Darmstädter Tagblatt 1913


21. Juli 1913

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Inſerate
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176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
verbunden
mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
ſowie von unſeren Agenturen und
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
den Annoneen=Expeditionen. Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das wichtigſte vom Tage.

In Gießen fand am Samstag die Gründung eines
Heſſiſchen Landesvereins für Krebs=
forſchung
ſtatt.
Bei der Reichstagserſatzwahl in Weilheim
wurde Emminger (Zentr.) gewählt.
In der braunſchweigiſchen Frage hat der
Bundesrat bisher neues weder beſchloſſen, noch
erörtert.
Die Hauptverſammlung des Reichsverbandes der
deutſchen landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſchaften
in Wiesbaden beſchloß, den Sitz des Ver=
bandes
von Darmſtadt nach Berlin zu ver=
legen
.
In München wurde am Samstag die erſte Auto=
mobilausſtellung
eröffnet, die bis zum 27. Juli
dauert.
Die franzöſiſche Kammer nahm einen Zuſatz=
artikel
an, wonach die Jahrgänge 1911, 1912 und
1913 nur zwei Jahre dienen.
Die franzöſiſche Kammer nahm in ihrer Nacht=
ſitzung
zum Sonntag das geſamte Militärge=
ſetz
mit 358 gegen 204 Stimmen an.
Die Budgetkommiſſion der franzöſiſchen
Kammer beſchloß die Einführung einer Jung=
geſellenſteuer
.
Das norwegiſche Storthing hat den Antrag
auf Abſchaffung des Ordensweſens ab=
gelehnt
.
Blättermeldungen zufolge ſind die Türken vor Adria=
nopel
angekommen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die bisherigen 21 Reichstags=
erſatzwahlen
.

* Obwohl die allgemeinen Neuwahlen zum Reichs=
tag
noch nicht 1½ Jahr hinter uns liegen, ſind doch be=
reits
21 Reichstagserſatzwahlen erforderlich
geworden, und zwar 12 durch den Tod des Mandats=
inhabers
, 4 infolge Ungültigkeitserklärung der Wahl und
5 durch Mandatsniederlegung.
Zur Erledigung kamen zunächſt ſechs konſer=
pative
Mandate. In Oſt= und Weſtſternberg wurde
für den verſtorbenen Abg. v. Kaphengſt=Kohlow Ritter=
gutsbeſitzer
Bohtz (konſ.), in Greifenberg=Kammin für
den verſtorbenen Abg, v. Normann Rittergutsbeſitzer
v. Flimming (konſ.) in Stolp=Lauenburg für den ver=
ſtorbenen
Abgeordneten Will der konſervative Ritter=
autsbeſitzer
von Boehn und in Hagenow=Grevesmühlen
an Stelle des Abgeordneten Pauli, deſſen Mandat für un=
gültig
erklärt worden war, Oberlehrer Sivkovich (Fortſchr.
Volkspt.) gewählt. In Ragnit=Pillkallen hat eine Erſatz=
wahl
für den verſtorbenen Grafen von Kanitz noch nicht
ſtattgefunden, dagegen iſt in Salzwedel=Gardelegen das
Mandat des Herrn von Kröcher den Konſervativen dieſer
Tage vom nationalliberalen Hoſpitanten Dr. Böhme
(Bauernbund) abgenommen worden.
Von den Mandaten des Zentrums kamen eben=
falls
ſchon 6 zur Erledigung. In Münſter=Koesfeld ſwurde
an Stelle des bayeriſchen Miniſterpräſdenten Freiherrn
v. Hertling Geh. Medizinalrat Dr. Gerlach (Zentr.) in
Siegkreis=Waldbröl für den auf das Mandat verzichten=
den
Abg. Dr Becker Juſtizrat Trimborn (Zentr.), in
Saarburg=Saarlouis für den Abg. Roeren, der ſein Man=
dat
niederlegte, Amtsrichter Werr (Zentr.) und in Bam=
zerg
für den verſtorbenen Abg. Dr Schädler Dompredi=
zer
Leicht (Zentr.) gewählt. In Weilheim, bisher durch
den verſtorbenen Frhrn. v Thünefeld vertreten wurde
Umtsrichter Emminger gewählt. In Landshut, bisher
zurch Frhrn. v. Malſen vertreten, ſteht die Erſatzwahl
roch aus.
Die Reichspartei hatte zwei Mandate zu ver=
eidigen
. In Schwetz wurde der Abg. v. Halen, welcher
ein Mandat infolge drohender Ungültigkeitserklärung
riedergelegt hatte wiedergewählt. In Jüterbog= Lucken=
palde
iſt der freikonſervative Vertreter v. Oertzen, deſſen
Nandat für ungültig erklärt worden war dem ſozial=
emokratiſchen
Kandidaten in der Stichwahl unterlegen.
Die Wirtſchaftliche Vereinigung verlor das
Nandat für Waldeck=Pyrmont, Vertreter Abg. Vietmeyer,
n die Fortſchrittliche Volkspartei, für die D. Naumann
indidierte. Die Elſaß=Lothringiſche, Zen=
rumspartei
behauptete das Mandat für Schlett=
adt
. An Stelle des verſtorbenen Aba. Dr. Will wurde
hefredakteur Dr. Haegy gewählt. Der Bayeriſche
auernbund hatte infolge des Todes des Abg. Bach=
eier
das Mandat für Pfarrkirchen zu verteidigen. Ge=
ählt
wurde Oekonom Bauer (Baher. Bauernb.) Von
en Mandaten der Fortſchrittlichen Volkspar=
zi
waren zwei erledigt. In Berlin 1 wurde der Abg.
r. Kaempf. der das Mandat niedergelegt hatte. wieder=
wählt
. In Varel=Jever wurde für den verſtorbenen
bg. Traeger der Abg. Dr. Wiemer gewählt. Von den
0 (jetzt 111) ſozialdemokratiſchen Manda=
n
kamen nur zwei zur Erledigung. In Reuß ä. L.
urde für den verſtorbenen Abg. Förſter der Sozialdemo=
at
Cohen gewählt. In Dresden=Neuſtadt iſt das durch

den Tod des Abg. Kaden erledigte Mandat noch nicht
wieder beſetzt.
Von den zur Erledigung gekommenen 21 Mandaten
entfallen danach auf die Rechte 16, auf die Linke nur 5
Mandate. Die Erſatzwahlen ergaben bekanntlich eine wei=
tere
Verſchiebung nach links. Von den bisherigen Abge=
ordneten
wurden in den Erſatzwahlen nur zwei wieder=
gewählt
: Dr. Kaempf und v. Halem. Von früheren Ab=
geordneten
kehrten in der Erſatzwahl drei wieder zurück:
Dr. Wiemer, D. Naumann (Ppt.) und Trimborn (Zentr.).

Die franzöſiſche Heeresſtärke
Gal 1. Oktober.

* Den Nachrichten des Deutſchen Wehrvereins ent=
nehmen
wir: Durch die Erledigung unſerer Heeresvor=
lage
wird vom 1. Oktober ds. Js. ab unſer ſtehendes Heer
auf den Geſamtſtand von rund 745000 Mann gebracht
werden. Es iſt bereits durch den Wehrverein darauf hin=
gewieſen
worden, daß Frankreich durch die Annahme
der dreijährigen Dienſtzeit von gleichem Zeitpunkt ab uns
umrund 100000 Manninderaktiven Heeres=
ſtärke
überlegen ſein wird. Im Anhang zu Ar=
tikel
1 des neuen Geſetzes, ſo wie es zurzeit dem franzö=
ſiſchen
Parlament vorliegt, und in Beilage 12 des franzö=
ſiſchen
Kommiſſionsberichtes ſind die Zahlen angegeben,
aus denen man erſehen kann, wie ſtark am 1. Oktober bei
Wiedereinführung der dreijährigen Dienſtzeit die fran=
zöſiſche
Armee in der aktiven Heeresſtärke ſein wird.
Es werden vorhanden ſein:
. . 712000 Mann,
zum Dienſt mit der Waffe . .
Mannſchaften vom Hilfsdienſt . . . . . 54000
bei den höheren Stäben und Schulen
an Unteroffizieren . . . . . . . . . . . 4000
30 000
. , .
an Offizieren . . . . . .
bei den Fremden=Regimentern, abzüg=
lich
der in Tonkin ſtehenden 3 Batail=
lone
. ...... .. . . . . .. . .
10000
Araber= und Berbertruppen, einſchließ=
lich
Dienſtgrade
. 50000
insgeſamt: 860 000 Mann.
Nach Mitteilungen eines bekannten und über die
Verhältniſſe in Frankreich außerordentlich gut unterrich=
teten
hohen Offiziers iſt mit Sicherheit damit zu rechnen,
daß dazu noch mehrere tauſend Offiziere und Unteroffi=
ziere
kommen werden, entſprechend dem höheren Mann=
ſchaftsbeſtande
; dieſe ſollen durch ein beſonderes Geſetz
bewilligt werden, das nach Erledigung des jetzt vorlie=
genden
Entwurfes in Ausſicht genommen iſt.
Bemerkt ſei noch, daß in obigen Summen alle beſon=
deren
Formationen für Marokko nicht mitgerechnet ſind.
Daß wir ab 1. Oktober mit einer Stärke von 860000
Mann Friedensſtand bei den Franzoſen zu rechnen haben,
ergibt auch ein Bericht der Jahrbücher für die deutſche
Armee und Marine, die in ihrer Juli=Nummer zu dem
Ergebnis kommen, daß mindeſtens ein Friedensſtand von
860 000 Mann ab 1. Oktober in Frankreich tatſächlich vor=
handen
ſein wird.
Aus dieſer Tatſache dürfte ſich die unbedingte Pflicht
für die verantwortlichen Stellen in Deutſchland ergeben,
rechtzeitig entſprechend militäriſche Vorkehrungen zu
treffen.

Deutſches Reich.

Reichstagserſatzwahl. Bei der Reichs=
tagserſatzwahl
in Oberbayern 6 (Weilheim) wurde Amts=
richter
Emminger (Zentr.) gewählt. Nach dem bisher vor=
liegenden
Ergebnis der Stimmenzählung erhielt Emmin=
ger
11394 (1912: 14852), der Bauernbündler Eiſenberger
5081 (1609), der Sozialdemokrat Staimer 3376 (3794) und
der Liberale Dr. Müller 2482 (3121) Stimmen. Es ſtehen
noch die Reſultate von vier Gemeinden aus, die aber an
der Wahl Emmingers nichts mehr ändern. Wie aus den
Ziffern zu erſehen iſt, hat das Zentrum über 3000 Stim=
men
eingebüßt.
Die Ausführungsbeſtimmungen zum
Wehrbeitrag werden die erſte größere Arbeit des
Bundesrats nach ſeinem Wiederzuſammentritt bilden. Die
ſehr umfangreichen Beſtimmungen werden jetzt im Reichs=
ſchatzamt
ausgearbeitet. In Vorbereitung ſind ferner die
Ausführungsbeſtimmungen über die neuen Stempel=
geſetze
. Dagegen wird mit den Ausführungsbeſtimmungen
zum Beſitzſteuergeſetz (Vermögenszuwachsſteuer) noch ge=
raume
Zeit gewartet werden, da dieſes Geſetz erſt in drei
Jahren in Kraft tritt. Die Ausführungsbeſtimmungen
des Geſetzes über die Stärkung des Gold= und Silber=

ſchatzes für den Kriegsfall ſind ſchon erſchienen und dürf=
ten
in den nächſten Tagen amtlich veröffentlicht werden.
Da im erſten Jahre mit bedeutenderen Eingängen aus dem
einmaligen Wehrbeitrag nicht zu rechnen iſt, ſteht für den
Winter und Frühjahr 1914 die Ausgabe kurzfriſtiger Schatz=
anweiſungen
bevor. Die Regierung hat in Vorausſicht die=
ſer
Notwendigkeit den Schatzanweiſungskredit auf 600
Millionen erhöhen laſſen. Die einfließenden Gelder wer=
den
die Militärverwaltung in den Stand ſetzen, die Be=
feſtigungsarbeiten
an der Oſtfront ohne Zeitverluſt vor=
zunehmen
.
Die braunſchweigiſche Frage. Die
Kölniſche Zeitung meldet aus Berlin zu der Nachricht der
Donau=Zeitung, wonach neue Verhandlungen mit dem
Prinzen Ernſt Auguſt von Cumberland über ſeine end=
gültige
Verzichtleiſtung auf Hannover eingeleitet ſeien:
Eine Klärung wird dann erſt erfolgen, wenn der Bundes=
rat
wieder zuſammentritt und zu dem neuen Antrage in
der braunſchweigiſchen Frage Stellung genommen hat.
Vor ſeinem Ferienantritt hat der Bundesrat in dieſer
Frage etwas neues weder beſchloſſen noch erörtert.
Großſchiffahrtsſtraßen. Der Sitzung des
Vereins für deutſche Binnenſchiffahrt in Meiningen wohn=
ten
der Herzog von Koburg=Gotha, Prinz Ernſt von Mei=
ningen
und zahlreiche Vertreter von Behörden bei. Der
Prinz=Regent von Bayern ſprach in einem Schreiben ſein
Bedauern aus, nicht erſcheinen zu können. Landgerichts=
rat
Tourneau ſprach über den Main=Werra=Kanal. Er
hofft, daß der Rhein=Weſer=Kanal ſpäter bis zur Weichſer
durchgeführt werde. Der Main=Weſer=Kanal ſei ein wich=
tiges
Stück der geplanten Großſchiffahrtsſtraße, welche
München und Augsburg mit der Nordſee verbinden ſolle.
Ihre wirtſchaftliche Bedeutung ſei groß und für den
Kriegsfall von unberechenbarem Wert. Auf Veranlaſſung
des Prinz=Regenten von Bayern habe ſich der Verein für
Schiffbarmachung der Werra mit demſbayeriſchen Kanal=
Verein und dem Zentralverein für Binnenſchiffahrt zu=
ſammengeſchloſſen
, um dieſe Großſchiffahrtsſtraße bis zu
ihrer Ausführung zu verfolgen.
Das Kriegsminiſterium und die Oef=
fentlichkeit
im Falle Krupp. Die Nachricht, die
gerichtliche Verhandlung gegen das in die ſogenannte
Krupp=Angelegenheit verwickelte Perſonal der Heeresver=
waltung
ſolle auf ausdrücklichen Wunſch des Kriegsmini=
ſteriums
unter ſtrengſtem Ausſchluß der Oeffentlichkeit
ſtattfinden, trifft, wie vom preußiſchen Kriegsminiſterium
mitgeteilt wird, nicht zu. Die Entſcheidung über den Aus=
ſchluß
der Oeffentlichkeit liegt vielmehr ausſchließlich iv
dem freien Ermeſſen des erkennenden Gerichts; ebenſo
wie dies bei den bürgerlichen Gerichten der Fall iſt. Ein
Schweigebefehl iſt an die militäriſchen Zeugen nicht er=
gangen
.
Austritt aus der ſozialdemokrati=
ſchen
Partei. Der Prediger der freireligiöſen Ge=
meinde
in Mannheim, Dr. Max Maurenbrecher, der
mancherlei politiſche Wandlungen durchgemacht hat, hat
dem Vorſtand des dortigen Sozialdemokratiſchen Vereins
ſeinen Austritt aus der ſozialdemokratiſchen Partei er=
klärt
. Dieſer Schritt wird begründet mit der Stellung
Maurenbrechers zu den militäriſchen und den außerpoli=
tiſchen
Fragen, die ſeit Jahren ſchon nicht mehr mit der=
jenigen
der ſozialdemokratiſchen Partei übereinſtimme, iſt
aber wohl geſchehen, um ſeinem Ausſchluß durch die Par=
tei
zuvorzukommen. Die bürgerlichen Parteien haben
keinerlei Veranlaſſung, ſich dieſes wandlungsfähigen Ex=
genoſſen
nun mit beſonderer Wärme anzunehmen.

Ausland.
Frankreich.

Die Beratung der Militärvorlage. In
der Deputiertenkammer brachte Augagneur folgenden An=
trag
ein: Wenn die Umſtände es erlauben, ſo ſollen der
Kriegs= und der Marineminiſter ermächtigt ſein, diejenige
Jahresklaſſe, welche das zweite Dienſtjahr beendet hat,
vom Dienſte zu befreien. Augagneur erklärte, es ſei eine
ſchöne Vollmacht, die Soldaten in die Heimat entlaſſen zu
können, falls die Lage ſich gebeſſert habe. Miniſterpräſi=
dent
Barthou erwiderte: Die Antwort der Regierung auf
das Amendement ſei, daß es das Geſetz annulliere, die
Feſtſetzung der Effektivſtärke des Heeres unmöglich mache
und durch eine Interpellation den dreijährigen Dienſt
jedes Jahr in Frage ſtellen könne. Bei der darauf folgen=
den
Abſtimmung wurde das Amendement mit 331 gegen
227 Stimmen abgelehnt. Hierauf wurde mit 321 gegen
240 Stimmen der Artikel 19, der, von Jaurés bekämpft,
der Regierung die Möglichkeit gibt, die Jahresklaſſe, die

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vom Dienſte befreit werden könnte, durch ein Dekret zu=
rückzubehalten
, angenommen. Comuzet legte hierauf ein
Amendement vor, welches innerhalb dreier Jahre fünf
Monat Urlaub, außer an Sonntagen und an den Feſten,
vorſieht und feſtſetzt, daß gleichzeitig die beurlaubten
Mannſchaften 10 Prozent des geſetzlichen Kaders nicht
überſchreiten dürfen. Paté erklärte als Berichterſtatter,
es ſei unmöglich, über vier Monate hinauszugehen, ohne
die Effektivbeſtände zu gefährden. Das Amendement
wurde von Barthou bekämpft, der die Vertrauensfrage
ſtellte. Das Amendement wurde ſodann mit 300 gegen 261
Stimmen abgelehnt.
Ueber die Militärvorlage ſchreibt der Senator
und ehemalige Miniſterpräſident Clémenceau in ſei=
nem
Blatte L’homme Libre: Das Dreijahrgeſetz wird
knapp vor den Ferien an den Senat gelangen, wo es
zweifellos in wenigen Tagen durchgedrückt werden wird.
Denn jeder, der eine gründliche Erörterung verlange,
würde, nachdem die Kammer eine koſtbare Zeit vergeudet
hat, ſich den Vorwurf der Obſtruktion zuziehen, ſelbſt
wenn er nur eine Prüfung der geſundheitlichen Bedingun=
gen
für die Einſtellung der Zwanzigjährigen fordern
würde.
Einführung der Junggeſellenſteuer.
Die Budgetkommiſſion der Kammer hat beſchloſſen, einen
Steuerzuſchlag von 20 Prozent einzuführen, der von
Junggeſellen, die über 30 Jahre alt ſind, erhoben wer=
den
ſoll.

Spanien.

Aus Spaniſch=Marokko. Der Miniſterpräſi=
dent
begab ſich nach San Sebaſtian, wo er mit dem König
über die marokkaniſche Frage eine Beſprechung haben
wird. Er wird dem König vorſchlagen, die gefährlichen
Operationen in Marokko einzuſtellen. Man ſolle lieber
verſuchen, eine Beſetzung des Landes auf friedliche Weiſe
herbeizuführen. Nach den der Regierung zugekommenen
Nachrichten beginnt Raiſuli von neuem ſeine Umtriebe
gegen Spanien. Er befinde ſich gegenwärtig in Zinat,
von wo aus er kürzlich an die Aufſtändiſchen bedeutende
Mengen von Lebensmitteln und Munition geſandt habe.
Es ſcheine, daß er ſich an die Spitze einer zahlreichen
Harka ſtellen wolle.

Norwegen.

Die Abſchaffung des Ordensweſens ab=
gelehnt
. Das Storthing verhandelte über einen An=
trag
auf Abſchaffung des Ordensweſens. 75 Abgeordnete
ſtimmten für den Antrag und 47 dagegen. Da der An=
trag
eine Verfaſſungsänderung enthält und deshalb für
die Annahme eine Zweidrittel=Majorität erforderlich iſt,
war der Antrag abgelehnt.

Vereinigte Staaten.

Die Beratung des Tarifs. Das Finanz=
komitee
unterbreitet dem Senat einen Bericht, aus wel=
chem
hervorgeht, daß das Komitee die Zollſätze durch=
ſchnittlich
um 27,64 Prozent gegenüber dem jetzigen Tarif=
geſetz
und um 4,22 Prozent gegenüber der Underwoodbill
herabſetzte und Einfuhrwaren im Werte von 147 Millio=
nen
Dollar gegenüber 103 Millionen der Underwoodbill
frei machte. Im Bericht wird ausgeführt, die kluge An=
wendung
der vorgeſchlagenen Beſtimmung, die dem Prä=
ſidenten
geſtattet, Zuſchlagszölle zu erheben, dürfte ein
gerechtes Abkommen mit jenen Ländern ermöglichen,
welche Amerika jetzt unterſchiedlich behandelten. Aus der
Beſteuerung des Baumwollterminhandels wird eine
Jahreseinnahme von ſieben Millionen Dollars erwartet.
Der Bericht ſſchätzt den jährlichen Baumwoll=Börſenhandel
auf 130 Millionen Ballen.

* Petersburg, 18. Juli. Geſtern morgen traf die
Kaiſerjacht Standard auf der Reede von Reval
ein, von wo ſie mit dem Kaiſſer an Bord in die finni=
ſchen
Schären abging. Der Kaiſer und die kaiſerliche Fa=
milie
wohnten den Marinemanövern und den Schieß=
übungen
bei; nach deren Beendigung kehrte die Kaiſer=
jacht
Standard mit den Majeſtäten und den kaiſerlichen
Kindern nach der Reede zurück, wo ſie morgens eintraf.

* Neu=York, 19. Juli. Die Kondukteure und das
übrige Zugverſonal der öſtlichen Eiſenbahnen
haben den Eiſenbahngeſellſchaften mitgeteilt, daß ein
Streik abſolut ſicher wäre, falls die Geſellſchaften dar=
auf
beſtänden, daß über ihre Beſchwerden zu gleicher Zeit
mit den Forderungen der Arbeiter ſchiedsgerichtlich ent=
ſchieden
werden würde.
* Pretoria, 19. Juli. Es beſteht alle Ausſicht, daß
eine der Forderungen der Eiſenbahner erfüllt
wird. Die übrigen Forderungen, vor allem die der Berg=
leute
, zu erfüllen, wird als unmöglich bezeichnet. Die
Forderungen ſollen einer gemeinſamen Kommiſſion unter=
breitet
werden. Sollten die Eiſenbahner und die Berg=
leute
dieſes Verfahren verwerfen und eine ſofortige Er=
füllung
ihrer Wünſche verlangen, ſo ſteht ein General=
ſtreik
in unmittelbarer Nähe. Die Lage wird daher als
ſehr ernſt angeſehen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 21. Juli.
* Juſtizperſonalien. Durch Entſchließung Großh.
Miniſteriums der Juſtiz wurden die Referendare Dr.
Ludwig Berliner aus Worms, Karl Dingeldey
aus Darmſtadt, Dr. Siegfried Drucker aus Mainz,
Dr. Guſtav Fehrer aus Darmſtadt, Otto Hellwig
aus Gießen, Auguſt Niebergall aus Udenheim,
Guſtav Reis aus Darmſtadt, Dr. Rudolf Ruth aus
Büdingen und Friedrich Scholl aus Mainz zu Gerichts=
aſſeſſoren
ernannt.
* Genehmigte Verloſung. Das Komitee für
den Obſt= und Kartoffelmarkt Darmſtadt
beabſichtigt, mit dem vom 19. bis 21. Oktober lfd. Js. zu
Darmſtadt ſtattfindenden Obſt= und Kartoffelmarkte eine
Verloſung von Obſt, Obſtwein, Gemüſen,
Konſerven uſw. zu verbinden. Das Großh. Mi=
niſterium
des Innern hat die nachgeſuchte Erlaubnis
zur Veranſtaltung dieſer Verloſung unter der Bedingung
erteilt, daß bis zu 7000 Loſe, zu 0,30 Mk. das Stück, aus=
gegeben
werden dürfen und mindeſtens 60 Prozent des
Bruttoerlöſes aus dem Verkaufe der Loſe zum Ankauf
von Gewinngegenſtänden zu verwenden ſind. Zugleich
wurde der Vertrieb der Loſe in den Kreiſen Darmſtadt,
Dieburg und Groß=Gerau geſtattet.
* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 12,
enthält: 1. Ueberſicht über die für 1913 zur Erhebung
genehmigten Umlagen der Stadt Worms. 2. Ueberſicht
über die in den Gemeinden des Kreiſes Oppenheim zu
erhebenden Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1913. 3. Ueberſicht über die in der Stadt Mainz zu
erhebenden Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr
1913. 4. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen
fremder Orden. 5. Dienſtnachrichten.
g. Ferienſtrafkammer. Wegen Verbrechens nach
§ 173 des Strafgeſetzbuches wurde von der Ferienſtraf=
kammer
der 35jährige Dienſtknecht Wilhelm Schwinn
von Nieder=Kainsbach, der auf das gröblichſte ſeine Stel=
lung
als Stiefvater mißbrauchte, zu zwei Jahren
Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverluſt verurteilt; ein
Monat der Unterſuchungshaft wird ihm angerechnet. Die
18jährige Pflegetochter erhielt zwei Wochen Gefängnis.
Der bisher unbeſtrafte 49jährige Kutſcher Fr. M. von hier
hatte ſich unter der Anklage der Urkundenvernichtung zu
verantworten. Er war ſeinem Hausherrn bei ſeinem
Auszug 25 Mk. ſchuldig geblieben; beide kamen überein,
daß M. dafür einen Schuldſchein gebe, durch den feſtgelegt
wurde, daß die Summe im Falle der Nichtzahlung vom
Lohne gepfändet werden ſollte. M. bezahlte 3 Mark ab,
ließ aber dann nichts mehr von ſich hören. Der Gläubiger
gab nun den Schuldſchein an die Firma, die ihn wiederum
an den M. zur Regelung übergab. Als nun der Gläubiger
immer noch nicht zu ſeinem Gelde kam, wandte er ſich
abermals an die Firma und nun erklärte M., er habe den
Schein zerriſſen. Er war ſich der Tragweite ſeiner Hand=
lung
nicht recht bewußt, weshalb er auch zu der Ver=
handlung
trotz rechtzeitiger Ladung nicht erſchien, ſondern
erſt geholt werden mußte. Er holte unterdes den Schein,
den er nicht vernichtet hatte, wieder heraus, weshalb er
nur wegen Unterdrückung einer Urkunde einen Tag
Gefängnis erhielt. Der 37jährige vielfach vorbe=
ſtrafte
Taglöhner Johannes Roßnagel von Weiler
wurde vom Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis
und ſieben Wochen Haft und Ueberweiſung verurteilt,
weil er in Wimpfen ſeiner Verhaftung, die wegen Bettelns
erfolgten ſollte, gewaltſam Widerſtand entgegenſetzte und
wie raſend um ſich ſchlug. Er konnte nur mit Mühe und
Not vom Gendarmeriewachtmeiſter und dem Ortspoliziſten
transportiert werden. Er legte gegen das Urteil Be=
rufung
ein, die jedoch als unbegründet verworfen
wurde.
* Hauptverſammlung der Gemeindebeamten und
Bedienſteten des Großherzogtums Heſſen. Auf die

am Sonntag, den 27. Juli, vormittags 11 Uhr zu
Gonſenheim bei Mainz ſtattfindende Hauptverſamm=
lung
ſei hiermit hingewieſen. Die zur Beſprechung ge=
langenden
Verhandlungspunkte ſind intereſſant und die
Wahrung der Standesintereſſen der heſſiſchen Gemeinde=
beamten
und =bedienſteten von ſolch wichtiger und ein=
ſchneidender
Bedeutung, daß kein Mitglied des großen Ver=
bandes
fehlen ſollte, zumal Gonſenheim von Mainzaus durch
drei Zugverbindungen außerordentlich leicht zu erreichen
iſt. Die Ortsgruppe Gonſenheim hat auch die Gemeinde=
verwaltung
zu den Beſprechungen eingeladen, um in dieſe
Klarheit über die Ziele und Beſtrebungen des Verbandes
zu bringen. Nach Schluß der Tagung findet ein gemein=
ſchaftliches
einfaches Mittageſſen ſtatt.
* Koſchat=Quintett. Infolge der vielen Auf=
forderungen
hat ſich das Koſchat=Quintett wieder
entſchloſſen, eine Konzertreiſe zu unternehmen. Sonntag,
den 27. Juli, 8 Uhr abends, wird das beliebte Kunſt=
enſemble
im Städtiſchen Saalbau konzertieren,
und den Freunden alpiner Weiſen Gelegenheit geben,
die ſchönen Koſchat=Lieder vom Original=Koſchat=Quintett
zu hören.
* Beſchädigung von Gartenanlagen. Das Großh.
Polizeiamt macht in einer Bekanntmachung vom 17. Juli
darauf aufmerkſam daß ſich in letzter Zeit vielfach
Villen= und Gartenbeſitzer darüber beſchwert haben, daß
von Kindern wie von Erwachſenen im Vorbeigehen aus
ihren Gartenanlagen Blumen entwendet und
oft ganze Roſenſtöcke umgeknickt worden
ſeien. Dieſe Unſitte kann nicht ſcharf genug verurteilt
werden, weil ſie ein ſchlechtes Licht auf die hieſige Be=
völkerung
wirft, und weil ſie die Garten= und Villen=
beſitzer
zum Wegzug von Darmſtadt verleiten kann.
Wir können uns dem öffentlichen Erſuchen des Großh.
Polizeiamts nur anſchließen, das darauf hinausgeht,
daß jeder aus der Bevölkerung für ſeinen Teil er=
zieheriſch
auf Kinder und Erwachſene einwirken möge,
daß ſolche Schädigungeu des Anſehens der Stadt und
ihrer Einwohner künftig nicht mehr vorkommen.
* Bilder vom Tage. In der Auslage unſerer Expe=
dition
(Rheinſtraße 23) ſind von heute ab folgende Bilder
neu ausgeſtellt: Von der diesjährigen Nordlandreiſe des
deutſchen Kaiſers; Vom 12. Deutſchen Turnfeſt in Leipzig:
die Aufſtellung von 17000 Turnern zu den Freiübungen;
Zur Niederlage der Bulgaren im neuen Balkankriege;
Von den Serben eroberte bulgariſche Geſchütze in Belgrad;
Kolonialtruppen bei der großen Pariſer Parade.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 19. Juli.

Butter, ½ kg . . 1,40 M
i. Part., ½ kg 1,30 M.
79 P
Eier, Stück
Schmierkäſe, ½ Lit. 18-20 Pf
Handkäſe, Stück . 410 Pf
Kartoffeln, Zentner 3,25 M
Kumpf (10 Liter) 55-60 Pf
4 Pf
½ kg.
Obſt u. dergl.:
Eierſchwämme, ½ kg 20 Pf.
Aprikoſen, ½ kg . 70 Pf.
70 Pf.
Pfirſiche, ½ kg
Pflaumen, ½ kg . 25 Pf.
Reineklauden, ½ kg 50 Pf.
Aepfel, ½ kg 2530 Pf.
Zwetſchen, ½ kg 3040 Pf.
8 Pf.
Zitronen, Stück
Heidelbeer., Schopp. 16-18 Pf
Apfelſinen, Stück 910 Pf
Kirſchen, ½ kg 3540 Pf.
Birnen, ½ kg 3040 Pf
Stachelbeeren, Schopp. 15 Pf.
Johannesbeeren, ½kg30 Pf
Wald=Erdbeeren,
Schoppen . . 4550 Pf
Himbeeren, ½ kg 4550 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück
6 P
Kohlrabi, Stück
Erbſen, ½ kg. 1518 P
Radieschen, Bündel 23 Pf
Rettiche, Stück . 510 Pf
Meerrettich, Stück . 30 Pf
Roterüben, Bündel 56 P
Zwiebeln, ½ kg 810 Pf
Tomaten, ½ kg 2025 P
Spinat, ½ kg . 2025 P
Weißkraut, Stück 3040 Pf.
Rotkraut, Stück . 35 Pf.
Blumenkohl, Stück 1050 Pf.

Wirſing, Stück . 515 Pf.
Zuckererbſen, ½ kg 28 Pf.
Saubohnen, ½ kg 2025 Pf.
Gelberüben, Bündel 4 Pf.
Rhabarber, ½ kg. 15 Pf.
Gurken, Stück . 1530 Pf.
Einleggurken, Stück 36 Pf.
Römiſch=Kohl, Bündel 2 Pf.
Bohnen, ½ kg 1618 Pf.
Geflügel, Wildbret:
Gänſe, ½ kg 1,101,20 M.
Enten, Stück 3,504,00 M.
Hahnen und Hühner,
Stück
3,003,50 M.
Tauben, Stück 6070 Pf.
Fiſche:
Hecht, ½ kg . . . 90 Pf.
Aal, ½ kg 1,101,20 M.
Karpfen, ½ kg 7080 Pf.
Andere Rheinfiſche,
½ kg . . . . 3540 Pf.
Rotzungen, ½ kg . 60 Pf.
50 Pf.
Schollen, ½ kg
25 Pf.
Kabeljau, ½ kg
Schellfiſche, ½ kg . 30 Pf.
Bratſchellfiſche, ½kg 20.25 Pf.
Barben, ½ kg . 6070 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
76 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg
Rindsfett, ½ kg . 56 Pf.,
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 84 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
. 96 Pf.
kg
Schwartemagen u. Fleiſch=
wurſt
, ½ kg . . 80 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
.. . 70 Pf.
½ kg.

Das Menetekel der Mode.

** In einem Aufſatze der Times nimmt eine eng=
liſche
Modekennerin das Wort zu einer beweglichen
Klage über die Entwickelung der Frauenkleidung während
der letzten Jahre und läßt ihre Betrachtungen, die die
Orgie der Entkleidungswut in einer höchſt
ſachlichen und darum umſo wirkſameren Darſtellung ſchil=
dern
, in ein warnendes Menetekel ausklingen. Nach ihren
Angaben iſt die Gegenwart eher eine Pertode der Ent=
kleidung
als der Kleidung. Es iſt keine Uebertreibung
wenn man ſagt, daß wir mitten in einer Revolution der
Frauenkleidung ſtehen, wie ſie ſich nicht ereignet hat, ſeit
jene große Revolution den Anſtoß gab zu den Modeaus=
ſchweifungen
der Directoire= und Empirezeit. Noch vor
fünf Jahren trugen die Frauen Röcke und Taillen, die ſie
bedeckten, Strümpfe, dicht genug, um nicht die Farbe ihrer
Haut zu zeigen, und Korſetts, ſowie Unterröcke, die ge=
nügten
, um die Einzelheiten der Figur zu verbergen. Die
Weſpentaille war verſchwunden und weder am Rock, noch
an den Schultern gab es beſondere Auswüchſe.
Man hoffte, daß nun eine Rückkehr zur Natur und zum
guten Geſchmack erfolgen werde. Die großen Pariſer
Schneider entwarfen ihre Koſtüme nur noch für die Linie‟
womit ſie eine Figur von jugendlicher Schlankheit bezeich=
neten
. Aber das Menſchenweſen liebt nun einmal den
Wechſel; die ſchmale Schönheitslinie iſt ſchnell überſchrit=
ten
, und bald fanden die Herren und Damen, die in Paris
die Mode machen, daß die Natur, zu der ſie zurückgekehrt
waren, nicht natürlich genug war; man glaubte, daß man
noch mehr Kleidungsſtücke entbehren könne und den Glie=
dern
eine größere Freiheit geben müſſe. So kam man zu
der Erfindung der Korſetts ohne Fiſchbeinſtäbe, die an=
geblich
die Figur nicht verändern, ſondern ihr nur einen
Halt verleihen; die Franzöſinnen, die es mit der Mode
ſehr ernſt nehmen, mußten nun wohl oder übel ſchlank wer=

den, es nicht nur ſcheinen; ſie widmeten ſich eifrig körper=
lichen
Uebungen und bald war das Wunder da, daß ſie
ſchlank und knabenhaft in ihrer Figur erſchienen. Das
war vor zwei oder drei Jahren erreicht, und ſeitdem iſt die
Taille, in dem Sinne, in dem man es bisher verſtand,
verſchwunden. Ein Schrei nach neuen Moden erhob ſich,
und in dieſem Jahre hat der Schrei Erhörung gefunden.
Was jetzt auch dem oberflächlichen Beobachter auffällt iſt
die Tatſache, daß die Frauen faſt nichts unter ihren Toi=
letten
tragen, ſogar bei Tage. Unterröcke ſind ſchon ſeit
einiger Zeit aufgegeben und wurden durch Trikotbein=
kleider
erſetzt oder überhaupt nicht erſetzt. Die Strümpfe
ſind von ſo dünner und durchſichtiger Seide, daß man den
ganzen Fuß darunter ſieht, und der immer niedriger wer=
dende
Niederſchuh verhüllt auch von dieſer Hülle nicht viel.
Soviel von der Fußbekleidung. Darüber wird ein
dünnes Futteral von halbdurchſichtigem Stoff getragen,
das beim Promenadenkoſtüm und bei der Abendtoilette
gleich kurz iſt und Schlitze oder Raffungen derart aufweiſt,
daß das Bein beinahe bis zum Knie entblößt wird und
jede Bewegung der Glieder, ja ſogar der Muskeln, ſich offen=
bart
. Als die Verfaſſerin dieſes im Frühjahr in einem vor=
nehmen
franzöſiſchen Modeſalon war, konnte ſie einen Unter=
ſchied
zwiſchen dem Nachmittagskoſtüm und der großen
Geſellſchaftstoilette nicht entdecken. Früher waren die
Extravaganzen wenigſtens dem Feſtſaal vorbehalten; heute
zeigt ſie die Dame auch auf der Straße. Man erzählt ſich
in Paris eine Geſchichte von einer Engländerin, der eine
Toilette mit folgender Empfehlung angeprieſen wurde:
Madame wird mit dieſer Robe ſehr zufrieden ſein, denn
wenn ſie ein roſa Unterkleid anzieht, wird Madame aus=
ſehen
complétement nue. Wahrlich, es herrſcht eine
Orgie des Entkleidens in unſerer Mode, und kein Zeichen
iſt da, daß es anders wird‟ Die Verfaſſerin will
darin ein ſchlimmes Zeichen für unſere Kultur ſehen, und
ſo malt ſie ihr Menetekel in feurigen Buchſtaben an die
Wand.

Eine Fahrt durch das verwüſtete
Mazedonien.

Die kriegführenden Balkanſtaaten überbieten ſich
gegenſeitig in telegraphiſchen Meldungen, in denen ſie
einander der furchtbarſten Greueltaten bezichtigen. Wie
parteiiſch dieſe Nachrichten auch zugeſpitzt ſein mögen, un=
zweifelhaft
an ihnen iſt leider die Tatſache, daß das un=
glückliche
, ſeit Jahrzehnten von Mord, Gewalttaten und
Bandenkriegen ſo ſchwer heimgeſuchte mazedoniſche Land=
in
den letzten Tagen der Schauplatz grauenvoller Aus=
ſchreitungen
des Völkerrechts geweſen iſt. R. Larco, der
auf den Kriegsſchauplatz entſandte Korreſpondent des
Corriere della Sera, hat jetzt eine Fahrt durch das ver=
wüſtete
Mazedonien unternommen, iſt von Saloniki über
Doiran bis nach Strumnitza, dem heutigen griechiſchen
Hauptquartier, geeilt: und überall auf dem Wege empfin=
gen
ihn die furchtbaren Spuren von Gewalttätigkeiten,
von Feuer, Tod und Vernichtung. Das beginnt ſchon kurz
nach Saloniki; und je weiter man in das ſchwer heim=
geſuchte
Land vordringt, umſo entſetzlicher wird die
Sprache der Tatſachen. Die meiſten Häuſer ſind zerſtört,
vo nicht die Geſchütze ihr Vernichtungswerk vollendeten,
walteten die Flammen, und nur die rauchgeſchwärzten
Ueberreſte von Mauern erzählen noch davon, daß hier einſt
die Heimſtätten friedlicher Menſchen waren. Selbſt die
wenigen nicht zerſtörten Häuſer tragen die Spuren von
der Vernichtungsarbeit der Flammen. Weite Riſſe gähnen
in den Mauern, überall fehlen die Türen, die Fenſter ſind
verkohlt oder zerſchlagen, und jedes einzelne Haus gewährt
einen unheimlichen, abſchreckenden Eindruck mit ſeinen
leeren, ſchwarzen Oeffnungen. Hin und wieder ſieht man
dann auf Straßen und Feldern Frauen, Kinder und
Bauern, die umher irren und die Stätte ſuchen, die einſt
ihr Heim war. Der Anblick dieſer Leute iſt erſchütterndg

[ ][  ][ ]

Die heſſiſchen Sparkaſſen.

C. Aus den in den Mitteilungen der Gr. Zentralſtelle für die
Landesſtatiſtik veröffentlichten Geſchäftsergebniſſen
der dem Sparkaſſenverband angeſchloſſe=
nen
Sparkaſſen geht hervor, daß die Darm=
ſtädter
Anſtalt hinſichtlich der Zahl der Sparkaſſen=
bücher
mit 47613 an der Spitze ſteht. Den Gegenſatz bil=
det
Eſchollbrücken mit nur 315. Ueber 15000 Einleger
haben Gießen, Mainz=Stadt und=Land, Offenbach und
Worms. Den höchſten Betrag der Einlagen
weiſt dagegen Mainz=Stadt mit 43 804 625 Mark auf,
worauf Darmſtadt mit 38007068 Mark folgt. Auch hat
Mainz den größten Reſervefonds (4548504 Mark).
Reſerven zwiſchen 1 und 4 Millionen haben ferner Bingen,
Darmſtadt, Groß=Gerau Mainz=Land Offenbach und
Worms Der Prozentſatz der in Inhaberpapieren einge=
legten
Gelder ſchwankt zwiſchen 1,3 in Vilbel und 36,5 in
Höchſt (Darmſtadt: 9,1) während die Prozentſätze der
in Hypotheken angelegten Gelder ſich zwiſchen 26 in Oppen=
heim
und 90,2 in Darmſtadt bewegen. Ein beträchtlicher
Teil der Gelder iſt außerdem bei Gemeinden und ſonſtigen
Kommunalverbänden angelegt. Am wenigſten iſt das in
Darmſtadt und Mainz der Fall, wo dieſe Prozentſätze nur
0,3 und 0,4 betragen. An der Spitze ſteht in dieſer Hin=
ſicht
Seligenſtadt mit 36,8 Prozent, dem Erbach mit 32,9
Prozent folgt.

b. Goddelau, 19. Juli. Nachdem geſtern morgen auf
dem hieſigen Bahnhofe ein Rangierer zwiſchen die
Puffer geraten war und erhebliche Quetſchun=
gen
erlitten hatte, ereignete ſich gegen Abend ſchon wieder
ein Unglück, indem zwei Güterzüge mit ſolcher Hef=
tigkeit
aufeinanderſtießen daß verſchiedene =
terwagen
ineinander= und der Packwagen des einen Zuges
auf den Maſchinentender geſchoben wurden. Lokomotiv=
führer
und Heizer und der im Packwagen befindliche Zug=
ſchaffner
waren rechtzeitig abgeſprungen, ſo daß ſie mit
verhältnismäßig geringen Verletzungen davonkamen; je=
doch
ſoll der Materialſchaden ziemlich beträcht=
lich
ſein.
Rüſſelsheim, 19. Juli. Auf der Heimkehr vom
Kriegerfeſt überfielen mehrere Flörsheimer Burſchen
junge Rüſſelsheimer Arbeiter. Einem von dieſen wurde
der Schädel eingeſchlagen, ſo daß der junge Mann
im Mainzer Krankenhauſe ſtarb. Die Burſchen, die die
Tat aus Eiferſucht begingen, wurden verhaftet.
* Offenbach, 19. Juli. Der 21 Jahre alte Bohrer
Wilhelm Wagner und die 18 Jahre alte Näherin Eva
Nortin ſtürzten ſich heute morgen gegen 6 Uhr in
den Main weil die Eltern das Liebesverhältnis der
Beiden nicht dulden wollten. Ihre Leichen wurden im
Laufe des Vormittags geländet.
g. Kirch=Brombach, 19. Juli. Der Landwirt Jakob
Mohr III. hat heute ſeinem Leben durch Erhängen
ein Ende gemacht.
Erbach, 18. Juli. In der geſtrigen Generalverſamm=
lung
des Odenwälder Reitervereins wurden
alle Einzelheiten für das diesjährige Rennen genau feſt=
geſetzt
, ſo namentlich die einzelnen Läufe der verſchiedenen
Rennen beſtimmt. Zum Trabreiten ſind 22 und zum
Galoppreiten 12 Pferde gemeldet, während für den Lauf
ehemaliger Militärpferde 3 Nennungen vorliegen. Im
ganzen werden über 30 Pferde am Rennen teilnehmen.
Mainz, 19. Juli. Schon vor längerer Zeit haben die
Ladeninhaber von 15 Branchen ſich und ihrem Perſonal
die Wohltat erwieſen, ihre Geſchäfte um 8 Uhrabends
zuſchließen. Da dieſe Neuerung in keiner Weiſe ſchä=
digend
auf die Einnahmen gewirkt hat, ſo ſind dieſem
Beiſpiele abermals 15 verſchiedene Geſchäftszweige, die
Achtuhr=Ladenſchluß einführen wollen, ge=
folgt
. Die Angelegenheit wird demnächſt die Stadtver=
ordneten
beſchäftigen.
Oppenheim, 19. Juli Die Peronoſpora, die ſtark
auftritt, macht unſeren Winzern eine Unmenge Arbeit. Die
Weinberge ſind teilweiſe jetzt ſchon zum fünften und
ſechſten Male geſpritzt worden. Die Nachfrage nach
1912er ſetzt eben wieder ſtärker ein. In den letzten
Tagen wurden hier 32 Halbſtück 1912er, das Stück zu 800
bis 1000 Mack verkauft.
Nierſtein, 19. Juli. Schon wieder einmal hat ein
fremder Schwindler eine ganze Anzahl hieſiger
Einwohner empfindlich hereingelegt. Diesmal war es
aber kein Photograph ſondern ein Uhrmacher
Der Gauner ſprach in vielen Familien nach reparaturbe=
dürftigen
Uhren vor und erhielt ſolche auch vielfach mit,
trotzdem am hieſigen Platze zwei tüchtige Uhrmacher ſind.
Als die Uhren nach Wochen nicht kamen, wandten ſich die
Leute an die Polizei. Dieſe hat jetzt feſtgeſtellt, daß die
ganze Uhrmacherei nichts weiter als ein plumper
Schwindel war. Keine der oft recht wertvollen Uhren
iſt wieder zurückgekommen.

Eich, 19. Juli. Der vor einiger Zeit im Anweſen des
Ph. Schloſſer entſtandene Brand ſoll durch Brand=
ſtiftung
verurſacht worden ſein. Die Staats=
anwaltſchaft
nahm Zeugenvernehmung vor.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 19. Juli. Mit den Arbeiten
zum Neubau des Miniſteriums für Land=
wirtſchaft
Domänen und Forſten iſt in die=
ſen
Tagen, wie ſchon kurz gemeldet, in der Königgrätzer
Straße begonnen worden. Die Geſamtkoſten ſind auf drei
Millionen Mark veranſchlagt. Zu dem geſtrigen
Ueberfall auf einen Schutzmann am Königlichen
Schloß wird mitgeteilt, daß der verhaftete Landwirt
Michaelis heute vormittag wegen ſchwerer Körperverletz=
ung
dem Unterſuchungsrichter vorgeführt worden iſt. M.
wurde zunnächſt auf ſeinen Geiſteszuſtand unterſucht, weil
man annahm, daß er geiſteskrank ſei, und weil er ſelbſt
behauptete, er leide an Wahnvorſtellungen und glaube
ſich verfolgt; deshalbe habe er auch, um ſich vor ſeinen
Feinden zu ſchützen, im Königlichen Schloß Schutz ſuchen
wollen. Die ärztliche Unterſuchung hat aber ergeben, daß
Michaelis nicht geiſteskrank iſt. Höhlenbewohner in
Weißenſee. Auf einem unbebauten Gelände an der Fal=
kenberger
Straße auf Weißenſeer Gebiet haben Mitglieder
des Fußballklubs 1900" eine intereſſante Entdeck=
ing
gemacht. Hinter einem alten Zaun, der jetzt ab=
geriſſen
worden iſt, ſtießen ſie auf eine höhlenartige Ver=
tiefung
, die mehrere Meter weit in das Erdreich führt.
Etwa zwei Meter unter der Oberfläche befindet ſich ein
Raum, der mit allem Komfort verſehen iſt und zweifellos
als Wohnung für lichtſcheues Geſindel dient. Sogar
Möbelſtücke fehlten nicht in dem Höhlenbau. Eigenartig
iſt der Umſtand, daß die Höhle mit Flieſen ausgelegt iſt.
Auch der Eingang zum unterirdiſchen Wohnraum hat
lieſenbelag. Ueber der Höhle iſt eine Klappe angebracht,
durch die den Höhlenbewohnern von oben friſche Luft zu=
geführt
wird. Man ſuchte durch Bewachung des Terrains
den Bewohnern der unterirdiſchen Behauſung auf die
Spur zu kommen, doch vergeblich. Wahrſcheinlich haben
ſie Verdacht geſchöpft und ziehen es nun vor, der Höhle
fernzubleiben.
Potsdam, 19. Juli. In der hieſigen Garniſon=
kirche
fand heute vormittag, wie alljährlich am Sterbe=
tage
der Königin Luiſe, die Trauung der Luiſen=
räute
ſtatt. Sechs Bräute und zwei Silberbrautpaare
wurden eingeſegnet. Jedes Brautpaar erhielt aus einer
Stiftung 450 Mark. Die Luiſenbräute werden aus der
Klaſſe der dienenden Stände gewählt.
Wetzlar, 19. Juli. Zwiſchen den Orten Niederbiel
ind Leun hat ſich geſtern abend ein Automobilun=
glück
ereignet. Das Automobil, das in ſchneller Fahrt
eine Kurve nehmen wollte, ſchlug um und alle drei In=
ſaſſen
wurden herausgeſchleudert. Der Geſchäftsreiſende
Richard Schmidt aus Eſchersheim bei Frankfurt a. M.
der ſchwere Verletzungen am Kopf und an der Bruſt er=
litten
hatte, war ſofort tot. Der Chauffeur erlitt leichte
Verletzungen; der dritte Mitfahrer blieb unverletzt.
Heidelberg, 19. Juli. Prinz Rangſit von
Siam, der im Frühjahr unſere Stadt nach neunjähri=
gem
Aufenthalt verlaſſen hat und nach dem Bangkoker
Königshof zurückgekehrt iſt, wird ſich in nächſter Zeit mit
einer jungen Dame aus Heidelberg, Fräulein Eliſabeth
Scharnberger, vermählen. Die Dame reiſt heute mit
ihrer Mutter und Schweſter nach Siam. Der Herzens=
roman
des Prinzen war in Heidelberg ſeit längerer Zeit
offenes Geheimnis. Eine Schweſter der künftigen ſiame=
ſiſchen
Prinzeſſin iſt mit einem franzöſiſchen Fliegeroffi=
zier
in Algier verheiratet.
Karlsruhe, 19. Juli. Der Stadtrat beantragt beim
Bürgerausſchuß, auf dem Feſtplatz eine Ausſtellungs=
halle
im Höchſtbetrage von 680000 Mark zu errich=
ten
. An Stelle des geplanten Neubaues für einen Kon=
zertſaal
nebſt Theater ſoll lediglich ein ſolcher für einen
Konzertſaal erſtellt und dieſer ſo eingerichtet werden, daß
er zeitweiſe, insbeſondere während der Ferien des Hof=
theaters
, auch zu Theateraufführungen benutzt werden
kann.
München, 19. Juli. Im Schnellzuge wurde auf der
teiſe von hier nach Luzern einem Fabrikanten aus Balti=
nore
ein Brief mit 1000 Pfund Sterling geſtohlen.
Leipzig, 19. Juli. Das Schöffengericht ver=
urteilte
einen der Hauptſchuldigen der ausländiſchen
Studenten, die in einem Kabarett die anweſenden
Deutſchen beſchimpft hatten, zu drei Monaten und einer
Woche Gefängnis.
Pillau, 19. Juli. Heute vormittag fand die Ein=
weihung
des vom Kaiſer der Stadt geſchenkten
Denkmals des Großen Kurfürſten ſtatt. In
Vertretung des Kaiſers erſchien der kommandierende Ge=
neral
von Kluck ferner waren anweſend der Regierungs=
präſident
Dr. Graf von Keyſerlingk, der Feſtungskom=
nandant
von Pillau, Oberſtleutnant von Raumer, der

Eiſenbahnpräſident Krüger, Landrat Peterſen, Fregat=
tenkapitän
Rößler, Kommandant des kleinen Kreuzers
Stuttgart, mit dem geſamten Offizierkorps der Stutt=
gart
das Offizierkorps des hier garniſonierenden In=
fanterie
= und des Artillerie=Regiments, ſowie die Spitzen
der ſtädtiſchen Behörden. General von Kluck übergab das
Denkmal, das die naturgetreue Abbildung des in der
Siegesallee in Berlin aufgeſtellten Denkmals iſt, im Na=
men
des Kaiſers in die Obhut und den Schutz der Stadt,
wobei er ein Hoch auf den Kaiſer ausbrachte, in das die
Feſtteilnehmer begeiſtert einſtimmten. Bürgermeiſter
daberland übernahm mit Dankesworten das Denkmal und
gelobte, daß die Stadt das Standbild ſtets in Ehren hal=
ten
und mit Treue hüten werde. Der Bürgermeiſter
ſandte im Namen der Bürgerſchaft von Pillau ein Dank=
telegramm
an den Kaiſer.
Aurich, 19. Juli. Nach zweitägiger Sitzung wurde
geſtern und heute vor der hieſigen Strafkammer über die
anläßlich der Maifeier in Wilhelmshaven vor=
gekommenen
Ausſchreitungen verhandelt. Vier An=
geklagte
hatten ſich wegen Aufruhrs zu verantworten. Die
Verteidigung der Angeklagten hatte Rechtsanwalt Heine=
Berlin. Es waren 50 Zeugen geladen. Der Staatsan=
walt
beharrte auf der Anklage wegen Aufruhr. Das Ge=
richt
hielt einen Aufruhr nicht für erwieſen und verurteilte
vegen Teilnahme an einem Auflauf den Nieter Krüß=
mann
zu zwei Monaten, den Arbeiter Paſchik zu drei
Wochen Gefängnis und den Schmied Kleine zu 30 Mark
Geldſtrafe. Der Maurer Waſſer wurde freigeſprochen.
Wilhelmshaven, 18. Juli. Nach einer ergreifenden
Trauerfeier, der zahlreiche Offiziere und Mannſchaften der
Marine beiwohnten, wurden von den 16 aus dem Wrack
des Torpedoboots § 178 geborgenen Leichen 12
in einem gemeinſamen Grabe auf dem Marinefriedhof be=
erdigt
. Vier Särge wurden zur Beiſetzung in der Hei=
mat
nach dem Bahnhof geleitet. Tauſende von Menſchen
umſtanden die Straßen, durch welche der Zug ging.
Neuſtrelitz, 18. Juli. Der Prinz von Wales
traf heute nachmittag gegen 5¾ Uhr im Automobil hier
ein. Er wurde vor dem Schloß von dem Großherzog und
dem Erbgroßherzog begrüßt.
Salzburg, 18. Juli. Beim Leichenbegängnis des
Generals Frhrn. v. Werſebe ſcheute ein den Trauerzug
eröffnendes Pferd mit einem eiſernen Ritter und ſtürmte
gegen die Trauergäſte, worunter ſich das Herzogspaar
von Cumberland und die Großherzogin von Mecklenburg
befanden. Des Publikums bemächtigte ſich eine Panik.
Nachdem das Pferd eingefangen worden war, wurde die
Trauerfeier ohne Zwiſchenfall fortgeſetzt.
Haag, 19. Juli. Die Einweihung des Frie=
denspalaſtes
wird am 28. Auguſt hier ſtattfinden.
Alle europäiſchen Regierungen werden dazu Vertreter ent=
ſenden
.
Nancy, 19. Juli. Ueber die Verhandlungen gegen
den Studenten Collot vor dem Zuchtpolizei=
gericht
werden noch folgende Einzelheiten bekannt, aus
denen hervorgeht, daß der nunmehr Verurteilte tatſächlich
Hader und Streit geſucht hat. Zur Verhandlung waren
auch Zeugen von jenſeits der Grenze, ſowie ein deutſcher
Polizeioffizier erſchienen. Der Student Collot, 25 Jahre
alt, gab in der Verhandlung zu, daß er mit den Kaffee=
hausgäſten
Streit geſucht und ſie Pruſſiens genannt
habe. Desgleichen bekannte er, den Kaufmann Conrad
aus Hayingen niedergeſtoßen und ihm dadurch einige
eichte Verletzungen zugefügt zu haben. Collot gibt auch
zu, ſelbſt weidlich durchgeprügelt worden zu ſein: Sein
Verteidiger, Pierre Weiß, bemühte ſich, die ganze Ange=
legenheit
als einen einfachen Kaffeehausſtreit darzuſtel=
len
. Der Gerichtshof war jedoch nicht dieſer Anſicht und
verurteilte Collot zu vierzehn Tagen Gefängnis, 15 Francs
Geldſtrafe und zur Zahlung von 300 Francs Schaden=
erſatz
an den Verletzten. Nach Verkündung des Urteils
ſtießen die auf der Straße befindlichen Freunde Collots
gegen die erſchienenen Lothringer Schmährufe aus.
Marſeille, 19. Juli. Der Hafenarbeiter Mounier er=
ſchoß
den Werkführer Brugnier, weil dieſer ihn entlaſſen
und ſich geweigert hatte, in dem Zeugnis zu erwähnen,
daß Mounier 33 Jahre auf den Docks beſchäftigt geweſen
ſei. Während man den Mörder nach dem Polizeikommiſ=
ſariat
abführte, eilte der Sohn Brugniers herbei und
brachte Mounier mit einer Eiſenſtange eine lebensge=
fährliche
Verletzung am Kopfe bei.

Luftfahrt.

Die Dauerfahrt des L. Z. 20.
* München, 18. Juli. Wie aus Augsburg ge=
meldet
wird, erſchien heute nachmittag gegen 3¼ Uhr zur
allgemeinen Ueberraſchung ein Zeppelinluftſchiff
über der Stadt, das mit ziemlich heftigem Winde zu
kämpfen hatte. Es manövrierte einige Zeit über der
Stadt und nahm dann den Kurs nach dem Lager Lechfeld.
Es handelte ſich um das Luftſchiff L. 3. 20 das heute
vormittag in Frankfurt a. M. zu einer Dauerfahrt aufge=
ſtiegen
war. Die Funkerabteilung des hieſigen

ſie irren über die Felder und völlig ratlos beginnen ſie
ſchließlich mechaniſch irgend etwas zu tun, mähen Gras
für Haustiere, die nicht mehr da ſind, oder ſie ſtehen vor
leer gebrannten Häuſern und ſchweigen. Sein Weg führt
Larco dann über das verlaſſene Schlachtfeld von Kilkitſch:
eine einzige weite Stätte des Grauens. Noch ſieht man
zwiſchen Feldern und Wieſen die ſchwarzen Streifen auf=
geworfener
Erdhügel: die Schützengräben und Verſchanz=
ungen
. Im weiten Umkreiſe iſt die Erde zerfetzt und von
Granäten aufgeriſſen, die Geſchoſſe haben Hügel getürmt
und Gruben gegraben, wie erloſchene Krater anzuſchauen.
Und über all dem ein wirres, buntes Chaos von unzähli=
gen
Gegenſtänden, ein wahrer Baſar des Todes. Was
Menſchen tragen oder gebrauchen, alles, alles findet man
hier, Papierfetzen und Notizbücher, Hemden, Kleidungs=
ſtücke
, Uniformabzeichen, Säckel, Flaſchen, Töpfe, Kiſſen
und Tücher, ja ſogar Spielkarten. Und zwiſchen all dem
liegt noch der Same, der dieſe troſtloſe Ernte reifen ließ,
Geſchoſſe und Geſchoßſplitter.
Die Richtung des Rückzuges, der Weg zur Flucht hebt
ſich deutlich ab: er iſt von Schuhwerk beſät, von Stiefeln
und Strümpfen, die die Flüchtenden abſtreiften und liegen
ließen. Aber das Bild der Verwüſtung endet nicht mit
dem Schlachtfelde, es ſetzt ſich fort nach allen Seiten.
Stundenlang kann man der Rückzugslinie folgen: und
überall ſtößt man auf menſchenleere, niedergebrannte Dör=
fer
ſelbſt Felder und Bäume wurden den Flammen aus=
geliefert
. Und das ſetzt ſich fort, Meile um Meile, Land=
ſchaft
um Landſchaft, bis hinauf gegen Strumitza. Hier,
in dem weißen Städtchen mit den roten Dächern, ſuchen
die Flüchtenden Aſyl, Frauen, Kinder und Greiſe mit
kleinen Handkarren oder Eſeln und man ſcheut ſich,
dieſen jetzt heimatlos und beſitzlos gewordenen Menſchen
ins Auge zu ſchauen, denn auf allen Mienen liegt der
gleiche Ausdruck, dumpfer, troſtloſer Verzweiflung, von
der der Fremde weiß, er kann ſie nicht lindern.

Feuilleton.

* Drahtloſe Telegraphie im Florentiner Dom. Unter
der Kuppel von Santa Maria del Fiore erſchallen tags=
über
die feierlichen Geſänge von Chorknaben, die Gebete
er Prieſter und Gläubigen ſteigen zu ihr empor; des
Nachts aber, wenn ſie verſtummt ſind, geht hier Welt=
licheres
vor: da treffen unter Brunneleſchis gewaltigen
Wölbungen Nachrichten ein aus Rom, aus Centocelle, aus
Toltano, Meldungen vom Eiffelturm zu Paris und ſogar
aus Tripolis. Mit anderen Worten, in der heiligſten
Kirche von Florenz iſt die drahtloſe Telegraphie
eingezogen. Marconi ſelbſt hat vor einiger Zeit dem be=
kannten
Leiter des Obſervatoriums von Florenz, Pater
Alfani, empfohlen, den Verſuch zu machen, ob man nicht
eine Station für drahtloſe Telegraphie in einer Kirchen=
kuppel
einrichten könne, und der Pater hat dazu die der
Santa Maria del Fiore gewählt. Eine Antenne wurde
ſoch oben befeſtigt, von der drei Drähte ausgehen; an
einem Pfeile laufen ſie bis auf vier Meter über dem Boden
herab; einer der Drähte läuft weiter und verbindet die
Antenne mit den Empfangsapparaten. Die ganze Ein=
richtung
liegt innerhalb der Kirche, ſo daß alſo Santa
Maria del Fiore eine regelrechte radiotelegraphiſche
Station beherbergt. Kaum war ſie eingerichtet, als ſic
chon die atmoſphäriſchen Wellen eines ſehr weit entfern=
ten
Sturmes verzeichnete. Kurze Zeit darauf es war
zur Nachtzeit liefen die erſten Radiotelegramme vom
Eiffelturm in Santa Maria de Fiore ein.
* Der echte und der falſche Chartreuſe. Die Mönche des
Kloſters La Grande Chartreuſe in der Chartreuſe
fabrizierten bis vor Jahren dort in ihrem alten Kloſter
ihren bekannten Liqueur. Als man in Frankreich Staat
und Kirche trennte, wurden auch die geiſtlichen Schnaps=

fabrikanten ausgewieſen, die ſich nach Spanien zurück=
ogen
. Die Regierung aber ſah in der verlaſſenen
Schnapsfabrik eine gute Kapitalanlage und verpachtete ſie
zu hohem Preis an einen Unternehmer, der nun in großen
Mengen den Schnaps der Mönche herſtellte. Die Mönche
aber verſuchten von Spanien aus alles um dieſe Fabri=
kation
zu verbieten, weil es ſich nicht um den echten
Schnaps nach ihrem jahrhundertealten Rezept handele, ſo
daß eine Täuſchung des Pubikums vorläge. Vor dem
Bundesgericht in Genf fand nun die letzte Gerichtsverhand=
lung
der ausgewieſenen Mönche von La Grand Char=
treuſe
gegen den franzöſiſchen Staat ſtatt, in der der
franzöſiſche Staat verurteilt wurde, erſtens den Mönchen
74000 Francs Schadenerſatz zu zahlen und zwei=
tens
, alle in Frankreich befindlichen Utenſilien zur Her=
ſtellung
des falſchen Chartreuſe zu vernichten. Auch
der noch lagernde falſche Liqueur ſoll vernichtet werden.
* Das verſchluckte Beweisſtück. Eine aufregende
Szene ereignete ſich bei dem Landgericht in Schwerin
i. M. Dort wurde, nach der B. Z., vom Unterſuchungs=
richter
einem wegen Verleitung zum Meineid Angeklagten
ein Schriftſtück vorgelegt, das ihn ſchwer belaſtete. Gleich
darauf wurde der Unterſuchungsrichter abgerufen. Kaum
hatte er das Zimmer verlaſſen, als der Angeklagte das
Schriftſtück ergriff, in den Mund ſteckte und hinunterzu=
würgen
begann. In dieſem Augenblick kehrte der Richter
zurück. Er holte ſofort vier Gerichtsdiener herbei, die den
Angeklagten daran zu hindern ſuchten, das Papier zu ver=
ſchlucken
. Ein ſchnell hinzugezogener Zahnarzt entfernte
mit einer Zange den Ballen, der ſich ſchon im blutenden
Schlunde feſtgeſetzt hatte. Obwohl das Schriftſtück von
Blut durchtränkt war, konnte es wieder leſerlich gemacht
werden. Der Richter ließ nun das Schreiben photo=
graphieren
und auf Pappe kleben.

[ ][  ][ ]

Telegraphenbataillons ſtand ſchon ſeit vormittags 11 Uhr
mit dem Luftſchiff in ſtändiger Verbindung.
Das Luftſchiff wollte auch nach München kommen, machte
jedoch ſpäter durch Funkſpruch die Mitteilung, daß es
München nicht berühren könne. Es iſt nicht bekannt, wo=
hin
die Weiterfahrt gehen wird.
* Memmingen, 18. Juli. Das Luftſchiff
L. Z. 20 überflog um 6 Uhr abends die Stadt und
ſchlug die Richtung nach Friedrichshafen ein.
* Stuttgart, 19. Juli. Das Luftſchiff
L. Z. 20 paſſierte um ½1 Uhr die Stadt in nördlicher
Richtung.
* Frankfurt a. M., 19. Juli. Das Luftſchiff
L. Z. 20 iſt von ſeiner Dauerfahrt zurückgekehrt
und heute früh gegen ½5 Uhr glatt gelandet.
* Frankfurt 19. Juli. Das neueſte Mili=
tärluftſchiff
L Z 20, das Freitag vormittag 9 Uhr
von hier aus eine Dauerreiſe angetreten hatte iſt heute
früh 4½ Uhr, nach nahezu zwanzigſtündiger
Fahrt im Frankfurter Lufthafen wieder eingelaufen.
Nach den Berichten des Führers, Direktor Dürr, war
die Fahrt eine der ſchwierigſten, die je mit einem
Z.=Schiff ausgeführt worden iſt. Stundenlang wurde das
Fahrzeug von ſtrömendem Regen gepeitſcht,
dazu geſellte ſich über dem Bodenſee ein Gegenwind, der
20 Sekundenmeter erreichte und das Schiff über eine
Stunde am Fleck ſeſthielt. Bei der Landung in Frank=
furt
war das Schiff ſo vom Regen beſchwert, daß zu ſeiner
Entlaſtung alles entbehrliche über Bord geworfen werden
mußte, um einem unſanften Aufprall auf den Boden vor=
zubeugen
. Die Reiſe ging zunächſt in öſtlicher Richtung
über Würzburg und Ansbach nach Augsburg. Dann
nahm das Schiff ſüdlichen Kurs zum Bodenſee, der in
den erſten Abendſtunden erreicht wurde. Ueber dem
Waſſer wurde eine Höhenfahrt unternommen, die bis zu
1800 Meter emporführte. Um 8½ Uhr abends hatte das
Fahrzeug Friedrichshafen erreicht und kam nun in ſchwere
Wetter. Die ganze Nacht hindurch ſtrömte der Regen
nieder, dazu geſellte ſich, wie erwähnt, ein ſcharfer Gegen=
wind
. Vom Bodenſee nahm das Schiff nördlichen Kurs
und kam gegen 1 Uhr nachts nach Stuttgart. Bei Eintritt
der Morgendämmerung ſchwebte L Z. 20 über Frank=
furt
. Um 4½ Uhr früh erfolgte hier die Landung. Die
militäriſche Abnahmekommiſſion machte die Fahrt mit.
Die endgültige Uebernahme durch die Militärbehörde er=
folgt
erſt am kommenden Dienstag nach Ueberführung des
Schiffs nach Baden=Oos. Der Kommandant des Z20
wird Hauptmann Lange.

Sporf, Spiel und Turnen.

-g. Rad= und Motor=Rennen zu Darmſtadt. Die
Rennen, die geſtern nachmittag vom Veloziped=
Klub Darmſtadt auf der Radrennbahn an der Heidel=
bergerſtraße
veranſtaltet wurden, hatten unter der Un=
gunſt
der Witterung ſehr zu leiden. Der einige Zeit vor
Beginn der Rennen einſetzende Regen hatte viele vom
Beſuche der Rennen abgehalten. Trotzdem war der Be=
ſuch
ein annehmbarer zu nennen. Die einzelnen Rennen
wurden wiederholt durch Regen unterbrochen und der
Regen veranlaßte dann auch, daß die Veranſtaltung um
½8 Uhr wegen naſſer Bahnen abgebrochen werden
mußte. Es kamen nicht zum Austrag der dritte Lauf des
Gauverband=Motor=Rennens, das Wanderpreisfahren, zu
dem 20 Nennungen erfolgt waren, und das Mehrſitzer=
Malfahren. Am ſpannendſten war der Kampf um die
Meiſterſchaft von Südweſtdeutſchland, in dem der Mainzer
Rode guter Sieger wurde. Der Darmſtädter Damus pla=
zierte
ſich erſt an vierter Stelle. Auch einige Stürze waren
zu verzeichnen: durch den erſten Sturz, bei dem Rode
und Maier=Laubach ſtürzten, ſchied Rode aus der Be=
werberliſte
um die Meiſterſchaft von Süddeutſchland
über 1 Kilometer. Beide Fahrer hatten nur unbedeu=
tende
Verletzungen. Die Kämpfe um die Meiſterſchaft
von Süddeutſchland beſtritten 14 Fahrer. Durch einen
Sturz in der 31. Runde verringerte ſich das Feld auf 8,
und die letzten 10 Runden beſtritten 7 Fahrer. Auch bei
dieſem Maſſenſturz gab es glücklicherweiſe nur verbogene
Räder und Hautabſchürfungen. Ein Fahrer hatte eine
leichte Gehirnerſchütterung erlitten. Die einzelnen
Reſultate ſind wie folgt:
Erſtfahren (1000 Meter). 1. Vorlauf: 1. Fiſcher=
Darmſtadt 2 Min. 1 Sek., 2. Wedel=Frankfurt. 2. Vor=
lauf
: 1. Schmitt=Darmſtadt 2 Min. 11 Sek., 2. Leiber=
Frankfurt. 3. Vorlauf: 1. Götz=Frankfurt 2 Min. 6 Sek.,
2. Schäfer=Darmſtadt. Endlauf: 1. Fiſcher 1 Min.
55 Sek., 2. Götz, 3. Schäfer.
Meiſterſchaft von Südweſtdeutſchland
über 1 Kilometer. 1. Vorlauf: 1. Rode=Mainz 2 Min.
18 Sek., 2. Sommer=Frankfurt. 2. Vorlauf: 1. Damus=
Darmſtadt 1 Min. 46 Sek., 2. Sehring=Darmſtadt.
3. Vorlauf: 1. Maier=Laubach 1 Min. 42 Sek., 2. Möſer=
Frankfurt. 4. Vorlauf: 1. Götz=Frankfurt 1 Min. 51
Sekunden, 2. Lüderitz=Mannheim. 1. Zwiſchenlauf:
1. Sommer 1 Min. 43 Sek., 2. Möſer. 2. Zwiſchenlauf:
1. Damus 1 Min. 54 Sek., 2. Sehring. Endlauf:
1. Damus 1 Min. 44 Sek., 2. Sehring, 3. Möſer.
Gauverbands=Motor=Rennen (20 Kilo=
meter
, 2 Läufe à 5 Kilometer, Endlauf 10 Kilometer,
Punktwertung). 1. Lauf: 1. Michel=Frankfurt 5 Min.
34 Sek., 2. Schaub=Darmſtadt, 3. Weyhknecht=Frankfurt.
2. Lauf: 1. Michel 5 Min. 42 Sek., 2. Weyhknecht, 3. Schaub.
Meiſterſchaft von Südweſtdeutſchland
(dem Sieger Ehrenpreis des Oberbürgermeiſters von
Darmſtadt und Titel Meiſterfahrer von Südweſtdeutſch=
land
Ferner ein Führungspreis, 25 Kilometer) 1. Rode
in 42 Min. 49 Sek., 2. Sommer, 3. Möſer. Den Führ=
ungspreis
erhielt Möſer.

Zuverläſſigkeitsfahrt des Allg. Deutſchen Automobilklubs.
* Salzburg, 19. Juli. Auf der Zuverläſſig=
keitsfahrt
des Allgemeinen Deutſchen
Automobilklubs trafen geſtern abend von Regens=
burg
40 Teilnehmer der Fahrt ein, die heute früh die
Fahrt über Zell am See und Kufſtein nach München
fortſetzen werden. Abends fand im Hotel Mirabelle
ein Feſtbankett ſtatt, dem die Vertreter der Salzburgiſchen
Behörden beiwohnten.

Eiſenbahner=Verſammlung.

-g. Der Verband Deutſcher Eiſenbahn=
Handwerker und=Arbeiter hatte für Samstag
abend nach dem Rummelbräu eine allgemeine
Eiſenbahnerverſammlung einberufen, die gut
beſucht war. Der Vorſitzende der Ortsgruppe Darmſtadt,
Kollege Herwig, eröffnete die Verſammlung und be=
grüßte
die Erſchienenen, insbeſondere Herrn Profeſſor
Urſtadt=Gießen. Die Tagesordnung beſtand aus drei
Punkten: Das neue Stückzeitverfahren, die allgemeinen
wirtſchaftlichen Verhältniſſe, Diskuſſion. Der Vorſitzende

wies einleitend auf die Einführung des neuen Stückzeit=
verfahrens
hin, das mancherlei Unzuträglichkeiten mit
ſich brachte. Die fortwährend erneuten Vorſtellungen ver=
anlaßten
den Kriegsminiſter, den Direktionen mitzu=
teilen
, daß Handwerker und Arbeiter vom 18. Lebens=
jahr
auf das 25. Lebensjahr um ſieben Jahre vorge=
ſtaffelt
werden können. Auf eine Rundfrage wurde feſt=
geſtellt
, daß 15 Direktionen davon Gebrauch gemacht ha=
ben
, 5 noch nicht. Auf die Eingabe des Arbeiter= Aus=
ſchuſſes
bei der Direktion Mainz wurde die Antwort er=
teilt
, daß dies bereits eingeführt ſei. Es hätte aber
nur ein ganz geringer Prozentſatz davon Vorteil, der
größte Teil ſei davon nicht berückſichtigt. Es wurde der
Einwand gemacht, daß man ſchlechte Handwerker, oder
ſolche, die noch nicht vollſtändig eingearbeitet ſeien, doch
nicht vorſtaffeln könne. Es käme bei dieſem Syſtem wie=
der
das Günſtlingsſyſtem in Schwung.
Es ergriff ſodann Koll. Rühl=Fulda das Wort zu
dieſem Thema. Er überbrachte zunächſt die Grüße des
Brudervereins Fulda. Anzuerkennen ſei zweifellos, daß
das neue Stückzeitſyſtem eine Verbeſſerung gegen das alte
Syſtem darſtelle, wenigſtens ſei dies in Fulda der Fall.
Er wundere ſich, daß die Vorſtaffelung, die vom Miniſter
vorgeſchrieben wurde, im Direktionsbezirk Mainz noch nicht
eingeführt ſei. Es ſei unbedingt zu fordern, daß dieſe
Vorſtaffelung reſtlos und ohne Unterſchied eingeführt
werde. Gerade in den jüngeren Jahren ſei es nötig, daß
der Arbeiter für ſich und ſeine Familie einen auskömm=
lichen
Lohn habe. Der Lohn müſſe nicht nur für das Leben
reichen, ſondern auch für das Gemüt müſſe der Arbeiter
etwas übrig haben. Befriedigen könne das Stückzeitver=
fahren
, das noch immer ein Akkordſyſtem ſei, durchaus
nicht. Anzuſtreben ſei das reine Lohnſyſtem. Die Werk=
meiſter
, die jetzt mit ſchriftlichen Arbeiten geradezu über=
laſtet
ſeien, könnten beim reinen Lohnſyſtem das Per=
ſonal
viel beſſer beaufſichtigen. Es wären dadurch nicht
nur Beamte zu erſparen, ſondern es würde wohl auch
mehr Arbeit geliefert werden, oder zum mindeſten eben=
ſoviel
. Wenn die Direktion Mainz die Staffelung ab=
lehne
mit dem Einwande, ſie könne ſchlechte Arbeiter nicht
vorſtaffeln, ſo ſei das unverſtändlich. Durch die ſtrengen
Annahmebedingungen ſei doch vollſtändig ausgeſchloſſen,
daß ſchlechte Arbeiter und Handwerker überhaupt ange=
nommen
würden. Konſtatiert müſſe werden, daß die Löhne
geſtiegen ſeien, aber nicht in dem Maße, wie die Lebens=
mittel
= und Wohnungspreiſe geſtiegen ſind. Mit einem
Appell zur Organiſation ſchloß Redner ſeine Ausführungen.
(Bravo!)
Der Vorſitzende dankte dem Redner für ſeine Aus=
führungen
und erteilte ſodann dem Kollegen Heinrich=
Mainz das Wort, der zu der allgemeinen wirtſchaftlichen
Lage ſprach. Bei einigen Kategorien ſeien zweifellos
durchgreifende Lohnerhöhungen eingetreten, aber bei den
Oberbau= und Betriebsarbeitern, der am ſchlechteſten da=
ſtehenden
Kategorie, ſei noch alles im Argen, die Löhne
ſeien hier noch völlig unzureichend. Redner legt dann
in längeren Ausführungen dar, daß anſcheinend ein Zu=
ſammenarbeiten
des Verbandes mit der Direktion, wie
es in den letzten zwei Jahren in gewiſſem Maße erfreu=
licherweiſe
war, unter der neuen Direktion nicht mehr
ſtattfinden ſolle. Die im Oktober vorigen Jahres zuge=
ſtandenen
10 Pfennig Lohnerhöhung ſeien durchaus kein
Ausgleich für die geſtiegenen Wohnungs= und Nahrungs=
mittelpreiſe
. Das Leben ſei in Darmſtadt und Mainz
zum großen Teil viel teurer als in Frankfurt und Ber=
lin
. Wenn man ſich bei Bemeſſung der Löhne nach den
ortsüblichen Tagelöhnen richte, ſo müſſe man auch die
neueſten Tagelöhne zugrunde legen. Am ſchlechteſten
ſtehen noch immer die Wagenputzer da, wo noch die Löhne
beſtehen, die vor 6 bis 8 Jahren gezahlt wurden. Wäh=
rend
bei den Oberbauarbeitern immerhin der Lohn ſich um
50 Pfennig erhöhte, erhöhte er ſich bei den Wagenputzern
nur um 20 Pfennig. Die Abzüge für elektriſche Kraft für
die Vakuumeinrichtungen ſeien nicht gerecht, da dieſe Ein=
richtung
nicht den Arbeitern von Vorteil ſei, ſondern nur
in hygieniſcher Beziehung, indem die Wagen gründlicher
gereinigt werden. Zu wünſchen laſſen auch die Verhält=
niſſe
der Güterbodenarbeiter, wo man noch mit Zehn=
tauſendſtel
Tagewerken rechnet. Bei dem Akkordſyſtem
der Güterbodenarbeiter ſei der Günſtlingswirtſchaft Tür
und Tor geöffnet. Zu bedauern ſei ferner, daß den Ma=
ſchinenputzern
nicht, wie in anderen Direktionen, Funktions=
zulagen
gewährt werden. Zu beſeitigen ſei die Be=
ſtimmung
, daß die Arbeiter, die zu den Arbeiterausſchüſſen
gewählt werden, 30 Jahre alt ſein müſſen. Als zweite
Inſtanz müßte noch bei der Direktion ein Bezirksausſchuß
gebildet werden, eventuell noch ein Verwaltungsausſchuß,
um die Intereſſen der Arbeiter vollſtändig wahren zu
können. Die Organiſation müſſe ein Angeſtelltenrecht
erſtreben, durch das den Eiſenbahnern ein Anrecht auf
Lohn, auf Urlaub, auf unkündbare Anſtellung, auf Ruhe=
gehalt
auch bei Kündigung uſw. ſichergeſtellt wird. ( Bei=
fall
.)
In der Diskuſſion ſprach zunächſt Kollege Hart=
mann
, der bemängelte, daß die Interpellation in der
Heſſiſchen Kammer über die Lohnfragen für erledigt er=
klärt
wurde. Die Staffelung komme in Darmſtadt höch=
ſtens
einem Zehntel zugute. Koll. Löffler ſprach
über die Arbeiterausſchüſſe, deren Wert nicht überſchätzt,
aber auch nicht unterſchätzt werden dürfe. Zum Segen
für die Allgemeinheit ſei den Eiſenbahnhandwerkern und
=arbeitern das Streikrecht nicht gegeben. Als Entſchädig=
ung
dafür ſeien die Arbeiterausſchüſſe eingeſetzt worden.
Wenn ſie bisher noch lange nicht alle Wünſche erfüllten,
ſo müſſe unermüdlich nach deren Ausarbeitung geſtrebt
werden. Landtagsabgeordneter Urſtadt=Gießen
betonte, daß er viel Wert darauf legte, zu kommen, da
er annahm, er könnte in dieſer Verſammlung viel hören
und kennen lernen. Die Eiſenbahner ſeien für unſer
Heſſenland von ganz ungeheurer Bedeutung. Leider ſei
der Einfluß Heſſens dieſer Bedeutung nicht entſprechend.
Redner ſei für eine Reviſion des Gemeinſchaftsvertra=
ges
, beſonders dahin, daß Heſſen mehr Einfluß auf die
Verwaltung gewinnt, damit von hier aus auch etwas
mehr für die Arbeiter getan werden könnte, als es bisher
der Fall iſt. Es freue ihn, daß von den Rednern nicht
nur das Materielle, ſondern auch das Ideelle betont
wurde. Er ſtimme dem Verlangen nach einem Staats=
arbeiterrecht
bei. (Lebhafter Beifall.) Koll. Heinrich=
Mainz ſpricht ſich noch für eine Höherſtellung des Grund=
lohnes
aus.
Es wurde hierauf folgende
Reſolution
einſtimmig angenommen:
Die heute abend in der Brauerei Rummelbräu ver=
ſammelten
ca. 500 Mann Eiſenbahnhandwerker und Ar=
beiter
bitten hohe Direktion, doch endlich eine durchgrei=
fende
Lohnerhöhung für die Betriebs= und Oberbau=
arbeiter
eintreten zu laſſen, denn die fortgeſetzte anhaltende
Teuerung iſt durch die im letzten Oktober gewährte Lohn=
erhöhung
von 10 Pfg. nicht im entfernteſten gelindert
worden für die obengenannten Kategorien. Außerdem

bitten die Handwerker und Arbeiter der Hauptwerkſtätten
um Höherſtaffelung der Grundlöhne um 2 Pfg. per
Stunde, damit ſie einigermaßen anderen Bezirken pro=
zentual
gleichgeſtellt werden, ſowie um allgemeine Durch=
führung
der 7jährigen Lohnſtäffelung, wie ſie in anderen
Direktionen bereits vorhanden, damit jeder Werkſtätten=
arbeiter
mit 38 Jahren ſeinen Höchſtlohn erreicht.
Kollege Löffler geht ſodann noch auf die Lohn=
verhältniſſe
, insbeſondere auf das Stückzeitverfahren, ein.
Eine Gleichſtellung der Darmſtädter Eiſenbahner mit den
Frankfurter ſei anzuſtreben. Es ſprachen noch die Kol=
legen
Müller und Dettler, worauf der Referent
Rühl noch einmal das Wort zu einem Schlußwort er=
griff
, in dem er die Eiſenbahner eindringlich ermahnte,
ſich nicht nur gewerkſchaftlich, ſondern auch politiſch zu
betätigen. Er wolle und könne aber die ganz links
ſtehende politiſche Richtung nicht empfehlen. Die Eiſen=
bahnergewerkſchaft
ſelbſt habe unbedingt politiſche Neu=
tralität
zu beobachten. Redner ging ſodann noch auf ſämt=
liche
in der Diskuſſion geſtreiften Punkte ein und forderte
die Anerkennung der Organiſation.
Gegen ½11 Uhr wurde die Verſammlung geſchloſſen,

Der Turner Heimkehr.

g. Der feſtliche Empfang der vom Deutſchen
Turnfeſt in Leipzig zurückkehrenden Mitglieder der Darm=
ſtädter
Turnerſchaft geſtaltete ſich zu einem wah=
ren
Triumphzuge für unſere wackeren Turner, die ehren=
voll
Darmſtadts und Heſſens Farben in Leipzig vertreten
haben. Eine große Menſchenmenge hielt die Straßen
nach dem Bahnhof und den Bahnhofsplatz beſetzt. Vor
dem Bahnhof hatten Abordnungen der verſchiedenen Tuen=
vereine
mit ihren Fahnen, ſowie eine Geſangsabteilung
und die Muſikkapelle Aufſtellung genommen. Mit einem
kräftigen vielſtimmigen Gut Heil wurden die Heimkeh=
renden
bei ihrem Austritt aus dem Bahnhof begrüßt. Als=
bald
erklang dann aus Turnerlehlen der Turnergruß Gott
grüße Dich Hierauf nahm der Vorſitzende der Darm=
ſtädter
Turnerſchaft, Herr Profeſſor Finger, Veran=
laſſung
, die Feſtturner mit einer kurzen Anſprache will=
kommen
zu heißen. Er wies auf die Hundertjahrfeier dee
Erſtarkung des Volkes hin, auf die unermüdliche Arbeit
des Turnvaters Jahn und auf die kraftvolle Veranſtal=
tung
der deutſchen Turnerſchaft in Leipzig, bei der wohl
alle das alte Gelöbnis erneuert haben weiter zu arbeiten
in dem Geiſte Jahns. Er ſchloß ſeine Anſprache mit einem
dreifachen Gut Heil‟ Nun ging es in impoſantem Zuge
unter Vorantritt der Muſikkapelle durch die Allee, Rhein=
ſtraße
, Wilhelminen=, Eliſabethen=, Schul=, Kirch= und
Pädagogſtraße zur Turnhalle am Woogsplatz. Hier ent=
wickelte
ſich alsbald ein echtes Bild turneriſchen Lebens.
Zunächſt wurden Erlebniſſe ausgetauſcht, dann ſorgten
Vorträge und turneriſche Aufführungen für angenehme
Unterhaltung.

Erdbeben in Süddeutſchland.

Jugenheim Erdbebenwarte, 20. Juli, 2 Uhr
nachmittags. Ein heftiges Nahebeben wurde heute
nachmittag von den Apparaten der Station aufgezeichnet.
Es begann 1 Uhr 6 Minuten 48 Sekunden, erreichte ein
Maximum etwa 1 Uhr 7 Minuten 20 Sekunden und en=
digte
, allmählich abklingend, gegen 1 Uhr 17 Minuten.
Das Beben wurde hier in Jugenheim, wie vermutlich an
vielen anderen Orten, makroſeismiſch ſtark gefühlt. Es
waren mehrere ſchaukelnde, beängſtigende Bewegungen, je
nach dem Standpunkte der Beobachter verſchieden ſtark.
* Frankfurt a. M., 20. Juli. Kurz nach 1 Uhr
wurde hier ein leichter Erdſtoß verſpürt.
* Karlsruhe, 20. Juli. Heute mittag 1 Uhr
7 Minuten wurde hier ein mehrere Sekunden dauernder
ſtarker Erdſtoß verſpürt, der aber nach bis jetzt vor=
liegenden
Meldungen keinen Schaden angerichtet hat,
Gleichlautende Meldungen liegen u. a. vor aus Freiburg
und Neuſtadt im Schwarzwald.
* Straßburg, 20. Juli. Heute nachmittag 1 Uhr
10 Minuten wurde ein kurzer, aber heftiger
Erdſtoß verſpürt. Die Uhren blieben ſtehen und die
Bilder an den Wänden bewegten ſich. An einigen Stel=
len
ſtürzten die Leute auf die Straße.
* Straßburg, 20. Juli. Das heutige Erde
beben wurde von den Inſtrumenten der kaiſerlichen
Hauptſtation für Erdbebenforſchung in Straßburg aufge=
zeichnet
. Es begann um 1 Uhr 7 Minuten 5 Sekunden;
15 bis 20 Sekunden ſpäter ſetzte die Hauptbewegung ein
und nach fünf Minuten erreichte die Regiſtrierung der
Inſtrumente ihr Ende. Die empfindlicheren Apparate
wurden durch die Stöße demontiert. Der Bebenherd be=
findet
ſich von Straßburg ziemlich genau achtzig Kilo=
meter
entfernt.
* Straßburg, 20. Juli. Die kaiſerliche Haupt=
ſtation
für Erdbebenforſchung bittet um möglichſt
zahlreiche Mitteilungen über die Beobachtung des Bebens,
* Stuttgart, 20. Juli. Bei leicht bewölktem, auf=
heiterndem
Himmel, mäßig warmer Temperatur und faſt
völliger Windſtille wurde heute mittag um 1 Uhr 7 Minu=
ten
in faſt ganz Württemberg ein kurzer, aber hef=
tiger
Erdſtoß verſpürt. In Stuttgart ſtürzten die
Leute aus den Häuſern. Die Telephon= und Telegraphen=
drähte
ſchwankten heftig. Von einigen Gebäuden wur=
den
Schornſteine heruntergeworfen. Im
königlichen Hoftheater traten die ſelbſttätigen Feuermelder
in Funktion und verurſachten einen blinden Alarm. Der
Erdbebenherd ſcheint wiederum in der Schwä=
biſchen
Alb geweſen zu ſein. Es wurde deshalb
auch in den Orten der Alb beſonders ſtark empfunden, ſo
in Sigmaringen, Ebingen, Balingen, Hechingen und =
bingen
. Der Erdſtoß wurde ferner wahrgenommen im
ganzen Remstal, im Neckartal von Rottweil bis Heil=
bronn
, in Göppingen, Ludwigsburg, Freudenſtadt und in
Pforzheim. Dort, wie auch auf den weiteren Plätzen
wurde der Erdſtoß nur in den Häuſern wahrgenommen,
während die Spaziergänger nichts verſpürten.

Aus Darmſtadt wird uns über das Erdbeben ge=
meldet
:
Sch. Ein Erdſtoß von ungefähr drei bis vier
Sekunden Dauer erſchüttertete 1,07 Uhr mittags die

[ ][  ][ ]

Häuſer. Die Richtung des Stoßes verlief ſcheinbar von
Oſten nach Nordweſten. Berichterſtatter wohnt in der
dritten Etage und lag auf der Chaiſelongue, als plötzlich
ein ſtarkes Schwanken, eigentlich Schaukeln, ſich bemerkbar
machte; im ſelben Augenblick wurde er von der Chaiſe=
longue
geſchleudert. Im Nebenzimmer ſprang die Türe
auf, Gegenſtände an der Wand ſchaukelten, der Ofen in
der Küche hat nach Ausſage ſeiner Frau ſtark geſchwankt;
ebenſo vernahm man ein ſtarkes Kniſtern, Hausbewohner
in der Nachbarſchaft waren der Meinung, der Stoß ſei
ſtärker als jener im November 1911 geweſen.
C. Der geſtrige Erdſtoß wurde beſonders im nörd=
lichen
Stadtteil wahrgenommen, doch war auch
die Erſchütterung in einem hohen Hauſe der Schießhaus=
ſſtraße
ziemlich ſtark, wo das Beben etwa 10 Sekunden
dauerte. Es war genau 1 Uhr 7 Minuten nachmittags.
Andere Mitteilungen über das Erdbeben ſtimmen mit
dieſes überein. Es hat indeſſen den Anſchein, als ob es
in unſerer Stadt nicht ſo allgemein geſpürt worden iſt,
wie das Erdbeben im November 1911.

Gründung eines heſſiſchen
Landesverbandes zur Erforſchung und
Bekämpfung der Krebskrankheit.

(*) Gießen, 19. Juli. In der Aula der Landes=
univerſität
tagte heute eine Verſammlung, die von Re=
gierungsbeamten
, Profeſſoren und Aerzten aus allen Tei=
len
Heſſens ſtark beſucht war. Die Verſammlung war vom
Großh. Miniſterium des Innern, Abteilung für öffentliche
Geſundheitspflege, einberufen und hatte den Zweck, einen
Landesausſchuß zur Erforſchung und Be=
kämpfung
der Krebskrankheit im Großher=
zogtum
Heſſen zu gründen. Geheimerat Beſt=
Darmſtadt leitete die Verſammlung. Er begrüßte den Ver=
treter
der Regierung, Exzellenz Finanzminiſter Braun
Provinzialdirektor Geh. Regierungsrat Fey=Darmſtadt.
den Vertreter der Landesverſicherungsanſtalt, Geh. Regie=
rungsrat
Dr. Dietz=Darmſtadt, die Kreisärzte, die Vertre=
ter
der Aerztevereine u. a. Es gelte ein Werk zu ſchaffen,
das der Wiſſenſchaft und der Kunſt der Aerzte dienen, aber
auch den unglücklichen Menſchen, die vom Krebs befallen
ſind, zum Heile gereichen ſoll. Der deutſche Verein zur
Erforſchung und Bekämpfung der Krebskrankheit wurde
1900 gegründet, er hat Urſachen, Weſen, Verbreitung und
die Behandlungsweiſe des Krebſes erforſcht. Tatſache iſt,
daß die Krankheit in allen Kulturſtaaten ſehr verheerend
wirkt. 1907 ſind im Deutſchen Reich 45 750 krebskranke
Perſonen geſtorben, es iſt dies nicht die Hälfte der Todes=
fälle
, die an Lungentuberkuloſe ſtarben, aber während die
Tuberkuloſe im Abſteigen begriffen iſt, nimmt der Krebs
zu. Daher iſt es eine dringende Notwendigkeit, die Krebs=
krankheit
energiſch zu bekämpfen. Als erfolgreich hat ſich
die Strahlenbehandlung erwieſen, hierher gehören Rönt=
genſtrahlen
, Radium und Thorium. Die Bevölkerung muß
mehr aufgeklärt werden, die Aerzte müſſen die Krebskran=
ken
rechtzeitig der geeigneten Behandlung zuführen. Auf=
klärung
durch die Preſſe, Verteilung von Merkblättern iſt
erforderlich. Eine weitere Aufgabe iſt die Fortbildung
der Aerzte, Krankenpflegeperſonal, Hebammen uſw. müſſen
aufgeklärt werden. Zur Behandlung mit Radium ſind
große Summen erforderlich. Der Verein ſoll nun alle zu=
ſammenſchließen
zum Kampf gegen die Krebskrankheit und
Mittel zur Beſchaffung von Radium auf=
bringen
.
Profeſſor Dr. Opitz von der Frauenklinik hielt hier=
auf
einen Vortrag über Die Strahlenbehandlung bös=
artiger
Geſchwülſte, insbeſondere mit Radium und Meſo=
Thorium. Nach der Statiſtik von 1888 kamen auf 10000
Todesfälle 3,7 Krebsfälle bei Männern, 4,45 bei Frauen,
1897 5,29 bezw. 6,5, ja die Zahlen ſtiegen auf 6,8 bezw.
7,97. Der Krebs erfordert im Lebensalter von 4060
Jahren die meiſten Opfer. Zu den ſeitherigen Behand=
lungen
mit Arznei und durch Operation iſt jetzt noch die
Strahlenbehandlung gekommen. Durch Operation kann
etwa ein Drittel dauernd geheilt werden, den übrigen
zwei Dritteln ſoll aber auch geholfen werden. Die ſtrah=
lenden
Metalle Radium und Thorium ſcheinen berufen,
Heilung zu beingen. Aber zur Radiumbehandlung
gehört Geld, koſtet doch ein Gramm 850000 Mark, wäh=
rend
ein Gramm Gold nur 6 Mark koſtet. Da zur Behand=
lung
mindeſtens eine Menge von 150200 Milligramm
erforderlich iſt, ſo erfordert dies eine Geldſumme von
160000 Mark. Der Wohltätigkeitsſinn in Heſſen wird
nicht zurückbleiben, zumal ſchon andere deutſche Staaten
vorangegangen ſind.
Geheimrat Beſt=Darmſtadt verlieſt die Satzungen des
zu gründenden Vereins, welche einſtimmig genehmigt wur=
den
. Der Verein erhält ſeinen Sitz in der Univerſitäts=
ſtadt
Gießen, er wird bezeichnet als Heſſiſcher
Landesverein für Krebsforſchung‟ Der
Jahresbeitrag beträgt 5 Mark. In den Landesaus=
ſchuß
wurden 19 Herren gewählt: Die Profeſſoren der
mediziniſchen Fakultät Gießen: Boſtröm, Poppert, Voit,
Neumann, Opitz und Olt, Geheimrat Obermedizinalrat
Dr. Hauſer=Darmſtadt, Geh. Medizinalrat Dr Reiſinger=
Mainz, Profeſſor Dr. Heidenhain=Worms, Medizinalrat
Dr. Fiſcher=Darmſtadt, Direktor Dr. Rebentiſch=Offenbach,
Sanitätsrat Dr. Habicht=Darmſtadt. Sanitätsrat Dr.
Vogel=Laubach, Sanitätsrat Dr. Pullmann=Offenbach;
Geheimrat. Dr. Dietz=Darmſtadt, Oberbürgermeiſter
Dr. Köhler=Worms, Provinzialdirektor Fey=Darmſtadt,
Provinzialdirektor Dr. Uſinger=Gießen, und Geh. Kom=
merzienrat
Dr. L. Merck=Darmſtadt. Der Landesausſchuß
wählte aus ſeiner Mitte den Vorſtand: 1. Vorſitzender
Profeſſor Dr. Opitz=Gießen, Stellvertreter Geh. Regie=
rungsrat
Dr. Dietz=Darmſtadt, Schriftführer Dr. Reben=
tiſch
=Offenbach, Schatzmeiſter Geh. Kommerzienrat L.
Merck=Darmſtadt.

Die Annahme der franzöſiſchen
Militärvorlage.

* Paris, 19. Juli. Die Kammer beriet heute den
Artikel 37 der letzten Militärvorlage. Die neue
Fafſung der Kommiſſion ſieht hauptſächlich vor, daß das
sorliegende Geſetz auf die Einberufenen der Jahresklaſ=
zen
1910, 1911 und 1912 keine Anwendung finden ſolle,
und daß auf ihr Verlangen auch diejenigen des Jahres
1912, die ſeit dem 1. Januar 1913 ſich freiwillig geſtellt
haben, bezüglich der Entlaſſung gleich behandelt werden
sllen, wie die Angehörigen ihrer Jahresklaſſe. Sie ver=
neren
alsdann die Prämien und den höheren Sold.
Jaurés erklärte, die Beſtimmungen, durch die die Jah=
resklaſſen
1910, 1911 und 1912 unter das Geſetz von 1905
geſtellt werden ſollten, ſtünden im Widerſpruch mit den
Erklärungen der Regierung, die die Notwendigkeit der
dreijährigen Dienſtzeit und die Zurückbehaltung der zu

entlaſſenden Klaſſe unter den Fahnen betont habe. Die
Regierung habe gewaltige Anſtrengungen gemacht, um
lediglich einfach bei der Vertagung des Geſetzes bis 1915
anzulangen. Das ſei Myſtifitation. André Lefevre
verlangte Ablehnung des Artikels 37 in der jetzigen Faſ=
ſung
und ſchlug vor, daß dieſe drei Jahresklaſſen unter
das Geſetz der drei Jahre geſtellt werden ſollen mit der
Ermächtigung für den Miniſter, ſie am Schluß ihres
zweiten Dienſtjahres in den Beurlaubtenſtand zu entlaſ=
ſen
. Lefevre erklärte es für unzuläſſig, daß die Jahres=
klaſſen
1910, 1911 und 1912 ſo angeſehen würden, als hät=
ten
ſie mit dem Staat einen Vertrag abgeſchloſſen, nur
zwei Jahre zu dienen, denn ſie ſtänden noch unter der
Herrſchaft des Geſetzes von 1905. Lefevre ſetzte weiter
auseinander, daß ſein proviſoriſcher Vorſchlag den Zweck
habe, das Land über die Schwierigkeiten des Jahres 1916
hinwegzubringen, die man für jene Zeit vorausſehe und
die ſchlimmer ſein würden, als die in dieſem Jahre. Das
Geſetz würde normaler Weiſe im Oktober 1916 wirkſam
werden.
Der Regierungskommiſſar General Legrand er=
klärte
in Erwiderung auf den Einwurf Lefevres, die Er=
fahrung
in Deutſchland beweiſe, daß es möglich ſei, 40 bis
45 Prozent des Kontingents der Zwanzigjährigen einzu=
ſtellen
. Wenn es zufällig ein Manko geben ſollte, ſo müßte
man nur die Schaffung einiger Neuformationen verlan=
gen
. General Legrand ſchloß, es wäre übertrieben, die
ganze Jahresklaſſe zurückzubehalten, weil ſich an der er=
forderlichen
Anzahl ein ſehr kleins Manko ergebe. Es
würde dies mit dem Reſultat, zu dem man gekommen ſei,
nicht in Einklang zu bringen ſein. Das mögliche Manko
werde übrigens wahrſcheinlich durch freiwillige Kapitu=
lanten
gedeckt. Der Artikel 37 wurde ſodann durch Hand=
aufheben
angenommen. Die neue Faſſung des Artikels
37, der urſprünglich rückwirkende Kraft des Geſetzes in ſich
ſchloß, ergab ſich für die Kommiſſion als Folge des Be=
ſchluſſes
der Kammer, wonach die Zwanzigjährigen in
die Jahresklaſſe 1913 eingeſtellt werden ſollen. Die Kam=
mer
nahm dann einen bereits von der Regierung und
der Kommiſſion angenommenen Zuſatzantrag an, der den
jungen Leuten des Jahres 1913, die ſich bei der Einberu=
fung
dieſes Jahrgangs nicht ſtellten, einen Geſtellungs=
aufſchub
gewährt, falls ſie ſich zurzeit im Ausland aufhal=
ten
. Ferner wurde ein Zuſatzantrag angenommen, der
beſtimmt, daß die Regierung ſpäteſtens ſechs Monate nach
der Bekanntmachung des Geſetzes eine Vorlage einbrin=
gen
wird, welche die Rekrutierung der Eingeborenen in
Algerien, den Kolonien und den Protektoraten regelt.
Zum Schluß der bis ¾12 Uhr nachts dauernden
Sitzung wurde das Dreijahrgeſetz in ſeiner
Geſamtheit mit 358 gegen 204 Stimmen an=
genommen
.
Die Sitzung hatte einen ziemlich bewegten Ver=
lauf
genommen, insbeſondere als Caillaux im Na=
men
der Radikalen eine längere Erklärung abgab, in wel=
cher
er die im Laufe der Debatte gegen das Dreijahr=
geſetz
vorgebrachten Kritiken wiederholte. Er bezeichnete
dasſelbe als ein Stegreifgeſetz, das voll Unklarheiten und
Widerſprüchen und ein Werk der rückſchriftlichen Parteien
ſei. Herr Barthou habe ſich über die Stimmen der
260 Republikaner hinweggeſetzt. In heftiger Weiſe ta=
delte
Caillaux auch die Finanzpolitik des Miniſte=
rums
. Miniſterpräſident Barthou entgegnete in ſcharfem
Tone und ſagte u. a., Caillaux habe aus einer Frage der
nationalen Verteidigung eine politiſche Frage gemacht.
Die Regierung habe bei der Erörterung des Dreijahrge=
ſetzes
in der Kammer keine Parteien und Gruppen, ſon=
dern
nur Franzoſen vor ſich ſehen wollen. Delaport
verlas im Namen der geeinigten Sozialiſten eine Erklä=
rung
, welche einen heftigen Proteſt gegen das Dreijahr=
geſetz
und gegen die Politik die Präſidenten
Poincaré bildete.
* Paris, 20. Juli. Die Minderheit von 204
Deputierten, die gegen das Dreijahrgeſetz ſtimmten, um=
faßt
86 Sozialiſtiſch=Radikale, 19 Linksradikale, 3 Mitglie=
der
der Demokratiſchen Linken, 69 Geeinigte Sozialiſten,
26 Unabhängige Sozialiſten und einen Wilden. Die ge=
mnäßigt
republikaniſchen, die konſervativen und nationali=
ſtiſchen
ſowie auch einige radikale Blätter äußern ihre
Befriedigung über die Annahme des Dreijahrge=
ſetzes
in lebhaften Worten und drücken gleichzeitig die
Ueberzeugung aus, daß die Kammer durch ihr Votum der
Mehrheit des Volkes entſprochen habe. Mehrfach wird
anerkannt, daß die Annahme des Geſetzes zum großen
Teil ein Verdienſt des Miniſterpräſidenten Barthou ſei,
welcher durch ſein unermüdliches und geſchicktes Eingrei=
fen
zahlreiche Schwierigkeiten und Fallſtricke beſeitigt
habe, mit welchen die Sozialiſten und Radikalen das Ge=
ſetz
bedroht hatten. Das Blatt der radikalen Partei, Le
Radical ſchreibt: Wir werden dieſes Geſetz reſpektieren,
ſolange es Geſetz iſt. Ueber dieſem Eintagsgeſetz ſteht
der ſiegreiche Wille des Landes. Wir haben zu großes
Vertrauen zu dem verſtändigen Sinn des Volkes, als daß
unſere augenblickliche Reſignation einer endgültigen Ab=
dankung
gleichen könnte. Das republikaniſche Volk wird
bald das Wort haben. Wir fürchten ſeinen Wahrſpruch
nicht.

Der neue Balkankrieg.

Zur Lage.
* Berlin, 20. Juli. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau: In der letz=
ten
Woche iſt es auf dem Balkan zu größeren Kämpfen
zwiſchen den Bulgaren und ihren früheren Verbündeten
nicht mehr gekommen. Auch der Vormarſch Rumä=
niens
hatte bisher keine Gefechte zur Folge. Mit nach=
ahmenswerter
Mäßigung ſteckte die rumäniſche Regierung
ſich das Ziel ihrer Politik und unterrichtete durch eine
ſchriftliche Mitteilung die Mächte, daß ſie ſich mit der Linie
Turtukai-Baltſchik unter Ausgeſtaltung zu einer ſtrate=
giſch
brauchbaren Grenze begnüge. Auch zu der türki=
ſchen
Regierung möchte man das Vertrauen haben,
ſie werde ſich auch fernerhin durch die mehr ſcheinbare als
wirkliche Gunſt der Umſtände und durch das Drängen der
öffentlichen Meinung nicht zu verhängnisvollen Schritten
fortreißen laſſen, ſondern getreu an dem bisherigen
Standpunkt feſthalten, daß die endgültige Beſtimmung
der Grenze des osmaniſchen Reiches gegen ſeine Feinde
des letzten Feldzuges Sache der Großmächte iſt. In
Uesküb hatten die Miniſterpräſidenten Griechenlands und
Serbiens eine Beſprechung, in der für die gemeinſame
Richtung der Politik ihrer Länder gegenüber Bulgarien
eine Einigung feſtgeſtellt wurde. In Sofia dürfte das
neue Miniſterium Radoslawow=Ghenadiew durch die ſo=
fortige
Entſendung des früheren Miniſterpräſidenten Ge=
ſchow
zu Unterhandlungen nach Bukareſt einen nützlichen
Schritt getan haben. Es ſcheint ein Vorzeichen zu diplo=
matiſchem
Einlenken zu ſein. Jedenfalls kommt Bulga=
rien
damit dem Wunſch Rumäniens, Griechenlands und
Serbiens nach Eröffnung unmittelbar ſelbſtändiger Ver=

handlungen zwiſchen den Balkanſtaaten über die Frie=
denspräliminarien
entgegen. Die Haltung deer Groß=
mächte
blieb weiterhin die gleiche, in der Vermeidung von
Sonderunternehmungen und in der Bewahrung der Einig=
keit
, deren Wert Sir Edward Grey im Unterhauſe wie
namens des europäiſchen Gewiſſens eindringlich ausge=
ſprochen
hat.
Die Friedensvermittlungen.
* Bukareſt, 18. Juli. Dem Univerſul zufolge rich=
tete
die Königin Eleonore an die Königin Eli=
ſabeth
ein Telegramm, in welchem ſie um ihre Inter=
vention
für den Frieden bittet. Die Königin von
Rumänien antwortete mit der Verſicherung, daß die ru=
mäniſchen
Truppen bisher mit der größten Schonung für
die bulgariſche Bevölkerung vorgegangen ſeien, was auch
weiter der Fall ſein werde.
* Konſtantinopel, 19. Juli. Der ruſſiſche Bot=
ſchafter
und der franzöſiſche Geſchäftsträger beſuchten
geſtern vormittag den Großweſir. Der engliſche Geſchäfts=
träger
beſuchte vorgeſtern den Großweſir. Es verlautet, daß
die Vertreter der Tripel=Entente der Pforte rieten, den
Friedensvertrag einzuhalten. Es heißt, daß Ruß=
land
ſehr ernſte Vorſtellungen machte. Auf der Pforte
wurde geſtern verſichert, die Türken befänden ſich an der
Linie Midia-Enos. Eine endgültige Entſcheidung über
ein weiteres Vorgehen wird heute oder morgen gefaßt.
* Athen, 19. Juli. Im Miniſterrat hat der Mi=
niſterpräſident
Venizelos Bericht erſtattet über ſeine
Zuſammenkunft mit dem ſerbiſchen Mi=
niſterpräſidenten
Paſitſch. Wie verlautet, wer=
den
Griechenland und Serbien in Erwiderung auf den
Schritt Rußlands ihre Dankbarkeit für die ruſſiſche
Intervention ausdrücken und Rußland mitteilen, daß ſo=
wohl
Serbien wie Griechenland bereit ſeien, zum Frie=
densabſchluß
mit Bulgarien direkt in Vorverhandlungen
einzutreten, und daß ſie ſich vorbehalten, Bulgarien ihre
Bedingungen mitzuteilen. Sie werden auch in der Ant=
wort
erklären, daß die Verantwortung für den Krieg Bul=
garien
zufalle. Venizelos ſprach über den glänzenden Zu=
ſtand
des griechiſchen Heeres, deſſen Begeiſterung und
Moral unbeſchreiblich ſei.
IIB. Athen, 19. Juli. Miniſterpräſident Veni=
zelos
berief für geſtern vormittag 10 Uhr im Kriegs=
miniſterium
einen Miniſterrat zuſammen, der eine Stunde
dauerte. Der Miniſterpräſident gab den Miniſtern ſeine
Unterredung mit Paſitſch, ſowie ſeine Entſchlüſſe
bekannt. Es wird beſtätigt, daß Griechenland und Ser=
bien
für die ruſſiſchen Vermittelungsbemühungen dem
Zaren ihre Dankbarkeit ausſprechen und ſich bereit erklä=
ren
werden, direkt mit Bulgarien zu verhandeln, wenn
dieſes hierzu den Wunſch ausſpricht. In ihrer Antwort
werden die Verbündeten Bulgarien allein für den Krieg
verantwortlich machen. Venizelos ſprach während der
Sitzung auch über ſeine Eindrücke von der militäriſchen
Situation und über die vorzügliche Moral in der griechi=
ſchen
Armee.
Der Vormarſch der Türken.
* Rom 19. Juli. Die Tribuna ſchreibt: Die Inter=
nationale
Kommiſſion zur Feſtſetzung der türkiſch=
bulgariſchen
Grenze wird in der nächſten Woche
in Konſtantinopel zuſammentreten und ihre Arbeiten ſo=
fort
beginnen. Alle Mächte haben ſchon ihre Vertreter
ernannt. Der italieniſche Vertreter, Oberſt Capu, reiſt
heute oder morgen ab Dieſe Tatſache dürfte für die Tür=
kei
nicht ohne Bedeutung ſein. Die Linie Enos-Midia iſt
durch die Londoner Konferenz feſtgeſetzt worden, und die
Mächte können nicht zugeben, daß ihr Protokoll verletzt
wird. Alle Mächte ſind ſich infolgedeſſen darüber einig,
daß man von der Türkei jedenfalls Achtung vor der ihr
durch ihre Vermittelung auferlegten Grenze verlangen
müſſe. Wenn die Türkei das nicht begreifen wolle und
ihre Truppen auf Adrianopel marſchieren ließe,
ſo würde eine direkte Kollektiv=Intervention
beſchloſſen werden, auch um ein geſondertes Vorgehen
Rußlands zu vermeiden.
* Konſtantinopel, 19. Juli. Bei der Wider=
beſetzung
von Rodoſto durch die Türken ver=
ſuchten
eine Anzahl in Rodoſto verbliebener bulgariſcher
Gendarmen, zuſammen mit Komitatſchis und armeniſchen
Freiſchärlern Widerſtand zu leiſten und beſchoſſen die lan=
denden
Türken, von denen 13 verwundet wurden. Von
den bulgariſchen und armeniſchen Verteidigern Rodoſtos
ſind etwa 25 bei dem Kampfe getötet worden. Da wäh=
rend
der bulgariſchen Okkupation Rodoſtos die mohamme=
daniſche
Bevölkerung zahlreichen Bedrückungen und Will=
kürakten
ausgeſetzt geweſen war, ſo hatte ſich bei den Mo=
hammedanern
ſtarke Erbitterung gegen die dortigen
Chriſten angeſammelt. Infolgedeſſen iſt es in dem
Augenblick des Herrſchaftswechſels zu einigen Aus=
ſchreitungen
rein perſönlicher Rache gekommen, bei
denen einige Armenier und Griechen in Rodoſto und Um=
gegend
getötet oder verwundet worden ſind. Der neue
Wali hat ſofort unter Entfaltung eines größeren Aufge=
bots
von Gendarmerie für die Wiederherſtellung und Auf=
rechterhaltung
der Ordnung geſorgt, ſo daß Befürchtungen
für die allgemeine Sicherheit der Chriſten nicht beſtehen.
* Konſtantinopel, 19. Juli, 11,45 Uhr nachts.
Die türkiſche Kavallerie iſt vor Adrianopel
angekommen.
HB. Paris, 19. Juli. In hieſigen politiſchen Krei=
ſen
geht die allgemeine Anſicht dahin, daß der Vor=
marſch
auf Adrianopel ein nutzloſes Ziel bleiben
müſſe, doch glaubt man, daß ein gewaltſamer Druck auf
die Pforte nicht möglich ſein wird. Die Drohung mit
der Abſperrung der Geldzufuhr würde eine ebenſo gute
Wirkung haben.
* Sofia, 20. Juli. Zwei Diviſionen türkiſcher
Kavallerie und eine Diviſion türkiſcher Infanterie ſind
in Lüle=Burgas angekommen. General Velcheff,
Kommandant der bulgariſchen Streitkräfte in Adrianopel,
rüſtet ſich zur Verteidigung Adrianopels.
Der Vormarſch der Rumänen.
* Bukareſt, 18. Juli. Das Antworttelegramm des
Königs Carol an den König Ferdinand ging heute früh
um 8 Uhr von Corobia nach Sofia ab. Der König kehrt
heute abend nach der Hauptſtadt zurück. Das rumäniſche
Volk hält daran feſt, daß einer der Zwecke des
Einrückens in Bulgarien der Abſchluß
eines Waffenſtillſtandes iſt. So lange
dieſer nicht eingetreten iſt, könne von
einer Einſtellung des Vormarſches nicht
die Rede ſein. Dabei ſei es ohne weſentliche Bedeutung,
wer dem Abſchluß eines Waffenſtillſtandes weſentliche
Hinderniſſe bereite. Auf den Urheber müſſe nach An=
ſicht
hieſiger maßgebender Kreiſe ein Druck ausgeübt wer=
den
, damit er dem allgemeinen Friedensbedürfnis nach=
gibt
. An der gemeldeten ſtrategiſchen Linie ergibt ſich aus
militäriſchen Rückſichten ein vorübergehendes Halt.
Minerva gibt folgende Schilderung des Donau=
überganges
der Truppen unter der Führung des
Prinzen Ferdinand: Eine Abordnung der Gemeinde
Rakova bat den Prinzen, den Uebergang nicht bei Nacht
auszuführen mit Rückſicht auf die Angſt der Frauen und
Kinder. Der Prinz verſicherte, die rumäniſchen Truppen

[ ][  ][ ]

kämen nicht nach Bulgarien, um der Bevölkerung Uebles
anzutun. Der Uebergang erfolgte um 3 Uhr früh. Der
Prinz ging gleichfalls auf das bulgariſche Ufer.
* Wien. 18. Juli. Die Militäriſche Rundſchau mel=
det
, daß bereits die geſamte Hauptmacht der ru=
mäniſchen
Armee, vier Armeekorps und größere Ka=
valleriekorps
, ſich auf bulgariſchem Gebiete be=
finden
.
* Berlin, 19. Juli. Die bulgariſche Ge=
ſandſchaft
erhielt von ihrer Regierung folgende Meld=
ung
aus Sofia: Die rumäniſchen Truppen haben
drei Brücken bei der Eiſenbahnlinie in der Nähe von
Plewna zerſtört. Es ſind Gerüchte im Umlauf, daß die
große Brücke über den Fluß Vid und die Brücke bei dem
Dorfe Kraſpa (Plewna) zerſtört worden iſt. Die Rumä=
nen
requirieren von der bulgariſchen Bevölkerung Nahr=
ungsmittel
und Fourage, ohne zu zahlen und ohne
Quittung zu geben.
Griechiſche Meldungen.
HB. Saloniki, 19. Juli. Den letzten Nachrichten
von der Front zufolge haben die Bulgaren aus
Furcht, abgeſchniten zu werden, auch die wichtige Poſi=
tion
am Kresna=Defilée geräumt und ſind gegen die alte
bulgariſche Grenze zurückgewichen. Ein Teil der 8. grie=
chiſchen
Diviſion rückt von der Lagos=Bucht her gegen
Tanthi vor, wo die Bulgaren ſchon große Verwüſtungen
angerichtet haben. Gefangene Bulgaren erklären, daß die
Diſziplin unter den Truppen viel zu wünſchen übrig laſſe.
Auch die Demoraliſierung greife immer weiter um ſich.
Dieſe Tatſache wird auch von nichtmilitäriſcher Seite be=
ſtätigt
.
Proteſt gegen die bulgariſchen Greuel.
* Berlin, 19. Juli. Dem Berliner Magiſtrat
iſt aus Athen folgendes Telegramm zugegangen: Wegen
der unerhörten Grauſamkeiten und der unſäglichen Frevel=
taten
der bulgariſchen Armee in Mazedonien und Thra=
zien
, die durch amtliche Berichte Seiner Majeſtät des
Königs der Hellenen feſtgeſtellt ſind, hat die Bevölkerung
von Athen ſoeben eine Verſammlung abgehalten, an der
ſich die ganze Stadt beteiligte, um energiſch bei allen Völ=
kern
der ziviliſierten Welt Einſpruch zu erheben. Prieſter
ſind gefoltert, vornehme Bürger, Greiſe, Frauen und Kin=
der
ſind niedergemacht, junge Mädchen vergewaltigt und
verſtümmelt, Kirchen entweiht, Städte und Dörfer ver=
brannt
und das Glück vieler iſt zerſtört worden, in einem
Wort: Die ganze Bevölkerung Mazedoniens und Thra=
ziens
, ohne Unterſchied der Nationalität und Religion.
hat Verfolgungen erlitten, ſo wie ſie die Geſchichte bis
zum heutigen Tage noch niemals aufgezeichnet hat. Die
Behörde der helleniſchen Hauptſtadt hat Vollmacht, ſich
durch unſere Vermittelung an die Bürger der deutſchen
Hauptſtadt im Namen der Solidarität, die alle ziviliſier=
ten
Völker der Welt brüderlich eint, zu wenden. Sie bittet
die Bevölkerung Berlins, an dem Schmerze über die un=
menſchlichen
Ausſchreitungen teilzunehmen, deren Duld=
ung
den allgemeinen Unwillen hervorgerufen hat, und
zu proteſtieren, damit dieſen Greueln, die eine Schande für
die Menſchheit bilden, ein Ziel geſetzt wird. Merkuris,
Bürgermeiſter von Athen. Solon, Präſident des Rats.
Letzte Nachrichten.
* Bukarrſt, 20. Juli. L’Indépendanc Roumain
erfährt, daß Rumänien, Serbien und Griechen=
land
über die Grundlagen der Friedensbedingungen
ſich geeinigt haben und eine Konferenz aller Krieg=
führenden
einberufen werden ſolle, Als Konferenzort
ſchlagen Serbien und Griechenland Sinaia vor.
* Konſtantinopel, 19. Juli. Wie das Wiener
Korr.=Bureau verſichert, hatte die in den letzten Tagen
unternommene Demarche der Mächte der Triple=
Entente beim Großweſir wegen des Vormarſches
der türkiſchen Truppen nicht den Charakter einer
Intervention.

Bombenattentate in Liſſaben.

Liſſabon, 20. Juli. Aus Beſorgnis, daß
ungewöhnliche Ereigniſſe eintreten, wurden während der
Nacht Truppen bereitgehalten. Mehrere be=
waffnete
Perſonen wurden verhaftet. Auch einige Schüſſe
fielen, durch die mehrere Perſonen verwundet wurden.
* Liſſabon, 20. Juli. Die Polizei war ſeit mehreren
Tagen unterrichtet, daß für eine der nächſten Nächte ein
Angriff mit Bomben auf verſchiedene Punkte
Liſſabons vorbereitet wurde. Heute morgen begannen
verdächtige Automobile herumzufahren, die die Polizei an=
halten
ließ. Gleichzeitig erſchienen kleine Gruppen ver=
dächtiger
Perſonen in der Umgebung einiger Kaſernen.
Als ein Automobil in der Straße Sanvicente von der
Bürgergarde angehalten wurde, wurde aus einer in der
Nähe ſtehenden Gruppe eine Bombe geworfen, wodurch
ein Bürgergardiſt getötet wurde. Die Inſaſſen des Auto=
mobils
wurden verhaftet.
* Liſſabon, 20. Juli. Ein Ziviliſt, der Matroſen=
uniform
übergezogen hatte, war mit einer Bombe in die
Marinekaſerne eingedrungen. Als eine Gruppe Verdächtiger,
die von derPolizei verfolgt wurde, vor der Kaſerne des 2. Inf.=
Regiments vorüberkam und die dort aufgeſtellten Poſten
zu den Waffen rief, ſchoß ein Manifeſtant auf
den Poſten, der ſchwer verletzt wurde, auch vor der
Kaſerne des erſten Infanterie=Regiments und der
Pioniere wurden Gruppen Verdächtiger verhaftet.
Bei Tagesanbruch nahm die Stadt ihr gewohntes
Ausſehen an. Im Innern der feſtgehaltenen Auto=
mobile
wurden Körbe mit Bomben gefunden.
Die Polizei konnte, da ſie rechtzeitig benachrichtigt
wurde, den Verſuch der Unruheſtifter vollſtändig zum
Scheitern bringen. Die öffentlichen Gebäude wurden
von Truppen und Ziviliſten, die verſchiedenen Gruppen
der nationalen Verteidigung angehörten, bewacht. Außer
einem Polizeibeamten, der durch die Bombe getötet
wurde, wurde ein zweiter ſchwer verletzt.

Die Unruhen in China.

* London 19. Juli. Die Times meldet aus
Peking vom 18. ds. Mts.: Nach zuverläſſigen Berichten
aus dem Süden erwartet man, daß die Provinzen
Kwangtung, Fukien, Tſchekiang, Anhui, Szetſchuan und
Hunan ſich der revolutionären Bewegung an=
ſchließen
werden. Ein Erfolg gegen die nocdchineſi=
ſchen
Truppen würde ſicher auch andere Provinzen fort=
reißen
. Der weſentliche Faktor der Lage iſt daher die
Haltung der Truppen Lijuanhengs in Wutſchang in der
Provinz Hupeh und der Truppen Schangtſchuns in Jent=
ſchufu
im Süden von Schangtung. Jnanſchikai hat 20000
nordchineſiſche Truppen in Kiangſi und Wutſchang und
ihre Aufſtellung in der Nähe des Jangtſe dürfte die ſüd=
chineſiſchen
Truppen in Schranken halten, aber falls die
Bewegung im Süden allgemein wird, iſt eine Revolte der
ſüdchineſiſchen Truppen zu erwarten. Die Regierung
findet eine Verſtärkung ihrer Armee im Jangtſetal ſchwie=
zu
entblößen.
gig, ohne ihre Poſitionen in der Mong

* Hongkong, 19. Juli. (Reuter.) Wie die chine=
ſiſche
Preſſe meldet, hat der Generalgouverneur von
Kanton geſtern abend eine Proklamation erlaſ=
ſen
, in der er erklärt, der Provinzialrat habe ihn zum
Generalgouverneur und zum Oberbefehlshaber der Trup=
pen
ernannt, die gegen Juanſchikai von ihm geführt wer=
den
, da deſſen Handlungsweiſe die Republik ins Verder=
ben
bringe. Die Proklamation ſagt den Schutz des Eigen=
tums
in der Provinz zu und ſpricht die Trennung Kantons
von der Regierung aus. Der Geſchäftsverkehr in Kan=
ton
ſtockt völlig.
Peking, 19. Juli. Der Korreſpondent des
Reuterſchen Bureaus hatte mit mehreren hohen
chineſiſchen Beamten Unterredungen. Dabei er=
klärten
die Beamten, die neuen Forderungen
Rußlands betr. die Mongolei hätten Beſtürzung
hervorgerufen, denn die chineſiſche Regierung habe ſtets
die Abſicht gehabt, den Vertrag zu unterzeichnen und=
dieſe
Abſicht in Petersburg am 6. Juli mitgeteilt. Die
Verzögerung ſei nur auf den Widerſpruch der Senatoren
gegen die Unterzeichnung des Vertrages zurückzuführen.
Die hohen Beamten wieſen darauf hin, daß die fremden
Geſandtſchaften faſt einſtimmig ernſtlich hofften, daß
Rußland einer baldigen Beilegung des Streites zu=
ſtimmen
würde, was China wünſche, beſonders mit
Rückſicht auf die Lage der inneren Mongolei, wo das
Leben der Fremden und friedlicher Chineſen und Mongolen
in beſtändiger Gefahr ſei.

Darmſtadt, 21. Juli.
* Prozeß Adam und Genoſſen. Der in dem Nie=
der
=Modauer Prozeß zu 1 Jahr 9 Monaten Zuchthaus
verurteilte frühere Bankier Jſaak wurde durch Ver=
fügung
des Oberlandesgerichts gegen eine Kaution von
30000 Mark aus der Haft entlaſſen. Ein Jahr gilt
als verbüßt. Jſaak ſowohl wie die gleichfalls verurteilten
Angeklagten Beck und Kommerzienrat Ihrig haben gegen
das Urteil der Strafkammer Reviſion beim Reichsgericht
eingelegt. Adam hat krankheitshalber in dem ſtädtiſchen
Krankenhaus Aufnahme gefunden. Auch der Staatsan=
walt
hat gegen das Urteil gegen Beck, Jſaak und Ihrig
Reviſion eingelegt.
Zirkus Corty=Althoff auf dem Meßplatz, am
Hallenſchwimmbad. Heute abend präzis 8¼ Uhr findet
die prunkvolle und glänzende Eröffnungsvorſtel=
lung
ſtatt. Alle Künſtler, alle Völkerraſſen, alle verfüg=
baren
Tiere werden an dieſem Aend vor dem Publikum
erſcheinen und zeigen, was es auf dem geharkten Sande
der Zirkusmanege Neues gibt. Eine Maſſe von Darbie=
tungen
, in allem eine Vollkommenheit, und doch nicht er=
müdend
wirkende Sehenswürdigkeiten, wie ſolche nur ein
großer und gediegener Zirkus im Rahmen wie Zirkus
Corty=Althoff bieten kann. Es iſt dies keinesweas ein
Unternehmen, das ſich nur durch Reklame groß machen
vill. Ein Gang durch die weiten Stallungen, die über
hundert Pferde, Elefanten, Dromedare, Lamas, Hirſche,
kurz Tiere aus allen Zonen enthalten, dürfte jeden von der
Größe und dem Umfang dieſes Unternehmens überzeugen.
Dabei iſt Zirkus Corty=Althoff keineswegs in das Gebiet
der Menagerien hineingeraten, er iſt das geblieben, was
er ſchon ſeit einem Menſchenalter iſt: ein erſtklaſſiger Zir=
kus
, mit rein eircenſiſchen Leiſtungen und rein künſtleri=
ſchen
Programmen. Natürlich hat er ſich in ſeiner ge=
ſamten
Einrichtung und Organiſation der Neuzeit ange=
paßt
und bringt ſeine überaus reichhaltigen Vorſtellungen
in einem Rieſenbau mit äußerſt bequemer und moderner
Einrichtung, die das ſonſt bei vorübergehend errichteten
Zirkuſſen vorherrſchende Primitive und Mangelhafte ver=
miſſen
läßt. Der alleinige Billettvorverkauf (nur für
Abendvorſtellungen) befindet ſich im Zigarrengeſchäft
Hugo de Waal, Rheinſtraße 14, Telephon 656.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Berlin, 19. Juli. Die Norddeutſche Allgemeine Zei=
tung
teilt mit: Die Betriebseinnahmen der
preußiſch=heſſiſchen Staatseiſenbahnen
betrugen im Juni 1913 gegen den Juni des Vorjahres
im Perſonenverkehr eine Million Mark gleich 1,59 Pro=
zent
, im Güterverkehr 5,9 Millionen Mark gleich 4,78 Pro=
zent
mehr, insgeſamt einſchließlich der Mindereinnahme
der ſonſtigen Quellen 5,9 Millionen gleich 2,98 Prozent
mehr. Die Zahl der Sonn= und Feſttage war in beiden
Jahren gleich, jedoch fiel im Vorjahr der mancherorts ge=
feierte
Fronleichnamstag in den Juni, 1913 dagegen in
den Mai.
* München 19. Juli. Zu der Meldung eines Berliner
Blattes, nach welcher im Herbſt die bayeriſche =
nigsfrage
wieder aufgerollt werden ſoll, iſt die Baye=
riſche
Staatszeitung, da dieſe Nachricht auch zu Erörter=
ungen
in der bayeriſchen Preſſe Anlaß gibt, zu der Er=
klärung
ermächtigt, daß bei den maßgebenden Stellen
keinerlei Verhandlungen über die Wiederauf=
nahme
der Frage ſchweben.
* Karlsruhe, 19. Juli. Das Generalkommando des
14. Armeekorps teilt bezüglich der in letzter Zeit vielfach
entſtellten Zeitungsnachrichten über die Entwendung
von Geſchützteilen beim Feldartillerie=
Regiment Nr. 76 in Freiburg i. Breisgau folgendes
mit: Vor einigen Wochen wurde beim Feldartillerie=
Regiment Nr. 76 in Freiburg nachts in einen Geſchütz=
ſchuppen
eingebrochen, wobei einige Geſchützteile älterer
Art entwendet wurden. Dieſe Teile können als bekannt
und ohne beſondere Bedeutung für die Spionage ange=
nommen
werden. Die Täter ſind ermittelt und verhaftet.
Einer von ihnen hat in den Jahren 1904 bis 1906 ſeine
Dienſtzeit bei dem Regiment Nr. 76 abgeleiſtet und war
daher mit den örtlichen Verhältniſſen vertraut.
* Dresden, 19. Juli. Ein Berliner Blatt brachte
die auch in ſächſiſche Blätter übergegangene Mitteilung,
daß in einer kürzlich abgehaltenen Konferenz der
deutſchen Regierungen mit dem Staatsbahn=
beſitz
von den ſächſiſchen Vertretern über die Umgehung
Sachſens durch die preußiſche Staatsbahn im
Perſonen= und Güterverkehr Klage geführt worden ſei.
die Haltung Preußens werde in Dresden als wenig
bundesfreundlich empfunden. Wie der Sächſiſche
Landesdienſt von zuſtändiger Stelle erfährt, iſt dieſe
Mitteilung unrichtig. In jener Konferenz iſt
über Fahrplanfragen, die Sachſens Intereſſen be=
rühren
, überhaupt nicht verhandelt worden, wohl aber
über Verbeſſerungen der Güterverkehrsleitung. Die Ver=
treter
der ſächſiſchen Regierung nahmen hierbei den
Standpunkt ein, daß ſich die vor mehreren Jahren ver=
einbarte
Leitung des deutſchen Güterverkehrs allgemein
bewährt habe. Nach dieſen Vereinbarungen ſind zwar
teilweiſe ſächſiſche Strecken, die die kürzeſten Verbind=
ungen
bieten und auch ihrerſeits durchaus leiſtungsfähig
ſind, an der Beförderung nicht beteiligt. Die ſächſiſchen
Regierungsvertreter erkannten jedoch an, daß in dieſem
Umwegsbefahren ein unangemeſſener Wettbewerb der
preußiſchen Staatsbahnen gegen die ſächſiſchen nicht ge=
funden
werden könne, da hierbei die unter der deutſchen

Staatsbahnverwaltung im gegenſeitigen Intereſſe feſt=
geſetzten
Grenzen eingehalten werden.
* Stettin, 19. Juli. Der Streik der hieſigen
Werftarbeiter wird am Montag vormittag 9 Uhr
beginnen. Am Freitag abend fanden Vertrauensmänner=
verſammlungen
ſtatt, in denen über die bisherigen Ver=
handlungen
mit den Vertretern der Arbeitgeber Bericht
erſtattet und mitgeteilt wurde, daß die Verhandlungen
einen unbefriedigenden Verlauf genommen haben. Es
wurde einſtimmig beſchloſſen, den auf heute nachmittag
einberufenen Werftarbeiterverſammlungen zu empfehlen,
am Montag morgen die Arbeit niederzulegen. Dieſer
Empfehlung folgten die Verſammlungen mit überwie=
gender
Majorität. Von den freien Gewerkſchaften ſtimm=
ten
für den Streik 5701, dagegen 1018, von den Hirſch=
Duncker’ſchen Organiſationen 1012 dafür und 84 gegen
den Streik.
Peſt, 19. Juli. Szekely Udvarhely im Komitate
Udvarhely iſt neuerlich ein Wolkenbruch niederge=
gangen
, der großen Schaden anrichtete. Mehrere Häuſer
wurden fortgeſchwemmt. In dem Orte Loevete ſind bei
einem Erdrutſch zahlreiche Häuſer eingeſtürzt. Menſchen=
opfer
ſind keine zu heklagen.
* Rom, 19. Juli. General Briccola telegraphiert
aus Benghaſi: Die Diviſion Salſa hat geſtern einen
glänzenden Sieg über die Streitkräfte der Rebellen
davongetragen, die bei Tobruk ſtehen. Im geſchloſſenen
Angriff warf die Diviſion Salſa den Feind zurück und
bemächtigte ſich des Lagers von Maarda. Eine Kanone,
ein Maſchinengewehr, ſowie eine große Anzahl Waffen,
Munition und Lebensmittel fielen in ihre Hände. Die
Italiener hatten 30 Verwundete, die Verluſte des Fein=
des
, der 2000 Mann ſtark war, ſind bedeutend. Er zog ſich
gegen Weſten und Südweſten zurück ungefähr 6 Kilometer
verfolgt von der Diviſion Salſa.
Baleſtrand, 20. Juli. Der Kaiſer unternahm=
heute
vormittag während der Regenpauſe einen Spazier=
gang
und nahm ſpäter die Vorträge des Chefs des
Militärkabinetts und des Vertreters des Auswärtigen
Amtes, Geſandten von Treutler, entgegen. Nachmittags
arbeitete der Kaiſer allein und hörte gegen abend kriegs=
geſchichtlichen
Vortrag. Das Wetter iſt regneriſch.
* Seattle, 19. Juli. Eine Volksmenge marſchierte
unter Anführung von Matroſen, Marineſoldaten und
Unteroffizieren der hier liegenden pazifiſchen Reſerve=
flotte
unter Hohnrufen auf die rote Flagge durch die
Straßen und zerſtörte im Induſtriebezirk die Ver=
ſammlungsgebäude
der ſozialiſtiſchen Organiſationen=
Infolge Verwechslung wurde das Verſammlungslokal
der Heilsarmee demoliert. Die Menge iſt offenbar
durch die Rede des Marineſekretärs gegen die Leute, die
an die rote Fahne glauben, angefeuert worden. Urſache
der heutigen Ruheſtörung iſt ein Angriff auf drei
Soldaten, die am Donnerstag nach einer Verſammlung
der Arbeiter erfolgte. Infolge der Ausſchreitungen über=
nahm
der Bürgermeiſter das Kommando über die
Polizei. Er hat die Wirtſchaften ſchließen laſſen und
Verſammlungen auf den Straßen unterſagt. Vorüber=
gehend
iſt das Erſcheinen der Zeitung Times verboten
worden.
* Paris, 20. Juli. Die Kammer nahm weiter ein
Amendement an, wodurch verheiratete Soldaten von der
Perſonalſteuer befreit werden, wenn dieſe weniger be=
trägt
als 10 Francs. Ein von dem Sozialiſten Rouanet
beantragte Amendement, durch welches den wegen Kund=
gebungen
gegen die Wiederherſtellung der dreijährigen
Dienſtzeit verurteilten Militärperſonen Amneſtie gewährt
wird, wurde mit 405 gegen 137 Stimmen abgelehnt. Im
Verlaufe der Sitzung kam es wiederholt zu Zwiſchen=
fällen
. Der Republikaner Iheveny ohrfeigte hierbei den
Sozialiſten Bracke.
* Paris, 20. Juli. In St. Dénis bei Paris ent=
gleiſten
geſtern zwei Trambahnwagen an einer
Kreuzungsſtelle. 24 Reiſende erlitten erhebliche Ver=
letzungen
. Die Unterſuchung ergab, daß der Unfall durch
einen Anſchlag verurſacht worden war. In die
Schienen der Kreuzungsſtelle war ein großes Holzſtück
eingekeilt worden.
Chatham, 19. Juli. In der Nacht auf Samstag
iſt an Bord des Linienſchiffes Exmouth infolge
Kurzſchluſſes Feuer ausgebrochen, das erheblichen
Schaden anrichtete. Das Schiff, das auf der Höhe von
Nore lag, iſt zur Ausbeſſerung des Schadens nach Cha=
tham
zurückgekehrt.
* Moskau, 20. Juli. Der Gerichtshof ordnete
an, die erſten drei Bände der Werke Leo Tolſtois,
Verlag Gorbunow, in denen ſeine Ueberſetzung der vier
Evangelien und die daran geknüpften Erörterungen ab=
gedruckt
ſind, zu vernichten.
* Ottawa, 19. Juli. Eine Militärkommiſſion der Re= hat bei einer Unterſuchung der Zuſtände im
Arſenal von Quebeck 12 Millionen Gewehr=
patronen
wegen fehlerhafter Konſtruktion für un=
brauchbar
erklärt. Auch wurden andere Fabrikations=
mängel
aufgedeckt.

Bekanntlich läßt in der beißen Sommerzeit der Appetit nach.
Um ſo angenehmer und erfriſchender iſt dann ein aus
friſchen Früchten und
Mondahrir
gekochter Obſtſlammeri,
villkommen jedermann zum Mittag. Die Zuberei=
tung
iſt ſehr einfach: Friſches Obſt wird mit Zucker ge=
ſchmort
u. durchgeſiebt. Dieſen Saft kocht man mit kalt angerührtem
Mondamin und genügend Waſſer 3 Minuten gut auf u. läßt ihn
erkalten. Auf dieſe Weiſe erlangt jede Hausfrau ſchnell erfriſchende
Sommerſpeiſen. Das Rezept dazu iſt mit 23 weiteren Rezepten
für Sommerſpeiſen im B=Büchlein zu finden gratis und franko
erhältkich vom Mondamin=Kontor, Berlin C. 2.
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elegantesten Genre. Aenderungen sofort.
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Ludwigstr. 5 Darmstadt Teleph. 2539

[ ][  ][ ]

Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige
Pflicht, ihre E. M. E. M., A. H. A. H., I. A. I. A.
u. C. C. C. C. von dem am 17. Juli erfolgten
plötzlichen Ableben ihres lb. A. H. (15716
Hermann Lindenborn
Apothekenbeſitzer in Groß=Umſtadt
geziemend in Kenntnis zu ſetzen.
ARMINLAC
Pharm. naturw. Verbdg. i. A. C. V.
J. A.: Maurer X.
Darmſtadt, den 18. Juli 1913.

Todes=Anzeige.
Es war Gottes Wille, meinen innigſt=
geliebten
Mann
(B15730
Carl Ritzert
nach langem Leiden im Alter von 38 Jahren
in die ewige Heimat abzurufen.
In tiefer Trauer:
Frau Elise Ritzert,
geb. Treiss.
Darmſtadt, den 19. Juli 1913.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.
Die Beerdigung findet Montag, den 21. Juli,
nachmittags 3½ Uhr, von der Leichenhalle des
Beſſunger Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe inniger Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſerer
(15719
teueren Entſchlafenen
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren tiefgefühlten
Dank. Insbeſondere danken wir für die liebe=
volle
Pflege und Teilnahme im Eliſabethenſtift,
dem Herrn Pfarrer Veller für die troſtreiche Trauer=
rede
, ſowie für die vielen Kranzſpenden und die
zahlreiche Beteiligung am Begräbniſſe.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Friedrich Schnellbacher, Lehrer i. P.
Darmſtadt, Mörfelden, Wattenſcheid,
den 18. Juli 1913.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Hinſcheiden unſeres innigſtgeliebten
Vaters, Schwiegervaters, Bruders, Schwagers
und Onkels
(15705
Herrn Josef Herrmann
Kanzleisekretär
ſagen wir Allen unſeren innigſten Dank.
Die trauernd Hinterbliebenen:
J. d. N.: Fr. Herrmann.
Darmſtadt, den 19. Juli 1913.

Dankſagung.
Für die beim Hinſcheiden meiner lieben Frau,
unſerer treubeſorgten Mutter, Schwiegermutter
und Großmutter bewiefene Teilnahme ſprechen
wir unſeren herzlichſten Dank aus.
(15706
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Christof Lorenz,
Lokomotivführer i. P.
Darmſtadt, den 19. Juli 1913.

Dankſagung.
Für alle Beweiſe herzlicher Teilnahme bei
dem herben Verluſt, der uns betroffen, ſagen
wir unſeren
(15721
herzlichſten Dank!
Familie Heinrich Schütz.
Darmſtadt, 18. Juli 1913.

Tageskalender.
Generalverſammlung des Kranken= und Sterbe=
kaſſen
=Vereins Eintracht um 8½ Uhr Waldſtraße 23.
Monatsverſammlung des Vereins für Geflügel=
und Vogelzucht Ornis um 8½ Uhr in der Stadt
Pfungſtadt
Eröffnungsvorſtellung im Zirkus Corty=Althoff
um 8¼ Uhr am Hallenſchwimmbad.
Wander=Ausſtellung Das Kind, Alexander=
ſtraße
20 (geöffnet von 29 Uhr).
Bilder vom Tage (Auslage in unſerer Expedition,
Rheinſtraße Nr. 23): Von der diesjährigen Nordland=
reiſe
des deutſchen Kaiſers: Vom 12. Deutſchen Turn=
feſt
in Leipzig: die Aufſtellung von 17000 Turnern zu
den Freiübungen; Zur Niederlage der Bulgaren im
neuen Balkankrieg; Von den Serben eroberte bulgariſche
Geſchütze in Belgrad; Kolonialtruppen bei der großen
Pariſer Parade.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 22. Juli.
Pferde=Verſteigerung um 11 Uhr in der Train=
kaſerne
(Eſchollbrückerſtraße).
Städtiſche Leſe= und Bücherhalle, Louiſen=
ſtraße
20. Die Leſehalle iſt geöffnet an Wochen=
tagen
von 102 und von 69 Uhr, Sonntags von
111 und von 69 Uhr. Bücherausgabe findet
ſtatt an jedem Wochentage von ½11 bis ½1 Uhr und
abends von 6 bis 9½ Uhr.
Beſichtigung des Großh. Reſidenzſchlof=
ſes
: An jedem Wochentage von 34 Uhr; Sonntags
von 111 Uhr.
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: J. V.: Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus dem Geſchäftsleben: J. V.: Adam
Sleiſchmann, ſämtlich in Darmſtadt. Für den redaktio=
nellen
Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die Redaktion
des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige Honorarforder=
ungen
ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht be=
rückſichttgt
. Unverlangte Manuſkripte werden nicht zu=
rückgeſandt
.

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[ ][  ][ ]

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Jahre ſeit Gründung der Dopel=
jähriges
Direktions=Jubiläum des
60
Firma Corty=Althoff in Wien.
25 jetzigen Eigentümers Pierre Althoff.

Was Circus Corty=Althoff
in ſeiner Reklame verſpricht,
das hält er auch!

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vom 21. bis einſchließlich 28. Juli.
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mit größtem Komfort und Eleganz aus=
geſtattet
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Direktor und alleiniger Eigentümer Pierre Althoff.

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Gegenwärtig das größte von allen 1 die mit 86achſigen Sonderzügen und
rein eircenſiſchen Unternehmen. 2 Lokomotiven von Stadt zu Stadt
befördert werden.

Die vornehmſte Eireus=Schanſtellung der Jetztzeit

verbunden mit großem erotiſchen Tierpark.

Der richrige, große und weitbekannte

Cireus Corty Althoff der Grot
nicht zu verwechſeln mit den verſchiedenen kleinen Unternehmen, die nur Circus Althoff firmieren.

beſtdreſſierte edle
Raſſepferde
darunter engliſche Vollblüter,
ſchwere Dänen und Belgier, ſchot=
tiſche
Zwergpferdchen, edle Araber,
Lippizianer, ruſſiſche, ſibiriſche und
ungariſche Steppenpferde, nord=
und ſüdamerikaniſche Muſtangs
uſw., Pferde aus namhaften deut=
ſchen
Geſtüten, 9 indiſche Ele=
fanten
, ferner Dromedare, Kängu=
ruhs
, Lamas, Zebras, Hirſche,
Maultiere, Hunde aller Raſſen
ſowie viele exotiſche Tiere.

heute

8

Uhr

abends

19
Ferlonen
nur erſtklaſſige Kräfte
ſind für den Circus tätig, darunter
verwegene engliſche und deutſche
Reiter und Reiterinnen auf un=
geſattelten
Pferden, urkomiſche
Clowns und dumme Auguſte,
italieniſche Akrobaten, orientaliſche
Gaukler, mexikaniſche Equilibriſten,
Dreſſeure von Pferden und an=
deren
Tieren, ſpaniſche Schul=
reiterinnen
, tollkühne Luftkünſtler,
geſchickte Jongleure, Leiterakro=
baten
Muſikal=Clowns uſw.

Für hier völlig neues, aus 26 Nummern 26 beſtehendes Rieſenprogramm.

In jeder
wozu 6
erforderlich
Vorſtellung Doppel=Programm für ein Entree und in einer Vorſtellung ſonſt 2 Gireusmanegen ſind!!!

Ueberall

Ueberall

ausverkauft: Das diesjährige Doppel=Jubiläumsprogramm ausverkauft:
erzielt allerorts toſenden Beifall von unzähligen Beſuchern!
Gegenwärtig in Metz wurden allabendlich
wegen Maſſenandrang des Publikums alle Zugänge
zum Cireus polizeilich geſperrt!

Neue Maſſen=, Schul= und Freiheits=Dreſſuren von Frau und Herrn Direktor Althoff!
Das pt. Publikum wird höfl. darauf aufmerkſam gemacht, daß beſonders in dieſer Jubiläums=Saiſon ganz Hervorragendes
geboten wird. Dreſſuren, wie ſie bisher weder hier noch anderwärts von einem Circus gezeigt worden ſind.

Interefſante Dreſiurproben wochentags
vormittags von 11 bis ½1 Uhr. Er=
wachſene
20 Pfg., Kinder 10 Pfg. Eintritt.

Preiſe der Plätzer
(einſchließlich ſtädtiſcher Kartenſteuer)
Loge (num.) 3.30 M., Sperrſitz (num.)
2.20 M., 1. Platz 1.65 M., 2. Platz 1.10 M.,
Galerie 55 Pfg.
Militär Wochentags abends: 1. Platz
1.10 M., 2. Platz 70 Pfg., Galerie 35 Pfg.
Kinder unter 12 Jahren und Militär
nachmittags halbe Preiſe.

Montag, den 21. Zukt, abds. 8½ Uhr=
Gala=Eröffnungs=Vorſtellung
Folgende Tage, je abends 8¼ Uhr:
Gr. Brillante Vorſtellungen.
Mittwoch, den 23., Samstag, den 26. u.
Sonntag, den 27. Juli, je
4 Uhr 6 8¼ Uhr
nachmittags abends
Vorſtellungen
Nachmittags halbe Preiſe für Militär
und Kinder unter 12 Jahren.

Marſtall= und Tierparkbeſichtigungen
täglich vormittags 11 bis 11 Uhr. Er=
wachſene
20 Pfg., Kinder 10 Pfg. Eintritt.

Billet=Vorverkauf:
(nur für Abend=Vorſtellungen) in dem
Zigarrengeſchäft von
H. de Waal, Rheinſtraße 14,
Telephon 656.
Die Circuskaſſe iſt geöffnet vorm. 101
Uhr, nachm. ab 5 Uhr, bei 2 Vorſtellun=
gen
vorm. v. 101 Uhr u. nachm. ab 3 Uhr.

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gebe zu jed. annehmbaren Preiſe
ab. Auch daſelbſt ein faſt neuer
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Schwellungen befreit, der Körper=
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Bekanntmachung.

In letzter Zeit ſind mehrfach Beſchwerden von Garten= und
Villenbeſitzern bei uns eingelaufen, daß von Kindern und ſelbſt von
Erwachſenen im Vorbeigehen Roſen und andere Blumen aus ihren
Gartenanlagen entwendet und ſtellenweiſe ganze Roſenſtöcke umge=
knickt
worden ſeien.
Dieſe Unſitte kann nicht ſcharf genug verurteilt werden, da ſie
ein ſchlechtes Licht auf die Bevölkerung Darmſtadts wirft und weil
ſie den Garten= und Häuſerbeſitzern den Aufenthalt in Darmſtadt
verleiden kann, abgeſehen von dem Schaden, der durch den Unfug
angerichtet wird.
Wir richten daher an die Bevölkerung Darmſtads das dringende
Erſuchen, daß jeder für ſeinen Teil erzieheriſch auf Kinder und Er=
wachſene
in dieſer Richtung einwirke, damit dem Unfug geſteuert und
die Stadt vor Schaden bewahrt wird.
Die Polizei=Organe ſind mit ſtrenger Ueberwachung und un=
(15711
nachſichtiger Veranzeigung beauftragt.
Darmſtadt, den 17. Juli 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
I. V: Stumpf.

Bekanntmachung.

Betreffend: Wochenmarkt.
Der Wochenmarkt iſt auf den alten Schlachthofplatz ausge=
dehnt
worden.
Die Anfahrt der Marktfuhrwerke zum Schiller= und alten
Schlachthofplatz hat von der Alexanderſtraße und dem Schloßgraben
her zu geſchehen.
(15689so
Darmſtadt, den 18. Juli 1913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
V.: Stumpf.

Bekanntmachung.

Nach Beendigung der baulichen Unterhaltungsarbeiten iſt das
ſtädtiſche Leihamt von Montag, den 21. Juli lfd. Js., vormit=
tags
von 8 Uhr an, für das Publikum wieder geöffnet.
Darmſtadt, den 17. Juli 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
(15627so
I. V. Schmitt.

kann unmittelbar von der Wieſe ange=
Heu neuer Ernte fahren werden. Es muß jedoch volkom=
men
trocken und nicht ſchwitzend beim Amt ankommen.
INV. 1573388)
Proviantamt Darmſtadt.

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Dienstag, den 22. ds. Mts.,
vormittags 11 Uhr,
wird auf dem Hofe der Train=
kaſerne
in Darmſtadt, Eſcholl=
drückerſtraße
24, ein zum Dienſt
ungeeignetes ſechsjähriges Pferd
öffentlich meiſtbietend gegen Bar=
zahlung
verſteigert.
(15720
Train=Bataillon Nr. 18.

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werden gut und billig aus=
geführt
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Manschett., für ſtarke Fig. zu verk.
Näh. in der Expedition. (*3537eid

In dem Konkursverfahren
über den Nachlaß des verſtorbenen
Dr. Wilh. Bieſer, Oberſtabs=
veterinär
zu Darmſtadt beträgt
bei der bevorſtehenden Schlußver=
teilung
die vorhandene Maſſe
Mk. 1055.08, während die zu be=
rückſichtigenden
nicht bevorrech=
tigten
Forderungen Mk. 1812.12
(15718
betragen.
Darmſtadt, 18. Juli 1913.
Der Konkursverwalter:
Karl Dechert.

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(unkündbar bis 1. Juli 1935)
zu den Originalbedingungen von unseren Mitgliedern bis Dienstag, den
22. Juli 1913, abends 6 Uhr, provisionsfrei entgegen.
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Darmstädter Volksbank
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.

4/ Württembergische
Staatsschuldverschreibungen
Unkündbar bis 1935.
252EcEesasséecesssssegessssesaessssgagessssessessssesee
32526
Am 23. Juli d. J. fndet die Subskription statt auf
Rominal Mk. 13.000.000.- obiger Schuldverschreibungen
eingeteilt in Stücke zu 5000, 2000, 1000, 500 und 200 Mark mit Zinsen
ab 1. Juli zu
96/40% für diejenigen Stücke, die unter Sperrung bis 15. Januar 1914
in das Staatsschuldbuch einzutragen sind, und zu
96,60% für alle übrigen Stücke.
(IV,15484,131
Wir sind offizielle Zeichnungsstellen.
Die näheren Bedingungen stehen bei uns zur Verfügung.
Darmstadt, den 17. Juli 1913.
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Moderne Stoffe und ihre Verwerkung.
Seit geraumer Zeit ſchon wendet ſich das Intereſſe der großen Schneider
faſt ausſchließlich den weichen, ſchwer fallenden Stoffen zu, und dabei bleibt
es vorläuſig, kaum daß ſich in der kommenden Saiſon etwas ändern wird.
Nur einen Stoff gibt es, der ſie ein wenig von ihrer Liebhaberei abweichen
macht, und das iſt Taft.
Während man bei uns Taft nur ſehr wenig ſieht, begegnet man in
Daris den Taftkleidern doch ziemlich häufig, und zwar ſind es vor allem
die ſchwarzen und marineblauen, ſo ungemein leicht zu tragenden Taft=
kleidchen
, die Abwechſlung bringen vom ewigen Einerlei
der weich fließenden, atlasartigen Stoffe. Es wird zu dieſen
Kleidern nur Taft in doppelter Breitenlage und nur in jener
ganz weichen Qualität, taffetas mousseline benannt, ver=
arbeitet
. Eines der größken Dariſer Häuſer brachte in dieſew
Sommer mehrere Modelle aus ſchottiſch kariertem Taft heraus,
der Nock, geſchmückt mit
jener ſo ſchwer zu tragen=
den
, ſo ſchwer zu arran=
gierenden
ceinture baja-
dére‟
, die man auf ſo
vielen Modebildern ab=
gebildet
ſieht, aus ein=
farbiger
Charmeuſe, der
auch den Taillenaufputz
übernahm, nebſt einem
Krägelchen aus alt ein=
gefärbter
Batiſtſtickerei.
Es wäre gänzlich
glatt verarbeitet werden, weil er ſteil Rock iſt drei= oder vierteilig. Material für
Amſtand hindert nicht, ihn in ganz der lich in 6 Größen.
gleichen Weiſe zu verarbeiten, ſo zum
Beiſpiel ein reizendes Kleid, über deſſen
vorn drapierten Rock eine Taille fällt,
an die ſich im erhöhten Taillenſchluß ein
langer Schoß anſchließt hinken etwa
bis zur Kniekehle reichend, vorn bedeutend
kürzer der glocken=
förmig
geſchnitten iſt oder
gar in Falten eingelegt.
Vorn öffnet ſich dieſe Art
von Jackentaille über
einen weißen Batiſtein=
ſatz
, an den ſich ein Am=
legekragen
und Nevers,
ebenfalls aus Batiſt, an=
ſchließen
. Es iſt das
eines der hübſcheſten
Modelle, die in dieſem
Frühjahr aus ſchwarzem,
marineblauem, tiefdunkel=
braunem
(téte de négre)
oder einem köſtlich braun=
lila
(violine) Taft her=
61177
auskamen.
Und noch ein Stoff, der auf einen gar alten Stamm=
baum
zurückſieht, wird in Daris ſehr viel mehr getragen

neben dem Weſteneinſatz, rote Bänder ſchließen am Handgelenk, quer über
einen Doppelvolant laufend, die Aermel ab, ein rotes Schleifchen ſteckt anſtatt
einer Broſche am Halsausſchnitt. Das Tragen einer roten Jacke zum Rock
aus Depitakaroſtoff ſinde ich eine Extravaganz, die mich nur dann, wenn
ein Anzug von allerluxuriöſeſter Qualität iſt, nicht als abſcheulich auffallend,
ſagen wir lieber unfein, bedünkt.
M. v. Suttner.
Beſchreibung zu unſeren Abbildungen.
Nr. 61177. Wenn man Bedarf für ein duftiges Sommerkleid hat, ſo empfiehlt
es ſich, ein ſolches nach Muſter Nr. 61177 anzufertigen. Die Bluſe dieſes ſchicken Kleides hat
lange Schultern, lange oder halblange Aermel und ſchließt mit einem
Stehkragen oder flachem Kragen ab. Ferner hat die Bluſe linksſeitigen
Vorderſchluß. Auch ein Futtermuſter iſt für eventuellen Bedarf vor=
geſehen
. Der mit der Bluſe zuſammengefügte Rock hat gehobene
Taillenlinie und iſt an der Oberkante etwas angekrauſt. Eine hübſche
Ausführung wäre z. B., wenn man einen flachen Stickereikragen an=
bringt
und die beiden ſpitz zulaufenden Teile an Bluſe und Rock mit
einer kleinen Stickerei ausſchmückt. M igl bei einer Oberweite von
91 cm für das Kleid mit
kurzen Aermeln: Von 81 cm
breitem glatten Stoff 4,00 m.
Schnitt erhältlich in ſieben
Größen=

Nr. 61222. Ein hübſches
Kleid mit einer Ruſſenbluſe,
das ſich ſpeziell dazu eignet,
aus leichten Sommerſtoffen
hergeſtellt zu werden, iſt
unter Nr. 61222 abgebildet.
Dieſes Kleid hat einen Steh=
kragen
oder einen flachen
61422
Kragen und die modernen
verfehlt, zu meinen, Taft könne nur ganz langen Schultern, an die die langen Aermel
angefügt ſind. Der an die Bluſe angefügte
iſt‟. Dieſer moderne Taft iſt nicht ſteif, das Kleid mit dreiteiligem Nock und Schoß=
wenn
er auch etwas weniger weich im anſatz für ein ſiebzehnjähriges Mädchen: Von
Fall iſt als Charmeuſe. Aber dieſer 100 cm breitem Stoff 4,10 m. Schnitt erhält=

als bei uns, und zwar von ſehr eleganten Frauen, von
großen Modedamen, das iſt das Depitakaro. Bei uns ſieht
man es ja eigentlich nur zu Strapazierkleidern einfachſter Art
verarbeitet, und man denkt gar nicht an die Möglichkeit, es
zu Kleidern von großer Koketterie der Allüren verwenden zu
können. Auch dieſer Stoff wird, wenn wir vom ſtrengen
Tailleurkleide abſehen, bearbeitet wie jeder weich fallende
Seidenſtoff, d. h. alſo, der Nock wird drapiert, die Jacke
erhält Glockenſchöße oder in Falten gelegte Schöße, die Taillen
ſind leger und graziös fallende Bluſen mit weſtengleichen
Einſätzen aus weißem oder gelblichem Batiſt oder Tüll, ein=
gerahmt
von dem faſt unvermeidlichen Volant. Das Depita=
karo
wird blau, ſchwarz und braunweiß verarbeitet und ſehr
gern mit ein wenig ceriſerot zuſammengeſtellt; d.h. ein roter
Bandgürtel ſchließt den Rock ab, ein roter Vorſtoß die Taille

61222

Nr. 61422. In Anbetracht der Sommer=
ferien
wird jede kluge Mutter die kleineren
Kinder mit einem Spielanzug ausſtatten. Wenn
nan Drillich, Kattun oder Leinen verwendet,
werden die Koſten nur gering ſein, und ſo ein
kleiner Anzug wird ſo manche Wäſche über=
dauern
. Ein jedes Kind wird froh ſein, aus
ſeinem ſogenannken guten
Anzug in den Spielanzug
ſchlüpfen zu dürfen, der ihm
Bewegungsfreiheit geſtattet,
und in dem er nach Herzens=
luſt
herumtummeln kann.
Auch eignet ſich ein ſolches
Kleidungsſtück außerordent=
lich
für den Strand.
Nr. 61 422 hat die moderner
langen Schultern und lange
oder halblange Aermel. Oben
am Halſe iſt die Bluſe ein=
fach
mit einem Band ein=
gefaßt
oder mit einem
Kragen, laut Abbildung, ver=
ſehen
. Der Anzug hat links=
ſeitigen
Vorderſchluß. Hinten
werden die Höschen durch
C) einige Knöpfe mit dem Ober=
61655 u. 61666
teil verbunden. Nr. 61422
kann man in einigen Skunden
herſtellen. Material für den Spielanzug ohne Aermel für ein vier=
jähriges
Kind: Von 81 cm breitem Stoff 1,60 m. Schnitt erhältlich
in 6 Größen von 1 bis 6 Jahren.
Nr. 61655. Eine reizende Hemdbluſe mit Weſtenkeil und
flachem Amlegekragen finden wir unter Nr. 61655 abgebildet. Sie
ſtellt einen ſtreng modernen Schnitt dar. Der Weſtenkeil wird ſeparat
gearbeitet und nach dem Fertizſtellen mit dem Vorderteil verbunden,
es iſt alſo auch die Möglichkeit geboten, nach dem Schnitt nur eine
ganz einfache Hemdbluſe herzuſtellen. Es wird entweder ein flacher
Amlegekragen oder ein Stehkragen angebracht. Die Aermel kann
man lang oder halblang ausführen. Material bei einer Oberweite
von 91 cm für die Bluſe mit langen Aermeln und Weſte: Von
88 cm breitem Stoff 2,10 m. Schnitt erhältlich in 8 Größen.
Nr. 61666. Ein ſehr kleidſamer Rock mit Vorderſchluß iſt unter
Nr. 61666 illuſtriert. Derſelbe iſt vierteilig, hat gehobene Taillenlinie
und an der linken Seite des Rückteils zwei Falten. Man kann das
Vorderteil auch ohne den ſpitz zulaufenden Teil arbeiten, wenn man
dieſen nicht wünſcht. Material bei einer Taillenweite von 61 cm:
Von 100 cm breitem Stoff 2,65 m. Schnitt erhältlich in 8 Größen.

Nachdruck auch mit Quellenangabe verboten.

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Ich liebe Dich!
Roman von Guido Kreutzer.
Copyright by Carl Duncker, Berlin W. 35.
(Nachdruck verboten.)

Der Baron Oſtheeren aber ſchüttelte mit leiſem =
heln
den Kopf.
Irgendwie werden wir Ihre verlorene Balanze ſchon
viederfinden, Herr Forſtmeiſter. Vorher aber helfen Sie
neiner Begriffsſtutzigkeit mal auf die Veine: welches
verden eigentlich die unmittelbaren Folgen dieſes nächt=
ichen
Renkontres ſein?
Der andere ſchob brüsk die breiten Schultern hoch.
Seine Stirn umdüſterte ſich wieder.
Schema F, lieber Freund; wie ſtets in ſolchen Fällen.
das Gericht erhebt gegen mich Anklage weil ich einen
Menſchen erſchoſſen habe. Und falls die Königliche Regie=
ung
nicht in der Ueberzeugung daß ich meine Befugniſſe
eineswegs überſchritten habe den berühmten Kompetenz=
onflikt
geltend macht, werden Piontek, deſſen Aburteilung
in ſich ja ein beſonderes Verfahren bildet, und Sie als
zeugen geladen. Dann wird Termin angeſetzt; die Ver=
andlung
folgt, in der ich natürlich bedingungslos freige=
prochen
werde Waffengebrauch nach der Inſtruktion
um Geſetz vom ſiebzehnten April Achtzehnhundertſieben=
nddreißig
, Faſſung vom vierzehnten Inli Siebenund=
eunzig
.
Als Abſchluß eine Belobigung des Oberlandforſt=
leiſters
mit eigenhändiger gnädiger Nandnotiz Seiner
xzellenz des Herrn Miniſters!
Und nach dieſer Freiſprechung,
.. . . reiche ich ein Geſuch um Uebernahme in den
ierwaltungsdienſt ein! ergänzte der Alte hart.
Günter von Oſtheeren ſtarcte ihn betroffen an.
Aber weshalb denn? Sie werden doch vollkommen
habilitiert und noch dazu ansgezeichnet, wie Sie eben
rgen! Das verſtete ich nicht, Herr Forſeiſer!

Der nachte eine derächliche Beſbeung.
Drei Jahre hab ich mit dem Menſchen zuſammengear=
beitet
, ſagte er leiſe; durch ſeine Worte klang es wie
Schmerz. Drei Jahre, Baron; Tag um Tag; alles hat er
gewußt, was im Walde vorging; wie einen meiner altge=
dienten
Beamten hab ich ihn gehalten. Und dann wild=
diebt
er hinter meinem Rücken und ſchießt auf mich!
§ . ſchießt auf mich!
Die Zügel, die ſeine Fauſt hielt, zitterten; und tief in
den Augen gloſte ein düſteres Feuer.
Wenn ich mir in den drei Jahren die Liebe und das
Vertrauen meiner Leute ſo wenig gewinnen konnte, daß
etwas etwas derartiges überhaupt möglich iſt . . . . . .
dann mag ich auch nicht mehr im Walde bleiben! Von der
Pflicht allein leben, wo die rechte Freudigkeit zum Teufel
gegangen iſt, das iſt eine bittere Sache und füllt ſo wenig
ein Leben aus! Mir aber, Herr, mir ſteht der Ekel bis zum
Halſe!!
Sein Blick verlor ſich.
Da hat man nun dreißig Jahre gearbeitet und geſorgt,
iſt in Ehren alt und grau geworden, hat mühſelig Stein
um Stein zu ſeinem Lebensgebäude zuſammengeſchleppt
und jetzt kommt das Schickſal ſchon zum zweiten Mal und
wirft es mir zuſammen wie ein Kartenhaus!
Vor ihnen reckte ſich der Hochwald wie eine drohende
Mauer gegen den aufhellenden Horizont. Ein Eichhörnchen
huſchté dicht vor dem Wagen über den Weg, glitt, leiſe pfei=
fend
, en einem glatten Buchenſtanun hinauf.
Und während der alte Herr die ſcheu gewordenen
Gäule kurz nahm, ſagte er zwiſchen den Zähnen:
Es gibt ja ſo manches im Leben, worum es lohnt, mal
den Kopf zwiſchen die Hände zu nehmen und ernſthaft
nachzudenken. Das beſte und höchſte aber iſt die Treue;
ohne die bleibt alles übrige ein verdammt bärbeißiger
Spaß!
Dann zuckte er abſchließend die Schultern und richtete
I= auf. Die Samme nr wirter .

Aun abe geung don dieſen Selbſigerede 35 werd
Ihnen ſagen ſobald das amtliche Verfahren wegen der
Geſchichte heut nacht zum Abſchluß gelangt iſt, ſetz ich mich
auf die Bahn und ſuch meinen Gönner, den Oberlandforſt=
meiſter
, auf. Vor drei Jahren hat man mir ſchon mal
meine Ernennung zum Forſtrat und Uebernahme ins Mi=
niſterium
angeboten. Damals wollt ich nix von wiſſen s
dachte doch, ohne mich könnt Wild und Wald nicht exiſtie=
ren
na, ’s wird wohl auch ſo funktionieren!
Jetzt aber laß ich mich noch nachträglich befördern; iſt
alles zu erreichen; bis ich mal zum alten Eiſen gehöre, wird
in preußiſchen Staatsforſten noch ſo manche Klafter ge=
ſetzt
werden! Und die hochmögenden Berliner Herren wer=
den
für mich dort ſchon ganz reichliche Verwendung finden;
’s ſoll Leute geben, die weniger Herz für die grüne Farbe
haben, als icht
Der junge Offizier hatte den Sprecher unverwandt be=
obachtet
. Ihm ſchien, als klinge in dieſen kurz hingewor=
fenen
Worten ein falſcher Ton mit.
Ich fürchte, Herr Forſtmeiſter, das Umgewöhnen wird
noch ſchwere Kämpfe koſten. Ein großer Jäger vor dem
Herrn, wie Sie ein Weidmann, der mit Leib und Seele
die Birſchbüchſe führt . . . . und dann Tag für Tag an
den Schreibtiſch gefeſſelt ſein: .
Ja . die Jagd! ſagte Elias Krottenheim verſonnen.
Wie horchend neigte er den Kopf einen Moment zur Seite.
Damit haben Sie natürlich recht, Baron. Ich werde mir
auch ſchon ein bißchen Anteil ſichern. Das ganze Jahr
über will ich fleißig Akten wälzen und mir meinetwegen
die Finger wund ſchreiben aber zum Herbſt müſſen ſie
mich auf ein paar Wochen ’rauslaſſen aus dem ſiebenteili=
gen
Häuſermonſtrum am Leipziger Platz in Berlin.
In der Zeit nämlich krieg ich regelmäßig ſo’nen ge=
linden
Fieberarfall und verſchmier die wichtigſten Akten=
dogen
. Alſo da Ein ich für all den Krempal ein nbrauch=
t
Alerſe

[ ][  ][ ]

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Wohnungs=Einrichtung

bestehend aus Schlafzimmer in mahagoni poliert, mit 160 cm breitem
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Herrenzimmer Mk. 395 450 545 600 685 795 815 855 u. S. W.
Esszimmer: Mk. 338 400 475 525 650 695 725 885 u. s.w.
Salons:
Mk. 595 715 805 840 910 950 1050 1150 u. S. W.
Küchen:
Mk. 82 115 145 175 195 235 250 275 u. S.W.
Die Besichtigung ist ohne Kaufverpflichtung.
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Dan de biſche göhen und der Beſ auf die hint=
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ſpringt, gehör ich mit meinem Drilling ins Revier!
Das iſt doch auch die geſegnete Zeit, wo der Keiler geſtellt,
der Fuchs mit der Haſenquäke gereizt, der Dachs gegraben
und der Marder eingekreiſt wird!
Alſo ich denke, wenn ich dem Herrn Oberlandforſt=
meiſter
das in wohlgeſetztem Redeſchwung klar mache,
wird er ein Herz in der Bruſt haben und mich den Herbſt
über immer auf Bereiſungen ſchicken.
Und für die Zeit, wo ich weg bin, kann die Giſa bei
meiner Schweſter wohnen, damit ſie ſich in der großen
Wohnung ſo allein nicht grault und vernünftig unterge=
bracht
iſt.
Ueberflüſſig, Herr Forſtmeiſter! ſagte da der junge
Offizier mit all ſeiner pomadigen Ruhe. Ich garantiere,
Sie ſind Schwiegervater längſt bevor die kniffliche Frage
der Bereifung zum erſten Male an Sie herantritt.
Der alte Herr hatte eine unruhige Bewegung ge=
macht
. Es war, wie ein letztes hoffnungsloſes Aufbegeh=
ren
. Dann ſaß er ganz ſtill und bekam vergrübelte
Augen.
Hab ich mir ja denken können, Baron, ſagte er end=
lich
, daß Sie auf dieſe Weiſe die Balanze wiederher=
ſtellen
würden, von der ich vorhin ſprach. Iſt ſchließlich
auch das Nächſtliegende; und ich hab wohl kein Recht mehr,
Ihnen die Giſa abzuſchlagen.
Was anderes iſts ja, wie ich mich mit mir ſelbſt aus=
einanderſetz’
. . . . Sie wiſſen, weswegen Sie damals in
Berlin vergeblich zu mir kamen! Aber das kann Ihnen
ja verdammt gleichgültig ſein wo Sie mich alten Krau=
ter
jetzt doch in den Sand geſetzt haben.
Da berichtete Günter von Oſtheeren von dem Brief,
den er vierundzwanzig Stunden vorher aus Berlin bekom=
nen
hatte; mit kurzen Worten, denn es widerſtrebte ihm,
n Dinge zu rühren, die dem Alten neben ihm fremd
aren und ewig fremd bleiben würden.
Elias Krottenheim aber hörte aufmerkſam zu. Und
ider Jüngere ſchwieg, flog ein Leuchten über ſein Ge=

ſch uie ent uns ein bichin ſein dom ate wer 65
beſtimmt das erſte ſeit langen trüben Wochen.
Nicht mehr viel Worte machen, Günter Oſtheeren,
ſonſt werden wir ſentimental. Jetzt aber drück ich Ihnen
nochmal die Hand . . . ſo! . . . und nicht nur in Dankbar=
keit
und Achtung, ſondern in herzlicher Liebe! Wenn Sie
ſo weitermachen, werden Sie ein Menſch, wie Ihr Vater
. .. und erreichen damit das koſtbarſte, was es für Sie
geben kann!
Sie haben auf der ganzen Linie geſiegt die Giſa
wird wieder Glanz in die müdgewordenen Augen bekom=
men
und ich brauch als alter Kerl vor meiner toten
Frau nun doch nicht die Augen niederzuſchlagen!!
Jetzt aber wollen wir mal ſehen, ob die Ronnsdorffer
Gäule einen Begriff davon haben, wen ſie eigentlich nach
Erlengrund bringen!
Eine Viertelſtunde ſpäter aber ſtanden ſich in dem
Wohnzimmer der Oberförſterei ſchweratmend zwei Men=
ſchen
gegenüber; ſtarrten ſich in die blaſſen Geſichter; ver=
fingen
ſich mit den Blicken ineinander, als hätten Jahre ſie
getrennt.
Giſela Krottenheim lehnte am Türpfoſten die Hände
gegen die ſtürmende Bruſt gepreßt in den Augen ein
glückſeliges Aufleuchten.
Papa iſt oben in meinem Zimmer er hat mir
alles erzählt von heut’ nacht . . . wieviel Du für ihn ge=
tan
haſt . . . und Ihr hättet Euch ausgeſprochen . . . und
wir beide Du und ich . .. der Atem flog; es war ein
hilfloſes Stammeln.
Der Baron von Oſtheeren neigte den Kopf.
Ja, Giſa Du und ich . .. heut und in alle Ewigkeit!
Sie ſchloß die Augen; eine ſüße taumelſelige Mattig=
keit
überfiel ſie; der dumpfe Druck, der all die letzten
Wochen auf ihrer Bruſt gelaſtet, löſte ſich; ein Zittern
durchlief den Körper tiefes, befreiendes Aufatmen.
Wenn Du wüßteſt, wie furchtbar das geweſen iſt die
ganze Zeit, Günter! . . Iinmer hab ich zu Dir gewollt

und hurfe des niat eiſentenige Siahntet
ſir Tas und die endloſen Racht, in denen man grubclt
und denkt und hofft und in die Kiſſen beißt, um nur ganz.
ſtill zu ſein . .
Da zog er ſie an ſich und beugte ſich tief zu ihr hinunter,
Jetzt aber haben wir uns doch gefunden und gehören
zu einander im Guten und im Böſen . .. im Glück und
im Unglück.
Er küßte ſie. Unter ſeinen Lippen zuckte ſie zuſammen
wie unter einem Schlage. Eng neſtelte ſie ſich an ihn unde
warf den Kopf zurück. Eine raſende Lohe ſchlug ihm aus
ihren Augen entgegen.
Sag, daß Du mich liebſt, Günter! ſtammelte ſie in
verzehrender Leidenſchaft. Liebſt Du mich . . . liebſt Du
mich? . . . wirſt Du nie bereuen, daß Du mit mir einen
Weg gehen willſt?
Vor dieſem dunkel flackernden Blick brach ſeine Ruhe
zuſammen. Seine Lippen ſuchten ihr Geſicht, das Haar,
die Hände.
Du . . . raunte er zwiſchen atemloſen Küſſen .
ich will zu jeder Stunde den Tag ſegnen, der uns beide
zuſammengeführt hat! . . . Du ſollſt mir ja die heilige Drei=
einigkeit
der Ehe ſein Weib, Kameradin und Geliebte!
... Du biſt mir Glaube . . . und Zukunft . . , und Ver=
heißung
! . . . Mehr gibt es ja nicht, als Dich zu beſitzen!!
Und flutende Sonnenſtröme im Zimmer und rings
das tiefe, klingende Schweigen des Herbſtmorgens, das
wuchs und wuchs und zu jauchzenden Akkorden anſchwoll,
die ihnen in den Ohren brauſten; im Gehirn hämmerten;
durch die Nerven zitterten.
Sie lag willenlos an ſeiner Bruſt; ſie trank lechzend
das wilde Geflüſter ſeiner Liebe.
Jetzt ſterben! ... dachte ſie in dumpfer Betäubung .
So mitten aus dem Vollen herausgeriſſen werden ver=
ſinken
in dieſem Rauſch erfüllter Sehnſucht! . . . Wer weiß,
ob ſolche Stunde je einmal wiederkehrte! : .
End e=

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Kongreſſe und Verbandstage.

29. Deutſcher Landwirtſchaftlicher
Genoſſenſchaftstag.
Wiesbaden, 18. Juli. Zu Beginn der heu=
gen
Sitzung des 29. Deutſchen Landwirtſchaftlichen Ge=
oſſenſchaftstages
wurde zunächſt beſchloſſen, die Be=
ichnung
Generalanwalt in Zukunft durch den Aus=
uck
Anwalt zu erſetzen. Der Vorſitzende, Landes=
onomierat
Johannſſen=Hannover, gab darauf die geſtern
n Ausſchuß vorgenommenen Wahlen bekannt. Zum
ſten Vorſitzenden wurde gewählt Johannſſen= Han=
over
, zum erſten Stellvertreter Landrat v. Brockhau=
en
=Stettin, zum zweiten ſtellvertretenden Vorſitzenden
utsbeſitzer Landtagsabgeordneter Freiherr v. Freyberg=
etzendorf
, als Mitglieder des Ausſchuſſes Geheimrat Ha=
enſtein
=Bonn und Landesökonomierat Rabe=Hannover;
im Anwalt wurde gewählt der bisherige Generalſekretär
ennes=Darmſtadt.
Hierauf referierte Direktor Fiſcher=München über
as Thema: Einheitliches Bilanzſchema für ländliche
reditgenoſſenſchaften und Zentralkaſſen‟. Der Redner
npfahl folgende Leitſätze: Die Bilanzen der länd=
chen
Kreditgenoſſenſchaften und ihrer Zentralkaſſen ge=
ügen
den durch das Genoſſenſchaftsgeſetz und das Han=
elsgeſetzbuch
gegebenen Vorſchriften. Innerhalb der ein=
elnen
Verbände des Reichsverbandes ſind ſeit langem
inheitliche Bilanzſchemata eingeführt. Um jedoch den
eſtrebungen auf weitergehende Spezialiſierung der Bi=
anzen
im Intereſſe der Beurteilung der Liquidität der
kreditinſtitute Rechnung zu tragen, wird der General=
nwalt
erſucht, das Nötige zu veranlaſſen, damit für die
dreditgenoſſenſchaften und Zentralkaſſen einheitliche
zilanzſchemata ausgearbeitet werden, welche den neueren
lnforderungen entſprechen und zugleich eine eingehendere
Finanzſtatiſtik ermöglichen. Dieſe Leitſätze wurden ein=
immig
angenommen.
Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf die
Frage: Welche Lehren haben die Genoſſenſchaften
us der Geldkriſe der letzten Jahre zu ziehen? Re=
erent
über dieſes Thema war Verbandsdirektor Land=
at
z. D. v. Brockhauſen=Stettin. Er legte eine Reihe von
eitſätzen vor, in denen folgende Forderungen auf=
eſtellt
werden: Bezüglich der Spar= und Darlehenskaſſen:
dieſe ſollen ausſchließlich ihr überflüſſiges Geld bei der
Verbandskaſſe anlegen und nur bei derſelben Bank Kre=
it
nehmen, ferner im weſentlichen einen ähnlichen Kre=
lit
geben, wie ſie ihn ſelbſt in Kontokorrentguthaben, De=
doſiten
= und Spargeldern nehmen, und ſollen dieſe Gel=
der
nicht in Hypotheken feſt anlegen. Des weiteren wird
n den Leitſätzen gefordert, daß die Spar= und Darlehens=
aſſen
ſich auf ihre eigenen Bezirke beſchränken und nicht
rus allen Bezirken Gelder annehmen in einem ſolchen
Imfang und zu einem ſolchen Zinsfuß, daß ihnen die An=
age
der Gelder in ihrem eigenen Bezirk und bei der Ver=
zandskaſſe
mit einem angemeſſenen Nutzen unmöglich
vird; außerdem ſollen die Spar= und Darlehenskaſſen
jenügend Liquidität erhalten, indem ſie zur Deckung ihrer
äglich fälligen Verbindlichkeiten ein angemeſſenes, täglich
bhebbares Guthaben bei der Verbandskaſſe haben. Für
ie Verbandskaſſen wird verlangt, daß ſie den angeſchloſ=
enen
Spar= und Darlehenskaſſen einen Zinsfuß ge=
oähren
, der dieſen die Möglichkeit gibt, die überſchüſſi=
gen
Gelder dort anzulegen, ferner, daß ſie zur Deckung
er auf tägliche Kündigung angenommenen Krankengel=
er
ausreichende Beſtände in Bankguthaben, Wechſeln und
ombardfähigen Wertpapieren beſitzen und mit den Revi=
ionsverbänden
in enger Fühlung ſtehen. Bezüglich der
Reviſionsverbände fordern die Leitſätze, daß durch Inſtruk=
ionskurſe
uſw. die Organe der Genoſſenſchaften auf die
durchführung der zur Sicherung notwendigen Maßnah=
nen
hinweiſen, daß die Abſtellung von Mißſtänden in
den einzelnen Genoſſenſchaften mit Energie betrieben und
jegebenenfalls Ausſchluß der einzelnen Genoſſenſchaften
lus dem Verbande veranlaßt werde. Der Referent gab
ann einen Ueberblick über die letzten Geldkriſen. Nach
iner kurzen Diskuſſion wurden die Leitſätze ange=
iommen
.
An letzter Stelle ſprach Generalſekretär Gennes=
darmſtadt
über: Urſachen genoſſenſchaftlicher
Mißerfolge‟ Der Referent erblickt die Urſachen der

Mißerfolge einzelner Genoſſenſchaften zunächſt einmal in
dem Verſagen der Verwaltungsorgane, in einer zu gro=
zen
Vertrauensſeligkeit der Aufſichtsratsmitglieder, in der
undurchführbaren und ausſichtsloſen Sanierung notleiden=
der
Genoſſenſchaften, in der Feſtlegung von Geldern in
unſicheren induſtriellen Werten und in der allzu großen
Vorſicht bei der Feſtſtellung von Fehlern. Aus dieſen
und ähnlichen Gründen ſind im verfloſſenen Jahre
ſchmerzliche Verluſte eingetreten, und es wird ſich empfeh=
len
, von den Fehlern zu lernen. Ein Hauptgrund für
Mißerfolge iſt auch der, daß die Genoſſenſchaften die alten
genoſſenſchaftlichen Grundſätze verlaſſen haben und vor
allem den Grundſatz, daß die Genoſſenſchaften lediglich
in ihren Bezirken arbeiten ſollen. Wir wollen unſere
Mißerfolge nicht verdecken, ſondern ſie in der Oeffentlich=
eit
beſprechen. Wenn man von dem Großherzogtum
Heſſen abſieht, muß man feſtſtellen, daß unſere ländlichen
Kreditgenoſſenſchaften in allen Bezirken nicht rückwärts=
gehen
, ſondern nach jeder Richtung hin vorwärts=
ſchreiten
. Der Niederbruch der Kaſſe von Nieder=Modau
iſt in erſter Linie darauf zurückzuführen, daß ſie ihr Tätig=
keitsfeld
über ihren Bezirk hinaus ausgedehnt hat. Es
iſt eine Unterbilanz von 1,6 Millionen vorhanden ge=
weſen
. Da dieſe Summe aus der Haftpflicht der Mit=
glieder
nicht aufgebracht werden kann, werden die Gläu=
biger
mit einem Ausfall von 50 Prozent rechnen müſſen.
Die Arbeit der Kaſſe erſtreckte ſich über die ganze Provinz
Starkenburg; wenn jemand in Heſſen kein Geld bekom=
men
konnte, ging er nach Nieder=Modau, da bekam er es
ſicher. Auch die Buchführung war mangelhaft, Bilan=
zen
wurden nicht gezogen und ſchließlich kam es zu den
Fälſchungen, die ihrem Urheber mehrjährige Zucht=
hausſtrafe
eintrugen. Hätte die Kaſſe ihre Geſchäfte auf
den Bezirk Nieder=Modau beſchränkt, dann wäre ein ſol=
ches
Ergebnis ausgeblieben. Wir müſſen daher ſorgen,
daß die genoſſenſchaftliche Entwickelung in geſunden
Bahnen bleibt. Die Kreditgewährung von ſeiten der
Vorſtandsmitglieder muß ſorgfältig geprüft werden. Alles
in allem reſumiert der Redner dahin, daß die genoſſen=
ſchaftliche
Entwickelung ſich auf geſunden Bahnen be=
wege
.
Die Tagesordnung war damit erſchöpft und die Ver=
ſammlung
wurde vom Vorſitzenden mit Dankesworten an
die Mitglieder geſchloſſen.

Sport, Spiel und Turnen.

Keglerfeſt in Frankfurt. Von den zirka 63 Verbän=
den
des Deutſchen Keglerbundes haben eine
große Anzahl ihr Erſcheinen zu dem Feſte zugeſagt und
ſo wird ſich auf dem Feſthallengelände ein Leben und
Treiben entwickeln, welches lebhaft an das Turn= und
Schützenfeſt in ſeinen Darbietungen erinnert. In den
nächſten Tagen werden die künſtleriſch ausgeführten Pla=
kate
überall zu ſehen ſein. Die Bannerweihe der
Kegler=Vereinigung, verbunden mit großem Ehren=, Mei=
ſterſchafts
= und Geldpreiskegeln in den Tagen vom 9. bis
13. Auguſt d. J. wird ſich etwa wie folgt geſtalten: Sams=
tag
, den 9. Auguſt: Empfang der auswärtigen Gäſte an
den Bahnhöfen. Abends Feſtkommers in der Bayeriſchen
Bierhalle auf dem Feſtplatz. Sonntag: Vormittags
Bannerwagenzug durch die Stadt nach dem Feſtplatz, an=
ſchließend
Bannerweihe durch den Bundesvorſitzenden,
Herrn O. Thomas, hierauf Beginn des Preiskegelns.
Nachmittags Feſteſſen. Montag, Dienstag, Mittwoch iſt
Preiskegeln auf allen Bahnen. Mittwoch iſt Schluß=
kommers
und Siegerverkündigung.
sr. Das Kriegsminiſterium und die Olympiſchen Spiele
in Berlin. Im Anſchluß an den jüngſt veröffentlichten
Erlaß des Kaiſers über die Teilnahme von Militär an
der ſechſten Olympiade ſollen, wie verlautet, im Herbſt
in jedem Armeekorpsmoderne Fünfkämpfe
für Offiziere zum Austrage gelangen. Die Beſten
aus dieſen Wettkämpfen ſollen dann im nächſten Jahre
nach Berlin zur Militär=Turnanſtalt komman=
diert
werden. Der moderne Fünfkampf wurde zum
erſten Male bei den vorjährigen Olympiſchen Spielen in
Stockholm ausgeführt. Die Konkurrenz umfaßte folgende
Sportzweige: 1. Duellſchießen auf 25 Meter (20 Schüſſe
in vier Serien von je fünf Schüſſen; zwei Probeſchüſſe.
Ziele: volle Mannſcheibe, in Zonen geteilt, 1,70 Meter
hoch; Schießzeit: drei Minuten, 10 Sekunden zwiſchen
jedem Schuß. Waffe: Beliebiger Revolver oder Piſtole
mit offenem Viſier und Korn). 2. Schwimmen, 300 Meter.
3. Degenfechten. 4. Einzelreiten auf einer im Terrain
markierten Bahn von höchſtens 5000 Meter. 5. Querfeld=
einlaufen
, zirka 4000 Meter. Dieſe Konkurrenz mit dem
Wanderpreiſe des Barons de Coubertin, des Wieder=

erweckers der Olympiſchen Spiele, wurde von dem Schwe=
den
G. M. Lilliehöök vor ſeinen beiden Landsleuten K. G.
Asbrink und G. P. F. de Laval gewonnen. Deutſchland
ſpielte damals leider keine Rolle. Nicht zu verwechſeln
mit dem modernen Fünfkampf iſt die ausſchließlich zu
Pferde ausgetragene Military=Konkurrenz
sr. Pferdeſport. Die Eclipſe=Stakes eines
der drei 200000 Mark=Rennen Englands, kam am Frei=
tag
in Sandown Park zur Entſcheidung. Bei der Ueber=
legenheit
des als heißer Favorit ſtartenden Tracery be=
warben
ſich nur ſieben Pferde um den reichen Preis. Mr.
Belmonts Tracery ſtartete als heißer Favorit und ge=
wann
auch überlegen mit drei Längen gegen Quantock,
während eine Länge zurück Bachelors Wedding als Drit=
ter
folgte. Wetten 211.
sr. Um den Davis=Cup. Die Kämpfe um die be=
rühmte
Lawn=Tennis=Trophäe bei denen
Deutſchland in der Zwiſchenrunde gegen Amerika aus=
ſchied
, ſind jetzt bis zur Schlußrunde zwiſchen
Kanada und Amerika gediehen. Der Sieger aus
dieſer Begegnung ſpielt dann die Herausforderungsrunde
gegen den Verteidiger des Davis=Pokals England. In
London ſiegte am Freitag in dem erſten der vier Herren=
Einzelſpiele der Amerikaner Williams gegen Schwengers=
Kanada 644 622 614 und Me. Loughlin=Powell 10:8
611 64.

Der Säugling und die Hitze.

* Mit dem Wiederbeginn der Hitze ſtellen ſich alljähr=
lich
die gefährlichen Brechdurchfälle bei Kindern im 1.
Lebensjahr ein, und es iſt für jede Mutter außerordentlich
wichtig zu wiſſen wie dem vorgebeugt werden kann. In
allen Orten mit Beratungsſtellen der Gr. Zen=
trale
für Mutter= und Säuglingsfürſorge
iſt es den Müttern natürlich ſehr erleichtert, ihre Kinder
davor zu bewahren, denn die ärztlichen Leiter der Mutter=
beratungsſtellen
geben ihnen eingehenden Rat und laſſen
durch ſorgfältiges Wiegen feſtſtellen, ob die Kinder bei der
von ihnen angegebenen Ernährungsweiſe auch richtig ge=
deihen
. Nur müſſen die Mütter nicht verſäumen, recht=
zeitig
und ſo oft es der Arzt fordert, zu kommen. Die
Aerzte weiſen vor allem immer wieder darauf hin, daß
durch das Stillen am beſten den Brechdurchfällen vorge=
beugt
werden kann, denn die geſtillten Kinder bekommen
ihre Nahrung vollkommen keimfrei, während jede unnatür=
liche
Nahrung durch die Hitze leicht verdorben wird. Das
Abſtillen oder Entwöhnen des Säuglings darf beſonders
während der heißen Zeit nur auf Anordnung des Arztes
unternommen werden. Verordnet der Arzt Tiermilch, ſo
iſt dieſe in heißen Tagen mit ganz beſonderer Sorgfalt zu
behandeln. Sie wird, ſobald ſie im Hauſe iſt, abgekocht
und nach dem Kochen ſofort in kaltem Waſſer oder mit
Eis abgekühlt. Die Flaſchen und Sauger reinigt man
mit beſonderer Sorgfalt, denn jeder kleine Milchreſt, der
dem Auge nicht ſichtbar zurückgeblieben iſt, kann eine
ſchwere Ernährungsſtörung des Kindes hervorrufen. Das
Bettchen des Kindes ſoll während der Hitze an einem küh=
len
, luftigen Ort ſtehen, die Fenſterläden und Vorhänge
dürfen nur abends, während der Nacht und beſonders in
den kühlen Morgenſtunden geöffnet ſein. Zu warmes
Einpacken kann bei ſehr großer Hitze gefährliche Erkrank=
ungen
hervorrufen; ebenſo ſchädlich ſind Federbetten. Am
beſten deckt man das nur mit Hemd, Jäckchen und leichten
Windeln, ohne Wickelband, bekleidete Kind nur mit einer
dünnen Molton= oder Wolldecke zu. Tagsüber kann man
auch dieſe noch wegnehmen und den Säugling möglichſt
unbekleidet ſtrampeln laſſen, doch hüte man ihn dann vor
Zugluft. Wo es viele Fliegen und Mücken gibt, bedecke
man das Bettchen beſonders im Freien mit einer ganz
dünnen Gaze. Mehrmaliges tägliches Aufwaſchen des
Fußbodens kühlt die Zimmerluft ab auch ſoll man die
Kinder öfters während des Tages mit lauwarmem Waſſer
abwaſchen. Der Kinderwagen ſollte nicht mit Wachstuch
ausgeſchlagen ſein, nur mit leichtem, waſchbarem Stoff,
denn Wachstuch und Leder halten die Hitze im engen Wa=
genraum
zuſammen und verhindern dadurch die Hautaus=
dünſtung
. Das Wagendach muß ganz zurückgeſchlagen ſein,
aber das Köpfchen vor den Sonnenſtrahlen geſchützt wer=
den
. Wo keine Beratungsſtelle eingerichtet iſt, darf die
Mutter jetzt nicht verſäumen, bei der leiſeſten Veränderung
im Befinden ihres Kindes gleich den Arzt zu fragen, denn
in ſehr vielen Fällen iſt nur bei rechtzeitiger Behandlung
Heilung möglich; verſucht die Mutter erſt alle erdenklichen
Hausmittelchen, iſt es oft ſchon zu ſpät und der Liebling
nicht mehr zu retten. Bei vorſichtiger, reinlicher Pflege
brauchen wir auch die Hitzſchläge nicht zu fürchten, denen
im Jahre 1911 ſo viele Kinder zum Opfer fielen.

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125. 135. 195. 230. Preis 85. 90. 145. 154.

Talisch Schiras Beschir
Grösse 105/260 80/300 100/325 90/320
früherer Preis
115. 140. 160. 158.
herabgesetzter Preis 75. 105.- 114. 117.-

Kleine persische Ware.

Vorlagen. Verbindungsstücke. Kleinere Zimmerteppiche.

Hamedan-Anatol
Grösse 56/112 28/100 75/145
früherer Preis 27. 30. 34.
herabges. Preis 19.50 21. 23.75

Kendje- Bergamo
Gröse 80120 90/190 215/175 105/200
früh. Preis 35. 45. 65.
93.
herabg. Pr. 25.50 32. 49. 76.

Karabagh, Mossul, Shirwan, Afghan
Grösse 85/130 95/105 95/135 95/120
früh. Preis 39. 56. 60. 68.
herabg. Pr. 27.50 39.50 44.50 49.50

Kassak Serabent Belondjistan
Grösse 90/150 105/125 110/210 130/200
92.
fr. Preis 42. 50.
115.
herabg. Pr. 29. 35. 70. 84.

Jamouth-Bochara
feinste persische Knüpfarbeit glanzreiche Qualitäten
Grösse 115/165 110/145 130/160

me
früherer Preis
herabgesetzter Preis 84.

Mnche e
149. 155.

Kabistan Beschir
denkbar feinste persische Knüpfarbeit, hervorragend
schöne Exemplare.
Grösse 120/190 140/200. 120/205
14. 145. 15. Preis
herabgesetzter Preis 106. 112. 130.

Seiden Gebet-Teppiche
für Dekorationen und Tischüberwurf
Grösse 120/180 125 125/180 130/185 155/225
rund
früher. Preis 185. 225.
0. 275. 400.
herabges. Preis 75. 185. 196. 218. 275.

Echte Kelims
für Dekorationen und Divandecken
Grösse 140/290 145/460 155/340 140/380
früherer Preis 64. 85. 98. 126.
herabges. Preis 50. 63. 70. 97.

Echte Kelim-Tischdecken
früherer Preis 35. 45. 49.
herabgeset. Preis 25.50 31. 34.

Foyer. Kelims
früherer Preis 83.
herabgesetzter Preis 54.

Sinneh-Tischdecken
früherer Preis 78. 114.
herabgesetzter Preis 54. 85.

früherer Preis
As für Bekorationen herabgesetzter Preis 13.25 herabgesetzter Preis

5streifig 150/300

früherer Preis


Echt orientalische, japanische und chinesische Stickereien
darunter antike seltene Exemplare.

6streifig 165/385
34
27.

Armenische Brokat-Stickereien
Kissenplatten und kleinere Deckchen
früherer Preis 4.50 7.50 9.50
herabgesetzter Preis 3.25 4.50 7.50
Grössere Tischdecken
38.
früherer Preis 32.
herabgesetzter Preis 24.75 28. Türkische Seilenbrohat Slickereien
Kleinere Decken, Läufer, Kissenplatten etc.
früherer Preis 6.75 7.25 9. 11.50
herabgesetzter Preis 3.75 4.50 6. 7.50
Grössere Tischdecken früh. Preis 28. 49.50
herabgesetzter Preis 21. 36.75 Türkisehe Seldlengase-Sückereien
Kleinere Decken Grosse Decken
früherer Preis 39.
früherer Preis 1250
herabges. Preis 7.50 herabges. Preis 24.
früherer Preis 18.75 21. 43.
Läufer herabges. Preis 12.75 15. 22.50 Cüimesische Sellenleinenstickereien
Grössere Decken
früherer Preis 6.75 9. 14.
herabgesetzter Preis 4.50 6. 9. Indische Druckdecken
früherer Preis 1.75 3. 4. 6.50
herabgesetzter Preis 1.45 2.50 3.25 4.95 eüberer Prit. 1570
Samarrand.
herabgesetzter Preis 12.75
Deckchen
Grosse Malatia- früherer Preis 39. 75.
herabges. Preis 28. 55.
Decken Chinesische Seidenstickereien
feinste kunstvollste Handarbeit
Kleinere Deckchen
7.50
6.75 5.50
früherer Preis
. 2.25 3. 4.50
herabgesetzter Preis Moenentreten
1250 18.
früherer Preis
9. 13.50 18.
herabgesetzter Preis
Eisdeckchen
. per Stück 55
früherer Preis
herabgesetzter Preis . . . per Stück 30 A5 Seidene Kopf- und Schulter-Chales
mit feinster seiden Handstickerei
22.50 30. 52. Preis
. 15. 21. 30.
herabgesetzter Preis
24.
früherer Preis
15.-
9. 12.-
Kimonos herabgesetzster Preis

Japanische Korbchen, Bambus-Rohrgeflecht 2.25

6.50
3.

1950
4.50 9.

für interessenten und Lieblaber bieie leh mit angeseigtem Varkauf eine seiten günstige Gelegenhel. Bel sofortiger Kase-Zallung gewähre auch
auf die angezeigten Preise den üblichen Skonto von drei Prozent.
In meinem Ausstellungs-Erker Elisabethen- Ecke Zimmerstrasse, findet sich eine kleine Auslese der oben bezeichneten echt orientalischen und per-
*4523d
sischen Erzeugnisse, mit deutlich lesbaren Preisen verséhen, vereinigt.