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Darmstädter Tagblatt

12. Juli 1913

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176. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 32 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die „Hohenzollern” mit dem Kaiſer an Bord iſt
am Donnerstag nachmittag 5½ Uhr in Bergen ein=
getroffen
und fuhr geſtern mittag nach Fjoeſanger.
Bei der Reichstagsſtichwahl in Salzwedel=
Gardelegen wurde Dr. Böhme (Bbd.) gegen den
bisherigen Vertreter v. Kröcher (konſ.) gewählt.
(Der König und die Königin von Italien
ſind von ihrer Reiſe nach Kiel und Stockholm in der
Nacht zum Freitag wieder in Piſa eingetroffen.
Die Königin von Holland betraute den demokra=
tiſch
=liberalen Deputierten Dr. Bos mit der Kabi=
nettsbildung
, das ſich aus der geſamten Linken
der Kammer zuſammenſetzen ſoll.
Die franzöſiſche Kammer nahm einen Geſetz=
entwurf
über die Unterſtützung kinder=
reicher
Familien in einfacher Abſtimmung an.
Der König von Rumänien hat am 10. ds. Mts.
Bulgarien den Krieg erklärt und ſeinen
Geſandten aus Sofia abberufen.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
12. Juli 1813: Napoleon in Magdeburg, über welches der
Kriegszuſtand erklärt wird.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 5.

Der Wechſel im preußiſchen
Kriegsminiſterium.

— Große Veränderungen haben im preußiſchen Kriegs=
niniſterium
ſtattgefunden. Herr von Heeringen hat nach
Srledigung der Wehrvorlage den großen Bau in der
Leipziger Straße in Berlin verlaſſen, um einem neuen
Kriegsminiſter Platz zu machen, und drei andere Gene=
rale
, die die erſten Poſten des Reſſorts inne hatten, ſind
hm gleichfalls gefolgt. Ein ſo umfangreicher Wechſel iſt
ratürlich geeignet, großes Aufſehen zu erregen, und es
ſt einleuchtend, daß die militäriſche Erklärung, wonach
ie älteren Offiziere nicht Nachgeordnete des weit jün=
teren
Generals ſein ronnten, für nicht ganz vollwertig
rachtet wird.
Herr von Falkenhayn hat eine ungemein ſchnelle Kar=
iere
hinter ſich, er war erſt ein reichliches Jahr General=
najor
und hat bei ſeiner Beförderung zum General=
eutnant
nicht weniger als 52 Vordermänner überſprun=
en
, ein Avancement, wie es in der preußiſchen Armee
zum jemals vorgekommen iſt. Man hat verſchiedentlich
jedenken geäußert, einen Offizier mit dem Kriegsminiſte=
ium
zu betrauen, der niemals in dieſem gearbeitet hat,
ondern außer ſeinen Frontſtellungen nur im Generalſtab
ätig war. Allerdings gilt der Genannte für einen unge=
rein
befähigten Offizier, der namentlich während ſeines
ſtaſiatiſchen Kommandos großes Organiſationstalent
nd große Umſicht zeigte. Im übrigen dürfte die Wahl
ielleicht auch noch aus einem anderen Grunde auf ihn
efallen ſein. Man entſinnt ſich, daß Nachrichten über
hwere Differenzen zwiſchen Kriegsminiſter und General=
ab
in Sachen der Militärvorlage beſtanden haben ſollen,
hne daß die betreffenden Nachrichten ein amtliches De=
renti
erfahren haben. Wenn man nun ſeinen Nachfolger
us jenen Kreiſen genommen hat, ſo ſcheint damit eine
frücke zwiſchen beiden Seiten geſchlagen zu ſein, die ein
utes Zuſammenarbeiten ermöglicht. In dieſem Sinne
däre daher die jetzige Löſung zu begrüßen. Ueberhaupt
racht es den Eindruck, als wenn im Kriegsminiſterium
n friſcherer Geiſt ſeinen Einzug halten ſoll, denn auch
ie neuen Abteilungsdirektoren ſtehen ſämtlich für ihre
hargen in verhältnismäßig jungen Jahren und haben
icht minder glänzende Karrieren hinter ſich. Einer von
inen bekleidet ſogar erſt ſeit einem knappen Jahre den
berſtenrang, und da er ſchon früher im Kriegsminiſte=
um
tätig war, dürfte er für den neuen Reſſortchef eine
ichtige Stütze ſein.
Man hat nun geltend gemacht, daß dieſer umfaſſende
echſel lieber etwas hätte hinausgeſchoben werden ſollen, da=
it
diejenigen Perſönlichkeiten, die an der Militärvorlage
earbeitet haben, auch bei ihrer Durchführung noch mit
tig hätten ſein müſſen. Man vergißt dabei aber eines,
Imlich, daß die zu treffenden Maßnahmen ſchon ſeit
nger Zeit vollſtändig ausgearbeitet ſind, wie denn auch
e Ausführungsbeſtimmungen im einzelnen unmittelbar
ich Annahme der Vorlage veröffentlicht werden konnten.
unge ſchon hatten umfangreiche Verhandlungen mit den
Frage kommenden Stellen ſtattgefunden, ſo daß für
n Herbſt bereits alles in die Wege geleitet iſt. Die

Ueberwachung der Ausführungen iſt daher nicht ſo ſchwer
und ſie muß ja auch in der Hauptſache überdies an Ort
und Stelle erfolgen, nicht aber in der Zentrale. Des=
gleichen
wird den neuen Männern im Kriegsminiſterium,
ſoweit ſie dort bisher noch nicht gewirkt haben, eine län=
gere
Friſt zu ihrer Einarbeitung gegeben, damit ſie in
der Lage ſind, in der kommenden Parlamentstagung ihre
Reſſorts geſchickt und erfolgreich zu vertreten.

Die Lage am Balkan.

C Daß auf dem Kriegsſchauplatz eine für
Bulgarien ungünſtige Wendung eingetreten iſt, iſt
trotz der plötzlich verbreiteten bulgariſchen Siegesnachrich=
ten
zweifellos eine Tatſache. Unklar aber ſind zur Stunde
noch die diplomatiſchen Folgerungen, die Bulgarien
aus der Kriegslage abgeleitet hat. Nach einer Meldung
der Pariſer Telegraphenagentur überließ es Bulgarien
bedingungslos Rußland, die Einſtellung der Feind=
ſeligkeiten
herbeizuführen, während nach einer Wiener
Privatmeldung Bulgarien die Mächte um Herbeiführung
des Waffenſtillſtandes anging. Da Rußland ſeinen
Schiedsſpruch ſowie die Berufung einer Petersburger
Konferenz der Miniſterpräſidenten aller Balkanſtaaten an=
geregt
und der Zar im Namen der ſlawiſchen Sache die
Annahme des ruſſiſchen Schiedsſpruches kategoriſch ge=
fordert
hat, muß die Pariſer Nachricht um ſo mehr für
richtig gelten, als es verſtändlich wäre, wenn Bulgarien
nach ſeiner Auflehnung gegen das ruſſiſche Verlangen jetzt
auf dieſem Wege verſuchte, ſich die Gunſt Rußlands von
neuem zu verſchaffen. Aber ob nun Rußland oder die
Mächte um den Abſchluß des Waffenſtillſtandes ſich be=
mühen
: die Frage iſt, wie Serbien und Griechen=
land
die Vermittelungsverſuche aufnehmen werden.
Vielleicht ſind ſie ohne weiteres dem Frieden geneigt, um
Bulgarien in der Gunſt Rußlands auszuſtechen; vielleicht
jedoch iſt ihnen im Siegesrauſche der Kamm ſo geſchwol=
len
, daß ſie, wie eine Londoner Meldung andeutet, den
verhaßten Gegner vollends auf die Knie zwingen wollen.
Eine weitere Frage iſt, welchen Gang der rumä=
niſch
=bulgariſche Streit nehmen wird. Ru=
mänien
hat am Donnerstag nun doch noch in aller Form
Bulgarien den Krieg erklärt. Wie zuverläſſig
beſtätigt wurde, hielten ſich die Gebietsanſprüche Rumä=
niens
in ſo angemeſſenen Grenzen, daß der Zweibund da=
gegen
um ſo weniger Stellung nehmen konnte, je eifriger.
er in Bukareſt zur Erhebung von Entſchädigungsforderun=
gen
anſtachelte. Das Kriegsglück mit Rumänien zu ver=
ſuchen
, danach dürfte es aber König Ferdinand nach den
üblen Erfahrungen der jüngſten Wochen nicht mehr ge=
lüſten
. Trotzdem iſt es jetzt zweifelhaft geworden, ob Ru=
mänien
ſeine Kompenſation ganz ohne Schwertſtreich er=
halten
wird, da die rumäniſchen Truppen bereits die bul=
gariſche
Grenze überſchritten haben ſollen.
Wenn in der Preſſe abermals von einem europäi=
ſchen
Schiedsgericht über die Aufteilung Mazedo=
niens
die Rede iſt, ſo muß die Möglichkeit eines ſolchen
einſtweilen ſtark bezweifelt werden. Da Rußland
öffentlich in ſtärkſter Form den Wunſch äußerte, ſeinerſeits
dieſen Schiedsſpruch zu fällen, dürften ſich die Mächte
ſchon deswegen nach der Schiedsrichterrolle nicht drängen.
Sie können dies um ſo eher, als ſie keinen Grund haben,
mit Rußland das Odium zu teilen, das aller Vorausſicht
nach mit der Fällung des Schiedsſpruches verbunden ſein
wird; denn Unzufriedene wird es dabei wohl ganz ſicher=
lich
geben! Welcher Erfolg den ruſſiſchen Bemühungen
um Erneuerung des Balkanbundes beſchieden
ſein wird, nachdem zwiſchen den einſtigen Verbündeten
ſich Berge von Leichen gehäuft haben, kann man in Ruhe
abwarten. Die Aufnahme Rumäniens in einen erneuer=
ten
Balkanbund, wovon ein Pariſer Blatt ſpricht, würde
ihm den ſlawiſchen Charakter rauben, der ihn dem Zwei=
bunde
wertvoll macht.
Die Note, mit der Rumänien am Donnerstag
abend Bulgarien den Krieg erklärte, hat nach
einer Pariſer Blättermeldung folgenden Wortlaut: Die
rumäniſche Regierung hat beizeiten die bulgariſche Re=
gierung
davon verſtändigt, daß Rumänien in dem Falle,
daß die Balkanverbündeten ſich im Kriegszuſtande be=
fänden
, die von ihm im Intereſſe des Friedens bisher be=
obachtete
Reſerve nicht bewahren könne und ſich genötigt
ſehen würde, in Aktion zu treten. Die bulgariſche Re=
gierung
hat es nicht für nötig gehalten, auf dieſe Mit=
teilung
zu antworten. Im Gegenteil, der Krieg brach lei=
der
infolge der plötzlichen Angriffe der Bulgaren auf die
ſerbiſchen Truppen aus, ohne daß ſelbſt die elementarſten

Regeln vorheriger Notifizierungen beobachtet wurden.
welche zum mindeſten die Achtung vor den internationalen
Abmachungen und Bräuchen bewieſen hätten. Angeſichts
dieſer Lage hat die rumäniſche Regierung ihrer Armee
den Befehl erteilt, in Bulgarien einzumarſchieren.
Während die meiſten Wiener Blätter die bulgariſche
Note an die Großmächte für ein verkapptes Vermitte=
lungsanſuchen
Bulgariens halten, das durch den ungünſti=
gen
Verlauf der Kriegsoperationen verurſacht worden ſei,
tritt die noch immer entſchieden bulgariſch geſinnte Reichs=
poſt
dieſer Auffaſſung entgegen. Uebrigens gibt auch die
Reichspoſt zu, daß die militäriſchen Operatio=
nen
Bulgariens durch Danews ruſſenfreundliche
Zauderpolitik von vornherein gehemmt und dadurch
um den raſchen Erfolg gebracht worden ſei. Mit ihr iſt
die übrige Preſſe darin einig, daß Danew mit ſeiner Po=
litik
, welche die Unnachgiebigkeit gegen die Verbündeten
und Rumänien mit der Rückſichtnahme auf Rußlands
Wünſche vereinigen wollte, die für Bulgarien ungünſtige
Wendung verſchuldet hat. Serbien erkläre jetzt den Ver=
trag
durch Bulgariens Verrat für null und nichtig und
beanſpruche noch größere Teile von Mazedonien. Ver=
paßt
ſei ferner der Augenblick für eine Verſtändigung mit
Rumänien, das nach ſeiner bald vollendeten Mobil=
machung
ſeine Forderungen werde aufſtellen können. Nach
einer Pariſer Blättermeldung hat Saſonow infolge
des Anſuchens Bulgariens unverzüglich die Re=
gierungen
Serbiens und Griechenlands gebeten, ihm be=
kannt
zu geben, unter welchen Bedingungen ſie den Frie=
den
ſchließen würden. Saſonow wäre geneigt, die Krieg=
führenden
zu erſuchen, einen Waffenſtillſtand abzuſchlie=
ßen
und Delegierte nach Petersburg zu entſenden. Man
glaubt, daß Saſonow die Intervention nicht angenommen
hätte, wenn die bulgariſche Regierung ſich nicht bereit er=
klärt
hätte, den Serben und Griechen Zugeſtändniſſe zu
machen und den Rumänen einen Teil der von ihnen be=
anſpruchten
Gebiete abzutreten.
Von ſerbiſcher Seite verlautet, Serbien werbe
einem Waffenſtillſtand mit Bulgarien nur
unter der Bedingung zuſtimmen, daß vorher ein vollſtän=
diges
Uebereinkommen über die wichtigſten Punkte des
Friedensvertrages erzielt werde, um zu verhindern, daß
Bulgarien den Waffenſtillſtand lediglich zur Verſtärkung
ſeiner militäriſchen Stellungen benutze. Die griechi=
ſchen
Blätter ſagen, daß das griechiſche Land niemals
die von Bulgarien gewünſchte Intervention der
fremden Mächte zum Zwecke der Einſtellung der
Feindſeligkeiten annehmen würde, vor allem aber deshalb
nicht, weil die bulgariſche Armee jetzt geſchlagen ſei.
Weiter wird aus Athen berichtet: Auf eine Frage der
ruſſiſchen Regierung, unter welchen Bedingungen Grie=
chenländ
bereit ſei, einen Waffenſtillſtand mit
Bulgarien zu ſchließen, erklärte der Miniſterpräſident
Venizelos, Griechenland müſſe ſich erſt mit dem Bundes=
genoſſen
auseinanderſetzen. Der Miniſterpräſident kün=
Dete jedoch an, daß Griechenland ſämtliche Küſtenſtriche
MMazedoniens bis zur Mündung des oſtmazedoniſchen
Fluſſes Neſta einſchließlich Drama und Fanthi bean=
ſpruche
. Ferner verlange es für die Griechen und die
Muſelmanen von Thrazien eine Autonomie unter der
Garantie Rußlands oder ſämtlicher Großmächte.
Die Agence Havas meldet aus Sofia: Die Mächte
tun bei den kriegführenden Parteien getrennt,
aber in Uebereinſtimmung miteinander, Schritte, um ein
Aufhören der Feindſeligkeiten zu veranlaſſen. Rußland
ſei in dieſer Sache beſonders dringend und wird ſehr
wahrſcheinlich auf dieſe Weiſe um ſo mehr Gehör finden,
als es die Initiative zu einem Schiedsſpruch ergriffen hat,
bevor die kriegeriſchen Ereigniſſe begannen, die gegen den
Willen der Regierungen durch die Erregung der Truppen
hervorgerufen wurden. Jetzt dürfte Bulgarien bereit ſein,
die Ratſchläge Rußlands und der anderen Mächte zu be=
folgen
. Auch Serbien, das den Verluſt von vielen Sol=
daten
zu beklagen hat, wünſcht wohl nicht, den vernichten=
den
Krieg fortzuſetzen. Sehr wahrſcheinlich iſt es, daß
es auch in Athen den Mächten gelingt, zu veranlaſſen, die
griechiſche Armee aufzuhalten, obwohl ſie durch die jüng=
ſten
Ereigniſſe in einen Siegestaumel verſetzt worden iſt.

Das Storthing und der König
von Norwegen.

* Aus Chriſtiania wird der Köln. Ztg. geſchrieben:
In Norwegen wird nicht, wie bei uns, der Geburtstag.
des Landesherrn als großer Nationalfeſttag gefeiert, ſon=
dern
der 17. Mai, der Tag, an dem im Jahre 1814 in der
Reichsverſammlung der norwegiſchen Stände zu Eidsvold

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das norwegiſche Grundgeſetz errichtet wurde. Dieſer Ver=
faſſung
gemäß iſt Norwegen ein erbliches König=
reich
, und das norwegiſche Grundgeſetz beſtimmt aus=
drücklich
: „Die oberſte Regierungsgewalt ſteht dem König
zu.” Aber gleichzeitig räumt das Grundgeſetz dem König
ſo wenige wirkliche Vorrechte, ſo geringen Einfluß auf
die Regierung des Landes ein, daß von einer eigentlichen
Regierungsgewalt kaum geredet werden kann. Die liegt
vielmehr in den Händen der Volksvertretung, des Stor=
things
. Das Bedenklichſte dabei iſt, daß das Storthing für
ſeine Regierungsmaßnahmen niemand gegenüber ver=
antwortlich
iſt. Als die Norweger am 7. Juni 1905 die
Union mit Schweden aufſagten und den „Unionkönig” ab=
ſetzten
, hätten ſie die beſte Gelegenheit gehabt, ihr Land
zu einer freien Republik zu machen, was wohl auch folge=
richtig
geweſen wäre. Das taten ſie aber nicht, ſondern
zogen vor, ſich einen neuen König zu holen, den däniſchen
Prinzen Karl, der zudem mit der Tochter des mächtigen
Britenkönigs verheiratet war. König Haakon hat ſeiner=
zeit
das norwegiſche Grundgeſetz ſicher genau ſtudiert, ehe
er ſich entſchloß, die Königskrone anzunehmen; es bildete
gewiſſermaßen das Rechtsverhältnis zwiſchen ihm als
norwegiſchen König und dem Storthing. Er hat dieſes
Grundgeſetz auch beſchworen und ſeitdem den Vertrag in
allen Stücken pünktlich erfüllt. Das Storthing aber hat faſt
kein Jahr vorübergehen laſſen, ohne das Grundgeſetz in
wichtigen, weſentlichen Punkten abzuändern, und zwar
faſt immer auf Koſten der verfaſſungsmäßig verbürgten
Regierungsgewalt des Königs.
König Haakon hat getreu ſeinem Wahlſpruch
nachgelebt: „Alles für Norwegen” der Wahlſpruch des
Storthings ſcheint dagegen zu lauten: „Nichts für den
König‟. Erſt hat man die Krönungszeremonie abgeſchafft
als überlebt und unzeitgemäß, dann vor kurzem das Veto=
recht
des Königs, und jetzt ſcheint ſich wirklich eine Mehr=
heit
im Storthing für die beantragte Abſchaffung des
Ordensweſens zu finden. Dabei hat man allen Ernſtes
vorgeſchlagen, Orden nur an Ausländer zu verleihen, den
Bürgern des Landes dagegen die Annahme und das Tra=
gen
von Orden und Ehrenzeichen zu verbieten, alſo folge=
richtig
dem König ebenfalls. Aber nicht genug damit, lie=
gen
bereits zwei weitere Anträge dieſer Art vor: der eine
bezweckt, dem König das bisherige Recht, das Storthing
zu eröffnen und zu ſchließen, zu nehmen; der andere will
die Beſtimmung des Grundgeſetzes aufheben, daß der
König, falls kein Thronfolger vorhanden iſt, ſeinen Nach=
flger
ſelbſt vorzuſchlagen hat. Wenn das Storthing ſeiner
Machtgier ſo weiter die Zügel ſchießen läßt, wird ſich der
norwegiſche König bald nur noch nennen dürfen: „Von
Storthings Gnaden König der Republik Norwegen.”

Deutſches Reich.

— Kaiſer Wilhelms Beſuch in Gmunden.
Wie die Grazer Tagespoſt aus ſicherer Quelle erfährt,
wird der deutſche Kaiſer am 18. Auguſt in Iſchl eintreffen,
um dem Kaiſer Franz Joſef zu deſſen Geburtstag perſön=
lich
ſeine Glückwünſche darzubringen. Darauf werde der
Kaiſer auch dem Cumberländer Hofe in Gmunden einen
Beſuch abſtatten. Für dieſen Beſuch ſeien beſtimmt meh=
rere
Tage in Ausſicht genommen. Die Nachricht bedarf
der Beſtätigung.
— Reichstagsſtichwahl. Bei der Reichstags=
ſtichwahl
im Wahlkreiſe Salzwedel=Gardelegen erhielt
v. Kröcher (konſ.) 11100, Dr. Böhme (Bauernbund) 13803
Stimmen. Die Ergebniſſe einiger kleiner Kreiſe ſtehen
noch aus. Die Wahl Dr. Böhms iſt ſicher. Von ſozial=
demokratiſcher
Seite hatte man in Salzwedel=Gardelegen
dem nationalliberalen Bauernbündler Dr. Böhme Wahl=
hilfe
gegen Herrn v. Kröcher verſprochen, um dafür die
liberalen Stimmen in Zauch=Belzig zu gewinnen.
— Der Streit um die Vermögenszuwachs=
ſteuer
. Zwiſchen der konſervativ=agrariſchen und der
Zentrumspreſſe beſteht ſeit der Verabſchiedung der Wehr=

und Deckungsvorlagen ein Streit über die Frage, ob das
Zentrum berechtigten Grund gehabt habe, mit den libe=
ralen
Parteien an der Ausgeſtaltung der Deckungsvor=
lagen
zuſammen zu arbeiten. Beſonders die Zuſtimmung
zu der Vermögenszuwachsſteuer wird dem Zentrum von
den Konſervativen vorgeworfen. Die Zentrumsblätter
verteidigen dagegen die Haltung des Zentrums mit dem
Hinweis darauf, daß nach den poſitiven Erklärungen der
liberalen Parteiführer die reine Erbanfallſteuer von der
Linken als Deckungsvorſchlag eingebracht worden wäre,
wenn das Zentrum nicht zur Vermögenszuwachsſteuer
ſeine Hand gereicht hätte. Die Schleſiſche Volkszeitung
fügt daran noch folgende Mitteilung:
Tatſächlich haben die maßgebendſten — wir bitten
den Superlativ zu beachten — Stellen der Regierung in
Vorbeſprechungen keinerlei Zweifel darüber gelaſſen, daß
ſie die reine Erbſchaftsſteuer von einer beliebigen Mehr=
heit
, in der auch die Sozialdemokraten hätten ſein können,
angenommen haben würden, wenn anders keine Verſtän=
digung
erzielt worden wäre.
— Kinematographengeſetz. In der Zweiten
Württembergiſchen Kammer wurde bei der Beratung des
Kinematographengeſetzes, das die mit der bisherigen Ent=
wickelung
des Kinematographenweſens verbundenen Miß=
ſtände
durch eine Präventivzenſur und durch den Schutz
der Jugendlichen beſeitigen will, vom Miniſter des In=
nern
die Mitteilung gemacht, daß ſich die Reichsregierung
bereits mit der Ausdehnung des § 33 a der Gewerbeord=
nung
auf die Kinematographen befaßt habe. Sie werde
demnächſt eine entſprechende Vorlage auf Unterſtellung
der Kinematographen unter die konzeſſionspflichtigen Ge=
werbebetriebe
dem Reichstage vorlegen.
— Die württembergiſchen Kammern er=
ledigten
in ihrer Freitagsſitzung den Etat. Der Voran=
ſchlag
für die Jahre 1913/1915 ſieht eine Ausgabe von
240 576340 Mark, an Einnahmen 241 207193 M. vor, ſo
daß ſich ein Ueberſchuß von 630853 Mark ergibt. Nach=
dem
der Etat angenommen war, wurde der Landtag durch
königliches Reſkript bis auf weiteres vertagt.

Ausland.

Frankreich.
Die Einſtellung der Zwanzigjährigen.
Die Heereskommiſſion ſprach ſich zum zweiten Male mit
allen gegen drei Stimmen gegen die Einſtellung der
Zwanzigjährigen aus. In der Kammer wies Miniſter=
präſident
Barthou darauf hin, daß die ganze Frage der
Einſtellung von Zwanzigjährigen einer Anregung des
Parlaments entſtamme, da die Kommiſſion bei der Be=
ratung
des Amendements die Meinung der Regierung
verlangte. Die Vorteile dieſer Maßregel, die er prinzi=
piell
anerkenne, ſtänden in keinem Zuſammenhange mit
der Entlaſſung des Jahrganges 1910. Die Regierung habe
nichts weiter getan, als daß ſie den Beſchlüſſen des durch
die Kammer mit dieſer Frage befaßten Heeresausſchuß
gefolgt ſei, als dieſer ſie bejaht hatte. Die Regierung
wollte durch Mitteilung der Gutachtung des Oberſten Ge=
ſundheits
=Beirates an die Kommiſſion eine Prüfung der
Frage nach allen Richtungen durch die Kommiſſion und
das Parlament herbeiführen. Es handelte damit loyal.
Er wolle durchaus nicht einen Druck auf die Kammer
ausüben, ſondern der Beratung volle Freiheit laſſen.
Schließlich wurde Artikel 6 mit den geſtellten Amende=
ments
an die Kommiſſion zurückverwieſen.
Die Popularität der dreijährigen
Dienſtzeit. Der Ausſchuß des allgemeinen Arbeiter=
verbandes
hatte in Paris eine Proteſtverſammlung gegen
die dreijährige Dienſtzeit und die Verhaftung der Syn=
dikaliſtenführer
einberufen. Zu der Verſammlung er=
ſchienen
jedoch kaum 150 Perſonen, und einer der Ver=
treter
des allgemeinen Arbeiterverbandes erklärt in einer
Rede, man dürfe ſich keiner Illuſion mehr hingeben. Der
allgemeine Arbeiterverband bilde eine ohnmächtige Min=
derheit
, wie denn auch die Syndikate nur die Minderheit

der Arbeiterſchaft umfaſſen. Das Dreijahr=Geſetz könne
ils vollendete Tatſache angeſehen werden. Das Volk
ſchwärme von neuem für die Armee und bewundere die
franzöſiſchen Waffentaten in Marokko.
England.
Die Dreadnoughts=Frage. Im Unterhauſe
hatte Robert Harcourt (liberal) angefragt, wie hoch
Churchill zur Zeit ſeiner Erklärung im März die Zahl
der öſterreichiſch=ungariſchen und der italieniſchen Dread=,
nougths annahm, welche in dem letzten Viertel des Jah=
res
1915 und in den erſten Dreivierteln des Jahres 1916
fertiggeſtellt würden, ohne Rückſicht auf neuere Meldungen
über weitere Bauten ſeitens Oeſterreichs. Churchill er=
widerte
ſchriftlich, ſeiner Annahme liege das veröffentlichte
Programm zugrunde, das ſechs italieniſche und vier öſter=
reichiſch
=ungariſche Dreadnoughts aufführe.
Spanien.
Marokkaniſches. Der der Regierung häufigals
unauffälliges Sprachrohr dienende Liberal behandelt in
einem „Offenbarer böſer Wille” überſchriebenen Leit
artikel die Frage des deutſchen Schutzverhältniſſes gegen=
über
Raiſuli, deſſen hierauf zielendes Geſuch nach Mel
dungen aus Tanger von der deutſchen Regierung ſolange
nicht abgelehnt werden ſoll, als ſeine Schuld an der Er=
regung
der jetzigen Aufſtände unerwieſen ſei. Der Libe
ral bezeichnet in unfreundlichen Ausführungen die Hal=
tung
Deutſchlands als unkorrekt und unaufrichtig, da die
ſes die Perſönlichkeit Raiſulis genau kenne. Das Blat
verknüpft den Gegenſtand mit der deutſchen Beſchwerde
wegen mangelnder Friedensſtiftung in der Gegend von
Alhucemas und der Angelegenheit des van der Goes= Bil=
des
, und macht unter Anſpielung auf ein Schiedsgericht
einen unangebrachten Anruf an das Billigkeitsgefühl des
deutſchen Kaiſers. Augenſcheinlich ſoll durch die Aufe
ſtachelung der öffentlichen Meinung ein Druck auf die deut=
ſche
Regierung ausgeübt werden. — Nach den Aeußerung
gen des Kriegsminiſters ſteht unmittelbar eine Verord=
nung
bevor zur Anwerbung von Freiwilligen für das
Heer in Marokko, die hauptſächlich unter Ausländern nach
dem Vorbilde der franzöſiſchen Fremdenlegion genom=
men
werden und den anderthalbfachen Sold der ſpaniſchen
Truppen beziehen, nach vier Jahren gänzlich beurlauh
und durch Verteilung von Land und andere Vergünſtigung
gen belohnt werden ſollen. Das ſpaniſche Unternehmen,
das ein entſprechendes Werbegeld erhält, ſoll ſich ver= haben, ſofort 2000 Mann zu ſtellen.
Griechenland.
Anleihe. Eine Anleihe von 40 Millionen iſt auf
Grund des Vertrages vom 28. Juni mit der Nationalbank
mit einem Zinsfuß von 6 Prozent zum Parikurſe und dem
Kommiſſionsſatze von 2 Prozent genehmigt worden. Fer=
ner
wurde eine neue äußere Anleihe von 40 Millionen
durch die Nationalbank ausgegeben; der Zinsfuß beträgt
6 Prozent, der Kommiſſionsſatz ½ Prozent. Die Anleihe
iſt in fünf Jahren rückzahlbar.
Vereinigte Staaten.
Amendierung der Währungsvorlage,
Schatzamtsſekretär Me Adoo erklärte zuſammen mit dem
Vorſitzenden des Währungskomitees ſich damit einver=
ſtanden
, die Währungsvorlage zu amendieren. Sie ſchla=
gen
vor, das Umlaufprivileg für die zweiprozentige U.=S=
Bonds beizubehalten während des ganzen Zeitraumes
von 20 Jahren. In dieſer Zeit, ſo wird vorgeſchlagen,
ſollen die jetzt im Umlauf befindlichen 700 Millionen Dol=
larsnoten
der Nationalbanken, für die dieſe Bonds als
Sicherheit dienen, aus dem Verkehr zurückgezogen werden
Südafrika.
Der Streik im Randgebiet. Auf einere
werkſchaftsverſammlung in Pretoria erklärte der Sekte
tär der Eiſenbahnergewerkſchaften, die Eiſenbahner hät

Vom Temperaturkomfort
der Zukunft.

(*1 Die moderne Baukunſt hat der Hausfrau viel von
den Sorgen abgenommen die ihr in vergangener Zeit die
kältere Jahreszeit brachte. Die Ofenkonſtruktionen wur=
den
vervollkommnet und die Zentralheizungen verringern
die Mühe einer ſtetigen Regulierung der Zimmertempera=
tur
auf die einfache Handhabung eines Hebels: auf einen
einzigen Handgriff. Aber die Fortſchritte der Technik be=
ſchränkten
ſich bisher ziemlich einſeitig auf ein einziges
Ziel: auf die Erwärmung der Wohnräume. Die nicht we=
niger
wichtige Frage einer Regulierung unſerer Zimmer=
temperatur
in den Tagen der Hitze blieb bisher im
Hintergrund. Dabei hat ein jeder an beſonders heißen
und ſchwülen Sommertagen erfahren müſſen, wie ſehr
eine heiße Zimmertemperatur das Wohlbefinden herab=
ſetzt
; die Hitze wirkt erſchlaffend, vermindert die Arbeits=
luſt
, beeinträchtigt die Spannkraft, läßt uns ermatten und
oft ſehen wir uns vergeblich nach einem Mittel um, uns
auch nur auf einige Stunden ein wenig erfriſchende
Kühle zu erobern. In den ſogenannten Hundstagen, in
denen bisweilen auch die Nächte eine Abkühlung nicht
bringen, verſagen alle jene kleinen Mittel, über die wir
im Sommer zur Regulierung der Temperatur verfügen,
das Offenlaſſen der Fenſter während der Nacht und die
künſtliche Erzeugung von Durchzug bleiben dann fruchtlos.
Alle, die in ſolchen Tagen der Sommerſchwüle unter
der Hitze gelitten haben, werden mit einem Gefühl der
Erleichterung hören, daß die moderne Technik, jetzt
auch gegen dieſe Klage ein ausgezeichnetes Abwehr=
mittel
geſchaffen hat, das in ſeiner amerikaniſchen Hei=
mat
ſeine praktiſche Brauchbarkeit bereits erwieſen und
wohl in kurzer Zeit auch in Deutſchland bei dem Neubau
großer Wohnungshäuſer Eingang finden wird. Dieſer
jüngſte Rekrut in dem ſtehenden Heere des modernen
Komforts, dieſe Ergänzung des Lift, der Zentralheizung
und des Luftbades, iſt, wie in einem Aufſatze
der „Dame” ausgeführt wird, der Kälteofen.
Es handelt ſich dabei ſozuſagen um eine umgekehrte Zen=

tralheizung; in allen Räumen und Zimmern werden
Heizkörper aufgeſtellt, die ebenſo wie die Heizkörper der
Warmwaſſer=Anlage mit einer Zentralſtelle in Verbindung
ſtehen und von ihr geſpeiſt werden. Bei den Kälteöfen
handelt es ſich um einen Kühlraum, in dem künſtlich kalte
Luft erzeugt wird, die dann durch die Leitungen in die
Wohnungen übergeht und hier eine angenehme Kühlung
ſpendet. So wird es möglichsſein, im Sommer auch in
den Krankenzimmern die oft unerträgliche Temperatur
herabzuſetzen.
Aber auch auf dem Gebiete dar winterlichen
Heizung hat der Erfindungsgeiſt in jüngſter Zeit
allerlei kleine Verbeſſerungen erſonnen. Faſt jeder Woh=
nungsinhaber
weiß, daß gewiſſe Zimmer im Winter
ſchlecht heizen, der Fußboden bleibt kalt, man bekommt
kalte Füße und zudem iſt es mit Rückſicht auf die nötige
Wärme im Zimmer oft nicht möglich, an kalten Winter=
tagen
durch Oeffnen der Fenſter dauernd genügend friſche
Luft herein zu laſſen. Dem wirken die neuen, ſogenann=
ten
„Heizteppiche” entgegen die nicht nur den
Raum heizen, ſondern auch die Füße warmhalten. Sehr
ſinnreich ſind dieſe Teppiche konſtruiert. Durch das Gewebe
zieht ſich ein Netz feiner Platindrähte, die in ein feuerfeſtes
Aſbeſtgewebe eingekleidet ſind Die Drähte ſind ſo dünn
und fein, daß der Teppich dadurch kaum dicker wird. Die=
ſes
Heizgewebe verbindet man ebenſo wie eine elektriſche
Tiſchlampe durch einen Kontakt einfach mit der elektriſchen
Leitung, die Platindrähte erglühen, der Teppich wird er=
wärmt
und ſtrömt ſofort eine ſehr angenehme Hitze aus.
Bei den heutigen Elektrizitätspreiſen wird ſich der Durch=
ſchnittsbürger
freilich kaum den Luxus leiſten, ganze Zim=
merfolgen
auf dieſem Wege zu erwärmen; aber kleine
Fußdecken, die nur die Füße warmhalten ſollen, und
kleine Wärmekiſſen werden beſonders bei gegen Kälte
empfindlichen Perſonen viel=Beifall finden. Nach demſel=
ben
Prinzip hat man unter Anwendung des Aſbeſtge=
webes
in Amerika ſogar Handſchuhe und ganze Anzüge
konſtruiert, die es dem Träger ermöglichen, in der größ=
ten
Winterkälte am offenen Fenſter oder gar im Freien
zu ſitzen, um zu ſchreiben oder zu leſen, ohne der Kälte
ausgeſetzt zu ſein.

Feuilleton.

H.D. Entdeckung auf dem Wege der Photographie,
Man ſchreibt uns: Vor kurzem las ich einen intereſſanten
Artikel im Tagblatt, der behandelte, wie durch Photo=
graphie
ein unbekanntes Gemälde zutage gefördert und
damit entdeckt wurde; heute kann ich einen ähnlichen Fall
mitteilen. In meinem Elternhauſe befindet ſich ein wun=
derſchönes
Gemälde, ein Chriſtuskopf, das durch einen
Freund meines Großvaters, einen Kunſtmaler, in un=
ſeren
Beſitz kam. Dieſer hat das Gemälde vor 50 odee
mehr Jahren aus Italien mitgebracht und es meinem
Großvater aus Dankbarkeit geſchenkt oder vererbt. Wir
hielten es bis jetzt für eine Kopie, da nirgends ein Name
entdeckt werden konnte: trotzdem konnten wir, als ung
verſchiedene Male verhältnismäßig hohe Angebote für das
Bild zugingen, uns nicht von dem herrlichen Gemälde
trennen. Vor einiger Zeit kommt mein Bruder auf den
Gedanken, es zu photographieren, und merkwürdigerweiſe
erſcheint auf den Abdrücken der Name des Künſtlers „=
Bol” Von dieſem berühmten Schüler Rembrandts be=
finden
ſich verſchiedene Originale im Dresdener Muſeum=
„Die Mutter Maria” „Die Beſchneidung Chriſti”, „ Aus=
zug
aus Aegypten” und „Jeſus und Johannes der Täu=
fer
”. Mit dem Chriſtuskopf ſcheint ſomit ein wertvoller
Kunſtſchatz entdeckt zu ſein.
— Was die Linien in König Ferdinands Hand ver=
künden
. Die Geſchichte von einer merkwürdigen Proph
zeiung, die dem König Ferdinand von Bulgarien zuteil
geworden iſt, wird jetzt in Paris erzählt. Der hervor=
ragende
Hiſtoriker Mancini der im vorigen Mai ge=
ſtorben
iſt, beſuchte vor einigen Jahren den bulgariſchen
Hof, wo er der Gaſt des damaligen Fürſten Ferdinand
war. Der Fürſt, der wußte, daß Mancini einen großen
Ruf als Wahrſager aus der Hand beſaß, ließ ihn aus
den Linien ſeiner Rechten die Zukunft leſen. „Ich ſehe
tiefe Trauer für Eure Hoheit und für Bulgarien”,
prophezeite damals Mancini. „In fünf oder ſechs Jah
ren von jetzt an ſehe ich eine große Freude in Form einen
Standeserhöhung, und im Jahre 1912 die Verwirklich=
ung
eines Traumes, an die Eure Hoheit heute noch kaun

[ ← ][  ][ → ]

en ihre Forderungen formuliert und gäben der Regie=
ung
eine Friſt von ſechs Tagen, ſie zu erfüllen, andern=
alls
würden die Arbeiter den Streik beginnen. Die von
ter Regierung eingeſetzte Kommiſſion hat ſich mit den
Streikbrechern auf der Kleinfontein=Grube geeinigt. Die
Streikbrecher erhalten als Entſchädigung für ihre Entfer=
rung
von der Grube einen vollen Jahreslohn. Der Höchſt=
etrag
für einen einzelnen Arbeiter wird 6000 Mark nicht
iberſchreiten. Es werden Vorkehrungen getroffen, um
ie Leute um Mitternacht fortzuſchaffen.
* Die Kaiſerin und die Fürſorge für
ie Unteroffiziersfrauen. Unteroffiziers=
rauen
=Hilfsvereine ſind im Laufe dieſes Jahres bei zahl=
eichen
Truppen= und Garniſon=Verbänden gegründet
vorden. Die Anregung hierzu gab die Kaiſerin gelegent=
ich
des Kaiſermanövers des 6. Armeekorps. In einem
zeſpräch mit aktiven Unteroffizieren erfuhr die hohe Frau,
aß die Fürſorge für die Familien der Unteroffiziere trotz
er militäriſchen Hilfseinrichtungen doch noch viel zu
vünſchen übrig laſſe. Die Folge davon war, daß ſofort
ach dem Manöver auf Veranlaſſung der Kaiſerin ein
Verein Unteroffiziersfrauen=Hilfe” ins Leben trat mit
em Zweck, Frauen und Kindern der Unteroffiziere in be=
onderen
Notfällen, zumal bei Krankheiten, Geburten uſw.,
us den Vereinsmitteln finanzielle und perſönliche Hilfe
u gewähren, wenn die eigenen Mittel oder die hierfür
hon beſtehenden Wohltätigkeitseinrichtungen der Truppe
icht ausreichen ſollten. Auch die Witwen verſtorbener
nteroffiziere ſollen im erſten Witwenjahr durch Gewäh=
ung
kleiner Renten die Wohltaten des Vereins genießen.
tach dieſem Vorbilde ſind in vielen Garniſonen anderer
orps durch Damen der Geſellſchaft gleichartige Vereine
egründet worden. Vorſitzende iſt meiſt die Gattin des
angälteſten Offiziers, dem Vorſtande gehören die Frauen
er Kommandeure der einzelnen Truppenteile und der
ilitärgeiſtlichen, ſowie der höheren Zivilbeamten an.
* Der Fall des Legionärs Müller. Wie
er Matin aus Berlin meldet, hat die franzöſiſche Regie=
ing
offiziell an Deutſchland das Erſuchen geſtellt, ihr
ie Ergebniſſe der Unterſuchung über den Fall Müller
tr Erleichterung der eigenen Nachforſchungen bekannt zu
eben. Obwohl die franzöſiſche Regierung betont, daß die
rage der Fremdenlegion eine rein franzöſiſche ſei, erklärt
e, daß es ihr angenehm wäre, jede nur mögliche Aus=
inft
zu erlangen. Die deutſche Reichsregierung hat ſich
ereit erklärt, mit der franzöſiſchen ihre Informationen
ber den Fall Müller auszutauſchen. Die Behauptung,
küller ſei Schweizer und in Zürich geboren, iſt bisher
icht erwieſen.
* Freiburg i. Br., 10. Juli. Die Stadtverord=
eten
bewilligten heute 600000 Mark für Kaſernen=
auten
infolge der Verſtärkung der Artillerie.
ie Verzinſung iſt eine ſechsprozentige. Des weiteren
enehmigte das Kollegium die koſtenfreie Hergabe des
eländes für eine Funkerkaſerne.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 12. Juli.
* Ordensverleihung. Seine Königl. Hoheit der
roßherzog haben dem ordentlichen Profeſſor an der
indesuniverſität Dr. Friedrich Schwally zu Gießen
e Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm
n Sr. Maj. dem König von Preußen verliehenen Roten
dler=Ordens 4. Klaſſe erteilt.
* Eiſenbahnperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
roßherzog haben den Lokomotivführern Friedrich
enker zu Mainz, Heinrich Schmidt zu Gießen
id Wilhelm Schmitt zu Mainz und dem Wagen=
eiſter
Franz Wolf zu Mainz, ſämtlich in der Heſſiſch=
reußiſchen
Eiſenbahngemeinſchaft, aus Anlaß ihrer
erſetzung in den Ruheſtand das Silberne Kreuz des
erdienſtordens Philipps des Großmütigen; den
haffnern Peter Skär zu Bingerbrück und Georg
hrig zu Neunkirchen (Saar), dem Weichenſteller
eter Schneider zu Bensheim und dem Bahnwärter
am Fleck zu Laubenheim a. Rh., ebenfalls ſämtlich
der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft, aus
tlaß ihrer Verſetzung in den Ruheſtand das Allge=
ine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift „Für treue Dienſte‟
cliehen.
* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 10
m 11. Juli hat folgenden Inhalt: 1. Ueberſicht der
orderlichen Umlagen zur Beſtreitung der Bedürfniſſe
iſraelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Mainz
das Kalenderjahr 1913. 2. Ueberſicht über die
den Gemeinden des Kreiſes Offenbach zu erhebenden
meindeſteuern für das Rechnungsjahr 1913. 3. Ueber=
ſt
über die in den Gemeinden Finthen, Gonſenheim,
ubenheim und Weiſenau im Kreiſe Mainz zu er=
denben
Gemeindeſteuern für das Rechnungsjahr 1913.
Ueberſicht der von Großh. Miniſterium des Innern

für das Rechnungsjahr 1913 genehmigten Umlagen zur
Beſtreitung der Kommunalbedürfniſſe der iſraelitiſchen
Religionsgemeinden des Kreiſes Bingen. 5. Ueberſicht
über die in der Stadt Offenbach zu erhebenden Ge=
meindeſteuern
für das Rechnungsjahr 1913. 6. Ordens=
verleihungen
. 7. Namensveränderungen. 8. Charakter=
erteilungen
.
nn. Strafkammer II. (Sitzung vom 11. Juli.) Eine
Berufungsſache gegen den Adam Bieber von Offenbach
a. M. wegen Betrugs wurde vor Eröffnung der Ver=
handlung
von dem Verurteilten zurückgenommen. Eine
weitere Berufungsverhandlung betraf die Anklage gegen
den Jakob Lautenſchläger von Offenbach, der we=
gen
Körperverletzung zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt
war. Er führte üble Nachrede gegen eine Offenbacher
Frau und als dieſe ſich verteidigen wollte, gab er der=
ſelben
auch noch Schläge. In der heutigen Vechandlung
wurde der Angeklagte der Tat für überführt erachtet und
ſeiner Berufung unter Belaſtung mit den Gerichtskoſten
verworfen. — Wegen Diebſtahls verſchiedener Kleidungs=
ſtücke
und eines Winterüberziehers angeklagt iſt der
Schneidergeſelle Johannes Flauaus, geboren am 25.
Mai 1899, von Klein=Gerau. Derſelbe hatte in der Nacht
vom 24. auf den 25. Januar 1913 zum Schaden des
Philipp Walter IV. zu Klein=Gerau einen ganzen Anzug
im Werte von 50 Mark, und einen faſt neuen Winter=
überzieher
im Werte von 100 Mark und noch ſonſtige Klei=
dungsſtücke
entwendet und ſie weiterveräußert. Der An=
geklagte
, der bereits wegen des gleichen Deliktes vorbe=
ſtraft
iſt gibt den Diebſtahl zu, will aber aus Not gehan=
delt
haben. Der Staatsanwalt beantragte als Strafe
im Rückfall 9 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof ging
jedoch wegen der wiederholten gleichen Srraftaten des
Angeklagten und des Vertrauensbruchs über den Antrag
des Staatsanwalts hinaus und verurteilte ihn zu 1 Jahr
Gefängnis, abzüglich 1 Monat Unterſuchungshaft. Der
Vorſitzende, Geh. Juſtizrat Dr. Sander, gab dem Verur=
teilten
noch eine eindringliche Mahnung zur Beſſerung
mit auf den Weg. Die Strafe wurde anerkannt.
* Die Handwerkskammer teilt uns mit: In der Kon=
kursangelegenheit
der Firma Rudolph & Fiſcher=
Wiesloch, bei der eine große Zahl kleiner und mittlerer
Handwerker, die bei der Erſtellung von Transformatoren=
häuſern
bei der Ueberlandzentrale im Ried beſchäftigt, in
ſtarke Mitleidenſchaft gezogen waren, iſt eine für die beteilig=
ten
Kreiſe erfreuliche Erſcheinung zu verzeichnen. Die Hand=
werkskammer
Darmſtadt hat nach Verhandlungen mit der
Rheiniſchen Schuckert=Geſellſchaft auf ihren Antrag von
dieſer in freiwilliger Weiſe einen Betrag von 11000 Mk.
erhalten, der es der Handwerkskammer ermöglicht, den in
dem Konkurs Rudolph & Fiſcher geſchädigten Handwer=
kern
ihres Bezirks neben der Konkursquote weitere 25 Pro=
zent
zuführen zu können. Der Betrag gelangt zurzeit an
die Beteiligten zur Auszahlung. Der Handwerkskammer
ſind hierüber zahlreiche Dankſchreiben zugegangen.
* Die Ausſtellung „Das Kind in den erſten Lebens=
jahren
” wird morgen Sonntag in den oberen Räu=
men
der landwirtſchaftlichen Winterſchule in der Alexan=
derſtraße
(neben der Infanteriekaſerne) eröffnet werden.
D Auszahlung von Renten durch die Poſt.
Die Landesverſicherungsanſtalt „Großh. Heſſen” in
Darmſtadt bittet uns, ihre Rentenempfänger
darauf aufmerkſam zu machen, daß die zur Erhebung
der Rente nötige Nummerkarte ſtets vom zuſtändigen
Poſtamt auszufertigen iſt, einerlei, ob es ſich um die
erſtmalige oder die wiederholte Ausſtellung einer
ſolchen handelt. Die Rentenempfänger tun jedenfalls
gut daran, wenn ſie die Nummerkarte nicht nur ſorg=
fältig
verwahren, ſondern die Nummer ihrer Karte
ſich auch genau merken, beziehungsweiſe anderweit
notieren, damit bei eventuellem Verluſt das zuſtändige
Poſtamt nach Angabe der Nummer die betreffende
Stammkarte finden und die Erneuerung der Nummer=
karte
alsdann vornehmen kann.
* Kirchliche Wahlen. Die Neuwahlen für die Ge=
meindevertretungen
der Reformations=, Lukas=, Markus=,
Schloß= und Kaplaneigemeinde finden nächſten Montag,
den 14. Juli, von vormittags 11 Uhr bis nachmittags
3 Uhr im Gemeindehaus, Kiesſtraße 17, ſtatt.
Familienfeſt. Ein in bürgerlichen Kreiſen höchſt
ſeltenes Feſt begeht heute, am 12. Juli, im Hotel „Zur
Traube” die altheſſiſche Familie Bergſtraeßer.
Sie feiert an dieſem Tage das 300 jährige Be=
ſtehen
ihres Stammbaumes; und es finden ſich hierzu
nicht allein Mitglieder aus ganz Deutſchland, ſondern
auch aus Rußland ein, wo die Familie zahlreich ver=
treten
iſt. Dieſe Feier iſt gewiß ein ſchönes Zeichen des
ausgeprägten Familienſinns, der hier in dieſer echt
heſſiſchen Familie gepflegt wird.
* Im Silberkranz. Schloſſer Adam Koch und
Frau Eliſabeth, geborene Zörrgiebel, feiern Sonntag,
den 13. Kuli, das Feſt der Silbernen Hocheit.
— Odenwaldklub. Die Ortsgruppe Reinheim unter=
nimmt
am Sonntag, 13. Juli, eine Wanderung rund um
Darmſtadt. Die Wanderung beginnt am Oſtbahnhof 7 Uhr
vormittags. Es wäre erwünſcht, wenn ſich zahlreiche

Mitglieder der hieſigen Ortsgruppe den Reinheimer Wan=
derfreunden
anſchließen würden. Nachmittags 5 Uhr ge=
mütliches
Beiſammenſein im Reſtaurant Sitte.
* Das Sommerfeſt des heſſiſchen Fechtvereins
Waiſenſchutz (Zweigverein Darmſtadt) findet am Sonn=
tag
, den 13. Juli, nachmittags, im Städtiſchen Saalbau
ſtatt. Der preisgekrönte Geſangverein Konkordia hat
ſeine Mitwirkung zugeſagt und wird einige ſeiner
Preischöre zu Gehör bringen. Die Muſik ſtellt Ober=
muſikmeiſter
Mickley unter perſönlicher Leitung. Eine
reich ausgeſtattete Tombola, Schießſtand, Verkaufs=
ſtand
u. a. m. dürften den Beſuchern abwechſelnde
Unterhaltung bringen. (Näheres ſiehe heutige Anzeige.)
— Stiftungsfeſt. Am Samstag, den 2. Auguſt d. J.,
feiert der unter dem Protektorat S. K. Hoheit des Groß=
herzogs
ſtehende Gabelsberger=Stenographen=
Verein von 1861=Darmſtadt, ſowie der Damen=
verein
Gabelsberger=Darmſtadt ſein diesjähriges
Stiftungsfeſt in Form eines Sommernachtsfeſtes im
Kaiſergarten, Kaiſerſaal und Fürſtenſaal. Der muſikaliſche
Teil wird von der Kapelle des Leibgarde=Inf.=Regts.
Nr. 115 ausgeführt, während der geſangliche Teil in den
bewährten Händen des Geſangvereins Liederzweig liegt.
Es iſt ſomit den Beſuchern ein genußreicher Abend in
Ausſicht geſtellt. Bei ſchlechtem Wetter findet das Feſt
in den Sälen ſtatt. (Alles weitere folgt in den nächſten
Tagen.)
* Schützenklub „Feurio” Man ſchreibt uns: Das
große öffentliche Preisſchießen des Schützenklubs
„Feurio” in ſeinem Klubſchießſtande Kiesſtraße 27,
Reſtauration Hofferbert, endigt am Sonntag, den 20. Juli.
Für die beſten Leiſtungen winken den Schützen neben
den ſehr wertvollen Preiſen und Ehrenpreiſen an den
kommenden Sonntagen, am 13. und 20. Juli, noch ſechs
wertvolle Tagespreiſe und ein beſonders geſtifteter Becher,
weshalb gerade an dieſen zwei Sonntagen die Beteiligung
am Preisſchießen ſehr zu empfehlen iſt. (Vergl. auch die
Anzeige.)
§ Naturalverpflegungsſtation. Im Monat Juni
wurde die Hilfe der hieſigen Naturalverpflegungsſtation
von 153 mittelloſen Durchreiſenden in Anſpruch ge=
nommen
. Im vorhergehenden Monat Mai ſind 234 (oder
mehr 81) Perſonen unterſtützt worden.
§ Milchreviſionen. Im Juni ſind durch die hieſige
Polizei 3205 Milchreviſionen vorgenommen worden.
Hierbei wurden vier Proben wegen zu geringem Fett=
gehalt
und zwei Proben wegen zu hohem Schmutzgehalt
beanſtandet und dem chemiſchen Unterſuchungsamt zwecks
Unterſuchung überwieſen.
§ Hundefang. Im Juni ſind durch den hieſigen
Polizeihundeaufſeher 50 Hunde eingefangen worden.
Hiervon wurden 32 Hunde von ihren Eigentümern
wieder ausgelöſt, 2 Hunde ſind verkauft worden und
16 Hunde mußten getötet werden.
* Kinotheater. Man ſchreibt uns: Das Reſidenz=
Theater bringt ab heute neben ſeinen abwechſelungs=
reichen
anderen Nummern des Programms, wieder einen
nordiſchen Kunſtfilm: „Die Stimme des Gewiſſens” mit
Waldemar Pſylander in der Hauptrolle. Der Film iſt
nicht nur in der Darſtellung ausgezeichnet, ſondern bringt
auch eine logiſch aufgebaute Handlung. Das Werk iſt
eine in künſtleriſcher und theatertechniſcher Hinſicht form=
vollendete
Arbeit und die Darſteller geben ihren Rollen
einen echten, wahren künſtleriſchen Anſtrich. Einen Teil der
Wochenchronik bildet dieſes Mal die Jahrhundertfeier des
Inf.=Regts. Nr. 116 in Gießen im Beiſein Sr. Kgl. Hoheit
des Großherzogs. — Union=Theater ( Kunſtlicht=
ſpiele
, Rheinſtraße 6). „Sturzwellen” betitelt ſich der
Senſationsſchlager, der von heute ab auf einige Tage im
U.=T. gezeigt wird. In dieſem großen Seemannsdrama
wird der Liebeskampf eines Steuermanns geſchildert und
iſt das Werk reich an prachtvollen Szenerien und wunder=
baren
Stimmungsſzenen am Meer. Nicht minder ſpan=
nend
ſind das Drama „Gebrochene Treue” und die als Ein=
lage
gegebenen Films. Was an Belehrung in einem
Programm geboten werden kann, wird in den beiden
prächtigen Naturaufnahmen „Die Schlammſchnecke” und
„Die nördlichen Philippinen” geboten. Namentlich in der
letzteren werden wir in herrliche Gegenden geführt. Auch
an Humor fehlt es nicht und iſt wieder einmal der kleine
Abelard in einem Schwank „Fritzchen auf der Walze” ver=
treten
und auch die Humoreske „Die Größenfrage” dürfte
allgemein gefallen. Ganz beſonders erwähnenswert iſt
aber die Aufnahme der Feierlichkeiten anläßlich der Kieler
Woche, die wir im „Journal” bewundern können.
* Konzertveranſtaltungen. Ludwigshöhe. Auch
an dieſer Stelle ſei darauf hingewieſen, daß morgen
Sonntag das Muſikkorps des Leibgarde=Regiments unter
Leitung des Herrn H. Hauske konzertiert. Ein ſchönes Pro=
gramm
iſt vorbereitet. Bei ungünſtigem Wetter wird
Streichkonzert in den Sälen ſtattfinden. (Siehe auch An=
zeige
.) — Heſſiſcher Hof. Heute Samstag ſind beim
Konzert in die Vortragsordnung folgende Stücke auf=
genommen
: R. Wagner: Einzug der Götter in Walhall”
aus „Rheingold” A. Maillart: Fantaſie aus „Das Glöck=

glauben wagen.” „Und dann?” fragte Fürſt Ferdi=
nd
. Der Wahrſager zögerte. „Sagen Sie mir die
ihrheit” drängte der andere. „Das Glück wechſelt
ch”, meinte nun Mancini. „Im Jahre 1913 — ich
fe, daß ich mich damit irre — leſe ich eine Kataſtrophe
Bulgarien und für Sie ſelbſt.‟ Die Prophezeiungen
bisher eingetroffen: Die Trauer kam beim Tode von
rdinands Mutter, die Freude bei der Krönung des
rſten zum Zaren der Bulgaren. Dann kam 1912 der
eg über die Türken und dann? — Das Jahr 1913 iſt
h nicht vorbei. . . .
CK. Jſadora Duncan als Helferin bei den Opfern
* Krieges. Wie bereits kurz gemeldet worden, hat die
ühmte Tänzerin Iſadora Duncan Troſt und Vergeſſen
h der grauſigen Tragödie, die ſie ihre beiden Kinder
m Automobilunfall verlieren ließ, in einer edelmüti=
r
Hilfsaktion für die Opfer des Balkankrieges geſucht.
r Hafen von Santi Quaranta in Epirus hat ſie
e Kolonie eingerichtet, in der ſie den durch den
leg zugrunde gerichteten Bauern mit ihren Frauen
Kindern Aufnahme gewährte. Ein Korreſpondent
Neu=York Herald, der dies ergreifende Idyll in=
iten
all der Verheerungen beſucht hat, gibt davon eine
sführliche Schilderung. Auf dem Turm der mittelalter=
en
Feſtung von Santi Quaranta, deſſen düſtere
ruern an der Weſtſeite dieſes Hafenvororts von Ja=
a
aufragen, flattert eine Fahne und kündet neues Leben
h über den verödeten Trümmern der zerſtörten Häu=
Rings um das verwitterte Mauerwerk zieht ſich eine
lonie von Zelten und ſtrohbedeckten Hütten, in denen
buntes Volk von Greiſen, Frauen und Kindern Unter=
ft
gefunden. Das iſt das Reich der Jſadora Duncan,
vor einem Monat etwa aus Paris hierher kam und
den umliegenden Dörfern die in Elend und Hunger
npfbrütende Bevölkerung hierher zuſammenrief. Ihrem

glücklichen Organiſationstalent iſt in kurzer Zeit vieles
gelungen. Die Frauen arbeiten jetzt unter ihrer Leitung
an Webſtühlen und verfertigen Teppiche. In einem gro=
ßen
Zelt werden 68 Kinder von einer griechiſchen Lehre=
rin
unterrichtet und erhalten Anleitung zu kleinen Ar=
beiten
. Als ihr „guter Engel” wandelt Jſadora Duncan
die einſt die Nationaltänze dieſes Volkes weltberühmt
machte, unter dieſen Stiefkindern des Schickſals umher,
wie einſt in der Freude ihrer Feſte, ſo auch jetzt in der
Tiefe ihres Leids mit ihnen fühlend. Ihr Weſen tut
Wunder und gießt Troſt und Hoffnung in manch ver=
zweifeltes
Frauenherz, das Mann und Söhne, Haus und
Hof verloren hat. So ſorgt ſie nicht nur für das leib=
liche
, ſondern noch mehr für das ſeeliſche Wohl, und, wie
ſtets, ſind es auch hier die Kinder, deren fröhliches Spie=
len
und Lachen ſelbſt dieſer Kolonie der höchſten Not eine
hoffnungsreiche Reſonanz verleiht.
Wn. Ein eigenartiger Trick. Bekanntlich beſitzt China
ebenſo wie Indien Gauklerkünſtler, die ihre Geſchicklich=
keit
beſonders bei großen Volksfeſten und auch auf Märk=
ten
gegen Bezahlung dem ſchauluſtigen Volke zeigen. So
erzählt ein nach der Stadt Kanton gereiſter Miſſionar
nachfolgende merkwürdige Begehenheit: Um ſich das Bild
das der belebte chineſiſche Markt darbot, genauer anzu=
ſehen
, blieb der Miſſionar mit ſeinem Begleiter auf einer
hohen Brücke ſtehen, die ihnen als Geſichtspunkt diente.
Da hörte er einen Wortwechſel zwiſchen einem Manne
und einem Knaben. Der andauernde Widerſpruch des
Knaben verſetzte den Mann in wilde Wut. Er erhob die
Fauſt und ſchmetterte das Kind mit einem heftigen Schlag
nieder. Dann kniete er ſeinem Opfer auf beide Arme, zog
ein Meſſer hervor und ſtieß es ihm einige Male in den
Hals. Hierauf ſprang er auf und ließ den blutüberſtröm=
ten
Knaben liegen, während er ſich eiligſt entfernte. Er=
ſtaunt
über eine ſolche fürchterliche, bei bellem Tage in=

mitten des Volkes verübte Tat, eilte der Miſſionar und
ſein Begleiter zu der Mordſtätte und ſie forderten die Um=
ſtehenden
auf, den Täter zu verhaften. Dieſer kam lang=
ſam
mit dem blutigen Meſſer in der Hand zurück und hob
den Arm des bleichen Knaben in die Höhe, um ſich ſeines
Todes zu vergewiſſern. Niemand aus der Menge rührte
ſich; aber als die beiden nun ſelber den Mann verhaften
wollten, gab dieſer lachend ein Zeichen, auf das der Er=
ſtochene
plötzlich munter auf die Füße ſprang und mit
einem Teller umherging, um für das gelungene Gaukler=
ſtück
Münzen einzuſammeln! Bei genauer Beſichtigung
ſahen die Fremden, daß die Mordwaffe eine ungefähr=
liche
Klinge enthielt, die ſich beim. Stoß zurückſchob,
worauf eine blutartige Maſſe aus dem Hefte floß. Die
Nachahmung der Sterbeprozeſſe hatte der Knabe ganz
meiſterhaft ausgeführt. Unter dem Gelächter des Volkes
zogen ſich die beiden Fremden zurück.
ml. Weshalb er Wache ſtand. An Bord aller franzö=
ſiſchen
Kriegsſchiffe und auch einiger Handelsſchiffe be=
finden
ſich Schwimmkörper, die für das nächtliche Ret=
tungswerk
beſtimmt ſind. Wenn man den Strick, an dem
ſie befeſtigt ſind, durchſchneidet, fallen die Apparate ins
Meer und werden beim Eintauchen ins Waſſer leuchtend.
Um dieſe Rettungsmittel möglichſt ſchnell in Funktion tre=
ten
zu laſſen, bezieht zur Nachtzeit ein mit einem Beil
bewaffneter Poſten die Wache neben dem Apparat. Eines
Abends nun wollte ſich, wie der Cri de Paris erzählt, ein
junger Marineoffizier darüber vergewiſſern, ob der Poſten
auch die Inſtruktion kannte. Er fragte ihn, welchem Zweck
das in ſeiner Hand befindliche Beil zu dienen hätte. Zu
ſeinem nicht geringen Entſetzen erhielt er von dem Wache=
haltenden
Matroſen die prompte Antwort: „Um dem
Erſten, der ſich einfallen läßt, dem Schwimmkörper zu
nahe zu kommen, eine aufs Maul zu geben.”

[ ← ][  ][ → ]

chen des Eremiten” R. Eilenberg: „König Mydas”, Keler=
Bela: „Soldatenleben” uſw. Auch werden die modernen
Komponiſten vertreten ſein. (Siehe auch Anzeige.)
Offenbach, 10. Juli. Der ſeit Montag vermißte
60jährige Privatier Chriſtian Lindenberger wurde
im Sachſenhäuſer Walde erſchoſſen aufgefunden. Den
Beweggrund zur Tat bildet ein langjähriges Nerven=
leiden
.
* Erbach, 12. Juli. Der weit und breit im Odenwald
und über ſeine Grenzen hinaus bekannte und beliebte
„Eulbacher Markt” ſteht wieder vor der Tür. Das
Feſt wird Sonntag den 20., Montag den 21. und Sonn=
tag
den 27. Juli gefeiert und wird ſicher auch diesmal wie=
der
eine Menge Menſchen in unſer an Sehenswertem gar
reiches Odenwaldſtädtchen führen. Am zweiten Mackt=
tag
, Montag den 21. Juli, nachmittags von 1 Uhr ab fin=
det
auf der Wieſe, angrenzend an den Feſtplatz, wieder
ein landwirtſchaftliches Trab= und Galopp=Reiten mit
Preisverteilung ſtatt.
A Beerfelden, 10. Juli. Für den Beſitzer G. einer
transportablen Dampfſägerei ſtand der geſtrige Tag im
Zeichen des Unglücks. Vormittags ſägte ſich ein Ar=
beiter
an der Kreisſäge zwei Finger ab, nachmittags flog
dem Beſitzer ſelbſt ein Stück Holz ſo heftig gegen die
untere Geſichtshälfte, daß er zuſammenſtürzte und ärzt=
liche
Hilfe in Anſpruch nehmen mußte.
C Beerfelden, 11. Juli. Der in Touriſtenkreiſen all=
gemein
bekannte Wirt Pfeifer „Zur Marbach” hat
ſich heute erſchoſſen. Das Motiv zur Tat iſt noch nicht
bekannt, doch ſpricht man von ſchlechtem Geſchäftsgang,
der ſeine Exiſtenz bedrohte.
nn. Reichenbach i. O., 11. Juli. Geſtern nachmittag
wurde die 4jährige Margarete Mink von einem Laſtfuhr=
werk
überfahren und ſchwer verletzt. Den Lenker des
Fuhrwerks trifft keine Schuld, da das Kind bei der
Flucht vor einer bösartigen Gans in das Fuhrwerk hin=
einlief
.
Lampertheim, 10. Juli. In der geſtrigen Gemeinde=
ratsſitzung
ſtand die von der Rheiniſchen Schuckertgeſell=
ſchaft
angeregte Erbauung der elektriſchen Stra=
ßenbahn
von Worms nach Lampertheim
zur Beratung. In dem hierüber vorgelegten Plan ſind=
zwei
Linien vorgeſehen, wovon die eine längs der Kreis=
ſtraße
Worms=Lampertheim geführt werden ſoll, die an=
dere
Linie in Bürſtadt abgezweigt werden kann, im Falle
ganz beſondere Wünſche hierfür vorliegen ſollten. Für
Lampertheim hätte indeſſen nur die Linie längs der Kreis=
ſtraße
einiges Intereſſe, da alsdann den Landwirten
beſſere Gelegenheit geboten wäre, ihre mitunter 2 Stunden
und noch weiter entfernt gelegenen Aecker zu erreichen.
Dieſes von dem Vorſitzenden erläuterte Intereſſe wird
jedoch beſtritten. Die Gemeinde ſoll das für den Bahn=
bau
erforderliche Gelände koſtenlos zur Verfügung ſtellen.
Es würden das für die Gemeinde, mit Rückſicht auf die
große Strecke, immerhin ſchon anſehnliche Summen aus=
machen
. Der Gemeinderat lehnt die Geländeſtellung ab,
da die durch Erbauung der Babn für Lampertheim ſich er=
gebenden
Vorteile in keinem Verhältnis zu den von der
Gemeinde aufzubringenden Koſten ſtehen würden, um ſo
mehr, da eine Rentabilität der Bahn wohl kaum zu er=
hoffen
ſein werde. (W. Z.)
Mainz, 11. Juli. In der Auguſtinerkirche fiel geſtern
nachmittag ein zweijähriges Kind aus einem Fenſter
des zweiten Stockwerkes eines Hauſes auf die Straße.
VVon Paſſanten wurde es aufgehoben und nach dem St.
Rochushoſpital verbracht. Seine Verletzungen ſollen un=
bedeutender
Natur ſein.
Laubenheim, 11. Juli. Dem Landwirt Anton Schmitt
gingen geſtern die Pferde durch. Beim Feſthalten
der Tiere ſtürzte Schmitt zu Boden und wurde von ſei=
nem
Fuhrwerk überfahren. Der Schwerverletzte wurde
nach Hauſe gebracht und da kein Arzt anweſend war,
wurde für nachmittags der Krankenwagen des Rochus=
hoſpitals
von Mainz beſtellt, um den Verletzten dorthin
zzu bringen. Auf dem Transport ins Spital ſtarb
SSchmitt kurz vor Weiſenau.
Oppenheim, 11. Juli. Die Gedächtniseichen,
die zur Erinnerung an die hundertjährige Wiederkehr der
Befreiung Deutſchlands allen 44 Orten des Kreiſes Oppen=
heim
vom Obſt= und Gartenbauverein koſtenlos geſtellt
werden, ſind nunmehr zum Verſand gelangt und teilweiſe
ſchon angepflanzt.
Abenheim, 10. Juli. Geſtern abend fuhr ein Auto=
mobil
in eine hier gaſtierende Seiltänzertruppe,
wobei unglücklicherweiſe der Wagen gegen die Seilgerüſte
fuhr. Dieſes ſtürzte zuſammen und fiel dem 5jährigen
Kinde, des Beſitzers ſo unglücklich auf das Bein, daß es
den Unterſchenkel brach und in ein Spital übergeführt
werden mußte. Die Truppe zog noch an demſelben Abend
von hier weg.
Oſthofen, 11. Juli. Ein Dienſtmädchen ſtahl
ihrer Herrſchaft faſt deren ſämtliche Wäſche, Kleidungs=
ſtücke
, Hüte, Silberzeug, Radierungen, Schriften und Bü=
cher
aller Art, Pelzwerk. Oelgemälde, Kriſtalle, Bronzen.
Zornheim, 11. Juli. Vom eigenen Fuhrwerk
totgefahren wurde der im kräftigſten Mannesalter
ſtehende Landwirt Graffert von hier. Der Mann fuhr
ein Faß zum Spritzen nach dem Felde. Unterwegs ſcheute
das Pferd und ging durch. Graffert ſtürzte vom Faß
herab und wurde überfahren. Zuletzt ſchlug auch noch
das Faß mit voller Wucht auf den Verunglückten, ſo daß
dieſem der Bruſtkorb eingedrückt wurde und die Rippen
die Lungenflügel zerriſſen. Der Bedauernswerte ſtarb
nach mehrſtündigem, qualvollem Leiden. Ein zweiter auf
dem Faſſe ſitzender Mann von hier konnte ſich durch ra=
ſches
Abſpringen retten. Die Familie Graffert ſcheint vom
Unglück beſonders ſchwer heimgeſucht zu ſein, da auch noch
zwei Brüder des hier Verunglückten auf ähnliche Weiſe
das Leben einbüßten. Der eine wurde ebenfalls von ſei=
nem
Fuhrwerk überfahren und getötet, während der dritte
durch Ueberfahren von der Eiſenbahn den Tod fand.
(*) Friedberg, 10. Juli. Sein 40jähriges Dienſt=
jubiläum
beging der ſtädtiſche Kanzleirat Graulich.
Zwiſchen der Bahnverwaltung und der Stadt ſchweben
Verhandlungen darüber, daß nach der Eröffnung des
neuen Bahnhofs die Perſonenunterführungen
am alten Bahnhof bis zur Barbaravorſtadt durchgeführt
werden ſollen. Dieſer Stadtteil würde dadurch in nähere
Verbindung mit der Altſtadt gebracht.
D Bad=Nauheim, 11. Juli. Bis zum 10. Juli ſind
20119 Kurgäſte angekommen. Bäder wurden bis zum
10. Juli 236 566 abgegeben.
Büdingen, 11. Juli. Vor etlichen Tagen fuhr eine
hieſige Frau mit ihrer fünfjährigen Tochter nach Geln=
hauſen
und von da nach Offenbach. Seit dieſer Zeit
keßlt jede Nachricht von beiden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 10. Juli. Einer der begab=
teſten
Baukünſtler Berlins, dem die Reichshauptſtadt und
viele andere Städte des Reichs manche ſchöne Bauwecke
verdanken, Geh. Baurat Walter Kyllmann, iſt
heute in ſeiner Villa am Kleinen Wannſee, 77 Jahre alt,
geſtorben. Von Kyllmann und Heyden rührten die Bau=
ten
des Deutſchen Reichs auf der Wiener Weltausſtellung
her; ſie errichteten ferner die Kaiſergalerie — die Paſſage
von der Friedrichſtraße nach der Straße Unter den Lin=
den
—, das Admiralsgartenbad, die Anlage von Spind=
lershof
, die Voßſtraße und die Hedemannſtraße, zahlreiche
Villen am Wannſee, die Poſtgebäude in Breslau und
Roſtock, die Johanniskirche in Düſſeldorf, die evangeliſche
Kirche in Höchſt a. M., das Palais der bayeriſchen Ge=
ſandtſchaft
in Berlin, ſowie eine große Zahl von Schlöſ=
ſern
und Villen u. a. in Bonn, Krefeld, Elberfeld und
Frankfuctz a. M. Ferner hat Kyllmann beim Bau der
Berliner Untergrundbahn in bedeutſamer Weiſe mitge=
wirlt
. — Die Entlaſſung Stallmanns, alias
Baron Korff=Königs, aus dem Gefängnis in Moabit voll=
zog
ſich heute, wie der Lokalanzeiger meldet, in recht
tumultuariſcher Weiſe. Der König der Spieler, deſſen
Strafe heute verbüßt war, wollte gerade die Pforte des
Gefängniſſes in Alt=Moabit verlaſſen, als ein Gläubiger
aus früheren Jahren, der Brillantenhändler Fiſchel, in
Begleitung eines Gerichtsvollziehers auf der Bildfläche
erſchien und den ſoeben erſt der Freiheit Wiedergegebenen
von neuem in Haft nahm. Es handelte ſich um
eine Schuld von 16000 Mark, die Stallmann vor Jahren
für Brillanten gemacht hatte. Die neue Verhaftung er=
folgte
zur Erzwingung des Offenbarungseides. Auf Stall=
manns
Veranlaſſung wurde einer ſeiner Verteidiger
Rechtsanwalt Dr. Julius Meyer I., herbeigerufen, der
gerade im Koghen=Prozeß beſchäftigt war. Der zuſtän=
dige
Richter, Amtsgerichtsrat Metzner hatte die geltend
gemachten Einwendungen zu prüfen, ob eine erneute Ver=
haftung
Stallmanns überhaupt zuläſſig ſei, da dieſer nur
wegen ganz beſtimmter Vergehen aus England ausgelie=
fert
war. Es kam jedoch nicht zur Entſcheidung dieſer
Rechtsfrage da der Gläubiger auf Zureden der beteilig=
ten
Perſonen ſeinen Haftantrag zurückzog und ſich mit
dem tröſtlichen Verſprechen Stallmanns begnügte, daß er
ihm die Schuld vom Auslande ſpäter übermitteln werde.
Straßburg, 11. Juli. In Hatten im Elſaß gerieten
einige Korbmacher=Familien, etwa 25 Perſonen, die eine
Hochzeits=Geſellſchaft bildeten, in einer Gaſt=
wirtſchaft
in Streit. Ein Korbmacher und Muſiker er=
hielt
zwei Stiche ins Herz, die ſeinen ſofortigen Tod her=
beiführten
. Der Vater des Erſtochenen erhielt ebenfalls
zwei Stiche in die Bruſt, wodurch er ſchwer verletzt wurde.
Auch die Mutter wurde durch Meſſerſtiche verletzt. Fünf
Meſſerhelden wurden verhaftet.
Straßburg, 11. Juli. Bei einer Uebung im Saar=
gebiet
kippten zwei zu einem Floß verbundene Kähne
um. 22 Mann vom Infanterie=Regiment Nr. 30 fielen
ins Waſſer; zwei ertranken.
Metz, 11. Juli. Geſtern abend 6 Uhr 22 Minuten traf
Prinz Rupprecht von Bayern mit einem aus
ſieben Herren beſtehenden militäriſchen Gefolge, darunter
der kommandierende General des 2. bayeriſchen Armee=
korps
, v Martini, zu Beſichtigungszwecken hier ein. Die
Herren, welche im „Europäiſchen Hof” abgeſtiegen ſind,
werden bis zum Samstag nachmittag hier verweilen.
Ungſtein, 10. Juli. In der hieſigen Schule iſt ein
Fall zu verzeichnen, der nicht ſehr häufig vorkommen
dürfte. Am 1. Mai I. J. traten Onkel, Nichte und
Neffe in die 1. Klaſſe der Unterſchule ein, um ſich in
verwandtſchaftlichem und edlem Bildungswettſtreit die
erſten Lehren der elementaren Schulweisheit einpflanzen
zu laſſen. Nichte und Neffe ſind Geſchwiſter und der
ſechsjährige Onkel iſt der Bruder ihres Vaters.
Stettin, 10. Juli. Geſtern abend kam es in der War=
ſower
Fürſorgeanſtalt zu einer Revolte. 70
Zöglinge benutzten die Abweſenheit des Hausvaters und
brachen aus. Vorher hauſten ſie im Hauſe noch wie Van=
dalen
. Sie ſchlugen Fenſterſcheiben ein, zerſchnitten die
Bettücher uſw. Die Burſchen flohen in einen nahen Forſt.
ſowie in verſchiedene Stadtteile Stettins. Inzwiſchen iſt
es gelungen. 46 der Ausreißer wieder habhaft zu werden,
die ſich teils freiwillig ſtellten, teils von der Polizei feſt=
genommen
wurden. Die Tat dürfte nur in ſtarkem Frei=
heitsdrang
zu ſuchen ſein.
Innsbruck, 10. Juli. Die Leipziger Touriſten
Hecht und Müller wurden heute vormittag in einer
Schneekar zwiſchen dem Gipfel der Zugſpitze und der
Wiener=Neuſtädter Hütte als Leichen geborgen, wahr=
ſcheinlich
ſind ſie im Schneeſturm vom Wege abgeirrt. Die
Leichen wurden nach Ehrwald gebracht.
Graz, 11. Juli. In der Drau ſchlug geſtern bei
einer Pionierübung ein Boot mit fünf Mann um. Vier
davon ertranken. Ein Leutnant wurde lebend, doch mit
tödlichen Verletzungen, geborgen.
Paris, 11. Juli. Das hieſige Schwurgericht
ſprach den Schriftſteller Pepre de Beytouget, der am
1. Mai d. J. ſeine geſchiedene Gattin nach heftigem Wort=
wechſel
erſchoſſen hatte, frei.
Paris. 11. Juli. In einem der eleganteſten Hotels
auf dem Vendome=Platz iſt die Amerikanerin Frau Johns
Martin geſtern ihrer Juwelen im Werte von mehr als
200000 Francs beraubt worden. Sie hatte die Ju=
welen
in ein Taſchentuch gewickelt auf dem Toilettentiſch
liegen laſſen. Als ſie zurückkehrte, waren die Schmuck=
ſſachen
verſchwunden. Die polizeilichen Nachforſchungen
blieben erfolalos.
Nancy, 11. Juli. Auf der Straße von Briey nach
Longwy wurde das Automobil des Hüttenbeſitzers
Saintignon halb zertrümmert aufgefunden.
Unter dem Wagen lagen die Leichen des Chauffeurs und
eines Mannes, deſſen Perſönlichkeit noch nicht feſtgeſtellt
werden konnte.
St. Menehould 10. Juli. Infolge der Exploſion
einer Benzinflaſche brach ein Brand aus, bei dem
eine Frau und ihr neugeborenes Kind verbrannten,
zwei Perſonen liegen im Sterben und eine fünfte wurde
leicht verletzt.
London, 11. Juli. Lebhaftes Aufſehen erregt der
Tod der 16jährigen Tochter Emilie des reichen Farmers
Criſpel in Wilcaßbury (Neu=York), deren Leiche aus
dem See gezogen wurde. Man glaubt, daß es ſich um den
Racheakt eines ihrer Verehrer handelt. Das junge Mäd=
chen
hatte zwei Verehrer, deren Bewerbung durch einen
Wettkampf entſchieden werden ſollte. Beide durchſchwam=
men
den ſehr breiten See. Das junge Mädchen erklärte,
den Sieger nicht heiraten zu wollen, ſondern den Gegner.
Vier Tage ſpäter fand man die Leiche des Mädchens.
Beide Rivalen erklären, unſchuldig zu ſein.
Kopenhagen, 11. Juli. Der Beſuch des deut=
ſchen
Kaiſerpaares wird noch in dieſem Monat in
Kopenhagen erwartet. Man glaubt, daß ſich der Auf=

enthalt des Kaiſers über drei Tage erſtrecken wird. Vor=
ausſichtlich
wird die Königin=Witwe Alexandra von Eng=
land
um dieſe Zeit in Kopenhagen anweſend ſein.

Die Nordlandreiſe des Kaiſers.

* Bergen, 10. Juli. Die „Hohenzollern” mit dem
Kaiſer an Bord iſt heute nachmittag 5½ Uhr hier ein=
getroffen
. Der Konſul Mohr begab ſich an Bord. Spä=
ter
ging General von Munthe of Morgenſtjerne an Bord
der „Hohenzollern”.
* Bergen, 11. Juli. Der Kaiſer beſuchte heute
vormittag den Regenſchirmfabrikanten Erikſen und fuhr
um 12½ Uhr mit Gefolge nach Fjoeſanger, wo bei
dem Konſul Mohr das Frühſtück eingenommen wurde.
Das Wetter iſt neblig, ſo daß die Feuer, die geſtern zu
Ehren der Ankunft des Kaiſers angezündet worden
waren, nicht zu ſehen waren.

Luftfahrt.

Flugzeugmodell=Ausſtellung 1913.
Veranſtaltet vom Verein für Luftfahrt E. V,
Darmſtadt (Heſſiſche Flugſtudien=Geſellſchaft).
Der Verein für Luftfahrt E. V. bezweckt mit dieſen
Veranſtaltung, das Intereſſe für das Flugweſen in breig
tere Kreiſe zu tragen und vor allem die Jugend,de
die Zukunft gehört, für die bedeutende nationale Sache
zu gewinnen. Die Ausſtellung findet vom 9. bis
Oktober 1913 in Darmſtadt, Ausſtellungsgebäude Mathiſ=
denhöhe
, ſtatt. Zur Ausſtellung werden in den einzelnſ
Abteilungen zugelaſſen: 1. Flugzeugmodelle und
flugzeugmodelle aller Art, gleichviel ob ſie bereits vorhn
denen Flugzeugen entſprechen, neue Formen von Flug=
zeugen
im Modell darſtellen oder zur Ausführung übe=
haupt
nicht geeignet erſcheinen. 2. Zubehörteile zum Bal
von unter Nr. 1 genannten Modellen. 3. Drachen.
Literatur, Photographien, Pläne, Zeichnungen, Bilden
uſw., die das Flugweſen betreffen. Die Ausſtellung iſt
koſtenfrei für alle zugelaſſenen Ausſteller, mit Ausnahme
ſolcher, die die ausgeſtellten Gegenſtände „gewerbsmäßig
herſtellen oder vertreiben. (Die Anmeldung hat bis ſpät=
ſtens
20. September zu erfolgen.) Alle Modelle müſſen
in vollſtändig fertig zuſammengeſtelltem Zuſtande einge=
liefert
werden. Die von auswärts durch Poſt oder Bahn
eingehenden Modelle und Ausſtellungsgegenſtände müſſen
derart ſorgfältig und feſt verpackt werden, daß ſie in
tadelloſem Zuſtande hier eingehen.
Für die Ausſtellungsmodelle ſind folgende Preiſe
vorgeſehen: 1. Für die originellſte Idee 20 Mk., 2. für des
am ſauberſten ausgeführte Anſchauungsmodell 20Mk
3. für das am ſauberſten ausgeführte Flugmodell 10Mh
4. ferner werden beſonders guten Arbeiten noch Diplom
zuerkannt. Gewerbsmäßig hergeſtellte Modelle werden bei
der Prämiierung nicht berückſichtigt; ſie können indeſſen
Sonderdiplome erhalten. Ausſteller, welche mehr
2 Modelle ausſtellen, erhalten Sonderprämien.
An die Ausſtellung wird ſich am 12. Oktober ein
Wettfliegen von ausgeſtellt geweſenen
Flugzeugmodellen anſchließen. Wir kommen noch
des Näheren darauf zurück. Alle Anfragen ſind an die
Geſchäftsſtelle des Vereins für Luftfahrt E. V., Darm=
ſtadt
, Landgraf=Philipp=Anlage, zu richten.
* Johannisthal, 10. Juli. Heute nachmittag
6 Uhr ereignete ſich auf dem Flugplatz Johannisthal ein
Fliegerabſturz. Der Flugſchüler (Hoffmann ſtieg
auf einem Fokker=Eindecker zu einem Probeflug —f. Bei
der Landung ſetzte die Maſchine zu hart auf. Hoffmann
wurde herausgeſchleudert und die Maſchine ſehr ſtark be=. Hoffmann erlitt eine Stauchung der Wirbelſäule
und möglicherweiſe innere Verletzungen.
* Baden=Oos, 11. Juli. Das Luftſchifl
„Z. 2‟ iſt heute früh 9 Uhr 21 Minuten zur Rückfahrt nach
Köln aufgeſtiegen.
* Köln, 11. Juli. Das Luftſchiff „Z.20
heute nachmittag, von Baden=Oos kommend, um 3 Uh
15 Minuten hier glatt gelandet.
* Düſſeldorf, 11. Juli. Das „Veeh=Luft
ſchiff” mußte heute vormittag bei Oberembt,Kre
Bergheim, wegen Motordefekts eine Notlandun
vornehmen. Die Deutſche Luftſchiffbaugeſellſchaft erfähn
daß ſtarke Nebel zur Landung zwangen.
* Paris 10. Juli. Der Flieger Brindejone
wurde heute im Stadthauſe empfangen, von dem Präſte
denten des Munizipalrates und des Generalrates begrüßt
und zu ſeinem Rundflug durch die europäiſchen Hauſt=
ſtädte
beglückwünſcht. Brindejonc wurde die Goldene
Medaille der Stadt Paris verliehen.

Wetternachrichten.

* Karlsruhe 10. Juli. In den Vogeſenit
ein empfindlicher Wetterſturz eingetreten, in den
oberen Lagen iſt die Temperatur bis auf den Gefrierpunt
geſunken. Wiederholt ſind Graupeln und Hagelſchläge
niedergegangen.
— Konſtanz, 11. Juli. Der Oberrhein iſt iſt
folge anhaltender Regengüſſe innerhalb 24 Stunden
um ¾ Meter geſtiegen. Der Bodenſee hat eine fürdi
jetzige Zeit ungewöhnliche Höhe.
— Peſt, 11. Juli. Infolge eines zweitägigen Wol
kenbruches iſt die Umgegend von Becztercze über
ſchwemmt. Mehrere Brücken ſind fortgeriſſen. Be
Maros=Vaſarhely überflutete der Marosfluß 30 Dörfer,
Mit drei Dörfern iſt jeder Verkehr abgeſchnitten. Laut
dem Berliner Lokalanzeiger ſind infolge von Häuſerein=
ſtürzen
auch viele Menſchenleben zu beklagen.
— London, 10. Juli. Ein ſchwerer Gewitter=
ſturm
ging geſtern über die City und den Norden del
Stadt nieder. Ein drei Jahre alter Knabe wurde von=
einem
Blitz getötet. Ein Ruderboot mit drei Inſaſſen
kenterte, ein Mann ertrank.

Vermiſchtes.

— Zur Einweihung des Völkerſchlacht
denkmals ſind die Vorbereitungen gegenwärtig
vollem Gange. Um die Feſtfeier zu einer im vollſtel
Maße würdigen zu geſtalten, ſollen ſowohl von ſeiten de
Stadt Leipzig, wie des Deutſchen Patriotenbundes kein
Koſten geſcheut werden. Die Stadt Leipzig bewilligte für
eine künſtleriſche Ausſchmückung der Feſtſtraßen bereits
160000 Mark und der Deutſche Patriotenbund hat für di
Ausgeſtaltung der Feſtfeier die Summe von 150000 M
ausgeworfen. Für den Abend des Feſttages, den 18. M
tober, iſt eine große Beleuchtung der ganzen Stadt

[ ← ][  ][ → ]

Ausſicht genommen. Die Anmeldungen zur Teilnahme
an der Feſtfeier laufen nach wie vor ſehr zahlreich ein.
NNeben der deutſchen Studentenſchaft iſt es vornehmlich
auch die deutſche Jugend der Gymnaſien, Realſchulen,
Seminare uſw., im Verein mit ihrer Lehrerſchaft, die in
ſchöner patriotiſcher Begeiſterung für das denkwürdige
Ereignis in großer Anzahl ihre Beteiligung in Ausſicht
geſtellt hat. Hunderte von Fahnenabordnungen der ver=
ſchiedenſten
Vereinigungen ſind bereits zu dem Feſttage
gemeldet, ſo daß die Feier auch äußerlich ein farbenpräch=
tiges
Bild abzugeben verſpricht. An der Feier kann ſich
jeder deutſche Mann und jede deutſche Frau beteiligen.
Baldige Anmeldungen (Teibünenplatz 105 Mk., Feſtkarte
5 Mk., für Mitglieder geſchloſſen auftretender Vereine
3 Mk.) erbittet die Geſchäftsſtelle des Deutſchen Patrioten=
bundes
, Leipzig, Blücherſtraße 11.

Literariſches.

Ellen Key: „Die junge Generation”
Nutoriſierte Ueberſetzung aus dem Schwediſchen von Karl
Morburger. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Verlag von Georg
Müller in München. Die berühmte ſchwediſche Kultur=
ämpferin
, deren Schriften der Kindererziehung und der
Frauenfrage neue Wege gewieſen hat und die das Schlag=
vort
des Jahrhunderts des Kindes geprägt, ſetzt in ſechs
Eſſays die Pflichten und Rechte der jungen Generation,
. h. der Zwanzigjährigen, auseinander. Die Verfaſſerin,
die in den letzten Jahren oft und bedeutungsvoll in die
Politik ihres Heimatlandes eingegriffen hat, zieht in die=
em
Buche auch die politiſche Erziehung der Gegenwart
ind die ſozialen Aufgaben der nächſten Zukunft in ihre
Jetrachtungen ein.

Der neue Balkankrieg.

* Berlin 11. Juni. Das Zentralkomitee
es deutſchen Roten Kreuzes hat, wie das
Zerliner Tageblatt erfährt, es diesmal ablehnen müſſen,
lerzte und Pflegematerial nach den Balkanländern
u entſenden. Die zur Verfügung ſtehenden Gelder ſind
urch den erſten Balkankrieg vollſtändig aufgebraucht. Die
lusrüſtung einer neuen Expedition würde mindeſtens
0000 Mark beanſpruchen. Sammlungen zu veranſtalten
ehnt das Komitee ab, wenn es ſich um das Ausland han=
elt
. Heute abend reiſen aus Berlin die Aerzte Richard
zier und Dr. v. Oettingen auf Rechnung des ſerbiſchen
toten Kreuzes mit reichem Hilfsmaterial nach Belgrad ab.
Griechiſche Kriegsmeldungen.
* Athen, 11. Juli. Das Kriegsminiſterium ver=
ffentlicht
folgendes Communiqué über die Schlacht
ei Strumitza: Während des ganzen geſtrigen Tages
urde die Verfolgung des Feindes fortgeſetzt. Ein er=
itterter
Kampf entwickelte ſich in den Engpäſſen des
Jeliſſi=Berges, beſonders auf dem Wege von Doiran nach
trumitza. Der Kampf endete mit einem glänzenden
iege der griechiſchen Truppen und einer voll=
ändigen
Niederlage der Bulgaren. Die geſtri=
en
Kämpfe kann man als eine Folge der Schlachten von
ilkitſch und Doiran betrachten. Der Verteidigungskampf
er Bulgaren am Beliſſiberge war von großer Wichtigkeit
r die Bulgaren, weil ein Ueberſchreiten des Beliſſiberges
nd ein Vormarſch nach Strumitza und Radovitza eine
oße Gefahr für das vierte bulgariſche Korps bedeutete.
ie ſtarke, gegen die Serben gerichtete Front konnte auf
eſe Weiſe von hinten durch die Griechen angegriffen
erden. Die Bulgaren gaben in Eile die befeſtigten Stel=
ngen
vor Iſtip angeſichts des vernichtenden Anſturmes
r Griechen auf. Die Griechen ſtürmten mehrere Be=
ſtigungen
mit dem Bajonett; die Verfolgung wurde bis
trumitza fortgeſetzt. Die Griechen erbeuteten zwei Depots
it Kleidungsſtücken. Die griechiſchen Diviſionen des
ißerſten linken Flügels kämpften heute bei der Eiſen=
hnbrücke
von Haniderwani bei Demirhiſſar, wo ſie die
ffenſive ergriffen.
* Athen. 11. Juli. Admiral Kondurietis hat die
eſetzung Kowallas bekannt gegeben und Kapitän
S. Krietzis zum Gouverneur der Stadt ernannt. Die
ngegend wird von Komitatſchis geſäubert. Bei der Be=
lkerung
herrſcht großer Enthuſiasmus, an dem auch die
ohammedaner teilnehmen.
* Athen, 11. Juli. Zahlreich werden patriotiſche
rben dargebracht. So hat aus Paris der Grieche Zacho=
w
eine Million Francs geſandt und ſie Venizelos zur
rfügung geſtellt. — Heſtia berichtet: Es kann als ſicher
lten, daß das ganze maz edoniſche Gebiet
iſchen Wardar und Strunen vollſtändig von feind=
chen
Truppen geſäubert iſt. Der Feind hat
5 infolge des energiſchen Vormarſches der Griechen zu=
ckgezogen
, da ihm durch jenen die Möglichkeit, ſich zu
rproviantieren, genommen worden war. Nach der
hlacht von Kotſchana hat die feindliche Armee, in zwei
ile geteilt, den Rückzug nach Süden angetreten, um der
rch das Vordringen der Griechen entſtandenen Gefahr
entgehen, und verſucht, in bulgariſches Gebiet zu ge=
igen
, entweder durch das Strumitzatal hinter Beleſitz
ch Petritſch zu oder nach Petſchewo. So wurde die
(gariſche Armee zwiſchen den Griechen und Serben ein=
lemmt
.
Serbiſche Kriegsmeldungen.
* Belgrad, 10. Juli. Da ſämtliche Lazarette in=
ge
der großen Zahl an Verwundeten überfüllt ſind, be=
in
man heute mit dem Bau von Krankenbaracken. Der
erreichiſch=ungariſche Geſandte ſtellte dem ſerbiſchen
ten Kreuz die Geſandtſchaftsſchule zur Verfügung.
* Belgrad, 10. Juli. Das Preſſebureau meldet:
ihrend des geſtrigen Tages hatte die ſerbiſche Ar=
e
einen Kampf in einer außerordentlich ausgedehn=
Front zu beſtehen. Sie ſchlug den Feind im Süden
ſer Front in Mazedonien, wo Kavallerie Radowiſchta
etzte, und im Norden an der ſerbiſch=bulgariſchen
enze. Dies iſt die längſte Gefechtsfront, auf der die
rben in dieſem Kriege gekämpft hatten. Sie griffen
ern früh um 4 Uhr 30 Minuten den Feind bei Zaet=
ar
an und da die feindliche Artillerie ſich zum Rück=
e
anſchickte, verfolgten ſie den Feind. Bei St. Nicolas,
öſtlich von Kujazevatz wurde der Feind aufgerollt und
großen Verluſten zur Grenze zurückgetrieben. Beim
ckzuge ließ der Feind große Mengen Munition zurück
der Weg war beſät mit Gewehren und Bajonetten. Die
lgaren verſuchten in kleinen Abteilungen die Eiſen=
nlinie
Predeione=Wladitſchine zu erreichen. Es ge=
g
den ſerbiſchen Truppen, ihnen den Rückzug abzu=
eiden
. Sie mußten ſich ergeben und diejenigen Ab=
ungen
, die nicht gefangen waren, mußten ſich über die
nze zurückziehen. Der Angriff auf die Stellungen von
ſſima wurde mit beträchtlichen Verluſten zurückgewie=
Während des Kampfes verſuchten die Bulgaren die
llungen der Serben mit einer Kavallerieſchwadron und
r Maſchinengewehrabteilung zu umgehen. Der ſer=
he
Befehlshaber erkannte die Abſicht bald und traf

Begenmaßregeln. Die ſerbiſchen Truppen ſchnitten den
Bulgaren den Rückzug ab; der Feind mußte ſich ergeben
und die Schwadron und Maſchinengewehrabteilung wurde
gefangen genommen. Gleichzeitig mit dieſen Erfolgen
an der ſerbiſch=bulgariſchen Grenze wurde
die Verfolgung des Feinde. von Iſtip nach Rado=
wiſchte
energiſch fortgeſetzt Der ſerbiſchen Kavallerie
gegenüber geriet die vierte bulgariſche Armee in wilde
Flucht. Die ſerbiſche Kavallerie beſetzte Radowiſchte.
Heute früh vereinigten ſich die ſerbiſchen Truppen mit den
griechiſchen, welche Strumitza einnahmen, und man kann
ſagen, der geſtrige und der heutige Tag vollendeten die
Niederlage der Bulgaren im mazedoniſchen Feldzuge.
* Belgrad 11. Juli. Die bulgariſche Ar=
mee
, welche Zatjetſchar angegriffen hatte, war bei
ihrem Vormarſch 15000 Mann ſtark und die Armee, wel=
che
über Kadi Bugas Sveti=Nicola gegen Kujatſchevatz
in Serbien einzudringen verſuchte, zählte 40000 Mann.
Nach der Niederlage gingen die feindlichen Truppen in
den verſchiedenen Orten ſchnell zurück. Einige bulgariſche
Abteilungen machten zwiſchen Vratarnitza und Kraljewo
Selo auf dem rechten Ufer des Timok halt, von wo ſie
durch die Serben weiter energiſch verfolgt wurden. Die
auf den Kuſchutſchikbergen zerſtreuten bulgariſchen Trup=
pen
zogen ſich zum kleineren Teile über die große und
kleine Saſchka und der größere Teil gegen Badi Bugas
zurück. Unterwegs ſammelten die Serben die von den
Bulgaren gemachte und auf der Flucht zurückgelaſſene
Beute auf. Es gelang dem General Kuntſchitſch nicht,
die Fühlung zwiſchen beiden Kolonnen bei Zajetſchar und
Kujatſchevatz aufrecht zu erhalten. Der Mißerfolg der
Bulgaren bei Sveti=Nicola verwandelte ſich bald in eine
völlige Niederlage; ihre Verluſte werden auf über 5000
Tote und Verwundete geſchätzt. Unter den Toten befin=
den
ſich der Kommandeur und viele Kompagniechefs des
66, bulgariſchen Infanterie=Regiments. Die führerloſe
Kolonne wurde zum Rückzug gezwungen, der bald in
eine aufgelöſte Flucht überging. Der Invaſionsverſuch
der Bulgaren iſt vollſtändig mißglückt; die Armee des
Generals Kutintſchew iſt aufgelöſt und nicht imſtande
ihre Aktion in dem vorgeſchiebenen Rahmen wieder auf=
zunehmen
.
Kriegserklärung Rumäniens.
* Sofia, 11. Juli. Der rumäniſche Geſandte
teilte der bulgariſchen Regierung mit, daß er Sofia mit
dem ganzen Geſandtſchaftsperſonal verlaſſe und den
Schutz der rumäniſchen Untertanen und die Archive der
Geſandtſchaft der italieniſchen Geſandtſchaft übergebe.
* Sofia, 11. Juli. Die Agence Bulgare meldet:
In dem Augenblick, wo die ruſſiſche Mediation zur Bei=
legung
der bewaffneten Konflikte zwiſchen Bulgarien,
Serbien und Griechenland im Begriff war, ihr Ziel zu
erreichen und man den Frieden auf dem Balkan geſichert
glaubte, ließ die rumäniſche Regierung durch
ihren Geſandten in Sofia eine Note überreichen,
in der ſie die bulgariſche Regierung unter dem Vorwand=
derſelben
Konflikte benachrichtigt, daß ſie der rumäniſchen
Armee den Befehl gegeben habe, in Bulgarien ein=
zurücken
. Angeſichts dieſer Lage befahl die bulgariſche
Regierung ihren Truppen, den Rumänen keinen Wider=
ſtand
entgegenzuſetzen. Der rumäniſche Geſandte, Prinz
Ghika, verläßt morgen Sofia mit dem Perſonal der Ge=
ſandtſchaft
, nachdem er die Geſandtſchaftsgeſchäfte der
italieniſchen Geſandtſchaft übergeben haben wird.
* Bukareſt, 11. Juli. Geſtern wurde der ent=
ſcheidende
Schritt getan. Er beſteht darin, daß
die rumäniſche Regierung den Beſchluß gefaßt
hat, der bulgariſchen Regierung mitzuteilen, die rumä=
niſche
Armee werde in das bulgariſche Gebiet einrücken
und Rumänien werde bei der endgültigen Verteilung
der Gebiete der europäiſchen Türkei mitreden.
* Bukareſt 11. Juli. Der Einmaſrſch der
rumäniſchen Truppen in Bulgarien hat
begonnen. Der rumäniſche Geſandte in Sofia, Ghika,
wurde abberufen.
Die Türkei und Bulgarien.
* Konſtantinopel, 10. Juli. Nach Meldungen
aus informierten Kreiſen verlangte die Pforte von
Bulgarien nicht die Feſtſtellung einer Grenzlinie;
ſie iſt jedoch entſchloſſen, ſofort nach der Räumung die
Beſtimmung einer Grenzlinie zu fordern. Dieſe ſoll durch
eine internationale Kommiſſion erfolgen. Inzwiſchen
würde die Pforte die Feſtſtellung einer neutralen Zone
zwiſchen beiden Armeen verlangen.
* Konſtantinopel, 11. Juli. Natſchewitſch
iſt als Unterhändler Bulgariens hier einge=
troffen
und von den Beamten der Pforte begrüßt wor=
den
. Es verlautet, die Antwort Bulgariens ſei entgegen=
kommend
und geſtattete eine Einigung. Natſchewitſch
hatte eine Konferenz mit Osman Nizami Paſcha und hat
auch den Großweſir beſucht.
Letzte Nachrichten.
IB. Wien, 11. Juli. Aus Sofia trifft die Nach=
richt
ein, daß König Ferdinand infolge der großen
Aufregung der letzten Tage ſchwer krank danieder=
liege
.
H.B. Wien, 11. Juli. In hieſigen diplomatiſchen
Kreiſen glaubt man, daß die Kriſe zwiſchen Bul=
garien
und Rumänien in der Weiſe beigelegt
wird, daß in zwei oder drei Tagen Danew zurücktreten
und an ſeine Stelle der rumänenfreundlichere Genadiew
treten wird. Es wird auch angenommen, daß Rumänien
ſich in ſeinen Anſprüchen an Bulgarien ſehr gemäßigt hal=
ten
wird. An unterrichteter Stelle glaubt man, daß der
Einmarſch der Rumänen in Bulgarien von zwei Seiten
aus erfolgen wird, und zwar von der Dobrudſcha, wo er
heute beginnt und über die Donau bei Zſorna=Nova.
H. B. Paris 11. Juli. Wie der Matin erfährt,
haben die ſerbiſche, griechiſche und montene=
griniſche
Regierung bis jetzt auf den ruſſiſchen
Vorſchlag noch nicht geantwortet und es iſt anzu=
nehmen
, daß ſie ſich vorläufig miteinander beraten, was
ſie tun werden. Nach anderen Meldungen hat ſich Bul=
garien
nicht nur an Rußland allein, ſondern auch an alle
anderen europäiſchen Großmächte gewendet und um Ver=
mittelung
gebeten. Der Petit Pariſien will erfahren ha=
ben
, daß die Großmächte auf den Schritt Bulgariens
bereits geantwortet und daß ſchon geſtern ihre
Vertreter in Athen und Belgrad dringend die Annahme
der bulgariſchen Vorſchläge empfohlen hätten. Die öffent=
liche
Meinung glaubt hier, daß eine Verſtändigung
zwiſchen Serbien und Bulgarien ſich finden
laſſe, daß aber die Vermittelung zwiſchen Griechenland
und Bulgarien ſehr viel ſchwieriger ſein werde Grie=
chenland
werde den Elan ſeines Vorſtoßes benutzen, um
alle Gebiete zu erobern, in denen die griechiſche Bevölke=
rung
vorwiegt. Es wolle deshalb außer Kawalla auch
Drama beſetzen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)=
* Friedrichshafen, 11. Juli. Graf Zeppelin
veröffentlicht folgenden Dank: Zu meinem 75. Geburts=
tage
ſind mir von nah und fern, von den Spitzen ſtaat=
licher
und kommunaler Behörden, von Hochſchulen und
Schulen, einzelnen Schülern und Schülerinnen, von der
Preſſe, aus Luftſchiffahrtskreiſen, von Krieger=, Arbeiter=,
Jugend= und anderen Vereinen aller Art, von Stamm=
tiſchen
, von alten Kriegskameraden, lieben Freunden und
ſonſtigen Perſonen Glückwünſche in übergroßer Zahl zu=
gegangen
, daß es mir unmöglich iſt, wie es mein Her=
zensbedürfnis
wäre, allen einzelnen beſonders zum Aus=
druck
zu bringen wie wohlwollend und ernſt ich dieſe
Teilnahme empfinde und wie dankbar ich für dieſe bin.
Ich bitte daher alle, meinen von bewegtem Herzen kom=
menden
Dank auf dieſem Wege gütigſt entgegennehmen
zu wollen. gez. Graf Zeppelin, Friedrichshafen, den
10. Juli.
* Solingen, 11. Juli. Auf eine Rundfrage, die die
Vereinigung rheiniſch=weſtfäliſcher Anwälte an ſämtliche
deutſche Rechtsanwälte richtete, ſprachen ſich 6206 Rechts=
anwälte
für die Einführung von Beſchränkungen
bei Zulaſſung zur Rechtsanwaltſchaft aus,
dagegen erklärten ſich nur 994 Rechtsanwälte.
* Wilhelmshaven, 11. Juli. Die Vorderhälfte des
Wracks „§ 178” ſoll nach einem Telegramm aus Helgo=
land
morgen früh gehoben und nachmittags in Wil=
helmshaven
eingeſchleppt werden.
— Stuttgart, 11. Juli. Das Stuttgarter Neue Tag=
blatt
ſchreibt: Wie aus Berlin mitgeteilt wird, iſt der
Reichstagsabgeordnete Hil denbrand=
Stuttgart an Stelle des verſtorbenen Abgeordneten
Zietſch, der unlängſt beſtattet wurde, zum Sekretär der
ſozialdemokratiſchen Reichstagsfraktion gewählt worden.
Dieſes Amt bedingt den ſtändigen Aufenthalt in Berlin,
ſodaß der Abgeordnete Hildenbrand ſein Reichs und
Landtagsmandat niederlegen wird. Es iſt
deshalb in kürzerer Friſt mit einer Erſatzwahl für den
Reichstag in Stuttgart und für den Landtag in Stutt=
gart
=Amt zu rechnen. Man wird nicht fehlgehen, wenn
man dieſen Entſchluß des Abg. Hildenbrand mit der Be=
handlung
in Zuſammenhang bringt, die ihm von ſeinen
„Freunden” in der eigenen Partei zuteil wurde und die
ihm, allerlei Andeutungen zufolge, auf der nächſten Lan=
desverſammlung
der Sozialdemokratie zugedacht iſt.”
— Hamburg, 11. Juli. Auf der elektriſchen Bahn nach
Altrahlſtedt fuhr ein Güterwagen, der ſich losgeriſſen
hatte, gegen einen Perſonenwagen. Drei Per=
ſonen
wurden ſchwer, eine leicht verletzt.
HB. Roſtock, 11. Juli. Auf den als Führer der Fort=
ſchrittlichen
Volkspartei in Mecklenburg bekannten Rechts=
anwalt
Dr. Tobias wurde heute vormittag ein Re=
volver
=Attentat verübt. Dr. Tobias ſtand im
Begriff, eine Erholungsreiſe anzutreten. Er begab ſich im
Automobil von der Garage zum Landgericht, wo er in
einem Prozeß gegen den Ingenieur Fritzer noch einen
Termin wahrnehmen wollte. Bevor er das Auto verließ,
trat Fritzer plötzlich auf ihn zu und feuerte drei Schüſſe
auf ihn ab. Tobias wurde mit ſchweren Verletzungen im
Unterleib in die Klinik gebracht, wo ſofort eine Operation
vorgenommen wurde! Der Zuſtand des Verletzten gibt
zu ernſten Beſorgniſſen Anlaß. Der Täter ging nach dem
Attentat in das Gerichtszimmer zurück, wo er verhaftet
wurde. Ueber die näheren Gründe der Tat verweigert er
jede Angabe.
HB. Eydtkuhnen, 11. Juli. Als der Mechaniker
Keſtner in Eydtkuhnen wegen des Verdachtes des
Landesverrats zugunſten Rußlands verhaftet
werden ſollte, ſchlug er den Polizeibeamten, der ihn ver=
haften
wollte, nieder und entfloh. Bis jetzt konnte er nicht
ergriffen werden. Die Behörden bewahren über den Vor=
fall
ſtrengſtes Stillſchweigen. Es iſt jedoch bereits bekannt,
daß mehrere Perſonen in die Affäre verwickelt ſind.
IIB. Wien, 11. Juli. Im Kriegshafen Pola wurde
eine umfangreiche Spionage=Affäre aufgedeckt.
Bis jetzt wurden 15 Perſonen verhaftet. Es ſind dies
der Feldwebel Schmutz, der Beſitzer des Hotels Balkan,
Hotelier Sabo, einige frühere Unteroffiziere der Kriegs=
marine
, ſowie Arbeiter und Angeſtellte des Marine=
arſenals
in Pola. Am meiſten belaſtet erſcheint der Feld=
webel
Schmutz. Eine Durchſuchung ſeiner Wohnung er=
gab
, daß er zahlreiche militäriſche Geheimniſſe an das
Ausland verraten hatte. Es iſt nachgewieſen, daß Sch.
im Laufe der letzten drei Jahre von dem Hotelier Sabo
30000 Kronen ausbezahlt erhielt.
— Dublin, 10. Juli. Als geſtern nachmittag Poſt=
beamte
Briefſchaften ſortierten, explodierte ein
Brief der an das Parlamentsmitglied William Red=
mond
adreſſiert war. Verletzt wurde niemand. Wahr=
ſcheinlich
handelt es ſich um einen Streich der Suffra=
getten
.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Im Bereich des ausgedehnten Tiefdruckgebiets haben
wir kühles, regneriſches Wetter. Die Temperaturen liegen
bei uns weit unter normal. Von Weſten her ſteigt der
Druck, doch müſſen wir morgen noch mit unbeſtändigem
Wetter und Niederſchlägen rechnen.
Ausſichten in Heſſen für Samstag, 12. Juli: Un=
beſtändig
, zeitweiſe Regenfälle, Temperatur wenig ge=
ändert
, meiſt weſtliche Winde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)


CGRRETTE
mit seidenen
Jammel-Waopenbildern
I.15164.

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Aus dem Geſchäftsleben.

Wanderungen auf dem Rade! In neuerer
Zeit ſind Wanderungen wieder recht in Aufnahme ge=
kommen
. Es gibt auch nichts Schöneres, als das
Wandern in Gottes freier Natur. Ob zu Fuß, oder —
wenn mit Vernunft betrieben — auf dem Rade, das iſt
einerlei. Als erfahrener Radler möchte ich ſogar be=
haupten
, daß der Wanderfahrer bei richtiger Betrachtung
der Dinge größeren Genuß von ſeinen Touren hat, wie
der Fußwanderer. Die einzige und hauptſächlichſte Be=
dingung
für den Wanderfahrer iſt nur die: Benutze ein
gutes, leichtlaufendes Rad, damit Du deine Touren im
Vollgefühl abſoluter Sicherheit antreten kannſt. Zuver=
läſſig
und leichtlaufend muß es ſein. Aerger mit dem
Rade hat ſchon manchem Wanderfahrer die Sache ver=
leitet
. Sofern man zum Zwecke regelmäßiger Wander=
fahrten
mit der Neuanſchaffung eines Rades umgeht,
verſäume man nicht, den lehrreichen wie intereſſanten
Katalog über Victoria=Räder von den Victoria=
Werken in Nürnberg einzufordern. Er wird allen
ernſthaften Intereſſenten koſtenlos übermittelt.
Man ſchreibt uns: Die Weineſſig= und Konſerven=
Fabrik Rich. Hengſtenberg, Königl. Hoflieferazt in
Eßlingen am Neckar, hat eine Serie ſehr hübſcher
Reklame=Marken herſtellen laſſen, welche den
Verbrauchern der beliebten Hengſtenbergs Fabrikate in
den Verkaufsſtellen koſtenlos zur Verfügung geſtellt
werden.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: „Barcelona” 6. Juli 11 Uhr morgens von
Montreal über Rotterdam nach Hamburg. „Ikbal”
7. Juli 6 Uhr abends von Norfolk nach Philadelphia.
„Norman Monarch” 5. Juli 11 Uhr 45 Min. morgens
von Neuorleans. „Willehad” nach Quebec und Montreal,
7. Juli 3 Uhr 30 Min. nachm. von Rotterdam.
Weſtindien, Mexiko: „Frankenwald” von Mexiko kom=
mend
, 6. Juli morgens von Havana über Vigo, Coruna,
Santander, Bilbao, Plymouth und Havre nach Ham=
burg
. „Mecklenburg” 5. Juli von St. Thomas über
Havre nach Hamburg. „Niederwald” von Weſtindien
komm., 7. Juli 4 Uhr 15 Min. nachm. in Hamburg. „ Oden=
wald
” nach Weſtindien, 7. Juli 3 Uhr nachm. in Ant=
werpen
. — „Ypiranga”, ausgehend, 7. Juli in Veracruz.
— Verſchiedene Fahrten: „Kurmark” nach Indien,
6. Juli 3 Uhr nachm. in Antwerpen. Vergnügungs=
dampfer
„Meteor” dritte Nordlandfahrt, 7. Juli 3 Uhr
nachm. in Molde. „Swakopmund” heimkehrend, 4. Juli
von Swakopmund. „Windhuk” nach Afrika, 6. Juli
von Las Palmas.

Familiennachrichten.

Statt Karten!
Elisabeth Schneider
Ludwig Schäfer
VERLOBTE
Mainz
Darmstadt
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Frauenlobstrasse 14, II.
2978)
ott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen
innigſtgeliebten Vater, den lieben Herrn
Kaspar König
Oberbahnaſſiſtent
geſtern nachmittag ¾2 Uhr im Alter von 44
Jahren zu ſich in die Ewigkeit abzurufen.
Im Namen aller trauernd Hinterbliebenen:
Margarete König.
Darmſtadt, den 11. Juli 1913.
Die Beerdigung findet Samstag, den 12. Juli,
nachmittags 3 Uhr, vom ſtädtiſchen Friedhofe
(*2965
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten hier=
mit
die traurige Nachricht, daß meine liebe
Frau, unſere gute Mutter und Großmutter
Frau Katharia Beck
geb. Birkenstock
nach kurzem Krankenlager heute morgen um
3½ Uhr ſanft verſchieden iſt.
(15197
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 11. Juli 1913.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. Juli,
nachmittags 3½ Uhr, von der Kapelle des=
Darmſtädter Friedhofes aus, ſtatt.

Dankſagung.
(Nur auf dieſem Wege.)
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
beim Hinſcheiden meiner lieben Frau, unſerer
lieben Tochter, Schwägerin und Tante, ſagen wir
hiermit unſeren innigſten Dank.
(15218
Darmſtadt, den 11. Juli 1913.
Kurt Kempin,
Georg Lautenſchläger und Frau,
Oberamtsrichter Noack und Familie.

Danksagung.
Für die überaus vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Hinſcheiden meiner lieben
Gattin, unſerer guten Mutter, für die ſo zahl=
reichen
Blumenſpenden, für die troſtreiche Grab=
rede
des Herrn Pfarrer Krämer, ſowie für die
Kranzniederlegungen ſagen herzlichſten Dank
Bürgermeister Geibel=
und Kinder.
(15168
Hahn, den 10. Juli 1913.

Tageskalender.

Samstag, 12. Juli.
Sommerfeſt des Kaufmänniſchen Vereins um 9 Uh
im Saalbau.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — Heſſiſcher Höf
um 8 Uhr. — Bürgerkeller um 8 Uhr. — Reſtaurat
„Metropol” um 8 Uhr.
Sonntag, 13. Juli.
Nationale olympiſche Spiele um 9 und 2 Uhe
auf dem Olympia=Sportplatz an der Heidelbergerſtraße
(Rennbahn).
Sommerfeſte: Geſangverein „Liederzweig” um 4 Uhr
im „Schützenhof” — Heſſiſcher Fechtverein „ Waiſen=
ſchutz
” um 4 Uhr im Saalbau.
50jähriges Stiftungsfeſt des Bürgervereinz
Beſſungen (10½ Uhr Feſtakt im Vereinslokal, 4 Uh
Jubelfeier in der Beſſunger Turnhalle).
Spaziergang des Geſangvereins „Frohſinn” nach
Nieder=Ramſtadt (Abmarſch um 2 Uhr Ecke Taunus=
und Dieburgerſtraße).
Preisſchießen des Schützenklubs „Feurio”, Kies=
ſtraße
27.
Konzerte: Ludwigshöhe um 4 Uhr. — Bürgerkeller
um 4 Uhr. — Reſtaurant „Metropol” um 4 Uhr.
Wander=Ausſtellung „Das Kind”, Alexander=
ſtraße
20 (geöffnet von 11—9 Uhr).

Verſteigerungskalender.

Montag, 14. Juli.
Torf=Verſteigerung um 10 Uhr im Rathaus zu
Pfungſtadt.
Druck und Verlag: L. C. Wiltich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für des Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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Samstag, 12. Juli.

1913.

Bekanntmachung
für die Mainſchiffahrt.

1. Das 1. Nauſſauiſche Pionier=Bataillon Nr. 21 hält am 15. Juli d. Js. eine
Brückenbau=Uebung bei Kahnfähre Rüſſelsheim ab.
2. Es findet ein Brückenſchlag über den ganzen Fluß ſtatt.
3. Der Strom wird am 15. Juli an der angegebenen Stelle zwiſchen 8 und 11 Uhr
vormittags für die Schiffahrt nach Bedarf geſperrt. Die Sperre wird auf das unbe=
dingt
erforderliche Zeitmaß beſchränkt, ſie wird nicht länger als 2 Stunden ununter=
brochen
dauern.
4. Etwa 500 m oberhalb und etwa 300 m unterhalb der Brückenſtelle wird, ſo=
lange
die Schiff= und Floßfahrt beſchränkt iſt, je ein Wachtponton feſtgelegt, welches
die auf der Brücke gegebenen Signale für ihre Sperrung oder für ihre Freigabe für
die Berg= oder für die Talfahrt wiedergibt. Die Wachtpontons ſind auf Grund des
§ 6, Ziffer 5 der Schiffahrtspolizeiordnung für den kanaliſierten Main aufgeſtellt.
5. Einzelfahrzeuge, ſowie die Schleppdampfer aller Schleppzüge, welche die Brücke
durchfahren wollen, haben, ſobald dieſe in Sicht kommt, zu hiſſen:
a) in Bergfahrt: eine weiße Flagge,
b) in Talfahrt: eine rote Flagge.
6. Die Führer von Flößen (Floßzügen) haben ihre Ankunft an der Brückenſtelle
mindeſtens eine Stunde vorher einem Offizier der übenden Truppe anzumelden.
7. Wenn nicht die, nach § 6 Ziffer 5 der Schiffahrtspolizeiordnung für den
kanaliſierten Main aufgeſtellten Wahrſchauen (Wachtpontons) die Durchfahrt durch
die Brücke geſtatten, müſſen die Talſchiffe mindeſtens 500 m, Bergſchiffe mindeſtens
200 m von der Brücke entfernt bleiben.
Flöße müſſen mindeſtens 1000 m oberhalb der Brücke vor Anker gehen. In
jedem Falle muß das Fahrwaſſer für entgegenkommende und für überholende Schiffe
frei gehalten werden.
8. Dampfſchiffe und Motorboote mit und ohne Anhang dürfen beim Durch=
fahren
der Uebungsſtrecken nicht mit größerer Kraft fahren, als zu ihrer ſicheren
Steuerung unbedingt erforderlich iſt.
9. Zu Tal treibende Schiffe und Flöße dürfen einen Brückendurchlaß nur dann
paſſieren, wenn die Wind= und Stromverhältniſſe die ſichere Durchfahrt geſtatten.
Das Schleppen von Ankern iſt 50m oberhalb der Stromankerlinie bis zu 50 m
unterhalb der Windankerlinie verboten.
10. Den Anordnungen der Pionier=Truppe iſt Folge zu leiſten.
11. Zuwiderhandlungen werden auf Grund der Schiffahrts=Polizeiordnung für
den kanaliſierten Main beſtraft.
Darmſtadt, den 7. Juli 1913.
(15231
Großherzogliche Provinzial=Direktion Starkenburg.
Fey.
Betr.: Antrag der Stadt Darmſtadt auf Einleitung des Enteignungsverfahrens
wegen des zur Anlage der Heidelbergerſtraße erforderlichen Geländes der
Grundſtücke Fl. XXI Nr. 1, 19/10, 2, 2¾/10 Gemarkung Darmſtadt.

Bekanntmachung.

Der Großh. Oberbürgermeiſter der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt hat
namens der Stadt Darmſtadt auf Grund des Art. 11 der allgemeinen Bauordnung
26. Juli 1884,
und der Art. 1 und 2. des Geſetzes vom 17. Juli 1899, die Enteignung von Grund=
eigentum
betreffend, zur Anlage der Heidelbergerſtraße Antrag auf Einleitung des
Enteignungsverfahrens wegen der nachbezeichneten, in der Gemarkung Darmſtadt
gelegenen Grundſtücke geſtellt:

Inhalt
der der
Wohnort 1 Ge= (zuent=
Eigentümer
Nr.
ſamt= eign.
fläche Fläche
qm 1 qm
Röder, Friedrich,
KT
Heinz, Konrad, und
918
918
Darmſtadt
Henkel, Heinrich Dritter
XXI P/0 1 dieſelben
105 105
XXI
1538 769
XXI 29/10
596 578

Dies wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Anfügen, daß der Antrag
gebſt Plänen vom 14. bis 27. Juli d. Js. einſchl. auf dem Rathauſe dahier —
Zimmer Nr. 67 — während der üblichen Dienſtſtunden zu jedermanns Einſicht
offen liegt.
Zur Verhandlung über den Plan und die zu leiſtende Entſchädigung, ſowie
zur Entgegennahme etwaiger Einwendungen und Anträge wird Tagfahrt vor der
Lokalkommiſſion anberaumt auf:
Mittwoch, den 30. Juli 1913, nachmittags 3 Uhr
(Sitzungsſaal des Kreisausſchuſſes, Darmſtadt, Neckarſtraße 3).
Die Eigentümer, Pächter, Mieter und ſonſtige an den abzutretenden Grund=
ſtücken
perſönlich Berechtigte, ſowie alle übrigen bei der Enteignung Beteiligten werden
aufgefordert:
1. Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausſchluſſes und Annahme
der Einwilligung in die beanſpruchte Abtretung oder Beſchränkung,
2. Erklärung auf die angebotene Entſchädigungsſumme bei Meidung der Unter=
ſtellung
der Annahme des Angebots,
3. Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausſchluſſes mit
ſolchen,
4. Anträge auf Aufrechterhaltung beſtehender Laſten (Art. 19 des Geſ.) bei
Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
5. Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen, welche für die be=
nachbarten
Grundſtücke oder im öffentlichen Intereſſe zur Sicherung gegen

Gefahren und Nachteile notwendig ſind oder notwendig werden dei Mei=
dung
des Ausſchluſſes mit ſolchen,
6. etwaige noch unbekannte Anſprüche und Rechte an die zu enteignenden
Grundſtücke bei Meidung des Ausſchluſſes mit ſolchen,
in dem oben erwähnten Termin mündlich vorzubringen. Wer am perſönlichen
Erſcheinen verhindert iſt, hat ſich zur Vermeidung der vorgenannten Rechts=
nachteile
durch einen mit ſchriftlicher Vollmacht verſehenen Bevollmächtigten
vertreten zu laſſen.
Zugleich werden die Eigentümer auf folgende Beſtimmungen der Art. 27 u. 9
des Enteignungsgeſetzes beſonders verwieſen:
1. Artikel 27: Wenn dritte Perſonen als dinglich Berechtigte oder wegen ſonſtiger
Rechtsverhältniſſe bei der Enteignung beteiligt ſind, ſo muß ſie der Eigen=
tümer
ſofort nach Zuſtellung der Bekanntmachung der unterzeichneten Behörde
bezeichnen, welche ſie ſodann unter Androhung des geeigneten Rechtsnachteils
zu der Tagfahrt vorzuladen hat.
Unterläßt der Eigentümer dieſe Bezeichnung, ſo bleibt er für dieſe An=
ſprüche
verantwortlich.
2. Artikel 9: Der Eigentümer des abzutretenden Grundſtücks muß von Zuſtellung
der Bekanntmachung an zu neuen Anlagen oder zu einer von der bisherigen,
beziehungsweiſe der gewöhnlichen abweichenden Art der Bewirtſchaftung die
Genehmigung des Großh. Oberbürgermeiſters der Stadt Darmſtadt einholen,
widrigenfalls dafür eine Entſchädigung demnächſt nur inſoweit verlangt werden
kann, als durch die Veränderung auch für den öffentlichen Zweck, für welchen
die Enteignung geſchieht, der Wert des Geländes erhöht worden iſt.
Räumt der Eigentümer von dem obigen Zeitpunkt an einem anderen ein
dingliches Recht an dem zu enteignenden Grundſtück oder ein perſönliches Recht
auf deſſen Benutzung ohne Genehmigung des Großh. Oberbürgermeiſters von
Darmſtadt ein, ſo ſteht jenem anderen an die Stadt ein Anſpruch auf eine
beſondere Entſchädigung nicht zu.
Die Unternehmerin wird zu dem Termin unter dem Rechtsnachteile geladen,
daß im Falle ihres Ausbleibens Verzichtleiſtung auf Fortſetzung des Enteignungs=
verfahrens
unterſtellt und ſie mit den bis dahin entſtandenen Koſten belaſtet
(15176
werden wird.
Darmſtadt, den 9. Juli 1913.
Der Vorſitzende der Lokalkommiſſion:
Piſtor, Großh. Regierungsrat.

Bekanntmachung.

Diejenigen nicht bezw. nicht mehr militärdienſtpflichtigen Perſonen, die bereit
ſind, im Falle der Mobilmachung als Kraftwagenführer (Perſonen= und Laſt=
kraftwagen
) ſowie als Kraftradfahrer in das Heer einzutreten oder ein diesbezüg=
liches
Vertragsverhältnis mit der Militär=Verwaltung einzugehen, werden hierdurch
aufgefordert, ſich alsbald und ſpäteſtens bis zum 18. d. Mts. in Darmſtadt bei
den Polizei=Revier=Vorſtänden, in den Landgemeinden des Kreiſes bei den Großh.
Bürgermeiſtereien, zu melden.
* Es kommen nur ſolche Leute in Betracht, die im Beſitze eines Führerſcheines ſind.
Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
(14988msi
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.
Dem Wilhelm A. Raabe zu Darmſtadt wurde die widerrufliche Ermächtigung
(15101
zur Ausbildung von Kraftwagenführern erteilt.

Bekanntmachung.

Am 14., 15., 17. und 18. Juli 1913 von 7 Uhr vormittags bis zum Einbruch der
Dunkelheit wird Schießen mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des XVIII. Armee=
korps
auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km vördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpfad ausſchließlich,
„ Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
„ Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
„ Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
(13973a
Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Michel.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs=
(14797a
platz bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.
Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 14. bis 19. Inli 1913.

Die
Dauer der
Truppenteil Abſperrung Abſperrung Bemerkungen
Tag
Datum
erſtreckt ſich
von bis
80 V.
14. Juli 1 Montag
Ueber das
80 V.
15. Juli Dienstag
ganze
16. Juli 1 Mittwoch . 17 Feldartillerie 80 V. 10 N.
Abſperr=
80 V. 10 N.
17. Juli 1 Donnerstag
Gelände
8"Abds. 120Nachts
Nachtſchießen
17. Juli 1 Donnerstag
Bis zum
80 V.
10 N.
19. Juli Samstag
Infanterie
Landgraben

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 zweirädriger Handwagen. 1 goldener Herren=
ring
mit rotem Stein. 1 Portemonnaie mit Inhalt. 1 mattgoldene
Broſche mit Kinderzähnchen als Anhänger. 1 hebräiſche Fibel
1 kleiner Hohlſchlüſſel an einer Kette. 2 kleine Schlüſſel an einem
Ring. 1 Portemonnaie mit etwa 3 Mk. Inhalt. 1 blauer Knaben=
gürtel
. 1 Taſchenſpiegel mit Kämmchen ꝛc. 1 leeres braunes Porte=
monnate
und 1 Taſchenmeſſer. 1 gelbe Nadel mit hellem Steinchen.
1 Tula=Manſchettenknopf. 2 mittelgroße Schlüſſel (zuſammengebund.).
1 roter Turnergürtel. 1 Korallenkette, doppelreihig mit Goldverſchluß.
1 ſchwarzer Damen=Samtgürtel mit Emailleſchnalle.
(15166
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Spitzhund, 2 Pinſcher. Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(15167
Straßenſperre. Wegen Vornahme von Pflaſterarbeiten wird
die Erbacherſtraße zwiſchen der Beckſtraße und dem Prinz=Chriſtians=
Weg während der Zeit vom 14. Juli bis 2. Auguſt lfd. Js. für den
Fuhrwerks= und Radfahrverkehr geſperrt.
(15171
Sonntagsruhe in den Apotheken. Am Sonntag, den 13. Juli,
ſind nachmittags in der Zeit von 1 bis 9 Uhr abends folgende
Apotheken geöffnet: Einhorn=Apotheke, Kirchſtraße und Beſſunger
Apotheke, Karlſtraße. Alle übrigen Apotheken ſind von 1 Uhr
ab geſchloſſen.

Schneidertiſch, gebraucht, 180 cm
lang, 75 cm breit, mit großer
Schublade, preiswert zu verkaufen
3018)
Karlſtraße 11, II.

Duchthühner, Jtal., 1913er Früh=
brut
, in gr. Ausw. u. all. Farb.,
in 4-6 W. legend, empf. fortw. billigſt
13811a) Schröder, Karlſtraße 27.

Bauarbeiten.
Ein Teil Schloſſer=, Schreiner=
und Steinmetz=Arbeiten (5.70 cbm
Tuffſteine) für den Stadtkaſſe=
Anbau ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Montag, 21. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
(15251so
einzureichen.
Darmſtadt, 12. Juli 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.
Motorrad
Adler, Magnetzündung, ſehr gut
funktionierend, auf alle Steigunger
gehend, für 140 Mk. zu verkaufen.
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Näheres bei
Hofmetzgerei Heil, Marktplatz.
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2tür., 2 Bettſtellen m. Matratzen,
1 Kommode, 1 Fahrrad m. Freil.
Kleine Bachgaſſe 7.
*3032)

Verkaufspreiſe der Fleiſch=u. Wurſtwaren i. d. Haupt= u. Reſidenzſtadt Darmſtadt
(Nach den Mitteilungen des Vorſtandes der Metzger=Innung.)

per ½ kg
Ochſenfleiſch
. . . . 96 Pfg.
Rindfleiſch
. . . . 90
Fett, roh . .
. . 70
Fett, ausgelaſſen . . . 80
80
Leber
100
Kalbfleiſch
. 100
Hammelfleiſch
Bruſt . . 70 „
Schweinefleiſch
90 „
Rippchen, Kammſtück, ge=
ſalz
. Fleiſch u. Kottelets 100 per ½ kg
..120 Pfg.
Speck, geräuchert
„110
Dörrfleiſch
. 120
Schinken m. Bein .
. 140
Rollſchinken . .
Schweineſchmalz, roh
u. ausgelaſſen . . . 90 „
Schwartenmagen,
Fleiſch= u. Bratwurſt . 92 „
Leber= u. Blutwurſt . . 76 „
(6926

Torf=Verſteigerung.
Montag, 14. Juli 1913, vormittags 10 Uhr
anfangend, werden auf hieſigem Rathauſe
cg. 450000 Stück Torf
(15057fs
an den Meiſtbietenden verſteigert.
Pfungſtadt, den 9. Juli 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
I. V.: Nungeſſer.

u verkaufen
1 Kinderwagen für 5 Mark.
*3048) Herdweg 21, Seitenb.

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Großer Schreibtiſch kaufen.
*3014) Liebfrauenſtr. 74, I., r.

[ ← ][  ][ → ]


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im Schlachtviehhof neben dem ſtädtiſchen Schlachthof. — Schweine=
märkte
: Montags, Mittwochs und Donnerstags. Kälbermärkte:
Montags und Donnerstags. Bei Kälbermärkten iſt der Verkauf
von Großvieh geſtattet. Bahnanſchluß. Modernſte, ſeit 3. Februar
ds. Js. geöffnete Neuanlagen.
(4329a
Nähere Auskunft erteilt die
Schlacht= und Viehhofdirektion.
Nüchſter Zuchtbiehmalit in Darnſadt
Dienstag, den 15. Juli 1913.
Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.
(14977ms
Verkaufe von heute an
Sca. 100 Stück Ferkel
zu den billigſten Preiſen.
Philipp Feldmann, Schweinehändler
Telephon 2 — Griesheim.
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— den ganzen Tag geöffnet.
Behandlung aller Mitglieder von Kassen, die
— dem Krankenkassenverband angehören.
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Meiner geſchätzten Kundſchaft
zur Nachricht, daß nunmehr die Aufträge in 3—4 Tagen zur Ab=
(15144a
lieferung gelangen können.
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A. Pfirsch, mech. Strumpfstrickerei
Beckerſtraße 26, I.
Underwood-Maschinen-Schreib-Büro
Vervielfältigungs-Anstalt
Zirkular-Druckerei — Schreib-Büro
Ernst-Ludwigstr. 9. Tel. 648. 14132a

Bekanntmachung.

Mittwoch, 16. Juli l. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſollen die dem Philipp Adam und
dem Philipp Wilhelm Adam zu
Nieder=Modau, im Grundbuch hie=
ſiger
Gemarkung zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
34 264 1225) Acker über der
37 27 1542) Pallaswieſe,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K104/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung nicht
erreicht.
Darmſtadt, 24. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,13951

Bekanntmachung.

Freitag, 18. Juli I. Js.,
vormittags 11 Uhr,
ſoll die der Sängerſchaft Ascania,
e. V., dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
I 1665 372 Grab=
garten

I 1666 174 Gras=
garten

5
I 1668 311 Hofreite
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K23/13
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge=
legte
Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,13950

Bekanntmachung.

Mittwoch, 16. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schloſſermeiſter
Alexander Köhler Eheleuten da=
hier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 181 400 Hofreite Kaſino=
ſtraße
Nr. 16,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K,77/12
Darmſtadt, 6. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,13061
Acker Hafer auf den Halm z. verk.
(*2998
Ludwigshöhſtraße 78.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Wahlen zur Stadtverordneten=Verſammlung.
Nach Art. 38 I des Geſetzes, die Städteordnung betr., vom
8. Juli 1911 ſind wahlberechtigt „alle männlichen Einwohner, welche
die deutſche Reichsangehörigkeit beſitzen und ſeit drei Jahren in der
Gemeinde wohnen, unter der Vorausſetzung, daß ſie am Wahltag
das fünfundzwanzigſte Lebensjahr vollendet haben und vom 1. April
des dem Rechnungsjahr, in welchem die Wahl ſtattfindet, vor=
hergehenden
Jahres an gemeindeſteuerpflichtig ſind”.
Nach Art. 38 IIa ſind jedoch auch ſolche Perſonen wahlberechtigt,
bei denen die Vorausſetzungen der Wahlberechtigung im übrigen
vorliegen und die nur deshalb nicht zur Gemeindeſteuer hinzugezogen
ſind, weil ſie in Gemäßheit des Art. 5 Abſ. 1 u. 2 des Geſetzes vom
12. Auguſt 1899, die allgemeine Einkommenſteuer betr., bei der Be=
ſteuerung
mit anderen Perſonen zuſammen als eine Perſon angeſehen=
werden
.
Ich richte an die hiernach in Betracht kommenden, im Geſchäft
der Eltern tätigen Söhne, ſowie an diejenigen männlichen Perſonen,
die aus Mangel an Mitteln zur Führung eines eigenen Haushalts=
in
die Haushaltung ihrer Eltern oder Kinder aufgenommen wurden,
die Aufforderung, ſich alsbald im Stadthauſe, Zimmer Nr. 6, zu
melden, um ihre Aufnahme in die Liſte der Stimmberechtigten zu
beantragen.
Darmſtadt, den 2. Juli 1913.
(15098ss
Der Oberbürgermeiſter:
I. V.: Schmitt.

Bekanntmachung.

Montag, 4. Auguſt 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Friedrich Röder
Eheleuten dahier zugeſchriebenen
Liegenſchaften:
Flur Nr. qm
VI 516 123 Grab=
Franken=
garten

ſtein=
48 Gras=
ſtraße
,
garten
VI 516¾/10 218 Hofreite Franken=
ſtraße
Nr. 58,
VI 516/10 36 Grasgarten ( Vor=
garten
) daſelbſt,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
1, wiederholt zwangs=
weiſe
verſteigert werden.
Dieſe Verſteigerung iſt mit un=
bedingtem
Zuſchlag angeordnet.
Darmſtadt, 8. Juli 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II
(Beſſungen.)
Frantz. (VI,15146
Habe ſof. zu verk. hochfeine

Wohnungs=Einrichtung
groß., mod. Schlafzim., groß. Spieg.=
Schrank, Waſchkom. mit Marm. u.
Toil., Nachtt. m. Marm. u. aufgeb.
Apoth.=Schr., 2 Bett. m. prima Inh.,
Handtuchſtänd., hochfeines Nußb.=
Wohnzim., ſow. ſchwere pitch-pine
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zuſehen
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Spanische Tücher
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weiß. Turm
Mimammmmmmmham
Ab heute u. a.:
Nur 4 Tage!
Nur 4 Tage!
15224) Nordischer Kunstfilm:

Die Stimme
des
Gewissens
Nordischer Kunst-
film

in 3 Akten mit
Waldemar Psplander
in der Hauptrolle
Wochenchronik u. a.:
Die Hundertjahrfeier des Inf.-Reg. Nr. 116 in Gießen
im Beisein Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs.

imberial Bar
Ludwigsplatz 2.

(13906a

Olumpia=Theater
Rheinstr. 2 Darmstadt Rheinstr. 2

Nur 3 Tage!Nur 3 Tage!
Samstag, Sonntag und Montag!
Die Sensation der Sensation:
Dus Lana des Blates
Monopol-Schlager! — Erst- u. Alleinaufführungsrecht
für Darmstadt. — Drama in 2 Akten, — Ein Stück
Großstadtelend. — Fesselnde Handlung.

Der Knabe und der Teddybär
Humoreske! — Ein jeder muss Jachen!
Das Gesicht oder die Stimme
*3037) Spannendes ergreifendes Drama!

Das Neueste aus aller Welt im Bild:
Ein Lilt m dunkter Nacht
Drama! — Aeußerst fesselnde, spannende Handlung!
Ab heute Samstag sind die Preise wie folgt:
III. Platz 19 ₰, II. Platz 35 ₰, I. Platz 65 ₰. Heidelbergerſtraße,

in auterhaltener Kinderwagen (Fourenrad m. Freil, m. reichl. 16. Auguſt von Veterinärarzt ge=
(faſt neu) billig abzugeben

942) Magdalenenſtr. 17, 1. St. r.

Bllfe lesen:
Halt! Wo willſt du hin, lieber
Freund? Gewiß in den billigen
Laden in der Lauteſchlägerſtr. Nr. 5.
Da kauft man billig und gut, da
habe ich mir auch unlängſt Sachen
gekauft, ich bin ſehr zufrieden.
Großer Gelegenheitskauf in gut
erhalt. Anzügen, Hoſen, Damen=
mänteln
von 2 Mk. an, Damenkl.,
Ober= u. Unterröcke 1.50 Mk. an,
Bluſen, Knaben= u. Mädchenkl., ein
faſt neuer, dunkler Gummimantel
für ſtarken Herrn, 1 Frack, Hoſen
mit Weſte, Herrn= u. Damenſtiefel,
Herrnröcke 1.50 Mk., 1 faſt neues,
duntelrotes Plüſchſofa mit 3 Seſſel,
1Gas=Meſſinglüſt. (4flam., f neu),
1 vollſt., faſt neues Bett, 1 Poſten
neue Herrenoxfordhemden (3½ m),
beſter Stoff, per Stück 2.25 Mk.,
1 Poſten neue Damen= u. Mädchen=
ſchürzen
. — Ankauf von getrag.
Kleidern u. Schuhen, für alte Zahn=
gebiſſe
zahle ich gute Preiſe, komme
auch ſofort außerhalb. Poſtkarte
genügt.
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Fuchs, Lauteſchlägerſtraße 5.
Fadein Netrag
1 Sitzbadewanne m. Ofen, 1 Bade-
wanne
verschied. Gaslüster, gut er=
halt
., bill. zu verkauf. K. Kämmerer,
Spenglerei u. Inſtallationsgeſch.,
Parcusſtraße 10.
(*3051

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Eröffnung, Sonntag, den 13. Juli, vorm. 11 Uhr
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Ein neuer Beweis
für die Leistungsfähigkeit, bildet das aus den gediegensten
Sujets zusawmengestellte, absolut
neue Programm.
Eine Glanznummer ist der italienische Kunstfilm

Zwei Welten

6

Aus dem Leben eines Journalisten in 3 Akten.
Diese sensationelle Aufnahme, eine der besten bisher heraus-
gekommenen
, hat einen sehr tragischen, packenden Inhalt.
Die Inszenierung ist bis in die kleinsten Details sorgfältig
ausgeführt, und die Darsteller sind unter den berühmtesten
ausgewählt. Die schnelle Folge der Ereignisse, die in über-
raschender
Natürlichkeit das eigenartige Börsenleben ent-
hüllen
, sind vollendet wiedergegeben.

Ein weiteres Zugstück:
Des Lebenden Gruft
Ergreifendes Drama in 3 Akten.
Eine Tragödie, die durch die überwältigende Realistik der
Szenen wohl das gewaltigste Drama genannt werden kann.
Die wundervolle Verflechtung eines fesselnden Liebesdramas,
inmitten der kriegerischen Ereignisse, bildet den Grundton
des bedeutenden Filmschauspiels.

Einen
Die alte Schuld.
Packendes Lebensbild.
Ein äusserst spannendes Bild, reich an effektvollen Szenen.
Es schildert uns Momente, wie sie packender u. realistischer
noch nicht dargestellt wurden.
Als 4. Drama:
Die dankbare Rothaut
Ein wunderschönes Indianer-Drama.
Auf dieses, in allen Teilen glänzende Bild, mit den ent-
zückenden
Szenerien, wird ganz besonders hingewiesen.

Herrliche Naturaufnahmen. Ferner eine Anzahl
der besten Neuheiten erlesener Lichtspielkunst.
Ein selten schön zusammengestelltes Programm.
Ausserdem wird nochmals ganz besonders darauf hin-
gewiesen
, dass sämtliche Bilder wirklich sinngemäss und
(15242
künstlerisch begleitet werden.

Achtung! Achtung!
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Nieder-Ramstädterstr. 34, I. (14457a

[ ← ][  ][ → ]

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9— 12 Uhr vorm. und
8 — 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Falle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 5. Juli: Dem Taglöhner K. Oper=
mann
, Langegaſſe 19, eine T. Chriſtine. Am 8.: dem Gr.
Bankaſſiſtent Heinrich Rühl, Adolf=Spieß=Straße 23,
ein S. Heinz Auguſt Adolf. Am 3.: dem Zimmermann
Heinrich Nolte, Parcusſtraße 4, ein S. Heinrich Wil=
helm
. Dem Buchbindermeiſter Arth. Köhler, Lauteſchlä=
gerſtraße
5½, eine T. Helene Pauline Katharina. Dem
Inſtallateur Auguſt Ihrig, Wienersſtraße 61, eine T.
Eliſabeth Eva. Am 5.: dem Schleifer Silvio Alberti,
Große Ochſengaſſe 16, eine T. Virginia. Am 7.: dem
Reſervelokomotivführer Phil. Schäfer, Gardiſtenſtr. 16,
ein S Georg. Am 6.: dem Bäckermeiſter Gg. Schmidt,
Heidelberger Straße 34, ein S. Georg Wilhelm. Am 5.:
dem Kaufmann Ludwig Bauer, Obere Liebfrauenſtr. 34,
ein S. Theodor Friedrich.
Aufgebotene. Am 8. Juli: Hilfs=Ratsdiener Karl
Joſeph Schäfer, Ruthsſtraße 13, und Eliſabetha Marg.
Eidmann, Ruthsſtraße 6. Schreiner Albert Pfeffer,
Ruthsſtraße 15, und Maria Lämmerhirt, Große Ochſen=
gaſſe
10. Am 9.: Straßenbahnführer Alexander Herbſt
in Frankfurt a. M. und Anna Marquard in Hainſtadt.
Prakt. Arzt Dr. med. Guſtav Immel in Hetzeroth und
Eliſabetha Anna Heim in Offenbach a. M. Eiſendreher
Johann Meiſter und Glätterin Julie Martha Schäfer,
beide in Baſel. Polizeibezirksvorſteher i. P. Peter Ra=
nig
in Gonſenheim und Haushälterin Eliſabetha Bor=
ger
in Klein=Bieberau. Ingenieur Otto Mayer, Heinrich=
ſtraße
44, und Lina Amalia Marie Emma Wagner in
Arheilgen. Am 10.: Maurer Adam Schönig in Groß=
Zimmern und Eva Enders in Dieburg. Kürſchner Paul
Max Rlechenberg in Bensheim u. Joh. Eliſ. Möſer,
Heinheimerſtraße 82. Hofſchauſpieler Franz Johann
Schneider, Gutenbergſtraße 67, und Hofſchauſpielerin
Hermine Jenny Käthchen Gothe, Wenckſtraße 10. Poſt=
bote
Johann Seitz, Dornheimer Weg 2, und Köchin
Apollonia Jung in Bensheim. Oberpoſtpraktikant Karl
Georg Wilhelm Zimmermann, Liebigſtraße 11, und
Karoline Eliſabeth Schreiber in Herford.
Geſtorbene. Am 3. Juli: Johannes Jordan, ohne
Beruf, 43 Jahre, kath Pankratiusſtraße 69. Am 7.:
Karoline Weis geb. Metzger, 61 Jahre, ev., Ehefrau des
Weichenwärters i. P., Sackgaſſe 7. Am 6.: Karl Ball,
7 Mon., kath., Geiſtberg 4. Am 7.: Schirmmacher und
Spengler Leonhard Abt, 62 Jahre, ev., Hinkelsgaſſe 7.
Am 8.: Katharine Schäfer geb. Hegny. 38 Jahre, ev.,
Ehefrau des Zimmermeiſters in König, hier Lagerhaus=
ſtraße
24. Erika Anna Blümler, 1 Jahr, ev., T. des
Kellners, Kranichſteinerſtraße 1. Am 9.: Thereſe Schuch=
mann
geb. Riedlinger, 52 Jahre, kath., Ehefrau des In=
validen
, früher Monteur, Pankratiusſtraße 44. Am 8.:
Eliſabethe Hirſch geb. Becker, 65 Jahre, ev., Witwe des
Gärtners, Feldbergſtr. 30. Lackierer Karl Heinbüchner,
32 Jahre, kath., Kranichſteinerſtraße 34. Am 9.: Eva Mar=
garetha
Beyerle geb. Buſchbaum. 82 Jahre, ev., Witwe
des Reſtaurateurs, Hochſtraße 27. Am 10.: Eliſab. Marg.
Schroth geb. Eiſinger, Ehefrau des Zimmermanns in
Eberſtadt (Kreis Darmſtadt), hier Grafenſtraße 9.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt II.

Geöffnet an Wochentagen von 9—12 Uhr vorm. und
3—5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 24. Juni: Dem Glasmaler Winand
Julius Barth, Ludwigshöhſtraße 61, eine T. Margarete
Martha. Am 27.: dem Vizewachtmeiſter und Regiments=
ſchreiber
Oskar Richard Paul Klingemann eine T. Ilſa
Margareta Hanna. Am 25.: dem Oelhändler Michael
Eiſele, Tannenſtr. 10, eine T. Auguſte Barbara Marie.
Am 30.: dem Fabrikarbeiter Karl Ludwig Kunkel, Hei=
delberger
Straße 87, ein S. Ludwig. Am 27.: dem Kauf=
mann
Walter Hans Erich Schweter, Frankenſteinſtr. 56,
eine T. Annelieſe. Am 1. Juli: dem Weißbinder Philipp
Herrmann, Ludwigshöhſtraße 61, eine T. Anna. Am 6.:
dem Leutnant im Garde=Drag.=Regt. Nr. 23 Gerhard=
Karl Gernand von Guſtedt, Hermannſtraße 43, eine T.
Am 4.: dem Bankbeamten Erwin Karl Oskar Rörig,
Klappacherſtraße 15, ein S. Kurt Karl Erwin. Dem
Schreiner Jakob Stein, Beſſunger Straße 92, ein S.
Walter. Am 5.: dem Rechtsanwalt Theodor Klein=
ſchmidt
, Am Erlenberg 8, eine T. Am 10.: dem Poſtillon
Ludwig Vollet, Kiesbergſtraße 12, ein S. Friedrich.
Am 10.: dem Streckenarbeiter Gotthilf Eduard Weißen=
born
, Kiesbergſtraße 8, ein S. Johann Joſef.
Aufgebotene. Am 1. Juli: Handlungsgehilfe Bern=
hard
Eberhardt, Neue Niederſtraße 6, und Thereſe
Marta Allweier, Beſſunger Straße 87. Am 2.: Schmiede=
meiſter
Heinrich Mohr, Eliſabethenſtraße 61, und Anna
Marie Eliſabeth Hühnergarth, Schneidermeiſterin,
Schießhausſtraße 49. Bureauvorſteher Fritz Bär, Witt=
mannſtraße
28, und Luiſe Eliſabeth Gathmann, Groß=
Umſtadt.
Eheſchließungen. Am 28. Juni: Regierungsaſſeſſor
Friedrich Karl Georg Jakob Ernſt Reuling, Rheinſtr. 41,
und Sophie Johanna Koch, Hoffmannſtraße 48. Weiß=
binder
Johannes Dieter zu Arheilgen und Magdalena
Stettner, Witwe, geb. Dietz, Tannenſtraße 1. Am 30.:
Heizungsmonteur Georg Philipp Adam Lehr, Tannen=
ſtraße
20, und Lina Margarete Anna Scharf, Hobrecht=
ſtraße
10. Am 5. Juli: Schuhmacher Benjamin Henning,
Beſſunger Straße 92, und Paula Zrenner, daſelbſt.
Sterbefälle. Am 26. Juni: Schneidermeiſter Peter
Schwing, 68 Jahre, kath., Martinſtraße 28. Am 29.:
Adolf Beck, o. Beruf, 20 J., ev., ledig, Kiesbergſtr. 64.
Am 10. Juli: Anna Mathilde Adelheid Krauth geb.
Klemſtein, Ehefrau des Sergeanten, 34 Jahre, ev. Neue
Niederſtraße 17.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
8. Sonntag nach Trinitatis, den 13. Juli 1913
Hofkirche: Samstag, den 12. Juli, abends um 6 Uhr:
Beichte. — Sonntag, den 13. Juli, vorm. um ½10 Uhr:
Beichte und Anmeldung zur heil. Kommunion in der
Sakriſtei. — Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt mit
Feier des ſheil. Abendmahls. Kollekte für die Innere
Miſſion. — Mittwoch, den 16. Juli, abends um 6 Uhr:
Andacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Kleberger.
Vormittags um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarrer Velte.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrverwalter
Klingelhöffer. — Vormittags um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Kleberger. — Abends um 6 Uhr:
Pfarrer Beringer.
Gemeindehaus, Kiesſtraße 17: Sonntag, den
13. Juli, vormittags um 9 Uhr: Chriſtenlehre für die
Reformationsgemeinde. Pfarrer Velte. — Vorm.
um 11¼ Uhr: Chriſtenlehre für die Schloßgemeinde.
Pfarrverwalter Klingelhöffer.
Militärgemeinde: Kein Gottesdienſt. — Vorm. um
9 Uhr: Gottesdienſt im Lager. — Kindergottesdienſt
fällt aus.
Johanneskirche: Kollekte für Budenheim. — Vorm. um
10 Uhr: Pfarrer Dingeldey. — Vorm um 11¼ Uhr:
Kindergottesdienſt. — Vormittags um 9 Uhr: Chriſten=
lehre
für den Südbezirk im Gemeindehaus. Pfarrer
Dingeldey.
Martinskirche: Vormittags um 10 Uhr: Pfarrer
D. Waitz. — Vorm. um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt
für den Oſt bezirk. Pfarraſſiſtent Lautenſchläger.
Nachm. um 2 Uhr: Chriſtenlehre für den Nord bezirk
im Martinsſtift, für den Weſt bezirk im Gemeindehaus.
— Nachmittags um 4 Uhr: Bibelſtunde im Martins=
ſtift
. Pfarrer Veller.
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
. Pfarrer Hickel. — Vorm. um 11¼ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Vorm. um 8½ Uhr:
Chriſtenlehre (Knaben und Mädchen). Pfarraſſiſtent Lic.
Adolph. — Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
— Um 11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarraſſiſtent Lie.
Adolph.
Panluskirche: Vormittags um 8½ Uhr: Chriſten=
lehre
. Pfarrer Rückert. — Vormittags um 10 Uhr:
Hauptgottesdienſt. Prof. Kunkel. — Vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Rückert.
Evang. Gemeinde Eberſtadt: Sonntag, den 13. Juli
vormittags um 9½ Uhr: Gottesdienſt. Pfarraſſiſtent Dr.
Bingel. — Nachm. um 2 Uhr: Kindergottesdienſt. —
Abends um 8 Uhr: Bibelerklärung.
Stadtmiſſion (Mühlſtraße 24): Sonntag, den 13. Juli,
vormittags um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. — Nach=
mittags
um 4 Uhr: Bibelſtunde. — Montag, den 14. Juli,
abends um 8 Uhr: Predigt. Herr Generalſekretär Kniep=
kamp
vom evang. Sängerbund. — Dienstag, den 15. Juli,
abends um 8½ Uhr: Blaukreuz=Bibelſtunde. — Donners=
tag
, den 17. Juli, abends um 8½ Uhr: Bibelſtunde. —
Samstag, den 19. Juli, abends um 9 Uhr: Bibelſtunde
für Beamte. — Zweig der Stadtmiſſion
(Beſſungerſtr. 88, Hth.). Sonntag, den 13. Juli, vorm.
um 11½ Uhr: Kindergottesdienſt. — Nachmittags um
3 Uhr: Bibelſtunde für Jünglinge. — Um 4½ Uhr: Bibel=
ſtunde
für Jungfrauen. — Freitag, den 18. Juli, abends
um 8½ Uhr: Bibelſtunde.
Evangeliſche Gemeinſchaft (Kiesſtr. 43): Sonntag, den
13. Juli, nachm. um 2½ Uhr: Sonntagsſchule. — Abends
um 8½ Uhr: Predigt. — Dienstag, den 15. Juli, abends
um 8½ Uhr: Bibelſtunde. Prediger Berner aus Frank=
furt
a. M.
Gottesdienſt der Aenapoſtoliſchen Hemeinde ( Lagerhaus=
ſtraße
4): Sonntag, nachmittags um 4 Uhr. — Mitt=
woch
, abends um 8½ Uhr.
Gemeinde gläubig getauſter Chriſten (Baptiſten), Mauer=
ſtraße
17: Sonntag, den 13. Juli, vorm. um ½10 Uhr:
Gebetſtunde. Kandidat Sult. — Vorm. um ½11 Uhr:
Sonntagsſchule. — Nachmittags um 4 Uhr: Predigt.
Kandidat Sult. — Abends um 7 Uhr: Jugendverein.
Vortrag: „Die leiblichen Verwandten Jeſu”. Kandidat
Sult. — Mittwoch, den 16. Juli, abends um 8½ Uhr:
Bibelſtunde. Kandidat Sult.
Methodiſtengemeinde (Taunusſtraße 53): Sonntag,
den 13. Juli, nachm. um ¾3 Uhr: Sonntagsſchule. —
Um 4 Uhr: Predigt. — Freitag, den 18. Juli, abends
um ½9 Uhr: Bibelſtunde und Abendmahl. Prediger
Eckert aus Offenbach.
Katholiſche Gemeinden
9. Sonntag nach Pfingſten, den 13. Juli 1913
St. Lndwigskirche: Samstag, den 12. Juli, nachmit=
tags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit
zur beil. Beichte.
Sonntag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. — Um 6 Uhr: erſte heil. Meſſe. — Um
7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. — Um 8 Uhr:
Militärgottesdienſt mit Predigt. — Um ½10 Uhr: Hoch=
amt
mit Predigt. — Um 11 Uhr: Akademiſcher Gottes=
dienſt
. — Nachmittags um 3 Uhr: Katechetiſche Predigt
und Andacht zu Ehren der hochheiligen Dreifaltigkeit. —
Freitag, nachm. um 6 Uhr: Kreuzwegandacht.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Sonntag, vorm.
um ½7 Uhr: heil. Meſſe. — Nachm. um 5 Uhr: Ver=
ſammlung
des Vereins chriſtlicher Mütter. — Abends
um 6 Uhr: Aloyſianiſche Andacht.
Kapelle der Engliſchen Jräukein: Sonntag, vormittags
um 7 Uhr: heil. Meſſe. — Montag, nachm. um 4 Uhr:
Sakramentaliſche Betſtunde.

Kapelle in Griesheim: Sonntag, vorm. um 9 Uhr:
Singmeſſe mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Samstag, den 12. Juli, nach=
mittags
um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Sonntag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. — Um ½7 Uhr: Frühmeſſe. — Um 8 Uhr:
hl. Meſſe mit Predigt. — Um ½10 Uhr: Hochamt mit
Predigt. — Nachmittags um 2 Uhr: Andacht und Segen.
Kapelle in Arheilgen: Sonntag, vorm. um ½10 Uhr:
Amt mit Predigt.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Samstag, den
12. Juli, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
heil. Beichte. — Um ½ 7 Uhr: hl. Meſſe. — Um ½9 Uhr:
Amt mit Predigt. — Nachmittags um ½3 Uhr: Andacht
zu Ehren des hl. Aloyſius.
Kirche zu Eberſtadt: Samstag, den 12. Juli, nachm.
um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Beichtgelegenheit.
Sonntag, vormittags um ½ 6 Uhr: Beichte. — Um
½7 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. — Um
¼10 Uhr: Hochamt und Predigt. — Um ½2 Uhr:
Chriſtenlehre. — Um 2 Uhr: Andacht. — Werktags um
¼7 Uhr: Singmeſſe.
Kapelle zu Pfungſtadt: Sonntag, den 13. Juli, vorm.
um 7 Uhr: Beichte. — Um ½8 Uhr: Amt und Predigt.
— Nachmittags um ½ 2 Uhr: Andacht.
There will be no more english Services
until the autumn. The Church Committee.

Getaufte, Getraute und Beerdigte.

Getaufte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Lukasgemeinde: 6. Juli: Dem Modelleu
Wilhelm Schmidt S. Werner, geb. 3. Juni.
Kaplaneigemeinde: 6. Juli: Dem Straßen=
reiniger
Valentin Wiegand T. Barbara Eliſabeth, geb.
12. Juni. 8. Juli: Dem Fuhrmann Johannes Wilhelm
Keil S. Karl Friedrich, geb. 1. Mai. 10. Juli: Dem Loko=
motivheizer
Georg Friedrich Vöglin S. Georg Friedrich,
geb. 25. Juni.
Johannesgemeinde: 6. Juli: Dem Fabrikarbeiter
Adam Glaſer S. Adam Johann, geb. 10. Juni. Dem
Schreiner Friedrich Leißler T. Eliſabeth Luiſe, geb.
13. März.
Martinsgemeinde: 5. Juli: Uneheliche T. Mar=
garete
, geb. 21. Juni. 6. Juli: Dem Tapezier Ludwig
Traum T. Frieda Anna, geb. 12. März. Dem Fabrik=
arbeiter
Peter Philipp Möller S. Ludwig Willi Georg,
geb. 8. Mai. Dem Lokomotivheizer bei der Staatsbahn
Wilhelm Karl Fey S. Adolf Konrad, geb. 18. Mai. Dem
Heizer Konrad Müller S. Adam, geb. 5. Juni. Dem
Bierbrauer Lorenz Egelſeer S. Johann, geb. 5. Mai.
Dem Tapezierer Georg Gerhardt T. Paula, geb. 21. Mai.
Dem Buchdruckereibeſitzer Georg Ganß T. Lola Johanng.
Suſanna, geb. 27. Mai. Dem Briefträger Karl Filſinger.
S. Friedrich Ludwig, geb. 28. Mai. Dem Telegraphen=
leitungsaufſeher
Heinrich Spengler T. Anna Dorothea,
geb. 11. Juni. Dem Briefträger Ludwig Filſinger S.
Ludwig, geb. 19. Juni.
Petrusgemeinde: 6. Juli: Dem Schmied Georg
Leonhard Foshag T. Marie Eliſabeth, geb. 12. Juni=
Dem Eiſenbahnſchaffner Guſtav Neumann S. Georg=
geb
. 5. Juni. Dem Schloſſer Wilhelm Heinrich Schmidt
T. Eliſabeth Auguſte, geb. 27. Mai. Dem Landbrieß
träger Jakob Karn T. Eliſabeth, geb. 28. Mai.
Paulusgemeinde: 22. Juni: Dem Küfer
Reinhard Gelfius S. Konrad Juſtus Reinhard, geb.
28. April. 24. Juni: Ein unehelicher Sohn Otto, geb.
16. Juni. 6 Juli: Dem Kaufmann Ludwig Erich Hrch=
Karl Sauer S. Heinrich Hans Adalbert, geb. 24. Mal.
Getraute bei den evangeliſchen Gemeinden.
Hofgemeinde: 5. Juli: Großh. Kanzleidiener
Valentin Pfeiffer und Emilie Bauer dahier.
Lukasgemeinde: 5. Juli: Kaufmann Friedrich
Sonnthal und Margarete Vetter.
Paulusgemeinde: 28. Juni: Regierungsaſſeſſor
Friedrich Karl Georg Jacob Reuling und Sophie
Johanna Koch. Inſtallateur Karl Friedrich Iſelin und
Margarete Schmidt.
Beerdigte bei den evangeliſchen Gemeinden.
Lukasgemeinde: 5. Juli: Agnes v. Dücker, geb.
v. Zelion, gen. Brandis, Witwe, 80 J., ſtarb 1. Juli in
Bonn a. Rh. 6. Juli: Privatin Mathilde Zaun, 68=J.
ſtarb 5. Juli. 7. Juli: Johanna Stock, geb. Michel, Ww. Bildhauers, 90 J., ſtarb 4. Juli. 9. Juli: Dienſt=
mädchen
Paula Benſſe in Guſtavsburg, 24 J., ſtarb.
7. Juli. Dora Lorenz, T. des Zimmermanns, 23 J., ſtarb
6. Juli in Nieder=Ramſtadt.
Kaplaneigemeinde: 9. Juli: Karoline Weis,
geb. Metzger, Ehefrau des Weichenſtellers, 61 J., ſtarb=
7. Juli. 10. Juli: Schirmflicker Leonhard Abt, 62J,
ſtarb 7. Juli.
Johannesgemeinde: 10. Juli: Eliſabeth Hirſch,
geb. Becker, Witwe des Gärtners, 47 J., ſtarb 8. Juli,
Martinsgemeinde: 4. Juli: Lina Eliſabeth
Breitwieſer, geb. Rheinfrank, Witwe des Lokomotiv=
führers
, 80 J., ſtarb 1. Juli zu Hofheim. 5. Juli: Bar=
bara
Böhm, geb. Grasmück, Ehefrau des Schuhmacher=
meiſters
, 64 J., ſtarb 2. Juli. 4. Juli: Friedrich Karl
Heiligenthal, S. des Hausburſchen, 7 Mon., ſtarb 2. Juli.
Petrusgemeinde: 8. Juli: Anna Marie Lina
Eliſabeth Kempin, geb. Lautenſchläger, Ehefrau des Hof=
theatermalers
, 40 J., ſtarb 5. Juli.
Paulusgemeinde: 28. Juni: Schneidermeiſter
Peter Schwing, 69 J., ſtarb 26. Juni.
Trauungen auswärtiger Paare: Pfarrer Velte.
Beerdigungen auswärts Verſtorbener: Pfarrer
Kleberger.

weil kein Reiben und Bürsten, nur einmaliges ½—½ stündiges Kochen, sorgfältiges
Ausspülen und die Wäsche ist fertig. Erfordert keine anderen Waschzusätze an Seile,
Seiſenpulver etc., da diese die selbsttätige Wirkung von Persil nur beeinträchtigen und dessen
Gebrauch unnütz verteuern. Ueberall erhältlich, niemals lose, nur in Original-Paketen.
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Berliner Stimmungsbilder.

Von Paul Lindenberg.
(Nachdruck verboten.
uhe in Berlin. — Unſere Sommertage. — Politik und
tiniſterferien. — Der neue Kriegsminiſter. — Herr von
alkenhayn und die „Kundigen”. — Chineſiſche Erinne=
ngen
. — In Peking und auf dem gelben Meer. — Von
ärten und Balkonen. — Die Blumenfreudigkeit der Ber=
ter
. — Ein weltſtädtiſcher Sänger. — Ein ruſſiſcher
Schwindler. — Das Ende vom Lied.
Nach dem vielbewegten und turbulenten Auszug der
erliner iſt nun Ruhe bei uns eingetreten, eine Ruhe,
e jene beſonders zu würdigen wiſſen, welche durch Ar=
iten
, bei denen der Kopf mehr mitzuſprechen hat wie die
ind, hier zurückgehalten werden. Die ſonſt ſo nerven=
früttelnden
Störungen ſcheinen wie durch Zauberſpruch
feitigt worden zu ſein, der Fernſprecher läßt nur noch
nz vereinzelt im Laufe des Tages ſein Gebimmel er=
ien
— und dann iſt’s meiſtenteils falſcher Anſchluß!
* Briefpoſt iſt auf das winzigſte zuſammengeſchmolzen,
rkete, gibt’s überhaupt nicht mehr, beim Klange der
urklingel fragt man ſich erſtaunt, was das zu bedeuten
t, die öffnenden Dienſtboten brauchen keinerlei Notlügen
hr hervorzuſtammeln, vor langweiligen Beſuchen und
undlichen Ueberraſchungen der lieben Vettern und
iſen in der Provinz iſt man ſicher, denn niemand ver=
ttet
einen ja in Berlin. Ah, dieſe hier verbrachte ſom=
rliche
Zeik hat ihre beſonderen Reize, namentlich für
die Monat um Monat unter dem ſich tief bis in den
ühling hinein erſtreckenden geſellſchaftlichen Getriebe zu
den hatten und denen Berlins Sommerſchlaf eine will=
aimene
Erholungspauſe bedeutet.
Ja, hat Berlin denn überhaupt noch einen Som=
erſchlaf
? Früher konnte man mit Recht von einem
chen ſprechen, heute aber iſt das ganze Leben und Weben
Dreimillionenſtadt doch ein viel zu mannigfaltiges
5 bunt durchſprengeltes, als daß eine ſich allgemein fühl=
: machende Unterbrechung eintritt. Wenn auch der Kaiſer
re Nordlandsreiſe angetreten hat, ſo können ſich doch der
ichskanzler und der Staatsſekretär des Aeußeren noch
ie Ferien gönnen, dazu iſt der politiſche Horizont
zt klar genug. Gar lebhaft werden wir daran all=
ndlich
erinnert durch die hallenden Rufe der Zeitungs=
käufer
auf den Straßen, die gelegentlich das Wort
eltkrieg” hinausbrüllen und nicht minder dröhnend von
en „furchtbaren Kämpfen am Balkan” künden. Letz=
, die in der Tat außerordentlich blutig und verluſtreich
müſſen, bedeuten abermalige ſchwere Schädigungen
eres Handels und Wandels, was auch daraus hervor=
t
, daß eine ganze Reihe von Fabriken und Werkſtätten,
mit den Ländern an der unteren Donau und am Bal=
in
geſchäftlichen Beziehungen ſtehen, mehr oder minder
ßere Arbeiterentlaſſungen vornehmen mußten. Unſere
igen Minſter freilich haben die Koffer gepackt und ſind
5 ſchon unterwegs oder verlaſſen in den nächſten Tagen
lin, bis auf den neuen Kriegsminiſter, den ſoeben zum
teralleutnant beförderten Herrn von Falkenhayn, der
de dieſer Woche ſein verantwortungsreiches, freilich
ſehr ehrenvolles Amt antritt.
Die Ernennung Herrn von Falkenhayns zum
ter des preußiſchen Kriegsminiſteriums
eutete ſelbſt für ſehr viele „Kundige”, an denen hier nie
ngel iſt, und am wenigſten in unſeren militäriſchen
ſen, eine Ueberraſchung, und ſelbſt unſeren gewandte=
politiſchen
Journaliſten fehlte es an dem nötigen
ff, um die beliebten „kleinen Züge” aus dem Leben
friſchgebackenen Exzellenz den geſpannten Leſern zu er=
en
. Da kann der Schreiber dieſes etwas aushelfen,

e Seetg, 12. Zl. e
Abend eines bitterkalten Märztages in Peking bei unſe=
rem
damaligen dortigen Geſandten, Herrn von Heyking,
traf, befand ſich auch der Hauptmann von Falkenhayn, der
zwei Jahre als Inſtrukteur chineſiſcher Truppen im Reiche
des Himmels und der Lilienfüße geweilt und der nach der
chineſiſchen Kaiſerſtadt gekommen war, um, wenn ich nicht
irre, gewiſſen berechtigten Forderungen und Wünſchen an
die chieſiſche Regierung durch unſeren Geſandten mehr
Nachdruck zu verleihen. Gemeinſam mit Herrn von Fal=
kenhayn
, mit dem ich noch verſchiedene Ritte durch Peking
unternommen, kehrte ich nach Tientſin zurück und fuhr mit
ihm von Tongku auf dem chineſiſchen Dampfer „Hae=an”,
nach Shanghai. Mein militäriſcher Begleiter, der ja im
Verkehr mit den Bezopften erfahren war, hatte ſich, wäh=
rend
ich das Gepäck am Hafen beaufſichtigte, ſofort in
einen Samyang geſchwungen und mit ſtrategiſchem Blick
das genannte Schiff unter den vielen vor Anker liegen=
den
als das beſte und zur Abfahrt nächſtbereits erkannt,
auf demſelben ſofort geeignete Kabinen für uns belegend.
Während der viertägigen Fahrt, die uns in ihrem erſten
Teil das jammervollſte und ſtürmiſchſte Wetter brachte,
daß oftmals die Wellen des gelben Meeres über das Ver=
deck
des kleinen Dampfers, den ſie als williges Spielzeug
betrachteten, hinwegrauſchten, erwies ſich Herr von Falken=
hayn
als ein iebenſo liebenswürdiger und anregender
Geſellſchafter, deſſen energiſche und zielbewußte Perſön=
lichkeit
von ſtarkem Eindruck war, neben ſeinem gewinnen=
den
, ſympathiſchen Weſen. Mancherlei Erlebniſſe, die er
aus ſeinen Erfahrungen auf chinſiſchem Boden erzählte,
bewieſen, wie er auch unter ſchwierigſten Verhältniſſen
ſeinen Mann geſtellt und alle Widerwärtigkeiten, an denen
es nicht gefehlt, ſiegreich überwunden hatte. Da wir mit
meinem kunſtgeübten Begleiter, Maler Adolf Obſt, die
die einzigen drei Paſſagiere waren, ergab ſich an Bord
ein engerer geſelliger Zuſammenſchluß und wurden ge=
meinſam
mancherlei Zukunftspläne ausgeheckt. Auch hier=
bei
erwies ſich Herr von Falkenhayn, dem eine treffliche
Rednergabe zu eigen, als klarer und mutiger Kopf — aber
bis zum preußiſchen Kriegsminiſter reichten ſeine Ziele,
mochten ſie auch noch ſo kühn und unternehmungsluſtig
ſein, doch nicht, wenigſtens damals noch nicht!
Uebrigens kann der neue Herr im Kriegsminiſterium
es dort auch im Hochſommer ganz gut aushalten, ſelbſt
wenn der Sonnengott, was bisher noch nicht der Fall,
ſeine ſengendſten Pfeile verſendet. Ein prächtiger, mit
alten ſchättigen Bäumen beſtandener Garten breitet ſich
hinter dem Miniſterium aus, ſchon in früheren Jahren
eine Sehenswürdigkeit, denn in den 1841 erſchienenen
„Vertrauten Briefen über Preußens Hauptſtadt” lieſt man:
„Ich war im Kriegsminiſterium in der Leipziger Straße.
Man hat dafür Sorge getragen, dem Kabinette des preu=
ßiſchen
Mars den freundlichſten Anſtrich zu geben. Der
ſchönſte Garten mit Faſanerien und anderen Ausſchmük=
kungen
, lächelt Dir entgegen, und Du dankſt unwillkürlich
dem Schöpfer dieſer anmutigen Anlagen dem früheren
Kriegsminiſter General v. H., der in der Tat viel Dalent
für die Oekonomie zu haben ſcheint.‟ Der Garten bildet
eine der wenigen Daſen, die im brandenden Mittelpunkte
der Weltſtadt verblieben. Noch vor zwei Jahrzehnten gab
es deren mehrere, ſie ſind längſt der Bauwut zum Opfer
gefallen und haben goldene Früchte getragen. Die Ver=
liner
wußten ſich jedoch zu helfen, ſie ſchufen ſich ihre
eigenen Gärten und zwar auf ihren Balkons, die eine
mit Recht vielgerühmte Eigenart der Berliner Miets=
häuſer
bilden. Keine andere Weltſtadt verfügt darüber
auch nur in annäherndem Maße wie Berlin, aber daß
dieſe Balkons zu ihrem vollſten Recht und zur bewunder=
ten
Beachtung ſeitens der Fremden kommen, dazu gehört
die ausgeprägte Freude der Berliner Bevölkerung am
Blumenſchmuck. Man darf behaupten, daß man in
keiner anderen Stadt des Erdballs dieſe Freude ſo ſtark
und zahlreich vertreten findet, wie bei uns. Und das
nicht nur in den vornehmeren Straßen, ſondern auch in
den ärmeren und entlegenen Quartieren. Wenn man mit
der Stadtbahn vom Schleſiſchen Tor aus Berlin durch=
quert
, fährt man an zahlloſen, nach den Bahnviadukten
zu offenen, ſchmudligen und ſchmalbrüſtigen Höfen alter,
übervölkerter Häuſer vorbei, aber an den meiſten Fenſtern

ſnd Dlumendreiter mit bühenden 1913.
die ſorgſame Pflege verraten, angebracht. Das Gleiche
fällt uns bei den endlos weiten Straßenzügen vor dem
Prenzlauer= und Köpenicker=Tor auf, nur daß hier auch
ganz winzige und billige Wohnungen ſchon ihren Balkon
beſitzen, der oftmals in eine dichte grüne Laube verwandelt
wurde. Die Deutſche Gartengeſellſchaft und unſere Stadt=
vertretung
unterſtützen dieſe Luſt der Balkonausſchmückung
durch Ausſetzung von Geldprämien und ſilbernen Medail=
len
, die alljährlich im Juli zur Verteilung gelangen und
ſtets einen allgemeinen Wettkampf gewinnendſter Art
veranlaſſen.
Auch der Dichter dieſer poeſievollen Seite des ſonſt
als ſo materiell verſchrieenen modernen Berlins iſt ſchon
gefunden, ein langlockiger Barde, der unterwegs ſeine
herrlichen dichteriſchen Gaben für einen Nickel verkauft.
Er hat nun auch „Unſere Reſidenz=Balkone” beſungen in
ſo wahrhaft tiefempfundenen, von den Schauern echter
Poeſie erfüllten Strophen, daß ich es mir nicht verſagen
kann, hier einige ſeiner Verſe voll plaſtiſcher Kraft und
eindringlicher Anſchaulichkeit mitzuteilen:
„Ach nun laßt mich doch mal ſchauen,
Unſere Reſidenz=Balkone,
Wie ſo zierlich, wie ſo nett
Liegen um mich ausgeſtreckt,
Wo ich komme, wo ich geh'
Rechts und links durchkreuz
Die Höhr.‟
Nachdem uns der Dichter ſo wundervoll in ſeine Empfin=
dungswelt
eingeführt, zeigt er uns mit ſchimmernden
Worten, was ſich ihm darbietet:
„Oh, ich will nicht werden müde,
Laß” mein Auge dorten hangen
An unſeren Reſidenz=Balkonen.
Es ſchaukeln ſich, wie ich dort ſeh',
Seiner reichen Blütenzahl
Und die bunten Schmetterlinge
Mit ihrer Mahlzeit hoch ſich ſchwingen,
Setzen immer ſich dann wieder
Auf die Rankenblüthenſchnur,
Nippen von den loſen Blüten
In Gottes herrlicher Natur.”
Mit Interpunktion und Satzbildung — denn es iſt keine
Zeile ausgelaſſen worden — nimmt es unſer Poet nicht
genau, aber gottbegnadete Naturen, wie ſeine helfen ſich
darüber hinweg und entſchädigen uns auf das reichlichſte
dafür durch die Reinheit der Sprache an ſich und durch den
hohen Gedankenflug.
An letzterem fehlt es nicht dem gegenwärtig hier unter
Anklage ſtehenden Millionenſchwindler Aron Koghen
aus Kiew, deſſen Reinheit der Sprache, wenigſtens der
deutſchen, deſto mehr zu wünſchen übrig ließ. Immer
wieder und wieder iſt’s ganz erſtaunlich, mit welcher Leich=
tigkeit
ſolch ein ruſſiſcher Habenichts, der ſein väterliches
Erbteil flugs durchgebracht hatte und mit einer gehörigen
Schuldenlaſt nach Berlin gekommen war, hier Gutgläubige
fand, die auf Grund ſeiner phantaſtiſchen Erzählungen ihm
ſofort Geld und Kredit gewährten. Vorher mußte aller=
dings
erſt die „Firma” gegründet und in der Friedrich=
ſtraße
ein prunkendes Geſchäftslokal, deſſen Miete allein
jährlich 32000 Mark betrug, eröffnet werden, natürlich
ohne einen Pfennig Geld, dann konnte luſtig und zuver=
ſichtlich
die Pumperei beginnen. Die guten Erträge der=
ſelben
ermöglichten es dem Schwindler, ein üppiges Leben
zu führen, durch das er neuen Opfern Sand in die Augen
ſtreute, ſo daß ſie gern auf die recht plump ausgelegten
Leimruten gingen. Die Sache dauerte ein halbes Jahr,
in verſchiedenen Stadtgegenden wurden Zweigniederlaf=
ſungen
errichtet, alle mit Leſe= und Schreibzimmern, alle
mit gewaltigem Reklameapparat, dann kam der Krache
Herr Aron Koghen, für den ſich ſchon die Polizei intereſ=
ſierte
, verduftete nach Paris, war aber bei aller Geriſſen=
heit
doch ſo töricht, nach einiger Friſt in Geſchäftsſachen”
Berlin aufzuſuchen, wo man ihn faßte, und flugs ins
Unterſuchungsgefängnis ſperrte. Ja, die hellen Berliner,
ſie ſind oft recht kurzſichtig und müſſen dieſes ihr Leiden
ſtets mit beträchtlichen Summen bezahlen, und es hat ſich
bisher kein Arzt gefunden, der ſie davon heilen gekonnt!

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Ich liebe Dich!
Roman von Guido Kreutzer.
Copyright by Carl Duncker, Berlin W. 35.
(Nachdruck verboten.)

Merkwürdig! — Der alte Herr ſchüttelte verwundert
Kopf. — Aus ſo Heimlichkeiten werd’ der Deiwel klug!
it aber hab’ ich die dunkle Ahnung, daß dem Elias ſeine
zſtimmung ſich mehr auf dieſe Verlobungsgeſchichte als
die gewilderten Kitze bezieht.
Apropos — die Giſa iſt natürlich untröſtlich geweſen
hat ſich bei Dir gründlich ſattgeheult?!
Nein, Adolf — und das iſt auch ſo etwas Seltſames!
billigt den Entſchluß ihres Vaters und erkennt un=
vunden
an, daß ihm gar keine Möglichkeit blieb, anders
handeln. Im übrigen aber ſcheint ſie die feſte Hoff=
g
zu haben, daß ſich die Verhältniſſe doch noch zum
en ändern.
Der Baron begann im Zimmer auf und ab zu
rdern.
Das wollen wir doch ſtark annehmen! Gerad’ die
r iſt ne Schwiegertochter, wie wir ſie uns . . . da fiel
erſt nachträglich auf: — Sag’ mal, ſie hat nicht mal
eint? Das iſt doch aber ne tolle Geſchichte! Wie kann
* Mädelchen trockene Augen behalten, wenn man ihr
Liebſten nicht laſſen will?! Das begreif ein anderer!!
Unnatürlich ruhig war ſie ſogar. Aber älter und rei=
ſt
ſie in den paar Wochen geworden. Beinahe verin=
Sicht! Und ich glaube, ſie hat nur deshalb vor mir da=
geſprochen
, weil ſie erfahren wollte, wie wir uns zu
r Frage ſtellen, wenn ſie ſpruchreif geworden und das
gandene Hindernis beſeitigt iſt.

Sehterſandich dabe ic ſe bendiat dem ſe int mie
aus ganzer Seele leid. Und wozu ſollte ich ſie durch meine
Befürchtungen und Zweifel bnunruhigen und auf ihre
Hoffnungen einen Schatten werfen?!
Befürchtungen . . . Zweifel — der Margenthiner Guts=
herr
war ruckhaft ſtehen geblieben und ein ſcharf prüfen=
der
Blick flog zu ſeiner Gattin hinüber. — Wenn ich dich
recht verſtehe, ſo ſcheinſt du dich über Günters Wahl wenig
zu freuen?
Ich weiß es nicht, Adolf. Vielleicht kannſt du dich in
meine Lage verſetzen. Als Mutter möchte man doch immer
das Beſte und Höchſte für ſeinen einzigen Jungen!
Sie ſah an ihm vorbei. Die Worte kamen zögernd
und unſicher.
Wenn ich in all den letzten Monaten auf dieſe Erwä=
gungen
geſtoßen bin, dann habe ich immer ſo ſpintiſiert:
— die Frau, die unſer Günter mal heiratet, müßte zu den
Alleredelſten des Landes gehören — nach Geburt und
Rang und Stellung!
Die Giſela iſt mir lieb und wert, das weißt du. Weißt,
daß ich wie eine ältere Freundin ihr allezeit zur Seite ge=
ſtanden
habe. Sie iſt auf Margenthin faſt mehr zuhauſe
geweſen, als in Erlengrund. Beinah täglich war ſie hier;
und jedesmal, wenn ſie kam, habe ich mich ihrer als meines
liebſten Gaſtes gefreut.
Nie aber auch nur der flüchtigſte Gedanke daran, daß
ſie eines Tages vielleicht . . .
. . . die Frau deines Sohnes werden könnte! Der
Gatte legte ihr ſchwer und wuchtig die Hand auf die
Schulter — die Herrenhand!
Sei nicht hoffärtig Tina; und verdunkle mir nicht das

Ein des ih don dir ſit ſchoundeiſie ohrer in mi
trage!
Aber wenn du heut nacht nicht einſchlafen kannſt und
alles noch einmal überdenkſt, dann falt die Hände und be=
danke
dich bei deinem Hergott dafür, daß er unſern Jun=
gen
ſoweit geführt hat und bitt, daß er ihm die zur Frau
gibt, die er ſich auserwählte!
Da regte ſich mit einem, dieſer vornehmen Frauen=
natur
ſonſt ganz fremden Dünkel die geborene Gräfin
Wingenhoff in ihr. Oder vielleicht war es auch nur unein=
geſtandener
Widerſpruchsgeiſt.
Er iſt ein Oſtheeren!! beharrte ſie in kaltem Hochmut.
Der alte Grandſeigneur neigte ſtreng den Kopf.
Wohl ihm, daß er dieſen Namen trägt. Denn ſo iſt
er der Giſa würdig!
Sie wollte aufbegehren. Aber der Margenthiner Herr
hob jählings die Hand gegen ſie. Seine Stimme war hart
und herriſch.
Ich ſage dir noch einmal — dank deinem Herrgott!
und vergiß nie, daß der adelige Name allein noch lange
kein Verdienſt aus macht und immer erſt dann was gilt,
wenn ein ganzer Kerl hinter ihm ſteht . . . einer, der nicht
nur die bequemen Privilegien ſeiner bevorzugten Lebens=
ſtellung
genießt, ſondern ſich auch allezeit ſeiner Pflichten
erinnert. Darin allein liegt unſer oberſtes Geſetz und un=
ſere
tiefſte Moral!
Alles andere iſt läppiſcher Firlefanz und Brimborium.
Und, Gott ſei Dank, gibt es noch genug unter uns die
ebenſo denken wie ich!!
Auch Günter hat das ſtets getan!
Anders wollt ich es ihm nicht geraten haben! . . . .
Has war ein fremder Ton, den ſie noch nie an ihm gehört.

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Analysen-Vergleich
veranschaulicht die Vorzüge der
Kaiser Fnedich Ouele
Offenbach a. M.
Natron-Lithionquelle l. Ranges
gegenüber anderen ähnlich klassierten Mineralwässern.
Die Analysen sind berechnet nach den im Deutschen
Bäderbuch (1907) angewandten Grundsätzen.
Das Mineralwasser entspricht in seiner Zusammen-
setzung
einer Lösung, welche in einem Kilogramm enthält:

rater roeh. folnheiht
Friedrich
ingen 1 Ober-
brunnen

Quelle
Ealuamehlordt
Oobes ſo 17108 (o 0swof
Natriumchlorid .
1,180 10,25425 10,1448
Natriumbromid .
10,001305 nicht 10,000782
Natriumjodid .
10,000155 bestimmt 0,000005
Natriumsulfat
0,4295 10,05163 10,5018
12,764 2,762 12,413
Natriumhydrokarbonat
0,02306 10,008765 1 0,01503
Lithiumhydrokarbonat
0,0038471 0,008845 0,000516
Ammoniumchlorid .
10,02292 10,5312 10,4928
Kalziumhydrokarbonat
0,000056 1 O,002664 O,004834
Strontiumhydrokarbonat.
10,000041 0,000222
Baryumhydrokarbonat
0,03000 10,3452 0,5403
Magnesiumhydrokarbonat
10,0010710,013752
Ferrohydrokarbonat
10,000861 10,0046901 0,000953
Manganohydrokarbonat
Kieselsäure (meta) .
.0,02203 10,02397 0,03992

Es sind also bei der „Kaiser Friedrich Quelle‟ ins-
besondere
zu beachten der hohe Gehalt an Natron
und Lithion und der geringe Gehalt an Kalk und
Eisen.
Die „Kaiser Friedrich Quelle” eignet sich infolgedessen
speziell als vorzügliches Heilmittel bei dilen
Stoffwechselkrankheiten, wie Gicht, Rheu=
matismus
, Blasen-, Nieren- u. Gallenleiden
und kann selbst vom schwächsten Magen jahrelang
ohne nachteilige Folgen vertragen werden. Rein
natürliche Füllung unter Zusatz natürlicher Kohlen-
säure
; auf Wunsch auch ohne solchen.
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Darmstädter Wach- u. Schliessgesellschaft
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Elisabethenstr. 31, Tel. 461.

Und jetzt ließ der Baron die Hand von der Schulter
der alten Dame ſinken und trat einige Schritte abſeits an
eine langgeſtreckte Kredenz, gegen die er ſich mit dem Rük=
ken
lehnte.
Seine Stimme verlor die aufreizende Schärfe, bekam
ein leiſes Verwundern — wie heimliches Kopfſchütteln.
Weshalb Ihr Frauen nur immer ſo äußerlich bleibt!
Da klammert Ihr Euch an ein Phantom und wollt nichts
davon merken, daß rings um Eure vier Wände eine Welt
exiſtiert, die unabläſſig um große ſoziale Güter und ver=
dammt
praktiſche Ideale ringt — Dinge, die in den gold=
geſchnittenen
Lyrikbänden auf Euren Salontiſchen noch nie
Widerhall gefunden haben!
Kommt doch heraus aus Eurer verzopften Sentimen=
talität
und ſeht Euch in dem Leben um, das die Welt=
geſchichte
rückſichtslos vorwärts treibt — Ihr werdet
ſtumm vor Staunen daſtehen!
Sie wagte keinen Einwurf, ſie ſah nur mit ſcheuen
Augen zu dem Gatten hinüber, der ihr heute ſo ſeltſam
fremd erſchien.
Der Adel! War er denn nicht eine von Gott ſelbſt ein=
geſetzte
Inſtitution und geſchaffen für die Ewigkeit? Was
aber trieb dann den alten weißhaarigen Mann — ihren
eigenen Gatten! — dazu, an dieſem ehernen Fundament
zu rütteln und mit grauſamem Lächeln auf all die Riſſe
und Sprünge zu deuten?!
Er ſtand mitten im Licht. Sein Blick verlor ſich durch
das Fenſter in den herbſtlichen Park hinaus.
Allgemach aber begann er halblaut zu erzählen.
Schließlich — wenn ich es überlege, iſt es ja ver=
ſtändlich
. Ich weiß noch genau . auch bei mir gab es
mal eine Zeit, wo ich genau ſo dachte wie Du. Das war
ſo als Leutnant und Oberleutnant. Da habe ich meine
ſiebenzackige Wappenkrone regulär angebetet und bin mit
der Tradition unſeres Namens jahrelang hauſieren ge=
gangen
. Jeder von uns hat ſolche Perioden, wo er die

Welt bloß als Teppich für ſeine Lackſtiefeln anſieht . .
bis dann eines Tages der Umſchlag kam!
Etwas wie lächelnde Erinnerung geiſterte über ſein
Geſicht.
Alſo in dieſer Zeit lernte ich auf irgend einer Geſell=
ſchaft
einen Geheimrat aus dem Landwirtſchaftsminiſte=
rium
kennen — einen Förſtersſohn, der ſich von der Dorf=
ſchule
Zug um Zug hinaufggarbeitet hatte, bis er ſchließ=
lich
die unentbehrliche „rechte Hand” ſeiner Vorgeſetzten
wurde. Ein Mann, der nur ſeinen Dienſt kannte, der ein
organiſatoriſches Genie war und weit über ſeinen Wir=
kungskreis
hinaus unendlichen Segen ſtiftete. Hin und
wieder werden ſolche Menſchen geboren!
Ja, und als ich auf dieſer Geſellſchaft — wir ſtanden
im Herrenzimmer zuſammen — wieder mit meinen Ti=
raden
über Tradition, Familie und Adelsprivilegien los=
legte
, da nahm mich der alte Geheimrat ganz ſacht beiſeite,
faßte mich beim Knopf meines Waffenrockes und ſagte mit
ſeinem feinen Lächeln:
Nicht wahr, lieber Baron, Sie ſind doch auch der An=
ſicht
. . . wenn es ſich darum handelt, einen großen welt=
geſchichtlichen
Entwicklungsroman zu begutachten, dann
iſt bei dieſem Geſchäft der bunte Umſchlag, den das Buch
vielleicht trägt, doch eigentlich recht Nebenſache?!
Was meinen Sie damit, Herr Geheimrat? fragte ich
ihn. Und er darauf:
Denken Sie mal ſpäter daran — was die Menſchheit
vorwärts bringt und vollkommener macht, iſt kein noch ſo
mächtiger Imperator, kein noch ſo weiſer Philoſoph und
kein noch ſo reicher Kröſus, ſondern einzig und allein die
Tüchtigkeit! Die Tüchtigkeit des Einzelnen als Mitglied
des ganzen Volkes. Adel und Kirche und Kunſt können
vielleicht die Führung übernehmen und das Terrain auf=
klären
, aber die Entſcheidungsſchlacht ſchlägt immer die
große Maſſe der tüchtigen Elemnte. Denn dieſe große
Maſſe iſt das Oel in

Siehſt Du, Trina, das hat mir damals der altee
heimrat geſagt. Und ich habe mich zum erſtenmal im L=
ben
geſchämt!
Einen Augenblick blieb er noch ſinnend ſtehen, dam
kehrte er zu dem Tiſch zurück und nahm ſeinen Platz wie=
der
ein.
Er brannte ſich eine Zigarre an. Zwiſchen den auf=
flockenden
Rauchwolken gewann ſeine Stimme erneut
ihre gleichmäßige gelaſſene Ruhe.
In den folgenden Jahren bin ich dann viel in der
Welt herumgekommen, übernahm nach dem Tode meines
Vaters das Majorat, heiratete, zog meinen Jungen groß
und bin dabei ſo duſemang ein eisgrauer Kerl gewordeſ.
Aber je älter ich wurde, deſto mehr erkannte ich, wie recht
mein Mentor damals hatte — die Tütigkeit allein macht’s
Und darum ſage ich Dir nochmals Tina — dank Dei
nem Herrgott, wenn er unſerm Jungen die Giſa wirklich
zur Frau gibt! Der Günter hat eine gute Wahl getroffen!
Und wenn ſie auch keine geborene Komteſſe Wingenhoff
iſt — ſie wird mit der Zeit eine ebenſo gute Baronin Oſ
heeren werden und wird gleichfalls freudig mit Herz und
Hand dabei ſein, Margenthin vorwärts zu bringen. Sie
wird aus ihrem Manne einen ebenſo glücklichen und zu
friedenen Menſchen machten, wie Du es aus mir gemacht
haſt!
Da ging ein feuchter Schleier über die Augen der alten.
Dame. Sie griff über den Tiſch und langte nach der Hand
des Gatten.
Biſt doch ein Vokativus, Adolf; kommſt hier gleich
mit den Erinnerungen an, weil Dn ganz genau weißt, daß
ich da nicht widerſteben kann. Und im übrigen iſt es ſchon
gut. Hätteſt das alles gar nicht zu erzählen brauchenz
denn ſo ernſt war es nichi gemeint mit den Einwändel.
Kar will duch ſa was ſchließlich beſprochen ſein!
(Fortſezung folgt.;

[ ← ][  ][ → ]

Gesangverein Liederzweig
Prot.: J. K. H. Großherzogin Eleonore von Hessen und bei Rhein
— 59. Vereinsjahr

Sonntag, den 13. Juli, von nachmittags 4 Uhr ab:
in sämtl. Räumen des Schützenhofes, Hügelstr.
Sommerfest mit Tanz
Unter Mitwirkung einer größeren Abteilung der
Kapelle des Leibgarde-Infanterie-Regiments Nr. 115

Eintritt 35 Pfennig à Person

15140

Unsere Mitglieder, sowie Freunde und Gönner des Vereins
werden hiermit freundlichst eingeladen. Der Vorstand.

Geſangverein „Grohſann=
(*2802
Darmſtadt.

Sonntag, den 13. Juli,
Tamizen Spaztergang Mit Musik
ach Nieder=Ramſtadt. Einkehr in der Reſtauration „Zum
chützenhof”.
Abmarſch präzis 2 Uhr Ecke Taunus= und Dieburger=
raße
.
Hierzu ſind Freunde und Gönner des Vereins freundlichſt
DER VORsTAND.
ngeladen.

eſſiſcher Fechtverein

Zweigverein Darmstadt
ſonntag, den 13. Juli 1913, nachmittags 4 Uhr
im städtischen Saalbau
Grosses Sommerfest mit Tanz
ter gütiger Mitwirkung des preisgekrönten Männergeſangvereins
inkordia, Dirigent Herr R. Etzold, ſowie der Kapelle der 25er,
Obermuſikmeiſter Mickley.
Großes Preisſchießen Tombela, Verkaufsſtände
(Schluß desſelben 10 Uhr)
u. a. m.
Eintrittspreis für Mitglieder 20 Pfg. à Perſon, Kinder frei;
: Fremde 50 Pfg. à Perſon, von 8 Uhr ab 30 Pfg. à Perſon.
Mitgliedskarten bittet man an der Kaſſe vorzuzeigen.
Bei ungünſtiger Witterung findet die Veranſtaltung im
oßen Saale ſtatt.
(15149
Hierzu ladet ergebenſt ein
Der Vorstand.

chutzennlun „rECkle Darmstadt
Schießstand Kiesstr. 27, Restaur. Hofferbert
rosses öffentliches Preisschiessen

Schluss Sonntag, 20. Juli, abends.
Am Sonntg, den 13. und 20. Juli, stehen ausser den
tvollen Preisen und Ehrenpreisen (I. Preis 1 mass. goldene
renuhr mit Sprungdeckel) 6 Wertvolle Tagespreise und 1 Becher
Verfügung. Beginn des Schießens vorm. 9 Uhr. (VII,15130
Zu zahlreichem Besuche ladet ein Der Vorstand.

O gehen wir morgen Sonntag hin?
Ecke Mühl= und
ür Rosenhöhe, Rundethurmſtr. 16
da iſt großes Eröffnungs=Tanzvergnügen
bei ganz neuem Orcheſter
(*3007
u freundlichſt einladet
Georg Hansel.

Splelheenhu
Kegler!
Vom 9. bis 13. August 1913 findet auf dem

Festhallen-Gelände in Frankfurt a. M.
und
Bannerweihe grosses Geldpreiskegeln
auf 10 neuerbauten Bahnen statt. (13798a 9
Wertvolle Ehren- und Geldpreise
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(Mitglied des Deutschen Keglerbundes)
estbureau: Kronprinzenbau, Kronprinzenstr. 41.
Le
O
Das Erbacher Bolksfeſt,
der ſogenannte Eulbacher Markt, wird Sonntag, den 20.,
Montag, den 21. und Sonntag, den 27. Juli l. Js.,
dahier abgehalten, wozu freundlichſt einladet
Erbach i. O., am 1. Juli 1913
Großherzogl. Bürgermeiſterei Erbach.
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Stegmüller.

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Eintädung
zur
Metzel=
ſuppe

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Fürſtenauer Hof
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Programm
zu dem am Samstag, den
12. Juli, von 12 Uhr mittags ab
vor dem Neuen Palais ſtatt=
findenden
Konzert der Kapelle
des Großh. Garde=Dragoner=
Regiments Nr. 23.
1. „Unſere Grenadiere” Marſch
von H. Blankenburg. 2. Ouverture
zur Oper „Figaros Hochzeit” von
W. A. Mozart. 3. Fantaſie aus
der Oper „Troubadour” v. Verdi.
4. „Die Teufelszunge‟ Polka für
Cornet à Piston von H. Schmitt.
5. „Liebliche kleine Dingerchen!”
Marſchlied aus der Operette „Die
Kino=Königin” von Jean Gilbert.
. „Wiener Bürger” Walzer von
C. M. Ziehrer.
Sonntag, den 13. Juli
vormittags 11½ Uhr ab auf dem
Paradeplatz Konzert d. Kapelle
d. Großh. Heſſ. Train=Bat. Nr. 18.
1. Barataria=Marſch nach Mo=
tiven
der Operette „Die Gonde=
liere
” von Komzack. 2. Ouverture
zur Oper „Pique=Dame” von
Suppé. 3. „An der Weſer” Lied
für Tromba=Solo von Preſſel.
4. „Das Leben ein Tanz”, Walzer,
Tongemälde nach Joh. Strauß=
ſchen
Motiven von Kremſer.
5. Divertiſſement aus „Rheingold”
von Wagner. 6. „Mutig voran!“
Marſch von Biereigel.

Woog, am 11. Juli 1913.
Waſſerhöhe am Pegel 3,89 m.
Luftwärme 130 C.
Waſſerwärme vorm. 7 Uhr 170 C.
Woog=Polizei=Wache.

Feier des 50jährigen Stiftungsfeſtes des


burger Verem Bessungen
am 12., 13. und 14. Juli 1913.
Samſtag, den 12. Juli:
Abends 8½ Uhr Lampionzug (Aufſtellung am Donners=
bergring
). Nach demſelben Feſtkonzert im Chauſſeehaus.
Vortragsabend eigener Werke zeitgenöſſiſcher ſüddeutſcher
Komponiſten unter perſönlicher Direktion.
Sonntag, den 13. Juli:
Vormittags 10½ Uhr akademiſche Feier im Vereinslokal,
Reſt. L. Lind, Beſſungerſtraße 39. Nachmittags 2 Uhr
Feſtzug (Aufſtellung in der Orangerieallee). Um 4 Uhr
Jubelfeier in der Turnhalle, Heidelbergerſtr., beſtehend aus
Konzert, Feſtrede und Chorvorträgen. Abends 8½ Uhr
daſelbſt Feſtball.
Montag, den 14. Juli:
Nachmittags 5 Uhr Nachfeier im Vereinslokal, Reſtaur.
L. Lind, Beſſungerſtraße.
Die Feſtmuſik ſtellt die Kapelle des Feld=Art.=Reg. Nr. 61
unter perſönlich. Leitung des Obermuſikmeiſters M. Weber.
NB. Sollte ſchlechter Witterung halber der Fackel= oder
Feſtzug ausfallen, beginnt das Feſtkonzert um ½ 9 Uhr abends,

oder die Jubelfeier um 4 Uhr nachmittags in den oben an=

(B15182
gegebenen Sälen.

Ladwigstole.
Sonntag, den 13. Juli:
Iiitur Renzert
der Kapelle des Leibgarde-Regiments
unter Leitung des Obermusikmeisters H. Hauske.
NB. Bei ungünſtigem Wetter Streich=Konzert
(B15241
in den Sälen.
Für Nichtkonzertbesucher ist der hintere Garten geöffnet.
Eintritt 30 Pfg.
Antang 4 Uhr.
AKANt

Bürger=Keller

Ab 1. Juli konzertiert

Salon-Damen-Orchester
Dir.: Rich. Nobitschek.
Stets freier Eintritt.
(15025a

AKSS

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Heute Samstag, den 12. Juli, abends 8 Uhr,
Popaläres Militär-Konzert.
Im Programm: R. Wagner, „Rheingold” A. Maillart,
„Das Glöckchen des Eremiten” R. Eilenberg, „König Mydas”
Keler-Bela, „Soldatenleben” u. a. m.
(15246
Eintritt mit Programm 15 Pfg.

Restaurant Martinsglöckchen
Riegerplatz

Modernes, gemütliches Bier- und Wein-Restaurant
Ab heute abend westfälisches Spezial-Gericht
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Bad Salzſchlirf, 10. Juli. Es ſind bis jetzt 3738 Per=
ſonen
hier zur Kur eingetroffen. An Bädern wurden
37935 Sol= und Moorbäder verabreicht. Eine große Zahl
der Beſucher wird in neueſter Zeit von Rußland geſtellt,
da der Bonifaciusbrunnen ſich dort als Gichtwaſſer vor=
trefflich
eingeführt hat. Graf und Gräfin Witte, welche
bereits ſeit zwei Jahren zur Kur in Salzſchlirf weilten,
ſind wiederum hier eingetroffen und haben im neuen
Badehotel Wohnung genommen. Der Bau des ſeit 1906
in Angriff genommenen Badehotels iſt vor kurzem be=
endet
. Dreißig Gießener, ſowie 55 Marburger Stidenten
haben dieſer Tage unter Führung ihrer Herren Profeſſoren

eine Reiſe nach Salzſchlirf unternommen, um die neuen
Einrichtungen des Bades kennen zu lernen.
Baden=Baden, 10. Juli. Die Frequenz der zur Kur
ſich hier aufhaltenden Fremden erreichte heute die Zahl
34 815. Mittlere Temperatur 14 Grad Celſius. Wetter=
verhältniſſe
: Regen.
Allenbach (Kreis Berncaſtel), maleriſch am oberen
Ende des Idartales, am Fuß des 816 Meter hohen Erbes=
kopfes
, des höchſten Punktes der Rheinprovinz, gelegen,
umgeben von meilenweiten und ſtundenbreiten Tannen=
und Buchenwäldern, wie ſie ſchöner der Schwarzwald und
die Vogeſen nicht aufweiſen, mit prächtigen Ausſichts=

punkten auf grotesken Felſen, vorzüglichen Wegen durch
Wald und Wieſen und mit ſchattigen Alleen, iſt ein idealer
Sommeraufenthalt. Wer einmal dieſe herrliche Wald=
und Gebirgslandſchaft kennen lernen will, findet vorzüg=
liche
Verpflegung im Hochwaldkurhotel.
Nordſeebad Büſum. Dem Wunſche der „alten Auguſt=
Stammgäſte” die Segelregatta der Fiſcherfahrzeuge zu
verlegen, iſt der Regatta=Verein in dieſem Jahre bereit=
willigſt
nachgekommen. Die Regatta wird erſt am 25.
Auguſt ſtattfinden. So iſt nun auch allen denen, deren
Ferien ſpäter fallen, Gelegenheit geboten, dieſem ſport=
lichen
Ereignis beizuwohnen.

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krankheiten
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backene
Kalbsleber, Rumſteaks, Beefſteaks, Schnitzel, Koteletts,
:: ſaueren Rindsbraten, Pfungſtadt=Koteletts :;
Eis! und ſonſt noch reichhaltige, abwechſelnde Speiſekarte. Eis!
Die meiſten Speiſen werden ſofort ſerviert.
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Wegen der ungünstigen Witterung wird das
Sommerfest auf August verschoben. Der
Tag der Veranstaltung wird durch besondere
Einladungen bekannt gemacht. (15225

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ohne Penſion (nach erprobter
eigener Methode) in der Berg=
ſtraße
ſind noch einige Plätze frei.
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Vom 12. bis 14. Juli a. c. mein unübertroffenes
Rieſen=Schlager=Programm.
Der alte Haudegen
ein Drama aus der Zeit Napoleons

grosses Seemannsdrama, schildert den
Liebeskampf eines Steuermanns.
Prachtv. Szenerien. Wunderbare Stimmungs-
szenen
am Meer.

Adreſſen beſſerer, hierher=
ziehender
Herrſchaften
werd. geg. geringe Vergütung ſtets
35
abgegeb. Off. u. A 27 Exp. (*

Haupt=Schlager! Das Tagesgeſpräch Darmſtadt’s
Wanda Treumann u. Viggo Larsen
— in ihrem einzig daſtehenden 3 aktigen Drama—
Das Abenteuer der Lady Glane
Wir halten es für überflüſſig weiter auf dieſes Meiſter=
werk
der beliebteſten deutſchen Filmſchauſpieler hinzu=
weiſen
. Vorführungsdauer zirka 45 Minuten.

gutgespieltes Drama.

Drama.

Achtung

V (14898a

Bubi und der Polizeihund
Wollen Sie lachen — Dann kommen Sie
Ueberschwemmungen in Ohio
Bilder aus der letzten Hochwaſſerkataſtrophe in Nord=Amerika

Humoreske.

Flaschen, Gummi u. Säcke zahle wegen
dring. Bed. d. höchſt. Preiſe. Poſtk.
wird verg. Rubin, Kaupſtr. 46, II.
Kaufe —
getragene
Kleider 6
Uniformen aller Art, Stiefel.
Wäſche, Bettfedern, alte Waffen,
Zahngebiſſe uſw. (15245a
Obstfeld, Kl. Bachgaſſe 5.
Teleph. 2085. — Poſtkarte gen.
Komme auch auswärts.

Einlage=Schlager I. Ranges. Intriguenspiel, 2 Akte
Dieſes Drama zeigt uns in größter Natürlichkeit
die Wege einer Frau

gesp. von 10jähr. Fritzchen Abelard.

Einlage

Ein Geniestreich, Eine Perle des Humors

Schlager!
Schlagert
Leben oder Tod, Drama in 2 Akten
Dieſes Drama, dem Leben entnommen, zeigt uns
ein Bild von hinreißendem künſtleriſchem Spiel der
darſtellenden Künſtler.
Schlager!
Schlager!

wissenschaftliche Aufnahme

herrliche Naturaufnahme.
U.-T.-Wochenbericht. Einlagen nach Bedarf.

Einlage

Der Wochenbericht des I. Darmstädter Kinos
unterrichtet Sie am ſchnellſten über alle Vorkommniſſe im Bild
NB. Auf das Wohlwollen, das mir das hieſige Publikum bis

Kaufe getragene Herren=
und Damenkleider, ſowie
Schuhe, Gold, Silb., Zahn=
gebiſſe
, Bettfedern. Zahle
§ ſtets höchſte Preiſe.
Kletzewski, Schloßg. 29
Poſtkarte genügt. (15234a
Ssgesssstggsssotbogsge

heute entgegengebracht hat, vertrauend, habe ich mich
nicht geſcheut, unter größten Koſten dieſes einzig daſtehende
Programm zuſammenzuſtellen u. bin ich gezwungen, vom
12. bis 14. Juli meine Preiſe wie folgt zu erhöhen:
Loge 0.80, 1. Pl. 0.60, 2. Pl. 0.40, 3. Pl. O.30.

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O4
&&
SEITas
ClGRRETTE
B
Eincim.
II,15134

Briehinkels Sunndags=
Noochmitdags=Bedrachtunge.

Alſo nemlich, mir lewe im Zeitalter der Erfindunge,
un e jeder, der wo unner ſeinesgleiche noch ebbes gelte
will, der muß ſchun emol was erfunne hawwe. Freilich,
in jedem ſteckt halt net des Zaicks, deß wo zu eme richtig
gehende und werkliche Erfinder geheert, wie zum Eckſem=
bel
de Ediſohn aaner is, un wann dene Alledagserfinder
ewe gor nix eifellt, un wann’s en noch net emol zu eme
ſchläächte ſchäwige Mickefenger langt, den wo ſe ſich
badentamtlich beglauwiche kenne loſſe, dann gehn ſe her un
erfinne allerhand Luch un Druch den, wo ſe ihre Mit=
menſche
anhenke un vorſchwäzze. Wie beiſchbielsmeßig
die Dellegrammerfinder vum ballgahniſche Kriegsſchau=
platz
, die wo uff ihre Dellegramme ſchun mehr Menſche
erfunne hawwe, als wie iwwerhaubt ſeit der Zeit, als de
Haubtmann vun Kapernaum noch Bezirksfeldwewel ge=
weſe
is, jemals uff dene oriendaliſche Kondrollverſamm=
lunge
erſchiene ſin.
Alſo vun dene Schwindelerfinder will ich aach net
redde, ſundern vun dene, die wonitzliche Sache erfunne
hawwe; Sache, die wo mer ſich heidigen Dags gor net
mehr aus de Weltgeſchicht enausdenke kann; Sache, ohne
die wo die Menſche heit elend gebritſcht weern. Odder
kenne Se ſich vorſtelle, daß ſich des moderne Weib heit
noch aſtendich aziehe kennt ohne mit Druckknebb? Höch=
ſtens
zur Nod mit Sicherheitsnadele, un die ſin aach e Er=
findung
, der Neizeit entſprechend eigericht. No, un de
Pendant zu dem Druckknobb, de Badendhoſenknobb, wie
is es dann mit dem? Glaawe Sie, mir moderne Menner
kennte noch erum laafe mit Hoſe an de Baa, wann mer
kaa Badenthoſeknebb dra hedde? Ja wer, frog ich Ihne,

wer ſoll uns dann die annern, die mit ohne Badent,
anehe? — Alſo . . .?
Nadierlich, un deß is grad deß ſcheene, es werrn die
Erfindunge immer gemacht, wann’s die heechſte Eiſebah
is; ſo lang mer ſe net brauch, hawwe ſe aach kaan Wert
for die Menſchheit. Odder, wos hett beiſchbielsmeßig die
Eva ſeelig im Barradies ſelle mol mit eme Dutzend Druck=
knebbcher
afange ſolle? Un wos hedde ihrn Adam die
Badentknebb genitzt? — Un wos hett de Hermann der
Schärrußger mit unſerm neimodige Steierzeddel agefange
im Deideborjer Wäldche? — Zu wos hett de Dokder Mad=
dien
Luther e Automobillbrill brauche kenne? — Ich
maan, deß weern doch Beweiſe genug gege mei Behaub=
dung
, daß alles erfunne werd, wann’s needich is.
Awwer nix deſto drotz, es is doch als emol kohmiſch,
wann mer nor ſo zurick denkt an die letzte hunnerd Johr
wie’s aam do blos gange is, un wie mer ſich unner de
damalige brimmediefe Verhältniſſe hott dorchs Läwe
dorchfeſchediern miſſe. Sehe Se mol, wie mir domols
gelebt hawwe. Ohne Dellegraf, ohne Dellefohn, ohne
Eiſebah, ohne Automobille, ohne Flug=, Luft= und Dambf=
ſchiff
, ohne Subbewerfel un ohne Knorrsſoos, ohne Er=
dahl
un ohne Felleſebehd, ohne Maggie und ohne Kunſt=
dinger
; de Quo vadis is noch net lewendichen Leibs an
de Leinwand erum gelaafe un mer hott dorch ſein
Grammefohn noch kaa Bollezeiſtrof krickt wege öffentlicher
Ruheſtörung bei offenem Fenſter nooch zehn.
Ja, nemlich, deß is de Kahſuß bällie. All die erfun=
dene
Erfindunge hawwe de Menſchheit net immer Glick
gebracht un Sege un ſo, ſundern ſie hawwe ’n aach als
Ausgleich un gewiſſermaße als Entſchädigung aach ebbes
gebracht, for deß ſe alle Erfindungen hergebte. Nemlich
die Nerfoſidhet. Die is vun ſelbſt kumme. Die hott kaa=
ner
zu erfinne brauche. Blos die Dokter miſſe jetzt acht
gewe, daß ſe jeder bei Zeit krickt, wie die Maſern un de
Keichhuſte. Wer nemlich jetzt noch net nerfees is, der
brauch blos an de Dellefohn zu geh und brauch ſich mit
ſeim Hausarzt verbinde zu loſſe, bis er ſechsmal falſch
verbunne is un krickt dann endlich ſein Dokder vor de
Abberad un ſeegt zu em, es weer em net ganz gut, dann
leßt ſich der blos dellefohniſch die Zung zeige un ſeegt im
Bruſtton der diefſten Iwwerzeigung: Sie ſind nerfees!
Un dann gibt er aam e ganz Konſerfatzionsläxigohn voll
Verhaltungsmaßregel; mer derf nix mehr drinke, net
raache, net Kord ſchbiele; mer muß ſei Bett in e anner
Stubb uffſchlage, un lauter ſo Sache. No, un mit de Zeit
werd mer dann aach werklich nerfees.
Ja, deß is halt die Kehrſeit vun de Medaillje. Frieher
hott mer ruhiger gewerdſchaft; die Bauern hawwe geſäät,
wann’s Zeit war und geernt, wann’s Zeit war. Fellt’s
heit eme Bauer noch ei, zu ſehe un zu ernte? Heit dhut
jeder Bauer blos noch broduziern! Un er werft ſich in die
Bruſt und dhut ſich dick und ſeegt, er weer Aggrariher.
Un mir derfe uns an ſeim Kunſtdinger de Mage verderwe,
un derfe uns Krankheite zuziehe, die wo die Aerzt ohne
Rentchenſtrahle gor net mehr erausdiffteln kenne. Un dann
werd mer gerentchenfoddegrafiert, un wann mer noch ſo
gut agezoge is un hott zwaa Unnerwämmescher a, deß
badd alles nix. Mer kimmt puddenackig druff uffs Bild
un net blos nackig, ſundern ſogar ſo nackig, daß mer
bis uf die Knoche blamiert is un muß ſich ſcheeme for de
ganze Verwandſchaft.
Un dann die Eiſebah! Wie die Eiſebah uffkumme is,
hawwe die Leit behaubt, deß Fortbewegungsinſtrument

het de Deiwel im Zorn gemacht. Deß haaßt, deß be=
haubte
ſe heit aach noch, wann ſe in Heidelberg uff de
Schloßbeleichtung geweſe warn un hawwe vun de ganze
Beleichdung nix geſehe als wie de Reje un kumme putſch=
drebbelnaß
an de Bahnhof un miſſe e gut badiſch Stund
uff de Zug worde un krieje im Gedräng ihr ſämtliche
Frickadellebaich eweg geſtumbt un alle Hiehneraage abge=
drete
. Awwer do kann doch die Eiſebahn nix dezu.
Un dann die Automobille. Sehe Se, wos wor deſ
frieher ſo umſtendlich, do is mer in ere wackelige Poſt=
kutſch
gefahrn, wo mer ſtets ſei Dodehemd drinn ahatt,
un aach extra Raiwer hott’s gewe, die, wo aam uff offener
Schoſſee iwwerfalle hawe. Deß is heit all net mehr needich,
deß mache heit alles die Automobille im Handumdrehe.
Un ſtelle Se ſich emol vor, mir hette noch kaa Elek=
triſch
; wie wollt mir dann do verkehrt umſteige? Odder
iwwer was wollt mer alle Awend „Eigeſandte” in die
Zeidung enei mache. Dſcha, deß ſin lauter ſo Erfindunge,
die wo ewe abſelud needich worrn, un uff die wo mer
gor net mehr lenger hett worde kenne in unſere ſchnell=
lewige
Zeit.
Nemlich des raſche Läwe, deß is aach noch ſo e Er=
findung
der Neizeit. Frieher hott’s de Leit net ſo präſ=
ſiert
; dann warum, mer hatt jo Zeit gehatt. Heit?=
Heit ham mer ſämtliche Jahreszeite in aaner Woch,
raſch geht’s, un mer waaß im Druwel gor net, in welchem
Monad als mer lewe, im Abrill odder im Noffember.Di
Leit mache mitte im Juli Feier in die Stubb un ſtaddd
Badhos ziehe ſe die Belzkabb a, un ſo. De Schmetsan
Saalbau leiert ſich ſämtliche Baa aus un leßt ſich’sp
koſte un ſtellt Gasöwe in de Gorde. Warum? Weile
nie waaß, in welche Johreszeit em Hauske ſei Dunſag
dagsawendskunzert eneifellt. Frieher hott mer deß
genau gewißt, daß es meiſtens in de Summer ene
Dann do hott mer ewe, wie geſagt, langſamer gelebm
hott die vier Johreszeite de Reih nooch dorch de Kallena
maſchiern loſſe. Awwer heit zu Dag geht jo alles net kaſch
genug, un dodorch geht de ganze Kram verbummfiedet
Frieher hott mer ſo langſam gelebt, daß aaner, wan
ſein fuffzigſte Geburtsdag gefeiert hott, in dere Zeita
un gern ſei fimfunſiebzig Johr alt hott werrn kenne, wam
er ſich nor aißt e klaa bische gehalte hott. Heit?
du liewer Schiewer, wann heit aaner ſein fimfunſibbzig
Geburtsdag feiert, is er meiſtens dod, wann er net ſchü
vorher geſtorwe is.
Un nu kemt ich ſo langſam druff, wos ich ſchunddu
alle Anfang a hab ſage wolle. Nemlich de greeßte Erfin=
der
deß is de Zebbelin, de Herr Graf vun Zebbelin, de
wo de Zebbelin erfunne hott. Der hott ſich nemlichdn
Woch den Witz geleiſt un is fimfunſiebzig Johr alt won
trotzdem mer noch vor zehn Johr geſagt hott, es mißt
ganz richdich ſei bei em, un es kennt net mehr lang dauem.
Un der Zebbelin? Der hott ſe ruhig uhtze und ſchbodde
loſſe un hott in ſeine giediche Art gedenkt wie ſeller grie
chiſcher Weiſer aus dem Morſchendland, der wo den Aus
ſpruch ausgeſprochen hott und hott geſagt: Alles verſtehen,
heißt, alles begreifen! Un mei Zebbelin is hiegange un
hott ſich eigeſchloſſe in ſei Stubb un hott geſagt, ſo, jetzt
werd emol e bische e Luftſchiff erfunne, un da hott ern
eher geruht, bis er’s rausgedifftelt hatt, des Luftſchiff,mit
dem wo ſe aus Verſehe aach emol niwwer kumme
iwwer die Grenz noch Frankreich, weil ſe ewe in Elſaß=
Lothringe noch kaan Odewaldklub hawwe un weil’s deß=

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hinſchicke mit ſeim Fabbkiwwel, der kennt emol die Grenz
e bische makiern, wege m Wähk un ſo.
Alſo deß is de Zebbelin. Der greeßte Mann des
Jahrhunderts! Vor dem hawwe die Englenner ſo en
große Stebbel, daß, wann emol en Kinnerballoh uff de
Meß dorchgeht un fligt iwwer London, daß ſie gleich e
Vorſtandsſitzung im Endendeverein zuſamme berufe un
kreiſche „Hilfe!”, „Feierwehr!” un ſo. Un alſo, daß de
Zebbelin ſein Zebbelin erfunne hott, deß wor heechſte Zeit,
ſunſt weern mer elend gebritſcht gegeniwwer vun unſere
liewenswerdiche Nachbarn. Un weil ich nu em Wagner
un em Kaiſer graddeliert hab, un weil ewe dreimol drei
Buwerecht is, ſo will ich aach unſerm deitſche Liebling ge=
ſchwind
zum Geburtsdag e paar Verscher mach
Un kumm ich aach noochdräglich heit
Mit meim Geburtsdagsliedche,
So denk ich, is es doch noch Zeit,
Mei Luſte zu befried’ge.
Un in die Leyer greif ich kiehn,
Dann ’s gilt Dir, liewer Zebbelin;
Loß Dir — un dhu’s entſchuld’ge —
Von mir post festum huld’ge.
Du hoſt nu fimfunſibbzig Johr
Dei Lewe ſchun gedrage,
Un immer bliebſte bei Humor,
Selbſt in de ſchwerſte Dage.
Dir konnt kaa Unglick imboniern,
Du dhatſt nie die Kuraſch verliern.
Du dhatſt Dei Schickſahl packe,
Un immer per Addacke.
Schon als Saldad hoſt Du bewährt
Im Krieg Dich wie im Friede,
Es war Dir mancher Sieg beſcheert,
Un aach Erfolg beſchiede.
Doch wie De ſpeter ab dhatſt geh,
Un ’s kam Der plötzlich die Idee
E Luftſchiff zu erfinne
Hielt alles Dich vun Sinne.
Wie hawwe ſe ſich ausgedrickt
Mit ihre freche Goſche,
E jeder ſeegt: Der is gepickt!
Der is net ganz bei Groſche!
Du awwer hoſt nor ſtill gelacht
Un hoſt geboſſelt Dag und Nacht,
Un ließt Dich net entdeiſche
Und ſeegſt: Ich weer ſen zeige!

Du hoſt gearweit un gehofft,
Un warſt ſtets unverdroße,
Obgleich Dich unſer Herrgott oft
Dobei im Stich geloſſe.
Der nemlich dacht ſich unbedingt:
Ich will mol ſehe, ob er’s zwingt,
Un ob’s em dhut gelinge,
Mei Luftreich zu bezwinge!
Wie dann Dei Schiffche druff un druff
Hott funktzioniert ganz fraglos,
Do riß mer Maul un Aage uff,
Un war ſtumm, ſtarr und ſprachlos.
Un als De noochhernd iwwer Nacht
Nooch Meenz Dich uff die Wähk gemache
Do war — wer kann’s vergeſſe —
Die Welt grad wie beſeſſe.
E jeder, der Dei „Sigaa” ſaß.
Dhat ſich die Aage wiſche;
Begeiſtert hott: Hibb, hibb, hurra!
Mer zu Derr nuff gekriſche.
Heit is mer zwar ſchun ruhiger worrn,
Un heert mer Dei Brobäller ſchnorrn,
Dhut mer de Blick erhewe
Un helt’s for gang un gewe.
Deß haaßt, Du warſt aach oft verratzt,
Manch Schiff ging in die Binſe,
Zum Daal zerſchellt, zum Daal verblatzt,
Zu Daal verbrennt als ſin ſe.
Jedoch, deß hott Dich net gebeigt,
Un „Echterdinge” hott’s gezeigt,
Wie noch in Not un Flamme
Deß deitſche Volk hellt z’ſamme.
Heit awwer biſte endlich hoch,
Du hoſt geſiegt, gewunne;
Dein Zebbelin macht Dir kaaner nooch,
Den Du uns hoſt erfunne.
Un kaaft ſich aach, for jeden Fall,
England noch ſchnell en Parſewall,
Deß ſoll uns wenig kratze,
Sie ſie jo doch de Katze!
Du awwer werſt vun uns zum Lohn,
Vergöddert un bewunnert,
Du biſt der Stolz vun de Natzion,
Der Kluh vun dem Johrhunnerd.
Drum dhu aach ich mich net ſcheniern,
Un dhu Derr herzhaft graddeliern,
Un mach nor froh un heiter,
Noch fuffzig Johr ſo weiter.
R. Sch.

Gewinnauszag
der
L. Preußiſch-Füddentſchen
(229. Röniglich Prenßiſchen) Klaſſenlotterie

1. Klaſſe 2. Ziehungstag 10. Juli 1913
Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.
(Ohne Gewähr A. St.=A. f. Z.)
(Nachdruck verboten))
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über)
50 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 50000 Mk. 12713a
2 Gewinne zu 5000 Mk. 164242
2 Gewinne zu 3000 Mk. 67079
4 Gewinne zu 500 Mk. 174549 213770
4 Gewinne zu 400 Mk. 149145 188175
12 Gewinne zu 300 Mk. 23737 35362 85482 120380)
159869 172381
26 Gewinne zu 200 Mk. 2687 23733 23817 31339)
45909 85888 124292 137811 141492 163957 183120
206216 209329
90 Gewinne zu 100 Mk. 1841 7049 10014 10742)
19171 37193 40250 41479 45457 49911 63005 64133
64610 70545 71964 78004 80423 105736 109231)
116261 116763 117858 124821 125813 126336 126771)
128197 133719 133818 137089 142361. 144381. 144486i
152130 152736 154889 156849 159797 163247 166683.
177218 184713 190591 193184. 200010
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über)
60 Mk. gezogen:
4 Gewinne zu 1000 Mk. 43591. 127182
4 Gewinne zu 500 Mk. 125091 166287
6 Gewinne zu 400 Mk. 88046 152487 157685
10 Gewinne zu 300 Mk. 2604 6325 23490 156964
184320
16 Gewinne zu 200 Mk. 40930 48358 56126 57901
87422 124128 126675 203750
56 Gewinne zu 100 Mk. 599 1878 22365 22901.,
27159 38196 39158 51605 52463 56685 68215 69580.
70952 80527 86661 101128 104485 107153 123507.
126330 129201 146296 146377 152604 167517 192587,
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Preuß.) Klaſſenlotterie findet am 8. u. 9. Auguſt 1913 ſtatt.
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Sport, Spiel und Turnen.

* Olympiſche Wettkämpfe des F.=K. „Olympia” 1898.
Man ſchreibt uns: Die bis jetzt eingelaufenen Meldungen
verſprechen hervorragenden Sport. Den Bemühungen
des veranſtaltenden Vereins iſt es in letzter Stunde ge=
lungen
, die bekannte gute Mannſchaft der Duisburger
„Preußen”, darunter Traber, Bletzheim Harry, zu ver=
pflichten
. Das 800 Meter=Laufen mit Traber=Duisburg,
Veitel=Pirmaſens, Charpenſier=Straßburg und unſerem
Darmſtädter Läufer Joſ. Schröck verſpricht eine ſportliche
Delikateſſe zu werden. Die kurzen Strecken weiſen eine
glänzende Beſetzung auf. Die bekannte Mannſchaft des
Turnſportvereins=Frankfurt, die bei der Einweihung des
Stadions in Berlin für Süddeutſchland ſtartete, Flory=
Straßburg, Schröder=Pirmaſens und Duisburg werden
an den Start gehen. Merkel vom Darmſtädter
Sportklub wird im 3000 Meter=Laufen ſtarten
und vielleicht an ſeinem Bezwinger vom letzten
Sonntag in Frankfurt, dem Stuttgarter Walz,
Revanche nehmen können; der alte Kämpe Mühl wird
in den Sprungkonkurrenzen ſeine vorjährigen Siege zu
erneuern ſuchen. Durch die gute Beſetzung der Einzelkon=
kurrenzen
iſt auch eine hervorragende Beſchickung der
Stafetten geſichert. Die in guter Form befindliche Mann=
ſchaft
des Turnſportvereins=Frankfurt findet in den Stafet=
ten
von Duisburg, Pirmaſens und den Einheimiſchen
hartnäckige Gegner. Duisburg konnte in der Olympiſchen
Stafette in Mannheim die gute Straßburger Mannſchaft
ſchlagen. Die Vorkämpfe zu den meiſten Konkurren=
zen
beginnen vormittags 9 Uhr, während die Haupt=
kämpfe
mit den Militärkonkurrenzen um 2 Uhr ihren
Anfang nehmen.
sr. Pferderennen. Hoppegarten. Tuki=Rennen,
5000 Mk., Diſtanz 1000 Meter. 1. Herrn E. v. Bennig=
ſens
Einwandfrei (Shurgold); 2. Ariel (Archibald); 3.
Rübezahl (O. Müller). Tot. 40:10; Pl. 14, 25, 15: 10.
Unpl.; Mars=la=Tour (4) Varus, Salluſt, Schorſe, Fahr=
ſteiger
, Lorbas, Orelio, Well managed, Charleys Couſin,
Prinz von Sagan, Proſit, Allerweltskerl. Sicher ½
Längen-Hals. — Juba=Rennen. 5000 Mk., Diſtanz 1600
Meter. 1. Hrn. E. u. G. Buggenhagens Simſon ( Bleu=
ler
); 2. Diamant (Stoffel); 3. Third Ace (W. Plüſchke).
Tot. 15: 10. Pl. 12, 17, 14: 10. Unpl.: Rama (4), Fah=
nenwacht
, Canova, Perugino. Kampf, Hals—5—3 Lg.
—Perconus=Rennen. 5000 Mk., Diſtanz 1100 Meter.
1. Kgl. Privat=Geſtüt Weils Kronjuwel (Schläfke); 2. Ta=
nagca
(Burns); 3. Palaſtdame (Shurgold). Tot. 81: 10.
Pl. 29, 18: 10. Unpl.: Armgard (4), Borchhorſt. Kampf,
Kopf—3 Lg.-Hals. — Hannibal=Rennen. 13000 Mk.,
Diſtanz 2200 Meter. 1. Herrn R. Haniels Alvarez ( Archi=
bald
); 2. Pelleas (F. Bullock); 3. Octopus (Shurgold).
Tot. 33: 10. Pl. 15, 14: 10. Unpl.: Papyrus (4), San=
tuzza
. Ueberlegen, 2—1 Lg.—¾4 Lg. — Alamania=Rennen.
3800 Mark, Diſtanz 1400 Meter. 1. Hrn. V. Herfelds Wun=
derhold
(Shurgold); 2. Eilige (Davies); 3.— Villa
(Plüſchke); 3.—— Minotaur (Cleminſon). Tot. 81: 10.
Pl. 27, 34, 28 (Villa), 12 (Minotaur): 10. Unpl.: Kö=
nigsleutnant
, Ria Orrecht, Anthemis, Aeronaut. Jakob,
Importe, Seilfahrt, Mut. Sehr leicht, 2½—1½—tot.
Rennen. — Oſtbahn=Handicap. 6200 Mark, Diſtanz 1600
Meter. 1. Hrn. v. Weinbergs Catena (F. Bullock); 2. Sal=
timbanque
(Cleminſon); 3. Reſeda (Kaſpec). Tot.: 85 :10.
Pl. 34, 48, 24: 10. Unpl. Miesmuſchel (4), Eau de Co=
logne
, Major Fife, Carolus, Labrador, Maruſchka, Se=

cret Vogelfrei, Reichsanwalt, Deſpot, Exarch, Taftjoy.
Sicher, 1½—Kopf-¾ Lg.
* Wiesbadener Rennen. Die am nächſten Sonntag,
den 13. Juli, und dem darauffolgenden Dienstag, den 15.
Juli, ſtattfindenden Sommer=Rennen ſind in der Haupt=
ſache
dem Hindernis=Sport gewidmet. Nach den zahl=
reich
eingegangenen Nennungen ſind ſtarke Felder und
guter Sport zu erwarten. Zum erſten Male wird das
neue Hindernis, ein Waſſergraben, zur Benutzung kom=
men
. Durch die lang angehaltene Näſſe prangt die ſchöne
Bahn in üppigſtem Grün.
sr. Rennfahrergewinne in Paris. Das Grand Prix=
Meeting der Stadt Paris hat, wie alljährlich, einen rei=
chen
Goldſtrom unter die Rennfahrer gebracht. Von den
insgeſamt 109 Beteiligten ſind nur 13 völlig leer ausge=
gangen
, doch erhielten dieſe nach dem Reglement den von
ihnen geleiſteten Einſatz von 20 Franken zurück. Den
Löwenanteil der Preiſe, die ſich auf insgeſamt 27540 Fran=
ken
beliefen, heimſte naturgemäß Rütt ein, dem die Siege
im Grand Prix den Fremden=Preis und im Match Frank=
reich
=Ausland 5500 Fr. einbrachten. Dann folgt der
Zweite des Grand Prix, Pouchois, mit 2300 Fr., gefolgt
von Oskar Egg und Moretti mit je 1200 Fr., Seres 1000
Fr. uſw. Rechnet man zu den 5500 Fr. von Rütt noch
die Reklame= und Prämiengelder der Fahrrad= und Rei=
fenfabriken
, ſo ergibt ſich für den Rheinländer ein ganz
erkleckliches Sümmchen. Die geringſte Preisſumme er=
zielten
mit je 5 Fr. drei kleine franzöſiſche Fahrer. Wenn
von dem insgeſamt eingenommenen Eintrittsgeld von
46846 Fr. die Preiſe von 27540 Fr. abgezogen werden,
ergibt ſich ein netter Ueberſchuß, der traditionsgemäß den
Armen der Stadt Paris zufällt.

Literariſches.

* Prof. Liz. H. Matthes: Erklärung des 2.
Artikels auf bibliſch=geſchichtlicher
Grundlage. Zugleich eine Handreichung zur vertie=
fenden
Behandlung des Lebens Jeſu. (27. Heft der
Hilfsmittel zum evangeliſchen Religionsunterricht, be=
gründet
von M. Evers und F. Fauth.) Berlin, Reuther
und Reinhard. 1913. X und 114 Seiten. Broſchiert 2,40 Mk.
In der von Pädagogen und Theologen aller Richtungen
heiß umſtrittenen Frage der Stellung und methodiſchen
Behandlung des Katechismus im Religionsunterricht hat
M. durch ſeine jüngſt erſchienene „Erklärung des 2. Ar=
tikels
” von neuem in beachtenswerter Weiſe das Wort er=
griffen
. Ueber ſeine Auffaſſung vom Recht und von der
Methode des Katechismusunterrichts hat er ſich bereits frü=
her
mehrfach in wiſſenſchaftlichen Fachblättern, ganz be=
ſonders
aber in ſeinen beiden Sonderveröffentlichungen
„Neue Bahnen für den Unterricht in Luthers Katechis=
mus
” (Berlin, Reuther und Reinhard, 1908) und „ Reli=
gionsunterricht
im Dienſte der Erziehung innerhalb der
religiöſen Gemeinſchaft” (Göttingen, Vandenhoek und
Ruprecht, 1910) ausführlich ausgeſprochen. Im Gegen=
ſatz
zu der radikalen Forderung eines völligen Aus=
ſchluſſes
des Katechismusunterrichts aus dem Lehrplan
der Schule will M. mit pädagogiſchen Autoritäten wie
Kabiſch, Dörries, Niebergall, Eger dem Lutherſchen Kate=
chismus
als Bekenntnisbuch ſein Recht in der Schule ge=
wahrt
wiſſen. Nicht aber tritt er, wie Dörries und Eger,
für einen geſonderten, ſelbſtändigen Katechismusunter=
richt
ein. Vielmehr wandelt der Verfaſſer im Anſchluß
an Thrändorf=Meltzer und mehr noch an Reukauf=Heyn,
in den neuen Bahnen der Forderung eines „einheit=

lichen” Religionsunterrichts, d. h. die Katechismus=
wahrheiten
werden in den bibliſch=geſchichtlichen Reli=
gionsunterricht
eingegliedert und erwachſen am gegebe=
nen
Ort aus dem hiſtoriſch=pſychologiſchen Zuſammen=.
hang heraus als wirkliche, machtvolle „ Lebenszeug=
niſſe
” von allgemein gültigem Wert. — In ſeinem
neu erſchienenen Werke zeigt nun M. in anſchaulicher,
überzeugender Weiſe an dem für eine hiſtoriſche Behand=
lungsweiſe
ſich beſonders gut eignenden Beiſpiele des 2.=
Artikels, wie er ſich den Katechismusunterricht in der „ An=
lehnung
an die bibliſche Geſchichte” denkt. Die Darbiet=
ung
des Stoffes, die im weſentlichen dem Aufbau des
2. Artikels und der Erklärung Luthers entſpricht, erfolgt
nicht in zerſplitterten Teilen als Anhängſel an die Einzel=
geſchichten
, ſondern „um die Glaubenswahrheiten als
Ganzes wirken zu laſſen, werden längere Katechismus=
beſprechungen
an ganze Geſchichts=Abſchnitte ange=
ſchloſſen‟
Das Buch iſt ein äußerſt intereſſanter Verſuch,
auf neuem Wege unſerer Jugend die großen Bekennt=
niſſe
der Chriſtenheit aus der Zeit ihres religiöſen Hel=
dentums
verſtändlich zu machen und auf ihr Gewiſſen!
und ihren Willen einzuwirken, damit die Luſt erwache,
auch in heutiger Zeit die gleichen befreienden, empor=
ziehenden
Glaubenswahrheiten zu erleben, die einſt die
Quelle der Kraft und des Sieges für die chriſtlichen Mär=
tyrer
und die evangeliſchen Reformatoren waren.
Noch ſei ausdrücklich bemerkt, daß das Werk nicht nur für
Fachkreiſe geſchrieben iſt. Der theologiſch frei gerichtete,
aber von warmem, lebendigem Chriſtusglauben erfüllte
Verfaſſer gibt „zugleich eine Handreichung zu vertiefen=
der
Behandlung des Lebens Jeſu”. Religiös intereſſierte
Laien werden aus dem klar und verſtändlich geſchriebe=
nen
Buche über die Lebensfragen des Glaubens an Chri=
ſtus
reichen Gewinn haben können. Kleberger.
— A. Halbert: Die rote Kugel. Wie eint
Kind in das Schickſal großer Menſchen eingreift, Feld=
herren
in ihren wichtigen Entſchlüſſen beeinflußt, ſchildert
dieſes eigenartige Buch. Und man gewinnt das Kind
lieb, geht mit ihm mit, blickt auf ſeine kleinen Hände, die
unbewußt das Fatum lenkt. Ein echtes, ſtilles, liebes
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zeitig
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umfaßt die nähere und weitere Umgebung Münchens. Der
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geſtattete
Führer ſei daher allen Ausflüglern beſtens
empfohlen.
— Nachdem die bekannte, aus den früheren Fuchsber=
gerſchen
Entſcheidungen hervorgegangene Sammlung
der neueſten Entſcheidungen des Reichs=
gerichts
des Bayer. Oberſten Landesgerichts, des K.
Patentamts, des Reichsverſicherungsamts, ſowie zahl=
reicher
Verwaltungsgerichtshöfe und Verwaltungsbehörden,
unter redaktioneller Oberleitung von Juſtizrat Dr. Fuld=
Mainz als Kartothek=Ausgabe fortgeführte Sammlung
durch drei vollſtändige Jahrgänge ihres Erſcheinens (in
dem Verlage von Emil Roth in Gießen) den treffenden
Beweis ihrer Brauchbarkeit erbracht hat, iſt ſoeben das
1. Heft des vierten Jahrganges zum Preiſe von 2,50 Mark
erſchienen. In deg drei abgeſchloſſenen Jahrgängen wur=
den
2467 Entſcheidungen über 1619 Paragraphen publi=
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