Darmstädter Tagblatt 1913


14. April 1913

[  ][ ]

176. Jahrgang

verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.

Abonnementspreis
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
wärts
nehmen die Poſtämter u. die Agen=
tnren
Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
u. 1.80 Mk. viertelj. Verantwortlichkeit
für Aufnahme von Anzeigen an vorge=
ſchriebenen
Tagenwirdnicht übernommen.

Inſerafe
werden angenommen in Darmſtadt.
Rheinſtraße 23, Beſſungerſtraße 47.
ſowie von unſeren Agenturen und
den Annoncen=Expeditionen. Bei
gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.

Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 14 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Reichstag beendete am Samstag die erſte Leſung
der Deckungsvorlage und verwies ſie an die
Budgetkommiſſion.
Das Herzogspaar von Cumberland iſt am
Samstag nachmittag von Homburg nach Karlsruhe
abgereiſt.
Die Zweite Kammer des elſaß=lothringiſchen
Landtages hat in dritter Leſung ohne Debatte den
früher ſtets abgelehnten kaiſerlichen Gnadenfonds
wiederhergeſtellt.
Am Freitag früh ſtrandete bei Swinhöft zwiſchen
Misdroy und Divenow das Torpedoboot V 3.
Die Mannſchaft des Torpedobootes wurde ge=
rettet
.
Von den bei der Hochofenexploſion auf dem
Eiſenwerk Union in Dortmund ſchwerverletzten Ar=
beitern
ſind zwei geſtorben, ſo daß die Kataſtrophe drei
Tote, einen Schwerverletzten und zwei Leichtverletzte
forderte.
Die Londoner Botſchafter=Konferenz am
Freitag dauerte zwei Stunden und vertagte ſich darauf
bis nächſten Donnerstag. Die Konferenz beſchäftigte
ſich mit der Antwortnote an die Alliierten.
Der Papſt erlitt einen Rückfall von Influenza. Sein
Zuſtand wird als ernſt bezeichnet.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
14. April 1813: General Berthier trifft mit dem Haupt=
quartier
in Mainz ein.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

20
Zur Erklärung der ruſſiſchen
Regierung.

* Der Köln. Ztg. wird aus Berlin geſchrieben: In
den Blättern klingt der ſtarke Eindruck, den die
ruſſiſche Regierungserklärung gemacht hat,
entſprechend ihrer Bedeutung lebhaft wieder. In allen
Erörterungen zeigt ſich, nit welcher Spannung alle Welt
auf volle Klarheit lüber die Stellung der
ruſſiſchen Politik zur endgültigen Entwickelung
der Balkanangelegenheit gewartet hat. Man betrachtet
die Frage von Skutari damit als grundſätzlich gelöſt, daß
die ruſſiſche Regierung Nikitas Anſpruch auf Skutari ſo
deutlich und öffentlich abweiſt, und man ſieht darin den
endgültigen Sieg der Politik Saſonows über die pan=
ſlawiſtiſchen
Treibereien. Großes Intereſſe erregen die
in der Regierungsmitteilung enthaltenen Enthüllungen
über die Anfangsentwickelung des Balkanbundes, das
Vorſtadium des Krieges und die nicht eingehaltene Ver=
pflichtung
Nikitas, Rußland von dem Beginn des Krieges
vorher in Kenntnis zu ſetzen. Am 9. Oktober, anläßlich
des Beſuches Saſonows in Berlin, wurde darauf hinge=
wieſen
, daß auch der ruſſiſche Miniſter des Aeußern von
Nikitas Kriegserklärung aufs ſtärkſte überraſcht worden
iſt. An dieſe Tatſache wird auch heute in der Preſſe er=
innert
und im Zuſammenhang damit aus den offenen und
entſchiedenen Mitteilungen über die Rolle Montenegros
Rußland gegenüber der Schluß gezogen, daß der Zwie=
ſpalt
zwiſchen der amtlichen und der nichtamtlichen Politik
in Rußland, der Europa in ſolche Unruhe geſtürzt hat,
nunmehr endgültig erledigt iſt. Der Friede, ſo über=
ſchreibt
ein Blatt ſeine Betrachtungen. Ein anderes Blatt
legt beſonderes Gewicht auf die in der Erklärung ent=
haltene
verſöhnliche Bemerkung, daß eine Verſchiedenheit
der Raſſen durchaus nicht zu einem Gegenſatz unter den
Raſſen zu führen brauche. Auch der zweifellos günſtigen
Wirkung der Rede des Reichskanzlers auf die ruſſiſche
Politik wird gedacht und das Lob notiert, das ſogar die
Nowoje Wremja ihr zollt. Kurz, es wird der außer=
ordentlich
großen Bedeutung dieſer Regie=
rungskundgebung
für die Löſung der noch obwaltenden
Schwierigkeiten in vollem Umfange Rechnung getragen,
andererſeits aber auch, und zum Teil im Tone der Be=
ſorgnis
, die Wichtigkeit der in der Kundgebung enthalte=
nen
Mitteilungen über Rußlands Rolle im Vorſtadium
des Krieges hervorgehoben. Es iſt wohl beſſer, ſich mehr
daran zu halten, daß nunmehr die ruſſiſche Politik
ſich von den abenteuerlichen Beſtrebungen der Pan=
ſlawiſten
energiſch losgeſagt hat, als an die

Rolle, die ſie in den geheimen Anfängen des Krieges ge=
ſpielt
hat. Denn, wenn nicht alles trügt, wird die weitere
Entwickelung des führenden Balkanſtaates noch zu Neu=
orientierungen
leiten, die ſich heute wohl noch nicht über=
ſehen
laſſen. Dazu kommt, daß die nächſte Zukunft für
die ruſſiſche Politik Aufgaben im fernen Oſten bringt, die
ſie vollauf in Anſpruch nehmen werden.
Der Frkf. Ztg. wird aus Berlin geſchrieben:
Hätte es noch einer Beſtätigung bedurft, daß die
Stutari=Frage und damit die wichtigſte Frage der Ab=
arenzung
Albaniens entſchieden iſt, ſo liegt ſie in dieſer
Petersburger Kundgebung jetzt vor. Welche Gerüchte
auch zurzeit über Saſonows perſönliche Stellung von Pe=
tersburg
verbreitet werden, das eine iſt unzweifelhaft: Er
iſt mit ſeiner Politik beim Zaren durchgedrungen. Dank
ihm hat Rußland leider auf langſamem, nicht immer
direktem Wege, aber mit ſchließlichem Erfolg die Frie=
denspolitik
der übrigen Großmächte mitgemacht und ihr
in dem durch die Stutari=Frage geſchaffenen letzten kriti=
ſchen
Momente zum Siege verholfen. Die Zurechtweiſung
und Abſchüttelung des Königs Nikita läßt an Deutlichkeit
gar nichts zu wünſchen übrig. In ſeiner ganzen Haltung
wirkt dieſes ruſſiſche Communiqus als die ſtärkſte Pes
kräftigung der in den letzten Tagen erwachſenen Aus=
ſicht
auf eine baldige Herbeiführung des Frie=
dens
und als eine Garantie dafür daß neue gefährliche
Epiſoden durch die Balklanſtaaten nicht mehr werden her=
vorgerufen
werden. Denn die letzte Illuſion, daß ſie dem
Willen der Mächte gegenüber auf Rußlands Unterſtützung
zu rechnen hätten, muß dieſen Staaten jetzt geſchwunden
ſein.
Zu der durch die ruſſiſche Erklärung geſchaffenen Lage
äußert ſich das Wiener Fremdenblatt in einer
offiziöſen Kundgebung:
Unſere Hoffnung, daß die Energie und die Ueberein=
ſtimmung
der Mächte bei der Durchführung der gemein=
ſamen
Beſchlüſſe ſich bis ans Ende betätigen werden. findet
ſich durch zwei ſeither eingetretene Ereigniſſe bekräftigt.
Das eine dieſer Ereigniſſe beſteht darin, daß die
Blockierungder Küſte zwiſchen den Häfen von Anti=
vari
und der Mündung des Drinfluſſes effektuiert wurde.
Ebenſo wichtig wie die Nachdrücklichkeit der maritimen Al=
tion
iſt es aber, daß die Einmütigkeit der Mächte
deutlich in Erſcheinung tritt. Die veröffentlichte Er=
klärung
über die Haktung der ruſſiſchen Re=
gierung
inder Skutarifrage läßt gerade in die=
ſem
Punkte keinen Zweifel mehr übrig. Es geht auch hier
unzweideutig hervor, daß Rußland die Maßnahmen, die
getroffen wurden, um den montenegriniſchen Widerſtand
zu brechen, als notwendig anſieht. Bedeutungsvoll er=
ſcheint
uns hierbei, daß die ruſſiſche Regierungskundgebung
ſich ausdrücklich die auf dem Nationalitätsprinzip und dem
reinen albaniſchen Charakter von Skutari beruhenden
Gründe zu eigen machte die von uns von Anfang an
für den Anheimfall von Skutari an das autonome Alba=
nien
geltend gemacht worden ſind und auf dieſe Weiſe der
tendenziöſen Hypotheſe von einem antiſlawiſchen Charak=
ter
der europäiſchen Aktion gegen Montenegro Berechtigung
abſpricht. Wir verhehlen uns nicht, daß trotz der ſoeben
charakteriſierten Fortſchritte die Skutarifrage noch nicht als
völlig bereinigt gelten darf. Aber die angeführten Zeug=
niſſe
für die Tatkraft und Einmütigkeit der europäiſchen
Politik beſtärken uns in der Hoffnung, daß, nach den gro=
ßen
Opfern, die ſowohl Oeſterreich=Ungarn als auch Ruß=
land
für eine einvernehmliche Regelung der albaniſchen
Frage gebracht haben, dieſe ihre vorgeſchriebene Löſung
findet und ſich auf dem Wege dahin keine Ueberreizung
von der Art einſtellen werde der unſer guter Wille im
Laufe dieſer Kriſe ſo häufig begegnen mußte.
Auch in Italien iſt die ruſſiſche Note mit Befrie=
digung
aufgenommen worden. Sie wird in der Trihuna
als ein Dokument von größter politiſcher
Wichtigkeit begrüßt, weil es allen phantaſtiſchen Ge=
rüchten
über die zweideutige Haltung Rußlands ein Ende
mache Die Note bedeute mehr als zehn Blockaden;
außerdem enthalte ſie die beſte Rechtfertigung der italie=
niſchen
Volitik gegenüber der Oppofition, die ſlawiſcher=
ſein
wollte als die ſlawiſche Vormacht.
Mit Befriedigung äußern ſich auch die Pariſer
Blätter über die Note. Das Journal des Debats ſagt:
Niemand kann jetzt noch leugnen, daß die ſo vielfach
getadelte Flottendemonſtration eine durchaus praktiſche
Maßnahme und weiſe Vorſichtsmaßregel darſtellt. Der
Petit Pariſien erklärt, das ruſſiſche Communiaus bilde
ein neues Unterpfand für die friedlichen
Abſichten der Petersburger Regierung.
Man müſſe Kokowtzow und Saſonow Dank dafür wiſſen,
daß ſie in einem Augenblick, wo ſie von den Panſlawiſten
ſo hart bekämpft würden, daß bereits ihr Rücktritt ange=
kündigt
wurde, dieſes Schriftſtück veröffentlicht haben, das
endgültig jede Beunruhigung beſeitigt und das Einver=
nehmen
auf dem Kontinent befeſtigt.

Deutſches Reich.

Das Wahlrecht verzogener Wähler.
Das Plenum des Reichstages wird ſich demnächſt mit
einer Meinungsverſchiedenheit zu beſchäftigen haben, die
im Ausſchuß über die Frage entſtanden iſt, ob bei Nach=
wahlen
Wähler, die aus dem Wahlbezirk verzogen ſind,
aber noch in der Wählerliſte ſtehen, wahlberechtigt ſind.
Die Reichsregierung hat vor nicht langer Zeit Gelegenheit
gehabt, zu dieſer Frage Stellung zu nehmen, und zwar

aus Anlaß einer Anfrage der fürſtlichen Regierung von
Reuß ä. L. Der dortige Wahlkommiſſar hatte entſchieden,
daß Wähler, die ſeit der Aufſtellung der Wählerliſten für
die Reichstagswahl im Januar 1912 verzogen waren, bei
der Erſatzwahl am 19. Dezember vorigen Jahres nicht
wählen durften. Gegen dieſe Entſcheidung war Be=
ſchwerde
eingelegt. Auf dieſe bezog ſich die Anfrage der
reußiſchen Regierung. Im Auftrage des Reichskanzlers
erteilte darauf der Staatsſekretär des Innern Delbrück
folgende Antwort: Nach diesſeitiger Auffaſſung wird
die Vorſchrift des § 7, Abſatz 1 des Wahlgeſetzes durch
§ 3, Abſatz 3 wonach es binnen eines Jahres keiner
neuen Aufſtellung der Wahlliſte bedarf nicht berührt.
Dieſe Auffaſſung entſpricht dem Beſchluſſe des Wahlprü=
fungsausſchuſſes
und des Reichstages, wonach bei Erſatz=
wahlen
die Aufgabe des Wohnſitzes in dem Wahlbezirke
zur Zeit der Wahl, abgeſehen von dem in § 7 vorgeſehe=
nen
Ausnahmefall (mehrere Wahlbezirke für eine Ge=
meinde
) ein für allemal die Berechtigung der Teilnahme
ausſchließe. Eine hiervon abweichende Entſcheidung des
Reichstages hat hier nicht ermittelt werden können. Mit
dem Beſchluß des Reichstages ſteht auch die Entſcheidung
des Reichsgerichts in Strafſachen (Band 37, Seite 383)
im Einklang.
Aus dem elſaß=lothringiſchen Land=
tag
. Die Zweite Kammer der Reichslande beendigte die
dritte Leſung des Etats und nahm letzteren mit allen gegen
die Stimmen der Sozialdemokraten an. Den bemerkens=
werteſten
Punkt in der Beratung bildete die Abſtimmung
über den kaiſerlichen Gnadenfonds. Nachdem dieſer ge=
mäß
eines Abänderungsantrages des Zentrums und der
Fortſchrittler wieder in den Etat eingeſetzt war, gelangre
er mit 27 gegen 19 Stimmen zur Annahme. Zwiſchen dem
Präſidenten Dr. Ricklin und dem Abgeordneten Drumm
kam es erneut zu einer Auseinanderſetzung, weil der Prä=
ſident
verlangte, daß der Abgeordnete ſich der hochdeutſchen
Sprache bedienen ſollte, was jener nur dann zugeſtehen
will, wenn es zur Bedingung für alle Abgeordneten ge=
macht
würde. Als der Präſident die Einſchränkung machte,
daß er das Verlangen nur an diejenigen Abgeordnete
richte, welche den Beweis erbrächten, daß ſie hochdeutſch
ſprechen könnten, verzichtete Drumm auf das Wort.
Fortſetzung des Tarifkampfes im
Malergewerbe. Die Korreſpondenz des Hauptver=
bandes
deutſcher Arbeitgeberverbände im Malergewerbe
ſchreibt: Bekanntlich fanden auf Anregung des Herrn
Staatsſekretärs Dr. Delbrück erneute Verhandlungen über
den Tarifabſchluß im Malergewerbe ſtatt. Die zweitägigen
Verhandlungen unter Vorſitz der Herren Magiſtratsrat von
Schulz, Gerichtsdirektor Dr. Prenner und Bürgermeiſter
Rath endeten mit dem Reſultat, daß von den Gehilfenver=
tretern
zwar einige Konzeſſionen zu dem Tarifmuſter in
Form von Erläuterungen in Ausſicht geſtellt, dagegen gber
ganz neue und weitergehende Lohnforderungen angekün=
digt
wurden, deren Höhe noch vorbehalten blieb. Der er=
neute
Vorſchlag der Unparteiiſchen, die Schiedsſprüche vom
24. Februar jetzt beiderſeitig anzunehmen, wurde ebenſo
wie das generelle Angebot der Meiſterſchaft auf 3 Pfg. ſo=
fortige
Lohnerhöhung, welche einer Mehreinnahme von
270 Mark für die Tarifperiode gleichkommt, von der Ge=
hilfenſchaft
abgelehnt. Die anders lautenden Nachrichten
der Arbeiterpreſſe ſind unrichtig.

Ausland.
Oeſterreich=Ungarn.

Oeſterreichiſche Staatsanleihe für Eiſen=
bahnzwecke
. Der öſterreichiſche Finanzminiſter hat an
ein Konſortium, beſtehend aus dem K. K. Poſtſparkaſſenamt.
in eigenem Namen und in Vollmacht und in Vertretung
des öſterreichiſchen Konſortiums für die Durchführung
ſtaatlicher Kreditobligationen in Wien, der Direktion der
Diskontogeſellſchaft in Berlin, dem Bankhaus S. Bleich=
röder
in Berlin, der Deutſchen Bank in Berlin und dem
Bankhaus Mendelsſohn u. Co, eine 4½prozentige, in 65
Jahren tilgbare Staatsanleihe für Eiſenbahnzwecke im
Nominalbetrage von 122800000 Reichsmark gegeben. Die
Anleihe wird vorausſichtlich Ende dieſes Monats in
Deutſchland zur Zeichnung aufgelegt werden. Bei der Be=
handlung
war der Finanzminiſter in der Lage, beruhigende
Erklärungen über die auswärtigen Beziehungen der öſter=
reichiſch
=ungariſchen Monarchie und im Zuſammenhang
damit über die vorausſichtliche Entwicklung der Verhält=
niſſe
auf dem Balkan abzugeben.
Vom böhmiſchen Landtage. Die Verhand=
lungen
, die bezweckten, die ſogenannte wirtſchaftliche Seſ=
ſion
des böhmiſchen Landtages zur Erledigung der Lehrer=

[ ][  ][ ]

Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Nummer 86.

gehälter und die Sanierung der Finanzen des Landes zu
ermöglichen, ſcheiterten in der gemeinſamen Sitzung von
Vertretern der deutſchen und tſchechiſchen Abgeordneten
endgültig.

Frankreich.

Mannſchaftsmangel in der Marine. Vor
der Budgetkommiſſion hat der neue Marineminiſter Bau=
din
die Erklärung abgegeben, daß die drei Quellen, aus
denen die Marine ihren Rekrutenerſatz beziehe, den heu=
tigen
Anforderungen nicht mehr genügen. Weder die
Freiwilligen, noch die nach dem Geſetz über die zwei=
jährige
Dienſtzeit der Marine überwieſenen Leute, noch
endlich die Leute der Inſkription maritime die geſetzlich
60 Monate im Dienſt behalten werden könnten, aber nach
heutigem Gebrauch bereits nach 48 Monaten entlaſſen wer=
den
, reichen zur Beſetzung aller Schiffe aus. Es müßten
unbedingt Mittel und Wege gefunden werden, den Mann=
ſchaftsbedarf
für die Zukunft, namentlich für die großen
Schiffe, zu decken. Die bevorſtehende Indienſtſtellung von
Schiffen mit 800, 900 und 1000 Mann Beſatzung und mit
35, 40 und ſelbſt 50 Offizieren machen neue Maßnahmen
notwendig. Bereits im laufenden Jahr werden 3390
Mann mehr als 1912 gebraucht, 1914 handle es ſich um 6000
Mann mehr als für 1913, und 1918 werden mit der Voll=
endung
des gegenwärtigen Bauprogramms, unter der Vor=
ausſetzung
, daß dieſes bis dahin nicht erweitert würde, ſo=
gar
16500 Mann mehr als 1913 benötigt. Durch alle dieſe
Vermehrungen werde ſich der geſamte Mannſchaftsbeſtand,
der für die Bemannung aller Schiffe gebraucht würde, auf
77000 Mann ſtellen.

Vereinigte Staaten.

Geſetz gegen unlautere Börſenmani=
pulationen
. Der Gouverneur des Staates New=York,
Sulzer, unterzeichnete ein Geſetz, das Manipulationen an
der Börſe, die den Zweck haben, die Kursgeſtaltung in
den Fonds und Bonds zu beeinfluſſen, um das Publikum
irre zu führen, für ein Vergehen erklärt. Das iſt das
zweite in der Reihe der Finanzgeſetze, das von Sulzer
gebilligt worden iſt.

* London, 12. April. Der deutſche Botſchaf=
ter
Fürſt Lichnowsky war geſtern als Ehrengaſt bei
dem Lordmayorbankett im Manſionhouſe anweſend. Der
Botſchafter, welcher lebhaft begrüßt wurde, zollte in einer
Tiſchrede der weltberühmten Gaſtfreundſchaft der Londoner
City hohe Anerkennung und erinnerte daran, wie häufig
ſie in den letzten Jahren gerade den Deutſchen zuteil ge
worden ſei. Alle Deutſchen Londons empfänden es, daß
zwiſchen ihrem Vaterlande und den Vertretern der Lon=
doner
City ein altes Band aufrichtiger Freundſchaft be=
ſtehe
.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 14. April.

* Erledigte Stellen. Die Stelle eines Ober
lehrers mit Lehrbefähigung in Latein und Griechiſch
am Wolfgang Ernſt=Gymnaſium zu Büdingen. Das
Präſentationsrecht ſteht dem Herrn Fürſten zu Yſenburg
und Büdingen in Büdingen zu. Eine mit einem
evangeliſchen Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle zu
Dreieichenhain, mit der ein Teil des Organiſten=
dienſtes
verbunden iſt. Das Präſentationsrecht zu dieſer
Stelle ſteht dem Herrn Fürſten zu Iſenburg und
Büdingen in Birſtein zu. Das Ausſchreiben vom 10.
v. Mts. wird hiermit zurückgenommen.
* Wohltätigkeitsfeſt zum Beſten des Roten Kreuzes.
Inmitten der bedeutungsvollen, künſtleriſchen Ereigniſſe
unſeres Hoftheaters, die zurzeit im Vordergrund des all=
gemeinen
Intereſſes ſtehen, werden die Vorbereitungen
für das am 31. Mai und 1. Juni im Orangerie=Garten in
Beſſungen ſtattfindende Märchenfeſt emſig betrieben.
Eine ſtattliche Anzahl von Damen und Herren unſerer
Stadt haben ſich in den Dienſt der guten Sache geſtellt
Neben den Büffets und Reſtaurationsbetrieben, den Ver=
kaufsbuden
und Luſtbarkeiten mancherlei Art, iſt es vor
allem der Märchenzug der Kinder, der große Anforde=
rungen
an ſeinen Schöpfer, Herrn Maler Hanns Pellar
wie an die Damen ſtellt, die es übernommen haben, die
einzelnen Gruppen zu bilden. Man bedenke, daß in der

Gruppe des Kleinen König etwa 40 Kinder, ebenſoviele
in der Gruppe aus 1001 Nacht, und in der Ratten=
fänger
=Gruppe gar 70 Kinder zur Mitwirkung herange=
zogen
werden! Aus dieſen Gruppen heraus entwickeln
ſich Aufführungen und Tänze deren Einſtudierung Frau
Hedwig Ehrle, die Gattin unſeres beliebten Hof=
theatermitgliedes
, in liebenswürdiger Weiſe übernommen
hat. Eingeleitet werden dieſe Aufführungen durch einen
Prolog. Ihn dichtete Frau Mathilde Merck= Noth=
wang
deren feinem Talente wir ſchon ſo manche tief=
empfundene
poetiſche Gabe zu verdanken haben.
* Atelierbeſuch. Ihre Königlichen Hoheiten der
Großherzog und die Großherzogin ſtatteten
dem Atelier des Malers Hanns Pellar auf der
Künſtlerkolonie einen Beſuch ab, um das Porträt der
Prinzeſſin Victor zu Erbach=Schönberg zu beſichtigen.
Aufgelöſte Hilfskaſſen. Die Krankenkaſſe für die
Angeſtellten der Mitglieder des Gaſtwirtevereins, e. H.,
in Darmſtadt und die Krankenkaſſe für die Gehilfen und
das ſonſtige Hilfsperſonal der freien Bäckerinnung
Darmſtadt, e. H., in Darmſtadt haben ihre Auflöſung,
die durch Senatsentſcheidungen des Kaiſerlichen Aufſichts=
amts
für Privatverſicherung genehmiat wurde, be=
ſchloſſen
. Die den Kaſſen nach § 75a des Kranken=
verſicherungsgeſetzes
erteilten Beſcheinigungen wurden
mit Wirkung vom Tage der Auflöſung an zurückge=
nommen
.
H. K. Von der Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft
Man ſchreibt uns: Von den Maßnahmen, die zur
wirtſchaftlichen Kräftigung des Hand=
werkerſtandes
in Heſſen von der Handwerks
kammer Darmſtadt ergriffen wurden, iſt an her=
vorragender
Stelle die Errichtung der heſſiſchen
Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft A. G.
zu nennen. Dieſe Einrichtung, die eine überaus ſegens=
reiche
Wirkſamkeit bisher entfaltet hat, will auch den
kleineren Handwerksbetrieben die Vorteile eines ſach=
gemäßen
Bezuges aller Bedarfsartikel teilhaftig machen.
Zu den Hauptaufgaben der Genoſſenſchaft gehört der
Bezug von Kraft= und Werkzeugmaſchinen, ſowie auch
Werkzeugen aller Art, und zwar für jeden Handwerks=
zweig
. Abtr auch mit Ratſchlägen in allen die tech=
niſche
Seite eines Handwerkszweiges berührenden Fragen
dient die Genoffenſchafr den Intereſſenten; ſie iſt dahe
für jeden heſſiſchen Handwerker die vorteilhafteſte,
billigſte und ſeine eignen Intereſſen am meiſten be=
rückſichtigende
Bezugsquelle. Da außerdem die Ge
noſſenſchaft auf Anſuchen Koſtenvoranſchläge für zu be=
ſchaffende
Maſchinen koſtenlos fertigt und in jeder Weiſe
ſachverſtändige Auskunft erteilt, kann jedem heſſiſchen
Handwerker die Benutzung dieſer Einrichtung nur dringend
empfohlen werden. Ebenſo werden aber auch die Hand=
werker
gebeten, die Handwerker=Zentralgenoſſenſchaft
A. G. zu Darmſtadt auf jede ſich bietende Gelegenheit
aufmerkſam zu machen, bei der ſie zum Wohle des
Handwerks ſich nutzbringend betätigen kann. Mit dieſer
Maßnahme hat die heſſiſche Handwerkskammer wie die
Ergebniſſe dieſer auf gemeinnütziger Grundlage be=
ruhenden
Einrichtung dartun, einen vollen Erfolg zu
verzeichneu, der, auch in anderen Bundesſtaaten aner=
kannt
, zu ähnlichen Einrichtungen in verſchiedenen Teilen
des Reiches geführt hat.
Die Wiederherſtellung eines Frühzuges (1.-3. Kl.)
nach Stuttgart ſieht der neue Sommerfahrplan in
folgender Weiſe vor: Ab Darmſtadt 609, an Mannheim
658, ab Mannheim 710, an Stuttgart 919.
Akademiſche Volksunterrichtskurſe. Ende
April beginnt das Sommerſemeſter der A. V. D. Als neut
Einrichtung iſt in den Lehrplan dieſes 8. Lehrganges
unter anderem auch ein Kurſus für Bürgerkunde auf=
genommen
. Vorausſichtlich erfolgt, ebenſo wie im ver
gangenen Winterſemeſter, die eigentliche Eröffnung der
Kurſe durch einen allgemein=intereſſierenden Vortrag.
Der genaue Termin der Anmeldungen wird noch be=
kanntgegeben
.
* Kirchenkonzert. Das für Sonntag, den 20. April,
angeſagte Konzert des Mainzer Domchors zum Beſten
der zu Darmſtadt gehörenden katholiſchen Diaſpora=
gemeinden
muß eingetretener Verhältniſſe wegen auf
Sonntag, den 1. Juni, verſchoben werden und wird an
dem genannten Tage abends in der St. Eliſabethen
kirche abgehalten. Die bereits gelöſten Karten behalten
für den 1. Juni ihre Gültigkeit, werden aber auf Wunſch
von Herrn Rentner Litzendorff, Ludwigſtraße 6, gegen
Erſtattung des dafür bezahlten Betrags zurückgenommen.
* Impfzwangsgegner=Verein. Am 15. April halter
die Herren Dr. jur. Spohr=Gießen und Schriftſteller
Wegener=Frankfurt hier im Fürſtenſaal einen öffentlichen
Vortrag über das Reichsimpfgeſetz und deſſen verſchiedene
richterliche Auffaſſungen. Es wird hiermit auf die dies=
bezügliche
Anzeige aufmerkſam gemacht.

Schlachtviehmarkt Darmſtadt. Woche vom 6.
bis 12. April: Auftrieb 477 Schweine, 190 Kälber und
4 Hämmel.
Zur Hundevergiftungs=Affäre. Der Verein
der Hundefreunde von Darmſtadt und Umgegend
hat zuſammen mit Herrn Kommerzienrat Hickler für
die Ermittelung des Täters, deſſen roher, gemeiner Hand=
lungsweiſe
eine größere Anzahl wertvoller Hunde zum
Opfer gefallen ſind, eine Belohnung von 60 Mk.
ausgeſetzt. Hoffentlich gelingt es bald, dieſem Tierfeind
ſein ruchloſes Handwerk zu legen.

Ein Märchentheater.

Unſere Stadt wird demnächſt um ein ſchönes
und eigenartiges kleines Kunſtinſtitut bereichert wer=
den
. Ein Kunſtfreund hat dem Großherzog eine
Stiftung überwieſen mit der Beſtimmung, ein
Märchentheater zu erbauen. Dieſes Theater,
zu dem die Entwürfe bereits fertig geſtellt ſind
und der letzten geheimen Sitzung der Stadtverord=
neten
vorgelegen haben, ſoll zu der nächſtjährigen Aus=
ſtellung
fertig ſein und es dürfte nicht nur für dieſe eine
beſondere Anziehungskraft bilden, ſondern ſpäter über=
haupt
eine ſolche verbleiben, da es in den Beſitz der
Stadt übergehen ſoll. Für das Gebäude, einen etwa
150 Zuſchauer faſſenden Rundbau mit Kuppeldach (aus
Kupfer), iſt als Standort der eigentlich von der Bebauung
ausgeſchloſſene Platz öſtlich der Villa Leydhecker und Er=
bacher
Straße nächſt der dortigen ſchönen Baumgruppe
auserſehen, und außer dem Zuſchauerraum wird das
Theater noch einen Reſtaurationsraum nebſt Küche uſw.
enthalten, ſo daß es auch ſonſtigen geſelligen Veranſtal=
tungen
dienen könnte. Der Großherzog beabſichtigt, es
nach Beendigung der Ausſtellung als Geſchenk an die
Stadt zu überweiſen und dieſe kann alsdann ſeine wei=
tere
Verwendung beſtimmen, muß allerdings die Unter=
haltungskoſten
übernehmen. Der Bauplatz iſt Eigen=
tum
der Stadt. Er iſt ſeinerzeit der Stadt geſchenk=
weiſe
vom Großherzog übermacht worden mit der Bedin=
gung
, daß der Platz nicht bebaut, ſondern als Anlage er=
halten
wird. Da der Platz für die Zwecke des Märchen=
theaters
aber beſonders geeignet iſt, hat der Großherzog
ſich mit der Bebauung einverſtanden erklärt. Die Stadt=
verordneten
haben in ihrer nichtöffentlichen Sitzung hierzu
Stellung genommen und ſich mit dem eventuellen ſpäteren
Uebergang in ſtädtiſchen Beſitz einverſtanden erklärt.
Bei der Beratung wurde u. a. angeregt, das Gebäude ſpä=
terhin
zu Lichtbildervorführungen wiſſenſchaftlichen Cha=
rakters
für die ſtädtiſchen Schüler uſw. zu benutzen. Die
Baukoſten, deren Voranſchlag 60000 Mark betragen ſoll,
werden, wie ſchon erwähnt, von einem Stifter getragen.
Die Unterhaltungskoſten, die die Stadt übernimmt, dürften
unſchwer aus Vermietungen uſw. zu decken ſein, ſo daß
man für das eigenartige und reizvolle Geſchenk recht dank=
bar
ſein kann.

Darmſtädter Wochenmarkt.
Marktpreiſe am 12. April.
Butter, ½ kg . . 1,50 M. Gelberüben, ½ kg . 5 Pf.
kg 25-30 Pf.
i. Part., ½ kg 1,40 M. Schwarzwurz,
78 Pf. Schnittlauch, Bündel 2 Pf.
Eier, Stück .
Schmierkäſe, ½ Liter 20 Pf. Römiſch=Kohl . . 23 Pf.
Handkäſe, Stück 410 Pf. Spargeln, ½ kg . 1,20 M.
Kartoffeln, Ztr. 2,503,50 M.
Geflügel, Wildpret:
Kumpf (10 Liter) 50 Pf. Enten, Stück
4,505 M.
Mäuschen, Kumpf 1 M.
½ kg . . . . 910 Pf. Hahnen und Hühner,
33,50 M.
Stück
Obſt u. dergl.:
Tauben, Stück . . 70 Pf.
Aepfel, ½ kg . 1525 Pf. Lapins, Stück . 11,10 M.
Zitronen, Stück . . 5 Pf. Zicklein, ½ kg . . 60 Pf.
Apfelſinen, Stück 68 Pf.
Fiſche:
Birnen, ½ kg . . . 20 Pf.
Hecht, ½ kg . . . 90 Pf.
Salat, Gemüſe uſw.:
Aal, ½ kg . . . . 1,10 M.
Kopfſalat, Stück 815 Pf. Karpfen, ½ kg
80 Pf.
Feldſalat, Körbchen 10 Pf
Radieschen, Bündel 45 Pf. Andere Rheinfiſche,
. 5060 Pf.
½ kg.
Rettiche, Bündel 1020 Pf. Rotzungen. ½ kg . 80 Pf
Meerrettich, Stück 1020 Pf. Schollen, ½ kg . . 80 Pf.
Roterüben, ½ kg . . 12 P
Kabeljau, ½ kg . . 30 Pf.
kg . 68 %
Zwiebeln,
40 Pf
Tomaten, ½ kg 5060 Pf. Schellfiſche, ½ kg
kleine, ½ kg 25 P
Spinat, ½ kg . 1520 Pf
Seelachs, ½ kg . . 30 Pf.
Weißkraut, Stück 2030 Pf
Rotkraut, Stück 5070 Pf. In den Fleiſchſtänden:
Blumenkohl, Stück 2060 Pf. Rindfleiſch, ½ kg . 70 Pf.
Wirſing, Stück . . 70 Pf. Hackfleiſch, ½ kg . 76 Pf.
56 Pf.
5 Pf. Rindsfett, ½ kg
Grünkohl, Stück .
Roſenkohl, ½ kg . 25 Pf. Rindswürſtchen, Stück 15 Pf.

Aus der eiſernen Zeit:
Napoleon naht.

C) Es war in der Nacht vom 15. zum 16. April, als
ein prunkloſer grüner zweiſitziger Scheibenwagen, von
ſechs ſtarken Pferden gezogen und zwei Reitern gelenkt,
gefolgt von einer langen eilenden Eskorte im raſcheſten
Lauf aus den Toren von St. Cloud rollte: der Kaiſer
begab ſich zu ſeiner Armee in Deutſchland. Nicht als
lEmpereur, ſondern als General Bonaparte wolle er die=
ſen
Krieg führen, hatte er lächelnd zu Berthier geſagt.
Nun ruhte er, den Kopf mit einem bunten Tuch umwun=
den
, in ſeiner in den ſchönſten Federn hängenden Reiſe=
kutſche
ſo ſanft wie im Bett. Auf dem Kutſcherſitz ſaf
allein ſein Leibmameluk Ruſtan, und hinterher gallopier=
ten
der Großſtallmeiſter, die dienſthabenden Adjutanten
Stallmeiſter, Ordonnanzoffiziere, Pagen, alle jedes Win=
kes
ihres Herrn gewärtig. Die große Laterne in der
Mitte der hinteren Wagenwand, warf ihren flackernden
Schein über die herumliegenden Dokumente, Bücher und
Karten. . Bald ſollte dieſer unſcheinbare Wagen zum
Mittelpunkt eines Weltkrieges werden, denn in ihm wohnte
die Seele des neuen großen Heeres, das Frankreich zur
Unterdrückung der Welt aufgeſtellt, von ihm ging die raſt=
loſe
Tätigkeit aus, die alles in Bewegung ſetzte.
Ueber die Lebensgewohnheiten Napoleons
während des Feldzuges von 1813 iſt uns der anſchauliche
Bericht eines Augenzeugen erhalten, des ſächſiſch= rheinbün=
diſchen
Majors von Odeleben, der im Stabe des Kaiſers
den Krieg mitmachte. Er berichtet uns, wie Napoleon in
ſeinem Wagen arbeitete. Die Rapporte, die die
Kuriere brachten, wurden von dem Großſtallmeiſter Cau
lincourt geöffnet, während alles im Trab und Galopp
weiterging. Caulincourt ſprang vom Pferd, nahm den
Eilboten beiſeite, öffnete das Felleiſen, jagte dem Wagen
Napoleons nach, gab ihm die Depeſchen, und nun flogen
kurz darauf Scharen von Kuverts aus dem Wagenſchlage.
Hatte ihm Berthier und er dieſem nichts mehr zu ſagen,
verlor ſelbſt das Spiel mit der Quaſte ſeines Zugfenſters

ſeinen Reiz, ſo ſchlief er. Um aber den Kaiſer vor der
Langeweile zu ſchützen, füllte man, wenn keine Rapporte,
Liſten und dergleichen eingegangen waren, alle Seiten=
taſchen
des Wagens mit Pariſer Zeitungen und Tage=
blättern
aus. Auch dieſe flogen, wenn er ſie flüchtig
durchlaufen hatte, noch leichter als der Wind, der ſie trug,
in das nachtrabende Gefolge. Schlug der Kaiſer irgend=
wo
ſein Hauptquartier auf, dann wurde ſofort das größte
und ſchicklichſte Gemach des Gebäudes oder ein großes
Zelt neben dem ſeinen als Kabinett eingerichtet, wo er
mit ſeinen Sekretären arbeitete. In der Mitte des Zim=
mers
ſtand eine große Tafel, auf der die beſte Karte des
Kriegsſchauplatzes ausgebreitet ward. In Sachſen war
es die von Petri, weil ſich Napoleon im Jahre 1806 an
dieſe gewöhnt hatte und ſie vorzüglich ſchätzte. Lag dieſe
Karte nicht bereit, ſo mußte ſie doch unmittelbar nach
ſeiner Ankunft herbeigeſchafft werden, denn ſie war ſeine
tragbare Heimat, ſchien ihm mehr am Herzen zu liegen
als andere Bedüefniſſe des Lebens, und ward des Nachts
mit vielleicht 20 bis 30 Lichtern beſetzt, in deren Mitte
der Zirkel lag. Stieg er zu Pferde ſo trug der Großſtall=
meiſter
Caulincourt das nötige Blatt auf der Bruſt ein=
geknüpft
, weil er Napoleon ſtets am nächſten war, um ſie
ihm darreichen zu können, wenn er ſagte: la charte!
Napoleon arbeitete mit unglaublicher Leichtigkeit und
Ueberſicht, oft ganze Nächte hindurch. Dies waren jedochk
ſeltene Fälle; gewöhnlich arbeitete er früh von 2 bis 4 Uhr
und ruhte oder meditierte dann noch ein paar Stunden im
Bett. Gemeiniglich diktierte er, indem er völlig ange=
zogen
, in ſeiner gewöhnlichen grünen Uniform, und ſehr
oft mit dem Hut auf dem Kopfe, im Zimmer hin und her
ging. Gewöhnt, alles was aus ſeinem Kopfe ſtrömte, mit
der größten Schnelligkeit ausgeführt zu ſehen, konnte ihn
auch niemand ſchnell genug ſchreiben, und was er in die
Feder ſagte, mußte deshalb in Chiffern geſchrieben wer=
den
. Es iſt unglaublich, wie ſchnell Napoleon beim Dik=
tieren
ſprach, und zu welcher Fertigkeit in dieſer Schrift
es ſonach ſeine Sekretäre gebracht hatten. Natürlich warer
die Chiffern Hieroglyphen. Ein Drachenſchwanz bedeutete
vielleicht das ganze franzöſiſche Heer die Peitſche das
Korps des Davout ein Dorn das britiſche Reich der

Schwamm die Schützlinge oder die Handelsſtätte uſw.
Das ganze Lager wartete in dumpfer Spannung auf die
Entſcheidungen, die von dieſem Zentrum herkamen.,
Sehr oft verzog ſich der Aufbeuch um mehrere Stunden
oder halbe Tage, und an das letzte Wort, welches Napo=
leon
in ſeinem Kabinett diktierte, reihte ſich der trockene
Befehl: la voiture! à cheval! und, wie durch einen elek=
triſchen
Schlag, ſetzte ſich nun alles, was folgen mußte, in
Bewegung. Ritt der Kaiſer, ſo ließ er ſein Pferd am
liebſten querfeldein gehen, ohne daß jemand wußte wohin.
Es war ihm allemal unangenehm, wenn er von
Hinderniſſen oder Schwierigkeiten hörte. On ne
peut pas? ſagte Napoleon, ſpöttiſch lachend, und
ließ gemeiniglich nicht eher von einem Vorſatze ab, bis
er ſich ſelbſt überzeugt hatte. Einen Tag wie den andern
erſchien er in ſeiner gewöhnlichen grünen Uniform mit
rotem Kragen und dem Stern der Ehrenlegion, bei
naſſem Wetter darüber den weltbekannten grauen Ueber=
cock
. Nie konnte er untätig ſein; wenn ihm die Zeit lang
ward ſchnupfte er Tabak oder machte ſich wenigſtens mit
den Füßen etwas zu ſchaffen. Sehr oft ſah man ihn hei
teren Geſichts, und unterwegs ſang oder ſprach er ſogar
im Rezitativ einige italieniſche Worte. Bei heiterer,
ruhiger Stimmung hatte ſein Ton etwas ſehr Gefälliges
und Zutrauliches gegen ſeine Feldherren; aber einen
ganz anderen Ton nahm er im Dienſt an. Viele Leute
ſind in der irrigen Meinung geweſen, daß er Deutſch
verſtanden und ſogar etwas geſprochen habe; ich habe
aber nicht die geringſte Spur davon bemerkt und kann ver=
ſichern
, daß es nicht der Fall geweſen iſt. Bei den unbe=
deutendſten
Antworten oder Ausſagen gemeiner Leute,
denen Napoleon Fragen vorlegte, wollte er gern ſogleich
den Sinn enträtſeln, und ungeduldig unterbrach er dann
den Dolmetſcher durch ein qu’est-ce qu’il dit! in einem
halb rauhen, halb ſchneidenden Baßtone. Am ſonder=
barſten
, oft komiſch, war ſeine Ausſprache der deutſchen
Orte, deren Namen man eher aus den Umſtänden oder der
Lage erraten als verſtehen konnte. So ziſchte oder polterte
er anſtatt: Zeitz- Siß; anſtatt Weißenfels oder Weißig
Wiſſeniß; anſtatt Teplitz Tilpſit; anſtatt Klix Kuſch=
anſtatt
Hochkirch Ohghirſch.

[ ][  ][ ]

Nummer 86.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Seite 3.

Gernsheim, 12. April. Eine neue Marktord=
nung
für den hieſigen Jung=Schweinemarkt ſoll nun=
mehr
eingeführt werden. Mit dem Entwurf iſt die land=
wirtſchaftliche
Kommiſſion der Gemeindevertretung ſoeben
beſchäftigt. Dieſelbe Korporation hat jetzt auch die Aus=
arbeitung
von Entwürfen zur Errichtung einer Fohlen=
weide
und einer Rinderweide in die Hand ge=
nommen
.
Von der Bergſtraße, 12. April. Es bedurfte nicht erſt
des Schneefalles, um die Obſtausſichten zu
beeinträchtigen, das iſt leider durch die vorange=
gangenen
kalten Nächte an der Bergſtraße ſchon gründ=
lich
geſchehen. Die Frühmandeln ſind längſt erfroren; die
Spätmandeln haben wohl reichlich angeſetzt, werden aber
bei dieſem naßkalten Wetter zugrunde gehen. Das Stein=
obſt
hat meiſtens verblüht und wird bei dieſem Wetter
nicht anſetzen. Birnen ſtehen in voller Blüte, müſſen aber
verkümmern. Die Apfelblüten ſtehen am Aufbrechen,
können ſich aber nicht entfalten. Wenn nicht gleich wieder
beſſeres Wetter eintritt, iſt an einen Obſtertrag nicht zu
denken.
sd. Bürſtadt, 12. April. Die beiden Haupttäter,
idie am vergangenen Sonntag auf der Bürſtadter Orts=
ſſtraße
einen Anſchlag auf einen Soldaten des Gießener
IInfanterie=Regimens verübt hatten, wurden auf Anord=
mung
Großh. Staatsanwaltſchaft Darmſtadt am Bahnhof,
als ſie von ihrer Arbeitsſtelle zurückkehrten, verhaftet
nind ſofort in das Gefängnis nach Lorſch verbracht.
Offenbach, 12. April. Die geſtern abend abgehaltene
dringende Stadtverordnetenſitzung beſchäftigte ſich mit
der Bahnhofsfrage, wenigſtens mit den Kompenſa=
tionsvorſchlägen
der Stadt Offenbach gegenüber der
0Eiſenbahnverwaltung wegen der Aufgabe des An
lhaltens einiger Züge auf dem Offenbacher Haupt
Abahnhof zur Erzielung eines ſchnelleren Durchgangver=
Rehrs. Oberbürgermeiſter Dullo berichtete in eingehender
Weiſe über die bisher geführten Verhandlungen in dieſer
Angelegenheit zwiſchen der Eiſenbahnverwaltung. der Han=
ddelskammer
und dem heſſiſchen Miniſterium. Die Aus=
ggleichsforderungen
der Stadt Offenbach beſtehen in der Er=
rrichtung
eines neuen Bahnhofes, der Durchführung der
Waiſerſtraße und Beſeitigung der Lokalbahn. Nach ein=
ggehender
Ausſprache gelangte der von dem Stadtverord=
meten
Dr. Katz unterbreitete Antrag einſtimmig zur An=
mahme
, in dem es heißt, die Stadtverordneten= Verſamm=
lung
beſchließe in Uebereinſtimmung mit der Handelskam=
imer
, die das Halten der Züge L 53 und 54. D 11. 12 und
(57 als für Offenbach nicht unentbehrlich erklärt hat, einzu=
willigen
, daß dieſe Züge in Offenbach nicht mehr halten
ſollen, wobei die Eiſenbahnverwaltung Gegenleiſtungen
hhierfür zu gewähren hat, die die Benachteiligung, welche
Handel und Induſtrie erfahren können, ausgleichen. Die
Stadtverordneten=Verſammlung verlangt zunachſt folgende
Begenleiſtungen, behält ſich aber ausdrücklich vor,
daß dieſelben ergänzt werden, nachdem die Handelskammer
hrerſeits noch ihre Wünſche unterbreitet hat: 1. Die Eiſen=
Hahnverwaltung verpflichtet ſich, die entſprechenden An=
chlußzüge
an die für Offenbach ausfallenden Züge zwi=
chen
dem Hauptbahnhof Offenbach und dem Hauptbahn=
Hof Frankfurt zu erſetzen. 2. Die Eiſenbahnverwaltung
rifft Einrichtungen, durch die eine Verſchlechterung
ſoer poſtaliſchen Verhältniſſe in Offenbach
verhütet wird. 3. Die Konzeſſion und das Gelände für die
Lokalbahn wird der Stadt Offenbach unter noch feſtzu=
etzenden
Bedingungen überlaſſen. 4. Das Empfangsge=
wäude
der Stadt Offenbach wird durch ein neues erſetzt und
eie Durchführung der Kaiſerſtraße unter der Bahn neben
ieſem Empfangsgebäude vorgeſehen. 5. Die Gepäckbe=
ſörderung
von dem Hauptbahnhof Frankfurt nach Offen=
hach
durch die Eiſenbahnverwaltung wird in noch näher
zu vereinbarender Weiſe garantiert. Eine Kommiſſion ſoll
ſie Verhandlungen mit den Behörden führen
Erbach, 12. April. Im nahen Ebersberg wollte
der bei Landwirt Bär bedienſtete noch nicht 15 Jahre alte
Aonecht Peter Schweitzer einen auf einer kleinen An=
lööhe
ſtehenden, ſchwer mit Steinen beladenen unbeſpann=
ten
Wagen ſelbſt zur Straße herabführen. Trotzdem ein
dabeiſtehendes Mädchen die Bremſe des Wagens feſt zu=
gedreht
hatte, kam dieſer doch infolge ſeines Gewichts in
zut raſche Bewegung und preßte den bedauernswerten
jungen Mann, der in ſeinem Schreck die Deichſel losgelaſſen
hatte, mit dem einen Rad derart gegen einen Baum, daß
die untere Hälfte ſeines Kopfes völlig zu Brei zerdrückt
neurde. Der Tod trat ſofort ein.
Mainz, 12. April. Feſtgenommen wurde ein Kellner
aus Cochem, der ſich in einer Wirtſchaft rühmte, auf der
Erbenheimer Rennbahn einem Beſucher 800 Mark geſtohlen
nu haben. Nach ſeiner Feſtnahme erklärte er, ſeine Selbſt=
lgezichtigung
ſei unwahr und nur aus Scherz geſchehen.
Eine Schulzahnklinik für Mainz wurde geſtern vom
Schulausſchuß genehmigt. Kinder mit ſchlechten und
mgefaulten Zähnen ſollen dort unentgeltlich behandelt
noerden. Aber es ſollen auch durch die Zahnklinik Anlei=
tungen
und Belehrungen zur Pflege der Zähne erfolgen
Deieſe Neueinrichtung ſoll ſelbſtändig neben dem Inſtitut

der Schulärzte beſtehen, doch mit ihm natürlich Hand in
Hand arbeiten.
Worms, 12. April. Geſtern nachmittag wurde in
einem Weinberg an der Speyererſtraße ein Wingerts=
arbeiter
mit einem Kopfſchuß aufgefunden. Es han=
delt
ſich um den 37 Jahre alten, verheirateten Gärtn
und Wingertsmann Wilh. Z. von hier, der bei ſeinen Ar=
beiten
in dem Wingert an der Fabrik Maria=Münſter
mit einem Flobert gelegentlich nach Spatzen ſchoß.
Nach 2 Uhr hörte ein am anderen Ende des Wingerts be=
ſchäftigter
Arbeiter einen Schuß, den er aber nicht be=
achtete
, da Z. öfters ſchoß. Als dieſer Arbeiter gegen
3 Uhr nach dem Z. ſuchte, fand er ihn auf einem Steine
ſitzend und aus einer Wunde über dem rechten Auge blu=
tend
vor. Das Flobert lag unter ſeinem Körper. Der Ver=
letzte
war bewußtlos. Es muß angenommen wer=
den
, daß er mit der Waffe unvorſichtig hantiert
hat und hierdurch die Schußwunde erlitt. Der Zuſtand
des ſofort ins Krankenhaus gebrachten Verletzten iſt be=
denklich
.
Gaulsheim, 12. April. Gegen 8 Uhr abends geriet das
Holzlager der Firma Gebr. Himmelsbach in
Brand. Nur dem tatkräftigen Eingreifen der Wehr und
dem Umſtande, daß zurzeit faſt völlige Windſtille herrſchte,
war es zu verdanken, daß der Brand auf ſeinen Herd be=
ſchränkt
werden konnte. Die Kraftwagen und Pferde konn=
ten
gerettet werden. Dagegen ſind die Gebäude und die
darin aufgeſpeicherten Vorräte an Abfallholz ein Raub
der Flammen geworden. Nach faſt zweiſtündiger Ar=
beit
war das Feuer zum größten Teil gelöſcht, während
im Innern das Karbid noch mehrere Stunden rauchte. Der
Gebäude= und Materialſchaden iſt groß und ſoll nur zum
Teil durch Verſicherung gedeckt ſein.
(*) Gießen, 11. April. Erhängt aufgefunden wurde
heute früh der 16 Jahre alte Schloſſerlehrling J.
Friedrich, der Sohn des Bahnbeamten F. in Klein=
Linden. Der Junge ging morgens wohlgemut an ſeine
Arbeit in dem Neubau des Schreinermeiſters Lenz zu
Gießen. Als der Geſelle kam, fand man die Türen von
innen verſchloſſen, ſo daß ſie gewaltſam geöffnet werden
mußten. Entſeelt hing der Knabe an einem Haken. Der
Junge iſt der einzige Sohn ſeiner ſchwergeprüften Eltern.

Kunſtnotizen.

Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Ermähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.
* Verein für Frauenſtimmrecht. Anläßlich
der Veranſtaltung der hieſigen Ortsgruppe für Frauen
ſtimmrecht, die am Montag, den 14. April, im Kaiſerſaal
ſtattfindet, ſchreibt man uns: Die Lichtbilder
welche zur Vorführung gelangen, werden durch den Deut=
chen
Verband für Frauenſtimmrecht ſeinen Ortsgruppen
zur Verfügung geſtellt, um für den Beſuch des Inter
nationalen Kongreſſes für Frauenſtimmrecht, welcher vom
15.20. Juni d. J. in Budapeſt, der Hauptſtadt Ungarns,
ſtattfindet, Propaganda zu machen. Der glänzende Ver=
lauf
der früheren Weltkongreſſe und die rührige Tätigkeit
des ungariſchen Vorbereitungskomitees bieten Gewähr da=
für
, daß auch dieſer Kongreß, auf das Intereſſe der gan=
zen
ziviliſierten Welt Anſpruch machen kann. Nicht nur
Europa und Amerika werden durch bedeutende Perſönlich
keiten, Männer und Frauen vertreten ſein, ſondern auch
Aſien und Afrika nehmen daran teil. Weibliche Stadt=
räte
, ein weibliches Parlamentsmitglied aus China, ein
weiblicher Unterrichtsminiſter aus Colorado legen Zeug=
nis
davon ab, welch gewaltige Fortſchritte die frauen=
rechtleriſche
Bewegung in der ganzen Welt bereits zu ver=
zeichnen
hat; mit welchem Mute und welcher Ausdauer
die Frauen anderer Kulturländer um ihre Menſchenrechte
gekämpft haben und noch kämpfen. Ein ganz beſonderes
Intereſſe gewinnt die Veranſtaltung noch dadurch, daß
die internationale Männerliga für Frauenſtimmrecht zu
gleicher Zeit ihren zweiten Kongreß in Budapeſt abhält,
unter dem Vorſitz von Sir John Cockburn. (Näheres über
den Teeabend der hieſigen Ortsgruppe ſiehe Inſerat in
der Samstagsnummer.)

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 12. April. Der Reichs=
kanzler
von Bethmann Hollweg iſt heute mor
gen hier wieder eingetroffen. Gegenüber den Blät=
termeldungen
, welche den Tod des Gymnaſiaſten
Tiemann=Charlottenburg betreffen, läßt der
Staatsanwalt durch das Polizeipräſidium erklären, daß
die Sachlage ſo wenig geklärt ſei, daß die Frage, ob Selbſt=
mord
oder Tötung vorliege, noch nicht entſchieden werder
könne. Der Privatdetektiv Schwarz hatte ein mehrere Stun=
den
dauerndes Verhör vor dem Staatsanwalt des Land=
gerichts
III Berlin zu beſtehen. Auch die Akten aus Rum=
melsburg
ſind heute bei der hieſigen Staatsanwaltſchaft
eingetroffen. Nach deren Studium und der Vernehmung
des Schwarz hatte der Staatsanwalt eine längere Konfe=

renz mit dem Oberſtaatsanwalt, der am Nachmittag eine
ſolche zwiſchen dem Charlottenburger Polizeipräſidenten
und dem Leiter der dortigen Kriminalpolizei, Kriminal=
inſpektor
Krauſe, folgen wird. Danach ſoll, wie ſchon er=
wähnt
, ein amtliches Communiqué über den Stand der
Dinge veröffentlicht werden. Es gewinnt an Wahrſchein
lichkeit, daß die Ermordung des Gymnaſiaſten Tiemann
von dem Dienſtmädchen Heinrich wirklich nur erſonner
worden iſt, obgleich das Mädchen ſein angebliches Geſtänd=
nis
nicht nur wiederholt vor dem Unterſuchungsrichter in
Rummelsburg abgelegt, ſondern auch das Protokoll unter
ſchrieben hat. Die Potsdamer Mordaffäre iſt
nun in ein neues Stadium getreten. Die Beſchlußkammer
am Potsdamer Landgericht hat heute mittag auf An=
trag
der Staatsanwaltſchaft gegen den verhafteten Alt=
händler
Rudolf Händel in Potsdam, der ſich ſeit dem
Mordtage als vermutlicher Täter in Haft befindet, die
Vorunterſuchung wegen Raubmordes an Fräulein Gertrud
von Schönfeld eröffnet.
Frankfurt, 11. April In der heutigen nichtöffentlichen
Sitzung der Stadtverordnetenverſammlung ſtand als ein=
ziger
Gegenſtand die Wahl des zweiten Bürger=
meiſters
auf der Tagesordnung. Das Ergebnis war:
Stadtrat Dr. Luppe 38, Stadtv. Dr. Heilbrunn 18, Stadt=
rat
Profeſſor Bleicher 14 Stimmen. Luppe iſt ge=
wählt
. Hermann Luppe iſt als Sohn des Oberreal=
ſchuldirektors
Profeſſor Dr. Guſtav Luppe am 6. Auguſ
1874 in Kiel geboren. Er beſuchte dort das Gymnaſium
und ſtudierte Rechtswiſſenſchaft. Nach beſtandenem Aſſeſ=
ſorexamen
trat er im Jahre 1900 beim Magiſtrat in Kiel
ein. Im Juni 1900 kam Luppe nach Frankfurt, zuerſt als
Magiſtratsaſſeſſor. Anfang 1907 wurde er Magiſtrats=
ſyndikus
, Ende 1909 Stadtrat.
Hanau, 12. April. Im Hanauer Eiſenbahn
Regiment ſind die Typhuserkrankungen bis
auf drei Erkrankungen zurückgegangen. Der volle Dienſt
im erſten Bataillon wird vorausſichtlich am 24. April wie=
der
aufgenommen werden.
Weinheim, 11. April. Seitens des Weinheimer
Seniorenkonventes iſt beabſichtigt, mit der Weihe der
W. S. C.=Wachenburg eine Erinnerungsfeier
an den Befreiungskampf im Jahre 1813 zu verbinden. Das
auf den 4. Mai d. J. anberaumte Feſt iſt zugleich die
Jubelfeier des 50jährigen Beſtehens des W. S. C., und
wird ſich der Teilnahme der Korps von allen Techniſchen
Hochſchulen Deutſchlands zu erfreuen haben. Gegründet
wurde der Weinheimer Seniorenkonvent am 6. April 1863
zu Frankfurt a. M. von den S. C. Karlsruhe, Stuttgart,
Zürich. Die auf dem Wachenberge in Weinheim errichtet=
W. S. C. Wachenburg war gedacht als Heim für den
Verband der Korps der Techniſchen Hochſchulen, zugleich
aber als Ehrenmal für die im Feldzuge gefallenen Kom=
militonen
. Die jetzt vollendete Burganlage mit ragendeh
Turme wurde nach den Plänen des Architekten Profeſſor
Wienkoop=Darmſtadt in fünf Bauperioden durch den
Baumeiſter Georg Hopp=Weinheim ausgeführt, nach=
dem
im Jahre 1907 der Grundſtein gelegt worden war
Die Geſamtkoſten waren auf 270000 Mark veranſchlagt
worden. Es waren für den Bau bis 1912 im ganzen
147700 Mark tatſächlich aufgewendet worden, und in den
beiden letzten Jahren wurden allein gegen 120000 Marl
verbaut. Die Baugelder ſind ſämtlich durch freiwillige
Spenden aufgebracht worden. Die Feſtleitung hat dies
mal als Vorort des Weinheimer Seniorenkonvents der
S. C. zu Stuttgart.
Leipzig, 11. April. Um Kupferdiebſtähle zu verhin
dern, war eines Tages die im Bau befindliche Stark
ſtromleitung bei Schkeuditz, in der Nähe von Leip=
zig
, im April 1912 mit einem Strom von 10000 Volt
Spannung beſchickt worden. Es war jedoch vergeſſen wor=
den
, am nächſten Tage den Strom wieder abzuſtellen. Der
Malergehilfe Nicolaus, der dort zu tun hatte, wurde vom
Strom getroffen und ſtürzte den 16 Meter hohen
Leitungsmaſt herab. Er ſtarb im Krankenhaus an den
erlittenen Verletzungen. Infolgedeſſen waren der Ober=
ingenieur
Borrmann und zwei Monteure wegen fahrläſſi=
ger
Tötung angeklagt worden. Erſterer wurde heute vom
Landgericht zu ſechs Monaten Gefängnis verurteilt,
während die beiden Monteure freigeſprochen wurden.
Recklinghauſen, 12. April. Im Betriebe der Zeche
General Blumenthal platzte der Keſſel einer Gru
benlokomotive. Durch die umherfliegenden Eiſenſtücke
wurde ein Bergmann getötet und ein zweiter ſchwer
verletzt.
Pyrmont, 11. April. In der vergangenen Nacht ſchlug
ein 16jähriger Junge namens Igge ſeine Mutter, eine
Witwe, die ihm wegen einiger von ihm verübten Dieb=
ſtähle
Vorhaltungen machte, mit einem Beile nie=
der
und flüchtete. In Emmern bei Hameln, wo er ſich
bei einem Gaſtwirt einlogieren wollte, fiel dem Wirt ſein
verſtörtes Weſen auf; die Polizei wurde benachrichtigt, die
den Burſchen feſtnahm. Er geſtand, ſeine Mutter erſchla=
gen
und mehrere Einbruchsdiebſtähle, u. a. auch in Han
nover einen Juwelendiebſtahl, begangen zu haben, wobei

Feuilleton.

* Der Reiswein der Japauer. Der im Samstagsblatt
eiwähnte Sake, den man ebenſo gut als Reisbier wie als
Reiswein bezeichnen könnte, iſt ein Mittelding zwiſchen
Mier und Branntwein. Dieſer Reisalkohol wird auf fol=
gende
Weiſe gewonnen: Gedämpfte Reiskörner werden
mit den Fruchtträgern von Aspergillus oryzae ( Pilzgat=
tung
) überzogen; es, entwickelt ſich dann auf dem Reis
enn weißes, ſamtartiges, angenehm riechendes Mycel.
Tieſe Maſſe, Kodſchi oder Tanekodſchi genannt, wird mit
giedämpftem Reis vermaiſcht; in der breiartigen Maſſe
wird unter dem Einfluſſe des Kodſchi allmählich eine Um=
wandlung
der Reisſtärke in Zucker bewirkt; nach einigen
Tagen klärt ſich die Flüſſigkeit, und gleichzeitig tritt unter
dam Einfluſſe eines Hefepilzes eine Alkoholgärung ein,
durch die Flüſſigkeiten mit einem ziemlich hohen Alkohol=
gdchalt
erzeugt werden können. Der auf dieſe Weiſe er=
zemugte
Reiswein iſt eine klare, gelbe, angenehm riechende
Flüſſigkeit mit einem Gehalt von 13 bis 15 Prozent Al=
kothol
. Die Güte des Sake hängt, wie behauptet wird
vieel von den Eigenſchaften des bei den verſchiedenen
Brrauoperationen zur Verwendung gelangenden Waſſers
al.: Der Reiswein wird warm getrunken und ſchmeckt un=
effähr
wie Madeira; wenn man ihn nicht warm trinkt,
wiird man leicht berauſcht. Man trinkt aus kleinen, breiten,
niccht ſonderlich tiefen Bechern von Porzellan oder ſchön
lackiertem Holz. Es gibt in Japan 20000 Sakefabriken,
unrd der jährliche Verbrauch des Nationalgetränks beläuft
ſichh auf 2544 Millionen Liter.
C.K. Das erfüllte Eheideal der Dollarprinzeſſin. Eine
Neew=Yorker Erbin von 40 Millionen Mark, Miß Tilla
Gilbert, hat das bei Dollarprinzeſſinnen beſonders ſeltene
Gllück gehabt, den idealen Gatten zu finden. Vor einem
Jaahr etwa beſchrieb ſie ihr Eheideal folgendermaßen: Er
muttß 6 Fuß groß ſein und ein Freund der Athletik. Er
mutß dunkel ſein, ein guter Reiter, Tiere lieb haben,

glatt raſiert ſein, mit ſtarker Kinnlade und eng am Kopf
anliegenden Ohren. Er muß ſelber ſein Geld verdienen
der Episkopalkirche angehören und ein Republikaner ſein.
Starkes Haar, über dem linken Ohr gekräuſelt, muß er
haben und eine grade Naſe, große und kluge, aber durch=
aus
nicht ſeelenvolle Augen, weil Männer mit ſeelenvollen
Augen der Regel nach keine Geldverdiener ſind. Dann
muß er ganz beſtimmte Ideen über das Aufziehen von
Schweinen und Hühnern haben. Er muß Zitronenſaft in
den Tee nehmen und Anzüge tragen, wie der Schauſpieler
John Drew. Und dieſes Muſterbild des Ehegatten hat
die junge Dame nunmehr in Howard Price Renſhaw aus
Troy im Staate New=York gefunden. Freilich alle For=
derungen
der anſpruchsvollen Dollarpeinzeſſin erfüllt auch
dieſer Idealmenſch nicht. Er iſt weder glattraſiert noch
hat er das gewünſchte gekräuſelte Haar über dem linken
Ohr. Aber er wird nunmehr die vielbegehrte Millionen=
braut
heimführen, um die ſich ſo manche Verehrer, unter
ihnen auch ein Neffe des Expräſidenten Taft, beworben
haben. In der Wahl des Mr. Renſhaw bleibt ſie der
Branche treu, durch die ihr Vater ſein Rieſenvermögen er=
warb
. Auch der ideale Bräutigam ſtammt aus der Klei=
derkonfektion
, iſt ſehr reicher Leute Kind, und ſeine Tante
iſt die Mutter des Herzogs von Marlborough.
Klaviertaſten aus Milch. Wenn man einer Klavier=
ſpielerin
heute ſagen würde, daß ſie vielleicht buchſtäblich
auf Milch Muſik macht, ſo würde wohl jene lächelnd den
Kopf ſchütteln. Und doch werden bereits eine große
Menge von Klaviertaſten aus Milch hergeſtellt. Es han=
delt
ſich dabei un die Erfindung eines engliſchen Che=
mikers
, der ein Verfahren entdeckte, aus abgerahmter
Milch einen feſten Körper herzuſtellen, der alle Eigenſchaf=
ten
des Elfenbeines hat und ſich in der Fabrikation viel
billiger ſtellt. Dieſes harte Milchprodukt, das den Namen
Syrolit erhalten hat, wird bereits in der engliſchen Stadt
Stroud in einer Fabrik in großen Maſſen hergeſtellt und
bildet eine im Handel immer größer werdende Rolle als
Erſatz für Elfenbein, das bekanntlich immer teurer und

ſeltener wird. Aus dieſer gehärteten Milch werden
nicht nur Klaviertaſten, ſondern auch Knöpfe, Schirmgriffe
Photographierahmen und beſonders Kämme hergeſtellt.
Das Präparat wird aus abgerahmter reiner Milch ge=
wonnen
, die nach einem Reinigungsprozeß ſo ſtark ge=
preßt
wird daß alle Feuchtigkeitsteile entfernt werden:
und zurück bleibt eine harte und trockene, ſehr widerſtands=
fähige
Maſſe.
* Wie verzollt man Hörner? Eine närriſche Zoll=
geſchichte
erzählt eine Londoner Zeitung: Geriet da kürz=
lich
in einer Grenzſtadt, deren Name nicht genannt wird,
ein Zollbeamter in nicht geringe Verlegenheit, als ſich ihm
an der Zollſchranke ein Herr ſtellte, der ein paar wunder=
hübſche
Hörner in der Hand hielt. Unter den vom Zoll
betroffenen Gegenſtänden waren Hörner nicht beſonders
aufgeführt: die amtliche Liſte ſprach verallgemeinernd nur
von Gegenſtänden aus Horn Zollbeamter und Reiſen=
der
ſtritten ſich eine gute halbe Stunde lang herum, ohne
zu einem Ergebnis zu gelangen. Der Zollbeamte wollte
unter rückſichtsloſer Vergewaltigung der Naturgeſchichte
die Hörner für Elfenbein erklären und mußte ſich ge
fallen laſſen, daß der Reiſende ihn als einen kraſſen Jg
noranten an den Pranger ſtellte; dafür revanchierte ſich
der Beamte, indem er ſich entſchieden weigerte, die Hör=
ner
als ein Tierhaupt gelten zu laſſen, da das Tier, zu
dem ſie gehört hätten, nicht lebend vor ihm ſtünde.
Schließlich kam ein Herr, der dem originellen Diſput bei=
gewohnt
hatte, und dem die Sache ſchon zu lange dauerte
auf einen Ausweg: er nahm den Beamten beiſeite und
ſagte ihm, daß er die Hörner als Schmuckgegenſtand all=
täglicher
Art deklarieren könne. Das leuchtete dem Be=
amten
ſofort ſein, und die Hörner gingen frei durch.
* Der Depeſchenkobold. In einem Telegramm aus
Rom berichtet die Bayeriſche Staatszeitung vom 10. April
Der Papſt findet großen Troſt in dem Beiſtand ſeiner
Daß dies juſt der
Schweſtern und ſeiner Enkelin . .
Bayeriſchen Staatszeitung paſſieren muß!

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Nummer 86.

er vier Komplizen gehabt haben will. Die Mutter des
Mörders iſt heute vormittag den Verletzungen erlegen.
Hamburg, 12. April. Vor ſeiner Abreiſe nach Kanada
hielt ſich der Bankdefraudant Bruning unter
dem falſchen Namen Kranich in Hamburg auf und lebte
auf großem Fuße. Er erzählte einem Großkaufmann auf
einem Jagdausfluge, daß es ihm im Leben nie ſchlecht
gehe, denn er habe einen anſtändigen Notpfennig in dem
Jagdrevier des Kaufmanns vergraben. Letzterer legte
Brunings Aeußerung keine Bedeutung bei. Erſt jetzt, als
er nach längerem Aufenthalte im Ausland nach Hamburg
zurückkehrte und von der Verhaftung Brunings erfuhr,
erinnerte er ſich an die Angabe ſeines damaligen Jagd=
freundes
und erſtattete Anzeige. Die Polizei hat Nach=
grabungen
anſtellen laſſen und hofft, die noch fehlenden
117000 Mark herbeiſchaffen zu können.
Bautzen, 12. April. In der Sächſiſchen Pulverfabrik
von Krantz & Co, wurden durch eine Exploſion
zwei Pulverhäuſer zerſtört. Ein Arbeiter er
litt ſchwere Brandwunden, denen er erlag. Die Urſache
der Exploſion iſt in der Selbſtentzündung von Pulver=
ſtaub
zu ſuchen.
Paris, 12. April. Die Staatsanwaltſchaft
hat gegen den hieſigen Spekulanten Deville, welcher
unter falſchem Namen eines Marquis de Sardelys eine
Bankgegründet und zahlreichen Perſonen unter der
Vorſpiegelung, daß er Privatunternehmen in Aktiengeſell=
ſchaften
umwandeln wolle, ſehr beträchtliche Beträge ent=
lockt
hatte, die ſtrafrechtliche Unterſuchung wegen Betrugs
und Vertrauensbruchs angeordnet.
London, 12. April. Die Führerin in der Frauenſtimm=
rechtsbewegung
, Frau Pankhurſt, die am 3. April
zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, iſt wie=
der
in Freiheit geſetzt worden, da ſie die Nahrungsauf=
nahme
verweigert. Sie hat alſo ihren Zweck erreicht.
New=York, 12. April. Der Dampfer mit der Leiche
Morgans iſt geſtern hier eingetroffen. Der Sarg
wurde nach dem Morganſchen Privatmauſoleum gebracht.

Der Nieder=Modauer Bank=
krach
vor der Strafkammer.

Sechſter Verhandlungstag.
g. In der Verhandlung am Samstag wurde die
Zeugenvernehmung
fortgeſetzt. Reviſor Lehr hat 1901 eine Reviſion der Nie=
der
=Modauer Kaſſe vorgenommen. Dabei ſei ihm be=
ſonders
aufgefallen, daß einer Firma gegen Hinterlegen
von Aktien ein Kredit von 100000 Mark gewährt wurde
Das eigene Betriebskapital des Vereins betrug damals
nur 0,9 Prozent der Spareinlagen, und die Zinsrückſtände
ſeien ſehr hoch geweſen. Der Sekretär des Reviſionsver=
bandes
habe mehrmals Vorſtand und Aufſichtsrat zur Er=
füllung
ihrer Pflicht ermahnt, trotzdem ſei alles den alten
Weg gegangen. Vorſtand und Aufſichtsrat ſeien trotz
Aufforderung bei den Reviſionen nicht zugegen geweſen.
Allgemein hieß es ſchon damals, wenn einer weit und
breit kein Geld erhalte, ſolle er nur nach Nieder=Modau
gehen. Auf die Fragen des Herrn Regierungsrats Ba
ſtian, wie nach des Zeugen Meinung der Genoſſenſchafts=
verband
gegen den Nieder=Modauer Verein hätte vor=
gehen
ſollen, antwortete er, der Verband hätte genauer
nachſehen und, wenn Abhilfe nicht zu ſchaffen war,
den Verein aus dem Verband ausſchließen müſſen. Die
Gründung der V.=V.=G. habe er angeregt, damit eine Zen=
tralſtelle
den Genoſſenſchaften zur Verfügung ſteht, die die
Eintreibung der Hypotheken uſw ohne beſondere Rück=
ſichten
durchführen kann. Sie ſollte ausſchließlich not=
leidenden
Genoſſenſchaften Beiſtand leiſten. Die Arbeit in
der Kaſſe ſei für Beck zu viel geweſen, da die Geſchäfte zu
umfangreich waren. Beck ſei wiederholt auf die Jagd ge=
gangen
. Der Angeklagte Beck meint, er ſei nur dann auf
die Jagd gegangen, wenn wenig zu tun geweſen ſei,
dann habe er dem Kontrolleur Adam die Kaſſe über=
geben
. Regierungsrat Baſtian fragt, ob die V.=V.=G
gegründet ſei, um den in Bedrängnis geratenen Genoſſen=
ſchaften
Geld zu beſchaffen. Reviſor Lehr ſagt, daß in
erſter Linie den Genoſſenſchaften die Geſchäfte erleichtert
werden ſollten, um nötigenfalls bei günſtiger Gelegenheit
Hypotheken in Geld umzuſetzen.
Angeklagter Ihrig möchte ſich gegen eine Aeußerung
wenden, die Pfandbriefe der Kreditbank ſeien oberfaule
Papiere geweſen. Es wurden daraufhin nochmals ein=
gehend
die Transaktionen mit den Pfandbriefen der Kre=
ditbank
beſprochen. Der Angeklagte Ihrig führt aus:
Die Genoſſenſchaften gaben an die V.=V.=G. Hypotheken
uſw. zur Geldbeſchaffung. Die V.=V.=G. trat aber auck
gegenüber der Kreditbank als Geldgeberin auf. Die
V.=V.=G. erhielt dafür von der Kreditbank Pfandbriefe des
Inſtituts zum Kurſe von 80 Prozent. Dieſe Pfandbriefe
wanderten mit Sperrvermerk über zwei Jahre an die Ge=
noſſenſchaften
zu 100 Prozent, und die Genoſſenſchaftsbank
wiederum lombardierte den Genoſſenſchaften die Pfand=
briefe
. Die Bank ließ ſich die auf Grund dieſer Trans=
aktion
gutgeſchriebenen Summen auch nur mit 4 Proz. ver=
zinſen
, wie ſich die Pfandbriefe verzinſten. Die Summen
gelangten aber nicht zur Auszahlung, ſondern kamen zur
Gutſchrift auf das Bankkonto. Der Angeklagte kann ein
beſonderes Riſiko darin nicht erblicken, daß die Genoſſen=
ſchaften
Papiere zu 100 Prozent übernehmen mußten, die
nur 80 Prozent wert waren, da ja die Pfandbriefe nach
Ablauf der Sperrzeit ohne Verluſt abgelöſt wurden. Für
das Riſiko der 20 Prozent Kursdifferenz hätten die Ge=
noſſenſchaften
den Vorteil des Zinsunterſchiedes von
4 Prozent und dem Bankzinsfuß von 8 Prozent gehabt
Es ſei auch niemals die Notlage der Kreditbank ausgenutzt
worden. Im Gegenteil war die Genoſſenſchaftsbank be=
müht
, die Kreditbank im Intereſſe des Genoſſenſchafts=
weſens
zu halten.
Zeuge Braner hat 1897, 1905. 1906 und 1907 Revi=
ſionen
in Nieder=Modau ausgeführt. Es ſei ihm beſon=
ders
aufgefallen, daß viele Urkunden fehlten. Auch daß
große Verluſte zu erwarten waren, habe er feſtgeſtellt.
1905 habe er gefunden, daß Wechſel liefen, ohne daß dafür
irgendwie etwas in den Büchern zu finden war. Nack
ſeinen Feſtſtellungen haben damals Urkunden im Werte
von 178000 Mark gefehlt, die wie er annahm. für die
Wechſel verpfändet waren. Klar habe er über die ganze
Angelegenheit nicht geſehen. Er habe deshalb an die Ge=
noſſenſchaftsbank
geſchrieben um ein Verzeichnis der Ur=
kunden
, die im Beſitze der Genoſſenſchaftsbank ſich be=
fanden
, damit er prüfen konnte, ob die Sache in Ordnung
war. Daß Unterſchlagungen von Adam gemacht worden
ſind, habe er weder 1905 noch 1907 gedacht. Die von
ihm gemachten Anſtände ſeien ſtets zum Teil beſeitig:
worden. Soviel er ſehen konnte, kümmerte ſich im Vor=
ſtand
und Aufſichtsrat niemand um die Tätigkeit des
Adam. Zeuge Reviſor Müller hat 1909 dieſelben
Beanſtandungen gefunden, wie in den vorhergehenden Be=
richten
angegeben war. Auf Veranlaſſung des Verbandes
hat er dann mitgeholfen an der Ordnung der Angelegen=
heiten
, wobei die Uneinbringlichkeit der 275000 Mark feſt=
geſtellt
wurde. Für das Konto Adam ſollte Deckung da

ſein, wie ihm Beck mitteilte. Daß die hinterlegten Sicher=
heiten
aber Eigentum des Vereins waren, habe er nicht
gewußt. Zunachſt ſei wohl Beck ſehr fleißig geweſen,
Später habe er aber nicht nur von Ihrig, ſondern auch
von Aufſichtsrat und Vorſtand erfahren, daß er ſehr häu=
fig
andere Abhaltungen hatte, beſonders ſei er viel nach
Darmſtadt gefahren. Wenn er auf die Jagd ging, habe
Beck die Kaſſengeſchäfte dem Kontrolleur übergeben. Als
der Verluſt von 275000 Mark feſtgeſtellt worden war, habe
er der Sitzung von Vorſtand und Aufſichtsrat beigewohnt.
In der Sitzung habe er gegen die Uebernahme der Summe
geſprochen, aber er habe ſich dem Vorſchlag des Ihrig
gefügt, da dieſer ein alter erfahrener Genoſſenſchafter war.
Er habe den Eindruck gehabt, als ſollte die Schuld=
anerkenntnis
nicht wirklich bezahlt werden. Es ſei auch be=
ſchloſſen
worden, die Schuldanerkenntnis unter die Aktiva
der Bilanz einzuſtellen. Drohende weitere Verluſte
habe er jedenfalls in der Sitzung auch mitgeteilt. In der
Generalverſammlung ſei mitgeteilt worden, daß ein Ver
luſt entſtanden ſei, der aber übernommen wurde. Die
Summe wurde nicht genannt, auch nicht geſagt, daß der
Verluſt ſehr groß war. Die Mitglieder haben auch jeden
falls aus der gemachten Mitteilung nicht ſchließen können,
daß ein Verluſt in ſolcher Höhe entſtanden ſei. Jedenfalls
wurde von Vorſtandsſeite kein großes Weſen von dem
Verluſt gemacht. Er glaube, daß er Ihrig in
der Sitzung von Vorſtand und Aufſichtsrat geſagt habe
er möchte den Mitgliedern reinen Wein einſchenken. Auf
die Anfrage des Rechtsanwalts Neuſchäffer, warum
er in der Generalverſammlung nicht aufgetreten ſei und
die Verſammlung über den Verluſt aufklärte, was doch
auch ſeine Pflicht geweſen wäre, gibt Zeuge die Antwort:
Da hätte ich mal ſehen wollen, wie es mir ergangen wäre
beim Verband. Ueber die Verzinſung der anerkannten
Schuld von 275000 Mark ſei nicht geſprochen worden. Als
Neff dann ſpäter einmal verſuchte, bei den Mitgliedern
des Vorſtandes und Aufſichtsrates die Zinſen für die An=
erkenntnis
einzuziehen, ſei er ausgelacht worden.
Um 2 Uhr wurde die Verhandlung auf Montag
vertagt.

Deutſcher Reichstag.

Berlin 12. April. Präſident Dr. Kaempi
eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten. Die
erſte Beratung der Deckungsvorlage
wird fortgeſetzt. Abg. Gothein (Fortſchr. Volkspt.)
Bisher haben wir angenommen, daß der Silberbeſtand der
Reichsbank auch für Kriegszwecke ausreichend ſei. Die
Vorlage ſieht nun die Neuausprägung von 120 Millionen
Silbermünzen vor. Es würde in der Kommiſſion zu prü=
fen
ſein, ob hierfür eine Notwendigkeit vorliegt. Durch
die Ausgabe von 120 Millionen Reichskaſſenſcheinen wird
dieſe Summe an Gold dem Verkehr entzogen, und dies
iſt nicht wünſchenswert. Die Kommiſſion wird hier zu
prüfen haben, ob unſere Bankverfaſſung für unſeren ge=
ſteigerten
Verkehr noch elaſtiſch genug iſt. Durch die Aus=
gabe
des vielen Papiergeldes gehen wir Verhältniſſen
entgegen, wie ſie in Oeſterreich vor 1866 beſtanden und die
ſchließlich zum finanziellen Zuſammenbruch geführt ha=
ben
. Die Behauptung, daß die Lebenshaltung des Volkes
ſich zum Lurus ausgewachſen hat, iſt unberechtigt. Die
Verteuerungspolitik hat dem Volke Laſten auferlegt, die
kaum noch zu tragen ſind. Der Großgrundbeſitz ſoll
jetzt wieder bei der Einſchätzung des Vermögens für
den einmaligen Wehrbeitrag in beſonderer Weiſe berückſich
tigt werden. Alle dieſe Laſten, die die neuen Vor=
lagen
dem Volke auferlegen, ſind um ſo ſchwer=
wiegender
, als zweifellos jetzt Leute der wirt=
ſchaftlichen
Arbeit entzogen werden. Das bedeu=
tet
einen Produktionsausfall von rund dreihundert
Millionen Mark. Solange die ungerechte Belaſtung des
Volkes zugunſten eines Teiles der Bevölkerung beſtehen
bleibt, ſolange muß eine weitere Anziehung der indirek=
ten
Steuerſchraube ausgeſchloſſen bleiben. Um zu einer
dauernden Geſundung unſerer Finanzen zu gelangen, iſt
die Einführung einer Reichsvermögensſteuer nötia. Selbſt=
verſtändlich
müßten auch die Einkommen wenigſtens bis
10000 Mark hinunter in dieſe Steuer eingeſchloſſen wer=
den
. Wir werden der Kommiſſion unſere Verbeſſe=
rungsvorſchläge
machen, damit dienen wir dem Vater=
lande
. (Beifall links.)
Bayeriſcher Miniſterialrat Dr. Holz: Der Vorwurf
des Abg. Gothein, als ob wir in Bayern keine Möglich=
keit
hätten, die Vermögen richtig zu ermitteln, und daß
wir infolgedeſſen bei der Veranlagung zu dem ſogenann=
ten
veredelten Matrikularbeitrage beſonders gut wegkom=
men
würden, iſt unbegründet und ungerechtfertigt. Es
wird nicht in Verbindung mit den Landesſteuerbehörden
dieſe neue Steuerbelaſtung ermittelt werden, ſondern eine
völlig neue Veranlagung greift Platz nach Maßgabe des
Reichsgeſetzes. Auf Grund unſeres Veranlagungsſyſtems
kann genau feſtgeſtellt werden, welche Einkommenquellen
der einzelne hat und darin liegt ein neuer guter Anhalts=
punkt
für die Vermögensabgabe. Unſere Unterlagen ge=
nügen
durchaus, ich weiſe den Vorwurf nochmals zurück
und kann nur hoffen, daß überall der Vermögensbeitrag
in der Zuverläſſigkeit feſtgeſtellt werden kann wie bei uns
(Beifall.)
Abg. Behrends (Wirtſch. Verga.): Ebenſo wie im
Volke der freudige Wille vorhanden iſt, unſere Wehrmacht
der Notwendigkeit entſprechend zu vermehren, ſo beſteht
zweifellos auch in viel größerem Maße die freudige Be=
reitſchaft
, die erforderlichen Mittel dazu zu bewilligen, als
es die Linke anerkennt. Daß der Finanzbedarf bei dem
einmaligen Wehrbedarf auf den Beſitz gelegt wird, findet
unſere Zuſtimmung, doch muß die Laſt auch hier nach der
Tragfähigkeit verteilt werden. (Der Reichskanzler betritt
den Saal.) Es geht nicht an, daß wir die Laſten für die
Heeresvermehrung ſpäteren Geſchlechtern überlaſſen, indem
wir Schulden machen. Die untere Grenze für die Ver=
mögensabgabe
iſt mit 10000 Mark viel zu niedrig, man
ſollte 30000 Mark anſetzen. Daß die Landwirtſchaft be=
ſondere
Rückſicht bei der Wertermittelung bedarf, ſteht
außer Zweifel. Sodann iſt es notwendig, daß bei der
Aufſtellung des Betriebsvermögens beſondere Rückſicht
darauf genommen wird, ob der Betrieb überhaupt ren=
tabel
iſt. Bei der Einſchätzung muß man auf die gerin=
gen
Einkommen und Rückſicht auf die kinderreichen Fa=
milien
nehmen und die Unverheiratetgn beſonders zu den
Laſten heranziehen. Daß die Fürſtell den Wehrbeitraa
leiſten ſollen, iſt für uns ſelbſtverſtändlich, ſonſt hätte es
im Geſetz beſonders feſtgelegt werden müſſen. Gegen die
dauernde Beibehaltung der Zuckerſteuer müſſen wir uns
wenden, da ſie doch zum Nachteil des kleinen Mannes ge=
reicht
. Wir werden in der Kommiſſion alles tun um ein
gutes Finanzwerk zuſtande zu bringen im Intereſſe des
Volkes und des Vaterlandes. (Beifall rechts.)
Reichskanzler von Bethmann Hollweg:
Die Kritik, die Sie an unſeren Vorſchlägen geübt ha=
ben
, iſt ja zum großen Teil recht ſtark. Trotzdem habe ich
den Eindruck, daß der Reichstag wie die verbündeten Re=
gierungen
gleichermaßen erfüllt ſind von der Größe der
Aufgabe, die uns geſtellt iſt, und durchdrungen von dem
Gefühl der Verantwortung, die uns die Sorge für unſere

Rüſtungen und für die Ordnung des Finanzweſens im
Reiche auferlegt. Ich bin deshalb auch ſo optimiſtiſch, aus
Ihrer Kritik nicht lediglich eine Verurteilung unſerer Vor=
ſchläge
herauszuhören, ſondern das Beſtreben, zu ver=
beſſern
; und wo Sie eine Verbeſſerung beſchließen wer=
den
, werden wir gern bereit ſein, ſie vorzunehmen. Sie
werden aber, meine Herren, nicht erwarten können, daß
ich alle Vorſchläge, die hier gemacht worden ſind ihre
Zahl iſt Legion , für Verbeſſerungen halte Auf Details
will ich nicht eingehen. Man hat ſich beklagt über die
Syſtemloſigkeit unſerer Vorſchläge und die Mangelhaftig=
keit
der Begründung der von uns vorgelegten Vorſchläge
Meine Herren! Eine Finanzreform müßte und wird an=
ders
ausſehen, als unſere Vorſchläge. Dabei gebe ich der
Kritik vollkommen recht. Jetzt heißt es jedoch, die Wehr=
vorlagen
zur Annahme bringen und ſie bezahlen. Wir
ſchlagen Ihnen nicht vor, neue Schulden zu machen. Das
würde den Geldmarkt, die geſamte Volkswirtſchaft nur an=
greifen
. (Sehr richtig!) Das würde unſere Reichsfinanzen
wieder in das gottlob verlaſſene Gebiet der Pumpwirt=
ſchaft
zurückführen. (Sehr richtig!)
Wir legen die geſamten einmaligen Koſten in Höhe=
von
einer Milliarde auf den Beſitz und von den laufenden
Koſten ſoll der Beſitz mehr als die Hälfte tragen. Meine
Herren! Der männermordende Streit, der ſeit 1909 durch
Deutſchland tobt um die Erbſchaftsſteuer, drehte ſich um
60 Millionen Mark. Die lex Baſſermann=Erzberger wollte
die 30 bis 40 Millionen Mark der Zuckerſteuer durch eine
allgemeine Beſitzſteuer erſetzt wiſſen. Was wollen dieſe
Zahlen ſagen gegen die Summe und den Prozentanteil
an den geſamten Aufwendungen, die wir gegenwärtic
verlangen. Nun wird ja auch wohl im allgemeinen nicht
darüber geklagt, daß wir gegenüber dem Beſitz zu ſchüch=
tern
wären. Aber die Herren finden unſere Beſitzſteuer=
vorſchläge
nicht ſchön. Meine Herren! Ueber die Schön=
heit
will ich nicht ſtreiten. Es geht aber doch nicht an, daß
wir uns vor den Augen des Auslandes um das Problem
der Probleme ſo mannte eine Zeitung kürzlich die Be=
ſitzſteuer
herumſtreiten und uns in Kämpfen zerreiben.
Dazu iſt die Zeit gegenwärtig nicht geeignet. Sie haben
an der Reichsbeſitzſteuer im weſentlichen auszuſetzen es
iſt das vielfach ausgeſprochen worden und auch nament=
lich
in der Preſſe daß wir uns wieder neuerdings als
Koſtgänger an den Tiſch der Einzelſtaaten ſetzen müſſen
und daß wir damit die Grundſätze Bismarckſcher Finanz=
politik
verließen. Meine Herren! Bismarck wollte das
Reich finanziell ſelbſtändig machen, nicht um Prinzipien
oder Theorien willen Prinzipien oder Theorien waren
dem Fürſten Bismarck in der Regel ganz gleichgültig
(Zuſtimmung), ſondern weil er die Einzelſtaaten nicht
aushungern wollte. Nun wird jetzt vielfach mit dem Ge=
danken
einer Reichsvermögens= oder Reichseinkommen=
ſteuer
geliebäugelt. Das iſt gar nicht Bismarckiſch und ich
warne dringend davor, Wege zu betreten, die nicht zum
Ziele führen können. Im Syſtem der Finanzwirtſchaft
würde ſich ja die Sache ganz gut machen. Es wären ein=
heitliche
Reichsſteuern, zu denen die Bundesſtaaten Zu=
ſchläge
machen könnten, und das Reich würde beſtimmen,
wie hoch ſie zu ſein hätten. Das wäre eine Art Kommu=
naliſierung
der Einzelſtaaten. Dafür werden ſie ſich be
danken, und zwar mit Fug und Recht (Zuſtimmung), und
wer es mit dem Reiche ernſt und gut meint, ſollte dieſen
Gedanken auch ablehnen. Wohin führt die Sache in der
Praxis? Sehr viele von den im Saale verſammelten
Herren, und auch einer der Redner, ſind Mitglieder der
einzelnen Landtage. Ich bitte die Herren, überlegen Sie
ſich einmal, wohin die Ausführung des Projektes einer
Reichsvermögensſteuer am Ende führt. Haben Sie erſt
einmal eine ſolche eingeführt, dann beſitzen Sie ſie un=
zweifelhaft
und wenn Sie erſt einmal von Ihrer Jugend=
liebe
genoſſen haben. (Heiterkeit) dann laſſen Sie nicht
mehr von ihr. Die Flatterhaftigkeit traue ich Ihnen gar
nicht zu. Das geſamte Steuerſyſtem der Einzelſtaaten iſt
doch tatſächlich aufgebaut auf direkten Steuern, auf das
Vermögen und Einkommen. Mit einer Reichsvermögens=
ſteuer
verwirren Sie das geſamte Steuerſyſtem der Ein=
zelſtaaten
und bringen dieſes Syſtem in die Bundesſtaa=
ten
, wo die Einkommen= und Vermögensſteuer ſchon ſehr
hoch angeſpannt iſt. Derartige (Bundesſtaaten) haben
wir. Herr Baſſermann, den ich leider nicht an ſeinem
Platze ſehe, wird es mir beſtätigen können. Ich nenne
das Land Baden. (Heiterkeit.) Es würde in derartigen
Staaten ſchließlich zu einem Zuſammenbruch des einzel=
ſtaatlichen
Steuerſyſtems kommen, und wenn wir in den
Einzelſtaaten und auch in den kommunalen Vertretungen
Sitz und Stimme haben, ſo bedenken Sie doch, wo ſoll
man ſchließlich das Geld hernehmen für die Erfüllung der
Kulturaufgaben, die doch bei Gründung des Reiches den
Einzelſtaaten und den Kommunen geblieben ſind. ( Zu=
ruf
: Woher nehmen ſie es denn jetzt?) Sie nehmen es
aus direkten Steuern. Wir würden damit nicht nur dieſe
Steuern verkümmern, ſondern auch die Kulturaufgaben,
von denen ich ſprach, und die trotz des hohen Reichsbud=
gets
andauernd haben befriedigt werden können. Wir
bringen damit Stagnation in die Bundesſtaaten und wür=
den
ihre Finanzen an der Wurzel treffen. Meine Herrenl
Erwägen Sie die Gefahren ſehr genau und ich ſage Ihnen
noch einmal, beſchreiten Sie nicht einen Weg, der nicht zum
Ziele führen kann. Ich hoffe, daß Ihnen dann doch unſer
Beſitzſteuervorſchlag nicht als ganz ſo künſtlich und ganz
ſo ſchlecht erſcheinen wird.
Man ſtößt ſich, das entnehme ich aus der Preſſe und
aus manchen hier gehaltenen Reden, an unſeren Vorſchlag
auch um deswillen ſo ſehr, weil Sie wünſchen, eine gleich=
mäßige
Beſitzbeſteuerung im ganzen Reiche herbeizufüh=
ren
. Mit einer Reichsvermögensſteuer würden Sie das
nur erreichen, wenn Sie einen Strich durch das ganze
Syſtem der Beſteuerung der Einzelſtaaten machen und da=
zu
werden doch die Parteien, die mit uns die Grundlagen
des bundesſtaatlichen Syſtems hochhalten, nicht die Hand
bieten; und ſelbſt, wenn wir ich ſpreche jetzt zu den
Herren von der äußerſten Linken und von der Fortſchritt=
lichen
Volkspartei das Sehnen Ihres Herzens nach der
Reichserbſchaftsſteuer erfüllen würden, würden wir auch
in keiner Weiſe zu einer gleichmäßigen Beſitzbeſteuerung
kommen, weder in den Einzelſtaaten, noch innerhalb der
einzelnen Bundesſtaaten, noch für die Kommunen. Sie
würden allerdings ſowohl, wenn Sie eine Vermögens=
wie
wenn Sie eine Erbſchaftsſteuer einführen, immer bei
den jetzigen Ergebniſſen bleiben. Iſt es da nicht viel ge=
rechter
, wenn Sie dieſe Regelung, die wir Ihnen vor=
ſchlagen
, den Einzelſtaaten überlaſſen? Der Einzelſtaat iſt
ſehr viel mehr in der Lage, die Sache ſo zu arrangieren,
wie es zu den einzelſtaatlichen Zwecken und Verhältniſſen
paßt. Sie erhalten keine abſolute Gleichheit, aber ich
glaube, von der angeblichen Wahrheit, daß Gleichheit Ge=
rechtigkeit
bedeutet, würden Sie doch wohl mit der Zeit
abkommen. (Zurufe links.) Ich hoffe, daß Sie ſich von
dem Gedanken freimachen, die Beſitzſteuer könnte das Rück=
grat
der Reichsfinanzen werden. Ich weiß, daß es ſehr
unpopulär iſt, das auszuſprechen. Man wird mich des=
halb
wahrſcheinlich wieder einmal ſteinigen, aber das iſt
mir ſchon öfter paſſiert, und ich lebe doch noch. (Heiterkeit.)

[ ][  ][ ]

Nummer 86.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Seite 5.

Der Wunſch auf Heranziehung des Beſitzes iſt ja ſchon
alt. Der große Anſturm datiert aber erſt von den Jahren
1908 und 1909. Nun, meine Herren! Man ſoll ja bei der
Bemeſſung der Ertragsfähigkeit der direkten und der in=
direkten
Steuern nicht immer bloß von den Verhältniſſen
des Reiches ausgehen. So wichtig ſtaatsrechtlich das
gegenwärtig iſt, daß wir ein Bundesſtaat und kein Ein=
heitsſtaat
ſind, ſo iſt doch volkswirtſchaftlich bei der Frage,
die ich jetzt anſchneide, die Tatſache, daß wir ein Bundes=
ſtaat
ſind, nebenſächlich. Es kommt darauf an, wieviel an
Abgaben für Kommunen, für Einzelſtgaten und Reich auf
direkte und wiediel auf indirekte Beſteuerung gelegt iſt.
Die geſamte Steuerlaſt in Deutſchland wird für 1911 an
direkten Steuern auf rund 2100 Millionen Mark und in=
direkte
auf rund 2800 Millionen Mark berechnet. Die in=
direkten
Steuern haben in Deutſchland alſo noch einen
kleinen Ueberſchuß. Nun ſollte man annehmen, daß in
einem ſoviel reicheren Lande wie Frankreich mit abſolut
demokratiſchen Grundlagen die Bevölkerung zu den direk=
ten
Steuern beſonders hart herangezogen werde. In
Frankreich ſtehen 2500 Millionen indirekte Steuern nur
1350 Millionen direkten Steuern gegenüber. Die direkten
Steuern ſind alſo nur wenig höher als die Hälfte der in=
direkten
. Ich führe das hier aus, um dem Gedanken ent=
gegenzutreten
, als ob für die Zukunft für unſere Finan=
zen
das Heil von Beſitzſteuern zu erwarten ſein wird. Der
Gedanke des Wehrbeitrags iſt gut aufgenommen worden.
Den Eindruck habe ich gehabt. Man hat ſogar ſehr eifrig
darüber geſtritten, wem die Vaterſchaft dieſes Gedankens
zukomme, ob Ludwig XIV., dem Abg. David oder dem
Staatsſekretär Kühn. (Heiterkeit.) Ich meinerſeits ent=
ſcheide
mich für den Staatsſekretär Kühn. Ich halte da=
für
, daß dieſer Gedanke einer einmaligen Vermögens=
abgabe
ein durchaus glücklicher iſt, denn alle Kritik, die
daran geübt worden iſt, kann nicht die Größe des Ein=
drucks
verwiſchen, den er im ganzen Lande hervorgerufen
hat, daß die weiteſten Kreiſe bereit ſind, außerordentliche
Opfer auf ſich zu nehmen.
Ich kann das verſichern, meine Herren, ich habe zahl=
reiche
Zuſchriften erhalten, die von tiefem Patriotismus
getragen ſind, von Reich und Arm, und eine große An=
zahl
dieſer Zuſchriften ſind von Gaben begleitet geweſen
auch von Perſonen, die nach den Abſichten des Wehrbei=
trages
nicht herangezogen werden, die ihren Stolz und
ihre Ehre darein ſetzen, freiwillig beizutragen. Dieſen
ſage ich für ihre Vaterlandsliebe hier öffentlich meinen
Dank. Abg. Südekunt und nach ihm Abg. Gothein haben
eine Stelle meiner Rede vom Montag falſch ausgelegt.
Die Herren haben geglaubt, ich lebe in der Beſorgnis, daß
Deutſchland und namentlich der deutſche Arbeiterſtand in
Lurus und Wohlleben degenerieren. Meine Herren, ich
bitte wirklich ſowohl Herrn Dr. Südekum wie Herrn Dr.
Gothein, ſich einmal mein Stenogramm nachzuſehen. Ich
habe in keiner Weiſe von Deutſchland geſprochen, wenn
ich ſagte, die Geſchichte lehre, daß Völker, die Luxus und
Wohlleben an die erſte Stelle ſetzen, verkommen wären.
Meine Herren, wie ſoll ich da an Deutſchland denken in
einem Moment, wo die verbündeten Regierungen dem
Reichstag den Vorſchlag machen, eine große Verſtärkung
unſerer Rüſtungen vorzunehmen und wo ich meiner Zu=
verſicht
Ausdruck gegeben habe, daß wir bereit ſein wer=
den
, die Opfer auf uns zu nehmen? Da ſoll ich gerade an
Deutſchland denken? (Heiterkeit.) Und wenn ich auch
Deutſchland im Auge gehabt hätte, hätte ich mich in die=
ſer
Beziehung an andere Kreiſe, als gerade an unſere Ar=
beiter
gewandt. Dieſe Kenntnis der Verhältniſſe, wird
mir wohl auch Herr Dr. Südekum zutrauen. Das Bild,
das uns ich will nicht ſpeziell auf die letzte Rede des
Abg. Südekum anſpielen von Zeit zu Zeit von der So=
zialdemokratie
gegeben wird von der Verelendung des
deutſchen Arbeiters iſt falſch. Aber, meine Herren, darin,
denke ich, werde ich die Zuſtimmung des ganzen Hauſes
finden, auch der Herren Sozialdemokraten, Verweichlich=
ung
und Aufgehen in rein materiellen Intereſſen würde
keinem Volke ſo ſehr ſchaden, wie uns Deutſchen. (Sehr
richtig!) Wie müſſen hart bleiben und müſſen uns wehren
können.
Meine Herren, die beiden großen Güter, die wir
durch unſere Vorlage erreichen wollen, ſind die Stärke des
Vaterlandes und der Friede. So hohe Güter gibt es in
der Welt nicht umſonſt, dafür müſſen Opfer gebracht wer=
den
. Das Echo, das der Appell an die Opferwilligkeit
des deutſchen Volkes geweckt hat, ſtärkt mich in der Zu=
verſicht
, der ich ſchon meinen Ausdruck gegeben habe, daß
Deutſchland nicht in der Gefahr iſt, in Wohlleben und
Luxus unterzugehen, ſondern daß es bereit iſt, für die
hohen Güter ſeiner Stärke und des Friedens Opfer zu
bringen. Ich bitte Sie, meine Herren, bewilligen Sie
uns die Mittel, die wir von Ihnen erbitten, ſie werden
gut angelegt ſein. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Bruhn (Rfpt.): Der Prozentſatz für die Be=
ſteuerung
der Vermögen müßte einſtweilen geſtaffelt wer
den. Daß die Fürſten zu dem Wehrbeitrag beiſteuern,
begrüßen wir. Man ſollte aber auch das Vermögen der
toten Hand mit heranziehen. Wir werden nicht zu geſun=
den
Finanzverhältniſſen im Reiche kommen, wenn wir
dem Reiche nicht eine direkte Steuer geben. Die vorge=
ſchlagene
Erweiterung des Erbrechtes des Reiches geht
uns zu weit und wir lehnen die Vorlage deshalb in der
vorliegenden Form ab.
Abg. Segitz (Soz.): Wir
verlangen eine direkte progreſſive Reichseinkommenſteuer.
Die Mahnung zur Sparſamkeit an die Gemeinden war
deplaziert. Dieſe haben ſo viel zu tun, um die notwen
digen Ausgaben zu beſtreiten, daß oft weit über 100 Pro=
zent
Gemeindeinkommenſteuer erhoben werden muß. Die
Regierung hat Schuld an den jetzigen mißlichen wirtſchaft=
lichen
Zuſtänden, und gerade Graf Poſadowsky hätte am
wenigſten Anlaß, ſich jetzt darüber zu beklagen; er war
als Staatsſekretär der Vater des Zolltarifs, der die all=
gemeine
Verteuerung verurſacht hat. Mit dem Erbrecht
des Reiches ſind wir einverſtanden. Wir ſind grundſätz=
lich
Anhänger des fiskaliſchen Erbrechtes. Wir wünſchen
aber, daß die Gemeinden, in denen das Vermögen zumeiſt
erworben wird, mit teilnehmen an der Erbſchaft. Unſer
Hauptintereſſe konzentriert ſich darauf, von den arbeiten=
den
Klaſſen jede Neubelaſtung fernzuhalten. Abg. Dr.
Arendt (Reichspt.): Die Verſtärkung unſeres Kriegs=
ſchatzes
halte auch ich für ſehr wünſchenswert, aber ich
halte es für beſſer, dieſe 120 Millionen Bargeld mitzirku=
lieren
zu laſſen, als ſie ungenutzt dem Kriegsſchatz anzu=
gliedern
. Die Reichskaſſenſcheine ſind ein alter Notbehelf;
ſie ſollten eingezogen und durch einheitliches Papiergeld
rerſetzt werden, zu deſſen Deckung das Bargeld aus dem
Juliusturm dienen kann. Um zu einem günſtigen Er=
folg
zu kommen, müſſen wir alle, wenigſtens die bürger=
llichen
Parteien, einig ſein und unter Zurückſtellung der
Parteiprinzipien einmütig und möglichſt ſchnell die Vor=
llage
annehmen. (Beifall rechts.) Abg. Südekum
(Soz.): Gerade jetzt iſt es Zeit, Prinzipienfragen aufzu=
ſſtellen
, ſonſt haben wir keine Gelegenheit dazu. Wir
müſſen uns darüber ſchlüſſig werden, ob Beſitzſteuern
wder Konſumſteuern kommen ſollen. In Wirklichkeit war
idie Rede des Reichskanzlers gegen die Redner der Par=

teien gerichtet, die eine Reichsvermögensſteuer befürwortet
haben. Seine Warnung findet bei uns taube Ohren. Die
Frage der direkten Reichsſteuer muß auf jeden Fall ge=
löſt
werden. Die Befürchtung, daß eine Reichserbſchafts=
teuer
nicht gleichmäßig zur Durchführung gelangen könnte,
iſt hinfällig; man ſollte nur einen Verſuch machen.
Damit ſchließt die Debatte. Die Vorlage wird
an die Budgetkommiſſion verwieſen.
Das Haus erledigt weiter einige Petitionen, zu
denen weder Parteimeldungen noch Anträge vorlagen,
nach den Beſchlüſſen der Kommiſſion. Hierauf wird ver=
tagt
. Nächſte Sitzung Montag 2 Uhr: Etat des Auswär=
tigen
, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei. Schluß
5 Uhr.

Das Herzogspaar von Cumberland
in Homburg.

* Homburg, 11. April. Die kaiſerliche Fa=
milie
, die eumberländiſchen und die badiſchen Herrſchaf=
ten
, ſowie Prinz und Prinzeſſin Friedrich Karl von Heſ=
ſen
machten nachmittags eine Automobilfahrt zu=
nächſt
nach Schloß Friedrichshof, welches unter Führung
des Kaiſers ſelbſt beſichtigt wurde. Die Fahrt ging dann
weiter über Königſtein, Oberreifſenberg und Schmitter
hierher zurück. Die Taunuslandſchaft unter einer mehrere
Zentimeter hohen Decke von Neuſchnee bot einen beſonders
reizvollen Anblick. Gegen 6 Uhr erfolgte die Rückkehr
Sämtliche genannten Herrſchaften nahmen darauf den Tee
in den Gemächern des Herzogs und der Herzogin von
Cumberland, auch Prinz Eitel Friedrich, welcher kurz vor=
her
hier eingetroffen war. Nach dem Tee verließen die
heſſiſchen Herrſchaften Homburg. Um 8 Uhr war gemein=
ſame
Abendtafel, an welcher auch Prinz Eitel Friedrich
und der Reichskanzler teilnahmen.
HB. Homburg, 12. April. Das Herzogspaar
von Cumberland und Prinz und Prinzeſſin Maz
von Baden reiſten heute nachmittag 3,15 Uhr nach drei=
tägigem
Aufenthalt hierſelbſt im Sonderzuge ab Das
Kaiſerpaar. Prinz Adalbert, Prinzeſſin Viktoria Luiſe und
Prinz Ernſt Auguſt von Cumberland geleiteten die Fürſt=
lichkeiten
nach dem Bahnhofe, wo die Verabſchiedung einen
überaus herzlichen Charakter trug. Unter den Hochrufen
der zahlreich am Bahnſteig erſchienenen Menge verließ der
Sonderzug die Halle. Die cumberländiſche Familie begibt
ſich vorerſt nach Karlsruhe.

Die Erkrankung des Papſtes.

* Rom, 12. April. Um 2 Uhr nachmittags begab ſich
Dr. Marchia Fava wiederum in den Vatikan, den er um
3 Uhr verließ. Der Grund für den Beſuch Marchia Fa=
vas
, der in den letzten Tagen nach dem Morgenbeſuch ſich
erſt abends wieder in den Vatikan begap, iſt) der neue
Fieberrückfall des Papſtes.
* Rom 12. April. Oſſervatore Romano veröffent=
licht
heute abend folgendes Bulletin über das Befinden
des Papſtes: Der Papſt, der am 4. April erkrankte, er=
litt
einen Rückfall von Influenza mit Anzeichen
von Bronchitis. Das Fieber, das ſeit drei Tagen ge=
wichen
war, iſt heute mit einer Verſchlimmerung
des Bruſtkatarrhs wieder aufgetreten. Beſorgnis=
erregende
Symptome ſind nicht vorhanden. gez. Marchia
Fava. Amici.
* Rom, 12. April. Die Tribuna meldet: Das Fie=
ber
des Papſtes betrug gegen 4 Uhr nachmittags 39,5
Grad. Der Rückfall iſt ernſt und verurſacht in den Kreiſen
des Vatikans große Beſorgnis. Nachdem das
Bulletin abgefaßt war, traten noch beſtimmtere Symptome
auf, die die Ausdehnung der Krankheit in den angegrif=
fenen
Organen zeigten. Die Konſtitution des Papſtes
iſt jedoch ſo, daß er den neuen Rückfall überwinden kann.
Doch muß man das Alter des Patienten, die Urämie und
den Zuſtand des Herzens in Erwägung ziehen.
* Rom, 12. April. Der Zuſtand des Papſtes
hat ſich weiter verſchlechtert. Der Puls geht
ſehr ſchnell, ſo daß die Aerzte dem Papſt abſolute Ruhe
empfahlen. Sie gaben ihm Aſpirin. Das Fieber blieb
während des ganzen Tages fortdauernd hoch. Um 7 Uhr
abends kehrte Dr. Marchia Fava in den Vatikan zurück
und beſuchte mit Dr. Amici den Papſt. Er ſtellte feſt, daß
das Fieber, obgleich es ſich verringert hatte, immer noch
mehr als 38 Grad betrug. Die Herztätigkeit iſt gut. Der
Papſt leidet nicht an Aſthma. Trotz der heftigen Art des
Krankheitsrückfalles ſind die Aerzte nicht übermäßig be=
ſorgt
und hoffen, daß die Kriſis vielleicht überwunden
wird. Zu der Verſchlimmerung der Krankheit trug die
Tatſache bei, daß der Papſt ſich geſtern zu lange außer=
halb
des Bettes aufhielt. Die Schweſter und die Nichte
des Papſtes verließen um 8 Uhr den Vatikan. Dr. Amici
verbringt die Nacht in einem an das Gemach des Papſtes
anſtoßenden Zimmer.
* Rom 13. April. In der Baſilika San Giovanni
in Laterano fand zum Abſchluß des konſtantiniſchen
Jubiläums ein feierlicher Gottesdienſt ſtatt, welchem
16 Kardinäle, das beim Vatikan beglaubigte diplomatiſche
Korps, der römiſche Adel, Würdenträger des päpſtlichen
Hofes und eine große Volksmenge beiwohnten. Der Kar=
dinal
Vincenzo Vanutelli zelebrierte die Meſſe in Ver=
tretung
des Papſtes. Man bemerkte, daß die Mitglieder
des diplomatiſchen Korps bei dem Kardinal Merry del
Val bei ſeiner Ankunft Nachrichten über das Befinden des
Papſtes einzogen.
* Rom 13. April. Heute früh 6.30 Uhr begab ſich
eine Schweſter des Papſtes nach dem Vatikan. Auch
Marchia=Fava war bereits um 7.30 Uhr beim heiligen
Vater. Ein Wagen holte um 8.10 Uhr die andere Schwe=
ſter
des Papſtes und brachte ſie nach dem Vatikan.
* Rom, 13. April. Dr. Amici verbrachte die Nacht
in einem Zimmer neben dem Schlafgemach des
Papſtes und beſuchte im Laufe der Nacht wiederholt den
Patienten. Marchia=Fava verließ heute früh 8.45 Uhr den
Vatikan, nachdem er mit Amici den Papſt lange und gründ=
lich
unterſucht hatte. Um 9.15 Uhr verließ auch Amici den
Vatikan. Wie verſichert wird, ergab die geſtern abend
vorgenommene Harnunterſuchung nur leichte Spuren von
Eiweiß.
* Rom, 13. April. Nach dem von den Aerzten Dr
Marchia=Fava und Dr. Amici unterzeichneten Krankheits=
bericht
hatte der Papſt eine ruhige Nacht. Die Kör=
vertemperatur
betrug 37,8. Die Krankheitserſcheinungen
in den Bronchien dauern an. beſonders auf der linken Seite.
Die Nierenfunktion iſt gut, das Allgemeinbefinden befrie=
digend
.
* Rom 13. April. Im Befinden des Papſtes war
heute nachmittag eine Verſchlimmerung zu ver=
zeichnen
. Die Temperatur war geſtiegen und überſchritt
38 Grad. Die katarrhaliſche Affektion der Bronchien, die
namentlich auf der linken Seite lokaliſiert war, droht ſich
auszudehnen, ſo daß eine Lungenentzündung be=
fürchtet
wird. Um ½7 Uhr abends findet eine neue Kon=
ſultation
ſtatt. Dr. Amici verließ ſeit geſtern den Vatikan
nur kurze Zeit. Die Schweſtern des Papſtes weilen gleich=

falls im Vatikan. Die Kardinäle und das diplomatiſche
Korps verfolgen den Krankheitsverlauf mit lebhafter An=
teilnahme
.

Ein Attentat auf den König
von Spanien.

Madrid, 13. April. Auf den König von
Spanien wurden heute nachmittag, als ervon der Truppen=
beſichtigung
zurückkehrte, vor der Bank von Spanien
drei Revolverſchüſſe abgegeben. Der König
blieb unverletzt. Der Täter iſt ein junger Mann,
geſſen Perſönlichkeit man noch nicht kennt. Er wurde
von einem Gendarmen feſtgenommen, der ihm den
Revolver entriß. Der König kehrte unter ſtürmiſchen
Kundgebungen nach ſeinem Palaſt zurück.
Das Pferd des Königs wurde durch einen Re=
volverſchuß
verwundet. Ein Schutzmann ſtürzte ſich
auf den Attentäter und verſetzte ihm einen Schlag au
den Kopf,konnte jedochnicht verhindern, daß der Mann
einen dritten Schuß abfeuerte, der den Poliziſten leicht
verletzte. Außer dem Attentäter, ein 25 Jahre alter aus
Barzelona ſtammender Zimmermann namens Manuel
Sanchez Allecre, wurde ein gewiſſer Pierre Puck,
angeblich ein franzöſiſcher Sprachlehrer, ver=
haftet
, welcher von mehreren Zeugen kurz vorher im
Geſpräch mit dem Attentäter geſehen worden war. Das
diplomatiſche Korps und alle hochſtehenden Madrider
Perſönlichkeiten begaben ſich in das Palais, um den
König dazu zu beglückwünſchen, daß er dem ver=
brecheriſchen
Anſchlag entgangen ſei. Es heißt, daß der
König kurz vorhermehrere Drohbriefe unter Hinweis
auf die bevorſtehende Vereidigung der Rekruten er=
halten
habe.

Die deutſche Spitzbergen=Expedition.

* Berlin, 12. April. Vom Leiter der Hilfs=
expedition
für die deutſche Spitzbergen=
Expedition, Staxrud, iſt folgendes Telegramm vom
11. April aus Green=Harbour (Spitzbergen) eingetroffen:
Erhielt Nachricht aus der Adventbai, daß vier Norweger
hier am 5. April angekommen. Sie verließen das Schiff
in Treurenberg wegen Proviantmangels. Stame geſtor=
ben
. Eberhard, Möſer, Dettmers vermißt; ſie wurden zu=
letzt
geſehen in der Wydebai. Raabe, Rüdiger am Schiff
Rüdigers Fußblatt amputiert. Keine Nachricht von Schrö=
der
und Strantz, bis 25. März am Schiff. Gehen heute
nacht nordwärts, ſuchen die Vermißten in der Wydebai
Pflegen und führen nach Süden Rüdiger und Raabe,
ſuchen nach Schröder auf Nordoſtland, nordweſtlich einer
Linie von der Dovebai nach der Wahlenbergbai. Renn=
tiere
ziehen vortrefflich. Ritſcher noch zu ſchwach, wird
nach Green=Harbour übergeführt.

Strandung eines Torpedobootes.

* Stettin, 11. April. Bei dem heute vormittag
herrſchenden Nordweſt=Schneeſturm ſtrandete bei
Swinhöft zwiſchen Misdroy und Divenow das Torpe=
doboot
V 3 Kurz darauf ſind von Swinemünde der
Kunſtmannſche Bergungsdampfer Herkules unter Mit=
nahme
von Mannſchaften des Panzerkreuzers Friedrich
Karl und des Kreuzers Köln zur Hilfeleiſtung nach der
Unfallſtelle abgedampft. Um 7 Uhr abends wurde ge=
meldet
, daß die Mannſchaft des Torpedobootes ge=
rettet
und in Misdroy gelandet wurde. Der Bergungs=
dampfer
Herkules und der Kreuzer Köln befinden ſich
wieder an der Unglücksſtelle.
Zur Strandung des Torpedobootes V 3 bei Mis=
droy
wird dem Berliner Tageblatt berichtet: In der Nacht
von Donnerstag auf Freitag ſollte von dem Leergeſchwa=
der
ein Angriff auf die Feſtung Swinemünde gemacht
werden. Zu dieſem Zwecke fuhren die Schiffe in die offene
See und verſuchten nächtliche Landungsmanöver an der
Küſte, die durch die Feſtungsartillerie und Infanterie ver=
teidigt
wurde. Als man gegen Morgen zurückfuhr, wurde
das Torpedoboot vermißt. Einige Schiffe, die ſich auf
die Suche begaben, ſichteten es bei Misdroy, wo es von
den ſtarken Wellen umhergetrieben wurde. Die Kohlen
waren ihm ausgegangen, ſo daß es manövrierunfähig
wurde. Die Hilfsſchiffe verſuchten, ſich dem Boote zu
nähern und Taue anzubringen; die letzteren wurden von
dem Sturm zerriſſen. Durch Funkentelegraphie wurde
die Marineſtation Swinemünde um die Abſendung wei=
terer
Hilfsſchiffe erſucht. Trotz aller Mühe gelang es nicht,
das Boot in den Hafen zu ſchleppen. Gegen 3 Uhr wurde
es zwiſchen Misdroy und Swinhöft, etwa 150 Meter vom
Strande entfernt, auf Sand getrieben.
** Swinemünde, 12. April. Als geſtern abend
mehrere Torpedoboote den Hafen verließen, um dem bei
Misdroy geſtrandeten Torpedoboot V3 Hilfe
zu leiſten, wurde von einem Boote ein Mann über Bord
geſpült, man fand ihn tot in den hochgehenden Wellen.
Der Name des Verunglückten iſt noch nicht feſtgeſtellt.

Der Nachwinter.

* Frankfurt a. M., 12. April. Vom Feldberg=
Obſervatorium geht uns über die Wetterlage
folgende Information zu: Plötzlich und ganz unerwartet
nach herrlichen, ſonnigen Frühlingstagen macht der
Wettergott wieder ein ſtrenges Wintergeſicht. Obwohl die
Witterung des Monats April durch ihr Wechſelſpiel
bekannt iſt, ſo gehören doch derart ſtarke Temperatur=
rückfälle
zu den Seltenheiten. Alle paar Jahre nur treten
in unſeren Witterungsberichten derartige Frühlings=
Schneefälle auf. Seit Beginn des Jahrhunderts
ſind durch ſolche Witerungsumſchläge beſonders die Jahre
1903, 1905, 1906 und 1909 bemerkenswert. Noch am
letzten Mittwoch meldete die Vorausſage der Wetterdienſt=
ſtelle
etwas warm und für den Unkundigen war kein
Anzeichen vorhanden, das auf anrückende Kälte ſchließen
ließ. Doch ſchon der Donnerstag beſtätigte die Erwart=
ungen
der Wetterpropheten. Die Windfahne drehte immer
mehr über Weſt nach Nord und die Höhenſtationen ( Gro=
ßer
, Kleiner Feldberg) meldeten Temperaturen unter
Null. Wie zu erwarten war, brachte das vorübergehende
Tiefdruckgebiet auch ausgebreitete Niederſchläge und im
Verein mit der tiefen Temperatur hatten wir zuerſt in den
Höhenlagen und nun auch in den tieferen Regionen
Schneefall. So kommt es denn, daß die Landſchaft wie=
der
winterlich ausſieht und bei 7 Grad Kälte und 12 bis
15 Zentimeter Schneehöhe auf dem Feldberg im April
nochmals Gelegenheit geboten iſt zum herrlichſten Winter=
ſport
.
* Gießen, 12. April. Im ganzen Vogelsberg
liegt der Schnee bis 50 Zentimeter hoch bei 7 Grad
Kälte. Die Schneeſchuhbahn iſt gut.
* Sobernheim a. d. Nahe, 12. April. Nachdem
während des geſtrigen Tages im oberen Nahetal und

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Nummer 86.

auf dem Hunsrück faſt ununterbrochen leichtes Schnee=
geſtöber
geherrſcht hatte, ſetzte in der vergangenen Nacht
bei 2 Grad Kälte ein überaus ſtarker Schneefall ein, der
mehrere Stunden anhielt und die ganze Gegend mit einer
10 Zentimeter dicken Schneeſchicht bedeckte. Der Scha=
den
an den Obſtbäumen, die infolge der voraufgegange=
nen
warmen Witterung in voller Blüte ſtanden, iſt bisher
nicht abzuſchätzen. Bisher ſchneit es in unverminderter
Stärke fort.
Fulda, 12. April. Die Rhön iſt tief ver=
ſchneit
. Auf der Waſſerkuppe liegt 20 Zentimeter
Schnee.
Metz, 12. April. Heute nacht trat hier Schnee=
fall
ein. Im Saartal herrſchte, wie aus Saarbrücken
gemeldet wird, heute nacht 1 Grad Kälte. Heute morgen
waren Berg und Tal mit einer bis zu 2 Zentimeter
hohen Schneedecke überzogen. Das ganze Saartal zeigt
das Bild einer Winterlandſchaft.
Stuttgart, 12. April. Im ganzen Lande
iſt heute nacht und heute früh ſtarker Schneefall
eingetreten. Die Temperatur hält ſich zumeiſt nur wenig
über dem Gefrierpunkt. In den Höhenlagen hat ſich die
Schneedecke bedeutend verſtärkt. In den Gärten und Obſt=
gütern
iſt der Schaden ſehr groß. Im Fernſprechverkehr
ſind Störungen eingetreten.
Konſtanz, 13. April. Ein 16 Stunden andauern=
der
Schneefall und Nachtfroſt richteten an den
Obſtkulturen des Bodenſee=Gebietes unermeßlichen
Schaden an.
Koblenz, 12. April. Bei Nordwind iſt heute
morgen Schneefall eingetreten, der noch anhält. Auf
den Höhen des Rhein= und Moſeltales liegt der
Schnee 10 Zentimeter hoch. An der Kirſchenblüte wurde
viel Schaden angerichtet. Auch im Saartal iſt heute
nacht ſtarker Schneefall eingetreten. Das Bergtal iſt mit
einer bis zwei Zentimeter ſtarken Schneeſchicht bedeckt.
* Dresden, 12. April. Heute morgen zeigte das
Thermometer fünf Grad Celſius unter Null.
* Berlin, 12. April. Die geſtern bereits verzeich=
nete
niedrige Temperatur hielt auch in den Nachtſtunden
an. Das Thermometer ſank bei klarem Himmel au
minus vier Grad Celſius. In den Morgenſtunden
herrſchte bei hellem Sonnenſchein eine Kälte von drei
Grad.
Brüſſel, 12. April. In der letzten Nacht iſt in
ganz Belgien ſtarker Schneefall eingetreten.
Die Telephonverbindung mit Deutſchland und England iſt
geſtört.

Rennen in Frankfurt.
Der erſte Renntag (13. April)

Mit einem glänzenden Sportstage hat der Frank=
furter
Rennklub in dieſem Jahre wieder ſeine Saiſon er=
öffnet
. Glänzend in jeder Beziehung, ſowohl was den
Beſuch anbetrifft, als auch inbezug auf Wetter, ſportlichen
und geſellſchaftlichen Verlauf. Das Wetter war im Ver=
hältnis
zu den letzten kalten Tagen das ſchönſte Früh=
lingswetter
. Denn als die Mailcoaches die Fanfaren
durch den Wald erſchallen ließen und der prächtige Korſo
ſich zur Niederräder Bahn bewegte, da ſchien die Sonne
warm vom Himmel herab; und war es vielleicht auch zu
kühl, um ſttundenlang auf den Tribünen zu ſitzen, ſo bot
gerade die ſtets in Bewegung befindliche Maſſe der Be=
ſucher
ein ſchönes geſellſchaftliches Bild: Die Damen in
hochmodernen Frühjahrstoiletten, deren Reizbarkeit ducch
die Pelzumhänge erſt den richtigen Rahmen erhielten, die
Offiziere in ihren grauen Mänteln, aus denen die bunten
Kragen die verſchiedenen Regimenter erraten laſſen, und
dann die große Menge der Sportsfreunde‟ Die einen,
verhältnismäßig wenige, bringen ihr Intereſſe ausſchließ=
lich
den edlen Pferden entgegen, andere reizt nur der
Toto. Und viele teilen ihre Aufmerkſamkeit zwiſchen
den Dreijährigen und den Achtzehn= bis Dreißigjährigen.
Denn was wäre der Turf ohne die Frauen? Die geſell=
ſchaftliche
Ueberraſchung, von der Eingeweihte wiſſen
wollten, daß der Kaiſer von Homburg zum Beſuch des
Rennens kommen würde, erfüllte ſich nicht. Dafür konnte
man den Bräutigam der Kaiſertochter, Prinzen Emil
Auguſt von Cumberland, aus nächſter Nähe beobachten
Er war in einem kaiſerlichen Automobil von Homburg
herübergekommen und blieb bis zum Schluß des Rennens
Der gebotene Sport war, wie geſagt, intereſſant und
ſpannend. Vor dem Ziele gab es zu verſchiedenen Malen
das harte Kämpfen, das der Sportsmann als ein ſpan=
nendes
Finiſh bezeichnet und das ihm das Salz des
Sports bedeutet. Für die beiden Darmſtädter Her=
renreiter
verlief der Renntag recht erfolgreich, und die
vielen Tipſter des zweiten und Sattelplatzes, die ihr
Geld am Toto ſtets auf ihre‟ Darmſtädter anzulegen
pflegen, gingen zufrieden heim. Die Rennen verliefen
ſämtlich ohne jeden ſchweren Unfall, wenn ſich auch in dem
den Jockeis vorbehaltenen Preis von Friedrichsdorf bei
der letzten Hürde vier Pferde von ihren Reitern trennten.
Der Verlauf der einzelnen Rennen iſt wie folgt:
Eröffnungs=Flachrennen. 1400 Meter.
Herrenreiten. 2000 Mk. 1. Wepes Marokko (Lt. Dem=

nig), 2. Heintzmannns Proſpéro (Lt. v. Moßmer), 3. Bar.
van Iterſums Avoncroft (Lt. Freyer), 4. E. v. Blüchers
Divers Sounds (Lt. Zeltmann). Ferner: Topchidère, Te
coma, Sauchrie. 32:10; 12, 12, 16:10. ½ Länge, Kopf,
Hals
Ermunterungs=Hürdenrennen. 2500 Me=
ter
. 2000 Mk. 1. Lt. R. Hutſchenreuthers Guernica II
(Gehrke), 2. F. März’ Cabin (H. Winkler), 3. Bar. van
Itterſums Haematite (Wortmann), 4. H. Wenckes Run=
bir
(Dye). Ferner: Eerſteling, Coral, Wave, Polonäſe,
The Green Hand, Yazna, Tarpaulin II. 60:10; 23, 48,
31:10. 2½ L., 5 L., 6 L.
Preis von St. Georgen. 3500 Meter. Jagd=
rennen
. Herrenreiten. 3000 Mk. 1. H. Wenckes Carntoi
(Lt. v. Moßmer), 2. Lt. E. Hornigs David II (Lt. Her=
mann
), 3. Graf A. Hardenbergs Armides (Frhr. B. Zorn
v. Bulach), 4. Lt. Goeſchens Lady Scholar (Beſ.) Ferner:
Alexandrowna, Ready Wit, Macka, Allesley. 17110; 15,
25, 40:10. 4 Längen, 6 L. 1½ L.
Preis von Friedrishof. 3000 Meter. Jagd=
rennen
. 3000 Mark. 1. A. Schürmanns Mobile ( Ba=
ſtian
), 2. H. Wenckes Scotsgap (Dye), 3. van Marles Cape
Florizel (Wortmann), 4. Lt. Freyers Wagonette (Ducek)
Ferner: Corolla, Antimone, Koromaya, Roſales. 21: 10;
13, 16, 15: 10. ½ Länge, 10 L., 20 L.
Suermondt=Jagdrennen.
3000 Meter,
Herrenreiten. 3000 Mark. 1. W. Blatts Niman (Lt. Her=
mann
), 2. Lt. Frhr. v. Waldenfels Junker (Beſ.), 3. M.
Rannertshauſers Sonnenblick (Lt. Zeltmann), 4. Then
Berghs Flottweg (Lt. v. Moßmer). Ferner: In Dubio,
Jelängerjelieber, Kohinoor II. 104:10; 31, 45, 25: 10.
½ Länge, 4. L., ½ L.
Preis von Reinheim. 3500 Meter. Jagdren=
nen
. 3000 Mark. 1. Eiſens Iſinboy (Baſtian), 2. R. Ran=
nerts
Hauſens Bauernfänger (Dyhr), 3. W. Blatts
Bayard IV. Ferner: Parleur, Beau Manvir, Bran
Laddie. 17:10; 15, 16: 10. 2½ Längen, 2 L.

Der Balkankrieg.
Zur Lage.

* London 12. April. Die Botſchafterver=
einigung
, die unter dem Vorſitz des Staatsſekretärs
Grey eine zweiſtündige Sitzung abhielt, hat ſich auf
Donnerstag vertagt. Man nimmt an, daß der
Hauptgegenſtand der Diskuſſion die Note bildete, welche
die Mächte an die Verbündeten richten werden. Es
hat ſich herausgeſtellt, daß alle Regierungen die Haupt=
punkte
der Mitteilungen, welche die Botſchafter in der letz=
ten
Sitzung gemacht haben, billigen und daß nunmehr die
Inſtruktion an die verſchiedenen Geſandten in den Bal=
kanhauptſtädten
geſandt werden wird, die ihnen bereits
telegraphierte Note zu überreichen. In diplomatiſchen
Kreiſen herrſcht noch eine optimiſtiſche Stimm=
ung
; nur die Lage Skutaris hat noch eine unſichere Ge=
ſtalt
. Es wird erklärt, daß keine poſitive Nachricht über
die Haltung Montenegros vorliegt. Trotzdem iſt allge=
mein
das Gefühl vorhanden, daß die Möglichkeit beſtehe,
dieſe Frage zu löſen. Abgeſehen von dieſer Sache iſt e=
die
Anſicht mehr als einer verantwortlichen Stelle, daß
die vorläufigen Friedensbedingungen in
einer Woche unterzeichnet werden können. Man hat in
diplomatiſchen Kreiſen geäußert, daß das feſte und klare
Pronunziamento Rußlands das in einem beſonders ge=
eigneten
Augenblick gemacht wurde, die Wirkung haben
wird, die Lage zu verbeſſern: Noch immer wird erklärt,
offiziell ſei nichts von den gemeldeten Kompen=
ationsanerbietungen
an Montenegro be=
kannt
, aber man nimmt an, daß Italien und Rußland mit
Zuſtimmung der anderen Mächte Schritte in dieſer Rich=
tung
zu tun begriffen ſind. Es iſt nicht überraſchend, daß
dieſe Schritte offiziell in Cetinje unbekannt ſind, da König
Nikolaus vielleicht gewiſſe unoffizielle Schritte kennt, die ſei=
ner
Regierung unbekannt ſind In dieſem Zuſammenhange iſt
es bemerkenswert, feſtzuſtellen, daß geſtern abend aus
Cetinje ein amtliches Telegramm eintraf, daß Montenegro
bereit ſei, jeden Kompenſationsvorſchlag zu prüfen. Als
ein Anzeichen der Beſſerung der politiſchen Ausſichten
iſt es zu betrachten, daß Grey London verläßt und Bot=
ſchafter
Cambon heute nach Paris reiſt.
Miniſterpräſident Danew über die Haltung Bulgariens.
* Sofia, 11. April. Wie die Blätker melden, er=
klärte
Dr. Danew in einer Verſammlung der Progreſ=
ſiſtenpartei
, deren Chef er iſt, er erwarte, daß ſich die
Mächte den jungen, zukunftsreichen Staaten, welche das
Erbe der europäiſchen Türkei übernehmen, fortgeſetzt wohl=
wollend
zeigen werden. Was ſpeziell Bulgarien an=
betreffe
, ſo habe dieſes keinen Gegner unter den Mächten.
Danew fuhr dann fort: Die Großmächte, die ein Inter=
eſſe
daran haben, der Türkei Konſtantinopel, die Dar=
danellen
und die Küſte des Marmarameeres mit einem
ausreichenden Hinterlande zu überlaſſen, halten dafür,
daß wir gegen den Willen von ganz Europa den Krieg
nicht fortſetzen dürfen, einzig und allein zu dem Zweck,
ſchließlich einen Streifen Land zu erwerben, zumal da

eine Eiſenbahn zwiſchen Muradlü und Rodoſto unſere
kommerziellen Intereſſen in genügender Weiſe ſichern kann.
Wir haben dringendere Probleme in den weſtlichen Ge=
bieten
zu löſen, die für uns von einer viel größeren Be=
deutung
ſind. In der Angelegenheit des bulgariſch= eumä=
niſchen
Streitfalles haben die Großmächte, die als Ver=
mittler
und nicht als Schiedsrichter tätig ſind, noch nichts
beſchloſſen. Bulgarien wird frei von allen Verbind=
lichkeiten
, ſeine Haltung ſeinen Intereſſen
anpaſſen. Ernſtliche Befürchtungen hinſichtlich der
Beziehungen zu unſerem ſerbiſchen und griechiſchen Ver=
bündeten
beſtehen nicht, aber auf keinen Fall werden wir
uns mit Wenigerem zufrieden geben, als mit dem, worauf
wir ein Recht haben. Die Gefahr liegt darin, daß irgend
einer der Verbündeten, der über ſeinen unmittelbaren In=
tereſſen
die Balkanintereſſen vergißt, ſich dazu hinreißen
laſſen könnte, einen odioſen und verhängnisvollen Kon=
flikt
auf dem Balkan zu erregen. Dennoch gebe ich mich
der Hoffnung hin, daß das Beſtreben, dieſe Gefahren zu
vermeiden, bei den leitenden Faktoren die Oberhand ge=
winnen
wird, was nur unter der Bedingung der Beob=
achtung
der abgeſchloſſenen Uebereinkommen möglich iſt.
Uebrigens haben wir mit Serbien einen genauen Durch=
führungsvertrag
, auf dem wir entſchloſſen beharren wer=
den
. Was Griechenland anlangt, geſtattet das mit die=
ſem
Land abgeſchloſſene Uebereinkommen, als prinzipielle
Grundlagen für die Abgrenzung der Landerwerbung, das
Verhältnis der von den beiden Ländern aufgewandten
Kraftanſtrengung und der gebrachten Opfer. Dieſe beiben
Umſtände, ſchloß Dr. Danew, erleichtern in hohem Maße
enen die Aufgabe, die den Frieden auf dem Balkan her=
beiwünſchen
. Das iſt der Grund, warum wir die Hoff=
nung
hegen, daß die Klugheit über den Chauvinismus
den Sieg davontragen wird.
Der bulgariſcherumäniſche Streitfall.
* Petersburg, 11. April. Heute fand vermutlich
die letzte Sitzung der Botſchafterkonferenz zur
Regelung des bulgariſch=rumäniſchen Konflikts ſtatt. Die
von den Vertretern der Großmächte vorgeſchlagene Löſung
ſoll von der bulgariſchen wie der rumäniſchen Regierung
für annehmbar befunden worden ſein.
Skutari.
Belgrad, 11. April. Hier herrſcht tiefe Nieder=
geſchlagenheit
, daß das ſerbiſche Oberkommando geſtern
telegraphiſche die Einſtellung der Feindſelig=
keiten
vor Skutari befohlen hat.
* Belgrad, 11. April. Es iſt angeblich nicht aus=
geſchloſſen
, daß König Nikita die Erſtürmung Sku=
taris
verſucht, da nach den überaus großen Verluſten des
Heeres ganz Montenegro die Erwerbung Skutaris ſor=
dert
. Hier werden Abdankungsabſichten des Königs Ni=
kita
nicht ernſt genommen.
* Rom, 11. April. In Montenegro herrſcht allge=
meine
Verzweiflung, da die Montenegriner nach der Ab=
ſage
der Serben außerſtande ſind, die Belagerung fortzu=
ſetzen
. Skutari gilt als endgültig verloren.
Boykott Oeſterreichs durch Serbien.
* Wien, 11. April. Die Neue Freie Preſſe meldet
aus Belgrad: In einer Verſammlung ſämtlicher kom=
merzieller
Kammern des Landes wurde nach kurzer De=
batte
einſtimmig beſchloſſen, wegen der Haltung Oeſter=
reichs
in der albaneſiſchen Frage gegen die Monarchie
den Boykott zu proklamieren und die Verbündeten
aufzufordern, ſich ihm anzuſchließen.
Der Streit um die Beute.
* Wien, 11. April. Die Neue Freie Preſſe meldet:
Nach Meldungen aus diplomatiſchen Kreiſen beſteht unter
den Mächten die Neigung, Saloniki den Griechen zu=
zuſprechen
. Bulgarien hält aber an ſeinen Anſprüchen
auf Saloniki feſt und iſt zum Aeußerſten gegenüber Grie=
chenland
entſchloſſen, wenn dieſes nicht freiwillig ver=
zichtet
. Ebenſo hält Bulgarien unter Berufung auf den
Allianzvertrag gegenüber Serbien ſeine Anſprüche auf
Monaſtir aufrecht. Es ſcheint, daß ſich Serbien und
Griechenland einander Bulgarien gegenüber in ihren An=
ſprüchen
auf Monaſtir und Saloniki unterſtützen.
Prinz Wilhelm von Schweden als Thronkandidat für
Albanien.
Wien, 12. April. Die Tripel=Entente hat den
Prinzen Wilhelm von Schweden als albaneſi=
ſchen
Thronkandidaten vorgeſchlagen. Prinz Wilhelm iſt
29 Jahre alt und der zweite Sohn des Königs von Schwe=
den
. Seine Gattin iſt die ruſſiſche Großfürſtin Maria=
Pawlowna, eine Tochter des Großfürſten Paul, ſeine
Mutter iſt eine Kouſine Kaiſer Wilhelms.
Letzte Nachrichten.
* Wien, 12. April. Nach hier eingetroffenen Mel=
dungen
ſcheinen ſich die Meldungen zu beſtätigen, wonach
die ſerbiſchen Truppen die Aktion vor Sku=
tarieingeſtellt
haben. Die Südſlawiſche Korreſpon=
denz
meldet aus Cattare, daß die Montenegriner Skutari
bombardieren.

Großherzogliches Hoftheater.
Sonntag, 13. April.
Frühlingsfeſtſpiele.
3. Abend.
Die Walküre.

W-l. Die dritte Vorſtellung der Frühlingsfeſtſpiele
fand vor ausverkauftem Hauſe ſtatt. Die Großherzog=
lichen
Herrſchaften wohnten mit den Erbachſchen Herr=
ſchaften
der Vorſtellung, die von 611 Uhr dauerte, in der
großen Hofloge bei.
Während die frühere Inſzenierung des Rheingolds
vielfach verbeſſerungs= und verſchönerungsbedürftig war,
hat ſich die der Walküre immer auf künſtleriſcher Höhe
gehalten. Die Neuinſzenierung vereinigt das Prinzip der
Einfachheit mit dem der künſtleriſchen Zweckmäßigkeit.
Das Innere von Hundings Hütte ſchloß ſich im ganzen
der früheren Einrichtung, der ja des Komponiſten Anga=
ben
zugrunde lagen, an. Der um den Eſchenſtamm ge=
zimmerte
Saal machte in ſeiner Einfachheit aber einen
ſtilechteren Eindruck. Die zweite Szene, ein hohes Felſen=
gebirge
von plaſtiſcher Wirkung, zeigte im Hintergrunde
eine über eine Schlucht führende natürliche Felſenbrücke
auf der ſich der Kampf zwiſchen Hunding und Siegmund
abſpielt, während düſtere Wolken am Himmel vorüber=
jagen
. Schöne Beleuchtungseffekte erhöhten auch hier die
Wirkung des Szenenbildes. Namentlich gilt dies von der
Todesverkündigungsſzene, in der das Licht der unterge=
henden
Sonne auf die Walküre fiel. Die dritte Szene,
Gipfel eines Felſengebirges, iſt in demſelben plaſtiſchen
Stil gebalten, links (etwas zu weit nach links) die Tanne,

die der in Schlaf verſenkten Brünnhilde Schutz ge=
währt
. Dieſe Szene war ganz umgeändert worden. Die
Walküren waren nicht mehr auf den beengten Raum des
Felſens angewieſen, ſondern bewegten ſich frei auf der
Bühne, wodurch das Bild abwechſlungsreicher und leben=
diger
wird. Während die Wolken am Himmel vorüber=
ziehen
, halten einzelne Walküren von dem Gipfel des
Felſens aus Umſchau und ihre Gewänder und Haare flat=
tern
im Winde. Nur fiel es auf, daß dieſer Wind die
entgegengeſetzte Richtung nahm, wie die Wolken. In der
Schlußſzene war das den Felſen umgebende Flammen=
meer
ſehr effektvoll, dagegen müßte das künſtlich erzeugte
Feuer im Vordergrunde der Bühne wohl noch einer Re=
viſion
unterzogen werden. Vielleicht ließe ſich die ganze
Szene auch etwas weniger finſter halten. Im übrigen
bekundeten ſich auch in dieſer Neuinſzenierung viel Ge=
chmack
und feines künſtleriſches Verſtändnis, verbunden
mit einer ganz hervorragenden ſzeniſchen Technik.
Die Aufführung wurde wieder von Herrn Hofkapell=
meiſter
Leo Blech aus Berlin geleitet, der den Haupt=
ſchwerpunkt
auf die Herausarbeitung der dramatiſchen
Steigerungen legte. In dem Dominieren=Laſſen des
Orcheſters und der Temponahme geht er in Befolgung die=
ſes
künſtleriſchen Prinzips oft weiter, als andere Dirigen=
en
, aber der künſtleriſche Zweck wird dadurch erreicht. Von
den Sängern wurde er dabei aufs erfolgreichſte unterſtützt,
tamentlich von dem Vertreter des Siegmund, Herrn Kam=
merſänger
Rudolf Berger aus Berlin, der dieſe Partie
an Stelle des erkranken Herrn Henſel ſang. Obwohl Herr
Berger früher Baritoniſt geweſen iſt, hat ſein Organ doch
echten Tenorcharakter und beſitzt eine rieſige Tragkraft
und ungewöhnlichen ſtimmlichen Glanz. Wenn man ſich
an die etwas gepreßte Tongebung erſt gewöhnt hat, muß

man beide ſowohl, als auch die Leichtigkeit und Ueber=
legenheit
, mit denen er ſeine ſchwierige Aufgabe löſt, be=
wundern
. Einzelheiten anzuführen, würde zu weit führen
und ſo ſei nur ſo viel geſagt, daß er im erſten Akte Mo=
mente
von hinreißender Wirkung hatte. Wer unter dem
Vorwiegen ſeiner wuchtigen dramatiſchen Akzente an Ge=
ſang
die lyriſche Weichheit vermißte, konnte dieſe auch im
zweiten Akte im Zwiegeſang mit Brünnhilde finden. Frl.
Geyersbach ſang die Sieglinde wieder mit der ihr
eigenen Intelligenz und muſikaliſchen Sicherheit.
Die Brünnhilde hatte in Frau Kammerſängerin
Rüſche=Endorf eine ſtimmbegabte, den hohen Stil
Richard Wagnerſcher Kunſt ſouverän beherrſchende Vertre=
terin
gefunden, die nach unſerer Anſicht die Todesverkün=
digung
im zweiten Akte am ſchönſten ſang, während ſie
am Schluß etwas ermüdet zu ſein ſchien. Herr Kammer=
ſänger
Feinhals bot als Wotan eine hervorragende,
künſtleriſch ausgereifte Leiſtung in großem Stil, war aber
ſtimmlich, wie es ſchien, heute etwas unfrei. Herr Ste=
phani
war wieder ein prächtiger Hunding und ergänzte
auch äußerlich das reckengeſtaltige Enſemble des Abends
aufs beſte. Frl. Jacobs als Fricka muß gleichfalls mit
Lob genannt werden. Der Walkürengeſang ging unter den
Wogen des Orcheſters meiſtens unter.
Spielleiter war wieder Herr Lert, der, wie die
Herren Kempin und Schwerdtfeger, ſich mit ſtil=
ler
Anerkennung begnügen mußte, während die Künſtler
und der leitende Kapellmeiſter nach jedem Akte von dem
begeiſterten Publikum viele Male hervorgerufen wurden.
Die neuen Dekorationen und Koſtüme, die nach Ent=
würfen
von Leo Impekoven=Berlin angefertigt wor=
den
ſind, ſind Eigentum des Hoftheaters.

[ ][  ][ ]

Nummer 86

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Seite 7.

Literariſches.

Die Ozoniſierung in Verbindung mit der Filtra=
tion
iſt das Trinkwaſſerreinigungsverfahren der Zukunft,
ſowohl für den Haushalt wie auch für große Waſſerwerke,
umſomehr, als die Art und Weiſe, wie die Ozonapparate
mit jeder beliebigen Waſſerleitung in Verbindung geſetzt
werden können, außerordentlich einfach iſt. Ueber dieſe
hochaktuelle Frage, die jedermann intereſſieren ſollte, fin=
den
wir ſehr eingehende Angaben im 9. Bande von Hans
Kraemers Prachtwerk Der Menſch und Erde, deſſen
Lieferungen 168173 ſoeben erſchienen ſind (Deutſches
Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57, Lieferung 60
Pfg.). In packender und allgemein verſtändlicher Dar=
ſtellung
wird dort die ganze für die Geſundheit des Men=
ſchen
ſo außerordentlich wichtige Frage der Waſſerreinig=
ung
hiſtoriſch und techniſch behandelt und dem Verſtändnis
durch eine große Fülle von ausgezeichneten Abbildungen
ohne weiteres zuganglich gemacht. Für Laien und Fach
leute wird ganz beſonders eine große farbige Tafel von
Intereſſe ſein, die den Betrieb eines der größten Waſſer=
werke
veranſchaulicht, welche die Rieſenſtadt Berlin mit
Waſſer verſorgen.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korceſp.=Bureau.)
* Berlin, 12. April. Admiral v. Heeringen iſt
zum Chef der Marineſtation der Nordſee ernannt, Vize
admiral v. Capella, Direktor des Verwaltungsdeparte=
ments
des Reichsmarineamts, zum Admiral befördert, und
Admiral Graf v. Baudiſſin, Chef der Marineſtation
der Nordſee, in Genehmigung ſeines Abſchiedsgeſuches
mit der geſetzlichen Penſion zur Dispoſition geſtellt wor=
den
. Derſelbe iſt in Anerkennung der Seiner Maijeſtät ge=
leiſteten
Dienſte à la suite des Seeoffizierkorps in den
Liſten der Marine weiter zu führen.
* Berlin, 12. April. Zu den Petitionen, die Verlegung
der geplanten Eiſenbahnbrücke bei Rüdesheim
und der Zufahrtsſtrecke verlangen, äußerte ſich ein Ver=
treter
des Eiſenbahnminiſteriums dahin, daß die Petitio=
nen
nicht mehr berückſichtigt werden könnten, da die Er=
öffnung
der Brücke zum 1. Oktober 1916 ſtattfinden ſolle.
Neue Tunnelbauten und 23 Meter tiefe Einſchnitte in der
Nähe von Rüdesheim würden zu koſtſpielig. Aus der
Kommiſſion wurden Verbeſſerungen der Bahnanlage und
des Bahnhofes von Rüdesheim befürwortet.
Homburg v. d. H., 13. Aprit. Der Hof nahm
heute vormittag an dem Gottesdienſt in der Erlöſerkirche
teil. Der Kaiſer beſichtigte anſchließend mit dem Ober=
bürgermeiſter
von Homburg die Kuranlagen. Zur Früh=
ſtückstafel
waren geladen: Pfarrer Holzhauſen, Stadt=
verordnetenvorſteher
Dr. Ruediger und Kurdirektor
Graf Zeppelin.
* Marburg a. d. Lahn, 12. April. Der Profeſſor
der Philologie Paul Fritſch hat ſich erſchoſſen.
Die Urſache iſt eine Gemütskrankheit, an der der Profeſſor
ſeit einiger Zeit litt. Der Verſtorbene iſt 54 Jahre alt
geworden.
* Karlsruhe, 12. April. Das Herzogspaar von
Cumberland mit der Prinzeſſin Olga von Cumber
land traf mittelſt Sonderzugs abends 6 Uhr hier ein.
Zum Empfange am Bahnhof waren der Großherzog und
die Großherzogin von Baden erſchienen. Das Herzogs=
paar
mit der Prinzeſſin=Tochter nimmt im Palais Prinz
Max Wohnung. Heute abend findet beim Prinz Max
Familientafel ſtatt.
* Karlsruhe, 13. April. Die Herzogin von
Cumberland mit der Prinzeſſin Olga und der Prin=
zeſſin
Max von Baden wohnten heute dem Gottesdienſt
in der Schloßkirche bei. Um 1 Uhr mittags war Diner
beim Großherzogspaar im Palais und um 5 Uhr Tei
beim Prinzenpaar Max, zu dem die Großherzoglichen
Herrſchaften erſchienen.
Sandweier, 13. April. Die bereits von hier ge=
meldeten
Eckrankungen infolge des Genuſſes von ver
dorbenem Fleiſch haben in der 26 Jahre alten Frau
des Metzgermeiſters Ulrich, die geſtern nachmittag ge
ſtorben iſt, ein weiteres Opfer gefordert.
* Bremen, 13. April. Die Rettungsſtation Pillau
der deutſchen Geſellſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger
telegraphiert: Am 12. April von der zwiſchen Pillau und
Neuhäuſer geſtrandeten deutſchen Galeaſſe Martha‟
Kapitän Hagenau, drei Perſonen gerettet durch
den Raketenapparat der Station.
* Neuſtrelitz, 12. April. Die Regierung des
Großherzogtums Mecklenburg=Strelitz lieſ
den Ständen eine Mitteilung über die Vorlage, be=
treffend
die Zuſammenſetzung des Landtages für das
Großherzogtum Mecklenburg=Strelitz, zugehen. Wie die
Landeszeitung für beide Mecklenburg von unterrichteter
Seite erfährt, wird der Landtag beſtehen aus 5 Vertre=
tern
der Ritterſchaft, fünf Vertretern der Landſchaft, einem
von dem Großherzog ernannten Abgeordneten, einem
Vertreter des Fürſtentums Ratzeburg und 10 gewählten
Abgeordneten. Von dieſen verteilen ſich vier auf das
Land, vier auf die Städte und zwei auf das Fürſtentum
Die Wahl erfolgt indirekt nach dem Dreiklaſſenſyſtem
öffentlich.
Peſt, 13. April. Seit heute früh 4 Uhr herrſcht
ein furchtbares Unwetter mit dichtem Schneefall
Aus anderen Gegenden Ungarns laufen ebenfalls zahl=
reiche
Meldungen über Schneefälle und Kälte ein.
Paris, 13. April. Aus Tanger wird gemeldet:
200 Andjeraleute drangen in einen Bauplatz am
Strande ein, zerſtörten die Baracken und vertrieben
die europäiſchen Angeſtellten und Arbeiter.
Die Polizei erwies ſich als machtlos und mußte vor den
Andjeraleuten flüchten, die hierauf unbehelligt heimkehrten.
Toulon, 13. April. Bei dem heftigen Sturme iſt
geſtern abend das Linienſchiff Patrie das Flagg=
ſchiff
des zweiten Geſchwaders, im Golf von St. Tropez
auf Grund geraten. Schlepper zur Hilfeleiſtung ſind
abgegangen.
Toulon, 13. April. Das Linienſchiff Patrie‟
iſt mit eigener Kraft wieder losgekommen. Es
war nur mit dem Hinterteil aufgelaufen. Ein Bruch der
Ankerketten hatte den Unfall verſchuldet.
Liſſabon, 13. April. In einem Hauſe des Amo=
reirasplatzes
iſt ein junger Mann bei der Herſtellung
von Bomben durch eine Exploſion verwundet
und das Haus beſchädigt worden. Die Eltern des jungen
Mannes wurden verhaftet, die vorgefundenen Bomber
beſchlagnahmt.
Berlin, 12. April. Eine mehrköpfige Bande von
Juwelenſchwindlern iſt verhaftet worden. Das
Haupt derſelben waren die beiden ehemaligen Bankiers
Seemann und Straube, welche unter der Firma Straube
u. Co. in der Charlottenſtraße ein Bankgeſchäft gehabt
hatten. Mit ihnen iſt der Kaufmann Dorra aus der
Gitſchiner Straße und die Wirtſchafterin Steinbach ver=
haftet
worden. In die Affäre ſind noch weitere Perſonen
verwickelt.

H. B. Berlin, 12. April. Nach einer heute morgen im
Reichsmarineamt eingelaufenen amtlichen Meldung iſt das
Linienſchiff Württemberg das geſtern im
Hafen von Swinemünde bei dem ſtarken Sturm auf
Grund geraten war, im Laufe der Nacht wieder freige=
kommen
. Da die Meldung nichts von irgendwelchen Be=
ſchädigungen
erwähnt, iſt anzunehmen, daß der Unfall
harmlos verlaufen iſt und das Kriegsſchiff keinerlei Scha=
den
erlitten hat.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

4
Zur Regelung des Stuhlganges u.
zur Vorbeugung chron. Verſtopfung
wird Califig von vielen Arzten ſtändig für Erwach=
ſene
und Kinder verordnet. Die angenehme, natür=
liche
Weiſe, in der Caliſig die Verdauungsorgane
reinigt, ſein anregender Geſchmack und ſein wohl=
tuender
Einfluß auf den Stuhlgang haben ihn zum
meiſtgebrauchten aller bekannten Hausmittel gemacht.
In allen Apotheken zu
en zu Mark 1,50 die Flaſche. Extra große
Flaſche Mk. 2,50. E
Iforn. 75, Ext. Senn. liqu. 20,
Elx. Caryoph. comp. 5.

Im Laufe dieser Woche ist
in meinen Schaufenstern
eine hochelegante, grosse,
komplette
Braut-Ausstattung
ausgestellt.
Von heute ab zunächst die
Leibwäsche.

Eichbergs Nachfolger
29 obere Wilhelminenstr. 29.

(8904

Deutſchem Gewerbe gebt deutſche Gunſt! Die
Zigarettenfabrik A. M. Eckſtein & Söhne, Dresden,
empfiehlt ihre rühmlichſt bekannten Fabrikate und macht
darauf aufmerkſam, daß ſie in erſter Linie Handarbeit
pflegt und ihre beiden großen Konſummarken Eckſteins
No. 5 o/M. und Da Capo nur mittels Handarbeit, nicht
mittels Maſchine (deren Erzeugniſſe der Handarbeit nicht
gleichwertig ſind) herſtellen läßt. In den Fabriken der
Firma A. M. Eckſtein & Söhne finden 2200 Arbeiter und
Arbeiterinnen lohnende Beſchäftigung. Die Firma iſt
frei von dem Engliſch=Amerikaniſchen Tabaktruſt und frei
von Beziehungen zu Fabriken, welche ſich dem Truſt ver=
kauft
haben. Sie gehört dem Verbande zur Abwehr des
Tabaktiuſtes an und hat dafür, daß ſie truſtfrei iſt und
auch truſtfrei bleiben will, weitgehende Garantien gegeben.
Raucher werden gebeten, bei ihren Einkäufen nachdrücklich
truſtfreie Zigaretten zu fordern.
(IV,8909

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1
Nordamerika: Frankfurt 6. April abends in Portland
Me. Hannover nach Portland Me., 8. April 6 Uhr
abends von Rotterdam. Barcelona 7. April 4 Uhr
nachm. von Portland Me. nach Rotterdam und Ham=
burg
. Prinz Adalbert von Philadelphia kommend,
10. April 5 Uhr 30 Min. morgens auf der Elbe. Prinz
Oskar 9. April 7,30 Uhr morgens in Philadelphia.
Oſtaſien: Aragonia von New=York, 8. April morgens
in Port Said. Iſtria‟ 9. April 2 Uhr 20 Min. morgens
von Cuxhaven nach Algier. Preußen 8. April 5 Uhr
nachm. von Algier nach Hapre. Saxonia 8. April
5 Uhr nachm. von Algier nach Port Said. Scandia
8. April 8 Uhr morgens von Moji nach Schanghai.
Sithonia 8. April 12 Uhr mittags von Schanghai nach
Kobe. Spezia 7. April 3 Uhr nachm. von Moji nach
Tſingtau. Nordamerika: Georgia von Neworleans
kommend, 10. April 3 Uhr 30 Min. nachm. in Hamburg.
Inkula 10. April 6 Uhr morgens von New=York nach
Newport News. Preſident Grant 10. April 1 Uhr
nachm. von New=York über Plymouth und Cherbourg
nach Hamburg. Pretoria 10. April 5 Uhr 30 Min.
morgens in New=York. Wearbridge von Baltimore
kommend, 11. April morgens in Hamburg.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater, Anfang 7½ Uhr, Ende vor 10½
Uhr (Ab. C): Nora
TeesAbend des Vereins für Frauenſtimmrecht um
7½ Uhr im Kaiſerſaal
Hauptverſammlung des Bezirksvereins Martins=
viertel
um 8½ Uhr, Pankratiusſtraße 29.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag 1½ Uhr verſchied nach
kurzem, ſchwerem Leiden unſer lieber Schwieger=
ſohn
, Schwager, Onkel und Vetter
(8913
Herr Karl Flehinger
im 72. Lebensjahr.
Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:
Frau Friedericke Burckhardt,
Alexanderſtraße 4.
Darmſtadt, den 12. April 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. April,
vormittags 11 Uhr, vom iſraelitiſchen Friedhof
aus, ſtatt.
Blumenſpenden werden dankend abgelehnt.

Todes=Anzeige.
(Statt jeder beſonderen Anzeige.)
Heute nachmittag verſchied nach ſchwerem
Leiden unſer lieber Vater, Schwiegervater,
Großvater und Onkel
(8914
Johannes Hartherz
Gardesergeant 1. P.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 12. April 1913.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. April,
vormittags 11 Uhr, vom Portale des Darm=
ſtädter
Friedhofes aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
ſchmerzerfüllte Nachricht, daß unſer lieber Sohn,
(8915
Bruder und Neffe
Herr Auaust Könic
Sanitätsunteroffizier im Train=Bat. 15
Straßburg i. Elſ.
am 12. d. Mts. im Alter von 23 Jahren nach
kurzem, ſchwerem Leiden im Garniſonslazarett
zu Straßburg i. Elſ. ſanft verſchieden iſt.
Darmſtadt, den 12. April 1913
Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen:
Adam König, Zugführer,
Kaſinoſtraße 30.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. d.
Mts., nachmittags 3 Uhr, auf dem Militär=
friedhof
in Straßburg i. Elſ. ſtatt.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme während der Krankheit und
dem Hinſcheiden meiner innigſtgeliebten
Frau, unſerer guten Mutter, Tochter,
Schwiegertochter, Schweſter, Schwägerin
und Tante ſagen wir Allen, beſonders
Herrn Pfarrer Beringer für die troſt=
reichen
Worte am Grabe und den
Schweſtern der Stadtgemeinde für die
liebevolle Pflege unſeren tiefgefühlteſten
Dank.
(8912
Im Namen der tieftraueruden Hinterbliebenen:
Philipp Vollrath.
Darmſtadt, den 12. April 1913.

Verſteigerungskalender
Dienstag, 15. April.
Nutz= und Brennholz=Verſteigerung um
10 Uhr im Klein=Zimmerer Gemeindewald ( Zuſammen=
kunft
bei Gaſtwirt Heberer am Bahnhof).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrign
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heiß, ſämtlich in Darmſtadt,
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Nummer 86.

Amtliche Nachrichten des Grofh. Poltzeiamts Darmſtadt.
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier. 1 Pinſcher (zugelaufen). Die Hunde können
von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die
Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werk=
tag
, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(8879

Bekanntmachung.

Wegen Ausführung doppelter Gleisanlagen wird der zwiſchen
Ernſt=Ludwigs= und Luiſenplatz liegende Teil der Rheinſtraße von
Montag, 14. ds. Mts. an bis auf Weiteres für Fuhrwerks=, Auto=
und Radfahrerverkehr geſperrt.
Für den nördlichen Stadtteil wird der Fuhrwerksverkehr durch
die Zeughausſtraße, für den ſüdlichen Stadtteil durch die Ernſt=
Ludwigſtraße geleitet.
Auf demſelben Wege vollzieht ſich auch die An= und Abfahrt
der Theater=Wagen.
(8901oim
Darmſtadt, 11. April 1913.
Großherzogliches Polizeiamt
Gennes.

Zuchtviehmärkte in Darmſtadt.

Zuchtviehmärkte finden in dieſem Jahre noch ſtatt:
Am 6. und 20. Mai,
am 2., 16. und 30. September,
17. Junj,
14. und 28. Oktober,
3.
1., 15. und 29. Juli, 11. 25. November,
9.
19. Auguſt,
23. Dezember.
Jeder Markt beginnt morgens 8 Uhr.
(8876os
Darmſtadt, den 11. April 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Schmitt.

Aufgebot.

Der Johannes Ortmann in Darmſtadt, vertreten durch die
Rechtsanwälte Staedel und Kalbhenn in Darmſtadt, hat das Auf=
gebot
von drei Anteilſcheinen der Privilegierten Schützengeſellſchaft,
Nr. 386, 387 und 425 vom 1. Juli 1902, über je 100 Mk., beantragt.
Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, ſpäteſtens in dem
auf Dienstag, den 18. November 1913, vormittags 10 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gericht, Neues Juſtizgebäude, Zimmer
Nr. 201, anberaumten Aufgebotstermine ſeine Rechte anzumelden
und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der
Urkunde erfolgen wird.
(8894oim
Darmſtadt, 8. April 1913.
Großherzogliches Amtsgericht I.

. a) der Erd., Maurer=, Aſphalt= und Stein=
Die Ausführung: hauerarbeiten, b) der Zimmer= und Staaker=
arbeiten
, e) der Dachdeckerarbeiten, d) der Tiſchlerarbeiten zum Um=
und Erweiterungsbau des Empfangsgebäudes auf Bahnhof
Gernsheim ſoll vergeben werden.
Bedingungen und Zeichnungen können im Bureau des unter=
zeichneten
Betriebsamts (Zimmer 7) eingeſehen werden.
Angebotsformulare werden gegen poſt= und beſtellgeldfreie
Einſendung von 110 Pfennig, bezw. 60, 60 und 70 Pfennig (nicht in
Briefmarken) abgegeben.
An ebote ſind bis zum Eröffnungstermin Samstag, den
26. April, vormittags 11 Uhr, poſtfrei, verſchloſſen und mit ent=
ſprechender
Aufſchrift verſehen, einzuſenden.
Es werden nur ſolche Unternehmer berückſichtigt, welche Mit=
glied
einer Baugewerksberufsgenoſſenſchaft ſind.
(IV,8890,64
Zuſchlagsfriſt: 4 Wochen.
Worms, den 10. April 1913.
Großh. Heſſ. Eiſenbahn=Betriebsamt 2.

Mannheimer Maimarkt 1913
4. bis 6. Mai.
Pferderennen um 27. April, L. und 6. Mai
Ziehung der Lotterie bar Geld sofort-am 7. Mai
35 Hauptgewinne. Erster Preis: 2 Paar Wagenpferde
1965 Silberpreise und andere Gegenstände
zus. 2000 Gewinne im Werte von Mk. 50000 .
Für die Wagenpferde 75%, für die Arbeitspferde
und Rindviehgewinne 80% bar, für die Silberpreise der
volle Geldwert.
(II,6288
Los Mk. 1., 11 Lose Mk. 10.
Kassier: Johs. Peters, C 4, Nr. 1.
Mannheim, im März 1913.
Daninkey
fand
Landwirtschaftl. Boher kaverein. Badischer Rennvorein.
Lose zu beziehen durch J. F. Lang Sohn in Heddesheim.

Hessische

Handelslehranstalt
Fernspr. 923, Darmstadt, Rheinstr. 611.
Schulmässiger Klassenunterricht in allen Handelsfächern.

Das Sommersemester beginnt Dienstag, den 8. April.
Lehrplan und Aufnahmebedingungen durch
Diplomhandelslehrer Wilh. Siedersleben
gerichtl. beeidigter Bücherrevisor. (2660a

Kanal- und Klosettanlagen
ſowie Reparaturen und Reinigungen werden fach=
gemäß
ſauber ausgeführt. Voranſchläge koſtenlos.
geprüfter
Georg Kaiser, installateurmeister
Telephon 1067.
Rheinstrasse 5
(235a)

Masch.-Techn. Arbeiten!
Kostenanschfäge, Berechnungen, Pröjekte, Unter-
suchungen
, an Masche-Zutachten. Durcharbeitung
von Erfindungsidees-Ehtwerfen sowie Ausziehen
und Beschasden von Zeichnangen etc. etc. O
billigst als Nebenbesch. erfahr.Fachmann. O
übernimat
Oetelf. unt. K 83 befördert die Expedition.

TEKMANN WEKI FLIM, Dankgeschaft
RHEINSTRASSE 33.
TELEPHON Nr. 2495.
An- und Verkauf von Wertpapieren zur Anlage und
zur Spekulation an allen in- und ausländischen Börsen.
Ständiger Vorrat solider Anlagewerte.
Verzinsung von Depositengeldern
auf Contobücher täglich kündbar .
4%
auf feste Termine nach Vereinbarung.
in allen die Belegung von Kapitalien
Seriöse Raterteilung betreffenden Fragen.
(8616a

Die gelbe Rose

§ 3

Innprzwungs Cehler.
Oeffentlicher Vortrag
am Dienstag, den 15. April, abends 8½ Uhr,
im Fürſtenſaal, Grafenſtraße 20.
1. Heſſen gegen Preußen in der
Rechtſprechung zum Reichs=Impfgeſetz.
Referent Dr. jur. Spohr=Gießen.
2. Schutzpocken=Impfung ein Wahn.
Referent: Wegener=Frankfurt a. M.
3. Freie Ausſprache.
Eintritt 20 Pfg.
Impfzwangsgegner=Verein Darmſtadt.
Anskunftſtelle: Ernſt=Ludwigſtraße 3.
(8878

AUlSSTELLUINGF
GESCHAFTSBEDARF
UND BEKLAME
FRANKFURT a. M., FESTHALLE
10.20. APRIL. 1915
D0
Geöffnet 108 Uhr. Nachmittag Militär-Konzert.
Ausstattungen und Einrichtungen.
Graphik und Buchgewerbe.
Organisation.
Eintritt Mk. 1.. Dauerkarte Mk. 5.

Die gelbe Rose

§ 5

Vogelsberg. Höhenluftkurort
/500
Hochwaldhausen im
Stat. Ilbeshauſen, Poſt Herbſtein
(Oberheſſen). Tel. 5. (I,8893
Hotel zum Felſenmeer
Mäßig. Preiſe. Proſpekt gratis.

Gut erhalt. Kinder=Sportwagen
billig zu verkaufen Landgraf
Georgſtr. 64, Stb. rechts, I. (*10053so

Billiger
Sigarren-u.
Sigaretten-
Z.=Verkauf
unter voller Garantie für
erstklaseige Qualität

Ma. Wilh. Rauer

Kriegshund
ſchönes, kräftiges Tier zu verkauf
Eliſabethenſtraße 55.
(*10031

nonetungn werden raſch u.
noh-
Lachrepardturon bill. ausgeführt
von Adam May, Dachdecker,
Rundeturmſtraße 16. (*10(43oid

Nehme noch Wäſche z. Flick. u.
Ausb. an Uummer, Landwehrſtr. 31. (

Empfehle mich im Neu= und
Anſtricken von Strümpfen, ſowie
Beinlängen und Kniewärmern
bei guter Arbeit und billigſter
Berechnung. Frau Weinmann,
Karlſtraße 106.
(B8907

Gbase Maate
erhalten ihre ursprüngliche
Farbe wieder durch

Harokrom
vollkommen unschädlich
Karton Mk. I. u. Mk. 4.
Versand-Abteilung der Parfumerie
Einhorn-Apotheke
Theaterplatz 1
Frankfurt am Main.

Wegen Platzmangel
guterh. getr. Kleider in groß. Aus=
wahl
. Anzüge, Ueberzieh., Röcke,
Hüte, weiße Hemden 80. Pfg.,
Kragen v. 5 Pfg. an, Normal= u.
Bettwäſche, woll. u. Tuch=Vorh.,
(Sporth. u. Anz.), Gehrock= u. Frack=
Anz., Emp.=Jackenkleid. u. Bluſenkl.,
Bluſen z. Ausſ. v. 1 Mk. an, Röcke,
farbig u. weiß, ſeid. Kleider, Stief.,
Strohhüte u. viel mehr bill. abzug.
Teilzahl. ohne Aufschl. gern gestatt.
10 Ballonplatz 10, parterre
neben der Hofapotheke. (8908a

Meue ged. Möbel
denkbar billigſt abzugeben.
Echt Eichen Schlafzimmer, Speiſe=
zimmer
, Bücherſchrank, Diplo=
maten
=Schreibt., Flurgarderoben,
Trumeauſp., Büfett, Salonſchr.,
Vertiko, Paneelbr., Servier= und
Bauerntiſche, Blumenkrippen,
Bettstellen, Matratzen
in prima Ausführung (*10057
ſowie eine Partie Waſchkommoden,
pol. Kleider= und Spiegelſchränke,
la Arbeit, weit unter Preis.
Friedr. Holzer, Eliſabethenſtr. 46.

hepi & 1o 11. mmätte iht=

(43a

Großherzogl. Hoftheater
Montag, den 14. April 1913.
155. Abonnem.=Vorſtellung. C 39.
Ibsen-Zyklus.
III. Abend.
Nora.
Schauſpiel in 3 Akten
von Henrik Ibſen.
Perſonen:
Robert Helmer,
Advokat . . . . . H. Baumeiſter
Nora, ſ. Frau . . Charlotte Pils
Math. Harreus
Erwin, ihre Kin= Erna Jungkurth
Bob,
der Lilli Dobski
Emmy,
Doktor Rank . . . K. Weſtermann
Frau Linden . . . S. Heumann
Günther . . . . . . Johs. Heinz
Minna Müller=
Marianne,
Kinderfrau SlRudolph
3
Helene,
Hausmäd. Agn. Wisthaler
Ein Dienſtmann . Br. Waigandt
Nach d. 1. u. 2. Akte je läng. Panſe.
Kleine Preiſe:
Proſzeniumsloge 5.10 M., Mittel=
loge
5.10 M., Balkonloge 4.60 M.,
I. Rang 4.10 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.05 M., 7. u. 8. Reihe 1.65 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 3.60 M.,
14.20. Reihe 3.10 Mk., Parterre:
1.5. Reihe 2.25 M., 6.8. Reihe
1.85 M., Erſte Galerie 1.05 M.,
Zweite Galerie 0.55 M.
Beurlaubt: Käthe Meißner.
Anf. 7½ Uhr. Ende vor 10½ Uhr.
Kartenvk. v. 9½1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Dienstag, 15. April. 156. Ab.=
Vorſtell. A 39. Tiefland.
Gew. Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Mittwoch, 16. April. 157. Ab.=
Vorſtell. B 40. Die Jung=
frau
von Orleans. Kleine
Preiſe. Anfang 7 Uhr.
Donnerstag, 17. April. X. Son=
der
=Vorſtellung. sCavalleria
rusticana. Hierauf: Der
Bajazzo. Anfang 8 Uhr. (Zu
dieſer Vorſtellung findet ein Kar=
tenverkauf
nicht ſtatt.)

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Seite (R.

Aparte Neuheiten, auffallend billige Preise!
Nebenstehendes Schlafzimmer
in mahagoni (tabasco), komplett, zum Preise von Mk. 1035.
Material prima, Architektur und Durcharbeitung erstklassig
Garantie nach Wunsch
(VII, 1962
Georg Schmitt Möbel u. Dekorationen

Telephon 891

Schlossgraben

Gegründet 1879.

Elektrische
Lichtbäder
Dampfbäder
Soolbäder
Fichtennadelbäder
Schwefelbäder
Moorbäder
Kleiebäder
Heublumenbäder
Halbbäder
Sitzbäder
Wannenbäder I. u. II. CI.
Spezialität
Kohlensäurebäder
(Patent Keller)
Packungen, Massagen
Fango-Packungen
usw. usw.
erhält man am besten und
billigsten im (8296a

Huldrichbau
Landgraf Philipp-Anlage 62
Telephon 835.
Alle Krankenkassen sind
zugelassen.

M
Gasher d, Fenſterrahm., Fliegen=
gahmen
, 2 Vorſtelläden billig zu
werk. Heinheimerſtr. 77, III. (*9999so

Nenoervierund en Pelz und Wenwaren
übernimmt unter weitgehendster Garantie
:: bei billigster Berechnung das ::
Pelzhaus Carl Hau

(t
Frührofen,
Betzkartoffelu! Kaiſerkrone,
zu verk. Maadalenenſtr. 19. (*9892so

11.
2

te Violine zu verk. (8397a
Heinrich Hohr, Grafenſtr. 23½.

Gehrock, Frack=, Smoking= An=
züge
, Zylinder zu verleihen
Mheinſtraße 5, 2. Stock. (5983a

nur Wilhelminenstrasse 7
Telephon 1533.

ſo bereiten Sie ſich einmal die Wohl=
tat
einer Kopfmaſſage mit
Dr. Dralle’s Birkenwaſſer.
Eine ungeahnte Belebung und Er=

friſchung der Kopfnerven tritt ein.
Die Blutzirkulation wird angeregt, Abſpannung und geiſtige Ermüdung
verſchwinden. Mit gehobener Energie und Friſche ſetzen Sie
Ihre Arbeit fort und geloben, dieſes köſtliche Elixier niemals
ausgehen zu laſſen. Nebenbei üben Sie die denkbar zweck=
mäßigſte
und zuverläſſigſte Haarpflege aus.
Beachten Sie bitte:
Dr. Dralle’s Birkenwaſſer. Vermeiden Sie alle Nachahmungen.
Dr. Dralle’s iſt die ſeit 25 Jahren bewährte Originalmarke!
Preis Mk. 1.85 und 3.70.
In allen Parfümerien, Drogerien und Friſeur=Geſchäften, ſowie in Apotheken.

(8262a

(I,8885

las-, Holz- u. Metall-
Schildermalerei (3500a
Lackiererei für Möbel,
Automobile und alle Wagen.
Alle Weißbinderarbeiten
außergewöhnl. billig u. Garantic
Haberkorn & Kaul
Arheilgen, Rheinstr. 5.

P. P.
Viele Jahre litt ich an einer naſſen
Wanderſiechte, verſuchte vteles, aber
alles umſonſt, bis ich 1904 in der
Zeitung von Ihrer Rino=Salbe las.
Ich kaufte mir 2 Doſen und die
vunder
Flechte iſt ſeitdem ver
Ich ſage Ihnen meinen beſten Dank
ſo ſpät, weil ich erſt wiſſn wolle,
ob der Erfolg ein dauernder iſt, was
ich jetzt nach 2 Jahren wohl annehmen
darf.
Em. Marx.
Görlitz, den 14./2. 06.
Dieſe Rino=Salbe wird mit Erfo
zegen Beinleiden, Flechten und Haut=
leiden
angewandt und iſt in Doſen
Nk. 1.15 und Mk. 2.25 in den Apotheken
vorätig; aber nur echt in Original=
5
Schu weißsgrünsrot und Fir=
ert
& Co., Weinböhla=Drest.
Fälſchungen weiſe man zurück.

Das Stärkſte.
Roman von Fritz Gantzer.

(Nachdruck verboten).
(7)
Stephan Frank fuhr beim Klingen der Münzen wie
ypnotiſiert in die Höhe und ſtierte das blanke Metall an.
Einen Augenblick noch. Dann veränderte ſich ſein Ge=
ſächtsausdruck
. Freundlich lächelnd wie ein harmloſes
ind zog er ſich das Tablett heran und begann Kaffee zu
minken.
Und als die Wirtin ſich abgewandt hatte, ſagte er:
Sei nicht böſe, Signe. Ich bin ſchon gut. Manchmal kann
ieh nicht dafür, wenn ich grob bin. Habe nur Geduld.
es wird ſchon beſſer.
Oh, ſie wollte ja ſo unendlich viel Geduld zeigen!
Sie atmete Angſt, Grauen und Trauer hinweg und nickte
ihm freundlich zu, während ſie das Geld zuſammennahm,
um es in ihre Kleidertaſche zu ſtecken.
Er beobachtete ſie und preßte die flachen Hände zwi=
ſchen
den Knien. Du haſt wohl viel Geld? fragte er
dann heiſer und knirſchte heimlich mit den Zähnen.
Signe erzählte treuherzig, nannte die Summe und
hoolte zum Ueberfluß die Geldſcheine hervor. Sie breitete
ſie nebſt einer Anzahl Münzen vor ihm auf dem Tiſche
emts. Nicht wahr, da brauchen wir vorläufig keine Sorge
haaben, Vater?
Er antwortete nicht, ſtarrte nur das Geld an und
ſachte nach dem Ende ſeines vorhin begonnenen Denkens.
ie nur? Wenn er dies da hatte . . . . mochte doch die
da, die ſich an ihn gehängt . . . Donnerteufelswelt! Wenn
er dies da, dies da dies da . .. Wie . . . wie . .
ie nur? . . .
Ein merkwürdiges Lächeln
ein Grinſen eigentlich
ein teufliſches, gemeines flog über ſein Geſicht. Du
biſt ja furchtbar reich, Signe.

Es gehört uns beiden und der Mutter auch, erklärte
ſie mit dem alten, treuherzigen Offenſein und Vertrauen.
Mir gehört es nicht . . . wir gehört ja kein Pfennig
davon, ſagte er und verſtand es, ſeiner Stimme einen trau=
rigen
Klang zu geben.
Signe war gerührt von dieſem Ton. Sie glaubte, die
bei ihm vermutete Weichheit des Empfindens ausnutzen,
ihm zeigen zu müſſen, daß ſie ihm voll vertraue. Mit
beiden Händen ſchob ſie ihm den ganzen Betrag hin. Es
iſt alles Dein, Vater. Nimm es und verwahre es für
uns beide und die Mutter.
Er wehrte mit zitternden Händen ab. Er kämpfte
mit dem Reſt ſeiner ſittlichen Kraft gegen das in ihm
wogende, kochende, raſende Gemeine. Er wollte nicht.
Er wollte nicht das Erbärmlichſte und Gemeinſte vor al=
lem
, was er bisher an Erbärmlichem und Gemeinem auf
ſeinem Gewiſſen trug, tun. Und hatte doch ſchon ſeine
Finger um die Scheine gekrallt und an ſich gezogen.
Schön, gut, Signe . . . ſchön . . . ſo, ſchön . . . ja,
ſchön, ich bewahre auf, für Mutter und Dich . . . Wie
ein Irrer ſprach er, ſo abgeriſſen, ſo wirr. Dann glättete
ſich ſein wüſtes Empfinden zu überlegenem Denken. Wie
nun, wie nun?
Er erwog die verſchiedenſten Möglichkeiten und fand
an keiner Gefallen. . . Am liebſten gleich. . . Aber wie.
Signe beobachtete ihn verſtohlen. Sie kam nicht zu=
recht
. Hatte ihn ihr Vertrauen ſo gerührt, daß er davon
wirr im Sinne geworden? . .
Er war noch damit beſchäftigt, die Scheine zu ordnen
und zu kniffen, als ſie an ihren Brief dachte. Der mußte
noch vor der Weiterreiſe in den Kaſten. Sie trank haſtig
ihren Kaffee, zu eſſen vermochte ſie nichts, und ſagte dann,
daß ſie den Brief forttragen wolle. Ob ein Kaſten in der
Nähe ſei, erkundigte ſie ſich bei dem Mädchen, das mit
dem Säubern des Zimmers begann. Ja, ganz in der
Nähe ſei einer. Links am Bahnhof. Und ob ſie wohl
hier eine Briefmarke bekommen könne? . . .

Das Mädchen ging ein Stück zum Schenktiſch hin:
Frau Bartelßen, iſt’n noch a Marke doa?
No, keine nich! kams gleich darauf zurück. Aber ſie
bekäme ein Stück die Eldenaer Straße runter Marken, be=
lehrte
das Mädchen, während es ſchon wieder fegte.
Signe erhob ſich, nickte ihrem Vater freundlich zu
und entfernte ſich durch den Ausgang des Wartezimmers,
der auf den Flur mündete. .
Stephan Frank zitterte am ganzen Leibe. Es war
ihm, als wenn ihn Bänder von unüberwindlicher Gewalt
feſſelten, als wenn er an der Bank feſtgeſchmiedet ſei, Er
ſtierte mit wilden Blicken nach dem anderen Ausgang, der
zum Bahnſteig führte, und ſetzte den Kampf trotzdem noch
mit verzweifelter Gewalt gegen die Beſtie in ſich fort.
Sekundenlang noch... Dann brach das Wüſte und Wilde
in ihm, das Furchtbare, Erbärmliche, Schuftige zum vol=
len
, alles vernichtenden Brande aus.
Er ſprang auf wie ein wildes Tier und lachte lein
grelles Lachen . . . Der Teufel fahre nach Köln, gurgelte
er heraus . . . Und die Brunsſche ſoll ſich wieder heim=
ſcheren
. . .
Er taumelte zur Tür. Das Mädchen ſchrie auf und
rief um Hilfe. In demſelben Augenblick trat Signe durch
den anderen Eingang wieder in den Raum. Sie hatte
auf halbem Wege daran gedacht, daß ſie kein Geld zur
Marke bei ſich habe und kam zurück, um es zu holen.
Sie ſah, was vorging. Der dort, der wüſt und wild
zur Tür ſtürzte, wollte ſie zum zweiten Male verlaſſen.
Vater! gellte ihr erſchütternder Schrei auf.
Stephan Frank ſtand nicht. Er ſah ſich einmal um
Nun riß er die Tür auf und ſtürzte auf den Bahnſteig.
... Ein donnerndes Brauſen, tönendes Stampfen
ein gellender . . . ſchreiender Pfiff . . . Alles ganz in
der Nähe.
Signe ſtürzte nach, kam bis zur Tür und ſah, ſah.
mit beiden Händen nach ihrem Kopfe greifend und in ein
hyſteriſches Schreien ausbrechend, ſah . . . ſah . . .

[ ][  ][ ]

Sch de enſtriche nin mnehr. der ehamene
Gott der Liebe ſchüttete den erlöſenden Segen einer Ohn=
macht
über ihre Sinne. Jemand fing die Stürzende auf.
Stephan Frank ſchien keines Sinnes mehr mächtig.
Er ſchwang ſich mit einem Satz über den den Bahnſteig
abgrenzenden Zaun und ſprang auf der anderen Seite zu
Boden. Stürzte vor.
Der Beamte, der den fälligen Hamburger Schnellzug
paſſieren ließ, ſprang hinzu . . . Der Kerl iſt wohl ver=
rückt
! Halt!
. . . Zwei Streckenarbeiter ſchrien und hielten die
Hände hoch. Taten einen taumelnden Schritt. Alles das
Beginnen einer Sekunde. Die nächſte füllte ein donnern=
des
Tönen aus. Ein wahnſinniger Schrei verklang in
ihm ungehört . . . Rattern . . . Schlagen . . . Eine wul=
ſtige
Dampfwolke. Nun vorüber. Kleine graue Rauch=
ſchwaden
in zerſtreuten Fetzen. Sie flogen, vom nach=
wirkenden
Luftzug getrieben, über das Gleis hin, wo eine
unförmige, blutige Maſſe lag. Stephan Franks unkennt=
licher
entſeelter Körper . . .
Eine halbe Stunde ſpäter trug man Signe auf einer
Bahre in das Krankenhaus. Der die Beſinnungsloſe un=
terſuchende
Arzt bewegte ernſt den Kopf. Ein Nerven=
ficber
ſtärkſten Grades! konſtatierte er. Es wird einen
harten Kampf um das junge Leben geben.
Der harte, aufopfernde Kampf brachte am Ende den
Sieg. Signe genas. Wenigſtens ihr Körper erholte ſich
allgemach
Ihre Seele . . . Ja, was war das mit Signes Seele?
Sie dachte nicht mehr an die Vergangenheit, ſie hatte keine
Hoffnung mehr für die Zukunft. Und die Gegenwart er=
trug
ſie in ſtiller Gleichgültigkeit. ..
Iſt es Ihnen recht, wenn ich Ihnen eine Stellung
beſorge? fragte ſie nach einiger Zeit der Arzt.
Als ſie entlaſſen werden konnte, erkundigte ſich die
Schweſter, was ſie nun zu beginnen gedenke.

En ſbertichten an in Siae dil den mtrich=
ter
des Städtchens ihre Stellung als Kindermädchen an.
Daß ſie nach Hattinghauſen zurückgehen könne, hatte
ſie längſt als eine Unmöglichkeit erkannt. Das wagte ſie
nicht. Dort würde ſie auch wohl nur verſchloſſene Türen
finden. Wenigſtens ganz ſicher durch Tobias Bruns ver=
ſchloſſene
. .
Und zu ihrer Mutter in die Gegend von Köln?
Sie war ja völlig mittellos. Erſt hieß es doch:
Wenigſtens das Reiſegeld verdienen.
Und dann? Dann vielleicht. . .
Es war ja ſo ganz gleich, wie von nun an alles in
ihrem Leben kommen würde. In ihrem grauen, armen
Leben.
*
Seit dem Gehen Signes war es im Hauſe des Herrn
Tobias Bruns gleich den lichtloſen, ſtürmiſchen Novem=
bertagen
, die wie ein trauriges, wehes Lied in das Land
kamen und die Sehnſucht nach dem geſtorbenen Sommer
mit doppelter Schärfe empfinden ließen.
Alles Frohe, Lichte, Leichte ſchien dahin. Ueberall,
im ganzen Hauſe ſuchte man vergeblich. Es war geflohen
und hatte auch nicht das leiſeſte Lächeln zurückgelaſſen.
Kaum das ſtillmachende Tröſten: Ich komme wieder!
Wartet nur in Geduld!
Erſt jetzt zeigte es ſich, wie feſt man mit Signe ver=
wachſen
geweſen, was ſie für jeden bedeutet hatte. Und
um ſo unfaßbarer erſchien es allen, daß ſie es vermocht,
dieſe Bänder zu löſen.
Obenan Herr Tobias. . . Wie, Signe fort? Wirklich
fort? . . . Er war taumelnd zur Wand getreten, und ſein
Geſicht hatte grau und verzerrt ausgeſehen, als er von
ihrem Gehen erfahren. Dann ein Wort des Zornes um
das andere. Und für Frau Barbaras Bemühen, ſie zu
entſchuldigen, die Gründe für ihr Handeln erklären zu

melen, leit Berſänduit. Schicſich uach Sagen, ſel
nerne Ruhe, ein hartes, bewegungsloſes Geſicht. Es
durfte niemand mehr von ihr ſprechen, keiner ihren Na=
men
nennen. Als er in der übernächſten Woche an Ger=
hard
ſchrieb, teilte er ihm auch das Verſchwinden Signes
mit, verurteilte ihr Handeln in den ſchärfſten Ausdrücken,
nannte ſie eine Undankbare und verſicherte ſeinen Aelte=
ſten
, daß ſie für ihn vergeſſen und abgetan ſei.
So Herr Tobias. Und mit ihm eines Sinnes viele
in Hattinghauſen. . . Signe war für dieſe alle nicht mehr
das Fräulein Signe Bruns, ſondern die Puppenſpieler=
tochter
Signe Frank, das Mädchen mit der fragwürdigen
Herkunft und dem dunklen Leben ſeiner Eltern. Sie hatte
das hohe Piedeſtal ehrbaren, ſittenſtrengen Bürgertums
verlaſſen und war in den Schlamm und den Schmutz ver=
rufenen
, ſittenloſen Vagantenlebens zurückgetreten. Art
läßt nicht von Art! ſagte die einen. Kein Wunder! So
mußte es einmal kommen! andere: Sie hat’s im Wahn=
ſinn
getan. Ein vernünftiger Menſch iſt nicht ſo verblen=
det
, die geſicherte Zukunft mit elender Armut und gewiſſer
Schande zu vertauſchen. Denn ſie wußten es ge=
wiß
, daß Signes endliches Los das Laſter ſein würde, und
daß ſie bald, ſehr bald, auf haltloſen, ſchlüpfrigen We=
gen
hinabgleitend, in ſeine Arme getrieben werden mußte.
Und den Bruns geſchah es ſchon recht, daß dieſe
Skandalaffäre ihre trüben, ſchlammigen Waſſer über das
ehrſame Bürgerhaus am Markt ausſchüttete. Wer Pech
angreift, beſudelt ſich! philoſophierte dieſer und jener.
Es wäre ſchon beſſer geweſen, die Hände beizeiten davon
zu laſſen.
Nur wenige urteilten gerecht in der ganzen Ange=
legenheit
. Und wer es von ihnen wagte, für Signes Tun
ein Wort des Verſtehens, der Entſchuldigung zu ſagen,
erntete ein ſpöttiſches Lächeln und Schlimmeres.
(Fortſetzung folgt.)

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Nummer 86.

Darmstadf Rheinstrasse 23
Tarberel Gebr. Roder
: Frankfurt a. M.:: Hügelstrasse 2

e

chenlische Wuschanstatten
Chemisches Reinigen u. Färben von Damen-, Herren- u. Kindergarderobe, Vorhängen, Decken, Teppichen, Portieren, Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, Kindermützen, Handschuhen etc.
Zirka 1000 Angestellte.
Iinrichtung und Organisation unserer Werke sind in der gesamten Tachweit als mustergütig anerkannt. (6286a

Dampr wasch -Anstatrykorbus
Luisenstrasse 32/34.
Sorgfältige Behandlung, vollſtändige Desinfektion der Wäſche.
Herrenwäſche blütenweiß, elaſtiſch=ſteif, ff. Glanz.
Damenwäſche, Kleider, Bluſen, alle Stoffe und Farben.
Gardinen, Tiſch= und Bettwäſche, jedes Gewebe und Muſter.
Auf Wunſch ſofortige Abholung. Raſche Lieferung. (5907a

Zum Abonnement empfohlen.
Das Buch für Alle.
Altbewährte, durchaus gediegene, bereits im
48. Jahrgang erſcheinende
: illuſtrierte Jamilienzeikſchrift :
Große Reichhaltigkeit,
Beſondere Vorzüge:
ſorgfältig gewählter
intereſſanter Inhalt:: ::: viele prachtvolle Illuſtrationen=
außerordentliche
Billigkeit.
Jährlich 28 Hefke. Preis für das Heft
nur 30 Pfennig.
Das über die ganze Welt verbreitete Buch für Alle iſt, getreu
einem Namen und unterſtützt von den erſten Schriftſtellern und
Künſtlern, jederzeit beſtrebt, ein
echtes deutſches Jamilienbuch
zu ſein. Es iſt jedem zu empfehlen, der ſeine Erholungsſtunden
gern intereſſanter Lektüre widmet und Freude hat an eht
lünſtleriſchen Illuſtrationen.
(V8372
Beſtellungen bittet man an die nächſtaelegene Buchhandlung zu
richten: wo der Bezug auf Hinderniſſe ſtöht. wolle man. lih r.
au untersgennete. Verlaasbuchhand ung 1n Stuktaant. mendan.
Anion Deutſche Verlagsgeſellſchaft
in Stuttga,,, Berlin, Leipzig.

Konsumenten
kaufen Bindfaden u. Packkordel gut u. billig
in dem Spezial-Engros-Geschäft von
Hermann Hachenburger

37 Rheinstrasse 37.

(5297a

Rhandſchasbadeofen, neu. zu
875 u. 85 Mk. zu verk. (*9783fso

Obere Liebfrauenſtr. 4, part.

bilige zu
Strandkorb perfeifen

Dichioſtraße 9, I.

(*99 4so

Gesätze
Ipitzen-
are

&6
Angreser Aswahl
A bei bilüigenItgiserk,

Kl. Geſchäftsauto für 700 Mk.
verkäuflich. Willy Neuroth, Motor=
63.
fahrzeuge, Pankratiusſtraße
(*10734
Telephon 1060.

Sohlen, Holz und Briketts
empfiehlt ins Haus geliefert
VI1976) J. Müller, Kiesſtr. 20

Ein guterh. Vertiko u. Diwan
(*10029
zu kaufen geſucht.
Off. unt B 26 a. d. Expedit.

Ein gut erhalt. Betroleumofen
und Gasherd, ein faſt neuer Geh=
rock
=, Frack= u. Smoking=Anzug
ſowie ein Anzug preisw. z. verk.
Bismarckſtraße 24 I.
Beſichtigung tägl., außer Sonn=
tags
. von 10.3. Uhr. (*10033oi

Werd dül.
Knahenkleider anget. u.
ält. Sach.

verarb. Liebfrauenſtr. 79, b. 593ia

Maschinenstrickerei
langjährige Tätigkeit, prompte u.
ſchnelle Bedienung (7739a
empfiehlt Frau Vock,
Pankratiusſtr. 67, part.

23
Bin unter NF. 2
dem Fernſprechnetz angeſchloſſen.
Hch. Schmidt,

(*10018so
Handschuh-
fabrik

Ernſt Ludwigsplatz 2, direkt am weißen Turm.

Gnickal
Nährsalzreicher
Kaffee-Ersatz
Palet 70 Pfg.
Krafttrunk
(Nährsalzbananenkakao)
Hosen Mkr. 1. und Mkt. 2
uas Hiche Geirönt vieler Tausente!
Es gibt nichis Besseres!
Verlangen Sie nur
Marke Quiefa in Drogen
u. Kolonidlwarengeschäften.
Wonicht erhältlich, Quietawerke
schreiben Sie an

Bad Dürkheim.

A. Braunwarth, Reformgeschäft, w. Kölb. G. L. Kriegk,
Ant. Logel, Centr.-Drogerie. M. W. Prassel, Ad. Reichard,
Fr. Schäfer, Drogerie, Ludw. Stumpf, H. Wagenbrenner.
Bavar a-Drogerie, Carl Zimbrich.
(650a

ArRANA
die neueste und beste

44

deutsche Nähmaschine
5 Jahre Garantie. (903a
Alleinverkauf

Haas & Bernhard
19 Rheinstrasse 19.


D modegerehnt und doch abroint gagund Hleilen wollen, tragren
D. R. P. Patente
aler
Kalastris knterstasten
902a
Sofortiges Wohlbefinden. Grösste Leichtigkeit u. Be-
quemlichkeit
. Kein Hochrutschen. Vorzügl. Halt im Rücken.
Natürl. Geradehalter. Völlig freie Atmung und Bewegung.
Blegante schlanke Figur. Für jeden Sport geeignet. Für
leidende und korpulente Damen Spezial-Facons.
Iustrierte Broschüre und Auskunft kostenlos durch:
Inh.: Frau E. Spreng,
Kalasiris-Spezial-Geschäft Schulstrasse 12, 1. Stock.

Haararbeiten sind Vertrauenssache!

hevor Sie eine Arbeit anfertigen laſſen, verlangen Sie Aufklärung über Qualität der Haare. Sämtliche Haare, welche in meinem Spezial=Atelier für Kunst-
haararbeiten
verarbeitet werden, ſind von mir ſelbſt präparierte Schnitthaare.
Ernst Köhler, Damenfriseur und Perrückenmacher
22 Ernst-Ludwigstrasse 22.
Kein Laden.
Telephon 1682.
Kein Laden.
(912a

[ ][  ][ ]

Nummer 86.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Das deutſche Freiwilligen=Automobil=Korps,
deſſen Chef Prinz Waldemar von Preußen, der
Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, iſt, veranſtaltet
ſeine diesjährige Uebungsfahrt und Preisfahrt um den
vom Kaiſer geſtifteten Wanderpreis im Anſchluß an den
im Mai ſtattfindenden Prinz Heinrich=Flug am Oberrhein.
Die Uebungsfahrt wird am 16. und 17. Mai in der Gegend
zwiſchen Karlsruhe und Freiburg ſtattfinden. An dieſen
beiden Tagen wird ein Teil der freiwilligen Automobi=
liſten
ihre Wagen der Leitung des Prinz Heinrich=Fluges
zur Verfügung ſtellen, während die übrigen Teilnehmer
Uebungsfahrten im Gelände ausführen. Am folgenden
Tage wechſeln die beiden Gruppen mit ihren Funktionen.
Am 18. Mai ſchließt ſich dann die Preisfahrt an. Sie be=
ginnt
in Straßburg und endet in Heidelberg. Teilnahme=
berechtigt
ſind nur diejenigen Mitglieder des Korps, die
an den beiden Vortagen an der Uebungsfahrt teilgenom=
men
haben. Für die beſte Leiſtung bei der Preisfahrt
wird der Wanderpreis des Kaiſers ausgeſetzt, für die
nächſtbeſten fünf Leiſtungen werden Becher gegeben; außer=
dem
erhält jeder Teilnehmer eine Erinnerungsgabe. Die
Bewertung erfolgt nach folgenden Grundſätzen: 1. Für
die militäriſch richtige und gute Erfüllung eines Auftrages
5 bis 20 Gutpunkte; 2. für mangelhafte Erfüllung einer
Aufgabe 5 bis 20 Strafpunkte; 3. für verſchuldete Nicht=
erfüllung
eines Auftrages 50 Strafpunkte; 4. für je drei
Minuten Fahrt, während welcher der Beſitzer den Wagen
nicht perſönlich führt, 1 Strafpunkt; 5. für jede angefan=
gene
Minute Aufenthalt infolge Defektes am Wagen,
Mangel an Betriebsſtoff oder wegen Aufnahme von Kühl=
waſſer
1 Strafpunkt; 6. für Pneumatikdefekte ſind 30 Mi=
nuten
ſtraffrei; bleibt die reine Fahrzeit nach Abzug aller
Aufenthalte für die tatſächlich gefahrene Strecke unter
einer Durchſchnittsgeſchwindigkeit von 30 Kilometern in
der Stunde, ſo wird für jede zuviel gefahrene Minute ein
Strafpunkt angerechnet. Bei nur bedingter Kriegsbrauch=
barkeit
des Wagens beim Eintreffen am Ziel werden 25

Strafpunkte angerechnet. Am Abend des 18. Mai findet
in Heidelberg ein Schlußbankett mit Preisverteilung ſtatt.
sr. Pferderennen. Maiſons=Lafitte, den 11.
April. Prix de Boiſſy; Diſtanz 2000 Meter, 3000 Francs:
1. Monſ. J. Lieux’ Dentelle III (Sharpe), 2. Joyeux
Drille (Bellhouſe), 3. Camyre (O'Neill). Tot. 87110, Pl.
28, 38, 24:10. Unpl.: La Source, Uſurier, Snail, Or=
leans
II, Ma Lulu Girl, Nagpour, Bigarreau, Radis
Bleu, Zon Zon, Louiſa, Ophelie III. Kurzer Hals-½
Länge. Prix Malgache; Diſtanz 2400 Meter, 5000 Fr.:
1. Monſ. Rollands Oreſte (O'Neill), 2. Le Poteau
(Sharpe), 3. Trincomaly (G. Clout). Tot. 131:10, Pl.
46, 15, 60110. Unpl.: Illumineee, Malefice, Au Revoir,
Gobernador, Maida Vale, Teſſin, Pamina, Egmont, Pi=
geon
Vole, Omnicolore. Hals-1½ Lg. Prix de San=
teuil
; Diſtanz 1000 Meter, 4000 Fr.: 1. Monſ. G. Audigiers
Varoumi (G. Stern), 2. Membakut (Sharpe), 3. Maro=
zia
(Gaudinet). Tot. 27110, Pl. 18, 19, 41:10. Unpl.:
Sigrid Arnoldſen, Coſilla, Colomba, Zacharie, Tartarin,
Montbergis, Notus, Gars, Breton, Ibidem, Luzanille,
La Moranderie, Dourgne II, Opaline, Samarotte.
Prir Le Blois; Diſtanz 2500 Meter, 20000 Fr.: 1. Monſ.
Thib. Cahns Star II (O'Neill), 2. Lynx Eyed (G. Stern),
3. Saint Ange IIII (J. Childs). Tot. 66:10, Pl. 20, 48
17110. Unpl.: Le Cid III, Linois, Benedictin de Soulac,
Caſtagnette V Zenith II, Agenda, Adieu, Vieux Chouan,
La Boheme II, Reveuſe, Eing Mars. Prir de Leſſard=
Le=Chene; Diſtanz 1600 Meter, 5000 Fr.: 1. Monſ. Hitch=
cocks
Fairy Dale (ONeill), 2. Maſtuvu (Sharpe), 3.
Saint Maurice I (Marſh). Tot. 62110, Pl. 29, 21, 22110.
Unpl.: Caledon, Totoe, Surſum, Arauco, Averlain, Glaneur,
VII, Perſeverance. Kopf-k. Hals. Prix Le Juſticier;
Diſtanz 1900 Meter, 5000 Fr.: 1. Monſ. A. Veil’ Picards
Franc Bourgeois II (J. Childs), 2. Don Ceſar (M
Henry), 3. Le Syſtemier (Sharpe). Tot. 56:10, Pl. 19,
19, 43:10. Unpl.: Calendal, Moins Eing, Vervena, Le
Journal, Vie d’Orgie. 1½1 Lg.
sr. Das internationale Motorboot=Meeting von Mo=
naco
wurde mit einem der Hauptereigniſſe, dem 200 Kilo=
meter
=Rennen um die Meiſterſchaft des Meeres, fortge=
ſetzt
. Bei günſtigſten Vorbedingungen fanden ſich 20
Kreuzer zum Kampfe ein. Das Despujols=Boot Flam=
beau
übernahm vom Start an die Führung, dichtauf ge=
folgt
von Sigma IV, Minehaha, Ilen veux, dem deut=
ſchen
Kreuzer Annette III, Socram, Na=Roch und Nau=
tilus
Saurer. Das übrige Feld konnte das vorgelegte
Tempo nicht halten und kam von vornherein nicht weiter
in Frage. Minehaha machte in der 5. Runde einen Vor=
ſtoß
und konnte auf den zweiten Platz aufrücken, den aber
bald darauf Sigma IV wieder zurückeroberte. Nach
Zurücklegung von 50 Kilometern war die Reihenfolge:
Flambeau, Sigma IV, Minehaha, Annette III, Iken veux.
Das führende Boot gebrauchte 51 Minuten 1 Sekunde.
100 Kilometer wurden in der gleichen Reihenfolge abſol=
viert
. Flambeau gebrauchte 1 Stunde 42 Minuten 45 Se=
kunden
, Annette III 1445:51, Jlen veux 1:46:57. In ge=
ringem
Abſtande folgten Nautilus Saurer mit 1:50.01
und Na=Roch mit 1.56:04. 10 Kilometer weiter erlitt

Minehaha Steuerbruch und blieb liegen. 150 Kilometer
legte Flambeau, noch immer an der Spitze, aber hart be=
drängt
von Sigma IV, in 2:35118 zurück. Dann erlitt
Sigma IV Motordefekt und blieb liegen, aber auch Flam=
beau
ereilte noch kurz vor Beendigung des Rennens das
Schickſal. Der mitgenommene Brennſtoff war erſchöpft.
Bevor aus den Reſervekannen neuer Brennſtoff in die
Tanks gefüllt war, hatte Iken veux, die das Tempo for=
eiert
hatte, ebenſo Sigma, die wieder flott geworden war,
Flambeau erreicht und überholt. Sigma IV konnte mit
knappem Vorſprung das Rennen gewinnen. Sie legte
die 200 Kilometer in 3:33:26 zurück. Den zweiten Platz
belegte Iken veux in 3:33:59, den dritten Flambeau in
3:34:34, Vierter wurde Nautilus Saurer in 3:34:46,
Fünfter Na=Roch in 3.54:07, Sechſter Onward in 5.18:30,
Siebter Irene in 6.06:24. Die übrigen Boote gaben auf,
unter ihnen auch Annette III, die kurz vor dem Ziel liegen
geblieben war. Die Vorprüfungen für den Wettbewerb
der Waſſerflugzeuge wurden im ganzen von ſieben Flie=
gern
ebendet, und zwar von Espanet (Nieuport, 100=Ps.=
Gnome=Motor, Weymann (Nieuport, 100=PS.=Gnome=
Motor) Brégi (Bréguet, 110=PS.=Salmſon=Motor),
gern beendet, und zwar von Espanet (Nieuport, 100=P8.=
Salmſon=Motor), Fiſcher (Henry Farman) und Prévoſt
(Deperduſſin, 160=PS.=Gnome=Motor).

Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
114 und Sonntags von 104 Uhr.
Städtiſches Hallenſchwimmbad, Mühl=
ſtraße
33 (geöffnet an Werktagen von 7 Uhr morgens
bis 8½ Uhr abends, Sonntags von 712½ Uhr
morgens).

Gcor A.-Jasmatzl A-G. Dresden
GröDte Eutsche Chäretterfahrfl

(I91

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Montag, den 14. April 1913.

Nummer 86.

Zarresse!

Den hohen Herrschaften, sowie meiner alten, treuen
Kundschaft die Mitteilung, dass ich vorgerückten Alters
wegen die Darmstädter Messe nicht mehr besuchen werde
und das Geschäft von meinem Sohne unter Firma Jean
Urff Sohn in bester Weise weitergeführt wird. Ich bitte
das mir in so reichem Masse zuteil gewordene Vertrauen
auch auf denselben übertragen zu wollen, da Sie ver-
sichert
sein dürfen, beim Einkauf ihre vollste Zufriedenheit
zu erlangen.

Zum Verkauf gelangten besonders wie seither die alt-
berühmten
Delikatess-Spezialitäten: Feinst frisch
gebrannte Vanille-Mandeln. Anerkannt ächtes
Original-Gesundheits-Magenbrot. (Jeden Tag frische
Fabrikation am Platze). Offenbacher und Nürnberger
Pfeflernüsse. Aechte Basler Leckerli. Aechter
Braunschweiger Honigkuchen. Häberleins Nürn-
berger
Lebkuchen, Makronen usw.
Schokoladen in reicher Auswahl von nur erstklassigen
Fabriken direkt.
Billigste Preise!
Keine Lagerware!
Bude mit Firma Mitteldurchgang von der Lindenholstrasse aus.
Mit vorzüglicher Hochachtung
jetzige Firma
Kohdnerer Deun Urtr Sohm

aus Frankfurt a. M.

(6877

Brauererechatzeno
Telephon 1028 z3 Hügelstraße 24/27
Anerkannt vorzügliche Qualitäts-Biere
Helles Export-Bier (Pilsner Art) (3681a
Dunkles Ernst Ludwigs-Bräu (Münchner Art)

Flaschen- und Kannen-Blere!

Die beeidigten und öffentlich angeſtellten
Gucherreviſoren
Carl Wepgandt, Eichbergſtraße 11
Georg Bertele, Wilbelminenſtraße 8 (
Wilbelm Hiedersleben, Rheinſtraße 6
empfeblen ſich zu allen in ihr Sach ſchlagenden Arbeiten wie
Reviſionen, Gutachten uſw.

50 Ztr. Kornſtroh
hat zu verkaufen Adam Bender II.,
(*10070
Braunshardt.
Neuer mod. Diwan und Otto=
N mane billig zu verkaufen.
(*10085
Müllerſtraße 21, I., lks.

I. Hess. Versich. geg. Ungezief.
Ibel & Lotz, G. m. b. H.
Eliſabethenſtr. 21. Telephon 461

Vertilgung von Ungeziefer jeder
Art, wie Wanzen, Käfer, Ratten,
Mäuſe uſw. billigſt unt. Garantie
und ſtrengſter Diskretion.

Zahlung
nach
Erfolg!

Für altes Eisen, alte Metalle,
Papierabfälle aller Art, Ge-
Schäftspap. Bücher u. Akten
unter Garantie des Einſtampfens
zahle ſtets die höchſt. Preiſe. 7915a
Lippmann May,
Tel. 157. Kl. Ochſengaſſe 14.
Aufträge werd. jederz. prompt erled.

Wir zahlen
die höchſten Preiſe
für alt. Eiſen u. Metalle, Pavier=
abfälle
, Geſchäftsbüch. u. Akten,
unt. Garantie des Einſtampfens.
Alle Aufträge werden nur
im Hauſe abgeholt und finden
(3362a
prompteſte Erledigung
M. Löb & Co.,
Liebigſtr. 30. Televhon 479,

Für Hausbeſ., Hotels, Bäckereien,
Reſtaur. uſw. Verſicherung gegen
Ungeziefer beſonders zu empfehlen
Aeußerſt geringe Jahresprämie.
Koſtenloſe Ausſprache an Ort und
(14a
Stelle. Poſtkarte genügt.

Altes Gold
Brillanten, Platin, Silber kauft
(7953a
zum höchſten Wert
Kurtz, Juwelenhandlung,
Pädagogſtraße 2. Telephon 1202

Getragene
Kleider
Stiefel, Wäſche, Bettfedern, Zahn=
gebiſſe
, alte Fahrräder ka uft
nur Max Obstfeld, Kl. Bach=
gaſſe
7, Telephon 2085, Poſtkarte
9926sod
genügt.

werden ſtets zu
Flaschen den höchſt. Preiſ.
angekauft.
*10037o
Wagner, Dieburgerſtr. 4.

zu kaufen ge=
Gut. Reisszeug
ſucht
(*10067
Taunusſtraße 16, I.

Beſter
Zahler Darmstadts
für getrag. Kleider, Stiefel, Wäſche
uſw. iſt S. Zarnicer, Kl. Bachg. 1
(8897a
Poſtk. genügt.

Mittwoch, abends, hellbrauner
Pelzkragen
von Wilhelmſtraße nach Sand=
(*9936so
ſtraße 14, 2. Stock
verloren
Gegen Belohnung dort abzugeben.

Schoner Garten
an elektr. Bahn, mit vielen Obſt=
bäumen
zu verkaufen. II. Hypo
thek pp. w in Zahlung genomm.
Off. unt. A 50 a. d. Exp. (B8594

Acker mit Kirschbäumen
im Waldvillenviertel Eberſtadt bill.
(B8538
zu verpachten.
Näh. in der Expedit. d. Bl.

1 mohten ce

Herrſchaftliche Beſitzung
zu verkaufen.
Auf der Mathildenhöhe iſt ein
neu u. ſolid erbautes Einfamilien=
haus
, enthaltend Veſtibüle, 10 Zim=
mer
, darunter große Geſellſchafts=
räume
, Wintergarten, offene und
gedeckte Teraſſen, Küche mit An=
richt
, Speiſekammer, Badezimmer
Schrankzimmer, 3 Mädchenkam
mern, große Bodenräume, im Sou=
terrain
Waſchküche, Bügelzimmer
und ſchöne Kellerräume zu gün=
ſtigem
Preis zu verkaufen und
kann nach Wunſch übernommen
werden. Zentralheizung, Gas und
elektriſches Licht vorhanden. Die
Villa ſteht in einem 1180 qm
großen, ſchön angelegten Garten.
Nur ernſte Reflektanten erhalten
weiteren Aufſchluß, auch Einſicht
in die Haus= und Lagepläne bei
der Firma Sebastlan Eckler,
Rheinſtraße 9, Telephon 2 13. (6552a

Verkauf.
Das Haus zum Alleinbewohnen,
Wilhelmſtraße Nr. 12, ent=
haltend
5 große u. 4 kl. Zimmer,
Bad, Küche und Waſchküche, mit
Vor= u. Hintergarten Geſamt=
fläche
457 am wird zu ſehr
günſtigem Preis verkauft. Näh.
Aufſchluß nur bei Sebastian Eckler
Rheinſtraße 9, Tel. 243. (8268a

Einkamillennaus
Bismarckstr. 41, komfortabel
eingerichtet, ſolid erbaut, 10 Zim=
mer
, Bad, Balkon, Küche, reichl.
Zubehör, elektr. Licht, Gas, kleiner
Garten, wird zu günſtig. Preis
verkauft oder vermietet. Auf=
ſchluß
bei Sebastian Eckler.
Rheinſtr 9, od. im Hauſe
*263a

10 AKtrd biliige Tage.10

Vom

Billige Anzüge

Billige Wäsche

Billige Hosen
veranstalte Bill. Trikotagen

Billige
Frühjahrs-Jopp.

10 billige
Tage!

Billige
Knaben-Hosen

Ausser verschiedenen extra
billigen Waren, welche wäh-
Bill. Strümpfe rend dieser Zeit zum Verkauf Bill. Schürzen
gelangen, gewähre ich auf
alle Sachen, ausser Kurz-
waren
und Stickgarne::

Billige
Arbeiter-Kleider


Billige
Unter-Röcke
U)0 Mabatt.

Beachten Sie meine
Bill. Korsetten
Billige Mützen
4 Schaufenster!

in vornehm
2½84 Zim.=Haus Straße bill.
zu verk. d. Fr. Hoth, Immob.=
Büro, Martinſtr. 101.
(B8891

Geſchäftshaus=Verkauf. 6s
Wegen Geſchäftsverlegung ſetze
mein Beſitztum Grafenſtraße 26
dem Verkauf aus. Großer Laden
mit anſtoßenden Räumlichkeiten,
paſſend für größeres Geſchäft, auch
für kleineres, weil ohne Koſten
gut zu teilen. Objekt iſt ſehr
rentabel und in allerbeſtem
Zuſtand. Alleinige Auskunft nur
im Immobiliengeſchäft Hrch.
Caſtritius, Kahlertſtr. 38. (3951a

Tausche
mein prachtv. geleg. Baugelände
(Obſtanlagen) an der Bergſtraße
geg. Wohnhaus in Darmſtadt.
Off. unt. A 36 a. Exp. (B8537

Haus zum Alleinbewohnen
Villa, in ſchöner Lage der Stadt,
8 Zimmer ꝛc. ſoll gegen ſchulden=
freies
Baugelände umgetauſcht
werden. Offerten unter A 64 an
(*9839fso
die Exped. ds. Bl.

Elnremnenhaus
in feiner, ruhiger Lage, Nähe
Heinrichſtraße, mit 7 großen Zim.
und Nebenräumen, Bad, Speiſe=
aufzug
, elektr. Licht und ſchönem
Garten, iſt per alsbald preiswert
zu verkaufen
Nur ernſte Reflektanten erhal=
ten
Auskunft bei C. Blümlein.
Dieburgerſtraße 2.
(*10052

(e
Weir unter Taxe
ſſt ein neuzeit=
liches
, maſſives Haus
im Johannesviert. zu verk. Anſr.
unt. D 4 an die Exp.
(3161a

Geſucht
geg. Sicher=
werden
500 M. heit von Be=
amt
. in ſich. Poſitionauf ½
Jahr
g. h. Zinſ. Off. u. B 19 Exp. (*10010so

von 1740
Erſte Hypothek Mark, 60%
der Taxe, auf prima hieſ. Obj.
v. pünktl. Zinszahl. p. 1. Juli
geſucht. Off. nur v. Selbſtgeber

W81 a. d. Exp.

(83.

Bebjedern
Gäddeene
Bellbacchent
Negerleunen.
ObeKLzeuge
ekttlcher
Sellottern
Selldechen
Sckluberzuge
im grosser Auswahl.

hat fortwähr.
Feſtſitz. Glucken zu verkauf. u.
ein Paar Rieſengänſe. (*10042om
Petzold, Schießpl. b. Griesheim,
Wirtſchaft z. Patronentaſche, 1. St.

Leere Kisten
(*10044
zu verkaufen
Konditorei Zuckerſchmidt,
Meſſe Hier.

[ ][  ][ ]

1. Beilage zum Darmſtädter Tagblatt.

34 80.

Montang, 14. April.

1913.

A
Mclad-Jade
ECo., Radebeul ist die beste Lilienmilehseife f.
v. Bergm.
garte, weiße Hlautublendendschön, Teint. St.50 Pf. Überallz. hab.

Vom täichtner der Sroßſtack.,

Einen eigenartigen, mit nichts zu vergleichenden
Genuß bietet es ſelbſt dem Großſtädter bei hereinbrechen=
der
Dämmerung beiſpielsweiſe an der Ecke der Leipziger=
und Friedrichſtraße, die Verwandlung des Berlin bei Tag
in das Berlin bei Nacht zu verfolgen. Wenn im Weſten
das Tageslicht noch längſt nicht verglommen iſt, und nur
dem ſpähenden Auge dann und wann ein Stern am dunk=
len
Himmel ſichtbar wird, beginnt es in den menſchen=
gefüllten
Straßen in eigenartiger Weiſe lebendig zu wer=
pen
. In ſchneller Aufeinanderfolge leuchten hier und da
Zichter auf; erſt zwei, dann drei, dann ein Dutzend, und
ehe man ſich’s verſieht, blitzt und ſprüht es an unzähligen
Stellen. Plötzlich ein magiſches Aufleuchten und wie eine
flberne Perlenſchnur zieht ſich über unſere Häupter hin=
weg
die Reihe der elektriſchen Bogenlampen, ſich in beiden
Kichtungen der Straßen als leuchtende Linie im rötlichen
Qunkel perſpektiviſcher Fernen verlierend. Aber während
man ſeine überraſchte Aufmerkſamkeit noch dieſem geheim=
wisvollen
Zauber zuwendet, haben ſich die Lichtquellen an
en Häuſerreihen bereits ſo vermehrt, daß die beiden
Steinmauern der Straße gleichſam im Licht zu ſtehen
ſcheinen, durch das nun die ſchwarzen Menſchenwogen hin=
kurchſluten
. Aus den Tiefen der Straße glimmen Licht=
ſrreifen
an den Häuſern hinauf, umwinden Portale und
Eingänge mit glühenden Girlanden, umſäumen die archi=
tektoniſchen
Linien der Geſchäftspaläſte und Handels=
1äuſer mit zarten, lichten Bändern und ſetzen ſich hoch oben
auf den Dächern und unter den Simſen feſt als feurige,
ſich drehende Kreiſe, ſtrahlende Sonnen und ſprühende
Sterngebilde. Da ſind leuchtende Ketten um glühende
Käder geſchlungen, die ſie in Bewegung ſetzen, feurige
Schlangen eilen in raſtloſem Lauf um magiſch ſchimmernde
Flächen, Lichträder drehen ſich in nimmermüder Eile und
leſenhafte Schriftzüge flammen im Dunkel auf, um nach
rllötzlichem Verſchwinden immer wieder zu erſcheinen; und
= mehr die Nacht ſich auf die Dächer ſenkt, um ſo inten=
frver
und prächtiger ſchimmert und gleißt der Lichtzauber
der Großſtadt, in deſſen lebende Lichterſpiele ſich das
verlweiße, ſtrahlende Licht unzähliger Bogenlampen
iniſcht.
Läßt man ſich endlich, berauſcht von den Wundern des
ewachenden Nachtlebens, von dem Strudel der eilenden
und haſtenden Menſchen hinforttreiben, vorbei an den hell=
erleuchteten
Läden, an Cafés vorüber, die mit bunten,
fröhlichen Menſchen gefüllt, die alle dem Lichterglanz nach=
gegangen
ſind, ſo erkennt man, daß alle dieſe wunder=
fumen
beweglichen und zuckenden Lichtphänomene aus
auſenden und Abertauſenden von elektriſchen Glüh=

u
der, die in endloſer Jagd dort am Transparent herauf und
wieder hinablaufen, wie die merkwürdigen Schatten, die
ohne erkennbare Urſache, über Leuchtgebilde hinhuſchen,
verdanken Leben und Bewegung elektriſchen Automaten,
die mit unvergleichlicher Präziſion ihre Befehle an die
zahlreichen Lampen geben, die gehorſam im ununterbro=
chenen
Wechſel aufleuchten und verlöſchen.
Die nächtliche Großſtadt iſt in ihrer äußeren Erſchein=
ung
vollſtändig elektriſch und jeder, der ſich in ihren Bann
begibt, wird unweigerlich elektriſiert, was die vielen an
einem vorbeitreibenden Menſchengeſichter mit ihrer fröh=
lichen
Laune am beſten erkennen laſſen.

Stimmen aus dem Publikum.

(Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung: für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)
Eine ganz eigenartige Arbeit konnten Paſſanten,
die ihr Weg am Samstag vormittag gegen halb 10 Uhn
nach dem Schneefall zu dem Poſtgebäude am neuen Bahn=
hof
führte, beobachten. Dort ſtanden auf einem der an=
gepflanzten
Plätze mehrere Arbeiter, mit Heugabeln
perſehen, im tiefen Schnee und wendeten Gras, das
jedenfalls vor einigen Tagen geſchnitten wurde. Bei
warmem Wetter iſt dies ja eine notwendige Arbeit; was
es aber für einen Zweck haben ſoll, das Gras mit Heu=
gabeln
unter dem Schnee aufzuholen und wieder darauf
zu werfen, iſt Einſender nicht recht verſtändlich, zumal
nach fünf Minuten alles wieder vom Schnee verdeckt war.
Handelt es ſich in dieſem Falle um eine ſogenannte Not=
ſtandsarbeit
, oder liegen dieſer Manipulation tiefere
Gedanken zugrunde, etwa landwirtſchaftliche Studien?
Auf alle Fälle wäre es aber praktiſcher geweſen, wenn
dieſe Arbeiter ſtatt mit Heugabeln mit Schneeſchaufeln
verſehen geweſen wären, um einen gangbaren Weg nach
dem Poſtgebäude herzuſtellen, denn dieſer war geradezu
unpaſſierbar. Jedenfalls wäre man für eine Aufklärung
über dieſe eigenartige Arbeitsleiſtung dankbar.
J.

Vermiſchtes.

* Künſtliches Fleiſch.
Nach einer Mitteilung,
die wir dem bekannten Familienblatt Das Buch für Alle
(Union, Deutſche Verlagsgeſellſchaft in Stuttgart) entneh=
men
, iſt es dem belgiſchen Chemiker Effront gelungen, aus
pflanzlichen Stoffen einen an Geſchmack wie an Nährwert
angeblich gleichwertigen Erſatz für Rind=, Kalb=, Hammel=
oder
Schweinefleiſch herzuſtellen. Der Ausgangsſtoff iſt
dabei ein billiger Brauereiabfall, nämlich Malz. Das Malz
wird gewaſchen und gepreßt, dann in ein Schwefelſäure=
bad
gebracht und hierauf mit Kalk behandelt. Das Ge=
miſch
wird gefiltert, das Waſſer abgedampft, hierauf wer=
den
die Rückſtände wieder gepreßt und dann mit verſchie=
denen
Chemikalien, die Effront geheim hält. behandelt.
Das Endergebnis ſoll eine fleiſchartige Maſſe ſein, die
wirklich wie Fleiſch ſchmecken, dabei aber erheblich billiger

ſein ſoll. Das Mandin
parat, ſoll vom Körper noch beſſer aſſimiliert werden als
echtes Fleiſch. Man hat, dem Erfinder zufolge, an Men=
ſchen
, die ſich mit dem Kunſtfleiſch ernährt haben, gute Er=
fahrungen
gemacht und beſonders auch im Tierverſuch
den hohen Nährwert des Kunſtfleiſches bewieſen. Es
wurden mit dieſem Kunſtfleiſch Fütterungsverſuche an
Ratten gemacht. Sechs der Verſuchsratten erhielten täg=
lich
5 Gramm Kunſtfleiſch und ein paar Getreidekörner,
während ſechs Kontrollratten täglich 12 Gramm wirkliches
Fleiſch und ebenſoviel Getreide erhielten wie die anderen.
Das Ergebnis war, daß nach einer Woche die Ratten, diei
wirkliches Fleiſch bekommen hatten, verhungert waren.
während die mit Kunſtfleiſch ernährten Ratten ſich bei
beſtem Wohlſein befanden.

Gewinnanszng
der
2. Vrenſiſch=Küddentſchen
(228, Königlich Prenßiſchen) Klaſſenlotterke
4, Klaſſe 1. Ziehungstag 11. April 1913

Auf jede gezogene Nummer ſind zwei gleich hohe Gewinne
gefallen, und zwar je eiuer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.

Gachdmc verboten
(Ohn Gewähr ul. St.el. ſ. 30)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne übes
192 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 5000 Mk. 81343
4 Gewinne zu 3000 Mk. 56128 173961
14 Gewinne zu 1000 Mk. 64711 67698 67943 89964
107987 182678 226672
38 Gewinne zu 500 Mk. 718 3033 19339 23985
29190 61630 70530 87320 92300 93681. 102696
111269 119702 122616 129342 158455 169244 193380
206252
82 Gewinne zu 400 Mk. 5604 7081 21971 35231
39457 a17b1. 61145 61052 52136 57760 67377 6097
71419 83260 88186 90699 96308 103035 10329a
110741 112097 112902 115449 132932 140882 141217
141906 144930 146091 146989 158812 160311 160681f
167814 175602 183352. 192577. 197172 201194 202806
213660
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
192 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 10000 Mk. 202314
8 Gewinne zu 3000 Mk. 47122 119499 12415?
216226
14 Gewinne zu 1000 Mk. 66305 98369 112321
116436 132959 135288 191972
24 Gewinne zu 500 Mk. 9673 18895 20131 31755
41702 73414 92738 99786 112895 153838 190996 222667
68 Gewinne zu 400 Mk. 6759 27945 35248 48501.
57013 57986 58126 69695 69256 74068 74646 76565
7600s 60465 61315 110007 1295a1 130065 130050
139466 144115 145538 146871 153069 159853 161376
161598 165513 174707. 183484 203131 209602 214605
217042

Bernz Schobf
Wilhelminenstr. 19,II
Grösstes Sprachlehrinstitut.
Englisch
Französisch
Privatstunden 2 Mk.
hes- Klassenst. pro Mon. 5 Mk. 2
Italienisch
Privat- und Zirkelstunden.
Gut bewährte nationale Lehrkräfte.
Uebersetzungen biiligst
und diskret. (8305a

u

Laden gesucht
gleichv. welcher Stadt, in verkehrsr.
Lage, f. Drogerie geeignet. A. Pernat,
Ne ustadt (Pfalz).
(*10068
zum
Dackofen m. Laden 1. Juli,
erent. ſpäter, geſucht. Off. unter
B 33 an die Exped.
(*10049

Dautscher

Gegnae

G.

roßer Stall
Speisekar tohfein

E aus Französischen Meinen

ANDADERs- Mächoll.
HEiL.BRONN.
5
Nor echt mitt Her Hammer-Schutzmarke. Überall erhäftlich.
Aufbewahrung von
Pelz= und Wollwaren
während der Sommermonate, ev. das ganze Jahr, unter
Garantie gegen Feuer= und Mottenſchaden übernimmt
Gottlieb Lorz, Hoflieferant
Telephon 2147.
Eſchollbrückerſtraße 3.
Neueſte Kühlanlage und Motorbetrieb. (7917a

Wagenremiſe oder Räume, die
ich dazu einrichten laſſen, mit
Kerſonalwohnung Nähe Anna=,
Martinſtraße, Herdweg ſofort od.
täter geſucht. Off. mit Größe
umd Preisangabe unter B 31
a die Exped. d. Bl.
(B8892
1 möbl. und 1 unmöbl. Zimmer
mneinandergehend u. ſep. m. Gas
z. gut. Bedienung geſucht. (*10047
Off. unt. B 28 a. d. Exp. d. Bl.

(Industrie), Ztr. Mk. 2.50
empfiehlt
(7869a
Joh. Walther,
Telephon 1598, Wienersſtr. 69.

werd. u.
Weißbinderarbeiten Garant.
ausgeführt. Uebern. von Faſſaden.
Off. u. A 38 an die Exp. (*9699dsi

Fofort wird für eine leidende Frau
auf längere Zeit im od. in der
Nähe des Waldes Aufenthalt ge=
ſucht
. Off. mit Preis unt. A 28
in die Exped. d. Bl. (*9617mso

von Bank=
Beſſere Penſtion beamtenper
(8765so
Mai cr. geſucht.
Offerten unter B 2 an die
Erpedition d. Bl.

1 Vimman in beſſerem
alt Mobl. Zimmer ruh. Hauſe
eſucht. Angebote unter B 36 an
(*10075
die Expedition d. Bl.

Jung. Herr, Dipl.=Ing., ſucht
möbl.
vom 20. April bis 10. Mai
Zimmer. Offert. unt. B 37 an
(*10072
ſie Expedition d.=Bl.

Tabakspfeifen
aller Art und Preislagen

sämtliche Ersatzteile
Zigarren, Zigaretten,
Tabake
ac Etuis, Meerschaum-
und Bernsteinwaren
Rauchartik., Spazierstöcke
etc. etc.

Grosse Ausw. Bill. Preise.
Pfeifenspezialist:

Fr. Marguth
Darmstadt, Ecke Gr. Ochsengasse,
Filiala: Marktstrasse 3. (6334a

werden modern und
Hute billig angefertigt
*9898sid) Taunusſtr. 42, 1. St.

Der weltberühmte
Dr. Schwarze’s
Alpen-
Kräuter-Iee
wegen seines angenehmen
Geschmacks zum täglichen
Genuß (auch mit Milch)
geeignet, ist das beste und
vorzüglichste aller diäti-
schen
Genußmittel.
Bester Ersatz für Kaffeo und
chin. Tee.
Paket (7006a
50 Pfg. und 1 Mk.
Reformgeschäft
Aristat:
Gesundheitliche Nahrungs-
und Genußmittel
Anton Braunwarth
Ernst-Ludwigstr. 3.

in eich., vollſtänd. neu, nicht gebr.,
mit prima Inh., modernſte Faſſon,
umſtändehalber, gek. 640 Mk., wird
für 475 Mk. abgegeben.
Küche
ebenfalls hochmod., vollſtänd. neu,
85 Mk., mit Kunſtverglaſung.
WFahgwaeKau
Bücherschrann
3teil., beſſerer Moquette=Diwan,
1 eichener Eckſchrank mit Kunſt=
verglaſung
, uſw. enorm billig
Karlſtraße 41.
*10069)
Trockene
Flechten
durch Gebrauch von Obermeyer’s
Medizinal Herba=Seife voll=
ſtändig
verſchwunden, beſcheinigt
Herr R. Mayer in Maulbronn. Sc
u. ähnlich lt. tauſende v. Dankſchreib.
Herba=Seife à St. 50 Pfg., 30%
verſtärktes Präparat Mk. 1.
Zur Nachbehandlg. Herba=Creme
à Tube 75 Pfg., Glasdoſe Mk. 1.50.
Zu haben in allen Apotheken,
Drogerien, Parfümerien. (II,8887

20

VZur Beseitigung von
esichtz-u. Körperhaaren
Damenbart

Olenſach. AMain

Peſrer Herr ſucht guten Priv.=
D Mittagstiſch. Angebote unt.
B 38 an die Exped.
(*10083

radikal mit Warzel
so dass ein Wiederwach
1ome
dieser Haare
B und
jet. Heine Hautr
besser alsElektrolz
*,101.38
Garantie absol. unschädl.
folr. Prei
richer
unachr.
Frintgat. ſeteiletog
Preisgekr
Versand diskret geg. Nachn,
n.
od. Voreinsnd. (auchBriefm.)
Friedrich Tillmann
Elisabethenstrasse 21.

Heirſchbaum
Antike, Fleine Biedermeierkommode,
Standuhr u. Nähr., Bupiro nußb.
Komm., mittelgr. Mahag. u. Nußb.
(*10073i
Glas=Vitrine.
Karlſtraße 41.
Gut erhaltenes großes Sofa,
großer Küchentiſch u. Ablauf=
brett
billig zu verkaufen (*10082
Heinrichſtraße 93, 1. St.
Gebrauchte Kartons, ſowie
neue Hutkartons in jeder;
(6778a;
Größe billigſt.
Gg. Schubkegel, Ludwigsplatz.
(1r n . . m.
aus meiner vielpräm. Spezialz.
Schwarzer Orpington
habe abzugeben, St. 40 Pfg.
Adolf Möser (9812fem
Ruthsſtraße 24 (Laden).
Einen jung. Jagdhund
(8905
zu verkaufen
Weiterſtadt, Kreuzſtraße 9.
Mittelgroßer, ſehr wachſamer
(Rüde) billig zu
Humdl verkauſen. (*9998sc.
Heinheimerſtraße 77, 3. St.
gebrauchter Geſchäfts=
Pfelb, wagen, gebraucht. Selbſt=
fahrer
, gebrauchter eiſern. Akten=,
bezw. Kaſſenſchrank (ca.½ 70m)
zu kaufen geſucht. Ausführl. Off.
unter B 30 an die Exp. (*10658

[ ][  ]

Weiblich

welch. in Stenographie,
Fräulein, Maſchinenſchr. u. Buch=
fürung
bew. iſt, ſucht Anfangsſtell.
Off. unt. B 24 a. d. Exped. (*10035


II. Dnckiſee
perfekt im Taillenaufſtecken u. Gar=
nieren
, g. Zeugn. beſ., ſucht Stell.
evt. als Aenderungs=Direktrice.
Off. unt. B 35 a. d. Exp. (*10058

Schneiderin, perf. in al. Damen=
u
. Kinderkleid., empf. ſich bei bill.
Preiſen Grafenſtr. 22, I. (*10070

Beſſ. Schneiderin nimmt nock
Kunden an. Off. unt. B 16 an
die Expedition.
(8856a

Beſſeres, in allen Hausarbeiten
ewandertes Mädchen ſucht zum
1. Mai Stellung als Alleinmädch.
Off. u. M. W. poſtlagernd Poſt=
amt
2 Mainz.
(8548a

Föbel’ſche Kindergärtnerin,
J. alt, m. gut. Zeugn., ſucht Stell.
*
Off. u. A 14 a. d. Exp. (*9567mfo

Frau ſ. Waſch.u. Putz., n. a. Aush.
an. Bismarckſtr. 16, Manſ. r. (*9831foi

Jung. ſaub. Frau ſucht morgens
Stunden Laufdienſt.
(*10051
Wendelſtadtſtraße 49, Hinterhaus.
Beſſeres Fräulein ſucht Stell
als Haushälterin, am liebſten zu
einz. Herrn oder als einf. Stütze
Off. u. A 27 a. d. Exp. (*10071
Sb. Frau ſucht Waſch. u. Putzen
Ruthsſtraße 8. Vorderh. S(*10078

Männlich

Bürobeamter
juriſtiſch ausgebildet, la Zeugniſſe
und Referenzen, ſucht dauernde
Stellung. Gefl. Off. unter B 27
an die Expedition ds. Bl. (8898a
Verh. jung. Mann, perſekt im
Fahren und Reiten, 8 Jahre in
einem Offiziershaus tätig, ſucht
Stellung als Herrſchaftskutſcher.
Off. u. A 83 a. d. E. (*9847fo

macht ein
Schuhmacher paar Boden
in der Woche mit. Heimarbeit.
Off. u. B 34 a. d. Exped. (*10059

Lellen

Weiblich

23 durchaus tüchtige
Tapezier-Näherinnen
bei hohem Lohn ſof. geſucht (8875
Ludwig Alter, Hofmöbelfabrik.

Reinliche
zum
von Schokolade ſofort geſucht.
Wienersſtraße 66. (*10048

Jüngeres Hausmädchen
ſolid, das nähen kann u. in aller
Hausarbeit erfahren iſt, per ſofort d. Bl. einzuſenden.
oder 1. Mai geſucht. Vorzuſtellen
von 24 Uhr. Frau Oscar Wolff,
Rheinſtraße 46. I. (*9947so
Fleißziges ſaub. Mädchen tags=
Wittmannſtr. 4, part. (8761soi

das perfekt kochen kann, per ſofort
geſucht. Lohn 2530 Mk. (8676soi
Frau Stichel, Schulſtraße 1.

ſuchen einige tüchtige
(0
Verkaufermnen
für die Abteilungen
Sty
Handſchuhe, Strumpfe und Haushalt
ſowie
(8910

eine tüchtige Packerin.

Nur branchekundige, tüchtige Verkäuferinnen wollen Offerten
abgeben.

Geschwister Knopf.

Geſucht in kleinen Haushalt,
Paris, zuverläſſiges Mädchen,
kinderlieb, im Haushalt bewandert,
zum 1. Mai oder früher. Gehalt
25 bis 30 Francs mtl. Näh Alice=
(*9883so
ſtraße 19, parterre. Suche für ſofort ein gewiſſen=
haftes
, erfahr. Kindermädchen zu
3 klein. Kindern. Vorzuſtell. täglich
zwiſch. 2 u. 3 Uhr nachm. (B8515
Frau Theodor Schwab
Darmſtadt, Roquetteweg 5. Br., ſleiß. Mädch. p. ſof. f. Haush.
geſ. Näh. Mühlſtr. 76, II. (*10063 Aeltere, (e
ev. ſofort ge=
einfache
Slüht ſucht. Vorſtell.
vormittags. Fräulein J. Friedrich,
(*10036
Frankfurterſtraße 74. Anabhäug., ſanb. u. zuverläſſige
natamädahe
Aeharbmädchen Uu. Frauf
vor= und nachmittags, in der Nähe
wohnend, zu klein. Familie geſucht.
8906om) Kiesſtraße 125, part. Schulentlaſſenes Mädchen für
eichte Arbeit tagsüber geſucht.
*10055oi) Landwehrſtraße 68. Jung. Mädchen f. leichte Haus=
arbeit
u. zum Spazierengehen mit
5jähr. Jung. für vorm. (812) geſ.
Roßdörferſtraße 51, II. (*10079 1o perfette und bürgerliche
Süche Köchinnen, Lohn 30 bis
50 Mk. monatl., gewandte Haus=
mädch
., Alleinmädch., welche koch. u.
nicht koch. können, in Herrſchafts=,
Privat= u. Geſchäftsh. für hier u.
auswärts für ſofort und 1. Mai
Frau Minna Dingeldein, ge=
werbsmäßige
Stellenvermittlerin,
Eliſabethenſtr. 5, Tel. 531. (*10081 Suche Köch, Haus= u. Alleinm. in
g. Privatſt. Johannette Weißmantel, gewerbs-
mäßige
Stellenvermittlerin, Karlstr. 30. (*1008 Solides tücht. Mädchen
mit guten Zeugn. in kleine Fam.
f. 1. Mai geſ. Stiftſtr. 7, II. (8810so Braves, tücht. u. ſ. j. Mädchen
oder junge Frau, von morgens
8Uhr bis mittags nach dem Spülen
geſucht. Zu ſprechen von 56 Uhr.
Näh. Expedition ds. Bl. (8769sc Männlich Hess. Geometer
2. Klaſſe
zum ſofortigen Eintritt in gut
eingeführtes bad. Vermeſſungsbü=
reau
geſucht. Solche mit Praxis
unge Müdchen Einwickeln in Straßenbau und ähnl. Arbeiten
bevorzugt, jedoch nicht unbedingt
Schokoladefabrik Albert Weicker,erforderlich. Eintritt kann ſofort
erfolgen. Zeugniſſe mit kleinen
Zeichenproben u. Gehaltsanſprüch.
ind unter A 97 an die Expedition
(8763so Routinierie
Reklame-Aquisiteure
geſ. Gefl. Bewerbung. mit Refer., von vorm. 7 Uhr ab, geſucht. Angaben unt. F. 2. T. 663 an Rudolf
Mosse, Frankfurt a. M.
(I,8884

Biliger Erſatz für Brennholz.
Wir ſuchen für unſer

(
Hedes Cormolz

unüberſehbares Abſatzgebiet und unentbehrlich für Haushalt
und Induſtrie, ſolvente Firmen oder Herren zur Uebernahme
des Alleinvertriebes an allen größeren Orten. Die ſeit=
herigen
, nachweisbaren Erfolge der Fabrik garantieren
eine gute Exiſtenz bei hohem Verdienſt.
I,8881
Nur ſolvente, ernſte Bewerber unter Klarlegung der
Verhältniſſe und Aufgabe von Referenzen werden berück=
ſichtigt
. Gefl. Offerten unter J. K. 13248 an Rudolf
Mosse, Berlin SW. 19, erbeten.

r ſuchen für Gießen und Umgegend zum diretten Verkaufe an
Automobiliſten, Autohändler, Fabriken, Garagen, Werk=
ten
einen fleißigen, tüchtigen
Lnlem=verrrerer.
Es handelt ſich um einen ausgezeichneten Artikel der Auto=
iche
, von dem in anderen Bezirken ſchon viele Tauſende verkauft
rden. Gefl. Off. u. G. G. 1913 an Haasenstein & Vogler,
G., Frankfurt a. M. erbeten.
II,8886


Gufe Ekisfenz:
Flottgehendes Geſchäft in beſter Lage Darmſtadts iſt
ſofort zu verkaufen. Auch für Beamten mit tüchtiger Frau
als Nebenerwerb geeignet. Offerten unter B 32 an die
Expedition d. Bl.
(*10054

Feste
Anstellung

Hoher Nebenverdienſt

Juſtizrat

auf mein Büro
p. sof. gesucht
Metz III.
(8911om

J. Glückert.

Junge Kellner u. Köche, Hotel=
Hausb., Köchin, Zimmermädchen,

(*10080

Taglöhner

(8626fso

Schuliunge geſucht
10030) Grafenſtr. 22 im Laden.

Junger
auberer Burſche ſofort
geſucht.
*10074) J. Müller, Kiesſtraße 20.

Bautechniker
ewandter, der Verkaufstalent be=
ſitzt
, für ſelbſtändige, ausſichts=
reiche
Poſition per ſofort geſucht.
Kapital von 2000 Mk. erforderlich.
Gefl. Angebote unter S. G. 9093
an Rudolf Mosse, Stuttgart,
erbeten.
(I,8768

tägl. zu verd ienen
210 Mk. Proſp. frei. Häressen-
Verlag Joh. H. Schultz, Cöin 80. (I,4742

Für unser Aenderungs-Atelier suchen wir sofort einige
tüchtige Schneiderinnen.
Bevorzugt solche, die in ähnlicher Weise beschäftigt und
gute Zeugnisse aufzuweisen haben. Persönliche Meldungen
(8842soi
erwünscht.
Gebr. Höslein, Ludwigsplatz.

welche
ertr. ed. Reisende, mit
Landwirten u. Mäſtereien in Ver=
bindung
ſtehen, ſucht Importhaus,
Hamburg, für größere Bezirke, zum
Verkauf von Ia Futter- Fisch-
mehl
, welches ſchnellſte u. lohn.
Schweinemaſt erzielt. Guter Ver=
dienſt
. Offert. unt. H. C. 1638 an
(I,8882
Rudolf Mosse, Hamburg.

Zimmer

gcn
Kledeselstr. 35
Parterre=Wohnung, 6 Zimmer u.
2 Entreſol, im Preiſe von Mk.
900. per ſofort zu vermieten.
Dieſelbe eignet ſich auch für Bureau=
zwecke
. Zu erfr. im 1. St. (8016oms

N.=Ramſtädterſtr. 32, 1. St.,
geräumige 5 Zimmerwohnung ſof.
bill. zu vm. Näh. daſelbſt. (6082t

Neue Martinſtr. 93, hochpart.,
mod. herrſchaftl. gr. 5 Zimmerw.,
Badez., Fremden= u. Mädchenz.,
Bleichplatz u. Gartenanteil u. allem
Zubehör ſofort oder ſpäter zu vm
Näh. Martinſtr. 89, II. (B7714oms

Bismarckstr. 80
Schöne 5 Zimmerwohnung im
2. Stock mit Bad u. ſämtl. Zubeh.
per 1 Juli zu vermieten. Preis
Mk. 900.. Zu erfr. im 1. Stock,
einzuſ. von 1012 Uhr vorm. und
(8736t
von 24 Uhr nachm.

3 Zimmer

Viktoriaſtr. 92, 1. St., neuzeitl.
1 Zim.=Wohn. nebſt Zubeh. Ausk.
wird erteilt Nr. 90, part.
(7906t

Kirchſtr. 17, III., 3 Zim.=Wohn.
m. G. ſof. o. ſp. Z. erf. 2. St. l. (B8083t

e
Weinbergstrasse 14
3 Zimmerwohnung mit all. Zubeh.
ſofort zu vermieten. (B8291om

Ernſt=Ludwigſtr. 5, Stb., ſchöne
3=Z.=Wohg. m. beſ. gr. Küche, evtl.
m. Bed. d. Dampfhelzg. geg. entſpr.
Vergütg., per 1. Juli zu vermieten.
Näh. daſ. Vorderh. 1. St. (7894os

2 Zimme

Roßdörferſtr. 30½, ſchöne 2
Zim.=Wohn. an einz. Leute z. verm.
Näheres Nr. 30, part. (7693oms
Mühlſtr. 10 ſchöne 2 Zimmer=
wohnung
zu vermieten.
(8829a

Erbacherſtr. 16
Vorderhaus u. Seitenbau, je eine
2 Zimmerwohnung, per Monat
16 und 10 Mk., zu verm. (8902ms
Näh. Stiftſtraße 19.


umn

Schönes, ſonniges Zimmer
parterre, unmöbliert, ſofort billig
zu vermieten. Näheres bei Vock,
Pankratiusſtr. 67, part. (7694oms

Teichhausſtr. 55, 1. St., ſchönes
großes unmöbliertes Zimmer, mit
oder ohne Penſion, bei guter Be=
dienung
, ſofort zu verm. (8834oms

Laden mit Magazin
für jedes Geſchäft geeignet, mit
oder ohne 3 Zimmerwohnung per
ſofort zu vermieten.
(6210od
Näheres Hügelſtraße 27.

ein Laden mit
Karlsſtraße 14 wonnung
(3 Zim.) p. ſof. zu verm. (8803ms

Grafenſtr. 24, I., großes, ſchön
möbl. Wohn= u. Schlafzimmer mit
elektr. Licht zu vermieten. (3380od
Aliceſtraße 23, II. (Loubre)
Penſion, 34 gut möbl. Zimmer,
auch Wohn= und Schlafz. zu vm.
Schreibtiſch, Gas.
(7798oms

Gartenſtr. 17, I.,
möbl. Zimmer mit guter Penſion
ſofort zu vermieten.
(8137oms

hübſch. Zim.
Grünerweg 25 mit Penſion
in gutem Hauſe.
(B8281

ein möbl. Zim.
Karlstr. 52 mit Penſion

zu vermieten.

(B5286oms

Karlſtr. 65, part., zwei ſchön
möbl. Zimmer zu verm. (B7550oms

Viktoriaſtr. 63, I. Etage, gut
möbl. Wohn= und Schlafzimmer
mit Balkon, Sonnenſeite, ſep. Eing.,
Klavierbenutz., Schreibtiſch, eventl.
auch an 2 Herren, per 1. April
(5736oms
zu vermieten.

A
I., großes, gut
Dar mstr. 14, möbl. Herren=
zimmer
, evtl. mit Schlafzim. (8460a

Nieder=Ramſtädterſtr. 18, II.,
gut möbl. Zimm. ſof. z. verm. (6011t

Waldſtr. 32 möbl. Zimmer=
zu
vermieten.
(6540t

Waldſtr. 33, II. I., ſep. möbl.
Zimmer zu verm.
(7571t

Neckarſtr. 24, II. I., fein möbl.
Zim. per ſofort zu verm. (7564t
Karlſtraße 63½, I.r., gut möbl.
Zimmer mit ſep. Eing., an Herrn
ſof. zu vermieten.
(B7647t

Mollerſtr. 17, II., gr. ſch. möbl.
Zimmer mit guter Penſion. (7841t

Saalbauſtr. 16, möbl. Wohn=
u
. Schlafzimmer mit ſep. Eingang.
zu verm. Näh. part.
(7944t)

Nied.=Ramſtädterſtr. 32, II. Et.,
möbl. Wohn=u. Schlafzim. (8282t
Wienersſtr. 46, II. I.2 ſchön möbl.
Zim., evtl. Wohn= u. Schlafzim. (8485a

Loniſenſtr. 32, II., b. Gg. Wedel
einf. möbl. Zim. mit Penſ. (8591af

Eliſabethenſtr. 29, 1. St., zwei,
fein möbl. Zimmer.
(8609a

Eliſabethenſtr. 40, I. r., ſchön=
möbl
. Zimmer ſof. zu verm. (8670af

Heidelbergerſtr. 89, 2. Stock,
chön möbliert. Zim. p. ſofort (8344af

Heinheimerſtr. 22, II. rechtst
gut möbl. Zimmer billig zu ver=
(*9531dso
mieten.

Karlſtraße 63, 3. St., gut möbl.
Zimmer zu vermieten. (*9879soil

Eckhardtſtr. 2, 1. St., einf. möbl.
Zimmer m. Penſ. zu verm. (*9887son

Soderſtr. 62, pt., einf. möbliertes
Zim. m. Kaff., p. Woch. 3 M. (*9884soi

Wohn= u. Schlafz.
Waldiutt. mit oder ohne Küche
an Herrn oder Dame zu vermieten.
Off. unt. A 98 an die Exped. (*9888sa

Bleichſtraße 37, 2. St. l., gut
möbl. Zimmer zu verm. (*9912so
Ludwigsplatz 4, 2. Etg., kl. möbl.
Wohn= u. Schlafzimmer. (*9938so

Saalbauſtr. 42 fein möbliertes
Zim. mit Schreibtiſch, evtl. Klavier
u. Mittagstiſch, zu verm. (*9967so
Landwehrſtr. 26, 2. Stock,
ſchön möbl. Zim. mit ſeparatem
Eingang ſof. zu verm. (*9976sg

Eſchollbrückerſtr. 6, 1. Stock
ſehr ſchön möbl. Zim., auch Wohn=
und Schlafzim. zu verm. Näh.
(8855a
2. Stock.
12 gut möbl. Zimmer mit
Moſer=
Penſion ſofort zu verm.
traße 5, Weidig. (B4764omf

Ludwigſtr. 16, III., möbl. Zim.,
m. od. ohne Penſ. zu verm. (*10060
Grafenſtr. 12, II., möbl. Zim.
10061
zu vermieten (ſep. Eing.)

Waldſtr. 39, part., N. Neckarſtr.,
*10065
ſchön möbl. Zimmer.

Roßdörferſtr. 19, part., möbl.
Wohn= u. Schlafz. zu vm (*10032oim.

Waldſtraße 46, 1. St., möbl.
(8899t
Zimmer zu verm.

Irgare
Diebur gerstr. 6, 2. St.
gut möbl. Wohn= u. Schlafzimmer
mit ſep. Eing., event. mit 2. Betten,
*10050
ſofort zu vermieten.
Schuchardſtr. 4, II. I., frdl. mbl.
Z., ſep. Eing. ſof. bill. z. vm. (*10076