Abonnementspreis
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176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk.,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen=
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47,
verbunden mit „Wohnungs=Anzeiger” und der Sonntags=Beilage:
turen Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
u. 1.80 Mk. viertell. Verantwortlichkeit
den Annoncen=Expeditionen. — Bei
für Aufnahme von Anzeigen an
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnicht übernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das „Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt” wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.
Die heutige Nummer hat 18 Seiten.
Das Wichtigſte vom Tage.
Dem Reichstag iſt eine Vorlage, betreffend Errichtung
einer Landwirtſchaftsbank für Deutſch=
Südweſtafrika, zugegangen.
Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung veröffentlicht eine
Erklärung zur Frage der braunſchweigiſchen
Thronfolge, wonach ihre Regelung im Sinne der
Bündnisverträge und der Reichsverſaſſung durch
er=
neuten Beſchluß des Bundesrats erfolgen ſoll.
Graf Zeppelin hat ein Luftgericht nach
Fried=
richshafen zuſammenberufen, das die Vorgänge
unter=
ſuchen ſoll, die zu der Landung des Luftkreuzers
Z. 4‟ in Frankreich geführt haben.
Wegen der Vorkommniſſe in Nancy verfügte der
franzöſiſche Miniſter des Innern
Strafmaßnah=
men gegen die ſchuldigen Beamten und machte dem
deutſchen Botſchafter davon Mitteilung.
Das Automobil der Tänzerin Jſadora Duncan
ſtürzte in Paris in die Seine, wobei ihre beiden
Kin=
der mit der Gouvernante ertranken.
Exkönig Manuel von Portugal hat ſich mit der
Prinzeſſin Auguſte Viktoria von
Hohen=
zollern verlobt.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
21. April 1813: Der König von Preußen erläßt (d. d.
Bres=
lau) eine Verordnung über den Landſturm, zu dem alle
Männer von 15—60 Jahren aufgeboten werden ſollen.
Vortruppengefecht zwiſchen den Preußen unter Major von
Blücher und den Franzoſen bei Weimar. — Kaiſer
Alexander von Rußland trifft in Dresden ein. — Der
König von Sachſen begibt ſich nach Prag.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8.
Die feindlichen Brüder.
— Wenn jetzt während der Wirren im Orient vom
Balkanbund die Rede war, ſo hat man hierbei
zu=
meiſt wohl nicht daran gedacht, daß es ſich bei dieſer
Al=
lianz lediglich um ein Bündnis zu einem beſtimmten Zweck
handelt, nämlich die Türkei niederzuringen und ihr
euro=
päiſches Gebiet unter den Verbündeten aufzuteilen; nach
Erfüllung dieſer Aufgabe, das heißt mit Beendigung
die=
ſes Krieges, iſt der Bündnisvertrag erloſchen. Vor
kur=
zem wurde ja auch der ſerbiſch=bulgariſche Vertrag der
Oeffentlichkeit mitgeteilt, und hierbei war dieſe
Gültig=
keitsdauer ausdrücklich vermerkt. Einen Staatenbund zu
ſchaffen, der unter Führung eines der Mitglieder ein
gro=
ßes Balkanreich bilden würde, daran hat man nicht im
entfernteſten gedacht, wenn es auch anfänglich geglaubt
wurde. Mag man ſich auch in beſtimmter Abſicht einmal
zuſammengetan haben, die Intereſſen der Balkanſtaaten
gehen ſo weit auseinander, daß eine derartige Vereinigung
ſo gut wie ausgeſchloſſen erſcheinen muß. Dazu kommt der
alte Nationalitätenhaß, der oft genug zu blutigen
Zuſam=
menſtößen geführt hat, und der während des Krieges nur
mit Mühe niedergehalten werden konnte, ja ſogar doch
auch während dieſer Zeit mehrfach aufgeflammt iſt, wobei
es auch ohne Blutvergießen nicht abgegangen iſt. Nun
es aber daran gehen ſoll, die Beute zu verteilen, tritt der
alte Zwiſt erneut in Erſcheinung, und Ueberraſchungen
liegen darum nicht außerhalb des Bereiches der
Mög=
lichkeit.
Die Dinge ſcheinen ſich immer mehr zuzuſpitzen, und
ſes eröffnet ſich die merkwürdige Ausſicht, daß die
bis=
herigen Verbündeten ſchließlich übereinander herfallen.
Insbeſondere tritt ein ſcharfer Gegenſatz gegenüber
Bul=
garien ſchon ſeit längerer Zeit zutage, wahrſcheinlich, weil
man dieſem die großen Erfolge und die zu erwartende
be=
ſträchtliche Gebietserweiterung neidet, Es heißt denn auch,
ddaß Serben und Griechen ſich einander genähert hätten,
ſin der ausgeſprochenen Abſicht, der Uebermacht
Bulga=
riens ein Paroli zu bieten. Für Griechenland maßgebend
ſiſt hierbei die nicht unbegründete Befürchtung, daß die
Bulgaren auf Saloniki Anſprüche erheben und es
even=
luell mit Waffengewalt den Griechen wieder entreißen
vollen. Daß man ſich in Athen auf alle Eventualitäten
hefaßt macht, beweiſt eine Meldung, wonach Saloniki
von der Landſeite von den Griechen ſtark befeſtigt würde,
ſind daß man beträchtliche Truppenmaſſen dort
konzen=
kriert. Bezeichnend für die unter den „Verbündeten”
herrſchende Stimmung iſt ein Artikel eines maßgebenden
Organs in Sofia, in dem es heißt, die Erklärungen des
ſerbiſchen Miniſters, daß die ſerbiſche Armee bis zur
Durchführung der Gebietsaufteilung unter den
Verbün=
ſeten unter Waffen bleiben werde, könne nur bedeuten, daß
Ferbien die Abſicht habe, ſich der vertragsmäßigen Rück=
gabe der ſtrittigen Gebiete eventuell mit Waffengewalt
entgegenzuſtellen. Dies könne einen neuen Bruderkrieg
bedeuten, zumal die ſerbiſchen Offiziere die von ihrer
Armee errungenen Siege als unübertroffen hinſtellen und
jetzt eine herausfordernde Haltung gegenüber Bulgarien
einnehmen. Man werde den Serben beweiſen, welche
Armee glänzendere Siege erringen könne. Gleichzeitig
wird berichtet, daß bulgariſche Kavallerie in Köprülü
ein=
gerückt ſei, um nach Monaſtir weiter zu marſchieren, wohin
die Serben in aller Eile 4000 Mann friſcher Truppen,
In=
fanterie mit Maſchinengewehren, dirigiert haben. Man
weiß nicht, was noch werden kann.
Die Beilegung des Falles
von Möneg.
* Der franzöſiſche Miniſter des Innern
hat, wie ſchon im Samstagsblatt mitgeteilt, nach dem
Ein=
treffen des Berichtes des zur Unterſuchung des Falles
nach Nancy geſandten Staatsrats Ogier gegen die
Schul=
digen Strafmaßnahmen verfügt; der Miniſter
des Aeußern Pichon hat am Freitag abend den
deut=
ſchen Botſchafter Freiherrn v. Schoen empfangen und
ihm die vom Miniſter des Innern getroffenen
Strafmaß=
nahmen mitgeteilt. In amtlichen Kreiſen glaubt man, daß
damit der Zwiſchenfall erledigt ſei — natürlich
nur inſoweit, als die formelle Behandlung des Falles
durch die franzöſiſche Regierung in Frage kommt.
Der offizielle Bericht.
Das franzöſiſche Miniſterium des Innern
veröffent=
licht weiter folgende, vom 19. d. M. datierte Noteüber
die Zwiſchenfälle von Nancy:
Am Montag abend um 7 Uhr wurde der Miniſter des
Innern nach ſeiner Rückkehr aus dem Departement Meuſe
durch die Preſſe von dem Zwiſchenfall in Naney
unter=
richtet von dem ihm Mitteilung zu machen der Präfekt
des Departements Meurtheret=Moſelle unterlaſſen hatte.
Am Dienstag früh erteilte er im Einverſtändnis mit dem
Miniſterpräſidenten dem Staatsrat Ogier, Direktor des
Kontrollbureaus im Miniſterium des Innern, den
Auf=
trag, die Umſtände, unter denen ſich der Zwiſchenfall
er=
eignet, und die, welche ihn begleitet hatten, völlig zu
dolu=
mentieren und ihm mitzuteilen. Ogier, der Paris am
Dienstag abend verließ, kehrte geſtern nacht zurück und
überreichte geſtern nachmittag dem Miniſter Klotz ſeinen
Bericht. Ogier hat unterſucht, was ſich im Kaſino, in
der Lothringiſchen Bierhalle, auf dem Wege von dieſer
Vierhalle und ſchließlich auf dem Bahnhof ſelbſt ereignet
hatte. Die Ereigniſſe ſpielten ſich folgendermaßen ab:
Erſtens im Kaſino. Am Sonntag abend wandte ſich
im Kaſino ein Verkäufer der Zeitung Eſt=Republicain, der
die Anweſenheit zweier Deutſcher bemerkte, an
den Schutzmann Bize, der im Saal Dienſt hatte und
ſagte ihm: Es ſind hier zwei Deutſche, die nur Offiziere
ſein können. Wenn ſie während des Stückes pfeifen oder
lärmen ſollten, ſo können Sie ſicher ſein, daß ich ſie über
den Seſſel ziehe. In Großmoyeure fielen Deutſche
grund=
los über mich her. Ich rettete mich nur durch meine
Schnelligkeit. Der Schutzmann Louis Bize forderte
Chollet auf, Gewalttätigkeiten und Lärm zu unterlaſſen,
da er ſonſt aufgeſchrieben und aus dem Saal gewieſen
werden würde Die Unterredung fand ausſchließlich
zwi=
ſchen Chollet und dem Beamten ſtatt, ſie wurde ſelbſt von
den Nächſtſitzenden nicht gehört. Die beiden Deutſchen
zogen ſich vor der Vorſtellung des Stückes „Fritz, der
Ulan” zurück. Die Vorſtellung endete ohne Zwiſchenfall.
Die Lothringiſche Bierhalle iſt eins der
meiſt=
beſuchten Gaſthäuſer von Nancy, wohin die Bevölkerung
gern nach Schluß des Theaters geht. In der Nacht vom
Sonntag zum Montag gegen 12¼ oder 12½ Uhr nahm
eine andere Geſellſchaft von fünf Deutſchen, drei
Herren und zwei Damen, an einem Tiſche des Gaſthauſes
Platz. Zwiſchen ihnen und einer Geſellſchaft von vier
Gäſten begann eine Unterhaltung. An den Nachbartiſchen
ſaßen einige Studenten, von denen einige ſich für das erſte
Eramen im Deutſchen vorbereiten. Dies erlaubte ihnen,
dem Geſpräch zu folgen. Die Studenten begannen ſich
aufzuregen, weil die Deutſchen einige beleidigende
Aus=
drücke laut ausgeſprochen hatten. Einer von den
Stu=
denten ſagte: Ich werde ihnen jetzt den Vers aufſchreiben,
den ein Deutſcher für die Deutſchen ſelbſt verfaßte: „Ihr
Deutſchen ſeid ein großes Volk, ſo ſimpel und ſo begabet:
man ſieht es Euch wahrhaftig nicht an, daß Ihr das
Pulver erſunden habet.‟ Einer der Studenten ließ das
Papier auf den Tiſch der Deutſchen fallen, die ohne Aerger
dieſen Scherz von zweifelhaftem Geſchmack aufnahmen.
Da der Wirt des Gaſthauſes in dieſem Augenblick
hinzu=
kam, ſagte einer der Deutſchen zu ihm, daß, da er ſelbſt
Student ſei, er wüßte, wie ſich die akademiſche Jugend zu
unterhalten liebe.
Der Zwiſchenfall zwiſchen der deniſchen
Geſell=
ſchaft und den Studenten in der Lothringiſchen Bierhalle
war demnach ohne Bedeutung, ober der
Wortwech=
ſel dauerte fort, wenn auch weniger lebhaft zwiſchen der
deutſchen Geſellſchaft und vier Gäſten, deren Perſönlichkeit
übrigens ebenſo wenig feſtgeſtellt werden konnte. Von
letzteren weiß man nur, daß lie von zwei Frauen begleitet
waren, wovon die eine ſchwarzgekleidete mit abreiſte.
wäh=
rend die andere graugekleidete auf dem Bahnhof ſich von
ihnen trennte. Sie ſcheint eine Franzöſin zu ſein. In der
Lothringiſchen Bierhalle trug ſich während der Nacht vom
13. zum 14 April kein weiterer Zwiſchenfall zu. Als die
Bierhalle geſchloſſen wurde zwiſchen 1 Uhr 10 Minuten
und 1 Uhr 15 Minuten morgens brach die deutſche
Geſell=
ſchaft zum Bahnhofe auf. Ein Wortwechſel ſcheint
zwiſchen den Deutſchen und demjenigen der vier Gäſte ſich
fortgeſetzt zu haben, mit dem er begonnen hatte. Eine
Anzahl Studenten folgte den beiden Gruppen,
mehr als 15—20 Perſonen waren jedoch in keinem
Augen=
blick zuſammengeſchart. Auch waren keine auffälligen
Geſten wahrzunehmen, noch Rufe zu hören, weshalb die
Schutzleute am Point Central die Gruppe als vollſtändig
normal anſehen konnten. Die Polizeibeamten folgten der
Schar auf einer Strecke von 40—50 Meter vom Point
Central bis zum Platz Saint=Jean, ohne daß ein Schreien,
Geſten, Rufe ihre Aufmerkſamkeit erregten. Vom Platze
Saint=Jean bis zum Bahnhofe iſt es noch eine Strecke von
150—200 Meter, die die Gruppe unter denſelben
Bedin=
gungen zurücklegte.
Die Gruppe der fünf Deutſchen langte auf
dem Bahnhofe an beſtändig von etwa zwanzig
Per=
ſonen begleitet. In dieſem Augenblick bat die eine
Dame aus der deutſchen Gruppe den Schutzmann, der
ſich in der Wandelhalle befand, ſie gegen die Leute zu
ſchützen, die ihnen vom Point Central gefolgt waren. Der
Beamte riet der Gruppe, in den Warteſaal zu gehen. Dann
wandte er ſich an die jungen Leute und forderte ſie auf,
die Fremden in Ruhe zu laſſen. Die meiſten von den
Leuten, die den Deutſchen von der Bierhalle gefolgt
wa=
ren, ſcheinen dem Rate nachgekommen zu ſein, aber an
Stelle dieſer Gruppe von Manifeſtanten, welche ſich im
Augenblick faſt ganz entfernt hatte, trat ſofort eine
an=
dere. Hierfür iſt die Erklärung notwendig daß ſämtliche
öffentlichen Lokale in Nancy, Cafés und Vierhäuſer, um
1 Uhr nachts ſchließen müſſen. Was das
Bahnhofsreſtau=
rant betrifft, ſo ſchließt es um 12 Uhr 53 Minuten nachts,
um um 1 Uhr 40 Minuten morgens wieder geöffnet zu
werden. Von dieſer Stunde an iſt es alſo für den Reſt
der Nacht das einzige in Nancy geöffnete Lokal und
dort=
hin begeben ſich ſämtliche Nachtbummler. Dies iſt eine
aus ganz verſchiedenartigen Elementen zuſammengeſetzte
Menge in der aber neben einigen Leuten aus beſſeren
Ge=
ſellſchaftskreiſen, die hier die Nacht durchſchwärmen
wol=
len, weit mehr Elemente angetroffen werden, die der Hefe
der Bevölkerung Nancys angehören.
Da das Bahnhofsreſtaurant nicht als
ein öffentliches Lokal betrachtet wird, hat das
Publi=
kum keinen offenen Zugang von außen. Um
hin=
einzugelangen, muß man mit einem Billette verſehen
ſein. Alle dieſenigen, die dorthin gehen wollen,
verſehen ſich mit einer Bahnſteigkarte. Man kann
feſt=
ſtellen, daß in 15—20 Minuten vor der Eröffnung des
Bahnhofreſtaurants ſtets in der Wandelhalle oder auf dem
Bahnſteig eine ziemlich große Zahl Perſonen vorhanden
iſt, die mit Bahnſteigkarten verſehen ſind, um ſich in das
Reſtaurant zu begeben und in die Warteſäle
hineinzu=
gehen. Eine der Damen kam zu dem Beamten, der die
Fahrkarten kontrolliert, um ſich bei ihm zu beklagen.
Die=
ſer rief einen Kameraden herbei, der die fünf Fremden auf
einem Umwege paſſieren ließ und ſie zu dem auf dem
dritten Bahnſteig, d. h zu dem dem Eingang
gegenüber=
liegenden Teil des Bahnhofs ſtehenden Zug führte.
Wäh=
rend ein Beamter des Bahnhofs die deutſche Gruppe, drei
Herren und zwei Damen, auf dem Bahnſteig zum Zuge
gehen ließ, bemerkten die Manifeſtanten im
Warte=
ſaal zweiter Klaſſe zwei kurz vorher angelangte Deutſche,
offenbar diejenigen, welche im Kaſino geweſen und von
denen ſeitdem nicht mehr die Rede geweſen war.
Nach=
dem dieſe von einem aus der Menge als Deutſche
bezeich=
net waren, ſchrie man hinter ihnen her und es kam zu
einem Handgemenge, wobei der Hut des einen
Deutſchen zur Erde fiel. Als der dienſthabende Unterchef
des Bahnhofs den Lärm im Warteſaal zweiter Klaſſe
hörte, begab er ſich ſofort dahin, nahm die beiden
Deut=
ſchen mit ſich und führte ſie zu ihrem Zuge. Er ging
ſo=
dann nach ſeinem Bureau zurück, bemerkte aber in dem
Augenblicke als er es betreten wollte, daß die
Mani=
feſtanten ſich nach dem dritten Bahnſteig wandten, und
dort den Wagen beſtiegen. Er ging zurück, ſtieg ſodann
in den Wagen, worin die Lärmenden ſich befanden und
brach ſich durch dieſelben Bahn. Nach zwei bis drei
Mi=
nuten gelangte er in das mittlere Abteil, wo ſich die drei
Herren und eine Dame befanden. Er bemerkte, wie einer
der Manifeſtanten den rechten Arm über einen Reiſenden
erhoben hatte der mit dem Rücken nach der Lokomotive
ſaß, ergriff ihn am Arm und ließ ihn ebenſo wie die
an=
deren Manifeſtanten aus dem Wagen ſteigen. Sobald der
Wagen geräumt war, wurden die Türen geſchloſſen. Die
Polizeibeamten, welche den Dienſt auf dem Platze
hatten, waren, als ſie den Lärm auf dem Bahnhofe gehört
hatten, hineingegangen, ohne andauernde Tätigkeit
auszu=
üben und ohne die Unordnung zu verhindern, deren
Zen=
gen ſie waren. Aus verſchiedenen Ausſagen des Perſonals.
welches auf dem Bahnhofe in der Nacht vom 13. zum
14. April Dienſt hatte, geht hervor, daß keiner der
Beam=
ten vom Dienſt ſah, daß die Deutſchen geſchlagen wurden.
In einem einzigen Punkte war es nicht möglich, die
Zeugenausſagen in dieſer Hinſicht zu ſammeln. Das
be=
zieht ſich auf den Zeitraum, der verſtrich zwiſchen dem
Augenblicke, als die Manifeſtanten an dem Unterchef des
Bahnhofs vorbeirannten und in den Wagen eindrangelt,
und demjenigen, als der Unterchef in das Abteil gelangen
konnte, in dem ſich die deutſchen Reiſenden befanden. Das
iſt ein Zeitraum von zwei bis drei Minuten, worüber
genaue Aufklärung nicht erlangt werden
konnte.
In der Zuſammenfaſſung ergibt ſich alſo:
Kein Zwiſchenfall im Kaſino. im lothringiſchen Bierhauſe
Wortwechſel perſönlicher Art zwiſchen den Gäſten, der
auch nicht einen Augenblick einen zugeſpitzten Charakter
Seite 2.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913,
Nummer 92.
annahm, auf dem Wege zum Bierhauſe zum Bahnhof keine
derartige Kundgebung, die die Ordnung ſtörte und die
Einmiſchung der Polizeibeamten erforderte. Die
Vor=
gänge auf dem Bahnhof haben jedoch einen
ernſteren Charakter. Indeſſen iſt zu bemerken,
daß nach den geſammelten Ausſagen kein Soldat an
den Kundgebungen teilgenommen hat, und daß dieſe nicht
auf Leute zurückzuführen ſind, welche den Deutſchen
folg=
ten und in der Stadt mit ihnen diskutierten, ſondern auf
eine zuſammengewürfelte, zweifelhafte Bevölkerungsklaſſe,
welche ſich um dieſe Zeit gewöhnlich auf dem Bahnhofe
be=
findet. Die Beamten der Oſtbahngeſellſchaft, vom
Bahn=
hofsdienſt taten, was in ihren Kräften ſtand, um den
Schutz der deutſchen Reiſenden zu ſichern. Wenn dieſer
Schutz nicht ein wirkſamer war, iſt dies auf die geringe
Zahl von Beamten vom Nachtdienſt und auf
den Umſtand zurückzuführen, daß ſie zur Wahrnehmung
ihres Dienſtes auf dem verhältnismäßig ausgedehnten
Bahnhofsgebiete verteilt waren. Durch eine noch am
Abend des 13. April vorgekommene Entgleiſung war die
Anweſenheit mehrerer von ihnen außerhalb des Bahnhofs
notwendig. Ferner iſt zu bemerken, daß die Poliziſten,
welche auf dem Bahnhof waren, ſich in ungenügender
Weiſe betätigten, um die Ordnung und Achtung vor der
Perſon zu ſchützen, weiter, daß der Zeitraum
während deſſen die Deutſchen ohne den
Schutz der Beamten der Oſtbahn waren, nur
zwei bis drei Minuten gedauert haben kann, daß für das
während dieſer Zeit Geſchehene kein Zeugnis beſchafft
werden konnte. (!) Die Note ſchließt mit der Mitteilung,
daß der Miniſter des Innern beſchloſſen habe, die bereits
gemeldeten Verfügungen zu erlaſſen.
Nach einer Meldung aus Nancy haben die von
der Regierung verfügten Maßnahmen
da=
ſelbſt einen ſehr ſtarken Eindruck hervorgerufen;
nament=
lich wird die Verſetzung der beiden Polizeikommiſſare
kri=
tiſiert, da dieſe an den Nancyer Vorfällen keinerlei Schuld
trügen und von den Vorgängen nichts gewußt hätten.
Immerhin glaubt man, daß die Verſtimmung bald
ſchwin=
den werde angeſichts der allgemeinen Empfindung, daß
gegenwärtig Ordnung und Ruhe die für die Würde
Frank=
reichs notwendigſten Dinge ſeien.
Franzöſiſche Preßſtimmen.
Die von der Regierung in dem Nancyer
Zwi=
ſchenfall getroffenen Entſchließungen werden von
einem anſehnlichen Teil der Pariſer Preſſe rückhaltlos
gutgeheißen, von den konſervativen und nationaliſtiſchen
Blättern aber ſcharf getadelt.
Der Figaro ſchreibt: Das Land wird die von der
Regierung mit ebenſolcher Raſchheit als Energie
getroffe=
nen Strafmaßnahmen einmütig billigen. Der
Zwiſchen=
fall iſt damit erledigt. Unſere Nachbarn, die nunmehr über
die Einzelheiten der Ausſchreitungen vollſtändig
unter=
richtet ſind, werden in den freimütigen amtlichen
Entſchei=
dungen und der offenen Bekundung unſeren Wunſch
er=
blicken, zwiſchen zwei großen Nationen, die miteinander
in Frieden leben wollen, jeden Anſchein einer
Herausfor=
derung oder auch nur der Unhöflichkeit vermeiden zu
wol=
len. Sie werden unſeren aufrichtigen Wunſch anerkennen,
ihnen wie allen anderen gegenüber den guten Ruf der
Gaſt=
lichkeit zu erhalten, den die Völker uns ſtets zuerkannt
haben. — Die radikale Lanterne ſchreibt: Die
Regie=
rung hat gut daran getan, die Fehler zu erkennen, die ſich
die Beamten in Nancy zuſchulden kommen ließen. Die
Maßnahmen ſind nicht unter dem Eindruck eines
verächt=
lichen Einſchüchterungsverſuchs getroffen worden. Trotz
der Haltung gewiſſer deutſcher Blätter hat die Regierung
diejenigen beſtraft, die durch ihre Pflichtverletzung die
be=
dauerliche Kundgebung veranlaßt hatten. Der
Zwiſchen=
fall iſt nunmehr geſchloſſen. Wir kümmern uns wenig um
die Erörterungen jenſeits des Rheins, da wir unſere
Pflicht getan haben. — Der Petit Pariſien ſchreibt:
Frankreich hat bewieſen, daß es ſeiner traditionellen
Höf=
lichkeit und Gaſtlichkeit treu bleibt. — Der Radical
ſchreibt: Wir ſind überzeugt, daß die deutſche Regierung
dieſe Löſung geziemend würdigen wird und wir hoffen
daß die alldeutſche Preſſe die Ungerechtigkeit einſehen
wird=
die ſie dadurch begangen hat, daß ſie ganz Frankreich mit
den von einigen Schreiern begangenen Ausſchreitungen
ſolidariſch erklärte. — Die Republique ſagt:
Hoffent=
lich wird Deutſchland einſehen, daß es in dieſer Affäre von
ſeinem Anſehen nichts eingebüßt hat. Frankreich iſt über
die Feſtſtellung glücklich, daß kein Offizier und kein Be
amter in direkter Weiſe in dieſer albernen Geſchichte
kom=
promittiert wird.
Das nationaliſtiſche Echo d
Paris ſchreibt unter dem Titel „Eine bedauerliche Lö
ſung‟: Die amtliche Mitteilung wird im ganzen Lande
peinliches Erſtaunen hervorrufen. Die Strafmaßnahmer
finden in dem Bericht keinerlei Rechtfertigung. Die öffent
liche Meinung wird daraus den Schluß ziehen, daß fü
die Maßnahmen nur diplomatiſche Gründe maßgebend
waren, deren Geltendmachung die Würde Frankreichs nicht
geſtatten ſollte. Man wird darauf hinweiſen, daß die
franzöſiſche Regierung nicht erſt die Uebermittelung des
Ergebniſſes der deutſchen Unterſuchung abgewartet habe
um einzuſchreiten. Aber was hätten die Deutſchen auf
Grund ihrer Unterſuchung noch mehr verlangen können?
Die Libre Parole ſchreibt: Man wird mit
pein=
lichem Gefühl erfahren, daß die Regierung eingewilligt
hat, Strafmaßnahmen zu treffen, die in keinem Verhältnis
zu dem Zwiſchenfall ſtehen.
Deutſches Reich.
Die Zulaſſung zum diplomatiſchen
Dienſt. Zu den Erklärungen des Staatsſekretärs von
Jagow im Reichstage über die Beſoldungsverhältniſſe im
auswärtigen Dienſte erfährt die Tägliche Rundſchau, daß
im Auswärtigen Amte umfangreiche Erwägungen darüber
im Gange ſind, die Anſtellungsverhältniſſe der
Botſchafts=
räte, Legationsſekretäre und Attachés derart zu geſtalten,
daß bei der Zulaſſung zum diplomatiſchen Dienſt
Schwie=
rigkeiten infolge nicht ausreichender finanzieller
Leiſtungs=
fähigkeit des Bewerbers nicht mehr entſtehen können.
Ent=
prechende Beſchlüſſe dürften noch in dieſem Jahre gefaßt
werden und vorausſichtlich bei der Feſtſtellung des
Haus=
halts für 1914 zur Geltung gelangen.
Die Vorlage betreffend Errichtung
einer landwirtſchaftlichen Kreditanſtalt
ür Deutſch=Südweſtafrika, iſt ſoeben dem
Reichstag zugegangen. Die Anſtalt ſoll unter dem Namen
„Landwirtſchaftsbank für Deutſch=Südweſtafrika” als eine
ſelbſtändige juriſtiſche Perſon des öffentlichen Rechts mit
dem Sitze in Windhuk errichtet werden. Das
Grundkapi=
tal der Bank beträgt 10 Millionen Mark, die vom
Schutz=
gebiet aus der Schutzgebietsanleihe oder aus einem an
deren Stelle tretenden Reichsdarlehen zur Verfügung
ge=
ſtellt werden und von denen 5 Millionen zunächſt in der
Vorlage angefordert worden ſind. Die Bank darf ferner
Schuldverſchreibungen auf den Inhaber bis zum
zehn=
fachen Betrage des Grundkapitals ausgeben. Zweck der
Bank iſt die Gewährung landwirtſchaftlichen Bodenkredits
bis zu 50 Prozent des Grundſtückswertes, ſowie
kontrol=
lierten landwirtſchaftlichen Meliorationskredits bis zu
zwei Drittel des nach durchgeführter Melioration
vorhan=
denen Grundſtückswertes. Zum Vorſtand der Bank
ge=
hören außer zwei beamteten Mitgliedern mehrere vom
Landesrat aus den Bewohnern des Schutzgebietes
vorge=
ſchlagene Perſonen. Auch ſonſt wird die Bevölkerung des
Schutzgebietes durch die Bezirksräte zur Mitwirkung bei
den Geſchäften der Bank herangezogen. Die
Geſchäfts=
führung wird durch den Gouverneur des Schutzgebietes
beaufſichtigt.
— Jugendfürſorge im
württembergi=
ſchen Landtag. Die Zweite württembergiſche
Kam=
mer hat mit 50 gegen 27 Stimmen einen jährlichen
Bei=
trag von 15000 Mark für die an den Landesverband für
Jugendfürſorge und den Jung=Deutſchland=Bund
ange=
ſchloſſenen Jugendverbände bewilligt. Gegen dieſe
Be=
willigung ſtimmte der größte Teil der Volkspartei und die
Sozialdemokraten.
— Sachſen und das Jeſuitengeſetz. Die
ſächſiſche Regierung hat ſich in jüngſter Zeit mit der Frage
beſchäftigt, wie die etwaige Aufhebung der
reichsgeſetz=
lichen Beſtimmungen gegen die Zulaſſung der Jeſuiten
auf Sachſen wirken würde. In Sachſen iſt die Zulaſſung
der Jeſuiten ſchon durch den § 56 der Verfaſſung verboten,
der noch heute rechtlich gültig iſt. Die Regierung nimmt
den Standpunkt ein, daß auch eine etwaige Aufhebung des
Reichsgeſetzes über die Jeſuiten an dem Fortbeſtehen der
rechtlichen Wirkung des § 56 der Verfaſſung nichts ändern
könne. An eine Verfaſſungsänderung zugunſten der
Je=
ſuiten iſt in Sachſen nicht zu denken.
— Eine Wehrabgabe der
Sozialdemo=
kraten. Das Korreſpondenzblatt der Generalkommiſſion
der ſozialdemokratiſchen Gewerkſchaften Deutſchlands vom
12. April veröffentlicht folgende Quittung:
An Unterſtützungsgeldern gingen ein bis zum 31. März
1913. Für die Gewerkſchaften in Bulgarien und Serbien:
Von den Vorſtänden der Zentralverbande: Brauerei= und
Mühlenarbeiter 1000, Zivilmuſiker 50, Schiffszimmerer
100, Lederarbeiter 300, Bildhauer 250, Transportarbeiter
5000, Gaſtwirtsgehilfen 500, Buchbinder 1000, Töpfer 300,
Fleiſcher 100, Bureauangeſtellte 100, Kürſchner 100,
Kupfer=
ſchmiede 100, Porzellanarbeiter 500, Staats= und
Ge=
meindearbeiter 500, Zimmerer 1000. Blumenarbeiter 25,
Bergarbeiter 2000 Mark. Von den Ortsverwaltungen der
Zentralverbände: Metallarbeiter Berlin 2000 M. Von den
Gewerkſchaftskartellen: Kahla i. Sa. 25. Tailfingen (
Würt=
temberg) 5 M. In Summa 15 495 Mark.
Alſo auch die ſozialdemokratiſchen Arbeiter haben für
Kriegszwecke Geld übrig — nur daß es ins Ausland geht.
Ausland.
Frankreich.
Die Beſoldung der Offiziere. Infolße
einer Verſtändigung zwiſchen dem Kriegs= und
Marine=
miniſter wird das geplante Geſetz über die Erhöhung des
Soldes der Offiziere auch bei den Offizieren der
Kriegs=
flotte zur Anwendung gelangen. Ueber die
Solderhöhun=
gen verlautet, daß ſie verhältnismäßig bedeutet ſein
wer=
den. So würden Unterleutnants anſtatt 2800 Francs
einen jährlichen Sold von 3500 Francs, Oberſten anſtatt
8136 Francs jährlich 12000 Francs und Brigadegenerale
anſtatt 12000 Francs 15000 Francs erhalten.
Religiöſe Angelegenheiten in
Ma=
rokko. Wie aus Rom gemeldet wird, hatte Kardinal
Vincent Vannutelli mehrere Beſprechungen mit Merry del
Val. Vannutelli wird am Montag nach Paris reiſen. Es
verlautet, er ſei beauftragt, mit Frankreich ein
Einver=
ſtändnis über religiöſe Angelegenheiten in Marokko
herbei=
zuführen.
Belgien.
In der Kammer verſuchten die Liberalen die
Baſis für eine Verſtändigung zu finden, indem ſie den
Vorſchlag machten, man ſollte die Erklärungen des
Mi=
niſterpräſidenten vom Monat März als Baſis für eine
Tagesordnung annehmen. Die Mehrheitsparteien ſchlugen
durch den Deputierten Woeſte eine Tagesordnung vor, die
einfach die Erklärung der Regierung billigt und zur
Tages=
ordnung übergeht. Man ſchlug von ſeiten der Liberalen
eine Suspenſion der Sitzung vor, damit die Parteien ſich
beraten könnten. Die Regierung lehnte dies aber ab.
Auch waren anſcheinend die Sozialdemokraten zu einem
ſolchen Zugeſtändnis nicht bereit, ſo daß die Sitzung unter
allgemeiner Erregung bis zum Dienstag vertagt wurde.
Vereinigte Staaten.
Das Geſetz über den Landerwerb von
Ausländern. Italien richtete durch ſeinen Botſchafter
an das Staatsdepartement eine Anfrage über die
wahr=
ſcheinliche Wirkung, welche die bevorſtehenden Geſetze über
den Landerwerb von Ausländern auf die Italiener und
deren Intereſſen in Kalifornien haben würden. Aehnliche
Anfragen werden auch von den Vertretern anderer Länder
erwartet, welche Angehörige in den Vereinigten Staaten
haben, die an Landwirtſchaft, Fiſcherei oder anderen
Un=
ternehmungen beteiligt ſind und durch eine ſolche
Geſetz=
gebung ſchwer getroffen werden könnten. Diplomatiſche
Kreiſe legen dar, daß der Mafia=Zwiſchenfall in Louiſiana
während der Präſidentſchaft Benjamin Harriſons zu der
Feſtſtellung geführt habe, daß die Bundesregierung nicht
imſtande geweſen ſei, in ſolchen Angelegenheiten eine
Kon=
trolle über den Staat auszuüben. Alles, was
Staats=
ſekretär Bryan unter dieſen Umſtänden tun könne, ſei, den
Frageſtellern zu verſichern, daß die kaliforniſche
Geſetz=
gebung ſo, wie die amtlichen Stellen in Waſhington ſie
eingerichtet zu ſehen wünſchen, nicht wirken werde, daß
die Intereſſen des Landes der Frageſteller geſchädigt
würden.
Japan.
Die antijapaniſche Geſetzgebung in
Kalifornien. Die Kampagne gegen die gegen Japan
gerichtete Geſetzesvorlage über den Landbeſitz von
Aus=
ändern in Kalifornien gipfelte in einer ſtürmiſchen
Ver=
ſammlung in Tokio. Ein Redner verlangte die Entſendung
der Flotte nach Kalifornien. Es heißt, daß die Regie=
Aus der eiſernen Zeit:
Napoleon in Weimar.
** Weimar, „wie Bethlehem in Juda klein und groß”
beſitzt als damaliger Mittelpunkt der deutſchen
Geiſteskul=
tur ein beſonderes Intereſſe, wenn wir uns in die Zeit
vor 100 Jahren verſenken. Während zunächſt die großen
Ereigniſſe der preußiſchen Erhebung an Ilm=Athen
ziem=
lich ſpurlos vorübergingen und nur den preußiſch
geſinn=
ten Kärl Auguſt im Innerſten erregten, ward die Stadt
der deutſchen Klaſſik in den Apriltagen mitten
hinein=
geriſſen in den Strudel des anhebenden Kampfes:
Na=
poleon erſchien in Weimar. Dem Franzoſenkaiſer
war durchaus nicht entgangen, daß dieſer kleine Staat
eine kulturelle Bedeutung beſaß, die weit über ſeine
poli=
tiſche Macht hinausging. Deshalb hatte er im Jahre 1812
einen bevollmächtigten Geſandten für die kleinſächſiſchen
Höfe mit der Reſidenz in Weimar ernannt und als
geeig=
neten Mann dafür den Baron von St. Aignan ausgewählt,
der ausführliche Berichte über die deutſche Literatur und
die berühmten Dichter liefern mußte. Aus dieſen gerade
für das Frühjahr 1813 beſonders wichtigen Mitteilungen,
die A. Fiſcher aus den Archiven des Pariſer Auswärtigen
Amtes in ſeiner Studie Goethe und Napoleon”
veröffent=
licht hat, geht hervor, daß das napoleoniſche Frankreich
vor der durch Weimar repräſentierten Geiſtesmacht die
größte Achtung hatte und daß man z. B. die Bedeutung
Goethes in Paris ſehr wohl kannte. „Die Stadt Weimar,
heißt es da z. B., „iſt der Mittelpunkt, in dem ſich eine
große Anzahl berühmter Schriftſteller vereinigt haben,
deren in ganz Deutſchland geleſene Schriften einen großen
Einfluß auf die öffentliche Meinung ausüben.
Der Kaiſer mochte daher ſeine ganz beſonderen Gründe
haben, wenn er dieſe „Feſtung der Ideen” ſogleich
auf=
ſuchte, nachdem er eben erſt zu ſeinem Heer in Deutſchland
geſtoßen war. St. Aignan berichtete nämlich damals
höchſt bedenkliche Dinge vom Herzog. Von den Dichtern
konnte er der mit Goethe befreundet war und von ihm
manche Unterſtützung für ſeine literariſchen Berichte
emp=
fangen hatte, freilich Gutes berichten. Der Olympier war
dem Ungewitter aus dem Wege gegangen und in die
böh=
miſchen Bäder gereiſt, einem Spruch folgend, den er in
einem Brief an Reinhard zitiert: „Magſt dem Schickſal
widerſtehen, / Aber manchmal ſetzt es Schläge; Will’s
nicht aus dem Wege gehen, ½ Ei, ſo geh du aus dem
Wege!” Hatte er ſchon früher gemeldet, daß „Herr von
Goethe ſich von den politiſchen Angelegenheiten völlig
zu=
rückgezogen hat” ſo erſtattet er am 22. April Napoleon
einen Bericht, in dem es heißt: „Die weiſen Leute in
Deutſchland ſeufzen unter dem Unglück, dem ihr Land
durch Menſchen ausgeliefert iſt, die wahnſinnig zu ſein
ſcheinen.” Zu dieſen, die die Erhebung nicht verſtanden,
gehörte auch Goethe. Dagegen bereitet der Herzog Karl
Auguſt dem franzöſiſchen Geſandten viel Verdruß: „Der
Herzog von Weimar iſt ein Mann, dem man nicht trauen
kann; er hat ſich ſehr kompromittiert und ſeine
Parteilich=
keit für die Preußen und ſeine Abneigung gegen die
Fran=
zoſen deutlich zur Schau getragen.” Karl Auguſt, der das
Joch des Rheinbundfürſten mit Kummer trug, war eben
in ſeinem Innern ſtets antifranzöſiſch und
napoleonfeind=
lich und trieb mit dem General Müffling eine durchaus
preußiſche Politik. Am 24. April weiſt St. Aignan
Na=
poleon noch einmal auf die Bedeutung Weimars hin, das
eine Wichtigkeit und einen Einfluß beſitzt, die weit über
eine Stellung in andere Beziehungen hinausgehen‟. Er
fürchtet den zerſchmetternden Zorn des Herrſchers und
empfiehlt Gnade: „Vor den Wellen Goethe, Herder,
Wie=
land ſollen die franzöſiſchen Grenadiere reſpektvoll Halt
machen.”
Aber das gefürchtete Ungewitter kam nicht. Als
Karl Auguſt dem Impsrgior nach Erfurt
entgegen=
eilte, blitzte und donnerte dieſer nicht; er lächelte
liebens=
würdig und behandelte den Herzog mit der größten
Freundlichkeit. Umgeben von einem glänzenden Gefolge,
an der Spitze ſeiner Armee, in der „auf allen Geſichtern
das Lächeln des Mutes und der Zuverſicht lag”, erſchien
er am 28. April in Weimar, angeblich, „um die regierende
Herzogin zu beſuchen” Napoleon hatte ja vor dieſer
Fürſtin, „der unſere 200 Kanonen keine Furcht einflößten‟
ſeit 1806 einen beſonderen Reſpekt. Auf das
liebenswür=
digſte trat er ihr entgegen, und als ſie für zwei weimariſche
Gefangene, den Kammerherrn v. Spiegel und den
Regie=
rungsrat v. Voigt die wegen kompromittierender
Korre=
ſpondenzen erſchoſſen werden ſollten, um Freiſprechung
bat, antwortete der Kaiſer: „Ich will es gern tun, und ich
bin entzückt, damit etwas veranlaſſen zu können, was
Ihnen angenehm iſt Madame.” Mit ſeinem „milden,
an=
genehmen und geiſtreichen Weſen”, wie Charlotte von
Schiller ſchreibt, bezauberte und gewann er alle, ſelbſt den
widerſtrebenden, willensſtarken Herzog, der ſich nur dies
eine Mal von der faſzinierenden Dämonie des Korſen hat
gefangen nehmen laſſen. Er begleitete den Kaiſer am
29. April bis nach Eckardtsberga, ſpeiſte dort mit ihm zu
Mittag und kehrte erſt am Abend zurück — voller
Bewun=
derung! Napoleon lag daran, den Herzog von Weimar für
ſich zu gewinnen, um ihn gegen den ſchwankenden
Sachſen=
könig ausſpielen zu können. Daher war er ſo beſtrickend
liebenswürdig, daß Karl Auguſt über ſeine Unterredung
zu St. Aignan, der ihn fragte, ob er zufrieden ſei, ſagte:
Zufrieden iſt nicht der richtige Ausdruck, ſondern erſtaunt,
verblüfft, denn das iſt wirklich ein außerordentliches
We=
ſen. Das iſt kein europäiſcher Geiſt; das iſt ein
orientali=
ſches Genie; er erſchien mir wie ein Verzückter. Ich ſtelle
mir vor, daß Mohammed ſo geweſen ſein muß.”
So hatte der Korſe in Weimar eine denkwürdige
Er=
oberung gemacht, in dem er einen ſtarkgeiſtigen
hartnäcki=
gen Gegner zum Enthuſiasmus für ſein Genie entflammte.
Aber ein zäher Feind ſeiner Politik iſt Karl Auguſt doch
eblieben und hat im Herzen auf Seiten der Preußen
ge=
ſtanden.
Nummer 92.
Seite 3.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
rung die Lage zwiſchen Japan und Amerika für die
gefähr=
lichſte halte, die je beſtanden hat, da die Bundesregierung
nicht gewillt iſt, zu intervenieren und da es unmöglich iſt,
hiergegen Maßnahmen zu ergreifen.
* Berlin, 19. April. Die Voſſiſche Zeitung meldet
aus Petersburg: Die Wetſcherneje Wremja beſtreitet
auf Grund von Erkundigungen an unterrichteter Stelle
die Nachricht von der bevorſtehenden Reiſe des
Za=
ren nach Berlin — wie zu erwarten war. An die
noch gar nicht beſtätigte Meldung von der Reiſe des Zaren
waren die unglaublichſten Kombinationen über politiſche
Konferenzen in Berlin geknüpft worden.
Feuilleton.
CK. Die Verſicherung von Morgans Kunſtſchätzen.
Ungeheure Verſicherungspolicen ſind in dieſen Tagen über
die Kunſtſchätze Morgans im Metropolitan Art=Muſeum
in New=York und über ſeine Privatbibliothek abgeſchloſſen
worden. Der verſicherte Geſamtwert wurde mit 136
Millionen Mark beziffert. Von dieſer Summe
ent=
fallen 96 Millionen Mark auf die großen Sammlungen,
die ſich ſchon im Muſeum oder noch in den Magazinen
befinden. Die Bücher und Kunſtwerke, die in der
Biblio=
thek ihre Aufſtellung gefunden haben, wurden mit einem
Wert von 40 Millionen Mark angegeben. Abgeſchloſſen
wurden die Verſicherungen von Pierpont Morgans Sohn,
und man hat aus dieſer Tatſache Schlüſſe auf die noch nicht
bekannt gewordenen Teſtamentsbeſtimmungen ziehen
wollen. Man glaubt, daß die Kunſtwerke nicht, wie ſo oft
verſichert wurde, in den Beſitz des Staates übergehen,
ſon=
dern von Morgan an ſeinen Sohn vererbt ſind der ſie
wahrſcheinlich unter den gegenwärtigen Bedingungen dem
Muſeum leihweiſe überlaſſen wird. Zu Morgans
Lebzei=
ten waren ſeine Gemälde, Statuen und übrigen
Kunſt=
wecke nicht verſichert, wodurch die Anſicht geſtützt
wurde, daß ſie Eigentum der Nation werden ſollten. Die
Schätzungen über das Geſamtvermögen des
größ=
ten amerikaniſchen Finanzmannes gehen ſehr weit
aus=
einander. Man weiß, daß Morgan ſehr viel von ſeinem
Reichtum bei Lebzeiten ausgegeben hat und z. B. für
Kunſtſachen ſo viel brauchte, daß er in der letzten Zeit bei
ſehr großen Käufen nicht mehr bar bezahlte, ſondern
An=
weiſungen auf ſeine Firma gab. Das Kapital, das der
Firma Morgan u. Co, bei ihrer Geſchäftsführung zur
Ver=
fügung ſtand, ſoll weniger als 120 Millionen Mark
betragen haben, und der Wert des geſamten Morganſchen
Beſitzes wird auf noch nicht 400 Millionen Mark geſchätzt.
Jedenfalls erwartet man in eingeweihten Kreiſen allerlei
Ueberraſchungen, wenn das Teſtament eröffnet und damit
all dieſen ungefähren Schätzungen ein Ende bereitet wird.
sh. Abgekürztes Verfahren. Die deutſchen Profeſſoren
haben ſeit alter Zeit das Privileg, vergeßlich ſein zu
dür=
fen, und ſie machen auch jetzt noch davon reichlich Gebrauch.
Der „in gedanken ſtehen gebliebene Regenſchirm” der
Flie=
genden Blätter iſt freilich etwas antiquiert, dafür betätigt
ich, wenn man ſo ſagen darf, die Vergeßlichkeit auf einem
moderneren Gebiete. Wenigſtens findet ſich in einem
Greifswalder Blatt folgendes Inſerat
„Da ich unmöglich wiſſen kann,
von welchen Vereinen ich hier
Mit=
glied geworden bin, ſo erkläre ich
hiermit meinen Austritt aus allen.
Prof. Dr. F. Engel.”
Herr Profeſſor Engel hat eine Berufung nach einer
ande=
ren Univerſitätsſtadt angenommen.
* Eine neuartige Nachtglocke, die mit einer
Telephon=
anlage verbunden iſt, hat ein Berliner Arzt ſich
eingerich=
tet. Wenn jemand in der Nacht den Arzt aufſucht, kann
er ihm nun gleich von der Straße aus mitteilen, was er
wünſcht, und der Arzt kann, wenn, wie das oft der Fall
iſt, keine ſchwere Erkrankung vorliegt, allenfalls einen Rat
geben, ohne ſich erſt anziehen zu müſſen.
* Die Berliner Hunde haben es jetzt ſchlecht. Nach der
neueſten Polizeiverordnung dürfen die Hunde nicht mehr
in Schlächterläden mitgenommen werden, und deswegen
ſind mehrere Schlächter auf die Idee gekommen, vor ihrem
Geſchäft einen Warteplatz für Hunde zu etablieren, das
heißt, einen Haken anzubringen, an dem die Hundeleinen
befeſtigt werden. So müſſen die unglücklichen Hunde
an=
geſichts des lockenden Schaufenſters Tantalusqualen
leiden.
Stadt und Land.
Darmſtadt, 21. April.
Vom Hofe. Prinz und Prinzeſſin Reinhard zu
Solms=Lich ſind am Freitag vormittag 10 Uhr 3 Min.
zum Beſuch im Neuen Palais eingetroffen und
nach=
mittags 4 Uhr 23 Min. wieder abgereiſt. (Darmſt. Ztg.)
* Ernannt wurde der Finanzreferendar Johannes
Feick aus Herbſtein zum Finanzaſſeſſor.
* Uebertragen wurde dem Lehrer Ludwig Jung
in Grebenhain die erledigte zweite Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Grüningen, Kreis Gießen; dem
Lehrer Wilhelm Schaad zu Gedern eine Lehrerſtelle
an der Gemeindeſchule zu Hungen, Kreis Gießen; dem
Schulamtsaſpiranten Heinrich Schlaudraff aus
Leun, Kreis Wetzlar, die erledigte Lehrerſtelle an der
Gemeindeſchule zu Oppenrod, Kreis Gießen.
* Militärdienſtnachricht. Oberſt Freiherr Raitz
v. Frentz vom Inf.=Regt. Nr. 117 zum I.
Informations=
kurſus bei der Infanterie=Schießſchule kommandiert.
g. Der Provinzialausſchuß verhandelte in ſeiner
Sitzung am Samstag über die
Wohnungsvergüt=
ungfür das Lehrerperſonal zu Klein=
Au=
heim. Die dortigen Lehrer und Lehrerinnen halten die
Mietsentſchädigung für zu gering. Eine Lehrerin reichte
am 3. Juli 1911 eine Beſchwerde bei der
Kreisſchulkom=
miſſion ein, worin ausgeführt wurde, daß ſie für 150 Mk.
Wohnungsgeld tatſächlich keine Wohnung erhalten könne.
Die Kreisſchulkommiſſion ſtellte Erhebungen an, und auf
Grund dieſer Erhebungen wurde dem Gemeinderat
an=
geſonnen, die Entſchädigung zu erhöhen. Der
Gemeinde=
rat antwortete zunächſt, daß er für 1911 an eine Erhöhung
nicht herantreten könne, daß ſie aber für 1912 vorgeſehen
ſei. Am 7. November 1911 beſchloß dann der
Gemeinde=
rat eine Erhöhung für die verheirateten Lehrer um 30 auf
310 Mark, für unverheiratete Lehrer und Lehrerinnen auf
180 Mark und für Schulverwalter auf 120 Mark. Mit
dieſen Erhöhungen war das Schulperſonal nicht zufrieden,
und auf eine Beſchwerde ſtellte die Kreisſchulkommiſſion
nähere Erhebungen an, als deren Ergebnis feſtgeſtellt
wurde, daß für unverheiratete Lehrer und Lehrerinnen der
Durchſchnittswohnungspreis ſich auf 216 Mark pro Jahr
ſtellt. Die Kreisſchulkommiſſion ſtellte deshalb höhere
Ver=
gütungen feſt: für verheiratete Lehrer auf 350 Mark, für
unverheiratete auf 200 Mark und für Schulverwalter auf
150 Mark. Dieſe Sätze wurden der Bürgermeiſterei
mit=
geteilt, die gegen die Feſtſetzung Beſchwerde beim
Kreis=
ausſchuß einlegte. Der Kreisausſchuß des Kreiſes
Offen=
bach ſetzte in ſeiner Sitzung vom 19. September 1912 die
Vergütungen auf 310, 180 und 120 Mark feſt. Hiergegen
verfolgte der Vorſitzende des Kreisausſchuſſes Berufung
beim Provinzialausſchuß. Klein=Auheim hat 3100
Ein=
wohner und etwas Induſtrie; der Bau von
Kleinwohnun=
gen ſei ſehr lebhaft, wie die Vertreter von Klein=Auheim
ausführen. Der Provinzialausſchuß beſchließt: der
Be=
rufung wird teilweiſe ſtattgegeben, indem die Vergütung
für verheiratete Lehrer auf 350 Mark, die für
unverheiratete Lehrer und Lehrerinnen auf 200 Mark
feſt=
geſetzt wird. Die Entſcheidung über die Vergütung der
Schulverwalter und =verwalterinnen wird aufgehoben, da
die Wohnungsvergütung für dieſe vom Miniſterium
feſt=
zuſetzen iſt. Die Koſten des Verfahrens fallen Klein=
Au=
heim zur Laſt.
Die Firma Dyckerhoff & Widmann zu Biebrich
am Rhein begann im Dezember 1911 in der Gemeinde
Rüſſelsheim mit der Herſtellung eines Gebäudes, zunächſt
mit einem Bauleiter nebſt Gehilfen und 45 Arbeitern. Sie
wurde zunächſt nicht zur Steuer herangezogen, weil ſie es
verabſäumt hatte, ein Gewerbepatent zu löſen. Die Firma
wurde veranlaßt, dies nachzuholen und wurde dann für
1911 und 1912 zur Gemeinde=Gewerbeſteuer herangezogen.
Sie legte gegen dieſe Heranziehung Beſchwerde beim
Kreisausſchuß Gr.=Gerau ein, der aber die Beſchwerde
ab=
wies. Gegen dieſen Entſcheid verfolgte die Firma
Be=
rufung beim Provinzialausſchuß, der die Entſcheidung
des Kreisausſchuſſes aus formellen Gründen aufhob. In
erneuter Verhandlung vom 17. Dezember 1912 erkannte der
Kreisausſchuß nochmals auf Abweiſung der Beſchwerde.
Der Provinzialausſchuß beſtätigt auf die Berufung der
Firma das Urteil des Kreisausſchuſſes.
Am 31. Auguſt 1912 fand in Hering
Beigeordneten=
wahl ſtatt, bei der die beiden Kandidaten Leonhard
Noé IV. und Jakob Uhrig III. je 33 Stimmen
erhiel=
ten. Das Los entſchied für Jakob Uhrig III. Innerhalb
der geſetzlichen Friſt erhob Jakob Rübeck Beſchwerde
gegen die Wahl. Er beſchränkte ſeine Einwendungen auf
folgende Punkte: die Wahlurne ſei nicht verſchloſſen und
verſiegelt geweſen, während der Wahlzeit ſeien zeitweiſe
nur zwei Mitglieder anweſend geweſen, ferner ſei von
einem gewiſſen Weiß V. das Gerücht ausgeſprengt
wor=
den, Noé ſei von der Kandidatur zurückgetreten. Der
Kreisausſchuß des Kreiſes Dieburg wies am 14.
Novem=
ber 1912 die Beſchwerde ab. Nach den Vorſchriften für
die Wahlen der Landſtände ſei nicht vorgeſchrieben, daß
die Urne verſiegelt ſein müſſe, für die Kommunalwahlen,
die doch nicht ſo wichtig ſeien, wären entſprechende
Vor=
ſchriften nicht vorhanden. Es ſei ferner in keiner Weiſe
bewieſen, daß zeitweiſe nur zwei Perſonen bei der
Wahl=
handlung anweſend waren. Bezüglich des dritten
Punk=
tes ſei ein Beweis dafür nicht erbracht, daß ſich irgend
jemand durch das ausgeſprengte Gerücht, der
Gegenkandi=
dat ſei zurückgetreten, zum Unterlaſſen der Wahl
veran=
laſſen ließ. Der Jakob Rübeck legte gegen das Urteil des
Kreisausſchuſſes Rekurs ein, indem er neu vorbrachte, der
Bewählte habe ſelbſt Stimmzettel verteilt. Der
Provin=
zialausſchuß verwarf den eingelegten Rekurs
als unbegründet.
* Gedächtnisausſtellung. Die hundertſte Wiederkehr
der Tage der großen Volkserhebung, die zu den
Be=
freiungskriegen führten, gibt allenthalben in deutſchen
Landen Anlaß zu Gedenkfeiern verſchiedener Art. Aus
den Ereigniſſen der „Eiſernen Zeit” iſt Preußens
Köni=
gin Luiſe nicht zu trennen, die als Prinzeſſin ebenſo
wie die nachmalige K ön igin Frie der ike
von Hannover enge und rege Beziehungen mit
Heſſens Fürſtenhaus und mit Darmſtadt
verknüpf=
ten. Man plant deshalb zur Erinnerung an die
beiden Fürſtinnen in Darmſtadt eine
Gedächtnis=
ausſtellung. Eine Ausſtellung, in der alles
zuſam=
mengetragen werden ſoll, was an die beiden Fürſtinnen
und auch ſonſt an die „Eiſerne Zeit” erinnert. Es
iſt bereits gelungen, eine ganze Anzahl ſolcher
Gegen=
ſtände zu ſammeln, aber vielfach befinden ſich noch
Er=
innerungszeichen mancherlei Art an die große Zeit in
Privatbeſitz von Familien, als perſönlicher Beſitz oder
hiſtoriſches Dokument ſorgſam gehütet. Es ergeht darum
hierdurch an alle Beſitzer die Bitte, derartige
Erinner=
ungszeichen für die Gedächtnisausſtellung zu
überlaſſen. Mit der Ausſtellung, die zu einem geringen
Entree der Oeffentlichkeit zugängig gemacht werden ſoll
iſt ein wohltätiger Zweck verbunden, der Ertrag ſoll noch
näher zu beſtimmenden Wohltätigkeitseinrichtungen
zu=
geführt werden. Anmeldung von Gegenſtänden zu der
Ausſtellung werden Rheinſtr. 43, I und in der Expedition
unſeres Blattes entgegengenommen. (Siehe auch Anz.)
— Die Fortſchrittliche Volkspartei Darmſtadt
veran=
ſtaltet, ſo ſchreibt man uns, am 24. April im Kaiſerſaal
(Grafenſtraße) eine Gedenkfeier an das Jahr 1813. Jene
große Zeit, die unſer Volk ſich wieder auf ſich ſelbſt und
ſeine Kraft beſinnen ließ, jene Zeit, in der das ſo lange
niedergehaltene Volk den Beweis ſeiner Mündigkeit und
Selbſtändigkeit erbrachte, ſoll gefeiert werden. Aus ihr
wieder Begeiſterung und Freudigkeit geholt werden für
die Gegenwart, in der gar wenig von der Spannkraft
und dem lebendigen Gefühl einer ſtarken
Volksgemein=
ſchaft jener Jahre zu ſpüren iſt. Dieſe Jahre aber in ihrer
Größe und in ihrer Bedeutung für unſere Gegenwart
er=
ſtehen zu laſſen, dazu iſt keiner beſſer berufen als Dr. R.
Strecker=Bad=Nauheim. „Was lehrt uns 18132‟ Das
iſt das Thema zu ſeiner Rede. Alle freiheitlich geſinnten
Vaterlandsfreunde, Frauen und Männer, ſind zu der Feier
herzlich eingeladen.
Deutſcher Wehrverein. Nach dem Vortrag von
General Keim am 22. April findet noch ein
gemüt=
liches Beiſammenſein mit dem Herrn
Vor=
tragenden in dem oberen Saal der Turnhalle ſtatt.
Hierzu ſind alle Freunde der Wehrſache, insbeſondere
auch alte Kameraden des Vortragenden, herzlich
will=
kommen.
Wir werden gebeten, auf dieſen äußerſt wichtigen
Vortrag, Dienstag abend 8½ Uhr, noch ganz beſonders
die zahlreichen Mitalieder der Vereinigten
Krieger=
vereine und die des Reichsverbands gegen die
Sozial=
demokratie aufmerkſam zu machen.
Auch die Ortsgruppe Darmſtad t.
des Deutſchen Wehrvereins ladet die
Mitglieder Jungdeutſchlands zu dem Vortrage des Herrn
Generals Keim am Dienstag, den 22. April, abends 8½
Uhr, im Saal der Turnhalle am Woogsplatz ein. Herr
General Keim ſpricht über „Weltlage und Wehrfragen”
* Joachimſche Muſikſchule. Die ſeit vielen Jahren hier
beſtehende Joachimſche Geſangſchule veranſtaltet am
Mitt=
woch, den 23. April, im „Kaiſerſaal” eine Schüler=
Aufführung unter Mitwirkung von Frl. Wilhelmine
Eichner von hier, Schülerin des Inſtituts und ſeit zwei
Jahren Operetten=Soubrette am Stadttheater Heilbronn.
Die gediegenen Leiſtungen der Schule ſind allgemein
be=
kannt und iſt ein reger Beſuch zu erwarten.
* Beethoven=Konſervatorium. Am 24., 25. und
26. April finden im großen Saal „Zur Traube” die
diesjährigen Schüleraufführungen des Beethoven=
Kon=
ſervatoriums ſtatt, wozu alle Intereſſenten bei freiem
Eintritt freundlichſt eingeladen ſind. (Siehe Anzeige.)
Haynſcher Frauenchor. Es wird nochmals au
das Konzert des Hans A. Haynſchen Frauenchors
aufmerkſam gemacht, das unter Mitwirkung des Herrn
Kammerſängers Weber heute Montag abend im
Kaiſerſaal ſtattfindet.
*Der Damenturnverein feiert am 7. Mai ſein
20 jähriges Stiftungsfeſt. Dieſer Veranſtaltung
geht am Mittwoch, den 23. April, ein Lichtbilderabend
voraus, der den Turnerinnen und ihren Gäſten
Er=
innerungen aus der 20jährigen Wanderzeit des Vereins
und Landſchaftsbilder aus Ober=Bayern, der Schweiz
und Ober=Italien vorführt. Der Verein gibt ſeinen
Mitgliedern neben dem Turnen ausgiebig Gelegenheit
zum Wandern; es werden monatlich größere und kleinere
Ausflüge veranſtaltet. Auf dieſe Art lernen die
Turnerinnen die Schöndeiten ihres engeren Vaterlandes
kennen. — In den Sommermonaten ſtehen den
Mit=
gliedern einige Tennisplätze zur Verfügung und wird
ſo Sport in mannigfacher Art gepflegt. (Siehe Anzeige.)
m. Im Herrngarten werden eben alle großen
Raſenbeete, welche bisher einer Drahteinfriedigung
er=
mangelten, mit ½ Meter hohen Drahtzäunen umgeben.
Dieſe Arbeiten erwieſen ſich als notwendig, weil die
Paſſanten des Herrngartens allmählich breite Streifen
der Raſenflächen als Fußweg benutzten. Manche Teile
der Raſenflächen ſind ſo abgetreten, daß
Erdauf=
ſchüttungen vorgenommen werden mußten,
Am
Veteranendenkmal iſt in der Umfriedigung eine Lücke
gelaſſen worden, damit man bequem das Denkmal in
der Nähe betrachten und umgehen kann. Das
ver=
floſſene ſchneeige, kalte Wetter hat faſt keinen Schaden
an den bereits ausgetriebenen Blättern der
Neu=
pflanzungen als auch der älteren Gewächſe angerichtet.
Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Woche vom
13. bis 19. April. Auftrieb 493 Schweine, 153 Kälber,
1 Schaf.
X Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats März
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 135
Ochſen, 3 Bullen, 256 Kühe, 15 Jungrinder, 941 Kälber,
2437 Schweine, 110 Schafe, 5 Ziegen und 23 Pferde. —
Beanſtandet wurden: 91 Ochſen, 2 Bullen, 157 Kühe,
5 Jungrinder, 26 Kälber, 487 Schweine, 15 Schafe und
3 Pferde. — Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch
von: 3 Ochſen, ¼ Bullen, 5¾ Kühen, 5¾ Kälbern und
6 Schweinen. — Bedingt tauglich war das Fleiſch
von: ¼ Ochſen, ¾ Bullen, 1¾ Kühen, 1 Jungrind,
Kälbern und 1¼ Schweinen. — Untauglich waren:
1 Kuh, 1383 Organe, 181½ kg Fett und 94 kg Fleiſch
von 786 Tieren. — Auf Trichinen wurden unterſucht:
2436 im Schlachthaus geſchlachtete und 3 von Privaten
geſchlachtete Schweine, ſowie 2824½ kg für hieſige Metzger
eingeführtes friſches Fleiſch von 141 Schweinen. — Der
Nachunter ſuchung wurden unterzogen: 781 Sendungen
eingeführtes Fleiſch, enthaltend: 12337 kg Rindfleiſch,
5155 kg Schweinefleiſch, 858 kg Kalbfleiſch, 2416 kg
Hammelfleiſch und 1194 kg Ziegenfleiſch.
Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 19. April.
Butter, ½ kg
1,50 M.
„ i. Part., ½ kg 1,40 M.
7-
—8 Pf.
Eier, Stück
Schmierkäſe, ½ Liter 20 P
Handkäſe, Stück . 4—10 P
Kartoffeln, Ztr. 3—3,50 M
Kumpf (10 Liter) 50 Pf.
Mäuschen, Kumpf 1 M
9 Pf.
½ kg
Obſt u. dergl.:
Aepfel, ½ kg . 15—25
Zitronen, Stück 5—6 Pf.
Apfelſinen, Stück . 5—7 Pf.
Birnen, ½ kg . . . 20 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Kopfſalat, Stück 5—15 Pf.
Feldſalat, Körbchen 10 Pf.
Radieschen, Bündel . 5 Pf.
Rettiche, Stück . 10—20 Pf.
Meerrettich, Stück 10—20 Pf.
Roterüben, ½ kg . . 12 Pf
Zwiebeln, ½ kg 6—10 Pf.
Tomaten, ½ kg 50—60 Pf.
Spinat, ½ kg 15—18 Pf.
Weißkraut, Stück 20—30 Pf.
Rotkraut, Stück 50—70 Pf.
Blumenkohl, Stück 50—60 Pf.
70 Pf.
Wirſing, Stück
Grünkohl, Stück . . 5 Pf.
25 Pf.
Roſenkohl, ½ kg
Gelberüben, ½ kg 5—6 Pf.
Schwarzwurz, ½kg 20-30 Pf.
Schnittlauch, Bündel 2 Pf.
Geflügel, Wildpret:
Enten, Stück
4,50—5 M.
Hahnen und Hühner,
Stück
3—3,50 M.
Tauben, Stück 60—70 Pf.
Lapins, Stück . 1—1,10 M.
Zicklein, ½ kg . . 60 Pf.
Fiſche:
Hecht, ½ kg . 0,90—1 M.
1,10 M.
Aal, ½ kg . .
Karpfen, ½ kg 0,90—1 M.
Andere Rheinfiſche,
. 35—40 Pf.
½ kg .
Rotzungen. ½ kg . 80 P
Schollen, ½ kg . . 80 Pf.
25 Pf
Kabeljau, ½ kg.
Schellfiſche, gr. ½ kg 40 Pf.
16 Pf.
Seelachs, ½ kg .
Seeaal, ½ kg . . 18 Pf.
In den Fleiſchſtänden:
70 Pf.
Rindfleiſch, ½ kg
Hackfleiſch, ½ kg 76 Pf.
kg 56 Pf.
Rindsfett,1
Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.
Verein für Lnftfahrt Darmſtadt, E. V.
* Die Heſſiſche Flugſtudien=Geſellſchaft
hielt am Freitag abend ihre ordentliche
Vereinsverſamm=
lung im „Darmſtädter Hof” unter dem Vorſitz des Herrn
Baron von Oetinger ab. Aus dem
Geſchäfts=
bericht iſt intereſſant, daß, wie wir ſeinerzeit ſchon
mit=
teilten, ſämtliche in Worms, Mainz, Offenbach und Gießen
beſtehenden Vereine ſich dem Darmſtädter anſchloſſen und
gemeinſam mit dem Darmſtädter unter deſſen
Neubezeich=
nung in „Verein für Luftfahrt
Darm=
ſtadt, E. V.” die Großherzoglich Heſſiſche Vereinigung
für Luftfahrt bilden. Die Verſammlung ſtimmte der
Titeländerung zu.
An dem Rundflug 1913 beteiligt der Verein ſich nicht.
Auch der Mainzer und der Frankfurter Verein unterlaſſen
es. Es geſchieht dies aus Erſparnisgründen und weil
für das Jahr 1914 eine größere ſportliche Veranſtaltung
beabſichtigt iſt. Dagegen hat man bei dem Kartell um
beſondere Berückſichtigung des Gießener Vereins
gebeten, und dieſem Wunſche wurde ſtattgegeben. Gießen
wird am Pfingſtſonntag eine Zwiſchenlandung erhalten
und damit erſtmalig am Rundflug beteiligt ſein.
Für das Jahr 1913 hat der Verein andere Ziele. Er
wird ſich erſtmalig ſelbſt auf ſportlichem Gebiet betätigen
Neben dem Verein und mit einigen Herren des Vexeins
befreundet beſtand bisher die Darmſtädter
Flugſportver=
einigung. Es war dies ein Verein in loſem Gefüge, zum
größten Teil aus jüngeren Studierenden und Schülern
höherer Lehranſtalten beſtehend. Dieſe Flugſport=
Ver=
einigung hatte bereits 1910 eine intereſſante kleine
Mo=
dellausſtellung abgehalten. Daneben hatten ihre
Mitglieder mit finanzieller Unterſtützung anderer Per=
Seite 4.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1915.
Nummer 92
ſonen Gleitverſuche unternommen, die immer ſchönere
Re=
ſultate ergaben. Im Sommer 1912 war die Darmſtädter
Flugſport=Vereinigung unter Leitung des dem Verein
an=
gehörenden Herrn Stud. Watzinger auf der Waſſerkuppe
in der Rhön und es gelang dort, eine große Anzahl von
Gleitflügen von betrachtlicher Länge auszuführen,
dar=
unter ein Flug von über 600 Meter. Dieſer Flug iſt der
längſte Gleitflug, der bis dahin in Deutſchland
ausgeführt wurde. Leider konnte er nicht offiziell als
Rekord feſtgeſtellt werden, weil der Verein damals noch
nicht formell Mitglied des Deutſchen Luftfahrerverbandes
war und demnach auch durch Herrn Watzinger nicht
offi=
ziell Zeit genommen werden konnte. An den Gleitflug=
Apparaten ſind fortgeſetzt Verbeſſerungen vorgenommen
worden, und die Herſteller dieſes Apparates beabſichtigen
nunmehr, Verſuche mit einem Motor von 25 bis 30
Pferdeſtärken anzuſtellen. Die Verſuche ſollen der
Feſt=
ſtellung dienen, ob nicht mit erheblich geringeren Kräften
wie bisher großere Flugleiſtungen durch geeignete
Kon=
ſtruktion der Apparate erzielt werden können. Die
Darm=
ſtädterFlugſportvereinigung war von ſich aus nicht
finanz=
kräftig genug, um die neuen Anſchaffungen zu beſtreiten. Sie
trat an den Verein heran, und dieſer erklärte ſich zu einer
Verbindung gerne bereit. Sämtliche Mitglieder der
Ver=
einigung traten dem Verein als außerordentliche
Mitglie=
der bei. Es wird eine beſondere Sportkommiſſion
geſchaf=
fen, der Verein gewährt die nötige finanzielle
Unterſtütz=
ung durch einen einmaligen größeren und jährliche kleinere
Beiträge und ſtellt beſonders zu dieſem Zweck gemachte
Zuwendungen zur Verfügung, während die Darmſtädter
Flugſport=Vereinigung ſich als ſolche auflöſt. Damit
be=
ginnt für den Verein für Luftſchiffahrt erſtmalig die
eigent=
liche praktiſche Tätigkeit.
Des ferneren iſt für den Lauf dieſes Sommers eine
Ausſtellung von Modellen und von
Gleit=
flugapparaten geplant und hofft man, durch beides
den Wünſchen der Mitglieder entgegenzukommen und das
Intereſſe des Darmſtädter Publikums für die Luftfahrt
zu heben.
Für das Jahr 1914 hat der Verein größere Pläne.
In dieſem Jahre werden in Darmſtadt zwei Ausſtellungen
(Gewerbeausſtellung und Ausſtellung auf der Kolonie)
ſtattfinden. Es iſt beabſichtigt, mit dieſen Ausſtellungen
einen größeren Flug zu verbinden und iſt mit dem
Kartell in Unterhandlungen getreten, damit Darmſtadt im
Jahre 1914 Etappe wird; ebenſo hofft man, eine größere
flugſportliche Veranſtaltung, wenn möglich zuſammen mit
den heſſiſchen Vereinen, abzuhalten.
Die übrigen Verhandlungspunkte waren geſchäftlicher
und interner Natur.
Groß=Zimmern, 19. April. In dem Anweſen des
Landwirts Ernſt Püllmann entſtand nachts ein
Großfeuer das zwei Scheunen und ein Stallgebäude
vollſtändig einäſcherte. Das Wohnhaus, das
arg gefährdet war, konnte mit großer Anſtrengung gerettet
werden. Der Brandſchaden iſt bedeutend, die
Entſtehungs=
urſache unbekannt.
Von der Bergſtraße, 19. April. Nach dem nun
ein=
getretenen gelinden Regenwetter zeigt es ſich, daß, wenn
nicht neue Rückſchläge erfolgen, es doch noch Obſt
gibt. Erfahrene Obſtgärtner behaupten nämlich: den
Blüten kam zugute, daß der Froſt nicht plötzlich eintrat,
ſondern einige rauhe Tage vorangingen. Die
Obſtbaum=
blüten beſitzen ein gewiſſes Anpaſſungsvermögen an
Temperaturſchwankungen. Das Ausſehen der Bäume
nach einer Froſtnacht kann leicht Täuſchungen hervorrufen.
Nach einigen Tagen wird es ſich zweifellos zeigen, daß
doch noch eine große Anzahl von Blüten jeglicher Art
geſ und blieben. Zu den beſten Hoffnungen berechtigen
noch die Apfelbäume, da dieſe noch weit zurück waren.
Heppenheim, 19. April. Geſtern verirrte ſich ein
feiſter Rehbock in ein Obſtbaumſtück neben dem
Schlachthaus. Als ein Metzgerhund dieſer ſeltenen
Jagd=
beute anſichtig wurde, ſtürzte er drauf los. Der Bock
wollte natürlich Reißaus nehmen, blieb aber in einer
Drahtumzäumung hängen, ſo daß der Hund das hilfloſe
Reh derart zurichten konnte, daß man es raſch im
Schlacht=
haus abſchlachten mußte.
Offenbach, 19. April. In der Nähe der Schule an
der Mathildenſtraße wurde die 24jährige Schneiderin
Elſa Fink von einem Unbekannten überfallen und
durch mehrere Meſſerſtiche in die Lungengegend
erheb=
lich verletzt. Anſcheinend handelt es ſich um eine Tat
aus Eiferſucht. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur.
Mainz, 19. April. Die Stadtverwaltung beabſichtigt
die Zeit für die Ein= und Durchfuhr von
fri=
ſchem Fleiſch auf die Stunden von 6 Uhr vormittags
bis 8 Uhr abends zu beſchränken, ſtatt ſeither von 4 Uhr
nachmittags bis 10 Uhr abends. In einer
Gerichtsver=
handlung gegen einen „billigen” Metzger war durch den
Kreisveterinärarzt Dr. Beiling und den
Schlachthofdirek=
tor Dr. Peters feſtgeſtellt worden, daß nachts wiederholt
ganz geringwertiges, altes Kuhfleiſch eingeſchmuggelt
und verkauft worden war, ohne daß es die geſetzlich
vor=
geſchriebene Nachbeſchau auf dem Schlachthof
durchge=
macht hatte. — Der Bericht der
Polizeiaſſiſten=
tin, der vor einiger Zeit herauskam, wird der letz te
ſeiner Art ſein, da die Bürgermeiſterei ſich entſchloſſen
hat keine Veröffentlichung des Tätigkeitsberichtes der
Aſſiſtentin mehr vorzunehmen. — Ein Artillerie=
Regiment mit nur halbem Pferdebeſtand
iſt das vor Jahresfriſt hier neu gegründete Fuß=
Ar=
tillerie=Regiment Nr. 18. Das Regiment erhielt
bekanntlich 2 Abteilungen, von welchen die 1. Abteilung
auf der Wahner Heide und die 2. Abteilung hier
unter=
gebracht iſt. Die Beſpannung für beide Abteilungen zeigt
bis jetzt nur den halben Pferdebeſtand. Da die hieſige
Ab=
teilung am 2. Mai zu einer vierwöchigen Uebung
eben=
falls nach der Wahner Heide abrückt, ſo mußten vorgeſtern
die Pferde der hieſigen Abteilung per Bahn dorthin
über=
führt werden, um für die Uebungen auf dem großen
Schießplatze volle Beſpannung zu haben. Die neue
Heeresvermehrung bringt auch für dieſes Regiment den
vollen etatsmäßigen Pferdebeſtand.
Mainz, 19. April. Die Mainzer Silberdiebe
wurden geſtern von der Strafkammer Frankfurt wie folgt
verurteilt: Motſchmann wegen ſchweren
Dieb=
ſtahls in ſieben Fällen zu 8 Jahren, Röder wegen
ſchwe=
ren Diebſtahls in fünf Fällen zu 12 Jahren Z
ucht=
haus; Zaininger wegen ſchweren Dibſtahls und
Hehlerei in einem Falle zu anderthalb Jahren Gefänznis,
wegen gewerbsmäßiger Hehlerei Planitzer zu
zwei=
einhalb Jahren, Urnſtein zu vier Jahren und Broo
zu einem Jahre Zuchthaus. Alle Angeklagten, mit
Aus=
nahme des Zaininger, wurden zu je zehn Jahren
Ehrver=
luſt und Stellung unter Polizeiaufſicht verurteilt. Die
beſchlagnahmten Revolver und Diebeswerkzeuge wurden
eingezogen. Die Verhandlungen waren um ¾7 Uhr zu
Ende.
Reich und Ausland.
Aus der Reichshauptſtadt, 19. April. Die
Bevöl=
kerung von Groß=Berlin, d. h. von Berlin und
ſeinen Vororten, hat jetzt die Zahl von 4 Millionen Seelen
überſchritten. Auf Berlin entfallt genau die Hälfte, nämlich
rund 2,1 Millionen Einwohner. Die Zunahme der
Be=
völkerung iſt genau zehnmal ſo groß in den Vororten, als
in Berlin. Sie betrug in Berlin bei dem letzten
Umzugs=
termin rund 4000 und in den Vororten rund 40000 Seelen.
Im verfloſſenen Jahre waren auf Einladung der
eng=
liſchen Großloge und der dortigen Jubiläumsloge die
Großmeiſter der drei altpreußiſchen Großlogen nebſt
eini=
gen anderen Vertretern dieſer Großlogen nach London
gereiſt, um durch dieſen Beſuch die freundſchaftlichen
Ge=
ſinnungen der deutſchen Freimaurer gegenüber den
eng=
liſchen zum Ausdruck zu bringen. Am 5. Mai werden
nun auf Einladung der Großen National=Mutterloge „Zu
den drei Weltkugeln”, der „Großen Landesloge” und der
„Großloge Royal York” 14engliſche Freimaurer
unter Führung des Pro=Großmeiſters der Großloge von
England, deren Großmeiſter der Herzog von Connaught
iſt, Lord Ampthill, des früheren langjährigen Vizekönigs
von Indien, als Beſucher hier eintreffen. Außer dem
erwähnten Großmeiſter ſind es noch andere beſonders
hervorragende Vertreter der engliſchen Freimaurerei, die
hier erwartet werden. Der ganze Beſuch dauert bis zum
10. Mai. — Heute fand vor dem Amtsgericht Berlin=
Mitte die Verſteigerung des
Komödienhau=
es ſtatt. Das Gebot wurde ſchließlich auf eine Höhe
von 1200000 Mark getrieben, zu welchem Betrage es
Herrn Hauptmann von den Eſchwegeſchen Erben
zugeſchla=
gen wurde. Herr Hauptmann iſt der Vertreter der ſogen.
Palfigruppe; der Vertreter der Gegengruppe hatte nur
1100000 Mark geboten. — Beim Ueberſchreiten des
Fahrdammes in der Nähe des Abgeordnetenhauſes lief
der Landtagsabgeordnete Landrat a. D. v. Bonin in
ein vorüberfahrendes Automobil, deſſen Signal er
überhört hatte. Er wurde mit ziemlicher Gewalt zur
Seite geſchleudert und war im erſten Augenblick
beſin=
nungslos. Ein Schutzmann brachte ihn ſofort in die
Cha=
rité, wo er ſich bald wieder erholte.
Wiesbaden, 18. April. Die Stadtverordneten
beſchloſſen in ihrer heutigen Sitzung den Neubau eines
Muſeums in der Kaiſerſtraße mit einem
Geſamtkoſten=
aufwand von 2½ Millionen Mark. Das alte Muſeum in
der Wilhelmſtraße iſt mit dem dazu gehörigen Terrain
be=
reits für 2 Millionen Mark auf Abbruch verkauft.
Kaſſel, 19. April. Die Schauſpielerin Icha Wraga
beging geſtern Selbſtmord durch Erſchießen. Grund
zu der Tat iſt Liebeskummer.
Speyer, 19. April. Der franzöſiſche
Genie=
kapitän de Morel befindet ſich noch immer in Haft.
Es wurde feſtgeſtellt, daß er ſich wiederholt in Luxemburg
aufgehalten hat. Es heißt neuerdings, der Verhaftete ſei
ein Hauptmann Lemerle aus Verſailles. Verdächtig
er=
ſcheint bei dem Verhafteten der vollkommene Mangel an
Barmitteln und man ſchließt daraus, daß er Helfershelfer
gehabt hat. — In Zweibrücken wurde eine Frau verhaftet,
die ſich im Beſitz einer Fahrkarte nach Paris befand.
Wie=
wohl die Polizei angibt, daß es ſich um eine
Mädchen=
händlerin handle, glaubt man die Verhaftung mit der des
franzöſiſchen Kapitans in Verbindung bringen zu können.
Trier, 19. April. Zwei Werber für die
fran=
zöſiſche Fremdenlegion wurden in Trier
ver=
haftet. Die beiden hatten in letzter Zeit verſucht,
junge Leute aus der Eifel in die Fremdenlegion zu locken
Die Polizei konnte einen jungen Mann, der bereits
an=
getrunken gemacht worden war, noch retten. Einer der
Werber konnte ſofort verhaftet werden, der andere floh
nach Diedenhofen, wurde aber dort bei ſeiner Ankunft
feſtgenommen. Es iſt ein Schreiner aus Trier.
Bad=Harzburg, 19. April. Seit Mitte März wird der
Student der Medizin Georg Jalkowski=Hamburg,
der ſich auf einer Harztour befand, vermißt. Die letzte
Nachricht von dem Vermißten ſtammt vom 10. März vom
Brocken; da am 10. März dort ein Schneeſturm herrſchte,
wird ein Unglücksfall vermutet. Die Familie des
Ver=
chwundenen ſetzte eine Belohnung von 500 Mark auf die
Wiederauffindung aus.
Leipzig, 19. April. Heute vormittag 7½ Uhr ſtießen
auf dem Roßplatz zwei Straßenbahnwagen der
großen Leipziger Straßenbahn infolge einer
chadhaften Weiche zuſammen. Fünf Perſonen
wur=
den ſchwer, mehrere leicht verletzt.
Eiſenach, 18. April. Bei
Fundamentierungs=
arbeiten für das Wartburgreſtaurant ſtieß
man auf einen eigenartig geformten Gang, der in einer
höhlenartigen Grotte endete. Hier fanden die
Arbeiter rieſige Knochenteile. Von Fachgelehrten wurden
dieſe als Teile eines rieſenhaften Ichthyoſaurus
aus der Antediluvialzeit erkannt. Der Ichthyoſaurus iſt
wahrſcheinlich beim Einbruch der großen Eiszeit dorthin
geflüchtet.
Hamburg, 19. April. In einem großen Reſtaurant in
Wandsbek erkrankten geſtern etwa 50 Perſonen unter
Ver=
giftungserſcheinungen. Wie ſich herausſtellte,
hatten ſie verdorbenen Holländer Käſe gegeſſen. Eine
um=
fangreiche Unterſuchung wurde eingeleitet, welche ergab,
daß der Käſe von einer Hamburger Firma ſtammt. Das
Befinden der Erkrankten iſt ſo, daß alle in einigen Tagen
wieder hergeſtellt ſein dürften.
Gmunden, 18. April. Das Herzogspaar von
Cumberland mit dem Prinzen Ernſt Auguſt und der
Prinzeſſin Olga iſt heute abend 8 Uhr hier eingetroffen.
Zürich, 19. April. Der Arzt Dubois in Fleurier
unternahm in Begleitung ſeiner drei Töchter und des
frü=
heren Beſitzers des Automobils eine Fahrt nach dem
benachbarten St. Croix. Das Automobil rannte an einen
Baum und ſtürzte um. Die Inſaſſen flogen heraus
in einen neben der Landſtraße fließenden Fluß. Ein Kind
wurde in weitem Bogen in das Waſſer geſchleudert, konnte
aber von den in der Nähe arbeitenden Italienern gerettet
werden. Die drei anderen Inſaſſen wurden tot unter dem
Wagen im Waſſer hervorgezogen.
Venedig, 18. April. Aus Anlaß der Beerdigung des
Bureaudieners der Präfektur Bologne, Guiſeppe
Saba=
tini, beabſichtigten die Bologneſer Studenten
eine antiöſterreichiſche Kundgebung. Sabatini hatte als
Mitſchuldiger des in Trieſt ſeinerzeit wegen Verſchwörung
gegen das Leben Kaiſer Franz Joſefs hingerichteten
römiſchen Studenten Oberdonk 13 Jahre Zuchthaus
ver=
büßt. Bei dem Leichentransport kam es heute früh zu
einem Zuſammenſtoß, bei dem mehrere Poliziſten
und Studenten verwundet wurden. Vier Studenten
wur=
den verhaftet. Die Studenten erzwangen darauf die
Ein=
ſtellung des Unterrichts an der Univerſität, zertrümmerten
Türen und Fenſter. Als Kavallerie, Infanterie und
Po=
liziſten gegen die auf den Hauptplätzen im Stadtinnern
verſammelten Studenten vorgingen, verbarrikadierten die
Studenten ſich mit Reſtauvationsmöbeln und bewarfen die
Soldaten mit Steinen und Tiſchbeinen. Erſt abends
ge=
lang es, die Straßen zu räumen. Auf beiden Seiten gab
es Schwerverletzte. 21 Studenten wurden verhaftet, 12
davon wieder freigelaſſen. In einer Abendverſammlung
beſchloſſen die Studenten, die Agitation fortzuſetzen und
auf ganz Italien auszudehnen.
Paris, 19. April. Aus St. Dié wird gemeldet: Eine
Theatertruppe wollte geſtern ein chauviniſtiſches Stück „La
Revanche” aufführen. Die Theaterzettel, die in der Stadt
angeſchlagen waren, waren mit einem Bilde verſehen, das
einen Streit zwiſchen einem franzöſiſchen Soldaten und
einem deutſchen Offizier darſtellte. Im Hinblick auf den
Nancyer Vorfall verbot der Bürgermeiſter die
Auf=
führung des Stückes.
London, 19. April. Zwei Wahlweiber hißten
auf dem zur Erinnerung an das große Feuer errichteten
Monument eine rieſige Frauenwahlrechtsfahne. Sie
hatten vorher die Türe zu dem Ausſichtsbalkon
verram=
melt. Die Behörden ließen ſie erbrechen und die Weiber
herunterbringen. Als ſie ſpäter erſchienen, machte der
Mob Miene, ſie zu lynchen.
London, 19. April. Ein Freund des Amerikaners
Martin hat aus Vevey in der Schweiz ein
Tele=
gramm folgenden Inhalts erhalten: Stellt
Nachforſch=
ungen ein. Alles in Ordnung. Schreibe. Martin.
Parlamentariſches.
* Der Zweiten Kammer iſt folgende
Regierungs=
vorlage, betreffend: den Geſetzentwurf über die
Teilung von Grundſtücken zur
verfaſſungs=
mäßigen Beratung und Beſchlußfaſſung zugegangen.
Der Abgeordnete Wolf=Stadecken, hat folgende
dringliche Anfrage betreffend: Tätigkeit des
Kommerzienrats Ihrig bei der heſſiſchen
land=
wirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbank an die Zweite
Kam=
mer gerichtet: Hat die Großh. Regierung Kenntnis von
der ſehr mangelhaften Tätigkeit des Kommerzienrats
Ihrig bei der heſſiſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſen=
ſchaftsbank? Iſt Großh. Regierung bereit, eventl. ſofort
nach Kenntnisnahme Seiner Königlichen Hoheit dem
Großherzog zu empfehlen, dem Kommerzienrat Ihrig
die=
ſen doch nur als Anerkennung für tüchtige Leiſtungen im
Genoſſenſchaftsintereſſe verliehenen Ehrentitel zu
ent=
ziehen?
Der Nieder=Modauer
Bank=
krach vor der Strafkammer.
Zwölfter Verhandlungstag.
g. In der Verhandlung am Samstag wurde mit der
Vernehmung des Vorſitzenden des Nieder=Modauer
Ver=
eins Lehrer Schuchmann, begonnen. Zeuge bleibt
vorläufig unbeeidigt. Er war ſeit mehr als 20 Jahren
Mitglied des Aufſichtsrats. 1906 wurde er zum
Vorſitzen=
den der Kaſſe gewählt. Er nahm den Vorſitz nur an in
der Gewißheit, daß Adam ein Ehrenmann ſei. Von der
Wechſeleinlöſung 1905 wußte er nichts. Die
Reviſions=
berichte ſeien ihm bis 1906 niemals vorgelegt worden. Am
11. Auguſt 1906 beſchloß der Aufſichtsrat, gegen
Unter=
ſchreiben einer Schuldurkunde einen Kredit bei der
Ge=
noſſenſchaftsbank bis zu 500000 Mark in Anſpruch zu
neh=
men. Die Aufſichtsratsmitglieder ließen ſich dann
über=
reden, ihre Unterſchriften auf ein Blankoformular zu ſetzen.
Adam habe dann das Wechſelformular darüber geſetzt.
Wenn er gewußt hätte, daß ſie einen Wechſel
unterſchrei=
ben ſollten, dann hätte er ſich geweigert, Unterſchrift zu
leiſten. Als ſich 1907 für die Bilanz von 1906 eine
Unter=
bilanz ergab, regte Beck an, trotz der Unterbilanz
Divi=
dende zu verteilen. Zenge wandte ſich dagegen, aber er
and nur bei einem Mitglied Unterſtützung. Die
Dividen=
denverteilung wurde beſchloſſen. Die Zinſen für
Dar=
lehen rückwirkend bis 1. Januar 1906 zu erhöhen, ſei auf
Vorſchlag Becks erfolgt. Zeuge Schuchmann habe ſich
darauf verlaſſen, daß Beck wiſſen müſſe, ob das zuläſſig ſei.
In dem Reviſionsbericht von 1908 war bemängelt worden,
daß Urkunden des Vereins fehlten. Man habe dann
ge=
hört, daß Adam ſich durch Hinterlegung von dieſen
Ur=
kunden auf Wechſel Kredit bei der Genoſſenſchaftsbank
ver=
chafft habe. Schon damals habe er, Zeuge Schuchmann,
zu Ihrig geſagt, Adam gehöre eigentlich ins Gefängnis.
Darauf habe Ihrig geſagt: Machen Sie das nicht, dann
kommen die Genoſſenſchafter und wollen ihr Geld wieder,
und dann iſt der Krach da. Als Adam dann zum
Kontrol=
leur gewählt wurde, habe Beck nichts dazu geſagt, ſondern
nur mit den Achſeln gezuckt. Zeuge ſei in einer
ſchwie=
rigen Lage geweſen, da man Adam ohne Aufſehen als
Rechner entſernen mußte. Als er merkte daß Beck an
Adam Geld gegeben hatte, machte er ihm Vorhalt, worauf
Beck erwiderte, Adam brauche Geld zum Bauen, und man
könne doch Adam nicht zuſammenreißen. Er habe dieſen
Auszahlungen nicht zugeſtimmt. Beck habe die Leute, die
zu der Kaſſe kamen, häufig angeſchnauzt. Er habe den
Eindruck gehabt, daß Adam und Beck unter einer Decke
ſtecken. Zeuge habe wiederholt Bedenken geäußert, daß
die Zinsrückſtände von ziemlich 300000 Mark in die
Ak=
tiva der Bilanz als ſonſtige Ausſtände voll eingetragen
werden, er ſei aber ſtets beruhigt worden, und er habe
ſchließlich dem Bilanzfachmann Beck vertraut, daß er die
Sache genau verſtehe.
Als der Zeuge 1908 erfuhr, daß die
Genoſſenſchafts=
bank wiederum Wechſel von Adam und Roßmann hatte,
ſchrieb er der Bank, daß der Verein für dieſe Wechſel nicht
einſtehen werde, die Angelegenheit ſei nicht in Ordnung.
Ihrig habe aber erklärt, der Verein müſſe die Wechſel
ein=
löſen, denn zwei Vorſtandsmitglieder ſeien zur Vertretung
des Vereins berechtigt. Wenn die Wechſel nicht eingelöſt
würden, würden die Gläubiger über Nieder=Modau
her=
fallen und der Konkurs ſei unabweislich. Im Juli 1908
ſei dann vom Vorſtand der Beſchluß gefaßt worden, der
Bank den Auftrag zu geben, die Wechſel einzulöſen unter
voller Wahrung der Intereſſen des Vereins. Damit ſei
gemeint geweſen, die Bank ſolle Sicherheiten für den
Ver=
ein beſchaffen. Zeuge erklärt dann, daß er niemand von
ſeiner Verwandtſchaft veranlaßt habe, Spargelder
abzu=
heben. Er habe von ſeinen Einlagen nur abgehoben,
wenn er Ausgaben hatte. Am 23. Oktober 1908 wurde
vom Vorſtand beſchloſſen, die Wechſelſchulden Pallmann=
Adam, die damals 250000 Mark betrugen, auf Konto
Adam zu übertragen. Die Anregung dazu ſei von Beck
ausgegangen, der geſagt habe, Pallmann habe auf ſeine
Anfrage ecklärt, er hätte mit den Wechſeln nichts mehr
zu tun, er hätte kein Geld erhalten. Man habe dann die
Genoſſenſchaftsbank beauftragt, das Konto Adam zu ſichern
durch Aufnahme einer Hypothek. Man habe dies nicht
ſelbſt getan, weil alle Mitglieder des Vorſtandes und
Auf=
ſichtsrats verwandt mit Adam, oder ſonſt abhängig von
ihm waren. Am 5. September 1908 wurden die 275000
Mark Schulden, die ſich damals durch die uneinbeinglichen
Poſten ergaben, vom Vorſtand und Aufſichtsrat
übernom=
men. Ihrig habe damals geſagt, daß an eine Bezahlung
der 275000 Mark ſelbſtverſtändlich nicht zu denken ſei. Das
werde nach und nach abgetilgt. Er, Zeuge, habe aber ſeine
Unterſchrift als ſehr ernſt aufgefaßt und gedacht, daß er
Nummer 92.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Seite 5.
für die 275000 Mark mitbürge, wenn ſich die Abtilgung
nicht ermöglichen laſſe. In der Generalverſammlung habe
Ihrig mitgeteilt, es wären Dubioſen dageweſen, die aber
alle vom Vorſtand und Aufſichtsrat übernommen wurden.
Sie könnten auf Vorſtand und Aufſichtsrat ſtolz ſein. Daß
der Schuldſchein über die 275000 Mark an die
Genoſſen=
ſchaftsbank abgetreten wurde, habe er erſt bei der
Sanie=
rungsverhandlung am 16. Dezember 1911 erfahren. Die
Zedierung ſei ihm von Beck und Perron, die die
Zedie=
rungsurkunde unterſchrieben haben, verſchwiegen worden.
Im Jahre 1910, als ſich der Verluſt von 52000 Mark
herausſtellte habe Ihrig einen Betrag von 60000 Mark
unter der Bedingung zur Verfügung geſtellt, daß für den
Schuldſchein von 275000 Mark Sicherheiten gegeben
wer=
den. Die Differenz zwiſchen den übernommenen 52000
Mark und dem tatſächlich feſtgeſtellten Verluſt wurde zur
Verteilung einer Dividende verwendet. Die Verteilung
von Dividenden trotz des Verluſtes habe er für zuläſſig
gehalten, da Ihrig als angeſehener Genoſſenſchafter dies
gutgeheißen habe. Als ſich auch herausſtellte, daß, das
Konto Adam von 366000 Mark ungedeckt ſei, ſollte ein
neuer Schuldſchein über 525000 Mark unterſchrieben
wer=
den. Darin ſollte auch der übernommene Betrag von
275000 Mark enthalten ſein, trotzdem damals die Summe
durch Hypotheken uſw. erſtattet war. Die Gründung der
V.=V.=G. ſei erfolgt in dem Gedanken, durch Abſtoßung der
hinterlegten Sicherheiten die hohen Bankſchulden
loszu=
verden. Bezüglich des Kontos Adam ſei immer geſagt
worden, es ſei Ueberdeckung dafür vorhanden. Genaues
habe er nicht erfahren. An einigen Gelagen hat Zeuge
Schuchmann auch teilgenommen, er habe Klavier geſpielt
und Spemann geſungen. Es ſei dabei auch Sekt
getrun=
ken worden. Wer das bezahlt habe, wiſſe er nicht. Zeuge
wird vorläufig unbeeidigt entlaſſen.
Zeuge Zimmermeiſter Adam Lorenz hat auch
Bau=
gelände von Jſaak und Roth gekauft. Er wurde „ſaniert”
wobei fünf Leute einſprangen und auch Adam für den
Nieder=Modauer Verein Bürgſchaft für deſſen Schulden
übernahm. Den Gläubigern wurden 35 Prozent gezahlt.
Wie die Sache weiter ging, weiß Zeuge nicht. Die
Bau=
plätze habe er von Jſaak und Roth zu einem beſtimmten
Preis für den Quadratmeter gekauft. Er hatte ſich
ver=
traglich um nichts weiter zu kümmern, das Baugeld wurde
ihm gegeben und nach Beendigung des Baues erhielt er
1000 Mark. Er war als Eigentümer der Häuſer
einge=
tragen. Soviel er weiß, hatten die anderen
Bauunterneh=
mer, die das Gelände von Jſaak und Roth bebauten, auch
keine bedeutenden Geldmittel. Das Baugeld ſei ihm von
Pallmann in Wechſeln auf den Nieder=Modauer Verein
gegeben worden. Dieſer erhielt es von Jſaak, wie P. ihm
ſagte. Zeuge hat einmal gehört, wie Adam äußerte, wenn
er nur wiſſe, wie er von dem Schwarzen (Pallmann)
los=
kommen könne. P. ſei mit Jſaak in der gleichen Weiſe
verkehrt wie mit allen anderen. Er ſei eben ſo ein „robuſter
Borſch” geweſen.
Zeuge Tiſchlermeiſter Pfaff hat ebenfalls Gelände
von Iſaak, Roth und Pallmann gekauft. Wie er anfing
zu bauen, habe er kein Geld gehabt. Den Bauplatz habe
er nicht bezahlt, darauf wurde die erſte Hypothek errichtet;
dann wurde eine Bauhypothek errichtet, ſo daß er
Bau=
kapital bekam. Er habe auf dieſe Weiſe anfangs in der
Heinheimerſtraße zwei und in der Pankratiusſtraße drei
Häuſer gebaut und mit Gewinn verkauft. Er habe dabei
18000 Mark verdient. Anfangs habe ihm Roth und
ſpä=
ter Iſaak das Baugeld gegeben. Pallmann habe ihn auch
öfter mit nach Nieder=Modau genommen, damit der Mann
(Adam) auch was verdiene. In ſpäteren Jahren, 1906
und 1907, habe Iſaak öfter erklärt, er habe ſchlafloſe
Nächte, weil er die Unſummen Baugeld nicht beiſchaffen
kann. Damals war er dem Jſaak ſchon 43000 Mark
ſchul=
dig. Er weiß nur, daß der Nieder=Modauer Kaſſe ein
Reſtkaufſchilling über 25000 Mark übertragen wurde.
Nach halb 2 Uhr wird die Weiterverhandlung auf
Montag vertagt.
Verkehrs=Verein.
e
Der Verkehrsverein hielt am Samstag abend im
„Fürſtenſaal” ſeine diesjährige gutbeſuchte
Hauptver=
ſammlung ab. Als Gäſte konnte der Vorſitzende die
Herren Geh. Rat. Römheld, Miniſterialrat Dr. Kratz,
Geh. Rat Gutermuth, Oberſtleutnant Mootz, Beig.
Ekert, Baurat Wagner, Regierungsrat Gennes,
Regierungsrat Dr. Schneider, Eiſenbahndirektor von
Mainz, Finanzrat Ulrich, Eiſenbahndirektor Möller
und Polizeiamtmann Stumpf, ſowie Handelskammer=
Syndikus Dr. Human begrüßen. Kurz ſtreifte dann der
Vorſitzende den im Druck vorliegenden Jahresbericht
und erwähnte beſonders die
Eiſenbahnverhält=
niſſe unſerer Stadt, die noch ſehr viel zu
wün=
ſchen übrig ließen. Sehr wünſchenswert erſcheine die
Ver=
größerung des Verkehrsbureaus, da ſonſt die Tätigkeit
ein=
geſchränkt werden müſſe. Weiter erwähnte der Vorſitzende
die Jubiläumsſtiftung, die einen kleinen
Ueber=
ſchuß ergeben hat, über welchen demnächſt Beſchluß gefaßt
werden ſoll. Zum Schluſſe ſeines Berichts nimmt der
Vorſitzende Gelegenheit, Dank auszuſprechen in erſter Linie
dem Hohen Protektor, Sr. Kgl. Hoheit dem
Groß=
herzog, für die vielen Beweiſe ſeines Wohlwollens,
dem Staatsminiſterium, den Miniſterien des Innern und
der Finanzen, der Kabinettsdirektion, dem
Hofmarſchall=
amt, dem Herrn Oberbürgermeiſter und der
Stadtverord=
netenverſammlung, der Kaiſerlichen Oberpoſtdirektion, dem
Kreisamt, dem Polizeiamt, der Eiſenbahndirektion Mainz,
dem hieſigen Bahnhofsvorſtande, und ganz beſonders der
geſamten hieſigen Preſſe, die jederzeit tatkräftig die
Be=
ſtrebungen des Verkehrsvereins unterſtützt. Die
Rech=
nungsablage wurde von Herrn Stadtv. Apotheker
Ramdohr erſtattet. Kaſſe und Belege wurden von den
Herren A. Supp und Otto Wolff geprüft und für richtig
befunden, und konnte dem Rechner mit Dank Entlaſtung
erteilt werden. Im Intereſſe einer beſſeren
Rechnungs=
ſtellung wurde das Rechnungsjahr vom 1. April bis 31.
März verlegt und die dadurch notwendig gewordene
Satzungsänderung gutgeheißen. Als Vorſitzender
wurde wiederum Herr Stadtv. Th. Stemmer gewählt.
An Stelle der ausſcheidenden Vorſtandsmitglieder wurden
die Herren Rentner E. Becker, Finanzrat Emmerling,
Rentner W. Höslein und Kaufmann A. J. Supp in
Vor=
ſchlag gebracht und auch gewählt.
Verſchiedene Anträge lagen vor: 1. Von Herrn Dipl.=
Handelslehrer Siedersleben zwecks Herbeiführung einer
Aenderung der Aufſchrift „STRASZENBAIN‟ auf den
Wagen der elektriſchen Straßenbahn in STRASSEN-
BAHN‟. Herr C. Jochheim forderte in einem
ausführ=
lichen Antrage die Führung von Straßenbahnlinien nach
dem Südoſtviertel durch die Roßdörſer Straße. Ein
wei=
terer Antrag betraf die Steuerverhältniſſe anderer Städte
gegenüber denjenigen unſerer Stadt. Da dieſes Material
aber veraltet ſchien, wurde von einer Verleſung abgeſehen.
Der letzte Antrag behandelte die Herſtellung einer beſſeren
Verbindung von und nach dem Ried, ſowie die Herausgabe
von Sonntagsfahrkarten von den Landorten nach
unſerer Stadt. Alle Anträge werden in weitere
geſchäft=
liche Behandlung genommen. Eine Diskuſſion wurde nicht
erwünſcht.
Hierauf hielt Herr Profeſſor Dr. Vetterlein einen
intereſſanten Vortrag über
Lebensfragen des Großh. Hoftheaters.
Der Redner führte etwa folgendes aus: Der
Verkehrs=
verein verbindet ſeine Verſammlung gern mit einem
Vor=
trag, der die Allgemeinheit intereſſiert. Diesmal ſei das
Theater gewählt worden. Die Fragen der Subvention
will er nicht behandeln, weil ſie mit wirtſchaftlichen Fragen
verknüpft ſind, die durch eine Beſprechung nicht gelöſt
werden. Dafür will er die eigentlichen Lebenskräfte
des Theaters nennen. Die Pſychologie lehre einen
eigen=
tümlichen Drang des Menſchen, Wahrnehmungen und
Handlungen mit Gefühlswerten zu verknüpfen. So
ent=
ſtehen Rhythmus, Muſik. Dichtkunſt und bildende Kunſt.
Die Tätigkeit ſolcher Formung ſtelle eine Naturkraft dar,
wie auch z. B. der Wiſſensdrang und der Forſchertrieb eine
ſolche ſei. Eine einſeitige Berufsausübung laſſe den
Men=
ſchen verknöchern, und die Natur habe gewiſſermaßen eine
Vorſichtsmaßregel geſchaffen. Das Schauſpiel ſtehe alſo
auf einer Linie mit der bildenden Kunſt, mit dem
Unter=
ſchiede, daß dieſe Formen von Dauer erſchaffe, während
die Kunſtformen des Schauſpiels zeitlich und
vergäng=
lich ſeien. Auf dem Theater werden lebende Bilder
menſchlicher Handlungen vorgeführt, welche geeignet ſind,
einen Gefühlsſtrom im Zuſchauer auszulöſen. Zur
Er=
zeugung der Einheit müſſe alles vermieden werden, was
den Fluß dieſes Gefühlsſtromes aufhalte oder ablenke.
Das Urteil hierüber bewirke der Geſchmack. Für die
Wir=
kung des Kunſtwerkes ſei es wichtig, daß der Genießer die
durch die Wahrnehmung auslösbaren Gefühle in ſich
ent=
wickeln laſſe. Es gehöre alſo ein beſtimmter Wille zum
Genuß eines Kunſtwerkes. Da dieſer Wille verſchieden ſei,
folge daraus auch die Verſchiedenheit des Urteils.
Ober=
flächlichkeit verſchließe überhaupt die Wirkung durch das
Kunſtwerk. In Zeiten, in denen Entwicklung der Gefühle
und des Geſchmacks geſchwunden ſei, wachſen der
Materia=
lismus und die Unkultur. Die Pflege alles Edlen ſei zur
Erhaltung menſchlicher Werte notwendig. Das Theater ſei
daher eine ſolche Naturnotwendigkeit, deren Wirkung
mög=
lichſt vielen und dieſen möglichſt nachhaltig zur Geltung
kommen ſoll. Die Frage, wie ſpielt man am beſten
Thea=
ter, beantworte ſich daher ſo: Indem wir die
Gefühls=
wirkung möglichſt rein zur Entwicklung bringen, indem
wir alle auf den Zuſchauer wirkenden Wahrnehmungen in
gleichſtrömende Gefühle umwandeln. Muſik, Sprache und
Bild müſſen in einheitlichem Sinne wirkſam ſein. Ueber
die Einheitlichkeit müſſe der Regiſſeur wachen, der der
eigentliche Schöpfer des Theaterkunſtwerkes ſei. Um den
Theaterbetrieb lebenskräftig zu erhalten, müßten ihm die
nötigen Mittel bereitſtehen. Es ſei ja ſchwer, ein mit ſo
vielen wirtſchaftlichen Opfern verbundenes Unternehmen
als Kunſtanſtalt zu unterhalten, wo doch auf der einen
Seite der Bilanz immer ſichere Ausgaben, und auf der
anderen Seite unſichere Einnahmen ſtünden.
Deshalb ſei es notwendig, ſowohl durch ein geſchicktes
Repertoire, wie durch eine vornehme Reklame Beſucher
herbeizulocken, wozu man auch das jedem Beſucher
aus=
gehändigte Programm in Form des Theateranzeigers
be=
nutzen könne, wenn man deſſen Aufmachung und Inhalt
entſprechend ausgeſtalten würde. Für viele Aufgaben des
Theaterdirektors, wie z. B. auch den Kartenverkauf, werde
ſicherlich der Verkehrsverein die Hand zur Unterſtützung
bieten. Pflicht jedes Einzelnen ſei es, womöglich durch
ein Abonnement an der Erhaltung der hervorragenden
Kunſtſtätte mitzuhelfen.
Dem Vortrag folgte lebhafteſter Beifall. Der
Vor=
ſitzende ſprach Herrn Prof. Dr. Vetterlein den herzlichſten
Dank der Verſammlung aus.
Deutſcher Reichstag.
* Berlin, 19. April. Präſident Dr. Kaempf
er=
öffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten. Die
zweite Beratung des Etats für die Verwaltung des
Reichsheeres
wird fortgeſetzt.
Abg. Dr. Pfeiffer (Ztr.): Es iſt unmöglich, an den
Erörterungen, die Dr. Liebknecht geſtern gemacht hat,
vor=
überzugehen. In der Dillinger Hütte mögen beſondere
Verhältniſſe herrſchen, da ſie in dem 1870 eroberten
lothrin=
giſchen Gebiete gelegen iſt. Die Angelegenheit der Waffen=
und Munitionsfabriken iſt bereits früher hier erörtert
wor=
den und als richtig anerkannt. Was Liebknecht über die
Transaktionen der Firma Krupp feſtgeſtellt hat,
ſo iſt zu konſtatieren, daß, wenn ſie auch nur zum Teil
richtig ſind, ſie außerordentlich beſchämend ſind. Tröſtlich
iſt nur, daß der Kriegsminiſter voll ſeine Pflicht getan hat.
Als Schuldiger bei der Kruppaffäre wird ein kleiner
Unter=
beamter aus der Verſenkung geholt. Es kommt aber
we=
niger auf die Perſonen an) als auf die Summen, die bei den
Transaktionen zur Verwendung gekommen ſind. Wenn es
ſich nur um ein paar Groſchen handeln würde, dann könnte
man darüber hinwegſehen. Wenn aber die von den
Unter=
beamten aufgewendeten Summen in die Tauſende, ja
Hun=
derttauſende gehen, dann muß er über ungeahnte Quellen
verfügen, die über das Maß deſſen hinausgehen, was ſonſt
einem Unterbeamten zur Verfügung ſteht. Wir ſprechen
die ſichere Erwartung aus, daß das Kriegsminiſterium
derartigen Dingen energiſch ein Ende macht. Im übrigen
kann ich mich mit dem einverſtanden erklären, was der
Abg. Liebknecht hier ausgeführt und der konſervative
Red=
ner geſtern hier unterſtrichen hat, daß durch Zettelungen
des Großkapitals Kriege entſtanden ſeien. Es iſt die höchſte
Zeit, daß im Parlament und in der Oeffentlichkeit
der=
artigen Zuſtänden der Garaus gemacht wird. Der
Kriegs=
miniſter hat das hohe Lied von dem Patriotismus der
Firma Krupp geſungen. Als 1905 der Abg. Erzberger den
Patriotismus der Firma Krupp erörterte, da entſtand ein
venig freundliches Rauſchen im Blätterwalde. Abg.
Eick=
hoff hatte dann feſtgeſtellt, daß Krupp an Amerika
weſent=
lich billiger lieferte als an Deutſchland. Der Kriegsminiſter
hat lediglich konſtatiert, daß ein Verrat militäriſcher
Ge=
heimniſſe nicht erfolgt iſt. Wenn es ſich aber herausſtellt,
daß Unterorgane Aufſchluß zu erhalten verſucht haben, ſo
iſt das ein bedenkliches Manöver. Deshalb ſtehe ich auch
nicht an, zu erklären, daß wir im Parlament unſere volle
Aufmerkſamkeit auf dieſe Dinge richten müſſen. In Sachen
der vier Diedenhofener Kapläne hätte ſchneller die
Begna=
digung erfolgen follen. Die Konkurrenz der Militärmuſiker
wird für die Zivilmuſiker immer drückender. Ich komme
nun zu den unwürdigen Annoncen der Militärbehörden.
In einem Falle wurden ältere Konſerven, die als
Mann=
ſchaftsnahrung geführt wurden, für Schweinefutter
offe=
riert (Hört! hört!) Das iſt ſkandalös. — Abg. Götting
(natlib.): Wir gehen nicht auf den Fall Krupp ein (Hört!
hört!), da die Unterſuchung noch nicht abgeſchloſſen iſt.
Wir müſſen das Gerichtsurteil abwarten. Liegt das
Ma=
terial beſonders über die Perſönlichkeit vor, ſo werden wir
nicht ermangeln, mit aller Schärfe gegen dieſe Mißſtände
vorzugehen. (Beifall.) Die Lage der verabſchiedeten
Offi=
ziere muß verbeſſert werden.
Kriegsminiſter v. Heeringen: Es iſt nicht erwieſen,
daß hinter den Inſeraten Militärbehörden ſtehen.
Miß=
ſtände mißbilligen wir unter allen Umſtänden, und wir
werden, wo ſolche Mißſtände auftreten, nicht zögern, die
nötigen Mittel anzuwenden, um ſie zu beſeitigen. Zum
Fall Krupp kann ich erklären: Es iſt ſelbſtverſtändlich,
daß wir alle Praktiken auf das ſchärfſte mißbilligen, und
die Heeresverwaltung wird keinen Augenblick zögern, der
Angelegenheit ſpäter näherzutreten. — Abg. Dove (
Fort=
ſchrittliche Volkspt.): Ich gebe zu, daß wir über Tatſachen,
die noch nicht abgeſchloſſen ſind, kein Urteil abgeben
kön=
nen. Was aber Abg. Liebknecht hier vorgebracht hat, hat
einiges Aufſehen erregt, ſo daß es wünſchenswert iſt, dieſe
Angelegenheit jetzt nicht mit Stillſchweigen zu übergehen.
Das Reich hat allen Anlaß, auch auf den ſonſtigen
Ge=
ſchäftsverkehr ſeiner Lieferanten zu achten. Es iſt ſchon
hervorgehoben worden, daß es erfreulich ſei, daß der
Kriegsminiſter ſeine Schuldigkeit vollauf getan habe. Es
bleibt aber noch ein weiter Spielraum dafür, ſeine
Schul=
digkeit weiter zu tun. (Beifall links.) Der Kriegsminiſter
hat mit Recht die techniſchen und geſchäftlichen Bedenken
gegen eine Verſtaatlichung der Privatbetriebe ins Feld
ge=
führt. Ich glaube nicht, daß man dieſe Frage ſo aus dem
Handgelenk entſcheiden kann. Die ganze Sache ſollte aber
Anlaß geben, dem Schmiergelderweſen in der Armee mit
allem Nachdruck entgegenzutreten. Auch in dieſer Hinſicht
bleibt dem Kriegsminiſter ein weites Feld zur Betätigung.
Abg. Liebknecht (Soz.): Der Kriegsminiſter hat
lediglich geſagt, es ſei kein Verrat militäriſcher
Geheim=
niſſe erfolgt. Dabei überſieht er, daß es auch einen ſolchen
Verrat nicht nur an das Ausland, ſondern auch an
Privat=
perſonen gibt. Das letztere iſt unzweifelhaft geſchehen.
Die Firma Krupp hat eine große Anzahl Geheimberichte,
die ſich nicht nur auf die Konkurrenz, ſondern auch auf
die Konſtruktion beziehen. Es handle ſich nicht um kleine
Unterbeamte, ſondern um höhere. Wenn der Firma Krupp
gedankt wurde für die patriotiſche Betätigung, ſo muß
auch dieſe Firma dem Volke Dank abſtatten für die großen
patriotiſchen Leiſtungen, die das Volk ihr gegenüber
ge=
leiſtet hat. Der Patriotismus der Firma iſt etwas
eigen=
artig, eigenartig aber auch die Haltung der Preſſe meinen
geſtrigen Enthüllungen gegenüber, beſonders die der
Deut=
ſchen Tageszeitung und der Täglichen Rundſchau. Es
ſcheint, daß die Kanäle des Rüſtungskapitals ſelbſt bis in
die letztere Zeitung hinübergehen. Was verdankt denn
Krupp dem deutſchen Volke? (Sehr gut!) Die Leiſtungen
der Firma Krupp ſind ſtets ſehr gut bezahlt worden,
Kenn=
zeichnend für den Patriotismus der Firma iſt es, daß
Friedrich Krupp auch Napoleon III. ſeine Dienſte
ange=
boten hat. (Hört! hört!) Gegen die Waffen= und
Muni=
tionsfabriken iſt nichts unternommen worden, und wegen
des Dillinger Werkes hat der Kriegsminiſter überhaupt
nichts geſagt. Unverſtändlich iſt es, daß nun auch gegen
die Perſon vorgegangen werden ſoll, die im Verdacht ſteht,
mir das Material ausgehändigt zu haben. Wir müſſen
uns klar werden, weſſen wir uns zu gewärtigen haben bei
einem ſolchen Treiben der Rüſtungsinduſtrie. Ein
rück=
ſichtsloſes Vorgehen iſt notwendig, zumal es nicht
er=
wieſen iſt, daß andere Firmen anſtändiger vorgehen, als
dieſe beiden. Solche Beſtechungen bei dem
Militärver=
waltungskörper führen zur Korruption der Beamten und
macht die Beamten auch zugänglich für Beſtechungen aus
dem Auslande. Wir müſſen fordern, daß eingegriffen und
die Schlußfolgerung gezogen wird im Intereſſe des
deut=
ſchen Volkes und im Intereſſe des europäiſchen Friedens.
Kriegsminiſter von Heeringen: Ich habe geſtern
geſagt, daß, ſoweit ich über das Ergebnis der
Unter=
ſuchung überhaupt zurzeit etwas weiß, Landesverrat oder
Verrat militäriſcher Geheimniſſe, die die Sicherheit des
Reiches gefährden, nicht in Frage kommen. Dabei bleibe
ich. Auf die Unterſuchung ſelbſt bedauere ich mich nicht
weiter einlaſſen zu können. Erſtens geht ſie mich
über=
haupt nichts an und zweitens weiß ich nicht, wie ſie im
Augenblick tatſächlich ſteht. Was das Verhalten der
Waf=
fen= und Munitionsfabriken betrifft, ſo haben ſie
aller=
dings vor drei Jahren einen Artikel in die franzöſiſche
Preſſe lanzieren laſſen, der aber nach den Erklärungen der
Generaldirektion lediglich den Zweck hatte, beſtimmte
An=
haltspunkte über die Abſichten der franzöſiſchen
Heeresver=
waltung durch Widerſpruch zu gewinnen. (Lachen bei den
Sozialdemokraten.) Eins aber ſteht feſt, daß ſie weder
durch dieſen Artikel, noch durch andere Operationen
irgend=
einen Einfluß auf die deutſche Heeresverwaltung,
betref=
fend die Ausrüſtung mit Maſchinengewehren, um die es
ſich damals handelte, geübt haben. Das Dillinger Werk
geht uns nichts an. Wir ſtehen zu ihm nicht in
geſchäft=
lichen Verbindungen. Was den Fall Krupp betrifft, ſo
kann ich nur bitten, warten Sie die Unterſuchung ab. Zu
dem Verdacht, daß hier irgend etwas zu vertuſchen wäre,
haben Sie keinen Grund. Die Unterſuchung liegt in den
Händen eines preußiſchen Gerichts. Und das Anſehen
der preußiſchen und deutſchen Gerichte bürgt dafür, daß
ohne Anſehen der Perſon entſchieden wird. (Unruhe bei
den Soz. Lebhafter Beifall rechts.) Darin unterſcheide
ich mich von dem Abgeordneten Liebknecht weſentlich, daß
ich meine, daß ein Verdammungsurteil ſo lange nicht
ab=
zugeben wäre, bis Klarheit geſchaffen ſei, und daß ich auch
die Verdienſte der Firma Krupp nicht vergaß.
Abg. Dr. Oertel (konſ.): Die Zuſammenſetzung
des Dillinger Werkes iſt unglücklich und bedenklich, ebenſo
die Angelegenheit der deutſchen Waffen= und
Munitions=
fabriken. Was den Fall Krupp angeht, ſo ſteht unſer
Standpunkt feſt. Sollten höhere Beamte oder die Firma
Krupp an dieſen Machenſchaften beteiligt ſein, ſo würden
wir nicht genug ſcharfe Worte zur Verurteilung finden
Ohne gerichtliches Urteil müſſen wir uns allerdings darauf
beſchränken, bedingt unſer Urteil auszuſprechen. — Abg.
Dr. Braband (Vp.): Wir wollen hoffen, daß hier ein
mangelhaftes Urteilsvermögen der Beamten vorgelegen
hat. Die Ausführungen des Abgeordneten Liebknecht
geben zur Vorſicht Anlaß, weil er daraus für prinzipielle
Grundſätze Kapital zu ſchlagen ſucht. Man muß ſich vor
allen Dingen vor Verallgemeinerungen hüten. (Zuruf des
Abg. Ledebour: Sie rutſchen ja zu den Konſervativen
hinüber!) Das Schmiergelderunweſen muß von Grund
aus beſeitigt werden. Ein Offiziersanwärter muß ſeine
Qualifikation verlieren, wenn er auch nur eine Zigarre an
einen Unteroffizier gegeben hat. — Abg. Spahn (Ztr.):
Es iſt richtig, wenn der Kriegsminiſter ſich nicht in eine
ſchwebende Unterſuchung einmiſcht. Er ſollte uns aber
möglichſt raſch und vollſtändig über die Vorgänge
unter=
richten. (Sehr richtig!) — Kriegsminiſter von
Heerin=
gen: Dazu bin ich gerne bereit, ſobald es gerichtlich
angängig iſt, werde ich Auskunft erteilen. (Bravo!)
Abg. Dr. Hegenſcheidt (Reichspt.): Der Abg. Dr
Liebknecht hat verſucht, den Heeresvorlagen
Schwierigkei=
ten zu machen. Wir legen entſchieden Verwahrung
da=
gegen ein, zumal die Darſtellungen Dr. Liebknechts U
ber=
treibungen waren. Stellen ſich aber unredliche
Machen=
ſchaften heraus, ſo ſind wir die erſten, die ſie verurteilen.
— Abg. Dr. Liebknecht (Soz.): Mit eiſernem Beſen
muß da ausgekehrt werden. Wir hoffen, daß dies
geſchieht.
Damit ſchließt die Debatte. Das Gehalt des
Kriegs=
miniſters wird bewilligt. Die Reſolutionen werden durch=
Seite 6.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Nummer 92.
weg angenommen. Die Duellfrage geht an eine
Kommiſ=
ſion von 14 Mitgliedern.
Beim Kapitel Militärintendanturen bittet
Abg. Werner=Hersfeld (D. Refpt.) um Beſſerſtellung
den Intendanturbeamten.
Beim Kapitel Militärjuſtizverwaltung
be=
gründet Abg. Kunert (Soz.) eine Reſolution ſeiner
Partei auf Aufſtellung einer genauen Kriminalſtatiſtik für
Heer und Marine. Die Mißhandlungen werden immer
noch ausgeübt, vielfach aber in verſchleierter Form. Das
ſind Mißſtände der ſchlimmſten Art, gegen die noch nichts
Genügendes geſchehen iſt. Möge man unſeren
Forderun=
gen ſtattgeben, ehe es zu ſpät iſt. — Abg. Stadthagen
(Soz.) fordert an der Hand eines Beiſpiels, daß nicht au
das Urteil der Aerzte hin, die eine Krankheit nicht erkannt
haben, dienſtunfähig gewordene Soldaten wegen
Gehor=
ſamsverweigerung und Simulation beſtraft werden.
Der Titel wird bewilligt und die ſozialdemokratiſche
Reſo=
lution angenommen.
Beim Titel perſönliche Adjutanten bei den
deutſchen Fürſten und Prinzen liegen zwei
Kommiſſions=
reſolutionen bezüglich einer Verminderung der Zahl der
Kriegsminiſter von
perſönlichen Adjutanten vor.
Heeringen: Wenn die eine Reſolution verlangt, daß
der Reichskanzler bis zur dritten Leſung des Etats alle
Vorbereitungen zu einer entſprechenden Verminderung
der Zahl der perſönlichen Adjutanten treffen ſoll, ſo muß
ich erklären, daß dies ein Ding der Unmöglichkeit iſt. Es
ſind bis zur dritten Leſung nur noch einige Tage, und der
Bundesrat muß ſich doch auch darüber ſchlüſſig machen.
Nach einer weiteren Bemerkung des Abg. Dr. Spahn
(Zentr.) werden die Reſolutionen angenommen.
Es folgt Titel Muſikkorps. Abg. Zubeil
(Soz.): Die Konkurrenz der Militärkapellen wird immer
ſtärker. Angeſichts der neuen Heeresvorlage müſſen
wei=
tere Schutzmaßnahmen für die Zivilmuſiker geſchaffen
wer=
den. Wenn die Kapellen wochenlang innerhalb und
außer=
halb Deutſchlands umherziehen, dann können ſie für den
Militärdienſt nicht unbedingt notwendig ſein. Reichstag
und Militärverwaltung ſollten dafür ſorgen, daß endlich
dieſen Mißſtänden ein Ende gemacht werde. —
General=
leutnant Wandel: Eine erneute Prüfung der Frage
ſei=
tens der Militärverwaltung hat ergeben, daß Mißſtände
zurzeit nicht vorliegen. Wo ſolche ſich zeigten, hat die
Militärverwaltung ſie abgeſtellt. Alle Beſchwerden
wer=
den geprüft. Eine völlige Unterbindung der Militärmuſil
darf nicht im Intereſſe der Kunſt ſtattfinden. Die Zahl
der Militärkapellen iſt nicht vermehrt worden, während
die Bevölkerungszifſer gewachſen iſt. — Sächſiſcher
Bun=
desratsbevollmachtigter Generalmajor Frhr. Leuckart
von Weitdorf: Die vom Abg. Zubeil vorgebrachten
Beſchwerden über die Konkurrenz ſächſiſcher
Militärkapel=
len ſind übertrieben. — Das Kapitel wird bewilligt.
Beim Kapitel Naturalverpflegung wünſcht
Abg. Werner=Hersfeld (D. Refpt.) beſſere Beſoldung
und Beförderungsverhältniſſe der Mühlenmeiſter,
Maſchi=
niſten und ſonſtigen Unterbeamten. — Generalleutnant
Staab: Eine Aufbeſſerung der Maſchiniſten iſt in
Er=
wägung gezogen. Ein Bedürfnis, die Stellen der
Garniſon=
mühlenmeiſter in mittlere Beamtenſtellen umzuwandeln,
liegt nicht vor. Das Kapitel wird bewilligt.
Beim Kapitel Bekleidung und Ausrüſtung
der Truppen bringt Abg. Böhle (Soz.) die
Ver=
hältniſſe in den Straßburger Militärwerkſtätten zur
Sprache und beklagt insbeſondere die Verhältniſſe der
Akkordarbeit, die von der Behörde zu Lohndrückereien
benutzt würde. Bei der Aushebung der
Oekonomiehand=
werker wird nicht genügend Rückſicht auf ihren
Geſund=
heitszuſtand genommen. — Generalleutnant St aab:
Der Vorwurf, daß die Bekleidungsämter Lohndrückerei
treiben, trifft nicht zu. Bei den Vergebungen der Arbeiten
werden die Meiſter ausdrücklich verpflichtet, angemeſſene
Löhne zu zahlen. Kommen uns Klagen zu Ohren, werden
die Meiſter zur Verantwortung gezogen. Die
Durch=
ſchnittslöhne der Schuhmacher ſind durchaus ortsüblich.
Heute iſt aber ein Befehl auf Verbeſſerung der Löhne
hin=
ausgegangen. Auf eine möglichſt genaue körperliche
Un=
terſuchung der Oekonomiehandwerker bezüglich ihrer
Dienſttauglichkeit vor ihrer Einſtellung wird hingewirkt.
Abg. Duffner (Zentr.): Der Anſicht, daß die Löhne der
Militärverwaltung zu gering ſind, kann ich nicht beitreten.
Mancher Handwerker wäre froh, wenn er mit einem
der=
artigen ſicheren Einkommen zu rechnen hätte. Wo die
Löhne zu niedrig ſind, müſſen ſie natürlich aufgebeſſert
werden. (Zuruf: Regierungskommiſſar!) Das
Zwiſchen=
meiſterſyſtem bekämpfen auch wir. Neben der
Beſchäftig=
ung des kleinen Handwerkers wünſchen wir auch die
Her=
anziehung der Heimarbeiter zu militäriſchen Bekleidungs=
und Ausrüſtungsarbeiten. Das wäre auch für den
Mobil=
machungsfall ein wertvolles Moment. — Abg.
Trim=
born (Zentr.) bittet um Beſſerſtellung der Maſchiniſten
bei den Bekleidungsämtern.
Nach weiterer unerheblicher Debatte wird das Kapitel
bewilligt. Darauf wird die Weiterberatung auf
Montag 2 Uhr vertagt, Außerdem Etats des
Reichs=
ſchatzamtes. — Schluß gegen 5 Uhr.
Beſchuldigungen gegen Angeſtellte der
Firma Krupp.
* Berlin 18. April. Zu der heute im Reichstag
berührten Unterſuchung gegen Angeſtellte der Firma
Krupp erfährt das Wolffſche Telegraphen=Bureau von
zuſtändiger Stelle folgendes: Auf Grund einer im
No=
vember v. J. von dem Abgeordneten Liebknecht an den
Kriegsminiſter erſtatteten Anzeige iſt von dieſem ſofort
eine Unterſuchung gegen alle verdächtigen Perſonen
eingeleitet worden, die zu Durchſuchungen und hier und
in Eſſen auch zu mehreren Verhaftungen führte. Zurzeit
ſchwebt die gerichtliche Vorunterſuchung gegen
die beteiligten Militär= und Zivilperſonen bei den für ſie
zuſtändigen Gerichten. Nähere Mitteilungen über den
Stand der Unterſuchung, wobei ſich übrigens kein Anhalt
dafür ergeben hat, daß durch das Verhalten der
Beſchul=
digten die Sicherheit des Deutſchen Reichs gefährdet ſei
können im Intereſſe der Unterſuchung noch nicht gemacht
werden.
Eſſen 18. April. Von unterrichteter Seite
erhal=
ten wir folgende Mitteilung: Der Abgeordnete Liebknecht
gab heute in dem Plenum des Reichstages eine
Dar=
ſtellung über Vorkommniſſe bei der Berliner
Vertretung der Firma Krupp, die geeignet ſind,
in der Oeffentlichkeit falſche Eindrücke hervorzurufen. Es
iſt richtig, daß die Firma Krupp in Berlin eine
Ver=
tretung unterhält, die ſie zur Vermittelung des
Geſchäfts=
verkehres mit Behörden ꝛc., mit auswärtigen Firmen
un=
erläßlich und allgemein üblich iſt, und u. a. auch die
Auf=
gabe zu haben pflegt, eine ſchnelle Information über
ge=
ſchäftlich intereſſierende Dinge z. B. über
Konkurrenz=
preiſe und dergleichen zu ſammeln. Ein der Berliner
Firma unterſtellter Beamter, ein früherer Militär, ſoll nun
verſchiedenen Subalternbeamten und Militärbehörden,
zum Teil früheren Kollegen, von denen er Informationen
erhielt, kleine Geſchenke gemacht haben, was durch eine
an den ſozialdemokratiſchen Abgeordneten Liebknecht
gerichtete Denunziation zur Kenntnis der Behörden
kam. Von dieſem wurden ſofort polizeiliche, gerichtliche
und disziplinare Unterſuchungen eingeleitet
wo=
durch auch die Werksleitung Kenntnis von dem
Vorge=
fallenen erhielt. Sie ſtellte, da ſie ſolche Verfehlungen, wo
ſie irgend vorkommen, ſelbſtverſtändlich mißbilligt, ſofort
alle Unterlagen bereitwillig zur Verfügung, die zur
Aufklärung des Tatbeſtandes dienen konnten. Ein
Lan=
desverratsverbrechen oder ein Verrat
militä=
riſcher Geheimniſſe kommt, wie ſchon der Kriegsminiſter
im Reichstag erklärte, an keiner der beteiligten
Stellen in Betracht.
* Eſſen, 19. April. Von einem Herrn der Firma
Krupp erfährt die Rheiniſch=Weſtfäliſche Zeitung: Die
heftigen Angriffe des Abg. Liebknecht ſind
zwei=
fellos auf einen Racheakt eines wegen einer
betrü=
geriſchen Handlung entlaſſenen Beamten
zurückzuführen, der ein vielleicht vorliegendes Vergehen
eines Unterbeamten der Berliner Vertretung der Firma
Krupp in maßlos übertreibender Weiſe
de=
nunzierte und gleichzeitig den Verſuch machte, die
Firma ſelbſt hereinzuziehen und bloßzuſtellen. Davon.
daß der betrefſende Berliner Unterbeamte große Mittel
zur Verfügung hatte, kann keine Rede ſein; er hatte
ledig=
lich ſein Gehalt, das den Angeſtellten ſeiner Klaſſe
ent=
ſprach. Außerdem verfügte er über keinerlei Mittel von
der Firma Krupp. Er hatte keine Tantiemen, und ſeine
Einnahmen hingen in keiner Weiſe von dem Ergebnis
einer beſonderen Tätigkeit ab. Daß dieſe Tätigkeit auf
Beſtechung oder auch nur auf unerlaubtes
Nachrichten=
ſammeln gerichtet ſein ſollte, daran iſt kein wahres Wort.
Die Unterſuchung wird ja ergeben, was an der Sache als
Kern bleibt. Gewiß wird der kreißende Berg wieder einmal
nichts oder eine kleine Maus gebaren. Es iſt aber
bedauer=
lich, daß von Liebknecht der Name eines Eſſener Beamten
der Firma Krupp — Herrn v. Dewitz — mit der Sache in
Zuſammenhang gebracht wird, der den Eindruck erweckte,
als ob er mitſchuldig ſei. Die Firma iſt in der Lage, für
die abſolute Ehrenbaftigkeit dieſes langjährigen erprobten
Beamten einzuſtehen.
Zur braunſchweigiſchen
Chronfolge.
* Berlin, 19. April. Die Norddeutſche Allgemeine
Zeitung ſchreibt: „In Hinblick auf die bevorſtehende
Ver=
mählung der Prinzeſſin Viktoria Luiſe von Preußen mit
dem Prinzen Ernſt Auguſt, Herzog zu Braunſchweig und
Lüneburg, bildet die Frage der braunſchweigiſchen
Thronfolge neuerdings vielfach den Gegenſtand
pub=
liziſtiſcher Erörterungen. Die Familienverbindung
zwi=
ſchen dem hohenzollernſchen und dem welfiſchen
Fürſten=
hauſe iſt von den weiteſten Kreiſen des Volkes als
fried=
licher Ausgleich der bisherigen Gegenſätze freudig
be=
grüßt worden. Wie dieſe Familienverbindung auf der
verbürgten Gewähr vollſter Ausſöhnung beruht, ſo wird
auch eine anderweitige Regelung der
braun=
ſchweigiſchen Thronfolge, die nur durch einen erneuten
Beſchluß des Bundesrats erfolgen kann, die
Her=
ſtellung desjenigen friedlichen Verhältniſſes zwiſchen
dem Hauſe Cumberland und dem Bundesſtaat Preußen
zur ſelbſtverſtändlichen Grundlage haben, daß nach den
Prinzipien der Bündnisverträge und der
Reichsverfaſſung die Beziehungen unter allen
Bundesſtaaten ordnet und ſichert. Eine andere Löſung
würde weder mit dem hohen Stande der beiden
fürſt=
lichen Häuſer noch auch mit dem Verantwortlichkeitsgefühl
des Bundesrats vereinbar ſein.”
Dieſe etwas gewundene Erklärung wird ſo
aufge=
faßt, daß nachdem der Herzog und der Prinz von
Cumber=
land ihre Anſprüche auf Hannover fallen gelaſſen haben
Preußen die Aufhebung des Bundesratsbeſchluſſes, durch
den der Prinz Ernſt Auguſt von der Thronfolge
ausge=
chloſſen iſt, beantragen wird. Ob ein formeller Verzicht
der Cumberländer auf Hannover gefordert wird, erſcheint
zweifelhaft. Jedenfalls iſt damit die Thronbeſteigung
des Prinzen Ernſt Auguſt im Herzogtum Braunſchweig
in nicht zu fernerer Zeit in Ausſicht geſtellt.
Von der Spitzbergen=Expedition.
* Berlin, 19. April. Geheimrat Miethe hat aus
Spitzbergen folgendes Telegramm erhalten:
Spitz=
bergen Green=Harbour, 19. April. Ich kam auf der
Waſſerſcheide zwiſchen Dickſon und der Widjebai am 14.
April an und hoffe die Widjebai heute zu erreichen. Die
Renntiere bewähren ſich ausgezeichnet. Acht Renntiere
werden ab hier nach Green=Harbour zurückgeſandt. Ich
legte in dem Grunde der Dickſonbai ein Depot an. (Hier
kommen einige verſtümmelte Worte.) Morgen werde ich
vorausſichtlich weiterziehen können und zunächſt nach
Moeſer Detmers und Eberhard ſuchen. Ich ſchicke
Renn=
tiere nach Polheim voraus und hoffe Rüdiger und Rave
in drei Wochen nach der Adventbai ſchaffen zu können.
Indeſſen werde ich eine dritte Schlittentour mit 14
Hun=
den antreten, um längs der Nordweſtküſte Soxtrud des
Nordoſtlandes Schröder=Stranz zu ſuchen.
* Chriſtiania, 19. April. Tidena Tegn meldet
aus Spitzbergen, daß geſtern abend in der Adventbai
zwei Mann mit fünf Renntieren eintrafen. Sie ſind von
der Hilfsexpedition für Schröder=Strantz
zurückge=
kehrt. Der Sturm der letzten Tage hat das Eis auf dem
Fjord aufgebrochen. Jetzt herrſcht bis zur Adventbai
klares Wetter. Green=Harbour iſt im Umkreiſe von einigen
Kilometern eisfrei. Die „Hertha” iſt wegen Sturmes und
Eishinderniſſe zurückgekehrt.
Zur Erledigung des Falles von Nancy
ſchreibt die Köln. Zeitung: Weshalb ſich die
nationaliſti=
ſchen Blätter über dieſe Maßregeln ſo ſchrecklich erregen
iſt ganz unverſtändlich, denn die Strafen ſind doch weit
weniger eine Genugtuung für Deutſchland als
Maß=
nahmen, die im Intereſſe Frankreichs ergriffen werden.
Mit Recht wird die franzöſiſche Regierung dieſe Strafen
als ein Exempel betrachten, die ſie ſetzt, um für die
Zu=
kunft zu verhindern, daß die Franzoſen in den Ruf
kom=
men, ein unhöfliches und ungaſtliches Volk zu ſein. Auf
der anderen Seite wird man anerkennen, daß damit die
Zwiſchenfälle von Nancy bis zu einem gewiſſen Grade
ge=
fühnt werden; bis zu einem gewiſſen Grade, denn eben
über die Vorfälle, die nach Ausſage der beteiligten
Deut=
ſchen die belaſtendſten ſind — über die Prügelei im
Eiſenbahnwagen
hat die franzöſiſche Regierung
ſelt=
ſamerweiſe nichts feſtſtellen können, und wir erfahren auch
nichts darüber daß Maßnahmen getroffen worden ſind,
um die eigentlichen Schuldigen zur Rechenſchaft zu ziehen.
Man wird ferner vielleicht vermiſſen, daß der Bericht kein
Wort des Bedauerns weder den mißhandelten Deutſchen
noch der deutſchen Regierung gegenüber enthält. Wenn
eine ſolche Kundgebung auch formell in den
Tatſachenbe=
richt nicht hineinpaßt, ſo hätte es doch einen beſſeren
Ein=
druck gemacht, wenn die franzöſiſche Regierung
zugleich Anlaß genommen hätte, vor aller Oeffentlichkeit
ihr Bedauern und ihr Mißfallen
auszu=
ſprechen. Wir zweifeln jedoch nicht, daß ſie das bei
der amtlichen Mitteilung an die deutſche Regierung
nach=
holen wird. Geſchieht das, ſo wird man auch auf deutſcher
Seite den Zwiſchenfall als erledigt betrachten; und es
bleibt nur zu hoffen übrig, daß die franzöſiſche Regierung
ſeiner Wiederholung dadurch vorbeugt, daß ſie ihren
Chauviniſten fortan ernſtlicher zu Leibe geht, als ſie es
bisher für nötig befunden hatte.
Das Journal des Débats ſchreibt hierzu:
Ein=
zelne Berliner Blätter fordern die deutſche Regierung auf,
in Paris den Ausdruck des Bedauerns zu verlangen. Das
Berliner Kabinett wird dieſer Forderung nicht entſprechen,
denn es weiß, daß man amtlich das Bedauern uur
aus=
drückt, wenn Beamte in der Ausübung ihres Amtes im
Spiele ſind. Die Deutſchen, die am Sonntag in Nancy
waren, hatten keinerlei amtlichen Charakter und ihre
Be=
ſchäftigung trug keinerlei Regierungscharakter an ſich. Es
kann deshalb zwiſchen beiden Regierungen von einem
Ausdruck des Bedauerns keine Rede ſein. In Frankreich
dagegen hält man die getroffenen Maßnahmen für zu
treng. Unſerer Anſicht nach waren dieſe Strafen
unab=
weislich notwendig, denn was in einer Stadt im Innern
Frankreichs eine bloße Nachläſſigkeit war, wird in Nancy
zu einem ſchweren Fehler.
* Berlin, 19. April. Zu der Stellungnahme der
franzöſiſchen Regierung zu dem Zwiſchenfall in
Nancy ſchreibt die Norddeutſche Allgemeine Zeitung
nach Mitteilung der getroffenen Strafmaßnahmen:
Hier=
nach wird anzuerkennen ſein, daß die franzöſiſche
Regie=
rung unverzüglich, und noch bevor ſie von den Ausſagen
der beteiligten Deutſchen in Kenntnis geſetzt werden
konnte, eingegriffen und die Verſäumniſſe der Beamten
geahndet hat. Die politiſche Seite der Sache ſcheint
uns daher in befriedigender Weiſe, ſelbſtverſtändlich unter
Vorbehalt der Anlprüche der Geſchädigten,
er=
ledigt zu ſein.
* Berlin 20. April. Die Norddeutſche
Allge=
meine Zeitung ſchreibt: „Nach den Maßregeln, die die
franzöſiſche Regierung zur Korrektur der gegen deutſche
Gäſte in Nancy verübten Ausſchreitung getroffen hat,
können wir hoffen, daß nun auch die Verſuche
franzö=
ſiſcher Blätter aufhören, die Vorfälle zu
beſchönigen, oder als deutſcherſeits künſtlich
aufge=
bauſcht hinzuſtellen. Insbeſondere wurde behauptet, daß
ein von dem Wolffſchen Telegraphen=Bureau
übernomme=
ner Bericht der Lothringer Zeitung, deſſen Angaben die
Unterſuchung des Staatsrats Ogier in den meiſten
Punk=
ten beſtätigte, in tendenziöſer Abſicht verbreitet worden
ſei. Wir erinern daran, daß die erſte Nachricht von der
Agence Havas ſtammte, die die Sache ſo darſtellte, als ob
die deutſchen Gäſte, angeblich Offiziere, durch Verſpottung
der franzöſiſchen Armee die ſchimpflichen Szenen
provo=
ziert hätten. Das wurde auch durch die franzöſiſche
Unter=
ſuchung poſitiv widerlegt. Wenn die franzöſiſche
Publi=
ziſtik aufrichtig wünſcht, daß ſolche Ausbrüche eines
über=
hitzten Chauvinismus wie in Nancy vereinzelt bleiben,
wird ſie ſelbſt durch ihre künftige Haltuna viel dazu
beitragen können.
Die Erkrankung des Papſtes.
* Rom 19. April. Der heute herausgegebene
Mor=
genbericht über das Befinden des Papſtes beſagt:
Seine Heiligkeit verbrachte die Nacht ziemlich ruhig;
Mor=
gentemperatur 36,6 Grad. Der Huſten und der Auswurf
ſind zurückgegangen und der Kräfteſtand hat ſich gebeſſert.
Infolge der anhaltenden Beſſerung in dem Befinden
des Papſtes haben die Aerzte beſchloſſen, nur noch einen
Krankenbericht täglich zu veröffentlichen.
* Rom 20. April. Nach dem heute morgen
ausge=
gebenen Krankheitsbericht der Aerzte Marchia Fava und
Amici verbrachte der Papſt bereits den vierten Tag
fieberfrei. Infolge der Beſſerung der
Bronchienent=
zündung nehmen die Kräfte des Patienten allmählich
wie=
der zu.
* Rom 20. April. Anläßlich der Konſtantins=
Feiern fand heute vormittag in der Peterskirche eine
Gedächnismeſſe ſtatt, die in Vertretung des Papſtes
Kar=
dinal Rampollo zelebrierte. Die reichgeſchmückte
Baſilika war gedrängt voll von Gläubigen und Pilgern.
Der belgiſche Generalſtreik.
* Brüſſel 18. April. Die Buchdrucker von
Brüſſel haben geſtern abend ihren früheren Beſchluß
umgeſtoßen und beſchloſſen, in den Streik zu treten. Sie
haben den Streik nunmehr auch auf die Zeitungen
aus=
gedehnt, und von morgen vorwittag an werden die meiſten
Blätter Brüſſels nicht mehr =Scheinen. Man verſichert,
daß die katholiſchen Blätter weiter erſcheinen werden, da
ſie mit chriſtlichen Gewerkſchaftern arbeiten. Der
allge=
meine Streik hat in der Stadt Brüſſel angeblich ſeit
geſtern eine Ausdehnung erfahren. Man ſoll 200
Strei=
kende mehr zählen. In der Provinz iſt man zum Teil
über den Verlauf der Kammerverhandlungen aufgeregt
und es iſt an einigen Stellen zu kleinen Zuſammen
ſtößen gekommen. Im ganzen aber iſt die Streiklage
unverändert. Nur in einzelnen Induſtriezentren konnt
man heute vormittag eine kleine Abnahme der
Streik=
ziffern feſtſtellen.
* Brüſſel 19. April. Nach Nachrichten aus
Ant=
werpen verſchlechtert ſich die Lage im Hafen zuſehends
Es mangelt an Waren und im Augenblick zeigt ſich im
Vergleich zum Vorjahre eine weſentliche Abnahme der
eingegangenen Schiffe und zwar von 74 Schiffen.
* Brüſſel, 19. April. In Gent konſtatiert man
heute vormittag in vielen Baumwoll= und
Flachsſpin=
nereien eine merkliche Zunahme der Arbeit. Man
glaubt ſogar, daß Montag oder Dienstag eine Reihe von
Betrieben faſt vollſtändig wieder aufgenommen werden
können. In Brüfſel dagegen wird heute vormittag
eine Zunahme von 1000 Streikenden feſtgeſtellt;
ſie rekrutieren ſich in der Hauptſache aus der
Wäſchefabri=
kation und Konfektion. In der Gegend von Lüttich
ſollen verſchiedene Angriffe auf Arbeitswillige
ſtattge=
funden haben. Sonſt iſt alles ruhig. Die Streiklage
cheint ſich im ganzen Lande nicht weſentlich verändert zu
haben.
Brüſſel, 19. April. Alle liberalen und
katholi=
ſchen Abendblätter ſind in vollem Umfange erſchienen; nur
das ſozialiſtiſche Parteiorgan Le Peuple nicht. Angeblich
ſtreiken heute 1700 Buchdrucker.
Nummer 92.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Seite 7.
Luftfahrt.
Nachklänge von Luneville!
* Frankfurt, 19. April. Die Vorgänge bei der
Landung des „Z. 4‟ in Luneville dürften nach
Ver=
öffentlichung des wahren Sachverhalts weitere Kreiſe
ziehen. Wie die Frkf. Ztg. hört, wird ſich am Montag ein
Luftgericht mit der Angelegenheit beſchäftigen, das in
Friedrichshafen zuſammentritt. Das Gericht wird
das Abenteuer des „Z. 4” eingehend unterſuchen und die
Vorkommniſſe während des Aufenthalts in Luneville
be=
ſprechen. Das Gericht wird aus Luftſchifferkreiſen,
ſonſti=
gen Luftſchiff=Fachleuten, Vertretern der Zeppelin=
Geſell=
ſchaft und Teilnehmern an der Luneviller Fahrt gebildet
ſein.
Die kriegsmäßige Ballonverfolgung,
die am Samstag nachmittag halb 3 Uhr ſtattfinden ſollte,
iſt wegen der ungünſtigen Wetterlage auf geſtern
Sonn=
tag vormittag 10 Uhr verſchoben worden.
Die allgemeine Kriegslage
iſt folgende:
Ein blauer Weſtſtaat ſteht im Kriege mit dem roten
Oſtſtaat. Die gemeinſame Grenze bilden die deutſch=
öſter=
reichiſche Grenze und die Elbe in der Linie Salzburg-
Dresden-Hamburg. Frankfurt a. M., die Hauptſtadt des
Weſtſtaates und behelfsmäßig befeſtigt, wird von Rot, daß
die blauen Armeen zum Rückzug über den Rhein
gezwun=
gen hat, eingeſchloſſen. Die beiderſeitigen Hauptkräfte
ſtehen ſich am Oberrhein, Nordflügel in der Gegend von
Germersheim, gegenüber. Nur Metz und Köln ſind blaue
Feſtungen. Die Verteidigungslinie von Frankfurt a. M.
läuft vom Oſtrand von Offenbach — über Bergen=Vilbel
— der Nidda folgend zum Main — zum Waldrand öſtlich
von Kelſterbach, oſtwärts durch die Waldungen, am
Wald=
rand ſüdlich Neu=Iſenburg entlang, nach Heuſenſtamm=
Offenbach. Von Rot, das überall auf 1—2 Kilometer
gegenüberſteht, war bis zum 17. April abends nichts
Ernſt=
iches unternommen worden. Es hatte indeſſen die
Ab=
ſchließung Frankfurts ſtreng durchgeführt und ſämtliche
Telegraphen= und Telephonlinien rückwärts bis zur Linie
Alzenau-Altenſtadt-Friedberg, Uſingen-Niederhauſen-
Kaſtel-Groß=Gerau-Darmſtadt-Dieburg-
Babenhau=
ſen (dieſe Ort einſchließlich) ſelbſt in Betrieb genommen
oder zerſtört. Außerhalb dieſer Linie befanden ſich die
Drahtverbindungen, ſoweit ſie nicht an der über
Aſchaffen=
burg-Gemünden-Schweinfurt auf Eger führenden
Etap=
penſtraße der Einſchließungsarmee und im
Operations=
gebiet der roten Hauptkräfte liegen, im Betrieb von Blau.
Seit dem 17. April war es Rot gelungen, den
funkentele=
graphiſchen Verkehr der eingeſchloſſenen Stadt
lahmzu=
legen. Am 18. April begann Rot mit ſtarken Kräften den
Angriff gegen die Linie Nordrand Fechenheim-Bergen,
Vilbel-Berkersheim.
Die beſonderen Kriegslagen für die blaue Partei
(Ballons) und die rote Partei (Kraftwagen und
Flug=
zeuge) werden den Teilnehmern am Tage der Uebung auf
dem Sammelplatz übergeben.
Die Automobile, 28 an der Zahl, fanden nach
Ausgabe der nötigen Befehle Aufſtellung bei Dörnigheim
bei Hanau. Die Füllung der Freiballons fand in der
Gasanſtalt am Oſthafen ſtatt und erſchien der erſte Ballon
um 11,30 Uhr über den Automobilen. Jeder Ballon, die
verſchieden mit Flaggen ausgezeichnet waren, wurde von
vier Autos verfolgt Infolge verſchiedener
Luftſtrömun=
gen war der Kurs der Ballons, die aber im allgemeinen
die Richtung nach dem Speſſart nahmen, ſehr
verſchie=
den, ſodaß die Aufgabe der Autos bei den ſteilen und
ſchlüpfrigen Straßen keine leichte war, um die Ballons
nicht aus den Augen zu verlieren. Tatſächlich wurde nur
der Depeſchenträger eines Ballons durch
Herrn Willy Kleyer abgefangen. Die Ballons
lande=
ten zum größten Teil öſtlich des Speſſarts, in der Gegend
nördlich Gemünden (Luftlinie 70 Kilometer). Der
Zeppe=
lin=Kreuzer und die Flugzeuge nahmen wegen des zu
böigen Windes nicht teil.
Die Preisverteilung, die abends vorgenommen wurde,
hatte folgendes Ergebnis: Automobile: 1. Preis Herr
Willy Kleyer 2. Preis Herrn Fritz Opel.
Frei=
ballons: 1. Preis „Tilly II‟ 2. Preis „Juſtitia”, 3. Preis
„Heſſen” 4. Preis „Moenus”.
Weiter wird noch gemeldet:
Leider war die Veranſtaltung durch das ſchlechte
Wet=
ter ſehr beeinträchtigt, ſo daß die Flieger, die von
Darmſtadt aus auf Euler=Apparaten ſich an der
Ballon=
verfolgung beteiligen wollten, abgeſagt hatten, ebenſo wie
das Luftſchiff „Viktoria Luiſe”, das als
Beobach=
tungsſchiff dienen ſollte. Die Füllung der Ballons, die
von Mannſchaften des 81. Infanterie=Regiments
gehal=
ten wurden, begann um 9 Uhr vormittags. Um 10,55
Uhr ſtieg als erſter der Ballon „Hanſa” unter Führung
des Aſſeſors Dr. Landmann auf. Ihm folgte einige
Mi=
nuten ſpäter Ballon „Moenus”, Führer Oberleutnant
Meurer. Unterdeſſen hatten Regen und ein heftiger Wind
eingeſetzt, der eine Zeitlang den Ballon „Tillie II‟,
Führer Herr Julius Hahn, gefährdete und ihn hin= und
herwarf, ſodaß die Mnanſchaft Mühe hatte, ihn zu halten.
Es folgten dann die Ballons „Juſtitia” Führer Herr
Berthold Jeſſel, „Taunus”, Führer Herr Max Korn,
„Heſſen”, Führer Hauptmann Stuhlmann, und „
Frank=
furt” Führer Robert Marburg. Dieſer letzte, der um
12 Uhr aufſtieg, war der größte von allen und hatte vier
Perſonen an Bord. In den oberen Luftſchichten herrſchte
eine ruhige Luftſtrömung und faſt alle Ballons, die eine
ſüdweſtliche Richtung eingeſchlagen hatten, blieben lange
ſichtbar. Eine große Menſchenmenge wohnte dem
inter=
eſſanten Schauſpiele bei. Es wurde nur der Ballon
„Frankfurt” Führer Herr Robert Marburg, von dem ihn
verfolgenden Automobil des Herrn Wilhelm Kleyer als
erſten erreicht. Der Ballon war bei Großenhauſen in
einem Baum hängen geblieben. Der Führer erklärte ſich
für ergeben, der Ballon wurde durch Beilhiebe befreit.
Die übrigen Ballons landeten nach ungefähr zweiſtündiger
Fahrt in der Nähe Frankfurts.
Rennen in Frankfurt.
S. Frankfurt a. M., 20. April. Der heutige
Sonntag, der zweite Tag des Frühjahrsmeetings, war
für Frankfurt ein Sporttag, wie ihn die Mainmetropole
noch nie geſehen hatte. Der Vormittag brachte die
kriegsmäßige Ballonverfolgung, bei der zum erſtenmal
Ballons, Aeroplane, Automobile und ein lenkbares
Luft=
ſchiff zuſammenwirken ſollten. Schon in früher
Morgen=
ſtunde flitzten die mit den Fähnchen des Frankfurter
Automobilklubs geſchmückten Kraftwagen durch die
Straßen. Gegen 10 Uhr, der Stunde, zu der die
Frei=
ballons aufſteigen ſollten, kam dann von der Darmſtädter
Fliegerſtation ein Aeroplan — gleichſam als Kundſchafter
angeflogen, um zu ſchauen, ob die Ballons ſchon für
ihre Fahrt gerüſtet ſeien. Die Füllung der mächtigen
gelben Kugeln, währte aber doch langer, als man glaubte
So wurde es 11 Uhr, bis der erſte Ballon in die Lüfte
ſtieg, und der letzte der ſieben Ballons wurde erſt kurz
nach 12 Uhr abgelaſſen, ebenſo wie ſeine Vorgänger, von
zwei puſtenden und knatternden Kraftwagen verfolgt.
Während dieſer Wettkampf, der in Frankfurt=Oſt
be=
gann, noch in den Lüften und auf der ſicheren Erde
aus=
getragen wurde, wurde in Frankfurt=Süd, auf dem
grü=
nen Raſen, der Streit der Pferde und Reiter eröffnet.
Und dieſe Kämpfe waren jedenfalls die intereſſanteren;
denn hier waren nur lebende Kräfte beteiligt, die ihr
alles, was ſie hatten, einſetzen mußten. Da fühlen auch
die Zuſchauer mit den Tieren und den Reitern. Jeder
kurze Vorſprung, den der „Favorite” erringt, wird mit
Jubel begrüßt. Jeder Sturz mit Mitgefühl begleitet.
Im übrigen: Der heutige Tag war kein Tag der
Favo=
riten. Wer auf dieſe ſein Geld geſetzt hatte, ging mit er
leichtertem Portemonnaie und ſchweren Herzens heim
In ſportlicher Beziehung boten alle Konkurrenzen viele
ſpannende Momente, waren doch alle Felder, mit
Aus=
nahme des Waldfried=Jagdrennens, gut beſetzt. Die
wenigen Unfälle verliefen ohne ſchlimme Folgen. Am
Schlimmſten litten wohl die Anhänger des Totos
bei einem „Unfall”, der im Offiziers=Jagdrennen
paſſierte. Dort kam die von Leutnant v. Moſch
geſteuerte Criſtalloide als erſte durchs Ziel,
wäh=
rend Ballette mit ihrem Beſitzer, Leutnank
Stell=
brück, im Sattel den zweiten Platz belegte. Die
Zeitrichter hatten nicht gewußt, daß dieſe beiden
eine falſche Bahn eingeſchlagen hatten. So wurden die
Nummern der betreffenden Pferde zurückgezogen. Erſt
nach eingelegtem Proteſt erklärte man In Dubio, der
als Dritter ankam, als Sieger, während für Tempéte III.
und May Royal die Platzquoten ausgezahlt werden.
Aber an wen? Viele hatten ſchon die Toto=Tickets dieſer
Nummern fortgeworfen. Und nun begann vor den
Tribünen und auf dem Sattelplatz ein eifriges Suchen
nach dieſen wertvollen Kärtchen. Bei zwei
Konkur=
renzen gab es ein totes Rennen, bei dem
Gold=
ſtein=Hürdenrennen auf dem dritten, und beim
Rodenſtein=Jagdrennen auf dem zweiten Platz.
Im Eröſſnungsrennen blieb die als heiße Favoritin
ſtartende Haematite mit dem holländiſchen Offizier
Knel im Sattel am Start ſtehen, während ſich die
übrigen Sechs auf die Reiſe begaben. So kam es, daß
für Flora Fina als Siegerin hier das 16fache Geld
ge=
zahlt wurde. Die ausgezeichnete Reitkunſt des Leutnants
v. Moßner zeigte ſich auch hier wieder. Im Waldfried=
Jagdrennen, das von dem beteiligten Quartett die
ganze 4000 Meter lange Diſtanz in ſchärfſter Pace
zu=
rückgelegt wurde, konnte er den zweiten Platz belegen.
Auch im Offizier=Jagdrennen, wo er als vierter
ein=
paſſierte, errang er ſich damit einen Ehrenpreis. Der
Verlauf der einzelnen Konkurrenzen war, wie folgt:
Sandhof=Flachrennen. 1400 Meter.
Herren=
reiten. 2500 Mk. 1. Merten’s Flora Fina (Graf Bredow),
2. Dr. W. Felſing’s und H. Ludwig’s Sunbath (Lt. Graf
Holck), 3. Freiling’s Sauchrie (Lt. v. Moſch), 4. Lt. Graeff’s
Miſſile (Lt. Zeltmann). Ferner: Whim, Divers Sounds,
Haematite. 164:10; 18, 12, 21: 10. 1½ Länge, ¾ L.,
2½ L.
Goldſtein=Hürdenrennen. 2500 Meter.
3000 Mk. 1. März’s Cabin (Winkler), 2. Mecklenburg’s
Sigurd (Krieg), 3. Ujvary’s Silvia (M. Seiffert) und
Rittm. v. Maſſow’s Herodes (R. Franke). Ferner:
Fantaſio, Wagonette, Coral Wave, Marotte, Tecoma,
Nimble Frield, 53:10; 18, 36, 8, 14:10 (Totes Rennen
auf dem 3. Platz). 2 Längen, 2½ L.
Offizier=Jagdrennen. 3000 Meter, 3000 Mk.
1. Lt. Frh. v. Bonnet’s In Dubio (Beſ.), 2. Lt. Pauwel’s
Tempréte III (Lt. Kuel), 3. Rittm. Graf Hardenberg’s
May Royal (Beſ.), 4. Lt. v. Moßner’s Madame Foutſi
Beſ.). Ferner: Guernica II (geſtürzt), Griſine, Saint
Fabian, Criſtalloide, Ballette, 74:10; 21, 29, 77:10,
2½ Längen, 3 L., 4
Preis von Philippsruhe. 3000 Meter,
Jagd=
rennen, 4000 Mk. 1. Peter’s Tarpaulin II (Buſch), 2. Dr.
Herzfeld’s Sternbild (Hammer), 3. Then=Bergh’s Jriſh
Lad (Dyhr), 4. Dr. Felſing’s und H. Ludwig’s Tylander.
Ferner: Pomerol, Kitty X, Mir, Rockledge, Milon II,
The Wearſel, 54:10; 20, 34, 16:10. 2½ Längen, 1½ L., 3 L.
Waldfried=Jagdrennen. 4000 Met. 5000 Mk.
1. Lt. Hutſchenreuthers Mon Chéri (Beſ.), 2. Lt.
Wein=
ſchenks Sukkurs (Lt. v. Moßner), 3. Blauer Dunſt (Lt.
Zeltmann). Ferner: Lady Scholar. 20:10; 13, 14:10.
1 Länge, ¾ Länge.
Rodenſtein=Jagdrennen. 3500 Met.
Handi=
cap. 5000 Mark. 1. Noethers Diana (Unterholzner),
2. Rannertshauſers Sonnenblick (Matz) und Rittmeiſter
v. Rummers Adler (Wexberg), 3. P. Schaefers
Oberleut=
nant (Hammer). Ferner: Jelängerjelieber, Earl (geſtürzt),
Kommandant (geſtürzt). 55: 10; 18, 18, 20:10. ½ Länge,
Kopf.
Attentat in der rumäniſchen
Kammer.
* Bukareſt, 18. April. Bei Eröffnung der
heuti=
gen Kammerſitzung feuerte ein Individium von der
Galerie einen Revolverſchuß ab und rief dabei aus:
Die mazedoniſche Stimme muß gehört werden!” Es
herrſchte einen Augenblick Aufregung, dann erklärte der
Präſident unter anhaltendem Beifall, wie ſeinerzeit Dupuy
in der franzöſiſchen Kammer: „Die Sitzung wird fortge
ſetzt!‟ Der Mann, der den Revolverſchuß abgab, warf
einen Brief herunter, der eine Petition enthält, die dem
Gericht übergeben wird.
* Wien, 18. April. Wie die Neue Freie Preſſe aus
Bukareſt meldet, ereignete ſich das Attentat um
2½ Uhr. Take Jonescu ſtand auf, um eine Anfrage zu
beantworten, als von der Galerie ein Schuß fiel. Ein in der
Loge allein ſitzender junger Mann hatte auf die
Miniſter=
bank gefeuert. Rieſige Erregung bemächtigte ſich des
Hau=
ſes. Als ſich die Unruhe etwas gelegt hatte, ergriff der
Miniſter Jonescu das Wort und ſagte: „Dieſer
nur infolge ſeiner Seltenheit intereſſante Zwiſchenfall ſoll,
wenn er auch die Ruhe des Hauſes für einige Minuten
geſtört hat, die Arbeiten der Kammer nicht ſtören!‟ Die
Kammer brachte dem Miniſter lang anhaltende Ovationen
dar.
* Bukareſt, 18. April. Der junge Mann der
in der heutigen Sitzung einen Schußabgegeben hat,
iſt ein mazedoniſcher Student namens Haciu Naſtaſe. Der
Revolver, den Naſtaſe nach der Tat auf den Boden warf,
war blind geladen. Bleikugeln hatte der Täter in
der Taſche. Er erklärte, er wollte lediglich die
Aufmerk=
ſamkeit der Kammer auf die in Mazedonien lebenden
Ru=
mänen lenken. Seine Bittſchrift enthält auch Gedichte.
Naſtaſe, der ſehr aufgeregt war, wird einer ärztlichen
Unterſuchung unterzogen.
Der Balkankrieg.
Die Verbündeten und die Mächte.
* Sofia, 18. April. Wie von zuſtändiger Seite
ver=
lautet, iſt das Einverſtändnis Serbiens und
Griechenlands bereits eingetroffen, ſo daß die
Ant=
wort jedenfalls morgen den Großmächten überreicht
werden kann. Der Balkanbund dankt darin für die
Be=
mühungen der Mächte und nimmt die Vermittelung an.
Hinſichtlich der Inſeln und der Kriegsentſchädigung ſoll
die Hoffnung geäußert werden, daß die Wünſche der
Ver=
bündeten berückſichtigt werden, und daß beide Fragen nicht
mit der Türkei, ſondern direkt mit den Großmächten
ver=
handelt werden.
* Sof ia, 18. April. In der heutigen Sitzung der
Sobranje beantwortete der Miniſterpräſident Geſchow eine
Anfrage bezüglich der Annehmbarkeit der
Frie=
densbedingungen der Mächte. Der
Miniſterpräſi=
dent erklärte, die Regierung werde die Vorſchläge mit den
Vorbehalten annehmen, die zuſammen mit den
Vorbehal=
ten der Verbündeten nicht ſo beſchaffen ſeien, daß ſie den
Abſchluß des Friedens verhindern könnten. Mehr könne
er vorläufig nicht ſagen.
Die Finanzkonferenz in Paris.
* London, 18. April. Das Reuterſche Bureau
er=
fährt, da hinſichtlich des Beſchluſſes der Mächte, daß die
Frage einer Kriegsentſchädigung einer
finan=
ziellen Kommiſſion in Paris überlaſſen werden
ſoll, jetzt vorgeſchlagen werde, daß dieſe Tagung die Form
einer Konferenz annehmen werde, an der möglicherweiſe
die Botſchafter der Mächte oder jedenfalls Beamte höheren
Ranges, als urſprünglich beabſichtigt war, teilnehmen wer=
Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, den 20. April.
Frühlingsfeſtſpiele.
4. Abend.
Siegfrie d.
W-l. Auch die heutige Vorſtellung fand vor
ausver=
kauftem Hauſe ſtatt. Sie dauerte von 6. Uhr bis nahezu
½12 Uhr. Die Großherzoglichen Herrſchaften wohnten
der Vorſtellung in der großen Hofloge bei.
Die erſten beiden Akte waren neu inſzeniert. Aus
Mimes Felſenhöhle im erſten Akte blickte man durch
den Eingang auf den ſonnenbeſchienenen natürlichen (nicht
gemalten!) Wald, durch deſſen Bäume Siegfried ſeinen
Weg in die Höhle nimmt. Die Beleuchtung erhielt die
Höhle von oben her durch einen breiten Spalt, durch den
die Sonnenſtrahlen auf die Schmiede fielen. Das
Szenen=
bild und die Beleuchtung waren von überraſchend
natür=
licher Wirkung und ein Meiſterſtück der Inſzenierungskunſt.
Weniger Beifall fand das Szenenbild des 2. Aktes, da die
Beleuchtung des Waldes, wenn wir nicht gerade ſagen
wollen unmöglich, ſo doch ſo märchenhaft gedacht war, daß
ſie vom Publikum nicht verſtanden werden konnte, und es
ſich nicht erklären konnte, daß bei Mittagsſonne der vorder
Wald beleuchtet und der hintere nachtfinſter war. Ebenſo
war das geringe Licht, das die Sonne auf die Umgebung
Siegfrieds warf, nicht verſtändlich. Auch die „zierliche
Freſſe‟ Fafners kann als eine Verbeſſerung gegen früher
nicht bezeichnet werden. Wenn man dieſe Einrichtung
bei=
behalten will, müßte man doch eine Aenderung der Augen=
lampen vornehmen, damit ſich der vom Publikum
allge=
mein gemachte Vergleich mit einem Auto nicht geradezu
aufdrängt. Ferner verhallte die Stimme Fafners in dem
neuen Arrangement zu ſehr. Im dritten Akte war das
erſte frühere Bild geblieben. Sehr zu begrüßen iſt, daß
man, der Vorſchrift Wagners entſprechend, die
Verwand=
lung auf offener Szene belaſſen hat und nicht, wie im
„Rheingold”, den Vorhang ſchloß. Für die Schlußſzene
ſchreibt Richard Wagner „heiterſten blauen Himmelsäther
und hellſten Tagesſchein” vor, was auch dem ganzen
Cha=
rakter der Szene mehr entſpricht, als die teilweiſe,
ſeit=
wärts einfallende Beleuchtung der erwachenden
Brünn=
hilde.
Die muſikaliſche Leitung der Aufführung hatte Herr
Generalmuſikdirektor Bruno Walter aus München,
unter deſſen Führung das Orcheſter Wundertaten
voll=
brachte Der erſte Akt erſchien uns in ganz neuer
muſi=
kaliſcher Aufmachung; die Schmiedeſzene war ſzeniſch und
muſikaliſch geradezu eine Glanzleiſtung. Sehr fein weiß
Herr Bruno Walter zwiſchen der jeweiligen Bedeutung
der Stimmen und des Orcheſters zu unterſcheiden und läßt
die Stimme da, wo es nötig iſt, durchaus dominieren
während andererſeits das Orcheſter in den
hochdramati=
ſchen Szenen eine ungeahnte klangliche Pracht entfaltete
Wir führen u. a. nur die Szene „Brünnhildens Erwachen
an, von deren wundervoller dramatiſcher Steigerung und
Klangpracht man, wie von derjenigen der Schmiedeſzene
und der Anfangsſzene des dritten Aktes, unvergeßliche
Eindrücke empfing
Den Jung=Siegfried ſang Herr Modeſt Menzinsky
vom Opernhauſe in Köln, der eine hohe und kraftvolle
Siegfriedgeſtalt beſitzt, geſanglich aber, wie ſo viele
Te=
nöre, ungleich war. Während er im erſten Akte, nament=
lich in der grandios geſungenen Schmiedeſzene und der
Schlußſzene mit Brünnhilde, viel ſtimmliche Kraft und
dramatiſche Verve entfaltete, ließ er in der lyriſchen Szene
des zweiten Aktes vielfach ſtimmlichen Glanz und
künſt=
leriſche Abrundung des Tones vermiſſen. Darſtelleriſch
übertrifft Mezinsky die meiſten ſeiner Kollegen. Die
Schmiedeſzene und die Erweckung Brünnhildens waren
z. B. ſchauſpieleriſch hervorragende Leiſtungen.
Ein ganz vortrefflicher Mime war Herr Joſef Pauli
vom Hoftheater in Dresden, einer der wenigen Wagner=
Sänger, bei denen man jedes Wort verſteht. Mit
künſtle=
riſchem Geſchmack hielt er ſich von einer allzu
naturaliſti=
chen Vortragsart ferne, ohne doch dem realiſtiſchen
Cha=
rakter der Partie etwas ſchuldig zu bleiben. Daneben iſt
er ein ſehr intelligenter Sänger. Auch Herr Walter
Soomer vom Hoftheater in Dresden, der die Partie des
ſogenannten Siegvaters ſang, bot eine in jeder Hinſicht
hochkünſtleriſche Leiſtung im hohen Stile Richard
Wag=
nerſcher Kunſt. Dasſelbe kann von Frau Mottl=
Faß=
bender vom Hoftheater in München behauptet werden.
die als Brünnhilde durch ihre vornehme und ſtilvolle Kunſt
der Aufführung einen würdigen Abſchluß verlieh. Von
ihr wird in der nächſten Aufführung noch mehr zu ſagen
ein.
Einen ganz prächtigen Alberich ſtellte wieder Herr
Schützendorf heraus; die kleineren Partien des
Waldvogels, der Erda und des Fafner wurden von den
Damen Kallenſee und Jacobs und Herrn
Ste=
phani gut geſungen.
Das Publikum ſpendete den Künſtlern wieder
begei=
ſterten Beifall und rief nach dem erſten und letzten Akte
auch den genialen Dirigenten wiederholt hervor.
Seite 8.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Nummer 92.
den. Es verlautet, daß die Sitzungen, welche dieſe Woche
hätten beginnen ſollen, nun bis Anfang Mai verſchoben
würden, und man glaubt, daß ſie, wenn möglich, ſo
feſt=
geſetzt werden, daß ſie gleichzeitig mit der
Friedenskonfe=
renz ſtattfinden, die vermutlich zur Unterzeichnung des
Friedensvertrages in London wieder zuſammentreten
wird.
* Athen, 18. April. Die Kommiſſion, die Grie
chenland in der internationalen Kommiſſion zur
Be=
ſprechung der aus dem Balkankrieg hervorgehenden
Fi=
nanzfragen in Paris vertritt, iſt endgültig gebildet
Sie beſteht aus dem griechiſchen Geſandten in Paris,
Ro=
manos, dem Gouverneur der griechiſchen Nationalbanl
Valaoritis, dem Profeſſor des internationalen Rechts an
der Univerſität Paris, Politis, dem attiſchen Deputierten
Negreponte dem früheren erſten Dragoman bei der
grie=
hiſchen Geſandtſchaft in Konſtantinopel, Naum, und einem
Beamten des Miniſteriums des Aeußern.
Konflikte zwiſchen Serben und Bulgaren.
* Wien, 18. April. Die Südſlawiſche Korreſpondenz
meldet aus Uesküb: Zwiſchen Kumanowo und Palanka
wurde ein ſerbiſcher Waffen= und Munitionstransport
von bulgariſchen Komitatſchis überfallen. Es
ent=
ſpann ſich ein erbitterter Kampf, bei dem 80 ſerbiſche
Sol=
daten getötet und verwundet wurden. Die bulgariſchen
Verluſte ſind unbekannt. Der Waffentransport fiel in die
Hände der Komitatſchis.
* Solfta, 18. April. In der Sobranje erklärte
heute Miniſterpräſident Geſchow auf eine Anfrage betr.
die Haltung der ſerbiſchen Behörden
Maze=
doniens gegenüber der bulgariſchen
Bevölke=
rung: Es iſt wahr, daß wir Klagen erhalten haben von
bulgariſchen Bürgern, die gehindert werden, gewiſſe
Ge=
genden, die von Serben beſetzt ſind, zu beſuchen, und ferner
Klagen bulgariſcher Zeitungsredaktionen, deren Blätter in
den von den Serben beſetzten Gebieten keinen Zufluß
ſin=
den, ſowie Klagen der bulgariſchen Bevölkerung der Stad=
und des Bezirks Egri=Palanka. Da wir überzeugt ſind,
daß die Regierung des verbündeten Serbiens dieſe
Tat=
ſachen werde zur Kenntnis nehmen wollen, haben wir ſie
ihr mitgeteilt, und ſie hat verſprochen, eine Unterſuchung
einzuleiten.
Sofia, 18 April. Das Blatt Mir berichtet,
in=
folge der Bedrängung der bulgariſchen
Be=
völkerung durch die ſerbiſchen Behörden
ſeien bis heute 110 Flüchtlinge, darunter mehrere Prieſter
und Lehrer aus dem Diſtrikt Egri Palanka hier
einge=
troffen.
* Belgrad 18. April. Das amtliche ſerbiſche
Preſſe=
bureau erklärt: Wir widerſprechen energiſch den aus
bul=
gariſcher Quelle ſtammenden Beſchuldigungen über
angebliche durch die ſerbiſchen Behörden verſuchte
Unter=
drückungen bulgariſcher Untertanen in den
Diſtrikten Egri Palanka und Kumanowo. Wir weiſen
dieſe tendenziöſen, durchaus falſchen Meldungen ein für
allemal zurück. Wir ſetzen das entſchiedenſte Dementi dem
Artikel des Mir entgegen, in dem es heißt, daß die
Ver=
zögerung der Antwort auf die Note der Mächte eine Folge
der Abweſenheit des ſerbiſchen Miniſterpräſidenten
Pa=
ſitſch ſei. Wir verſichern, daß in keiner Weiſe die
Ver=
zögerung der Antwort auf die Note der Großmächte
Ser=
bien angerechnet werden kann, deſſen Regierung ihre
Ant=
worten ſtets zur richtigen Zeit abgegeben hat.
London, 18. April. Das Reuterſche Bureau
er=
fährt: Die in gewiſſen Kreiſen geäußerten Befürchtungen,
daß zwiſchen Serbien und Bulgarien ein
ernſt=
hafter Zwiſt wahrſcheinlich ſei, werden von den
hie=
ſigen ſerbiſchen und bulgariſchen Kreiſen nicht geteilt. Von
bulgariſcher Seite wird erklärt, es könne keine Rede
davon ſein, daß die Ereigniſſe während des Krieges die
früher zwiſchen Sofia und Belgrad getroffenen
Abmachun=
gen änderten. Die Bedingungen des Geheimabkommens
ſähen in höchſt beſtimmter, unzweidentiger Form alle
Möglichkeiten vor, ſowohl hinſichtlich des künftigen
Ge=
bietsbeſitzes, als auch der Frage der gegenſeitigen
Hilfe=
leiſtung beider Staaten während des Krieges. Daß ſo viel
in entgegengeſetztem Sinne geſchrieben werde, heißt es
wei=
ter, ſei eine Folge der Tatſache, daß nur wenige Perſonen
in Serbien oder Bulgarien die Beſtimmungen des
Ver=
trages wirklich kennten. Wenn die Ereigniſſe eine
Ver=
öffentlichung erforderlich machten, werde die
Bekanntgab=
des Textes jeden Zweiſel über dieſen Gegenſtand beſei
tigen. In ſerbiſchen Kreiſen wird ebenfalls das
Er=
ſtaunen über die wiederholte Wiedergabe von Berichten
über die künſtige ſerbiſch=bulgariſche Grenze ausgeſprochen.
Dieſe Angaben, heißt es, ſtimmen mit den Tatſachen nicht
überein ebenſowenig mit den Beſtimmungen des
ſerbiſch=
bulgariſchen Geheimvertrages. Soweit Serbien beteilig
ſei, ſei es ſtets bemüht, offenſtehende Fragen mit ſeinem
Verbündeten auf freundſchaftlichem Wege in Einklang
mit den im Vertrage vorgeſehenen Beſtimmungen zu
regeln. Aus dieſem Grunde ſei kein Anlaß zum
Peſſimis=
mus für die Zukunſt vorhanden. In Sachen Serbien=
Montenegro gebe es ein Abkommen, wodurch jede
Strei=
tigkeit über den künſtigen Territorialbeſitz dem
Schieds=
ſpruche der Könige von Bulgarien und Griechenland
unter=
worfen werde.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel 20. April. In amtlichen
Kreiſen der Pforte wird erklärt, die einzige
Schwierig=
keit für den Abſchluß des Friedens komme von der Seite
Montenegros. Man hoſſe jedoch, daß die
Friedens=
präliminarien in der Mitte der nächſten Woche, wahr
ſcheinlich in London, unterzeichnet werden.
* Sofia, 19. April. Es verlautet, daß nunmehr auch
die Antwort Montenegros eingetroffen iſt.
Sie enthält die bedingungsloſe Zuſtimmung
zu den Vorſchlägen der Großmächte. Es bleibt alſo noch
eine Vereinbarung über einige textliche Aenderungen unter
den Verbündeten durchzuführen, namentlich betrefſend der
Grenzen Albaniens, der ägäiſchen Inſeln und der
Kriegs=
entſchädigung, worauf die Antwortnote den Großmächten
ſofort überreicht werden ſoll, was vielleicht noch heute,
ſpä=
teſtens aber morgen erfolgen wird.
Darmſtadt, 21. April.
* Ihre Majeſtäten der Kaiſer und die Kaiſerin,
ſowie Prinzeſſin Viktoria Luiſe werden heute
mittag zum Beſuche am Großherzoglichen Hofe hier
ein=
treffen.
* Aus dem Militär=Wochenblatt. Ernannt: v. Lochow
Gen.=Major und Kommandeur der 56. Inf.=Brig., zum
Kommandanten von Diedenhoſen. Zum Stabe des
betr. Regiments übergetreten unter Enthebung von der
Stellung als Bats.=Kommandeur: der Oberſtlt. v.
Schull=
zendorff im 3. Garde=Regiment zu Fuß, unter Belaſſung
n dem Verhältnis als außeretatsmäßiges militäriſches
Zum Oberſtlt.
Mitglied des Reichs=Militärgerichts.
beſördert: der Major Nücker, Bats=Kom. im Inf.=Regt.
Kaiſer Wilhelm (2. Großh. Heſſ.) Nr. 116. — Als Bats.
Kom. verſetzt: die Majore v. Arndt, Adjutant der Großy
Heſſ. (25.) Div. in das 2. Bad. Gren.=Regt. Kaiſer Wil=
helm I. Nr. 110, v. Werder, beim Stabe des Inf.=
Leib=
regts. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, in das
9. Rhein. Inf.=Regt. Nr. 160, v. Neidhardt, beim Stabe
des Garde=Füſ.=Regts., in das Leibgarde=Inf.=Regt. (1.
Großh. Heſſ.) Nr. 115. — Ernannt: v. Klipſtein, Hauptm.
beim Stabe des 1. Poſen. Feldart.=Regts. Nr. 20, zum
Adjutanten der Großh. Heſſ. (25.) Div. — Unter
Be=
förderung zum überzähl. Major verſetzt: der Hauptmann
und Komp.=Chef Becker, im Inf.=Leibregt. Großherzogin
(3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, zum Stabe des Inf.=Regts.
Markgraf Karl (7. Brandenburg.) Nr. 60. — Zu Komp.=
Chefs ernannt: die Haupleute Haack, beim Stabe des Inf.=
Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117, v
Strzemieczny, beim Stabe des 4. Unter=Elſäſſ. Inf.=
Regts. Nr. 143. — Zum Hauptmann befördert und zu
dem Stabe des betr. Truppenteils übergetreten: der
Ober=
leutnant: Heimann im Inf.=Leibregt. Großherzogin (3.
Großherzoglich Heſſ.) Nr. 117. — Zum Oberltn. befördert:
die Lins. Fell, Lüters im Inf.=Regt. Prinz Carl (4
Großh. Heſſ.) Nr. 118. — Verſetzt der Major und
Eska=
dronschef Andrege, im Leib=Drag.=Regt. (2. Großh, Heſſ.
Nr. 24, zum Stabe des Huſ.=Regts. Fürſt Blücher von
Wahlſtatt (Pomm.) Nr. 5. — Zum Eskadr.=Chef ernannt:
der Oberltn. v. Gorriſſen, im Garde=Drag.=Regt. (1.
Groß=
herzogl. Heſſ.) Nr. 23, unter Beförderung zum Rittmeiſter,
vorläufig ohne Patent, und Verſetzung in das Schles=
Zum überzähl.
Ritt=
wig=Holſtein. Drag.=Regt. Nr. 13. —
meiſter befördert: der Oberltn. Günther, im Leib=Drag.=
Regiment (2. Großherzoglich Heſſiſches) Nr. 24. — Der
Leutnant v. Lekow, im Garde=Dragoner=Regiment (1
Großh. Heſſ.) Nr. 23, in das 1. Drag.=Regt. Königin
Vik=
toria von Großbritannien und Irland verſetzt. —
Er=
nannt; der Oberſt Frhr. v. Buddenbrock, Kommandeur des
Feldart.=Regts. Prinz=Regent Luitpold von Bayern (
Mag=
deburg.) Nr. 4, zum Kommandeur der 25. Feldart.=Brig.
(Großh. Heſſ.); die Oberſtltns.: v. Friedeburg, beim Stabe
des Großh. Mecklenburg, Feldart.=Regts. Nr. 60, zum
Kommandeur des 2. Bad. Feldart.=Regts. Nr. 30, v.
Oſtrowski, beim Stabe des Großh. Art.=Korps, 1. Großh
Heſſ. Feld=Art.=Regts. Nr. 25, zum Chef der Zentral=
Ab=
teilung der Feldzeugmeiſterei. — Als Abteil.=
Komman=
deur verſetzt: der überzähl. Major Becker, beim Stabe des
Großh. Heſſ. Feldart.=Regts. Nr. 61, in das Feldart.=
Regt. Großherzog (1. Bad.) Nr. 14. — Von der Stellung
als Batterie=Chef enthoben und zum Stabe des betreff.
Truppenteils übergetreten: der Hauptmann Krug v.
Nid=
da, im Großh. Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt
Nr. 25. — Als Batterie=Chef verſetzt: der Hauptmann
Lenné, im Weſtf. Feldart.=Regt. Nr. 7, in das Großh.
Art.=Korps, 1. Großh. Heſſ. Feldart.=Regt. Nr. 25.
Ernannt: Schulz, Hauptm. und Batterie=Chef im
Fuß=
art.=Regt. Encke (Magdeburg) Nr. 4, zum Zweiten Art.=
Offizier vom Platz in Mainz. — Zum Oberſtlt. befördert:
der Major Marſchall v. Bieberſtein, Kommandeur des
Pion.=Bts, von Rauch (Brandenburg.) Nr. 3, unter
Ver=
ſetzung in die Ingen.=Inſp. und Ernennung zum Ingen.=
Offizier vom Platze in Mainz.
Wronsky,
Rittm. und Komp.=Chef. im Großherzogl. Heſſ. Train=
Batl. Nr. 18, ein Patent ſeines Dienſtgrades verliehen. —
Sachs, Oberlt, im Inf. Regt. Kaiſer Wilhelm (2. Großh.
Heſſ.) Nr. 116, in dem Kommando zur Dienſtleiſtung beim
Traindepot des Gardekorps bis auf weiteres belaſſen. —
Zum Fähnrich befördert: der Unteroffizier Zemſch, im
Inf.=Leib=Regt. Großherzogin (3. Großh. Heſſ.) Nr. 117.
In Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuches mit der
geſetzlichen Penſion zur Disp. geſtellt: der Oberſt v.
Wach=
ter= Linien=Kommandant in Mainz, mit der Erlaubnis
zum Tragen der Uniform des Inf.=Regts. Prinz Carl (4.
Großh. Heſſ.) Nr. 118
Photogr. Inſtitut der Großherz. Techn.
Hoch=
ſchule. Prof. Limmer bittet laut Anſchlag am ſchwarzen
Brett diejenigen Damen und Herren, welche ſich im
Sommerſemeſter 1913 an den photogr. Vorleſungen und
Uebungen beteiligen wollen, für Mittwoch, den 23. April,
nittags 12 Uhr, zu einer Beſprechung in das photogr.
Vom 9.—18. Mai ſoll eine photographiſche
Inſtitut.
Studienreiſe nach Braunſchweig, Hildesheim, Goslar,
Quedlinburg uſw. unternommen werden. Damen und
Herren, welche an dieſer Exkurſion teilnehmen wollen,
werden gebeten, ſich umgehendſt zu melden. Das
Ex=
urſionsprogramm iſt angeſchlagen.
Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 21. April. Aus Sigmaringen wird
ge=
meldet, daß dort geſtern die Verlobung der am
16. Auguſt 1890 in Potsdam geborenen Tochter des Fürſten
Wilhelm von Hohenzollern, Prinzeſſin Auguſte
Viktoria von Hohenzollern, mit dem früheren
König Manuelvon Portugal, der zurzeit in
Sig=
maringen weilt, verkündet wurde.
* Berlin, 20. April. Der König von Schweden
iſt heute früh in Berlin eingetroffen und nach kurzem
Aufenthalt in der ſchwediſchen Geſandtſchaft nach Stockholm
weitergereiſt
Homburg v. d. H., 20. April. Der Hof nahm heute
vormittag an dem Gottesdienſt in der Erlöſerkirche teil.
Nachher beſichtigte der Kaiſer das Homburger
Pfad=
inderkorps, das bei der Kirche Aufſtellung genommen
hatte. Gleichzeitig wurden die Kaiſerin und die
Prinzeſ=
ſin von einer Anzahl junger Mädchen, Mitgliedern des
Freundſchaftsbundes aus Hanau, begrüßt, welche der
Prin=
zeſſin einen Blumenſtrauß überreichten. Zur
Frühſtücks=
tafel waren u. a. geladen die Offiziere, welche bei der
Wald=
übung dienſtlich beſchäftigt geweſen waren, Generalmajor
Hildemann, Dr. Spielhagen und Baurat Jacobi.
Nach=
mittags machten die Majeſtäten einen Ausflug nach der
Saalburg. Das Wetter iſt veränderlich
Straßburg, 19. April. Dem Geheimrat Hergeſell
wurde von der Königlichen Akademie der Wiſſenſchaften
in Amſterdam die goldene Buys=Ballot=Medaille
ver=
liehen. Dieſe ſeltene Auszeichnung kommt nur alle zehn
Jahre zur Verteilung und ſoll ſtiftungsgemäß demjenigen
Gelehrten gegeben werden, der in dem verfloſſenen
Zeit=
raum am meiſten zur Entwicklung der Meteorologie
bei=
getragen hat. Vor zehn Jahren erhielt die Medaille
Pro=
feſſor Hann in Wien.
* Saarbrücken, 19. April, Der Verwaltung der
Pri=
vatgrube Hoſtenbach iſt geſtern durch Vermittlung des
Ar=
beiterausſchuſſes ein von 655 Arbeitern unter Tage
unterzeichnetes Kündigungsſchreiben
zuge=
gangen. Die Kündigung iſt zum 2. Mai erfolgt. Die
Grube zählt im ganzen 700 Arbeiter unter Tage. Die
Verwaltung erläßt eine Bekanntmachung, daß ſie die
Kündigung als nicht rechtsverbindlich anſehe, und erklärt,
daß diejenigen Belegſchaftsmitglieder, die ohne
ord=
nungsmäßige Kündigung am 2. Mai die Arbeit
nieder=
legen, die Folgen dieſer Handlungsweiſe zu tragen haben.
Die Verwaltung beſtreitet die Berechtigung der
Arbeiter=
orderungen und erklärt es für nicht ausgeſchloſſen, daß
mit Rückſicht auf die ſchwierigen Grubenverhältniſſe durch
die Bewegung die endgültige Einſtellung des Betriebs
der Gruben herbeigeführt werden könne.
* Waſhington, 18. April. Die Regierung erteilte
einer deutſchen Maſchinenfabrik den Auftrag
zur Lieferung von zwei großen Schwimmkrahnen, die für
den Panamakanal beſtimmt ſind.
H. B. New=York, 19. April. In Paterſon im Staate
New=Yerſey, fand ein Zuſammenſtoß zwiſchen 800
ausſtändigen Arbeitern und der Polizei ſtatt.
Die Arbeiter waren mit Steinen bewaffnet, die Polizei
hatte ihre Revolver zur Hand. Zwei Arbeiter wurden
durch Schüſſe ſo ſchwer verletzt, daß ſie bald nach dem
Zu=
ſammenſtoß ſtarben. Viele ſind verwundet. Auch
verſchiedene Poliziſten ſind von Steinen getroffen worden.
40 Verhaftungen wurden vorgenommen. Das Streik=
Komitee macht bekannt, daß es 5000 Kinder nach New=
York ſenden werde, wo ſie verpflegt werden ſollen, ſo daß
es den Ausſtändigen möglich iſt, länger im Streik zu
ver=
harren.
Freiwillige Wehrbeiträge.
* Berlin, 19. April. Die Norddeutſche Allgemeine
Zei=
tung ſchreibt: Freiwillige Beiträge zu den
Koſten der Wehrvorlage gehen der
Reichshaupt=
kaſſe’fortgeſet in erheblichem Umfange zu. Es be
finden ſich darunter ſowohl große Beiträge reicher
Kauf=
leute und Gewerbetreibender als auch Spenden aus
är=
meren Bevölkerungsſchichten. Mehrere Kriegervereine, ein
evangeliſcher Arbeiterverein und andere Vereinigungen
ſind mit kleineren Summen vertreten. Ein höherer
Forſt=
beamter gab freiwillig ein Zehntel ſeines Vermögens. Die
Deutſchen in Antwerpen veranſtalten aus
eige=
nem Antrieb eine Sammlung, die binnen weniger Tage
einen Ertrag von 160000 Mark erbracht hat. Der
Reichs=
kanzler ſprach für alle Spenden bereits im Reichstage
öffentlich den Dank des Vaterlandes aus.
Schweres Automobilunglück.
* Paris, 19. April. Heute abend hat ſich in dem
Pa=
riſer Vorort Neuilly ſur Seine ein ſchweres
Automobil=
unglück ereignet, bei dem drei Perſonen den Tod
gefun=
den haben. Das Automobil, in dem ſich die beiden
Kinder der engliſchen Tänzerin Jſadora Duncan
und deren Gouvernante befanden, ſauſte, da die
Steue=
rung verſagte, plötzlich die dort ſehr tiefe Böſchung am
Seine=Ufer hinab und ſtürzte in den Fluß. Alle
drei Perſonen konnten nur als Leichen geborgen
werden.
Iſadora Duncan, die ſeit einiger Zeit in Neuilly ſur
Seine einen großen Uebungsſaal für ihre Tanzkurſe
ein=
gerichtet hat, wohnt in einem Hotel in Verſailles und
hatte ſich heute mittag mit den Kindern und der
Gouver=
nante nach dem Uebungsſaal begeben. Nachdem dort das
Mittagsmahl eingenommen worden war, ſchickte Jſadora
Ducan die Kinder mit der Gouvernante nach Verſailles
zurück, während ſie ſelbſt ſich in der Uebungsanſtalt
aus=
ruhen wollte, da ſie am Abend in einer Vorſtellung im
Trocadero mitwirken ſollte. Das Auto hatte kaum die
Duncan verlaſſen, als plötzlich der Motor verſagte und
der Wagen ſtehen blieb. Der Chauffeur verließ deshalb
ſeinen Sitz, um nach dem Defekt zu forſchen. Als er eben
den Wagen verlaſſen hatte, ſetzte ſich dieſer
wie=
derin Bewegung, ohne daß es dem Chauffeur gelang,
ſeinen Sitz wieder zu erreichen. Das Auto ſauſte die
Straße hinab und direkt in die Seine hinein, wo
es eine 10 Meter tiefe Böſchung hinabſtürzte. Sofort
wurde die Feuerwehr zur Hilfe gerufen; es gelang aber
erſt nach mehr als zweiſtündiger Arbeit, das Auto wieder
aus dem Fluß zu ziehen. Die Leichen wurden in das
amerikaniſche Spital in Neuilly gebracht. Die Leichen
wurden dann im Laufe des Abends nach der Villa der
Iſadora Duncan gebracht.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Auch für Herren
eignet ſich „Caliſig” in vorzüglicher Weiſe. Zumal die, welche durch
ihren Beruf gezwungen ſind, faſt den ganzen
Tag am Schreibtiſch oder im Zimmer
zuzu=
bringen, bedürfen öfters eines Mittels, das
N—
die natürlichen Funktionen der Verdauung
unterſtützt und ſo chron. Verſtopfung vorbeugt.
„Caliſig‟ — ein reines Pflanzenprodukt
regelt den Stuhlgang ohne Beſchwerden in ſo
angenehmer, natürlicher Weiſe, daß man es
jederzeit nehmen kann, ohne eine
Berufs=
ſtörung befürchten zu müſſen. Feiner
aroma=
tiſcher Geſchmack.
n allen Apotheken zu haben zu Mk. 1,50 die Flaſch
ttra große Flaſche
Dtr. 2,50. Beſt.: Syr. Hel Callforn. 75, Ext. Sonn. Iqu. 20, IIIx. caryoph. comp. 5.
Touren
haben ſich zahlreiche Fahrer gewöhnk,
. 6ch
Wybert=Tabletten mitzunehmen. Die
ſtau=
ſut
bige Lufk, das raſche Atmen greiff die Kehle
an, ſie wird frochen, der Hals rauh und die
Stimmle heiſer, beſonders wenn man ſich
noch von der Fahrk erhißk dem Zuge ausgeſetzk hak. Dann wirken ein
paar Wyberk=Tabletten Wunder: wie ſie im Munde zergehen, lindern
ſie die Heiſerkeik und ſchaffen einen freien Hals. Der Preis iſt in allen
Apokhehen und Drogerien 1 Mark pro Schachtel. Niederlagen in
Darmſtadt: in ſämtlichen Apotheken; Drogerie von
Fr. Beckenhaub, Kirchſtraße 27. Drogerie Gg. Liebig
& Co., Luiſenſtraße 4; Martins=Drogerie,
Pan=
kratiusſtraße 41; Drogerie Chr. Schwinn, Rheinſtraße 8;
Drogerie C. Watzinger, Wilhelminenſtr. 11; Central=
(I,2823
Drogerie, Eliſabethenſtraße 80.
Todes=Anzeige.
Freunden und Bekannten die ſchmerzliche
Mitteilung von dem Hinſcheiden meiner lieben
Frau, unſerer ſeelenguten Mutter
(9455
Wilhelmine Schneider
geb. Maus
nach kurzem Krankenlager.
Darmſtadt, den 19. April 1913.
Die trauernd Hinterbliebenen:
Georg Schneider u. Kinder.
Die Beerdigung findet am Montag, 21. April,
in aller Stille ſtatt.
Nummer 92.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Seite 9.
Todes=Anzeige.
Heute nachmittag ½3 Uhr verſchied nach
langem, ſchwerem Leiden meine innigſtgeliebte
Tochter, unſere Schweſter, Schwägerin, Nichte
und Tante
Katharina Kern
im 31. Lebensjahre.
Um ſtille Teilnahme bittet
im Namen der trauernden Hinterbliebenen
Frau Barbara Kern, Witwe.
Darmſtadt, Gotha, den 19. April 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 22. April,
nachmittags ½3 Uhr, vom Portale des
Fried=
hofes aus, ſtatt.
9465
Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass heute
nachmittag 5 Uhr mein lieber Gatte, unser herzensguter, stets treubesorgter
Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Ludwig
Fuchs
Metzgermeister
nach kurzem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden im 52. Lebensjahre sanft
entschlafen ist.
(9467
Darmstadt, den 20. April 1913.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Anna Fuchs, geb. Fröhlich,
Willi Fuchs und Braut,
Theodor Penk und Frau Helene, geb. Fuchs,
Georg Schleidt und Frau Paula, geb. Fuchs, und Kind,
Familie Krauss.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 22. April, nachmittags 2¾/ Uhr, vom Trauerhause
Holz-
strasse 2 aus, statt.
Todes-Anzeige.
Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemerude.
Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Passah-Fest
Montag, den 21. April:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr 30 Min.
Dienstag, den 22 April:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Predigt 9 Uhr
25 Min. Abendgottesdienſt 8 Uhr 15 Min.
Mittwoch, den 23. April:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Feſtesausgang
8 Uhr 20 Min.
Tageskalender.
Großh. Hoftheater Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr
(Ab. B): „Hedda Gabler”.
Konzert des Haynſchen Frauenchors um 8 Uhr im
Kaiſerſaal”.
Vortrag von Fräulein Ammann um 8½ Uhr in der
Turnhalle am Woogsplatz (Mazdazman=Kochkurſus).
Monatsverſammlung des Vereins für Geflügel=
und. Vogelzucht „Ornis” um 8½ Uhr in der „Stadt
Pfungſtadt”.
Verſteigerungskalender.
Dienstag, 22. April.
Hofreite=Verſteigerung des Philipp Maul
(Beckſtraße 8) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Gold= Silber= uſw. Verſteigerung um 2 Uhr im
ſtädtiſchen Leihamt.
Faſelvieh=Verſteigerung um 4 Uhr auf der
Bürgermeiſterei Eberſtadt.
Heute entſchlief ſanft nachlangem, ſchwerem,
mit großer Geduld getragenem Leiden im 69.
Le=
bensjahre mein unvergeßlicher Gatte, unſer
treu=
ſorgender Vater, unſer lieber Schwiegervater,
Bruder und Großvater, der
(9460
Kaufmann
Richard Siedersleben
was hierdurch im Namen aller Hinterbliebenen
tiefbetrübt anzeigen
Hedwig Siedersleben, geb. Schwertfeger,
Diplomhandelslehrer Wilh. Siedersleben,
Hauptmann Semeräk und Frau,
Apotheker O. Fuchs und Frau,
und 2 Enkel.
Duck und Verlag: z. g. Pilichſche Henncontentl.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Zeitz, ſämtlich in Darmſtadt.
— Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die „Redaktion des Tagblatts” zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſindbeizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.
Deſſau, Darmſtadt, Groß=Lichterfelde, Berlin,
den 19. April 1913.
(Statt jeder besonderen Anzeige.)
Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
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Witwe des wirklichen Geheimerates
Dr. Heinrich Knorr von Rosenroth.
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Auguste Knorr von Rosenroth.
Darmſtadt, den 20. April 1913.
Die Beerdigung findet ſtatt: Dienstag, den
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Nachdem die Ausſperrung im Weißbindergewerbe ſchon 6 Wochen dauert,
geben die Herren Meiſter geſtern die erſte öffentliche Aufklärung dazu. Da der
Fernſtehende ſich kein Bild von der ganzen Sache machen kann, iſt folgendes zu
agen: Bei den erſten Beratungen zur Erneuerung des Tarifes lehnten die
Unter=
nehmer jede Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit ab. Es mußten alſo
die Unparteiiſchen entſcheiden. Dieſe Schiedsſprüche nahmen die Gehilfen an,
die Unternehmer lehnten ſie ab. Darmſtadt zum Beiſpiel erhielt zugeſprochen
1913= 2 Pfg., 1914 — 2 Pfg. und Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um eine
½ Stunde und 1915= 1 Pfg. Ohne jeden Verſuch einer Verſtändigung wurde die
Ausſperrung, an die niemand dachte, am 8. März von den Unternehmern ausgeführt.
Am 8. und 9. April fanden Einigungsverhandlungen in Berlin ſtatt; hier
lehnten die Unternehmer den Vorſchlag der Unparteiiſchen, die Schiedsſprüche
an=
zunehmen, wieder ab. Sie lehnten jede Verkürzung der Arbeitszeit ab und
boten nur 3 Pfg. für die drei Tarifjahre. Die Gehilfen beſtanden darauf, daß
die Schiedsſprüche die Grundlage der Verhandlungen ſein müſſen, und ſo
ſchei=
terten die Verhandlungen.
Die Ausſperrung, die von den Führern allein gemacht, wurde gleich von
vielen Meiſtern verurteilt, und ſchloſſen dieſe mit den Gehilfen Sondertarife ab.
Zu dieſen arbeiten bereits ſeit 12. April in 2774 Geſchäften 14604 Gehilfen.
In Darmſtadt ſind 33 Tarife abgeſchloſſen, wobei das größte Geſchäft am
Platze iſt. Dieſe Geſchäfte können alle Wünſche der Kundſchaft befriedigen und
bitten wir, denſelben die Aufträge zu übertragen. Ferner erſuchen wir die
Bürgerſchaft, uns in dem ſo frivolerweiſe aufgedrungenem Kampfe zu
unter=
ſtützen, was am beſten dadurch geſchieht, indem ſie die Firmen berückſichtigen,
9453
welche die Sondertarife mit den Gehilfen abgeſchloſſen haben.
Der Verband der Weißbinder=, Maler= und Lackierer=Gehilfen.
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(IV,9344,s
Nummer 92.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Seite 17.
Mannheimer Maimarkt 1913
4. bis 6. Mai.
Pferderennen am 27. April, Z. und 6. Mal
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Ziehung der Lotterie — bar Gelu sofort -am u. Mai
35 Hauptgewinne. Erster Preis: 2 Paar Wagenpferde
1965 Silberpreise und andere Gegenstände
zus. 2000 Gewinne im Werte von Mk. 50000—
Für die Wagenpferde 75%, für die Arbeitspferde
und Rindviehgewinne 80% bar, für die Silberpreise der
volle Geldwert.
(II,6288
Los Mk. 1.—, 11 Lose Mk. 10.
Kassier: Johs. Peters, C 4, Nr. 1.
Mannheim, im März 1913.
offl
Rayini-
In
Landwietschalu- Bohtiksverein. Baaischer Keunverein.
Lose zu beziehen durch J. F. Lang Sohn in Heddesheim.
Aushändigung der Loſungsſcheine an die
Militärpflichtigen.
Diejenigen Militärpflichtigen, die ſich im laufenden Jahre
da=
hier zur Muſterung geſtellt haben und in der Stadt Darmſtadt
wohnhaft ſind, werden hierdurch aufgefordert, ihre Loſungsſcheine
in der Zeit von Montag, den 21. April bis einſchließlich
Sams=
tag, den 26. April d. Js., vormittags von 9—12 Uhr, in dem
Stadthauſe, Rheinſtraße 18, Zimmer Nr. 44, abzuholen oder gegen
vorzulegende Empfangsbeſcheinigung abholen zu laſſen.
Nach Ablauf dieſer Friſt erfolgt Zuſtellung auf Koſten der
Säumigen.
Darmſtadt, den 18. April 1913.
(9341a
Der Oberbürgermeiſter:
J. V.: Schmitt.
A½% Schuldverschreibungen
zu Düsseldorf
liegen bis Dienstag, den 22. April 1913
à 990)
bei uns zur Subskription auf.
(9327so
Bodtsche Vereihsbahk, Fillate Darmstadt
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Die beeidigten und öffentlich angeſtellten
Jucherreviſoren
Carl Wevgandt, Eichbergſtraße 11
Georg Bertele, Wilbelminenſtraße 8 2
Wilbelm Siedersleben, Rheinſtraße 6
empfehlen ſich zu allen in ihr Sach ſchlagenden Arbeiten wie
Beviſionen, Gutachten uſw.
Ssssssssssassssssses
In unſer Genoſſenſchaftsregiſter
J Band II, Seite 1 unter Nr. 21
wurde heute eingetragen die Firma:
Spiritus=Verwertungs=
Genoſſenſchaft für das
Großherzogtum Heſſen,
eingetragene
Genoſſen=
ſchaft mit beſchränkter
Haftpflicht, mit dem Sitz in
Darmſtadt.
Das Statut iſt am 17. März
1913 feſtgeſtellt.
Gegenſtand des Unternehmens
iſt: Die gemeinſame Verwertung
des ſeitens der Genoſſen
produ=
zierten Spiritus.
Die Haftſumme beträgt 50 Mk.,
die höchſte Zahl der
Geſchäfts=
anteile 100.
Bekanntmachungen erfolgen un
ter der Firma der Genoſſenſchaft,
gezeichnet von zwei
Vorſtands=
mitgliedern; die von dem
Auf=
ſichtsrat ausgehenden unter
Be=
nennung desſelben, gezeichnet von
dem Vorſitzenden in der Heſſiſchen
landwirtſchaftlichen Zeitſchrift (
Or=
gan der Landwirtſchaftskammer).
Das Geſchäftsjahr läuft vom
16. September bis 15. September.
Willenserklärungen des
Vorſtan=
des und Zeichnungen für die
Ge=
noſſenſchaft erfolgen durch zwei
Vorſtandsmitglieder; die
Zeich=
nung geſchieht, indem die
Zeich=
nenden der Firma ihre
Namens=
unterſchrift beifügen.
Die Liſte der Genoſſen kann
während der Dienſtſtunden des
Gerichts von jedem eingeſehen
werden.
(9418
Vorſtandsmitglieder ſind:
Karl Fritſch, Oekonomierat
in Dilshofen,
Carl Hoffmann,
Oekonomie=
rat in Hofgüll.
Heinrich Wilhelm Alles,
Oekonomierat in Nieder=
Florſtadt.
Darmſtadt, 17. April 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
teilung B, wurde heute
einge=
tragen hinſichtlich der Firma:
Backſtein=Verkaufsſtelle
Darmſtadt. Geſellſchaft
mit beſchränkter Haftung,
Darmſtadt.
Durch Beſchluß der Geſellſchafter
vom 30. Dezember 1912 ſind die
Beſtimmungen über das
Stamm=
kapital und den Aufſichtsrat, § 4
und § 13 des Geſellſchaftsvertrags
und die §§ 1, 2, 4, 14 und 21 des
Anhangs zum
Geſellſchaftsver=
trag abgeändert worden.
Das Stammkapital iſt auf Grund
des Beſchluſſes der Geſellſchafter
vom 30. Dezember 1912 um
39300 Mk. erhöht worden und be=
(9417.
rägt jetzt 236500 Mk.
Darmſtadt, 17. April 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren über
das Vermögen des Kaufmanns
Richard Heinrichs in Darmſtadt,
Papierwarenhandlung, iſt nach
er=
folgter Abhaltung des
Schlußter=
mins aufgehoben worden. (9436
Darmſtadt, 16. April 1913.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des
Gaſt=
wirts Jakob Rühl des Neunten
in Pfungſtadt wird heute, am
19. April 1913, vormittags 945 Uhr,
das Konkursverfahren eröffnet.
Der Amtsgerichtstaxator Ernſt
Wolff in Darmſtadt, Mühlſtr. 62,
wird zum Konkursverwalter,
er=
annt.
Konkursforderungen ſind bis zum
S. Mai 1913 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung über
die Beibehaltung des ernannten
oder die Wahl eines anderen
Ver=
walters, ſowie über die Beſtellung
eines Gläubigerausſchuſſes und
eintretenden Falls über die in § 132
der Konkursordnung bezeichneten
Gegenſtände und zur Prüfung der
angemeldeten Forderungen auf
Samstag, den 17. Mai 1913,
vormittags 10 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte
Neues Gerichtsgebäude am
Ma=
thildenplatz, Erdgeſchoß, Zimmer
Nr. 104, Termin anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur
Konkurs=
maſſe etwas ſchuldig ſind, wird
aufgegeben, nichts an den
Gemein=
ſchuldner zu verabfolgen oder zu
leiſten, auch die Verpflichtung
auf=
erlegt, von dem Beſitze der Sache
und von den Forderungen, für
welche ſie aus der Sache
abgeſon=
derte Befriedigung in Anſpruch
nehmen, dem Konkursverwalter bis
zum 8. Mai 1913 Anzeige zu
machen.
(9447
Großherzogl. Amtsgericht II
zu Darmſtadt.
Brennholzverſteigerung
Montag, den 21. April 1913,
nachmittags 2 Uhr,
werden in der Beckerſtraße 6,
in der Nähe des
Schloßgarten=
platzes,
9428
60 Haufen Brennholz
verſteigert.
Bekanntmachung.
Termin zur Beſchlußfaſſung der
Gläubiger über den von dem
Kon=
kursverwalter betätigten
Immo=
bilienverkauf bezüglich Flur I
Nr. 471/100 und Flur I Nr. 477/100
der Gemarkung Nieder=Ramſtadt
wird anberaumt auf:
(9451
Dienstag, 29. April 1913,
vormittags 11 Uhr,
Zimmer 118.
Darmſtadt, 17. April 1913.
Großherzogliches Amtsgericht II.
Bekanntmachung.
Termin zur Beſchlußfaſſung über
die von dem Verwalter betätigte
Immobilienveräußerung und zur
Prüfung nachträglich angemeldeter
(9452
Forderungen wird auf:
Mitwoch, 30. April 1913,
vormittags 9 Uhr,
Zimmer 114
beſtimmt.
Darmſtadt, 16. April 1913.
Großherzogliches Amtsgericht II.
In unſer Handels=Regiſter,
Ab=
teilung B, wurde heute
einge=
tragen hinſichtlich der Firma:
Darmſtädter
Aktienziege=
lei, Darmſtadt.
Der ſtellvertretende Direktor,
Kaufmann Ernſt Weitzel in
Darm=
ſtadt, iſt aus dem Vorſtande aus=
(9454
geſchieden.
Darmſtadt, 18. April 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.
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2 Mk., darunter Neuheiten, wie
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1,56 m lang, 99 cm breit (Röder),
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und Wärmſchrank, faſt neu, billig
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„
n wir durch Anwendung IR.
Rino-Salbe gehabt haben, kann ich
Dank aus.
Ihnen meinen vollst.
prechen. Ich werde Ihre Rino=
Heilsalbe bei allen Bekannten
emp=
fehlen denn sie sollte in keinem
Haushalte fehlen.
A. H.
Rosenthal-Braunan
bewährt bei Bein-
Rino-Salbe leiden, Flechten
Hautleiden, offenen Wunden,
aufge-
prungenen Händen.
In Dosen von Mk. 1.15 und 2.25
zu haben in allen Apotheken,
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Man verlange ausdrückl. „Ring.‟
Seite 12.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. Apru 1913.
Nummer 9
Direktion: Willy Roemheld.
Mittwoch, 23. April, 8 Uhr
Donnerstag, 24. April, 8 Uhr
Preitag, 25. April, 8 Uhr
Samstag, 26. April, 8 Uhr
4 Ensemble-Gastspiele!
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Blangellscher Bund, uneigverein Darmstadt.
Einladun
zur ordentlichen Hauptversammlung
für das Jahr 1913
auf Montag, den 5. Mai 1913, abends 8½ Uhr,
in der Restauration Fink (Elisabethenstrasse).
Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls der
vor-
jährigen Hauptversammlung. 2, Jahresbericht des Vorsitzenden.
3. Rechnungsablage und Entlastung des Rechners. Vorlage des
neuen Voranschlags. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Beratung
und Beschlussfassung über die vorliegenden Anträge. 6. Sonstiges
Der Vorstand.
9439)
Joachims Gesangschule, Pareusstrasse 9
Mittwoch, 23. April 1913, abends 8¼ Uhr,
im Kaisersaal
Gesangs=Aufführung.
Eintrittskarten, numeriert 1 Mk., unnumeriert 50 Pfg., ſind
in der Hofmuſikalienhandlung Leop. Schutter,
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Der Flügel iſt aus dem Pianofortelager des Herrn Leop.
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Donnerstag, den 24. April, nachm. 4 u. 6 Uhr
Freltag, den 25. Aprii, nachm. 4 und 6 Uh
Samstag, den 26. April, nachm. 2 u. 5½ Uhr
im grossen Saal „Zur Traube‟.
Alle Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen. (9435oi
Eintritt frei!
Der Direktor: Martin Vogel.
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Einzelner Abend 80 Pfg., ganzer Kurs Mk. 3.=
Es empfiehlt ſich, Karten ſchon im Vorverkauf:
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Die Vorträge behandeln im einzelnen: Diät für die
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ſchiedenen Temperamente —
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Arbeitende — für Mütter und Kinder — bei akuten und chroniſchen
Krankheiten — für die Jahreszeiten — Gärung als Urſache von
Paraſiten Vermeidung, Ueber=Ernährung, die Frau als Aerztin.
Es werden Koſtproben gereicht.
Man genieße vorher kein Abendeſſen.
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Damen-Turnverein.
Mittwoch, den 23. April, abends 8 Uhr,
im Fürstensaal
Lichtbilder=Abend.
I. Landſchaftsbilder aus Ober=Bayern, aus der Schweiz
und Ober=Italien.
II. Erinnerungen aus der 20jähr. Wanderzeit und von
ſonſtigen Veranſtaltungen des Damenturnvereins.
Auch Nichtmitglieder (Damen und Herren) ſind freundlich
willkommen. Eintritt für Gäſte 50 Pfg. (9416
Der Vorstand.
1610
Gedächturs=Ausſtellung!
Zur Erinnerung an die Jahrhundert=Gedenktage aus Deutſchlands
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großer Zeit, insbeſondere an die Beziehungen der
Königin Luiſe von Preußen
Königin Friederike von Hannover
zu Darmſtadt und Heſſen überhaupt ſoll eine Gedächtnis=Ausſtellung
ſtattfinden von Erinnerungszeichen jeglicher Art, die in irgend einer
Weiſe mit den beiden Fürſtinnen und der „Eiſernen Zeit” in
Zu=
ſammenhang ſtehen. Es wird gebeten, etwaige noch in Privatbeſitz
befindliche Andenken zu der Gedächtnis=Ausſtellung gütigſt zur
Ver=
fügung zu ſtellen.
Anmeldungen erbeten an die Expedition des Darmſtädter
Tagblatts unter „Gedächtnis=Ausſtellung” ſowie auch Rheinſtr. 43, I.
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Montag, den 21. April 1913.
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Mittwoch, 23. April. (Keine
Vorſtellung.)
Donnerstag, 24. April. Außer
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des Nibelungen. Dritter
Tag: „Götterdämmerung”.
Erhöhte Preiſe. Anfang 6 Uhr.
Freitag, 25. April. Außer Ab.
XI. Sondervorſtell. „Die
Jungfrau von Orleans”.
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Vor=
ſtellung findet ein
Kartenverkauf=
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92.
darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Seite 15.
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Korsett, Frackform
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Das Stärkſte.
Roman von Fritz Gantzer.
(Nachdruck verbotenſ.
33
Noch nie hatte Sibylle Frank ſich ſo nennen hören.
Einſt hatte ſie ſich des Anrechtes auf dieſe Bezeichnung
entkleidet. Und als ihr dann nach langen Jahren ihr
Fleiſch und Blut gegenübergeſtanden, waren die
Verhält=
niſſe ſtärker geweſen als ihre Sehnſucht, ſich ſo nennen zu
laſſen. Wie eine Fremde war ſie von ihrem Kinde
ge=
gangen, um nun zu wiſſen, daß es in Sehnſucht ſich zu ihr
auf den Weg gemacht hatte, ohne ans Ziel gekommen zu
ſein.
Und nun aus fremdem Munde der traute Klang! Er
faßte Sibylle Frank wie mit krampfgeſchloſſenen Fingern
ans Herz und bereitete ihr brennende Qual.
War es nicht wunderbar: Signe hatte eine Fremde
lange, lange Mutter genannt, und der Sohn dieſer
Frem=
den nannte nun ſie ſo.
Ja, das Schickſal gefiel ſich in wunderlichen Kreuz=
und Quergängen. Es war unlösbar wie ein dunkles
Rätſel, glich wehendem Winde ohne Woher und Wohin
und berührte in ſeiner Eigenart wie ein Märchen mit
krau=
ſem, verworrenen Gang der Geſchehniſſe.
Sibylle Frank hatte geglaubt, ihre Tage in ſtillem
Entſagen beſchließen zu können, wiſſend, daß ihres Kindes
Leben in friedſamen, glückbeſchiedenen Bahnen dahinging.
Nun war ſie ſtärker denn je in Not und Angſt um ihres
Blutes Geſchick. Aber an ihr Eigenſtes durfte ſie
zuvör=
derſt nicht denken. Jetzt galt es, um dieſes gefährdete
Leben dort, das dem Erlöſchen anheimgegeben ſein konnte,
Sorge zu tragen. . . Eine tiefe unausſprechliche Sorge, wie
ſie eine Mutter für das aus ihr gekommene Leben
empfin=
det. Oder war etwas anderes vor allen Dingen ihre
Pflicht? Mußte ſie nicht an dieſes Krankenlager den Men=
ſchen rufen, der das erſte Anrecht darauf beſaß, dieſen Platz
einzunehmen?
Wenn das flackernde Licht nun wirklich erloſch, wenn
der Unerbittliche dieſer Jugend Land mit Schatten
über=
warf? Wer ſagte ihr, wie es enden würde?
Ihre heißen Sorgen häuften ſich, wuchſen zu ſchier
unüberſahbaren Bergen, daß ſie ratlos nach einem
Aus=
blick ſuchte. Und die lange, einſame Nacht dehnte ſich ihr
zu Ewigkeiten. Gewiſſenhaft führte ſie alle Anordnungen
des Arztes aus. Nein, eine beſſere Pflegerin wäre ſelbſt
die eigene Mutter nicht geweſen. Und doch gehörte ſie an
dies Krankenbett.
Sibylle Frank dachte es längſt als etwas, das
unab=
weisbar zur Ausführung gebracht werden mußte, und
war=
tete nur noch auf den Beſuch des Arztes, um ſeinen
Ent=
ſcheid als den maßgebenden gelten zu laſſen.
Früher als ſie es erwartete, kam Doktor Ortmann.
Mit ernſtem Geſicht maß und unterſuchte er, las die
An=
zahl der Fiebergrade vom Thermometer ab und legte die
Stirn in ſchwere Falten.
Es ſteht ſchlimm, Herr Doktor?
Hm, man kann nicht wiſſen, wich der Gefragte aus.
Würde es ratſam ſein, die Familie des Kranken zu
benachrichtigen? bebte Sibylle Frank heraus.
Es iſt auf alle Fälle beſſer, wenn ihr von der
ſchwe=
ren, wir können ſagen, lebensgefährlichen Erkrankung
ihres Angehörigen Mitteilung gemacht wird. Ich will
Ihnen, wenn Sie es wünſchen, das Telegramm aufſetzen
und gleich bei meiner Rückkehr von Köln aus befördern.
Zwei Stunden ſpäter ſchon trug der Draht die
Nach=
richt von Hennings Erkrankung zu den Seinen.
Wie maßlos wunderlich das Leben ſeine Kreiſe zieht!
Es fragt nach niemandes Wünſchen und Hoffen, geſtaltet
ſich nicht, wie man es erwartet, und richtet ſich nicht nach
Meinungen und Vorſchriften derer, die in ihm ſtehen und
ihm die Marſchroute bis ins Kleinſte diktieren möchten.
Es iſt ein allgewaltiger Deſpot, ein kaltherziger Egoiſt
und erwartet von jedem ſeiner Vaſallen, daß er ſich ihm
unbedingt unterwerfe und die jeweilig ausgegebene Loſung
zum Feldgeſchrei mache.
Und wo es Aufſäſſigkeit findet, ein: Ich will nicht,
wie du willſt, da wirft es Stein auf Stein in den Weg
und ſagt: Warte, ich zwinge dich am Ende doch! Deun das
ſtärkſte bin ich! . . .
Zurzeit lag es mit Herrn Tobias Bruns im Kampf.
An ihm hatte es einen hartnäckigen Gegner gefunden. So
wie alles gekommen war, hatte es nach Tobias Bruns
Willen nicht kommen ſollen. Ganz anders.
Das mit Signe war ſeinen Wünſchen ſchon ſtark
zu=
wider gelaufen. Schließlich hätte er ſich aber mit ihrem
eigenmächtigen Gehen abgefunden und ſie als eine
Un=
dankbare vergeſſen.
Aber über das andere Gehen kam er nicht hinweg.
Und obwohl ihm die Sorge um ſeinen Jüngſten hart
zu=
ſetzte, ihm manche ſchlafloſe Nacht und manche unruhige
Stunde am Tage gab, blieb er doch bei ſeinem alten Satz
wie ein Wucherer bei der Höhe ſeiner Prozente: Wir ſind
geſchiedene Leute. Der Riß geht zu tief, um je wieder
zu=
ſammengenäht werden zu können. Es iſt aus und vorbei.
Das ehedem ſo glücksfrohe Leben im Hauſe am Markt
zu Hattinghauſen war ins Gegenteil verkehrt. Man ſah
kaum noch ein vergnügtes Geſicht, vernahm kein heiteres
Wort, kein luſtiges Lachen. Trübſelig begann der Tag,
und um kein Quentchen vergnügter war ſein Ende. Und
verſuchte ze einer, einen heiteren Ton in den düſteren
Klang zu bringen, wie es zuweilen Rasrus Hanſen, der
jüngſte Lehrling, unternahm, dem die Luſtigkeit im Blute
ſteckte und der ſich mit der gedrückten Stimmung gar nicht
zu befreunden wußte, ſo fand ſich ſchnell von irgend ro=
Seite 14.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
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her ein ſtrafender Blick oder ein ernſtes Worr und wies in
die Schranken des jetzt im Hauſe Bruns Ueblichen. Und
wenn es Rasmus Hanſen traf, ſich den frohen Sinn
däm=
pfen zu laſſen, ſo war es ſicher Herr Kröger, der ihm
grämlich verſicherte, daß es mit der Luſtigkeit bei Tobias
Bruns ein für allemal zu Ende ſei.
Er regulierte die Stimmung im Laden beim Perſonal
und bei den Kunden und ſorgte dafür, daß ſie nie den
Stand „Heiter” erreichte. Wenn er ſo grämlich, ſo
ſorgen=
voll, die Stirn immer voller Falten hinter ſeinem Pult
ſtand und halb traurig, halb verbiſſen auf den Markt
ſtarrte, immer, bei Sonnenſchein und trübem Himmel,
dann konnte einem wahrlich das Lachen vergehen. Dann
ſchlichen die Lehrlinge auf den Fußſpitzen, ſchoben die
Käſten ſo behutſam zu, als lägen Nippes aus Meißener
Porzellan in ihnen, und erkundigten ſich mit gedämpfter
Stimme nach den Wünſchen der Kunden. . . Und wenn
Herr Kröger mitunter vor die Tür trat, lief ſein Blick wie
ſuchend nach rechts und links den Markt hinauf und hinab,
als erwarte er jemand, als könne einer an der Bandeaſſe
um die Ecke biegen. Einer, der weit fort war und wohl
nie wiederkam. Und wenn er dann zurücktrat, um
wie=
der ſeinen Platz am Pult einzunehmen, ſeufzte er tief und
ging ſo gebückt, als trüge er eine unſagbare ſchwere Laſt.
Jemand im Hauſe Bruns trug gang ſicher ſchwere
Laſt: Frau Barbara. Während eines Zeitraumes von
zwei Wochen verlieren, an denen das ganze Herz hängt,
war mehr als tiefſte Bitternis. Dies Verlieren war ſo
gut wie ein Sterben, wie ein Scheiden für immer. Denn
Tobias Bruns hatte es ihr immer wieder geſagt, daß er
unter alles den für alle Zeiten trennenden Strich gezogen.
Auch heute wieder erörterten ſie das in der letzten Zeit
ſo häufig verhandelte Thema. Ein Brief Gerhardts, der
mit der Vormittagspoſt eingetroffen war, gad den Anlaß.
Eben war Herr Tobias von ſeinem Kontor
herauf=
gekommen und hatte ſich ſeiner Frau gegenüber in den
Lehnſtuhl ans Fenſter geſetzt. Gerhardt hat geſchrieben,
ſagte er, die Briefbogen auseinanderſchlagend. Der
In=
halt erſcheint mir teilweiſe ſo wichtig, daß ich mit Dir
ſofort darüber ſprechen möchte. Das, was mich am leb=
hafteſten intereſſiert, möchte ich Dir zunächſt vorleſen. Es
betrifft die leidige Angelegenheit, in der wir zu keiner
Einigung gelangen können. Vielleicht trägk dieſer Brief
dazu bei, daß dies endlich möglich iſt. Alſo höre!
Ohne eine Entgegnung abzuwarten, begann er ſofort
mit dem Leſen.
Und Frau Barbara, geſpannter Erwartung voll,
ver=
nahm:
Ich möchte zunächſt die Angelegenheit berühren, von
der Du mir in Deinem letzten, am 12. November datierten
Briefe Mitteilung machteſt und die das Verſchwinden
Hennings betrifft. War ich ſchon empört, als ich von dem
Gehen Signes durch Dich erfuhr, ſo hat dieſes neue
un=
erquickliche Ereignis dieſen Zuſtand in mir noch weit mehr
erzeugt. Ich verſtehe Henning einfach nicht. Was Du mir
da von den Gründen ſchreibſt, die ihn zu ſeinem törichten
Schritte veranlaßt haben wollen, iſt, ſoweit es mich angeht,
Du betonſt das ſehr richtig — zum mindeſten eine bare
Lächerlichkeit. Gewiß hatten Henning und ich, warum
ſollte ich das leugen, am Abend vor meiner Abreiſe ein
Geſpräch, das Signe betraf. Ich erinnere mich auch,
Hen=
ning gebeten zu haben, er möchte mir Signe hüten. Die
mich dazu veranlaſſenden Gründe entſprangen allerdings
einem Gefühl, das ich damals für Liebe zu Signe hielt.
Heute weiß ich, daß ich mich in einem Irrtum befand, daß
ich mir dieſes Gefühl nur einbildete. Ich dachte bald
über=
haupt nicht mehr an Signe. Das Neue, die Ferne, die mich
ſtark intereſſierende geſchäftliche Tätigkeit nahmen mich
völlig gefangen und ließen die ſentimentale
Abſchieds=
regung — denn weiter war es nichts — bald vergeſſen.
Als ich dann von dem unerhörten Schritte Signes erfuhr,
war ſie für mich überhaupt abgetan. Denn den Menſchen,
der eine Fülle von Liebe und Güte mit kraſſem Undank
lohnt, ſtreicht man einfach aus ſeinem Gedächtnis.
Und nun iſt Henning auf und davon, um Signe für
mich zu ſuchen? Der gute Junge nimmt’s wahrlich ein
bißchen ſehr genau mit ſeinem Auftrag. So tragiſch war’s
nicht gewollt. Und ich meine: er war, nachdem Signe
unſerer Familie den Rücken gewandt hatte, ſeines mir
da=
mals gegebenen Verſprechens kurzerhand ledig. Oder iſt
er etwa der Anſicht, daß ich Signe fraglos auch als —
ge=
linde ausgedrückt — Durchbrennerin heiraten würde?
Der dume Junge!
Ich will ihn nicht fälſchlich verdächtigen und gern
glauben, daß er aus übertriebenem Pflichtgefühl heraus
den unverzeihlichen Schritt unternahm, glaube aber
trotz=
dem, daß er mehr ſeine als meine Intereſſen im Auge
hatte. Zu deutſch; er liebt Signe.
Und nun möchteſt Du mich heim haben. Ja, Vater,
da ſage ich Dir ein ſtriktes Nein. Ich bin trotz der
ver=
hältnismäßig kurze Zeit meines Fernſeins der Enge
klein=
ſtädtiſcher Verhältniſſe völlig entwachſen und mag nicht in
ſie zurück. Singapore und Hattinghauſen! Zwei Welten
voll der entgegengeſetzteſten Begriffe. Großzügiger
Welt=
handel und kleinlicher Kramladenbetrieb, um nur eins
herauszugreifen. Wer erſt einmal den pulſierenden Schlag
des hellen, ſtarken Lebens an ſeiner Quelle empfunden hat,
kann ſich ſeiner Zauberkraft nie wieder entziehen. Und
wenns auch nicht immer Singapore für mich bleiben wird
Hattinghauſen tauſche ich nie wieder dagegen ein.
Nenne mich einen Egoiſten. Ich bins nicht. Das
mich zu meinem Entſchluß Veranlaſſende iſt weit mehr
das Erfaßtſein vom gewaltigen Strom unſerer modernen
Zeit, der das Großzügige im Blute liegt und die den, der
ſich ihr anzupaſſen weiß, nicht wieder losläßt, ſobald er
erſt in ihrer Gefolgſchaft ſchreitet. . .
Im übrigen kann ich es verſtehen, daß Du Henning
zürnſt und ihn bei einer etwaigen reuigen Umkehr nicht
wieder aufnehmen willſt. Dennoch mögeſt Du bedenken,
daß Du mit ihm Deinen Nachfolger aus der Familie
Bruns aufgibſt. Ich kann es — das muß ich Dir noch
ein=
mal ſagen — nicht, nie ſein.
Nun will ich in Kürze noch
Tobias Bruns brach ab, fügte ein uſw. an und legte
die Briefbogen neben ſich auf das Fenſterbrett. Dann
ſuchten ſeine Augen das Geſicht ſeiner Frau. Es ſah aus,
als ſei es aus Stein gemeiſelt, ſo kalt und abweiſend jede
Linie. Und der Blick wie erſtarrt.
(Fortſetzung folgt.)
Nummer 92.
Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 21. April 1913.
Seite 15,
Frühjahrs=Kontrollverſammlungen 1913
im Bezirk des Hauptmeldeamts I Darmſtadt.
Zu den diesjährigen Kontrollverſammlungen haben zu
erſcheinen:
In dem Exerzierhaus auf dem ſüdöſtlichen Teile des
Infanterie=Exerzierplatzes zu Darmſtadt:
Montag, den 21. April 1913, vorm. 8,30 Uhr:
Sämtliche Erſatzreſerviſten aller Waffen der
Jahres=
klaſſen 1906 und 1907.
Montag, den 21. April 1913, vorm. 9 Uhr:
Sämtliche Erſatzreſerviſten aller Waffen der
Jahres=
klaſſen 1908 und 1909.
Montag den 21. April 1913, vorm. 9,30 Uhr:
Sämtliche Erſatzreſerviſten aller Waffen der
Jahres=
klaſſen 1910, 1911 und 1912.
Montag, den 21. April 1913, vorm. 10 Uhr:
Sämtliche Offizier=Aſpiranten und Offizier=
Stellver=
kreter der Reſerve und Landwehr I. Aufgebots aller Waffen
und Jahresklaſſen mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901
einge=
treten ſind.
Im Schulhofe der 4. und 5. Klaſſe zu Weiterſtadt:
Montag, den 21. April 1913, nachm. 2,10 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der
Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften ſowie die
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912 aus den Orten Weiterſtadt, Braunshardt
und Schneppenhauſen.
Im Schulhofe zu Pfungſtadt:
Dienstag, den 22. April 1913, nachm. 3,15 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der
Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften der Jahresklaſſen
1900 bis einſchl. 1912 aus Pfungſtadt.
Dienstag, den 22. April 1913, nachm. 4 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften, ſowie die
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912 aus den Orten Hahn, Eich und
Eſcholl=
brücken, ſowie aus Pfungſtadt ſämtliche
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912.
Im Hofe der neuen Schule zu Ober=Ramſtadt:
Mittwoch, den 23. April 1913, nachm. 3,15 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der
Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften, ſowie die
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912 aus Ober=Ramſtadt.
In der Turnhalle zu Nieder=Ramſtadt:
Donnerstag, den 24. April 1913, nachm. 3,15 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der
Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften, ſowie die
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912 aus den Orten Nieder=Ramſtadt, Traiſa und
Waſchenbach.
Im Gaſthaus „Zur Sonne” zu Roßdorf:
Freitag, den 25. April 1913, nachm. 4 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der
Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften ſowie die
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912 aus Roßdorf.
Im Gaſthaus „Laumann” zu Meſſel:
Samstag, den 26. April 1913, nachm. 4,15 Uhr:
Sämt=
liche Reſerviſten, Dispoſitionsurlauber, Wehrleute I.
Auf=
gebots aller Waffen (mit Ausnahme derjenigen, welche in
der Zeit vom 1. April bis 30. September 1901 eingetreten
ſind), einſchl. der Invaliden, die zur Dispoſition der
Er=
ſatzbehörden entlaſſenen Mannſchaften ſowie die
Erſatz=
reſerviſten aller Waffen der Jahresklaſſen 1900 bis einſchl.
1912 aus Meſſel.
7994
Anmerkung: Die zur Dispoſition der Erſatzbehörden
entlaſſenen Mannſchaften, ſowie die für zeitig feld= und
garniſondienſtunfähig und die für dauernd
garniſondienſt=
fähig anerkannten Mannſchaften der Reſerve und
Land=
wehr ll. Aufgebots erſcheinen mit den Mannſchaften ihrer
Waffen und Klaſſen
Auf dem Deckel eines jeden Militärpaſſes iſt die
Jahresklaſſe des Inhabers angegeben.
Zugleich wird zur Kenntnis gegeben:
1. Beſondere Beorderungen durch ſchriftlichen Befehl
erfolgen nicht mehr. Die öffentliche Aufforderung iſt der
Beorderung gleich zu erachten.
2. Willkürliches Erſcheinen zu einer anderen als der
ihm befohlenen Kontrollverſammlung wird beſtraft. Wer
durch Krankheit am Erſcheinen verhindert iſt, hat ein von
der Ortsbehörde beglaubigtes Geſuch ſeinem
Bezirksfeld=
webel baldigſt einzureichen.
3. Diejenigen Mannſchaften, welche aus perſönlichen
Gründen zu einer anderen als der befohlenen
Kontrollver=
ſammlung erſcheinen wollen, haben dies mindeſtens 3 Tage
vorher dem Bezirksfeldwebel behufs Einholung der
er=
forderlichen Genehmigung zu melden.
4. Wer bei der Kontrollverſammlung fehlt, wird mit
Arreſt beſtraft. (Paßbeſt. Ziff. 14.)
5. Es iſt verboten, Schirme und Stöcke auf den
Kon=
trollplatz mitzubringen.
6. Jeder Mann muß ſeine Militärpapiere (Paß und
Führungszeugnis) bei ſich haben.
7. Im Militärpaß muß die vom 1. April
1913 ab gültige gelbe Kriegsbeorderung
oder Paßnotiz eingeklebt ſein.
Geſuche um Befreiung von der Kontrollverſammlung
ſind amtlich beglaubigt, nur in dringenden Fällen und
mindeſtens 8 Tage vor der Kontrollverſammlung dem
Hauptmeldeamt I Darmſtadt einzureichen.
Nachträgliche Entſchuldigungen an Ort und Stelle von
Arbeitgebern uſw. können als ſolche nicht gelten und
ſchützen nicht vor der geſetzlichen Strafe.
Lehrer, Polizeibeamte und Angeſtellte der
Straßen=
bahn können an einem beliebigen Appell teilnehmen.
Darmſtadt, den 28. März 1913.
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Militäriſche Erkundungsflüge bei dem Prinz
Heinrich=Flug 1913.
* Die Aufklärungsübungen beim Prinz Heinrich=
Flug 1913 verſprechen beſonders intereſſant zu werden,
weil ſie wieder kriegsmäßig angelegt werden ſollen und
weil bei einer derſelben durch die Teilnahme von
Luft=
ſchiffen ein Vergleich zwiſchen Flugzeug und Luftſchiff
er=
möglicht wird. Wieder hat, wie im vergangenen Jahre,
Oberſtleutnant Freiherr v. Oldershauſen=Straßburg,
ehe=
maliger Generalſtabsoffizier, die Organiſation auch dieſer
Flüge übernommen. Die erſte Aufklärungsübung wird am
16. Mai erfolgen. Der Start ſoll um 5 Uhr morgens in
Karlsruhe ſtattfinden, die Flüge gehen bis über Stuttgart
hinaus. In der Nähe von Pforzheim haben die
Luftfahr=
zeuge bei einer weithin kenntlich gemachten
Meldeſammel=
ſtelle auf nicht vorbereitetem Gelände niederzugehen und
ihre Meldung abzugeben. Von hier aus können ſie auf
beliebigem Wege nach Straßburg fliegen. Während die
erſte Aufklärungsübung ſtrategiſcher Natur ſein wird,
dient die zweite am 17. Mai ſtattfindende Uebung
takti=
ſchen Zwecken. Es ſoll die Gefechtsſtellung von Truppen
erkundet werden, die ſich in der Gegend von Freiburg und
Neu=Breiſach befinden. Landungen haben in Freiburg
und Neu=Breiſach zu erfolgen. Nach Beendigung der
Uebung fliegen die Piloten wieder nach Straßburg. Die
Aufgaben ſtellt der Chef des Generalſtabes der Armee,
Exzellenz Graf v. Moltke. An den Aufklärungsübungen
ſollen wegen ihrer hohen Bedeutung nicht nur die
ſämt=
lichen Flieger teilnehmen, die vorher die
Zuverläſſigkeits=
etappen durchflogen haben, ſondern es können auch noch
neue Konkurrenten eintreten, ſo daß auf eine
Beteilig=
ung von mindeſtens 20 Flugzeugen zu rechnen iſt.
Nament=
lich die Militärfliegerſtationen im Südweſten, in Metz,
Straßburg und Darmſtadt, haben hier eine willkommene
Gelegenheit, ihre Offiziere und Beobachter auszubilden.
Sport, Spiel und Turnen.
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dorf, den 18. April. Preis von Britz; 2200 Mark, Diſtanz
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felders Medium Crown (Dieffenbacher), 2. Linda Scott
(G. Treuherz), 3. Caruſo (Wiltſhire). Tot. 46:10, Pl. 16,
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Pelargonium (Wiltſhire), 2. Lon Ago (Lautenberger)
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Siegmund, Rätſel. Sehr leicht 4—4 Lg. — Akazien=Preis;
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Sportsmann (Wiltſhire), 2. Prima (W. Lemzer),
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Volant; 3000 Francs, Diſtanz 2400 Meter: 1. Monſ. G. de
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Royal, Marinette V, Plaidoirie, Medaille d’Or, Queſture,
Marjolin, Formium. Kopf-Hals-1½ Lg. — Prix du
Montgeron; 3000 Francs, Diſtanz 1400 Meter: 1. Monſ.
Ch. Villattes Perdigail (Rovella), 2. Dilection (
Jen=
nings), 3. Ibidem (J. Reiff). Tot. 344:10, Pl. 45, 25
15:10. Unpl.: Gaviota, Manon VIII, Gars Breton,
Pa=
dirac, Sylvange, Apollon IV, Duguoſolin. Hals—1½ Lg.
Prix Boiard; 50000 Francs, Diſtanz 2000 Meter:
1. Monſ. Ed. Rothſchilds Jſard II (O'Neill), 2. Amadou
(Garner), 3. Channon (Mac Gee). Tot. 31:10, Pl. 13,
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Babette II, Malappris, Lynx Eyed. Kopf-2½ Lg.
Prix de Lange; 6000 Francs, Diſtanz 2900 Meter: 1. Monſ.
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Prix de la Bourdaiſiere; 5000 Francs,
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Diſtanz 2000 Meter: 1. Monſ. Jouberts Pendragon (G.
Bartholomew), 2. Le Minotier (J. Reiff), 3. Lord Mayor
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d’Amour, Don Ramire, Miß Raffles, Kommel, Puritain
Soleil d’Or II. 6—2 Lg.
sr. Der moderne Fünfkampf, wie er im Vorjahre zum
erſten Male bei den Olympiſchen Spielen in Stockholm
veranſtaltet wurde, erfreut ſich in den Offizierskreiſen
aller Nationen großer Beliebtheit. Beſteht er doch aus
einem Wettkampf in 300 Meter Schwimmen, 4000 Meter=
Geländelauf, 5000 Meter Hindernisreiten, Degenfechten
und Piſtolenſchießen, alſo körperlichen Uebungen, die
ge=
radezu zur Dienſtpflicht eines Offiziers gehören. In
Frankreich hat der Kriegsminiſter bereits die alljährliche
Ausſchreibung eines ſolchen Fünfkampfes angeordnet, um
die franzöſiſchen Offiziere auf dieſem Wege für die ſechſte
Olympiade 1916 zu Berlin vorzubereiten. In
Deutſch=
land wird vorausſichtlich ebenfalls alljährlich
armeekorps=
weiſe ein Fünfkampf veranſtaltet, um die ſich dabei
aus=
zeichnenden Offiziere einer beſonderen ſportlichen
Aus=
bildung zu unterwerfen. Auch der Deutſche
Reichsaus=
ſchuß für Olympiſche Spiele plant die Veranſtaltung eines
ſolchen modernen Fünfkampfes gelegentlich eines
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Hotz, Zimmergymnaſtik von Proſeſſor Dr. Hiller,
Das Turnen von Emil Kregenow, Das kleine
Späherbuch von Dr. Karl Hellwig. Die Bändchen ſind
reich illuſtriert und bringen neben intereſſanten
allgemei=
nen ſportlichen Betrachtungen ſehr bemerkenswerte Winke
für die Sportausübenden und Laien, denen an einem
„Verſtehen” der Sportſpiele liegt. Die gute Ausſtattung
und der billige Preis (60 Pfg.) empfehlen die Bändchen
von ſelbſt.
Handel und Verkehr.
Gebrauchsmuſter=Erteilungen. (
Mit=
geteilt von Dipl.=Ing. Klemens Herszberg u. Co
Pa=
tent= und Ingenieur=Bureau, Darmſtadt, Rheinſtraße 19.)
44 a. 547732. Haarnadel mit Haltevorrichtung für
Blumen. Carl Stautz, Darmſtadt, Gutenbergſtraße 62.
6. 3. 13. St. 17338. 81c. 547873. Faltſchachtel. Albert
Heß, Friedberg in Heſſen. 12. 2. 12. H. 54671. —
Pa=
tent=Erteilung. 12p. 259873. Verfahren zur
Her=
ſtellung von Hydraſtinin aus Berberin; Zuſ. z. Patent
241 136. Firma E. Merck, Darmſtadt. 28. 11. 11. F.
Patent=Anmeldung. 22f. D. 26 534.
33 472. —
Verfahren zur Verbeſſerung von Ruſſen beliebiger
Her=
kunft. Dr. Otto Dieffenbach, Herdweg 86, und Dr.
Wil=
helm Moldenhauer, Inſelſtraße 24, Darmſtadt. 17. 2. 12.
H. Frankfurt 19. April. (
Börſenwochen=
bericht.) Die abgelaufene Geſchäftswoche hatte ein
recht erfreuliches Ausſehen; ſowohl, daß eine feſte
Stim=
mung die Oberhand gewinnen konnte, als auch der
Ver=
kehr wieder ein durchweg lebhafter war. Das Intereſſe
der Spekulation, ſowie des Privatpublikums war ſichtlich
bemerkbar und die überwiegend vorhandenen Kauforder
dokumentierten die vielfach vorhandene Anſicht einer
kom=
menden friedlichen und damit beſſeren Zeitperiode. Trotz
der vielen Anſprüche an den Geldmarkt bleibt die Situation
eine günſtige, und die am Donnerstag erfolgte Diskont=
Ermäßigung der Bank von England auf 4½ Prozent
be=
wirkte einen weiteren Rückgang des hieſigen und Berliner
Privatſatzes auf 4/ Prozent reſp. 4¾ Prozent. Die
badiſche Regierung kommt demnächſt mit einer 4
prozen=
tigen Anleihe in Höhe von 28 Millionen Mark an den
Markt. Ferner erfolgt am 19. April in Darmſtadt bei
der Bank für Handel und Induſtrie die Subſkription auf
eine 4prozentige mündelſichere Stadt Karlsruher Anleihe
in Höhe von 7 Millionen Mark, welche zu dem billigen
Emiſſionspreis von 95,50 einen ſicheren Erfolg erzielen
dürfte. Einen weſentlich günſtigen Eindruck auf die Börſe
machten die Auslaſſungen des Geheimrats Kirtorf in der
Generalverſammlung der Gelſenkirchener
Berg=
werks=Geſellſchaft. Er ſagte: Die Geſellſchaft ver
füge auf der ganzen Linie über eine volle Beſchäftigung.
Die bisherigen Ergebniſſe ſeien durchaus erfreulich. Die
Neuanlagen in Eſch zeigen eine ſteigende Entwicklung.
Bisher ſei es auch gelungen, die ſteigende Erzeugung bei
beſſeren Preiſen ſchlank abzuſetzen. Es laſſe ſich aber nicht
verkennen, daß in den letzten Wochen für
Fertigfabri=
kate der Stahl= und Walzwerke eine große
Zu=
rückhaltung eingetreten ſei, ſo daß Neuaufträge zurzeit
nicht eingehen, außer kleineren für dringenden Bedarf
notwendigen Aufträgen. Solange die Unſicherheit
an=
halte, müſſe man möglichſt mit Neuanlagen und
Erweite=
rungen zurückhalten, ſoweit ſie nicht ſchon in Angriff
ge=
nommen ſeien. Er (Kirtorf) glaube aber doch, daß bei
einer Beſſerung der politiſchen und der Geldmarktlage
der unzweifelhaft vorhandene Bedarf wieder in
Erſchein=
ung treten werde. Jedenfalls würden die vorhandenen
Aufträge ſchlank ſpezifiziert und die Spezifikationen raſch
abgenommen werden. Er rechne für das laufende
Halb=
jahr auf eine vollſtändige Beſchäftigung auch auf den
Ge=
bieten, wo augenblicklich das Geſchäft etwas ſtocke. Andere
Gebiete, wie die Rohrgießerei und der Tübbingsbau ſeien
dennoch voll beſchäftigt zu durchaus befriedigenden Prei
ſen. Die Roheiſenerzeugung finde ſehr ſchlanken Abſatz.
Der Roheiſenverband habe auch heute noch über die
Be=
teiligung hinaus geliefert. Am günſtigſten liege der
Koh=
len= und Koksmarkt, wo die Beteiligung ſehr erheblich
überſchritten werde, von der Gelſenkirchener Bergwerks=
Geſellſchaft ſchon über 110 Prozent hinaus. Es würden
noch fortgeſetzt Mehranforderungen geſtellt, was zurzeit
vielleicht mit Vorverſorgungen wegen des belgiſchen
Streiks zuſammenhänge. In Roheiſen und Kohle ſei mit
einem flotten Abſatz für das ganze Jahr zu rechnen.
Zu den Einzelheiten des Verkehrs übergehend, iſt die
erfreuliche Nachfrage für deutſche Banken hervorzuheben;
auch die Preiſe ſind weiter befeſtigt, ebenſo waren
Städte=
anleihen geſuchter und einzelne, wie 3½proz. Darmſtädter,
höher bezahlt. Von den ausländiſchen Staatsfonds
wur=
den türkiſche und beſonders türkiſche Loſe ferner noch
1902er Ruſſen zu ſteigenden Kurſen gehandelt, während
die übrigen Gattungen ziemlich unverändert blieben.
Ueber die chineſiſche Sechsmächte=Anleihe wurde jetzt
end=
lich eine Verſtändigung erzielt. Sie wird nur mit 5
Pro=
zent verzinſt und in Bälde herauskommen. Am
Banken=
markt konnten ſich lebhafte Umſätze entwickeln, bei indes
nur mäßigen Kurserhöhungen; eine Ausnahme machten
öſterreichiſche Krediktaktien und Ottomanbank, die
an=
ſehnlich avancierten
Von Transportwerten waren Nordd. Lloyd am
be=
vorzugteſten auf Verſionen, daß der Quartalsabſchluß recht
günſtige Ziffern ausweiſe; ferner konnten Lombarden
(Südbahn) bis 26½ und 3proz. Südbahnprioritäten bis
54½ profitieren. Es ſcheint, daß die Sanierungsprojekte
beſtimmtere Formen annehmen. Oeſter. Staatsbahn und
Anatolier ebenfalls mehr beachtet und höher. Am
Mon=
tanmarkt herrſchte auf die Aeußerungen Kirtorfs hin eine
recht animierte Stimmung, ſo daß, trotz zeitweiſer ſtarkes
Gewinſtrealiſationen, die meiſten, Kurſe weſentlich höher
gegenüber der Vorwoche notieren.
Große Umſätze fanden auch auf dem
Kaſſainduſtrie=
gebiet ſtatt, da ſich erneutes Intereſſe ſeitens des
Privat=
publikums dafür geltend machte. Obenan ſtanden wieder
Elektrizitätsaktien, wie Allg. Elektr.=Geſellſch., Siemens
u. Halske, Schuckert, Felten u. Guilleaume, Lahmeyer und
Bergmann. Sodann konnten Naphtha, Steana=Romana,
Chemiſche Albert, Daimler=Motoren, Oberurſeler Motoren,
Mannesmann und Zellſtoff Waldhof anſehnlich ſteigen.
Benz bis 252 genannt. In Kleyer war ebenfalls großes
Geſchäft, bei etwa 565—568½, und das Bezugsrecht
be=
dang 142—136—138. Chemiſche Mühlheim a. M.
profi=
tierten 5 Prozent, anſcheinend auf befriedigendere
Ge=
ſchäftsentwicklung. Ruhiger lagen die verſchiedenen
Che=
miſchen Werte, außer den anſehnlich geſtiegenen Aktien der
Badiſchen Anilin= und Sodafabrik, die eine Dividende von
28 Prozent gegen 25 Prozent im Vorjahre deklarieren.
Am Kolonialmarkt waren Pomona bis 815 und
Kolonial=
anteile für Südweſtafrika bis 705 genannt; es muß darauf
hingewieſen werden, daß dieſe Papiere lediglich
Speku=
lationsobjekte und daher mit großem Riſiko verknüpft ſind.
Der Wochenſchluß zeigte zeitweilige Realiſationsluſt,
da immer noch nichts „Definitives” vom Balkan vorliegt;
doch kam ſpäterhin wieder eine beſſere Stimmung zur
Gel=
tung auf gute Einnahmetaxen beim „Phönix” Lombarden
beſonders lebhaft; auch der Kaſſainduſtriemackt weiter
be=
vorzugt. Kunſtſeide ruhig, 63 Bezüge wurden 4½ notiert.
Die Geſellſchaft für Lindes Eismaſchinen Wiesbaden
ver=
teilt wieder 9 Prozent und beabſichtigt die Erhöhung ihres
Aktienkapitals um 2½ Millionen Mark auf 10 Millionen
Mark.
Von Loſen notieren: Augsburger 34,90,
Braunſchwei=
ger 196,80, Meininger 35,25, Genua 208, Türkiſche 163,80,
Freiburger 110, Ungariſche 378 G., Mailänder 45=Fres.=
Loſe 135, Mailänder 10=Fres.=Loſe 38,75, Venediger 57,75,
Raab=Grazer Anr.=Sch. 39,50, in Reichsmack: Gothaer
Prämie II 115,50 B., Donau=Regulierung 167G.,
Ma=
drider 74, in Prozent; ferner ſchließen: 4proz. Reichs (
rück=
zahlbar von 1914) 99,90 B., 4proz. Reichs (rückzahlbar
1918) 99,50 B., 3½proz. Reichs 87, 3proz. Reichs 77, 4proz.
Heſſen von 1899 98, 4proz. Heſſen von 1906 97,90 G., 4proz.
Heſſen von 1908/09 98,20, 4proz. Heſſen (rückzahlbar 1921)
99, 3½proz. Heſſen 85,60, 3proz. Heſſen 74,40, 4proz.
Darm=
ſtädter 96,50 G., 3½proz. Darmſtädter 87,20 G., 4proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (S. 18—23) 98,40 G., 4proz. Heſſ.
Land.=Hyp=Pfdbr. (S. 24—25) 98,60 G., 3½proz. Heſſ.
Land.=Hyp.=Pfdbr. (S 3—5) 86 G., 3½proz. Heſſ. Land.=
Hypl=Pfdbr. (S. 9—11) 86,10 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (S. 10—12) 98,40 G., 4proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (S. 13—14) 98,60 G., 3½proz. Heſſ. Kommunal=
Pfdbr. (S. 1—3) 86,20, 3½proz. Heſſ. Kommunal=Pfdbr.
(S. 4) 86,10 G., Darmſtädter Bank 116¼ G., Südd.
Eiſen=
bahn=Geſellſchaft 126,50 G., Südd. Immobilien=
Geſell=
ſchaft (Mainz) 54,75, Lederwerke vorm. Spicharz (
Offen=
bach a. M.) 63 G., Lack= und Farbenfabrik Schramm (
Offen=
bach a. M.) 267 G., Chemiſche Mühlheim a. M. 72,25.,
Faber und Schleicher (Offenbach a. M.) 131 G., Schantung
134½, South=Weſtafrika 129½ G., Otavi=Anteile 116,
Otavi=Genußſcheine 84½, 4½proz. Ruſſen 99,60 4proz=
1880er Ruſſen 89,25, 4proz. 1902er Ruſſen 90,15, 3¾proz.
Ruſſen 86,80, 3½proz. Ruſſen 79,50, 3proz. Ruſſen 73,
4proz. unifiz. Türken 87,20, 4proz. Adminiſtrations=Türken
77,20, 4proz. Bagdad=Türken 80,30, 4proz. konvert. Türken
(1905/1911) 75 G., 5proz. Bulgaren 99,30, 4proz. Serben
81, 4½proz. Serben 88,40, Griechen von 1890 59,40 G.,
Griechen von 1887 56 G., 5proz. Chineſen 100,30, 4½proz
Chineſen 92,80, 5proz. Chineſen (Tientſin=Pukow) 96,50,
4½proz. Japaner 92,10, 4proz. Japaner 83,75.
Landwirtſchaftliches.
L. K. Weidebetrieb. Während im Vorjahre infolge
günſtiger Witterungsverhältniſſe der Weidebetrieb
auf der Provinzialjungviehweide in Groß=Breitenbach bei
Mörlenbach i. Odw. ſchon Mitte April eröffnet werden
konnte, kann der Auftrieb der angemeldeten Rinder in
dieſem Jahre infolge der kalten Witterung erſt Anfang
Mai erfolgen. Der Auftrieb der Fohlen findet etwa acht
Tage ſpäter ſtatt. Die genauen Termine des Auftriebs
werden den Beſchickern noch bekannt gegeben.
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Gegründet 1879.