Darmstädter Tagblatt 1913


20. August 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Werftarbeiterſtreik iſt noch nicht be=
endet
, da die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit
noch nicht erfolgt iſt.
Wie aus dem Königreich Sachſen, kommen auch aus
der Provinz Schleſien Meldungen über eingetretenes
Hochwaſſer. Auch aus Böhmen und Galizien wer=
den
Hochwaſſerkataſtrophen berichtet.
Der Prinz von Wales wird am 31. Auguſt und am
1. September als Gaſt des Kaiſers in Berlin weilen.
Der bulgariſche Miniſterrat beſchloß, den
Friedensvertrag zu ratifizieren. Der
Austauſch der Ratifikationen wird in Bukareſt erfolgen.
Der Dampfer State of California ging in
der Gambierbai unter. Ueber 50 Perſonen ſollen
ertrunken ſein.
Der Konflikt zwiſchen Mexiko und den Vereinig=
ten
Staaten hat ſich verſchärft.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Graf Berchtold.

C Die Gerüchte über einen bevorſtehenden Rück=
tritt
des Grafen Berchtold von ſeinem Amte
haben ſichnicht beſtätigt. Ob Graf Berchtold bei ſei=
ner
Anweſenheit in Iſchl dem Kaiſer Franz Joſef tatſäch=
lich
ſeinen Rücktritt angeboten hat, iſt ebenfalls nicht ſicher,
da beglaubigte Mitteilungen über dieſe Beſprechung nicht
in die Oeffentlichkeit gedrungen ſind, und ebenſo weiß im
Grunde genommen niemand, ob Graf Berchtold in abſeh=
barer
Zeit zurücktreten wird, obgleich mehrfach ſchon ſeine
angeblichen Nachfolger in der Oeffentlichkeit genannt wor=
den
ſind. Wer das im politiſchen Leben mit einiger Auf=
merkſamkeit
verfolgt, wird wiſſen, wie wenig auf der=
gleichen
Prophezeiungen zu geben iſt, die man beſſer als
diplomatiſchen Klatſch bezeichnet, der in Oeſterreich viel=
leicht
noch mehr blüht als anderswo.
Daß Graf Berchtold in der Reviſionsfrage keine ge=
rade
glückliche Hand bewieſen hat, läßt ſich nicht beſtreiten;
aber daraus die Notwendigkeit zu folgern, daß er zurück=
treten
müſſe, geht denn doch zu weit. Auch Saſonow, der
ruſſiſche Miniſter der auswärtigen Politik, war bekannt=
lich
für die Reviſion des Bukareſter Friedens eingetreten,
ohne daß jemand, nachdem aus der Reviſion nichts ge=
worden
iſt, jetzt geſchloſſen hat, daß er, als Konſequenz
aus dem Mißerfolge, jetzt zurücktreten müſſe. Nachdem
gerade Graf Berchtolds Politik nicht nur in der deutſchen,
ſondern auch in der öſterreichiſchen Preſſe in der letzten
Zeit vielfach ziemlich abſprechend beurteilt worden iſt, ge=
bietet
es die Gerechtigkeit, zu betonen, daß Graf Berchtold
in der erſten Periode des Balkankrieges mit der gemein=
ſamen
Schaffung des Fürſtentums Albanien einen großen
Erfolg erzielt hat. Beſonders ſchwer wiegt nach dieſer
Hinſicht der Umſtand, daß es ihm gelungen iſt, auch die
ruſſiſche Zuſtimmung zu dieſem Plan zu erhalten, da Ruß=
lands
Sympathien naturgemäß den Balkanſlawen ge=
hörten
. Gegenüber dieſem großen Erfolge fällt der kleine
Mißerfolg in der Reviſionsfrage, der ſehr bald vergeſſen
ſein wird, während Albanien als ſelbſtändiges Fürſten=
tum
dauernd beſtehen bleiben wird, wenig in die Wage.
Man wird daher gut tun, auch die Gerüchte, daß der Rück=
tritt
des Grafen Berchtold nur aufgeſchoben, aber nicht
aufgehoben ſei und zu erwarten ſtehe, ſobald der Balkan=
krieg
diplomatiſch erledigt ſei, ruhig ad acta zu legen.
Auch in der Diplomatie gelingt nicht immer jeder Wurf,
und gerade gegenüber dieſem kleinen Fehlſchlag ſollte man
doch auch die Erfolge, die Graf Berchtold auf anderen Ge=
bieten
erreicht hat, nicht aus den Augen verlieren

Der Trinkſpruch Kaiſer Wilhelms
auf kaiſe Frans Zofet.

* Zu der Rede des Kaiſers bei der Feſttafel
zu Ehren des Geburtstages des Kaiſers Franz Jo=
ſef
bemerkt das Neue Wiener Tageblatt:
Die Worte des Kaiſers werden überall den ſtärkſten
Eindruck ausüben. Niemals iſt feſter und deutlicher der
große Gedanke der innigſten politiſchen Zuſammengehörig=
keit
Deutſchlands und Oeſterreich=Ungarns zum Ausdruck
gelangt. Die Zeitumſtände erheben die Rede Kaiſer Wil=
helms
zu einer ganz ungewöhnlichen Manifeſtation, welche
vor aller Welt Zeugnis ablegen ſoll, daß die Grund=
feſten
des Bündniſſes unerſchütterlich

ſind, daß die ſo bewegten Ereigniſſe der letzten Zeit nicht
imſtande waren, Aenderungen oder Diſonanzen hervorzu=
rufen
, die in den jüngſten Tagen ſo oft und ſo gern von
gewiſſen Leuten herausgeklügelt worden ſind. Wenn die
Völker Oeſterreich=Ungarns in ihrem Herrſcher einen gro=
ßen
Friedenskaiſer verehren, dann kündigt ihnen Kaiſer
Wilhelm an, wie berechtigt und begründet ihre Verehrung
iſt. Der Dank Deutſchlands für den Schutz des Friedens
Europas durch Kaiſer Franz Joſef iſt die herzlichſte Ge=
burtstagsgabe
an den Kaiſer und der frohe Ausblick in
die Zukunſt iſt das beſte Geſchenk an die Völker. Wer
vermöchte noch zu beſtreiten, daß auch nicht der geringſte
Schatten auf dem Bündnis laſtet, ſelbſt wenn tatſächlich
einen Angenblick lang in irgend einer Auffaſſung nicht völ. Gleichheit geherrſcht haben ſollte? Mit dieſen Spe=
kubationen
hat es nun ein gründliches Ende. Das Bünd=
nis
hat die mächtigſten Garantien in den Herrſchern der
alliierten Staaten. Es iſt ein Herzensbedürfnis der Völ=
ker
, aber vor allem auch eine der feſteſten Grundlagen des
Friedens Europas. Die Herzlichkeit der perſönlichen Be=
ziehungen
Kaiſer Wilhelms zu Kaiſer Franz Joſef und
die ungewöhnliche Verehrung, welche der deutſche Kaiſer
ſeinem väterlichen Freund zollt, finden ihren Ausdruck in
dem unerſchütterlichen Weſen des Bündniſſes, das den
Wechſel der Zeiten überdauert und wie Kaiſer Wilhelm
ſo markig hervorhob, auch fernerhin zum Segen der Welt
ſeine Kraft und Wirkung bewähren wird. Das Blatt
erwähnt auch den im Popolo Romano veröffentlichten Ar=
tikel
anläßlich des Geburtstages Kaiſer Franz Joſefs
und hebt hervor, daß man nicht anders, als der deutſche
Kaiſer auch in Italien über die ſegensreiche Tätigkeit
Kaiſer Franz Joſefs für den Frieden denke Das Blatt
verweiſt auf die immermehr zunehmende Innigkeit des
Verhältniſſes Oeſterreich=Ungarns und Italiens und er=
klärt
, die Uebereinſtimmung der politiſchen Ziele Italiens
und Oeſterreichs ſeien bei den ſchweren Verhandlungen
des letzten Jahres geradezu ein Markſtein an innerer
Kraft des immer wachſenden Bündniſſes. Die heißen
Wünſche, welche Kaiſer Wilhelm unſerem Kaiſer dar=
brachte
, und die Grüße aus Italien ſtärken die Hoffnung,
daß den Völkern ein Frieden beſchert ſein wird und bie=
ten
Sicherheit, daß, was immer kommen möge. mächtig
und unerſchütterlich das Bündnis beſteht als feſteſte Ge=
währ
des europäiſchen Friedens den gegen alle Bran=
dungen
erfolgreich geſchützt zu haben, Kaiſer Franz Joſef
durch ſeine hohe Weisheit ſoviel beitrug.
Die Oeſterreichiſche Volkszeitung ſchreibt:
Auf die in den letzten Tagen an dem Beſtand des
deutſch=öſterreichiſchen Bündniſſes infolge
der Haltung des Berliner Kabinetts in der Frage der Re=
viſion
des Bukareſter Friedens geknüpften Ausſtreuungen,
wird die Rede Kaiſer Wilhelms, um einen Bis=
marckſchen
Ausdruck zu gebrauchen, wie ein kalter Waſſer=
ſtrahl
wirken. Die Worte des Kaiſers ſind ſo klar, daß
ein Mäkeln und Deuteln unmöglich iſt. Ueberall, wo man
den Frieden will, wird man den Trinkſpruch Kaiſer Wil=
helms
mit Genugtuung vernehmen Das war ein Wort
zur rechten Zeit. Das Neue Wiener Journal
erblärt: Was Kaiſer Wilhelm in dem Togſt an ſeinen
treuen Bundesgenoſſen und väterlichen Freund Kaiſer
Franz Joſef ſagte, iſt von hinreißender impulſiver Herz=
lichkeit
und hat den Bruſton ernſter feſter Geſinnung.
Die Peſter Blätter beſprechen den Trinkſpruch des
Deutſchen Kaiſers mit warmer Genugtuung und Sym=
pathie
. Der Peſter Lloyd ſchreibt: Die irrige An=
ſchauung
, als ob bezüglich der Befolgung der Friedens=
politik
zwiſchen unſerer Monarchie und Deutſchland Un=
einigkeit
geherrſcht habe, berichtigte der Kaiſer, der
Trinkſpruch galt in feierlicher, geradezu emphatiſcher Weiſe
auch der Zukunft. In ernſten feierlichen Akkorden klingt
aus dem Trinkſpruch die Ueberzeugung heraus, daß der
Bau des Dreibundes auf unerſchütterlicher Grundlage be=
ruht
und ſich auch in Zukunft in unwandelbarer Feſtigkeit
bewähren wird. Das Peſter Journal ſchreibt:
Der Trinkſpruch bildet eine glänzende Widerlegung der
Gerüchte über Unſtimmigkeiten.

Neu=Griechenland.

* Als Fallmerayer im Jahre 1845 ſeine Fragmente
aus dem Orient herausgab, in denen er das neugriechiſche
Volkstum als ein den alten Griechen ganz fremdes Ge=
miſch
ſlawiſcher Völkerſchaften darſtellte, beſchäftigte er
ſich auch viel mit Byzanz und dem jungen Griechenland.
Man lieſt dieſes Buch ſo wird der Köln. Ztg geſchrieben
heute mit ganz anderen Gedanken und Gefühlen als
zur Zeit, da ſeine zweite Auflage im Jahre 1877 erſchien.
Fallmerayers Worte treffen in vieler Beziehung auch jetzt
noch zu und dürften jetzt auch in Griechenland ſelbſt an=
ders
aufgefaßt werden als damals, wo ſie Stürme der
Entrüſtung hervorriefen. Neu=Griechenland wird für das
alte Griechenland zum Schmerzenskind werden, wird
ſchwere Opfer erfordern und Kraftleiſtungen erheiſchen,
welche nur durch die wirtſchaftliche und ſtrategiſche Be=
deutung
der genannten Gebiete, namentlich Kawalas, ge=
rechtfertigt
erſcheinen kann. Wäre Kawala den Bulgaren
zugefallen, ſo hätte der Beſitz von Saloniki für die Grie=
chen
nur halben Wert. Die wirtſchaftliche Lage kann ſich,
geſtützt auf das koſtbare Gebiet von Kawala, bedeutend
raſcher und beſſer erholen, als es ſonſt der Fall war. Als
die Bulgaren noch in Kawala feſtſaßen, haben die Griechen
wohl zu beweiſen verſucht, daß Saloniki dadurch in keiner

Weiſe in ſeinem Beſtand gefährdet ſei. Man wollte ſogar
nachweiſen, daß ſich der Handel mehr denn je heben
würde. Nachgerade ſcheint man aber doch anderer Anſicht
geworden zu ſein, denn jetzt reden die Griechen gänz
anders. Deutſchlands Intereſſen in Neu=
Griechenland werden einer beſonderen Pfkege be=
dürfen
. König Konſtantin hat noch nie ein Hehl aus ſei=
ner
Vorliebe für Deutſchland gemacht; die gebildete Grie=
chenwelt
, die Kaufleute hinzugerechnet, weiß Deutſchland
und ſeine Induſtrie vollauf zu ſchätzen; in vielen Kreiſen
pflegt man die deutſche Sprache, und es wird an Gelegen=
heiten
nicht mangeln, wo deutſches Kapital in Mit=
bewerb
zu treten hat, wenn es gilt, die für Neu= Griechen=
land
geplanten zahlreichen Unternehmungen durchzu=
führen
. Bahnbauten, Entwicklung des Bergbaues, der
Landwirtſchaft, eine Reihe ſtädtiſcher Unternehmen hier
und im Inland, die Gründung neuer Induſtrien, Bau von
Straßen und von Brücken, Eindämmung von Flüſſen,
Trockenlegung von Sümpfen, Hafenbauten uſw bieten
ein weites Feld für die Betätigung deutſchen Kapitals
und deutſcher Schaffenskraft. Man darf aber die fran=
zöſiſche
Strömung nicht unterſchätzen, welche ſich
in den einflußreichſten Kreiſen geltend macht, wo man im
Grunde genommen Deutſchland die Achtung nicht verſagt,
das Franzöſiſche aber vorzieht. Ein von amtlicher Stelle
herausgegebenes Blatt in Saloniki nennt ſogar Neu= Grie=
chenland
jetzt ſchon das Frankreich des Balkans und ſieht
das enge griechiſch=franzöſiſche Zuſammenarbeiten in
Kürze kommen. Dieſer Strömung zu begegnen, dürfte
nicht ſo einfach und leicht ſein.

Franzöſiſche Warnungen an die
Türkei.

* Die meiſten Pariſer Blätter ergehen ſich in War=
nungen
an die Türkei, die ſie beſchwören, ihre Armee vom
rechten Ufer der Maritza zurückzurufen.
So telegraphiert der Korreſpondent des Matin aus
Petersburg: Man iſt hier der Anſicht, daß die Beſetzung
der Küſte des Aegäiſchen Meeres durch die Türken infolge
eines Abkommens der Regierung von Konſtantinopel mit
der Regierung von Athen ſtattfinde. Wenn dieſe Hypo=
theſe
ſich bewahrheitete, ſo würden Rußland und die
anderen Mächte auf Griechenland erbittert ſein, weil
es von neuem die Urſache ſchwerer Beunruhigung in
Europa geworden iſt. Dagegen iſt auch möglich, daß
die Türkei die Gebiete am Aegäiſchen Meere nur beſetzte
in der Abſicht, ſie ſpäter gegen den Verbleib Adrianopels
unter ihrer Herrſchaft auszuhandeln. In dieſem Falle
würde ihre gegenwärtige Intervention keine große Be=
deutung
haben. Weder die ruſſiſche Regierung noch die
türkiſche Botſchaft hatten Montag abend Beſtätigungen
der Meldungen aus Sofia über das Vordringen der tür=
kiſchen
Armee, aber dieſe Meldungen tragen den Stempel
der Wahrſcheinlichkeit Es läuft ſogar das Gerücht, Ruß=
land
werde der Türkei mit dem Abbruch der diplomati=
ſchen
Beziehungen drohen. Dieſe Nachricht, wenn auch
zum mindeſten verfrüht, entbehrt nach meiner Erkundigung
nicht jeder Begründung. Der Petit Pariſien welcher
der franzöſiſchen Regierung nahe ſteht, ſchreibt: Die Pforte
muß ſich ſagen, daß Rußland, welches ſchon ſehr gereizt
über den Zwiſchenfall von Adrianopel iſt und
Truppen an der armeniſchen Grenze verſammelt hat, einen
neuen Angriff der Türken in Thrazien nicht
ohne Erwiderung laſſen würde Die panſlawiſtiſche Be=
wegung
, welche ſich zugunſten der Bulgaren kundgegeben
hat, würde diesmal in Petersburg keinem Widerſtande
begegnen, und Rußlands Einſchreiten, welches tauſend
Verwickelungen hervorrufen würde, weil es die Vorrede
zur Teilung der aſiatiſchen Türkei bedeuten würde, wäre
einfach die Vorbereitung des Unterganges der ottomani=
ſchen
Macht. Hoffen wir, daß man ſich am Bosporus zur
Klugheit fügt und daß der Großweſir ſich darauf be=
ſchränke
, wegen Adrianopels zu verhandeln. Die Diplo=
matie
kann ihm einigen Erfola bringen Der Krieg würde
unfehlbar den Krieg, und zwar einen für die Türken ver=
hängnisvollen
Krieg, hervorrufen. An anderer Stelle
ſchreibt der Petit Pariſien: Sicher iſt daß die Türken
nichts von dem behalten werden, was ſie jetzt jenſeits der
Maritza genommen haben. Nicht nur Rußland gibt ſei=
nem
Zorn über das unerwartete Beginnen der türkiſchen
Generale Ausdruck, ſondern auch Deutſchland hat in Kon=
ſtantinopel
gerade heraus erklärt, daß es jeder weiteren
Eroberung ſein Veto entgegenſetzen würde. Der Fi=
garo
ſchreibt: Die Vertreter der Großmächte in Konſtan=
tinopel
haben bei der Pforte bereits einen Schritt getan,
um ſie vor dieſer Abenteuerpolitik zu warnen, oder ſie
werden dieſen Schritt tun. Man muß wünſchen, daß die=
ſer
Schritt ſehr energiſch ſei. Wenn zu dieſem ſich auch
nur zwei oder drei von den Großmächten zum Handeln
entſchließen, werden die Mittel zur Aktion nicht fehlen,
Eine
Die Türken werden es auf ihre Koſten merken.
abweichende Meinung findet ſich in den politiſchen In=
formationen
des Echo de Paris wo auseinandergeſetzt
wird, daß keine Großmacht ein Intereſſe daran habe, die.
Türkei zu ſchwächen, und daß höchſtens eine Intervention=
Deutſchlands den Lauf der Dinge ändern könnte.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

Deutſches Reich.

Der Papſt an den Kaiſer. Das Amtsblatt
des Heiligen Stuhles veröffentlicht in ſeiner letzten Num=
mer
den bereits kurz erwähnten Brief des Papſtes an
Kaiſer Wilhelm anläßlich des 25jährigen Regierungsjubi=
läums
. In dem franzöſiſchen Text ſagt der Papſt, der
Germania zufolge:
Das glückliche Ereignis der 25jährigen ruhmreichen
Regierung Ew. Majeſtät iſt eine äußerſt günſtige Gelegen=
heit
, Glückwünſche darzubringen und Wünſche für die Zu=
kunft
auszuſprechen. Von Freude erfüllt, ſendet deshalb
der Heilige Vater mitten in der allgemeinen Jubelfeier
ſeine aus tiefſtem Herzen kommenden Wünſche, daß Ew.
Majeſtät ſich eines langen Lebens voller Ruhm und Er=
folge
erfreuen möge. Er bittet zu Gott, dem Urquell aller
Macht und aller Souveränität, auf daß er dem Kaiſer
Glück und Geſundheit gewähre und Friede und Gedeihen
für das große Reich, das ihm für ſo viele Wohltaten Dank
ſchuldet. Der Papſt fügt, wie dasſelbe Blatt weiter mit=
teilt
, hinzu, er ſei froh, ſeinen lebhaften Dank dem Kaiſer
ausſprechen zu können dafür, daß er immer von dem
Wunſche beſeelt geweſen ſei, das Wohlergehen ſeiner
katholiſchen Untertanen zu ſichern, deren Treue gegenüber
dem Kaiſer wohl bekannt ſei.
Eine Geſetzesvorlage zur Abände=
rung
des Zwangsverſteigerungsgeſetzes
iſt im Reichsjuſtizamt in Vorbereitung. Durch das Geſetz
ſoll den Mißſtänden auf dem Grundſtücksmarkte, die durch
das Verpfänden der Mieten und die Zeſſion der Hypo=
thekenzinſen
entſtehen, ein Ende gemacht werden. Die
Aelteſten der Kaufmannſchaft von Berlin haben nun das
Reichsjuſtizamt gebeten, bei der Beratung dieſer Frage
Sachverſtändige aus den Kreiſen von Handel und In=
duſtrie
, beſonders auch des Grundſtücks= und Baugewerbes
zu hören, und haben ſich bereit erklärt, gegebenenfalls dem
Reichsjuſtizamte dieſe Sachverſtändigen zu benennen.
Zur Kruppaffäre. Ehe noch der Strafprozeß
gegen Maximilian Brandt begonnen hat, iſt er von der
Firma Krupp ſeiner Stellung enthoben worden. Er hat
auch bereits einen Nachfolger gefunden, und zwar den
Major Steinmetz, der ſeinen Poſten ſchon angetreten hat.
Wie verlautet, ſoll im Kriegsminiſterium ein Erlaß be=
kanntgemacht
werden, in dem der Verkehr mit Angeſtellten
von Firmen der Rüſtungsinduſtrie eine Regelung nach
beſtimmten Normen erfährt. Keinesfalls beabſichtige man
zaber, ſo wird der Nationalzeitung von zuſtändiger Seite
mitgeteilt, irgendeine Maßnahme zu treffen, ehe der zweite
Prozeß gegen Tilian und Genoſſen, ſowie der Prozeß
gegen Brandt verhandelt worden iſt.

Ausland.

Frankreich.
Frankreich auf der Weltausſtellung in
San Franzisko. Ungleich England und Deutſchland,
haben Frankreich und Italien ihre Beteiligung an der
Weltausſtellung in San Franzisko (1915) in Ausſicht ge=
ſtellt
. Wegen der übeln Erfahrungen, die ſie früher ge=
macht
, hat die franzöſiſche Regierung einen Vorbehalt ge=
macht
und verlangt, daß die ausgeſtellten Gegenſtände
beſſer als in Chicago und St. Louts geſchützt werden
müßten durch Achtung der Fabrikmarken und durch das
Verbot des Gebrauchs gefälſchter Urſprungsbezeichnungen.
Außerdem werden noch beſondere Zollerleichterungen für
die aus Frankreich zur Ausſtellung geſandten Erzeugniſſe
und Waren gefordert. Sollten dieſe Wünſche nicht erfüllt
werden, ſo könnte ſich nach dem Temps die Beteiligung
Frankreichs möglicherweiſe nur auf den Regierungs= Pa=
villon
beſchränken.
Belgien.
Vom belgiſchen Heere. Um die durch die Hee=
resverſtärkung
erforderlich gewordenen neuen Offizier=
ſtellen
zu beſetzen, hat der mit der Vorbereitung beauf=
tragte
Ausſchuß nunmehr einen Geſetzentwurf fertig=
geſtellt
, der 105 neue Stellen für höhere und 735 für Sub=
alternoffiziere
fordert; dazu kommen noch 120 neue Stel=
len
für Militär= und Roßärzte und für die Intendantur.

Der größte Teil der Vermehrung kommt der Infanterie
und der Feldartillerie zugute, während Kavallerie und
techniſche Truppen verhältnismäßig geringe Erhöhungen
erfahren. Dagegen wird die Zahl der Generalſtabsoffi=
ziere
nicht unweſentlich vermehrt. Bei den diesjährigen
großen Manövern, die im Süden des Landes abgehalten
werden, ſollen, wie es ſcheint, zum erſtenmal in Belgien
auch die militär=techniſchen Fortſchritte der letzten Jahre
nutzbar gemacht werden. So werden die Parteien je eine
Fliegerabteilung zur Verfügung haben, Rot außerdem
noch zwei Stationen für drahtloſe Telegraphie. Schließ=
lich
ſoll bei dieſer Partei die Verpflegung der Truppen
ausſchließlich durch Automobile erfolgen, bei Blau durch
Feldküchen. Ferner werden bei einer Maſchinengewehr=
kompagnie
verſuchsweiſe Hunde als Zugtiere verwandt
werden. Die Stärke der beiden Parteien beträgt 10= und
12000 Mann.
England.
Ein beſonderes Marinefliegerkorps.
Die Admiralität hat beſchloſſen, der Marine ein Flieger=
korps
beizuordnen. Sie erſucht um 200 Offiziere, die
ſich für die Marine melden und das Fliegerdiplom er=
werben
wollen. In der vergangenen Woche haben bereits
einige Offiziere mit dem Flugunterricht begonnen. Der
vom Parlament bewilligte Kredit von zwei Millionen
Pfund Sterling wird noch bedeutend erhöht werden.
Sämtliche Flugzeuge ſollen mit Apparaten für drahtloſe
Telegraphie ausgerüſtet werden. Die in Frage kommen=
den
Apparate ſollen weniger als 50 engliſche Pfund wie=
gen
und bei den letzten Manövern bereits ausprobiert
worden ſein. Die Aeroplane ſollen in den letzten Ma=
növern
größere Dienſte geleiſtet haben, als man bisher
annahm. Die blaue Flotte, welche die Küſtenverteidigung
inne hatte, ſah ſich zu verſchiedenen Malen genötigt, ihre
ſämtlichen Dispoſitionen infolge der von den Fliegern
überbrachten Meldungen abzuändern.
Amerika.
Der Kampf um den Gouverneurpoſten
von Neu=York. Der Kampf zwiſchen Sulzer und
Glynn gibt zu intereſſanten Zwiſchenfällen Veranlaſſung.
So will z. B. der ſtellvertretende Gouverneur Glynn, der
vom Bundesminiſter als der geſetzliche Vertreter des Staa=
tes
Neu=York erklärt wurde keine Entſcheidungen treffen
da er fürchtet, daß dieſe ſpäter für null und nichtig erklärt
werden. Tatſächlich müſſen alle Staatsdokumente mit
dem Staatsſiegel verſehen ſein, und dieſes Siegel befindet
ſich noch in den Händen Sulzers, der ſich natürlich weigert,
es an Glynn auszuhändigen. Die öffentliche Meinung
die zuerſt gegen Sulzer war, iſt jetzt umgeſchlagen, und
es wäre durchaus nicht auffallend, wenn Sulzer als Sieger
aus dem Prozeß hervorgehen ſollte. Der Kaſſierer des
Staates Neu=York weigert ſich, an Sulzer die fälligen Be=
träge
auszuzahlen. Er ſtellt die Forderung auf, daß alle
Schecks, welche von Sulzer unterzeichnet ſind. auch von
Glynn gegengezeichnet werden. Glynn weigert ſich in einem
Briefe an Sulzer, ſeine Zuſtimmung zu einer gerichtlichen
Entſcheidung zu geben, und bemerkt, daß er ſich als recht=
mäßiger
Gouverneur des Staates Neu=York betrachte.
Oeffentliche Arbeiten in Chile. Die Koſten
der in dem Regierungsentwurf geforderten öffentlichen
Arbeiten, die in den nächſten zehn Jahren zur Ausführung
gelangen ſollen, belaufen ſich auf 349 Millionen Francs.
Mexiko und die Vereinigten Staaten.
In Erwiderung der von John Lind unterbreiteten Note
Wilſons hat Huerta eine Vermittelung in mexikaniſchen
Angelegenheiten oder irgendwelche ähnliche Vorſchläge
ſeitens einer auswärtigen Regierung abgelehnt. Lind
ſandte Huertas Antwort nach Waſhington. Nachdem die
Antwort Huertas eingelaufen war, beriet Präſident Wil=
ſon
ſich ſofort mit dem Staatsſekretär Bryan. Die Ent=
ſcheidung
iſt unbekannt.

* Beſuch des Prinzen von Wales in Ber=
lin
. Die engliſche Botſchaft in Berlin teilt mit: Der

Prinz von Wales wird bis zum 30. Auguſt am Hofe von
Neu=Strelitz verweilen, am Abend des 30. Auguſt nach
Berlin fahren und in der Botſchaft abſteigen und am 31.
Auguſt in das königliche Schloß überſiedeln, um als Gaſt
des Kaiſers bis zum Abend des 1. September dort zu
verweilen. Am Abend des 1. September reiſt der Prinz
nach Friedrichshafen zum Beſuche des Königs von Würt=
temberg
ab und trifft von dort am 3. September in Sig=
maringen
ein. Nach Schluß der dortigen Hochzeitsfeier=
lichkeiten
kehrt der Prinz direkt nach England zurück.
* Verlobung der Großherzogin von
Luxemburg? Der Temps meldet, daß die bereits an=
gekündigte
Verlobung der Großherzogin Marie Adelheid
von Luxemburg mit dem Prinzen Heinrich von Bayern
nunmehr vollzogen ſei. Die beiden Verlobten weilen
augenblicklich auf dem der Großherzogin gehörigen Schloß
Hohenburg bei Tölz in Bayern, wo Prinz Heinrich o
zur Jagd war. Die Nachricht von der bereits erfolgten
Verlobung hat in München eine offizielle Beſtätigung
noch nicht gefunden, doch nimmt man an, daß die Ver=
lobung
bereits vor einigen Tagen erfolgt ſei, ohne bisher
offiziell mitgeteilt worden zu ſein. (Die Großherzogin
Marie Adelheid, die am 24. Februar 1912 zur Regierung
gelangte, iſt am 14. Juni 19 Jahre alt geworden. Prinz
Heinrich von Bayern, der einzige Sohn des verſtorbenen
Prinzen Arnulf, iſt 29 Jahre alt.)
* Kornblumentage in Sachſen. Auf An=
regung
des ſächſiſchen Militärvereinsbundes finden im
ganzen Königreich Sachſen in der Zeit vom 31. Auguſt
bis zum 7. September Kornblumentage zum Beſten der
Veteranen aus den großen Kriegen um Deutſchlands
Einigung ſtatt. In Dresden, Leinzig und Chemnitz wers
den die Kornblumentage am 2. September veranſtaltet.
* Fulda, 18. Aug. Der deutſche Epiſkopat
mit Ausnahme der bayeriſchen Biſchöfe ſowie derjenigen
von Metz, Straßburg, Luxemburg. Poſen und Limburg,
iſt zur Konferenz unter dem Vorſitz des Kardinal= Fürſt=
biſchofs
Dr. Kopp=Breslau hier eingetroffen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 20. Auguſt.

* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 18
enthält: 1. Bekanntmachung, das Familienfideikommiß
der Freiherren von Ritter zu Gruenſteyn betreffend.
2. Bekanntmachung, die Ergebniſſe aus der Rechnun
der Staatsſchuldenverwaltung für das Etatsjahr 1910 be=
treffend
. 3. Ueberſicht der von Großh. Miniſterium des
Innern für das Rechnungsjahr 1913 zur Beſtreitung
der Gemeindebedürfniſſe der iſraelitiſchen Religions=
gemeinden
des Kreiſes Worms genehmigten Umlagen.
4. Ueberſicht über die in den Landgemeinden des Kreiſes
Gießen im Rechnungsjahr 1913 zur Erhebung kommen=
den
Gemeindeumlagen. 5. Ueberſicht über die in den
iſraelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Lauterbach
zu erhebenden Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1913. 6. Ueberſicht der für das Jahr 1913 genehmigten
Umlagen zur Beſtreitung der Gemeindebedürfniſſe der
iſraelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Friedber
7. Ordensverleihungen. 8. Verleihung der Staatsmedaille
für Ausſtellungen. 9. Dienſtnachrichten.
* Militärdienſtnachrichten. v. Lindequiſt, Oberſt
und Kommandant des 1. Hannov. Inf.=Regts. Nr. 74 ( frü=
her
Darmſtadt), mit der Führung der 40. Inf.=Brigade
in Braunſchweig beauftragt.
g. Der Provinzialausſchuß beſchäftigte ſich in ſeiner
geſtrigen außerordentlichen Sitzung mit dem Geſuche des
Abraham Iſaak genannt Adolf Caſpar aus Berlin
um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtſchaft in dem
Hauſe Friedrichſtraße 24. Der Geſuchſteller, der General=
unternehmer
mehrerer Bars iſt, will die bisherige Wein=
wirtſchaft
zu einer modernen Bar ausgeſtalten, um dem
Militär, Studenten uſw. ein paſſendes Vergnügungslokal
zu bieten, damit dieſe Kreiſe nicht gezwungen ſeien, nach
Frankfurt zu fahren. Die Wirtſchaftsdeputation der Stadt=
verordnetenverſammlung
bejahte die Bedürfnisfrage. Der
Vertreter des Polizeiamtes beantragt, das Geſuch abzu=
lehnen
, da die jetzt beſtehenden beiden Barunternehmen
dem Bedürfnis in vollem Umfange genügen. Auch ſei die
Friedrichſtraße von dem für den Barbetrieb in Betracht
kommenden Verkehr zu wenig berührt. Die Kreiſe, die
Bars aufſuchen, hätten jedenfalls beſondere Gründe, wenn
ſie lieber nach Frankfurt fahren, als in Darmſtadt zu blei=
ben
. Es ſind vier Petitionen eingelaufen, die gegen die
Einrichtung einer Bar in der Friedrichſtraße Einſpruch er=
heben
. Der Provinzialausſchuß lehnt das Geſuch
ab. Adam Rettig aus Lindenfels ſucht um Erlaub=
nis
zum Betriebe einer Schankwirtſchaft im Hauſe Bleich=
ſtraße
40 nach. Die Wirtſchaft wird ſeit 30 Jahren be=

Ein weiter Blick in vorchriſt=
liche
Jahrhunderte.

Ein edler Gönner verlieh der hieſigen Hofbiblio=
thek
eine Gabe, die für dieſe wie für die Beſucher der=
ſelben
von hohem Werte iſt, um ſo mehr, als der Kauf=
preis
die Anſchaffung nicht jedermann geſtattet. Es iſt
die ſchriftliche wie bildliche Darſtellung Jahrtauſende
alter Dokumente völkiſchen Lebens, die durch Ausgra=
ben
in der Wüſte Gobi zutage gefördert wurden.
Das Werk, das uns in Wort und Bild dies vorführt, iſt
das Erzeugnis eines früheren Mitbürgers, Albert von
Le Cog, der im September 1904 eine Reiſe nach chine=
ſiſch
Turkeſtan antrat und bis Januar 1907 dort Ausgrab=
ungen
betrieb. Hierbei erkrankte er, ſo daß er dieſelben
unterbrechen mußte und einſtweilen die Bearbeitung der
Funde unternahm. Nach Beendigung dieſer iſt er nun
wieder zur Fortſetzung der Ausgrabungen am
April a. c. dahin zurückgekehrt und haben wir auf weitere
Schätze zu hoffen.
Von der Reiſe ſelbſt, die ihn quer durch Rußland und
Sibirien auf dem Hinweg, dann auf dem Rückweg durch
Tibet und nach Ueberſteigen des zweithöchſten Punktes
unſeres Erdballs, des Kara=Korum=Paſſes, durch Hindo=
ſtan
führte, gab er leider bis jetzt noch keinen Bericht, da
ihm die wiſſenſchaftliche Ausbeute die Hauptſache dünkt,
deren Reſultat die Entdeckung urkundlicher Dokumente
bis herab zu vorchriſtlichen Jahrhunderten liefert.
Zur Grabungsſtätte gelangte Le Cog von Urumtſchu
aus, der ſtark bevölkerten Hauptſtadt chineſiſch Turkeſtans,
die er von Semipolatinsk aus nach 16tägigem Ritt durch
öde Berglandſchaft erreichte.
Schon hier bekam er eine Vorahnung der ſeinem
Unternehmen drohenden Widerwärtigkeiten, wie die eines
Ueberfalls räuberiſcher Kirgiſen und erſtickender Sand=
ſtürme
bei großer Hitze. Dieſe treten in den Monaten
April Mai und Juni täglich auf und ſind ſo heftig, daß
die Reiſenden, an geſchützten Orten zuſammengedrängt,
warten müſſen, bis die Stürme ſich gelegt haben.

Recht hoch ſind auch die Leiſtungen Le Cogs anzu=
ſchlagen
bei dem Anwerben und Verkehr mit ſeinen ſitt=
lich
noch recht tiefſtehenden Arbeitern, mit denen er
monatelang durch wüſte Einöden bei erſtickender Atmo=
ſphäre
, knappſter Zehrung und vollſtändigem Waſſer=
mangel
zog, was ſie oft zu bedrohlichem Aufſtand veran=
laßte
. Ihre Sprache war die türkiſche. Zum Glück hatte
Le Cog bei einer gleichen Expedition nach Syrien im
Jahre 1901 dieſe erlernt. Auch hier ſammelte er Manu=
ſkripte
. Dieſe, im kurdiſchen Dialekt geſchriebene, über=
ſetzte
er und gab ſie in zwei anſehnlichen Bänden 1903 im
Druck heraus.
Außer Beherrſchung der türkiſchen Sprache kam ihm
beim Verkehr jetzt auch ſehr zu ſtatten, daß er Medizin
ſtudiert hatte, wie aus ſeinem Paß zu erſehen war und
ſeinen Arbeitern bekannt wurde, bei denen der Arzt
prieſterliches Anſehen genießt.
Betrachtet man nun die 77 photographiſchen
Aufnahmen der von Le Cog beſuchten Trümmer=
ſtätten
, ſo bekommt man eine Vorſtellung von der Aus=
breitung
und Tiefe der Verwüſtung, welche die aufein=
anderfolgenden
wilden Horden anrichteten, die, der Be=
wirtſchaftung
des Bodens unkundig und der Seßhaftig=
keit
abgeneigt, von Oſten hier einbrachen und nach gründ=
licher
Zerſtörung nach Weſten abzogen, ein Bild, wie es
ſelbſt nach Einführung der Feuergeſchütze wohl nie wieder
hergeſtellt worden iſt. Ganz ſelten findet man in den
Ruinen die Anſiedelung eines Menſchen, der, am Rand
eines Baches auf ſand= und geſteinfreiem Boden ein Stück
Feld mit Sorghum oder Baumwolle, vielleicht auch ein=
zelnen
Reben oder Aprikoſenbäumen angepflanzt, ſein
ödes Daſein friſtet. Bei einem=ſolchen in Charakotſchar.
der erſten Station Le Cogs, bei dem Bauer Thabit, nahm
er in Räumen, die mehr Stallung als Wohnräume waren,
ſeinen erſten Aufenthalt und verweilte dort acht Monate,
Dieſe Ruinenſtadt liegt an der Oſtgrenze Turkeſtans, ge=
trennt
von China nur durch eine Reihe wandernder
Sumpfſeen.
In dieſer Ruinenſtadt fand man Tempel und Klöſter
aller Konfeſſionen aus den verſchiedenſten Zeitaltern, je
nach der Reihenfolge der unterdrückenden Völkerſchaften.

Die Gebäude waren hier und da teilweiſe noch ſo weit
erhalten, daß deren Geſtaltung daraus erkannt werden
konnte. So beſonders eine Art, die, wie ich glaube, nir=
gends
vertreten iſt, hat eine terraſſenförmige Stufen=
pyramide
in quadratiſcher Geſtalt, die auf jeder Seite ſechs
Niſchen beſaß, in denen früher vergoldete Buddhaſtatuen
ſich befanden. Es war dies wohl das Mauſoleum eines
buddhiſtiſchen Prieſters oder Königs. In unmittelbarer
Nähe davon die Ruinen eines Kloſters chriſtlicher Mönche;
dann weiter in der Mitte der Stadt eine große Anlage
von drei ungeheueren Sälen, in deren einem das über=
lebensgroße
Wandgemälde des Religionsſtifters Mani
in vollem Ornat ſich befand, umgeben von ſeinem weiß=
gekleideten
Klerus. Das einzige, bis jetzt bekannte mani=
chäiſche
Bild, deſſen Photographie die erſte Tafel des Le
Cogſchen Werkes zeigt. Hierbei mag bemerkt werden, daß
dieſer Fund um ſo erſtaunlicher iſt, weil dieſer Kult über=
haupt
keine eigenen Tempel, Klöſter, ja nicht einmal Altäre
beſitzt, und nur daraus zu erklären iſt, daß die Manichaier
ſich in verlaſſenen Bauten anderer Konfeſſionen anſäſſig
machten, weil die Städter religiöſe Verſammlungen inner=
halb
ihrer Mauern nicht geſtatteten.
Von hier aus führt ein ſteiler Pfad durch ein
enges düſteres Defilé zum Kloſter Bäſä=klik, dem
die ganze Reihe der Buddhabilder entnommen iſt.
Unterwegs findet man den Boden weit mit Bruch=
ſtücken
zerſtörter Hausgeräte aus Bronze, Holz,
Elfenbein, Ton uſw., aus dem 8. und 9. Jahrhundert,
fußhoch überſchüttet, zum Zeichen, daß hier große Tempel
und ausgedehnte Kloſtergebäude ihren Stand hatten.
Dieſen gegenüber ſieht man auf den Anhöhen Hunderte von
fußlangen zyklopiſchen Mauerreſten dahinziehen, aus denen
der Stumpf einer Säule, der Reſt eines etagenförmigen
Terraſſenbaues oder einer verhältnismäßig noch gut er=
haltenen
Stupa hervorragen, an deren Grund ausgedehnte
Gewölbe oder in Fels gehauene Zellen ihren Zugang
haben. Hier fand man ſchon mehrere Bibliotheken. Auf
den Hauptterraſſen ſtand eine Reihe nur verſchütteter Tem=
pel
, in denen eine noch wohlerhaltene Serie merkwürdiger
Darſtellungen ſich befand, ſo die lebensgroßen Porträt=
figuren
geiſtlicher Stifter der Anlage, wie die Aufſchriften

[ ][  ][ ]

Nummer 194.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Seite 3.

trieben. Sie iſt erſt ſeit dem 18. Februar geſchloſſen, weil
der Inhaberin die Konzeſſion entzogen wurde. Bedenken
über die Perſönlichkeit des Geſuchſtellers beſtehen nicht,
doch haben ſowohl Wirtſchaftsdeputation als auch Gaſt=
wirteverein
und Polizeiamt die Bedürfnisfrage verneint
Der Geſuchſteller ſichert zu, daß er in keinem Falle Kellne=
rinnenbedienung
einführen werde. Der Provinzialaus=
ſchuß
lehnt das Geſuch ab.
Das Kreisamt Offenbach ſtellte am 30. Juli auf An=
regung
des Polizeiamtes beim Provinzialausſchuß auf=
grund
von § 53 der Gewerbeordnung den Antrag, die dem
Peter Theodor Kämmerer zu Offenbach erteilte Wirt=
ſchaftskonzeſſion
zurückzunehmen. Die Wirtſchaft wurde
am 25. März 1910 in der Kurfürſtenſtraße 1 zu Offenbach
eröffnet, und bereits kurz danach liefen mehrere anonyme
Anzeigen bei dem Polizeiamt ein, daß in der Wirtſchaft
der Völlerei und Unſittlichkeit Vorſchub geleiſtet werde
Es konnte jedoch nichts feſtgeſtellt werden, was zur Ent=
ziehung
der Konzeſſion Anlaß hätte geben können. In=
zwiſchen
iſt in einem Fall eine Verurteilung erfolgt, was
den Antrag auf Entziehung der Konzeſſion zur Folge
hatte. Der Provinzialausſchuß beſchloß, die Konzeſ=
ſion
zu entziehen. Heinrich Bott aus Calw,
wohnhaft in Darmſtadt, ſucht um Erlaubnis zum Be=
triebe
einer Schankwirtſchaft im Hauſe Magdalenen=
ſtraße
3 nach. Der Geſuchſteller gibt an, daß er längere
Zeit ſchon Wirtſchaft geführt habe. Das Polizeiamt, die
Wirtſchaftsdeputation und der Gaſtwirteverein verneinen
die Bedürfnisfrage. Die Wirtſchaft, die ſeit 1904 beſteht,
habe in dieſer Zeit ſechsmal den Wirt gewechſelt und im
Umkreis von 150 Schritt ſeien fünf andere Wirtſchaften
vorhanden. Zuletzt habe der Umſatz nur 2½ Hektoliter
Bier in der Woche betragen. Die als Zeugen vernom=
menen
früheren Wirte geben an, daß ſie einen Umſatz von
4 bis 6 Hektolitern gehabt haben. Der Provinzialausſchuß
beſchloß, das Geſuch abzulehnen. Für die
Tiſchlerei von Michael Leonhardt in Neu=Iſenburg
ſoll ein Maſchinenhaus und eine Keſſelanlage errichtet
werden, für die die Konzeſſion nachgeſucht wird. Die
Pläne wurden offengelegt und innerhalb der geſetzlichen
Friſt erhoben zwei Anwohner Beſchwerde gegen die beab=
ſichtigte
Anlage. Die Angelegenheit wurde deshalb zu=
nächſt
vor dem Kreisamt Offenbach verhandelt, das nach
einer Augenſcheinseinnahme in einem zweiten Termin
Urteil dahin ergehen ließ, daß die Anlage unter gewiſſen
Bedingungen zu genehmigen ſei. Die Beſchwerdeführer
verfolgten Rekurs gegen dieſes Urteil beim Provinzial=
ausſchuß
, der in eingehender Verhandlung die Angelegen=
heit
prüfte. Es wurde ſchließlich Beſchluß dahin ver=
kündet
, daß das Urteil in der nächſten Sitzung verkündet
werden ſoll.
g. Ferienſtrafkammer. Als am 14. Juli der Güter=
bodenarbeiter
Gerlach in Nauheim mit ſeiner Familie ge=
gen
Mitternacht von einem Vergnügen heimkehrte, be=
merkte
er zu ſeinem unliebſamen Erſtaunen, daß ſeine
Wohnungstür gewaltſam erbrochen war. Bei näherem
Nachſehen ſtellte ſich dann heraus, daß ſeine geſamten Er=
ſparniſſe
in Höhe von 70 Mark verſchwunden waren. Als
Täter wurde der 23jährige Hilfsſchaffner Johann Konrad=
Kaul von Mannheim ermittelt, der auch ſchließlich den
Einbruch eingeſtand. Er hatte ſeinen Urlaub zu einer
Reiſe nach Bremen benutzen wollen, und der Einbruch
ſollte ihm das Reiſegeld verſchaffen. Er gab an, daß er
die Tat in angetrunkenem Zuſtande begangen habe. E
wurde geſtern von der Ferienſtrafkammer zu 4 Mona=
ten
Gefängnis abzüglich 1 Monat der Unterſuchungs=
haft
verurteilt. Zwei vielfach vorbeſtrafte Verbrecher,
der 18jährige Gelegenheitsarbeiter Franz Scheuer=
mann
von Kaſtel, und der 27jährige Auguſt Fahl von
Koſtheim ſind in einer Aprilnacht in den Guſtavsburger
Hafenplatz eingedrungen und haben von einem dort lie=
genden
Schiff Kleidungsſtücke im Werte von 20 Mark ge=
ſtohlen
. Sie geben beide an, in betrunkenem Zuſtande
über eine Hochbahn in den eingefriedigten Raum einge=
ſtiegen
zu ſein, um zu nächtigen. Scheuermann gibt an,
er wiſſe nur, daß er einen Oelrock und Südweſter mit=
genommen
habe, es ſei auch möglich, daß er auch noch an=
dere
Kleidungsſtücke geſtohlen habe. Fahl will nicht wiſ=
ſen
, ob er etwas mitgenommen habe. Das Gericht ver=
urteilte
den Angeklagten Scheuermann zu 5 Mona=
ten
Gefängnis abzüglich 1 Monat der Unter=
ſuchungshaft
. Der Angeklagte Fahl wird freigeſprochen,
da eine Beteiligung an dem Diebſtahl nicht nachgewieſen
ſei. Wegen Verbrechens nach § 176,3 des Strafgeſetz=
buches
wurde der 59jährige Taglöhner Johannes Grün=
wald
IV. von Höchſt i. O. nach unter Ausſchluß der
Oeffentlichkeit geführter Verhandlung zu 2 Jahren
Gefängnis verurteilt. Ebenfalls unter Ausſchluß
der Oeffentlichkeit wurde gegen den 50jährigen Johann
Adam Wilhelm, aus Würzburg gebürtig, wohnhaft
zu Nieder=Kinzig, und ſeine 30jährige Tochter Katha=
rina
wegen fortgeſetzten Verbrechens nach § 173,1 des
Strafgeſetzbuches verhandelt. Das Gericht erkannte gegen
den Vater auf 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und

5 Jahre Ehrverluſt und gegen dee Tochter auf 1 Jahr
6 Monate Gefängnis.
Vom Großh. Hoftheater. Zahlreichen Anregungen
auswärtiger Theaterbeſucher entſprechend, iſt die General=
direktion
des Großh. Hoftheaters durch Vermittelung des
Großh. Miniſteriums der Finanzen bei der Preuß.=Heſſ.
Eiſenbahnverwaltung wegen Späterlegung der
wichtigſten Bahnanſchlüſſe in die Umgebung
nach Schluß der Theatervorſtellungen vorſtellig geworden.
Die Eiſenbahnverwaltung hat dem Erſuchen entſprechend
eine Reihe von Veränderungen getroffen, durch die neben
den bereits beſtehenden Fahrgelegenheiten den auswärti=
gen
Theaterbeſuchern Gelegenheit zu bequemer Rückfahrt
nach Theaterſchluß geboten ſein wird. So wird ab 1. Ok=
tober
an Sonn= und Feiertagen vorausſichtlich eine neue
Triebwagenfahrt bis Heppenheim eingelegt werden (ab
Darmſtadt 11.02, an Heppenheim 11.51), welcher Zug in
der Heidelberger Richtung ſpäter, eventuell auch an Wo=
chentagen
, abgelaſſen werden ſoll. Im Zuſammenhang
mit dieſer Neuerung wird auch der Anſchluß Eberſtadt=
Pfungſtadt und die Triebwagenfahrt Bickenbach=Seeheim
entſprechend ſpäter gelegt werden. In der Mainzer Rich=
tung
wird der Triebwagen bis Nauheim (ab Darmſtadt
11.06) auch im Winter abgehen. Ferner wird der in der
Odenwaldrichtung nach Wiebelsbach um 11 Uhr von Darm=
ſtadt
fahrende Zug nunmehr auch im Winter verkehren
Später gelegt wurden auch die Züge nach Goddelau=
Worms auf 10.57 und der Aſchaffenburger Zug auf 10.55.
Durch das Entgegenkommen der Heſſ. Eiſenbahn=A.=G. iſt
es ſerner möglich geworden, daß elektriſche Wagen nach
Vorſtellungsſchluß direkt vom Hoftheater nach dem Bahn=
hof
fahren.
* Habilitationsſchrift. Die Habilitationsſchrift
zur Erlangung der Venia legendi für Pädagogik an der
Großh. Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt von Profeſſor
Dr. Karl Roller hier, betitelt Die ſchulgeſchichtliche Be=
deutung
Joſeph Furttenbachs des Aelteren (15911667)
in Ulm iſt im Druck erſchienen.
Ortsgewerbeverein Darmſtadt. Zu dem Vorberei=
tungskurſus
für die Meiſterprüfung im Handwerk in der
Zeit vom 3. September bis 11. Oktober 1913 werden wei=
tere
Anmeldungen noch entgegen genom=
men
. In dem Kurſus werden, worauf wir erneut aufmerk=
ſam
machen, durchgeſprochen u. a. die rechtlichen Beſtim=
mungen
der Reichsgewerbeordnung, der Arbeiterverſiche=
rungsgeſetzgebung
und der Gewerbegerichte. Außerdem
wird ein gründlicher Unterricht in Buchführuna, Wechſel=
lehre
, Scheckverkehr und Kalkulation erteilt. Die Unter=
richtsgebühr
, welche im Voraus zu entrichten iſt, beträgt
10 Mark. Die Anmeldungen haben baldigſt und bis läng=
ſtens
30. I. M. bei der Handwerkskammer zu Darmſtadt,
Georgenſtraße 9, zu erfolgen.
* Betriebsergebniſſe der Heag‟. Herr Stadtv.
Lindt hat bei der Stadtverwaltung bean=
tragt
, ſie möge der Stadtverordnetenverſammlung
baldigſt eine Ueberſicht über die erſtjährigen Be=
triebsergebniſſe
der Heſſiſchen Eiſen=
bahn
=Aktiengeſellſchaft unter Hervorhebung der
Einnahmen der Städtiſchen Straßenbahn zugehen laſſen
unter Heranziehung von Vergleichszahlen einiger Vorjahre.
* Am Jahrestage der Schlacht bei Gravelotte
hat die Bürgermeiſterei Darmſtadt ihren noch
im Dienſte befindlichen oder penſionierten Beamten und
Bedienſteten, welche an der Schlacht teilgenommen haben,
bei der am 15. Juni zur Verteilung gekommenen Jubi=
läumsſpende
aber nicht berückſichtigt werden konnten, das
vor einigen Monaten bei A. Bergſtraeßer in Darmſtadt
erſchienene Buch des Oberſt a. D. Becker Die Großh.
Heſſiſche Diviſion in der Schlacht bei
Gravelotte überreichen laſſen. Ermöglicht wurde
es ihr durch eine zu dieſem Zwecke von privater Seite
zur Verfügung geſtellte Summe. Die Höhe derſelben
ließ es zu, auch einigen anderen in Darmſtadt wohnenden
Teilnehmern an dem Kampfe das den bedeutungsvollſten
Tag in der heſſiſchen Kriegsgeſchichte behandelnde, ſehr
günſtig beſprochene Werk zuzuſtellen, deſſen Reinertrag
bekanntlich der Metzer Vereinigung zur Schmückung und
fortdauernden Erhaltung der Kriegergräber bei Metz
überwieſen wird.
B. Kriegerverein Darmſtadt. Im Anſchluß an die
Feier am Montag Vormittage auf den hieſigen Friedhöfen
hatten ſich am Abend zur Feier des Tages von Gravelotte,
des für die heſſiſche Diviſion ſo ruhmreichen Tages,
die Kameraden mit ihren Angehörigen im Schützenho
zahlreich verſammelt. Die Feier wurde eingeleitet durch
einen ſchneidigen Marſch der Kapelle des Dragoner=
Regiments Nr. 23. Herr Hauptmann a. D. Waldecker
hielt die Feſtrede, die mit einem dreifachen Hoch auf Kaiſer
und Großherzog endete. Die Verleihung der Haſſiaabzeichen
für 40 bezw. für 25jährige Vereinsangehörigkeit konnte
der 1. Vorſitzende an nachfolgenden Kameraden vor=
nehmen
: Für 40jährige Mitgliedſchaft an Kamerad
Friedrich Vogel, für 25jährige an die Kameraden Mich.
Oehlenſchläger, Leonh. Schäfer, Adolf Schneider, Jak.

Reeg, Jakob Pfeiffer, Paul Ramdohr und Philipp
Schmidt. Nach Vortrag einiger Muſikſtücke nahm der
1. Vorſitzende nach einer kurzen Anſprache an die Preis=
träger
, die Ueberreichung der Ehrenpreiſe für die beſten
Schießleiſtungen im abgelaufenen Jahre vor. Es er=
hielten
Preiſe: den 1. Ehrenpreis Kam. Kanzliſt Schröder
mit 378 Ringen, den 2. Kam. Türtmann mit 374 Ringen,
den 3. Kam. Gg. Bender mit 366 Ringen, den 4. Kam.
Kirſchner mit 365 Ringen, den 5. Kam. Nelle mit 360
Ringen. Bei dem Preisſchießen, welches am Sonntag
nachmittag auf den Militärſchießſtänden ſtattfand er=
rangen
folgende Kameraden Preiſe: den 1. mit 33
Ringen Kam. Kirſchner, den 2. mit 33 Ringen Kam.
Schröder, den 3. mit 33 Ringen Kam. K. Bender, den
4. mit 32 Ringen Kam. Hummer, den 5. mit 32 Ringen
Kam. Gg. Bender, den 6. mit 31 Ringen Kam. Schwarz,
den 7. mit 31 Ringen Kam. Momm. Im Namen der
Preisträger erſtattete Herr Kam. Schröder den Dank
den Spendern ab. Ein Tanz ſchloß die Feier.
* Geſellſchaft Gravelotte. Wie jedes Jahr, ſo fan=
den
ſich auch diesmal wieder die alten Kameraden mit
ihren Angghörigen und Freunden der Geſellſchaft
Gravelotte am Montag, den 18. Auguſt, auf dem
Arheilger Mühlchen ein, um in würdiger Weiſe den Ge=
denktag
der Schlacht bei Gravelotte zu feiern Kamerad
Müller begrüßte die Anweſenden in herzlicher Weiſe,
gedachte der Gefallenen und Verſtorbenen und hob dann
in kernigen Worten die Bedeutung des Tages hervor, was
auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Mit einem
Hoch auf den deutſchen Kaiſer und unſeren Landesfürſten
endete die eigentliche Feier, woran ſich noch bei der jungen
Generation ein Tänzchen anreihte und bei eingetretener
Dunkelheit ein Feuerwerk abgebrannt wurde.
* Aus der Beſſunger Bücherhalle (Beſſungerſtr. 48)
wurden im Monat Juli 780 Bücher entliehen; einge=
ſchriebene
Leſer ſeit April 307. Geſchenke gingen ein: Von
Herrn B. Weimar 20 Jahrg. Zeitſchriften, von Frau
Freifrau M. Schenck zu Schweinsberg ½ Jahrg. desgl.,
von Herrn Regierungsrat Fröhlich 2 Jahrg. desgl., von
Geh. Finanzrat Strauß 3 Jahrg. desgl., von Frau Eiſen=
bahnſekretär
Neuhaus eine größere Anzahl Bücher und
Zeitſchriften. Den gütigen Gebern herzlicher Dank! An=
meldungen
weiterer Spenden von Büchern und guten
Zeitſchriften, ſowie Beitrittserklärungen zum Verein für
Verbreitung von Volksbildung (Mindeſtbeitrag 2 Mark)
werden vom Vorſtand des Vereins gerne entgegen=
genommen
. Unentgeltliche Bücherausgabe: Dienstag,
Donnerstag und Samstag von abends 7½9 Uhr.
Daſelbſt auch Bücherverzeichnis zu 20 Pfg.
§ Fahrräder geſtohlen. Es ſind wiederum zwei
Fahrräder geſtohlen worden. Das eine Fahrrad iſt
aus einem Keller in der Weinbergſtraße abhanden ge=
kommen
. Es hat ſchwarzen Rahmenbau und Polizei=
nummer
ſchwarz D 240. Das andere Fahrrad war
vormittags vor dem Saalbau aufgeſtellt. Es iſt Marke
Allright, hat ſchwarzen Rahmenbau, ſchwarze Felgen
und Polizeinummer ſchwarz D 5170.
§ Sachbeſchädigung und Diebſtahl. In der Nacht
von Sonntag auf Montag iſt in der Eliſabethenſtraße
ein Schaukaſten zertrümmert und verſchiedene darin be=
findliche
Gegenſtände geſtohlen worden.

* Kinotheater. Das größte und ſenſationellſte Wild=
Weſt=Drama der Saiſon wird ab heute im Reſidenz=
theater
vorgeführt. Peter, ein Stück Goldgräber=
leben
, iſt ſpannend vom Anfang bis zum Ende. So be=
merken
wir wahre Wunder der Regie und Technik. Die
Rettung eines Mädchens aus der Löwenhöhle‟, Der Ab=
ſturz
eines Eiſenbahnzuges von einer zerſtörten Brücke‟
das ſind Senſationen, welche im Bild noch nicht gezeigt
wurden. Auf den übrigen Teil des Programms ſei nicht
näher eingegangen, doch ſei verraten, daß auch dieſer ſich
dem obengenannten würdig anſchließt. Union=
Theater (Kunſtlichtſpiele, Rheinſtr. 6). Der außer=
ordentliche
Erfolg, den die Leitung des Union=Theaters
mit dem Film Die Czernowska in den letzten Tagen
hatte, ſowie die Bitten vieler Beſucher, das Drama zu
prolongieren, haben die Direktion veranlaßt, den Film
noch für drei Tage zu erwerben. Das prächtige, dem
Leben der ruſſiſchen Bevölkerung abgelauſchte Werk wird
alſo noch auf kurze Zeit gezeigt und iſt jedermann Ge=
legenheit
geboten, neben dem übrigen erſtklaſſigen Pro=
gramm
auch noch den anerkannten Schlager ſehen zu
können. Von den übrigen Darbietungen iſt an erſter
Stelle das große Drama Der Todesſturm zu nennen,
das einen der ſenſationellſten Films darſtellt, der je von
der Kinematographie geboten wurde und faſt ausſchließ=
lich
auf dem Meere ſpielt. Sonſt iſt noch aus dem reich=
haltigen
Programm zu nennen die zwerchfellerſchütternde
Humoreske Kleins Stadtklatſch u. a. m. Unſere Kolo=
nien
in Oſtafrika lernen wir in dem Film Gewerbliche
Betätigung Eingeborener in Oſtafrika kennen und was

angaben, oder große Buddhafiguren, umgeben von mytho=
logiſchen
Perſönlichkeiten. Darunter Porträts von Mön=
chen
, Fürſten und Adoranten verſchiedenſter Herkunft, wie
aus der Farbe der Augen und des Haares, teils auch der
Kopfform, zu erkennen iſt.
Dieſe Bilder wurden ſämtlich geborgen, wozu die
ſtarke, aus zähen Luftziegeln erbaute Mauer zerſtört wer=
den
mußte. Die auf einem Verputz aus mit Häckſel ver=
miſchtem
Lehm gemalten Bilder mußten zurecht geſchnit=
ten
, ſorgſam verpackt und auf Pferden nach Qarachodſcho
transportiert werden. Kamele können während der Hitze
hierzu nicht verwendet werden.
Wenn man nun im Völkermuſeum zu Berlin dieſe
rieſigen Wandſtücke von mehreren Metern Höhe und Breite
unverletzt, wie in jenen Tempeln aufgebaut ſieht, ſo erfaßt
einem ob ſolcher Geſchicklichkeit und mühſamer Arbeit ſo=
wohl
betreffs der Loslöſung wie der Verpackung, die dieſe
Schätze bei einem Transport von vielen tauſend Kilo=
metern
durch die roheſten Lande und zum Teil Völker
unbeſchädigt erhalten hat, gerechtes Staunen. . .
Gleiche Anerkennung gebührt aber auch dem Photo=
graphen
, der dieſe Bilder herſtellte. Nach dem Urteil aller,
welche dieſe Tempelgemälde im Berliner Muſeum geſehen
und mit den Darſtellungen in dieſem Atlas einer vor
Jahrhunderten vergangenen Welt verglichen, beſteht die
vollſtändigſte Gleichheit der Farben wie die der Deut=
lichkeit
der ſo eminent verkleinerten Bilder feinſter Objekte,
wie zum Beiſpiel die Fäden der verſchiedenen Gewebe
und Stickereien an Kleidung, Fahnen und kleinſten Orna=
menten
.
Doch genug der Einzelheiten! Nach ſolch authentiſcher
Darſtellung urgeſchichtlicher Zuſtände und Begebenheiten,
über die man bisher nur vage Berichte beſaß, iſt es nicht
zu verwundern, daß dieſe das größte Intereſſe erwecken,
wie in= und ausländiſche Zeitſchriften berichten; und jeder=
man
, dem die Gelegenheit geboten, wird mit höchſtem
Intersſſe ſich in dieſe Bilder der Urgeſchichte unſerer
Kultur vertiefen. Dem großmütigen Donator daher tief=
gefühlten
Dank!
A. W.

Feuilleton.

* Die Tageseinteilung des Kaiſers Franz Joſef. Den
greiſen Kaiſer Franz Joſef, der jetzt 83 Jahre alt gewor=
den
iſt, hat der Jahre Bürde, haben des Schickſals Schläge
zwar gebeugt, aber nicht gebrochen. Und wie ſchwer iſt
gerade er geprüft worden. Sein Bruder Maximilian
wurde als Kaiſer von Mexiko bei Queretaro erſchoſſen,
ein einziger Sohn, Kronprinz Rudolf, war das Opfer
der Tragödie von Meyerling, ſeine Gemahlin, die Kaiſe=
rin
Eliſabeth, wurde in Genf durch einen Anarchiſten er=
mordet
. Das eiſerne Pflichtgefühl des ehrwürdigen Herr=
ſchers
, der in vielem an Kaiſer Wilhelm I. erinnert, über=
wand
alle dieſe Heimſuchungen. An jedem Morgen um
4 Uhr erhebt ſich der Kaiſer vom Lager, nimmt nach der
Toilette ein einfaches Frühſtück von Kaffee und Gebäck
und ſetzt ſich dann an die Arbeit, die er ohne Unterbrech=
ung
bis 8 Uhr fortſetzt. Dann erſcheinen die Räte und
Miniſter zum Vortrag. Die Zeit zwiſchen den Empfängen
bringt der Kaiſer am Schreibtiſch zu, auf dem ihm um
12 Uhr das Frühſtück ſerviert wird, das bloß aus Suppe,
Fleiſch und Gemüſe nebſt einem kleinen Kruge bayeriſchen
Biers beſteht. Länger als zwölf Minuten dauert das
Frühſtück nie. Bis half fünf Uhr arbeitet der Kaiſer
danach allein, worauf die einzige Erholung des Tages,
die Ausfahrt nach Schönbrunn, erfolgt. Bei der Ankunft
daſelbſt muß das Diner bereit ſein, das der Kaiſer wie=
derum
allein einnimmt, und das aus Suppe, zwei Fleiſch=
ſpeiſen
und einer Mehlſpeiſe beſteht. Dazu kommt eine
Flaſche leichten öſterreichiſchen Weins auf den Tiſch. Nach
dem Diner lieſt der Monarch die Zeitung, arbeitet noch
einige Zeit und geht regelmäßig genau um 8 Uhr zu Bett.
Dieſe Tageseinteilung iſt immer die gleiche, ob der Kai=
ſer
nun in der Wiener Hofburg, in Iſchl oder Schönbrunn
oder in Ungarn weilt.
B.B. Trinkgeldloſe Hotelbetriebe kann man in dieſem
Sommer in größerer Zahl antreffen. Bereits im Jahre
1905 hat der Internationale Hotelbeſitzerverein auf ſeiner

Hauptverſammlung in Riva beſchloſſen, daß alle in dieſem
Verein organiſierten Hotelleitungen fortab eine ſogen.
Trinkgelderablöſung einzurichten haben, und der Welt=
kongreß
der Hotelbeſitzervereine im Jahre 1908 trat dieſem
Beſchluſſe bei. Den ſämtlichen Angeſtellten ſollte bei Strafe
ſofortiger Entlaſſung die Annahme von Trinkgeld, in wel=
cher
Form es auch ſei, verboten werden. Durch Anſchläge
in den Hotelzimmern ſollten die Hotelgäſte darauf auf=
merkſam
gemacht werden, daß Trinkgelder an die Bedien=
ſteten
nicht zu zahlen ſeien, daß dafür aber ein entſprechen=
der
Betrag auf die Rechnung geſetzt werden würde. Bei
einer Hotelſchuld bis zu 20 Mark würden 15 Prozent und
darüber 10 Prozent in Anſatz gebracht werden. In der
erſten Zeit verſagte dieſe Einrichtung in den meiſten Fäl=
len
. Nachdem aber die neue internationale Hotelordnung
dieſe Sätze aufgenommen hat und Angeſtellte, die trotz
mehrfacher Verwarnung Trinkgelder annahmen, entlaſſen
worden ſind, hat ſich die Zahl der trinkgeldloſen Hotel=
betriebe
ganz erheblich vermehrt. Namentlich in dieſem
Sommer iſt dieſe Neuerung ſehr angenehm empfunden
worden. Das bedienende Perſonal erhält einen angemeſ=
ſenen
Wochenlohn und die Trinkgelderablöſungen werden
in zweckmäßiger Weiſe unter alle Hotelbedienſteten verteilt.
In allen größeren Städten Deutſchlands, u. a. in Berlin,
Hamburg, Danzig, Poſen, Eſſen, Dortmund. Bremen,
Nürnberg, Darmſtadt, Chemnitz, Leipzig, Bromberg, Bres=
lau
, ſind derartige trinkgeldloſe Betriebe vertreten. Wenn
ſich erſt herumſpricht, daß die Gäſte in dieſen Hotels vor
allerlei Beläſtigungen ſicher ſind, dürfte dieſes Syſtem der
Trinkgeldablöſung eine noch größere Ausbreitung er=
fahren
.
C.K. Wie Mac Mahons Marſch auf Metz den Deut=
ſchen
bekannt wurde. Am Abend des 24. Auguſt erhielt das
deutſche Hauptquartier 1870 die erſte Meldung von dem
Verſuche Mac Mahons ſtatt auf Paris gegen Metz zu
ziehen, um Bazaine Hilfe zu bringen. Auf welchemWege
die deutſche Heeresleitung ſo ſchnell von dieſem Plan er=
fuhr
, der durch die ſtrategiſchen Gegenzüge unſeres
Generalſtabes zu dem Triumpbe von Sedanzführtelsbes

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

ſonſt noch geboten wird, verdient wie immer den Namen
erſtklaſſig.
Konzerte. Ludwigshöhe. Heute, Mittwoch
den 20. Auguſt, wird das regelmäßige Kurkonzert von der
Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 ausgeführt.
Bei günſtiger Witterung findet im Anſchluß, abends 8 Uhr,
großes Abendkonzert, verbunden mit Réunion, ſtatt, letz=
tere
bei jeder Witterung. (Näheres ſiehe Anzeige.)

K Roßdorf, 18. Aug. Heute mittag verſammelte ſich
der Gemeinderat auf dem Rathaus, um ſeinen verdienſt=
vollen
, nach 41jähriger Dienſtzeit in den Ruheſtand ge=
tretenen
Polizeidiener Georg Ludwig Hein III. zu
ehren. Der Rathausſaal war von der Firma Kaiſer u.
Seibert ſchön dekoriert. Nachdem ſich der Gemeinderat
verſammelt hatte, erſchien auch Herr Regierungsrat
von Werner. Herr Bürgermeiſter Lorenz überreichte
dem Jubilar namens der Gemeinde mit zu Herzen gehen=
der
Rede eine ſchöne Uhr mit Widmung und Diplom.
Hierauf übergab Herr Regierungsrat von Werner
dem Jubilar das von Sr. Königl. Hoheit dem Großher=
zog
verliehene Ehrenzeichen für langjährige treue Dienſte.
Herr Regierungsrat von Werner ſagte, daß es ihm eine
beſondere Freude ſei, gerade heute hierher zu kommen,
und daß der Ortsvorſtand gerade den 18. Auguſt gewählt
habe. Er gedachte dann in ſeiner Rede des 18. Auguſt
vor 43 Jahren, wo der Jubilar in der Schlacht geſtanden
hatte und wohl auch gedacht haben wird: Werde ich den
Abend noch erleben? Polizeidiener Hein dankte dem
Herrn Regierungsrat, ſowie dem Ortsvorſtand tief ergrif=
fen
für die Ehrung.
Pfungſtadt, 19. Aug. Am 1. September findet die
hieſige Gemeinderatswahl ſtatt. Es ſcheiden aus
dem Stadtkollegium drei Mitglieder der ſozialdemokra=
tiſchen
Partei und zwei den bürgerlichen Parteien ange=
hörende
Räte aus. Bis jetzt ſind noch keine neuen Kandi=
daten
nominiert worden.
-h- Jugenheim a. d. B 19. Aug. Unſere Gemeinde
hat einen ſchmerzlichen Verluſt erlitten durch den Tod
der Frau Pauer Witwe. Die Familie Pauer, die wohl
ſchon mehr als 40 Jahre hier anſäſſig iſt und an allen
Begebniſſen lebhaften Anteil nahm, ſteht hier in hohem
Anſehen, beſonders die nun heimgegangene alte Dame,
die eine große Wohltäterin war und alles Edle und Gute
mit reichen Mitteln förderte. Möge ſie ſanft ruhen!
B. Crumſtadt, 18. Aug. Die Jahrhundertfeier
zum Gedenken an die Befreiung Deutſchlands wird am
kommenden Sonntag hier ſtattfinden. Eingeleitet wird
das Feſt durch eine morgens ſtattfindende Kirchenparade
des Krieger= und Militärvereins und Feſtgottesdienſt
Nachmittags 2 Uhr bewegt ſich ein Feſtzug ſämtlicher hieſi=
ger
Vereine nach dem Feſtplatze, wo Herr Pfarrer Schäfer
die Feſtrede hält, während die Geſangvereine durch paſ=
ſende
Liedervorträge und der Turn= und Athletenverein
durch turneriſche uſw. Vorführungen die Feier abwechſe=
lungsreicher
geſtalten werden. Abends findet noch Feſt=
konzert
bei Gaſtwirt Volk ſtatt, während ein prächtiges
Feuerwerk den Schluß der ganzen Feier bilden wird.
Offenbach, 19. Aug. Der Ortslohn, der am 1. Ja=
nuar
1914 in Kraft tritt, beträgt für männliche Verſicherte
über 21 Jahre 3,80 Mark, weibliche 2,80 Mark, für männ=
liche
von 16 bis 21 Jahren 3 Mark, weibliche 2 Mark, und
für männliche Verſicherte unter 16 Jahren 2 Mark, weib=
liche
1.50 Mark. Für die Verſicherten im Alter von 16 bis
21 Jahren ſind erſtmalig beſondere Sätze eingeführt wor=
den
. Bei einer Meſſerſtecherei, die ſich in der
Domſtraße abſpielte, wurde der Arbeiter Hermann Weſſel=
mann
durch einen Stich in den Hals ſchwer verletzt.
Der Verletzte mußte dem Krankenhaus überwieſen werden.
Offenbach. 19. Aug. Friedhofsverwalter Steitz
wurde nach einer eingehenden Vernehmung wieder auf
freien Fuß geſetzt, da ein Fluchtverdacht nicht vor=
liegt
. Die Verfehlungen des Friedhofsverwalters er=
ſtrecken
ſich auch zum großen Teile auf das Diſziplinar=
gebiet
, wie die von ihm betriebenen Nebengeſchäfte.
Kelſterbach, 19. Aug. An der hieſigen Schleuſe wurde
einem Matroſen durch ein Drahtſeil, das ſich um den Fuß
gelegt hatte, der Fuß glatt abgeſchnitten.
König i. O., 19. Aug. Auf tragiſche Weiſe mußte der
Taglöhner Georg Fritz, der bei dem hieſigen Landwirt
Philipp Hoffart V in Arbeit ſteht, ſein Leben ein=
büßen
. Beim Feſtwinden einer Ladung Frucht auf
dem Erntewagen ſchlug ihm der ſogen. Windelöffel, der
abprallte, mit ſolcher Wucht an die Schläfe, daß der Be=
dauernswerte
ſofort tot niederſank.
Eich, 19. Aug. Ein Eiſenbahnunglück ereig=
nete
ſich heute gegen Mittag. Der 30jährige Monteur
Auguſt Mayer aus Hamburg, der bei der rheiniſchen
Ueberlandzentrale in Guntersblum angeſtellt iſt, war in
Eich zuſammen mit dem Vertreter der rheiniſchen Ueber=
landzentrale
, Bettwieſer aus Guntersblum, mit Monteur=
arbeiten
beſchäftigt. Auf dem Rückwege bemerkte Bett=
wieſer
an dem Uebergang nach Gimbsheim, daß der 11,23
Uhr in Eich abgehende Zug daher kam. Er warnte
Mayer, noch die Geleiſe mit dem Rad zu paſſieren. Trotz=
dem
verſuchte er es. Dabei wurde er von dem Zuge er=
faßt
und kam unter die Lokomotive; der Kopf wurde ihm

ſchäftigt Emile Ollivier in ſeinen Kriegserinnerun=
gen
an 1870, die er in der neuen Nummer der Revue des
Deux=Mondes veröffentlicht. Der Aufbruch Mac Mahons
von Chälons und ſein Marſch längs der belgiſchen Grenze
ſollte ſtreng geheim gehalten werden; auf franzöſiſcher
Seite hatte man dafür geſorgt, daß der deutſchen Heeres=
leitung
ein Telegramm in die Hände fiel, nach dem Mac
Mahons Truppen eine ganz andere Marſchrichtung einge=
ſchlagen
haben ſollten. Die entſcheidende Nachricht über
die wirkliche Abſicht des franzöſiſchen Heerführers erhielt
das deutſche Hauptquartier durch ein Telegramm aus
London; es berichtete aufgrund der Mitteilungen Pa=
riſer
Blätter, daß Mac Mahon ſich in Reims konzentriere
und zum Entſatze Bazaines aufbrechen werde. Unmittel=
bar
darauf lief eine zweite Meldung aus Brüſſel ein:
Die Zeitung Indépendance Belge berichtete, Mac Mahon
marſchiere eilig auf Meziéres. Der Chefredakteur hatte
aus Ehrgeiz, zuerſt neue Meldungen zu veröffentlichen,
ſeinen Sohn nach Frankreich geſchickt mit dem Auftrage,
ſo weit vorzudringen, bis er Mac Mahons Avantgarde
begegne. Als der junge Reporter den erſten franzöſiſchen
Truppen begegnete, machte er ſofort Kehrt und telegra=
phierte
. Im deutſchen Hauptquartier wollte man den
Meldungen zuerſt keinen Glauben ſchenken, der Entſchluß
Mac Mahons ſchien gar zu abſurd. Aber die bald darauf
in Pariſer Blättern erſcheinenden Informationen, die
Meldungen des Temps, des Publie und des Peuple
Francais beſtätigten dieſe Nachrichten und lieferten ſo
unfreiwillig der deutſchen Heeresleitung wertvolle Winke
über die Abſichten Mac Mahons. Bald darauf beſtätigten
die Erkundungen der deutſchen Kavallerie die Richtigkeit
der Meldung, und am 26. Auguſt begann der berühmte
deutſche Rechtsabmarſch, der Mac Mahons Heer auf Sedan
werfen ſollte.

glatt vom Rumpfe getrennt. Mayer war verheiratet
ſeine Frau iſt erſt vor kurzem geſtorben. Sein einziges
Kind war bei einem Zimmerbrand tödlich verunglückt.
Das Zugperſonal ſoll keinerlei Schuld treffen, da die vor=
ſchriftsmäßigen
Signale abgegeben worden ſind. Der
Lokomotivführer ſah wohl den Radfahrer, konnte aber den
Zug nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen.
Bingen, 19. Aug. An der neuen ſtrategiſchen
Rheinbrücke wird von etwa 200 Arbeitern eine raſt=
loſe
Tätigkeit entfaltet, um die Brückenbauarbeit ſo raſch
als möglich zu beſchleunigen, da man mit Beſtimmtheit
auf die Fertigſtellung der Brücke bis Mitte 1915 rechnet.
Die Arbeit geht Tag und Nacht ununterbrochen fort. Bis
zum 15. Dezember dieſes Jahres ſollen bereits zwei von
den ſieben Strompfeilern fertiggeſtellt ſein. Da der Rhein=
boden
zum Teil lockeren Grund hat, ſo müſſen, laut M. J.,
die Pfeiler ſehr tief ins Strombett eingebaut werden.
Mittels elektriſch betriebener Senkkäſten iſt der Boden be=
reits
bis auf 17 Meter unter Waſſerſpiegel ausgehoben.
Das Waſſer wurde durch Preß=Druckluft ausgepumpt.
Starke Rammblöcke, die in größerer Entfernung von den
Baugerüſten ſtromaufwärts in den Strom getrieben ſind,
brechen die Stromkraft. Die Pfeiler werden hier zum
erſtenmal ausſchließlich aus Eiſenbeton ſtatt der bisher
üblichen Quaderſteine ausgeführt. Die Firma Dyckerhof
hatte ſchon vorher drei ſtarke Eiſenbetonpfeiler, die auf
der Spitze in etwa 20 Meter Höhe Blitzableiter tragen,
auf ihre Blitzgefahr geprüft. Trotz der gerade in dieſem
Sommer hier ſo ſtark auftretenden Gewitter bewährten
ſich dieſe Probepfeiler ſehr gut. Die Betonmaſſen werden
auf dem Bauplatze im Rheine ſelbſt fabriziert; desgleichen
wird die erforderliche elektriſche Energie am Platze er=
zeugt
. An den Stromufern herrſcht ebenfalls ein ſehr
reges Leben. Namentlich auf der heſſiſchen Stromſeite
werden vom Bahnhof Gaulsheim ab lange Gleislinien
angelegt. auf denen die Materialwagen nach dem Strom=
ufer
befördert werden. Hier iſt auch der einzige größere
Damm notwendig, für den das Erdmaterial von Heides=
heim
hergeholt wird, da der hieſige Letteboden wegen
Dammrutſchgefahr ſich nicht eignet. Die Niederungen am
linken Rheinufer werden nicht aufgefüllt, um dem Strome
ſeine größere Ausdehnungsfläche bei Hochwaſſer und Eis=
gang
zu belaſſen.
Gießen, 19. Aug. Der Ausbrecher Stephan
Will, der ſich aus dem Provinzialarreſthauſe ſelbſt Ur=
laub
genommen hatte, um eine Fahrt an den Rhein zu
unternehmen, den man aber in Koblenz feſtgehalten hat,
iſt am Freitag nachmittag in der Oſtanlage wieder ein=
getroffen
. Man hatte, ſchreibt der G. A., dem gefähr=
lichen
Menſchen, um ſeiner ſicher zu ſein, ſofort nach ſei=
ner
Einlieferung Feſſeln angelegt, aber zum Er=
ſtaunen
der Gefängnisbeamten hatte ſich der Menſch in
ganz kurzer Zeit der Feſſeln entledigt. Er=
neut
noch ſchärfer gefeſſelt, glaubte man ſich wegen des
Menſchen nicht mehr beunruhigen zu ſollen. Aber nach
kaum einer halben Stunde pfiff Will die Melodie Frei
iſt der Burſch und ging dabei ſtolz wie ein Spanier ohne
Feſſeln in ſeiner Zelle auf und ab. Der Wärter traute ſei=
nen
Augen nicht, und als er den Will frug, wie er es denn
fertig bringe, die feſten Bande zu löſen, da meinte er, das
ſei eine Kleinigkeit, man müſſe dies nur verſtehen. Auch
eine dritte, erneute Feſſelung war vergeblich. Will ſtreifte
die ſchwerſten Ketten ab, als wenn es gar nichts wäre
Der Beamte der Staatsanwaltſchaft, dem man von die=
ſem
noch nie dageweſenen Vorfall Meldung erſtattete, war
nicht wenig überraſcht und meinte mit Recht, den Menſchen
könne man ja für Geld ſehen laſſen. Er ordnete eine be=
ſondere
Bewachung des Gefangenen bei Tag und Nacht
an und erbat von der Zellenſtrafanſtalt Butzbach eine be=
ſonders
ſchwere und komplizierte Feſſelung für den Ge=
fangenen
, aus der ſich W. ſicher nicht zu löſen imſtande iſt.
Wie der Ausbrecher, der ganz ohne Mittel war, ſo ſchnell
nach Koblenz gekommen iſt, darüber verweigerte er bei
ſeiner Vernehmung jede Auskunft. Auch darüber, wie
es ihm möglich war, beim Verlaſſen des Provinzialarreſt=
hauſes
die verſchiedenen ſchweren Schlöſſer zu öffnen, er=
klärte
er ſich nicht äußern zu wollen. Humorvoll meinte
Will, er werde nicht ſo dumm ſein, das zu verraten, denn
er werde wieder verſuchen, ins Freie zu kommen. Er
könne jedes noch ſo feſte Kunſtſchloß öffnen, und es wäre
ihm ein Leichtes geweſen, in jener Nacht, als er die gaſt=
liche
Stätte an der Oſt=Anlage verlaſſen hat, noch weitere
Zellentüren zu öffnen, um auch anderen Gefangenen zur
Freiheit zu verhelfen; er habe dies aber unterlaſſen, weil
ihn die Mitgefangenen nichts angingen. Will hat bis zu
ſeiner Aburteilung (Ende des Monats) in Unterſuchungs=
haft
zuzubringen. Man wird den gefährlichen Verbrecher
jetzt ſtrenger hüten. Uebrigens trifft keinen der Beamten
ein Verſchulden für die Flucht des Will. Das Provinzial=
arreſthaus
, das, abgeſehen von kurzfriſtig zu Strafe ver=
urteilten
Uebeltätern, nur zur Unterbringung von Unter=
ſuchungsgefangenen
dient, iſt für ſolch geſchickte Vögel wie
Will nicht berechnet.
Gießen, 19. Aug. Der 2000000ſte Beſucher
der Internationalen Baufachausſtellung
in Leipzia, dem ein wertvolles Andenken zugeſichert war,
iſt ein Gießener. Schreinermeiſter Georg Haubach hier
iſt der Glückliche. Das Andenken beſteht in einer goldenen
Uhr von hohem Werte.
(*) Großen=Linden, 19. Aug. Geſtern mittag betrat
ein gutgekleideter Herr die hieſige Wirtſchaft Zum Hütten=
berg‟
. Er beſtellte ſich etwas zu eſſen. Als ſich die Wirtin
in die Küche begab, entwendete der Fremde eine Geld=
taſche
mit 8 Mark Inhalt; darauf entfernte er ſich ſofort.
Der Diebſtahl wurde gleich bemerkt, der Dieb von mehre=
ren
Leuten feſtgenommen und nach Gießen abgeliefert
Die Taſche mit Inhalt fand man bei ihm.
(*) Friedberg, 18. Aug. Eine große Sprengung
am alten Waſſerbehälter am Haingraben nahmen heute
nachmittag die Mainzer Pioniere vor. Sie hatten
in die meterdicke Betonmaſſe etwa zehn Schüſſe gelegt und
den Platz rundum durch eine hohe Bretterwand, Reiſig=
hügel
und Tücher gegen auffliegende Geſteinsmaſſen ge=
ſchützt
. Der Platz iſt ſtreng abgeſperrt, ein Soldat und
Schutzleute bewachen das Gelände, damit es von niemand
betreten wird. Die Abteilung Pioniere beſteht aus zwei
Offizieren, zwei Unteroffizieren und 15 Mann. Man
glaubt, daß die vollſtändige Beſeitigung des Betonbehäl=
ters
noch die ganze Woche dauert. Das Gelände liegt
nahe dem neuen Bahnhof und ſoll als Baugelände dienen.
Ober=Erlenbach, 19. Aug. Die neuen Steuerzettel für
die Gemeinde ſind noch nicht da, abwohl das Rechnungs=
jahr
ſchon faſt fünf verfloſſene Monate zählt. Es gehen
mithin keine Steuerbeträge ein. Die Gehälter der Lehrer
und Gemeindebedienſteten, ſowie anderes müſſen aber
bezahlt werden, deshalb hat der Gemeindevorſtand be=
ſchloſſen
, vorübergehend 1500 Mark zu leihen,
damit der Gemeinderechner, der ein hinreichendes Be=
triebskapital
nicht hat, um faſt für ein halbes Jahr die
Gemeindeausgaben beſtreiten zu können, Auszahlungen
leiſten kann.

Der Vorſtand des Landesverbandes Heſſiſcher
Hausbeſitzervereine

hielt in Worms eine Sitzung ab, in der vertreten waren
die Städte Darmſtadt Gießen, Mainz, Offenbach und
Worms. Den Vorſitz führte Herr Grünwald=Mainz. Zu
den verſchiedenen Thematas referierten oder beteiligten ſich
vorwiegend an der Diskuſſion die Herren Grünwald, L.
Mertes und Direktor Volk=Mainz, Lehrer Speckhardt,
v. Heſſert und Geſchäftsführer Ziegler=Darmſtadt,
Lang und Kaiſer=Offenbach, Koch und Schiffer=Worms.
Ueber dieſe Sitzung geht uns ein Bericht zu, dem wir
folgendes entnehmen:
Zur Tagesordnung ſtand 1. das neue Gemeinde=
ſteuergeſetz
. Die Grundlage des vollen gemeinen
Wertes als Maßſtab der Beſteuerung, alſo damit das Ver=
ſteuern
der Schulden, aus denen die Gläubiger bereits
zweimal beſteuert ſind, der Hausbeſitzer dann nochmals, ſo
daß dasſelbe Objekt dreimal beſteuert iſt, fand eine ſcharfe
und abfällige Kritik. Ebenſo die bei unbebauten Grund=
ſtücken
, von denen man noch nicht einmal weiß, ob in 10
oder 20 Jahren etwas daran gewonnen wird ſchon heute
eintretende Beſteuerung nach der oft mehr als zweifelhaf=
ten
Schätzung ihres ſogenannten gemeinen Wertes, den
ſie alsdann haben werden. Die Härte des Geſetzes wurde
nach allen Seiten hin beleuchtet, wobei auch beſonders be=
tont
wurde, daß, ſo weit es im Hinblick auf Gewerbe=
beſteuerung
Großbetriebe entlaſte, der kleine Mann dabei
oft gleichzeitig auf das härteſte betroffen werde. Das
beliebte Schlagwort von der ſchwachen Schulter ſcheint
man alſo hier nicht berückſichtigt zu haben. Die Notwen=
digkeit
einer Geſamtoppoſition wurde einſtimmig aner=
kannt
. Die Einzelverbände ſollen bis zum 1. Sepkember
ihre Wünſche und Beſchwerden dem Vororte Mainz ein=
ſenden
.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung, über das rigoroſe
Vorgehen eines großen Teiles der deutſchen Bans
ken gegenüber ihren Hypothekenſchuldnern wurde Be=
ſchluß
gefaßt, daß ebenfalls etwas geſchehen, insbeſondere
auch dagegen Stellung genommen werden müſſe, daß dieſe
Banken der Vorausſetzung, unter der ſie konzeſſioniert
wurden, wonach ihre Darlehen auch den kleineren Schuld=
nern
aus dem Mittelſtande gewährt werden ſollen, vielfach
nicht entſprächen, ſondern zur Vereinfachung ihrer Arbeit
oft den größten Teil ihrer Fonds an Millionenſchuldner
abgäben, ihren volkswirtſchaftlichen Zweck alſo völlig ver=
fehlten
. Herr Grünwald=Mainz legte hierüber verblüffen=
des
Material vor. Es ſoll bei der Regierung Vorſtellung
erfolgen zu dem Zwecke, daß ſie beim Reichsjuſtizamt da=
hin
wirke, daß die Erteilung von Bankkonzeſſionen an
ſchärfere, die bezeichneten Mißbräuche ausſchließende Be=
dingungen
geknüpft und bei den beſtehenden Remedur ge
ſchafft werde.
Punkt 3 der Tagesordnung: Heſſiſche Brand
kammerverhältniſſe, führte ebenfalls zu einer
längeren Diskuſſion, welche bewies, wie unzufrieden die
heſſiſchen Hausbeſitzer, welche den winzigſten Anteil der
Brandentſchädigung im Verhältniſſe gegenüber der Land=
wirtſchaft
und ſpeziell der Großinduſtrie, für deren Schä=
den
ſie größtenteils ihre Brandſteuern zahlen müßter
empfangen, mit den gegenwärtigen Verhältniſſen ſind. Für
den ſtädtiſchen Hausbeſitz müßte der Prozentſatz der
N
Brandſteuern unbedingt bei gerechter Würdigung der
tatſächlichen Verhältniſſe bedeutend herabgeſetzt werden.
Für 1912 habe man eine allgemeine Erleichterung auf 56
Prozent zum Ausgleiche erwartet. Das ſei nicht eingetre=
ten
; man habe ruhig 8 Prozent erhoben. Es wurde be=
ſchloſſen
, ſtatiſtiſches Material zu ſammeln, welche Summe
die Brandverſicherungskammer in den letzten fünf Jahren
1908 bis 1912 im ganzen aus den Brandſteuern verein=
nahmt
, welche Beträge ſie davon als Brandentſchädigun
gen bezahlt hat und hauptſächlich, wie ſich letztere auf
Brandſchäden in ſtädtiſchen Wohnhäuſern, auf landwirt=
ſchaftliche
und hauptſächlich auch auf großinduſtrielle Ge=
bäudeſchäden
verteilten. Aufgrund dieſes Materials ſoll
dann bei der Regierung weitere Vorſtellung erfolgen.
Punkt 5: Wertzuwachsſteuer führte ebenfalls
zu einer längeren Diskuſſion. Es wurde der Beſch=luß
gefaßt: Eingabe an die Regierung, die ihr überlaſſene
Steuer bis zum 1. April 1915 in den Gemeinden des
Landes nicht praktiſch zu betätigen und vom 1. April 1915
ab völlig aufzuheben. Damit war die Tagesordnung
erledigt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 18. Aug. Heute nachmittag
wurde die geſamte Neuanlage des Aquariums,
die jüngſte Sehenswürdigkeit Berlins, mit einem feſtlichen
Auftakt der Oeffentlichkeit übergeben. Eine ſtattliche Zahl
geladener Gäſte wohnte dieſer intereſſanten Premiere bei.
Geheimrat Ravené hieß in einer kurzen Anſprache die
Gäſte willkommen und dankte den wiſſenſchaftlichen und
techniſchen Mitarbeitern, die geholfen hatten, das Aqua=
rium
zu errichten. Profeſſor Heck verbreitete ſich in ſeiner
Anſprache ausführlicher über die wiſſenſchaftliche Bedeu=
tung
des Inſtitutes. Hierauf ſprach Exzellenz Schmidt im
Namen des Kultusminiſters, deſſen Grüße und Glück=
wünſche
er überbrachte. Zum Schluß ſprach noch Bür=
germeiſter
Dr. Reicke. Unter Führung von Dr. Heinrot
und anderen Herren wurde dann der erſte Rundgang
durch das Haus angetreten. Nach der Beſichtigung fanden
ſich die Gäſte zu einem gemeinſamen Mahl im Zoo zu=
ſammen
, wo noch viel zu Preis und Ehr des neuen
Seit einigen Tagen
Aquariums geſprochen wurde.
kommen bei dem Telegraphenbataillon Nr. 1 Typhus=
erkrankungen
vor, die allerdings leichter Art ſind,
aber doch Anlaß zu umfaſſenden Vorſichtsmaßregeln ge=
geben
haben. Bis jetzt ſind 5 Mann unter Typhuserſchei=
nungen
erkrankt und aus dem Kaſernement in dem Trep=
tower
Park nach dem Garniſonlazarett in Tempelhof ge=
bracht
worden. In letzter Zeit wurden bei mehreren
großen Becliner Metalffirmen) umfangreiche Metall=
diebſtähle
ausgeführt. Geſtern gelang es, die Diebe
und Hehler, im ganzen 7 Perſonen, zu ermitteln und feſt=
zunehmen
. Sie hatten mit verſchiedenen Angeſtellten
großer Betriebe in Verbindung geſtanden. Ein Werk=
meiſter
hatte an die Hehler ganze Wagenladungen von
Metall geliefert. Auch ein Angeſtellter der A. E.=G.
arbeitete für ſie und ſtahl nach und nach für 20000 Mark
Metall. Bei der Großen Berliner Straßenbahn ſind
Schienen und Kupferdrähte entwendet worden. Wie das
Berliner Tageblatt hört, ſtehen noch weitere Verhaftungen
bevor. Ein dreiſter Raubüberfall wurde heute
in der Mittagszeit auf ein junges Mädchen in einem
Poſamentiergeſchäft in der Prenzlauer Allee verübt. Vier
Männer betraten den Laden, nahmen eine Anzahl Sachen
an ſich und entkamen ungehindert mit ihrer Beute. Das
Mädchen verſuchte, um Hilfe zu rufen, ſtand aber davon
ab, als die Männer Miene machten, ihm den Mund zu=
zuhalten
. Ein unter ungewöhnlichen Umſtänden aus=
geführter
Mord iſt Montag vormittag im Hauſe War=

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Nummer 194.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Seite 5

ſchauer Straße Nr. 58 entdeckt worden. In ihrem Bett
ermordet aufgefunden wurde die 34 Jahre alte, von ihrem
Manne geſchiedene Frau Eckelt. Als Mörder hat ſich
in Briefen und hinterlaſſenen Aufzeichnungen der 39 Jahre
alte Monteur Kaſſau aus der Warſchauer Straße Nr. 30
bekannt. Der Mann, der mit der Frau ſeit Jahren in=
time
Beziehungen unterhielt, gibt als Grund des Mordes
Eiferſucht an. Der Mörder iſt heute früh in Berlin ge=
ſehen
worden. Mehrere Beamte der Berliner Kriminal=
polizei
fahnden nach ihm.
Homburg v. d. H., 19. Aug. Der Kaiſer hörte heute
vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und
des Chefs des Militärkabinetts. Zur Frühſtückstafel bei
Ihren Majeſtäten ſind geladen der Großherzog und
die Großherzogin von Heſſen, Prinz Albert zu
Schleswig=Holſtein und Freifrau von Sternburg.
Heidelberg, 19. Aug. Geſtern abend gegen 6 Uhr
wollte ein hieſiges Automobil auf der Straße Ebin=
gen
-Wieblingen einem Fuhrwerk ausweichen, kam der
Böſchung dabei zu nahe und ſtürzte, ſich zweimal über=
ſchlagend
, den Abgrund hinunter. Der Führer und der
Beſitzer des Autos wurden ſchwer verletzt in das Akade=
miſche
Krankenhaus gebracht.
Plauen, 18. Aug. Zu dem Touriſtenunglück
in den Dolomiten, bei dem der Student Eberhard Mül=
ler
aus Plauen und der Privatdozent Dr. Lütgens
aus Freiburg i. Br. den Tod fanden, wird noch gemeldet,
daß der Kandidat Hein aus Tübingen ſich vor dem Un=
fall
auf dem Sellahaus von den beiden Begleitern trennte,
um nach München zurückzukehren, da er ſich auf einer Hoch=
tour
eine Fußverletzung zugezogen hatte. Der Abſturz der
beiden Verunglückten erfolgte auf der Nordſeite der Gras=
leitenſpitze
in 250 bis 300 Meter Höhe. Die Leiche Lütgens
wurde nach Ulm zur Einäſcherung, diejenige Müllers nach
Plauen übergeführt.
Hamburg, 18. Aug. Hier iſt man einem großen Va=
nillediebſtahl
auf die Spur gekommen. Bei den
Firmen Franz Fritſche u. Co. und J. D. Bieber brachten
Angeſtellte Vanille im Geſamtwerte von mehr als 50000
Mark auf die Seite. Der größte Teil des geſtohlenen Ge=
würzes
iſt nach Berlin geliefert worden. Des Diebſtahls
überführt ſind vier Angeſtellte der Firmen, die verhaftet
worden ſind.
Paris, 18. Aug. Einem in der bekannten Pariſer
Kunſtſtraße, der Rue Drouot, wohnenden Briefmar=
kenhändler
ſind die beſten Stücke ſeiner
Sammlung im Werte von 600000 Francs geſtoh=
len
worden. Der Dieb iſt die eigene Frau des Händ=
lers
. Dieſer iſt ein gebürtiger Perſer namens Mirka
Hadi. Vor einigen Monaten hat er ſich von ſeiner Frau
ſcheiden laſſen, bald jedoch ſehnte er ſich nach ſeiner Le=
bensgefährtin
zurück und ſchrieb ſeiner inzwiſchen nach
Belgien verzogenen geſchiedenen Frau, ſie möchte zurück=
kehren
. Am 9. Auguſt erſchien ſie auch wieder in der Rue
Drouot. Am Mittwoch verreiſte das Ehepaar: er zum
Briefmarkenankauf nach Wien, ſie wieder nach Belgien.
Am Samstag kam jedoch die Frau zurück, ließ ſich von
dem Hausverwalter unter dem Vorwande, ihr Mann habe
etwas vergeſſen, die Schlüſſel zur Wohnung geben und
weilte den ganzen Abend in ihr. Am Samstag darauf
erſchien ſie wiederum und zwar in Begleitung eines frem=
den
Mannes. Als ſie die Wohnung betreten wollte, ver
weigerte ihr der Hausverwalter den Zutritt. Er hat da=
durch
, ohne es zu wiſſen, Mirka Hadi vor noch größerem
Schaden bewahrt, denn als dieſer kürzlich zurückkehrte,
fand er, daß die koſtbarſten Stücke verſchwunden waren.
Wie weiter gemeldet wird, ſpielt der Briefmarken=
Diebſtahl nach Berlin hinüber. Wie verlautet, befindet
ſich die geſchiedene Frau Mirza Hadis ſeit geſtern in
Berlin. Sie erſchien geſtern in einem der größten Ber=
liner
Briefmarkengeſchäfte und bot dort eine große Serie
von Transvaalmarken an. Sie verlangte, daß ihr die
Briefmarken mit 30000 Francs beliehen werden ſollten.
Da der Geſchäftsinhaber nicht zugegen war, erſuchte der
anweſende Angeſtellte die Frau, nachmittags wieder zu
kommen, was die Frau aber ablehnte.
Brüſſel, 19. Aug. Auf tragiſche Weiſe hat eine
in Heyſt ſich aufhaltende deutſche Familie ihren 11jährigen
Sohnverloren. Der Junge ſpielte mit ſeinen beiden
Schweſtern in den Dünen von Duinbergen, einem kleiner
Badeort bei Knocke, als er ſich nach einer Weile für müde
erklärte und von den übrigen entfernte. Als die Schwe
ſtern ihn ſpäter riefen, war der Junge verſchwunden,
ſtellte ſich auch im Verlaufe des Abends nicht mehr ein,
und die von den Eltern ſofort angeſtellten Nachforſchun=
gen
hatten keinen Erfolg. Am folgenden Tag wurden
die Dünen wieder aufs gründlichſte durchſucht, und end=
lich
ſtieß der die Nachforſchungen leitende Bürgermeiſter
auf eine Stelle, an der ſich friſche Sandlagerungen zeig=
ten
. Hier fand man dann in 40 Zentimeter Tiefe die
Leiche des Kindes, das einem plötzlichen Sandrutſch zum
Opfer gefallen war.
Brüſſel, 19. Aug. Das Automobil, in dem ſich
der Vizepräſident des Amtsgerichts von Terramonde, van
der Hofſtadt, befand, wurde geſtern in der Nähe von Erpe
von vier Straßenräubern angefallen. Der
Chauffeur wurde durch einen Schuß tot zu Boden geſtreckt.
Der Richter beſaß die Geiſtesgegenwart, das Steuer zu
ergreifen und in ſchnellſtem Tempo davonzufahren, wo=
durch
er dem ſicheren Tode entging. Die Behörden haben
eine Unterſuchung eingeleitet.
Kopenhagen, 18. Aug. In eine Vorſtadtfiliale einer
hieſigen Bank drangen am Nachmittag bei Geſchäfts=
ſchluß
zwei Perſonen ein, bedrohten die Beamten mit
Revolvern und raubten 9000 Kronen.
London, 18. Aug. Nach hierher gelangten Neu=Yorker
Kabelnachrichten iſt Harry Thaw der Mörder des Ar=
chitekten
Standford White, nach ſeiner (ſchon gemelde=
ten
) Flucht aus dem Irrenhauſe von Matteawan nach
dem Staate Connecticut geflohen und hat ſich in Norwalk
auf einer Jacht eingeſchifft, die ihn vermutlich zu einem
Die
nach Europa gehenden Dampfer bringen wird.
Flucht war ſehr ſorgfältig von Freunden und Ver=
wandten
vorbereitet, die offenbar einige Beamten der
Irrenanſtalt durch Beſtechung gewonnen hatten. Morgens
8 Uhr fuhr eine Automobildroſchke, in der ſich zwei Her=
ren
befanden, vor das Tor des Irrenhauſes, wo Thaw
in dieſem Augenblicke, wie gewöhnlich, ſpazieren ging
Gegen den Willen des Pförtners öffnete plötzlich ein
Beamter das Tor. Während die beiden Herren ſich auf
den Pförtner warfen, ſprang Thaw in die Autodroſchke,
die eiligſt von dannen fuhr. Einen Kilometer von dem
Irrenhauſe entfernt, vertauſchten Thaw und ſeine Freunde
die Droſchke mit einem bereitſtehenden Rennautomobil
das die nur 60 Kilometer entfernte Grenze von Connec=
tieut
in kurzer Zeit erreichte. Jenſeits der Grenze war
der Flüchtling vorläufig in Sicherheit, denn die Behör=
den
des Staates Neu=York mußten erſt bei den Gerichten
um ſeine Auslieferung einkommen. Thaw iſt, wie ge=
ſagt
, auf einer Jacht weitergeflohen und wird wahrſchein=
lich
bald in Europa auftauchen. Bekanntlich hat Thaw
den Archſtekten White aus Eiferſucht getötet, weil er ſei=

ner Frau in ihrer Mädchenzeit nachgeſtellt hatte. Die
junge Dame, die kürzlich mit Erfolg in London auftrat
ſpielt jetzt in einem Neu=Yorker Theater. Sie ſoll erklärt
haben, daß Thaw, ſobald er einen Whisky getrunken
habe, verrückt werde und dann möglicherweiſe noch auf
ſie einen Mordverſuch begehen könnte, wenn ſich Gelegen=
heit
dazu böte. Auf die Wiederergreifung Thaws iſt von
der Anſtaltsleitung eine Belohnung von 2000 Mark aus=
geſetzt
.
London, 18. Aug. Die engliſchen Gerichte ſind gemüt=
lich
. Die Zuchthäuslerin Frau Pankhurſt, die Führe=
rin
der engliſchen Wahlweiber, hat England verlaſſen
und iſt zu ihrer in Paris lebenden Tochter Chriſtabel ge=
reiſt
. Im Gegenſatz zu Meldungen, die von einer Flucht
der ſtreitbaren Dame handelten, kündigt ſie an, daß ſie ſich
lediglich von den Folgen ihres Hungerſtreiks, dem ſie die
Unterbrechung ihrer dreijährigen Zuchthausſtrafe verdankt
in Paris erholen will. Dann will ſie wieder nach
England zurückkehren, um einen neuen Feldzug für das
Frauenwahlrecht einzuleiten. Läßt ſie ſich dabei zu neuen
Verbrechen hinreißen und kommt wieder ins Zuchthaus
ſo wird ſie auch dann wiſſen, wie man die Kerkerhaft ab=
kürzt
. Und ſie wird von neuem erholungsbedürftig wer=
den
uſw.
London, 18. Aug. In Hongkong ſind Nachrichten aus
Macao über den Taifun eingelaufen, der ungeheuren
Schaden angerichtet hat. Paraya grande iſt unter Waſſer
geſetzt und große Teile des Deiches auf dem erſt kürzlich
dem Meere abgerungenen Lande in der Nähe von den
Barra=Forts eingedrückt worden. Mehrere Häuſer im
Tarafeiro=Diſtrikt ſind eingeſtürzt. Viele Bewohner wur=
den
getötet. Zahlreiche Dſchunken ſind im Hafen von
Macao geſunken. Eine Flottille von Fiſcherdſchunken im
Hafen von Macao iſt vollkommen zerſtört worden. Ueber
150 Menſchen ſind ertrunken.
Seattle, 18. Aug. Der Dampfer States of Cali=
fornia
iſt an der Küſte von Kanda geſtrandet. 25 Per=
ſonen
ſollen ertrunken ſein.

Katholikentag.

* Metz, 18. Aug. Nachmittags 5 Uhr fand in der
Feſthalle die erſte öffentliche Verſammlung ſtatt.
Fürſt zu Löwenſtein eröffnete ſie mit einer Begrüß=
ungsanſprache
, in der er die Notwendigkeit der Aufheb=
ung
des Jeſuitengeſetzes betonte. Ferner nahm er Stel=
lung
zu der Frage des Streites zwiſchen den Anhängern
der chriſtlichen Gewerkſchaften und der katholiſchen Arbei=
tervereine
der Berliner Richtung, der zu einer ernſten Ge=
fahr
für die deutſchen Katholiken zu werden drohte; dann
ſei die Enzyklika Singulari quadam vom 24. Mai 1912
erſchienen, die dieſe Frage regelte. Damit iſt der Streit
für uns deutſche Katholiken entſchieden. Auch die jetzige
Generalverſammlung wird nicht Stellung
nehmen zu der Enzyklika, nicht für die eine oder an=
dere
Partei. Es gilt, zuſammenzuarbeiten zum Beſten der
Religion und damit des deutſchen Vaterlandes. Daher
muß in der Geſchichte ein Denkmal errichtet werden dieſem
Frieden von Metz. Danach verlas der Redner das geſtern
eingegangene Kaiſertelegramm nochmals und das ſoeben
eingegangene Telegramm des Papſtes. Beide Telegramme
wurden mit lebhaftem Bravo begrüßt und die Verſam=
melten
ſtimmten begeiſtert in das von dem Präſidenten
auf den Kaiſer und den Papſt ausgebrachte Hoch ein.
Biſchof Benzler, mit Händeklatſchen begrüßt, richtete
ſodatn eine herzliche Anſprache an die Verſammelten und
erteilte zuſammen mit den übrigen anweſenden Biſchöfen
den Segen. Biſchof Dr. v. Faulhaber ſprach über
das Thema: Das Mailänder Edikt und die
Freiheit der Kirche‟ Er gab zunächſt ein geſchicht=
liches
Bild der kirchlichen Freiheit im Zeichen des Kon=
ſtantiniſchen
Religionsedikts, ging dann auf die weiter
Entwickelung dieſes Problems im Mittelalter ein, und
kam ſchließlich auf die neue Zeit zu ſprechen. Das reli=
giöſe
Leben der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts habe
nicht ſo viel Luft und Licht gehabt als im Geburtsjahr
des Mailänder Ediktes; und jene Freiheit ſei auch durch
den Toleranzantrag von 1900 nicht erreicht worden. Den
Bundesratsbeſchluß vom vorigen Jahre über die Aus=
legung
des Jeſuitengeſetzes bezeichnete der Redner als
das Intoleranzedikt von Berlin und ſtellte es in Gegen=
ſatz
zu dem Toleranzedikt von Mailand. Der Gedanke ſei
für die Katholiken unerträglich, von einer Verwaltungs=
behörde
und vielleicht der ſchikanöſen Auslegung eines
Polizeimannes abhängig zu ſein. Im Spiegel der Kon=
ſtantiniſchen
Freiheit betrachtet, erſcheint das Jeſuiten=
geſetz
als eine des deutſchen Namens und Kulturlebens
unwürdige Karrikatur. Hoffentlich wird der Präſident
des nächſtjährigen Katholikentages die Mitteilung machen
können, daß auch im Deutſchen Reiche in dieſem Punkte
Konſtantiniſche Freiheit gebracht ſei. Redner ſchloß ſeine
durch lebhaftes Bravo und Händeklatſchen vielfach unter
brochene Rede mit einem flammenden Gelöbnis an die
Standarte des Kreuzes die deutſchen Katholiken wollten
treu bleiben dem Kreuze, ſein eine Ehrenlegion des
Kreuzes, eine Wehrkraft kirchlicher Freiheit, ſein freie
Kinder einer freien Mutter. Als letzter Redner ſprach
Seminardirektor a. D. Dr. Heber=Köln über die kirch=
lichen
Pflichten des gebildeten Laienſtandes. Kurz nach
8 Uhr ſchloß der Präſident die Verſammlung.
* Metz, 19. Aug. Heute vormittag tagte in der Feſt=
halle
die Generalverſammlung des Volks=
vereins
für das katholiſche Deutſchland,
der Biſchof Benzler mit mehreren ſeiner biſchöflichen Gäſte
beiwohnte. Reichstagsabgeordneter Trimborn leitete
die Verhandlungen ein mit einer Ueberſicht über die Ziele
des Vereins, und teilte dabei mit, daß die Mitgliederzahl
von nahezu 800000 erreicht worden ſei. Aus dem Jah=
resbericht
iſt hervorzuheben, daß der Verein im letzten
Jahre um rund 47000 Mitglieder gewachſen iſt und daß
die Frauenorganiſation des Vereins, die im Vorjahre
gebildet worden iſt, bereits 27000 Mitglieder zählt. Die
Vereinsſchrift wurde im abgelaufenen Jahre in annähernd
fünf Millionen Exemplaren verbreitet und an Flugblätterr
wurden rund 4,75 Millionen ausgegeben, das iſt ſeit dem
Beſtehen des Volksvereins rund 87 Millionen.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Zur Beſoldungsreform.
Der Verfaſſer des Eingeſandts in Nr. 193 Zur Be=
ſoldungsreviſion
glaubt, die in Nr. 191 über Beſchäftig=
ung
der Lehrer gemachten Vorſchläge nicht ernſt nehmen
zu ſollen. Das kann er ſelbſt machen wie er will. Die
Hauptſache iſt, daß man in maßgebenden Kreiſen die Sache
recht beachtenswert findet, und man hoffen darf, daß dieſe
Vorſchläge wenigſtens teilweiſe erfüllt werden. Welcher
vernünftige Grund kann auch dagegen vorgebracht werden,

Militäranwärter als Turnlehrer anzuſtellen?! Wenn man
triftige Gründe dagegen hätte, wäre man längſt damit
hervorgetreten. In Elſaß=Lothringen ſind die Volksſchul=
lehrer
ſogar gehalten, während des ganzen Jahres die Ge=
meindeſchreiberei
zu beſorgen. 5060 Prozent aller elſaß=
lothringiſchen
Lehrer ſind neben ihrem Schulamte im Ge=
meindeſchreiberdienſt
beſchäftigt. Der Vorſchlag, die heſſi=
ſchen
Lehrer während eines Teils der Ferien mit geeig=
neten
Bureauarbeiten zu beſchäftigen, iſt alſo nicht ein=
mal
etwas neues. Ein alter Ladenhüter iſt die Beſchul=
digung
, das Eingeſandt wolle die Lehrer diskreditieren.
Das wird ſtets und von allen behauptet, welche nicht glatt=
weg
den Lehrerforderungen zuſtimmen. Die Finanz=
beamtenzeitung
wird ſich aus der neuen Anſchuldigung
recht wenig machen. Sie hat auf mehrere Angriffe ge=
antwortet
, wie es am Platze war. Die weiten
Kreiſe welche ſihre Ausführungen, mißbilligt halten
ſollen, beſchränken ſich meines Wiſſens lediglich auf
Lehrerkreiſe. Zum Schluſſe ſei noch angefügt, daß
die neue elſaß=lothringiſche Beſoldungsordnung (Geſetz
vom 1. Juni 1913) die bisherigen Volksſchullehrergehalte
von 12002400 Mark auf 12002700 Mark erhöht hat.
Bei der Verſetzung in den Ruheſtand kommen für Woh=
nung
500 Mack in Anſatz. Für die heſſiſchen Lehrer ſind
Gehalte von 14003400 Mark vorgeſehen. Bei der
Zuruheſetzung ſollen für Wohnung 400 Mark angerechnet
werden. Mit den mittleren Beamten hat man es in
Heſſen nach der Vorlage umgekehrt gemacht, die ſolen in
Heſſen viel ſchlechter geſtellt werden, als dies in Alſaß=
Lothringen und auch in den anderen Bundesſtaaten ge=
ſchehen
iſt. Angeſichts dieſer Tatſachen wird es der heſſi=
ſche
Landtag nicht verantworten ſſönnen, die heſſiſchen
Lehrergehalte noch weiter zu erhöhen. Es wären doch un=
haltbare
Zuſtände, die heſſiſchen Beamten viel ſchlechter
als die elſaß=lothringiſchen ꝛc. zu bezahlen, dagegen die
heſſiſchen Volksſchullehrer gehaltlich über ihre Kollegen in
Elſaß=Lothringen ꝛc. zu ſtellen. Fiat iustitia!
X.

Wir halten die Angelegenheit nunmehr an dieſet
Stelle für genügend erörtert und ſchließen hiermit die
Debatte. Die Red.

Literariſches.

Der Land=Kalender für das Groß=
herzogtum
Heſſen Ausgabe 1914, iſt ſoeben
mit gewohnter Pünktlichkeit im Großh. Staatsverlag zu
Darmſtadt erſchienen und durch die in allen Städten und
Gemeinden des Großherzogtums befindlichen Verkaufs=
ſtellen
zu beziehen. Trotz der aufs neue teuerer geworde=
nen
Herſtellungskoſten iſt der Preis von 25 Pfg. derſelbe
geblieben. Dieſer Land=Kalender iſt einer der älteſten,
wenn nicht überhaupt der älteſte aller in Deutſchland er=
ſcheinenden
Kalender, denn er ſteht jetzt ſchon im 204.
Jahrgange. Die Ausgabe 1914, die in der Hauptſache
unſerer heſſiſchen Heimat gewidmet iſt, reiht ſich in bezug
auf Reichhaltigkeit und Ausſtattung den ſchönſten ihrer
Vorgängerinnen würdig an. Außer dem amtlichen Kalen=
darium
für 1914 und dem amtlichen Verzeichnis aller im
Jahr 1914 in Heſſen und den benachbarten Gebietsteilen
des Reiches ſtattfindenden Meſſen und Märkte bringt der
Land=Kalender noch zahlreiche, jedermann nützliche Mit=
teilungen
, Ratſchläge und Tabellen, ſowie erſtklaſſige
Originalaufſätze unterhaltenden und belehrenden, heiteren
und ernſten Inhalts, ſämtlich aus der Feder heſſiſcher
Mitarbeiter. Unter den Dutzenden, zum Teil ſehr wert=
vollen
Original=Illuſtrationen befinden ſich diesmal als
Kunſtbeilagen eine Aufnahme S. K. H. des Großherzogs
vor ſeinem Opel=Wagen und ein großes doppelſeitiges
Kunſtblatt Geſamtanſicht der Stadt Schlitz ( Winter=
landſchaft
) Daß auch wieder einer großen Anzahl heſſi=
ſcher
Perſönlichkeiten und der bemerkenswerteſten Welt=
begebenheiten
der letzten zwölf Monate, mamentlich des
Balkankrieges in Wort und Bild gedacht iſt, bedarf keines
beſonderen Hinweiſes. Alles in allem bringt der Land=
Kalender 1914 ſoviel des Schönen und Nützlichen, daß
keine heſſiſche Familie ſeine baldige Anſchaffuna unter=
laſſen
ſollte.

Zum Werftarbeiterſtreik.

* Bremen, 18. Aug. Die Weſerzeitung erfährt aus
Geeſtemünde über die heute früh dort plötzlich wieder
unterbrochene Wiederaufnahme der Ar=
beit
, daß dabei Differenzen entſtanden ſeien, weshalb
vom Metallarbeiterverband weiterer Zuzug zum Arbeits=
nachweis
verhindert wurde. Infolgedeſſen ſeien dort
heute noch keine Leute auf den Werften erſchienen. Es
ſchweben aber zur Beilegung der Differenzen Unterhand=
lungen
zwiſchen den Werftleitungen und dem Vorſtand
des Metallarbeiterverbandes.
* Bremen, 18. Aug. Der Weſerzeitung zufolge
denken die Holzarbeiter noch nicht daran, wieder auf
die Werften zu gehen. In Geeſtemünde zeigte es ſich
heute, daß die Werftarbeiter den geſtrigen Beſchluß nicht
befolgten. In Bremen arbeiten heute etwa 700 Werft=
arbeiter
. Die Einſtellung der weiteren geſchieht einſt=
weilen
mit einer gewiſſen Einſchränkung.
* Bremen, 19. Aug. Die hieſigen Holzarbei=
ter
lehnten die Benutzung des Arbeitsnach=
weiſes
ab. Gemäß den Beſchlüſſen der norddeutſchen
Gruppe der Seeſchiffswerften wurden die Arbeitsnachweiſe
in Bremen, Vegeſack und Geeſtemünde geſchloſſen.
HB. Hamburg, 19. Aug. Auch hier haben ſich Un=
ſtimmigkeiten
ergeben. Die dem Holzarbeiter= Ver=
band
angeſchloſſenen ſtreikenden Werftarbeiter haben den
Beſchluß gefaßt, wohl die Arbeit wieder aufzunehmen,
aber unter Umgehung des Arbeitsnachweiſes der Metall=
induſtriellen
. Dieſer Beſchluß iſt wahrſcheinlich hervor=
gerufen
durch die Maßregelungen ſeitens der Werftbeſitzer
Dies bedeutet eine abermalige Verſchärfung der
Situation, da die Werftbeſitzer verlangen, daß die Arbeits=
vermittelung
nur durch ihren Nachweis geſchehen ſoll.
* Hamburg, 19. Ang. Wegen nicht erfolgter An=
meldung
verſchiedener Kategorien der im Schiffbau be=
ſchäftigten
Werftarbeiter iſt der Arbeitsnachweis
des Verbandes der Eiſeninduſtrie Hamburgs bis auf wei=
teres
geſchloſſen worden.
H.B. Stettin, 19. Aug. Geſtern nachmittag beſchäf=
tigten
ſich mehrere Verſammlungen der Werftarbeiter mit
der Frage der Wiedereinſtellung durch die
Arbeitsnachweiſe. In den Verſammlungen wurde
ſchließlich erklärt, daß die Arbeit unter dieſer Bedingung
nicht wieder aufgenommen werden ſoll.

Hochwaſſer=Nachrichten.

H.B. Breslau 19. Aug. In Schleſien gehen ſeit
Freitag ununterbrochen gewaltige Regengüſſe
nieder. Infolgedeſſen iſt großes Hochwaſſer zu er=
warten
. Die Oder iſt um vier, die Neiſſe um zwei Meter=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

geſtiegen. Die Weiſtritz iſt über die Ufer getreten und
führt Balken, Bretter uſw. mit ſich. Durch das Hochwaſſer
wurde unter anderem der Bau einer Talſperre unter Waſ=
ſer
geſetzt und ein bereits geſchaffener künſtlicher Lauf des
neuen Flußbettes wurde zerſtört. In Schweidnitz hat die
Weiſtritz einen Teil der Unterſtadt überſchwemmt und eine
Brücke zerſtört. In Oberſchleſien hat das Hochwaſſer der
kleinen Bäche verſchiedene Dämme unterſpült und An=
ſiedelungen
unter Waſſer geſetzt. Die Ernte erleidet durch
das Regenwetter ſchweren Schaden.
* Breslau, 19. Aug. Im Rieſengebirge
richtete das Hochwaſſer ſchwere Schäden an. Die Tal=
ſperre
von Markliſſa mit ihrer Mauer erwies ſich als ſehr
nützlich; ohne ſie wäre eine große Kataſtrophe hereinge=
brochen
.
* Kattowitz, 19. Aug. In dem benachbarten Orte
Zawodzie mußten die Einwohner mittelſt Kähnen aus
den Kellern und den Erdgeſchoſſen gerettet werden. Die
Weichſel überſchwemmte in Oberſchleſien und Galizien
weite Landſtrecken.
H.B. Wien, 19. Aug. Aus allen Gegenden der Mon=
archie
, beſonders aus Südungarn, Galizien und Böhmen,
laufen Hochwaſſer=Meldungen ein. Die Umgebung
von Königgrätz, Königshof und Joſefſtadt iſt weithin
überſchwemmt. Viele Dörfer ſind unter Waſſer geſetzt.
Die Nordweſtbahn hat ihren Betrieb eingeſtellt. Bei Lem=
berg
hat das Hochwaſſer ebenfalls Schaden angerichtet.

Die Lage auf dem Balkan.

Die Türkei und Bulgarien.
* Konſtantinopel, 18. Aug. Es wird verſichert,
daß die Pforte in einer den Mächten bereits durch die
ottomaniſchen Geſandten übermittelten Verbalnote aus=
führt
, ſie würde vielleicht gezwungen ſein, die Maritza zu
überſchreiten und gegebenenfalls ſogar Bulgarien den
Krieg zu erklaren. Es heißt, der Wortlaut der
Note wäre nicht für alle Mächte der gleiche.
* Konſtantinopel, 19. Aug. Der Tanin erklärt,
die Pforte beabſichtige nicht, die Maritza zu über=
ſchreiten
oder die Grenze darüber hinaus vorzuſchie=
ben
. Da die Abſichten Bulgariens unbekannt
ſeien, mußte die Türkei einige Punkte an der Maritza be=
ſetzen
, deren Bevölkerung des Schutzes bedurfte; aber dieſe
Lage könne nicht andauern. Die Pforte ſetze keine Zivil=
behörden
ein und habe das Oberkommando angewieſen,
Dedeagatſch nicht zu beſetzen.
* Rom, 18. Aug. Der bulgariſche Geſandte Rizow
erklärte einem Vertreter der Tribuna, Bulgarien
werde ſich nicht von der Türkei herausfor=
dern
laſſen, weder zu Verhandlungen noch zu einem
Kriege. Es betrachte die Frage von Adrianopel als eine
internationale Frage, deren Löſung den Großmächten zu=
komme
. Rizow glaubt, daß Europa energiſch auf die Tür=
kei
einwirken werde. Das Preſtige Rußlands im Orient
lege Europa dieſe Aktion auf, und Rußland werde in
Uebereinſtimmung mit den übrigen Mächten handeln. Ein
einfaches Mittel, die Türkei zum Nachgeben gegen Europa
zu zwingen, ſei die Blockierung der türkiſchen Häfen, na=
mentlich
der Häfen von Smyrna und Trapezunt durch eine
oder zwei europäiſche Flotten. Die Türkei habe mit der
Müdigkeit Europas gerechnet; Rizow meint jedoch, daß
ſie ſich täuſchen dürfte, wenn ſie die allgemeine Geduld
aufs äußerſte erſchöpft. Hinſichtlich des Gerüchts, daß
Dedeagatſch den Türken von den Griechen ausgeliefert
worden ſei, erklärte Rizow, daß Rußland niemals zugeben
würde, daß irgend jemand Bulgarien den Zutritt zum
Aegäiſchen Meere verwehre.
* Paris. 18. Aug. Der bulgariſche Geſandte
Stanzcioff veröffentlicht im Temps ein Expoſé über
die Frige Adrianopel. Er erklärt, Bulgarien
könne über die Frage nicht mit der Türkei verhandeln. Die
europäiſchen Mächte ſeien als Garanten des Londoner
Vertrages daran intereſſiert, daß ihre Bürgſchaften nicht
leere Worte blieben. Bulgarien erwarte mit Vertrauen
die notwendige Regelung der Frage durch Europa.
Die Heimkehr König Konſtantins.
* Athen, 19. Aug. Unter beiſpielloſer Begeiſterung
htelt König Konſtantin geſtern ſeinen feierlichen
Einzug in Athen. Nachmittags 4 Uhr traf der König
auf dem Admiralsſchiff Aweroff ein, begleitet von der
übrigen griechiſchen Kriegsflotte. Die Königin
Sophie begab ſich zur Begrüßung ihres Gemahls ſo=
fort
an Bord. Die übrige königliche Familie, das Mini=
ſterium
, ſowie Vertreter aller Behören vom Pyräus er=
warteten
den König an der Landungsbrücke. Der Strand
war von vielen Tauſenden von Zuſchauern dicht beſetzt,
die dem König ſtürmiſche Ovationen darbrachten. Unter
Glockengeläute und 101 Kanonenſchüſſen begab ſich das
Königspaar mit dem Kronprinzen und den übrigen Prin=
zen
und Prinzeſſinnen im Auto nach Athen. Bei ſeinem
Einzuge wurden dem König begeiſterte Kundgebungen
dargebracht. Das Heer und eine Menge, die auf mehr
als hundertteuſend geſchätzt wird, rief: Es lebe Konſtan=
tin
der Große! Es lebe Konſtantin der Bulgarentöter!
Nachdem das Königspaar mit dem Gefolge in der Kathe=
drale
dem Tedeum beigewohnt hatte, begab es ſich in
das Schloß.
Serbien und Albanien.
* Wien, 19. Aug. Wie die Blätter melden, haben
die Geſandten der Großmächte in Belgrad die ſer=
biſche
Regierung, wie bereits kurz gemeldet worden iſt, in
einem gemeinſamen Schritte aufgefordert, die ſerbiſchen
Truppen aus Albanien zurückzuziehen.
Gleichzeitig brachten die diplomatiſchen Vertreter der
Mächte dem Belgrader Kabinett den von der Londoner
Botſchafterkonferenz beſchloſſenen Schutz des Rechtes der
konfeſſionellen und nationalen Minderheiten in den unter
die ſerbiſche Herrſchaft gelangten bisher türkiſchen Ge=
bieten
in Erinnerung. Dies geſchah offenbar mit Rückſicht
darauf, daß die Balkanſtaaten ſich über den gegenſeitigen
Schutz der nationalen und konfeſſionellen Minderheiten in
den neuerworbenen Gebieten nicht verſtändigen konnten.

Mexiko und die Vereinigten Staaten.

* Waſhington, 19. Aug. Wie mitgeteilt wird,
ſtellt es die Regierung in Abrede, ein Ultimatum

der Regierung Mexikos erhalten zu haben. Bryan
erklärt, daß er lediglich eine neue Ablehnung der ameri=
kaniſchen
Vorſchläge zu einer friedlichen Beilegung der
Revolution erhielt. Obwohl die Mitglieder der Re=
gierung
über dieſen Gegenſtand Stillſchweigen bewahren,
iſt es doch wahrſcheinlich, daß die Ablehnung alle Be=
ziehungen
zu Huerta aufhebt. Der Senat und amtliche
Kreiſe erklären, daß die Regierung alles getan habe, was
ein freundſchaftlich geſinnter Nachbar tun könne, ohne
ſeine Macht zu Hilfe zu nehmen, wofür keine Stimmung
vorhanden ſei. Das einzige Intereſſe der Vereinigten
Staaten beſtehe jetzt in dem Schutz des Lebens und
Eigentums. Die finanziellen Verluſte könnten durch
Entſchädigungen gedeckt werden. Menſchenleben würden
am beſten dadurch geſchützt, daß die Bürger der Vereinig=
ten
Staaten Mexiko verließen. Die Regierung erörtert
deshalb die Entfernung der Amerikaner aus Mexiko. Für
bedürftige Perſonen ſollen die Beförderungskoſten bezahlt
werden.
* Neu=York, 19. Aug. In einer von 5 Uhr mor=
gens
datierten Depeſche aus Mexiko wird der Meinung
Ausdruck gegeben, daß die Unterredung in der letzten
Nacht zwiſchen Lind und Huerta zu einem Einver=
nehmen
führte, das darauf hinzielt, den Abbruch der Be=
ziehungen
zu verhindern und die Fortſetzung der Ver=
handlungen
zu ermöglichen, wobei Waſhington eine ver=
mittelnde
Rolle ſpielen ſolle. Es beſteht Grund, zu glau=
ben
, daß die Unterredung, die einen herzlichen Charakter
trug, eine Aenderung der Haltung Huertas herbeiführen
wird, ungeachtet, daß die erſten Schritte zum Abbruch der
diplomatiſchen Beziehungen bereits getan waren.
* Waſhington, 19. Aug. Der Geſchäftsträger der
Vereinigten Staaten O’Saughneſſy telegraphiert aus
Mexiko, Huerta erkläre nachdrücklich jede Behauptung
für unbegründet, er habe den Vereinigten Staaten
ein Ultimatum geſtellt mit der Aufforderung, ihn an=
zuerkennen
, widrigenfalls er dem Geſchäftsträger ſeine
Päſſe zuſtellen laſſe.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 19. Aug. Die Norddeutſche Allgemeine Ztg.,
welche die in dieſen Tagen auf dem Handwerks= und
Gewerbekammertag gefallene Behauptung zurück=
gewieſen
hat, daß die ausführenden Behörden ſich um die
Miniſterialerlaſſe, betreffend den Handwerkerſchutz,
nicht kümmerten, beſchäftigt ſich heute mit einer an
ein hieſiges Lokalblatt gerichteten Zuſchrift aus Handwer=
kerkreiſen
, worin ihrer Quelle der Vorwurf der Welt=
fremdheit
gemacht wird und ſchreibt unter anderem: Daß
in Einzelfällen der Geiſt der neuen Anordnungen bei dem
einen oder anderen beteiligten Beamten noch nicht durch=
gedrungen
iſt, mag zutreffen und wird von uns auch nicht
als unmöglich bezeichnet. Unberechtigt aber iſt es, dieſe
wenigen Fälle zu verallgemeinern und einer großen Zahl
von Beamten, die mit vielem Verſtändnis und großem
Wohlwollen den im Einzelfall allerdings recht ſchwieri=
gen
Handwerkerſchutz ausüben, den Vorwurf der Pflicht=
widrigkeit
zu machen.
* Wiesbaden, 19. Aug. Oberbürgermeiſter Geh. Rat
Dr. Gläſſing wurde auf Lebenszeit ins Herren=
haus
berufen.
* Bad Homburg, 19. Aug. Das Kaiſerpaar mit
Gefolge unternahm heute nachmittag einen größeren Aus=
flug
mittels Automobilen nach dem Kaſtell Zugmantel.
* München, 19. Aug. Verſchiedene Blätter verbreiten
die Nachricht von der Verlobung des Prinzen
Heinrich von Bayern mit der Großherzogin
Adelheid von Luxemburg und begründen dies
damit, daß der Prinz häufiger auf Schloß Hohenburg
weilte. Tatſächlich war der Prinz ſeit 1911 nicht mehr in
Hohenburg. Alle Gerüchte von der Verlobung ſind frei
erfunden.
* Wien, 19. Aug. Der von ſeinem Burſchen ſchwer
verletzte Hauptmann Eiſenkolb iſt geſtorben.
* Innsbruck, 19. Aug. Bei den Manövern des vier=
zehnten
Armeekorps in der Palagruppe (Südtirol) iſt
geſtern eine aus einem Unteroffizier und zwei Kaiſerjägern
beſtehende Patrouille abgeſtürzt. Alle ſind tot.
Petersburg, 19. Aug. Eine Abordnung von
Einwohnern Adrianopels iſt geſtern hier ein=
getroffen
und hat ſich noch am gleichen Tage nach dem
Miniſterium des Aeußern begeben, wo ſie vom Sektions=
chef
für äußere Angelegenheiten, dem Fürſten Trubetzkoj
empfangen wurde. Dieſer beſchränkte ſich darauf, den
Delegierten zu erklären, daß er das Memorandum zur
Kenntnis des Miniſters bringen werde.
* Serajewo, 19. Aug. In Garnjö Tujla und Samin=
han
iſt je ein neuer Cholerafall, in Brcko ſind zwei
neue Fälle, davon ein tödlich verlaufener, vorgekommen.
In Gracamica iſt keine Zunahme zu verzeichnen. Dagegen
Der
iſt in Bosniſchſamac ein Todesfall vorgekommen.
Geſamtſtand in Tucla beziffert ſich auf vier Kranke und
einen Verdächtigen.
Neu=York, 19. Aug. Eine Depeſche aus Juneau in
Alaska berichtet über den ſchon gemeldeten Untergang
des Dampfers Stateof California daß der
Dampfer am Sonntag morgen in der Gambierbai in voller
Fahrt auf einen Felſen aufgelaufen iſt. Das Leck war ſo
ſchwer, daß das Schiff in drei Minuten geſunken iſt. Die
meiſten Paſſagiere der erſten Klaſſe wurden im Schlafe
vom Tode überraſcht. Der Kapitän und vierzig
Perſonen hätten ſich auf Flößen gerettet. Mindeſtens 25
Paſſagiere und 27 Mann von der Beſatzung ſind ertrun=
ren
. Die Ladung und die Poſt ſind verloren.
* Neu=York, 19. Aug. Nach Mitteilungen aus Coati=
cook
(Provinz Quebeck) iſt der aus dem Irrenzuchthauſe
entſprungene Thaw in der Ortſchaft Harmanetilde ver=
haftet
worden.
Berlin, 19. Aug. Der Geologe Dr. Karl Beck iſt
auf einer Forſchungsreiſe im Innern Afrikas von einem
Löwen angefallen und ſo ſchwer verletzt worden, daß er
ſeinen Verletzungen erlegen iſt.
H. B. Frankfurt a. M., 19. Aug. Im Sitzungsſaal des
Hauptbahnhofes findet heute und in den folgenden Tagen
eine deutſch=öſterreichiſch=ruſſiſche Eiſen=
bahnkonferenz
ſtatt.

München, 19. Aug. Vom Bösneckerſtieg iſt der Pro=
feſſor
Mittelmann aus Villach abgeſtürzt. Seine
Leiche konnte noch nicht geborgen werden.
H. B. Straßburg i. Elſ., 19. Aug. Zwei tödliche
Unfälle haben ſich auf dem Truppenübungsplatz
Bitſch ereignet. Ein Kanonier des vorläufig auf dem
Truppenübungsplatz untergebrachten Feldartillerie= Regi=
ments
Nr. 70ſtürzte ſo unglücklich vom Pferde, daß er
einen Schädelbruch erlitt und bald darauf verſtarb. Bei
dem Gefechtsſchießen wurde ein Mann des in Saarbrücken
ſtehenden Infanterie=Regiments Nr. 70 durch einen Schuß
in den Rücken getroffen und getötet.
Düſſeldorf, 19. Aug. Der Generalleutnant z. D.
Schlienkamp, zuletzt Kommandeur der 67. Infanterie=
Brigade, iſt im 67. Lebensjahre geſtorben.
H. B. Königsberg, 19. Aug. Der Raubmörder Ernſt
Wichert der am 23. September vorigen Jahres den
Fleiſchermeiſter und Viehhändler Endruſcheit beraubte und
ermordete, iſt heute morgen auf dem Hofe des Gerichts=
gefängniſſes
zu Königsberg hingerichtet worden.

Folgenſchwere Dynamitexploſion.
* Mexiko, 19. Aug. Eine Dynamitexploſion
in dem Vorort Tacubaya zerſtörte alle Gebäude in weitem
Umkreiſe. Es ſind bereits 35 Leichen feſtgeſtellt; auch
Dutzende von Verletzten befinden ſich unter den Opfern,
Es ſind meiſt Frauen und Kinder.
* Mexiko, 19. Aug. Die Dynamitexploſionin
dem Vororte Tacubaya wurde dadurch verurſacht, daß ein
Straßenbahnwagen mit einem mit Dynamit beladenen
Wagen zuſammenſtieß. Es ſind dabei 100 Perſonen
in der Hauptſache Frauen und Kinder, getötet und
verletzt.

Briefkaſten.

J. W. hier. Die letzte Aufführung der Afrikaneein
fand am 3. September 1871 ſtatt. Im ganzen erſchien
die Oper 43mal auf dem Hoftheater. (Vergl. Knispel,
Bunte Bilder aus dem Kunſt= und Theaterleben, S. 96ff.)
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Marten Sie nicht, bis Ihr Kind krank wird und Sie
ſich jagen müſſen: Hätte ich meinen kleinen Lieb=
ling
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Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Amerika 16. Aug. 7 Uhr 30 Min. morgens
in Neu=York. Arcadia von Neworleans kommend,
16. Aug. 6 Uhr abends von Newport News. Im=
perator
von Neu=York kommend, 16. Aug. 8 Uhr
abends auf der Elbe. Kaiſerin Auguſte Victoria nach
Neu=York, 17. Aug. 7 Uhr 45 Min. abends von Cher=
bourg
. Preſident Lincoln nach Neu=York, 16. Aug.
12 Uhr 50 Min. mittags Scilly paſſiert. Weſtindien,
Mexiko: Bavaria 16. Aug. von St. Thomas über
Havre nach Hamburg. Corcovado 16. Aug. von
Veracruz, heimkehrend. Fürſt Bismarck nach Havana
und Meriko, 17. Aug. 9 Uhr abends von Havre,
Wasgenwald nach Mexiko, 16. Aug. in Havana.
Weſterwald, von Mexiko und Havana kommend, 16. Aug=
Oſtaſien: Arabia‟,
10 Uhr abends in Hamburg.
von Antwerpen kommend, 16. Aug. 3 Uhr 15 Min.
nachm. in Hamburg. Verſchiedene Fahrten: Aſſyria‟
von Port Tampa kommend, 17. Aug. in Bayonne.
Kronprinzeſſin Cecilie‟ Aerzteſtudienfahrt, 17. Aug.
8 Uhr morgens in Stornoway,

nach Pilsner Art 6
nach Münchner Art
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feinste Tafelbiere
in Flaschen und Syphons.

[ ][  ][ ]

Nummer 194.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Seite 7.

Familiennachrichten.

Statt Karten!

(*6132

Die glückliche Geburt eines kräftigen
3
gesunden Mädels zeigen hiermit
hocherfreut an Eugen Müller
und Frau Emmy,
geb. Krägeloh.

Todes=Anzeige.
Heute verſchied nach kurzem Leiden unſer
lieber Schwager und Onkel
(17479

Herr J. W. Dietsche
Kürſchner
im Alter von 89 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 19. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, vor=
mittags
9 Uhr, vom Friedhofe aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Verwandten und Freunden die traurige
Nachricht, daß unſere liebe Schweſter, Schwäge=
rin
und Tante
(17468
Fräulein
Laura Gutmann
heute nacht nach langem Leiden ſanft ent=
ſchlafen
iſt.
Um ſtille Teilnahme bittet
Familie Wilh. Müller.
Traiſa, 19. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, nach=
mittags
½4 Uhr, in Traiſa ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag 6¼ Uhr entſchlief ſanft
nach langem Leiden mein lieber, unvergeßlicher
Gatte, unſer guter Vater, Bruder, Großvater,
Schwiegervater und Onkel
(17472
Wilhelm Eschborn
im 64. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Margarete Eſchborn, geb. Krug.
Darmſtadt, den 18. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, den
21. Auguſt, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen=
halle
des Friedhofes aus, ſtatt.
Blumenſpenden ſind nicht im Sinne des Ent=
ſchlafenen
. Beileidsbeſuche dankend abgelehnt.

Todes=Anzeige.
Heute morgen entſchlief ſanft nach langem,
ſchwerem, mit Geduld ertragenem Leiden, mein
guter Gatte, unſer treubeſorgter Vater und
Großvater
(17482
Karl Jakob Hofmann
im vollendeten 63. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Elisabethe Hofmann u. Kinder.
Darmſtadt, den 19. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, den
21. Auguſt, nachmittags 4 Uhr, vom Haupt=
portale
des Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.

Patentſchriften=Auslegeſtelle in der Ge=
werbe
=Bibliothek, Neckarſtraße 3. Zeit der Benutzung:
an allen Wochentagen von 1012½ und 35½ Uhr
(Samstag mittag ausgenommen),

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres Vaters
(B17428

Verrn Jon. Dechert Hl.
Bürodiener i. P. bei der Main=Neckar=Bahn
insbeſondere dem Herrn Pfarraſſiſtenten Adolph
für ſeine troſtreichen Worte, dem Bürger=Verein
Beſſungen, ſowie den Beamten und Arbeitern der
Preußiſch=Heſſiſchen Staatsbahn ſprechen wir auf
dieſem Wege unſeren herzlichſten Dank aus.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 19. Auguſt 1913.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die Wetterlage hat ſich ſeit geſtern nur wenig ge=
ändert
. Die über Nordoſteuropa lagernde Depreſſion
wandert langſam nordoſtwärts, während ſich das weſt=
liche
Hoch verflacht hat. Ueber Frankreich liegt ein
flacher Tiefdruckwirbel. Wir haben morgen keine weſent=
liche
Aenderung des Wetters zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Mittwoch, 20. Auguſt:
Wolkig, meiſt trocken, etwas wärmer.

Tageskalender.

Schauſpiel=Aufführung aus den Befreiungs=
kriegen
um 8 Uhr im Geſellenhaus (Kath. Geſellen=
verein
).
Konzerte um 4 und 8 Uhr auf der Ludwigshöhe
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße Nr. 23):
Prinzeſſin Auguſta Viktoria von Hohenzollern, die
Braut des Exkönigs Manuel Kaiſertage in Roſtock
und Lübeck Proteſtverſammlung in Adrianopel
Neue Flugverſuche Blériots in Buc Die Bootskata=
ſtrophe
in Swinemünde Neue Herbſtmoden Tages=
ereigniſſe
uſw.

Verſteigerungskalender.
Donnerstag, 21. Auguſt.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 4 Uhr in der
Ludwigshalle‟
Dünger=Verſteigerung: um 8 Uhr in der
Dragoner=Kaſerne (Regt. Nr. 23), um 9 Uhr in der
Dragoner=Kaſerne (Regt. Nr. 24).
Moosſtreu=Verſteigerung um 10 Uhr im Rat=
haus
zu Eberſtadt.

Druck und Verlag: L. C. Witlich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teili und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
fürsden Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Lans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Silber ꝛc. Zahle Ihnen ſtets kon=
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(*6119

gegen Ratenrückzahlung, Erbſchafts=
beleihung
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W. Schuchmann, Stiftſtr. 46.

Zum Ausleihen
liegen ca. 70000 Mark getrennt von
200 Mark an aufwärts bereit. Dis=
kretion
, ratenweiſe Rückzahlung, ev.
ohne Bürgen. G. Nau, Hügelſtr. 32,
part., Sprechz. v. 111 Uhr. (*6139

iald gibrohne Bürgen, ſchneil,reell,
Gulu kul. Ratenrückz. ſeit 1891 beſteh.
Firma Schulz, Berlin 61,
Kreuzbergſtr. 21. Rückporto. (7316a

Aenzenhauer Gitarre=Zither
*5763sid
bill. z. vk. Pädagogſtr. 8.

Kurſe vom 19. Auguſt 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zi.
Staatspapiere.
4 Diſche. Reichsſchatzanw. 98,60
3½ Deutſche Reichsanl. . 84,00
74,20
do.
4 Preuß. Schatanweiſg. 98,80
3½ do. Conſols . . . 84,20
74,30
do.
do.
97,70
4 Bad. Staatsanleihe .
90,90
do.
3½
3
do.
4 Bahr. Eiſenbahnanleihe 98,70
3½
82,60
do.
3
73,60
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,70
98,20
4 Heſſ. Staatsanleihe
3 do. do. (unk. 1918) 96,10
3½
do.
32,80.
4
do.
30
3 Sächſiſche Rente.
75,50
4 Württemberg unk. 1921 97,50
3½
do. v. 1875 94,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1½ Griechen v. 1887
-
Italiener Rent=
4½ Oeſterr. Silberrent: 86,50
4 do. Goldrente . . . 95,90
do. einheitl. Rente 81,80
3 Portug, unif. Serie I
3 do. unif. Ser. III
z do. Spezial . . . . 10,00
5 Rumänier v. 1903 . . 99,60
do., v. 1890 . . 94,10
I do. v. 1905 . . 88,00
1 Ruſſen v. 1880 . . . . 88,50
do. v. 1902 . . . . 89,80
½ do. v. 1905 . . . . 99,60
Schweden . . . . . . 85,80
Serbier amort. v. 1895
Türk. Admin. v. 1903 78,00
Türk. unifiz. v. 1903
Ungar. Goldrente . . . 86,20
do. Staatsrente. . . 82,20

Zſ.
In Proi
5 Argentinier . . . . . . 98,00
82,60
do.
4½ Chile Gold=Anleiße 92,10
5 Chinef. Staatsanleihe. 97,60
41
90,80
do.
91,40
½ Japaner . . . . .
Innere Merikaner. . . 81,40
50,25
do.
4 Gold=Merikanerv. 1904 74,40
5 Gold=Mexikangr . . .
3 Buenos Aires Provinz 65,70
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=Paket
fahrt . . . . . . . 138,90
7 Nordd. Lloyd . . . . . 116,50
3½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 127,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 403 . . 113,75
6 Baltimore und Ohio . 99,75
6 Schantungbahn . . . . 122,25
8 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 27,05
6 Pennſylvania R. R. .
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
4 Brauerei Werger . . 60,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
.. 544,90
Fabrik . . .
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . .235,75
611,00
30 Farbwerke Höchſt
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 335,50
10 Cement Heidelberg . . 142,50
30 Chem. Werke Albert 440,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 313,25
5 Lahmeyer. . . . . .

Letzte
InProz.
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 150,00
12 Siemens & Halske 214,00
5 Bergmann Electr. . . 135,30
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 164,00
0 Gummi Peter . . . 69,50
-
0 Kunſtſeide Frankfurt
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 402,00
9 Maſchinenf. Badenia 145,00
0 Wittener Stahlröhren 129,70
9 Steana Romana Petr. 157,00
15 Zellſtoff Waldbof . . 219,25
12,83 Bad. Zucker=Wag.
202,30
häuſel.

0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 70,00
0 Südd. Immobilien 50,00
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 165,00
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 217½
11 Deutſch=Luremburg.=
Bergb. . . . . . . 143½
10 Gelſenkirchener . . . . 182,25
9 Harpener . . . . . . . 185,50
18 Phönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 252,75
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 76,50
6 Laurahütte . . . .
. 165,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 140,00
13
Weſteregeln 184,25
7½ South Weſt Afrisa 112,60
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 87,50
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 89,00
4 Franz=Jofefs=Bahn ..
3 Prag=Durer . . .
72, 10
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,70
4 Oeſterr. Staatsbahn . 87,75
do,
75,25.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 96,50
do.

InProt.
Bf.
2¾ Oeſt. Sübb. (Lomb.) 52,40
74,10
3 Raab=Oedenburg .
4 Kronprinz Rudolfbahn 87,50
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 84,80
4½ Moskau=Kaſan . .
84,70
do.
4 Wlabichawchas .. .
4 Rjäſan Koslow . . . . 85,00
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 74,00
(83,00
4½
do.
. 68,50
24/10 Livorneſer
62,50
3 Salonique=Monaſtir
4 Baadadbahn . . . . . . 79,30
4½ Anatoliſche Eiſenb. . 92,00
4 Miſſouri=Paciſie. . .
4 Northern=Paciſie . . . 95,30
4 Southern=Paciſic . . . 91,30
5 St. Louis und San
Francisch. . . . .
5 Tehuantepee . . . . . .
Bank=Aktfen.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich
7½ Bergiſch=Märkiſche
. . . 142,50
Bahn . . .
9½ Berlin. Handelsgef. .158,00
6½ Darmſtädter Bank . 114,30
12½ Deutſche Bank . . . 244,00
6 Deutſche Vereinsbank 115,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 111,80
10 Diskonto=Kommandit 183,20
8½ Dresdener Bank
147,70
10 Frankf. Hypoth.=B. 205,70
6½ Mitteld. Kreditbank 113,25
Nationalb. für Deutſchl. 114,25
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,90
6,95 Reichsbank . . . . . 133,00
7 Rhein. Kreditbank. . .127,20
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 107,50
7½ Wiener Bankverein . 131,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17. . . 94,60

InProz.
Zſ.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
85,20
S. 19. . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv
S.1519, 2126 93,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
3½
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,40
3½
84,40
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Banſ
S. 12, 13. 16 .
96,80
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . . . . 96,80
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 84,40
S. 35 . . . . . . . . 84,20
84,30
S. 911 . . . .
4 Meininger Hyp.=Bank 95,00
3½
84,00
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,60
3½ do. (unk. 1914) . . 83,40
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,60
3½
do.
84,80
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . .
94,50
31
do.
86,00
4 Frankfurt. . . . . . . 96,20
31
do.
95,50
4 Gießen . . . . . .
3½
do.
86,00
Heidelberg . . . . . . 93,70
31
do.
84,00
4 Karlsruhe . . . . . . 95,00
31
do.
4 Magdeburg. . .. . .
31
do.
94,00
4 Mainz . . . . . . .. 85,50
31
do.
94,00
Mannheim .. . .
31
89,00
do.
München
94,80
3½ Nauheim . . . . .
4 Nürnberg. . . . . . . 98,00
84,00
3½
do.
4 Offenbach.
. 94,50

Zf.
InPron.
-
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden . . . . . .
-
31
do.
4 Worms. . . . . . . . 94,00
3½
do.
85,50
-
4 Liſſaboner v. 1886.
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 100 183,80
3½ Cöln=Mindner , 100 135,20
3 Holl. Komm. fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,90
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 181,00
3 Oldenburger . . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 194,00
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs.45
do. . . . . Fs.10
Meininger . . . . . fl. 7
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 560,00
do. v. 1858fl. 100 502,00
Ungar. Staats . . fl.100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 157,60
Gold, Silber und
Banknoten.
20,38
Engl. Sovereigns . . .
20 Franks=Stücke . . . . 16,19
4,19
Amerikaniſche Noten. .
Engliſche Noten . . . . . 20,42
Franzöſiſche Noten. . . . 80,90
Holländiſche Noten. . . . 168,45
79,10
Italieniſche Noten . .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,65
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,95
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zsf. 7%

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Gefunden: 1 grauer Damenhandſchuh. 1 großes weißes, ge=

häkeltes Umhängetuch. 1 Herrenſchirm mit braunem gebogenem
Griff. 1 Halskette mit braunen eckigen Steinen. 1 Roſenkranz mit
weißen Perlen. 1 Schrankſchlüſſel mit gelbem Griff. 1 Vorſtecknadel
mit hellen Steinchen. 1 ſchwarzer Damengürtel. 1 goldene halb=
mondförmige
Broſche mit Perlen und Brillanten beſetzt. 1 gold
Kinderarmband. 1 Doubléarmband (Reif) mit ſchwarzer Emaille=
Einlage, nebſt 1 goldenen Broſche (Kettenform). 3 große Schlüſſel
(zuſammengebunden). Zugelaufen: 1 Dobermann. 1 Huhn. (17386
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 deutſche Schäferhunde, 1 Foxterrier, 3 Dobermänner.
1 ſchottiſcher Schäferhund, 1 Spitzhund, 1 Pinſcher (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
(17434
dortſelbſt jeden Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.

Oktrot für Wein.

Der in der Stadt=Gemarkung hergeſtellte Wein und Obſtwein
unterliegt der Oktroiabgabe.
Wer Wein oder Obſtwein herſtellt, hat dies vor Beginn der
Kelterung der Oktroiverwaltung ſchriftlich oder mündlich anzuzeigen
unter gleichzeitiger Angabe, an welchen Tagen die Kelterung begonnen
und beendet werden ſoll. Ueber die Anzeige wird eine Beſcheinigung
erteilt, die im Kelterhauſe aufzubewahren und dem mit der Aufſicht
beauftragten Oktroiperſonal auf Verlangen vorzuzeigen iſt.
Die Kelterung wird durch das Oktroiperſonal überwacht, dem
zu jeder Zeit zu geſtatten iſt, die Menge des bereiteten Moſtes, ſowohl
im Kelterhaus, als im Keller feſtzuſtellen. Vor dieſer Feſtſtellung
darf von dem gewonnenen Moſt nichts verbraucht oder entfernt
werden.
Nach beendigter Kelterung wird der Oktroi von dem hergeſtellten
Moſt nach den Sätzen des Oktroitarifs berechnet und erhoben. Hier=
bei
werden von der durch die Aufnahme ermittelten Geſamtmenge
5% für Hefe in Abzug gebracht.
Ausgenommen von den vorſtehenden Kontrollmaßregeln ſind
die Weingroßhändler, denen die im § 2 der Bekanntmachung vom
30. November 1903, betreffend den Oktroitarif, vorgeſehene Erleichte=
rung
für den Weinhandel zugeſtanden iſt. Sie haben nach Anleitung
der Verwaltung ein beſonderes Kelterregiſter zu führen, in das die
Menge des hergeſtellten Moſtes täglich gewiſſenhaft einzuſchreiben
iſt. Am Schluſſe der Kelterung haben ſie einen eigenhändig unter=
ſchriebenen
Auszug aus dieſem Regiſter der Verwaltung zuzuſtellen,
Er dient als Grundlage für die Berechnung und Erhebung des Oktrois.
Der Oktroiverwaltung ſteht das Recht zu, von dem oben vor=
geſchriebenen
Kelterregiſter Einſicht zu nehmen.
Zuwiderhandlungen gegen vorſtehende Beſtimmungen werden
entweder nach § 15 des Oktroi=Reglements vom 24. Auguſt 1832 als
Hinterziehung beſtraft oder, falls der Betrag des hinterzogenen Oktrois
nicht feſtgeſtellt werden kann, mit Ordnungsſtrafen von 2 Mark bis
30 Mark geahndet.
Darmſtadt, den 16. Auguſt 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
(17471a

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 21. Auguſt 1913, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale der Ludwigshalle, Obergaſſe dahier, öffent=
lich
meiſtbietend folgende Pfänder:
Spiegelſchrank, 1 Plüſchdiwan, 1 Schreibtiſch, 1 Tiſch
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Angebote ſind bis
Mittwoch, 27. Auguſt 1913,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(17381im
Darmſtadt, 18. Auguſt 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Bekanntmachung.
Dienstag, 30. September I. Js.,
vormittags 11 Uhr,

ſoll die dem Georg Philipp VolzII.
zu Groß=Bieberau im Grundbuch
hieſiger Gemarkung zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 481 260 Hofreite Eckhardt=
traße
35,
III 481¾/10 151 Grasgarten, Vor=
garten
, da=
ſelbſt
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K4/13
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 8. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V,17420
älteſter Gerichtsmann.

Bekanntmachung.
Mittwoch, 1. Oktober I. Js.,
vormittags 9 Uhr,

ſoll die den Friedrich Amelung Ehe=
leuten
dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
II 657 238 Hofreite Lieb=
frauenſtraße

Nr. 104,
II 657¾/10 42 Grasgarten, Vor=
garten
, daſelbſt
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K59/13
Darmſtadt, 12. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
J. V.: Ganß, (V,17421
älteſter Gerichtsmann.

Konkursverfahren.

Nachſtehender Gerichtsbeſchluß
wird hierdurch zur öffentlichen
Kenntnis gebracht:
Ueber das Vermögen der Firma
Holzbau Syſtem Meltzer, Ge=
ſellſchaft
mit beſchränkter Haf=
tung
in Darmſtadt, Pallaswieſen=
ſtraße
, wird heute, am 14. Auguſt
1913, nachmittags 5 Uhr, das Kon=
kursverfahren
eröffnet, da die Fir=
ma
ſelbſt, vertreten durch die
Rechtsanwälte Staedel und Dr.
Knoepfel in Darmſtadt, Antrag
auf Eröffnung des Konkurſes ge=
ſtellt
und glaubhaft gemacht hat,
daß das Vermögen der Geſellſchaft
überſchuldet iſt.
Der Rechtsanwalt Carnier I. in
Darmſtadt wird zum Konkursver=
walter
ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
10. Oktober 1913 bei dem Ge=
richte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung
über die Beibehaltung des er=
nannten
oder die Wahl eines ande=
ren
Verwalters, ſowie über die
Beſtellung eines Gläubigeraus=
ſchuſſes
und eintretenden Falls
über die in § 132 der Konkurs=
ordnung
bezeichneten Gegenſtände
und zur Prüfung der angemel=
deten
Forderungen auf (17436
Freitag, 14. November 1913,
vormittags 10½ Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
neues Gerichtsgebäude, Zimmer
Nr. 201, Termin anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkursmaſſe
etwas ſchuldig ſind, wird aufgege=
ben
, nichts an den Gemeinſchuld=
ner
zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auferlegt,
von dem Beſitze der Sache und von
den Forderungen, für welche ſie aus
der Sache abgeſonderte Befriedig=
ung
in Anſpruch nehmen, dem Kon=
kursverwalter
bis zum 10. Okto=
ber
1913 Anzeige zu machen.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I
zu Darmſtadt.

Die auf der Ladeſtraße des frühe=
ren
Heſſiſchen Ludwigs= Bahn=
hofs
in Darmſtadt (Zugang von
der Lagerhausſtraße) lagernden,
fürEiſenbahnzwecke unbrauchbaren
hölzernen Schwellen ſollen am
Freitag, den 29. Auguſt, vor=
mittags
9 Uhr, an Ort und
Stelle öffentlich verſteigert wer=
den
. Zum Verkauf kommen un=
gefähr
1100 Bahnſchwellen und
1000 m Weichenſchwellen. Die Be=
dingungen
werden im Termin be=
kannt
gegeben.
(IV,17356,73
Großh. Heſſ. Eiſenbahnbau=
abteilung
Darmſtadt.

Der Plan über die Errichtung
einer oberirdiſchen Tele=
graphenlinie
an der Landſtraße
von Darmſtadt nach Meſſel liegt
bei dem Kaiſerlichen Telegraphen=
amt
hier von heute ab 4 Wochen
aus.
(17390
Darmſtadt, 18. Auguſt 1913.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.

Vergebung von
Küchenbedürfniſſen.
Die Küchenbedürfniſſe für das
III. Bataillon 2. Reſerve= Infan=
terie
=Regiments XVIII. Armee=
korps
, das vom 24. September
bis 7. Oktober ds. Js. auf dem
Truppenübungsplatz bei Darm=
ſtadt
zuſammengezogen wird, ſot
wie Spülicht und Küchenabfälle
des genannten Bataillons ſollen
vergeben werden.
(17346im
Angebote ſind im verſchloſſenen
Umſchlag mit entſprechender Auf=
ſchrift
an die Kaſſenverwaltung
des II. Bataillons Infanterie=
Regiments Nr. 118 in Worms
bis zum 28. Auguſt einzureichen.


Dünger=Verkauf.
Donnerstag, den 21. Auguſt,
von 8 Uhr vormittags ab,
wird auf dem vorderen Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in Darm=
ſtadt
die Matratzenſtreu von einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
verſteigert.
(17349im
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.

Verkauf von Matratzenſtreu
Am Donnerstag, den 21. und
Samstag, den 23. Auguſt, wird
die Matratzenſtreu je einer Eska=
dron
auf dem Hofe der Kavalle=
riekaſerne
an der Holzhofallee ver=
ſteigert
.
(17388
Der Verkauf beginnt um 9 Uhr
vormittags.
Leib=Dragoner=Regiment.
(2. Großh. Heſſ.) Nr. 24.

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[ ][  ][ ]

Nummer 194.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Seite 9.

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Wie wir vergeben unſern
Schuldigern
Roman von E. Krickeberg.
(Nachdruck verboten.)
25

Wie ſchön und apart Sie ſind, rief Anita unwillkürlich,
wie ein aus dem Rahmen geſtiegenes Bild eines der
großen engliſchen Porträtiſten.
O Gott, ſagte Brigitte, die Schultern bewegend, als
ob ſie friere. Ich bin ein armſeliges Nichtschen Sie
eine ſtrahlende Sonne! Anita, ich habe nicht gewußt,
daß Sie ſo berauſchend ſchön ſein können! Sie ſcheinen
ſich für gewöhnlich abſichtlich mit Ihren ſchwarzen
Nonnengewändern zu verhäßlichen.
Ich habe gelernt, die Schönheit gering zu ſchätzen, und
für wen ſollte ich wohl noch ſchön ſein wollen, Brigitte?
Meinem alten Harto und meinem Jungen genüge ich voll=
kommen
, wie ich bin . . . ein Wrack gegen das, was ich
einmal war.
Na, ich fürchte, die Herrenwelt wird ſich danach reißen,
Rettungsverſuche an dem Wrack zu unternehmen.
Anita ſtrich ſich mit einer matten Bewegung über die
Stirn. Da würde man ihr nun wieder Schmeicheleien
ſagen, ihr den Hof machen, ſie umſchwärmen, die Witwe,
wie ehedem das junge Mädchen. Es würde jetzt mit mehr
Reſerve und weniger Hintergedanken geſchehen wie ehe=
dem
, als die Herren der Lebewelt die ſchöne, aber unter=

geordnete Schauſpielerin gar zu gern als jagdbares Wild
betrachtet hätten. Sie war jetzt eine Dame der Geſellſchaft
mit einem alten Namen von gutem Klang. Aber im
Grunde war es dasſelbe . . . Man huldigte ihrer Schön=
heit
, aber wer fragte nach ihrer Seele? Man pries ihre
Liebenswürdigkeit und kümmerte ſich nicht darum, ob ſie
nicht vielleicht eine Maske für Not und Kummer war.
Man wird mit den Rettungsverſuchen aufhören, ſagte
ſie mit bitterem Ton, ſobald man eingeſehen hat, daß das
Wrack doch nicht mehr ſeetüchtig werden wicd
Ach nein! Von den Herren der Schöpfung hält ſich in
einem ſolchen Fall jeder für einen kleinen Gott, dem un=
bedingt
ein neues Schöpfungswerk gelingen muß. Laſſen
Sie meinem Bruder Wolf wenigſtens einen Reſt von Ver=
ſtand
, Liebſte.
Es ſollte ſcherzhaft klingen, aber man hörte doch die
ſchweſterliche Fürſorge aus ihrer Stimme.
Alſo Wolfgang von Steltz würde auch auf dem Feſte
ſein, das hätte ſich Anita denken können. Wer von den
noch in der Stadt weilenden Mitgliedern der ariſtokra=
tiſchen
Geſellſchaft würde da überhaupt fehlen? Und als
Anita das dachte, überlief es ſie plötzlich ſiedendheiß, und
ſie mußte ſich einen Augenblick auf eine Seſſellehne ſtützen:
wenn Eberhard von Drewensberg auch anweſend war,
Was iſt Ihnen denn? fragte Hartkopf erſchreckt, Sie
ſind ja plötzlich leichenblaß geworden?
Es iſt ſchon vorüber! Und in der Tat jagte jetzt wie=
der
eine Blutwelle über ihr Geſicht. Ich hätte das heute

nicht unternehmen ſollen meine Nerven werden nicht
ſtandhalten aber nun iſt’s zu ſpät.
Sie ſprechen ja ganz heiſer, entſetzte ſich Hartkopf.
Um Gotteswillen, blamieren Sie ſich nicht beim ſingen,
ſonſt laſſen Sie es lieber ganz.
Haben Sie keine Sorge, Harto, entweder ich ſinge gut
oder gar nicht.
Heini ging bewundernd immer um die Mutter herum.
Sieh mal, Mutter Müllern er zog ſeine alte Vertraute
an der Hand aus der Küche herein ſieh mal, ſo ein
feines Kleid hat meine Mutti! Lauter Silber! Und ich
darf heute nicht auf ihren Schoß klettern und Huckepack
mit ihr ſpielen und ſieh mal die feine Perlenkette um
den Hals! Und in der Kapſel iſt Vatchens Bild, und das
ſieht ganz aus wie Onkel Eberhardtchen.
Es iſt Zeit! Gehen Sie, meine Damen, gehen Sie!
drängte Hartkopf, und Brigitte legte wieder den Spitzen=
ſchal
um ihren Kopf und küßte Heini. Büble, wenn du
mitkommen könnteſt, wäre es viel ſchöner.
Aller Augen richteten ſich auf die beiden Frauen. als
ſie den Gartenſaal betraten, wo die Gräfin Steinberg
empfing.
Welcher pikante Gegenſatz, wie ſrappierend eigenartig!
ging es von Mund zu Mund. Die eine, eine zarte blonde
Schönheit mit einem leiſen Hauch von Wehmut über dem
Weſen, die andere majeſtätiſch, in voller Blüte prangend,
raſſig und apart in jedem Zug. Ein Geſicht, wie aus
Marmor gemeißelt, inter üppigem, goldbraunem Haar,

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

4

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(10
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Sy.

Ze

blaß, ernſt und ſtolz, aber in den großen dunklen Augen
unter der weißen Stirn ein fragender, ſuchender Ausdruck,
der die ſtolze Sicherheit des Weſens milderte, ein Blick,
aus dem eine müde Seele um Schonung bat. Und dies
wunderbare ſchwarze Gewand mit den Silberlichtern, der
große ſchwarze Gainsborough=Hut mit den Straußfedern
auf dem ſchimmernden Haar. Man hätte ſich keine
vorteilhaftere Toilette für dieſe Geſtalt denken können.
Eine Gruppe von Offizieren ſtand in einer Ecke des
Saales, dicht am Eingang.
Donnerwetter, eine famoſe Erſcheinung!
Eine berückende Schönheit!
Und welche raffinierte Toilette! Einmal etwas
ganz Apartes!
Wer iſt ſie? Kennt ſie keiner?
Sie kommt mit Ihrem Fräulein Schweſter, Wolfgang,
da müſſen Sie ſie doch kennen! So ſchwirrten ihre Stim=
men
durcheinander.
Wolfgang von Steltz war eben im Begriff, den
Damen entgegenzueilen. Er wandte ſich zurück und ſagte
mit einem Lachen, das nicht frei von Schadenfreude war:
Meine Kuſine eine Drewensberg , nun beneiden Sie
mich einmal recht gründlich, meine Herren Kameraden.
Ueber Anitas Geſicht flog ein Schimmer von Freude,
als Wolfgang von Steltz ſich ihr nahte, und ſie reichte ihm
herzlich die Hand.
Doch ein Bekannter, ſagte ſie. Ich freue mich, Sie zu
ſehen. Wolfgang küßte ihr die Hand.

Nur ein Bekannter, gnädige Frau?
Nein, ein Freund.
Ja, und ein ehrlicher Freund, der es ſelbſt ohne
Murren erträgt, verbannt zu ſein.
Er geleitete die beiden Damen zur Frau des Hauſes.
Sie wurden herzlich liebenswürdig empfangen, aber Bri=
gitte
und Wolf bald wieder entlaſſen.
Geht nur immer und wählt einen ſchönen Platz für
euch im Garten. Mit Frau von Drewensberg möchte ich
noch ein Weilchen plaudern.
Es dauerte eine geraume Weile, ehe Anita ſich frei=
machen
konnte. Immer wieder wünſchte jemand mit ihr
bekannt gemacht zu werden, darunter ein älteres adliges
Ehepaar. Das war entzückt, eine Drewensberg kennen zu
lernen, und plagte Anita weidlich mit tauſend Fragen
nach ihrem Mann, die ihr in die Seele ſchnitten, und nach
ihren Schwiegereltern, die ſie nicht beantworten konnte,
bis die Gräfin aufmerkſam wurde und ſie erlöſte.
Sie möchten ſich Ihrer Freundin zugeſellen, meine
Liebe, ich ſehe es Ihnen an. So gehen Sie. Wahrſchein=
lich
finden Sie ſie im Teehäuschen, das iſt Brigittes Lieb=
lingsplatz
.
Die Augen der Herren folgten wie hypnotiſiert der
ſchwarzen Geſtalt mit der königlichen Haltung, als ſie
langſam durch die Säle in den Park hinausſchritt. Sie
achtete es nicht, Es kam ihr nicht einmal zum Bewußtſein.

Der Schreck über die Fragen des Ehepaares zitterte noch in
ihr nach. Sie machte ſich bittere Vorwürfe, der Einladung
der Gräfin ſowie Brigittes und Hartkopfs Drängen ge=
folgt
zu ſein und ſich in dieſe Geſellſchaft gewagt zu haben,
wo ſie unausgeſetzt an den Namen Drewensberg und
ihren ſchweren Kummer erinnert wurde.
Dieſer Schritt in die Oeffentlichkeit würde ihr ſicher
von der Familie ihres Mannes ſehr verdacht werden. Die
Geſchichte ihrer Heirat, um die bisher nur wenige gewußt
und die aus Mangel an Kenntnis der näheren Umſtände
kaum beachtet worden war, konnte durch ihr Hervortreten
leicht noch nachträglich zu einem Familienſkandal nach
Auffaſſung der Drewensbergs aufgebauſcht werden. Und
wenn ſie das nicht der Familie wegen bedauerte, ſo be=
klagte
ſie es doch tief im Andenken an ihren Mann. Es
war ein entſetzlicher Gedanke für ſie, daß jetzt, da Heinz
nicht mehr imſtande war, ſelber für ſich einzutreten, ſein
Name und ſeine Handlungsweiſe angegriffen und kritiſiert
werden könnten. Es fehlte nur noch, daß ihr Eberhardt
von Drewensberg in Perſon hier entgegenträte! Un=
willkürlich
beſchleunigte ſie ihren Gang und ihre Augen
waren fortwährend in geheimer Angſt auf der Suche, ob
ſie den nicht entdeckten, den ſie von allen Menſchen am
wenigſten zu ſehen wünſchte, weil ſie ihn fürchtete, wie
Harto ganz richtig geſagt hatte.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 194.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Seite 11.

Bestbewährie
gesunde
und
magen-
darmkranke

Nahrung für:
Sowie
Sschwächliche,
in der Entwicklung
zurückgebliebene
Kinder.

Luftfahrt.

sr. Der Rundflug um England um den
100000 Mark=Preis der Daily Mail ſcheint ein voll=
ſtändiges
Fiasko werden zu ſollen. Der einzige Bewerber
um den Preis, der Engländer Hawker der mit einem
Paſſagier an Bord am Samstag mittag mit ſeinem Sop=
with
=Doppeldecker von Netley bei Southampton aus ſtar=
tete
und die beiden erſten Etappen Netley=Ramsgate und
Ramsgate Yarmouth mit einer durchſchnittlichen Stunden=
geſchwindigkeit
von 96 Kilometer zurücklegte, mußte den
Weiterflug aufgeben. Es machten ſich bei ihm Symptome
eines Sonnenſtiches bemerkbar. Sein Flugzeug iſt damit
allerdings noch nicht außer Konkurrenz. Da das Regle=
ment
Pilotenwechſel geſtattet, ſoll anſtelle von Hawker
nunmehr der Aviatiker Sidley Pickles das Flugzeug wei=
ter
ſteuern. Da Hawker bisher nur 384 Kilometer zurück=
legte
, fällt Sidley Pickles die ſchwierige Aufgabe zu, bis
Mittwoch nachmittag die reſtlichen 2100 Kilometer zu
durchfliegen.

Sport, Spiel und Turnen.

* Fußball: Die dritte Mannſchaft des F.=Kl.
Union=Wixhauſen ſpielte gegen die gleiche des F.=Kl.
1903=Egelsbach und ſiegte überlegen mit 11:1 Toren.
Die vierte Mannſchaft ſpielte gegen die vierte Mannſchaft
des F.=Kl. Germania in Pfungſtadt und gewann
ebenfalls mit 5:0 Toren. Am Abend fand die Preis=
verteilung
der am Sonntag ſtattgefundenen lokalen Wett=
kämpfe
des F.=Kl. Union=Wixhauſen ſtatt, wobei viele
Mitglieder für ſehr gute Leiſtungen mit Preiſen bedacht
werden konnten.
Radrennen. Der Radfahrerverein Wan=
derluſt
in Alzey hält am 31. Auguſt 1913 ſein dies=
jähriges
Radfahrerfeſt ab, verbunden mit folgenden
Rennen: 100 Kilometer=Rennen offen für alle Herrenfahrer
des Gaues 9 des D.R. B. 10 Kilometer= 5 Kilometer= und
2 Kilometer=Rennen offen für alle Wertpreisfahrer und
ein 20 Kilometer=Rennen offen für alle Wertpreisfahrer
über 33 Jahre. Nachmittags finden Langſam= und Kegel=
fahren
ſtatt und abends Militärkonzert mit Preisver=
teilung
, Kunſtfahren und Ball. An Preiſen ſind ſehr wert=
volle
Ehrenpreiſe geſtiftet.
sr. Lawn=Tennis . Von den Lawn=Tennis=
Meiſterſchaften von Deutſchland iſt die
Meiſterſchaft im Herrendoppelſpiel bereits entſchieden. In
den letzetn Spielen ſiegten Kinzl-v. Weſſely über Dr.
Hob-Darnoc mit 62. 3
zurückgezogen, nachdem
ſie vorher O. v. Müller-Schomburgk 97,
4 ge=
ſchlagen
hatten. Im Herreneinzelſpiel um die Meiſter=
ſchaft
von Deutſchland ſteht die Entſcheidung noch aus,
ebenſo in der Damenmeiſterſchaft und in der Meiſterſchaft
im Gemiſchten Doppelſpiel. Im Herreneinzelſpiel um die
Meiſterſchaft von Hamburg werden v. Weſſely und Kinzl
in der Schlußrunde zuſammentreffen.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrats
vom 12. bis 18. Auguſt.
Die abgelaufene Berichtswoche brachte ſehr un=
günſtiges
Wetter, das die Erntearbeiten zum Stillſtand

kommen ließ und ernſte Beſorgniſſe bezüglich der Be=
ſchaffenheit
des noch draußen ſtehenden Getreides hervor=
rief
. Es iſt noch viel Weizen und Hafer zu ernten, und
der Umſtand, daß der andauernde Regen das Getreide
vielfach gelagert hat, erhöht die Gefahr einer Qualitäts=
verſchlechterung
umſomehr, als die Temperatur zuletzt
wieder merklich wärmer geworden iſt. Eine weitere un=
angenehme
Folge dieſer Verhältniſſe iſt es, daß das zu
Markt kommende Getreide ſich meiſt als mehr oder
weniger klamm erweiſt, wodurch das Geſchäft inſofern
ungünſtig beeinflußt wurde, als die Mühlen nur zögernd
an den Erwerb ſolcher Ware herangehen und die Expor=
teure
außer Stande ſind, die vom Auslande geforderten
Qualitätsgarantien zu leiſten, Während für Weizen unter
dem Einfluſſe der ungünſtigen Witterung immerhin eine
feſtere Stimmung zum Durchbruch kommen konnte, zu=
mal
Amerika ſeine Forderungen ſteigerte und die fran=
zöſiſche
Ernte von amtlicher Seite ungünſtiger als im Vor=
monat
beurteilt wurde, verkehrte Roggen vorwiegend in
matter Haltung. Maßgebend dafür war der Umſtand, daß
Rußland mit ſtärkerem Angebot herauskam und ſeine For=
derungen
für ſchwere Ware zuletzt bis auf 119 cif Mack
ermäßigte. Angeſichts dieſer Konkurrenz geſtaltet ſich das
Exportgeſchäft immer ſchwieriger, und da auch die Mühlen
große Vorſicht im Einkauf bekunden, ſo konnte das Ange=
bot
nur zu gedrückten Preiſen Aufnahme finden. Im
Lieferungsgeſchäft brachten ſich dieſe Verhältniſſe durch
einen Rückgang von zirka 2 Mark zum Ausdruck, während
Weizen ſich um 2½ bezw. 1½ Mark höher ſtellen konnte.
Im Hafer hat das Angebot in neuer Ware wieder nach=
gelaſſen
, und die Folge davon war, daß das Exportge=
ſchäft
, das ſich zu regen begonnen hatte, wieder ſtill ge=
worden
iſt. Andererſeits geſtaltete ſich angeſichts der Ver=
zögerung
der Ernte der Abſatz von altem Hafer an den
Konſum etwas lebhafter. Im Lieferungsgeſchäft bewirkte
die Witterung Deckungen, aus denen ſich ein Preisfort=
ſchritt
von 2 Mark ergab. Das Geſchäft mit Braugerſte
iſt immer noch nicht recht im Gange; die Verbraucher
können ſich noch nicht zum Kaufen entſchließen, während
die Produzenten für gute Qualitäten auf Preiſe halten,
zumal ſölche Ware nicht allzu reichlich gewonnen zu ſein
ſcheint. Ruſſiſche Gerſte iſt merklich billiger geworden,
nachdem die ruſſiſchen Häfen jetzt ſtarke Zufuhren erhalten.
Mais iſt in Amerika weiter im Preiſe geſtiegen, während
Argentinien mit reichlichen Offerten zu wenig veränderten
Preiſen im Markte blieb. Für inländiſches Getreide ſtell=
ten
ſich die Preiſe am letzten Markttage wie folgt:

Roggen
Weizen
Hafer
3
161
Königsberg
Danzig . . . 212 (1 ) 159½ (1½) 173 (47
160 (1 ) 161 (1
Stettin . .
157 (2
159 (
196 (2
Poſen
,
158 (2
158 (
Breslau . . . 195 (
-
185
198 (4
162½ (4
Berlin
) 1
16
2
162
(2
Magdeburg . 197 (
166 (2
182 (6
Halle .
.. 200 (*1
2
170 (
Leipzig
7§ (2
(2
7 (7
190 (5
Hamburg .
-
(
-
167 (2
Hannover . .
180
8
1
177 (1
(1
10
Köln .
2½ (
190 (
Frankfurt a. M. 210 (2
-

(2½) 17.
Mannheim .
215
236 (*6
174 (*2 ) 173 (*3
München
Weltmarktpreiſe: Weizen: Berlin Sept. 203,25
2,50), Peſt Okt. 194,10 (* 2), Paris Aug. 227,70
(*3,25), Liverpool Okt. 160,95 (*0,90), Chikago Sept.
134,80 (- 2,70), Roggen: Berlin Sept. 165,75 (2,25),
Hafer: Berlin Sept. 165,25 ( 2), Futtergerſte: Süd=
unverzollt
ſchwim. 120
2),
ruſſ. frei Hamburg
Auguſt 112
4), Mais: La Plata ſchwim. 109 (),
Aug./Sept. 109½ () Mark.

H. Frankfurt a. M., 19. Aug. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Am Wochenmarkt war die Haltung zur Feſtig=

keit geneigt; dabei aber ſehr geringes Animo vorhanden.
Neuer Landweizen iſt in trockener Ware bisher nicht abge=
liefert
. Die Weizen ſind faſt durchgängig naß und Käufer
haben bei den Mühlen große Schwierigkeiten, um die Dif=
ferenzen
bezüglich des Waſſergehaltes zu regulieren. Land=
roggen
wurde reichlich angeboten, ohne daß eine Preis=
veränderung
erfolgte; ebenſo ſind ausländiſche Brotfrüchte
bei guter Bedarfsfrage kaum verändert. Hafer, Gerſte und
Mais ruhig. Futtermittel etwas knapper und feſt. Die
Forderungen für Mehl bleiben wie in der Vorwoche.
Der Mannheimer Getreidemarkt iſt ruhig
bei kleinem Geſchäft. An der Berliner Produkten=
börſe
war Weizen feſt auf das Regenwetter, das den
noch viel auf dem Felde liegenden Weizen verdirbt; hin=
gegen
Roggen ſchwach, da ſtarkes und billigeres ruſſiſches
Angebot auch aus erſter Hand erſchien und die mit Ruß=
land
in Verbindung ſtehenden Firmen verkauften. Hafer
lag ſchwächer auf das Regenwetter, welchen den noch reich=
lich
auf dem Felde liegenden Hafer ſchädigt. Nach den letz=
ten
Kabelmeldungen von den amerikaniſchen Ge=
treidemärkten
(Neu=York und Chikago) war Wei=
zen
anfangs matt auf die Dementierung der Berichte über
Froſtſchäden in Kanſas, dann erholt auf beſſere Nachfrage
nach Lokoware und umfangreiche Verſchiffungen von den
Seeplätzen. Mais ebenfalls ſchließlich befeſtigt auf gerin=
ges
Angebot der Farmer in Illinois und größere Nach=
frage
in Lokoware. Der Statiſtiker Snow ſchätzt die
Ernte an Mais auf 2370 Millionen Buſhels, an Winter=
weizen
auf 523 Millionen Buſhels.
Hier ſtellen ſich die Preiſe je nach der Qualität bei
100 Kilo wie folgt: Weizen, hieſiger und Wetterauer, 20,75
bis 21, Nordd 20.7521, Kurheſſiſcher 20,7521, Ruſſiſcher
23,2524,25, Laplata 22.7524, Rumäniſcher 23,2524,25.
Redwinter 23,5024, Manitoba 22,2524. Kanſas 23,25
bis 23,75, Walla=Walla 2324. Roggen, hieſiger, 1717,25.
Bayeriſcher 1717,50, Ruſſiſcher 1818,50, Amerikani=
ſcher

Rumäniſcher 1818,50. Gerſte. Pfälzer, 17 bis
17,50, hieſige und Wetterauer 16,5017, Riedgerſte 17 bis
17,40, Ungariſche . Fränkiſche 1717,50. Hafer, hieſ.,
1719, Bayeriſcher 17,5019, Ruſſiſcher 1821, Amerika=
niſcher
1818,75. Rumäniſcher 1821. Mais mixed 15
bis 15,25, Ruſſiſcher 14,5014,75, Donaumais 14,40 bis
14,60, Rumäniſcher 14,5014,75, Laplata 14,5014.75,
Weißer Mais 14,4014,75, Weizenſchalen 9,259,50, Wei=
zenkleie
9,259,50, Roggenkleie 1010,50, Futtermehl 12
bis 14, Biertreber, getrocknet, 12,5013, Futtergerſte 14,75
bis 15,25. Weizenmehl. hieſ., Baſis ab Mannheim, Nr.(
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[ ][  ][ ]

Nummer 194.

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Seite M.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

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[ ][  ][ ]

Seite 1..

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

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Goldene Damenuhr mit Sprung=
deckel
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Sonntag, den 17. cr., bei einem
Spaziergange durch die innere Stadt
verloren. Der ehrliche Finder
wolle dieſelbe gegen gute Be=
lohnung
auf dem Polizeiamt ab=
geben
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Die hübsche Japanerin
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Löwen muß es heißen:
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und 5 Troſtpreiſe. (*6131
E. M. 20
Bitte Brief abholen!
*6166)
H. 25.

Woog, am 19. Auguſt 1913.
Waſſerhöhe am Pegel 3,81 m.
Luftwärme 170 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 180 C.
Woog=Polizei=Wache.

Auf allgemeinen Wunſch! Das große Meiſterwerk
Auf den Trümmern des Glücks
erſchütterndes Drama in 3 Akten.
In dieſem Drama iſt alles aufgeboten worden, um dasſelbe
zu einem Meiſterwerk der Kinemategraphie zu machen. Noch
nie iſt ein Drama von ſolch überwältigender Wirkung gezeigt
worden. Szenen von geradezu erſchütternder Tragik und
Lebenswahrheit enthält dieſer Film, vertieft durch das unver=
gleichliche
ſeelenvolle Spiel erſter Bühnenkünſtler.
Jedermann muß dieſes Drama ſehen.
Eine Reihe erſtklaſſiger, ausgeſuchter
Neuheiten vervollſtändigen das neue
Riesen=Programm.

Programm
zu dem am Mittwoch, den

Kaſſenöffnung 3 Uhr!
Erstklassige Musikbegleitung!

Kaſſenöffnung 3 Uhr!
Angenehmer Aukenthalt!



Entlaufen
ſchott. Schäferhund, lahmt etwas
linkes Hinterbein. Gelb u. weiß.
Gegen Belohnung abzugeben.
6154)
Riedeſelſtraße 72, part.

20. Aug., von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Garde=Dragoner=
Regiments Nr. 23.
1. Gruß in die Ferne Marſch
von Döring. 2. Ouvertüre zur
Oper Das goldene Kreuz von
Brüll. 3. Liebliche kleine Dinger=
chen
aus der Operette Die Kino=
Königin von Gilbert. 4. Fantaſie
aus La Traviata von Verdi.
5.
Rokoko=Gavotte von Aletter.
6. Eine Epiſode aus dem Jäger=
leben
, Jagdfantaſie von Reckling.

ädchen, 27 J., ev., mit erſpart.
M Geld, ſucht ordentlichen Herrn
zwecks Heirat kennen zu lernen.
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Heiraten Sie nicht
bev. Sie über zukünft. Perſon
u. Familie, Mitgift, üb. Verm.,
Ruf, Vorleben ꝛc. genau in=
formiert
ſind. Diskr. Spezial=
Auskünfte überall. (VII,11543
Welt-Auskunftei Globus
Berlin W. 35.

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4300 Mk. Einkomm., anfang d.
60er Jahre, Witw., ev., wünſcht ſich
mit gebild. Dame, Frl. od. kinderl.
Witwe v. liebensw. u. verträgl. Weſ.
i. Alter v. 5055 J., bald wieder zu
verheiraten. Einiges Vermögen
erwünſcht. Gefl. nichtanonyme Off.
unter J 81 an die Exp. erbeten.
(*6113
Diskretion Ehrenſache.

Träulein, 33 J., w. mit beſſ. kath.
7 Handwerker zwecks Heirat in
Verbindung zu treten. Off. unt.
(*6171
I 97 an die Exp.

[ ][  ][ ]

1.
Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

§ 194.

Mittwoch, 20. Auguſt.

1913.

Man tut gut, ſich
von Zeit zu Zeit daran
zu erinnern, daß von all
den Maßnahmen, die der
moderne Menſch zur
Geſunderhaltung ſeines
Körpers vornehmen muß,
die richtige Pflege der Zähne beinahe die wichtigſte
iſt. Wenige ahnen, daß ſchadhafte Zähne nicht nur
unſer Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen, ſondern
neue Unterſuchungen haben das in überraſchender
Weiſe bewieſen häufig den Ausgangspunkt mannig=
fachſter
Krankheiten bilden können, deren Urſache oft
rätſelhaft blieb. Als richtig kann eine Zahnpflege nur
dann bezeichnet werden, wenn die zahnzerſtörenden
Gärungs= und Fäulniserreger, die ſich im Munde
täglich neu bilden, auch täalich unſchädlich ge=
macht
werden. Das iſt nur zu erreichen durch den
täglichen Gebrauch eines antiſeptiſchen Zahnpflegemittels.
Die Wirkungsweiſe des Odols iſt eine ganz eigen=
artige
. Während andere Mund= und Zahnreinigungs=
mittel
, ſoweit ſie für die tägliche Zahnpflege überhaupt
in Betracht kommen, lediglich während der wenigen
Sekunden der Mundreinigung ihre Wirkung ausüben,
wirkt das Odol noch ſtundenlang, nachdem man
ſich die Zähne geputzt hat, nach. Dieſe einzigartige
Dauerwirkung iſt aller Wahrſcheinlichkeit nach darauf
zurückzuführen, daß ſich das Odol beim Mundſpülen
förmlich in die Zähne und die Mundſchleimhäute ein=
ſaugt
, dieſe gewiſſermaßen imprägniert und ſo gleich=
ſam
einen antiſeptiſchen Vorrat hinterläßt, der noch
ſtundenlang den zahnzerſtörenden Fäulnis= u. Gärungs=
prozeſſen
entgegenwirkt.
(I,16960
Preis: ¼ Flaſche (Monate ausreichend) Mk. 1.50,
½ Flaſche M. .85.

Kongreſſe und Verbandstage.

20. Deutſcher Ortskrankenkaſſentag.
Breslau, 18. Aug. Unter Beteiligung von mehr
als 800 Delegierten, die über 500000 Kaſſenmitglieder ver=
treten
, trat hier der Deutſche Ortskrankenkaſ=
ſenverband
zu ſeiner 20. ordentlichen Mit=
gliederverſammlung
zuſammen. Der Vorſitzende
des Hauptverbands, der frühere ſozialdemokratiſche Reichs=
tagsabgeordnete
Fräßdorf=Dresden begrüßte die Er=
ſchienenen
und wies auf den Aufſchwung hin, den der Ver=
band
in der letzten Zeit genommen habe. Die Gegner hät=
ten
den Kampf mit allen Mitteln verſucht, ohne damit
irgend etwas zu erreichen. Die Hauptaufgabe des Ver=
bandes
ſei der Ausbau der ſozialpolitiſchen Einrichtungen
zugunſten der Kaſſenmitglieder; der Verband vermeidet

e
Zuſammenarbeiten von Arbeitgeber= und Arbeitnehmer=
verbänden
und von Kaſſenbeamten.
Verbandsdirektor
Heſſe=Dresden erſtattet hierauf den Geſchäftsbericht, der
namentlich die Stellung der Krankenkaſſen zulden Aerzten,
die Verteilung des Medizinalperſonals, die Säuglings=,
Kinder= und Wohnungsfürſorge, die Bekämpfung der
Krebs= und Geſchlechtskrankheiten uſw. beſprach und mit
lebhaftem Beifall aufgenommen wurde.
Hierauf ſprach
Dr. jur. Althenrath=Charlottenburg, Abteilungsvor=
ſteher
in der Zentralſtelle für Volkswohlfahrt, über Woh=
nungsfrage
, Wohnungsgeſetzgebung und die Mitwirkung
der Krankenkaſſen bei der Reformarbeit
Er verbreitete
ſich eingehend über die ſogen. Siedelungsvereine und über
den Zuſtand der Wohnungen ſelbſt und ſchlug Mittel zur
Abhilfe der beſtehenden Mängel vor. In der von ihm
vorgelegten Reſolution wird gefordert, daß die Kran=
kenkaſſen
der Wohnungsfrage erhöhte Aufmerkſamkeit zu=
wenden
, daß die Kaſſenärzte die Wohnungen der Kranken
kontrollieren und die Kaſſen ſelbſt durch Gewährung von
Hypothekdarlehen die Erbauung von Kleinwohnungen för=
dern
ſollen. Nach einer kurzen Diskuſſion wurde die Reſo=
lution
angenommen. Arbeiterſekretär Wiſſell=Berlin
ſtellte zu ſeinem Thema Neue Gegner der Sozialverſiche=
rung
eine Reihe von Leitſätzen auf, in welchen der hohe
Wert der ſozialen Verſicherung für die Volksgeſundheit
anerkannt und hervorgehoben wird, daß die einzelnen
Zweige der Arbeiterverſicherung heute zu Hauptſtützen der
auf die Hebung der Volksgeſundheit abzielenden Beſtreb=
ungen
geworden ſind. Die Laſten der Arbeiterverſicherung
ſind notwendige und höchſt produktive lohnende Speſen
der Volkswirtſchaft. Die Beſtrebungen der Gegner, die mit
Uebertreibungen der ſchlimmſten Art und mit unbeweis=
baren
Behauptungen operieren, werden die Krankenkaſſen=
verwaltungen
nicht von ihrem Wege abbringen. In
ſeinen weiteren Ausführungen kritiſierte der Referent ſcharf
die Anſicht von Profeſſor Bernhard=Berlin, der von einer
Rentenflucht der Arbeiter ſpricht. In der Diskuſ=
ſion
wies Juſtizrat Mayer=Frankenthal darauf hin,
daß zu den Gegnern der ſozialen Verſicherung in erſter
Linie der Leipziger Aerzteverband gehöre, der die Erhöh=
ung
der Verſicherungsgrenze für die Krankenverſicherung
hintertrieben habe. Trotz aller Gegnerſchaft werden die
Krankenkaſſen weiter ihr Ziel im Auge behalten. Arbei=
terſekretär
Graef=Frankfurt a. M. betonte, daß die letz=
ten
Kämpfe in den Krankenkaſſen gezeigt hätten, wie not=
wendig
die ſoziale Verſicherung ſei. Nicht die Arbeitgeber,
ſondern die Arbeitnehmer ſeien Gegner der Beitragserhöh=
ung
geweſen. Der heutige deutſche Aerzte= und Apotheker=
ſtand
laſſe ſich ohne die ſoziale Verſicherung gar nicht
mehr vorſtellen. Die Gegner der Krankenkaſſen, die angeb=
liche
Mißſtände, die durch ſozialdemokratiſche Vorſtands=
mitglieder
herbeigeführt worden ſein ſollten, beſeitigen
wollten, haben nach kurzer Tätigkeit eingeſehen, daß in den
Krankenkaſſenvorſtänden ernſte Arbeit geleiſtet wird und
haben ſich aus Gegnern der Krankenkaſſen in Freunde der=
ſelben
umgewandelt. Die Leitſätze des Referenten, die
dieſer zugleich als Reſolution vorgelegt hatte, wurden
angenommen.

Kahrihen des Sindente Darnſtat.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
8 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 10. Auguſt: dem Taglöhner Michnel
Hofferberth, Magdalenenſtr. 1, eine T. Martha. Am
15.: dem Fabrikarbeiter Georg Schneider, Liebfrauen=
ſtraße
35 eine T. Margarete. Am 13.: dem Pfarcer Dok=
tor
der Theologie Johannes Waitz, Mollerſtr. 23, ein S.
Hans Martin Paul Gebhard Ernſt Ludwig Heinrich
Joachim. Am 14.: dem Großh. Baurat Heinrich Wag=
ner
, Liebigſtr. 25, eine Tochter. Dem Kellner Hermann

e Sommer, Gardiſeuſte
rich. Am 17.: dem Lokomotivheizer Auguſt Maus,
Weiterſtädter Weg 33, ein S. Reinhard Friedrich. Am
14.: dem Gaswerksarbeiter Hermann Krepper, Schloß=
gartenplatz
6, ein S. Karl. Am 16.: dem Schreibgehilfen
Heinrich Schanz, Liebfrauenſtr. 74, ein S. Wilhelm.
Am 17.: dem Taglöhner Ludwig Löffel, Schulzengaſſe
22, ein S. Jakob. Dem Fabrikarbeiter Franz Eller=
mann
, Wendelſtadtſtr. 39, ein S. Karl Franz Taver. Dem
Kaufmann Abraham Libmann. Waldſtr. 1½, ein S.
Walter Max.
Aufgebotene. Am 13. Auguſt: Fabrikarbeiter Michael
Jüllich, mit Lina Margareta Schlicht, beide zu
Birkenau. Am 14.: Kaufmann Friedrich Johann
Schäfer, hier, mit Eliſe Chriſtine Anna Lerch zu
Frankfurt a. M. Gerbergehilfe Joh. Leonhard Dehmer I.
zu Eberſtadt, mit Köchin Eliſabethe Barbara Müller,
hier. Am 15.: Hofſchloſſer Georg Friedrich Rahn,
Waldſtr. 50, mit Margaretha Groh zu Arheilgen. Stein=
hauer
Wilhelm Weis zu Mannheim, mit Zigarren=
arbeiterin
Margareta Winkenbach zu Viernheim.
Eiſenbahnbureaugehilfe Hermann Rudolph Menges zu
Frankfurt a. M., mit Köchin Katharine =Schifferdecker zu
Eſchelbronn. Magazinarbeiter Karl Geyer, Mühlſtr. 23,
mit Eliſabethe Rink (genannt Mitſchdorfer), Schneiderin,
Lindenhofſtr. 7. Schloſſer Auguſt Nahrgang, Laute=
ſchlägerſtr
. 26, mit Maria Katharina Joſt, Inſelſtr. 19.
Fuhrmann Ludwig Krämer, Fuhrmannſtr. 12, mit Lauf=
mädchen
Anna Maria Fraas, ebendaſelbſt. Am 16.:
Dienſtknecht Karl Winkes zu Armsheim, mit Marga=
retha
Denne ebendaſelbſt. Vizefeldwebel im Großh.
Leibgarde=Inf.=Regt. Nr. 115 Wilh Klee Alexanderſtr.
22, mit Emilie Schneider, Mollerſtr. 40. Maurermeiſter
Aug. Hermann Thümmel, Schulſtr. 3, mit Martha
Frieda Engelhardt zu Zwickau. Schutzmann Johannes
Käß zu Offenbach=a. M mit Chriſtina Wilhelmine
Reichardt zu Nierſtein. Kaufmann Georg Welter zu
Saalfeld, mit Margaretha Barbara Thereſe Maria
Ackermann, Liebfrauenſtr. 47. Elektromechaniker Karl
Flamm zu Frankfurt=Rödelheim, mit Marie Anna
Stein, Hochſtr. 10.
Eheſchließungen. Am 13. Auguſt: Bäckergeſelle
Michgel Vollrath, mit Köchin Chriſting Urſtadt, beide
hier. Am 16.: Bureaugehilfe Friedrich Reckow mit
Anna Zang, beide hier. Taglöhner Viktor Jamann.
mit Elsbeth Brink, beide hier. Weißbinder Karl
Lorenz, mit Eliſe Zimmermann, beide hier. Bahn=
arbeiter
Alois Starck mit Köchin Eliſabeth Schulz, beide
hier. Kaufmann Ernſt Hackmann in Günzburg, mit
Martha Geiſt. hier. Städt. Leihamtsgehilfe Friedrich
Walter, mit Maria Horn, beide hier. Kürſchner Max
Rechenberg in Bensheim, mit Eliſabeth Möſer hier.
Dipl.=Ing. Wilhelm Schenderlein im Hamburg, mit
Maria Büchner, hier. Bürgermeiſterei=Kanzliſt. Karl
Keil, hier, mit Barbara Helldörfer zu Eſſen= Rütten=
ſcheid
. Kaufmann Arthur Müller zu Mannheim= Sand=
hofen
, mit Eva Hinkel, hier. Werkmeiſter Wilhelm
Jordan, mit Emma Beck beide hier. Packer Friedr.
Seeger, mit Katharina Steiger, beide hier.
Geſtorbene. Am 15. Auguſt: Realgymnaſiallehrer
Profeſſor Dr. Ludwig Weis, 83 J., ev., Heinrichſtr.
54. Am 14.: Margarete Imhof, geb. Pfeuffer, 37 J.,
kath., Ehefrau des Gaſtwirts Schloßgraben 15. Anna
Alma Martha Spengler, geb Prüße, 34 J., ev., Ehe=
frau
des Gaswerks=Bureauaſſiſtenten, Schwanenſtr. 28.
Am 15.: Lehrerin a. D. Sophie Steinheimer, 68 J., ev.,
Saalbauſtr. 73. Apotheker Ernſt Wilh. Pfersdorff 76
J., ev., Gervinusſtr. 42. Am 17.: Schreinermeiſter Wilh.
Friedrich Gründler, 69 J., ev., Mühlſtr. 12. Am 18.:
Gärtner Mathias van der Velten, 69 J., kath., Grafen=
ſtraße
9.

14. Vorbereitungskurſus
für die theoretiſche Meiſterprüfung im Handwerk.
Nach dem Reichsgeſetz vom 30. Mai 1908 (ſog. kleiner Befähig=
ungsnachweis
) dürfen bekanntlich im allgemeinen nur noch ſolche
Perſonen Lehrlinge anleiten, welche die Meiſterprüfung beſtanden
haben. Ueberdies läuft am 1. Oktober 1913 die Friſt ab, bis
zu welcher die Meiſterprüfung noch ohne Nachweis der beſtan=
denen
Geſellenprüfung abgelegt werden kann. (Die Beſtimmungen
finden gleichermaßen auf männliche wie auf weibliche Gewerbe=
treibende
Anwendung.)
Da nun vorausſichtlich im Herbſt noch viele Handwerker nach
den erleichterten Beſtimmungen die Prüfung ablegen werden ſo be=
abſichtigen
wir zur Vorbereitung auf den theoretiſchen Teil dieſer
Meiſterprüfung wieder einen Kurſus in Buchführung, Wechſel=
lehre
, Scheckverkehr, Gewerbe=, Verſicherungs= und Genoſſen=
ſchaftsgeſetzgebung
abzuhalten.
Derſelbe wird bei genügender Teilnahme am 3. September
beginnen und am 11. Oktober endigen. Als Unterrichtszeit ſind die
Mittwoch= und Samstag=Nachmittage vorgeſehen.
Anmeldungen werden auf der Handwerkskammer zu Darmſtadt,
Georgenſtraße 9, bis ſpäteſtens 30. Auguſt entgegengenommen.
Die Teilnehmergebühr mit 10 Mk. iſt im Voraus zu entrichten.
(17041dm
Darmſtadt, den 12. Auguſt 1913.
Der Vorſtand des Ortsgewerbevereins zu Darmſtadt.

Zahnarzt Wolters
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von der Reise zurück.

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verk. Annaſtr. 31. Anzuſ. 2 Uhr. (*612s

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per Stück 50 Pfg.
im Ausſchnitt ¼ Pfd. 8 Pfg.
Weizenſchrotbrot
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Brot= und Wiener Feinbäckerei,
Ecke Hügel= und Schützenſtraße.

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Lauteſchlägerſtr. 30, Tel. 844. (17425a

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Spiegel, 1 Strohmatratze, 1 Küchen=
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abgelegten Schlafrock? (*6066
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Smiriim für Canzkunst.
Bringe dem geehrten Publikum zur gefl. Kenntnis, daß ich noch
Anmeldungen für die im Hotel Prinz Carl’ ſtattfindenden Herbſt=
und Winterkurſe von 115 Uhr in meiner Wohnung, Kranichſteiner=
ſtraße
44, parterre, entgegennehme.
(16037a
Johanna Georg, geb. Merz
(frühere Großherzogliche Hof=Solo=Tänzerin.)

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O. B. Weber, Dentist
bisheriger Assistent bei Zahnarzt Dr. Schlapp.
Wilhelminenstrasse 29. (15817a
Sprechstunden: vorm. 91, nachm. 26, Sonntags 91 vorm.

emnfehlen
je 3r91.
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Fenkfurfz 52

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wegen Auflöſung des Haushalts
zu verkaufen. Verkaufszeit von 2
(17435mds
bis 3 Uhr nachm. bei
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Me. (097mit)

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1 kl. Handnähmaſchine,
12 kl. flache Glaskäſten
geeignet für Käfer= od. Schmetter=
lingſammlung
ꝛc., werden billig ab=
gegeben
Lichtenbergstr. 80, II., I.

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Zut vrrkaufen Eichenholz, eine
Staffelei u. verſch. Bilder (*6083ms
Karlſtr. 115, Hth. 1. St. rechts.

[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 20. Auguſt 1913.

Nummer 194.

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Stellung als Verkäuferin. Off
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Witwe,
Gebild. jg. Frau, wünſcht
Vertrauenspoſition, am liebſt.
in Darmſt., als Geſellſchafterin,
Haus=, Empfangsdame od. zur
Beaufſichtigung von Kindern,
Ueberwachen der Schularbeiten,
Nachtragen von Büchern, in
gutem Hauſe. Näh. bei Frau
Sanitätsr. Schefers, Zimmer=
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8, vormittags. (17470ms

Tücht. Schneiderin mimmt nock
Kund. an Weinbergſtr. 5, pt. (B17466

Tücht., junges Mädchen, Nord=
deutſche
, ſucht Stellung als Putz=
arbeiterin
. Selbige kann auch im
Verkauf tätig ſein. Off. unt. J 80
an die Exped. ds. Bl. (*6115mf

Tüchtige erfahrene Stickerin in
Platt=, Hoch=, Stiel= und Kreuzſtich=
arbeiten
, auch Feſtonieren, ſucht
Beſchäftigung. Offerten Wittmann=
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bewandert, nimmt noch Kunden an
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beſſern
, auch werden Knabenanzüge
ſchön u. billig angefertigt. Alte
Sachen werden verw. Geht auch
außer d. Hauſe. Karlstr. 26, II. (*6163

Schneiderin, tücht. im Veränd.
von Kleidern, näht Weißzeug und
beſſert auch aus, nimmt n. Kunden
an Frankenſteinſtr. 61, III. (*6099

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Perfekte Büglerin ſich außer=
dem
Hauſe. Näheres Rheinſtr. 5,
Seitenbau, 2. Stock.
(*6090

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Aelt. Fräul. ſucht Stelle zur
Führung ein. frauenloſ. Haushalt.
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Fleißige tüchtige Frau ſ. Arbeit
im Waſchen und Putzen. (*5900om
Näheres Ruthsſtraße 15, I. I.

Anſtändige, Pme=m ſucht abends
kräftige a1au Laden zu
reinigen. Zu erfragen in der
Expedition dieſes Blattes. (*5949im

-fagho
Unsolgin welches läng.
Einldches Praulorn, Zeit Haush
ſelbſtändig geführt hat, ſucht ähn=
liche
Stelle, event. tagsüber. Off.
u. J 53 an die Exped. (*6008im

Kinderfräulein, welches Kinder=
pflege
gelernt hat, Kindermädchen,
nette Landmädchen ſuchen in
Darmſtadt Stellen,
Aushilfs=
köchin
, welche auch Hausarbeit
mit übernimmt, ſucht Stelle für ſof.
Frau Berta Neßling, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Ludwigſtr. 8. (*582 oim

Junge Frau ſucht Beſchäftigung
in israel. Familien, gewandt im
Nähen, Kochen, Kindererziehung.
Off. unt. J 79 an die Exp. (*6107
Frau ſucht Laufſtelle für morg.
2 Std.
Hermannſtr. 5, I. (*6109

Geb. ältere noch rüſtige Witwe
wünſcht Beſchäftigung für Nach=
mittags
von 26 oder 37 Uhr.
Off. u. J 85 an die Exp. (*6135 Iae, kein. Frau geht waſchen
und putzen, Weber, Langgaſſe 29.
Nur d. Poſtkarte zu beſtell. (*6104 Ein unabhängiges jung. Mädchen
ſucht Laufdienſt für den Vormitt.
Alexanderſtraße 13, Seitenb. (*6075 Monatsſt. f. morg. v. ½910 Uhr
geſ. Wendelſtadtſtr. 46, III. (*6084 Junges kräftiges Mädchen ſucht
Stelle in kleinen Haushalt. Becker=
(*6088
ſtraße 23, parterre. Der Katholiſche
Mädchenschutzverein
Nieder=Ramſtädterſtraße 30
(täglich von 35) empfiehlt per
ſofort oder ſpäter 1 ältere Köchin
mit guten Zeugniſſen, mehrere
jüngere Alleinmädchen. (17415 Stellen ſuchen: Bürgerl. Köchin,
Stütze, Haus=, Alleinmädchen u
mehrere 15= u. 16jähr. Mädchen ſof.,
1. Sept. u. 1. Okt. Johannette Weiss-
mantel
, gewerbsmäßige Stellenvermittlerin,
Karlſtr. 30. Teleph. 1909. (*6157 Unabh. Frau ſ. Lauſſt. f. morg.
geht auch halbe Tage waſch. u. putz.
Näh. Langgaſſe 29, 2. St. (*3026 Jg. ſ. ehrl. Frau ſ. Laufft, geht
auch Lad. od. Büro putz. vor= od.
nachm. Eckhardtſtr. 3, Hinterhaus
2. Stock rechts.
(*6170md Aelt.beſſ.alleinſt. Frau ſ., geſt. auf
g. Zeugn., Beſch. b. Kind. tagsüb. g.
kl. Verg. Off. u. J 88 Exp. (*6145 Junges Mädchen, das gedient
hat, ſucht morgens 2 Std. Laufſt.
Blumenthalſtraße 63.
(*6143 Frau geht waſchen und putzen.
Ludwigshöhſtraße 78. (B17465 Beſſeres oberheſſiſches Mädchen
(19 Jahre) ausgebildet in Hand=
arbeit
, Bügeln und im Haushalt,
ſucht Stellg. als Stütze in beſſ. Hauſe.
Näheres Rhönring 101, II. (17478md Wo kann Frl. d. Schneidern
gründl. u. raſch erlernen? Off. unt.
B. D. 21 hauptpostlagernd. (*6147 Männlich
Sohder Hatt
45 Jahre alt, längere Zeit im Aus=
land
geweſen, ſucht in Darmſtadt
Stellung als Kaſſenbote, Magazin=
aufſeher
od. ſonſtigen Vertrauens=
poſten
. Bewerber iſt der engliſchen
Sprache vollkommen mächtig und
reflektiert weniger auf hohen Ge=
halt
wie auf dauernde angenehme
Stellung. Beſte Zeugniſſe und evtl.
Kautionſtehen zur Verfügung. Gefl
Off. unt. J. 45 a. d. Exp. (*5960imd Polizeibed. ſucht Nebenerwerb.
Offerten unter I 74 an die Ex=
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29 Jahre alt, bisher in erſten Engros= und Detailgeſchäften
teils in leitenden Stellungen und auf Reiſe tätig geweſen,
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Kleiderstoffe,
Baumwollwaren,
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Lehrmädchen ſpäter geſucht.
Mosbacher=Spieß, Eliſabethen=
Poſten. Offerten unter J 83 anlſtraße 52, Konfektion. (*5993im Suche gute Köchinnen in Herr=
ſchaftshäuſer
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Leute, ſucht wegen Verheiratung
Alleinmädchen, gewünſcht bürger
lich kochen, etwas bügeln, Mädchen
mit guten Zeugniſſen in Geſchäfts=
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geſucht. Frau Berta Neß=
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mittlerin, Ludwigſtr. 8. (*5891oim Braves wiliges Mädchen von
morg. früh bis nach dem Spülen geſ.
Friedrichſtraße 9, 1. Stock. (*5948im Ein ſauberes
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ſofort geſucht oder bis 1. September.
Heidelbergerſtraße 124. (B17352 Mädchen mit guten Zeugniſſen
in kleinen Haushalt nach Auer
bach geſucht. Zu erfragen Hein=
richſtraße
119.
(17372imd Alleinmädch. mit guten Zeug=
niſſen
nach Offenbach geſucht. Vor=
zuſtellen
bei Frau Prof. Beck. Darm=
(*5938im
ſtadt, Sandſtr. 32, I. Suche für 1. Sept. eine Frau o.
Mädchen zu 2 Kindern. Offerten
unter J 25 an die Exp. (*5883om Lauffrau f. einige Stunden geſ.
Zu erfr. Wenckſtr. 22, III., I. (*5895om Alleinmädch. geſucht per 1. Sept.
Saalbauſtraße 69.
(*5872som Junges Mädchen, das etwas
v. Flicken u. Bügeln verſteht, zur
Aushilfe geſ. Off. I 69 Exp. (*6096 Alsbald zuverläſiges Mädchen
für Küche und Haus, das ſchon ge=
(B17027
dient hat, geſucht.
Wittmannſtraße 17, II. Für eine alte Dame wird für
ſofort während der zeitweiligen
Abweſenheit ihrer Tochter eine
gebildete Dame
zur Geſellſchaft und Unterſtützung
im Haushalt geſucht. Dienſt=
mädchen
gehalten. Baldige Offer=
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mit Angabe der Bedingungen
unter J 44 a. d. Exp. d. Bl. (*5957im Geluchf
für 1. September nach Mainz ein
tüchtiges Hausmädchen
welches nähen und bügeln kann.
Gute Zeugniſſe erforderlich. Näh.
Expedition ds. Bl. (IV,17442,46 geſucht.
1junges Laufmädchen (*6106
Lina Neu, Eliſabethenſtr. 28.

Saubere Lauffrau ſofort geſucht.
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Schwanenſtraße 71, I.

Junges, ſaub. Mädchen tags=
über
bis nachmitt. 5 Uhr geſucht.
*6097)
Frankfurterſtr. 120.

Ein Laufmädchen für einige
Stunden des vormittags geſucht
*6118) Viktoriaplatz 4, 2. St.

Tücht. Lauffr. od. Mädch., welch.
durchaus zuverl. iſt, vorm. 3, nachm.
2 St. geſ. Taunusſtr. 1, I. (*6117md

94
6
Läummädchen
(*6082
für vormittags geſucht.
Mathilde Klein, Modes,
Ecke Grafen= und Eliſabethenſtraße

Suche in gut. Herrſchaftshäuſer
tücht. Haushält., perf. Jungf., beſſ.
Hausmädch., Alleinmädch., welch.
koch. kön., zu einz. Damen u. zwei
Leuten hier u. ausw. z. 1. Sept. u.
1. Okt., 1 gute Aushilfsköch. zum
1. Sept. Gertrude Hartmann, gewerbs-
mäßige
Stellenvermittlerin, Nieder= Ram=
ſtädterſtraße
31.
(*6162

Tücht., ſaub. Mädch. für vorm.
geſ. Magdalenenſtr. 11, I. (*6172

Braves Mädchen, das ſchon ge=
dient
hat und kochen kann, gegen
hohen Lohn ſofort geſucht. Näh.
Bismarckſtraße 5, 1. St. (*6173mdf

M
Gut
das kochen:
empfohl. Mädchen, und nähen
kann oder das gut näht und das
Kochen erlernen will, zum 1. Okt.
geſucht Grüner Weg 8, II. (B17486

Suche Köchinnen, Hausmädchen,
Alleinmädch., welche koch. kön., für
ſofort, 1. Sept. u. Okt. Frau Minna
Dingeldein, gewerbsmäßige Stellenvermitt-
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