Darmstädter Tagblatt 1913


01. Juli 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 34 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die Kaiſexin iſt geſtern in Kiel eingetroffen.
Der Reichstag nahm geſtern den Antrag auf
Wiederherſtellung der Regierungsvorlage, betr. die
Schaffung von 6 neuen Kavallerie= Regimen=
tern
, gegen die Stimmen der Polen, Elſäſſer, Sozial=
demokraten
und Fortſchrittler, und ſodann die Wehr=
vorlage
endgültig an: die Beſtimmungen, betr.
dieSteuerpflicht der Bundesfürſten, wurden
mit 195 gegen 169 bei 8 Stimmenthaltungen abgelehnt.
Sodann nahm der Reichstag in namentlicher Ab=
ſtimmung
den Wehrbeitrag gegen die Stimmen
der Polen und Elſäſſer, ſowie die Beſtimmungen, betr.
Aenderungen im Finanzweſen, gegen die
Stimmen der Sozialdemokraten, Polen, Elſäſſer und
Welfen an. Die Beſitzſteuer wurde in namentlicher
Abſtimmung mit 280 gegen 63 Stimmen bei 29 Enthal=
tungen
angenommen. Damit ſind die Wehr= und
Deckungsvorlagen definitiv angenommen und der
Reichstag vertagte ſich bis zum 20. November.
Der Flieger Gilbert legte geſtern nachmittag den
Rückflug von London nach Paris ohne
Zwiſchenlandung in 3¼ Stunden zurück.
In Lüttich ſtürzte der Flieger Poriſot ab. Er und
zwei Perſonen wurden getötet und 78 Perſonen
ſchwer verletzt.
Im Zentrum und im Weſten der Vereinigten
Staaten, in Chicago, Cineinnati, Cleveland und
Toronto herrſcht eine furchtbare Hitze. 34 Perſonen
wurden vom Hitzſchlag getötet. Hunderte liegen
ſchwerkrank danieder. Die Ernte iſt gefährdet.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Reichsfinanzen.
Ein zeitgemäßes Thema.

S. Der zwölfte Abſchnitt der Reichsverfaſſung regelt
in den Artikeln 6973 die Reichsfinanzen. An Ein=
nahmen
aus dem aktiven Reichsvermögen fließen dem
Deutſchen Reich zu die Betriebsüberſchüſſe der
Reichseiſenbahnen, der Reichspoſt und Telegraphie und
der Reichsdruckerei, ſowie der Gewinnanteil bei der
Reichsbank; dazu treten die Einnahmen aus Zöllen
und indirekten Reichsſteuern. Letztere auf
Salz, Tabak und Zucker übernahm das Reich ſchon vom
Norddeutſchen Bund, hinzu kamen im Laufe der Jahre
Bier= und Branntweinſteuer; ferner traten als neue Ein=
nahmequellen
in den erſten Jahrzehnten des Reiches hinzu
die Stempelſteuern: der Wechſel=, Spielkarten= und der
vielgeſtaltige Börſenſtempel. 1900 kam der Frachturkun=
denſtempel
und 1902 die Schaumweinſteuer (als Bande=
roleſteuer
) hinzu. Außerdem brachte der Zolltarif von
1902 neue Einnahmequellen.
Neben dieſen Betriebseinnahmen, denjenigen aus
Zöllen, Verbrauchs= und Stempelſteuern, waren die
Reichsfinanzen aufgebaut auf den Matrikularbei=
trägen
der Bundesſtaaten, die als eine Art
Notbehelf, als allgemeiner Vorſchuß an das Reich bis zu
einer Ausgeſtaltung ſeines Finanzweſens, ſo lange
Reichsſteuern nicht eingeführt ſeien, ſubſidiären und pro=
viſoriſchen
Charakter haben ſollten; ſie waren eine reine
Kopfſteuer, auf die Einwohnerzahl umgelegt, ohne jede
Berückſichtigung der Leiſtungsfähigkeit. Die durch den
Zolltarif von 1879 begründete Erwartung hoher Zollein=
nahmen
als einer neuen Quelle für die Reichsfinanzen
ſchuf die Frankenſteinſche Klauſel, wonach die
Einzelſtaaten den Ertrag aus Zöllen und Tabak=
ſteuer
, der 130 Millionen Mark überſteige, als Ueber=
weiſungen
bekommen ſollten; im Laufe der Zeit wur=
den
unter dieſe Klauſel mit einbezogen auch noch die
Stempelabgaben und die Branntweinabgabe. Die Ueber=
weiſungen
ſollten die Einzelſtaaten entſchädigen für ent=
zogene
indirekte Beſteuerungsmöglichkeiten und anderer=
ſeits
eine Art Rückvergütung der Matrikularbeiträge dar=
ſtellen
, aber dieſe letzteren auf alle Fälle erhalten und feſt=
legen
, um die Reichsfinanzen in Abhängigkeit von den
Bundesſtaaten zu belaſſen. So wurde aus einer Zu=
ſchußpflicht
der Einzelſtaaten ein Dota=
tionsanſpruch
derſelben Staaten und bis zum Jahre
1892 ging das auch ganz gut, denn die Ueberweiſungen

an die Bundesſtaaten waren tatſächlich um 480 Millionen
höher als die Matrikularbeiträge aus den Bundes=
ſtaaten
; aber dann kam die Kehrſeite. Nach einigen Jah=
ren
gar keiner oder minimaler Leiſtungen überſteigen ſeit
1899 die Matrikularbeiträge bei weitem die Ueberweiſun=
gen
, die zurückfloſſen, und damit geriet in die bundes=
ſtaatlichen
Etats, die wohl die Matrikularbeiträge
vorauszahlen mußten, aber nicht wußten, was an Ueber=
weiſungen
zurückfließen werde; eine übergroße Unſicher=
heit
, während gleichzeitig durch die Ueberweiſungen die
Reichsſchulden ſtiegen (18831893 im ganzen 480
Millionen Ueberweiſungen und 1322 Millionen Reichs=
ſchulden
, die 1896/1897 ſchon 2141, 1906 über 3500 und
1910 mehr als 4556 Millionen betrugen, die weit über 100
Millionen Mark Zinſendienſte erforderten). Gleichzeitig
waren die Fehlbeträge zu Beginn des 20. Jahr=
hunderts
im Reichshaushalt mächtig gewachſen: von 25
Millionen in 1900 auf 73,8 Millionen in 1905 und über
130 Millionen im Jahre 1906.
Reformverſuche an dieſem gänzlich unhaltbaren, weil
ungenügend in ſeinen Einnahmequellen gegründeten
Reichsfinanzſyſtem wurden ſchon 18961899 durch die ſo=
genannten
Leges=Lieber gemacht, die eine Verminderung
der Reichsſchuld anſtrebten, aber mit ganz geringen Aus=
nahmen
nie erreichten. Die ſogenannte Kleine
Reichsfinanzreform des Freiherrn v. Stengel
1904 war nur eine formale Reform, die Aenderungen in
den Ueberweiſungen vornahm und die Matrikularbeiträge
verewigte, indem aus der Reichsverfaſſung der Paſſus:
ſolange Reichsſteuern nicht eingeführt ſind geſtrichen
wurde Aber neue Einnahmequellen erſchloß dieſe Reform
dem Reich nicht.
Die Finanzreform von 1906 griff zum
erſtenmal in dieſer Richtung ein angeſichts eines Mehr=
bedarfs
des Reichs von rund 250 Millionen Mark. Die
Brauſteuer wurde erhöht, die Zigarettenſteuer
eingeführt (neben Zollerhöhung für Zigarettentabak),
ebenſo die Fahrkartenſteuer, der Kraftwagen=
ſtempel
, die Reichserbſchaftsſteuer und die
Tantiemenſteuer; daneben wurden gleichzeitig der
Frachturkundenſtempel und das Ortsporto erhöht.
Aber all das ergab nur 180 Millionen Mark. Auch an
die Matrikularbeiträge wagte ſich dieſe Reform;
es ſollte zum Schutz der Bundesſtaaten ein Höchſtmaß
von ungedeckten Matrikularbeiträgen feſtgeſetzt werden
auf 40 Pf. pro Kopf, doch lehnte dies der Reichstag ab,
während er die Stundung der Matrikularbeiträge ein=
führte
und ab 1908 eine Tilgung der Reichsſchuld mir
Prozent beſchloß. Der Erfolg davon waren ſogleich
57 Millionen Mark ungedeckte Matrikularbeiträge, ſie
wurden in den folgenden Jahren 19061909 geſtundet‟
und beliefen ſich am Schluß auf 207 Millionen Mark. Ob=
wohl
die Reichsregierung während der Reichstagswahlen
1907 verkündet hatte, neue Steuern haben keine Eile,
brachte der neue Etat im November 1907 ein Defizit von
124 Millionen Mark.
Die letzte Finanzreform von 1908/1909
wurde über ihre finanzpolitiſche Bedeutung hinaus ein
politiſches Ereignis von ungemeiner Tragweite. Es er=
gab
ſich eine völlig neue Parteikonſtellation im Reichstag,
der 1907 unter dem Geſichtspunkt konſervativ=liberaler
Zuſammenarbeit gegen Zentrum und Sozialdemokratic
gewählt worden war. Die Reichsfinanzreform beendete
dieſe Stellung der Parteien zueinander, der Block zer=
ſiel
und die Reform wurde gegen Nationalliberale, Frei=
ſinnige
und Sozialdemokraten gemacht von Konſervativen,
Zentrum und Polen. Der Parteikampf drehte ſich darum,
wie der Mehrbedarf des Reichs von rund 500 Millionen
Mark gedeckt werden ſollte. Die Regierung ſelbſt dachte
ſich die Reform in einem weiteren Ausbau der Reform
von 1906, und zwar zunächſt in einer Erweiterung der
Reichserbſchaftsſteuer zu einer Nachlaßbeſteuerung
unter Heranziehung der Aſzendenten und Deſzendenten
(Eltern und Kinder). Die Linke des Reichstages ging da=
mit
völlig einig und der geſamte Liberalismus machte
ſeine Zuſtimmung zu der Reform davon abhängig, daß
von dem Mehrbedarf mit 500 Millionen mindeſtens ein
Fünftel durch eine ſolche direkte Reichsſteuer zu decken
ſei. Für die Erhöhung der Branntwein=, Bier= und Ta=
bakſteuer
war am eheſten noch eine Mehrheit zu haben,
dagegen fielen ſogleich die anderen Regierungsvorlagen
der Wein=, Elektrizitäts=, Gas= und Anzeigenſteuer. Dar=
auf
kam die Regierung mit neuen Vorlagen: ſtatt Nach=
laß
= eine Erbanfallſteuer, ferner Erhöhung des Wechſer=
ſtempels
, Effektenſtempels uſw. und neue Steuern auf
Grundſtücksumſatz, Feuerverſicherungsquittungen. Schecks
und Talons von Wertpapieren. Aber an dem geſchloſſenen
Widerſtand der Konſervativen und des Zeutrums (des

ſchwarz=blauen Blocks) ſcheiterte die Erweiterung der
Erbſchaftsſteuer, die vom Reichskanzler, Reichsſchatzſekre=
tär
und einzelſtaatlichen Finanzminiſtern als Eck= und
Grundſtein der Reform verteidigt worden war, und gegen
die Minderheit des Reichstages (Nationalliberale, Frei=
ſinn
, Sozialdemokratie) wurden als neue Gkund=
lagen
der Reichsfinanzen von Konſervativen,
Zentrum und Polen beſchloſſen: Erhöhung der Brannt=
wein
=, Bier= und Tabakabgaben, Erhöhung des Wechſel=
ſtempels
und der Börſen= (Effekten=uſw.) Stempel, Grund=
ſtückumſatzſtempel
, Scheckſtempel und Talonſteuer; ferner
noch aus der Initiative der Mehrheit heraus: Erhöhung
der Zölle auf Kaffee (von 40 auf 60 reſp. 85 Mark) und
Tee (von 25 auf 100 Mark), ſowie Banderoleſteuern auf
Beleuchtungskörper (Glühlampen, Bogenlampen, Glüh=
ſtrümpfe
uſw.) und die Zündholzſteuern. Damit war der
ganze Mehrbedarf des Reiches mit 500 Millionen Mark
wieder auf indirekte Abgaben gelegt, die vorab die ge=
werblichen
, kommerziellen und induſtriellen Kreiſe treffen.
Im. Verlauf dieſer Reformkämpfe, beſonders in der erſten
Hälfte des Jahres 1909, proteſtierten die Kreiſe des er=
werbstätigen
Bürgertums mit nie dageweſener Schärfe
gegen die bei der Steuerpolitik des ſchwarz=blauen
Blocks zutage getretene Wirtſchaftspolitik. Reichskanz=
ler
Fürſt Bülow, der dieſe Politik bis zuletzt bekämpft
hatte, nahm nach Vollendung der Reform, die er als Geſetz
nicht verantworten wollte, ſeine Entlaſſung.
Eine ganz eigentümliche Rolle ſpielten bei dieſer
Reichsfinanzreform die Matrikularbeiträge, die
verfaſ=
ja
ſeit 1904, ſeit der Lex Stengel, eine
ſungsmäßige Einrichtung geworden waren. In Höhe
von 207 Millionen Mark waren ſie den Einzelſtaaten ge=
ſtundet‟
. Ein Beſtreben, ſie zu binden, mißlang ebenſo
wie ihre Veredelung, d. h. ihre Feſtſetzung nicht nach
der Einwohnerzahl, ſondern nach der Leiſtungsfähigkeit
der Einzelſtaaten. Statt deſſen erhöhte man ſie von 40
auf 80 Pfg. pro Kopf und die 207 Millionen Mark geſtun=
deter
Matrikularbeiträge wurden ein Geſchenk an die
Bundesſtaaten, indem man für jene Stundungen be=
ſtimmte
: Sie ſind auf Anlehen zu übernehmen.
Als neueſte Reichsſteuer ſoll nun die Beſitz= bezw.
Vermögenszuwachsſteuer eingeführt werden.

Europa und die Balkankriſis.

* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung
ſchreibt in ihrer Wochenrundſchau: In der abgelaufenen
Woche machte Präſident Poincaré ſeinen amtlichen
Antrittsbeſuch in England. In den zwiſchen König
Georg und Poincaré gewechſelten Trinkſprüchen wurde
betont, daß die Entente cordiale ſich mit den übrigen
Großmächten in den Dienſt der europäiſchen Frie=
denspolitik
ſtellt. Den weſentlichen Teil der Lon=
doner
Unterredung zwiſchen den britiſchen und franzöſi=
ſchen
Staatsmännern wird die Erörterung der Balkan=
lage
gebildet haben, an deren friedlicher Entwirrung
die Mächte des Dreibundes mit Rußland, England und
Frankreich geduldig weiter arbeiten. Nach den letzten
Nachrichten ſcheint in Belgrad erfreulicherweiſe mehr
Stimmung für eine vorbehaltloſe Annahme des ruſſiſchen
Schiedsſpruches zum Durchbruch zu kommen. Das Nach=
laſſen
der Spannung im Balkanbunde und die Ausſicht auf
eine friedliche Begleichung der Streitpunkte ſtellte auch
Graf Stürgkh im Wiener Herrenhaus feſt. Sollten ſich
die Anzeichen einer entgegenkommenden Haltung Serbiens
für die in Petersburg zu eröffnenden Beſprechungen ver=
ſtärken
, würde die endgültige Beſchwörung der wiederholt
ernſtgewordenen Gefahr kriegeriſcher Verwicklungen zwi=
ſchen
den Balkanſtaaten wohl in Ausſicht ſtehen. Die
nächſten Tage müſſen Aufklärung über die Stellung Ser=
biens
zu der ſchiedsrichterlichen Löſung des Streites, wie
auch darüber bringen, ob Bulgarien und Griechenland
noch Vorbehalte zu machen wünſchen.
Das Wiener Fremdenblatt ſchreibt: Durch
zwei wichtige Kundgebungen wurde in der letzten Zeit die
Haltung der Monarchie gegenüber der neueſten Phaſe in
der Orientkriſe präjudiziert. Miniſterpräſident Graf
Tisza legte im ungariſchen Abgeordnetenhauſe und Mi=
niſterpräſident
Graf Stürgkh im öſterreichiſchen Herren=
hauſe
die Geſichtspunkte der auswärtigen Politik
der Monarchie dar. Uebereinſtimmend kam in beiden Re=
den
das Recht der Balkanſtaaten zum Ausdruck, ihre An=
gelegenheiten
aus eigener Machtvollkommenheit zu ord=
nen
. Beide ſprachen die Hoffnung aus, daß Serbien und
Bulgarien ſich auf einen friedlichen Weg zur Entwirrung
des Streites begeben. Unſere Genugtuung darüber wird
noch geſteigert dadurch, daß eine von beiden Ländern bis=

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151

her zugunſten der Durchführung einer friedlichen Politik
unternommenen Schritte aus der eigenen Entſchließung
hervorgingen. Damit iſt zugleich geſagt, daß wir in einer
wie immer gearteten Beeinträchtigung der Entſchließungs=
freiheit
der Balkanſtaaten eine unzuläſſige Inter=
vention
erblicken müßten. Die Balkanſtaaten haben
alſo vollkommen freie Hand. Die Monarchie geſtattet nicht
nur, ſie verlangt dieſe unbehinderte freie Entwicklung. Sie
wird aber das Ergebnis aus dem Geſichtspunkt überprü=
fen
, ob es unſere Rechte und Intereſſen präjudiziert, und
einen entſprechenden Einfluß ausüben. Die Monarchie
wird ſich hierbei von ihrer traditionellen Sympathie für
die Balkanſtaaten und von dem Wunſche nach freund=
ſchaftlich
geſicherten Beziehungen zu ihnen leiten laſſen.
Das Blatt beſpricht ſodann die Stelle in der Rede des
Grafen Stürgkh, in der er ausgeführt hat, wie ein wirk=
ſames
Verhältnis der Balkanſtaaten zur Monarchie er=
reichbar
iſt, und erklärt: Die Vorausſetzung beſteht darin,
daß die Balkanſtaaten zur Einſicht gelangen, daß
ſie ihren Intereſſen am beſten dienen, wenn ſie künftig ſich
den eigenen Aufgaben des nationalen Lebens widmen.
Hierdurch würden ſie die Gefahren paralyſieren, welche
durch das Verſchwinden der Türkei aus Europa hervor=
gerufen
werden könnten. Es läßt ſich nicht überſehen, daß
die Gefahren tatſächlich eintreten würden, wenn die Bal=
kanſtaaten
ſich zum Werkzeug der auf eine Verſchie=
bung
des europäiſchen Gleichgewichts ab=
zielenden
Beſtrebungen gebrauchen ließen. Auf alle Fälle
würde es gut ſein, wenn man auf dem Balkan die freund=
ſchaftliche
Mahnung der beiden Miniſterpräſidenten nicht
überhört.
Der Unterſekretär im engliſchen Auswärtigen Amt
Acland erklärte in dem Jungliberalen Klub in London
in einer Rede, alle Welt erwarte jetzt den Augenblick, wo
die Balkanverbündeten ſich in ein freundſchaft=
liches
Einvernehmen ſetzen würden, um die Schäden des
Krieges zu heilen und die neuen Gebiete zur Entfaltung
zu bringen. Das Ergebnis der Balkanereigniſſe ſei, daß
die guten Beziehungen der Großmächte zu=
einander
ſich noch gebeſſert hätten. Die Tat=
ſache
, daß dem Staatsſekretär Sir Edward Grey vom
deutſchen Reichskanzler die größte Anerkennung gezollt
werde, müſſe alle alarmierenden Gerüchte über einen an=
geblich
unvermeidlichen Krieg zwiſchen beiden Ländern,
deren Beziehungen ausgezeichnet ſeien, von ſelbſt zer=
ſtreuen
.

Deutſches Reich.

Die Aufhebung der Loſung bei der
Aushebung. Gleichzeitig mit dem Entwurf eines
Reichs= und Staatsangehörigkeitsgeſetzes iſt vom Reichs=
tag
auch ein Entwurf zur Abänderung des Reichsmilitär=
geſetzes
, ſowie des Geſetzes, betr. Aenderungen der Wehr=
pflicht
vom Jahre 1888, angenommen. Hiermit erfährt
die bisherige Aushebung von Militärpflichtigen eine
grundlegende Aenderung. Das jetzt geltende Syſtem der
Ausloſung iſt aufgehoben. Nach § 13 des Reichsmilitär=
geſetzes
wird gegenwärtig die Reihenfolge, in der die
Militärpflichtigen eines Jahrganges ausgehoben werden,
in jedem Aushebungsbezirk durch das Los beſtimmt. Ein
Abweichen von der Nummerfolge iſt nur zuläſſig, ſoweit
die erforderliche Anzahl der Rekruten für die Spezial=
waffen
, an die beſondere Anforderungen geſtellt werden
müſſen, innerhalb der vorangegangenen Nummern nicht
zu finden iſt. Dieſe Beſtimmung machte es unmöglich,
Wünſche von Militärpflichtigen zu berückſichtigen, die ein
Intereſſe an einer ſofortigen Einſtellung haben. Bei
Auslandsdeutſchen beſteht beiſpielsweiſe vielfach der
Wunſch, wenn ihre Tauglichkeit feſtgeſtellt iſt, möglichſt
bald auch eine Entſcheidung zu erhalten, ob und wo ſie
ſich zum aktiven Dienſt zu ſtellen haben. Die zunehmende
Entwicklung der techniſchen Truppen macht es auch in ſtei=

gendem Maße notwendig, zugunſten ihres Erſatzes von
der Reihenfolge der Losnummern abzuweichen. Das
ganze Syſtem der Loſung iſt alſo heute keine zeitgemäße
Einrichtung mehr. Sie erſchwert das Erſatzgeſchäft ſehr
erheblich und führt geradezu zu ungerechtfertigten Härten,
indem völlig taugliche Leute infolge ihrer Losnummer
vielfach drei Jahre lang in Unſicherheit bleiben, ob ſte
noch eingeſtellt werden oder nicht. Aus dieſen Gründen
iſt jetzt der Grundſatz der Loſung überhaupt aufgegeben,
und dagegen gilt als maßgebend für die Reihenfolge, in
der die Militärpflichtigen auszuheben ſind, nur die Taug=
lichkeit
. Auch von der Reihenfolge nach der Tauglichkeit
werden aber Abweichungen zugelaſſen werden, ohne daß
dadurch eine Ungerechtigkeit für die Militärpflichtigen in
Frage kommt. In erſter Linie ſollen die im Ausland be=
findlichen
Militärpflichtigen berückſichtigt werden, wenn
ſie den Wunſch haben, ſofort eingeſtellt zu werden. Fer=
ner
wird von der Reihenfolge abgewichen werden zu=
gunſten
von Militärpflichtigen im Inland, die aus per=
ſönlichen
Gründen ihre ſofortige Einſtellung wünſchen.
Für die Spezialwaffen wird auch fernerhin bei der Aus=
wahl
des Erſatzes nicht nur nach dem allgemeinen Taug=
lichkeitsmaßſtab
die Auswahl erfolgen.
Die Reichstags=Nachwahl in Zauch=
Belzig findet am 2. Juli ſtatt. Herr von Oertzen
(Reichspt.) bewirbt ſich wieder um das ihm aberkannte
Mandat. Nach Lage der Dinge iſt eine Stichwahl unver=
meidlich
. Bei der Hauptwahl im Jahre 1912 erhielten
v. Oertzen (Reichspt.) 11044, der fortſchrittliche Kandidat
9226 und der Sozialdemokrat 13367. In der Stichwahl
wurde der Reichsparteiler mit 16942 Stimmen gegen den
Soztaldemokraten gewählt, der 16652 Stimmen erhielt.
Ein Verſehen des Zentrums. Es hat
ein ziemliches Aufſehen gemacht, daß der Reichstag die
Steuerfreiheit der Bundesfürſten aufzuheben beſchloß, und
zwar durch eine Mehrheit, der ein großer Teil des Zen=
trums
angehörte. Bei dem großen Gewicht, das die ver=
bündeten
Regierungen nun einmal auf dieſes Privileg
der Fürſten legen, bedeutete dieſer Beſchluß des Reichs=
tages
immerhin noch eine Klippe dicht vorm Hafen. Aber
jetzt erklärt die Germania zur allgemeinen Beruhigung,
der Antrag der Linken, der die Steuerpflicht der Fürſten
in das Vermögenszuwachsſteuergeſetz hineinſchreibt, ſei
anſcheinend durch ein Verſehen eines Teils des Zen=
trums
zur Annahme gelangt.
Italieniſch=deutſche Kameradſchaft.
Zwiſchen den Offizieren der in Kiel ankernden italieni=
ſchen
Schiffe Trinacria und Amalfi und denen der
deutſchen Kriegsſchiffe entwickelte ſich ein herzlicher und
kameradſchaftlicher Verkehr, wie er insbeſondere durch die
gegenſeitigen Beſuche der Offiziersmeſſen zum Ausdruck
kommt. Zahlreiche Einladungen zu Bordfeſtlichkeiten und
anderen Veranſtaltungen gingen dem italieniſchen Offi=
zierkorps
zu, denen gern entſprochen wurde. So war das
Offizierkorps der Jacht Trinacria und des Kreuzers
Amalfi bei dem am Samstag vom Stationschef Admiral
Coerper in der Admiralität gegebenen Gartenfeſt überaus
zahlreich vertreten. Der gleiche herzliche Verkehr iſt zwi=
ſchen
den Mannſchaften zu beobachten. Am Montag ver=
anſtaltete
die Stadt Kiel zu Ehren der italieniſchen Unter=
offiziere
und Mannſchaften eine Feſtvorſtellung im Reichs=
hallentheater
.

Ausland.

Frankreich.
Die Ergebniſſe von Poincarés Eng=
landreiſe
. Bei Beſprechung der Ergebniſſe der Lon=
doner
Reiſe Poincarés und Pichons macht man einen
ſcharfen Unterſchied zwiſchen den für die Gegenwart wich=
tigen
franzöſiſch=engliſchen Vereinbarungen und der all=
gemeinen
Erörterung über Zukunftsfragen der großen Po=
litik
. Uebereinſtimmend betonen die Pariſer Blätter, daß

von ſeiten Poincarés und Pichons zunächſt keine öffent=
lichen
Mitteilungen über die großen Ziele der auswärti=
gen
Politik der Entente cordiale zu erwarten wären. Das
Parlament und die Wählerſchaften müßten eben Vertrauen
zu den eminent friedlichen Abſichten der beiderſeitigen lei=
tenden
Staatsmänner haben. Anders verhalte es ſich mit
den poſitiven Ergebniſſen über die augenblicklichen In=
tereſſenfragen
, die in den Beſprechungen Poincarés und
Pichons mit Sir Edward Grey und deſſen Stellvertreter
Nicolſon ihrer Löſung nahegebracht wurden. Von dieſen
Vereinbarungen werde man die Oeffentlichkeit bald genug
unterrichten. Vorher gelte es, den beteiligten Kabinetten
davon Kenntnis zu geben, z. B. der Madrider Regierung
und den übrigen Algecirasmächten, ſoweit das Statut von
Tanger in Frage kommt. Sir Edward Grey behalte ſich
vor, der Londoner Botſchafterkonferenz nach ihrem Wieder=
zuſammentreten
am 1. Juli neue Mitteilungen über die
Stellungnahme der Entente cordiale zu den ſchwebenden
Balkanfragen zugehen zu laſſen.
Der Mangelan Offizieren in der Kriegs=
marine
iſt bei der Zuſammenſetzung des Stabes des
neuen Dreadnoughts Jeanne d’Arc zutage getreten. Das
Schiff hat anſtatt der vom Marineminiſter vorgeſchrie=
benen
drei Artillerieſchiffsleutnants nur zwei und anſtatt
der dreizehn Schiffsfähnriche nur acht erhalten können.
Die Fahnenflüchtigen des franzöfiſchen
Heeres. In einem Artikel der Revue des deux Mondes,
Die Hetze gegen das Vaterland betitelt, wird dargelegt,
daß die Zahl der Geſtellungspflichtigen, die ſich dem=
Dienſt entzogen, und der Deſerteure, die im Jahre 1909
63370 betrug, im Jahre 1911 auf 76 723 geſtiegen ſei. Dieſe
Zunahme hänge ſichtlich mit dem Einfluß zuſammen, den
die Anarchiſten in den Arbeitervereinigungen gewonnen
hätten. Ueberdies ſei feſtgeſtellt worden, daß die anar=
chiſtiſch
geſinnten Syndikaliſten während der deutſch= fran=
zöſiſchen
Kriſe im Jahre 1911 es zuwege gebracht hätten,
in den Regimentern gerade in jene Poſten ſich einzuſchlei=
chen
, die zur Sabotage der Mobiliſierung am geeignetſten
ſchienen. Frankreich müſſe gegen dieſe Gefahren unver=
züglich
und um jeden Preis geſchützt werden. Was nützt
es, vom franzöſiſchen Volke gegen die Gefahren von außen
eine ſo ſchwere militäriſche Anſtrengung zu verlangen, wenn
die nationale Verteidigung durch den Verrat der Sabo=
teure
in der Stunde der Gefahr mit einem Dolchſtoß.
meuchlings lahmgelegt werden ſoll?
Maßregelung eines Hochſchullehrers.
Der Miniſterpräſident und Unterrichtsminiſter Barthou
annullierte die Ernennung des Philologen Paul Paſſy
zum außerordentlichen Profeſſor an der Schule der hohen
Studien, weil derſelbe in einer Zeitſchrift einen heftigen
Artikel gegen die dreijährige Dienſtzeit veröffentlicht hatte.
Ueber die Abſetzung Paſſys äußerte ſich Barthou zu einem
Berichterſtatter: Ich kann wahrhaftig an einer Hochſchule
nicht einen Lehrer wirken laſſen, der einen Artikel ver=
öffentlicht
hat, in dem zur Maſſendeſertion und zur Re=
volte
aufgefordert wird. Ich fürchte keinerlei Anfragen,
im Gegenteil, wenn ich dieſe Maßregelung unterlaſſen
hätte, wäre ich in großer Verlegenheit geweſen, eine
Interpellation über die Gründe einer ſo nachſichtigen Hal=
tung
zu beantworten.
Vereinigte Staaten.
Die ſchiedsgerichtlichen Verträge mit
Japan, Schweden und Portugal, die vor ihrem Ablauf
ſtanden, ſind durch Protokolle, die von Bryan und den
betreffenden Botſchaftern unterzeichnet worden ſind, ver=
längert
worden.
Der Plan der Auflöſung der Fuſion der
Union=Pacific=Bahn, der mit Billigung des Prä=
ſidenten
zwiſchen dem Generalſtaatsanwalt und den Be=
amten
der Bahn zuſtande kam und der dem Bundesgericht
in St. Paul vorgelegt werden wird, iſt jetzt veröffentlicht
worden. Er deckt ſich mit der Veröffentlichung vom letz=

Himmelserſcheinungen im Zuli.

A. K. Bisher, im letzten Drittel des Juni noch kaum merk=
lich
, von nun an, im Juli, aber deutlich ſichtbar, ver=
kleinern
ſich die täglichen Kreiſe des Tagesgeſtirns, das
ſich ſeit dem 22. Juni, dem Sommersanfang, unaufhalt=
ſam
wieder nach Süden wendet. Noch 23% 9 beträgt am
1. Juli die nördliche Abweichung der Sonne vom
Himmelsäquator; auf 18 23 wird ſie am 31. Juli ſchon
herabgeſunken ſein. Im gleichen Sinne verändert ſich
die Mittagshöhe der Sonne, nämlich für den Pa=
rallel
von 54 (Norddeutſchland) von 59% 9' am 1. bis auf
54 23 am 31. Juli, für den Parallel von 51 ( Mittel=
deutſchland
) von 62 9' am 1. bis auf 57 23' am 31. Juli
und für den Parallel von 48 (Süddeutſchland und Nord=
öſterreich
, etwa die Breite von Wien) von 65% 9' am 1. bis
auf 60% 23' am 31. Juli. Dadurch nimmt die Länge der
Tage ab im nördlichen Gebiet von 17 auf 15½ Stunden,
im mittleren Gebiet von 16½ auf 15¼ Stunden und im
ſüdlichen Gebiet von 16 auf 15 Stunden. Die noch ſehr
langen Morgen= und Abenddämmerungen dehnen jedoch
die Dauer der Tageshelligkeit immer noch erheblich aus.
Allmählich, im Süden zuerſt, im nördlichſten Deutſchland
aber erſt Anfang Auguſt, verſchwindet auch die mitter=
nächtige
Dämmerung.
In ihrer Jahresbahn erlangt die Erde am 4. Juli
den größten Abſtand von der Sonne: 152 Millionen
Kilometer; die Exzentrizität ihrer Bahn beträgt gegen=
wärtig
0.01675, nimmt aber für die nächſten Jahrtau=
ſende
noch ein wenig ab.
Mit dem Uebertritt der Sonne in das Zeichen des
Löwen am 23. Juli beginnt die Zeit der Hunds=
tage
; ſie währt bis zum Uebertritt der Sonne in das
Zeichen der Jungfrau am 23. Auguſt. Das Geſtirn,
deſſen Frühaufgange vor der Sonne die Hundstage ihren
Namen verdanken, der Hundsſtern oder Sirius im Bild
des Großen Hundes iſt jedoch in unſeren Breiten in
dieſer Zeit noch nicht zu beobachten; er ſteigt erſt im Herbſt
am ſüdöſtlichen Himmel empor und bildet während des
ganzen Winters eine Zierde des Firmaments.
Unſer Mond zeigt im Juli folgenden Geſtaltwechſel:
Neumond am 4. um 6 Uhr 6 Minuten vormittags, Erſtes
Viertel am 10. um 10 Ahr. 37 Minuten nachmittags, Voll=

mond am 18. um 7 Uhr 6 Minuten vormittags, und Letz=
tes
Viertel am 26. um 10 Uhr 59 Minuten vormittags.
Der Mond befindet ſich am 7. Juli um 1 Uhr vormittags
in ſeiner Erdnähe bei einem Abſtande von 57.2 und am
22. Juli um 8 Uhr nachmittags in ſeiner Erdferne bei
einem Abſtande von 63.5 Erdhalbmeſſern à 6378 Kilo=
meter
.
Die Beobachtungsverhältniſſe der großen Pla=
neten
liegen im Juli trotz der noch kurzen und hellen
Nächte recht günſtig. Venus, Mars und Saturn ſchmük=
ken
den Morgenhimmel, und Jupiter bleibt während der
ganzen Nacht ſichtbar. Merkur der am 7. Juli
um 4 Uhr nachmittags ſeine größte öſtliche Ausweichung,
26 12', von der Sonne erreicht und im erſten Monats=
drittel
etwa eine Stunde nach der Sonne untergeht, bleibt
dennoch dem bloßen Auge in der hellen Abenddämmerung
verborgen. Er nähert ſich bereits wieder ſeiner unteren
Konjunktion, ſo daß er ſich auch der Erde von 0.94 bis
auf 0.59 Einheiten, d. h. Erdbahnhalbmeſſern à 149.48
Millionen Kilometer, nähert. Venus ſtrahlt als
Morgenſtern im Bilde des Stiers anfänglich von 2 Uhr
zuletzt ſchon von 1¼ Uhr an über dem Oſthorizont. Am
4. Juli, um 5 Uhr vormittags, erreicht ſie ihre größte
weſtliche Elongation, 45 44. Da ihre nördliche Ab=
weichung
vom Aequator recht bedeutend iſt und von 15½
am Monatsanfang noch bis auf faſt 21 am Monatsſchluß
anwächſt, ſteigt Venus im Juli hoch empor. Ihr Erd=
abſtand
nimmt von 0.68 bis auf 0.92 Einheiten ( Erd=
bahnradien
) zu, ihr ſcheinbarer Durchmeſſer demgemäß
von 24.5 bis auf 18.1 ab. Am 17. Juli um 8 Uhr vor=
mittags
hat Venus eine Konjunktion mit Aldebaran im
Stier (Venus nördlich), am 22. Juli um 2 Uhr vor=
mittags
eine ſolche mit Saturn (Venus ſüdlich) und am
30. Juli um 8 Uhr vormittags eine ſolche mit dem Mond
(Venus ſüdlich); während des ganzen letzten Julidrittels
bietet der frühe Morgenhimmel alſo ſelten ſchöne Kon=
ſtellationen
. Mars der um Monatsmitte aus dem
Bilde des Widders in das des Stiers übertritt, wird
im Juli zuſehends heller; er geht anfänglich gegen 1 Uhr,
zuletzt ſchon um Mitternacht auf. Man findet ihn ſehr
leicht, da er in den erſten Julitagen mit Venus und Alde=
baran
etwa eine gerade Linie bildet und von den drei
Geſtirnen das weſtlichſte (rechts) iſt; auch ſein rotes Licht
macht ihn ſofort kenntlich. Mars nähert ſich der Erde

von 1.62 bis 1.48 Einheiten; ſein Scheibendurchmeſſen
vergrößert ſich vorläufig aber nur von 5.8 bis auf 6.3.
Am 28. Juli um 4 Uhr nachmitags kommt der Planet mit
dem Monde in Konjunktion (Mond nördlich), am voran=
gehenden
Morgen befindet ſich daher die abnehmende
Mondſichel noch nordweſtlich, am folgenden Morgen ſchon
nordöſtlich vom Mars. Jupiter der am 5. Juli
in Oppoſition zur Sonne kommt, ſteht im Bilde des
Schützen ſchon bei anbrechender Nacht am ſüdöſtlichen
Himmel und bleibt die ganze Nacht hindurch ſichtbar, be=
ſchreibt
aber wegen ſeiner ſtark ſüdlichen Deklination nur
ſehr niedrige Kreiſe. Die Entfernung des Jupiter von
der Erde wird größer, von 4.18 bis auf 4.26 Einheiten;
der ſcheinbare Durchmeſſer des Planeten verkleinert ſich
mithin von 47.8 bis auf 46.9. Am 17. Juli um 4 Uhr
vormittags gelangt der Mond mit Jupiter in Konjunktion
(Mond ſüdlich). Saturn tritt im Bilde des Stiers
um Monatsmitte aus den Strahlen der Morgendämme=
rung
hervor und wird dann bald gut ſichtbar. Auch ſeine
Deklination iſt ſtark nördlich, gegen 21 Sein Erdabſtand
vermindert ſich von 9.94 bis auf 9.63 Einheiten, ſein Schei=
bendurchmeſſer
wächſt dementſprechend von 16."4 bis auf
16.9, während die große Achſe ſeines Ringſyſtems 39."4.
und die kleine Achſe 17.5 mißt. Eine Konjunktion des
Saturn mit dem Monde (Mond nördlich) in der Frük
des 2. Juli iſt nur mit optiſchen Mitteln zu beobach
Der Konjunktion von Saturn und Venus am 22. u
haben wir oben ſchon gedacht. Endlich hat Saturn
29. Juli, nachmitags um 7 Uhr, noch eine Konjunkti
mit dem Monde (Mond nördlich); am Morgen di
Tages ſteht die abnehmende Mondſichel alſo noch
weſtlich, am nächſten Morgen ſchon nordöſtlich von
Planeten. Uranus kann im Bilde des Stei
bocks während der ganzen Nacht mit dem Fernrohr
beobachtet werden, ſteht aber ziemlich tief. Seine Oerter
ſind am 1. Juli Rektaſzenſion 20h 36m 44s und Derli
nation 19% 15 am 31. Juli Rektaſzenſion 20h
3s und Deklination 19 32 Am 29. Juli um 9
vormitags befindet ſich Uranus in Oppoſition zur Sot
Sein Erdabſtand nimmt ab von 18.92 bis auf 18.81 Ein
heiten, ſein Scheibendurchmeſſer hat anfänglich den
von 4.3, nachher 4.4. Neptun gelangt am 19.
um 2 Uhr vormittags in Konjunktion mit der Son=
bleibt
mithin auch für die großen Teleſkope verboe

[ ][  ][ ]

Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Seite 3.

ten Samstag. Die in dem Plan vorgeſchlagenen Trans=
aktionen
müſſen am 1. November 1913 beginnen und bis
zum 1. Januar 1916 vollendet ſein.
Marokko.
Verſtärkung ſpaniſcher Truppen. Daily
Mail meldet aus Tanger: Offizielle Nachrichten aus Te=
tuan
beſagen, daß in Anbetracht des hartnäckigen Wider=
ſtandes
der Marokkaner und der großen Verluſte der Spa=
nier
General Alfa ſich entſchloſſen habe, ſeinen Truppen
eine wohlverdiente Ruhepauſe zu gönnen und die Ankunft
der Verſtärkungen von 1000 Mann abzuwarten. Nach An=
kunft
dieſer Verſtärkungen ſoll die Straße von Tetuan nach
Tanger geſäubert werden, und man hofft, im Verein mit
den Truppen in Alcazar die Eingeborenen endgültig
unterwerfen zu können.

* Der König von Italien, der, wie ſchon ge=
meldet
, als Gaſt des Kaiſers nach Kiel kommt, wird der
Reichshauptſtadt einen kurzen Beſuch abſtatten. Er be=
gibt
ſich im Anſchluß an die Kieler Woche auf ſeiner Luſt=
jacht
Trinacria nach Stockholm und von da auch nach
Danzig, wo ein eintägiger Beſuch vorgeſehen iſt. Hierauf
trifft der König in Berlin ein, wo er am 11. und 12. Juli
zu verweilen und verſchiedene Sehenswürdigkeiten zu be=
ſichtigen
gedenkt. Geplant iſt u. a. auch der Beſuch eines
der Naturtheater bei Potsdam, bei Tegel oder am Kleinen
Wannſee. Die Rückkehr nach Italien erfolgt über Wien.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 1. Juli.

* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
begaben ſich am Sonntag nachmittag 1 Uhr
20 Min. mit Gefolge im Auto zum Beſuch des akademiſchen
Sportfeſtes nach Gießen und kehrten abends 8¾ Uhr nach
Jagdſchloß Wolfsgarten zurück.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: dem 1. Vorſitzenden der
Deutſchen Geſellſchaft für Kaufmanns=Erholungsheime,
Kommerzienrat Joſef Baum in Wiesbaden das Ritter=
kreuz
1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
zum 22. Juni 1913 und dem Geheimen
Kommerzienrat Julius Woog zu Berlin=Grunewald
das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps
ides Großmütigen, ſowie dem Bildhauer Hans Dammann
zu Berlin=Grunewald die Silberne Medaille für Kunſt
und Wiſſenſchaft; ferner dem Provinzialdirektor Fey zu
Darmſtadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
des ihm von Sr. Königl. Hoheit dem Prinz=Regenten
von Bayern verliehenen St. Michaels=Ordens 2. Klaſſe,
dem Zollamtsaſſiſtenten 2. Klaſſe a. D. Ludwig Henkel
zu Bad Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer und
König von Preußen verliehenen Königlich Preußiſchen
Verdienſtkreuzes in Silber, ſowie dem Bahnaugenarzt
Dr. Vierling zu Mainz die Erlaubnis zur Annahme
und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Deutſchen
Kaiſer und König von Preußen verliehenen Roten
Adler=Ordens 4. Klaſſe erteilt.
* Beſtätigt wurde der von dem Herrn Fürſten zu
Iſenburg=Birſtein auf die erſte Lehrerſtelle an der Ge=
fmeindeſchule
zu Bindſachſen, Kreis Büdingen, präſen=
tierte
Lehrer Karl Kochhafen daſelbſt für dieſe Stelle.
* In den Ruheſtand verſetzt wurde der Finanz=
ramtsgehile
Adolf Treſer zu Oppenheim auf ſein Nach=
ſuchen
, unter Anerkennung ſeiner langjährigen treu ge=
lleiſteten
Dienſte, vom 1. Auguſt d. J. an und ihm aus
dieſem Anlaß der Charakter als Kanzleirat verliehen,
ferner der Gerichtsvollzieher mit dem Amtsſitze in Gerns=
heim
Chriſtoph Schmidt auf ſein Nachſuchen, unter
Anerkennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte, mit
Wirkung vom Tage des Dienſtantritts ſeines Nach=
folgers
und ihm die Krone zum Silbernen Kreuz des
Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* Militärdienſtnachrichten. Noeldechen
Generalmajor und Inſpekteur der 1. Fußartillerie= In=
ſpektion
in Berlin (zuvor Kommandeur der 25. Feld=
artillerie
=Brigade), zum Generalleutnant befördert.
v. Gilſa (früher im Großherzoglichen Artilleriekorps
Nr. 25), Major und Abteilungs=Kommandeur im
1. Ober=Elſäſſiſchen Feldartillerie=Regiment Nr. 15 in
Saarburg, zum Stabe des Straßburger Feldartillerie=
Regts. Nr. 84 (zurzeit zur Schießübung auf unſerem
Truppen=Uebungsplatz anweſend) in Straßburg verſetzt.

** Vom Hoftheater. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Hoftheatermaler Kurt
Kempin das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen verliehen.
g. Strafkammer. Wegen gemeinſamen ſchweren
Diebſtahls hatten ſich geſtern vier Offenbacher Tag=
löhner
und wegen Hehlerei ein Althändler zu verantwor=
ten
. Mitte November vorigen Jahres war der 30jährige
Taglöhner Wilhelm Correll längere Zeit arbeitslos
Er klagte dem 25jährigen Jakob Wilhelm Arnoul, der
krank war und keinerlei Unterſtützung bezog, ſeine Not und
ſie beratſchlagten nun gemeinſam, wie ſie aus ihrer be=
drängten
Lage herauskämen. Schließlich kamen ſie zu dem
Entſchluß, von den bei dem ſtädtiſchen Gas= und Elektri=
zitätswerk
am Hafen lagernden Kabel= und Rohrabfällen
zu entwenden und dieſe zu verkaufen. Sie frugen vorher
bei dem Althändler Adam Jakob Adler an, ob er die
Sachen abnehmen würde. Sie brachten ihm darauf etwa
ein Zentner Abfälle, wofür Adler 22 M. bezahlte. Adler
trug ihnen auf, ihm noch mehr zu bringen und das Me=
tall
in reinem Zuſtande abzuliefern. Er erklärte ihnen
auch, wie ſie das Blei und Kupfer einſchmelzen könnten.
Nach Angabe des Correll war Adler auch zweimal in ſei=
ner
Wohnung, um ihn zu veranlaſſen, ihm mehr von den
Abfällen zu bringen. Da den beiden Komplizen allein die
Sache zu gefährlich ſchien, gingen ſie zu dem 31jährigen
Johann Würſching, der ſich auch bereit erklärte, mit
von der Partie zu ſein, wenn der 38jährige Taglöhner
Valentin Thumeyer mitmachte. Dieſer machte die
gleiche Bedingung, daß Würſching mitmachte. Dieſe vier
Komplizen ſtiegen nun über den Zaun, der jene Werke von
der Straße trennt, und nahmen nach ihrer Angabe einen
Zentner 32 Pfund mit, wofür ſie von Adler 25 Mark er=
hielten
. Das Gericht verurteilte Correll zu 4 Monaten
5 Tagen Gefängnis, den Würſching zu 4 Monaten
Thumeyer zu 3 Monaten, den rückfälligen Arnoul
zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis, abzüglich 1 Monat
der Unterſuchungshaft und ſchließlich den Adler unter Ein=
beziehung
einer Gefänanisſtrafe von 1 Monat wegen Heh=
lerei
zu einer Geſamtſtrafe von 1 Jahr 6 Monaten
2 Wochen Gefängnis. Der Schloſſer Janaz Pe=
ter
zu Offenbach war vom Schöffengericht Offenbach zu
4 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er drei =
der
verkauft hatte, die in Frankfurt geſtohlen waren. Die
Räder waren zum Teil verändert und dadurch ſchwer wie=
derzuerkennen
. Das Gericht nahm Diebſtahl als erwieſen
an. Der Angeklagte verfolgte Berufung mit der Behaup=
tung
, er habe die Räder zu einem angemeſſenen Preiſe ge=
kauft
, merkwürdigerweiſe will er die Räder ſchon früher
gekauft haben, als ſie überhaupt geſtohlen waren. Bei dem
Angeklagten wurde eine ganze Fabrikeinrichtung vorge=
funden
, um die Räder zu verändern bezw. unkenntlich zu
machen. Das Gericht beſchloß, die Akten der Staatsanwalt=
ſchaft
zur näheren Ermittelung zurückzugeben, da eventuell
auch Hehlerei angenommen werden könne. Einen Arbei=
ter
durch ehrverletzende Aeußerungen zu veranlaſſen, ſeine
Arbeit niederzulegen, iſt nach § 153 der Gewerbeordnuna
ſtrafbar. Der 20jährige Schuhmacher Johann Rudolf
Steinkrua von Offenbach war wegen Vergehens ge=
gen
dieſen Paragraphen und Beleidigung vom Schöffen=
gericht
Offenbach zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt wor=
den
. Er war in der Schuhfabrik Haſſia beſchäftigt und
trat mit den übrigen Arbeitern wegen einer Lohnreduktion,
die ihnen angeboten wurde, in den Ausſtand. Am 28. März
kamen die Arbeitswilligen Schneider und Lützel am
Abend aus der Fabrik. Der Angeklagte warf nun zunächſt
dem Schneider vor, daß er für ein paar Pfennige den
Streikbrecher ſpiele. Als Schneider darauf etwas erwi=
derte
, ſagte Steinkrua, wenn er noch etwas ſage, ſchlage
er ihm aufs Maul. Als nun Lützel dazu kam, rief er bei=
den
Generalſtreikbrecher und Regimentsſtreikbrecher zu.
Die Strafkammer verwarf die Berufung und bedauerte,
daß die Berufung des Amtsanwalts zurückgezogen wurde.
Das Gericht ſei der Meinuna, daß der Lohnkampf, der ge=
ſetzlich
zugeſtanden ſei, von beiden Parteien durchaus an=
ſtändig
geführt werden müſſe und daß Exzeſſe ſtreng ge=
ahndet
werden müßten. Der 60jährige Lehrer i. P.
Michael Hyazinth Winter in Bieber, der ſeit 30 Jahren
Rechner der Spar= und Hilfskaſſe Klein=Auheim iſt, ſtand
geſtern wegen Urkundenfälſchung vor der Strafkammer.
1906 entdeckte ein Reviſor einen kleineren Fehlbetrag in
der von Winter verwalteten Kaſſe. Als man jetzt wieder
einmal eine gründliche Reviſion vornahm, entdeckte man
daß er ſeit Jahren die Bücher falſch führte, um Fehlbeträge
zu verdecken. ferner, daß er im Auguſt 1911 eine Privat=
urkunde
falſch ausgeſtellt hatte. In der geſtrigen Ver=
handlung
gab er an. das Defizit ſei dadurch entſtanden,
daß der Kaſſenraum jederzeit leicht betreten werden könne.
Wahrſcheinlich ſei ihm mehrfach Geld geſtohlen worden.
Einen Eintrag in das Einnahmejournal über die Einzah=
lung
von 66 Mark will er deshalb nicht gemacht haben,
weil er den Zettel verlegt hatte, auf dem er die Einnahmen

verzeichnete. Er wird zu 8 Monaten 2 Wochen Ge=
fängnis
verurteilt.
Lohnbücher für die Konfektion uſw. Am 1. Juli
tritt die Bundesratsverordnung vom 14. Februar 1913
in Kraft, nach welcher § 114a der Gewerbeordnung auf
die Konfektion, d. h. die Anfertigung von Wäſche, Klei=
dern
uſw., ausgedehnt wird. Die Arbeitgeber dieſer
Branche haben von jetzt an Lohnbücher oder Lohnzettel
für ihre Arbeiter auszufüllen, die folgende Punkte ent=
halten
müſſen: 1. den Zeitpunkt der Uebertragung von
Arbeit, Art und Umfang der Arbeit, bei Akkordarbeit
die Stückzahl, 2. die Lohnſätze, 3. die Bedingungen für
die Lieferung von Werkzeugen und Stoffen zu den Ar=
beiten
, 4. den Zeitpunkt der Ablieferung, ſowie Art und
Umfang der abgelieferten Arbeit, 5. den Lohnbetrag
unter Angabe der etwa vorgenommenen Abzüge, 6. den
Tag der Lohnzahlung. Die Außerachtlaſſung dieſer Vor=
ſchrift
wird mit Geldſtrafe bis zu 20 Mark und im Un=
vermögensfalle
mit Haft bis zu 3 Tagen für jeden Fall
der Verletzung des Geſetzes beſtraft. Ferner haben zum
1. Juli Unternehmer oder Zwiſchenmeiſter, die Heim=
arbeiter
beſchäftigen, bei der zuſtändigen Ortspolizei=
behörde
Liſten der von ihnen beſchäftigten Hausarbeiter
und =arbeiterinnen einzureichen. Da im vorigen Jahre
verſchiedentlich Beſtrafungen ſaumſeliger Arbeitgeber bis
zum Betrage von 20 Mark verhängt worden ſind, liegt
es im Intereſſe der Verpflichteten, ſorgfältig ausgefüllte
Verzeichniſſe rechtzeitig einzureichen. Die Liſten ſind die
Grundlage der Tätigkeit der Gewerbeinſpektion und
dienen nicht ſteuerlichen Zwecken.
* Geh. Kommerzienrat Hedderich . Die Bank für
Handel und Induſtrie widmet dem verſtorbenen früheren
Direktor, Geh. Kommerzienrat Hedderich, folgenden
Nachruf: Mit Geheimerat Hedderich iſt ein Mann dahin=
gegangen
, welcher dem Großherzogtum Heſſen die
weſentlichſten Dienſte als Direktor der Bank für Han=
del
und Induſtrie, wie als Mitglied des Verwaltungs=
rats
der Heſſiſchen Ludwigsbahn geleiſtet hat. Seine
Laufbahn begann im Jahre 1871 als Sekretär dieſer letz=
teren
Geſellſchaft; 1877 zum Mitglied der Spezialdirektion
derſelben beſtellt, ſchied er aus dieſer Stellung im Jahre
1881, nach ſeiner Ernennung zum Direktor der Bank für
Handel und Induſtrie, blieb aber in beſtändigem Konnex
mit der für Heſſen wichtigſten Eiſenbahn=Geſellſchaff
welche ihn 1889 zu ihrem Vizepräſidenten erwählte, nach=
dem
er kurz vorher in ihren Verwaltungsrat berufen
worden war. Die großen Verdienſte Hedderichs um dieſe
Bahn, deren Weiterentwickelung ihm ſtets ganz beſon=
ders
am Herzen lag, die ausgezeichnete Führung ihrer
Angelegenheiten bei Uebergang der Bahn in den Preu=
ßiſch
=Heſſiſchen Staatsbetrieb ſind noch in aller Erinner=
ung
. Er leiſtete aber auch als Direktor der Bank dem
engeren Vaterland große Dienſte, indem er die Erricht=
ung
der Zuckerfabriken in Groß=Gerau und Friedberg,
der Kunſtſeidefabrik in Kelſterbach, der Veithſchen
Gummiwerke in Höchſt i. O. und die Gründung der Süd=
deutſchen
Eiſenbahn=Geſellſchaft in Darmſtadt durchführte.
Dieſer letzteren Geſellſchaft hat er ſeine ſtete Sorgfalt zu=
gewendet
und an ſeinem Teil erheblich zu deren großen
Erfolgen beigetragen. Auch bei der Süddeutſchen Immo=
bilien
=Geſellſchaft in Mainz und in vielen auswärtigen
meiſt deutſchen Unternehmungen hat er in der
Regel in hervorragender Stellung als Mitbegrün=
der
und Vorſitzender derſelben oder als Mitglied ihres
Aufſichtsrats trotz ſchwerer, ſeit vielen Jahren an ihm
zehrender Leiden ſein Beſtes für eine gedeihliche Ent=
wickelung
derſelben eingeſetzt, wobei ihm ſeine ganz
außergewöhnliche Arbeitskraft, ſeine Zähigkeit in ſchwie=
rigen
Zeiten, ſein kluger, auf das Praktiſche gerichteter
Sinn ganz beſonders zu ſtatten kamen. Der Verſtorbene
hat auch noch bei der Gründung der Altmünſterbrauerei=
Aktien=Geſellſchaft in Mainz mitgewirkt und war längere
Zeit Vorſitzender des Aufſichtsrats.
In Herrn Hedderich verliert das Großherzogtum
einen ungemein befähigten, tüchtigen Mitbürger, und
wird ihm ein ehrendes Andenken von allen, die ihm nahe=
ſtanden
, bewahrt werden.
m. Dr. Eiſenhuth=Ehrung! Der Heſſiſche Lan=
des
=Lehrerverein, ſowie der Katholiſche
Lehrerverein Heſſens haben eine Ehrung des
Geheimerats Dr. Eiſenhuth beſchloſſen. An
dem Orte, an dem Dr. Eiſenhuth in der Eigenſchaft als
Seminardirektor ſeit Errichtung des Alzeyer Seminars
bis Oſtern 1892 tätig war, ſoll ihm ein Gedächtnismal
erſtehen. Man hat hierfür den Botaniſchen Garten, der
dem Seminar gegenüberliegt, zur Aufnahme einer Stein=
gruppe
auserſehen. Dieſe Steingruppe ſoll mit Pflanzen
beſetzt werden; man will eine Art Alpinum ſchaffen.
Die Deckung der Koſten ſoll durch Geldſammlungen in

Seine Entfernung von der Erde beträgt zu dieſer Zeit
31 Einheiten oder 4635 Millionen Kilometer.
Sternſchnuppen zeigen ſich im Juli in den
Tagen vom 26. bis zum 29. häufiger als gewöhnlich; die
Erde begegnet um dieſe Zeit einigen periodiſchen Meteor=
ſtrömen
, deren Körperchen zumeiſt aus der Gegend des
Schwans ausſtrahlen.
Den Glanz des Fixſternhimmels beeinträchtigt
zunächſt noch, beſonders in den nördlichen Gebieten, die
Nachthelligkeit, an den Abenden vom 10. bis 25. auch das
Mondlicht. Abends gegen 10 Uhr ſieht man den ent=
legenen
Sternenſtrom der Milchſtraße, der die Grenze
unſeres Weltſyſtems bildet, nahe im Süden emporſteigen
und im hohen Bogen über den Oſthimmel zum Norden
herabziehen. Auf ſeinem Schimmer heben ſich in gleicher
Richtung die durch uns näherſtehende Sonnen gebildeten
Konſtellationen des Schützen (im Süden), des Adlers
mit Atair, des Schwans mit Deneb der Caſſiopeja
mit ihrem W, des Perſeus und Fuhrmanns mit Ca=
pella
(im Norden) hervor. Zwiſchen Schwan (im hohen
Oſten) und dem Zenit funkelt Wega in der Leier, unter=
halb
des Schwans findet man den kleinen Delphin
und links daneben den umfangreichen Pegaſus Neben
dieſem tief im Nordoſten die Andromeda mit ihren drei
hellen Sternen und dem großen Spiralnebel. Vom
Zenit nach Norden abwärts ſchlingt ſich der Drache um
das Bild des Kleinen Bären mit dem Polarſtern. Dar=
unter
, hoch im Nordweſten, erblickt man die ſieben Haupt=
ſſterne
des Großen Bären deren mittelſter Schweifſtern,
Mizar, eine leicht trennbare ſehr helle Doppelſonne iſt.
Am nordweſtlichen Horizont bemerkt man noch gerade
die beiden Hauptſterne der Zwillinge Caſtor und Pol=
lux
. Im Weſten geht der Löwe mit Regulus unter.
ihm folgen im Tierkreiſe im Südweſten die Jungfrau
mit Spica, weiter die Wage und der Skorpion im
Süden. Hoch oben im Südweſten ſtrahlt der Arctur im
Bootes und darüber links die Krone zwiſchen der
und der Leier der Herkules ſich ausbreitet.= Unterhalb
des letzten Schweifſternes des Großen Bären gewahrt
man das zarte Haar der Berenike das uns noch heute
von der opferwilligen Liebe einer der edelſten ägyptiſchen
Fxauen erzählt,

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

P. Münchner Theater. Im Reſidenz=
theater
gab es noch kurz vor Torſchluß eine Erſtauf=
führung
. Graf Pepi ein Luſtſpiel von Robert Sau=
dek
und Alfred Halm hat zum Hintergrund den
Bruderkrieg von 1866. Aber auch keine Spur einer tieferen
Erfaſſung der Zeitſtimmung iſt in dem Schwank zu ent=
decken
. Die Figuren, die auftreten, dürften ſelbſt einen
Leſer der Gartenlaube kaum mehr befriedigen, ſo abſicht=
lich
naiv, witzig, ſentimentalegeben ſie ſich. Im Künſt=
lertheater
wurde am 27 Shakeſpeares Antonius
und Kleopatra mit großem Erfolg zur Aufführung ge=
bracht
. Damit kehrte das Künſtlertheater wieder zu den
glorreichen Traditionen von 1908 und 1909 zurück die es in
der letzten Zeit, nicht zu ſeinem und unſerem Vorteil ver=
geſſen
zu haben ſchien. Der Shakeſpearſche Text kam zwar
ſchlecht weg bei dieſer Neueinſtudierung, über alles Lob
erhaben jedoch war Tilla Durieux als Kleopatra.
Hier verſtummt die Kritik. Es wäre eine ganze Broſchüre
nötig, um dieſes Wunder der Darſtellung würdig und er=
ſchöpfend
zu analyſieren. Dieſe Kleopatra wird die Haupt=
attraktion
der heurigen Aufführungen ſein und bleiben.
Nach dem Gaſtſpiel der Düſſeldorfer mit Luiſe Dumont
begannen wieder die Vorſtellungen der Münchner
Kammerſpiele‟. Die Kammerſpiele ohne ihren
Schöpfer Eugen Robert? Die neue Direktion heißt:
Viktor Hartberg und Erich Ziegel. Man gab
das vieraktige Schauſpiel Die Rückkehr von Jeru=
ſalem
von Maurice Donnay. Das auf das
Raſſenproblem aufgebaute, aber ziemlich roh gezimmerte
Stück mit ſeinen ſchlagenden, aber nicht gerade beſonders
neuen, Charakteriſtiken jüdiſcher Typen erfuhr eine gerade=
zu
glänzende Wiedergabe. Die neue Direktion ſchien es
ſich zur Aufgabe geſtellt zu haben, ihren vortrefflichen Vor=
gänger
vergeſſen zu machen, oder wenigſtens keine un=
zeitige
Sehnſucht nach ihm aufkommen zu laſſen. Es iſt
ihr gelungen.

C) Eine unveröffentlichte Sinfonie
von Verdi. Ueber einen intereſſanten muſi=
kaliſchen
Fund der im Nachlaß Giuſeppe
Verdis gemacht worden iſt, berichtet die Liberta.
Es iſt wenig bekannt, daß Verdi, als er Alda
komponierte, der Oper eine Sinfonie hatte vorhergehen
laſſen, die er jedoch, unzufrie in mit ſeinem Werk, in einem
ſeiner plötzlichen Einfälle von der Partitur abriß und
dazu verurteilte, für immer vergeſſen zu ſein. Erſt als
die hinterlaſſenen Papiere des Komponiſten, die von der
Familie Verdi=Carrara in Villa Sant’ Agata aufbewahrt
werden, einer genauen Durchſicht unterzogen wurde, kam
die von ihm verworfene Kompoſition ſo wie der Masſtro
in ſeiner Aufwallung ſie abgeriſſen hatte wieder zum Vor=
ſchein
und wurde ſorgfältig aufbewahrt. In der muſi=
kaliſchen
Welt zeigte ſich für dieſes unbekannte Werk
Verdis, als man davon erfuhr, lebhaftes Intereſſe, und
viele Muſiker wollten eine Kopie davon haben, aber die
Nichte des Maéſtro, Signora Maria Verdi=Carrara, wei=
gerte
ſich ſtets die Blätter herauszugeben, und ſo blieb
die Sinfonie bisher unveröffentlicht. Vor einigen Tagen
begab ſich nun Masſtro Toscanini, der in Buſſeto zur
Feſtſetzung der letzten Einzelheiten für die Verdi= Aufführ=
ungen
im Theater der Stadt weilte, nach Sant’ Agata, und
er konnte das wertvolle Manuſkript ſtudieren; auf ſeine
dringenden Bitten, denen ſich auch andere Muſiker an=
ſchloſſen
, ließ ſich die Beſitzerin des Manuſkripts
bereit finden. Toscanini die Entſcheidung dar=
über
zu überlaſſen, ob dieſe Kompoſition, die Verdi ſelbſt
verworfen hatte, der Oeffentlichkeit übergeben werden ſoll
oder nicht.
Ein hiſtoriſch=mediziniſches Muſeum
in London. London iſt ſeit Donnerstag um ein
Muſeum reicher. Nach langen Vorbereitungen wurden
die Sammlungen der Oeffentlichkeit übergeben, die ein
anſchauliches Material über die Geſchichte der Heilkunſt
ſeit den primitiven Epochen darbieten. Der Präſident
der mediziniſchen Unterrichtsanſtalten wohnte der Feier
bei. Aus allen Teilen der Welt iſt hier ein außerordent=
lich
reichhaltiges Material zum hiſtoriſchen Studium der
Medizin zuſammengebracht; ſehr intereſſant ſind beſon=

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Seite 4

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151.

obengenannten Vereinen aufgebracht werden. Der Mehr=
betrag
der eingehenden Gelder ſoll Grundſtock zu einer
Stiftung für ſolche Waiſen werden, die keinen geſetzlichen
Anſpruch auf Waiſengeld haben und deſſen ſehr bedürfen.
* Wachtmeiſter Geyer des 5. Polizeireviers
Beſſungen hat ſich am Samstag von den Beamten des
Reviers verabſchiedet, um am 1. Juli nach einer
37jährigen treuen und gewiſſenhaften Dienſtzeit in den
wohlverdienten Ruheſtand zu treten. Nach einer An=
ſprache
überreichten ihm die Beamten einige Andenken
und Blumenarrangements, mit dem Wunſche auf ferneres
Wohlergehen und ſtets guter Erinnerung. Geyer hat
den Feldzug 1870/71 mitgemacht und genießt bei allen
Beamten und Einwohnern die größte Achtung.
An dem 34. heſſiſchen Kirchengeſangsfeſt, das am
nächſten Sonntag, den 6. Juli, in Lampertheim ab=
gehalten
wird, nimmt ein Geſamtchor von über 300
Sängern und Sängerinnen teil, der nebſt dem Poſaunen=
chor
die Chorgeſänge in der großen Lampertheimer Kirche
unter Leitung des Kirchenmuſikmeiſters Profeſſor Arnold
Mendelsſohn von Darmſtadt vortragen wird. Die
Hauptverſammlung beginnt um 11 Uhr, der Feſt=
gottesdienſt
in dem Univerſitätsprofeſſor D. Schian
von Gießen die Anſprache halten wird, um 1½ Uhr. Zu
der um 3 Uhr beginnenden Feſtverſammlung iſt ein
großes Zelt errichtet worden, das für zahlreiche Teil=
nehmer
Platz und bei der Unſicherheit der Witterung einen
behaglichen Aufenthalt gewähren wird. Hierbei ſind
zahlreiche Chorgeſänge und Anſprachen vorgeſehen.
m. Der Waldfriedhof macht in ſeinen Bauten gute
Fortſchritte. Die von der Griesheimer Chauſſee nach
ihm führende Straße iſt fertig chauſſiert und beiderſeitig
mit jungen Laubbäumen bepflanzt. Zwei breite Fußpfade,
die ihn flankieren, ſind mit Kies beworfen und bereits
gangbar. Um den Kontraſt zwiſchen den Hochſtämmen
des Kiefern= und Tannenwaldes und der neuen Straße
etwas zu decken, hat man die Straßenränder mit niederen
Sträuchern beſetzt. Auf der Südſeite des Waldfriedhofes
hat man eine lange Mauer aus Eiſenbeton aufgeführt.
Ein Verwaltungsgebäude iſt bis zum zweiten Stocke ge=
diehen
. Das Krematorium hat Sockelhöhe erreicht. An
den in einer Rotunde aufgeführten Backſteinſäulen kann
man ſchon den Verſammlungsraum mit der Oeffnung
im Boden für den Ofen erkennen. Die erſten Arbeiten
zur Anlegung des Waldfriedhofs waren Abholzen der be=
treffenden
Fläche und Ausführen von Waſſerleitung und
Kanaliſation. Obwohl der Zutritt zur Bauſtelle verboten,
kommen doch viele Spaziergänger an den ruhig gelegenen
Ort, um ſich von außen den Fortſchritt der Arbeiten an=
zuſehen
.
Paketeinſammlung durch die Poſt. Es iſt noch
nicht genügend bekannt, daß die Poſt abzuſendende
Pakete auf Beſtellung aus den Wohnungen abholen
läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine
Karte oder einen Zettel mit den Worten Paket abzu=
holen
bei (Name und Wohnung) unfrankiert in den
nächſten Briefkaſten zu werfen oder einem Briefträger mit=
zugeben
und die Sendung wird bei der nächſten Paket=
beſtellfahrt
gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hauſe
des Abſenders abgeholt. Das Verfahren iſt einfach und
bequem und beſonders ſolchen Perſonen zu empfehlen,
denen kein Dienſtbote zur Verfügung ſteht.
Der Darmſtädter Oberheſſen=Verein veranſtaltete
am Sonntage einen Familienausflug nach Hep=
penheim
. Nachdem ſich der Himmel aufgehellt hatte,
konnte gegen Mittag der Aufſtieg nach der ſchön gelegenen
Starkenburg unternommen werden. Bei der Ankunft in
Heppenheim geſellten ſich zu den ſehr zahlreich erſchienenen
Vereinsmitgliedern noch viele Oberheſſen von Heppen=
heim
als Gäſte hinzu, um wieder einmal einige ſchöne und
vergnügte Stunden im Kreiſe ihrer Landsleute zu ver=
leben
. Unter den Klängen einer Muſikkapelle vollzog ſich
nun der Marſch durch Heppenheim und der Aufſtieg zur
Starkenburg. Nach kurzem Aufenthalte oben kehrten die
Teilnehmer dann zurück nach Heppenheim. Einkehr wurde
in Wurths Garten gehalten. An eine kurze Begrüßungs=
anſprache
des Vereinsvorſitzenden ſchloß ſich ein gemüt=
liches
Tänzchen, das die Gäſte und Mitglieder noch lange
Zeit zuſammenhielt.
* Die Turngeſellſchaft Darmſtadt veranſtaltete am
Sonntag in ihrem Turnhauſe, Dieburgerſtraße 26, ihr
Sommerfeſt, das bei überaus ſtarkem Beſuch und vorzüg=
lichen
Darbietungen einen glänzenden Verlauf nahm. Ob=
wohl
das Feſt infolge der ungünſtigen Witterung im gro=
ßen
Feſtſaale abgehalten werden mußte ſo ſtörte dies die
Freude und die Harmonie unter den Feſtteilnehmern in
keiner Weiſe. Der Vorſitzende, Herr Adam Emig, be=
grüßte
die erſchienenen Gäſte und gedachte der noch bevor=

ſtehenden Turnfeſte, und eiferte die anweſende Jugend an,
ſich mehr und mehr der Turnerei anzuſchließen. Sein Gut
Heil galt der deutſchen Turnerſchaft. Eine frohe und hei=
tere
Muſik, ausgeführt von der Kapelle des Großh. Feld=
artillerie
=Regiments Nr. 25, trug dazu bei, die gute und
fröhliche Stimmung zu erhalten. Auch der Chor der Tur=
nerſingmannſchaft
brachte unter der Regie ihres Obmanns
Herrn Georg Grün mehrere ſchöne Chöre zu Gehör. Glän=
zende
Darbietungen führten die Turner unter der perſön=
lichen
Leitung ihres Turnwartes Herrn Philipp Schneider
(mehrfacher erſter Sieger) am Barren aus. Es bereitete
eine beſondere Freude zu ſehen, wie ſich die einzelnen Tur=
ner
ſelbſt der ſchwierigſten Uebungen mit größter Ge=
wandtheit
und Geſchicklichkeit entledigten. Sämtliche Ueb=
ungen
zeugten davon, daß den Turnern der Turngeſell=
ſchaft
Darmſtadt ſtets eine gute techniſche Ausbildung
wurde. Als Glanzpunkt des Feſtes dürften wohl die Vor=
führungen
der Damenabteilung zu bezeichnen ſein, welche
an zwei Barren ihre Muſterriegenübungen für das Gau=
turnfeſt
in Sprendlingen vorführten. Sämtliche Uebungen
wurden ſehr exakt und gleichmäßig ſchön ausgeführt. Auch
die von der Damenabteilung geſtellten Pyramiden am
Pferd ſetzten die Anweſenden in Erſtaunen und wurde der
wackeren Schar der jungen Damen, ſowie ihrem Leiter
Herrn Ludwig Schwarz rauſchender Beifall zuteil. Für
die Kinder wurde ein ſchöner Reigen arrangiert. Dem
ſich dem Feſt anſchließenden Ball ging eine Polonäſe mit
ca. 150 Paaren voraus. Das Feſt darf in allen Teilen
als ſehr gelungen bezeichnet werden, und war ein entſprechen=
der
Beweis eines ſchönen und einigen Zuſammenarbeitens
des Geſamtvorſtandes. Für den kommenden Sonntag
ſtehen dem Verein einige ſpannende Momente bevor wo
ſich ca. 50 ſeiner Turner und Turnerinnen an den Wett=
kämpfen
anläßlich des Gauturnfeſtes in Sprendlingen be=
teiligen
. Die Abfahrt der Turnerinnen zu dieſem Feſte
erfolgt am Sonntag vormittag 11.18 Uhr vom Hauptbahn=
hof
ab. Näheres hierüber wird im Anzeigenteil noch be=
kannt
gegeben.
* Der Männergeſangverein Coneordia‟= Darm=
ſtadt
beteiligte ſich, ſo ſchreibt man uns, am Sonntag
zum zweiten Male in dieſem Jahre an einem Geſangs=
wettſtreite
, und zwar zu Nieder=Ramſtadt in der erſten
Stadtklaſſe. Er errang dort unter ſehr ſtarker Kon=
kurrenz
den erſten Klaſſenpreis mit 261 Punkten (300 Mk.
in bar und ſilberner Becher); für die höchſte Punktzahl
im aufgegebenen Kunſtchor den Klaſſen=Ehrenpreis mit
123 Punkten (ſilberner Pokal.) Beim höchſten Ehren=
ſingen
war es der Concordia vergönnt, in der Kon=
kurrenz
gegen 35 Vereine für die beſte Leiſtung den
höchſten Ehrenpreis (ſilber=vergoldete Bowle, geſtiftet
von einem Ehrenmitgliede in Paris) mit 240 Punkten
zu erringen. Aus dieſem guten Reſultate iſt zu erſehen,
daß der vortreffliche Chorleiter der Concordia Herr
Richard Etzold, in der Bearbeitung des deutſchen
Männergeſanges eine hervorragende Stelle einnimmt
und daß er mit ſeiner treuen Sängerſchar etwas Gutes
zu leiſten verſteht, da er auch bei dieſem Wettſtreite wieder
die höchſte Punktzahl von allen beteiligten Vereinen aufzu=
weiſen
hatte. Die Concordia mit ihrem Chormeiſter
kann mit dieſem ausgezeichneten Erfolge wieder ſehr
zufrieden ſein, zumal es derſelben vergönnt war, in
dieſem Jahre ſechs erſte Preiſe, darunter 500 Mk. in bar,
zu erringen.
* Der Geſangverein Sängerluſt veranſtaltet
kommenden Sonntag, nachmittags, im Garten und in
ſämtlichen Räumen des Schützenhofes ein Sommerfeſt.
Das ſorgfältig zuſammengeſtellte Programm enthält
mehrere Konzertſtücke, ſowie einige Chorvorträge. Für
Tanz ſorgt man ſchon frühzeitig, indem die Pauſen des
Konzertes im Garten durch Tanzen im Saale ſchon von
nachmittags 4 Uhr ab ausgefüllt werden. Jedem Be=
ſucher
ſtehen einige genußreiche Stunden in Ausſicht.
(Siehe Anzeige.)
m. Die Erdbeerernte geſtaltet ſich in dieſem Sommer
gut. Die gut ausgereiften Beeren haben einen feinen Ge=
ſchmack
, trotzdem es an der nötigen Wärme im Juni fehlte.
Tief in der Tanne ſind einzelne Plätze derart mit Erd=
beeren
beſtanden, daß ſie dunkelrot aus dem üppigen Grün
hervorleuchten. Tüchtige Erdbeerſammler haben reiche
Ernten gemacht. Es ſteht jedoch noch eine gute Ernte be=
vor
, wenn Sonnenſchein die rauhe Temperatur der letzten
Tage ablöſt. Viele Beeren warten noch der Reife. Auch
die Himbeeren verſprechen nach dem reichen Blüten=
anſatz
wieder gute Ernte.
gs. Unfälle. Geſtern vormittag nach 9 Uhr erlitt in
einer hieſigen Möbelfabrik ein dort beſchäftigter Heizer im
Geſicht, an Bruſt und Armen erhebliche Brand=
wunden
, ſo daß er nach Anlegung von Notverbänden

durch die Rettungswache mittels Krankenkraftwagens in
das ſtädtiſche Krankenhaus gebracht werden mußte.
Gegen 12 Uhr fiel in der Blumenthalſtraße ein Fuhr=
mann
von ſeinem Fuhrwerk und geriet ſo unglück=
lich
mit dem linken Bein zwiſchen Wagen und Pferd in die
Schere, daß ihm der Unterſchenkel total zer=
quetſcht
wurde. Der bedauernswerte alte Mann wurde
von der Rettungswache nach dem Krankenhaus gebracht.
§ Erwiſchter Fahrraddieb. Am Freitag nach=
mittag
gegen 7 Uhr iſt ein Fahrrad, welches auf kurze
Zeit vor einem Hauſe in der Liebfrauenſtraße aufgeſtellt
war, geſtohlen worden. Als Dieb wurde ein 25 Jahre
alter Arbeiter aus Hamm in Weſtfalen ermittelt und
durch einen hieſigen Kriminalſchutzmann am Samstag
auf dem Truppenübungsplatz feſtgenommen. Das Fahr=
rad
hatte der Dieb bereits für 20 Mk. verkauft und den
Erlös verjubelt.
§ Feſtgenommen. Ein 30 Jahre alter dahier be=
ſchäftigter
Arbeiter aus Rußland wurde am Sonntag
wegen Sittlichkeitsvergehen feſtgenommen.

* Maſſenkonzert. Die Kommandantur beabſichtigt
am Dienstag, den 8. Juli, 8 Uhr abends, im Städtiſchen
Saalbaugarten ein Militär=Maſſenkonzert, ausgeführt
von den hieſigen Miliärmuſikern, abzuhalten, und zwar
ſoll der Reinertrag dem Invalidendank zu wohltätigen
Zwecken überwieſen werden.
* Konzertveranſtaltungen. Ludwigshöhe. Am
Mittwoch, den 2. Juli, findet im Anſchluß an das Kur=
konzert
abends 8 Uhr das am vergangenen Mittwoch
ausgefallene Abendkonzert mit großer Illumination ſtatt.
Einige Tauſend buntfarbige Lämpchen werden hierbei
Verwendung finden und dem Ganzen ein feenhaftes Ge=
präge
geben. Zum Schluß Lampionpolonäſe unter Vor=
antritt
der Muſik. Näheres folgt im Anzeigenteil.
Konzergarten Hugenſchütz Felſenkeller.
Am Dienstag veranſtaltet die Kapelle des Leibgarde=
Regiments einen humoriſtiſchen Konzert=
abend
. Das Programm ſetzt ſich beinahe ausſchließ=
lich
aus heiteren Stücken und Humoresken zuſammen,
ſo z. B. Rupprechts Don Quixote‟ E. Scherz’ Nach
berühmten Muſtern über Kommt ein Vogel geflogen,
Jeſſels Aufzug der Stadtwache in der Biedermeierzeit
R. Vollſtedts Automatenſalon Myddletons Negers
Traum uſw. (Siehe auch Anzeige.) Schützen=
hof
. Heute findet das fünfte Dienstags= Kon=
zert
der Kapelle des Großh. Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61
ſtatt. Im Programm iſt ein Operetten= und Lie=
der
=Abend vorgeſehen, wobei ältere und moderne
Komponiſten Berückſichtigung finden werden. (Siehe
Anzeige.)

Pfungſtadt, 28. Juni. Die ärztliche Praxis des
vor längerer Zeit verſtorbenen Sanitätsrats Scriba
wird jetzt von Hern Dr. med. Schrey weitergeführt,
der auch das Anweſen ſeines Vorgängers für 30000 Mark
käuflich erworben hat. Sehr gute Preiſe wurden bei
der Verſteigerung des Heugraſes der gemeinheitlichen
Wieſen erzielt. Hauptabnehmerin dafür iſt eine Batterie
des 25. Artillerie=Regiments in Darmſtadt. Die Mann=
ſchaften
haben das Heuen ſelbſt beſorgt. Insgeſamt wur=
den
bis jetzt 1000 Mark mehr gegen das Vorjahr erlöſt.
Infolge der Berieſelung der Wieſen mit den Kanal=
abwäſſern
hat ſich auch der Ertrag gegen früher bedeu=
tend
geſteigert. Die ſogen. Hahnmühle wird zu einer
Spielwarenfabrik eingerichtet.
Offenbach, 30. Juni. Eine ſonderbare Revol=
verſchießerei
ſpielte ſich in der Nacht zum Sonntag
in dem Hauſe Hebeſtraße 4 ab, wo ſeit einigen Tagen
der 25 Jahre alte Schloſſer Auguſt Morat im zweiten
Stock ein möbliertes Zimmer bewohnt. Als dieſer ſich
in der vergangenen Nacht kurz nach 12 Uhr nach ſeinem
Zimmer begeben wollte, ſtieß er offenbar in angetrun=
kenem
Zuſtande gegen die Vorplatztür des erſten Stockes.
In der Annahme, es ſei ein Einbrecher im Hauſe, begab
ſich der dort wohnende Portefeuiller Cöleſtin Walz mit
geladener Browningpiſtole vor die Tür und ſuchte den
Treppenaufgang ab. Als er Morat entdeckte, gab er raſch
hintereinander vier Schüſſe ab, wodurch Morat an der
linken Hand und in die Bruſt getroffen wurde.
M. Stockſtadt, 29. Juni. Unter ſehr ſtarker Beteilig=
ung
fand geſtern die hieſige Gemeinderatswahl
ſtatt. Von den 354 Wahlberechtigten machten 249 Wähler
von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Hauptſächlich hat dies
ſeinen Grund darin, daß die Sozialdemokraten in Flug=
blättern
und öffentlichen Sitzungen, wobei Landtags=
abgeordneter
Raab von Pfungſtadt ſprach, 3 Sozialdemo=
raten
als Kandidaten aufſtellten. Doch endigte die

ders die Funde aus der Römerzeit, die in einem großen
Saal Aufſtellung gefunden haben.

B.B. Ein Hohenzollern=Geburtstagsmonat iſt der Mo=
nat
Juli, denn in keinem Monate des Jahres haben ſo
viel Angehörige des Hohenzollernhauſes das Licht der
Welt erblickt, wie in dieſem Monat. Das erſte Juli= Ge=
burtstagskind
gehört der Familie des Kronprinzen an: es
iſt des Kronprinzenpaares älteſter Sohn, Prinz Wilhelm
von Preußen, der am 4. Juli ſein ſiebentes Lebensjahr
vollendet. Drei Tage ſpäter, am 7. Juli, feiert Prinz
Eitel Friedrich, des Kaiſerpaares zweitälteſter Sohn, ſeinen
30. Geburtstag. Es folgen dann Prinz Friedrich Wilhelm von
Preußen, des verſtorbenen Prinz=Regenten Albrecht jüng=
ſter
Sohn, geboren am 12. Juli 1880, Prinz Adalbert, des
Kaiſerpaares drittälteſter Sohn, geboren am 14. Juli 1884
und Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, älteſter Sohn
des Prinzen Albrecht von Preußen, geboren am 15. Juli
1874. Das letzte Drittel des Monats bringt zunächſt am
24. Juli den 53. Geburtstag der älteſten Schweſter des
Kaiſers Charlotte, Erbprinzefſin von Sachſen=Meiningen.,
Am folgenden Tage, 25. Juli, feiert die Gemahlin des
Prinzen Arthur, Herzogs von Connaught, Prinzeſſin
Margarete von Preußen, ihren 43. Geburtstag. Die Prin=
zeſſin
iſt bekanntlich eine Tochter des am 15. Juli 1885 ver=
ſtorbenen
Prinzen Friedrich Karl von Preußen. Auch
der fünftälteſte Sohn des Kaiſerpaares, Prinz Oskar von
Preußen, iſt ein Julikind und wird am 27. Juli 25 Jahre
alt. Während die älteren Geſchwiſter des Prinzen Oskar
prinzliche Kinder ſind iſt er ein Kaiſerſohn, denn er
und ſeine jüngeren Geſchwiſter wurden erſt nach der
Thronbeſteigung des Kaiſers geboren. Beiläufig bemerkt
feiert auch die Gemahlin des Prinzen Heinrich von Preu=
ßen
im Juli ihren Geburtstag, ſie wird am 11. Juli 47
Jahre alt. Der älteſte Sohn des Königs von Griechen=
land
die Königin von Griechenland Sophie, iſt die
zweitjüngſte Schweſter des Kaiſers , Kronprinz Georg
und ſein jüngerer Bruder Prinz Alexander, ſind ebenfalls
Julikinder. Erſterer wurde am 7. Juli 1890, letzterer am
20. Juli 1893 geboren. Wollte man die Reihe noch wei=
terſpinnen
, ſo könnte man noch anführen, daß der Gemahl
einer anderen Schweſter des Kaiſers, Prinz Adolf zu
Schaumburg=Lippe, am 20. Juli 1859 geboren würde.

Die eugeniſche Ehe‟. Aus Neu=York wird berich
tet: Durch ganz Amerika geht eine neue Bewegung, die die
Pflege der Geſundheit auf ihre Fahnen geſchrieben hat.
Das Problem der eugenics ſcheint gegenwärtig die
Amerikaner am meiſten zu intereſſieren. Ihren praktiſchen
Ausdruck findet die Idee in den Geſetzen, die in verſchie=
denen
Staaten eingeführt werden ſollen um die Ehe=
ſchließung
ungeeigneter Perſonen zu verhindern. Es ver=
geht
kaum ein Tag, an dem nicht ein Sozialreformer oder
auch ein Geiſtlicher feierlich Proteſt dagegen erhebt, daß
Perſonen mit anſteckenden Krankheiten oder geiſtig Min=
derwertige
heiraten dürfen. Nun hat ſogar der Senat des
großen Staates Pennſylvanien ſoeben ein Geſetz ſchon an=
genommen
, und zwar mit erdrückender Mehrheit, das die=
ſes
Prinzep der eugeniſchen Ehe wirklich durchführt.
Das Geſetz, deſſen Einführung alle mediziniſchen Geſell=
ſchaften
des Staates befürworteten, verbietet die Erteilung
einer Heiratserlaubnis allen Perſonen, die mit anſtecken=
den
Krankheiten behaftet ſind; die Erlaubnis ſoll auch
nicht erteilt werden, wenn eine der beiden eheſchließenden
Perſonen nicht völlig zurechnungsfähig iſt oder unter Vor=
mundſchaft
ſteht. Kein Mann darf heiraten, der innerhalb
der letzten 5 Jahre in einem ſtaatlichen Heim für Für=
ſorgebedürftige
aufgenommen war, wenn es nicht hinrei=
chend
bewieſen werden kann, daß die Urſache dieſer Auf=
nahme
beſeitigt iſt und er phyſiſch imſtande iſt, eine Fa=
milie
zu erhalten. Dieſem Vorbild beabſichtigen andere
Staaten mit ähnlichen Geſetzen zu folgen. Um die Oeffent=
lichkeit
hierfür geneigt zu machen, werden in den verſchie=
denen
Teilen des Landes Verſammlungen abgehalten, und
eugeniſche Broſchüren maſſenhaft verbreitet. Nicht nur
in den Hochſchulen, ſondern auch in vielen Elementar=
ſchulen
ſind neuerdings Kurſe für Sozialhygiene einge=
richtet
, in denen dieſe Anſchauungen gelehrt werden. Einen
beſonders draſtiſchen Ausdruck fanden ſie aber bei einer
Tagung der Irrenärzte und Neurologen, die gegenwärtig
in Chicago abgehalten wird. Die Geſetzgeber aller Staa=
ten
wurden hier aufgefordert, ſtrengere Ehegeſetze zu er=
laſſen
, um degenerierte Elemente von der Gründung einer
Familie auszuſchließen, und die Gouverneure von 15
Staaten erſuchten die Verſammlungen, Mittel und Wege zu
finden, wie dieſes Ziel am beſten erreicht werdan könnte.

Den Höhepunkt oder wenigſtens den ſtärkſten Widerhall
fand die Diskuſſion jedoch, als einer der Redner den Feld=
zug
gegen die Liebe eröffnete, als den Feind, von dem
alles Böſe kommt. Dr. Morris war es, der frank und
frei erklärte, daß alle Liebenden verrückt wären. Irrſinn
iſt ein delikates Thema, ſo erklärte er, es klingt geſchmack=
los
, ein geſundes junges Weib als wahnſinnig zu bezeichnen,
wenn ſie imMondſchein neben einemMann von mittelmäßiger
Geiſtesverfaſſung ſitzt, in dem ſie einen wahren Gott er=
blickt
. Und doch iſt es eine Art von Geiſtesſtörung, die
das Herz dieſes jungen Weibes ſchneller ſchlagen läßt und
ihre Augen aufleuchten macht, ebenſo wie der junge Mann
ein Opfer derſelben Halluzination iſt. Auf die Frage,
welche Art Leute denn heiraten ſollten, wenn nicht die
Liebenden, erwiderte Dr. Morris: Liebe iſt bei der Hei=
ratsfrage
nur von untergeordneter Bedeutung. Zwei ge=
ſunde
und gleichgeartete Perſonen mit ähnlichen Neig=
ungen
ſollten einander heiraten, ob ſie ſich lieben oder
nicht, aber vor allen Dingen müßten ſie zunächſt ein Ge=
ſundheitszeugnis
beibringen. Offenbar iſt dieſer zyniſche
Irrendoktor Morris noch weit verrückter, als Liebesleute.
* Das Huhn als Detektiv. Vor ungefähr Jahresfriſt
wurde dem fünften Huſarenregiment in Steinamanger die
Regimentskaſſe von unbekannter Seite geſtohlen und war
ſeitdem verſchwunden. Am Samstag wollte nun in der
Offiziersmenage ein Koch ein Huhn ſchlachten, das in den
Keller floh und ſich unter einem Strohhaufen verſteckte.
Als man hier ſuchte ſtieß man auf einen eiſernen Gegen=
ſtand
, der ſich bei näherer Unterſuchung als die verſchwun=
dene
Kaſſe herausſtellte. Als man ſie öffnete, fand man
von dem Inhalt 27000 Kronen keine Spur vor.
Durch den Fund wurde jedoch die Entdeckung des Täters
weſentlich erleichtert. Als Dieb konnte jetzt nur ein ſeiner=
zeit
in der Menage beſchäftigter Unteroffizier in Betracht
kommen, der jetzt als Korporal in Bosnien lebte. Seine
Verhaftung wurde ſofort veranlaßt und wie es heißt, ſoll
er bereits den Diebſtahl geſtanden haben. Die Offiziere
des Regiments aber beſchloſſen noch am gleichen Abend,
das bewußte Huhn leben zu laſſen und ihm bis in das
äußerſte Alter das Gnadenbrot zu ſichern. Dann ſoll das
Huhn ausgeſtopft werden und zur Ausſchmückung des
Kaſinos dienen.

[ ][  ][ ]

Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Seite 5.

Wahl mit einem glänzenden Sieg der bürgerlichen Par=
teien
. So erhielten Ph. Müller II. 216 Stimmen, Ad.
Zeißler II. 216 Stimmen, H. Gils II. 204 Stimmen,
während die Sozialdemokraten nur 36, 33 und 30 Stim=
men
auf ihre Kandidaten bekamen.
Sz. Rüſſelsheim, 29. Juni. Der Zweigverein
Rüſſelsheim des Heſſiſchen Polizei= und
Schutzhunde=Vereins, Sitz Darmſtadt, hielt heute
nachmirtag unter der Leitung ſeines 1. Vorſitzenden, Herrn
Tierarzt Dr. Diffiné, ſeine erſte Polizei= und Schutz=
hundeprüfung
ab. Unter den geladenen Gäſten be=
fanden
ſich als Vertreter der Regierung Herr Kreisrat
Geheimerat Dr. Wallau=Groß=Gerau, ſowie Vertreter ver=
ſchiedener
Behörden; das außerordentlich zahlreich er=
ſchienene
Publikum verfolgte die Leiſtungen der Führer
mit ihren Hunden mit wachſendem Intereſſe. Zur Vor=
führung
gelangten zum größten Teil vollkommen durch=
dreſſierte
Hunde, deren Leiſtungen aber auch in mehreren
Fällen Bewunderung hervorriefen. In der Prüfungslei=
tung
wurde Herr Dr. Diffiné durch den 1. Vorſitzenden
des Darmſtädter Hauptvereins, Herrn Polizeikommiſſar
Lindemann, unterſtützt; als Preisrichter fungierten: Herr
Lehrer Sturmfels, Rüſſelsheim, dann die Herren Schupp,
Griesheim, und Seitz, Darmſtadt. Preiſe erhielten:
a) Ehrenpreiſe: Schutzmann Seng=Darmſtadt mit
Lona, Schutzmann Jäger=Darmſtadt mit Bachus,
Schutzmann Roth=Darmſtadt mit Prinz Gruber= Baben=
hauſen
mit Alma, Küchler=Langen mit Nelly Eberle=
Rüſſelsheim mit Ledi Polizeidiener Treber=Rüſſelsheim
mit Wolf, Trabold=Rüſſelsheim mit Treff‟, Polizei=
diener
Jäger=Rüſſelsheim mit Anni Polizeidiener
Müller=Griesheim mit Dora. b) Führerpreiſe
erhielten: Seng=Darmſtadt, Jäger=Darmſtadt, Küchler=
Langen, Treber=Rüſſelsheim, Roth=Darmſtadt, Gruber=
Babenhauſen, Eberle=Rüſſelsheim, Trabold=Rüſſelsheim.
Einen weiteren von Seiner Durchlaucht dem Prinzen
Hohenlohe dem beſten Rüſſelsheimer Führer geſtifteten
Ehrenpreis, in Geſtalt einer ſilbernen Herrenuhr, erhielt
Treber=Rüſſelsheim. Nach der Vorführung begaben die
Teilnehmer ſich ins Hotel Rüſſelsheimer Hof, woſelbſt
Herr Polizeikommiſſär Lindemann die einzelnen Punkte
des Programms gründlich durchſprach und dann in einem
längeren, ſehr inſtruktiven Vortrag den Zweck der
Polizei= und Schutzhund=Sache beleuchtete. Herr Dr.
Diffiné nahm alsdann die Preisverteilung vor, nach
deren Beendigung er in einer kernigen Anſprache den
Dank des Vereins allen Beteiligten, insbeſondere den Stif=
tern
der ſamt und ſonders ſehr wertvollen Ehrenpreiſe,
ausſprach.
t. Dieburg, 30. Juni. Bei dem geſtern abgehaltenen
Geſangswettſtreit in Nieder=Ramſtadt
errang der Männer=Geſangverein Dieburg unter der
Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Lehrers Keller, in
der 1. Landklaſſe den 2. Preis und den 1. Ehrenpreis, bei
dem Ehrenpreisſingen den höchſten Ehrenpreis.
Heppenheim, 30. Juni. Das nach Darmſtadt ge=
hörige
Automobil V S 189 wollte geſtern auf der
Bergſtraße unweit des Gaſthauſes Zum halben Mond
einem entgegenkommenden Fuhrwerk ausweichen. Dabei
kam es ins Rutſchen und rannte mit voller Wucht
an der dortigen Linden=Allee drei Bäume an, ſolche
ſtark beſchädigend. Eine Seite des Autos wurde wegge=
riſſen
. Nur wie durch ein Wunder kamen die vier In=
ſaſſen
mit leichten Verwundungen davon. Der Schaden
ſoll ſich auf mehrere tauſend Mark belaufen.
L. König i. O., 28. Juni. Das goldene Jubi=
läumsfeſt
des hieſigen Turnvereins, ver=
bunden
mit dem 29. Gauturnfeſt des Odenwaldturngaues,
wurde mit einer akademiſchen Feier in der großen Feſt=
halle
eingeleitet. Der Jubelverein brachte mit den ande=
ren
Vereinen Königs dem hohen Protektor des Feſtes,
dem Fürſten zu Erbach=Schönberg, einen prächtigen Lam=
pionzug
, wobei der 1. Vorſitzende, Herr Hch. Keller, dem
Fürſten den Dank des Vereins überbrachte. Der Fürſt
dankte herzlichſt für die ihm dargebrachte Ehrung. Ein
exakt ausgeführter Fackelreigen der Gauturnwarte be=
reitete
ein herrliches Bild. Bei der akademiſchen Feier
hielt Herr Lehrer Körner, ein Königer, zurzeit in
Fränkiſch=Crumbach im Lehramt tätig, eine form=
vollendete
, begeiſtert aufgenommene Feſtrede. Herr Kurz,
der 1. Vorſitzende des Odenwaldgaues, übermittelte die
Glückwünſche des Gaues und brachte ein Geſchenk des
Turnvereins Michelſtadt. Ebenſo überbrachte der Turn=
verein
Fränkiſch=Crumbach Glückwünſche, ſowie ein
ſchönes Geſchenk. Herr Bürgermeiſter Büchner begrüßte
im Namen der Gemeinde König alle Feſtteilnehmer und
wünſchte dem Jubelverein beſtes Gedeihen. Der 1. Vor=
ſitzende
, Herr Hch. Keller, ehrte die beiden noch lebenden
Gründer des Turnvereins König, Herrn Jean Grasmück
von hier und Herrn Emanuel Frank aus Michelſtadt,
durch Anſprache und Diplome. Fräulein Marie Körner
überbrachte poetiſchen Gruß und Glückwunſch im Auf=
trage
der Feſtjungfrauen. Der 2. Vorſitzende des Ver=
eins
, Herr Chriſtian Mahla, übergab die Feſtleitung an
den Gauvorſtand. Auf dem Juxplatz herrſchte buntbeweg=
tes
Leben.
A Beerfelden, 29. Juni. Geſtern nachmittag beſorgte
ein Knecht des Mehlhändlers O. eine Fuhre Mehl nach
Rothenberg. Beim Abladen erhielt er von einem
Pferd einen Schlag gegen die Stirne, daß er ſchwer
verletzt heute hierher gebracht wurde. Das Aufkaufen
der Heidelbeeren nimmt in hieſiger Gegend lang=
ſamen
Fortgang, weil bei der kühlen und regneriſchen
Witterung die Beeren nur langſam nachreifen und die
Pflückenden bei Regen und Näſſe nicht arbeiten können.
Dies drückt ſich auch in den Preiſen aus, die pro Pfund
von 20 auf 22 Pfg. geſtiegen ſind.
s. Mainz, 30. Juni. Das 26. Verbandsſchießen
des mittelrheiniſch=heſſiſch= pfälziſch=
badiſchen
Schützenverbandes in Mainz nahm
geſtern mit einer trotz der ungünſtigen Witterung gut ver=
laufenen
Vorfeier einen verheißungsvollen Anfang. Nach
einem Frühſchoppen zogen die Mainzer Schützengeſellſchaft
und eine Anzahl fremder Schützen mit Muſik und Fahne
nach dem oberhalb des Mainzer Stadtparks herrlich
gelegenen Feſtplatz. Sofort begann dort das Probebankett,
das einen ſehr animierten Verlauf nahm. Oberſchützen=
meiſter
Heerdt weihte dabei ſein Glas dem frohen Ge=
lingen
des Feſtes. Baurat Gelius ließ die Mainzer
Schützengeſellſchaft und den Verband hochleben. Nach dem
Eſſen begann das Probeſchießen auf allen Ständen, bei
dem ſchon ſehr gute Reſultate erzielt wurden. An die
Schützen, welche in 10 Minuten die beſten Reſultate hatten,
wurden 11 Erinnerungsbecher verteilt. In der geräumigen
orachtvoll dekorierten Feſthalle fanden nachmittags und
abends Militärkonzerte ſtatt, ebenſo in den Bier= und
Weinzelten.
Worms, 30. Juni. In der Nacht zum Samstag ſind
hier, wie bereits gemeldet, verſchiedene Einbrüche
verübt worden. Die Verfolgung der unbekannten Täter
wurde ſofort aufgenommen und es gelang, ſie durch den
Königl. Gendarmen in Rockenhauſen (Pfalz) verhaf=
Fen zu laſſen. Es ſind drei Strolche, angeblich aus Lud=

wigshafen. In der Wohnung ſeiner Mutter hat ſich
am Samstag nachmittag der Pionier Nikolaus Prag
von hier, der ſich ſeit 21. ds. Mts. von ſeinem Truppen=
teil
Pionier=Bataillon Nr. 25 ohne Urlaub entfernt
hatte und ſeitdem geſucht wurde, kurz bevor er feſtge=
nommen
werden ſollte, in ſelbſtmörderiſcher Abſicht einen
Schuß in die linke Bruſt beigebracht. Als er kurz
danach in das ſtädtiſche Krankenhaus eingeliefert wurde,
war der Tod bereits eingetreten.
(*) Bad Nauheim, 30. Juni. Der früher hier wohn=
hafte
Fuhrunternehmer Eichenauer aus Wiſſelsheim
iſt ſpurlos verſchwunden. In einem Brief an
ſeine Angehörigen teilt er mit, daß er lebensüberdrüſſig
ſei. Ebenſo iſt der Händler Waag von hier ſpurlos
verſchwunden.
Laubach, 29. Juni. Im Schützenhof nahm heute
nachmittag eine von mehreren hundert Perſonen beſuchte
Mitgliederverſammlung Stellung zur Deckung der
Verluſte des Vorſchußvereins. Nach längerer
Debatte beſchloß die Verſammlung eine Erhöhung
der Geſchäftsanteile um 650 Mark pro Anteil,
nämlich von 150 Mark auf 800 Mark. Damit iſt einer
Kriſis vorgebeugt.

50 jähriges Zubiläum des Geſangvereins
Harmonie‟ Nieder=Ramſtadt, verbunden mit
Geſangswettſtreit.

* Nieder=Ramſtadt, 30. Juni. Der Geſangverein
Harmonie feierte am Sonntag und Montag bei
außerordentlich zahlreicher Beteiligung ſein 50jähriges
Jubelfeſt, verbunden mit Geſangswettſtreit. Die Feier
wurde am Samstag abend durch einen Feſtzug der
Nieder=Ramſtädter Vereine nach dem Feſtplatz eröffnet.
Ein Feſtkommers unter regſter Beteiligung und unter Mit=
wirkung
der Kapelle des Garde=Dragoner=Regts Nr. 23
leitete mit Begrüßungen der Gäſte, Ehrung der Jubilare
uſw. die Feier würdig ein. Am Sonntag morgen fand
in den verſchiedenen Sälen das Wettſingen der über 30
Vereine, die der Jubelverein zu edlem Wettſtreit eingela=
den
hatte, ſtatt. Nachmittags bewegte ſich wieder ein ſehr
ſtattlicher Feſtzug durch die Straßen nach dem Feſtplatz,
wo Profeſſor Kiſſinger die Feſtrede hielt. die mit
einem Hoch auf das deutſche Lied ſchloß. Es fand dann
auch Konzert und Tanz im Gaſthaus Zur Poſt ſtatt.
Dort wurde auch das höchſte Ehrenſingen am
Nachmittag abgehalten.
Bei der Preisverteilung errangen folgende
Vereine Preiſe: Geſangverein Konkordia=Darmſtadt in
der 1. Stadtklaſſe mit 261 Punkten den erſten Preis und
Ehrenpreis, Geſangverein Germania=Rüſſelsheim mit 259
Punkten den zweiten Preis. In der 2. Stadtklaſſe errang
der Männergeſangverein Frauenſtein i. T. den 1. Preis
Orthſches Männerquartett=Darmſtadt den 2. Preis und
Ehrenpreis. Männergeſangverein Höchſt i. O. den 3. Preis,
Sängerbund Rüſſelsheim den 4. Preis. 3. Stadtklaſſe:
Sängerluſt Roßdorf den 1. Preis und Ehrenpreis, Müllers
Doppelauartett Frankfurt a. M. den 1. Preis und Ehren=
preis
. Beide Vereine erhielten gleiche Punktzahl und
einigten ſich in den 1. und 2. Preis, Rheinaold Darmſtadt
den 3. Preis. 1. Landklaſſe: Harmonie Lämmerſpiel den
1. Preis, Männergeſangverein Dieburg den 2. Preis und
Ehrenpreis, Germania Weiterſtadt den 3 Preis. 2. Land=
klaſſe
: Sängerbund Offenthal bei Offenbach den 1. Preis
und Ehrenpreis, Germania Vilbel den 2. Preis und 2.
Ehrenpreis, Frohſinn Lenafeld i. O. den 3. Preis, Ger=
mania
Raunheim den 4. Preis, Sängerluſt Eberſtadt den
5. Preis, Liederkranz Groß=Zimmern 6. Preis. Sängerluſt
Pfungſtadt den 7. Preis, Germania Ober=Ramſtadt 8
Preis. 3. Landklaſſe: Frohſinn Jügesheim bei Offenbach
den 1. Preis und Ehrenpreis. Sängerbund Erbach i. Rhg.
2. Preis und Ehrenpreis. Sängerluſt Gundernhauſen den
3. Preis. Eintracht Eppelheim bei Heidelberg den 4. Preis.
Germania Griesheim bei Darmſtadt 5. Preis Eintracht
Hainhauſen bei Offenbach den 6. Preis, Sängerluſt Traiſa
den 7. Preis. Germania Urberach den 8. Preis Sänger=
bund
Erzhauſen den 9. Preis, Konkordia Erlenbach i. O.
den 10. Preis. Klaſſe C (nichtpreisgekrönte Vereine)
Männerquartett Beſſungen den 1. Preis und Ehxenpreis,
Harmonie Ober=Ramſtadt den 2. Preis, Liederkranz Heu=
bach
i. O. den 3. Preis, Frohſinn Nieder=Beerbach den 4.
Preis. Im Hauptehrenſingen in den Stadtklaſſen: Kon=
kordia
Darmſtadt den 1. Ehrenpreis In der 1. und 2.
Landklaſſe: Männergeſangverein Dieburg den Ehrenpreis.
3. Landklaſſe: Euphroſine Heldenbergen den Ehrenpreis
Den Abend beſchloß ein Feſtball. Geſtern fand Volks=
feſt
ſtatt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 29. Juni. Dem Kaiſer
ſind bekanntlich anläßlich ſeines 25jährigen Regierungs
jubiläums etwa 2000 Adreſſen und Spenden über=
reicht
worden. Jeder Spender hat ein Dankſchreiben er=
halten
. Gleichzeitig erfolgſte die Benachrichtigung, daß
die Adreſſe reſpektive Spende zufolge Allerhöchſten Be=
fehls
dem Hohenzollern=Muſeum zur dauernden Aufbewah=
rung
überwieſen werden wird. Hiermit iſt bereits be=
gonnen
worden, für die Aufſtellung wurden einige Räume
hergerichtet. Zur Eröffnungsfeier des Kaiſe=
rin
Auguſte Viktoria=Sanatoriums für
tuberkuloſe Frauen und Mädchen des Mittelſtandes in
Hohenlychen, hatten ſich Vertreter der Reichsverſicher=
ungsanſtalt
und Freunde des Volksheilſtättenvereins in
großer Zahl eingefunden. Generalarzt Werner würdigte
in ſeiner Begrüßungsrede die Bedeutung der neuen An=
ſtalt
. Miniſterialdirektor Hoff übernahm das Heim, das
bereits in den nächſten Tagen zur Hälfte belegt werden
ſoll, mit Worten des Dankes. Bei der Ausübung ſeines
Berufs iſt geſtern abend der 73 Jahre alte Droſchken=
kutſcher
Preuß vom Tode ereilt worden. Der alte
Mann, der ſeit nahezu 40 Jahren ſein Gefährt durch die
Straßen Berlins lenkte und am Potsdamer Platz durch
ſeine Urwüchſigkeit und ſeinen echten Berliner Humor eine
bekannte Perſönlichkeit war, hatte am Potsdamer Platz
Fahrgäſte bekommen und fuhr in gemütlichem Trabe die
Potsdamer Straße entlang. Plötzlich neigte er ſich nach
vorn und blieb in dieſer Stellung ſitzen. Der Wagen ge=
riet
in die Straßenbahnſchienen; dadurch ſtürzte der alte
Mann vom Bock und blieb leblos auf dem Damm liegen.
Man ſchaffte ihn in die nächſte Unfallſtation, wo der Arzt
den infolge Gehirnſchlag eingetretenen Tod feſtſtellte.
Im Hofjagdrevier bei Hermsdorf wurde durch Zufall eine
mit allem Komfort ausgeſtattete unterirdiſche Woh=
nung
entdeckt, welche von zwei gefährlichen Einbrecher=
banden
, beſtehend aus 5 Männern und 2 Frauen, bewohnt
wurde. Es ſind der Polizei bekannte Verbrecher, die auch
alle verhaftet wurden. Auch ein Händler Meſeritzer aus
der Lothringerſtraße, der als Hehler diente, wurde ver=
haftet
. Die Diebe erbeuteten bisher Objekte im Werte von
40000 Mack.
München, 30. Juni. Herzog Ludwig in
Bayern, der 82jährige Senior des Hauſes Wittelsbach,
liegt gegenwärtig im Scheidungsprozeß mit ſeiner

zweiten Gemahlin Frau v. Bartolf, die ihm im Jahre.
1892 angetraut war. Die Ehe war morganatiſch, da Frau
v. Bartolf (geb. Barth) früher dem Ballett angehörte und
erſt durch die Ehe den Adel erhielt. Der Herzog mußte
ſeinerzeit auf ſein Erſtgeburtsrecht verzichten und trat
ſeine damit verbundene ſtaatliche Jahresapanage von
385000 Mark an ſeinen Bruder, den berühmten Augenarzt
Dr. Karl Theodor, ab. Er war in erſter Ehe mit Hen=
riette
Mendel aus Darmſtadt, ſpäteren Freifrau von
Wallerſee, vermählt, die im Jahre 1891 geſtorben iſt. Aus
der erſten Ehe ſtammt eine Tochter.
Osnabrück, 30. Juni. Nach ſoeben eingegangener
Meldung der oberſten Sanitätsbehörde wurden nunmehr
bei drei Mann des 1. Bataillons Paratyphusbazil=
len
feſtgeſtellt. Die Leute ſind unter gleichen Erſcheinun=
gen
wie die anderen Mannſchaften des Bataillons er=
krankt
.
Kottbus, 28. Juni. Nach dreitägiger Verhandlung
verurteilte das hieſige Schwurgericht die Witwe
Minna Köckeritz aus Drebkau, welche beſchuldigt iſt, im
Februar 1913 den Arbeiter Karl Fröhlich getötet und den
Leichnam beſeitigt zu haben, zum Tode und zum
dauernden Verluſt der bürgerlichen Ehrenrechte.
Wien, 29. Juni. Um 8.40 Uhr heute abend traf der
Bonner Männergeſangverein auf dem Bahn=
hof
ein, wo er von zahlreichen Abordnungen von Ge=
ſangvereinen
, darunter der Wiener Männergeſangverein,
begrüßt wurde. Namens des Bürgermeiſters begrüßte
Stadtrat Kleiner die Gäſte, worauf Juſtizrat Maier für
den herzlichen Empfang dankte. Zu Ehren der Bonner
Sänger iſt eine Reihe Feſtlichkeiten geplant. Die Bonner
Sänger haben bei ihrem Eintreffen an der Grenze an
Kaiſer Franz Joſef ein Huldigungstelegramm abgeſandt.
Innsbruck, 28. Juni. Das ſüdtiroliſche Dorf
Pinzolo im Rendenatal (Bezirk Tione) iſt in der ver=
gangenen
Nacht zum größten Teil eingeäſchert wor=
den
. Das Dorf hat ſamt zwei Nebengemeinden 267 Häu=
ſer
, von denen zwei Drittel zerſtört worden ſind. Der
zwei Stunden entfernte Höhenkurort Madonna di Cam=
piglio
gehört auch zur Gemeinde Pinzolo. Viele Sommer=
gäſte
eilten zur Rettung herbei. Der Brand entſtand
geſtern um Mitternacht in der Holzlege eines Bauern.
Das Feuer griff unheimlich raſch um ſich und zerſtörte
innerhalb zehn Stunden faſt das ganze Dorf, das zumeiſt
aus Holzbauten beſtand Die ſchöne Kirche, das Poſtamt
ſamt Einrichtung und andere öffentliche größere Gebäude
ſind zerſtört. Glücklicherweiſe ging kein Wind, ſonſt wäre
die geſamte Ortſchaft abgebrannt. Ein alter Bergführer
wurde durch ſtürzende Balken erſchlagen, ſonſt kam nie=
mand
ernſtlich zu Schaden. Der Materialverluſt beträgt
über eine Million. Statthalter Graf Toggenburg hat be=
reits
1000 Kronen für die Abgebrannten gezeichnet.
Paris, 29. Juni. Den Blättern zufolge verhaf=
tete
die hieſige Polizei einen im Dienſte der Geheimpoli=
zei
der ruſſiſchen Botſchaft in Paris ſtehenden Italie=
ner
namens Fontana, der einen Landsmann, einen ge=
wiſſen
Leone, welcher früher gleichfalls ruſſiſcher Geheim=
poliziſt
geweſen und dann zur revolutionären Partei über=
getreten
war, zur Herausgabe angeblich entwendeter
Schriftſtücke zwingen wollte und ihn dabei mit einem
Stockhieb erheblich verwundet hatte.
Paris. 29. Juni. In einer Eiſengießerei zu Rodange
bei Longwy ſtürzten vier Arbeiter von einem Gerüſt.
Zwei wurden getötet, die beiden anderen ſchwer ver=
wundet
.
Kalkutta, 29. Juni. Bei Onda im Bezirk Bardwan
iſt ein Perſonenzug in den Salkofluß ge=
ſtürzt
. Nach Meldungen der Behörden ſind eine Anzahl
Paſſagiere umgekommen. Mehrere Leichen ſind bereits
geborgen.
London, 29. Juni. Die Anhängerin des
Frauenſtimmrechts Sylvia Pankhurſt veran=
ſtaltete
heute nachmittag am Trafalgar Square eine Kund=
gebung
. Darauf zog ſie in Begleitung von 2000 Menſchen,
unter denen ſich zahlreiche Dockarbeiter befanden, in der
Richtung nach der Downingſtreet zum Wohnhauſe As=
quiths
. Die Menge verſuchte den Gürtel der Polizeimann=
ſchaften
zu durchbrechen, wobei es mehrfach zu Tumulten
kam. Der Polizei gelang es ſchließlich, die Manifeſtan=
ten
zurück zu treiben. Fünf Perſonen wurden verhaftet.

Luftfahrt.
Der deutſche Waſſerflugzeugwettbewerb 1913.

* Wir entnehmen der Köln. Ztg.: Nachdem im Herbſt
vorigen Jahres die erſte deutſche Veranſtaltung mit Waſ=
ſerflugzeugen
vor Heiligendamm ſtattgefunden hatte, war
man ſich bei uns darüber klar, daß die Menge neuer Pro=
bleme
, die im Waſſerflugzeugbau eine Löſung fordern, nur
durch ſtreng ſyſtematiſches ſchrittweiſes Vorgehen zu über=
winden
ſei. Die Folge dieſer Erkenntnis war einmal der
Entſchluß zum Bau eines allen Anforderungen Rechnung
tragenden Waſſerflugplatzes an der Oſtſee. In langwie=
rigen
Verhandlungen zwiſchen Flugzeuginduſtrie, Marine=
behörde
und Luftfahrerverband kam man dann dazu, für
dieſes Jahr nur einen Wettbewerb mit Waſſerflugzeugen
auszuſchreiben, damit die durch Lieferung von Apparaten
für die Militärverwaltung ſtark in Anſpruch genommene
Flugzeuginduſtrie ſich genügend vorbereiten könnte. Die
Bedingungen für dieſen Wettbewerb ſuchte man ſo leicht
zu geſtalten, daß ſie von einer größern Zahl von Firmen
auch gelöſt werden konnten. Der Wettbewerb 1913 ſollte
nur ſozuſagen eine Vorübung werden für eine im nächſten
Jahre, 1914, vom neuen Waſſerflugplatz an der Oſtſee aus=
gehende
Hochſeeflugzeugkonkurrenz. Trotz ſchwerwiegender
Bedenken ſachverſtändiger Kreiſe kam man denn dazu,
den Wettbewerb 1913 nicht auf Salzwaſſer, ſondern auf
einem Binnenſee zu veranſtalten. Es ſetzte ſich die An=
ſchauung
durch, daß die Unterſchiede in den Verhältniſſen
zwiſchen offener See und Binnenſee nicht ſo groß ſeien,
daß man dadurch zu Fehlſchlüſſen gelangen könne. Gleich=
zeitig
hoffte man aber durch Verlegung des Wettbewerbs
auf einen Binnenſee die Grundlage für einen ganz neuen
Sport mit Waſſerflugzeugen zu entwickeln. Der deutſche
Waſſerflugzeugwettbewerb für 1913 wird nun in der Zeit
vom 29. Juni bis zum 5. Juli auf dem Bodenſee ausge=
tragen
werden. Er ſteht unter der Schirmherrſchaft des
Großherzogs von Baden und wird veranſtaltet von der
Südweſtgruppe des deutſchen Luftfahrerverbandes.
Den örtlichen Mittelpunkt des Wettbewerbs bildet der
bei Konſtanz neu errichtete Waſſerflugplatz, der, wenn auch
von beſchränkten Landabmeſſungen, doch Abflug und Lan=
dung
auch auf feſtem Boden geſtattet. An Preiſen kommen
zur Verteilung kleine Prämien für Befähigungsnachweiſe
(Abflug vom Lande, Niedergehen auf dem Waſſer, Abflug
vom Waſſer, Höhenflug auf mindeſtens 200 Meter), Preiſe
für beſondere Bauarten, die nach Punkten gewertet werden
(z. B. Verkürzung der Tragflächen vom Führerſitz aus,
hochziehbares Fahrgeſtell, Schwimmeranordnung uſw.),
und Preiſe für drei beſtimmte Höchſtflugleiſtungen. Vom
militäriſchen Standpunkt intereſſant ſind die Steigfähig=
keitsprüfung
auf 500 Meter und der Flug um den Großen
Preis vom Bodenſee. Bei der Steigfähigkeitsprüfung
auf 500 Meter hat das Flugzeug mit Fluggaſt (Führer und
Begleiter ergänzt auf 180 Kilogramm) von Waſſer oder
Land abzufliegen, auf 500 Meter zu ſteigen und dann auf

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Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151.

dem Waſſer innerhalb eines durch Bojen bezeichneten Vier=
ecks
niederzugehen. Die beiden Flugzeuge, welche die Höhe
von 500 Meter in der kürzeſten Zeit erklimmen, werden mit
Preiſen von 3000 und 2000 Mark ausgezeichnet. Der Flug
um den Großen Preis vom Bodenſee führt über eine Strecke
von 200 Kilometer. Es iſt vom Lande in Konſtanz aufzu=
ſteigen
und auf einem von der Oberleitung genau feſtgeleg=
ten
Weg, der über Romanshorn-Arbon-Bregenz-Lindau
führt, der Bodenſee zweimal zu umfliegen. Auf der erſten
Runde muß in einem bei Lindau feſtgelegten Bojenviereck
von 500 Meter Seitenlänge eine Zwiſchenlandung vor=
genommen
werden, bei der die Flugzeugſchraube zum
Stillſtand gebracht werden muß. Ohne fremde Hilfe iſt
dann in möglichſt kurzer Zeit wieder aufzuſteigen. Nach
der zweiten Runde muß der Flug im Konſtanzer Bojen=
viereck
beendet werden. Der Flug hat mit Fluggaſt zu er=
folgen
. Flieger= und Begleitergewicht ſind auch hier auf
180 Kilogramm zu ergänzen. Den drei Flugzeugen, welche
den Flug in der kürzeſten Zeit ausführen, winken Preiſe
von 25000, 10000 und 5000 Mark. Außerdem ſteht für
die Flieger, die bei mehr als 7 Meter Wind geflogen ſind,
ein Ehrenpreis des Staatsſekretärs des Reichsmarineamts
zur Verfügung. Ein Flug über 100 Kilometer iſt dann
endlich für die Sportflugzeuge vorgeſehen, die mit Mo=
toren
unter 76 Pferdekräften ausgerüſtet ſein müſſen. Die
Bedingungen ſind ähnlich wie die beim Großen Preis
vom Bodenſee, nur daß die zweite Runde wegfällt und
eine genaue Fluglinie bis zum Bojenviereck von Lindau
nicht eingehalten zu werden braucht. Bei der geringen
Preisfeſtſetzung für dieſen Wettbewerb der Erſte Preis
beträgt 5000 Mark und Ehrenpreis, der Zweite Preis 3000
Mark wird man ſich nicht wundern dürfen, wenn um
ihn ſich kein ſo heißer Wettkampf entſpinnt. Fällt doch für
ihn auch noch der Anreiz weg, den das Reichsmarineamt
auf die Bewerber um den Großen Preis ausübt, wenn es
ſich vorbehält, zwei Flugzeuge einer Bauart der beim
Bodenſeewettbewerb beteiligt geweſenen Maſchinen zu
kaufen, allerdings nur, wenn ſie auch auf See in Putzig
den Bedingungen für Marineflugzeuge entſprechen. Die
Frage, ob es richtig war, einen Binnenſee für den Wett=
bewerb
zu wählen, wird ſich da ausweiſen. Ein Sport=
flugzeug
unter 75 Pferdeſtärken wird aber als Marineflug=
zeug
wohl auf keinen Fall mit in Wettbewerb treten
können.

* Konſtanz, 28. Juni. (Bodenſee= Waſſer=
flugzeugwettbewerb
1913.) Bis jetzt ſind folgende
Flugzeuge hier angekommen: Ein Aviatikdoppeldecker
(Flieger Faller und Stöffler) und ein Doppeldecker der
Flugzexgbaugeſellſchaft Friedrichshafen (Führer (Gſell),
ein Doppeldecker der Argo=Werke (Flieger Kießling), ein
Strackeindecker (Flieger C. Strack), ein Gotha= Doppel=
decker
(Flieger Büchner), ein Albatros=Doppeldecker und
zwei Albratos=Eindecker (Flieger Hirth, Thelen und Voll=
möller
) und ein Otto=Doppeldecker, im ganzen zehn Ap=
parate
, vier weitere werden erwaret. Prinz Heinrich von
Preußen drückte in einem Telegramm ſein Bedauern dar=
über
aus, daß er wegen der Kieler Woche dem Wettbewerb
nicht beiwohnen könne und wünſchte beſten Erfolg.
* Konſtanz, 28. Juni. Um 11 Uhr vormittags be=
gann
die Abnahme der Flugzeuge. Um 12.17 Uhr
ſtartete Steffler an Land. Beim Waſſern überſchlug ſich
das Flugzeug. Der Flieger wurde herausgeſchleudert,
konnte ſich aber in ein Boot retten. Der Apparat ver=
ſackte
mit nach oben gekehrten Schwimmern. Er wurde
ſpäter von einem Dampfſchiff mit Krahn gehoben. Das
Flugzeug iſt ſo beſchädigt, daß es an der Konkurrenz nicht
weiter teilnehmen kann. Bis jetzt ſind zehn Flugzeuge ein=
getroffen
, ein elftes wird noch erwartet. Sonntag nach=
mittag
3 Uhr beginnen die Flüge um den Befähigungs=
nachweis
.
* Konſtanz, 30. Juni. Bis geſtern abend waren
von 17 gemeldeten 10 Flugzeuge hier eingetroffen und
ſind abgenommen worden. Beteiligt ſind hierbei folgende
Firmen: C. Otto=München, die Aviatik=Aktiengeſellſchaft
in Mülhauſen (Elſaß), der Flugzeugbau Friedrichshafen
mit je zwei Apparaten, die Ago=Flugzeug=Werke Johannis=
thal
und die Waggonfabrik Gotha, dann die Albratos=
werke
in Johannisthal, die letzteren mit drei Apparaten.
Der Großherzog von Baden, der das Protektorat der Ver=
anſtaltung
übernommen hat, beſuchte geſtern nachmittag
mit Gefolge den Flugplatz und beſichtigte eingehend
die ſämtlichen Apparate. Er wurde namens der Südweſt=
gruppe
des Deutſchen Luftfahrerverbandes, der Veranſtal=
terin
des Bodenſeeflugs, vom General D. Gäde=Freiburg
begrüßt. Mit Rückſicht auf das böige Wetter wurde geſtern
auf Wunſch des Großherzogs von Aufſtiegen abgeſehen.
Heute, Montag, beginnen die Konkurrenzen.
* Konſtanz, 30. Juni. Nachdem der Wind einiger=
maßen
abgeflaut hatte, ſetzte heute morgen ein außer=
ordentlich
reger Flugbetrieb ein. Fünf Fliegern glang es
bereits, in glänzender Weiſe die Bedingungen des Befä=
higungsnachwiſes
zu erfüllen. Die Aufgaben beſtehen im
Abfliegen vom Lande, Niedergehen auf das Waſſer, Wie=
derabflug
vom Waſſer, ſowie in einem Höhenflug von
mindeſtens 200 Meter Höhe. Um 8 Uhr 20 Min. ſtieg
Thelen mit einem Albatros=Doppeldecker auf und er=
reichte
280 Meter Höhe, ferner beſtanden den Befähigungs=
nachweis
Gnill mit Friedrichshafen=Doppeldecker und
einem Flug von 240 Meter Höhe, Kißling auf Argo=
Doppeldecker erreichte 260 Meter, Hirth auf Albatros=
Eindecker 250 Meter Höhe, Vollmöller 210 Meter.
Land= und Waſſerflüge wurden von den Fliegern in tadel=
loſer
Weiſe ausgeführt, ebenſo wurden ſämtliche Waſſer=
ungen
geſchickt erledigt.
H.B. London 30. Juni. Der engliſche Flieger
Wright war während eines Fluges über Brighton, als
der Motor ausſetzte, gezwungen, plötzlich niederzugehen.
Der Flugapparat ſtieß ſo heftig auf den Boden, daß der
Benzinbehälter platzte und Feuer fing. Wright er=
litt
ſchwere Brandwunden und wurde beſinnungs=
los
ins Hoſpital gebracht.

Todesſtürze.

* Lüttich, 29. Juni. Der Flieger Pariſot iſt mit
einem Paſſagier abgeſtürzt. Pariſot wurde ſchwer ver=
letzt
, der Paſſagier war auf der Stelle tot.
* Brüſſel, 30. Juni. Zu dem gemeldeten Flug=
unfall
aus Lüttich iſt nachzutragen, daß es ſich um einen
Verſuchsflug des Aviatikers Pariſot handelt, den er in
der Nähe von Lüttich ausführte. Der Unfall iſt weit ſchwe=
rer
, als zu Anfang angenommen wurde. Der Apparat
kippte um und fiel auf eine Menge von Zuſchauern. Der
Aviatiker ſelbſt und eine Perſon ſind ge=
tötet
ein kleiner Junge liegt im Sterben und etwa
ſieben bis acht Perſonen ſind zum Teil ſchwer
verletzt.

Sport, Spiel und Turnen.
Akademiſches Turn= und Sportfeſt in Gießen.

* Am Samstag und Sonntag fand in Gießen unter
außerordentlicher Beteiligung das Akademiſche Turn=
und Sportfeſt ſtatt, zu dem die Hochſchulen Darm=
ſtadt
, Heidelberg, Gießen und Marburg ihre beſten
Mannen entſendet hatten. Am Sonntag mittag waren an=
weſend
Se. Königl. Hoheit der Großherzog, Miniſter
des Innern von Hombergk zu Vach, Miniſterialrat
Weber, Provinzialdirektor Uſinger, der Kommandeur
des Infanterie=Regiments Nr. 116, Vertreter der Hochſchu=
len
und ein Vertreter der Stadt Gießen. Die Darm=
ſtädter
errangen folgende Siege: Den erſten Preis
im Hockey=Spiel, im Tennis=Einzel= und=Doppelſpiel, im
Hochſchul=Eilbotenlaufen um den Kranz des
Großherzogs im Fauſtballkampfe einen erſten Preis,
ferner den erſten Preis im 400 Meter=Laufen und im Bruſt=
ſchwimmen
; einen zweiten im turneriſchen Zwölfkampf
und drei weitere, alſo vier Preiſe; dritte Preiſe im ſport=
lichen
Dreikampf, Kugelſtoßen und Diskuswerfen. Im
volkstümlichen Dreikampf errang ebenfalls ein Darmſtädter
Herr den erſten Preis. Am Sonntag abend war Preis=
verteilung
und hierauf erfolgte die Rückfahrt.

Vermiſchtes.

* Der Hausfriedensbruch im Straßen=
bahnwagen
. Bekanntlich wurde es vor Einführung
der Novelle zum Strafgeſetz als Hausfriedensbruch ange=
ſehen
, wenn der Täter in die Wohnung, die Geſchäfts=
räume
oder das umfriedete Beſitztum eines anderen wider=
rechtlich
eingedrungen war oder auf die Aufforderung des
Berechtigten ſich nicht entfernt hatte. In der Novelle iſt
dies dahin geändert worden, daß auch ein Hausfriedens=
bruch
in abgeſchloſſenen, dem öffentlichen Verkehr
dienenden Räumen verübt werden kann. Jetzt beſchäftigte
die Berufungsſtrafkammer der erſte derartige, zur Ab=
urteilung
gelangte Fall. Der Angeklagte W. in Berlin
hatte in einem Straßenbahnwagen Lärm gemacht, wurde
von dem Schaffner wiederholt aufgefordert, den Wagen
zu verlaſſen, und mußte ſchließlich gewaltſam hinaus=
befördert
werden. Der Angeklagte ſprang dann in eine
Droſchke und fuhr hinter dem Straßenbahnwagen her,
dabei fortwährend auf den Schaffner in den gemeinſten
Ausdrücken ſchimpfend. Das Berliner Schöffengericht
verurteilte ihn mit Rückſicht auf die Schwere der Aus=
ſchreitung
zu zwei Monaten Gefängnis. Die Berufung
des Angeklagten wurde von der Strafkammer verworfen.

Die Lage auf dem Balkan.

Die Lage auf dem Balkan.
* Uesküb, 30. Juni. Nach offiziöſen Meldungen
haben die Bulgaren heute nacht einen Ueberfall
auf die ſerbiſchen Truppen in der Richtung auf
Istip und in den erſten Morgenſtunden einen Angriff auf
Retka und Sletowo ausgeführt. Außerdem griffen die
bulgariſchen Truppen die Serben bei Welwodowna an.
Auf ſerbiſcher Seite wird das als Beweis dafür angenom=
men
, daß Bulgarien ohne Kriegserklärung den Krieg be=
ginnen
will.
* Köln, 30. Juni. Von berufener leitender Stelle
iſt der Bukareſter Korreſpondent der Kölniſchen Zeitung
ermächtigt mitzuteilen, daß der nach Bukareſt telegraphiſch
übermittelte Auszug der Ausführungen der
öſterreichiſchen und deutſchen Preſſe über
die Haltung Rumäniens große Ueberraſchung her=
vorrief
. Es ſei nicht wahr, daß Rußland Rumänien be=
einflußt
habe, die Haltung einzunehmen, die es beobach=
tete
. Rumänien ließ ſich lediglich von dem weiſen Ver=
ſtändnis
leiten, ohne Abſicht irgend jemand einen Gefallen
zu tun, um ſo weniger ließ es ſich von dem Gedanken lei=
ten
, gegen die Intereſſen Oeſterreich=Ungarn zu wirken;
gleich den Großmächten, an deren aufrichtigen Erklärungen
man hier nicht zweifle, wünſche Rumänien in erſter Linie
die Erhaltung des Friedens Seine Haltung in den letzten
Tagen galt der Erreichung dieſes Zieles dadurch, daß es
von vornherein die Balkanſtaaten wiſſen ließ, ſie müßten
im Kriegsfalle mit der Möglichkeit rechnen, daß Rumänien
in Tätigkeit trete.
* Sofia 30. Juni. Nach den heute nacht im Haupt=
quartier
eingetroffenen Nachrichten wurden die bulga=
riſchen
Truppen bei Prawitſcha geſtern abend gegen
8 Uhr durch heftiges Gewehrfeuer aus der Richtung
von Towlje überraſcht. Sie eilten den vorgeſchobenen
Abteilungen zu Hilfe und warfen ſich unter Hurrarufen
mit ihren Bajonetten auf die eingreifenden Griechen, die
ſich in großer Unordnung zurückzogen. Dabei wurde der
Ort Leftere in Brand geſteckt. Die Bulgaren verfolgten
ſie bis Kalehtſchiftlik. Der griechiſche Angriff war am
heftigſten auf der Seite von Moſchtien=Chemaltos und be=
zweckte
wahrſcheinlich die Eiſenbahnverbindung zwiſchen
Serres und Drome zu unterbrechen. Die Bulgaren ver=
fügen
in dieſer Gegend über Truppen in hinlänglicher An=
zahl
.
* Belgrad 30. Juni. (Preſſebureau.) Der dritte
Bericht des Hauptquartiers in Uesküb lautet: Die Bul=
garen
begannen den Angriff auch gegen die
ganze griechiſche Front. Die in den erſten Mor=
genſtunden
gegen die Serben begonnenen Kämpfe dehnen
ſich aus vom Urſprung des Zletokafluſſes bis nach Uesküb.
Die Kämpfe dauern fort. Einzelheiten ſind
nicht bekannt. An den Kämpfen nehmen große Infanterie=
maſſen
und Kavallerie teil.
* Belgrad, 30. Juni. Der ſerbiſche Kurier, der
von Belgrad nach Zaribrod gehen ſollte, iſt nicht zurückge=
kehrt
. Anſcheinend haben ihm die Bulgaren das amtliche
Material abgenommen.
* Saloniki 30. Juni. Seit heute morgen findet
bei Gewgeli ein Kampf zwiſchen Serben und
Bulgaren ſtatt, worin bisher vier Regimenter ver=
wickelt
ſind. Einzelheiten fehlen noch. Von zuſtändiger
Seitt wird beſtätigt, daß die Bulgaren heute vormittag
Gewgeli eingenommen haben, nachdem die Serben vor der
Uebermacht zurückgewichen ſind.
* Athen, 30. Juni. Der König reiſte nach Sa=
loniki
ab. Die Flotte hat den Befehl erhal=
ten
, mit größter Beſchleunigung nach Tſagheti und Ele=
vethera
abzugehen.
* Belgrad, 30. Juni. In parlamentariſchen
Kreiſen wird erklärt, daß die innerhalb der Regierungs=
partei
aufgetauchten Gegenſätze ausgeglichen ſind. Hier=
durch
wird ein Verbleiben des Kabinetts Pa=
ſitſch
ermöglicht.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Köln, 30. Juni. Bei dem geſtrigen Gauturnfeſt in
Grenzhauſen (Weſterwald) ſind infolge des Unwet=
ters
zwei Feſtzelte, in welchen ſich 2000 Perſonen be=

fanden, zuſammengeſtürzt. Dreißig Perſonen ſind
mehr oder minder ſchwer verletzt worden.
* Kiel, 30. Juni. Die Kaiſerin iſt heute morgen
im Sonderzuge hier eingetroffen. Der Kaiſer empfing
ſie auf dem Bahnhof und geleitete ſie auf dem Waſſer=
wege
zur Hohenzollern. Im Gefolge der Kaiſerin be=
finden
ſich Hofſtaatsdame Gräfin Keller, Hofdame Grä=
fin
zu Rantzau und Kammerherr Freiherr von Spitzen=
berg
. Am Bahnhofe meldete ſich bei der Kaiſerin der
Kommandant des Linienſchiffes Kaiſerin, Kapitän
Sievers.
* Leith, 30. Juni., Wegen des Dockarbeiter=
ſtreiks
iſt die Ausladung der geſtern abend vom
Kontinent eingetroffenen Schiffe durch die Angeſtellten der
Warenhäuſer, für welche die Ladung beſtimmt war, be=
werkſtelligt
worden.
* Paris, 30. Juni. Die vorgeſtrige Subſkription
auf die mexikaniſchen 6prozentigen zehn=
jährigen
Schatzbonds hat ein ſehr befriedigendes
Reſultat ergeben. Die Zeichnungen überſtiegen bei wei=
tem
den zur Subſkription geſtellten Betrag.
* London, 30. Juni. Der Bahnhof von Leuchers
in Schottland iſt heute morgen abgebrannt.
Es wurden Flugſchriften von Suffragetten in der
Nähe auſgefunden. Ein Telegramm aus Glasgow
meldet, das Schloß Ballikinrom bei Telfon iſt ab=
gebrannt
; es wird Brandſtiftung vermutet. Das un=
bewohnte
Schloß hat einen Wert von 100000 Pfund
Sterling.
* Neu=York, 30. Juni. In den Städten des Weſtens
ſind 33 Todesfälle infolge Hitzſchlags vorge=
kommen
.
* Rio de Janeiro, 30. Juni. Adolfs Frene der
Präſident der monarchiſtiſchen Liga, ſowie ſeine Frau ſind
ermordet aufgefunden worden. Es wird Racheakt an=
genommen
.
IIB. Berlin, 30. Juni. In Sabana dela Mara
in der in Haiti gelegenen Mulatten=Republik San Do=
mingo
wurde der Leiter der Kakao=Plantagen der Schwei=
zer
Schokoladenfabrik Suchard, der Pflanzer Johann
Gundlach, ermordet. Gundlach, ein geborener Halen=
ſer
, iſt faſt 20 Jahre hindurch als Pflanzer in dem
Diſtrikte tätig. Einzelheiten über den Mord fehlen noch.
HB. Breitſcheid b. Au. (Weſterwald), 30. Juni.
Geſtern entgleiſte bei der Einfahrt des Perſonen=
zuges
3310 ein Wagen 4. Klaſſe durch frühzeitige Wei=
chenumſtellung
. Der Materialſchaden iſt nicht bedeutend.
Vichy, 30. Juni. Während der Vorſtellung im
Kaſino erlitt der Artiſt Apollon bei der Vorführung der
Hauptnummer, die in dem Aufhalten eines Auto=
mobils
beſtand, geſtern abend einen ſchweren Unfall.
Das Kunſtſtück mißglückte, der Artiſt ſtürzte blutüber=
ſtrömt
zu Boden. An ſeinem Aufkommen wird ge=
zweifelt
.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Mein

béginnt Donnerstag, den 3. Juli.

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[ ][  ][ ]

Nummer 151

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Seite 7.

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Dampfernachrichten.

Holland=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Aug. Cellarius in Darmſtadt, Bleichſtr. 53.
Rotterdam 23. Juni vorm. in Neu=York eingetroffen.
Nieuw Amſterdam 20. Juni vorm. in Rotterdam ein=
getroffen
. Noordam 17. Juni vorm. von Neu=York
abgegangen. Ryndam 24. Juni vorm. von Neu=York
abgegangen. Potsdam 22. Juni 2 Uhr 45 Min.
Scilly paſſiert.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die Wetterlage hat ſich nicht weſentlich geändert.
Im Bereich nördlicher Winde haben wir veränderliches,
kühles Wetter zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 1. Juli:
Veränderlich, einzelne Regenſchauer, Temperatur wenig
geändert, nördliche Winde.

Tageskalender.

Konzerte: Schützenhof um 8 Uhr. Hugenſchütz’ Fel=
ſenkeller
um 8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 2. Juli.

Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 Uhr
Rundeturmſtraße 16.

ſi Druc und Perlage 4. 6. Bilichſche Heſtncdunckret=
VVerantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für der Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Seitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Familiennachrichten.
Dankſagung.
Für die bewieſene herzliche Teil=
nahme
beim Hinſcheiden unſeres lieben
Vaters und für die reichen Blumen=
ſpenden
ſagen wir herzlichen Dank.
Marie Schwing, (*1826
Alwine Paul, geb. Schwing.
Darmſtadt, den 30. Juni 1913.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe innigſter Teilnahme
beim Hinſcheiden meines lieben Gatten, unſeres
Vaters, Großvaters, Schwiegervaters, Bruders,
Schwagers und Onkels, des
(14155
Tapeniermeisters Johannes Fries
ſprechen wir auf dieſem Wege unſeren herzlichen
Dank aus.
Frau Therese Fries Wwe.

Statt besonderer Anzeige.
Heute abend ½8 Uhr entschlief sanft im Krankenhaus zu Fulda mein
lieber Mann, unser guter Vater, Grossvater, Schwiegervater und Onkel (14192
der Geheime Kommerzienrat
Karl Friedrich Redderich
im 70. Lebensjahre.
Darmstadt, Berlin, Guntersblum, den 28. Juni 1913.
Minna Hedderich, geb. Frey,
Friedrich Hedderich,
Anna Bachstein, geb. Hedderich,
Elisabeth Bopp, geb. Hedderich,
August Hedderich,
Luise Hedderich, geb. Kröll,
Dipl.-Ing. Herrmann Bachstein,
Dr. Alexander Bopp,
Gretha Ampt
und 8 Enkelkinder.
Die Beisetzung findet Mittwoch, den 2. Juli, nachmittags 2½ Uhr, in Guntersblum ( Rhein-
hessen
) von der katholischen Kirche aus, statt.

Am 28. d. Mts. starb nach kurzem Leiden
das Mitglied des Aufsichtsrats unserer Bank
Herr Geheime Kommerzienrat
KarlFrieur. Hedderich
zu Darmstadt.
Der Verstorbene hat seit 1881 dem Vor-
stand
unseres Instituts angehört, aus dem
er erst mit Schluss des vorigen Jahres
ausgeschieden ist. Das Vertrauen der Ak-
tionäre
berief ihn dann in den Aufsichts-
rat
. Die Bank verliert in dem Dahin-
geschiedenen
einen Mann von grossef.
Fähigkeiten und Kenntnissen, unermüdlichem
Fleiss und voller Hingabe an die ihm an-
vertrauten
Aufgaben und schuldet ihm für
Alles, was er geleistet und geschaffen hat,
den grössten Dank. Wir betrauern zu-
dem
den Verlust eines alten treuen Freundes
und Beraters, dessen vortreffliche Eigen-
schaften
ihm ein dauerndes Andenken auch
über das Grab hinaus sichern.
Der Aufsichtsrat und die Direktion
der Bank für Handel und Industrie.
(IV,14195

Nachruf.
Das Mitglied unseres Aufsichtsrats und
dessen langjähriger Vorsitzender (14232
Herr
Geheime Kommerzienrat
HEDDERICH
ist am 28. ds. Mts. plötzlich verstorben.
Herr Geheimrat Hedderich war Mit-
begründer
unserer Gesellschaft. Er hat
dieser, in gleicher Weise wie den unsere
Unternehmungen vorbesitzenden Eisenbahn-
Konsortien, ununterbrochen bis zu seinem
Tode regstes Interesse gewidmet und sie
durch seine hohen Geistesgaben, reichen
Kenntnisse und vielseitigen Erfahrungen
unterstützt und gefördert.
Ein dauerndes, ehrendes Andenken ist
ihm bei uns gesichert.
Darmstadt, den 30. Juni 1913.
Süddentsche Eisenbahn-Gesellschaft.
Der Aufsichtsrat. Die Direktion.

Todes-Anzeige.
(Statt besonderer Anzeige.)
Heute nachmittag ist unser liebes, gutes, einziges
Bubchen
nach kurzer, schwerer Krankheit im fast vollendeten vierten Lebensjahre
entschlafen.
(14202
Landgerichtsrat Fritz Hoos
und Frau Elisabeth, geb. Stammler.
Darmstadt, 29. Juni 1913.
Die Beerdigung findet Mittwoch, 2. Juli 1913, vormittags 11½ Uhr, vom Portale des
städtischen Friedhofes aus, die Einsegnung eine Viertelstunde vorher im Trauerhause, Heinrich-
strasse
103, I., statt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151.

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(14187

[ ][  ][ ]

Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

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morgen 8 Uhr.

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Saison möglichst zu räumen, habe ich die Preise ganz bedeutend herabgesetzt.

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(14188:

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151.

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[ ][  ][ ]

Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Jnli 1913.

Seite 11.

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Lagers ſind im Preiſe ganz bedeutend reduziert,
in Herien eingeteilt und dem Ausverkaufe ausgeſetzt.

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[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 153.

Heſſ.=Naſſ. Baugewerks=Berufs=
Genoſſenſchaft.

* Die Heſſen=Naſſauiſche Baugewerksberufsgenoſſen=
ſchaft
hielt geſtern im ſtädtiſchen Saalbau ihre Hauptver=
ſammlung
unter dem Vorſitz des Architekten H. Anthes
aus Frankfurt ab, der die Verſammlung begrüßte, die
ungefähr 100 Vertreter aus Heſſen und Heſſen=Naſſau
aufwies, insbeſondere auch die Vertreter des Oberver=
ſicherungsamts
, Amtmann Köbke, Baurat Wagner, als
Vertreter der Regierung, ſowie Beigeordneter Schmidt,
als Vertreter der Stadt Darmſtadt. Der Vorſitzende
brachte dann ein Hoch auf den Kaiſer und den Großher=
zog
aus.
Es folgte die Wahl von 12 Mitgliedern des Ge=
noſſenſchaftsverbandes
, ſowie von 12 Erſatzmännern nach
den Beſtimmungen der Wahlordnung. Hierauf wurde
das Protokoll der 31. Genoſſenſchaftsverſammlung von
1912 genehmigt, desgleichen die Berichte über die Aus=
führung
der Beſchlüſſe. Es folgte dann der Bericht
über die Verwaltung der Genoſſenſchaft und der
Zweiganſtalt im Geſchäftsjahr 1912. Dieſem entnehmen
wir folgendes:
Die Genoſſenſchaft, deren Amtsbezirk ihr Name er=
gibt
, iſt in 7 Sektionen eingeteilt die Sektion II hat be=
kanntlich
ihren Sitz in Darmſtadt und zählte im gan=
zen
im letzten Jahre 14850 verſicherte Baubetriebe, in
denen an 16450515 Tagen Arbeiter Beſchäftigung fan=
den
mit einem Verdienſt von zuſammen 73 728 276 Mark.
An Unternehmerverſicherungen beſtanden zuſammen 10385
mit einer Verſicherungsſumme von 9085670 Mark. Der
hieſigen Sektion wurden aus 1868 verſicherten Betrieben
allein 7133331 Mark Arbeitslohn nachgewieſen; auch be=
ſtanden
in deren Dienſtbezirk 1206 Unternehmerverſicher=
ungen
mit 1062799 Mark Verſicherungsſumme. Für
einen beſchäftigten Verſicherten mit 220 Arbeitstagen ſtellt
ſich der durchſchnittliche Jahreslohn auf volle 986 Mark,
während ein vollbeſchäftigter Verſicherter mit ſeinen 300
Arbeitstagen 1344 Mark im Durchſchnitt verdient. Darin
ſind auch ſolche Perſonen einbezogen, die keinen Lohn
beziehen, ebenſo ſind Lehrlinge, Unausgebildete und ſon=
ſtige
geringer Gelohnte darin enthalten. 14 2 in Darm=
ſtadt
Aufſichtsbeamte und 4 Rechnungsbeamte ſind im
Genoſſenſchaftsbezirk tätig. Für den Aufſichtsdienſt allein,
alſo für vorbeugende Maßnahmen zur Unfall= Verhüt=
ung
, hat die Genoſſenſchaft im Jahre 1912 56 200 Mark
aufgewandt.
Von 3529 gemeldeten Unfällen die Sektion II hat
373 kamen nur 527 zur Entſchädigung, bei der Sek=
ſtion
II 73. Davon entfallen 58 auf verſicherte Unterneh=
mer
und 469 auf verunglückte Arbeiter. Auf 1000 beſchäf=
tigte
Perſonen kommen nur 6,19 Unfälle. In vorzugs=
weiſe
Weißbinder= und verwandten Berufen, Betonbau=
betrieben
, Zimmerei und ähnlichen Beſchäftigungen und
zuletzt erſt bei der Bedienung von Holzbearbeitungs=
maſchinen
paſſieren die meiſten Unfälle. 4026 Entſchä=
digungsfälle
laufen bei der Genoſſenſchaft eben noch aus
früheren Jahren; davon ſind noch 22 Fälle aus dem
Jahre 1885/86 mit 16943,22 Mark Renten. Im ganzen
wurden im abgelaufenen Jahre 995954,29 Mark Unfall=
Entſchädigungen aufgewandt 8920339 Mark entfallen
davon auf die hieſige Sektion II. Die ſeit dem Jahre
1885 im Amtsbezirk der Genoſſenſchaft bezahlten Entſchä=
digungen
betragen 4842935,47 Mark. In 480 Fällen iſt
die Berufsgenoſſenſchaft vor dem Beginn ihrer Ver=
pflichtung
eingeſprungen und hat dafür 11349,59 Mark
ausgegeben die Sektion II wandte für 15 dieſer Fälle
nahezu 1500 Mark auf. Zu den Koſten des ehemaligen
Schiedsgerichts nunmehr Ober=Verſicherungsamt in
Darmſtadt, Mainz und Gießen ſteuerte die Genoſſenſchaft
allein 6716 Mark bei; im ganzen hatte ſie nahezu 25000
Mark für dieſen Zweck aufzubringen. Zur Deckung aller
dieſer Ausgaben, die ſich durch die verſchiedenen Auf=
wendungen
noch weſentlich erhöhen, hatten die Genoſſen=
ſchafts
=Mitglieder an Beiträgen 329875,13 Mark im letz=
ten
Jahre aufzubringen, da dem ſolventen Unternehmer=
ſtande
auch die uneinbringlichen Beiträge fallierter Ge=
werbetreibenden
mit zuſammen 25584 Mark zur Laſt
fielen. Es entfielen z. B. auf 1000 Mark Lohn, ausgege=
ben
im Maurerbetrieb im Bezirk der hieſigen Sektion,
13,81 Mark Beitrag, ein Betrag, der ſich bei Abbruch= Ar=
beiten
von Gebäuden ſogar auf 107,39 Mark ſtellte. Die
Rücklage (Reſervefonds), deren Höhe ebenfalls geſetzlich
genau feſtgelegt iſt, betrug am 31. Dezember 1912
3 738 450,11 Mark; ſie iſt mündelſicher anzulegen. Die Ein=
forderung
der Beiträge machte eine Verſendung von
46607 Anforderungen nötig 18923 Geldſendungen und
2095 Einzahlungen in bar bei der Genoſſenſchaftskaſſe
waren einzunehmen. Einer beſonderen Verwaltung
unterliegt nach dem oben genannten Bericht die Auf=
bringung
der Mittel zu den 65 Unfällen, die ſich durch
vorübergehendes Arbeiten ſonſt dem Arbeiterſtande an=
gehörender
Verletzten und bei Uebernahme von Arbeiten
durch dieſe einſtellten Regiebaubetriebe. Die Ge=
noſſenſchaft
zählte im Jahre 1912 3127 Fälle dieſer Art,
bei denen 1463 443 Mark verdient wurden, die an Prä=
mien
34 385,39 Mark einbrachten. Während in den ſelb=
ſtändigen
Gewerbebetrieben auf 1000 beſchäftigte Perſo=
nen
im Durchſchnitt nur 6,19 Unfälle kamen, paſſierten
41,91 auf die gleiche Anzahl Beſchäftigter, wenn dieſe auf
eigene Rechnung eine Bauarbeit übernahmen. Die Unfall=
laſten
betrugen hier 35620 Mark, von denen 3601 Mark
auf die hieſige Sektion II entfallen, darin ſind allein
26 254 Mark an Renten für Verletzte enthalten. Seit dem
Jahre 1888 waren zuſammen für Aufwendungen in ſol=
ichen
Fällen nötig 187099,12 Mark. Auch hier wurden
durch die Genoſſenſchaft vor dem Beginn ihrer Verpflicht=
ung
ausgegeben 746,20 Mark, davon 252 Mark allein von
der hieſigen Sektion II. Der Reſervefonds betrug am
31. Dezember 1912 34022,97 Mark, der ebenfalls mündel=
ſicher
angelegt iſt.

Verband für Jugendfürforge.

St. Der Arbeitsausſchuß für die bewahrende Jugend=
fürſorge
hielt geſtern abend im Herrſchaftsſaal des
Städtiſchen Saalbaues eine Sitzung unter dem Vorſitz des
Profeſſors Kiſſinger ab, der als Vertreter der Schulab=
teilung
des Miniſteriums Geh. Oberſchulrat Scheuer=
mann
, ſowie Regierungsrat Gennes beiwohnten. Nach
Eröffnung der Sitzung und Begrüßung machte Bürger=
meiſter
Mueller die Mitteilung, daß die deutſche
Zientrale für Jugendfürſorge am 29. und 30.
September d. J. in Darmſtadt tagen wird. Die Tag=
ung
wird beſonders folgende Themata behandeln: 1. Schutz
der Familie vor trunkſüchtigen Vätern, 2. Adoptionsver=
mittelungen
und Ausnutzung der Kinder zu Erwerbs=
zwecken
, 3. Sozialhygieniſche Aufgaben der Aerzte im Zu=
ſammenhang
mit der geſamten Jugendfürſorge. Damen
und Herren, die in der Fürſorgetätigkeit ſtehen, werden
gebeten, Referate oder Korreferate noch zu übernehmen
Es iſt, um die Tagung entſprechend vorzubereiten, not=
wendig
, ein Ortskomitee zu bilden, dem ſämtliche Vor=

ſtände der beteiligten Vereine beizutreten gebeten werden.
Die Tagung findet im Saalbau ſtatt und iſt mit Beſichtig=
ungen
, Ausflügen uſw. verbunden. Zur gleichen Zeit,
d. h. im Anſchluß an die Tagung der deutſchen Zentrale
wird auch der Verband deutſcher Kinderhorte
ſeine Tagung in Darmſtadt abhalten. Auch hierfür ſoll
ein Ortskomitee gebildet werden, dem die Damen und
Herren, die in der Hortbewegung ſtehen, beitreten ſollen.
Die Herrſchaften werden um rege Mitarbeit bei der Vor=
bereitung
der Tagungen gebeten.
Hiernach hielt Lehrer Heinr. Schäfer, Leiter der
hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule Darmſtadt, einen
Vortrag über
Aufgabe und Einrichtung der obligatori=
ſchen
Mädchenfortbildungsſchule‟.
Der Vortrag gipfelte in folgenden Leitſätzen:
I. Aufgabe der Mädchenfortbildungs=
ſchule
: Die Mädchenfortbildungsſchule ſoll die ſchulent=
laſſene
weibliche Jugend durch Belehrung, Beiſpiel und
Uebung für die Aufgaben des bürgerlichen Lebens be=
fähigen
und ihr eine treue Beraterin und Führerin in den
Uebergangsjahren von der Schule ins Leben ſein.
II. Einrichtung der Mädchenfortbild=
ungsſchule
: Die Mädchenfortbildungsſchule kann dieſe
Aufgabe nur dann erfüllen, wenn für die Schülerinnen, ſo=
weit
das nötig iſt, beſondere Berufsklaſſen gebildet wer=
den
. Für ſtädtiſche Verhältniſſe ſind folgende Klaſſen mit
dreijähriger Schulpflicht bei ſechs Wochenſtunden durch
jährlich 30 Wochen, die in die Zeit vom 1. Oktober bis
30. Juni zu verlegen ſind, zu bilden: 1. Hauswirtſchaft=
liche
Fortbildungsſchulklaſſen: a) für Haustöchter, Dienſt=
boten
und Laufmädchen, b) für ungelernte gewerbliche Ar=
beiterinnen
. 2. Kaufmänniſche Fortbildungsſchulklaſſen:
a) für Kontoriſtinnen, b) für Verkäuferinnen. 3. Gewerb=
liche
Fortbildungsſchulklaſſen. Für die Landbevöl=
kerung
ſind Schulen mit ebenfalls dreijähriger Schul=
pflicht
bei ſechs wöchentlichen Unterrichtsſtunden durch
jährlich 20 Wochen zu ſchaffen, die den örtlichen Verhält=
niſſen
Rechnung tragen. Unterricht in Hauswirtſchaft iſt
in allen Klaſſen zu erteilen.
Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenom=
men
. Der Vorſitzende ſprach dem Redner Dank aus und
eröffnete eine
Diskuſſion.
Frl. Pfnorr vertrat die Anſicht, daß in dem vorge=
legten
Plan die Ausbildung der Mädchen für das Er=
werbsleben
nicht genügend betont wird. Es ſei notwen=
dig
, daß die Mädchen genau ſo gut ausgebildet werden,
wie die jungen Männer, dann würden auch die Klagen
über Lohndrückerei durch die weiblichen Arbeitskräfte ver=
ſchwinden
. Die dreijährige Ausbildung ſei alſo nicht
ausreichend, es müſſe ein viertes Jahr, der Haushaltungs=
ausbildung
gewidmet, hinzutreten. Der Vorſitzende hält
das zwar auch für wünſchenswert, doch dürfte das praktiſch
nicht durchzuführen ſein, da im Landtage wohl Gegner=
ſchaft
erſtehen werde. Frl. Schweisgut iſt mit dem
Vortragenden der Ueberzeugung, daß die hauswirtſchaft=
liche
Ausbildung notwendig iſt, beſonders auch für unge=
lernte
Arbeiterinnen. Notwendig hält ſie aber die Hinzu=
fügung
einer weiteren Stunde für Deutſch oder Leſen,
die unerläßlich iſt zur Gemütsbildung und ſittlichen Er=
ziehung
. Richtig ſei, daß es Schwierigkeiten geben wird
aber die muß man überwinden. Weiter vermißt Rednerin
in dem Vorſchlag des Referenten Säuglings= Kinder= und
Krankenpflege. Der Unterricht müſſe auf mindeſtens 30
Wochen im Jahr ausgedehnt werden. Der hauswirtſchaft=
liche
Unterricht müſſe der Erwerbsausbildung voran=
gehen
. Hauptlehrer Löſch ſtimmt den Forderungen
der beiden Damen wohl zu, hält es jedoch praktiſch für
richtig, den Forderungen des Referenten zuzuſtimmen.
Wenn man das einmal erreicht hat, ſo ſei das ſchon ein
gewaltiger Fortſchritt. Später könne auf dieſem Er=
reichten
dann weitergebaut werden. Lehrer Krapp
ſpricht ſich in ähnlichem Sinne aus. Die Ausführungen
des Referenten ſind auf praktiſche Erfahrungen gegrün=
det
. Es iſt notwendig, erſt einmal den Boden zu bereiten,
Forderungen aufzuſtellen, die kaum zu verwirklichen ſind,
ſei zwecklos. Frl. Schweisgut bittet nochmals nicht
die Ausbildung des Gemütes zu vernachläſſigen und dazu
eine Stunde Geſinnungsunterricht hinzuzunehmen. Der
Vorſitzende bittet nochmals, vorerſt mit Erreichbarem zu
rechnen. Frl. Joſt=Eberſtadt hält den Beginn des
Unterrichts im November auf dem Lande für zu ſpät, da
das Einkochen und Einmachen unbedingt in den Unter=
richt
einbezogen werden muß und die Früchte dazu im
Oktober vorhanden ſind. Lehrer Herbſt bittet eben=
falls
, ſich mit dem vom Referenten Geforderten zu be=
gnügen
. Wenn man das in 1015 Jahren erreicht hat,
könne man ſehr zufrieden ſein. Hauptlehrer K. Schä=
fer
meint, auch wenn die Erwerbsausbildung der Mäd=
chen
ausgedehnt wird, können die Mädchen nicht ohne wei=
teres
mit den Männern konkurrieren. Die beſſere Aus=
bildung
der jungen Männer beruht meiſtens auf ausge=
dehnter
freiwilliger Weiterausbildung, für die die Eltern
erfahrungsgemäß viel lieber für die Söhne Opfer bringen
als für die Töchter. In einem Schlußwort betonte der
Referent H. Schäfer nöchmals, daß er ſich
darauf beſchränkt habe, zu fordern, was er für erreichbar
hielt. Den Haushaltsunterricht vorherzulegen, hält er für
verfehlt, da die beſten Erfolge im 17. und 18. Lebensjahr
erzielt werden.
Geheimerat Dr. Scheuermann möchte ſeinen Dank
ausſprechen für die Begrüßung und für die der Schul=
abteilung
ausgeſprochene Anerkennung. Die vielen gege=
benen
Anregungen werden in der Schulabteilung nach
Möglichkeit verwertet werden. Daß es ſehr leicht ſein
wird, den Fortbildungsunterricht für Mädchen einzu=
führen
, glaubt man auch in der Schulabteilung nicht. Es
ſtehen der Pflichtfortbildungsſchule gar zu große Schwie=
rigkeiten
im Wege, zumal wenn man in Heſſen den An=
fang
macht und die Nachbarſtaaten noch nicht mitmachen.
Jedenfalls aber wo ein Wille iſt, iſt auch ein Weg, und
ſo iſt zu hoffen, daß die Wünſche doch noch zum Ziele
führen werden. (Lebh. Bravo.)
Darauf wird die Verſammlung geſchloſſen.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 30. Juni. Haus und Tribünen ſind ſehr
gut beſucht. Vizepräſident Paaſche eröffnet die Sitzung
um 12 Uhr 20 Minuten. Erſter Punkt der Tagesordnung
iſt die erſte Beratung des von freiſinniger Seite eingebrach=
ten
Geſetzentwurfs, betreffend
Abänderung des Militärſtrafgeſetzbuches.
Hiernach ſollen einige Punkte des Militärſtrafgeſetz=
buches
dahin geändert werden, daß, wenn mildernde Um=
ſtände
vorhanden ſind, für Zuchthausſtrafe Gefängnisſtrafe
eintritt. Der Entwurf wird ohne Debatte in erſter

Leſung angenommen. Es folgt ſofort die zweite
Leſung. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg:
Meine Herren! Ich kann aus natürlichen Gründen im
gegenwärtigen Augenblick nicht im Namen der verbünde=
ten
Regierungen ſprechen. Ich für meine Perſon erkenne
an, daß es wünſchenswert iſt, für eine Anzahl militäriſcher
Delikte mildernde Umſtände zuzulaſſen. (Bravo.) Ich
werde deshalb, falls der geſtellte Antrag vom Reichstag
angenommen wird, im Bundesrat für ihn eintreten.
(Bravo.) Der Antrag wird in zweiter Leſung angenom=
men
. Auf Antrag Baſſermann wird ſofort in die dritte
Leſung eingetreten. Abg. Haaſe (Soz.): Dies iſt
der erſte Anfang für die notwendige Reform des Militär=
ſtrafrechts
. Wir wollen, daß dieſe Beſſerung ſofort ein=
tritt
, damit ſie den ſo hart Betroffenen in Erfurt bei der
Reviſion ſchon zugute kommen kann und ſtimmen der Vor=
lage
zu. Abg. v. Brockhauſen (konſ.): Wir haben
mehrfach anerkannt, daß eine Reform des Strafgeſetzbuches
berechtigt ſei. Wir legen aber Verwahrung dagegen ein,
daß Geſetze von ſolcher Tragweite beim Zuſtandekommen
der Heeresvorlage vom Bundesrat gefordert und ſonſt auch
derartige geſetzgeberiſche Maßnahmen übers Knie gebro=
chen
werden. Sachlich ſtimmt die Mehrzahl meiner Partei=
freunde
zu. ohne jedoch eine Präjudiz zu ſchaffen. Abg.
Schultz=Bromberg (Reichspt.): Wir bedauern den Ent=
wurf
. jedoch ſtimmen wir der Vorlage zu. Abg. Spahn
(Zentr.) ſtimmt gleichfalls dem Entwurf zu. Die Ab=
geordneten
Junck (natl.) und Waldſtein (Fortſchr. Volkspt.)
verzichten aufs Wort. Der Entwurf wird in dritter
Leſung faſt einſtimmig angenommen. Nur
die konſervativen Abgeordneten Kreth und v. Böhlendorff=
Kölplin bleiben ſitzen.
Es folgt die
dritte Beratung der Wehrvorlage.
Zunächſt wird über die konſervativen und national=
liberalen
Anträge, Vermehrung der Kavallerie=
regimenter
auf ſechs ſtatt drei nach den bisherigen
Beſchlüſſen abgeſtimmt. Die Anträge werden mit den
Stimmen der Rechtsparteien, des Zentrums und der Na=
tionalliberalen
angenommen. (Lebhaftes, wiederholtes
Bravo. Der Reichskanzler und der Kriegsminiſter ver=
neigen
ſich dankend.) Die Wehrvorlage ſelber wird
dann ohne Debatte gegen die Stimmen der Sozialdemo=
kraten
. Polen und Elſäſſer angenommen. (Lebhafter,
andauernder Beifall.)
Die durch die Wehrvorlage erforderlichen Nach=
tragsetats
werden in dritter Leſung debattelos
erledigt.
Hierauf folgt die
dritte Beratung des Geſetzentwurfs, betreffend Aenderun=
gen
im Finanzweſen.
In der Generaldebatte führt Abgeordneter Haaſe
(Soz.) aus: Die Mehrheit des Hauſes hat eine
völlig unbegründete Heeresverſtärkung beſchloſſen. Wir
haben den Nachweis erbracht, daß die Vorlage nicht dazu
angetan iſt, das Land vor Kriegsgefahr zu ſchützen und
den Frieden zwiſchen den Kulturvölkern zu ſichern. Die
Wehrvorlage iſt erledigt. Wir ſtehen jetzt vor der Frage:
Wer ſoll die Koſten tragen? Wir haben ſtets gefordert,
daß nicht den Beſitzloſen dieſe Steuern aufgebürdet wer=
den
. Dabei erfüllt uns der Wehrbeitrag und die Beſitz=
ſteuer
trotz aller Mängel mit Genugtuung. Iſt doch ver=
mieden
worden, daß auf dem Umweg über die Einzelland=
tage
mit ihrem ſchlechten Wahlrecht wieder die Minder=
bemittelten
belaſtet werden. Dieſen Steuern ſtimmen wir
zu: dabei gehen wir von der Ueberzeugung aus, daß die
Rüſtungstreibereien etwas abgekühlt werden. Abg.
Waldſtein=Sachſen (Fortſchr. Volkspt.) begründet zu
§ 3 einen Kompromißantrag, wonach Grundſtückshändler
von der Steuerfreiheit beim Zuwachsſteuergeſetz ausge=
nommen
ſein ſollen. Der Antrag wird angenommen. Fer=
ner
wird ein Kompromißantrag, wonach den Bundes=
ſtaaten
ſtatt bisher 25 Prozent der Erbſchaftsſteuer nur
noch 20 Prozent zufallen ſollen, trotz einiger Bedenken des
Reichsſchatzſekretärs Kühn und gegen den Widerſpruch des
Grafen Weſtarp nach unweſentlicher Debatte angenommen.
Die Geſamtabſtimmung wird zurückgeſtellt.
Es folgt die
dritte Beratung des Beſitzſteuergeſetzes.

Abg. Graf Weſtarp (konſ.): Trotz unſeres Wunſches,
mit der Mehrheit des Hauſes in der Deckungsfrage zu=
ſammengehen
zu können, iſt es uns nicht möglich, den
Weg dieſes Vermögenszuwachsſteuergeſetzes zu betreten,
gegen das wir verfaſſungs= und ſtaatsrechtliche Bedenken
haben. Das Geſetz enthält eine Vermögens= Einkommen=
und eine Erbſchaftsſteuer. Es greift in das Finanzgebiet
der Einzelſtaaten materiell ein. Es wird den Einzelſtaa=
ten
erſchwert, ihre Kulturaufgaben zu erfüllen. (Zuruf:
Preußen!) Vor allen Dingen werden den Gemeinden die
Mittel entzogen und in der Gemeindebeſteuerung werden
ſich die ſchlimmen Folgen beſonders zeigen. Bei der Re=
gierungsvorlage
wäre es den Einzelſtaaten möglich ge=
blieben
, ihr Finanzſnſtem ihren Bedürfniſſen entſprechend
auszubauen. Deshalb rührt die Vorlage an der Reichs=
verfaſſung
. an der Selbſtändigkeit der Bundesſtaaten. Wir
können einem ſolchen Geſetz niemals zuſtimmen. Neben
dieſen ſtaatsrechtlichen Bedenken haben wir auch ſonſtige
Bedenken. So halten wir eine Beſteuerung der Erſparniſſe,
der Betriebsverbeſſerungen und des Kindeserbes für un=
möglich
. Mit ganz vereinzelten Ausnahmen (Hört! hört!)
werden wir die Beſitzſteuer ablehnen. Wir waren und
ſind bereit, der Regierungsvorlage zuzuſtimmen und da=
mit
die Laſten dem Beſitz aufzuerlegen. Bei feſter und
geſchickter Vertretung wären auch die Vertreter der Regie=
rung
(Hört! hört!) in der Lage geweſen, für die Regie=
rungsvorlage
eine Einigung der bürgerlichen Parteien
herbeizuführen. Dieſe Deckung lehnen wir ab Abg.
Schultz=Bromberg (Reichspt.): Für uns heißt es auch
heute noch: Ohne Deckung keine Ausgabe. Wir können kei=
nen
Bau ohne Fundament aufführen. Meine Partei und
Freiherr Heyl zu Herrnsheim ſtimmen der jetzigen Vor=
lage
deshalb zu. (Heiterkeit und Bravo.)
Die Abſtimmung erfolgt ſpäter, ſie wird namentlich
ſein. Zu § 24 (Steuerſätze) beantragt Ledebour (Soz.)
die Einfügung eines § 24a. Die in § 24 feſtgeſetzten Steuer=
ſätze
gelten als normaler Steuerſatz, bei Feſtſtellung des
Etats iſt alljährlich, alſo erſtmals zum 1. April 1917, zu
beſtimmen, welcher Prozentſatz der normalen Steuerſätze
für das beginnende Finanzjahr erhoben werden ſoll.
Reichsſchatzſekretär Kühn: Ich bitte, dem Antraa nicht
zuzuſtimmen. Abg. Fiſchbeck (Fortſchr. Volkspt.):
Wir ſind zwar prinzipiell für den Antrag. im gegenwär=
tigen
Moment ſcheint er aber nicht zweckmäßig. Der An=
trag
wird abgelehnt. Die Sozialdemokraten beantragen
ferner, bei der Feſtſtellung des Ertrages den Wert eines
Jagd= oder Fiſchereirechtes zu berückſichtigen. Der An=
trag
wird abgelehnt. Die Abſtimmung über den bei § 43
in zweiter Leſung zugefügten Abſatz, betreffend die geſetz=
liche
Feſtſtellung der Beſteuerung der Bundes=
fürſten
ſoll auf Antrag der Sozialdemokraten eine na=
mentliche
ſein. Reichskaneler v. Bethmann Holl=
weg
: Ich möchte wiederholt den Reichstag dringend bit=
ten
, dieſen Paragraphen im Intereſſe des Zuſtandekommens
des Geſetzes abzulehnen. (Hört! hört! und Bewegung.)
Abg. Dr. Junck (natl.): Entſprechend unſerer Haltung

[ ][  ][ ]

Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Seite 13.

in der Kommiſſion, ſtimmen wir nach der eben gehörten
Erklärung gegen den Paragraphen. Wir tun dies, um
nicht an einem Teil des nationalen Werkes, das ſo große
Anforderungen an den Opferſinn des deutſchen Volkes
ſtellt, an dieſer Frage ſcheitern zu laſſen. (Heiterkeit.) Wir
bringen dabei aber nicht zum Ausdruck, daß die deutſchen
Bundesfürſten der Steuerpflicht unterliegen. Wir über=
laſſen
die Entſcheidung der Praxis. Abg. Behrens
(Wirtſch. Vgg.): Um Schwierigkeiten vorzubeugen, und
um die Frage zu regeln, haben wir eine dahingehende Re=
ſolution
eingebracht. Den Abſatz ſelber werden wir ab=
lehnen
. Die Abgg. Haaſe (Soz.) und David (Soz.)
bitten, es bei den Beſchlüſſen der zweiten Leſung zu be=
laſſen
. Die Abſtimmung über den Abſatz, der die geſetz=
liche
Feſtlegung der Steuerpflicht der Bundesfürſten be=
trifft
, iſt namentlich. Für den Abſatz ſtimmen 169, dagegen
195, 8 enthalten ſich der Stimme. Der Abſatz iſt ſomit ge=
ſtrichen
. Der Reſt des Beſitzſteuergeſetzes wird ohne De=
batte
angenommen. Die Reſolution der Wirtſchaftlichen
Vereinigung auf geſetzliche Regelung der Steuerpflicht der
Bundesfürſten wird abgelehnt. Der einmalige außer=
ordentliche
Wehrbeitrag, das Reichsſtempelgeſetz, werden
angenommen, unter Wiederherſtellung der Regierungsvor=
lage
, die Stempelſteuer für Feuerverſicherungspolicen be=
treffend
Es folgt als letzter Punkt der Tagesordnung
die Geſamtabſtimmung. In einfacher Abſtimmung
wird gegen die Stimmen der Polen und Elſäſſer der ein=
malige
außerordentliche Wehrbeitrag definitiv an=
genommen
, ebenſo gegen die Stimmen der Sozial=
demokraten
, Polen, Elſäſſer und Welfen das Geſetz über
Aenderungen im Finanzweſen. Ueber das Beſitzſteuergeſetz
wurde namentlich abgeſtimmt. Von 372 Abgeordneten
ſtimmen 280 für und 63 gegen das Geſetz, 29 enthalten ſich
der Stimme. Das Geſetz iſt ſomit angenommen. (Bravo.)
Schließlich wird das Geſetz wegen Aenderung des Reichs=
ſtempelgeſetzes
in einfacher Abſtimmung angenommen.
Das Haus erledigte ſodann noch einige Petitionen,
womit die Tagesordnung erſchöpft iſt.
Präſident Dr. Kaempf (die Sozialdemokraten ver=
laſſen
den Saal): Wir ſind am Schluſſe eines Sitzungs=
abſchnittes
, der in der Geſchichte des Reichstages als eine
der denkwürdigſten bezeichnet werden kann. Wenn ein
Ausweg aus den Schwierigkeiten gefunden iſt, ſo verdan=
ken
wir dies dem beſten Willen, einer des Deutſchen Rei=
ches
würdig geſtellten Aufgabe gerecht zu werden. Unge=
wöhnlich
groß, durchaus an die Grenzen der Leiſtungs=
fähigkeit
gehend, waren die Anforderungen. Der Reichs=
tag
hat die Geſetze nicht nur ausgeſtaltet, er hat ſich auch
an der Geſetzgebung beteiligt mit einer planvollen Initia=
tive
. Wie kaum je zuvor haben Opfer, die für das ganze
Deutſche Reich gebracht werden müſſen, die Gemüter ſo
ſehr bewegt. Daß der Abſchluß des großen Werkes erfolgt
iſt, kann uns mit dem Bewußtſein der großen Kraft des
geeinigten Deutſchlands erfüllen, und es iſt geeignet, das
Gefühl der ſicheren Ruhe zu ſtärken, das für das Gedeihen
und die Entwickelung des Reiches unerläßlich iſt. ( Bei=
fall
.)
Abg. Baſſermann (natl.) dankt dem Präſidenten
herzlich für die wohlwollende und geſchickte Geſchäfts=
führung
. Präſident Dr. Kaempf: Ich danke für die=
ſen
Beweis für die Führung meiner Präſidentſchaft,
übertrage dieſen Dank an die Herren Vizepräſidenten und
die Schriftführer, ſowie ſämtlichen Beamten, an deren
Leiſtungsfähigkeit große Anforderungen geſtellt worden
ſind.
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Meine
Herren! Laſſen Sie mich im Anſchluß an die Worte Ihres
Herrn Präſidenten auch meinerſeits die Ueberzeugung aus=
ſprechen
, daß, dank der gemeinſamen Arbeit der verbün=
deten
Regierungen und des Reichstages, ein großes Werk
getan iſt. Es wird wohl keiner unter uns ſein, der nicht
in dem ganzen Geſetz den einen oder anderen Wunſch hätte
Auch draußen im Lande wird man manches daran auszu=
ſetzen
haben, wie die neuen Laſten verteilt worden ſind
Aber trotz aller Mängel einzelner Teile des wichtigen Ge=
ſetzes
, wird das Ganze der Nation zum Heile dienen und
die großen und ſchweren Opfer, die ſie jedem einzelnen

bringen, werden gewiß gern getragen für die höchſten
Güter der Nation. Dienen ſie doch dazu, den Frieden
zu ſichern, mit der geſamten waffenfähigen Mannſchaft
Deutſchlands, die eine feſte Schutzwehr bildet. (Beifall.)
In der Betätigung des feſten Entſchluſſes, für die Sicher=
heit
des Reiches Gut und Blut herzugeben, wenn es ſich
darum handelt, Handel und Wandel zu ſchützen, und, was
Gott verhüten möge, wenn es ſein müßte, in kriegeriſcher
Abwehr die Zukunft unſeres Vaterlandes zu ſichern, wol=
len
wir feſten Blickes in die Zukunft ſchauen. Ich habe
nunmehr eine kaiſerliche Anordnung mitzuteilen (die Polen
verlaſſen den Saal). Der Reichskanzler verlieſt die Bot=
ſchaft
, durch die der Reichstag bis zum 20. November
vertagt wird. Der Präſident bringt ein dreifaches Hoch
auf den Kaiſer aus. Schluß ¾3 Uhr.

Landwirtſchaftliches.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Schweine=
markt
am 30. Juni 1913. Auftrieb durch Händler 92
Schweine, Auftrieb durch die Bezugsvereinigung 72
Schweine. Preis 1. Qual. ausgeſuchte Ware ( Schlacht=
gewicht
50 Kg.): 75 Mk., 2. Qual. 74 Mk., 3. Qual 73 Mk.
Marktverlauf: rege, wenig Ueberſtände.
Frankfurt a. M., 30. Juni. Schlachtvieh=
markt
. (Amtlicher Bericht.) 1. Rinder: a) vollfleiſchige,
ausgemäſtete höchſten Schlachtwertes im Alter von 4 bis
7 Jahren Lebendgewicht 5055 Mk. (Schlachtgewicht 90
bis 95 Mk.), b) junge fleiſchige, nicht ausgemäſtete und
ältere ausgemäſtete 4649 Mk. (8389 Mk.), e) mäßig
genährte junge, gut genährte ältere 4045 Mk. (7483
Mark). Bullen: a) vollfleiſchige, ausgewachſene höchſten
Schlachtwertes 5052 Mk. (8386 Mk.), b) vollfleiſchige,
jüngere 4548 Mk. (7883 Mk.). Färſen und Kühe
a) vollfleiſchige ausgemäſtete Färſen höchſten Schlacht=
wertes
4852 Mk. (8693 Mk.), b) vollfleiſchige, ausge=
mäſtete
Kühe höchſten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren
4649 Mk. (8688 Mk.), e) 1. wenig gut entwickelte Fär=
ſen
4145 Mk. (7987 Mk.), 2. ältere, ausgemäſtete Kühe
und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 4045 Mk. (74
bis 84 Mk.), d) mäßig genährte Kühe und Färſen 32
bis 39 Mk. (6478 Mk.), e) gering genährte Kühe und
Färſen 2730 Mk. (6167 Mk.). Kälber: a) Dopellender
feinſter Maſt , Mk. (, Mk.), b) feinſte Maſtkälber
Mk. (. Mk.), e) mittlere Maſt= und beſte Saug=
kälber
5862 Mk. (98105 Mk.), d) geringe Maſt= und
gute Saugkälber 5457 Mk. (9297 Mk.), e) geringe
Saugkälber Mk. ( Mk.). Schafe: a) Maſtlämmer
und Maſthämmel 47 Mk. (98 Mk.). Schweine: a) voll=
fleiſchige
Schweine von 80 bis 100 Kilogramm (160 bis
200 Pfund) Lebendgewicht 5759 Mk. (Schlachtgewicht
7375 Mk.), b) vollfleiſchige Schweine unter 80 Kilo=
gramm
(160 Pfund) 5759 Mk., (7375 Mk.), e) voll=
fleiſchige
von 100 bis 120 Kilogramm (200240 Pfund)
5759 Mk. (7375 Mk.), d) vollfleiſchige von 120 bis
150 Kilogramm (240300 Pfund) 5759 Mk. (73 bis=
75 Mk.). Auftrieb: Rinder 1564 Stück, darunter Ochſen
612, Bullen 78, Färſen und Kühe 874, Freſſer 00, Kälber
301, Schafe 94, Schweine 2259. Marktverlauf: Schweine
rege, ſonſt gedrückt, Rinder nur Ueberſtand.

Literariſches.

Handbuch der Kunſtwiſſenſchaft, heraus=
gegeben
von Privatdozent Dr. Fritz Burger=München,
unter Mitwirkung der Univerſitäts=Profeſſoren Dr. Dr.
Curtius=Erlangen, Egger=Graz, Hartmann=Straßburg,
Neuwirth=Wien, Pinder=Darmſtadt, Singer=Dresden, Graf
Vitzthum v. Eckſtädt=Kiel, Wackernagel=Leipzig, Weeſe= Ber=
lin
. Willich=München, Wulff=Berlin, Privatdozent Dr.
Herzfeld=Berlin, Oberbibliothekar Dr. Leidinger=München
und anderer Univerſitätslehrer und Muſeumsdirektoren.
Mit ca. 2000 Textabbildungen und Vierfarbendrucken uſw.
Lieferung 3: Wulff, Altcheiſtliche und byzantiniſche Kunſt,
Mtee
S

Heft 1. Verlag der Akademiſchen Verlagsgeſellſchaft Ber=
lin
=Neubabelsberg. Auch aus dieſer herrlich ausgeſtatteten
Lieferung ſehen wir, daß es ſich hier um ein in großartigen
Zügen angelegtes Werk handelt. Zu den ungemein in=
tereſſant
geſchriebenen, anſchaulichen und gründlichen Dar=
ſtellungen
, die dem neueſten Stand der Kunſtgeſchichte ent=
ſprechen
, bietet das prachtvolle und ſeltene Illuſtrations=
material
eine wertvolle Ergänzung. In der Tat iſt das
Buch ein Kunſtwerk, das nach der geſamten Anlage eine
Erſcheinung von monumentaler Bedeutung genannt zu
werden verdient. In dieſem Handbuch werden durch eine
faſt unerſchöpfliche Fülle hervorragender, unerreicht da=
ſtehender
Abbildungen, die infolge ihrer ausgezeichneten
künſtleriſchen Ausführung und vollendeten techniſchen Re=
produktion
überraſchen, alle bedeutenden Werke der Mal=,
Bildhauer= und Baukunſt aller Zeiten und aller Länder
vor Augen geführt; alles, was ſeit dem Alterkum an bild=
neriſchen
Schöpfungen hervorgebracht iſt, paſſiert hier Re=
vue
. Die künſtleriſche Pracht des Buches iſt erſtaunlich.
Mathematiſche Bibliothek. Gemein=
verſtändliche
Darſtellungen aus der Elementar= Mathema=
tik
für Schule und Leben, herausgegeben von Dr. W.
Lietzmann und Dr. A. Witting. V. H. E. Timerding, Die
Fallgeſetze; VIII. P. Meth, Theorie der Planetenbewe=
gung
; IX. A. Witting, Einleitung in die Infinitialrech=
nung
. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin.
Es liegen uns aus der von Lietzmann und Witting in
B. G. Teubners Verlag herausgegebenen Mathematiſchen
Bibliothek drei Bändchen vor, die eine gewiſſe innere
Verwandtſchaft miteinander zeigen. In dem Bändchen
über die Fallgeſetze ſtellt ſich der Verfaſſer, Dr. Timerding,
die Aufgabe, eine der wichtigſten Anwendungen der Ma=
thematik
in elementarer Darlegung ſo vollſtändig wie mög=
lich
zu erläutern. Das Bändchen von Dr. Paul Meth,
Theorie der Planetenbewegung geht von der elemen=
taren
Methode aus, die Möbius 1843 in ſeiner Mechanik
des Himmels verwendet. Außer 17 Figuren im Text
iſt noch auf einer Tafel der Verlauf der Reduktion auf dem
Aequator, der Mittelpunktsgleichung und der Zeitgleichung
zuſammen graphiſch dargeſtellt. Das zuletzt erſchienene
Bändchen des einen Herausgebers A. Witting Einführung
in die Infiniteſimalrechnung bringt beinahe im Plauder=
ton
die Grundbegriffe der Differential= und Integral=
rechnung
in eindringlicher Weiſe zur Darſtellung. Das
Bändchen enthält 130 Beiſpiele und Aufgaben und 40 Fi=
guren
; außerdem ſind die Bilder von Leibniz und. New=
ton
beigegeben.
Eine einzigartige Erinnerungsgabe an die große
Zeit von 1813 bietet der Verlag Georg Merſeburg in Leip=
zig
dem deutſchen Volke dar, indem er 40 der denkwürdig=
ſten
Zeugniſſe aus dem Befreiungsjahr darunter Unika
und Stücke von höchſter Seltenheit in genauer Wiedergabe
vereinigt. Der Titel lautet: Urkunden der deut=
ſchen
Erhebung Originalwiedergabe in Fakſimile=
drucken
der wichtigſten Aufrufe, Erlaſſe, Flugſchriften, Lie=
der
und Zeitungsnummern. Als Ergänzung aller Erin=
nerungsſchriften
herausgegeben von Dr. Friedrich Schulze.
Jubiläumspreis 3,80 Mark in Mappe ſpäter 6 Mk. Gleich
an der Spitze ſteht ein weltbekanntes, aber noch niemals
reproduziertes Dokument: die Konvention von Tauroggen.
Es folgen die wuchtigen Schriften E. M. Arndts aus den
Königsberger Tagen; weiterhin die großen, politiſch be=
deutſamen
Kundgebungen der Märztage. Kutuſoffs Auf=
ruf
an die Deutſchen, Blüchers und Wittgenſteins erſte
Proklamationen, dann die ſpäteren Schwarzenbergs, Ber=
nadottes
u. a. m. Schlachtenberichte, Extrablätter geben
ein anſchauliches Bild vom Gang der Kriegsereigniſſe.
Erleſene poetiſche Denkmale: Körners drei deutſche Ge=
dichte
, die Erſtausgabe von Leier und Schwert, der Erſt=
druck
von Kleiſts Germania, ein Kriegslied von Zacharigs
Werner runden dieſe Auswahl von Seltenheiten zu einem
höchſt eindrucksvollen Ganzen. Der Leſer bekommt alle
dieſe Blätter und Broſchüren in einer Form in die Hände,
wie ſie vor 100 Jahren verbreitet waren, mit einem ſach=
verſtändigen
Begleitwort des Herausgebers.
H
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Verlangen Sie überall ausdrücklich
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(IV,12927,27

Kurſe vom 30. Inni 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 98,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 84,50
74,40
do.
3
4 Preuß. Schatzanweifg. 98,40
84,50
3½ do. Conſols
74,60
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 97,80
91,20
do.
3½
80,00
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,50
83,00
do.
3½
74,40
do.
3
4 Hamburger Staatsanl. 97,50
4 Heſſ. Staatsanleihe 98,50
4 do. do. (unk. 1918) 96,50
do.
83,20
3½
do.
72,50
3 Sächſiſche Rente.
75,50
4 Württemberg unk. 1921 98,20
do. v. 1900 94,10
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
1¾ Griechen v. 1887 55,50
4 Italiener Rente 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente 84,60
4 do. Goldrente . . . 86,90
4 do. einheitl. Rente 81,70
3 Portug. unif. Serie I 63,20
3 do. unif. Ser. III 65,20
3 do. Spezial . . . . 9,65
5 Rumänier v. 1903
4. do. v. 1890
4 do. v. 1905 . . 86,5
4 Ruſſen v. 1880 . .
86,50
4 do. v. 1902 .
88,90
4½ do. v. 1905 .
99,60
3½ Schweden . .
4 Serbier amort. v. 1895 77,00
4 Türk. Admin. v. 1903 73,50
4 Türk. unifiz. v. 1903
4 Ungar. Goldrente . . . 83,20
4 do. Staatsrente. . . 81,30

Zi.
In Brez.
5 Argentinier . . . . . . 98,50
80,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe 87,30
5 Chinef. Staatsanleihe. 97,00
4½
89,80
do.
89,50
4½ Japaner . . . .
5 Innere Mexikaner. . . 76,20
3
50,50
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 75,00
5 Gold=Merikaner . . . .
3 Buenos Aires Provinz 64,80
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 138½
7 Nordd. Lloyd . . . . . 118,00
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 111,30
6 Baltimore und Ohio . 93,50
6 Schantungbahn . . . . 122,10
8 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomh.) 255
6 Pennſylvania R. R. . 109,00
Letzte Induſtrie=
Divid. Aktien.
4 Brauerei Werger . . 62,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik
. . 539,75
14 Chem. Fabrik Griez=
heim

.232,00
30 Farbwerke Höhſt . . 598,25
20 Verein chem. Fabrike:
Mannheim . . . . 327,00
10 Cement Heidelberg . . 138,00
30 Chem. Werke Albert 425,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 334,00
5 Lahmeyer. . . .

In Proz
Lioid
8 Schuchert, Nürnberg 144,77
12 Siemens & Halske 211½
5 Bergmann Electr. . . 122,00
10Deutſch. Ueberſee Electr. 161,00
0 Gummi Peter . . . . 59,75
0 Kunſtſeide Frankfurt 59,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 412,7
9 Maſchinenf. Badenia 133,00
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 148,50
15 Zellſtoff Waldhof . 223,25
12,83 Bad. Zucker=Wag=
.. . . 205,00
häuſel.
O Neue Boden=A. A.=Beſ. 74,00
0 Südd. Immobilien 50,50
Bergwerks=Aktien.
10 Aumetz=Friede . . . . 165,10
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 213,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 149,60
10 Gelſenkirchener . . . . 178,50
9 Harpener
. . . 185,80
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 246,60
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro.
75,00
6 Laurahütte
. . . 160,50
10 Kaliwerke Aſchersleben 143,00
Weſteregeln 177,25
13
7½ South Weſt Africa 111,50
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 88,10
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . .
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Durer . . . . . . 71,90
5 Oeſterr. Staatsbahn . 100,00
4 Oeſterr. Staatsbahn . 87,10
72,80
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 95,70
do.
4

In Proz,
2¾ Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,20
74,50
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 83,70
4½ Moskau=Kaſan . . . 92,60
do.
4 Wladichawchas . . . . 84,25
4 Rjäſan Koslow . . .
71,50
3 Portugieſ. Eiſenb.
do.
84,50
4½
2¼10 Livorneſer . . . . 67,10
3 Salonique=Monaſtir . 61,50
4 Baadadbahn .
79,25
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 92,30
4 Miſſouri=Paciſie. . .
4 Northern=Paciſie . . . 95,00
4 Southern=Paciſie
87,50
5 St. Louis und San

Francisco. . . . .
5 Tehuantepec . . . . .

Bank=Aktien.

10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 188,50
7½ Bergiſch =Märkiſche
Bahn . . . . . . .143,50
9½ Berlin. Handelsgeſ. .156,10
6½ Darmſtädter Bank 114,00
12½ Deutſche Bank .241,10
6 Deutſche Vereinsbank . 114,90
6 Deutſche Effekt.= und

W.=Bank . . . . . 112,40
10 Diskonto=Kommandit 179,50
8½ Dresdener Bank 145,50
10 Frankf. Hypoth.=B. 205,00
6½ Mitteld. Kreditbank 113,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 113,00
7 Pfälziſche Bank. . . . 122,90
.131,50
6,95 Reichsbank
7 Rhein. Kreditbank. . .127,25
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . 109,50
7½ Wiener Bankverein . 129,25
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
95,40
S. 21. . . .

In Proz.
Zf.

3½ Frankf. Hypoth.=Bank
65,50
S. 19.
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 ..
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 95,00 3½ do.
3½
84,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,60 Verzinsliche
85,00
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
96,.90
S. 12, 13, 16
S. 14, 15, 17, 24/26
1823.
96,9
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
85,00
S. 1 u. 2, 6
S. 3
84,80
S. 911
84,90
4 Meininger Hyp.=Bank 95,50
½
84,40
do.
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . 95,00
3½ do. (unk. 1914) . . 83,50
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,90
do.
3½
85,00
Städte=
Obligationen.

4 Darmſtadt

3½ do.
4 Frankfurt.
. 96,70
3½ do.
96,70
4 Gießen
84,20
3½ do.
94,00
4 Heidelberg
84,70
3½
do.
96,00
4 Karlsruhe
do.

Magdeburg.

3½
do.
4 Mainz

do.
94,00
4 Mannheim
do.
. 98,30
4 München
. 82,75
3½ Nauheim
96,00
Nürnberg.
do.
4 Offenbach.

In Proz
3½ Offenbach .
4 Wiesbaden
86,80
do.
3½
94,004 Worms.
94,00
4 Liſſaboner v. 1886 . 74,00
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 174,60
3½ Cöln=Mindner 100 133,70
3 Holl. Komm. . fl. 100 106,80
3 Madrider . Fs. 100
4 Meininger Pr.=Pfand=
.135,10
briefe .
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 176,00
.125,50
3 Oldenburger . .
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,10
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . ſl. 7 34,40
Braunſchweiger Tlr. 20 190,00
Fs.15
Freiburger .
Js.45
Mailänder
. Fs. 10 34,00
do.
fl. 7 34,10
Meininger .
Oeſterreicherv. 1864fl. 100 559,00
do. v. 1858fl. 100 488,00
Ungar. Staats . . fl. 100 389,00
Venediger . . . . Fs. 30
94,00Türkiſche . . . . Fs. 400 155,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns .
20,37
20 Franks=Stücke .
16,22
Amerikaniſche Noten.
4,18
Engliſche Noten .
20,42
80,90
Franzöſiſche Noten.
Holländiſche Noten. . . . 168,65
Italieniſche Noten .
78,80
84,50 Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,65
Ruſſiſche Noten . . . . .
Schweizer Noten . .
80,90
Reichsbank=Diskonto. .
Reichsbank=Lombard Zsf. 7%

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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Seite 15.

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Roman von Guido Kreutzer.
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24

Der Artilleriſt warf einen halben Blick hinter ſich,
hörte den Küraſſier fluchend aufſtehen, ſah die jämmerlich
zerſchrammte Naſe der kleinen Erlaucht.
Und dann ſtierte er zwiſchen den Ohren des Hengſtes
wieder vor ſich auf den grünen Raſen, der unter ihm zu
fliehen ſchien.
Mechaniſch nahm er Hindernis nach Hindernis der
Northern ocean ſprang mit einer Akkurateſſe, als hätte er
nicht bereits viertauſend Meter in den Beinen.
Vorn tanzte die ſchwarze Seidenkappe des Rittmeiſters
mit regelmäßigen Intervallen auf und nieder. Etwas
Aufreizendes lag in dieſer monoton wippenden Bewegung
wie Hohn!
Und jählings ſchoß dem Baron der Haß zu Herzen.
Die dumpfe Betäubung, die ſich während der letzten
Viertelſtunde wie ein eiſerner Reifen um ſeine Stirn ge=
legt
, die war mit einem Schlage fort; wie weggewiſcht.
Was zum Teufel war das vorhin geweſen?
Er hat ſich an ſie heranzupürſchen verſucht!
Der Leutnant von Oſtheeren grub die Zähne in die
Unterlippe.
Hallo, mein Heer Rittmeiſter, noch ſind wir da!
den Preis und die Frau hol ich mir!!
Und als hätte er da vorn das Unheil gewittert, beugte
er ſich tiefer auf den Hals ſeines Bleſſen.
Um die letzte Schleife herum kam man noch mit den
vier Längen Abſtand.
Dann begann die Gerade herunter der Endkampf.
Alſo tatſächlich, mein gnädigſtes Fräulein, das iſt das
ſenſationellſte Offiziersrennen, das ich je geſehen habe

Mhhh
nicht für möglich halten! ſagte auf dem Sattelplatz Graf
Frixen zu Herta Renzow, mit der er die ganze Zeit zu=
ſammengeſtanden
hatte.
Sie tat ſehr unintereſſiert.
Es hat wirklich den Anſchein, als ſollte es zu einem
ſcharfen Finiſh kommen. Ich hätte dem Baron, offen ge=
ſagt
, nicht ſoviel zugetraut!
Der Schwede wunderte ſich.
Aber er reitet doch exzellent!
Die Menſchenmengen gerieten in Bewegung. Ver=
worrenes
Brauſen Stimmengetöſe wildes Geſchrei
Ekſtaſe.
Oſtheeren . . . Sierndorff . . . verdammt, Ingraban
läßt nach! . . . Northern ocean . . . Bravo, Baron .
Phänomenal . . . Northern ocean . . . Northern ocean!
Graf Frixen verlor ſeine blaſierte Ruhe.
Sehen Sie doch, Gnädigſte . . ſehen Sie doch
Oſtheeren kommt auf keine zwei Längen mehr eine
Länge eine halbe . .
Jetzt iſt er dem Ingraban an den Gurten! ſagte
irgendwo in der Nähe ein Garde=Alexander.
Das war ſchon kein Brauſen und Schreien mehr. Das
war frenetiſches unartikuliertes Gebrüll.
Kopf an Kopf kamen die beiden Pferde.
Der Rittmeiſter ſtand in den Bügeln krumm, wie
eine zuſammengeſchweißte Stahlſtange gab Hilfen mit
Hand und Schenkeln warf ſich ruckweiſe vor arbeitete
wie wahnſinnig.
Da nahm der Leutnant von Oſtheeren die Peitſche.
Und in den letzten zehn Metern fiel der Bleßfuchs
zurück.
Mit klarer halber Länge ſchoß der Northern ocean
als Erſter durchs Ziel . . =

Inmitten des aufrauſchenden Beifallsockans aber ſtand
Herta Renzow ganz ruhig; blaß bis in die Schläfen.
Und der Attaché hörte ihre leiſen Worte:
Weshalb er nur ſo glatt über alle Hinderniſſe kam?!
Da ſah er ſie mit einem einzigen durchdringenden
Blick ſeiner blauen Augen an. Die Flügel der ſchmalen,
leicht gekrümmten Naſe blähten ſich witternd. Und es kam
ihm nur unklar zu Bewußtſein, daß er in dieſer Minute
einen verhängnisvollen Entſchluß gefaßt hatte.

Als der Hauptmann Graf Wanneslohe eine halbe
Stunde ſpäter auf der Mailcoach des Regiments in Ge=
ſellſchaft
des Oberſten und Majors die Rennbahn wieder
verließ, ſah er die unbekannte junge Dame, die ihn vor=
hin
um die Chancen der Reiter gefragt hatte, noch einmal
wieder wiederum in Begleitung des alten Gentleman,
der offenbar ihr Vater war. Eine ältere Dame, die an
der rechten Seite des Heren ging, ſah gleichfalls ſehr vor=
nehm
aus. Und während der ganzen Rückfahrt zerbrach er
ſich den Kopf, wer dieſe drei Leute, denen er noch nie in
Berlin begegnet war, eigentlich ſein konnten .
Elias Krottenheim blieb mitten auf dem Vorplatz
ſtehen unbekümert darum, daß er mit ſeinen beiden
Damen bei dieſem zurückflutenden Menſchenſtrom ein miß=
liebig
bemerktes Verkehrshindernis bildete.
Er war mit ſich ins Reine gekommen. Er ſchüttelte
energiſch den Kopf.
Nee, Kinder, das is niſcht! Ich hab ſchon früher, als
Aſſeſſor, für die ganze Rennreiterei wenig übrig gehabt.
Und heut, wo ich ein alter Kerl bin, erſcheint ſie mir ge=
radezu
grotesk!
Freuſt Du Dich denn gar nicht, Elias, daß der Sohn
Deines beſten Freundes einen ſo glänzenden Erfolg er=
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Stait ſch falhen angenergelte Schider zuiſchen
die Beine zu klemmen, ſoll er ſich lieber hinter den Schreib=
tiſch
ſetzen und ſich ſeinen Döskopp n bischen anſtrengen,
damit er ſpäter in den Generalſtab kommt und Karriere
macht.
Er hob plötzlich den Kopf und ſah ſeine Schweſter
ſtarr an.
Außerdem, Tilly haſt Du ſchon vergeſſen, was auf
dem Turf paſſiert iſt?
Das traf die Generalkonſulin ſo unvorbereitet, daß
ſie um eine Nüance blaſſer wurde.
Verzeih, Elias hätte ich mich rechtzeitig daran er=
innert
, dann würde ich Dich zu dem heutigen Nachmittag
gar nicht überredet haben!
Er ſchüttelte unwirſch den Kopf, als ärgere er ſich übec
ſich ſelbſt.
Da bedarfs keiner Entſchuldigung, Schweſter . . . ſo
wars ja gar nicht gemeint . . . Nur, weißt Du manch=
mal
ſo was vergißt ſich ſchwer . . .
Und dann legte er in jähem Aufwallen von Zäctlich=
keit
ſeinem Mädel die Hand um die Schulter und beugte
ſich herunter.
Du kommſt ja jetzt bald in das Alter, Kerlchen, wo
Dir Dein Herz manchen dummen Streich ſpielen wird.
Gut, das iſt der Lauf der Welt. Und wenn Du Dich für
einen Mann entſchieden haſt, werd ich mich nicht weigeen,
ihm die Hand zu drücken und ihn zu reſpeltieren denn
der, den Du wählſt, wird Deiner würdig ſein.
Nur eins merk Dir und acht’ dareif . .. ſeine Stimme
wurde hart und wuchtig . . . er a

in keiner Hinſicht auch nur das allergeringſte mit dem
Rennſport zu tun haben; ſonſt mach ich den Zwinger auf
und jag ihn mit Hunden von der Oberförſterei! Und wenns
ein dreimal gekrönter Fürſt iſt!!
Das junge Mädchen ſtreifte mit ſcheuem Blick die
düſteren Augen.
Wie merwürdig Du biſt, Papa! Mit ſolchen Fragen
habe ich mich doch noch niemals ernſtlich beſchäftigt. Wes=
halb
kommſt Du denn gerade jetzt darauf?
Der Forſtmeiſter antwortete nicht. Er richtete ſich
ſchweratmend hoch.
Seine Schweſter aber zog Giſelas Arm durch den ihren.
Laß nur, Herzel, und frag nicht weiter, ſagte ſie be=
klommen
. Dein Vater hat ſchon ſeine Gründe dazu.
Und wieder zu ihrem Bruder gewandt, in halblautem
Flüſtern:
Nicht ohne Zwang davon zu ihr ſprechen. Wenn es
ſpäter erforderlich werden ſollte, iſt es immer noch Zeit!
Der Forſtmeiſter nickte ſchweigend.
XIV.
Es gab in der Folgezeit unterſchiedliche Leute beim
Regiment, die ihre Zeitrechnung hartnäckig von dem Abend
der Siegesfeier des Großen Armee=Hürdenrennens da=
tierten
.
Unbeſtritten man verſtand ſich im Offizierskaſino der
ſechſten Garde=Feldartillerie ganz virtuos auf Kommiß=
peccos
, Liebesmahle, Geburtstagsfeiern und Feſtlichkeiten
jeder Art. Einer der Oberleutnants war ſogar mal eine
Saiſon lang erſter Vortänzer bei Hofs geweſen; und die

Raineniehit, deren nen dbet ſchen Pöhner reniſel=
tete
, erfreuten ſich eines traditionell großen Zuſpruchs.
Alſo durfte man ſich wohl auf ſeine Arrangements
was einbilden!
Aber trotz alledem noch nie hatte das olle Kaſino
ein annähernd ſo gewaltiges Zechgelage geſehen, als auf
Grund des Oſtheerenſchen Sieges um den Ehrenpreis
Seiner Majeſtät!
Die älteren Herren und Familienväter vom Haupt=
mann
aufwärts zogen ſich gegen Mitternacht allerdings
ins Privatleben zurück. Dagegen erwies ſich der geſamte
jüngere Leutnant als unheimlich ſeßhaft. Man randa=
lierte
, hielt große Brandreden, machte in Witz, Geiſt,
Ironie und Sarkasmus, trank auf das reſpektive Wohl=
ergehen
ſämtlicher befreundeter Regimenter, ließ den Fa=
voriten
des Abends wohl zwanzigmal hochleben, mtrierte
einen Privatball znur für Herren . . . und gab nicht eher
Ruhe, als bis die Ordonnanzen kein Bein mehr rühren
konnten und vor Schlappheit die Servierbretter in anmuti=
gen
Wellenlinien balanzierten.
Da empfand man doch endlich Mitleid mit ihnen,
requirierte die entſprechende Anzahl Autodroſchken und
juckelte in die Stadt, um ſich in ein paar Weinreſtaurants
und Cafés zu verkrümeln und noch einen geſinnungstüch=
tigen
Flip hinter den ſchwarzen Samtkragen zu wippen.
Alles in Gemeinſchaft mit Günter von Oſtheeren, der
ſich als famoſer Kerl das opulente Feſteſſen bei ſeiner
Patron verkniffen hatte, um mit den Kameraden zu
ſammen zu bleiben.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 157.

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bethenſtraße
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(*1815
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Frankfurterſtraße 78, III. Suche ſof. j. ſaub. Mädch. f. vorm.
Zeughausſtr. 7, Metzgerlad. (14216a Braves,
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Männtioh.

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geſucht. Angebote ſind
unter T 77 an die Expedition
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41 (Wirtſchaft Saalburg)
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m. gut. Empfehl. geſ. Mathilden=
platz
18, Weinhandiung. (14140is
Mauabarsche
in ein feines Geſchäft für dau=
ernd
geſucht. Es kommen nur
Bewerber in Frage, die beſte
Zeugniſſe beſitzen, Radfahrer
ſind und das Packen verſtehen.
Näh. in der Erpd. (14117oi

bei hohem Verdienſt. Herren,
welche an flottes Arbeiten
gewöhntſind belieben ſchrift=
liche
Offert. an Weber & Preuß,
Darmſtadt, Schulſtraße 10,
(*1509dsi
einzureichen.

aller Veruſe
Offene Stellen enthält ſtets
die Zeitung: Deutſche Vakanzen=
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Verlässticher Mann
der auch wirklich ſtrebſam iſt, gleich
welchen Standes, wird zur Leitung
einer Engros=Verſandſtelle geſucht.
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ſofort dauernd geſucht.
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ſnfort geſucht
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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151.

HEUTE DIENSTAG

beginnt unser diesjähriger

Sommer-Saison-Ausverkauf!

Aus allen Abteilungen bringen wir große Warenposten
zu bedeutend reduzierten Preisen
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Seite 24.

Nummer 151.

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breit . jetzt Meter 65
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Grau karierte Hand-
tücher
. jetzt Meter 15
Weiß-rot karierte Hand-
tücher
jetzt Meter 16
Weiße Handtücher mit
roter Kante, jetzt Met. 16
Weiß Halbleinen f. Bett-
tüch
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Weiße halbleinene Hand-
tücher
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Damast-Handtücher,

50 cm breit, jetzt Meter 48
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Weiß Croise, jetzt Meter 33
Weiß Croisé, ganz feiner
Köper . . jetzt Meter 52
Weiß Halbleinen f. Bett-
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Schürzendruck, 116/118
cm . . . jetzt Meter 68
Schürzenbaumwollzeug
116 cm br. jetzt Meter 38
Bettkattune, jetzt Meter 46
Hausmacher-Bettkattune,
hübsche Must., jetzt Meter 45

Kariert Bettzeug, jetzt Met. 33
Schürzen-Kattune, hüb-
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Muster, jetzt Meter 45

Helle Jackenbiber
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Helle Sportflanelle für
Blusen . jetzt Meter 38
Kleid.-Baumwollzeuge
kariert . jetzt Meter 38
Möbel-Kattune, j. Met. 44
Kleider-Drucks, solide
Qual. . jetzt Meter 38
Rhenania für Kinder-
kleider
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5 Posten
Blusenschürzen
9
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73
98
8.
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Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1915

Nummer 151.

Seite 99.

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Zentralkaſſe der heſſiſchen
landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſchaften
.
St Darmſtadt, 30. Juni.

Im Kaiſerſaal fand geſtern vormittag die erſte Gene=
ralverſammlung
der Zentralkaſſe der heſſiſchen landwirt=
ſſchaftlichen
Genoſſenſchaften bei außerordentlich zahlreicher
Teilnahme ſtatt. Der Vorſitzende, Herr Bürgermeiſter
Becker=Sprendlingen, hieß die Erſchienenen herzlichſt
willkommen und begrüßte beſonders die Vertreter der
Behörden. Es waren erſchienen als Vertreter des Mi=
miſteriums
des Innern Regierungsrat Spamer, als Ver=
itreter
des Finanzminiſteriums Finanzrat Michel, der
Preußiſchen Zentralgenoſſenſchaftskaſſe Berlin Geheimer
Oberfinanzrat Dr. Heſſelberg, der Reichsbank Di=
rektor
Offenberg, der Landwirtſchaftskammer Oeko=
ſnomieräte
Walter=Lengfeld und Leithiger, des
Reichsverbandes die Generalſekretäre Gennes und
Grabein, des Verbandes ſelbſt Herr Dr. Fitting.
Herr Geheimrat Heſſelberg=Berlin widmete der
WVerſammlung herzliche Begrüßungsworte und teilte mit,
daß die Preußenkaſſe bereit iſt, in der Kreditgewährung
fſo weit wie irgend möglich zu gehen. Möge die heutige
WVerſammlung dazu beitragen, das große und ſchöne Ziel
der neuen Einigung zu erreichen zum Segen des Heſſen=
flandes
und der heſſiſchen Landwirtſchaft.
Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Den
Geſchäftsbericht
des Vorſtandes über die drei erſten Monate des Ge=
iſchäftsjahres
erſtattete Herr Bankinſpektor Mager, der
Direktor der Zentralkaſſe. Er teilte mit, daß 243 Ge=
noſſenſchaften
der Zentralkaſſe angeſchloſſen wurden, die
ſich auf Starkenburg mit 88, Rheinheſſen mit 115 und
Oberheſſen mit 42 verteilen. Sehr eingehend verbreitet
ſich der Redner über Art und Umfang des Wechſelkredits,
ferner über die Verhandlungen mit der heſſiſchen Re=
(gierung und deren Ergebniſſe. Nach dem Stand der Ver=
thandlungen
darf angenommen werden, daß der Staats=
kredit
von 1 Million Mark baldigſt zur Verfügung ſtehen
wird. Die Zentralkaſſe hat ſich in der kurzen Zeit ihres
Beſtehens für viele Genoſſenſchaften als ein guter Ban=
ſkier
, für viele aber auch als Retter erwieſen, ohne den
iſie die Kriſis nicht überſtanden haben würden. Zu danken
iſt in erſter Linie der Preußenkaſſe, die ohne Bedenken
beinahe 6 Millionen Mark Kredit nach Heſſen gewährt
hat, ohne den alle Arbeit umſonſt geweſen wäre. Dann
iſt zu danken der Staatsregierung, die durch ihre Haltung
die Genoſſenſchafter moraliſch ſtärkte, der Landwirtſchafts=
kammer
für ihre Haltung, ferner dem Amtsgericht I, wel=
ſches
das Regiſter der Zentralkaſſe führt, und auch der
Preſſe, die zum größten Teil eine freundliche Haltung
wahrte. Weiter erwähnt Redner das Uebereinkommen
mit der Landeshypothekenbank, die ebenfalls ſehr ent=
gegenkommend
war. Der Bericht ſchließt mit der An=
erkennung
der Leiſtungen der Beamten der Kaſſe und
mit der Bitte an die Genoſſenſchafter, doch alles zu leſen,
was vom Vorſtand hinausgeht. und ſchnellſtens alle Ant=
worten
uſw. zu geben. Das liege im eigenſten Intereſſe
Der Genoſſenſchaften und der Kaſſe. Um das Millionen=
fdarrlehen
der Regierung möglichſt bald zu erhalten, iſt es
notuvendig, daß ſich möglichſt viele Genoſſenſchaften an
der Zentralkaſſe beteiligen, um die notwendige Haftſumme
aufzubringen.

Aus dem Zahlenmaterial des Berichts geben wir ſol=
gendes
wieder:

Der Mitgliederbeſtand verteilt ſich wie folgt:
Starken= Rhein= Ober=
burg
heſſen heſſen
86
40 204 (390)
78
Kreditgenoſſenſchaften
Bezugs= und Abſatz=
10
genoſſenſchaften
14 (82)
Molkereigenoſſenſchaften
Winzergenoſſenſchaften
1ch,
17
Sonſt. Genoſſenſchaften
und Vereinigungen
2 (7)
2 (3)
Zentralgeſchäftsanſtalten
2 (0)
Einzelmitglieder
43 245
115
Zuſammen 87

Die bei der letzten Kolonne in Klammern geſetzten
Zahlen bedeuten den Stand bei der Landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaftsbank.
Der Umſatz betrug bis Ende April 16,2 Millionen
Mark, im Mai 10,6 Millionen, bis heute 14,7 Millionen
Mark. Der Stand der laufenden Rechnung
iſt folgender: Guthaben der Genoſſenſchaften lauf. Rech=
nung
: Ende April 287259,48 Mark Ende Mai 343 518,80
Mark, heute 528355,61 Mark; die Schulden der Genoſſen=
ſchaften
: Ende April 216 483.93 Mark, Ende Mai 381 115,43
Mark, heute 594 984,80 Mark.
Eingeräumte und in Anſpruch genom=
mene
Kredite per heute:

lauf. Rechnung Darlehnswechſel
766 000 M. 3 176 102,93 M.
Kreditgenoſſenſchaften
Bezugs= und Abſatz=
15000 M.
126000. M.
genoſſenſchaften
5 000 M. 1026 500, M.
Winzergenoſſenſchaften.
8 000 M.
Diverſe Genoſſenſchaften 10000 M.
706 000 M. 4336 602.95 M.

Die Kredite in laufender Rechnung ſind heute im Be=
trage
von 594984,80 Mark ausgenutzt 74,8 Prozent der
eingeräumten Kredite. Die Wechſelkredite ſind voll aus=
genutzt
.
Eingezahlte Geſchäftsguthaben: Ende
April 84050 Mark, Ende Mai 128 150 Mark. heute 218850
Mark. Die 245 Genoſſenſchaften haben 236 weitere An=
teile
übernommen. Es haftet daran eine Haftſumme
von 481000 Mark. Sind die Geſchäftsanteile voll einge=
zahlt
, ſo ergibt ſich 240 500 Mark, zuſammen 721500 Mark.
Stand zur Preußiſchen Zentralgenoſ=
ſenſchaftskaſſe
in Berlin: Bei der Preußiſchen
Zentralgenoſſenſchaftskaſſe ſind wir mit 100000 Mark
Stammanteil beteiligt; dagegen haben wir einen Kredit
ebenfalls in Höhe von 100000 Mark. Bei der Preußen=
kaſſe
diskontierte Darlehnswechſel: bis Ende April
1800 000 Mark bis Ende Mai 2700000 Mark. bis heute
4 200000 Mark. Bei der Preußenkaſſe diskontierte Ge=
ſchäftswechſel
: bis Ende April 200000 Mark, bis
Ende Mai 237000 Mark, bis heute 251000 Mark.
In der
Beſprechung
unterſtützte Herr Graf=Büttelborn die letzte Bitte des
Berichterſtatters. Ebenſo ein Genoſſenſchafter aus Stein=
furt
. Damit ſchließt die Beſprechung.
Der nächſte Gegenſtand der Tagesordnung iſt die
Feſtſetzung des Geſamtbetrages,
welchen Anleihen der Genoſſenſchaft und Spareinlagen
bei dieſer nicht überſchreiten ſollen gemäß § 36 Nr. 13 des

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Staluts, Nach dem Bericht des Kreisſtaßenneiſters
Becker=Wörrſtadt ſoll der Betrag auf 10 Millionen
feſtgeſetzt werden. Von einem Genoſſenſchafter wird der
Betrag für zu niedrig gehalten, doch ſtimmt die Verſamm=
lung
dem Antrag des Vorſtandes zu.
Auch über die Feſtſetzung der Grenzen, welche bei
Kreditgewährungen
an Genoſſen eingehalten werden ſollen, gemäß § 36 Nr. 14
des Statuts, berichtet Direktor Becker. Er ſchlägt vor,
die Grenze auf 200000 Mark feſtzuſetzen. Nach kurzer
Debatte wird beſchloſſen, dieſe Summe feſtzuſetzen. Dar=
über
hinaus ſoll der Aufſichtsrat befragt werden, der bis
zur Höchſtgrenze von 300000 Mark berechtigt ſein ſoll.
Der Vertreter von Erbes=Büdesheim ſtellt den Antrag, daß
ſämtliche Kredite durch den Aufſichtsrat gewährt
werden. Doch wird dieſer Antrag bekämpft und auch ab=
gelehnt
. Der Vertreter des Verbandes Herr Dr. Fit=
ting
rät zur Vorſicht und ſchlägt vor, dem Vorſtand die
Berechtigung von 150000 Mark und dem Aufſichtsrat von
250000 Mark Kreditgewährung zuzugeſtehen, darüber
hinausgehend aber die Generalverſammlung zu befragen.
Von ſeiten des Vorſtandes wird an dem Antrag des
Direktors Becker feſtgehalten, der dann angenommen wird.
Es folgte ein Referat des Direktor Mager über
Grundſätzliches zu dem Geſchäfts=
gebahren

der ländlichen Genoſſenſchaften, insbeſondere die Zins=
politik
der Kreditgenoſſenſchaften und die bargeldloſe Zahl=
ung
Giro und Scheckverkehr. Er empfiehlt vor allem
Beſchränkung im Umfang und der örtlichen Begrenz=
ung
des Geſchäftsbereichs. Von Spekulationen ſollten ſich
die Genoſſenſchaften fernhalten. Im Anſchluß an das
Referat ſprach Herr Finanzrat Michel kurz über die
Landeshypothekenbank. Es folgten
Wahlen
und zwar die Zuwahl von 3 Aufſichtsratsmitgliedern
aus Oberheſſen und Erſatzwahl von je einem Aufſichts=
ratsmitglied
aus Starkenburg und Rheinheſſen. Es
werden gewählt als Aufſichtsratsmitglieder Bürgermeiſter
Schmidt=Echzell, Lehrer Schenck=Steinfurth Lehrer
Loch=Wallenrod. Die Erſatzwahl für Rheinheſſen fällt
auf Bürgermeiſter Feldmann=Armsheim. Die Erſatz=
wahl
für Starkenburg fällt auf Göttmann=Höchſt,
gegen deſſen Wahl allerdings Graf=Büttelborn proteſtiert,
über ohne Erfolg.
Nach Feſtſetzung der Tagegelder auf 10 Mark pro
Tag und die Reiſekoſten 3. Klaſſe für die Mitglieder des
Aufſichtsrats, iſt die Tagesordnung erledigt. Die Sitz=
ung
wird um ½3 Uhr geſchloſſen.

Literariſches.

* Neu erſchienene Broſchüren: Der Gebur=
tenrückgang
eine Kulturfrage. Nach einem zu Leip=
zig
am 11. Februar 1913 gehaltenen Vortrage von Dr.
med. Hermann Rohleder, Leipzig. Berlin 1913. Fiſchers
medizin. Buchhandlung, H. Kornfeld, Herzogl. bayer. Hof=
und k. u. k. Kammer=Buchhändler. Biedenkapp, Dr. G.:
George Stephenſon und die Vorgeſchichte der Eiſenbah=
nen
. Eine biographiſche Skizze. Mit 31 Abbildungen.
(52 S.) gr. 8 1913. Geh. 1 Mk., geb. 1,80 Mk. Stuttgart,
Verlag der Techniſchen Monatshefte (Franckhſche Verlags=
handlung
).

[ ][  ][ ]

31 78.

Dienstag, 1. Zuf.

1913.

Bekanntmachung.

Wir bringen zur Kenntnis der Beteiligten, daß Heu neuer Ernte unmittelbar
von der Wieſe bei Großh. Proviantamt Darmſtadt angefahren werden kann. Es
muß jedoch vollkommen trocken, noch nicht ſchwitzend beim Amt ankommen.
(13968sid
Darmſtadt, am 27. Juni 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Mit Rückſicht auf die beginnenden Scharfſchießübungen der Feld=Artillerie auf
dem Truppenübungsplatz bringen wir Nachſtehendes zur allgemeinen Kenntnis:
1. Es wird auf unſere Polizeiverordnung vom 10. März 1908 hingewieſen,
wonach das Betreten des Truppenübungsplatzes Darmſtadt Zivilperſonen
ohne Erlgubnisſchein der Kommandantur verboten iſt.
2. Wer die bei den Uebungen der Artillerie verſchoſſene Munition ſich wider=
rechtlich
zueignet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre beſtraft (§ 291 des
Reichsſtrafgeſetzbuches).
3. Die Erlaubnis zum Suchen verſchoſſener Munition auf dem Truppenübungs=
platz
Darmſtadt wird keiner Zivilperſon erteilt.
4. Die auf dem Uebungsplatze gelegentlich gefundenen und die im Auslauf=
gelände
aufgehobenen Munitionsteile müſſen an die im Lager eingerichtete Ab=
nahmeſtelle
abgeliefert werden, welche dafür entſprechende Geldvergütung zahlt.
5. Zünder mit Zündladung, einzelne Zündladungen oder blindgegangene Ge=
ſchoſſe
dürfen unter keinen Umſtänden berührt werden, weil dies mit Lebens=
gefahr
verbunden iſt. Ein Nachgraben oder Freilegen von tieſer in die Erde
eingedrungenen Geſchoſſen iſt ſtreng verboten. Dabei iſt es gleichgültig, ob
das Geſchoß eine Granate oder ein Schrapnel, ob es mit Zünder verſehen
iſt oder nicht, ob der Finder von der Ungefährlichkeit überzeugt iſt
oder nicht. Der Finder hat zunächſt weiter nichts zu tun, als den Fund zu
melden und nötigenfalls die Stelle kenntlich zu machen.
Die Zertrümmerung der Blindgänger uſw. iſt lediglich durch die von dem
Funde in Kenntnis zu ſetzende Kommandantur zu veranlaſſen. Der Finder
erhält als Findergeld für ein blindgegangenes Geſchoß mit Zünder 1 Mk.

(Eine Marh, für einen einzelnen ſcharfen Zünder oder für ein Geſchoß ohne
Zünder 50 Pfg. (Fünfzig Pfennige). Am Geſchäftszimmer der Komman=
dantur
des Truppenübungsplatzes ſowie am Sprengſtückſchuppen und am
Feuerlöſchgeräteſchuppen (Baracke Nr. 104) ſind Abbildungen von gefährlichen
Zündern pp. ausgehängt.
Das Betreten des Uebungsplatzes gleich nach dem Abſchießen iſt den
Zivilperſonen mit Erlaubnisſchein verboten. Es iſt dies erſt eine Stunde
nach Beendigung des Schießens und unter keinen Umſtänden früher
geſtattet. Denienigen Perſonen, welche gegen dieſes Verbot verſtoßen, wird
der Erlaubnisſchein zum Betreten des Platzes entzogen.
(9132a
Darmſtadt, den 15. April 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: von Werner.

Bekanntmachung.

Die nachſtehende Zuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppenübungs=
platz
bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis,
(13989a
Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Michel.
Iuſammenſtellung der Schießtage auf dem Truppen=Uebungsplatz Darmſtadt
für die Zeit vom 30. Juni bis 4. Juli 1913.

Die
Dauer der
Tag
Datum
Truppenteil 1 AbſperrungAbſperrung! Bemerkungen
erſtreckt ſich
von 1 bis
Ueber das
30. Juni 1 Montag
80 V. 10N
90 V. 120 M.
gange
1. Zult Dienstag
Feldartillerie
Abſperr=
80V.
N.
2. Juli Mittwoch
80 V. 1 N. Gelände
4. Juli
Freitag

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 2 Kriegshunde. Die Hunde können von den Eigentümern
bei dem b. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der
nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um
(14162
10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Wahlen zum Landtag und zur Stadtverordneten=
Verſammlung.
Nach Art. 7 Ziffer 9 des Geſetzes, die Landſtände betr. vom
3. Juni 1911, bezw. nach Art. 39 des Geſetzes, die Städteordnung
betr., vom 8. Juli 1911 ſind bei den Landtags= und Stadtverordneten=
wahlen
vom Stimmrecht ausgeſchloſſen Perſonen, die zur Zeit der
Wahl mit der Entrichtung der direkten Staats= oder Gemeindeſteuer
länger als zwei Monate ſich im Rückſtande befinden.
Da vielfach Zweifel darüber beſtehen, was im Sinne dieſer
Geſetzesſtellen als Rückſtand gilt, bringe ich hiermit zur öffentlichen
Kenntnis, daß das Stimmrecht nur dann ausgeübt werden kann,
wenn ſämmtliche mehr als zwei Monate fälligen Steuerziele
des laufenden Rechnungsjahres, ſowie die aus dem Vorjahre
nöch rückſtändigen Gemeindeſteuerbeträge entrichtet ſind. Er=
kaſſene
: Steuern ſind als Rückſtand nicht anzuſehen.
Darmſtadt, den 25. Juni 1913.
(14096oi
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Mueller.

Oeffentliche Impfung.

Unentgeltliche Impf= und Nachſchautermine finden, ſolange Be=
dürfnis
, jeden Mittwoch, nachmittags von 56 Uhr, im Schul=
haus
in der Rundeturmſtraße für im Vorjahr geborene, ſowie für
ältere mit der Impfung im Rückſtande verbliebenen Kinder ſtatt.
Darmſtadt, den 24. Juni 1913.
(14133a
Der Oberbürgermeiſter
J. B. Jaeger.

Die Wahl von 44 Mitgliedern der Kirchengemeinde=Vertreiung
der Petrus=Gemeinde ſoll Samstag, den 5. Juli, von 11 Uhr
vorm. bis 1½ Uhr nachm. in der Beſſunger Kirche ſtattfinden,
wozu die ſtimmberechtigten Gemeindeglieder hierdurch eingeladen
werden. Bezüglich der Wahlfähigkeit und Wählbarkeit wird auf §8 13
und 18 der Kirchen=Verfaſſung verwieſen.
Darmſtadt, den 30. Juni 1913.
(14153
Für den evang. Kirchenvorſtand:
Wagner, Pfarrer.

Verſteigerung im ſtädtiſchen Leihamt.

Die Inhaber der Pfandſcheine Nr. 2642 bis einſchl. Nr. 37918
werden aufgefordert, die Verſatzzeit der Pfänder verlängern zu laſſen.
Bis Ende Auguſt d. J. iſt die einfache, vom 1. bis 10. September
1913 die doppelte Verlängerungsgebühr zu entrichten.
Alle Pfänder, deren Verſatzeit bis 10. September d. Js. nicht
verlängert wurde, ſind bis ſpäteſtens Samstag, den 25. Oktober
d. Js., vormittags 11 Uhr, auszulöſen. Von Montag, den 27. Ok=
tober
d. J. ab werden die verfallenen Pfänder verſteigert.
Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
(14134a
Städtiſche Leihamts=Verwaltung.
Paul.

Kohlenvergebung.

Für die Gemeinde Pfungſtadt ſind für das Rj. 1913 ca.
1000 Ztr. Anthrazit und ca. 500 Ztr. Nuß I Kohlen anzuliefern.
Die Vergebung der Lieferung erfolgt auf dem Submiſſions=
wege
und ſind bis zum Montag, den 7. Juli 1913, vormittags
11 Uhr, Offerten bei uns einzureichen.
(13847fi
Pfungſtadt, den 25. Juni 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Verſteigerungs-Anzeige.
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büro
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leinen
, Segeltuch, 1 Friſeurtoilette und 1 Landauer
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
(14210
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
Georgenſtraße 11, I.

Bauarbeiten.

Die bei Einrichtung der Apo=
theke
des Stadtkrankenhauſes im
Gebäude Wieſenſtraße 11 vorkom=
menden
Schreinerarbeiten ( Mobi=
liar
), Terrazzo= und Weißbinder=
arbeiten
ſollen vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Samstag, den 5. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
(14035si
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Stadtbauamt.
Burbaum.

Erhebung der
Gemeindeſteuer.

Die Friſt zur Entrichtung des
Ende Mai fällig geweſenen erſten
Zieles der Gemeindeſteuern wurde
bis 5. Juli l. Js. erſtreckt. Zah=
lung
hat bei Meidung des Bei=
treibungs
=Verfahrens an den
Werktagen, vormittags von 8 bis
12½ Uhr, hierher zu erfolgen.
Im Intereſſe raſcheſter Abfer=
tigung
an den Zahlſchaltern wird
erſucht, die Gelder abgezählt bereit
zu halten.
(13690a
Darmſtadt, 21. Juni 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch.

Der Armenarzt

Herr Dr. Göring, iſt auf vier
Wochen verreiſt und wird wäh=
rend
dieſer Zeit in der Armen=
praxis
durch Herrn Sanitätsrat
Dr. Gutenberg, Waldſtraße 1,
vertreten.
(14221
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Städt. Armen= und Fürſorgeamt.
Krabb.

Jederzeit Dünger und Pfuhl
in Einzelfuhren abzugeben.
Preis der Einſpännerfuhre 6 Mk.
. Zweiſpännerfuhre 10 Mk,
pro Faß Pfuhl . . . 20 Pfg.
12546a)
Schlachthof.

Die Reinigung der Fenſter,
Türen, Oberlichter und ſon=

ſtiger Glaswände an dem Em=
pfangsgebäude
, Fürſtenbau und
Bahnſteighallen im Hauptbahn=
hof
Darmſtadt ſollen vergeben
werden.
(IV,14178,72
Verdingungsunterlagen ſind bei
dem unterzeichneten Amte einzu=
ſehen
und können auch gegen poſt=
freie
Einſendung von 0,50 Mk. in
bar bezogen werden.
Angebote mit entſprechender Auf=
ſchrift
ſind bis Samstag, den
12. Juli ds. Js., vormittags
10 Uhr, einzureichen.
Zuſchlagsfriſt 8 Tage.
Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Eiſenbahnbetriebsamt 1.

Bekanntmachung.
Freitag, den 18. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Bäckermeiſter Adam
Ihrig dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
III 1024 252 Hofreite Kahlert=
ſtraße
Nr. 49,
nebſt dem vorhandenen Geſchäfts=
inventar
und Ladeneinrichtung.
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden. (K46/13
Darmſtadt, 31. Mai 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,12244

Bekanntnachung
Donnerstag, den 3. Juli l. J., vormittags 9 Uhr

anfangend, ſoll das Heugras von der Gemeinde=Nachtweidewieſe in
40 Loſen öffentlich meiſtbietend verſteigert werden.
Zuſammenkunft um die oben angeführte Zeit auf der Frank=
furter
Straße bei Los Nr 1.
Wixhauſen, den 27. Juni 1913.
(14125
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Pfaff.

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empfehlen wir unsere feuer- und diebessichere
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vermietbaren Schrankfächer (Safes).
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Ecke Saalbaustrasse.

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
I teilung 2, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 26. Juni 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Jacob Scheid, Darmſtadt.
Geſchäft und Firma ſind auf
Adolf Schaberger und Wilhelm
Schmuck, beide Kaufleute in Darm=
ſtadt
, als perſönlich haftende Ge=
ſellſchafter
, übergegangen.
Offene Handelsgeſellſchaft. Die
Geſellſchaft hat am 26. Juni 1913
begonnen.
Die Geſamtprokura des Adolf
Schaberger und Wilhelm Schmuck,
beide in Darmſtadt, ſowie die
Einzelprokura des Philipp Orth,
Privatier in Darmſtadt, iſt er=
loſchen
.
Am 28. Juni 1913.
Neu eingetragen die Firma:
Mitteldeutſche Fakirol Co,
Rohde & Drautz, Darm=
ſtadt
.
Inhaber:
Kurt Rohde, Fabrikant in Darm=
ſtadt
,
Karl Drautz, Dentiſt in Darm=
ſtadt
.
Offene Handelsgeſellſchaft. Die
Geſellſchaft hat am 15. Mai 1913
begonnen.
(14161
Gelöſcht die Firmen:
1. Jacob Riegert Nachflgr.,
Darmſtadt.
2. Karl Gehbauer, Darmſtadt.
Darmſtadt, 23. Juni 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

Die in offener Handelsgeſell=
ſchaft
beſtehende Firma Breit=
wieſer
E Keller in Ober= Ram=
ſtadt
iſt in eine Kommanditgeſell=
ſchaft
umgewandelt worden. Die
Zahl der Kommanditiſten be=
(14200
trägt 1.
Eintrag in das Handelsregiſter A.
iſt erfolgt.

Darmſtadt, 26. Juni 1913.
Großherzogliches Amtsgericht II.

Behanmang.

Für den Verkauf des Holzes in
dem Holzhofe dahier ſind folgende
Preiſe pro Rm. bis auf weiteres
feſtgeſetzt:
Buchen=Scheiter I. Kl. 12 Mk.
II. Kl. 10
Kiefern=Scheiter II. Kl. 8
Scheiter II. Kl. beſtehen aus
aufgeſpaltenem Knüppelholz.
Die Beſtellungen des Holzes
haben bei Großh. Bezirkskaſſe
Darmſtadt zu erfolgen. (2609a
Darmſtadt, 25. Januar 1913.
Großh. Holzmagazius=Verwaltung.
Heinemann, Geh. Forſtrat.

Der Draaoner Wilhelm Merz,
gen. Nauheim, der 4. Eska=
dron
, welcher ſich am 21. Juni
1913 ohne Urlaub aus der Garni=
ſon
entfernt hatte, iſt feſtgenom=
men
und zu ſeinem Truppenteil
zurückgebracht worden.
Die gegen denſelben erlaſſenen
Steckbriefe bezw. die angeſtellten
Recherchen werden zurückgenom=
(14191
men.
Darmſtadt, 29. Juni 1913.
Garde=Dragoner=Regiment
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bleibt dasſelbe vom 14. Juli ab etwa
10 Tage geſchloſſen.
Der Tag der Wiedereröffnung wird ſ. Z. bekannt gegeben werden.
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Darmſtadt, den 1. Juli 1913.
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Die Gemeinde Griesheim beabſichtigt, einen zuchtuntauglichen
Eber im Submiſſionsweg zu veräußern. Angebote ſind bis
Freitag, 4. Juli ds. Js., vormittags 11 Uhr,
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bei der unterzeichneten Stelle ſchriftlich einzureichen.
Griesheim, am 27. Juni 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Griesheim.
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Nummer 151.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

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[ ][  ][ ]

Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Jult 1913.

Nummer 151.

mif seidenen.
Jammel=
swappenbildem

1,11607

Sport, Spiel und Turnen.

* Darmſtädter Sportklub 1905. Am Sonntag gelang
es der leichtathletiſchen Abteilung des Darmſtädter
Sportklubs 1905 bei den Wettkämpfen des Stadtverban=
des
für Leichtathletik Offenbach a. M., glänzend erfolgreich
zu ſein. Die nach dort entſandten Herren nahmen vier
1. Preiſe und zwei 3. Preiſe mit nach Darmſtadt. So er=
zielte
Herr Heinrich Ackermann im Diskuswerfen für
Junioren und desgleichen für Senioren je einen 1. Preis,
im Kugelſtoßen einen 1. Preis und einen 3. Preis im
Schleuderballwerfen. Im Diskuswerfen für Senioren
ſchlug Ackermann den langjährigen Bezirksmeiſter H. V.
Müller=Frankfurt. Bei dem 3000=Meterlaufen ging Gg.
Merkel mit faſt einer Runde, zirka 350 Meter, Vorſprung
als Erſter durch das Ziel. Herr Fritz Chriſt konnte im
1000=Meterlaufen für Junioren nur den dritten Platz
belegen, nachdem er zirka einen Meter vorm Ziel als
Erſter ſtürzte und hierdurch die Führung verlor. Am
nächſten Sonntag beteiligt ſich der Sportklub 1905 an den
Internationalen Olympiſchen Spielen in Frankfurt a. M.
Herr Ackermann wird im Diskuswerfen auf ſtarke Kon=
kurrenz
ſtoßen, ebenfalls wird Herr Merkel im 3000=
Meterlaufen mit bekannten Größen zuſammentreffen. Wie
ſchon bekannt, hat der Däne Chriſtenſen für 3000= Meter=
laufen
gemeldet.
* Fußballklub Olympia=Darmſtadt 1898. Am Sonntag
ſtartete die Mannſchaft Olympias, allerdings in neuer Auf=
ſtellung
, die ſich aber gut bewährte, in München ge=
legentlich
der Internationalen Wettkämpfe des Südbay=
riſchen
Verbandes für Leichtathletik im 3000 Meter= Sta=
fettenlaufen
und konnte in dieſem Rennen einen weiteren
Sieg erringen. Die ebenfalls anweſende Straßburger
Mannſchaft, der ſich die Olympia=Mannſchaft kürzlich in
Karlsruhe beugen mußte, hatte es vorgezogen, dieſe
Konkurrenz zu meiden. Im 1000=Meterlaufen konnte Joſ.
Schröck den dritten Platz hinter Amberger=Straßburg und
Lehmann=Berlin belegen. Da dieſer Lauf vor der Sta=
fette
zur Austragung kam, griff Schröck nicht in den
Kampf ein, um ſich zu ſchonen. Die ganze Veranſtaltung
hatte ſehr unter Regen zu leiden, der auch auf die Re=
ſultate
nicht ohne Einfluß war. In Offenbach
betätigten ſich die Anfänger und Junioren Olympias.
K. Krichel gewann leicht das 400=Meterlaufen, während
K. Michel im Diskus= und Schleuderballwerfen den 3.
bezw. 4. Preis erhielt.
Am Sonntag ſpielte die erſte Mannſchaft des Sport=
klubs
Germania=Beſſungen gegen die gleiche
des Fußballklubs Olympia=Ober=Ramſtadt.
Halbzeit 211 für Ober=Ramſtadt. Das Spiel endete mit
511 Toren zugunſten für Ober=Ramſtadt.
Gräfenhauſen, 30. Juni. Die erſte Mann=
ſchaft
des Sportvereins Germania= Mör=
felden
ſpielte gegen die gleiche des Sportklubs Ale=
mania‟
=Gräfenhauſen. Germania ſtand bei den letz=
ten
Verbandsſpielen in Klaſſe C (Nordkreis) an zweiter
Stelle und zeichnete ſich durch ihr elegantes und faires
Spiel aus. Alemannias Sturm konnte ſchon in der
erſten Minute einſenden. Kurz darauf fiel für Ale=
mannia
das zweite Tor. Jetzt konnte aber auch Mör=
felden
ſein einziges Tor erringen, Kurz vor Halbzeit
ſchoß Alemannias Mittelſtürmer das letzte. Das Spiel
endete 311.
* Fechtſport. In der vergangenen Sonntag ſtatt=
gehabten
Ausſchußſitzung des Verbandes Mittelrheiniſcher
Fechtklubs wurde das diesjährige 34. Verbandsturnier
dem Mainzer Fechtklub übertragen. Um die Teilnahme
der Jungmannſchaften am Wettfechten zu erleichtern,
würden zwei aufeinanderfolgende Sonntage (5. und 12.
Oktober) dafür vorgeſehen. Das Turnier ſoll umfaſſen
am erſten Tag: Wettfechten der Jungmannen im Florett
und Säbel und der Klubmannſchaften in Säbel; am
zweiten Tag: Fechten der Altmannen in Florett und
Säbel, ferner anſchließend Feſteſſen und Preisverteilung.
Von einem Wettbewerb in Degen wurde diesmal ab=
geſehen
. Die Wettfechtordnung blieb unverändert. Die
Neuwahl des Verbandsvorſtandes ergab: Maß= Frank=
furt
1. Vorſitzender, Steffan=Darmſtadt 2. Vorſitzender
und Verbandsfechtwart, v. Kittlitz=Mainz und Büdinger=
Frankfurt Schriftführer, Stehle=Rüdesheim Rechner. Die
nächſte Verbandsſitzung, in der die weiteren Beſchlüſſe
über die Durchführung des Turniers gefaßt werden,
findet am 7. September zu Mainz ſtatt.
* Radſport. Am Sonntag veranſtaltete die Rad=
fahrergeſellſchaft
Elcada‟=Darmſtadt 1912
ihr erſtes Klubrennen, welches in zwei Klaſſen aus=
gefahren
wurde. Die Strecke betrug über 30 Kilometer:
Darmſtadt, Eſchollbrücken, Eich, Hahn, Pfungſtadt, Eber=
ſtadt
, Nieder=Ramſtadt, Darmſtadt. Das Ziel war bei
der Rennbahn. Es erhielten folgende Herren Preiſe:
A=Klaſſe: 1. L. Daub, 2. K. Daub, 3. Gg. Ballweg;
B=Klaſſe: 1. W. Erbes, 2. J. Wagner, 3. W. Wenz.

Bei den Radrennen in Brüſſel kam am Sonn=
tag
an Stelle des belgiſch=franzöſiſchen Stehermatches
ein 100=Kilometerrennen zwiſchen Miquel, Ledoc und
Huybrechts zum Austrag, da A. Vanderſtuyft wegen ſei=
ner
Disqualifikation nicht fahren durfte. Huybrechts ge=
wann
alle drei Läufe überlegen, während die beiden
Franzoſen recht mäßig fuhren. Das Geſamtklaſſement
war: 1. Huybrechts 100 Kilometer, 2. Miquel 93,550, 3.
Ledoc 89,800 Kilometer.
Ganturnfeſt des Gaues Rheinheſſen.
Fl. Gau=Algesheim 29 Juni. Das 19.
Gauturnfeſt des 5. Gaues Rheinheſſen, das in
den Mauern des weinfröhlichen Gau=Algesheim abgehal=
ten
wird, hat mit dem geſtrigen Tag ſeinen Anfang ge=
nommen
. Das Feſt wurde eingeleitet durch eine Feſt=
verſammlung
am Samstag abend in der herrlich ge=
legenen
Feſthalle, die mehr wie 3000 Sitzplätze, 2 Vorfüh=
rungstribünen
uſw. aufweiſt. Der 1. Vorſitzende, Herr
Wilhelm Ockſtadt eröffnete die Verſammlung und
hieß alle herzlich willkommen. Verſchiedene Anſprachen
und turneriſche Vorführungen wechſelten hierauf mit ein=
ander
ab Beſonders hervorzuheben iſt die Aufführung
eines hübſchen Reigens mit Geſang und Violinbegleitung
der Schülerinnen von Gau=Algesheim; die Damen=
abteilung
Gonſenheim mit ihren Freiübungen und die
Damenabteilung Kaſtel mit ihren deutſch=ſchwediſchen
Freiübungen. Die beiden Geſangvereine von Gau= Alges=
heim
erfreuten die Kommersteilnehmer durch gemeinſam
vorgetragene Lieder und einen gemeinſamen Vortrag von
Männerchören mit Orcheſterbegleitung. Der Sonntag
brachte um ¾5 Uhr den üblichen Weckruf und um 6 Uhr
das Antreten zum Wetturnen. Nachmittags 1 Uhr
ſtellte ſich der Feſtzug, an dem über 100 Vereine und 5
Muſikkapellen teilnahmen, auf, und um 2½ Uhr marſchierte
derſelbe durch die Hauptſtraßen nach dem Feſtplatze. Dort
angekommen, ſchwenkten die Turneo auf den Turnplatz zu
den Maſſenübungen, an denen über 1100 Turner und 132
Damen teilnahmen. Hieran reihten ſich allgemeine Frei=
übungen
der Turner, Keulenübungen der Turnerinnen,
Vereins= und Muſterriegenturnen, Sondervorführungen,
Turnſpiele uſw. Die Kapelle des Inf.=Regts. Nr. 88
konzertierte in der Feſthalle und um 7½ Uhr wurden fol=
gende
Sieger bekannt gegeben:
Oberſtufe, 229 Teilnehmer, 192 Sieger: Georg
Herzog=Oppenheim 117½ Punkte: Bernh. Engelbach= Bür=
ſtadt
116 P.; Joſef Herbert=Biblis 114½ P.; Walter Bieb=
rich
=Worms 110½ P.; Adam Günderoth=Lampertheim
110 P.; Franz Ruh=Bürſtadt 107½ P.; Auguſt Vowinkel=
Worms 105½ P.; Karl Wetzel=Hofheim 105½ P.; Wilh.
Gengnagel=Pfiffligheim 104½ P.; Heinc. Siegel=Bürſtadt
104 P.; Peter Pfannbecker=Armsheim 103½ P.; Franz
Dreſcher=Bürſtadt 103½ P.; Heinr. Hoch=Worms 103½ P.;
Otto Pflug=Worms 103½ P.; Anton Ewertz=Bürſtadt 100
P.; Ernſt Ludwig Pfeil=Worms 99½ P.; Phil. Schlamp=
Worms 97 P.; Phil. Fauerbach=Worms 96 P.; Heinr.
Morweiſer=Bürſtadt 96 P.; Joh. Röhrig=Lampertheim 94
P.; Georg Werner=Worms 94 P.; Adam Schilling=
Biſchofsheim 93 P.; Joh. Wiedemann=Bürſtadt 92½ P.:
Jakob Siebott=Worms 92½ P.; Jak. Schröder=Worms
91½ P.; W. Martin=Worms=Hochheim 90½ P.; Wilh.
Hamſener=Oſthofen 90 Punkte.
Unterſtufe 602 Teilnehmer 398 Sieger: Fritz
Brendel=Appenheim 131 Punkte; Gg. Hamſcher=Oſthofen
130½ P.; Jak. Reinheimer=Biſchofsheim 130 P.; Gg. Kal=
ter
=Pfiffligheim 127½ P.; Pet. Keil=Hofheim 126½ P.;
Georg Selzer=Pfeddersheim 125 P.; Heinr. Diemer=
Oppenheim; Dieter Kraus=Waldülversheim; Joh. Koch=
Pfiffligheim; Heinr. Höfle=Hofheim; Erich Jung= Nier=
ſtein
; Joh. Schmahl=Pfiffligheim; Fritz Peterle= Oppen=
heim
; Peter Schmitt=Oſthofen; Joh. Morweiſer=Bürſtadt.
Ein Feſtball in der Feſthalle beſchließt den Tag. Der
Montag verſpricht in turneriſcher Hinſicht ebenſo intereſ=
ſant
wie der Sonntag zu werden. Bringt er doch in erſter
Linie das große Militärturnen.

* Pferdeſport. Turmfalke Sieger im Deut=
ſchen
Derby. Das auf dem Horner Moor zum 45.
Male gelaufene Deutſche Derby hat mit dem Siege von
Herrn R. Haniels Turmfalke über den ruſſiſch=polniſchen
Hengſt Mosci Kſiaze des Fürſten L. Lubomirski geendet,
während der Oeſterreicher Elektor im geſchlagenen Felde
endete. Reſultate: Pokal vom Jahre 1908 und 7000 Mk.,
Diſtanz 1000 Meter: 1. Graf E. Treubergs Feſttarock, 2.
Sultan Saladin, 3. Lena. Tot. 87110. Eilbecker Han=
dikap
; 10000 Mark, Diſtanz 1600 Meter: 1. Herrn W.
Lindenſtaedts Au Revoir, 2. Spion, 3. Carolus. Tot.
58:10. Deutſches Derby; 125000 Mark, Diſtanz
2400 Meter: 1. Herrn R. Haniels Turmfalke, 2. Moſci
Kſiaze, 3. Saul. Tot. 47110. Graditzer Geſtütspreis:
6000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn W. Lindenſtaedts
Noteleß, 2. Sieſta, 3. Gemeinſchaft. Tot. 15:10. Eſpoir=
Handikap; 20000 Mark, Diſtanz 1400 Meter: 1. Herrn C.
Fröhlichs Ninive, 2. Hebron, 3. Hofwarpnir. Tot. 328:10.
Marienthaler Rennen; 10000 Mark, Diſtanz 2100
Meter: 1. Herren A. und C. v. Weinbergs Pirol, 2. Blu=
menſegen
, 3. Kreuzer. Tot. 83:10.
Rennen zu Leipzig. Graſſi=Rennen; 3000 Mk.,
Diſtanz 1350 Meter: 1. Lt. Frhrn. von Wangenheims
Caſh, 2. Hongrie, 3. Gaboriau. Tot. 32110. San=
tuzza
=Hürdenrennen; 5000 Mark, Diſtanz 3000 Meter: 1.
Herrn R. Erlers Huſarenliebe, 2. Konſtantin, 3. Cuſtozza.
Tot. 24:10. Saxonia=Jagdrennen; Ehrenpreis und 3000
Mark, Diſtanz 3200 Meter: 1. Leutn. Miezes Chauri,
2. Mr. Girdle, 3. Boriſthene. Tot. 28:10. Verloſungs=
Jagdrennen; 3500 Mark, Diſtanz 3500 Meter: 1. Herrn
H. Kuttkes Gruna, 2. Dan Mac Greg, 3. Tegleaze. Tot.
32:10. Nonnenholz=Handikap; 3000 Mark, Diſtanz 1800
Meter: 1. Herrn F. Grunows Ordner, 2. Clown, 3. Bode.
Tot. 106:10. Maaslieb=Jagdrennen; 3500 Mark, Diſt.
4000 Meter: 1. Leutn. Martins Heidrun, 2. Rottraut.
Tot. 15:10.
Rennen zu Breslau. Verloſungs=Rennen;
4000 Mk., Diſtanz 1400 Meter: 1. Major Graf Wuthenaus
Ruſtic, 2. Prinzeß, 3. Geduld. Tot. 26110. Juni=

Handikap; 5000 Mark, Diſtanz 1000 Meter: 1. Herrn G.
Hildebrands Vilja, 2. Wad, 3. Orlow. Tot. 73110.
Bückeburger Ehrenpreis=Jagdrennen; Ehrenpreis und
1000 Mark, Diſt. 3000 Meter: 1. Prinz Max zu Schaum=
burg
=Lippes Sous le Gui, 2. Morenga, 3. Kwas. Tot.
120:10. Preis von Oltaſchin; 3800 Mark, Diſtanz 1800
Meter: 1. Graf A. Henckels Rancho, 2. Jeune Fille, 3. Bob.
Tot. 37110. Verſuchs=Rennen; 4000 Mark, Diſt. 1000
Meter: 1. Fürſt Hohenlohe=Oehringens Vinci, 2. Go=
dulla
, 3. Carole. Tot. 32110.
Bruleur Sieger im Grand Prix de Paris.
Der Entſcheidung des wertvollſten Rennens der Welt, dem
Grand=Prix de Paris im Werte von 300000 Francs, war
ein glänzender Erfolg beſchieden. Am Totaliſator wur=
den
nicht weniger als 5 Millionen Francs umgeſetzt. 20
Pferde wurden für das 3000 Meter=Rennen geſattelt.
Monſ. E. de Saint=Alares’ Bruleur ging als Favorit an
den Ablauf, der auch das in ihn geſetzte Vertrauen recht=
fertigte
. Es gelang ein guter Start, nur Menaggio
blieb ſtehen. Fille d’Ecoſſe hatte anfangs die Führung
von Grand d’Eſpagne, Pirpiriol, Blarney und Crebecut.
Vor dem kleinen Gehölz rückten Bruleur und Ecouen
näher an die vordere Gruppe heran. In der Steigung
galoppierten Grand d’Eſpagne und Crebecut mit knap=
pem
Vorſprung vor Ecouen, El Tango, Pirpirol und
Bruleur. Letzterer verlor beim Abſtieg etwas Terrain,
hatte aber im letzten Bogen Oppot, Ecouen, Blarney,
Pendragon und El Tango wieder eingeholt, die zuſam=
men
das Vordertreffen bildeten. Im Einlauf hatten Opott
und Ecouen einen Augenblick den Kopf in Front, aber
Bruleur rückte raſch auf, überholte die beiden vor den
Tribünen und konnte alle Angriffe von Opott leicht mit
anderthalb Längen zurückweiſen. Der etwas behinderte
Ecouen beſetzte den dritten Platz vor Jſard II, El Tango,
Pere Marquette und Blarney. Der Sieger ſtellte mit
3 Minuten 13,4 Sekunden einen neuen Rekord auf. Tot.
45:10.
sr. Olympiſche Wettkämpfe im Deutſchen Stadion.
Im Stadion zu Berlin fanden am Sonntag die erſten
großen internationalen olympiſchen Wett=
kämpfe
ſtatt. Die größte Spannung riefen die Stafet=
ten
hervor. In der Schweden=Stafette (400, 300, 200,
100 Meter) ſiegte der S. C. Charlottenburg (Burkowitz,
Hagen, Schölz, Rau) ſehr ſicher mit 20 Meter Vorſprung
über den B. S. C. Die beiden anderen Stafetten gewann
der B. S. C. Die mit Spannung erwartete Begegnung
des ungariſchen Meiſters Szalay=Peſt mit Rau endete
mit dem ſehr ſicheren Siege des deutſchen Meiſters, der
den Ungarn in 11 Sekunden mit etwa 2,5 Metern ſchlug;
Dritter wurde 1 Meter zurück Rady=Peſt. Im 5000=
Meter=Mallaufen zeigten ſich die Ausländer den Deutſchen
weit überlegen. Der Schwede Ahlgren, der Sieger des
engliſchen Marathonlaufes, gewann in der guten Zeit
von 15 Minuten 15,2 Sekunden mit 90 Meter Vorſprung
vor dem däniſchen Rekordläufer Peterſen. Der deutſche
Meiſter Vietz holte zuletzt noch gut auf und beſetzte etwa
50 Meter hinter Peterſen den dritten Platz vor Reichner
(Komet). Auch im Speerwerfen triumphierte ein Aus=
länder
, der Finne Halme mit dem dicht an den Welt=
rekord
heranreichenden Wurf von 60,05 Meter vor Herbſt
(Preußen=Berlin) mit 46 Meter und Buchgeiſter
(Sp. C. Charlottenburg) 41,25 Meter. Der ungariſche
Hochſprungmeiſter Baron J. v. Wardener entſchied den
Hochſprung mit 1,80 Meter vor Förſter=Magdeburg und
Paſemann (Berl. Sp. C.) zu ſeinen Gunſten. Dagegen
gewann Paſemann den Weitſprung mit 6,71 Meter vor=
Weinſtein (B. S. C.) mit 6,35 Meter und dem Finnen
Halme mit 6,13 Meter. Einen ſchönen Erfolg errang
Herrmann (B. S. C.) im 400=Meterlaufen, der den Char=
lottenburger
Burkowitz knapp mit einem halben Meter in
40 Minuten 9 Sek. ſchlug. Der für die engliſchen Meiſter=
ſchaften
beſtimmte Ungar Mezey wurde nur Dritter. Die
übrigen Reſultate waren: 100 Meter Vorgabe: 1. Wieland
(T. i. B., 4,5 Meter Vorgabe) 11 Sekunden; 2. Splettſtößer
(T. i. B.): Diskuswerfen: 1. Buchgeiſter (S. C. Charlot=
tenburg
) 42,10 Meter, 2. Herbſt (Preußen) 38,45 Meter;
Hürdenlaufen, 110 Meter: 1. Röhr (S. C. Charlotten=
burg
) 17,4 Sek.; 2. Weitling (B. S. C.) leicht gewonnen.
800 Meter=Juniorenlaufen: 1. Schilf (Preußen=Berlin)
2 Min. 3,1 Sek.; 2. Müller (S. C. Charlottenburg) drei
Minuten. 300 Meter=Vorgabelaufen: 1. Hardt (B. S. C.)
30 Meter Vorgabe, in 35 Sekunden; 2. Hanſen (Berliner
Ballſpielklub). 1500 Meter=Hindernislaufen: 1. Seyffert
(B. S. C.) 4 Min. 37,8 Sek.; 2. Schmidt (Teutonia).
1600 Meter=Stafette (viermal 400 Meter) für Junioren:
1. Berliner Sportklub, 3 Min. 28 Sek.; 2. S. C. Char=
lottenburg
.
sr. Die Berliner Criquet=Meiſterſchaftsſpiele mußten
am Sonntag wegen des ungünſtigen Wetters vorzeitig
abgebrochen werden. Preußen erzielte gegen Union bei
ſieben Touren nur 12 Läufe und Germania brachte es im
erſten Gange gegen Viktoria nur auf 10 Läufe. Bei dieſem
Stand werden die Spiele am nächſten Spieltage fort=
geſetzt
.
sr. Wien ſchlägt Breslau im Fußball=Städtekampf.
In Breslau fand am Sonntag im Rahmen der Jahr=
hundertausſtellung
ein Fußball=Städtekampf zwiſchen
zwei kombinierten Wiener und Breslauer Mannſchaften
ſtatt, dem etwa 5000 Zuſchauer beiwohnten. Die Wiener
erzielten bald hintereinander zwei Tore, denen die Bres=
lauer
dann durch einen guten Schuß des Rechtsaußenſtür=
mers
ihr einziges Tor entgegenſetzten. Mit 511 wurden
die Seiten gewechſelt. Nach Halbzeit vermochten die Wie=
ner
nur noch ein Tor zu erzielen.
sr. Um den engliſchen Königspreis im Schwimmen
gelangte in der engliſchen Hauptſtadt der erſte Teil über
440 Yards zum Austrag. Der Magdeburger O. Schiele
vermochte in 6 Minuten 4,2 Sekunden einen leichten Sieg
vor dem Verteidiger Dr. Morris (Londoner Amateur
S. C.) zu landen, ſo daß ſeine Ausſichten ſehr günſtige
ſind. Am Montag gelangt der zweite Teil über 150
Yards zur Entſcheidung, wodurch ſich erſt das Endreſultat
ergibt. Im Rückenſchwimmen über 110 Yards hatte der
Magdeburger O. Schiele durch ſeinen Sieg einen ſchönen
Erfolg zu verzeichnen.

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§ 151.

Dienstag, 1. Juli.

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Die Hauptversammlung
findet Mittwoch, den 2. Juli, abends 8½ Uhr im Kaiſerſaal,
(Grünes Zimmer), Grafenſtraße 18, ſtatt und es werden die Geſell=
ſchafter
hierzu höfl. eingeladen.
Tagesordnung: Bericht des Vorſtandes über das abgelaufene
Jahr.
Rechnungsablage u. Neuwahl des Vorſtandes.
Die Jahresrechnung liegt vom 1. Juli an zur Einſichtnahme
(13766msi
der Geſellſchafter bei dem Vereinsrechner offen.
Der Vorstand.

Krieger- u. Militärverein, Blücher‟
Sonntag, den 6. Juli
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Eintritt 19 Pfg.

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Dienſtag, den 1. Juli:
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des Obermuſikmeiſters Hugo Hauske.
Humoristischer Abend

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[ ][  ]

Seite 34.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 1. Juli 1913.

Nummer 151.

Kongreſſe und Verbandstage.
Deutſcher Journaliſten= und Schrift=
ſtellertag
.
Stuttgart. 28. Juni. In der heutigen Ver=
ſammlung
kam zur Erörterung die
Abſetzung des Feſtſpiels von Gerhart
Hauptmann.

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VI, 12911

Von ſeiten des Münchener Vereins lag hierzu fol=
gende
Entſchließung vor: Der Verband Deutſcher Jour=
naliſten
= und Schriftſtellervereine, der 30 Vereine mit 3000
Mitgliedern umfaßt, erblickt in der vorzeitigen Abſetzung
des Hauptmannſchen Feſtſpiels einen Akt der Willkür,
der Mißachtung geiſtigen und künſtleriſchen Schaffens,
und ſpricht dem Dichter ſein Bedauern aus über die ihm
widerfahrene Kränkung. Der Verband erklärt die Frei=
heit
als das oberſte Geſetz geiſtigen Schaffens, und er=
hebt
energiſch Widerſpruch dagegen, daß dieſe Freiheit
durch gleichviel welche Gewaltmaßregeln zu unterdrücken
oder beeinfluſſen verſucht wird. Schaumberg=
München begründete dieſe Erklärung, indem er u a. aus=
führte
, im Streit der Meinungen wegen der Breslauer
Vorgänge ſeien Stimmen für und wider zu Wort gekom=
men
, die über den Verdacht erhaben ſeien, daß ſie ſich
an einem Rummel beteiligen würden. Wenn der Ver=
band
Deutſcher Journaliſten= und Schriftſtellervereine zu
dieſer Angelegenheit Stellung nehme, ſo liege der Akzent
auf dem Wort Schriftſteller‟. Es habe bei der Be=
ſprechung
der Angelegenheit vor allem auszuſcheiden, ob
dem Feſtſpiel ein künſtleriſcher oder literariſcher Wert
innewohne. Dem Vorwurf, das Feſtſpiel ſei antinatio=
nal
, müſſe entſchieden widerſprochen werden. Wir wollen
uns hier im Verband auf den Boden der Tatſachen
ſtellen und die erzwungene Abſetzung des Feſtſpiels als
eine Kränkung bezeichnen, die einer unſerer beſten Schrift=
ſteller
erfahre. (Lebh. Beifall.)
Graf Dumoulin=München betonte u. a., alles
Trennende ſolle bei dieſer Beſprechung ferngehalten wer=
den
. Er erinnerte an die Bedeutung Hauptmanns in der
neueren deutſchen Literatur. Wenn Wildenbruch noch ge=
lebt
hätte, ſo wäre dieſer zweifellos der richtige Mann
ffür das Feſtſpiel geweſen. Es ſei unrichtig, wenn be=
hauptet
werde, das Feſtſpiel Hauptmanns ſei antinatio=
nal
. Wenn wir das Feſtſpiel vom hiſtoriſchen Stand=
punkt
aus betrachten, werden wir finden, daß unſer
Vaterland über dieſe Dichtung hocherfreut ſein kann. Bei
der Lektüre ſei er auf viele feinſinnige Stellen geſtoßen,
die wunderbar wirkten. Großartig ſei z. B. die Stelle,
in der das Erwachen der deutſchen Geſinnung gekenn=
zeichnet
werde, und wundervoll ſei es, wie die Jugend
auf den Plan trete. Man dürfe das Feſtſpiel nicht vom
Parteiſtandpunkt aus betrachten, ſondern vom Stand=
punkte
des Dichters. (Beifall.)
Dr. Hamburger=Breslau ging auf die Vor=
geſchichte
der Abſetzung des Feſtſpiels näher ein und er=
wähnte
die ungeheuren Aufwendungen, welche die Stadt
Breslau zu ihrer Jahrhundertausſtellung gemacht habe.
Die Meldung, man habe Hauptmann fünfmal gebeten,
das Feſtſpiel zu ſchreiben, ſei unrichtig. Hauptmann
habe zugeſagt, als man das erſte Mal bei ihm vorſtellig
wurde. Mit der Fertigſtellung des Werkes habe es aber
Verzögerungen gegeben und Hauptmann mußte gemahnt
werden, das Feſtſpiel einzureichen. In dem Ausſchuß,
dem das Feſtſpiel vorgeleſen wurde, erfolgte kein Wider=
ſpruch
, obgleich auch Vertreter konſervativer und kleri=
kaler
Blätter zugegen waren. Ein Einſpruch, der etwas
ſpäter erhoben wurde, ſei wieder zurückgezogen worden.
Da ſei wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Erklärung
des Kronprinzen gekommen. Es wurde dann beſchloſſen,
das Feſtſpiel abzuſetzen. Nach außen hin erſcheine dies
wohl wie ein feiges Zurückweichen. Aber bei näherer
Kenntnis der Sache werde man den Beſchluß des Bres=
lauers
Magiſtrats billigen. Wenn man dem Wunſche des
Kronprinzen nicht gefglgt wäre, hätte er auch das Pro=

tektorat über die Jahrhundertfeier niedergelegt und ebenſo
wäre der angekündigte Beſuch des Kaiſers in Breslau
unterblieben. Die wertvollen Ausſtellungsgegenſtände,
die dem ganzen Unternehmen ſeine Bedeutung geben,
wären zurückgezogen worden, und ein vorzeitiger Schluß
der ganzen Ausſtellung wäre unausbleiblich geweſen.
Er habe nicht anders handeln können, als er gehandelt
habe, ſo ſchmerzlich es ihm auch war. Redner ſchildert,
wie die gegen die weiteren Aufführungen gerichtete Be=
wegung
immer größeren Umfang annahm. Bei der Er=
öffnung
der Ausſtellung, als der Kronprinz gefragt
wurde, ob er nochmals nach Breslau kommen wolle, um
ſich auch das Feſtſpiel anzuſehen, habe er erklärt: Rein=
hardt
? Ja! Hauptmann? Nee! Die ganze Sache ſei auf
das politiſche Gebiet hinübergeſchoben worden. Die=
jenigen
, die das getan haben, ſind es, die dem Dichter die
Kränkung zugefügt haben. Der Redner beantragte fol=
gende
Reſolution: Der Delegiertentag des Ver=
bandes
Deutſcher Journaliſten= und Schriftſtellervereine
ſpricht ſein Bedauern darüber aus, daß durch den vor=
zeitigen
Abbruch der Vorſtellungen des Jahrhundert=
Feſtſpiels dem Dichter Gerhart Hauptmann eine durch=
aus
ungerechtfertigte Kränkung zugefügt worden iſt.
Wenzel=Berlin erklärt, er müſſe ſich gegen die
Reſolution ausſprechen, wenn er auch mit dem Vorred=
ner
im einzelnen einverſtanden ſei. Es handele ſich bei
der Beurteilung des Feſtſpiels um ſeine Eigenſchaft als
Feſtſpiel. Man habe von Hauptmann keine höfiſche Be=
handlung
aber etwas anderes, als er gegeben habe,
habe man doch erwartet. Wenn eine elementare Volks=
bewegung
in einem Feſtſpiel geſchildert werde, ſo habe
dieſes Feſtſpiel doch den Zweck, eine begeiſterte Stimmung
zum Ausdruck zu bringen. Als das Stück eingereicht
wurde, habe ſich ſofort Widerſpruch erhoben. Nach Schluß
der erſten Aufführung ſetzte lebhafter Beifall ein und zu=
letzt
wurde Hauptmann hervorgerufen. Dann aber auch
erſcholl ſofort der Ruf Reinhardt, und dieſer Ruf hat ſich
in der Folge immer mehr verſtärkt. (Widerſpruch.) Der
Redner brachte eine Reſolution ein, worin zum Ausdruck
gebracht wird, die Verſammlung lehne es ab, ein Urteil
über den Wert des Stückes von Hauptmann abzugeben.
Sie bedauere aber die Vorgänge in Breslau, die die
Veranlaſſung geweſen ſeien, die Angelegenheit vom lite=
rariſchen
auf das politiſche Gebiet hinüberzuleiten.
Redakteur Moraſch=Stuttgart: Auch wir behaupten
nicht, das Stück ſei antinational, aber das müſſen wir
doch ſagen, der nationale Gedanke iſt in dieſem Stück ge=
wiſſermaßen
gleichgültig. Niemand ſei auf den Gedanken
gekommen, den Dichter Hauptmann in ſeinem künſtleri=
ſchen
Schaffen zu unterbinden. Das Buch Hauptmanns
kann ja von jedermann geleſen werden. Chefredak=
teur
Seiwert=Stuttgart erklärt, Hauptmann habe
die Gründe gebilligt, die den Magiſtrat von Breslau ver=
anlaßten
, die Aufführungen einzuſtellen. (Widerſpruch.)
Der Verband könne in der Sache überhaupt keinen Be=
ſchluß
faſſen, der ſich nur auf eine Zufallsmehrheit ſtützen
würde. Chefredakteur Dr. Hamburger=Breslau
erklärte, die Aeußerung Hauptmanns über die Gründe
habe nicht ſo gelautet, wie der Vorredner ſie aufgefaßt
habe.
Chefredakteur Haug=Stuttgart bringt folgenden
Antrag ein: Der Delegiertentag miſcht ſich als ſolcher
nicht in den Streit der Meinungen über Hauptmann ein,
ob das Jahrhundert=Feſtſpiel Hauptmanns mehr oder
weniger gelungen iſt. Zur Steuer der Wahrheit möchte
er aber ſeſtſtellen, daß das Feſtſpiel, zumal in ſeinen
Höhepunkten, der vaterländiſchen Geſinnung keineswegs
ermangelt. Ohne Unterſchied der Anſchauungen und
Parteirichtungen ſpricht der Delegiertentag ſein tiefſtes
Bedauern darüber aus, daß durch die erzwungene Ein=
ſtellung
der Feſtaufführungen in Breslau eine Grund=
lage
unſeres geiſtigen Lebens, die Freiheit des Wortes
am rechtmäßig eingenommenen Platz angetaſtet worden
iſt. Die Delegiertenverſammlung empfindet die einem
deutſchen Dichter angetane Kränkung als eine Kränkung
des ganzen deutſchen Schrifttums und fordert alle deut=
ſchen
Schriftſteller im ganzen Reiche auf, unabläſſig da=
für
zu kämpfen, daß niemand in ſeinem geiſtigen Schaffen
einen Eingriff erfahre.
In der Beſprechung führte Redakteur Koch aus,
er freue ſich, daß der Magiſtrat von Breslau den Mut
gehabt habe, das Feſtſpiel von Hauptmann abzulehnen.
Es ſei geſagt worden, der Verbandstag dürfe ſich mit
einer ſolchen Angelegenheit nicht befaſſen. Doch ſei das
der Fall. Zur Freiheit des Schaffens gehöre auch die
Freiheit des Forums, von dem aus zur Nation geſpro=
chen
werde. Nach längerer Geſchäftsordnungsdebatte
wurde über die vorliegenden Reſolutionen und Anträge
abgeſtimmt. Der Antrag des Münchener Vereins wurde
ſchließlich zurückgezogen. Die Anträge Wenzel und Haug
wurden abgelehnt, dagegen der Antrag Dr. Hambur=
ger
gegen eine ſtarke Minorität angenommen. Ein

Redner brachte noch beſonders zum Ausdruck, daß die
Stimmenzahl eine faſt gleiche geweſen iſt.
Deutſcher Luftflotten=Tag.
Danzig, 28. Juni. Mit einer geſchloſſenen
Ausſchußſitzung begannen hier die Beratungen der 5. Mit=
gliederverſammlung
des Deutſchen Luftflotten=
vereins
, zu der die führenden Perſönlichkeiten der
deutſchen Luftſchiffahrt erſchienen waren. Die Hauptver=
ſammlung
leitete Kommerzienrat Fiſcher=Mannheim,
da der erſte Vorſitzende, Karl Lanz, anläßlich der Regat=
ten
in Kiel weilt. Oberregierungsrat von Liebermann
hieß die Erſchienenen im Namen des Oberregierungs=
präſidenten
willkommen, Oberbürgermeiſter Scholtz über=
brachte
die Grüße der Stadt Danzig. Er gedachte in ſei=
ner
Anſprache der verunglückten Flieger Dr. Schucht, Ka=
pitänleutnant
Jenetzky und deſſen Begleiters Diekmann.
Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Dr.
Elias=Berlin gab einen Ueberblick über die Ent=
wickelung
der Flugzeugtechnik. Er betonte,
daß noch immer eine ſtarke Rüſtung das beſte Mittel ge=
weſen
ſei, um den Frieden zu erhalten. Das Vorbild
Frankreichs zwinge auch uns, eine ſtarke Luftflotte zu
ſchaffen. Heute ſtänden wir erſt am Anfang der Ent=
wickelung
der Flugzeugtechnik und doch ſei ſchon ſo vieles
erreicht worden. Die Vorzüge der Luftfahrzeuge für die
Aufklärung im Kriege ſeien bereits klar erkannt. Daß
das Luftfahrzeug auch als Angriffswaffe dienen könne,
habe der Tripoliskrieg bewieſen. Im Vergleich zu 1908
ſeien die Fortſchritte in bezug auf Geſchwindigkeit und
Steuerbarkeit der Luftfahrzeuge ganz erhebliche. Der
Redner meinte, daß das Luftſchiff ſich nach Art der
Schiffsfahrzeuge, das Luftfahrzeug ſich aber nach Art der
Automobile entwickeln werde. Wenn ſich ſeinerzeit auf
Druck von außen hin die Notwendigkeit der Errichtung
einer ſtarken Luftflotte geltend machen ſollte, werde
hoffentlich das deutſche Volk mit gleicher Begeiſterung
an die Sache herangehen, wie ſeinerzeit an die Zeppelin=
ſpende
.
General a. D. v. Eckenbrecher erſtattete den
Jahresbericht. Einleitend wird darauf hingewie=
ſen
, daß der Deutſche Luftflottenverein ein gut Teil des
Erfolges bezüglich der nationalen Flugſpende für ſich in
Anſpruch nehmen könne. Der Verein habe auch im ver=
floſſenen
Jahre trotz aller Schwierigkeiten ein erfreuliches
Wachstum gezeigt. Es gehören ihm jetzt 11750 Einzel=
mitglieder
und gegen 4500 korporative Mitglieder an. Um
die nationalen Ziele des Vereins ſchärfer zu betonen,
haben die Satzungen einen Paragraphen erhalten, der
beſagt: Der Verein erſtrebt im vaterländiſchen Intereſſe
die Förderung des deutſchen Luftfahrweſens und die
Schaffung einer ſtarken deutſchen Luftflotte. Um für den
Verein nach außen zu agitieren, wurde die Einführung
eines Mützenabzeichens und von Briefverſchlußmarken
beſchloſſen. Der Kaſſenbericht ergibt, daß ſich die finan=
ziellen
Verhältniſſe des Vereins gegen das Vorjahr er=
heblich
verbeſſert haben, ſo daß für das kommende Jahr
mit einem Ueberſchuß zu rechnen iſt. Der urſprüngliche
Sitz des Vereins war Mannheim. Es wurde beſchloſſen,
den Sitz nach Berlin zu verlegen, um hier mit den maß=
gebenden
Behörden beſſer in Fühlung bleiben zu können.
Zum Ort der nächſten Tagung des Deutſchen Luftflotten=
vereins
wurde Roſtock gewählt. Damit war die Tages=
ordnung
erſchöpft und der ſtellvertretende Vorſitzende
ſchloß die Verſammlung mit Dankesworten an die Teil=
nehmer
. Es folgte ein Ausflug der Teilnehmer mittels
Dampfer nach Hela.

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