Darmstädter Tagblatt 1913


13. Juni 1913

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176. Jahrgang
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1915.
136.
Freitag, den 13. Inni.
ſchwer zu erreichen ſei. Es ſchien undenkbar, daß die bis=
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.Monarchenbegegnung in Kiel.
herigen Alliierten die Waffen gegeneinander erheben, daß
C2 Den Zuſammenkünften Kaiſer Wilhelms mit dem die Männer, die vor Adrianopel und anderswo Schulter
Zaren und dem König von England anläßlich der Hoch= an Schulter gefochten, ſich nun als Feinde bekämpfen ſoll=
Das Wichtigſte vom Tage.
zeitsfeierlichleiten in Berlin wird ſich im Monat Juli die ten. Die neuere Geſchichte lehrt keinen Präzedenzfall, daß
Die Stadtverordneten=Verſammlung er=Begegnung zwiſchen dem deutſchen Kaiſer und dem =zwei Völker, die gemeinſam den Feind beſiegt, um der
klärte ſich in der geſtrigen Sitzung mit der unent= nig von Italien in Kiel anſchließen. König Viktor Ema=Beute willen zu Gegnern wurden und ſich nun gegen=
geltlichen
Hergabe von Gelände für einel nuel beabſichtigt, mit ſeiner Gemahlin dem ſchwediſchen ſeitig aufrieben. Das wird nämlich das Schickſal Bul=
Luftſchiffer= und eine Funkerkompagnie
einverſtanden und genehmigte für die Ausſtellun= Königspaare, welches 1911 ſeinen Antrittsbeſuch in Rom gariens und Serbiens ſein, wenn ſie wirklich zu den
gen Darmſtadt 1914 einen Zuſchuß von insge= gemacht hat, eine offizielle Gegenviſite in Stockholm ab=Waffen greifen, denn ſie ſind alle Schönfärberei kann
ſamt 40.000 Mark.
zuſtatten. Bei dieſer Gelegenheit wird die Zuſammen= daran nichts ändern völlig erſchöpft, ihre letzten Kräfte
Die Budgetkommiſſion des Reichstages kunft mit unſerem Kaiſer, der ſich dann in den Kieler müßten ſie daran ſetzen, und mindeſtens der wirtſchaftliche
beendete die erſte Leſung des Geſetzentwurfs, betreffend Gewäſſern aufhalten wird, erfolgen.
Ruin wäre ihnen ſicher, dem ſie ſich auch jetzt ſchon kaum
das Erbrecht des Staates, und nahm die Vorlage mit
Es ſind jetzt zehn Jahre her, daß unſer Kaiſer zum ohne die Unterſtützung Europas zu entziehen vermögen.
den im Laufe der Beratungen beſchloſſenen Aenderun=
letzten
Male in Rom geweſen iſt. Inzwiſchen haben ſich Alle Früchte des mit den größten Opfern errungenen
gen an.
Bei der Reichstagserſatzwahl im Wahl=aber Kaiſer Wilhelm und König Viktor Emanuel wieder= Krieges mit der Türkei würden beide Balkanſtaaten in
kreiſe Waldeck=Pyrmont wurden abgegeben holt auf italieniſchem Boden geſprochen, und zwar ge= Frage ſtellen, wenn ſie nicht einen Weg zu friedlicher Ver=
für
Vietmeyer (Wirtſch. Vgg.) 5648, für Naumann legentlich der Mittelmeerfahrten des Kaiſers nach Korfu. ſtändigung finden.
(Fortſchr. Volkspt.) 4937 und für Weddig (Soz.) 1017,
Iſt auch die Lage noch nicht hoffnungslos, ſo iſt ſie
zerſplittert 10 Stimmen. Es iſt alſo Stichwahl zwi= Vermutlich iſt es kein Zufall, daß der italieniſche König
nicht nach Berlin kommt, denn Etikettenfragen ſpielen bei doch ſehr ernſt, da Bulgarien und Serbien bereits eifrig
ſchen Vietmeyer und Naumann erforderlich.
Derpreußiſche Landtag wurde geſtern vormittag derartigen Anläſſen ſtets eine große Rolle. Zuſammen= rüſten, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu ſein.
11 Uhr durch eine gemeinſchaftliche Sitzung im Plenar= künfte zwiſchen dem König von Stalien und ausländiſchen Vorläufig geben ſie der Stimme der Vernſnft, welche
Sitzungsſaale des Abgeordnetenhauſes eröfnet.
Herrſchern finden in Rom nur äuerſt ſelten ſtatt, weil einen Ausgleich auf mittlerer Baſis finden müßte, wenig
In der böhmiſchen Bergſtadt Graupen kein Monarch den Quirinal beſuchen kann, ohne auch dem Gehör, und ſie verſteifen ſich auf ihren Standpunkt, ohne
ſind bei einem Großfeuer 6 Wohnhäuſer nebſt Neben=
Papſt ſeine Aufwartung zu machen. Die Exiſtenz derj auch nur eine Annäherung in Betracht zu ziehen. Das
gebäuden niedergebrannt.
Der ſpaniſche Miniſterpräſident Graf römiſchen Frage und das Verhalten des Vatikans hin= kann natürlich zu keinem guten Ende führen, und es iſt
ſichtlich der römiſchen Beſuche hat aber die meiſten frem= die höchſte Zeit, daß die Großmächte ſich ihrer Pflicht als
Romanones iſt wiederum zurückgetreten.
Wie verlautet, ſcheint es, als ob die Mörder Mah= den Herrſcher bisher von der italieniſchen Hauptſtadt fern= Wächter der Ruhe Europas beſinnen und beſchwichtigend
mud Schefket Paſchas von Parteigän=gehalten. Das iſt auch der Grund, daß König Viktor in den Konflikt eingreifen, der ja auch zu allen möglichen
gern des Prinzen Sabah Eddin gedun= Emanuel ſich nur ſelten ins Ausland begibt, und ſchon Komplikationen über das Gebiet des Balkans hinaus
gen ſeien. Auf Grund dieſes Unterſuchungsreſul=
deshalb
iſt die bevorſtehende Begegnung bemerkenswert. führen kann. Erſreulicherweiſe zeigt Rußland eine große
tates ſteht deren Verhaftung unmittelbar bevor.
Von großer politiſcher Bedeutung dürfte dieſe Zuſam= Entſchiedenheit in dem Beſtreben, den Frieden zu wahren,
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 9.
menkunft kaum ſein, trotzdem die leitenden Staatsmänner und man darf trotz der Zuſpitzung der Lage immer noch
beider Länder ihr beiwohnen ſollen. Unſer Verhältnis das Vertrauen hegen, daß der Einfluß der Petersburger
zu Italien iſt gerade jetzt ſo ausgezeichnet, wie es ſeit Regierung im Verein mit den Beſtrebungen der übrigen
Die Zubiläumswoche.
langer Zeit nicht geweſen iſt. Am Tiber hat man einge= Mächte ſeine friedliche Wirkung nicht verfehlen wird.
ſehen, daß die vorübergehende Freundſchaft mit Frank=
III.
reich, die der Botſchafter Barrére beſonders gepflegt hat,
Der Kaiſer und die Sozialreformer.
Deutſches Reich.
dem Dreibunde nur ſchaden kann, und infolgedeſſen iſt
Bpt. Das bevorſtehende Regierungsjubiläum des Kai=
Zu der Erklärung des Reichskanzlers
man auch ſehr bald zur alten Liebe zurückgekehrt. Ge=
ſſers
veranlaßt die Sozialreformer, in Dankbarkeit und mit
rade während der Balkankriſe hat ſich der Dreibund außer= im Reichstage ſagt die Kreuzzeitung: Aus der gan=
ffeſtlichen
Grüßen dem Thron zu nahen. In der Sozia=
ordentlich
bewährt, und Italien hat, das muß lobenswert zen Rede ging deutlich der feſte Entſchluß hervor, auf einer
len Praxis gibt Prof. Dr. E. Francke die kaiſerlichen
anerkannt werden, Oeſterreich=Ungarn vorzügliche Dienſte rechtzeitigen Erledigung der ganzen Wehrvorlage zu be=
Erlaſſe vom 4. Februar 1890 als den unverrückbaren
Grund für den Aufbau einer neuen ſozialpolitiſchen Ge= geleiſtet. Dieſe Haltung iſt um ſo bemerkenswerter, als ſtehen und zur Durchſetzung dieſer Forderung alle, auch
der italieniſche Hof in nahen verwandtſchaftlichen Be= die letzten Konſequenzen zu ziehen. Seine Erklärung läß!
ſetzgebung und eines neuen Arbeitsrechtes wieder. Be=
ziehungen
zu den Königen von Serbien und Montenegro gar keinen Zweifel darüber, daß er auch einer Verwei=
kanntlich
iſt der erſte dieſer Erlaſſe an den Reichskanzler ſteht. Dieſe beiden Länder glaubten auch einen Rückhalt gerung der Mittel gegenüber genau die gleiche Konſequenz
gerichtet und betrifft die Einberufung einer internationa= an Italien zu haben, aber glücklicherweiſe ſind ſie bitter zu ziehen bereit iſt, wie bei Ablehnung der Heeresvorlage.
len Konferenz über Arbeiterfragen, da wegen der inter=
enttäuſcht
worden. In Italien liegen auch die Verhält= Die Voſſiſche Zeitung ſchreibt: Der Reichskanz=
nationalen
Konkurrenz auf dem Weltmarkte die Lage der
deutſchen Arbeiterſchaft nur durch internationale Verſtän= niſſe anders wie in Rußland, wo es eine Großfürſten= ler hat feſt betont, daß die Heeresverſtärkung unverzüglich
partei gibt, die auf eigene Fauſt Politik treibt und auch ins Werk geſetzt werden muß, d. h. klar und bündig, wenn
digung gebeſſert werden könne. Der zweite, an den preu=
ßiſchen
Handelsminiſter gerichtete Erlaß tritt für den wei= an der maßgebenden Stelle großen Einfluß hat. König die Konſervativen und das Zentrum die Wehrvorlage zu
teren Ausbau der Arbeiterverſicherung, für eine Reviſion Viktor Emanuel iſt ein recht energiſcher Herr, der ſehr Fall bringen, weil die Deckungsvorlage noch nicht gelöſt
der Gewerbeordnung auf dem Boden geſetzlicher Gleich= gut weiß, was er will, und der ſich von verwandtſchaftlichen ſei, ſo wird der Reichstag aufgelöſt. Daß die Wehrvor=
Gefühlen nicht hinreißen läßt. Dazu iſt Italien ein Land, lage nicht verabſchiedet werde, ehe nicht die Einigung über
berechtigung der Arbeiter, für die Schaffung geſetzlicher
in dem das parlamentariſche Regime die Oberhand hat die Deckungsvorlage erfolgt iſt, hat er nicht geſagt. Das
Beſtimmungen zur Pflege des Friedens zwiſchen Ar=
bedeutet
, daß er ſich das Dogma von der Gleichzeitigkeit
und der König deshalb auch nicht die Macht beſitzt, wie in
beitern und Arbeitgebern, für die Entwicklung der ſtaat=
lichen
Bergwerke zu Muſteranſtalten, für verſtärkte Staats= Rußland der Zar aller Reußen. Sind alſo, ſo wie die nicht aneignet. Der Lokalanzeiger ſchreibt: Un=
Verhältniſſe augenblicklich liegen, beſtimmte Ergebniſſe gefähr zu derſelben Stunde, als der Reichskanzler im
aufſicht über die privaten Bergwerke ein und ordnet die
Vorberatung dieſes Programms durch den Staatsrat an, in Kiel nicht zu erwarten, ſo kann immerhin die Mon= Reichstage die Parteien ermahnte, bald zu einer Verſtän=
digung
über die Deckung zu gelangen, lag das zwiſchen
archenbegegnung als ein erfreuliches Zeichen der guten
Was wir, bemerkt Francke zu den Arbeitererlaſſen des
den Fraktionen des Zentrums, der Nationalliberalen und
Beziehungen zwiſchen Deutſchland und Italken und als
Kaiſers u. a., nach jener kurzen Reaktionszeit ſeit dem
Beginn des 20. Jahrhunderts an ſozialpolitiſchen Ge=eine weitere Feſtigung des Dreibundes angeſehen werden. der Fortſchrittlichen Volkspartei ausgearbeitete Kompro=
miß
ſo gut wie fertig vor. Es umfaßt ſämtliche Steuer=
ſetzen
, Anträgen, Kundgebungen, Beſtrebungen erlebt
vorlagen einſchließlich des Wehrbeitrages. Die Grund=
haben
und noch vor uns ſehen, hat durchaus ſeine Wurzel
lage für die Verſtändigung bildet die Beſitzſteuerfrage.
Die Zuſpitzung der Lage
und ſein Gedeihen in den Arbeitererlaſſen Wilhelms II.,
Man fand ſich im großen und ganzen bei der Regierungs=
und in ihrem Zeichen wird noch geraume, heute noch nicht
am Baſten,
vorlage über die Vermögenszuwachsſteuer zuſammen. In
abſehbare Zeit die deutſche Sozialreform ſtehen.
** Der europäiſchen Diplomatie wird das Leben in der Hauptſache handelt es ſich dabei um die Erbſchafts=
Auch das Zentralblatt derchriſtlichen Ge= letzter Zeit ſehr ſauer gemacht, denn kaum hat ſie die eine ſteuer, bei der allerdings das Gattenerbe ſteuerfrei blei=
werkſchaften
bringt dem Kaiſer ſeine Huldigung dar. Aufgabe in Angriff genommen, ſo harrt ihrer ſchon wieder ben ſoll, dagegen das Kindeserbe beſteuert wird. Die Be=
Im Namen der chriſtlichnationalen Arbeiter ſchreibt es eine andere. Mehrere langwierige Verſtändigungsaktio= ſchlüſſe der Parteiführer ſind bisher unverbindlicher Na=
u
. a.: In keinem Lande der Welt erfreut ſich der nen waren nötig, um den Frieden zwiſchen der Türkei und tur. Ueberraſchungen ſind jedoch immer noch nicht ausge=
Lohnarbeiter eines ſoweitgehenden geſetzlichen dem Balkanbunde herzuſtellen; die Löſung der Frage der ſchloſſen.
Schutzes und einer ſo umfaſſenden Fürſorge Aegäiſchen Inſeln und Albaniens ſteht noch bevor, wäh=
Wirtſchaftliche Kommiſſion. Die Nordd.
auf öffentlich=rechtlicher Grundlage, wie rend die Einigung zwiſchen Bulgarien und Rumänien be= Allg. Ztg. teilt die Neugeſtaltung der Ständigen Wirt=
bei
uns in Deutſchland. Die Förderung und der Ausbau reits erzielt werden konnte. Eben erſt iſt die Finanz=ſchaftlichen Kommiſſion der Kolonialverwaltung, die bis=
der
ſozialen Geſetzgebung in Deutſchland während der kommiſſion in Paris zuſammengetreten, ihre Dauer iſt her zu klein und einſeitig zuſammengeſetzt war, durch den
letzten 25 Jahre iſt die wertvollſte Errungenſchaft der Re= nach Monaten berechnet, da ſchwierige Aufgaben zu löſen Staatsſekretär Dr Solf mit. Der Staatsſekretär hat er=
gierung
unſeres Kaiſers, deren volle Bedeutung vielleicht ſind. Ein gleich ſchwieriges Werk ſteht aber anſcheinend wogen, daß im Wirtſchaftlichen Beirat des Reichsamtes
die Gegenwart nicht einmal richtig erkennt. . . . Wenn den Mächten auf dem Balkan ſelbſt noch bevor, wo ihre möglichſt alle Bundesſtaaten vertreten ſein müßten. Bis=
nicht
alle ſeine Wünſche und Hoffnungen für das ſoziale Vermittlung dringend nötig iſt, um den Krieg zwiſchen her waren es Preußen, Sachſen, Bayern, Baden und die
Gebiet ſich erfüllten, ſo mag die unliebſame Entwicklung Bulgarien und Serbien zu verhindern, der bereits in be=Hanſaſtädte, jetzt treten hinzu Württemberg, Heſſen,
Sachſen=Weimar=Eiſenach, Oldenburg, Braunſchweig und
der Arbeiterbewegung in Deutſchland, die in dem uner= drohliche Nähe gerückt zu ſein ſcheint.
hörten Anwachſen der ſozialdemokratiſchen Bewegung
Ueber die einzelnen Phaſen der bulgariſch=ſerbiſchen Sachſen=Altenburg. Um eine möglichſt vollſtändige Ver=
ihren
ſtärkſten Ausdruck findet, nicht ohne Einfluß ge=Gegenſätze haben wir fortlaufend berichtet, und man tretung für die Kolonien ſeitens der wichtigſten Handels=
durfte
bisher immer annehmen, daß ein Ausgleich un= und Induſtriezweige zu erreichen, wird die Kommiſſion
blieben ſein.

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künftig anſtatt wie bisher nur das Bankgeſchäft, den
Baumwollhandel und Baumwollinduſtrie, die Draht=
und Eiſeninduſtrie, den Warenhandel und die
Reederei, folgende Handels= und Induſtrie=
zweige
umfaſſen: Baumwollinduſtrie, Bankgeſchäft,
Maſchinen= und Eiſeninduſtrie, die Diamanten=, Bijou=
terie
=, Oel=, Woll=, Kautſchuk=, Hanf=, chemiſche, Nahrungs=
mittel
=, Jute=, Glas=, Leoniſche Draht= und die Tabak=
induſtrie
, den Bergbau, den Waren= den Baumwoll=, Holz=
und Kohlenhandel, ſowie die Reederei. Dazu wird der
Kommiſſion angehören je ein Vertreter des Kolonial=
wirtſchaftlichen
Komitees, ferner der Deutſchen Kolonial=
geſellſchaft
und der Ständigen Ausſtellungskommiſſion der
deutſchen Induſtrie, ſowie zwei Vertreter der Landwirt=
ſchaft
, die an den wirtſchaftlichen Beziehungen der Schutz=
gebiete
zum Mutterlande erhebliches Intereſſe hat.
Das Luftrechtgeſetz. Dieſen Namen wird,
wie man der Tgl. Rdſch. mitteilt, das kommende Geſetz
zur Regelung des Verkehrs mit Luftfahrzeugen führen.
Der Entwurf iſt nunmehr im Reichsamt des Innern un=
ter
Mitwirkung des Reichsjuſtizamts fertiggeſtellt und
wird ſchon in nächſter Zeit an den Bundesrat gelangen.
Es iſt daher auch mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß
die Vorlage im nächſten Spätherbſt im Reichstage zur Be=
ratung
geſtellt wird. Das Geſetz wird einmal eine Re=
gelung
des Verkehrs mit Luftfahrzeugen herbeiführen und
dazu gewiſſe verkehrspolizeiliche und gewerbepolizeiliche
Vorſchriften erlaſſen. Außerdem iſt aber auch die Re=
gelung
der Haftpflicht in den Geſetzentwurf einbezogen.
Bei den Beſprechungen, die im Januar dieſes Jahres mit
Sachverſtändigen und Praktikern der Luftſchiffahrt ſtatt=
fanden
, hatte ein erheblicher Teil derſelben ſich gegen die
Ausdehnung der Haftpflicht im gegenwärtigen Zuſtande
der Luftſchiffahrt ausgeſprochen. Die weiteren Beratun=
gen
über die Geſtaltung des Geſetzentwurfs haben dann
aber dazu geführt, daß die Haftpflicht doch in die geſetz=
liche
Regelung einbezogen iſt, und zwar in dem Sinne, wie
das Geſetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen ſie für
Kraftwagen regelt.
Die Reichstagserſatzwahl in Waldeck.
Bei der Reichstagserſatzwahl erhielten Vietmeyer
(Wirtſch. Vgg.) 5648, Naumann (Vpt.) 4937, Weddig
(Soz.) 1017 Stimmen. Es iſt Stichwahl zwiſchen Viet=
meyer
und Naumann erforderlich. Bei der Hauptwahl im
Januar 1912 hatte der Antiſemit 4403, der Volksparteiler
3687 Stimmen erhalten; beide haben alſo diesmal etwa
1250 Stimmen gewonnen. Es liegt nahe, anzunehmen,
daß die 2037 nationalliberalen Stimmen, die damals ab=
gegeben
wurden, zu gleichen Teilen nach rechts und links
gefallen ſind. Der ſozialdemokratiſche Kandidat hat 600
Stimmen weniger erhalten als das letztemal. Die Aus=
ſichten
der Stichwahl ſind fraglich; der Kampf wird ſcharf
und die Entſcheidung knapp werden.
Pieh= und Fleiſchhandel. Der Nordd.
Allg. Ztg. zufolge iſt die Kommiſſion zur Unterſuchung
der Zuſtände im Vieh= und Fleiſchhandel unter dem Vor=
ſitz
des Staatsſekretärs des Innern Staatsminiſters Dr.
Delbrück zu einer Sitzung zuſammengetreten. Auf der
Tagesordnung ſteht die weitere Anhörung von Sachver=
ſtändigen
. Während bei den bisherigen Sitzungen die
Sachverſtändigen aus dem Berliner Verſorgungsgebiet
und aus Süddeutſchland das Wort hatten, erſchienen zu
der jetzigen Sitzung etwa 40 Sachverſtändige aus Weſt=
und Mitteldeutſchland. Es iſt beabſichtigt, in zwei Ta=
gen
die Verhandlungen zu beenden, um an den beiden
folgenden Tagen die Sachverſtändigen aus Oſtdeutſchland,
Sachſen und Thüringen zu vernehmen. Damit wird das
Stadium der Sachverſtändigen=Vernehmung beendet ſein
Nachdem dann im ganzen 180 Sachverſtändige gehört
worden ſind, wird nunmehr noch eine Schlußſitzung der
Kommiſſion erforderlich ſein, um eine Beſprechung über

den Geſamteindruck herbeizuführen, ſowie über die Ver=
wertung
des Materials zu beſchließen, nachdem die um=
fangreichen
Gutachten der Sachverſtändigen zuſammenge=
ſtellt
ſein werden. Die Verhandlungen werden an der
Hand desſelben Fragebogens geführt werden, der bei den
früheren Erörterungen zugrunde gelegen hat. Entſpre=
chend
der Aufgabe der Kommiſſion, die Preisbildung beim
Vieh, beim Fleiſch von den Produzenten bis zum Ver=
braucher
zu verfolgen, beſchäftigt ſich der Fragebogen zu=
nächſt
mit den Stallpreiſen, ſodann mit den Preiſen und
Gebühren auf dem Vieh= und dem Schlachthof, ſchließlich
mit denjenigen im Laden des Fleiſchers. Daran ſchließen
ſich Fragen über Nachrichtenweſen und Statiſtik.
Bei der Eröffnung des Preußiſchen
Landtages hatten ſich die Abgeordneten beider Häu=
ſer
zahlreich im Sitzungsſaal des Abgeordnetenhauſes
eingefunden. Wenige Minuten nach 11 Uhr betrat Mi=
niſterpräſident
von Bethmann Hollweg an der Spitze des
geſamten Staatsminiſteriums den Saal und verlas die
Thronrede, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen
wurde. Nach der Verleſung brachte der bisherige Präſi
dent des Herrenhauſes, von Wedel=Piesdorf, ein drei=
faches
Hoch auf den Kaiſer und König aus, in das die
Mitglieder der beiden Häuſer begeiſtert einſtimmten.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Der Budgetausſchuß des Abgeordne=
tenhauſes
hat das Budgetproviſorium für die zweite
Hälfte 1913 entſprechend der Regierungsvorlage ange=
nommen
und mit 27 gegen 19 Stimmen die Anträge auf
Einſtellung entſprechender Beträge zur ſofortigen Durch=
führung
der Dienſtpragmatik und zur Beſſerſtellung der
Eiſenbahnbeamten abgelehnt.
Frankreich.
Die Kongo=Kamerun=Grenze. Der Se=
nator
Gervais beſchäftigt ſich in ſeinem Bericht über
das Kolonialſyſtem auch mit den Arbeiten der deutſch=
franzöſiſchen
Kommiſſion zur Feſtſtellung der neuen
Kongo=Kamerun=Grenze und ſagt darin u. a.: Der Haupt=
mann
Creppe hat mitgeteilt, daß die deutſche Kommiſſion
nur langſam vorwärts kommt. Auf die Frage, ob er al=
lein
vorrücken oder ob er in Fühlung mit den Deutſchen
bleiben ſolle, wurde ihm geantwortet, daß er mit der
deutſchen Miſſion zuſammenmarſchieren ſolle. Der Füh=
rer
der franzöſiſchen Miſſion, Kolonialadminiſtrator
Périquet hat mitgeteilt, daß der Führer der deutſchen
Kommiſſion es unterlaſſen habe, Fachleute in das Gebier
der Pamaquelle zu entſenden. Er habe nach 45tägigem
Aufenthalt die Pamaquelle verlaſſen müſſen, ohne ein
Mitglied der deutſchen Miſſion geſehen zu haben. Gleich=
wohl
, fügt Périquet hinzu, ſchreiten die Arbeiten aller
Art der Kommiſſion vorwärts. Beſonders ſchwierig ſei
die Aufgabe der dritten Abteilung geweſen, die die Ge=
biete
des unteren und mittleren Likwalafluſſes zu ſtudie=
ren
hatte. Die Mitglieder dieſer Abteilung, die mit dem
deutſchen Leutnant Lüders zuſammenarbeiteten, mußten ſich
leider nur zwei bis drei Meter langer Pirogen be=
dienen
, welche allein in dem unentwirrbaren Dickicht von
zahlreichen Schlingpflanzen durchkommen konnten.
Spanien.
Miniſterkriſe. Infolge der Demiſſion des
Senatspräſidenten Monterarios reichten noch andere Mit=
glieder
des Präſidiums und des Bureaus, ſowie der Un=
terſtaatsſekretär
im Unterrichtsminiſterium, Rivas San=
tiagos
, der Generalanwalt des höchſten Tribunals, Tor=
nos
, und andere höhere Miniſterialbeamte ihren Abſchied
ein; gleiche Geſuche einiger Provinzial=Gouverneure, die

ſicht.
Norwegen.
Frauenwahlrecht. Das Storthing hat einſtim=
mig
die Erweiterung des politiſchen Wahlrechts beſchloſ=
ſen
, wonach den Frauen das Wahlrecht in gleichem Um=
fange
zuſteht, wie den Männern.
Serbien.
In der Skupſchtina ſtellte der jungradikale
Parteiführer Draskowitſch feſt, daß der Miniſter des In=
nern
in der geſtrigen Sitzung den Jungradikalen Feig=
heit
vorgeworfen habe. Da der Miniſter die Beleidigung
nur zeitweiſe zurückziehen wolle, betrachteten die Jung=
radikalen
den Miniſter als ehrlos und würden dem=
entſprechend
handeln. Hierauf ſetzten die Jungradikalen
ihre Obſtruktion gegen den Geſetzentwurf über den Do=
nauhafen
in Prohava fort.
Amerika.
Gegen die Truſts. Die Bundesregierung hat
unter dem Antitruſtgeſetz ein Verfahren gegen die Quaker
Ooats=Geſellſchaft eingeleitet, die 90 Prozent der Hafer=
mehlproduktion
des Landes kontrollieren ſoll. Auflöſung
der Geſellſchaft wird nicht verlangt, aber es iſt ein zeit=
weiliger
Einhaltsbefehl beantragt worden, damit der
freie Wettbewerb ſofort wieder hergeſtellt werden kann.
Die Frauenſtimmrechtsbill, die kürzlich
im Senat von Illinois Annahme gefunden hat, iſt auch
vom Repräſentantenhauſe des Staates angenommen
worden.
* Kopenhagen, 11. Juni. Zu Ehren des
Königs und der Königin von Norwegen
ffand heute abend auf Schloß Amalienborg ein Galadiner
ſſtatt, an dem außer den däniſchen und norwegiſchen
Majeſtäten die Mitglieder der königlichen Familie, die
Miniſter, das diplomatiſche Korps und eine Anzahl an=
derer
Geladener teilnahmen. König Chriſtian und König
Haakon wechſelten herzliche Trinkſprüche, in denen ſie auf
die zahlreichen Familienbande zwiſchen den beiden =
nigshäuſern
, ſowie auf die guten Beziehungen zu Däne=
mark
und Norwegen und auf die alten hiſtoriſchen Bande
zwiſchen beiden Ländern hinwieſen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 13. Juni.
Elizabeth Duncan=Schule.
Ganz in der Stille hat ſich die Gründung einer
Ortsgruppe Darmſtadt des Vereins zur Förde=
rung
und Erhaltung der Elizabeth Duncan=Schule voll=
zogen
. Die Mitglieder dieſer Ortsgruppe hatten ſich zu
einer erſten konſtituierenden Verſammlung Mittwoch,
nachmitags ½5 Uhr, in den Räumen der Schule auf der
Mathildenhöhe eingefunden, und die beträchtliche Anzahl
der Erſchienenen bewies, daß die Ziele und Beſtrebun=
gen
dieſer außerhalb ſchon ſeit geraumer Zeit hochange=
ſehenen
, ja geradezu als entſcheidender Wendepunkt für
unſere Kultur empfundenen Erziehungsanſtalt für die
weibliche Jugend auch in Darmſtadt ſelbſt in den
verſchiedenſten Kreiſen der Geſellſchaft überzeugte An=
hänger
und Verehrer beſitzen.
Herr Direktor Merz, der verdienſtvolle Leiter der
Anſtalt, begrüßte die Anweſenden in kurzer, herzlicher
Anſprache. In knappen Zügen legte er die Grundſätze
der Schule dar, die die ihr anvertrauten Mädchen zu ge=
ſunden
, körperlich und geiſtig gleich wohlausgebildeten
harmoniſchen Menſchen heranziehen will. Das bereits
Erreichte wurde durch die Schülerinnen praktiſch vorge=
führt
. Zunächſt traten die Kleinſten der Schule im
Feſtſaale zu gymnaſtiſchen Uebungen an. Es folgten
Uebungsſtudien der größeren Mädchen im Freien. Beide
Vorführungen leitete Herr Dr. Vallſon, Lehrer aus dem
Königl. ſchwediſchen Gymnaſtikinſtitut. In ihm hat die
Duncan=Schule einen vortrefflichen Lehrmeiſter für die
gymnaſtiſche Ausbildung gefunden. Galt der erſte Teil
des Programms der rein körperlichen Erziehung, ſo

Die Geſchichte der deutſchen
Kaiſerhymne.

Von Franz Neubaur.
(Nachdruck verboten.)
Von Millionen deutſcher Lippen klingt in dieſen
Tagen die deutſche Kaiſerhymne, das Heil Dir im
Siegerkranz das bisher allen Verſuchen für eine neue
Kaiſerhymne erfolgreich getrotzt hat. Begründet wurden
dieſe Verſuche mit dem Hinweis, daß das deutſche Kaiſer=
lied
in Text und Melodie vom Auslande erborgt ſei. Die
Quellenprufung ergibt indeſſen, daß jener Hinweis nicht
ganz zutreffend iſt, und daß infolgedeſſen die Bemüh=
ungen
, ein ureigen deutſches Kaiſerlied zu ſchaffen, über=
flüſſig
ſind. Unbeſtreitbar iſt jedoch, daß die wenigſten
Reichsangehörigen die Geſchichte des Liedes kennen, das
in vaterländiſcher Feſtesſtunde in gewaltigen Akkorden
das Treugelöbnis zum Herrſcherhauſe verkündet.
Der Hauptvorwurf, dem das deutſche Nationallied
begegnet, liegt in der Behauptung, daß die Melodie eng=
liſchen
Urſprungs und dem Nationalgeſange der Eng=
länder
God ſave the king entnommen ſei. Dies trifft
in der Sache zwar zu; tatſächlich aber iſt die Melodie zu
der engliſchen Hymne deutſchen Urſprungs, und zwar
wird ſie im Jahre 1914 auf ein Alter von 200 Jahren zu=
rückblicken
können. Als im Jahre 1714 der damalige Kur=
fürſt
Georg I. von Hannover den engliſchen Königsthron
beſtieg und am 31. Oktober zu London gekrönt werden
ſollte, wurde der zu jener Zeit in London weilende deut=
ſche
Komponiſt G. F. Händel gebeten, für die Ankunft
des Regenten einen Hymnus zu komponieren. Händel
unterzog ſich dieſer Aufgabe, indem er den Text eines alt=
franzöſiſchen
Liedes ins Engliſche übertragen ließ und
dazu jene Melodie fand die zunächſt engliſches und ſpäter
deutſches Nationaleigentum wurde.
Die Hymne wurde zuerſt geſungen beim Einzug
Georgs I. in Weſtminſter und gelangte dann aus nahe=
liegenden
Gründen nach Hannover.
Reichlich ſiebzig Jahre ſpäter entſtand dann der
deutſche Text zu der inzwiſchen immer beliebter geworde=
nen
Melodie. Wiederum war es ein Deutſcher, der den
Text verfaßte, und wiederum war es ein nichtdeutſcher
Fürſt, dem er gewidmet war. Zum 53. Geburtstage des
Königs Chriſtian VII. von Danemark, am 29. Januar

1790, veröffentlichte der ſchleswig=holſteiniſche Advokat
Heinrich Harries in Flensburg, der damals durch ſinnige
Gelegenheitsgedichte viel von ſich reden machte, im
Flensburger Wochenblatt für Jedermann zu der Hän=
delſchen
Melodie den Text unter der Bezeichnung Eir
Lied für den däniſchen Untertan an ſeines Königs Ge=
burtstag
. Im Verhältnis zu dem heute geſungenen
Text weiſt das Original mancherlei Abweichungen auf.
So lautet der erſte Vers:
Heil Dir, dem liebenden,
Herrſcher des Vaterlands,
Heil Chriſtian Dir!
Fühl’ in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Vater des Volks zu ſein,
Heil Chriſtian Dir.
Der zweite und dritte Vers des heutigen Liedes
lehnen ſich enger an das Original an, während der vierte
Vers im Original folgenden Wortlaut hat:
Sei noch, o Chriſtian, hier,
Lange des Thrones Zier
Des Landes Stolz!
Eifer und Mannestat
Finde ſein Lorbeerblatt
Treu aufgehoben dort
An Deinem Thron.
Die tertlichen Veränderungen des Liedes, die der heu=
tigen
Kaiſerhymne zugrunde liegen, ſind in Berlin ent=
ſtanden
, und zwar im Dezember 1793. Preußens König
Friedrich Wilhelm II. kehrte damals aus dem Feldzug
gegen Frankreich zurück, und da er ſich an der erfolgreichen
Schlacht bei Kaiſerslautern und an der Belagerung von
Mainz beteiligt hatte, wurde er als heimkehrender Sie=
ger
gefeiert. Die Haude= und Spener’ſche Zeitung‟
druckte bei dieſer Gelegenheit das Harriesſche Lied an
der Spitze ihres Blattes ab. Sie ließ aber nicht nur den
Namen des Verfaſſers fort, ſondern nahm auch jene Ver
änderungen des Tertes vor, die ſich bis zum heutigen Tage
erhalten haben. Bis zu Anfang des vorigen Jahrhunderts
blieb das Lied dann in einiger Verborgenheit. Erſt die
Befreiungskriege brachten es wieder zu neuen Ehren, bis
es dann nach der großen Zeit von 1870/71 zum deutſchen
Nationalgeſang wurde, der die Alten erhebt und die Ju=
gend
begeiſtert.

Brief aus Tſingtau.

Tſingtau, 25. Mai.
Bei ſeinem unvergeßlichen Beſuch Tſingtaus im Jahre
1912 hatte Prinz Heinrich ſich am 3. Oktober, dem Tage
der Parade der Garniſon vor ihrem Generalinſpekteur,
entſchloſſen, der Fahne des dritten Seebataillons eir
Fahnenband zu verleihen. Nach erfolgter kaiſerlicher
Genehmigung gelang es, das Fahnenband ſo fertigzu=
ſtellen
, daß ſeine Uebergabe an das Bataillon am 24. Mai
dem Tage der Silberhochzeit des Prinzlichen Ehepaares
und der Vermählung der kaiſerlichen Tochter, erfolgen
konnte.
So ſtand an dieſem bedeutungsvollen Tage das dritte
Seebataillon auf dem Iltisplatze Tſingtaus bei herrlich=
ſtem
Frühlingswetter in Parade. Ein ſchönerer Platz
für eine Feier wird nicht leicht zu finden ſein. Zur Lin=
ken
des Bataillons blaute das Meer, zur Rechten und
hinter ihm erhob ſich die grüne Kette der Iltisberge, ſo=
wie
der im Frühlingsſchmucke prangende Forſtgarten,
während der Blick nach vorne bis an die bläulich ſchim=
mernden
Berge des Kap Jaeſchke und des zackigen Perl=
gebirges
ſchweifte. Und über das Ganze ſpannte ſich ein
wahrhaft italieniſcher Himmel
Ein Kommandoruf des vor der Front haltenden
Bataillonskommandeurs: Se. Exzellenz der Gouverneur
erſcheint mit ſeinem Stabe am Eingange des Platzes und
ſprengt auf die Paradeaufſtellung zu, reitet die Front der
präſentierenden Truppen ab und begibt ſich ſodann vor
die Front. Der linke Flügel des Bataillons, die Ma=
ſchinengewehr
=Abteilung, die berittene Kompagnie und
die Marinefeldbatterie ſchwenken nach rechts ein, bis ſie
rechtwinkelig zu den ſtehengebliebenen Infanterie= Kom=
pagnien
und der Pionier=Kompagnie ſtehen. Die von
zwei Offizieren flankierte Fahne wird vorgezogen und
nimmt, dem Gouverneur gegenüber, im Scheitel des Win=
kels
Aufſtellung.
Der Kommandeur läßt das Bataillon präſentieren.
Ein Augenblick lautloſer Stille, nur unterbrochen durch
das Knattern des ſeidenen Fahnentuches im linden Früh=
lingswinde
. Mit weithin ſchallender Stimme ſprach nun=
mehr
Gouverneur Meyer=Waldeck
Nachdem Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von
Preußen im vergangenen Herbſt als Generalinſpekteur der
Marine die Truppenteile der Garniſon beſichtigt, hatte

[ ][  ][ ]

führte der zweite Teil zu den Beziehungen von Körper=
kultur
und Kunſt hinüber. Tänze und Reigen der jungen
Mädchen und Kinder zeigten, wie das natürliche Aus=
drucksvermögen
im äſthetiſchen Sinne vervollkommnet,
ja bis zur künſtleriſchen Leiſtung geſteigert werden kann.
Gleich lebendig gewordener Antike zogen wunderbare
Tanzbilder an dem entzückten Auge der Zuſchauer vor=
über
. Herr Ferdinand Edlinger war ihnen am Flügel
ein verſtändnisinniger Begleiter.
Ein Rundgang durch Garten und Haus beendete die
ſchlichte, harmoniſch verlaufene Gründungsfeier der
Ortsgruppe Darmſtadt des Vereins zur
Förderung und Erhaltung der Eliza=
beth
Duncan=Schule.
* Vom Hofe. Fürſt und Fürſtin zu
Stolberg=Wernigerode ſind nach kurzem Beſuchs=
aufenthalt
von Jagdſchloß Wolfsgarten wieder abgereiſt
* Empfänge. Se. Königl. Hoheit der Großher=
zog
empfingen am Mittwoch den Oberſt Münter
Kommandeur des Inf.=Regts. Prinz Carl (4. Großh
Heſſ.) Nr. 118, den Oberſt z. D. v. Wachter, den Ober=
ſtabsarzt
Dr. Koch, Regts.=Arzt des Garde=Drag.=
Regts. (1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, den Major a. D. Schäfer,
den Hauptmann Frhrn. Röder v. Diersburg, Komv.=
Chef im Leibgarde=Inf.=Regt. (1. Großh. Heiſ.) Nr. 115,
den Oberleutnant Broicher vom Garde=Drag.=Regt.
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 23, den k. k. öſterreichiſchen Ober=
leutnant
Werner Ritter v. Trapp im 3. Regiment der
Tiroler Kaiſerjäger in Ala, den Oberförſter Nikolaus,
den Regierungsrat Herberg von Friedberg, den Tele=
graphendirektor
Bothe von Worms; eine Deputation
des Männer=Geſangvereins Groß=Zimmern, beſtehend
aus dem Bürgermeiſter Brücher, dem 1. Präſidenten
Ehrhardt und dem Dirigenten R. Etzold; den Kammer=
herrn
und Kammerdirektor Frhrn. Löw von und zu
Steinfurth von Lich, den Hoftheater=Maſchinendirektor
Schwerdtfeger, den Hoftheater=Bühnendirektor Müller,
den Profeſſor Körner von der Künſtlerkolonie, den Pro=
feſſor
Müller von der Techniſchen Hochſchule, den Pro=
feſſor
Dr. Hübner von der Univerſität in Gießen, den
Profeſſor Albin Müller, den Bürgermeiſter Dr. Kayſer
von Bad=Nauheim eine Deputation des Rheinheſſiſchen
Elektrizitätsverbandes, beſtehend aus den Bürgermeiſtern
Gaul von Horrweiler, Sieben von Zornheim und
Diehl von Gau=Algesheim; den Seminarlehrer Keller
von Mainz, den Dekan Schäfer von Büdingen; zum
Vortrag den Finanzminiſter Dr. Braun, den Miniſter
des Innern v. Hombergk zu Vach, den Oberjäger=
meiſter
Frhrn. van der Hoop, den Vorſtand des
Kabinetts Geheimerat Römheld, den Geh. Oberbaurat
Profeſſor Hofmann, den Generaldirektor des Hoftheaters
und der Hofmuſik Dr. Eger.
* Ordensverleihung an die Großherzogin. Der
Reichsanzeiger meldet: Der König von Preußen hat
der Großherzogin von Heſſen die Rote Kreuz=
Medaille 1. Klaſſe verliehen.
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben verliehen: das Komturkreuz
2. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen
dem Oberſt v. Behr, beauftragt mit der Führung der
32. Infanterie=Brigade, ſeither Kommandeur des In=
fanterie
=Regiments Prinz Carl (4. Großh. Heſſ.) Nr. 118
und das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für
Verdienſte dem Wachtmeiſter a. D. Mayer, ſeither
im 2. Großh. Heſſ. Feld=Artillerie=Regiment Nr. 61.
Der König von Preußen hat dem Bankbeamten
Johann Baptiſt Silz zu Darmſtadt und dem Rentner
Chriſtoph Wamboldt zu Nieder=Ramſtadt bei Darm=
ſtadt
die Rote Kreuz=Medaille 2. Klaſſe verliehen.
* Pfarrperſonalie. Se. Königl. Hoheit der Grdß=
herzog
haben dem Pfarrer Johannes Eßlinger zu
Auerbach a. d. B. die evangeliſche Pfarrſtelle zu Rod=
heim
v. d. H., Dekanat Rodheim, übertragen.
Lehrerperſonalien. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben den von des Fürſten zu Yſen=
burg
und Büdingen Durchlaucht zum Oberlehrer an dem
Wolfgang=Ernſt=Gymnaſium zu Büdingen präſentierten
Oberlehrer Dr. Georg Appel für dieſe Stelle beſtätigt.
Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten Jakob
Bretz aus Flonheim, Kreis Alzey, eine Lehrerſtelle zu
Ginsheim, Kreis Groß=Gerau.
* Militärdienſtnachricht. Spies, Oberzahlmeiſter
vom 3. Bat. des Inf.=Leib=Regts. Großherzogin (3. Großh.

Heſſ.) Nr. 117, auf ſeinen Antrag mit Penſion in den
Ruheſtand verſetzt.
Zum Regierungsjubiläum des Kaiſers. An
die verehrlichen Vereinsvorſtände! Zu dem
Regierungsjubiläum des Kaiſers finden in den ver=
ſchiedenen
Vereinen patriotiſche Feiern ſtatt, die
wir unmöglich alle beſuchen können, über die aber Be=
richterſtattung
erfahrungsgemäß allgemein gewünſcht
wird. Wir erſuchen daher die Herren Schriftführer, kurz=
gehaltene
Berichte über dieſe Feiern unbedingt ſo
ort, d. h. ſpäteſtens am Tage nach der Veran=
ſtaltung
, der Redaktion einzuſenden. Später eingehenden
Berichten muß die Aufnahme verſagt werden.
Die 18. Sitzung der Handwerkskammer iſt auf
Montag, den 23. Juni, vormittags 11 Uhr, in den Sitz=
ungsſaal
der Stadtverordnetenverſammlung im Rathaus,
Marktplatz 8, einberufen mit folgender Tagesordnung:
1. Miteilungen. 2. Bericht über die Tätigkeit des Vor=
ſtandes
. 3. Bericht über die Tätigkeit im Ausſchuß und
Kommiſſion des deutſchen Handwerks= und Gewerbe=
kammertages
. 4. Abnahme der Rechnung für das Etats=
jahr
1912. 5. Haushaltsplan für das Etatsjahr 1914. 6. Ge=
haltsregelung
. 7. Neuaufſtellung der Lehrlingsrolle= Ein=
ſchreibgebühr
. 8. Errichtung neuer Geſellenprüfungsaus=
ſchüſſe
und Beſtätigung der Neuwahl der Mitglieder aller
Prüfungsausſchüſſe für 1913/15. 9. Abänderung der Ge=
ſellenprüfungsordnung
: a) Erhöhung der Prüfungsgebühr,
b) Vereinfachung der Geſchäftsführung der Prüfungsaus=
ſchüſſe
. 10. Die Regelung des weiblichen Lehrlings=
weſens
. 11. Abänderung und Ergänzung der Vorſchrif=
ten
zur Regelung des Lehrlingsweſens. 12. Organiſation
der Lehrſtellenvermittelung. 13. Abänderung der Meiſter=
prüfungsordnung
. 14. Staatliches, ſtädtiſches, privates
Submiſſionsweſen (Submiſſionsſtelle bei der Handwerks=
kammer
). 15. Die Einziehungsſtelle der Handwerkskam=
mer
. 16. Heſſiſche Handwerkerzentralgenoſſenſchaft. 17. Ver
ſchiedenes.
Zu der Kino=Vorführung der Märchengruppen
wird uns mitgeteilt, daß die meiſten vorgeführten
Märchengruppen und Momentaufnahmen als Poſt=
karten
erſchienen ſind und in jedem Papiergeſchäft
verkauft werden.
Beſchädigung von Gartenanlagen. Das
Großh. Polizeiamt macht in einer Bekanntmachung
vom 10. Juni 1913 darauf aufmerkſam, daß ſich in
letzter Zeit vielfach Villen= und Gartenbeſitzer darüber
beſchwert haben, daß von Kindern wie von Erwachſenen
im Vorbeigehen aus ihren Gartenanlagen Blumen ent=
wendet
und oft ganze Roſenſtöcke umgeknickt worden
ſeien. Dieſe Unſitte kann nicht ſcharf genug verurteilt
werden, weil ſie ein ſchlechtes Licht auf die hieſige Be=
völkerung
wirft, und weil ſie die Garten= und Villen=
beſitzer
zum Wegzug von Darmſtadt verleiten kann.
Wir können uns dem öffentlichen Erſuchen des Großh.
Polizeiamts nur anſchließen, das darauf hinausgeht,
daß jeder aus der Berölkerung für ſeinen Teil er=
zieheriſch
auf Kinder und Erwachſene einwirken möge,
daß ſolche Schädigungen des Anſehens der Stadt und
ihrer Einwohner künftig nicht mehr vorkommen.
* Vereinigte Ortskrankenkaſſe Darmſtadt. Der
Mitgliederſtand betrug am 30. Mai l. J. männ=
lich
9581, weiblich 6597, zuſ. 16 178, in Prozenten 59,23,
40,77. Der Krankenſtand betrug am 30. Mai I. J.
männlich 456, weiblich 241, in Prozenten 4,75, 3,65.
An Krankengeld wurden ausgezahlt in der Woche
vom 26. Mai bis 30. Mai I. J. 5459,02 Mk. (1912:
5075,47 Mk.) An Wöchnerinnen waren vorhanden
am 30. Mai I.
34. Sterbefälle kamen vor
in der Woche vom 26. Mai bi. 30. Mai l. J. 3.
* Stenographiſches. Beim 15. Verbandstag des Süd=
weſtdeutſchen
Verbandes für Nationalſtenographie in
Mannheim beteiligten ſich vom Darmſtädter National=
ſtenographen
=Verein an dem Wettſchreiben und er=
hielten
Preiſe: in Abteilung 60 Silben Schüler Adam
Betz, 80 Silben Schüler Franz Schmitt, 100 Silben
die Schüler Johann Hotz und Karl Roos, 160 Silben
Herr Martin Dries, 200 Silben Herr Oskar Herold,
220 Silben Herr Johann Moch. Außerdem erhielten
die drei Letztgenannten noch wertvolle Ehrenpreiſe.
Heſſiſcher Odenwald=Verein. Der heſſiſche
Odenwald=Verein Darmſtadt, gegründet 1903, begeht an
Sonntag, den 22. Juni, das Feſt ſeines 10jährigen
Beſtehens. Als Feſtplatz iſt das ſchön gelegene Arheilger
Mühlchen vorgeſehen. Das Programm, unter Mit=
wirkung
des Geſangvereins Liederkranz, ſieht vor:

Konzert im Garten, ausgeführt von der Kapelle des
Dragoner=Regiments Nr. 23, ſowie Verloſung, Preis=
ſchießen
, Karuſſell und Kinderbeluſtigung aller Art. Im
Saale findet Tanz ſtatt. Der Abmarſch erfolgt in Ge=
meinſchaft
mit dem Geſangverein Liederkranz nach=
mittags
½3 Uhr vom Vereinslokal (Goldner Hirſch),
Schloßgraben, mit Muſik nach dem Feſtplatz. (Näheres
folgt durch Anzeige.)
§ Tödlicher Unfall. Am Mittwoch abend zwiſchen
8 und 9 Uhr iſt der 36 Jahre alte Rangierer Andreas
Schmidt im Güterbahnhof an der Eilguthalle beim
Rangieren von einer Maſchine überfahren und
getötet worden.
* Schlaganfall. Geſtern morgen fand man den Trans=
portarbeiter
Karl Ewald in der Schloßgaſſe tot in
ſeinem Bette liegen. Man nahm zunächſt Selbſt=
mord
an. Es ſtellte ſich jedoch ſpäter heraus, daß der
Mann einem Schlaganfall erlegen war.
§ Sachbeſchädigung. In vorverfloſſener Nacht
wurden zwei an einem Hauſe in der Wilhelminenſtraße
angebrachte Schaukäſten demoliert.
* Konzertveranſtaltungen. Konzert= Etabliſſe=
ment
Hugenſchütz’ Felſenkeller. Mit einem
chronologiſchen Programm (Muſik vom 16.20. Jahrhun=
dert
) wird bei dem heutigen Konzert der vollzähligen Ka=
pelle
des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61 der neuerbaute
Muſik=Pavillon eingeweiht werden. Die außerordentlichen
Erfolge der Dienstags= und Freitags=Konzerte haben den
Inhaber Herrr Hans Tod veranlaßt, anſtelle des nicht
mehr zeitgemäßen Muſikpodiums einen akuſtiſchen Pavil=
lon
zu erbauen, um ſo einem muſikliebenden Publikum
den Aufenthalt in dem herrlich gelegenen Garten noch an=
genehmer
zu machen. (Siehe auch Anzeige.) Im Kur=
haus
Trautheim findet Samstag nachmittag Mili=
tärkonzert
ſtatt. (Näh. ſ. Anz.)
W Gernsheim, 12. Juni. Am 22. dieſes Monats tref=
fen
aus Mainz einige Tauſend Wallfahrer hier ein,
die die neu hergerichtete Kapelle Maria Einſiedeln beſuchen
werden. Die Eiſenbahndirektion Mainz hat beſondere
Extrazüge eingelegt.
Offenbach, 11. Juni. Wie der Handelskammer mit=
geteilt
wurde, hat das Miniſterium die Geneh=
migung
des von der Stadtverordnetenverſammlung
vom 9. Januar 1913 geforderten Ortsſtatuts über die
Fortbildungsſchulpflicht der Mädchen mit
der Begründung verweigert daß beabſichtigt ſei, in
Heſſen dieſe Frage bei Gelegenheit der bevorſtehenden
Reviſion des Volksſchulgeſetzes landesgeſetzlich zu regeln
Es erſcheine daher nicht zweckmäßig, jetzt den Fortbild=
ungsſchulzwang
für gewerblich tätige Mädchen auf Grund
des Paragraphen 120 der Reichsgewerbeordnung für ein=
zelne
Gemeinden durch Ortsſtatut einzuführen. Auch ſei,
ſo lange in den Nachbargebieten Offenbachs, insbeſondere
Frankfurt a. M., gleiche Anordnungen nicht beſtänden
durch Sonderregelung eine unliebſame Schädigung der
wirtſchaftlichen Intereſſen der dort anſäſſigen Gewerbe=
treibenden
zu befürchten und auch eine unerwünſchte Er=
chwerung
der Erwerbstätigkeit der hier in Offenbach ge=
werblich
tätigen Mädchen zu gewärtigen.
Rüſſelsheim, 12. Juni. Pfarrer Liz. Fuchs hier
wurde als Nachfolger von Pfarrer Traub einſtimmig zum
Geiſtlichen der Reinoldigemeinde zu Dortmund gewählt.
Der Gewählte iſt 38 Jahre alt; vor 1903 war er Vikar in
Mancheſter, ſeit 1903 Repetent an der Gießener Univer=
ſität
, und ſeit 1905 iſt er Pfarrer in Rüſſelsheim. Pfarrer
Fuchs war auch Vorſitzender der Frankfurter Konferenz
heſſiſcher Geiſtlicher, für die ſein Scheiden ein ſchmerzlicher
Verluſt zein dürfte.
Lindenfels, 11. Juni. Unſer elektriſches Licht
werden wir demnächſt von der Zentrale in Mörlenbach
beziehen. Soeben iſt man mit dem Legen der Leitung be=
ſchäftigt
. Angeſchloſſen werden noch die Orte Ellenbach,
Eulsbach, Schlierbach, Winkel und Glattbach. Nicht ſehr
erbaut ſind viele Steuerzahler des Odenwaldes
durch die neu vorgenommene Grund= und Häuſerein=
ſchätzung
. Die Finanzämter ſind an ihren Amtstagen von
Reklamanten außerordentlich ſtark beſucht.
WLampertheim, 12. Juni. Von der Arbeitsſtelle in
Waldhof kommend wurde auf dem hieſigen Bahnhof durch
drei Poliziſten der Fabrikarbeiter Feller verhaftet.
Er hat ſich an minderjährigen Kindern vergangen. Die
Anzeige erfolgte durch ein 14jähriges Mädchen.

nach der ſich daran anſchließenden Parade auf dieſem
Platze am 3. Oktober vorigen Jahres Se. Königl.
Hoheit die Gnade, dem Bataillon zur Erinnerung an
dieſen Tag die Verleihung eines Fahnenbandes in Aus=
ſicht
zu ſtellen. Nach Rückkehr in die Heimat hat Se. Kgl.
Hoheit dann von Sr. Majeſtät dem Kaiſer die Erlaubnis
erbeten und erhalten, dem Bataillon ein Fahnenband zur
Erinnerung an jenen 3. Oktober 1912 zu verleihen. Das
Fahnenband wurde nach den eigenen Anweiſungen Sr.
Königl. Hoheit angefertigt, und nach Fertigſtellung hat
Se. Königl. Hoheit mich beauftragt, dem Bataillon das
Fahnenband zu übergeben. Heute, an dieſem großen
Feſttage in unſerem Kaiſerhauſe, an dem gleichzeitig die
Silberhochzeit Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Heinrich
und der Prinzeſſin Irene und die Hochzeit unſerer Kaiſer=
tochter
, Ihrer Königl. Hoheit der Prinzeſſin Viktoria
Luiſe, im Schloſſe zu Berlin feſtlich begangen werden,
übergebe ich hiermit dem dritten Seebataillon das ihm
verliehene Fahnenband
Möge dieſer neue Beweis der Gnade und Anerkenn=
ung
dem Bataillon ein Anſporn ſein zu neuen Leiſtungen.
Die neu geſchmückte Fahne aber wollen wir am heuti=
gen
Tage aufs neue geloben, treu in Ehren zu halten, im
Frieden wie im Kriege, zum Ruhm und zur Ehre unſeres
Vaterlandes, und wollen dieſes bekräftigen durch den Ruf:
Se. Majeſtät, unſer allergnädigſter Kaiſer und oberſter
Kriegsherr, hurra! hurra! hurra!
Die Nationalhymne erklingt, der Hurraruf der Trup=
pen
brauſt über das Feld und langſam neigt ſich die
Fahne, das Heiligtum der Truppe, zum Huldigungsgruß
vor dem fernen Kriegsherrn.
Es folgte nunmehr die tatſächliche Uebergabe des
prachtvollen blauen, goldgeſtickten Fahnenbandes, das ſo=
gleich
an der Spitze der Fahne befeſtigt wurde.
Der Kommandeur des Bataillons antwortete: Im
Namen des Bataillons bitte ich Eure Exzellenz, Sr. Kgl.
Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen für die uns
bewieſene Gnade unſeren ehrfuchtsvollſten und tiefgefühl=
teſten
Dank übermitteln zu wollen. Das Fahnenband iſt
uns gerade heute ein perſönlicher Gruß von Sr. Königl
Hoheit; gerade heute als an dem Tage des frohen Fami=
lienfeſtes
, das er und die Frau Prinzeſſin miteinander
begehen. Und wie unſer aller Herzen erfüllt ſind von den
aufrichtigſten Segenswünſchen für das hohe Fürſtenpaar,
ſo iſt uns das Fahnenband das äußere Wahrzeichen des
geiſtigen Bandes, das uns heute und immerdar mit Sr.
Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich verbunden halten

wird Und als ſolches heften wir es mit Stolz an unſere
Fahne und mit dem Gelübde, uns dieſer Auszeichnung
allzeitig würdig zu zeigen bis zum letzten Blutstropfen.
Das wollen wir geloben, indem wir rufen: Se. Kgl.
Hoheit Prinz Heinrich von Preußen hurra! hurra! hurra!
Und abermals brauſendes Hurra, und zum erſtenmal
ſenkt ſich die Fahne in ihrem neuen Schmuck
Ein Parademarſch die Fußtruppen in Regiments=
kolonne
, die berittenen Truppen im Trabe beendete die
ſtimmungsvolle Feier.
Mit der Fahnenkompagnie begleiteten der Gouver=
neur
mit Stab, ſowie der Bataillonskommandeur die
Fahne nach der Stadt zurück.

Feuilleton.

* Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben. Peter Ro=
ſegger
: Ehrendoktor. Die philoſophiſche Fakultät
der Wiener Univerſität beſchloß, Peter Roſegger zu
ſeinem 70. Geburtstage am 31. Juli zum Ehrendoktor
der Wiener Univerſität in Vorſchlag zu bringen.
Emil Preetorius erfährt in dem neueſten
(Juni=) Heft der Dekorativen Kunſt (Verlag F. Bruckmann
München) eine eingehende Würdigung, deren feinſinniger
von Dr. Gg. Jakob Wolff verfaßter Text durch 36 Abbil=
dungen
veranſchaulicht wird, die Proben von Illuſtra=
tionen
(darunter vortreffliche aus dem demnächſt im
Inſel=Verlag erſcheinenden Datterich), von Buch=, Kata=
logtiteln
, Inſeratzeichnungen, Plakaten und Exlibris
bringen. Ferner erſchienen über Emil Preetorius in
jüngſter Zeit folgende Publikationen: Kunſtwart, April=
heft
, 16 Abbildungen, Text von F. Avenarius: Ueber
Land und Meer, Heft 32, Jg. 55, 10 Abbildungen, Text
von W. Rath; Kunſt und Künſtler, Heft 9, Jg. 11, 2 Ab=
bildungen
. Text von Dr. W. Hauſenſtein.
Unter den Empfängern der von der Univerſität
Cambridge verliehenen Ehrendoktoraten befindet ſich
der Berliner Nationalökonom Profeſſor Adolf Wag=
ner
. Die Verkündigung fand vor einer glänzenden Ver=
ſammlung
von Gelehrten ſtatt.
kb. Der Märchenbrunnen in Berlin. Aus Berlin wird
uns geſchrieben: Nach 15jährigem Hin und Her iſt die
Errichtung und Fertigſtellung des Berliner Märchenbrun
nens nun Tatſache geworden. In einigen Tagen wird
die im Friedrichshain entſtandene Anlage den Stadtver=

ordneten von Berlin gezeigt und der Oeffentlichkeit über=
geben
werden. In der Erinnerung tauchen damit noch
einmal all die unliebſamen Erörterungen, all die harten,
im Stadtparlament entbrannten Kämpfe auf, die um das
zu errichtende Kunſtwerk viel Köpfe heiß gemacht haben.
Zwiſchen dem Berliner Königsſchloß und dem Rathaus
kam es zu offenkundigen Mißhelligkeiten, und die Brun=
nenaffäre
zeitigte einen ſpitzgeführten Schriftwechſel, an
dem der Magiſtrat und das Polizeipräſidium gleich be=
teiligt
waren. Doch all das, eben noch auftauchend, ſei
auch ſchnell vergeſſen, denn nun ſteht man vor dem voll=
endeten
Werk und darf erkennen, daß etwas Großes, ja
einzig Schönes entſtanden iſt. Um den neuen Brunnen
Berlins zu ſehen, werden wohl in der kommenden Zeit die
Menſchen aus allen Stadtteilen nach dem kinderreichen, im
Norden gelegenen Friedrichshain pilgern. Geh. Rat
Ludwig Hoffmann der verdienſtvolle Berliner
Stadtbaumeiſter, dem die Reichshauptſtadt nun ſchon das
Märkiſche Muſeum und das neue, großzügige Stadthaus
verdankt, hat den Märchenbrunnen geſchaffen. Inmitten
des hochgewachſenen Friedrichshain, mit einem Haupt
zugang vom Königstor, liegt die wirklich monumentale
Anlage. Von hohen Rüſternhecken umſäumt, breitet ſich
ein geſtuftes Waſſerbecken aus, deſſen Einfaſſung mit
kraftvollen und eindrucksſtarken Märchengeſtalten ausge=
ſchmückt
iſt. Durchaus originell, ſchlicht und humorvoll
werden die verkörperten Märchen ſicher gut auf die im=
mer
lebendige Phantaſie der Kinder wirken. Im Zuſam=
menſchluß
mit der ganzen künſtleriſchen Anlage werden
ſie aber auch unwillkürlich einen erzieheriſchen Einfluß auf
die heranwachſende, ſchon etwas reifere Jugend ausüben.
Das von 9 Strudeln belebte große Waſſerbecken wird im
Hintergrund von einer hohen Anlage abgeſchloſſen, einem
Säulenbau der herrliche Durchblicke in den hinteren Park
und auf die dort in einem zweiten Becken hochaufſchie=
Auch dieſe zweite Becken=
ßende
Fontaine geſtattet.
anlage iſt mit bildhaueriſchem Schmuck umgeben, und in
der Form, wie an allen an die Geſamtanlage angeſchloſ=
ſenen
Wegen befinden ſich künſtleriſch vollwertige Arbei=
ten
der Plaſtik: Kindergruppen, Blumenkörper auf ſchlan=
ken
Säulen, breitgelagerte Ruhebänke, die ſich kraftvoll in
den harmoniſchen Plan einfügen. Ein Stück italieniſcher
Kunſt iſt der Stadt Berlin zu eigen gegeben, und ſon=
nige
Heiterkeit und tiefer, ſeelenvoller, künſtleriſcher Ernſt
feiern in dieſem Werke eine ſchöne Bruderſchaft. Werden
die Märchenfiguren auch ſchon zu den kleinſten Kindern
ſprechen, ſo wird es die ganze Schöpfung um ſo mehr

[ ][  ][ ]

W Lampertheim, 12. Juni. Am Samstag trifft der
Biſchof Dr. Kirſtein aus Mainz, über Worms kom=
mend
, hier ein, um die diesjährige Firmung vorzuneh=
men
. Von Worms erfolgt die Fahrt mittels Wagen, der
von Reitern begleitet wird. Es iſt ein großer Empfang
vorgeſehen.
Mainz, 12. Juni. Der Polizeibericht meldet: Der in
Mainz=Zahlbach wohnhafte Packer Ferdinand Humm
lauerte geſtern mittag in der Holzhofſtraße dem Maſchi=
niſten
Wilhelm Kronberg auf und gab 2 Revolver=
ſchüſſe
auf ihn ab. Der erſte Schuß traf ihn im Geſicht
und die Kugel blieb im Oberkiefer ſtecken. Der Getroffene
wandte ſich zur Flucht, verfolgt von dem Täter, der noch
einen zweiten Schuß auf ihn abgab, jedoch ſein Ziel ver=
fehlte
. Der Beweggrund der Tat iſt darin zu ſuchen, daß
der Verletzte, der früher zu der Frau des Täters in
näherer Beziehung geſtanden hat, dieſe vor einigen Tagen
auf der Straße im Beiſein ihres Mannes ſchwer beleidigte
und verfolgte, wofür ſich Humm geſtern zu rächen ſuchte
Der Täter kam in Haft; der Verletzte, für den keine Lebens=
gefahr
beſteht, wurde ins Rochushoſpital aufgenommen.
Bingen, 12. Juni. In der Gemarkung Planig wur=
den
von der Eiſenbahn Ländereien im Werte von
zwei Millionen Mark erworben. Dieſes neu=
erworbene
Land ſoll zur Vergrößerung eines Güter=
bahnhofes
verwandt werden. Bereits in der nächſten
Zeit ſoll die Ausführung des Projektes erfolgen. Die
Nahe wird dann unter dem alten Güterbahnhof zu Kreuz=
nach
, der nur noch dem Lokalverkehr dienen ſoll, überbrückt
werden.
Oſthofen, 12. Juni. Die große Rheinheſſiſche
Ueberlandzentrale wird am 21. dieſes Monats
dem vollen Betrieb übergeben. An dieſem Tage
erfolgt unter größeren Feſtlichkeiten die Einweihung der
hieſigen Zentrale im Beiſein der Miniſterialbehörde, der
Provinzialdirektion, der ſämtlichen rheinheſſiſchen Kreis=
räte
, ſowie der Bürgermeiſter und Beigeordneten aller an
die Zentrale angeſchloſſenen Gemeinden. Auch die Kul=
turinſpektionen
und die Handelskammern werden ihre
Vertreter entſenden. Ebenſo wird der Großherzog
zu der Feier erwartet. Die ſämtlichen geladenen Gäſte
werden von hier aus mittels Extrazuges nach dem ab=
ſeits
vom Dorfe gelegenen Werk fahren. An die Einweih=
ung
ſelbſt reiht ſich eine große Feſtverſammlung in hieſi=
ger
Gemeinde an.
Nieder=Hilbersheim, 11. Juni. Auf tragiſche Weiſe
büßte der 40 Jahre alte Kreisſtraßenwärter Philipp
Scheid von hier das Leben ein. Scheid war in Dienſt
angelegenheiten nach dem Laurenziberg gefahren. Auf der
Heimfahrt verlor er beim Paſſieren einer tiefen Mulde die
Herrſchaft über ſein Rad, ſo daß er in weitem Bogen
kopfüber auf das harte Straßenpflaſter flog. Infolge
einer ſehr ſchweren Gehirnerſchütterung verlor er ſofort
das Bewußtſein. Da der Unfall von anderen Paſſanten
alsbald bemerkt wurde, ſo brachte man den ſchwer ver=
letzten
Mann ſofort ins Krankenhaus, wo er nach wenigen
Stunden ſtarb. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe
mit zwei unmündigen Kindern.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 12. Juni. Eine Beloh=
nung
von 3000 Mark ſchreibt das Reichsbank=
direktorium
für die Ermittelung von Fälſchern von
Reichsbanknoten aus. Seit kurzem ſo lautet die Aus=
ſchreibung
, ſind Fälſchungen von Reichsbanknoten zu
20 Mark vorgekommen. Dieſe tragen das Datum vom 21
April 1910, die Nummer E3 192236 und den Kontrollbuch=
ſtaben
L. Sie machen im ganzen einen etwas verſchwom=
menen
Eindruck. Das Datum, das Wort Reichsbankdirek=
torium
und die Unterſchriften unter dieſem ſind dicker aus=
gefallen
, als ſie bei den echten Noten ſind. Die Straf=
androhung
iſt auf beiden Seiten der Fälſchung ſchlecht
auſgedruckt, zum Teil unlesbar. Die Ziffern der auf der
Fälſchung befindlichen Nummern ſind größer als auf den
echten Noten. Da dieſe geriefelt ſind, die Fälſchungen
aber nicht, fühlen ſich die erſteren, namentlich wenn ſie neu
ſind, hart und rauh, die Fälſchungen dagegen weich an.
Indem wir auf dieſe Fälſchungen aufmerkſam machen
ſichern wir demjenigen, der zuerſt einen Verfertiger oder
wiſſentlichen Vertreiber bei einer Orts= oder Polizeibe=

hörde oder einem Gericht anzeigt, daß er zur Unterſuchung
gezogen und beſtraft werden kann, eine Belohnung von
Der 23 Jahre alte Student der Philo=
3000 Mark zu.
ophie John Joſeph, in Charlottenburg wohnhaft, er=
ſchoß
ſich heute vormittag in Gegenwart ſeiner Braut,
der Tochter eines Kaufmanns aus Waidmannsluſt. Joſepl
ſtammte aus Schweden und war ſehr vermögend. Der
ſchwere Sturm richtete weiter allerlei Unheil an. Neu
erdings wird gemeldet, daß im Grunewald der Orkan an
einzelnen Stellen ſchwere Verwüſtungen angerichtet hat.
Auch die Feuerwehr wurde nach verſchiedenen Straßen
geſtern alarmiert. So mußte ſie in der Triftſtraße eine
Pappel fällen, die quer über den Bürgerſteig zu ſtürzen
drohte. In der Müller= und Brunnenſtraße mußten
Mannſchaften auf die Dächer ſteigen und durch den Sturm
gelöſte Geſimsſtücke uſw. entfernen und gefährdete Schorn=
ſteine
befeſtigen. In dem erſten Stock eines Hauſes in der
Burgſtraße wurde eine große Spiegelſcheibe vom Sturm.
eingedrückt; ein dahinterſitzender Angeſtellter erlitt durch
die herumgeſchleuderten Glasſcherben Schnittwunden und
mußte die Unfallſtation aufſuchen. Auch den Gerüſten für
die Jubiläumsausſchmückung hat der Sturm ſo ſehr mit=
geſpielt
, daß zum Teil wie unter den Linden und ar
der Charlottenburger Brücke Neumontierungen not=
wendig
werden. Auf den Kirchhöfen wurden viele Bäum
entwurzelt. Aus den Vororten lauteten die Nachrichten
auch geſtern wieder ſehr trübe.
Kaſſel, 12. Juni. Vor dem Wehr an der neuen Mühle
wurde heute morgen in der Fulda die Leiche eines
Mannes gefunden. Es handelt ſich um den 53
Jahre alten, ledigen Schneider Malſch aus Krumbach bei
Kaſſel. Dem Toten war der Mund mit einem weißen
Tuch verſtopft; außerdem wies die Leiche Verletzungen auf.
Limburg a. d. Lahn, 12. Juni. Geſtern nachmittag
verunglückte das mit drei Perſonen beſetzte Auto=
mobil
des Frankfurter Verkaufsbureaus der Aachener
Mannesmannwerke beim Dorfe Malmenaich, indem es ir
einer Kurve gegen einen Baum fuhr. Das Automobil
wurde vollſtändig zertrümmert; der Führer des Wagens
ein Oberingenieur aus Frankfurt, erlitt einen Schädel=
bruch
und wurde in hoffnungsloſem Zuſtande in das
Limburger Vinzenzhoſpital gebracht. Die beiden anderen
Inſaſſen kamen mit leichteren Verletzungen davon.
Metz, 11. Juni. Das Schwurgericht verurteilte
heute den 26 Jahre alten italieniſchen Hüttenarbeiter
Angelo Fosci der bei Roßlingen zu Anfang dieſes
Jahres aus Eiferſucht einen Landsmann, einen Muſiker,
im Walde ermordet hatte, unter Verſagung mildernder
Umſtände zu zehn Jahren Zuchthaus. Der Staats=
anwalt
hatte 15 Jahre beantragt.
Kaiſerslautern, 12. Juni. Heute früh gegen 5 Uhr
brach in der Malzfabrik von F. W. Gelbert aus nock
unbekannter Urſache ein Brand aus, der, entfacht durck
den heftigen Wind, mit raſender Schnelligkeit ſich über das
ganze Fabrikgebäude ausdehnte und auch die benach=
barten
Häuſer bedrohte. Das Fabrikgebäude iſt vollſtän=
dig
ausgebrannt. Von dem Gebäude, in dem ſich die
Lager= und Bureauräume befinden, iſt der Dachſtuhl ver=
nichtet
. Das Maſchinenhaus und das Wohnhaus ſind
von dem Feuer verſchont geblieben. Bei den Löſcharbeiten
wurden ſieben Feuerwehrleute verletzt. Der angerichtete
Schaden iſt beträchtlich.
Cannſtatt, 12. Juni. Der General der Infanterie z. D
Freiherr Percler von Perglas. Ritter des Eiſernen
Kreuzes erſter und zweiter Klaſſe, iſt im Alter von 86
Jahren geſtorben.
Köln, 12. Juni. Die Staatsanwaltſchaft hat gegen
Sternickel auf Raubmord an dem Landwirt Viktor
im Jahre 1908 Anklage erhoben.
Eſſen, 12. Juni. In der Preſſe wurde auf Grund
der Mitteilung eines ſozialdemokratiſchen Reichstagsab=
geordneten
die Nachricht veröffentlicht, der Vorſtand des
Vereins gegen das Beſtechung sunweſen
habe die Firma Krupp=Eſſen aus dem Verein aus=
geſchloſſen
. Dieſe Nachricht iſt unzutreffend.
Der Vorſtand des Vereins beſchäftigte ſich im Hinblick
auf das noch ſchwebende vom preußiſchen Kriegsminiſter
veranlaßte Verfahren nicht mit der Angelegenheit.
Bremen, 12. Juni. Geſtern erſchien in einem hieſigen
Juweliergeſchäft ein Unbekannter, der Juwelen
kaufen wollte. Nachdem er ſich Schmuckgegenſtände
im Werte von insgeſamt 23000 Mark ausgeſucht hatte,

entfernte er ſich mit der Bitte, ihm die Sachen in ein hie=
ſiges
Hotel bringen zu laſſen. Im Hotel, in das die
Sachen von zwei Angeſtellten des Geſchäfts gebracht wor=
den
waren, erklärte er dieſen, die Sachen ſeinen in Paris
vohnenden Angehörigen zeigen zu müſſen. Er legte nun
die Juwelen in Gegenwart der Ueberbringer in ein dazu
bereitgehaltenes Käſtchen, das er verſiegelte. Der Käufer
begab ſich dann in ein anderes Gemach. Als er nicht wie=
derkam
, öffneten die beiden Angeſtellten das Käſtchen, aber
ſtatt der Juwelen befand ſich darin nur ein Raſierbecher
und Watte. In der Zwiſchenzeit war der Schwindler
verſchwunden. Die hieſige Kriminalpolizei hat ſofort
energiſche Nachforſchungen angeſtellt.
Köpenick, 12. Juni. In der letzten Nacht drangen
Einbrecher in eine katholiſche Kirche, die dicht an
der Spree liegt und ſchon vor einigen Wochen einmal von
Dieben heimgeſucht wurde. Sie fuhren mit einem Kahn
bis an das Gotteshaus heran, drückten ein Fenſter ein
ſtiegen in die Kirche ein und erbrachen alle Opferſtöcke
und Behälter. Sie erbeuteten nur wenige Mark, nahmen
aber einen ſilbernen Kelch mit. Von den Dieben fehlt
jede Spur.
Kuxhaven, 11. Juni. Der Dampfer Imperator
trat am Nachmittag ſeine Fahrt nach Amerika an.
Das Schiff iſt in allen Teilen gut beſetzt. Auf Einladung
der Hamburg-Amerika=Linie fahren bis Southampton
etwa 75 deutſche und engliſche Journaliſten und Schriſt=
teller
mit, die Generaldirektor Ballin bei einem Früh=
ſtück
an Bord des Imperator begrüßte. Da die Einſchif=
fung
zeitig begann, fanden die Teilnehmer an der Fahrt
ſchon vor Abgang des Schiffes Gelegenheit, alle Räume
und Einrichtungen kennen zu lernen. Bei allen gab ſich
ſchon beim erſten Eindruck Bewunderung über die große
techniſche Vollendung und die künſtleriſche Ausſtattung
des Schiffes kund. Um 3 Uhr 55 Min. paſſierte der Im=
verator
die Alte Liebe. Die hieſige Signalſtation und
der hier auf der Reede ankernde kleine Kreuzer Stutt=
gart
zeigten das Signal Glückliche Fahrt‟ Der Im=
perator
dankte für das Flaggenſignal. Auf der Alten
Liebe hatte ſich eine große Menſchenmenge eingefunden,
um die Ausfahrt des Rieſendampfers mitanzuſehen. Das
Wetter iſt ſehr ſtürmiſch. Helgoland meldet: Windſtärke 8,
nordnordweſt, grobe See; Borkum meldet: Windſtärke 6,
ſtürmiſche See.
Scheveningenhaven. 12, Juni. (Durch Funkſpruch.) Der
Imperator paſſierte gegen 8½ Uhr Dover. Der
Vind hat nachgelaſſen; es ſtrahlt freundlicher Sonnen=
ſchein
.
Norden, 12. Juni (Durch Funkſpruch über Norddeich.)
Der Imperator Kommandant Kommodore Ruſer,
paſſierte geſtern abend gegen 10 Uhr Borkumriff mit einer
Schnelligkeit von 23 Seemeilen. Trotz grober See und
fortgeſetzter böiger Gegenwinde bei Windſtärke 9 verſpürt
man auf dem Dampfer nichts von dem unruhigen See=
gang
. Alle Decke ſind ununterbrochen beſetzt, auch die
Zwiſchendeckspaſſagiere weilen in großer Maſſe auf ihrem
Deck in freier Luft. Der Gegenſatz zwiſchen dem Heulen
des Sturmes und der ungeſtörten Geſelligkeit in allen
Schiffsteilen erregt in den Kreiſen der Fahrtteilnehmer
aller Klaſſen lebhafte Befriedigung über die praktiſche Ein=
richtung
des Schiffes.
Königsberg, 12. Juni. Die Königsberger Hartung=
ſche
Zeitung bringt folgende Notiz: Zu dem Gerücht von
der Verhaftung eines Offiziers in Königs=
berg
, das am Dienstag in den Abendſtunden hier auf=
tauchte
und auf ſeine Richtigkeit nicht mehr ſogleich ge=
prüft
werden konnte, können jetzt weitere Einzelheiten
mitgeteilt werden. Es handelt ſich nicht um eine
eigentliche Verhaftung. Die Verfehlungen des
in Frage ſtehenden Oberleutnants bei den Küraſſieren
ſollen nicht dienſtlicher Natur ſein. Es wird
vielmehr betont, daß es ſich um eine Verfehlung rein per=
ſönlichen
Charakters handelt, die allerdings noch weiterer
Aufklärung bedarf. Zu dieſem Zweck ſchien es geraten,
den Oberleutnant zur Beobachtung in das hieſige Gar=
niſonlazarett
einzuliefern.
Poſen, 12. Juni. Während einer Prozeſſion in
Iwieniec, Gouvernement Minsk, ſtürzte eine Brücke
ein. Ueber hundert Perſonen, darunter die Zelebran=
ten
, ſtürzten in den Fluß. Alle wurden gerettet, doch er=
litten
viele Verletzungen.

zu den großen und den älteren ſprechen, und es werden
ſich unter dieſen wohl bald Anerkennende erheben, die
dem Schöpfer, Ludwig Hoffmann, der unermüdlich zur
Idee gehalten hat, und den Künſtlern Dank wiſſen, die
ihm bei den bis in alle Einzelheiten überaus trefflich
gelungenen Werk zur Seite geſtanden haben. Die Namen
dieſer Mitſchöpfer ſind Ignatius Taſchler der die
Märchengeſtalten bildete, Joſeph Rauch, der die
Tierſkulpturen ausführte, und Georg Wrba, deſſen
Rieſen auf die Kinder beſonderen Eindruck machen
dürften.
* Ein deutſcher Kunſttöpfer. Aus Hamburg wird
uns geſchrieben: In Altona ſtarb dieſer Tage einer un=
ſerer
beſten Keramiker, der 68jährige Meiſter Hermann
Mutz, deſſen künſtleriſches Schaffen eine ganze Zeitlang
etwas durchaus Neues, eine neue Technik, eine neue
Kunſtgattung, bedeutete. Erſt in jüngſter Zeit hat die
Töpferkunſt in Deutſchland an Boden gewonnen, ſeit der
Erneuerung unſeres geſamten kunſtgewerblichen Lebens
Lange vorher aber hat Hermann Mutz in einer beſcheide=
nen
Altonger Werkſtatt nach künſtleriſchen und kunſtge=
werblichen
Prinzipien gearbeitet die viele Jahre ſpäter
von den Führern der modernen Bewegung entdeckt und
verallgemeinert worden ſind. Das Schaffen des Altonaer
Kunſttöpfers iſt ſtark von der Kunſt Japans beeinflußt
worden. Die außerordentlich alte Keramik der Japaner
gekennzeichnet durch farbige, gefloſſene Glaſuren auf har
ter, ſteinzeugartiger Maſſe, beruhte von jeher auf dem
Prinzip der Brauchbarkeit und Nutzlichkeit. Dieſes Prin=
zip
der unbedingten Brauchbarkeit, das mit dem van de
Veldeſchen Prinzip der Logik als Baſis des neuen Kunſt=
gewerbes
zuſammenfällt, hat Hermann Mutz in denkbar
vollendeter Weiſe verwirklicht. Jedes Gefäß, das aus
ſeiner Werkſtatt hervorging, jede Schale, jede Vaſe und
jede Schüſſel hatte die Form, die ſeiner Beſtimmung ge
mäß die einzig mögliche für den Gegenſtand war. Da
ſtörte kein überflüſſiger Henkel, an den Vaſen kein ledig=
lich
Dekorationszwecken dienender Schnörkel. Mutz arbei=
tete
, wie die Japaner von den älteſten Zeiten an mit der
Drehſcheibe, bei der die Formgebung durch Eindrücken
der Mitte und durch Emporziehen der Seiten des krei=
ſenden
Tonklumpens mit der Hand oder mit einem Stäb=
chen
geſchieht. So war es ihm immer möglich, jeden Ge=
genſtand
nach Geſchmack und Beſtimmung zu formen. Zur
Zweckmäßiakeit der Form geſellte ſich die Schönheit der
Glaſur. Mutz erreichte trotz der Glut des Brennofens
zarteſte Töne, über die es wie ein feiner, hauchiger Sei=
denglanz
lag und dann wieder Farbigkeiten von unerhör=
ter
Leuchtkraft. Auch hier ſpielte ſtets die Beſtimmung
des Gegenſtandes eine wichtige Rolle. So gab er einer
Waſchſchüſſel oder den kleinen Fingerſpülnäpfchen aus

begreiflichen Gründen niemals helle Töne. Kerzenleuch=
tern
und Tintennäpfen gab er ſtets Glaſuren, auf dener
überfließendes Stearin oder Tintenflecken ſich nie farben=
ſtörend
und unangenehm bemerkbar machen konnten. Man
hat Keramiken von Hermann Mutz, die heute im kunſtge=
werblichen
Handel geſuchte Dinge ſind, Stoff gewordene
Beſtimmung genannt. Sie ſind mehr, ſie ſind Schönheit
gewordene Zweckmäßigkeit. Und das iſt das Ziel allen
kunſtgewerblichen Fleißes.
C. K Zwei neue Opernhäuſer für New=York. Nach=
dem
die Manhattan=Oper, die Oskar Hammerſtein begrün=
dete
, ihre Pforten geſchloſſen hatte, beſaß New=York nur
noch die eine Metropolitan=Oper unter Leitung Catti= Ca=
ſazzas
. Dieſes Monopol hatte den großen Nachteil, daß
Tauſende von Freunden der Oper keine Gelegenheit mehr
hatten, gute Aufführungen zu hören, weil die Eintritts=
preiſe
ſehr hoch und weil außerdem die meiſten Plätze in
den Händen von Abonnenten waren. Nun ſoll, wie dem
Baulois aus New=York geſchrieben wird, die Metropoli=
tan
=Oper zugleich zwei Konkurrenten erhalten. Zunächſt
tritt Hammerſtein ſelbſt wieder auf den Plan, der ſeine
Londoner Oper verkauft hat; er hat allerdings vor 2 Jah=
ren
, als die Metropolitan=Oper die Manhattan=Oper über=
nahm
, die Verpflichtung übernommen, in den nächſten
10 Jahren keine neue Oper in New=York zu eröffnen aber
es heißt, daß er ſich durch dieſen Vertrag nicht mehr ge
bunden fühle, oder daß er auch bereit ſei, die vertragliche
Konventionalſtrafe zu zahlen. Außerdem hat der New=
Yorker City=Klub, der den Intereſſen des Publikums auf
allen Gebieten dienen will, den Beſchluß gefaßt, ſchon
von der nächſten Spielzeit ab eine Opernbühne zu eröff=
nen
, in der die Orcheſterſitze nur 2 Dollars koſten ſollen,
gegenüber den 6 Dollars, die man in der Metropolitan=
Oper dafür bezahlen muß. Der City=Klub hat ein Ka=
pital
von 300000 Dollars aufgebracht und das hübſche
Century=Theater gemietet, in dem vom nächſten Winter
ab 35 Wochen lang Opernaufführungen veranſtaltet wer=
den
ſollen.
C. K. Ein Kongreß für Reklame. In Baltimore ſind
gegenwärtig 5000 Vertreter des Inſeratengeſchäfts und
der amerikaniſchen Induſtrie zu einer imponierenden
Kundgebung verſammelt, die die Annonce als eine wirk=
liche
Macht in der Entwicklung der Welt zum Ausdrudk
bringen ſoll. Die Verſammlung, die ſich mit Stolz als
Repräſentantin der ganzen Nation fühlt, wurde von dem
Gouverneur des Staates Maryland feierlich begrüßt und
durch eine herzliche Botſchaft des Präſidenten Wilſon er=
öffnet
. Die erſte Rede, die Douglas Graves aus Boſton
hielt ging davon aus, daß Publizität das Lebenselement
des Handels darſtelle; bis vor wenigen Jahren ſei die

Reklame nur eine zufällige Macht geweſen, deren Be=
deutung
man inſtinktmäßig erkannte und deren Wirkung
man durch mehr oder minder glückliche Verſuche erſtrebte;
ein tieferes und klareres Verſtändnis der Methoden und
der Wichtigkeit der Reklame ſei erſt jetzt erreicht worden
und als ein bezeichnendes Reſultat ſei es aufzufaſſen, daß
das Inſeratenweſen von den amerikaniſchen Univerſitäten
als ein beſonderer Beruf anerkannt worden ſei, für den
auch eine beſondere Ausbildung gewährt werden müſſe.
Aus einem dilettantiſch geübten Handwerk ſei die Re=
klame
zu einer Kunſt geworden, die zu ihrer wahren Ent=
wicklung
des Künſtlers bedürfe. Die Aufgabe des Kon=
greſſes
für Reklame ſoll nun darin beſtehen, jedes unfaire
und betrügeriſche Annonceweſen auszuſchalten und zu
dieſem Zwecke einen Gerichtshof einzuſetzen, der über alle
amerikaniſchen Reklameangelegenheiten ein endgültiges
Urteil zu fällen habe. Zahlreiche Adreſſen von Zeitungen,
Zeitſchriften und großen Induſtrieunternehmungen wur=
den
verleſen. Am Abend verſinnbildlichte ein impoſan=
ter
Aufzug, der von den Inſeratenklubs Amerikas ver=
anſtaltet
war, die Macht und Größe der amerikaniſchen
Reklame. An der Spitze marſchierten der Gouverneur von
Maryland und der Bürgermeiſter von Baltimore; dann
folgten Abordnungen von jedem Staate der Union und
Kanadas. 50 reichgeſchmückte Wagen verkörperten die
größten Reklameinduſtrien; ein großer Wagen wurde von
20 Maultieren gezogen. Das Feſtgefährt, das San Fran=
zisko
ſandte, war mit gewaltigen Mengen von Früchten
und Blumen beladen; die weſtlichen Staaten waren durch
maleriſche Gruppen von Cowboys und Cowgirls vertre=
ten
. Eine Firma, die mit türkiſchen Teppichen handelt,
bot der gewaltigen Zuſchauermenge den offenen Einblick
in eine ſonſt dem Abendländer ängſtlich verſchloſſene
Sphäre: ihr Wagen ſtellte das Innere eines Harems dar.
Auf den ſchwellenden Diwanen dehnten ſich ſchöne Oda=
lisken
, und mit der verſchwenderiſchen Zurſchauſtellung
ſeiner Waren hatte das Geſchäft nicht geſpart. Wolken=
kratzer
und Fabrikanlagen en miniature mit erleuchteten
Fenſtern wurden dahergetragen; elektriſche Lichtreklamen
flammten zu Hunderten in dem Zuge auf und miſchten
ihr grelles Licht mit dem bunten Schein des bengaliſchen
Feuerwerkes, das abgebrannt wurde. Sogar die Suffra=
getten
fehlten nicht; ſie hatten mehrere von Schimmeln ge=
zogene
Wagen geſtellt, in denen hübſche Mädchen ihre
Fähnchen ſchwangen. Große Firmen ließen ihre Waren
gratis unter die Menge verteilen, und ſo wälzte ſich der
Zug in einem Chaos von Lärm, Farbenbuntheit und
Luſtigkeit durch die Straßen: der Triumph der Reklame
war zu einem großartigen Volksfeſt geworden.

[ ][  ][ ]

Wien, 11. Juni. Bürgermeiſter Weiskirchner erſchien
heute vormittag mit dem Präſidium des Gemeinderats
bei dem deutſchen Botſchafter in Audienz, um die Glück=
wünſche
der Stadt Wien auszudrücken. Er bat den Bot=
ſchafter
, die ehrerbietigſten, herzlichſten und innigſten
Glück= und Segenswünſche der Gemeinde Wien anläß=
lich
des glorreichen Regierungsjubiläums
des erhabenen Monarchen an die Stufen des Thrones ge=
langen
zu laſſen. Der Gemeinderat gedenke in tiefer
Dankbarkeit des unvergeßlichen Tages, an welchem Kai=
ſer
Wilhelm II. im Feſtſaale des Wiener Bürgerhauſes
zu den Wienern ſprach, er gedenke des ein Vierteljahr=
hundert
dauernden Bündniſſes der beiden Staaten und
des innigen Freundſchaftsverhältniſſes beider Monarchen.
Der Bürgermeiſter ſchloß: Gott ſchütze und ſchirme den er=
lauchten
Verbündeten unſeres Kaiſers, den deutſchen Kai=
ſer
Wilhelm! Der Botſchafter dankte und verſprach, die
Glückwünſche dem Kaiſer zu unterbreiten. Er fügte hinzu,
daß Kaiſer Wilhelm wiederholt ihm gegenüber ſeiner
Freude über den Beſuch im Wiener Rathauſe Ausdruck
gegeben habe, und daß unter den vielen Gratulationen,
welche in dieſen Tagen im Berliner Königsſchloſſe ein=
träfen
, die herzlichen Glückwünſche der Stadt Wien zu den
angenehmſten zählten. Sodann ſprach der Botſchafter mit
ſämtlichen Herren der Deputation und beſprach u. a. den
Beſuch des Grafen Zeppelin.
Lemberg, 12. Juni. In der hieſigen Lehrerbildungs=
anſtalt
gab heute während des Unterrichts ein 18jähriger
Ruthene vier Revolverſchüſſe auf den Profeſſor
der polniſchen Sprache, Gutkowski, ab und tötete ihn.
Als Grund zu der Tat gab er ſchlechte Behandlung ſeitens
des Profeſſors an.
Paris, 12. Juni. Hier iſt der Buchhalter einer gro=
ßen
Firma in Laon, ein Deutſcher namens Albert Dag=
bert
der lange Zeit in einer Frankfurter Firma tätig
war, nach Unterſchlagung von 700000 Franken
flüchtig geworden. Gegen den Defraudanten iſt ein
Steckbrief erlaſſen.
Paris, 12. Juni. In Baſſonville bei Chartres wurde
in der vergangenen Nacht das greiſe Ehepaar Gouin
ermordet. Die Mörder, ein 15jähriger und ein 30 Burſche, die vor kurzem aus einer Beſſerungs=
anſtalt
entwichen waren, wurden verhaftet.
Liſſabon, 12. Juni. Während einer zum Beſten der
politiſchen Gefangenen veranſtalteten Theatervor=
ſtellung
, an der auch mehrere Mitglieder des diploma=
tiſchen
Korps teilnahmen, kam es geſtern abend zu einigen
Zwiſchenfällen, bei denen Revolverſchüſſe abge=
feuert
wurden. Daraufhin wurde das Theater von Trup=
pen
umzingelt.
Madrid, 12. Juni. Das Kanonenboot Ge=
neral
Conchas ſtrandete geſtern bei Alhucmas
(Spaniſch=Marokko). Die Beſatzung und die Geſchütze
konnten gerettet werden. Das Schiff gilt als verloren.
London, 12. Juni. Am vergangenen Samstag fuhr
der Schweizer Börſenmakler Charles Engelbert in
einem Automobil in den Megdayfluß und ertrank.
Geſtern mittag iſt nun die Firma Engelbert und Schlöſſer
bankerott erklärt worden. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß
beide Ereigniſſe zuſammenhängen.
New=York, 12. Juni. Der Liniendampfer Olym=
pic
der heute hier eingetroffen iſt, berichtet, daß er
Sonntag früh einen Rieſeneisberg geſichtet habe,
der 120 Fuß über die Waſſerfläche herausragte. Die
Stelle war mehrere hundert Meilen von dem Punkt ent=
fernt
, wo im vorigen Jahre die Titanic untergegan=
gen
iſt.
Tokio, 11. Juni. Die amerikaniſche Jacht Colum=
bia
die ausbeſſerungshalber Wakayama anlief, wurde
unter der Begründung beſchlagnahmt, daß Waka=
yama
kein offener Hafen ſei.

Parlamentariſches.

Darmſtadt, 12. Juni. (Offizieller Bericht.
Geſtern fand unter dem Vorſitz des Staatsminiſters Dr.
v. Ewald eine Sitzung der Kommiſſion zur Be=
ratung
über die Vereinfachung der Staats=
verwaltung
ſtatt. Zunächſt wurde über den Antrag
der Abgg. Bähr und Gen. (Deuckſache Zweiter Kammer
Nr. 249), Erſparniſſe im Staatsminiſterium betreffend,
verhandelt. Staatsminiſter Dr. v. Ewald erörterte an
Hand einer hierüber vorgelegten Denkſchrift die nach der
Verordnung vom 15. März 1879 dem Staatsminiſterium,
d. i. den drei Miniſterien gemeinſam (§ 4 der Verord=
nung
) und die dem Staatsminiſter perſönlich (§ 5 der
Verordnung) übertragenen Dienſtobliegenheiten, die ein
ſelbſtändiges Arbeitsbureau erfordern. Er wies darauf
hin, daß ſelbſt, wenn ſachlich eine Angliederung des Staats=
miniſteriums
an ein Reſſortminiſterium ſich rechtfertigen
ließe, dieſe an den räumlichen Verhältniſſen ſcheitern müſſe,
weil keines der Reſſortminiſterien in der Lage ſei, die Ge=
ſchäftsräume
für das Perſonal und die umfangreiche, für
den Dienſtbetrieb unentbehrliche Regiſtratur des Staats=
miniſteriums
zur Verfügung zu ſtellen. Hiernach könne
nur eine Verminderung des Perſonals in Frage kommen.
Dieſe ſei trotz der ſteigenden Arbeitslaſt des Staatsmini=
ſteriums
(1912: 10730 Einläufe gegen 5493 im Jahre 1897)
bereits erfolgt, indem die durch Penſionierung des ſeit=
herigen
Inhabers freigewordene Stelle eines Miniſterial=
rats
im Staatsminiſterium in die Stelle eines vortragen=
den
Rats umgewandelt worden und die ſeitherige ſtän=
dige
Aushilfe durch einen akademiſch gebildeten Beamten
im Sekretariat weggefallen ſei. Hierdurch werde eine Er=
parnis
von 7984 Mark jährlich erzielt. Die getroffenen
Maßnahmen wurden von der Vereinfachungskommiſſion
gutgeheißen
Hierauf wurde in die Erörterung der Organiſa=
tion
der Lokalbaubehördenn eingetreten, wozu
von ſeiten der Großh. Miniſterien des Innern und der
Finanzen eine umfangreiche Denkſchrift vorgelegt worden
war. Sie wurde mündlich von dem Miniſter des Innern
von Hombergk zu Vach und Miniſterialrat Dr. Kratz er=
läutert
. Hiernach wird von der Regierung zur Vereinfach=
ung
des Geſchäftsganges und zur Erzielung von Erſpar=
niſſen
, ſowie mit Rückſicht auf die notwendige Trennung
des Hochbau= und Ingenieurbaufachs folgende Neuord=
nung
vorgeſchlagen: 1. Für jeden Kreis ein Hochbau=
amt
, für je 13 Kreiſe ein Tiefbauamt zu errichten; 2. den
18 Hochbauämtern das geſamte ſtaatliche Hochbauweſen,
die Ausführung des Denkmalſchutzgeſetzes und auf An=
trag
der Beteiligten die mit Uebernahme des Hochbau=
weſens
der Provinzen, Kreiſe, Gemeinden, Kirchen und
Stiftungen verbundenen techniſchen Geſchäfte zu übertra=
gen
; 3. den 10 Tiefbauämtern unbeſchadet der Zuſtän
digkeit der Waſſerbauämter und des Tiefbauamts Bad=
Nauheim zu übertragen: das geſamtliche ſtaatliche In
genieurbauweſen, das landwirtſchaftliche Meliorations=
weſen
und auf Antrag der Beteiligten die mit dem In=
genieurbauweſen
der Provinzen. Kreiſe, Gemeinden und
Stiftungen verbundenen techniſchen Geſchäfte; 4. die Vor=
ſtände
der Hoch= und Tiefbauämter ſind als Kreisbau=
beamte
zugleich obere Baubeamte der Kreisverwaltung
und ſomit techniſche Beiräte des Kreistags, Kreisaus=

ſchuſſes und Kreisrats; 5. die ſämtlichen mittleren Bau=
beamten
werden Staatsbeamte unter dem Vorbehalt ent=
prechender
Heranziehung der Kreiſe zu den Koſten des
mittleren Perſonals und werden den Hoch= und Tiefbau=
ämtern
je nach ihrer Ausbildung zugeteilt.
Ein Mitglied der Erſten Kammer trug ein Expoſé
vor, deſſen Anträge im weſentlichen dahin gehen: a) Ver=
minderung
der akademiſchen Beamtenſtellen auf 24 gegen
40 der bisherigen Organiſation bezw 35 der Denkſchrift,
b) Koordination der Hoch= und Tiefbauämter gegenüber
den Kreisämtern unter der Empfehlung zu erwägen, ob
und in welchem Umfange die Baupolizei auf die Bau=
ämter
übertragen werden kann, e) Schaffung einer Zen=
tralbaubehörde
für das geſamte Bauweſen des Großher=
zogtums
im Miniſterium des Innern. Die übrigen Mit=
glieder
der Kommiſſion, die zum Gegenſtand das Wort
ergriffen, erkannten die Notwendigkeit einer Neuorgani=
ſation
des Bauweſens an und empfahlen übereinſtimmend
eine ſolche nach dem Prinzip der Fächertrennung unter
möglichſter Selbſtändigkeit der Bauämter, wobei allerdings
auch Bedenken gegen die Uebertragung der Baupolizei
an die Bauämter ausgeſprochen wurden. Das vorerwähnte
Expoſé ſoll vervielfältigt und mit der Aeußerung der Re=
gierung
hierzu in der nächſten Sitzung der Vereinfach=
ungskommiſſion
beraten werden.

Die Kelſterbacher Schiffsdieb=
ſtähle
vor der Strafkammer.

g. Der Angeklagte Fruchthändler Rudolf Kiritz
von Raunheim gibt an, daß er von einem Unbekannten
darauf aufmerkſam gemacht worden ſei, daß er von Menz
Futterartikel beziehen könne. Wieviel er von Menz be=
kommen
habe, wiſſe er nicht mehr. Es ſei wohl zwei=
oder
dreimal geweſen, daß er Frucht von Menz erhalten
habe. Möglich ſei es wohl, daß ihn der Zeuge Neeb ein
mal geſehen habe, als er von Menz Getreide geholt habe,
doch beſtreite er, daß dies in der Nacht war, und daß er
Seitenwege gefahren ſei. Wenn er das in der Unter=
ſuchung
geſagt haben ſolle, dann müſſe er ſich verhört
haben. Es ſei möglich, daß er dem Fellhändler Ehrhardt
geſagt habe, er könne allwöchentlich Kalbfelle bekommen,
und daß ihm Ehrhardt geſagt habe, er ſolle die Finger
davon laſſen. Der Angeklagte Jakob Kiritz, der Onkel
des Rudolf Kiritz, gibt an, daß er vier= oder fünfmal
Fuhren Getreide für Kiritz von Menz geholt habe. Der
Friſeur Ludwig Ferdinand Treutel II. hat ebenfalls
in vier oder fünf Fällen Weizen von Menz bezogen. für
den er 10 Mark pro Zentner bezahlt habe. Der Ange=
klagte
Ludw. Pons beſtritt auf Vorhalt, daß er vor dem
Unterſuchungsrichter ſein Vermögen auf 100000 Mark
angegeben habe. Amtsrichter Würth in Offenbach
hat die Vorunterſuchung geführt. Menz habe immer mit
ſeinen Ausſagen hinter dem Berge gehalten. Er habe
immer darauf gelauert, was ihm vorgehalten werden
ſollte. Von ſelbſt habe er auch nicht einen Fall ange=
geben
. Auch Heiſack habe mit allem zurückgehalten.
Zeuge Schachtmeiſter Neeb von Buchſchlag hat den
Jakob Kiritz im Februar 1910 nach 11 oder 12 Uhr nachts
auf einem Seitenweg mit einer Fuhre Weizen geſehen.
Da ihm die Sache verdächtig war, habe er einem Sack
eine Hand voll Frucht entnommen. Da habe er dann ge=
ſehen
, daß es Weizen war. Zeuge hat darauf zu ſeiner
Frau geſagt, da könne man ſehen, wie die Spitzbuben
reich werden. In ſeiner Wirtſchaft hätten ſich auch ein=
mal
Schiffer dahin ausgeſprochen, da es bei der Kelſter=
bacher
Schleuſe nicht ſauber ſei. Da gingen Sachen vor.
Zeuge Unterſuchungsrichter Schmidt bekundete, daß
Menz zugegeben habe, Pons habe von ihm von 1905 bis
1911 Frucht bezogen. Bei Pons ſei ihm aufgefallen, daß
er niemals etwas direkt beſtritten habe, ſondern immer
geſagt habe, er könne es nicht ſagen. Pons ſei ein ſehr
verſchloſſener Charakter. Bei der Konfrontation mit dem
Zeugen Reis äußerte Menz, Reis ſolle nur auch die
Wahrheit ſagen, er habe es auch geſagt. Man ſitze nun
halt drin, daran ſei nichts mehr zu machen. Auffallend
ſei auch, daß Menz trotz wiederholtem Nahelegen nicht
einen einzigen Fall angeben konnte, wo er Ware ehr=
lich
erworben habe. Immer nur habe er geſagt, die Sa=
chen
ſeien von Schiffern gekauft, deren Namen wiſſe er
nicht. Im September 1911, ſo bekundet der Zeuge
Rein hat er mit Treutel, abends zwiſchen 9 und ½10
Uhr, einen Sack Weizen mit einem Wagen bei Menz ge=
holt
. Treutel gab an, ſie wollten Sand holen. Dem
Zeugen Fabrikarbeiter Jeſtadt aus Kelſterbach hat
Treutel im Sommer 1912 einen Sack Weizen zu 11 Pfg.
das Pfund angeboten. Der Preis ſei ihm auffallend bil=
lig
vorgekommen.
Zeuge Taglöhner Deichmüller
war 1911 und 1912 bei Rudolf Kiritz beſchäftigt und hat
mit Jakob Kiritz einmal neun Sack Frucht im Gewicht von
mindeſtens 15 Zentnern abends bei Dunkelwerden bei
Menz abgeholt. Zeuge hat die Säcke mit abgewogen und
aufgeladen. Zeuge Fellhändler Ehrhardt von Groß=
Gerau gibt an, daß im Jahre 1912 Rudolf Kiritz ihm die
wöchentliche oder periodiſche Lieferung von Kalbfellen
angeboten habe. Als er nach der Herkunft fragte, habe
Kiritz ausweichende Antworten gegeben. Da dem Zeugen
die Sache verdächtig vorkam, habe er den Kauf abge=
lehnt
und den Kiritz davor gewarnt, er ſollte die Finger
davon laſſen, wenn die Sache nicht ehrlich ſei. Kiritz habe
ſpäter ihn gebeten, von dem Geſpräch ſeiner Mutter nichts
zu ſagen.
In ſeinem anderthalbſtündigen Plädoyer am
Nachmittag verwies der Staatsanwalt Dr. Callmann auf
das gefährliche Treiben an der Mainſpitze, das die Frank=
furter
Geſchäftsleute ſo oft über Verluſte an Schiffsladun=
gen
klagen ließ, ohne daß ſie hinter den eigentlichen Grund
jener Beſuch des
kommen konnten. Ein Zufall
Schiffes Druſus hat dann das Diebes= und Hehler=
treiben
bei Kelſterbach aufgedeckt. Allerdings hat die
Unterſuchung nicht vollſtändig in alle Winkel hineinleuch=
ten
können. Fraglos ſſeien noch viele an dem reichlichen
Tiſche, der dort gedeckt war. geſeſſen, die leider im Ver=
borgenen
geblieben ſind. Bei dem Diebſtahl auf dem
Druſus handelte es ſich nicht um Verſuch, ſondern um
eine vollendete Tat,, denn der Weizen war ja teilweiſe
chon im Kahne des Menz. Mildernde Umſtände ſeien
nur für Eckert in Betracht zu ziehen in Rückſicht auf ſeine
Geiſtesverfaſſung. Popioleck erſcheine nur als Gehilfe bei
dem Diebſtahl. Was die Hehlerei anlangt, ſo ſind die
Beweiſe bezüglich einer Beihilfe des Popioleck nicht aus=
reichend
Das gleiche gilt hinſichtlich der Anklage des
Treutel wegen Hehlerei. In dieſen Punkten beantrage er
ſelbſt Freiſprechung. Dagegen ſind ſowohl Menz wie
Heiſack, Pons, Rudolf Kiritz der gewohnheitsmäßigen
und aus Eigennutz betriebenen Hehlerei als überführt
zu erachten. Trotz ſeiner ausgedehnten Bekanntſchaft in
Schifferkreiſen vermochte Menz auch nicht einen Schiffer
anzugeben, von dem er die Waren rechtmäßig erworben
hätte. Dazu komme die Art der Waren, die Quantitäten,
wie auch die Beſchaffenheit des Weizens, die widerlegen,
daß es ſich um Kehrgut gehandelt haben könne. Höchſt
verdächtia iſt weiter die Art des Transports; ferner, daß
ſich der Metzger Heiſack mit Fruchtverkauf und der Frucht=
händler
Kiritz mit dem Verkauf von Fellen befaßten.

Gegen Menz, die Seele des ganzen Treibens, bean=
tragte
der Staatsanwalt wegen ſchweren Diebſtahls
2½ Jahre und wegen gewerbsmäßiger Hehlerei 1 Jahr
Zuchthaus, insgeſamt 3 Jahre Zuchthaus und Ehr=
verluſt
auf die gleiche Dauer gegen Eckert wegen ſchwe=
ren
Diebſtahls unter Zubilligung mildernder Umſtände
9 Monate Gefängnis bei teilweiſer Anrechnung
der Unterſuchungshaft; gegen Ritter wegen ſchweren
Diebſtahls 1 Jahr Zuchthaus; ferner gegen Pons
Heiſack und Rudolf Kiritz ſämtlich wegen ge=
werbsmäßiger
Hehlerei je 1 Jahr Zuchthaus gegen
Popioleck wegen Beihilſe bei ſchwerem Diebſtahl
9 Monate Gefängnis, wegen Hehlerei Frei
ſprechung; gegen Jakob Kiritz wegen Beihilfe zur ge
werbsmäßigen Hehlerei 3 Monate Zuchthaus oder
4½ Monate Gefängnis und gegen den Friſeur Treu=
tel
Freiſprechung.
Rechtsanwalt Schwörer=Mainz bat um möglichſte
Milde für ſeinen Klienten Eckert. Rechtsanwalt Sar=
torius
=Darmſtadt plädierte für Ritter in erſter Linie
auf Freiſprechung. Wenn ſich Ritter ſchuldig gemacht
habe, dann könne nur Unterſchlagung in Frage kommen
Jedenfalls ſollte ihm die Unterſuchungshaft voll ange
rechnet werden, wenn das Gericht zu einer Verurteilung
gelange, die auch erheblich milder ausfallen müßte, wie
der Antrag des Staatsanwalts.
Am Freitag werden
die Plädoyers fortgeſetzt.

Stadtverordnetenverſammlung.

5. Sitzung.
g. Darmſtadt, 12. Junt.
Der Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnet die
Sitzung um 4¼ Uhr und entſchuldigt zunächſt die Ver=
zögerung
der Sitzung, da ſich eine geheime Sitzung als
nötig erwieſen habe, die ſich leider ſo in die Länge ge=
zogen
habe. Stadtv. Saeng rügt ganz energiſch
dieſe Verzögerung, die nur dadurch verſchuldet ſei, daß
die geheime Sitzung auf ½4 Uhr anberaumt war, und
bittet, daß dies in Zukunft unterbleibt. Im ſelben
Sinne ſpricht ſich Stadtv. Dr. Kolb aus. Oberbür=
germeiſter
Dr. Gläſſing ſagt zu, daß in Zukunft keine
Sitzung mehr vor der Stadtverordnetenverſammlung an=
beraumt
werden ſolle.
Er macht ſodann folgende
Mitteilungen:
Der Vorſtand des Großh. Polizeiamts hat namens
des Vorſtandes der Unterſtützungskaſſe der
Schutzmannſchaft für die Erhöhung des ſtädtiſchen
Beitrages zu dieſer Kaſſe gedankt.
Der Bezirksverein Nordoſt bittet, die von der Die=
burger
Straße nach dem Nicolaiweg führende Verlänger=
ung
der Lichtenbergſtraße mit einem Stufenaufgang zu
verſehen und in der Gutenbergſtraße einen ſtörenden
Bretterzaun zu verſetzen.
Stadtv. Linck fragt an, ob bereits mit der Heag ver=
handelt
worden ſei wegen ſeiner Anfrage über den
7½=Minutenverkehr nach der Ohlyſtraße. Der Ober=
bürgermeiſter
betont, daß jetzt mit der Heag wegen der
Ausbreitung des Leitungsnetzes ſo viel Beſprechungen
ſeien, daß es ihm bis jetzt noch nicht möglich war, die
Frage zu erörtern. Er ladet den Stadtv. Linck zu einer
Sitzung auf morgen vormittag wegen dieſer Frage ein
Sodann wird in die Tagesordung eingetreten.
Das Querprofil der Pallaswieſenſtraße.
Es iſt nötig, das Querprofil der Pallaswieſenſtraße
von der Gräfenhäuſer Straße bis zur Einmündung in
die Weiterſtädter Straße feſtzuſetzen, da eine Bebauung
des Windmühlengeländes in Ausſicht ſteht. Da die
Pallaswieſenſtraße eine Hauptzufuhrſtraße iſt, wird eine
Straßenbreite von 18 Metern vorgeſchlagen, wovon 10
Meter auf die Fahrbahn, 2,50 Meter auf den ſüdlichen
und 5,50 Meter auf den nördlichen Fußſteig entfallen. Die
Tiefbau=Deputation ſtellt demgemäß Antrag. Die Ver=
ſammlung
ſtimmt nach dem Referat des Stadtv. Sames
dem Antrag zu.
Hausentwäſſerung.
Für einen Neubau nächſt der Nieder=Ramſtädter
Straße außerhalb des Bebauungsplanes wird um die
Erlaubnis zur Entwäſſerung mittels Grubenanlage nach=
geſucht
. Das Geſuch wird unter den üblichen Beding=
ungen
zur Genehmigung empfohlen. Referent: Stadtv.
Wittmann. Das Geſuch wird genehmigt.
Neue Räume für das chemiſche
Unterſuchungsamt.
Die Neuorganiſation der Großh. Eichbehörden erfor=
dert
, daß der hieſigen Eichungsinſpektion weitere Dienſt=
räume
zur Verfügung geſtellt werden. Dies iſt nur da=
durch
möglich, daß das chemiſche Unterſuchungsamt, das
bisher mit der Eichungsinſpektion in die verfügbaren
Räume des ſtädtiſchen Gebäudes Woogsſtraße Nr. 4 ſich
geteilt hat, aus dem Hauſe verlegt und anderweit unter=
gebracht
wird. Im Einvernehmen mit dem Leiter des
chemiſchen Unterſuchungsamts ſollen in dem ſtädtiſcher
Gebäude Lagerhausſtraße Nr. 15 neue Dienſträume für
das Unterſuchungsamt geſchaffen werden, was einen
Koſtenaufwand von 4500 Mark erfordert. Die zuſtändigen
Ausſchüſſe haben die Bewilligung dieſes Betrages bean=
tragt
und die Feſtſetzung der von dem Unterſuchungsamt
zu zahlenden Jahresmiete auf 670 Mark befürwortet.
Es referiert Stadtv. Sames. Stadtv. Dr. Noell=
ner
bemerkt, daß er gegen die Verlegung ſtimme, da man
erſt vor wenigen Jahren jene Räume hergeſtellt habe.
Stadtv. Saeng ſpricht ſich ebenfalls dagegen aus, da
man eine Inſtitution, die man in der Stadt brauche,
nicht hinauslegen ſolle. Für die Vorlage treten ein
die Stadtvv. Dr. Bender und Sames. Der Ober=
bürgermeiſter
ſtimmte auch den Ausführungen der erſten
Redner bei, doch müſſe man bedenken, daß die Stadt ſich
in einer Zwangslage befinde. Die Verlegung wird be=
ſchloſſen
.
Baudispensgeſuch.
An der Eſchollbrücker Straße weſtlich der Main=
Neckar=Bahn ſoll eine neue Trainkaſerne errichtet wer=
den
, wozu die Geſtattung einer Ausnahme von der Be=
ſtimmung
in § 5 des Ortsbauſtatuts erforderlich iſt, de
das Gelände außerhalb des Bebauungsplanes liegt. Der
Hochbau=Ausſchuß befürwortet die nachgeſuchte Befreiung
unter der Bedingung, daß die angegebenen Fluchtlinien
in der Eſchollbrücker Straße eingehalten werden und der
Feldweg entlang der Main=Neckar=Bahn auf 12. Meter
verbreitert wird. Die Verſammlung ſtimmt der Befrei=
ung
nach dem Referat des Stadtv. Sames zu.
Verhandlungen zwiſchen dem Kriegsminiſterium und der
Stadt Darmſtadt betr. Garniſonsvermehrung.
Hierüber referiert der Herr Oberbürgermeiſter: Die
neue Wehrvorlage bringt in dem Ergänzungsetat große
Forderungen für das Luſtſchiffahrts= und Flugweſen und
erwähnt u. a. unter gewiſſen Vorausſetzungen auch Darm=
ſtadt
als Station für die Luftſchiffahrt. Bereits am 10.

[ ][  ][ ]

Februar war mitgeteilt, daß die Stadt unter gewiſſen
Bedingungen als Standort für eine Luftſchifferkompagnie
in Frage kommen könne. Es wurde verlangt: die un=
entgeltliche
Ueberlaſſung von Grund und Boden, der Ver=
zicht
auf Anliegerbeiträge, die Stellung eines Flugplatzes,
auch die Uebernahme der Bauten durch die Stadt und
Vermieten an die Militärverwaltung unter Zuſicherung
des Ankaufsrechtes zum Buchwert und der unentgeltlichen
Uebereignung an den Reichsſiskus nach erfolgter Amorti=
ſation
. Nunmehr iſt ſeitens der Reichsverwaltung ge=
plant
, den Weiterſtädter Exerzierplatz als
Militärluftſchiffhafen auszugeſtalten und
eine Luftſchiffer=, ſowie eine Funker=Kompagnie nach
Darmſtadt zu verlegen. Die mit der Militärverwaltung
neu geführten Verhandlungen hatten zunächſt die Auf=
gabe
, feſtzuſtellen, mit welchen Anforderungen die Stad:
zu rechnen haben wird. Da von vornherein ſicher ſtand
daß der Reichstag Anforderungen an die Stadtverwalt=
ung
ſtellen wird, mußte zunächſt der Umfang dieſer An=
forderungen
feſtgeſtellt ſein, bevor die Stadt in der Lage
war, eine entgegenkommende Erklärung abzugeben. Die
Stadtverwaltung hat in den Verhandlungen das Ziel ver=
folgt
, die Berückſichtigung unſerer lokalen Intereſſen zu=
nächſt
durchzuſetzen. Dies iſt der Stadtverwaltung, wie
die nunmehr folgende Einzeldarſtellung zeigen möge, auch
gelungen. Wie aus den eingehend geführten Vorverhand=
lungen
und aus dem Inhalt der Akten erſichtlich iſt, wurde
definitiv abgelehnt, den Weiterſtädter Exerzierplatz als
Kaſernenſtandort anzunehmen. Es wurde auch abgelehnt,
weitere Leiſtungen hinſichtlich der Geländeſtellung auf
die Stadt zu übernehmen. Die Verwaltung hat vielmehr
verlangt, daß die Kaſernenbauten auf Darmſtädter Gebiet
errichtet werden müßten. Die Militärverwaltung hat
hierauf wiederholt an Ort und Stelle zunächſt zwei Plätze
in der Nähe der Fabrikanlagen der Firma Merck und der
Kreisanſtalt für die Vernichtung von Tierkadavern unter=
ſucht
. Die Stadtverwaltung hat auch dieſe Plätze nicht
befürwortet und ſchließlich den Erfolg erreicht, daß das
Kriegsminiſterium ſich mit neueren Vorſchlägen der Stadt=
verwaltung
einverſtanden erklärt hat.
Dieſe neueren Vorſchläge der Stadtverwaltung gehen
dahin, daß als Standort für die beiden Kaſernenbauter
und ihre techniſchen Anlagen das Waldgelände unmittel=
bar
hinter den Werkſtätten der Eiſenbahnverwaltung ge=
wählt
wird. Die Kaſernen liegen nicht, wie urſprünglich
projektiert, bei Weiterſtadt, ſondern in der Nähe des
neuen Hauptbahnhofes der Stadt. Die Entfernung nach
dem neuen Kriegsluftſchiffhafen iſt nicht ſehr groß; ſie
beträgt für eine raſch marſchierende Truppe nur etwa
15 Minuten. Dasſelbe gilt für die Wahl des Standortes
der Kaſerne der Funker=Kompagnie und ihrer techniſchen
Einrichtungen. Den wirtſchaftlichen Wert der neuen mili=
täriſchen
Anlagen veranſchlagt die ſtädtiſche Verwaltung
keineswegs gering. Immerhin ſind die Neuanlagen, um
die der Herr Bürgermeiſter in Berlin und durch ſchrift=
liche
Vorſtellungen ausdrücklich gebeten hat, von ſolcher
Bedeutung, daß in ihnen eine wirtſchaftliche Förderung
der Stadt Darmſtadt erblickt werden kann. Die Er=
bauung
von Luftſchiffhallen auf dem Weiterſtädter Exer=
zierplatz
, das große techniſche Material, das derartige
Anlagen auch in ihrem Betriebe beanſpruchen, die Er=
Uchtung zweier Kaſernen und ihrer techniſchen Zubehör=
anlagen
im Bauwerte von 2 207000 Mark, der Verbrauch
von Waſſer, Gas und elektriſchem Licht, der Gleisanſchluß,
die Möglichkeit, für die neu hierher berufenen Offiziere
Wohnungen zu vermieten, der durch die Luftſchiffahrt
geſteigerte Verkehr, die Einnahmen des Hotelgewerbes,
welche geſteigert werden durch die fortgeſetzt zur Ausbild=
ung
kommandierten Offiziere und Mannſchaften, ſind
wirtſchaftliche Faktoren, welche die ſtädtiſche Verwaltung
nicht gering veranſchlagen darf. In der Zuſchrift der
Königlichen Intendantur vom 24. Mai I. J. wird die
Mindeſtſumme, welche durch die jetzige Garniſon jährlich
nach Darmſtadt fließt, auf ſechs Millionen Mark veran=
ſchlagt
.
Hinſichtlich der Hauptforderung, daß das für die Ka=
ſernenbauten
in Betracht kommende Gelände un=

entgeltlich hergegeben wird hält die Stadt, wenn
auch bis jetzt aus Gründen der Vorſicht begreiflicherweiſe
eine Erklärung nicht abgegeben werden konnte, ein Ent=
gegenkommen
für möglich. Nachdem die weitergehenden
Anſprüche auf Uebernahme des Kredits und der unent=
geltlichen
Stellung aller für die Zwecke der militäriſchen
Luftſchiffahrt in Betracht kommenden Landgebiete abge=
lehnt
waren, hat ſich die Militärverwaltung darauf be=
ſchränkt
, ein Gebiet von 3,5 Hektar zu verlangen. Sie
beanſprucht ferner die Freiheit von Anliegerbeiträgen und
die Befeſtigung der Wixhäuſer Hausſchneiſe von den Ka=
ſernenbauplätzen
bis zur Weiterſtädter Straße. Iſt das
Opfer auch hoch, das die Stadtverwaltung im vorliegen=
den
Falle zu bringen hat, ſo iſt doch zweifellos der wirt=
ſchaftliche
Wert der neuen Unternehmung nicht gering zu
veranſchlagen. Die Militärverwaltung weiſt darauf hin,
daß alle Städte im Bereiche des 18. Armeekorps, darunter
auch Mainz, Offenbach und Gießen, die unentgeltliche
Hergabe erforderlichenfalls auch der Exerzier= und Schieß=
plätze
in Ausſicht geſtellt haben, im Falle die Städte eine
vermehrte Garniſon erhalten ſollten.
Der Oberbürgermeiſter ſtellt folgenden Antrag:
1. Verehrliche Stadtverordnetenverſammlung wolle
ſich mit der unentgeltlichen Hergabe der gewählten Bau=
plätze
einverſtanden erklären unter folgenden Voraus=
ſetzungen
: a) Die Garniſonverwaltung ſichert der Stadt
zu, daß bei der Vergebung der Arbeiten bei allen in Be=
tracht
kommenden Bauten, alſo der Luftſchiffhal=
len
und allen Zubehöranlagen auf dem
Weiterſtädter Exerzierplatz, der Kaſ ernen=
bauten
für die Luftſchiffer= und Funker=
Kompagnie, ſowie ihrer techniſchen An=
lagen
auf den einheimiſchen Gewerbeſtand
Rückſicht genommen wird. b) Das Reich nimmt
Abſtand von der erhobenen Forderung, daß die Freiheit
von allen in Betracht kommenden Anliegerbeiträgen ge=
währt
wird. Das Reich unterwirft ſich vielmehr in dieſer
Beziehung allen in Betracht kommenden Ortsgeſetzen
bezw. Grundſätzen der Stadtverwaltung. Die Wixhäuſer
Hausſchneiſe wird chauſſiert, alle erforderlichen Trottoir=
anlagen
werden hergeſtellt, desgleichen der gewünſchte
Fußweg nach dem Weiterſtädter Exerzierplatz. Die Koſten
dieſer Anlagen trägt das Reich; die Stadt übernimmt die
Unterhaltung der Weganlagen nach der Herſtellung. Sollte
ſpäter an der Wixhäuſer Hausſchneiſe gebaut werden, ſo
oll, im Falle Anliegerbeiträge demnächſt eingehen, das
Reich eine entſprechende Entlaſtung durch Rückgabe des
Anteils der Herſtellungskoſten erfahren. e) Die Militär=
verwaltung
wird das erforderliche Gas, Waſſer und die
elektriſche Kraft von der Stadt bezw. der Heag beziehen.
2. Die Stadtverordnetenverſammlung ermächtigt den
Oberbürgermeiſter zur vorlagsweiſen Verwendung der
für die Weganlagen erforderlichen Mittel, die, vorbehält=
lich
der Aufſtellung eines detaillierten Voranſchlages und
deſſen Genehmigung, zurzeit auf 15300 6800 1700
Mark geſchätzt werden. Dieſe Koſten hat das Reich zu
erſetzen.
Auf Anfrage des Stadtv. Dr. Fulda teilt der Ober=
bürgermeiſter
mit, daß vom Ortsgericht der Wert des
Grund und Bodens auf 1 Mark pro Quadratmeter taxiert
wurde. Stadtv. Schupp betont, daß die Tätigkeit
des Oberbürgermeiſters voll und ganz anzuerkennen ſei.
Der verhältnismäßig kleine Waldbeſtand, der erfordert
werde, brauche nicht bedenklich zu machen und man könne
der Vorlage freudig zuſtimmen. Stadtv. Friedrich
findet den Nutzen, den das Militär bringt, zu übertrieben.
Man ſollte der Induſtrie dieſelben Begünſtigungen zuteil

werden laſſen, dann würde ſich Darmſtadt ſicher beſſer=
ſtehen
. Stadt. Dr. Noellner ſtimmt der Vorlage
insbeſondere deshalb zu, weil durch den Kaſernenbau
großer Vorteil für den Handwerkerſtand zu erwarten iſt.
Aber auch in der Zukunft werden beſonders die techniſchen
Stadtv.,
Truppen Geld nach Darmſtadt bringen.
Sames bemerkt, daß man durchaus nicht mit Pauken
und Trompeten der Vorlage zuſtimme. Die Stadt habe in
letzter Zeit viele Opfer gebracht, um Induſtrie in der
Stadt zu halten. Techniſche Truppen bringen mehr Vor=
Stadtv.
teile für eine Stadt als andere Truppen.
Aßmuth begründet in längeren Ausführungen ſeinen
ablehnenden Standpunkt. Stadtv. Nodnagel ſpricht
ſich für die Vorlage aus. Die große Politik ſolle man
aus dem Spiele laſſen. Er iſt aber auch dafür, daß man
vor Schließung der Verträge die Intereſſen der Darm=
ſtädter
Handwerker feſtlegen müſſe. Stadtv. Henrich
gibt zu, daß der Nutzen vom Militär um ſo geringer
wird, je weiter die Garniſon nach der Stadtgrenze gelegt
wird. Da die Vorteile jedenfalls größer ſind, als die
Nachteile, ſtimme er der Vorlage zu. Stadtv. Stem=
mer
ſtimmt dem Standpunkte des Stadtv. Henrich zu;
er möchte gern etwas Poſitives über die Erlangung einer
Der Ober=
Kriegsſchule für Darmſtadt erfahren.
bürgermeiſter ſtellt Mitteilungen hierüber in der
geheimen Sitzung in Ausſicht. Stadtv. Dr. Fulda
rügt das Wettlaufen der einzelnen Städte um Erlangung
einer Garniſon und das Ueberbieten bei dieſen Beſtrebun=
gen
. Er bezweifelt die materiellen und ideellen Vorteile
der neuen Truppenteile. Er bemängelt, daß die Berück=
ſichtigung
der Darmſtädter Handwerker nicht genügend ge=
ſichert
iſt und wünſcht eine genaue Feſtlegung. Die Vor=
teile
der Vorlage ſeien nicht ſo groß, daß er ihr zuſtim=
men
könne. Stadtv. Saeng möchte ebenfalls die all=
gemeine
Erörterung nicht fortſetzen. Ueber die Notwen=
digkeit
der Heeresvermehrung habe man nicht hier zu
eſchließen. Man müſſe ganz unbeeinflußt prüfen, ob
die Vorteile die Vorlage annehmbar machen. Er ſtimme
der Vorlage mit einem naſſen und einem trockenen Auge
zu.
Der Oberbürgermeiſter betont nochmals, daß
die neuen Truppen zweifellos auch neue Induſtrie mit
ſich bringen werden. Stadtv. Friedrich begründet
nochmals ſeinen Standpunkt.
Die Vorlage wird dann gegen drei Stimmen ange=
nommen
.
Beleuchtung des Weges nach dem Ober=
waldhaus
.
Für den Waldweg von den Hirſchköpfen nach dem
Oberwaldhaus ſoll eine elektriſche Beleuchtungseinrichtung
auf Koſten der Stadt geſchaffen werden. Die Pächterin
des Oberwaldhauſes hat ſich bereit erklärt, die Koſten des
Stromverbrauchs und der Unterhaltung der Anlage zu
tragen, ſoweit letztere nicht von der Heſſiſchen Eiſenbahn=
Aktiengeſellſchaft, die die Leitung ausführt, übernommen
worden ſind. Die Koſten der Anlage betragen 1700 Mark.
Die zuſtändigen Ausſchüſſe haben die Bewilligung eines
Kredits in dieſer Höhe befürwortet. Die Beleuchtung wird
nach dem Referat des Stadtv. Markwort genehmigt.
Die Ausbeſſerung des Weges nach dem
Oberwaldhaus.
Bei der Ausbeſſerung des Weges nach dem Oberwald=
haus
, für die 1100 Mark bewilligt waren, wurde die Aus=
beſſerung
auch anderer ſchadhafter Stellen notwendig, wo=
durch
eine Ueberſchreitung des Kredits um 448,14 Mark
erforderlich wurde. Die Verſammlung bewilligt dieſe
Summe nach dem Referat des Stadtv. Dr. Bender.
Die Sitzung wird jetzt unterbrochen, da über den
nächſten Punkt zunächſt geheim verhandelt wird. Dieſer
Punkt betrifft
die Ausſtellungen 1914.
Im nächſten Jahre finden in Darmſtadt drei große
Ausſtellungen ſtatt: die Ausſtellung der Künſtler=Kolonie
in den Räumen des ſtädtiſchen Ausſtellungsgebäudes und

Kollektiv=Ausſtellung Fritz Oswald.

Kunſthalle am Rheintor.
I.
Selten wohl ward der Oberlichtſaal der ehrwürdigen
alten Kunſthalle ſo von Licht und Farben durchwogt, als
heuer, da die Wände Gemälde Fritz Oswalds ſchmücken.
Selten vom Wiederklingen zarter und rauſchender Sin=
fonien
ſo erfüllt. Das ſtrömt von den Wänden auf den
Beſchauer über wie brauſende Akkorde, die voll zarten
Schmeichelns Werbens ſind, die aber fühlen laſſen, daß
eine urwüchſige Kraft ſie zum Klingen gebracht. Und
die immer und überall durchwoben ſind und überſtrahlt
werden von einer Schönheit, die erhaben iſt und wie Re=
ligion
wirken könnte, wenn man eben die große, un=
endliche
Schönheit der Natur wie die Offenbarung einer
immer neuen und doch ewig alten Religion empfinden
kann. Wie iſt in dieſen prächtigen Bildern doch reifes
Naturſchauen mit urwüchſiger, feſt in der Allmutter wur=
zelnder
Kraft gepaart, mit dem Suchen und Offenbaren
der Schönheit, wie die ſehnende Seele einer ſenſiblen
Künſtlernatur ſſie ſchaut. Eine Künſtlernatur, die ſelbſt
ſchönheitstrunken die Ueberfülle eigener Empfindung
ausſtrahlen läßt in flutendem Wellengewoge von Licht und
Farben, daß der Beſchauer darin ſeine Seele reinzubaden
wähnt vom Erdenſtaub.
Es mag das etwas ſchwärmeriſch klingen, aber es
iſt die Wahrheit. In Fritz Oswalds Bildern feiert die
Schönheit der Natur Triumphe durch ſeine, ganz eigene
und perſönliche Ausdrucksmittel ſchaffende Kunſt. Er ſieht
überall nur das Schöne, nur die Farbe und die Form,
den organiſchen, hin und wieder faſt architektoniſchen
Aufbau in der Natur, und in ſeiner Malerei feiert ſie
ſelbſt eine Auferſtehung, die wie Verklärung wirkt. Fritz
Oswald iſt der lebendige überzeugende Beweis für das,
was wir geſtern über Cézannes Bilder an dieſer Stelle
ſagten. Der Impreſſionismus der Franzoſen war ſein
Lehrmeiſter. Cézanne hat dem, unbefriedigt über das
was die Akademie ihm gegeben, nach Ausdruck der inne=
ren
, lebendig wahren Empfindung Ringenden die Wege
gewieſen. Mehr aber noch Hodler, der große
in ſeiner Art noch immer faſt unerreichte Künder einer
monumentalen Naturmalerei. Und dieſe Wege iſt Os=
wald
als ein Suchender und Sehnender gewandelt, als
einer, den das geſunde, ich möchte ſagen deutſche Natur=
empfinden
nicht verlaſſen. Er hat erſt die Natur kennen
zu lernen, ſie zu verſtehen getrachtet, und ihm hat die
große Erkenntnis ſich offenbart, daß die Natur nichts
ſchafft, nichts aus ihrem unermeßlichen Schöpfungsbereich
hervorgeht, das nicht den Urgeſetzen der Schönheit
entſpricht. Ihm wuchs die Erkenntnis, daß es nicht
angängig iſt. Schönheit nur einſeitig zu geben, ent=
weder
in Farbe oder in Form oder in Linie. Die
Natur läßt nichts einſeitig, nichts unvollendet. Form
und Linie, Farbe und Aufbau einen ſich bei ihr zum
Werke der Vollendung. Und hierin liegt die einzig wahre,

große und ſchwere Aufgabe der Kunſt. Und dieſe
Aufgabe hat ihn getrennt vom Klaſſizismus, ihn hinweg=
gebracht
über van Gogh, über Cézanne, hat ihn ver=
weilen
laſſen bei Hodler, um ihn ſchließlich auch von
dieſem zu trennen und einen eigenen Platz einnehmen
laſſen. Einen Platz, auf dem er faſt allein ſteht in=
mitten
all des flutenden Lichts, der rauſchenden Ak=
korde
ſatter, freudiger Farbtöne der goldenen Sonne
und des glitzernden, in violettem Schimmer getauchten
Schnees. Allein mit der herrlichen Natur und ſeiner nach
großem maleriſchen Ausdruck ringenden Kunſt. Und
ſein Ringen, ſein Streben wird dem Beſchauer nur offen=
bar
, wenn er zurückgreift auf die Werke früherer Perio=
den
, wenn er zu leſen verſteht aus ihnen, was der Künſt=
ler
gewollt und ehedem nicht erreicht hat. Seit er zu
reinen Farben ſich bekannt, ward er zum Mittler jubeln=
der
Farbenſchöne, die unbewußt auf den Beſchauer über=
flutet
und in jauchzender Lebensfreude ihn in Bann
ſchlägt.
Freilich, es ſind nicht alle der ausgeſtellten Bilder,
die dieſes Jubilieren in Farbe. Licht und Sonne an=
klingen
laſſen. Aber doch wohl die Mehrzahl der Werke
aus der neueſten Schaffensperiode, die Fritz Oswalos
eigenſtes Können bezeugt. Und darin liegt vielleicht der
Hauptreiz der Kollektivausſtellung als Geſamtheit.
Denn ſie offenbart den gewaltigen, mühevollen Weg, den
der Künſtler gegangen, den er gehen mußte.
Man könnte zu all dieſen Werken im einzelnen ſehr
viel ſagen, zu vielen aber auch das gleiche. Wo ein
Künſtler ſo offen redet wie Oswald, dem Beſchauer ein
ſo ehrliches Bekenntnis ſeines Wollens ablegt, da
ſprechen ſeine Werke von ſelbſt eine deutliche Sprache,
künden uneingeſchränkt ein Evangelium der Naturſchön=
heit
. Dennoch ſind ſie, künſtleriſch bewertet, ungleich
Führen vom Mißlungenen zur Meiſterſchaft. Ein Künſt=
ler
, der ſo ehrlich und wahr ſchafft, wird dieſe Feſtſtellung
nicht verübeln. Alle aber ſind die Bekundung eines ehr=
lichen
Willens.
Nur einige aus der Kollektion wollen wir heraus=
greifen
. Da iſt der Waldbach Als Maler legt er
naturgemäß das Hauptgewicht auf die Farben. Und
wie gibt er ſie! In abſoluteſter Wirkung. Dieſen Far=
ben
iſt jedes Stoffliche, alles Materielle genommen, man
ſieht nur die Farbe, nirgends das Oel. Faſt durchſichtig
ſcheint dieſes herrliche Bild. Und bei aller Großzügig=
keit
in der Technik, wie liebevoll iſt hier auf Details ein=
gegangen
, wie ſorgſam doch alles Kleinliche vermieden!
Meiſterhaft die zeichneriſche Durcharbeit. Jeder Stein iſt
beſonders behandelt in dieſem Felsgeröll, jedes Aeſtchen
jede Welle des Bächleins, und alles beherrſcht in den
oberen Partien das ſaftige reine Grün. Und dieſe das
Ganze beherrſchende, poeſieerfüllte Farbenſinfonie iſt er=
reicht
durch ein Nebeneinander= Ineinanderſtellen der
reinen Farben. Wunderbar iſt die Perſpektive heraus=
gearbeitet
und meiſterhaft die Kompoſition. Faſt archi=
tektoniſch
iſt der Aufbau, gehalten durch Gewicht und
Begengewicht in immer anderen Ausdrucksmitteln: und
immer wieder wird der Blick des Beſchauers gefeſſelt und

hineingezogen in das Innere dieſer herrlichen Waldland=
ſchaft
, in dem das ſeichte Bächlein ferne ſich verliert. So
wird der Blick gebannt, durch keinen Mißton in dieſer
Schönheit Fülle abgeleitet, irritiert, gar aus dem Rah=
men
heraus. Immer neue Reize intimer Art offenbaren
einzelne Partien, und bei aller Feinheit der Details dieſe
Großzügigkeit in der Geſamtwirkung, dieſer volle, ſatte
Klang der Farbenſinfonien! Es ſcheint, als habe der
Künſtler in dieſem Werke bewußt ein Muſeumsſtück ge=
ſchaffen
.
Dann die Birken. Bei aller Schlichtheit des Vor=
wurfs
die gleiche erhabene Schönheit, die Größe der Na=
tur
. Und wieder die entzückenden Reize in Einzelheiten.
Man ſehe dieſe Birkenſtämme an, wie meiſterhaft ſie ge=
ſehen
, der Natur abgerungen ſind. Wie die Schatten
über die ſchimmernde Schneefläche huſchen, in den Fur=
chen
ſich ibrechen und ſchärfer werden, dann wieder wie
Akkorde leiſe verklingen in das Bildinnere. Wie ſie ſo
von ſelbſt wieder den Blick leiten, daß er das Ganze des
Bildinhalts als einzigen großzügigen Ausdruck inneren
Erlebens erfaſſe. Und die Perſpektive wieder; wie weit
verliert ſich der Blick in die Ferne, um ganz hinten erſt
wieder den warmen, feſten Stützpunkt zu finden, wo die
Hügelkette den Horizont begrenzt. Wie meiſterhaft iſt
die Luft gemalt, die die Sonnenſtrahlen in dem Winter=
duſt
erſchwingen laſſen.
In vielen Variationen kehrt das wieder in anderen
Werken. Da iſt das entzückende ſtimmungsvolle Bild
Herbſt Man beachte hier das Kolorit und die Kom=
poſition
, ſehe, wie der Fahrweg ſich weit hinten verliert
und mit welchen rein künſtleriſchen Mitteln dieſe wunder=
bare
Perſpektive erzielt wurde. Wie die Furchen in dem
hellen Wege nicht gemalt ſind, ſondern einzig heraustreten
durch das niedergefallene Herbſtlaub, wie dieſe Bäume
gezeichnet ſind! Man ſehe daneben die Morgen=
landſchaft
mit den Reitern. Dieſe Bewegung, dieſer Duft
uind Bluſt! Und man beobachte dann das köſtliche große
Bild Sonnenblumen im Felde‟. Wie dieſe
Blüten die dichte, großblätterige Staude krönen! Jedes
Blatt ein eigenes intenſives Erforſchen von Form, Farbe,
Linie, Bewegung. Jede Blüte ein Offenbaren neuer
Farben= und Formenſchönheit. Dabei die lapidare Be=
tonung
und wieder die feine, unendlich reiche, große Land=
ſchaft
dabinter. Und man ſehe endlich die Blumenſtücke
an. Kultur überall!
Für Fritz Oswalds Kunſt gibt es kein Sterben, kein
Vergehen in der Natur. Ihm iſt der Winter in ſeiner
weißen Unſchuldsfarbe ſeiner glitzernden Pracht nur ein
Bringer neuer Schönheiten, wie auch das kommende Leben
des Frühlings, der ſonnendurchſlutete Sommer, das
tauſendfach gefärbte ſchillernde Sterbekleid des Herbſtes
ihm nur Schönheitskünder ſind. Dabei erſchöpft die Land=
ſchaft
bei weitem nicht das Reich ſeines Schaffens.
Fritz Oswald iſt zur Künſtlerkolonie berufen und
wird am 1. Oktober hierher überſiedeln. Wir werden
noch viel von ihm ſehen und freuen uns deſſen.
M. St.

[ ][  ][ ]

des Ernſt Ludwigs=Hauſes eine Wohnungsausſtellung in
den Neubauten hinter dem Ausſtellungsgebäude, eine große
Ausſtellung deutſcher Kunſt von 16501800. Dieſe großen
Unternehmungen werden den geachteten Namen der Stadt
als Kunſtſtadt in den Kreiſen aller Kunſtliebhaber in Er=
innerung
bringen. Sie bedeuten für die Stadt aber auch
eine Hebung ihrer wirtſchaftlichen Intereſſen. Die Stadt=
verwaltung
hat ſich von jeher auf den Standpunkt geſtellt,
daß ſie die Verpflichtung hat, alle Beſtrebungen zur Hebung
der Kunſt und des Verkehrs zu fördern. So hat die Stadt=
verwaltung
in ähnlichen Fällen bisher folgende Bewilli=
gungen
eintreten laſſen: 1. für die Ausſtellung der Darm=
ſtädter
Künſtler=Kolonie im Jahre 1901 30000 Mark Bei=
trag
zum Garantiefonds; 2. für die Heſſiſche Kunſt= und
Kunſtgewerbe=Ausſtellung 1908 einen Koſtenbeitrag bis zu
20000 Mark und Naturalleiſtungen ſowie Strompreis=
ermäßigung
; 3. für die Ausſtellung des Deutſchen Künſtler=
bundes
im Jahre 1910 koſtenloſe Ueberlaſſung des Aus=
ſtellungsgebäudes
, Herſtellungen im Ausſtellungsgebäude
im Koſtenbetrage von annähernd 2000 Mark, unentgeltliche
Stromlieferungen und andere Naturalleiſtungen; 4. für
die Kunſtausſtellung im Jahre 1911 koſtenloſe Ueberlaſ=
ſung
des Ausſtellungsgebäudes und Uebernahme der ge=
ſamten
Garantie; 5. für die Eugen Bracht=Ausſtellung ko=
ſtenloſe
Ueberlaſſung des Ausſtellungsgebäudes und Ko=
ſtenzuſchuß
von 3000 Mark für den Fall eines Fehlbetrags;
6. für die Ausſtellung Der Menſch Uebernahme der Hälfte
der Stromverbrauchskoſten auf die Stadtkaſſe (rund 1000
Mark).
Die Ausſtellungen des Jahres 1914 bedeuten große
Unternehmungen. Insbeſondere iſt dies auch von der von
Herrn Profeſſor Biermann bearbeiteten Ausſtellung deut=
ſcher
Kunſt von 1650 bis 1800 zu ſagen. Die Ausſtellung
wird vorausſichtlich umfaſſen: 500 Bilder, 500 Zeichnungen,
200 Porzellan=Miniaturen, 100 Stück Klein=Paſtiken,
Bronze= und Wachsreliefs, Marmor=Plaſtiken, Holzſkulv=
turen
. Es hat die Stadtverwaltung im allgemeinen Inter=
eſſe
die Verpflichtung, in Betätigung der ſeither geübten
Praxis dieſe Unternehmungen ſoweit möglich zu unter=
ſtützen

Es handelt ſich in dieſer Beziehung nach Angabe der
Ausſtellungsleitung um folgende Projekte:
Die Ausſchmückung der ganzen Umgebung des Aus=
ſtellungsgebäudes
war den einzelnen Mitgliedern der
Künſtlerkolonie in Auftrag gegeben worden, und dieſe
haben ſich in die Aufgabe nach den von ihnen bearbeiteten
Sondergebieten geteilt. Es beſteht die Abſicht, in dem öſt=
lichen
Teile des Platanenhaines ein proviſoriſches Re=
ſtaurationsgebäude
und ein Café zu erbauen und weiter
in die halbrunde Niſche des Brunnens das Orcheſter für
die Konzerte zu verlegen. Der weſtliche Teil des Pla=
tanenhaines
ſoll in vornehmer, künſtleriſcher Art mit Pla=
ſtiken
in echtem Material ausgeſchmückt werden. Vor der
ruſſiſchen Kapelle wird ein großes Waſſerbecken mit ſeit=
lichem
Blumenſchmuck angelegt. Die Vorhalle des Hoch=
zeitsturmes
ſoll einen monumentalen Schmuck erhalten
und im Binnenhof des Ausſtellungsgebäudes iſt eine voll=
ſtändige
Neugeſtaltung beabſichtigt. Die Umgebung des
Ausſtellungsgebäudes ſelbſt ſoll weiter ausgeſchmückt wer=
den
und auf der Oſtfreite des Gebäudes iſi eine Neube=
pflanzung
geplant. Die Koſten dieſer Projekte
ſind insgeſamt auf 48 363,28 Mk. veran=
ſchlagt
. Einſchließlich der Koſten, die entſtehen durch
eine Preisermäßigung beim Gasverbrauch, der Neubefe=
ſtigung
des Platanenhaines und der Wege, der Koſten
der Unterhaltung für eine projektierte monumentale Brun=
nenanlage
vor der Ruſſiſchen Kapelle und der Koſten im
Innern des Ausſtellungsgebäudes iſt die Geſamt=
ſumme
der Koſten deren Uebernahme beanſprucht
wird, auf 55000 Mk. veranſchlagt.
Die Stadtverwaltung hat von vornherein die Anſicht
vertreten, daß es nicht möglich iſt, allen Anſprüchen im
vorliegenden Falle zu genügen, daß es ſich nur um
einen Beitrag handeln kann, der für das Unternehmen
eine Unterſtützung bedeutet, und andererſeits auf die Lage
der Stadt gebührende Rückſicht nimmt. Soweit Herſtellungen
in Frage kommen, die ausſchließlich in Intereſſe der
nächſtjährigen Ausſtellung erfolgen und ſpäter wieder ent.
fernt werden müſſen, hat die Ausſtellungsleitung für Wie=
derherſtellung
der Räume in den früheren Zuſtand Sorge
zu tragen, ſodaß der Stadt hierdurch weitere Koſten nicht
erwachſen. Wenn auch die Stadtverwaltung die gefor
derte Summe nicht in voller Höhe bewilligen kann, ſo
hoffe ſie doch, daß die Ausſtellungsleitung ihren Aufgaben
nachkommen kann.
Der Oberbürgermeiſter ſtellt folgenden Antrag: Die
Stadtverordnetenverſammlung wolle zugunſten der beab=
ſichtigten
Ausſtellungen auf der Mathildenhöhe und der
Ausſtellung Deutſcher Kunſt von 16501800 in den Räu=
men
des Großherzoglichen Reſidenzſchloſſes einen einma=
ligen
Beitrag von 30000 Mark als Unterſtützung der ge=
planten
Unternehmungen verwilligen unter folgenden
Vorausſetzungen:
1. Die Stadtverwaltung nimmt an, daß die=
jenigen
Neuſchöpfungen, die nach der Abſicht der Aus=
ſtellungsleitung
der Stadt zugute kommen ſollen, nicht
durch ſpätere Ausſtellungen wieder beſeitigt werden. So=
weit
Herſtellungen in Frage kommen, die lediglich im
Intereſſe der nächſtjährigen Ausſtellung erfolgen und da=
her
nur einen proviſoriſchen Charakter haben, hat die
Ausſtellungsleitung für die Wiederherſtellung der Räume
in den früheren Zuſtand im Innern des Ausſtellungsge=
bäudes
und außerhalb desſelben Sorge zu tragen. ſodaß
der Stadt hierdurch weitere Koſten nicht erwachſen. 2. Die
Stadtverwaltung unterſtellt, daß auch demnächſt nicht wei=
tere
Anforderungen an die Stadt geſtellt werden, wenn
die beabſichtigten Kunſtgegenſtände nach Schluß der Aus=
ſtellung
in das Eigentum der Stadt übergehen ſollen. 3.
Die Ausſtellungsleitung wird erſucht, auf Grund der Ge=
nehmigung
des ſtädtiſchen Beitrags nunmehr endgültig
darüber Entſcheidung zu treffen, welche Projekte unter
den mitgeteilten Projekten nunmehr zur Ausführung
kommen ſollen. Die Ausſtellungsleitung wird erſucht, der
Stadt, als Eigentümerin der Anlage, die für die Ausfüh=
rung
beſtimmten Pläne der in Betracht kommenden Pro=
jekte
zur Einſichtnahme vorzulegen.
In der geheimen Sitzung wurde die Mitteilung
gemacht, daß die Ausſtellungsleitung doch alle vorgeſehe=
nen
Arrangements durchführen wolle und ſich hierbei keine
Beſchränkungen auferlegen könne. Da ſich infolgedeſſen
die Koſten bedeutend erhöhten, ſah ſich die Stadtverwal=
tung
veranlaßt, ihren Antrag abzuändern und zu bean=
tragen
, daß 40000 Mark zur Verfügung geſtellt werden
ollen.
Nach Wiederherſtellung der Oeffentlichkeit ſpricht ſich
Stadto Dr. Bender für die Subventionierung der
Ausſtellungen aus. Anerkannt kranke Darmſtadt am Ver=
kehr
, und die Urſache dieſer Kalamität liege zweifellos an

dem Mangel an Induſtrie. Dieſen Mangel zu beheben
ſei darin ein Mittel gefunden, daß Darmſtadt durch den
Großherzog zur Kunſtſtadt nominiert wurde. Es ſei Tat=
ſache
, daß ſich der Name Darmſtadts als Kunſtſtadt ſeit
10 oder 12 Jahren ganz außerordentlich erhöht hat, nicht
nur in Deutſchland, ſondern auch im Auslande. Durch
die Ausſtellungen ſind gewiſſen Induſtrien Darmſtadts
durchaus neue Bahnen gewieſen worden. Wenn auch die
geforderten Summen als hoch empfunden merden, ſo
müſſe man doch in Betracht ziehen die Vorteile, die der
Stadt durch die Ausſtellung zukommen, ferner die hohen
Summen, die von anderer Seite geleiſtet werden und die
Tatſache, daß die Stadt als Geſchenk bedeutende Kunſtwerke
erhält zur dauernden Verſchönerung des Platanenhains
und der Mathildenhöhe. Angeſichts aller dieſer Tatſachen
erſcheine die Forderung relativ nicht als zu hoch. Die
Beſtrebungen des Großherzogs verdienen alle Anerken=
nung
. Er bitte, dem Antrage des Oberbürgermeiſters zu=
zuſtimmen
. Stadtv Möſer erwähnt ebenfalls die ho=
hen
Vorteile, die der Stadt durch die Ausſtellungen zukom=
men
und tritt ebenfalls für die Forderung ein. Stadtv.
Friedrich betont, daß er ſelbſtverſtändlich alle Kunſt=
beſtrebungen
ebenfalls unterſtützen werde. Die Voran=
ſchläge
ſeien aber viel zu hoch gegriffen. Er beantragte
für die Ausſtellung auf der Mathildenhöhe ohne jede Ein=
chränkung
für die Vorarbeiten 20000 Mark zu bewilli=
gen
, und für die Schloßausſtellung 5000 Mark für den
Garantiefonds zu zeichnen. Stadtv. Stemmer be=
tont
, daß ſeit 1901 alle Ausſtellungen ohne Defizit abge=
ſchloſſen
haben. Die Ausſteller ſeien faſt durchweg Darm=
ſtädter
und ſo käme die Ausſtellung vor allem der Stadt
zugute. Die Hebung des Verkehrs und die Verſchönerung
der Stadt ſei nicht zu gering anzuſchlagen.
Stadtv.
Werner legt den Wert der Künſtlerkolonie für Darm=
ſtadts
Handwerker dar, deren Mitglieder ohne Ausnahme
in Darmſtadt arbeiten laſſen. Stadv. K. Lautz ſpricht
ſich dahin aus, daß Darmſtadt bei der großen Konkurrenz
mit den Nachbarſtädten unbedingt große Reklame machen
muß, wenn es aufblühen will. Da ſollte man nicht bei
Bewilligung der Summe ſo ängſtlich ſein. Stadtv. Sa=
mes
bittet zu berückſichtigen, daß die Stadt das Vierfache
von dem zum Geſchenk erhält, was ſie hier bewilligen ſoll.
Die Bedeutung der Ausſtellung für die Handwerker und
Die
die Induſtrie ſei nicht zu gering zu veranſchlagen.
Voranſchläge ſeien durchaus nicht zu hoch. Stadtv. Dr
Bender wünſcht, daß bei der Ausſtellungsleitung der
Wunſch ausgeſprochen werde, daß der ſich etwa ergebende
Ueberſchuß zu einem Ausſtellungsfonds für künftige
Ausſtellungen in Darmſtadt verwendet werden
ſolle.
Stadtv. Stemmer ſpricht ſich gegen dieſen
Wunſch aus. Stadtv. Henrich ſchließt ſich dem Wunſch
des Stadtv. Bender an ebenſo ſpricht ſich der Oberbürger=
meiſter
dafür aus. Es ſind weiter folgende Wünſche ge=
äußert
worden, daß für ein einheitliches Arrangement der
Beſucherkarten für die drei Ausſtellungen Sorge getragen
werde, damit die Fremden auch alle drei Aus=
ſtellungen
beſuchen.
Ferner, daß die hiefigen
Handwerker und Gewerbetreibenden bei der Herſtellung
und dem Betriebe der Ausſtellung genügend berückſichtigt
werden, daß wenigſtens in der Wohnungsausſtellung an
beſtimmten Tagen Führungen veranſtaltet werden, ferner,
daß Arbeiterkarten zu ermäßigten Preiſen herausgegeben
werden.
In der Abſtimmung wird einſtimmige grundſätzliche
Bereitwilligkeit zur Subventionierung der Ausſtellungen
feſtgeſtellt und danach der Antrag der Verwaltung, für
die Ausſtellungen auf der Mathildenhöhe 30000 Mark zu
bewilligen, gegen 3 Stimmen angenommen. Die
Gegner des Antrages wollten nur 25000 Mark bewilligen.
Der Antrag der Verwaltung, für die Schloßausſtellung
(die rückſchauende Gemäldeausſtellung) 10000 Mark zu
bewilligen, wurde gegen 8 Stimmen angenommen.
Die Gegner wollten zum Teil weniger, zum Teil nur
etwas zum Garantiefonds bewilligen.

Deufſcher Reichstag.

* Berlin, 12. Juni. Präſident Dr. Kaemp
eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. Die zweite
Beratung der
Wehrvorlage
wird fortgeſetzt
Kriegsminiſter von Heeringen: Von keiner Seite
der Militärverwaltung iſt mit den Atlas=Werken irgend=
welche
Verhandlung gepflogen worden; im Gegenteil, es
iſt ſogar einmal von uns vor der Gründung derartiger
Flugzeugwerke gewarnt worden, weil die Befürchtung
vorlag, daß bei dem übergroßen Angebot dieſen Werken
eine ſichere Exiſtenz nicht geſchaffen werden könne. Der
Abg. Noske hat behauptet, unſer Intendanturweſen habe
im Südweſtafrikaniſchen Kriege völlig verſagt. Dieſer
Vorwurf iſt unberechtigt. Er hat dabei die beſonderen
Verhältniſſe, die ſchlechten Landungsgelegenheiten, die
von den Engländern ausgeſprochene Grenzſperre von der
Kapkolonie her und die ſchwierigen Transportverhältniſſe
im Lande unberückſichtigt gelaſſen. Dazu kommt, daß der
Intendantur vieles in die Schuhe geſchoben wird, was
gar nicht zu ihren Aufgaben gehört. Die Verpflegung im
Kriege muß überdies unter anderen Geſichtspunkten ſtatt=
finden
als im Frieden. Die in dieſem Sommer vorge=
kommenen
Unglücksfälle in Oſtpreußen werden von nie=
mand
mehr bedauert als von mir. An der nötigen Sorg=
falt
hat es nicht gefehlt. Die betreffende Truppe, bei der
die Hitzſchläge vorkamen, hatte einen breiten Waldſtreifen
zu durchkreuzen. Der Abmarſch erfolgte unter größter
Sorgfalt und mit großen Marſchpauſen. Die meiſten
Ohnmachtsfälle erfolgten unmittelbarr vor den Quartie=
ren
. Von den Verſtorbenen war niemand ſchon während
der Uebung erkrankt. Aerztliche Hilfe war überall zur
Stelle. Der Vorfall dürfte zurückzuführen ſein auf die
beſonderen Luftverhältniſſe in dem durchkreuzten Kiefern=
walde
und dann auf eine plötzlich einbrechende Gewitter=
ſchwüle
. Wie die direkten Vorgeſetzten, ſo bedauere ich
herzlich, daß fünf brave Soldaten ihr Leben im Dienſte
des Vaterlandes haben laſſen müſſen. (Bravo!) Betreffs
des öſterreichiſchen Oberſten Redl kann ich feſtſtellen, daß
er nicht in der Lage geweſen iſt, irgend welches geheimes
deutſches Material in die Finger zu bekommen. Im Ge=
ſetz
iſt genau feſtgelegt, was zur Kommandogewalt des
Kaiſers gehört. Wenn im Reichstage Reſolutionen vor=
geſchlagen
werden, die in dieſe Rechte eingreifen, ſo habe
ich dagegen Front zu machen. Der Kaiſer allein hat über
die Anſtellung und Entlaſſung der Offiziere zu entſcheiden.
Darin liegt die Garantie, daß jederzeit ein feſtes Inſtru=
ment
zur Sicherung des Vaterlandes in den Händen des
Kaiſers liegt. Wenn ich als Prügelknabe des Militär=
kabinetts
bezeichnet werde, ſo weiſe ich das zurück. Ich
bekomme weder Weiſungen noch Befehle vom Militär=
kabinett
. Eine plötzliche Verſetzung eines ganzen Regi=
ments
an die Grenze iſt nicht angängig. Es erwachſen
dadurch für die Truppe wie für die Garniſon erhebliche
Schwierigkeiten, und die Zuſammenſetzung des Offizier=
korps
hängt nicht von den Garniſonen ab. Mit Genug=

tuung begrüßen wir, daß unſere Forderungen im allge=
meinen
anerkannt worden ſind. Nur müſſen wir daran
feſthalten, daß die drei Kavallerie=Regimenter uns noch
bewilligt werden. In der Hauptſache beruhen unſere
Gründe hierfür in der Ueberlegenheit der Nachbarländer.
Die Flugzeuge können die Kavallerie nicht erſetzen, ſie
vermogen auch eine feindliche Kavallerie nicht aufzuhalten.
Nur militäriſche Gründe, nicht höfiſche Rückſichten ſpielen
hier eine Rolle. Werden dieſe Kavallerie=Regimenter
nicht bewilligt, ſo bleibt eine weſentliche Lücke in den
deutſchen Rüſtungen, die ſich beim Ausbruch eines Kriegs
empfindlich bemerkbar machen würde. (Lebhaftes Hört!
Hört!)
Deshalb bitte ich Sie, bewilligen Sie unſere
Forderungen; ſie ſtellen das Mindeſtmaß dar, was wir
für erforderlich halten. (Unruhe links.) Mitten im tief=
ſten
Frieden kann niemand ſagen, was für den erſten Fall
unbedingt notwendig iſt. Bewilligen Sie uns dieſes
Mindeſtmaß. Mehr wäre zweifellos beſſer. (Beifall
rechts.)
Abg. Herzog (Wirtſch. Vgg.): Es handelt ſich bei
der Vorlage um eine harte Notwendigkeit. Wir ſind mit
der Vorlage, wie ſie aus der Kommiſſion herausgegangen
iſt, im allgemeinen einverſtanden; nur nicht mit der Strei=
chung
der drei Kavallerie=Regimenter. Das Vaterland
verlangt Opfer, wir werden ſie bringen. (Beifall.)
Abg. Ledebour (Soz.): Auf dem gleichen Niveau
wie die ſoeben gehörte Rede ſtand auch die geſtrige Rede
des erſten und einzigen verantwortlichen Beamten des
Deutſchen Reiches. Er hat mit ſeiner Rede bei uns den
Eindruck hinterlaſſen, als ob er ja nur nicht zu viel ſagen
wolle, um ſich nicht immer weiter hineinzulegen. Im
Gegenſatz dazu ſtand der ſchroffe Ton, den der Reichs=
kanzler
anſchlug, nicht gegen die Oppoſition, ſondern
gegen die Freunde der Vorlage. Der Abg. Müller= Mei=
ningen
war offenbar gar nicht darauf gefaßt, denn er
flehte ja geradezu den Reichskanzler an, doch den 24
Reſolutionen wenigſtens ein wohlgeneigtes Ohr zu
leihen. Als ihm Herr Müller=Meiningen mit ſeinem Glas
lauer Limonade zuproſtete, da hat er es ihm aus der
Hand geſchlagen und ihn angefaucht. (Heiterkeit.) Was
für Empfindungen müſſen die Freiſinnigen gehabt haben,
als der Reichskanzler ſeine Ausführungen über den Zweck
der Armee machte. Vielleicht hat der Reichskanzler den
Freiſinn tiefer eingeſchätzt, indem er wohl annahm, wenn
er ihn an die Wand drücke, daß er quietſche und direkt in
einen molluskenartigen Zuſtand gerate, als wären ſie
Nationalliberale. Man kann ſich ſonſt nur denken, daß
der Reichskanzler davon ausgeht, ſich die Vorlage von
einem neuen Reichstage bewilligen zu laſſen. Der Reichs=
kanzler
will vielleicht nur einen Vorwand zur Reichstags=
auflöſung
haben. Auch wir ſehen einer Auflöſung des
Reichstages mit Freuden entaegen. (Heiterkeit rechts und
im Zentrum.) Wenn Abg. Müller=Meiningen behauptet.
hat, unſere Ausführungen in der Kommiſſion wären
friedlich=bürgerlicher als hier im Plenum geweſen, dann
erkläre ich, daß unſer Auftreten im Plenum in voller
Uebereinſtimmung ſteht mit unſerer Haltung in der Kom=
miſſion
. Ich kann nicht weiter darauf eingehen, da es ſich
um vertrauliche Beſprechungen handelte, die wir ſo wie
ſo ſchon aus Prinzip verwerfen. Wenn man von der
Regierung, beſonders von den Vertretern des Auswärti=
gen
Amtes, etwas herausbekommen will, dann iſt es ge=
rade
, als ob man einen Korkzieher immer tiefer in den
Flaſchenhals hineindrehen muß, um den Korken heraus=
zuholen
. (Schallende Heiterkeit. Präſident Dr. Kaempf
unterbricht mehrfach den Redner.) Wenn ſyſtematiſch
auf die Auflöſung des Reichstages hingearbeitet wird,
ſo muß gründlich auf die jetzt obwaltenden Umſtände hin=
gewieſen
werden. Schon die Begründung der Vorlage iſt
höchſt mangelhaft. Die ſlawiſche Gefahr iſt nicht ſtichhal=
tig
. Der Balkanbund iſt nicht dazu angetan, aggreſſiv
gegen uns vorzugehen. Eine ſlawiſche Großmacht bildet
ſich aus dieſen Völkern nie. Darauf die Heeresvorlage
aufzubauen, iſt widerſinnig. Der Reichskanzler iſt auch
nicht darauf zurückgekommen; er hätte ſich ja auch jeinen
politiſchen Hals abſchneiden müſſen. (Heiterkeit.) Jetzt
muß der franzöſiſche Schrecken herhalten; dabei beruht die
franzöſiſche Heeresvorlage auf der unſerigen. ( Wider=
ſpruch
.) Die Ablehnung der deutſchen Vorlage würde die
dreijährige Dienſtzeit in Frankreich unmöglich machen.
Sie iſt ein Verzweiflungsmanöver. (Sehr richtig! bei
den Soz.) Wir wollen bei dem Syſtem der allgemeinen
Volksbewaffnung jeden Einzelnen unter die Waffen ſtel=
len
. Die Präſenzſtärke reguliert ſich damit automatiſch.
(Zurufe.) Die Verſchiebungen auf dem Balkan ſind für
uns günſtig; ſie haben auch eine Anbahnung beſſerer Ver=
hältniſſe
zu England mit ſich gebracht. Die Vorlage ver=
liert
immer mehr ihre Begründung. Die ruſſiſche Gefahr
iſt gleichfalls ſtark übertrieben worden. Die dortige Wehr=
macht
iſt nicht gleichwertig. Was ich dem Zaren an Gu=
tem
nachſagen kann, iſt, daß er nicht ſtiehlt. (Präſident Dr.
Kaempf rügt dieſe beleidigende Aeußerung.) Tatſache
iſt, daß bei dem Bau der Transſibiriſchen Bahn ein gan=
zes
Geleiſe geſtohlen worden iſt. Dieſe Korruption macht
die Angriffsfähigkeit Rußlands zunichte. Im Gegenteil,
unſere Nachbarländer fürchten die Angriffskraft Deutſch=
lands
. Durch ihre Polenpolitik arbeitet die deutſche Re=
gierung
bewußt oder unbewußt darauf hin, die Polen in
Deutſchland dem ruſſiſchen Zaren in die Arme zu treiben.
Wir erſtreben die Umwandlung des jetzt beſtehenden Hee=
res
in ein reines Volksheer, und unſere diesbezüglichen
zu dieſer Vorlage geſtellten Anträge haben denſelben
Zweck. Wenn Generalleutnant Wandel vorgeſtern hier
erklärte, daß der Militärverwaltung von den Machinatio=
nen
der Firma Krupp bei der Abnahme militäriſcher
Rüſtungen nichts bekannt war, ſo braucht man ſich nicht
zu wundern, daß die Militärverwaltung von ſolchen Fir=
men
, die Schmiergelder, die in die Hunderttauſende gehen,
zahlen, fort und fort über dem Löffel barbiert wird.
Dieſer Korruption müßte energiſch ein Ende gemacht wer=
den
. Leider iſt unſer Antrag auf Einſetzung einer Kom=
miſſion
mit dem Recht zeugeneidlicher Vernehmungen
ſeinerzeit abgelehnt worden. Die heimiſchen und aus=
wärtigen
Waffenfabriken tauſchen Pläne und Angaben
aus, an deren Geheimhaltung die Militärverwaltung das
größte Intereſſe hat. Wo bleibt die vom Reichstage ge=
forderte
Abnahmekommiſſion? Ich hoffe, daß der Kriegs=
miniſter
uns nähere Auskunft erteilen wird. Staats=
ſekretär
Dr. Delbrück hat vorgeſtern erklärt, daß von einem
uneingelöſten Königswort nicht die Rede ſein könne.
(Präſident Dr. Kaempf bittet, den Ausdruck nicht
mehr zu gebrauchen, da er ſonſt den Redner zur Ordnung
rufen müſſe. Großer Lärm und Zurufe bei den Sozial=
demokraten
: Redefreiheit!)
Demgegenüber erkläre ich, daß die Einbringung einer
Vorlage erſt der Anfang ihrer Erfüllung iſt. Wenn der
Landtag die Vorlage ablehnte, dann durfte die Regierung
die Hände nicht in die Taſche ſtecken. Das iſt nicht die
Art und Weiſe, wie Männer ſolche wichtigen Fragen be=
handeln
. (Lebhafte Zuſtimmung bei den Soz.) Wir wer=
den
ſehen, ob das Verſprechen noch eingelöſt wird. Das
preußiſche Volk ſoll in einem unmündigen Zuſtande er=
halten
bleiben durch das Wahlrecht, das Fürſt Bismarck
ſelber als das elendeſte aller Wahlſyſteme hezeichnet hat.

[ ][  ][ ]

(Präſident Dr. Kaempf ruft den Redner wieder=
holt
zur Sache.) Ich muß es zurückweiſen, daß der
Staatsſekretär Dr. Delbrück dem Reichstage die Berech=
tigung
abgeſprochen hat, über dieſe Dinge zu ſprechen.
Das mit allen Mitteln zu vereiteln, betrachten wir als
unſere vornehmſte Aufgabe. (Lebhafter Beifall bei den
Sozialdemokraten.)
Präſident Dr. Kaempf ruft nachträglich den Abg.
Ledebour zur Ordnung wegen einer Aeußerung, in
der er den Agrariern vorgeworfen hat, ſie würden den
Reichskanzler nur im Amte behalten, falls er dafür ſorge,
daß ihre Geldſäcke gefüllt würden, da dieſe Aeußerung
ſich ſowohl gegen eine Partei des Hauſes wie gegen den
Reichskanzler wandte. (Große Unruhe.
Kriegsminiſter v. Heeringen: Unrichtig iſt, daß
der größte Teil der zu bewilligenden Summe der Waffen=
induſtrie
zufallen würde. Nicht weniger als 24 Millionen
ſind für Arbeitslöhne beſtimmt. Die Wehrvorlage dient
lediglich der Verteidigung des Vaterlandes. Der innere
Feind ſpielt keine Rolle; für ihn genügt die Polizei und
die Feuerwehr. (Heiterkeit. Zurufe bei den Soz.: Ruhr=
revier
!) Im Ruhrrevier reichte die Polizei und die Gen=
darmerie
nicht mehr aus, und zu unſerem Bedauern
mußte die Armee eingreifen. Als ſie aber erſchien, war
Ruhe und Ordnung da. Deutſchland iſt friedlich bis auf
die Knochen; das zeigen die 42 Jahre hinter uns und die
Heeresvorlage. (Heiterkeit.)
Präſident Dr. Kaempf macht Mitteilung, daß über
die Anträge betr. die Kavallerie=Regimenter namentlich
abgeſtimmt würde.
Abg. Fiſchbeck (Fortſchr. Vpt.): Wir ſind bereit,
die ſchweren Laſten dieſer Vorlage auf uns zu nehmen;
ebenſo entſchieden müſſen wir aber auch die notwendigen
Reformen verlangen. Die modernen Rechtsbegriffe müſ=
ſen
auch in die Armee eindringen. Das gilt für den Offi=
zier
wie für den gemeinen Mann. Die Verfaſſung ſtellt
die bürgerliche Gleichheit ohne Rückſicht auf Geburt und
Glauben auf. Gilt dieſer Grundſatz auch für die Armee?
Wir glauben es nicht! Niemand wird uns den Vorwurſ
machen, nicht eifrig mitgearbeitet zu haben ſowohl bei
der Wehr= wie bei der Deckungsvorlage. Die Erfolge der
Kavallerie verkennen wir nicht, aber gerade in der Kaval=
lerie
ſpielt die Bevorzugung der Adeligen eine Rolle.
Lehnt man unſere Reformanträge ab, ſo bleiben wir da=
bei
, einer Vermehrung der Kavallerie im verlangten Um=
ange
nicht zuzuſtimmen. Schließlich wird unſer Ver=
langen
doch durchgeführt werden.
Darauf wird die Weiterberatung auf Frei=
tag
1 Uhr vertagt. Schluß halb 6 Uhr.
* Berlin, 12. Juni. Die Budgetkommiſſion
des Reichstags nahm heute zunächſt unter Ableh=
nung
der übrigen vorliegenden Anträge § 4 des Geſetz=
entwurfs
, betreffend das Erbrecht des Staates im
erſten Satze nach der Vorlage, im übrigen nach dem An=
trage
des Berichterſtatters mit einem vom Zentrum be=
antragten
Zuſatz, betreffend die Stundung der Abfin=
dungsſumme
, in folgender Form an: Iſt der Fiskus neben
Großeltern des Erblaſſers geſetzlicher Erbe ſo hat er
ihnen bei der Erbauseinanderſetzung Haushaltungsge=
genſtände
, ſoweit ſie nicht Zubehör eines Grundſtücks ſind,
ſowie Gegenſtände des perſönlichen Gebrauches auf Antrag
unentgeltlich zu überlaſſen. Das gleiche gilt von Fami=
lienbildern
und von Schriftſtücken, ſoweit nicht ein recht=
liches
Intereſſe des Fiskus entgegenſteht; hinſichtlich letz=
terer
Schriftſtücke muß der Fiskus den Großeltern die
Einſicht und die Entnahme einer Abſchrift geſtatten. Bei
der Auseinanderſetzung in Anſehung des übrigen Nach=
laſſes
muß ſich der Fiskus die Abfindung für ſeinen
Erbteil in Geld gefallen laſſen. Der Wert von Grund=
ſtücken
iſt hierbei auf 80 Hundertteile des gemeinen Wertes
anzunehmen. Daneben ſteht den Großeltern in Abſehung
von Grundſtücken und von Geſchäftsbetrieben ein Vor=
kaufsrecht
zu. Bezüglich der Stundung der Abfindungs=
ſumme
finden die Beſtimmungen des Erbſchaftsſteuerge=
ſetzes
entſprechende Anwendung. Dann wurde die in
der vorigen Sitzung ausgeſetzte Geſamtabſtimmung über
§ 1 nachgeholt und dieſer Paragraph mit den beſchloſſe=
nen
Aenderungen gegen Konſervative, Zentrum und Polen
im ganzen angenommen. § 5, der die Härten mildern will,
welche die dem Verwandtenerbrecht gezogenen Grenzen
im einzelnen Falle herbeiführen können, wurde im erſten
und zweiten Abſatz nach einem Zentrumsantrag wie folgt
angenommen. Sind Verwandte durch den Fiskus als
Alleinerben von ihrem geſetzlichen Erbrecht ausgeſchoſſen
worden, ſo ſind ihnen aus dem Nachlaß Haushaltungs=
gegenſtände
, ſoweit ſie nicht Zubehör eines Grundſtücks
ſind, ſowie Gegenſtände des perſönlichen Gebrauchs,
Schriftſtücke und Familienbilder auf Antrag unentgelt
lich zu überlaſſen. Zum Nachlaß gehörige andere beweg=
liche
Sachen ſowie Grundſtücke ſind, falls ſie in ihrem
weſentlichen Beſtande von Voreltern des Erblaſſers her=
rühren
, den Verwandten auf Antrag käuflich zu dem im
Verwaltungswwege feſtzuſtellendan Werte zu überlaſſen.
Die Kaufſumme iſt gegen Sicherheitsleiſtung zu ſtunden
Bezüglich der Stundung finden die Beſtimmungen des
Erbſchaftsſteuergeſetzes entſprechende Anwendung. Soweit
die antragsberechtigten Perſonen dem Erbſchaftsamt in=
nerhalb
der Antragsfriſt bekannt geworden ſind, ſollen
ihnen die Grundſtücke vom Erbſchaftsamt zum Kauf an=
geboten
werden.
Der Kaufpreis für Grunſtücke, die
dauernd land= oder forſtwirtſchaftlichen Zwecken zu dienen
beſtimmt ſind, iſt auf 90 Hundertteile des Ertragswertes
zu bemeſſen. Als Ertragswert gilt das 20fache des Rein
ertrages, den die Grundſtücke nach ihrer bisherigen wirt=
ſchaftlichen
Beſtimmung bei ordnungsmäßiger Bewirtſchaf=
tung
nachweislich gewähren können. Im übrigen bleibt
§ 5 unverändert.
6 regelt die Fälle, in denen der Bundesrat befugt
oder verpflichtet iſt, bei Einrichtung des Nachlaſſes auf
Grund des Fehlens eines gültigen Teſtaments denjeni=
gen
Perſonen, für die der Erblaſſer geſorgt hatte, oder
die ohne dieſes Geſetz die geſetzlichen Erben des teſtie=
rungsfähigen
Erblaſſers ſein würden, Unterſtützungen zu
gewähren. Der Zentrumsredner führte aus der Para=
graph
6 ſei ein kritiſcher Punkt der Vorlage. Die vor=
liegenden
Anträge könnten nur einige Fälle regeln. hun=
derte
blieben aber unerledigt. Es ſei nicht Zufall, daß
gerade zu dieſem Paragraphen die meiſten Petitionen ein
gegangen ſeien. Einem konſervativen Redner erſchien es
durchaus unwürdig, daß der Staat mit Argusaugen ir
den Teſtamenten nach einem Formfehler herumſuche. Habe
der Erblaſſer überhaupt teſtiert, dann müſſe man im Falle
eines Formfehlers die Vorſchriften des Bürgerlichen Ge=
ſetzbuches
in Kraft treten laſſen. Der Regierungsver=
treter
gab zu, daß manche Schwierigkeiten in dieſem § 6
liegen, aber ſie ſeien doch nicht ſo ſchlimm, wie die Vor=
redner
dargelegt hätten. Der Bundesrat würde nicht fis=
kaliſch
, ſondern nach den Grundſätzen der Gerechtigkeit
entſcheiden. Ein nationalliberaler Redner erklärte, das
Geſetz ſei nur annehmbar, wenn es gelänge, eine Korrek=
tur
zu ſchaffen gegenüber den Ungerechtigkeiten dieſes
Paragrähen. Er glaube, daß der Bundesrat den Schwie=
rigkeitenſwachſen
ſei. Es ſollten aber nur höhere Be=

amte die Entſcheidung haben. In der Abſtimmung wurde
§ 6 in allen Teilen nach der Vorlage angenommen mit
dem Antrage des Berichterſtatters, der beſagt: Iſt der Erb=
laſſer
verſtorben, bevor er das 21. Lebensjahr vollendet
hat, oder iſt er vom vollendeten 16. Lebensjahre an bis
zu ſeinem Tode teſtierungsunfähig geweſen, ſo verbleibt
es bei den Beſtimmungen des Bürgerlichen Geſetzbuches
bezüglich der geſetzlichen Erbfolge. Ein Berichterſtatter=
antrag
, betreffend einen neuen Paragraphen 6a, wonach
der Bundesrat beſtimmt, wann bei zeitweiſer Teſtierungs=
unfähigkeit
oder plötzlichem Tode des Erblaſſers der Nach=
laß
aus Gründen der Billigkeit den ausgeſchloſſenen
Erben zufällt und bei nichtigen Verfügungen von Todes=
wegen
, von denen anzunehmen iſt, daß ſie dem letzten
Willen des Erblaſſers entſprechen, der Anteil des Fiskus
denjenigen zufallen ſoll, denen er im Falle der Gültigkeit
der Verfügung zugefallen wäre, wurde angenommen. § 7
wurde in folgender Faſſung angenommen: Von den in den
Paragraphen 4 bis 6 bezeichneten Gegenſtänden iſt, ſoweit
ſie unentgeltlich überlaſſen worden ſind (die Einbeziehung
der unter dem Werte überlaſſenen Gegenſtände wurde
geſtrichen), die Erbſchaftsſteuer in gleicher Weiſe zu ent=
richten
, wie wenn die Zuwendung aus dem Nachlaß ange=
fallen
wäre.
§ 8 (Erbſchaftsamt) wurde nach der Vorlage, § 13
in folgender Faſſung nach einem ſozialdemokratiſchen An=
trag
angenommen: Von der aus dem Erbrecht des Fiskus
erzielten Reineinnahme erhält das Reich 60 vom Hundert
der Bundesrat deſſen Fiskus Erbe iſt oder dem zuſtän=
digrn
Erbſchaftsamt zugehört. als Vergütung für die
Koſten der allgemeinen Verwaltung 30 vom Hundert, die
Gemeinde von dem in ihrem Gemeindebezirk verfallenden
Erbgut 10 vom Hundert. Die den Gemeinden nach §. 9
zu gewährende Vergütung iſt aus der dem Bundesrat zu=
kommenden
Vergütung zu beſtreiten. Der den Gemein=
den
zufallende Anteil darf nicht für Pflichtaufgaben der
Gemeinde verwendet werden. Was als Reineinnahme
anzuſehen iſt, beſtimmt der Bundesrat. Bei § 9, wonach
die Landesregierung die im § 9 bezeichneten Obliegenhei=
ten
den Gemeinden gegen Vergütung übertragen kann
wurde die Vergütung auf 10 vom Hundert feſtgeſetzt. Der
Reſt des Geſetzes wurde unverändert angenommen. Da=
mit
iſt die erſte Leſung beendet. Nächſte Sitzung Freitag
vormittag. Tagesordnung: Entwurf eines Geſetzes, be=
treffend
Aenderungen im Finanzweſen.

Zum Regierungsjubiläum
des Kaiſers.

Die militäriſche Feier in Darmſtadt.
* Anläßlich des Regierungsjubiläums Seiner Maje
ſtät des Kaiſers und Königs ſind für den 15. und 16. Jun
1913 folgende militäriſche Anordnungen ge=
troffen
worden:
Sonntag, den 15. Juni 1913 (Todestag
weiland Seiner Majeſtät des hochſeligen Kaiſers und
Königs Friedrich III.), 8 Uhr vormittags beginnend,
Gottesdienſt in der evangeliſchen Stadtkirche und in der
katholiſchen Kirche St. Ludwig (andere öffentliche Feiern
unterbleiben am 15. Juni).
Montag, den 16. Juni 1913, 6,25 Uhr vor
mittags: Großes Wecken durch das Muſikkorps des Leib=
garde
=Infanterie=Regiments Nr. 115 nach der Wohnung
Seiner Exzellenz des Herrn Diviſionskommandeurs. An=
marſchweg
: Kaſerne, Alexanderſtraße, Straße zwiſcher
Schloß und Denkmal Seiner Königl. Hoheit des Groß=
herzogs
Ludwig IV., Rhein= Neckar=, Hügel= Wilhel=
minenſtraße
. Dort ſpielt die Muſik zwei Stücke und mar=
ſchiert
dann mit Spiel zur Kaſerne zurück. Abmarſchweg:
Wilhelminenſtraße, Rheinſtraße, Paradeplatz, Alexander=
ſtraße
. Hierbei wird in Vereinbarung mit dem Großh.
Polizeiamt, die Wilhelminenſtraße zwiſchen Annaſtraße
und Schnittpunkt der Karl= und Wilhelminenſtraße ab=
geſperrt
. 12 Trompeter des Trompeterkorps des Leib=
Dragoner=Regiments Nr. 24 blaſen am 16. Juni, 7 Uhr
vormittags, einen Choral vom Turm der Stadtkirche
10,30 Uhr vormittags: Appell bei allen Truppenteilen
uſw. Hierbei Anſprache der Kommandeure. 12 Uhr mit=
tags
: Große Paroleausgabe auf dem Exerzierplatz vor
dem Rheintor, in der Nähe der Kaſerne des Leib= Drago=
ner
=Regiments Nr. 24, wobei das Muſikkorps des Garde=
Dragoner=Regiments Nr. 23 konzertiert und eine Batterie
des Feldartillerie=Regiments Nr. 61 einen Salut von
101 Ehrenſchuß feuert. Der Ererzierplatz wird von der
Nordweſtecke des Traindepots in der Richtung nach Nor=
den
, etwa 150 Meter, von da nach Weſten, etwa 300 Meter,
und von dort nach Süden bis an die Mauer der Kaſerne
des Leib=Dragoner=Regiments Nr. 24, im Quadrat, durch
Militärperſonen und Schutzleute abgeſperrt.
In den Kaſernen und Lokalen finden die üblichen
Mannſchaftsfeſtlichkeiten ſtatt. Auf den militäriſchen
Dienſtgebäuden werden am 16. Juni Flaggen gehißt.
Berlin 11. Juni. Der Deutſche Flotten=
verein
läßt dem Kaiſer zum 15. Juni durch ſeinen
Vorſitzenden, den Großadmiral v. Köſter zu ſeinem
25jährigen Regierungsjubiläum in künſtleriſch ausgeführ
ter Truhe eine Adreſſe überreichen, an deren Zuſtande
kommen ſich das Präſidium im Verein mit den Landes=
und Provinzverbänden und Hauptausſchüſſen beteiligt
hat. Die in romaniſchem Stil gehaltene Umrahmung der
Adreſſe enthält Darſtellungen der weſentlichſten Schöpf=
ungen
des Kaiſers auf dem Gebiete des Seeweſens. Die
Mittelbilder geben die beiden Flottenſtützpunkte Helgo=
land
(mit einem heranſchwebenden Zeppelin=Luftſchiff im
Hintergrund) und Tſingtau wieder. Unter den ſeitlichen
die Flottengeſetze und Novellen bezeichnenden Inſchriften
ind Segelſport und die Nordlandfahrten durch eine
Rennjacht und die Kaiſerjacht in einem norwegiſchen
Fjord vertreten. Die Flotte und die Handelsflotte wer=
den
in zwei Bronzefiguren, einem ſtreitbaren Wikinger
und der Hanſa, verkörpert, hinter welchem durch ſchöne
Bogenfenſter zwei Vertreter des modernen Kriegs= und
Handelsſchiffbaues ſichtbar werden. Die linke Hand der
Hanſa ruht auf dem Diplom eines Dr.=Ing., das die
Förderung des Technikerſtandes ſinnbildlich darſtellt. Den
unteren Abſchluß der Adreſſe bewirken zwei Schilder mit
bildlichen Darſtellungen von Kriegsſchiffen des Mittel=
alters
und der grauen Vorzeit. Das zweite Blatt der
Adreſſe enthält eine Geſchichte, das dritte eine Darſtellung
der Arbeit des Flottenvereins.
Die Adreſſe lautet: Euere Kaiſerliche und
Königliche Majeſtät bittet der Deutſche Flottenverein, zur
Vollendung des fünfundzwanzigſten Regierungsjahres
ſeine ehrfurchtsvollſten Glückwünſche darbringen zu dür
en. Unter den Merkmalen gewaltigen Erſtarkens, deſſen
ſich das Reich unter Euerer Majeſtät Herrſchaft erfreuen
durfte, iſt keines bedeutungsvoller als der allſeitige Auf=
ſchwung
ſeines Wirtſchaftslebens und ſeine hierdurch be=
dingte
Umwandlung von einer Kontinental= in eine
Weltmacht. Dieſe Entwickelung vorausgeſchaut, ſie dem
deutſchen Volke immer wieder verkündet und mit allen

Mitteln gefördert zu haben, dafür danken Euerer Maje=
ſtät
am heutigen Tage alle national fühlenden Deutſchen
von ganzem Herzen. Nicht geringeren Dank ſchulden ſie
Euerer Majeſtät für die weitblickende Fürſorge, die auch
darauf bedacht war, durch Schaffung einer achtunggebie=
tenden
Flotte der überſeeiſchen Betätigung des deutſchen
Volkes den unentbehrlichen Schutz zu verleihen. Die
mahnenden Worte Euerer Majeſtät bleiben nicht ohne
Widerhall. Viele Tauſende deutſcher Männer ſchloſſen ſich
im Flottenverein zuſammen, um mit allen tauglichen
Mitteln das deutſche Volk für das geplante Flottenwerk
zu begeiſtern, Aufklärung über ſeine Ziele in alle Schich=
ten
der Bevölkerung zu tragen und ſo ſeiner Ausgeſtaltung
und Vollendung die Wege zu ebnen. Wenn darum heute
Deutſchlands Kriegsflagge über einer modernen Flotte
weht, die in allen ihren Teilen das Werk Euerer Maje=
ſtät
darſtellt, ſo geziemt es dem Deutſchen Flottenverein,
im Namen des ganzen deutſchen Volkes dafür innigen
Dank zu ſagen. Möge dieſe ſtolze Flotte alle Stürme der
Zeit überdauern und gemeinſam mit der Streitmacht zu
Lande ſtets der ſichere Hort des Reiches ſein!
Ein Ehrengeſchenk der Armee in Geſtalt
eines Feldmarſchallſtabes wird dem Kaiſer in den Vor=
mittagsſtunden
des 16. Juni durch den Generalfeldmar=
ſchall
Grafen von Haeſeler im Beiſein der Spitzen der
Militärbehörden in Berlin im Königlichen Schloſſe über=
reicht
werden. Es iſt eine Gabe ſämtlicher aktiver und
à la suite ſtehender Offiziere, ſowie der in etatsmäßigen
Offiziersſtellen befindlichen Offiziere a. D., der Zeug=,
Feuerwerks=, Feſtungsbau=, Sanitäts= und Veterinär=
Offiziere, der oberen Beamten des deutſchen Heeres und
der Schutztruppen und der Gendarmerie=Offiziere und
Offiziere der Invalidenhäuſer. Auf dem Feldmarſchall=
ſtab
befindet ſich die Inſchrift: Dem Deutſchen Kaiſer!
das deutſche Heer. 18881913
Zum Regierungsjubiläum des Kaiſers treffen in Ber=
lin
ein: am 12. Juni abends im Neuen Palais: Prinz
und Prinzeſſin Heinrichvon Preußen, Prinz Wal=
demar
von Preußen, der Erbprinz und die Erbprinzeſſin
von Sachſen=Meiningen; am 14. Juni abends im Neuen
Palais: Prinz und Prinzeſſin Ernſt Auguſt, Herzog und
Herzogin zu Braunſchweig und Lüneburg; am 14. Juni
abends in Berlin: Prinz und Prinzeſſin Friedrich
Karl von Heſſen, Prinz und Prinzeſſin Adolf zu
Schaumburg=Lippe; am 15. Juni nachmittags in Ber=
lin
: der Herzog und die Herzogin zu Schleswig=Holſtein,
der Fürſt von Hohenzollern; am 16. Juni abends bezw. 17.
Juni früh in Berlin: Prinz=Regent Ludwig von Bayern
der König von Sachſen, der König von Württemberg,
der Großherzog von Baden, der Großherzog von
Heſſen und bei Rhein, der Großherzog von Sachſen,
der Großherzog von Mecklenburg=Schwerin, der Groß=
herzog
von Mecklenburg=Strelitz, der Großherzog von
Oldenburg, der Herzog von Sachſen=Altenburg, der Her=
zog
von Sachſen=Koburg und Gotha, der Herzog von An=
halt
, der Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Re
gent des Herzogtums Braunſchweig, der Fürſt zu Waldeck
und Pyrmont, der Fürſt zur Lippe, der Fürſt Reuß j. L.
Regent des Fürſtentums Reuß ä. L., der Fürſt zu Schaum=
burg
=Lippe; ferner: Bürgermeiſter Dr. Barkhauſen, Prä=
ſident
des Senats der Freien und Hanſeſtadt Bremen,
Bürgermeiſter Dr. Schröder, Präſident des Senats der
Freien und Hanſeſtadt Hamburg, der Bürgermeiſter Dr.
Eſchenburg, Präſident des Senats der Freien und Hanſe=
ſtadt
Lübeck.
* Wien, 11. Juni. Die hieſige militäriſche Zeitſchrift
Armeeblatt veröffentlicht anläßlich des Regierungsjubi=
läums
des deutſchen Kaiſers eine Feſtnummer, die
aus der Feder hoher Militärs und politiſcher Perſönlich=
keiten
Abhandlungen über den deutſchen Kaiſer bringt.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
g. Darmſtadt, 12. Juni. Die Flieger, die bei
Muggenſturm auf dem Fluge nach Heidelberg landen
mußten, konnten geſtern abend nach Heidelberg fliegen.
Sie werden ebenſo wie der Flieger Gorlt den Rück=
flugnach
Darmſtadt morgen früh antreten. Heute
flog auf dem Flugplatze Leutnant Reinhardt mit
Paſſagier. Er führte mehrere größere Platzflüge aus.

Zum Attentat auf den Großweſir.

* Konſtantinopel, 11. Juni. Die näheren
Umſtände des Attentats auf den Großweſir ſind fol=
gende
: Als der Großweſir in Begleitung ſeines Adju=
tanten
Ekreff Bey und des Marineoffiziers Ibra=
him
Bey das Kriegsminiſterium verlaſſen hatte und
auf dem Wege zur Pforte war begegnete ſein Automobil
auf dem Platz Bayazid zwei Perſonen, die vor einem
anderen Automobil ſtanden und ihre Revolver auf den
Großweſir abſchoſſen. Mahmud Schefket wurde tödlich
getroffen und ſtarb bald darauf, Ibrahim und ein Die=
ner
wurden verwundet.
Die Polizei wußte ſeit geſtern abend, daß ein Anſchlag
gegen den Großweſir geplant ſei. Alle Sicherheitsmaß=
nahmen
wurden jedoch durch Zufälle vereitelt. Der Er=
mordete
wird vermutlich auf dem Freiheitshügel begra=
ben
werden. Der Mörder gehört der Verbrecherbande
Kör Enine an, deren Mitglieder alte Zuchthäusler ſind,
die bei Einführung der Verfaſſung begnadigt wurden.
Der Mörder des Großweſirs Topol Kadri gehört
ſeit längerer Zeit dem mit der Militärliga ſympathiſieren=
den
Bunde Ottomaniſche Patrioten an. Am Abend
fand eine Konferenz der Regierungspartei ſtatt, an der
mehrere bei der Ermordung Naſims beteiligte und jetzt
mit dem Tode Bedrohte, u. a. Enver Bey, Miniſter Ta=
laat
Bey und Bjemal Bey teilnahmen.
Die Mörder des Großweſirs ſind meiſt Tſcher=
keſſen
. Wahrſcheinlich iſt der Mord ein Racheakt. Als
der Großweſir in den Nacken und in das Ohr getroffen
wurde, ſchrie er vor Schmerzen auf. Schon vor drei Ta=
gen
wurde von einem hieſigen Blatte angefragt, ob es ſich
beſtätige, daß Enver Bey und ein noch höherer Offizier
ermordet worden ſeien.
Der Regierung war ſeit einigen Tagen bekannt,
daß die Feinde des Kabinetts einen Streich plan=
ten
. Geſtern abend waren alle Polizeipoſten geſperrt
worden. Der Gouverneur von Konſtantinopel macht be=
kannt
, daß der Belagerungszuſtand fortan wieder ganz
ſtreng durchgeführt wird, und daß das Betreten der Stra=
ßen
nach 10 Uhr abends verboten iſt.
Nach der Südſlawiſchen Korreſpondenz gilt die Er=
mordung
des Großweſirs als das Werk der Offi=
ziersliga
, die dem Großweſir wiederholt ſagen ließ,
er werde es büßen müſſen, wenn er die Mörder Naſim
Paſchas nicht beſtrafe. Vor vier Wochen brach eine Gruppe
von 40 Perſonen, darunter Offiziere, die wegen politiſcher
Betätigung aus der Armee entlaſſen worden waren, in
das Haus des abweſenden Großweſirs ein und hinter=
ließen
einen Zettel: Beſtrafen Sie die Mörder! Wie=
derholt
erhielt der Großweſir Drohbriefe. Es kam zu

[ ][  ][ ]

regierungsfeindlichen Kundgebungen in der Tſchataldſcha=
Armee, und die Haltung der Offiziersliga wurde ſo dro=
hend
daß der Oberkommandant Abuk Paſcha wegen Ge=
horſamsverweigerung
abberufen, der Abberufungsbefehl
aber zurückgezogen werden mußte. Die Ermordung des
Großweſirs deutet den Beginn einer Reihe terrori=
ſtiſcher
, ſeitens der Offiziersliga ſeit Wochen angekündig=
ter
Aktionen an.
Konſtantinopel, 12. Juni. Wie von gut unter=
richteter
jungtürkiſcher Quelle verlautet, ſcheint es, als ob
die Mörder Schefket Paſchas von Parteigän=
gern
des Prinzen Sabah Eddin gedungen
worden ſeien. Auf Grund dieſes Reſultates der Unter=
ſuchung
ſtehe deren Verhaftung unmittelbar bevor.
Konſtantinopel, 12. Juni. Der Militär=
gouverneur
von Konſtantinopel, Oberſt Djemal
teilte dem Vertreter des Wiener K. K. Bureaus folgen=
des
mit: Ich hatte eben den Großweſir, mit dem ich ge=
arbeitet
hatte, verlaſſen, befand mich aber noch im Kriegs=
miniſterium
, als der Schall mehrerer Detonationen an
mein Ohr drang. Gleich daraufgſtürzte ein Adjutant des
Großweſirs mit verſtörtem Geſicht herein und meldete,
daß der Großweſir von den Schüſſen getroffen ſei. Als=
bald
brachte man dieſen in das Miniſterium; er hatte
nur eine Schläfenwunde, konnte aber kein Wort hervor=
bringen
, ſondern ſtöhnte nur. Der Verhaftete gehört bür=
gerlichen
Kreiſen an. Die Gerüchte, daß die Täter Mili=
tärperſonen
ſeien, ſind falſch. Es waren vier Perſonen,
die in einem bereitſtehenden Mietautomobil entflohen,
das ſpäter leer aufgefunden wurde. Es ſcheint, als ob
von den Leuten, die auf den Großweſir geſchoſſen, nie=
mand
der Behörde entgangen iſt. Hieſige Militärkreiſe
verſichern, daß keine Militärperſonen an dem Komplott
beteiligt ſeien. Auch das Gerücht, daß Enver Bey in
das Ausland gereiſt ſei, iſt falſch. Er iſt vielmehr geſtern
nachmittag hier eingetroffen.
* Konſtantinopel, 12. Juni. Ein Polizei=
agent
, der Augenzeuge des Attentats war,
erzählt: Ich bemerkte das Automobil des Großweſirs in
dem Augenblick, als es infolge des Gedränges ſein Tempo
verlangſamte. Im nächſten Augenblick hörte ich einen Re=
volverſchuß
und ſah gleich darauf den Chauffeur und den
Diener des Großweſirs von ihren Plätzen ſpringen. Der
Adjutant des Großweſirs lief zum Kriegsminiſterium, um
Militär herbeizurufen. Gleich darauf ſtieg ein Individuum,
von dem ich annehme, daß es den erſten Schuß abgegeben
hatte, auf den Wagentritt und feuerte Schüſſe in das In=
nere
des Wagens ab. Faſt gleichzeitig ſtürzten drei oder
vier endere Perſonen auf den Wagen, anſcheinend ſchoſſen
auch dieſe. Alles vollzog ſich in wenigen Sekunden. In
der allgemeinen Verwirrung ſah ich einen Mann ſich hin=
kend
entfernen, indem ich den erſten Angreifer zu erkennen
laubte. Topal Tewſik ſoll von Geburt lahm ſein.
Verhaftete Topal Tewfik ſoll unter dem
ten Regime mit drei Jahren Gefängnis beſtraft worden
Attentäter, der auf den Großweſir ſchoß, war
et. Der überlebende Adjutant erklärte, die vor=
gelegte
Perſonalbeſchreibung paſſe genau auf den Täter.
rde dieſen ſofort erkennen, wenn er ihn ſähe. Die
i joll übrigens die Perſonalbeſchreibung dreier an=
derer
für ſchuldig angeſehener Perſonen beſitzen, nach denen
ifrig gefahndet wird. Nach einer anderen Verſion ſoll
der Adjutant dem Mörder nachgeeilt ſein, der jedoch in
der Menſchenmenge verſchwand. Das benutzte Automobil
ſoll 10 von den Revolverkugeln herrührende Löcher auf=
weiſen
.
* Konſtantinopel, 12. Juni. Die Beiſetz=
ung
Mahmud Schefket Paſchas iſt ohne Zwi=
ſchenfall
verlaufen. Alles iſt ruhig. Der deutſche
Botſchafter hat der türkiſchen Regierung das Bei=
leid
ſeiner Regierung ausgedrückt.
Der Nachfolger.
Konſtantinopel, 11. Juni. Durch ein Jrade des
Sultans wurde der Miniſter des Aeußern Prinz Aid
Halim Paſcha zum interimiſtiſchen Großweſir ernannt.
Das Hatt=i=Humajun, die Beſtellungsurkunde, wurde heute
nachmittag auf der Pforte verleſen. Die übrigen Miniſter
bleiben im Amte. Der Miniſterrat trat auf der Pforte zu
einer Sitzung zuſammen.

Der Balkankrieg.

Der ſerbiſch=bulgariſche Konflilt.
* Belgrad, 11. Juni. Den Blättern zufolge
empfing der König geſtern den ruſſiſchen Ge
ſandten Hartwig in Audienz. Der Geſandte drückte
den Wunſch Rußlands nach einer friedlichen Löſung des
ſerbiſch=bulgariſchen Konfliktes aus. In dem hierauf ab=
gehaltenen
Miniſterrate wurde der Geſetzentwurf über die
Annektion der von der ſerbiſchen Armee eroberten Gebiete
durchberaten. Das Regierungsorgan Samouprava erklärt,
die ſerbiſche Regierung verſuche zunächſt alle friedlichen
Mittel, um durch eine gütliche Austragung des Konfliktes
mit Bulgarien dem Friedensbedürnfis der ziviliſierten
Welt, deren Sympathien dem ſerbiſchen Volke teuer ſeien
Rechnung zu tragen. Serbien wolle ſein Recht nicht durch
einen Gewaltakt kompromittieren, als welcher eine An=
nektion
vor Erſchöpfung aller friedlichen Mittel erſcheinen
müßte. Das jungradikale Parteiorgan Odjek drückt die
Beſorgnis aus, daß das Kabinett Paſitſch gewillt ſein
könnte, Konzeſſionen zu machen, welche mit den von dem
ſerbiſchen Volke aufgeſtellten Forderungen in Widerſpruch
ſtänden Der Miniſter bezwecke offenbar durch das Hin=
ausſchieben
der Entſcheidung den Großmächten Gelegen=
heit
zu bieten, ſich in die ſerbiſch=bulgariſche Streitfrage
einzumiſchen.
Sofia, 42. Juni. An zuſtändiger Stelle ver=
lautet
, das Telegramm des Kaiſers von Ruß=
land
werde dahin beantwortet werden: Bulgarien
verſtehe den Vertrag dahin, daß das Schiedsgericht nur für
die ſtreitige Zone zuſtändig ſei, daß man jedoch die Räu=
mung
des unbeſtrittenen bulgariſchen Gebietes von den
Serben ohne weiteres verlangen könne. Der Plan eines
Koalitionskabinetts auf breiter Grundlage begegnet
Schwierigkeiten, da Radoslawow ſeine Beteiligung ver=
weigert
.
* London, 12. Juni. Wie das Reuterſche Bureau
aus Petersburg meldet, werden ſich Bulgarien und Ser=
bien
dem ruſſiſchen Schiedsſpruch unter=
werfen
.
Rußlands Stellungnahme.
* Petersburg, 12. Juni. Der Kaiſer hat an
den König von Bulgarien und an den König
von Serbien am 8. Juni aus Moskau folgendes
Telegramm gerichtet: Die geplante Zuſammenkunft
der Miniſterpräſidenten der vier verbündeten Staaten in
Saloniki, der ſich ſodann eine Zuſammenkunft in Peters=
burg
anſchließen könnte, hat mich mit der größten Freude
erfüllt, da dieſe Abſicht den Wunſch der Balkanſtaaten an=
zuzeigen
ſchien, ſich zu verſtändigen und das Bündnis be=
feſtigen
zu wollen, das bis jetzt ſo glänzende Erfolge ge=
zeitigt
hat. Mit peinlichem Empfinden erfuhr ich, daß die=
ſer
Beſchluß noch nicht zur Ausführung gelangt iſt, daß die

Balkanſtaaten ſich anſcheinend auf einen Bruderkrieg vor=
bereiten
, der geeignet iſt, den Ruhm, den ſie gemeinſam
erworben haben, zu trüben. In einem ſo ernſten Augen=
blick
wende ich mich direkt an Eure Majeſtät, wozu mich
mein Recht und meine Pflicht in gleichem Maße nötigen,
denn das bulgariſche und das ſerbiſche Volk haben durch
ihren Bündnisvertrag die Entſcheidung jeder Meinungs=
verſchiedenheit
über die Ausführung der Beſtimmungen
des Vertrages und der Verabredungen, die ſich darauf be=
ziehen
, Rußland übertragen, und ich bitte des=
halb
Eure Majeſtät, den übernommenen Verpflichtungen
treu zu bleiben und die Beilegung der gegenwärtigen
Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen Bulgarien und Ser=
Da ich das Amt des
bien Rußland zu überlaſſen.
Schied srichters nicht als ein Vorrecht, ſondern als
meine ernſte Pflicht betrachte der ich mich nicht ent=
ziehen
könnte, ſo glaube ich Eurer Majeſtät mitteilen zu
müſſen, daß ein Krieg zwiſchen den Verbün=
deten
mich nicht teilnahmslos laſſen
könnte. Ich ſtelle ausdrücklich feſt, daß der Staat, der
dieſen Krieg beginnen würde, dafür der ſlawiſchen Sache
gegenüber verantwortlich wäre und ich behalte mir
jede Freiheit für die Haltung vor, die Ruß=
land
gegenüber dem Ausgang eines ſo verbrecher=
iſchen
Kampfes einnehmen wird.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Wiesbaden, 12. Juni. Das Königliche Konſi=
ſtorium
und der Bezirks=Synodalausſchuß beſchloſſen,
an Stelle des in den Ruheſtand tretenden Generalſuper=
intendenten
Wirkl. Geh. Rats D. Maurer den Hof=
prediger
Ohly=Berlin in Vorſchlag zu bringen. Ohly
wurde mit einer Stimme Mehrheit gegen den Leiter des
Theologiſchen Seminars in Herborn, D. Knodt, gewählt.
* Kaiſerslautern, 12. Juni. Bei den Löſcharbei=
ten
zur Bekämpfung des heute früh gegen 5 Uhr in der
Malzfabrik von Eelbert ausgebrochenen Brades
wurden, wie die Pfälziſche Preſſe meldet, 12 Feuer=
wehrleute
leicht verletzt; ein Totengräber erlitt
erhebliche Brandwunden im Geſicht und an den Händen.
Der angerichtete Schaden iſt durch Verſicherung gedeckt.
* Hamburg, 12. Juni. Infolge des geſtrigen Stur=
mes
entſtanden umfangreiche Störungen der von
Hamburg ausgehenden Fernſprechleitungen.
Größere Verzögerungen der Ferngeſpräche ſind vermut=
lich
im Verkehr mit Berlin, Sachſen und Bayern unver=
meidlich
. Die Störungen werden in der Hauptſache vor=
ausſichtlich
heute beſeitigt werden.
Bern, 12. Juni. Die vereinigte Bundes=
verſammlung
wählte für den verſtorbenen Bundes=
rat
Perrior=Neuenburg mit 151 von 199 gültigen Stim=
men
Dr. jur. Calonder aus Trins=Graubünden zum
Bundesrat. Calonder iſt freiſinnig, romaniſchen Stam=
mes
, Rechtsanwalt in Chur, ſeit 1899 im Ständerat, ſeit
1912 deſſen Präſident.
Die franzöſiſche Schweiz zählt
damit ſtatt wie bisher zwei nur noch einen Vertreter im
Bundesrat.
* Peſt, 12. Juni. Im Abgeordnetenhauſe
hielt der Miniſterpräſident Graf Tisza ſeine Pro=
grammrede
, in der er zugleich das Arbeitsprogramm
des Abgeordnetenhauſes entwarf. Er erklärte ſich als
einen unerſchütterlichen Anhänger des Dualismus, wel=
cher
ohne Verletzung der ſtaatlichen Unabhängigkeit Un=
garns
das harmoniſche Zuſammenwirken aller Faktoren
der Monarchie ermögliche und die Großmachtſtellung der
Monarchie ſichere. Dieſe Großmachtſtellung ſei auch vom
Standpunkte des Lebensintereſſes der ungariſchen Nation
unerläßlich. Die jüngſten Umwälzungen auf dem Balkan
bildeten ein ernſtes Moment, daß den ſtaatsrechtlichen
Kämpfen ein Ende geſetzt werde. Ueber das Verhältnis
zu Oeſterreich erklärte der Miniſterpräſident, daß Ungarn
nichts anderes wünſche, als eine ehrliche Anerkennung
ſeiner Rechte auf der ganzen Linie, wofür es das Gleiche
gegenüber Oeſterreich verſpreche. Was Kroatien betreffe,
ſo werde er alles aufbieten, damit eine normale Wirkſam=
keit
des verfaſſungsmäßigen Lebens hergeſtellt wird. Be=
züglich
der Nationalitäten hoffe er, daß auch jener Teil
der nichtungariſchen Bevölkerung, welcher jetzt nationaliſti=
ſchen
Tendenzen huldige, alles vermeiden werde, was mit
der Einheit des ungariſchen Staates in Widerſpruch ſtehe.
Andererſeits werde die Regierung befliſſen ſein, die
Wünſche, die Intereſſen und die Gefühlswelt der Nationa=
litäten
zu reſpektieren.
Paris, 12. Juni. Das bei Ahucemas geſtrandete
Kanonenboot General Chonchas wurde von einer
großen Anzahl Rifleute angegriffen. Der
Kapitän des Schiffes und ſieben Matroſen wurden ge=
tötet
, zwei Offiziere und 20 Mann ſchwer verwundet.
Das Kanonenboot Laurea nahm die Verwundeten auf.
Madrid, 12. Juni. König Alfons iſt hier ein=
getroffen
und betraute Romanones mit der Kabi=
nettsbildung
. Das Kabinett wird heute nachmit=
tag
dem König vorgeſtellt.
London, 12. Juni. Die Times meldet aus Simla
vom 10. dieſes Monats: Der Emir von Afghani=
ſtan
hat die ſechs türkiſchen Militärinſtruk=
eure
, die er in Kabul hatte, über die Grenze nach
Indien bringen laſſen. Der Hauptinſtrukteur
war zum Leiter der afghaniſtaniſchen Militärſchule er=
nannt
worden; aber ſeine harte Behandlung der Schüler
führte zu ſeiner Verhaftung und Beſtrafung.
Southampton, 12. Juni. Der Dampfer Im=
perator
iſt heute nachmittag 1 Uhr 15 Minuten in
Southampton eingetroffen und hat um 2 Uhr
45 Minuten die Weiterfahrt nach Cherbourg und New=
York angetreten.
* Kopenhagen, 12. Juni. Der Miniſterpräſident
wurde vom König in Audienz empfangen, in deren
Verlauf er die Demiſſion des Kabinetts über=
reichte
, die der König annahm. Der König bat das
Miniſterium, die Geſchäfte vorläufig weiterzuführen.
Wie Ritzaus Bureau erfährt, wird der König ſchon heute
mit den Parteiführern konferieren.
* Waſhington, 12. Juni. Der Schatzſekretär Mac
Adoo erklärte auf Grund des Geſetzes Aldrich=Vreeland=
Andes, das Schatzamt habe 500 Millionen Dol=
ars
Bargeld und zögere nicht, im Bedarfsfalle den
Banken Geld zu leihen, welche darum erſuchen und die
nötigen Sicherheiten bieten. Die New=York Times er=
klärt
, anſäſſige Bankiers verſicherten, bei der augenblick=
lichen
Finanzlage ſei für die Banken kein Grund vorhan=
den
, Aushilfsgeld zu ſuchen. Diejenigen, welche die Er=
klärung
Mac Adoos beſvrächen, könnten keinen Grund zu
ihrer Veröffentlichung finden.
Prinz Heinrich XXVI. Reuß i. L. *.
* Jena, 11. Juni. In einer Privatklinik in Jena
tarb in der vergangenen Nacht Prinz Heinrich XXVI
Reuß j. L. Seine Leiche wird nach Niesky (Oberlauſitz)
übergeführt. Prinz Heinrich XXVI. war der älteſte

Sohn des am 1. Auguſt 1898 verſtorbenen Prinzen Hein=
rich
IX. auf Neuhoff und Jänkendorf und ſeiner Ge=
mahlin
Anna, geb. Freiin v. Zedlitz und Leipe. Er ſtand
im 56. Lebensjahre und war ſeit 1885 mit der Gräfin
Viktoria v. Fürſtenſtein vermählt. Aus dieſer Ehe ginger
zwei Söhne und eine Tochter hervor, die nach dem 1887
getroffenen Familienübereinkommen den Titel Grafen
und Gräfin von Plauen führen. Der verſtorbene Fürſt
Heinrich XXII. Reuß ä. L. proteſtierte damals gegen die
eventuelle Nachfolgefähigkeit der Kinder. Die Witwe des
verſtorbenen Prinzen entſtammt dem alten franzöſiſchen
Adelsgeſchlecht Le Camus, das nach dem Ausſterben der
heſſiſchen Adelsfamilie der Diede v. Fürſtenſtein vom
König Hieronymus von Weſtfalen im Jahre 1807 deren
Lehen als Allod erhielt. Der franzöſiſche Grafentitel
wurde in Preußen am 30. April 1864 anerkannt.
Bombenattentat in Liſſabon.
* Liſſabon, 11. Juni. Der Elektriker Valerio Ser=
rurier
vom Arſenal iſt verhaftet worden, weil er
verdächtig iſt, die Bombe auf dem Dom=Pedro=Platz ge=
worfen
zu haben. Er leugnet, jedoch befand er ſich in
einer Gruppe revolutionärer Sozialiſten und wurde an
den Beinen und auch am Bauch verwundet. Heute nacht
fanden verſchiedene Verhaftungen ſtatt. Es ſind Vor=
ſichtsmaßregeln
getroffen, doch herrſcht volle Ruhe. Auch
die ſozialiſtiſchen Zeitungen tadeln das Attentat. Der
Kiosk, der unter dem Namen Anarchiſtenhöhle bekannt
iſt, wurde von Ziviliſten in Brand geſteckt.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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hiermit die traurige Nachricht, daß heute nacht
1 Uhr unſere liebe Mutter, Großmutter, Schwie=
germutter
, Urgroßmutter und Tante (13030
Frau
Eva Kath. Penk Wwe.
geb. Dietrich
im 89. Lebensjahre infolge Herzſchlags ſanft
verſchieden iſt.
Für die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ludwig Bangert,
Frankfurterſtraße 100.
Darmſtadt, Offenbach a. M., New=York,
den 12. Jum 1913.
Die Beerdigung findet Samstag, den 14. d. M.,
nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des
Friedhofes aus, ſtatt.

Tageskalender.

Bierabend des Vogelsberger Höhenklubs im Braue=
rei
=Ausſchank Fay.
Konzerte: Hugenſchütz’ Felſenkeller um 8 Uhr.
Bürgerkeller um 8 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: i. V.: Max Streeſe; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus der Geſchäftswelt: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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[ ][  ][ ]

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Pinſcher. 1 Dobermann (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden.
Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden
Werktag, vormittags um 10 Uhr, ſtatt.
(13005

Bekanntmachung.

In letzter Zeit ſind mehrfach Beſchwerden von Garten= und
Villenbeſitzern bei uns eingelaufen, daß von Kindern und ſelbſt von
Erwachſenen im Vorbeigehen=Roſen und andere Blumen aus ihren
Gartenanlagen entwendet und ſtellenweiſe ganze Roſenſtöcke umge=
knickt
worden ſeien.
Dieſe Unſitte kann nicht ſcharf genug verurteilt werden, da ſie
ein ſchlechtes Licht auf die Bevölkerung Darmſtadts wirft und wei
ſie den Garten= und Häuſerbeſitzern den Aufenthalt in Darmſtad
verleiden kann, abgeſehen von dem Schaden, der durch den Unfug
angerichtet wird.
Wir richten daher an die Bevölkerung Darmſtadts das dringende
Erſuchen, daß jeder für ſeinen Teil erzieheriſch auf Kinder und Er=
wachſene
in dieſer Richtung einwirke, damit dem Unfug geſteuert und
die Stadt vor Schaden bewahrt wird.
Die Polizei=Organe ſind mit ſtrenger Ueberwachung und un
nachſichtiger Veranzeigung beauftragt.
Darmſtadt, den 10. Juni 1913
(13023
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Verſteigerungs-Anzeige.
Freitag, den 13. d. Mts., vorm. 10 Uhr,
ſollen im Verſteigerungslokal Altes Hoftheater (Eingang Hochſchul=
ſtraße
) folgende Gegenſtände verſteigert werden:
1 altertüml. Schreibpult, 1 Cauſeuſe mit 2 Halbſeſſel ( über=
polſtert
), 1 Serviertiſchchen, 1 runder Tiſch, 20 Stühle,
1 Biedermeierſpiegel,
Kleiderſtänder, 1 Nachttiſchchen
1 Ofenſchirm, 1 Nipptiſchchen, 1 Waſchgeſtell, 1 Gaslüſter,
1 Nußbaumbüfett (innen eichen), 1 kl. altertüml. Stuhl,
Schuttwagen, 1 Pianino, 4 Schreibtiſche, 2 Büfetts,
1 zweitür. Kleiderſchrank, 1 Vertiko, 1 Tafelklavier.
Die Verſteigerung findet beſtimmt ſtatt.
Darmſtadt, den 9.
Juni 1913.
(12877mdf
Wieser, Pfandmeiſter.

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von 35 Pfg. an.
Otto (12448dd
0
Nachf
Krotschmauh te
G. m. b. H.

Bekanntmachung.

Freitag, den 11. Juli I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Gaſtwirt Ludwig
Finger Eheleuten dahier zuge=
ſchriebenen
Immobilien:
Flur Nr.
qm
III 618 345 Hofreite Rhön=
ring
Nr. 1,
III 618¾/10 98 Grasgarten
(Vorgarten)
daſelbſt,
III 617 286 Stall mit Hof=
raum
daſelbſt,
nebſt Wirtſchaftsinventar, in unſe=
rem
Bureau zwangsweiſe verſtei=
(K11/13
gert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er
reicht.
Darmſtadt, 27. Mai 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I
Müller. (V,11979

Bekanntmachung.

Freitag, den 4. Juli 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die dem Heinrich Philipp
Jacoby dahier zugeſchriebenen Lie=
genſchaften
:
Flur Nr. qm
XIX 265 2199 Acker, oberſte
Golläcker,
XIX 316 2634 Ackeram Pfung=
ſtädter
Weg,
LXVII 18 962 Wieſe, die Ru=
dolfswieſe
,
in unſerem Geſchäftszimmer, Witt=
mannſtraße
Nr. 1, wiederholt
zwangsweiſe verſteigert werden.
Die Genehmigung der Ver=
ſteigerung
kann auch dann erfolgen,
falls kein der Schätzung entſprechen
des Gebot eingelegt wird und
andere rechtliche Hinderniſſe nicht
entgegenſtehen.
Darmſtadt, 12. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt II.
(Beſſungen.)
Frantz. (VI,13018

HASSLA
Vervielfältigungs-
Büro
Inh. S. Guttmann
lendelstadtstr. 26
Telephon 1679.
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Arbeiten
Diktate
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ohne Fettrand.
Zeugnis-Abschriften
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diskret-biIIig.

ofort geg. bar zu verk.: 1 Meyers
Konverſations=Lexikon, 17Bde.,
1 Zeichenbrett, 2,0X1,1m, 1 Staffelei
f. Zeichenbrett, 1 Geſtell f. Zeichn.,
3 Jahrg. Ingenieurztg., 1909, 1911
und 1912, 1 Arztbuch für Frauen,
1Vervielf.=App., 1Eisſchr., 64X52cm
u. 1kl. Gaskocher. Näh. Exp. (*377

Heugras=Verſteigerung.
Die Verſteigerung des Heugraſes
von den ſtädtiſchen Wieſen öſtlich
des Friedhofs uſw. vom 5. und
6. ds. Mts. iſt genehmigt. Die
Mähſcheine können bei der Stadt=
kaſſe
in Empfang genommen wer
den und müſſen bis zum 20. I. M.
eingelöſt ſein.
(13017fs
Darmſtadt, 11. Juni 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jaeger.

Kanalbau.
Die Ausführung eines 74 m
langen Steinzeugrohrkanals in der
verlängerten Darmſtraße ſoll ver
dungen werden.
Arbeitsbeſchreibungen und Be=
dingungen
liegen bei dem Tief=
bauamte
, Zimmer Nr. 7, zur Ein=
ſicht
offen. Auch werden dort die
Angebotſcheine abgegeben.
Angebote ſind bis
Mittwoch, den 18. Jnni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu
reichen.
3010fs
Darmſtadt, 12. Juni 1913.
Tiefbauamt=
Keller.

Bekanntmachung.

Freitag, 27. Juni l. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Schreinermeiſter Wil
helm Hermann Eheleute dahier zu=
geſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr
qm
III 1405 888 Hofreite Wen=
delſtadtſtr
. 13
III 1406 150 Grasgarten
(Vorgarten),
daſelbſt
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K19/13
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, kann Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das einge
legte Meiſtgebot die Schätzung
nicht erreicht.
Darmſtadt, 5. Juni 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
(V,12538
Müller.

Bekanntmachung.

Freitag, den 27. Juni 1. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die den Heinrich Jacoby VIII.
Eheleuten gehörige Liegenſchaft:
Nr. qm
Flur
II 773 484 Hofreite Lieb=
frauenſtraße

Nr. 81,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K40/13
verſteigert werden.
Darmſtadt, 9. Mai 1913
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,11039

Bekanntmachung.

Freitag, den 27. Juni I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll das den Milchhändler Peter
Groh Eheleuten zu Arheilgen, im
Grundbuch hieſiger Gemarkung zu=
geſchriebene
Grundſtück:
Flur Nr. qm
73 3690 Acker an der
33
Täubches=
höhle
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
V, 11040
verſteigert werden
Darmſtadt, 7. Mai 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (K34/13

Jederzeit Dünger und Pfuhl
in Einzelfuhren abzugeben.
Preis der Einſpännerfuhre 6 Mk
Zweiſpännerfuhre 10 Mk.

pro Faß Pfuhl . 20 Pfg.
Schlachthof.
12546a)

Knabenanz., Capes u. Stiefelbill.
abz. N.=Ramſtädterſtr. 36, II. (*548

Bekanntmachung.

Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums Seiner
Majeſtät des Deutſchen Kaiſers ſind ſämtliche ſtädtiſchen Bureau
und Kaſſenſtellen am Montag, den 16. ds. Mts., geſchloſſen.
Darmſtadt, den 10. Juni 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
(12983fs
Dr. Gläſſing.

Aus Anlass des
V
P
Kaiser-Subllduns
bleiben am 16. Juni d. J. wie bei der Reichs-
bank
auch unsere Büros und Kassen während des
ganzen Tages geschlossen.
Darmstadt, den 11. Juni 1913.
Bank für Handel und Industrie
Landgraf Philipps-Anlage 6 u. Wilhelminenstrasse 14.
Darmstädter Volksbank, e. G. m. b. H.
Deutsche Vereinsbank, Filiale Darmstadt.
Gebr. Kahn.
J. Lehmann.
Nauheim & Co. Herm. Reichenbach.
Ferdinand Sander, Hofbankier.
Friedr. Zaun.
(IV, 13007,130

Breslauer Disconto Bank
Bank für Handel und Industrie
(Darmstädter Bank)
Die am 10. Inni d. J. abgelaufene Friſt für den Umtauſch von
Aktien der Breslauer Disconto=Bank in Aktien der Bank für Handel
und Induſtrie wird hiermit bis zum
22
22. Juli 1913 einschliesslich
verlängert. Bis zu dieſem Termine kann der Umtauſch bei den bereits
bekannt gegebenen Stellen wie bisher bewirkt werden. Die bis dahin
nicht zum Umtauſch eingereichten Aktien der Breslauer Diskonto=Bank
werden gemäß § 290 H. G. B. für kraftlos erklärt werden.
Berlin, im Juni 1913.
(IV,13006,130
Bank für Handel und Industrie.

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der Thüringer Staaten.
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In Stadt und Land gleichmäßig
ſtark verbreitet.
Reklamen:
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Jeden Dienstag u. Freitag erſtklaſſige Militärkonzerte.
Freitag, den 13. Juni, abends 8 Uhr

anläßlich der Einweihung des neuen Muſik=Pavillons
Großes
Feſtkonzert.
Vollzählige Kapelle des Großh. Heſſ. Art.=Regts. Nr. 61
(Leitung: Obermuſikmeiſter M. Weber).

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Eintritt mit Programm 15 Pfg.

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Samstag, den 14. ds. Mts.,
nachmittags 4 Uhr:

Iikarskonzert
der Kapelle des Grossh. Artillerie-Korps.
Schön gewähltes Programm.
Eintritt 20 Pfg.
Um gütigen Zuspruch bittet
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C. Böcke.

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Ein spannendes Detektiv-Drama:
Die mysteriöse Hand.

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Das
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beim kleinen König
(Eigene Aufnahme)
unter Leitung des Herrn
Prof. Dr. F. Limmer.
Anfang der Vorſtellungen
3½ Uhr, Vorführung oben=
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Films nachm.
präziſe 4, 6, 8 und 10 Uhr.

Ab morgen:
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Sonntag, den 15. Juni 1913
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Zier.
Heustadr 1. C.
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Führer die Herren K. Wehnert u. F. Schütz.
Abfahrt: Darmſtadt Hauptbahnhof 6.46 Uhr
2.0
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6.57
Oſtbahnhof

Am Nordbahnhof hält der Zug nicht.
Ankunft in Nieder=Kainsbach (Halteplatz)
8.06 Uhr.
Wanderung:
Nieder-Kainsbach-Kilsbach-Wallbach-Hummetroth
Forstel-Mümling-Grumbach- Rimhorn-Neustadt i. O.
Rückkunft: Darmſtadt Oſtbahnhof 8.30 Uhr
Hauptbahnhof 8.40
Marſchzeit: ſehr bequem ſechs Stunden.
Wanderpläne und Tiſchkarten von Donnerstag ab bei
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und Oſtbahnhof bis 10 Minuten vor Abgang des Zuges. (Am
Hauptbahnhof werden die Tiſchkarten am Querbahnſteig innerhalb
der Perronſperre ausgegeben.)
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Nächster Bierabend
am Freitag, den 13. Juni, abends 8½ Uhr
im Hessischen Hof (Saal I. Stock).
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Sonntag, den 15. Juni ds. Js., nachmittags 4 Uhr
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Ich liebe Dich!

Roman von Guido Kreutzer.
(Nachdruck verboten.)
9
Der Finanzier rieb ſich mit ſtrahlendem Lächeln die
Hände.
Erklärlich, liebſter Baron, ganz erklärlich. Kann ich
Ihnen nachfühlen. Das Waſſer ſoll Ihnen im Munde
zuſammenlaufen. Werden ſich ſagen: Iſt doch ein ver=
fluchter
Kerl, der Renzow, daß er ſich auf ſeine alten
Tage noch ſolchen Blick für Pferdchen bewahrt hat!
Und wie iſt denn das, lieber Freund Sie eſſen
zu Mittag immer im Kaſino?
Selbſtverſtändlich, Herr Kommerzienrat. Wie alle
jüngeren und unverheirateten Herren des Regiments.
Alſo erwarte ich Sie morgen um zwei Uhr vor Ihrer
Kaſerne. Mit meinem neuen Kraftwagen. Ich habe
mir in der Zwiſchenzeit nämlich einen fünfundvierzigpfer=
digen
Windhoff zugelegt, einen Sechszylinder mit Thermo=
ſyphonkühlung
und Kuliſſenſchaltung. Und wenn Sie die
Kombinationskaroſſerie ſehen, wird Ihnen das Herz
im Leibe lachen.
Ein langentbehrtes Vergnügen! reflektierte der Leut=
nant
nachdenklich. Drüben war man ſchon heilfroh, wenn
man ſich mal einen Gaul zwiſchen die Beine klemmen
konnte und
Er brach ab und nahm die Hacken zuſammen. In
der Tür ſtand eine junge Dame in elegantem Straßen=
koſtüm
.
Und jetzt ging ſie auf den Kommerzienrat zu und bot
ihm die Hand.
Guten Tag, Papa. Verzeih, wenn ich ſtöre. Ich habe

wehnet angtiopſt. Aber die Derer weren in eine ſo
lebhafte Unterhaltung vertieft . .
Mit wohlgefälligem Lächeln tätſchelte ihr der Vater
den Arm.
Brauchſt Dich nicht zu entſchuldigen, Kind. Störſt
uns nicht.
Im übrigen . . . Herr Baron von Oſtheeren meine
Tochter Herta!
Sie wandte ſich dem Gaſt zu. Ein auffallend blaſſes
Geſicht; tiefbrünettes, faſt ſchwarzes Haar; graue Augen,
in denen ein leiſes, verſchleiertes Lächeln lag.
Zweifelsohne eine eigenartige Schönheit. Aber es
war die Schönheit einer reifen Frau, nicht die eines jun=
gen
Mädchens von höchſtens zwanzig Jahren.
Und dieſer merkwürdige Kontraſt trat noch ſchärfer
hervor, als ſie jetzt lächelte.
Ich bin ſehr zufrieden, Herr Baron, daß ich Sie hier
noch antraf, erwiderte ſie ſeine Verbeugung.
Darf ich fragen, gnädiges Fräulein, welcher Veran=
laſſung
ich dieſes gütige Intereſſe zu danken habe?
O, das geht nicht von mir perſönlich aus, lachte ſie.
Ich handle ſozuſagen in höherem Auftrage.
Alſo, Kind, das verſtehe ich nicht, miſchte ſich der
Kommerzienrat ein. Ich denke, Du warſt mit Mama nach
der Stadt gefahren, um Beſorgungen zu machen?
Eben, Papa. Und als wir bei Hillbrich unſern Kaffee
tranken, erinnerte ſich Mama daran ſie wandte ſich wie=
der
dem Artilleriſten zu , daß Sie Papa für heute nach=
mittag
Ihren Beſuch angeſagt hatten. Und da hat ſie
mich zurückgeſchickt, um Ihnen in ihrem Namen eine Ein=
ladung
zu übermitteln.
Für morgen abend? rief der Kommerzienrat auf
gut Glück.

En und des wiere innſt dn ſe nenr ibernchnien,
Papa. Damit ſtreifte Herta Renzow ein ſaphirbeſetztes
Armband hoch und begann ſich den rechten Handſchuh
auszuziehen.
Nämlich, erklärte der Hausherr inzwiſchen, meine
meine Frau hat eine langjährige Freundin eine ver=
witwete
Frau Generalkonſul von Berns. Mit der haben
wir uns für morgen abend zum Souper verabredet. Und
nun müſſen Sie uns da die Freude Ihrer Gegenwart
geben, Baron.
Am Nachmittag haben wir ja ſowieſo draußen im
Hoppegarten zu tun; jetzt halten Sie uns auch noch den
Abend zur Verfügung.
Sie ſehen, meine Frau hat Sie hier regulär abfangen
laſſen. Alſo machen Sie mich nicht unglücklich! Zerſtören
Sie nicht den Frieden meines Hauſes, ſondern kom=
men
Sie!
Lachend wurde die Einladung angenommen.
Sehen Sie, Baron ich wußte ja, Sie ſind ein
Menſch, der ein Herz in der Bruſt hat.
Und woran ich eben denke, wir haben ſogar eine
Extrawurſt für Sie, die Ihnen den verlorenen Abend
unter uns alten Leuten vielleicht ſchmackhafter machen
wird; Ihr Heimatgefühl ſoll ſich zu ungeahnter Höhe auf=
ſchwingen
.
Die Frau Generalkonſul nämlich heißt mit ihrem
Mädchennamen Krottenheim und hat enge verwandtſchaft=
liche
Beziehungen nach dem Tilſiter Kreiſe. Ihr einziger
Bruder iſt . ..
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Erlengrund.
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Weil ich ihn und ſeine Tochter vor zwei Wochen bei
uns im Hauſe kennen lernte. Er iſt Nachbar und außer=
dem
langjähriger Duzfreund meines Vaters.
Und er mußte dabei ein inneres Aufbegehren nieder=
zwingen
, um über dieſes Zuſammentreffen zu ſprechen.
Donnerwetter! ereiferte ſich der Kommerzienrat. Ich
bin abergläubiſch, Baron. Was es für Zufälle gibt! Für
uns beide und unſer Projekt ein günſtiges Vorzeichen.
Eine glänzende Prognoſe! Die Welt iſt ein Dorf! Muß
die intimſte Freundin meiner Frau ausgerechnet einen
Bruder haben, der Ihrem Herrn Vater ſo nahe ſteht!
Voila, Baron jetzt ſtaunen Sie über dieſe Fülle
von Familienglück! Ganz große Augen haben Sie und
ein Geſicht machen Sie na!
Herta Renzow war neben den Kommerzienrat ge=
treten
und hatte ihm die Hand unter den Arm geſchoben.
Alſo ich darf meiner Mama nachher mit gutem Ge=
wiſſen
ausrichten, daß meine Miſſion den erhofften Er=
folg
gehabt hat, nicht wahr, Herr Baron?
Gewiß, gnädiges Fräulein. Ich werde mich freuen.
Darf ich darauf rechnen, Sie morgen abend ebenfalls be=
grüßen
zu können?
Leider nein. Wir haben in unſerem Tennisklub das
alljährliche Meiſterſchaftsturnier und danach eine kleine
Ballfeſtlichkeit, von der ich mich nicht ausſchließen kann.
Alſo werde ich bei unſerem nächſten Zuſammentreffen
die Genugtuung haben, Ihnen zur Meiſterſchaftswürde
zu gratulieren, Gnädigſte!!
Ich hoffe auf beides! parierte ſie mit ſeltſam ruhigem
Lächeln. Auf die Meiſterſchaftswürde und auf das Zu=
ſammentreffen
.
Der Leutnant von Oſtheeren aber war durch die drei
Jahre Afrika, fern von aller Kultur ſo unſicher ge=
worden
daß er nicht recht wußte war das eben nur der

mondaine Ton der Berlin=W=Jugend geweſen, oder war
das ein deutliches Entgegenkommen über das übliche
Maß hinaus?
Eins aber empfand er klar: als er nachher die Treppen
hinunterſtieg, da war ihm das Herz in der Bruſt ſeltſam
unruhig. Das irritierte ihn.
Langſam ging er durch den flimmernden Sonnenglaſt
des Nachmittags. Er wollte ſich zwingen, an den Hoppe=
gartener
Stall und Herta Renzow und den fünfundvier=
zigpferdigen
Windhoff mit der modernen Thermoſyphon=
kühlung
zu denken.
Er bekam es nicht fertig.
Er ſah Augen, die wie Achat leuchteten und in denen
ein vorſichtiges Lächeln aufgekommen war, als ſie ſich
das erſte Mal auf ihn richteten. Und er hörte eine kühle,
gleichgültige Stimme. Und er dachte an Giſela Krotten=
heim
und wußte, daß er ſie liebte.
VII.
Good day, gentlemen! ſagte der Trainer Joe Night
am anderen Nachmittag, als die beiden Herren ihn in
den Hoppegartener Paddocks glücklich nach vielem Suchen
aufgefiſcht hatten; nahm die kurze Shagpfeife aus den
Zähnen und zog die Mütze. Und da er über die Be=
deutung
dieſes Beſuches ſchon unterrichtet war, begann
er ſofort auf Günter von Oſtheeren einzureden und hielt
in ſeinem entſetzlichen Pigeon=Engliſch einen mit allerlei
Kraftausdrücken gewürzten Vortrag, dem der Leutnant
aufmerkſam folgte. In den letzten drei Jahren hatte er
ſich drüben wohl oder übel einen Niggerſlang ange=
wöhnt
, deſſen volkstümliche Ausdrucksweiſe die Verſtän=
digung
mit dem ſmarten Trainer ſichtlich erleichterte.
Joe Night gehörte zu jener großen Kategorie Men=
ſchen
, von denen man alles verlangen kann, wenn man

ſie richtig zu nehmen verſteht. Hier fing er ſofort Feuer.
Schon nach ein paar Minuten wandte er ſich an den
Kommerzienrat und erklärte ihm mit ſtrahlendem Grin=
ſen
, er wette ſeinen Kopf gegen einen Fußtritt, the
famous german officer würde jedes Rennen, zu dem er
an den Start ginge, mit Längen gewinnen!
Na alſo, Baron, lachte der Finanzier, Sie werden
nicht gewiſſenlos genug ſein, das Vertrauen dieſes ſehr
ehrenwerten Gentleman zu täuſchen.
Wenn er Ihre Pferde auf dieſelbe Höhe gebracht hat
wie ſeinen Speech dann können wir ohne Sorge ſein!
bemerkte der Artilleriſt lakoniſch.
Alſo dann raus mit den jungen Katzen! befahl der
Kommerzienrat.
Die beiden Herren gingen nach der Grastrainierbahn
voraus, wohin der Engländer mit ſeinem Lot bald nach=
folgte
.
Der Leutnant ſetzte ſich auf eine Barriere und ließ
ſich die Pferde vom Stallburſchen vorführen; erſt Schritt,
dann Trab und ſchließlich kurzen Galopp. Der Trainer
ſtand neben ihm, ſah ihn die ganze Zeit aufmerkſam an,
beantwortete hier und da Fragen, und wenn er grinſte,
konnte man glauben, er habe mit ſeinem Geſicht ſtunden=
lang
auf einem Rohrſtuhl geſeſſen.
Als aber der Baron nachher ſelbſt in den Sattel ſtieg,
die Stuten leichte Kanterarbeit machen ließ und ſchließ=
lich
den Hengſt glatt über die Hinderniſſe brachte
da ſpuckte Joe Night in kühnem Bogen aus, packte vor
lauter Begeiſterung den alten Renzow energiſch beim Arm
und erklärte kategoriſch:
Damn it once more! He is a wonderful horse-
man
; a admirable rider! That’s a matter of fact! Devil
take it!
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

An alle deutschen Frauen!
Ganz Deutschland rüstet sich, um das Regierungsjubiläum unseres
Kaisers freudig zu feiern. Provinzen, Gemeinden, Vereine und Einzel-
personen
bringen Gaben herbei, deren Zweck es sein soll, umserm ge-
liebten
Landesvater zu beweisen, dass überall, wo vaterländischer Sinn
die Herzen bewegt, ihm in Dankbarkeit für die 25 Jahre seiner Frie-
densregierung
Summen bereitgestellt werden, die Aufgaben dienen
sollen, deren Erfüllung ihm am Herzen liegt.
Hier gilt die Sammlung der Fürsorge für die Jugend, dort gedenkt
man der Veteranen, hier will man den schweren Volksschädigern Tuber-
kulose
und Krebs durch die Spende Abbruch tun, dort bereitet man
die Gründung von Erholungshäusern für Angestellte und Arbeiter vor.
Gesegnet sei aller guter Wille, und Erfolg möge jede dieser Unter-
nehmungen
krönen zur Freude unseres kaiserlichen Herrn!
Wir Frauen haben bei allen diesen Sammlungen nicht gefehlt, und
das ist gut so.
Jetzt aber gilt es, eine besondere Frauengabe darzubringen, eine
Gabe von Frauen für Frauen. Und diese Gabe wollen wir nicht unserm
Kaiser widmen wie die andern alle, sondern unserer geliebten Kaiserin,
die durch Gottes Güte nun auch volle 25 Jahre uns allen Führerin
und Vorbild war.
25 Jahre voller Liebe und Fürsorge hat die hohe Frau uns vor-
gelebt
! Nichts ist in Deutschland zur Erleichterung des Frauenloses
geschehen, ohne dass nicht unsere Kaiserin tat, was sie konnte, um zu
helfen und zu fördern. Gerade die ärmsten unter den deutschen Frauen,
die Heimarbeiterinnen, haben immer und immer wieder die warme
Anteilnahme der Landesmutter an ihrem schweren Geschick gespürt
Wer die Tagung der Heimarbeiterinnen im Februar d. J. miterlebte,
der weiss, wie gerade ihr Ergehen, ihre Zukunft unserer Kaiserin am
Herzen liegt.
Lasst uns darum unsere Dankbarkeit der Landesmutter mit einer
Gabe zum Ausdruck bringen, die der Zukunft der alt und müde ge-
wordenen
, erwerbsunfähigen Heimarbeiterin gilt!
Die christlich-nationalen Heimarbeiterinnen haben angefangen,
Pfennige und Groschen zu sammeln, um durch ein Altersheim für
Heimarbeiterinnen für ihren unversorgten Lebensabend Hilfe zu
schaffen. 5910,34 Mk. haben sie mühsam zusammengebracht. Viele
Jahrzehnte würden noch vergehen, ehe an den Bau des Hauses zu
denken wäre,
Lasst uns Bausteine hinzutragen, grosse und kleine! Wenn jede
deutsche Frau gibt, was sie vermag, so können wir unserer Kaiserin
zu ihrem Jubiläum die Freude machen, dass das Altersheim für Heim-
arbeiterinnen
Wahrheit wird. Lasst uns sorgen, dass unsere Sammel-
listen
der hohen Frau zeigen, dass eine jede von uns mit dem Herzen gab.
Drum frisch ans Werk! Wir wollen beweisen, dass die deutschen
Frauen in Dankbarkeit und Treue ihrer Kaiserin gedenken!
Beiträge nehmen entgegen die Bank für Handel und In-
dustrie
in Darmstadt, sowie deren sämtliche Depositenkassen;
ferner Frau Bierau, Darmstadt, Wittmannstrasse 33, Vorsitzende des
Gewerkv. d. Heimarbeiterinnen Deutschlands, Gruppe Darmstadt und
Frau Direktor Wulkow, Grüner Weg 35, Schriftführerin.
(13003

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Kurſe vom 12. Juni 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
B.
Staatspapiere.
Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,00
3½ Deutſche Reichsanl. . 85,00
75,10
do.
4 Preuß. Schatzanweiſg. 99,00
3½ do. Conſols . . . 84,80
75,00
do.
do.
97,80
4 Bad. Staatsanleihe .
90,10
do
3½
do.
3 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,50
83,00
do.
4½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,50
98,50
4 Heſſ. Staatsanleihe .
4 do. do. (unk. 1918) 97,00
82,50
do.
3½
72,90
do.
76,00
3 Sächſiſche Rente
4 Württemberg unk. 1921 98,10
do. v. 1900 94,10
5 Bulgaren=Tabak=Anl. 96,00
1¾ Griechen v. 1887
Italiener Rente . . 100,00
4½ Oeſterr. Silberrente 84,90
4 do. Goldrente . . . 86,80
do. einheitl. Rente 81,40
3 Portug. unif. Serie I 62,50
3 do. unif. Ser. III 64,50
3 do. Spezial . . . . 9,70
5 Rumänier v. 1903 . . 98,60
v. 1890 . . 92,50
4 do.
v. 1905 . . 86,40
do.
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 86,40
do. v. 1902 . . . . 88,60
½ do. v. 1905 . . . . 99,50
31 Schweden . . . . .
4 Serbier amort. v. 1895 7
75,80
4 Türk. Admin. v. 1903 7
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,60
4 Ungar. Goldrente . . . 82,
4 do. Staatsrente. . . 81,40

In Prot.
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 97,50
78,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe . 86,30
5 Chineſ. Staatsanleihe. 95,80
4½
88,50
do.
4½ Japaner . . . . . . . 86,50
5 Innere Mexikaner . . . 79,00
51,60
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904
5 Gold=Mexikaner . . . .
3 Buenos Aires Provinz
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
10 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 138,20
7 Nordd. Lloyd . . . .
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. .
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 116,80
6 Baltimore und Ohio . 90,50
6 Schantungbahn . . . . 121,90
8 Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 25,75
6 Pennſylvania R. R. . 107,50
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
4 Brauerei Werger
64,00
28 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . .
. 541,00
14 Chem. Fabrik Gries=
.228,20
heim . .
30 Farbwerke Höchſt
.598,75
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . .
10 Cement Heidelberg . . 138,00
30 Chem. Werke Albert 424,50
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 328,50
5 Lahmeyer. . . . . . .

Letzte
Zupron
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 143,25
12 Siemens & Halske 208,25
5 Beramann Electr. . . 124,80
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 171,20
0 Gummi Peter . . . . 67,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 61,50
30 Adler=Fahrradwerke
. .409,00
Kleyer . ..
9 Maſchinenf. Badenia 135,00
0 Wittener Stahlröhren
9 Steana Romana Petr. 151,20
15 Zellſtoff Waldbof . . 221,00
12,83 Bad. Zucker=Wag
208,00
häuſel.
, ,
0 Neue Boden=A. A.=Beſ.
49,00
0 Südd. Immobilien
Bergwerks=Aktien.
10 Aumeß=Friede . . . . 163,75
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 207,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 149,50
10 Gelſenkirchener . . . . 175,50
9 Harpener . . . . . . . 180,00
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 244,00
3 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 74,50
6 Laurahütte
,
10 Kaliwerke Aſchersleben 140,00
Weſteregeln 178,00
7½ South Weſt Africa 112,40
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südb. Eiſenb.=Gef. 87,90
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 98,00
Eliſabethbahn, freie . . 88,20
Franz=Jofefs=Bahn . .
72,00
3 Prag=Duxer . . . .
5 Oeſterr. Staatsbahn .
4 Oeſterr. Staatsbahn . 88,10
do.
72,80
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.)
do,
72,70

Indren,
Bf.
2 Oeſt. Südb. (Lomb.) 51,60
3 Raab=Oedenburg
73,40
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 84,70
4½ Moskau=Kaſan . . . 93,10
do.
4 Wlabichawchas . . . . 84,80
4 Rjäſan Koslow . . . 84,00
3 Portugieſ. Eiſenh. .
.
2½ Livorneſer
. . 68,00
3 Salonique=Monaſtir . 61,90
79,50
,
4 Baadadbahn . .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 93,00
4 Miſſouri=Paciſte. . .
4 Northern=Paciſic . . . 93,80
4 Southern=Paciſie . .
5 St. Louis und San
Francisco. . . . .
Tehnanteper . . .. ..
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 189,00
7½ Bergiſch=Märkiſche
143,00
Bahn . . . . .
9½ Berlin. Handelsgef. .155,75
6½ Darmſtädter Bank . 114,60
12½ Deutſche Bank . . . 241,00
6 Deutſche Vereinsbank 114,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 112,25
10 Diskonto=Kommandit
8½ Dresdener Bank . . 146,00
10 Frankf. Hypoth.=B. 206,70
6½ Mitteld. Kreditbank 113,40
Nationalb. für Deutſchl. 113,00
7 Pfälziſche Bank. . . . 123,10
6,95 Reichsbank . . . . . 132,50
Rhein. Kreditbank. . . 127,80
5 A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 109,50
7½ Wiener Bankverein . 128,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 95,80

InProz.
3.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
86,00
S. 19. . . . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
94,80
S. 52 . . . . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 96,00
3½
85,00
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 97,90
3½
85,60
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
97,40
S. 12, 13, 16 . . .
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . . . . . . 97,40
3½Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 85,60
S. 35 . . . . . . . . 85,40
S. 911 . . .
85,50
Meininger Hyp.=Bank 96,00
31
do.
84,90
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1917) . . 95,50
3½ do. (unk. 1914) . . 84,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 97,90
3½
do.
85,60
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . . . .
-
3½
do.
Frankfurt. . . . . . . 97,30
3½
do.
95,50
-
4 Gießen . . . . . . . .
-
3½
do.
Heidelberg . . . . . . 94,50
Zu
do.
84,60
Karlsruhe . . . . . . 96,50
do.
3½
4 Magdeburg. ... . .
3½
.
Mainz . . . . . . ..
-
37
do.
4 Mannheim . . . . . . 94,20
do.
3½
88,00
97,80
z., Mänchen
Nauheim . . . . . .
4 Nürnberg. . . . . . . 95,80
3½
85,90
do.
4 Offenbach. . . .

Juden;
3f.
3½ Offenbach . . . . ..
4 Wiesbaden . . . . . .
do.
Worms . . . . . . . . 95,00
3½
do.
86,50
4 Liſſaboner v. 1886 .
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 174,00
3½ Cöln=Mindner , 100 135,40
3 Holl. Komm. . fl. 100
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 135,50
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 176,00
3 Oldenburger . . . . . . 124,50
2½ Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger. . . . . ſl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs.45 210,00
do. . . . . Fs.10 37,50
Meininger . . . . . ſl. 7 34,80
Oeſterreicherv. 1864fl. 100
do. v. 1858fl. 100 483,00
Ungar. Staats . . fl. 100 392,00
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 155,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . . 20,37
20 Franks=Stücke . . . . 16,22
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,40
Franzöſiſche Noten. . . . 80, 85
Holländiſche Noten. . . . 168,00
Italieniſche Noten . . . . 79,15
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,60
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,80
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7%

[ ][  ][ ]

Nummer 136.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Jum 1913.
Seite 16.
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[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.
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[ ][  ]

Seite 18.
Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 13. Inni 1913
Nummer 136.
und Ausſperrungen eine feſte und ausreichende Entſchä=
Jahren ſeien an deutſchen Gerichten nur 43 Haftpflicht=
Für Erholungsbedürftige und leichtere
digung zu ſichern, dem Deutſchen Induſtrieſchutzverband
älle gegen Elektrizitätswerke verhandelt worden, vor
Sommer, und
Sitz Dresden) angeſchloſſen
denen nur 24 zugunſten der Kläger entſchieden werder
(
Kranke. Winter besucht.
H. Frankfurt a. M., 10. Juni. ( Fruchtmarkt=
onnten
. Bei den 2700 deutſchen Elektrizitätswerken habe
Kuranstalt Hofheilm I. T. S
h
bericht.) Am Wochenmarkt war der Verkehr wieder
bis auf ganz vereinzelte Fälle das beſtehende Recht aus=
Voll 12 Stunde von Frankfurt a. M.
ſehr beſchränkt und im allgemeinen eine ſchwächere Stim
ereicht. Ein ſolches Geſetz würde den techniſchen Fort
Prospekte durch Dr. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt.
nung vorherrſchend; auch Landroggen und Mais war
chritt hintanhalten und unnötige Haftpflichtsanſprüche
achgiebiger, während Gerſte und Hafer gegen die Vor=
provozieren
. Die deutſchen Elektriker hätten ſich die An=
Luftfahrt.
voche keine Preisänderung aufweiſen. Die Forderungen
vendung zuverläſſiger Vorſchriften ſtets zur Aufgabe ge
ür Mehl und Futtermittel ſind williger bei nur geringer
macht und ſelbſt ausreichende Schutzbeſtimmungen erlaſſen
Der Rekordflug Paris-Berlin-Warſchau
Kaufluſt. Der Mannheimer Getreidemarkt iſt
Redner empfahl den Mitgliedern die Anlage einer aus
iſt, wie gemeldet, vom franzöſiſchen Aviatiker Brinde
ruhig bei minimalen Umſätzen. An der Berliner
gedehnten Unfallſtatiſtik und legte folgende Reſolution
jone de Moulinais glücklich zu Ende geführt worden.
Produktenbörſe lag Getreide matter auf Meldun=
or
: 1. Weder durch die Prozeßſtatiſtik noch durch die Un=
Brindejonc war, wie berichtet, auf ſeiner Zwiſchenland
gen, daß in den durch Dürre leidenden Landesteilen Regen
allſtatiſtik iſt die Notwendigkeit einer Sondergeſetzgebung
ung in Berlin trotz des außerordentlich ſtürmiſchen Wet=
gefallen
ſei, ferner auf den ziemlich günſtigen deutſcher
ür elektriſche Anlagen erwieſen. Aus dieſem Grunde ſind
ers um 3 Uhr 37 Minuten in Johannisthal zum Weiter
Saatenſtandsbericht und die Abgaben der Provinz. Aus=
alle
auf eine Sonderbehandlung der Elektrizitätswerke
lug geſtartet. Er wurde um 5 Uhr bereits in Poſen ge=
ländiſche
Offerten ſind indes nicht weſentlich verändert;
abzielenden Beſtrebungen abzulehnen. 2. Wenn eine
ſichtet. 7 Uhr 15 Minuten landete er dann auf den
auch Hafer ſehr ruhig. Lokoware mittlerer und geringe=
Moderniſierung der Haftpflichtgeſetzgebung überhaupt und
Flugfelde bei Warſchau, wo er von ſeinen Monteuren
rer Qualität nicht unterzubringen; feine Ware einiger
hrer Anpaſſung an die Eigenſchaften fortgeſchrittener Be=
erwartet
wurde. Brindejonc hat damit im ganzen eine
naßen gefragt. Nach den letzten Kabelmeldungen von
triebe der Neuzeit erforderlich erſcheint, ſo ſuche man
Strecke von zirka 1420 Kilometern zurückgelegt und zwar
den amerikaniſchen Getreidemärkten ( New=
dieſe
Moderniſierung auf der Grundlage des Gemeiner
in einer reinen Flugzeit von zirka 10 Stunden, was einer
York und Chicago) war Weizen und Mais trotz baiſſe=
Rechts. Jede Fortſetzung der Sondergeſetzgebung iſt nur
durchſchnittlichen Geſchwindigkeit von 140 Kilometern in
lautender Berichte aus Kanſas und des der Baiſſe günſtig
zeeignet, zu ſchädigen und zu verwirren. 3. Jede Aus=
der
Stunde entſpricht. Er iſt damit auf die nächſte Prämie
lautenden Berichts des Statiſtikers Snow in feſter Ten
dehnung der Haftpflicht des Elektrizitätswerkes auf die
des Pommery=Pokals berechtigt, da er die am 27. Apri=
denz
, nachdem eine unbefriedigende Ernteſchätzung aus
Anlagen der Abnehmer iſt unbillig und undurchführbar
von ſeinem Landsmann Guillaux auf der Strecke Biarritz
Miſſouri vorlag und umfangreiche Verſchiffungen bekannt
denn der Stromlieferer iſt nicht imſtande, die Energie zu
Kolum (Holland) aufgeſtellte Leiſtung von 1255 Kilo=
wurden
; ebenſo ſtimulierten die Viſible=Supply=Ziffern
kontrollieren, nachdem ſie von dem Abnehmer übernom=
metern
überbot. Wie ſchon berichtet, benutzte er einen 80
beſſernd auf den Markt. Die ſichtbaren Weizenvorräte

In der Nachmittagsſitzung trat man in die
nen iſt
pferdigen Morane=Gnome=Apparat. Er legte die ganze
ind dort in dieſer Woche von 43,86 Millionen Buſhels
Diskuſſion über die Reſolution ein. Sämtliche Redner,
Flugſtrecke allein zurück, und es iſt erſtaunlich, mit wel=
auf
39,65 Millionen Buſhels zurückgegangen, hingegen
Dr. Cappe vom Verein der Straßenbahnen und Klein=
cher
Sicherheit er die Orientierung durchführte, obwohl
die Maisvorräte von 2,55 Millionen Buſhels auf 4,40
bahnen, Dr. Thelemann=Düſſeldorf und Direktor Saue
das ſtürmiſche Wetter ihn zwang, ſeiner Maſchine die
Millionen Buſhels geſtiegen. In Kanada reduzierten ſich
aus Wien ſtimmten dem Referenten bei, ſo daß die Reſo=
größte
Aufmerkſamkeit zu widmen. Jedenfalls muß dieſe
die Weizenvorräte in dieſer Woche von 13,63 Millionen
lution einſtimmig angenommen wurde. Weiterhin wur
Flugleiſtung als eine der glänzendſten, die jemals im
Buſhels auf 12,66 Millionen Buſhels
den Vorträge über die Geſchäftspolitik der Elektrizitäts
nternationalen Flugſport durchgeführt wurde, bezeichnet
dier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt:
verke und Maßnahmen zur Hebung des Stromabſatzes
verden.
Weizen, hieſiger und Wetterauer 2121,05, Norddeut=
gehalten
, die intereſſante Diskuſſionen im Gefolge hatten.
ſcher 21,0521,10, Kurheſſiſcher 2121,10, Ruſſiſcher 23
ſieben der Frage des elektriſchen Kochens ſtanden Tarif=
bis
24,50, Kanſas 23,5023,75, Rumäniſcher 23,7524,25
ragen im Vordergrunde der Erörterung. Während einige
Redner verſchiedenartige Tarife mit Pauſchalen. Abnütz
Redwinter 23,5024, Manitoba 23,5024, La Plata 23,50
Sport, Spiel und Turnen.
bis 24, Walla Walla 23,5024; Roggen, hieſiger 17,25
ungs=, Dauerrabatten und Strombegrenzung forderten
* Darmſtädter Sportklub 1905. Die zur
bis 17,50, Bayeriſcher (Pfälzer) 17,3017,50, Ruſſiſcher
prach ſich die Mehrzahl für den einfachen Zählertarif aus,
Stadion=Einweihung nach Berlin entſandten Mitglieder
17,5017,75, Amerikaniſcher Rumäniſcher 17,5017,75;
der durch Erleichterung der Inſtallationsbedingungen der
des Sportklubs konnten mit recht anſehnlichen Erfolgen
Konſumenten wirkungsvoller geſtaltet wird
Gerſte, Pfälzer 17,2518, hieſige und Wetterauer 17 bis
zurückkehren. Gg. Merkel paſſierte bei ſtarker Kon=
18, Riedgerſte 17,5018, Ungariſche , Fränkiſche 17,50
ln die Tagung ſchloß ſich die Generalverſammlung
kurrenz beim 5000 Meter=Vorgabelaufen als Erſter das
bis 18; Hafer, hieſiger 1717,50, Bayeriſcher 1717,50,
der Einkaufsſtellen von Mitgliedern der Vereinig=
Ziel. Seine Leiſtung wurde jedoch nicht gewertet, de
Ruſſiſcher
1818,50, Amerikaniſcher 1717,25, Rumäni=
ung
von Elektrizitätswerken an. Am Abend fand in den
Merkel ein taktiſcher Fehler unterlaufen war. Heinrich
Feſtſaal des Kaſinos ein Feſteſſen ſtatt, dem ein Feſtvor=
cher
1818,50; Mais mixed 1515,20, Ruſſiſcher 15,20
Ackermann konnte ſich im Diskuswerfen mit 35 Meter
bis 15,30, Donaumais 15,2015,30, Rumäniſcher 15,20 bis
rag über Trier zur Römerzeit von Stadtbaurat Schil=
bei
hervorragender Beſetzung als Vierter plazieren.
5,30, La Plata 15,2515,50, weißer Mais 15,1515,25;
ling=Trier voranging
sr. Lawn=Tennis. Das Lawn=Tennis=Welt=
Weizenſchalen 9,7510, Weizenkleie 9,7510, Roggenkleie
meiſterſchafts=Turnier auf den Plätzen von
Baumwollkongreß
1010,25, Futtermehl 1315, Biertreber, getrocknet, 12,75
Saint Cloud brachte am dritten Tage als Hauptereigniſſe
bis 13,75, Futtergerſte 14,7514,90; Weizenmehl, hieſiges
* Haag, 11. Juni. In ſeiner Schlußſitzung
die Begegnung zwiſchen Froitzheim und Germot, die
(Baſis ab Mannheim) Nr. 0: 3131,25, feinere Marken
nahm der Baumwollkongreß einen Antrag an, die in=
Froitzheim zu ſeinen Gunſten entſchied, und die Nieder=
1,5031,75, Nr. 1: 30,2530,50, feinere Marken 30,7531
diſche Regierung aufzufordern, mehr finanzielle Hilfe für
lage des Deutſchen R. Kleinſchroth gegen den Oeſterrei=
Nr. 2: 29,7530, feinere Marken 30,2530,50,
Nr. 3:
Zwecke der Landwirtſchaft zu leiſten, weil Indien das
cher v. Weſſely. Froitzheim ſchlug Germot 6:4 4:6 6:3 8:6
27,2527,50, feinere Marken 27,7528, Nr. 4: 23,2523,50,
einzige Land der Welt iſt, wo man eine große Ausdeh=
während
v. Weſſely R. Kleinſchroth mit 7:5 6:3 10:8 über=
feinere
Marken 23,7524; Roggenmehl, hieſiges, Nr. 07
nung der Baumwollkultur erwarten könne. Die Konfe=
raſchend
leicht bezwang. Im Herren=Einzelſpiel ſiegten
25,5025,75, Nr. 1: 23,5023,75, Nr. 2: 21,7522.
renz gab der Hoffnung Ausdruck, daß die in mehrerer
ferner noch der Weltmeiſter A. F. Wilding gegen Chan
Ländern gemachten Verſuche, den Arealumfang der
cerel 610 611 6:0 und der Deutſche Rahe über Pipe 611 6:
Baumwollkultur zu erweitern, fortgeſetzt werden; ferner,
3:10 6:1. Im Herren=Doppelſpiel konnten Froitzheim und
Stimmen aus dem Publikum.
daß in allen europäiſchen Zufuhrhäfen für Baumwolle
A. F. Wilding Simon und Morier 6:2 611 ohne beſon=
(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
gebäude für Baumwollſchau errichtet werden. Im näch=
deren
Widerſtand ſchlagen. Im gemiſchten Doppelſpiel
einerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund d
§ 21 Abſ. 2 des
ſten Jahre findet kein Kongreß ſtatt; die Bundesdelegier=
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
ſiegte Fräulein Röchling mit v. Weſſely als Partner über
en treten jedoch in der Schweiz zuſammen
das deutſche Paar Frl. Rieck-R. Kleinſchroth, das nack
Darmſtädter Verkehrsverhältniſſe
4:6 7.5 2:1 aufgab, da ſich R. Kleinſchroth für ſein Einzel=
Vier Minuten vor Eintreffen des Schnellzuges
ſpiel gegen v. Weſſely ſchonen wollte. Frl. H. Köring und
von Saarbrücken, Oberſtein, Kirn in Mainz abends 10.38
Handel und Verkehr.
5. Kleinſchroth konnten dagegen Frau Danet-F. S.
Uhr fährt 10.34 Uhr der Eilzug nach Darmſtadt ab. Vier
Wilding, den Bruder des Weltmeiſters, mit 633 6:0 ſchla=
* Warnung. Mehrfach ſchon wurde in den Zeit=
Minuten vor Eintreffen des Eilzuges 2.53 Uhr nach=
gen
. Ferner blieben Frl. Conquet-Canet gegen das Ehe=
ungen
vor den Angeboten der Commerce= und Cre=
mittags
aus Darmſtadt in Wiesbaden 3.47 Uhr, fährt da
paar de Borman mit 775 577 6:2 64 ſiegreich. Im Damen=
dietbank
, Amſterdam, hinter der der Lotterie=
elbſt
3.43 Uhr der Schnellzug nach Köln=Deutz, welcher
Einzelſpiel ſiegte Frl. Rieck über Miß Ryan 6:4 8:6 und
chwindler Johannes Lüdecke ſich verbirgt, gewarnt. =
vichtige
Anſchlüſſe nach ganz Weſtfalen hat. An dieſen
Frl. Amblard über Frau Golding
decke iſt, wie die Frankf. Ztg. ſchreibt, der berüchtigſte der
Beiſpielen (weitere können angeführt werden) kann man
holländiſchen Lotterieſchwindler und ſchon ſeit 1882, we
erſehen, wie wenig die Eiſenbahndirektion Mainz auf den
r noch in einem Vororte von Berlin ſein Unweſen trieb,
hieſigen Platz Rückſicht nimmt. Bei gutem Willen laſſen
bekannt. Er iſt etwa zehnmal wegen Lotterieſchwindels
ſich die Anſchlüſſe ſehr wohl erreichen; die hieſige Ge
Kongreſſe und Verbandstage.
beſtraft und wird von verſchiedenen deutſchen Behörden
chäftswelt hat ein begreifliches Intereſſe dabei, nur dür=
Vereinigung der Elektrizitätswerke
teckbrieflich verfolgt. Seit etwa 1897 iſt er in Holland
en die bekannten betriebstechniſchen Gründe nicht wieder
vo er die unbedeutende Firma Commerce= und Crediet=
* Trier, 11. Juni. Die Hauptverſammlung
ein Hindernis bilden!
bank gekauft hat. Der Vertrieb und ebenſo der Kauf der
der Vereinigung der Elektrizitätswerke, die vom 11. bis
InTARsegsaasaKäeree
angeblichen Wertpapiere auf Grund ſeiner Proſpekte iſt
4. Juni hier ſtattfindet, wurde heute vormittag in der
in ganz Deutſchland verboten und ſtrafbar. Deshalb ſind
Räumen des Katholiſchen Bürgervereins eröffnet. Nach
die Geſchäfte, die er mit Kunden abgeſchloſſen hat, geſetz=
einer
Begrüßungsanſprache des erſten Vorſitzenden, Dir
Klagedrohunger
lich nichtig und daher nicht klagbar
eng, überbrachte Geh. Rat Kiel in Vertretung des
ind Erpreſſungsverſuche. Die holländiſchen 15 Gulden=
Regierungspräſidenten Dr. Baltz, Oberbürgermeiſter von

Bodencredit=Prämien=Obligationen ſind auch an ſich ſchon
Bruchhauſen=Trier, Kommerzienrat Laeis als Vertrete:
ehr zweifelhafte Papiere. Die ſogen. Grundereditbank,
der Handelskammer und des Polytechniſchen Vereins
die ſie ausgibt, beſteht aus zwei Perſonen. In ernſthaften
Generalſekretär Dettmar im Auftrage des Verbandes
Deutſcher Elektrotechniker
Handelskreiſen Amſterdams betrachtet man ſie mit gro=
ſowie
Geh. Rat Profeſſor
Fäußner von der Phyſikaliſchen Techniſchen Reichsanſtalt
ßem Mißtrauen und iſt der Meinung, daß ſie von der

Leichtgläubigkeit des ausländiſchen Publikums lebt. Mit
die Grüße ihrer Behörden und Korporationen. Hierauf
Grundkredit hat die Bank überhaupt nichts zu tun. Die
hielt Oberingenieur Schulte=Wiesbaden einen Vortrag
über Theorie und Praxis in der Statiſtik der Elektrizi=
Angaben von Lüdecke, durch die er immer wieder ver
tätswerke
rauensſeligen Kunden verſichert, das hieſige Strafver=
fahren
ſei unbegründet und ungeſetzlich, ſind nichts ande.
Den wichtigſten Punkt der Vormittagstagung behan=
Das ſollte genügen, um
delte Direktor Dr. Paſſavant=Berlin in einem Vortrag
res als dreiſter Schwindel
über Schadenhaftung beim Betriebe elektriſcher Anlagen.
as deutſche Publikum von Lüdecke und ſeiner Deckfirma
Der Redner wandte ſich ſcharf gegen die auf dem Juriſten=
ernzuhalten

tag in Wien gefaßten Beſchlüſſe, welche die Einführung
Schutz gegen die wirtſchaftlichen Fol=
zmif
seidener.
eines Sondergeſetzes über die Haftpflicht der Elektrizi=
gen
von Streiks. Der Arbeitgeberverband der
tätswerke für die Konſumenten empfehlen. Dr. Paſſavant

Edel= und Unedelmetallinduſtrie und verw. Hilfsgeſchäfte
Sammel=
nahm
ſcharf hiergegen Stellung, da ein ſolches Geſetz zu
zu Schwäbiſch=Gmünd und der Arbeitgeberverband der
Wappenbilder
unüberſehbaren Schädigungen führen, könne und eine er=
Holzimporteure und Holzinduſtriellen im Hafen
zu
SakeNa,!
Soesssaaeeg
hebliche Rechtsunſicherheit im Gefolge hätte. In zehn
Düſſeldorf haben ſich, um ihren Mitgliedern bei Streiks
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