Darmstädter Tagblatt 1913


04. August 1913

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Inſerate
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176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
verbunden
mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
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den Annoncen=Expeditionen. Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
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für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
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jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Banſterertes Anterhattungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Kaiſer iſt am Freitag abend vor Bergen ein=
getroffen
. Die Ankunft in Swinemünde erfolgt am
6. Auguſt.
Der König und die Königin von Spanien
ſind aus England nach Spanien zurückgekehrt.
Da in Hollland die Bildung eines rein liberalen
Kabinetts geſcheitert iſt, verzichtete der demo=
kratiſche
Abgeordnete Bos auf die Bildung eines Ka=
binetts
.
Dem Präſidenten von Venezuela, Gomez, wurde
wegen der Revolution, die von Gaſtro angeſtiſtet
ſein ſoll, diktatoriſche Gewalt übertragen.
Am Samstag wurde in Brüſſel der 3. inter=
nationale
Kongreß für Krebsforſchung
eröffnet.
Auf einer Kohlenzeche in Pottsville ( Pennſyl=
vanien
) ereignete ſich eine Exploſion. Fünfzig
Mann ſind getötet worden.

Sozialdemokraten als Ankläger
ihrer Partei.

* Einer der Unbedingteſten, der Genoſſe Geyer,
Reichstagsabgeordneter für Leipzig=Land, hat über die
Tätigkeit ſeiner eigenen Fraktion in einer Verſammlungs=
rede
u. a. geſagt:
Es könne nicht geleugnet werden, daß die ſozialdemo=
kratiſche
Fraktion Mittel bewilligt habe, die für den Mi=
litarismus
verwendet werden ſollten. Von einer Zwangs=
lage
ſei keine Rede geweſen. Manche Kreiſe in der Partei
ſcheuten einen Konflikt in der Sorge um einige Mandate:
aber höher als die Mandate ſtehe das Programm. 100
Millionen neuer indirekter Steuern ſeien kein ſo großes
Unglück geweſen. Die Lumperei mit der Vermögens=
zuwachsſtener
bedeute einen Pappenſtiel gegenüber den
140 000 Mann. die man in demſelben Augenblick dem Volke
aufgehalſt habe. Diesmal ſei der Opportunismus
in der Fraktion ausſchlaggebend geweſen. Dieſer Rech=
nungstragerei
müſſe ein Riegel vorgeſchoben werden, denn
ſie ſchädige die Partei und mache ſie zum Geſpötte der
Gegner. Wenn die Sozialdemokraten das herrſchende Re=
gierungsſyſtem
bekämpften und es trotzdem unterſtützten,
ſo wären ſie entweder verrückt oder Verräter.
Eine ſolche Partei bleibe keine proletariſche Partei mehr,
und es beſtehe die Gefahr, daß eine neue wirklich
proletariſche Partei entſtehe.
Auch der ſozialdemokratiſche Reichstagsabgeordnete
für Niederbarnim, Stadthagen, tritt jetzt als Ankläger
gegen die Reichstagsfraktion auf. Im ſozialdemokratiſchen
Wahlverein für den Berliner Vorortsbezirk Lichtenberg,
der zu dem Wahlkreis Niederbarnim gehört, erklärt Abg.
Stadthagen:
Die Zuſtimmung zu dem Wehrſteuerbeitrag und zu
dem Beſitzzuwachsſteuergeſetz wäre zur Ueberraſchung der
meiſten auf dem linken Flügel Stehenden vorgeſchlagen.
In der Fraktionsſitzung, in der über die beiden Deckungs=
vorlagen
Beſchluß gefaßt wurde, waren 96 Fraktionsmit=
glieder
anweſend. 52, alſo nur 3 über die Mehrheit der
Anweſenden, ſtimmten für die Zuſtimmung zu den beiden
Geſetzen, 3r, darunter auch Redner, dagegen 7 wollen,
daß die Fraktion ſich der Abſtimmung enthielte Dieſe
Abſtimmung veranlaßte eine Anzahl Genoſſen, darunter
auch den Redner, ſich die Frage vorzulegen, ob ſie bei der
Abſtimmung den Saal verlaſſen ſollten, weil ihrer Ueber=
zeugung
nach der Beſchluß nicht nur ein taktiſcher Fehler,
ſondern auch ein Verſtoß gegen die prinzi=
pielle
vom Parteiprogramm und unſeren Grundan=
ſchauungen
getragene Anſchauung ſei, daß das kapi=
taliſtiſche
Syſtem und ſeine Hauptſtütze der Militarismus,
nicht geſtützt werden, Mittel für dies Syſtem nicht bewil=
ligt
werden dürfen. Mit Rückſicht darauf, daß eine
Stimmenthaltung einer größeren Anzahl Abgeordneter
das Signal für eine Spaltung der Partei wer=
den
könnte, habe man ſich, zumal die Steuerfrage auf der
Tagesordnung des Parteitages ſtehe, entſchloſſen, dem
Beſchluß der Fraktion ſich zu unterwer=
fen
(!), wenn eine klare beſtimmte Erklärung abgegeben
werden würde über unſere Stellung zum Militarismus.
Dieſe Erklärung iſt ja dann formuliert. Vorher war be=
antragt
, nochmals in eine Diskuſſion der ſo wichtigen,
plötzlich angeſchnittenen Frage einzutreten. Das wurde
aber mit 52 gegen etwa 46 Stimmen leider abgelehnt.

Marokkaner im Dienſt der
Trikolore.

* Die Nachrichten des Deutſchen Wehrvereins ſchrei=
ben
: Es ſind noch nicht zwei Jahre verfloſſen, ſeitdem
Frankreich das Protektorat über das Sultanat Marokko
an ſich geriſſen hat, und ſchon ſteht eine beträchtliche An=
zahl
marokkaniſcher Einaoborener im Dienſt der franzö=

ſiſchen Republik. Neben den dem Sultan zur Verfügung
ſtehenden Truppen, die ſelbſtverſtändlich weniger dem
Sultan als dem franzöſiſchen Höchſtkommandierenden auf
marokkaniſchem Gebiet zu gehorchen haben, ſind bereits
heute als Troupes auxiliaires marocaines unter franzö=
ſiſcher
Flagge im Dienſt: 16 Kompagnien Infanterie, 8 Es=
kadrons
Reiterei, 4 Artillerie=Züge, 1 Zug Pioniere, 1
Kompagnie Train. Die France Militaire berichtet über
die Organiſation und das Anwachſen dieſes franzöſiſchen
Hilfskorps und erwähnt, daß Ende September 1912 neben
400 Franzoſen und algeriſchen Eingeborenen 2500 Marok=
kaner
in dieſem Korps vereinigt waren. Seitdem haben
ſich die Dinge beträchtlich geändert. Das Korps zählt
jetzt 120 franzöſiſche und algeriſche Offiziere, 800 franzöſi=
ſche
und algeriſche Unteroffiziere, 6200 Marokkaner! Ferner
ſind vorhanden 1700 Pferde, außerdem 1400 Maultiere.
Aus dieſer Tatſache läßt ſich der Schluß ziehen, daß
die marokkaniſche Bevölkerung in abſehbarer Zeit in wach=
ſendem
Maße dazu beitragen wird, die Arabo= Berbertrup=
pen
der franzöſiſchen Republik zu vermehren. Es iſt nur
nach eine Frage der Zeit, wann Frankreich imſtande ſein
wird, 100000 ſogenannter Turkos, die ſich bereits 1870
als ausgezeichnete Soldaten bewährt haben, in einem
europäiſchen Krieg zu verwenden. Es ſtehen jetzt ſchon
36000 Araber und Berber in Algier und Tunis unter
franzöſiſcher Fahne, die im Kriegsfall auf 50000 Mann
gebracht werden. Wenn man die oben berechneten Ma=
rokkaner
in franzöſiſchen Dienſten zuzählt, ſo iſt für einen
europäiſchen Krieg die Infanterie für 2. Armeekorps an
Arabern und Berbern bereits heute verfügbar!

Die Lage in Portugal.

* Ein Sonderberichterſtatter des Pariſer Journal
meldet aus Tuy an der ſpaniſch= portugieſi=
ſchen
Grenze: Wenn auch die Lage in Portu=
gal
eine ſchwierige iſt, ſo war doch in Liſſabon keines=
wegs
der Bürgerkrieg ausgebrochen, wie ein Gerücht
wiſſen wollte. Das einzige Hindernis, welches ſich der
Wiederherſtellung der Ruhe entgegenſtellt, ſind die anar=
chiſtiſchen
Anſchläge und die Bombenexploſion,, über
welche die Zenſur zu berichten verbietet. In der Nacht zum
Mittwoch verübten drei Anarchiſten in der Caballeiert=
ſtraße
auf eine Patrouille einen Anſchlag und töteten drei
und verwundeten zwölf Poliziſten. Die Regierung iſt von
der Treue der Truppen überzeugt und entſchloſſen, tat=
kräftig
gegen die Anarchiſten vorzugehen, die unter der
Maske ſozialer Forderungen Aufſtände anzetteln wollen.
Die Ruhe iſt gegenwärtig wieder einigermaßen hergeſtellt,
aber nicht ſehr geſichert. Die Syndikaliſtenführer in
Oporto haben erklärt, der Rummel werde in einem
Augenblick wieder losgehen, wo man am wenigſten daran
gedacht habe. Was die Monarchiſten anlangt, ſo haben
ſie wenig Hoffnung auf die Verwirklichung ihrer Pläne.
Immerhin ſeien ſeit einigen Tagen ungewöhnliche Be=
wegungen
an der Grenze zwiſchen Vigo, Orenſe, Verin
und Tuy wahrzunehmen, doch ſeien die Syndikaliſten
abweſend.
Ein hervorragender Offizier habe ſich zu dem Be=
richterſtatter
geäußert: Die Monarchie kann nicht wieder=
kehren
, doch gehen wir in den letzten Tagen immer mehr
der Anarchie entgegen. Die Kaufleute von Oporto er=
ließen
einen Aufruf, in dem ſie ſich über die im Lande
herrſchende Zerrüttung beklagen, die ſie mit dem Ruin
bedrohe.

Deutſches Reich.

Beteiligung. Deutſchlands an der
Weltausſtellung in San Franzisko. Nach=
dem
es England abgelehnt hat, ſich offiziell an der Welt=
ausſtellung
in San Franzisko zu beteiligen, machen die
Amerikaner jetzt den Verſuch, engliſche Ausſteller dadurch
zur privgten Beteiligung heranzuziehen, daß eine um=
fangreiche
deutſche Beteiligung angekündigt wird. Deutſche
Geſchäftsleute, ſo wird behauptet, machen die größten An=
ſtrengungen
, ihren Handel an der Küſte des Stillen Ozeans
auszubreiten und beſchicken deshalb die Ausſtellung in
San Franzisko. Um engliſchen Ausſtellern Gelegenheit
zu geben, mit deutſchen Händlern zu konkurrieren, werde
die Ausſtellungsleitung den für England reſervierten
Raum freihalten, obwohl die britiſche Regierung offiziell
abgeſagt hat. Wie man hört, iſt eine endgültige Entſchei=
dung
über die offizielle Beteiligung Deutſchlands an der
Ausſtellung in San Franzisko noch nicht getroffen. In
unſerer im allgemeinen ausſtellungsmüden Großinduſtrie
iſt wenig Neigung dazu vorhanden.

Offiziere im Erwerbsleben. Die ſo=
eben
erſchienene Auguſt=Nummer der Bankbeamten= Zei=
tung
bringt einen energiſchen Proteſt gegen das bekannte
Rundſchreiben des Kriegsminiſteriums, in welchem der
Verſuch gemacht wird, verabſchiedete Offiziere in größerem
Maßſtabe im Handel und in der Induſtrie unterzubringen.
Das Bankbeamtenblatt weiſt u. a. darauf hin, daß in den
Kreiſen der Kollegenſchaft genügende Perſönlichkeiten auch
für gehobene Stellungen vorhanden ſeien, und daß durch
das Hineinſchieben von ehemaligen Offizieren das Vor=
wärtskommen
und die Verdienſtmöglichkeiten der Bank=
angeſtellten
ſehr bedeutend erſchwert werden würden.
Schon jetzt ſei ein ſtarker Andrang von Angehörigen
anderer Berufe zum Bankgewerbe zu verzeichnen, und da
die Gehaltsforderungen meiſtens niedrige ſeien, ſo werde
die Poſition der Bankbeamtenſchaft, die ohnehin keines=
wegs
als glänzend bezeichnet werden müſſe, bereits da=
durch
gedrückt. In gleicher Weiſe werde das Eindringen
verabſchiedeter Offiziere wirken, und aus allen dieſen
Gründen wehrt ſich das oben erwähnte offizielle Organ
des Deutſchen Bankbeamten=Vereins auf das entſchiedenſte
dagegen. Schließlich wird mitgeteilt, daß ſich der Vor=
ſtand
an den Zentralverband des Deutſchen Bank= und
Bankiergewerbes gewandt und dieſen gebeten habe, auf
die Bankfirmen einzuwirken, daß dem Wunſch des Kriegs=
miniſteriums
nicht ſtattgegeben werde. Wie verlautet,
wird ſich auch der Hanſabund=Ausſchuß für Angeſtellten=
fragen
mit dieſer Angelegenheit beſchäftigen, und zunächſt
iſt eine Eingabe an den deutſchen Handelstag vorgeſchla=
gen
worden.
Folgen der Strafausſetzung bei
Jugendlichen. Ueber die Erfahrungen der Straf=
ausſetzungen
bei Jugendlichen wird folgendes mitgeteilt:
Während im erſten Jahre der Neueinrichtung insgeſamt
3200 Fälle verzeichnet wurden, in denen die Strafaus=
ſetzung
zur Anwendung kam, wuchs ihre Anzahl im
Jahre 1911 auf rund 12030 und ſtieg dann über 13000.
Die Jugendabteilungen in den Gefängniſſen, die noch vor
einigen Jahren rund 3000 Gefangene enthielten, umfaſſen
jetzt kaum noch 300. Bei den übrigen Jugendlichen ließ
ſich von der Ausſetzung der Strafe ein Erfolg nicht er=
hoffen
. Aber auch bei ihnen ſind Maßnahmen getroffen,
um der Gefängnisſtrafe einen erzieheriſchen Wert zu ver=
leihen
, indem die Beamten, die die Jugendabteilungen
leiten, beſonders dafür vorgebildet werden.
Südweſtafrikaniſche Diamantenaus=
fuhr
im Jahre 1912. Die Förderung und Aus=
fuhr
an Diamanten iſt von Vierteljahr zu Vierteljahr
während des Kalenderjahres 1912 geſtiegen, und hat ins=
geſamt
die Jahresmenge von 238,772 Kilogramm erreicht.
Gegen das Jahr 1911 mit einer Ausfuhr von 153,572 Kilo=
gramm
bedeutet das eine Zunahme um über 50 Prozent.
Auch die Ausfuhrmenge von 1910 mit 178,261 Kilogramm
iſt noch erheblich überſchritten. Der Wert dieſes Exportes
dürfte wenig unter 40 Millionen Mark bleiben.

Ausland.
Frankreich.

Die Beratung der Militärvorlage im
Senat. Der Senator d’Eſtournelles de Conſtant ſagte
in ſeiner Rede über das Dreijahrgeſetz u. a.:
Man darf von uns unter dem Hinweis auf eine über=
triebene
Gefahr keine überflüſſigen Opfer verlangen.
Deutſchland hat ſeine Stärke, es hat aber auch ſeine
Schwächen. Wenn es den viel beſprochenen plötzlichen
Angriff unternehmen würde, dann würde es die Sym=
pathien
der Welt nicht für ſich haben. Nach dem Kriege
würde in Deutſchland eine Revolution ausbrechen. Dieſe
Gefahr beſteht bei uns nicht, wo die Revolution durchge=
führt
iſt. Das Schiedsgerichtsweſen hat im letzten Jahre
ſichtliche Fortſchritte gemacht. Ich ſehe jene deutſche Re=
gierung
nicht, welche wie bei einem Würfelſpiel die Zu=
kunft
Deutſchlands als Einſatz wagen würde. ( Zwiſchen=
ruſt
: Die deutſche Regierung iſt friedlicher als das deut=
ſche
Volk!) d'Eſtournelles de Conſtant fortfahrend: Vom
äußeren Geſichtspunkt aus muß das Erwachen der ſla=
wiſchen
Welt, müſſen die Balkanereigniſſe Deutſchland zu
denken geben. Wäre es klug von Deutſchland, ſeine beſten
Kräfte gegen Frankreich zu verbrauchen und ſich nachher
gegen Rußland zu wenden? Deutſchland wird auch keine
endloſen finanziellen und ſozialen Kriſen entfeſſeln
wollen. Deutſchland iſt iſolierter als wir, es iſt mehr be=
droht
als bedrohlich. (Royaliſt Le Breton ruft ironiſch
dazwiſchen: Alſo rüſten wir ab!) d’Eſtournelles de Con=
ſtant
fortfahrend: Die Lage Deutſchlands iſt in den letzten
Monaten nicht ſtärker geworden. Es hat ſeine Mann=
ſchaftsbeſtände
vermehrt, aber das iſt eine unvermeidliche
Folge der Zunahme ſeiner Geburtenzifſer. Unſere Lage
par 1905 Deutſchland gegenüber weniger ſtark als heute
Das Dreijahrgeſetz iſt kein Hilfsmittel. Man wird das
Land mit Laſten erdrücken und es dem Auslande preis=
geben
. Man ruft den fremden Angriff geradezu herbei.

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Nicht allein die Armee, ſondern auch die Gehirne werden
uns fehlen. Das Dreijahrgeſetz iſt ein tödlicher Schlag
für Frankreich und für die Ziviliſation. Zwingen Sie
Frankreich nicht, ſich an dem kaiſerlichen Deutſchland ein
Beiſpiel zu nehmen! (Beifall.) Im weiteren Verlaufe
der Sitzung des Senats erklärte General Mercier, der
Senat müſſe das Geſetz über die dreijährige Dienſtzeit ſo,
wie es ſei, annehmen, denn es drohe unmittelbar Gefahr.
(Beifall auf der Rechten.) Kriegsminiſter Etienne recht=
fertigte
darauf die Einſtellung der Zwanzigjährigen. Er
ſagte: Die Uebergangszeit iſt ſchwierig, aber in gleicher
Weiſe auch für Deutſchland. Wir werden im nächſten
April drei kriegsbereite Jahresklaſſen haben, und das
Land wird dadurch die nötige Sicherheit beſitzen. Die
Kaſernenbauten im Oſten ſind bereits vorgeſchritten. Der
Kriegsminiſter entwickelte ſodann die Gründe, aus denen
die Regierung von dem Lande dieſe beträchtlichen An=
ſtrengungen
gefordert habe, der jede Idee einer Reaktion
oder Herausforderung fernliege. Die Regierung habe
ſchnell vorgehen müſſen, habe aber gehandelt, ſo gut es
ihr möglich geweſen ſei. Das Parlament müſſe alſo nach=
ſichtig
ſein gegen Irrtümer oder Lücken, die das Geſetz
enthielten, denn Frankreich wolle den Frieden nur. wenn
ſeine Ehre und Würde dabei gewahrt bliebe. (Beifall.)
Der Miniſter ſchloß mit einem Appell an den Patriotis=
mus
des Senats, der das Inkrafttreten des Geſetzes nicht
verzögern werde. Bringen Sie kein Unglück über das
Land, rief der Miniſter, indem Sie Aenderungen an
dem Geſetz vornehmen! Berichterſtatter Doumer ſetzte
den Mechanismus und die Folgen der Einſtellung der
Jahresklaſſe 1913 im nächſten November auseinander und
wies auf die Tatſache hin, daß Deutſchland zur ſelben
Zeit wie Frankreich zahlreiche Rekruten unterrichten
werde. Doumer ſchloß: Der Friede iſt ſeit 40 Jahren ge=
ſichert
, weil wir uns auf einen Krieg vorbereiteten und
Frankreich immer beſſer bewaffneten. Darauf wurde
die allgemeine Beratung geſchloſſen und die Weiterbera=
tung
auf Dienstag vertagt.
Spanien.
Der Streik in Barcelona. Der Miniſterrat
beſchäftigte ſich eingehend mit der durch den Streik in Bar=
celona
geſchaffenen Lage. Die Ausſtändigen, deren Zahl
jetzt auf 35000 angegeben wird, beobachteten eine
ziemlich ruhige Haltung. Die Regierung iſt der Anſicht,
daß es ſich weit mehr um eine politiſche, als um eine
wirtſchaftliche Bewegung handle. Drei franzöſiſche Syn=
dikaliſten
wurden aus Barcelona ausgewieſen.
Holland.
Die Kabinettskriſis. Wie das Reuterſche
Bureau erfährt, hat der demokratiſche Abgeordnete Bos,
nachdem ſich die Sozialiſten geweigert haben, an der Bil=
dung
eines aus Mitgliedern aller Parteien der Linken
zuſammengeſetzten Kabinetts mitzuarbeiten, die Königin
gebeten, ihn von der Aufgabe, ein Kabinett zu bilden, zu
befreien. Die Königin hat ſeinem Wunſche entſprochen.
Amerikg.
Die Vereinigten Staaten und Mexiko.
Nach einer Konferenz zwiſchen dem Präſidenten Wilſon
und Bryan wurde eine Erklärung veröffentlicht, in der
es heißt, daß die Vereinigten Staaten keineswegs ge=
drängt
worden ſind, in Mexiko vorzugehen. Die Mel=
dung
, daß die europäiſchen Regierungen drängten, um
die Vereinigten Staaten zu einem aggreſſiven Vorgehen
gegen Mexiko zu veranlaſſen, entbehrt jeder Grundlage.
In Regierungskreiſen rief die Nachricht aus der Stadt
Mexiko, daß die Delegierten ſich bemühen, den beiden Re=
volutionspartien
Friedensvorſchläge zu machen, Befrie=
digung
hervor. Die hauptſächlichſte Schwierigkeit liegt
darin, einen keiner Partei angehörenden proviſoriſchen
Präſidenten zu wählen. Einige mexikaniſche Diplomaten
in Europa werden in Erwägung gezogen.
Die Unruhen in Venezuela. Dem Präſi=
denten
Gomez wurde wegen der Revolution diktatoriſche
Gewalt übertragen. Der Präſident teilte den Gouver=
neuren
mit, daß Caſtro, angetrieben durch ſeinen Ehrgeiz
und ſeine Herrſchſucht, die Revolution hervorgerufen habe
Die Empörer hätten bereits in mehreren Orten die öffent=

liche Ordnung geſtört. Die Gouverneure verſprachen, der
Regierung beizuſtehen. Amtlichen Depeſchen aus Caracas
zufolge, wurden die aufſtändiſchen Truppen an zwei
Stellen von den Regierungstruppen zurückgeworfen. Aus
Caracas wurden den Aufſtändiſchen keine Soldaten ent=
gegengeſchickt
, da die Regierung die Staatstruppen im
Aufruhrgebiet für ſtark genug hält. Ein Telegramm aus
Willemſtad meldet, daß aus Puerto Caballo eine Beſtä=
tigung
der Meldung von der Landung Caſtros in Coro
eingelaufen ſei.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 4. Auguſt.
* Vom Hofe. Ihre Königl. Hoheit die Groß=
herzogin
begab ſich am Freitag 3 Uhr nachmittags
mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen
Ludwig im Auto zum Beſuch der Fürſtin=
Mutter zu Erbach=Schönberg nach Schön=
berg
. Die Rückkehr nach Jagdſchloß Wolfsgarten erfolgte
6½ Uhr. (Darmſt. Ztg.)
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Großherzog
empfingen am Samstag: den Generalmajor v. Uthmann,
Kommandeur der 49. Inf.=Brigade (1. Großh. Heſſ.), den
Generalmajor Frhrn. v. Speßhardt, Kommandeur der 50.
Inf.=Brigade (2. Großh. Heſſ.), den Oberſt v. Helldorff,
Kommandeur des Leibgarde=Inf.=Regts. (1. Großh. Heſſ.)
Nr. 115, den Leutnant v. Wenz zu Niederlahnſtein von
demſelben Regiment, den Oberſtleutnant a. D. v. Linſingen
von Alsbach (Heſſen), den Oberſtleutnant v. Hofmann,
Bataillons=Kommandeur im Inf.=Regt. Landgraf Fried=
rich
I. von Heſſen=Kaſſel (1. Kurheſſ.) Nr. 81 in Frank=
furt
a M., den Oberleutnant Wüſt vom Fußartillerie=
Regiment Nr. 10, kommandiert von der Kriegsakademie
zur Dienſtleiſtung beim Leibgarde=Inf.=Regt. (1. Großh.
Heſſ.) Nr. 115, den Leutnant der Reſerve Andreas vom
Großh. Heſſ. Train=Bataillon Nr. 18, den Geh. Oberrech=
nungsrat
Dr. Frank, den Hoffriſeur Hermes, den Be=
triebsaufſeher
Arras, den Pfarrer Berck von Mainz=
Mombach, den Rentner Volkenborn von Budenheim, den
Pfarrer Zimmermann, den Profeſſor Hammann, den
Kommerzienrat Baum von Wiesbaden; zum Vortrag: den
Finanzminiſter Dr. Braun, den Präſidenten des Ober=
konſiſtoriums
D. Nebel, den Vorſtand des Kabinetts Ge=
heimerat
Römheld.
Erteilt haben Se. Königl. Hoheit der Groß
herzog zum 1. Oktober d. J. dem Forſtwart der
Kommunalforſtwartei Rüddingshauſen (Oberförſterei
Homberg) Wilhelm Kalberlah zu Rüddingshauſen
den Charakter als Förſter.
* Uebertragen wurde der Schulamtsaſpirantin
Margarete Schmitz aus Zilshauſen eine Lehrerinſtelle
an der Gemeindeſchule zu Büdesheim, Kreis Bingen
dem Schulamtsaſpiranten Georg Seling aus Frau=
Rombach eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu
Grebenhain, Kreis Lauterbach
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Miniſterialrat i. P. Ge=
heimerat
Dr. Theodor Schäffer dahier aus Anlaß
ſeiner auf Nachſuchen erfolgten Enthebung von dem Amte
des Vorſitzenden des Techniſchen Oberprüfungsamts die
Krone zum Komturkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen verliehen.
*
Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 15,
enthält: 1. Bekanntmachung, den Gehalt des Großh
Rabbinen zu Alzey betreffend. 2. Bekanntmachung, den
Ausſchlag des Gehalts des Rabbinen zu Bingen für
das Jahr 1913 betreffend. 3. Ueberſicht über die ir
der Stadt Bingen zu erhebenden Gemeindeſteuern für
das Rechnungsjahr 1913. 4. Ueberſicht über die in den
Gemeinden des Finanzamtsbezirks Büdingen des
Kreiſes Büdingen zu erhebenden Gemeindeſteuern für
das Rechnungsjahr 1913. 5. Ueberſicht über die in den
Gemeinden des Kreiſes Erbach (mit Ausnahme der Ge=
meinde
Raibreitenbach) zu erhebenden Gemeindeſteuern
für das Rechnungsjahr 1913. 6. Ueberſicht über die von
Großh. Miniſterium des Innern für das Rechnungsjahr
1913 zur Beſtreitung der Gemeindebedürfniſſe der
iſraelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Alsfeld ge=
nehmigten
Umlagen. 7. Namensveränderungen. 8. Be=
ichtigung
.
g Der Provinziklausſchuß lehnte in ſeiner Sitzung
am Samstag zwei Wirtſchaftskonzeſſionsgeſuche ab. Im

Hauſe Moltkeſtraße 78 izu Offenbach will Heinrich
Walter eine beſtehende Wirtſchaft pachten. Polizeiamt
und Kreisamt Offenbach hatten wegen des Vorlebens der
Eheleute Walter Bedenken, die Konzeſſion zu erteilen. Der
Provinzialausſchuß lehnte das Geſuch ab. In Mör=
felden
will Friedrich Kühnbaum im Hauſe Weſtend=
ſtraße
47 eine (Wirtſchaft betreiben. Der Gemeinderat und
der Bürgermeiſter von Mörfelden haben die Bedürfnis=
frage
verneint. Dieſer Auffaſſung ſchloß ſich der Kreis=
ausſchuß
Groß=Gerau an, weil in Mörfelden bei einer
Einwohnerzahl von 4100 Seelen bereits 12 Gaſt= und 17
Schankwirtſchaften vorhanden ſeien. In der Weſtend=
ſtraße
, nur 150 Meter von dem Hauſe des Geſuchſtellers
entfernt, befinde ſich bereits eine Schankwirtſchaft und in
unmittelbarer Nähe ein Flaſchenbiergeſchäft. Der Pro=
vinzialausſchuß
wies die Berufung gegen dieſes Urteil als
unbegründet ab.
Stadtverordneten=Verſammlung. Die Tages=
ordnung
für die 8. Sitzung am Donnerstag, den 7. Au=
guſt
, nachmittags 3½ Uhr, iſt: 1. Mitteilungen. 2. Nach=
trag
zum Ortsbauſtatut ꝛc. für die Bruſt= und Bruch=
wieſenſtraße
. 3. Geſuch um Befreiung von den Beſtim=
mungen
über das Bewohnen der Dachräume für die Neu=
bauten
am Hauptbahnhof. 4. Geſuch um Erlaubnis zur
Errichtung eines proviſoriſchen Schuppens auf dem Ge=
lände
gegenüber dem Hauptbahnhof. 5. Geſuch um Be=
freiung
von der Beſtimmung in § 4 Abſatz 1 des Orts=
ſtatuts
über die Anlage und Benutzung von Vorgärten für
Soderſtraße 90. 6. Aufhebung der Straße D zwiſchen
Rößlerſtraße und Kirſchenallee. 7. Errichtung einer Be=
dürfnisanſtalt
auf dem Marktplatz. 8. Fortſetzung der
Bauarbeiten auf dem neuen Friedhof und Bewilligung
weiterer Baumittel aus dem genehmigten Geſamtkredit.
9. Herſtellung der Dachgeſchoßwohnung in dem ſtädtiſchen
Gebäude Rundeturmſtraße 13. 10. Mietvertrag über die
dem chemiſchen Unterſuchungsamt überlaſſenen Räume in
dem ſtädtiſchen Gebäude Lagerhausſtraße 15. 11. Aende=
rung
des Mietvertrags über den Laden in dem ſtädtiſchen
Gebäude Grafenſtraße 30. 12. Herſtellung der Heidel=
berger
Straße (öſtlicher Teil) zwiſchen Landskronſtraße
und Gemarkungsgrenze. 13. Die Waſſerverſorgung von
Wixhauſen. 14. Herſtellung eines gedeckten Raumes zwi=
ſchen
dem Apparate= und Reinigerhaus im Gaswerk für
Magazinszwecke. 15. Abgrenzung der Wahlkreiſe inner=
halb
der Stadt für die Landtagswahlen. 16. Den Rad=
fahrerverkehr
auf öffentlichen Wegen und Plätzen. 17.
Den Automobilverkehr in der Kirchſtraße. 18. Geſuch um
Unterſtützung der durch Unwetter in der Rheinprovinz
Geſchädigten.
Volksſchul=
Zahnärztliche Poliklinik für die
Darmſtadt
kinder der Haupt= und Reſidenzſta=
Uhr).
(Sprechſtunden 912 und 25 Uhr, Samstags 4
N,
Im Juli wurden behandelt: 823 Kinder (487 Mädchen
Hefüllt wurden
336 Knaben) mit 1200 Konſultationen.
1100 Zähne, ausgezogen 608 Zähne (536 Milchzähne,
72 bleibende Zähne). Zahl der Tage, an denen Sprech=
ſtunden
abgehalten wurden: 27.

* Städtiſche Leſe= und Bücherhalle. Währe
des Monats Juli wurde die Leſehalle im ganzen von
3097 (im Juli 1912 von 3031) Perſonen beſucht; durch
der
Aus
ſchnittlich an jedem Tage von 99,9 Perſonen.
Bücherhalle nach Hauſe entliehen wurden an 12 Aus
leihtagen (vom 14.27, war die Bibliothek wegen de
Prüfung der Beſtände geſchloſſen) 2822 (1912: 28
davon 1790 wiſſenſchaftliche und belehrende Werke.
Zahl der ſeit dem 1. April d. Js. neu eingeſchriebenen
Leſer ſtieg auf 2455. An Büchergeſchenken gingen in
dieſem Monat weiter ein: von Fräulein Eckſtorm 2 Bde.,
von Fräulein Kumbruch 20 Jahrg. Zeitſchriften, von
der Univerſitäts=Bibliothek München 1 Bd., von Herrn
Stadtarchivar D. Dreher in Friedberg ein von ihm ver=
faßtes
Werk, von Fräulein Reinick 2 Bde., von Herrn
Schriftſteller Roehle in Jugenheim ein von ihm ver=
faßtes
Werk, von Frau Profeſſor Staudinger 2 Bde.,
von Herrn Kaufmann J. Wenz 14 Bde. Allen Geberr
herzlichen Dank! Weitere Schenkungen von Büchern
und Zeitſchriften, ſoweit ſolche nicht veraltet, ſind jeder
zeit willkommen.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Berlin aus der Vogelſchau, das Reichs=
tagsgebäude
und der Königsplatz mit der Siegesſäule
Blick auf die Straße Unter den Linden (aufgenommen aus
dem Zeppelinluftſchiff Hanſa); zu den Friedensverhand=
lungen
der Balkanſtaaten in Bukareſt; Feier des Reichs=
feuerwehrverbandes
am Völkerſchlachtdenkmal in Leipzig;
von der Eiſenbahnkataſtrophe in Jütland.

ten, er würde jeden Augenblick durchbrechen. Durch eine
kleine Luftklappe ſandte ich ihm eine Revolverkugel zu
(meine andere Munition war zu Ende), worauf ein ſchwe=
rer
Fall erfolgte und dann Stille. Als ich hinausging,
um nach dem Bären zu ſehen, war er verſchwunden aber
dafür ſah ich den Mond über dem Kamm des Berges
hinter unſerer Hütte leuchten.
Es war dies das uns willkommene Signal zum Auf=
bruch
, denn unſer Proviant war faſt ganz zu
Ende und wir hatten in der letzten Zeit nur ſehr wenig
eſſen können, wodurch ich mir ein Magenübel zuzog. Nach=
dem
ich aus den rohen geſalzenen Fellen einen Schlafſack
für uns beide angefertigt, unſere Skiſtöcke repariert, unſere
Kleidung und Schuhzeug ausgebeſſert hatte, konnten wir
endlich früh um 4 Uhr äm 23. November die Rückkehr an=
treten
. Die erſten 20 Kilometer waren verhältnismäßig
leicht, da ſie über ebenes Jungeis führten und Dr. Rüdiger
ganz gut mit dem Stiefel vorwärts kam. Abwechſelnd
ſchliefen und marſchierten wir bis fünf Stunden. Bald
wurde das Eis ſchwieriger und der Mond verſchleierte
ſich. Das Schlittenziehen ging immer ſchwerer, da die
eine Hündin, die uns geblieben war, auch bald er=
ſchöpft
war. Dazu kam, daß der Schlitten oft umkippte
und aufgerichtet werden mußte, daß man in der Dunkel=
heit
die Unebenheiten des Eiſes nicht vorher ſehen konnte
und ſchließlich auch die Orientierung immer ſchwieriger
wurde. Hinzu kam, daß wir kaum etwas zu eſſen und
überhaupt nichts zu trinken hatten. Von Tag zu Tag
wurden wir erſchöpfter, und zuletzt bekam ich von dem
vielen ſeitlichen Anziehen auch noch eine Hüftgelenkent=
zündung
, die das Gehen ſehr erſchwerte. Rüdiger ſelbſt
konnte ſich nur noch unter den größten Schmerzen vor=
wärtsſchleppen
, und ſein Gehen wurde immer langſamer.
Ich aber war glücklich, daß er ſich überhaupt noch vorwärts
ſchaffte, wenn ich auch immerwährend auf ſein Nachkommer
warten mußte
Eine grauſame Ironie der Natur war es, daß,
als wir mit faſt tieriſcher Stumpfheit nur immer vor=
wärts
und vorwärts ſtrebten, ſich uns ein farbenpräch=
tiges
Schauſpiel bot, wie ich es auf meinen frühe=
ren
Reiſen nie zuvor ſah. Eine dünne Wolkenſchicht hatte
den Mond verſchleiert und derſelbe erſchien nun mit einem
rieſigen blaugrünen Lichthof, deſſen Rand alle Regenbogen=
farben
in zartgebrochenen Tönen aufwies. Geſpenſtig
hoben ſich hierbei die mächtigen Bergſilhouetten gegen den
etwas helleren Himmel ab, während einzelne aus der

Die Schröder=Stranz=
Expedition.
Vom Marinemaler Rave, Hamburg.
(Nachdruck verboten.)

II.
Allein in der Polarnacht und Rettung.
Woche auf Woche verrann, das letzte Tageslicht ſchwand
und die lange Winternacht war hereinge=
brochen
. Der erfrorene Fuß Dr. Rüdigers wurde nicht
beſſer, vielmehr war die vordere Hälfte inzwiſchen blau=
ſchwarz
geworden und fing an, ſich von dem geſunden Teil
des Fußes zu trennen. Nur zwei erfrorene Zehen am
rechten Fuß verheilten langſam. Als nach vier Wochen
noch immer keiner von den weiter nach Adventbai gewan=
derten
vier Teilnehmern (Kapitän Ritſcher, Maſchiniſt
Eberhard, der Eislotſe und ein norwegiſcher Schiffer!
erſchien gab ich die Hoffnung auf Hilfe auf, denn ich
wußte, daß die beiden Norweger, wenn ſie in einer Hütte
Proviant finden würden, nicht weitergingen, da ſie ſich
vorher zu uns ſchon ſo geäußert hatten und Ritſcher ſich
von dem Eislotſen nicht leicht trennen konnte. Deshalb
fing ich an, alles für die Rückkehr vorzubereiten.
Das Schwierigſte war es, für dieſe Arbeiten Licht
zu beſchaffen. Zuerſt verſuchte ich es mit dünnen Holz=
ſtäbchen
, die in Fett getaucht waren, doch brannten die=
ſelben
zu ſchnell auf. Nach einigen Verſuchen gelang es
mir dann, Lichte aus Renntierfett zu gießen. Zunächſt galt
es, möglich zu machen, daß Dr. Rüdiger gehen konnte da
ſonſt eine Rückkehr unmöglich wurde, denn er mußte ſchon
ſeit Wochen liegen. Den erſten Verſuch, einen Stelz=
fuß
als Erſatz des Fußes zu machen, gab ich nach Pro=
bieren
desſelben wieder auf, da ſich das Gehen damit als
zu ſchwierig erwies. So kam ich auf den Gedanken, das
unbrauchbare Gelenk des Fußes durch ein künſtliches zu
erſetzen und konſtruierte einen mechaniſchen Stiefel
aus einem alten Ski, Ruckſackleder, einem Stiefel und
etwas Renntierfell. Derſelbe erwies ſich als brauchbar
und Rüdiger trainierte täglich eine Zeitlang damit.
Sehnſüchtig warteten wir auf den Mondſchein, doch
dichte Wolken verhinderten den Ausblick auf den Horizont.
Da ſtieg in der Nacht zum 20. November ein Bär auf
unſere Hütte, daß die Bretter krachten und wir glaub=

Fläche hoch hervorragende Eisblöcke bizarre Schlagſchat=
ten
bekamen, deren äußere Formen menſchliche Geſtalten=
vortäuſchten
.
Als wir endlich das Vorland der Moſſelbai
erreicht hatten, verſchwand das Mondlicht ganz und wir
mußten wieder in den ſteinhart gefrorenen Schlafſack
kriechen. Bei der großen Kälte hatte ein ſchwacher Nord=
wind
eingeſetzt, der das Geſicht zur Maske erſtarren ließ.
Lange, ſehr lange mußten wir nun liegen und auf gün=
ſtigeres
Wetter warten. Die koſtbare Zeit ſchwand, und
wir hatten noch eine ſchwere Tour Zeit bis zum Schiffe
vor uns
Endlich, nach 34 Stunden, wurde es etwas heller und
wir konnten aus dem engen Sack kriechen, nachdem wäh=
rend
der ganzen Zeit nur Schnee unſere einzige
Nahrung geweſen war. Nachdem der Schlitten gepackt
war, ging es weiter, und zwar ein wenig bergab, ſo daß
Dr. Rüdiger mit oben auf dem Schlitten ſitzen konnte.
Meine Hüftſchmerzen hatten nachgelaſſen und wir kamen
nun ſchnell vorwärts, zuweilen ſogar im leichten Trab;
auch die Hündin zog jetzt wieder beſſer. Nach mancherlei
optiſchen Täuſchungen erreichten wir tatſächlich das Eis
der Moſſelbai. Nun galt es, das Haus zu finden.
Der Kompaß wurde zu Rate gezogen und wir entſchieden
uns für eine etwas nordöſtliche Richtung, in der nach
unſerer Erinnerung das Haus liegen mußte.
Wieder zog eine Wolkenwand am Himmel in die
Höhe und es konnte nicht lange dauern, ſo mußte der
Mond wieder bedeckt ſein. Wir aber mußten auf alle
Fälle das Haus noch erreichen, denn ſeit 92 Stunden
hatten wir faſt nichts gegeſſen. Auch wurde
es Rüdiger faſt unmöglich, ſich noch weiter fortzubewegen.
Er wurde deshalb wieder auf den Schlitten geſetzt, und
mit Aufbietung der letzten Kräfte ſtrebte ich einem dunklen
Punkte zu, der nach unſerer Meinung das Haus ſein
mußte. Das Packeis war zum Teil wieder recht ſchlecht,
und einige ſpiegelglatte Stellen brachten mich häufig zu
Fall, während Unebenheiten und große Eisblöcke wieder
umgangen werden mußten.
Endlich aber erreichten wir doch das Haus, und
nun waren wir vorläufig geborgen. Ein Feuer konnte
gemacht werden, und aus verſchimmeltem Hartbrot und
Graupen kochte ich Eſſen. Nachdem wir geſchlafen hatten
konnten wir doch nicht weiter, da ein Schneeſturm einge
ſetzt hatte, der uns noch drei Tage gefangen hielt. Er
brachte den einen Parteil, daß wir uns körverlich etwas

[ ][  ][ ]

e Unfall. Zu dem Sturz aus dem Fenſter wird uns
noch gemeldet, daß das Mädchen zuerſt auf eine Teppich=
ſtange
fiel, wodurch der Fall auf den gepflaſterten Boden
abgeſchwächt wurde. Nach ärztlicher Ausſage ſcheint eine
Beſſerung eingetreten zu ſein. Das Mädchen erlitt einen
Armbruch, Beckenbruch, dreifachen Beinbruch und Knöchel=
bruch
.
§ Selbſtmordverſuch. Am Freitag abend gegen
9 Uhr ſprang ein 44 Jahre alter Taglöhner aus
Griesheim in den Woog, um ſich zu ertränken. Auf
ſeine Hilferufe wurde er von dem Woogspächter
Gunder, der ſich noch am Woog aufhielt, gerettet.
§ Selbſtmord. Ein 52 Jahre alter Kaufmann
hat am Freitag vormittag ſeinem Leben durch Er=
chießen
ein Ende gemacht.
§ Körperverletzung. Ein Taglöhner von hier,
welcher erſt geſtern nachmittag nach Verbüßung einer
längeren Freiheitsſtrafe aus dem Provinzialarreſthaus
zur Entlaſſung kam, hat geſtern abend in der Altſtadt
einen Mann ohne alle Veranlaſſung zu=
ſammengeſchlagen
.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 2. Auguſt.

Butter, ½ kg . . 1,40 M.
i. Part., ½ kg 1,30 M.
79 Pf.
Eier, Stück
Schmierkäſe, ½ Lit. 20-22 Pf.
Handkäſe, Stück 410 Pf.
Kartoffeln, Ztr. 2,753 M.
Kumpf (10 Liter) 55-60 Pf.
.. 4 Pf.
½ kg
Obſt u. dergl.:
Eierſchwämme½kg 20-25 Pf.
Aprikoſen, ½ kg . 80 Pf
Pfirſiche, ½ kg . . 70 Pf.
Pflaumen, ½ kg . 30 Pf
Reineklauden, ½ kg35-40 Pf.
Zwetſchen, ½ kg 3035 Pf.
Aepfel, ½ kg . 1825 Pf
Falläpfel,
kg 67 Pf.
Zitronen, Stück . 78 Pf.
Heidelbeer., Schopp. 15-16 Pf.
Apfelſinen, Stück 1012 Pf.
Sauerkirſchen, ½ kg 40-45 Pf.
Birnen, ½ kg . 2835 Pf.
Johannisbeeren, ½kg35 Pf.
Wald=Erdbeeren,
Schoppen . . 5055 Pf
Himbeeren, ½ kg . 50 Pf.
Trauben, ½ kg 5060 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.
Kopfſalat, Stück . 67 Pf.
Kohlrabi, Stück . 36 P
Erbſen, ½ kg . 1820 P
Radieschen, Bündel 23 Pf.
Rettiche, Stück . 510 Pf
Meerrettich, Stück . 30 P
Roterüben, Bündel . 5 P
Zwiebeln, ½ kg .
Tomaten, ½ kg . . 25 P
Spinat, ½ kg . 201
P.
Weißkraut, Stück 2530 Pf.
Rotkraut, Stück 1550 Pf.
Blumenkohl, Stück 1050 Pf.

Wirſing, Stück . 520 Pf.
Zuckererbſen, ½ kg 30 Pf.
Bohnen, ½ kg
. 12
Saubohnen, ½ kg 25 Pf.
Rhabarber, ½ kg 15
Gelberüben, Bündel 35
Gurken, Stück . 530 P
Einleggurken, Stück 23 Pf.
100 St. 1,30-2,20 M.
Römiſch=Kohl, Bündel 2 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 0,901,00 M.
Enten, Stück 3,504,50 M.
Hahnen, Stück 1,002,50 M.
Hühner, Stück 2,503,50 M.
6070 Pf.
Tauben, Stück
Lapins, Stück 0,901,00 M.
Fiſche:
90 Pf.
Hecht, ½ kg . .
Aal, ½ kg 1,101,20 M.
Karpfen, ½ kg 7080 Pf.
Andere Rheinfiſche,
. 3540 Pf.
kg.
Rotzungen, ½ kg . 60 Pf.
Schollen, ½ kg
50 Pf.
Kabeljau, ½ kg 2530 Pf.
Schellfiſche, ½ kg . 35 Pf.
Bratſchellfiſche, ½kg 20-25 Pf
Barben, ½ kg . 6070 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
Rindfleiſch, ½ kg .
)Pf.
Hackfleiſch, ½ kg . 76 P
56 Pf.
Rindsfett, ½ kg
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
chweinefleiſch, ½ kg 92 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
1 M.
½ kg .
ochwartemagen u. Fleiſch=
wurſt
, ½ kg.
. 90 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
½ kg . . . . . 72 Pf.

Babenhauſen, 2. Aug. Große bauliche Verän=
derungen
werden gegenwärtig am hieſigen Bahnhof
vorgenommen. Zur beſſeren Bewältigung des ſtarken
Güterverkehrs, der ſich hier an der heſſiſchen Grenzſtation
nach Bayern hinüber beſonders ſteigert, wird eine große
Güterbahnhalle an der Aſchaffenburger Linie errichtet
Weiterhin wird der ganze Bahnkörper auf mehrere Kilo=
meter
hin um 23 Meter höher gelegt. Die Steigung
beginnt bereits bei Hergershauſen, der zweiten Station
vor Babenhauſen. Dadurch wird es ermöglicht, anſtelle
der beiden Bahnübergänge an der Darmſtädter und der
Aſchaffenburger Chauſſee eine große Unterführung her=
zuſtellen
, die den ärgerlichen Verkehrsſtörungen an die=
ſen
ſehr belebten Straßen eine Ende macht. Die ge=
ſamten
Koſten für die Neu= und Umbauarbeiten am hie=

ſigen Bahnhof ſind zu 3 Millionen Mark veranſchlagt.
Die Bauzeit iſt auf 3 Jahre ausgedehnt.
Mainz, 2. Aug. Ein Mann, der nach Bingerbrück
wollte, wurde auf einer Station der Rhein=Nahebahn aus
dem Zuge heraus verhaftet. Während der Fahrt hatte
ein Schaffner Verdacht gegen ihn geſchöpft, weil zwei
Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren, die ſich in
ſeiner Begleitung befanden, unaufhörlich weinten. Der
Verhaftete verweigert jede Auskunft über ſeine Perſo=
nalien
.
(*) Gießen, 2. Aug. Das Denkmal für den
Gründer der Univerſität, Landgraf Lud=
wig
V., kommt vor das ſogenannte Neue Schloß neben
der alten Kaſerne. 12000 Mark ſind dafür bereits ge=
ſammelt
. Der Platz vor der Univerſität ſoll mit ſchatti=
gen
Anlagen und einem Trinkbrunnen verſehen werden.
Rh. Reimenrod bei Alsfeld, 1. Aug. Vergangene
Nacht gegen 12 Uhr wurden die Einwohner unſerer Ge=
meinde
durch Feuerlärm aus der Ruhe geſchreckt.
Das Gaſthaus Zum grünen Baum ſtand lichterloh in
Flammen, die in dem Stroh und Heu, mit dem die
Scheuer angefüllt war, gute Nahrung fanden. Da nur
ehr wenig Waſſer vorhanden war, mußte man ſich darauf
beſchränken, die anliegenden Gebäude zu ſchützen, ſo daß
das Gaſthaus vollſtändig niederbrannte. Zehn
Schweine ſind dabei in den Flammen umgekommen. Ueber
die Urſache des Brandes iſt noch nichts bekannt.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 2. Aug. In der Eiſen=
bahndirektion
Berlin werden gegenwärtig, dem Berliner
Lokalanzeiger zufolge, die Spezialpläne für den Umbau
des Bahnhofes Friedrichſtraße ausgearbeitet,
nachdem der Miniſter die Entwurfsſkizzen genehmigt hat.
Mit dem Umbau dieſes wichtigen Fern= und Stadtbahn=
hofes
, der einem Neubau vollkommen gleichzuſtellen iſt,
wird vorausſichtlich anfang nächſten Jahres begonnen
werden. Geſtern vormittag wurden wiederum bei zwei
jüngeren Rechtsanwälten Hausſuchungen vor=
genommen
, da ſie verdächtig ſind, Prüfungsarbeiten für
Referendare und Aſſeſſoren gegen Bezahlung angefertigt
zu haben. Die Durchſuchung hat ſchwer belaſtendes Mate=
rial
gebracht. Ein Hausverwalter, Oberpoſtaſſiſtent,
wurde laut dem Berliner Tageblatt, als er ſich in die
Wohnung eines Mieters begab, dem er wegen Lärmens
Vorhaltungen machte, von dieſem überfallen und mit
einem ſcharfen Inſtrument derartig zugerichtet, daß er mit
chweren Verletzungen nach der Charité übergeführt wer=
den
mußte.
Trier, 1. Aug. Geſtern abend vergnügten ſich mehrere
Kinder am ſeichten Moſelufer. Plötzlich verſank ein
neunjähriges Mädchen in einem Baggerloch. Sein ſechs=
jähriges
Schweſterchen wollte ihm zu Hilfe eilen. Beide
Kinder wurden aber von den Wellen fortgeriſſen und er=
tranken
. Die Leichen konnten kurz darauf geborgen
werden. Die beiden Verunglückten waren die Töchter
des Militärſchneiders Zink.
Dortmund, 1. Aug. In vergangener Nacht wurde im
Eilzug Hannover Dortmund einer Dame die
Handtaſche mit 100 Mark Inhalt geraubt. In einem
anderen Abteil erwachte ein allein ſchlafender Herr in
dem Augenblick, als ein Mann ihn zu berauben verſuchte.
Der Täter iſt ein Eiſenbahnbeamter, der in dem
Eilzug beſchäftigt iſt und in Hannover wohnt.
Friedrichshafen, 2. Aug. Der Herzog und die
Herzogin Alexander von Teck ſind mit ihren
beiden Kindern heute gegen 1 Uhr, von Schloß Windfor,
der Sommerreſidenz des Königs von England. kommend,
zu mehrtägigem Beſuche hier eingetroffen. Der König
und die Königin waren zum Empfange auf dem Bahnhofe
anweſend. Morgen wird die Großherzogin Luiſe von
Baden, die zurzeit auf der Inſel Mainau weilt, dem
Königspaar einen Beſuch abſtatten.
Hilden, 2. Aug. Dem Boten der Firma Alexander
Koppel, der in Begleitung von zwei anderen Boten von
Solingen nach Hilden gefahren war, war auf dem Bahn=
hof
die Löhnungsſumme von 20000 Mark ab=
handen
gekommen, die er im Solinger Hauptge=
ſchäft
abgeholt hatte. Der Bote erklärt, der Räuber habe
ihm das Geld abgenommen, nachdem er ihm Pfeffer ins
Geſicht geſtreut und am Halſe gewürgt hatte. Der Räu=
ber
ſei entkommen. Es iſt auch möglich, daß der Ueber=

fall fingiert iſt. Bis jetzt ſind vier Perſonen verhaftet
worden.
Spandau, 1. Aug. Bei einer Filmaufnahme
auf Pichelswerder, an der etwa 35 junge Leute zu Pferde
teilnahmen, ſcheute ein Pferd und warf den Reiter
ab, der beſinnungslos liegen blieb. Er hat einen Schen=
kelbruch
und eine Kopfverletzung davongetragen.
Danzig, 2. Aug. Prinz Friedrich Sigismund
von Preußen, der ſeit 1. Auguſt dem hieſigen Leib=
huſaren
=Regiment zugeteilt iſt, erlitt heute morgen einen
Unfall. Das Pferd das der Prinz ritt, bäumte ſich auf
und überſchlug ſich. Der Prinz erlitt einen Bruch des
rechten Wadenbeins. Er hat ſich in ärztliche Be=
handlung
des Profeſſors Barth begeben.
Flensburg, 2. Aug. Leutnant zur See von Secken=
dorff
hat ſich an Bord des Artillerie=Schulſchiffes Wet=
tin
erſchoſſen.
Bremerhaven, 2. Aug. Der Taucher Otto Götze, der
im Kaiſerdock eine undichte Schleuſentür zu reparieren
verſuchte, erſtickte als er zum dritten Male bei dieſer
Arbeit tauchte indem ſich ein Strohſack, der als Dich=
tungsmittel
dienen ſollte, zwiſchen ſeinen Luftſchlauch
preßte.
Kiel, 2. Aug. Prinzeſſin Heinrich von
Preußen fuhr geſtern über Wirrballen nach Ruß=
land
zum Beſuch des ruſſiſchen Kaiſerpaares. Schloß=
hauptmann
Graf Hahn und Hofdame von Plänckner be=
gleiten
ſie.
Genf, 1. Aug. Infolge Loslöſung zweier Planken
von einem am Rhone=Ufer liegenden Wäſcherin=
nenfloß
iſt dieſes plötzlich geſunken. Von fünf darauf
beſchäftigten Wäſcherinnen konnten nur zwei geret=
tet
werden. Nach anderen Meldungen ſind es elf Frauen
geweſen. Bis jetzt ſind vier Leichen geborgen. Zwei
Frauen wurden lebend, aber ſchwer verletzt, aus dem
Waſſer gezogen.

Mitglieder=Verſammlung
der Großh. Zentrale für Mutter= und
Säuglingsfürſorge.

o. Im Stadtverordneten=Sitzungsſaale wurde am
Samstag nachmittag die außerordentlich gut beſuchte
Mitglieder=Verſammlung der Großh. Zen=
trale
für Mutter= und Säuglingsfürſorge
abgehalten. Der Verſammlung wohnte bis zum Schluß
Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin bei. Für
den in Urlaub befindlichen Vorſitzenden, Miniſter
von Hombergk zu Vach eröffnete der ſtell=
vertretende
Vorſitzende, Finanzminiſter Dr. Braun.
die Verſammlung. Nach einer herzlichen Be=
grüßung
ſtellte Seine Exzellenz feſt, daß die
Säuglingsſterblichkeit infolge des Wirkens der Zentrale
erheblich geringer geworden ſei. Er erteilte ſodann Herrn
Regierungsrat Piſtor das Wort zur Ueberſicht über die
Geſchäfte der Großh. Zentrale im Geſchäftsjahr 1912/1913.
Redner führte aus: Der erſten Mitgliederverſammlung
vom 15. Mai 1909 ging ein Erlaß des Großherzogs vor=
aus
, dem eine Denkſchrift des Geheimerats Lingner zu=
grundelag
, in der der Gedanke eines einheitlichen Mutter=
und Säuglingsſchutzeszu einem wohldurchdachten Plan aus=
gearbeitet
war. Als eine Hauptaufgabe war in dieſem
Plan vorgeſehen die mündliche Beratung der Mütter. Die
Großh. Zentrale hat es nun in praktiſcher Verwirklichung
dieſer Gedanken auf 60000 Fälle von Anſtalts= und Haus=
beratung
gebracht. Dieſer Programmpunkt iſt alſo er=
ffüllt
. In der Kontrolle der Säuglinge iſt durch 50000
Beſuche im Jahre 1912 bei nur 30000 Geburten viel ge=
tan
worden. Durch Verteilung von Merkblättern wurde
ebenfalls umfaſſende Aufklärung gegeben. In dieſen
Merkblättern wird der Frau und den Müttern alles ans
Herz gelegt, was die Ernährung und Pflege der Säug=
linge
anbelangt. Die Entwickelung der Säuglingsſterb=
lichkeit
wird durch die Großh. Zentralſtelle für
Landesſtatiſtik genaueſtens verfolgt. Es iſt mit
Freude zu konſtatieren, daß wir in den vier
Jahren ein autes Stück vorwärts gekommen
ſind, was vor allem dem Wirken der Kreispflegerinnen
zu danken iſt, deren Arbeit unbedingt anerkannt werden
muß. Zahlenmäßig läßt ſich die Beſſerung in folgenden
Ziffern feſtſtellen: Während 1880 von 32000 Geborenen
6300 im Alter bis zu 1 Jahr geſtorben ſind, waren es
1911, dem mörderiſchſten Jahre ſeit etwa 60 Jahren, bei
etwa derſelben Geburtenzahl nur noch 4200, alſo 2000

erholten und ich Rüdigers Füße waſchen und verbinden
konnte.
Als wir endlich den letzten Teil unſeres
Weges nach dem Schiffe antcaten, war der Mond faſt
zu Ende, und nur eine ſchmale Sichel ſtand über den Ber=
gen
am Himmel. Aber wie ein gutes Zeichen leuchteten
unter derſelben die Wega und der Arkturus, die uns
ſchon einigemale als gute Wegweiſer gedient hatten. Das
ſchwerſte Stück des ganzen Weges lag zwar noch vor uns,
aber Dr. Rüdiger hatte ſich gut erholt, und der Hund war
in den drei Tagen rund und faſt fett geworden und zog
mit Eifer; das war auch ſehr notwendig, denn wir muß=
ten
mit dem etwa 200 Pfund ſchweren Schlitten durch die
ſteilen Schluchten hinauf auf das Hochplateau.
Am Sonntag, den 1. Dezember, ſtrebten wir beide
mit Aufbietung unſerer letzten Kräfte dem Punkte zu, wo
nach unſerer Meinung das Schiff liegen mußte. Wieder
leuchteten die beiden Sterne vor uns als freundliche Weg=
weiſer
; ſonſt war im Gelände faſt nichts mehr zu unter=
ſcheiden
, denn das Mondlicht war nicht mehr imſtande,
die Umgebung zu erhellen. Aber wir hatten uns nicht ge=
irrt
, und endlich, endlich hatten wir das Schiff
erreicht und waren, von den drei Norwegern mit ſtau=
nender
Bewunderung an Bord begrüßt, in Sicherheit.
Neun Tage waren wir unterwegs geweſen.
Die lange Winternacht brachte zwar noch
manche Unannehmlichkeiten und Ueberraſchungen mit ſich,
doch waren dieſelben im Vergleich zu den vorhergegange=
nen
Leiden nicht von Bedeutung. Dr. Rüdigers Fuß
mußte ich zur Hälfte amputieren, außerdem zwei Finger
um ein Glied kürzen und von zwei anderen etwas von den
Spitzen fortnehmen, denn die vier Finger waren auf dem
Marſche nach dem Schiffe durch das ſtändige Aufſtützen
auf die Skiſtöcke erfroren; auch am rechten Fuß waren
wieder zwei Zehen erfroren.
Am Weihnachtstage waren gänzlich unerwartet
die beiden Norweger, die mit Ritſcher uns damals
Hilfe holen wollten, nach dem Schiffe zurückgekehrt und
brachten die traurige Nachricht, daß ſie den Maſchiniſten
Eberhard, nachdem er bereits den größten Teil des
Weges mit zurückgelegt hatte, verloren, daß ſie von Dr.
Detmers und Dr. Moeſerin keiner der Jagd=
hütten
irgend eine Spur gefunden hätten, und
daß endlich Ritſcher allein nach der Adventbai gegangen
ſei. Außerdem erfuhren wir, daß damals während wir
beide Dr. Rüdiger und ich von faſt allen Mitteln ent=
blößt
, in der Hütte auf Hilfe warteten, die vier Mann
nur etwa neun Wegſtunden von uns entfernt mit reich=
lich
Provignt. Munition, Werkzeug, in der Hütte bei Kap

Petermann etwa zwei Monate wohnten und in der Zeit
zehn Renntiere ſchoſſen, aber nicht einer zu uns kam, um
uns Proviant oder Nachricht zu bringen.
Im Februar ſtarb der Koch an Schwindſucht,
Mitte Mäcz ſiedelten Dr. Rüdiger und ich nach dem eine
Stunde entfernten Holzhauſe an der Sorgebai über, nach=
dem
ich vorher alles zum Leben Nötige dorthin geſchafft
hatte.
Einen Tag nach Oſtern nahm die Mannſchaft
von uns Abſchied, um Briefe und Telegramme nach
der Adventbai zu bringen. Die Winternacht war vorüber
und das blendende Tageslicht erfüllte uns mit
neuem Lebensmut und kam unſeren Arbeiten ſehr gut zu=
ſtatten
. Dr. Rüdiger ſchrieb faſt den ganzen Tag, wäh=
rend
ich die Zeit, die von den häuslichen Arbeiten und
dem Eſſenkochen übrig blieb, zum Malen verwandte.
Studien und Bilder belebten bald die kahlen Holzwände.
Auf eine Aenderung der Verhältniſſe waren wir vor=
läufig
nicht gefaßt; um ſo überraſchter waren wir, als
gänzlich unerwartet am 21. April früh um ½1 Uhr,
die Hilfsexpedition unter Führung des nor=
wegiſchen
Hauptmanns Staxrud eintraf. Und
welche Freude war es, daß ſie uns gerade das mitbrachten,
was wir am meiſten entbehrten, nämlich Briefe, Zigar=
ren
und Kaffee. Ein Poſten Telegrammausſchnitte aus
Deutſchland befanden ſich auch in unſeren Briefen; ſo er=
fuhren
wir denn, daß ſeit Januar man ſich überall be=
müht
hatte, uns Hilfe zu bringen, daß ſchon drei Verſuche,
zu uns zu gelangen, geſcheitert waren und daß viele Tele=
gramme
gar nicht den Tatſachen entſprächen. Letzteres
wirkte trotz ſonſtiger Freude recht betrübend, denn wir
wußten, daß die Aufklärung Unannehmlichkeiten mit ſich
bringen würde.
Nachdem ich Dr. Rüdiger nun ſchon ſieben Monate
verbunden und behandelt hatte, konnte ich endlich die
Weiterbehandlung an Dr. Böckmann, den Arzt der Hilfs=
expedition
, abtreten, und es war für mich eine große
Freude, daß er die Behandlung der Wunden für gut er=
klärte
und ſich nicht genötigt ſah, irgendwelche Operation
vorzunehmen, ſondern nur die Kanten der abgeſägten
Knochen etwas abzurunden. Dr. Böckmann war der=
ſelben
Meinung wie ich, daß die kleinen noch vorſtehenden
Knochenſtümpfe des linken Fußes am beſten in Deutſchland
in einer Klinik beſeitigt würden.
Es war die Anſicht von Hauptmann Staxrud, ſofort
weiter nach Nordoſtland zu gehen, um Schröder=
Stranz und ſeine Begleiter zu ſuchen, und
uns dann auf dem Rückwege nach der Adventbai zu
bringen. Die Eisverhältniſſe der Hinlopenſtraße zeigten

ſich aber leider wenig geeignet für eine Ueberquerung. So
wurde die ſofortige Ueberbringung von Dr. Rüdiger nach
Adventbai oder Greenharbour beſchloſſen, da wenn die
Jahreszeit etwas weiter vorgerückt war, der Weg bedeu=
tend
ſchwieriger würde.
Noch vor unſerem Aufbruch ließ ſich in der Bai eine
Bärin mit ihren beiden Jungen blicken. Hauptmann
Starrud brachte die Nachricht, und ſofort wurden die
Hundeſchlitten zur Jagd zurechtgemacht. Im flotten
Tempo ging es zum Ufer hinunter, und dann übers Eis
hinter den Bären her. Als wir nach etwa einer halben
Stunde die Bären bis auf einige hundert Meter erreicht
hatten, wurden die Hunde vom Schlitten losgemacht, die
ſofort mit Windeseile auf die Bärin losſtürmten. Die
Bärin jagte ihre beiden Jungen davon und ſuchte ſich
dann der Hunde zu erwehren. Dadurch gewannen wir
Zeit, näherzukommen. Bald krachten zwei Schüſſe und
der mächtige Körper ſank in den Schnee. Nun wurde die
Verfolgung der Jungen aufgenommen. Nach weiteren
zwei Stunden waren auch dieſe erwiſcht; ſie wurden lebend
nach dem Holzhauſe gebracht. Wir aber konnten wieder
dem Genuſſe friſchen Bärenſteaks frönen.
Als wir ſchon faſt fertig zum Marſch nach Adventbat
waren, erſchienen plötzlich drei Teilnehmer einer zwei=
ten
Hilfsexpedition (von Lerner), die ihre
Hilfe anboten und ihr Schiff, das an der Moſſelbai lag,
zur Verfügung ſtellten. Da aber gerade die Möglichkeit
vorlag, mit dem Schiff nach Nordoſtland zu kommen, ver=
zichteten
wir zugunſten Schröder=Stranz’ und ſeiner Be=
gleiter
auf den für uns bequemeren Schiffsweg und
brachen am 2. Mai mit Hauptmann Staxrud nach der
Adventbai auf.
Ueber bisher noch nie begangenes unbekann=
tes
Inlandseis ging es bis zu 1200 Meter Höhe und
dann auf einem Gletſcher in das Südende der Wijdebai
herunter. Weiter ging es über Baien und Gletſcher, zuletzt
über den Eisfjord nach der Adventbai, wo wir am
16. Mai ankamen und aufs herzlichſte aufgenommen wur=
den
. Dort verweilten wir drei Wochen und fuhren dann
mit einem Motorboot nach Greenharbour, unſerem letzten
und angenehmſten Aufenthalt in Spitzbergen. Hier gab es
nach langer Zeit wieder einmal Muſik und helle, freund=
liche
Räume und Betten.
Anfang Juni fand ich endlich Gelegenheit zur
Heimfahrt nach Deutſchland indem der eng=
liſche
Grubenbeſitzer Mansfield ſich in liebenswür=
diger
Weiſe erbot, uns mit ſich zu nehmen.)

[ ][  ][ ]

weniger als vor 30 Jahren. 1912 ſtarben nur noch 3247
Kinder. Es iſt zu hoffen, daß dieſe Zahl noch weiter zu=
rückgeht
. Dieſe Abwärtsbewegung der Säuglingsſterb=
lichkeit
iſt unaufhaltſam und ein beredtes Zeugnis dafür,
daß hierin viel getan werden kann und ſchon
viel getan wurde. In den als gefährlich anzu=
ſehenden
Orten wie Lampertheim. Biblis, im Ried und
in Vororten von Mainz iſt die Sterblichkeit von 25 Pro=
zent
auf 9 Prozent heruntergegangen. Das alles hätte
natürlich nicht getan werden können, wenn nicht die Aerzte
ſich ſo uneigennützig an dem ſegensreichen Werke betei=
ligt
hätten. Etwa ſechzig Aerzte ſind an den Beſtrebun=
gen
der Großh. Zentrale eifrig beteiligt. Dieſe geringe
Sterblichkeit iſt aber auch ein Zeugnis dafür, daß die all=
gemeine
Hygiene immer mehr Boden gefaßt habe. Es iſt
merkwürdig, daß noch vor kurzer Zeit ſo viele der ganzen
Bewegung ſkeptiſch gegenüberſtanden, aber es iſt wiede=
rum
verſtändlich, denn es iſt ſchon immer ſo geweſen, daß
das Mitleid nur durch unerwartetes Unglück erweckt wird.
Solange man gedacht hat, daß es ein Geſetz iſt, daß 20
vom 100 der Säuglinge ſterben, ſolange hat man nicht
mitgefühlt. Nachdem man aber jetzt geſehen hat, daß das
Geſetz eine Legende iſt, wird auch niemand mehr abſeits
ſtehen. Wir können alſo freudigen Herzens in die Zu=
kunft
blicken.
Ueber die Arbeit der Großh. Zentrale in
der Außenfürſorge berichtete die Hilfsarbeiterin
der Großh. Zentrale und Vorſteherin des Verbandes der
Kreispflegerinnen W. Schubert. Durch den im Herbſt
vorigen Jahres in Darmſtadt abgehaltenen Kongreß für
Säuglingspflege erhielten auch die Mitglieder der Großh.
Zentralſtelle wertvolle Anregungen und günſtige Be=
ziehungen
zu anderen Zentralen wurden angeknüpft. Durch
die Beziehungen zu den Kliniken, der Hebammenanſtalt
uſw. wird jede Geburt gemeldet und erfährt die Großh.
Zentrale icden Fall wo ein Kind außer Landes gebracht
wird. Es iſt mehrfach dadurch gelungen, unzweckmäßige
Pflegeſtellen auszuſchließen. Es lag im Intereſſe der
Sache, daß man erfuhr, wie die Fürſorge praktiſch in an=
dern
Ländern gehandhabt wird. Vor allem wurde durch
dieſe Zuſammenkunft das Zuſammenarbeiten in Heſſen
gefeſtigt und ausgebaut. Wertvoll für die Arbeit der
Pflegerinnen war das Entgegenkommen der Aerzte
Mehr als 100 Aerzte ſtehen in enger Verbindung mit
ihnen, als deren freundliche Berater. Mit beſonderer
Freude iſt zu konſtatieren, daß die Beziehungen zu der
Geiſtlichkeit die angenehmſten ſind und die Geiſtlichkeit
der Bewegung fördernd und wohlwollend gegenüberſteht.
Man ſieht die Säuglings= und Mutterfürſorge nicht als
eine konfeſſionelle Beſtrebung an. Die Kreispflegerinnen
fanden auch bei den Gemeindepflegerinnen das
weitgehendſte Entgegenkommen. Bei den Wanderkurſen
waren die Gemeindeſchweſtern regelmäßige Teilnehmerin=
nen
. Auch bei den Hebammen fanden die Kreispflegerin=
nen
nirgends Schwierigkeiten. Sie haben ſofort anerkannt,
daß die Schweſtern nur helfen und unterſtützen wollen.
Die Haupttätigkeit lag in der Verbreitung von Druck=
ſchriften
, von denen über 100000 verbreitet wurden. Aber
wichtiger als dieſes iſt doch das geſprochene Wort, das
durch die Wanderkurſe und Vorträge vertreten iſt. Es
wurden 22 Wanderkurſe mit 1600 Teilnehmern abgehal=
ten
in den verſchiedenſten Kreiſen des Landes, aber auch
viele Einzelvorträge. Um dieſe Arbeit auch noch durch
Anſchauung zu ergänzen und die Belehrung zu unter=
ſtützen
, wurde von der Großh. Zentrale eine kleine Wan=
derausſtellung
zuſammengeſtellt, die in Darmſtadt einen
unerwarteten Erfolg zeitigte. An jedem Wochentag be=
ſuchen
durchſchnittlich 100 Perſonen, und Sonntags 200
die Ausſtellung. Große Verdienſte allgemeiner Art wur=
den
auch in geeigneten Fällen durch die Ueberweiſung
von Kindern an Krüppelanſtalten und die Unterbringung
Tuberkulöſer in entſprechende Behandlung erzielt. Auch
wurde dafür geſorgt, daß Erwachſene, die an Tuberkuloſe
oder anderen gefährlichen Krankheiten leiden. aus dem
Hauſe entfernt wurden, um den Säugling nicht zu ge=
fährden
.
Ueber Außenfürſorge berichtet weiter die Oberin von
Gordon. Sie konſtatiert, daß in Darmſtadt mehr als
zwei Drittel der Kinder in die Beratungsſtunde gebracht
wurden. Erfreulich iſt, daß die Mütter gerne kommen.
Auf Wunſch der Schweſtern ſuchte der Arzt erkrankte
Säuglinge in 122 Fällen auf. Als ſehr vorteilhaft hat
ſich erwieſen, daß die Pflegemütter und Pflegeſtellen ge=
nau
geprüft werden. In Darmſtadt ſind 200 Pflegekin=
der
unter Aufſicht. Die Pflegemütter kommen ſehr oft
und gern, mindeſtens zweimal im Monat, zur Bera=
tungsſtelle
. Im ganzen wurden 5000 Beſuche bei Pflege=
kindern
ausgeführt. Auch wurde regelmäßia der Haus=
halt
der Wöchnerinnen beſucht und gar oft wichtige An=
weiſungen
in bezua auf Ordnung und Sauberkeit ge=

geben. Auch in der vorbeugenden Fürſorge wurde viel
getan, ſo können jetzt regelmäßig Salzbäder verabreicht
werden. In der Walderholungsſtätte wurde ein ein=
wandfreies
Kinderbettchen aufgeſtellt, das zweite ſoll dem=
nächſt
aufgeſtellt werden. Durch dieſe Einrichtungen wurde
und wird viel Wäſche gebraucht, welche Arbeiten den
Wöchnerinnen und Schwangeren ſehr willkommen iſt, da
ſie damit Geld verdienen können, ohne daß ſie den Haus=
halt
verlaſſen brauchen. Dank gebührt vor allem auch
dem Diakonieverein, der ſeine Schweſtern in den Dienſt
der guten Sache ſtellt.
Als erſte der Kreispflegerinnen berichtet Schweſter
Eliſe Schrimpf über den Kreis Darmſtadt. Ein be=
ſonderes
Augenmerk wurde den Pflegemüttern zugewen=
det
, vor allem in Eberſtadt, wo die Bürgermeiſterei die
Beſtrebungen auf das wärmſte unterſtützte. In die Be=
ratungsſtelle
werden Kinder bis zu 2 Jahren gebracht.
Anfänglich ſtand man der Einrichtung mißtrauiſch gegen=
über
, jetzt iſt das anders geworden. Man erblickt in den
Schweſtern nicht ein Polizeiorgan, ſondern eine Helferin,
die den Müttern Wege zeigen kann und zu der man jetzt
in allen Angelegenheiten kommt. Im allgemeinen hegen
die Pflegemütter viel Liebe zu ihren Kindern.
Schweſter Magdaleine Engel in Darmſtadt berichtet
ebenfalls, daß die Mütter gern zu den Beratungsſtunden
kommen. Für den Kreis Heppenheim berichtet
Schweſter Anny Tauſche in feſſelndem Vortrag. In
Heppenheim ſelbſt wird die Beratungsſtelle nicht ſehr gut
beſucht. Es wurden bei 100 Geburten 62 Neuauf=
nahmen
, darunter 40 Säuglinge, vollzogen. In Wimpfen
kamen bei 27 Geburten 20 zur Beratungsſtelle. In Hirſch=
horn
kamen alle Kinder, die geboren wurden. zur Be=
ratung
. Der Odenwald, Rehbach, Fürth, Waldmichel=
bach
ſind mit hohen Ziffern zu verzeichnen. An der Bera=
ſtraße
iſt man viel läſſiger. Rednerin führt das darauf
zurück, daß man an der Bergſtraße eine läſſigere Lebens=
auffaſſung
, eine größere Bequemlichkeit habe, was im
Odenwald nicht der Fall ſei. Die Bewohner des Oden=
waldes
ſind ihrer Beobachtung nach eine ganze Stufe
weiter. Der Beſuch der drei Wanderkurſe war ſehr gut,
die Vorträge wurden begeiſtert aufgenommen. Erfreulich
und dankbar anzuerkennen ſei das Entgegenkommen des
Kreisamts.
Für Bensheim berichtet Schweſter Aloyſia
Steiner in Lampertheim: Als ich vor 1½ Jahren in
den Kreis Bensheim kam, wurde mir die Bevölkerung als
ſchwer zugänglich geſchildert, heute beſitze ich unbeſchränk=
tes
Vertrauen. Die Säuglingsſterblichkeit hat ſich vor
allem in dem in dieſer Beziehuna ſehr gefürchteten Ried
bedeutend gebeſſert. Dies iſt auch darauf zurückzuführen,
daß die ſonſtigen Verhältniſſe ſich gebeſſert haben. Die
Häufigkeit der Todesfälle unter den Säuglingen iſt weit
unter die Hälfte zurückgegangen. An einem rührenden
Beiſpiel legt die Schweſter dar, wie beſonders die Ar=
beiterſchaft
die ſegensreiche Inſtitution anerkennt und daß
die Beſtrebungen der Großh. Zentrale auch nicht vor an=
deren
Fällen als der Säualingsfürſorge Halt machen.
Hier wurde auch für ein elſjähriges, ſehr zurückgebliebe=
nes
Mädchen, auf Wunſch des Vaters geſorgt.
Für Dieburg berichtet Schweſter Aenne Voß: In
Heubach, wo ſehr ſchlechte Geſundheitsverhältniſſe herr=
ſchen
, werden ſämtliche Kinder zur Beratung gebracht.
Seit April wurde auch die Pflegekinderaufſicht einge
führt mit der Einführung des Erlaubnisſcheins. Die
Säuglingsſterblichkeit iſt in den letzten ſechs Jahren von
40 Prozent auf 11 Prozent zurückgegangen.
Für Groß=Gerau berichtet Schweſter Daiſy
Burmeſter: In Kelſterbach beſonders herrſcht eine
ſehr große Sterblichkeit unter den Säuglingen. Es iſt
eine Notwendigkeit, daß hier eine Beratungsſtelle eröffnet
wird. Die Stelle in Rüſſelsheim wird gern und häufig,
beſonders von Arbeiterfrauen, aufgeſucht. In Stockſtadt
und Mörfelden wurden Vorträge gehalten.
Schweſter Eliſabeth Dornhecker berichtet für
Mainz, Bingen und Alzey. Auch ſie kann konſtatieren,
daß die Säuglingsſterblichkeit ſehr zurückgegangen iſt, in
ſämtlichen Orten des Bezirkes Alzey werden Vertrauens=
perſonen
ernannt. Erfreuliches berichtet auch Schweſter
Toni Schmidt für Offenbach und Schweſter Anita
Hermany für Oberheſſen.
Es berichtet ſodann Schweſter von Below über
ihre Tätiakeit als Wanderlehrerin: Der Zweck der Wan=
derkurſe
iſt nicht, nur zu unterrichten über zweckmäßige
Kleidung, Eſſen uſw., ſondern auch über Herſtellen der
Kleider, Zubereiten der Speiſen uſw. Insgeſamt wur=
den
22 Kurſe mit 1300 Teilnehmern abgehalten. Der Be=
ſuch
war ſehr verſchieden. In vielen Orten. wie in Heu=
bach
, meldeten ſich 110 und in Heppenheim über 200 Teil=
nehmer
. Profeſſor Dr. Koeppe berichtet über die
Tätigkeit der Kinderklinik. Wenn auch die Kinder=

klinik nicht in das Programm aufgenommen war, ſo ſei
ſie doch bald zur Wirklichkeit geworden. Der Zweck der
Klinik iſt. den Schweſtern gediegene Wiſſenſchaft mitzu=
geben
auf ihrem verantwortungsvollen Poſten. Nicht zu
unterſchätzen iſt der hohe erzieheriſche Wert, wenn die
Pflegerinnen ſehen, wie in der Klinik um jedes Kind mit
allen Kräften gekämpft wird, ſelbſt wenn es von allen
ſchon aufgegeben iſt. Im erſten Vierteljahr erfolgten 33
Aufnahmen, im zweiten 45, im dritten 76 und im letzten
Monat allein 34 Neuaufnahmen. Von den 78 Neuauf=
nahmen
im 1. Halbjahr wurden 59 als geheilt entlaſſen
ungeheilt 3, zwei gebeſſert. geſtorben iſt eins, ſo daß noch
Ende März 1913 31 verblieben. Die Klinik iſt jetzt als
Univerſitätsklinik der Univerſität angegliedert.
Ueber das Eleonorenheim berichtet Dr.
Schlippe: Es wurden 61 Knaben und 66 Mädchen
aufgenommen, die ehelichen haben zugenommen, von den
Kindern waren 81 aus Darmſtadt, 35 aus Starkenburg,
5 aus Rheinheſſen. 5 aus Oberheſſen. Die Aufnahme er=
folgte
in den meiſten Fällen wegen ungünſtigen ſozialen
Verhältniſſen in der Familie oder Erkrankung der Mut=
ter
. Als Bedingung für die Aufnahme ſoll im allgemei=
nen
gelten das Zeugnis des zuſtändigen Arztes oder
die Unterſuchung des Anſtaltsarztes.
Die Oberin von
Gordon berichtet über die Ausbildung der Schweſtern.
Gerichtsaſſeſſor Dr. Melior referiert über die
rechtliche Stellung des Vormundes. Seine Aufgabe iſt
vor allem die vermögensrechtliche Verſorgung ſeines
Mündels. Von Vorteil iſt hier eine Aufſicht, und die
richtige Auswahl des Vormundes. Zu erſtreben iſt die Be=
rufsvormundſchaft
, die gute Fortſchritte macht.
Herr Miniſterialreviſor Metzaer erſtattet den Kaſ=
ſenbericht
. Danach betrugen die Einnahmen der Großh.
Zentrale ſelbſt 95093,12 M., die Ausgaben 105 716,03 M.
der Zuſchuß der Stadt Darmſtadt 4000 M., des Kreiſes
Mainz 2500 M., der Hauptſtaatskaſſe zu den allgemeinen
Koſten 1400 M., zu den Koſten der Wanderausſtellung 1500
Mark. Für Stillprämien. Hauspflege uſw. wurden
7251,71 M. gezahlt. Die Einnahmen und Ausgaben des
Eleonorenheims balanzieren mit 26 784,16 A
Der Zu=
M
. Die B.
ſchuß der Großh Zentrale beträgt 13 622,8
ft
cher und die Kaſſe wurden von den Kaſſenprüfern gepri
und in Ordnung befunden. Hierbei bemerkt Herr Gehe
n
mer Regierungsrat Dr. Dietz, daß er nur zu bedenk
bitte, daß die Ausgaben der Zentrale ſtändige geworden
ſeien, während die Einnahmen unſtändige ſeien. Regi
rungsrat Piſtor hofft, daß in dieſem oder im nächſte
Budget ſchon größere ſtändige Einnahmen in die Erſchei=
nung
treten werden. Finanzminiſter Dr. Brau
b
usſich
t
merkt, daß er für dieſes Budget noch nichts in ?
ſtellen könne. Es ſei aber Gegenſtand ernſteſter Erwé
gungen, wie das ſtaatliche Intereſſe zahlenmäßig in d
Erſcheinung treten ſolle. Nach weiteren kurzen Bemer
kungen des Vertreters von Alsfeld, des Herrn Kreisre
von Hahn, und des Vertreters von Worms, überreicht di
Großherzogin die Anſtellungsurkunden an die Wander=
lehrerin
v. Below und die Schweſtern Tauſche und
Hermany.
In den Ausſchuß wurden neu gewählt: Herr Profeſſor
Dr. Voit=Gießen. Profeſſor Dr Opitz=Gießen und
Geh. Obermedizinalrat Dr. Balſer, ſowie eine Pfle
gerin. Hierauf ſchließt der Vorſitzende mit Dankesworten
die Verſammlung.

Der Krupp=Prozeß.

(Dritter Tag.)
* Berlin. 2. Aug. Der Vorſitzende, Oberſt Hauff,
eröffnet um 9 Uhr 15 Min. die Sitzung. Die Oeffentlich=
keit
wird wiederhergeſtellt. Vor Eintritt in die Ver=
handlung
bemerkt der Verhandlungsleiter, daß die Hoff=
nung
, den Prozeß dieſe Woche zu Ende zu
führen, leider zu Schanden geworden ſei; er hoffe
aber, wenigſtens heute mit der Beweisaufnahme fertig
zu werden, und bitte die Verteidiger, ihn in dem Be=
ſtreben
zu unterſtützen. Der Verhandlungsleiter
fragt dann die Angeklagten der Reihe nach, ob ſie zugeben,
Brandt Material über aus freien Ausſchreibungen ſtam=
mende
Konkurrenzpreiſe geliefert zu haben. Schmidt,
Dröſe, Hoge und Pfeiffer beſtreiten dies, während die
anderen Angeklagten zugeben. Brandt mit derartigem
Material verſehen zu haben. Es wird ſodann feſtgeſtellt
daß Dröſe bereits im Jahre 1906, alſo in der Zeit, wo
mit Brandt noch nicht in Verbindung ſtand, an Krupt
ein Anſtellungsgeſuch gerichtet hat. Die Firma antwortete
in ihrem Schreiben vom 11. Oktober 1906, daß zur Zeit in
ihrem Betriebe eine paſſende Stellung nicht frei ſei, daß
Dröſe aber in die Anwärterliſte geſetzt ſei und ſie ihm

Feuilleton.

* Der Heeresdienſt der engliſchen Frauen. Seit eini=
gen
Jahren iſt es in England Brauch geworden, in den
Sommermonaten die Frauen, die ſich dem Kriegsdienſt
widmen wollen, zu militäriſchen Uebungen einzuziehen
und in Feldlagern zu konzentrieren. Dieſer Brauch, der
urſprünglich als müßige und etwas lächerliche Spielerei
erſcheinen mochte, hat, wie die römiſche Tribuna ver=
ſichert
, mit den Jahren eine nicht zu unterſchätzende Be=
deutung
genommen. In dieſen Tagen ſind allein in den
ſüdlichen Provinzen Englands mehr als 30 Frauenfeld=
lager
aufgeſchlagen worden. In jedem dieſer Lager übt
eine aus 30 bis 50 ſoldatiſch gedrillten Frauen beſtehende
Gruppe. Die Uebungen ſind nicht überall gleich: während
in einigen Lagern die Frauen eine ſtreng militäriſche In=
ſtruktion
, die ſich in nichts von der dem Landſturm er=
teilten
unterſcheidet, erhalten, werden ſie in anderen zu
Krankenwärterinnen für die Feldlazarette und für erſte
Hilfeleiſtungen auf dem Schlachtfelde ausgebildet; in
wieder anderen Lagern geſtaltet ſich die Ausbildung noch
anders: ſie lernen hier, wie ſie ſich als Wegweiſerinnen
als Zuträgerinnen unentbehrlicher Lebensmittel und des
erforderlichen Schießbedarfs, als Aufſeherinnen uſw. nütz=
lich
machen können. 50 bis 20 Tage dauert das ſommer=
liche
Manöverleben der Frauen, und das Leben in freier
Luft bei anſtrengender, vom Morgen bis zum Abend
dauernder Tlätigkeit, einfacher, aber geſunder Koſt un
kräftigen körperlichen Uebungen (die dann einen ruhigen
und ſtärkenden Schlaf zur Folge haben), wirkt wahre
Wunder, ſo daß die Großſtadtmädchen, die das Gros der
weiblichen Armee bilden, nach dem Manöver kaum noch
wiederzuerkennen ſind. Ein Beſuch in einem jener Lager
zeigt ſofort, daß es ſich nicht um eine bloße., zum Zeit=
vertreib
erdachte Maskerade handelt; die berittenen
Frauen es gibt nämlich auch eine weibliche Kavalle=
müſſen für die ihnen zur Verfügung geſtellten
rie
Pferde ſelbſt ſorgen, müſſen verſönlich im nächſten Dorf
oder in der nächſten Stadt, die faſt nie weniger als zehn
Kilometer vom Lager entfernt iſt, alle Einkäufe beſorgen
müſſen das Holz zum Feueranmachen ſpalten, das Eſſen
(wenn ſie Küchendienſt haben) für die ganze Kompagnie
kochen, die dienſtlich vorgeſchriebenen Uebungen mit=
machen
. auf Wache ziehen, Aufſichtsdienſt im Lager und in
den Zelten tun und was dergleichen Dinge mehr ſind. Das

engliſche Kriegsminiſterium ſteht den Frauenkorps durch=
aus
ſympathiſch gegenüber und hat den weiblichen Sol=
daten
das erforderliche Uebungsmaterial unentgeltlich zur
Verfügung geſtellt; außerdem hat es Offiziere und Unter=
offiziere
als Inſtrukteure abkommandiert. Es dürften
während der Sommermonate nicht weniger als 3000 oder
4000 Frauen auf dieſe Weiſe militäriſch ausgebildet
werden.
Der Liebesſalon des amerikaniſchen Paſtors.
Das Neueſte auf dem Gebiete der praktiſchen Arbeit,
durch die ſich amerikaniſche Geiſtliche um das Wohl ihrer
Mitmenſchen verdient machen, iſt die Einrichtung eines
Liebesſalons durch den der Rev. John Gunn ein viel=
beſprochenes
und mehrfach ſchon nachgeahmtes Vorbild
geboten hat. Der Spooning parlour ſoll ein wirkſames
Mittel ſein gegen den Dämon des Alleinſeins dem ſo
viele junge Leute verfallen und der zur Eheloſigkeit und
damit zum Abfall von den Idealen der Bibel führt. Wir
wollen doch die Dinge beim richtigen Namen nennen,
ſagt Mr. Gunn, darum habe ich mein neues Unter=
nehmen
Liebesſalon genannt. Es gibt zahlloſe
Mengen junger Mädchen, die irgendwo zur Miete wohnen
und junge Leute nicht bei ſich empfangen können, ohne
ihren Ruf zu ſchädigen. Für all dieſe müſſen Plätze ge=
ſchaffen
werden, an denen ſie ſich mit jungen Leuten tref=
fen
können, um Gelegenheit zur Heirat zu erhalten. Die
Kirche tauft die Kinder, ſie konfirmiert die Halberwach=
ſenen
, verheiratet Jünglinge und Jungfrauen und erweiſt
dem Menſchen ſchließlich die letzte Ehre. Es gibt keinen
Grund, warum ſie nicht auch noch die wichtige Verpflicht=
ung
der Menſchheit gegenüber auf ſich nehmen ſollte, zu=
ſammen
zu bringen, was ſich liebt. Die Anregung iſt
auf fruchtbaren Boden gefallen; in Neu=York haben ſich
bereits verſchiedene führende Religionsgemeinſchaften da=
für
ausgeſprochen, und bald werden Liebesſalons in vie=
len
Gemeinden Amerikas eingerichtet ſein. Sie alle haben
als Muſter den Salon des philantropiſchen Paſtors, der,
wie er ſelbſt ſagt, in langem frommem Nachdenken und
Gebet ſein Projekt ausgearbeitet hat. Die neue Ein=
richtung
beſteht in zwei großen Räumen, die hinter der
Verſammlungshalle in der Kirche des Predigers bequem
und gemütlich eingerichtet ſind. Beſonders iſt eine ge=
nügende
Anzahl von Sofas vorgeſehen. Während der
Liebesſalon geöffnet iſt, befindet ſich in jedem der Zim=
mer
eine Anſtandsdame, die aber in unauffälliger Weiſe

auf die Paare acht geben muß. Ein Klavier darf nicht
fehlen und zweimal in der Woche iſt kinematographiſche
Vorſtellung. Auch Geſangsvorträge werden veranſtaltet,
bei denen hauptſächlich Lieder geſungen werden ſollen
wie etwa Jeder Burſch hat ſein Mädchen und Nun
naht die glückliche Braut. In einer Reihe von Predig=
ten
, die viel Zuſpruch fanden und für das Unternehmen
die nötige Propaganda machten, hat Rev. Gunn über die
Themen geſprochen: Wie bekommt man einen Gatten
und wie behält man ihn? und Wie bekommt man eine
Frau und wie behält man ſie?. Merkwürdige Leute,
dieſe Amerikaner!
ml. Die Strafverfügung als Autogramm. Unlängſt
ſah ſich der bekannte Direktor der Comédie Frangaiſe
Jules Claretie, veranlaßt, einen Statiſten, der gelegent=
lich
bei klaſſiſchen Tragödien das Volk ſpielt, wegen
mehrerer Verſäumniſſe mit der drakoniſchen Strafe von
1,50 Francs zu belegen. Auf einem offiziellen Schrift=
ſtück
ward dem armen Jünger Thaliens dies eröffnet.
Doch der eilt flugs mit dem Autogramm des Herrn Jules
Claretie zu einem Autographenhändler und ſetzt es in
bare Münze um. 2,50 Francs iſt der Preis, den er er=
hält
, ſo daß er glatt einen Francs verdient hat. Der
Mann iſt entſchloſſen, häufiger Verſäumnisurteile über ſich
ergehen zu laſſen.
* Eine neue Schleiermode. Durch den Balkankrieg
hat ſich eine neue, eigenartige Mode herausgebildet: die
Damen tragen neuerdings den ſeit Jahrhunderten in der
Türkei üblichen Naſenſchleier. Die neue Schleiermode ſoll
keine Laune ſein, ſondern wird gerühmt, eine Wohltat
für die Augen zu bringen und gleichzeitig den Teint zu
ſchonen.
* Ein eigenartiges Unglück hat ſich in Lyon zuge=
tragen
. Im Lager einer dortigen Apotheke, das ſich auf
dem Boden des Hauſes befand, zerbarſt ein großer Ballon
mit Chloroform. Die Flüſſigkeit ſtrömte die Treppe hin=
unter
, ſo daß das ganze Haus ſchließlich von der Eſſenz
erfüllt war und alle Perſonen in die Narkoſe
verfielen. Erſt mit Hilfe der Feuerwehr gelang es,
die Einwohner des Hauſes herauszubringen und ſie dem
Krankenhaus zuzuführen. Erſt nach dreiſtündiger Arbeit
und unter Zuhilfenahme von Sauerſtoff gelang es, alle
Perſonen wieder ins Leben zurückzurufen.

[ ][  ][ ]

empfehle, das Geſuch ſpäter zu wiederholen. Rechtsan=
walt
Ullrich: Es iſt in der Preſſe behauptet worden
Dröſe ließ ſich von Brandt öfter regalieren und nahm
auch Geldgeſchenke an. Es liegt hier eine Verwechſelung
mit einem anderen Angeklagten vor. Ich lege deshalb
Wert auf die Feſtſtellung, daß Dröſe von Brandt nicht
einen Groſchen angenommen hat, ebenſowenig ſaß er in
Unterſuchungshaft. Beim Aufruf der Zeugin Frau
Brandt teilte Zeuge Brandt mit, daß ſeine Gattin zu=
ſammengebrochen
ſei und nicht erſcheinen könne. Der be=
handelnde
Arzt, Dr. Wangemann, der für heute mit=
tag
als Zeuge geladen iſt, teilte brieflich mit, die Dame
ſei völlig erſchöpft nach Hauſe gebracht worden und ſei vor
48 Stunden kaum vernehmbar, da ſie längere Zeit be=
wußtlos
geweſen ſei. Der Verhandlungsführer gibt ſo=
dann
ein Schreiben des Rechtsanwalts Dr. Löwen=
ſtein
bekannt, des Verteidigers Brandts im zivilgericht=
lichen
Hauptverfahren, in dem es heißt, er habe Brandt
den dringenden Rat gegeben, jeglichen Umgang mit An=
geklagten
oder Zeugen zu vermeiden. Die Frau möge
darauf achten, daß dieſer Rat genau beobachtet werde
Später ſei ihm mitgeteilt worden, einige der militäriſchen
Beſchuldigten ſeien in Rahnsdorf geweſen. Sie hätten
allerdings nichts von der Haftentlaſſung Brandts gewußt.
Einem Geſpräch hätte Brandt ſich nicht entziehen können.
Nähere Mitteilungen über den Inhalt des Geſpräches
ſeien ihm nicht gemacht worden. Er ſei bereit, dieſen
Brief zeugeneidlich zu erhärten. Er habe Frau Brandt
edpfholen, ſtreng bei der Wahrheit zu bleiben, ſie könne
aber die Ausſage ablehnen, wenn ſie befürchte, daß
ihrem Manne für ſeinen Prozeß Nachteile erwachſen könn=
ten
(§ 190 R. Str. G. O.). Dieſe Belehrung habe den
Anlaß zu der Zeugnisverweigerung gegeben. Er bemerke
ausdrücklich, daß ein anderer Grund für die Zeugnisver=
weigerung
der Frau Brandt nicht beſtehe.
Angeklagter Schleuder: Bei einem Sonntagsaus=
flug
in die Müggelberge ſind wir trotz vorheriger Be=
denken
auch nach Rahnsdorf gefahren, um Frau Brandt
familiär zu begrüßen. Die Bedenken behob Hinſt damit,
daß Brandt noch ſitze. Zu unſerem Erſtaunen trafen wir
ihn dennoch. In beeinfluſſender Weiſe haben wir uns
nicht unterhalten. Das Thema berührten wir inſofern,
als wir uns über ſeine Entlaſſung wunderten und er=
örterten
, wann die Verhandlung wohl ſein werde uſw.
Kriegsgerichtsrat Dr. Welt: Die Notwendigkeit der
Vernehmung der Frau Brandt iſt nicht beſeitigt.
Ich behaupte nicht bloß, von den
militäri=
ſchen
Angeklagten iſt ſie
beeinflußt worden.
Verhandlungsführer: Nach 48
Stunden.
wird ſie ja wohl vernommen werden können.
Rechtsanwalt Dr. Barnau: Frau Brandt hat mir ſel=
ber
ihr Zeugnis angeboten. Angeklagter Tilian: Ich
bin ſeinerzeit in Swinemünde geweſen, als Brandt noch
ſaß. Vierzehn Tage oder drei Wochen nach meiner Haft=
entlaſſung
bin ich einmal in Rahnsdorf geweſen, um mich
nach Frau Brandt umzuſehen. Wir haben uns aber nur
oberflächlich unterhalten.
Zeuge Brandt, der vorgerufen wird, gibt folgende
Darſtellung: Als ich die beiden Herren ſah, habe ich=
ihnen
ſchwere Vorwürfe gemacht, weil ich befürchtete, wie=
der
verhaftet zu werden. Ueber die Sache ſelbſt haben
wir kaum ein Wort geſprochen. Weitere Perſonen ſind
nicht an mich herangetreten. Meine Frau erzählte mir,
daß Tilian in der Zwiſchenzeit dageweſen ſei. Schließ=
lich
iſt mir niemand näher getreten. Der Zeuge wird
wieder entlaſſen. Polizeirat Koch macht nochmals ein=
gehende
Mitteilungen über die Art der Beobachtung des
Verkehrs der Angeklagten mit Brandt. Die Angeklagten
ſind ebenſo wie Brandt ſtändig beobachtet worden.
Schließlich wird der Bericht, der ſich auf Tilian bezieht.
werleſen. Verhandlungsführer: Angeklagter
Tilian, erkennen Sie ſich in dieſem Bericht wieder? An=
geklagter
Tilian: Jawohl.
Es folgt die Vernehmung des Mitglieds des Direk=
toriums
der Firma Krupp, Eccius. Es wird dem Zeu=
gen
wegen ſeines leidenden Zuſtandes geſtattet, Platz zu
nehmen. Auf Befragen teilt der Zeuge mit, daß die
Vorunterſuchung gegen ihn noch ſchwebe und bekundet:
Ich trat im Jahre 1897 als Aſſiſtent des Direktors Mens=
hauſen
bei Krupp ein und hatte in dieſer Stellung aus=
ſchließlich
mit ausländiſchem Kriegsmaterial zu tun. Aus
dieſem Grunde kam ich mit dem Bureau, in dem Brandt
tätig war, nicht in Berührung. 1906 wurde ich Mitglied
des Direktoriums der Firma; ich hatte mich auch jetzt nicht
ganz auf ausländiſches Kriegsmaterial zu konzentrieren
Verhandlungsführer: Haben Sie die Ver=
ſetzung
Brandts nach Berlin veranlaßt? Zeuge:
Das glaube ich kaum, denn in ſolchen Fällen wird nicht
das ganze Direktorium befragt, hier hat der in Frage
kommende Dezernent zu entſcheiden, der macht aber nur,
wenn er es für notwendig hält, ſeinen anderen Kollegen
davon Mitteilung. Verhandlungsführer
Sie ſollen zu Brandt geſagt haben, was wollen Sie
eigentlich in Berlin?, und zwar in einem Tone, der er=
kennen
ließ, daß Ihnen nicht ganz klar war, was Brandt
eigentlich in Berlin ſollte. Zeuge: Erinnerlich iſt
mir eine Aeußerung dieſer Art nicht, ich halte ſie aber
nicht für ausgeſchloſſen. Verhandlungsführer:
Haben Sie ſich um den neuen Wirkungskreis von Brandt
gekümmert? Zeuge: Dazu hatte ich keine Veranlaſ=
ſung
. Als 1907 Direktor Budde von ſeiner Stellung
zurücktrat, wurde ein Teil der ihm unterſtellten Bureaus
meinem Dezernat zugeteilt, darunter auch die Preisfeſt=
ſetzungsbureaus
. Ich habe mich aber in der Folgezeit
nur ausſchließlich mit dem ausländiſchen Kriegsmaterial
befaßt. Dieſes Arbeitsgebiet iſt ſo groß, daß es eine Ar=
beitskraft
vollſtändig in Anſpruch nimmt. Die Leitung
des Bureaus für inländiſches Kriegsmaterial befand ſich
in den Händen eines mir unterſtellten Herrn, der mich
nur näher informierte und zu Rate zog, wenn es ſich um
ganz beſonders wichtige Fragen handelte, etwa um Ein=
führung
eines neuen Geſchützes oder um wichtige Preis=
feſtſetzungen
. Ich hätte mich beim beſten Willen nicht um
alle dieſe Dinge kümmern können, da ich infolge meiner
Beſchäftigung mit ausländiſchem Kriegsmaterial wohl
den größten Teil des Jahres im Auslande weilen mußte
Vir ſehr ich in Anſpruch genommen war, geht beiſpiels=
weiſe
daraus hervor, daß ich im Jahre 1908 nur an fün=
Sonntagen in Eſſen weilte. In den letzten Jahren litt
meine Arbeit auch unter meiner Krankheit.
Es kommt nun die Frage auf die einzelnen Korn=
walzen
. Zeuge: Die erſte Kornwalze wird mir
wohl im Jahre 1908 zu Geſicht gekommen ſein. Gelegent=
lich
geſchah es dann im Laufe der folgenden Jahre, wenn
ich gerade in Eſſen war. Verhandlungsführer:
Iſt Ihnen nicht aufgefallen, daß dieſe Schriftſtücke keine
Unterſchrift hatten? Zieuge: Ich nahm an, daß es
ſich um Nachrichten gehandelt hat, die aus einer Unter=
redung
unſeres Vertreters. Herrn von Schütz, oder gar
ſpäter des Herrn von Metzen mit einer höheren Perſön=
lichkeit
ſtammten.
Verhandlungsführer:
Was offiziell erfahren wurde, erhielt alſo eine Unter=
ſchrift
, was aber von Brandt inoffiziell oder, wie es in
der Anſchrift heißt, Unterirdiſch erfahren wurde, er=
hielt
aus Gründen der Vorſicht keine Unterſchrift?
Zeuge: Das kann ich mit Beſtimmtheit nicht behaup=

ten. Ich wußte nur, daß die Kornwalzen von Brandt
ſtammten; wie er ſie erhalten hat, weiß ich nicht. Unſer
Berliner Bureau lieferte uns manchmal offiziell eine weit
geheimere Sache als Brandt. Verhandlungs=
führer
: Hatte das Berliner Bureau auch Mitteilungen
über Konkurrenzpreiſe geliefert? Zeuge: Herr von
Schütz war in dieſer Beziehung unergiebig. Er beſuchte
z. B. ſehr ſelten die jedermann zugänglichen Submiſſions=
termine
in den Spandauer Fabriken. Verhand=
lungsführer
: Deshalb wurde ihm Brandt an die
Seite geſtellt? Zeuge bejaht dieſe Möglichkeit und
fährt fort: 1905 fand im Reichstag eine Debatte über die
Firma Krupp ſtatt im Anſchluß an die Beſchwerde eines
Abgeordneten über eine angebliche Zurückſetzung der
Firma Ehrhardt. Da bekannt geworden war, daß die
Debatte kommen würde, begab ich mich nach Berlin. Es
wurde dort behauptet, Krupp liefere das Material teurer
als Ehrhardt. Der Kriegsminiſter von Einem erwiderte,
daß die Preiſe, beſonders für Geſchütze, nach einiger Zeit
die Tendenz hätten, herabzugehen. Die Firma Krupp
habe in einem ſolchen Fall die Preiſe herabgeſetzt, wo
andere Firmen zur Submiſſion gar nicht herangezogen
wurden. Ich habe ihn darauf aufmerkſam gemacht, daß
derartige Angriffe auf die Firma Krupp ſich wahrſchein=
lich
wiederholen würden, und ſo ergab ſich die Notwen=
digkeit
, die informatoriſche Tätigkeit des Herrn von Schütz
durch eine Hilfskraft zu ergänzen.
Verhand=
lungsführer
: Es war Ihnen bekannt, daß ſich die
Kornwalzen auf Konkurrenzpreiſe bezogen? Zeuge:
Ja. Wenigſtens meiſtenteils. Es wurde über ſolche Sachen
Bericht eingefordert, die einen offiziellen Charakter
hatten. Krupp hatte ein Intereſſe, die Mindeſtpreiſe zu
erfahren, um im Falle einer erheblichen Differenz durch
Nachkalkulation feſtſtellen zu können, woran es liege. Der
Eintritt von Ehrhardt in die Konkurrenz hat an den be=
ſtehenden
Verhältniſſen nichts geändert, ebenſo der Ein=
tritt
einer Reihe von Firmen, die Geſchütz= wie andere
Teile liefern. Verhandlungsführer: Iſt Ihnen
nicht der Gedanke gekommen, daß es bei den von Brandt
gelieferten Berichten nicht mit rechten Dingen zugehen
könne? Zeuge: Ich habe dieſe Sachen nur flüchtig
angeſehen und längere Unterhaltungen über ihren Inhalt
nicht geführt. Auch habe ich mir weiter keine Gedanken
gemacht über dieſe Berichte. Gelegentlich hatte ich den
Eindruck, als beruhe die eine oder andere Information
auf einer Indiskretion. Verhandlungsführer:
Haben Sie keine Veranlaſſung genommen, der Sache auf
den Grund zu gehen? Zeuge: Ich habe dieſen Din=
gen
die Bedeutung nicht beigelegt. Die Inſtruktion be=
ſtand
für das Berliner Bureau, als es meinem Dezernat
zugeſchlagen wurde, und es lag keine Notwendigkeit vor
es zu ändern. Verhandlungsführer: Hatten
Sie nicht den Eindruck, daß Brandt bei der Nach=
richtenbeſchaffung
Hintertüren benutzte? Zeuge: Nein.
Der Zeuge erklärt weiter, daß er nicht Soldat geweſen
ſei und die Art des militäriſchen Verkehrs nicht kenne,
und fährt fort: Ich wußte auch nicht, mit welchen Kame=
raden
Brandt verkehrte. Gewiſſe Dinge früher zu erfah=
ren
, iſt für uns von Wert. Ebenſo, wie es dem Prozeß=
führenden
lieb iſt, ſeinen Termin zu erfahren, ehe er amt=
lich
bekannt iſt, damit er ſich rechtzeitig unterrichten kann;
bei der Eiſenbahnverwaltung ſind Nachrichten über Loko=
motivlieferungen
erwünſcht. Ich hatte Brandts Verkehr
für natürlich, erlaubt und einwandfrei gehalten, wenn er
ſolche Auskünfte ſammelte, die nicht eine Beeinfluſſung
einer Vergebung darſtellen. Verhandlungsfüh=
rer
: Iſt Ihnen bekannt, daß die Firma Krupp jedesmal
die Preiſe geändert hat? Zeuge: Ich kann auf Grund
von Informationen ſagen, daß dies nicht geſchieht. Unſere
Preisſtellung kann und ſoll in keinem Falle auf Grund
von Nachrichten der Konkurrenzpreiſe ſtattfinden, ſondern
immer nur auf Grund von Kalkulationen unſeres Bureaus.
Die Nachrichten über Konkurrenzpreiſe haben nur Wert
als Anhaltspunkte dafür, ob ſich bei der Kalkulation der
Selbſtkoſten bei uns ein Fehler eingeſchlichen hätte, oder
ob nicht auch weitere Herabſetzungen gemacht werden könn=
ten
. Es iſt vom Kriegsminiſterium anerkannt worden, daß
die Firma Krupp ſtändig mit den Preiſen herunterge=
gangen
iſt, ohne daß eine Konkurrenz dageweſen ſei. Das
beruht auf Fortſchritten in der Fabrikation. Lediglich zur
Kontrolle ſind die Kornwalzen in dieſer Richtung benutzt
worden. Verhandlungsführer: Lohnte ſich die
koſtſpielige Unterhaltung Brandts in Berlin? Zeuge:
Brandt war nicht dazu da, Kornwalzen zu machen. Er
war Chef des Bureaus, zu dem drei Herren gehörten.
Herr von Metzen hatte eine Hilfskraft nötig, um das ge=
ſamte
Material zu ſortieren. In Berlin befindet ſich näm=
lich
auch das geſamte Briefmaterial mit den Vertretern
der Behörden. Das iſt nötig, zur Information unſeres
Vertreters. Verhandlungsführer: Hatte Brandt
Kenntnis zu nehmen von dem geſamten Schriftwechſel
zwiſchen Berlin und Eſſen? Zeuge: Das war ſeine
Pflicht. Er war verantwortlich dafür, daß die Akten voll=
ſtändig
und in Ordnung waren, und daß die Stücke an die
richtige Stelle kamen. Daß die Bureauchefs Briefe öffnen
iſt bei uns in Eſſen auch üblich, vom Kriegsminiſterium
wurde ſogar direkte Verhandlung mit der Berliner Ver=
tretung
geſucht.
Verhandlungsführer:
Brandt hat 2000 Mark Weihnachtsaratifikation er=
halten
unter Anerkennung ſeiner vorzüglichen und beſon=
deren
Leiſtungen. Er ſchien beſonders reüſſiert zu haben?
Zeuge: Solche Gratifikationen ſind nach unſeren Ver=
hältniſſen
nichts beſonderes. Mit Angeſtellten in Eſſen iſt
Brandts Stellung gar nicht zu vergleichen. Er hatte ſelbſt=
ſtändige
Aktion. Daß ein Bureauvorſteher aus dem Feuer=
werkerſtande
eine Gratifikation von 1000 Mark und mehr
erhält, iſt keine Seltenheit. Bei Verſetzung in ein an=
deres
Werk werden Funktionszulagen meiſt gewährt. Hier
betrugen ſie 300 Mark. Verhandlungsführer:
Für Unkoſten und Bewirtung hat Brandt liquidiert, eben=
ſo
für Pflege der Geſelligkeit und Möbel. Zeuge: Da=
zu
hatte Herr v. Schütz einen Fonds. Er wird angenom=
men
haben, es handle ſich um vorübergehende Dienſtleiſtun=
gen
. Bei dauernder auswärtiger Beſchäftigung bin ich
für eine feſtgelegte Summe. Schmiergelder ſollten die
3500 Mark nicht ſein. Brandt war ſchon längere Zeit in
Berlin ohne Entſchädigung für ſeine Tätigkeit. Beloben
würde ich bei Gratifikationen jeden Beamten. Als Ver=
traulich
werden gewöhnlich alle Dinge von Behörden
bezeichnet. Rechtsanwalt Ulrich: Beſteht nicht bei
Krupp der napoleoniſche Grundſatz, daß jeder den Mar=
ſchallſtab
im Torniſter trage? Zeuge: Wir legen keinen
Wert auf Examina und auf den Stand des Vaters, ſon=
dern
wir gehen nur nach Tüchtigkeit. Gerade aus dem
Feuerwerkerſtande ſind hohe Beamte hervorgegangen, ſo
Direktor Groß. Der Zeuge wird vorläufig entlaſſen.
Nächſter Zeuge iſt Direktor Dr.=Ing. Dräger:
Ich nehme meine Aufträge vom Direktorium entgegen
und nicht vom Dezernenten. Mit Brandt und dem Ge=
heimbericht
habe ich nichts zu tun gehabt. Die Konkur=
renzpreiſe
fallen nicht in mein Reſſort. Kornwalzen, die
ich geſehen habe, bezogen ſich auf Verſuchsgegenſtände
weil ich das Konſtruktionsweſen unter mir habe. Alles

Wiſſenswerte iſt mir von den Behörden mit größter Zu=
vorkommenheit
gegeben worden. Die Verſuche Ehrhardts
waren mir natürlich bekannt, da die geſtellten Beding=
ungen
die gleichen ſind. Intereſſant iſt für uns nur, ob
ein Geſchütz verſagt oder nicht. Um die Preisbildung
habe ich mich nicht gekümmert. Ich habe Brandt ermahnt,
zu handeln, wie es ein rechtſchaffener Kaufmann tut. Jede
Beſtechung oder auch nur eine Andeutung dazu ſollte er
unterlaſſen. Das hat er auch verſprochen. Auch als ich
ihn letztes Mal ſprach und einen Revers unterſchreiben
ließ, hatte ich den Eindruck, daß er nichts Unrechtes täte
Brandt hat das in ihn geſetzte Vertrauen ſtets gerechtfer=
tigt
; er hat faſt zwei Jahre mit einer Unterbrechung die
Stelle allein verſehen. Er mußte dabei über alles unter=
richtet
werden, auch von den Behörden kamen Anfragen
an ihn. Herr von Metzen hat ihn vielfach in das Mini=
ſterium
geſchickt. Daß Brandt als ſein Nachfolger anzu=
ſehen
ſei, war für mich zweifellos. In den Unterhalt=
ungen
mit früheren Kameraden habe ich nie über Preiſe
geſprochen, ſondern nur über meine Angelegenheiten. Ich
habe es im Gegenteil ängſtlich vermieden, mehr zu fra=
gen
, als im Intereſſe der Sache notwendig war. An=
klagevertreter
Dr. Welt: Brandt war doch ein tüchtiger,
zuverläſſiger, geiſtig hochſtehender Beamter? Zeuge:
Jawohl, und er war zudem geradezu überfleißig. Brandt
hat eine ſchwere Verwundung erlitten. Als er ſich
wiederum zum Dienſt meldete, war er ſo nervös, daß ich
ihn nach Hauſe ſchicken mußte und ihm ſagte, es wäre
töricht, wenn er ſchon jetzt wieder Dienſt tun wollte.
Zeuge Dräger erklärt auf die Frage des Anklagevertre=
ters
, v. Schütz ſei ein Urbild eines Ehrenmannes ge=
weſen
. Anklagevertreter: Brandt hat mir
aber die Sache ſo dargeſtellt, als wäre er durch Herrn
v. Schütz in ſtundenlangen Unterredungen darauf hinge=
wieſen
worden, daß er im Intereſſe der Firma Krupp
die Konkurrenzpreiſe ſich verſchaffen müſſe, zumal er zu
dieſem Zwecke nach Berlin geſandt worden ſei. Zeuge
Direktor Dräger: Ich halte dies für ausgeſchloſſen.
Es wird nun der praktiſche Arzt Dr. Wangemann
aus Friedrichshagen vernommen, der Brandt behandelt
hat. Er gibt eine Darſtellung dieſes Unfalles. Danach
hat Brandt durch die Kurbel eines Benzinmotors einen
heftigen Schlag gegen den Kopf erhalten, der ihn be=
wußtlos
niederſtreckte und zu größerem Blutverluſt führte;
Brandt habe ſich aber ſehr ſchnell wieder erholt und den
ärztlichen Dienſt Wangemanns nur dreimal in Anſpruch
genommen. Anfangs war der Zeuge der Meinung, es
läge eine leichte Gehirnerſchütterung vor, ſpäter aber
Verhand=
atteſtierte
er nur einen Nervenchoc.
lungsführer: Kann unter dieſen Umſtänden das
Gedächtnis Brandts gelitten haben? Zeuge: Ich
kann darüber nichts beſtimmtes ſagen. Möglich iſt es
daß das Gedächtnis leiden konnte. Er hat Schläge auf
den Kopf erhalten. Ich habe Brandt viermal in der Un=
terſuchungshaft
beſucht. Er hat auf mich einen ſehr ge=
drückten
Eindruck gemacht. Zeuge Direktor Mouth
war früher bei Krupp, er trat 1911 aus. Er bekundet,
daß Budde als Direktor bei Krupp wenig entgegenkom=
mend
war. Wahrſcheinlich ſei Brandt auf ſeine Veran=
laſſung
nach Berlin gekommen, da einerſeits die Geſchäfte
eine immer größere Ausdehnung erhielten und anderer=
ſeits
von Schütz ſchlechter unterrichtet war als die Ver=
treter
anderer Firmen. Es handelt ſich weniger um die
Preisbildung, als darum, daß die Lieferungsfriſten bei
Krupp zu kurz bemeſſen waren. Wenn Krupp mit ſeinem
gewaltigen Apparat zu lange Lieferungsfriſten hatte, ſo
mußte etwas in dem Apparat nicht in Ordnung ſein. Es
kam vielleicht daher, daß die anderen kleineren Firmen
die Aufträge länger vor der Ausſchreibung vorbereiten
konnten. Die Preiſe ſpielten eine ſekundäre Rolle. Brandt
iſt ein tüchtiger und zuverläſſiger Beamter geweſen, auf
den man ſich verlaſſen konnte. Nur war er nicht energiſch
genug. Zuerſt unterſchrieb von Schütz die Kornwalzen,
-
Verhandlungs=
ſpäter
fehlte die Unterſchrift.
führer: Kam Ihnen das nicht befremdlich vor?
Zeuge: Ich kann dieſe Erſcheinung nicht beſtreiten.
Verhandlungsführer: Iſt Ihnen an der Kor=
Zeuge: Ich
reſpondenz ſonſt nichts aufgefallen?
hatte bei manchen Sachen den Eindruck einer Indiskre=
tion
.
Nach weiteren Ausführungen wird der Zeuge über die
Anſtellung des Angeklagten Dröſe vernommen. Dieſer
hat ſich danach ſchon vor ſeiner Bekanntſchaft mit Brandt
um eine Stellung bei Krupp beworben. Die Firma hat
ſowohl bei Brandt als auch beim Oberleutnant Auskunft
eingeholt. Die Auskunft des Brandt lautete nicht ſo vor=
züglich
wie die vom Oberleutnant. Auf die Auskunft von
Brandt erhielt Dröſe 300 Mark weniger Anfangsgehalt
als ein gleichzeitig mitangeſtellter Beamter von gleicher
Vorbildung.- Zeuge Direktor v. Dewitz gibtAuskunft über
einige Kornwalzen. Die Kornwalzen wurden von mir
geöffnet und gingen ſpäter an mich zurück. Ver=
handlungsführer
: Sind Ihnen bei der Lektüre
dieſer Berichte keine Bedenken aufgeſtiegen? Zeuge:
Nein. Verhandlungsführer: Sind die Preiſe
in einzelnen Fällen mit Rückſicht auf dieſe Berichte
nicht auch herabgeſetzt worden? Zeuge:
Um genau informiert zu ſein, habe ich ſämtliche Korn=
walzen
durchgeſehen und ich kann feſtſtellen, daß wir in
keinem Falle auf Grund der Berichte eine Preiserhöhung
vorgenommen haben. In vielen Fällen waren unſere
Preiſe um 25,50. ja ſogar 80 Pfennig billiger als die Kon=
kurrenz
. Wir haben bei Nachbeſtellungen keine Preis=
erhöhung
eintreten laſſen. Bei der großen Mehrzahl der
Fälle, die in den Kornwalzen angeführt ſind mußte auf
Grund beſtimmter Vereinbarung mit der Heeresverwal=
tung
ein Angebot gemacht werden. Preisveränderungen
wurden nur dann vorgenommen, wenn eine Kalkulation
die Unrichtigkeit der erſten Aufſtellung ergeben hatte.
Verhandlungsführer: Können Sie auf Ihren Eid
ausſagen, daß Kornwalzen der Firma keine materiellen
Vorteile gebracht haben? Zeuge: Das kann ich mit
gutem Gewiſſen beſchwören. Der Verhandlungsführer
hält dem Zeugen eine frühere abweichende Ausſage vor.
Er bleibt aber in beſtimmter Weiſe bei ſeiner jetzigen Be=
hauptung
.
Direktor Rauſenberger von der Firma Krupp
bekundet: Wir haben die notwendigen Informationen faſt
immer auf direktem Wege erfahren. Brandts Tätigkeit
habe ich für abſolut unwichtig gehalten, denn das, was
uns intereſſierte, erfuhren wir in der Regel auch direkt.
Nächſter Zeuge iſt Major Wurtzbacher, ein Vorgeſetzter
des Angeklagten Pfeiffer, der darüber Auskunft geben ſoll,
ob es möglich iſt, aus einem Bericht Abſchriften zu neh=
men
. Zeuge: Ich bin nur auf Minuten vom Zimmer
entfernt geweſen. Die Möglichkeit der Einſichtnahme der
Akten iſt damit nicht völlig ausgeſchloſſen. Daß Pfeiffer
beſonders oft zu mir gekommen ſei, iſt mir nicht aufge=
fallen
. Ein beſonderer Verdacht iſt mir nicht gekommen.
Pfeiffer war ein außerordentlich fleißiger, guter Arbeiter
mit ſchneller Auffaſſung. Allerdings iſt der betreffende
Bericht ſehr lang.

[ ][  ][ ]

Zeuge Fabrilant Schwarzlofe iſt ein alte
Freund von Pfeiffer. Auch Brandt iſt ihm bekannt. Er=
traf
mit ihm nur in öffentlichen Lokalen zuſammen.
Zeuge Erfinder Ruff war früher bei Krupp, iſt aber
jetzt ſelbſtändig. Ihm war aufgefallen, daß, Brandt ſo
viel mit Zeugfeldwebeln verkehrte. Er machte Brandt
darauf aufmerkſam. Pfeiffer kam ſchließlich nicht mehr zu
Brandt. Angeklagter Dröſe bemerkt, daß er wegen
Krankheit die Erlaubnis erhielt, zu Hauſe zu arbeiten,
und daß er dies nicht ohne die Beſtellbücher tun konnte.
Die Bücher ſeien jedem, eventuell auch Privatper=
ſonen
zugänglich, wie das Adreßbuch oder Kursbuch.
Sachverſtändiger Ebeling widerſpricht dem. Der
Inhalt der Beſtellbücher iſt geheim zu halten. Auch wenn
es nicht ohne weiteres wichtige Nachrichten ſeien.
Hauptmann Ellerts gibt an, daß fremde Mächte aus
den Eintragungen leicht weitgehende Schlüſſe ziehen
könnten. Hauptmann Gronemann: Das Mate=
rial
in dem Notizbuch iſt nur dem verſtändlich, der die
Akten kennt. Es beginnen Feſtſtellungen, für die die
Oeffentlichkeit ausgeſchloſſen wird. Schluß
der öffentlichen Sitzung 4 Uhr 30 Minuten. Nächſte öffent=
liche
Sitzung Montag 9 Uhr 15 Minuten,

Der Kaiſer in Norwegen.

* Baleſtrand, 1. Aug. Bei der geſtrigen offiziel=
len
Frühſtückstafel anläßlich der Enthüllung der Frithjof=
ſtatue
übergab der Kaiſer dem König von Nor=
wegen
eine größere Bronzeſtatuette Frithjofs. Heute um
1 Uhr war Frühſtückstafel an Bord des Schiffes des
Königs von Norwegen. Nachmittags geht die Hohen=
zollern
in See nach Bergen. Das Wetter ſcheint ſich auf=
zuklären
.
*Bergen, 2. Aug. Der Kaiſer unternahm
geſtern vormittag mit mehreren Herren des Gefolges einen
Spaziergang an Land und folgte dann, wie bereits ge=
gemeldet
, einer Einladung des Königs Haakon zu einem
Frühſtück auf dem norwegiſchen Kriegsſchiff Norge‟. Um
3 Uhr nachmittags ging die Hohenzollern in See unter
dem Salut der dort ankernden norwegiſchen Kriegsſchiffe.
Der Kaiſer hörte während der Fahrt einen kriegsgeſchicht=
lichen
Vortrag.
* Bergen, 2. Aug. Der Kaiſer iſt geſtern abend
9.45 Uhr vor Bergen eingetroffen. Er nahm heute das
Frühſtück bei Konſul Mohr ein und gedenkt bis zum 4.
abends oder den 5. früh hier zu bleiben. Die Ankunft in
Swinemünde erfolgt am 6. Auguſt, nachmittags. Es
herrſcht kühles Wetter. An Bord iſt alles wohl.
Bergen, 2. Aug. Der Kaiſer begab ſich heute
vormittag auf das Begleitſchiff Kolberg während die
Hohenzollern Kohlen einnahm. Dort hörte der Kaiſer die
Vorträge des Chefs des Generalſtabes v. Moltke und des
Geſandten v. Treutler. Nachmittags arbeitete der Kaiſer
allein.

Luftfahrt.

* Frankfurt, 2. Aug. Das Delag=Schiff Vik=
toria
Luiſe fährt am Montag nach Baden=Oos, wo
es vorerſt ſtationiert bleibt. Die freigewordene Frank=
furter
Halle wird alsdann vom Militärſchiffe Z 1 einge=
nommen
, das von Leipzig hierher überſiedelt. Der in der
Halle von Oos untergebrachte Militärkreuzer 3 5 rückt
nach Gotha ab, das jetzt in Gotha befindliche Militärluft=
ſchiff
Z 4 wird nach Königsberg übergeführt.
Frankfurt a. M., 3. Aug. Das Militär=
luftſchiff
2V‟, das geſtern, wie gemeldet, in Baden=
Oos nach 9 Uhr abends zu einer Nachtfahrt, die mili=
täriſchen
Charakter trug, aufgeſtiegen war, hat dieſe
Fahrt nicht bis Frankfurt ausgedehnt, ſondern iſt bei
Mainz dem Kölner Z=Schiff unerwartet begegnet. Nach
Beendigung der Uebung ſind beide Schiffe in ihre
Standorte zurückgekehrt, wo ſie gegen 8 Uhr früh ge=
landet
ſind. Ueber die weiteren Dispoſitionen erfahren
wir, daß 2 V vorausſichtlich Anfang der Woche nach
Gotha fährt, während die Viktoria Luiſe in Baden=
Oos Station nehmen wird. Nach Frankfurt dürfte da=
gegen
das jetzt in Leipzig weilende, dorthin von Königs=
über
über=
berg
i. Pr. gekommene Militärluftſchiff 2 I‟
geführt werden. Heute nachmittag kurz vor 5 Uhr iſt
das Frankfurter Delagſchiff Viktoria Luiſe zu einer
Paſſagierfahrt aufgeſtiegen.
* Johannisthal, 1. Aug. Der Flieger Max
Schüler, mit dem Regierungsbaumeiſter Auſt als
Fluggaſt, der heute morgen 4,51 Uhr in Chemnitz
ſtartete, um 8,35 Uhr 70 Kilometer nordöſtlich von
Wien bei Nikolsburg infolge ſchlechten Wetters nieder=
ging
und ſpäter wieder aufſtieg, iſt um 4 Uhr 30 Min.
auf dem Flugfelde Aſpern bei Wien gelan=
det
. Er beabſichtigt, heute nach Peſt weiterzufliegen. Er
kämpfte bei dem Fluge über das Erzgebirge mit ſtarken
Hagelſchauern, ſo daß ihm anderthalb Stunden die Orien=
tierung
unmöglich wurde. Die Luftlinie Chemnitz-
Nikolsburg beträgt 520 Kilometer. Hiermit erreichte
Schüler nahezu die Leiſtung des Fliegers Reichel, deſſen
Landrekord er zu überbieten gedenkt.

Der neue Balkankrieg.

Die Friedenskonferenz in Bukareſt.
* Bukareſt, 1. Aug. Die Friedenskonfe=
renz
iſt, nachdem das Protokoll unterzeichnet worden
war, auf morgen vertagt. Der Präſident Majorescu gab
der Hoffnung Ausdruck, daß die Erörterungen der Son=
derkommiſſion
bis dahin zu einem greifbaren Ergebnis
geführt hätten. Die Konferenz der bulgariſchen und der
rumäniſchen Delegierten über die Anſprüche Rumäniens
wurde ebenfalls auf morgen vertagt. Militäriſche Sach=
verſtändige
beider Parteien werden den Lauf der neuen
Grenze erörtern, da es ſich dabei um eine Reihe ſtrategi=
ſcher
Fragen handelt und die rumäniſche Regierung ent=
ſchloſſen
iſt, den Entſcheid, den die militäriſchen Sachver=
ſtändigen
treffen werden, genau zu prüfen.
Bukareſt, 2. Aug. Die Konferenz trat heute
nachmittag um 4 Uhr zuſammen. Majorescu ſchlug vor,
die nächſte Sitzung am Montag abzuhalten. Er hoffe,
daß der morgige Tag, der frei bleibe, dazu verwendet
werde, eine Löſung vorzubereiten, welche die beſorgten
Völker von der Weisheit der Konferenz erwarteten. Er
hoffe ferner, Montag bereits beſtimmte Löſungen ver=
zeichnen
zu können, die ſchnell zum Frieden führen könn=
ten
. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben. Eine Ver=
längerung
des Waffenſtillſtandes wird nur dann verein=
bart
, wenn die Arbeiten der Konferenz bis Dienstag gut
fortſchreiten.
Bukareſt, 2. Aug. Heute vormittag fand eine
vertrauliche Beſprechung der militäriſchen Sach=
verſtändigen
von Rumänien und Bulgarien über die
Grenzlinie ſtatt. Die Beſprechung war ergebnis=
los
. Eine neue Beſprechung findet heute abend nach der
Vollkonferenz ſtatt. Die bulgariſchen Bevollmächtigten

konferierten heute vormittag mit den anderen Kriegfüh=
renden
über die bulgariſchen Gegenvorſchläge.
Die Forderungen der Verbündeten.
* Bukareſt, 1. Aug. (Wiener Korreſp.=Bureau.)
Auf der heutigen Konferenz der bulgariſchen
Delegation und aller Delegationen der Ver=
bündete
wurde namens der Verbündeten ein
Schriftſtück verleſen, das folgende Forderun=
gen
der Verbündeten enthält: 1. Die Ver=
bündeten
verlangen als Grenze den Lauf der Struma,
beginnend an der alten bulgariſch=türkiſchen Grenze, bis
zum Sarbdere, von dort auf die Kuppe 1314 des Tſchengel=
gebirges
, dann der Waſſerſcheide folgend bis Tragarz,
von dort nördlich und nordöſtlich zu Kuppe 1152, dann
über Meſta nach Kuka, dann über Sipkova und Daliboska=
zur
Waſſerſcheide bis zur Kuppe 2162 bei Kuslar, von
dort mit der Richtung auf Oſchagdada über Morgaſzen,
Mekova, Tokadſchida bis Kordſchala abſteigend ſodann
gegen Süden über Kaplaktepe und Galierstepe, endend am
Aegäiſchen Meere drei Kilometer öſtlich Makri. 2. Bul=
garien
entſagt allen Anſprüchen auf alle Inſeln in dem
Aegäiſchen Meer. 3. Eine Entſchädigung der Einwohner
und Regelung der bereits früher vorgebrachten Streitfra=
gen
betreffend die ſerbiſch=bulgariſchen Grenzfragen. 4.
Garantie für die Aufrechterhaltung der Freiheit in Schule
und Kirche der griechiſchen Gemeinden Thraziens.
Zu den Forderungen Rumäniens gehört
auch die Schleifung der Feſtungen von Ruſtſchuk und
Schumla und Anerkennung einer Zone des bulgariſchen
Gebietes, das nicht befeſtigt werden darf. Es iſt ſicher,
daß die bulgariſchen Delegierten die rumäniſchen Forde=
rungen
betreffend die neue Grenze und die Aromuren voll=
inhaltlich
annehmen. Was die Schleifung der Feſtungen
Ruſtſchuk und Schumla anbetrifft, ſo heben die bulgari=
ſchen
Delegierten hervor, daß die beiden Orte wertloſe,
alte Befeſtigungen ſeien. Die Forderungen der Verbün=
deten
an Bulgarien, auf welche die bulgariſchen Delegier=
en
wahrſcheinlich morgen antworten werden, werden in
unbeteiligten Kreiſen als außerordentlich übertrieben an=
geſehen
. Man hält es aber für ſelbſtverſtändlich, daß die
Verbündeten hierin nicht ihr letztes Wort geſprochen haben
und findet, daß der Bulgarien bewilligte Zugang zum
Meere nur ein theoretiſcher ſei, da alles Gebiet, das wirt=
ſchaftlichen
Wert beſäße oder nicht in hohen Gebirgen ge=
legen
ſei, den Bulgaren abgeſprochen worden ſei.
* Wien, 2. Aug. Wie die Wiener Allgemeine Zeit=
ung
erfährt, wird in hieſigen diplomatiſchen Kreiſen
gegenüber den Forderungen der griechiſchen
und ſerbiſchen Delegierten auf der Bukareſter
Konferenz darauf hingewieſen, daß man unmöglich an=
nehmen
könne, es ſei Serbien und Griechenland mit ſol=
chen
Anſprüchen ernſt, deren Unerfüllbarkeit auch
in Belgrad und Athen unmöglich verkannt werden könne.
Die Unmäßigkeit der ſerbiſchen und griechiſchen Forder=
ungen
rücke den Gedanken näher, wie berechtigt der ſeit=
her
auch von anderer Seite akzeptierte Standpunkt ge=
weſen
ſei, den Oeſterreich=Ungarn von Anfang an gel=
tend
machte, daß die Gebietsverteilung auf dem Balkan
nicht ohne Zuſtimmung der Großmächte erfolgen
dürfe. Man müſſe hoffen, daß die Serben und die Grie=
chen
, wenn ſie ſchon bei der Präſentierung der Forder=
ungen
dem gutgemeinten rumäniſchen Ratſchlag kein Ge=
hör
ſchenkten, dies wenigſtens im Verlaufe der Konferenz
tun würden, um den Großmächten die gewiß nicht er=
wünſchte
Mühe eines umfangreichen Reviſionswerkes zu
erſparen.
Die Forderungen der Bulgaren.
* Bukareſt, 2. Aug. In der Sitzung der Frie=
denskonferenz
ſetzten die Bulgaren gegenüber den
Forderungen der Serben und Griechen folgende Gegen=
forde
rungen auf: 1. Die neue Grenze beginnt an
der alten ſerbiſch=bulgariſchen Grenze, geht zwiſchen Ku=
manowo
und Egri=Palanka nach Süden zwiſchen Veles
und Iſtip über den Wardar bis Murichowo bei Mona=
ſtir
und ſodann über Gewgeli und weſtlich von Seres
über die Struma und endet am Golf von Orfano. Es
bleiben daher auf bulgariſchem Gebiete Egri=Palanka,
Kratowo, Kotſchana, Iſtip, Radovitſche, Strumnitza,
Doiran, Seres, Demir=Hiſſar und Kawala. Die Grie=
chen
haben in den Beſprechungen mit den Bulgaren die
Grenze von Makri nach dem Golf von Lagos zurückge=
zogen
. 2. Da die Entſcheidung über die Inſeln von der
Botſchafterkonferenz in London den Großmächten vorbe=
halten
iſt, kann Bulgarien nach dieſer Richtung hin keine
Verpflichtung übernehmen. 3. Bulgarien kann die Berech=
tigung
der Forderung der Verbündeten nach einer Ent=
ſchädigung
der Einwohner nicht anerkennen und über die=
ſen
Gegenſtand auch nicht verhandeln. 4. Bulgarien
willigt ein, daß die Streitigkeiten, betreffend die alte
erbiſch=bulgariſche Grenze, einer internationalen
Militärkonvention anvertraut werden, die von
den Großmächten zu ernennen iſt. 5. Bulgarien nimmt
den Grundſatz an, demzufolge die Kriegführenden ſich
unter Wahrung der Gegenſeitigkeit verpflichten, auf ihrem
Gebiete den Nationalitäten volle Schul= und Kirchenfrei=
heit
zu gewähren.
Die Londoner Botſchafterkonferenz.
* London, 1. Aug. Wie das Reuterſche Bureau
meldet, dauerte die Sitzung der Botſchafterver=
einigung
heute nachmittag ungefähr zwei Stunden.
Sie vertagte ſich dann auf Dienstag. Man hofft, mit
den Arbeiten fertig zu werden. Die Botſchafter erörtern
die Frage der albaniſchen Gendarmerie. Da Schweden,
das zahlreiche Offiziere in Perſien hat, nicht in der Lage
iſt, die wahrſcheinlich beträchtliche Anzahl von Offizieren
für Albanien zu ſtellen, ſo beſchloß die Konferenz, ſich
an Holland zu wenden. Die Botſchafter erörterten ferner
die Frage der epirotiſchen Grenze und der Aegäiſchen In=
ſeln
. Eine Erklärung, die auf dieſe Frage Bezug nimmt,
wurde abgefaßt, um den Mächten vorgelegt zu werden.
Man hofft, daß die nächſte Sitzung zu einer Löfung ge=
langen
wird.
Die Türkei und Bulgarien.
* Konſtantinopel, 1. Aug. Es beſtätigt ſich,
daß die türkiſchen Aufklärungstruppen auf türkiſches Ge=
biet
zurückgekehrt ſind und an der alten türkiſch= bulgari=
ſchen
Grenze halten. Die Bulgaren beſetzten ihre frü=
heren
Poſten wieder und konzentrierten in der Gegend
von Jeamboli und Hebitſchewo Truppen. Der türkiſche
Thronfolger richtete nach ſeiner Ankunft in Kirk=Kiliſſe
an die Bevölkerung und an die Armee folgende Anſprache:
Wir ſind durch Gegenden gekommen, in die der Feind ein=
gedrungen
war. Wir ſtellten überall feſt, daß alles in
Trümmern lag. Das menſchliche Gewiſſen empört ſich
gegen dieſe Greueltaten. Was uns anbetrifft, ſo ſtellen
wir die Ordnung und die Gerechtigkeit wieder her. Jeder=
mann
gibt dies zu. Es kann keinen beredteren und ſtär=
keren
Appell an die ziviliſierte Welt geben, als dieſe ein=
ſtimmige
Anerkennung. Der Thronfolger nahm alsdann
eine Parade der Truppen über 15000 Mann ab, wobei
er von der Bevölkerung durch Zurufe begrüßt wurde.

Der Oberkommandant der Armee veröffentlicht eine Er=
klärung
an die bulgariſchen Dorfbewohner, die die Dör=
fer
verlaſſen, in der er ſie auffordert, zurückzukehren und
friedlich ihren Arbeiten nachzugehen.
Letzte Nachrichten.
* Bukareſt, 3. Aug. Heute früh fand eine Kon=
ferenz
der bulgariſchen und rumäniſchen Dele=
gierten
unter dem Vorſitze Majorescus’ ſtatt. Nach
einer längeren Beratung, die bis mittag dauerte, kam es
zu einer Einigung unter den beiden Parteien über drei
Punkte, die von Rumänien in der Note vom 21. Juli for=
muliert
worden ſind. Der Verlauf der neuen Grenze
wurde durch die militäriſchen Delegierten feſtgelegt. Sie
beginnt zwölf Kilometer unterhalb Baltſchik auf dem erſten
Hügel, der auf der Karte mit der Höhenangabe 252 be=
zeichnet
iſt, läuft dann in einer Entfernung von zehn
Kilometern ſüdlich Dobritſch vorüber und endigt neun
Kilometer weſtlich von Turtukai bei dem Dorfe Tourkſymil.
An einigen Punkten weicht die neue Grenze gemäß der
topographiſchen Eigenart um 15 bis 16 Kilometer von der
geraden Linie nach Weſten ab. Ferner verpflichtete ſich
Bulgarien, die Befeſtigungen Ruſtſchuks und Schumlas
zu ſchleifen und keine neuen Befeſtigungen in dem dazwi=
ſchen
liegenden Gebiet und in einem Umkreis von 20 Kilo=
meter
um Baltſchik herum anzulegen. Die Frage der
rumäniſchen Schulen und Kirchen in dem von Bulgarien
eroberten Gebiet wurde entſprechend den auf der Peters=
burger
Konferenz gemachten Vorſchlägen geregelt.

Die Unruhen in China.

* Peking, 1. Aug. Juanſchikai erklärte in
einem Manifeſt daß ſowohl die Rebellenführer Gene=
ral
Huanghſing und Tſchentſchimai, als auch die meiſten
Parteigänger der Revolution der Kuomintang=Partei an=
gehören
. Der Präſident verlangt die Ausſchließung der
Rebellen aus der Partei und fordert eine Erklärung der
Kuomintangs über die Rebellion. Juanſchikai tritt, falls
die Antwort unbefriedigend ausfalle, mit der ſtrengen
Anwendung des Geſetzes ein. Ein zweites Manifeſt
beordert den Oberſtkommandierenden der Regierungstrup=
pen
am Jangtſe, verſchiedene Rebellenführer zu verhaften
und zu beſtrafen. Sunjatſen wird darunter nicht genannt.
* London, 2. Aug. Die Morning Poſt meldet
aus Schanghai vom geſtrigen Datum: Admiral=
ſeng
hat im Namen Juanſchikais ein Manifeſt
erlaſſen, das für die Auslieferung der Rebellenführer tot=
oder
lebendig Belohnungen verſpricht: 100000 Dollars für
Huanghſing, 50000 Dollars für Tſchentſchimai und je
20000 Dollars für Suangfu und Liſchutſchang.
* Schanghai, 2. Aug. Heute früh um 4 Uhr 30
Minuten näherten ſich zwei Kreuzer den Wuſung=
Forts bis auf fünf Meilen und eröffneten ein einſtündi=
ges
unregelmäßiges Feuer. Die Kreuzer konnten ſich
ohne Schaden zurückziehen. Die Konſular= und Zollbeam=
ten
waren von dem Admiral Tſeng formell von der be=
vorſtehenden
Beſchießung in Kenntnis geſetzt worden.
Sunjatſen ging zu Schiff nach Hongkong.
Schanghai, 2. Aug. Heute früh um 4.30 Uhr
näherten ſich zwei Kreuzer den Wuſung=Forts bis auf
fünf Meilen und eröffneten ein einſtündiges unregelmäßi=
ges
Feuer. Die Kreuzer konnten ſich ohne Schaden zu=
rückziehen
.

Vermiſchtes.

Zur Jahrhundertfeier des Infan=
terie
=Regiments Nr. 83 hat, wie uns geſchrieben
wird, der Kaiſer ſein Erſcheinen zugeſagt. Der Monarch
wird die große Parade am 17. Auguſt d. J. auf dem
Friedrichsplatz abnehmen. An der Parade werden das
geſamte Regiment Nr. 83, ſowie die Vereine ehe=
maliger
83er und die Kompagnie=Vereinigungen teilneh=
men
. Das bisher vom Jubiläums=Ausſchuß des Regi=
ment
83 und dem Feſtausſchuß des Vereins ehemaliger 83er
aufgeſtellte Programm wird durch die Anweſenheit des
Kaiſers wohl einige kleine Aenderungen erfahren. Heute
ſei hierüber mitgeteilt, daß der Regimentsappell
und die religiöſe Feier am 17. Auguſt, 10 Uhr vor=
mittags
, auf dem Kaſernenhof, Hohenzollernſtraße, die
Parade 11½ Uhr vormittags auf dem Friedrichsplatz
ſtattfindet. Beginn der Turn= und Sportſpiele 3½ Uhr
nachmittags auf dem Kaſernenhof. An der Regiments=
feier
kann jeder ehemalige Angehörige des Infanterie=
Regiments von Wittich teilnehmen, gleichviel ob er einem
Verein ehemaliger 83er angehört oder nicht. Hierauf wer=
den
beſonders die Kameraden in der Provinz aufmerkſam
gemacht und ſoweit ſich ſolche noch nicht gemeldet haben,
dies ſofort bei den betreffenden Kompagnien zu veran=
laſſen
, bei welchen ſie gedient haben. In Kaſſel alſo bei
der 1.8. Kompagnie ehemalige Angehörige der 13.16.
Kompagnie, Erſatzreſerve (Lehrer uſw.), Maſchinengewehr=
Kompagnie melden ſich ebenfalls in Kaſſel an und zwar
beim 2. Bataillon zu Händen des Herrn Hauptmann Clau=
ſius
. Es ſei ferner auf das am 17. Auguſt auf Koſten des
Regiments ſtattfindende Feſteſſen aufmerkſam gemacht.
Meldungen hierzu ſind bis 5. Auguſt einzureichen. Nähere
Auskunft, Ueberſendung von Programmen uſw., erteilt
außer der Jubiläums=Kommiſſion des Regiments 83 noch
auf Wunſch Eduard Buch, Kaſſel, Weſerſtr. 2, I., an den
auch ſchriftliche Mitteilungen zu ſenden ſind, welche Bür=
gerquartiere
betreffen, für die der Preis von 1 Mk. bis
1,50 Mk. gezahlt wird.

Literariſches.

Kleine Schriften des Zentralausſchuſſes zur För=
derung
der Volks= und Jugendſpiele in Deutſchland: Band
11: Anleitung für Ballſpiele, Schlagball ohne
Einſchenker, Fauſtball, Tamburinball, von Friedr. Rein=
berg
, Lehrer in Charlottenburg. Mit 81 Abbildungen.
(IX und 123 S.) 8 1912. Karton. 1.50 Mk. Verlag von
B. G. Teubner in Leipzig. Das Buch iſt ein wertvoller
Beitrag zur Geſchichte der Volks= und Jugendſpiele und
bietet gleichzeitig eine erſchöpfende Darſtellung der Ent=
wicklung
der Technik der einzelnen Spiele im letzten Jahr=
zehnt
.
2

Darmſtadt, 4. Auguſt.
* Der Raubmord im Bahnzug Frankfurt- Darm=
ſtadt
. In dem Ausſchreiben der Darmſtädter Staats=
anwaltſchaft
war auch eine kleine ſchwarze ältere
Brieftaſche erwähnt, die dem ermordeten Brechner
geraubt ſein ſollte. Wie man der Frkf. Ztg. nun mit=
teilt
, hat Brechner eine Brieftaſche gar nicht bei ſich
getragen, ſie wurde jetzt bei genauer Durchſicht ſeiner
Kleidungsſtücke uſw. in ſeiner Wohnung gefunden. Auch
fand man dort das Anhängſel der Uhr, das wie
erwähnt iſt, fehlte, als der Mörder in Frankfurt die
Uhr verſetzte. Noch ſei erwähnt, daß die Unterſuchung
dadurch ſich ſchwierig geſtaltet, weil genaue Finger=
abdrücke
nicht hergeſtellt werden konnten.

[ ][  ][ ]

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Bad Nauheim, 3. Aug. Der frühere ruſſiſche
Miniſter Witte iſt mit Familie hier zur Kur einge=
troffen
.
* Köln, 2. Aug. Heute abend iſt zwiſchen Weſſeling
und Köln das Automobil des Kaufmanns Levy aus
Paris gegen ein Fuhrwerk gerannt. Der Be=
ſitzer
, der ſeine in Köln bei ihrer Mutter zu Beſuch wei=
lende
Frau beſuchen wollte, wurde herausgeſchleudert und
ſo ſchwer verletzt, daß er bald darauf verſtarb. Der
Chauffeur trug leichte Verletzungen davon.
* Pillau, 3. Aug. Beim unerlaubten Baden in
der Oſtſee ſind geſtern abend der Gefreite Schubert und
der Musketier Budler von der 7. Kompagnie des In=
fanterie
=Regiments Nr. 43 ertrunken. Ein dritter
Soldat, der zur Rettung nachſprang, wurde von einem
der Verunglückten ſo feſt umklammert, daß er in die Ge=
fahr
des Ertrinkens geriet. Er konnte ſich jedoch ſchließ=
lich
freimachen.
Altona, 3. Aug. Geſtern abend kenterte auf
der Elbe ein mit drei Perſonen beſetztes Ruderboot. Ein
junger Mann und ein unbekanntes Mädchen ſind er=
trunken
. Die Leichen wurden noch nicht gefunden.
* Bergen, 2. Aug. Am Mittwoch ereignete ſich ein
ſchweres Unglück auf einem Gehöft bei Gudvan=
gen
. Das deutſche Touriſtenſchiff Großer Kurfürſt
ankerte im Fjord. Einige Mann der Beſatzung, die
Landurlaub erhielten, machten eine Partie auf den Fjeld.
Sie ſollen bei dieſer Gelegenheit Steine haben herabrol=
len
laſſen. Durch einen ſolchen wurde unweit des Hofes
ein arbeitendes Mädchen erſchlagen. Die Deut=
ſchen
wurden arretiert, gegen Abend aber wegen man=
gelnder
Beweiſe wieder freigelaſſen. Auf Befehl des
Amtsmanns ſind ſie jedoch heute nacht unmittlbar vor der
Abfahrt des Großen Kurfürſt wieder verhaftet
worden.
* Bergen, 3. Aug. Zu dem Unglücksfall in
Dyrdal bei Gudvangen, mit dem Angehörige des Ver=
gnügungsdampfers
Großer Kurfürſt in Verbindung ge=
bracht
wurden, teilt der Norddeutſche Lloyd mit, daß die
Mannſchaften an Land geſchickt waren, um friſches Laub
zur Ausſchmückung des Schiffes zu holen. Sie warfen
keine Steine mutwillig hinab, wie die Gerichtsverhand=
lung
in Bergen ergab. Es befanden ſich auch Landarbei=
ter
mit Pferden auf dem hart am Abhang entlang füh=
renden
, 170 Meter über der Unfallſtelle liegenden, ſehr
ſchmalen, geröllreichen Weg, die der Schiffsmannſchaft be=
gegneten
, ſodaß die Möglichkeit vorliegt, daß die Pferde
das Geröll lockerten. Nach Ausſage der Angehörigen des
getöteten Mädchens, die in deſſen Nähe arbeiteten, liegt
ein Unglücksfall vor, für den niemand ver=
ant
wortlich iſt. Es iſt nicht bewieſen, daß die
Schiffsmannſchaften den Stein, der das Mädchen erſchlug,
in Bewegung brachten. Auf Grund dieſer Ausſage wur=
den
die Mannſchaften nach eingehender Gerichtsverhand=
lung
in Bergen freigelaſſen. Sie wurden jedoch, weil
eine ſpäter vorgenommene Lokalbeſichtigung der Unfall=
ſtelle
weitere Feſtſtellungen wünſchenswert erſcheinen ließ,
i Bergen zurückgehalten.
* Brüſſel, 2. Aug. Der dritte internatio=
nale
Kongreß für Krebsforſchung wurde
heute durch den Miniſter des Innern eröffnet. Präſident
iſt infolge der Behinderung des Profeſſors Czerny=
Heidelberg der belgiſche Profeſſor de Baiſſieux.
Deutſchland iſt im Präſidium durch Profeſſor Kirſch=
ner
vertreten. Für die Arbeiten ſind drei Tage vorge=
ſſehen
.
* Haag, 2. Aug. Die Königin empfing im
Schloſſe der Königin=Mutter in Soeſtdijk den Staatsrat
Cort van der Linden und beauftragte ihn mit der
Bildung eines außerparlamentariſchen Kabinetts. Cort
van der Linden erbat Bedenkzeit, um einen Entſchluß zu
faſſen.
Liſſabon, 3. Aug. Der Miniſterrat ließ folgendes
Bulletin veröffentlichen: Der Präſident der Re=
publik
hatte ſeit langen Jahren Steine in der rechten
Niere. Am letzten Sonntag entwickelte ſich eine links=
eitige
Nierenentzündung, zu der geſtern noch Kompli=
kationen
traten. Die Komplikationen ſind derartig, daß
der Zuſtand des Erkrankten ernſt iſt.
* Liſſabon, 3. Aug. England, Frankreich und Spanien
haben der Wahl des Schiedsgerichts im Haag
zur Entſcheidung der Reklamationen, betreffend die Kon=
gregationsgüter
in Portugal, zugeſtimmt.
Der Miniſter des Aeußern erklärte ſich einverſtanden und
traf mit den drei Staaten eine diesbezügliche Abmachung.
* Helſingfors, 3. Aug. Die Landtagswahlen
in ganz Finnland verliefen in außerordentlich
matter Stimmung. Sechzig Prozent der Stimmberechtig=
ten
enthielten ſich nach einer vorläufigen Schätzung der
Teilnahme an den Wahlen.
* Makarjew (Gouvernement Niſhni=Nowgorod),
B. Aug. Die durch ihren Jahrmarkt bekannte Stadt
brennt. Das Feuer hat auch das alte Kloſter ergriffen.
* Mexiko, 3. Aug. Der Miniſter des Innern ver=
öffentlicht
im Namen Huertas eine Erklärung, in der
geſagt wird, eine Einmiſchung Fremder oder
Einheimiſcher bei der Pazifizierung des Landes würde
von Huerta nicht geduldet, der auf ſeine Aufgabe, die er
vor der Nation übernommen habe, nicht verzichte und den
Frieden, der Fortſchritte mache und ſich der Erfüllung
nähere, wieder herſtellen wolle.
* Waſhington, 2. Aug. Das Protektorat über
Nikaragua wird aufgegeben. Der Vorſitzende
des Senatskomitees für auswärtige Angelegenheiten
wurde angewieſen, Staatsſekretär Bryan zu erſuchen,
den neuen Entwurf eines Vertrages mit Nikaragua zu
unterbreiten, der ſich auf die Erwerbung des ausſchließ=
lichen
Rechtes eines Kanalbaues in Nikaragua, ſowie auf
Konzeſſionen, wie eine Marineſtation, beſchränkt. Ange=
ſichts
der Oppoſition des Sénatskomitees gegen das Pro=
tektorat
hatten Präſident Wilſon und Staatsſekretär
Bryan angedeutet, daß ſie bereiteſeien, die Protektorats=
politik
vorläufig aufzugeben.
H. B. Berlin, 2. Aug. Die Ermittelungen über den
Verluſt der 22000 Mark, die dem Kaſſenboten
Niſtow von der Firma Fiſchbein u. Mendel geſtern auf
dem Wege von der Deutſchen Bank zur Reichsbank ab=
handen
kamen, haben ergeben, daß der Diebſtahl auf der
Straßenbahn geſchehen iſt. Gegen Niſtow liegt keinerlei
Verdacht vor.
H.B. Paris, 3. Aug. Geſtern abend entſtand während
des Zapfenſtreichs zwiſchen Antimilitariſten und ihren
Gegnern auf dem Boulevard Poiſſoniére eine wüſte
Schlägerei. Die Polizei mußte dazwiſchen treten und
die Streitenden auseinandertreiben. Kaum war die Ruhe
einigermaßen wiederhergeſtellt, als der Krawall einige

hundert Meter weiter von neuem begann. Die Schlägerei
dauerte bis in die ſpäten Nachtſtunden und die Polizei
hatte die größte Mühe, dem Tumult ein Ende zu machen.

Briefkaſten.

Zirkus. Der letzte Zirkus, der auf dem Marienplatz
gaſtierte, war Zirkus Corty Althoff im Jahre 1909.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Ernährungsfehler ſollen von Frauen beſonders in
der Zeit der Niederkunft vermieden werden, und
das beſte Mittel dagegen iſt eine gute, geſundheits=
ördernde
Koſt, die die Verdauungsorgane nicht be=
ſchwert
. Das nahrhafte und leicht verdauliche Kufeke‟
bewirkt eine geregelte Verdauung und wird als Waſſer=
ſuppe
oder mit Milch, Kakao, Bouillon, mit Suppen
oder Gemüſen ſelbſt von verwöhnten Perſonen gern ge=
nommen
. Verlangen Sie in der nächſten Apotheke
oder Drogerie die Gratisbroſchüre 104 Kufeke‟
Kochrezepte‟.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Bosnia 29.=Juli 11 Uhr morgens von
Newport News nach Baltimore. Graf Walderſee‟
26. Juli von Philadelphia über Boulogne nach Ham=
burg
. Imperator nach Neu=York, 31. Juli 8=Uhr
abends von Cherbourg. Norman Monarch von Neu=
orleans
kommend, 1. Aug. 7 Uhr 30 Min. morgens auf
der Elbe. Pallanza 31. Juli 9 Uhr morgens in Gal=
veſton
. Patricia 30. Juli morgens von Halifax nach
Neu=York. Pennſylvania 31. Juli abends von Neu=
York direkt nach Hamburg. Schwarzburg 30. Juli
4 Uhr nachm. von Galveſton nach Hamburg. Witte=
kind
von Kanada kommend, 31. Juli 8 Uhr morgens
in Rotterdam. Weſtindien, Mexiko: Conſtantia‟.
von Mexiko kommend, 31. Juli 1 Uhr nachm. von Ant=
verpen
nach Hamburg. Dania 31. Juli in Pto.
Mexico, heimkehrend. Grunewald nach Havana und
Mexiko, 31. Juli 7 Uhr abends von Havre. Steiger=
wald
, von Mexiko und Havana kommend, 31. Juli
10 Uhr morgens in Vigo. Wasgenwald nach Havana
und Mexiko, 31. Juil 7Uhr abends in Cadiz. Ypiranga
von Mexiko u. Havanakommend, 31. Juli 11 Uhr mittags in
Torung. Südamerika, Weſtküſte Amerikas: Acilia nach
der Weſtküſte Amerikas, 28. Juli von Barcelona.
Naſſovia von Braſilien nach Neu=York, 28. Juli 11 Uhr
abends von Barbados. Navarra 20. Juli in Rio de
Janeiro, ausgehend. Oſtaſien: Aleſia 29. Juli 9 Uhr
morgens Gibraltar paſſiert, heimkehrend. Brisgavia
29. Juli in Hongkong, ausgehend. Hoerde‟ 28. Juli
3 Uhr abends von Algier nach Port Said. Liberia
29. Juli 9 Uhr vorm. von Rotterdam nach Algier.
Senegambia 29. Juli von Suez nach Penang.
Sithonia‟ 29. Juli von Sabang nach Aden.
Ver=
ſchiedene
Fahrten: Fürſt Bismarck fünfte Nordland=
fahrt
, 28. Juli 11 Uhr abends in Smerenbergbay.
Lome 28. Juli von Sierra Leone, heimkehrend. Ver=
gnügungsdampfer
Meteor von der ſechſten Nordland=
ahrt
kommend, 30. Juli 5 Uhr morgens auf der Elbe.
Victoria Luiſe, vierte Nordlandfahrt, 29. Juli von Bergen.
Rhenania von Afrika kommend, 30. Juli von Las
Palmas. Windhuk 31. Juli von Durban, heimkehrend.
Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
Rotterdam 26. Juli 6 Uhr 30 Min. nachm. von Bou=
logne
abgegangen. Nieuw Amſterdam24. Juli nachm.
in Rotterdam eingetroffen. Noordam 22. Juli vorm.
von Neu=York abgegangen. Ryndam 29. Juli vorm.
von Neu=York abgegangen. Potsdam 19. Juli vorm.
in Rotterdam eingetroffen.

Statt besonderer Anzeige.
Gestern nachmittag verschied nach
längerem Leiden unerwartet meine innigst-
geliebte
Frau, unsere treusorgende Mutter,
Tochter, Schwester, Schwägerin, Nichte
und Tante
(16495
Imlotte Ver Wostren
geb. Herstatt
im blühenden Alter von 32 Jahren.
In tiefer Trauer:
Karl Robert v. Westrell, Rittmeister
u. Eskadronchef im Schlesw.-Holst.
Dragoner-Regiment Nr. 13,
Karl Lars v. Westrell,
Friedrich Axel v. Westrell,
Therese Herstatt, geb. Du Mont,
Arthur Herstatt, Landgerichtsrat a. D.,
Arthur Deichmann und Frau Stefani,
geb. Herstatt,
Hans Rive, Oberleutnant im Kür.-Regt.
Graf Gessler (Rhein.) Nr. 8 und
Frau Marie, geb. Herstatt,
Dr. Iwan Herstatt und Frau Clara,
geb. Schnitzler,
César Godeffroy-Faerber, Major beim
Stabe im Husaren-Regiment Kaiser
Franz Josef von Oesterreich Nr. 16
und Frau Zerelda, geb. v. Westrell,
Editha v. Westreil.
Metz-Sablon, Cöln, Deutz, Stendal, Baden-
Baden, den 2. August 1913.
Die Ueberführung zum Bahnhof findet statt am
Montag, den 4. August, 9 Uhr vorm., von der
Garnisonkirche aus; die Beerdigung in Cöln
von der Friedhof-Kapelle in Melaten aus, am
Dienstag um 11 Uhr.

Ausser Stande jedem Einzelnen
für die vielen Beweise aufrichtiger
Teilnahme danken zu können, sagen
wir auf diesem Wege Allen unsern
tiefgefühltesten Dank.
Marta Brechner
und Familie.
Darmstadt, 2. August 1913.
(16483

Dankſagung.
Für das liebevolle Gedenken unſerer teuren
Entſchlafenen und für die uns in ſo reichem Maße
bewieſene herzliche Teilnahme an dem unvergeß=
lichen
Verluſte unſerer innigſtgeliebten Mutter,
Großmutter, Schwiegermutter, Schweſter u. Tante
Katharina Landzettel
geb. Lang
ſagen wir Allen unſeren innigen Dank. Insbe=
ſondere
danken wir dem Herrn Pfarraſſiſtenten
Lic. Adolph für ſeine troſtreichen Worte.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 2. Auguſt 1913. (B16482

Tageskalender.
Bilder vom Tage (Auslage in unſerer Expedition,
Rheinſtraße 23): Berlin aus der Vogelſchau, das Reichs=
tagsgebäude
und der Königsplatz mit der Siegesſäule,
Blick auf die Straße Unter den Linden (aufgenommen
aus dem Zeppelinluftſchiff Hanſa); zu den Friedens=
verhandlungen
der Balkanſtaaten in Bukareſt; Feier
des Reichsfeuerwehrverbandes am Völkerſchlachtdenk=
mal
in Leipzig; von der Eiſenbahnkataſtrophe auf Jüt=
land
.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: i. V. Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich
in Darmſtadt. Für den redaktionellen Teil beſtimmte
Mitteilungen ſind an die Redaktion des Tagblatts zu
adreſſieren. Etwaige Honorarforderungen ſind beizu=
fügen
; nachträgliche werden nicht berückſichtigt. Un=
verlangte
Manuſkripte werden nicht zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Um vor

der Verlegung meines Geschäfts nach Rheinstrasse 4
mein grosses Lager möglichst zu räumen, unterstelle ich folgende Artikel einem

(*4746


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(Nachdruck verboten.)
11

Sie bezwang ſich, innerlich beſchämt, aber in ihrem
Trotze beharrend.
Wann gedenken Sie mit Ihren Eltern zu ſprechen?
lenkte ſie ein.
Darauf kann ich Ihnen in dieſem Augenblick noch keine
bündige Erklärung geben.
Weil Sie es diesmal nicht wagen, ehrlich zu ſein.
Gnädige Frau .
Oh, bitte, Empfindlichkeiten ſtehen bei ſo ernſten Din=
gen
keinem von uns beiden an. Wir haben uns bei un=
ſerer
erſten Unterredung unſere gegenſeitige Stellung
durchaus klar gemacht. Sie ſind in jedem Fall, ob ſich
Ihre eigene Meinung über mich inzwiſchen gebeſſert haben
ſollte oder nicht, der Bevollmächtigte Ihrer Eltern, und
müſſen mir als ſolcher ein Beſitztum ſtreitig machen, das
ich als Vertreter meines Sohnes für dieſen fordere. Sie
haben mir mit anerkennenswerter Offenſive eingeſtanden,
daß Ihre Familie einen Streit bis aufs Meſſer führen
will. Solche Auseinanderſetzungen ſind Kriegserklärun=
gen
. Zwiſchen uns kann alſo von einem Zuſammengehen,
ja ſelbſt nur von einem zeitweiligen friedlichen Beieinan=
der
keine Rede ſein, wenn wie ehrliche Menſchen bleiben
wöllen. Trotzdem nehmen Sie verwandtſchaftliche Rechte
und Rückſichten in Anſpruch und verkehren mit meinem
Sohn, als ſeien Sie ſein Freund und Beſchützer und nicht
ſein erklärter Feind. Wenn ein Mann von Charakter der=

artig handelt, muß er ſeine ganz beſtimmten Gründe dazu
haben.
Allerdings, warf er mit Nachdruck ein.
Eine tiefe Bläſſe legte ſich über ihr Geſicht. Hatte ſie
recht geraten? Es koſtete ihr unſägliche Mühe, das Ge=
ſpräch
fortzuſetzen.
Dieſe Gründe gehen mich nichts an und ich will ſie
nicht wiſſen. Ich ſtehe Ihnen lediglich als Geſchäftsträ=
gerin
meines Sohnes gegenüber, und als ſolche muß ich
Ihnen folgendes ſagen: Wir haben abſolut nichts weiter
miteinander zu tun, als die eine Sache zu erledigen: Ein=
ſetzung
meines Sohnes in alle ſeine Rechte als Majorats=
erbe
. Das iſt die erſte Bedingung zum Frieden. Aller=
dings
haben Sie mir geſagt, Sie perſönlich hätten nichts
dagegen. Darauf kommt es aber nicht an. wollen Sie
dahin wirken, daß Ihre Eltern meinen Sohn als recht=
mäßigen
Erben anerkennen? Ihre Augen durchbohrten
ihn faſt. Sie hielt den Atem an, um keinen Laut zu ver=
lieren
.
Ich will! Er ſagte es ohne Emphaſe, einfach, beinahe
gleichgültig.
Sie wollen? . . . Wiſſen Sie, was Sie ſoeben geſagt
haben!
Ganz genau, ich bin ſogar erbötig, es Ihnen ſchriftlich
zu geben.
Und was denken Sie, was Ihre Eltern dazu ſagen
werden?
Eine Wolke glitt über ſein Geſicht. Ich verhehle mir
nicht, daß es noch ſchwerer Kämpfe bedürfen wird, um
meine Eltern zu der Einwilligung deſſen, was ich vorhabe,
zu bewegen. Aber mein Vater iſt ein ſtreng rechtlich den=
kender
Mann. Er wird nachgeben, ſobald er ſich über=

zeugt hat, daß er den Frieden und das Glück ſeiner Fa=
milie
völlig zu untergraben im Begriff ſteht, wenn er auf
ſeinem Standpunkt beharrt, und daß er im Unrecht iſt.
Meine Mutter hat es von jeher am meiſten geſchmerzt, daß
ihr Aelteſter, ihr Liebling, ſie um einer Fremden willen
ſo gänzlich vergeſſen konnte. Es wird Ihnen nicht ſchwer
fallen, Anita, ihr Herz zu gewinnen.
Sie wollten es wirklich übernehmen, die obſkure Ko=
mödiantin
dem adligen Geſchlecht als Schwiegertochter
zuzuführen?
Ein helles, wahrhaft ſonniges Lächeln glitt über ſein
Geſicht.
Ich will es tun! Das vor allen Dingen.
Und Sie wollen mit Ihrer Ehre dafür einſtehen, daß
man mich als Witwe Ihres Bruders reſpektiert, daß man
keinerlei Zwang auf mich auszuüben verſucht und mich
weiter wie bisher ſtill dem Andenken meines Mannes und
der Erziehung meines Sohnes leben läßt?
Das kann ich nicht nicht ſo verſprechen, wie Sie
es wünſchen.
Ah . . . Wie ein Blitz tauchte wieder der Gedanke
in ihr auf, daß man ſie nur zu ködern ſuchte. Sie atmete
tief und ſchwer: Dann haben wir uns heut’ das letzte Mal
geſehen.
Anita, fuhr er auf, das kann Ihr Ernſt nicht ſein.
Nennen Sie mich nicht mit meinem Namen, das be=
leidigt
mich. Er war zu erregt, um darauf zu achten.
Sie werden das Wort zurücknehmen, fuhr er leiden=
ſchaftlich
fort. Wir haben uns kaum geſehen, laſſen Sie
uns erſt miteinander bekannt werden, ehe Sie das Verban=
nungsurteil
ausſprechen. Oder vielmehr, lernen Sie

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fühlte ich mich als ganz anderer
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erſt mich kennen, denn ich kenne Sie jetzt, als ſei ich von
Jugend auf mit Ihnen vertraut geweſen.
Welchen Zweck könnte das haben? Eine Ausſöhnung
mit der Familie Drewensberg, die ich allein meines
Mannes wegen für erſtrebenswert gehalten hätte, iſt jetzt
wertlos für mich, nachdem er geſtorben iſt in dem Bewußt=
ſein
des unverſöhnlichen Zornes ſeiner allernächſten An=
gehörigen
. Laſſen Sie meine Perſon überhaupt ganz aus
dem Spiel. Erklären Sie ſich nur bereit, die Rechte
meines Sohnes anzuerkennen, das iſt alles, was ich von
Ihnen fordere. Ich meinerſeits habe nicht Luſt, irgend
etwas anzunehmen, was man mir doch nur gezwungen
und widerwillig gewähren würde.
Er trat einen Schritt näher. Auf ſeiner Stirn hatte
ſich eine tiefe Falte eingegraben, und die grauen Augen
hefteten ſich mit unerbittlicher Schärfe auf ihr Geſicht.
Vor dieſem zwingenden Blick gab es kein Ausweichen.
Sie ſind eine wekterfahrene, kluge Frau, und Ihr
Herz iſt auf dem rechten Fleck, ſagte er ernſt und langſam.
Ich kann nicht glauben, daß Ihnen das ehrliche Intereſſe,
ſagen wir die Freundſchaft verborgen geblieben ſein
könnte, die für die Frau meines Bruders in mir erwacht
iſt. Wenn Sie trotzdem darauf beſtehen, daß wir uns das
letzte Mal geſehen haben, ſo iſt es nicht die Familie
Drewensberg, ſondern meine Perſon, deren Annäherung
Sie zurückweiſen. Selbſtverſtändlich würde allein dieſe
Hindeutung genügen, mich für immer Ihre Nähe meiden
zu laſſen, wenn mir nicht meine Ueberlegung ſagte, daß
dieſe Angelegenheit zu ſchnell, zu unvermittelt über Sie
gekommen iſt, und daß ich Ihnen Zeit geben muß, ſich ſel=
ber
wiederzufinden. In einem einzigen erregten Augen=
blick
ſoll man nicht über ſein ganzes Leben entſcheiden!
Werden Sie mir geſtatten, nach einigen Wochen oder Mo=
maten
, wie Sie es für gut halten wieder bei Ihnen vor=
fzuſprechen
?

Nein! Ich kann nicht! rief ſie gequält. Ich kann
einem Mann nicht Freundſchaft gewähren, der mich in
meinem Heiligſten, meiner Frauen=Ehre, gekränkt hat.
Ich habe nicht Sie, ſondern eine mir perſönlich
fremde Frau gekränkt, und ich tat es pflichtſchuldigſt als
Vertreter der Familie Drewensberg. Jetzt kenne ich Sie,
und ich ſtehe vor Ihnen in meiner eigenen Angelegenheit.
Die Familie geht mich in dieſem Augenblick nichts an.
Eberhardt von Drewensberg bittet Sie inſtändigſt um
Ihre Freundſchaft. Weiſen Sie auch den zurück?
Ja, rief ſie ungeſtüm, ich kann Ihre Freundſchaft nicht
annehmen. Ich haſſe die Familie Drewensberg, die
meinem Mann ſo unſäglich weh getan hat, und Sie ſind
mir unzertrennlich von ihr, denn Sie haben auf ihrer
Seite geſtanden.
Sie unterbrach ſich, ſein Blick verwirrte ſie. Mit
angſtvoller Haſt fuhr ſie fort: Das Andenken an meinen
Mann iſt mir heilig, und wer mich darin ſtören und be=
irren
will, den betrachte ich als meinen Feind. Können
Sie ſich das nicht denken, Eberhardt von Drewensberg?
Sehen Sie mich nicht ſo an! ſtieß ſie plötzlich hervor.
Sie beleidigen mich ich würde es nicht ertragen, Sie
öfter ſehen zu müſſen.
Sie ſchöpfte tief Atem. Dann ſagte ſie, ſich gewalt=
ſam
zur Ruhe zwingend, mit einem Ton inneren Wider=
ſtrebens
: Ich haſſe Sie, Eberhardt von Drewensberg,
um dieſer Augen willen, dieſer ganzen Aehnlichkeit mit
Ihrem Bruder! Wie darf ein Mann auf der Welt ſich
unterſtehen, auszuſehen wie er! Ihr Anblick peinigt
mich! . . . Niemals könnke ich ruhig ſein in Ihrer Gegen=
wart
! Gehen Sie und kommen Sie niemals wieder.
Es hatte ſchon vor einer ganzen Weile an der Korri=
dortür
in einer beſonderen Weiſe geklopft. Vater Harto=
chen
! rief Heini vergnügt und lief, um zu öffnen.
Das iſt gut, daß du kommſt, Väterchen Harto! be=

grüßte er altklug den Ankömmling, ſie zanken ſich ſchon
wieder.
Wer denn, Prinzchen, wer denn,
Die Mama und der neue Onkel! Haſt du auch das
Pferdchen nicht vergeſſen, Väterchen Hartochen? Und
hat’s auch eine Mähne und einen langen Haarſchwanz?
Doch Vater Harto hörte gar nicht, was ſein kleiner
Liebling ſagte. Er zog ſchnell das Pferdchen aus der
Taſche und meinte: Da, Prinzchen, ſpiele immer, ich
komme bald und helfe dir. Und während Heini, von dem
neuen Pferdchen begeiſtert, wieder in ſeine Ecke zurücklief,
ſchritt Hartkopf der nur angelehnten Tür zum Neben=
zimmer
langſam näher. Er lauſchte den aufgeregten
Stimmen und ſpähte durch den Spalt aufmerkſam in Eber=
hardts
Geſicht, ſchüttelte mehrmals bei Anitas Ausfüh=
rungen
mißbilligend den Kopf, und plötzlich ſtand er neben
den Heißerregten, ohne daß einer von beiden ſeinen Ein=
tritt
bemerkt hätte.
Gehen Sie gehen Sie, und kommen Sie niemals
wieder, rief Anita in dieſem Augenblick. Das klang für
den alten Menſchenkenner nicht wie ein kategoriſcher Be=
fehl
, ſondern wie ein Ausfluß grenzenloſer Seelenangſt,
ein Notſchrei aus tiefſtem Innern. Das Geſicht Anitas
war totenblaß.
Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Bruſt! zitierte
er leiſe. Dann ſagte er harmlos:
Oh, pardon, ich ſtöre wohl!
Sie ſchracken beide zuſammen. Eberhardt wandte
dem Ankömmling ein finſteres Geſicht zu, aber Anita
atmete wie erlöſt auf. Sie hatte ihn kaum erblickt, da
klammerte ſie ſich auch ſchon mit beiden Händen an ſeinen
Arm.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 ſchwarzes Handtäſchchen mit Taſchentuch und
Spiegel. 1 goldenes Armband. 1 ſilbernes Gliederarmband. 1 Photo=
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Schlüſſel. 1 Badezeug. 1 Meterſtab. 1 Buch. 1 Zwicker mit Etui.
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Knabenfilzhut. 1 Trauring, gez. A. V. 1 braunes Portemonnaie mit
Inhalt. 1 Bund Schlüſſel. Zugeflogen: 1 Kanarienvogel. (16454
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Dachshund. 1 Foxterrier (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(16463
Straßenſperre. Wegen Gleislegung für den Weiterbau der
Straßenbahnlinie von der Beckſtraße nach dem Oſtbahnhof wird die
Beckſtraße zwiſchen der Erbacher= und der Darmſtraße vom 31. v. Mts.
ab auf 34 Tage für den Fuhrwerksverkehr geſperrt.
(16464

Bekanntmachung.

Während des Umbaues am Eingang des Stadtkrankenhauſes,
Grafenſtraße Nr. 9, iſt der Hauptzugang in der Grafenſtraße geſperrt.
Der Eingang zum Krankenhauſe befindet ſich bis auf weiteres in der
Bismarckſtraße, durch das Tor neben der Sanitätswache. (16393soi
Darmſtadt, den 1. Auguſt 1913.
Die Krankenhausdirektion.
J. V.: Dr. Friedrich.

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Dr. Hermann Bräuning=Oktavio
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Zweiter Jahrgang:: Heft 8, Auguſt 1913
Inhalt: Dr. Heinrich Dübi: Johann Heinrich Merck u. Bern. Ein Beitrag
zu Goethes Schweizerreiſe vom Jahre 1779. Bürgermeiſter Dr. Wilhelm
Fritſch: Wie die Gemeinde Offenbach entſtand. Willy Redhardt:
Die Wahrzeichen der alten Mainbrücke in Frankfurt a. M. Mit 4 Ab=
bildungen
auf einer Tafel. Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl: Mit=
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Landwirtſchaftliches.

Im
Nauheim (Kr. Groß=Gerau), 2. Aug.
Laufe nächſter Woche wird der Gemüſemarkt hier,
zu dem eine anſehnliche Zahl Anmeldungen, insbeſon=
dere
für Gurken, Tomaten, zur Beſchickung vorliegt, mit
dem Verkauf von Falläpfeln ſeinen Anfang nehmen. Die
Zwetſchenernte fällt hier doch beſſer aus, als angenom=
men
, und wird der Verkauf derſelben durch deren baldige
Reife noch auf dem Gemüſemarkt ſtattfinden können. Die
reiche Apfelernte mit prachtvoller Ware wird den Markt
beſchließen.
* Berlin, 2. Aug. Wöchentlicher Saaten=
ſtandsbericht
der Preisberichtſtelle des
Deutſchen Landwirtſchaf tsrats. Nach dem
Stande der letzten Woche dürfen die Ernteausſichten im
allgemeinen als befriedigende, teilweiſe als gute ange=
ſehen
werden. Im Weſten und Süden hat endlich trocke=
nes
und warmes Wetter die gefahrdrohende Regenperiode
abgelöſt und die Hoffnungen auf eine gute und mittlere
Ernte neu belebt, wenn auch die Einwirkung der Näſſe
auf die Qualität des Getreides wohl nicht ganz ohne Ein=
fluß
geblieben ſein wird. Nur ſtellenweiſe, wie aus der
Rheinprovinz, ſind auch in der letzten Woche noch Klagen
über die Andauer der regneriſchen Witterung laut gewor=
den
. Im Oſten dagegen und in verſchiedenen Bezirken
Mitteldeutſchlands, wie im Königreich Sachſen, iſt die
Roggenernte durch Niederſchläge verzögert. Ueber zu
große Trockenheit iſt nur noch vereinzelt, wie in Branden=
burg
, Pommern und Mecklenburg, berichtet. Die Nieder=
ſchlagsmengen
vom 25. bis 31. Juli überſchritten im Re=
gierungsbezirk
Gumbinnen, ferner an verſchiedenen Stel=
len
von Weſtpreußen, Poſen, Schleſien und Bayern 25
Millimeter, in den meiſten anderen Gegenden Oſt= und
Mitteldeutſchlands ſind zwiſchen 10 und 20, im Nord=
weſten
und Süden jedoch im allgemeinen weniger als 10,
im weſtlichen Küſtengebiete, desgleichen in Elſaß= Lothrin=
gen
, Baden und Württemberg an vielen Orten ſogar nur
13 Millimeter oder überhaupt keine Niederſchläge ge=
fallen
. Winterroggen iſt ſchon viel geſchnitten, aber erſt
zum Teil eingefahren. Während auf den beſſeren Böden
der Ertrag ſowohl nach Quantität als Qualität als ein
mittlerer bis guter bezeichnet wird, iſt für die leichten
Böden vielfach nur ein geringer Ertrag und ein kleines
Korn beobachtet. Der Winterweizen hat weitere Fort=
ſchritte
gemacht und wird vorausſichtlich in nächſter und
übernächſter Woche ſchnittreif werden. Vereinzelt wird
bei ihm nach wie vor über Steinbrand und Roſt geklagt.

Die nur in geringem Umſange gebaute Wintergerſte iſit
geborgen und hat einen mittleren bis guten Ertrag ge=
geben
. Die Sommergerſte wird vielfach geſchnitten und
verſpricht gleichfalls einen mittleren Ertrag. Das
Schmerzenskind bleibt im Norden und Oſten der Hafer,
während ſein Stand im Weſten und Süden im allgemei=
nen
vorzüglich iſt. Ueber ſtarkes Lagern des Getreides
iſt in der letzten Woche auch im Oſten vielfach geklagt. Die
Wieſen haben ſich im allgemeinen günſtig weiter ent=
wickelt
, während die Kleefelder mehrfach nur geringes
Wachstum zeigen. Die Heuernte iſt der Menge nach be=
friedigend
bis gut, aber vielfach geringwertig. Von den
Hackfrüchten haben die Rüben den beſten Stand, während
die Berichte über die Kartoffelfelder ſehr verſchieden lau=
ten
. Die Spätkartoffeln haben meiſtens Fortſchritte ge=
macht
, während die Frühkartoffeln mehrfach die Blatt=
rollkrankheit
zeigen und nur geringe Erträge liefern. Auf
den ſchweren Böden macht ſich die Kartoffelfäule bereits
mehrfach bemerkbar.
* Berlin, 2. Aug. Ueber den Saatenſtand in
Bayern wird von amtlicher Seite gemeldet: Die Ge=
treideernte
iſt ſehr verzögert, die Qualität hat zum Teil
gelitten. Hafer verſpricht reichen Ertrag. Kartoffeln ſind
vielfach erkrankt. Die Heuernte iſt reichlich, aber die Güte
geringwertig. Begutachtungsnoten: Weizen 2,0, Spelz
2,0, Roggen 2,0, Gerſte 1,8, Hafer 1,7, Raps 2,7, Kartof=
feln
2,1, Luzerne 1.9, Klee 2,1, Bewäſſerungswieſen 1,9,
andere Wieſen 1,8, Tabak 2,6, Hopfen 2,3.

Literariſches.

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und Ortsgeſchichte in Heſſen und Heſſen=Naſſau. Be=
gründet
und herausgegeben von Dr. Hermann Bräuning=
Oktavio und Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl: Zweiter
Jahrgang, Heft 3, Auguſt 1913. Inhalt: Dr. Heinrich
Dübi: Johann Heinrich Merck und Bern. Ein Beitrag
zu Goethes Schweizerreiſe vom Jahre 1779. II. Bürger=
meiſter
Dr. Wilhelm Fritſch: Wie die Gemeinde‟ Offen=
bach
entſtand. Willy Redhardt: Die Wahrzeichen der
alten Mainbrücke in Frankfurt a. M. Mit 4 Ab=
bildungen
auf einer Tafel. Seite 236. Profeſſor D. Dr.
Wilhelm Diehl: Mitteilungen des Feldpredigers Johann
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