Darmstädter Tagblatt 1913


07. Juli 1913

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176. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das wichtigſte vom Tage.

Die Kaiſerin iſt am Samstag zu längerem Kurauf=
enthalt
in Bad Homburg eingetroffen.
Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht Neufor=
mationen
am 1. Oktober 1913 und Formations=
änderungen
anläßlich des Nachtragsetats 1913.
Auf dem Flugplatz Johannisthal fand ein Zu=
ſammenſtoß
der beiden Flieger Helſcher und Friedel
inder Luft ſtatt, bei dem erſterer verunglückt iſt.
Das italieniſche Königspaar iſt am Sams=
tag
abend 7½ Uhr in Stockholm eingetroffen.
In der franzöſiſchen Kammer erklärte der
Finanzminiſter, daß die Koſten für die neuen
Militärausgaben den wohlhabenderen Kreiſen
auferlegt würden und ein dementſprechender Geſetzent=
wurf
eingebracht werden würde.
Eine Botſchaft des Königs der Griechen for=
dert
das Volk zum Kampfe gegen Bulgarien
auf.
DDer Ausſtand in Südafrika iſt nach erfolg=
reichen
Verhandlungen mit den Führern der Ausſtän=
digen
für beendet erklärt worden.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Rumänien und Bulgarien.

** Durch die Mobilmachung hat Rumänien
ſeiner ſchon vor Wochen abgegebenen Erklärung, bei
einem neuen Kriege auf der Balkanhalbinſel
nicht ruhig zuſehen zu wollen, die Tat folgen laſſen. Noch
herrſcht keine volle Klarheit über die rumäniſchen Abſich=
ten
, aber dieſe dürften mindeſtens darauf hinausgehen,
Bulgarien in Schach zu halten. Ob es dabei bleibt, daß
Rumänien nur den an die Dobrudſcha grenzenden Teil
Bulgariens bis zur Linie Tartukaj-Baltſchik beſetzt
und ſich dann zunächſt abwartend verhält, muß erſt die
=Erfahrung lehren. Bei der in Bukareſt herrſchenden
Kriegsbereitſchaft iſt dieſe Haltung ziemlich unwahr=
ſcheinlich
.
Rumänien iſt ſeit dreieinhalb Jahrzehnten auf der
Balkanhalbinſel der ruhende Pol in der Erſcheinungen
Flucht, es hat ſich mit Erfolg beſtrebt, kulturell und
wirtſchaftlich vorwärts zu kommen, und dank einer ſtetigen,
beſonnenen äußeren Politik erfreut es ſich bei den Mäch=
ten
großen Anſehens. Aus eigener Kraft konnte es
manche Kriſe überwunden, das Gleichgewicht im Staats=
haushalte
dauernd ſichern und ſeinen Kredit heben. Von
der unfruchtbaren politiſchen Weltanſchauung des Orients,
welche dem ewigen Stillſtande dient, haben ſich die zu
einem Nationalſtaate geeinigten Bewohner der Moldau
und Walachei längſt losgeriſſen und ſie ſind auf dem beſten
Wege, mit der Kulturwelt zu verwachſen. Im Laufe der
Zeit entſtanden wohl ab und zu kleine Konflikte mit den
Nachbarn, aber ſie wurden immer friedlich geſchlichtet.
Bulgarien hat bekanntlich Urſache, Rumänien beſonders
dankbar zu ſein, denn die rumäniſchen Regimenter führ=
ten
auf den Schlachtfeldern von Grivitza und Plewna
durch ihr Eingreifen einen Wendepunkt des ganzen Feld=
zugs
herbei, der auch der Befreiung Bulgackens vom
Türkenjoche zugute kam. Rumäniens Anteil an jenem
Kriege, welchem Bulgarien ſeine ſtaatliche Selbſtändigkeit
verdankt, war ſehr erheblich, und zuerſt waren denn auch
die Beziehungen zwiſchen beiden Ländern die beſten.
Fürſt Alexander war wiederholt zu Beſuch am Bukareſter
Hofe, ebenſo ſein Nachfolger Ferdinand. Aber dann ver=
urſachten
die mazedoniſchen Wirren, welche auch nach Ru=
mänien
hinübergriffem, eine Entfremdung, überhaupt
kühlte ſich die Freundſchaft bei der unmittelbaren Nachbar=
ſchaft
an der langen Donauſtrecke und der Dobrudſchagrenze
infolge von allerhand Wechſelfällen, die ihren Urſprung
in der ſehr unruhigen Entwickelung Bulgariens hatten,
mehr und mehr ab. Etwas wärmer wurde das Verhält=
nis
erſt wieder 1902, als König Carol mit dem Fürſten
Ferdinand am Jubiläum des Sieges von Plewna teil=
nahm
, jedoch blieben auch ſpäter nationale Reibereien
nicht aus.
In Bukareſt verfolgt man ſchon lange mit einem ge=
wiſſen
Mißtrauen die bulgariſchen Großmachtsbeſtrebungen.
Der an Bulgarien nach deſſen Erfolge im Kriege mit der
Türkei geſtellten rumäniſchen Kompenſationsfonderung
leiſtete man in Sofia energiſchen Widerſtand, und es kam

für Rumänien nicht viel dabei heraus. Daß dieſes ſich
mit dem Siliſtria=Abkommen begnügte, überraſchte allge=
mein
,haher es hat wohl den Gang der Ereigniſſe voraus=
geſehen
und gewußt, daß ſeine Zeit noch kommen würde.
Rumänien hat ein ganz erhebliches Intereſſe daran, daß
die bulgariſchen Bäume nicht in den Himmel wachſen und
das Reich König Ferdinands nicht in die Lage kommt,
eine Art Suprematie am Balkan auszuüben, wodurch das
Gleichgewicht im Südoſten Europas geſtört würde. In
Bukareſt iſt man deshalb entſchloſſen, zu verhindern, daß
Bulgarien eine etwaige Ueberlegenheit über ſeine bishe=
rigen
Verbündeten ausnutzt, worin eine ſtete Gefahr für
den Frieden liegen würde. Daß die Haltung Rumäniens
den bulgariſchen Gegnern eine bedeutende Rückenſtärkung
bietet, iſt klar. Unverſtändlich ſind die öſterreich= feind=
lichen
Demonſtrationen in Bukareſt, welche mit den guten
Beziehungen zwiſchen den beiden Höfen und zwiſchen den
beiden Staaten nicht im Einklange ſtehen.
Die Wiener Politiſche Korreſpondenz veröffent=
licht
einen Artikel, in welchem gegenüber der in dem rumä=
niſchen
Publikum gegen die Politik Oeſterreich=
Ungarns erhobene Anſchuldigung feſtgeſtellt wird, daß
die öſterreichiſch=ungariſche Politik den bulgariſch=
rumäniſchen
Beziehungen von Anfang der Kriſe
an das größte Intereſſe entgegenbrachte und ſich ſchon an=
läßlich
der letzten Tagung der Delegationen mkt voller Ent=
ſchiedenheit
für die Erfüllung berechtigter rumäniſcher Wün=
ſche
ausſprach, wofür Oeſterreich=Ungarn, unterſtützt von ſei=
nen
Bundesgenoſſen, bekanntermaßen eindringlich durch
die Empfehlung der über die Abtretung Siliſtrias hinaus=
gehenden
Befriedigung der territorialen Wünſche Rumä=
niens
in Petersburg eintrat. Es ſei aber ebenſo bekannt,
daß ſich die Tripel=Entente gegenüber dieſen Beſtrebungen
kategoriſch ablehnend verhielt, auch dann, als Oeſterreich=
Ungarn, noch immer von dem Geſichtspunkt geleitet, eine
dauernde Trübung dee rumäniſch=bulgariſchen Verhält=
niſſe
hintanzuhalten, die Modalität einer Löſung vor=
ſchlug
, die geeignet geweſen wäre, durch Kompenſationen
mit den von ihnen zu bringenden Opfern zu verſöhnen.
Als ſich nach Abſchluß des Präliminarfriedens die Be=
ziehungen
zwiſchen den Balkanſtaaten verſchlechterten,
richtete Oeſterreich=Ungarn, in konſequentem Feſthalten an
den oben dargelegten Standpunkt, ſeine Bemühungen da=
hin
, auf die rumäniſch=bulgariſchen Beziehungen in der
Weiſe Einfluß zu nehmen, daß Rumänien ohne Schädi=
gung
ſeiner Intereſſen der Notwendigkeit enthoben wäre,
an einem etwaigen Balkankonflikte teilzunehmen. Dieſe
ſeit langer Zeit geführte Aktion der Monarchie iſt auch
derzeit noch im Gange und es könne mit Befriedigung
konſtatiert werden, daß ſowohl Rumänien, als auch Bul=
garien
die Geneigtheit bekundeten, hierbei die freund=
ſchaftlichen
Dienſte Oeſterreich=Ungarns in Anſpruch zu
nehmen. Es liegt vor der Hand umſoweniger Grund vor,
die Hoffnung auf das Gelingen der auf einen Ausgleich
abzielenden Beſtrebungen aufzugeben, als das künftige
Reſultat zweifellos im Intereſſe beider Länder gelegen
ſein müſſe.

Neue Geſchütze für unſere
Großkampfſchiffe.

* Die Poſt ſchreibt: Nachdem die Marinever=
waltung
bisher ihre Abſichten in bezug auf die Ar=
mierung
und Panzerung unſerer neueſten Großkampfſchiffe
noch ſtreng geheim gehalten hatte, werden jetzt wichtige
Einzelheiten darüber bekannt, die zweifellos im Inland
und Ausland Aufſehen erregen werden. Bis zu dem im
Jahre 1912 bewilligten Linienſchiff Erſatz Brandenburg
einſchließlich iſt Deutſchland bei dem 30,5=Zentimeter=
Geſchütz ſtehen geblieben, obſchon England ſchon
im Jahre 1909 zu einem Kaliber von 34,3 Zentimetern
übergegangen war und auch die meiſten anderen großen
Marinen ſeitdem eine Kaliberſteigerung der ſchweren
Schiffsartillerie vorgenommen haben, ſo daß z. B. die
neueſten franzöſiſchen Schiffe 34=Zentimeter=, die ameri=
kaniſchen
, ruſſiſchen und japaniſchen Schiffe 35,6= Zenti=
meter
=Geſchütze erhalten. Das deutſche 30,5=Zentimeter=
Geſchütz war bisher den ſchwern Kalibern fremder Na=
tionen
an Durchſchlagskraft ebenbürtig, dabei aber
weſentlich leichter und im Gewicht ſchneller zu
bedienen.
Angeſichts der andauernden Bewegung zugunſten noch
ſchwerer Geſchütze hat ſich die deutſche Marineverwaltung

jetzt zur Einführung des 38=Zentimeter= Ge=
ſchützes
entſchloſſen, womit ſie dem 1912 von England
und neuerdings von Italien gegebenen Beiſpiel folgt. Die
für 1913 bewilligten Linienſchiffe Erſatz Wörth und T‟
erhalten dementſprechend eine Armierung von acht 38= Zen=
timeter
=Geſchützen; die Erhöhung des Kalibers hat alſo
eine Verminderung der Zahl der ſchweren Geſchütze von
zehn auf acht zur Folge; gleichzeitig wird die Mittel=
artillerie
von vierzehn auf ſechzehn 15=Zentimeter=S.=K.
verſtärkt. In der Geſchützaufſtellung tritt inſofern
eine Neuerung ein, als alle ſchweren Geſchütztürme mitt=
ſchiffs
ſtehen werden; dies gilt auch ſchon für die fünf
50,5=Zentimeter=Türme der König=Klaſſe, während auf
den Schiffen der Kaiſer=Klaſſe noch zwei Türme ſeitlich
herausgerückt ſind.
Auch bei den Panzerkreuzern tritt eine Ver=
ſtärkung
der Armierung ein, von der Tann hat nur
acht 28=Zentimeter=, Moltke Goeben und Seydlitz
haben zehn 28=Zentimeter=Geſchütze; die neueren Panzer=
kreuzer
von Derfflinger (1911) ab werden acht 30,5=
Zentimeter=Geſchütze erhalten.
Beſonderes Intereſſe beanſprucht auch der Panzer=
ſchutz
unſerer Linienſchiffe. Die größte Stärke
des Gürtels der Naſſau= und der Oſtfriesland=Klaſſe
beträgt 300 Millimeter, der Kaiſer=Klaſſe 350 Milli=
meter
. Wenn man auch nach den zahlreichen Spionage=
prozeſſen
der letzten Jahre kaum daran zweifeln kann,
daß dieſe Daten an den maßgebenden Stellen des Aus=
landes
bekannt geworden ſind, ſo hat ſich doch die fremde
Fachpreſſe vielfach in der Behauptung gefallen, die deut=
ſchen
Großkampfſchiffe ſeien ungenügend geſchützt. Eng=
liſche
Flottenhandbücher geben z. B. für Naſſau nur 247
Millimeter, für Oſtfriesland und Kaiſer nur 279
Millimeter an. Die obigen Zahlen beweiſen, daß die
deutſchen Schiffe auch in dieſer Beziehung nicht nur
durchaus auf der Höhe ſtehen, ſondern ſogar den gleich=
altrigen
fremden Schiffen überlegen ſind. Die engliſchen
Schiffe der St.=Vinzent=Klaſſe z. B. haben nur einen
254 Millimetek ſtarken Gürtel, und erſt die engliſche
Queen Elizabeth (1912) mit 343 Millimetern und das
amerikaniſche 32 000=Tonnen=Schiff Pennſylvania (1912)
mit 356 Millimetern kommen unſerer Kaiſer=Klaſſe
(1909) ungefähr gleich

Deuiſches Reich,

Der Bundesrat hat am Donnerstag ſeine letzte
Sitzung vor den Sommerferien abgehalten, erſt im Herbſt
tritt er wieder zuſammen. Bis dahin ſind demnach auch
die Entſcheidungen über die Aenderung des Militärſtraf=
geſetzbuches
, die braunſchweigiſche Thronfolge, die Jeſui=
tenfrage
und den Antrag der elſaß=lothringiſchen Regie=
rung
wegen der Ausnahmegeſetze vertagt worden.
Reichstagsnachwahlen. Unter Hinzurech=
nung
des bisher noch ausſtehenden Wahlergebniſſes aus
einer Gemeinde ergibt ſich folgendes Stimmenverhältnis
bei der Reichstagserſatzwahl in Zauch=Belzig=Jüterbog:
von Oertzen (Reichspt.) 11152 (1912: 11044), Hormann
(freiſ.) 7987 (9226), Ewald (Soz.) 13589 (13367), Erz=
berger
(Ztr.) 80 (56) Stimmen. Die Stichwahl im Wahl=
kreiſe
Salzwedel=Gardelegen iſt auf den 10. Juli, die Stich=
wahl
in Zauch=Belzig=Jüterbog auf den 12. Juli anbe=
raumt
.
Die Times über die deutſche Heeres=
verſtärkung
. Die Annahme der deutſchen Heeresvor=
lage
durch den Deutſchen Reichstag hat in England einen
tiefen Eindruck gemacht. Das führende Blatt, die Times,
gibt dem Ausdruck, indem ſie ſagt:
Die deutſchen Geſetzgeber haben ſich der Gelegenheit
würdig gezeigt, wie ſie es immer taten, wenn die Ratgeber
der Krone erklärten, daß die Ehre und die Sicherheit der
Nation neue Opfer verlange. Wir können den Mut und
den praktiſchen Patriotismus, den ſie gezeigt haben nur
hochachten. Das Blatt erklärt dann weiter: Wir haben
uns immer geweigert, die ungeheure Vermehrung den
Wehrkraft Deutſchlands als aggreſſiv oder provozierend
zu betrachten Dennoch müſſen wir darauf beſtehen, daß
keiner von Deutſchlands Nachbarn, am allerweniaſten
England, die Annahme des Programms, das Deutſchland
in den Stand ſetzt, in jedem von ihm gewählten Augen=
blick
koszuſchlagen, und zwar ſchnell und ſchwer zu ſchla=
gen
, außer acht laſſen kann. Alle müßten ſich ſtets vor
Augen halten, im Hinblick auf die eigenen Rüſtungen,
weiche Veränderungen in dem Gleichgewicht der militäri=
be
Heeresvermehrung in den
ſchen Mächte durch
ie Entwicklung der
nächſten Monaten
orragender Zug der mili=
deutſchen
Flugilette
klotte wird in einer Weiſe.
täriſchen Pläne, und
hiße Bedeutung für= England
verteilt werden, die
hat. Die Times erwähnt jerner die finanziellen Punkte
der Heeresvermehrung, hält aber in ihrem Urteil darüber
zurück.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 7. Juli 1913.

Nummer 156.

Die Aufgabe des Scheckſtempels. Der
Entwurf eines Geſetzes über Aenderungen im Finanz=
weſen
, wie er aus den Beſchlüſſen des Reichstages in drit=
ter
Leſung herausgekommen iſt und die Zuſtimmung des
Bundesrats gefunden hat, enthält in ſeinem dritten Para=
graphen
die Aufhebung des Scheckſtempels. Das ſollte be=
kanntlich
einer der kleinen Gegengaben ſein, durch die der
handel= und gewerbetreibenden Welt die Einführung
einer Steuer auf den Vermögenszuwachs ſchmackhaft ge=
macht
werden ſollte. An dieſen Austauſchcharakter hat
man ſich nun ſehr ſtlaviſch gebunden, indem man die
AAufhebung des Scheckſtempels erſt für den 31. Dezember
1916, alſo den erſten Erhebungstermin für die Ver=
mögenszuwachsſteuer
, vorgeſehen hat.
Weitere 6 Millionen Jubiläums=
münzen
. Der Bundesrat hat jetzt einem Antrage der
preußiſchen Staatsregierung zugeſtimmt, der eine Ver=
mehrung
der bereits in dieſem Jahre zur Ausprägung ge=
langenden
Jubiläumsmünzen vorſieht. Es ſind demnach
im ganzen 6 Millionen Erinnerungsmünzen weiter aus=
zuprägen
, und zwar verteilt ſich dieſe Summe auf 3 Mil=
lionen
für Erinnerungsmünzen aus Anlaß der Jahrhun=
dertfeier
der Erhebung Preußens und auf 3 Millionen
Erinnerungsmünzen zum 25. Regierungsjubiläum des
Kaiſers. Es gelangen nur Dreimarkſtücke zur Ausprägung,
während die bisher zur Ausgabe gelangten Münzen die=
ſer
Art zur Hälfte Zwei= und Dreimarkſtücke waren.
Die Lehrer und die Reichsverſiche=
rung
. Der Bundesrat hat in ſeiner letzten Sitzung be=
ſchloſſen
, daß Lehrer und Erzieher, die an nichtöffentlichen
Schulen oder Anſtalten beſchäftigt ſind oder privaten Ein=
zelunterricht
erteilen, mit Wirkung vom 1. Januar 1913
ab von der reichsgeſetzlichen Verſicherungspflicht befreit
ſind, ſoweit ſie ſich bei der Allgemeinen Deutſchen Pen=
ſionsanſtalt
für Lehrer und Lehrerinnen in Berlin W. 8
Behrensſtraße 72, verſichert haben und ſoweit ihnen au
Grund der Satzungen dieſer Anſtalt mindeſtens die ge=
ſetzlichen
Anwartſchaften gewährleiſtet ſind. Darunter
fallen auch alle Lehrerinnen und Erzieherinnen, insbeſon=
dere
auch Kindergärtnerinnen, Muſiklehrerinnen uſw., ſo=
fern
die gedachten Vorausſetzungen zutreffen. Somit ſind
jetzt die Wünſche weiter Kreiſe der Privatlehrer und
elehrerinnen in vollem Umfange erfüllt, und es ſteht auch
ihrem nachträglichen Beitritt zur Penſionsanſtalt kein
Hindernis mehr entgegen.
Die Gehälter der mittleren und
unteren Poſtbeamten. In der letzten Sitzung des
Bundesrats wurde, wie der Berliner Lokal=Anzeiger
hört, auch dem vom Reichstag angenommenen Antrage
über die Erhöhung der Gehälter der mittleren und un=
teren
Poſtbeamten die Zuſtimmung erteilt.
Nach jenem Antrage ſollen die Gehälter in Klaſſe 5
(Wohnungsgeldtarif 6), Unterbeamte der Schaffnerklaſſe,
1200, 1290, 1380, 1470, 1560, 1720, 1800 Mark in 21 Dienſt=
jahren
betragen; in Klaſſe 6b (Wohnungsgeldtarif 6), Un=
terbeamte
beim Poſtmuſeum, beim Telegraphenverſuchs=
amt
, bei den Oberpoſtdirektionen 1300, 1390, 1480, 1560,
1640, 1720, 1800 Mark. In einer neue Klaſſe 23a ( Woh=
nungsgeldtarif
5) werden folgende mittleren Beamte ein=
bezogen
: 1. Bureaubeamte 2. Klaſſe bei der Reichs=Poſt=
und Telegraphenverwaltung; 2. Lagerverwalter und Bau=
ſchreiber
bei der Reichspoſtverwaltung; 3. Oberpoſtaſſi=
ſtenten
, Obertelegraphenaſſiſtenten, Poſtaſſiſtenten, Tele=
graphenaſſiſtenten
, Poſtverwalter, deren Gehalt wird dem=
nächſt
betragen: 1800, 2100, 2300, 2350, 2600, 2850, 3100,
3350, 3600 Mark. Mit dem 1. Oktober ds. Js. treten dieſe
Gehaltserhöhungen in Kraft. Für die Poſtboten war in
Form einer Reſolution geſorgt worden. Dieſe ſollten
künftig anfänglich mindeſtens 2.20 Mark (bisher 2 Mark)
erhalten, aufſteigend bis 3,50 Mark, je nach den Ortsver=
hältniſſen
, und dann jährlich um 0,10 Mark den Tag auf=
gebeſſert
werden, ſo daß ſie nach zehnjähriger Dienſtzeit
mindeſtens 3,20 Mark bezw 4,50 Mark Tagelohn erhalten.
Es iſt anzunehmen, daß die verbündeten Regierungen
auch dieſer Form zuſtimmen werden.
Der württembergiſche Landtag und
die neuen Reichsſteuern. Die neuen Reichs=
ſteuern
haben bereits die zurzeit noch tagende Zweite
Kammer beſchäftigt. Das Geſetz über den einmaligen
Wehrbeitrag beſtimmt in § 31, daß als Einkommen im
Sinne dieſes Geſetzes das auf Grund der Landeseinkom=
menſteuergeſetze
feſtgeſtellte ſteuerpflichtige Einkommen zu
gelten habe. Der demokratiſche Abgeordnete Lieſching
wies darauf hin, daß auf Grund dieſer Beſtimmung der
württembergiſche Steuerzahler ſtärker zum Wehrbeitrag
herangezogen würde, als z. B. der preußiſche, da das

württembergiſche Einkommenſteuergeſetz das Einkommen
aus dem Waldbeſitz und dem Spekulationsgewinn kräf=
tiger
erfaſſe als das preußiſche Geſetz. In Württemberg
werde überhaupt die Veranlagung zur Einkommenſteuer
mit ganz beſonderer Strenge durchgeführt. Lieſching gab
der Befürchtung Ausdruck, daß Württemberg bei der Er=
hebung
des Wehrbeitrages den anderen Bundesſtaaten
gegenüber erheblich benachteiligt werde, und ſchlug des=
halb
vor, noch vor dem 31. Dezember 1913 eine Aenderung
in den genannten beiden Punkten eintreten zu laſſen.
Finanzminiſter v. Geßler glaubte eine Aenderung inner=
halb
der kurzen noch zur Verfügung ſtehenden Friſt nicht
in Ausſicht ſtellen zu können. Den Ausfall an Einnah=
men
, den Württemberg durch Uebergang der Verſiche=
rungsſporteln
und des Geſellſchaftsſtempels an das Reich
und durch Verminderung des Anteils an der Reichserb=
ſchaftsſteuer
erleiden wird, ſchätzte der Miniſter auf etwa
1½ Millionen Mark. Um ſo mehr wurde aus der Mitte
des Hauſes auf die baldige Einbringung eines Ver=
mögensſteuergeſetzes
gedrängt, das die zu erwartenden
Ausfälle decken ſoll. Der Finanzminiſter ſteht auf dem=
ſelben
Standpunkt; auch er glaubt, daß Württemberg ſo
raſch wie möglich eine eigene Vermögensſteuer einführen
müſſe. Die Reichsvermögenszuwachsſteuer werde man
ertragen müſſen und können; ſie dürfe ſich aber nicht aus=
wachſen
zu einer Reichsvermögensſteuer. In ähnlichem
Sinne hat ſich auch der Miniſterpräſident v. Weizſäcker in
der Erſten Kammer ausgeſprochen.

Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.

Die Einſetzung eines Kommiſſariats in
Böhmen. Miniſterpräſident Graf Stürgkh empfing im
Beiſein des Miniſters des Innern, Freiherrn v. Heinelt,
eine Abordnung der deutſch=böhmiſchen Abgeordneten,
die ihm die Beſchlüſſe der Vollverſammlung zur Kenntnis
rachten. Dabei erklärte Graf Stürgkh, einem ausgege=
benen
Communiqué zufolge, daß die Regierung den
Zwang zur Einſetzung einer Kommiſſion und zu den da=
mit
verbundenen Verfügungen erſt in dem Augenblick als
gegeben erachte, wo der Landesausſchuß nicht mehr vor=
handen
ſei.

Schweiz.

Reviſion des Zolltarifs. Im Hinblick auf
den 1917 zu erwartenden Ablauf der ſchweizeriſchen Zoll=
verträge
hat der Bundesrat beſchloſſen, eine Reviſion des
Generalzolltarifs vorzunehmen. Die Aenderungen ſollen
ſich auf das Nötigſte beſchränken.

Frankreich.

Die Militärdebatten in der Kammer.
Die Kammer ſetzte die Beſprechung der Interpellation
über die Zwiſchenfälle in den Kaſernen im Mai fort.
Der Sozialiſt Sixte=Quenin verband damit einen
heftigen Angriff gegen den Kriegsminiſter, dem er vor=
warf
, im Jahre 1870 keine Kriegsdienſte getan zu haben
und Vorkämpfer für die Kolonialpolitik zu ſein, die ſowohl
Menſchen wie Geld verſchlinge. Er erhob ferner den Vor=
wurf
, in den Kolonien ſeien große Konzeſſionen erteilt
worden, von denen Kriegsminiſter Etienne direkten Vor=
teil
gehabt habe. Als Kammerpräſident Deschanel den
Redner verhindern wollte, eine Schrift zu verleſen, in der
von Etienne die Rede iſt, trat der Kriegsminiſter für die
Verleſung dieſer Broſchüre ein, welche davon ſpricht, daß
Etienne im Jahre 1898 der Verwaltung einer Kolonial=
geſellſchaft
angehört habe. Etienne erklärt, während mehr
als drei Jahren habe er ſeine ganze Kraft und ſeine
ganze Energie kolonialen Fragen gewidmet. Er gebe
auch zu. drei Monate hindurch Leiter einer Kolonialgeſell=
ſchaft
geweſen zu ſein, aber niemals habe er an einem
Grundſtücksverkaufsgeſchäft teilgenommen. Als Sixte=
Quenin ſeine Angriffe fortſetzte, erklärte Etienne: Wenn
Sie die Politik auf das perſönliche Gebiet hinüberſpielen,
werden wir auf Ihre Streiche antworten und weitergehen.
Die äußerſte Linke ſpringt auf und ſchleudert Etienne Be=
ſchimpfungen
entgegen, das Zentrum antwortet, indem
es auf die Pulte ſchlägt. Miniſterpräſident Barthou
unterbrach den Lärm und ſagte, zu der äußerſten Linken
gewandt: Bei Ihnen wechſelt Strenge und Nachſicht mit=
einander
. Auf Verlangen mehrerer Sozialiſten wieder=
holte
Kriegsminiſter Etienne zweimal ſeine letzten Worte.
Jaurés interpellierte und beſchuldigte die Regierung, dem
Lande eine Lage geſchaffen zu haben, die ebenſo bedenklich
ſei wie die im Jahre 1898. Ein Deputierter ſchrie Jaurés
zu: Daran ſind nur Sie ſchuld! Die Deputierten rufen
einander Beleidigungen zu. Jaurés fährt fort und wirft
der Regierung vor, ſie habe die öffentliche Meinung ver=
gewaltigen
wollen und mache in den Kaſernen Stimmung
für die dreijährige Dienſtzeit. Daraufhin las der Kriegs=

miniſter eines ſeiner Rundſchreiben vor, worin nur den
Offizieren empfohlen wird, ſoweit es die Diſziplin ge=
ſtatte
, den Soldaten näher zu treten, um ſo ſchlimme Zwi=
ſchenfälle
zukünftig zu vermeiden. Jaurés fragte an, was
denn der Tagesbefehl des Oberſten des 46. Infanterie=
Regiments bedeute, in welchem die Soldaten aufgefordert
ſeien, gegenüber der Haltung Deutſchlands die Notwendig=
eit
einer dreijährigen Dienſtzeit anzuerkennen. Kriegs=
miniſter
Etienne antwortete, eine Unterſuchung ſei einge=
leitet
worden. Jaurés ſchloß mit Proteſt gegen den Feld=
zug
, der in den Zeitungen gegen die Sozialiſten anläßlich
des Geſetzes über die dreijährige Dienſtzeit geführt werde.
Die Rechte wollte ihn unterbrechen, die Sozialiſten ſchlu=
gen
auf die Pulte. Neuer Tumult entſtand. In ſeiner
Antwort wies Barthou den Vorwurf Jaurés zurück. er
habe in der Frage der dreijährigen Dienſtzeit eine über=
ſtürzte
Initiative ergriffen. Die dreijährige Dienſtzeit ſei
vielleicht eine zu ſchnelle, aber notwendige Antwort. Zu
der Zurückhaltung der letzten Jahresklaſſe erklärte Bar=
thou
, er würde ſie gänzlich oder teilweiſe freilaſſen, wenn
man ihm die notwendigen Kräfte gäbe, der auswärtigen
Lage die Stirn zu bieten. Die Schuld für die Zwiſchen=
fälle
in den Kaſernen und die ſtrafbaren Handlungen ſeien
Manöver gewiſſer Organiſationen. Barthou lobte lebhaft=
den
Arbeiterſtand und wandte ſich heftig gegen die Propa=
ganda
jener Verbände, welcher den Bürgerkrieg und den
Aufſtand predigen. Er begreife nicht, wie Jaurés und
die Seinen ſich mit Gambetta und ſeinen Freunden ver=
gleichen
könnten, welche 1870 die nationale Verteidigung
der organiſierten Republik begründeten. Leute, welche
heute, wenn man ſich nicht dagegen vorſehe, das Vater=
land
zugrunde richten würden. (Lebhafter Beifall.) Jene
haben ein Recht auf unſere Bewunderung, ſchloß er, dieſe
ſind Verbrecher, welche ganz die Strenge des Geſetzes ver=
dienen
. (Langanhaltender Beifall im Zentrum, auf der=
Rechten und auf zahlreichen Bänken der Linken.)
Ein Antrag forderte den öffentlichen Anſchlag der
Rede Barthous. Der Antrag wurde mit 347 gegen 167
Stimmen angenommen. Darauf wurde die Sitzung auf
Freitag vertagt.
Die Koſten der neuen Militärvorlage. In
der Budgetkommiſſion der Kammer erklärte der Finanz=
niniſter
, daß Einſtimmigkeit darüber zu herrſchen ſcheine,
daß die Koſten für die neuen Militärausgaben den wohl=
habenderen
Klaſſen auferlegt würden. Er werde einen
Geſetzentwurf vorlegen, der auf einer durch äußere Merk=
male
korrigierten Schätzung der Verwaltung beruhe. Der
Geſetzentwurf würde ſich auf 220000 bis 240000 Steuer=
zahler
beziehen und könnte 100 Millionen einbringen.
Die Kommiſſion nahm einen Antrag an, der verlangt, daß
alle Ausgaben für die neuen Militärlaſten, mögen ſie
dauernd oder vorübergehend ſein, durch Abgaben auf das
Vermögen gedeckt würden.

Spanien.

Aus Spaniſch=Marokko. Miniſterpräſidenk
Graf Romanones deutete an, daß ein baldiger Frie=
densſchluß
in Spaniſch=Marokko zu gewärtigen ſei. An=
ſcheinend
verhandelt der ſpaniſche Konſul in Tanger mit
einem Freunde des Rebellenführers Raiſuli zwecks fried=
licher
Einwirkung auf die Aufrührer.

Rußland.

Militärgeſetzentwürfe. Die Reichsdume
nahm in geheimer Sitzung mehrere Militärgeſetz=Entwürfe
an, darunter einen über eine ſtrategiſche Bahn in Kau=
kaſien
von Olty nach Artwin.

* Die Nordlandreiſe des Kaiſers. Am
7 d. M. mittags verläßt der Kaiſer an Bord ſeiner Jacht
Travemünde, um am 8. zunächſt in Kuxhaven einzutreffen.
Der 8. Juli dürfte der Beſichtigung des aus Amerika in=
zwiſchen
heimgekehrten Imperator durch den Kaiſer ge=
widmet
werden. Am 9, wird dann von der Hohenzollern
von der Mündung der Elbe aus die Nordlandreiſe ange=
treten
, die zunächſt nach dem Hafen von Bergen führt.
Außer dem Sleipner (Kommandant Kapitänleutnant=
Konrad Albrecht) ſind für die Nordlandreiſe beſtimmt=
worden
: von den Aufklärungsſchiffen der Hochſeeflotte der
Kreuzer Kolberg der den Fregattenkapitän Widenmann
zum Kommandanten hat, und als Depeſchenboote die bei=
den
großen Torpedoboote § 128 und § 131 die von
den Kapitänleutnants Zander und Gerhard v. Zitzewitz
geführt werden. Die beiden Depeſchentorpedoboote ge=
hören
der dritten Flotille an, die zurzeit auf der Oſtſee=
ſtation
die Reſerveflotille vermehrt. Der Abſchluß der
Nordlandreiſe ſoll am Ende der erſten Auguſtwoche in=
Swinemünde erfolgen, wo vor dem Kaiſer dann Artillerie=
Schießübungen in See ſtattfinden werden.
* Haag, 4. Juli. Die Opiumkonferenz nahm
einſtimmig eine von Deutſchland, den Vereinigten Staa=
ten
von Nordamerika, Frankreich, England, den Nieder=
landen
und Rußland vorgeſchlagene Reſolution an, da=
hingehend
, durch diplomatiſche Vermittelung der nieder=

Die Pfychologie der Faulheit.

) Die Faulheit iſt eine Macht im Menſchenleben,
mit der wir uns, ſo gut es geht, abfinden müſſen; die
einen tun das mit gutem Humor, indem ſie ſie eine
Gottesgabe nennen, die man nur nicht mißbrauchen darf;
andere reden wohl von der Erbſünde, die ſeit Adams
Fall den Menſchen aus ſüßem Nichtstun immer wieder
zur Arbeit treibt. Aber der Begriff der Faulheit, mit
dem wir alle als mit einer nur allzu klaren Sache ope=
rieren
, umſchließt eine Fülle von pſychologiſchen Pro=
blemen
, mit denen ſich ein Aufſatz von Dr. Emile Tar=
dieu
in der Revue beſchäftigt. Iſt jedes ſcheinbar kräf=
tige
, aber zu ernſter Arbeit unfähige Individuum ein
Faulpelz? Nach der Definition, die der franzöſiſche Ge=
lehrte
von dieſer menſchlichen Untugend gibt, iſt der=
jenige
ein Fauler, der keine Anſtrengungen macht und
alles von einem plötzlichen Anſtoß erwartet. Zur wahren
Faulheit gehört aber auch noch, daß man im Nichtstun
einen Genuß empfindet. Iſt die Faulheit durch eine
körperliche Unfähigkeit hervorgerufen, dann wird man ſie
als Schwäche bezeichnen.
So laſſen ſich zwei große Unterabteilungen dieſer
Trägheit unterſcheiden: eine mehr körperliche aus phyſi=
ſcher
Unfähigkeit und eine mehr geiſtige aus Willens=
ſchwäche
. Beide ſind natürlich eng miteinander verknüpft
und wirken in dem, was mir meiſtens Faulheit nennen
häufig in engſter Weiſe zuſammen. Die mehr körperliche
Faulheit umſchließt jenes dumpfe Wohlgefühl der ge=
löſten
Glieder, jene läſſige Hingabe an den tieriſchen In=
ſtinkt
des Ruhens, wie man ihn in reinſter Form bei den
wilden Völkern findet. Alle Faulheit iſt eine Schwäche,

denn ſie widerſpricht dem im Menſchen wohnenden
Wunſch, ſich über das Körperliche hinaus zu erheben,
ſeine Kräfte zu vergrößern, ſeine Herrſchaft über die Um=
welt
auszudehnen. Der ſtumpf hinbrütende Nichtstuer
wird in jeder Sphäre einer höheren Kultur mit fort=
geriſſen
von dem allgemeinen, alles durchſtrömenden und
erregenden Element der Tätigkeit. So ſind denn die
Faulen im Geiſt unendlich viel zahlreicher, denn ein flei=
ßiger
Geiſt wird den Widerſtand des faulen Körpers
überwinden können. Um nicht faul zu werden, muß man
ein reiches Innenleben führen, muß ein Ideal und Leit=
ideen
haben. Faulheit erzeugt den unfruchtbaren Egois=
mus
, die nur an ſich ſelbſt denkende Faulheit, jene gleich=
gültige
Reſignation, die erſt der Tod jedes lebendigen
Wirkens iſt. So lange der Faule noch ſeine Untätigkeit
als ſchmachvoll und ſchmerzlich empfindet, kann er auch
noch gebeſſert werden.
Neben der Faulheit aus Schwäche gibt es auch noch
eine Faulheit, die auf dem Sinnenleben baſiert. Es han=
delt
ſich dabei um eine ziemlich geringe Entwickelung der
Sinnesempfindungen, um eine primitive Form des
Glücksgefühls. Die Tiere genießen die Faulheit rein
ſinnlich. Die Völker des Südens, die in der Sonne liegen
und die Gaben einer fruchtbaren Natur ohne Arbeit ge=
nießen
, leben in dieſem Zuſtande einer ſinnlichen Faul=
heit
, die mit einer großen Genügſamkeit, einer lachenden
Gleichgültigkeit gegen alles andere als den Genuß ver=
bunden
iſt. Nicht wie bei den aus Schwäche Faulen
liegt hier eine organiſche Unfähigkeit vor, ein Mangel an
Willen oder Kraft, ſondern die Energie bleibt unberührt
unter der wohligen Decke eines ſybaritiſchen Genießens.
Auch die geiſtig hochſtehenden Menſchen können dieſer
Wolluſt des Hinträumens, dieſer göttlichen Faulheit

verfallen; ſie iſt mächtig in dem buddhiſtiſchen Prieſter,
der ſich dem Nirvana ergibt, im Künſtler, der im alleini=
gen
Anſchauen des Schönen völlige Befriedigung findet.
Darum haben Dichter ſo oft das Lob der Faulheit ge=
ſungen
. Friedrich Schlegel in ſeiner Lueinde, Muſſet=
in
verzückten Verſen und Baudelaire in einem Gedicht,
in dem er von dem unendlichen Einwiegen des ſchwer
duftenden Müßigganges ſpricht. Der faule Künſtler
wird dann zum Bohemien, wie er ſich in dem Typus Ver=
laines
darſtellt, der zu jeder regelmäßigen Arbeit unfähig
war. So iſt die Faulheit ein ſüßes Uebel, das gerade die
genialſten Geiſter leicht befallen kann; aber ſie kann, wie
jede Krankheit, geheilt werden. Iſt die Urſache eine orga=
niſche
, etwa Neuraſthenie, dann wird der Nervenarzt die
rechte Behandlung einſchlagen. Man wird durch Ge=
wöhnung
und Uebung Muskeln und Nerven ſtärken, alle
Gifte, die das Nervenſyſtem gefährden, wie Tabak, Alko=
hol
und erſt recht Morphium oder Opium. vermeiden.
Aber auch den anderen Formen der Faulheit kann
man ſicher begegnen; durch Veränderung des Milieus, denn
das Dorf und die Stille ſchläfern die Sinne ein, während
die Großſtadt ſie aufpeitſcht und die Menſchen zur Tätig=
keit
zwingt; dann durch Umformung der Gemütsſtimmung,
indem man dem gleichgültig ſtumpfen Geiſte Liebe zum
Höheren, Glauben an ſich ſelbſt beibringt, indem man ihm
ſtatt des lähmenden Nihilismus eine optimiſtiſche Welt=
anſchauung
einflößt. Außerdem gibt es noch eine Fülle
kleinerer Mittel, um die Faulheit zu beſiegen; ſo die Ab=
kürzung
des Aufenthalts im Bett, eine ſtrenge Zeiteintei=
lung
nach militäriſcher Zucht, eine geregelte Tätigkeit,
von der ein äußerer Zwang ausgeht. Der Menſch kann
den Sieg über die Faulheit erringen, und er wird erſt da=
durch
zum wahren Menſchen werden.

[ ][  ][ ]

lländiſchen Regierung mit Unterſtützung der bereits unter=
eichneten
Mächte den Anſchluß derjenigen Staaten an die
Konvention von 1912 herbeizuführen, die ihr noch nicht
angehören. Das Schlußprotokoll wird für die nächſte
Sitzung redigiert werden.
* Brüſſel, 5. Juli. In der deutſchen Abtei=
lung
der Weltausſtellung zu Gent fand geſtern
abend ein offizielles Feſtmahl ſtatt, zu dem außer vie=
len
Ausſtellern aus Deutſchland die leitenden Perſönlich=
keiten
der Weltausſtellung erſchienen waren. Der Prä=
ſident
der Ausſtellung, Dr. Becker, gab bekannt, daß bis
jetzt in der Maſchinenhalle der Ausſtellung für Textil=
maſchinen
für 3 Millionen Mark Aufträge vorlägen. Der
belgiſche Reichskommiſſar, der bekannte Induſtrielle de
Hemptienne, ſagte, was an Textilmaſchinen in der deut=
ſchen
Maſchinenhalle ausgeſtellt ſei, habe auf Fachleute
großen Eindruck gemacht, da ſie die deutſche Induſtrie auf
dieſem Gebiete in bemerkenswertem Fortſchritt gefunden
hätten. Der Präſident des Komitees Staatsſekretär
Cooneman, erklärte, es hätte auf die belgiſchen maßgeben=
den
politiſchen und induſtriellen Kreiſe einen ſchmerzlichen
Eindruck gemacht, wenn die deutſchen Fahnen nicht auf
dem Ausſtellungsgelände in Gent geflattert hätten. Das
Feſt nahm einen anregenden und glänzenden Verlauf.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 7. Juli.
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Samstag den Apotheker Hempel
von Köln, den Profeſſor Lic. theol. Pfannmüller, Biblio=
thekar
an der Großh. Hofbibliothek, den Amtsgerichtsrat
Dr. Hoff von Groß=Gerau; zum Vortrag den Staats=
miniſter
v. Ewald, den Miniſter des Innern v. Hombergk
zu Vach, den Kabinettsſekretär Dr. Wehner.
* Audienz. Am Samstag mittag 12¾4 Uhr wurden
der neue preußiſche Geſandte am hieſigen Hofe, Frhr. von
der Lancken=Wakenitz, und der belgiſche Geſandte
mit dem Sitz in Berlin, Baron Beyens zur Ueber=
reichung
ihrer Beglaubigungsſchreiben vom Großherzog
in feierlicher Audienz empfangen. Die Geſandten wurden
in Galawagen vom Hotel zur Traube abgeholt und
fuhren ins Reſidenzſchloß woſelbſt nach der Audienz
Galatafel zu Ehren der Geſandten ſtattfand. Die Tafel=
muſik
ſtellte die Kapelle des Feld=Artillerie=Regiments
Nr. 61 unter Obermuſikmeiſter Weber.
* Beſtätigt wurde der von dem Herrn Fürſten zu
Iſenburg und Büdingen in Birſtein auf die erledigte
zweite Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Dreieichen=
hain
, im Kreiſe Offenbach, präſentierte Lehrer Ferdinand
Hitzeroth zu Maibach, Kreis Friedberg, für dieſe
Stelle.
* Ernannt wurde die Gefangenwärterin am Pro=
vinzialarreſthaus
in Mainz Luiſe Krautmacher zur
Gefangenaufſeherin an dieſer Anſtalt mit Wirkung vom
1. Auguſt 1913.
* Erledigte Stelle. Die mit einem evange=
liſchen
Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu Nieder=
Kainsbach. Das Präſentationsrecht ſteht dem Herrn
Grafen zu Erbach=Erbach zu.
D Ausſtellung: Das Kind in den erſten Lebens=
jahren
Wie wir hören, wird die Wanderausſtellung der
Großh. Zentrale für Mutter= und Säuglingsfürſorge in
den nächſten Tagen in den Räumen der landwirtſchaft=
lichen
Winterſchule im alten Hoftheater eröffnet wer=
den
. Sie bringt im engſten Rahmen eine Zuſammen=
ſtellung
aller Gegenſtände, die zur Pflege und Ernährung
des Säuglings notwendig ſind: Wäſche, Flaſchen, Sau=
ger
, geeignetes und ungeeignetes Spielzeug uſw. Die
ausgeſtellten Gegenſtände ſind alle in der Praxis erprobt
und mit geringen Koſten zu beſchaffen, ſo daß die kleine
Wanderausſtellung für alle Kreiſe der Bevölkerung von
Intereſſe ſein wird. Sachverſtändige Führungen werden
eingerichtet. Der Termin der Eröffnung wird noch in
der Preſſe bekannt gegeben werden.
** Von der Erdbebenwarte Jugenheim wird uns mit=
geteilt
: Am 1. Juli früh 6.26 Uhr wurde durch den
Seismographen der Station eine ſchwache Erder=
ſchütterung
aufgezeichnet, die von vielen Beobachtern
in Jugenheim, Bickenbach, Alsbach und See=
heim
als ein mit donnerähnlichem Geräuſch verbundenes
Erzittern des Erdbodens, wie von einer Exploſion oder
Sprengung herrührend, wahrgenommen wurde. Es han=
delt
ſich ſcheinbar um eines jener kleinen tektoniſchen Beben,
die im Rheintal oder den angrenzenden Gebirgen von Zeit
zu Zeit ausgelöſt werden. Um die Grenzen des Zitter=
gebietes’für
dieſes örtliche Erdbeben zu erfahren, wird
gebeten, Nachrichten an die Erdbebenwarte Jugenheim
per Poſtkarte gelangen zu laſſen, wie und in welcher Weiſe
der Erdſtoß verſpürt wurde.

Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 28. Juni l. J. männ=
lich
9642, weiblich 6541, zuſ. 16 183, in Prozenten 59,59,
41,41. Der Krankenſtand betrug am 28. Juni l. J.
männlich 414, weiblich 274, in Prozenten 4,29, 4,19
(1912: 3,90, 3,98). An Krankengeld wurden aus=
gezahlt
in der Woche vom 23. Juni bis 28. Juni I. J.
5787,85 Mk. (1912: 4963,85 Mk.) An Wöchnerinnen
waren vorhanden am 28. Juni 1. J. 31. Sterbe=
fälle
kamen vor in der Woche vom 23. Juni bis
28. Juni l. J. 2.
* Unſere Bilderauslage bringt ab heute eine Anzahl
Porträts vom Tage: der Kaiſer in Hagenbecks Tierpark
zu Stellingen, Brindejonc in Kopenhagen, die Reichstags=
ſitzung
vom 30. Juni, in der die Wehrvorlagen angenom=
men
wurden.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 5. Juli.

Butter, ½ kg . 1,40 M.
i. Part., ½ kg 1,25 M
Eier, Stück
9 Pf.
Schmierkäſe, ½ Lit. 20 Pf
Handkäſe, Stück 410 Pf
Kartoffeln, alte, Ztr. 2,75-3 M.
Kumpf (10 Liter) 50 Pf
neue hieſige, ½ kg 67 Pf
Italiener, ½ kg 78 Pf
Malteſer, ½ kg 1516 Pf.
Eierſchwämme, ½kg20-25 Pf.
Obſt u. dergl.:
Kirſchen, ½ kg 4560 P
Sauerkirſchen, ½kg 40-45 Pf.
Zitronen, Stück . 67 Pf
60 Pf.
Aprikoſen, ½ kg
Apfelſinen, Stück 710 Pf.
70 Pf.
Pfirſiche, ½ kg.
Türk. Kirſchen, ½ kg 40 Pf
Ananaserdbeeren,
½ kg
5570 Pf.
Wald=Erdbeeren,
Schoppen . . 4045 P
Himbeeren, ½ kg 5055 Pf.
Johannisbeeren,
2425 Pf
½ kg
Stachelbeeren, Schopp. 20 Pf.
Heidelbeeren, Schopp. 16 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück . 56 P
Rhabarber ½ kg 1215 Pf
Bohnen, ½ kg . . 40 Pf
Radieschen, Bündel 23 P
Rettiche, Stück . 510 Pf
Meerrettich, Stück . 30 Pf
Roterüben, Bündel 14-15 Pf
Zwiebeln, ½ kg 810 Pf.
Tomaten, ½ kg 2030 Pf.
Spinat, ½ kg . . 30 Pf.
Weißkraut, neu, St. 20-40 Pf.
Rotkraut, neu, Stück 40 Pf.

Blumenkohl, Stück 1050 Pf.
Wirſing, Stück 1030 Pf.
Saubohnen, ½ kg 20 Pf.
Römiſch=Kohl, ½ kg 23 Pf.
Kohlrabi, Stück . 56 Pf.
Gurken, Stück 2040 Pf.
Einleggurken, Stück 68 Pf
Gelberüben, Bündel 68 P
Zuckererbſen, ½ kg 30-35 Pf.
Geflügel, Wildbret:
. 1 M
Gänſe, ½ kg
Enten, Stück 3,504,50 M.
Hahnen und Hühner,
Stück . . 1,502,50 M.
Tauben, Stück 6070 Pf.
Fiſche:
90 Pf
Hecht, ½ kg
11,20 M.
Aal, ½ kg
Karpfen, ½ kg 8090 Pf.
Andere Rheinfiſche,
½ kg. . . . 4050 Pf.
Rotzungen, kg . 60 Pf.
60 Pf.
Schollen, ½ kg
& . 35 Pf.
Kabeljau, 1
Schellfiſche, ½ kg 35 Pf
kleine, ½ kg 2025 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
Rehfleiſch, ½ kg 0,40-1,40 M.
Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
Hackfleiſch, ½ kg 76 Pf.
Rindsfett, ½ kg . 56 Pf.
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Kalbfleiſch, ½ kg . 90 Pf.
Schweinefleiſch, ½ kg 80 Pf.
Geſalzenes und Koteletts,
. 90 Pf.
kg . .
Schwartemagen u. Fleiſch=
wurſt
, ½ kg . . 80 Pf.
Leber= und Blutwurſt,
70 Pf
½ kg

Gernsheim, 5. Juli. Einen gewiß ſeltenen
Wohnſitz hatte ſich ein Schwalbenpärchen in
hieſiger Gemeinde ausgeſucht. Die Tierchen flatterten an
einem warmen Frühlingstag alsbald nach ihrer Ankunft
hier zum offenen Fenſter in die Kantine der chemiſchen
Fabrik herein und ließen ſich ungeniert auf dem großen
Schirm der elektriſchen Stubenlampe nieder. Dort er=
bauten
ſie trotz des tagtäglich ſich wiederholenden leb=
haften
Verkehrs und Treibens ihr Neſt und beſorgten
ſpäter daſelbſt ungeniert ihr Brutgeſchäft. Jetzt ſchauen
vier nahezu flügge Jungen von ihrem hohen, hell er=
leuchteten
Wohnſitze herab auf die rückſichtsvoll ſie ſcho=
nenden
Menſchenkinder. Das grelle Licht ſtört die zu=
traulichen
Tierchen nicht im geringſten, ſo urplötzlich es
auch ſtets ihr ſonſt ſo dunkles Daſein beleuchtet.
T Dieburg, 5. Juli. Metzgermeiſter Mohrhard.
von Semd, der in Dieburg mit ſeinem Hundefuhrwerk
Fleiſch holte, wurde von ſeinem Bernhardiner Zughund
dermaßen in beide Arme gebiſſen, daß ärztliche Hilfe
in Anſpruch genommen werden mußte. Herr Mohrhard
wurde per Wagen nach Hauſe gebracht. Der Hund hatte
ſolche Wutanfälle, daß er heute morgen todgeſchoſſen wer=
den
mußte.
* Offenbach. 5. Juli. In dem geſtrigen Bericht über
die B. D. A.=Sitzung hat ſich ein ſinnſtörender Schreib=
fehler
eingeſchlichen, es ſoll natürlich nicht heißen, mehr
als bisher zu ernſtlichem Vorgehen in Kunſtfragen zu=
ſammenführen
, ſondern zu einheitlichem Vor=
gehen
.

Mainz, 5. Juli. Auf dem Feldbergplatz iſt jetzt an
einer mit feinem Geſchmack gewählten Stelle in getreuer
Nachbildung ein Teil der Jupiterſäule als
Gartenſchmuck aufgeſtellt worden. Den unteren Teil bildet
eine Trommel der Säule, darüber iſt, für die Aufnahme
einer Hängepflanze beſtimmt, eine ebenfalls nach einem
Vorbilde im Altertumsmuſeum der Stadt Mainz befind=
liche
Vaſe gebildet. Das Ganze iſt im Atelier des Bild=
hauers
Däſem=Mainz in Kunſtſtein hergeſtellt, woſelbſt
auch ſchon, ebenfalls zu Gartenſchmuckzwecken, in gleicher
Weiſe andere Teile der Säule angefertigt wurden. Ein
am Feldbergplatz wohnender Herr hat die hübſche Nach=
bildung
der Stadt Mainz zum Geſchenk gemacht.
Eine üble Erfa hrung machte vor einigen Tagen
beim Paſſieren der Grenzreviſion zu Emmerich der
altangeſehene Schiffer Jak. W. Er hatte ſage und
ſchreibe drei Schachteln Streichhölzer (alte
Sorte) zum eigenen Gebrauch von Holland mitgebracht,
die er friedlich im Schränkchen ſtehen hatte. Eine der
Schachteln war angebrochen. Auf der Mundvorrat= Dekla=
ration
hatte er, ganz ahnungslos, die Streichhölzer nicht
aufgeführt. Der revidierende Zollbeamte brachte ihn
zur Anzeige und er mußte wegen Schmuggelverſuchs
11,20 Mark an Zoll und Strafe erlegen.
Gießen, 5. Juli. Der Immobilienmakler Roſen=
thal
und ſein Schwager, der Prokuriſt Wilhelm Bär=
mann
, die ſich der Untreue und des Betruges, ſowie
der Unterſchlagung ſchuldig gemacht haben, und unter Zu=
rücklaſſung
einer Schuldenlaſt von 250000 Mark anfangs
Mai nach der Schweiz geflüchtet waren, find jetzt
hier eingeliefert worden, nachdem der gegen ihre
Auslieferung erhobene Proteſt von den Schweizer Behör=
den
verworfen worden war.
Bad Nauheim, 4. Juli. Die Amerikaniſche
Kolonie feierte das Jubiläum der Unabhängigkeits=
erklärung
. Die Kur= und Badegebäude trugen Flaggen=
ſchmuck
, ebenſo verſchiedene Hotels und Privathäuſer.
Ein Feſtmahl vereinigte die Amerikaner mit ihren Freun=
den
. Von ſeiten der Kurverwaltung findet heute abend
Feſtkonzert und Feſtball ſtatt, wenn die Witterung es er=
laubt
, auch Feuerwerk und Beleuchtung.
D Bad Nauheim, 5. Juli. Bis zum 3. d. M. ſind
18 105 Kurgäſte angekommen, wovon an genanntem
Tage noch 6473 anweſend waren. Bäder wurden bis zu
dem gleichen Tage 214166 abgegeben.
Hungen, 5. Juli. Zu dem Bericht über die Spar=
und Leihkaſſe wird mitgeteilt: Es iſt unrichtig, daß
der Jahresüberſchuß der Kaſſe einen Betrag von 15 225 M.
für 1912 ergibt. Laut Bilanzveröffentlichung ſetzt ſich die=
ſer
Betrag aus dem ſogenanten Gewinnſaldo einſchließlich
der Jahreserübrigung aus 1912 zuſammen. Der erſtere
beſteht aus Rücklagen in vergangenen Jahren, und beträgt
10 397,76 Mark, der letztere, d. i. der wirkliche Reingewinn
für 1912, 4826,54 Mark, ſo daß alſo vielleicht behufs Ver=
teilung
an die Genoſſen und zur Ueberweiſung an den Re=
ſervefonds
in Summa 15225,30 Mark zur Verfügung
ſtehen. Einen ſolch hohen Betrag aber bei einem Umſatz
von 1700000 Mark in einem Jahre zu erübrigen, iſt
einem Inſtitute, das das Geldbedürfnis auf dem Lande
befriedigen, gemeinnützig wirken will und ſich deshalb
mit einem ganz geringen Nutzen begnügt, unmöglich. Fer=
ner
iſt es unrichtig, daß eine Umwandlung der Spar= und
Leihkaſſe aus einer G. m. b. H in eine ſolche mit b. H.
beabſichtigt ſei. Es iſt dies bis jetzt weder von irgend
einer Seite beantragt, noch von dem Vorſtand oder Auf=
ſichtsrate
beabſichtigt.
Lauterbach, 4. Juli. Ein tödlicher Unfall trug
ſich in Rimbach auf dem gräflichen Gute zu. Der polniſche
Arbeiter Michenitſch geriet unter den ſchwerbeladenen
Wagen, der ihm den Leib zerquetſchte. In dem Kranken=
haus
ſtarb er bald darauf.
Angersbach (Kreis Lauterbach), 5. Juli. Es liegen
in unſerer Gemarkung und zwar in der Gegend des Hei=
nig
Felsblöcke von zum Teil bedeutendem Umfang
vielfach zutage hier Feuerwacken genannt, ſehr harte,
quarz= oder kalkähnliche Steine, welche bislang den ſteten
Verdruß des Landmanns bildeten, da ſie manchmal mitten
im Kulturlande liegen und infolge ihrer Größe und be=
deutenden
Härte der Beſeitigung ſpotteten. Da kommt
jetzt mit einem Male den Grundbeſitzern unerwartete
Hilfe. Die Induſtrie hat ſich nämlich der Sache bemäch=
tigt
, man will die ſeither unnützen Steine des Anſtoßes
verwerten und zwar zu einem nicht gewöhnlichen Zweck;
ſie ſollen zuerſt zerkleinert werden und in der Hütten=
induſtrie
Verwendung finden zu Schmelztiegeln, feuer=
feſten
Einbauten u. dgl. Eine rheiniſche Großfirma hat
in den letzten Tagen umfangreiche Geländeankäufe und
Pachtungen vorgenommen zu dem Zweck, die Feuerwacken
abzubauen. Damit iſt vielen hieſigen Einwohnern loh=
nender
Verdienſt in Ausſicht geſtellt neben der ſehr gün=
ſtigen
Veräußerung der Grundſtücke. Wann der Betrieb

Feuilleton.

* Ueber Bad Nauheim finden wir in dem Berl. Lokal=
anzeiger
folgenden hübſch geſchriebenen Aufſatz ſeines
Spezialkorreſpondenten: Die neu eingerichteten ſtädtiſchen
Automobilfahrten, die den Taunus durchqueren, führen
uns in ſchneller Fahrt hinüber nach Nauheim dem
weltberühmten Endglied der Bäderkette im quellenreichen
Becken zwiſchen Taunus und dem Vogelsberg. Nach dem
Beiſpiel der Zarin hatte die Kaiſerin im Vorjahre ihre
Kur in Nauheim gebraucht, die ſie diesmal bequemer in
Homburg fortſetzen wird, wo ihr das Schloß zur Ver=
fügung
ſteht. Während hier die ernſthaft Leidenden nicht
ſo ſehr nach außen hin hervortreten, begegnen wir in
Nauheim überall dem müden Wanderer, dem das Lang=
ſamgehen
vom Arzt zur Pflicht gemacht wird. Aus aller
Herren Länder ſtrömen die Kranken zu dieſen Quellen.
Auf der Promenade klingen die Sprachen der ganzen
Welt. Der Aufſchwung des Kurortes iſt faſt ohne Bei=
ſpiel
in der Bädergeſchichte. Der heſſiſche Staat, dem die
Quellen gehören, hat erſtaunliche Opfer gebracht. Er war
ſich ſeiner Pflicht, dieſen Segen der gütigen Natur der
Menſchheit nutzbar zu machen, bewußt, denn die Kapitals=
anlage
bleibt bei den vielen Zufälligkeiten des Bäder=
betriebes
nicht ohne weiteres ein großes Geſchäft. Durch
das große Reformprogramm der letzten Jahre iſt nicht
nur eine Anzahl Badehäuſer, ſondern geradezu eine
monumentale Badeſtadt geſchaffen worden. Der einheit=
liche
Generalplan hat mit einem Aufwande von zehn
Millionen alles das ausgeführt, was für die Zukunft
eines Weltbades von Bedeutung war. Die heſſiſchen Ab=
geordneten
, die im vorigen Monat Nauheim beſuchten,
waren voll der Anerkennung über die großartigen Leiſt=
ungen
. Auch auf dem Gebiete der Gartenkunſt iſt viel
geſchehen. Mit dem Aufſchwung des Bades galt es, das
Kurterrain zu erweitern und den herrlichen alten Park
durch waldartige Anlagen mit dem Hochwald, dem
Frauenwald, zu verbinden. Allmählich wurde Stück um
Stück aufgeforſtet; der Ring iſt jetzt geſchloſſen. Eine
Rundfahrt vermittelt den Schwachen den Genuß der köſt=

ichen Waldluft. Neue Landerwerbungen für den Kur=
park
, die größte aller Anlagen Deutſchlands, ſteht in Aus=
ſicht
. Ein ungewöhnliches Maß techniſcher Arbeiten iſt
rach den verſchiedenſten Richtungen hin auf Bad Nau=
heim
vom Staate verwendet worden.
Es iſt ein großer Stil in dieſen Plänen des heſſiſchen
Fiskus, die freilich durch den internationalen Maſſenbe=
ſuch
erklärt werden. Wenn andere Bäder noch tief im
Winterſchlafe liegen, ſetzt hier die Kur, die zu keiner Zeit
ganz ausgeſchaltet wird mit voller Macht ein. Der pri=
vate
Unternehmungsgeiſt paßt ſich dieſer ſchnellen Ent=
wickelung
an. Die Bauluſt ſcheint ein wenig befriedigt;
glänzende Hotels entſtanden mit Rückſicht auf die weit=
gehenden
Anſprüche der vornehmen Welt. Eine elektriſche
Bahn nach dem waldreichen Johannisberg iſt in Vor=
bereitung
. Da es in Nauheim keinen Stillſtand gibt, wird
auch vielleicht die ſtädtiſche Straßenreinigung von dem
Fortſchritt ein wenig profitieren. Am Abend herrſcht
auf der Kurterraſſe, die zu klein geworden iſt für das
bunte Gewühl, ein feſtliches Treiben. Im Schneckentempo
ſchiebt ſich die Menge vorwärts. Geſunde und Patienten
ſind nicht zu unterſcheiden. Der Flirt iſt groß. Wozu
vären ſonſt die Nauheimer Heilbäder da? Ach, die
Herzen ſind es wieder!
* Schönheit der Frauenhände. Vor kurzem veröffent=
lichte
ein ruſſiſcher Journaliſt eine amüſante Studie‟
über die Schönheit von Frauenhänden, deren Hauptſtellen
wir dem Hannoverſchen Courier entnehmen und auch un=
ſeren
Leſern nicht vorenthalten möchten: Die Chineſinnen
beſitzen ſehr ſchöne Hände, ihre Finger ſind ſchmal, nicht
knochig und ſo weich wie Samt. Nur die Nägel der lin=
ken
Hand ſind etwas lang. Jüdinnen haben auch ſchöne
Hände, obwohl die Knochen zu weich ſind und ſich in=
folgedeſſen
das letzte Glied nach außen biegt. Die Ha
remsdamen haben dicke Finger, die weich wie kleine Würſte
ſind, und ihre Nägel ſind auf geradezu lächerliche Art und
Weiſe bearbeitet. . Amerikanerinnen haben dem Aus=
ſehen
nach ſchöne Hände, die aber bei der Berührung ſehr
hart ſind. Der Handrücken iſt leicht gerötet und das In=
nere
durch den Svort verhärtet. Viele haben ſogar harte

Hornhaut. Die Deutſchen haben häßliche Hände, die
Engländerinnen ſind nicht viel beſſer daran, und die Hand
der Italienerin iſt klein, aber ſchmutzig. Ruſſinnen und
Franzöſinnen haben im allgemeinen kleine, bisweilen ſo=
gar
zu kleine Hände: es wäre das ihr einziger Fehler,
wenn ſie nicht außerdem noch mit unnützen Ringen be=
laden
wären. Die Hände der Spanierinnen ſind von
geradezu klaſſiſcher Schönheit und ihre Bewegungen un=
vergleichlich
. Ob ſie den Fächer oder die Zigarette halten,
ob ſie den Rock ſchürzen oder die Mantille umlegen, immer
beſeelt ſie eine unendliche Grazie. Nur Spanien kann ſich
würdig ſeiner Hände bedienen.
* Das koſtſpielige Nichts Im Matin erzählt Clément
Vautel: In der Rue de Richelieu gewahre ich eine nach
der Mode von morgen gekleidete Dame. Die Mode von
morgen iſt bekanntlich die neueſte Mode. Die elegante
Paſſantin iſt in ein Gewand von einer entzückenden
Freigiebigkeit der Linienführung gehüllt; ſie trägt ſozu=
ſagen
ein Décolleté grande peau‟ Die Arme ſind bis
zum Ellenbogen frei von Verhüllung, der Reſt der Glieder
erſcheint unter einer entzückend diskreten Andeutung von
durchſichtigen Spitzen. Aber wenn die Bekleidung des
Oberkörpers auch erſt ſpät beginnt, ſo hört der Rock doch
um ſo früher auf und iſt auch an der Seite bis zum Knie
hinauf geſchlitzt. Die tabakfarbenen Strümpfe ſind kühn
durchbrochen. Ein Windhauch umſchmeichelt an der
Straßenecke die holde Erſcheinung: und nun zeichnet ſich
alles ab, modelliert ſich wie die Formen jener alten grie=
chiſchen
Göttinnen unter lichten Gewandungen. Die ſchöne
Paſſantin, die dem Bürgerſteig ein ſo reizvolles und
äſthetiſches deminu zur Schau ſtellt, iſt eine brave Bür=
gerin
, eine ſehr ehrenhafte Frau, der ſelbſt die allerbeſten
Freundinnen nichts nachzuſagen wiſſen. Das iſt die Mode
dieſes Jahres des Heils. Am vorletzten Sonntag, bei dem
Grand=Prix, wetteiferten die Schönen an Kühnheit. Und
niemand hat dieſe Kühnheit erſchreckt. Nichts iſt an=
ſteckender
als die Mode; und ſo kommt es, daß die an=
ſtändigen
Frauen und ſogar auch die anderen ihre Schnei=
der
ſo teuer bezahlen, um nichts anzuziehen zu haben.

[ ][  ][ ]

des Steinbruchs eröffnet wird, ſteht noch nicht feſt, ſicher
wohl nicht vor endgültiger Geſtaltung der hieſigen Bahn=
hofsverhältniſſe
, die ſehnlichſt herbeigewünſcht wird.

Die Einweihung der Wormſer Sparkaſſe.

* Worms, 4. Juli. Am Tage ihres 75jährigen Jubi=
läums
konnte die Städtiſche Sparkaſſe ihr neues Heim an
der Moltkeanlage beziehen, nachdem ſchon lange für das
aufſtrebende Inſtitut die alten Räume völlig unzulänglich
geworden waren. Aus der kleinen Städtiſchen Sparkaſſe
hat ſich in den letzten zehn Jahren unter der Leitung des
finanztechniſch hervorragenden Bürgermeiſters Dr. We=
vers
ein großzügiges Geldinſtitut entwickelt, das in ſchar=
fen
Wettbewerb mit anderen Bankgeſchäften treten kann.
Die Städtiſche Sparkaſſe hat zugleich einen Umſatz von 86
Millionen, ein Einlagekapital von 37 Millionen und einen
Reſervefonds von 5 bis 6 Millionen Mark. Zur Ein=
weihung
des neuen Hauſes hatten ſich eine große An=
zahl
Herren eingefunden, die ſich im Lichthof zu einer
ſtimmungsvollen Feier verſammelten. Nach einer Ouver=
türe
der Militärkapelle begrüßte Oberbürgermeiſter Köhler
die Gäſte und gab der Freude Ausdruck, eine
Doppelfeier begehen zu können: Die Einweihung des
neuen Sparkaſſengebäudes und der 1. Wormſer Gemälde=
galerie
, die im Obergeſchoß des Gebäudes Platz finden
ſoll.
Die Feſtrede hielt Bürgermeiſter Dr. Wevers. In
prächtigen Worten ſchilderte er die Entwickelung der Spar=
kaſſe
und entwarf ein Zukunftsprogramm, das die Spar=
kaſſe
verwirklichen will: Beleihung 2. Hypotheken. Ein=
führung
des Kontokorrentverkehrs, Flüſſigmachung von
Geldern für lebhaftere Bautätigkeit, Erſtellung kleinerer
Wohnungen uſw. Auch in Zukunft wird die Sparkaſſe wie
bisher beſtrebt ſein, der Stadt Mittel zuzuführen. Im
Namen der heſſiſchen Regierung begrüßte Geheimerat
Beſt. Den Schluß der Anſprachen machte Stadtbaurat
Metzler, nach deſſen Plänen das herrliche Gebäude auf=
geführt
iſt. Die neue Sparkaſſe iſt in der Art der Bank=
gebäude
aus Weinſandſtein erbaut. In den beiden Ober=
geſchoſſen
befinden ſich hochherrſchaftliche Wohnungen, in
der Nordflucht die neue Wormſer Gemälde=
galerie
. Sie iſt als eine Galerie für heſſiſche Maler
und für heſſiſche Bilder gedacht. Zwei Prachtgemälde des
heſſiſchen Landmanns Eugen Bracht hat die Stadt erwor=
ben
. Zurzeit befinden ſich in der Galerie eine Reihe leih=
weiſe
vom Muſeum in Darmſtadt überlaſſener Bilder und
eine Wanderausſtellung des 90jährigen in Leipzig leben=
den
heſſiſchen Malers Paul Weber. Die Koſten des
ganzen Gebäudes mit allen Nebenanlagen belaufen ſich
ſauf etwa 430000 Mark, für die innere, zum Teil ver=
ſſchwenderiſche
, Ausſtattung waren 250000 Mark beſon=
ders
bewiligt. Die Hälfte der Koſten ſind durch die Hälfte
des vorjährigen Ueberſchuſſes gedeckt, die andere Hälfte
wird durch die Wohnungsmieten gut verzinſt, ſo daß keine
Steuermittel herangezogen zu werden brauchten.
Dem Rechner der Städtiſchen Sparkaſſe, Jakob
Schader, wurde der Charakter als Rendant verlieben.
An dieſe Feier ſchloß ſich ein Rundgang und die Er=
öffnung
der ſtändigen Gemäldegalerie,
die tatſächlich eine Ueberraſchung bildete. Wenn ſchon die
Räume der Ausſtellung ganz hervorragende für dieſen
Zweck geeignet ſind ſo überraſcht beſonders die Fülle der
Gemälde und die wirklich koſtbaren und wertvollen Stücke.
Die Gemäldegalerie in Darmſtadt trug allerdings ihr gut
Teil dazu bei, hier in Worms etwas wirklich Sehens=
wertes
zu bieten und ſo dürfte die Ausſtellung, die von
Künſtlern, wie Seekat Achenbach, Bracht uſw., beſchickt
iſt, ſicherlich ein neuer Anziehungspunkt für Worms wer=
den
. Ein großer Teil der Gemälde iſt verkäuflich und die
Stadt Worms hat bereits zwei Bilder von Bracht=
Dresden Kahle Eiche und Duftiger Abend angekauft.
Samstag vormittag 10½ Uhr fand im Cornelianum
die Hauptverſammlung des Heſſiſchen
Sparkaſſen=Verbandes ſtatt, wozu die Dele=
gierten
aus allen Städten des Großherzogtums arſchienen
waren. Herr Juſtizrat Mickel=Grünberg, der Vor=
ſitzende
, begrüßte die Teilnehmer und wünſchte, daß die
Tagung zum Segen des Sparkaſſenweſens verlaufen
möge. Herr Oberbürgermeiſter Köhler begrüßte die Gäſte
namens der Stadt. Nach dem Geſchäftsbericht, den der
Vorſitzende über das abgelaufene Jahr erſtattete, gehören
alle Sparkaſſen bis auf eine im Großherzogtum dem
Verband an. Die Finanzlage war keine beſonders gün=
ſtige
. Die Einlagen betrugen im abgelaufenen Jahre
21 127346 Mark; ſie blieben gegen das Vorjahr zurück.
Der Geſamteinlageſtand beziffert ſich auf 394 948 209 Mark.
Der Jahresbeitrag wurde auf 50 Mark pro Kaſſe und
Jahr feſtgeſetzt. Auch die Jahresrechnung wird alsdann
genehmigt. Herr Verbandsreviſor Jorg erſtattete als=
dann
einen ausführlichen Bericht über die Geſchäftsvor=
fälle
im letzten Jahre. Herr Geh. Reg.=Rat Beſt= Darm=
ſtadt
wünſcht, daß der Scheckverkehr, ſowie der Anſchluß
der Kirchen= und Gemeindekaſſen an die Sparkaſſen noch
mehr gefördert werde. Der Vorſitzende bemerkt dem
Vorredner, daß die Sparkaſſen gerne dazu bereit ſeien,
und wurden bereits 50 Millionen und zu einem beſon=
ders
niederen Zinsfuß abgegeben. Es wurde nunmehr
die definitive Gründung des Reviſionsverbandes voll=
zogen
und gleichzeitig die Anſtellung des Reviſors Jorg
beſchloſſen. Herr Regierungsrat Baſtian als Vertre=
der
der Heſſiſchen Landeshypothekenbank, gibt in ſeinem
kurzen Bericht der Freude über die gute Entwickelung
des Geldausgleichs, der immer noch mehr gefördert wer=
den
müſſe, Ausdruck. Herr Sparkaſſendirektor Sachs
hielt hierauf einen Vortrag über den Giroverkehr im
Sparkaſſenbetriebe. Herr Geh. Reg.=Rat Beſt hegt
Zweifel, ob die Gemeinden den Poſtſcheckverkehr tatſäch=
lich
benutzen werden. Es wird eine Kommiſſion beſtimmt,
die ſich mit dieſer Frage beſchäftigen ſoll. Neu in den
Vorſtand wurde Herr Juſtizrat Reh gewählt. Herr
Römheld=Nidda ſchlägt vor, daß der Verband ſich
mit einem Beitrag von jährlich 3000 Mark an der Ein=
richtung
der Kaufmannserholungsheime beteilige, um die
Vergünſtigungen auch den Angeſtellten der Sparkaſſen
zugute kommen zu laſſen. Als Ort der nächſten Haupt=
verſammlung
wurde einſtimmig Darmſtadt beſtimmt.
Der Vorſitzende ſchloß mit Dankesworten die Tagung.
Am Nachmittag fand ein Feſteſſen im Spiel= und Feſt=
hauſe
ſtatt und morgen, Sonntag, beſchließt eine Fahrt
ins Neckartal die Feſtlichkeiten.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 5. Juli. Die Frith=
jjofsſtatue
, der goldblonde Rieſe, der auf dem Boden
der Mark in unſerem Nachbarort Friedrichshagen ent=
ſtanden
iſt, hat nunmehr in fünf Eiſenbahnwaggons ſeine
Reiſe nach der norwegiſchen Küſte angetreten. Die Ab=
fahrt
erfolgte in der letzten Nacht. Der moderne Wikin=
ger
=Zug iſt nach Kiel geleitet worden, wo die Ueberfüh=
rung
auf ein bereitſtehendes Transportſchiff ſtattfindet
An dem künftigen Standort Frithjofs auf einer Anhöhe
am Sognefjord, iſt zum Empfange bereits alles vorbe=
geitet
. Der 10½ Meter hohe Sockel iſt nach dem Plane

des Architekten Herzberg in Bergen aus heimiſchem Granit
errichtet und mit gärtneriſchen Anlagen umgeben worden.
Geſchultes Perſonal der Aktien=Geſellſchaft Gladenbeck be=
gibt
ſich dieſer Tage von Friedrichshagen nach Norwegen,
um unter Leitung des Direktors Görling die Aufſtellung
der Monumental=Statue vorzunehmen. Am 31. Juli wird
der Kaiſer die Uebergabe des Kunſtwerks an den König
von Norwegen vollziehen. Zu der Unterſchlagung
bei der Reichsbank, über die wir berichteten, gibt
die Direktion der Reichsbank folgende Erklärung über
den vermutlichen Hergang: Die Reichsbank hatte von der
Deutſchen Bank den Auftrag erhalten, an eine Leipziger
Verſicherungsgeſellſchaft 60000 Mark zu überweiſen. Durch
die geſchickte Fälſchung eines Hilfsarbeiters, vermutlich
durch Unterſchiebung eines neuen Schecks, wurde dieſer
Betrag anſtatt nach Leipzig an die Filiale der Dresdner
Bank in Stettin abgeſandt und dort von einer Frau
namens Frida Schulz abgehoben. Die Reichsbank ſteht
nach dem bisherigen Ergebnis der Unterſuchung auf dem
Standpunkt, daß es ſich keineswegs um einen Syſtemfeh=
ler
bei ihr handelt, ſondern daß ſie das Opfer eines Kom=
plotts
von einer ganzen Reihe von Betrügern geworden
iſt. So muß u. a. auch das Avis, welches der Dresdner
Bank in Stettin die Reichsbanküberweiſung von 60000
Mark anzeigte, gefälſcht worden ſein. Gegenwärtig prüft
die Kriminalpolizei zuſammen mit der Direktion der
Reichsbank die Angelegenheit. Bei der betreffenden Frauens=
perſon
die in Stettin unbefugterweiſe den Betrag der
Reichsbanküberweiſung abgehoben hat, ſoll es ſich um eine
Berliner Proſtituierte handeln, die die Geliebte des noch
immer in Haft befindlichen Hilfsarbeiters der Reichs=
bank
iſt. Der verhaftete Aushilfsbeamte heißt Paul
Wege und iſt 27 Jahre alt. Er leugnet, den Betrug aus=
geführt
zu haben, an welchem wahrſcheinlich noch andere
beteiligt ſind Geſtern vormittag gegen 9,30 Uhr ent=
deckte
ein Bahnwärter beim Streckenbegang zwiſchen den
Bahnhöfen Neu=Babelsberg und Zehlendorf=Mitte, daß
im Gleis Magdeburg-Berlin durch das Löſen einzelner
Schienenbefeſtigungen ein Anſchlag verſucht worden
war. Die Kriminalpolizei hat mit einem Polizeihund
Nachforſchungen eingeleitet. Die Eiſenbahndirektion Ber=
lin
ſetzte eine Belohnung von 500 Mark auf die Ermitt=
lung
der Täter aus. Auf dem Anweſen der Meiexei
Bolle iſt geſtern der Arbeiter Lojewski ums Leben
gekommen. Er hatte an der Zentrifugal=Maſchine zu
tun, als dieſe plötzlich auf noch nicht geklärte Weiſe explo=
dierte
. Durch umherfliegende Eiſenteile wurde Lojewski
ſo ſchwer am Kopfe getroffen, daß er an die Wand flog
und auf der Stelle verſchied.
Frankfurt a. M., 5. Juli. Der in Cannes verſtorbene
Bildhauer Franz Kowarzik aus Frankfurt a. M. hat mit
ſeiner Gattin ein Teſtament errichtet, das eine Stift=
ung
von 120000 Mark zugunſten der freien Künſte,
der Plaſtik und Malerei vorſieht. Nur deutſchen, deutſch=
öſterreichiſchen
und deutſch=ſchweizeriſchen Künſtlern, unter
beſonderer Verückſichtigung ſolcher Künſtler, die aus
Frankfurt a. M., Darmſtadt, Düſſeldorf, Stuttgart und
Karlsruhe ſtammen, ſollen die Zinſen der Stiftung zugute
kommen. Nach dem Tode der Witwe des Erblaſſers ſoll
die Stiftung auf eine Million Mark erhöht werden.
Frankfurt a. M., 5. Juli. Bei den Weißbinderarbei=
ten
im neuen Maſchinenhaus auf dem neuen Oſtbahnhof
ereignete ſich heute früh ein ſchwerer Unglücks
fall. Während der Arbeit brach ein Gerüſt, auf dem ſich
acht Arbeiter befanden, zuſammen und dieſelben ſtürzten
aus acht Meter Höhe in die Tiefe. Der Weißbinder Peter
Schmidt aus Windecken war ſofort tot, während die
anderen teilweiſe ſchwere innere und äußere Verletzungen
davontrugen. Sie wurden ins Krankenhaus verbracht.
Bad Homburg v. d. H., 5. Juli. Die Kaiſerin
traf um 12 Uhr 25 Minuten mittels Sonderzugs zu
längerem Kuraufenthalt hier ein. Zum Empfang hatte
ſich Prinz Joachim, von Schloß Friedrichshof kommend.
am Bahnhof eingefunden. Nach herzlicher Begrüßung
fuhr die Kaiſerin mit dem Prinzen Joachim im offenen
Wagen nach dem Schloß. Die Stadt hatte reichen Flag=
genſchmuck
angelegt. Wie früher wird die Kaiſerin auch
in dieſem Jahre die Badekur gebrauchen. In dem Kaiſer
Wilhelm=Bad ſind die bequemſten Einrichtungen getrof=
fen
. Zum Kurgebrauch ſtehen der Kaiſerin drei prunkvolle
Räume zur Verfügung, deren Ausſtattung eine große
Frankfurter Firma ausgeführt hat. Ein Extraeingang
führt ungeniert nach den Baderäumen. Ob neben den
Bädern noch eine Trinkkur ſtattfindet, wird erſt der ärzt=
liche
Beirat der Kaiſerin entſcheiden. Früheren Gewohn=
heiten
gemäß wird in dieſem Falle das Waſſer der Eliſa=
bethenquelle
, der bekannteſten Quelle Homburgs, auf dem
Königlichen Schloſſe getrunken. Die Kaiſerin bezieht den
ſogenannten engliſchen Flügel im Homburger Schloſſe,
von wo aus man eine prächtige Ausſicht auf den Taunus
genießt. Zu Füßen liegt der herrliche Schloßgarten.
Schattige Ruheplätze unter Jahrhunderte alten Bäumen,
grüne Lauben, glatt geſchorene Wieſenflächen neben herr=
lichſten
Blumenfloren, ein Teich und nicht zuletzt die ge=
räumigen
Tennisplätze, auf denen die Kaiſerin bekannt=
lich
gerne den geſunden Sport ausübt, harren des Gaſtes
Der Kaiſerliche Automobilpark, beſtehend aus acht Auto=
mobilen
, iſt eingetroffen und im Saalbau eingeſtellt. Aus
dem Marſtall ſind ferner bereits 24 Pferde unter Führung
von drei Stallmeiſtern angekommen, die zum Teil im
Königlichen Schloſſe, zum anderen Teil im Hotel Adler
untergebracht ſind.
Straßburg 5. Juli. Der Reichstagsabgeordnete
Emmel wurde, als er die ausſtändigen Bauarbeiter im
Nordbahnhof in Mülhauſen beſuchen wollte, von einem
Firmenleiter des Platzes verwieſen, obwohl er ſich
als Gemeinderatsmitglied auf ſtädtiſchem Grund und
Boden befand. Als Abgeordneter Emmel ſich weigerte,
wurde er auf Anweiſung eines Kommiſſars von Gendar=
men
und=Schutzleuten mit Gewalt entfernt. Er hat Be=
ſchwerde
beim Bürgermeiſter eingelegt.
Karlsruhe, 4. Juli. Der Stadtrat der Reſidenzſtadt
Karlsruhe hat beſchloſſen,, mit Rückſicht darauf, daß ein
neues ſtädtiſches Theater mit Konzertſaal unter dem Preiſe
von 1680000 Mark nicht erſtellt werden könne, von dieſem
Geſamtprojekt Abſtand zu nehmen und lediglich ein
Konzerthaus zu erſtellen.
Neuſtadt a. H., 5. Juli. Auf der Bahnſtrecke Neuſtadt=
Hasloch wurde heute früh die Leiche eines vom Zuge
überfahrenen Mannes aufgefunden. Ob Selbſtmord
oder Verbrechen vorliegt, iſt noch nicht feſtgeſtellt.
Leipzig, 4. Juli. Im Spionageprozeß gegen
den 50jährigen Schuhmachermeiſter Jrſeph Lesniewski
aus Markowicz fällte das Reichsgericht nachmittags das
Urteil. Der Angetlagte wird woegen der fortgeſetzten Ver=
ſuche
des Verbrechens gegen § 1 des Spionagegeſetzes zu
drei Jahren Zuchthaus fünf Jahren
Ehrenrechtsverluſt und Stellung unter Polizeiauf=
ſicht
verurteilt. In der Begründung wurde feſtgeſtellt, daß
Lesniewski ſich in den Dienſt des ruſſiſchen Nachrichten=
bureaus
geſtellt habe und dieſem kurz nacheinander drei
Briefe mit geheim zu haltenden Beſtimmungen überſandte.

Als erſchwerendes Moment wurde angegeben, daß der
Angeklagte lediglich aus Gewinnſucht handelte.
Norderney, 4. Juli. Fürſt und Fürſtin v. =
low
ſind hier eingetroffen und haben füredie Dauer der
Saiſon ihre Villa bezogen.
Paris, 5. Juli. Nach einer Meldung des hieſigen
Neu=York Herald hat der im Dienſte der mexikaniſchen
Aufſtändiſchen ſtehende franzöſiſche Flieger Didier Maſ=
ſon
einen Flug über den feindlichen Stellungen unter=
nommen
und dabei mehrere Bomben geſchleudert,
die große Verheerung anrichteten. Eine einzige dieſer
Bomben habe 52 Soldaten auf der Stelle getötet.
Paris, 5. Juli. Auf dem Landungsplatz des Hafens=
von
Boone in Algerien entſtand geſtern abend eine
Feuersbrunſt, die 4000 Zentner Heu und 3000 Zent=
ner
Korn vernichtete. Es iſt dies ſeit vier Tagen die
fünfte Feuersbrunſt, die dort ausgebrochen iſt.

Neuformationen und Formations=
änderungen
in der Armee.

* Berlin, 5. Juli. Das Armeeverordnungsblatt=
enthält
Neuformationen am 1. Oktober 1913 und For=
mationsänderungen
anläßlich des Nach=
tragsetats
1913. Die dritten Infanteriebataillone
werden errichtet beim 5. Garde=Regiment zu Fuß in
Spandau, beim 5. Gardegrenadier=Regiment in Span=
dau
, beim Infanterie=Regiment Nr. 152 in Stuhm, beim=
Infanterie=Regiment Nr. 153 in Merſeburg, beim Infan=
terie
=Regiment Nr. 154 in Striegau, beim Infanterie=
Regiment Nr. 156 in Tarnowitz, beim Infanterie= Regi=
ment
Nr. 157 in Brieg, beim Infanterie=Regiment Nr. 158
auf dem Truppenübungsplatz Senne, beim Infanterie=
Regiment Nr. 159 in Geldern, beim Infanterie=Regimen=
Nr. 62 in Eutin, beim Infanterie=Regiment Nr. 1646i
Holzminden, beim Infanterie=Regiment Nr. 167 in Mühl=
hauſen
(Thüringen), beim Infanterie=Regiment Nr. 168
in Friedberg in Heſſen, beim Infanterie=Regi
ment Nr. 169 in Villingen, beim Infanterie=Regimen=
Nr. 170 in Donaueſchingen. Die 15 Feſtungsmaſchinen
gewehr=Abteilungen werden aufgeſtellt in Königsberg=
Thorn, Graudenz, Diedenhofen, Poſen, Straßburg, Metz=
Köln, Mutzig, Mainz und Loetzen. Die neuen Jäger=
Regimenter zu Pferde werden errichtet: Nr. 8 in Trier=
Nr. 9 in Inſterburg, Nr. 10 vier Eskadrons in Anger=
berg
, eine Eskadron in Goldap, Nr. 11 vier Eskadrons
in Tarnowitz und eine Eskadron in Lublinitz, Nr. 12 in
St. Avold und Nr. 13 in Saarlouis. Die 14 Radfahrer=
Kompagnien werden jedem Jäger=Bataillon und Garde=
ſchützen
=Bataillon angegliedert.
Die Luftſchiffer= und Fliegertrupper
gehören zur Inſpektion des Militär=Luft= und Kraftfahr=
weſens
. Die Luftſchiffer werden folgendermaßen einge=
teilt
: Zum Gardekorps gehören: Das Luftſchiffer=Bataillo=
Nr. 1 nebſt Beſpannungsabteilung in Berlin=Tegel, da=
Luftſchiffer=Bataillon Nr. 2, davon der Stab und die erſt=
Kompagnie in Berlin=Markendorf, vorläufig in Tege=
das
Luftſchiffer=Bataillon Nr. 2 in Hannover, vorläufi
in Königsberg, die 3. ſächſiſche Kompagnie in Dresder=
Zum 8. Armeekorps gehört das Luftſchiffer=Bataillo=
Nr. 3, davon der Stab und die erſte Kompagnie in Kölr=
die
zweite Kompagnie in Düſſeldorf, die dritte Kom=
pagnie
in Darmſtadt, vorläufig in Metz. Zum14
Armeekorps gehört das Luftſchiffer=Bataillon Nr. 4, da=
von
der Stab und die erſte Kompagnie in Mannheim
die zweite in Metz und die dritte in Lahr, vorläufigei
Gotha, die vierte württembergiſche in Friedrichshafen
Zum 1. Armeekorps gehört das Luftſchiffer=Bataillo
Nr. 5, davon die erſte Kompagnie in Königsberg, von
läufig in Allenſtein, der Stab und die zweite Kompagn
in Graudenz, vorläufig in Thorn, die dritte Kompagn
in Schneidemühl, vorläufig in Poſen. Die Fliegertruſ=
pen
werden folgendermaßen eingeteilt: Zum Gardekorp
gehört das Flieger=Bataillon Nr. 1, davon der Stab un
die erſte und zweite Kompagnie in Döberitz, davon ei=
Detachement in Jüterbog und die dritte ſächſiſche Kon=
pagnie
in Zeithain. Zum 5. Armeekorps gehört da=
Flieger=Bataillon Nr. 2, davon der Stab und die erſ=
Kompagnie in Poſen, die zweite Kompagnie in Grau
denz und die dritte Kompagnie in Königsberg. Zu=
8. Armeekorps gehört das Flieger=Bataillon Nr. 3, davo
der Stab und die erſte Kompagnie in Köln, die zwei
Kompagnie in Hannover und die dritte Kompagnie
Darmſtadt. Zum 15. Armeekorps gehört das Fliege
Bataillon Nr. 4, davon der Stab und die erſte Kon
pagnie in Straßburg, die zweite Kompagnie in Me
und die dritte Kompagnie in Freiburg (Baden).

Luftfahrt.

Zuſammenſtoß in der Luft.
* Johannisthal, 4. Juli. Heute abend ku
nach halb 8 Uhr ſtießen auf dem Flugplatz zwei Flu=
maſchinen
in 20 Meter Höhe, ein A. F. G.=Doppeldecke
von Flieger Helſcher, und ein Luftverkehrs=Doppe
decker, von Hauptmann Friedel geſteuert; zuſan
men. Hauptmann Friedel erlitt eine Quetſchung
Wirbelſäule; bei Helſcher wurde eine bedenkliche Verle=
ung
der Wirbelſäule feſtgeſtellt. Die beiden Fliegere
hielten ſofort Hilfe von dem auf dem Flugplatz ſtänd
anweſenden Stabsarzt Dr. Koſchel. Die beiden App=
rate
wurden total zertrümmert. Die Flieger wurden
das Krankenhaus nach Britz gebracht. Dort iſt Helſch=
kurz
nach ſeiner Einlieferung an Herzſchwäche geſto
ben. Er trug ſcheinbar innere Verletzungen davon.

Großer Preis vom Bodenſee.
* Friedrichshafen, 5. Juli. Um den groß
Preis vom Bodenſee ſtartete heute vormittag in Ko=
ſtanz
zum Endkampf Pilotingenieur Gſell zit ſ
nem Doppeldecker des Flugzeugbaus Friedrichshafe
Er flog dabei zum zweimaligen Flug um den Bodenſ
103 Minuten 27 Sekunden, während Hirth am 3. Ir
zur gleichen Flugſtrecke 106 Minuten 16 Sekunden b
nötigte. Die Differenz zwiſchen den beiden Konkurre
ten Hirth und Gſell beträgt heute 2 Minuten 11 Seku
den, während dieſe am 3. Juli nur 33 Sekunden betru
Somit erhielt Hirthden erſten Preis in Höhervi
25000 Mark, Gſell den zweiten in Höhe von 100
Mark, und den dritten Preis von 5000 Mark erhielt d
Aviatiker Thelen mit ſeinem Albatros=Doppeldeck=
Nach der Bekanntgabe der Flugzeit des Piloten Gſ.
ſtartete Hirth nicht mehr, ſondern machte mit ſeinem Ei
decker mit einem Paſſagier einen Abſtecher nach Friedrich
hafen. Nach einigen prächtigen Kurven über der hieſig
Stadt waſſerte er kurz nach 12 Uhr vor dem Kurhotelge
ten, verankerte dort ſeinen Apparat und ging an Lar
um im Kurgartenhotel ein Frühſtück einzunehmen. U
2 Uhr flog Hirth wieder nach Konſtanz zurück, nachde
er noch einige großartige Rundflüge über der Sta
unternommen hatte.

[ ][  ][ ]

* Konſtanz, 5. Juli. Das offizielle Ergebnis der
ſoeben abends 8 Uhr zu Ende gegangenen Preisverteilung
iſt folgendes: I. Befähigungsnachweis: Otto=Doppeldecker
(Baierlein) 500 Mk., Aviatik=Doppeldecker (Faller) 800 Mk.,
Friedrichshafen=Doppeldecker (Gſell) 1000 Mk. Friedrichs=
hafen
=Eindecker (Kohnert) 500 Mk., Ago=Doppeldecker
((Kißling) 1000 Mk., Strack=Eindecker (Strack) 500 Mk.,
Albatros=Eindecker (Vollmöller) 800 Mk., Albatros= Dop=
peldecker
(Thelen) 1000 Mk., Albatros=Eindecker (Hirth)
1000 Mk. II. Großer Preis vom Bodenſee. Hirth 106 Min.
17 Sek. 25000 Mk., Gſell 106 Min. 51 Sek. 10000 Mk.,
Thelen 128 Min. 41 Sek. 5000 Mk., ſowie den Ehren=
preis
des Staatsſekretärs des Reichsmarineamts.
III. Preiſe für Steigungsfähigkeit: Hirth 11 Minuten
6 Sekunden 3000 Mark, Kißling 12 Minuten 8 Sek.
2000 Mk. IV. Preiſe für Sportflugzeuge: Vollmöller
50 Min. 5000 Mk. und den Ehrenpreis des Kaiſerlichen
Automobilklubs. V. Konſtruktionspreiſe: Albatros (Hirth)
5000 Mk., Ago (Kißling) 3000 Mk., Friedrichshafen (Gſell)
2000 Mk. VI. Mechanikerpreiſe. Erſter und zweiter Preis
Hirth=Mechan iker 1000 Mk., dritter Preis Vollmöller=
Mechaniker 500 Mk. VII. Ehrenpreis des Großherzogs
von Baden, Hirth, Ehrenpreis des Miniſters für öffent=
liche
Arbeiten Breitenbach, Gſell, Ehrenpreis des Grafen
Zeppelin Kohnert, Ehrenpreis des Bodenſee= Verkehrs=
vereins
Kißling.
HB. Frankfurt a. O., 5. Juli. Als geſtern abend
½8 Uhr der aus Poſen kommende Mars=Doppeldecker
Dresden 4 mit Leutnant Boder als Führer und Leut=
nant
Krey als Begleiter auf dem hieſigen Flugplatz
landen wollte, geriet der Apparat in die am Rande des
Flugplatzes ſtehenden Bäume und ſtürzte zur Erde,
Böder wurde mit einem ſchweren Schädelbruch aufgeho=
ben
und ins Lazarett gebracht. Krey erlitt leichte Ver=
letzungen
.
Erfurt, 5. Juli. Der Flieger Henning
ſtieg geſtern abend auf dem Droſſelberg mit einem
Schwade=Stahlherz=Doppeldecker zu einem Fluge auf,
um ſich um einen Preis der Nationalflugſpende zu be=
werben
. Er führte in 600 Meter Höhe einen Flug von
zwei Stunden und vier Minuten aus und landete wie=
der
auf dem Droſſelberg. Henning hat damit einen
Preis von 2000 Mark aus der Nationalſpende errungen.
Dem Fluge wohnten die amtlich beglaubigten Sport=
zeugen
des Erfurter Vereins für Luftſchiffahrt bei.

Von der Kieler Woche.

Travemünde 4. Juli. Der Start der mitt=
leren
Jachten bei Heikendorf, wie auch der Start der
großen und alten Jachten in der Stranſer Bucht vor Kiel
vollzog ſich heute morgen bei nahezu völliger Flaute. Später
friſchte ein ſüdweſtlicher Wind ein wenig auf. Unter
wechſelnden Winden erreichte etwa um 4 Uhr das Feuer=
ſchiff
von Fehmarnbelt von den großen Jachten zuerſt
Paula danach Germania und Meteor. Von den
19=Meter=Jachten war Wendula an der Spitze. Die klei=
neren
Jachten gingen durch den Fehmarnſund. Infolge
teilweiſe widriger Winde und teilweiſe völliger Flaute
gingen die Jachten nur langſam vor, ſo daß deren Ein=
treffen
vor Travemünde nicht vor 11 Uhr abends zu er=
warten
ſein dürfte. Prinz Heinrich von Preußen ſegelt
auf Hamburg II mit. Heute abend 6¼ Uhr traf die
Hohenzollern vor Travemünde ein und wurde auf den
Strom geſchleppt, deſſen Bett jetzt ſo vertieft iſt, daß die
Hohenzollern hier feſtmachen kann.
* Travemünde, 4. Juli. Der Wind friſchte am
ſpäten Nachmittag weiter auf, ſo daß die großen Jachten
doch ſchon etwa um 9 Uhr das Ziel paſſieren konnten.
Meteor mit dem Kaiſer an Bord wurde gegen 10 Uhr
zur Liegeſtelle auf den Strom geſchleppt, worauf der Kai=
ſer
an Bord der Hohenzollern ging.
* Travemünde, 4. Juli. Reſultate der
Segelwettfahrt Kiel-Travemünde. Wind:
Nordoſt bis Nordweſt; Windſtärke: 0 bis 4 Meter. In
der Klaſſe la erhielt den erſten Preis und den Wander=
preis
Meteor den zweiten und den Ehrenpreis des
Kaiſers Germania; in der Klaſſe B den erſten Preis
Comet den zweiten Iduna; in der Klaſſe C den erſten
und zweiten Preis, ſowie den Kaiſerpokal Ellinor; in
der Klaſſe D den Serſten Preis und den Meteorpokal
Paula; in der Klaſſe E den erſten Preis Heti In
der 10=Meter=Klaſſe erhielt den erſten Preis Taron II‟
in der 9=Meter=Klaſſe Peer Gynt und in der 8=Meter=
Klaſſe Mariechen.
* Travemünde, 4. Juli. Reſultate des
internationalen Handikaps für Motor=
jachten
Kiel-Travemünde. Erſter: Glückauf, Zwei=
ter
: Paz‟ Dritter: Falke, Vierter: Vogelſang.
* Travemünde, 5. Juli. Reſultate der
heutigen Segelwettfahrt von Kiel nach
Travemünde: Wind aus Nordoſt bis Nordweſt, Wind=
ſtärke
0 bis 4 Sekundenmeter. A. I=Klaſſe erſten Preis
und Wanderpreis des Felca=Syndikats Meteor zweiten
(Ehrenpreis des Kaiſers) Germania. In der Klaſſe der
alten Jachten erhielt Komet den erſten Preis, Iduna
den zweiten. In der 19 Meter=Klaſſe erhielt Ellinor
den erſten (2. Kaiſerpokal), in der 15 Meter=Klaſſe erhielt
Paula den erſten und den Meteorpokal, in der 12 Meter=
Klaſſe erhielt Heti den erſten, in der 10 Meter=Klaſſe er=
hielt
Tarpon 2 den erſten, in der 9 Meter=Klaſſe erhielt
Peer Gynt den erſten und in der 8 Meter=Klaſſe Ma=
riechen
den erſten Preis.

Das Großherzogspaar bei dem
Schützenfeſt in Mainz.

31. In den letzten Tagen waren es zwei Fragen, die
die großen und kleinen Mainzer beſchäftigten: Kommen
Großherzogs von Darmſtadt, um den Feſtzug anzuſehen?
Und die zweite bange Frage lautete, wie wird ſich das
Wetter geſtalten? Nun, das heſſiſche Fürſtenpaar, in
deſſen Gefolge ſich eine Hofdame und Oberhofmarſchall
von Ungern=Sternberg befanden, traf gegen 12 Uhr mit=
telſt
Automobil in Mainz ein und wurde auf dem Wege
nach dem Gebäude der Provinzialdirektion (Schillerplatz)
von dem zahlreichen Publikum, das die Straßen beſetzt
hielt, jubelnd begrüßt. Was das Wetter betrifft, ſo be=
gann
der Morgen recht vielverſprechend in den Frühſtun=
den
mit Sonnenſchein. Doch der Himmel vermochte ſich
von ſeiner ſeit Wochen geübten Gewohnheit, ein trübes
Antlitz zu zeigen, nicht zu trennen, je weiter der Vormit=
tag
voranſchritt, deſto mehr graues Gewölk ſtieg auf.
Immerhin konnten die Mainzer und ihre zahlreichen Gäſte
die ſchonende Zurückhaltung des Himmels loben, denn
ohne die Regenſchirme in Tätigkeit ſetzen zu müſſen, ver=
mochten
ſie den gut vorbereiteten und reichhaltigen Zug
in Augenſchein zu nehmen.
Der hiſtoriſche Feſtzug, der von der Kaiſer=
ſtraße
aus ſeinen Weg nahm, wurde von dem Zugmarſchall
und mittelalterlich koſtümierten Herolden eröffnet, ihnen
folgte die recht geſchmackvolle Gruppe der Rheinſtädte‟,
an die ſich, von Girlanden tragenden Knaben umgeben,
der Schützenkönig ſchloß. Die badiſchen Schützen nahen:

ſie werden von einem Herold mit badiſcher Standarte an=
gekündet
. Hoch zu Roß kommen die Schwarzwälder, denen
eine größere Anzahl Schwarzwälder Bauern zu Fuß fol=
gen
; in ihren Kützen tragen ſie Uhren, Goldwaren nach
einem ſauberen Schwarzwaldhaus. Pfälzer Landbewoh=
ner
kommen mit Senſen, Dreſchflegeln und ſonſtigem
Ackergerät, ihnen folgt der Prunkwagen Palatina; er
zeigt das Leben der fröhlichen Pfalz beim Klang der
Becher. Den Mittelchein und Preußen zeigen Herolde
mit heſſiſchen und preußiſchen Standarten an. Von be=
rittenen
Landsknechten und Hellebardenkriegern begleitet,
folgt der Boruſſia=Haſſia=Wagen umgeben
von den heſſiſchen und mittelrheiniſchen Schützen. Mit
ſeinem Dreizack inmitten des Handels, der Künſte fährt
der ſtolze Rhonus daher. In ſeiner Nähe befindet ſich
die Loreley. Eine Winzergruppe umgibt den Bachus=
wagen
deſſen Rieſenfaß den Inhalt für gar viele durſtige
Kehlen birgt. A=B=C=Schützen werden von mit Ruten
ausgeſtatteten Erziehern in die Elementarweisheit einge=
weiht
. Bauern in Odenwälder Tracht feiern eine Hoch=
zeit
, der ein Amor=Wagen folgt. Die Zünfte finden
durch Metzger, die zwei Ochſen führen, Bäcker, Küfer,
dieſe natürlich mit einem Weinfaß, eine recht anſprechende
Vertretung. Reichsherolde mit dem Reichsbanner, Fan=
farenbläſer
zeigen die Ankunft Kaiſer Barbaroſſas und
der Kaiſerin Beatrix an, in ihrem Gefolge befinden ſich
Heinrich von Schwaben, der Graf von Flandern, Graf
von Naſſau und ſonſtige Großen der Zeit von 1186.
Pagen und blumenſtreuende Mädchen umgeben dieſe
Gruppe. Jagdmuſik ertönt, Büchſenſpanner, Treiber be=
gleiten
die Jäger aus Kurpfalz, die einen auch mit Beute
veladenen Wagem heimbringen. In froher Geſellſchaft
darf natürlich Münchhauſen nicht fehlen. Die Mainzer
Frühgeſchichte wird durch eine Germanen=Gruppe römiſche
Legionäre Druſus reich illuſtriert, das Kurfürſtliche Mainz
wird durch Ratsherren, Profeſſoren, Studenten uſw. reprä=
ſentiert
. An die Befreiungskriege erinnern die Lützower
Jäger. Prächtig ausgeſtattet iſt der Moguntia=Wagen,
der vor den Mainzer Schützen einherfährt. Der Zug, der
über 90 Gruppen zählte, wurde von der Turnerſchaft und
von der Feuerwehr abgeſchloſſen.
Von dem Zuge, der bei den zahlreichen Zuſchauern
lauten Beifall fand muß anerkennend hervorgehoben wer=
den
, daß er in der Tat das Prädikat hiſtoriſch verdiente:
denn Koſtüme und Wagen waren ſtilvoll im Geiſt der Zei=
ten
gehalten. Nach Schluß des Zuges fand in der Schützen=
halle
Feſttafel ſtatt, ſpäter begann für die Aktiven das
Konkurrenzſchießen um die erſten zehn Becher; für die
michtſchießende Menſchheit, die recht zahlreich auf dem
Feſtplatze erſchienen war, gab es Konzert und ſonſt aller=
lei
Kurzweil.

Preisſchießen der Berufsjäger des
Heſſiſchen Jagdklubs.

2) Wie ſeit einer Reihe von Jahren veranſtaltete auch
geſtern wieder der Heſſiſche Jagdklub auf dem Neuen
Schießhaus ein Berufsjäger=Preisſchießen, an dem ſich 35
heſſiſche Förſter aus allen Teilen des Landes beteiligten.
Der Heſſiſche Jagdklub zählt zu ſeinen Mitgliedern über
100 Berufsjäger, faſt ausſchließlich heſſiſche Förſter. Um
denſelben, die zum Teil wenig Gelegenheit haben, die
Schußwaffen zu benützen, edie Freude am Jagdberuf zu
fördern, hält der Heſſiſche Jagdklub alljährlich für dieſe
Berufsjäger ein Preisſchießen ab, das für die Teilneh=
mer
völlig koſtenlos iſt. Dieſelben haben nur eine Ver=
ſicherungskarte
von 1 Mark zu löſen. Zu den Preiſen
gewährte der Allgemeine Deutſche Jagdſchützenverein
(Landesverein Heſſen) einen namhaften Beitrag. Der
hohe Protektor des Heſſiſchen Jagdklubs, Seine König=
liche
Hoheit der Großherzog, hatte auch in dieſem Jahre
wieder einen prächtigen 1. Preis geſtiftet, beſtehend in
einer wertvollen Pürſchbüchſe, geziert mit den Initialen
des hohen Stifters in Silber. Weitere, teils ſehr wert=
volle
, Preiſe hatten geſtiftet: Seine Durchlaucht Prinz
Otto zu Schaumburg=Lippe, die Deutſche Jägerzeitung
Neudamm (Geh. Komerzienrat Neumann), Herr Medi=
zinalrat
Dr. E. A. Merck, Herr Geheimerat Profeſſor Dr.
Kittler, Dr. med. et. phil. W. Merck, Ungenannt, ferner
die Firmen R. Hübner, Waffengeſchäft, und Hoflieferant
L. Wesp, ſowie der Heſſiſche Jagdklub, ſo daß der Wert
der Preiſe über 600 Mark betrug. Das Preisſchießen be=
gann
nachmittags um 3 Uhr und nahm einen flotten und
dank der vortrefflichen Leitung, einen ſehr ſchönen und
animierten Verlauf.
Das ſchwierige Amt der Preisrichter, und es wurde
dieſes Jahr vortrefflich geſchoſſen, hatten die Herren
Oberjägermeiſter van der Hoop, Oberſtabsarzt Dr. Ger=
lach
. Jagdzeuginſpektor Germann, Forſtmeiſter Gilmer=
Hirſchhorn Ingenieur Glöckler, Forſtmeiſter Schäfer=
Mönchbruch und Profeſſor Zeuner unternommen, wäh=
rend
die Oberleitung über das ganze Preisſchießen in den
bewährten Händen des Ehrenoberſchützenmeiſters Herrn
Kommerzienrat Hickler, lag. Geſchoſſen wurde: 100 Meter
Ringſcheibe, 100 Meter ſtehender Rehbock, 60 Meter lau=
fende
Sau, 60 Meter laufendes, verſchiedenes Wild, lau=
fenden
Waldhaſen in freier Wildbahn, Tontaubenſchießen,
ſowie zum Schluß auf eine Anzahl Ehrenſcheiben. Um
7 Uhr war das heiße Ringen um den Großherzogspreis
beendigt und unter zahlreicher Beteiligung des Publi=
kums
und der Klubmitglieder fand im feſtlich geſchmückten
Feſtſaal des Jagdkluubs die Preisverteilung durch Herrn
Kommerzienrat Hickler ſtatt. Als Sieger des Preiſes
Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde Herr Forſtwart
Barth aus Lorſch mit 101 Punkten proklamiert. Den
2. Preis erhielt Förſter Groß von Dambach bei Wies=
baden
, 3. Preis Förſter Denninger. Forſthaus Lehr=
bach
bei Kirtorf, 4. Preis Forſtwart Hirſch. Emilienhütte
bei Darmſtadt. Den Siegern wurde ein Tuſch und ein
dreifaches Horridoh ausgebracht. Sämtlichen Preis=
ſchützen
wurde ein ſchöner Preis zugeſprochen und die=
ſelben
nach Schluß des Wettkampſes auf Koſten des Stif=
ters
reich bewirtet. Verſchönt wurde das Feſt durch ein
Inſtrumentalkonzert, ſowie durch prächtige Geſangsvor=
träge
des Schubertquartetts, das die Grünröcke des
Heſſenlandes noch lange in treuer Kameradſchaft zuſam=
menhielt
. Den braven Förſtern aber die bekanntlich zu
den ſchlechteſt beſoldeten Beamten des Landes gehören,
war ein ſolcher Feſttag gewiß im Jahr einmal zu gönnen.
Als Schluß des Preisſchießens brachte der Ehren=
oberſchützenmeiſter
, Herr Hickler, ein dreifaches Horri
doh auf den Schirmherrn des heſſiſchen Waidwerks,
Großherzog Ernſt Ludwig, aus, in das die Jäger kräftig
einſtimmten. Profeſſor Zimmer feierte die Berufsjäger
mit ihren vorzüglichen Leiſtungen und brachte azf das
Großherzoglich heſſiſche Forſtperſonal ein dreifaches
Horridoh aus, wofür der Berufsjäger Förſter Wald=
ſchmidt
=Grundhof in launigen Jägerworten dankte.
Den Schluß des Feſtes bildete noch ein Tänzchen.

16. Starkenburger Provinzialfeuerwehr=
tag
in Groß=Umſtadt.

C In dem aufs herrlichſte mit Fahnen und Tannen=
grün
geſchmückten Odenwaldſtädtchen Groß=Umſta’dt
fand geſtern nachmittag im Gaſthaus zum Weißen Roß
die Abgeordnetenverſammlung des 16. Starkenburger
Provinzialfeuerwehrtages ſtatt, der von allen Wehren der
Provinz Starkenburg beſchickt war. Als Ehrengäſte
wohnten den Verhandlungen bei: Herr Provinzialdirek=
tor
Fey, ſowie als Vertreter des Kreisamts Dieburg
Herr Regierungaſſeſſor Dittmar.
Anſtelle des erkrankten Verbandsvorſitzenden Kreis=
feuerwehrinſpektors
Möller führte Branddirektor L.
Fiſcher=Darmſtadt den Vorſitz, der die zahlreich er=
chienenen
Kameraden, und ganz beſonders die Ehrengäſte
in herzlichen Worten begrüßte und auf den Wert des ge=
meinſamen
Austauſches der Erfahrungen auf dem Gebiete
des Löſchweſens bei den Verbandstagen hinwies. Ge=
heimerat
Fey dankte für die freundliche Begrüßung des
Vorſitzenden. Er ſei hierher gekommen um darzutun wie
außerordentlich wichtig er das Feuerlöſchweſen für Staat
und Gemeinden und für das Volkswohl halte. Vorwärts
gehe es bei der Feuerwehrſache nur durch den Austauſch
der Erfahrungen erprobter Führer bei ihren Verbands=
verſammlungen
und ſo hoffe und wünſche er für die heu=
tige
Tagung reichen und beſten Erfolg. Namens des
Kreisamts Dieburg und der Kreisverwaltungsbehörden
begrüßte herzlich Regierungsaſſeſſor Dittmar die Ver=
ſammlung
und hieß alle herzlich willkommen in dem
ſchönen und alten Städtchen Groß=Umſtadt. Auch die
Feuerwehren des Kreiſes erfreuen ſich der Förderung
und des Wohlwollens der Behörden und beſonders
chlagfertig habe ſich ſchon oft die Groß=Umſtädter Feuer=
wehr
in Not und Gefahr gezeigt. Auch er wünſche den
Verhandlungen reichen Segen und Gedeihen. Als Ver=
treter
der Stadtverwaltung begrüßte Herr Beigeordneter
Arzt den Provinzialfeuerwehrtag. Als alter Feuer=
wehrmann
begrüßte der Vertreter des Kreisverbandes,
Feuerwehrinſpektor Völker=Dieburg, die Kameraden,
während der Kommandant der Groß=Umſtädter Wehr
Zibulzky die Ehrengäſte und die Kameraden namens
ſeiner Mannſchaft begrüßte.
Hierauf wird das Protokoll des 15. Feuerwehrtags
verleſen und genehmigt. Ein Antrag des Ausſchuſſes auf
Gründung einer Verbandskaſſe für die Provinz Starken=
burg
wird einſtimmig abglehnt. Der von dem Vorſitzen=
den
erſtattete Geſchäftsbericht über den Ausbau des
Löſchweſens in der Provinz Starkenburg gab ein ſehr
intereſſantes Bild. Die Provinz Starkenburg hat mit
354 Gemeinden und 588574 Einwohnern insgeſamt 145
freiwillige Feuerwehren und weiter 217 Pflichtfeuer=
wehren
und 20571 Mannſchaften und 15146 Hilfsmann=
ſchaft
, zuſammen 35717 Mann. Spritzen ſind vorhanden
707 mit 72783 Meter Schlauchlänge. Waſſerleitungen
haben 176, keine Leitung 178 Wehren. 90 mechaniſche
Schiebleitern ſind in der Provinz vorhanden. Die Aus=
gaben
für Feuerſchutz betrugen in der Provinz Starken=
burg
von 1906/10 1121314 Mark. Hiervon entfielen auf
die Landesbrandkaſſe 291154 Mark, die Gemeinden
796 232 Mark, an beſonderen Zuſchüſſen 8408 Mark. Von
den Feuerwehren ſelbſt wurden 25550 Mark aufgebracht.
Brände fanden ſtatt 1466, wofür an Entſchädigungen
1131248 Mark bezahlt wurden. Unglücksfälle kamen in
dieſem Zeitraum vor: bei Bränden 42 bei Uebungen uſw.
22, wofür 4630 Mark Verdienſtverluſt vergütet wurden. An
ſtändigen Unterſtützungen wurden insgeſamt 26397 Mark
ausbezahlt. Die Verbandszeitung wird bei 362 Wehren
von 195 gehalten.
Erfreulich ſei, daß nun endlich der alte Streit über
die Heranziehung der Lehrer und Beamten zur Pflicht=
feuerwehr
durch das Miniſterium entſchieden ſei. Zu
hoffen ſei, daß dieſer Entſcheid der Regierung auch wirk=
lich
durchgeführt werde. Einen intereſſanten Vortrag
hielt ſodann der Vorſitzende über das Verhalten der
Feuerwehren begenüber den elektriſchen Strakſtromleit=
ungen
der Ueberlandzentralen bei Bränden. Gefordert
wurde Veröffentlichung eines Merkblattes für die Feuer=
wehren
durch die Heſſiſche Elektrizitäts=Aktiengeſellſchaft.
Nachdem noch ein Vertreter der preußiſchen Verſicher=
ungsanſtalt
Friedrich Wilhelm zum Beitritt fürt die
Lebensverſicherung referiert hatte, fand die Wahl des
Verbands=Ausſchuſſes ſtatt und erfolgte die einſtimmige
Wiederwahl desſelben. Als nächſter Ort des 17. Feuer=
wehrtages
für Starkenburg wurde Biblis gewählt und
die Tagung mit einem Hoch auf Se. Königl. Hoheit den
Großherzog geſchloſſen.

37. Gauturnfeſt des Main=Rhein=Gaues
zu Sprendlingen.

Wenn auch der Himmel am Samstag nachmittag
nicht ſo Vertrauen erweckend ausſah, ſo zogen doch die
Turner des Main=Rhein=Gaues von Nah und Fern nach
Sprendlingen, um beim 37. Gauturnfeſt im edlen Wett=
ſtreit
um den ſchlichten Eichenkranz ihre Kräfte zu meſſen.
Durch den herzlichen Empfang am Bahnhof, den die
Turner ihren Turnbrüdern entgegenbrachten, und durch
die gaſtliche Aufnahme bei den Einwohnern Sprend=
lingens
fühlten ſich die fremden Turner bald heimiſch.
Am Samstag nachmittag um 5 Uhr fand, wie üblich,
eine Sitzung des Gauausſchuſſes ſtatt und um 7 Uhr
die Sitzung des Kampfgerichts. Vor der Sitzung des
Kampfgerichts wurden an dem Kriegerdenkmal von der
Kapelle des Leib=Drag.=Regts. Nr. 24 einige Muſikſtücke ge=
ſpielt
. Nach Eintritt der Dunkelheit ſtellte ſich am Gaſthaus
zum Heſſ. Hof ein ſtattlicher Fackelzug auf, der die fremden
und einheimiſchen Turner nebſt einer großen Anzahl
Zuſchauer zum Feſtplatz geleitete. Hierſelbſt übergab
der Vorſitzende des Feſtausſchuſſes, Herr Heinrich Stroh.
das Feſt mit dem Wunſche, auf beſtes Gelingen, dem
Gauvertreter, Herrn Lehrer Roth, Groß=Gerau. Dieſer
dankte dem Ausſchuß und allen Beteiligten für die
mühevolle Arbeit zur Vorbereitung des Feſtes und
wünſchte, daß die geleiſtete Arbeit ſowohl wie das Feſt
überhaupt, zum Segen der Turngemeinde Sprendlingen,
ſowie der ganzen Gemeinde Sprendlingen, zum
Wohle gereichen möge, um weit über die Grenzen unſeres
Gaues, dem ganzen deutſchen Vaterland zum Beſten zu
dienen. Gauvertreter Roth ſchloß mit einem Gut Heil
auf die Turngemeinde Sprendlingen, auf die Gemeinde
Sprendlingen und ſeine Einwohnerſchaft.
Hierauf wurde von circa 300 Sängern (Dirigent Herr
Lehrer Runkel) als Begrüßungschor Es klingt ein heller
Klang in ganz vorzüglicher Weiſe vorgetragen. Sodann
hielt Herr Pfarrer Schmidt die Feſtanſprache,
die von echt turneriſchem Geiſt durchzogen war.
Der Redner, der zugleich den Willkommengruß der Ge=
meinde
Sprendlingen den Feſtgäſten übermittelte, ging
in ſeiner Anſprache davon aus, daß die Turnerei Be=
dürfnis
der Menſchen ſei, und er führte zum Beweiſe
die Spiele der alten Griechen und Römer an. Ebenſo
die alten Deutſchen, wie die ſich tummelten und übten,
um den Körper zu kräftigen und zu ſtählen. Und als

[ ][  ][ ]

vor 100 Jahren Turnvater Jahn auf den Plan trat
und mit ſeinem ganzen Wiſſen und Können, mit ſeiner
ganzen Perſönlichkeit die hohen Ziele der Turnerei an=
ſtrebte
, da ſei eine Begeiſterung für dieſe edlen Ziele
durch unſere Landen gegangen, deren erſtes Ergebnis in
der einmütigen Erhebung und Befreiung des bedrängten
und geknechteten Vaterlandes von dem korſiſchen Joche
zu erblicken ſei. In der Fahne der Turngemeinde
Sprendlingen ſieht Redner ein altes Wahrzeichen aus
jener bewegten Zeit, ein Wahrzeichen, das vielleicht
durch die Hand unſeres Altmeiſters Jahn geweiht iſt.
(Die Fahne ſtammt aus dem Jahre 1848 und Jahn
ſoll bei d
hnweihe zugegen geweſen ſein.)
Nach,d m ver Sängerchor nochmals einen ſehr ſchönen
Chor zu Gehör gebracht hatte, wurden auf einer beſon=
ders
dazu errichteten Bühne verſchiedene turneriſche Vor=
führungen
gezeigt, denen allſeitig ungeteilter Beifall ge=
ſpendet
wurde. Obwohl der größte Teil der Turner und
Kampfrichter ſich zeitig ins Quartier begeben hatten, um
friſch und ausgeruht am Sonntag morgen antreten zu
können, herrſchte auf dem Feſtplatz doch noch bis Mitter=
nacht
reges Treiben.

Zu Graf Zeppelins 75. Geburtstag.

* Stuttgart, 5. Juli. Heute abend 9 Uhr fand auf
dem hieſigen Marktplatz zu Ehren des Grafen
Zeppelin eine große öffentliche Feier ſtatt. Die
Stadt Stuttgart, deren Ehrenbürger Graf Zeppelin iſt,
hatte das Rathaus und die umliegenden Gebäude präch=
tig
illuminiert. Eingeleitet wurde die Feier mit dem
Geſang des Liedes O Schutzgeiſt alles Schönen das
von 2600 Sängern unter Mitwirkung einer Militärkapelle
vorgetragen wurde. Oberbürgermeiſter Lautenſchlager
hielt in Gegenwart des Grafen Zeppelin von einem
Fenſter des Rathauſes eine Anſprache an die zahlreich
auf dem Marktplatz verſammelte Menge, in welcher er
die Verdienſte des Grafen Zeppelin feierte. Die Rede
klang in einem begeiſtert aufgenommenen Hoch auf den
Grafen aus. Zeppelin dankte für die ihm dargebrachte
Huldigung und ſchloß mit einem Hoch auf die Stadt
Stuttgart.

Der Ausſtand in Südafrika.

* Johannesburg, 4. Juli. Am Nachmittag kam
es zu neuen Unruhen, in deren Verlauf ein Dra=
gonerleutnant
verwundet wurde. Die Ausſtändigen
gewannen das Perſonal der Straßenbahn für ſich, ſo daß
der Straßenbahnverkehr eingeſtellt iſt: Pöbel, an deſſen
Spitze Frauen mit roten Fahnen marſchierten, zog nach
dem ſtädtiſchen Elektrizitätswerk, vertrieb das Perſonal
besſelben und ſchnitt den Strom ab. Eine Gruppe
begab ſich darauf zur Stadt, die in Dunkelheit gehüllt war.
Später wurde die Beleuchtung wiederhergeſtellt. Die
Streikenden bleiben Herren der Zugänge zum Bahnhof
von Braamfontein. Der Eiſenbahnverkehr nach dem =
den
iſt vollſtändig unterbrochen, doch bleiben auf dem Zen=
tralbahnhof
die Lokomotivführer auf ihren Maſchinen
und weigern ſich, ſich dem Streik anzuſchließen.
* Johannesburg, 4. Juli. Heute abend iſt die
Menge auf dem Areal der Eiſenbahn ohne jede Kontrolle
und hat die Parkſtation in Brand geſetzt. Die
Geſchäftsräume der Zeitung Star ſtehen in Flammen. Die
Volksmenge drang gegen die Bureaus der großen Gruben=
geſellſchaften
vor. Die Polizeimannſchaften gaben Feuer,
worauf die Menge ſich zurückzog.
* Pretoria, 4. Juli. Außer den 600 Mann
Kavallerie, die geſtern von Potſchefſtrom nach Jo=
hannesburg
beordert worden waren, hat die Regierung
heute noch 300 Mann Infanterie von Roberts=Heights
nach dem Randgebiet beordert. Die noch nicht ſtreikenden
Eiſenbahnangeſtellten werden ſich heute abend oder mor=
gen
verſammeln, um zu beraten, ob ſie aus Sympathie
für die Grubenarbeiter auch in den Ausſtand treten ſollen.
* Johannesburg, 4. Juli. Gegen Mitternacht
ſteckte der Pöbel ein zweites großes Gebäude in
Brand. Die Schutzleute, die die Bureaus der Firma
Wernher, Veit u. Co. beſchützten, wurden mit Steinen be=
worfen
. Die Beamten gaben zunächſt drei Warnungs=
ſchüſſe
ab und feuerten dann wirklich. Zur Hilfe herbei=
gerufene
Dragoner gingen gegen die Menge vor und zer=
ſtreuten
ſie. Um Mitternacht hörte man in verſchiedenen
Stadtteilen noch immer ununterbrochenes Gewehrfeuer.
Bis dahin wurden 30 Perſonen in die Krankenhäuſer ein=
geliefert
.
* Johannesburg, 5. Juli. Bis jetzt iſt es ganz
unmöglich, genau die Zahl der bei den geſtrigen Un=
ruhen
Verwundeten anzugehen. Bekannt iſt nur, daß
pier Ziviliſten getötet und etwa 50 Ziviliſten und Po=
lizeibeamte
verwundet worden ſind. Der Weſt=
rand
iſt verhältnismäßig ruhig. Der Oſtrand bildet
den Hauptherd der Unruhen. Ein unbeſtätigtes Gerücht
beſagt, daß tauſend bewaffnete Ausſtändige auf Johan=
nesburg
losmarſchieren, wo Barrikaden errichtet
ſind, um die großen Geſchäfte zu beſchützen. Die Ar=
beiterverbände
drohen, das Waſſer abzuſchneiden, weil
Polizeitruppen auf die Ausſtändigen geſchoſſen haben
Ein Verband fordert gleichzeitig alle ſtädtiſchen und alle
Diſtriktsverbände auf. in den Ausſtand zu treten. Die
Bäcker weigern ſich, Brot für irgend jemanden zu backen,
der in den Bergwerken arbeitet. Für heute werden er=
neute
Unruhen erwartet. Es geht das Gerücht, daß die
ſtädtiſchen Behörden von Pretoria um die Entſendung von
Verſtärkungen und Maſchinengewehren erſucht haben.
* Johannesburg, 4. Juli. Eine Gruppe
von Streikenden verſuchte einen Eingang zur
Kleinfontein=Grube, wo Streikbrecher arbeiten, zu er=
ſtürmen
. Schottiſche Füſiliere hielten die Menge, die
eine ſehr drohende Haltung einnahm, mit aufgepflanztem
Bajonett zurück. Ein Mann wurde verwundet. Endlich
gelang es einer berittenen Truppe, die Demonſtranten zu
zerſtreuen.
* Pretoria, 4. Juli. 10 Uhr 50 Minuten abends.
Eine Verſammlung von 300 Eiſenbahnern ein=
ſchließlich
Arbeiter der mechaniſchen Werkſtätten, erklärte
in einer Reſolution ihre Sympathie mit den
ſtreikenden Bergleuten. Der Sekretär der Eiſen=
bahner
=Gewerkſchaft ſprach ſich für einen Eiſenbahnerſtreik
aus und ſagte, daß der ausführende Ausſchuß am Sonn=
tag
darüber Beſchluß faſſen werde.
* Johannesburg, 5. Juli. Unter den bei den
Unruhen getöteten Perſonen befindet ſich ein
Angeſtellter der Firma Peycke u. Sohn in Hamburg namens
G. Budrieks.
* Pretoria, 5. Juli. Die Miniſter Botha und
Smuts haben ſich wegen der dortigen ernſten Lage nach
Johannesburg begeben.

Der neue Balkankrieg.

Die Kämpfe der Griechen und Bulgaren.
* Athen, 4. Juli. Nachdem der Miniſterpräſident
der Kammer die letzten Angeiffe der Bulgaren berichtet
hatte, wodurch die drei anderen Verbündeten zum gemein=

ſchaftlichen Kampfe gegen Bulgarien gezwungen ſeien,
verlas er unter frenetiſchem Beifall eine königliche Bot=
ſchaft
an das Volk, in welcher erklärt wird, daß angeſichts
des bulgariſchen Treubruches der Armee und der Flotte
der Befehl zum Vorrücken erteilt worden ſei.
* Athen, 4. Juli. Der Miniſterpräſident verlas in
der Kammer ein Telegramm des Hauptquartiers über die
ſiegreiche Schlacht bei Kilkitſch. Die Griechen
eroberten 60 Kanonen. Die Begeiſterung der Deputierten
war unbeſchreiblich. Alles klatſchte Beifall und rief: Es
lebe der König, die Armee, die Nation und Venizelos!
* Wien, 4. Juli. Die Reichspoſt meldet, aus
Athen: Geſtern mittag kamen in Saloniki vier Wag=
gons
mit bulgariſchen Gefangenen an. Die
Gefangenen, unter denen ſich acht Offiziere befinden, ge=
hören
zur 14. bulgariſchen Diviſion, die bei Kilkitſch
kämpfte.
* Athen, 5. Juli. Wie aus dem Hauptquartier ge=
meldet
wird, wird dort die Schlacht bei Kilkitſich
als eine hervorragende Waffentat angeſehen. Die Bulga=
ren
zählten vier vollſtändige Diviſionen, darunter die 6.,
11. und 13. und eine Brigade der 10. Diviſion. Die Stel=
lung
bei Kilkitſch war von einer 24 Bataillone ſtarken Di=
viſion
, einer Brigade und einem Freiwilligenkorps beſetzt
die natürlich ſtarken Stellungen des Feindes waren durch
Verſchanzungen verſtärkt und ſtellenweiſe von ſchwerer
Artillerie armiert. Die griechiſchen Pioniere mußten über=
all
Wege herſtellen, um der Artillerie den Vormarfch zu er=
möglichen
. Generalſtabschef Dusmanis telegraphierte an
den Miniſterpräſidenten, daß der Feind infolge des allge=
meinen
Angriffes der griechiſchen Diviſionen heute früh
um 3 Uhr 35 Minuten ihre Stellungen bei Likowanni und
Lahana geräumt hat und von den Griechen unmittelbar
verfolgt wird.
* Athen, 4. Juli. Ein bulgariſches Regi=
ment
mit dem Oberſt und anderen Offizieren iſt in der
Nähe von Pangaon gefangen genommen worden.
Das Generalquartier des Königs richtete an das Mini=
ſterium
des Aeußern eine eingehende Beſchreibung
des Gefechts bei Nigrita, in der es heißt, daß
Nigrita einen entſetzlichen Anblick bot. Die Stadt und das
Tal waren von verſtümmelten Opfern und flüchtenden
Bulgaren bedeckt. Bei der Annäherung der raſch vorrük=
kenden
griechiſchen Truppen wurden 150 bulgariſche Sol=
daten
außerhalb Nigritas gefangen genommen die
Brände legten. Zahlreiche Leichen von Bulgaren und eine
Menge Waffen und Munition bedeckten die Gegend auf
eine halbe Stunde im Umkreis. Bei Lygovani, das die
Griechen beſetzten, wurde ein bulgariſches Bataillon ge=
fangen
genommen. Die Bulgaren zogen ſich auf der gan=
zen
Linie, von den griechiſchen Truppen energiſch verfolgt
zurück. Der Feind mußte in der Richtung auf die Brücke
über die Struma flüchten. Drei weitere Kanonen und
Munition wurden erbeutet.
* Athen, 5. Juli. Das griechiſche Armee=
korps
, das vor Gewgeli operiert, hat einen Säeg
davongetragen. Der Feind hatte ſeine Stellung
auf der ganzen Linie bei Cahana verlaſſen und iſt in Un=
ordnung
unter Zurücklaſſung von 12 Geſchützen, zahlrei=
chen
Munitionswagen, 1600 Gewehren und viel Munition
geflohen. Die griechiſchen Truppen verfolgen den Feind.
ſie haben ein bulgariſches Bataillon völlig aufgerieben.
Die griechiſche Armee iſt auf dem Vormarſch.
Die Haltung der Türkei.
* Wien, 5. Juli. Die Neue Freie Preſſe erfährt
von diplomatiſcher Seite, daß zwiſchen der Türkei und
Bulgarien eine Vereinbarung erzielt worden iſt. Bul=
garien
verzichtet auf eine Kriegsentſchädigung, wogegen
die Türkei ihre Neutralität erklärt.
Die Mobiliſierung Rumäniens.
* Bukareſt, 5. Juli. Der Kriegsminiſter ver=
öffentlicht
einen Aufruf an alle, die ſich freiwillig in
das Heer einreihen laſſen wollen. Sie können ſich ein
Armeekorps ausſuchen und müſſen mindeſtens 18 Jahre
alt ſein. Unter den bisher Gemeldeten befindet ſich der
Führer der Liberalen, Jon Bratianu und ſein Bruder,
der Direktor der Nationalbank, der Exminiſter Martzun
und der liberale Abgeordnete Duca. Die Gattin Bra=
tianus
übernahm die Bildung einer Ambulanz mit 120
Betten. Viele Frauen und Mädchen meldeten ſich beim
Kriegsminiſterium als Krankenpflegerinnen. Auf Anreg=
ung
des Polizeipräfekten ſtellte die Sozialdemokratie ihre
Agitation gegen den Krieg ein. Nach Zeitungsmeldungen
aus der Provinz hält dort die allgemeine Kriegsbegeiſte=
rung
an.
* Bukareſt, 5. Juli. Die großen Kreditinſtitute
ſehen vorläufig die finanzielle Lage ohne große
Beſorgniſſe an und halten ein Moratorium für überflüſſig.
Die Generaldirektion der Eiſenbahnen macht bekannt, daß
der Abgang des Orientexpreß bis Sonntag garantiert iſt.
Das Amtsblatt erklärt: Vom Augenblick des Erſcheinen
des Mobilmachungsdekrets an werden alle Zei=
tungsnachrichten
über Truppenbewegungen, die Verſorg=
ung
mit Munition und überhaupt alles, was die Armee
betrifft, als Spionage angeſehen. Von liberaler Seite
wird auf die Notwendigkeit einer nationalen Regierung
hingewieſen, der die Organe der Regierung mit der Ver=
ſicherung
entgegentreten, daß ſolche überflüſſig und die
Regierung feſt ſei.
Eine Botſchaft des Königs Konſtantin.
* Athen, 5. Juli. Eine heute erſchienene könig=
liche
Botſchaft lautet: An mein Volk! Ich rufe
mein Volk zu neuem Kampfe auf. Verbündet mit
anderen chriſtlichen Staaten, um die leidenden Brüder zu
bbefreien, hatten wir das Glück, den Kampf von Sieg ge=
krönt
, die Sklaverei abgeſchafft und die griechiſchen Waf=
fen
zu Lande und zur See ruhmreich zu ſehen. Das be=
ſiegte
türliſche Reich trat den Verbündeten gemeinſam
das befreite Gebiet ab. Griechenland wollte, gerecht wie
immer, im Einverſtändnis mit den anderen Verbündeten
die freundſchaftliche Teilung des befreiten Gebietes, ent=
ſprechend
den Rechten jedes der Verbündeten und ſchlug
ſogar für den Fall einer Meinungsverſchiedenheit ein
Schiedsgericht vor. Bulgarien, im Gegenſatz zu ſei=
nen
Verbündeten, habgierig, weigerte ſich jeder
Verſtändigung und jeden Schiedsgerichts, und verſuchte
ſelbſt den größeren Teil der Siegesfrüchte ſich zuzueignen
und wollte den anderen Verbündeten nicht die Ge=
bietsteile
zuerkennen, die im Verhältnis zu
ihren Opfern ſtanden, auch die logiſche Notwendigkeit des
Gleichgewichtes zwiſchen den Staaten
nicht anerkennen und wandte jede Art von Hinterliſt und
Willkür an, indem es das Ziel dieſes Befreiungskrieges
und ſeine Verpflichtungen gegen ſeine Bundesgenoſſen
vergaß. Bulgarien vergaß die Lehren der bitteren Er=
fahrung
, welche die Völker der Balkanhalbinſel bei ihren

vergangenen Streitigkeiten hatten, und die glänzenden
Ergebniſſe des Zuſammenarbeitens und kam jetzt dazu,
die Freiheit ſelbſt zu bekämpfen und die Waffen gegen
ſeine Verbündeten zu richten, um ihre Rechte mit Füßen
zu treten und zu vergewaltigen, indem es ſo den
heiligen Zweck des gemeinſamen Kampfes zunichte macht.
Angeſichts dieſes unerhörten Betragens Bulgariens lag
die Pflicht der anderen Verbündeten klar zutage. Sie hat=
ten
den ihnen gebührenden Rang zu wahren und ihren
Bund aufrechtzuerhalten, um dem unerſättlichen
Vorgehen des ehemaligen Verbündeten Einhalt zu
bieten, damit ſie ihre vitalen Intereſſen verteidigen, ins
dem ſie die Anſprüche auf die Hegemonie niederkämpften
und ſo das Gleichgewicht der Staaten auf der Balkanhalb=
inſel
, welches ſo notwendig für ein harmoniſches Beiein=
anderleben
iſt, zu garantieren. Das griechiſche Volk in
enger Uebereinſtimmung mit Serbien und Mon= vertrauend auf die Heiligkeit ſeiner Sache,
greift wieder zu den Waffen und beginn
den Kampf für ſeine Altäre und ſeinen Herd von neuem=
Mein Ruf ergeht an meine Truppen zu Waſſen
und zu Lande, welche Griechenland groß machten, die=
ſen
edlen Kampf fortzuſetzen, um die von der türkiſchen
Tyrannei befreiten Brüder zu retten vor einer neuen
ſchrecklichen Sklaverei, welche ſie bedroht. Die helle=
niſche
Nation, in unerſchütterlichem Vertrauen auf ihre
Macht, ihr Recht und den Heroismus der Armee, welche
den griechiſchen Namen mit Ruhm bedeckt, Griechenland
auf die Höhe ſeiner heoriſchen Traditionen und glänzenden
Geſchichte wieder hinaufgehoben haben die griechiſche
Nation wird, deſſen bin ich vollſtändig ſicher, kein Opfer
ſcheuen, für den Erfolg des neuen Kampfes, welcher ver=
vollſtändigt
und das Werk der erſten Befreiung garan=
tiert
, und dieſer Kampf hat den Segen Gottes wie der
erſte. Ich rufe ſeine Gnade an. Es lebe Groß= Griechen=
land
, es lebe die griechiſche Nation! Gegeben Balzak,
20. Juni 1913. Konſtantin Rex.
Die Kämpfe der Serben und Bulgaren.
* Wien, 4. Juli. Die Reichspoſt veröffentlicht in
einer Extra=Ausgabe eine Depeſche ihres Privatkorreſpon=
denten
Wagner aus Sofia, in welcher ein großer bul=
gariſcher
Sieg am Owtſche Polje und der
Rückzug der Serben aus Uesküb=Kumanowo gemelden
wird. Die geſtrige Schlacht am Owtſche Polje wütete 11
Stunden hindurch auf einer zehn Kilometer langen Front.
Die Schlacht entſchied ſich nach neunſtündigem
Kampfe durch das Eintreffen einer ſtarken bulgariſchen
Kolonne von Norden, welche die Serben auf dem linken
Flügel angriff und mit einer Umgehung bedrohte, ſo daß
die ſerbiſche Armee den Rückzug auf Uesküb antreten
mußte. Auf der ſerbiſchen Seite kämpften auch Monte=
negriner
.
* Belgrad, 5. Juli. Das Serbiſche Preßbureal
meldet: Nach ihren tückiſchen Angriffen in den Kämpfen
der letzten Tage ſind die Bulgaren auf der ganzen
Front zurückgeſchlagen worden. Sie beſetzten das
linke Ufer des Bragalnitzafluſſes und des Nebenfluſſes
Zlatowo mit dem rechten Flügel und der ſiebenten Rill=
diviſion
in gut befeſtigten Stellungen mit der Abſicht, en=
ſchnelles
Vordringen unſerer Truppen aufzuhalten. Nuſſ
nehr fand ein blutiger Kampf ſtatt; die Bulgaren
wehrten ſich verzweifelt, waren aber nicht imſtande, dem
Eindringen der ſerbiſchen Truppen zu widerſtehen. Nach
den tagelangen blutigen Kämpfen iſt der 60
Bataillone und 120 Kanonen ſtarke rechte Flügel
der Bulgaren vollſtändig geſchlagen und
zerſtreut worden. Sein hauptſächlichſter Stützpunkt, die
Anhöhe bei Raitſchani, iſt nach einem Artilleriegefecht
von den Serben und Montenegrinern durch einen Bajo=
nettangriff
im Sturm genommen worden. An der Spitze
der Truppen befand ſich in dem entſcheidenden Augenblick
der Thronfolger Prinz Alexander. Die Bulgaren ſind
auf den Höhen von Platſchkawitza zurückgeworfen und
von unſeren ſiegreichen Truppen verfolgt worden. Wir
nahmen viele gefangen und machten Kriegsbeute.
* Sofia, 4. Juli. Nachdem die ſerbiſchen Trup=
pen
die Poſten an der bulgariſchen Grenze bei Fata=
ric
a angegriffen und 10 Kilometer ins Innere des De=
partements
Küſtendil eingedrungen waren, unternahmen
heute früh zwei bulgariſche Bataillone einen Angriff=
gegen
die ſerbiſchen Bataillone, welche bis da=
hin
vorgedrungen waren, ſchlugen ſie vollſtändig=
in
die Flucht und verfolgten ſie bis Kiſſelica,
nördlich von Egri Palanka. Sodann nahmen die Bul=
garen
die Höhen bei Kiſſelica, wobei 5 Offiziere und
gegen 200 Soldaten gefangen genommen wurden. Außer=
dem
wurden drei Schnellfeuerfeldgeſchütze, ein Gebirgs=
geſchütz
, drei Maſchinengewehre, 26 Pferde, ſowie eine
Menge Munition, Torniſter und Zelte erbeutet.
* Belgrad, 4. Juli. Heute abend um 7 Uhr trafen
1442 bulgariſche Gefangene, darunter ein Oberſt=
leutnant
, 17 Offiziere und zwei Militärärzte, hier ein.
Die Ueberführung derſelben in die Feſtungskaſernen er=
folgte
ohne Zwiſchenfall.
Darmſtadt, 7. Juli.
nn. Strafkammer I. (Sitzung vom 5. Juli.) Der=
noch
unbeſtrafte Maurermeiſter Chriſt aus Beſſungen
ſtand wegen Vergehens gegen das Sprengſtoffgeſetz
infolge mangelhaften Aufbewahrens von Zünd=
ſchnüren
und Sprengkapſeln vor dem Strafrichter.
Er hatte in ſeiner auf ſeinem Grundſtück errichteten Bau=
hütte
Zündfaden und Sprengkapſeln leicht zugänglich
aufbewahrt. Die noch Schulpflichtigen und ebenfalls
wegen Einbruchsdiebſtahl angeklagten Julius Wenz und
Ludw. Leißler aus Beſſungen hatten Kenntnis von dieſen
gefährlichen Sprenggegenſtänden. Sie drangen durch Ab=
reißen
von Lattenſtücken in die Bauhütte ein und entwen=
deten
von den Sprengkapſeln 7 Stück mit den dazu=
gehörigen
Zündfaden. Später brachten die Knaben
5 Stück der Sprengkapſeln im Beſſunger Wald zur
Exploſion. Nach eingehender Beweisaufnahme wurden
die beiden 12jährigen Angeklagten Julius Wenz und
Ludwig Leißler mangels Einſicht der Strafbarkeit ihrer
Tat vom Einbruchdiebſtahl freigeſprochen. Dagegen wurde
der mitangeklagte Maurermeiſter Chriſt wegen Ver=
gehens
gegen das Sprenggeſetz zu drei Monaten
Gefängnis und in die Gerichtskoſten verurteilt.
Dem Verurteilten wurde hierbei der Weg der Gnade
des Großherzogs anheimgeſtellt.

Sporf, Spiel und Turnen.

Olympiſcher Sport. Glänzende Erfolge der Darn=
ſtädter
Olymvia in Frankfurt. Bei den geſtern in Frank=

[ ][  ][ ]

furt abgehaltenen internationalen olympiſchen Wett=
kämpfen
ſchnitt Olympia=Darmſtadt vorzüglich ab. Jo=
ſeph
Schröck gewann den 800 Meter=Lauf in prächtiger
Weiſe in 2 Minuten 3 Sekunden. Teddy gewann den
1000 Meter=Juniorlauf ſicher in 2 Minuten 46 Sekunden
gegen 15 andere Konkurrenten. Die mit großer Span=
nung
erwartete 3 X 1000 Meter=Stafette wurde ſchon
durch den erſten Mann von Darmſtadt, Hans Schröck ent=
ſchieden
, der durch ganz brillanten Endſpeunſ ſeinem Ver=
ein
die Führung gab Trotzdem der Hauptkonkurrent
Mannheim nur die 3 X 1000 Meter=Stafette lief, konnte
er gegen Darmſtadt nicht aufkommen. Jütte belegte im
Kugelſtoßen den zweiten Platz und im Diskuswerfen den
dritten. Die 10 X 100 Meterſtafette für Militär gewann
ebenfalls die erſte Kompaanie des Großh. Leibgarde= In=
fanterie
=Regiments Nr. 115. Als Schlußmann lief für
das 115. Regiment der Einjährig=Gefreite F. Weber, der
gegen die Schlußleute des Hanauer Eiſenbahn= Regimen=
tes
und der Mainzer Pioniere durch prächtigen Endſpurt
ſicher gewann.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Berlin, 5. Juli. Das Militärwochenblatt meldet:
Freiherr v. d. Goltz, Generalfeldmarſchall und General=
inſpekteur
der Zweiten Armeeinſpektion, wurde auf ſein
Geſuch von dieſer Stellung enthoben und iſt in das Ver=
hältnis
der Offiziere zur Dispoſition übergetreten. Er
verbleibt im Verhältnis als Chef des Infanterie= Regi=
ments
von Boyen (5. Oſtpreuß.) Nr. 41 und wird auch
ferner in der Dienſtaltersliſte der Generale geführt.
5. Sachs, Generalmajor und Inſpekteur der Erſten
Pionierinſpektion, wurde zum Inſpekteur der Feldtele=
graphie
, Adams, Oberſt, mit dem Range eines Brigade=
kommandeurs
und Abteilungschef im Kriegsminiſterium,
wurde zum Inſpekteur der Erſten Pionierinſpektion er=
nannt
.
* Travemünde, 5. Juli. Der Kaiſer und Prinz
Heinrich nahmen an dem Herrenabend des Kaiſer=
lichen
Jachtklubs, des Norddeutſchen Regattavereins und
des Lübecker Jachtklubs im Neuen Kurhaus teil. Vor=
her
nahm der Kaiſer die Preisverteilung für die geſtrige
Wettfahrt vor.
* Wien, 5. Juli. Das Fremdenblatt ſchreibt: Ent=
gegen
den bis in die letzte Zeit bekundeten Abſichten ent=
ſchloſſen
ſich die Landesausſchüſſe aller Parteien
Böhmens, auf ihre Stellen nicht Verzicht zu leiſten, da=
mit
der Beſtand des Landesausſchuſſes aufrecht erhalten
werde. Ob und wie lange der Landesausſchuß dieſer
Verantwortung gegenüber der unmittelbar bevorſtehenden
finanziellen Kriſe gewachſen ſein wird, dürfte vielleicht die
nahe Zukunft klären. Vor dieſem kritiſchen Augenblick
einzugreifen, hatte die Regierung von vornherein niemals
im Sinne. Der Zeitpunkt des Eingreifens iſt ihrer pflicht=
gemäßen
Wahrnehmung vorbehalten. Von gehegten und
nachher fallen gelaſſenen Plänen der Regierung zu reden,
erſcheint daher der Sachlage nicht entſprechend. Da die
Landesausſchußmitglieder ſich zum Verbleiben in ihrem
Amte entſchloſſen, haben ſie ſich damit bereit erklärt, die
volle ausſchließliche Verantwortung für die Fortfühlung
der Landeshaushalte bis auf weiteres tragen zu wollen.
* Paris, 5. Juli. Der Miniſterrat ſprach ſich heute
vormittag im Prinzip zugunſten der Einſtellung
von Militärpflichtigen im Alter von
20 Jahren unter dem Vorbehalt ſtrenger Auswahl
bezüglich der Tauglichkeit aus.
Paris, 6. Juli. Den Blättern zufolge wurde ein
junger Menſch, angeblich ein Deutſcher, namens
Paul Rudowsky, welcher ſich auf einem hieſigen
Polizeikommiſſariat nach der Adreſſe eines Landsmannes
erkundigen wollte, wegen Landſtreichens feſtgehalten
und durchſucht. In ſeiner Reiſetaſche ſollen mehrere
Papiere gefunden worden ſein, welche als Kopf die
Kruppſche Firma aufgedruckt trugen und Zeich=
nungen
von einem für Flugzeuge beſtimmten Maſchinen=
gewehre
enthielten. Der Polizeipräfekt wurde ſofort
von dem Funde verſtändigt. Beim Verhöre erzählte er,
ſein Vater ſei mehrer. Jahre als Werkführer bei Krupp
angeſtellt geweſen, und daß einer ſeiner Freunde ſich
in der Kruppſchen Fabrik mehrere Schriftſtücke über
Kriegswaffen verſchafft und ſie dann für 10000 Mark
an das Ausland verkauft habe. Dies habe
ihn auf die Idee gebracht, ſich die Pläne für ein Ma=
ſchinengewehr
für Flugzeuge zu verſchaffen und ſie an
Frankreich zu verkaufen. Er ſei ohne Wiſſen ſeiner
Eltern am 23. Juni nach Paris abgereiſt, jedoch bald
in Not geraten. Die bei Rudowsky gefundenen Papiere
wurden dem Kriegsminiſterium übergeben, wo ſie genau
geprüft werden ſollen. Nach einem anderen Bericht ſei
Rudowsky im Laufe der Woche viermal im Kriegs=
miniſterium
erſchienen, um ſeine Papiere zu verkaufen,
ihm ſei jedoch daſelbſt die Tür gewieſen worden.
* Apeldoorn, 5. Juli. Der ſozialiſtiſche Führer und
Abgeordnete Troelſtra wurde auf dem Schloſſe Loo
mit dem üblichen Zeremoniell von der Königin
empfangen. Die Audienz dauerte eineinhalb Stun=
den
. Nach Verabſchiedung von der Königin frühſtückte
Troelſtra im Schloſſe. Als er das Schloß verließ, be=
ſtürmten
ihn Journaliſten mit Fragen. Er weigerte ſich
indeſſen, etwas über die Unterredung verlauten zu laſſen
und erklärte nur, daß ſich die Königin mit großer Lie=
benswürdigkeit
mit ihm unterhielt.
* Petersburg, 5. Juli. In dem Prozeß gegen 52 der
Meuterei angeklagte Matroſen der baltiſchen Flotte
fällte das Marinekriegsgericht nach achttägiger Verhand=
lung
heute das Urteil. 27 Seeleute wurden zu Zwangs=
arbeit
, 20 zur Einreihung in die Arreſtantenabteilungen
verurteilt. Fünf wurden freigeſprochen.
* Petersburg. 5. Juli. Gegenüber Blättermeldungen
von dem Brande eines Hotels in Simbirsk, bei
dem 154 Perſonen verbrannt ſein ſollen, ſtellt die Peters=
burger
Telegraphenagentur feſt, daß im Dorf Aſtra=
damowka
in der Nähe von Simbirsk vier Häuſer
niederbrannten, wobei 14 Perſonen umkamen; ein
anderer Brand habe ſich nicht ereignet.
* Nowotſcherkask, 5. Juli. Ein Orkan richtete
große Verwüſtungen im hieſigen Diſtrikte an. 9000
Deſſjätinen Getreide und Gemüſegärten ſind vernichtet.
Zahlreiches Vieh iſt umgekommen. Der Schaden wird
auf eine Million Rubel geſchätzt.

Charlottenburg, 5. Juli. Steuerſekretär Rieſe
iſt mit ſeiner Frau nach Unterſchlagungen in der Höhe von
200000 Mark zum Schaden verſchiedener Privatfirmen
geflüchtet. Rieſe iſt, wie feſtgeſtellt wurde, vor un=
gefähr
zwei Tagen nach England abgereiſt. Eine Reviſion
der ihm unterſtellten Steuerzahlſtelle ergab, daß dort
keine Gelder fehlen.
H. B. Iſchl, 5. Juli. Der heute früh 7 Uhr hier ein=
getroffene
Miniſter des Aeußern, Graf Berchtold
wurde um 11 Uhr vom Kaiſer in Audienz empfangen, in

welcher er eingehenden Bericht über die politiſche Lage
erſtattete und in der die Richtlinien für die Politik der
Monarchie in den verſchiedenen Fällen, die ſich aus dem
Verlauf des Balkankrieges ereignen könnten, beſprochen
wurden. Die Audienz dauerte 1½ Stunden.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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Leiden meine liebe Frau, unſere liebe Tochter,
Schwägerin und Tante
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Frau Lisa Kempin
geb. Lautenschläger.
Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Kurt Kempin,
Georg Lautenſchläger,
Anna Lautenſchläger geb. Dietrich.
Die Beerdigung findet Dienstag vormittag
10½ Uhr auf dem ſtädtiſchen Friedhofe ſtatt.

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute entſchlief ſanft nach langen, ſchweren
Leiden unſere liebe Schweſter, Tante und
Schwägerin
(14785
Fräulein
Mathilde Zaun.
Darmſtadt, den 5. Juli 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Einſegnung u. Einäſcherung finden auf Wunſch
der Verſtorbenen in aller Stille ſtatt.
Blumenſpenden dankend verbeten.

Danksagung.
Für die uns beim Hinscheiden un-
seres
lieben Vaters erwiesene Teilnahme
sagen wir unseren herzlichsten Dank.

2483)

Baurat Karl Zimmermann
und Frau Lina, geb. Frank.

Heppenheim (Bergstr.), Juli 1913.

Tageskalender.

Vortrag von Hauptlehrer Löſch um 5¼ Uhr im Hör=
ſaal
138 der Techniſchen Hochſchule (Lehrerverein)
Bilder vom Tage (Auslage: Expedition, Rhein=
ſtraße
23): Der Kaiſer in Hagenbecks Tierpark zu Stel=
lingen
, Brindejone in Kopenhagen, die Reichstags=
ſitzung
vom 30. Juni, in der die Wehrvorlagen ange=
nommen
wurden.

Verſteigerungskalender.

Dienstag, 8. Juli.
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Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
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(14767a

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Betr.: Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit in hand=
werksmäßigen
Betrieben.
Nachdem in letzter Zeit wiederholt in Betrieben des Handwerks
Verſtöße gegen die Vorſchriften über die Sonntagsruhe feſtgeſtellt
und zur gerichtlichen Anzeige gebracht worden ſind, bringen wir die
für die in nachfolgender Tabelle bezeichneten Gewerbebetriebe zuge=
laſſenen
Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit erneut zur
Kenntnisnahme und Nachachtung.

Die Erd=, Maurer=, Vöphalt= und Staßerarbeiten

ſowie die Herſtellung der maſſiven Decken und maſſiven Geſimſe
für das Chefarzt= und Verwaltungsgebäude Heim Neubau eines
Garniſon=Lazaretts zu Darmſtadt ſollen in zwei Loſen vergeben
werden.
Los I Erd=, Maurer=, Asphalt= und Stakerarbeiten,
Los II maſſive Decken und maſſive Geſimſe.
Die Bedingungen und Zeichnungen liegen im Neubaubureau
für das Garniſon=Lazarett, Eſchollbrückerſtraße (Akazien=Garten) wäh=
rend
der Dienſtſtunden von 8 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis
6 Uhr nachmittags zur Einſicht offen und können daſelbſt die Ver=
dingungsunterlagen
gegen poſt= und beſtellgeldfreie Einſendung von
Mk. 2. für Los I und Mk. 0.90 für Los II bezogen werden.
Die ausgefüllten Angebote ſind verſiegelt und mit entſprechen=
der
Aufſchrift verſehen, nebſt den vorgeſchriebenen Proben bis zum
28. Juli 1913 für Los I vormittags 10 Uhr und
II
1080 Uhr
an das vorgenannte Geſchäftszimmer einzuſenden, zu welcher Zeit
die Eröffnung erfolgt.
(IV,14474,72
Die Zuſchlagsfriſt beträgt acht Wochen.
Darmſtadt, den 3. Juli 1913.
Militär=Bauamt.

Bezeichnung
Art der Betriebe
Bedingungen
der zugelaſſenen Arbeitszeit
1. Schneiderei im 1 Der Betrieb iſt geſtattet an 1 Werden 10 Arbeiter
handwerksmäßi= 16 nach Wahl des Arbeit= 1 oder mehr in dem
gebers zu beſtimmenden Betriebe regelmäßig
gen Betrieb
Sonn= nnd Feſttagen bis beſchäftigt, ſo dürfen
12 Uhr mittags. Dieſe Be= jugendliche Arbeiter
fugnis findet auf das Weih= 1 (Perſonen unter 16
nachts=, Neujahrs=, Oſter= Jahren) zur Sonn=
Himmelfahrts= u. Pfingſt=tagsarbeit nicht her=
feſt
keine Anwendung. angezogen werden.
für jugendliche Ar=
2. Damenkonfek= Wie zu 1
beiter verboten
tion und Putz=
macherei

Wie zu 1.
3. Schuhmachere, (We zu 1
Wie zu 1.
Wie zu 1
4. Kürſchnerei,
5. Herſtellen von Wie zu 1
Wie zu 1.
Strohhüten
6. Ehemiſche
Wie zu 1
Für jugendiche u.
Wäſcherei und
beiter verboten.
Schönfärberei
Kleidungsſtücke

Wenn Arbeitgeber von dem Recht der Sonntagsarbeit nach
den obigen Vorſchriften Gebrauch machen wollen, müſſen ſie dies
vor dem Beginn der Beſchäftigung der Ortspolizeibehörde (Großh.
Polizeiamt) anzeigen, ſowie innerhalb der Betriebsſtätte an geeigneter,
den Arbeitern zugänglicher Stelle eine Tafel aushängen, welche in
deutlicher Schrift die für die Beſchäftigung von Arbeitern an Sonn=
tagen
geltenden Vorſchriften enthält, wie ſie ſich nach dieſer Bekannt=
machung
(auf Grund der Bundesratsbekanntmachung vom 5. 2. 1895)
für ihre Betriebe ergeben. (Solche Tafeln ſind in L. Kunzes Druckerei
dahier, Nieder=Ramſtädterſtraße 35, zum Preiſe von 30 Pfennig er=
hältlich
).
Wer den vorſtehenden Beſtimmungen zuwider Arbeiter an
Sonn= und Feſttagen beſchäftigt, wird gemäß § 146a der R.= Ge=
werbeordnung
mit Geldſtrafe bis zu 1000 Mark, im Unver=
vermögensfalle
mit Haft beſtraft.
(14749oi
Darmſtadt, den 3. Juli 1913.

Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Dachdeckerarbeit.

Die Dachdeckerarbeit bei Umdecken des Daches des 1. Schul=
hauſes
ſoll in Submiſſion vergeben werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Bedingungen liegen bei unterzeich=
neter
Behörde zur Einſicht offen und ſind Angebote bis Donners=
tag
, den 10. Juli d. Js., nachmittags 5 Uhr, daſelbſt einzureichen.
Griesheim, am 4. Juli 1913.
(14751
Großh. Bürgermeiſterei Griesheim.
Kunz.

Bekanntmachung.

Die Abgabe eines zur Zucht nicht mehr tauglichen Faſel=
Ochſen ſoll im Wege des öffentlichen Angebots erfolgen. Verkaufs=
bedingungen
liegen während der Geſchäftsſtunden bei uns zur Einſicht
offen. Angebote ſind ſchriftlich bis zum 11. d. Mts., nachmittags
5 Uhr, bei unterzeichneter Stelle einzureichen. Beſichtigung des zum
Verkauf ſtehenden Tieres iſt während der Fütterung im Faſelſtall
geſtattet.
Arheilgen, den 4. Juli 1913.
(14752
Großh. Bürgermeiſterei daſelbſt.

Benz.

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ziehtiſch
mit Einlagen, 1 Kommode, 1 Sekretär, 1 Sofa mit
Ripsbezug, 1 zweitüriger Kleiderſchrank und 1 Vorrats=
ſchrank
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Die Möbel ſind alle nußbaum poliert und ſehr gut er=
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Die Verſteigerung findet an den Meiſtbietenden gegen bare
Zahlung ſtatt.
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[ ][  ][ ]

Kongreite und Verbandstags.

39. Deutſcher Aerztetag.
II.
Elberfeld, 4. Juli. Unter überaus zahlreicher
Beteiligung von Delegierten und Mitgliedern, ſowie von
Vertretern ſtaatlicher und ſtädtiſcher Behörden trat heute
der 39. Deutſche Aerztetag im Kaiſerſaal der Stadt=
halle
zu ſeinen Beratungen zuſammen. Der Vorſitzende,
Sanitätsrat Dr. Dippe=Leipzig, hieß die Teilnehmer
willkommen und gedachte dann der Verſtorbenen des letz=
ten
Jahres. Der Redner ging dann auf den Streit mit
den Krankenkaſſen ein und betonte, daß die Aerzte=
ſchaft
zum Frieden bereit ſei. Die Muſterverträge ent=
ſprächen
auch dem Wohle der Krankenkaſſen, ſie vertrügen
ſich allerdings nicht mit dem Arbeitgeberſtandpunkt: Ich
will Herr im Hauſe ſein und meine Aerzte zulaſſen, abhalf=
tern
und behandeln wie es mir gefällt.
Aus dem Geſchäftsbericht geht hervor, daß der
Aerztevereinsbund gegenwärtig 416 Vereine mit ca. 26000
Mitgliedern umfaßt. Nach einem Bericht von Dr. Mun=
ter
=Berlin über die Verſicherungskaſſe referierte Dr.
Franz=Schleiz über die Arbeiten der ſogenannten Kur=
pfuſchereikommiſſion
. Er betonte die Notwendigkeit einer
verſchärften Bekämpfung des Kurpfuſchereiunweſens. Der
Kampf müſſe auf eine breitere Baſis geſtellt werden, dazu
ſei eine Verſtärkung der Kommiſſion notwendig. Dr.
Streffer=Leipzig erſtattete den Bericht der Kranken=
kaſſenkommiſſion
. Er ſchilderte das gegenwärtige Verhält=
nis
zwiſchen Krankenkaſſen und Aerzteſchaft und betonte,
die Aerzteſchaft wiſſe, was ſie wolle. Wenn ſie einig ſei,
brauche ſie überhaupt nichts zu fürchten. Wenn ein ver=
tragsloſer
Zuſtand kommen ſollte, dann würden ſich die
Aerzte durchaus nicht genieren, von allen möglichen und
erlaubten Mitteln mit aller Schärfe Gebrauch zu machen.
Wir ſind 25000 deutſche Aerzte, und wenn die Kranken=
kaſſen
ſich nicht dazu verſtehen können, ſich bis zum In=
krafttreten
der Reichsverſicherungsordnung am 1. Januar
1914 mit uns zu verſtändigen, dann wollen wir eben den
Kampf von neuem beginnen. (Lebh. Beifall.)
Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf die
ärztliche Tätigkeit bei ſogenannten gemeinnützi=
gen
Vereinen. Der Referent Dr Götz=Leipzig ver=
langte
, daß auch die Tätigkeit bei dieſen gemeinnützigen
Vereinen, wie z. B. dem Roten Kreuz, den Aerzten bezahlt
werde, ſolange man in Deutſchland noch keinen Zukunfts=
ſtaat
habe. Das Publikum meint ſchon, daß die Aerzte nur
deshalb ihre Tätigkeit unentgeltlich dieſen Vereinen wid=
men
, weil ſie dadurch leichter bekannt und oben gut ange=
ſchrieben
werden und leichter Titel und Orden bekommen.
Die Entſcheidung über das, was unſere Standesehre ver=
bietet
, wollen wir nicht den hohen Herren vom Roten
Kreuz, den Generälen a. D., überlaſſen, ſondern uns ſelbſt.
Hierzu lag ein Antrag Leipzig=Land vor, wonach ärztliche
Tätigkeit in gemeinnützigen Vereinen nur gegen Bezahl=
ung
ausgeübt werden ſoll. Nach längerer Debatte wurde
ſchließlich ein Antrag Frankfurt a. M. angenommen, der
die Tendenz des Leipziger Antrages billigt, aber vorerſt
den geſchäftsführenden Ausſchuß beauftragt, weiteres Ma=
terial
zu ſammeln und dem nächſten Aerztetage vorzulegen.
Nach einer Pauſe referierte Dr. Meder=Köln über die
Impffrage. Der Referent ſchlug eine Reſolution vor,
in der im Namen von 26500 deutſchen Aerzten die Auf=
rechterhaltung
des Reichsimpfgeſetzes vom 8. April 1874
gefordert und die Angriffe gegen die Impfung als unbe=
rechtigt
zurückgewieſen werden. Ein Ergänzungsantrag
verlangte, daß der Geſetzgeber vor einer Berückſichtigung

der Korderung auf Einführung der ſogenannten Gewif=
ſensklauſel
gewarnt wird. In der Diskuſſion wurde an=
geführt
, daß es im Oſten Impfgegner nicht gebe, weil die
Leute da die pockennarbigen Geſichter unſerer öſtlichen
Nachbarn zu ſehen bekommen. Die Reſolution wurde
ſchließlich angenommen und darauf die Beratungen auf
morgen vertagt.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Die engliſche Lawn=Tennis=Meiſterſchaft im Her=
ren
=Doppelſpiel die jetzt in Wimbledon, der klaſſiſchen
Stätte der engliſchen Lawn=Tennis=Meiſterſchaften, zum
Austrag gelangt, brachte Rahe-H. Kleinſchroth einen be=
merkenswerten
Erfolg. Das deutſche Paar ſtand in der
Schlußrunde den Engländern Parke-A. E. Beamiſh ge=
genüber
und ſchlugen dieſe ſehr ſicher 63, 62, 64.
Dieſer Sieg iſt umſo bedeutungsvoller, als ſo gute Spie=
ler
wie A. F. Wilding, F. S. Wilding, S. N. Douſt, F.
G. Lowe, A. H. Lowe, Gore, vorzeitig ausgeſchieden wa=
ren
. Allerdings haben ſich Rahe-H. Kleinſchroth ihren
endgültigen Sieg noch in der Herausforderungsrunde gegen
H. Roper Barret-C. P. Dixon zu erkämpfen.

Landwirtſchaftliches.

* Berlin, 5. Juli. Wöchentlicher Saaten=
ſtandsbericht
der Preisberichtſtelle des
Deutſchen Landwirtſchaftsrats. Endlich iſt
der erſehnte Regen auch in den Gebieten öſtlich der Elbe
gefallen, deren Saatenſtand, wie vor allem in Branden=
burg
und Weſtpreußen, unter einer monatelangen Dürre
außerordentlich gelitten hatte. Nur zu beiden Seiten der
unteren Elbe und Weſer, ſowie in Heſſen=Naſſau, im Re=
gierungsbezirk
Trier und in Elſaß=Lothringen ſind unter
10 Millimeter Regen gefallen, ſonſt über 25 Millimeter,
ſowie im Gebiet der Weichſel, in Oberſchleſien und in den
Bayeriſchen Alpen über 50 Millimeter und ſtellenweiſe ſo=
gar
über 100 Millimeter. Der Regen hat allgemein eine
wirkſame Erfriſchung der Saaten herbeigeführt. Wenn
das auch am nachhaltigſten bei den Futterpflanzen und
Hackfrüchten der Fall ſein dürfte, ſo iſt der Regen auch
noch den Getreidepflanzen zugute gekommen. Zwar ſteht
der Roggen auf den leichteren Böden Norddeutſchlands
vielfach unmittelbar vor der Ernte, ſodaß der Regen in
dieſen Fällen wohl nicht viel mehr wird beſſern können.
Auf die Sommerſaaten werden die Niederſchläge fördernd
einwirken. Weizen hat im allgemeinen ſeinen befriedigen=
den
Stand behauptet. Die Wintergerſte iſt ſchon mehrfach
geſchnitten. Die Heuernte iſt in vielen Bezirken beendet,
doch ſind Klagen im Weſten und Süden nicht ſelten, daß
die naſſe Witterung das Bergen des Heues erſchwert und
die Qualität beeinträchtigt. Im allgemeinen iſt jedoch
der erſte Schnitt ein befriedigender, vielfach ein guter, und
die Niederſchläge der letzten Wochen verſprechen einen
zweiten Schnitt, auf den man ſchon vielfach infolge der
Dürre nicht mehr gehofft hatte. Von den Hackfrüchten
ſtehen die Rüben insbeſondere die Zuckerrüben, verhält=
nismäßig
am beſten, während hauptſächlich im nordöſt=
lichen
Deutſchland mehrfach über einen geringen Stand
der Kartoffeln geklagt wird. Doch darf man hoffen, daß
die beſſere Witterung auch die Kartoffeln bald in ihrer
Entwicklung vorwärts bringen wird. Die Mehrzahl der
Berichte hebt hervor, daß die anhaltende kühle Witterung
den Einfluſt der Niederſchläge auf die Vegetation abge=
ſchwächt
und die Entwicklung zurückgehalten habe, ſo daß
die Getreideernte, für welche man noch vor kurzem infolge
der Dürre einen frühzeitigen Termin prophezeit hatte, jetzt
vorausſichtlich eine Verſpätung erfahren wird. Wärmeres
Wetter iſt dringend erwünſcht.

Handel und Verkeſtr.

Patente uſw. (Mitgeteilt von Dipl.=Ing. Klemens
Herszberg u. Co., Patent= und Ingenieur=Bureau, Darm=
ſtadt
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Darmſtadt, Lindenhofſtraße 33. 6. 6. 13. D. 25 152. 33 c.
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a. M. 5. 6. 13. B. 63967. 33d. 55 153. Raſier=
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und auseinandernehmbarem Stativ, welches außer
mit dem Spiegel noch mit den Haltern bezw. Trägern
für Raſiergeräte und andere Toilettegegenſtände verſehen
iſt. Huppe u. Bender Offenbach a. M. 9. 6. 13. H. 61 397.
33 d. 559 154. Zerlegbarer Toiletteſtänder. Huppe u. Ben=
der
, Offenbach a. M. 9. 6. 13. H. 61 398. 34e. 559 300.
Klemme für Vorhangſchnüre. Ludwig Becker, Darmſtadt,
Bleichſtraße 51, 10. 6. 13. B 64023. 34k 559 058.
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Goldmann u. Co Offenbach a. M. 31. 5. 13. O. 7927.
36c. 558 633. Heizkörper. W. Rivoir jr., Offenbach a. M.,
Kaiſerſtraße 111, 26. 5. 13. R. 36 093. 36 d. 559 109. Dunſt=
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M., Goetheſtraße 86. 28. 4. 13. R. 35849. 37 b. 559 192.
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Offenbach a. M., Iſenburgring 36. 9. 6. 13. W. 40 340. 63e.
558 926. Rohrſchelle mit Kugelgelenk zum Anſchluß der
Luftpumpe am Fahrrad uſw. Victor Wildmann, Offen=
bach
a. M., Iſenburgring 36. 9. 6. 13. W. 40 341. 71C
558 578. Oeſenheftvorrichtung. Jean Herth, Darmſtadt,
Mühlſtraße 26. 4. 6. 13. H. 61338. 74 a. 559047. Signal=
ſtänder
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u. dl. Adolf Scherach, Worms, Sickingerſtr. 12.
28. 5. 13. Sch. 48 450. 85e. 558823. Waſſerſteinſeiher
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Ich liebe Dich!
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(Nachdruck verboten.)

XVI.
Elias Krottenheim ſaß aufrecht im Bett und muſterte
wütend den Etagenoberkellner, der zwei Schritte von ihm
entfernt ſtand.
Sagt mal, Herrſchaften, was iſt denn nun eigentlich
los? Seid ihr denn alle des Deiwels?! Vorhin, als mir
die Marjell oder was das ſonſt für ein Weibsbild iſt
den Kaffee brachte, habe ich ausdrücklich angeordnet,
daß man mich bis mittag ſchlafen laſſen ſoll! Und jetzt
kommen Sie ſchon zum zweiten Male und murmeln mir
da was in die Ohren . . .
Der Oberkellner betrachtete ihn mit unverhülltem
Mitleid.
Wenn es nach mir ginge, dann würden Herr Forſt=
meiſter
gewiß nicht geſtört werden. Aber der Herr Leut=
nant
läßt ſich doch durchaus nicht abweiſen.
Der Mann im Bett fuhr ſich verzweifelt durch das
mörderiſch ſchmerzende Haar.
Was für ein Leutnant denn, zum Donnerwetter?!
Ich kenne keinen Leutnant; aber meine Ruhe will ich
haben!
Hier iſt ſeine Karte, Herr Forſtmeiſter.
Elias Krottenheim nahm ſie, rutſchte ein wenig im
Bett herum, bis das Licht hell auf das Kartonblatt fiel
und buchſtabierte mühſam:
Günter Freiherr von Oſtheeren
Leutnant im 6. Garde=Feldartillerie=Regiment
Erbprinzeſſin Melanie von Heſſen
Berlin.

Eine Weile dachte er nach. Es ging nur langſam.
Allmählich aber kam die Erleuchtung.
Sie ich glaube . . . den Herrn kenne ich docht
.. . Natürlich kenne ich ihn! Iſt ja der Sohn von mei=
nem
ollen . . . Ach ſo! Und Sie meinen alſo, daß ich
den Herrn Leutnant unbedingt ſofort empfangen ſoll?
Himmel, muß der die Nacht durchgefallen ſein! re=
flektierte
der Befrackte neidiſch. Dabei machte er wieder
ſeinen Kratzfuß.
Herr Forſtmeiſter verzeihen, aber das meine nicht
ich, ſondern das meint der Herr Leutnant ſelber!
So! . . . Na ja; iſt ja wunderſchön! Alſo dann
möcht er man freundlichſt in ner Viertelſtunde wieder=
kommen
. Bis dahin werd ich mich n büſchen für ihn
putzen und ſchön machen!
Sehr wohl, Herr Forſtmeiſter!
Und als der alte Herr allein war, turnte er erſt einige
Male fluchend und ſtöhnend im Bett herum, bis er ſchließ=
lich
mit beiden Füßen auf dem Bettvorleger Grund be=
kam
. Damit war das ſchwerſte überwunden; nachdem
er dann auch noch ſein europäiſches Gleichgewicht gefun=
den
hatte, begann große Wäſche.
Einen harmloſen Menſchen zu ſo ſündhafter Zeit zu
ſtören als ob man ’n Nachtwächter iſt! . . Die Ber=
liner
ſind verrückt alle miteinander! . . . Am ausgeſtreck=
ten
Arm verhungern laſſen die ganze Bande! . . .
So vertrieb er ſich die Zeit, bis der liebe Beſucher
ſich wieder einſtellte.
Ein ſchneller Blick in den Spiegel überzeugte Elias
Krottenheim davon, daß er trotz verquollener Phyſiog=
nomie
leidlich reſpektabel ausſähe. Das hob ſeine Stim=
mung
erheblich und er begrüßte den Baron mit kräftigem
Händedruck.

Eir ale de wer wir in wider mit Forhen, Br=
ron
, und ſchön Dank, daß Sie mich hier zu nachtſchlafen=
der
Zeit in meinem Bau aufſtöbern.
Was bleibt weiter übrig, Herr Forſtmeiſter? Vor=
geſtern
auf dem Rennplatz haben wir uns leider verpaßt;
geſtern nachmittag ſuchte ich Sie in der Kalckreuthſtraße
ebenfalls vergeblich, weil Sie Ihre Sitzung hatten; alſo
war nur noch der heutige Vormittag, ſonſt fahren Sie
ſchließlich wieder ab, ohne daß ich Sie geſehen habe.
Und das hätte natürlich einen Schatten auf Ihr gan=
zes
Leben geworfen! ergänzte der Forſtmeiſter mit
einem Anflug von Sarkasmus. Machen Sie mich mit al=
ten
Kerl um Gotteswillen nicht eitel; ſonſt nehm ichs
für bare Münze und bild’ mir was drauf ein!
Dann zog er die Augenlider zu einem Spalt zu=
ſammen
.
AAlſo Ihre Anhänglichkeit in allen Ehren, lieber Ba=
ron
; wird Ihnen hoch angerechnet von mir; können ſich
drauf verlaſſen.
Nur .. . nehmen Sie’s mir nicht übel . . . aber ich
bin nicht arrogant genug, um im Ernſt daran zu glauben,
daß . .
Was denn, Herr Forſtmeiſter?
.. . ich meine, daß Sie ſich lediglich deshalb mit
dem Oberkellner eine halbe Stunde rumgezergelt haben,
weil Sie mir guten Tag ſagen wollten!
Der Artilleriſt ſondierte Terrain.
Das allein nicht, Herr Forſtmeiſter, es gibt allerdings
noch einen anderen Grund!
Na, ſehen Sie! konſtatierte der alte Herr befriedigt.
Konnt ich mir doch an den fünf Fingern abklavieren! Wir
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Er trat zum Fenſter und zog die Vorhänge ausein=
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. Draußen regnete es.
Dreckwetter!
Dann wandte er ſich dem Leutnant wieder zu; in
ſeinem luſtigen Geſicht ſpielten tauſend Fältchen.
Nu werde ich Ihnen auch gleich aus der Bredouilke
helfen und Ihnen ſagen, warum Sie mir den Genuß
Ihres Beſuches verſchafft haben:
Büſchen auf die leichtſinnige Seite gelegt; unſolide
geweſen; Schulden kontrahiert! Und jetzt ſoll ich als
aller Duzfreund auf das Margenthinſche Vaterherz tip=
pen
, damit die Choſe ohne Reſpektierung der mütterlichen
Autorität unter der Hand erledigt wird! . . . Stimmts,
Baron? Nicht genieren; bin auch mal jung und n leichter
Windhund geweſen!
Uebrigens wollen wir uns nicht ſetzen?
Danke, Herr Forſtmeiſter; ich wette, Sie ſtehen doch
ſofort wieder auf, wenn Sie erfahren, weswegen ich tat=
ſächlich
hier bin. Das mit den Schulden ſtimmt nämlich
nicht.
Elias Krottenheim zuckte die Achſeln.
Alſo ſchön; um ſo beſſer. Aber dann tun Sie mir auck)
den Gefallen, lieber Freund, und reden Sie nicht an=
dauernd
in Gedankenſplittern! Ich bin nämlich von
geſtern abend . . . alſo es fällt mir im Moment nochn
büſchen ſchwer, Ihnen da zu folgen . . . Euer Berlin iſt ja
ein ganz gefährliches Neſt geworden!
Da trat der Baron Oſtheeren einen Schritt zurück und
ſagte ohne viel Federleſens:
Ich erinnere Sie an unſere Abmachung von Mar=
genthin
her, Herr Forſtmeiſter; ich komme, um Sie zu fra=
gen
, wann Sie mir den Achtzehnender mit den weißen
Stangen freigeben.

und wen der ie der bißher unch inner en
leichten Druck in der Schläfengegend geſpürt hatte jetzt
war er mit einem Schlage hölliſch munter geworden.
Baron was heißt das?
Darauf der Jüngere mit angefaßtem Säbel, ſehr kor=
rekt
, ſehr ernſt:
Herr Forſtmeiſter, ich bitte Sie um die Hand Ihrer
Tochter. Wir haben uns geſtern nachmittag ausgeſprochen;
und dieſer Beſuch geſchieht mit Einwilligung Fräulein
Giſelas.
Nein! . . . das ſchnellte wie ein Peitſchenhieb durch
die Stille des Zimmers.
Der Artilleriſt hatte ſich jäh erblaſſend hochgerafft
und ſah zu dem alten Herrn hinüber, der hinter dem
Tiſch ſtand die Hände um die Scitenkanten gekrampft
und in deſſen Geſicht eine finſtere Abwehr gekommen
war.
Nein, Herr Baron ich verſage meiner Tochter die
Einwilligung zu dieſer Heirat ſo ehrenvoll dieſe Wer=
bung
für ſie auch ſein mag. Im nächſten Herbſt wird ſie
großjährig; danach braucht ſie mich nicht mehr. Bis
dahin hat ſie ſich meiner Entſcheidung zu fügen! Sollte
ſie ſpäter ohne meine Zuſtimmung auszukommen glau=
ben
. . . ein ſtummes Achſelzucken beendete den Satz.
Die Antwort des Offiziers war kalt und beherrſcht.
Das letztere iſt ſelbſtverſtändlich ausgeſchloſſen; wir
ſind keine zweifelhaften Hinterhausexiſtenzen, ſondern
ſtehen auf dem Boden der Geſellſchaft, deren Satzungen
für uns für Giſela und mich immer maßgebend ſein
werden!
Auf der anderen Seite aber, Herr Forſtmeiſter, habe
ich wohl ein Recht dazu, Sie nach den Gründen dieſer .
Ablehnung zu fragen!
Eine Weile war es ganz ſtill. Der alte Herr richtete

ich ſhuremen auf un ſun ſch ider die Sien. i5
müſſe er etwas wegwiſchen.
Er ſetzte ſich ſchwerfällig auf einen Stuhl. Die grü=
belnden
Augen verloren ſich ins Ungewiſſe. Faſt ſchien
es, als ſinke die hohe Geſtalt langſam in ſich zuſammen.
Endlich begann er zu ſprechen.
Vor allen Dingen habe ich Sie wohl um Entſchuldi=
gung
zu bitten ich glaube, ich bin zu ſcharf geweſen
ſo im erſten Schrecken verliert man ſich manchmal das
lag natürlich nicht in meiner Abſicht verletzen wollt ich
Sie ganz gewiß nicht . .. denn ich hab Sie erſt einmal
vorher im Leben geſprochen und weiß im übrigen nur
Gutes von Ihnen, der Sie der Sohn meines alten und
beſten Freundes ſind.
Aber jetzt fordern Sie eine Antwort von mir; und ich
muß ſie Ihnen wohl geben.
Er hob den Kopf und ſah ſein Gegenüber an; auf
der Stirn kreuzten ſich ſchwere Falten.
Vielleicht iſt Ihnen aufgefallen, Baron, daß ich Sie
zu Ihrem Siege vom Sonntag nicht beglückwünſcht habe.
Aber ich konnte nicht!
Der junge Offizier ließ ihn nicht aus den Augen.
Sie . .. konnten nicht, Herr Forſtmeiſter?
Da ſprang Elias Krottenheim auf und begann mit
wuchtigen Schritten einen Sturmmarſch durch das
kleine Hotelzimmer.
Unvermittelt blieb er vor dem Leutnant von Oſt=
heeren
ſtehen.
Halten Sie mich nicht für verrückt oder halsſtarrig.
Ich bin kein Narr; ich weiß ganz genau, was ich rede;
ich habe meine Gründe, wenn ich Ihnen die Giſela ab=
ſchlage
!
(Fortſetzung folgt.)

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Verband der
Heſſiſchen Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften.

(50. Verbandstag.)
St. Darmſtadt, 5. Juli.
Im Städtiſchen Saalbau fand heute vormittag der
50. Verbandstag der Heſſiſchen Landwirtſchaftlichen Ge=
noſſenſchaften
ſtatt, dem als Vertreter der Regierung die
Herren Geh. Landesökonomierat Müller und Reg.=Rat
Spamer beiwohnten. Den Vorſitz führte der ſtellver=
tretende
Verbandsdirektor Geh. Regierungsrat Bich=
mann
, der die Verſammlung eröffnete und die Er=
ſchienenen
, inſonderheit die beiden Regierungsvertreter.
und die Vertreter des Verbandsvorſtandes, Generalſekre=
täre
Grabein und Gennes herzlichſt begrüßte.
Nach Erledigung der notwendigen Formalitäten widmete
der Vorſitzende dem verſtorbenen Verbandsdirektor Geh.
Rat Haas einen warmen Nachruf. Einen gleich herben
Verluſt hat der Verband durch das Hinſcheiden des Oeko=
nomierats
Dettweiler erlitten; auch dieſem widmet
der Redner einen warmen Nachruf. Endlich iſt Altbürger=
meiſter
Keim vom Verbandsausſchuß verſtorben. Die
Verſammlung erhebt ſich zum Gedächtnis an die. Ver=
ſtorbenen
von den Sitzen.
Eine erregte Diskuſſion.
Es wird dann in die Tagesordnung eingetreten. Der
Jahresbericht, erſtattet von Generalſekretär Haas,
iſt im Druck erſchienen und den Mitgliedern zugeſandt
worden. Haas ſelbſt iſt durch Krankheit am Erſcheinen
verhindert. (Große Unruhe und Lachen.) Gen. Gött=
mann
=Höchſt moniert, daß die im Vorjahr verlangte
Rechnung nicht im Bericht enthalten iſt. Der Vorſitzende
führt das auf ein Verſehen zurück, das durch die ſchwere
Kriſe wohl entſchuldigt iſt. Gen. Schmuck=
Eppelsheim meint, die Ermahnungen, die in dem Bericht
enthalten ſeien, kämen um reichlich zehn Jahre zu ſpät;
die Verbandsleitung hätte ſie ſelbſt beſſer beherzigen
ſollen. Er rügt weiter die Tätigkeit der Reviſoren, die
verhindert werden, den Genoſſenſchaftern Klarheit zu
geben und die kein Rückgrat und dem Verbandsvorſtand
gegenüber zu wenig Freiheit haben. Er richtet ſcharfe
Angriffe gegen den Generalſekretär Haas, der Reviſoren,
die den Genoſſenſchaftern klaren Wein einſchenkten, dafür
ſcharf angerempelt habe u. dgl. Seine Angriffe richten ſich
im weiteren gegen die Verbandsleitung, die keine Auf=
klärung
gebe, in der Anlage der Gelder nicht die nötige
Vorſicht walten laſſe. Er habe ſchon im Jahre à908 be=
antragt
, Nieder=Modau auszuſchließen. Generalſekretär
Haas habe ihm aber geantwortet, das ſei unmöglich.
Heute ſei bas anders. Hätte man anſtatt der Vertuſchun=
gen
offen die Verhältniſſe beleuchtet und 1908 Nieder=
Modau ausgeſchloſſen, wäre der Verluſt nur 50000 Mk.
geweſen. Dadurch, daß man die Genoſſenſchaften, anſtatt
ſie zu warnen, im Unklaren ließ, vielmehr ſofort mit
Klage drohte, wenn einer etwas gegen die Bank ſagte,
hat man ſie immer wieder veranlaßt, Gelder bei der Banl
anzulegen. Die neue Zentralkaſſe ſcheint gut zu
ſein. Man könne ihr Vertrauen entgegenbringen,
und es iſt wohl ſicher, daß, wenn ſie hält, was die kurze
Zeit ihres Arbeitens verſpricht, werde den Genoſſenſchaf=
tern
das nicht paſſieren, was mit der Genoſſenſchaftskaſſe
paſſiert iſt. (Lebhafter Beifall.)
Molkereidirektor Bill=Mockſtadt berichtet, veranlaßt
durch die Angriffe des Vorredners, über die Tätigkeit des
Reviſionsverbande‟ Der Verband habe alsbald nach
Beginn ſeiner Tätigkeit erkannt, daß es eine Anzahl Ge=
noſſenſchaften
gebe, die faul wären und ſich mit Geſchäf=
ten
einlaſſen, die aus dem Rahmen der Genoſſenſchaften
herausfallen. Er habe ſofort gerügt, daß man ſolche Ge=
noſſenſchaften
nicht ausſchließe, doch ſei ihm erwidert wor=
den
, daß das nicht ginge, weil ſie zu hohen Kredit bei der
Genoſſenſchaftskaſſe hätten und aus ähnlichen Gründen. Es
waren das etwa 35 bis 40 Genoſſenſchaften. Redner habe
dann ſofort darauf gedrungen, die ſchuldigen Perſonen
meiſt Rechner oder Rendanten von ihren Poſten zu
entfernen. Aber oftmals haben dieſe Genoſſenſchaften die
Perſönlichkeiten mit Hurra wiedergewählt. Dann wurde
mit Ausſchluß der Genoſſenſchaften gedroht. Das hat
geholfen bis auf drei Genoſſenſchaften. (Stürmiſche
Schlußrufe.) Redner fährt fort: Ich laſſe mir das Wort

nicht verbieten. Die Herren, die da Schluß rufen, ſcheinen
zu den faulen Genoſſenſchaftern zu gehören. (Große Un=
ruhe
.)
Der Vorſitzende erſucht, die Zwiſchenrufe zu unter=
laſſen
.
Gen. B ill ſtellt noch feſt, daß die Reviſoren der
Kommiſſion ſtets reinen Wein eingeſchenkt haben.
Gen. Arnold=Grüningen ſpricht namens der neu=
gewählten
Reviſionskommiſſion und ſtellt feſt, daß die
Reviſoren meiſt ihre Schuldigkeit getan haben, doch ſeien
ihre Berichte durch Geheimerat Haas nicht zur Verleſung
oder Veröffentlichung gelangt. Der heutige Bericht ent=
halte
auffallenderweiſe nichts von der Tätigkeit der Re=
viſionskommiſſion
. Herr Generalſekretär Haas habe
ſeine Schuldigkeit nicht getan in dem vorliegenden Bericht.
Weiter greift Redner die Mitglieder des Landwirtſchafts=
kammervorſtandes
ſcharf an, die nur ihre Rechte erhalten
und die Genoſſenſchaften im Stich ließen.
Herr Dr. Fitting ſtellt feſt, daß er den Reviſoren
täglich und ſtündlich jede gewünſchte Auskunft erteilt
habe. Man kann es den Reviſoren in dieſer kritiſchen
Zeit nicht verdenken, daß ſie mit rechtsgültigen Auskünften
vorſichtig ſind. Es iſt beabſichtigt, die Reviſoren wöchent=
lich
einmal zu gemeinſamer Beſprechung und Inſtruktion
zuſammenzuziehen. Bei der Ueberfülle der Arbeit der
letzten Zeit war das nicht möglich. Auch Bezirksbeſprech=
ungen
werden in nächſter Zeit öfter vorgenommen
werden.
Der Vorſitzende bittet, nunmehr den Jahres=
bericht
zu verlaſſen. Da der Name des Generalſekretärs
Haas heute mehrfach genannt wurde, möchte er mitteilen,
daß Haas demnächſt von ſeinem Poſten zu=
rücktritt
. (Stürmiſches Bravo!)
Den Rechenſchaftsbericht
verlieſt Herr Dr. Fitting. Die Einnahmen inkl. des
Ueberſchuſſes von 1910: 75000 Mk., betrugen 213168 Mk.
Die Ausgaben beliefen ſich auf 128816 Mark. Der Ueber=
ſchuß
für 1911 beträgt alſo 9345 Mark, im ganzen 84351
Mark. Nach der Bilanz für 1911 betragen die Aktiven
117599 Mark, die Paſſiven 23 247 Mark, der Kaſſenüber=
ſchuß
84351 Mark.
Die Rechnung für 1912 ergibt an Einnahmen 158 452
Mark, an Ausgaben 137215 Mark. Der Ueberſchuß be=
trägt
im ganzen 96 243 Mark. Aus dem Ueberſchuß für
1911 wurde der Hauserneuerungsfonds gegründet. Die
Bilanz für 1912 erzielt an Aktiven 125038 Mark, an
Paſſiven 29394 Mark, ſo daß das Vermögen 96 243 Mk.
beträgt.
Direktor Bill ergänzt namens des Reviſionsver=
bandes
die vorgetragenen Rechnungen durch Einzelan=
gaben
. Er bleibt am Preſſetiſch meiſt unverſtändlich. Der
Redner ſtellt entgegen den über den Vermögensſtand des
Verbandes in Umlauf befindlichen Gerüchten feſt, daß der
Vermögensſtand kein ungünſtiger iſt. Er ſtellt den Antrag,
die Rechnungen und Belege von einem beeidigten Bücher=
reviſor
prüfen zu laſſen.
Lehrer Solms=Nierſtein bittet die noch fernſtehen=
den
Genoſſenſchaften, das Moratorium zu unterſchreiben.
Er meint dann, der Verband ſei ein recht teures Inſtitut
und fragt, wieviel Beamte im Verbande ſind. Der
Vorſitzende ſtellt feſt, daß im Verbandsbureau 24
und im Rechnungsreviſionsbureau 27 Beamte tätig ſind.
Solms: Man möge an Beamten im Verband ſpa=
ren
. Vor allem mögen die Repräſentationsſtellen abge=
ſchafft
werden, die gut bezahlt werden, während andere
die Arbeit ſchaffen. Die Beamten mögen auch ihre
Bureauzeit richtig einhalten. (Sehr richtig!)
Gen. Gräf=Gundersheim rügt die Höhe der Tage=
gelder
uſw. der Beamten des Verbandes und das Fehlen
einer gedruckten Bilanz. Gen. Arnold= Grüningen
weiſt darauf hin, daß der Verband haftpflichtverbindlich
iſt und beantragt, die Genehmigung der Rechnung und
Bilanz zurückzuſtellen, weil die Rechnung nicht den
Genoſſenſchaften zugegangen iſt, wie es beſchloſſen war.
Er beantragt weiter, zu den Reviſionen eine Kommiſſion
aus den leidtragenden Genoſſenſchaften der drei Provin=
zen
zu wählen.
Der Vorſitzende formuliert den Antrag dahin,
daß die Rechnungen für 1911=und 1912 durch den ſachver=
ſtändigen
Reviſor des Reichsverbandes unter
Hinzuziehung der dreigliedrigen Kommiſſion nochmals
geprüft werden. Der Antrag wird angenom=
men
. In die Kommiſſion werden gewählt die Herren
Schreckert=Ober=Ingelheim, Birkenſtock=Ranſtadt
n Oberheſſen und Weidmann=Höchſt.
Eine Beſchwerde
über den Verbandsvorſtand möchte Lehrer Gruber=
Biebelsheim vorbringen. Es handelt ſich um eine
Bilanzveröffentlichung der Genoſſenſchaft Biebelsheim,
die nur von lokalem Intereſſe iſt.

Zum nächſten Gegenſtand der Tagesordnung
Abänderung des Verbandsſtatuts
führt Direktor Becker (Wörrſtadt) von der Zentralkaſſe
aus:
Da es zurzeit in erſter Linie gilt, den Bau unſerer
heſſiſchen Genoſſenſchaftsorganiſation gegen äußere Feinde
zu verteidigen, bevor wir uns über die wohnlichere Geſtal=
tung
im Innern einigen, bitte ich alle diejenigen Herren,
die einen von mir gemachten Vorſchlag, betr. die Orga=
niſation
von Verband und Zentralkaſſe, freundlich aufge=
nommen
hatten, denſelben heute nicht weiter zu verfol=
gen
. Bin ich in den erſten Stadien meines Vorſchlags
ſelbſtändig aus rein perſönlicher Initiative vorgegangen,
ſo handele ich heute in vollem Einverſtändnis mit dem
Vorſitzenden des Vorſtandes unſerer Zentralkaſſe, wenn ich
Sie bitte, unter Berückſichtigung aller Umſtände, die heute
für die Geſamtlage unſeres heſſiſchen Genoſſenſchaftswe=
ſens
in Betracht kommen, die Vorlagen, die Ihnen der
Vorſtand des Verbandes der Heſſiſchen Landwirtſchaft=
lichen
Genoſſenſchaften macht, vollkommen unbeeinflußt
von meinen früheren einer Anzahl von Genoſſenſchaftern
vorgetragenen Gedanken zu beraten.
Kgl. Bankinſpektor a. D. Direktor Mager von der
Zentralkaſſe führt aus: Die Förderung unſerer Zentral=
kaſſe
der Heſſenkaſſe iſt die mir zunächſtliegende
Pflicht. Ich bin deshalb nicht in der Lage ein Amt an=
zunehmen
, welches mir die heutige Verſammlung freund=
licher
Weiſe etwa zudenken wollte. Ich danke für das
mir zugedachte Vertrauen. (Beifall.)
Direktor Dr. Heidenreich verbreitet ſich einge=
hend
über die Organiſation des Verbandes und ſeines
Vorſtandes. Er ſtellt feſt, daß das beſtehende Statut
ganz auf die Perſon des Geheimerats Haas zugeſchnit=
ten
iſt und weiter, daß die Wahl des Verbandsdirektors
auf Lebenszeit aus den Kreiſen der Genoſſenſchafter, nicht
im Vorſtand vorgeſchlagen wurde. Unter dem verſtorbenen
Verbandsdirektor hat der Verbandsausſchuß wenig freie
Hand gehabt. Notwendig ſei, daß die Reviſion auf eine
geſetzliche Baſis geſtellt werde. Dadurch, daß der Ver=
bandsdirektor
zahlreiche Aemter auf ſich vereinigte, konnte
er ſeine Stellung nicht in erwünſchtem Maße ausfüllen.
Es iſt darum notwendig, daß die Stellung des Ver=
bandsdirektors
eine ſolche im Hauptamt
werde, und daß er gegebenenfalls die volle Verantwortung
ſeines Handelns zu tragen hat. Die Stellung des Gene=
ralſekretärs
, wie ſie beſtand, muß verſchwinden. Der Di=
rektor
der Zentralkaſſe darf nicht Direktor des Verbandes
ſein, da die Zentralkaſſe als G. m. b. H. der Reviſion
des Verbandes unterſteht.
Gen. Arnold kritiſiert den neuen Entwurf. Er ver=
langt
, daß der Verbandstag in jedem Fall der oberſte
Richter bleibt. Der Verbandstag muß bis längſtens 31.
Mai jeden Jahres einberufen werden und die Berichte
uſw. müſſen vorher den Genoſſenſchaftern zugeſtellt wer=
den
. Der Jahresvoranſchlag ſoll der Genehmigung unter=
ſtehen
. Der Verbandstag ſoll nicht immer in Darmſtadt
ſtattfinden. Redner ſtellt eine ganze Reihe Abänderungs=
anträge
, die alle bedingen, daß der Verbandstag in jedem
Fall die letzte Entſcheidung hat, nicht der Verbandsaus=
ſchuß
. Er beantragt ſchließlich, eine Kommiſſion zu
wählen, die die abgeänderte Satzung bearbeitet und dann
den Entwurf zur Genehmigung vorſchlägt.
Gen. Gröber (Biebelsheim) beantragt, den Reviſo=
ren
Sitz und Stimme im Verbandsausſchuß zu geben.
Der Antrag wird von anderer Seite bekämpft. Nachdem
noch verſchiedene Genoſſenſchafter geſprochen, wird
Schluß der Debatte beantragt.
Nach längerer weiterer Debatte wird vorgeſchlagen,
Herrn Dr. Fitting vorerſt auf ein Jahr als Verbands=
direktor
zu wählen, bis die Statuten mit der Kommiſſion
durchberaten worden ſind. Dr. Fitting dankt für das
Vertrauen und macht darauf aufmerkſam, daß die alten
Statuten, wenn ſie noch ein Jahr Gültigkeit haben ſollen,
mehrfach abgeändert werden müßten.
Es wird dann abgeſtimmt über das neue
Statut ohne Abänderung und einſtimmig be=
ſchloſſen
das Statut auf ein Jahr anzu=
nehmen
. (Lebh. Bravo.)
Darauf wird vorgeſchlagen Herrn Dr.
Fitting auf ein Jahr als Verbandsdirek=
or
(Geſchäftsführer) und Herrn Oekono=
nierat
Walther=Lengfeld als Verbandspräſi=
dent
zu wählen. Vom Vorſtand wird dies zugeſagt und
der 50. Verbandstag darauf geſchloſſen.
Nach Schluß der Verſammlung berichtet noch Herr
Ofenloch über die Tätigkeit der Reviſionskommiſſion,
die jetzt ſchon feſtgeſtellt hat, daß Vorſtand und Aufſichtsrat
der Genoſſenſchaftsbank ſchwere Fehler gemacht haben.
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