
pel
der größten Einfachheit tragen; nur eine aus=
erleſene
verhältnismäßig kleine Geſellſchaft von zirka 300
Gäſten wird ihr beiwohnen, unter ihnen die Königin und
Prinz Heinrich der Niederlande. In einer feierlichen
Sitzung, welche in der großen Juſtizhalle abgehalten wer=
den
wird, ſoll der Präſes der Carnegie=Stiftung den Pa=
laſt
an den Verwaltungsrat des Gerichtshofes übertragen.
Man hat gute Gründe, anzunehmen, daß auch Herr Car=
negie
ſelbſt der Feierlichkeit beiwohnen wird.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Pferde=Rennen. Der Graditzer Cyklon
Sieger im Fürſtenberg=Memorial. Preis
von der Donau; 4000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Hrn.
C. Fröhlichs Kisbetyar (Davies),2 Traum (Schläfke),
8. France (Garner). Tot. 56110. Pl. 19, 15:10. Unpl.:
Sideslip (4), Ordnung, Yazna. Sehr leicht 21 Lg.
Preis von Karlsruhe; 13400 Mark Diſtanz 1600 Meter:
Hrn. R. Haniels Aſchanti (Archibald), 2. Hebron
(Burns), 3. Blumenſegen (H. Teichmann). Tot. 17110.
Pl. 13, 21, 23110. Unpl.: Lockruf (4), Magellan, Pirol,
Kalchas Ueberlegen 2½½3 Lg.
Fürſtenberg=
Memorial; Ehrenpreis und 50000 Mark, Diſtanz 2000
Meter: 1. Kgl. Hauptgeſtüt Graditz’ Cyklon (F. Bullock),
2. Mosci Kſiaze (Gulyas), 3. Turlupin (Garner). Tot.
33:10. Drei liefen. Sehr ſicher ¾½ Lg. Hamilton=
Stakes: 13400 Mark, Diſtanz 1000 Meter: Hrn. R. Ha=
niels
Talmi (Archibald), 2. Melba (F. Bullock), 3. Bracing
Air (Schläfke). Tot. 14:10. Pl. 11, 12:10. Unpl.: Santa
Patricia. Scharfer Kampf Kopf-Kopf3 Lg. Merkur=
Rennen; 13 400 Mark Diſtanz 2000 Meter: 1. Hrn. R.
Haniels Alvarez (Archibald), 1. Hrn. A. und C. v.
Weinbergs Nikias (F. Bullock), 3. Don Ceſar (OConnor).
Tot. 17110. (Alvarez) 10110 (Nikias). Pl. 15, 13110.
Unpl.: Reſeda (4) Sunſtar. Totes Rennen-¾/
1 Lg.
Wellgunde=Steeple=Chaſe; 6000 Mark, Diſtanz 4500 Meter:
1. Lt. Weinſchenks I hope ſo (Gädicke), 2. Balagan
(O'Connor); 3. Orge II (J. B. Laſſus). Tot. 44:10. Pl.
15, 22. 28:10. Unpl.: Masliniſſa (4), Brodekin, Jour=
naliſte
, Onwentſia (gef.) Ueberlegen 563 Lg.

im TAUNEs

Linie
WiESBADEN-
DiEz.

dtel Metropole I. Rang
Familien-Hotel mit 200 Zim., Appartements
u. Einzelzimmer mit Privatbad u. Toilette.
Modernst. Comfort. Pensions-Arrangements
bei mässigen Preisen. Beste Lage.

Hotel Quellenhof
Familien-Hotel
mit grossem Park.

Hotel Viktoria
Familien-Hotel
mit allem Comfort.

Das tahrelde Fradenbad Deuischunus

Weltbekannt bei Blutarmut u. Frauenkrankheiten. Unbestrittene
Erfolge bei Herzerkrankungen. Modernes Kurhaus mit neuen Anlagen.
Prospekte durch Verwaltung des Kgl. Bades Langenschwalbach.

Hotel Alleesaal
Vornehmst., ruhig. Familien-Hotel allererst.
Ranges. Direkt am Kgl. Badehaus, vis-ä-vis
dem Kurhaus, inmitt. von Anlagen u. Gärten.
Einzelzimmer u. abgeschloss. Wohnungen
mit Bad u. Toilette. Aller Komfort d. Neuzeit.

Pension Quisisana
(Wiesbaden Astoria-Hotel). Zimmer u. Pension
7. bis 10.. Vornehmste Lage bei
Bädern und Kurhaus.

Sanatorium Langenschwalbach
Vornehmes Sanatorium für die gesamte
Indikation. Individuelle Diätetik. Röntgen-
behandl
. Radiumkur. Tel. 5. LeitenderArzt:
Dr. Strakosch. Das ganze Jahr geöffnet.

Tnhi äaß Altrenom-
Fension Kraiicn Familien-
pension
, in nächster Nähe des Kgl. Kur-
hauses
und der Brunnen. (I,8475

mierte

iegos
Versund der Inerdlwasser

zu Vorbereitungs- und Hauskuren, in Kisten zu 15, 25 und 50 Flaschen.

KTRI
Erhältlich zu volkstümlichen Preisen in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwusserhandlungen.

[ ][  ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 25. Auguſt 1913.

Nummer 198,

Weiblich

Fräulein
19 Jahre alt, perfekt in Gabels=
berger
Stenographie, Maſchinen=
ſchreiben
, kl. Buchführung und
ſonſtigen Büroarbeiten, ſucht, ge=
ſtützt
auf la Zeugniſſe, per 1. Sep=
tember
oder ev. ſpäter Stellung.
Offerten unter K 99 an die
Expedition.
(*6474soi

Fräulein
ſucht für abends Schreibarbeit. Off.
unt. L 1 an die Exp.
(*6472so

ſucht Anfangsſtellung. Offerten
unter W. E. 32 Darmſtadt
poſtlagernd.
*6551om

Win
ſucht
yanbaitar
Tuchtige Putzar veltefin Stellung.
Offerten unter K 85 an die Ex=
pedition
dieſes Blattes. (*6386so


möchte ſich in allen
Fraulein Zweigen des Wirt=
ſchaftsbetrieb
. ausb. oh. gegenſ. Verg.
Off. u. K 5 an die Exp. (*6190dso

Jg. ordl. Mädch.ſ.v. 3 Uhrnachm. ab
Beschäftig. Gr. Kaplaneigasse 13, M. (*6552

Junge Dame ſucht Stellung als
Erzieherin,
Geſellſchafterin oder Hausdame
in feinem Hauſe. Beſte Zeugniſſe
und Referenzen zu Verfügung.
Off. u. L 28 an die Exp. (*6562

Nette landm. ſ. in Darmſtadt Stellen.
Fr. Berta Heßling, gewerbsmäßige Stellen-
vermittlerin
, Ludwigſtr. 8. (*6561oim

Frau, perf. im Flicken u. Weiß=
nähen
, hat Tage frei
(*6583
Karlſtraße 26, 1. St.

Männlich

21 J. alt, Einj.-
Kaufmann, Berechtig., mili-
tärfrei
, mit guten französischen
u. englischen Sprachkenntnissen,
firm in allen Kontorarbeiten,
Stenographie und Maschinen-
schreiben
, sucht Stellg. per 1. Okt.
als Expedient oder Kontorist.
Offerten unter J 46 an die Ex-
pedition
dieses Blattes. (17387msc

Schvainee ſucht paſſ.
Selbſt. Oyleiner Beſchäft.,n
auch Aushilfe an. Näheres Ober=
gaſſe
44, II., Walter. (17576fso

Weiblich

die an flottes und gewiſſenhaftes
Arbeiten gewöhnt iſt und gute
Zeugniſſe aus Stellungen beſitzt,
auf 1. Oktober geſucht. Helvetia,
Konſervenfabrik Groß=Gerau. (17715

Ein ſauberes, ſolides Mädchen
geſucht. Näheres Ludwigshöh=
ſtraße
23.
(*6287fso

Tücht. Lauffr. od. Mädch., welch.
durchaus zuverl. iſt, vorm. 3, nachm.
2 St. geſ. Taunusſtr. 1, I. (*6476soi

Suche Köchinnen, gew. Haus=
mädchen
, Alleinmädch., welche koch.
können, für 1. Sept. u. Okt. Frau
Minna Dingeldein, gewerbs=
mäßige
Stellenvermittlerin, Eliſa=
bethenſtr
. 5. Teleph. 531. (*6585

Saubere Lauffrau geſ. Grafen=
ſtraße
13, 2. Stock.
(*6559

Weibliche Modelle geſucht. Off.
unter L. 22 an die Expedition
dieſes Blattes.
(*6542oi

Täglich Konzert
Salon-Damen-Orchester Seewaldés

Steis freier Eintritt.

17525a

Stets freier Eintritt.

Zum Einkaſſieren

von Teilzahlungen und Beſuch von
Privatkundſchaft wird kautions=
ähiger
, zuverläſſiger und ge=
wandter
Mann in den mittleren
Jahren möglichſt ſofort zu enga=
gieren
geſucht. Offerten u. K 31
befördert die Expedition. (17534a

rar Eapeaiien
(In= und Ausland) und Betriebs=
bureau
=Arbeiten tüchtige Kraft
(möglichſt ſofort) geſucht. Offerten
unter Chiffre L. 29 an die Exp.
dieſes Blattes.
17708od

Reisende s
Agenten, Vermittler, auch Pri=
vatperſ
. zum Verkauf von Kaffee,
Kakao an Private geſucht. Höchſte
Proviſion, evtl. ſpäter Fieum.
Gardels & Schuster, Hamburg,
7018a) Blücherſtraße 36.

6524so) Gefucht
Dg
Huverläſſiger Detektiv.
Off. u. B. S. hauptpoſtlagernd.

tägl. z. verdienen. Proſp.
210 Mk. frei. Adressen-Verlag
Joh. H. Schultz, Göln 146. (I,16002

Jungen Burschen
ür leichte Kellerarb. ſucht. (*6578
Weinhandl. Hammer, Bismarckſtr. 76.


foeglase
Riedsselstr. 35
Parterre=Wohnung, 6 Zimmer u.
2 Entreſol, im Preiſe von Mk.
900. per ſofort zu vermieten.
Dieſelbe eignet ſich auch für Bureau=
zwecke
. Zu erfr. im 1. St. (16953oms

Heidelbergerſtraße 85, ſchöne
5=Zimmer=Wohn., Balkon, 2 Keller,
und all. Zubeh. Näh. daſelbſt und
gegenüber bei Wirt Bill. (17725ms

Eliſabethenſtr. 23, Manſ.=W.,
4 Z. u. Nebenr. a. ruh. Leute. (15992t

Mühlſtraße 1, 2. Stock,
ſchöne 4 Zimmerwohnung m.
Gas, Bad (einger.), Veranda,
2 Bodenräume uſw. p. 1. Okt.
Zu erfragen daſelbſt. (16520t

Kaufmänn. Stellen=
Vermittlung für
Prinzipale koſtenfrei!
Deutſchnationaler
Handlungsgehilfen=
Verband
Stellenvermittlung für
Süddentſchland
Frankfurt a. M. 7, Rein=
eckſtraße
. (1131om
kauf=
Größter männ, Verein

ont d. über e. gr. Stab
Geherdläpone, Vertreter verfügt,
opojghe übertrag, wir ſof.
Viehverotohg. unſ. neue Sache.
Organiſationsf. Herren verd. in
3/4 Mon. 10/12000 Mk. Nur Be=
werber
mit mind. 100 Unterreiſ.
find. Berückſ. Esſind nur Landleute
zu beſuchen. Off. Generalagent
an Pr. L. Halle/S. II 117. (I,17718

Mädch., welch. bürgerl. koch können,
erh. recht gute Stellen zu zwei ält.
Leuten, zu Herrſchaft mit einem
Kind, ſowie in gute Geſchäftshäuſer.
Fr. Berta Neßling, gewerbsmäßige Stellen-
vermittlerin
, Ludwigſtr. 8. (*6560oim
Geſucht zu älterer Dame ſolides
Mädchen, das ſchon gedient hat
u. etwas näh. kann. Vorzuſt. zwiſch.
9 u. 3 Uhr. Eliſabethenſtr. 66, pt. (*6556

findet Jeder=
mann
als Filialleiter
einer Verſandſtelle. Verdienſt bis

an für Haushalt
Dasoarge
Besser us Mädchtn u. Kinder geſ.
Familienanſchluß. Selbſt. Stellung.
Näheres Soderſtraße 53. (*6549oim

Fleiss. ordentl. Lauffrau
für morg. 79 Uhr tägl. geſucht.
Vorzuſt. Hügelſtr. 69, part. (*6575

Ausgebildetes Hausmädchen
geſucht Alexandraweg 27. (*6569

Ein Dienſtmädchen
mit guten Zengniſſen geſucht
Wittmannſtr. 5. (*6568om

Suche große Anz. Mädch. jeder
Art f. hier u. außh. Johannette Weiss-
mantel
, gewerbsmäßige Stellenver=
mittlerin
, Karlſtr. 30. Tel. 1909. (*

Ordentliches, fleißiges Mäd=
chen
zum 1. Oktober in ruhigen
Haushalt geſucht. Villa Dürkopf,
Darmſtadt, Erlenberg 13. (*6582oim

(17709
pro Jahr ev. mehr.
Göcoil Streng reelle
Sache. Kenntniſſe, Kapital u.
Laden nicht erforderl. Auch
als Nebenberuf zu betreiben.
Proſpekte gratis u. franko!
Off. u. D 141 Allgem. Anzeig.=
Büro, Leipzig, Markt 6.

Mechaniker

zum ſofortigen Eintritt geſucht.
Hans Schmidt,
Elektromechaniſche Werkſtätte,
Eliſabethenſtraße 35.
(*6558

Lehrling
für Architekturbüro per 1. Sep=
tember
geſucht. Offerten unt.
K 78 an die Expedition
(*6401so
dieſes Blattes.

Wollen Sie bis 12000 Mk. verdienen? 9
Epochemachender Spezial-Bauartikel.
Für unſere ſich glänzend bewährten, mehrfach geſchützten
Raahlheg=Decken= u. Wanddielen (völliger Fortfall aller Holz=
ſchalung
und des geſamten Mörtelputzes) haben wir auch für hier
das Alleinfabrikations= und Alleinvertriebsrecht zu vergeben.
Beste Gelegenheit z. Seihständigmachung u. Mebenbetrieh.
Massenbauartikel allergrössten Stils.
Branchekenntniſſe nicht erforderlich. Einrichtung wird geliefert.
Ueber 120 Bezirke bereits vergeben. (17721os
Goldene Medaille mit Ehrenpreis, Ausſtellung Reichenbach i. V. 1913.
la Ref. Erforderl. einige 1000 Mk. Proſpekt u. Vertreterbeſuch koſtenl.
Sächsische Dielen-Industrie, Oschatz i. S.

2. St., 4 Z.=Wohn.
Kiesstr. 3, mit Gas per 1. Okt.
evtl. früher zu vermieten. (17218a

Heidelbergerstr. 25 (Seitenb.)
evtl. kann
46 Zim.=Wohng. Werkſtatt
dazu eingerichtet werden. (*6491so

Heidelbergerſtraße 25 Vier=
zimmerwohnung
, part., event. mit
Stallung, zu vermieten. (*6492so

Eliſabethenſtr. 29, Htb.
ſch. 3 Zim. Näh. Lad. (13488oms

V
Zimmerwohnung
mit Zubehör (Beſſungerſtr. 6,
2. St. l.) per 1. Okt. preisw.
zu vermieten.
(17535a

beſteh. aus
Mauſardenwohn., 3 Zimm.,
Kammer, Küche u. Keller p. Mitte
Sept. zu verm. Näh. bei Wehner &
Fahr, Schokoladenfabrik. 17123a

Zimmer, Kammer und Badez.
2ſind an ruhige, alleinſtehende
Perſönlichkeit i. Privath. i. Tinten=
viertel
zu verm. Zentralheiz., w. d.
Vermiet. beſ., u. elektr. Licht vorh.
Off. u. L. 31 an die Exped. (*6570

Grafenſtr. 23½, n. d. Rheinſtr.,
Laden, 38 am groß, mit ſchön.
Schauf., 3,75m hoch, hell, eleg., per
1. Dezember 1913 oder per ſofort
zu vermieten.
(17595os

grockene, verſchließbare Halle,
ca. 7 m lang, 4 m breit,
1. Okt. zu verm. Näh. Kiesstr. 30 ,I. (*7316g

Wenckſtr. 6, II., möbl. Wohn=
u
. Schlafz. zu verm. (14251oms

Wieſenſtr. 9, Ecke Grafenſtr.,
1. St., ſch. mbl. Zim. ſof. (17164oms

Nieder=Ramſtädterſtr. 31, II. I,g.
möbl. Z. ſof. preisw. z. verm. (157960ms

Schuchardſtr. 13, 3. St., gut
möbl. Zim. zu verm. (17334od

Grafenſtr. 13, I., ſchön möbl.
Zimmer zu vermieten. (14142omd

Rheinſtraße 28, Mittelbau
Stock, ſchön möbliertes Zimmer
(*6422so
billig zu vermieten.

Neckarſtr. 24, II. r., ſch. möbl. Wohn=
u
. Schlafz. p. 1. Okt. zu verm. (*6396som

Eliſabethenſtr. 44, II., einf. möbl.
Z. a. Herrn od. Frl. zu verm. (*6393so

Schuchardſtr. 10, II., ſchön möbl.
W.= u. Schlafz. ſep. ſof. z. vm. (*6297iso

Karlſtr. 30, III. r., freundl. gut
möbl. Zimmer an ſol. Herrn. (15592t
Friedrichſtr. 22, part., hübſch
möbl. Wohn= u. Schlafzimmer
ſofort zu vermieten.
(17101t

Saalbauſtr. 38, II., eleg. möbl.
Wohn= und Schlafzimmer zu ver=
mieten
. Telephon vorh. (17459a

Gr. Ochſengaſſe 18 ſch. Zim.
zu verm. Näh. im Laden. (*6573

Schön möbliertes, ungeniertes
Zimmer, event. mit Kabinett,
von ſolid. Herrn geſucht. Off. unt.
L 27 an die Exp.
(*6563

Uen

Modernes

Einfamilienhaus
6 Zimmer, elegant eingerichtet,
ſchöner Garten, zu verkaufen.
Architekt Koban, Gartenſtadt,
Hohler Weg.
(17638a

Kaurgeluch.
Kaufe in Darmſtadt ein Haus,
wenn ein kleines laſtenfreies Land=
haus
in Zahlg. gen. wird. Off. mit
Preis u. Hypothekenverhältniſſe erb.
unter K 28 an die Exp. (17533a

Maſſives
Verkauf od. Tanſch. Haus m.
Gart. in gut. Viert. u. tadelloſ. Zuſt.,
vollſt. verm., günſtig zu verk. Kl.
Objekt, auch Acker od. Bauplatz, w.
in Zahlung genommen. Anfragen
unter F 7 an die Exped. (16470a

neuzeitlich.
Für 66% d. Taxke maſſives
Haus m. Gart. in gut. Viert. Anfr.
unter F 6 an die Exp. (16471a

leiht einem Geſchäfts=
Wer mann gegen Sicherheit
und Zinſen 100 Mk. gegen monatl.
Rückzahlung von 25 Mark. Gefl.
Off. u. K 70 an die Exp. (*6372so

Hypothekengelder s
an I. u. II. Stelle, auch für induſtr.
Unternehmen, Hotels ꝛc. Unter=
lagen
: Taxation, Grundbuchsaus=
zug
, Brandverſicherungsurkunde.
Generalvertreter H. Beck, Darm=
ſtadt
, Georgenſtraße 1, II. Büro
10 bis 12 u. 2 bis 5 Uhr. (17544a

Suche ein Darlehen
von
(*6544
500 Mark
gegen 6fache Sicherheit zu 56%,
auf ca. 3 Jahre. Ratenrückzahlung.
Off. nur von Selbſtgebern unter
L 20 an die Exp.
(*6544

reldgeſchäfte jeder Art, insbeſ.
Darlehen auf Ratenzahlungen,
ſchnell, reell u. diskret. General=
vertreter
H. Beck, Darmſtadt,
Georgenſtr. 1, 2. Stock. Büro 10
bis 12, 3 bis 5 Uhr.
(16073a

Lebendes
Geflügel
diesjähr. Frühbrut, federvoll, ſchnell
mäſtend: 10 Gänſe 33 M., 10 Rieſen=
zänſe
38 Mk., 12 Enten 22 Mk., unt.
Garantie lebend. Ankunft (II,17440
J. Nadel, Breslau II1s0.

Sandſtraße 4a, II., ſchön
möbl. Wohn= und Schlafzimmer
ſof. zu vermieten.
(17011t

Ein hübſch möbl. Zimmer, 1. St.,
ſofort zu verm. Zu erfr. Kaſino=
ſtraße
15, im Laden.
(17364t

G
Schon möbliertes Zimmer
preiswert zu vermieten. Näheres
Eliſabethenſtr. 47, Stb., II. (17723a

Eliſabethenſtr. 30, Htb., e. ſchön
möbl. Z. m. 1 od. 2 Bett. bll. (*6557

Eliſabethenſtr. 25, Hths., kann
jg. anſt. Arb. Schlafst. erh. (*6541oi

Dieburgerſtraße 85 ein gut
möbl. Wohn= u. Schlafz. (*6587omf
e
II
Einfamilienhaus 17717
57 Zimmer u. Zubehör, Gas,
eventl. elektr. Licht, per 1. No=
vember
zu mieten geſucht, event.
auch Vorort. Off. u. 1058 an
Haasenstein & Vogler, Wiesbaden.

Selbſtändiger Herr ſucht23 Z.=
Wohnung in guter Lage. 2 Zim.=
Wohn. mit Bad bevorzugt.
Off.
2
unter L 33 an die Exp. (*6572emf

Ma 1
B 6
jn
I Ransh. Gebise
ſitzt und paßt ſofort bei An=
wendung
meines Apollopulvers=
aromat
. (Schultz5166); nur echt in
Blechdoſen à 50 Pfg. in der Dro=
gerie
Friedrich Schaefer. (II,12728

Residenz

Mledter
am weissen Turm.
Heute ab 10 Uhr:

Vorstellungen
3. Platz . . . . . 10 Pfg.
1. und 2. Platz 19 Pfg.
Künſtl. Reklame=Marken
werden verteilt.
Einzelne Vorſtellungen:
10, 11, 1, 2 und 3 Uhr.
Ab 4 Uhr nachmittags:
Das erſtkl. Rieſenprogramm
ohne Preisaufſchlag!
Unter anderem:
Guhr
Sturmauf dem Meer
Erlebniſſe zweier Schiff=
brüchigen
in 2 Akten.
966
Glück aut!
Dramat. Epiſode aus dem
Bergmannsleben i. 2 Akten.

3. Platz B . . 19

ffür jg. Mädch. 3 nette Bluſen u. ein
2 paar Stiefel, Nr. 36, zuſ. 4 Mk., z.
verk. Karlſtr. 115, I. rechts. (*6588

Eine anterhaltene, große,
ſchmiedeeiſerne Kopierpreſſe
zu verkaufen Wendelſtadtſtr. 34,
(*6581
parterre.

Aus einer Privat= Altertung=
ſammlung
, Verhältniſſe halbey.
gute, alte Geigen ſehr billigezu
(*6586
verkaufen.
Karlſtraße 115, I. rechts.

Fät.
Briefmarkensammlungeing
kauft Liebh. Off. u. L34 Ex. (*6571

(
Beirdr!
Für meine Nichte, eine junge ſchöne
Dame, wird mangels paſſender Ge=
legenheit
eine Anbahnung zur Ehe
geſucht. Die Betreffende iſt von
iebenswürdigem Weſen, vielſeitig
gebildet, ſprachenkund., ſehr vermög.,
und dabei praktiſch im Haushalt,
mit größ. Mitgift, aus gut evang.
Familie. Ein Herr in angeſ. Stell.,
bis 34 Jahre, Arzt bevorzugt. Ver=
nittler
verbeten. Off. u. K. 9173
an D. Frenz, Mainz. (IV,17722


80
BrauerSchule
WormseRh.
TGegründer 1872 von DfSchneider.
Beginn des Wintersemesters am
15. Oktober 1913. (1956
Pragemm dirch EEfrich. Braverktsdemte.

Austausch gesucht
Iahwodjeg
fonh
Ta
Denisch Legen Schweciseh
Gefl. Angebote unter L 26 an
(36255
die Exwed. ds. Bl.

Zeichen-Unterricht
erteilt Fachlehrer.
Freihand, Perspekt. u. Pro=
ektionslehre
. Ferner Archi-
tektur
u. Kunstgewerbe. Anfr.
unt. J33 an die Exp. (17338a

Miiäkranwärter mit beſtald=
Vorprüfung, ſucht Poſtaſſiſtenten
z. Einführung in den Poſt= u. Tele=
graphendienſt
. Offerten mit Preis
u. Fr. Kiesbergſtr. 44, pt. (*6366so

im Weißzeugnähen
P
Untereicht
und Zuſchneiden
(16861a
wird gründlich erteilt
K. Roese, Schützenſtr. 7, 1. St.

ma
*4gung.
Uihor=
Gllatie- u. Ztthel-Unterlioht
wird erfolgreich u. billig ert. Lern=
Inſtrum. ſtehen z. Verfüg. (16862a
Stüftſtr. 19, III., bei Hofmann,