Inſerate
Abonnementspreis
176. Jahrgang
werden angenommen in Darmſtadt,
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
wärts nehmen die Poſtämter u. die
Agen=
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl. verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage: ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
In der geſtrigen
Stadtverordnetenverſamm=
lung wurde mitgeteilt, daß, nachdem die
Heeresver=
waltung den Bedingungen der Stadt für die
Er=
richtung einer Luftſchiffer= und
Funker=
kaſerne zugeſtimmt hat, mit den Arbeiten für den
Kaſernenbau in den nächſten Wochen begonnen
wer=
den kann.
Das Militärluftſchiff Schütte=Lanz riß ſich
bei Schneidemühl geſtern von ſeiner Verankerung los
und trieb führerlos ab, ging aber ſpäter in der Nähe
des Dorfes Erpel nieder. Ein Soldat kam bei dem
Unfall ums Leben. Das Gerippe des Schiffes
iſt zerbrochen.
Aus dem Wrack des Torpedobootes „S. 178"
wurden 16 Leichen geborgen. Die Trauerfeier findet
am 18. Juli ſtatt.
IIn der Schwefelgrube San Giovanello bei
Caſtel=
termini brach Feuer aus. 23 Mann ſollen
umgekom=
men ſein.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6 und 7.
Neue Unruhen in China.
— Nicht genug der Wirren im näheren Orient,
mel=
det ſich auch jetzt Oſtaſien mit drohenden
Verwick=
lungen. Seit dem Sturze der
Mandſchu=
dynaſtie und der Schaffung der famoſen kaiſerlichen
Re=
publik iſt man dort nicht mehr zur Ruhe gekommen, alles
geht drunter und drüber, eine wirkliche
Regierungsauto=
rität gibt es überhaupt nicht. Handel und Wandel liegen
darnieder, alle Entwicklung ſtockt, und Unruhen in den
einzelnen Provinzen ſind an der Tagesordnung. Dazu
flammt jetzt der alte Gegenſatz zwiſchen Nord und Süd
wieder auf. In der Provinz Kiangſi iſt es bereits
zu blutigen Kämpfen zwiſchen den aus dem Norden und
den aus dem Süden ſtammenden Truppen gekommen,
und die Dinge haben ſich ſo zugeſpitzt, daß man den
Ausbruch einer neuen großen Revolution
befürchtet.
Aber nicht genug damit, treten jetzt noch äußere
Sor=
gen hinzu. Die Gefahr kommt von Rußland, das
unerwartet hinſichtlich des Mongolei=Abkommens
mit neuen ſcharfen Forderungen herantritt. Rußland hat
einfach das unmittelbar vor dem Abſchluß ſtehende
Ab=
kommen für null und nichtig erklärt, obwohl bereits die
chineſiſche Regierung, ſowie das Repräſentantenhaus ihre
Zuſtimmung gegeben hatten. Rußland macht plötzlich
neue Vorſchläge, die von den Chineſen als ungemein
harte Bedingungen empfunden werden. In dieſen wird
die volle Autonomie der äußeren Mongolei feſtgeſetzt,
in=
dem China auf die Rolle des Suzeräns herabgedrückt
wird; des weiteren wird es gezwungen, die ruſſiſche
Ver=
mittelung anzunehmen und alle Rechte anzuerkennen, die
durch das Abkommen und durch das Protokoll vom
No=
vember vorigen Jahres den Ruſſen zugeſtanden worden
ſind, ferner werden durch dieſe Vorſchläge die Rechte
der ruſſiſchen Untertanen und Händler in der Mongolei
feſtgeſetzt. Es iſt begreiflich, daß dieſe neuen ruſſiſchen
Bedingungen lebhafte Aufregung bei den Chineſen
her=
vorrufen und daß gegen ſie ſcharfer Widerſpruch laut
wird. Das ruſſiſche Vorgehen iſt wenig verſtändlich; es
kann ſich nur darum handeln, daß Rußland die inneren
Wirren Chinas ausnutzen will, um ſich infolge dieſer
günſtigen Gelegenheit größere Vorteile zu verſchaffen.
Dadurch wird die Situation im fernen Oſten
unge=
mein verſchärft, (zumal unter dieſen Umſtänden vielleicht
noch andere Mächte auf dem Plane erſcheinen, denen eine
Machtverſtärkung Rußlands in Oſtaſien nicht
ange=
nehm ſein kann. In erſter Linie käme hierbei Japan
in Betracht, das jetzt auf dem aſiatiſchen Feſtlande ſelbſt
große Intereſſen hat und ſeinerſeits zweifellos danach
trachtet, auch in der Mandſchurei feſten Fuß zu faſſen,
uim dort den Handel an ſich zu reißen. Ein abermaliger
Zuſammenſtoß zwiſchen Japan und Rußland ſteht unter
olchen Umſtänden keineswegs außerhalb des Bereiches
der Möglichkeit, und wer weiß, ob es nicht bald zu einer
Wiederaufrollung der oſtaſiatiſchen Frage kommt.
Wie gemeldet worden iſt, beabſichtigen die Städte
Liangſi, Kiangſu, Kwangſi, Fukien, Can=
ton, Szetſchuan, Hunan und Anhui ihre
Unab=
hängigkeit zu erklären; einige von ihnen taten dies
be=
reits in vorſichtiger Form. Viele Nordtruppen ſind nach
Kiangſi abgegangen, wo der Kampf noch andauert,
augen=
ſcheinlich ohne Entſcheidung. Die Haltung der
Ja=
paner ruſt bittere Kommentare hervor. Die Chineſen
glauben, daß die Japaner überall Hader erregen. Die
Anweſenheit japaniſcher Offiziere im Lage der Rebellen
gibt der Annahme Farbe, während die Tatſache, daß
ja=
paniſche Kanonenboote in der Gefechtszone vor Anker
liegen, zu einem Proteſt des Vizepräſidenten
Liyuan=
hung führte. Die Südtruppen erklären öffentlich, ſie
er=
hielten die Zuſicherungen japaniſche Hilfe betreffend. Die
chineſiſchen Blätter fordern die amtliche Erklärung
be=
züglich der angeblichen Rede des zum japaniſchen
Ge=
ſandten in Peking ernannten japaniſchen Diplomaten
Yamaza, in welcher die Verwaltung Juanſchikais
kriti=
ſiert wird. Die japaniſche Gefandtſchaft iſt der Anſicht,
daß Yamaza falſch zitiert ſei, und beſtreitet, daß den
Re=
bellen von den Japanern offiziell eine Unterſtützung
ge=
währt wird oder daß ſonſt irgendwie die Neutralität
ver=
letzt worden ſei.
Boykottveröffentlichung und
Boykottpoſtenſtehen.
* Ein beachtenswertes Urteil hat das
Elberfel=
der Landgericht in der Frage des Boykotts
ge=
fällt. Anläßlich eines Tarifſtreits im Solinger
Schuh=
machergewerbe verhängte das Gewerkſchaftskartell über
eine Reihe von Schuhmachermeiſtern den Boykott, und
veröffentlichte die Namen der boykottierten Meiſter ſowohl
in der ſozialdemokratiſchen Preſſe wie durch Flugblätter.
Vor den Geſchäften der boykottierten Meiſter wurde ein
Boykottpoſtendienſt unterhalten. Die boykottierten
Mei=
ſter erwirkten eine einſtweilige Verfügung vom
Landge=
richt Elberfeld, wonach bei Geldſtrafe bis 1500 Mark oder
Haftſtrafe bis zu ſechs Monaten die Veröffentlichung von
Boykotterklärungen durch Zeitungsinſerate und
Flugblät=
ter unterſagt und der Boykottpoſtendienſt verboten wurde.
In der für weitere Kreiſe intereſſanten
Urteilsbe=
gründung wird u. a. ausgeführt:
Der Boykott kann, wie das Reichsgericht wiederholt
ausgeführt hat, dann unerlaubt und widerrechtlich
wer=
den, wenn zu ſeiner Durchführung Mittel angewandt
werden, die gegen die guten Sitten verſtoßen, das iſt u. a.
zu erachten, wenn in den öffentlichen Kundgebungen, in
der Preſſe oder ſonſtigen Druckſchriften der Sachverhalt
nicht wahrheitsgemäß ſo dargelegt wird, daß, ſoweit es
ſich nicht um allgemein bekannte Verhältniſſe handelt, das
Publikum in die Lage verſetzt wird, ſich ein eigenes
Ur=
teil in der Sache zu bilden, um danach ſein Verhalten
ein=
zurichten Gegen dieſe vom Reichsgericht aufgeſtellten
Grundſätze hat das Gewerkſchaftskartell in Solingen und
Umgegend bei den Veröffentlichungen, betreffend die
Ver=
hängung des Bohlotts über die Antragſteller verſtoßen.
Das Boykottpoſtenſtehen unterſcheidet ſich, wie
das Reichsgericht in der Entſcheidung Bd. 76, Seite 35 ff.,
näher ausgeführt hat, weſentlich von dem
Streikpoſten=
ſtehen. Deshalb kommen die Grundſätze, die für
Streik=
poſten gelten, nicht ohne weiteres für Bohkotpoſten in
Be=
tracht. Die Streikpoſten wenden ſich nur an einen
beſtimm=
ten Perſonenkreis, nämlich an die einem beſtimmten
Er=
werbszweig angehörigen Arbeitswilligen. Die
Bohkott=
poſten hingegen wenden ſich an das große Publikum. Sie
pflegen ſich mit ihren Mitteilungen von Verhängung des
Boykotts an jeden zu wenden, der in dem boykottierten
Geſchäft kaufen will. Damit iſt wie das Reichsgericht
ausgeführt hat, faſt unvermeidlich eine Beläſtigung des
Geſamtpublikums verknüpft. Im vorliegenden Falle hätte
zur Bekanntmachung des Boykotts über die Geſchäfte der
Antragſteller, falls ider Boykott ſelbſt kein widerrechtlicher
geweſen wäre, die Veröffentlichung durch die Preſſe
voll=
kommen genügt. Tatſächlich iſt aber, wie aus den von
den Antragſtellern vorgelegten eidesſtattlichen
Verſiche=
rungen hervorgeht, wochenlang vor den Geſchäften der
Antragſteller teilweiſe beſtändig, teilweiſe an den
Sams=
tagen, ein Boykottpoſtendienſt unterhalten worden, indem
zwei oder drei bezw. ſogar vier bis fünf Poſten vor den
Geſchäften der beiden Antragſteller ſich aufgehalten,
Per=
ſonen von dem Betreten (der Geſchäfte zurückgehalten und
zurückgerufen und gemeinſchaftlich auf ſie eingeredet
ha=
ben, um ſie davon abzuhalten, im Geſchäft der
Antrag=
ſteller zu kaufen. Auch ſind die Schaufenſter dieſer
An=
tragſteller mit Fluablättern beklebt worden. Ein ſolches
Verhalten bildet ſchon nach der Zahl und dem
geſchilder=
ten Auftreten der Poſten eine Einſchüchterung für das
Publikum, da viele Perſonen es vermeiden werden,
über=
haupt durch die Straßen zu gehen, in welchen ſich die
Ge=
ſchäfte der Antragſteller befinden, um nicht durch den
Boy=
kottpoſten behelligt zu werden und ſich
Unannehmlichkei=
ten auszuſetzen. Der Boykottpoſtendienſt iſt deshalb
ab=
geſehen davon, daß er vorliegend überhaupt
widerrecht=
lich iſt, in der gehandhabten Form ſittenwidrig und
ver=
ſtößt gegen § 826 des Bürgerlichen Geſetzbuches. Da er
ferner auch einen unmittelbaren Eingriff in den
Geſchäfts=
betrieb der Antragſteller enthält, ſo iſt er auch inſofern
gemäß § 823 Abſatz 1 des Bürgerlichen Geſetzbuches
widerrechtlich.
Deutſches Reich.
— § 8 des Verſicherungsgeſetzes. Die
Be=
kanntmachungen über die Ausführung des § 8 des
Ver=
ſicherungsgeſetzes für Angeſtellte ſind nunmehr amtlich
veröffentlicht worden. Verſicherungsfrei bleiben
da=
nach: Vorübergehende Dienſtleiſtungen als
Handlungs=
gehilfe, Gehilfen in Apotheken, Bühnen= und
Orcheſtermit=
glieder, wenn ſie a) von Perſonen, die überhaupt
berufs=
mäßig keine die Verſicherungspflicht begründende
Beſchäf=
tigung ausüben, nur gelegentlich, insbeſondere zur
ge=
legentlichen Aushilfe ausgeführt werden; b) von
Per=
ſonen, die ſonſt berufsmäßig keine die Verſicherungspflicht
begründende Beſchäftigung ausüben, zwar in
regelmäßi=
ger Wiederkehr, aber nur vorübergehend und gegen ein
geringfügiges Entgelt ausgeführt werden.
Die Wahl in Zauch=Belzig. Die
Nord=
deutſche Allgemeine Zeitung ſchreibt: Einigen Blättern
fiel es auf, daß wir in unſeren letzten Rückblicken über
die innere Politik den ſozialdemokratiſchen Wahlſieg
Zauch=Belzig nur ſtatiſtiſch behandelt haben und nicht
ausdrücklich bedauerten. Unſer Blatt bekämpft ſeit
Jahr=
zehnten ununterbrochen und ohne Schwanken die
Sozial=
demokratie. Wir hörten auch nie auf, die
Wahlunter=
ſtützung zu bekämpfen, die der Freiſinn in ſteigendem
Maße der Sozialdemokratie zuteil werden läßt. Da wir
das Wahlergebnis ebenſo bedauern, wie die der
Sozial=
demokratie gewährte Hilfe, und ebenſo mißbilligen wie
die geſamte bürgerliche Preſſe, ſoweit ſie ſich nicht im
Schlepptau der Sozialdemokratie bewegt, ſo iſt es
ſelbſt=
verſtändlich, daß diejenigen, die uns Kühle oder ſogar
zweideutige Haltung vorwerfen, ein ganz müßiges
Ge=
ſchäft betreiben. — Die Stichwahlparole, die die
Partei=
leitung der Fortſchrittlichen Volkspartei im
Reichstags=
wahlkreiſe Zauch=Belzig=Jüterbog erlaſſen hat, wird vom
Grafen Hoensbroech in einem an den Vorſtand der
Par=
tei gerichteten Briefe wie folgt beurteilt:
Als Mitglied der Fortſchrittlichen Volkspartei, deren
Daſein nur Berechtigung hat, wenn von deutſch=
vater=
ländiſchem Geiſte getragen, und als Liberaler, der, um in
religiöſer, politiſcher und kultureller Beziehung zu einer
liberalen Weltanſchauung zu gelangen, mehr und größere
Opfer gebracht hat, als Sie alle zuſammen, erhebe ich
öffentlich Einſpruch gegen die ſchwere Schädigung
vater=
ländiſcher und liberaler Intereſſen, gegen dies würdeloſe
und kurzſichtige, auf ſchalen Opportunismus eingeſtellte
Verhalten. Sie bringen unſere Partei und den
Libera=
lismus überhaupt in Verruf bei den übrigen bürgerlichen
Parteien und darüber hinaus bei allen
Vaterlandsfreun=
den und Anhängern eines ernſten, grundſabztreuen und
zielbewußten Liberalismus. Die Erkenntnis, daß auch
„Taktik” von Grundſätzen geleitet ſein muß, und daß eine
„Taktik”, die das Vaterländiſche außer Acht läßt, weder
dauernd erfolgreich noch wahrhaft liberal iſt, iſt Ihnen
abhanden gekommen. Sie führen damit die Partei auf
den Weg des Verderbens. Wie hypnotiſiert von dem
Rufe: „Nieder mit der Reaktion” (gewiß muß ſie
nieder=
gerungen werden), ſehen Sie nicht, daß der „Genoſſe”, um
deſſen Gunſt Sie betteln, die Schlinge bereit hält, auch
unſere Parkei zu erdroffeln.
— Zentrum und Konſervative. Die
Zen=
trumspreſſe erklärt den Verluſt zweier Mandate der
Kon=
ſervativen für die Folge der konſervativen Iſolierung
und weiſt darauf hin, daß die Konſervativen durch ihr
Schmollen — die Zollmehrheit ſchwächen! So ſchreibt
die Kölniſche Volkszeitung: „Die Linke im Reichstag iſt
alſo durch die Nachwahlen dieſer Woche um zwei
Stim=
men verſtärkt worden, die den Konſervativen und der
Reichspartei verloren gehen; eine weitere Mahnung für
die Rechte, nicht eine unfruchtbare Politik des
Schmoll=
winkels zu befolgen. Die Gefahr einer Verſchlechterung
unſeres Zollſchutzes wächſt mit jedem weiteren Mandat
der Sozialdemokratie und des Linksliberalismus. Jeder
überzeugte Anhänger eines wirkſamen Schutzes der
na=
tionalen Arbeit im Gewerbe und Landwirtſchaft muß
da=
her wünſchen, daß die Ausſichten einer hinreichend
ſtar=
kken Schutzzollmehrheit aus der Rechten und den Parteien
der Mitte nicht durch eine nutzloſe Verärgerungspolitik
der Konſervativen geſchwächt werden.”
— Ein neues Preßunternehmen der
Berliner Richtung im Zentrum? Von wohl
unterrichteter Seite wird einem Nachrichtenbureau in
Köln aus Berlin geſchrieben: Es war von jeher das
Streben der Berliner Richtung, durch eine große,
weit=
verbreitete Tagespreſſe vor allem im Weſten publiziſtiſchen
Einfluß zu gewinnen. Aus Kreiſen, die es wiſſen
kön=
nen, wird erzählt, daß dem Nachfolger des Kardinals
Fiſcher alsbald nach ſeiner Wahl von einflußreicher Seite
ein Kapital von ½ Million Mark zur Verfügung geſtellt
wurde, um ein Konkurrenzunternehmen gegen die
Köl=
niſche Volkszeitung ins Leben zu rufen. Was damals nicht
gelingen wolkte, ſcheint ſich jetzt zu verwirklichen. Mit dem
1. Oktober ds. Js. geht nämlich der in Aachen erſcheinende
Volksfreund, eines der beſtrentierenden Zentrumsblätter,
in den Beſitz einer Geſellſchaft über, die in Berlin ihren
Sitz hat. Der Kaufpreis beträgt eine Million Mark. Die
Verkaufsverhandlungen wurden in aller Stille mit
größ=
ter Vorſicht ausgeführt. Als Repräſentant des Verlags
wird ein Aachener Rechtsanwalt in die Erſcheinung
tre=
ten, der ſich bisher bei der Zentrumspartei betätigt hat,
und die Aachener Zentrumsgetreuen ſollen die Kaſſen der=
„Berliner” Kapitaliſten füllen — „Berliner” nämlich in
politiſchem Sinne. Hinter dieſer finanziellen Transaktion
ſteht auch das Kapital derer von Oppersdorff. Es iſt
auch der Gedanke bereits erwogen worden, beſſer geſagt,
er hat ſchon greifbare Form angenommen, den bekannten
Kaplan Schopen in die Redaktion des Blattes zu ſetzen.
— Im Reichstagswahlkreis Dresden=
Neuſtadt haben die Konſervativen und Antiſemiten
jetzt einen Dr. Hartmann als Kandidaten aufgeſtellt.
Wei=
ter kandidieren der Fortſchrittler Rechtsanwalt Klöppel
und der ſozialdemokratiſche Arbeiterſekretär Buck. Die
Nationalliberalen erwägen noch, ob ſie einen eigenen
Kandidaten aufſtellen oder für den Fortſchrittler ſtimmen
ſollen.
Die Frage der kaſſenärztlichen
Ver=
ſorgung wird von der Sozialen Praxis im Hinblick
auf den Elberfelder Aerztetag nicht peſſimiſtiſch beurteilt
Denn es habe auf dem Elberfelder Aerztetag nicht an
ver=
ſöhnlichen Stimmen gefehlt, und wenn es in ſo großen,
maßgebenden Plätzen des Krankenkaſſenweſens wie
Ber=
lin und Hamburg gelungen wäre, einen beide Teile
be=
friedigenden neuen Vertrag abzuſchließen, ſo müſſe es bei
gutem Willen zur Verſtändigung auch anderswo möglich
ſein. Allerdings rüſten beide Lager für alle Fälle. Der
Leipziger Verband regt allenthalben örtliche
Zuſammen=
ſchlüſſe der Aerzte an, um ſo auf organiſatoriſcher
Grund=
lage ſeine Tarifverträge bei den Kaſſen durchzuſetzen. An
einzelnen Plätzen geben ſich dieſe Ortsgruppen bereits
eine ſtraffe Vereinsorganiſation, die den einzelnen Arzt
in der Regelung ſeines Verhältniſſes zu den Kaſſen ſcharf
kontrolliert. Wie die Münch. N. Nachr. mitteilen, fanden
am 30. Juni und 14. Juli im bayeriſchen
Staatsminiſte=
rium des Innern Beſprechungen über die Geſtaltung des
Verhältniſſes zwiſchen Krankenkaſſen und Aerzten ſtatt,
zu denen Vertreter beider Parteien aus dem ganzen
Kö=
nigreich erſchienen waren. Es wurde eine Einigung über
die allgemeinen Grundlagen erzielt, auf denen die
künf=
tigen Kaſſenarztverträge aufgebaut werden ſollen. Es
darf demnach darauf gerechnet werden, daß in Bayern
die nicht nur für die nächſten Beteiligten, ſondern auch für
die Allgemeinheit ſo überaus wichtige Angelegenheit auf
friedlichem Wege geregelt werden wird.
— Die Nord= und Südwaſſerſtraße. In
Gegenwart zahlreicher Reichs= und Landtagsabgeordneter,
ſowie von Vertretern der verſchiedenen
Reedervereinigun=
gen der Flußſchiffahrtsverbände und der an der
deut=
ſchen Fluß= und Kanalſchiffahrt intereſſierten Städte und
Gemeinden hielt in Meiningen der Zentralverein für
deutſche Binnenſchiffahrt ſeine diesjährige
Hauptver=
ſammlung ab. Der Verſammlung wohnten auch der
Her=
zog von Sachſen=Koburg=Gotha, Prinz Ernſt von
Mei=
ningen u. a. bei. Nach kurzer Debatte wurde folgende
Reſolution angenommen: „Der Zentralverein für deutſche
Binnenſchiffahrt erkennt die wirtſchaftliche und politiſche
Bedeutung einer Nord= und Südwaſſerſtraße durch die
Verbindung der Weſer und der Werra mit dem Main bei
Bamberg in vollem Maße an und beſchließt, die
Beſtre=
bungen des Vereins zur Schiffbarmachung der Werra,
auf den baldigen Ausbau einer Waſſerſtraße und der
dazu geplanten Talſperre im Oberwerragebiet
nachdrück=
lich zu unterſt. tzen.”
— Der Kameruner Etatsentwurf 1914
ſchließt in Einnahme und Ausgabe mit 17,3 Millionen
Mark ab — das iſt ein Mehr von rund 13 Millionen
gegenüber dem Jahre 1904, ein Mehr von 4 Millionen
Mark gegenüber dem Vorjahre. Von den 17,3 Millionen
ſind rund 14,2 Millionen, das ſind 82 v. H., von der
Ko=
lonie ſelbſt aufzubringen, der Reichszuſchuß beträgt 3,15
Millionen und dient ausſchließlich zur Beſtreitung der
Be=
dürfniſſe der Militärverwaltung. Auffallend iſt die
er=
hebliche Steigerung der Bedürfniſſe der Zivilverwaltung,
für die nicht weniger als 127 neue etatsmäßige Stellen
angefordert werden. Darunter befindet ſich eine ſchon
einmal beantragte, damals aber von den zuſtändigen
Reichsbehörden wieder geſtrichene Stelle für einen
Pro=
vinzialchef als Leiter einer Provinz Südkamerun. Die
Wiedereinſtellung dieſes Poſtens wird von der
Handels=
kammer für Südkamerun lebhaft begrüßt und die
Erwar=
tung ausgeſprochen, daß mit Schaffung dieſer Stelle der
Grundſtein zu einer im Intereſſe beſſerer Fühlung
zwi=
ſchen Verwaltung und weißer Bevölkerung dringend
not=
wendigen Dezentraliſation der ganzen Verwaltung
Ka=
meruns gelegt werde.
Ausland.
Frankreich.
Die Beratung der Heeresvorlage. Die
Heereskommiſſion des Senats nahm einen Artikel des
Militärgeſetzes an, durch welchen die dreijährige
Dienſt=
zeit eingeführt wird. Alle Mitglieder der Kommiſſion
erklärten ſich für die Einſtellung der Zwanzigjährigen.
Im Verlaufe der Beratung ſchien folgendes Syſtem den
Beifall der Kommiſſion zu finden: Die Jahresklaſſe von
1912 ſoll im nächſten Oktober, die Jahresklaſſe von 1913
im März und April 1914 eingeſtellt werden. — Die
inter=
parlamentariſche mediziniſche Gruppe ſprach ſich mit 25
gegen 5 Stimmen für die Einſtellung der
Zwanzigjähri=
gen aus.
In der Kammer wurde der Artikel6 der Vorlage, der
ſich mit dem Einſtellungsalter beſchäftigt, am Mittwoch
erörtert.
Nachdem der Vorſitzende der Kommiſſion, Le Hériſſé,
und der Referent Paté daran erinnert hatten, daß die
Kommiſſion ſich dreimal hintereinander auf Grund des
geſundheitlichen Gutachtens gegen die Einſtellung der
Zwanzigjährigen ausgeſprochen hätte, wies Dr. Manoury
darauf hin, daß Deutſchland nur ein Fünftel ſeiner
Zwan=
zigjährigen einſtelle. Abg. Puech trat für die Einſtellung
der Zwanzigjährigen und eine ſtrenge Auswahl unter
ihnen ein, die alle durch die Militärvorlage
aufgeworfe=
nen, böſes Blut erregenden Fragen löſen würde, und
führte ärztliche Gutachten zugunſten der Einſtellung der
Zwanzigjährigen an. Von der Einſtellung zweier
Jah=
resklaſſen im Oktober könne er keine Nachteile erwarten.
Der Jahrgana 1910 ſolle nur in einem Maße unter den
Fahnen behalten werden, als es die auswärtige Lage
erfordere. Zum Schluß erklärte Puech, daß es ein
Ver=
brechen ſei, die Zwanzigjährigen nicht für den Ernſtfall
auszubilden, nachdem doch die Vorlage ihre Einſtellung
im Kriegsfalle vorſehe. — In der Nachmittagsſitzung
empfahl André Lefevre einen von der Armeekommiſſion
eingebrachten Zuſatzantrag, welcher vorſieht, jedes Jahr
eine Anzahl Voreinberufungen ſtreng ausgewählter
jun=
ger Leute von 20 Jahren feſtzuſetzen. Redner iſt der
An=
ſicht, dieſe Methode werde die erforderliche Zahl für die
Einſtellung der Zwanzigjährigen, die man, falls die
Er=
fahrungen günſtig ſind, ſtellen, Kriegsminiſter Etienne
trat energiſch für die Einſtellung der Zwanzigjährigen
ein, die dem einmütigen Wunſche des Landes entſpräche,
und bat die Kammer, für das Amendement Escudier zu
ſtimmen, das dieſe Einſtellung zunächſt geſtatte, falls die
Umſtände es erlauben, und daß diejenigen Mannſchaften,
die 30 Monate gedient haben, bis zu ihrem Austritt in
die Reſerve in die Heimat zu entlaſſen ſeien. Das
Amende=
ment Escudier wurde hierauf mit 376 gegen 199 Stimmen
angenommen.
Die Deckung der Koſten der
Heeresvor=
lage. Der Budgetausſchuß der Kammer erörterte die
vom Finanzminiſter zur Deckung der Ausgaben der
Mili=
tärvorlage vorgeſchlagene National=Einkommenſteuer und
beauftragte nach langer Debatte ſeinen Berichterſtatter
einen Entwurf vorzubereiten, der zwar dem der
Re=
gierung ähnlich iſt, aber die Einkommen von über 10000
Francs treffen und ein Erträgnis von 200 bis 220 Mil=
lionen Francs liefern ſoll, während der Entwurf der
Re=
gierung ein Erträgnis von nur 100 Millionen vorſieht.
England.
Die ägyptiſchen Kapitulationen. In
offiziellen Kreiſen Englands wird, wie aus London
ge=
ſchrieben wird, beſtritten, daß eine Aufhebung der
Kapi=
tulationen in Aegypten geplant iſt. Alles, worum es ſich
handle, ſei eine, und zwar nur beſchränkte Modifikation
derſelben. Dabei wird betont, daß dieſe Aenderung nicht
ſo ſehr ein engliſches, als ein ägyptiſches Intereſſe iſt,
weshalb ſehr bezweifelt wird, daß das Auswärtige Amt
geneigt wäre, mit irgendwelchen größeren
Gegenkonzeſ=
ſionen auf Englands Koſten für ſie zu zahlen. Es hofft
vielmehr, die anderen Mächte überzeugen zu können, daß
Reformen auf dieſem Gebiete im Intereſſe ihrer eigenen
Untertanen in Aegypten gelegen wären.
Holland.
Das neue Kabinett und die Sozialiſten,
Die ſozialiſtiſche Parteileitung hat für den 26. und 27.
Juli einen außerordentlichen Kongreß einberufen, in
wel=
chem darüber beraten werden ſoll, ob der Parteiführer
Toelſtra mit zwei anderen Sozialiſten das Anerbieten des
liberalen Parteiführers Bos zum Eintritt in ein
Koa=
litionsminiſterium der Linken annehmen ſoll.
Amerika.
Die Unruhen in Mexiko. Aus Waſhington
wird gemeldet: Der Botſchafter Wilſon wurde zu einer
eiligen Beſprechung von Mexiko nach Waſhington
beru=
fen. Wie man in dieſem Zuſammenhang annimmt, ſteht
eine bedeutſame Kundgebung der Regierung gegenüber
dem Präſidenten Huerta bevor. Der Botſchafter ſoll dem
Präſidenten mitteilen, welche Einflüſſe die fremden
Diplo=
maten bewogen haben, über die Haltung der Vereinigten
Staaten Klage zu führen. Der Botſchafter wird um den
23. d. M. erwartet. Sonderberichte aus Waſhington
be=
ſagen, die Aufforderung Wilſons ſei eine Folge der
An=
frage, die Deutſchland bei den Vereinigten Staaten
über=
ihre Stellung zum Schutz der fremden Intereſſen in
Mexiko=
erhoben habe.
Perſien.
Der Miniſterrat hat den Text der
Bekannk=
nachung über die Medſchliswahlen ausgearbeitet und
telegraphiſch nach Paris geſandt zur Beſtätigung durch
den perſiſchen Regenten. Die Konſervativen
beabſichti=
gen, ſich mit allen Mitteln der Berufung des Medſchlis
zu widerſetzen. Die Bachtiaren ſind, da ſie die
Unpopu=
larität der Einberufung des Medſchlis einſehen, bereit,
nachzugeben und werden lediglich auf der
Zuſammenbe=
rufung des Senates beſtehen.
* Polniſche Drohungen. Der bevorſtehende
Aufenthalt des Kaiſers und der Kaiſerin
in Poſen vom 26. bis 28. Auguſt gibt der polniſchen
Volkspreſſe heute ſchon Anlaß, die Polenbevölkerung
auf=
zufordern, ſich jeder, auch noch ſo geringfügig
erſcheinen=
den Anteilnahme an den Feierlichkeiten ſtrengſtens zu
ent=
halten. Beſonders die Stadtverordneten polniſcher
Na=
tionalität werden gebeten, ihren Einfluß in dieſer
Rich=
tung geltend zu machen, andernfalls werde die polniſche
Wählerſchaft „Vergeltung üben”.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 18. Juli.
* Dienſtbezeichnung. Durch Entſchließung Großh.
Miniſteriums des Innern iſt auf Grund des § 22 der
Bekanntmachung vom 21. Dezember 1911 (Reg.=Bl. S. 595)
genehmigt worden, daß der bei der
Landesverſicherungs=
anſtalt endgültig angeſtellte Wilhelm Weitzel die
dienſtliche Benennung „Regiſtratur=Aſſiſtent” und der
Fr. Eckert die dienſtliche Benennung „Kanzliſt” führt.
* Ernannt wurden durch Entſchließung Großh.
Mi=
niſteriums des Innern die Referendare Hans
Born=
ſcheuer zu Bad Nauheim, Hermann Hiemenz zu
Büdingen und Fritz Reuling zu Darmſtadt zu=
Regierungsaſſeſſoren.
Jeruſalem im Licht der neuen
Forſchung.
** Wohl an keiner hiſtoriſchen Stätte der Erde ſtößt
die um die Wiedererweckung einer großen Vergangenheit
bemühte archäologiſche Forſchung auf ſo große Hinderniſſe
wie in Jeruſalem. Denn nicht nur, daß ſich über den
ver=
ſchütteten Reſten früherer Jahrtauſende die Gegenwart
noch behauptet, Jeruſalem iſt auch die Stätte dreier
Re=
ligionen, die ihre Heiligtümer hüten. Und da in einer
lebenden Stadt jede Ausgrabung mehr oder minder eine
Zerſtörung vorhandener Bauten oder Wohnſitze bedeutet,
türmen ſich den Archäologen unüberwindliche Hinderniſſe
entgegen; mehr als einmal mußten begonnene Arbeiten
aufgegeben werden, und man mußte ſich mit Meſſungen
und Bohrungen beſcheiden, wo große Freilegungen das
ideale Ziel geweſen wären. Neben den deutſchen,
eng=
liſchen und amerikaniſchen Forſchern haben ſich in den
letzten Jahrzehnten die franzöſiſchen Dominikaner von St.
Etienne um die topographiſche und archäologiſche
Er=
forſchung des alten Jeruſalems große Verdienſte
er=
worben.
Eine wertvolle Frucht ihrer raſtloſen Arbeit liegt jetzt
in einem großen Werke über das antike Jeruſalem vor, das
der Pater Hugues Vincent im Auftrage der
fran=
zöſiſchen Akademie der Wiſſenſchaften und
der ſchönen Künſte jetzt in Paris veröffentlicht. In
manche bisher dunkle Abſchnitte der Geſchichte des alten
Jeruſalems tragen die Forſchungen und Feſtſtellungen des
gelehrten Paters neues Licht und ſeine kundige Hand
ent=
rollt ein feſſelndes Bild der Stadt der Städte” das ſich
in weſentlichen Zügen von jenen ſtolzen Schilderungen
unterſcheidet die begeiſterte Rabbiner uns überlieferten.
Jeruſalem iſt nur durch die Heiligkeit ſeiner Stätten groß
geworden, denn ſeine Lage und ſeine Verhältniſſe in
vor=
chriſtlicher Zeit waren nichts weniger als günſtig und
zwangen die Stadt immer wieder Reichtum und
Wohl=
ſtand, Macht und Einfluß von außen her berbeizuführen.
In einem feſſelnden Aufſatze, den der bekannte Arehäologe
G. Maſpero im Journal des Debats veröffentlicht,
ſchil=
dert er die natürlichen Vorbedingungen dieſes „
Mittel=
punkts der Erde, Marktes der Völker, da alle Reichtümer
zuſammenfließen”. — Auf einem ſchmalen Hügel kauerte
die Stadt, einem wechſelreichen Klima ausgeſetzt, das
zwiſchen ungewöhnlicher Hitze und ſtarker Kälte wechſelte.
Wenig fruchtbar iſt die Umgebung; ſie reicht kaum aus,
um die Tagesbedürfniſſe der Stadt zu decken, die großen
Handelswege zwiſchen Aſien und Afrika liegen weit ab
und ſo iſt die Stadt nur auf die Tatkraft von Herrſchern
angewieſen, die es vermögen, Kraft und Reichtum fremder
Reiche zeitweilig nach Jeruſalem zu führen. Das geſchah
unter Salomon, es geſchah auch unter Herodes, aber das
Volk war weder groß noch widerſtandsfähig genug, um
dauernd jenen gewaltigen Kraftaufwand leiſten zu
kön=
den, den die Könige von ihnen forderten. Und ſo blieben
denn auch die Tage des Glanzes und des Reichtums
immer nur kurze Perioden. — Aus dieſen Vorbedingungen
erwachſen auch die wertvollen Forſchungsergebniſſe des
Paters Vincent, und hier findet er auch den Weg zur
Auf=
klärung eines der rätſelreichſten Kapitel der hebräiſchen
Geſchichte.
Wie wurde es David einſt möglich ſich des „
unein=
nehmbaren” Jeruſalems zu bemächtigen? Das damalige
Jeruſalem mochte in ſeiner turmreichen Silhouette jenen
Stätten des alten Kanaan gleichen, deren Darſtellung die
Denkmäler des zweiten thebaniſchen Reiches uns
überlie=
ferten. Auf einer kleinen von Norden nach Süden
ab=
fallenden Fläche, deren Umfang viereinhalb Hektar kaum
überſchreiten, lag die „Stadt der Städte” von drei Seiten
von engen Tälern eingeſchloſſen. Steil und breit genug
waren dieſe Täler, um im Falle einer Belagerung die
Be=
völkerung gegen die damals üblichen Geſchoſſe zu ſchützen.
Die Stadt ſelbſt zeigte alles andere als Pracht, beſtand
aus Hütten und Häuſern von getrocknetem Lehm, aus
engen, winkligen und ſchmutzigen Gaſſen. Im Norden
ſchützte eine große Mauer mit Turm gegen Angriffe: das
war auch die einzige Stelle, wo Feinde zu fürchten waren.
Aber wie ſollten die in der Kriegskunſt nicht allzu
erfahre=
nen Nachbarvölker in dieſe mächtige Mauer Breſche legen
können? Und der Gedanke einer Belagerung und Aus=
hungerung ſchied von vornherein aus; die kriegeriſche
Or=
ganiſation der Gegner wäre nicht ſtraff genug geweſen,
um eine mehrmonatige Anſpannung auszuhalten. Die
Jebuſäer wußten das: und als David mit ſeiner kleinen
hebräiſchen Armee ins Land einfiel, eilte alles in den
Schutz des uneinnehmbaren Jeruſalems. Man verhöhnte
den Angreifer, verſpottete ihn im Gefühl der Sicherheit,
und zornig gelobte damals der König, jenen unter ſeinen
Kriegern, der als Erſter Jeruſalem beträte zum
Haupt=
mann zu machen. Aber das glühende Vertrauen auf die
Stärke der ſchützenden Mauern ſollte den Verteidigern
verhängnisvoll werden, auch ſie begingen den Fehler, ihr
Augenmerk faſt ausſchließlich auf die wenigen gefährdeten
Teile zu richten und die Verteidigung der als
uneinnehm=
bar geltenden Poſitionen zu vernachläſſigen. David hatte
ſeinen Kriegern den Weg gewieſen, als er jedem Ehre
und Würde verhieß, der als Erſter „den Jebuſäer ſchlägt
und durch den „tſinnör” erreicht.” Lange Zeit haben
die Bibeldeuter vergeblich verſucht, die Bedeutung dieſes
Wortes „tſinnör” zu ergründen, bis jetzt Pater Vincent
durch ſeine Forſchungen an Ort und Stelle Licht in das
Dunkel trägt. Jeruſalem war in jener Zeit in ſeiner
Waſſerverſorgung auf eine einzige Quelle angewieſen, auf
die Quelle die heute die Quelle der Jungfrau genannt
wird und in der Tiefe des Tals liegt. In Friedenszeiten
holten hier die Frauen in Krügen das Waſſer. In
Kriegszeiten war das unmöglich: und um Waſſer zu
er=
langen, hatten die Jebuſäer einen Tunnel angelegt, der
das Waſſer der Quelle in ein Reſervoir in der Stadt
lei=
tete. Dieſer Tunnel, der ſogenannte Ophelgang, iſt jener
tſinnör des hebräiſchen Berichtes. Der Eingang war von
außen nicht zu ſehen, ein paar tapfere Leute konnten ihn
verteidigen. Wie iſt es Joab gelungen ſich mit einigen
Gefährten hier einzuſchleichen, ohne von den Wächtern
entdeckt zu werden? Die Geſchichte erzählt es uns nicht.
Aber in dem Augenblick, wo der Turm an der inneren
Mündung des unterirdiſchen Ganges fiel und Jeruſalems
Waſſerzufuhr abgeſchnitten war, war das Schickſal der
Stadt beſiegelt und David ihr Herr.
* Erledigte Stellen. Die mit einem
evange=
liſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu
Schöllen=
bach. Das Präſentationsrecht ſteht dem Herrn Grafen
zu Erbach=Fürſtenau zu. Mit der Stelle iſt
Organiſten=
dienſt verbunden. — Die mit einem katholiſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu Ober=
Hilbers=
heim. Mit der Stelle iſt Organiſtendienſt verbunden. —
Eine mit einem evangeliſchen Lehrer zu beſetzende
Lehrerſtelle zu Eſchenrod, mit der Organiſtendienſt
verbunden iſt.
g. Ferienſtrafkammer. Mit einer gehörigen Portion
Frechheit ausgeſtattet iſt der 46jährige Schornſteinfeger
Guſtav Richter von Eibau, der am 4. Juni vom Hofe
des Stadthauſes in Offenbach direkt vor der Polizeiwache
ein Fahrrad zu ſtehlen verſuchte und der ſich
deshalb=
geſtern vor der Ferienſtrafkammer, die unter dem Vorſitz
von Großh. Landgerichtsrat Tennert zum erſten Male
tagte, wegen Rückfalldiebſtahls zu verantworten hatte.
Der Angeklagte, der bereits einmal wegen
Fahrraddieb=
ſtahls vorbeſtraft iſt, ſah an dem fraglichen Tage das Rad
des Weißbinders Heinrich Wiegand auf dem Hofe des
Stadthauſes ſtehen, das er nun fortzuſchaffen verſuchte.
Da das Hinterrad mit einem Schloß verſehen war, fiel
die Sache einem Schutzmann auf, der den Angeklagten
darauf aufmerkſam machte. Daraufhin machte ſich
Rich=
ter nicht an dem Schloß, ſondern an dem Freilauf zu
ſchaffen, was ihn noch mehr verdächtig machte. Als ſich
der Angeklagte nicht mehr zu helfen wußte, ließ er das
Rad ſtehen und ging in dem Hauſe drei Treppen hoch.
Ein nach ihm ſehender Schutzmann ſah ihn noch daſtehen.
Auf die Frage, was er da zu ſchaffen habe, antwortete
Richter, er ſuche den Arbeitsnachweis. Daraufhin wurde
er verhaftet. Er geſtand den Diebſtahl ein. In der
Ver=
handlung nun verſuchte er ſich ſehr geſchickt zu verteidigen.
Er behauptete, er wollte das umgefallene Rad nur
auf=
heben. Das Gericht ſchenkte dieſer Ausrede jedoch keinen
Glauben und verurteilte ihn zu 6 Monaten
Gefäng=
nis. — Der am 31. Mai aus dem Gefängnis mit 23
Mark Bargeld entlaſſene 22jährige Bäcker Wilhelm Ernſt
Viktor Schäfer von Braunſchweig hat ſich bereits am
4. Juni abermals einen Diebſtahl zuſchulden kommen
laſſen. Angeblich hatte er ſeine ganze Barſchaft verloren,
und um ſich etwas zum Eſſen verſchaffen zu können, ſetzte
er ſich auf ein am Mathildenplatz abgeſtelltes Rad und
fuhr damit davon. In einer Wirtſchaft ließ er ſich zu
eſſen und zu trinken geben und ließ dann das geſtohlene
Rad als Pfand zurück. Der geſtändige Angeklagte wird
zu 6 Monaten Gefängnis, abzüglich 5 Wochen
der Unterſuchungshaft, verurteilt. — Der 27jährige
Tag=
löhner Chriſtian Friedrich Oerter von Offenbach iſt
am 3. Juni in die Wohnung des ihm bekannten
Schuh=
machers Philipp Bickert eingeſtiegen und entwendete ein
PPaar Stiefel. Am 5. Juni ſtieg er noch zweimal ein und
ſchloß mit dem richtigen Schlüſſel den Kleiderſchrank auf.
dem er eine Hoſe und Weſte entnahm. Die Stiefel und
die Kleidungsſtücke verſetzte er. Er gibt den Diebſtahl
unumwunden zu, will aber aus Not gehandelt haben. Er
ſei lange arbeitslos geweſen und er beabſichtigte, die
Sachen wieder einzulöſen. Das Gericht verurteilte ihn
wegen zweier Diebſtähle zu 1 Jahr Gefängnis.
Da er geſtändig iſt, werden ihm 5 Wochen der
Unter=
ſuchungshaft angerechnet. — Wegen Verſuchs des
Ver=
brechens nach §§ 173, 176 wurde nach der unter Ausſchluß
der Oeffentlichkeit ſtattgefundenen Verhandlung der 40
jäh=
rige Dachdecker Michael Friedrich Bickert von Roßdorf
zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren
Ehrverluſt verurteilt. 1 Monat der Unterſuchungshaft
wird ihm angerechnet. — Der 23jährige Hausdiener
Arthur Hermann Bock von Mellenbach und der 19
jäh=
rige Schauſtellergehilfe Friedrich Kraft von
Gries=
heim b. D. haben gemeinſam in der Nacht zum 26. Juni
aus einer Meßbude in Neckarſteinach Zigarren und
Ziga=
retten im Werte von 31 Mark geſtohlen. Sie beſtreiten
den Diebſtahl nicht, behaupten aber, die mit
Sacklein=
wand verſchloſſene Bude ſei bereits geöffnet geweſen und
ſie hätten lediglich von außen in die Bude hineinzugreifen
brauchen. Es läge alſo kein ſchwerer, ſondern nur
ein=
facher Diebſtahl vor. Durch die Beweisaufnahme wird
zwar nicht erwieſen, daß die Angeklagten die Bude
erbro=
chen haben, aber daß ein Diebſtahl nur möglich war,
in=
dem in die Bude eingeſtiegen wurde. Das Gericht
ver=
urteilte die beiden vorbeſtraften Angeklagten Bock wegen
ſchweren Diebſtahls zu 4 Monaten, Kraft wegen
Mittäterſchaft zu 3 Monaten Gefängnis. — Der
31jährige Dienſtknecht Otto Kröning von Steinhöfel
hatte ſich wegen eines Diebſtahls und umfangreicher
Be=
trügereien zu veranworten. Der Angeklagte trat im
Okto=
ber 1912 in Rehbach (Kreis Erbach) in Dienſt und ließ ſich
in 9 Fällen unter allen möglichen Vorſpiegelungen
Waren, meiſt Eßwaren, geben, ohne Zahlung zu leiſten.
Er ſchädigte dadurch Einwohner von Rehbach und
Stein=
bach um Beträge bis zu 24 Mark. Bei einem Wirt in
Steinbach machte er Silveſter eine Zeche, ließ ſich alsdann
eine Flaſche Zwetſchenwein und eine Kiſte Zigarren
geben und verſchwand ſodann mit dem Verſprechen, am
nächſten Tage zu bezahlen. Einem Kaufmann
ſchwin=
delte er unter der Angabe, er werde ſeine Braut, die
Wirtſchafterin auf einem Gute ſei, in den nächſten Tagen
heiraten, ein Kleid ab, einem anderen eine Armſpange
und einen Ring. Er gab dabei meiſt an, er ſei vermögend
und bekomme von ſeinen Eltern noch viel Geld. In
ein=
zelnen Fällen hat er wohl einmal Abzahlung geleiſtet,
aber dann trotz mehrmaligen Mahnungen nichts mehr
bezahlt. Der Angeklagte gibt an, er habe die Abſicht
ge=
habt, alles zu bezahlen. Am 4. Januar ſoll er einen Hut
geſtohlen haben, was er entſchieden beſtreitet. Das
Ge=
richt verurteilte den Angeklagten wegen fortgeſetzten
Be=
trugs zu 1 Jahr, wegen des Diebſtahls zu 2 Wochen
Ge=
fängnis und bildete eine Geſamtſtrafe von 1 Jahr
1 Woche Gefängnis.
* Beginn der landwirtſchaftlichen Winterſchulen
in 1913/14. Der Lehrgang von 1913/14 an den
land=
wirtſchaftlichen Winterſchulen beginnt Montag, den 3.
No=
vember. Anmeldungen ſind rechtzeitia ſchriftlich oder
mündlich bei dem Vorſteher der betreffenden Schule zu
bewirken, von welchem der Unterrichtsplan und
Jahres=
bericht unentgeltlich bezogen und jede gewünſchte
Aus=
kunft eingeholt werden kann.
* Erſatzwahlen zur Kirchengemeindevertretung
der evangeliſchen Paulusgemeinde. Die Wahl von
40 Erſatzmännern findet am Sonntaa, den 20. Juli,
von 11—1 Uhr, im Gemeindeſaal der Pauluskirche ſtatt.
(Siehe Anzeigenteil.)
* Darmſtädter Turnerſchaft. Kommenden
Sonn=
tag, abends ¾8 Uhr, treffen die Turner, die an dem
Deutſchen Turnfeſt in Leipzig teilnahmen, worunter
ſich auch Preisgekrönte befinden, auf dem hieſigen
Bahn=
hof ein. Die Darmſtädter Turnerſchaft hat
einen feſtlichen Empfang vorgeſehen und bittet
durch die heutige Anzeige alle Mitglieder ihrer Vereine,
ſich recht zahlreich zu dem Empfang abends 7 Uhr in
der Turnhalle am Woogsplatz einzufinden. Von dort
aus geht es unter Vorantritt einer Muſikabteilung der
115er zum Bahnhof, wo der Vorſitzende der Darmſtädter
Turnerſchaft, Herr Profeſſor Finger, die Eintreffenden
durch eine Anſprache begrüßen wird. Nach der
Be=
grüßung werden die Turner wieder zur Turnhalle nach
dem Woogsplatz begleitet, wo noch ein gemütliches
Bei=
ſammenſein geplant iſt.
* Das Männerquartett „Loreley” unternimmt
am Sonntag, den 20. Juli, ſeinen 1.
Familien=
ausflug nach Wiesbaden zur Beſichtigung der Stadt.
Nachmittags gemeinſamer Spaziergang nach Bierſtadt,
der Einladung des Bierſtädter Männergeſangvereins
folgend, um ſein 30jähriges Jubelfeſt auf dem Wartturm
feſtlich zu begehen, wozu das Quartett einige neue
Chöre programmäßig zugeſagt hat. Der Wartturm, ein
beliebter Ausflugsort, beſonders für die Kurgäſte, iſt
durch ſeine großen Säle und gedeckten Hallen gegen
jede Witterung geſchützt. (Alles nähere ſiehe heutige
Anzeige.)
§ Unfälle. Geſtern nacht gegen 4 Uhr wurde ein
junger Mann vor der Merckſchen Apotheke von Unwohlſein
befallen und mußte durch die Sanitätswache nach ſeiner
Wohnung verbracht werden. — Geſtern früh um 7 Uhr
iſt auf dem Marktplatz eine Marktverkäuferin von einem
Ohnmachtsanfall betroffen worden. — Am Mittwoch
vormittag gegen 10 Uhr wurde in der oberen
Rhein=
traße ein Fuhrwerk von einem Motorwagen
der elektriſchen Straßenbahn angefahren.
Das Fuhrwerk iſt beſchädigt worden. — An der gleichen
Stelle ſind am Mittwoch gegen 12 Uhr mittags zwei
Radfahrer zuſammengeſtoßen, wobei das eine Fahrrad
beſchädigt wurde.
* Konzert. Man ſchreibt uns: Hugenſchütz
Felſenkeller. Heute Freitag enthält das Programm,
welches durch die Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts.
Nr. 61 unter Herrn Obermuſikmeiſter Webers Leitung
zur Ausführung gelangt, eine Abteilung Jag.
Offen=
bachſcher Werke. Zum Schluſſe gelangt ein neues
Potpourri, welches Herrn Hans Tod gewidmet und
„Ein Abend bei Hans Tod” betitelt iſt, zur Aufführung.
Auch iſt der übrige Teil des Programms dem Geſchmacke
des Publikums angepaßt. (Siehe Anzeige.)
* Griesheim, 17. Juli. Zu der heutigen Meldung
über Erfolge eines Darmſtädter Künſtlers für Entwürfe
kleiner Kirchen für das Königreich Sachſen, iſt
nachzu=
tragen, daß auch der Entwurf des hieſigen Architekten
Jakob Feldmann preisgekrönt und angekauft wurde.
— Hahn bei Pfungſtadt, 17. Juli. Auf Veranlaſſung
des Vaterländiſchen Arbeitervereins wird
Herr Arbeiterſekretär Laufer nächſten Sonntag, den 20.
dieſes Monats, nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag über die
„Reichsverſicherungsordnung” im Vereinslokal „Deutſcher
Kaiſer” halten, wozu alle national Geſinnten
freund=
lichſt eingeladen werden.
Mainz, 17. Juli. Einem in den Eiſenbahnkreiſen
lang gehegten Wunſche kommt die Eiſenbahndicektion
Mainz durch eine neue Verfügung betreffend den
Er=
holungsurlaub der Beamten nach. Danach
er=
halten diejenigen Beamten, die ihren Urlaub in die
Monate Januar, Februar und März verlegen, um acht
Tage länger Urlaub. Je nach Lage der Dienſtgeſchäfte
kann auch der Monat Dezember einbezogen werden.
Gießen, 17. Juli. Geſtern vormittag 11½ Uhr ſtieß
auf dem hieſigen Bahnhof bei der Klinikbrücke eine aus
dem Lokomotivſchuppen fahrende Lokomotive mit
dem Packwagen eines Leerzuges
zuſam=
men und ſperrte auf mehrere Stunden das Gleis Gießen
—Wetzlar. Der Schnellzug 12.08 ſowie die Perſonenzüge
12.12 und 1.30 nach Koblenz und 12.39 nach Köln mußten
bis zur Blockſtation Klein=Linden auf falſchem Gleis und
der Schnellzug 1.07 Uhr von Koblenz mußte von Klein=
Linden durch den Güterbahnhof in den Perſonenbahnhof
geleitet werden. Verletzungen von Perſonen ſind nicht
vorgekommen, der Sachſchaden iſt unerheblich.
Friedberg, 17. Juli. Unter dem Vorſitz des
Bürger=
meiſters hielten die Stadtverordneten eine Sitzung ab,
nachdem in der vorherigen Sitzung der Bürgermeiſter
be=
auftragt worden war, zwiſchen den Bewerbern um
die Kaſernenarbeiten eine Einigung zu
erzielen. Der Bürgermeiſter erklärte, daß Morſchel
bereit geweſen ſei für etwa 10000 Mark Arbeiten an die
vereinigten Handwerker abzutreten und ſich außerdem
verpflichten wollte, alle Arbeiten, die er nicht ſelbſt
aus=
führen könne, nur durch hieſige Handwerker ausführen zu
laſſen. Eine weitere Abtretung ſei ihm nicht möglich, da
das andere zuſammenhängende Arbeiten ſeien, für die er
in der kurzen Zeit, die noch für die Ausführung bleibt,
ſonſt keine Garantie für rechtzeitige Fertigſtellung
über=
nehmen könne. Von den Handwerkern war vorgeſchlagen
worden, daß ihrerſeits für etwa 27000 Mark Arbeiten
ausgeführt und von Morſchel für etwa 10000 Mark
über=
nommen werden. Dies lehnte Morſchel ab, und die
Ver=
handlungen ſcheiterten. Da das zweite Angebot der
Handwerker als Nachgebot nicht in Betracht kommen
konnte, ſtand die Frage für die Stadtverordneten, ob die
Arbeiten für 37646 Mark an Morſchel, oder für 42510
Mark an die vereinigten Handwerker vergeben werden
ſollen. Ein Antrag auf geheime Abſtimmung wurde mit
allen gegen die Stimmen des Antragſtellers abgelehnt.
In öffentlicher Abſtimmung wurde daher der Zuſchlag
an den Mindeſtfordernden Morſchel mit
Stimmenmehrheit erteilt und die Sitzung geſchloſſen.
Bingenheim, 17. Juli. Landwirt Eiſer hatte ſich
geſtern nachmittag mit ſeinen beiden älteren Kindern
nach Echzell begeben. Seine Ehefrau blieb mit ihren
¾jährigen und dreijährigen Kindern zu Hauſe. Abends
gegen 7 Uhr begab ſie ſich in den Kuhſtall, um das
Vieh zu füttern und die Kühe zu melken. Als ſie mit
einer Kuh begonnen hatte, fing das neben dieſer Kuh
ſtehende Rind an zu ſtoßen. Die Kuh ſprang erſchreckt
bei Seite. Die Frau wurde dabei mit dem Melkſtuhl
umgeworfen und kam ſo unglücklich zu Fall, daß ſie mit
dem Unterleib auf ein Schemelbein fiel. Alsbald ſtellte
ſich eine ſo ſtarke Blutung ein, daß die Frau in
Ohn=
macht fiel. Das dreijährige Kind, das im Stall bei
ſeiner Mutter war, ſchrie und holte ſofort
Nachbars=
leute, die die ohnmächtige Frau ins Wohnhaus trugen
und ins Bett legten. Wäre nicht das dreijährige Kind
bei dem Unfall zugegen geweſen, ſo wäre eine
Ver=
blutung eingetreten.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 16. Juli. Heute fand die
verkehrspolizeiliche Abnahme des neuen
Straßen=
bahnhofs in Lichtenberg ſtatt, der mit ſeinen 26
Gleiſen 500 Wagen gleichzeitig aufnehmen kann und die
größte Anlage dieſer Art darſtellt. — Die beiden Inhaber
Feuilleton.
** Der Dichter als Vagabund. Wahrſcheinlich wird
ſich noch vor Ende dieſes Monats der bekannte engliſche
Romanſchriftſteller H. G. Wells der durch ſeine
phan=
taſtiſch=utopiſtiſchen Romane auch bei uns einen ſo großen
Leſerkreis erworben hat, aufmachen, um als hauſierender
Vagabund und Zigeuner ein Stück von der Romantik in
ſein Leben zu tragen, in die er bisher nur in ſeinen
Ro=
manen geflüchtet. Wells iſt nämlich Mitglied des „
Zi=
geunerklubs” und dieſer hat einen originellen
Wett=
bewerb ausgeſchrieben, an dem ſich der Dichter beteiligen
will. Das Ziel, das mit dieſem Wettbewerb erreicht
wer=
den ſoll, iſt der Beweis dafür, daß es jedem, der auch noch
ſo tief im modernen ſtädtiſchen Leben ſteckt, möglich iſt,
auf der Landſtraße ſein Daſein zu finden, daß das Leben
des Zigeuners unter dem freien Himmel geſund und einem
unabhängigen und ſelbſtändigen Geiſte angemeſſen iſt.
Nur Mitglieder des Zigeunerklubs und des Amateur=
Campingklubs dürfen ſich an dem Wettbewerb beteiligen,
und keiner der Preisbewerber darf ſich auf ſeine Fahrt
eine Begleitung mitnehmen. Auch Geld mitzunehmen, iſt
nicht erlaubt; dagegen wird geſtattet, daß die „
Vagabun=
den” des Nachts unter einem leichten Zelt ſchlafen.
Zahl=
reiche andere Vorſchriften ſchließen ſich an, darunter auch
genaue Angaben über die im Landſtreicherleben üblichen
Wegmarken und Zeichen, die an allen Kreuzwegen
ange=
bracht werden ſollen. So müſſen z. B. bei Tag drei
Hau=
fen Gras am linken Wegrand angebracht werden; bei Nacht
ſind Aeſte oder Stöcke ſo zuſammenzulegen, daß ſie die
Wegrichtung angeben; bei naſſem und nebligem Wetter iſt
eine Marke in Form eines G anzubringen und bei
win=
digem Wetter Steine in derſelben Form an dem linken
Wegrand. Um ihren Unterhalt zu friſten, dürfen die
Wett=
bewerber als wandernde Hauſierer allerlei Waren
mit=
nehmen, und derjenige wird den Preis davontragen, der
bei dieſem Leben und Verkaufen auf der Landſtraße die
beſten Geſchäfte macht. Bald wird man alſo auf den
Wegen und Stegen von Surrey und Suſſex eine ganze
Anzahl merkwürdiger Geſtalten antreffen, und vielleicht
werden auch die Gendarmen viel zu tun bekommen.
C.K. Bryans Nebenverdienſt. Große Ueberraſchung
und allgemeines Befremden hat es in den Vereinigten
Staaten erregt, daß der Staatsſekretär William Jennings
Bryan, deſſen Stellung etwa der unſeres Reichskanzlers
entſpricht, dieſer Tage in Aſheville Nordkarolina, eine
Vortragstournee für Geld begonnen hat. Bryan will auf
dieſe Weiſe ſeine Sommerferien möglichſt lukrativ
verwer=
ten und hat ſich von einer Agentur, die den
Vortrags=
zyklus organiſiert, ein ſehr anſtändiges Honorar zuſichern
laſſen. Dieſe bisher unter den hohen Staatsbeamten der
Vereinigten Staaten noch nicht dageweſene Neuerung
be=
gründete er in dem einleitenden Vortrag damit, daß ſein
Jahresgehalt von 48000 Mark kein genügendes
Einkom=
men für das teure Leben in Waſhington ſei, und daß er
ſich daher in ſeiner freien Zeit einen Nebenverdienſt
ver=
ſchaffen müſſe. Nun hat er früher mit Vorleſungen über
Themen der Moral und der ſozialen Reform große
Er=
folge gehabt und viel Geld verdient. „Ich denke, es iſt
nichts Ungehöriges dabei, wenn ich vom Vortragspult auf
den Präſidentenſtuhl ſtiege,” ſagte er, „und wenn ich zum
räſidenten gewählt worden wäre ſo wäre ich auch von
dieſer Würde auf die Tribüne des Vortragenden
zurück=
gekehrt.‟ Da Bryans erſter Vortrag zugleich die erſte
der=
artige Veranſtaltung gegen Geld war, die an einem
Sonn=
tag erlaubt wurde, war ein äußerſt zahlreiches Publikum
erſchienen und Sonderzüge hatten von allen Seiten
Zu=
örer gebracht, die den Premierminiſter ſprechen hören
wollten. In den Blättern wird die Frage vielfach
er=
örtert, ob Bryan einen ſolchen Nebenverdienſt wirklich
nötig hat. Früher verdiente er mit ſeinen Vorträgen und
ſeiner Zeitſchrift „The Commonar” 100000 bis 120000
Mark jährlich. Dieſe Einnahmen hörten zum größten
Teil auf, als er ſeine Stellung antcat und auch die
Zeit=
ſchrift, deren Herausgabe er weiter beſorgt, ſoll nicht mehr
ſoviel bringen. Mag er aber auch viel in ungünſtigen
Anlagen verloren haben, wie man behauptet, ſo hat er
och mindeſtens noch ein Vermögen von einer Million
Mark, und man verübelt dem Demokraten, der ſtets ſeine
infache, ſtreng bürgerliche Lebensweiſe betonte, ſein
groß=
irtiges Auftreten, das ihn zu dieſen „Nebenverdienſten”
zwingt. Man hält ihm vor, daß er in Waſhington einen
pulenten Haushalt führt und ſich eine Villa für den
Win=
eraufenthalt in Florida baut.
* Radiumkäufe für Deutſchland. Wie aus der
briti=
ſchen Hauptſtadt gemeldet wird, teilt die Londoner
Zei=
tung Standard mit, daß das ganze in England verfügbare
Radium von Deutſchen angekauft worden iſt, die bar
be=
zahlten und das koſtbare Metall ſofort nach Deutſchland
mitnahmen. Das Gramm Radium brachte es auf einen
Preis von 320000 Mark. Die Deutſchen nahmen jedes
Milligramm auf. Es gelang ihnen jedoch nur, etwa ein
Achtel des von ihnen verlangten Quantums aufzutreiben.
Die britiſche Radiumkorporation erklärt, daß ſie ein Jahr
lang daran zu arbeiten haben werde, um den von den
Deutſchen feſt beſtellten Reſt zu liefern. Die Folge dieſer
Transaktion iſt, daß die engliſchen Hoſpitäler und Aerzte
monatelang kein neues Radium zu ihren Heilzwecken
werden erhalten können.
— Die Geſetzesmühle der Frauen. Das
Frauen=
ſtimmrecht, das in Kanada bereits fleißig ausgeübt wird,
hat den Frauen einen gewiſſen Einfluß in den
geſetz=
gebenden Körperſchaften geſichert, und dieſes „
Weiber=
regiment” ſoll ſich ſchon ſehr bemerkbar machen,
wenn man einem Manifeſt glaubt, das die nationale
Ge=
ſellſchaft gegen das Frauenſtimmrecht in Kanada erlaſſen
hat. Auf Grund genauer Zuſammenſtellungen wird hier
der Beweis dafür angetreten, „daß die kaliforniſchen
Frauen, in ihrer Raſerei des Entzückens über ihr neues
Spielzeug, das Stimmrecht, eine Aera übertriebener
Ge=
ſetzgebung und Extravaganz eingeleitet haben”. In der
letzten Seſſion des kaliforniſchen Parlaments wurden
4000 Geſetze eingebracht und 1100 angenommen. Eins
dieſer Geſetze beſchäftigte ſich damit, die Größe der
Hühnerkörbe zu regeln; ein anderes gab genaue
Vorſchriften über die Form der Schuhe, die die
Schul=
kinder tragen müßten. Ein drittes Geſetz hatte den
Um=
fang der Bettücher in den Hotels zum Gegenſtand
und ſetzte ebenſo genaue wie ſachkundige Einzelheiten
darüber feſt. 31 neue Kommiſſionen wurden geſchaffen,
die jährlich eine Million Dollar koſten. Jedenfalls hat die
Frauengeſetzesmühle im „goldenen Staat” mit einer
außerordentlichen Energie und einer großen Sorgfalt für
das Nebenſächliche gearbeitet.
der großen Nutzholzhandlung Gebrüder Ebeling, die
viele Möbelfabriken zu ihren Kunden hatten, wurden
geſtern morgen in ihren Wohnungen tot
aufgefun=
den. Sie hatten ſich nach vorheriger Vereinbarung in
der Nacht vergiftet. Finanzielle Schwierigkeiten ſollen das
Motiv des zweifachen Selbſtmords ſein.
Heidelberg, 17. Juli. In dem Hauſe Rohrbacherſtraße
Nr. 20 wurde heute vormittag die Familie Gernsheimer,
Mann, Frau, Tochter und Schwägerin, durch
Leucht=
gas vergiftet tot aufgefunden. Die Tat iſt
im allgemeinen Einverſtändnis ausgeführt worden und
dürfte auf das jahrelange Leiden des
Familienober=
hauptes zurückzuführen ſein.
Eſſen, 17. Juli. Der Gaſtwirt Holbeck in
Relling=
hauſen, der als Rendant der dortigen Genoſſenſchaft
400000 Mark unterſchlug und ins Ausland flüchtete, hat
ſich geſtern der Behörde freiwillig geſtellt.
Wilhelmshaven, 16. Juli. Heute nachmittag 5 Uhr
fanden ſich auf der Werft bei Dock IV zur Vornahme der
Leichenſchau beim Wrack des Torpedobootes
„§ 178‟ ein: der ſtellvertretende Oberwerftdirektor, die
Gerichtskommiſſion und Bergungsmannſchaften von der
zweiten Torpedodiviſion. Nachdem das Torpedoboot
ein=
gedockt worden war, wurde das Oberdeck des Wracks
ge=
öffnet, worauf die Mannſchaft in das Wrack hineinſtieg,
um die Leichen zu bergen; dieſe waren völlig
unkennt=
lich. Sie wurden, nachdem man ſie mit Mühe feſtgeſtellt
hatte, in Särge gelegt und auf dem Waſſerwege zu dem
Lazarett geſchafft. Bis abends 10 Uhr waren die
Berg=
ungsarbeiten noch nicht beendigt.
Oberkolmnitz, 17. Juli. Heute nacht brannte das Haus
einer Frau Krauſe ab. Der Schloſſer Peiſſig, ſeine
beiden Kinder, der Schuhmacher Sieher und ſein Sohn
kamen in den Flammen um.
Paris, 16. Juli. Ein Autowagen der hieſigen
Feuerwehr wollte heute nachmittag am Invalidenbahnhof
einer Kraftdroſchke ausweichen und fuhr in eine
Trink=
bude die vollſtändig zertrümmert wurde. Ein
Hand=
lungsgehilfe wurde getötet; der Pächter und deſſen Frau,
ſowie zwei Feuerwehrleute wurden ſchwer verletzt.
Paris, 17. Juli. Wie aus London gemeldet wird,
wurde ein an einen dortigen Juwelenhändler
aus Paris abgeſandtes Poſtpaket, in dem ſich Perlen
im Werte von 3½ Millionen befunden hatten,
ausge=
raubt. Das Paket enthielt bei der Uebergabe an den
Juwelenhändler anſtatt der Perlen nur einige Stücke
Zucker im gleichen Gewicht. Die engliſche Poſt meint, daß
der Diebſtahl in Paris verübt worden iſt, da der in dem
Paket enthaltene Zucker franzöſiſches Erzeugnis ſei.
XIl. Deutſches Turnfeſt.
Leipzig, 16. Juli. Das letzte Deutſche Turnfeſt
in Frankfurt a. M. vom Jahre 1908 mit ſeinen 55000
Teilnehmern iſt durch das Leipziger Turnfeſt mit über
76000 Teilnehmern um viele Längen geſchlagen, und man
darf wohl behaupten, daß ein Turnfeſt wie das in Leipzig
ſich kaum wieder wird vorbereiten laſſen, da nur dieſes
Feſt unter den günſtigen Auſpizien der Jahrhundertfeier
der Leipziger Völkerſchlacht, der gleichzeitig hier
ſtattfin=
denden Internationalen Baufachausſtellung und der
ge=
rade im letzten Jahrfünft unter dem friſchen Eindruck der
Beſtrebungen um die Ertüchtigung der Jugend gewaltig
geſtiegenen Mitgliederzahl der Deutſchen Turnerſchaft
ſtand. Neben den äußeren Fortſchritten, die die Deutſche
Turnerſchaft ſowohl in bezug auf ihre Mitgliederzahl
als auch hinſichtlich ihrer nationalen und wirtſchaftlichen
Bedeutung gemacht hat, ſteht die Feſtigung im Innern,
die Zunahme der rein turneriſchen Leiſtungen in den
ein=
zelnen Kreiſen. Mit großer Freude haben alle Fachleute
in dieſen Tagen erneut konſtatieren können, daß trotz oder
gerade wegen der Zunahme der Betätigung auf allen
Ge=
bieten des Sports die Turnſache nicht zurück= ſondern
kräftig vorwärts geſchritten iſt. Man hat in dieſen Tagen
körperliche Leiſtungen erlebt, die zum Teil ganz unerhört
bis dahin waren und Staunen ſelbſt bei den Grauköpfen
in der Deutſchen Turnerſchaft erregt haben. Dieſer
Um=
ſtand zeigt, daß auch die turneriſche Arbeit in dem
Aus=
ſchuß der Deutſchen Turnerſchaft mit Liebe und Sorgfalt
gepflegt wird und in auten Händen ruht.
Nur eins wird dieſer Ausſchuß wohl niemals
begrei=
fen: das iſt die richtige Behandlung der Preſſe und ihrer
Vertreter. Auch in Leipzig war wieder ein der Preſſe
und ihren Bedürfniſſen ganz fernſtehender Ausſchuß
zu=
ſammengetreten, deſſen Aufgabe nach dem eigenen
Feſt=
buch der Deutſchen Turnerſchaft lediglich in der
Heraus=
gabe der üblichen Feſtſchriften, Programme und ſonſtigen
Druckſachen beſtehen ſollte, der aber für den Verkehr mit
der Preſſe ſelbſt überhaupt keinerlei Richtſchnur hatte.
Mit einem Haufen reklamehafter Vornotizen für das Feſt,
mit dem der ſogenannte Preſſeausſchuß auch bei dieſem
Turnfeſt wieder die Zeitungen überſchüttet hat, iſt gar
nichts getan, und die Preſſe, die ſie im Intereſſe der
Deut=
ſchen Turnerſchaft übernahm, iſt durch die Behandluna,
die man ihren Vertretern in Leipzig zuteil werden ließ,
in der unangenehmſten Weiſe brüskiert. Es kann keinem
Zweifel unterliegen, daß erſt durch die Aufnahme dieſer
Preſſenotizen die Deutſche Turnerſchaft in der Stärke von
drei Armeekorps nach Leipzig geführt worden iſt, und die
faſt 200000 Zuſchauer, die am erſten Feſtſonntag die vier
Rieſentribünen des Turnfeſtſtadions füllten, ſind auch
nicht ohne beſonderen Hinweis in der Preſſe auf die
be=
vorſtehenden Leiſtungen aufmerkſam gemacht worden.
Unter dieſen Umſtänden hätte man wohl erwarten dürfen.
daß den Journaliſten nun auch ihre Arbeit von ſeiten des
ſogenannten Preſſeausſchuſſes nach Möglichkeit erleichtert
würde. Aus dieſen Gründen erklärt es ſich, weshalb die
allgemein intereſſierenden Reſultate über die
Einzel=
leiſtungen auch heute, am Schlußtage des Feſtes, nur ſo
lückenhaft vorhanden ſind, daß man verzichtet, darauf
ſeinzugehen, weil ſonſt denen bitteres Unrecht geſchieht,
die durch die Schuld des ſäumigen Preſſeausſchuſſes noch
nicht genannt werden können.
Nachdem heute vom frühen Morgen ab wieder
aller=
lei turneriſche Vorführungen im Fechten, Schwimmen,
Zehnkampf neben einem Ringen der Zwölfkämpfer und
einem Militärturnen ſtattgefunden hatten, fand um 6 Uhr
abends die Siegerverkündigung vor der
Muſik=
halle des Stadions ſtatt. Nachdem Geh. Sanitätsrat Dr.
Goetz in bewegten Worten allen Teilnehmern für ihr
Er=
ſcheinen gedankt und die Deutſche Turnerſchaft angefeuert
hatte, auch weiterhin feſt zur deutſchen Turnſache zu
ſtehen, traten die Mädchen in feſtlicher Kleidung vor, und
während Fanfarenmuſik den Beginn der
Siegerverkün=
digung anzeigte, erfolgte die Bekanntgabe der
Einzel=
ergebniſſe der erſten 25 Sieger im Zwölfkampf, worauf
die Sieger aus den Händen der Turnerinnen den aus
Eichenlaub gewundenen Siegerkranz in Empfang
nah=
men. Es folgte darauf die Bekanntaabe der erſten 25
Sieger des Sechskampfes, die ebenfalls aus den Händen
der jungen Mädchen die Siegerkränze erhielten. Die
übri=
gen Sieger erhielten von den Kreisleitungen an vorher
beſtimmten Plätzen des Stadions ihre Kränze
ausgehän=
digt, während die Kreisleitungen die Kränze in den
Räu=
nen des Turnausſchuſſes empfingen. Der gemeinſame
Geſang des Liedes „O. Deutſchland, hoch in Ehren” ſchloſ
darauf das Feſt ſtimmungsvoll ab.
— Leipzig, 17. Juli. Am Mittwoch abend 6 Uhr
fand die Siegerverkündung ſtatt, wovon wir die
örtlichen Sieger mitteilen:
Sechskampf: Nr. 62, Albert Muggli, Turnverein
Bickenbach, 93½ Punkte; Nr. 303, Wilhelm Kirſch,
Turn=
gemeinde Weſthofen, 88 Punkte; Nr. 255, Heinrich Diehl,
Turnerbund Nauheim bei Mainz, 86½ Punkte; Nr. 468,
Karl Schubkegel, Turngde. Darmſtadt, 83 Punkte:
Nr. 503, Wilhelm Brückmann, Turnverein Dortelweil,
82½ Punkte; Nr. 947, Oskar Jaenſch, Turngemeinde Neu=
Iſenburg, 77½ Punkte; Nr. =970, Friedrich Giegerich,
Turnverein Großwallſtadt, 77½ Punkte; Nr. 1019, Andr.
Lang, Turnverein Heuſenſtamm, 77 Punkte.
Höchſtleiſtungen im Sechskampf:
Hoch=
ſpringen. 1,75 Meter berührt. Arthur Hoffmann,
Turn=
verein Harburg=Wien zu Harburg a. Elbe; Hans
Edel=
häuſer, Männerturnverein, München; Wilhelm Schumann,
Männerturnverein 1844, Kiel: Paul Bergemann,
Männer=
turnverein Landsberg a. d. Warthe. Hangeln. 8 Sekunden.
Chriſtian Groß, Turnverein Bieber. Stabweitſpringen.
8,15 Meter. Bernhard Schäde, Turnverein Geeſtemünde
Kugelſtoßen. 11,10 Meter. Wilhelm Leipziger,
Turner=
bund Hohenſtein=Ernſtthal.
Zwölfkampf. Nr. 184. Georg Grohe,
Turn=
gemeinde Darmſtadt, 103½ Punkte. — Höchſtleiſtungen
im Zwölfkampf. Weitſpringen: Arthur Ohms, Turnklub
Hannover, 6,46 Meter. Schleuderballweitwerfen: Keiner
über 20 Punkte. 100=Meterlauf: Otto Leipold,
Männer=
turnverein Wiesbaden, 11,8 Sekunden. —
Maſſenvor=
führung im Kreisverband. Leiter: Volze,
Frankfurt a. M., Gemeinturnen des Kreiſes IXX, 12 Pferde,
180 Mann; Beurteilung: An= und Abmarſch 10 Punkte,
Ordnungsverhalten der Turner 10 Punkte, Ausführung
der Uebung 8 Punkte, Schwierigkeit der Uebungen:
mittel=
ſchwer, des Uebungsſtoffes: zweckmäßig.
Die Ergebniſſe in den Einzelwettkämpfen (
leichtathle=
tiſche Uebungen): Weitſprung: 1. Viktor Frenzel,
Brünn. 6,45 Meter. Kugelſtoßen: 1. Wilhelm
Leip=
ziger, Turnverein Hohenſtein=Ernſtthal i. S., 11,85 Meter
2. Wilhelm Arlt, Turngemeinde Damm=Aſchaffenburg,
11,64 Meter. Hochſpringen ohne Anlauft 1. E.
Jüngel, Turnerbund Unterbarmen, 1,37 Meter.
Speer=
verfen: 1. Konr. Carlsrud, Turnverein Brandenburg,
43,85 Meter. Laufen. 400 Meter: 1. Friedrich
Reife=
gerſte, Turnverein Delitzſch, 54,2 Sekunden. —
Wett=
fechten, Gruppe C: 1. Wilhelm Malzahn,
Turnge=
meinde von 1817 Mainz, 100½ Punkte, 2. Heinrich Bauer,
Turngemeinde Frankfurt, 98¼ Punkte; 3. Gg. Ebarts,
Turngemeinde Worms, 97½ Punkte; 4. K. Urſprung,
Turngemeinde Bornheim, 96½ Punkte; 5. G. Bingmann,
Turnverein von 1817 Mainz, 96¼ Punkte. — Gruppe D:
1. Karl Abſtein, Männerturnverein München, 106 Punkte.
Bis jetzt vorliegende Spielergebniſſe.
Meiſter=
ſchaftsſpiele. Schlagball: Kr. 9 gegen Kr. 12 — 23:100,
Kr. 12 gegen Kr. 9 — 100:23, Kr. 13 gegen Kr. 9 — 51:100,
Kr. 9 gegen Kr. 13 — 100:51. — Fauſtball. Kr. 8b gegen
Kr. 9 — 84:100; Kr. 5 gegen Kr. 9 — 73:100; Kr. 6 gegen
Kr. 9 — 90:100.
Sonderwettkämpfe in einzelnen volkstümlichen
Uebungen. 400=Meterlauf: 1. Friedrich Reifegerſte, Kreis
3c, Turnverein Delitzſch, 54,2 Sekunden. Weitſpringen
mit Anlauf: 1. Viktor Frenzel, Brünn, 6,45 Meter.
Hochſpringen ohne Anlauf: 1. Ernſt Jüngel, Kreis 8b,
Turnerbund Unterbarmen, 1,37 Meter. Speerwurf: 1.
Konrad Carlſond, Kreis 3b, Turnverein Brandenburg,
43,85 Meter. Kugelſtoßen, 7½ Kilogramm: 1. Wilhelm
Leipziger, Kreis 4, Hohenſtein=Ernſtthal, 11,85 Meter.
Sieger im Eilbotenlauf: Tv. München von 1860.— Sieger
im Tauziehen: Turnverein Leipzig=Plagwitz. — Beſte
Mannſchaft im Fauſtball: Verein Licht=Luftbad Frankfurt
im Main. — Sieger im Eilbotenſchwimmen am 15. Juli:
1. Turngemeinde Leipzig: 2 Min. 32,5 Sek.; 2. Turnverein
Guts Muts=Quedlinburg: 2 Min. 33,5 Sek. — Sieger im
Waſſerballſpielen: Turnklub „Dr. Götz”=Magdeburg gegen
Männerturnerverein Magdeburg=Buckau 5.0.
Stadtverordnetenverſammlung.
7. Sitzung.
g. Darmſtadt, 17. Juli.
Burgermeiſter Mueller eröffnet die Sitzung um
3¾ Uhr mit folgenden
Mitteilungen:
Der Vorſitzende nimmt Veranlaſſung, dem Herrn
Stadtv. Ramdohr der heute das Feſt der Silbernen
Hochzeit feiert, die herzlichſten Glückwünſche der
Stadtver=
waltung und =vertretung auszuſprechen.
Der Heſſen=Naſſauiſche Verband Gabelsberger
Stenographen hat für die bewilligte Beihilfe zu
den Koſten des 34. Verbandstages in Darmſtadt gedankt.
Der Velozipedklub hat zu ſeinem Radrennen
am 20. d. M. eingeladen.
Der Darmſtädter Hausbeſitzer Verein
hat in einer längeren Eingabe gebeten, die Baugeſuche
der Gemeinnützigen Gartenſtadt=Genoſſenſchaft nicht oder
zurzeit nicht zu genehmigen. — Die Angelegenheit wird
in nächſter Zeit den Hochbauausſchuß beſchäftigen.
Herr Rentner Ludwig Keller hat in Sachen der
von ihm von der Stadt gepachteten Jagd eine Anfrage an
die Stadtverwaltung gerichtet, die auf das in der
Ange=
legenheit ſtattgefundene gerichtliche Verfahren Bezug hat,
und die er auch der Stadtverordnetenverſammlung zur
Kenntnis zu bringen gebeten hat.
Für die im Herbſt geplante Flugzeugmodell=
Ausſtellung iſt um koſtenloſe Ueberlaſſung der
Räume des Städtiſchen Ausſtellungsgebäudes gebeten
worden. — Der Finanzausſchuß hat das Geſuch
befür=
wortet. Die Verſammlung iſt damit einverſtanden.
Der neu errichteten Simon und Charlotte F u l da=
Stiftung ſoll ein der Stadt früher als Schenkung
unter einer Auflage zugefallener Betrag von 3000 Mark
teilweiſe als Grundſtock dienen. Es iſt die formelle
Zu=
timmung der Stadtverordnetenverſammlung zur
Ueber=
weiſung dieſes Betrages aus dem Vermögen der Stadt
an die neue Stiftung erforderlich, die erteilt wird.
Das Verhältnis der Vieh= zu den
Laden=
preiſen.
Der Herr Stadtv. Lin dt hat mit Eingabe vom
27. Mai auf das angebliche Mißverhältnis
zwiſchen Viehpreiſen und Ladenpreiſen
für Schweinefleiſch hingewieſen und angefragt,
was die Städtiſche Verwaltung im Intereſſe der
Konſu=
menten zu tun gedenke. Die Eingabe hat den
Sozialpoli=
tiſchen Ausſchuß beſchäftigt. Auf Grund einer
eingehen=
den Verhandlung, zu der auch Metzgermeiſter als
Aus=
kunftsperſonen zugezogen waren, hat ſich der Ausſchuß
einſtimmig davon überzeugt, daß zur Ergreifung
außerordentlicher Maßnahmen zurzeit kein
Anlaß beſteht.
Die Angaben des Herrn Stadtv. Lindt ſind der
Heſſi=
ſchen Landwirtſchaftlichen Zeitſchrift entnommen und an
ſich unanfechtbar. Sie liefern aber für ſich allein
nicht die Unterlage zu einer objektiven Betrachtung der
Beſamtlage. Die Statiſtiken, die aus den Kreiſen der
Metzger aufgemacht werden, geben ein anderes Bild. Es
iſt da nicht leicht, die ſpeziell für Darmſtadt in Betracht
kommenden tatſächlichen Verhältniſſe feſtzuſtellen. Es wird
beanſtandet, daß, trotz eines verhältnismäßig ſtärkeren
Rückganges der Schweinepreiſe die Ladenpreiſe für
Schweinefleiſch, Rippchen, Kammſtücke, geſalzenes Fleiſch
und Koteletts nur um 10 Pfg., die Preiſe für Fleiſch= und
Bratwurſt, Leber= und Blutwurſt nur um 4 Pfg. ſeit
Februar dieſes Jahres billiger geworden ſind. In der=
Tat ſind die Ladenpreiſe, die ubrigens eine Erhöhung der
Viehpreiſe im Winter auch nicht mitgemacht hatten, der
ſinkenden Konjunktur nicht im gleichen Verhältnis gefolgt,
jedenfalls nicht im Mai und Juni dieſes Jahres. Hier
hat die Spannung bei Schweinefleiſch zeitweiſe 19 und
20 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht betragen. Dieſe
Span=
nung hat indeſſen nur ſehr kurz angehalten. Seit Anfang
Juli haben die Viehpreiſe wieder angezogen.
Normaler=
weiſe kann man annehmen, daß eine Spannung von 15
bis 16 Pfg. pro Pfund als angemeſſener Verdienſt des
Metzgers anzunehmen iſt. Iſt der Metzger allerdings,
wie das in Darmſtadt vielfach der Fall iſt, nicht
ausrei=
chend beſchäftigt, dann genügt für ihn dieſe Spannung
nicht. In Darmſtadt kommt bei 160 Metzgern
auf rund 540 Menſchen ein Metzger. Das wäre
wohl noch als ein normales Verhältnis anzuſprechen,
wenn nicht von dem Publikum ſehr viel Fleiſch von
aus=
wärts bezogen würde. Das Publikum könnte alſo durch
konſequentes Einkaufen am Platze indirekt zu einer
Ver=
billigung des Fleiſches beitragen. Auf der anderen Seite
kann natürlich gerade demjenigen Publikum, das am
Platze kauft, nicht zugemutet werden, deshalb höhere
Preiſe zu bezahlen, weil am Orte die Verhältniſſe im
Metzgergewerbe beſonders ungünſtig liegen. Ein
Ver=
gleich mit den Preiſen in benachbarten Städten
ergibt übrigens, daß in Darmſtadt jedenfalls keine
höheren Ladenpreiſe bezahlt werden wie dort,
Aufgrund aller dieſer Erwägungen war man
einſtim=
mig der Anſicht, daß von der Ergreifung beſonderer
Maß=
nahmen um ſo mehr abzuſehen ſei, als die zurzeit zwiſchen
Einkaufs= und Verkaufspreis beſtehende Spannung ein
normales Maß nicht überſchreitet. Die Erfahrungen mit
der letztwinterlichen Aktion, bei der ſich ergab, daß die
Minderbemittelten von der billigen
Einkaufsgelegenheit=
ſo gut wie gar keinen Gebrauch machten, konnten
auch=
nicht zu einem abermaligen Vorgehen in eigener Regie
ermutigen. Uebrigens wurde dem Sozialpolitiſchen
Aus=
ſchuß ſeine Stellungnahme erleichtert durch die Tatſache,
daß in einzelnen Geſchäften der Stadt einwandfreies
Fleiſch auch zu billigeren Preiſen zu haben iſt.
Keine Kriegsſchule für Darmſtadt.
Das Kriegsminiſterium hat mitgeteilt, daß als
Stand=
ort der neuen Kriegsſchule die Stadt Erfurt beſtimmt
worden iſt. Die Stadt Darmſtadt konnte trotz des von
der Heeresverwaltung dankend anerkannten
Entgegen=
kommens bei der Auswahl des Platzes, die nach
militär=
dienſtlichen und wirtſchaftlichen Rückſichten erfolgt iſt, nicht
berückſichtigt werden.
Eine Luftſchiffer= und eine
Funker=
kompagnie für Darmſtadt geſichert.
Nachdem die Stadtverordneten=Verſammlung am 12.
Juni beſchloſſen hatte, das für die Errichtung einer
Luftſchiffer= und einer Funkerkaſerne
be=
nötigte Gelände unter gewiſſen Vorausſetzungen
unent=
geltlich zur Verfügung zu ſtellen, iſt über die von der
Stadt geſtellten Bedingungen inzwiſchen weiter
verhan=
delt worden, mit dem Ergebnis, daß die
Heeresverwalt=
ung den von der Stadt geſtellten Bedingungen mit
ent=
ſprechenden Erläuterungen zugeſtimmt hat.
Darm=
ſtadt iſt als Standort für die neuen Truppen nunmehr
ge=
ſichert. Nachdem das Großh. Miniſterium der Finanzen.
inzwiſchen auch die Freigabe des Geländes aus dem
Waldverband genehmigt hat, werden die Arbeiten für die
Kaſernenbauten in den nächſten Wochen in Angriff
ge=
nommen werden können. Stadtv. Sames nimmt
Stellung zu dem Verdingungsweſen der Behörden. Der
hieſige Handwerker= und Gewerbeſtand ſei durchaus nicht
der Anſicht, daß das auswärtige Handwerk bei
Vergeb=
ungen ausgeſchaltet werden ſolle, wohl aber ſolle die
Heranziehung derjenigen auswärtigen Firmen vermieden
werden, die bekannt die niedrigſten Angebote machen, die
nicht als angemeſſen bezeichnet werden können. Er bittet
die Bürgermeiſterei, beim Kriegsminiſterium dahingehend
vorſtellig zu werden. Der Bürgermeiſter ſagt dies zu.
Die Grund= und
Gewerbeſteuergeſetz=
gebung.
Der Stadtverordnete Dr. Vaubel regt in einer an
den Herrn Oberbürgermeiſter gerichteten Eingabe ein
gemeinſames Vorgehen der heſſiſchen
Städte bei Regierung und Landtag an, um eine
alsbaldige Abänderung der als drückend
empfunde=
nen Grund= und Gewerbeſteuergeſetzgebung
herbeizuführen und eine Ermäßigung für das laufende
Jahr zu erzielen. Der Vorſitzende gibt mit Bezug
hier=
auf und auf verſchiedene Eingeſandts in den Lokalblättern
eine kurze Aufklärung dahingehend, daß die Unterſchiede
in den Steuerſätzen gegen das Vorjahr (teils Mehr=,
teils Minderbeträge) in der Hauptſache auf den neuen
geſetzlichen Beſtimmungen über die Bildung der
Unter=
lagen (Steuer= und Vermögenswerte) für den
Steuer=
ausſchlag beruhen. Für die Einkommenſteuer, die für
ſich allein die größte Zahl Steuerpflichtiger in ſich ſchließt,
iſt der vorjährige Ausſchlagsſatz von 128,4 Pfg.
auf eine Mark ſtaatliche Einkommenſteuer beibehalten
worden; trotzdem liefert ſie, infolge Zunahme der
ſtaat=
lichen Steuerkapitalien, Zuzugs ſteuerkräftiger
Perſo=
nen pp. im laufenden Jahre einen
Mehr=
ertragvonüber 62000 Mark. Für die
ſogenann=
ten Realſteuern (Grund=, Gewerbe= und
Kapital=
ſteuer) iſt die neue Beſteuerungsart nach dem
Rauhver=
mögen in Kraft getreten. Genau den geſetzlichen
Vor=
ſchriften und den hierzu erlaſſenen
Ausführungsbeſtim=
mungen entſprechend, ſind von der ſtaatlichen
Veranlag=
ungsbehörde, unter Mitwirkung der
Veranlagungskom=
miſſionen, aber ohne Mitwirkung der Stadtverwaltung,
die als Steuerkapitalien dienenden Vermögenswerte
feſt=
geſetzt worden. Daß hier Unterſchiede gegen bisher, und
teilweiſe nicht ganz unbedeutende, entſtehen würden, war
vorauszuſehen, weil das neue Geſetz in der Hauptſache
keinen Schuldenabzug geſtattet und den Ertrag des
Ob=
jektes nicht berückſichtigt. Die Folge mußte ſein, daß der
Grund= und Kapitalbeſitz, namentlich der erſtere, eine
Mehrbelaſtung erfährt, während der Gewerbebetrieb im
allgemeinen ſich entlaſtet findet.
Der ſtädtiſchen Verwaltung lag die Feſtſetzung der
neuen Ausſchlagsziffer auf 100 Mark Steuerwert des
Ver=
mögens ob, und ſie wählte, unter Anleitung der ſtagt=
lichen Veranlagungsbehörde, die Ausſchlagsziffer von
21,6 Pfg., die ihr nicht ganz (etwa 15000 Mark
we=
niger) den im Voranſchlag berechneten Steuerbedarf
bringen wird. Darmſtadt bliebmit dieſem Satz
unter den größten Städten Heſſens an
zweitletzter Stelle. Offenbach erhebt 34,5, Mainz
22,95, Worms 22,53, Darmſtadt 21,6 und Gießen etwas
weniger, nämlich 21 Pfg., von 100 Mark Vermögenswert.
Es iſt nicht zu beſtreiten, daß in vielen bekannt
geworde=
nen Fällen das neue Steuergeſetz eine Mehrbelaſtung
gebracht hat, die als Härte und Mißverhältnis
empfun=
den werden muß. Das Verlangen nach Abhilfe, die aber
nur durch geſetzgeberiſche Maßnahmen
her=
beigeführt werden kann, erſcheint daher wohl berechtigt.
Die Großh. Regierung ſoll ſich in dieſer Hinſicht ſchon
entgegenkommend geäußert haben, und auch maßgebende
Politiker der beiden Ständekammern ſollen einer
teilwei=
ſen Aenderung der neuen Beſteuerungsart (durch
Beacht=
ung der Ertragsziffer bei Feſtſtellung der Steuer=
Ver=
mögens=werte) geneigt ſein. Die ſtädtiſche Verwaltung
wird gerne bereit ſein, zur Beſeitigung entſtandener
Här=
ſten und einer ungerechten Belaſtung von
Steuerpflich=
tigen durch Vorſtellungen an Regierung und Landſtände
beizutragen. Sie wird aber zuvor und im Einvernehmen
mit den Verwaltungen der anderen heſſiſchen Städte an
Hand amtlichen Materials feſtzuſtellen haben, welche
Wirkungen das neue Geſetz gegenüber den bisherigen
Steuergeſetzen in den Endergebniſſen der einzelnen
Steuerarten hat, und ob geplante Geſetzesänderungen auch
die finanzielle Wirkung haben werden, die der einzelne
Steuerpflichtige wünſcht und die die Stadtverwaltungen
beanſpruchen müſſen. Auf einem etwa im Herbſt
einzu=
berufenden heſſiſchen Städtetag wird hierzu Stellung zu
nehmen ſein.
Stadtv. Henrich führt aus, daß die Klagen über
die fragliche Steuergeſetzgebung an die falſche Adreſſe
gerichtet ſind. Nicht die Stadtverordneten ſind dafür
ver=
antwortlich, ſondern die ſtaatliche Geſetzgebung. Es
wurde lediglich der bisherige Geſamtſteuerbetrag von
der Stadt beſchloſſen. Ungleichheiten und Härten ſeien
nur auf das Geſetz zurückzuführen. Wenn nach der einen
Seite eine herb empfundene Belaſtung aufgetreten ſei, ſo
muß naturgemäß auf der anderen Seite auch eine
Ent=
laſtung eingetreten ſein. Davon hört man freilich nichts.
— Stadtv. Dr. Oſann rügt, daß die Steuerzettel erſt
Ende des letzten Monats oder gar Anfang dieſes
Mo=
nats zum Austrag gelangt und als Zahlungstermin der
5. Juli bekannt gegeben wurde. Es müſſe ein ſpäterer
Termin angeſetzt werden, wenn die Steuerzettel ſo ſpät
verſchickt werden. Zum Teil ſeien wohl die kleineren
und mittleren Handwerker durch die neue
Steuergeſetz=
gebung entlaſtet worden. Wenn durch einwandfreies
Ma=
terial nachgewieſen werde, daß die Steuergeſetze
unge=
recht ſeien, werden auch die Kammern nicht verſäumen,
ſie einer Reviſion zu unterziehen. Daß ſich
Schwierig=
keiten ergeben könnten, darüber ſei man ohne Zweifel
klar geweſen, doch war eine Aenderung unbedingt
erforder=
lich. — Stadtv. Schupp begrüßt die Anregung des
Stadtv. Vaubel, es müßten aber die Härten nicht erſt in
ſpäterer Zeit, ſondern recht ſchnell beſeitigt werden.
Es ſprechen noch die Stadtvv. Lehr, Dr. Fulda,
Aß=
muth. — Stadtv. Sames macht beſonders darauf
aufmerkſam, daß in beſonderen Fällen auf Antrag
auch das Mittel vom gemeinen und dem Ertragswert
in Anſatz gebracht werden kann. — Beig. Jäger weiſt
darauf hin, daß die Stadt Gelände nur erworben habe,
wenn dies Verkehrs= oder andere Verhältniſſe es nötig
gemacht haben. — Stadtv. Dr. Noellner regt an,
nachdem die Härten bezüglich des Zahlungstermins für
das erſte Ziel nicht mehr gut gemacht werden können, den
Zahlungstermin für das zweite Ziel auf den 15. Auguſt
feſtzuſetzen. — Stadtv. Dr. Oſann ſpricht ſeine
Ver=
wunderung darüber aus, daß Stadtv. Aßmuth für den
Ertragswert eintritt. — Stadtv. Dr. Fulda ſtellt feſt,
daß ſein Kollege Aßmuth nur in einem
außerordent=
lichen Fall für den Ertragswert eingetreten ſei.
Das=
ſelbe ſtellt Stadtv. Aßmuth ſelbſt feſt. — Bürgermeiſter
Mueller ſtellt feſt, daß eine Entlaſtung des Handwerks
zweifellos eingetreten ſei.
Die elektriſche Straßenbahn.
Der Ausſchuß der vereinigten Bezirksvereine hat an
die Stadtverwaltung das Erſuchen gerichtet, durch ihre
Vertreter im Aufſichtsrat der Heag zu beantragen, daß
die vorgeſehene Weiterführung der
elektri=
ſchen Bahn vom Schloßgartenplatz nach dem
Riegerplatz unverzüglich in Angriff genommen wird.
Der Ausſchuß führt gleichzeitig Klage über die langſame
Durchführung des Ausbaues der Straßenbahn und bittet
den Herrn Oberbürgermeiſter um genaue Aufklärung zur
Beruhigung der Einwohnerſchaft. Der Stadtv. Kolb
rügt in längerer Rede die langſame Ausführung des
Bauplanes der Straßenbahnen. Die Linienführung durch
die Hochſchulſtraße ſei zwar beſonders ſchwierig, aber
wenn der Großherzog dieſe Linienführung nicht
geneh=
migt habe und auch nicht die Führung durch den
Herrn=
garten, ſo wäre dies ſehr zu bedauern.
Bürgermeiſter Mueller führt zu der Anfrage etwa
folgendes aus: Er verſtehe es vollkommen, daß man über
die Verzögerung des Ausbaues erregt ſei, doch
unter=
ſchätze man vielfach die vorliegenden Schwierigkeiten. Er
müſſe den Vorwurf gegen den Oberbürgermeiſter und
Beigeordneten Ekert, ſie ſeien zu langſam vorgegangen,
mit allem Nachdruck zurückweiſen. Er habe in den
letz=
ten Tagen eingehend mit Herrn Direktor Möller und der
Kommiſſion, die die Hochſchule für die Angelegenheit
ein=
geſetzt hat, konferiert. Auf Grund dieſer Unterredungen
habe er die Ueberzeugung gewonnen, daß in keiner Weiſe
etwas verabſäumt worden ſei. Ohne die Lieferung der
neuen Wagen, die vor vielen, vielen Monaten in
Auf=
trag gegeben worden ſind, könnten keine neuen Linien
er=
öffnet werden. Es werden nun aber 15 Motorwagen
am 15. Auguſt und einige Tage ſpäter 10 Anhängewagen
geliefert werden, ſo daß die Linie nach dem
Martins=
viertel bis zum 1. Oktober 1913 oder doch nur
wenige Tage ſpäter in Betrieb genommen werden
könnte. Die Schienen für dieſe Linie ſollen nach einem
Aufſichtsratsbeſchluß der Heag von dem für die
Frank=
furter Straße gelieferten Schienenmaterial genommen
werden, da die Linie ins Martinsviertel ohne Zweifel
erheblich nötiger ſei. Das Projekt, durch den
Herrngar=
ten in die Pankratiusſtraße zu kommen, ſei vom
Groß=
herzog abgelehnt worden. Es bleiben alſo nur die zwei
Projekte, die Linie durch die Hochſchulſtraße und durch
die Magdalenenſtraße. Er könne mitteilen, daß der
Großherzog das Projekt durch die Hochſchulſtraße nicht
abgelehnt habe. Auch von ſeiten der Hochſchule werde
kein grundſätzlicher Widerſpruch gegen
dieſe Linienführung erhoben. Man wolle von dieſer
Seite die Sache durchaus loyal behandeln und im beſten
Einvernehmen mit der Stadt bleiben. Es werden nur
Entſchädigungen gefordert für die notwendige
Umwand=
lung von Inſtrumenten und ſonſtigen Aenderungen. Die
genauen Koſten hierfür betragen 18000 Mark. Es muß
ein ſtädtiſches Gelände mit einem Schuppen zur
Ver=
fügung geſtellt werden, wo notwendige Meſſungen
unbe=
einflußt durch elektriſche Ströme ausgeführt werden
können. Das Projekt der Linienführung durch die
Hoch=
ſchulſtraße würde die Stadt etwa 20000 Mark teurer
kom=
men, als durch die Magdalenenſtraße. Allerdings wäre
die letztere Linienführung für die Heag koſtſpieliger im
Betrieb Bedenken würden ſich ergeben bei der
Hochſchul=
ſtraßenlinie durch den ſtarken Verkehr am Theater. Der
Weg durch die Magdalenenſtraße würde die Fahrt um
eine Minute verlängern. Selbſtverſtändlich wünſche die
Hochſchule dieſe Linienführung, aber ſie ſpreche ſich nicht
durchaus ablehnend dem anderen Projekt gegenüber aus.
Was die Linienführung Schloßgartenplatz-
Rieger=
platz anlangt, ſo habe die Heag Bedenken gegen die
Führ=
ung über den Liebfrauenplatz, Eckhardtſtraße,
Liebfrauen=
ſtraße, Heinheimerſtraße, Riegerplatz. Es wäre dies ein
Teil einer äußeren Ringlinie, die nicht zweckmäßig ſei.
Es ſeien ſchon zwei andere Führungen vorgeſehen und
ausgearbeitet, die einen kürzeren Weg führen. Die Pläne
ſind ſchon fertig. Die Linie könne alſo auch ſofort gebaut
werden, wenn die Wagen da ſind. Die Linie Frankfurter
Straße-Schlachthof wurde zurückgeſtellt, weil der
Auf=
ſichtsrat der Heag beſchloſſen hatte, die hierfür
bereitlie=
genden Schienen für die Linie ins Martinsviertel zu
verwenden. Für die Verbindung Bismarckſtraße-
Mathildenplatz konnten bisher noch nicht die Weichen
ge=
liefert werden. Für die Linie Bismarckſtraße-
Dornhei=
mer Weg iſt alles vorbereitet, ſowie die
Durchbruchs=
arbeiten erledigt ſind können auch die Schienen gelegt
werden. Für die Linie nach Eberſtadt findet am 24. Juli
landespolizeilicher Prüfungstermin ſtatt. Im Oktober,
ſpäteſtens im November, wird der elektriſche Betrieb mit
Einſchiebung von Dampfſtraßenzügen aufgenommen
wer=
den können. Der vollſtändige elektriſche Betrieb iſt noch
nicht möglich, da die Umformer noch nicht alle erbaut ſind=
und es daher vorläufig noch an Kraft mangelt.
Diskuſſion.
Stadtv. Möſer ſetzte ſtarke Zweifel in die Zuſage,
daß die Linie ins Martinsviertel zum Herbſte laufen
werde, nachdem das frühere Verſprechen nicht gehalten
wurde. Von der Linienführung durch die
Magdalenen=
ſtraße könne keine Rede ſein. — Stadtv. Dr. Noellner
will ebenfalls von der Linienführung durch die
Maada=
lenenſtraße nichts wiſſen, das wäre eine Brüskierung des
Martinsviertels. Daß die Schienen der Frankfurter
Straße für dieſe Linie verwendet werden könnten, ſei
aus=
geſchloſſen. Bei dieſer Gelegenheit möchte er die
Bürger=
meiſterei bitten, eine beſſere Fahrordnung herbeizuführen,
beſonders bei dem Ueberholen von ſchnellfahrenden
Fahr=
zeugen ergäben ſich fortwährende Schwierigkeiten.
Stadtv. Kahn tritt beſonders für die Linie durch die
Frankfurter Straße ein. — Der Bürgermeiſter meinte, er
könne nur das ſagen, was ihm an Informationen gegeben
worden ſei. — Stadtv. Linck vermißt Aeußerungen des
Bürgermeiſters über die Linie nach dem Oſtbahnhof. Er
möchte darauf beſtehen, daß entſprechend dem
Stadtver=
ordnetenbeſchluß die Wagen bis zur Ohlyſtraße fahren. —
Der Bürgermeiſter ſtellt dies dahin richtig, daß im
Sommerfahrplan erſtmalig von 2 bis 8 Uhr abends die
Wagen bis zur Ohlyſtraße alle 7½ Minuten fahren. Auch
im Winterfahrplan ſoll dies beibehalten bleiben.
Stadtv. Aßmuth möchte anregen, einen Beſchluß
herbei=
zuführen, daß an der ſchnellſten Durchführung der
be=
ſchloſſenen Linienführung feſtgehalten wird. — Der
An=
trag ſoll ausgearbeitet werden und am Schluß darüber
abgeſtimmt werden.
Stadtv Sames ſtellt folgenden Antrag: Der
Ober=
bürgermeiſter wird erſucht, außer den Vorſtänden der
techniſchen Aemter auch die beiden Baupolizeireviſoren
und eine Anzahl Stadtbauführer zum Beſuche der
Inter=
nationalen Baufach=Ausſtellung, beſonders der Abteilung
für Hygiene und Arbeiterſchutz, zu entſenden, ferner einer
Anzahl von Arbeitern Beihilfen zum Beſuche der
Aus=
ſtellung zu gewähren. — Der Antrag iſt von ſämtlichen
Stadtverordneten unterſchrieben. Der Antrag wird
an=
genommen.
Baudispensgeſuche.
Auf einem Grundſtück an der Frankfurter Straße ſoll
ein Gewächshaus errichtet werden. Da das Grundſtück
außerhalb des Bebauungsplanes liegt, iſt die Geſtattung
einer Ausnahme von der Beſtimmung in § 5 des
Orts=
bauſtatuts erforderlich, die beantragt wird. Die
Ver=
ſammlung ſtimmt nach dem Referat des Stadtv.
Wag=
ner zu.
In der Hofreite Waldſtraße 4 iſt zur Schaffung
beſſe=
er Lichtverhältniſſe die Anbringung eines
Oberlichtfen=
ſters in der weſtlichen Brandmauer des Gebäudes nach
dem Garten der benachbarten ſtädtiſchen Hofreite
Wald=
ſtraße 6 beabſichtigt. Es wird Bewilligung des Geſuchs
unter den Bedingungen des vorliegenden Reverſes
bean=
tragt. Dies erfolgt nach dem Referat des Stadtv
Mark=
wort.
Durchführung der neuen Ireneſtraße.
Das zur Eröffnung der neuen Ireneſtraße zwiſchen
Arheilger Straße und Schuknechtſtraße
er=
worbene Gelände ſoll nach Freilegung des
Straßengelän=
des eingefriedigt werden. Die früher auf dem Gelände
vorhandenen Baulichkeiten ſind wegen großer
Baufällig=
keit bereits niedergelegt worden. Hochbau= und Finanz=
Ausſchuß haben ſich hiermit einverſtanden erklärt und die
Bewilliaung der erforderlichen Mittel befürwortet.
Re=
ferent Stadtv. Wagner. Die Mittel werden bewilligt.
Für die Hauptzufuhrſtraße nach dem
neuen Südbahnhof
wird eine Aenderung des Profils vorgeſchlagen.
Hier=
nach ſoll die Straße Fußſteige von 4,50 Meter auf der
Nordſeite und 3,25 Meter auf der Südſeite und eine
Ge=
ſamtbreite von 22 Meter zwiſchen den Hauptfluchtlinien
und von 19.50 Meter zwiſchen den doppelten Fluchtlinien,
die hier erſtmals Anwendung finden ſollen, erhalten. Auf
er Nordſeite wird der Fußſteig eine Baumreihe
erhal=
ten. Hochbau=Ausſchuß und Tiefbau=Deputation haben
zugeſtimmt. Referent Beig. Jäger. Stadtv.
Leyer=
zapf rügt die immenſe Breite der Straße. Dem
wider=
ſprechen Beig. Jäger und die Stadtvv. Sames,
Schupp und Dr. Noellner. Die Anlage wird nach
den Kommiſſionsbeſchlüſſen gutgeheißen.
Der Fußſteig auf der Oſtſeite der
Ried=
lingerſtraße
zwiſchen Soder= und Lindenhofſtraße ſoll im
Verkehrs=
intereſſe eine endgültige Befeſtigung durch Aſphaltierung
erhalten. Die Koſten betragen 1026 Mark und ſind von
den Anliegern zu tragen. Die Tiefbau=Deputation
be=
fürwortet die Herſtellung. Dieſe wird nach dem Referat
des Stadtv. Sames beſchloſſen.
Zurückverſſetzung der Einfriedigung der
Rennbahn.
Infolge der Verbreiterung der Heidelberger Straße
und der Einlegung eines zweiten Gleiſes der
Straßen=
bahn iſt die Zurückverſetzung der Einfriedigung der
Rennbahn an der Heidelberger Straße auf die genehmigte
Straßenfluchtlinie notwendig geworden. Hierfür, ſowie
für andere in Verbindung damit auszuführende
Herſtellun=
gen daſelbſt wird ein Kredit von 1100 Mark gefordert,
deſ=
ſen Bewilligung von den zuſtändigen Ausſchüſſen
bean=
tragt wird. Der Betrag wird nach dem Referat des Stadtv.
Markwort bewilligt.
Im Treppenhaus des Stadthauſes
ſollen nach dem Vorſchlag des Stadtbauamts die Fenſter
umgeändert werden, damit eine beſſere Beleuchtung und
eine vorteilhaftere Raumgeſtaltung erreicht wird. Die
Ausſchüſſe haben die Veränderung autgeheißen und die
Bewilligung des erforderlichen Kredits empfohlen.
Refe=
rent Stadtv. Markwort. Der Kredit wird
be=
willigt.
Bauherſtellungen.
In der zu dem Krankenhaus gehörigen Hofreite
Wie=
ſenſtraße 2 ſollen Dienſtwohnungen für
Krankenhausbe=
dienſtete eingerichtet werden, wobei gleichzeitig
notwen=
dige bauliche Verbeſſerungen vorgenommen werden
müſ=
ſen. Der hierfür geforderte Kredit von 3500 Mark wird
zur Bewilligung empfohlen. Referent Stadtv. Sames.
Der Betrag wird bewilligt.
Beſchaffung von Straßenbaumaterialien.
Für die Lieferung des ſtädtiſchen Bedarfs an
ver=
ſchiedenen Straßenbaumaterialien hat das Tiefbauamt
den Abſchluß eines mehrjährigen Vertrags mit der
Oden=
wälder Hartſtein=Induſtrie vorgeſchlagen. Die Tiefbau=
Deputation und der Finanz=Ausſchuß haben einem
Ver=
tragsabſchluſſe auf die Dauer von drei Jahren
zuge=
ſtimmt. Das gleiche tut heute die Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung. Es berichtete Stadtv. Widmann.
Aufſtellung von Straßen=Ventilbrunnen.
Im öffentlichen Intereſſe wurden auf dem
Rieger=
platz und an der Zufuhrſtraße nach dem neuen
Südbahnhof zwei Straßenventilbrunnen aufgeſtellt,
wofür die Bewilligung eines Kredits von 700 Mark
nach=
träglich beantragt wird. Es berichtet Stadtv. Kahn.
Der Betrag wird bewilligt. Stadtv. Möſer regt die
Anlegung einer Bedürfnisanſtalt auf dem Riegerplatz an.
Für die notwendige
Ausführung von Waldwegbauarbeiten
hat die Oberförſterei Darmſtadt eine Erweiterung des
Voranſchlagskredits um 1500 Mark beantragt, die von
den zuſtändigen Ausſchüſſen befürwortet wird. Dasſelbe
geſchieht nach dem Referat des Stadtv. Aßmuth.
Hier=
bei regt Stadtv. Lindt an, Bezeichnungen von Schneiſen
im Oberwald aufzufriſchen.
Im ſtädtiſchen Lagerhaus iſt zur beſſeren Vermietung
von Lagerräumen
die Herſtellung von Abſchlußwänden
erforderlich, für die ein Kredit von 330 Mark beantragt.
wird. Dieſer wird nach dem Referat des Stadtv.
Wag=
ner bewilligt.
Gebührentarif für das ſtädtiſche
Lager=
haus.
Nach der Betriebsordnung für die Benutzung des
ſtädtiſchen Lagerhauſes ſind die eingelagerten Waren
ge=
gen Brandſchaden zu verſichern und entſprechende
Ge=
bühren hierfür an die Stadtkaſſe zu entrichten. Auf
Nach=
ſuchen verſchiedener Intereſſenten wird nunmehr
bean=
tragt, die Verwaltung zu ermächtigen, daß ſie auf
An=
trag eine Befreiung von dieſer Vorſchrift ausſprechen
kann, wenn anderweite genügende Verſicherung
nachge=
wieſen und auf die geſetzliche Haftung des Lagerhalters
ausdrücklich verzichtet wird. Es berichtet Stadtv. Dr.
Fulda. Die Verſammlung ſtimmt dem Antrag zu.
Die in die Stadtkaſſe fließenden
Gebühren für die Miterhebung der
evangeliſchen und katholiſchen
Kirchen=
ſteuern
werden als Pauſchvergütungen aus den betreffenden
Kirchenkaſſen bezahlt und im Einvernehmen mit den
Kir=
chenvorſtänden von Zeit zu Zeit neu feſtgeſetzt. Vom
1. April 1913 ab hat wieder eine Neufeſtſetzung
ſtattzu=
finden. Mit den vorgeſchlagenen neuen Vergütungsſätzen.
die unter Zugrundelegung eines Satzes von 2 Prozent der
vorausſichtlichen baren Einnahme an Kirchenſteuern in
1913 und unter Berückſichtigung der Zugänge in den
kom=
menden Jahren berechnet ſind, haben ſich die
Kirchenvor=
tände einverſtanden erklärt. Der Finanz=Ausſchuß hat
zugeſtimmt. Referent Stadtv. Bormet. Die
Stadt=
verordneten=Verſammlung ſtimmt dem zu.
Bründung einer Schülerbücherei für die
Liebigs=Ober=Realſchule.
Die Liebigs=Ober=Realſchule hat beantragt,eine
Krediterſparnis, die bei den ſachlichen Ausgaben der
Schule in 1912 entſtanden iſt, zur Gründung einer für
ein=
zelne Klaſſen noch fehlenden Schülerbücherei verwenden
zu dürfen. Schul= und Finanz=Ausſchuß haben den
An=
trag befürwortet. Der Antrag wird nach dem Bericht des
Stadtv. Bormet angenommen.
Schaffung einer Erholungsſtätte für die
Schweſternſchaft des Krankenhauſes.
Es hat ſſich als Bedürfnis erwieſen, für die Schweſtern
des Städtiſchen Krankenhauſes einen Platz im Walde zu
ſchaffen, wo ſie in ihren Freiſtunden in friſcher Luft der
Ruhe pflegen und ſich erholen können. Als geeignet
hier=
für wurde der Teil des ſtädtiſchen Oberwaldes befunden,
der in nächſter Nähe der Hirſchköpfe hinter der
Stadt=
förſterwohnung liegt. Die Anlage ſoll aus einem
um=
friedigten Erholungsgarten mit einem innerhalb
desſel=
ben errichteten Aufenthaltsraume beſtehen. Die Koſten
werden aus Stiftungsmitteln, die dem Krankenhaus zur
Verfügung ſtehen, beſtritten werden. Hier handelt es ſich
darum, die Benutzung des ſtädtiſchen Waldgeländes für
die fragliche Anlage zu genehmigen, was beantragt wird.
Dem Antrag wird nach dem Bericht des Bürgermeiſters
zugeſtimmt.
Die Angeſtelltenverſicherung der
Kranken=
hausſchweſtern.
Bei der Schaffung des Statuts für die
Krankenhaus=
ſchweſtern war die Frage der Angeſtelltenverſicherung der
Schweſtern noch nicht geklärt. Den Schweſtern ſollen
nun=
mehr die geſamten Angeſtelltenverſicherungsbeiträge
be=
zahlt werden. Es handelt ſich um eine jährliche
Be=
laſtung der Stadt um 2015 Mark. Dem wird nach dem
Bericht des Stadtv. Dr. Noellner zugeſtimmt.
Die Schließung der
Gemeindekranken=
verſicherung.
Nach dem Einführungsgeſetz zur Reichsverſicherungs=
Ordnung müſſen die Gemeindekrankenverſicherungen mit
Ablauf des 31. Dezember 1913 geſchloſſen werden. Mit
dem 1. Januar 1914 werden die verſicherungspflichtigen
Mitglieder der Gemeindekrankenverſicherung ohne
weite=
res Mitglieder der allgemeinen Ortskrankenkaſſe, während
die verſicherungsberechtigten Mitglieder das Recht auf die
Mitgliedſchaft bei dieſer Kaſſe haben. Es erwächſt alſo
den Mitgliedern der Gemeindekrankenverſicherung aus der
Schließung keinerlei Nachteil. Die Stadtverordneten=
Ver=
ſammlung, als Vertreterin der
Gemeindekrankenverſiche=
rung, iſt vor der Schließung, die durch das Oberverſiche=
rungsamt verfügt wird. zu hören. Es wird beantragt,
die Stadtverordneten=Verſammlung wolle gegen die
Schließung nichts zu erinnern finden. Dem wird nach
dem Bericht des Bürgermeiſters zugeſtimmt.
Stellenbeſetzung.
Infolge Ablebens des ſeither mit der Führung der
Einnahmekontrolle der Stadtkaſſe und der ſtädtiſchen
Ne=
benkaſſen beauftragten Oberſtadtſekretärs, Rechnungsrats
Elbertt, wird beantraat, dieſes Geſchäft dem
Ober=
ſtadtſekretär Heberer zu übertragen und in
Verhinde=
rungsfällen den Oberſtadtſekretär Hahn mit der
Stell=
vertretung des Kontrolleurs zu beauftragen. Die
Stadt=
verordneten=Verſammlung ſtimmte nach dem Bericht des
Stadtv. Henrich der Neuregelung zu.
Die Entwäſſerung des Geländes vordem
neuen Bahnhof Darmſtadt=Süd
iſt dringend notwendig. Die Einlegung eines Kanals
im Zuge der projektierten Ringſtraße iſt zurzeit noch nicht
möglich. Zur Vermeidung von Nachteilen bei heftigen
Gewitterregen ſoll daher eine vorläufige Entwäſſerung
durch einen Kanalgraben hergeſtellt werden. Zur
Ein=
legung dieſes Kanalgrabens iſt ein Geländeſtreifen zu
pachten, wofür eine jährliche Pachtſumme von 6 Mark und
eine einmalige Entſchädigung für Ernteausfall pp. von
120 Mark gefordert wird. Die Herſtellung des
Kanal=
grabens mit den Anſchlußkanälen erfordert einen
Koſten=
aufwand von 1600 Mark. Die zuſtändigen Ausſchüſſe
ha=
ben der Pachtung des Geländes und der Bewilligung des
Kredits für den Kanalgraben zugeſtimmt. Dasſelbe
ge=
ſchieht von der Verſammlung nach dem Bericht des
Stadtv. Widmann.
Nach Erledigung der Tagesordnung kommt der
An=
trag zur einſtimmigen Annahme, wonach die
Bürgermeiſterei erſucht wird, die Heag zur unverzüglichen
Durchführung der beſchloſſenen Linien auſzufordern. Es
wird darin ausdrücklich beſtimmt, die Linie ins
Martins=
viertel durch die Hochſchulſtraße zu führen, und daß die
Inbetriebnahme dieſer Strecke ſpäteſtens bis zum
Spät=
herbſt 1913 beſtimmt erfolgen ſoll.
Nach 7 Uhr wurde die öffentliche Sitzung geſchloſſen.
Gerichtszeitung.
* Berlin, 17. Jnli. Der Berliner Lokalanzeiger
meldet: Am 31. Juli wird die vom Abgeordneten
Lieb=
knecht im Reichstag angeſchnittene Kruppaffäre unter
dem Rubrum „Tilian und Genoſſen” vor dem
Komman=
danturgericht zur Verhandlung kommen. Sieben
Zeugoffiziere ſtehen unter der Anklage wegen
Ungehor=
ſams gegen Dienſtbefehle, wegen Beſtechung und Verrats
militäriſcher Geheimniſſe. Nach den Liebknechtſchen
Ent=
hüllungen wurde nach dem Berliner Tageblatt das
Ber=
liner Krupp=Bureau polizeilich überwacht und feſtgeſtellt,
daß eine Anzahl Heeresangeſtellter mit dem Bureau,
ins=
beſondere deſſen Leiter Brandt, einem früheren
Heeres=
angeſtellten, verkehrten. Die Betreffenden wurden
ver=
haftet und in das Unterſuchungsgefängnis eingeliefert.
Wie verlautet, haben ſie die Firma über Neuanſchaffungen
und Aenderungen, die von der Militärverwaltung geplant
waren, informiert, bei Submiſſionsausſchreibungen die
Konkurrenzpreiſe, beſonders die der Rheiniſch=
Weſtfäli=
ſchen Metallfabrik, mitgeteilt, der Firma Krupp ferner
Mitteilungen aus Geheimberichten und Fachabſchriften
übergeben, ſowie Schriftſtücke, deren Geheimhaltung im
Intereſſe der Landesverteidigung lag, ſich verſchafft und
der Firma zugänglich gemacht. Die Angeklagten und ihre
Familien ſollen ſich ferner durch Brandt in Reſtaurants
und Vergnügungsſtätten haben freihalten laſſen, ſowie
Darlehen und Geldgeſchenke von ihm entgegen genommen
haben. Die ſieben Angeklagten und Brandt ſelbſt ſollen
bereits Geſtändniſſe abgelegt haben. Bei der Firma
Krupp in Eſſen ſollen Berichte des Brandt beſchlagnahmt
worden ſein, die die Unterbietung der Konkurrenz
ermög=
lichten. Zu der unter ſtrengſtem Ausſchluß der
Oeffent=
lichkeit ſtattfindenden Verhandlung ſind zahlreiche junge
Offiziere aus dem Kriegsminiſterium geladen, Herren in
leitender Stellung bei Krupp und auch Brandt, der ſich
ſpäter vor dem Zivilgericht zu verantworten hat. Ferner
ſchweben außer dieſem kriegsgerichtlichen Verfahren noch
gegen verſchiedene Zivilperſonen Verfahren, die zurzeit
noch im Stadium der Vorunterſuchung ſind und zur
Er=
öffnung des Hauptverfahrens führen werden.
Die Nordlandreiſe des Kaiſers.
* Baleſtrand 16. Juli. Der Kaiſer begab ſich
heute mittag an Land zu einem Spaziergang in der
Um=
gebung Balholms. Unter Glockengeläute wurde der auf
einem Ausflug abgeſtürzte Matroſe vom Schiff „Kolberg”
beigeſetzt. Die anweſenden Schiffe flaggten auf Halbmaſt.
Nachmittags hörte der Kaiſer einen kriegsgeſchichtlichen
Vortrag.
Luftfahrt.
Unfall des Militärluftſchiffes Schütte=Lanz.
* Schneidemühl. 17. Juli. Das Militär=
Luft=
ſchiff Schütte=Lanz hat ſich heute vormittag gegen
11 Uhr infolge einer plötzlich einſetzenden Windboe von
ſeiner Verankerung losgeriſſen und trieb
führerlos ab. Ein Soldat vom hieſigen Infanterie=
Regiment verwickelte ſich in die Haltetaue und wurde
mit in die Höhe geriſſen. In einer Höhe von 200
Meter ſtürzte er ab und war ſofort tot. Das
Luft=
ſchiff trieb etwa eine Stunde über der Stadt und ging
etwa 3 Kilometer von der Stadt entfernt nieder. Es
iſt noch nicht bekannt, ob das Luftſchiff Beſchädigungen
erlitten hat.
* Schneidemühl, 17. Juli. Das Luftſchiff
Schütte=Lanz liegt bei dem Dorfe Erpel auf der
Strecke Schneidemühl-Bromberg. Das Gerippe iſt
vollſtändig zerbrochen. Bei ſeinem Niedergang
entwurzelte das Luftſchiff Bäume und zerſtörte
Telegra=
phenleitungen. Ein zweiter Soldat ſoll abgeſtürzt und
ſchwer verletzt worden ſein.
* Schneidemühl, 17. Juli. Unter dem geſtrigen
ſtarken Regen hatte das Luftſchiff Schütte=Lanz
ſtark zu leiden. 250 Mann Infanterie waren
abkomman=
diert, um das Luftſchiff abwechſelnd zu bewachen und
feſtzuhalten. Am Vormittag hatte ſich durch die ſtarke
Sonnenbeſtrahlung das Gas in der vorher ſchlappen Hülle
ſtark ausgedehnt und dieſe, die geſtern noch ſtark auf die
Gondel drückte, wieder aufgerichtet. Plötzlich, kurz vor
11 Uhr, wurde das Hinterteil des Schiffes von einer
Nordweſt=Boe erfaßt und etwa 30 Meter hochgeworfen
Vor Schreck ließen die meiſten Soldaten los und die in
den Gondeln befindlichen Arbeiter ſprangen heraus. Das
Luftſchiff erhob ſich mit großer Geſchwindigkeit
und riß auch die in dem aufgeweichten Boden nicht
feſt=
ſitzenden Verankerungen los. Zwei Soldaten wurden mit
in die Höhe geriſſen; der eine ſtürzte aus 30 Meter Höhe
ab und wurde lebensgefährlich verletzt, der andere aus
200 Meter Höhe und war ſofort tot.
Die braunſchweigiſche Frage.
Die braunſchweigiſche Frage.
* München, 17. Juli. Die Donau=Zeitung meldet,
daß in der Frage der Thronbeſteigung des Prinzen Ernſt
Auguſt von Cumberland in Braunſchweig neue
Ver=
handlungen mit dem Prinzen eingeleitet ſeien.
Sie bezwecken nach dem Blatt eine endgültige
Verzicht=
leiſtung auf Hannover, da die bisherigen Erklärungen des
Prinzen von einem Teil der bundesſtaatlichen
Regier=
ungen, worunter u. a. Bayern, Baden, Württemberg und
Sachſen zu verſtehen ſind, für nicht genügend angeſehen
werden, wie die Vorbeſprechungen im Kreiſe der
Bundes=
ratsmitglieder ergeben haben. Die Haltung der
Welfen=
partei in Hannover ſoll die Veranlaſſung zu dieſer
Stel=
lung gegeben haben, der übrigens neuerdings auch der
Reichskanzler beigetreten ſei. Die neue Erklärung des
Prinzen wird den ſtaatsrechtlichen Verzicht auf
Han=
nover für ſich und ſeine Nachkommen ausſprechen. Im
Anſchluß hieran erfährt die B. Z. am Mittag, daß im
Bundesrat der Entſchluß gefaßt wurde, zur Sicherung
des Friedens von dem Prinzen, bevor er den Thron von
Braunſchweig beſteigt, einen vollen Verzicht auf
Hannover ausſprechen zu laſſen. Ohne dieſe
Verzichtleiſtung wird eine Thronbeſteigung des Prinzen
in Braunſchweig nicht ſtattfinden.
Grubenunglück.
* Caſtelltermini, 16. Juli. In der
Schwefel=
grube San Giovanello, in der 700 Bergarbeiter
be=
ſchäftigt ſind, brach Feuer aus. Die Arbeiter verſuchten
auszufahren. Es war aber nur ein Ausgang vorhanden,
ſo daß ſich nicht alle retten konnten. 23 Mann konnten
nicht ausfahren; man fürchtet, daß ſie umgekommen ſind.
Wegen der großen Menge von ſchwefeligen Gaſen iſt eine
Rettung unmöglich.
Der neue Balkankrieg.
Die Friedensvermittelungen.
* Paris, 17. Juli. Der Petersburger
Korreſpon=
dent des Figaro telegraphiert, der
öſterreichiſch=
ungariſche Botſchafter habe infolge der ihm
zu=
gekommenen dringenden Weiſungen einen Schritt bei der
ruſſiſchen Regierung unternommen, und die
Notwendig=
keit betont, den Feindſeligkeiten ungeſäumt Einhalt zu
tun, da ſeine Regierung eine Zerſchmetterung Bulgariens
nicht dulden könnte.
* Belgrad, 17. Juli. Paſitſch der griechiſche
Geſandte in Belgrad Alexandropulos und der
bis=
herige ſerbiſche Geſandte in Sofia Spalaikowitſch
ſind am 16. Juli in Skolpje eingetroffen, wo ſie
Venize=
los erwartet hat. Die beiden Miniſterpräſidenten hatten
im Salonwagen auf dem Bahnhof eine Unterredung.
Nach der Unterredung ſind ſie nach Belgrad und Saloniki
wieder abgereiſt.
Bukareſt, 17. Juli. In der Note an die
Großmächte legt die rumäniſche Regierung
die Geſichtspunkte dar, die für Rumänien bei dem
Ab=
ſchluß eines allgemeinen Friedens maßgebend ſind, und
erklärt ferner, daß die neue Dobrutſcha=Grenze die Orte
Turtukai, Dobritſch und Baltſchik entlang laufe, jedoch im
einzelnen ſo, daß ſie eine ſtrategiſche Grenze im modernen
Sinne darſtelle.
Griechiſche Meldungen.
* Athen, 16. Juli. Das Kriegsminiſterium
ver=
öffentlicht folgenden Bericht: Ein lebhafter Kampf
ent=
ſpann ſich geſtern auf unſerem äußerſten rechten Flügel
in der Richtung Pambinia auf der Strecke
Ser=
res=Yrontes in der Gegend von Neviekup. Der
Kampf begann morgens und endete abends mit einer
vollkommenen Niederlage des Feindes, der die genannte
Stellung verteidigte. Der Feind, der über zahlreiche Kräfte
verfügte, verteidigte heftig mit Artillerie die befeſtigten
Stellungen, aus welchen ihn die Griechen abends
ver=
trieben. Drei Kompagnien vertrieben durch einen
Bajo=
nettangriff unter Geſang ein ganzes bulaariſches
Batail=
lon von den befeſtigten Höhen. Die feindlichen Verluſte
waren beträchtlich. Die bei Drama geſchlagenen
Bul=
garen rückten gegen die Berapäſſe von Mokru vor, von
dort marſchierten ſie unter Zurücklaſſung von Waffen und
Munition zur bulgariſchen Grenze. Nach den jüngſten
amtlichen Meldungen überlebten von den 3000
Einwoh=
nern von Dokſat nur 120 das Maſſaker.
Serbiſche Meldungen.
* Belgrad. 17. Juli. Am 15. Juli, nachmittags
4 Uhr, hat eine ſerbiſche Abteilung nach
hefti=
gem Kampfe gegen den rechten bulgariſchen Flügel die
vorgeſchobene Stellung bei Küſtendil beſetzt. Der
Feind hat außerordentlich große Verluſte erlitten; er
wurde zerſtreut und floh in großer Unordnung.
Der Vormarſch der Rumänen.
* Sofia, 17. Juli. Die Agence Bulgare meldet:
Rumäniſche Infanterie hat Baltſchik. Dobritſch
und Tuturkai beſetzt. Rumäniſche Kavallerie paſſierte
geſtern das Dorf Rahovo zwiſchen Tuturkai und Rusciuk.
Die Rumänen ſind nirgends auf Widerſtand geſtoßen,
vielmehr von den Verwaltungsbeamten empfangen
wor=
den. Zahlreiche Bulgaren haben die von den Rumänen
beſetzten Orte verlaſſen und ſind in das Landesinnere
geflüchtet.
* Sofia, 17. Juli. (Agence Bulgare.) Geſtern
langte rumäniſche Kavallerie drei Kilometer von
Warna an, kehrte aber heute plötzlich um. Die Rumänen
aſſierten die Donau bei Orchovo zwiſchen Lom und
Ni=
copol.
* Sofia, 17. Juli. (Agence Roumaine.)
Rumä=
niſche Kavallerie erſchien geſtern auf der Station
Tſcherwenberg und brachte den Bahnverkehr auf der
Strecke Sofia=Warna, der einzigen für die
Verpro=
viantierung der bulgariſchen Armee aus dem Ausland
verfügbaren Linie, zum Stillſtand. Auch der Bahnhof
und das Telegraphenamt von Warna wurden vorgeſtern
von den Rumänen beſetzt. Daher hat Bulgarien keinen
direkten Verkehr mit dem Auslande, ohne Benutzung eines
Weges über Rumänien oder Serbien Die in Warna
lagernden Waren können nicht in das Landesinnere
ge=
bracht werden.
Der Vormarſch der Türlen.
* Sofia, 16. Juli. (Agencia Stefani.)
Miniſter=
präſident Danew teilte den Vertretern der Mächte mit,
daß ein Telegramm des Gouverneurs von Kirk=
Kiliſſe meldet, die Türken hätten ſich des Bahnhofes
von Lüle=Burgas bemächtigt und rückten von Uzun=
Cöprö vor. Danew bat die Mächte in Konſtantinopel
Schritte zu unternehmen, um den Marſch der türkiſchen
Truppen aufzuhalten, da der Londoner Friedensvertrag
zwiſchen der Türkei und Bulgarien endgültig ſei.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Die Türken
haben ihren Marſch fortgeſetzt. Die Eiſenbahn=
züge fahren bis Tſchorlu. Den Zeitungen zufolge haben
die Türken geſtern abend Midia beſetzt. Die Bulgaren
haben in Silivri Unterſeeminen zurückgelaſſen, welche
jetzt die türkiſchen Behörden entfernen laſſen.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Nach hier
einge=
troffenen Privatnachrichten ſollen die Bulgaren
Adrianopel geräumt und nur einige Patrouillen
zur Aufrechterhaltung der Ordnung zurückgelaſſen haben.
Die bulgariſchen Greueltaten.
* Saloniki, 17. Juli. (Meldung der Agence
d’Athènes.) Die bulgariſchen Truppen haben auf
ihrer Flucht von Lahana und Demirhiſſar große
Grauſamkeiten verübt. 104 Notabeln wurden durch
Bajonettſtiche getötet oder verwundet. Die
Ausſchrei=
tungen der Bulgaren haben ſich auch gegen Frauen,
Kin=
der und Greiſe gerichtet. Dem Erzbiſchof und drei andern
Prieſtern wurden die Augen ausgeſtochen und die Arme
abgeſchnitten. Dieſe Grauſamkeiten ſind von regulären
Soldaten des 2. und des 21. Regimentes ſowie von
Offi=
zieren dieſer Regimenter verübt.
* Paris, 16. Juli. Der Bürgermeiſter von
Athen richtete an den Bürgermeiſter von
Paris=
ein Telegramm, in welchem die bulgariſchen
Greueltaten geſchildert werden und das franzöſiſche
Volk aufgefordert wird, gegen dieſe Greuel Einſpruch zu
erheben. Der Bürgermeiſter von Paris verſicherte in ſeiner
Antwortdepeſche die Bevölkerung von Athen der
Sym=
pathien Frankreichs und ſeiner Bewunderung für den
Heroismus der Griechen.
* Konſtantinopel, 17. Juli. Das
Oeku=
meniſche Patriarchat hat beſchloſſen, den
Geſandt=
ſchaften ein Memorandum gegen die
Ausſchreitun=
gen der Bulgaren zu unterbreiten.
* Paris, 17. Juli. Die Agence Havas meldet aus
Athen: Die Generalkonſuln Oeſterreich=Ungarns
und Italiens in Saloniki haben ſich nach Serres
be=
geben, um über die von den Bulgaren begangenen
Ausſchreitungen Unterſuchungen anzuſtellen. Die
Konſuln wurden vom König im Hauptquartier empfangen.
* Paris, 17. Juli. Die Agence Havas meldet aus
Athen: Die franzöſiſche Regierung hat dem
erſten Sekretär und dem Militärattaché der franzöſiſchen
Geſandtſchaft den Auftrag erteilt, ſofort nach Mazedonien
abzureiſen, um dort über die von den Bulgaren
be=
gangenen Maſſakres nachzuforſchen und zu berichten.
Letzte Nachrichten.
* Bukareſt, 17. Juli. Der Senat hat das
Ge=
ſetz, das die Verhängung des
Belagerungszuſtan=
des, wenn es notwendig werden ſollte, zuläßt,
ange=
nommen.
* Bukareſt, 17. Juli. Die Kammer hat den
Rüſtungskredit von 9810000 Francs und einen
Kredit von 100 Millionen Francs für
Mobiliſierungs=
zwecke bewilligt. — Die Deputierten haben erklärt, auf
ihre Tagegelder zugunſten der Unterſtützung von Familien
Mobilgemachter zu verzichten.
* Frankfurt, 17. Juli. Die Frankfurter Ztg.
meldet aus Bukareſt: Der König von Bulgarien
erſuchte den König Karol von Rumänien direkt
um Frieden. Eine Antwort ſteht noch aus.
Die Unruhen in Ehina.
* Schanghai 16. Juli. Die Revolte im
Yangtſetal breitet ſich angenſcheinlich aus.
Revolu=
tionäre Proklamationen wurden heute in ganz Schanghai
verbreitet. Sie beſagen, daß eine ſtarke Expedition
unter=
nommen wird, um Yuanſchikai zur Rechenſchaft zu ziehen
wegen der Ermordung des früheren Unterrichtsminiſters
Sungtſchiaoyen und wegen Verletzung der Verfaſſung.
Die Proklamationen verſprechen den Fremden Schutz.
Aehnliche Proklamationen ſind in Nantſchang und in
Nanking veröffentlicht worden. General Huangkſing hat
Befehl, Truppen nach Pukau zu befördern. Der eigentliche
Anſtifter in Nanking iſt ein früherer Vizekönig von
Can=
on, Sentſchungſuan. Der Kampf an der Bahnlinie=
Tientſin=Pukau nimmt ſeinen Fortgang. Bei Likwo, 20
Neilen nördlich von Sutſchufu, iſt die Strecke zerſtört.
In Schanghai hat das Geſchäft vollſtändigen Stillſtand
rreicht. Die Auktionen von Stückgütern haben wegen
Mangels an Käufern aufgehört. Der Dollar ſteigt rapid
im Werte.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Konſtanz, 17. Juli. Der Bodenſee ſtieg ſeit
geſtern von 4,40 auf 4,50 Meter.
* Brandenburg a. d. H.. 17. Juli. Bei der Landung
eines Doppeldeckers wurde ein kleines Mädchen
von dem Propeller erfaßt und fo ſchwer verletzt,
daß es bald darauf ſtarb.
* Paris, 17. Juli. Die Kammer lehnte ein
Amende=
ment Augagneur, das die Zahl der von der Jahresklaſſe
1913 einzuſtellenden Mannſchaften auf 20
Prozent feſtſetzen wollte, mit 427 gegen 136 Stimmen ab=
Hierauf wurde der durch das geſtrige Amendement
Escu=
dier abgeänderte Artikel 6 angenommen.
Als=
dann nahm die Kammer mit 425 gegen 125 Stimmen dier
Einſtellung des Jahrganges 1913 in der
zweiten Hälfte des November an, nachdem der Direktor
des Geſundheitsdienſtes die Erklärung abgegeben hatte,
daß in den vier erſten Monaten des Jahres die meiſten
Erkrankungen vorkämen, und General Legrand mitgeteilt
hatte, daß die Einſtellung im Februar große militäriſche
Unzuträglichkeiten mit ſich bringen würde, und
Miniſter=
präſident Barthou ſich verpflichtete, der Kammer zur
rech=
ten Zeit die notwendigen Dispoſitionen zu unterbreiten,
damit die Truppen Mitte November die nötige
Bequem=
lichkeit vorfinden.
* Paris, 17. Juli. Der Finanzausſchuß iſt
in=
die Ferien gegangen, die mehrere Wochen dauern,
da=
mit ſeine Mitglieder Informationen erhalten können.
* Johannesburg, 16. Inli. Die amtlichen
Unter=
ſuchungen über die Verwundungen von Zivilperſonen
vährend der jüngſten Streikunruhen haben
er=
geben, daß eine große Anzahl von Wunden nicht von
Ge=
ſchoſſen von Dienſtwaffen herrührt, ſondern von
Revol=
verkugeln und Schrotkugeln, wie ſie weder die Truppen
noch die Polizei beſitzen. Man ſchließt daraus, daß die
Perſonen, die angeblich von Soldaten und Poliziſten
verwundet ſein ſollen, von den Aufrührern ſelbſt
angeſchoſſſen worden ſind.
* Stuttgart, 17. Juli. In der heutigen Sitzung des
Gemeinderats kam Oberbürgermeiſter Dr.
Lauten=
ſchlager auf die beleidigenden
Aeußerun=
gen des Rechtsanwalts Dr. Albert gegen die
Preſſe zurück. Er teilte, der „Frkf. Ztg.” zufolge, das
Schreiben der beiden journaliſtiſchen
Standesorganiſatio=
nen und ſeine Antwort darauf mit. In dieſer
Erwider=
ung heißt es: „Dr. Albert hat mir ausdrücklich erklärt,
daß ihm jede Abſicht der Beleidigung der Preſſe ſelbſt=
verſtändlich durchaus fernlag. Es iſt nun zugegeben, daß
jene Redewendung beſſer unterblieben wäre, doch
ich bin darüber erſtaunt, daß die Vertreter der Preſſe durch
den Zuſammenhang, in dem die Aeußerung fiel, hierbei
eine Beleidigung oder ein Verkennen der Aufgaben der
Preſſe erblicken. Es wäre wohl richtiger geweſen, die
an=
weſenden Vertreter der Preſſe hätten die Aeußerung ſo
harmlos aufgefaßt, wie ſie gemeint war und auch von
den Kollegialmitgliedern verſtanden wurde, was deren
allgemeine Heiterkeit bewies.‟ Der Oberbürgermeiſter
fügte noch hinzu, daß von dem Magiſtratsbureau Reden,
bei denen die Preſſe nicht zugegen geweſen ſei, nur
ge=
geben wurden, wenn ſie ausdrücklich von den Zeitungen
verlangt worden ſeien. Zu einer Beleidigung ſei die
Aeußerung Dr. Alberts erſt dadurch geworden, daß ſie
aus dem Zuſammenhang geriſſen worden ſei. Dr. Albert
habe erklärt, um allen Weiterungen die Spitze
abzubre=
chen, er bedauere, die Aeußerung getan zu
haben, die als eine Beleidigung und Brüskierung der
Preſſe habe gedeutet werden können, und er, der
Ober=
bürgermeiſter, ſchließe ſich dieſem Bedauern
auch ſeinerſeits an. In letzter Zeit ſeien Angriffe
und Beleidigungen in dieſer Angelegenheit in die Welt
hinausgegangen, ohne daß ſich Dr. Albert habe zur Wehr
ſetzen können. Dadurch ſchon ſei die Sache mehr als
aus=
geglichen. Auch der Oberbürgermeiſter habe ſich Sachen
ſagen laſſen müſſen, wie ſie ihm bis jetzt noch nicht geſagt
worden ſeien. Er behalte ſich vor, zur Rettung ſeiner
Ehre das Erforderliche zu tun.
HB. Weilburg, 17. Juli. Geſtern mittag gegen 2 Uhr
wurde in der Nähe der Stadt ein ſchwerer Raub
verübt. Eine unbekannte Frauensperſon ſprach einen
auswärtigen Reiſenden an. Sie bat ihn, mit in den
nahen Wald zu kommen, wo ihr Kind unter einem Stoß
Holz verſchüttet worden ſei. Als der Reiſende in den
Wald kam, überfielen ihn drei Männer, ſteckten ihm ein
Tuch in den Mund, feſſelten ihn an Händen und Füßen
und brachten ihm mehrere Stiche bei. Dann raubten ſie
ihn vollſtändig aus. Erſt am Abend ſpät wurde der
Un=
glückliche gefunden. Die Täter waren längſt unerkannt
entkommen.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 18. Juli:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 19. Juli:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbatausgang
9 Uhr 25 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religion=.
Samstag, den 19. Juli:
Vorabend 7 Uhr 35 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabbatausgang 9 Uhr 25 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 20. Juli, an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Dienstag, den 22. Juli:
Faſttag des 17. Tammus.
Statt Karten!
(15520
Toni Michel und Architekt
Heinr. Stumpf beehren sich
ihre Verlobung anzuzeigen.
Darmstadt, Juli 1913
Mathildenpl. 4 Kahlertstr. 13
Kriegerverein
Darmſtadt.
Die Beerdigung unſeres
Mit=
glieds, Herrn
(15530
Joſef Herrmann, Kanzleiſekretär,
findet am Freitag, den 18. d. M., nachmittags
5 Uhr, vom Darmſtädter Friedhof aus, ſtatt.
Wir erſuchen die Kameraden von Herden
bis Kuſchel, ſowie des 4. Bezirks, ſich dort zu
verſammeln.
Der Vorſtand.
Todes=Anzeige.
Heute wurde meine liebe Frau, unſere
treubeſorgte Mutter, Schwiegermutter und
Großmutter
(15549
Frau Justine Lorenz
geb. Krug
von ihrem langen, ſchweren Leiden durch den
Tod erlöſt.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Christoph Lorenz,
Lokomotivführer i. P.
Darmſtadt, den 17. Juli 1913.
Die Beerdigung findet am Samstag,
nachmit=
tags 3 Uhr, vom Portale des Friedhofes
aus, ſtatt.
Tageskalender.
Wahl der Kirchengemeindevertretung der
evang. Martinsgemeinde von 6—9 Uhr im Martinsſtift
(Müllerſtraße).
Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: J. V.: Kurt
Mitſching; für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und
Mitteilungen aus dem Geſchäftsleben: J. V.: Adam
Fleiſchmann, ſämtlich in Darmſtadt. — Für den
redaktio=
nellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind an die „Redaktion
des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforder=
ungen ſind beizufügen; nachträgliche werden nicht
be=
rückſichttgt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zu=
rückgeſandt.
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an D. Frenz. Mainz. (IV,15525,45
Gruner Sittich
entflogen. Abzugeben gegen
Be=
lohnung. Herdweg 103. (*3435
Darmstädter Jarnerschaft.
Unſere vom Deutſchen Turnfeſt
in Leipzig zurückkehrenden Turner
treffen Sonntag, den 20. Juli
abends 8 Uhr 43 ein. Zu deren
feſtlichem Empfang erſuchen wir die
Mitglieder unſerer Vereine, ſich
recht zahlreich um 7 Uhr in der Turnhalle am
Woogs=
platz einzufinden. Abmarſch von dort mit Muſik zum
Bahnhof pünktlich 8 Uhr. Rückmarſch und
gemüt=
liches Zuſammenſein im Feſtſaale der Turnhalle
am Woogsplatz.
(15533
Der Vorstand.
Turngesellschaft Darmstadt.
Hiermit laden wir unſere Mitglieder und
deren Familienangehörigen zu dem am
Samstag, den 19. Juli 1913, abends
9 Uhr, im Gartenſaale unſeres
Turn=
hauſes, Dieburgerſtraße 26, ſtattfindenden
Familien-Abend
herzlichſt ein.
(15511
Der Vorstand.
NB. Gleichzeitig machen wir auf unſere
Turnfahrt am 3. Auguſt 1913 nach dem
Niederwald aufmerkſam.
Mannerkadfterrybereley
gegründet 1912.
Preisgekrönt, darnnter
Dirigent: Hofmuſiker
2 höchſte Ehrenpreiſe.
B. Handke.
Honntag, den 20. Juli
: Familien=Ausflug::
nach Wiesbaden.
Programm.
Abfahrt vormittags 72 nach Wiesbaden, Frühſtück daſelbſt.
Ab 10 Uhr Beſichtigung der Stadt, Kuranlagen uſw.
1 Uhr gemeinſamer Mittagstiſch im Hotel zum „Rheiniſchen
Hof”.
21 Uhr gemeinſamer Spaziergang nach Bierſtadt zum
30jährigen Jubelfeſte des Bierſtadter
Männergeſangvereins
wozu wir unſere Mitglieder, ſowie Freunde und Gönner des
Ver=
eins herzlichſt einladen.
(15513
Der Vorstand.
Schlachtgeflügel
Verkauf Freitags
Karlſtraße 22 (Hof).
Empfehle in ſehr großer
Aus=
wahl junge Odenwäld.
Bauern=
hähne von 1—2 Mk., j. Enten,
Gänſe, feinſt gemäſtete
Brat=
hühner und Brathähne (1912),
ſehr zart, Suppen= u.
Frikaſſee=
hühner äußerſt billig, j. Tauben
von 50. Pfg an. Italieniſches
Zuchtgeflügel.
(*3422
Schröder.
Friſche
Odenwälder
Landbarter
per Pfd. Mk. 1.25, empfiehlt
(*3395
M. Greib
Teleph. 735. Schulſtr. 9.
(*3404
Damenkleider
zu verkaufen Gutenbergſtr. 53, III.
Kleider
Bügel, Aermelbügelbretter, Ausklopfer,
Fensterleder, Putztücher, Besen und
Bürsten in großer Auswahl empf.
E. Crämer, Ludwigſtr. 7. (*3427
Kinderwagen
eleg. Gloriawagen, faſt neu, billig
abzug. Heinheimerſtr. 77, III. (*3446
Bogge,
7 Mt. alt, ſehr wachſ. abz.
Kiesſtr. 47, ptr. (*3445
Darmstadt, auf dem städt. Messplatz
Montag, den 21. Juli, abends 8¼ Uhr,
Das glänzendste
Circus-Programm
welches je hier
gezeigt wurde.
Groseartigs
Leistungen!
Die besten
Auguste!
Graziöse
Reiterinnen!
Völlig neuer Riesen-Monstre-Bau
8 Riesenzelte :: 124 Pferde:: 210 Personen
verbunden mit
grosser exotischer Tierschau
8 Elefanten, Dromedare, Lamas, Gnus, Zebras,
Maul-
tiere, egyptische Maulesel, Känguruhs und viele
exotische seltene Tiere.
(15514
2 Englische Dackel
Weibchen, raſſerein, billig abzug.
Frau Joſt, Hinkelsg. 4. (*3447
Ludwigshöhe
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.
Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.—
(B11302
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
Hügenschalz reisenneler
Telephon 1445. Inh.: Hans Tod. Telephon 1445.
Jeden Dienstag u. Freitag Grosse Militär-Konzerte.
Freitag, den 18. Juli, abends 8 Uhr:
Grosses Militär-Konzert
der vollzähligen Kapelle des Grossh. Hess. Art.-Reg. Nr. 61.
Leitung: Herr Obermusikmeister M. WEBER.
Im Programm: =Wenn ich König wäres, =Geschichten aus dem
Wiener Walde, =L'Arlesienne-.
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(Nachdruck verboten.)
39
So beruhigte Elias Krottenheim mit weitſchweifigen
Beweisgründen ſeine argwöhniſche Phantaſie, ſprang
mit mächtigem Satz über einen breiten Brandgraben
und . . . .
Und blieb wie angewurzelt mitten in dem Schotter der
Chauſſeeſchlacke ſtehen!
Zwiſchen den zerriſſenen Wolken, die, vom Winde
ge=
trieben, am Himmel dahinjagten, zeigte ſich eine breite
Lücke, durch die ein verlorener Stern lugte.
Und in dieſem unſicher fahlen Flatterlicht ſtanden
ſich auf wenige Schritt Entfernung zwei Männer
gegen=
über — der Forſtmeiſter Krottenheim und der Leutnant
Baron Oſtheeren.
Standen reglos und ſtarrten ſich aus ungläubig
weit=
geöffneten Augen an, als ſähen ſie ein Geſpenſt.
Bis der Artilleriſt zuerſt die Beherrſchung
zurückge=
wann und faſt mokant lächelte.
Alſo wären wir wieder mal zuſammen, Herr
Forſt=
meiſter? Guten abend, und ſehen Sie, da haben Sie nun
einen ganzen Monat in „splendid isolation” gelebt und
total vergeſſen, daß noch ein Rittergut Margenthin auf
der Welt exiſtiert. Mich aber muß der Deiwel reiten, Sie
hier mitten in der Nacht und an der denkbar
unmöglich=
ſten Stelle anzufallen!
Ja — aber — wo kommen Sie denn um Chriſti willen
her, Baron? ſtotterte der alte Herr.
Am Witſchuner Bruch wollte ich mir einen Bock
holen, mit dem ich ſchon lange liebäugelte; aber als ich
ſo ungefähr in der Nähe war, ſetzte dieſes vertrackte
Un=
wetter ein, und da bin ich natürlich umgekehrt. Denn auf
die patſchnaſſen Schlenken tritt das Wild ja doch nicht aus
Hätte ich allerdings gewußt, daß es ſich ſobald
wie=
der aufklären würde — na, jetzt iſt’s ja vorbei!
Es war eine ſozuſagen groteske Situation. Elias
Krottenheim empfand das peinlich klar. Er dachte an
den Vormittag im Alexandra=Hotel und hatte effektiv
keine Ahnung, wie er ſich im Augenblick verhalten ſollte.
Und mit welch hundeſchnäuzig kalter Gelaſſenheit „dieſer
junge Schnöſel” über die fatale Erinnerung
hinwegvolti=
gierte — da kam er nicht mit. Weiß Gott, da kam er
wahrhaftig nicht mit! Das ärgerte ihn.
Und ſo griff er an die Mütze und ſagte kurz:
Hat mich gefreut, Baron; auch, daß die Geſchichte mit
Ihrem Schlüſſelbein, von der ich hörte, wieder in
Ord=
nung zu ſein ſcheint. Jetzt aber müſſen Sie mich
ent=
ſchuldigen; ich habe nämlich noch ’ne kleine
Nebenbeſchäf=
tigung heute nacht! Grüßen Sie, bitte, zu Hauſe!
Damit ſetzte er ſich in Bewegung; Günter von
Oſt=
heeren blieb ſonderbarerweiſe neben ihm. Frechheit! dachte
der alte Herr; aber dieſe ſelbſtverſtändliche Nonchalance
imponierte ihm doch.
Langſam wanderten die beiden vermummten
Geſtal=
ten durch den Modder der Chauſſee vorwärts.
Sind Sie dienſtlich unterwegs, Herr Forſtmeiſter?
erkundigte ſich der junge Offizier nach einer Weile
harmlos.
Sozuſagen ja — beſtätigte der andere ſarkaſtiſch.
Wundert mich, daß Sie noch nichts von unſerer neueſten
Senſation gehört haben!
Ah! Der Baron pfiff kurz durch die Zähne. Die
beiden wildernden Gentlemen. Natürlich bin ich
infor=
miert. Mein Vater hat unſerem Förſter ja Auftrag ge=
geben, die Augen offen zu halten. Bisher aber hat ſich
in unſeren Revieren nichts Verdächtiges gezeigt; auch ein
Abgang vom Wildbeſtand konnte noch nicht konſtatiert
werden.
Elias Krottenheim nahm von dieſer Erklärung mit
flüchtigem Kopfnicken Kenntnis.
Na, ſeien Sie vergnügt! entgegnete er trocken. Alſo
da die Kerls Privatbeſitz verſchonen und ihre erſprießliche
Tätigkeit nur in den Staatsforſten entfalten, ſcheinen ſie
obendrein auch noch demokratiſchen Tendenzen zu
hul=
digen. Ein Grund mehr für mich, ihre perſönliche
Be=
kanntſchaft zu ſuchen.
Sagen Sie, Herr Forſtmeiſter, würden Sie mir
ge=
ſtatten, Sie auf Ihrem Reviergang zu begleiten?
Dieſe Frage kam ſo unmotiviert, daß der alte Herr
überraſcht ſtehen blieb und dem Artilleriſten mit ſcharf
prüfendem Blick ins Geſicht ſah.
Wie kommen Sie denn darauf, Baron?
Weiß ich nicht, Herr Forſtmeiſter, und das iſt ja
ſchließlich auch ganz egal. Nehmen Sie aber an, Sie
treffen auf die Leute, die Sie ſuchen, dann würde es
Ihnen doch günſtigſtenfalls gelingen, einen dingfeſt zu
machen, während der andere durch die Lappen ginge.
Sind wir jedoch zu Zweien, dann iſt die Chance ungleich
größer!
Der Aeltere bog von der Chauſſee wieder in den
Wald ein.
Hm! überlegte er dabei halblaut, das Argument hat
was für ſich. Wenn es natürlich auch ein bißchen
ver=
rückt iſt, daß gerade wir beide aber ſchließlich kommt
das ja nicht ſo in Frage. Alſo wenn Sie durchaus wollen
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eines Zuſammenſtoßes davon Gebrauch machen müßten?
fragte der Leutnant intereſſiert.
Wollte Gott, wir kämen ſo dicht ran!
Günter von Oſtheeren blickte ſchweigend auf den
Alten, der ſo gleichgültig und faſt verächtlich mit dürren
Worten die Eventualität eines Renkonters abtat, bei dem
es auf Tod und Leben ging.
Der Mann, der da neben ihm ſtapfte, hatte ein
ge=
liebtes Kind, hing ſicherlich ſelbſt noch mit allen Faſern
am Leben. Was aber ſcherte ihn das alles, wo es einen
Waffengang galt um ſeinen geliebten Wald und die Ehre
des grünen Rockes.
Fanatiker der Pflicht! dachte der Baron Oſtheeren.
Und in dieſer Stunde erkannte er bewundernd jenes echte
Heldentum, das ſich nicht auf lautem Markt mit großen
Worten brüſtet, ſondern da zutage tritt, wo niemand es
ſſieht und auspoſaunt, in der weltverlorenen Einſamkeit
der Heide.
Gut und Blut und Leben und Exiſtenz bot dieſer
Mann dem Schickſal kaltblütig als Paroli. Und wie er,
waren ſie alle — die von der grünen Farbe! . .
Stumm verfolgten die beiden Männer ihren Weg,
der Offizier immer drei Schritt hinter dem Forſtmeiſter,
deſſen Geſtalt er bei dem unſicheren Dämmer der
Herbſt=
nacht nur in verſchwommenen Umriſſen erkennen konnte.
Zuerſt hatte der Artilleriſt geſpannt auf jedes Geräuſch
gelauſcht, war zuſammengezuckt, wenn es irgendwo im
Gebüſch raſchelte, und erwartete immer, hinter einem der
reglos ragenden Fichtenſtämme ſich einen Gewehrlauf
her=
vorſchieben zu ſehen.
Aber nichts dergleichen geſchah; der Alte birſchte
vor=
wärts, ohne ſſich auch nur einmal um ſeinen Begleiter zu
kümmern, und Günter von Oſtheeren trottete hinter
ihm her.
Die Nervenſpannung, die ihn zuerſt im Bann
gehal=
ten, wich allgemach. Eine leichte Müdigkeit ſchläferte ſeine
Wachſamkeit ein. Die ſinnloſe Sehnſucht vom Nachmittag
war plötzlich wieder da und alle Gedanken bei der einen
Einigen, di ſeit ſchelich ſhon ſeſ und frichich ſbif
und nichts davon ahnte, daß ihr Herzliebſter hier tief in
der Nacht durch den regenfeuchten Wald lief — eine
Stunde oder vielleicht auch ſchon zwei . . .
Da ſchreckte er jäh zuſammen, und in demſelben
Mo=
ment ſtand auch der Forſtmeiſter.
Rechts von ihnen — keine dreihundert Schritt
war ein Schuß gefallen!
XX.
Der Alte hatte ſich wie zum Sprung vorgebeugt.
Günter von Oſtheeren glaubte ganz deutlich zu ſehen, wie
ſich die Muskeln und Sehnen in dem verwitterten Geſicht
ſtrafften.
Da wandte Elias Krottenheim nach ſeinem Begleiter
eine Sekunde den Kopf.
Endlich! das hauchte flüſternd herüber wie ein
tief befreiender Atemzug.
Der Offizier ſah den Blick, der auf ihn gerichtet war,
und er ſpürte einen rieſelnden Schauer über den Rücken
laufen.
Dann avancierte der Forſtmeiſter, ohne auch nur
eine Kiefernadel mit dem Fuße zu bberühren. Der Baron
bemühte ſich, es ihm gleich zu tun.
So birſchten ſie vorwärts . . . langſam, unendlich
vor=
ſichtig . . . Schritt um Schritt . .. manchmal für den
Bruch=
teil einer Sekunde Halt machend dann weiter, der
dämmerigen Lichtung zu, die dort durch die Stämme
ſchimmerte und auf der ſich der Schütze befinden mußte.
Günter von Oſtheeren fühlte, wie ſich ſeine Nerven
zum Zerreißen ſpannten — das Blut hetzte ihm durch die
Adern, hämmerte in den Schläfen in raſendem Tempo.
Jetzt noch zwanzig Schritte — zehn — fünf — da
trat der Alte hinter ein übermannshohes
Holunderge=
büſch; ſofort war der Offizier an ſeiner Seite. Faſt
gleichzeitig glitten die Gewehre von den Schultern.
Zwiſchen krauſem Aeſtegewirr lugten ſie hindurch
der eine mit ſeinen jungen kräftigen Augen, der andere
mit dem Jagdglas,
Wieder einmal teilte ſich die Wolkenbank auf
Mi=
nuten, und in dem Scheine der blaſſen Mondesſtrahlen,
die über die Wieſenſchlenke irrten, ſtand ein Kerl, die
Flinte in der Hand. Ein zweiter kniete neben ihm, hatte
— das konnte der Artilleriſt auf die geringe Entfernung
mit bloßem Auge erkennen — einen Ruckſack geöffnet und
preßte etwas hinein.
Der Forſtmeiſter ſtand regungslos. Nur die Hand,
die das Glas hielt, zitterte leiſe. Jetzt ließ er es fallen.
Ein Spießer! raunte er zwiſchen den Zähnen.
In demſelben Augenblick ſtand der zweite Kerl vom
Boden auf, ſchnallte den Ruckſack um und warf die Büchſe
über.
Die beiden Wilddiebe verließen ihren Platz, kamen
quer über die Wieſe, halb links auf das
Holunderge=
büſch zu.
Gerade wollten ſie im bergenden Schatten des
Hoch=
wvaldes untertauchen, da . .
Halt!
Wie ein Peitſchenſchlag zuckte der herriſche Befehl
zu ihnen hinüber. Und in demſelben Moment ſſprangen
ſie hinter eine Zwillingsbuche, die ſich einige Schritte in
die Lichtung vorgeſchoben hatte.
Augenblicke lähmender Spannung. Mühſelig quälten
ſich die Sekunden vorwärts. Leiſe rieſelnder Tropfenfall
von den Bäumen irgendwo in der Ferne das heiſere
Blaffen eines Fuchſes . . . verſchlafener Vogelruf .
Werft die Flinten weg! Hände hoch! Und dann
hervor hinter
Da ſah der Baron drüben einen Gewehrlauf, der ſich
am Stamme hochſchob, Korn und Kimme in haarſcharfer
Linie gerade auf den Forſtmeiſter!
Giſelas Vater! flog es dem Leutnant wild durch das
Hirn. Er wollte rufen, ſchreien . .. nur ein
unartikulier=
tes Röcheln . . . inſtinktiv warf er den linken Arm hoch,
ſchützend vor den Alten.
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Labrouches Palme d’Or, 2. Le Nicobar, 3. In Pace.
Tot. 57110.
— Rad= und Motorrennen zu Darmſtadt. Die zur
Verteilung gelangenden Ehrenpreiſe, darunter auch der
Wanderpreis Seiner Königl. Hoheit weiland Prinz
Wilhelm von Heſſen und der 1. Preis in der langen
Meiſterſchaft, ſowie der „Preis des Oberbürgermeiſters”
ſind vom Freitag, den 18. dieſes Monats, im Schaufenſter
des Hof=Friſeurgeſchäftes von W. Hermes, Louiſenſtraße
ausgeſtellt. Die äußerſt wertvollen Preiſe der Darmſtädter
Rennen üben immer eine gute Anziehung auf die
Renn=
fahrer aus, was ſich auch durch die zahlreichen Meldungen
bemerkbar machte.
— Radſport. Wanderfahrt des Gaues 9 des
D. R.=B. Sonntag, 20. Juli, findet die dritte
Wan=
derfahrt des Gaues 9 des Deutſchen
Radfah=
rer=Bundes in den Mitteltaunus ſtatt. Die
Ab=
fahrt erfolgt früh 6½ Uhr ab Opernplatz Frankfurt a. M.
nach Wiesbaden, Reſtaurant Friedrichshof. Hier
allge=
meiner Treffpunkt und Weiterfahrt über die Platte nach
Idſtein (Mittageſſen). Um 3 Uhr Rückfahrt über
Nie=
dernhauſen, Eppſtein nach Vockenhauſen (Naſſauer Hof),
daſelbſt Schlußwertung. Anmeldung an den
Gaufahr=
wart M. Bogdann, Frankfurt a. M.=Eckenheim erbeten.
sr. Auswärtige Radrennen. In Mons (Belgien)
war Stol ſiegreich, der im Hauptfahren Vandevelde und
Schwab ſchlug. Dagegen unterlag der kleine Holländer
in einem amerikaniſchen Zweiſtunden=Rennen mit dem
Hamburger Sonntag als Partner. Das Paar endete
3 Runden zurück an dritter Stelle hinter den Siegern
Verſtraeten=Vandevelde mit 73,300 Kilometer und
Meur=
ger=Joret. — In Angouleme kam ein zweitägiges
Meeting zum Austrag. Friol zeigte ſich in einem Match
in drei Läufen als der beſte Mann. Er gewann den
erſten Lauf vor Dupré und Oliveri und den zweiten vor
Oliveri und Dupré, unterlag aber im dritten gegen
Oli=
veri. — Ein 50 Kilometer=Mannſchaftsfahren nach
ame=
rikaniſcher Art ſah Dupré=Oliveri vor Schneider=Hedſpath
und Schilling=Moſtacci ſiegreich. — Der Große Preis von
Nancy brachte Gardellen einen ſchönen Erfolg über
Paul Midier, Kippert und Louga.
Vermiſchtes.
* Die Fußpflege beim Wandern. Mit dem Eintritt
der Ferien= und Urlaubszeit erwacht bei vielen Menſchen
immer auch in erhöhtem Maße der von den
Nomaden=
urvätern uns vererbte Trieb des Wanderns und
Rei=
ſens. Es iſt keine Frage, daß von beiden das erſtere das
dankbarere iſt, denn es vermittelt dem Einzelnen die
ech=
teſten Reiſegenüſſe. Jeder aber, der das Wandern zu
Fuß dem Reiſen mit der Bahn oder dem Auto vorzieht,
ſollte darum einiges wiſſen, was über gutes Schuhwerk
und ein bißchen Hirſchtalg im Ränzel hinausgeht. „Das
einzige Automobil, das der Wanderer hochachtet”, ſagt
Profeſſor Dr. C. L. Schleich in einer Abhandlung üver
„Hygiene auf Reiſen” in Heft 12 der Zeitſchrift „Arena”
(Stuttgart, Deutſche Verlags=Anſtalt), „ſind ſeine Füße.”
Darum ſollte dieſen edelſten Fortbewegungsmaſchinen ihr
Chauffeur jederzeit einen opfervollen Dienſt widmen.
Keiner ſollte wandern, der nicht vorher einen Kurſus der
Nagelpflege durchgemacht hat. Sämtliche Nägel müſſen
immer kurz und durch häufiges Beſchneiden weich
erhal=
ten bleiben. Für den Wanderer ſind gut gepflegte
Nä=
gel, namentlich aber die der großen Zehen, eine echte
Be=
rufsfrage. Die Nägel müſſen an den Ecken ausgeſchnitten
ſein, weil ſonſt die ſcharfen Kanten ins Fleiſch ſchneiden
wie ſſtählerne Halbrinnen. Der in den Ecken rund
ge=
haltene Nagel gleitet glatt über ſein weiches, ſehr
empfind=
liches und ſehr infektionsgefährdetes Bett. Die
Beſchnei=
dung der Nagelecken muß äußerſt vorſichtig mit einer
Bo=
genkneifzange vollzogen werden. Jede Verletzung iſt hier
geradezu lebensgefährlich, weil die Schweißätzung der
kleinſten Wunde, der Luftabſchluß unter Strumpf und
Stiefel, der unvermeidliche Wanderſtaub hier Infektionen
der ſchlimmſten Art geradezu vorbereitet. Darum muß
die Haut der Füße peinlich ſauber gehalten werden,
wo=
für es kein beſſeres Mittel gibt als Wachsmarmorſeife,
die in Tuben mitgeführt werden kann. Eine damit
mor=
gendlich und abendlich vorgenommene Waſchung iſt eine
Wohltat für Wanderer nicht nur, für jedermann, der auf
Kultur hält. Aber dieſe unerläßliche mechaniſche
Reini=
gung der Haut des Fußes und namentlich der Zehen
ge=
nügt noch nicht. Der Fuß des Wanderers muß direkt
aſeptiſch gehalten werden. Das gelingt mit täglichen
Ab=
reibungen nach der Waſchung und Trocknung mittels einer
Chloroformalkoholmiſchung von 25 Chloroform auf 75
Alkohol, die ſich jeder Reiſende von ſeinem Arzte
ver=
ſchreiben laſſen ſollte. Dieſe Löſung hat den Vorzug, daß
ſie die kleinſte Verletzung offenbar macht durch Brennen,
die ſonſt dem Wanderer entgeht, und zu gleicher Zeit beim
Ausreiben mittels eines Wattepfropfens die verletzte
Stelle abſolut ſicher desinfiziert. Jede friſche Wunde
kann durch nichts ſo ſchnell und ſicher desinfiziert
wer=
den, wie durch dieſe Miſchung. Sie ſollte niemand
feh=
len, der auf Reiſen geht. Kein Marſch dauere länger als
vier Stunden hintereinander. Nach dem Marſche ziehe
man die Stiefel aus und maſſiere Fuß und Wade. Man
gehe immer in gleichmäßigem Schritt, und bei
Steigun=
gen beginne man in langſamſtem Tempo. Für die
Fuß=
pflege bleibt dann noch übrig ein häufiges Wechſeln und
Waſchen der Strümpfe; zum mindeſten müſſen ſie
all=
abendlich über Nacht zum Trocknen aufgehängt werden.
Ferner empfiehlt ſich für den Wanderer das Schlafen mit
hochgelagerten Beinen, um den Blutüberſchuß in der
Nacht abzulenken. So durch geeignete Fußpflege
unter=
ſtützt, wird das Wandern erſt recht zum Genuß werden
und weder wunde Füße noch übermüdete Beine mit all
den die Stimmung verderbenden Folgen werden ſich
un=
lieb bemerkbar machen.
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zu den Originalbedingungen von unseren Mitgliedern bis Dienstag, den
22. Juli 1913, abends 6 Uhr, provisionsfrei entgegen.
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Darmstädter Volksbank
eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.
Bekanntmachung.
Freitag, den 1. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schreinermeiſter
Wil=
helm Hermann Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
III 1405 888 Hofreite
Wendel=
ſtadtſtraße 13,
III 1406 150 Grasgarten (
Vor=
garten) daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K19/13
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
er=
reicht.
Darmſtadt, 10. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,15080
Bekanntmachung.
Freitag, den 1. Auguſt I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Hauptmann a. D.
Eduard Zernin Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 625 602 Hofreite
Neckar=
ſtraße Nr. 9,
IV 626 557 Grasgarten mit
Gartenhaus
daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K24/13
Falls andere rechtliche
Hinder=
niſſe nicht entgegenſtehen, kann
Ge=
nehmigung der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das
einge=
legte Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 9. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I
Müller. (V,15049
Sah.-Karbr. Lorfn
Bismarckſtraße 57, II.,
d gütigſt
ver=
iſt verreiſt und
treten durch die Herren:
San.-Bat Dr. Birnbaum,
San.-Rat Dr. Buchhold,
Dr. Draudt,
(15373mfs
Dr. Kautzsch,
San.-Rat Dr. W. Orth,
Dr. Schneider.
Spezial=
Korſett=Geſchäft
Ludwigſtraße 10, I.
Umſtands= u. Nährkorſetts.
Dieſelben ſind ſo günſtig
her=
geſtellt, daß ein Druck auf die
edlen Organe, wie Leber, Nieren,
ſowie den Unterleib ausgeſchloſſen
iſt. — Von vielen Frauenärzten
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Ludwigſtraße 10, I.
An die verehrl. Bewohner des ſüdlichen
Stadtteils, Beſſungen!
Für die ſchöne, reichhaltige Schmückung der
Straßen anläßlich unſeres fünfzigjährigen
Jubiläums=
feſtes ſagen wir recht herzlichen Dank.
(B15534
Bürgerverein Bessungen.
Der Vorstand.
Bekanntmachung.
Betr.: Erſatzwahlen zur Kirchengemeindevertretung der evang.
Paulusgemeinde.
Die Wahl von 40 Erſatzmännern zur Gemeindevertretung findet
Sonntag, den 20. Juli, von 11—1 Uhr, im Gemeindeſaal der
Pauluskirche ſtatt. Alle ſtimmberechtigten Männer der
Paulus=
gemeinde werden hierdurch zur Stimmabgabe eingeladen. Bezüglich
der Wahlfähigkeit und Wählbarkeit verweiſen wir auf die §§ 13 u. 18
der Kirchenverfaſſung vom 6. Januar 1874.
(15536
Darmſtadt, 17. Juli 1913.
Der evang. Kirchenvorſtand.
Rückert.
Bekanntmachung.
Bei der demnächſt abzuhaltenden Mitgliederverſammlung ſollen
wieder Prämien an Dienſtboten verteilt werden. Unſere Statuten
beſtimmen hierüber das Folgende:
„Eine Belohnung von Dienſtboten kann nur für ſolche
Bedienſtete, die Koſt bei ihrer Herrſchaft haben, und ferner
nur dann bewilligt werden, wenn der Dienſtbote innerhalb
des Vereinsbezirks 4 Jahre lang ununterbrochen bei
der=
ſelben Herrſchaft gedient, während dieſer Zeit in 3
verſchie=
denen Jahren Erſparniſſe in die Kaſſe eingelegt oder ſeine
Angehörigen unterſtützt, ſich auch während ſeiner Dienſtzeit
durch treue und ſittſame Aufführung ausgezeichnet hat.”
Es ergeht an Alle, welche Prämien beanſpruchen zu können
glauben, die Aufforderung, ſich unter Vorlage der Zeugniſſe ihrer
Dienſtherrſchaften, welche beglaubigt ſein müſſen, bis zum 31. Juli
Ifd. Js. bei unſerem Rechner anzumelden.
Die Großh. Bürgermeiſtereien des Sparkaſſenbezirks werden
erſucht, dieſer Bekanntmachung die tunlichſte Verbreitung zu geben.
Nach dem 31. Juli 1913 einlaufende Zeugniſſe und Bewerbungen
müſſen unberückſichtigt bleiben.
(15471df
Reinheim, den 12. Juli 1913.
Bezirksſparkaſſe Reinheim.
Für unſer hieſiges Vereinshaus ſuchen wir zum 1. Oktober
oder früher einen tüchtigen und kautionsfähigen
Restaurateur.
(15544fs
Schriftliche Angebote erbittet
Der Vorſtand des Katholiken=Vereins.
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ſowie Reparaturen und Reinigungen werden
fach=
gemäß ſauber ausgeführt. Voranſchläge koſtenlos.
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Ewald. Eliſabethenſtr. 56. (*3211mds