Darmstädter Tagblatt 1913


03. Juli 1913

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176. Jahrgang
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Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 22 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichskanzler und der Staatsſekretär
v. Jagow haben ſich geſtern nachmittag nach Kiel
zum Vortrag bei dem Kaiſer und zur Teilnahme an
der Begegnung des italieniſchen Königspaares begeben.
Das italieniſche Königspaar iſt am Montag
abend von Piſa nach Kiel bezw. Stockholm abgereiſt.
Die Ankunft in Kiel wurde geſtern abend oder heute
früh erwartet.
Brindejonc iſt geſtern vom Haag nach Corbeaulieu
und von dort nach Villa Coublay geflogen, wo er um
4.20 Uhr nachmittags, ſeinen großen Europaflug be=
endend
, eintraf.
Die Zuſammenkunft der Botſchafter in Lon=
don
, die ſich mit Vorbeſprechungen über die armeni=
ſche
Frage befaßte, beſchloß, eine beſondere Kom=
miſſion
zur Ausarbeitung eines Reformpro=
gramms
einzuſetzen. Die Pforte hat inzwiſchen in
einer Note mitgeteilt, daß ſie in den nächſten Tagen
ſelbſt den Großmächten ein von ihr ausgearbeitetes Re=
formprogramm
für Armenien zugehen laſſen werde.
Der ſerbiſche Miniſterpräſident erklärte in der
Skupſchtina, Bulgarien habe die kriegeriſchen
Feindſeligkeiten gegen Serbien eröffnet ohne
eine Kriegserklärung.
Der Generalſtreik aller Bergleute des Rand=
gebietes
ſoll am Freitag beginnen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Die neuen Steuern.

* Bei der großen Unklarheit, die im Publikum über
die Einzelheiten der durch Kommiſſions= und Reichstags=
beſchlüſſe
mehrfach geänderten neuen Steuern herrſcht,
wird es unſeren Leſern ſicherlich erwünſcht ſein, über
die endgültigen Beſchlüſſe im Zuſammenhange unterrichtet
zu werden. Wir geben deshalb in Nachſtehendem nach
einer Zuſammenſtellung der Frankf. Zeitung eine Mit=
teilung
des allgemeinen Inhalts der Steuern:
1. Der einmalige Wehrbeitrag.
Zur Deckung der einmaligen und eines Teils der in
den erſten Jahren entſtehenden dauernden Koſten des
Heeresgeſetzes wird eine einmalige Abgabe vom Ver=
mögen
und vom Einkommen erhoben, für die der Stand
vom 31. Dezember d. J. maßgebend ſein ſoll.
Die Abgabe vom Vermögen beginnt bei einem
Vermögen von 10 0 Mark. Beträgt das Einkommen
des Beſitzers weniger als 4000 Mark, ſo erhöht ſich die
ſteuerfreie Vermögensgrenze auf 30 000 Mark: bei einem
Einkommen unter 2000 Mark beginnt die Steuerpflicht
erſt für Vermögen von 50 00 Mark. Der Beitrag beläuft
ſich:

für die erſten 50000 Mk. des Vermögens auf 0,15%
nächſten 50000
035,
* 100 000
,
0,5
300 009
0,7

500 000

0,85
1000000
1,1
3000000

1,3
5.000000
1.4
für höhere Beträge
1,5

Es iſt hierbei zu beachten, daß bei größeren Ver=
mögen
die erhöhten Sätze nicht für den Geſamtbetrag des
Vermögens ſondern nur für die letzte Staffel gelten. Die
Geſamtbelaſtung der einzelnen Vermögensgruppen ergibt
ſich aus folgender Tabelle. Die Steuer beträgt bei den
Vermögen von

10000 30 000 Mark .
. insgeſamt 0,15 %
50 000 100000
020
100000200000
0,32
200 000500 000
0,49
500 0001 Mill.
0,65
1 bis 2
0,82
2
1,03

5 10
1,21
. . .
10 15
1,31
15
1,37
20
20 25
1,40
25 30
1,41
30 50
1,44
50 100
1,47
B
über 100
1,49

Dazu kommt der Beitrag vom Einkommen. Die
Abgabe ſoll in dieſem Teil nur das Arbeitseinkommen
treffen, nicht das Einkommen aus dem Vermögen, und
zwar hat man, da die Abgrenzung beider Einkommens=
arten
im Einzelfall zu enormen Schwierigkeiten führen
würde, ein ſummariſches Verfahren vorgeſchrieben: 5
Prozent des verſteuerten Vermögens gelten als Ver=
mögensertrag
; was dann vom Einkommen noch übrig
bleibt, wird als Arbeitseinkommen behandelt. Die ſteuer=

freie Untergrenze iſt für Perſonen, die neben ihrem Ein=
kommen
kein ſteuerpflichtiges Vermögen beſitzen, auf 5000
Mark feſtgeſetzt; verſteuert der einzelne ein Vermögen,
ſo werden die durch die erwähnte Subtraktion gewonne=
nen
Arbeitseinkommen berangezogen, ſoweit ſie 1000 M.
überſteigen. Der Steuerſatz beträgt bei einem Einkommen
von.

5000 Mk. bis zu 10000 Mk. 1 % des Einkommens
10 000
15 000 1,2
15000.
20000 1,4
20 000
25000 1,6
25000
30000 1,8
30000
35000 2
35000
40000 2.5
40000
50 000 3
50 050
60 000 3.5
60000
70000 4
70 000
80 000 4,5
80 000
100 000 5
107600 20 000
200 000 500000
über500000 .
,

Beſondere Ermäßigungen gelten für kinderreiche Fa=
milien
und ſpeziell für Familien, in denen eine beſtimmte
Anzahl von Söhnen gedient haben. In der erſten Le=
ſung
hatte ſich die Kommiſſion die Berückſichtigung der
Kinderzahl dadurch möglichſt bequem gemacht, daß ſie ein=
fach
die einzelſtaatlichen Steuerzettel maßgebend ſein
ließ, die ja meiſt der Kinderzahl bereits Rechnung ge=
tragen
haben; da aber nicht alle Einzelſtaaten in ihren
Steuergeſetzen einigermaßen genügende Kinderprivilegien
kennen, ſo hätte dies Verfahren ſehr unerwünſchte Un=
gleichmäßigkeiten
zur Folge gehabt. Es wurde daher
ſpäter beſchloſſen, den eintelſtaatlichen Steuerzettel ſo, wie
er ohne Verückſichtigung der Kinderzahl kautet, zugrunde
zu legen, und dafür ein eigenes Kinderprivileg in das
Wehrbeitragsgeſetz aufzunehmen. Danach ermäßigt ſich
der Beitrag für das dritte und jiedes folgende minder=
jährige
Kind um 5 Prozent: das Privileg fällt weg, wenn
der Steuerpflichtige ein Einkommen über 10 000 Mark
oder ein Vermögen von über 190 00 Mark beſitzt. Für
den dritten und jeden weiteren Sohn, der gedient hat,
oder bis 1916 dient, tritt eine Ermäßigung um je 10 Pro=
zent
ein; dieſe zweite Ermäßigung kommt erſt dann in
Weafall, wenn das Einkommen des Verpflichteten über
20 000. Mark oder ſein Vermögen über 200 000 Mark be=
trägt
.
2. Die Vermögenszuwachsſteuer.
Steuerpflichtig iſt hier der Vermögenszuwachs;
dieſer ergibt ſich aus der Vergleichung des Vermögens=
ſtandes
eines Steuerpflichtigen zu verſchiedenen Zeit=
punkten
. Als Vermögen gilt das geſamte bewegliche und
unbewegliche Vermögen nach Abzug der Schulden.
Der Vermögenszuwachs ſoll für Veranlagungszeit=
räume
von je drei Jahren berechnet werden Da
für den Wehrbeitrag der Vermögensſtand am 31. Dezem=
ber
1913 zugrunde gelegt iſt, ſo ſoll die erſte Zu=
wachsfeſtſtellung
drei Jahre ſpäter, am 31. Dezember 1916,
erfolgen. Steuerfrei bleiben die Vermögensmaſſen
bis zu 20 000 Mark ſowie die Zuwachſe bis zu 10 000 Mark.
Wohlverſtanden: die Ziffer 10 000 gilt für den Zeitraum
von drei Jahren; auf das Jahr umgerechnet ſind alſo die
durchſchnittlichen Jahreszuwachſe von 3333 Mark an
ſteuerflichtig. Bei Vermögen zwiſchen 20 000 und 30 000
Mark unterliegt der Zuwachs der Beſteuerung nur inſo=
weit
, als durch ihn die ſteuerfreie Grenze von 20 000 Mark
überſchritten wird.
Bei der Steuerſtaffel iſt die Höhe des Vermö=
gens
und die Größe des Zuwachſes berückſichtigt. Es
tritt alſo eine doppelte Progreſſion ein. Zunächſt wird
der Zuwachs zur Grundlage gemacht. Die Steuer be=
trägt
für den ganzen Erhebungszeitraum (drei Jahre) bei
einem Vermögenszuwachs von:

10 50 000 Mark . . . . . . . . 0,75 %
50 100000
... . . . . 0,90
100 300000 . . . . . . . . 1,05
300 500000 . . . . . . . . 1,20
500 1 000 000
. 1,.35
über 10000)0
1,50
eec

Dazu tritt dann eine weitere Staffel, die von der Höhe
des Vermögens ausgeht. Es erhöht ſich nämlich der
Steuerſatz bei Vermögen von:

100 200 000 Mark um 0,1 % des Zuwachſes
260 300000
0,2
300 400 000
0,3
405 500000
0,4
500 750 000
0,5
750 1000000
0,6
1 2000000
0,7
2 5 000 000
0,8
510000 000
0,9
über 10000 000
n 50

Für kinderreiche Familien ſind Ermäßigungen vor=
geſehen
. Bei einem Vermögen von weniger als 100000
Mark ſoll ſich nämlich die Steuer für das drite und je=
des
weitere Kind um je 5 Prozent ermäßigen.
Nicht in allen Fällen iſt bei der Berechnung des Zu=
wachſes
der Vermögensſtand am Anfang und am Ende
des jeweiligen dreijährigen Veranlagungszeitraumes
maßgebend. Unter Umſtänden wird vielmehr bei der
Vergleichung ein früherer Zeitpunkt als Anfang der
Vergleichsperiode gewählt. Wenn nämlich die letzte Ver=
anlagung
zu keiner Steuererhebung geführt hat, ſo wird
nicht dieſe Veranlagung zum Ausgangspunkt genommen,
ſondern es wird auf die letzte Veranlagung zurückgegrif=

fen, bei der ſich ein ſteuerpflichtiger Zuwachs ergeben hat.
Hat der Steuerpflichtige üverhaupt noch nie Zuwachs=
ſteuer
bezahlt, ſo iſt der Vermögensſtand der erſten Ver=
anlagung
des Steuerpflichtigen maßgebend. Es ſoll. auf
dieſe Weiſe zweierlei ermöglicht werden: einmal eine ge=
wiſſe
Ausgleichung ſpäterer Vermögensverluſte, ſodann
die eventuelle nachträgliche Mitberechnung kleinerer Zu=
wachſe
, die zunächſt ſteuerfrei geblieben ſind.
Beiſpiele: 1. Angenommen, ein Vermögen ent=
wickelt
ſich folgendermaßen:

31. 12. 1913 . . .
. . 100 000 Mark
1916 .
. 150000
1919 .
90 000
. 130000
1922
1925 .
. 180 000

Daraus ergibt ſich Ende 1916 ein ſteuerpflichtiger Zu=
wachs
von 50 000 Mark. Ende 1919 liegt überhaupt kein
Zuwachs, ſondern ein Verluſt vor; von einer Steuer=
erhebung
kann alſo keine Rede ſein. Der Verluſt wird
bei den ſpäteren Veranlagungen dadurch berückſichtigt, daß
bei ihnen nicht mit dem Vermögen von 90 000 Mark, ſon=
dern
mit dem von 150 000 Mark verglichen wird. Ende
1922 wird alſo ebenfalls keine Stener erhoben, obwohl
hier, wenn man mit der letzten Veranlagung vergleicht,
bereits wieder ein Zuwachs vorhanden wäre, und erſt
1925 tritt wieder die Steuerpflicht ein, und zwar. da wie=
der
der Vermögensſtand von 150 000 Mark zur Grundlage
genommen wird, für einen Zuwachs von 30 000 Mark.
2. Angenommen, ein Vermögen entwickelt ſich, wie
folgt:

31. 12. 1913 . . . . . . . . . . . . 22000 Mark
1916 . . . .
. . . . . .. 25000
. 1919 . . . . . . . . . . . . 33000

Hier liegt am Ende des erſten Veranlagungszeitrau=
mes
zwar ein Zuwachs vor, da er aber nur 3000 Mark
beträgt, ſo bleibt er ſteuerfrei. Am Ende des zweiten
Zeitraumes wird nun nicht mit dem Stande von 25000
Mark, ſondern von 22 000 Mark verglichen; es ergibt ſich
alſo ein Zuwachs von 11 000 Mark, der zu verſteuern iſt.
Hier ſetzt ſich alſo ein ſteuerpflichtiger Zuwachs aus zwei
kleineren ſteuerfreien Zuwachsſummen zuſammen.
Als Zuwachs wird auch das durch Erbſchaft er=
worbene
Vermögen behandelt mit Einſchluß des Kinder=
erbes
; nur das Erbe des überlebenden Gatten bleibt frei.
Hierzu hat die Kommiſſion eine Erleichterung für den
Fall beſchloſſen, daß der Erbe ein unmündiger Abkömm=
ling
iſt und das Vermögen 50 000 Mark nicht überſteigt.
In dieſem Falle ermäßigt ſich die Abgabe um einen Be=
trag
, der für jedes bis zur Vollendung des einundzwan=
zigſten
Lebensjahres fehlende volle Jahr auf fünf Pro=
zent
der Abgabe berechnet wird. Die Geſamtermäßigung
darf fünfzig vom Hundert der Abgabe nicht überſteigen.
3. Geſellſchafts= und Verſicherungsſtempel.
a. Von den Stempelgeſetzen ſind die erhöhten
Belaſtungen der Geſellſchaftsverträge im we=
ſentlichen
ohne Aenderung angenommen worden, ſo daß
alſo der Beurkundungsſtempel für Errichtungen oder Ka=
pitalserhöhungen
von Aktiengeſellſchaften künftig 4½
Prozent. von Geſellſchaften mit beſchränkter Haftung trotz
des lebhaften Proteſtes der Intereſſenten künftig 3 Pro=
zent
und bei Grundſtücks=Geſellſchaften m. b. H. ſogar 5
Prozent betragen wird; ermäßigt hat der Reichstag den
letzteren Satz, und zwar auf die Hälfte, nur für Hand=
werker
=Baugeſellſchaften.
b. Dagegen hat der Reichstag bei der Stempel=
belaſtung
der Verſicherungen mehrfache Reduttio=
nen
vorgenommen. So ſoll jetzt der Stempel auf Feuer=
verſicherungen
bei beweglichen Gegenſtänden 15 Pfennig
(ſtatt 25 Pfennia) pro Tauſend Mark der Verſicherungs=
ſumme
jährlich betragen, bei unbeweglichen Gegenſtänden
(wofür der Reichstag in dritter Leſung die urſprünglich
geſtrichene Regierungsvorlage wieder herſtellte), 5 Pfg.
pro Tauſend Mark: bei der Lebens=Verſicherung beträgt
der Stempel ½ Prozent (ſtatt 1 Prozent) der gezahlten
Prämie, bei Einbruchsdiebſtahl und Glasverſicherung
10 Pfg. für jede Mark der gezahlten Prämie; Verſicherun=
gen
unter 3000 Mark werden freigelaſſen, desgleichen u. a.
auch Unfall= und Haftpflichtverſicherungen.

4. Die übrigen Steuern.
a. Die Zuckerſteuer bleibt in ihrer jetzigen Höhe
beſtehen; die in Ausſicht genommene Ermäßigung fält
weg.
b. Der Zuſchlag zum Grundſtücksſtempel bleibt
bis zum 31. März 1916 beſtehen. Danach tritt eine Herab=
ſetzung
um ½ Prozent ein.
e. Der Scheckſtempel wird aufgehoben.
d. Die Wertzuwachsſteuer von Grund=
ſtücken
fällt, ſoweit ſie dem Reich zugefloſſen iſt. weg:;
der Anteil für die Gemeinden wird nach beſonderen Vor=
ſchriften
, die für beſtimmte Fälle die bisherigen Sätze auf=
rechterhalten
, weiter erhoben.
e. In der beſtehenden Erbſchaftsſteuer für Ver=
wandte
werden einige Sätze erhöht. Es ſteigt der Nor=
malſatz
für Abkömmlinge erſten Grades von Geſchwiſtern
von 4 auf 5 Prozent, für Abkömmlinge zweiten Grades
von Geſchwiſtern von 6 auf 8 Prozent, für die entfernteren
Verwandten, die bisher 10 Prozent zahlten, auf 12 Pro=
zent
.
Der Anteil der Bundesſtaaten ermäßigt ſich von
25 auf 20 Prozent.

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Nummer 153

Die Monarchenbegegnung
in Kiel.

** Seit König Eduard VII. im Juni 1904 in Kiel
weilte, hat kein ausländiſcher Herrſcher mehr an der Kieler
Woche teilgenommen. Das ſoll nun diesmal geſchehen,
denn heute, Donnerstag, trifft König Viktor
Emanuel auf der Reiſe nach Stockholm in unſerem
Kriegshafen an der Oſtſee ein, wo er vom Kaiſer begrüßt
werden und einen Tag deſſen Gaſt ſein wird. Der König
iſt einer derjenigen Monarchen, welche nur ſelten das
Ausland beſuchen; er war zu offiziellen Viſiten ſeit ſeiner
Thronbeſteigung nur je einmal in Petersburg, Berlin,
Paris, London und Athen. Am deutſchen Kaiſerhofe
weilte er als Kronprinz in Begleitung ſeines Vaters, =
nig
Humberts, im Jahre 1889 und war auch deſſen Ver=
treter
bei der Großjährigkeitserklärung des deutſchen
Kronprinzen im Mai 1900. Nach dem Regierungsantritt
machte er dann im Auguſt 1902 einen mehrtägigen Beſuch
in der Reichshauptſtadt. Seitdem hat er Deutſchland
nicht wiedergeſehen, wogegen unſer Kaiſer nach ſeiner
im Mai 1903 in Rom abgeſtatteten Gegenviſite ſechsmal
in Italien war und dabei fünfmal vom König perſönlich
begrüßt wurde. Die letzte Begegnung erfolgte auf der
Korfureiſe des Kaiſerpaares im März v. J. in Venedig.
In der Begleitung des Königs befindet ſich der Mi=
niſter
des Aeußern San Giuliano, welcher in Kiel auch
den deutſchen Reichskanzler antreffen wird. Ein Teil der
Preſſe bemüht ſich wieder, der Begegnung eine größere
politiſche Bedeutung beizulegen, jedoch ſehen wir hierfür
keinen Grund. Selbſtverſtändlich wird durch das Er=
ſcheinen
des Königs in Kiel das freundſchaftliche Ver=
hältnis
desſelben zum Kaiſer aufs neue dokumentiert,
aber einen eigentlichen politiſchen Wert haben derartige
Zuſammenkünfte nur ſelten, denn politiſche Fragen von
Bedeutung laſſen ſich nicht in der knappen Pauſe, die die
feſtlichen Veranſtaltungen noch geſtatten, erledigen, und
auch der perſönliche Gedankenaustauſch der leitenden
Staatsmänner bei ſolchen Gelegenheiten hat nur in ganz
vereinzelten Fällen nachweisbare Folgen.
Erfreulicherweiſe hat ſich der Dreibund in Italien
feſt eingelebt, nachdem er in den erſten Jahren ſeines
Beſtehens heftigen Angriffen ausgeſetzt war ſowohl ſei=
tens
der franzöſiſch geſinnten Liberalen wie auch der ex=
tremen
Parteien, die in einem Bunde mit den ſtreng mon=
archiſchen
Kaiſermächten einen Nachteil für die freiheitliche
Entwicklung Italiens befürchteten. Dieſer Widerſpruch
iſt längſt verſtummt, nachdem der Beweis geliefert worden
iſt, daß Italien trotz der Zugehörigkeit zum Dreibunde
gute Beziehungen zu Frankreich unterhalten und im In=
nern
eine freiheitliche Politik befolgen kann. König Vik=
tor
Emanuel hat, unbeirrt von dem noch hier und da ſich
geltend machenden Widerſtand gewiſſer politiſcher Kreiſe,
an der ihm von ſeinem Vater überkommenen Erbſchaft,
dem Dreibund, treu feſtgehalten. Die Freundſchaft zwi=
ſchen
den Häuſern Hohenzollern und Savoyen ſtützt ſich
weder auf verwandtſchaftliche Bande, noch auf alte Ueber=
lieferungen
. Gemeinſame Intereſſen haben die Staaten
einander nahe gebracht, und erſt die Bundesgenoſſenſchaft
hat die Freundſchaft der Monarchen entwickelt.
Unſer Kaiſer erfreute ſich bei ſeinen Beſuchen in Ita=
lien
nicht nur ſeitens des Hofes, ſondern auch ſeitens der
Bevölkerung eines warmen Empfanges; eines ſolchen
darf auch König Viktor Emanuel bei ſeinem Verweilen
auf deutſchem Boden gewiß ſein.

Deutſches Reich.

Die vom Reichstag beſchloſſene No=
velle
zum Militärſtrafgeſetzbuch wird den
Bundesrat noch vor der Sommerpauſe beſchäftigen und
wahrſcheinlich angenommen werden.
Die Verwaltungskoſten der Ange=
Lelltenverſicherung. Einen nicht gerade troſt=
Eichen Ausblick in die Zukunft bietet der Haushaltsplan
der Reichsverſicherungsanſtalt für das Jahr 1913. Ob=
wohl
die Anſtalt erſt in der Entwicklung begriffen iſt, ſind
für Verwaltungskoſten doch nicht weniger als 1853000
Mark in den Haushaltsplan eingeſetzt. Davon fallen auf

die Beſoldung des Direktoriums und der höheren etats=
mäßigen
Beamten 125000 Mark, Beſoldung der übrigen,
in acht Klaſſen eingeteilten Beamten und Beamtinnen
800000 Mark, Beſoldung der vorübergehend beſchäftigten
Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen 230000 Mark, Be=
ſoldung
der höheren Beamten des Rentenausſchuſſes
11 400 Mark, für außergewöhnliche Hilfeleiſtungen ( Ueber=
ſtunden
) 38000 Mark, Gratifikationen und Unterſtützungen
23000 Mark, Tagegelder und Aufwandsentſchädigungen
der Beamten 30000 Mark, Porto, Schreibmaterial, Miete
uſw. 311800 Mark, Reiſekoſten und Portoauslagen der
Vertrauensmänner 158000 Mark, für den Verwaltungs=
rat
10000 Mark. Für das Beitragsverfahren, das ſich
aus Ausgaben für Druckſachen und Karten, aus Ueber=
wachungskoſten
, Herſtellung von Marken und aus den
Koſten des Poſtſcheck= und Bankverkehrs zuſammenſetzt,
ſind 485000 Mark vorgeſehen. Bei weiterem Fortſchreiten
er Anſtalt wird natürlich dieſer Haushaltsplan nicht
mehr genügen, ſondern höhere Summen erfordern, die be=
kanntlich
ohne einen Zuſchuß des Reiches ganz aus den
Beiträgen der Angeſtellten und ihrer Arbeitgeber beſtritten
werden müſſen. Für das Heilverfahren ſind 12 Millionen
Mark eingeſetzt.
Gewährung von Diäten an Schöffen
und Geſchworene. Die Mitteilung einer Korre=
ſpondenz
, daß die Tagegelder für Schöffen und Ge=
ſchworene
in dem dem Bundesrat kürzlich vom Miniſter
überwieſenen Geſetzentwurf nunmehr auf 20 Mark nor=
miert
ſeien, iſt um das Vierfache zu hoch gegriffen. Der
Bundesrat hat die Tagesſätze für Schöffen und Geſchwo=
rene
auf 5 Mark feſtgeſetzt. Die Koſten, die dem preu=
ßiſchen
Staat durch die neuen Feſtſetzungen entſtehen dürf=
ten
, ſind auf etwa 1 Million Mark pro Jahr zu berechnen.
Wenn weiter behauptet wurde, daß der obige Diätenſatz
für die Schöffen und Geſchworenen auch der Höhe der Ge=
bühren
für Sachverſtändige bei Gericht entſprechen ſollte,
ſo iſt dies gleichfalls unzutreffend, da beide Materien
nichts miteinander gemein haben. Die Sachlage iſt auch
inſofern eine ganz andere, als das Geſetz über die Tage=
gelder
für Schöffen und Geſchworene bereits den Reichs=
tag
paſſiert hat und dem Bundesrat zur Feſtſetzung der
Sätze wieder zugegangen iſt, während umgekehrt der Ent=
wurf
über die Neuregelung der Gebühren für Sachver=
ſtändige
und Zeugen jetzt dem Bundesrat erſt zugegangen
iſt, um nach deſſen Beſchlußfaſſung dem Reichstage vor=
gelegt
zu werden, was vorausſichtlich im Herbſt geſchehen
ürfte. In dieſem Entwurf iſt eine Erhöhung der Ge=
bühren
für Sachverſtändige im Durchſchnitt um etwa
50 v. H. vorgeſehen, und auch die Sätze für Aufwand und
Nachtquartiere haben in den Vorſchlägen des Entwurfs
eine Steigerung erfahren. Im weſentlichen handelt es
ſich um eine Heraufſetzung der Maximalſätze für Sachver=
ſtändige
. In Anbetracht der hohen Koſten, die entſtehen
würden, hat man natürlich nicht alle weitgehenden
Wünſche berückſichtigen können, die ſich auf die Abände=
rung
der Gebührenordnung für Gerichtsſachverſtändige
und Zeugen beziehen.
Deutſch=franzöſiſches Abkommen be=
züglich
der Landung von Luftſchiffen. Der
Figaro will wiſſen, daß die aus Anlaß der Landung des
Zeppelin bei Lunéville und des deutſchen Militärflug=
zeuges
bei Aracourt gepflogenen Verhandlungen zu einem
Abkommen geführt hätten, welches demnächſt unterzeichnet
werden ſoll. Danach würde man einen Unterſchied zwi=
ſchen
privaten und öffentlichen, das heißt militäriſchen
Luftfahrzeugen, machen. Die Inſaſſen der Militärluft=
fahrzeuge
würden eine Militäruniform tragen müſſen.
Wenn ſie infolge einer Panne oder eines Irrtums zu
einer Landung auf fremdem Boden genötigt ſind, dann
würden ſie, entſprechend dem in Bern ausgearbeiteten
Luftkodex, Notſignale geben müſſen.

Ausland.

Frankreich.
Die Beratung der Militärvorlage in
der Kammer wurde am Dienstag fortgeſetzt.
Pasqual (Radikaler) verteidigte ſeinen Gegenentwurf,
welcher die zweijährige Dienſtzeit aufrechterhält und die
obligatoriſche Vorbereitung für den Militärdienſt für die

Achtzehn= bis Zwanzigjährigen einführt. Dieſer Vorbe
reitungsdienſt, der jetzt nur von den katholiſchen Gemein
ſchaften gepflegt werde, müſſe auf das ganze Volk ausge
dehnt werden. Paté erklärte: Der Geſetzentwurf ſeh
eine derartige Organiſation für das ganze Volk binne
drei Jahren vor. André Lefévre wiederholte leider
ſchaftlich, die kaiſerliche Regierung ſei an dem Unglück vo
1870 ſchuld geweſen, da ſie bis am Vorabend des Kriege
immer Vertrauen gepredigt habe. Es wäre unentſchult
bar, wenn man heute der Regierung die Forderungen al
ſchlüge. Als Bryant, der Deputierte von Nancy, voſ
dem unzureichenden Widerſtand der deutſchen Sozialdemt
kraten gegen die deutſche Heeresvorlage ſprach, proteſtier=
Jaurés mit der Behauptung, daß man beiderſeits de=
Grenze denſelben Kunſtgriff gebrauchte, indem man eine
Gegenſatz zwiſchen der Haltung der Sozialiſten beide
Länder konſtruiert habe. Wenn auch die deutſchen Sozia
demokraten trotz ihrer Anſtrengungen beſiegt worden ſeien
ſo wäre es ihnen doch weniaſtens gelungen, in die Steue
ordnung die Bewegung zur Demokratie hineinzubringe:
Die Sozialiſten hofften noch immer, den dreijährige=
Dienſt zu Falle zu bringen. (Zwiſchenrufe im Zentrumg
Nach der Niederlage der deutſchen Sozialiſten haben S
dazu kein Recht mehr. Beifall im Zentrum.) Die deu
ſchen und die franzöſiſchen Sozialiſten ſeien gleicherwei
entſchloſſen, das Land zu verteidigen, aber auf demokre
tiſche Weiſe, durch Vorbereitung des Weltfriedens.
Der Gegenentwurf Pasqual wurde darauf mit 4s
gegen 129 Stimmen abgelehnt.
Der ehemalige Miniſter und unabhängige Soziali
Paul Boncour trat für den Gegenantrag ein, den er zu
ſammen mit Meſſimy eingebracht hat. Der Antrag ſie
die zweijährige Dienſtzeit vor, verlangt aber, daß d
Reſerviſten ſolange unter den Fahnen bleiben, bis d
Oktober=Rekruten mobiliſierungsfähig ſind. Boncon
erklärte, ſeit vierzig Jahren ſeien die Republikaner b
ſtrebt, die Armee zu verſtärken, nicht durch eine Verläng
rung der Dienſtzeit, ſondern durch eine beſſere Ausbildur
der aktiven Mannſchaften und Reſerven. Frankreich könt
ſeinen Gegnern in dem Kampfe um die Effektivſtärke nie
bis zum letzten Ende folgen, es würde nach der Ve=
ſchwendung
von Menſchen und Geld zu der Methode z
rückkehren, die er in ſeinem Gegenantrag vorſchlage. B
geſpannter Aufmerkſamkeit des Hauſes betonte Bonco:
die Notwendigkeit für Frankreich, auf ſeine Reſerven reet
nen zu können. Redner beſchäftigte ſich im einzelnen m
der Rolle, welche die Truppen zu ſpielen hätten undm
der Deckung; indem er ſich gegen mehrere Vorredn=
wandte
, beſtritt er, daß die Tatſache, eine Jahreskla
mehr unter der Fahne zu haben, eine große Bedeutun
für die Schnelligkeit der Mobilmachung haben könne.
verlangte energiſch die Abſchaffung der Militärbeamt=
und ihre Erſetzung durch Ziviliſten. Zwei Anſchauung
ſtänden ſich gegenüber, eine ſchablonenmäßige und ei
moderne die darauf abziele, die Dienſtdauer auf
für die Ausbildung notwendige Zeit zu beſchränken. T
Geſamtheit der Nation und der Armee müſſe im Fried
bereits ausgebildet ſein; die moraliſche Erziehung un
die militäriſche Vorbereitung der Reſerven ſei eine dri=
gende
Notwendigkeit. Es ſei ſeine feſte Ueberzeugung
daß durch ſeinen Antrag die Intereſſen des Handels, d
Landwirtſchaft und der Induſtrie, welche die Vorbedi=
gung
für das Wohl der Nation ſeien, weniger berül
würden. Zum Schluß beſchwor Boncour die Regierun=
ſie
möge ſich auf dem Boden einer Verſtändigung un
eines Entgegenkommens begeben, auf den ſein Gegena=
trag
hinweiſe. Er bat, ſeinen Antrag in Betracht zu z
hen und einer Kommiſſion zu überweiſen. Die Sitzu=
wurde
darauf auf vertagt.

Das Statut von Tanger. Das Echo de Panj
veröffentlicht über das künftige Statut von Tanger, d
nunmehr faſt vollſtändig ausgearbeitet iſt, folgende Einz=
heiten
:
Die geſetzgebende Gewalt wird ein aus 35 Mitgliede=
beſtehender
Gemeinderat ausüben. Dieſe Körperſch
wird die 11 Vertreter der fremden Mächte und 4 von
muſelmaniſchen, 3 von der iſraelitiſchen und 17 von
europäiſchen Bevölkerung gewählte Mitglieder umfaſſ
Keine der fremden Nationalitäten wird im Gemeinden
mehr als 5 Vertreter haben dürfen. Die adminiſtrat
Gewalt wird aus drei Abteilungen: Finanzen, Unterri
und öffentliche Geſundheit und Inneres, beſtehen.
Finanzverwaltung von Tanger wird eine ſelbſtänd
ſein, doch wird Tanger keine beſonderen Einfuhrzi=
erheben
, noch auch Güter des Machſen ohne beſond
Ermächtigung veräußern dürfen. In den Verwaltung
behörden ſollen Frankreich und Spanien je ein Viertel,
übrigen Mächte zuſammen die andere Hälfte der Bea
tenſtellen erhalten. Die Gerichtsgewalt wird aus d
Inſtanzen beſtehen und insgeſamt ſieben Richter umfaſſ
und zwar einen Deutſchen, zwei Engländer, zwei Span
und zwei Franzoſen. Von den letzteren wird einer
Vorſitzende des Oberſten Gerichtshofes. Die Richter w
den auf Vorſchlag der beteiligten Regierungen vom S
tan ernannt werden. Neben dieſen Behörden wird n=
eine
Schuldüberwachungskommiſſion und ein Ausſch
für öffentliche Arbeiten beſtehen. Schließlich wird das
ſamte öffentliche Leben Tangers durch eine internation

Eine unbekannte Emſer
Depeſche König Wilhelms 1.

* Eine für die Geſchichte der Emſer Tage des Juli
1870 höchſt bemerkenswerte, bisher unbekannte Depeſche
König Wilhelms I. veröffentlicht ſoeben Dr. Ludwig
Rieß, Privatdozent für Geſchichte an der Berliner Uni=
verſität
, in den Forſchungen zur Brandenburgiſchen und
Preußiſchen Geſchichte. Die Depeſche, deren Original ſich
in Berliner Privatbeſitz befindet, hat der König in Ems
am Abend des 11. Juli um 7 Uhr 50 Minuten an den
Kronprinzen in Potsdam aufgegeben. Sie lautet folgen=
dermaßen
:
Dem Kronprinzen in Neu Palais Potsdam. Dein
Raiſonnement iſt vollkommen richtig. Das Preußiſche
Gouvernement iſt ganz unbeteiligt und ich nur als Fa=
milien
=Haupt. Dennoch will man in Paris dies nicht
verſtehen und macht Preußen responsable für Spaniſche
Kandidatur. Dieſe Logik iſt allerdings neu. Stündlich
ſteigert ſich der Ernſt der Lage. Keine Nachricht von Leo=
pold
, der eine Alpenreiſe macht. Grüße Victoria und
Deine Kinder. Wilhelm.
Dieſe ganz intime Darlegung, die den unvermittelten
Ausdruck der Geſinnung des Königs gibt, führt zu wich=
tigen
Schlüſſen. Sie läßt vermuten, daß ein unbekann=
tes
ausführliches Schreiben des Kronprinzen an ſeinen
Königlichen Vater voranging, auf das hier angeſpielt
wird. Es muß Darlegungen enthalten haben, die den
König im Feſtbleiben gegen franzöſiſche Unfreundlich=
keiten
und Zumutungen beſtärken ſollten. Zu dieſem
Zweck war der Kronprinz, wie Rieß ſehr wahrſcheinlich
macht, von Bismarck aus Varzin her angeregt worden.
Die Depeſche iſt ein Beweis, daß der König ſchon da=
mals
nach Bismarcks Ausdruck ſich bereits vollſtändig.

vom weiblichen Einfluß frei gemacht hatte, und daß
jetzt wiederum das Ehrgefühl des Erben Friedrichs des
Großen und des preußiſchen Offiziers in ihm leitend
blieb. Der Einwirkung der Königin Auguſta waren alſo
ſchon am 11. Juli Gegenvorſtellungen des einzigen Soh=
nes
und Thronerben entgegengetreten, um den König zu
überreden, das Zwiſchenſpiel der Hohenzollernſchen Kan=
didatur
in Spanien der erwähnte Leopold iſt natür=
lich
der Erbprinz von Hohenzollern nicht nur aufzu=
heben
, ſondern ſie plötzlich auswachſen zu laſſen zur
Kriegsfrage auf Tod und Leben. Da es ſich nach der
offiziellen Auffaſſung des Berliner Auswärtigen Amts
zunächſt um eine rein dynaſtiſche Frage handelte, war
die kronprinzliche Intervention auch die einzige Mög=
lichkeit
. Dieſe Gegenwirkung gewann ſofort die Ober=
hand
, und der König blieb der neuen Haltung treu. Die
Anerkennung des Monarchen in ſeinem jetzt veröffent=
lichten
familiären Telegramm iſt, wie Rieß betont, für
den Kronprinzen ein Ruhmestitel, der bei keiner künf=
tigen
eingehenden Erzählung des Urſprungs des deutſch=
franzöſiſchen
Krieges übergangen werden kann.

Aus den Geheimniſſen eines
ägyptiſchen Erbbegräbniſſes.

* In den Räumen der Londoner Univerſität
iſt eine intereſſante Ausſtellung von ägyptiſchen Alter=
tümern
eröffnet worden, die bei den Ausgrabungen unter
Leitung von Profeſſor Flinders Petrie in den letzten
paar Monaten gefunden wurden. Die Funde ſtammen
aus Memphis, der von Mena, dem erſten König der
erſten Dynaſtie begründeten Hauptſtadt, jetzt als das Dorf
Mitrahineh bekannt, aus Tarkhan, das vor Memphis
Hauptſtadt war, und aus Riggeh. Alle dieſe Orte liegen

dicht zuſammen in der Nähe des Nils und ungefähr
bis 80 Meilen ſüdlich von Kairo. Viele der ausgeſt
ten Gegenſtände ſtammen aus der erſten Dynaſtie,
auf das Jahr 5500 v. Chr. feſtgelegt werden kau
Hierunter befindet ſich ein Eſelsſchädel, der in au
gezeichneter Verfaſſung iſt. Er wurde in einem E
begräbnis einer ägyptiſchen Familie von hohem Ran
gefunden, und dicht dabei lag die Lieblingsen
der ägyptiſchen Familie. Es iſt dies das erſte Mal, d
Ueberreſte eines Eſels aus ſo grauer Vorzeit gefund
wurden. Das Wertvollſte der Sammlung iſt jedoch
goldener Bruſtſchild, mit Lapislazuli, Türkiſen und
deren Halbedelſteinen beſetzt. Man glaubt, daß die
Schild von einer Perſönlichkeit höheren Ranges getrag
wurde und eine Art Ordensauszeichnung war. A
auch damals 2800 bis 2500 Jahre v. Chr. hat
ſchon Leichenräuber gegeben. Ein Spitzbube
verſucht, ſich durch ein enges Loch in das Grab und
den Koſtbarkeiten hineinzuwühlen, iſt aber durch
Einſturz des Deckengewölbes überraſcht worden, und
zerſchmettertes Skelett wurde in der Nähe des Le=
nams
gefunden. Von faſt gleichem Intereſſe ſind
Zam und ein Uas Szepter. Beide ſind aus Holz
einem Phönixkopf und einem gegabelten Ende.
lagen neben dem Leichnam eines hohen Prieſters nam
Sa=Uazt und waren die Zauberſtäbe, die ſie bei ih
Amtshandlungen benutzten. Zahlreiche andere Schm=
gegenſtände
, wie Halsketten, Perlen und Steine 1
Toilettengegenſtände der Schönen jener Zeit wurden
funden. In einem der ausgegrabenen Tiegel wur
auch noch Ueberreſte einer Salbe entdeckt, mit denen
die Damen Aegyptens ihre Augenbrauen einzubalſan
ren pflegten. Sie taten dies jedoch nicht, um irg=
einen
Schönheitseffekt damit zu erzielen, ſondern um
Fliegen, die Landplage Aegyptens, von den Augen
zu halten.

[ ][  ][ ]

Nummer 153.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Seite 3.

Ueberwachungskommiſſion beherrſcht werden, welcher die
11 Vertreter der Mächte und ein Vertreter des Sultans
angehören werden.
Portugal.
Aus dem Finanzbericht des Miniſterpräſiden=
ten
und des Finanzminiſters iſt noch nachzutragen: Es iſt
gelungen, ein Defizit zu vermeiden durch Steigerung der
regelmäßigen Einnahmen ohne unzuläſſige Beſchränkung
der ſtaatlichen Dienſtzweige, ohne Anleihen und ohne Ver=
kauf
von Staatsgütern und durch Herabſetzung der lau=
fenden
Ausgaben, obgleich der öffentliche Unterricht und
einige andere notwendige Maßnahmen eine Mehrausgabe
von 1000 Contos Reis (ungefähr 4 Millionen Mark) er=
reichten
. Die Einnahmen betrugen 75894, die Ausgaben
74927 Contos.

Amerika.
Die Zuſtände in Mexiko. Das Reuter=Bureau
meldet aus Mexiko: Vierzig Frauen, zumeiſt den beſſeren
Ständen angehörend, haben in der Stadt Durango nach
der Beſetzung durch die Rebellen in letzter Woche Selbſt=
mord
begangen infolge der Behandlung durch die ſieg=
reichen
Rebellen. Nach Konſulatsberichten benahmen ſich
die Rebellen wie Banditen und brannten in dem großen
Geſchäftsviertel ein Teil Durangos nieder. Sie plünder=
ten
und reſpektierten die Auslandsflaggen nicht. In Du=
rango
herrſcht jetzt Hungersnot. Regierungstruppen brin=
gen
Hilfe.
Südafrika.
Der Ausſtand im Randgebiet. Die Mi=
niſter
ſtehen in ſtändiger Verbindung mit dem Randge=
biet
. Nach den bisherigen Meldungen wird die Entſen=
dung
weiterer Truppen nicht für notwendig erachtet. Die
Behörden von Johannesburg haben Maßnahmen zum
Schutze der elektriſchen Kraftſtationen getroffen und
hegen die Hoffnung, die Arbeiter und die Tätigkeit der
Stationen ſchützen zu können. Die Arbeiter der Eaſt=
Rand=Proprietary=Grube und der Caron=Gold=Mine
haben eine Reſolution angenommen, daß ſie den Streik
nur auf Anordnung des Gewerkſchaftsverbandes aner=
kennen
wollen. Dagegen haben die Arbeiter auf der
Kraftſtation der Eaſt=Rand=Proprietary=Mine die Arbeit
niedergelegt. Somit iſt auf dem Eaſt=Rand nur die Kraft=
ſtation
auf der Randfontein in Tätigkeit. Der ausfüh=
rende
Ausſchuß des Bergarbeiterverbandes und der Ge=
werkſchaftsverband
haben ſich Dienstag nacht einſtimmig
für einen Generalſtreik aller Bergleute entſchieden, der am
Freitag beginnen ſoll.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 3. Jllli.

Ueber den Ausbau der Ueberlandleitungen
der Heag
für die Stromverſorgung des Kreiſes Dieburg er=
fahren
wir, daß die Kabelverlegungsarbeiten bis zum
Martinspfad bereits fertiggeſtellt ſind und ein Hochſpan=
nungskabel
für eine Betriebsſpannung von 20000 Volt
und ein Betriebstelephonkabel bis zu der Gemarkungs=
grenze
Nieder=Ramſtadt-Ober=Ramſtadt zur Verlegung
kommt. Hier ſoll eine Ueberführung der Kabel in Frei=
leitung
ſtattfinden und dieſe über Ober=Ramſtadt, Zeil=
hard
, Georgenhauſen, Spachbrücken, Habitzheim bis Groß=
Umſtadt weitergeführt werden. Nachdem die ſehr ſchwie=
rigen
und zeitraubenden Verhandlungen mit den vielen
Grundbeſitzern zum größten Teile erledigt ſind, ſoll jetzt
mit dem Setzen der Gittermaſte für die Freileitung be=
gonnen
werden. Es ſteht daher zu erwarten, daß ein Teil
der Gemeinden des Kreiſes Dieburg, welche bereits einen
Vertrag mit der Heag abgeſchloſſen haben, bis vor Ein=
tritt
der Hauptbeleuchtungszeit Strom erhalten können.

* Empfänge, Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen geſtern den Oberſt Schmidt, Komman=
deur
des Großh. Gendarmeriekorps, den Major v. Weſtern=

hagen beim Stabe des Leibgarde=Infanterie=Regiments
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 115, den Major a. D. Kammerherrn
Frhrn. v. Starck, Vorſitzender der Großh. Militär=Witwen=
und Waiſen=Kommiſſion, den Goldſchmied Wende; den
Werkmeiſter Bitſch, den Gärtner Becker und den Vieh=
händler
Oppenheimer, letztere drei von Reichenbach i. O.;
den Oberſchützenmeiſter Landtagsabgeordneten Heerdt
und den Schützenmeiſter Krauß von Mainz, den Vor=
ſtand
des Vorſchußvereins Stoll von Bad Nauheim, den
Pfarrer Schwabe und den Profeſſor Bruck von Gießen;
zum Vortrag den Staatsminiſter v. Ewald, den Miniſter
des Innern v. Hombergk zu Vach, den Direktor der
Kabinettsbibliothek Hauptmann a. D. Zobel.
* Eiſenbahnperſonalien. In den Ruheſtand verſetzt
wurden die Lokomotivführer Heinrich Schmidt zu
Gießen, Friedrich Renker zu Mainz, Wilhelm
Schmitt zu Mainz und der Wagenmeiſter Valentin
Stock zu Wiesbaden, der Wagenmeiſter Franz Wolf
zu Mainz und der Weichenſteller Peter Schneider zu
Bensheim, ſämtlich in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahn=
gemeinſchaft
.
F.C. Zum Wechſel im Kommando der 50. Infanterie=
Brigade (2. Großherzoglich Heſſiſche). Der an Stelle des
mit Wahrnehmung der Geſchäfte des Feldzeugmeiſters
beauftragte Generalmajor Franke zum Kommandeur der
50. Infanterie=Brigade (2. Großherzoglich Heſſiſche) er=
nannte
Generalmajor Freiherr v. Speßhardt (ſeither Kom=
mandeur
des Infanterie=Regiments Nr. 51 in Breslau)
hat 29 Vorgänger gehabt, und zwar vom Jahre 1821 an,
wo die Brigade als 2. Großherzoglich Heſſiſche Infanterie=
Brigade errichtet wurde. Es waren dies die General=
majore
Köhler (18211829), Zimmermann (bis 1832), von
Bouchenröder (bis 1840), v. Stoſch (1840), Siegroth (bis
1842), Pfaff (bis 1844), v. Wachter (bis 1859), Gräcmann
(bis 1862), Keim (bis 1866), v. Stockhauſen (1866), Becker
(bis 1867), Kehrer (bis 1868), v. Wittich (bis 1871), von
Lyncker (bis 1879) b. Wuſſow (bis 1883), v. Werder (bis
1888), v. Kunowski (bis 1889), Lademann (bis 1892), von
Igel (bis 1894), v. Bismarck (bis 1897), Freiherr v. Bud=
denbrock
=Hettersdorf (bis 1901), v. Viebahn (bis 1903),
Freiherr v. Ledebur (bis 1906), v. Dietlein (bis 1908), von
Grumbkow (bis 1911), Franke (bis 1913).
nn. Strafkammer II. (Sitzung vom 2. Juli.) Ver=
handelt
wurde zunächſt gegen den Fahrburſchen Wilhelm
Schwab aus Offenbach, geboren 1895 und vorbeſtraft,
wegen Urkundenfälſchung. Der Angeklagte hatte ſich auf
den Namen ſeines Dienſtherrn Spengler einen Beſtellſchein
angefertigt und hierfür bei dem Sattlermeiſter Kappes
in Offenbach eine Peitſche im Wert von zwei Mark aus=
händigen
laſſen. Als Entſchuldigung für dieſes Vergehen
führt der Angeklagte an, daß er ſich für rückſtändigen Lohn
Erſatz verſchaffen wollte. Aus den Zeugenausſagen geht
aber hervor, daß der Angeklagte hierzu kein Recht hatte
und daß eine Veranlaſſung zu dieſer Selbſthilfe nicht vor=
lag
. Nach erfolgter Anzeige hatte der Angeklagte den Be=
trag
von zwei Mark für die Peitſche bezahlt. Wegen die=
ſes
Dummenjungenſtreiches wird der Angeklagte wegen
Urkundenfälſchung und Betrug in einem Fall nach § 267,
268 des Strafgeſetzbuchs in eine Gefängnisſtrafe von zwei
Wochen und in die Koſten des Verfahrens verurteilt. Nach
eindringlichen Ermahnungen des Vorſitzenden, Herrn Geh.
Juſtizrats Dr. Sander, nahm der Angeklagte die Strafe
an. Ein weiterer Fall betraf die Anklageſache gegen
den Fenſterreiniger Philipp Wolf und Genoſſen von Kel=
ſterbach
wegen Bedrohung. Bei einer Sonntagstanz=
beluſtigung
in Kelſterbach kam es zwiſchen den Eheleuten
Georg Henn zu einer Eiferſuchtsſzene bei der der Ehe=
mann
ſeine Ehefrau mit Halsabſchneiden bedrohte. In
einer Schöffengerichtsſitzung wurde Philipp Wolf wegen
Bedrohung freigeſprochen. Georg Henn erhielt eine Geld=
ſtrafe
von 5 Mark. Gegen dieſe Strafe hatte der letztere
Berufung eingelegt. In der heutigen Verhandlung wurde
dieſelbe zurückgenommen und die Sache damit für erledigt
erklärt.
Beſerdigung des Geheimerats Hedderich. Geſtern
nachmittag 2½ Uhr wurden die ſterblichen Ueberreſte des
Geheimerats Hedderich unter außergewöhnlich zahlreicher
Teilnahme von Leidtragenden, die zum Teil aus weiter
Ferne herbeigeeilt waren, in Guntersblum, der Hei=
mat
des Verſtorbenen, beigeſetzt. Ein immenſes Aufgebot
von koſtbaren Blumenarrangements, Kränzen und ſon=
ſtigen
Zeichen der Teilnahme und Liebe legte außer der
perſönlichen Teilnahme Zeugnis ab von der Trauer um
den Verewigten. Im Hauſe, wo die Leiche aufgebahrt
war, fand die feierliche Einſegnung und eine Trauer=

andacht im Familienkreiſe ſtatt. Dann bewegte ſich ein
gewaltiger Leichenkondukt zum Friedhof. Der katholiſche
Pfarrer hielt am offenen Grabe eine Trauerandacht und
Gedächtnisrede. Zahlreiche Nachrufe unter Kranznieder=
egungen
ſchloſſen ſich an. Unter anderen legten Kränze
nieder Reichstagspräſident Kaempf im Namen des
Aufſichtsrats der Bank für Handel und Induſtrie, weiter
ein Vertreter der Gießener Burſchenſchaften, deren Mit=
begründer
der Verſtorbene war, Direktor Rötelmann
von der Süddeutſchen Eiſenbahn=Geſellſchaft, ſowie Ver=
treter
vieler anderer induſtrieller und Bankunternehmun=
gen
, deren Aufſichtsrat der Verſchiedene angehörte, oder
deren Mitarbeiter er ſonſtwie geweſen iſt. Unter den
eidtragenden befanden ſich beſonders viele Darmſtädter.
* Hoflieferant. Der Firma Gebr. Höslein, In=
haber
Herr Joſef Schiller, Manufaktur= und Modewaren=
haus
, wurde der Hoflieferantentitel verliehen.
* Jubiläen. Am 1. Juli feierte der beim ſtädtiſchen
Waſſerwerk tätige Rohrmeiſter Friedr. Suchland ſein
25jähriges Beamtenjubiläum; am 2. Juli waren 25 Jahre
verfloſſen, ſeitdem der bei derſelben Verwaltung ange=
ſtellte
Bureaudiener Aug. Sulzbach in den ſtädtiſchen
Dienſt eingetreten iſt. Beider Jubilare wurde ſeitens
ihrer vorgeſetzten Behörde in ehrender Weiſe gedacht,
ebenſo wurde ihnen unter entſprechender Schmückung
ihrer Arbeitstiſche ſeitens der Beamten und Arbeiter des
Werks die beſten Glückwünſche übermittelt.
* Vortrag über das Fortbildungsſchulweſen.
Im Auftrage des Darmſtädter Lehrervereins
hält am Montag, den 7. Juli, Herr Hauptlehrer Löſch,
der Leiter der obligatoriſchen Fortbildungsſchule zu
Darmſtadt, einen öffentlichen Vortrag über Allge=
meinbildung
und Berufsbildung in der
Pflichtfortbildungsſchule und die Organi=
ſation
des Darmſtädter Fortbildungs=
ſchulweſens
Zu dem Vortrag, der nachmittags
5¼ Uhr im Hörſaal 138 der Großh. Techniſchen Hoch=
ſchule
ſtattfindet, iſt jedermann, der ſich für die wichtige
Frage der Ausgeſtaltung unſerer Fortbildungsſchule
intereſſiert, herzlich eingeladen.
* Freunde deutſcher Schrift. Auf die heute abend
im Prinzen Karl ſtattfindende Verſammlung wird noch=
mals
hingewieſen. Auch Nichtmitglieder haben freien
Zutritt.
* Der Verein für Verbreitung von Volksbildung
wird den bereits von uns erwähnten Beſuch des Darm=
ſtädter
Botaniſchen Gartens am nächſten Sonntag,
den 6. Juli, zur Ausführung bringen. Der Direktor des
Botaniſchen Gartens, Herr Geheimer Hofrat Profeſſor
Dr. Schenck, und Herr Garteninſpektor Purpus haben ſich
freundlicherweiſe als Führer durch die Anlagen und die
Gewächshäuſer zur Verfügung geſtellt. Der Botaniſche
Garten iſt vielen Darmſtädtern wenig oder gar nicht be=
kannt
. Viele ahnen nicht, welchen Reichtum dieſe mit ſo
viel Sorgfalt und wiſſenſchaftlicher Arbeit gepflegte ſtaat=
liche
Lehrſtätte der Pflanzenkunde jedem Naturfreunde
unentgeltlich darbieten kann. Seltenheiten an in= und
ausländiſchen Baumarten, Anpflanzungen von tropiſchen
Gewächſen, von Heil=, Nutz= und techniſchen Pflanzen,
von giftigen und offizinellen Gewächſen, von Schmarotzern
und Inſekten freſſenden Pflanzen, das freundliche Bild
eines Alpinums und der Teich mit blühenden Waſſer=
roſen
: all dies eröffnet dem Beſucher die Ausſicht auf eine
Fülle genußreicher Belehrung. Alle Mitglieder und
Freunde des Vereins für Verbreitung von Volksbildung
ſind zu dieſer Sonntagsführung freundlichſt eingeladen.
Man verſammelt ſich um 9¼ Uhr bei den Gewächshäuſern;
als Eingänge werden geöffnet ſein: im Süden das Tor
an der Roßdörfer Straße, im Norden die Tür am Bahn=
häuschen
.
Die Vereinigung Darmſtadtia rüſtet zur Feier
ihres Gründungsfeſtes. Dieſes ſoll am 13. Sep=
tember
im Mathildenhöhſaale begangen werden. Die Vor=
arbeiten
ſind bereits ſoweit gediehen, daß ein vorläufiges
Programm aufgeſtellt werden konnte. Konzertſängerin
Fräulein Agathe Landzettel wird bei dem Feſt durch
einige Geſangsvorträge erfreuen. Außer Muſik= und
humoriſtiſchen Vorträgen wird das Volksſtück von Herbert
Wolter: Heinz, der Fiedler aufgeführt. Auch der Zither=
klub
Edelweiß mit ſeinem vortrefflichen Dirigenten
Herrn Richard Münch an der Spitze, der auch einige Solo=
ſtücke
zu Gehör bringen wird, hat ſeine Mitwirkung in
Ausſicht geſtellt. Herr Richard Bernhardt wird mit eini=
gen
Soloſtücken auf der Violine aufwarten. Dem Charak=
ter
eines Volksfeſtes entſprechend, wird der Eintrittspreis
ſo niedrig gehalten werden, daß auch den wenig Bemit=

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

* Die Frauen an der Berliner Univerſi=
tät
. Die Univerſität Berlin zählt in dieſem Sommer
859 ſtudierende Frauen; davon ſind 770 immatrikulierte
Studentinnen. Es iſt ganz lehrreich, zu ſehen, wie ſich die
Studentinnen auf die einzelnen Fächer verteilen. Der
ausgeſprochen praktiſche Zug der arbeitenden Frau macht
ſich auch bei der Wahl des Studiengebietes ſtark geltend.
Die Medizin und die auf das Oberlehrerinnenexamen füh=
renden
Fächer werden faſt ausſchließlich bevorzugt. 151
Frauen ſind in der mediziniſchen Fakultät eingeſchrieben,
und 149 ſtudieren neue Philologie, 101 ſind Germaniſtin=
nen
. 64 Frauen ſtudieren Mathematik im Hauptfach.
41 haben ſich der reinen Philoſophie ergeben, 38 den
Naturwiſſenſchaften. 22 Nationalökonominnen und 21
alte Philologinnen folgen. Aber auch die Kunſt=
geſchichte
findet ebenſo viele Jüngerinnen wie die prak=
tiſchen
Staatswiſſenſchaften. Dann vermag nur noch die
Chemie eine größere Anzahl von Frauen zu feſſeln, es
ſind 17. Geographie wird von ſieben Studentinnen als
Hauptfach angegeben; je 5 nennen Literatur im allgemein=
ſten
, Muſikwiſſenſchaft, Phyſik und Zahnheilkunde. 4 ſtudie=
ren
Archäologie, 2 Pſychologie. Auch die weitabliegen=
den
philologiſchen Studienfächer finden weibliche Jün=
ger
, wenn auch nur je eine; ſo das Sanskrit, die
Orientaliſtik und die Aſſyriologie, und eine Irin kam
eigens nach Berlin, um bei Profeſſor Kuno Meyer iriſche
Philologie zu treiben. Auch die naturwiſſenſchaftlichen
Einzeldiſziplinen finden kleine weibliche Gemeinden: die
Botanik mit 3, Biologie mit 2, Biologie, Pharmakologie
und Zoologie mit je einer Studentin. Die 20 Juriſtin=
nen
und 2 Theologinnen machen den Beſchluß. 300 Stu=
dentinnen
ſtammen aus der Mark Brandenburg, 64 ſind
Schleſierinnen, 52 Ruſſinnen. Die Rheinprovinz ſendet
39, die Provinz Sachſen und Weſtfalen 28, Pommern 27
Frauen zum Studium nach Berlin. Oſtpreußen iſt mit
22, Weſtpreußen. Poſen und Amerika mit je 20 Frauen
vertreten. Einen ſtarken Anteil ſtellen, wie üblich, die
Profeſſorentöchter.
Die Ausländerfrage auf den Techni
ſchen Hochſchulen. Die jetzt vorliegenden Beſuchs=
ziffern
aller Techniſchen Hochſchulen Deutſchlands für das

Sommerhalbjahr 1913 ermöglichen eine Ueberſicht über
den Beſuch von Ausländern an den einzelnen Hochſchulen,
wobei die Ruſſen vielfach einen ſehr hohen Bruchteil
ſtellen. Verhältnismäßig am bedeutendſten iſt die aus=
ländiſche
Beteiligung bei der Techniſchen Hochſchule in
Karlsruhe, die insgeſamt 970 Studierende (6 Damen)
aufweiſt, von denen annähernd ein Drittel, 308, aus dem
Auslande ſtammt. Hier ſtellen die Ruſſen mit 132 Köpfen
den größten Anteil. Demnächſt würde die Techniſche
Hochſchule in Darmſtadt kommen, die unter 1183 Stu=
dierenden
296 Ausländer zählt, darunter 180 Ruſſen. Die
Charlottenburger Techniſche Hochſchule weiſt
unter 1973 Beſuchern 446 Ausländer auf, darunter 120
Rumänen, 56 Ruſſen. Von den 2680 Hörern der Mün=
chener
Techniſchen Hochſchule ſtammen 517 aus dem
Auslande.
* Die Hallenſer Stadtverordneten gegen
die Aufführung des Parſifal Wie aus Halle
gemeldet wird, lehnten die dortigen Stadtverordneten den
Magiſtratsantrag, für die Inſzenierung von Rich. Wag=
ners
Parſifal zu Beginn des kommenden Jahres 20000
Mark auszuſetzen. mit großer Stimmenmehrheit ab, ob=
wohl
der Oberbürgermeiſter in längerer, eindrucksvoller
Rede erklärt hatte, daß nach Informationen der Theater=
deputation
im kommenden Jahre 40 deutſche Bühnen das
Werk aufführen werden.
Könige im Bild. Auch Herrſcher ſind ja nicht über
alle menſchlichen Schwächen erhaben, und ſo iſt es be=
greiflich
, daß ſie nicht immer gleichgültig dafür ſind, wie
ſie der Welt im Bild oder im Film gezeigt werden. Was
man aus den Photographien einiger Fürſten über ihre
kleinen Eitelkeiten herausleſen kann, das bildet den
Gegenſtand einer luſtigen Plauderei, die eine engliſche
Wochenſchrift veröffentlicht. Vor einer Reihe von Jah=
ren
wurde von dem hochaufgeſchoſſenen, ſchlanken und
blaſſen König Alfons das Gerücht verbreitet, er wäre
nicht geſund und er habe etwas an der Lunge. Das war
natürlich dem König oder zumindeſt ſeiner Umgebung
recht unangenehm, und wie dieſer Argwohn durch Photo=
graphien
entſtanden war, ſo mußte man ihm auch durch
Bilder begegnen, denn ein ſolches Gemunkel konnte ihm
in ſeiner Herrſchaft wie bei ſeiner damals noch nicht voll=
zogenen
Verheiratung empfindlich ſchaden. Es gingen
alſo vom Hofe in Madrid eine Unzahl von Photographien

aus, die den jungen König als eifrigen Sportsmann
und kleinen Herkules darſtellten. Da ſah man Alfons,
wie er Polo ſpielte, ſelbſt ſein Auto lenkte, als kühnen
Reiter auf feurigem Pferd und auf der Jagd. Die Bil=
der
taten ihren Dienſt und der König lebt heute im all=
gemeinen
Bilde als ein kräftiger Jüngling, der allen
körperlichen Uebungen beſonders zugetan iſt. Fehlt dem
Madrider Herrſcher ein kräftigerer Leibesumfang, ſo iſt
König Viktor Emanuel von der Natur um einige
Zoll Körpergröße betrogen worden, die ihm mit ſeinem
energiſchen Geſicht und ſeinem ſtolzen Schnurrbart erſt
das imponierende Ausſehen verleihen würden. Auch da
helfen die Photographen des Königs nach. Ein Bild
des Herrſchers wurde in Tauſenden von Exemplaren
verbreitet, das ihn an der Spitze ſeiner militäriſchen
Eskorte zeigt. Hier überragt er ſeine Umgebung um eine
Kleinigkeit, denn man hat ſorgfältig Offiziere ausgeſucht,
die als klein gelten müſſen, und ſo ein vorteilhaftes Relief
für die Figur des Monarchen bieten. Eine andere
Photographie ſtellt den König in einem Automobil dar,
deſſen Seitenwände beſonders niedrig waren, ſo daß die
Geſtalt des Königs hoch darüber hinausragte und man
ihn wohl danach für einen körperlich großen Mann hal=
ten
konnte. Auch der Zar wird von ſeinen Photogra=
phen
mit Vorliebe als ein Mann von beſonderen Kör=
perkräften
dargeſtellt, und es ſoll vor einigen Jahren auf
ſeinen Befehl ein Bild in ganz Rußland verbreitet wor=
den
ſein, das ihn zeigte, wie er auf der Newa rudert.
Der verſtorbene König Eduard ließ ſich beſonders gern
als Sportsmann und in möglich leutſeliger, ungezwun=
gener
Haltung photographieren. Typiſch dafür iſt das
Bild, auf dem man ihn ſieht, wie er ſelbſt den Derby=
Sieger Minoru am Zügel führt. Rooſevelt ließ ſich
während ſeiner Präſidentſchaft vierzehnmal im Kreiſe
ſeiner Familie photographieren, weil er in ſeinen Ideen
für eine zahlreiche Nachkommenſchaft und für das Heim
als den Hort der Volksgeſundheit eintrat. Auf die Ver=
breitung
dieſer Familienbilder legte er beſonderen Wert.
C. K. Die Meſſenger Boys als Senatoren. Amerika
amüſiert ſich herzlich über den übermütigen
Streich, den ſich die Pagen des amerikaniſchen Sena=
tes
, die kleinen Meſſenger Boys, die den Senatoren zu
Botengängen zur Verfügung ſtehen, geleiſtet haben. Wer
am Samstag nachmittag in Waſhington zufällig auf die
Tribüne des Sitzungsſaales des Senates ging, ward

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Nummer 153.

telten der Beſuch des Feſtes ermöglicht iſt. Die Reſtau=
ration
findet bei Bier ſtatt.
* Die Kaufmänniſche Stenographen=Geſellſchaft
Gabelsberger veranſtaltet am Samstag, den 5. Juli,
abends, in ſämtlichen Räumen des Rummelbräu, Allee 61,
ihr diesjähriges Sommernachtfeſt. Für den konzert=
lichen
Teil iſt die Kapelle des Leibgarde=Regiments unter
Herrn Hauskes Leitung gewonnen, während der Tanz
im großen Saale abgehalten wird. Bei ungünſtiger
Witterung findet die Veranſtaltung im Saale ſtatt. (Wir
verweiſen auf die Anzeigen in unſerem Blatte.)
* Der Darmſtädter Hausbeſitzerverein macht
alle Grundbeſitzer darauf aufmerkſam, daß alle Grund=
ſtücke
, die zu landwirtſchaftlichen Zwecken benützt werden,
bei der Steuerveranlagung auf Antrag des Be=
ſitzers
auf das Mittel des Ertrags und gemeinen
Wertes feſtgeſetzt werden. Die Steuerkommiſſion hat
alle Grundſtücke mit dem gemeinen Werte in der Ver=
anlagung
angenommen. Es iſt deshalb nötig, daß alle
Beſitzer derartiger Grundſtücke reklamieren und dieſe
Beanlagung beantragen, um eine niedrigere Steuer zu
erzielen.
* Orthſches Männerquartett. Sämtliche inner=
halb
5 Jahren errungenen Preiſe ſind bei dem Mit=
gliede
Herrn Rudolf Fay, Manufakturwaren=Geſchäft,
Ludwigshöhſtraße 1½, zurzeit ausgeſtellt.
* Gartenbauverein Darmſtadt. Nächſten Samstag
findet ein gemeinſamer Ausflug zur Beſichtigung der
Gartenanlagen auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim
ſiatt. (Näheres im Anzeigeteil.)
* Steuer zahlen. Wir machen unſere Leſer noch=
mals
darauf aufmerkſam, daß das 1. Ziel der Gemeinde=
ſteuern
für das Rechnungsjahr 1913 bis längſtens 5. I. Mts.
an die Stadtlaſſe zu entrichten iſt.
Städtiſcher Saalbau. Das heutige 5. Donners=
tags
=Konzert der Kapelle des Leibgarderegiments
iſt ein Streichkonzert. Damit ſoll verſchiedentlicher An=
regung
Folge gegeben werden. Das künſtleriſch hervor=
ragende
Programm kommt auch dem verwöhnteren
Kunſtgeſchmack entgegen. U. a. wird der ausgezeichnete
Geiger Herr Val. Härtl, gegenwärtig Einjährig= Frei=
williger
, den 2. Satz aus M. Brucks Violinkonzert
ſpielen. (Siehe auch Anzeige.)
* Hotel Heß. Im Bürgerkeller iſt neues
Leben eingezogen. Die Kapelle Nobitſchek verſteht es,
mit ihrem abwechſelungsreichen Programm das Publikum
zu feſſeln. Das Orcheſter beſteht aus acht jungen
Damen und iſt ein Beſuch beſtens zu empfehlen.
=gs- Ein ſchwerer Unfall ereignete ſich geſtern vor=
mittag
bei einer militäriſchen Uebung auf dem Weiter=
ſtädter
Exerzierplatz. Die Pferde einer Proviantkolonne
wurden ſcheu durch das Schnellfeuer einer angreifenden
Abteilung und gingen durch. Dabei ſtürzten mehrere
Trainſoldaten vom Wagen und gerieten unter die Räder.
Während die meiſten erfreulicherweiſe nur Hautabſchürf=
ungen
oder ſonſt leichte Verletzungen erlitten, waren die
Verletzungen bei 4 Trainſoldaten ernſterer Natur. Wäh=
rend
der eine durch ein Privatautomobil in das Garni=
ſonlazarett
geſchafft wurde, ſorgte die Rettungswache für
Ueberführung der anderen im Krankenkraftwagen ebenfalls
ins Garniſonlazarett. Wie wir geſtern abend noch er=
uhren
, werden 2 von ihnen ſchon heute oder morgen wie=
der
aus dem Lazarett entlaſſen werden können, während
ie beiden anderen noch im Lazarett verbleiben, jedoch be=
ſteht
auch bei ihnen keine Gefahr.
m. Zuſammenſtoß. Geſtern morgen um ¼8 Uhr
fand an der Ecke Bleichſtraße und Kaſinoſtraße ein Zu=
ſammenſtoß
zwiſchen zwei Radfahrern ſtatt. Beide
Fahrer ſtürzten, wobei dem einen das rechte Knie und
die linke Hand zerſchunden wurde. Der zweite, ein
Bäckerjunge, mußte ſeine Brötchen auf der Straße zu=
ſammenleſen
. Er ſoll durch ſein Links= und Zuſchnell=
fahren
den Unfall verſchuldet haben.

Aus dem Odenwald, 1. Juli. Die abnorme
Witterung der letzten Zeit bringt unſeren Sommer=
friſchen
einen erheblichen Schaden. Die meiſten Kur=
gäſte
reiſen vorzeitig ab, nur wenige ſtellen ſich ein.
Bis zum Eintreten dieſer Witterung war der Fremden=
beſuch
gut.
Mainz, 2. Juli. Oberſchützenmeiſter Landtagsabge=
ordneter
Heerdt und der zweite Schützenmeiſter Krauß
wurden heute vormittag vom Großherzog in Audienz

empfangen. Der Landesfürſt bewies das regſte Intereſſe
für die anläßlich des 26. Verbandsſchießens in
Mainz ſtattfindenden feſtlichen Veranſtaltungen. Der
Großherzog wird am Sonntag halb 12 Uhr mit ſeiner
Familie nach Mainz kommen und ſich zu Herrn
Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert begeben,
um vom Kreisamtsgebäude aus den Feſtzug anzuſehen.
Der Großherzog gab, lt. Journ., ferner die Zuſage, im
Laufe der Feſtwoche nochmals nach Mainz zu kommen, um
den Feſtplatz zu beſuchen.
Gonſenheim, 2. Juli. Gelegentlich des Jubiläums=
feſtes
der Freiwilligen Feuerwehr wurde an den Groß=
herzog
von Herrn Bürgermeiſter Alexander ein Huldi=
gungstelegramm
abgeſandt, worauf am Montag aus
Jagdſchloß Wolfsgarten die nachſtehende Antwort eintraf:
Herrn Bürgermeiſter Alexander in Gonſenheim. Ueber=
mitteln
Sie meinen beſten Dank allen Beteiligten für ihr
erneutes Treuegelöbnis. Ernſt Ludwig.
Bingen, 2. Juli. Heute vormittag iſt im neuen Fahr=
waſſer
des Rheines ein Schleppkahn untergegan=
gen
. Der Kahn hatte Salzladung und war mit zwei
anderen Kähnen im Anhang eines Schleppdampfers des
weſtdeutſchen Lloyd auf der Fahrt vom Oberrhein zu Tal.
Bei der Einfahrt in das neue Fahrwaſſer geriet der Kahn
auf eine Kribbe, bekam ein Leck und ſank innerhalb fünf
Minuten. Die Bemannung konnte ſich mit genauer Not
noch durch Ueberſpringen auf die anderen Kähne retten.
Gau=Odernheim 2. Juli. Ein junger Mann von hier,
der im Saargebiet in Stellung war, ſoll dort von Wer=
bern
der Fremdenlegion mit nach Paris genom=
men
worden ſein. Dort ſei der Mann ſich erſt ſeiner Lage
bewußt geworden und habe ſich geweigert, die Unter=
ſchrift
zu geben. Man habe ihn entlaſſen, er ſei aber von
den Werbern mißhandelt und ſeiner Barſchaft von 110 M.
beraubt worden. Ein Bekannter in Paris habe ihm
ſchließlich die Mittel zur Heimreiſe verſchafft.
Nierſtein, 2. Juli. Die älteſte Frau Rhein=
heſſens
dürfte die Witwe Katharina Buhl von hier
ſein, die in dieſem Monat ihren 97. Geburtstag feiert. Die
Greiſin erfreut ſich noch verhältnismäßig guter Geſund=
heit
. Ihre Nachkommenſchaft zählt heute 55 Köpfe näm=
lich
3 Kinder, 28 Enkel und 24 Urenkel. Rheinheſſen hat
überhaupt den Ruhm, die älteſten Leute in Heſſen zu haben.
In Nieder=Ingelheim feierte vor einigen Wochen Herr N.
Sundheimer den 100. Geburtstag in voller Rüſtig=
keit
. Von beiden alten Leutchen wird erzählt, daß ſie
einem guten Glas rheinheſſiſchen Weins nie abhold waren,
ein Beweis daß der edle Rebenſaft keineswegs geſund=
heitsſchädlich
iſt.
Gau=Algesheim, 2. Juli. Während des am Montag
gelegentlich des Rheinheſſiſchen Gauturnfeſtes zwiſchen
den Mannſchaften der Mainzer Infanterie=Regimenter Nr.
87 und Nr. 117 ausgefochtenen Entſcheidungskampfes um
die Goldene Kette von Mainz ereignete ſich ein ſchwe=
rer
Unfall. Ein außerhalb des Abſperrungszaunes zu=
ſchauender
Soldat des Infanterie=Regiments Nr. 117
wurde von dem Fußball derart an den Kopf getroffen,
daß er bewußtlos zuſammenſtürzte und von der Sanitäts=
wache
ins Krankenzelt gebracht werden mußte. Der auf
dem Platze anweſende Arzt konſtatierte eine ſchwere Ge=
hirnerſchütterung
. Der Mann erholte ſich ſpäter wieder
ſoweit, daß er nach Mainz ins Garniſonslazarett gebracht
werden konnte.
Gießen, 2. Juli, Unſere Landesuniverſität
feierte lt. Gieß. Anz. in hergebrachter Sitte ihr Jah=
resfeſt
mit einem Feſtakt in der neuen Aula um 11½
Uhr, einem Feſteſſen in Steins Garten um halb 2 Uhr
und einem ſich hieran anſchließenden Gartenkonzert.
Beim Feſtakt in der Aula hielt der Rektor die Feſtrede;
er ſprach über Luthers Rechtfertigungsglauben als ge=
ſchichtliche
Religion‟. Dann teilte er die wichtigſten Ge=
ſchehniſſe
an der Hochſchule im vergangenen Jahre mit
und verkündete die Ergebniſſe der Preisaufgaben für
1912/1913. Leider waren von zehn gegebenen nur vier be=
arbeitet
worden. Die Aufgabe der mediziniſchen Fakultät
für den akademiſchen Preis lautete: Welche Beziehungen
beſtehen zwiſchen Verbiegungen der Naſenſcheidewand,
den Naſenmuſcheln und dem Siebbein? Die eingegangene
Arbeit erhielt den vollen Preis. Die Aufgabe derſelben
Fakultät für den Balſerpreis lautete: Die motoriſche und
ſpeziell ſprachliche Reaktion auf akuſtiſche Reize ſoll ver=
gleichend
bei Normalen, Nervöſen und Geiſteskranken
unterſucht werden. Auch die hierzu eingelieferte Löſung
war des vollen Preiſes würdig. Die philoſophiſche Fa=
kultät
hatte aus der römiſchen Philologie die Aufgabe
geſtellt: Num comparationes Plutarchi vitis parallelis
adiectae ab ipso Plutarcho sint compositae quaeratur‟.
Die hierzu vorgelegte Arbeit erhielt den vollen Preis.
Die weitere Aufgabe dieſer Fakultät aus der engliſchen
Philologie lautete: Das hiſtoriſche Präſens im Engli=
ſchen
. Die eingelieferte Arbeit erhielt ebenfalls den vol=
en
Preis. Weiter verkündete der Rektor, daß der in
dieſem Jahr wieder fällige Diezpreis dem Cand. phil. rec.
Martin Schmitt aus Frankfurt a. M. für ſeine Arbeit über
die Namen der Waldbäume in den franzöſiſchen Orts=
benennungen
zugeſprochen worden ſei, und daß die eben=
falls
zu vergebenden Zinſen des Heimburger Reiſeſtipen=
diums
der Lehramtsaſſeſſor Dr. Knoellinger erhalten
habe.
(*) Büdingen, 1. Juli. Das Kirchenfeſt in Ro=
denbach
wurde durch Feuerlärm jäh geſtört. Das An=
weſen
des Landwirts Will wurde ein Raub der Flammen;
es ſoll ein Racheakt vorliegen.

Anfechtung eines Vertrages wegen argliſtiger
Täuſchung.
(Reichsgerichtsentſcheidung.)
(Nachdruck verboten.)

js. Wer zur Abgabe einer Willenserklärung durch arg=
liſtige
Täuſchung beſtimmt worden iſt, kann die Erklärung
nich § 123 des Bürgerlichen Geſetzbuches anfechten. Arg=
liſtige
Täuſchung liegt, wie das Reichsgericht jetzt ausge=
ſprochen
hat, auch dann vor, wenn der eine Vertragsteil
dem anderen eine Urkunde zur Unterſchrift vorlegt, die einen
anderen Inhalt hat, als wie zwiſchen den Parteien mündlich
vereinbart war, und wenn er trotzdem den anderen Ver=
tragsteil
nicht auf den abweichenden Inhalt aufmerkſam
macht, ſondern das Schriftſtück ungeleſen unterſchreiben
läßt, obwohl er weiß, daß der andere glaubt, die Urkunde
entſpreche den Vereinbarungen. Zur Erlänterung dieſer
Ausführungen diene der nachſtehend mitgeteilte Rechts=
ſtreit
:
Der frühere Braumeiſter B. war ſeit den 1870er Jah=
ren
in einer Wormſer Brauerei als Braumeiſter tätig. Er
will von dem damaligen Inhaber der Brauerei auf Le=
benszeit
angeſtellt worden ſein. Die Brauerei wurde in
eine Aktiengeſellſchaft umgewandelt und ging ſpäter auf die
jetzige Firma Elefantenbräu, Aktiengeſell=
ſchaft
in Worms, über. Der Direktor O. der Brauerei,
der Sohn des früheren Inhabers, unterhandelte im Jahre
1907 mit B. wegen deſſen Ausſcheidens. Es kam ein=Ver=

trag vom 3. Jut 190f zuſtande, nach weichem B. ab 1.
Juli 1907 mit einem Ruhegehalt von 1800 Mark penſioniert
wurde; es iſt in dem Vertrag aber weiter geſagt, daß die
Brauerei keinerlei Verpflichtung für lebenslängliche Zah=
lung
der Penſion übernimmt, daß ihr vielmehr das Recht
zuſteht, die Gewährung derPenſion jederzeit zu widerrufen.
Die Penſion iſt dem B. auch tatſächlich einige Jahre gezahlt
vorden. Im Jahre 1910 wurde ſie ohne Widerſpruch
des B. von 1800 auf 1500 Mark herabgeſetzt. Seit 1.
Oktober 1910 wird aber überhaupt keine Penſion mehr
gezahlt. B. erhob nun gegen die Aktiengeſellſchaft Elefan=
tenbräu
und gegen den Direktor O. Klage auf Weiterzah=
lung
der Penſion von 1500 Mark jährlich. Ec hat die
Urkunde vom 3. Juli 1907 wegen argliſtiger Täuſchung
angefochten, indem er geltend macht: O. habe ihm lebens=
längliche
Penſionszahlung zugeſichert; im Vertrauen dar=
auf
, daß der Inhalt der Urkunde dieſer Zuſicherung ent=
ſpreche
, habe, er das Schriftſtück unterſchrieben, ohne es
geleſen zu haben.
Vom Landgericht Mainz iſt die Klage gegen beide
Beklagte abgewieſen worden. Das Oberlandesgericht
Darmſtadt wies die Klage gegen die Brauerei eben=
falls
ab, verurteilte aber den Direktor O. Die Abweiſung
gegenüber der Brauerei begründete es damit, daß zwar
dieſe für einen Dolus ihres Vertreters haften würde, daß
aber der Nachweis der Argliſt in keiner Weiſe geführt ſei.
ber auch wenn der Nachweis geführt werde ſo würde
zwar das in der Urkunde enthaltene Widerrufsrecht der
Beklagten nichtig ſein, allein es bliebe dann immer noch
die Vereinbarung der Penſionszahlung auf Lebenszeit
vollſtändig beweislos. Ein Eid hierüber ſei dem Kläger
nicht aufzuerlegen.
Auf die Reviſion des Klägers hat das Reichsgericht
das Berufungsurteil gegenüber der Brauerei aufgehoben
und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Ent=
ſcheidung
an einen anderen Senat des Oberlandesge=
richts
zurückverwieſen. Zur Begründung dieſer Entſchei=
dung
führte der höchſte Gerichtshof aus: Der Kläger macht
geltend, daß der Schein vom 3. Juli 1907 nicht der wirk=
lichen
Vereinbarung entſpreche; er hat behauptet, er habe
vielmehr mit dem berufenen Vertreter der Beklagten ver=
einbart
, daß ihm eine lebenslängliche Penſion gezahlt
werden ſollte, und daß der beklagte Vertreter in Kennt=
nis
deſſen, daß der Kläger glaubte, der Inhalt der Ur=
kunde
entſpreche der Vereinbarung, dieſe Urkunde dem
Kläger zur Unterſchrift vorgelegt habe. Das Oberlandes=
gericht
hält zu Uncecht dieſe Behauptung nicht für durch=
greifend
. War die Behauptung des Klägers richtig, dann
liegt in der Tat eine Argliſt des beklagten Vertreters vor.
Dieſer handelte gegen Treu und Glauben, wenn er wirklich
mit dem Kläger lebenslängliche Penſionszahlung ver=
einbart
hatte und in dem Bewußtſein, daß der Kläger
glaubte, die Urkunde habe dieſen Inhalt, den Kläger bei
der Vorlegung des Schriftſtücks zur Unterſchrift nicht
darauf aufmerkſam machte, daß der Inhalt ein anderer
war. (Aktenzeichen: III. 142/13. Urteil vom 1. Juli
1913.)

Die Walderholungsſtätten.
Von Eduard Schneider=Darmſtadt.

Waldesruhe, Waldesluſt,
Bunte Märchenträume,
O, wie labt ihr meine Bruſtz
Locktihr meine Reime.
In dieſem Liede läßt Freiligrath ſein Lob auf den
Wald erklingen. Aber nicht allein dem feinen Empfinden
des Dichterherzens offenbart ſich die Herrlichkeit unſeres
wunderreichen deutſchen Waldes, nein, auch das ſtarrſte
Gemüt bleibt unter dem grünen Gewölbe eines ſtattlichen
Buchenhochwaldes nicht unberührt von Ehrfurcht vor dem,
was die Natur hier an vegetativer Kraft und Erzeugung
zuſammengehäuft und in harmoniſcher Vollendung neben=
einander
geordnet hat. Der Wald erhebt Herz und Gemüt
über das gemeine Alltägliche und über die Sorgen und
Kümmerniſſe des Lebens. Und wer den ſtillen ſchattigen
Waldpfad durchwandert, empfindet unwillkürlich etwas
von der Stimmung, die Scheffel in den Reim ausſtrömen
läßt:
Daß ich wieder ſingen und jauchzen kann,
Daß alle Lieder geraten,
Verdank’ ich nur dem Streifen im Tann,
Den ſtillen Hochwaldpfaden.
Der ſtille Waldesfrieden lenkt den ermüdeten Geiſt von=
dem
abſtrakten Denken ab; eine liebevolle Naturbeobach=
tung
bevölkert unſere Gedankenwelt mit friedlichen Erſchei=
nungen
und verbannt unfreundliche Erinnerungsbilder
Hier unter den grünen Kuppeln der Buchen und den Spitz=
ſäulen
der ſchlanken Tannen gedeihen nicht nur pflanz=
liche
Lebeweſen, hier keimen auch geſunde Ideale und na=
türliche
Gedanken. Und wie das dürre Holz uns äußer=
lich
erwärmt, ſo trägt das grüne, in Saft und Trieb ſte=
hende
, zur Erwärmung unſeres inneren Menſchen bei.
Aber nicht allein Geiſt und Gemüt, auch der Körper hat
ſeinen Anteil an den Segenswirkungen des Waldes. Die
Licht= und Schalldämpfung, die Feuchtigkeit und Reinheit
der Luft und ihr Reichtum an Sauerſtoff heben die Herz=
und Lungentätigkeit und wirken wohltuend und kräftigend
auf den ganzen Organismus ein, Blut und Nerven verjün=
gend
. Gerade in unſerer Zeit, wo die wachſende Unnatur=
der
Städte Nervenſchwäche und Blutarmut in einem früher
nicht gekannten Maße verurſacht hat, iſt der Aufenthalt=
im
Walde die Quelle, die den wirkungsvollſten Heiltrank
ſpendet. Es iſt daher auch leicht erklärlich, daß die ärzt=
liche
Forſchung dieſen natürlichen Heilfaktor nicht unbe=
achtet
ließ, ſondern ihn in den Bereich ihrer Heilmittel
eingliederte.
Die Idee der Erholungsſtätten verdankt ihre Enk=
ſtehung
den Bemühungen zur Bekämpfung der Tuberku=
loſe
, insbeſondere der Tatſache, daß die Volksheilſtättenbe=
wegung
den Beweis erbrachte, daß die Möglichkeit der Hei=
lung
gegeben iſt. Eingehende Unterſuchungen hatten ge=
zeigt
, daß den Wohnungsverhältniſſen ein überragender
Einfluß auf die Entſtehung und den Veelauf dieſer Volks=
ſeuche
zukommt, und ſo ſann man auf Mittel, um den
Kranken in den Stand zu ſetzen, ſich ſo viel als möglich in
der friſchen Luft aufhalten zu können. Die hiernach ge=
ſteckte
Aufgabe fand inſoweit es ſich um leichtere Krank=
heitsfälle
handelt eine glückliche Löſung in den Wald=
erholungsſtätten
. Dieſe Tagesſanatorien ſind dazu be=
ſtimmt
, während der Sommermonate die Geneſendenfür=
ſorge
und die Verſorgung von Leichtkranken aus den min=
derbemittelten
Kreiſen zu übernehmen. Insbeſondere ha=
ben
dieſe Anſtalten auch den Zweck, den unmittelbaren=
Uebergang von der Heilſtätte in die vielfach ungünſtigen
Verhältniſſe des Werktagslebens zu mildern und ſind da=
her
berufen, eine wertvolle Ergänzung der Heilſtätten zu
bilden, nicht nur als ſolche Uebergangsſtationen, ſondern
auch in Vorbereitung der Behandlung, als Wiederholungs=
oder
Nachkuren und ſchließlich ſogar als Erſatz der Heil=
ſtättenbehandlung
in leichten Fällen und da, wo die Ko=

hier Zeuge eines höchſt ſeltſamen Schauſpiels: die Bänke
der Senatoren und des Präſidiums waren von Knaben
und jungen Burſchen beſetzt, die eifrig damit beſchäftigt
waren, mit Blitzesſchnelle allerlei Geſetze zu machen. Dieſe
jugendlichen Herren Senatoren trugen zwar die Knie=
hoſen
und das weiße Hemd der Senatspagen, aber im
übrigen nahmen ſie es mit ihren parlamentariſchen Pflich=
ten
ſehr ernſt und ihre Tätigkeit war eine ganz ausge=
zeichnet
inſzenierte kleine Parodie auf die regulären
Senatsſitzungen. Die Karikaturſitzung hatte 5 Minuten
nach der Vertagung des Senates begonnen, als der
Oberpage ſich plötzlich auf den Sitz des Vizepräſidenten
ſchwang. Mit würdevollem Ernſt brachte ſofort ein zwei=
ter
Page einen Geſetzentwurf ein, durch den das Gehalt
der Pagen von 75 auf 200 Dollar im Monat erhöht wer=
den
ſollte. Im Laufe der folgenden kurzen Diskuſſion
wurde ein Zuſatzantrag eingebracht, der das Gehalt auf
2000 Dollar im Monat erhöhte; er fand bei dem jungen
Parlament einſtimmige Billigung: und das Geſetz wurde
genehmigt. Ein zweites Geſetz, das allen Senatoren
den Genuß von Feuerwaſſer und jeder anderen Art
von Waſſer verbietet, fand ebenfalls die Mehrheit des
Hauſes. Ein dritter Geſetzesantrag, betreffend die Be=
handlung
von jungen Stieren, entfachte eine lebhafte
Diskuſſion und wurde nach namentlicher Abſtimmung
der Kommiſſion für Hundekämpfe überwieſen, mit dem
Auftrag, in den Hundstagen darüber Bericht zu er=
ſtatten
. Das Parlament war gerade damit beſchäftigt,
die Einführung einer Schweigemaſchine für den Haus=
meiſter
des Parlaments zu beraten, als dieſer Beamte
unverhofft in der Tür erſchien. Die erſchreckten jungen
Senatoren verſteckten ſich ſchleunigſt unter den Pulten
des Präſidiums, aber mit Hilfe der Parlamentsdiener
wurden ſie erbarmungslos aus ihren Schlupfwinkeln her=
vorgezogen
und energiſch an die Luft geſetzt. Welche
Strafe ihrer harrt, iſt noch nicht feſtgeſetzt; ſie trifft die
Anklage, die Würde des amerikaniſchen Senats verletzt
zu haben. Das Publikum aber amüſiert ſich einſtweilen
herzhaft über die übermütigen Jungen, die ſich ſchon in
ſo frühen Jahren der verantwortungsvollen Tätigkeit
mancher Herren Senatoren gründlich gewachſen zeigten.
*. Eine kühle Kirche. Mit echt amerikaniſcher Anpaſ=
ſung
hat ein Prediger der größten Kirche von Neu=York
es verſtanden, die Gläubigen während der großen Hitze
in die Kirche zu locken. Er ließ in dem ganzen Gottes=
haus
Eisblöcke aufſtellen, die eine angenehme kühle Tem=
peratur
verbreiteten, und Fächer an die Damen ver=
teilen
.

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Nummer 153.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Seite 5.

ſten nicht aufgebracht werden können. Und in den Dienſt
dieſer Aufgabe geſtellt, haben die Walderholungsſtätten in
den 13 Jahren ihres Beſtehens alle Hoffnungen, die man
in dieſe neuen Erholungsheime ſetzte, in vollem Maße er=
füllt
.
Prof. Dr. Pannwitz, der Schriftführer des Volks=
heilſtättenvereins
vom Roten Kreuz und Generalſekretär
der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkuloſe
urteilt: Das wirkſamſte Mittel im Kampfe gegen die ſo=
ziale
Krankheit unſeres Zeitalters iſt, das von der Tuber=
kuloſe
noch immer geknechtete Land mit einem dichten Netz
von Fürſorgeſtellen und Erholungsſtätten zu be=
ſetzen
und von hier aus mit den übrigen Tuberkuloſe= Ein=
richtungen
dauernde Verbindung zu unterhalten. Und
Oberſtabsarzt a. D. Prof. Dr. Nietner, Generalſekretär
des Deutſchen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuber=
kuloſe
, berichtet über die Walderholungsſtätten: Sie ſind
nicht nur eine der wichtigſten, die Heilſtättenfürſorge er=
gänzenden
Einrichtungen, ſondern auch die wirkſamſte
prophylaktiſche Maßnahme nächſt den Auskunfts= und Für=
ſorgeſtellen
. Dieſe können die Walderholungsſtätte kaum
entbehren. In dieſer Erkenntnis hat das Präſidium des
Zentral=Komitees die den Walderholungsſtätten zugrunde
liegende Idee und ihre Durchführung nach Kräften ge=
fördert
.
Daß aber der Kampf gegen die Tuberkuloſe, dieſe
Geißel der Menſchheit, nach den von der Wiſſenſchaft gege=
benen
Regeln aufgenommen und zum Segen unſeres Vol=
kes
mit wachſendem Erfolge durchgeführt werden kann, iſt
in der Hauptſache unſerer ſozialpolitiſchen Verſicherungs=
geſetzgebung
zu danken, jenem hervorragenden, aus Erwä=
gungen
der Staatsklugheit, der ſozialen Gerechtigkeit und
der Humanität geborenen Werke. Die damit reichsgeſetz=
lich
durchgeführte Krankenfürſorge bildet das Fundament,
auf dem ſich alle Bekämpfungsmaßnahmen erſt entfalten
können. Wer möchte den ungeheuren Schaden an Volks=
kraft
, an Volksvermögen und an Menſchenglück ermeſſen,
den die Tuberkuloſe ohne obligatoriſche Krankenverſiche=
rung
anrichten würde? Beſonders erfreulich iſt es, daß
man hinſichtlich der Heilmittel nicht bei der bloßen Gewäh=
rung
ärztlicher Hilfe und Arznei ſtehen geblieben, ſondern
dazu übergegangen iſt, Krankenhausbehandlung, Heilſtätten
und Badekuren und dergleichen einzuleiten und zugleich
vorbeugend zu wirken. Die geſetzlichen Beſtimmungen,
welche die Leiſtungen der ſozialpolitiſchen Verſicherungs=
anſtalten
normieren, haben eben die weitgehendſte Deutung
erfahren. Aber auch der Kreis der Träger und Förderer
der öffentlichen Krankenfürſorge und Geſundheitspflege hat
an Umfang zugenommen. Neben die geſetzlich berufenen
Inſtitutionen ſind private Vereine getreten, um geleitet
von ethiſchen und ſozialen Geſichtspunkten die Fürſorge=
maßnahmen
über den Rahmen der geſetzlichen Leiſtungen
hinaus auszudehnen und ſie rationeller zu geſtalten. Die=
ſes
herzerfreuende Bild, in dem öffentliche Körperſchaften
und freie Liebestätigkeit zu vereintem Wirken ſich die Hände
reichen, um das teuere Gut der Volksgeſundheit zu pflegen
und zu wahren, zeigt recht augenfällig den Segen der gu=
ten
Tat, daß ſie fortzeugend Gutes gebären muß.
Auch bei den Darmſtädter Walderholungs=
ſtätten
haben die Krankenkaſſen, die Stadtverwaltung
und die Landesverſicherungsanſtalt an den Gründungs=
und Betriebskoſten ſich nur anteilsweiſe beteiligt.
Rund die Hälfte der jährlichen Betriebs= und Verwaltungs=
koſten
wird durch Zuwendungen von Gönnern, unter de=
nen
im vergangenen Jahre auch Ihre Königliche Hoheit
die Großherzogin mit einer Summe von 1000 Mark ſich be=
fand
, und durch freiwillige Beiträge der Mitglieder aufge=
bracht
, die dem Verein ſeit ſeiner Gründung treu zur Seite
ſtehen. Durch dieſe Aufwendungen der privaten Wohl=
tätigkeit
kann einerſeits die Belaſtung der ſehr ſtark in
Anſpruch genommenen Ortskrankenkaſſen in erträglichen
Grenzen gehalten und andererſeits auch der Zuſchuß, den
das der Walderholungsſtätte überwieſene Mitglied zu ſei=
nen
Verpflegungskoſten an ſeine Krankenkaſſe abführen
muß, auf das niedrigſte Maß beſchränkt werden. So be=
tragen
die Selbſtkoſten eines Pfleglings pro Tag rund
1,90 Mark. Die Krankenkaſſen zahlen inſoweit ſie mit
dem Verein Walderholungsſtätte im Vertrags= und Bei=
tragsverhältnis
ſtehen pro Kopf und Tag 1 Mark, ſodaß
der Verein aus eigenen Mitteln 90 Pfg. zulegen muß, was
bei 5000 Verpflegungstagen 4500 Mark ergibt. Von der
1 Mark, die die Kaſſe zahlen muß, läßt ſich beiſpielsweiſe
die Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt durchſchnittlich
nur zwei Fünftel des Krankengeldes durch Abzug wieder
erſetzen. Der Pflegling ſelbſt genießt demnach gegen ein
äußerſt beſcheidenes Entgelt nicht nur volle Verpflegung,
ſondern auch Erholungsgelegenheit. Gerade dieſer wohl=
feile
Verpflegungspreis iſt mit ein Hauptgrund, weshalb
die Walderholungsſtätten ſich zu richtigen Volkserholungs=
ſtätten
ausgebildet haben, in denen auch die unbemittelten
Blutarmen, Kranken und Neuraſtheniker der Wohltat eines
Kuraufenthaltes in friſcher Luft bei reichlicher, guter Er=
nährung
teilhaftig werden können.
Aber nicht allen, die der Walderholung bedürftig ſind,
iſt die Möglichkeit geboten die Vorteile dieſer Einrichtung
in Anſpruch zu nehmen. Oft begehren auch Perſonen Auf=
nahme
, die keiner Krankenkaſſe angehören, dabei aber voll=
ſtändig
mittellos und zudem geſundheitlich in einer Ver=
faſſung
ſind die eine gründliche Erholung mit guter Ver=
pflegung
dringend geboten erſcheinen läßt. Bedauerlicher=
weiſe
verfügt aber der Verein Walderholungsſtätte nicht
über genügend Mittel, um in derartigen Fällen Freiplätze
zu gewähren, und ſo erwächſt ihm denn die traurige Pflicht,
dieſe Aermſten der Armen abzuweiſen. So mancher dieſer
Verlaſſenen könnte durch eine rechtzeitige Erholung vor
weiterem geſundheitlichen Verfall bewahrt werden, ſo
mancher von Krankheit und Not niedergebeugt könnte
ſich wieder aufrichten, ſähe er, daß ſich ihm in ſeinem Un=
glück
eine Hand hilfreich entgegenſtreckte. Hier öffnet ſich
für edle Menſchenfreunde ein dankbares Feld zur Betäti=
gung
echt humaner Nächſtenhilfe. Möchte daher bei Er=
richtung
von Teſtamenten, bei Vergleichen oder bei Ereig=
niſſen
familiärer Natur, wo es einem fühlenden Herzen Be=
dürfnis
iſt, menſchliches Leid und Elend durch materielle
Gaben zu lindern, auch der Verein Walderholungsſtätte
nicht vergeſſen werden!

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 1. Juli. Dem Dombaumeiſter
Berlins, Geheimrat Raſchdorff, widmen die Blätter
zu ſeinem 90. Geburtstag Artikel, in denen ſie ſein lang=
jähriges
verdienſtvolles Wirken, insbeſondere auch als
Lehrer der Techniſchen Hochſchule, anerkennen. Auf dem
Zentral=Viehhof ſind die Großſchlächter und Vieh=
händler
in einen Konflikt geraten. Die Händler ſol=
len
u. a. mit der Abſicht umgehen, die Fleiſchverwertung
ſelbſt in die Hände zu nehmen und eine Engros= Schläch=
terei
auf genoſſenſchaftlicher Baſis zu gründen. Ein
Berliner Lohnautomobil wurde auf der Rückjahrt
nach Kolberg im Stadtwald beim Ausbiegen gegen

einen Baum geſchleudert und zertrümmert. Ein
Töpfermeiſter Brandenburg aus Bad=Heukenhagen
wurde getötet, ſein Sohn verletzt. Der Chauffeur blieb
unverletzt; er wurde verhaftet. Durch das Aufſprin=
gen
der Coupétür eines Stadtbahnzuges kam heute
abend eine junge Dame ſchwer zu Schaden. Die aufge=
ſprungene
Tür wurde von einem aus entgegengeſetzter
Richtung heranfahrenden Zug zerſchmettert. Die Dame
wurde von den Glasſplittern überſchüttet, die ihr Geſicht
und Hände zerſchnitten. Blutüberſtrömt mußte die Ver=
letzte
ins Krankenhaus geſchafft werden. In hieſigen
Tageszeitungen und Vorortblättern ſtand kürzlich eine
Heiratsanzeige, in der ein Gerichtsvollzieher eine
Lebensgefährtin ſuchte. Unter den heiratsluſtigen Da=
men
, die ſich darauf meldeten, befand ſich auch eine junge,
nicht unvermögende Witwe aus Schöneberg. Auf ihre
Zuſchrift erhielt ſie vor einiger Zeit den Beſuch eines
ſtattlichen, Mitte der fünfziger Jahre ſtehenden Herrn,
der ſich als Gerichtsvollzieher Ewald Schrader aus Gera
vorſtellte und im Laufe des Geſprächs verſchiedenes er=
wähnte
, was ihn als gute Partie kennzeichnete. Schon
am nächſten Tage fand die Verlobung des Paares ſtatt
Der glückliche Bräutigam zog der Dame ſeines Herzens
den Trauring vom Finger, um einen neuen nach Maß
des alten anfertigen zu laſſen, und bewog ſie ſchließlich
unter der Angabe er ſei ſchon einmal verlobt geweſen,
dieſe Braut habe ihm aber die Brieftaſche geſtohlen und
ſei ihm dann untreu geworden, ihm 200 Mark Kaution
zu geben damit dies nicht wieder vorkomme. Und ſie
tat’s! Worauf der Bräutigam verſchwand. Als er
nichts von ſich hören ließ, ging die vertrauensſelige Witwe
nach dem Schöneberger Polizeipräſidium, wo ihr mitge=
teilt
wurde, daß ſie einem Heiratsſchwindler ſchlimmſter
Sorte zum Opfer gefallen ſei. Der 50jährige Töpfer
Julius Schulze kam geſtern abend nach der Laubenkolonie
Grönland an der Oderbruchſtraße, auf der ſein Freund,
der Maurer Zyrus, eine Laube beſitzt. Als er mit Z.
beim Abendeſſen ſaß, brach er plötzlich in ein heftiges
Huſten aus; er rang vergebens nach Luft, und kurz darauf
ſank er tot zu Boden. Die Leiche wurde beſchlag=
nahmt
und nach dem Schauhauſe gebracht. Dort ſtellte
man feſt, daß dem Unglücklichen ein Stück Brot in die
Luftröhre geraten und er daran erſtickt war.
Frankfurt, 2. Juli. Mittwoch, den 25. Juni, abends
gegen halb 10 Uhr, wurden an der oberen Friedberger
Landſtraße durch Querſpannen von Drahtſei=
len
Attentatsverſuche auf Automobile und andere Fuhr=
werke
gemacht. Der Frankfurter Automobilklub ſetzt eine
Belohnung von 300 Mark für den aus, der die
Täter ſo namhaft macht, daß gerichtliche Verfolgung ein=
ſetzen
kann.
Frankfurt a. O., 2. Juli. Ein Familiendrama hat
ſich heute früh hier ereignet. Der hochangeſehene 57 jäh=
rige
Maſchinen=Fabrikant Emil Gutmann erſchoß in den
frühen Morgenſtunden ſeine gleichaltrige Frau und ſeine
beiden Töchter. Dann verſuchte er ſich ſelbſt durch Schüſſe
in die Schläfe und Oeffnen der Pulsadern zu töten. Er
wurde ſchwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, ſein Zu=
ſtand
iſt hoffnungslos. Man glaubt, daß Gutmann die
Tat in geiſtiger Umnachtung begangen hat.
Swinemünde, 2. Juli. Der frühere Uſedomer
Bürgermeiſter ſandte ſeiner vorgeſetzten Behörde
von der Fremdenlegion ein Schreiben, daß er das Bürger=
meiſteramt
aus Geſundheitsrückſichten niederlege.
Avila, 2. Juli. Geſtern abend gelang es, dem wei=
teren
Umſichgreiſen der Feuersbrunſt die in einer
hieſigen Aprthike ausgelrochen war. Einhalt zu tun.
Sechs Häuſer ſind zerſtört worden, in fünf wütet noch
das Feuer.
Liſſabon, 2. Juli. Auf einem Platz, wo drei Stra=
ßen
zuſammenſtoßen, explodierte eine Bombe. Ein
Kind, das ſie ahnungslos trug und fallen ließ, wurde in
Stücke geriſſen. Nach einem anderen Bericht ſah das
Kind die Bombe auf der Erde liegen, ſtieß mit dem Fuße
daran und führte dadurch die Exploſion herbei. Ein Ar=
beiter
, der etwa 100 Meter vom Orte der Exploſion ent=
fernt
war, iſt an der Bruſt verwundet worden.

Zur Monarchenbegegnung in Kiel.

* Berlin, 2. Juli. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: Der König und die Königin von
Italien treffen am Mittwoch abend in Kiel ein und
werden am Donnerstag als Gäſte des Kaiſers und der
Kaiſerin dort verweilen. Mit herzlicher Freude wird es
begrüßt, daß die Reiſe des königlichen Paares nach Stock=
holm
willkommenen Anlaß gibt, dem Herrſcher der be=
freundeten
und verbündeten Großmacht und der edlen
Königin Elena in einem deutſchen Hafen die liebenswür=
dige
Gaſtfreundſchaft zu erwidern, welche der Kaiſer wie=
derholt
an der italieniſchen Küſte gefunden hat. Unſere
Beziehungen zu dem Bundesgenoſſen im Süden ſind frei
von jeder Trübung. Mit wachſendem Verſtändnis wird
in Deutſchland die militäriſche, maritime und wirtſchaft=
liche
Tüchtigkeit des modernen Italiens der ſtarke natio=
nale
Grundzug ſeiner Politik und ſein geſteigerter Ein=
fluß
im Rat der Mächte anerkannt. Es iſt bekannt, wel=
cher
hohe Anteil an dieſem Aufſchwung dem Wirken des
Königs Viktor Emanuel zukommt. An ſeiner Seite be=
grüßen
wir in dem königlichen italieniſchen Miniſter des
Aeußern. Marquis di San Giuliano, einen Staatsmann,
welcher ſeit der Uebernahme der Geſchäfte ſtets eine klare
Bündnispolitik unter den Mächten des erneuerten Drei=
bundes
verfolgte. Inmitten der Schwierigkeiten, denen
die europäiſche Diplomatie während der Balkankriſis ſtand=
halten
mußte, bewährte ſich das durch Deutſchlands Hal=
tung
geförderte Zuſammengehen Italiens mit Oeſterreich=
Ungarn beſonders in den adriatiſchen Fragen, als ein
wichtiger Teil der gemeinſamen Friedensarbeit der Groß=
mächte
. Die Wandlungen im Südoſten Europas und ihr
Uebergreifen auf Nachbargebiete werden in den Geſprä=
chen
zwiſchen den Monarchen und ihren Staatsmännern
in Kiel um ſo ernſtere Aufmerkſamkeit in Anſpruch neh=
men
, als gerade jetzt eine abermalige kriegeriſche Zuſpitz=
ung
zwiſchen den Staaten des Balkanbundes eingetreten
iſt. Angeſichts dieſer neuen Gefahr bleiben wir überzeugt,
daß die Kieler Begegnung, an der mit bundesfreundlicher
Sympathie auch Oeſterreich=Ungarn im Geiſte teilnimmt,
dazu beitragen wird die Fühlung zwiſchen Italien und
Deutſchland zu beleben, die Uebereinſtimmung innerhalb
des Dreibundes zu verſtärken und die Behandlung der
den Großmächten geſtellten Aufgaben zu erleichtern.
* Rom, 2. Juli. Popolo Romano ſchreibt über die
Kieler Zuſammenkunft: Obwohl das Reiſeziel
nicht Kiel iſt und nichts mit der internationalen Politik
zu tun hat, kommt die Zuſammenkunft in Kiel doch recht
gelegen und iſt mit Rückſicht auf die gegenwärtige Lage
im Orient ſicherlich von Nutzen. Wir können daher das
Zuſammentreffen der Herrſcher und der beiden Miniſter,
die durch die freundſchaftlichſten Beziehungen verbunden
ſind, nur begrüßen.

* Wien, 2. Juli. Der König von Italien
ſandte von der Grenzſtation Ufer an Kaiſer Franz Joſef
ein Begrüßungstelegramm.
* München, 2. Juli. Der König von Italien
paſſierte auf der Fahrt nach Kiel heute früh 6.10 Uhr die
Station Laim bei München.

Von der Kieler Woche.
(Von unſerem Spezial=Korreſpondenten.)

sr. Das ſo außerordentlich reichhaltige Programm
der Kieler Woche ſtellt ſportlich und geſellſchaftlich an die
Teilnehmer die höchſten Anforderungen. Die Regatten
reihen ſich in ununterbrochener Folge aneinander. Eine
Fülle von Eindrücken ſtürzt auf die Intereſſenten ein, und
es iſt nicht leicht, allen Begebenheiten zu folgen, die Er=
fahrungen
der internationalen Kämpfe zu ſammeln. Aus
dem bunten Wechſel der Seeregatten der großen Klaſſen
und der Wettfahrten der ſogenannten kleinen Klaſſen
hebt ſich indes ein Ereignis regelmäßig ab: Der Start
der Sonderklaſſe. Hier konkurrieren die Prinzen, hies
begleiten die Prinzeſſinnen regelmäßig auf den Sta=
tionsjachten
oder Torpedobooten die Regatten. Der
Kronprinz fehlt nie am Steuer ſeiner Jacht Angela
Prinz Heinrich führt die unter dem Namen des bekann=
ten
Hamburger Seglers R. C. Krogmann laufende
Tilly 17, Prinz Adalbert führte ſeinen Jeck und auch
die Eliſabeth des Prinzen Eitel Friedrich fehlt nicht
im Felde. Ihr Eigner blieb diesmal allerdings der Kie=
ler
Woche fern. Es iſt die Eliteklaſſe, die zwar das große
Publikum nicht im gleichen Maße zu intereſſieren ver=
mag
wie der Start der Kaiſerjacht Meteor und der
übrigen großen Schoner. Sie lockt aber die ſportlichen
Feinſchmecker und vor allem die Damenwelt an, die mit
erſtaunlichem Intereſſe und weniger Sachkenntnis dieſe
Prinzenregatten verfolgt, bei denen eine Reihe wert=
voller
Preiſe einen beſonderen Anreiz bieten.
Die wertvollſte Trophäe, die in dieſer Klaſſe zu er=
ringen
iſt, wurde bereits entſchieden. Der Samoa=Pokal
des Kaiſers fiel an die Berliner Jacht Reſi 5, die in
drei Regatten zwei Siege erringen konnte. Ihrem glück=
lichen
Beſitzer, Herrn Julius Stahn, fiel außerdem der
Armour=Pokal zu, der von dem amerikaniſchen Milliar=
där
und langjährigen Gaſt bei der Kieler Woche. Mr.
Armour, für den Gewinner des Samoa=Pokals als
Klaſſenpreis in deſſen erſtem ſiegreichen Rennen ge=
ſtiftet
wurde. Reſi 5 und die vom Prinzen Heinrich
erfolgreich geführte Tilly 17 hatten ſich in den erſten
beiden Regatten die Anwartſchaft auf den Kaiſer=Pokal
geſichert. Das dritte Rennen hätte abermals einen neuen
Sieger ergeben können, der dann mit den beiden ande=
ren
ein Entſcheidungsrennen hätte austragen müſſen.
Die bereits aus dem Jahre 1911 ſtammende Reſi ſchlug
aber das große Aufgebot von Neubauten wiederum ſieg=
reich
aus dem Felde und erbrachte damit den gerade
nicht erfreulichen, aber um ſo ſchlagenderen Beweis, daß
es mit den Fortſchritten im deutſchen Sonderklaſſenbau
nicht gut beſtellt iſt. Das iſt mit Rückſicht auf die bevor=
ſtehenden
deutſch=amerikaniſchen Sonderklaſſen=Reggtten
in Amerika beſonders betrüblich. Reſi hätte keinerlei
Chancen, die aus einem großen Aufgebot ausgewählten
amerikaniſchen Jachten zu ſchlagen.
Unſere Neubauten ragen über die gute Durchſchnitts=
klaſſe
der alten Berliner Jacht nicht hinaus, kommen
alſo ebenſo wenig in Frage. Vor allem haben die extre=
meren
Neubauten, die zum Teil im Prahmtyp erbaut
wurden, faſt ganz verſagt, ſo Lunula und Sonntags=
kind
, bei Seegang auch Seehund aus Grünau. Luzi=
fer
fand vielleicht noch nicht die günſtigſten Vorbeding=
ungen
, aber es wäre falſch, darauf alle Hoffnungen auf=
zubauen
. Die Amerikaner haben noch jedes Mal ge=
zeigt
, daß ſie unter allen Verhältniſſen konkurrenzfähig,
in den allermeiſten Fällen turmhoch überlegen ſind. Un=
ſere
Konſtrukteure haben es bisher nicht verſtanden, die
gewonnenen Erfahrungen entſprechend zu verwerten, und
behaupten ihrerſeits, mit den für die Sonderklaſſenboote
bewilligten beſchränkten Mitteln nicht weiter kommen zu
können. Nun, dann möge man ruhig unter ſich bleiben
und auf gewagte zweckloſe Herausforderungen verzichten.
Die Sonderklaſſenſegler unterhalten ſich auch in ihrem
exkluſiven Kreiſe und wünſchen in der Mehrzahl auch
nichts anderes. Der Segelſport iſt ſchon heute bei den
enormen Baukoſten ein Luxusſport erſten Ranges gewor=
den
. Selbſt in den kleinen Klaſſen gehören Vermögen
dazu. um mit wirklich racefähigen Fahrzeugen aufwarten
zu können. Der Sportbetrieb kann unter dieſen Verhält=
niſſen
nur verflachen, und es tut nichts zur Sache und
beweiſt nicht das Gegenteil, wenn wir heute zwar die
größte Jachtflotte der Welt beſitzen, ſich in ihr aber nur
wenige Fahrzeuge befinden, die mit ausländiſchen Kon=
ſtruktionen
konkurrieren können.
* Kiel, 1. Juli. Die heutige Seewettfahrt
und das Handikap von Kiel nach Eckern=
förde
wurde bei prächtigem Wetter und friſcher Nord=
weſtbriſe
von 6 Sekundenmetern ausgeſegelt. Die Re=
gatta
wurde von vielen Dampfern und Jachten begleitet.
Die Reſultate ſind folgende: A 1=Klaſſe: Margherita
erſten Preis, Ehrenpreis Weydekamp=Iſerlohn, Ham=
burg
2 zweiten. 19=Meter=Klaſſe: Wendula‟ Prinz
Heinrich=Pokal, Cecilie brach die Stenge und gab auf.
Folgende ſind die erſten Preiſe der 15=Meter=Klaſſe:
Iſabel, Alexandra. 12=Meter=Klaſſe: Sibyllan;
10=Meter=Klaſſe Tarpon 2: 9=Meter=Klaſſe: Peer
Gynt 1; 8=Meter=Klaſſe: Antwerpia 4, Mariechen.
zweiten.
* Eckernförde 1. Juli. Der Kaiſer verblieb
heute nachmittag an Bord der Hohenzollern und
arbeitete allein. Zur Abendtafel bei den Majeſtäten
waren der Herzog Friedrich Ferdinand von Holſtein=
Glücksburg und Gemahlin geladen. Der Kaiſer kam nach
8 Uhr an Land und wurde vom Publikum auf das leb=
hafteſte
begrüßt. Der Kaiſer nahm an einem Herrenabend
im Hotel Marie=Luiſenbad in Borby teil. Der Kaiſer
wird das morgige Handikap von hier nach Kiel an Bord
des Meteor mitſegeln. Die Kaiſerin wird an Bord der
Iduna gehen.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
Auf unſerer Fliegerſtation hat wieder ein reger
Flugbetrieb eingeſetzt und es kann von einer ganzen
Reihe vorzüglicher Flugleiſtungen berichtet werden. Un=
teroffizier
Stephan, der kürzlich einen prachtvollen
Flug von Darmſtadt nach Straßburg und von da
nach Mülhauſen zurückgelegt hatte, iſt von Mülhauſen
nach Straßburg und von da, nach einer Zwiſchen=
landung
in Baden=Oos, nach Darmſtadt zurückge=
flogen
und geſtern abend gegen 6 Uhr auf dem Flugplatz
glatt gelandet. Der Ulangefreite Gorlt, der ebenfalls

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Nummer 153.

von Darmſtadt glatt nach Straßburg geflogen war, iſt,
wie der Vorgenannte, nach einer Zwiſchenlandung in
Baden=Oos, ſchon am Dienstag in Darmſtadt wieder ein=
getroffen
. Er flog geſtern nach Heidelberg und
abends wieder nach Darmſtadt zurück. Beide Flie=
ger
haben nunmehr das Flugzeugführer=
abzeichen
erworben.
Leutnant Reinhardt, der am 25. Juni über Ger=
mersheim
nach Straßburg und Mülhauſen geflogen war,
wollte geſtern nach Konſtanz weiterfliegen, mußte aber
in Lörrach wegen Motordefekt eine Notlandung vor=
nehmen
. Bei der Landung rannte der Apparat gegen
einen Stein und wurde zertrümmert. Leutnant
Koch der die gleiche Strecke geflogen war, mit einer
Zwiſchenlandung in Karlsruhe, iſt in Straßburg gelandet
und kehrt vorausſichtlich heute oder morgen zurück.
Der Kommandeur der Weſtlichen Fliegerſtationen,
Major Sieger, vollführte am Montag einen bedeu=
tungsvollen
Beſichtigungsrundflug, der ihn
an einem Tage von Metz nach Straßburg, von
Straßburg nach Darmſtadt, von Darmſtadt nach
Köln, alſo an ſämtliche ſeinem Kommando unterſtellte
Fliegerſtationen brachte. Der Kommandeur kehrte dann
auf dem Luftwege nach Metz zurück.

Bodenſeeflug 1913.
* Konſtanz, 2. Juli. Geſtern nachmittag 3 Uhr
28 Minuten ſtartete Kießling auf Ago=Doppeldecker
um den großen Preis vom Bodenſee. Er erledigte auch
die Bedingungen vom Abflug von Konſtanz an, paſſierte
dann die Kontrollſtation von Romanshorn, Arbon und
Bregenz und waſſerte bedingungsgemäß im Bojenviereck
vor Lindau. Es gelang ihm aber nicht, nach Abſtellung
des Motors den Appargt wieder in Gang zu bringen, ſo
daß der Wiederaufſtieg zum Weiterflug unterbleiben
mußte. Kießling fuhr dann auf dem Waſſer nach Kon=
ſtanz
zurück. Beim Start um den Befähigungsnachweis
ſtreifte Faller auf Aviatik=Doppeldecker den Boden und
zerbrach dabei den linken Flügel des Flugzeuges. Der
Flieger Vollmöller auf Albatros=Sport=Eindecker
tummelte ſich während des aanzen Nachmittags auf dem
Waſſer und führte fünf Flüge aus, meiſtens mit Paſſa=
gieren
aus dem Publikum. Gſell mit einem Friedrichs=
hafen
=Zweidecker zeigte den Zuſchauern ſteile Gleitflüge
und exakten Waſſerſtart, ebenſo auch Thelen auf Alba=
tros
=Doppeldecker, und Hirth auf Albatros=Eindecker
Das Geſamtreſultat des geſtrigen Tages kann als aus=
gezeichnet
angeſprochen werden.

Brindejoncs Europaflug.
* Haag, 2. Juli. Brindejonc iſt heute mörgen
8 Uhr 55 Min, unter ſtarkem Winde und bei ſtrömendem
Regen weiter geflogen. Eine große Zuſchauer=
menge
wohnte dem Aufſtieg Brindejoncs bei, der nach
wenigen Sekunden in großer Höhe verſchwand. Prinz
Heinrich der Niederlande, der um 8 Uhr ange=
kommen
war, hatte ſich den Flieger vorſtellen laſſen.
Brindejonc beabſichtigt, in Compiégne zu landen.
* Compiégne 2. Juli. Brindejonc iſt, vom
Haag kommend, um 11 Uhr vormittags in Corbeaulieu
eingetroffen.
* Villa Coublay, 2. Juli. Brindejonc iſt
um 4 Uhr 20 Minuten nachmittags hier eingetroffen.

Landwirtſchaftliches.

Frankfurt, 2. Juli. Auftrieb: Schweine
1313. Marktverlauf; ziemlich rege, bleibt Ueber=
ſtand
. Preiſe: a) 5759 Mk., 7375 Mk., b) 5759 Mk.,
7375 Mk., c) 5759 Mk., 7275 Mk., d) 5659 Mk.,
7275 Mk.

Der neue Balkankrieg.

Die Kämpfe zwiſchen den Verbündeten.
* Sofia, 1. Juli. Der Generalſtab erhielt im Laufe
der Nacht folgende Meldungen: Die Operationen
gegen die Griechen ſind bereits geſtern im Laufe des
Tages eingeſtellt worden, da die Griechen ihre Angriffe
nicht mehr erneuerten. Die Ergebniſſe der geſtri=
gen
Kämpfe waren für die Griechen nicht günſtig, die
nach einem heftigen Gegenangriff gänzlich geſchlagen wur=
den
und auf das rechte Ufer der Struma, ſüdlich des Ta=
chinoſees
, verfolat wurden. Die Bulgaren haben ſich in
ihren neuen Stellungen verſchanzt. Weſtlich von Dorian
haben die Bulgaren eine ſerbiſch=griechiſche Ko=
lonne
zurückgeſchlagen und ſie dann verfolgt.
Nach blutigem Kampfe haben ſie Gewgeli eingenommen
und ſich dort verſchanzt. Der an die bulgariſchen Truppen
ergangene Befehl, das Vorgehen gegen die Serben einzu=
ſtellen
, iſt erneuert worden. Bei dieſer Gelegenheit wurde
ein Parlamentär entſandt, um den Serben vorzuſchlagen,
gleichfalls die Aktionen einzuſtellen. Für den Fall, daß
die Serben den Vorſchlag zurückweiſen und wieder zum
Gegenangriff übergehen ſollten, haben die Truppen Be=
fehl
, ebenſo vorzugehen. Die geſtrigen Kämpfe waren für
die Serben ungünſtig. Die Bulgaren haben den
Angriff der Serben zurückgeſchlagen und
die geſchlagenen Abteilungen verfolgt. Sie haben die
Punkte Udovo, Krivolak, Suſchewo Taſchon, Dobrevo
und Emeritza beſetzt und dieſe ſofort befeſtigt.
* Saloniki, 1. Juli. Bei der Entwaffnung
der in Saloniki befindlichen bulgariſchen
Garniſonen mußten die griechiſchen Militärbehörden
nach Ablauf der für die freiwillige Uebergabe der Waffen
geſtellten Friſt zu den ſchärfſten Mitteln greifen. Um
5 Uhr nachmittags begann ein regelrechter Kampf, welcher
ſtets an Heftigkeit zunahm. Beſonders heftig geſtaltete
ſich der Kampf in der Hamidiehſtraße, wo größere Abtei=
lungen
bulgariſcher Soldaten einquartiert waren. Die
Bulgaren leiſteten erbitterten Wider=
ſtand
. Während der Kampf in der Hamidiehſtraße nach
½10 (Uhr abends zum Stillſtand kam, entwickelte ſich ein
lebhaftes Feuer zwiſchen griechiſchen Truppen und Bul=
garen
; im Wardarviertel explodierten zahlreiche Bomben.
Beiderſeits wurde erbittert gekämpft, jedes Gebäude
mußte einzeln genommen werden, das Feuer ſetzte immer
wieder ein und nahm ſtark zu; von Mitternacht an dauerte
es mit kurzen Unterbrechungen bis morgens.
* Saloniki 1. Juli. Die Straßen, wo der nächt=
liche
Kampf tobte, bieten ein trauriges Bild dar. Die
Mauern der Häuſer, worin ſich die bulgariſchen Truppen
aufhielten, tragen Spuren von Gewehr= und Kanonen=
ſchüſſen
; beſonders litt die Hamidiehſtraße. Um 6 Uhr
wurde auf der bisher von Bulgaren beſetzten Hagia So=
phia
die griechiſche Flagge gehißt. Die entwaffneten bul=
gariſchen
Soldaten wurden unter ſtarker Eskorte abge=
führt
. Zahlreiche verdächtige Elemente ſind verhaftet
worden.
* Saloniki, 1. Juli. Zu der bereits berichteten
Entwaffnung der bulgariſchen Truppen in

Saloniki meldet das Wiener Korr.=Bureau weiter:
Da die bulgariſchen Truppen der Aufforderung, die Waf=
fen
freiwillig abzugeben, nicht nachkamen, wurden ſie ge=
waltſam
entwaffnet. Da jeder der von ihnen beſetzten
Punkte einzeln genommen werden mußte, war man ge=
zwungen
, die ſchärfſten Mittel anzuwenden. Die Ent=
waffnung
begann geſtern abend und endete heute morgen
Die Zahl der Opfer iſt unbekannt.
* Sofia, 2. Juli. Infolge des empörenden Ver=
haltens
der griechiſchen Polizei gegen den General Heſſep=
tſchieff
und des Verſuches, die bulgariſchen Trup=
pen
in Saloniki zu entwaffnen, erhielt der bulga=
riſche
Geſandte in Athen den Auftrag, den entſchiedenſten
Proteſt gegen das Vorgehen der griechiſchen Behörden zu
erheben, das dem Völkerrecht und aller Herkommen
widerſpreche und in jeder Beziehung tadeln=wert ſei. Die
bulgariſche Regierung erklärt, ſie werde Griechenland für
alles, was eventuell gegen die bulgariſchen Soldaten in
Saloniki begangen werden würde, verantwortlich machen.
* Belgrad. 1. Juli. Im Laufe des Vormittags
trafen keine ausführlichen amtlichen Berichte über die
Vorgänge auf dem Kriegsſchauplatz ein.
Nach Privatberichten wurden die Bulgaren auf der gan=
zen
ſerbiſchen Front zurückgeſchlagen.
* Belgrad, 1. Juli. Der Miniſter des In=
nern
gab namens der Regierung in der Skupſchtina die
Erklärung ab, daß auf Grund der amtlichen Berichte die
bulgariſchen Angriffe ſich auf die geſamte ſer=
biſche
Fkont erſtreckten und einen großen Umfang an=
nahmen
. Es handle ſich demnach nicht mehr um lokale
Plänkeleien, ſondern um die Eröffnung kriegeri=
ſcher
Feindſeligkeiten ſeitens Bulgariens
ohne eine Kriegserklärung. Die weitere Ent=
wicklung
der Ereigniſſe werde zeigen, ob dieſe Auffaſſung
der der ziviliſierten Welt hohnſprechenden Art und Weiſe
ihnen größere Erfolge einbringe als den Serben, welche
die Politik verfolgen, die auf die Erhaltung des Friedens
und der Sympathien der ziviliſierten Menſchheit abzielt
und ſich auf Rechtsgründe ſtützt. (Beifall.) Angeſichts
der ernſtlichen Bedrohung des ſerbiſchen Territoriums
urch die Bulgaren beauftragte die Regierung das Armee=
kommando
, mit aller Kraft für die Wahrung des ſerbi=
ſchen
Territoriums einzutreten. Die Skupſchtina nahm
ſchließlich mit 82 gegen 69 Stimmen eine Tagesordnung
an, in welcher die geſtrige Antwort der Regierung ge=
billigt
und die Ueberzeugung ausgedrückt wird, die Re=
zierung
werde die vitalen Intereſſen Serbiens bis an
das Ende verteidigen.
* Belgrad, 1. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß
die Nachricht, die Feindſeligkeiten ſeien heute mor=
gen
unterbrochen worden, auf einem Irrtum be=
ruhe
. Die Kämpfe wurden im Gegenteil heute morgen
mit großer Heftigkeit fortgeſetzt. Der Kampf wird auf
der ganzen Front geführt. Die ſerbiſchen Truppen, die
von den angreifenden bulgariſchen Truppen aus der De=
fenſive
gedrängt wurden, rückten in der Richtung Iſtip und
Kotſchana vor. Eine bulgariſche Kompagnie wurde bei
einem Angriff der ſerbiſchen Truppen bei Trogerod von
der ſerbiſchen Infanterie mit dem Bajonett zurückgeſchla=
gen
und umzingelt, worauf ſie ſich ergab.
HB. Paris, 2. Juli. Nach einer Meldung des Jour=
nals
aus Belgrad hat eine neue große Schlacht
zwiſchen den Serben und Bulgaren begonnen,
von einem Umfange ähnlich derjenigen bei Kumanowo.
Die Linie dehnte ſich über 70 Kilometer aus. Beide
Armeen waren je 100000 Mann ſtark. Die Hauptſtelle
befand ſich in der Nähe von Iſtip. Die Bulgaren hatten
ihren Angriff auf das ſorgfältigſte vorbereitet, dabei je=
doch
zu einem verabſcheuungswürdigen Mittel gegriffen.
Am 29. vorigen Monats hatten ſie die ſerbiſchen Offiziere
zu einem Bankett eingeladen unter dem Vorwand, daß die
beiderſeitigen Regierungen das Schiedsgericht angenom=
men
hätten. Sie begleiteten ihre Gäſte auch noch eine
Strecke Wegs. Wenige Minuten ſpäter aber wurde der
Befehl zum Angriff gegeben, bei dem ſämtliche einge=
ladenen
Offiziere fielen. Die ſerbiſchen Truppen erholten
ſich aber ſchnell von der Ueberraſchung und es entſpann
ſich nun ein mörderiſcher Kampf. Die ſerbiſche Armee
hatte ihr Lager drei Kilometer hinter Iſtip aufgeſchlagen
und nahm nach einem heldenmütigen Sturm die die Um=
gebung
beherrſchenden Höhen. Die bulgariſchen Truppen
zogen ſich nach Petruſchin zurück und ließen eine Batterie
Geſchütze und vier Maſchinengewehre im Stich. Die Ser=
ben
hatten ſchwere Verluſte. Von den Serben wurden
über 1000 gefallene Bulgaren auf dem Schlachtfelde ge=
funden
.
* Belgrad, 2. Juli. Das ſerbiſche Preſſebureau
meldet über die Kämpfe bis geſtern: Bulgariſche Trup=
pen
der regulären Armee in Stärke von 100000 Mann
überſchritten am 30. Juni, 2 Uhr nachmittags, die De=
markationslinie
bei den Orten Djevdjelia, Retki und
Bukvi und den Flüſſen Bregalnica und Sletova, wo die
bulgariſchen Angriffe den ganzen Tag dauerten. Obwohl
ſerbiſcherſeits ſich nur die Avantgarde, die den Bulgaren
an Zahl weit unterlegen war, beteiligte, behaupteten
unſere Truppen doch bis zum Abend die Stellungen, die
ſie am Morgen innegehabt hatten und nahmen 20 bulga=
riſche
Offiziere, 58 Unteroffiziere und über 700 Mann ge=
fangen
. Die Verluſte der Serben ſind unbekannt. Die
Bulgaren wurden bis an die Flüſſe Bregalnica und Sle=
tova
zurückgetrieben. Am 1. Juli wurde der Kampf auf
der ganzen Linie fortgeſetzt.

Der griechiſche Proteſt.
* Athen, 2. Juli. Das Miniſterium des Aeußern
veröffentlicht gegenüber anderslautenden Nachrichten den
authentiſchen Wortlaut der geſtern in Sofia überreichten
griechiſchen Proteſtnote. Sie lautet folgender=
mißen
: Das Hauptquartier teilte heute früh 11 Uhr fol=
gendes
mit: Geſtern zwiſchen 6 und 7 Uhr abends griffen
die Bulgaren unſere Truppen bei Eleuthera und Muſthani
an. Gegen 11 Uhr wurde ebenſo unſere Beſatzung von
Previſta angegriffen. Heute früh 4 Uhr wurde Geſchütz=
feuer
nördlich von Bogdanza gehört. Drei bulgariſche
Regimenter griffen von Dorian her unſere Vorpoſten auf
dem linken Ufer des Wardar gegen Mutſikoven an. Bul=
gariſche
Artillerie ſchoß auf die ſerbiſchen Verſchanzungen
auf dem rechten Ufer. Bulgariſche Truppen, die den War=
dar
überſchritten hatten, griffen an und beſetzten Gew=
geli
. Um 5 Uhr morgens wurden unſere Vorpoſten beim
Kilometerſtein 12 auf der Straße Karaſouli-Kulindir an=
gegriffen
. Um 7 Uhr 45 Min. erfolgte der Angriff eines
bulgariſchen Bataillons auf unſere Vorpoſten bei Nigrita.
Um halb 9 Uhr rückte die bulgariſche Armee von Ardjan
auf Balafta vor. Eine Kompagnie wurde in Eleuthera
umzingelt. Das Hauptquartier bat, daß der General
einen Kreuzer zum Schutze der genannten Kompagnie ent=
ſende
. Der Kommandant des Toxpedobootszerſtörers

Lion telegraphierte, er habe, als er eine Erkundungs=
fahrt
in der Nähe von Eleuthera machte, Eleuthera von
der bulgariſchen Armee beſetzt gefunden, die ihn mit Ge=
wehren
und Maſchinengewehren beſchoß. Während aller
dieſer Angriffe hat die bulgariſche Armee unter offenbarer
Verletzung des Protokolls von Saloniki vom 24. Mai, das
eine neutrale Zone feſtſetzte, ein Gebiet beſetzt, das von
der griechiſchen Armee beſetzt war. So hat die bulga=
riſche
Armee trotz unſerer aufrichtigen und friedlichen
Politik, trotz unſerer verſöhnlichen Haltung ſeit geſtern
abend einen ungerechten Bruderkrieg be=
gonnen
. Wir ſehen uns gezwungen, der griechiſchen
Armee den Befehl zu erteilen, gegen die bulgari=
ſchen
Kräfte vorzugehen um ihre Stellungen
und ihr Gebiet zu verteidigen. Wir proteſt ieren
entſchieden bei der bulgariſchen Regierung gegen die nicht
zu rechtfertigende Handlungsweiſe und weiſen die
Verantwortung für die Ereigniſſe, die daraus folgen
werden, voll und ganz Bulgarien zu. Wollen Sie auch
der bulgariſchen Regierung mitteilen, daß das Hauptquar=
tier
der bulgariſchen Beſatzung befahl, innerhalb einer
Stunde die Stadt zu verlaſſen oder die Waffen auszu=
liefern
.
* Sofia 2. Juli. Auf die von dem griechiſchen
Geſandten erhobenen Vorſtellungen über die Zuſammen=
ſtöße
zwiſchen Griechen und Bulgaren erklärte die bul=
gariſche
Regierung, ſie halte daran feſt, daß die
bulgariſchen Truppen provoziert ſeien, denn ſonſt hätten
die Bulgaren in Previſta, welches ſtrategiſch bedeutungs=
los
ſei, nichts zu tun; ſie wären direkt nach Saloniki ge=
gangen
. Jedenfalls wird eine Unterſuchung eingeleitet
werden und ausdrücklich befohlen werden, die Gefechte ein=
zuſtellen
. Die Regierung iſt überzeugt, daß von bulgari=
ſcher
Seite keine Bewegungen erfolgen und hoffe, die
griechiſche Regierung werde ihren Truppen befehlen, die
Angriffe einzuſtellen.
Letzte Nachrichten.
* Wien, 2. Juli. Die Neue Freie Preſſe meldet aus
Sofia: Miniſterpräſident Danew hat die durch den
griechiſchen Geſandten überreichte Proteſtnote folgender=
maßen
beantwortet: Es iſt keine Provokation erfolgt. Wir
wünſchten immer loyal zu bleiben. Dagegen haben die
Griechen durch Provokationen ihrerſeits unſere Geduld
mehr als einmal auf die Probe geſtellt. Wir haben Be=
fehl
zur Einſtellung der Feindſeligkeiten gegeben, doch
muß dies auch ſeitens der Griechen geſchehen, die uns
provozierten. Der Zug, mit dem General Heſſoptſchieff
Saloniki verließ, iſt während der Reiſe mehrere Male an=
gehalten
, von griechiſchen Soldaten unterſucht, und der
General als Verbrecher behandelt worden. Die Perſonen
ſeiner Begleitung wurden vom Zuge heruntergeriſſen und
nach Saloniki zurückgebracht. In Saloniki wollten die
Griechen unſer Bataillon entwaffnen. Da dieſes aber
Widerſtand leiſtete, kam es zum Kampfe: Wegen all die=
ſer
Gewalttaten proteſtiere ich bei der griechiſchen Re=
gierung
.
* Wien, 2. Juli. Die Politiſche Korreſpondenz
meldet aus Sofia: Dr. Danew erklärte geſtern den ein=
zelnen
Geſandten, die bulgariſche Regierung ſei entſchie=
den
gegen eine kriegeriſche Löſung der beſtehenden Kon=
flikte
und wolle eine ſolche Löſung mit allen ihr zur Ver=
fügung
ſtehenden Mitteln verhindern. Der Miniſterpräſi=
dent
beſtritt, daß die bisherigen Kämpfe eine größere
Tragweite hätten. Ihre Erneuerung ſei auf Grund von
Weiſungen aus Sofia nur dann zu befürchten, wenn eine
Abwehr der gegneriſcherſeits erfolgten Herausforderung
notwendig werde.
Der Beginn des Bruderkrieges.
* Belgrad, 2. Juli. In einem mit Unzurech=
nungsfähigkeit
betitelten Artikel führt das Regierungs=
organ
Samouprawa aus: Die Würfel ſind gefallen; die
Bulgaren überſchritten den Rubikon und
begannen den blutigen Bruderkrieg ohne
eine Kriegserklärung. An dem erſt in der Frühe=
des
1. Juli beendeten Kampfe nahmen gegen 100000 Bul=
garen
teil. Zum Entſetzen von allen ziviliſierten, ver=
nünftigen
und ehrlichen Menſchen begann der blutige Rei=
gen
auf dem Balkan. Die Bulgaren ſetzten kein Vertrauen
in die Berechtigung ihrer Anſprüche und flüchteten vor=
dem
Schiedsgerichte des befreundeten Rußlands, ſowie
vor einem direkten Einvernehmen mit den Verbündeten.
Sie wichen allen friedfertigen Beſtrebungen der Balkan=
ſtaaten
und den der freundlich geſinnten Großmächte aus.
Sie ſind entſchloſſen, den heiligen Befreiungskrieg in einen
blutigen Eroberungskrieg für Bulgarien zu verwandeln.
Wir ſchwören: Die unausweichliche Verantwortung hier=
für
muß ausſchließlich Bulgarien zufallen, das alle fried=
lichen
Mittel abgelehnt und ſchließlich die Verbündeten
angegriffen hat. Im Bewußtſein ihrer furchtbaren Ver=
antwortung
beeilten ſich die Bulgaren, durch Verbreitung
unwahrer Berichte dieſe Verantwortung auf die Serben=
und Griechen zu wälzen und ſich als friedfertig hinzu=
ſtellen
. Dieſer Verſuch muß angeſichts der unumſtößlichen
Tatſachen als mißlungen bezeichnet werden; denn weder
die Serben noch die Griechen verletzten bisher die De=
markationslinie
. Die Beſetzung von Gewgeli
durch reguläre bulgariſche Truppen be=
weiſt
unwiderleglich, daß die Bulgaren die
Angreifer ſind. Sie ſchieden hierdurch unwiderruf=
lich
aus dem Balkanbund aus, was zweifellos bedauerlich
iſt. Die Verbündeten werden nach dem Notwehrrechte=
ſorgen
, daß Bulgarien in dieſem Kriege findet, was es
geſucht hat. Die bulgariſche Berechnung, durch dieſen
Krieg die Konflikte mit Serbien und Griechenland vor
Beendigung der Mobiliſierung und Konzentration der
rumäniſchen Armee zu löſen, iſt verfehlt und wird ſich an
den Bulgaren bitter rächen. Mit Vertrauen auf Gott
nehmen Serbien und Griechenland den
ihnen hingeworfenen Fehdehandſchuh auf,
weil ſie ſich verteidigen müſſen; mit ihnen iſt auch Mon=
tenegro
. Durch den neuen aufgezwungenen Krieg ſoll
eine geſündere Grundlage für die zukünftigen Beziehun=
gen
auf der Balkanhalbinſel geſchaffen werden.
* Belgrad, 2. Juli. Die Serben erſtürm=
ten
die wichtigſte bulgariſche Poſition bei Retki
und Bukvi nach blutigem Kampfe.

[ ][  ][ ]

Nummer 153.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Seite 7

Vermiſchtes.

Die Gärten der Internationalen Bau=
fach
=Ausſtellung Leipzig 1913. Man hat be=
reits
in den Ausſtellungen der letzten Jahre den Wert und
die Bedeutung einer einheitlichen Gartengeſtaltung er=
kannt
, iſt aber über mehr oder minder gelungene Verſuche
nicht hinausgekommen. Um ſo mehr überraſchen die aus=
gedehnten
Gartenanlagen in der Straße des 18. Oktober
in der Internationalen Baufach=Ausſtellung, denn hier
zeigt ſchon der erſte Blick vom Haupteingang auf die wuch=
tige
Maſſe des abſchließenden Völkerſchlachtdenkmals die
einheitliche Hand, die hier gewaltet hat. Auf ganz neuem
Wege hat die Firma Jakob Ochs, Gartenbau D. W. B.
Hamburg-Leipzig-Berlin (künſtl: Leitung Leberecht
Migge) im Einvernehmen mit den Generalarchitekten Kgl.
Baucat Weidenbach und Tſchammer B. D. A. und D. W. B.
in Leipzig dieſe Aufgabe gelöſt. Und gerade dieſe Eigen=
art
ermöglichte das Zuſammenklingen der einzelnen Flä=
chen
zu einem in Form, Fläche und Linie als Einheit wir=
kenden
Akkord. Mit ſicherem Blick hat man dem über=
ragenden
Völkerſchlachtdenkmal ein Gegengewicht durch
einen großen Koniferenhain am Haupteingang gegeben.
Es iſt das übrigens auch gärtneriſch ein nicht alltägliches
Unterfangen, dieſe Rieſenbäume aus dem jahrelangen
Standort in eine neue Umgebung zu verpflanzen. Da=
hinter
breiten ſich die farbigen Linien zweier vertieften
Blumengärten aus, getrennt durch die Leuchtfontäne,
deren Farbenſpiel am Abend die Blumenpracht des Tages
erſetzt, verbunden durch mächtige Taxuskegel und reichen
Blumenſchmuck. Zwiſchen den Flügeln des Hauptaus=
ſtellungsgebäudes
in der Querachſe der Leuchtfontäne liegt
dann der Roſenhof von märchenhafter Pracht. Ringförmig
in ſtolzen Maſſen von Stufe zu Stufe ſteigen die Roſen
hernieder, um unten die fremdartigen Schweſtern, die far=
bigen
Waſſerroſen, zu begrüßen. In der Mitte entwächſt
eine Bronzefigur dem ſtillen Waſſer und die blendenden
ſilbernen Glaskugeln ſpiegeln ihre Figur in unzähligen
Reflexen wieder. An anderer Stelle ſehen wir, von Skulp=
turen
flankiert, neuartige Teppichbeete, ein Verſuch, dieſe
aus unſeren Gärten faſt ganz verſchwundenen Gebilde neu
zu beleben. Ueberall aber fügen ſich die farbigen Natur=
kinder
durch den ſicheren Wurf der Anordnung unter den
beherrſchenden Takt der Architektur. So bilden die Gär=
ten
eine Einheit mit Mauern und Waſſern, mit Straßen
und Plätzen und wirken im einzelnen doch als Ganzes.
Und deshalb ſind ſie gelungen.
* Für den Deutſchen Tag der am 5. Oktober
d. J. in Eiſenach abgehalten werden ſoll, haben bereits
zahlreiche deutſchvölkiſche Verbände und Vereinigungen
ihre Teilnahme zugeſagt. Er wird alſo vorausſichtlich
einen großen Ueberblick über die vertieft nationale Be=
wegung
unſerer Zeit ergeben. Zweck der Tagung iſt die
Gewinnung von Klarheit über die gegenwärtige Lage
des Deutſchtums und über künftige Arbeitswege.
Deutſchgeſinnte Männer, die daran teilzunehmen ge=
denken
, werden erſucht, dies Herrn Schriftſteller Wilhelm
Schäfer, Berlin=Karlshorſt, mitzuteilen, damit
ihnen weiteres übermittelt werden kann.

Literdriſches.

* Heſſiſche Chronik. Monatsſcheift für Fa=
milien
= und Ortsgeſchichte in Heſſen und Heſſen=Naſſau.
Begründet und herausgegeben von Dr. Herm. Bräuning=
Oktavio und Prof. D. Dr. Wilh. Diehl. Zweiter Jahr=
gang
. Heft 7. Juli 1913 hat folgenden Inhalt: Erich
O. Moeller: Aus der Geſchichte der Familie Moeller. Seite
195. Felix Baron von und zu Gilſa: Beiträge zur Ge=
ſchichte
eines ausgeſtorbenen Zweiges der heſſiſchen Fa=
milie
von und zu Gilſa in Livland und Eſtland. III. Seite
199. Dr. Hans Braun: Ueber einige Flurnamen bei Fritz=
lar
. Seite 201. Profeſſor Karl Henkelmann: Die Bens=
heimer
Hauschronik des Johann Matheus Bleſinger II.
Seite 204. Wilhelm Müller: Heſſiſche Grenzrechtsalter=
tümer
. II. Seite 209. Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl:
Beiträge zu einer heſſen=darmſtädtiſchen Lehrermatrikel.
III. Seite 215. Gotskried Müller: Alfred Meſſel zum Ge=
dächtnis
. Mit 2 Abbildungen auf einer Tafel. Seite 218.
Regierungsrat Dr. Viktor Würth: Wappen blühender
heſſiſcher Bürgergeſchlechter. IV Mit 3 Abbildungen.
Seite 222. Kleine Mitteilungen: Merckſche Familien= Zeit=
ſchrift
. Seite 224. Goldenes Doktorjubiläum. Seite 224.
Eine Erklärung des Namens Offenbach, Seite 225.
Bücherſchau: Seite 225. Aus Zeitſchriften: Seite 227.
Umfragen: Seite 228. Austauſch Auskünfte: Seite
228. Familientage: Seite 228. Der Bezugspreis be=
trägt
vierteljährlich 1,50 Mk., jährlich 6 Mk. Preis des
Einzelheftes 60 Pfg.
Kaiſer Wilhelm II. Ein treuer Fürſt.
(Zum 25jährigen Regierungs=Jubiläum niedergeſchrieben
für Schule und Haus von Königl. Hof= und Domprediger
Karl Ohly. Mit 72 Abbildungen, darunter drei in far=
biger
Wiedergabe einſchließlich des Umſchlagbildes. ( Biele=
feld
und Leipzig, Verlag von Velhagen u. Klaſing.) Preis
50 Pfg. Das mit zahlreichen ſchwarzen und farbigen Ab=
bildungen
geſchmückte Buch wendet ſich an Schule und
Haus Es iſt ſchlicht und herslich geſchrieben, findet aber
auch Worte ſpornender Begeiſterung. Das ſchmucke Bänd=
chen
zeichnet ſich zum Ueberfluß durch ſeinen billigen
Preis aus.
Balkongärtnerei und Vorgärten. Von
Johannes Böttner, Königl. Oekonomierat, Chef=
redakteur
des praktiſchen Ratgebers im Obſt= und Garten=
bau
. Vierte, verbeſſerte Auflage. Mit 122 Abbildungen
im Text. Frankfurt a. O Verlag von Trowitzſch u. Sohn.
1,80 M. In den drei Abſchnitten: Balkongärtnerei
VVorgärten Die ſchönſten Pflanzen und ihre Kultur be=
ſpricht
Verfaſſer die Auswahl und Pflege der geeignetſten
Pflanzen und zeigt dem Blumenfreunde, wie er ſich auf
beſchränktem Raume, im Dunſt und Staub der Straße, mit
wenig Mitteln noch ein prächtiges Stückchen Natur zu
ſchaffen vermag.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 2. Juli. Heute vormittag wurden in der
Wohnung Schliemannſtraße der 60 Jahre alte Kaufmann
Michelis und die 58 Jahre alte Ehefrau durch Leuchtgas
vergiftet tot aufgefunden. Die Frau lag vollſtän=
dig
in Weiß gekleidet im Bett, der Mann neben dem
Sofa. Nach einem hinterlaſſenen Schreiben iſt die Ver=
anlaſſung
zur Tat Nahrungsſorgen geweſen.
* Beuthen, 2. Juli. Auf dem Gebiete der Julien=
hütte
in Bobrek bei Beuthen ſtürzte infolge Unter=
waſchung
des Dammes eine Hüttenlokomotive die
Böſchung hinab. Der Lokomotivführer wurde ge=
tötet
, der Heizer leicht verletzt. Der Betrieb erlitt eine
kurze Unterbrechung.
* Prag, 2. Juli. Eine Abordnung der tſchechi=
ſchen
oppoſitionellen Abgeordneten über=

brachte dem Oberſtlandmarſchall und den tſchechiſchen
Landesausſchußbeiſitzern ein Proteſt gegen die beabſich=
tigte
Einſetzung einer Verwaltungskommiſſion. Der für
heute erwartete Rücktritt der tſchechiſchen Landesausſchuß=
beiſitzer
iſt noch nicht erfolgt.
* Johannesburg, 2. Juli. Alle Arbeiter der Eaſt=
rand
Propietary=Grube legten heute früh die Arbeit
nieder. Generalgouverneur Gladſtone traf heute
früh in Pretoria ein. Er hatte eine lange Unterredung
mit dem Premierminiſter Botha.

* München, 2. Juli. Die Bayeriſche Staats=
zeitung
widmet der Verabſchiedung der
Wehrvorlage einen halbamtlichen Artikel, in dem ſie
unter anderem ausführt: Wenn Deutſchland ſich ſowohl
mit Rückſicht auf ſeine eigene Machtſtellung als auf die
für die Erhaltung des Weltfriedens geſchaffenen Garan=
tien
mit Recht des glücklich vollendeten Werkes freuen
kann, ſo gebührt der Dank hierfür nicht an letzter Stelle
dem Staatsmann, der die Nation mit ſchlichter Würde
zur Löſung der Aufgabe zu führen wußte, deren Bewäl=
tigung
ſein weitſchauender Blick als nationale Notwen=
digkeit
erkannt und bezeichnet hat. Reichskanzler
v. Bethmann Hollweg hat, unterſtützt von dem
Reichsſchatzſekretär Kühn und dem preußiſchen Kriegs=
miniſter
v Heeringen, den langwierigen Verhandlungen,
die zu führen waren, mit ruhiger Entſchiedenheit den
Boden der Einigung bereitet. Der Kanzler, der das
deutſche Volk zu der gewaltigſten finanziellen und mili=
täriſchen
Leiſtung, die die Geſchichte des Reiches zu ver=
zeichnen
hat, aufrief, hat bei der Volksvertretung die An=
nahme
dieſer Leiſtung erreicht, indem er in den entſchei=
denden
Phaſen des Werks die Rechte der Bundes=
ſtaaten
zu wahren und die Wünſche der Parteien
gegeneinander auszugleichen wußte. Das Kapital an An=
ſehen
und Vertrauen, das Herr von Bethmann Hollweg
ſich beim deutſchen Volke erworben hat, hat durch das
eben vollendete Werk, deſſen Gelingen die Geſchichte für
ihn in Anſpruch nehmen wird, eine neue und ſtarke Er=
höhung
erfahren.
Remſcheid, 2. Juli. Eine 27jährige Frau ſtürzte
mit ihrem Kinde in einen tiefen Brunnen der mit
morſchen Brettern zugedeckt und mit Erde beſchüttet war.
Das Kind blieb am Brunnenrande hängen und konnte
gerettet werden, während die Mutter getötet wurde.
Fürſtenwalde, 2. Juli. Um ſich Geld zu verſchaf=
fen
, hat ein Ulan der 4. Eskadron 17 Remontepferden
die Schweife abgeſchnitten. Der Mann wurde
verhaftet.
Lübeck, 2. Juli. Der Mühlenbeſitzer Ballauf
aus Wentorf iſt unter Zurücklaſſung ſeiner Familie flüch=
tig
. Er hat für 120000 Mark Wechſel gefälſcht.
London, 2. Juli. Seit drei Tagen brennen
die Waldungen im Temiſchamin=Diſtrikt in Nord=
Ontario. Rieſige Beſtände ſind vernichtet worden. Die=
Stadt Earlton iſt eingeäſchert. Anderen Städten droht
die Einſchäſcherung, Telephon= und Telegraphenleitungen
ſind vernichtet. Die Eiſenbahn muß meilenweit durch das
Feuer hindurchraſen. Ein Großfeuer vernichtete die
Stahlwerke in Wolverhampton bei London. Eine An=
zahl
wertvoller Automobile iſt mitverbrannt.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die Kerne des tiefſten und höchſten Drucks haben ſeit
geſtern ihre Lage nur wenig geändert. Infolge nörd=
icher
Winde hatten wir auf der Rückſeite des öſtlichen
Tiefs kühles, veränderliches Wetter; die Abkühlung wurde
toch verſtärkt durch zeitweiſe Aufheiterung geſtern abend
(Lauterbach Min. 5 Grad). Niederſchläge fielen in ge=
ringer
Menge. Wir haben auch morgen keine weſentliche
Aenderung des Wetters zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, 3. Juli:
Kühl, leichte Regen, trüb, nördliche Winde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Mein

beginnt Donnerstag, den 3. Juli.

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Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Samstag, den 5. Juli:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Schrifterklärung.
Sabbatausgang 9 Uhr 35 Min.
Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religion;.
Samstag, den 5. Juli:
Vorabend 7 Uhr 40 Min. Morgens 7 Uhr 30 Min.
Nachmittags 5 Uhr. Sabbatausgang 9 Uhr 35 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 6. Juli, an:
Morgens 6 Uhr. Nachmittags 7 Uhr 15 Min.
NB. Samstag, den 5. und Sonntag, den 6. Juli:
Rausch Chaudesch Tammus.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Nummer 153.

Statt Karten!

(*2162

Ein Junge ist angekommen.

2. Juli 1913.

Rechtsanwalt Raab
und Frau, geb. Weinsheimer.

(Statt beſanderer Anzeige.)
Todes=Anzeige.
Heute verſchied unſer lieber Vater, Schwieger=
vater
und Großvater
(*2097
Herr Hofweißbindermeister
Georg Frank.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Lina Zimmermann, geb. Frank,
Karl Zimmermann, Baurat,
und 6 Enkel.
Die Beerdigung findet nach dem Wunſche des
Dahingeſchiedenen in aller Stille ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend verbeten.

Dankſagung.

Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
während dem Krankenlager und für die zahlreiche
Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben,
unvergeßlichen Gatten
(14392
Herrn August Stolle
Eiſenbahn=Oberſekretär
ſage ich Allen auf dieſem Wege meinen herz=
lichen
Dank.
Die tieftrauernde Gattin:
Luise Stolle, geb. Pretsch.

Tageskalender.
Verſammlung der Freunde deutſcher Schrift um
8 Uhr im Hotel Prinz Karl.
Konzerte: Saalbau um 8 Uhr. Bürgerkeller um
8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage: Expedition Rheinſtr. 23).
Die Baufach=Ausſtellung in Leipzig, vom Luftkreuzer
Sachſen aus aufgenommen; die Beiſetzung des ermor=
deten
Großweſirs Mahmud Schefket Paſcha; die Ent=
hüllung
des Ohm Krüger=Denkmals in Pretoria; die
Erdbebenkataſtrophe in Bulgarien, Obdachloſe in der
alten Zarenſtadt Tirnowo.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
und für die reichliche Kranzſpende bei dem Hin=
(14395
ſcheiden unſerer teueren Entſchlafenen
Frau Ottilie Stumpf
geb. Herche
ſagen wir Allen, beſonders Herrn Pfarrer Waiz
für die troſtreichen Worte, unſeren tiefgefühlten
Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 4. Juli.
Aecker= und Wieſen=Verſteigerung des Hch.
Phil. Jacoby um 10 Uhr auf dem Ortsgericht II.
Kunſthalle an Rheintor, geöfnet Werlags von
114 und Sonntags von 104 Uhr.

Druk und Belag 4. 6. Polichſche Spſtuchunckerte
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldgeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unperlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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u. Profeſſor D. Dr. Wilh. Diehl
Zweiter Jahrgang:: Heft 7, Juli 1913
Inhalt: Erich O. Moeller: Aus der Geſchichte der Familie Moeller.
Felix Baron von und zu Gilſa: Beiträge zur Geſchichte eines aus=
geſtorbenen
Zweiges der heſſiſchen Familie von und zu Gilſa in Livland
u. Eſtland. Dr. Hans Braun: Ueber einige Flurnamen bei Fritzlar.
Profeſſor Karl Henkelmann: Die Bensheimer Hauschronik des Johann
Matheus Bleſinger. Wilhelm Müller: Heſſiſche Grenzrechtsaltertümer.
Profeſſor D. Dr. Wilhelm Diehl: Beiträge zu einer heſſen= darm=
ſtädtiſchen
Lehrermatrikel. Gottfried Müller: Alfred Meſſel zum
Gedächtnis. Mit 2 Abbildungen auf einer Tafel. Regierungsrat Dr.
Viktor Würth: Wappen blühender heſſiſcher Bürgergeſchlechter. Mit
3 Abbildungen. Kleine Mitteilungen: Merckſche Familien=Zeitſchrift.
Goldenes Doktorjubiläum. Eine Erklärung des Namens Offen=
bach
. Bücherſchau. Aus Zeitſchriften. Umfragen. Austauſch.
Auskünfte. Familientage.
Preis: Jährlich 12 Hefte: 6 Mark, vierteljährlich 3 Hefte:
1,50 Mark, Einzelhefte gegen Voreinſendung des Betrags
60 Pfge. Probehefte unentgeltlich.
Man abonniert bei dem Verlag der Heſſiſchen Chronik
L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei, Darmſtadt, und allen
Buchhandlungen.
(14411dfs

[ ][  ][ ]

Der fussfreie Rock hat die Fuss-
bekleidung
immer mehr zum Mode-Artikel
gemacht. Daher lässt es sich auch nicht
vermeiden, dass im Laufe des Jahres gewisse
Sorten Schuhwaren übrig bleiben, welche
wir nicht in die nächste Saison hinüber-
ziehen
wollen. Alle diese Waren unter-
werfen
wir einem billigen Verkauf u. sind
entschlossen, dieselben unbedingt zu ver-
kaufen
. Zu diesem Zweck haben wir eine
grosse Menge Einzelpaare, die wir teilweise

Damenstiefel und Halbschuhe

Chevreaux-Boxcalfstiefel
mit Lackkappen, auch farbig
Braune und schwarze Halbschuhe

bisher M. 1250 16.50 18.00

jetzt M. 6.50 8.50 10.50
bisher M. 10.50 12.50 14.50
Chevreaux und Lackleder
jetzt M. 5.50 8.50 10.50
bisher M. 5.50 6.50 7.50
Leinen-Stiefel und Schuhe
zum Schnüren ind Pumps-Form
jetzt M. 2.50 3.50 4.50
Herrenstiefen und Mälnschune

Schür- und Zugstiefel
Boxcalf und Chevreaux


11

Schnür- und Knopfstiefel
elegante und moderne Formen
jetzt M.
bisher M.
Leder-Hausschuhe
für Reise, für Haus, verschied. Ausführ, jetzt M. 2.80 bis 4.50

bisher M. 9.50 12.50 18.00
jotzt M. 5.50 8.50 10.50
bisher M. 12.50 16.50 21.00

7.50
4.50

1.50
6.50

Kinderstiefel und Sandalen

Knaben- und Mädchenstiefel
rationelle Form, schwarz u. braun, 2039
Sandalen und Stoffschuhe
2542

M. 2.75 bis 6.50

M. 2.00 bis 4.00

Hausschuhe für Damen, mit Ledersohlen und Fleck
95 Pfg.
Reiseschuhe für Damen, mit Cordelsohlen
. 95 Pfg.
Während des Verkaufs gewähren wir einen Extra-Rabatt von 10 % auf Creme, Riemen, Leisten, Schnallen, Putztücher, Sohlen, Fußstutzen.
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Schanwarenkaus

Inh.: Paul Wildau

Nur

Ludirigsstrasse 16.

Verkaufsstellen von Speier’s Schuhwaren befinden sich in: Frankfurt a. M., Offenbach. Hanau, Darmstadt, Worms, Würzburg, Nürnberg, Stuttgart, Straß-
(14405
burg, Köln, Aachen, Dortmund, Leipzig, Linden, Hannover, Hamburg, Breslau, Düsseldorf, Duisburg, Hamm, Bonn.

für die Mälfte des regulären Wertes

zum Verkauf stellen. Aber auch die
couranten Waren haben wir im Preise
herabgesetzt, weil wir mit der nächsten
Saison frische, nicht vorjährige Waren, vor-
zeigen
wollen. Beiden gesamten Ausverkaufs-
Waren handelt es sich um fehlerfreie Sachen.

Untenstehend einige Beisviele:

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Nummer 153.

Aisoh=Ausverkauf

In allen Abteilungen

grosse Warenposten

Dedchfchu unter

Besondere Gelegenheitsposten in den Abteilungen:
Damenkonfektion: Kleiderstoffe: Kinderkonfektion
Modewaren
Schürzen: Taschentücher

Auf alle nicht im Preise
herabgesetzte Waren

LArG

Rabatt

Markt 2

Markt 2
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nachmittags ½6 bis ½8 Uhr
veranstalten wir in unseren Lagerräumen
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und Zigaretten

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Woog, am 2. Juli 1913.
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dem Kränkenkassenverband angehören.

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Kurſe vom 2. Juli 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Zi.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 98,50
3½ Deutſche Reichsanl. . 84,50
74,50
do.
3
4 Preuß. Schatzanweiſg. 78,50
84,60
3½ do. Conſols
74,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,80
90,90
do.
3½
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,60
83,00
do.
3½
74,70
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 97,40
4 Heſſ. Staatsanleihe 98,50
4 do. do. (unk. 1918) 96,30
do.
3½
3
do.
72,50
3 Sächſiſche Rente.
75,50
4 Württemberg unk. 1921 97,80
do. v. 1900 94,10
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887
Italiener Rente . . 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente 84,40
4 do. Goldrente . . . 87,00
4 do. einheitl. Rente 81,40
3 Portug, unif. Serie I 62,60
3 do. unif. Ser. III 65,00
3 do. Spezial . . . . 9,60
5 Rumänier v. 1903 . . 98,50
4 do. v. 1890 . . 93,80
4 do. v. 1905 . . 86,55
4 Ruſſen v. 1880 . . .
4 do. v. 1902 . . . . 88,70
4½ do. v. 1905 . . . . 99,50
84,50
3½ Schweden .
4 Serbier amort. v. 1895
4 Türk. Admin. v. 1903 73,50
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente .
83,10
4 do. Staatsrente. . . 81,50

Zſ.
In Vroz=
. 99,80
5 Argentinier
81,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 87,60
5 Chinef. Staatsanleihe. 97,00
4½
89,90
do.
4½ Japaner . . . .
89,30
5 Innere Mexikaner . . . 76,50
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 75,00
5 Gold=Mexikaner . . . .
3 Buenos Aires Provinz 64,80
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 137,00
7 Nordd. Lloyd . . . 116,70
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 112,30
6 Baltimore und Ohio . 93½
6 Schantungbahn . . . . 121,25
8 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 25½
6 Pennſylvania R. R. . 109,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 62,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. 537,00
14 Chem. Fabrik Griez=
heim

.232,50
30 Farbwerke Höhſt . . 596.75
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 327,00
10 Cement Heidelberx . . 138,50
30 Chem. Werke Albert 424,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 330,25
5 Lahmeyer. . . . . . . 123,00

Inbra,
Eehe
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 144½
12 Siemens & Halske 209,25
5 Bergmann Electr. . . 122,25
10Deutſch. Ueberſee Electr. 159,75
0 Gummi Peter . . . . 57,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 57,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 410,50
9 Maſchinenf. Badenia 133,00
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 147,75
15 Zellſtoff Waldbof . . 220,25
12,83 Bad. Zucker=Wag=
. 205,00
häuſel.
0 Neue Boden=A. A.=Beſ. 74,00
0 Südd. Immobilien . 50,50
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friebe . . . . 162,50
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt.
211,50
11 Deutſch=Luremburg.=
Bergb.
. 146,00
.175,60
10 Gelſenkirchener .
. 183,25
9 Harpener .
18 PPhönir Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 244,25
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. .
73,70
6 Laurahütte
. . . 160,00
10 Kaliwerke Aſchersleben 140,00
Weſteregeln 177,25
13
7½ South Weſt Africa 111,25
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 86,80
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . . . . 71,50
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,50
4 Oeſterr. Staatsbahn .
do.
73,30
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 95,90
4
do.

Zupren,
8.
2½ Oeſt. Südb. (Lomb.) 50,90
3 Raab=Oedenburg
74,25
4 Kronprinz Rudolfbahn
84,40
4 Ruſſ. Südweſt. .
4½ Moskau=Kaſan . . . 92,70
do.
4 Wladichawchas .. . . 84,50
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb.
70,75
84,50
do.
2½ Livorneſer . . . 66,25
3 Salonique=Monaſtir . 61,20
4 Baadadbahn .
79,00
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 92,25
4 Miſſouri=Paciſie.
4 Northern=Paciſte . . . 93,60
4 Southern=Paciſie
88,20
5 St. Louis und San
Francisco. .
* Tehuanteper . . . .
Bank=Aktien.
10 Pank für elektriſche
Untern. Kürich . . 188,50
7½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 143,50
9½ Berlin. Handelsgeſ. .156,00
6½ Darmſtädter Bank . 113,75
12½ Deutſche Bank . . . 239,10
6 Deutſche Vereinsbank 115,00
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 112,25
10 Diskonto=Kommandit 179,00
8½ Dresdener Bank . 145,30
10 Frankf. Hypoth.=B. 206,25
6½ Mitteld. Kreditbank 113,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 113,00
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,90
6,95 Reichsbank . . . 131,20
7 Rhein. Kreditbank. . .127,00
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 108,80
7½ Wiener Bankverein . 128,90
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 95,40

3.
Inhean.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
85,50
S. 19.
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
94,00
S. 52 .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,60
3
85,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16
96,90
S. 14, 15, 17, 24/26
1823
96,90
. .
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 .
85,00
S. 35
84,80
S. 911
84,90
4 Meininger Hyp.=Bank 95,50
31
do.
84,40
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 94,80
3½ do. (unk. 1914) . . 83,30
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,80
3½
65,00
do.
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt .
95,25
31
86,20
do.
4 Frankfurt.
96,80
96,70
3½ do.
4 Gießen .
94,40
84,20
do.
94,50
4 Heidelberg
84,00
do.
4 Karlsruhe
do.
4 Magdeburg.
31
do.
4 Mainz
do.
4 Mannheim
95,00
do.
84,50
München
98,30
82,75
½ Nauheim
4 Nürnberg.
93,70
do.
84,00
Offenbach.

3n ßen)
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden . . .
do.
4 Worms.
94,00
½ do.
85,00
4 Liſſaboner v. 1886 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . Tlr. 100 177,25
3½ Cöln=Mindner , 100 134,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 107,90
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,25
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,90
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,10
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 192,00
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs.45
Fs. 10
do.
Meininger .
.fl. 7 35,00
Oeſterreicherv. 1864fl. 100
do. v. 1858fl. 100
Ungar. Staats . . ſl. 100 383,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 155,40
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . .
20,38
20 Franks=Stücke .
16,23
Amerikaniſche Noten. . . 4,18
Engliſche Noten . .
20,44
Franzöſiſche Noten.
81,10
Holländiſche Noten.
168,75
Italieniſche Noten .
78,80
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,70
Ruſſiſche Noten .
Schweizer Noten . . . . . 81,00
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7%

[ ][  ][ ]

38 76.

Donnerstag, 3. Zut.

1913.

Bekanntmachung.

Wir bringen zur Kenntnis der Beteiligten, daß Heu neuer Ernte unmittelbar
von der Wieſe bei Großh. Proviantamt Darmſtadt angefahren werden kann. Es
muß jedoch vollkommen trocken, noch nicht ſchwitzend beim Amt ankommen.
(13968sid
Darmſtadt, am 27. Juni 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Den nachſtehenden Auszug aus den für die Führer von Kraftfahrzeugen
geltenden Vorſchriften bringen wir wiederholt in Erinnerung.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(14430
I. V.: Dr. Reinhart.
Auszug aus den Beſtimmungen der Verordnung des Bundesrats
vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen.
Beſondere Pflichten des Führers.
§ 17. Der Führer iſt zu beſonderer Vorſicht in Leitung und Bedienung ſeines
Fahrzeuges verpflichtet. Er darf von dem Fahrzeuge nicht abſteigen, ſolange es in
Bewegung iſt, und darf ſich von ihm nicht entfernen, ſolange die Maſchine oder der
Motor läuft; auch muß er, falls er ſich von dem Fahrzeuge entfernt die Vorrichtung
in Wirkſamkeit ſetzen, die verhindern ſoll, daß ein Unbefugter das Fahrzeug in Be=
trieb
ſetzt.
Der Führer iſt verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß eine nach der Beſchaffen=
heit
des Kraftfahrzeuges vermeidbare Entwickelung von Geräuſch, Rauch, Dampf oder
üblem Geruch in keinem Falle eintritt.
Das Oeffnen etwa vorhandener Auspuffklappen iſt verboten.
§ 18. Die Fahrgeſchwindigkeit iſt jederzeit ſo einzurichten, daß Unfälle und
Verkehrsſtörungen vermieden werden und daß der Führer in der Lage bleibt, unter
allen Umſtänden ſeinen Verpflichtungen Genüge zu leiſten.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile darf die Fahrgeſchwindigkeit von 15
Kilometer in der Stunde nicht überſchritten werden. Bei, Kraftfahrzeugen von
mehr als 5,5 Tonnen Geſamtgewicht beträgt die überhaupt zuläſſige Höchſtgeſchwindig=
keit
12 Kilometer in der Stunde; ſie kann vorbehaltlich der Vorſchrift in Satz 1
bis auf 16 Kilometer geſteigert werden, wenn wenigſtens die Triebräder mit Gummi
bereift ſind. Auf unüberſichtlichen Wegen, insbeſondere nach Eintritt der Dunkel=
heit
oder bei ſtarkem Nebel beim Einbiegen aus einer Straße in die andere,
bei Straßenkreuzungen, bei Straßeneinmündungen, ſcharfen Straßenkrümmungen,
bei der Ausfahrt aus Grundſtücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei
der Einfahrt in ſolche Grundſtücke, bei der Annäherung an Eiſenbahnüber=
gänge
in Schienenhöhe, ferner beim Paſſieren enger Brücken und Tore, ſowie
ſchmaler oder abſchüſſiger Wege, ſowie da, wo die Wirkſamkeit der Bremſen
durch die Schlüpfrigkeit des Weges in Frage geſtellt iſt, endlich überall da, wo
ein lebhafter Verkehr herrſcht, muß langſam und ſo vorſichtig gefahren werden,
daß das Fahrzeug ſofort zum Halten gebracht werden kann.
§ 19. Der Führer hat entgegenkommende, zu überholende, in der Fahrtrichtung
ſtehende oder die Fahrtrichtung kreuzende Menſchen, ſowie die Führer von Fuhrwerken,
Reiter, Radfahrer, Viehtreiber uſw. durch deutlich hörbares Warnungszeichen recht=
zeitig
auf das Nahen des Kraftfahrzeuges aufmerkſam zu machen; auf die Notwendig=
keit
, das Warnungszeichen abzugeben, iſt in beſonderem Maße an unüberſichtlichen
Stellen zu achten.
Das Abgeben von Warnungszeichen iſt ſofokt einzuſtellen, wenn Pferde oder
andere Tiere dadurch unruhig oder ſcheu werden.
Innerhalb geſchloſſener Ortsteile ſind Warnungszeichen mit der vorgeſchriebenen
Huppe abzugeben. Außerhalb geſchloſſener Ortsteile kann das Warnungszeichen auch
mit einer Fanfarentrompete abgegeben werden; dieſes Signalinſtrument darf auch loſe
im Kraftfahrzeuge mitgeführt und unter Verantwortung des Führers auch durch eine
andere, im Fahrzeug beförderte Perſon angewendet werden. Das Abgeben lang=
gezogener
Warnungsſignale die Aehnlichkeit mit Feuerſignalen haben, ſowie die Ver=
wendung
anderer Signalinſtrumente iſt nicht ſtatthaft.
§ 20. Merkt der Führer, daß ein Pferd oder ein anderes Tier vor dem Kraft=
fahrzeuge
ſcheut, oder daß ſonſt durch das Vorbeifahren mit dem Kraftfahrzeuge
Menſchen oder Tiere in Gefahr gebracht werden ſo hat er langſam zu fahren, ſowie
erforderlichenfalls anzuhalten und die Maſchine oder den Motor außer Tätig=
keit
zu ſetzen. Auf den Haltruf oder das Haitzeichen eines als ſolcher kenntlichen
Polizeibeamten hat der Führer ſofort anzuhalten. Zur Kenntlichmachung eines Polizei=
beamten
iſt auch das Tragen einer Dienſtmütze ausreichend.
§ 21. Beim Einbiegen in eine andere Straße iſt nach rechts in kurzer
Wendung, nach links in weitem Bogen zu fahren. Dieſe Vorſchrift gilt ent=
ſprechend
für das Durchfahren von ſcharfen oder unüberſichtlichen Wege=
krümmungen
.
Der Führer hat entgegenkommenden Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern
Radfahrern, Viehtransporten oder dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts
auszuweichen oder, falls dies die Umſtände oder die Oertlichkeit nicht geſtatten, ſo=
lange
anzuhalten, bis die Bahn frei iſt.
Das Vorbeifahren an eingeholten Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Reitern,
Radfahrern, Viehtransporten oder dergleichen hat auf der linken Seite zu erfolgen.
An die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreiſes.
Wir weiſen Sie auf den vorſtehenden Auszug aus den Beſtimmungen der Ver=
ordnung
des Bundesrats vom 3. Februar 1910 über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen
wiederholt nachdrücklich hin. Insbeſondere iſt die Beachtung der Vorſchriften über
die Fahrgeſchwindigkeit genau zu überwachen und jede Ueberſchreitung der zuläſſigen
Geſchwindigkeit unnachſichtlich zur Anzeige zu bringen.
Ein beſonderes Augenmerk iſt auf das Befahren der Kreisſtraßen durch Ver=
ſuchsautomobile
(ſogenannte Probefahrten) zu richten, bei denen Ueberſchreitungen der
Vorſchriften des § 18 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910 ſich erfahrungs=
gemäß
beſonders häufig zu ereignen pflegen. Hier empfiehlt ſich die ſchärfſte Kontrolle,
damit iede Zuwiderhandlung gegen die beſtehenden Vorſchriften zur Anzeige gelangt.
Da die Vorſchriften über das Mitführen von Anhängewagen (§ 25 der Bundes=
ratsverordnung
vom 3. Februar 1910) ebenfalls häufig nicht beachtet werden, lenken
wir Ihre Aufmerkſamkeit auch auf dieſe, nachſtehend noch abgedruckten Beſtimmungen.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.
§ 25 der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910.
Soll von einem polizeilich zugelaſſenen Kraftfahrzeug ein Anhängewagen mit=
geführt
werden, ſo genügt die Anzeige bei der höheren Verwaltungsbehörde (§ 5), ſo=
fern
den nachſtehenden Bedingungen entſprochen wird:
1. der Anhängewagen muß verſehen ſein:
a) mit einer ſicher wirkenden Bremſe;
b) mit einer zuverläſſigen, auf die Fahrbahn wirkenden Vorrichtung, die beim
Befahren von Steigungen die unbeabſichtigte Rückwärtsbewegung ver=
hindert
(Bergſtütze);
2. die Radkränze des Anhängewagens dürfen keine Unebenheiten beſitzen, die
geeignet ſind, die Fahrbahn zu beſchädigen:
3. die Verbindung der Lenkvorrichtung des Anhängewagens mit dem Kraft=
fahrzeuge
muß ſo beſchaffen ſein, daß die Räder des Anhängewagens auch
in Krümmungen möglichſt auf den Spuren der Räder des Kraftfahrzeugs
laufen;
4. zwiſchen dem Anhängewagen und dem Kraftfahrzeuge muß außer der Haupt=
kuppelung
noch eine Sicherheitskuppelung (Notkuppelung) vorhanden ſein.
Der Anzeige hat der Eigentümer die Zulaſſungsbeſcheinigung für das Kraft=
fahrzeug
, ſowie das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverſtändigen darüber
beizufügen, daß den Vorſchriften des Abſ. 1 genügt iſt; ein Vermerk über die Anzeige
iſt von der höheren Verwaltungsbehörde in die Liſte und in die Zulaſſungsbeſcheinigung
(§ 6 Abſ. 2) aufzunehmen.
Der Führer iſt dafür verantwortlich, daß der Anhängewagen ſich in verkehrs=
ſicherem
Zuſtand befindet und daß das Geſamtgewicht des Anhängewagens mit Nutz=
laſt
das jeweilige Geſamtgewicht des Kraftfahrzeugs mit Nutzlaſt nicht überſchreitet.
Falls die Bremſe des Anhängewagens nicht vom Führerſitze des Kraftfahrzeugs aus
bedient werden kann, muß auf dem Anhängewagen ein Bremſer mitfahren; in dieſem
Falle muß eine Verſtändigung zwiſchen Führer und Bremſer möglich ſein.

M e
licher Erlaubnis zuläſſig; das gleiche gilt bezüglich des Mitführens von einem An=
hängewagen
, ſofern den Bedingungen im Abſ. 1 Nr. 1 bis 4 nicht genügt iſt. In
dieſen Fällen iſt der Erlaubnisſchein bei der Fahrt mitzuführen und den Polizei=
beamten
auf Verlangen vorzuzeigen.
Werden Anhängewagen mitgeführt, ſo muß das dem Kraftfahrzeuge zugeteilte
polizeiliche Kennzeichen (§ 8 Abſ. 3) an der Rückſeite des Schlußwagens angebracht ſein,

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs=
platz
bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis.
(13989a
*Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Aebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 30. Juni bis 4. Juli 1913.

Die
Dauer der
Tag
Datum
Truppenteil 1 Abſperrung Abſperrung Bemerkungen
erſtreckt ſich
von bis
30. Juni Montag
80 V.
Ueber das
ganze
1. Juli Dienstag
90 V. 120 M.
Feldartillerie
Abſperr=
2. JuliMittwoch
80 V. 10 N.
Gelände
80 V. 10 N.
4. JuliFreitag

Bekanntmachung.

Am 1 3. und 4. Juli 1913 von 7 Uhr vormittags bis zum Einbruch der Dunkel=
heit
wird Schießen mit ſcharfer Munition von Truppenteilen des XVIII. Armee=
korps
auf dem Schießplatz bei Meſſel abgehalten werden.
Schußrichtung vom Steinhügel, 1 km nördlich Meſſel in nordnordweſtlicher
Richtung gegen die Wieſen am Rutſchbach.
Das gefährdete Gelände:
im Norden: Egelsbacher Feldweg und Waldpſad ausſchließlich,
Weſten: Dammweg-Brunnersweg ausſchließlich,
Süden: Forſthaus Steinacker-Steinhügel ausſchließlich,
Oſten: Alter Offenthaler Weg und deſſen Verlängerung über Milches=
wieſe
-Sauwieſe-Schreibertswieſe-Geishecke einſchließlich
wird während des Schießens durch Poſten, Wegſchranken und Warnungstafeln abgeſperrt.
Das Betreten des Geländes während der Schießzeit iſt verboten (Polizei=
Verordnung Kreisamt Darmſtadt, 25. September 1909.)
Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
(13973a
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig=
freiwilligen
Militärdienſt im Herbſt 1913.
Die jungen Leute, welche beabſichtigen, ſich der im Herbſt 1913 ſtattfindenden
Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre Geſuche um Zulaſſung
bei Meidung des Ausſchluſſes von dieſer Prüfung
ſpäteſtens bis zum 1. Auguſt 1913
bei der unterzeichneten Kommiſſion einzureichen.
Hinſichtlich der Anbringung der Geſuche wird das Folgende bemerkt:
1. Das Geſuch iſt bei der unterzeichneten Prüfungs=Kommiſſion nur dann
einzureichen wenn der ſich Meldende im Großherzogtum Heſſen ſeinen
dauernden Aufenthaltsort hat.
Bei Einſendung durch die Poſt iſt die Sendung an die Kommiſſion,
nicht an den Vorſitzenden zu richten.
2. Die Zulaſſung zur Prüfung kann in der Regel nicht vor vollendetem
17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Geſuch muß voh dem Betreffenden ſelbſt geſchrieben ſein. Auch
erſcheint es zweckdienlich, wenn ſtets die nähere Adreſſe angegeben wird.
4. Dem Geſuche ſind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugnis (Auszug aus dem Zivilſtands=Regiſter, nicht Taufſchein).
b) Die Einwilligung des geſetzlichen Vertreters nach folgendem Muſter:
Erklärung
des geſetzlichen Vertreters zu dem Dienſteintritt als Einjährig=
Freiwilliger.
Ich erteile meinem Sohne (Mündel)-
geboren am
meine Einwilligung zu ſeinem
Dienſteintritt als Einjährig=Freiwilliger und erkläre gleichzeitig-
a
) daß für die Dauer des einjährigen Dienſtes die Koſten des Unter=
halts
mit Einſchluß der Koſten der Ausrüſtung, Bekleidung und
Wohnung von dem Bewerber getragen werden ſolln;
b) daß ich mich dem Bewerber gegenüber zur Tragung der Koſten
des Unterhalts mit Einſchluß der Koſten der Ausrüſtung, Be=
kleidung
und Wohnung für die Dauer des einjährigen Dienſtes
verpflichte, und daß, ſoweit die Koſten von der Militärverwaltung
beſtritten werden, ich mich dieſer gegenüber für die Erſatzpflicht
des Bewerbers als Selbſtſchuldner verbürge.
den-
19.
Vorſtehende Unterſchriſt de=
und zugleich, daß der Bewerber d=Ausſteller-der obigen Er=
en
Vermögensverhältniſſen zur Beſtreitung der
klärung nach-
Koſten fähig iſt, wird hiermit obrigkeitlich beſcheinigt.
19.
den-
(I. 8)
Je nachdem von dem Bewerber ſelbſt oder ſeinem geſetzlichen Vertreter
die Koſten getragen werden, iſt in der Erklärung Satz a oder b und ſind
dementſprechend in der Beurkung entweder die Worte der Bewerbert oder
nder Ausſteller der obigen Erklärung anzuwenden, das Nichtzutreffende
dagegen zu ſtreichen.
c) Ein Unbeſcholtenheitszeugnis, welches von der Polizei=Obrigkeit oder
der vorgeſetzten Dienſtbehörde auszuſtellen iſt.
d) Ein ſelbſtgeſchriebener Lebenslauf.
5. In dem Geſuche iſt ferner anzugeben:
. a) Ob, wie oft und wo der ſich Meldende ſich der Prüfung vor einer Prüfungs=
Kommiſſion bereits unterzogen hat, und von denjenigen, welche ſich der
wiſſenſchaftlichsn Prüfung unterziehen wollen, noch weiter=
b
) In weichen zwei fremden Sprachen (wahlweiſe von Franzöſiſch, Engliſch,
Lateiniſch und Griechiſch und an Stelle des Engliſchen Ruſſiſch) die Prüfung
erfolgen ſoll.
6. Wer auf Zulaſſung zur erleichterten Prüfung gemäß § 89, Ziff. 6 ac der
W.=O. Anſpruch macht, hat, ſtatt der Angabe unter 5b, ſeinem Geſuche ein
Zeugnis einer einſchlägigen Behörde beizufügen, aus dem hervorgeht, daß
eine der Vorausſetzungen des angeführten Paragraphen auf ihn zutreffen.
Die Einſendung von Zeichnungen oder ſonſtiger Arbeiten, mit denen dieſer
Nachweis geführt werden ſoll, an uns iſt zwecklos.
7. Iſt bereits früher ein Geſuch um Zulaſſung zur Prüfung eingereicht worden,
ſo bleibt dem erneuten Geſuche nur ein Unbeſcholtenheitszeugnis bei=
zulegen
.
8. Es iſt nur zweimalige Teilnahme an der Prüfung geſtattet, eine dritte
Zulaſſung kann ausnahmsweiſe von der Erſatzbehörde 3. Inſtanz genehmigt
werden.
Im weiteren weiſen wir darauf hin daß Geſuche um Zulaſſung zu einer
ſpäteren, als der im Frühjahr des I. Militärpflichtjahres d. i. des Jahres, in

[ ][  ][ ]

Amtsverkündigungsblatt Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.

Donnerstag, den 3. Juli 1913.

welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird ſtattfindenden Prüfung, der Genehmigung
der Erſatzbehörde 3. Inſtanz bedürfen und bei den Erſatz=Kommiſſionen des Aufenthalts=
orts
, nicht bei uns, einzureichen ſind, welche die Geſuche der Erſatzbehörde 3. Inſtanz
vorlegen werden.
Da die Erledigung derartiger Geſuche eine längere Zeit beanſprucht, ſo empfiehlt
ſich im Intereſſe der Nachſuchenden, mit Einreichung derſelben nicht bis zum äußerſten
Termin zu warten, ſondern dieſelben alsbald anhängig zu machen, andernfalls unter
Umſtänden eine Zulaſſung zur bevorſtehenden Prüfung nicht mehr möglich iſt.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden geſtellt werden, gibt die

Prüfungs=Ordnung (Anl. 2 zur Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 Reg.=Bl.
Nr. 68 von 1901) Aufſchluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, ſowie des Lokals, in welchem die Prüfung
ſtattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung, oder es ergeht beſondere Ladung zur Prüfung.
(14436
Darmſtadt, den 28. Juni 1913.
Großherzogliche Prüfungskommiſſion für Einjährig=Freiwillige.
Der Vorſitzende:
von Werner, Regierungsrat.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher, 1 Wolfshund. Die Hunde können von den
Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Ver=
ſteigerung
der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(14435

Aus der Hermann und Amalie Aenſtadt=Stiftung

ſind am 3. Auguſt d. Js. die halbjährigen Zinſen im Betrage von
500 Mk. an eine oder mehrere würdige Perſonen jüdiſchen Glaubens,
die in hieſiger Stadt wohnen und bedürftig ſind, in Gaben nicht
unter 100 Mk. zu verteilen.
Den Vorzug bei der Zuerkennung der Stiftungszinſen ſollen
insbeſondere genießen: Witwen aus beſſeren ſozialen Verhältniſſen
zu Erziehungsbeihilfen von Kindern, ältere alleinſtehende Perſonen
und Rekonvaleszenten, die ſich nicht an die Armenpflege wenden wollen.
Bewerbungen ſind bis zum 20. Juli d. Js. an den Unter=
zeichneten
einzureichen.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14443
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 3. Juli 1913, nachm. 3 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 zwangsweiſe gegen
Barzahlung
1 Eisſchrank, 1 Sofa, 1 Theke, 5 Regale, 2 Diwans, 3 Schreib=
tiſche
, 1 Tiſch, 1 Waſchkommode, 2 Kleiderſchränke, 1 Vertiko,
1 Spiegel, 1 Büfett und 1 Nähmaſchine.
Darmſtadt, den 2. Juli 1913.
(14452
Rollenhagen, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Kaſinoſtraße 24.

Junger Kaufmann
ſucht nachweislich gutgehendes Geſchäft zu kaufen oder ſich an nach=
weislich
rentablem Unternehmen zu beteiligen. Offerten unter U 22
an die Expedition dieſes Blattes.
(*1934mds

Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Valen=
tin
Fuchs I., Kohlen=, Flaſchen=
bier
und Spezereihändler in Pfung=
ſtadt
, wird heute, am 2. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr, das Konkurs=
verfahren
eröffnet.
Der Gerichtstaxator Ernſt Wolff
in Darmſtadt wird zum Konkurs=
verwalter
ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
20. Juli 1913 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen Ver=
walters
, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf
Dienstag, den 29. Juli 1913,
vormittags 11 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Neues Gerichtsgebäude, Erdge=
ſchoß
, Zimmer Nr. 118, Termin
anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkurs=
tmaſſe
etwas ſchuldig ſind, wird
laufgegeben, nichts an den Gemein=
ſchuldner
zu verabfolgen oder zu
leiſten, auch die Verpflichtung auf=
erlegt
, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen, für
welche ſie aus der Sache abgeſon=
derte
Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 20. Juli 1913 Anzeige zu
(14423
machen.
Großherzogliches Amtsgericht

Darmſtadt II.

Maurerarbeiten.
Die bei der Errichtung einer
Eintrittshalle für das Stadtkran=
kenhaus
an der Grafenſtraße vor=
kommenden
Maurerarbeiten ſollen
vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Samstag, 12. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(14371ms
Darmſtadt, 2. Juli 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Cn unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Heſſiſche Bank, Aktien=
geſellſchaft
, Darmſtadt,
in Liquidation.
Der Liquidator Rechtsanwalt
Dr. Alexander Bopp in Darm=
ſtadt
iſt ausgeſchieden und ſomit
deſſen Vertretungsbefugnis be=
endet
.
(14441
Bankprokuriſt Dr. jur. Hans
Stirtz und Bankbeamter Wilhelm
Häußermann, beide in Darmſtadt,
ſind zu Liquidatoren beſtellt.
Jedem Liquidator ſteht die Be=
fugnis
zu, einzeln für ſich die Ge=
ſellſchaft
und ſich gegenſeitig zu
vertreten.
Darmſtadt, 30. Juni 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

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Nummer 153.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

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Ich liebe Dich!
Roman von Guido Kreutzer.
(Nachdruck verboten.)

Um da mal zu einem Ende zu kommen, Lanzoff
alſo ich hab’ über den Rittmeiſter Sierndorff natürlich
nachgedacht. Erklärlich nach dem, was Sie mir ſo ver=
ſchiedentlich
mitteilten und was man ſonſt ſo aus allge=
meinen
Andeutungen aufſchnappt.
Aber ich finde für ihn nicht die richtige Formel. Und
das iſt eigentlich erforderlich. Denn es wäre doch mög=
lich
, daß ich irgendwie mal mit ihm zuſammen gerate.
Dabei müßte man dann aber immerbin mit ſich ſelbſt im
klaren ſein.
Eine Formel? der Aeltere ſchüttelte den Kopf
.. . . Gibts nicht, die auf ihn anwendbar wäre:
Er überlegte.
Oder allenfalls ſo: das Gute in ihm kann ſich nicht
mehr durchſetzen, weil er heute ſchon zu alt iſt. Und das
Schlechte ein langes Achſelzucken falſche Erziehung
und die verkehrte Anſchauung, im Offiziersberuf etwas
rein Aeußerliches, rein Repräſentatives zu ſuchen. Und
zu dem allen ſchließlich noch der verhängnisvolle Ehr=
geiz
, den bürgerlichen Namen durch ſinnloſen pekuniären
Aufwand vergeſſen machen zu wollen.
Iſt er denn ſo wohlhabend?
Geweſen!! darin liegts ja eben!
Sehen Sie mal der alte Sierndorff, jahrelang
ſchon Witwer, war großer Kohlenmagnat. Selfmademan
der ſich aus engen Verhältniſſen hochgearbeitet hatte, aber
gerade deshalb doppelt ſtolz auf den Attilla ſeines ein=
zigen
Jungen, dem er in lächerlicher Unvernunft das Geld
mit vollen Händen zuſteckte. Dadurch bekam der Sohn von
dem Wert des Geldes natürlich total falſche Anſchau=

ungen. Er ſtand gerade vor dem Oberleutnant, als der
Alte ſtarb und zirka 2 Millionen hinterließ Und damit
ging eine Wirtſchaft los, die von altpreußiſcher Sparſam=
keit
verdammt wenig an ſich hatte.
Er machte eine zuſammenfaſſende Handbewegung.
Rennſtall; ganz groß ausgehaltenes Verhältnis; eigene
Achtzimmer=Wohnung in Berlin, wo man alle Woche
herüberrutſchte; in den Lebeweltnächten der Friedeichſtadt
mußte man natürlich gleichfalls ſeine Rolle ſpielen; der
Urlaub wurde an der Riviera oder in belgiſchen See=
bädern
vertrödelt.
Kurz und gut mit dem Rittmeiſter=Patent tauchte
zugleich der erſte nichteingelöſte Ehrenſchein auf. Er blieb
in der Folgezeit nicht der einzige; denn die zwei Millionen
waren binnen acht Jahren radikal aufn Kopp gehauen.
So war der Abſchied ſchließlich unvermeidlich. Und
damit kam die Deroute der Niederbruch in den Prin=
zipien
, in der Lebensführung und im Sport. Faſt, als
hätte der Mann mit der Uniform auch den Charakter aus=
gezogen
.
Sozuſagen alſo verpfuſcht von Jugend auf und eigent=
lich
mehr zu bedauern, als zu mißachten!
Der Adjutant hatte wieder ſein langſames Achſel=
zucken
.
Wenn Sie ſo wollen zweifellos. Und wenn man’s
von jeher groß gewöhnt war, iſt es ſpäter natürlich bitter
ſchwer, ein Loch zurück zu ſtecken.
Die Wenigſten ſind dazu imſtande. Auch Sierndorff
hats nicht fertig gebracht; macht jetzt ſeit zwei, drei Jahren
die verzweifeltſten Anſtrengungen, ſich wenigſtens nach
außen hin auf der Höhe zu halten; ſtreut den Leuten
Sand in die Augen. Und alle, die vom Bau ſind, wiſſen
trotzdem, wie die Aktien ſtehen.
So iſt es auch ein offenes Geheimnis, daß derſelbe

Mann, der als reiner Herrenreiter ſtets eine Zierde des
Turfs war, heute im Grunde Profeſſional iſt; daß er nur
noch gegen ſichere Startgarantien in den Sattel ſteigt und
daß er mit einem Wort vom grünen Raſen lebt, wie
irgendein Jockei oder Trainer.
Und worin liegt nun der Grund, daß man ihn trotz
all dieſer dunklen Geſchichten hält?
Weil man im ſtillen mitleidig armer Kerl! auf ihn
ſagt; und weil er immer noch ſoweit Gentleman iſt, um
die Dehors zu wahren. Denn alles was recht iſt das
tut er! und wehrt ſich erbittert gegen den äußerlichen
Niederbruch!
Aber ſchließlich das Endergebnis? fragte Günter von
Oſtheeren grübelnd.
Darauf folgte langes Schweigen. Der Oberleutnank
von Lanzoff ſah ſtarr in die Geſichter der beiden Kano=
niere
, die auf der Protze des vor ihm ratternden Ge=
ſchützes
ſaßen, ſo daß die Kerls ſich ängſtlich aus ihren
ſchlappen Haltung zuſammenriſſen.
Er ſucht nach einer Heirat, die ihm wieder feſten
Boden unter die Füße ſchiebt. Und da Fräulein Krotten=
heim
nicht erreichbar iſt, wird er ſein Heil vielleicht bei
den Renzows verſuchen. Allerdings
Was denn?
Mir ſcheint, daß Graf Frixen ſeit kurzem das gleiche
Ziel verfolgt. Sollte das tatſächlich der Fall ſein, dann
ſtehen die Chancen für den Rittmeiſter natürlich unier
Null. Denn erſtens iſt er a. D. und dann hat er auch keine
Grafenkrone als Paroli für die Millionen des alten
Renzow zu bieten.
Aber mal ganz abgeſehen davon Alwa Frixen ißt
trotz ſeiner Blaſiertheit ein Geſelle, mit dem anzubinden
wenig empfehlenswert ſein dürfte. Der Mann ſchießt wie
der leibhaftige Satan. Auf den Tontaubenſtänden in

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Monte zum Beiſpiel hat er ſich internationalen Ruf er=
worben
. Seiner plötzlichen Verſetzung von Bukareſt nach
hierher liegt ja auch eine reichlich gewaltſame Affäre
zugrunde.
Ein merkwürdiger Ausdruck war in das Geſicht des
Barons gekommen.
Wiſſen Sie auch, lieber Freund, daß ich nach alledem
für Sierndorff faſt ſo eine Art mitfühlender Sympathie
empfinde?
Da verhielt der Oberleutnant von Lanzoff erſchrocken
ſeinen Rappen, bis die beiden Pferde dicht nebeneinander
gingen. Und dann langte er herüber und legte dem Ka=
meraden
die Hand auf den Arm.
Das dürfen Sie nicht, Günter Oſtheeren! . . . ſagte er
ſehr eindringlich und ſehr ernſt . . . Bemitleiden Sie ihn
im Stillen, dulden Sie ihn im Stillen damit tun Sie
nicht mehr und nicht weniger als wir alle. Aber identi=
fizieren
Sie ſich nicht mit ihm! Sie ſind jung und müſſen
weiter kommen darum ſeien Sie Egoiſt! Alle falſche
Sentimentalität drei Schritt vom Leibe ſonſt wirds
gefährlich!
Und wenn Sie überhaupt etwas für einen kamerad=
ſchaftlichen
und freundſchaftlichen Rat übrig haben, dann
richten Sie ſich nach dieſem! . . . er iſt der aufrichtigſte
den ich Ihnen zu geben vermag!!
Und in ſeiner kurzen unmotivierten Art zog er die
Zügel an und verſchwand nach vorn, um dem Etats=
mäßigen
ganz gehorſamſt anheim zu ſtellen, ob es nicht
gut wäre, wenn man jetzt antraben ließe.
Denn in der inneren Stadt mit ihrem blödſinnigen
Wagenverkehr kam man ſowieſo nicht mehr dazu!

J.
Um punkt halb fünf aber klingelte der Leutnant von
Oſtheeren im Hochparterre der Kalckreuthſtraße.
Er war keineswegs überaus ſiegesgewiß. Nachmit=
tags
auf der Chaiſelongue hatte er vor Unruhe kein Auge
zutun können; immer wieder überlegte er, welchen Weg
man einſchlagen müßte, um eine entſcheidende Erklärung
herbeizuführen.
Das hatte natürlich ſeine Schwierigkeiten ſelbſt
mal abgeſehen davon, daß dieſer heutige Beſuch eigentlich
eine ſanfte Ueberrumpelung darſtellte.
Die Herrſchaften zu ſprechen?
Das nette kleine Stubenmädel betrachtete ſich den
jungen Offizier mit intenſiverem Intereſſe, als unbedingt
erforderlich.
Die gnädige Frau iſt vor einer Stunde in die Stadt
gefahren.
Er gab ſeine Karte; mit einer Pomadigkeit, als
handle es ſich um die gleichgültigſte Sache der Welt.
Dann melden Sie mich bitte dem gnädigen Fräulein.
Sie ließ ihn auf die Diele.
Wenn Herr Leutnant einen Augenblick warten wollen
ich weiß nicht, ob das gnädige Fräulein empfängt.
Darüber ärgerte ſich der Baron. Na, das wäre ja
noch ſchöner! dachte er, während er einen gewohnheits=
mäßig
prüfenden Blick in den Wandſpiegel warf.
Eine Minute ſpäter verneigte er ſich vor Giſela Krot=
tenheim
im Salon.
Gnädigſte!
Willkommen, Herr Baron.
Ich höre eben, daß Ihre Frau Tante leider nicht an=
weſend
iſt.
Sie wird ſehr bedauern.

über min aler Bfthunchat hale ich dardif gercht
net, Ihren Herrn Vater anzutreffen. Ich hätte ihn ſehe
gern begrüßt! ſchwindelte er mit fröhlichem Gottver=
trauen
.
Heut’ mittag hat ja die forſtwirtſchaftliche Konferenz
begonnen, zu deren Teilnahme Papa doch überhaupt nach
Berlin gekommen iſt.
Außerdem wohnt er gar nicht bei uns, ſondern im
Alexandrahotel in der Mittelſtraße. Er behauptet, es ſei
da bequemer für ihn.
Das iſt Anſichtsſache, Gnädigſte. Ich perſönlich
würde dieſe Wohnung hier ganz entſchieden dem kom=
fortabelſten
Hotel vorziehen. Allerdings bin ich ja auch
noch kein alter Herr!
Sie ſah ihn unſicher an. Sie wußte im Moment
nicht genau, ob das nicht vielleicht wieder eine ſeiner
verſtohlenen Sticheleien war, vor denen man ſtändig auf
der Hut ſeien mußte.
Man ſetzte ſich. Ein erſtaunter Blick traf den Helm,
den er neben den Seſſel ſtellte.
Kommen Sie jetzt erſt aus dem Dienſt, Herr Baron?
Er zog die Handſchuhe zuſammen und legte ſie auf
den kleinen Tiſch, der zwiſchen ihnen ſtand.
Das nicht, gnädiges Fräulein, aber mein Beſuch iſt
an ſich eine ſozuſagen halboffizielle Angelegenheit. Ich
verbinde mit ihm nämlich die ausgeſprochene Abſicht,
Ihnen noch nachträglich meinen herzlichſten Dank zu
ſagen. Bei dem geſtrigen Wirrwarr auf der Rennbahn
war es mir leider unmöglich gemacht, dies in der er=
forderlichen
Form zu erledigen.
Sie ſaß mit dem Rücken zum Fenſter, ſo daß er das
leiſe Rot nicht ſehen konnte, das über ihr Geſicht. rann.
(Fortſetzung folgt.)

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Nummer 153.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Jult 1913.

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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913

Nummer 153.

Sport, Spiel und Turnen.

37. Gauturnfeſt des Main=Rhein=Gaues am 5., 6., 7. Juli.
PA Sprendlingen (Kreis Offenbach), 2. Juli. Das
alljährlich ſtattfindende, an Größe und Ausdehnung ſtets
zunehmende Gauturnfeſt wurde für dieſes Jahr der hieſi=
gen
Turngemeinde, welche bereits 26 Jahre dem Main=
Rhein=Gau angehört, zur Abhaltung übertragen. Der
Gau, der bereits voriges Jahr auf ein 50jähriges Beſtehen
zurückblicken konnte, zählt zurzeit 68 Vereine mit rund
9000 Mitgliedern und gehört zu den größten und älteſten
des Mittelrheinkreiſes. Das Wetturnen, welches aus
Einzelturnen (Zwölfkampf), ſowie Vereins= und Muſter=
riegenturnen
beſteht, weiſt nach den bis jetzt vorliegenden
Meldungen zirka 60 Einzelwetturner und zirka 60 Ver=
eins
= und Muſterriegen auf. Das Feſt wird durch eine
akademiſche Feier, verbunden mit Fackelzug, am Samstag

eingeleitet, die neben den verſchiedenen turneriſchen Vor=
führungen
und Anſprachen noch ſonſtige Darbietungen
bringen wird. Der Begrüßungschor, der von den ver=
einigten
hieſigen Geſangvereinen geſungen wird, eröffnet
die Feier. Der Zwölfkampf findet am Sonntag vormit=
tag
ſtatt, dem ſich das Zöglingsriegenturnen anſchließt.
Nach Eintreffen des um halb 2 Uhr ſtattfindenden Feſt=
zuges
auf dem Feſtplatz werden die Vereins= und Muſter=
riegen
geturnt. Die allgemeinen Freiübungen von über
800 Teilnehmern mit anſchließender Siegerverkündigung
nehmen um 5 Uhr ihren Anfang. An allen Feſttagen fin=
det
Konzert und Tanz auf dem Feſtplatze ſtatt und wird
außer der Kapelle des 24. Dragoner=Regiments= Darm=
ſtadt
noch eine zweite Kapelle konzertieren. Seitens
des Preſſeausſchuſſes wird eine illuſtrierte, reichhaltige
Feſtſchrift herausgegeben; ferner werden drei Feſtpoſt=
karten
, deren eine die Muſterriege der acht Brüder Heil,
Mitglieder der hieſigen Turngemeinde, die beim Feſt vor=
geführt
wird, zeigt, während die beiden anderen Anſichten
vom Orte, ſowie Bilder aus dem Verein darſtellen.
Die Feſtausſchüſſe ſind in reger Tätigkeit und die Vor=
arbeiten
ſoweit erledigt. Die Ortseinwohner, ſowie alle
Gauangehörige ſtehen der Feſtveranſtaltung ſympathiſch
gegenüber und tragen ihr Teil zum guten Gelingen des
Feſtes bei, was ſich bereits ſchon jetzt durch die zur Ver=
fügung
ſtehenden Freiquartiere, ſowie die Zahl der ge=
meldeten
Wetturner ergibt.

sr. Die Lawn=Tennis=Meiſterſchaft von Frankreich
im Herren=Einzelſpiel kam in Paris zur Entſcheidung
und wurde von dem alten Champion Max Decugis zum
echſten Male gewonnen, der Gault in der Schlußrunde
61, 63, 63 ſicher abfertigte.

Landwirtſchaftliches.

29. Deutſcher Landwirtſchaftlicher Genoſſenſchaftstag
in Wiesbaden.
Der 29. Deutſche Landwirtſchaftliche Genoſſen=
ſchaftstag
des Reichsverbandes der deutſchen landwirt=
ſchaftlichen
Genoſſenſchaften findet, wie bereits angekün=
digt
, in den Tagen vom 17. bis 19. Juli in Wiesbaden
ſtatt. Die Tagesordnung weiſt eine Reihe bedeutſamer
Verhandlungsgegenſtände auf. Neben dem Jahresbericht
des Stellvertreters des Generalanwalts, Verbandsdirektor
Landesökonomierat Johannßen=Hannover und einem Vor=
trag
des Verbandsdirektors Petitjean=Wiesbaden über die
Entwickelung des Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchafts=
weſens
im Regierungsbezirk Wiesbaden werden nach=
ſtehende
Fragen zur Erörterung gelangen: Welche Leh=
ren
haben die Genoſſenſchaften aus der Geldkriſis der letz=
ten
Jahre zu ziehen? Berichterſtatter: Verbandsdirektor
Landrat z. D. von Brockhauſen=Stettin. Urſachen ge=

noſſenſchaftlicher Mißerfolge.: Berichterſtatter: General=
ſekretär
Gennes=Darmſtadt. Einheitliches Bilanz=
ſchema
für ländliche Kreditgenoſſenſchaften und Zentral=
kaſſen
. Berichterſtatter: Direktor Fiſcher=München.
Die Zwangsbezugspflicht bei den Zentraleinkaufsgenoſ=
ſenſchaften
und den örtlichen Bezugsgenoſſenſchaften. Be=
richterſtatter
: Direktor Oekonomierat Biernatzki=Kiel.
Neuere Erfahrungen auf dem Gebiete der genoſſenſchaft=
lichen
Milchverwertung. Berichterſtatter: Generalſekretar
Berg=Karlsruhe. Im weiteren ſteht ein Antrag des Ge= auf Abänderung der Satzung des Reichs=
verbandes
zur Verhandlung, worüber Verbandsdirektor
Geheimer Regierungsrat Dr. Havenſtein=Bonn Bericht er=
ſtatten
wird. Im Anſchluß an die beiden Verhandlungs=
tage
findet am Samstag, den 19. Juli, eine Dampferfahrt
auf dem Rhein von Biebrich nach Boppard und zurück
ſtatt.

Stimmen aus dem Publikum.
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Endlich einmal wieder ein Lebenszeichen von der
Heag‟: Die Nachricht, daß dieſelbe nunmehr alle Kräften
einſetzen will, um die Umwandlung der Dampf=
bahn
nach Eberſtadt in elektriſchen Betrieb
bis zum 1. Oktober dieſes Jahres durchzuführen! Dies
iſt überaus erfreulich, und bleibt nur zu hoffen, daß dieſer
Termin auch eingehalten wird. Die Telegraphenleitung
an der Landſtraße nach Eberſtadt wird hierfür hoffentlich
kein Hindernis bilden; ſie hätte ſchon längſt beſeitigt werg
den können.
Im übrigen wäre zu wünſchen, daß die Heag nund
mehr endlich auch gleiche Energie bei der immer noch der
Ausführung harrenden elektriſchen Bahnverbindung des
Johannesviertels durch Luiſen= und Frankfurter
Straße betätigt. Schließlich wäre es auch noch an der
Zeit, die Linie zum Oſtbahnhof endlich fertigzuſtelleng
Zur Nummernbezeichnung der elektri=
ſchen
Straßenbahnlinien werden immer noch
Pappdeckel verwendet, die an den Fenſtern der Wagen=
plattformen
hängen. Es wäre an der Zeit, dieſe dürftige
armſelige Art der Nummernbezeichnung durch maſſive
Nummernſcheiben auf dem Wagendach zu erſetzen. Mank
begreift nicht, daß dieſe immer noch nicht geliefert ſein=
ſollen
. In anderen Städten, z. B. in Karlsruhe und Wies=
baden
(in letzterer Stadt Süddeutſche Eiſenbahngeſell=
ſchaft
), finden ſich übrigens Nummernſcheiben und in feſter
Verbindung mit dieſen eine ganze Reihe von Signalſchei=
ben
verſchiedenartiger Farben, je für die einzelnen Linien.
Könnte ſich die Heag nicht die Einrichtung in dieſen
Städten zum Muſter nehmen?

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Nummer 153.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

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Beſichtigung der Gartenanlageu auf Schloß Heiligenberg.
Zu recht zahlreicher Beteiligung ladet höflichſt ein
Der Vorstand.
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Schützenfeſt Mainz
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Feſt=Programm.
Sonutag, den 6. Juli:
Weckruf.

Groß
Instorischer Pestzug
Aufſtellung auf der Kaiſerſtraße.
11 Uhr: Abmarſch des Feſtzuges nach dem Feſtplatz,
Nachm. 2 Uhr: Große Feſtafel in der Feſthalle (Tafelmuſik),
Nachm. 5 Uhr: Beginn des Konkurrenzſchießens,
Nachm. 6½ Uhr: Verteilen der erſten 10 Becher an die Sieger
im Konkurrenzſchießen.
Nachm. 4 Uhr und abends 8 Uhr: Große Militärkonzerte.
Täglich, nachmittags von 4 Uhr und von 8 Uhr ab: Große
Militär=Konzerte, Geſangs=Vorträge, Turner=Vorführungen,
Schaufechten, Ballett ꝛc.
Freitag, den 11. Juli, abends 6 Uhr:
Feſtfahrt auf dem Rhein bis Bingen,
feſtliche Uferbeleuchtung bei der Rückfahrt.
Fahrpreis Mk. 2. pro Perſon.
Karten im Feſtbureau auf dem Feſtplatz und Gutenbergplatz.
Samstag, den 12. Juli:
Nachm. 4 und abends 8 Uhr: Konzert auf dem Feſtplatze und in der
Feſthalle. Im Abendkonzert Liedervorträge von 6 Geſangvereinen.
Großes Kunſtfeuerwerk u. feenhafte Beleuchtung des Feſtplatzes
ausgeführt von Hofkunſtfeuerwerker A. Clausz, Wiesbaden.
Sonntag, den 13. Juli:
nachm. 5 Uhr: Feierliche Preisverteilung.
Auf dem Feſtplatze:

Tanzbeluſtigung. Fidele Konzerte in den
Tüglich Bier= und Weinhallen. Großer Juxplatz.

Tageskarten: 50 Pfg. für die Perſon.
Sonntag, den 6. Juli und Samstag, den 12. Juli: 1 Mark.
Kinder zahlen jeweils die Hälfte.
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Schützenfeſt in Mainz.
Sonntag, den 6. Juli 1913, vormittags 11 Uhr:
Grosser historischer Festzug
Für die auf dem Theaterplatz errichtete gedeckte
ffizielle Feſttribüne
of
mit Reſtaurationsbetrieb
ſind Karten im Vorverkauf: Reſervierter Platz Mk. 5., I. Platz,
numeriert, Mk. 3., II. Platz Mk. 2. zu haben: in Mainz bei
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Der Rixdorfer.
Ein Frühlingstag im Zoo von Robert
Krüger (Mr. Meschugge) mit
Tierstimmen.
Dixieland, Marsch, und Two-Step
von Chauncey Haines.
Frohsinn auf den Bergen! von O.
Fetras.
Weidmannsheil! mit Gesang.
Orchester.
Festmarsch zur Einweihung des
Völkerschlachtdenkmalsv. Michel
Eulambio, bearb. von K. Giltsch.
Volksgruss! Jubel-Fanfarenmarsch
von Carl Friedemann.
Gretchen mit Grosspapa (Scherz für
Oboe- und Fagott-Solo) v. Oscar
Rudolph mit Oboe und Fagott.
Man lacht, man lebt. man liebt!
Walzer aus Kino-Königiné von
Jean Gilbert.
Orchester mit Gesang.
Ach Amalia! aus Kino-Königin‟
von Jean Gilbert, Text von G.
Okonkowskv.
Jupplala, Walzer, dto.
In der Nacht, Two-Step, dto.
Liebliche kleine Dingerchen, Two-
Step, dto.
Gustav Schönwald.
Poussier-Knorpel, Prosa-Vortrag in
sächs. Mundart.
Tischrede (Begrüssung der Gäste),
mit Ensemble.
Stettiner Sänger.
Musikanten, lust'ge Leut’, humorist.
Marsch von Otto Winkler, op. 109.
Marsch der Bürgergarde von Hugo
Brückler.
Carl Nebe.
Zecherstreit. Text von Reinhold
Fischer, Musik von Wilhelm
Malek, op. 186.
Das Wunder im Münchener Hof-
bräuhaus
, Dichtung von R. Karwe,
Musik von Gustav Steffens.
Alfred Matthes, Cornet.
Der Trompeter im Walde, Polka
von B. Seidler-Winkler.
Die Gazelle, Polka von Fernand
Peit.
Klavier.
Grizzly Bear (Bärentanz), Ragtime-
Two-Step von George Botsford.
Temptation Rag (Versuchung),
Humoreske von Henry Lodge.

Tubaphon.
Potpourri, I. Teil aus Kino-
Königin von Gilbert.
(14433
dto., II. Teil.

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Städtischer Saaibau.
Heute, den 3. Juli, abends 8 Uhr,
5. Donnerstags-Konzert

Streiokerohoster-Ausik!
ausgeführt von der ganzen Kapelle des Leibgarde-
Regiments unter Leitung des Obermusikmeisters Hauske.
Aus der Vortragsordnung: E. Lassen, Festouvertüre;
G. Puccini, Fragmente aus Madame Butterfly‟; M. Bruch,
2 Satz Adagio aus dem Violinkonzert, vorgetragen vom Ein-
jährig
-freiwilligen Hoboisten Haertl; R. Wagner, Schmiede-
lieder
aus Siegfried‟, Wolf-Ferrari, Intermezzo a, d.
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Eintritt einschl. Steuer 55 Pfg., Studierende u.
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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Jnk 1913.

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kauft fortwährend zu den höchſten
Preiſen
(7846a
Friedrich Tillmann,
Eliſabethenſtraße 21.

Gut erh. Nivellierinstrament
Nivellierlatte und Fluchtſtäbe
zu kauf. geſucht. Off. m. Preisang.
inter U 72 an die Exp. (*2110,

[ ][  ][ ]

§§ 153.

Donnerstag, 3. Juli.

1913.

U

Weiblich Stenotypiſtin, auch i. Buchführung
rf., ſucht ſof. Stellung. Zeugn. vorh.
ff. u. U 80 a. d. Exped. (*2135ds Fräulein, neiches die kaufm. Handelsch.
esucht hat, sucht gegen Vergütung Anfangs-
tellung
. Off. unt. U 64 an die Exp. (*2078 Schneiderin empf. ſich in allen
Näharbeiten, ſpez. Bluſen ꝛc.
2116ds) K. Schäfer, Soderſtr. 33, II. Junge Schneiderin empf. ſich in
Damen= und Kindergarderobe.
täheres Exped.
(*2077 Perf. Büglerinempf. ſich auß. dem
hauſe. Schulſtr. 12, Stb., I. (*2067df Aelt. alleinſtehend. Fräulein ſucht
Büro oder Laden zu putzen. Näh
n der Expedition ds. Bl. (13781a R., zuv. Frau geht halbe Tage
Zutzen Döngesborngaſſe 2, II. (*1882id 18jähr. anſtändiges Mädchen
welches das Kleiderm. erlernt hat,
wünſcht tagsüb., in nur beſſ. Hauſe,
u einem Kinde zu gehen. Näh.
n der Expedition ds. Bl. (*2160 15jähr. Mädchen vom Lande
ucht St. in kl. Haush. od. nur zu
tindern. Offert. unt. U 75 an
die Exped. ds. Blattes. (*2123 Schneiderin empf. ſich per Tag
,50 M. Liebfrauenſtr. 89, p. (*2120 ſucht nachmittags
Mädchen Waſchen o. Putzen.
ff. u. U 70 an die Exped. (*2118 Tücht. Alleinmädch, ſ. auf ſof.
SStellg. Karolina Beck, gewerbsmäßige
tellenvermittlerin, Eliſabethenſtr. 22, II.(* Junge Frau ſucht 2 Stund. vor=
ind
nachmittags Laufſtelle
314428)
Kiesbergſtraße 14. Jung. Mädchen ſ. vor= u. nachm.
Laufd. Schloßgartenſtr. 21, II. (*2150 Frau ſ. halbe Tag. Beſchäft. i. Waſch.
. Putz. Näh. Viktoriaſtr. 96, Hth., II.(* Männlich

Bank-oder
Bureaudiener
Solider Geſchäftsmann, welcher
ius Geſundheitsrückſ. ſeiner Frau
. Aufgabe ſeines Geſchäftes ſich
jezwung. ſieht, ſucht anderweitig
Stellg. Derſelbe wäre auch bereit,
ie Stellg. eines Verwalters oder
Portiers anzunehm. Kaution kann
n jed. belieb. Höhe geſtellt werden.
Iff. u. T 78 an die Exp. (14072od

in Drogen u. Kolonial=
Süche warengeſch. Stelle als
Verkäufer od. Lageriſt p. 15. Juli od.
.Auguſt. Off. unte‟ U 33 an
ie Expedition ds. Bl. (*1942mdf

One Sten

Weiblich

Zuverlässiges, jüngeres
Fräulein
mit hübſcher Handſchrift und
Kenntniſſen in Stenographie
und Maſchinenſchreiben, zu
baldigem Eintritt von hie=
ſigem
Engrosgeſchäft geſucht.
Off. mit Gehaltsanſpr. u. U 78
an die Exped. erbeten. (14149

Lauffrau oder Mädchen
ofort geſucht.
(*2046md
Lichtenbergſtraße 16, I.

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rhalten dauernde und lohnende
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J. Schönberg, Pallaswieſenſtr. 98
Sortieranſtalt.

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owie 1 gute Saiſonarbeiterin
von erſtem Geſchäft geſucht. Schriftl.
Offerten unter U 56 an die
Expedition ds. Bl. erbeten. (14396

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mit Vergütung. (14458a
Neu, Eliſabethenſtraße 30, I.

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mit guter Schulbildung, welches
an Oſtern die Schule verlaſſen
hat, gegen ſof. Vergütung geſucht.
A. Anton, Magaz. f. Haus u. Küche,
Eliſabethenſtraße 1. (*2119dfs

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Marktplatz 12.

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Uhr
Ludwigsplatz geſucht. Off. u.
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U 65 an die Exp.

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Mauerſtr. 6.
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Stiftſtraße 56.
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vormittags 2 Stunden geſucht.
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Gutenbergſtraße 68.

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geſucht. Schloß=Café. (*2053

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können, z. zwei Leuten, zu Herrſchaft
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16 Jahre alt, geſucht
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L. C. Wittich’sche Hofbuchdruckerei
Rheinſtr. 23.

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Sauberes Mädchen ſofort ge=
ſucht
Wittmannſtr. 4. (B14454

welcher Radfahrer iſt und gute
Zeugniſſe beſitzt, geſucht. (14444
Mainzer Warenhaus.

Suche Röch. u. Alleinm. m. . Zeugn.
Johanneite Weißmantel, gewerbsmäßige
Stellenvermittlerin, Karlſtr. 30. (*2143

Lung. Burſche zum Brotfahren
geſucht. Gute Zeugniſſe
erforderlich. Eintritt 10. Juli.
Müllerſtraße 16.
(*1935md

Alleinmädchen geſucht zum ſo=
fortigen
Eintritt. Näh. bei Frau
Küchler, Bismarckſtr. 20. (*2109dt

Junges Mädchen oder Frau von
810 vorm. geſucht. 10 Mk. pro
Monat. Luiſenſtr. 10, part. (*2112

Junger Hausbursche
(Radfahrer) wird ſofort geſucht.
Hotel Heß.
(14322md

Saub. j. Mädchen tagsüber geſ.
*2125) Nied.=Ramſtädterſtr. 31, I.lks.

Ein Laufjunge
geſucht Ernſt=Ludwigſtr. 21. (*md

Zuverl. jg. Mädchen oder auch
Frau für vor= u. nachmittags geſ.
*2115df) Lichtenbergſtr. 58, III.

Zuverläſſig. Monatsmädchen
oder Frau geſucht
(*2131
Heinrichſtraße 110.

6lleinſtehende Frau oder älteres
Fräulein zur Führung eines
einfachen Haushaltes geſucht. Off.
u. U 61 an die Exped. (*2087

Zum 1. Auguſt event. früher
tüchtiges, gewiſſenhaftes 2. Mäd=
chen
geſucht, das in Hausarbeit
erfahren iſt, ſchon bei Kindern
war und mit denſelben umgehen
kann. Frau Dr. Degen, Klap=
pacherſtraße
1, 1. St. (B14418
Tücht. Hausmädch. m. g. Zeugn.
u. ſchon in f. Hauſe w. geſ. K. Beck,
gewerbsmäßige Stellenvermittlerin
Eliſabethenſtraße 22, II. (*2151

rdentlicher tüchtiger
Tägionner
f. dauernd geſ. Glückauf‟
Darmſtädt. Kohlen=Verkaufs=
Geſellſchaft m. beſchränkt. Haf=
tung
. Heidelbergerſtr. 1. (*2063
Arbeiter
der auch fahren kann, mit guten
Zeugniſſen geſucht. Martin Jahn,
Pallaswieſenſtraße 30.
(*2138
Für ſofort ein 1516jähr. Jungg
als Laufburſche geſucht. Wo ?
ſagt die Expedition.
(*2079

ſucht
Friseurlehrling Heinrich
Baußmann, Schwanenſtr. 20. (*2057

Gut empfohl. Frau für 7½ bis
8½ Uhr vormittags geſucht (*2158
Martinſtraße 56, I.

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Lehring und Lehrmädchen
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Reinl. Lauffrau ſof. morg. u.
mitt, 2 Std. geſ. Neckarſtr. 15. (*2154
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neben Köchin geſucht. Kann gleich
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[ ][  ]

Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 3. Juli 1913.

Nummer 153.

Kongreſſe und Verbandstage.

69. Generalverſammlung des Heſſiſchen
Hauptvereins der Guſtav=Adolf=Stiftung
und 50jähriges Jubiläum der Kirch= Ein=
weihung
von Bensheim, ſowie 25jähriges
Jubiläum der Kirch=Einweihung in Hep=
penheim
.
II.
Bensheim 30. Juni. Unſerem Bericht von
geſtern haben wir noch nachzutragen, daß in der Abend=
verſammlung
eine ganze Reihe herzlicher Glückwunſch=
ſchreiben
und =Telegramme bekannt gegeben wurden.
Huldigungstelegramme des Kirchenvorſtandes an Groß=
herzog
und Kaiſer brachten folgende Antworten: Wolfs=
garten
: Sehr erfreut über Ihren Huldigungsgruß danke
ich Ihnen und der Gemeinde vielmals. Ernſt Ludwig.
Kiel: Seine Majeſtät der Kaiſer und König laſſen der
evangeliſchen Kirchengemeinde Bensheim für die Meldung
von dem Feſtgeläute der erſten Friedrich=Wilhelm=Glocke‟
zum 50jährigen Kirchenjubiläum und für den Huldigungs
gruß herzlich danken. Der Geheime Kabinettsrat von
Valentini. In Begeiſterung ſang die Gemeinde die Na=
tionalhymne
.
Der frühe Morgen war durch die geſchäftlichen Be=
ratungen
ausgefüllt. Der Vorſitzende, Pfarrer Dingel=
dey
, gedachte nach einem einleitenden Gebet mit war=
men
Worten des verſtorbenen eifrigen und warmherzigen
Vorſtandsmitglieds Juſtizrat Dr. Lucius und des verſtor=
benen
Pfarrers Stromberger=Zotzenbach, der dem Verein
teſtamentariſch eine Stiftung von 30000 Mark vermacht
hat. Die Verſammlung ehrte das Andenken dieſer Freunde
der Guſtav=Adolf=Sache in der üblichen Weiſe. Der Jah=
resbericht
über das Jahr 1912 lag gedruckt vor
ſo daß der Schriftführer des Vereins, Dekan Bayer= Raun=
heim
, ihn nur noch in einigen Punkten zu ergänzen brauchte.
Aus dem reichen Zahlenmaterial ſei nur das Folgende
herausgehoben: Die Einnahmen des heſſiſchen Hauptver=
eins
aus den Jahresbeiträgen haben ſich um 485,68 M. auf
28379,05 Mk. geſteigert. Die Geſamteinnahmen ergaben
eine Summe von 53 282,54 Mk. Die 25 Frauenvereine
brachten außerdem 9538,27 Mk. auf, an Zinſen gingen
5803,08 Mk. ein, von auswärtigen Hauptvereinen und
dem Zentralvorſtand floſſen 12257 Mk. der heſſiſchen Dia=
ſpora
zu. Guſtavsburg wurde auf der Jahresverſamm=
lung
in Poſen mit einer Liebesgabe von 7241 Mk. bedacht
Die Geſamtverwendungen des heſſiſchen Hauptvereins ſeit
ſeinem Beſtehen betrugen 2 258809,12 Mk.
Bei der Erſatzwahl des Vorſtandes wurden
die ſatzungsmäßig ausſcheidenden Mitglieder wieder, Herr
Finanzrat Römheld=Mainz neu gewählt. Der dem Ver=
waltungsrat
vorgelegte, vom Vorſtand ſchon vorher mit
den Diaſporageiſtlichen ſorgfältig durchberatene Unter=
ſtützungsplan
für 1913 wurde nach wenigen kurzen Erläu=
terungen
genehmigt. Danach fließen zu: Dem Zentral=
vorſtand
in Leipzig 6000 Mk., der Heſſiſchen Diaſpora
20000 Mk., Gemeinden außerhalb Heſſens 6100 Mk. Pfar=
rer
Allwohn=Nauheim tritt warm für ein Liebeswerk im
äußerſten Süden der deutſch=evangeliſchen Diaſpora, für
das Kinderheim in Grado in Oeſterreich ein und erklärt
ſich bereit, auf Zweigvereinsfeſten von ſeinen eigenen Er=
lebniſſen
dort zu berichten. Die Zinſen des Hubenſchen
Legats werden Heidesheim zugeſprochen, Gau=Algesheim,
Guſtavsburg und Herbſtein werden für die Feſtkollekten
des nächſten Jahres empfohlen. Zu Abgeordneten zur

Hauptverſammlung des Geſamtvereins in Kiel werden
beſtimmt Dekan Bayer und Pfarrer Wagner, während der
Vorſitzende als Mitglied des Zentralvorſtandes dieſer Tag
ung beiwohnen wird. Auf freundliche Einladung der Ge=
meinde
Wörrſtadt wird der Verein ſein nächſtes Jahres=
feſt
dort feiern. Der Feſtgottesdienſt am heutigen Tage
hatte wieder unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde
Bensheim einen ſo ſtarken Beſuch aufzuweiſen, daß Viele
wegen Platzmangels vor der Kirche umkehren mußten.
der Feſtprediger, Pfarrer Eſchenröder=Worms, ſchilderte
im Anſchluß an 1. Kor. 15, Vers 58 den Guſtav=Adolf=
Verein als ernſten Mahner zu unerſchütterlicher evangeli=
ſcher
Glaubenstreue, zu unermüdlicher evangeliſcher Lie=
besarbeit
, zu ſiegesgewiſſer evangeliſcher Hoffnung. Als=
dann
überbrachte Pfarrer Dingeldey=Darmſtadt die
Grüße des Heſſiſchen Hauptvereins und zugleich Grüße
und Glückwünſche des Zentralvorſtandes in Leipzig. Der
Guſtav=Adolf=Verein iſt dankbar, daß er ſeine diesjährige
Jahresverſammlung im Zeichen der heutigen Doppelfeier
halten darf. Hier ſind wir im Herzen unſeres Arbeits=
feldes
. Wir brauchen unſere Arbeit nicht zu rechtfertigen
Aber wenn vor 25 Jahren der damalige Präſident der Ge=
meinde
wünſchte, daß ſie wachſe, können wir das ſowohl
von der Feſtgemeinde wie von dem Verein dankbar feſt=
tellen
. Dabei ſenden wir all denen, die einſt hier gewirkt
haben, einen dankbaren Gruß übers Grab hinaus. In=
zwiſchen
iſt dieſe Gemeinde, das zeigen ihre Einrichtungen,
gewachſen nicht nur an Zahl, ſondern an Leiſtungsfähig
keit. Die Zahl der heſſiſchen Diaſporagemeinden und die
Summe, der für ſie verwendeten jährlichen Beiträge iſt faſt
auf das doppelte geſtiegen. Das iſt die große und ſchöne
Miſſion der Diaſporagemeinden, daß ſie vor anderen ihre
Glieder lehren, evangeliſche Art zu ſchätzen und zu ver=
treten
, und daß ſie hierdurch Pflanzſtätten, Seminarien
werden, aus denen die evangeliſche Kirche ihre beſten
Kräfte zieht. Möge die evangeliſche Gemeinde Bensheim
eine ſtets wachſende Diaſporagemeinde bleiben, dem Lande
und der evangeliſchen Landeskirche zum Segen!
Namens des Großh. Ober=Konſiſtoriums übermittelte
Prälat D Dr. Flöring der Heſſiſchen Guſtav=Adolf=
Stiftung herzliche Grüße. Die evangeliſche Kirche ſei ſtolz
auf ihren Guſtav=Adolf=Verein und ſie könne ſich auf ihn
verlaſſen. Was, abgeſehen von der materiellen Unter=
ſtützung
, ſeine Hilfe ſo ungemein wertvoll mache, das ſei
der geiſtige, ideale Gehalt, gleichſam die Seele, die dieſer
Unterſtützung hilfsbedürftiger Gemeinden durch die Glau=
bensgenoſſen
innewohnt. Es entſtebe ein innerer Rap=
port
, der für die Exiſtenzkämpfe ſo mancher kleinen Ge=
meinde
von großer Bedeutung ſei. Aber das Schenken
habe auch ſeine Gefahren. Der Verein habe dieſe über=
wunden
, indem er die finanzielle Leiſtungsfähigkeit jeder
Gemeinde ſorgfältig prüft und damit Selbſttätigkeit und
rege Pflichterfüllung fordert. Dadurch wirke er in rechter
Weiſe erzieheriſch. Aus eigener Erfahrung mit manchen
Guſtav=Adolf=Gemeinden ſpricht Redner es aus: Es iſt
geſegnete und erfolgreiche Arbeit, die der Verein tut, es iſt
viel fröhlicher Eifer und ſchönes Leben in dieſen Gemein=
den
, und manche alte evangeliſche Gemeinde könne ſie dar=
um
beneiden. Das Beſte aber daran ſei, daß die Vereins=
arbeit
lebendige Menſchenſeelen in Bewegung bringe zu
dem Ewigen hin. Mit dem Wunſche geſegneter Weiter
arbeit ſchloß der Redner.
Zur Erhöhung der Feier trugen verſchiedene, von dem
Bensheimer Kirchengeſangverein unter Leitung des Herrn
Reallehrers Mohr dahier und unſerer Chorſchule, unter
Leitung des Herrn Lehrers Müller=Bensheim meiſter=
haft
vorgetragenen Chöre in hohem Maße bei.

Ein Feſtmahl im Deutſchen Haus hielt in fröhlicher
Stimmung noch etwa 150 Gäſte zuſammen. Aus der gro=
ßen
Reihe der Trinkſprüche erwähnen wir nur die des
Vorſitzenden auf Kaiſer und Großherzog, des Präſidenten=
des
Ober=Konſiſtoriums D. Nebel auf die Feſtſtadt Bens=
heim
, des Kirchenvorſtandsmitglieds Profeſſor Dr. Biel
auf die Stifter, Künſtler, Leiter und Ausführenden, die
unſere Kirche in wundervoller Weiſe ausgeſchmückt haben.
Trotz der zunächſt ungünſtigen Witterung hat das Feſt, das=
nun
hinter uns liegt, einen erhebenden Verlauf genom=
men
. Wohl 3800 Menſchen haben an ihm hier und in
Heppenheim teilgenommen.

Handel und Verkehr.

H. Frankfurt a. M. 1. Juli. ( Fruchtmarkt=
bericht
.) Der Wochenmarkt verkehrte mangels jeder Ans
regung in ſehr ruhiger, aber matterer Haltung. Für Land=
weizen
in guter Qualität beſteht noch einige Frage, wähs
rend die minderwertigen Sorten faſt unverkäuflich ſind
Landroggen und Hafer blieben behauptet, auch hier waren
die Umſätze beſchränkt. Gerſte und Mais faſt geſchäfts=
los
. Für Futtermittel und Mehl zeigen die Forderungen
keine Preisänderung. Der Mannheimer Getreide=
markt
iſt ſchwach. An der Berliner Produkten=
börſe
war Weizen etwas feſter, da wegen der ungün=
ſtigen
politiſchen Lage die Abgeber ſich zurückhalten. Rog=
gen
ſchloß hingegen ½ Mark niedriger. Hafer ebenfalls
ſchwächer, auf ſtacke Andienungen, die jedoch faſt ſämt=
lich
kontraktlich waren. Nach den letzten Kabelmeldungen
von den amerikaniſchen Getreidemärkten
(Chicago und Neu=York) waren Weizen und Mais wäh=
rend
des ganzen Verkehrs und bis zum Schluß williger
bei Preisrückgängen bis ¾ Cents. Günſtige Erntereſul=
tate
, größere Zufuhren im Innern des Landes und mat=
tere
nordweſtliche Produktenmärkte bei enttäuſchender
Nachfrage des Publikums beeinflußten vorwiegend dier
Stimmung. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort in die=
ſer
Woche von 37,15 Mill. Buſh. auf 33,36 Mill. Buſh. zu=
rückgegangen
, hingegen die Maisvorräte von 9,66 Mill.
Buſh. auf 11,48 Mill. Buſh. geſtiegen. Die Weizenvorräte
in Kanada haben in dieſer Woche eine Abnahme von 11,40
Mill. Buſh. bei 11,06 Mill. Buſh. erfahren.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt: Wei=
zen
hieſiger und Wetterauer 20,7521, Nordd. 20,75 bis
21, Kurheſſiſcher 20,7521, Ruſſiſcher 2324,25 Laplata
22,2523,50, Rumäniſcher 2324,25, Kanſas 22,2523,50,
Manitoba 22,5023,50, Redwinter 22,5023,50, Walla
Walla 22,5023,50: Roggen, hieſiger 1717,25 Bayeri=
ſcher
17,1017,30, Ruſſiſcher 17,2517,75, Rumäniſcher 17,25
bis 17,75, Amerikaniſcher 17,5017,75; Gerſte, Pfälzer
17,1518, hieſige und Wetterauer 1718, Riedgerſte 17,50
;Hafer,
bis 18, Fränkiſche 17,5018, Ungariſche
hieſ. 18,5019, Bayeriſcher 18,5019, Ruſſiſcher 18,5021
Rumäniſcher 18,5021, Amerikaniſcher 17,7518,75;
Mais mixed 14,2514, Ruſſiſcher 14,7014,90, Donau=
mais
14,7514,90, Rumäniſcher 14,7014,90, Laplata 14,60
bis 14,75, Weißer Mais 14,7514,80, Weizenſchalen 8,75
bis 9, Weizenkleie 8,759, Roggenkleie 1010,50, Futters
mehl 1214, Biertreber, getrocknet, 12,5013, Futtergerſte
15,5015,75. Weizenmehl, hieſiges, Baſis ab Mannheim,
Nr. 0 31,2531,50, feinere Marken 31,7532, Nr. 1 30,25
bis 30,50 bzw. 30,7531, Nr. 2 2828,25 bzw. 28,5028,75,
Nr. 3 2727,25 bzw. 27,5027,75, Nr. 4 2323,25, bzw.
23,5023/75. Roggenmehl hieſiges, Nr. 0 25,2525,50
Nr. 1 2323,25, Nr. 2 21,5021,75.

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