Inſerate
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176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 14 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Der Geſetzentwurf, betr. die Milderungen des
Militärſtrafgeſetzbuches, iſt vom Bundesrat
angenommen und vom Kaiſer ſchon vollzogen
worden.
Die franzöſiſche Kammer und der Senat haben
am Freitag nachmittag ihre Tagung geſchloſſen.
Die Unterzeichnung des Bukareſter
Friedensver=
trages iſt am Sonntag erfolgt.
Anläßlich des Friedensſchlüſſes in Bukareſt
ſand ein herzlicher Telegrammwechſel zwiſchen
Kaiſer Wilhelm und dem König von
Ru=
mänien ſtatt, in dem auch der Verdienſte des Kaiſers
um die Herbeiführung des Friedens Erwähnung
ge=
tan wird.
Durch ein Erdbeben wurden die Ortſchaften Caraveli
und Quicacha (Peru) zerſtört.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
11. Auguſt 1813: Ueberreichung des Kriegsmanifeſtes
Oeſterreichs an den franzöſiſchen Geſandten.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.
Das Balkanproblem.
— Mag auch in Bukareſt der Friede jetzt unterzeichnet
werden ſo ſteht es doch außer Frage, daß man damit
noch lange nicht über den Berg iſt, daß vielmehr im Laufe
der Regelung der Balkandinge leicht noch manche
Schwie=
rigkeiten auftauchen könnten. Vor allem iſt es noch
frag=
lich, ob die Beſtimmungen des Friedensvertrages
defi=
nitive ſind; man ſpricht von einer Nachprüfung
durch die Großmächte, auf deren Unterſtützung man in
Sofia große Hoffnungen ſetzt. Ob das zutrifft, iſt
augen=
blicklich noch nicht zu überſehen, jedenfalls beſteht in
ver=
ſchiedenen Staatskanzleien wenig Neigung für dieſe
undankbare Arbeit, die die Situation erneut komplizieren
könnte. Oeſterreich und Rußland freilich haben ſich eine
derartige Reviſion des Friedensprotokolls vorbehalten, ob
ſie aber wirklich hierzu ſchreiten und Aenderungen
vor=
nehmen werden, kann als fraglich gelten. Die größere
Wahrſcheinlichkeit ſpricht dafür, daß es ſich bei dieſem
Einſpruch lediglich um ein rein formelles Vorgehen
handelt, um den Bulgaren den Friedensſchluß zu
erleich=
tern und der Regierung von Sofia eine Rückendeckung
gegenüber der Sobranje zu geben, wenn im Parlament
die Angriffskampagne gegen die Regierung einſetzt.
Schwieriger noch ſtellt ſich die Frage von
Adria=
nopel dar, die allem Anſchein nach in eine Sackgaſſe
ge=
raten iſt. Die berühmte „Demarche” der Botſchafter in
Konſtantinopel hat ſtattgefunden, allem Anſchein nach
mit negativem Reſultate; der ſich anſchließende türkiſche
Miniſterrat ſoll ſich gegenüber den Wünſchen der Mächte
ablehnend ausgeſprochen haben. Was nun? Von einem
gewaltſamen Vorgehen möchten die Mächte am liebſten
Abſtand nehmen, andererſeits aber zeigen ſich die Türken
ungemein halsſtarrig, und es erſcheint zweifelhaft, ob ſie
ſich ſo ohne weiteres bereit erklären werden, gegen eine
Grenzberichtigung aus Adrianopel wieder heraus zu
gehen.
Ebenſo harrt auch die albaniſche Frage noch
ihrer vollſtändigen Regelung; über die Südgrenze
iſt noch immer keine definitive Einigung erzielt.
Auch=
die Wahl des Fürſten birgt manche Klippe; es wird nicht
leicht ſein, einen Bewerber zu finden, der ſämtlichen
Groß=
mächten genehm iſt. Als letztes ſteht noch die Frage der
Aegäiſchen Inſeln aus, die leicht weitere Verwicklungen
heraufbeſchwören kann. Hier iſt es Frankreich, das
Schwierigkeiten macht aus Eiferſucht gegen Italien. Der
Zunahme des italieniſchen Einfluſſes im Mittelmeer hat
man von Paris aus recht ſcheelen Auges zugeſehen, und
ſeitdem muß man oft die Beobachtung machen, daß man
von der Seine aus die Wege des Apenninenreiches zu
durchkreuzen ſucht. Jetzt droht man in der Frage der
albaniſchen Südgrenze Schwierigkeiten zu machen, wenn
nicht Italien die im türkiſchen Kriege beſetzten Inſeln des
Aegäiſchen Meeres herausgeben würde, und
italieniſcher=
ſeits erklärt man demgegenüber, daß es ſich hier um eine
Frage handle, die niemand angehe außer Italien und die
Türkei. Das iſt grob, aber wenigſtens deutlich, und es
kann nichts ſchaden, wenn man den Herrſchaften die
Zähne zeigt. Kommt es zu Komplikationen, dann weiß
man, wo die Störenfriede zu ſuchen ſind.
*
ℳ. I *
Der Pariſer Temps kritiſiert die Haltung
Ruß=
lands in der Frage der Reviſion des Buka=
reſter Vertrages und ſchreibt u. a.: Kann ſich
Ruß=
land, welches keine Schiffe nach Skutari ſenden wollte und
das Schritt für Schritt gegen die Abſperrung Serbiens
von der Adria gekämpft hat, in ein ſo unvernünftiges
Abenteuer einlaſſen? Von der Ueberzeugung
durchdrun=
gen, daß wir, wie immer, auch diesmal von der lebhaften
Sorge um die franzöſiſch=ruſſiſche Sache beſeelt ſind, haben
wir die äußerſten Folgen derjenigen Politik im Auge,
in welche die öſterreichiſch=ungariſche Diplomatie Rußland
hineinzuziehen hofft, und wir beſchwören unſere
Verbün=
deten, daß auch ſie dieſe Folgen ins Auge faſſen mögen.
Wenn ein großes Reich — ſagte einmal Fürſt Bülow
Forderungen aufſtellt, dann muß es um jeden Preis
not=
gedrungen deren Erfüllung anſtreben. Rußland kann und
darf dieſe Genugtuung nicht um jeden Preis anſtreben.
Seine Ueberlieferungen, ſeine Verpflichtungen und ſeine
Intereſſen raten ihm, den Bukareſter Vertrag in ſeiner
gegenwärtigen Form anzunehmen.
Der Gaulois meldet, König Ferdinand habe
kurz vor dem mündlichen Abſchluß des Friedensvertrages
alle Staatsoberhäupter telegraphiſch um ihre
Unterſtützung im Hinblick auf eine Reviſion der
Bukareſter Beſtimmungen gebeten und gegen die Regelung
der Kawala=Frage zugunſten der Griechen Einſpruch
er=
hoben. Frankreich, England und Deutſchland
hätten alsbald geantwortet, daß ſie keine Möglichkeit
ſähen, dem Wunſche König Ferdinands Folge zu geben,
da einerſeits die Bulgaren ſelbſt dem Opfer zugeſtimmt,
andererſeits die drei Mächte dem Grundſatz: „Der Balkan
den Balkanvölkern” treu bleiben wollten. Uebrigens ſei
die Bevölkerung von Kawala der Mehrheit nach Griechen,
ſo daß die Stadt logiſcherweiſe Griechenland zufallen
müſſe. Der Matin ſchreibt anläßlich der von der ruſſiſchen
Preſſe wegen der Kawalafrage gegen die franzöſiſche
Diplomatie gerichteten Angriffe: Wir hegen die
Ueber=
zeugung, daß die Frage, ob Kawala im Beſitze der
Grie=
chen oder Bulgaren ſein ſoll, nicht genug wichtig iſt, um
die franzöſiſch=ruſſiſchen Beziehungen irgendwie zu
beein=
fluſſen. Die Wichtigkeit der Intereſſen, die Frankreich
auf dem Balkan hat, läßt ſich keineswegs mit der
Wichtig=
keit ſeiner Beziehungen zu Rußland vergleichen. Bisher
hat Frankreich die ruſſiſche Orientpolitik unterſtützt, ſo oft
Rußland mit Oeſterreich uneinig war. Heute ſind
Rußland und Oeſterreich nicht mehr uneinig, und das iſt
ein Grund mehr, um bekräftigen zu können, daß die
fran=
zöſiſche Regierung, wie bisher, auch in Zukunft eine
Poli=
tik verfolgen wird, die in völligem Einklang mit der
Ruß=
lands ſteht. Der Petit Pariſien ſchreibt, in gewöhnlich
gut unterrichteten Kreiſen ſehe man die ruſſiſche
Inter=
vention als eine bloße Formſache an. Man glaubt, daß
Rußland dabei hauptſächlich den Grund hatte, den
Bul=
garen eine moraliſche Genugtuung zu geben und zu zeigen,
daß es für ſie zum mindeſten die gleichen Gefühle hege,
wie Oeſterreich.
Deutſches Reich.
— Die Reiſepläne des Kaiſers. Bezüglich
etwaiger Auslandsreiſen des Kaiſers iſt, wie jetzt
mitge=
teilt wird, nunmehr als feſtſtehend zu betrachten, daß der
Monarch im Laufe des Auguſt ſich nicht in das Ausland
begeben wird. Beſtimmte Reiſepläne für den September
ſind noch nicht getroffen worden. Es iſt nicht unmöglich,
daß der Kaiſer ſich nach Korfu begibt und, wie
öſterreich=
iſche Meldungen zu berichten wiſſen, dann ſeiner
Gewohn=
heit entſprechend auf der Durchreiſe dem Kaiſer Franz
Joſef einen Beſuch abſtattet. Nach derſelben Quelle hat
auch der Erzherzog=Thronfolger Franz Ferdinand den
Monarchen eingeladen, ihn auf dem Schloß Eckartsau zu
beſuchen, wo größere Jagden abgehalten werden ſollen.
Der Bundesrat und die
einzelſtaat=
lichen Verfaſſungen. Aus unterrichteten
parla=
mentariſchen Kreiſen Mecklenburgs ſchreibt man: Da noch
immer in einem Teil der Preſſe die Anſicht zum Ausdruck
kommt, daß die mecklenburgiſchen Regierungen entſchloſſen
ſeien, die Verfaſſungsfrage, falls die Verhandlungen mit
dem Landtage abermals zu keinem Ergebnis führen, unter
Anrufung der geſetzgebenden Faktoren des Reichs zu löſen,
ſo erſcheint es angemeſſen, die Oeffentlichkeit über den
wahren Sachverhalt aufzuklären. Es iſt eine Tatſache, daß
noch im Beginn d. J. in Schwerin und Neuſtrelitz eine
ſolche Abſicht beſtand. Sie iſt aber jetzt endgültig
aufge=
geben, nachdem inzwiſchen der Bundesrat in einem
er=
neuten Beſchluß ſich dahin ausgeſprochen hat, daß im
Hinblick auf die förderativen Grundſätze, auf denen die
Reichsverfaſſung beruht, es nicht angängig ſei, durch eine
Erweiterung der verfaſſungsmäßigen Zuſtändigkeit die
Grundlage für ein Eingreifen des Reichs zu ſchaffen. Die
beiden mecklenburgiſchen Regierungen haben im Beginn
dieſes Jahres durch eine Anfrage an den Bundesrat einen
ſolchen Beſchluß herbeigeführt. Der Bundesrat hat nach
erfolgter Beſchlußfaſſung geantwortet, daß die
verbünde=
ten Regierungen es ablehnen würden, durch eine
Erwei=
terung der verfaſſungsmäßigen Zuſtändigkeit des Reiches
die Grundlage für ein Eingreifen in die mecklenburgiſche
Verfaſſungsfrage zu ſchaffen, falls ein ſolcher Antrag von
ſeiten der mecklenburgiſchen Regierungen geſtellt würde.
Dieſer erneute Beſchluß des Bundesrats iſt
bedeutungs=
voll im Hinblick auf die wiederholten Anträge im
Reichs=
tage auf eine reichsgeſetzliche Beeinfluſſung des
Wahl=
rechts der Einzelſtaaten. Der Bundesrat ſteht nach wie
vor auf dem Standpunkt, daß das geltende
Verfaſſungs=
recht der Einzelſtaaten durch die Reichsverfaſſung
ſicher=
geſtellt iſt, und daß daher die Kompetenz des Reichs ſich
nicht auf die Reform der einzelſtaatlichen Verfaſſungen
bezieht.
— Eine Niederlage der Fortſchrittlichen
Volkspartei. Bei der Erſatz=Stichwahl zum
lippi=
ſchen Landtag wurde der chriſtlich=ſoziale Kandidat
Krei=
ling mit 784 Stimmen gewählt. Der bisherige bekannte
liberale Abgeordnete und zugleich Reichstagsabgeordnete
Dr. Neumann=Hofer, der ſein Mandat niedergelegt hatte
und als Kandidat der Liberalen wieder aufgeſtellt war,
erhielt 778 Stimmen. Die Niederlage der Fortſchrittlichen
Volkspartei dürfte eine Folge ihrer ſozialiſtenfreundlichen
Haltung ſein, die ſich neuerdings bei der Stichwahl in
Zauch=Belzig bekundete und die die Partei bei den
bür=
gerlichen Wählern unpopulär macht.
— Die Verwaltung des neuen
Kriegs=
ſchatzes. Für die Verwaltung des außerordentlichen
Silber= und Goldbeſtandes, der nach dem Geſetz über
Aenderungen im Finanzweſen vom vorigen Monat in
Höhe von 240 Millionen Mark gebildet wird, hat der
Bun=
desrat Beſtimmungen erlaſſen, die ſich im weſentlichen an
die Kaiſerliche Verordnung über die Verwaltung des
Reichskriegsſchatzes vom Jahre 1874 anlehnen. Danach
ſollen die zur Bildung des Silber= und Goldbeſtandes
von je 120 Millionen Mark beſtimmten Münzen in
beſon=
deren Treſors der Reichsbank aufbewahrt werden. Der
Goldbeſtand wird in 20=Markſtücken gebildet. Für die
Zuſammenſetzung des Silberbeſtandes wird der
Reichs=
kanzler die näheren Anordnungen erlaſſen. An den
hier=
zu erforderlichen Silberprägungen werden die
verſchie=
denen Münzſtätten nach demſelben Grundſatz beteiligt
werden, wie bei allen ſonſtigen Silberprägungen.
Wäh=
rend der Goldbeſtand ausſchließlich bei der Reichsbank in
Berlin aufbewahrt wird, iſt in Ausſicht genommen, den
Silberbeſtand nach beſonderen Anordnungen, die der
Reichskanzler erlaſſen wird, zum Teil bei der Reichsbank
in Berlin und zum Teil bei einigen Zweiganſtalten
auf=
zubewahren, um für den Fall ſeiner Verwendung ſchneller
disponieren zu können. Jede Verwendung des Silber=
und Goldbeſtandes bedarf der ausdrücklichen Zuſtimmung
des Bundesrats. Die Verwaltung der Beſtände wird von
der Rendantur des Reichs=Kriegsſchatzes unter Aufſicht
des für dieſen beſtellten Kurators geführt. Ohne
beſon=
dere Anweiſung des Reichskanzlers darf bei den
Beſtän=
den nichts vereinnahmt oder verausgabt werden. In
je=
dem Rechnungsjahr wird eine Reviſion der Beſtände bei
der Reichshauptbank und ebenſo für den Silberbeſtand
bei den Zweiganſtalten vorgenommen. Zu jeder Reviſion
müſſen die Mitglieder der Reichsſchuldenkommiſſion
einge=
laden werden. Ueber die Buchführung der Beſtände, die
Verwaltung der Schlüſſel uſw. ſind ſehr eingehende
Be=
ſtimmungen erlaſſen.
Die Prüfung der militäriſchen
Rüſtungslieferungen. Zuſammenſetzung,
Pro=
gramm und Einberufung der Kommiſſion zur Prüfung
des militäriſchen Lieferungsweſens iſt gegenwärtig
Ge=
genſtand der eifrigſten Beratungen zwiſchen den
beteilig=
ten Behörden, alſo dem Reichsmarineamt und dem
Kriegsminiſterium auf der einen Seite, dem
Reichsſchatz=
amt und dem Reichsamt des Innern auf der anderen.
Die Verhandlungen werden — wie Berliner Blätter
hören — in gemiſchter Kommiſſion ſtattfinden, und zwar
dürfte die Zahl der nichtparlamentariſchen der der
parla=
mentariſchen Mitglieder der Kommiſſion ungefähr
ent=
ſprechen. Außerdem werden zahlreiche Sachverſtändige
einberufen werden, um der Kommiſſion mit ihren
Gut=
achten zur Verfügung zu ſtehen. Die Mitglieder werden
Gelegenheit erhalten, das militäriſche Lieferungsweſen
fehr gründlich und in allen ſeinen Teilen ſyſtematiſch
ken=
nen zu lernen; man rechnet mit einer ſehr großen Anzahl
von Sitzungen. Nur ſoweit das Intereſſe der
Landesver=
teidigung dies zur dringenden Pflicht macht, alſo z. B.
hinſichtlich einzelner Punkte des Bewaffnungsweſens,
werden die beteiligten Miniſter in ihren Auskünften
Zu=
rückhaltung walten laſſen. Natürlich iſt die Tagung der
Kommiſſion für die an dem Lieferungsweſen
intereſſier=
ten Induſtrien der verſchiedenſten Art ein Ereignis von
der größten Wichtigkeit. Iſt doch der Beſchluß ihrer
Ein=
berufung zum Teil auf die Bemühungen der
parlamen=
tariſchen Vertretung ſolcher Intereſſen zurückzuführen.
Gewiſſe Kreiſe der Schwerinduſtrie z. B. möchten zur
Fa=
brikation von Geſchützen, Munition und Panzerplatten
übergehen, vorher aber zur Vermeidung des Riſikos erſt
Staatsaufträge zugeſichert erhalten. Andere kämpfen um
Erhöhung ihrer Beteiligungen. Die Regierung wird
in=
deſſen durch den Einfluß, den ſie ſich auf den Gang der
Kommiſſionsverhandlungen zu ſichern gedenkt, in der
Lage ſein, dem Hineinſchlagen der Kämpfe um rein
mate=
rielle Intereſſen in den Sitzungsſaal, wo ſich Neigung
dazu zeigen ſollte, nachdrücklich entgegen zu arbeiten und
dahin zu wirken, daß die ſachlichen Intereſſen der Heeres=
und der Marineverwaltung, ſowie des Reichsſchatzamts
der entſcheidende Geſichtspunkt bleiben. Ebenſo wird
hoffentlich der Reichskanzler Mittel und Wege zu finden
wiſſen, den Verſuch, Gang und Ausdehnung der
Verhand=
lungen unter den Einfluß der agitatoriſchen Bedürfniſſe
gewiſſer Parteien zu ſtellen, zu verhindern.
— Der endgültige Entwurf für ein
Reichstheater geſetz iſt nunmehr im Reichsamt des
Innern fertiggeſtellt. Es erübrigt ſich nur noch, die
Be=
gründung zu der Vorlage zu vollenden. Es iſt daher mit
Sicherheit anzunehmen, daß die Vorlage noch in dieſem
Jahre dem Bundesrat zur Beſchlußfaſſung unterbreitet
wird. Ob es möglich ſein wird, den Geſetzentwurf dort
ſo rechtzeitig fertigzuſtellen, daß er noch im Laufe der
näch=
ſten Tagung an den Reichstag gelangen kann, läßt ſich
heute noch nicht feſtſtellen. Bekanntlich gehen die
Anſchau=
ungen zwiſchen den Bühnenleitern und den Angeſtellten
über verſchiedene grundſätzliche Fragen des Entwurfs ſehr
weit auseinander. Eine gründliche Durchberatung im
Bundesrat iſt daher zu erwarten. Das
Reichstheater=
geſetz ſoll bekanntlich die öffentlich rechtlichen und
privat=
rechtlichen Verhältniſſe im Bühnenunternehmen und
ähn=
licher Veranſtaltungen regeln. Ein Vorentwurf iſt den
Verbänden der beteiligten Kreiſe zugegangen, und es ſind
Vertreter der Bühnenleiter und aller Gruppen von
Ange=
ſtellten zu den Einzelheiten des Vorentwurfs von
Ver=
tretern der Reichsregierung gehört worden. Ueber die
Anſichten der an der geſetzlichen Regelung Beteiligten
be=
ſtand alſo bei der Aufſtellung der Vorlage kein Zweifel.
Der Entwurf zerfällt in zwei Artikel, deren erſter die
Parggraphen 32, 32a, 32b, 32c, 33a, 33h und 35 der
Ge=
werbeordnung abändert. Der zweite Artikel regelt die
privatrechtlichen Beziehungen zwiſchen
Bühnenunterneh=
mern und Bühnenmitgliedern, zu letzteren rechnen auch
die Mitglieder des Orcheſters.
— Krupp=Prozeß. Durch einen großen Teil der
Preſſe geht eine Meldung der Braunſchweigiſchen
Landes=
zeitung, daß gegen das geſamte Direktorium der Firma
Krupp Anklage erhoben worden ſei, und daß ſich dieſe
Herren neben dem früheren Bureauchef der Firma Krupp
in Berlin, Brandt, vor der erſten Strafkammer des
Land=
gerichts Berlin I, in der erſten Septemberwoche zu
ver=
antworten hätten. Demgegenüber erfährt das Wolffſche
Bureau, daß eine Anklage bisher überhaupt noch nicht
erhoben worden iſt, daß vielmehr die Akten der
Staatsan=
waltſchaft ſich noch beim Kriegsgericht befinden und dem
Unterſuchungsrichter noch nicht zurückgeſtellt ſind. Daher
kann von einer Terminanſetzung keine Rede ſein. Die
Mel=
dung iſt daher in allen Teilen falſch.
Ausland.
Frankreich.
Die Ausführung des neuen
Militär=
geſetzes. Kriegsminiſter Etienne erklärte einem
Bericht=
erſtatter, daß die neuen Kaſernenbauten, falls keine Streiks
ausbrächen, am 30. September fertiggeſtellt würden. Die
Jahresklaſſe von 1913 werde ſpäteſtens am 25. November
eingereiht ſein. Gleichzeitig, vielleicht ſchon einige Tage
früher, würde die Klaſſe von 1910 heimgeſchickt werden
unter dem von dem neuen Geſetz geforderten Vorbehalt,
daß ſie noch ein Jahr zur Verfügung des Kriegsminiſters
bleibe und einberufen werden könne. Obgleich die Kaders
nicht vollſtändig ſeien und in der Infanterie allein 1350
Leutnants fehlten, werde es in keiner Waffengattung an
Inſtruktoren fehlen. Am 15. April nächſten Jahres würde
die dritte Klaſſe mobiliſierungsfähig ſein. Schließlich
werde noch vor Ende dieſes Jahres an der Vogeſengrenze
in dem Gebiet zwiſchen Nancy und Beſancon ein 21.
Ar=
meekorps errichtet werden. Zum Kommandeur desſelben
ſei General Legrand auserſehen, der als
Regierungskom=
miſſar in der Kammer und im Senat an den
Verhandlun=
gen über das Dreijahrgeſetz einen ſo herzlichen Anteil
ge=
nommen habe,
England.
Asquith und das Frauenſtimmrecht.
Pre=
mierminiſter Asquith empfing eine Abordnung des
na=
tionalen Verbandes von Vereinen für Frauenſtimmrecht
Dabei ſagte er, er empfange die Vereinigung wegen ihres
friedlichen, geſetzmäßigen Verhaltens, das ſie in letzter
Zeit gezeigt habe, und das in ſtarkem Gegenſatz ſtehe zu
dem geſetzloſen, verbrecheriſchen Vorgehen, das
unglück=
licherweiſe anderswo allgemein geworden. Die ganze
Frage ſei eine derartige, daß ſie das Volk entſcheiden
müſſe. Wenn der Spruch des Volkes günſtig ausfalle,
könne keine politiſche Kombination der Welt ihren Erfolg
hindern; ihre entſchiedenſten Gegner würden die erſten
ſein, die ſich der Entſcheidung beugten.
Der Vertrag mit der Mareoni=
Ge=
ſellſchaft. Im Unterhauſe wurde der neue Vertrag
mit der Marconi=Geſellſchaft wegen der Errichtung eines
Syſtems von Stationen für drahtloſe Telegraphie im
gan=
zen Reiche mit 210 gegen 138 Stimmen angenommen. Der
Generalpoſtmeiſter Samuel und Premierminiſter Asquith
betonten die Wichtigkeit der Stationen vom ſtrategiſchen
Geſichtspunkte.
Rußland.
Errichtung von Funkenſtationen. Die
Telegraphenverwaltung hat mit Japan Verhandlungen
begonnen zwecks einer Verbindung der ruſſiſchen
Telegra=
phenlinien mit den japaniſchen in Korea und Sachalin.
Die Telegraphenverwaltung beſchloß die Errichtung von
Funkenſtationen in Markowo am Anadyr, in Sredne=
Kolynsk, in Tigil, auf Kamtſchatka, in Alexandrowskaja,
Sloboda auf Sachalin und in Krasnovodsk und Potibo.
Amerika.
Die Verſchärfung der
amerikaniſch=
mexikaniſchen Spannung. Die Erklärung der
Regierung Huertas Lind ſei unerwünſcht, iſt heute
vor=
mittag eingetroffen. Nach einer kurzen Konferenz des
Präſidenten Wilſon mit Bryan hatte Wilſon eine
Unter=
redung mit dem Marineſekretär. Die Waſhingtoner Times
veröffentlicht eine Sonderdrahtmeldung ihres eigenen
Vertreters des Inhalts, Huerta habe ihm erklärt, er werde
ſich mit Waffengewalt jedem Verſuch der Einmiſchung in
die mexikaniſchen Angelegenheiten widerſetzen; die Grenze
einer Geduld ſei erreicht, weil er von den Vereinigten
Staaten nicht anerkannt würde. Er weiſe jede
Vermitte=
lung oder Einmiſchung zurück; die Würde und das
Deko=
rum der Republik verlange, alle Kompromiſſe mit den
Aufſtändiſchen abzulehnen. Nach Preßberichten hat der
Gouverneur der Stadt Mexiko erklärt, er könne ſich für
die Sicherheit Linds gegen eine etwaige Volkserregung
nicht verbürgen. Die amerikaniſche Kolonie billige
Huer=
tas Haltung. Es ſei die Anſicht weit verbreitet, daß Lind
am beſten durch drahtloſe Nachricht zurückgerufen werde.
Bryan ſetzte nach der Konferenz mit Wilſon auseinander,
daß die Aeußerung der mexikaniſchen Regierung
hinſicht=
lich der Miſſion Linds auf einer falſchen Darſtellung
be=
ruhe, wofür die Regierung der Vereinigten Staaten nicht
verantwortlich ſei. Bryan nimmt nicht an, daß Linds
Miſſion als unfreundlich angeſehen werden könne, ſobald
ihr Charakter richtig erkannt werde. In Waſhington
herrſcht große Sorge wegen Mexiko; denn die öffentliche
Stimmung iſt derart, daß jede Beleidigung Mr. Linds
eine ähnliche Wirkung haben könne, wie die Exploſion der
„Maine”, und wahrſcheinlich den Krieg bedeuten würde.
Auſtralien.
Die neue Bundes=Regierung. Das
libe=
rale Bundesminiſterium Cook, das vor kurzem das
Mini=
ſterium Fiſher abgelöſt hat, rührt ſich eifrig, um den
Be=
weis zu erbringen, daß es beſſer und vor allen Dingen
ſparſamer zu wirtſchaften verſteht als ſein Vorgänger.
Verſchiedene Reformen, zu denen man keine
parlamen=
tariſche Zuſtimmung abzuwarten brauchte, ſind ſofort
ein=
geleitet und beifällig begrüßt worden. Dazu gehört vor
allem die Neugeſtaltung der Poſtverwaltung. Dieſe ſoll
künftig einer unpolitiſchen Behörde unterſtellt werden.
die von dem jeweiligen Wechſel der Regierung unberührt
bleibt. Man erwartet davon eine größere Stetigkeit und
Ordnung in Verhältniſſen, über die bisher die
Geſchäfts=
welt viel zu klagen hatte. Auch die Briefmarken ſollen
geändert werden; ſtatt eines Känguruhs werden ſie
künf=
tig den Kopf des engliſchen Königs mit den Abzeichen der
ſechs Bundesſtaaten tragen. In der Eiſenhahnverwaltung
ſucht man zu ſparen. Der Beſchluß der früheren
Regie=
rung, den Fahrpark der von der Bundesregierung in
eige=
nen Betrieb genommenen Strecke Port Auguſta=
Oodna=
datta aufzukaufen, iſt rückgängig gemacht. Man hat ſtatt
deſſen ein Abkommen mit Südauſtralien getroffen, wonach
der Bund deſſen Wagenpark für die von ihm künftig ver
waltete Linie weiter benutzen darf. Wurden alle dieſe
Maßnahmen ſehr beifällig aufgenommen, ſo hat dageger
der Verſuch, bei den ſtaatlichen Betrieben nicht mehr wie
bisher Verbändler als Arbeiter zu bevorzugen, Aerger
er=
regt. Herr Cook ließ deshalb eine Beruhigungsrede vom
Stapel, worin er verſichert, daß die Regierung den
Ge=
werkvereinen allerfreundlichſt gegenüberſtehe und ihr nichts
ferner liege, als die Löhne drücken zu wollen. Aber es
müßten allen Arbeitern die gleichen Möglichkeiten geboten
werden. In Zukunft ſolle nur die Tüchtigkeit entſcheiden.
Da es nur ſehr wenige Nichtverbändler in Auſtralien
gibt, dürfte ſich tatſächlich an den Verhältniſſen nicht viel
ändern.
e
Stadt und Land.
Darmſtadt, 11. Auguſt.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der
Groß=
herzog empfingen am Samstag den Major Büsgen,
Bataillonskommandeur im Leibgarde=Infanterie=
Regi=
ment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 115; die Rittmeiſter Gräſer
und Gildemeiſter, die Oberleutnants Langen, Haſenkamp=
und Graf v. Hardenberg, den Leutnant Buek, ſämtlich
von der Reſerve des Leib=Dragoner=Regiments (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 24; die Oberleutnants v. Waſielewski vom
Grenadier=Regiment Nr. 1, Kallmeyer vom Füſilier=
Regiment Nr. 36, Gieſeke vom Infanterie=Regiment
Nr. 69, Herſing vom Infanterie=Regiment Nr. 117,
Haack vom Infanterie=Regiment Nr. 129, kommandiert
von der Kriegsakademie zur Dienſtleiſtung beim Leib=
Dragoner=Regiment (2. Großh. Heſſ.) Nr. 24; den
Ober=
leutnant Löwe vom Feldartiklerie=Regiment Nr. 82,
kommandiert von der Militärtechniſchen Akademie zur
Dienſtleiſtung beim Leib=Dragoner=Regiment (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 24; die Oberleutnants v. Roques vom In
fanterie=Regiment Nr. 81, Frhrn. v. Gall vom Infanterie=
Regiment Nr. 160, v. Linſingen vom Königl. Sächſiſchen
Schützen=Füſilier=Regiment Nr. 108, Frhrn. v.
Ucker=
mann vom Garde=Grenadier=Regiment Nr. 3,
kom=
mandiert von der Kriegsakademie zur Dienſtleiſtung
Uſtima Chule.
Isländiſche Reiſebilder von Dr. Walter Georgi.
I.
Der Norden Europas iſt die Heimat ſchroffer
Kon=
traſte. Greifbare Klarheit der Fernen wechſelt mit fahler
Dämmerung laſtender Nebel; trotzige Felswände ſteigen
neben grünenden Matten ſchroff und unvermittelt aus
dem Meere, deſſen blaue Wellen ſich bald im luſtigen
Spiel tollen, bald in jähem Umſchlag mit wilder
entfeſ=
ſelter Kraft gegen die Felſen anſtürmen.
Island, das „ultima Thule” der Alten, fügt neue
Gegenſätze landſchaftlicher wie kultureller Art in dieſes
wechſelvolle Bild. Tiefe Meeresbuchten und dunkle
Ba=
ſaltgebirge, öde Sandwüſten, zu weiten Feldern erhärtete
Lavaſtröme und heimtückiſches Moorland, unterirdiſche
Feuer, zerſpaltenes Gletſchereis und ſchneebedeckte Vulkane
auf einem Gebiet von der Größe Süddeutſchlands
zuſam=
mengedrängt, das iſt Island, die ſagenumwobene
In=
ſel des Nordens. Geyſir und Hekla und alle die anderen
ungezählten heißen Quellen und Krater im Lande prägen
der Inſel überall die Signatur tätiger vulkaniſcher Kräfte
auf, denen ſie ihre Entſtehung verdankt und die noch heute
dort ihr Weſen treiben. Auch in den Bewohnern Islands
ſcheinen verwandte Feuer unter äußerlicher Kälte und
Verſchloſſenheit zu glühen. Die mit Leidenſchaft
geführ=
ten politiſchen Kämpfe der kaum 80000 Seelen zählenden
Bevölkerung geben hiervon beredtes Zeugnis. Dabei
ſtehen die Ziele dieſer Beſtrebungen, die völlige
Unah=
hängigkeit der Inſel vom däniſchen Mutterland und
Gründung eines ſelbſtändigen nur durch Perſonalunion
mit Dänemark verbundenen Staatsweſens, derartig im
Widerſpruch zu den Lehren geſchichtlicher Erfghrung, daß
man nur die natürliche Vorliebe dieſer Breiten für
Kon=
traſte und Abſonderlichkeiten dafür verantwortlich machen
kann.
Reykjavik.
Zur Mitſommerzeit ſetzte mich der däniſche
Poſt=
dampfer, der eine regelmäßige Verbindung der Inſel mit
Kopenhugen unterhält, in der=Bucht von Reygsavſck an
Land. Schon das Aeußere dieſer kleinen Metropole
Is=
lands, in der ſich faſt das geſamte geiſtige und
wirtſchaft=
liche Leben der Inſel vereinigt, dokumentiert
gewiſſer=
maßen die Fülle der Gegenſätze isländiſchen Charakters.
Nüchterne zweiſtöckige Steinbauten ſchießen neben primi
tiven Holz= und Wellblechhäuſern auf, dazwiſchen ducken
ſich niedrige, nach altisländiſcher Bauweiſe aus
wechſeln=
den Lagen von Steinen und Raſenſtücken errichtete
Hüt=
ten, nicht ſelten ohne jede Eingliederung in ein
Straßen=
ſyſtem. So erhält das Straßenbild das Gepräge des
Un=
organiſchen, eines oft impulſiven Wachstums, das vor
al=
lem den Wünſchen und praktiſchen Bedürfniſſen des
Ein=
zelnen Rechnung trägt, weshalb die Stadt unwillkürlich
an die Goldgräberanſiedelungen im „Wilden Weſten”
er=
innert, aber wohlbemerkt nur äußerlich. Die Stille, die
in den reinlichen Straßen atmet, höchſtens durch ein
wer=
bendes Ständchen der hier überaus tätigen Heilsarmee
unterbrochen, verrät die ernſte ſtrenge Sinnesart des
Nordländers. Keine lärmenden Kneipen, keine
Tingel=
tangels oder laute Tanzlokale öffnen des Abends ihre
Pforten. Ueberall herrſcht tiefe Ruhe. Ueber Stadt und
Land wölbt ſchweigend die Mittſommernacht ihre bleiche
Kuppel. Es liegt eine verſchwiegene Feierlichkeit in
die=
ſen hellen isländiſchen Sommernächten, in denen die
har=
ten Konturen des Körperlichen verſchwimmen und die
Grenzen des Räumlichen faſt aufgehoben erſcheinen. Ganz
unwillkürlich färben dieſe Stimmungen in der Natur
auf den von Alters her mit ihr verbundenen
Menſchen=
ſchlag ab. Dieſer ruhige Ernſt, der ſich in der
ſelbſtbe=
wußten Sicherheit des Einzelnen wiederfindet, prägt ſich
in dem Leben aller Stände aus, ſoweit man überhaupt
bei der demokratiſchen Sinnesart der Isländer von
tieſ=
greifenden Standesunterſchieden reden darf. Hier dünkt
ſich jeder als ein König im Kleinen, der auf dem von den
Pätern ererbten Hofe herrſcht und mit Stolz die Geſchichte
ſeiner Ahnen bis zurück in die Zeiten der erſten
Anſiede=
lung verfolgt. Unter dem unmittelbaren Eindruck der
großen einſamen Natur iſt dem Isländer trotz aller
äuße=
ren Kälte und ſtolzer Zurückhaltung ein ausgeprägter
Hang zu Träumerei und Poeſie eigen, der ſelbſt in die
politiſchen Kämpfe einen Schimmer Romantik
hinein=
trägt. Und auch heute noch leben die alten Sagas leben=
dig im Volke fort, ſo daß ſelbſt der einfache Mann in den
alten Geſchichten und Ueberlieferungen mit erſtaunlicher
Sicherheit Beſcheid weiß. Das iſt isländiſche Eigenart,
die ſich durch die Weltabgeſchiedenheit und die Enge der
Verhältniſſe bedingt.
Reykjaviks landſchaftliche Lage iſt durchaus anmutig,
doch keineswegs mit der grandioſen Lage anderer
nordi=
ſcher Städte vergleichbar. Ein weiter Kranz blauer
Berge, auf deren Hängen der ewige Schnee ſeine weißen
Tücher ausbreitet, begrenzt nach Norden und Oſten hinter
den allmählich an ſanften Hügeln anſteigenden
Häuſer=
reihen den Blick. Von Weſten ſchimmert das ſtahlblaue
offene Meer in die geräumige Bucht herein, während nach
Süden hin kahle Hügelketten an der Küſte entlang laufen
Den Grundſtein zur heutigen Bedeutung Reykjaviks legte
erſt der Anfang des vorigen Jahrhunderts. Vor dieſer
Zeit ſpielte ſich das geſamte politiſche Leben zu
Thing=
vellir am Thingvallaſee ab, die geiſtige Entwickelung
da=
gegen fand, ausſchließlich an den beiden Biſchofsſitzen im
Inneren des Landes Hölar und Skälholt tatkräftige
För=
derung. Wohl das Bedürfnis einer erleichterten
Verbin=
dung mit dem Kontinent mag alsdann für die Wahl
Reyk=
javiks als Mittelpunkt des politiſchen und geiſtigen
Le=
bens den Ausſchlag gegeben haben. Nun beherbergt die
Stadt neben den verwaltenden und kirchlichen Organen
die weſentlichſten Unterrichtsanſtalten der Inſel, ſowie
die kaufmänniſchen Niederlaſſungen, die von Jahr zu
Jahr an Bedeutung gewinnen. Nicht zu vergeſſen ſind
mehrere größere Druckereien, die alle Hände voll zu tun
haben, um den Druck der meiſten für Island erſcheinenden
periodiſchen Veröffentlichungen zu ermöglichen. Die
Tat=
ſache, daß hier innerhalb einer an Zahl geringen,
ledig=
lich aus Bauern und Fiſchern zuſammengeſetzten
Bevöl=
kerung mehr als dreißig Zeitungen und Zeitſchriften eine
dauernde Exiſtenz geſichert iſt, klingt erſtaunlich. Eine
Erklärung aber findet dieſe Erſcheinung leicht in dem
an=
geborenen Bildungstrieb des Isländers, dem ein
natür=
liches Unterhaltungsbedürfnis während der erzwungenen
körperlichen Untätigkeit in den langen dunklen
Winter=
monaten zu Hilfe kommt.
Dem Fremdling erſchließt das Leben in dieſer kleinen
Stadt manche Eindrücke von eigenartigem Reiz. Des
beim Garde=Dragoner=Regiment (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23;
den Feuerwerkshauptmann Schülke vom Artilleriedepot
Darmſtadt, den Geheimerat Dr. Breidert, den Baurat
Reuling, den Baurat Pietz, den Hoftheatermaler Kempin,
den Profeſſor Kunkel von Bingen, den Pfarrer Müller
von Kirch=Brombach, den Profeſſor Dr. Breidenbach
von Worms, den Direktor Merz von der Duncanſchule;
zum Vortrag den Finanzminiſter Dr. Braun, den
Vor=
ſtand des Kabinetts Geheimerat Römheld.
Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben das Allgemeine Ehrenzeichen
mit der Inſchrift „Für Verdienſte” dem Feldwebel der
Landwehr II Hillenbrand ſeither im 5. Großh.
Heſſ. Infanterie=Regiment Nr. 168, verliehen.
* Verliehen wurde mit Ermächtigung Sr. Königl.
Hoheit des Großherzogs dem Großh.
Regierungs=
baumeiſter des Maſchinenbaufaches Wilhelm Zwilling
aus Worms die etatsmäßige Stelle eines
Regierungs=
baumeiſters in der Heſſiſch=Preußiſchen
Eiſenbahngemein=
ſchaft.
In den Ruheſtand verſetzt wurde der
Pfand=
meiſter Georg Judith in Zwingenberg unter
Aner=
kennung ſeiner mehr als fünfzigjährigen treuen Dienſte
vom 1. Oktober d. J. ab auf ſein Nachſuchen und ihm
aus dieſem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Zum Nieder=Modauer Konkurs. Der
Bundes=
rat hat auf eine Eingabe des Konkursverwalters
Rechts=
anwalt Dr. Hoffmann II.=Darmſtadt genehmigt, daß den
haftpflichtigen Mitgliedern des Kreditvereins und
des Konſumvereins Nieder=Modau der
Reichsſtempel erlaſſen werden kann, falls ſie
zur Erfüllung ihrer Haftverbindlichkeit Gutsübertragungen
an Familien=Angehörige vornehmen. Die heſſiſche
Re=
gierung hat eine gleiche Anordnung hinſichtlich des
heſſi=
ſchen Landesſtempels ſchon vor einiger Zeit erlaſſen. Es
wird hierdurch den ſchwer betroffenen haftpflichtigen
Mit=
gliedern in dankenswerter Weiſe erleichtert, ihrer
Haft=
verbindlichkeit nachzukommen und zugleich den
Grund=
beſitz ihrer Familien möglichſt zu erhalten.
* Genoſſenſchaftliches. Die Auflöſungen und
Um=
wandlungen heſſiſcher Genoſſenſchaften nehmen ihren
Fortgang. In letzter Zeit ſind in Liquidation
getreten die Spar= und Darlehnskaſſen Ober=Flörs
heim, Zell in Oberheſſen, Semd, Wies=Oppenheim,
Rein=
heim, Geiß=Nidda, Zeilhard und Ober=Beerbach, die
Ab=
fuhranſtalt Arheilgen, die Landwirtſchaftliche
Haupt=
genoſſenſchaft für Oberheſſen in Friedberg, die
Land=
wirtſchaftliche Bezugs= und Abſatzgenaſſenſchaft in
Kloppenheim und die Winzergenoſſenſchaft Jugenheim
in Rheinheſſen. — Die unbeſchränkte Haftpflicht in
be=
ſchränkte haben umgewandelt die Konſumvereine zu
Wonsheim und Langsdorf und die Spar= und
Dar=
lehnskaſſe zu Schotten.
Vom Großh. Hoftheater. Es ſei darauf
hin=
gewieſen, daß die Friſt zur Anmeldung des neuen
Abonnements dieſer Tage abläuft. Am 17. Auguſt
iſt der letzte Termin verſtrichen, bis zu welchem die
Hauptkaſſe des Großh. Hoftheaters Anmeldungen
be=
rückſichtigen kann. Die Feſtlegung der
Abonnements=
vorſtellungen auf beſtimmte Wochentage, während die
Sonntage nach wie vor im Turnus eingeräumt werden,
hat in Abonnentenkreiſen, nach der großen Zahl der
Anmeldungen zu ſchließen, Beifall gefunden. Zum
Zwecke umgehender Erledigung der Beſtellungen ſind
dieſe ausſchließlich an die Hauptkaſſe des Großh.
Hof=
theaters zu leiten.
Ueber den Ausbau der Ueberlandleitungen des
Kreiſes Dieburg erfahren wir, daß die Arbeiten für die
Erſtellung der Hochſpannungsfreileitung nach Groß=
Um=
ſtadt rüſtig voranſchreiten, wie auch das Setzen der Maſte
bis Spachbrücken bereits durchgeführt iſt. Die Maſte für
die Eiſenbahnkreuzungen konnten jedoch bis jetzt nicht
ge=
ſetzt werden, da hierfür die Genehmigung noch nicht
vor=
liegt. Die Kabelverlegung von Darmſtadt aus iſt
eben=
falls bis zur Fabrik Wacker u. Dörr in Nieder=Ramſtadt
fertiggeſtellt, woſelbſt die Ueberführung der Kabel in
Frei=
leitung erfolgen ſoll. Auch ſoll in der allernächſten Zeit
mit dem Bau der Ortsnetze begonnen werden. Nach dem
Fortgang der Arbeiten ſteht zu erwarten, daß die
Strom=
lieferung für einige Ortſchaften des Kreiſes Dieburg vor
Beginn des Winters erfolgen wird.
* Autoverkehr durch die Kirchſtraße. Wir meldeten
vorgeſtern, daß die Kirchſtraße für den Automobilverkehr
freigegeben ſei. Wie uns mitgeteilt wird, trifft das nicht
zu oder iſt wenigſtens verfrüht. Die Entſcheidung
hierüber liegt nicht bei der Stadtverordnetenverſammlung,
die allerdings einen dahingehenden Beſchluß gefaßt hat,
ſondern ſie ſteht dem Miniſterium zu. Es iſt jedoch zu
erwarten, daß dieſes die Verkehrsbeſchränkungen bald
aufhebt.
* Café Metropole. Bauernſchänke. Es wird
nochmals auf das ſenſationelle Gaſtſpiel von „Menzels
Bauernſchänke im „Café Metropole” hingewieſen. Die
Eröffnung iſt Freitag, den 15. Auguſt, abends 6 Uhr.
* Bilder vom Tage.
In der Bilderauslage
unſerer Expedition, Rheinſtraße 23, ſind von heute ab
neu ausgeſtellt: Anſichten von der Spitzbergenexpedition
Schröder=Stranz, hier Bildniſſe des Malers Rave und Dr.
Rüdiger in der Funkenſtation Green=Harbour und eine
Aufnahme aus Nordoſtland, Probieren der
Schlitten=
hunde, eine Balkankarte nach dem Frieden von Bukareſt,
Bildniſſe aus dem Krupp=Prozeß und eine Sitzung der
Delegierten zur Balkanfriedenskonferenz in Bukareſt.
Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 9. Auguſt.
Butter, ½ kg 1,35—1,40 M. Bohnen, ½ kg 10—18 Pf. i. Part., ½ kg 1,20—1,25 M. Rhabarber, ½ kg 12—15 Pf.
kg 3—6 Pf
Cier, Stück
4
10 Pf. Gelberüben,
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-22 Pf. Römiſch=Kohl, Bdl. 2—3 A
Handkäſe, Stück 4—10 Pf. Saubohnen, ½ kg 20 Pf.
Kartoffeln, Ztr. 2,80-3,25 M. Gurken, Stück 6—30
Kumpf (10 Liter) . 50 Pf. Einleggurken, Stück 1—3 Pf.
100 Stück 2—3 M.
½ kg . . . . . 4 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Obſt u. dergl.:
Eierſchwämme ½ kg 20 Pf. Gänſe, ½ kg 0,90—1,10 M.
Aprikoſen, ½ kg . 70 Pf. Enten, Stück 3,50—4,50 M.
Pfirſiche, ½ kg . . 70 Pf. Hahnen, Stück 1,00—2,50 M.
Pf. Hühner, Stück 2,50—3,50 M.
Reineklanden, ½ kg
5
Aepfel, ½ kg . 10—25 Pf. Tauben, Stück 60—70 Pf.
kg 23—35 Pf. Rehfleiſch, ½ kg 0,90-1,50 M
Zwetſchen
Zitronen, Stück 6—8 Pf. Lapins, Stück . . . 1 M.
Birnen, ½ kg . 18—40 Pf.
Fiſche:
Apfelſinen, Stück
90 Pf.
10 Pf. Hecht, ½ kg ..
.
Himbeeren, ½ kg . 60 Pf. Aal, ½ kg 1,10—1,20 M.
Brombeeren,
Schopp. 18 Pf. Karpfen, ½ kg 70—80 Pf.
Preiſelbeeren, ½ kg
26 Pf. Andere Rheinfiſche,
kg 7—8 Pf
Falläpfel,
35—60 Pf.
½ kg.
Mirabellen, ½ kg 35-40 Pf. Rotzungen, ½ kg . 60 Pf.
Trauben, ½ kg 50—55 Pf. Schollen, ½ kg . 50 Pf.
25 Pf.
Kabeljau, ½ kg
Salat, Gemüſe uſw.
Schellfiſche, ½ kg 25—30 Pf.
Kopfſalat,
stück 4—7 Pf. Bratſchellfiſche, ½ kg 20 Pf
Endivien, Stück 5—10 Pf. Barben, ½ kg . 60—70 Pf.
kg . 3—5 Pf
Kohlrabi,
Radieschen, Bündel 2—3 Pf. In den Fleiſchſtänden:
5—8 Pf. Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
Rettiche, Stück
76 Pf.
Meerrettich, Stück 30 Pf. Hackfleiſch, ½ kg
56 Pf.
Rindsfett, ½ kg
Roterüben, Bündel . 5 Pf. Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Zwiebeln,
kg
Tomaten, ½ kg 20—25 Pf. Schweinefleiſch, ½ kg 96 Pf.
20 Pf. Geſalzenes und Koteletts,
Spinat, ½ kg
1,06 M.
Weißkraut, Stück 15—25 %
kg
Rotkraut, Stück 25—50 Pf
Schwartemagen u. Fleiſch=
Blumenkohl, Stück 10—50 Pf. wurſt, ½ kg
90 Pf.
Wirſing, Stück . 5—10 Pf. Leber= und Blutwur
80 Pf.
Zuckererbſen, ½ kg 25 Pf. ½ kg . . . .
Offenbach, 9. Aug. In Offenbach hat das ſtädtiſche
Steueramt eine Liſte der dort wohnenden, über 25 Jahre
alten männlichen Deutſchen nichtheſſiſcher
Staats=
angehörigkeit aufgeſtellt. Es ſind in Alt=Offenbach
5139 Perſonen dieſer Art vorhanden, im Stadtteil
Bür=
gel 433. Der Oberbürgermeiſter wird dieſen Leuten,
neben den zeitweiſe ergehenden allgemeinen
Aufforder=
ungen zum Erwerb der heſſiſchen Staatsangehörigkeit noch
beſonders mitteilen, daß Vorausſetzung zur Ausübung
des Wahlrechts zum heſſiſchen Landtag die Aufnahme in
den heſſiſchen Staatsverband iſt. Zugleich wird eine
Be=
lehrung über die hierzu erforderlichen Schritte gegeben
werden. Alle diejenigen, die bisher noch keine Schritte
in dieſer Sache getan haben, müſſen dieſe ſofort einleiten.
Offenbach, 9. Aug. Einige Aufregung gab es geſtern
abend im oberen Iſenburgring. Eine unbekannte
Frauens=
perſon hatte im Hauſe eines Offiziers einen
Dieb=
ſtahlsverſuch gemacht, vom Burſchen des Offiziers
wurde ſie jedoch überraſcht und nach kurzer Verfolgung
feſtgenommen. Es handelt ſich um eine 36 Jahre alte
Ar=
beitsfrau aus Oberrad, die in letzter Zeit in raffinierter
Weiſe in Offenbach Diebſtähle auszuführen ſuchte. Unter
der Berufung auf eine Krankenſchweſter, von der ſie
ge=
chickt worden ſei, wurde ſie bei hieſigen Herrſchaften um
Uebertragung von Näharbeiten vorſtellig. Hielt nun das
Dienſtmädchen bei ihrer Dienſtherrin Nachfrage und ließ
die Frau auf dem Vorplatze allein, ſo benutzte dieſe die
Gelegenheit, aus der Küche der Dienſtherrin die Geldbörſe
zu entwenden. In mehreren Fällen hat die Diebin dieſes
Manöver erfolgreich durchgeführt, bis ſie geſtern zu ihrem
Unglück und der Bewohner Glück von dem Offiziers=
burſchen erwiſcht und der Polizei übergeben werden
konnte. Nach Feſtſtellung ihrer Perſonalien wurde
ſie=
wieder auf freien Fuß geſetzt.
Aus dem Kreiſe Erbach, 9. Aug. Die Verteilung
von Prämien an Dienſtboten für bekundete
Sparſamkeit, gutes Betragen und fünfjährige treue Dienſte
in Höhe von je 10 Mark wird am 25. Auguſt gelegentlich
der Mitgliederverſammlung der Bezirksſparkaſſe
vorge=
nommen werden. Es kommen in dieſem Jahre 65
Per=
ſonen in Betracht, 37 weibliche und 28 männliche
Mainz, 9. Aug. Der Kaiſer trifft am Mittwoch,
den 13. ds. Mts., früh 8 Uhr, bei der Wärterbude am
Großen Sande hier ein und fährt nachmittags direlt nach
Kronberg weiter. Die verſchiedenen Regimenter, die an
der Truppenſchau teilnehmen, kommen ſämtlich in der
Nacht vom 12. auf den 13. bezw. am 13. früh an. Zum
erſten Male werden alle Truppen in der feldgrauen
Uni=
form erſcheinen, die von jetzt ab auch im Manöver
getra=
gen wird Das Großherzogspaar begibt ſich zur
Teilnahme an der Truppenſchau am Dienstag nachmittag
im Automobil nach Mainz und nimmt im dortigen Schloſſe
Wohnung. Die Abreiſe des Großherzoglichen Paares von
Mainz erfolgt am Mittwoch nachmittag. — Die Pläne für
den Bau einer zweiten Schiffahrtsſchleuſe
bei Koſtheim neben der hier bereits beſtehenden
Schleuſe ſind jetzt offengelegt worden. Die neue Schleuſe
ſoll den Schiffen auch bei niedrigſtem Waſſerſtande die
un=
gehinderte Einfahrt in den Main ermöglichen. Der Bau
dieſer zweiten Schleuſe macht die Verlegung des
Land=
dammes auf eine Länge von 650 Metern auf der
Guſtavs=
burger Seite notwendig. Um etwaige Beſchwerden und
Wünſche der angrenzenden Grundbeſitzer
entgegenzuneh=
men, findet am 19. Auguſt in Guſtavsburg in dieſer
An=
gelegenheit eine Tagfahrt ſtatt. — Der viertägige
Feſtungskrieg vor Fort Blücher fand geſtern
nachmittag mit der Erſtürmung des Forts
durch die drei Bataillone des Infanterie=Regiments
Nr. 87 ſein Ende. An der intereſſanten Uebung, die
viele Zuſchauer angelockt hatte und Tag und Nacht
fortge=
ſetzt wurde, nahmen außer den 87ern auch die
Pionier=
bataillone Nr. 21 und 25 und die hieſige
Feſtungsmaſchi=
nengewehrabteilung teil, die ihre Geſchütze durch
Panzer=
platten geſichert hatte. Die ganze Uebung hatte
kriegs=
mäßigen Charakter.
Mainz, 9. Aug. Die Opfer des ſchweren
Bootsunglücks am verfloſſenen Sonntag auf dem
Rheine wurden geſtern geländet. Die 17jährige Tochter
des Steuermanns Hch. Wolf in der Rheinſtraße wurde
geſtern vormittag in Bingen geländet. Am Zollhafen
gelang es, die Leiche des 29jährigen, verheirateten
Steuer=
manns Hch. Schneider zu länden. Die Unterſuchung
über die Urſache des ſchweren Unglücks iſt noch im Gange.
Worms, 9. Aug. Der Bürgermeiſter von
Worms zitierte kürzlich die Handwerksmeiſter
in das Stadthaus und hielt an ſie folgende Anſprache:
„Meine Herren! Mit der jetzigen Submiſſionswirtſchaft
kann es nicht ſo weitergehen. Mit Angeboten, die die
eigenen Koſten kaum decken, muß der Handwerker
zu=
grunde gehen und die Stadt hat ſtatt eines geſunden
Hand=
werkerſtandes, der ſeine Abgaben und Steuern bezahlt,
arme Leute. Geht das ſo unſinnige Tun in dieſem Tempo
fort, ſo fällt ſpäter die Familie der Stadt zur Laſt.
Weg=
zuwerfen hat die Stadt nichts; es iſt uns aber darum zu
tun, unſeren Handwerkerſtand zu erhalten, einen
zah=
lungsfähigen Mittelſtand, auf den Worms bis heute ſeinen
Stolz hatte. Jedes Handwerk hat in den nächſten drei
Tagen eine Preisliſte dem Stadtbaumeiſter einzureichen,
nach der in Zukunft die Arbeiten vergeben werden.‟ — Zur
Nachahmung empfohlen.
M Nackenheim, 8. Aug. Die Kolonne der
Reb=
laus=Sachverſtändigen, welche während mehrerer
Wochen die Weinberge unſerer Gemarkung unterſuchte,
hat ihre Arbeit geſtern vollendet und unterſucht nun das
Bodenheimer Weinbergsgelände. Von der Reblaus
be=
fallene Weinberge wurden hier nicht vorgefunden.
Wöllſtein, 9. Aug. Eine praktiſche Verordnung
hat der hieſige Gemeinderat erlaſſen. Da nämlich in
letz=
ter Zeit verſchiedene Raufereien ſpät abends zwiſchen
hie=
ſigen Burſchen ſtattfanden, beſchloß er, daß die
Wirtſchaf=
ten im allgemeinen um 11 Uhr zu ſchließen ſind.
Aus=
nahmen ſind geſtattet, falls ſich die Gäſte in den
Lokalen ruhig verhalten; Muſik darf dagegen
nach 11 Uhr keinesfalls mehr veranſtaltet werden. — Wenn
die verehrlichen Gäſte alſo hübſch artig ſind, dürfen ſie
noch einen Schoppen genehmigen, in dem Augenblick aber,
wo ſie anfangen, Krach zu machen, iſt polizeilich
Feier=
abend.
Pfeddersheim, 9. Aug. Einem langgeſuchten
ſchlimmen Verbrecher, der verſchiedene der in den
letzten Wochen in der Nord= und jedenfalls auch in der
nordöſtlichen Pfalz begangenen Einbrüche auf dem
Kerb=
holz hat, hat man endlich das Handwerk gelegt, dem als
regſte Treiben entwickelt ſich unten am felſigen Strand
bei den dürftigen Hütten der Fiſcher. Boote ſtoßen zum
Fiſchfang in See oder legen an mit ihrer oft ſchwer
er=
rungenen Laſt. Dorſche werden ausgeweidet und zum
Trocknen auf den Klippen vorbereitet. Netze gereinigt und
geflickt oder die Boote einer gründlichen Reparatur an
Land unterzogen. Mit bemerkenswerter Ruhe und Stille
vollzieht ſich jede Tätigkeit. Die mit Vorliebe von
Män=
nern und Frauen gewählte dunkle Farbe für die
Klei=
dung bringt dazu einen faſt ſchwermütigen Ton in das
Bild. Sieht man aber die isländiſchen Frauen und
Mäd=
chen durch die Straßen eilen, die kleine flache Mütze mit
der bis zur Schulter herabfallenden Seidenquaſte kokett
auf das blonde Haar gedrückt, ſo tritt der erſte Eindruck
des Düſternen bald hinter der Freude an der überaus
reizvollen Tracht zurück. Oder gar erſt, wenn eine dieſer
Isländerinnen auf einem der flinken einheimiſchen
Pferd=
chen, nach Männerart im Sattel ſitzend. meiſt mit
fliegen=
den Zöpfen über Stock und Stein dahingaloppiert, dann
könnte nur eine verſtockte hypochondriſche Veranlagung
den frohen Genuß an der harmoniſchen Bewegung und
der natürlichen Sicherheit und Anmut der Reiterin trüben.
Man genießt dieſen dem Mitteleuropäer ungewohnten
Anblick ebenſo oft in den Straßen Reykjaviks wie draußen
auf dem Lande. Sind doch dieſe isländiſchen Pferdchen
das einzige geeignete Fortbewegungsmittel auf der
un=
wegſamen Inſel, ohne welches auch die kleinſte Reiſe
un=
denkbar iſt. Die Schwierigkeiten des Terrains
über=
windet das Geſchick und die zähe Ausdauer dieſer graziös
gebauten Tiere ſpielend. Oft ſieht man ſie in Reykjavik
zu Scharen an den Straßenecken, nur von einem
Pferde=
jungen bewacht, mit philoſophiſcher Ruhe auf ihre Reiter
warten. Eiſenbahn, Laſtträger, Brücken über reißende
Flüſſe, ja ſelbſt den Leichenwagen erſetzen dieſe
anſpruchs=
loſen Tiere dem Isländer. Der Fremde gibt ſich mit
Ver=
gnügen dieſer Art der Reiſe hin. Auch der des Reitens
völlig Unkundige vertraut ſich ihnen ohne weiteres an,
ohne daß er ein Unheil zu befürchten braucht.
An architektoniſchen Schönheiten iſt das Straßenbild
Reykjaviks äußerſt arm. Weder das Althingsgebäude
noch die kleine Domkirche befriedigen iraendwelche kündt=
leriſchen Anforderungen. Andererſeits wiederum
be=
leidigt nirgends eine hervorſtechende Geſchmackloſigkeit das
Auge, vielmehr wohnt der ganzen Anſiedlung eine
aus=
geſprochene Zweckmäßigkeit inne. Intereſſe dagegen
ver=
dienen die zahlreichen Stores, Kramläden von der
Reich=
haltigkeit eines Warenhauſes, die beſonders auf den
Fremdling eine große Anziehungskraft ausüben. Vor
allem einige isländiſche Spezialitäten wie prächtige Pelze
ſchneeiſche Eiderdaunen und Schuhe aus Seehundsfell
werden mit Vorliebe erſtanden. Da Reykjavik die einzige
Einkaufsgelegenheit für das Südland iſt, bieten dieſe
Läden außerdem in bunter Mannigfaltigkeit alles was
die beſcheidenen Bedürfniſſe der Bauern beanſpruchen.
Aber auch der Fremde, der eine längere Reiſe in das
Innere der Inſel plant, muß hier ſeine Ausrüſtung
ver=
vollſtändigen, da er außerhalb des Weichbildes der Stadt
meiſt nur auf ſich ſelbſt und auf die Gaſtfreundſchaft der
Bauern angewieſen iſt. Der Ankauf von Proviant in
Ge=
ſtalt von Konſerven. Oelzeug zum Schutz gegen die oft
wochenlang anhaltenden Regenfälle und Zelten zum
Uebernachten in unbewohnter Gegend gehören zu den
unentbehrlichen Vorbereitungen einer ſolchen Reiſe. Auch
wegekundige Führer und Pferde ſind hier für billiges
Geld zu mieten. Für eine längere Reiſe rechnet man meiſt
drei Pferde auf den Mann, ein Reitpferd, ein Reſervepferd
zum Auswechſeln und ein Packpferd ſo daß ſich bei
meh=
reren Teilnehmern eine ſtattliche Karawane
zuſammen=
findet.
Da die isländiſche Landſchaft erſt hinter Reykjavik
ihre eigenartige ſtimmungsvolle Schönheit entfaltet, auch
das Leben in der kleinen Stadt und in den beiden
be=
ſcheidenen Gaſthäuſern auf die Dauer nicht zu feſſeln
ver=
mag, wird man nur kurze Zeit in Reykjavik ſelbſt
ver=
weilen. Hinter den blauen ſchneegefleckten Bergen lockt
der Zauber einer Romantik, die der übrige Norden
Europas trotz einer mehr ins Eigantiſche wachſenden
r vi atfalten kann.
Feuilleton.
** Die Geſchwiſter Mozart in Frankfurt a. M. im
Jahre 1763. Dem letzthin erwähnten Buche „Leben in
Frankfurt a. M.” entnehmen wir noch nachſtehende
inter=
eſſante Mitteilung über das Auftreten Wolfgang Mozarts
und ſeiner Schweſter in Frankfurt a. M.:
„30. Auguſt 1763: Die allgemeinde Bewunderung,
welche die noch niemahls in ſolchen Grade weder geſehene
noch gehörte Geſchicklichkeit der 2. Kinder des Hochfürſtl.
Saltzburgiſchen Capellmeiſters Herrn Leopold
Mo=
zart in den Gemüthern aller Zuhörern erwecket, hat die
bereits dreymalige Wiederholung des nur für einmahl
angeſetzten Concertes nach ſich gezogen; Ja, dieſe
allge=
meine Bewunderung und das Anverlangen verſchiedener
großen Kenner und Liebhaber iſt die Urſach, daß heute
Dienstag den 30. Aug. in dem Scharfiſchen Saale auf dem
Liebfrauenberg Abends um 6 Uhr, aber ganz gewiß das
letzte Concert ſeyn wird; wobey das Mägdlein,
wel=
ches im zwölften und der Knab der im 7ten Jahre iſt,
nicht nur Concerten auf dem Claveßin oder Flügel, und
zwar erſteres die ſchwerſten Stücke der größten Meiſter
ſpielen wird, ſondern der Knab wird auch ein Concert auf
der Violin ſpielen, bey Synfonien mit dem Clavier
accom=
pagnieren, das Manual oder die Taſtatur des Clavier mit
einem Tuch gäntzlich verdecken, und auf dem Tuche ſo gut
ſpielen, als ob er die Claviatur vor Augen hätte; er wird
ferner in der Entfernung alle Töne, die man einzeln oder
Accorde auf dem Clavier oder auf allen nur erdenklichen
Inſtrumenten, Glocken, Gläſern, und Uhren anzugeben im
Stande iſt, genaueſt benennen. Letzlich wird er nicht nur
auf dem Flügel, ſondern auch auf einer Orgel (ſo lange
man zu hören will, und aus allen auch den ſchwerſten
Tönen, die man ihm benennen kann) vom Kopfe
phanta=
ſieren, um zu zeigen, daß er auch die Art, die Orgel zu
ſpielen, verſtehet, die von der Art, den Flügel zu ſpielen,
ganz unterſchieden iſt. Die Perſon zahlt einen kleinen
Thaler. Man kann Billets im goldenen Löwen haben.”
In einer Fußnote dazu heißt es: „Von dem Leben
dieſes allbekannten großen Componiſten hier nur einige
ZZuchthausbruder bekannten Maurer Jakob Fuhrmann
aus Ottersheim; er wurde hier verhaftet. Bei
ſeiner Verhaftung fand man neben Diebswerkzeugen auch
eine Düte mit Pfeffer. Schinken, den er auch bei ſich führte,
will er in Kaiſerslautern „gekauft” haben.
Gießen, 9. Aug. Unter ſtarker Beteiligung des
Lehr=
körpers unſerer Univerſität, ſowie der Studentenſchaft und
vieler Freunde wurde geſtern nachmittag der langjährige,
frühere Nationalökonom der Ludoviciana, Geh. Hofrat
Prof. Dr. Laspeyres, zu Grabe getragen. In
der Friedhofskapelle hatten, laut G. A., wie üblich, die
Chargierten der ſtudentiſchen Korporationen mit ihren
um=
florten Fahnen Aufſtellung genommen und eine zahlreiche
Trauerverſammlung füllte den ſtimmungsvoll geſchmückten
Raum bis auf den letzten Platz. Die Leichenrede hielt
Kirchenrat D. Schloſſer der ſeinen tiefempfundenen
Wor=
ten den Text des 90. Pſalms zugrunde gelegt hatte und
die Worte: „Schlag an die Sichel, die Zeit der Ernte iſt
gekommen” und den Entſchlafenen als einen geraden,
auf=
rechten Charakter ſchilderte, der mit ſeiner feinen
empfind=
ſamen Seele immer der Wahrheit nachgeſpürt habe und
von tiefer, innerlicher Religioſität erfüllt geweſen ſei.
Weiter ſprachen Rektor Profeſſor D. Eck, Dr. Schwally
im Namen der philoſophiſchen Fakultät, und studk. Bode
(Germaniae) im Namen der Studentenſchaft. — Die
Eiſenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die ausgeſetzte
Belohnung für Ermittelung des oder der
Täter, welche am 12. Juli d. J. zwiſchen der
Bahn=
ſtrecke Laubach und Laubacher Wald zwei ſchwere
Steine auf das Schienengleis legten, von
300 Mark auf 500 Mark erhöht. — Der Zuſchneider Sie
vers von Gießen ſtieg in der Nacht von Sonntag zum
Montag in Kaſſel in den die Station 2.50 Uhr in der
Rich=
tung Frankfurt verlaſſenden D=Zug in ein Abteil 3. Klaſſe
ein. Er ſaß allein im Abteil und ſchlief. Da der Zug erſt
wieder in Marburg hält, erwachte der Reiſende erſt bei
der Einfahrt in den dortigen Bahnhof. Er griff in die
Taſche, um ſich eine Zigarre anzuzünden und entdeckte,
daß er unterwegs um ſeine Barſchaft von
180 Mark beſtohlen worden war. Sofort bei der
Ankunft in Marburg meldete S. den Diebſtahl und machte
darauf aufmerkſam, daß der Dieb noch im Zuge ſein müſſe.
(*) Aus dem Kreiſe Gießen, 8. Aug. Ueber
einesMillion an Gemeindeumlagen bringen
die 80 Gemeinden des Kreiſes Gießen — ohne die
Kreis=
ſtadt Gießen — auf. Nur eine glückliche Gemeinde ohne
Umlagen iſt darunter, Ettingshauſen, das ſeine
Einnahmen gänzlich aus ſeinen ausgedehnten Waldungen
deckt, ja ſogar alljährlich Holz im Werte von etwa 15 Mk.
an die Ortsbürger abgibt. Im übrigen haben ſich die
Steuerziffern bei vielen Gemeinden erhöht. Bersrod, das
vor einigen Jahren noch ſteuerfrei war, erhebt bereits
198 Prozent. Am günſtigſten ſtehen noch: Albach mit
30,8, Staufenberg mit 32, Villingen mit 35,5, Beuern mit
38,2, Allendorf (Lumda) mit 38,6, Großen=Buſeck mit 47,7
und Harbach mit 48,8 vom Hundert. Den höchſten
Prozentſatz erheben: Dorf=Gill 265, Göbelnrod 232,6,
Saaſen 230, Lindenſtruth 215,3, Beltershain 210 Prozent.
Ueber 20000 Mk. erheben: Lich und Lollar 60000 Mk.,
Wieſeck 48000 Mk., Grünberg 58000 Mk., Großen=Linden
50 000 Mk., Heuchelheim 44000 Mk., Hungen 38000 Mk.,
Leihgeſtern 34000 Mk., Lang=Göns 28000 Mk., Klein=
Linden 25000 Mk., Watzenborn=Steinberg 26830 Mk. Die
Feldgemarkung Bergheim erhebt dagegen nur 800 Mk.
Lauterbach, 9. Aug. Eine Frau aus Fulda hatte ihr
Sparkaſſenbuch, weil ſie es vor ihrem immer
dur=
ſtigen Ehegatten zu Hauſe nicht ſicher genug verbergen
konnte, poſtlagernd nach Lauterbach geſandt,
um es hier gelegentlich wieder abzuholen. Als ſie jedoch
zu dieſem Zweck vor einigen Tagen auf dem Poſtamte
erſchien, hatte ihre liebenswürdige Ehehälfte das Buch
bereits poſtlagernd nach Hünfeld ſenden laſſen in der
Annahme, er könnte hier in den Beſitz des Buches gelangen
und das Geld abheben. Aber er hatte mit ſeinem
Vor=
haben kein Glück. Die Hünfelder Poſtbeamten ſchöpften
Verdacht und verweigerten die Aushändigung des Buches.
Inzwiſchen hatte ſich auch die Ehefrau gemeldet, und es
konnte ihr das teure Kleinod, von dem ſie ſchon glaubte,
es habe ſeinen Weg ins Wirtshaus gefunden, zu ihrer
Freude wieder ausgehändigt werden. Hoffentlich wird
ſie jetzt ein anderes Verſteck finden.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 9. Aug. Der 96 Jahre alte
Sanitätsrat Körte, der Senior der Berliner Aerzte,
hatte geſtern das Unglück, in ſeiner Wohnung infolge
eines Schwindelanfalls auszugleiten und ſich einen
dop=
pelten Oberſchenkelbruch zuzuziehen. — Zu den Aufſehen
erregenden Hausſuchungen bei Berliner
Rechts=
anwälten die beſchuldigt wurden, Examenarbeiten
für Referendare angefertigt zu haben, erfährt die Voſſiſche
Zeitung, die Beſchlagnahme von Aktenſtücken habe kein
belaſtendes Material ergeben. — Zwiſchen den Stationen
Belleville und Lehrter Bahnhof wurde geſtern abend in
einem Stadtbahnzug ein Fahrgaſt durch einen fauſtdicken
Stein verletzt, der durch das geſchloſſene Fenſter in ein
Abteil dritter Klaſſe flog. — Eine Verſammlung der
Rabitzputzer,=Spanner und=Träger
be=
ſchloß nach vierſtündiger Verhandlung, in dem Streik zu
verharren.
Benfeld bei Erſtein (Elſaß), 9. Aug. Die erſt vor
einigen Jahren neu errichtete Spinnerei und Weberei
von Bach u. Bloch iſt heute früh vollſtändig
nieder=
gebrannt. Die Urſache des Brandes ſoll, wie
ver=
lautet, das Heißlaufen eines Wellenlagers bilden.
Offenburg, 9. Aug. Vor der hieſigen Strafkammer
hatten ſich geſtern die Inhaber der Firma Gebrüder
Schwarz in Köln, die im Kehler Rheinhafen eine
Nie=
derlage beſitzen, wegen Spritſchmuggels zu
verant=
worten. Der Staatsanwalt beantragte gegen die drei
An=
geklagten eine Geldſtrafe von insgeſamt einer Million Mk.,
außerdem gegen Wilhelm Schwarz ein Jahr drei Monate
Gefängnis und gegen Joſeph und Karl Schwarz je acht
Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte wegen einfachen
und erſchwerten Schmuggels gegen jeden der drei
Ange=
klagten auf eine Geldſtrafe von 301 433 Mark.
Die Gebrüder Schwarz wurden von vier Rechtsanwälten,
darunter dem bekannten Juſtizrat Dr. Meyer, verteidigt
Sie haben ſofort Reviſion gegen das Urteil eingelegt.
Sobernheim, 9. Aug. Ein fünfjähriger Knabe
ſpielte in einem unbewachten Augenblick mit dem
Feuerzeug. Dabei gerieten ſeine Kleider in Brand.
Das Kind erlitt ſo ſchwere Brandwunden, daß es
denſel=
ben erlag.
Neuwied, 8. Aug. Im Februar dieſes Jahres erregte
ein Vorkommnis auf einem Maskenball in Wirges
lebhafte Erörterungen in der Preſſe. Auf dieſem
Ver=
gnügen war die Ehefrau eines Arbeiters erſchienen, die in
ihrer Maske die Geſtalt Chriſti nachahmte. Sie
trug ein mantelähnliches Gewand und auf dem Kopfe
einen Dornenkranz, unterhalb deſſen mit roter Farbe
Blutstropfen angedeutet waren. Auf den Rücken hatte ſich
die Frau ein Plakat gehängt, das die Aufſchrift trug: Der
erſte Sozialdemokrat. Obwohl der Maskenball meiſt von
Sozialdemokraten beſucht war, wurde doch ziemlich
allge=
mein Anſtoß an der Maske genommen, namentlich als die
Frau in gebückter Haltung den Saal durchſchritt, um die
Laſt des Kreuzes zu ſymboliſieren. Schließlich wurde die
Frau durch Polizeibeamte aus dem Saale verwieſen. Auch
ſozialdemokratiſche Blätter haben ſeinerzeit die Maskierung
als geſchmacklos und unpaſſend gemißbilligt. In der Folge
erhob dann die Staatsanwaltſchaft Anklage wegen
Gottes=
läſterung, die vor der hieſigen Ferienſtrafkammer zur
Ver=
handlung ſtand. Die Angeklagte verteidigte ſich damit, daß ſie
keineswegs die Perſon Chriſti habe herabwürdigen
wol=
len; ſie habe ſymboliſch das Volk darſtellen wollen, das
unter der Laſt der Stekkern ſeufze. Der Gerichtshof hielt
aber die Angeklagte der Gottesläſterung für ſchuldig und
erkannte gegen ſie auf eine Gefängnisſtrafe von
einem Monat.
Hamburg, 8. Aug. Vier junge Deutſche, die
aus der Fremdenlegion deſertiert ſind, find mit
dem deutſchen Dampfer Samos” hier angekommen. Bei
einem Transport von Oran nach Tonkin ſind ſie im
Suez=
kanal über Bord geſprungen und nach Alexandrien ent
wichen. Der deutſche Konſul hat die vier Deſerteure nach
Deutſchland ſchaffen laſſen. Der eine iſt ein Klempner
die anderen ſind je ein Maurer, Zementierer und
Berg=
mann.
Königsberg i. Pr., 9. Aug. Auf Veranlaſſung der
Staatsanwaltſchaft wurde bei einer Hebamme, die einer
privaten Entbindungsanſtalt vorſteht, wegen Verdachtes
der Engelmacherei eine Hausſuchung veranſtaltet.
Dieſe beſtärkte den Verdacht und der Staatsanwalt
ord=
nete die Ausgrabung der zuletzt geſtorbenen vier Kinder
zum Zwecke der Obduktion an. In den letzten 3 Monaten
ſind in der Entbindungsanſtalt angeblich gegen 15 Kinder
geſtorben.
Evolene, 8. Aug. Auf dem Mont Blanc
verun=
glückte der Führer Rieder aus Evolene drei Stunden
unterhalb des Gipfels dadurch, daß er von einem
herab=
fallenden Eisblock erſchlagen und in eine Gletſcherſpalte
geſchleudert wurde. Ein zweiter Führer Gaudin wurde
ein Stück mitgeriſſen, konnte ſich aber freimachen und die
Leiche Rieders auffinden, deren Bergung heute erfolgte.
London, 8. Aug. Bei Geoville an der Great Weſtern
Railway hat ſich ein ſchweres Eiſenbahnunglück
ereignet, bei dem, wie amtlich gemeldet wird, zwei
Perſo=
nen getötet und ſechs verletzt wurden.
Parlamentariſches.
Die Beſoldungsvorlage in Heſſen.
* Schluß des Berichts aus Nummer 185. Der Antrag
Beſt zum Wohnungsgeld ſchlägt vor, für alle
Beamten=
gruppen gleiche Wohnungsgeldzuſchüſſe zu
gewähren und damit die örtlichen Unterſchiede zu
beſei=
tigen. Die Regierung müſſe ſich dagegen ausſprechen,
weil dadurch die Beamten in den größeren Städten
ſchlech=
ter geſtellt würden, als die Regierungsvorlage es vorſieht.
Auch an der Penſionsfähigkeit des Wohnungsgeldes, die
der Antrag Beſt beſeitigen will, hält die Regierung feſt.
In einer der letzten Sitzungen des Finanzausſchuſſes
war angeregt worden, das Anfangsgehalt der mittleren
Beamten auf 2200 Mark zu ſetzen unter Beibehaltung der
Aufrückungszulagen, wie ſie in der Vorlage vorgeſchlagen
ſind. Eine finanzielle Wirkung aus dieſem Vorſchlag
würde ſonach nur die Mehrkoſten in der unterſten
Gehalts=
ſtufe ſteigern. Von 535 mittleren Beamten befinden ſich
zurzeit nur 28 in der unterſten Gehaltsſtufe; die
Hinauf=
ſetzung auf 2200 Mark würde nur 2800 Mark erfordern,
Der Aufwand würde ſich ſteigern, wenn die augenblicklick
ſchlechten Anſtellungsverhältniſſe ſich beſſern; man könnte
dann mit einem Mehraufwand von 5—6000 Mark
rech=
nen. Die Erhöhung des Anfangsgehalts auf 2200 Mark
würde außerdem von Konſequenzen für die mittleren
techniſchen Beamten, Hochbauaufſeher, Kulturtechniker,
Eichmeiſter uſw., begleitet ſein, deren Zahl ſich auf etwa
100 beläuft. Die Regierung führt für ihre ablehnende
Stellung weitere Gründe ins Feld, auf die demnächſt noch
zurückzukommen iſt. Auch die Rückſicht auf die preußiſchen
Gehaltsſätze rechtfertige nicht, über die Vorſchläge der
Re=
gierungsvorlage in bezug auf die Anfangsgehalte der
mittleren Beamten hinauszugehen.
Im Anſchluß an die Eingaben der mittleren
Finanzbeamten war erörtert worden, daß und
warum es nicht möglich ſei, die mittleren Beamten an den
Zentralſtellen ſämtlich in gehobene Stellen zu verſetzen,
wie dies in Preußen bei den Miniſterien, der
Oberrech=
nungskammer der Fall iſt. Die Regierung hat dem
Aus=
ſchuß auf ſeinen Wunſch eine Ueberſicht über die
nicht=
gehobenen und gehobenen Stellen unterbreitet.
Danach=
beträgt die Zahl der nichtgehobenen 84; gehobene Steller
waren ſeither 29 vorhanden, deren Zahl nunmehr auf 42
erhöht werden ſoll. — Schließlich hat die Regierung noch
dem Ausſchuß eine Abſchrift der beiden Beſchlüſſe
mitge=
teilt, die über die Handhabung des Artikel 7 des
Be=
ſoldungsgeſetzes, betr. die Anrechnung der
Beſol=
dungsvordienſtzeit, in den Jahren 1902 und 1912
von den Miniſterien gefaßt wurden, ſowie ein
Verzeich=
nis derjenigen Staatsbeamten, die genötigt ſind,
ihre Kinder zum Zweck einer höheren
Schulbild=
ung auswärts in Penſion zu geben, oder an einem Ort
angeſtellt ſind, der zum Beſuch einer höheren Schule
be=
ſonders ungünſtig liegt. Die Zahl der erſteren Beamten
beträgt 107, die Zahl der ungünſtig gelegenen Orte 39)=
Luftfahrt.
Preisausſchreiben der National=Flugſpende für Fernflüge.
Der Verwaltungsausſchuß der National=
Flug=
ſpende hat beſchloſſen, für Fernflüge, die in der Zeit vom
15. September bis 31. Oktober 1913 als Tagesleiſtung
— d. h. in der Zeit von Mitternacht bis zur Mitternacht
des folgenden Tages — mit oder ohne Fluggaſt
ausge=
führt werden, Preiſe nach Maßgabe folgender
Beſtim=
mungen auszuſetzen:
1. Die Fernflüge müſſen von Fliegern deutſcher
Staatsangehörigkeit auf Flugzeugen, die einſchließlich
ihres Motors in Deutſchland hergeſtellt ſind, ausgefühe
werden. An dem Wettbewerbe können ſich mit
Geneh=
migung der Heeres= und Marine=Verwaltung
Militär=
flieger beteiligen. Die — gegebenenfalls auch
nachträg=
liche — Genehmigung der zuſtändigen Stelle iſt in jedem
einzelnen Falle nachzuweiſen.
2. Es müſſen als Tagesleiſtung mindeſtens 1000
Kilo=
meter, und davon mindeſtens 500 Kilometer in einer
Richtung zurückgelegt werden. Der Flug kann außerhalb
Deutſchlands begonnen und beendet werden.
3. Für die ſechs weiteſten Flüge werden ausgeſetz
60000 Mark als 1. Preis, 50000 Mark als 2. Preis,
40000 Mark als 3. Preis. 25000 Mark als 4. Preis.
15000 Mark als 5. Preis, 10000 Mark als 6. Preis.
4. Wird zurzeit der weiteſte Fernflug von Paris
nach Caceres mit einer Länge von 1600 Kilometer durch
innerhalb dieſes Wettbewerbes ausgeführte Fernflüge
übertroffen, ſo wird für den weiteſten Flug ein National=
Flugpreis von 100000 Mark verliehen. Die übrigen
Worte und anekdotiſche Züge. Er war am 27. Januar
1756 zu Salzburg geboren und erhielt die Namen Johann
Chryſoſtomus Wolfgang Amadeus. Seinem Vater,
Leo=
pold Mozart, Unterdirektor der erzbiſchöflichen Kapelle,
geboren zu Augspurg am 14. December 1719 und geſtorben
in Salzburg 1787, verdankte der Sohn die treffliche
muſika=
liſche Bildung. Des Sohnes außerordentliche Anlagen
gelangten frühe zur ſchönſten Entfaltung. Nachdem er
ganz Deutſchland, England und Italien bereiſt und überall
Triumpfe gefeiert hatte, wurde er 1779 zum kaiſerlichen
Kammerkomponiſten in Wien ernannt. Dies iſt der
Haupt=
wendepunkt in Mozarts Leben. Nun erſt begann ſeine
große Zeit. Er verheirathete ſich 1781 mit Konſtanze
Weber, einer Schweſter der berühmten Sängerin Lange.
Die Herzensgüte, die ihn ſtets beſeelte, war eben ſo groß
wie ſeine Kunſt; dabei beſaß er einen beiſpielloſen
Leicht=
ſinn, der ihn, da ſich Freunde genug fanden, in beſtändige
Geldverlegenheiten brachte. Einſt ſchmauſte und trank er
in Wien mit ſeinen Zechbrüdern; einer nach dem anderen
entfernte ſich, den Wirth wegen der Zahlung an Mozart
weiſend. Da nun erſterer ſich an ihn mit der Rechnung
wendete, kam Mozart in nicht geringe Verlegenheit;
ver=
gebenſt durchſuchte er ſeine Taſchen, er fand völlige Ebbe
darin. M. ließ ſich nun Papier, Feder und Tinte geben,
ſchrieb Note und Worte darauf, ſeinen Namen darunter,
und ſchickte den Wirth damit und mit ſeiner Rechnung zur
Artaria (einer dortigen Kunſthandlung), um letztere
be=
zahlt zu bekommen. Der Wirth, obgleich ungläubig, erhielt
zu ſeinem Staunen das Geld und ließ demnach M. wieder
frei, den er als Geißel zurückgehalten hatte. Das
Nieder=
geſchriebene war der ſchön bekannte Canon „ODu,
eſel=
hafter Martin, Du biſt ſo faul uſw.‟ Der Wirth hieß
nemlich Martin. In den Jahren 1785 und 1786 reiſte
Mozart nach Berlin, ohne daß er dort ſich hatte melden
laſſen. Gegen Abend kömmt er an, und fragt ob Oper ſei,
und was man gäbe. Zu ſeiner Freude wird ihm „Die
Entführung aus dem Serail” genannt. Er eilt hin, findet
das Haus ganz beſetzt, doch gelingt es ihm, unerkannt dicht
ans Orcheſter zu gelangen. Blondchens Rolle wurde von
der Baranius, einer wunderſchönen Frau, geſungen. Bei
einer Stelle ihrer Rolle hatte der Notenſchreiber C ſtatt
Cis geſchrieben. Mozart konnte dies nicht hören und rief
mit lauter Stimme „Cis!” Alle Blicke wandten ſich nach
ihm, er wurde erkannt und ein ungeheurer Beifallsſturm
begrüßte ihn. Die Baranius wollte durchaus nicht weiter
ſingen. Mozart eilte auf die Bühne, und endlich gab ſie
ſeinen Bitten nach. Die Oper wurde fortgeſetzt unter
un=
endlichem Jubel und Beifall für den Componiſten. Im
Jahre 1790 ſchrieb M. die Zauberflöte, Titus und das
Requiem, welch letzteres ſein Schwanengeſang war. Er
ſtarb am 5. December 1791. Seine Grabſtätte iſt leider
unbekannt, man weiß nur den Kirchhof.”
Die Poliziſtinnen von Chicago. Zwölf junge
hübſche Frauen in kleidſamen blauen Tailor made=
Uni=
formen mit Meſſingknöpfen haben vergangener Woche,
nachdem ſie vereidigt waren ihr Amt als Polizeibeamte
in Chicago angetreten. In den Straßen und Parks der
Stadt, die man „die verderbteſte Amerikas” nennt ſollen
ſie beſonders als Wächter über die Moral der Jugend
wachen. Es iſt ein intereſſantes Experiment, das hier
vorläufig für 60 Tage durchgeführt wird; ſollte es ſich
als praktiſch und erfolgreich erweiſen, dann werden die
weiblichen Poliziſten in Chicago für eine dauernde
Ein=
richtung erklärt und in anderen Städten Nachahmung
finden. Die Hälfte der Beamtinnen iſt verheiratet, die
Hälfte unvermählt. Die kräftigſten und ſtattlichſten Frauen
wurden unter den Hunderten ausgewählt, die ſich zu den
vielbeſprochenen Poſten dränaten. Als ſie ſich zur
Einfüh=
rung in ihr Amt und zur erſten Belehrung verſammelten,
machten bereits zwei von dem Vorrecht der Frau
Ge=
brauch, zu ſpät zu kommen, und den erſten Dienſt traten
vier zu ſpät an. Sie entſchuldigten ſich damit, daß ſie ſo
eifrig die Dienſtordnung ſtudiert hätten, ein
umfang=
reiches Heft, das von dem Chef der Chicagoer Polizei und
einem Ausſchuß des Vereins für Frauenarbeit
ausgear=
beitet iſt und bis in die kleinſten Einzelheiten Pflichten
und Obliegenheiten der Poliziſtinnen angibt. Die Jünge=
rinnen der Hermandad ſind mit Pfeifen und Schlüſſeln
für die Feuermelder ausgerüſtet, haben aber noch keine
Revolver und Knüppel empfangen, da man erſt abwarten
will wie ſie ohne dieſe Gewaltmittel ihrer männlichen
Kollegen auskommen. Sie ſteckten Schlüſſel und Pfeifen
in ihre Pompadours, in denen ſie außerdem Puderquaſte,
Spiegel und Taſchentuch trugen. Die Poliziſtinnen
ver=
zichten nämlich durchaus nicht auf die ihrem Geſchlecht
eigene Eitelkeit und hatten ſich nicht nur mit den ſilbernen
Schnallen geſchmückt, die ſie als Erkennungszeichen
tragen. Sie waren Gegenſtand zahlreicher Huldigungen,
erhielten von Bewunderern Blumen und Bonbonieren
geſchenkt und waren zeitweiſe von einer ſo dichten Menge
umlagert, daß ſie ihre männlichen Kollegen zum Schutz
herbeirufen mußten oder gar auf das Polizeibureau
flüchte=
ten. Der Polizeichef Mc. Weeny erklärte den Damen in
fulminanter Anſprache, daß die Augen der ziviliſierten
Welt auf ſie gerichtet ſeien und daß ſie ihre Sache gu
machen ſollten. Dann gab er ihnen eine Reihe von
Ver=
boten: ſie ſollten nie die Wahrheit verlaſſen, nicht zu
ſtreng ſein, nicht großmäulig, ſollten ſich nicht über
Langeweile beklagen, nicht zu viel arretieren und nur das
Notwendigſte ſprechen. Nach dieſer Ermahnung brach
eine der jüngſten Poliziſtinnen in den Ruf aus: „Das
iſt ja entzückend! Ich brenne danach, jemanden
feſtzu=
nehmen.” Sie wurde ob dieſes Gelüſtes ſtreng verwieſen,
und Mc. Weeny appellierte noch einmal eindringlich an
die „Frauenintelligenz” mit der ſie ihr Heil verſuchen
ſollten und nicht mit Gewalt. Bisher haben denn auch
die Poliziſtinnen noch keinen verhaftet; ſie hatten genug
damit zu tun, ſich ſelbſt vor der Neugierde und den
Hul=
digungen des Publikums zu ſchützen.
— Eine „Operation auf hoher See‟ Die Paſſagiere
des Dampfers „Bremen” der Ende Juli die Fahrt von
Amerika nach Europa antrat und 80 amerikaniſche Aerzte
an Bord hatte, die zur Teilnahme an dem internationalen
mediziniſchen Kongreß nach London fuhren, wurden am
dritten Tage nach ihrer Abreiſe die Zeugen eines unge=
Preiſe fallen in der angegebenen Reihenfolge den
folgen=
den ſechs weiteſten Flügen zu.
5. Zwiſchenlandungen ſind freigeſtellt
6. Die durchflogene Strecke wird nach der Luftlinie
zwiſchen dem Ort des Abfluges und dem Landungsort
oder ſonſtigen Punkten berechnet, deren Ueberfliegen in
einwandfreier Weiſe (ſiehe auch Ziffer 9) nachgewieſen
wird.
7. Der Flug muß mit demſelben Flugzeug durch
den=
ſelben Flieger ausgeführt werden. Ein Wechſel des
Fliegers, des Flugzeugs oder des Motors innerhalb der
zu wertenden Tagesleiſtung iſt nicht geſtattet. Führt
der=
ſelbe Flieger mehrere Fernflüge mit demſelben oder mit
einem anderen Flugzeug aus, ſo wird nur ſein weiteſter
Flug bewertet. Werden von verſchiedenen Fliegern auf
demſelben Flugzeug Fernflüge ausgeführt, ſo wird jeder
einzelne Flug ſelbſtändig gewertet.
8. Die Preiſe werden den Beſitzern der Flugzeuge
ausgezahlt.
9. Aus Preiſen, die auf Flugzeugen der
Militärver=
waltung erflogen ſind werden den Siegern Ehrenpreiſe
gewährt und die perſönlichen Auslagen erſtattet, der Reſt
der Militärverwaltung für die Kaiſer Wilhelm=
Luftfah=
rer=Stiftung zur Verfügung geſtellt.
10 Zum Nachweis der zu wertenden Flugleiſtungen
ſind Beſcheinigungen über Zeit und Ort, des Abflugs,
Zeit und Ort der Landung — auch jeder
Zwiſchenland=
ung — ſowie gegebenenfalls des Ueberfliegens
kontrol=
lierter Punkte beizubringen. Die Beſcheinigungen können
von jeder einwandfreien Perſönlichkeit, jedoch nicht von
einem etwa mitgenommenen Fluggaſt, ausgeſtellt werden.
Auch iſt das Barogramm des zuvor geprüften und
ver=
ſiegelten Barographen beizufügen. Die Auszahlung eines
Preiſes erfolgt nur, wenn der Nachweis über die
Aus=
führung des Fernfluges nach Maßgabe vorſtehender
Be=
ſtimmungen vollſtändig erbracht wird. Die Entſcheidung
ſteht mit Ausſchluß des Rechtsweges dem
Verwaltungs=
ausſchuß der National=Flugſpende zu.
11. Die ſonſtigen von der National=Flugſpende
aus=
geſchriebenen Preiſe bleiben von dieſem Ausſchreiben
un=
berührt.
* Leipzig, 9. Aug. Das Militärluftſchiff
„Z. 1‟ iſt heute früh 4 Uhr zur Fahrt nach
Frank=
furt a. M. aufgeſtiegen.
* Frankfurt a. M., 9. Aug. Das
Militär=
luftſchiff „Z. 1” das heute früh in Leipzig zum Fluge
hierher aufgeſtiegen war, iſt um 11.25 Uhr über
Frank=
furterſchienen und um 11.40 Uhr gelandet.
* Frankfurt a. M., 9. Aug. Das
Militär=
luftſchiff „Z. 5" iſt heute früh 5 Uhr zu ſeiner
Ueber=
ſiedelung nach Gotha aufgeſtiegen.
* Gotha, 9. Aug. Das Militärluftſchiff
„Z. 5‟, von Frankfurt a. M. kommend, iſt hier heute früh
8.25 Uhr gelandet.
* Ulm, 9. Aug. Die beiden geſtern abend 6.50 Uhr
zur Fortſetzung ihres Fluges von Karlsruhe über
Stutt=
gart hierher auf dem Cannſtatter Waſen aufgeſtiegenen
Fliegeroffiziere Schäfer und Leyers ſind auf dem
Lerchenfeld um ¾8 Uhr gelandet.
* Bonn 9. Aug. Der beſchlagnahmte belgiſche
Militärballon iſt heute nachmittag
freige=
laſſen worden, da die Unterſuchung nichts
Verdach=
tiges ergeben hatte.
BBrück (Mark), 10. Aug. Der Flieger Roſeler
und der Flugſchüler Stephan ſind heute früh
abge=
ſtürzt. Beide ſind tot.
* Königsberg, 10. Aug. Um 5 Uhr morgens
be=
gann der Start zum oſtpreußiſchen Rundfluge
Von Offiziersfliegern nahmen teil: Leutnant Mahncke
(L.=V.=G.=Doppeldecker), Leutnant Geyer
(Aviatik=
Pfeil=Doppeldecker), Leutnant Pretzel (Albatros=
Taube), Oberleutnant Hantelmann (Rumplertaube),
Leutnant v. Eckenbrecher (Jeannin=Taube). Von
Zivilfliegern beteiligten ſich: Alfred Friedrich (
Die=
trich=Taube), Suwelack (Kondor=Eindecker),
Sti=
pecſchenk (Jeannin=Taube), Kühne (Albatros=
Ein=
decker), Caſpar (Gotha=Taube). Für ſämtliche Flieger
iſt die Mitnahme eines Fluggaſtes vorgeſchrieben.
Zu=
nächſt flogen die Offiziere zum Zuverläſſigkeitsflug nach
Allenſtein (150 Kilometer). Bis 9 Uhr vormittags waren
alle, bis auf Leutnant Mahncke und Oberleutnant
Han=
telmann, auf dem Allenſteiner Flugfelde nach etwa
zwei=
ſtündigem Fluge angekommen. Die Zivilflieger ſtarteten
nach Inſterburg (85 Kilometer). Bis 7 Uhr früh trafen
alle, bis auf Kühne und Caſpar, nach etwa
fünfviertel=
ſtündigem Fluge am Ziel ein.
* Tauroggen 9. Aug. Der franzöſiſche Flieger
Janoir iſt heute abend 8 Uhr hier eingetroffen
und wird hier über Nacht bleiben.
wöhnlichen und aufregenden Vorganges, der eine
Zeit=
lang das ganze Schiff in Unruhe verſetzte. Am deitten
Tage wurde ein Koſtümfeſt an Bord abgehalten und man
amüſierte ſich köſtlich, als plötzlich Dr. Richard Kovacs,
der kliniſche Aſſiſtent am Krankenhaus von Neuport, in
den Tanzſaal ſtürzte und mit erregten Gebärden die
Muſik aufforderte, zu ſchweigen. „Aufhören!” rief der
Mediziner, „Dr. Fitzgibbon iſt ſchwer erkrankt, eine
ſo=
fortige Operation iſt notwendig.‟ Die Muſik verſtummte,
die Tänzer blickten ſich ratlos an, dann folgten alle auf
den Fußſpitzen dem davoneilenden Arzte in den
Speiſe=
kaum, wo erſchreckend bleich De. Fitzgibbon lag und
ſchwer ſtöhnte. Nach einer ſchnell abgehaltenen Konſul
tation kam man zu dem Beſchluſſe, eine Operation zu
wagen, obgleich man kaum noch Hoffnungen für das
Wiederaufkommen des Patienten hegte. 15 Aerzte
um=
ſtanden den Kranken. In weißen Operationsmänteln
mit Masken und Gummihandſchuhen verſehen erſchiener
Dr Seaman von Philadelphia und Dr. Albee, der
Pro=
feſſor für orthopädiſche Chirurgie an der Univerſität
Ver=
mont in dem haſtig zum Operationszimmer
umgewandel=
ten Speiſeſaal und begannen ihre Inſtrumente zu des
infizieren. Auf der Galerie des Speiſeſaales drängten
ſich mit bedrückten Mienen die Paſſagiere, die ſich von
dem düſteren Bilde nicht loszureißen vermochten und
fasziniert auf die Szene zu ihren Füßen hinabſtarrten.
Mit der ſicheren Hand eines geübten Chirurgen ſah man
Dr. Seaman einen Schnitt ausführen, alles hielt den
Atem an, die Frauen preßten die Hände ineinander.
Dann tauchte die Hand des operierenden Chirurgen auf
und mit maßloſer Verblüffung ſahen die Zuſchauer, daß
dieſe Hand einen rieſigen Schinken hielt. Wieder tauchte
die Hand in die Wunde: jetzt erſchienen Aepfel, dann
Weintrauben, ein ganzer Laib Brot, Tannenzapfen, aber
die Verblüffung löſte ſich erſt, als der Patient ſich
auf=
richtete und mit tiefer Baßſtimme energiſch nach einem
Seidel Bier verlangte. Erſt jetzt merkten die erregten und
neugierigen Paſſagiere daß die amerikaniſchen Aerzte ſich
das Vergnügen gemacht hatten, die Senſationshungrigen
zu nasführen.
Die Wirkung des
Gemeindeſteuer=
geſetzes.
* Der Abgeordnete Dr. Oſann hat bei der Zweiten
Kammer folgenden Antrag betreffend: die Wirkung
des Gemeindeſteuergeſetzes eingebracht: Das
am 1. April 1913 in Kraft getretene Gemeindeſteuergeſetz
hat jetzt ſchon in vielen Teilen des Landes Klagen und
Beſchwerden hervorgerufen, die ſich insbeſondere auch in
der Preſſe geltend machen. Wenn auch nicht verkannt
wird, daß eine Reihe Steuerpflichtiger von dem
Gemeinde=
ſteuergeſetz günſtiger als ſeither geſtellt werden, die dann
allerdings keinen Anlaß zu Beſchwerden haben, ſo ſcheint
ſich doch eine ganze Anzahl von ungerechten Belaſtungen
insbeſondere bei der Grund= und Gewerbeſteuer
heraus=
geſtellt zu haben, die zu lebhafter und herber Kritik
Ver=
anlaſſung geben. Die Zweite Kammer war ſich bei
Schaff=
ung des Geſetzes wohl bewußt, daß auf dem unerprobten
Gebiete der neuen Geſtaltung der Gemeindeſteuern die
Wirkungen nicht in allen Beziehungen vorausgeſehen
werden konnten. Umſomehr iſt es jetzt, nachdem das
Ge=
ſetz zur Anwendung gekommen iſt, Anlaß vorhanden,
als=
bald deſſen Wirkungen nachzugehen und nicht
erſt, wie in einer Reſolution der Kammer vorgeſehen, bis
zum 1. April 1918 deſſen Wirkungen in einer Denkſchrift
niederzulegen, ſondern jetzt ſchon dieſe Klagen und
Be=
ſchwerden über die Steuer nach der Seite der Gerechtigkeit
und Billigkeit zu prüfen.
Ich beantrage deshalb: Großh. Regierung wolle über
die bei der erſten Veranlagung des Gemeindeſteuergeſetzes
hervorgetretenen Anſtände, Beſchwerden und Klagen der
Kammer eingehende Mitteilung zukommen laſſen.
Die Rückreiſe des Kaiſers von
Swinemünde.
* Swinemünde, 9. Aug. Der Kaiſer
unter=
nahm heute früh mit Gefolge einen Spaziergang und hörte
ſpäter die Vorträge der Chefs des Marine= und des
Mili=
tärkabinetts. — Die Frühſtückstafel fand an Bord der
„Iduna” ſtatt. Für den Nachmittag iſt eine Kreuzfahrt
auf der „Iduna” vorgeſehen. Nachdem der Reichskanzler
ſowohl geſtern wie heute vormittag Gelegenheit hatte, dem
Kaiſer längere Vorträge zu halten, hat der Kaiſer den
Reichskanzler aufgefordert, an dem Frühſtück auf der
„Iduna” und an der nachfolgenden Segelpartie auf dieſer
Jacht teilzunehmen. Der Kaiſer wird heute abend ſich in
den Sonderzug begeben und morgen früh um halb 7 Uhr
die Reiſe nach Roſtock, Lübeck, Altengrabow, Mainz und
Homburg v. d. Höhe antreten. — Der Kaiſer veranlaßte
heute die Offiziere der „Hohenzollern”, das Kinderheim in
Ahlbeck zu beſichtigen. Die Schweſtern des Heims
beſuch=
ten heute nachmittag die Jacht „Hohenzollern”.
Regimentsfeiern.
* Marburg, 9. Aug. Aus Anlaß der heute
be=
ginnenden Jahrhundertfeier des
Kurheſſi=
ſchen Jägerbataillons Nr. 11, deren Chef die
Königin Mutter von Italien iſt, hat die Stadt ihr
ſchön=
ſtes Feſtkleid angelegt. Zu den Feierlichkeiten, die heute
abend ihren Anfang nehmen, werden 5000 ehemalige
Jäger erwartet. Der Kaiſer hat mit ſeiner Vertretung
bei dem Feſte den Inſpekteur der Jäger und Schützen,
Generalmajor Sonntag=Berlin, und die Königin=Mutter
Margherita von Italien den italieniſchen
Militär=
attaché Oberſt Calderari beauftragt. Morgen abend
fin=
det Illumination der Stadt und des Schloſſes ſtatt.
* Roſtock 9. Aug. Anläßlich der Feier des 125
jäh=
rigen Beſtehens des Großh. Mecklenburgiſchen
Füſilier=Regimentes Nr. 90 Kaiſer
Wil=
helm, und des für morgen bevorſtehenden erſten Beſuches
des Kaiſers in Roſtock prangt die Stadt in reichem
Feſt=
ſchmuck. Die Straßen ſind mit Flaggenmaſten und
Tannengrün prächtig geſchmückt. Vor dem
Fürſtendurch=
gang auf dem Bahnhof und vor der Kaiſer Wilhelm=
Straße ſind ſchöne Obelisken errichtet; ebenſo iſt auf dem
Wallplatze, auf dem morgen in Anweſenheit des Kaiſers
des Großherzogs und der Kronprinzeſſin Feſtgottesdienſt
und Parade ſtattfindet, ein prächtiges Kaiſerzelt
aufge=
ſchlagen.
* Roſtock, 10. Aug. Die Feierlichkeiten anläßlich
des 125jährigen Jubiläums des Großh.
Mecklenburgiſchen Füſilier=Regiments
Nr. 90 „Kaiſer Wilhelm” begannen geſtern mit einem
Begrüßungsabend im Hotel „Fürſt Blücher”, in dem das
Offizierkorps, die Reſerveoffiziere und ehemaligen
Offi=
ziere verſammelt waren. Viele Ehrengäſte waren
erſchie=
nen. Der Großherzog in Begleitung der
Flügeladjutan=
ten Oberſtleutnant Frhr. v. Heintze, Hauptmann v.
Witzen=
dorſf und Oberleutnant Frhr. v. Rodde wurde vom Oberſt
v. Wright empfangen. Im Hotel begrüßte der
Großher=
zog den Prinzen Heinrich der Niederlande. Der
Groß=
herzog verlieh eine Anzahl Ordensauszeichnungen. Prinz
Heinrich der Niederlande übergab mit einer kurzen
An=
ſprache dem Regiment einen Schellenbaum. Das Geſchenl
der ehemaligen aktiven Ofſiziere beſtand aus einer
Summe von 4000 Mark, die für den Offizierfonds
be=
ſtimmt ſind. Zum Bau der neuen Offiziersmeſſe ſchenkte
die Stadt Roſtock 10000 Mark. Die Reſerve= und ehe
maligen Reſerveoffiziere überreichten 3000 Mark zur
An=
ſchaffung eines Speiſezimmers für die neue
Offiziers=
meſſe. Weitere Geldſpenden überreichten die ehemaligen
Unteroffiziere und ehemaligen Füſiliere der
mecklenburgi=
ſchen Regimenter, die Füſiliervereine Roſtocks. Wismar
und Schwerin überreichten gleichfalls Ehrengeſchenke.
Nach Ueberreichung der Ehrengeſchenke fand ein Feſteſſen
ſtatt. Der Großherzog brachte auf den Kaiſer einen
Trinkſpruch aus worauf die Nationalhymne geſpielt
wurde. Oberſt v. Wright dankte dem Großherzoa für
die Auszeichnungen und für ſein Erſcheinen und ſchloß
mit einem dreimaligen Hurra auf den Großherzog.
Ge=
neralleutnant Frhr. v. Hanſtein feierte in längerer
Rede das Regiment. Bürgermeiſter Clement toaſtete
auf den Großherzog. Nach Schluß der Tafel fand die
Aufführung eines von dem Hauptmann der Reſerve
Schmidtgen verfaßten Feſtſpiels ſtatt, das in der
Vor=
führung lebender Bilder aus der Regimentsgeſchichte be
ſtand. Den Schluß des Abends bildete ein Zapfenſtreich
(Am Sonntag morgen um 7 Uhr fand großes Wecken
ſtatt. Der Kaiſer und das Gefolge trafen um 11 Uhr
auf dem Bahnhof ein. Der Kaiſer trug als
Regiments=
chef die Uniform des Großh. Mecklenburgiſchen Füſilier=
Regiments Nr. 90 „Kaiſer Wilhelm” Am Bahnhof wurd
er empfangen vom Herzog Paul Friedrich und dem
Prinzen Heinrich der Niederlande, welcher
à la ſuite des jubilierenden Regiments ſteht, und dem
Großfürſten Georg Michaelowitſch
undUmgebun=
gen mit Gefolge. Nach herzlicher Begrüßung beſtiegen
die allerhöchſten und höchſten Herrſchaften einen offenen
Vierſpänner und fuhren, vom Publikum lebhaft begrüßt,
durch das Spalier von Innungen, Vereinen, der
Jugend=
wehr und den Schulen zur Wallpromenade. Das Wetter
war bedeckt und regneriſch. Zu dem Feldgottesdienſt
hatte das Regiment und auch das in Wismar ſtationierte
Bataillon auf der Wallpromenade Aufſtellung genommen
Um 11 Uhr trafen die Großherzogin, die Großherzogin=
Mutter Anaſtaſia, die Kronprinzeſſin mit ihren beiden
älteſten Söhnen, ſowie die Herzogin Marie Antoinette
ein und nahmen im Kaiſerzelt Platz. Als der Kaiſer
und die Fürſtlichkeiten, welche ihn am Bahnhof
empfan=
gen hatten, auf der Wallpromenade eintrafen, begrüßten
die Füſeliere den Kaiſer mit einem kräftigen „Guten
Morgen, Majeſtät!‟ Darauf begrüßte der Kaiſer die
anweſenden fürſtlichen Damen. Nach der Vorſtellung
der beiderſeitigen Gefolge begann der Gottesdienſt.
So=
dann hielt der Großherzog an den Kaiſer eine
An=
ſprache, in der er für den Beſuch des Kaiſers dankte und
ſeine und des Regiments Dankbarkeit dafür ausdrückte,
daß der Kaiſer die Stelle des Chefs des Regiments
über=
nommen habe. Er ſchloß mit einem begeiſtert
aufge=
nommenen Hurra auf den Kaiſer. Der Kaiſer erwiderte
mit kurzen Worten des Dankes für den warmen und
herz=
lichen Empfang, drückte ſeine Freude darüber aus. an
der Spitze des Regiments Nr. 90 die Stelle des Chefs
inne zu haben, und brachte ein Hurra auf den Großherzog
aus. Sodann brachte der Kommandeur des Regiments,
Oberſt v. Wright, ein dreimaliges Hurra auf den Kaiſer
aus.
Der Kaiſer ſchritt darauf mit dem Großherzog die
Front des Regiments und ſodann die Front der alten
Krieger ab dieſe mit Guten Morgen Kameraden”
be=
grüßend. Er beehrte viele alte Leute mit Anſprachen.
Sodann nahm der Kaiſer und der Großherzog den
Vor=
beimarſch des Regiments und der alten Soldaten
ent=
gegen. Von dort begaben ſich der Kaiſer und der
Groß=
herzog mit ihren Gefolgen nach dem Rathaus, auf dem
Wege vom Publikum, den Schulen, Jungdeutſchland=
Vereinigungen auf das lebhafteſte bejubelt. Vor dem
Rathauſe ſtand die Regimentskapelle des Regiments Nr.
90 und ſpielte die Nationalhymne Der Kaiſer und der
Großherzog wurden von dem Bürgermeiſter empfangen
und durch das Treppenhaus des alten Rathauſes in den
Fürſtenſaal geleitet, welchen Oelbilder von Mitgliedern
der mecklenburgiſchen Fürſtengeſchichte zieren. Hier hatten
ſich der Rat und die Bürgervertretung verſammelt.
Nach=
dem der Kaiſer, der Großherzog, Herzog Paul Friedrich
und Prinz Heinrich der Niederlande den Stadtvertretern
gegenüber Aufſtellung genommen hatten, hielt Geheimer
Kommerzienrat Bürgermeiſter Clement eine Anſprache.
Sein dreifaches Hoch fand begeiſterten Widerhall. Der
Kaiſer ergriff den Pokal und erwiderte mit einerkurzen
herzlichen Rede. Der Kaiſer leerte den Pokal und nahm
die Vorſtellung der Anweſenden entgegen und begab ſich
zur Marienkirche wo er von Paſtor Brockmann und
dem Kirchenvorſtande begrüßt wurde. Unter Orgelklang
betrat der Kaiſer die Marienkirche, die er eingehend und
voller Intereſſe beſichtigte. Um 1 Uhr verließ der Kaiſer
die Marienkirche und trat eine Rundfahrt durch die
Stadt an, die ihn zur Univerſität führte. Der Kaiſer, der
in Begleitung des Großherzogs erſchien, wurde von dem
Rektor mit einer Anſprache empfangen, auf die
er ebenfalls in herzlicher Rede dankte.
Der Kaiſer beſichtigte darauf nach der Vorſtellung der
Profeſſoren die Urkunden und das alte Szepter der
Uni=
verſität. Darauf folgte das Frühſtück im großherzoglichen
Palais, an dem die anweſenden Fürſtlichkeiten teilnahmen
und wozu die Spitzen der Zivil= Militär= und ſtädtiſchen
Behörden, ſowie das Offizierkorps des jubilierenden
Re=
giments geladen waren.
Als der Kaiſer mit dem Großherzog und den übrigen
Fürſtlichkeiten vor dem Bahnhofe eintraf, präſentierte die
auf dem Bahnhofsplatz aufgeſtellte Ehrenkompagnie. Der
Kaiſer ſchritt mit dem Großherzog die Front der
Ehren=
kompagnie ab und nahm ſodann den Vorbeimarſch ab
Auf dem Bahnſteige verabſchiedete ſich der Kaiſer von dem
Gefolge, ſodann in der herzlichſten Weiſe von dem
Groß=
herzog und den übrigen Fürſtlichkeiten. Um 3,30 Uhr ſetzte
ſich der Hofzug unter begeiſterten Kundgebungen des
Publikums in Bewegung. Der Kaiſer winkte noch lange
vom Wagenfenſter.
Die Bootsunfälle.
* Swinemünde, 9. Aug. Bei der Kurverwaltung
ſind im Laufe des geſtrigen Nachmittags noch weitere drei
Perſonen als vermißt gemeldet worden. Es ſind dies:
Oberleutnant Schmidt v. Schmidtseck vom zweiten Garde=
Ulanenregiment in Berlin, der Kellner Schloßner vom
Hotel Splendid in Swinemünde und der Kaufmann Mar
Marſchallewski aus Laſſan in Pommern. Geſtern abend
iſt von den bei der Boots=Kataſtrophe Verunglückten die
neunte Leiche, ein Mann, geborgen worden, deſſen
Perſön=
lichkeit bis jetzt nicht feſtgeſtellt werden konnte. Im Hotel
Seeſtern” fand geſtern nachmittag eine Verſammlung
von Badegäſten ſtatt, die von etwa 800 Perſonen
beſucht war und die ſich mit der Boots=Kataſtrophe
be=
faßte. Die Behörden wurden dahin aufgefordert, in
Zu=
kunft beſſere Maßnahmen für die Sicherheit des
Bade=
publikums zu treffen. Zur weiteren Beratung der
Ange=
legenheit wurde eine zehngliederige Kommiſſion gewählt.
Eine Sammlung für Bauer und einen der Geretteten, der
ſein ganzes Geld verloren hatte, ergab 100 Mark. Die
amtliche Unterſuchung der Kataſtrophe hat bisher ergeben,
daß im Boote alles in Ordnung war und die beiden Bauer
mit der nötigen Vorſicht manövriert haben. Bauer ſen.
iſt geſtern nachmittag geſtorben. Die gerettete Frau
Golde=
mann iſt noch ganz apathiſch und will an den Tod ihres
Mannes und des älteſten Sohnes nicht glauben.
* Berlin 9. Aug. Nach der B. Z. a. M., befindet
ſich unter den Opfern der Swinemünder
Boots=
kataſtrophe auch der Kaufmann Waſchalewski aus
Anklam, deſſen Leiche bereits geborgen worden iſt. Ferner
wurde feſtgeſtellt, daß der Oberkellner Schließner aus
Berlin ebenfalls auf dem Boote war, ſo daß auch er
wohl ertrunken iſt. Ueber den gleichfalls vermißten
Ober=
leutnant Schmidt v. Schmidtseck von den Zweiten
Garde=
ulanen ſind bisher keinerlei Nachrichten eingelaufen, auch
nicht beim Regiment. Auch er befindet ſich wahrſcheinlich
unter den Todesopfern.
* Berlin, 9. Aug. Von den auf dem
Schwie=
lowſee Ertrunkenen iſt bisher nur Oberlehrer Aug
Waſſermann aus Berlin (Skalitzerſtraße 54a) gefunden
worden. Nach den Leichen ſeines 15jährigen Sohnes Georg
und des Schöneberger Lehrers Sommer wird noch von
zahlreichen Schiffern geſucht. Sommer, ein geübter
Seg=
ler, hatte zu Beginn der Ferien für die Dauer ſeines
Aufenthalts in Ferch ein Segelboot gemietet, mit dem er
faſt täglich Fahrten unternahm. Sein häufigſter Begleiter
war Waſſermann, der auch im Augenblick des Unglückes
das Boot, ein Fahrzeug des Bootsverleihers Schüler in
Potsdam, führte. Die an dem gekenterten Boot ſich
feſt=
haltenden vier Kinder wurden von dem Bäckermeiſter
Doerre aus Ferch und von Herrn Sternberg aus Berlin
in deren Boote aufgenommen und nach Ferch gebracht=
Ihr Befinden iſt verhältnismäßig gut, und ebenſo das der
Frau Fabian, die, um Hilfe zu holen, nach Pätzow
ge=
ſchwommen iſt. Dagegen ſind die ſo plötzlich zu Witwen
gewordenen Frauen der beiden Lehrer infolge des jähen
Schreckes und der furchtbaren Aufregung erkrankt.
* Tegernſee, 11. Aug. Die Leiche des bei einem
Bootsunglück ertrunkenen Leipziger Sängers
Sturm=
fels iſt geſtern nachmittag geborgen worden,
Erdbeben.
* Lima, 8. Aug. Das Erdbeben zerſtörte am
Mittwoch die Ortſchaften Caraveli und Quicacha.
Tau=
ſende ſind obdachlos. Es herrſcht großes Elend.
Liſſabon, 10. Aug. Seit Mittwoch traten
Erdſtöße auf, die von ſtarkem unterirdiſchem Rollen
begleitet waren und in Liſſabon und Umgegend
gehört wurden. Die Erdſtöße waren beſonders in den
am Tajo gelegenen Ortſchaften bemerkbar. Der
Material=
ſchaden iſt unbedeutend.
Der neue Balkankrieg.
Die Friedensverhandlungen in Bukareſt.
* Bukareſt, 8. Aug. Die
Friedenskonfe=
renz hielte heute eine längere Sitzung ab. Der
Vor=
ſitzende, Majorescu, ließ die Briefe des
öſterreichiſch=
ungariſchen und des ruſſiſchen Geſandten
vom 4. und 6. Auguſt zur Verleſung bringen, in denen
ſich dieſe das Recht vorbehalten, eine Reviſion des
Vertrages von Bukareſt zu verlangen. Die beiden
Noten gehen dem zwiſchen den Kriegführenden erzielten
Uebereinkommen voraus. Der bulgariſche Bevollmächtigte
Radeff erklärte, er habe durch ſeine Regierung von den
Noten Kenntnis, aber die bulgariſchen Delegierten
wür=
den den Vertrag auf jeden Fall unterzeichnen. Der
Vor=
ſtzende nahm von dieſer Erklärung Radeffs Kenntnis und
ließ ſie in das Protokoll einfügen. Sekretär Piſſoski
ver=
las darauf den Friedensvertragsentwurf, wie
er von der Konferenz redigiert wurde.
Artikel 1, der den Abſchluß des Friedens
zwiſchen den Vertragsmächten feſtſtellt, wird angenommen
Artikel 2 betrifft den Frieden zwiſchen
Ru=
mänien und Bulgarien und beſtimmt die neuen
Grenzen und gewährt einen Aufſchub von zwei Jahren
für die Schleifung der Forts von Ruſtſchuk und Schumla
und eine Frſt von 14 Tagen für Feſtſetzung der
Grenz=
linie. Im Falle einer Meinungsverſchiedenheit ſoll das
Schiedsgericht Belgiens, Hollands oder der Schweiz
an=
gerufen werden. Dieſer Artikel wurde gleichfalls
ange=
nommen.
Artikel 3 betrifft den Frieden zwiſchen Bulgarien
und Serbien und wurde der morgigen Beſprechung
vor=
behalten.
Artikel 4 bezieht ſich auf die griechiſch=bulgariſche
Grenze und enthält die Klauſel der Verzichtleiſtung
Bulgariens auf ſeinen Anſpruch auf Kawala. Was die
Frage einer Entſchädigung anlangt, ſchlug
Griechen=
land vor, daß dieſe Frage von einer gemiſchten
Kommiſ=
ſion geprüft werde, aber Bulgarien lehnte dies ab unter
der Angabe, neuen Mißhelligkeiten auszuweichen.
Bul=
garien gibt den Forderungen Griechenlands in der Frage
der Schulen und Kirchen nach; die ſerbiſchen Delegierten
erklärten, die Frage der Schulen und Kirchen ſei der
ſer=
biſchen Verfaſſung vorbehalten und könne nicht
Gegen=
ſtand des Vertrages ſein.
Die Sitzung wurde aufgehoben mit der Erklärung
des Vorſitzenden Majorescu, daß die morgige Sitzung der
Frage der Demobiliſierungen und der Ratifikation der
einzelnen Punkte des Friedensvertrages gewidmet werden
oll. Die Unterzeichung des Friedensvertrages ſoll am
Montag ſtattfinden.
* Bukareſt, 8. Aug. Die Erklärung der
bul=
gariſchen Delegation in der heutigen Konferenz
nach der Mitteilung der Noten Oeſterreich=Ungarns und
Rußlands über die Reviſion hat folgenden Wortlaut: Die
bulgariſchen Delegierten, die von der bulgariſchen
Regier=
ung von den Schritten Oeſterreich=Ungarns und Rußlands
bei dem Präſidenten der Friedenskonferenz unterrichtet
waren, erklären, daß dieſe Schritte weſentlich zur
An=
nahme der Friedensbedingungen ſeitens der bulgariſchen
Delegierten beigetragen haben.
Nach Verleſung des Entwurfs des Friedensprotokolls
erklärte der bulgariſche Delegierte Tontſchew: Die
bul=
gariſchen Delegierten ſind der Anſicht, daß der allgemeine
Wunſch, auf dem Balkan einen dauernden
Frie=
den und das Gleichgewicht auf einer gerechten
Grundlage hergeſtellt zu ſehen, am glücklichſten auf
der Grundlage des Nationalitätengrundſatzes verwirklicht
werden könnte. Nichtsdeſtoweniger ſchloſſen ſie mit den
Verbündeten über die Verteilung des von der Türkei
er=
worbenen Territoriums eine Vereinbarung, die durch die
Tatſachen begründet iſt. Die bulgariſchen Delegierten
taten dies, indem ſie der gegenwärtigen Lage Rechnung
trugen, ſowie aus Nachgiebigkeit gegen die Großmächte,
deren Rat zu folgen, ihr Geſetz iſt. Die bulgariſchen
Delegierten hoffen, daß Bulgarien diejenige Unterſtützung
finden wird, die geeignet iſt, ſeine Lage entſprechend den
gebrachten Opfern, ſowie die Notwendigkeit ſeiner
wirt=
ſchaftlichen und nationalen Entwickelung zu verbeſſern.
* Bukareſt 9. Aug. (Agence Havas.) Die
Plenarſitzung der Friedenskonferenz
be=
endete heute früh die Regelung der ſchwebenden Fragen
und redigierte den Friedensvertrag der
morgen früh von den Chefs der Delegationen
unterzeich=
net werden wird. Die Demobiliſierung wird am
Montag beginnen. Die Schul= und Kirchenfragen ſind
von beiden Parteien fallen gelaſſen worden.
H. B. Wien 9. Aug. Zur Situation auf dem
Bal=
kan ſchreibt die Reichspoſt: Es hat den Anſchein, als ob
die Bukareſter Friedens=Konferenz unter
Empfindungen auseinandergehen wird, die von
ausge=
ſprochenen Feindſeligkeiten nicht weit entfernt ſind.
Ins=
beſondere ſind es nach der formellen Erledigung der
Grenzfrage die Angelegenheiten kultureller Natur, die
tief=
gehende Gegenſätze zeitigen. Die neuen Schwierigkeiten
jetzt, ſo kurz vor dem Abſchluß der Verhandlungen,
er=
öffnen aber einen äußerſt peſſimiſtiſchen
Aus=
blick auf die Dauer eines Friedens der unter
ſolchen Auſpizien abgeſchloſſen wird. Die Reviſion des
Bukareſter Friedensvertrages wird daher namentlich
neuerdings von Bulgarien beſonders betont und auch in
Frankreich mehren ſich die Stimmen, die in der
Kawala=
frage für den Standpunkt Rußlands eintreten.
Oeſter=
reich=Ungarn und Rußland haben ihren Vorbehalt
bezüg=
lich des Bukareſter Friedensvertrages in Bukareſt zur
Kenntnis gebracht und es iſt ſicher, daß in der heutigen
Audienz des Grafen Berchtold beim Kaiſer Franz Joſef
in Iſchl bereits wichtige Entſcheidungen über die nächſten
Schritte der Monarchie in dieſer Angelegenheit fallen
werden.
* Bukareſt, 9. Aug. Die
Friedenskonfe=
renz hielt heute vormittag ihre Sitzung ab. Riſtitſch
verlas die Erklärung, Serbien behalte ſich das Recht
vor, die Prüfung der Entſchädigung dem Haager
Schieds=
gericht zu unterbreiten. Die gleiche Erklärung gab
Veni=
zelos ab. Die Konferenz fuhr dann in der Beratung der
Artikel des Friedensvertrages fort. Artikel 5,
betreffend Demobiliſierung, wurde angenommen. Der
letzte Artikel 6 handelt von der Räumung des
bulgari=
ſchen Gebietes durch die Heere. Die Räumung findet erſt
nach der bulgariſchen Demobiliſierung ſtatt. Der Artikel
wurde angenommen; ebenſo Artikel 7, der ſich mit der
Frage der Truppentransporte auf bulgariſchem Gebiete,
Artikel 8, der ſich mit der Frage über die
Kriegsgefan=
genen, und Artikel 9, der ſich mit der Frage über die
Ratifikation des Vertrages befaßt. Vor Beendigung der
Debatte fragte Venizelos noch einmal die Bulgaren
ob ſie nicht die Erklärung über die gegenſeitige Freiheit
von Kirche und Schule annehmen wollten, die geſtern in
der Schwebe gelaſſen wurde. Radeff erklärte, er könne ſic
über die Frage nicht auf der Stelle entſcheiden und
be=
daure, daß ſie nicht mit allen Balkanſtaaten zu einem
Re=
ſultat führte. Spalaikowitſch erklärte, daß die Frage
der alten Grenze Serbiens, die ſeit dem Berliner Kongreß
eine Streitfrage geweſen iſt, nunmehr geregelt ſei.
Ton=
tſchew verlas eine Erklärung, die beſagt, daß Bulgarien
gewünſcht hätte, daß die Teilung des Gebietes nach dem
Nationalitätsprinzip erfolgte. Trotzdem nehme Bulgarien
das Uebereinkommen auf der Grundlage der tatſächlichen
Lage an in der Hoffnung, daß ſich die Mächte für das
Schickſal Bulgariens mit Rückſicht auf die von dieſem
ge=
brachten Opfer intereſſieren würden. Politis erklärte
Griechenland unterzeichne den Vertrag in der
Ueberzeug=
ung, daß er auf dem gerechten Gleichgewicht gegründet iſt
und nicht auf der tatſächlichen Lage. Spalaikowitſch führte
aus, der Vertrag ſei ein Werk der Gerechtigkeit; er glaube
der Dolmetſcher der einmütigen Gefühle der Konferenz zu
ſein, wenn er hervorhebe, daß die abgegebenen
Erklärun=
gen den Wert des abgeſchloſſenen Friedens, der die
Grund=
lage des endgültigen Friedens ſei, nicht verringerten und
abſchwächten. Sodann wurde die Sitzung aufgehoben.
Die Unterzeichnung des Friedensvertrages findet
morgen früh 9 Uhr ſtatt. Daran ſchließt ſich ein
feier=
liches Tedeum in der Kathedrale.
Die Reviſion des Friedensvertrages.
* Bukareſt 9. Aug. Die offiziöſe Politica ſchreibt:
Es ſei verfrüht, über die Frage der Reviſion des
Friedensvertrage s durch die Großmächte zu
ſprechen. Es ſei zweifellos, daß man einen Staat nicht
hindern könne, das ihm auferlegte Schickſal zu verbeſſern
Die Großmächte könnten einige Beſtimmungen des
Ver=
trages ändern, wenn ſie ſich einigten. Die Politica
be=
zweifelt jedoch, daß dies der Fall ſein werde, da jeder
Staat Herr ſeiner Handlungen ſei.
* Paris, 9. Aug. Eine ſichtlich offiziöſe Note
er=
klärt: Heute erfolgte zwiſchen Petersburg und Paris ein
Gedankenaustauſch bezüglich des geſtern von dem
ruſſiſchen Geſandten in Bukareſt im Hinblick auf die
Re=
viſion des Bukareſter Vertrages
unternom=
menen Schrittes. Die franzöſiſche Regierung, welche
vor=
her mit keinerlei ruſſiſchem Vorſchlag befaßt worden war,
hat erſt geſtern von dem Schritt erfahren. Sie wird die
daraus erwachſenden Folgen prüfen, von dem lebhaften
Wunſche geleitet, den in Bukareſt abgeſchloſſenen Vertrag,
welchen ſie für gerecht und befriedigend hält, auch für
Ruß=
land annehmbar zu machen. Bezüglich des von ruſſiſchen
Blättern erhobenen Vorwurfes, daß franzöſiſche
Kapita=
liſten anläßlich der Erneuerung des Tabakregie=Vertrages
den Türken Geld vorgeſtreckt und ihnen hierdurch die
Mit=
tel zur Wiedereroberung von Adrianopel geliefert hätten,
wird erklärt, daß die Tabakregie eine private und
inter=
nationale Geſellſchaft iſt, welche den abgelaufenen
Kon=
trakt erneuern mußte, falls ſie ihrer Rechte nicht verluſtig
gehen wollte. Außer dieſem privaten und internationalen
Geſchäft ſei der Türkei von franzöſiſchen Kapitaliſten
kei=
nerlei Vorſchuß gewährt worden.
Die Unterzeichnung des Vertrages.
* Bukareſt 10. Aug. (Agence Roumaine.) Heute
vormittag 10½ Uhr wurde in der Schlußſitzung der
Friedenskonferenz der Friedensviertrag
unterzeichnet. Geſchützdonner und Glockengeläut
begleiteten den Akt. Die Stadt iſt beflaggt.
* Bukareſt, 10. Aug. (Agence Roumaine.)
Nach=
dem die Sitzung der Friedenskonferenz um 10 Uhr 15
Min, eröffnet war, gab der Sekretär Piſſoski den
amtlichen Text des Friedensvertrages, wie
er von den Sekretären der intereſſierten Mächte durch einen
Vergleich feſtgeſtellt worden iſt zu leſen. Der Vertrag
wurde in alphabetiſcher Reihenfolge unterſchrieben. Nur
die Chefs der Delegationen fügten ihre Siegel bei.
Sal=
ven der Bukareſter Forts kündigten den Augenblick an,
wo unwiderruflich der Friede geſchloſſen worden iſt. Um
11 Uhr drückte Venizelos namens der Konferenz dem
Mi=
niſterpräſidenten Majoreseu die einmütige
Dankbar=
keit für die Unparteilichkeit, den Takt und die weiſen
Rat=
ſchläge, die er den Delegationen in den Sonderkonferenzen
gab, aus und fügte hinzu, daß der Name Majoreseus mit
tiefer Dankbarkeit und Hochachtung von allen Völkern
aus=
geſprochen werden würde, denen der Vertrag von Bukareſt
endlich den Frieden gab. Die Konferenzmitglieder
akkla=
mierten ſtehend. Majorescu dankte bewegt, verteilte aber
das Verdienſt auf alle Delegationen, deren verſöhnlicher
Geiſt ihnen ein Anrecht auf die Dankbarkeit ihrer Völker
gab. Er ſtellte feſt, daß die Konferenz in Bukareſt, die am
17. (30.) Juli begann, ihre Arbeiten am 28. Juli (10.
Au=
guſt) beenden konnte nachdem ſie ihre fleißige Arbeit
ver=
richtet habe, die ſicherlich der Ziviliſation zur Ehre
ge=
reichen werde. Er erklärte dann die Verſammlung
offi=
ziell für geſchloſſen. Die Konferenz wird am nächſten
Dienstag zum letzten Mal zuſammentreten, um
unterge=
ordnete Förmlichkeiten zu erledigen und das
Schluß=
protokoll, das die Nummer 12 trägt, verleſen zu laſſen.
Der König verlieh folgende Auszeichnungen:
Paſitſch, der bereits das Großkreuz der Sterne von
Rumänien beſitzt, erhielt das Bild des Königs mit einer
Widmung, Venizelos und Wukotitſch erhielten das
Groß=
kreuz der Sterne von Rumänien, Spalaikowitſch das
Großkreuz der rumäniſchen Krone. Die bulgariſche
Dele=
gation drückte den Wunſch aus, daß, wenn
Auszeich=
nungen verliehen würden, ſie erſt nach der
Wiederauf=
nahme der diplomatiſchen Beziehungen, nach Beginn der
Zeit eines herzlichen Verhältniſſes zwiſchen Rumänien
und Bulgarien verliehen würden. Mittags wurde in
der hauptſtädtiſchen Kathedrale ein Tedeum abgehalten,
wobei die Delegationen, die Miniſter und hohen
Würden=
träger anweſend waren.
* Bukareſt, 10. Aug. (Wiener Korr.=Bur.) Die
geſtern auf der Friedenskonferenz namens der
griechiſchen Delegation nach der Rede des
bulga=
riſchen Delegierten Tontſchew gemachte
Erwider=
ung hatte folgenden Wortlaut: Nach den abgegebenen
Erklärungen der bulgariſchen Delegation glaubt die
grie=
chiſche Delegation erklären zu müſſen, daß die
Verbünde=
ten, um zu einem Einverſtändnis betreffend der Grenzen
zu gelangen, den Beweis ihrer Verſönlichkeit im weiteſten
Maße gegeben haben. Sie gaben ſowohl den Wünſchen
der Großmächte, als auch der rumäniſchen Regierung nach,
um ſo raſch wie möglich zum Friedensſchluß zu gelangen=
Die griechiſchen Delegierten waren von der Notwendigkeit
durchdrungen, daß zwiſchen den chriſtlichen Staaten des
Balkans ein gerechtes und dauerhaftes Gleichgewicht
ge=
ſchaffen werde. Die griechiſche Delegation ſei feſt
über=
zeugt, daß das glücklich hergeſtellte Einverſtändnis nicht
nur in der heutigen tatſächlichen Lage, ſondern auch den
ſtändigen Intereſſen der beteiligten Staaten entſpricht, und
daß die eben geſprochenen Worte in nichts der juridiſchen
Kraft des Friedensvertrages Abbruch tun können, der auf
der Grundlage des hergeſtellten Einverſtändniſſes
unter=
zeichnet iſt.
* Belgrad, 10. Aug. Anläßlich der
Unter=
zeichnung des Friedens iſt die Stadt beflaggt.
Das Armeekommando trifft Vorbereitungen für die
all=
mähliche Durchführung der Demobiliſierung.
Depeſchenwechſel zwiſchen dem deutſchen Kaiſer und dem
König von Rumänien.
* Berlin, 9. Aug. Zwiſchen dem deutſchen
Kaiſer und dem König von Rumänien
wur=
den anläßlich des Friedensſchluſſes folgende Telegramme
gewechſelt:
Bukareſt. Nach Ueberwindung von bedeutenden
Schwierigkeiten iſt der Friedensſchluß geſichert,
der Dank Direin definitiver bleibt. In
die=
ſem für meine Regierung ſo bedeutungsvollen Augenblick
weilen meine Gedanken bei Dir. Ich danke Dir von
gan=
zem Herzen für Deine treue Freundſchaft und warme
Sympathie, die Du mir in dieſen ernſten Zeiten ganz
be=
ſonders entgegenbrachteſt. gez. Carol
Swinemünde („Hohenzollern”). Dein heute
nacht angekommenes Telegramm iſt eine große Freude
für mich. Ich ſage Dir die aufrichtigſten, herzlichſten
Glück=
wünſche zu dem ſchönen Erfolge, den nicht nur Dein Volk,
ſondern alle kriegführenden Staaten und damit ganz
Europa Deiner weiſen, wahrhaft ſtaatsmänniſchen Politik
zu verdanken haben. Es iſt mir gleichzeitig eine große
Genugtuung, wenn Du erwähnſt, daß ich zu dem jetzt
Erreichten habe beitragen können. Der alls
mächtige Gott erhalte Dich in Gnaden noch lange zum
Wohle des Landes, deſſen herrliche Entwicklung ich nach
wie vor mit herzlicher Freundſchaft und Bewunderung
verfolge. Ich freue mich unſeres gemeinſamen
Zuſammen=
wirkens zum Zwecke des Friedens. gez. Wilhelm.
Bukareſt. Die liebevollen Worte in Deinem ſo
warmen, herzlichen Telggramm erfüllen mich mit Stolz
und aufrichtiger Dankbarkeit. Ich ſchätze mich glücklich,
daß durch mein Eingreifen dem langen und blutigen
Kriege ein Ende gemacht und der Friede auf der
Balkan=
halbinſel geſichert werden konnte. Möge es uns jetzt
ge=
ſtattet ſein, mit Zuverſicht in die Zukunft zu blicken und
einer längeren Periode der Ruhe entgegen zu gehen,
da=
mit das Vertrauen in allen Kreiſen des öffentlichen
Lebens wiederkehre. Nochmals innigen Dank für Dein
warmes Intereſſe und Deine wirkſame Anteil=,
nahme an den letzten für mein Land ſo bedeutungsvollen
Ereigniſſen. gez. Carol.
Die türkiſche Frage.
* Konſtantinopel, 9. Aug. Die Antwort
der Pforte wird übermorgen während des
diplomati=
ſchen Empfanges den Botſchaftern mündlich durch den
Großweſir mitgeteilt und ſodann ſchriftlich übergeber
werden. Es verlautet, daß ſie negativ ſein und die Gründe
für dieſe Entſcheidung der Pforte anführen werde.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
* Waſhington, 9. Aug. Präſident Wilſon gab auf.
die Beſchwerde einiger Senatoren, daß ſie über die
mexikaniſche Frage mangelhaft informiert würden,
der Anſicht Ausdruck, daß die Haltung gewiſſer
republi=
kaniſcher Mitglieder des Senats es ihm erſchwere, die
mexikaniſche Frage im friedlichen Sinne zu handhaben. —
Staatsſekretär Bryan erklärte, daß der perſönliche
Ver=
treter Wilſons in Mexiko, John Lind, ſeine Inſtruktionen
bei ſeiner Ankunft in Veracruz vorfinden werde. — Wie
aus Veracruz gemeldet wird, werden die dortigen
Ha=
fenbehörden der Landung Linds keine Schwierigkeiten in
den Weg legen. In der Stadt Mexiko ſoll Lind am
Mon=
tag eintreffen.
* Waſhington, 9. Aug. Präſident Wilſon lud
die geſamte Senatskommiſſion für auswärtige
Angelegen=
heiten heute abend in das Weiße Haus zu einer
Konfe=
renz wegen Mexiko ein.
* Mexiko, 9. Aug. Der Miniſter Adalpe
er=
klärte, die Regierung übernehme die Garantie für die
volle Sicherheit Linds, ſchütze ihn vor Beläſtigung und
lege ihm bezüglich der Vermittlung kein Hindernis in den
Weg. Die Regierung beharre jedoch auf ihrer bereits
ab=
gegebenen Erklärung.
* Veracruz, 9. Aug. Der Vertreter des
Präſi=
denten Wilſon, John Lind iſt heute nachmittag hier
eingetroffen. Er begab ſich ſofort an Bord des
Kriegsſchiffes „Louiſiana”.
Die Unruhen in Ching.
* Schanhai, 8. Aug. Die Beſſerung der
Lage in Schanghai wird durch eine
Veröffentlich=
ung des Komitees zur Unterſtützung der Flüchtlinge
ver=
anſchaulicht, nach der keine weiteren Beiträge eeforderlich
ſeien. Man beabſichtige, in ein paar Tagen das Lager
abzubrechen in dem bis vor einer Woche jede Nacht über
3000 Flüchtlinge untergebracht waren. Admiral Tſeng
hat die Bezirke von Kiangnan und Nantao ziemlich
ge=
ſäubert. Morgen werden die Landſtreitkräfte den
Vor=
marſch von Kiangnan auf Wutſchang antreten. Eine
Doppelbewegung der Kreuzer oberhalb und unterhalb der
Forts wird ſie unterſtützen.
Literariſches.
** Blätter im Wind, Gedichte und Erzählungen
von Heinrich Frank und Hermann Habicht,
be=
zitelt ſich ein ſoeben im Kommiſſionsverlag von Karl Heß
Nachf., A. Hoefer, in Darmſtadt (Preis 1,70 M.)
erſchiene=
nes Bändchen, in dem zwei junge begabte Darmſtädter
die Erzeugniſſe ihrer Muſe niedergelegt haben. In der
Einleitung heißt es in einer jungen Talenten zur Ehre
gereichenden Beſcheidenheit: „Die Verfaſſer wollen keine
großen Schriftſteller ſein. Sie wollen Menſchen ſein, wie
Du einer biſt, lieber Leſer. Und als Menſchen haben ſie
in ihren jungen Jahren Blätter beſchrieben; die haben ſie
dem Wind gegeben, der hat ſie entführt . . . Die Gedichte
und Erzählungen ſind zumeiſt ſchon in bekannten
Zeit=
ſchriften und Blättern erſchienen. Der erſte Teil enthält
Gedichte, kleine, in eine gewandte Form gebrachte
Stim=
mungsbilder und Impreſſionen rein lyriſchen Charakters.
Während die Gedichte von Heinrich Frank einer friſchen
und reinen Lebensfreude Ausdruck geben und von „allem
Schönen ſingen und ſagen” ſind die von Hermann Habicht
im Gegenſatz hierzu weltabgewandt und von der
peſſi=
miſtiſchen Anſchauung beeinflußt, daß „ein Menſchenkind
hhienieden ja nie ins Land des Glückes kommt” und
von Sehnſucht nach dem unerreichbaren Glücksideal erfüllt.
Der zweite Teil des Werkchens enthält drei Erzählungen
von Heinrich Frank: „Das Märchen von Viné”. „Die
Toten von Norba” und „Jütte Karſtens Rache” von denen
die beiden erſten im Darmſtädter Tagblatt erſchienen und
unſeren Leſern bekannt ſind. Wir wünſchen den beiden
begabten jungen Dichtern, daß ſich ihr Talent unter einem
günſtigen Stern zur vollen Reife entfalten möge!
Letzte Nacarichten.
T.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 9. Aug. Die Norddeutſche Allgemeine
Zei=
tung ſchreibt: Der allerhöchſte Erlaß vom 16. Juni,
be=
treffend den Erlaß und die Milderung von
Strafen anläßlich des Regierungsjubiläums, iſt
nun=
mehr im weſentlichen durchgeführt worden. Er hat zu
einer ſehr großen Zahl allerhöchſter Gnadenbeweiſe
ge=
führt. deren Zahl ſich auf ungefähr 24000 beläuft.
* Berlin, 9. Aug. Der vom Reichstag beſchloſſene
Geſetzentwurf, betr. Aenderung des
Mili=
tärſtrafgeſetzbuches, war in der Sitzung des
Bun=
desrats vom 3. Juli den zuſtändigen Ausſchüſſen
über=
wieſen worden. Nachdem inzwiſchen ſämtliche
Bundes=
regierungen ihre Zuſtimmung zu dem Geſetzentwurf
er=
klärt haben, iſt die Vorläge geſtern von S. M. dem
Kai=
ſer vollzogen worden. Das Geſetz wird in der heute
aus=
gegebenen Nummer des Reichsgeſetzblattes erſcheinen.
* Berlin, 9. Aug. Zwiſchen der Großen
Ber=
lliner Straßenbahn und der Hochbahn=
Ge=
ſſellſchaft wurde ein Einverſtändnis erzielt, wonach
beide Gruppen ihren Beſitz an Aktien der Allgemeinen
Berliner Omnibus=Aktien=Geſellſchaft nicht durch Zukäufe
vermehren und für eine beiderſeitig gleichmäßige
Ver=
tretung im Aufſichtsrat der genannten Geſellſchaft
ein=
treten werden.
* Berlin, 9. Aug. Die „Norddeutſche Allgemeine
Zeitung” ſtellt gegenüber der Meldung eines Wiener
Blattes aus Iſchl feſt, Kaiſer Wilhelm werde vor
dem Beſuch beim Thronfolger, Erzherzog Franz
Ferdi=
nand in Eckertsau, nach Gmunden reiſen, um dem
herzoglich cumberländiſchen Hof einen Beſuch abzuſtatten,
ſomit ſei auch ein kurzer Beſuch des Kaiſers beim Kaiſer
Franz Joſef in Iſchl noch in dieſer Saiſon zu erwarten
Dieſe Angaben ſind durchweg unzutreffend. Der
Kaiſer erhielt und nahm allerdings eine Einladung des
Thronfolgers Franz Ferdinand zur Jagd an, aber nicht
nach Eckertsau, ſondern nach Schloß Konopiſcht in
Böh=
men zu Anfang des Winters.
* Kiel, 9. Aug. Die geſamte Hochſeeflotte
ſiſt nach Beendigung der Sommerübungsreiſe hier
einge=
laufen
Paris, 10. Aug. Aus Madrid wird gemeldet:
Gegenüber anderweitigen Meldungen erklärt das
Mi=
niſterium des Aeußern, daß die Behörden von Tetuan
keinerlei Friedensverhandlungen mit den
auf=
ſtändiſchen Marokkanern angeknüpft hätten. Der Ober
kommiſſar General Alfau habe lediglich die ihm von
einigen Stämmen angebotene Unterwerfung angenommen.
Paris, 10. Aug. Bei dem geſtern abend
ſtatt=
gefundenen militäriſchen Zapfenſtreich kam es
zwiſchen Antimilitariſten und Nationaliſten, die an der
Straßbourg=Statue eine Kundgebung veranſtalten
wollten, zu einer Rauferei. Die Polizei ſchritt ein
und vertrieb die Antimilitariſten, die in der Rue Royal
die Schaufenſter einiger Juweliere zertrümmerten und
Beſchimpfungen gegen die Armee ausſtießen. Zehn
Antimilitariſten wurden verhaftet.
Paris, 9. Aug. Von den Reiſenden des in
Bor=
deaux aus Weſtafrika gekommenen Dampfers „Afrique‟
wird berichtet, daß im Hafen von Tabu am 28. Juli
eine Dampfbarkaſſe kenterte. Ein Leutnant und
drei Kolonialbeamte ertranken.
Brüx, 10. Aug. Die Gerüchte von einem
angeb=
lichen Anſchlag auf den Eiſenbahnminiſter
Freiherrn v. Forſter bei ſeiner jüngſten
Anweſen=
heit in Brüx entſprechen nicht den Tatſachen. Die
Nachrichten ſind darauf zurückzuführen, daß während des
Beſuchs des Miniſters auf dem Tegethoffſchachte infolge
der Beſchädigung des Waſſerleitungsrohres ein kurzes
Stück des Weges vorübergehend überſchwemmt wurde.
Für die Belangloſigkeit des Vorfalles zeugt der Umſtand,
daß der Miniſter die Strecke ohne weiteres paſſieren
konnte.
Arles, 9. Aug. Bei der Exploſion in der
Dynamitfabrik in St. Martin de Crau wurden drei
Frauen getötet und mehrere verwundet.
* Barcelona, 9. Aug. Amtlich. Die Lage iſt
durchaus normal. Die Schuhmacher haben die Arbeit
wieder aufgenommen. Der Wunſch der Streikenden, zu
einer Löſung zu kommen, macht ſich immer mehr geltend.
Die Polizei verhaftete in einer Schenke 9 Streikführer,
die Streikbefehle vorbereiteten, welche in verſchiedenen
Gegenden Kataloniens verbreitet werden ſollten.
Konſtantinopel, 11. Aug. Ein Feuer, das
geſtern abend hier ausbrach, zerſtörte das Gebäude
der franzöſiſchen Botſchaft. Die Mannſchaften
der beiden hier liegenden deutſchen Kriegsſchiffe
leiſtete tatkräftige Hilfe.
New=York, 10. Aug. Der Vertreter des
Präſi=
denten, John Lind, begab ſich ohne Zwiſchenfall in
das amerikaniſche Konſulat von Veracruz.
Kanſas City, 9. Aug. Aus Miſſouri, Kanſas
und Oklahoma werden ſchwere Ernteſchäden
durch Hitze und Dürre gemeldet. In den Städten
und Ortſchaften herrſcht Waſſermangel. Die Brunnen
ſind ausgetrocknet.
— Lübeck, 9. Aug. Geſtern nacht verſuchte ein
Brandſtifter an vier Stellen große Brände zu
ver=
urſachen. Bei zweien gelang dies. Der Schuppen der
Handelskammer mit Getreide und Handelsgütern brannte
aus. Eine halbe Stunde ſpäter iſt dann ein rieſiger
Schuppen der Firma Gußmann u. Jürgens mit
wert=
vollen Hölzern verbrannt.
L. König, 8. Aug. Auf tragiſche Weiſe kam
der als Taglöhner bei dem Oelmüller und Landwirt
Philipp Hoffart V hier beſchäftigte Gg. Fritz aus
Neu=
ſtadt i. Od. ums Leben. Beim Feſtmachen einer
Ladung Frucht auf dem Erntewagen ſchlug ihm der ſog.
Windelöffel mit ſolcher Gewalt an die Schläfe, daß der
Bedauernswerte ſofort tot zur Erde ſank. Der
Ver=
unglückte, ein Mann von 52 Jahren, hinterläßt Frau
und 5 Kinder, von denen das jüngſte 8 Jahre alt iſt.
Der traurige Vorfall erweckt in König die herzlichſte
Teilnahme.
W. Lampertheim, 9. Aug. Geſtern abend gegen
6 Uhr geriet zwiſchen hier und Bürſtadt, 1km von
Bür=
ſtadt entfernt, eine Bauhütte der Eiſenbahn in
Brand, wodurch die Telegraphenleitungen zum
ſchmel=
zen gebracht wurden und die Geſtänge zu glühen
an=
fingen. Bis 10 Uhr abends hatte die Eiſenbahn
not=
dürftig ihre Zugmeldeleitung wieder hergeſtellt. Die
Fernleitung wurde durch eine herbeigerufene Baukolonne
heute wieder in Ordnung gebracht.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Tür die vielen Glückwünſche und ſchönen Blumen=
7) ſpenden, die uns anläßlich unſerer Silbernen
Hochzeit zuteil wurden, ſagen wie herzlichſten Dank.
Ad. Schmidt und Frau,
*5298)
Gartenſtraße 20.
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzerfüllte Mitteilung, daß heute
vormit=
tag 11 Uhr meine innigſtgeliebte Frau, unſere
herzensgute, treubeſorgte Mutter,
Schwieger=
mutter, Großmutter, Schweſter und Tante
Babette Sommerlad
geb. Schieck
nach ſchwerem, mit größter Geduld ertragenem
Leiden im Alter von 62 Jahren entſchlafen iſt
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Carl Theodor Sommerlad,
Großh. Förſter i. P.
Darmſtadt, Samstag, den 9. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet ſtatt am Montag, den
11. ds. Mts., nachmittags ½4 Uhr, vom
Por=
tale des Friedhofes aus.
(16872
Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere innigſtgeliebte Tochter
(16873
Luise Metzler
nach langem, ſchwerem, mit Geduld getragenem
Leiden im Alter von 15 Jahren in ein beſſeres
Jenſeits abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Christian Metzler.
Darmſtadt, den 10. Auguſt 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, 12. Auguſt,
nachmittags 3½ Uhr, vom Portale des
Fried=
hofs aus, ſtatt.
Tageskalender.
Wander=Ausſtellung „Das Kind”,
Alexander=
ſtraße 20 (geöffnet von 2—9 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage in unſerer Expedition
Rheinſtraße 23): Anſichten von der
Spitzbergen=
expedition Schröder=Stranz, hier Bildniſſe des Malers
Rave und Dr. Rüdiger in der Funkenſtation Green=
Harbour und eine Aufnahme aus Nordoſtland,
Pro=
bieren der Schlittenhunde eine Balkankarte nach dem
Frieden von Bukareſt, Bildniſſe aus dem Krupp=Prozeß
und eine Sitzung der Delegierten zur
Balkanfriedens=
konferenz in Bukareſt
Verſteigerungskalender,
Dienstag, 12. Auguſt.
Obſt=Verſteigerung um 9 Uhr (Zuſammenkunft
am Stellwerk 1 des Oſtbahnhofs).
Druck und Verlag:=L. C. Wittich’ſche Hoſbuchdruckerei.
Verantwortlich für dend politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſanot.
Kurſe vom 9. Auguſt 1913
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach,
InProz.
8i.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 98,50
3½ Deutſche Reichsanl. . 84,60
74,80
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 98,50
3½ do. Conſols . . . 84,6)
74,60
3 do.
do.
97,70
4 Bad. Staatsanleihe
90,50
3½
do.
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,90
83,00
do.
3½
73,80
do.
4 Hamburger Staatsanl. 99,00
4 Heſſ. Staatsanleihe 98,20
3 do. do. (unk. 1918) 96,80
do.
3½
72,80
do.
4 Sächſiſche Rente. .
75,50
4 Württemberg unk. 1921 97,20
3½
do. v. 1875 94,00
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 95,25
1¾ Griechen v. 1887 55,10
Italiener Rente . . 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente 85,80
4 do. Goldrente . . . 92,20
do. einheitl. Rente 82,20
3 Portug. unif. Serie I 61,60
3 do. unif. Ser. III 64,70
do. Spezial . . . . 9,60
5 Rumänier v. 1903 . . 99,40
4 do.
v. 1890 . . 94,20
4 do.
v. 1905 . . 87,81
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 88,30
4 do. v. 1902 . . .
4½ do. v. 1905 . . . . 99,40
3½ Schweden . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 80,50
4 Türk. Admin. v. 1903 77,60
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 85,70
4 do. Staatsrente. . . 82,50
Zi.
In Prot.
5 Argentinier . . . . . . 98,80
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 92,60
5 Chineſ. Staatsanleihe. 97,25
4½
90,80
do.
4½ Japaner . . . . . .
5 Innere Merikaner. . . 80,90
50,00
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 73,00
5 Gold=Merikaner . . .
3 Buenos Aires Provinz 65,60
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika=
Paket=
fahrt . . . . . . . 139,00
7 Nordd. Bloyd . . . . . 116,20
6½ Südd. Eiſenb.=Bef. . 125,50
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . .
6 Baltimore und Ohio . 99,50
6 Schantungbahn . . . . 125,00
8 Luxemb. Prince Henri 164,00
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 27½
6 Pennſylvania R. R. .
Leßzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
Brauerei Werger . . 60,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . .
545,50
14 Chem. Fabrik
Gries=
heim
. 231,50
30 Farbwerke Höchſt
.609,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 335,00
10 Cement Heidelberg . . 144,20
30 Chem. Werke Albert 445,00
14 Holzverkohlung
Kon=
ſtanz . . . . . . . 329,25
5 Lahmeyer. . . . . . .
Letzle
In Proz.
ivid
8 Schuchert, Nürnberg 153,40
12 Siemens & Halske 218,70
5 Bergmann Electr. . . 127,50
10 Deutſch.Ueberſee Electr. 164,20
0 Gummi Peter . . . . 72,40
0 Kunſtſeide Frankfur
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . .410,50
9 Maſchinenf. Badenia 145,00
0 Wittener Stahlröhren 135,70
9 Steana Romana Petr. 158,60
15 Zellſtoff Waldhof . . 220,50
12,83 Bad. Zucker=Wag
häuſel. . . . . . . 204,90
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 70,50
0 Südd. Immobilien 50,50
Bergwerks=Aktien.
10 Aumeß=Friede . . . . 170,30
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 221,25
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 146,00
10 Gelſenkirchener . . . . 183,75
9 Harpener . . . . .. . . 191,00
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 255,40
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 76,75
6 Laurahütte . . . . . . 169,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
13
Weſteregeln 189,00
7½ South Weſt Africa —
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 87,80
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
Eliſabethbahn, freie . . —
Franz=Jofefs=Bahn . .
73,20
3 Prag=Duxer . . . . .
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,90
4 Oeſterr. Staatsbahn . 87,50
75,20
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,00
72,40
do.
In Proz.
Bf.
2¾/ Oeſt. Sübb. (Lomb.) 52,60
74,50
3 Raab=Oedenburg.
4 Kronprinz Rudolfbahn 87,60
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 85,00
4½ Moskau=Kaſan .
84,70
do.
4 Wladichawchas . . .
4 Rjäſan Koslow . . . . 85,20
3 Portugieſ. Eiſenb. .. 74,60
85,00
do.
41
69,00
24/10 Livorneſer
3 Salonique=Monaſtie . 61,80
79,30
4 Baadadbahn . .
4½ Anatoliſche Eiſenb. 91,90
4 Miſſouri=Paciſie. . .
4 Northern=Pacifie . . . 95,50
4 Southern=Pacifie . . . 90,50
5 St. Louis und San
Franeisco. . . . .
-
5 Tehnanteper . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 195,00
7½ Bergiſch=Märkiſch
Bahn . .
. .143,00
9½ Berlin. Handelsgef. .159,80
6½ Darmſtädter Bank . 114,25
12½ Deutſche Bank . . . 246,00
6 Deutſche Vereinsbank 115,25
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . .
112,20
10 Diskonto=Kommanbit 182,90
8½ Dresdener Bank
149,50
10 Frankf. Hypoth.=B. 205,75
6½ Mitteld. Kreditbank 113,50
Nationalb. für Deutſchl. 114,75
122,90
Pfälziſche Bank.
133,50
6,95 Reichsbank . . .
7 Rhein. Kreditbank. . .127,25
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 109,00
Wiener Bankverein . 132,00
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 16 u. 17. . . 94.90
If.
In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
85,20
S. 19. . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S.15—19, 21—26 93,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
3½
84,00
4 Heſſ. Band.=Hyp.=Bank 97,40
3½
do.
84,10
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Ban
S. 12, 13, 16 .
96,80
S. 14, 15, 17, 24/26
18—23. . . ..
96,80
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 6—8 . . . 84,10
S. 3—5 . . . . . . . 84,20
S. 9—11 . . .
84,30
4 Meininger Hyp.=Bank 95,50
3½
84,40
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,60
3½ do. (unk. 1914)
83,40
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,60
3½
do.
84,80
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . .
-
3½
do.
Frankfurtk.
96,5
31
do.
96,00
Gießen
7
31
o.
85,70
4 Heibelberg . . . . . . 93,50
31
84,50
v.
95,00
4 Karlsruhe . .
do.
85,20
31
Magdeburg. . . . . . —
-
31
do.
4 Mainz . . . . . . .. —
-
3½
do.
4 Mannheim . . . . . . 94,10
do.
31
89,0
München . . . . . . . 94,80
3½ Nauheim . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,00
3½
do.
84,00
4 Offenbach. .
Irhran
Bf.
3½ Offenbach . . . . .
Wiesbaden . . . . . .
31
87,60
do.
4 Worms. . . . . . . . 94,00
31
85,00
do.
4 Liſſaboner v. 1886
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 135,00
3 Holl. Komm. fl. 100
3 Madrider . Fs. 100
4 Meininger Pr.=Pfand=
136,00
briefe . . . .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 181,00
3 Oldenburger . . .
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . fl.
Braunſchweiger Tlr. 20 —
Freiburger . . . . Fs.15 —
Mailänder . . . . Fs.45 —
do. . . . . Fs.10 38,00
Meininger . . . . . fl.
Oeſterreicherv. 1864fl. 100
do. v. 1858fl. 100 502,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 158,20
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Banknoten.
20,42
Engl. Sovereigns . .
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4,19½
Engliſche Noten . . . . . 20,43
Franzöſiſche Noten. . . . 80,95
Holländiſche Noten. . . . 168,55
Italieniſche Noten . . . . 79,00
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,65
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . . . . . 81,05
Reichsbank=Diskonto
Reichshank=Lamhard Kaf. 70
Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In
polizei=
licher Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56
be=
finden ſich: 1 Dachshund. 2 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags 10 Uhr, ſtatt.
(16856
Wahl der Beiſitzer zum Kaufmannsgericht.
Ich fordere hiermit alle männliche Handlungsgehilfen, deren
Jahresgehalt mehr als 2000 Mk. bis 5000 Mk. einſchl. beträgt, auf,
ſich alsbald und ſpäteſtens bis zum 20. ds. Mts., unter Angabe
ihrer Beſchäftigungszeit innerhalb der letzten 2 Jahre, im Bureau
des Kaufmannsgerichts, Marktplatz 8 (Rathaus), Zimmer Nr. 9, zu
melden, damit ihre Aufnahme in die Wählerliſte für das
Kaufmanns=
gericht erfolgen kann.
(16859oi
Darmſtadt, den 5. Auguſt 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Mueller.
Verhütung von Aeberſchwemmungen.
Ueberſchwemmungen kanaliſierter Grundſtücke bei heftigen
Regen=
fällen ſind häufig zurückzuführen auf ungeeignete Ausbildung und
mangelhafte Unterhaltung der Entwäſſerungsanlangen.
Das Tiefbauamt iſt auf Antrag bereit, durch unentgeltliche
Unterſuchung der örtlichen Verhältniſſe feſtzuſtellen, wie die
Ueber=
ſchwemmungen mit geringſtem Koſtenaufwand zu verhüten ſind.
Die Beobachtung nachſtehender Vorſichtsmaßregeln wird
em=
pfohlen:
Regenrohranſchlüſſe ſollen in der Nähe der Fundamentmauern
aus ſtarkwandigen Eiſenrohren beſtehen, da nur ſolche hinreichende
Widerſtandsfähigkeit beſitzen gegen Beſchädigungen durch
Froſt=
wirkung und Setzen des Untergrundes. Verſtopfungen der
Regen=
rohranſchlüſſe ſind zu verhüten durch Anordnung von Schmutzfängern
oder gußeiſernen Sinkkaſten am Fuße der Regenabfallrohre. Die in
ihnen zurückgehaltenen Feſtkörper müſſen von Zeit zu Zeit entfernt
werden.
Hofeinläufe und deren Einfallgitter ſind zur Erhaltung des
glatten Abfluſſes des Regenwaſſers öfters zu reinigen.
Kellerfenſter, Einfaſſungen von Luft= und Lichtſchachten, Haus=
und äußere Kellereingänge ſollen etwas über den angrenzenden Hof=
und Straßenflächen ſitzen. Wo dies nicht zu ermöglichen iſt, ſind
Schutzvorkehrungen zu ſchaffen gegen oberirdiſchen Eintritt des
Regen=
waſſers in die Gebäude: Kellerfenſter und Schächte ſind mit dichtem
Verſchluß (Drahtglas, Eiſen= oder Holzdeckel) zu verſehen; tiefliegende
Eingänge ſind zu ſichern durch dichtſchließende Schutzbretter in feſt!
angebrachten Falzen.
Bei Eingüſſen und Einläufen unter Straßenhöhe iſt der Austritt
der Kanalwaſſer infolge Rückſtau durch geeignete Vorkehrungen zu
verhüten. Ein befriedigender Erfolg iſt aber nur zu erreichen, wenn
die Vorrichtungen in die Hausentwäſſerungsanlage ſo eingefügt
wer=
den, daß den durch ſie zu ſchützenden Leitungen, Eingüſſen und
Ein=
läufen Regenwaſſer fern gehalten wird. Solches darf nur unterhalb
der Rückſtauſicherungen den Leitungen zugeführt werden.
Während der Zeit der heftigen Regenfälle, alſo von März bis
September, ſind die Rückſtauſicherungen ſtets in betriebsfähigem
Zu=
ſtand zu erhalten, öfters von Schmutz zu reinigen und in ihren
beweg=
lichen Teilen wie Scharnieren, Hähnen, Gleitflächen und
Nieder=
ſchraubvorrichtungen einzufetten. Hartgewordene Gummi= und
Filz=
dichtungen ſind zu erneuern.
Ueberſchwemmungen von Kellern werden auch häufig
veran=
laßt durch undichte Tonrohrſtränge im Innern und in der Nähe der
Gebäude. Bei ihnen ſind mindeſtens die Muffen gründlich zu dichten
und mit einem Zementwulſt zu umhüllen. Schadhafte Rohre ſind
ausgeſchloſſen. Mehr iſt aber die Erſetzung ſolch minderwertiger
Leitungen durch eiſerne Rohre mit Bleidichtung geboten.
Darmſtadt, den 8. Auguſt 1913.
(16826sm
Städtiſches Tiefbauamt.
Städtiſche Sparkaſſe Darmſtadt
22 Hügelſtraße 22
Fernſprech=Anſchluß Nr. 456
Mündelſichere Anſtalt unter Haftung der Stadt Darmſtadt.
Strengſte Amtsverſchwiegenheit gegen jedermann, auch
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über Behörden (vergl. § 25 der Satzung).
Reſerven über M. 2000000, Aktiven über M. 40000000,
Spareinlagen über M. 38000 000.
Reichsbank=Giro=Konto.
Poſtſcheck=Konto Frankfurt a. M.
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Nr. 5869.
kaſſe der Bank für Handel Scheck=Konto bei der Heſſiſchen
und Induſtrie.
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Verkehrszeit: vom 1. April bis 30. September am jedem Werktage
vormittags von 8—12½ Uhr;
vom 1. Oktoher bis 31. März an jedem Werktage
vormittags von 8½—12½ Uhr.
I. Darlehensgeſchäft und Verwaltung: im erſten Stock.
II. Einlagen= und Rückzahlungsgeſchäft: im Erdgeſchoß.
Verzinſung der Einlagen: bis einſchließlich M. 10000
3½ %, über M. 10000 — 3% für die ganze Einlage.
Zinsbeginn: Der Zinſenlauf beginnt mit dem auf die
Kapital=
einzahlung folgenden Tage und endigt bei Rückzahlungen mit dem
der Erhebung vorausgehenden Tage.
(16821a
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Stadtiſche Pienuig=Spartaſſe.
Einzahlungen in Pfennigbeträgen von 10, 20 Pfg. u. ſ. f. bis
einſchließlich eine Mark, werden jeden Samstag, nachmittags von
2—8 Uhr, von nachverzeichneten Erhebeſtellen entgegengenommen:
Praſſel, M. W., Schulſtr. 10.
Jarraſch, J., Heinheimerſtr. 35.
Landau, M., Mathildenplatz 1.
Seibert, Fr., Pallaswieſenſtr. 44.
Bopp, K., Heinheimerſtr. 74.
Waitz, E., Eliſabethenſtr. 16.
Waitz, Pfarrer, Mollerſtr. 23.
Büchler, A., Roßdörferſtr. 26.
Roth, G., Dieburgerſtr. 9.
Hebermehl, G., Eliſabethenſtr. 53.
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Filialen:
Stephan, H., Stiftſtr. 29.
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Klockow, F., Pankratiusſtr. 26.
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Schroth, J., Gardiſtenſtr. 1.
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Möſer, J. H., Ruthsſtr. 24.
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mannſtraße 1, zwangsweiſe ver=
(K57/16
ſteigert werden.
Darmſtadt, 7. Auguſt 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen.)
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Das Konkursverfahren über das
Vermögen des Schreinermeiſters
Georg Hof in Darmſtadt iſt
auf Antrag des
Konkursverwal=
ters mangels Maſſe eingeſtellt
worden.
(16860
Darmſtadt, 4. Auguſt 1913.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.
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Am Dienstag, den 12. Auguſt
1913, vormittags 10 Uhr,
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den auf dem Kaſernenhof,
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(16869
Darmſtadt, 9. Auguſt 1913.
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Wie wir vergeben unſern
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(Nachdruck verboten.)
17
Und plötzlich fragte Anita unvermittelt in das
Plau=
dern und Kichern der beiden hinein: Haben Sie jüngere
Geſchwiſter gehabt, Fräulein von Steltz? Sie verſtehen
ja vorzüglich mit Kindern umzugehen.
Nein, die zweite Ehe meiner Mutter war kinderlos.
Ich wundere mich ſelber, fiel ihr Bruder ein, meine
Schweſter hat ſich eigentlich niemals viel mit Kindern
be=
ſchäftigt und ich habe nie bemerkt, daß ſie ſich beſonders zu
ihnen hingezogen fühlt.
Oh, unſer ſüßer Heini macht auch eine Ausnahme,
ſagte Brigitte mit einem Herzenston. Er iſt mein ganzes
Glück. mein ganzer Schwarm, verbeſſerte ſie ſich, und
ſie barg ihr Geſicht in dem Lockenhaar des Kleinen.
Au, Tante, du ziepſt mich ja, proteſtierte Heini, der
dergleichen Zärtlichkeiten nicht liebte. Er bog ſeinen
Kopf energiſch zur Seite, ſo daß Brigittes Geſicht frei
wurde. Es ſah aus, als ob Tränen in ihren Augen
ſchimmerten.
7. Kapitel.
Als Anita an dieſem Abend Heini zu Bett gebracht
hatte und ausruhend allein in ihrem Zimmer ſaß, fühlte
ſie ſich matt und benommen, wie nach großen körperlichen
und ſeeliſchen Anſtrengungen.
Sie war nicht mehr gewöhnt ſich unter ſo vielen
Menſchen zu bewegen, ſtundenlang den Zwang der
Unter=
haltung zu ertragen, über Dinge zu ſchwatzen, die
außer=
hahlb ihrer Sorgen und Leiden lagen und ſie, wie ſie
meinte, gar nichts mehr angingen. Der Schmerz macht
egoiſtiſch, geſtand ſie ſich ſelber mit mattem Lächeln. Aber
da ich nichts weiter mehr vom Leben verlange, als mir
ſelber und meinem Kinde angehören zu dürfen, iſt dieſer
Egoismus wohl nicht ſo verwerflich.
Das viele Schauen und Hören und dazu das
unver=
hoffte Wiederſehen mit Eberhardt von Drewensberg
nein — nein, ſie wollte nicht wieder hinaus in die Welt,
vor der ſie ſich fürchtete und die ſie nicht ertrug. Sie wollte
es Hartkopf energiſch unterſagen, mit den Steltzes weitere
Pläne für ihre Aufheiterung zu ſchmieden. Daß das
ge=
ſchah, hatte ſie wohl gemerkt. Es war beim Abſchied
ſchon wieder von einem Ausflug nach der Oberſpree
ge=
ſprochen worden. Sie hatte ſogleich abgelehnt, ſie würde
beſtimmt nicht teilnehmen. Die anderen meinten es ja
herzlich gut mit ihr, ja, es rührte ſie, wie ſie um ſie
ſorg=
ten, aber ſie befanden ſich im Irrtum, wenn ſie meinten,
es ſei ihr dienlich, wieder in geſellſchaftlichen Verkehr mit
anderen Menſchen zu treten. Das machte ihr ihre
Ver=
laſſenheit nur noch fühlbarer, beunruhigte und verwirrte
ſie. Sie mußte allein bleiben, wenn das Leben ihr
erträg=
lich ſein ſollte. Und das müßte Hartkopf eigentlich
wiſſen.
Aber ſie hatte ſich geirrt. Weder Brigitte noch
Hart=
kopf unternahm wie gewöhnlich mit Heini ſeine
Spazier=
gänge, und Brigitte ſagte eines Tages die Stunde ab,
weil ſie mit ihrem Bruder einen Ausflug an die Havel
unternehmen wollte. Beide hatten bedauert, daß Anita
nicht Luſt habe, an dergleichen harmloſen und geſunden
Vergnügungen teilzunehmen, aber nicht weiter in ſie
ge=
drungen.
So fand ſie keine Gelegenheit, ihren energiſchen
Pro=
teſt anzubringen. Er verlor allmählich an Kraft und
Wichtigkeit vor ſich ſelber, und wenn die anderen ſo ganz
nebenher und ſcheinbar ohne Abſicht von ihren Ausflügen
ſchwärmten, dann ſtieg,, ihr ſelber unbewußt, eine leiſe
ungewiſſe Sehnſucht in ihr auf, und ſie fand ihre
Woh=
nung eng und die Hitze in den Straßen der Stadt
uner=
träglich. Nie war ihr die Eintönigkeit des Stundengebens
ſo bedrückend zum Bewußtſein gekommen wie eben jetzt.
Und eines Tages ertappte ſie ſich auf dem Gedanken,
daß ſie auch wieder einmal hinaus möchte in Gottes
herr=
liche Natur, der Alltagsbürde für ein paar Stunden ledig,
ſich als freier Menſch fühlen, Augen und Herz erquicken
dürfen in grüner Waldeinſamkeit. — Sie war doch noch
keine Greiſin.
Sie wußte dann ſelber nicht, wie es gekommen war,
daß ſie an einem Sonntage mit Heini und Hartkopf nach
Tegel hinausfuhr, dort mit den Steltzes zuſammentcaf
und einen ſtillen, ſchönen Tag mit ihnen verlebte, der einen
verklärenden Schein über die ganze folgende arbeitsreiche
Woche breitete.
Das Freundſchaftsband zwiſchen ihr und Brigitte
von Steltz wurde immer enger. Anita mit ihrer
impul=
ſiven Natur gab ſich rückhaltlos, wo ihr Herz ſich gefeſſelt
fühlte, aber auch die zurückhaltende Brigitte ſchloß ſich
freiwillig der neuen Freundin immer enger an, und Heini
ſchien geradezu ihr Abgott.
Um ſo mehr wunderte ſich Anita, daß Brigitte von
ihren eigenen Familienverhältniſſen ſelten und immer nur
flüchtig ſprach. Daß ihre Mutter als Witwe von einer
kleinen Rente lebte und noch ein Vetter vorhanden war,
der ihre Stunden bezahlte, war alles, was ſie von ihr
wußte, und das letztere hatte ſie ihr damals auch nur
ge=
zwungen erzählt, um ſie zur Annahme des Honorars zu
veranlaſſen.
In ihrer ehrlichen Art fragte Anita eines Tages
ge=
rade heraus: Ich weiß noch ſo wenig von Ihnen,
Bri=
gitte, — aber es ſcheint mir, daß auch Sie Ihr Schickſal
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bereits hinter ſich haben, und daß gerade dies Empfinden
das Gefühl der Zugehörigkeit zu Ihnen ſo ſtark in mir
geweckt hat.
Brigitte legte eben ihre Noten zuſammen. Es dauerte
eine Weile, bis ſie antwortete:
Ja — Anita — ein recht ſchweres Schickſal! — Ich
könnte Ihnen von mir nur Trauriges erzählen, und
da=
von haben Sie ſelber wahrlich genug erlebt, ſoll ich Ihnen
noch eine neue Laſt aufbürden?
Ich bin das Tragen gewöhnt und meine, es iſt eine
Erleichterung, ſich auszuſprechen. Aber wenn Sie nicht
das Bedürfnis haben, . denken Sie, bitte, nicht, daß
ich mich in Ihre Geheimniſſe eindrängen will. Ich fragte
nur aus Teilnahme.
Brigitte ergriff raſch Anitas beide Hände.
Das weiß ich, und ich danke Ihnen von Herzen.
Seien Sie verſichert, daß ich ſelber darunter leide, mich
Ihnen nicht rückhaltlos anvertrauen zu dürfen, aber wie
die Verhältniſſe liegen .
Sie war ſehr verlegen, wußte offenbar nicht, wie ſie
fortfahren ſollte. Anita fiel raſch ein. Es iſt mir
ſchreck=
lich peinlich, davon überhaupt erſt angefangen zu haben.
Bitte, laſſen wir es — ſprechen wir von etwas anderem.
Nein! Sie ſollen wenigſtens wiſſen, daß ich dasſelbe
Schickſal mit Ihnen teile. — Ich habe, wie Sie, den, den
ich über alles liebte, verloren und mein Leben iſt allein
noch der Erinnerung geweiht.
O Gott! Sie Arme! — Iſt er Ihnen auch geſtorben?
Geſtorben iſt er — ja — aber lange, ehe er tot war,
gehörte er mir ſchon nicht mehr. Sein Herz hat mir wohl
nie gehört. Wir waren nahe Verwandte, und nach einem
Familienbeſchluß ſollten wir einander heiraten. Für ihn
war es nur Pflicht, für mich der Inbegriff aller
Selig=
keit. — Das konnte er nicht wiſſen, und als er mich
auf=
gab, um einer Schöneren, Würdigeren willen — um eine,
die er liebte, wie ich ihn, ahnte er nicht, daß er meinem
Lebensglück den Todesſtoß gab.
Und Sie zürnen ihm nicht?
Das iſt groß von
Ihnen!
Brigitte machte eine haſtig abwehrende Bewegung,
und leiſe, mit einem Ton, dem man die innere Qual
un=
hörte, fuhr ſie fort:
Es hat eine Zeit gegeben, da empfand ich ſeinen Tod
wie eine Erlöſung — und Genugtuung. Ich hatte ſo
namenlos gelitten der anderen wegen, nun mußte ſie
die=
ſelben Qualen durchkoſten. Das ſchien mir nur gerecht.
Das Unglück macht den Menſchen ſo leicht ſchlecht und
hart. Und obwohl ich mich vor mir ſelber ſchämte, iſt es
doch faſt über meine Kraft gegangen, der Frau aus freien
Stücken die Schweſterhand zu reichen.
Das haben Sie über ſich vermocht? Nie, nie könnte
ich das.
Sie würden es auch können . . . ja, Sie würden es
vielleicht viel rückhaltloſer und herzlicher tun, als es mir
möglich war. Erſt nach und nach, erſt als ich ſah, daß
jene Frau noch ſchwerer litt als ich, iſt alle Bitterkeit gegen
ſie aus meinem Herzen geſchwunden. Jetzt bin ich ihre
Freundin fürs Leben geworden.
Sie haben mir nie von dieſer Freundin erzählt
leht ſie hier?
Bitte, fragen Sie mich nicht weiter, Anita.
Wie ſeltſam! — Da beſitzen Sie nun zwei
Freun=
dinnen, die Schiffbruch im Leben erlitten haben, und Sie
ſelber gehören als Deitte zu uns — eine traurige Genoſ=
ſenſchaft.
Ich habe gemeint, meinem Kummer allein
ſchon erliegen zu müſſen, und impulſiv brach ſie aus:
Ich=
bewundere Sie, Brigitte! Sie haben eine große, ſtarke
Seele.
Wenn Sie wüßten, wie erbärmlich klein ich geweſen
bin, würden Sie das nicht ſagen. Sie ſtrich ſich mit der
ſchmalen, blaſſen Hand, die ſo deutlich wie die feinen
Ge=
ſichtszüge von ſchweren Seelenleiden ſprach, über die
Stirn. Erſchreckend bleich und verfallen ſah ſie in dieſem
Augenblick aus. Ihr Anblick ſchnitt Anita ins Herz. Sie
machte ſich bittere Vorwürfe, das Thema berührt zu haben,
und in dem Beſtreben, ihr etwas Liebes zu erweiſen, rief.
ſie Heini.
Komm raſch einmal her, Liebling, die Tante Gitta
iſt ſo traurig! Komm, lache ſie einmal recht herzlich an!
Seine liebe Tante Gittachen war traurig. Man hörte
im Nebenzimmer ungeſtüm einen Stuhl umwerfen, gleich
darauf guckte der braune Lockenkopf ſpähend zur Tür
her=
ein, und als die Tante ihre Arme nach ihm ausſtreckte und
ihre Augen voll Tränen ihm verlangend zärtlich
entgegen=
blickten, kam das Bübchen raſch herzugeſprungen und
hängte ſich an ihren Hals.
Du mußt doch nicht weinen, Tante Gittachen, und er
drückte und küßte ſie, daß ihr ſchier der Atem verging.
Du mein Lieber, Du mein Einziger! Du haſt
gehol=
fen, mich mit meinem Leben wieder auszuſöhnen. Und
zum erſtenmal konnte es Anita ohne Regung der
Eifer=
ſucht ertragen, daß ihr Kind einem anderen Menſchen
Liebe erwies.
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Durch Sonne und Wolkenbruch
im Auto.
A. D. A.=C.=Wagenfahrt 1913.
III.
Die Fahrt erſchloß nun Bilder von ganz einzigartiger
Schönheit, die nur wenig durch das ſchlechte Wetter
beein=
trächtigt werden konnte. Liebliche Anmut in einzelnen
Ausblicken auf idylliſch liegende einſame
Schweizerhäus=
chen, die wie Schwalbenneſter an die Berge geklebt
er=
ſchienen, entzückende Täler wechſeln in ſchneller Folge mit
den grandioſe Eindrücke vermittelnden Giganten der
Alpenwelt. Das rauhe, zerriſſene Gewölk erhöht wohl
noch die Charakteriſtik dieſer Gebirgsſzenerie; es paßt viel
mehr zu dem imponierenden ernſten Charakter des
Land=
ſchaftsbildes, als lachender Sonnenſchein, den wir vielleicht
nur ſchwer mit den ſchneegekrönten Bergrieſen in Einklang
bringen könnten. Die oft angezweifelte Vorſtellung von
den „bis in die Wolken ragenden” Bergen wird zur
Tat=
ſache; ja, wir erleben mehrmals das einzigartige
Schau=
ſpiel, daß ſo ein Gigant mit ſeinem ſchneegekrönten Haupt
die Wolken durchragt, ſo daß die Berggipfel über den
Regenwolken, wo die Sonne lacht, wieder ſichtbar werden,
wenn, wie’s hin und wieder geſchieht, ein heller Strahl
die Wolkenwand durchbricht. Das ſchaut dann aus, als
habe der gewaltige Felſenrieſe ſein königlich Haupt
ge=
ſchmückt mit Wolkengebilden, wehendem Schleier gleich,
mit dem der Sturmwind ſpielt und den er im Spiel
zer=
zauſt, daß die Fetzen davonflattern. Schwer, düſter und
regenſchwanger hängen die Nebel und Wolken feſt in den
Vergwäldern, und wemn ſich die Sonne eimal
hindurch=
ringt, entſchleiert ſie Bilder von wilder romantiſcher
Schön=
heit. Und ratternd, fauchend und ſchnaubend tragt unſere
brave Maſchine uns durch dieſe lebende
Bildergalerieerhabe=
ner Landſchaftsſzenerien: Vorbei an ſchwindelnd tiefen
Ab=
gründen, an wild rauſchenden Gebirgswaſſern, die die
Regenmaſſen brauſend zu Tal tragen, durch liebliche
Tal=
mulden und blühende Hänge, immer hinauf zur Höhe.
und wo zur Seite ſich dann und wann der Blick öffnet
zu weiterer Schau, da fällt er auf neue gewaltige
Berg=
rieſen, auf neue lieblich=idylliſche Wohnſtätten, auf neue
Schönheiten einer einzigartigen wunderbaren Natur. Es
iſt ein Chargkteriſtikum unſerer Zeit, die zum ſtillen,
be=
haglichen Genießen keine Ruhe mehr hat. Wie die Arbeit
des täglichen Erwerbslebens eine haſtend=nervöſe geworden,
ſo das Genießen. Ganz inſtinktiv ſtrebt man, in kurzer
Spanne Zeit möglichſt viel in ſich aufzunehmen, um es
— und das hat der moderne Menſch tatſächlich gelernt
ſpäter in knappen Stunden zufälliger oder erzwungener
Muße in ſich nachklingen zu laſſen. Indem das Automobil,
als das berufene Reiſemittel der Zukunft, dem Rechnung
trägt, offenbart es den ganzen eigenartigen Reiz, der in
dieſem „Genießen im Fluge” ſchlummert. Staunenswert,
welche Fülle von Eindrücken der Menſch in kurzen
Stun=
den oder gar Minuten in ſich aufnehmen und aufſtapeln
kann.
Im Paß Lueg (554 Meter hoch) haben unſere
Wagen ein kurzes Bergrennen zu beſtehen, mehr eine
Bergprüfung, die mit ganz geringen Ausnahmen glatt
beſtanden wird. Bald dangch begrüßt uns von hoher
Warte die alte Zwingburg Hohenwerfen, die zu Werfen
gehört, einem geradezu idylliſch inmitten all der kalten
Bergherrlichkeiten gelegenen Oertchen. Bei Biſchofshofen
am Mühlbachtal wird der etwa 3000 Meter hohe
Hoch=
könig paſſiert, und dann gehts in ziemlicher Steigung nach
St. Johann im Pongau hinein. Aus der dem Auge ſich
bietenden Reihe der Bergriefen treten beſonders hervor”
die Höllwand, Haßeck, beide über 2000 Meter, und das
Heukaareck, etwa 3000 Meter hoch. Nun geht die Fahrt
eine ganze Weile in immer neue, wildromantiſche
Gegen=
den, dauernd an der koloſſale Waſſermaſſen führenden,
braufenden Salzach entlang. Von irgendeiner Brücke
wird der wohl 70 Meter hohe Waſſerfall der Gaſteiner
Ache ſichtbar, und dann zur Linken der gewaltige
Höhen=
zug der Hohen Tauern, die ihre im Firnenglanze köſtlich
ſtrahlenden ſtolzen Häupter in die Sonne tauchen, die
wie=
der — leider nur für wenige Stunden — den Sieg über
regen= und gewitterſchwangeren Wolken errungen. Von
den ziemlich zahlreichen Gebirgsdörfchen, die wir nun
paſſieren, bleibt noch Bruck mit dem ſchön gelegenen
Löwenſteinſchen Schloß Fiſchhorn beſonders im
Gedächt=
nis haften, dann fahren wir durch das ganz entzückende
KaprunerTalund paſſieren bald danach die „Perle des
Pinz=
gaues” Zell am See. Die Schönheiten dieſes, faſt in
den Zeller See mit ſeiner wunderbaren, gigantiſchen
Um=
gebungen hineingebauten idylliſchen Touriſtenſtädtchens ſind
zu bekannt, als daß ſie hier beſonders geſchildert zu
wer=
den brauchen. Schwer wird’s dem Blick, ſich von dieſem
Bilde, das der Kranz der Hohen Tauern=Rieſen be=, ſich loszureißen. — Ueber Pieſendorf, Walchen,
Lengdorf, Uttendorf erreichen wir Mitterſill, das
aber nicht durchfahren wird, ſondern links liegen bleibt,
denn unſere Fahrt geht über den Paß Thurn, der von
beſonderem Intereſſe iſt, weil hier ein eigenes
Berg=
rennen mit ſtehendem Start eingeſchaltet wird.
„Die Paß Thurner Straße — für dieſen Abſchnitt hat
der Kollege der A. A.=Z. das Wort —, eine in den 30er
Jahren aus ſtrategiſchen Gründen erbaute, kunſtvoll
an=
gelegte Reichsſtraße, verbindet den Hauptort des
ſalzbur=
giſchen Oberpinzgaues, Mitterſill, mit dem 31 Kilometer
entfernten tiroliſchen Bezirkshauptſtädtchen Kitzbühel,
dem weitbekannten Sommer= und Winterkurort. Die
höchſte Erhebung, der Paß=Thurn=Sattel, liegt mit 1273
Metern zirka 500 Meter über dem Tal der Salzach und
dem der Kitzbüheler Ache, 13 Kilometer von Mitterſill,
18 Kilometer von Kitzbühel. Die Straße ſteigt in
Ser=
pentinen am Mitterſiller Sonnberg hinan, parallel mit
der Tauernkette und eröffnet entzückende Blicke auf die
Firnfelder, Gipfel und mächtigen Vorberge der Hohen
Tauern, die tief eingeſchnittenen Talfurchen und das
Haupttal der Salzach ſelbſt, in einer Länge von 18
Stun=
den. Das Panorama erſtreckt ſich von den Bergen in
St. Joham im Pongau bis zur Wilden Gerlos im
Iilr=
tal. Der Paß Thurn gehört wegen der Bedeutung und
Schönheit ſeiner Ausſicht zu den lohnendſten Paßſtraßen
der Alpen. Die Paßhöhe iſt eine kurze, einförmige
Hoch=
fläche mit dem Urſprung der in den Chiemſee
münden=
den Kitzbüheler Ache. Nordſeits ſenkt ſich die Straße
raſch durch prächtige Waldpartien zum einſamen
Wall=
fahrtskirchlein Jochbergwald, dann öffnet ſich der
Aus=
blick auf die mattenreichen grünen Kitzbüheler Alpen mit
dem ausſichtsberühmten Kitzbüheler Horn im
Vorder=
grund, rechts und links die Gipfel des mit Bauernhöfen
und Almen überſäten Schiefergebirges, berühmte
Ski=
berge. Nach dem lieblich gelegenen Dorf Jochberg ſenkt
ſich die Straße abermals, und dem majeſtätiſchen „Wilden
Kaiſer” zu erreicht man das maleriſche Bergſtädtchen
Kitz=
bühel, eine der beliebteſten Sommerfriſchen und
Winter=
ſtationen der Alpenländer. Der alte, originell gebaute
Tiroler Ort breitet ſich, umgeben von einer Zahl von
Wei=
lern und Einzelgehöften, in einer durchſchnittlich 800 Meter
hoch gelegenen Talmulde aus. Nördlich, unmittelbar aus
welligem Hügelland aufſteigend, alleinſtehend in
erhabe=
ner Pracht die zerriſſenen Kalkzinnen des Wilden
Kai=
ſers, dieſes hervorragenden Schauſtückes der Alpen: öſtlich,
üdlich und weſtlich die grünen formenreichen
Schiefer=
berge der Kitzbüheler Alpen. Wenn vom Winterſport
die Rede iſt, denkt der Eingeweihte unwillkürlich an
Kitz=
bühel, das Dorado der Skiläufer.”
In Kitzbühel iſt kurze Mittagsraſt. Bei der Abfahrt
ſetzt der Regen wieder kräftig ein, um für die ganze letzte
Strecke treuer Begleiter zu ſein mit der einzigen
Abwech=
ſelung, daß er noch mehrmals ſich zum Wolkenbruch
aus=
wuchs. Durchs Leukental geht die Fahrt, bei St, Johann
in Tirol vorbei, dann am Fuße des Kaiſergebirges
ent=
lang ins Unter=Inntal, über Elmau, Wald und auf der
neuen Eibergſtraße nach Kufſtein mit der von
ragen=
der Höhe hergbgrüßenden, geſchichtsbekannten und
impo=
anten Burg Geroldseck. Auch Kufſtein iſt ja längſt
welt=
bekannt geworden. Es haftet uns beſonders im
Gedächt=
nis durch allerlei Zwiſchenfälle, wie 20 Kilometer falſchen
Weg, Umkehr und dabei — weil die Straße gar zu ſchmal
— unangenehme innige Berührung des zweiten
Leitungs=
wagens mit dem Chauſſeegraben, aus dem ihn erſt der
vereinten Kräfte gemeinſames Streben, bei dem Ströme
von Schweiß ſich mit dem klatſchenden Regen innig
ver=
miſchten, befreien konnten. Alles Dinge, die ein befreiend
Donnerwetter nach dem anderen auf das Haupt des
un=
glückſeligen goldbehelmten öſterreichiſchen Gendarmen
herabregnen ließen, deſſen falſche Auskunft an der
folgen=
ſchweren Irrfahrt ſchuld war. Heute gedenken wir ſeiner
nicht mehr im Groll.
In Kufſtein, bald nach der Ueberquerung des Inn,
wird die Grenze Tirol=Bayern paſſiert, die noch längere
Zeit der Inn ſelbſt bildet. Die Grenzformalitäten ſind
hier ſehr ſchnell erledigt, es genügt die Vorzeigung der
Grenzkarte, damit der Wagen, als aus Oeſterreich
ausge=
treten, aus der Vormerkliſte geſtrichen werden kann. Nun
gehts mit Volldampf München zu, von dem uns noch kaum
100 Kilometer trennen. Liebliche Bilder, leider getrüht
durch den immer ſtärker ſtrömenden Regen, bietet noch das
inmitten hoher Berge liegende Bad Aibling. Die Alpen
verſchwinden nach und nach auch dem rückwärts gerichteten
Blick. Es werden noch paſſiert Feldkirchen, Aſchbach,
Großhelfendorf, Peiß, Höhenkirchen, Perlach. Längſt ſind
uns von München aus Sportskollegen entgegengefahren,
und gegen 6 Uhr, alſo mit nur zweiſtündiger Verſpätung.
beinahe fahrplanmäßig, treffen wir in Ramersdorf
vor München ein. Hier wird geſammelt, um geſchloſſen
in Bavarias Hauptſtadt einzuziehen. Der ſtrömende
Regen hat den Prinz=Regenten nicht abgehalten,
den Feſtteilnehmern entgegenzufahren. Nach herzlicher
Begrüßung ſetzt der hohe Herr ſich an die Spitze der
langen Kolonne, und ſo ziehen wir unter ſtrömendem
Regen, aber beſter Laune, in München ein, deſſen
Wahr=
zeichen, die beiden Frauentürme und der „alte Peter”
ſchon lange ſichtbar ſind. Unſere ſchöne Fahrt iſt
zu Ende!
Die Feſtwoche, die der Fahrt in München folgte, ſoll
prächtig verlaufen ſein. Aus eigener Anſchauung kann ich
nichts mehr berichten. Der Beſichtigung Münchens, vor
allem ſeiner Kunſtſchätze und — Bräuhäuſer, ſind in
Rück=
ſicht auf die merklich zuſammengeſchmolzene Reiſekaſſe nur
zwei Tage gewidmet. Dann winkt Südfrankreichs
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bericht.) Der geſtrige Friedensabſchluß in Bukareſt hat
endlich Ruhe auf dem Balkan gebracht, und wenn auch
neuerdings die verſchiedenen Zeitungsanſichten ſich
reſer=
viert über die Zukunft äußern, ſo iſt ſchon durch die
enor=
men Menſchen= und Geldverluſte für abſehbare Zeit nicht
an eine Kampfluſt zu denken. Die noch zu ſchlichtende
Frage wegen Adrianopel dürfte ebenfalls eine baldige
Löſung finden. Die Spekulation war dieſerhalb etwas
zurückhaltend, aber im allgemeinen herrſchte auf allen
Ge=
bieten eine recht feſte Grundſtimmung, wobei in erſter
Linie die ſtarke Reduktion der ſpekulativen Engagements
einigermaßen mitwirkte. Aus dem Status von acht
Ber=
liner Großbanken per Ende Juni geht hervor, daß die
Ge=
ſamtſumme der Anlage in Reports=Effekten innerhalb
zweier Monate um 115 Millionen Mark zurückgegangen
iſt und dieſe nicht einmal mehr zwei Drittel des vor
Jah=
resfriſt ausgewieſenen Betrages ausmacht. Es darf
an=
genommen werden, daß die Engagements ſich überwiegend
in ſolchen Händen befinden, welche nicht gleich die erſte
Erholung zum Verkaufen benutzen. Dabei bildet die
Geld=
marktlage kein Hindernis mehr für eine freundlichere
Ge=
ſtaltung der Börſe, da reichliches Geld vorhanden iſt, ſo
daß der Privatdiskont wieder auf 4½ Prozent
zurück=
gehen konnte. Die Jahresabſchlüſſe des Bochumer
Ver=
eins, ſowie der Vereinigten Stahlwerke Van der Zypen=
Thyſſen dürften als typiſch anzuſehen ſein für die noch
bevorſtehenden Bilanzen anderer großer Montanbetriebe,
nämlich weſentlich erhöhte Gewinnziffern bei
gleichbleiben=
den Dividenden unter Stellung großer offener und ſtiller
Reſerven im Hinblick auf den nachlaſſenden
Beſchäftig=
ungsgrad. Erfreulich iſt auch die Belebung auf dem
Band=
eiſenmarkt. Es wurde in der letzten Sitzung der
Ver=
einigung der Rheiniſch=Weſtfäliſchen Bandeiſenwalzwerke
feſtgeſtellt, daß die auf dem Stabeiſenmarkte eingetretene
Belebung ſich auch auf den Bandeiſenmarkt ausgedehnt
hat. Im Auslande haben die Preiſe bereits merklich
an=
ziehen können, im Inlande zeigt ſich mehr und mehr, daß
ein ſtarker ungedeckter Bedarf vorhanden iſt. Hingegen
hört man bezüglich der ſchwebenden Differenzen bei den
Schiffahrtsunternehmungen neuerdings
Unbefriedigen=
des. So werden ſicherem Vernehmen nach die
Zwiſchen=
decksfahrpreiſe nach Kanada auf 120 Mk. ermäßigt infolge
des Vorgehens der Canada Pacific Railway auf
ſämt=
lichen kontinentalen Linien. Durch den Ausbruch eines
neuen Ratenkampfes leiden nicht nur unmittelbar die
finanziellen Ergebniſſe der auf dieſem Gebiete des
trans=
ozeaniſchen Verkehrs beteiligten Geſellſchaften, ſondern es
entſteht auch die Möglichkeit, daß infolge der neuen
Un=
ſtimmigkeiten die Verlängerung des nordatlantiſchen
Pools erſchwert wird. Unter dem Eindruck dieſer
Meld=
ungen wurde die ſtärker hervortretende
Aufwärtsbeweg=
ung an der Börſe weſentlich gehemmt und in erſter Linie
Schiffahrtsaktien ungünſtig beeinflußt.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, iſt die
Feſtigkeit und die größere Nachfrage für deutſche Renten
hervorzuheben. Wenn ſich auch die Beſſerung nur um
Zehntel vollzog, ſo iſt doch die allgemeine Preiserhöhung
erfreulich. Ausländiſche Staatsfonds konnten faſt durch=
weg proſitieren und erzieltlen insbeſondere Deſtereichiſch=
Ungariſche Renten, Serben, Rumänen, ſowie Ruſſiſche
Gattungen zum Teil anſehnliche Avancen. Türkiſche lagen
recht feſt, ebenſo wurden Mexikaner weſentlich höher
be=
zahlt. Am Markt für Transportaktien war, mit Ausnahme
von Hamburger Paketfahrt und Norddeutſcher Lloyd, die
ſchließlich etwa ¾ Prozent einbüßten, durchweg günſtige
Stimmung vorhanden. Süddeutſche Eiſenbahn=
Geſell=
ſchaft, Baltimore und Ohio, Oeſterreichiſche Bahnen,
worunter beſonders Raab=Oedenburger, ſowie Schantung
und Prince Henri waren lebhafter und höher.
Orient=
bahnen bei zirka 177½ eher etwas niedriger, da die
frü=
heren Verſtaatlichungshoffnungen durch Bulgarien infolge
der neuen Konſtellation eine Aenderung bewirken
wer=
den. Banken haben durchweg profitieren können; nachdem
der Frieden in ſicherer Nähe iſt, eröffnen ſich dieſen
In=
ſtitutionen größere Geſchäftsausſichten. Bedeutendes
Ge=
ſchäft entwickelte ſich am Montangebiet, wo durchweg
Preisſteigerungen eintraten; auch Deutſch=Luxemburger
wieder mehr beachtet, da die Dividende eher höher gegen
das Vorjahr werden dürfte und die Geldbedürfnisfrage
in reguläre Bahnen gelenkt würde. Hervorzuheben wäre
noch die regere Nachfrage für Prioritäten und teilweiſe
für Hypotheken=Obligationen, ſowie auch für Städte=
An=
leihen. Es hat den Anſchein, daß viele, ſeither durch die
Balkanwirrniſſe zurückgehaltene Gelder jetzt an den
Markt kommen und für Anlagen verwendet werden. Gute
Tendenz zeigte ſich am Kaſſainduſtriegebiet, wo allmählich
wieder Order vom Privatpublikum eintreffen. Chemiſche
und Elektrizitätswerte, ſowie namentlich Maſchinenaktien
ſchließen weſentlich höher, ebenſo Kaliwerke Weſteregeln.
Der Abſchluß der Aktien=Geſellſchaft Benz u. Co, dürfte
in den nächſten 14 Tagen veröffentlicht werden, und man
ſchätzt jetzt die Dividende auf 12 Prozent gegen 10=
Pro=
zent im Vorjahre. Tee Beſchäftigung der Werke ſei noch
immer gut; es würde noch in zwei Schichten gearbeitet
und es liegen weiterhin Aufträge für längere Zeit vor,
ſo daß vorläufig an eine Betriebseinſchränkung nicht zu
denken ſei. Die Aktien der Akkumulatorenfabrik Berlin=
Hagen waren in den letzten Tagen auf ungünſtige Gerüchte
über die Geſchäftslage der Geſellſchaft ſchwächer. Letztere
erklärte offiziell, daß in dem Geſchäftsgange keinerlei
Um=
ſtände vorliegen, die ein normales Ergebnis ungünſtig
beeinfluſſen konnten; auch ſeien die Gerüchte über
angeb=
liche techniſche Schwierigkeiten vollſtändig aus der Luft
gegriffen. Allerdings ſei der Auftragbeſtand im Juli
etwas geringer als im Vorjahre. Die Aktien=Geſellſchaft
Hanauer Kunſtſeidefabrik in Groß=Auheim hat ihren
Be=
trieb ſtillgelegt und das geſamte Perſonal, etwa 300
Per=
ſonen, entlaſſen, da die erforderlichen Betriebsmittel nicht
vorhanden ſind. Die ſeinerzeit durch die Sanierung
be=
ſchafften neuen Betriebsmittel in Höhe von 750000 Mark
durch Ausgabe von Vorzugsaktien waren unzureichend;
es ſoll nunmehr die Liquidation der Geſellſchaft beantragt
werden. Das unter der neuen Direktion hervorgebrachte
Kunſtſeideprodukt wurde von Fachleuten als ein
erſtklaſſi=
ges bezeichnet.
Die Freitagsbörſe verkehrte in feſter Haltung; da aber
jede beſondere Anregung fehlte, ſo blieb das Geſchäft ſehr
ruhig. Schiffahrtsaktien ſind eher etwas erholt, ferner
waren Adlerwerke Kleyer, ſowie 1902er Ruſſen belebter.
Montanwerte ſchließen ohne Veränderung.
Ferner ſchließen: 4proz. Reichs von 1913 98,50 G,
4proz. Reichs (unkündb. b. 1918) 97,80, 3½proz. Reichs
84,65, 3proz. Reichs 74,80, 4proz. Heſſen von 1899 96,80 G,
4proz. Heſſen von 1906 96,60 G, 4proz. Heſſen von 1908/09
96,60 G, 4proz. Heſſen (unkündb. b. 1921) 98,30 G, 3½proz.
Heſſen 83 G, 3proz. Heſſen 73 G, 4proz. Darmſtädter 94,60,
3½proz. Darmſtädter 86,60, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(S. 23—26) 97,206, 4proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr.
(S 27) 97,40 6, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 3
bis 5) 84,20 G, 3½proz. Heſſ. Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 9—11)
84,30 G, 4proz. Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 13—14) 97,20,
4proz. Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 15—16) 97,40, 3½proz.
Heſſ. Komm.=Pfdbr. (S. 1—3) 84,40 G, 3½proz. Heſſ.
Komm.=Pfdbr. (S. 4) 84,306, 4proz. Naſſ. Landesbank
99, 3½proz. Naſſ. Landesbank 96, 3proz. Naſſ.
Landes=
bank 91,50, Genuger Loſe 209, Meininger Loſe 34,75,
Tür=
kiſche Loſe 157,40, Ungariſche 380, Venediger 75, Raab=
Grazer Anr.=Sch. 39,50, Gothaer Prämie II 115.25, Donau=
Regulierungs=Loſe 155, 4proz. Bagdad=Türken 79,30, 4proz.
konvert. Türken 1905/11 73,20 G, 4½proz. Serben 876,
Darmſtädter Bank 114,25. Südd. Eiſenb.=Geſ. 125,50 G,
South=Weſtafrika 114½, Otavi=Eenußſcheine 110, Otavi=
Anteile 83, Kaliwerke Weſteregeln 189, Aluminium 267½,
Südd. Immob.=Geſ. 48,50 G. Adlerwerke Kleyer 410,
Deutſche Gold= und Silber=Scheideanſtalt 612, Chemiſche
Mühlheim a. M. 62, Lack= und Farb.=Fabr. Schramm,
Offenbach a. M. 273 G, Rütgers=Werke 191,20,
Akkumula=
toren 373, Allg. Elektr.=Geſ. 244¼, Brown=Boveri 149,10,
Lederwerke Spicharz, Offenbach a. M. 85, Ludwigshaf.
Walzmühle 159,70 B, Benz=Motoren zirka 228½
Dür=
kovp=Maſchinen, Bielefeld 363½, Faber u. Schleicher, A.=G.,
Offenbach a. M. 127, Motorenfabrik Oberurſel 169,75,
Waggonfabrik Fuchs, Heidelberg 144,50, Reiniger,
Geb=
hard u. Schael 194,50, Holzverkohlung 318,25.
Landwirtſchaftliches.
* Berlin, 9. Aug. Wöchentlicher
Saaten=
ſtandsbericht der Preisberichtſtelle des
Deutſchen Landwirtſchaftsrats. Das Wetter
hatte in der Berichtwoche einen ziemlich unſicheren
Cha=
rakter, doch ſind ſtärkere Niederſchläge nur in einem Teile
von Schleſien und in Bayern vorgekommen. In den
übri=
gen Gebieten konnte die Arbeit auf den Feldern flott
ge=
fördert und ein großer Teil der Ernte geborgen werden.
Von den Winterhalmfrüchten iſt der Roggen faſt ganz
ge=
ſchnitten und eine erhebliche Menge bereits abgefahren.
Soweit nach den bisher vorgenommenen Probedruſchen
zu beurteilen iſt, dürfte im Durchſchnitt mit einem
mittle=
ren Ertrage zu rechnen ſein; hier und da wird über
Ent=
täuſchungen berichtet, die auf Froſtſchäden während der
Blüte zurückgeführt werden. Vom Weizen, deſſen Reife
durch die kühlere Witterung der letzten Tage etwas
zurück=
gchalten wird, verſpricht man ſich eine gute Ernte. Sein
Schnitt iſt im Gange oder dürfte im Laufe der nächſten
Woche bei günſtiger Witterung vielfach in Angriff
genom=
men werden. Die Ernte der Sommergerſte iſt bereits
ziemlich weit gediehen; das Ergebnis dieſer Frucht, die
bisher meiſt unbeſchädigt geborgen werden konnte, ſcheint
im allgemeinen zu befriedigen Auch vom Hafer iſt bereits
viel geſchnitten, aber der größere Teil ſteht noch auf dem
Halme, da der Reifeprozeß, namentlich auf beſſeren Böden.
zuletzt langſamer vor ſich geht. Ueber die Ausſichten der
Haferernte lauten die Berichte ſo verſchieden, daß ſich noch
kein rechter Ueberblick gewinnen läßt; teilweiſe liegen aber
aus den von langer Trockenheit betroffenen Gebieten jetzt
hoffnungsvollere Berichte vor, und es ſcheint, daß das
Durchſchnittsergebnis etwas beſſer ſein dürfte, als eine
Zeitlang befürchtet wurde. Weniger vorteilhaft als
für=
die Halmfruchternte war das Wetter in den letzten Tagen
für die Entwickelung der Hackfrüchte. Abgeſehen davon,
daß in manchen Gegenden Mitteldeutſchlands wieder über
Mangel an Bodenfeuchtigkeit geklagt wird, begann am
4. Auguſt eine ziemlich ſchroffe Abkühlung, die beſonders
in der Nacht vom 5. zum 6. Auguſt das Thermometer
vie=
lerorts auf 6, ſtellenweiſe auf 2 Grad Celſius zurückgehen.
ließ. Unter dieſen Verhältniſſen konnte das Wachstum
keine ſonderlichen Fortſchritte machen. Meldungen, wonach
die Rüben unter Trockenheit leiden, kommen aus den
Pro=
vinzen Brandenburg, Sachſen, aus dem Königreich
Sach=
ſen, ſowie aus Anhalt und Mecklenburg. Im übrigen
wird der Stand der Rüben günſtig beurteilt, während die
Kartoffeln inſofern weniger befriedigen, als häufig über
vorzeitiges Abſterben des Krautes berichtet wird und
Blattrollkrankheit und Schwarzbeinigkeit ſich in größerem
Umfange bemerkbar machen.
Geminnauszug
der
3. Preußiſch-Füddentſchen
(229. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotterie
2. Klaſſe 1. Ziehungstag 8. Auguſt 1913
Auf ſede gezogene Aunner ſind zwet gleich hode Geboimne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
Ehne Gewähr ul. St.el. ſ. 3.)
(Rahdrnck verdolen)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 40000 Mk. 49147
2 Gewinne zu 20 000 Mk. 217118
2 Gewinne zu 3000 Mk. 23514
2 Gewinne zu 1000 Mk. 13461.
2 Gewinne zu 500 Mk. 50400
10 Gewinne zu 400 Mk. 17094 37549 114225 119013
143926
18 Gewinne zu 300 Mk. 21706 24558 28605 69090
73114 108500 114223 152416 179060
78 Gewinne zu 200 Mk. 9657—10738 13658 20137
2636d 29170 30662 31053 31656 31812 367
736 38060
43235 51946 54536 56892 60349 61848 64213 75766
76973 83126 86391 86786 102716 104273 113658
115494 118873 124630 139069 145066 145878 159517
202067 205382 210681 216792 218223
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 60000 Mk. 49590
4 Gewinne zu 5000 Mk. 33817 202531
2 Gewinne zu 3000 Mk. 119332
4 Gewinne zu 500 Mk. 30045 198327
18 Gewinne zu 400 Mk. 9317 18921 27138 36891
54172 73518 73588 127005 197885
30 Gewinne zu 300 Mk. 3699 15126 20613 21639
60643 63517 143273 151606 158900 163634 173939
187899 192595 197187 201976
80 Gewinne zu 200 Mk. 11578 25153 28968 31969
37477 39289 51036 53403 57885 58693 59551 59928
77818 87514 93749 98462 100357 100504 102701
108544 109225 110409 124820 128972 134273 135694
147354 150494 152645 163330 165011 173613 174057
178259 184525 195960 200193 205998 208602 213321
Ständige Rettungswache der Sanitätskolonne.
Telephonruf Nr. 1707.
Censon-Cehdistierer
Schnür- und Knopfstiefel
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solides Rossleder, genagelte Sohlen
schwarz Chromleder, Derby, Lackkappen
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Grösse 25—26 27—30
Größe 25—26 27—28 29—30 31—33 34—35 36—39
3.—
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4.25 4.75 5.25 5.75 6.25 7.25
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speziell für Knaben genarbt Rindleder, unverwüstlich
34—35 36—39
29—30 31—33
25—26 27—28
40
29—30 31—33 34—35 36—37 38—39
5.20
5.90
4.80
4.40
4.—
3.70
4.60 5.− 5.40 5.90 6.40 6.90
Boxleder, Derbyschn., eleg., br. Form, bew. Strapazierstfl.
solides Boxleder, sehr beliebt
4.30 4.60 4.90 5.30 5.70 6.70
5.30 5.60 5.90 6.30 6.60 6.90
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