Darmstädter Tagblatt 1913


11. April 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Prinz Heinrich von Preußen iſt am Mittwoch
in London eingetroffen. Sein Beſuch iſt rein
privater Natur.
Herzog und Herzogin von Cumberland
ſtatteten geſtern dem Kaiſerpaar in Homburg einen
Beſuch ab.
Drahtloſe Verbindung mit dem Eiffelturm
wurde in Kolmar entdeckt. Die Annahme, daß es
ſich um Spionage handelt, wird dementiert.
Der Ständerat der Schweiz nahm den Gott=
hardvertrag
mit 33 gegen 9 Stimmen nach
dreitägiger Beratung an. Damit iſt der Vertrag ſeitens
der Schweiz endgültig ratifiziert.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 8 und 9.

Das Duell in der Armee.

* In der Budgetkommiſſion des Reichs=
ſtages
antwortete der preußiſche Kriegs=
mminiſter
, wie ſchon kurz gemeldet, bei der Beratung
des Militäretats auf die Frage des Zentrums in Sachen
der Duelle in der Armee.
Seine grundſätzlichen Anſchauungen, die er im vorigen
Jahre mitgeteilt habe, ſeien ſelbſtverſtändlich nicht ge=
ändert
, das könne auch unmöglich von ihm in einer ſo ern=
ſten
Sache verlangt werden. Seine Zuſage, zu prüfen, ob
und inwieweit der Allerhöchſten Kabinettsorder von 1897
in der Praxis Rechnung getragen werde, habe er erfüllt,
die Prüfung habe über ſämtliche Fälle ſtattgefunden. In
14 Fällen ſei der Anlaß unerlaubter Verkehr mit Frauen
geweſen, in 32 Fällen tätliche Beleidigung und in 7 Fällen
vörtliche, aber ſehr ſchwere Beleidigung. Daraus gehe
Hervor, daß Zweikämpfe aus nichtigen Urſachen aus der
Armee ausgeſchieden ſind. Seit 1897 ſei in 71 Fällen ein
Ausgleich herbeigeführt und durch Allerhöchſte Entſchei=
dung
ein Duell vermieden worden. Nun liege die Schwie=
igkeit
aber darin, daß es ſich vielfach um Zuſammenſtöße
ſswiſchen Offizieren und Perſonen, die nicht dem Ehrenrat
unterſtehen, handle. In vielen Fällen ſei die Zivilperſon
der fordernde Teil. In dieſen Fällen habe der Ehren=
rat
natürlich einen ſehr geringen Einfluß. Der Offizier
ſei wohl gezwungen, alsbald dem Ehrenrat Mitteilung zu
machen, damit habe an ſich der letztere Spielraum für das
Eingreifen. Aber das liege anders, wenn es ſich um Zivil=
verſonen
handelt und namentlich die Zivilperſon der Schul=
bige
ſei. Eine Zivilperſon einfach als ſatisfaktions=
unfähig
zu erklären, dazu ſei der militäriſche Ehrenrat
nicht befugt. Nun beſtehen ſelbſtverſtändlich auch für ein=
nelne
Gruppen von Zivilperſonen Ehrenräte, z. B. für
Anwälte uſw., aber ein Zwangsmittel beſtehe nicht, denn
Geldſtrafe könne vielfach keinen Zwang ausüben. Der
Armee ſei es ſelbſt im höchſten Maße unangenehm. wenn
irt einem Ehrenſtreit ein Ausgleich nicht möglich ſei.
Im übrigen ſei überhaupt in den Anſchauungen des
Offizierkorps und ſeiner Mitglieder eine erhebliche Aen=
terung
eingetreten. Was man früher nur durch einen
zeweikampf erledigte, werde heute durch den Ehrenrat
zum Ausgleich gebracht. Nur bei Zuſammenſtößen
mit Zivilperſonen gehe das ſchwerer an. Im ein=
zelnen
müſſe dem Ehrenrat Spielraum gelaſſen werden, da
das Verfahren viel Takt erfordere; ſchematiſieren könne
m=an da nicht. Der Beleidiger werde durchweg ſchärfer be=
ſtraft
. Bei den Zweikämpfen zwiſchen aktiven Offizieren
ſei nur in einem beſonderen Falle der Beleidiger nicht aus
der Armee entfernt worden. Wenn eine Beleidigung nur
alts der Abſicht erfolge den Offizier in ſeiner Stellung zu
gefährden, ſo werde kein Ehrengericht den Offizier in die=
ſam
Falle wegen Unterlaſſung des Zweikampfes bezich=
tigen
. In letzter Zeit häuften ſich die Fälle, wo Ge=
ſchäftsperſonen
ſich wegen geſchäftlicher Angelegen=
heiten
an die Ehrenräte wenden; dieſe werden grundſätzlich
rüsckſichtslos zurückgewieſen.
Der Kaiſer habe bei jeder Gelegenheit ſeinen ernſten
Pillen bekundet, daß der Zweikampf aus der Ar=
m
ee verſchwinde. Das ſei auch in der Neujahrs=
anſprache
geſchehen, deren Ausführung nachher wieder in
eirtem Kabinettsſchreiben niedergelegt ſei. Der Kriegs=
mäniſter
verſichert, daß im Heere kräftig und ehrlich alles
getan werde, um den Zweikampf, ſoweit es irgend mit
dem Grundanſchauungen des Offizierkorps vereinbar ſei,
aus der Armee verſchwinden zu laſſen.

Zum Leuchtölmonopol.

* Die Norddeutſche Allgemeine Zeitung ſchreibt: Der
Staatsſekretär des Reichsſchatzamts hat
ern Verein für die bergbaulichen Intereſſen im Ober=
ergamtsbezirk
Dortmund auf die ihm überſandte, in den
beitungen mehrfach wiedergegebene Entſchließung vom
März über das Leuchtölmonopol unter dem 7. d. M.
rwidert:
Dem Vorſtand des Vereins für die bergbaulichen
Intereſſen beſtätige ich ergebenſt den Eingang der Ent=

ſchließung vom 31. März gegen den Entwurf eines Ge=
ſetzes
über den Verkehr mit Leuchtöl. Ich kann jedoch
die darin geltend gemachten Bedenken nicht unwider=
ſprochen
laſſen. Die Entſchließung des Vereins iſt weſent=
lich
damit begründet, daß für die Einbringung des Ent=
wurfs
außer den in der Begründung der Vorlage ent=
haltenen
Ausführungen noch Erwägungen gewiſſermaßen
allgemein ſtaatsſozialiſtiſcher Natur maß=
gebend
geweſen ſeien, wie ſie außer in Artikeln der So=
zialen
Praxis und der im gleichen Fahrwaſſer ſegelnden
demokratiſchen Preſſe auch in einer Abhandlung eines
meiner beteiligten Referenten enthalten ſein ſollen. Letz=
teres
kann ſchon um deswillen nicht zutreffen, weil die
erwähnte Abhandlung keineswegs das Leuchtölmonopol
als erſtes Glied einer Kette von Sozialiſierungen auf=
führt
und auch ſonſt, wie ich mich überzeugt habe, in kei=
ner
Weiſe ſtaatsſozialiſtiſche Anſchauungen
enthält; die in dieſer Hinſicht mehrfach gemachten Aus=
führungen
in der Preſſe müſſen auf einem Mißverſtändnis
beruhen. Es erſcheint mir aber überhaupt nicht zuläſſig,
die private wiſſenſchaftliche Arbeit eines
Beamten zur Unterlage von Angriffen gegen einen Ge=
ſetzentwurf
der verbündeten Regierun=
gen
zu nehmen. Auch abgeſehen hiervon ſind jene
Schlußfolgerungen nicht gerechtfertigt. Für das vom vori=
gen
Reichstag in einer, wenn nicht einſtimmig, ſo doch
mit einer überwiegenden Mehrheit auch aller bürgerlichen
Parteien geforderte Einſchreiten des Reiches ſind vielmehr
keine anderen Erwägungen maßgebend geweſen, als die in
der Begründung des Geſetzentwurfs enthaltenen Darſtel=
lungen
über die beſonderen Verhältniſſe des
Petroleummonopols

Deutſches Reich.

-
Hinſichtlich der deutſch= amerika=
niſchen
Handelsbeziehungen wird von be=
ſonders
ſachverſtändiger Seite erklärt, daß die vorgeſchla=
genen
amerikaniſchen Zollermäßigungen für Textilwaren,
Baumwolle, Leinen, Wolle und in einigen Fällen für
Seidenwaren im allgemeinen beſſere Ausſichten für die
deutſche Einfuhr eröffnen. Als am wenigſten ſind die
Zollermäßigungen für Papierrohſtoffe und Papierfabri=
kate
zu bezeichnen. In einigen Fällen ſind beſſere Abſatz=
bedingungen
für Eiſenwaren, Walzwerkprodukte und wei=
terverarbeitete
Produkte, wie Maſchinen, und ferner für
gewöhnliches Steingut und Porzellan gegeben. Viel hängt
von der Fähigkeit der Amerikaner ab, die ausländiſche
Konkurrenz zu unterbieten. Als ungünſtig für Deutſch=
land
iſt anzuſehen, daß einzelne Kohlenteerprodukte, wie
Kreoſot und die Zwiſchenprodukte der Farbeninduſtrie
nunmehr zollpflichtig werden. Das wichtigſte iſt die Rezi=
prozitätsbeſtimmung
, die eine vollſtändige Umwandlung
der amerikaniſchen Handelspolitik bedeutet. Abgeſehen
von den Kontrollbefugniſſen der Spezialagenten des
Schatzamtes ſind die Zollausführungsbeſtimmungen nicht
verſchlechtert.
Lehrreiche Zahlen über Arbeiter=
fürſorge
enthält die neueſte Statiſtik des Reichs=
Eiſenbahnamts, die ſich mit dem Betriebsjahr 1911 be=
faßt
. Die Anzahl der Beamten und Arbeiter einſchließlich
der Handwerker, Lehrlinge und Frauen betrug im Jahre
1911 716678 Perſonen, mithin kam auf je 91 Einwohner
ein Eiſenbahnbedienſteter. Gegen das Jahr 1901, alſo im
Verlauf von zehn Jahren, hat eine Vermehrung der Be=
amten
und Arbeiter um 170467 Perſonen oder 31,2 Pro=
zent
ſtattgefunden. Die Beſoldungen und ſonſtigen per=
ſönlichen
Ausgaben für Beamte und Arbeiter betrugen im
Jahre 1911 1318,51 Millionen Mark, wovon nicht weniger
als 137,10 Millionen Mark auf außerordentliche Auf=
wendungen
für Wohlfahrtszwecke entfallen. Im Jahre
1901 betrug die Geſamtaufwendung 756,11 Millionen
Mark, ſo daß die Steigerung 74,4 Prozent beträgt. Die
Geſamtſumme der perſönlichen Ausgaben iſt hiernach be=
trächtlich
mehr gewachſen, als die Geſamtzahl der Be=
amten
und Arbeiter, die durchſchnittliche Aufwendung
für jede beſchäftigte Perſon iſt von 1384 Mark auf 1840
Mark, alſo um 32,9 Prozent, geſtiegen.
Wegen des Zwiſchenfalles im Reichs=
tage
zwiſchen dem Zentrumsabgeordneten General Häus=
ler
und dem bayeriſchen Bundesratsbevollmächtigten, Ge=
neralmajor
Wenninger, haben Beſprechungen zwiſchen
Vertretern der Zentrumsfraktion und dem bayeriſchen
Bundesratsbevollmächtigten ſtattgefunden. Generalmajor
Wenninger wird im Reichstage in einer kurzen Erklärung
noch einmal auf die Angelegenheit zurückkommen und ſie
damit beilegen.

Der Deutſche Flottenverein im Jahre
1912. Aus dem ſoeben erſchienenen Bericht des Deut=
ſchen
Flottenvereins für 1912 iſt folgendes zu entnehmen:
Es waren vorhanden: Hauptausſchüſſe am 31. De=
zember
1912: 53 (am 31 Dezember 1911: 53), Ortsgruppen
3734 (3463) Vertrauensmänner 3212 (3111), Einzelmit=
glieder
320 464 (298014), körperſchaftliche Mitglieder
791 445 (756 390). Alſo ein Zuwachs von 22450 Einzel=
mitgliedern
und über 35 000 körperſchaftlichen Mitgliedern
in einem Jahre, neben der Vermehrung der Geſamtzahl
der Mitglieder auf 1111 900 vor allen Dingen aber auch
eine weſentliche Feſtigung und, Ausdehnung der Organi=
ſation
durch die Gründung von 271 neuen Ortsgruppen!
Das Vermögen des Vereins belief ſich am 1. Januar 1913
auf 396509 Mark gegen 381437 Mark im Vorjahre. Es
iſt ein Ueberſchuß von 15071 Mark erzielt worden, obgleich
im letzten Jahre ein Kursverluſt von über 19 000 Mark auf
den Effektenbeſtand abzuſchreiben war. Aus dem China=
fonds
, der am Jahresſchluſſe noch einen Beſtand von rund
75000 Mark hatte, wurden 95 Unterſtützungen im Betrage
von 10 795 Mark gewährt; der Südweſtafrikafonds iſt be=
reits
auf 17774 Mark zuſammengeſchmolzen: aus ihm
wurden im letzten Jahre 157 Unterſtützungen in Höhe von
9895 Mark bewiligt. Bisher ſind aus beiden Fonds 2133
Unterſtützungen im Geſamtbetrage von 177311 Mark ge=
zahlt
worden. Einen erfreulichen Fortgang nehmen die
Sammlungen für das in Eckernförde zu errichtende Heim
für alte und invalide Seeleute. Auf Freiſtellen auf den
Schulſchiffen des Deutſchen Schulſchiffvereins wurden 5
auf Prinzeß Eitel Friedrich und 8 auf Großherzogin
Eliſabeth‟ gewährt Für die Seemannsmiſion, die För=
derung
der Motorfiſcherei und einige andere Zwecke wur=
den
Unterſtützungen bewilligt, ferner Beihilfen zur Hebung
des Sports bei den Marineteilen. Die Vereinszeitſchrift
Die Flotte hat eine Auflage von 360 000 erreicht. Ganz
beſonderer Beliebtheit erfreuten ſich die Vorträge mit Licht=
bildervorführungen
; letztere, deren Zahl von 631 im Jahre
1910 und 841 im Jahre 1911 auf 1216 angewachſen iſt, er=
weiſen
ſich als ein ganz hervorragendes Hilfsmittel für die
Aufklärungstätigkeit des Vereins, der das Bildermaterial
zum Teil auch die erforderlichen Apparate und gedruckte
Vortragstexte hierfür zur Verfügung ſtellt. Außer einer
Lehrerfahrt wurden 21 Schülerfahrten und 23 Sonder=
fahrten
nach der Waſſerkante mit über 8000 Teilnehmern
veranſtaltet.
Die Zweite Kammer des elſaß=
lothringiſchen
Landtages ſprach ſich mit allen
gegen vier Stimmen bei einer Stimmenthaltung für die
Aufhebung des Jeſuitengeſetzes aus. Zur Frage der
Erteilung von Jagdſcheinen an Ausländer erklärte der
Unterſtaatsſekretär Mandel, daß die ewigen Ausnahmen
aufhören müßten und die Beſtimmungen fortan nach dem
Wortlaut des Geſetzes gehandhabt würden. Zur Frage
der konfeſſionellen Philoſophie=Profeſſur gab der Kurator
der Univerſität, Exzellenz Back, die Erklärung ab, daß
die Regierung die Verträge halten werde, ſolange ſie be=
ſtehen
.
Zu der Frage der Ausweiſung von
Ausländern aus Mülhauſen hat auf eine Inter=
pellation
des Abg. Martin (Soz.) in der Zweiten Elſäſſi=
ſchen
Kammer Unterſtaatsſekretär Exz. Mandel mit fol=
genden
Worten Stellung genommen: Ich möchte betonen,
daß keine einzige Ausweiſung eines Schweizer Bürgers
erfolgt iſt. Auf Grund der Statthalter=Erlaſſe vom Jahre
1884 iſt den Betreffenden nahegelegt worden, ſich darüber
ſchlüſſig zu machen, ob ſie dauernd hier im Lande bleiben
wollen oder nicht. Dabei berief ſich einer auf den ſchwei=
zeriſch
=deutſchen Niederlaſſungsvertrag, worauf wir den
Fall näher geprüft haben. Wir ſind zu dem Ergebnis ge=
langt
, daß ſich die Beſtimmung des Artikels 3, wonach der
Aufenthalt Schweizern unterſagt werden kann, die vor Er=
füllung
der Wehrpflicht die Nationalität gewechſelt haben,
nur auf ſolche bezieht, bei denen ein Nationalitätenwechſel
in eigener Perſon erfolgt iſt, nicht aber auf deren Söhne
und Enkel, vorbehaltlich perſönlicher Beanſtandungen nach
Artikel 2 des Vertrages. Von der Reichsregierung iſt un=
ſere
Auffaſſung beſtätigt worden. Der Polizeipräſident von
Mülhauſen iſt bereits entſprechend verſtändigt worden.

Ausland.

Italien.
Die italieniſchen Verluſte im Tripo=
liskrieg
. In Italien iſt nun die endgültige Zuſam=
menſtellung
der Verluſte im Tripoliskrieg erfolgt. Es er=
gibt
ſich aus dieſen amtlichen Zuſammenſtellungen, daß
die Geſamtzahl der Toten während des ganzen Krieges
133 Offiziere und 3339 Mann beträgt. Davon ſind ge=
fallen
oder an den Folgen ihrer Wunden geſtorben 92
Offiziere und 1391 Mann. Infolge von Krankheit oder
Unglücksfällen ſind geſtorben 41 Offiziere und 1948
Mann. Wenn auch dieſe Verluſte naturgemäß nicht leicht
ſind, ſo muß doch zugegeben werden, daß ſie für einen
einjährigen Feldzug, der Italien eine große und blühende
Kolonie zugebracht hat, ſich in den denkbar geringſten

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Nummer 84.

Grenzen halten. Das iſt die Folge der vorſichtigen Krieg=
führung
, die allerdings während des Krieges ſelber mehr
wie einmal die Kritik der ungeduldigen öffentlichen Mei=
nung
in Italien herausgefordert hat.
England.
Der Vorſchlag Churchills. Was die An=
regung
des Marineminiſters Churchill anbelangt, auf ein
Jahr hüben und drüben eine Pauſe im Flottenbau ein=
treten
zu laſſen, ſo hatte er, was ihm übrigens nicht ganz
ſelten widerfährt, ſelbſt unter ſeinen eigenen Partei=
genoſſen
manche ſcharfe Bemerkung hören müſſen. Noch
in der neueſten Nummer des Wochenblattes Truth, über
deſſen echt miniſterielle Geſinnung kein Zweifel obwalten
kann, fällt u. a. die Bemerkung, der Vorſchlag des Mi=
niſters
mache ſeinem Herzen mehr Ehre als ſeinem Kopfe,
und es ſei bedauerlich, daß die Häupter des Kabinetts in
ſolchen Fällen die Herzen nicht in Schranken zu halten
wüßten. Eine ſolche Anregung könne, falls ſie nicht auf=
genommen
werde, keine gute Wirkung, dagegen faſt ſicher
nur Schaden tun. Sie ſollte daher nicht öffentlich gemacht
werden, bis man ſich privatim über die Wahrſcheinlichkeit
der Annahme vergewiſſert habe. Im weiteren heißt es
dann:
Es iſt ja natürlich möglich, daß Sir Edward Grer
Grund zu der Annahme haben könnte, daß die deutſche
Regierung geneigt wäre, auf einen derartigen Vorſchlag
einzugehen. Wenn das der Fall wäre, ſo wäre es eine
gute Kunde. Einſtweilen liegen aber noch keine Anzeichen
dafür vor. Was wir ſehen, iſt, daß, während die ruhigeren
und freundlicheren Deutſchen das Möglichſte aus dem Vor=
ſchlage
zu machen und darin die Grundlage für etwas
Praktiſches zu erkennen ſuchen, die ſämtlichen Jingos und
Unruheſtifter, die in Deutſchland ebenſo zahlreich und
ebenſo lärmend ſind wie hier, ihn mit Schimpf abweiſen
und als neuen Beweis für die Machiavelliſtiſchen Metho=
den
des perfiden Albion verarbeiten. Das alles wird
dann wieder hierher berichtet, um den Eindruck zu wecken,
als ob die Deutſchen unverſöhnlich feindlich gegen England
geſinnt ſeien, und daß es Torheit wäre, ſich mit ihnen au=
freundlichen
Fuß ſtellen zu wollen. Wann werden denn
endlich unſere Staatsmänner zum Verſtändnis kommen,
daß, ſo lange eine ſolche Stimmung herrſcht, alle Vor=
ſchläge
zur Verminderung der Rüſtungen oder Einſtellung
des Wettbewerbes nur ſchaden können. Herr Churchill
ſcheint auch nicht zu verſtehen, daß er bisher nicht gerade
viel getan hat, um ſich in Deutſchland beliebt zu machen.
Seine famoſe Redensart, daß die deutſche Flotte ein
Lurusgegenſtand ſei, wird ſobald in Deutſchland nicht ver=
geſſen
werden, und ſein jüngſter Beſichtigungsbeſuch auf
der franzöſiſchen Flotte iſt auch durchaus nicht geeignet,
frühere unangenehme Eindrücke zu verwiſchen. Er hat
wohl kaum in Frankreich alle die Dummheiten geäußert,
die ihm von franzöſiſchen Zeitungsleuten in den Mund
gelegt wurden, allein in Deutſchland wird man ſchwerlich
in dieſem Punkte ſehr ſkeptiſch ſein. Wenn er in Deutſch=
land
ein freundliches Ohr für ſeinen utopiſchen Vorſchlag
zu finden wünſchte, dann war ſein Beſuch in Toulon un=
gefähr
die verkehrteſte Einleitung zu der Sache, die ſich
nur irgendwie erdenken ließ.
Rußland.
Saſonow bleibt. Die offiziöſe Roſſija erklärt
die in der Preſſe verbreiteten Gerüchte über den Rücktritt
des Miniſters des Aeußern Saſonow für vollkommen
falſch.
Serbien.
Prägung von Scheidemünzen.
Die
Skupſchtina nahm eine Geſetzesvorlage, betreffend die
Prägung ſerbiſcher Scheidemünzen im Betrage von fünf
Millionen Dinar, an.
Vereinigte Staaten.
Die Tarifreform. Präſident Wilſon führte eine
weitere Neuerung ein, indem er im Kapitol erſchien und
im Präſidentenzimmer mit dem Finanzkomitee des Senats
über den Tarif konferierte. Man iſt ſich jetzt völlig darüber
klar, daß der Senat der Angelpunkt für die Tarif=

reform iſt, da die Demokraten im Senat nur eine kleine
Mehrheit haben. Die Oppoſition nahm gegen gewiſſe Ta=
rifſätze
eine feſte Geſtalt an; viele Senatoren ſind dafür
einen Tarifſatz nach dem andern zu revidieren, während
Wilſon offenbar die Abſicht hat, die Frage zu einer An=
gelegenheit
der Partei zu machen und den Tarif in der
Geſamtheit durchzudrücken, da er die ganze politiſche Zu=
kunft
auf die Tariffrage geſetzt hat. Nach Andeutungen,
die aus dem Weißen Hauſe kommen, wird der Präſident,
falls er in der jetzigen Seſſion der Tariffrage unterliegen
ſollte, vor die Wähler derjenigen Staaten treten, deren
Vertreter in beiden Häuſern das Parteiprogramm durch=
kreuzten
. Er wird in den Primärwahlen für die Auf=
ſtellung
ſolcher Kandidaten eintreten, die er für fortſchritt=
lich
hält.
Afrika.
Die Univerſität Südafrikas, zu der Otto
Beit und der verſtorbene Julius Wernher ein Kapital von
10 Millionen Mark ausgeſetzt haben, erregt im ſüdafri=
kaniſchen
Parlament heftige politiſche Diskuſſionen. Der
Plan ſieht die Errichtung der Univerſität in der Umgebung
von Kapſtadt vor, die Buren aber proteſtieren dagegen,
daß die heranwachſende ſüdafrikaniſche Jugend dem vor=
wiegend
engliſchen Kulturzentrum von Kapſtadt ausge=
liefert
und einſeitiger engliſcher Beeinfluſſung ausgeſetzt
werde. Damit iſt das Schickſal der Univerſität in Frage
geſtellt. Eine Sonderkommiſſion wurde eingeſetzt, die über
die Stätte der Univerſität beſchließen ſoll.

* Stuttgart, 10. April. Wie der Schwäbiſche Mer=
kur
meldet, hat die Regierung bei dem Landtage den Ent=
wurf
einer Erhöhung der Zivilliſte des =
nigs
um 350000 Mark eingebracht. Begründet iſt die
Erhöhung in der Hauptſache mit der Notwendigkeit einer
Aufbeſſerung der Beſoldung der Hofbeamten und Hof=
angeſtellten
.
* Stuttgart, 10. April. Der Ausſchuß des Lan=
desverbandes
der Preſſe Württembergs und
Hohenzollerns hat ſich mit der Aufforderung der
Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung an die deutſche Preſſe,
militäriſche Maßnahmen möglichſt geheim zu
halten, beſchäftigt. Der Ausſchuß iſt einmütig der Auf=
faſſung
, daß es patriotiſche Pflicht der deutſchen Preſſe
und ihrer Mitarbeiter iſt, Mißſtände, wie ſie ſich neuer=
dings
insbeſondere bei der Berichterſtattung des deutſchen
Luftſchiffweſens tatſächlich gezeigt haben, gründlich zu be=
ſeitigen
. Er richte deshalb an die 107 im Landesverband
vertretenen württembergiſchen Zeitungen und Zeitſchriften,
ſowie an alle ſeine Mitglieder die dringende Bitte, ſich mit
ihm in der Bekämpfung der Senſationsluſt auch auf die=
ſem
Gebiete zu vereinigen und ſich diejenige Zurückhaltung
aufzuerlegen, die im Intereſſe des Vaterlandes notwen=
dig
iſt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 11. April.

* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Kaiſerlichen Marine= Ober=
aſſiſtenzarzt
d. R. Dr. Hans Karrillon in Wein=
heim
a. d. B. die Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen der ihm von Sr. Königl. Hoheit dem Prinz=
Regenten Luitpold verliehenen Prinz=Regent=Luitpold=
Medaille in Bronze am Bande der Jubiläums=Medaille,
dem Kaiſerlichen Vizekonſul Fabricius in Kairo die
Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von
Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog von Oldenburg
verliehenen Ritterkreuzes 2. Klaſſe mit ſilberner Krone
des Haus= und Verdienſtordens des Herzogs Peter
Friedrich Ludwig und dem Fürſtlich Erbach= Schön=
bergiſchen
Haushofmeiſter Philipp Dubois zu Schön=
berg
die nachgeſuchte Erlaubnis zur Annahme und zum
Tragen der ihm von Sr. Durchl. dem Fürſten zu
Waldeck und Pyrmont verliehenen goldenen Verdienſt=
medaille
erteilt.
Charakterverleihung. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Oberarzt an der Landes=

Heil= und Pflegeanſtalt Philippshoſpital bei Goddelau
Dr. Hermann Schneider den Charakter als Medizinal=
rat
verliehen
* Entlaſſung aus dem Staatsdienſt. Se. Königl.
Hoheit der Großherzog haben den Kreisaſſiſtenz=
arzt
bei den Kreisgeſundheitsämtern Bensheim und
Heppenheim Dr. Walter Küchel auf ſein Nachſuchen
aus dem Staatsdienſt entlaſſen.
* Erledigte Stelle. Eine Lehrerſtelle an der
evangeliſchen Schule zu Wald=Michelbach.
* Militärdienſtnachrichten. Hauptleute Wagner
vom Inf.=Regt. Nr. 118 und Graf v. Büdingen vom
Inf.=Regt. Nr. 115 zum I. Lehrkurſus zur Infanterie=
Schießſchule kommandiert.
Kunſtverein. Die April=Ausſtellung (Freitag, den
11. bis Sonntag, den 27. April) bringt Werke von Ernſt
Liebermann=München, Max Burgmeier=Aarau,
Hermann Peters=Düſſeldorf und dem jetzt nach
Weimar berufenen Theodor Schindler=Mannheim
Der Bund Zeichnender Künſtler in München ſtellt eine
große Sammlung von Gouachen, Zeichnungen, Ra=
dierungen
, Lithographien und Holzſchnitten aus.
Darmſtädter Konferenz für Gemeindearbeit.
In der unter dem Vorſitz von Pfarrer Velte ſtatt=
gehabten
Verſammlung der Gemeindekonferenz, in der
auch die oberſten Kirchen= und Schulbehörden vertreten
waren, hielt Lehrer Helmreich von Darmſtadt einen
auf ſeine in der Volksſchule und in der Fortbildungs=
ſchule
gemachten Erfahrungen geſtützten, ebenſo anregen=
den
wie ernſten Vortrag über die Erziehung der Volks=
ſchüler
zum Gemeindeleben Auf dieſen Vortrag folgte
eine eingehende Ausſprache, an der beſonders be=
merkenswert
war, daß die anweſenden Vertreter der
Schule, die ſich an ihr beteiligten, einmütig die Forderung
der Erziehung der Schüler zum Verſtändnis und zur
Teilnahme am Gemeindeleben vertraten und manche
fruchtbaren Vorſchläge machten, wie der Religions=
unterricht
der Schule, ſoweit möglich, dieſer Aufgabe
gerecht werden kann.
Kammermuſikvereinigung (de Haan, Schmidt,
Schnurrbuſch, Gims und Andrä). Das Programm der
vierten und letzten Matinee wird eingeleitet mit dem ein=
zigen
Streichquartett Verdis, das auch bei der ſtrengen
gebundenen Form der Kammermuſik, den genialen und
temperamentvollen Komponiſten der Arda nicht verleug=
net
. Als Schlußwerk gelangt Schumanns erſtes Klavier=
trio
in D-moll zur Aufführung, das längſt jedem Kammer=
muſikfreund
vertraut iſt. Das Hauptintereſſe der Matinee
dürfte ſich den Kammerliedern von W. v. Bauſſnern zu=
wenden
, das ſind alte deutſche, franzöſiſche und italieniſche
Weiſen, die vom jetzigen Direktor des Weimarer Konſer=
vatoriums
ganz frei bearbeitet und durch Verwendung
von Streichquartett, Flöte und Klarinette in ein ent=
zückendes
Gewand gekleidet wurden. Da Frau Schmidt=
Illing dazu ihre ſchätzenswerte Kraft in liebenswür=
diger
Weiſe zur Verfügung geſtellt hat, und die beiden
Bläſerſtimmen bei den Herren Köhler und Winkler in
den denkbar beſten Händen ruhen, ſo iſt ſicher ein ganz
auserleſener Genuß zu erwarten. Die Matinee findet
am kommenden Sonntag, den 13. ds. Mts., vormittag,s
11¼ Uhr, im Muſikvereinsſaale ſtatt.
Konzert zum Beſten der Kinderſchule und der
Krippe der Johannesgemeinde. In dem am nächſten
Dienstag abend in der Johanneskirche ſtattfindenden
Konzert zum Beſten der Kinderſchule und der Krippe in
der Johannesgemeinde wird unſere einheimiſche Künſt=
lerin
Frau Schmidt=Illing die Pfingſtkantate von
J. S. Bach (Mein gläubiges Herz frohlocke‟), Mörikes
Gebet in der Vertonung von G. v. Betzold und u. a.
auch Arnold Mendelsſohns prächtigen Hymnus So hoch
der Himmel über der Erde iſt ſingen. Frl. J. Senfter,
die hier ſchon mit Erfolg im Richard Wagner=Verein als
Geigen=Virtuoſin und Komponiſtin auftrat, wird aus
einer eigenen Kompoſition, das Adagio aus dem E-moil-
Konzert von F. Mendelsſohn und Larghetto von Händel
vortragen. In dem Konzert wird ferner der aus Damen
der hieſigen Geſellſchaft gebildete Chor, der früher unter
Leitung von Frau v. Heſſert ſtand, und jetzt von Frl. Lili
Keil dirigiert wird, zum erſtenmal vor einer geößeren
Oeffentlichkeit ſeine in kleinerem Kreiſe bisher ſchon ſehr
geſchätzte Kraft in den Dienſt der Wohltätigkeit ſtellen
durch den Vortrag von zwei Motetten F. Mendelsſohns,
des Requiems von Kiel und des 23. Pſalms von Schu=
bert
. Muſikdirektor Klaſſert wird eine Fuge in G-moll
von Bach und eine Bearbeitung von Händels mächtigem

Neue Kunde von Frau v. Stein.

Eine nicht gerade umfangreiche, aber doch nicht inhalt=
loſe
Sammlung bisher ungedruckter Vriefe der Frau von
Stein aus den Jahren 1813/14 an Karl v. Knebel, die im
Privatarchive des Großherzoglichen Hauſes von Sachſen=
Weimar lagen, veröffentlicht Dr. W. Bode in dem ſoeben
erſchienenen Hefte ſeiner Stunden mit Goethe‟
(im Verlage E. S. Mittler u. Sohn erſcheinend).
Die Briefe ſind deswegen nicht unintereſſant, weil ſie
einen tiefen Einblick gewähren in die Gemütsverfaſſung
und Lebensanſicht der ſeelenvollen Frau und nebenbei er=
wähnenswerte
Gloſſen zur großen Zeitgeſchichte jener
Jahre geben. Durchgehends iſt der Ton der Schreiberin
von einem tiefen Peſſimismus beherrſcht, der das eigne
nicht nur, ſondern das Leben überhaupt nur noch von
ſeiner ſchmerzlichen Seite erfaſſen zu können ſcheint. Ur=
ſache
dieſer Schwarzgeſichtigkeit iſt in erſter Linie wohl
das körperliche Befinden der Alternden, über das immer
wieder Klage geführt wird. Sie hat ein Sauſen und
Brauſen und Drehen im Kopf iſt 14 Tage taub, leidet
unter Müdigkeiten uſw. Ergreifende Klagen über das
ſeeliſche Befinden werden laut: Ich bat immer in meiner
Jugend unſern Herrgott, mich von der Welt loszureißen,
und Vieles nahm er mir, das mich an die Welt hätte
feſſeln können. . Nun ich alt bin, kann ich keinen Schmerz
mehr mit Tränen löſchen. Die Welt und die Menſchen
erſcheinen ihr, gewiß auch unter dem Eindruck der gewal=
tigen
geſchichtlichen Umwälzungen, tief unmoraliſch und
ungeheuerlich: Ich habe keine erfreulichen Gedanken über
die moraliſche Welt und möchte immer unſern Herrgott
hofmeiſtern. Jetzt leſe ich Doktor Luthers Vorrede
zu den Propheten, darin er empfiehlt, das Buch der =
nige
vorher zu ſtudieren. Da gibt’s bei den Königen Wuſt
Wer hat nur die Prinzen (gemeint
wie heutzutage.
ſind die Fürſten) in die Menſchenfamilie gebracht? Und
warum wollen Die noch mehr beſitzen, anſtatt daß an An=
dere
, an viele Tauſende, die das Notdürftigſte des Lebens
verloren haben nicht gedacht wird? Ich kann, ich mag
denken wie ich will, die Welt nicht in Ordnung bringen.
Die Handlungen der Menſchen ſind noch ziemlich beſtia=
liſch
und könnten einen (beſtialiſchen) Urſprung verraten.
Ueber Napoleon, den großen Unruheſtifter, deſſen Ge=
treue
ſie eine Räuberbande nennt, äußert Frau von
Stein: Navoleon iſt mir immer wie toll vorgekommen,

denn ich konnte nie den großen Mann in ihm finden, wo=
für
ihn die Welt anbetete. Ihre Hypochondrie geht ſo
weit, daß ſie an die für Deutſchland ſo glücklichen poli=
tiſch
=militäriſchen Ereigniſſe faſt nicht zu glauben vermag:
Ich habe gar noch nicht den Glauben an alle unſere
Siege, ſchreibt ſie am 6. April 1814, und ich denke, wir
haben von den Franzoſen gelernt, aufzuſchneiden. Und
etwas früher: Nun auf die politiſchen Begebenheiten zu
kommen, ſo habe ich eine heimliche Angſt für die Verbün=
deten
in Paris. Recht ſonderbar, daß ich vor einigen
Wochen träumte ich ſehe den guillotinierten König Lud=
wig
geputzt im Sarge liegen, und ſein Kopf war ihm recht
künſtlich wieder aufgeſetzt, ſo daß ich mich im Traum ver=
wunderte
, daß man es nicht bemerken könne und nun
ſcheint es, daß die Bourbons wieder aufſtehen! Sogar
die zweite Einnahme von Paris begleitet die Zweiflerin
mit einem bangen Fragezeichen: Wenn es nur nicht noch
zum dritten Male muß eingenommen werden!
Für die ſchrecklichen Leiden der Kriegszeit hat ſie ein
tiefes Mitempfinden und, was mehr iſt eine helfende
Hand: Ich geh’ nicht mehr an Hof, ich bin’s müde, und
die Pracht tut mir weh bei jetziger grenzenloſer Not.
Stäffchen und ich zupfen abends Scharpie, es iſt dock
etwas für die Leidenden. Wenn mir auch einmal die
Koſacken die Fenſter hier einſchlagen, dann zupfe ich Schar=
pie
und ſtricke Socken für die Soldaten. . . . Den ſchönen
Künſten und Wiſſenſchaften kann ſie ſich nicht mehr wie
einſt voll hingeben. Zwar ſie lieſt noch, ſo Wielands
Briefe, ein neues Werk der Madame de Stael, Goethes
Epimenides, die Fortſetzung von Dichtung und Wahr=
heit
die wie ein Leckerbiſſen vor ihr liegt; auch weiß
ſie noch über Merkwürdigkeiten zu berichten, wenn ſolche
ihr bei der Lektüre aufſtoßen, ſo über eine Theorie der
Menſchenabſtammung, die ihrer hiſtoriſchen Bedeutung
wegen hier wiedergegeben ſei: Was iſt denn das für ein
Tier, heißt es in einem Briefe von 27. Juli 1814, der
Schimpanſe? Neulich fand ich einen kleinen Aufſatz oder
Abhandlung von einem gewiſſen Leopold Reichard aus
Freiberg, der ſich überzeugt hat, daß der Menſch von einem
Orang=Utang und einer Schimpanſe entſtanden ſei, ſogar
der Name Eva rückwärts geleſen Affe hieß. Er führt
manche genialiſche Beweiſe darüber. Solcher Erwäh=
nungen
ſind aber nur wenige. Die Zeiten ſind zu ernſt
und leidvoll, um ſich den Muſen vollen Herzens zu wid=
men
und Geſang will Freude haben wie ſie ſagt.
Von nächſtliegendem Intereſſe iſt es wohl zu hören,
was die hochbetagte Charlotte von Stein in dieſen Brie=

fen, von denen man, ſolange ſie unveröffentlicht im Ar=
chive
des Großherzoglich=Sächſiſchen Hauſes lagen, allerlei
Ungeheuerliches argwöhnte, über Goethe zu ſagen hat.
Es muß feſtgeſtellt werden, daß von den Gehäſſigkeiten,
die dieſe Briefe enthalten ſollten, ſich durchaus nichts vor=
findet
. Der Name Goethe kehrt oft wieder, obwohl die
Schreiberin mehr wie einmal beteuert, daß ſie ihn gae
nicht ſieht. Oft ſpricht ſich dabei ein tiefer Schmerz aus,
wird anklagend ein Verlangen laut der Schmerz und
das Verlangen einer Frau, die nicht vergeſſen kann.
Manchmal ſehne ich mich, heißt es einmal, nach einem
behaglichen Freund. . . Goethe iſt ſelten zu ſehen, und iſt
immer etwas um ihn, entweder eine Wolke, ein Nebel,
oder ein Glanz, wo man nicht in ſeine Atmoſphäre kann.
Ein andermal: Goethen ſeh’ ich gar nicht. Er mag mit
unſereins im Grunde nichts zu tun haben und iſt gar
nicht ſo mitteilend wie Sie, dafür Sie auch gelobt und ge=
prieſen
werden. Wieder ein andermal: Ich wußte gar
nicht, daß Goethe bei Ihnen in Jena iſt, denn ich hore
und ſehe nichts von ihm und dränge mich nicht gerne auf,
weil er ſeine Zeit braucht und er nicht Ihre Gutmütigkeit be=
ſitzt
, ſich unſereins mitzuteilen, und ſagt durch ſeine Schrif=
ten
: Ihr habt Moſen und die Propheten, laßt ſie Dieſel=
ben
hören! Und zuletzt ein etwas ſpitzes Urteil in dem
der Pſycholog ein Flämmchen liebender Eiferſucht auf=
zünden
ſehen wird: Goethe wird im Emſer Bad erwartet;
die dortigen Damen hatten ein ſchönes Feſt für ihn be=
reitet
, aber ein guter Freund von Goethe hat ihnen den
Spaß verdorben und verſichert: er könne ſo was nicht lei=
den
. Ich möchte das Gegenteil glauben. Man darf
ſolch kleine Bosheit nicht zu ernſt nehmen. Man darf
nicht vergeſſen, daß das nach ſchmerzlichen Unterbrech=
ungen
wiederhergeſtellte Verhältnis der Frau v. Stein zu
Goethe eben auch von der tiefpeſſimiſtiſchen Lebensſtimm=
ung
ihres Alters gefärbt iſt. Es iſt mit ihrem Verhältnis
zu Goethe wie mit ihrem Verhältnis zu den Männern
überhaupt. Ich fürchte, ſagte ſie einmal, gegen die
Kriegsluſt gibts kein Mittel verzeihen Sie ſo lange
Männer in der Welt ſind. Ihre Iphigeniennatur weiß
die harten Konſequenzen des männlichen Sinnes zu mil=
dern
. Und ihr noch immer nicht verrauchter Schmerz um
den großen Verlorenen ſchließt auch ihn, der in ſeinem ge=
waltigen
Hinaufſtreben an ihr vorübergeſchritten iſt, in ihr
liebend Gefühl ein, wo ſie bekennt: Lebendig treu und
A. T.
ewig bleibend den alten Freunden!

[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Seite 3.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Halleluja=Chor aus dem Meſſias auf der Orgel vor=
tragen
. Das Konzert für das Karten außer im Gemeinde=
haus
in der Kahlertſtraße, auch bei Arnold ( Wilhelminen=
ſtraße
), im Verkehrsbureau und in der Kolonialwaren=
handlung
von P. März an der Johanneskirche zu haben
ſind, darf daher nicht nur um ſeines wohltätigen Zweckes,
ſondern auch um des in Ausſicht ſtehenden Kunſtgenuſſes
willen auf das Intereſſe weiter Kreiſe rechnen.
* Der Nieder=Modauer Bankkrach=Prozeß. Der Be=
richt
über den geſtrigen Verhandlungstag im Prozeß gegen
Adam und Genoſſen befindet ſich auf Seite 17 und 18 der
heutigen Nummer
Vom ſtädtiſchen Hallenſchwimmbad. Der Beſuch,
owie die Einnahme des letzten Betriebsjahres im ſtädti=
ſchen
Hallenſchwimmbad waren gegen das Vorjahr wie=
derum
bedeutend beſſer. Die Geſamtbeſucherzahl betrug
im Betriebsjahr 1912/13 275865 Perſonen, gegen 248337
im Jahre vorher. Die Einnahmen nach den verausgabten
Badekarten belief ſich auf 93134 Mark, gegen 91573,60
Mark. Zu dieſer Einnahme von 93 134 Mark kommen noch
8381,95 Mark, welche für das Waſchen von ſtädtiſchen
Handtüchern uſw., für verabreichte Bäder an Mitglieder
der Krankenkaſſen und Bäder an ſtädtiſche Arbeiter einge=
nommen
wurden. Die Geſamteinnahme ſtellt ſich demnach
ſtatt der im Etat vorgeſehenen Einnahme von 93700 Mark
auf 101 515,95 Mark.
Von dem im vorigen Jahre auf Anregung des Herrn
Oberbürgermeiſters eingeführten unentgeltlichen Schwimm=
unterricht
an Schüler und Schülerinnen der Volksſchulen
wurde reger Gebrauch gemacht. Es nahmen während der
Ferien zirka 300 Mädchen und zirka 200 Knaben an dem
Schwimmunterricht teil. Da für die verhältnismäßig kurze
Zeit das Reſultat als befriedigend bezeichnet werden kann,
ſo ſoll dieſe Einrichtung auch fernerlin beſtehen bleiben.
Man hat daher, um den ſchönen Schwimmſport immer
mehr einzubürgern, angeordnet, daß fernerhin Schwimm=
unterricht
den Kindern der Volksſchulen das ganze Jahr
über an beſtimmten Stunden täglich erteilt wird. Man
iſt überzeugt, daß die Vergünſtigung, welche die Stadt
bietet, ſich ſpäter durch fleißige Benutzung des ſchönen
Hallenſchwimmbades wieder bezahlt macht. Erwähnt ſei
noch, daß ſich im Laufe des Jahres außer der beſtehenden
Schwimmriege der Turngemeinde noch zwei weitere
Schwimmvereine gebildet haben, welche auch zu der Ren=
tabilität
des Bades beitragen. Die Einnahme nach den
verabreichten Badekarten betrug:
1912/13
1911/12
Mk.
Mk.
Schwimmbäder
0057,05
31 615,05
,
Wannenbäder . . . . . . . 32366,10 28 447,10
3. Brauſebäder .
4058,75
* . . . . . 4026,70
4. Heilbäder . . . . . . . . . 13 226,00
15 084,00
5. Hundebäder . .
1119,75
1141,00
6. Wäſche, Badezutaten uſw. . . 12338,40
11 227,70
93 134,00 91 573,60
mehr: 1 560,40 Mk.
Beſuchsziffern:
männl. weibl. männl. weibl.
1. Schwimmbäder .
118903 47812
110 726 33 455
2. Wannenbäder
38 769
42 414 27055
5 325
3. Brauſebäder . . . 31396
30 787
7403 1872
4. Heilbäder . . . . 7066 1219
199776 70 086 187685 60 652
275805
248337

demnach mehr: 27 528 Perſonen.
Unſern beiden ſchönen Schwimmhallen, die auch in
bezug auf praktiſche Einrichtung allen modernen Anforde=
rungen
entſprechen dürften, wäre für die kommende
warme Jahreszeit ein recht reger Beſuch zu wünſchen.
Beim Schwimmen erzeugt die gleichmäßige Bewegung
und die Einwirkung des Waſſers einen wohltuenden Ein=
fluß
auf den geſamten Organismus. Insbeſondere
unſerer Jugend, auf der unſere Zukunft ruht, kann das
Schwimmen nicht genug anempfohlen werden. Für das
weibliche Geſchlecht wäre eine größere Verbreitung des
Schwimmens ſehr wünſchenswert.
Der Katholiſche Kaufmänniſche Verein Kon=
ſtantia
ein Zweig des Verbandes Katholiſcher Ver
einigungen Deutſchlands, ſchon über ¾ Jahrhundert ir
hieſiger Stadt beſtehend, hat, ſo ſchreibt man uns, die
Aufgabe des Verbandes in der Lehrlingsfürſorge
glänzend gelöſt. Dies beweiſt die ſeit 2 Jahren be=
ſtehende
Jugendabteilung Jungkonſtantia die ca. 60
Mitglieder zählt. Wiederum ſteht der Verein vor der
Aufnahme neuer Lehrlingsmitglieder zur Jugendab=
teilung
, aber es iſt ihm auch vergönnt, bei gleicher Ge=
legenheit
über 20 ſeiner Lehrlingsmitglieder, nachdem ſie
ihre Lehre beendet, in den Stammverein einzuführen.
Auf die Feier ſeien Intereſſenten und Gönner hierdurch
aufmerkſam gemacht. (Siehe Anzeige.)

Heſſiſcher Polizei= und Schutzhund=Verein (Sitz
Darmſtadt). Die Hunde=Vergiftungs=Affäre,
der bislang 13, teils ſehr wertvolle, Hunde zum Opfer
fielen, haben den Verein veranlaßt, Stellung zu nehmen.
Der 1. Vorſitzende des Vereins, Herr Revierpolizei=
kommiſſär
Lindemann, geißelte mit ſcharfen Worten
die Frivolität und Gemeingefährlichkeit des Täters und
nach einer lebhaften Debatte wurde beſchloſſen, daß der
Verein eine Belohnung von 20 Mk. ausſetzt, welche die=
jenige
Perſon erhält, deren Angaben zur Ermittlung des
Täters führen.
* Verein für Vogel= und Geflügelzucht. Die von mehr
als 50 Mitgliedern beſuchte Monatsverſammlung wurde
von dem Vorſitzenden in üblicher Weiſe eröffnet und die
Neuaufnahme mehrerer Mitglieder bekannt gegeben. Zut
Tagesordnung übergehend wurde auf die Inbetriebnahme
der Brutmaſchine aufmerkſam gemacht und beſchloſſen,
vom Verein aus ebenfalls Eier zu beſchaffen und die
daraus erzielten Küken in der nächſten Verſammlung zur
Verteilung an die Mitglieder gelangen zu laſſen. In
gleicher Weiſe wurde der Bezug von Küken ſolcher Raſſen,
die in dem Verein bis jetzt noch nicht gezüchtet werden, in
der von dem Vorſitzenden vorgeſchlagenen Weiſe gutge=
heißen
. Verſchiedene aus der Vercſammlung geſtellte An=
fragen
wurden ſachgemäß beantwortet. Ein auf der Aus=
ſtellung
in Worms angekaufter Stamm weiße Yokohama
wurde verſteigert und dem Beſitzer eine Vereinsunterſtütz=
ung
gewährt. In gleicher Weiſe gelangten eine Anzahl
Bruteier, die ein Mitglied zur Verfügung geſtellt hatte,
zur Abgabe an ein Mitglied. Mit der Verloſung eines
Stammes Gold=Wyandottes und der üblichen Freiver=
loſung
konnte die Verſammlung alsdann geſchloſſen
werden.
* Kaninchenſchau. Man ſchreibt uns: Die Fleiſch=
teuerung
hat allerwärts die Aufmerkſamkeit auf das Ka=
ninchen
als Nutztier gelenkt und das Intereſſe an
ſeiner rationellen Zucht neu belebt. Es iſt auf Frankreich,
England und andere ausländiſche Staaten hingewieſen
worden, auf Länder alſo, in denen Kaninchenfleiſch
als billiges Volksnahrungsmittel ſchon
lange Zeit ſich großer Beliebtheit erfreut. Seinen Wert
für die Volksernährung erkennend, haben Staats= und
Kommunalbehörden, ſowie landwirtſchaftliche Intereſſen=
vertretungen
die Zucht des Tieres befürwortet und den
auf ihre Hebung und Populariſierung gerichteten Be
ſtrebungen materielle und ideelle Förderung zuteil wer=
den
laſſen oder in Ausſicht geſtellt. Auch in Heſſen iſt
man fleißig bei der Arbeit. Auf Veranlaſſung des Ka=
ninchenzuchtvereins
in Darmſtadt und Umgegend findet in
den Tagen vom 12. bis 14. Ifd. Mts. im Heſſiſchen Hof
dahier eine große Kaninchenſchau ſtatt, mit der auch ein
Fleiſchmarkt verbunden ſein wird und die über den Stand
der Kaninchenzucht im Großherzogtum ein anſchauliches
Bild darbieten ſoll.
§ Naturalverpflegungsſtation. Im März wurde
die Hilfe der hieſigen Naturalverpflegungsſtation von
371 mittelloſen Durchreiſenden in Anſpruch genommen
und ſind hierdurch 427 Mark Verpflegungskoſten ent=
ſtanden
. Im vorhergehenden Monat Februar ſind 425
(oder mehr 54) Perſonen unterſtützt worden, welche einen
Koſtenaufwand von 489 Mark (oder mehr 62 Mark)
verurſachten.
Vermißt. Der vermißte 19 Jahre alte Real=
ſchüler
Wilhelm d’Alleux, der Sohn des hieſigen
Bezirkstierarztes d’Alleux, iſt zu ſeinen Eltern zurück=
gekehrt
. Er hat, anſtatt nach Miltenberg, wo er in die
Realſchule eintreten ſollte, zu reiſen, Verwandten in
Auerbach a. d. B. einen Beſuch abgeſtattet.
Feſtgenommen. Der 22 Jahre alte Schreibgehilfe
O. St. aus Stuttgart, der ſich ſeit einigen Tagen hier
als Student und unter dem falſchen Namen von
Wagner einlogiert hatte, iſt wegen Scheckfälſchung,
Kuppelei und Zuhälterei feſtgenommen worden.
§ Aſyl für Obdachloſe. Während des Monats
März wurde in dem im Lokale des zweiten Polizei=
reviers
in der Alexanderſtraße errichteten Aſyl für Ob=
dachloſe
346 Perſonen und in demjenigen im Lokale des
fünften Polizeireviers in der Ludwigshöhſtraße 32 Per=
ſonen
, zuſammen 378 Perſonen, Obdach gewährt.

Groß=Zimmern, 10. April. Man ſchreibt uns:
Einen ſchweren Verluſt hat der hieſige Männergeſang=
verein
durch den plötzlichen Tod ſeines tüchtigen und be=
liebten
Vorſitzenden, Herrn Portefeuille=Fabrikanten Val.
Lorz erlitten. Im vollen Eifer und opferfreudiger Be=
geiſterung
arbeitete er an den Vorbereitungen zu dem im
Juni dieſes Jahres ſtattfindenden Jubiläums= Geſangs=
wettſtreit
des Vereins. Sein zu früher Tod wird allge=
mein
tief bedauert, da Herr Lorz durch ſeine rege Tätig=
keit
ſowohl in ſeinem Geſchäfte, wie auch im öffentlichen
Wirken ſtets ſeine ganze Perſönlichkeit einſetzte.

Offenbach, 9. April. Heſſenbund und heſſi=
ſche
Jugendhelfervereinigung. Die beiden
großen Vereinigungen für evangeliſch=kirchliche Jugend=
pflege
in Heſſen veranſtalteten ihre diesjährige gemein
ſame Frühjahrstagung in unſerer Stadt in den Räumen
des hieſigen Wartburgvereins. Die Verſammlung war
aus allen Gauen des Landes gut beſucht und nahm einen
äußerſt befriedigenden Verlauf. Am Vormittag erſtattete
der Vorſitzende des Heſſenbundes, Pfarrer Müller=
Offenbach, den Jahresbericht, der zu lebhafter Ausſprache
Anlaß bot. Der Bund umfaßt jetzt 31 Vereine mit über
1500 jugendlichen Mitgliedern, denen ſich in der gleichen
Verſammlung zwei neue Vereine anſchloſſen. Der Be=
richt
gab ein anſchauliches Bild von dem überaus reichen
Leben, das in den einzelnen Bundesvereinen herrſcht, und
konnte nicht nur ein erfreuliches Wachstum allenthalben
feſtſtellen, ſondern auch von der wachſenden Anerkennung
und vielſeitigen Förderung ſeitens maßgebender Kreiſe
und Behörden berichten. Von den übrigen zahlreichen
Verhandlungsgegenſtänden der Vormittagsſitzung ſei nur
der Beſchluß hervorgehoben, das diesjährige Bundesfeſt
in Worms zu feiern und es mit allen zur Verfügung
ſtehenden Mitteln zu einem muſtergültigen Jugendfeſt zu
geſtalten. Am Nachmittag hielt Pfarrer Marx= Darm=
ſtadt
einen feinſinnigen und tiefgründigen Vortrag über
die Frage: Welche berechtigten Anforderungen ſtellen
unſere jungen Leute an einen evangeliſchen Jugendverein,
und wie iſt denſelben Genüge zu leiſten? Der Redner
ſuchte in geſchickter Weiſe die Frage von der Seele des
jungen Mannes aus zu beantworten und ſtellte als Er=
gebnis
feſt: die Jugend ſucht in unſeren Vereinen eine
Stätte echter Freude; ſie verlangt gute Kameradſchaft, ge=
ordnete
Beſchäftigung und geeignete Weiterbildung für
Körper, Geiſt und Gemüt. Dem geiſtvollen Referat ſchloß
ſich eine beinahe zweiſtündige intereſſante Diskuſſion an,
an der ſich beſonders die Herren Direktor D. Schoell=
Friedberg, Schulrat Scherer=Offenbach, Pfarrer Diebener=
Büttelborn, Pfarraſſiſtent Page=Offenbach u. a. mit reicher
Sachkenntnis beteiligten. Zu Ehren der Delegierten
hatte der hieſige Wartburgverein bereits am Sonntag
abend in der Goethe=Turnhalle, die bis auf den letzten
Platz beſetzt war, einen glänzend verlaufenen Theodor
Körner=Abend veranſtaltet, um deſſen Wohlgelingen ſich
beſonders das Wartburg=Orcheſter unter Leitung von
Pfarraſſiſtent Page, Frl. Gerda Bachfeld (Prolog) und
Herr Franz Noß (Bariton) mit ſeinen herrlichen Liedern
verdient gemacht haben. Oberlehrer Axt ſprach über die
Freiheitsdichter und ihren Anteil an der Erhebung
Deutſchlands. Die jugendlichen Wartburger ſelbſt leiſte=
ten
in Deklamationen und in prächtiger Darſtellung von
Körners Joſef Heyderich Ausgezeichnetes. Am Abend
ſtand das weitverzweigte Vereinsleben des Wartburgver=
eins
mit ſeinen Turn=, Schwimm= und ſonſtigen Abteil=
ungen
den auswärtigen Gäſten zur Beſichtigung offen und
fand ungeteilten Beifall und allſeitige lobende Anerkenn=
ung
.
W. Lampertheim, 9. April. Eine Aufſehen erregende
Verhaftung erfolgte geſtern durch die hieſige Gen=
darmerie
, die den hier wohnhaft geweſenen Reiſenden
Franz Joſeph Roth wegen Bigamie in Bensheim feſt=
nehmen
ließ und hierher in Unterſuchungshaft brachte
Roth iſt angeblich 26 Jahre alt, ſtammt aus der Pfalz
und kam Mitte vorigen Jahres hierher, um in der Mützen=
abrik
von F. Sch. einzutreten. Bald darauf verlobte ſich
Roth mit der Tochter der Eheleute Sch., die hier einen
Hut= und Mützenladen, ſowie ein verhältnismäßig gut=
gehendes
Damenputzgeſchäft betrieb; die Heirat fand als=
bald
nach der Verlobung ſtatt. Später wollte Roth eine
Stellung als Reiſender bei einer Bensheimer Firma an=
treten
, und ſollte geſtern noch auf Tour gehen. Kurz vor
der beabſichtigten Abreiſe erfolgte ſeine Verhaftung in
einem Bensheimer Reſtaurant. Man hatte in Erfahrung
gebracht, daß Roth bereits vor Eingehen der vor dem
hieſigen Standesamt geſchloſſenen Ehe verheiratet war.
Es ſoll dies 1908 geweſen und aus dieſer Ehe auch ein
Kind hervorgegangen ſein. Die erſte Ehefrau des Roth
ſoll in Straßburg wohnen. Zu ſeiner letzten Eheſchließung
wußte ſich Roth Papiere zu verſchaffen, wonach er als
ledig bezeichnet iſt.
Mainz, 10. April. Zur Verhaftung des Poſtanwei=
ſungsſchwindlers
Poſtaſſiſtenten (nicht Eiſenbahnaſſi=
ſtenten
, wie geſtern irrtümlich gemeldet) Praſt erfährt
das M. J. noch folgendes: Praſt hatte in der Nacht zum
Dienstag Nachtdienſt, den er dazu benutzte, zwei Poſtan=
weiſungen
über 350 und 800 Mark zu fälſchen, indem er
ſie ſelbſt ausſtellte und quittierte und auch mit dem Poſt=
ſtempel
verſah. Nun erhalten die Poſtanweiſungen aber
auch durch einen automatiſchen Stempel eine fortlaufende
Nummer, die Praſt ebenfalls zu fälſchen verſuchte. Dieſ=
Fälſchung entdeckte in Mainz ein junger Poſtbeamter beim
Einlauf der Poſtanweiſungen und machte dem Poſtdirektor
ſofort Meldung. Praſt hatte am Dienstag dienſtfrei und
war nach Wiesbaden zum Rennen gefahren. Von dort

Konzerte.
mm Der Richard Wagner=Verein hatte am
Mittwoch, den 9. April, dem Freiburger Tondichter Ju=
lius
Weismann einen Komponiſtenabend gewidmet,
der die vielſeitige Begabung Weismanns auf dem Gebiete
der Kammermuſik und der Liedkompoſition zeigte. An der
Ausführung des Programms hatten ſich die Damen
Anna Hegner (Violine) und Konzertſängerin Carola
Hubert, ſowie der Violoncelliſt Lennart von
Zweygberg beteiligt. Durchaus modern in dem Aufbau
und mit lobenswerter Bevorzugung des melodiſchen Ele=
mentes
ſind Weismanns Inſtrumentalwerke, die ſich von
anderen modernen Werken vorteilhaft auch durch eine
ſchöne, ungeſuchte Harmonik unterſcheiden und nicht durch
hartklingende alterierte Akkordmaſſen das Ohr beleidigen;
die fließende Melodienbildung führt vielmehr auch bei
dem Ausdruck von ſtarken ſeeliſchen Affekten zu einer ſtets
dem Weſen der Inſtrumente angemeſſenen Klangverbin=
dung
, die gelegentlich durch Anwendung eigenartiger, dem
alten Tonſyſtem angehörender Tonfolgen einen ganz be=
ſonderen
Reiz erhält, der durch die heute zu oft gebrauchte
Chromatik gar nicht erreicht werden kann. Hierdurch bleibt
auch das Intereſſe für ein ſo ausgedehntes Werk, wie das
zu Beginn des Konzerts geſpielte Trio (Opus 26) für Vio=
line
, Violoncello und Klavier in D=moll, bis zu Ende rege
Von den vier Sätzen mag das Adagio mit Variationen
und der Schlußſatz beſonders erwähnt werden. Eine öfter
wiederkehrende originelle Pizzikatoſtelle dient zur klang=
lichen
Belebung des ſich bis zum Schluſſe ſteigernden Ton=
werkes
, das unter anderen inſtrumentalen Vorzügen be=
ſonders
günſtige Stellen für eine ausdrucksvolle Kantilene
des Cellos aufweiſt.
Eine ſehr dankbare, wenn auch techniſch ſchwierige
Nummer für die Geigenkünſtlerin und auch eine inter=
eſſante
und glückliche Kompoſition war die Sonate in
D=moll (Opus 30) für Solo=Violine (ohne Klavier), in
deren vier Sätzen, die durchaus violinmäßig gehalten ſind,
Fräulein Hegner ihr ganzes bedeutendes Können zei=

gen konnte. Eine große Gewandtheit fordert das Pizzi=
kato
der linken Hand in Verbindung mit raſch folgenden
Bogenſtrichen. Das ganze Werk, in welchem einfache Kan=
ilene
mit zweiſtimmigen Phraſen in verſchiedener Ton=
ſtärke
geſchickt verbunden iſt, bildet eine recht wertvolle Be=
reicherung
dieſer Gattung des Violinſpiels. Ebenſo ſind
die Variationen und Fuge (Opus 37) über ein altes Ave
Maria eine gediegene Arbeit.
Außer dieſen drei größeren Inſtrumentalkompoſitio=
nen
enthielt das Programm noch acht Lieder von Julius
Weismann nach deutſchen Texten, unter denen ſich auch
verſchiedene kindlich einfache aus Des Knaben Wunder=
horn
befanden. Sie zeichnen ſich ſämtlich durch natürliche
und ſangbare Melodik aus und überlaſſen dem Klavier
die Farbengebung und rhythmiſche Akzente. Frl. Ca=
rola
Hubert ſang ſie ſehr anſprechend mit der ganzen
Lieblichkeit ihrer hübſchen reinen Sopranſtimme. Die be=
merkenswerteſten
ſind Elfe‟ Hufſchmied, Sonnenlied
und Chriſtkindleins Wiegenlied Mit einer reizenden
Zugabe, die wir nicht hätten miſſen mögen, dankten die
Künſtler für den ſtarken Beifall, der ſowohl der Sängerin,
wie dem am Klavier begleitenden Komponiſten galt: einem
Wiegenlied (Peterle träume) mit prächtiger, ſanfter Vio
linbegleitung. Der letzte Vereinsabend dieſes Winters,
der die Bekanntſchaft mit einem geſund empfindenden
modernen Tondichter vermittelte, darf ebenfalls als ſehr
wohlgelungen bezeichnet werden.

Feuilleton.

** Preiskonkurrenzen vom Heiratsmarkt. Unzählige
Wege führen zum Altar, und nicht ſelten ſind dieſe Wege
viel verſchlungen und ſonderbar. So mancher will auch
bei der Wahl für die große Ehelotterie eine romantiſche
Entſcheidung anrufen, und ſo wird denn ein Wettkampf
veranſtaltet, bei dem die Schöne oder auch der Mann den
Preis darſtellt. Von einigen neuen Preiskonkurrenzen
dieſer Art erzählt eine engliſche Wochenſchrift. Bei den

Cowboys iſt es in letzter Zeit des öfteren vorgekommen,
daß ſie ein Wettrennen querfeldein zu Pferde unternah=
men
, bei dem der glückliche Sieger die von vielen begehrte
Braut errang. Eine reizende ſchottiſche Dame war vor
kurzem in einen ſchweren Konflikt verwickelt, weil ſie nicht
wußte, welchem von beiden Bewerbern ſie ihre Hand rei=
chen
ſollte. Sie verfiel ſchließlich auf den Einfall, ein
Wettſchießen zu veranſtalten: wer von den beiden am häu=
figſten
ins Schwarze treffe, der ſollte ſie zum Altar führen.
Von einer anderen vielumworbenen Dame der engliſchen
Geſellſchaft erzählten die Zeitungen, ſie habe den Wett=
bewerb
zwiſchen ihren vier Verehrern durch ein Billard=
turnier
zum Austrag kommen laſſen. Oefters iſt das Schach=
brett
zum Kampfplatz gemacht worden, auf dem über das
Schickſal einer Ehe entſchieden wurde. Nicht weniger als
drei ſolcher Fälle werden aus dem letzten Jahre berichtet.
Bei dieſen Ehe=Preiskonkurrenzen hat aber den Vogel
ein reicher Neapolitaner namens Teſino abgeſchoſſen, der
ſeinen Namen, ſein Vermögen und ſeine ſtattliche Er
ſcheinung derjenigen Dame anbot, die ſeinen verwöhnten
Gaumen durch die am beſten zubereiteten Makkaroni er=
götzen
würde. Die Ankündigung erregte gewaltiges Auf=
ſehen
unter der neapolitaniſchen Mädchenwelt, und 120
Bewerberinnen kämpften um den hohen Preis. Das Er=
gebnis
war, daß nach wenigen Wochen die Siegerin von
dem durch ihre Kochkunſt entzückten Signor zum Altare
geführt wurde; in ſeiner Freude über die ſchmackhaften
Makkaroni machte er ihr ein Hochzeitsgeſchenk von 20000
Lire. Die ſonſt nur mit Geld und Zahlen beſchäftigten
Gemüter der Börſianer von Wall Street wurden vor weni=
gen
Monaten in eine ungewohnt zärtliche Aufwallung
verſetzt durch das Erſcheinen einer blauäugigen, blond=
haarigen
, reizenden Dame, die unbefangen in den Bureaus
und Wechſelſtuben erſchien. Sie trug eine Taſche in der
Hand und entnahm ihre eine Anzahl Billetts, auf denen
zu leſen war: Los für die vollſtändige muſikaliſche Aus=
bildung
von Miß Edwina. Wert 10 Dollar. Wenn dieſe
Nummer gezogen wird ſteht dem Gewinner die Hand der
Dame zu. Die ingeniöſe Dame wurde alle ihre Loſe los

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Nummer 84

kam er in Begleitung einer Dame, hochelegant gekleidet und
im Zylinder nach Mainz, um auf der Hauptpoſt die An=
weiſungen
zu erheben. Als ihn die Kriminalbeamten er=
griffen
, gelang es der Dame, unbeachtet zu verſchwinden.
Der Verhaftete hat über ſeine Verhältniſſe gelebt und iſt
dadurch und durch unglückliche Rennwetten in Schulden
geraten, von denen er ſich durch einen Poſtanweiſungs=
ſchwindel
zu befreien gedachte. Die Kriminalbeamten hat=
ten
als verabredetes Zeichen mit dem Schalterbeamten die
Vereinbarung getroffen, daß eine unauffällig am Schalter
befeſtigte Poſtkarte von dem Beamten ſofort zum Fallen
gebracht werden ſolle, ſobald der unbekannte Adreſſat der
beiden Poſtanweiſungen zwecks Erhebung der Geldbeträge
am Schalter vorſprechen ſollte, Kaum war der Gauner an
dem Schalter erſchienen, ſo fiel die Karte, und im nächſten
Augenblick war der völlig überraſchte Fälſcher feſtgenom=
men
. Die Ermittlungen über den früheren Aufent=
halt
Sternickel in der Umgegend von Mainz wer=
den
immer noch fortgeſetzt. Zu einer vom Unterſuchungs=
richter
aus Mainz vorgenommenen Feſtſtellung waren in
Oeſtrich 13 Zeugen geladen worden. Die Ermittlungen
ergaben, daß Sternickel im Spätherbſt 1910 auf dem ſo=
genannten
Mapper Hofe als Knecht in Dienſt getreten
war. Sein Dienſtherr ſchickte ihn dann einmal mit einem
Wagen Frucht zu einem Händler in Oeſtrich. Statt deſſen
verkaufte der Knecht in Hallgarten die Frucht für 140 Mark.
In Oeſtrich verſuchte er dann auf einen gefälſchten Brief
hin für ſeinen Herrn 2000 Mark abzuheben. Als ihm die=
ſes
mißlang, floh er. Der Gutsbeſitzer will nach einer
Photographie Sternickels ſeinen früheren Knecht mit Be=
ſtimmtheit
wiedererkennen. Auch verſchiedene andere
Zeugen wollen den Knecht in der Photographie Sternickels
ſehen. Von hier aus ſoll ſich Sternickel nach Mainz ge=
wandt
haben.
Mainz, 10. April. Im Hauſe Rhabanusſtraße 19 ent=
ſtand
in der Wohnung des Rechnungsrats i. P. =
diger
im erſten Stock ein Zimmerbrand. Die
Feuerwehr wurde ſofort benachrichtigt; als ſie in das
Wohnzimmer kam, lag Rödiger in vollſtändig verbrann=
tem
Zuſtand tot auf der Erde. Der Tote wurde zu=
nächſt
auf den Hof gebracht, mit dem Sauerſtoffapparat
wurden Wiederbelebungsverſuche gemacht die bei der
ſchweren Verbrennung jedoch reſultatlos bleiben mußten.
Der ganze Körper des Manes war mit einer dicken Brat=
kruſte
bedeckt. Das Sofa und die Vorhänge, ſowie ein
Stuhl waren verbrannt und wurde das brennende Zeug
von der Feuerwehr auf die Straße geworfen. Rödiger,
der hoch in die 70 alt ſein dürfte, konnte infolge eines Lei=
dens
nicht mehr gehen und hielt ſich die meiſte Zeit im
Wohnzimmer auf dem Sofa auf. Er dürfte geſtern nach=
mittag
eine lange Tabakspfeife, die angekohlt aufgefunden
wurde, geraucht haben. Beim Einſchlafen müſſen Tabaks=
funken
auf das Sofa gefallen ſein und ſo das Feuer her=
vorgerufen
haben.
Worms, 10. April. Aus dem Landkreiſe Worms wird
der W. Z. geſchrieben: Dem geſamten Landkreis Worms
ſteht eine ſehr empfindliche Verkehrsverſchlechterung be=
vor
, wenn nicht ſofort beim Miniſterium Beſchwerde ein=
gelegt
und nötigenfalls bis zum Eiſenbahnminiſter durch=
geführt
wird. Seit längeren Jahren wartet der erſte
Morgenzug von Worms nach Bensheim alle erſten Züge
vom Lande, von der Alzeyer Strecke, von Oppenheim
Gau=Odernheim, Rhein=Dürkheim, Gundheim, auch von
Frankenthal ab und es war dadurch möglich, treffliche An=
ſchlüſſe
in Bensheim nach Darmſtadt, Aſchaffenburg,
Odenwald nach Frankfurt mit ſeiner ganzen Gegend, nach
Bebra, Kaſſel uſw. zu bekommen. Jetzt ſoll, angeblich aus
techniſchen Gründen, der erſte Zug nach Bensheim ſchon
5.28 Uhr in Worms abfahren und unſern ganzen Land=
bezirken
ſollen die viel benützten ſeitherigen vortrefflichen
Verbindungen verloren gehen. Es wäre anzuraten, daß
alle betroffenen Orte ſich ſofort beſchwerdeführend an das
Miniſterium in Darmſtadt wenden, denn die von der
Handelskammer Worms bereits eingereichte Beſchwerde
iſt abſchläglich beſchieden worden. Die zahlreichen Firmen
im Landbezirk können es unmöglich bei dieſem abſchläg=
lichen
Beſcheid bewenden laſſen. Wir empfehlen, ſofortige
Schritte dagegen zu tun.
Bretzenheim, 10. April. Bei der Bürgermeiſter=
wahl
haben von 1048 Stimmberechtigten 808 abge=
ſtimmt
. Davon entfielen auf den Kandidaten der Zen=
trumspartei
, den bisherigen Bürgermeiſter Mich. Reg=
ner
II. 262, auf den Kandidaten der liberalen Partei, Se=
baſtian
Dang IV., 527 und auf den Techniker Heinrich
Schneider IV. 5 Stimmen. 18 Stimmen waren zerſplit=
tert
. Seb. Dang iſt demnach gewählt
* Dalsheim (Rheinheſſen), 10. April. Die Errichtung
des Kriegerdenkmals iſt nunmehr beſchloſſen und
iſt die Ausführung, nach den Plänen des Heern Baurat
Heger in Worms, dem Bildhauer Hermann Scholl
in Darmſtadt übertragen worden.
) Büdingen, 9. April. Die vielumſtrittene Eiſen=
bahnlinie
Büdingen-Hanau beſchäftigt fortge=

ſetzt die Einwohnerſchaft. Da ſich hier wenig Luſt zu
Opfern für den Bahnbau zeigt, ſo hat die Aktiengeſellſchaft
für den Bahnbau gegen Büdingen Schadenerſatzanſprüche
in Ausſicht geſtellt. Um die Bahn trotz der Abneigung
Büdingens zuſtande zu bringen, haben die Gemeinden
Himbach, Langenbergheim, Marienborn und der Graf zu
Iſenburg=Meerholz ſich bereit erklärt, Büdingen zu ent=
laſten
, falls es mit ½ oder mehr herangezogen wird. Man
beabſichtigt eine Bürgerverſammlung einzuberufen, um
die Stimmung für die Bahn kennen zu lernen.
Schotten, 10. April. Der von der Großh. Zentrale
für Mutter= und Säuglingsfürſorge in Heſſen durch die
Wanderlehrerin, Schweſter Hedwig von Below, abge=
haltene
Kurſus in Säuglingspflege nahm ſo=
ort
bei Beginn ungeahnte Dimenſionen an. Am erſten
Abend waren es 75 Teilnehmerinnen, die den Rathaus=
ſaal
bis zum Berſten füllten. Um das Baden zu ſehen,
wurden Tiſche und Bänke beſtiegen. Wegen des erſtaun=
lichen
Andranges mußte der Kurſus in den größten Saal
Schottens überſiedeln. Die Zahl der regelmäßigen Teil=
nehmerinnen
beträgt jetzt zirka 112. Man hört, daß auch
an allen anderen Orten der Andrang zum Wanderkurſus
der Zentrale außerordentlich groß und der vierzehntägige
Beſuch ſo regelmäßig war, daß die Mehrzahl der Frauen
während 14 Tagen kaum einmal fehlte.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 9. April. Am 22. Oktober
1912 wurde der 15jährige Gymnaſiaſt Ernſt Tiemann,
der bei ſeiner Mutter in Charlottenburg wohnte, er=
hängt
aufgefunden. Die Obduktion ergab den Tod
durch Erhängen, und die Leiche des Knaben wurde zur
Beerdigung freigegeben. Die Familie gab ſich damit nicht
zufrieden, da nicht der geringſte Anhalt für einen Selbſt=
mord
des lebensluſtigen Knaben vorlag, und nahm einen
Privatdetektiv in ihre Dienſte. Jetzt iſt das 19jährige
Dienſtmädchen Eliſe Heinrichs verhaftet worden
das damals bei Frau Tiemann in Stellung war. Es
hatte damals mit einem Schloſſer namens Schulz aus
Charlottenburg ein Liebesverhältnis und verſuchte auf
deſſen Drängen einen Diebſtahl in der Tiemannſchen Woh=
nung
. Hierbei wurde es von dem Knaben überraſcht;
Schulz ſtürzte ſich auf ihn, erwürgte ihn und hängte ihn
dann auf. Weiter wird zu der Angelegenheit noch mitge=
teilt
: Der von der Familie mit der Unterſuchung der An=
gelegenheit
beauftragte Detektiv Schwarz reiſte nach Rum=
melsburg
in Pommern, wohin ſich das Dienſtmädchen von
Tiemanns, Eliſabeth Heinrichs, das dort zu Hauſe iſt, be=
geben
hatte. Schwarz machte ſich mit dem Mädchen be=
kannt
und verlobte ſich mit ihm unter der Maske eines
Rentners. Ende April ſollte die Hochzeit ſein. Da er=
hielt
er einen von ihm beſtellten Brief eines angeblichen
Freundes aus Berlin, der ihn warnte, mit der Heinrichs
ſich zu verheiraten, da ſie verdächtig ſei, Tiemann ermordet
zu haben. Schwarz las dem Mädchen den Brief vor und
ſagte, es möchte alles beichten, er werde es dennoch hei=
raten
. Anfangs wollte das Mädchen nicht mit der Sprache
heraus, bequemte ſich dann aber zu einem vollen Geſtänd=
nis
. Am nächſten Tage wiederholte es ſein Geſtändnis im
Beiſein eines Polizeibeamten, der hinter der Tür ſtand.
Daraufhin wurde es verhaftet und dem Gericht zugeführt.
Der Lokalanzeiger hört ferner, das Mädchen habe ein wei=
teres
Geſtändnis abgelegt, das aber im Intereſſe der Unter=
ſuchung
zurzeit noch nicht veröffentlicht werden könne.
In der Kurfürſten=Oper erlitt geſtern nachmittag
eine Aufführung der Opernſchule der Kammerſängerin
Etelka Gerſter dadurch eine unliebſame Unterbrechung, daß
plötzlich eine Dame im zweiten Rang kurz hintereinander
Feuer! rief. Es entſtand eine teilweiſe Panik. Ueber
100 Perſonen ſprangen von ihren Plätzen auf und ſtürzten
luchtartig nach den Ausgängen. Alsbald trat ein Ober=
euerwehrmann
auf die Bühne und teilte mit, daß nicht
das Geringſte paſſiert ſei. Die Vorſtellung ging alsdann
weiter. Die Dame, welche die Feuerrufe ausgeſtoßen
hatte, gab bei ihrer Vernehmung an, daß ſie plötzlich von
Angſtzuſtänden befallen worden ſei. In der vergange=
nen
Nacht wurde in der Verkehrsbank Schöne=
berg
ein Einbruch verübt. Die Diebe erbeuteten etwa
12000 Mark bares Geld und 37 Wechſel im Geſamtbetrage
von 30000 Mark. Die Bank ſetzte für die Ermittlung der
Täter und Wiederherbeiſchaffung des geſtohlenen Gutes
eine Belohnung von 1000 Mark aus.
Bad Homburg v. d. H., 9. April. Der Kaiſer be=
ſuchte
auf ſeinem heutigen Nachmittagsſpaziergange die
Saalburg und beſichtigte dabei mit großem Intereſſe eine
ömiſche Getreidemühle, welche vom Baurat Jakobi rekon=
ſtruiert
worden iſt. Die Rekonſtruktion war möglich, nach=
dem
im vorigen Jahre auf Caſtell Zugmantel in einem
Brunnen des zweiten Jahrhunderts das ganze Getriebe
und zwei Mühlſteine einer ſolchen Mühle gefunden wor=
den
waren. Das Getriebe, der Vorläufer der heutigen
Zahnräder, wird von dem altrömiſchen Schriftſteller Vi=

truvius genau dem Fund entſprechend beſchrieben. Die
Rekonſtruktion iſt in natürlicher Größe hergeſtellt.
Wiesbaden, 10. April. Geſtern abend kurz vor
1 Uhr entſtand im Projektionsraum des Imperial=
Kinos in der Rheinſtraße während der Vorſtellung
Feuer. Die Zuſchauer konnten unverſehrt in Sicherheit
gebracht werden. Der Beſitzer des Kinos, Ferdinand Fa=
ber
, und der Operateur erlitten ſo ſchwere Brand=
wunden
, daß ſie in das Krankenhaus gebracht werden
mußten. Sämtliche Films ſind verbrannt. Die Feuer=
wehr
beſchränkte das Feuer auf ſeinen Herd.
Leutershauſen a. d. B., 9. April. Ein Trupp Wein=
heimer
Pfadfinder kochte hier ab. Plötzlich warf
einer von den Jungen eine Schrotpatrone in das
Lagerfeuer, was ſehr ſchlimme Folgen hatte. Dem acht=
jährigen
Sohn des Arbeiters Fay von hier gingen Schrot=
körner
in den Leib und verletzten ihn lebensgefährlich.
Seinem Brüderchen gingen Schrotkörner ins Auge, einem
anderen Knaben wurde eine Augenwimper halb abge=
riſſen
, auch der Junge, der die Patrone ins Feuer gewor=
fen
hatte, wurde im Geſicht verletzt. Der ſchwerverletzte
Fay iſt nach Heidelberg ins Akademiſche Krankenhaus ge=
bracht
worden.
Mannheim, 10. April. Der Taglöhner Kuhberg,
der am 28. November v. J. den Gefängnisaufſeher
Schick im hieſigen Landgerichtsgefängnis überfallen und
mit einem Hammer zu Boden geſchlagen hatte, wurde ge=
tern
von dem Schwurgericht zu lebenslänglichem Zucht=
hauſe
verurteilt; außerdem erhielt Kuhberg wegen eines
Einbruchdiebſtahls im Krankenhauſe Sandhofen 3 Jahre
Zuchthaus.
Straßburg, 10. April. Aus einer zuverläſſigen Quelle
wird bekannt, daß eine drahtloſe Verbindung
zwiſchen dem Eiffelturm und Kolmarer
Privathäuſern entdeckt worden ſei. Der Chef der
politiſchen Polizei hat ſich mit der Sache bereits befaßt,
deren Akten gegenwärtig im Miniſterium liegen. Es han=
delt
ſich offenkundig um eine Spionagegeſchichte.
Göttingen, 9. April. Der Polizeiſergeant Ro=
mahn
aus Berlin, der ſich vor dem hieſigen Schwur=
gericht
gegen die Anklage zu verantworten hatte, ſeine Frau
in die Weſer geworfen zu haben, wurde nach einſtündiger
Beratung der Geſchworenen zum Tode verurteilt.
Er nahm das Urteil ganz gebrochen entgegen.
Prenzlau, 10. April. Dem Berliner Tageblatt zufolge
wurden von einem noch unbekannten Betrüger vom Konto
der Firma A Goldſchmidt=Leipzig 20000 Mark auf Grund
zweier gefälſchter Kaſſenſchecks über je 10000
Mark abgehoben. Die Auszahlung des Geldes erfolgte
in 20 Tauſendmarkſcheinen. Die Oberpoſtdirektion ſetzte
auf die Ermittlung des Schwindlers und die Herbei=
ſchaffung
des Geldes eine Belohnung von 800 Mark aus.
Königsberg, 10. April. Die Stadtverordnetenver=
ſammlung
nahm nach geheimer Sitzung einen Antrag des
Magiſtrats an, anläßlich des 25jährigen Regierungsjubi=
läums
des Kaiſers ein Kaiſer Wilhelm= Wohl=
ahrtshaus
für 175000 Mark zu errichten. Es ſoll
dem Betriebe einer Volksküche nebſt Wärmehalle oder
Speiſeſaal, je eines Jugendheimes für junge Mädchen und
junge Männer nebſt einem Vortragsſaal ſowie einer ge=
räumigen
Krippe gewidmet ſein.
Prag, 9. April. Die Sokolgemeinden, die die Ver=
einigung
der polniſchen Turnvereine bilden, hatten zu Be=
ginn
des Balkankrieges eine Sammlung veranſtaltet, aus
deren Erträgnis Scharpie und ſonſtige Verbandſtoffe
für die bulgariſche Armee beſchafft wurden. Drei
ganze Waggons voller Verbandmaterial waren bereits ge=
ſammelt
, und der Friſeur Meſchnik hatte die Abſendung
der Waggons übernommen. Herr Meſchnik hat auch rich=
tig
zwei Waggons abgeſandt, und zwar an die Bulgaren,
den dritten aber hat er auf eigene Rechnung verkauft für
1200 Kronen an die Türken. Der Schwindel kam aber
heraus, und jetzt wird Herrn Meſchnik der Prozeß ge=
macht
. Als er geſtern das Gerichtsgebäude verließ, wurde
er von mehreren hundert Perſonen, Mitgliedern der Turn=
vereine
, empfangen, die ihn gehörig durchbläuten und ihn
dann mit Teer übergoſſen. Meſchnik liegt jetzt im
Krankenhauſe und der Prozeß iſt vertagt worden.
London, 10. April. Prinz Heinrich von Preu=
ßen
traf geſtern abend auf dem Viktoria=Bahnhofe hier
ein und wurde vom Militär= und Marine=Attaché der
deutſchen Botſchaft empfangen. Sein Beſuch iſt ein ſtreng
privater. Wie es heißt, wird der Prinz am Montag zu=
rückreiſen
.
Petersburg, 10. April. Der Geſundheitszu=
tand
des Zarewitſch beſſert ſich von Tag zu Tag.
Der Thronfolger wird demnächſt vollſtändig ge=
heilt
ſein.
Buffalo, 9. April. Der ſeit einigen Tagen beſtehende
Streik der Trambahnangeſtellten hat zu ern=
ſten
Unruhen geführt. Die Truppen feuerten auf den
Pöbel und verwundeten mehrere Perſonen.

und bekam ſo viel Geld, daß ſie ſich damit zu einer zwei=
ten
Patti hätte ausbilden können; welches aber der Aus=
gang
der Lotterie war, darüber ſchweigt die Geſchichte.
Eine eigenartige Verſchmelzung von Geſchäft und Liebe
leiſtete ſich ein großes Teegeſchäft, das für ſeine weiblichen
Reiſenden folgenden Preis ausſetzte: Die junge Dame,
die die beſten Erfolge erringt und die meiſten Kunden
uns gewinnt innerhalb einer Arbeitszeit von 6 Monaten
erhält 10000 Mark und außerdem das Recht, den jungen
Herrn unter den Angeſtellten der Firma, der ihr am
beſten gefällt, zu heiraten. Sollte der Betreffende ſich
weigern, ſo erhält ſie als Entſchädigung noch 2000 Mark
extra, und der junge Mann wird ſofort entlaſſen. Mehr
als einmal hat man über das Schickſal einer Frau Mün=
zen
entſcheiden laſſen, die in die Luft geworfen wurden
und bei denen auf Kopf oder Schrift gewettet war. Eine
dramatiſche Szene dieſer Art ſpielte ſich zwiſchen zwei
Genueſer Holzfällern ab, die beide raſend in eine kleine
niedliche Putzmacherin verliebt waren. Eine Wette, bei
der die Münze entſcheiden ſollte, war der letzte Ausweg,
und als das ſchickſalsvolle Geldſtück dem einen Entſagung
verkündete, da zog dieſer, ein gewiſſer Nizza, einen Re=
volver
, ſchoß ſich durch den Kopf und fiel tot zu Füßen
ſeines glücklichen Nebenbuhlers.
2400 Jahre alte Geſchäftsbücher Bei den jüngſten
Ausgrabungen, die von der Univerſität Pennſylvania in
Nippur veranſtaltet wurden, iſt ein hochintereſſanter Fund
ans Licht des Tages getreten: in einer Art Gewölbe fand
man die Geſchäftsbücher einer Firma, die vor 2400 Jah=
ren
blühte. Das Gewölbe muß in jenen vergangenen
Tagen denſelben Zwecken gedient haben, die heute die
Stahlkammer einer Bank erfüllen. Die wichtigſten Doku=
mente
eines großen Geſchäftshauſes waren hier verwahrt,
freilich nicht in Form von Rechnungsbüchern, ſondern in
Aufzeichnungen auf Tontäfelchen, wie man ſie im Jahre
487 v. Chr. benutzte. Die Firma Muraſchu Söhne
in Nippur, in deren Geſchäfte wir durch dieſe Bücher
einen Einblick gewinnen, muß ein bedeutendes und aus=
gedehntes
Unternehmen geweſen ſein. Sie war in der Zeit
König Artarxerxes I. gegründet worden. Wie der New=

York American berichtet, wurden viele Hunderte von Ton=
tafeln
entdeckt, die zeigen, daß ſich die Firma mit den ver=
ſchiedenſten
Handelszweigen beſchäftigte: ſie verkaufte
Juwelen und Edelſteine, vermittelte Grundſtücksgeſchäfte,
verwaltete Vermögen uſw. Unter den zahlreichen Kon=
trakten
und Verkaufsabſchlüſſen, die auf den Tafeln ver=
zeichnet
ſtehen, intereſſiert beſonders ein Garantie=
ſchein
, in dem der Firma Schadenerſatz verſprochen
wird für den Fall, daß ein Smaragd aus einem Goldring
vor 20 Jahren herausfällt. Bel=ad=iddina und Belſchuna,
Söhne von Bel und Hatin von Bazuzu ſo lautete das
ntereſſante Schriftſtück, ſprechen alſo zu Bel= nadin=
ſchumu
, Muraſchus Söhnen: Was den Goldring mit den
Smaragden angeht, ſo garantieren wir, daß 20 Jahre lang
der Smaragd nicht aus dem Goldring fallen wird. Sollte
der Smaragd früher herausfallen, ſo werden wir Bel=
nadin
=ſchumu einen Schadenerſatz von 10 Stück Silber
leiſten. Die Rechnungen erſtrecken ſich auf einen Zeit=
raum
von über 50 Jahren. Die Firma war hauptſächlich
als Agent für eine Anzahl von reichen Perſern tätig, die
ihre Vermögen nicht ſelbſt verwalten wollten.
Die Muſterparade der amerikaniſchen Suffragetten.
Die Eröffnung der erſten Seſſion des Kongreſſes ſeit dem
Amtsantritt Präſident Wilſons war von einer Parade
der amerikaniſchen Frauenrechtlerinnen begleitet, die
einen charakteriſtiſchen Gegenſatz zu dem anarchiſtiſchen
Treiben der engliſchen Suffragetten darſtellte. 531 Frauen
waren in Waſhington zu dieſer Demonſtration zuſam=
mengekommen
; jeder Staat und jeder Wahlkreis hatte
eine Delegierte geſandt. Und dieſes Bataillon amerika=
niſcher
Frauen, die fürs Frauenwahlrecht plaidieren, zog in
einer geradezu muſterhaften Ruhe und Ordnung zu dem
Kapitol und überreichte den 531 Senatoren und Abgeord=
neten
eine Petition, in der ſie einen das Frauenwahl=
recht
garantierenden Zuſatz zur Verfaſſung vorſchlugen.
Bei dem Amtsantritt Präſident Wilſons hatten die ameri=
kanichen
Suffragetten theatraliſche Wirkungen angeſtrebt
und vor dem Kapitol Tänze veranſtaltet. Diesmal ver=
zichtete
man auf alle Senſationen; das einzige, was
genehmigt worden war, blieb die einheitliche einfache

weiße Tracht, die alle Damen bei dem Zuge zum Kapitol
angelegt hatten. Das ruhige, lärmloſe Gebaren dieſer
Vorkämpferinnen des Frauenſtimmrechts gefiel dem
Publikum, und auf dem Marſche von dem Kolumbia=
Theater wo am Vormittag Reden gehalten worden
waren bis zum Kapitol kam es nirgends zu Zwiſchen=
fällen
oder Verkehrsſtörungen. Die Frauen wollten ur=
ſprünglich
in der Mitte der Straße einhermarſchieren,
wodurch der Straßenbahnverkehr gehemmt worden wäre;
als die Polizei die amerikaniſchen Suffragetten darauf
aufmerkſam machte, lenkte der Zug ſofort auf die Seite
des Fahrdammes und gab die Schienen frei. Am Kapitol
wurde Halt gemacht: alle mitgetragenen Fahnen wurden
entfernt und paarweiſe betraten die Frauen das Parla=
ment
, wo ſie von Senatoren und Abgeordneten empfan=
gen
und begrüßt wurden. Dann begaben ſie ſich auf die
Tribüne, um die Verhandlung zu beobachten. Sie lehnten
jedes Anſinnen an Störungen oder Demonſtrationen ab, und
als in der Senatsgalerie ein Geiſtesgeſtörter als Herold
des Friedensfürſten eine Anſprache beginnen wollte, be=
trachteten
die Frauen lächelnd die Verhaftung dieſes Son=
derlinas
. Auf das Publikum machte dieſe Muſterparade
und dieſes vorbildliche Verhalten der amerikaniſchen Suf=
fragetten
den günſtigſten Eindruck, und die diſziplinierte
Anerkennung der Geſetze und der Verfaſſung, die die
Frauen an den Tag legten, iſt in Amerika heute das Ge=
ſpräch
des Tages.
* Die neueſte amerikaniſche Geſellſchaftsunterhaltung.
New=York Herald bringt folgende Nachricht: Die neueſte
Unterhaltung der oberen Zehntauſend iſt das Klettern.
Nach den Fünfuhr=Tees vergnügen ſich jetzt die Damen der
Geſellſchaft für eine kurze halbe Stunde damit, zu klet=
tern
. Man hat beſondere Kletterapparate, Strickleitern,
Stangen uſw. in den Häuſern. an denen die Uebungen
vorgenommen werden. Selbſtverſtändlich hat ſich für dieſe
Neuerung auch bereits ein Klub gegründet, der unter dem
Vorſitz von Miß Alice Sheppard ſteht. Die Aerzte ſollen
angeblich erklärt haben, daß das Klettern das beſte Mit=
tel
ſei, um ſchön zu werden.

[ ][  ][ ]

amr

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Stadtverordnetenverſammlung.

1. Sitzung.
g. Darmſtadt, 10. April.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing eröffnete die
Verſammlung um ¾4 Uhr. Der Vorſitzende macht zu=
nächſt
die Mitteilung, daß das langjährige Mitglied=
der
Stadtverordneten=Verſammlung, Apotheker Lauer,
der mehr als 25 Jahre, beſonders in der Armen= Deputa=
tion
, ſich Dank und Anerkennung erworben habe, ver=
ſtorben
ſei. Die Verſammlung erhebt ſich von ihren
Plätzen. Er teilt weiter mit, daß Stadtv. Link und Ge=
mahlin
die Feier der ſilbernen Hochzeit begehen konnten
Sodann ergreift er das Wort zu folgenden
Mitteilungen:
Für die von der Stadtverordneten=Verſammlung be=
willigten
Zuſchüſſe uſw. haben gedankt: 1. die General=
direktion
des Großh. Hoftheaters und der Hofmuſik, 2. die
Freiwillige Sanitäts=Hauptkolonne vom Roten Krenz,
3. der Kanichenzucht=Verein Darmſtadt.
Die Ortsgruppe Darmſtadt des Allgemeinen Deut=
ſchen
Frauenvereins bittet, von der Errichtung
einer Landkrankenkaſſe abſehen zu wollen.
Der Vorſitzende teilt mit, daß in dem Lokal für die
öffentlichen Impfungen für Sitzgelegenheit, deren Mangel
in der letzten Sitzung gerügt worden war, ſtets ausrei=
chend
geſorgt würde, daß das Publikum jedoch häufig
keinen Gebrauch davon mache.
Die Leuchtkraft des Gaſes.
Anläßlich verſchiedener Klagen über die Leucht=
kraft
des Gaſes, insbeſondere der von dem Gaſt=
wirteverein
an den Oberbürgermeiſter und die Stadtver=
ordneten
=Verſammlung gerichteten Eingabe wird folgende
Erklärung von Herrn Beigeordneten Ekert im Namen
der Stadtverwaltung abgegeben:
Infolge einiger lokalen Mängel der Gasbeleuchtung
wird allgemein zu Unrecht die Urſache auf unzureichende
Beſchaffenheit des Gaſes und auf ungenügenden Druck
zurückgeführt. Hierauf iſt zu erwidern, daß die Heiz=
kraft
und ſomit auch die Leuchtkraft des vom
ſtädtiſchen Gaswerk gelieferten Gaſes ſeit Jahren
konſtant auf zirka 5300 Kalorien gehalten
wird, alſo auf einem Heizwerte, wie ihn die Mehrzahl
der deutſchen Gasanſtalten heute nicht abgeben. Die ein=
wandfreie
Gleichmäßigkeit ergibt ſich aus den fortlaufen
den und ununterbrochenen Meſſungen des Heizwertes, die
durch die beſten Meßinſtrumente im Gaswerk durch gra=
phiſche
Aufzeichnungen nachgewieſen werden. Dieſe Tat=
ſache
iſt alſo nicht zu beſtreiten. Die Meſſungen können
der Oeffentlichkeit unterbreitet werden und wurden der
Gaswerks=Deputation wie auch den Vertretern der Han=
delskammer
vorgeführt. Der Druck des Gaſes in den
Leitungen wird von Druckreglern im Gaswerk hervorge=
bracht
, die nicht allein einen beliebig hohen Druck ge=
ſtatten
, ſondern auch die Schwankungen des Druckes aus=
gleichen
. Hinſichtlich des Ueberdrucks in den Gasleitun=
gen
macht man ſich gewöhnlich irrige Vorſtellungen über
deſſen Höhe. Der Ueberdruck iſt bekanntlich nur ein
Bruchteil einer Atmoſphäre, und zwar 6 Zentimeter
Waſſerhöhe, oder der 167. Teil einer Atmoſphäre, und
kann vom Gaswerk mühelos den Bedürfniſſen entſprechend
geſteigert werden. Die Schwierigkeit beſteht alſo nur
darin, den Gasdruck an allen Verbrauchsſtellen innerhalb
der Stadt auf gleichmäßiger Höhe zu halten. Kleinere
Schwankungen treten naturgemäß ein zu Zeiten erhöhten
Gasverbrauches, wie es ebenſo bei der Leitung des elek=
triſchen
Stromes der Fall iſt. Hierbei iſt von Wichtigkeit,
daß die Leitungsquerſchnitte der Gasrohre hinreichend
weit ſind. Für die ausreichende Bemeſſung der Haupt=
leitungen
wird aber ſchon ſeit Jahren von der Stadt=
verwaltung
in ausgiebiger Weiſe geſorgt. Manche Klagen
ſind aber darauf zurückzuführen, daß namentlich die älte=
ren
Leitungen innerhalb der Gebäude ſelbſt, die nicht von
der Gaswerksverwaltung hergeſtellt wurden, nicht aus=
reichend
bemeſſen ſind.
Es ſoll indeſſen nicht beſtritten werden, daß ſeit dem
1. Mai v. J. geringere Schwankungen gegen abends 6
Uhr und nachts gegen ½12 Uhr eintreten, die einige Mi=
nuten
dauern. Die erwähnte Druckſchwankung iſt eine
Begleiterſcheinung der ſeit genannter Zeit eingeführten
automatiſchen Betätigung der Straßen=
beleuchtung
. Bekanntlich wird nicht allein die Stra=
ßenbeleuchtung
in Arheilgen, ſondern neuerdings auch die
Straßenbeleuchtung weſtlich der alten Main=Neckarbahn
nicht mehr durch die Laternenanzünder, ſondern ſelbſt=
tätig
mit einem Male angezündet. Die automatiſche
Zündung der einzelnen Laternen erfolgt durch eine in den
Laternen eingebaute Vorrichtung, die durch eine vom
Gaswerk ausgehende allmähliche Druckſteigerung betätigt
wird. Dieſe vom Gaswerk ausgehende kurze Druck=
welle
macht ſich naturgemäß in dem ganzen Leitungsnetz
der Stadt und ſomit auch bei allen brennenden Lampen
bemerkbar. Bei normal einjuſtierten Brennern bewirkt
dies eine etwa 5 Minuten anhaltende Erhöhung des Gas=
drucks
der Brenner, denen etwas mehr Gas zugeführt
wird, als ſie zum richtigen Erglühen benötigen, und die
Folge davon iſt, daß die Helligkeit, je nachdem, etwas mehr
oder weniger für dieſe kurze Zeitdauer zurückgeht. Dies
iſt ein Nachteil, der überall eingetreten iſt in den vielen
anderen Städten, wo automatiſche Zündung eingeführt
wurde. Die Gaswerksverwaltung iſt bemüht, dieſe Nach=
teile
zu beheben. Sie iſt erbötig, auf Anfrage nach dem
Rechten zu ſehen und Abhilfe zu ſchaffen. Insbeſondere
möge erwähnt ſein, daß bei einigen Gaſtwirten, die be=
ſonders
darüber Klage geführt haben, durch Einbauen
eines Gasdruckreglers in die Verbrauchsleitung hinter
dem Gasmeſſer die beobachteten Schwankungen beſeitigt
werden konnten. Was das Rußen der Lampen anbelangt,
ſo hat ſich allerdings gezeigt, daß namentlich das hängende
Gasglühlicht beſonders dazu neigt und daß ſich für grö=
ßere
Verbrauchsſtellen zur Aufrechterhaltung eines be=
ſtimmten
gleichmäßigen Druckes der Einbau eines Gas=
druckreglers
empfiehlt. Die Erſcheinung des ſtärkeren
Rußens iſt nur zum kleinſten Teil darauf zurückzuführen
daß das dem Steinkohlengas zugeſetzte Koksgas mit fein
zerſtäubten fetten Oelen bereichert wird, die etwas mehr
zum Rußen neigen. Neuerdings iſt dieſer Oelzuſatz
weſentlich eingeſchränkt worden, ſo daß auch hier die Ur=
ſachen
zu weiteren Klagen nicht mehr beſtehen. Im übri=
gen
darf auf die Ankündigung der Gaswerksverwaltung
aufmerkſam gemacht werden, worin ſie ſich erbietet, bei
auftretenden Mängeln die Anlagen der Gasabnehmer
koſtenlos nachſehen zu laſſen und Ratſchläge zur Abhilfe
zu erteilen.
Stadtv. Noellner: Aus den Erklärungen des Herrn
Beig. Ekert geht hervor, daß es nicht richtig iſt, wie früher
behauptet wurde, die Handwerker verſtünden nichts von
der Anlegung der Gasanlagen. Nun habe aber die Gas=
verwaltung
die jetzt als unrichtig bezeichneten zu engen
Gasleitungen gelegt, und die neuen wohl ſaſt überall die

Handwerker. Er möchte nochmals anregen, ſich mit einem
Sachverſtändigen ins Vernehmen zu ſetzen.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing meint, man könnte
ja die Angelegenheit näher in der Gaswerksdeputation
erörtern.
Das Rathaus.
Stadtv. Saeng möchte auf das Eingeſandt über das
ſcheußliche Ausſehen des Rathauſes hinweiſen, und er
möchte bitten, daß es mindeſtens bis Pfingſten ein beſſeres
Aeußere erhält. Auch ſollte darauf geſehen werden, daß
das Rathaus nicht durch die Reklameſchilder verunziert
wird. Beig. Ekert möchte doch zu erwägen geben, daß
dies 80000 Mark koſten würde.
Ausſtellungen.
Bürgermeiſter Mueller weiſt darauf hin, daß durch
die Anregungen des Herrn Prof. Biermann wir wiederum
einige Ausſtellungen auf der Mathildenhöhe haben. In
den nächſten Tagen ſoll hierzu noch eine Ausſtellung von
baukünſtleriſchen Photographien von Alt=Braunſchweig,
Goslar und Hildesheim im Ehrenſaal des Ausſtellungs=
gebäudes
veranſtaltet werden. Die Photographien ſind
von Herrn Prof. Dr. Limmer aufgenommen. Koſten ent=
ſtehen
der Stadt durch dieſe Ausſtellungen nicht.
Der Verwaltungsbericht für 1911.
Stadtv. Noellner übernimmt für die Beratung des
Berichts den Vorſitz. Stadtv. Henrich erſtattete den
Bericht des Finanzausſchuſſes, der gedruckt
vorliegt. Die Finanzreform des Jahres 1910 in Verbin=
dung
mit der ſeitdem eingetretenen wirtſchaftlichen Auf=
wärtsbewegung
hat zur Folge gehabt, daß auch die Rech=
nung
des Jahres 1911, ebenſo wie die des Jahres 1910
mit einem erheblichen Ueberſchuß ab=
ſchließt
. Der Rechnungsreſt beträgt 781 526,86 Mk.
und der darin enthaltene bare Ueberſchuß beziffert ſich auf
688 882,06 Mk. Er würde um den Betrag von 176620 Mk.
höher ſein, wenn man die in dieſer Höhe im Voranſchlag
vorgeſehene Summe aus dem Ausgleichsfonds entnommen
haben würde, worauf natürlich unter dieſen Umſtänden
verzichtet werden kann. Der Ausgleichsfonds be=
trägt
nach Zuführung dieſes Ueberſchuſſes zu Ende 1911
1857560,91 Mk., eine Summe, die zur Ausgleichung von
Rechnungsfehlbeträgen mehr als ausreichen und deshalb
zu anderweiter Beſtimmung über die weiteren Ueber=
ſchüſſe
Anlaß geben müßte, wenn nicht unterdeſſen infolge
der Erhöhung der Beamtengehalte und anderer Mehr
ausgaben darüber ſchon teilweiſe verfügt worden wäre
In 1910 betrug der bare Ueberſchuß 569 199,58 Mk., für
1911 ergeben ſich 688882,06 Mk., gibt für 1911 mehr
119 682,48 Mk.
Abgeſehen von dem Hallenſchwimmbad, das
diesmal wiederum einen höheren Zuſchuß aus der Stadt=
kaſſe
beanſprucht weiſen die übrigen Betriebe
günſtigere Abſchlüſſe auf.
Die Ausgaben zeigen in den Abſchlußziffern zun
größeren Teil wieder ein ſtäckeres Anwachſen als dies in
dem Verwaltungsbericht für 1910 feſtgeſtellt werden
konnte, doch liegt das teilweiſe daran ſpeziell bei den
Schulen und beim Krankenhaus , daß in 1910 das Schul=
geld
und die Pflegegelder erhöht worden waren, was den
Rechnungsabſchluß für das genannte Jahr günſtig beein
flußte. Die eigentlichen Verwaltungskoſten und die Aus=
gaben
für das Polizeiweſen haben ſich gegen 1910 nicht
weſentlich verändert. Der Ausfall an Gemeindeumlagen
wegen Zahlungsunfähigkeit der Schuldner und infolge
von Reklamationen iſt um 11700 Mk. zurückgegangen; der
Prozentſatz der uneinbringlichen Steuern allein iſt dageger
von 1,79 Prozent auf 1,85 Prozent geſtiegen. Die Be
ſchäftigung Arbeitsloſer war etwas umfangreicher
als im Vorjahre, ſie betraf 291 Arbeiter mit einem Koſten=
aufwand
von 33665,94 Mk. gegen 278 Mann und 26 441
Mark in 1910.
Von beſonderem Intereſſe ſind die Zahlen, die ſich
auf die
Bevölkerungszunahme
und auf die wirtſchaftlichen Verhältniſſe der Einwohner=
ſchaft
beziehen, ſoweit ſolche aus deren Steuer= und an=
deren
Leiſtungen zur Stadtkaſſe zu erkennen ſind. Die
Bevölkerungszunahme iſt bis zum Jahr 1905 eine ſtändig
ſteigende (zuletzt um 14,82 Prozent), von da ab fällt dieſe
Ziffer ganz plötzlich auf 4,77 Prozent in 1910. Das Jahr
1911 zeigt ſogar einen Rückgang in der Bevölkerungs=
ziffer
gegen 1910. Die Geburten ſind um 248 zurückgegan=
gen
und die Wegzüge überſteigen die Zuzüge um 616 Per=
ſonen
. Beide Verluſte werden durch den Ueberſchuß der
Geburten über die Sterbefälle (566) nicht ausgeglichen
Dieſer Bevölkerungsrückgang findet zum Glück keinen
Ausdruck in den Steuerleiſtungen. Die Vermögens
rechnung weiſt eine Geſamtausgabe von 5419115,58
Mark nach. Der in das folgende Jahr übergehende Reſt,
der zu Vermögensausgaben verfügbaren Summe beträgt
1661 788,76 Mk. Das Geſamtvermögen der Stadt
iſt mit 68380836,18 Mk. angegeben; die Schulden be=
tragen
40336 217,29 Mk., bleibt Vermögensüberſchuß von
28044618,89 Mk., gegen 26 133060,50 Mk. in 1910.
Es wird beantragt: Vorbehältlich der Prüfung
der Rechnungen durch die Großh. Oberrechnungskammer
dem Großh. Oberbürgermeiſter unter dem Ausdruck der
Anerkennung und des Dankes für die ausgezeichnete Ge
ſchäftsführung Entlaſtung zu erteilen. Der Finanzaus=
ſchuß
hat von dem Bericht zuſtimmend Kenntnis genom=
men
und empfiehlt den Antrag des Herrn Referenten zur
Annahme.
Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing teilt auf eine An=
frage
des Referenten mit, daß über den Erweiterungs=
onds
des Elektrizitätswerkes von 110000 Mark die Stadt
frei verfügen kann. Stadtv. Lehr möchte doch einmal
erörtert wiſſen, weshalb der Zuzug nach Darmſtadt nicht
zu= ſondern abgenommen hat. Das ſei in erſter Linie
die hohe Steuer und dieſe ſei wiederum eine Folge der
großen Ausdehnung unſerer Stadt. Die Bevölkerung
habe abgenommen, aber die Stadt ſei fortwährend er=
weitert
worden. Ferner möchte er wiſſen, wie der Aus=
gleichsfonds
angelegt iſt, ob er ſtets ſofort zur Verfügung
ſteht. Stadtv Henrich bemerkt hierzu, daß der Fonds
bei der Bank als Ultimogeld angelegt ſei und gut ver
zinſt werde. Der Ausbau der Stadt ſolle nicht ſo ernſt
aufgefaßt werden, ebenſo ſoll man nicht verallgemeinern,
wenn einige Geſchäftsleute von Darmſtadt weggezogen
ſeien, denn daraus könne man noch nicht ſchließen, daß
Darmſtadt zurückgehe. Stadtv Sames meint, wenn
man den Bericht höre, könnte man glauben, daß Darmſtadt
im Gelde ſchwimme. Der Fortzug der großen Vermögen
ſei nur eine Folge der hohen Steuern in Darmſtadt. Der
Rückgang der Bevölkerung betreffe nicht die Arbeiter, ſon=
dern
die höheren Einkommenſteuerſtufen. Stadtv. =
muth
kann verwaltungstechniſch an dem Bericht nichts
ausſetzen; er ſei vollkommen überſichtlich. Eine andere
Frage ſei, wie es mit der Wahrung der Intereſſen der Ar=
beiter
ſei. An eine Herabſetzung des Steuerſatzes ſei nicht
zu denken, da der Stadt eine Reihe von großen Ausgaben
in nächſter Zeit harren. Er müſſe ſich wundern, daß nach

dem Bericht Zweizimmerwohnungen faſt gar nicht und
Dreizimmerwohnungen ſehr wenig gebaut wurden. Es
wäre wünſchenswert, eine Aufſtellung der leerſtehenden
Wohnungen dem Bericht beizufügen.
Stadtv. Noellner weiſt mit Befriedigung darauf
hin, daß die Schulbauten bedeutend billiger gekommen ſind,
als im Voranſchlag vorgeſehen war. DieSchülerwanderun
gen ſeien ſeiner Anſicht nach weit wertvoller als die Ju=
gendſpiele
. Er möchte dem doch entgegentreten, daß für
die Arbeiter nichts getan worden ſei, denn ſchon im Jahre
1910 ſeien den Arbeitern Aufbeſſerungen ihrer Bezüge ge=
währt
worden. Auch die Vermehrung der Urlaubsgewäh=
rung
ſei hier zu erwähnen. Es ſei bezüglich der Stener=
verhältniſſe
zu berückſichtigen, daß wir nicht 128,4 Pro=
zent
der jetzigen, ſondern der früheren Staatsſteuern
haben. Er möchte dem Oberbürgermeiſter Dank und An=
erkennung
ausſprechen. Stadtv. Saeng: Eine Ver
minderung der Steuer käme wohl nicht in Betracht, be=
ſonders
wenn man daran denken ſollte, den Gas= und
Waſſerpreis zu erniedrigen. Was die geringe Zahl der
kleinen Wohnungen angeht, ſo komme dies wohl vor al=
lem
daher, daß man ſeinerzeit die Altſtadt raſiert habe
ohne Erſatz zu ſchaffen. Ferner möchte er anregen, da
die Eingemeindung von Arheilgen und Eberſtadt doch
einmal nötig ſein werde, dies recht bald zu tun, um der
Grundſtücksſpekulation Einhalt zu bieten und die Klage
über zu geringe Einwohnerzahl zu beſeitigen. Auch er
möchte dem Herrn Oberbürgermeiſter Dank ausſprechen.
Herr Oberbürgermeiſter Dr. Gläſſing dankt im
Namen der Verwaltung für die Anerkennung. Der Ab=
ſchluß
der Jahresrechnung ſei ein höchſt erfreulicher, ein
derartig hoher Ueberſchuß ſei jedenfalls noch niemals
dageweſen. Der Rückgang der Bevölkerung ſei jedenfalls
nicht auf die Steuerſätze zurückzuführen, denn in Städten
mit ganz anderen Steuerſätzen ſeien erhebliche Zunah=
men
der Bevölkerung zu verzeichnen. Auch habe er er=
fahren
, daß in einer etwas größeren Stadt als Darmſtadt
in einem Jahre nicht ein Haus gebaut worden iſt. Es
ſei zu erwarten, daß im Mai bereits die elektriſche Bahn
durch die Neckarſtraße und im Herbſt bis Eberſtadt fahren
werde. Es ſei auch zu erwarten, daß Seeheim ſich bald
geneigt zeigen wird, der Garantie zuzuſtimmen. Sollte
das nicht geſchehen, ſo wird man unverzüglich an den Aus=
bau
der Bahn in das Modautal gehen, da von Ober= und
Nieder=Ramſtadt bereits volle Garantie angeboten iſt.
Das Schwanken in den Ergebniſſen in den verſchiedenen
Steuerſtufen ſei nach ſeinen Erhebungen häufig auf das
Verſetzen von Offizieren uſw. zurückzuführen. Er möchte der
Hoffnung Ausdruck geben, daß man vertrauensvoll in die
Zukunft blicken möge, wenn auch ein derartiger Ueber=
ſchuß
nicht ſobald wieder zu erwarten iſt. Dem Herrn
Oberbürgermeiſter wird ſodann einſtimmig mit Dank
Entlaſtung erteilt. Oberbürgermeiſter Dr. Gläſ=
ſing
dankt und erklärt, die Anerkennung auf ſeine Mit=
arbeiter
zu übertragen.
Baudispensgeſuche.
Auf einem am Heinrichwingertsweg gelegenen Grund=
ſtück
ſoll ein Gartenhäuschen errichtet werden. Das Ge=
lände
liegt außerhalb des Bebauungsplanes, weshalb
die Geſtattung einer Ausnahme von der Beſtimmung in
§ 5 des Ortsbauſtatuts erforderlich iſt. Der Hochbau=
Ausſchuß befürwortet ſie, die Verſammlung ſtimmt zu.
Referent: Stadtv. Wittmann.
Die der Backſteinfabrikation dienende Anlage auf dem
Grundſtück Kaſtanienallee 21 ſoll durch die Errichtung
einer weiteren Trockenhalle erweitert werden, wofür
gleichfalls um die Geſtattung einer Ausnahme von der
Beſtimmung in § 5 des Ortsbauſtatuts nachgeſucht wird.
Referent: Stadtv.
Auch dieſe wird genehmigt.
Wagner.
In die Brandmauer des Hauſes Ludwigſtraße 14 ſoll
eine Niſche zur Unterbringung von Schaukäſten eingebau
werden. Dieſer Abſicht ſteht die Beſtimmung in den §§ 68
und 69 der Ausführungs=Verordnung zur Allgemeinen
Bauordnung entgegen. Der Hochbau=Ausſchuß empfiehlt,
aus Gründen der Konſequenz die nachgeſuchte Befreiung
von den Vorſchriften der Bauordnung abzulehnen. Die
Verſammlung beſchließt demgemäß. Referent: Stad v.
Wagner.
Der Beſitzer der Häuſer Rhönring 97 und 99 beabſich=
tigt
, im 3. Obergeſchoß der beiden Häuſer eine Verbind=
ungstür
durch die Brandmauer zu brechen und ſucht um
Befreiung von den entgegenſtehenden Beſtimmungen in
Art. 45 und 47 der Allgemeinen Bauordnung und des § 69
der Ausführungs=Verordnung hierzu nach. Der Hoch=
bau
=Ausſchuß hat in Anbetracht der erhöhten Feuers=
gefahr
, die hierdurch für die Bewohner des ſehr großen
Baublocks entſtehen würde, Ablehnung des Geſuchs bean=
tragt
und beſchloſſen. Die Verſammlung tritt dieſem Be=
ſchluß
bei. Reſerent: Stadtv. Sames.
Für einen kleinen Anbau an das Haus Ernſt= Lud=
wigsplatz
2 ſoll wegen Platzmangel ſtatt einer Brand=
mauer
in der vorſchriftsmäßigen Stärke eine 25 Zentimeter
ſtarke Wand mit Pfeilern errichtet werden. Die nach=
geſuchte
Befreiung von den entgegenſtehenden Beſtim=
mungen
des § 68 der Ausführungs=Verordnung zur Aſl=
gemeinen
Bauordnung hat der Hochbau=Ausſchuß befür
Referent:
wortet. Die Verſammlung ſtimmt zu.
Stadtv. Markwort.
Bei dem projektierten Neubau des Hauſes Pankra=
tiusſtraße
1 ſoll ein größerer Teil des Bauplatzes be=
baut
werden, als nach der Vorſchrift in § 32 der Bau=
polizeiordnung
zuläſſig iſt, weshalb um Befreiung von
dieſer Vorſchrift nachgeſucht wird. Die Verſammlung
ſtimmt zu. Referent: Stadt Markwort. Stadtv.
Möſer frägt bei dieſer Gelegenheit an, wie es mit dem
Abreißen des Rabenſteinſchen Hauſes und der Zehnt=
ſcheuer
ſteht. Beig. Ekert: Die Verbreiterung der
Pankratiusſtraße wird in den nächſten Tagen in Angriff
genommen werden. Das Eckhaus hat man Bedenken, ab=
zureißen
, da die Linienführung der Straßenbahn noch
nicht feſtſteht. Stadtv. Louis Lautz drängt ebenfalls
auf baldige Verbreiterung. Oberbürgermeiſter Dr.
Gläſſing meint, man könne nicht Anforderungen
ſtellen, bevor nichts Beſtimmtes feſtſteht. Stadtv. Kahn
tritt ebenfalls für baldige Verbreiterung der Pankratius=
ſtraße
ein. Er möchte nochmals dringend bitten, daß auch
die Elektriſche Schlachthaus=Landskronſtraße baldigſt aus=
geführt
werde. Stadtv. Aßmuth meint, es wäre bei
der Sachlage angebracht, daß aus der Mitte der Verſamm=
lung
heraus erklärt wird, daß man mit aller Energie an
der Linienführung durch die Hochſchulſtraße feſthalte.
Beig. Ekert antwortet darauf, es ſei daran kein Zwei=
fel
, daß man an der beſchloſſenen Linienführung feſt=
halte
; es beſtehen zwar noch allerlei Schwierigkeiten doch
würde ſich ſchon eine Löſung finden laſſen. Auch die
Linie Schlachthof=Landskronſtraße werde ſelbſtverſtändlich
durchgeführt.
Ein neuer Bebauungsplan,
Für das Gebiet weſtlich der alten Main=Neckarbahn
zwiſchen alter und neuer Bahnlinie, Beſſunger Straße
und Holzhofallee iſt ein neuer Bebguungsplan auf=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Nummer 84

geſtellt worden. Das Gebiet umfaßt bekanntlich das ſogen.
Militärquartier. Es iſt zum großen Teile bereits mit
militäriſchen Bauten beſetzt und die Errichtung weiterer
Bauten ſteht in naher Ausſicht. Durch dieſe Bauten ſind
auch die Straßen= und Baufluchtlinien zum größten Teile
bereits gegeben und es handelt ſich hier nunmehr um die
endgültige Feſtlegung des Bebauungsplanes gemäß den
Beſtimmungen der Bauordnung. In das neue Bauquar=
tier
iſt auch das Gelände des Hopfengartens und des Aka=
ziengartens
einbezogen. Der Hochbau=Ausſchuß hat dem
Bebauungsplan zugeſtimmt. Der Plan wird genehmigt.
Referent: Baurat Jäger.
Freigabe zum Anbau.
Die Verbindungsſtraße öſtlich der Beckſtraße zwiſchen
Soder= und Darmſtraße ſoll für den Anbau freigegeben
werden, nachdem ein Baugeſuch für dieſen Straßenteil
eingelauſen iſt. Der Hochbau=Ausſchuß hat die Freigabe
befürwortet. Die Freigabe wird beſchloſſen. Referent:
Stadtv. Markwort.
Entwäſſerung von Neubauten.
Für zwei Neubauten nächſt der Nieder=Ramſtädter
Straße wird um die Genehmigung zur Entwäſſerung
mittels Grubenanlage nachgeſucht. Die Tiefbau= Deputa=
tion
hat unter den üblichen Bedingungen die Genehmig=
ung
befürwortet. Die Verſammlung genehmigt dies eben=
falls
nach dem Referat des Stadtv. Wittmann.
Kreditnachbewilligung.
Für die Unterhaltung, Reinigung, Beleuchtung uſw.
der im Laufe des Jahres 1912 in Benutzung genommenen
Bedürfnisanſtalten am neuen Hauptbahnhof und
im Platanenhain ſind Mittel im Voranſchlag nicht
vorgeſehen. Es wird daher die Nachbewilligung eines
Kredits von 1500 Mark beantragt. Der Finanz=Ausſchuß
hat zugeſtimmt. Die Bewilligung erfolgt nach dem Refe=
rat
des Stadtv. Dr. Noellner.
Pachtung von Gelände zur Ablagerung
von Hauskehricht.
Zur Unterbringung des Hauskehrichts
aus der Stadt ſoll ein Teil des Geländes der
alten Main=Neckarbahn an der Einmündung
der neuen in die alte Main=Neckar=Bahnlinie gepachtet
werden. Das Gelände iſt hierfür ſehr geeignet, da die
Auffüllung des Eiſenbahneinſchnittes mit Kehricht die
Stadt auf die Dauer von 1820 Jahren der Sorge für die
Schaffung neuer Kehrichtablagerungsplätze enthebt. Die
Pachtſumme beträgt jährlich 303 Mark und vermindert ſich
alljährlich um einen Betrag, der dem nach Auffüllung
wieder zurückgegebenen Geländeteil entſpricht. Für die
Herſtellung eines chauſſierten Zufahrtsweges zu dem Ge=
lände
wird ein Kredit von 2400 Mark gefordert. Die Tief=
bau
=Deputation und der Finanz=Ausſchuß haben den An=
trägen
zugeſtimmt. Die Anträge werden nach dem Refe=
rat
des Stadtv. Wittmann genehmigt.
Reinhaltung des Exerzierplatzes.
Die Kommandantur hat gebeten, daß die in der
Nähe der Allee und der Anlagen gelegenen
Teile des Exerzierplatzes durch die Arbeiter der
Straßenreinigungsanſtalt und der Stadtgärtnerei mit=
gereinigt
werden. Da beſondere Koſten hierdurch nicht
entſtehen, haben die Tiefbau= und die Anlagen= Deputa=
tion
die Genehmigung des Geſuchs beantragt, ohne daß
damit eine Verpflichtung übernommen oder für Scha=
denserſatzanſprüche
gehaftet wird. Die Genehmigung er=
folgt
nach dem Reſerat des Stadtv. Bormet.
Anlage eines neuen Druckrohrs für die
Waſſerleitung.
Das Druckrohr der Hochzone= Pump=
ſtation
genügt den in den letzten Jahren ſtark gewach=
ſenen
Anforderungen nicht mehr, die an die Waſſerver=
ſorgung
der Hochzone geſtellt werden. Es iſt deshalb er=
forderlich
, ein Druckrohr von größerer Lichtweite einzu=
legen
. Zunächſt ſoll der nördliche Strang, der durch die
Heinrichſtraße und Beckſtraße zur Mathildenhöhe führt
und deſſen Erneuerung am dringlichſten iſt, verlegt wer=
den
. Der neue Rohrſtrang erhält eine Lichtweite von 250
Millimetern und iſt in der Lage, das Hochzonegebiet beſſer
mit Waſſer zu verſehen, wie bisher. Die Verlegung er=
fordert
einen Koſtenaufwand von 2400 Mark. Die zu=
ſtändigen
Ausſchüſſe haben dem Projekt zugeſtimmt und
die Bewilligung des Kredits empfohlen. Dies geſchieht
nach dem Referat des Stadtv. Dr. Vaubel.
Rückerſtattung von Waſſerleitungs=
anlagekoſten
.
Für die Waſſerleitung im Heinrichwingertsweg ſind
die Anlagekoſten ſeinerzeit von den Intereſſenten bezahlt
worden. Dieſe haben nunmehr, nachdem durch den Rein=
ertrag
aus dem Waſſerzins die Rentabilität der Leitung
ſichergeſtellt iſt, um Rückerſtattung der Koſten gebeten. Die
Waſſerwerks=Deputation und der Finanz=Ausſchuß haben
das Geſuch befürwortet. Dem Geſuch wird ſtattgegeben.
Referent: Stadt. Saeng.
Abwäſſer=Reinigung im Schlachthof
Es hat ſich als notwendig herausgeſtellt, für die Ab=
wäſſer
des Schlachthofs eine zentrale Reinigungs
anlage herzuſtellen, damit die für den Betrieb der Ka=
naliſation
und der Rieſelfelder ſchädlichen Abgänge aus
den Schlachthallen uſw. zurückgehalten werden. Die Her=
ſtellung
einer ſolchen Anlage erfordert einen Koſtenauf=
wand
von 8000 Mark, mit deſſen Bewilligung die zuſtän=
digen
Ausſchüſſe ſich einverſtanden erklärt haben, das
gleiche tut die Verſammlung nach dem Referat des Stadt=
verordneten
Dr. Noellner.
Verlängerung des Feldbahngleiſes im
Schlachthof.
Das von den neuen Schweineſtällen nach der
Schweineſchlachthalle im Schlachthof führende Feldbahn=
gleis
ſoll bis zur Großviehfchlachthalle ver=
längert
werden, damit es auch zum Transport von
Kälbern benutzt werden kann. Die zuſtändigen Ausſchüſſe
haben der Gleisverlängerung zugeſtimmt und die Bewil=
ligung
des erforderlichen Kredits, der aus Erſparniſſen
an dem Kredit für den Stallneubau entnommen werden
ſoll, befürwortet. Referent Dr. Bender. Der Ver=
längerung
wird zugeſtimmt.
Die Haus= und Badeordnung des Hallen=
ſchwimmbades
.
Um den Betrieb des Hallenſchwimmbades gleich=
mäßiger
zu geſtalten, hat die Badeverwaltung beantragt,
den Volksbadetag für die Wannenbäder
von Samstag, an dem das Bad ohnehin ſehr ſtark in
Anſpruch genommen iſt, auf Dienstag, der bisher einen
ruhigeren Betrieb aufzuweiſen hatte, zu verlegen.
Hierdurch wird die Beſucherzahl nicht vermindert, wohl
aber die Einnahme des Bades eine günſtigere werden.

Ebenſo hat die Verwaltung beantragt, den Preis für das
Entleihen eines Badetuches von 10 Pfg. auf 15 Pfg. zu er=
höhen
, da der Preis von 10 Pfg. nicht mehr im Verhältnis
teht zu den Koſten, die für die Anſchaffung und die Rei=
nigung
der Badetücher aufgewendet werden müſſen. Die
Bäder=Deputation und der Finanzausſchuß haben den An=
Stadt=
trägen
zugeſtimmt. Referent Dr. Bender.
verordneter Friedrich möchte Bedenken dagegen ausdrücken,
den Volkstag für Wannenbäder von Samstag auf Diens=
tag
zu verlegen. Das würde nur den Arbeitern das
Baden erſchweren. Dagegen treten Stadtverordnete Dr.
Noellner und Sames für die Verlegung ein, während
Stadtv. Aßmuth den Ausführungen des Stadtv. Frie=
drich
beitritt. Stadtv. Dr. Vaubel hat Bedenken gegen
die Aenderung, da der Samstag doch der Volksbadetag
ſei. Der Antrag wird angenommen.
Erhöhung des Zuſchuſſes zu den Koſten der
Schülerwanderungen.
Die Ortsgruppe Darmſtadt des Odenwaldklubs hat
um Erhöhung des ſtädtiſchen Beitrags zu
den Koſten deg Schülerwanderungen nach=, um die Jugendwanderungen der Schulentlaſſenen
mehr wie bisher pflegen zu können. Der Finanzausſchuß
hat dem Antrag auf Erhöhung des Beitrags von 750
Mark auf 1200 Mark jährlich zugeſtimmt. Referent: Stadt=
verordneter
Dr. Bender. Die Erhöhung wird genehmigt.
Einrichtung der neuen Räume der Schul=
zahnklinik
.
Bei dem Umzug der Schulzahnklinik aus den alten
Räumen in der Luiſenſtraße nach dem neuen Heim in der
Waldſtraße, hat ſich die Notwendigkeit ergeben, daß ver=
ſchiedene
Mobilien und Apparate, wie Operationsſtühle,
neu beſchafft oder einer gründlichen Reparatur unter=
zogen
werden mußten. Es wird daher beantragt, den
vorhandenen Kredit um 700 Mark zu erweitern, was nach
dem Referat des Stadtv. Nodnagel geſchieht.
Der Sommerfahrplan der Dampfſtraßen=
bahnen
.
Die Heag hat den Entwurf zum Sommerfahrplan
der Dampfſtraßenbahnen mit der Bitte um Zuſtimmung
vorgelegt. Der Entwurf weiſt gegen den vorjährigen Fahr=
plan
keine nennenswerten Aenderungen auf. Von dem
Fahrplan wird nach dem Referat des Beigeordneten
Ekert Kenntnis genommen und ihm zugeſtimmt.

Parlamentariſches.

*X* Darmſtadt, 10. April. Der Finanzaus=
ſchuß
der Zweiten Kammer trat heute vormit=
tag
unter Vorſitz des Abg. Dr. Oſann zu mehrtägigen
Beratungen zuſammen, um die noch rückſtändigen Bera=
tungsgegenſtände
zu erledigen. Die Vorſtellung in betreft
des Liebig=Laboratoriums in Gießen ſoll zunächſt noch
eine Beſprechung mit der Regierung erfahren. Der An=
trag
Leun, betreffend die Einführung von Jagderlaubnis=
karten
, der in Verbindung mit einer diesbezüglichen Vor=
ſtellung
des heſſiſchen Jagdklubs beraten wurde, mußte im
Hinblick auf die in Heſſen beſtehende Geſetzgebung für er=
ledigt
erklärt werden, da in dieſer die Ausſtellung von
Jagderlaubnisſcheinen nicht geſtattet iſt. Der Antrag Köh
ler, Oſann und Genoſſen, betreffend die Nieder= Mo=
dauer
Spar= und Darlehnskaſſe, ſoll mor=
gen
zugleich mit den jüngſten Vorkommniſſen bei der
Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbank und der Grün
dung der neuen Zentralkaſſe vom Finanzausſchuß mit der
Regierung einer näheren Erörterung unterzogen werden.
Der Antrag Ulrich und Genoſſen, betreffend das Einkom=
men
= und Vermögensſteuergeſetz, wurde vom Ausſchuß für
erledigt erklärt. Die Regierungsvorlagen über die Nach=
weiſungen
für das Etatsjahr 1907 und 1908 gaben zu ein=
gehender
Erörterung Veranlaſſung; die Oberrechnungs=
kammer
hat darin mehrere Beanſtandungen gemacht, beſon=
ders
die, daß anläßlich der Landesausſtellung 1908 die
Koſten für verſchiedene bauliche Einrichtungen, z. B. für
den Lichthof der Bad=Nauheimer Bade=Anlagen, nicht nack
den früheren Beſtimmungen dem betreffenden Unterneh=
mer
zugeteilt, ſondern auf die Staatskaſſe übernommen
wurden. Der Ausſchuß hat den Beanſtandungen der Ober=
rechnungskammer
zugeſtimmt. Der Antrag Dr. Oſann
und Genoſſen, betreffend den Domänen=Acquiſitionsfonds,
wurde vorläufig zurückgeſtellt. Die Vorſtellung des Haus=
beſitzervereins
in Mainz, betreffend die ſteuerliche Ueber=
laſtung
, wurde unter Anerkennung der ſchwierigen Lage
der Grundbeſitzer für erledigt erklärt. Bezüglich der Vor=
ſtellung
Schneider=Gießen in betreff eines Stempelerlaſſes
ſchloß ſich der Ausſchuß der von der Regierung hierzu ge=
äußerten
Auffaſſung an und beſchloß, der Vorſtellung keine
Folge zu geben. Die Vorſtellung der Unterbeamten, be=
treffend
die Gehaltsverhältniſſe der Gerichts= und Kreis=
amtsdiener
, beſchloß der Ausſchuß, zu befürworten. Die
Vorſtellung unverheirateter Staatsbeamter, die Vorſtel=
lung
Bad=Nauheims und die Anträge des Abg. Grüne=
wald
, betreffend Wohnungsgeld für Gießen, Abg. Reh,
betreffend Alsfeld, Abg. Damm. betreffend Friedberg, und
Abg. Stöpler, betreffend Lauterbach, beſchloß der Aus=
ſchuß
, für die Beratung der Beſoldungsordnung zurückzu=
ſtellen
. Bezüglich der Vorſtellung der Radfahrer=Union,
betreffend Tarif 60 des Urkundenſtempels, und bezüglich
der Vorſtellung der Bürgermeiſter, betreffend Aufhebung
der Steuerfreiheit für Fahrräder, ſowie der Vorſtellung
des Heſſiſchen Radfahrerbundes betreffend Fahrradſteuer
beſchloß der Ausſchuß mit Rückſicht auf die finanzielle
Lage, weitere Steuerbefreiungen nicht eintreten zu laſſen,
und die Vorſtellungen abzulehnen. Weiter ſoll die Vorſtel=
lung
der Einwohner von Richen wegen der Hagelſchäden
vom 7. Juni 1912 keine Folge gegeben werden. Die Re=
gierungsvorlage
, die Forſtnutzungen betreffend, ſoll zu=
nächſt
einer Beſprechung mit der Regierung unterzogen
werden. Die Regierungsvorlage, betreffend den Verkauf
von Gelände bei Rüſſelsheim, wurde zugeſtimmt, desglei=
chen
dem Verkauf von Gelände bei Nierſtein. Der Antrag
des Abg. Molthan, betreffend Erſatz der Kommunalſteuer
für die Angeſtellten der preußiſch=heſſiſchen Eiſenbahnge=
meinſchaft
, wurde vom Ausſchuß angenommen.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
Truppenübungsplatz, 11. April. Die Herren
Leutnant Koch und Leutnant Reinhardt ſind geſtern
in Heidelberg, wohin ſich Herr Leutnant Reinhardt von
Deidesheim begeben hatte, verblieben. Die beiden Pi=
loten
beabſichtigten, ſich um den Ehrenpreis der
Stadt Heidelberg zu bewerben, der errungen wer=
den
kann in einem dreimaligen Flug um das Heidelberger
Schloß. Danach werden die Herren nach Straßburg
weiter fliegen. Geſtern vormittag traf der Goedecker=
Eindecker (Taube), der am Sonntag auf dem Infan=
terie
=Ex rzierplatz gelandet war, wiederum von Mainz hier
ein. Der Apparat blieb über Nacht hier ſtationiert und wird
heute einen Dauerflug zur Erfüllung der militäriſchen

Abnahmebedingungen über dem Darmſtädter
Flugplatz ausführen. Führer iſt der Zivilpilot Traut=
wein
Beobachter Leutnant a. D. Kuhlmann. Der
Eindecker hat geſtern früh auf dem Flug nach Darmſtadt
einen Stundenflug abſolviert und war mit Gleitflug aus
700 Meter Höhe gelandet. Herr Trautwein hat da=
durch
die Feldpilotenprüfung beſtanden und erhält aus
der Nationalſpende 1000 Mark.

* Gelſenkirchen, 9. April. Auf dem Flug=
platze
Gelſenkirchen=Eſſen=Rotthauſen iſt heute nachmit=
tag
der Flieger Lichte infolge Abſturzes tödlich ver=
unglückt
.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin 10. April. Vizepräſident Dr. Dove er=
öffnet
die Sitzung um 1.10 Uhr.
Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt General=
major
Wenninger folgende
Erklärung
ab: Ich bitte eine Erklärung abgeben zu dürfen, die ich
am liebſten ſchon geſtern vorgebracht hätte, woran ich aber
leider durch die Vertagung gehindert worden bin. Ich
wollte lediglich meine Meinung ausdrücken, daß ich das
Maß und die Schärfe der vom Abg. Häusler an Einrich=
tungen
unſeres Heerweſens geübten Kritik bedauere. Es
hat mir aber durchaus ferngelegen, ganz allgemein das
Recht des Abgeordneten zur Kritik irgendwie anzu=
taſten
. Ebenſo hat es mir völlig ferngelegen, mit mei=
nen
Bemerkungen hier im Hauſe dem Anſehen des Herrn
Abgeordneten Häusler und ſeiner Stellung außerhalb des
Hauſes irgendwie zu nahe zu treten. Ich bedauere, wenn
meinen Worten von geſtern eine andere Bedeutung beige=
legt
worden iſt. (Bravo.
Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Die Wahrung der Würde
und Ehre des Hauſes und des einzelnen Abgeordneten iſt
Sache des Herrn Präſidenten. Herr Generalmajor Wen=
ninger
hat die Bemerkung gemacht, er habe die private
Lebensſtellung des Abgeordneten Häusler aus Wohlan=
ſtändigkeit
bezeichnet. Wäre von einem Abgeordneten
einem anderen gegenüber eine ſolche Aeußerung gefallen,
ſo hätte der Präſident einſchreiten müſſen. (Bravo
Vizepräſident Dove: Irgendeine beleidigende Abſicht
habe ich aus dieſer Wohlanſtändigkeit nicht herausge=
ſehen
. Daß der Ausdruck Abgeordneter hier im Hauſe die
größte Wohlanſtändigkeit iſt, kann kein Zweifel ſein. ( Hei=
terkeit
.) Die weitere Erklärung iſt mir bei dem Lärm im
Hauſe leider verloren gegangen. Es wäre wohl ange=
bracht
, daß der Herr Bundesratsvertreter eine Erklärung
abgibt, daß meine Anſicht begründet iſt, und daß auch die
betreffende Bemerkung in ſeinen heutigen Worten einbe=
griffen
ſein ſoll. Ich möchte es doch empfehlen, damit
hiermit dieſer Gegenſtand verlaſſen werden kann. (Bravo!)
Generalmajor Wenninger: Ich folge dem Wunſche
des Herrn Präſidenten gern und bin bereit, zu erklären, daß
ich in meiner Entſchuldigung, die ich vorgebracht habe,
und die wohl allenthalben als loyal empfunden wird ( leb=
hafte
Zuſtimmung), auch dieſen Fall in die Erklärung mit
einbegriffen habe. Vizepräſident Dove: Damit iſt
dieſe Angelegenheit erledigt, wir gehen zur Tagesordnung
über.
Die erſte Beratung der Deckungsvorlage
wird fortgeſetzt.
Abg. Südekum (Soz.): Dem Reichskanzler gegen=
über
möchte ich bemerken, daß Oeſterreich doch zu drei
Viertel kein germaniſcher, ſondern ein ſlawiſcher Staat iſt.
Ich empfinde aber Genugtuung über den reuigen Sünder
und nehme ad acta, daß der Reichskanzler ſeine Anſicht
über das Slawentum geändert hat. Vielleicht ändert er
ſeine Anſicht über die Polenpolitik ebenfalls. (Der
Reichskanzler betritt den Saal.) Gewiß ſind die
wirtſchaftlichen Werte und die Lebenshaltung weiter
Kreiſe des Volkes geſtiegen. Es wäre aber auch traurig
wenn es anders wäre. (Sehr richtig bei den Sozialdemo=
kraten
.) Aber im allgemeinen ſind die Kräfte des Volkes
nicht geſtiegen, ſondern gefallen, nicht durch Luxus und
Wohlleben, wie der Reichskanzler meinte, ſondern infolge
der weit verbreiteten Unterernährung und körperlichen
Anſtrengung. Die Kinderarbeit hat nicht abgenommen,
die Frauenarbeit aber in erſchreckendem Maße zugenom=
men
. Die Löhne der Arbeiter ſind nicht im gleichen Maße
geſtiegen, wie ſich die Lebenshaltung verteuert hat (Sehr
richtig! bei den Sozialdemokraten.), während andererſeits
das Einkommen der Beſitzenden, der Unternehmer viel mehr
zugenommen hat. Dem Streben der Arbeiter, bei dieſer
ungleichen Verteilung einen Ausgleich durch Arbeitsver=
träge
zu erreichen, tritt aber die Regierung entgegen.
Zum erſten Male in der Finanzgeſchichte des Reiches iſt
der Verſuch gemacht worden, zu Rüſtungskoſten auch den
Beſitz heranzuziehen. Das iſt unſer Einfluß, und wenn
die Vorlage noch zu wünſchen übrig läßt, ſo iſt dies ein
Beweis, daß noch nicht genug Sozialdemokraten hier ſitzen.
Der vom Reichskanzler gemachte Verſuch, die ſtärkſte Par=
tei
des Reichstages zu iſolieren, iſt lächerlich und unklug
Die Sozialdemokratie iſt entſchloſſen, die Laſten der Heeres=
rüſtung
auf die Schultern der Beſitzenden zu legen. Bei
der Beurteilung der Vorlage darf man nicht überſehen,
daß wir in den letzten Jahren Hochkonjunktur gehabt ha=
ben
. und infolgedeſſen reichlichere Zölle und Steuern. Die
Hochkonjunktur ſcheint aber ihrem Ende entgegenzugehen.
Infolge der vom Kriegsminiſter beſtätigten Unfähigkeit
unſerer Diplomatie ſind wir aus der wirtſchaftlichen Un=
ruhe
ſeit langem nicht mehr herausgekommen. Auf die
Zölle die Deckungsvorlage zum Teil aufbauen zu wollen,
iſt gefährlich, da man den Ertrag der Zölle beim Abſchluß
von neuen Handelsverträgen nicht kennt. Wir müſſen jetzt
einen Finanzplan haben, der über das Jahr 1915 hinaus=
reicht
, der auch bei ſinkender Konjunktur die Deckung
ſichert. Dazu brauchen wir direkte Reichsſteuern und vor=
zugsweiſe
den Ausbau der Reichserbſchaftsſteuer. Ich er=
warte
, daß die verbündeten Regierungen eingedenk ihres
Verſprechens, uns bis zum 30. April dieſes Jahres den
Entwurf eines Beſitzſteuergeſetzes vorlegen. Für die Be=
ſitzſteuer
iſt eine Mehrheit im Reichstage vorhanden und
die Deckungsvorlage wird nicht Geſetz werden, wenn nicht
eine direkte Beſitzſteuer mit hineingearbeitet wird in Form
der Reichserbſchaftsſteuer oder wenigſtens einer Reichsver=
mögensſteuer
. Der Gedanke des einmaligen Wehrbei=
trags
, wie ihn die Vorlage enthält, iſt ſchon vor fünf oder
ſechs Jahren hier im Reichstage von meinem Parteifreunde
David vorgetragen worden. (Hört! hört! bei den Sozial=
demokraten
.) Aber ſelbſt, wenn die ganze Deckung durch
den Wehrbeitrag erfolgt, wird doch indirekt der Arbeiter
getroffen, namentlich aber wird der Mittelſtand von der
brutalen Rückſichtsloſigkeit der Reaierung geſchädigt. ( Prä=
ident
Dr. Kaempf rügt den Ausdruck.) Die Vorlage
vermeidet die Progreſſion zugunſten der großen und Rie=
ſenvermögen
. Ebenſo iſt die Wertermittelung land= und
forſtwirtſchaftlicher Grundſtücke für den Wehrbeitrag eine
hanebüchene Ungerechtigkeit, da dieſer Modus nur wieder
die Agrarier begünſtigt. (Zuſtimmung bei den Sozial=
demokraten
.) Die Veranlagung des Vermögens und des
Einkommens muß von Reichswegen geregelt werden, ſie

[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. 1913.

Seite 7.

darf nicht den Einzelſtaaten überlaſſen bleiber. Im Valk
herrſcht jetzt auch in den bürgerlichen Kreiſen Stimmung
dafür, daß auch die Fürſten zu den Laſten herangezogen
werden. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wenn ſie
aber auswandern?) Das wäre ein Gedanke! (Heiterkeit
bei den Sozialdemokraten.) Angeſichts des Großwuchers,
der den Kapitaliſten jährlich eine Milliarde einbringt, iſt
eine einmalige Milliardenabgabe durchaus nichts Ueber=
triebenes
. Dieſe Vorlagen beweiſen den Fortſchritt des
demokratiſchen Gedankens, aufgebaut auf dem Prinzip der
allgemeinen Wehrpflicht. Keinem Reichsſchatzſekretär, we=
der
dem draufgängeriſchen Wermuth noch dem konziliant=
geheimrätlichen
Kühn iſt es gelungen, eine durchgreifende
Finanzreform auf Grund der Belaſtung des Vermögens
durchzubringen. Da muß der Reichstag eingreifen. Auch
aus dieſer Vorlage kann erſprießliches Leben entſtehen.
(Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Präſident Dr. Kaempf ruft den Abg. Dr. Südekum
nachträglich wegen einer Aeußerung, wonach die preußi=
ſchen
Geſetze die Rechte der Minderbemittelten hinterliſtig
beeinträchtigen, zur Ordnung.
Abg. Speck (Ztr.): Notwendige Vorausſetzung zur
Bewilligung der Mittel iſt die genaue Prüfung der Hee=
resvorlage
. Die Notwendigkeit der Rüſtung iſt in allen
Punkten genau nachzuweiſen. Bisher iſt das weder vom
Reichskanzler noch vom Kriegsminiſter geſchehen. Wir
ſind nicht geneigt, die Heeresvorlage zu bewilligen und
die Löſung der Deckungsfrage anderen zu überlaſſen. Die
einmalige Abgabe iſt zweifellos als eine neue Steuer zu
betrachten, die zunächſt als weltbefreiende Tat gefeiert
ſpäter aber mit ſchweren Bedenken aufgenommen wurde.
Sonſt greift man nur in Zeiten äußerſter Not zu einer
einmaligen Abgabe. Die ſozialdemokratiſche Preſſe ver=
langt
, daß dieſe Abgabe recht hoch und dauernd werden
möge. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In Ihr
Programm paßt dieſer Gedanke, wir aber können uns nur
mit ſchwerem Bedenken entſchließen, dieſem Vorſchlag
näherzutceten. Neben grundſätzlichen Bedenken führen
uns dabei auch Bedenken ſteuertechniſcher Natur. Es ent
ſtehen ſteuerliche Ungerechtigkeiten und Ungeheuerlichkei=
ten
. Einkommen von 45000 Mark ſollen ſteuerfrei bleiben,
Vermögen von 10000 Mark aber getroffen werden. Die
Kommiſſion wird hier die beſſernde Hand anzulegen haben.
Auch wie bedauern, daß es ſo viele arme Leute gibt, aber
die Wirtſchaftspolitik, der Schutzzoll iſt nicht dafür ver=
antwortlich
zu machen, denn nirgends iſt der Gegenſatz
zwiſchen arm und reich ſo groß, wie in dem von den So=
zialdemokraten
ſo geprieſenen freihändleriſchen England.
(Sehr richtig!) Das ganze deutſche Volk, hoch und niedrig,
arm und reich, Unternehmer und Arbeiter haben ein
gleichmäßiges Intereſſe an der Aufrechterhaltung des Frie=
dens
, der durch die neue Vorlage ſichergeſtellt werden ſoll.
Bei der Aufbringung der Koſten aber muß man doch auf
die Leiſtungsfähigkeit der Einzelnen Bedacht nehmen.
Es entſpricht unſerer Auffaſſung, daß die Fürſten an dem
Wehrbeitrag teilnehmen. Eine Wiederholung der Be=
laſtung
unſeres Wirtſchaftslebens, wie ſie durch die ein=
malige
Abgabe erfolgen ſoll, würde große Schäden mit
ſich bringen Wir wünſchen, daß in dieſer Geſetzgebung
die Grundſätze der Gerechtigkeit obwalten. Der Umweg
über die Einzelſtaaten bei Ausübung des Erbrechtes des
Reiches gibt zu ſchweren Bedenken Anlaß. In vielen
Staaten wird die Durchführung große geſetzgeberiſche
Schwierigkeiten mit ſich bringen. Die Vermögensſteuer,
die als Beſitzſteuergeſetz in Erſcheinung tritt, begegnet
unſeren ſchwerſten Bedenken. Auch mit der Veredelung der
Matrikularbeiträge haben wir ſchlechte Erfahrungen ge=
macht
. Daß die Hanſeſtädte beſonders ſchwer getroffen
werden, kann ich nicht zugeben. Unſere Rüſtungen zu
Waſſer kommen in erſter Linie den Hanſeſtädten zugute.
und auch von der Aufrechterhaltung des Friedens hat der
Handel die größten Vorteile. Die Aufrechterhaltung der
Zuckerſteuer erachten wir für angebracht. Den Nutzen von
einer Aufhebung hätten doch nicht die Konſumenten.
Gegen die Aufrechterhaltung des Umſatzſtempels aber
haben wir die ſchwerſten Bedenken. Daß die wirtſchaft=
liche
Hochkonjunktur im Schwinden begriffen iſt, können
wir nicht zugeben. Der Diskont iſt im Jahre 1907 ohne
kriegeriſche Gefahr noch höher geweſen als heute. Auch
gegen die Ausdehnung des Erbrechtes des Staates haben
wir ſchwere Bedenken. Die ganze Schwere der Vorlage
wird die kleinen Leute treffen, die bezüglich der teſtamen=
tariſchen
Vorſchriften unvorſichtig ſind oder die geſetzlichen
Beſtimmungen nicht kennen. Wenn wir die Vorlage auch
als eine nationale Notwendigkeit anerkennen, ſo muß doch
genau geprüft werden, ob auch wirklich leiſtungsfähige
Leute damit getroffen werden. Deshalb müſſen wir eine
genaue Prüfung der Vorlagen vornehmen, wenn wir
uns auch bewußt ſein müſſen, daß es ſich bei der Frage der
Heeresverſtärkung um eine Lebensfrage der Nation han=
delt
, denn auf einem ſchlagfertigen Heer beruht die Zu=
kunft
unſeres Vaterlandes. Wenn wir uns davon über=
zeugen
, daß die Verteilung der Mittel gleichmäßig erfolgt,
ſo glaube ich, haben wir die Pflicht, die notwendigen Mit=
tel
zu bewilligen, die zur Sicherheit und zum Schutz er=
forderlich
ſind.
Abg. Dr. Paaſche (natlb.): Ich bedauere, wenn
hier geſagt wurde, es ſei dem deutſchen Volke heute nicht
mehr die Opferfreudigkeit für die Armee zuzutrauen wie

vor hundert Jahren. Es entſpricht nicht dem ethiſchen
Gedanken der Vorlage, ein unnötig düſteres Bild von der
Leiſtungsfähigkeit des deutſchen Volkes zu malen. Frank=
reich
glaubt ohnedies ſchon, daß wir nicht mehr für die
Armee leiſten können. Es iſt bezeichnend dafür, daß noch
vor kurzem die einmalige Vermögensabgabe als perfide
unmögliche Zumutung bezeichnet worden iſt. Und jetzt
haben wir ſie als Regierungsvorlage. Wir dürfen aber
auch das Zuſtandekommen der Vorlage nicht unnötig er=
ſchweren
, ſchon im Hinblick auf den Eindruck im Ausland.
Wir ſtimmen der Abgabe zu, doch müſſen noch Erleichter=
ungen
bezüglich der Einkommensgrenze geſchaffen wer=
den
. An dem Grundgedanken der Vorlage halten wir feſt,
nur behalten wir uns vor, noch einige Aenderungen zu
treffen. Selbſt wenn man noch mancherlei Modifizierun=
gen
trefffen will, wird, falls auch wirklich alles Vermögen
zur Abgabe herangezogen wird, die Heeresvorlage ſicher
einen Ueberſchuß über den angenommenen Bedarf er=
zielen
. Die Weiterbeibehaltung der Zuckerſteuer iſt un=
ſeres
Erachtens praktiſcher als die Einführung einer
neuen Steuer. Das Geſetz über die Stempelſteuer würde
am beſten verſchwinden, da dieſe Steuer zu leicht auch
weniger Leiſtungsfähige trifft. Wir ſind der Meinung,
daß die Koſten für die Rüſtungsverſtärkung auf den Beſitz
abgewälzt werden müſſen, und das iſt auch der Grundgedanke
des Antrages Baſſermann=Erzberger. Den Einzelſtaaten
die Beſitzſteuer in Form einer Veredelung der Matriku=
larbeiträge
aufzuerlegen, iſt jedenfalls kein beſſerer Weg
als der direkte Weg. Ich für meine Perſon und die Mehr=
zahl
meiner Freunde ſind dafür, daß der Gedanke einer
Reichsvermögensſteuer feſtgehalten wird. Von der
Finanzhoheit der Bundesſtaaten bliebe doch nicht viel
übrig, wenn ihnen diktiert würde, welche Steuern ſie ein=
zuführen
haben. Wir kaprizieren uns keineswegs auf
eine beſtimmte Vermögensſteuer, wir wollen nur darauf
beſtehen, daß eine Belaſtung des Beſitzes erfolgt. Wir
hoffen auf eine entſprechende Ausgeſtaltung der Vorlage.
Abg. Graf Weſtarp (konſ.): Eine Wiederholung
der Vermögensabgabe muß unter allen Umſtänden unter=
bleiben
. Eine große Beruhigung für uns iſt es, daß
durch die Vorlage an der Schuldentilgung und Verzinſung
nichts geändert wird. Eine zu ſtarke Heranziehung der
beſitzenden Klaſſen ſollte ſehr bedacht werden, ſonſt könn=
ten
dieſe ſogenannten ſtarken Schultern auch einmal zu=
ſammenbrechen
. Das Finanzverhältnis des Reiches kann
nicht für ſich allein betrachtet werden, ohne die Bundes=
ſtaaten
mit zum Vergleich heranzuziehen. Namens mei=
ner
Freunde erkläre ich, daß wir für die einmalige Ver=
mögensabgabe
ſind. Die konſervative Partei hat ſich an
Opferfreudigkeit noch von keiner anderen Partei über=
treffen
laſſen. (Lachen bei den Soz. Beifall bei den Kon=
ervativen
.) Die Sozialdemokraten erheben ſehr große
Beiträge für ihre Parteizwecke, aber wenn es ſich um
Opfer für das Vaterland handelt, dann verſagen ſie. Die
Abgabe wird jedenfalls von allen verhältnismäßig leicht
getragen werden können. Aber Bedenken habe ich dagegen,
daß auch die Vermögen bis zu 10000 Mark herunter
herangezogen werden ſollen; dieſe Grenze wird zu niedrig
ſein. Hinſichtlich der einzelſtaatlichen Beſitzſteuer ſollte man
den Einzelſtaaten möglichſt freie Hand laſſen. (Aha! bei
den Soz.) Der Vorſchlag in der Regierungsvorlage geht
uns zu weit. Eine Reichserbſchaftsſteuer müſſen wir un=
bedingt
ablehnen. Es iſt auch ein Eingriff in die einzel=
ſtaatlichen
Rechte, wenn man den Bundesſtaaten die Ein=
führung
einer beſtimmten Steuer auferlegt. Ein Zwang
auf die Einzelſtaaten iſt überflüſſig und unrichtia. Wir
werden jedoch die Zuwachsſteuer eingehender Prüfung
unterwerfen. Einer Erweiterung des Erbrechts des Rei=
ches
werden wir nicht zuſtimmen, da damit auch eine
Aenderung des Bürgerlichen Geſetzbuches erforderlich
würde. Gegen die vorläufige Beibehaltung der Zucker=
ſteuer
und Umſatzſteuer haben wir nichts einzuwenden,
doch ſollte hierbei auch an eine Reviſion der Talonſteuer
und an die Einführung der Börſenſteuer gedacht werden.
Der Ausprägung einer größeren Geldreſerve ſtimmen wir
zu, um der Wehrvorlage den gewünſchten finanziellen
Hintergrund zu geben. Ich hoffe, daß wir eine Einigung
finden werden, ſchon um dem Auslande die Opferwillig=
keit
des deutſchen Volkes zu zeigen. Alles Fragliche ſoll
den Kommiſſionsverhandlungen vorbehalten bleiben, doch
muß von allen Seiten Entgegenkommen gezeigt werden.
Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag
1 Uhr vertagt. Schluß 7 Uhr 15 Minuten.

Sporf, Spiel und Turnen.

sr. Pferde=Rennen. Eröffnungsrennen in
Mariendorf. Eröffnungspreis; Ehrenpreis und 1800
Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Herrn O. Rauchs Afra I9
(Ch. Mills), 2. Fauvette (O. Witt), 3. Traule (W. Lem=
zer
). Tot. 24110, Pl. 14, 18, 17110. Unpl.: Sports=
mann
(4), Dr. Carl. Morgane, Fritzi, Medium, Quarz,
Brownie, Apfel, Dragoman, Arthus=Tochter, Alle,
Edith, Ingrain. Leicht 3½ Lg. Erſtes Mariendorfer
Herrenfahren; Ehrenpreis und 1200 Mark, Diſtanz 2300
Meter: 1. Herrn A. Reſes Lay Alentell (Herr Herfeldt),
2. Sonntagsjunge (Rittm. Panſe), 3. Jung Spirus (Beſ.).
Tot. 39.10, Pl. 24, 26:10. Unpl.: Veroni, Malve I (gef.).

Ueberlegen 51 Lg. BegrüßungsPreis der Jüngeren;
Ehrenpreis und 2200 Mark, Diſtanz 1800 Meter: 1. Fr.
A. Heinichens Abendwind (Schmidt), 2. Pelargonium
(Wiltſhire), 3. Annona (Ch. Mills). Tot. 92:10, Pl. 19,
16, 14:10. Unpl.: Mea (4), Schorſchl R, Linda Scott, An=
geli
, Rätſel III (disqual.), Thymotee, Ascanier (disqual.),
Martha H. Sicher ½1½ Lg. Preis von Mariendorf:
Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 2400 Meter: 1. Herrn
C. Tiedemanns Jarriverai (Ch. Aeills), 2. Ricinus
(Wiltſhire), 3. Pfeffer (Schlayer). Tot. 24:10, Pl. 13, 13,
32:10. Unpl.: Tmin (4), Paprika, Angra Pequena, Minze,
Fuchsmajor, J. S. Sehr leicht 33 Lg. Erſtes Ma=
riendorfer
Beſitzerfahren; Ehrenpreis und 1200 Mark,
Diſtanz 2000 Meter: 1. Herren Gebr. Krauſes Odaliske
(Herr Krauſe), 2. Mermet (Herr Jacobi), 3. Milchmann
Beſ.). Tot. 38:10, Pl. 18, 97, 42:10. Unpl.: Balleteuſe (4)
Glücksſporn, Fritzi, Medium, Egon II, Ingolf, Dr. Wal=
haller
. Ueberlegen 51 Lg. Internationaler Früh=
lings
=Preis; Ehrenpreis und 3000 Mark, Diſtanz 2400
Meter: 1. Herrn C. Rasmuſſens Dr. Lew (Ch. Mills),
2. Teddy Worthy (W. Lemzer), 3. Meum (Lautenberger)
Tot. 15.10, Pl. 11, 12:10. Unpl.: Admiral C (4), Impal=
pable
. Ueberlegen 35 Lg. Preis von Teltow; Ehren=
preis
und 2200 Mark, Diſtanz 2500 Meter: 1. Herrn P.
Bolzanis Ranke (Wiltſhire), 2. Pirol (Helmus), 3. A. S.
(W. Lemzer). Tot. 20:10, Pl. 12, 14, 20110. Unpl.: Ernſt
Albert H, Daland, Unfug, Idol, Oſterfriedrich, Lanſon
Girl. Sicher ½ Lg.-Hals.
sr. Das internationale Motorboot=Meeting von Mo=
naco
brachte am dritten Tage als Hauptereignis den
Kampf der Rennklaſſe um den Preis von Monte Carlo.
Zu dieſem 50 Kilometer=Rennen fanden ſich neun Boote
ein, darunter auch der deutſche Kreuzer der 4. Klaſſe
Annette III, welcher jedoch gegen die Rennboote keine
Chancen hatte. Erſt übernahm im Felde Flambeau die
Führung vor Sigma IV und dem italieniſchen Racer
Skiſe. Weiter zurück lagen Socram I, Na=Roch und die
übrigen. Nach der vierten Runde übernahm Sigma die
Führung vor Flambeau; Skiſe, die bis dahin das Tempp
gehalten hatte, blieb infolge eines Defektes liegen. Zei= holte Socram erheblich auf. Bei dieſer Jagd ſtellte
das Boot auch einen Rundenrekord auf. Das Boot wurde
aber in der vorletzten Runde trotzdem von Iken Veux er=
reicht
, obwohl dieſes Boot beim Start über 2 Minuten
eingebüßt hatte. Ilen Veux konnte ſich aber noch an drit=
ter
Stelle plazieren. Sigma IV gewann das Rennen
ſicher in 55 Minuten 42 Sekunden vor Flambeau 55:56
Ien Veux 56:30 und Socram I 58:08. Die übrigen gaben
auf. Vormittags ſtarteten wieder die Boote der engliſchen
21 Fuß=Klaſſe in einem 50 Kilometer=Handikap um den
Preis der Damen. Diesmal ſiegte Cockle Shell in 1111:02
vor Dyack 1112:50 und Fugi Yama 1119115. Von 10 Kon=
kurrenten
beendeten 5 das Rennen. Das Wetter ließ viel
zu wünſchen übrig. Zeitweiſe niedergehende Regenſchauer
ließen es für die Teilnehmer am Waſſerflugzeug=Meeting
geboten erſcheinen, erſt nachmittags herauszukommen. Nur
Gaubert ſtartete vormittags mit ſeinem Maurice Farman=
Doppeldecker. Nachmittags wurden dann zahlreiche Flüg=
ausgeführt
, mit denen die Konkurrenten die Bedingungen
der Vorprüfungen zum Teil erfüllten. Bisher erreichten
bei dieſen Vorwettbewerben Eſpanet auf Nieuport, Gau=
bert
auf Maurice Farman und Prevoſt auf Deperduſſin
je 5 Punkte, Brégi auf Breguet, Gaudart auf D’Artois
und Weymann auf Nieuport je 4 Punkte, Barra, Chemet
und Labouret auf Aſtra, d’Aucourt auf Borel und Gil=
bert
auf Morane=Saulnier je 3 Punkte.

Fürſtenbeſuch in Homburg.

* Bad Homburg v. d. H.. 10. April. Zu der An=
kunft
der Cumberländiſchen Herrſchaften
hatte die Stadt Homburg reichen Fahnenſchmuck angelegt.
Mehrfach bemerkte man Fahnen in den Cumberländiſchen
Farben blau=gelb. Die Straßen waren von einem zahl=
reichen
Publikum beſetzt, das auch aus Frankfurt und den
umliegenden Ortſchaften ſtarken Zuzug erhalten hatte.
Das Wetter iſt kühl und regneriſch. Gegen 11¾ Uhr fan=
den
ſich auf dem Bahnſteig ein: der Kaiſer in der Uni=
form
der Poſener Jäger zu Pferde, die Kaiſerin, Prinz
Adalbert, Prinzeſſin Viktoria Luiſe und das Ge=
folge
. Um 11 Uhr 50 Minuten lief der Sonderzug ein,
welchem der Herzog von Cumberland, die Her=
zogin
, Prinzeſſin Olga, Prinz Ernſt Auguſt und
Prinz und Prinzeſſin Max von Baden entſtiegen.
Der Herzog trug die Uniform ſeines öſterreichiſchen Regi=
mentes
, der Bräutigam die Uniform der Rathenower Hu=
ſaren
. Der Kaiſer war der Herzogin beim Ausſteigen
behilflich und wechſelte Küſſe mit ihr; er begrüßte ſodann
den Herzog. Kaiſer und Herzog ſchüttelten
ſich lange die Hand. Der Herzog begrüßte darauf
die Kaiſerin mit einem Kuß, ebenſo die Prinzeſſin Viktoria
Luiſe. Der Kaiſer überreichte der Herzogin und der Prin=
zeſſin
Olga Blumenſträuße. Es erfolgte ſodann die Vor=
ſtellung
der Gefolge. Kaiſer und Herzog, ſowie Kaiſerin
und Herzogin plauderten längere Zeit miteinander. Als=
dann
wurde die Fahrt nach dem Königlichen Shloſſe in
Automobilen angetreten. In dem erſten Automobil nah=

Großherzogliches Hoftheater.
Donnerstag, 10. April.
Frühlingsfeſtſpiele.

II. Abend.
Rheingold.
W-l. Als zweite Vorſtellung der Frühlingsfeſtſpiele
und zugleich als Einleitung zum Nibelungen=Ring ge=
langte
heute abend Richard Wagners Rheingold zur
Aufführung. Das Haus ſchien ausverkauft zu ſein. Der
Großherzog und die Großherzogin wohnten mit den Er=
bachſchen
Herrſchaften der Vorſtellung in der großen Hof=
loge
bei. Mit dem Kapellmeiſter wirkten bei der heutigen
Aufführung fünf auswärtige Gäſte mit. Der Aufführung
waren mehrtägige, ſehr eingehende Bühnenproben für die
Neuinſzenierung voraufgegangen, bei der es die ſchwie=
rigſten
techniſchen Fragen zu löſen galt.
Die erſte, den Grund des Rheines mit den ſchwimmen=
den
Rheintöchtern darſtellende Szene war nach den Vor=
ſchriften
Richard Wagners entworfen. Von eigenartig=
ſchöner
Wirkung war das ſchillernde fließende Waſſer
während der natürliche Eindruck der Szene durch die
Beleuchtung noch gehoben wurde. Die Rheintöchter, deren
geſchickte Einkleidung die früher ſtets erkennbare techniſche
Schwimmvorrichtung verbarg, kreiſten ganz nach Vorſchrift
in anmutig ſchwimmenden Bewegungen‟ Die zweite
Szene, eine felſige Landſchaft, zeigte links im Hinter=
grund
die mächtig aufragende Götterburg. Wundervoll
und verblüffend natürlich wirkten die vorüberziehenden
Wolken mit den raffinierten Beleuchtungseffekten. So war
mit viel Geſchmack, Kunſt und Mühe ein ideales Szenen=

bild geſchaffen worden. Schade deshalb, daß der Rund=
horizont
Falten werfen mußte! Auch das Nibelheim er=
ſchien
in ganz neuer, dem Charakter der Szene entſprechen=
den
Inſzenierung. Einzelheiten ließen ſich aber ſchwer
erkennen, da die Szene faſt ganz verfinſtert war. Die
Schlußſzene, der Einzug der Götter in Walhall, hatte
jetzt endlich einen ihrer Bedeutung würdigen Rahmen er=
halten
. Nach jedem Bilde ſchloß ſich im Gegenſatz zu
früher, der Vorhang, was, wenn man die Ideen Richard
Wagners nicht verwirklichen kann, auch vorzuziehen iſt.
Höchſte techniſche Aufgaben waren in dieſer Neuinſzenie=
rung
alänzend gelöſt worden.
Die Aufführung wurde von Herrn Hofkapellmeiſter
Leo Blech aus Berlin geleitet, deſſen Beſtreben nach
höchſter muſikaliſcher Charakteriſtik bei dem Orcheſter und
den Sängern verſtändnis= und liebevolle Unterſtützung
fand, ſo daß wir unter ſeiner Leitung eine zweite Muſter=
vorſtellung
erleben konnten. Den Wotan ſang Herr Kam=
merſänger
Feinhals aus München, der für dieſen alle
Vorzüge in ſich vereint, eine reckenhafte Erſcheinung, ein
mächtiges Organ und eine gereifte, in Geſang und Spiel
in gleicher und harmoniſcher Weiſe ſich betätigende Kunſt.
Mit ſtimmlicher Leichtigkeit und Friſche und ſouveräner
künſtleriſcher Beherrſchung ſang Herr Kammerſänger
Henſel aus Hamburg den Loge. Herr Fenten aus
Mannheim hatte für die Partie des Faſolt viel ſtimm=
lichen
Fond und Verve des Vortrags einzuſetzen; in der
kleineren Partie der Fricka bewährte ſich Frau Kammer=
ängerin
Rüſche=Endorf wieder als vornehme Künſt=
lerin
.
Dieſem Muſterenſemble reihten ſich die einheimiſchen
Künſtler würdig ein, vor allem Herr Schützendorf als
Alberich, der in ganz neuer Auffaſſung erſchien und hier
kaum je mit ſo ausgeprägter Charakteriſtik geſungen und

dargeſtellt worden iſt. Ob die Auffaſſung ſeine eigene iſt,
können wir nicht beurteilen, jedenfalls aber war ſchon die
Ausführung der Partie eine ſo glänzende Leiſtung, daß
man Herrn Schützendorf, der den Alberich überdies zum
erſten Male geſungen haben dürfte, eine bedeutende Zu=
kunft
prophezeien möchte. Das Götterenſemble wurde
durch den jugendlichen und ſtimmfriſchen Froh des Herrn
Globerger, den markigen Donner des Herrn Per=
kins
, die anmutige Fricka des Frl. Geyersbach
und die geſtrenge Erda des Frl. Jacob’s in ver=
jüngter
Auflage und in beſter Weiſe ergänzt. Den zweiten
Rieſen ſang Herr Stephani den Mime Herr Bern=
hardt
. Die Beſetzung der Rheintöchter iſt immer ein
ſchwieriges Ding, da ſich nicht alle Sopranſtimmen dem
Pathos der Richard Wagnerſchen Muſik anpaſſen. Die
Damen Kallenſele'. Jüttner und Jacobs ſangen
faſt ſo gut, wie ſie ſchwammen.
Spielleiter war Herr Lert, deſſen Mitarbeit durch
den Erfolg gekrönt wurde. Die neuen Dekorationen und
Koſtüme waren nach Entwürfen von Leo Impekoven=
Berlin gefertigt. An der Geſtaltung der herrlichen Bühnen=
bilder
, die unſerer Bühne hoffentlich erhalten bleiben,
hatten ſich die Herrn Hoftheatermaler Kempin und
Oberinſpektor Schwerdtfeger verdient gemacht und
damit ihren früheren Verdienſten um die Neuinſzenierun=
gen
ein neues hinzugefügt.
Die Aufführung, die der Vorſchrift Wagners ent=
prechend
, ohne Pauſe ſtattfand und hoffentlich auch künf=
tighin
ſtattfinden wird, fand begeiſterte Aufnahme. Am
Schluſſe wurden die Künſtler und Herr Hofkapellmeiſter
Blech immer wieder hervorgerufen und dankten für die
ihnen Zuhkikum bereiteien

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Nummer 84

men die Kaiſerin, die Herzogin und das Brautpaar Platz;
im zweiten der Kaiſer und der Herzog, welcher rechts ſaß,
ſowie Prinz Adalbert. Publikum und Schulkinder begrüß=
ten
die Majeſtäten und ihre Gäſte mit lebhaften Hochrufen.
Die Cumberländiſchen Herrſchaften haben im Königlichen
Schloſſe Wohnung genommen, woſelbſt heute mittag Fa=
milientafel
und für die Gefolge Marſchalltafel ſtattfindet
Bei der Einfahrt in den inneren Schloßhof wurden die
Herrſchaften empfangen von dem Oberhof= und Hausmar=
ſchall
Grafen Eulenburg, dem Hofmarſchall Grafen Pla=
ten
und dem Chef der Kabinette. Die Majeſtäten begleite=
ten
darauf den Herzog und die Herzogin von Cumberland
in die für ſie beſtimmten Gemächer, die ſogenannten eng=
liſchen
Zimmer.
* Hannover, 10. April. Die welfiſche Deutſche
Volkszeitung ſchreibt zum Empfang des Her=
zogpaars
von Cumberland am kaiſerlichen Hofe
in Sperrdruck an der Spitze des Blattes:
Ein Akt von weltgeſchichtlicher Bedeutung vollzieht
ſich morgen in der idylliſch an den Hängen des Taunus ge=
legenen
ehemaligen Reſidenz der Landgrafen von Heſſen=
Homburg. Der Chef des alten deutſchen Welfenhauſes
trifft mit ſeiner Familie zum Beſuch des deutſchen Kaiſers
und der deutſchen Kaiſerin in dem prächtigen Fürſtenſitze
ein und dokumentiert dadurch vor aller Welt, daß die per=
ſönliche
Entfremdung, die infolge der politiſchen Ereigniſſe
des Jahres 1866 ſolange zwiſchen den beiden einſt ſo eng
verbundenen Häuſern der Hohenzollern und der Welfen
beſtanden hat, nunmehr der Vergangenheit angehört, und
daß die durch die Verlobung des Prinzen Ernſt Auguſt und
der Prinzeſſin Viktoria Luiſe in die Wege geleitete An=
näherung
der beiden fürſtlichen Dynaſtien abermals einen
Schritt vorwärts gemacht hat. Zunächſt liegt die Wieder=
annäherung
allerdings auf perſönlichem Gebiet. Wir ver=
ſagen
es uns auch, irgendwelche Betrachtungen über die
etwa möglichen politiſchen Folgen derſelben anzuſtellen.
Immerhin aber, wenn uns jemand noch vor einem Jahr
geſagt hätte, daß in den erſten blühenden Lenzestagen des
kommenden Jahres das Herzogspaar am kaiſerlichen Hofe
einen offiziellen Beſuch abſtatten würde, daß Welfenprinz
und Kaiſertochter ſich rüſteten, vor Gottes Angeſicht den
Bund fürs Leben zu ſchließen, manch einer hätte ſolch einen
Propheten mit herbem Spott zurückgewieſen, und wir
leugnen es nicht; wohl überall würde ein ungläubiges
Kopfſchütteln die Antwort geweſen ſein. Und doch iſt es
Ereignis geworden. Das hannoverſche Volk begleitet die=
ſen
Beſuch mit ſeinen herzlichſten Glückwünſchen und bittet
den Allmächtigen, daß er die beiden hohen Fürſtenhäuſer
durch die neugeknüpften Familienbande und die perſön=
liche
Bekanntſchaft einander näherbringen und reichen Se=
gen
daraus erſprießen laſſen möge.
H. B. Hannover 10. April. In hieſigen welfi=
ſchen
Kreiſen berührt es außerordentlich angenehm,
daß der Kaiſer das Herzogspaar nach Homburg und nicht
nach Berlin eingeladen hat, wohin der Herzog von Cum=
berland
nur ſehr ungern gegangen wäre. Viele Welfen
ſind von hier nach Homburg abgereiſt, um an den Emp=
fangs
=Feierlichkeiten teilzunehmen. Ob das Herzogspaar
zur Hochzeit des Prinzen Ernſt Auguſt am 24. Mai nach
Berlin fahren wird, iſt noch nicht beſtimmt, doch gilt dies
nicht als ausgeſchloſſen.

Die Erkrankung des Papſtes.

* Rom 9. April. Die Tribuna faßt die Nachrich=
ten
über den Zuſtand des Papſtes folgender=
maßen
zuſammen: Die Krankheit des Papſtes, welche als
Nierenaffektion, verbunden mit Influenza und Herz=
ſchwäche
, beſtimmt werden kann,iſt noch nicht auf dem Wege
der Beſſerung. Daher beſtehen alle Gründe für Beſorg=
niſſe
fort, welche der Rückfall im Befinden des Papſtes
beſonders im Hinblick auf ſein hohes Alter in der ganzen
katholiſchen Welt hervorrief. Heute zeigte ſich eine Beſſe
rung gegenüber den ſehr bedenklichen Anzeichen am Mon=
tag
abend und in der Nacht zum Dienstag. Das iſt alles,
was man ſagen kann.
* Rom, 9. April. Die Aerzte Marchia Fava und
Amici ſind gegenwärtia bemüht, die Schwäche und das
Allgemeinbefinden des Papſtes zu beheben. Der Papſt
zeigte ſich ſeinerſeits morgens weniger abgeneigt, Fleiſch=
brühe
und Milch aufzunehmen. Außer einer kleinen Doſis
Aſpirin erhält der Papſt keine Medizin. Da der Zuſtand
des Herzens ziemlich gut iſt, iſt keine Einſpritzung
nötig geweſen. Die Temperatur betrug morgens 33,8 Grad.
Die Schweſtern und eine Nichte des Papſtes verweilten
von 7,45 bis 10,15 Uhr bei ihm.
* Rom 10. April. Der Papſt verbrachte die Nacht
ruhig. Er ruhte ein wenig. Dr. Amici brachte die Nacht
nicht, wie in den vorhergehenden Nächten, in dem an=
ſtoßenden
Zimmer, ſondern in ſeinem eigenen zu, das ſich
in einem anderen Stockwerk befindet. Heute früh 7,45 Uhr
beſuchten die Aerzte Marchia Fava und Dr. Amici den
Pavſt. Der Beſuch dauerte bis 8,30 Uhr. Die Aerzte kon=
ſtatierten
, daß die geſtern eingetretene Beſſerung andauere.
Der Papſt iſt fieberfrei, Temperatur 36,6. Seine Schweſter
und ſeine Nichte ſtatteten ihm heute kurz nach 8 Uhr einen
Beſuch ab.
* Rom, 10. April. Das Giornale d’Italia ſchreibt
Wir können auf das beſtimmteſte erklären, daß der Zu=
ſtand
des Papſtes nicht beſorgniserre=
gend
iſt. Die Krankheit iſt ein ſehr leichter Influenza=
rückfall
in Form eines Bronchialkatarrhs mit leichten
Huſten und geringem Schleimauswurf. Das Fieber hat
niemals 38 Grad überſchritten. Herz und Nieren arbeiten
vorzüglich. Es wurde keine Spur von Eiweiß gefunden,
wie beim erſten Influenzaanfall. Wenn nichts Unerwar=
tetes
eintritt, wird der Papſt in zwei Tagen vollſtändig
wiederhergeſtellt ſein.

Vermiſchtes.

B.B. Wo bleiben die deutſchen Goldſtücke?
Alljährlich werden für viele Millionen Mark in den Münzen
neue Zehn= und Zwanzigmarkſtücke geprägt. Die Zahl der
Goldſtücke, die wegen zu ſtarker Abnutzung oder auch
wegen Goldentziehung durch Falſchmünzer ꝛc. aus dem
Verkehr gezogen werden, iſt nicht allzu hoch. Die Frage,
wo die deutſchen Goldſtücke bleiben, iſt daher nur zu berech=
tigt
, und kann mit gutem Gewiſſen dahin beantwortet
werden: ſie wandern ins Ausland und werden dort in
ſtaatlichen und Privatbanken feſtgehalten! Das ergibt ſich
aufs Neue aus einem Bericht der ſtaatlichen Konvertions=
kaſſe
in Buenos=Aires, eines Inſtitutes, das berufen iſt,
durch Umwechſelung in Gold den geſetzlichen Kurs des
heimiſchen Papiergeldes zu ſichern. Danach lagern in
den Depots der Kaſſe nicht weniger wie 7 Millionen Mack
in guten deutſchen Zwanzigmarkſtücken. Um nun noch
mehr deutſche Goldſtücke hereinzubekommen und ſie nicht
wegen Mindergewicht abweiſen zu müſſen, hat jetzt der
argentiniſche Finanzminiſter angeordnet, daß die deut=
ſchen
Zwanzigmarkſtücke fortan mit 7,940 Gramm Schwere
anſtatt wie bisher mit 7,945 Gramm als vollwichtig anzu=
ſehen
ſind. Ueber große Poſten deutſcher Goldſtücke ver=
fügen
u. a. auch die eiſernen Beſtände der Staatskaſſen in

Frankreich, Oeſterreich=Ungarn, Italien, Dänemark, weni=
ger
in England und Rußland. Jedes vollwertige deutſche
Goldſtück, das ein ſtaatliches Bankinſtitut der genannten
Staaten paſſiert, wird feſtgehalten und aufgeſtapelt, um
erſt dann wieder in den Verkehr zu kommen, wenn der
Stand der Staatsfinanzen es notwendig macht.

Muſik.

Die Neue Muſik=Zeitung bringt in Heft 7
hochintereſſante Erinnerungen an Anton Bruckner von
Auguſt Stradal=Wien. Dr. Meyer=Danzig ſetzt ſeine über=
aus
wertvollen Studien zur Pſychologie der muſikaliſcher
Uebung fort. Einen Hinweis auf einen offenbar mit Un=
recht
vergeſſenen Komponiſten Stefan Stocker bringt Dr.
Hans Volkmann=Dresden in einem Porträt=Artikel. Die
beigegebene Muſikbeilage ſpricht ſehr für Stocker. Zum
pädagogiſchen Teil ſteuert Hofpianiſt Profeſſor Heinrich
Schwartz einen Notenaufſatz Chopins Etüden bei. n
Heft 8 unternimmt Heinz Tieſſen=Berlin den Verſuch, über
die reine Wirkung der Straußiſchen Programm= Sympho=
nie
aufzuklären, der Artikel bringt neue Geſichtspunkte.
Ein Bild: Schuch als Dirigent (nach dem Gemälde von
Robert Sterl=Dresden, ſchmückt das Heft, dem ein Klavier=
ſtück
von Koch und ein Lied von Rücklos beigegeben ſind.
Probeheft verſendet koſtenlos der Verlag Carl Grüninger
in Stuttgart.

Literariſches.

Das verlorene Paradies. Roman von
Edward Stilgebauer, Leipzig, Dr. S. Rabinowitz
Verlag. Preis 4 M. broſchiert, 5 M. gebunden. Es iſt
die Tragödie des künſtleriſchen Ehrgeizes, die der beliebte und
vielgeleſene Erzähler in dieſem ſeinem neueſten Werke mit
markigen und kühnen Pinzelſtrichen vor den Augen ſeiner
Leſer entrollt. In der Kunſtſtadt München ſpielt der Ro=
man
. Das Bohémetum der bayeriſchen Hauptſtadt, das
luſtige und groteske Milieu derer um Schwabing mit
Malweib und Snobismus wird hier im Lichte eines
ſouveränen Humors köſtlich geſchildert. Neben der ſpan=
nenden
und raſch voranſchreitenden, intereſſanten Hand=
lung
, der farbenreichen Schilderung Münchens und des
Südens, der prägnanten Charakteriſierung der handeln=
den
Figuren, dürfte vor allem der hohe ſittliche Ernſt,
mit dem Stilgebauer dieſe moderne Tragödie des Ehr=
geizes
vor den Augen ſeiner Leſer entwickelt, dem Roman
zahlreiche Freunde gewinnen.
Tanzſpiele und Singtänze; geſammelt
von Gertrud Meyer. Vierte Auflage. (63 S.) 8
1913. Preis kart. 1 Mk. Verlag von B. G. Teubner in
Leipzig und Berlin. Es iſt ein reicher Schatz volkstüm=
licher
, urſprünglicher Poeſie, den uns das nun in vierter
Auflage vorliegende Büchlein offenbart. Mit Liebe und
feinſtem Verſtändnis hat die Verfaſſerin in Schweden
und Deutſchland die vielen ſchönen Volkslieder und Tänze
geſammelt, und uns damit einen Born friſcher Lebens=
freude
und heiterer Unbefangenheit neu erſchloſſen. Dem
friſchen und fröhlichen Zauber, der in den Tanzſpielen
und Singtänzen liegt, kann ſich weder Groß noch Klein
entziehen.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
* London, 10. April. Die Times betont die
Einigkeit des europäiſchen Konzertes. Die
Reden Sir Edward Greys und des deutſchen Reichskanz=
lers
hätten in allen Kreiſen eine ausgezeichnete Wirkung
gehabt. Die Reden hätten in Verbindung mit der offe=
nen
und loyalen Haltung der ruſſiſchen Regierung auch in
Oeſterreich alle plauſiblen Gründe für einen Zweifel an
der Haltung der Mächte beſeitigt. Alle Kreiſe in der Dop=
pelmonarchie
dürften jetzt ſicher ſein, daß Europa darauf
halten wird daß ſeine Beſchlüſſe reſpektiert werden. Die
Times betont, daß Europa auch in der Beilegung des
Konfliktes zwiſchen Bulgarien und Rumänien Rußland
zum Dank verpflichtet ſei. Das Blatt ſchließt mit der
Mahnung an die verbündeten Balkanſtaaten, daß es die
beſte Politik für ſie ſein werde, ſich den guten Willen
Europas zu ſichern, indem ſie ſich einem Frieden auf der
Grundlage, wie Europa dieſe empfiehlt, geneigt erweiſen.
Die neue Note der Mächte
* London, 9. April. Reuter erfährt: Die Note,
welche die Mächte den Balkanſtaaten in Erwide=
rung
ihrer Vorſchläge für die Grundlage der Mediation
überreichen werden, und deren einzelne Punkte in der ge=
ſtrigen
Sitzung der Botſchaftervereinigung feſtgeſetzt wor=
den
ſind, wird folgenden Wortlaut haben:
1. Die Mächte ſind einverſtanden, die gerade Linie
Enos=Midia als Grundlage für die Verhandlungen über
die neue türkiſch=bulgariſche Grenze anzu=
nehmen
.
2. Die Entſcheidung des Schickſals der Aegäiſchen
Inſeln, deren Mehrzahl Griechenland zufallen ſoll,
wird den Mächten überlaſſen.
3. Die Kriegsentſchädigungsfrage wird
zuſammen mit allen aus dem Kriege hervorgehenden
finanziellen Fragen in der Finanzkommiſſion in Paris
erörtert.
4. Betreffend Albaniens wird erklärt, daß die
Nord= und Nordoſtgrenze von den Mächten, die auch über
den übrigen Teil der Grenze beraten werden, bereits be=
ſtimmt
iſt.
Schließlich werden die Mächte den verbündeten Re=
gierungen
empfehlen, die Feindſeligkeiten einzuſtellen.
Die Flottendemonſtration.
* London, 9. April. Das Reuterſche Bureau mel
det aus Malta: Der geſchützte Kreuzer Medea erhielt
den Befehl, den Panzerkreuzer Duke of Edinbourgh
nach dem Orient zu begleiten. Beide Schiffe nehmen
Kohlen ein.
* London, 9. April. Das Reuter=Bureau meldet
aus Malta: Der Panzerkreuzer Duke of Edinbourgh
der am Montag von der Levante zurückkehrte, hat Befehl
erhalten, ſich zur Abfahrt bereit zu halten. Auch alle
hier liegenden Kriegsſchiffe erhielten Weiſung, ſich bereit
zu halten. Man ſchreibt dieſe Maßnahmen der Haltung
Montenegros gegenüber den Mächten zu.
Wien, 10. April Die Meldung, daß Monte=
negro
durch 20 Millionen Franken und ein Stück der
albaniſchen Küſte entſchädigt werden ſollte, wird hier
in Abrede geſtellt. Oeſterreich werde weder einer
Aenderung der beſchloſſenen Grenzen Albaniens zugun=
ſten
Montenegros zuſtimmen, noch ſich an der Subvention
beteiligen.
Belgrad, 10. April. General Bojowitſch will
vor der Ausführung des Generalſturms insbeſondere wei=
tere
ſerbiſche Truppenverſtärkungen abwarten, nachdem
die Seetransporte eingeſtellt worden ſind. Von dem Ver=

ſuch der Erſtürmung Skutaris werde aber keines=
wegs
abgelaſſen.
Die rumäniſch=bulgariſche Streitfrage.
* Petersburg, 9. April. Die für heute ange=
ſetzte
Sitzung der Botſchafterkonferenz, die ſich mit der
rumäniſch=bulgariſchen Streitfrage befaſſen ſollte, hat nicht
ſtattgefunden. Es wird erwartet, daß am Freitag wieder
eine Sitzung ſtattfinden wird.
Die Blockade der montenegriniſchen Küſte.
* Wien, 10. April. Der Kommandant der erſten
Kriegsflotte, der an der internationalen Flottendemon=
ſtration
teilnimmt, hat, wie die Militäriſche Rundſchau
erfährt, dem Kriegsminiſterium von der erfolgten
Blockade der montenegriniſchen Küſte
drahtlich Kenntnis gegeben. Die Depeſche lau=
tet
: Ich erkläre hiermit, daß vom Hafen von Antivari bis
zur Mündung des Drinafluſſes von heute früh 8 Uhr (10.
April) an, die Küſte zwiſchen 42. Grad 6 Min. und dem
41. Grad 5 Min. blockiert iſt. Die Blockade umfaßt alle
Flußmündungen, Häfen und Inſeln in dieſem Gebiet und
gilt für alle Schiffe aller Nationen, denen 48 Stunden zum
Verlaſſen der Blockadezone verbleiben, alſo bis zum
12. April, 8 Uhr früh. An Bord des King Edward VII.
Beorny.
Letzte Nachrichten.
H. B. Konſtantinopel, 10. April. Auch das Ko=
miteeblatt
Tordſchuman i Hakkikat verſichert, daß der
Präliminar=Friede nahe iſt. Es könne als
ſicher gelten, daß die Türkei keine Kriegsentſchädigung
zu zahlen habe. Ein bei Tſchataldſcha getroffenes Abkom=
men
über eine Waffenruhe zur beiderſeitigen Beſtattung
der Toten wird als Vorzeichen einer bevorſtehenden Ein=
ſtellung
der Feindſeligkeiten gedeutet. Die Türken beerdig=
ten
400 bulgariſche Leichen auf dem linken Flügel. Der
geſtrige Miniſterrat nahm Kenntnis von neuen Depeſchen
Hakli Paſchas, die ſehr zuverſichtlich klingen. An Dſcha=
wid
Bei wurden neue Inſtruktionen nach Paris geſandt.
* Konſtantinopel, 10. April. Alle türkiſchen=
Blätter weiſen den Gedanken einer Kriegsentſchä=
digung
zurück und beſtehen darauf, daß die Balkanver=
bündeten
eine Quote der türkiſchen Staatsſchuld über=
nehmen
. Zu Delegierten der Türkei für die Pariſer.
Finanzkonferenz ſind der Engländer Crawford, Rat im
türkiſchen Finanzminiſterium, und der frühere Miniſter
Djavid beſtellt.
* Sofia 10. April. Der Direktor der bulgariſchen
Staatsſchuld, Stojanow, reiſte als Delegierter Bul=
gariens
nach Paris ab.
* Wien 10. April. Die Blätter erfahren von unter=
richteter
Stelle zu den verſchiedentlichen Nachrichten, wo=
nach
der König von Montenegro für ſeinen Verzicht
auf Skutari durch territoriale und finanzielle Zu=
geſtändniſſe
entſchädigt wreden ſolle, daß ſich das Konzert
der Großmächte mit dieſer Angelegenheit noch nicht
befaßt hat. Andererſeits iſt es wohl möglich, daß
einzelne Mächte untereinander bereits Beſprechungen
darüber gepflogen haben. Jedenfalls iſt es ganz aus=
geſchloſſen
, daß Montenegro eine territoriale Entſchädigung
auf Koſten Albaniens erhält, deſſen Grenzen im Norden
und Nordoſten bereits endgültig feſtgelegt worden ſind.
* Bern 10. April. Auf Vermittlung der deutſchen
Geſandtſchaft hat die bulgariſche Regierung ſich
damit einverſtanden erklärt, daß ſich eine Schweizer Mili=
tärmiſſion
nach Adrianopel begibt, um das Feſtungs=
weſen
und die Schußwirkungen zu ſtudieren.
H.B. Petersburg, 10. April. Der Zar ſandte
an den König von Montenegro ein Handſchreiben, worin
er ihm, wie an autoritativer Stelle verſichert wird, zur
Nachgiebigkeit rät.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Prag, 10. April. Die Regierung teilte im
böhmiſchen Landesausſchuß mit, daß für 1913
keine Zahlungen aus den ſtaatlichen Ueberweiſungen mehr
erfolgen könnten, da die Ueberweiſungen erſchöpft ſeien.
Laut Blättermeldungen iſt ſomit ein finanzieller
Zuſammenbruch des Landes zu erwarten. Die
Einſetzung eines Regierungskommiſſars für Böhmen Mitte
Mai ſteht bevor.
* London, 10. April. Nach einem amtlichen Bulletin
mußte ſich die Herzogin von Connaught heute
vormittag einer ſchweren Operation unterziehen, die
gut gelungen iſt.
* London, 10. April. Die Daily Mail teilt mit, daß
zum erſten Male die telephoniſche Verbindung
Köln=London gelungen ſei; die Verſtändigung ſei
glänzend geweſen.
Belgrad, 10. April. Die Preſſe veröffentlicht die
Rede des Reichskanzlers ihrem vollen Inhalte
nach, ohne ſie vorläufig zu kommentieren. In politiſchen
Kreiſen erweckten die Erklärungen des Reichskanzlers das
allergrößte Intereſſe; ſie werden als ein gewichtiges poli=
tiſches
Ereignis beurteilt.
* Waſhington. 9. April. Präſident Wilſon hat
einem Vertreter Kaliforniens im Kongreß erklärt, er
hoffe, daß der Staat keine Maßregel beſchließe, die die
Bundesregierung in Konflikt mit ihren Vertragsverpflich=
tungen
verſetzen würde.
* Sacramento (Kalifornien), 10 April. Den Vertre=
tern
des engliſch=franzöſiſchen Syndikats der Steinkohlen=
grubenbeſitzer
in Kalifornien iſt vom Präſidenten der
Kommiſſion, die den Geſetzentwurf über den Grund=
beſitz
von Ausländern ausarbeitete, mitgeteilt
worden, daß die vorgeſchlagenen Maßnahmen die Euro=
päer
ebenſo wie die Japaner treffen werde.
* Tokio, 9. April. Es wird amtlich mitgeteilt, daß der
japaniſche Botſchafter in Waſhington bei der
amerikaniſchen Regierung Vorſtellungen gemacht hat
wegen des Geſetzentwurfs im Staate Kalifornien, der den
Japanern den Erwerb von Grund und Boden verbieten
ſoll.
Berlin, 10. April. In der Mordſache des Gym=
naſiaſten
Tiemann widerrief das verhaftete Dienſt=
mädchen
Heinrich ihr erſtes Geſtändnis von geſtern. In
der Sache felbſt erſcheint übrigens noch vieles unklar. Es
ſoll jetzt die Leiche des jungen Mannes ausgegraben
werden.
Neukölln, 10. April. Die Stadt beſchloß aus An=
laß
des Regierungsjubiläums des Kaiſers
die Einrichtung eines Spiel= und Sportübungsplatzes und
die Gründung eines Altersheims für alte Bür=
ger
. Der Wert des Sportplatzes wird auf 160000 Mark,
der des Altersheims auf 60000 Mark angegeben.

[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Seite 9.

Erlangen, 10. April. Nicht der Proſeſſr Iſiber
Roſenthal iſt, wie geſtern gemeldet wurde, ſchwer erkrankt,
ſondern der Münchener Genremaler Profeſſor Toby
Roſenthal.
Baden=Baden, 10. April. In dem Orte Sandweier
erkrankten heute 15 Perſonen nach dem
Genuß von verdorbenem Fleiſch. Eine
Perſon iſt bereits geſtorben.
Itzehoe, 10. April. Der plattdeutſche Dich=
ter
Fehrs feierte heute ſeinen 75. Geburtstag. Von
der Stadt wurde ihm aus dieſem Anlaß der Ehrenbürger=
brief
überreicht. Alle platdeutſchen Vereine ſandten dem
Jubilar Glückwünſche.
Innsbruck 10. April. Auf dem Timmler=Joch iſt
der Gutsbeſitzer Pfitſcher aus Rabenſtein von einer
Lawine verſchüttet worden. Eine Rettung iſt un=
denkbar
.
Spionage?
* Straßburg i. E., 10. April. Mit Bezug auf eine in
der Voſſ. Ztg. enthaltene Straßburger Korreſpondenz, der
zufolge man in Kolmar private drahtloſe Ver=
bindungen
mit dem Pariſer Eiffelturm entdeckt
hat, und es ſich dabei um offenkundige Spionage han=
delt
, ſind wir ermächtigt, folgendes feſtzuſtellen: In
mehreren Privathäuſern und Schulen in Kolmar und Metz
haben ſeit einiger Zeit Phyſiklehrer und ſonſtige Fach=
männer
Empfangsapparate für drahtloſe Telegraphie, alſo
keine Gebeſtationen angebracht, um mit dieſen Apparaten
die Zeitſignale des Eiffelturmes (Feſtſtellung der Mittags=
ſtunde
uſw.) abzunehmen. Für einige dieſer Apparate war
die Genehmigung der kaiſerlichen Oberpoſtdirektion vor=
handen
, während andere Beſitzer ſolcher Empfangsſtatio=
nen
, denen die Anzeigepflicht bei der Poſtbehörde nicht be=
kannt
geweſen iſt, jetzt die Auflage zuging die Apparate zu
beſeitigen. Bei der ganzen Angelegenheit handelt es ſich
lediglich um wiſſenſchaftliche Spielereien oder Experi=
mente
, die Lehrzwecken zu dienen hatten. Anzuneh=
men
, daß Spionageakte vorliegen, iſt kein
Grund vorhanden.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

gewinnt die
vortreffliche
Qualitäts-
ISoErMA
Cigarette

1.374

E. Auf Radwouren
haben ſich zahlreiche Fahrer gewöhnt,
Wybert=Tabletten mitzunehmen. Die ſtau=
bige
Luft, das raſche Alimen greift die Kehle
an, ſie wird trocken, der Hals rauh und die
Simmle heiſer. beſonders wenn man ſich
noch von der Fahrt erhihtdem Zuge ausgeſehzt hat. Dam wirien ein
paar Wyberk=Tabletten Wunder: wie ſie im Munde zergehen, lindern
ſie die Heiſerkeit und ſchaffen einen freien Hals. Der Preis iſt in allen
Apotheken und Drogerien 1 Mark pro Schachtel. Niederlagen in
Darmſtadt: in ſämtlichen Apotheken; Drogerie von
Fr. Beckenhaub, Kirchſtraße 27; Drogerie Gg. Liebig
& Co., Luiſenſtraße 4; MartinseDrogerie, Pan=
kratiusſtraße
41; Drogerie Chr. Schwinn, Rheinſtraße 8,
Drogerie C. Watzinger, Wilhelminenſtr. 11; Central=
(I,2823
Drogerie, Eliſabethenſtraße 30.

Landschaftsgärtnerei
Ratet Hank
Moosbergstrasse 24

Anlage und Unter-
haltung
von Gärten
:: jeden Stiles.::
(B7297

m
Dr. Kuhns Ruſbl, 1.20, 0.6h.
Graue Haare Färbe= Pomade Nutin. 2.00, 1.00,
giftfrei. Franz Kuhn, Kron.=Parf., Nürnberg.
Hier: F. B. Grodhaus, Seifenfabr. a. weißen
Turm, ſowie in Apotheken, Drog. u. Parfüm. (V,8625
Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
geſtern nachmittag meinen lieben. treubeſorgten
Mann, unſeren guten Vater, Sohn, Bruber.
Schwager, Schwiegerſohn, Großvater u. Onkei
Herrn
Konrad Schmunk
Rentner
nach langem, mit großer Geduld ertragenem,
ſchwerem Leiden in die Ewigkeit abzurufen.
Die tieftrauernden Hinterbliebenen.
J. d. N.: Frau Eliſe Schmunk.
Darmſtadt, den 10. April 1913.
Die Beerdigung findet Samstag, den 12. April,
nachmittags 2 Uhr, vom Portale des Beſſunger
Friedhofes aus, ſtatt.
(8648

Todes=Anzeige.
(Statt beſonderer Anzeige.)
Heute nachmittag 3 Uhr verſchied nach
längerem Krankſein plötzlich infolge eines Herz=
ſchlages
mein lieber Mann, unſer guter Bruder,
(8632
Schwager und Onkel
Herr
Adam Ahl.
Darmſtadt, den 9. April 1913.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Angelika Ahl,
geb. Mass.
Die Beerdigung findet am Samstag, den
12. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der
Friedhofskapelle aus, ſtatt.

Statt beſonderer Anzeige.
Todes=Anzeige.
Heute abend 8½ Uhr entſchlief ſanft
unſere innigſtgeliebte Mutter, Schwiegermutter

Schweſter und Schwägerin

(8673

Henriette Kayser
geb. Kaup
im 74. Lebensjahre.
Darmſtadt, den 9. April 1913.
In tiefer Trauer:
Ottilie Kayſer,
Leo Kayſer,
Oskar Kayſer,
Mathilde Kayſer, geb. Zernin,
Aenne Kayſer, geb. Walther,
Natalie Zernin, geb. Kaup,
Lina Bang, geb. Kaup,
Eduard Zernin.
Die Beerdigung findet Freitag, den 11. April,
um 5 Uhr nachmittags, vom Sterbehauſe
Neckarſtraße 9 aus, ſtatt.

Verſpätet.
Mein lieber Mann, unſer treuer Vater und
Schwager
(8634
Hof-Apotheker Oskar Horre
iſt an einer fünftägigen ſchweren Lungenent=
zündung
im Alter von 51 Jahren ſanft dem
Herrn entſchlafen.
Zwingenberg a. d. B., Memmingen und
Bad Nauheim, den 7. April 1913.
In tiefer Trauer:
Bertha Horre, geb. Otto,
Toni Horre,
Otto Horre, stud. jur.,
Lieſel und Fritz Horre,
Bezirksamtmann Hermann Otto
und Frau,
Schweſter Luiſe Otto.

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten die
traurige Mitteilung, daß es Gott gefallen hat,
unſere liebe, treubeſorgte Mutter, Großmutter,
Urgroßmutter, Schwiegermutter und Tante
Frau Lehrer
Dorothen Freund Witwe
geb. Spengler
nach kurzem Leiden im Alter von 74 Jahren
zu ſich zu rufen.
Um ſtille Teilnahme bitten
die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Ph. Göbel,
J. Trautmann,
K. Kopp,
H. Pons.
Arheilgen, Egelsbach, 9. April 1913.
Die Beerdigung findet Freitag nachmittag um
3½ Uhr ſtatt.
(8639

Gottesdienſt der israelitiſchen Religionsgemeinde.

Haupt=Synagoge (Friedrichſtraße 2).
Freitag, den 11. April:
Vorabendgottesdienſt 7 Uhr
Samstag, den 12. April:
Morgengottesdienſt 8 Uhr 30 Min. Sabbatausgang
8 Uhr 5 Min.

Gottesdienſt in der Synagoge der israelitiſchen Religion;.

Samstag, den 12. April:
Vorabend 6 Uhr 40 Min. Morgens 8 Uhr. Nachmittags
4 Uhr 30 Min. Sabbatausgang 8 Uhr 5 Min.
Wochengottesdienſt von Sonntag, den 13. April, an:
Morgens 6 Uhr 15 Min. Nachmittags 6 Uhr 45 Min.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Das Hoch hat ſich etwas ſüdwärts verlagert, während
die nordweſtliche Zyklone oſtwätrs weiter gewandert iſt
und heute über Skandinavien liegt. Das Wetter iſt bei
uns wolkig. Bei Herausgabe der Karte ſetzen in Gießen
leichte Regen ein. Die Morgentemperaturen liegen wieder
ziemlich tief. Heute nacht war in der Ebene das Thermo=
meter
nahe 0 Grad, in Lauterbach ſogar 3 Grad. Der
Druck fällt überall langſam, ſo daß wir noch mit Tiefdruck=
einfluß
zu rechnen haben.
Ausſichten in Heſſen für Freitag 11. April:
Wechſelnd bewölkt, einzelne Regenſchauer, kühl.

Ceure Zeiten erfordemn Sparsames wirtschaften
sind billig, nahrhaft und wohlschmeckend.
Mmm Mkuuf Süppen 1Wifel für 23 Teller 10 Pfg. Mehr als 40 Sorter.
Verlangen Sie aber bitte ausdrücklich MAGels Suppen.

Tagesialener.

Großh. Hoftheater. Anfang 7½ Uhr, Ende gegen
10 Uhr (außer Abonnement): Die fünf Frankfurter
Verſammlung der Gaſtwirte um 4 Uhr bei
Kollege Bitſch (Bleichſtraße).
Konzerte: Bürgerkeller um 8 Uhr. Perkeo um
8 Uhr.

Verſteigerungskalender.
Samstag, 12. April.

Dünger=Verſteigerung um 9½ Uhr in der Dra=
goner
=Kaſerne (Regt. Nr. 23).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Htreſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mittellungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

Nummer 84.

Wir hatten Gelegenheit, einen großen Posten

este ſin
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sehr vorteilhaft einzukaufen, und um mit denselben wieder möglichst rasch zu räumen, lassen wir dieselben

zu äusserst billigen Preisen zum verkauf kommen.
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Rest 2.50 3.20 4.50
für Herrenhosen
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Rest 1.60 1.80 2.20
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Oeffentliche Wirteversammlung
Freitag, den 11. April 1913, nachmittags 4 Uhr,
bei Kollege Bitsch, Bleichstrasse 17.
Tagesordnung:
Die Lage im Gaſtwirtgewerbe.
Referent Kollege v. d. Heyden aus Köln.
Zahlreichen Beſuch erwarket
(8547df
Der Einberufer.

Louis Hein

Odenwaldkluh
Ortsgruppe Darmſtadt E. V.
Am Sonntag, den 13. ds. Mts., nach=
mittags
5 Uhr, wird die Ortsgruppe Ludwigs=
hafen
=Mannheim des Pfälzerwald=Vereins
mit 300400 Perſonen (Damen und Herren) im
städtischen Saalbau
2.50
eintreffen. Es iſt ein gemütliches Zuſammen=
4
ſein mit unſeren Mitgliedern geplant. Für
muſikaliſche Unterhaltung iſt Sorge getragen.
Wir laden die Mitglieder unſerer Ortsgruppe, nebſt Familien,
zu recht zahlreichem Erſcheinen ein.
(8666
Der Vorſtand.
unfanfiat
Katcl. Kaufmanh. Verem Kolstantd
angeschlossen an den Verband kath. kaufm. Vereinigungen Deutschlands.
Sonntag, den 13. April, nachmittags 5 Uhr:
im Vereinslokale Friedrichstr. 30 (Gesellenhospitium):

Hoflieferant.
Hofmetzger.
Schustergasse 19. Fernspr. 278.
Erstklass. Spezialgeschäft für
Kalbs- und Hammelsmetzgerei.
Spezialität: (8617a
H. gehackte Koteletts
à Stück 20 Pfg., gerollten
Kalbsnierenbraten
in allen Größen vorrätig.
Auf Wunsch lasse täglich anfragen.
Täglich frisch:
Kalbsgekröse, Lungen, Leber etc.
Kundschaft erhält Reklamemarken.

Labageim. Bauer bil. weg.übr.
P9738dfs) Ludwigſtr. 16, III.

1. Der Einführung zur Jugendabteilung
der dem Kaufmannstande zugeführten Lehrlinge.
2. Der Aufnahme zum Stammverein
derjenigen, die ihre Lehre beendet.
Alle Interessenten und Gönner ladet freundlichst ein
Der Vorstand.
8643)

Alkoholgesner-Bund.
Offener Abend am Sonntag, den 13. April,
abends 7¾ Uhr, im Herrſchaftsſaale des Saalbaues.
Vortrag von Herrn Pfarrer Störmer über:
Jede Nerve ſei ein Held!
(Theodor Körner)
Gäſte ſehr erwünſcht!
(8627
Lmdwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.

Eintritt 30 Pfg. 10 Abonnementskarten (inkl. Steuer) Mk. 2.
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Großherzogl. Hoftheater
Freitag, den 11. April 1913.
Außer Abonnement.
26. Volks-Vorstellung
zu ermässigten Preisen.
Die fünf Frankfurter.
Luſtſpiel in 3 Akten v. Carl Rößler.
Perſonen:
Die alte Fraul Minna Müller=
Gudula
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2 . Adolf Jordan
Anſelm,

Nathan,
Salomon,


Karl,
5
Jakob,
Charlotte, Salo=
mons
Tochter
Guſtav, Herzog v.
Taunus

Guſtav Semler
Richard Jürgas
Kt. Weſtermann
Franz Schneider
Käthe Gothe
Kurt Ehrle

Prinzeſſin Eveline Hel. v. Sonnen=
ſthal

Fürſt von Klaus=
thal
=Agordo . . Heinrich Hacker
Die Fürſtin
Hanna Raffay
Graf Fehrenberg,
Hofmarſchall . . W. Riechmann
Frau v. St. Ge=
Tilli Artl
orges . .
Baron Seulberg. Emil Kroczak
Paul Eisner
Der Domherr
KabinettsratYſſel Paul Peterſen
Erſter (Kammerd. K. Enzbrenner
Zweit.d. Herzogs Frz. Herrmann
Hofjuwelier Boel Herm. Knispel
im Hauſe Agn. Wisthaler
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I. Rang 2.05 M., II. Rang 1.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 1.55 M.,
14.20. Reihe 1.05 M., Parterre
1.05 M., I. Galerie 0.45 M.,
II. Galerie 0.35 M.
Anf. 7½ Uhr. Ende gegen 10 Uhr.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Samstag, 12. April. Keine
Vorſtellung.
Sonntag, 13. April. Außer Ab.
Frühlings=Feſtſpiele.
III. Abend. Neu einſtudiert und
neu inſzeniert: Der Ring des
Nibelungen. Erſter Tag:
Die Walküre‟. Erhöhte Pr.
Anfang 6 Uhr,
Montag, 14. April. 155. Abonn.=
Vorſt. C 39. Ibſen=Zyklus.
III. Abend. Nora. Kleine
Preiſe. Anfang 7½ Uhr.
Dienstag, 15. April. 156. Ab.=
Vorſtell A 39. Tiefland.
Gew. Preiſe. Anfang 7½ Uhr.

[ ][  ][ ]

Nummer 84.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

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Parterre und I. Stock.

Amtliche Nachrichten des Großh. Pollzeiamts Dar
nſtat

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 deutſcher Schäferhund. 1 Pinſcher (zugelaufen). Die
Hunde können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier aus=
gelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet
dortſelbſt jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(8636

Nutzholz-Verſteigerung.

Donnerstag, den 24. d. M., vormittags 9½ Uhr,
werden in der Turnhalle dahier (Woogsplatz 5) aus den Do=
manialwald
=Diſtrikten Baſſinteil, Burgwald, Böllenfalltor und
Beſſunger Forſthaus verſteigert:

Stämme:

9 Eichen I. Kl. 19,65 fm.
1 Linde IV. Kl. 0,86 fm
II. 8,52
1,16

III. 7,45
5 Kiefern I. 9,42
IV. 1,77
3
II.
62,45
41
,
. 2,66 117
,
III. 110,48
95
I.
20,79
35
IV. 20,56
1 Buche III. 0,36
2
V. 1,04
1 Eſche
V. 0,44
2 Fichten II. 2,57
11
2,44
,
III.
1,15
1 Ahorn
0,31

6
IV. 5,40
1 Birke IV. 0,68
6
Va 4,12
VI.
0,91 1104
Vb 22,61
11 AkazienVI.
0,67
2 LärchenIV. 1,29
0,86
1 Pappel IV.

Verbſtangen:

1 Hainbuche I. Kl. 0,06 fm 41 Fichten II. Kl. 0,66 fm
6 Lärchen I.
0,53 115 Douglas=
157 Fichten I. 18,79
fichten II. 2,98

Reisſtangen:

226 Fichten I. Kl. 4,06 fm
81 Douglas=
22
0,19
II.
fichten I. Kl. = 0,37 fm

Nutzſcheiter, rm:

Eichen, rund
Hainbuchen, rund
2
geſpalten
Birken
,
III. Kl.
9
Kiefern
* 14
Buchen, rund

Buchen Nutzſtöcke, zu Hauklötzen geeignet.
Kaufliebhaber werden erſucht, das Holz vor der Verſteigerung
einzuſehen. Die Großh. Forſtwarte Schimpf dahier ( Forſtmeiſter=
ſtraße
9), Kolb zu Beſſunger Forſthaus und Förſter Klipſtein zu
Böllenfalltor werden dasſelbe auf Verlangen vorzeigen und ſonſtige
mähere Auskunft erteilen. Nummerverzeichniſſe werden nicht aus=
igegeben
.
Das Laubſtammholz lagert in den Forſtwarteien Böllenfalltor
rund Beſſunger Forſthaus, das Nadelſtammholz in den Diſtrikten
Baſſinteil und Burgwald, die Kiefern=Rundſcheiter in Forſtwartei
Böllenfalltor.
(8658
Die unterſtrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot.
Darmſtadt, 10. April 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Beſſungen.
J. V.: Kindhäuſer, Großh. Forſtaſſeſſor.

Perderung der Kaninhgenhncht.

Die große Bedeutung einer rationell betriebenen Kaninchen=
zucht
für die Volksernährung veranlaßt mich, die Intereſſenten auf
die in den Tagen vom 12. bis 14. I. Mts. im Heſſiſchen Hof
dahier ſtattfindende Heſſen=Schau hinzuweiſen, eine Ausſtellung
won Zuchttieren, verbunden mit Fleiſchmarkt, die über den augen=
blicklichen
Stand der Kaninchenzucht im Großherzogtum Heſſen unter=
richten
ſoll. Der Beſuch der Ausſtellung wird empfohlen. (8668
Darmſtadt, 10. April 1913.
Der Obberürgermeiſter.
J. V.: Mueller.

Wfüir zeigen hiermit an, das wir die Zusvergütung auf
Scheck-Konto
bis auf Weiteres auf 3%0 festgesetzt haben.
Für Gelder mit bestimmter Kündigungsfrist bleibt besondere
Vereinbarung wegen der Zinsvergütung vorbehalten.
Darmstadt, den 9. April 1913.
(IV,8646,130
Bank für Handel und Industrie.

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auf feste Termine nach Vereinbarung.
in allen die Belegung von Kapitalien
Seriöse Raterteilung betreffenden Fragen.
(8616a

Bekanntmachung.

Freitag, den 23. Mai I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die den Wirt Ludwig Hotz
Eheleuten dahier zugeſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 797 478 Hofreite Saal=
bauſtraße
37,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K28/13
Darmſtadt, 7. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,8619

Bekanntmachung.

Freitag, den 23. Mai I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die den Architekt Karl Idé
Eheleuten zu Eſſen a. d. R. im
Grundbuch bieſiger Gemarkung zu=
geſchriebene
Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV
819 347 Hofreite Eliſa=
bethenſtraße

Nr. 56,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K25/13
Darmſtadt, 7. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,8620

Bekanntmachung.

Freitag, den 23. Mai I. Js.,
vormittags 9 Uhr,
ſoll die dem Bäckermeiſter Adam
Ihrig dahier zugeſchriebene Lie=
genſchaft
:
Flur Nr. qm
III 1024 252 Hofreite Kah=
lertſtraße
49,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K30/13
Darmſtadt, 9. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V.8618

Bekanntmachung.

Freitag, den 9. Mai I. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Hauptmann à la suite
Eduard Zernin Eheleuten dahier
zugeſchriebene Liegenſchaft:
Flur Nr. qm
IV 625 602 Hofreite Neckar=
ſtraße
Nr. 9,
IV 626 557 Grasgarten mit
Gartenhaus
daſelbſt,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden,
(K24/13
Darmſtadt, 26. März 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,7296

Bekanntmachung.

(Stadtwald.)
Die bis längſtens den 14. I. M.
noch nicht eingelöſten Abfuhr=
ſcheine
aus den Holzverſteigerun=
gen
Nr. 11 vom 4. März ( Wohn=
orte
Darmſtadt und Dieburg) und
Verſteigerung Nr. 12 vom 10. März
(Wohnorte Darmſtadt, Groß= Zim=
ſtadt
, Griesheim, Gräfenhauſen
und Roßdorf) werden zwecks ander=
weiter
Verwertung des Holzes auf
Koſten der Säumigen von der
(8337if
Kaſſe zurückgezogen.
Darmſtadt, 4. April 1913.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Bekanntmachung.

Freitag, 25. April 1. Js.,
vormittags 10 Uhr,
ſoll die den Gaſtwirt Georg Mar=
tin
Junghans II. Eheleuten zu
Reinheim, im Grundbuch hieſiger
Gemarkung zugeſchriebene Liegen=
ſchaft
:
Flur Nr. qm
17 17 768 Hofreite Sand=
ſtraße
Nr. 42,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K108/12
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 3. April 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller.
(V,7971

Bekanntmachung.

In dem Konkursverfahren über
das Vermögen des Aron Wolf I.
zu Pfungſtadt iſt zur Abnahme
der Schlußrechnung des Verwal=
ters
, zur Erhebung von Einwen=
dungen
gegen das Schlußverzeich=
nis
der bei der Verteilung zu be=
rückſichtigenden
Forderungen
und zur Beſchlußfaſſung der Gläu=
biger
über die nicht verwertbaren
Vermögensſtücke ſowie zur Prü=
fung
der nachträglich angemeldeten
Forderungen der Schlußtermin auf
Samstag, den 3. Mai 1913,
vormittags 9 Uhr,
vor dem Großh. Amtsgericht II
hierſelbſt, neues Gerichtsgebäude,
Erdgeſchoß, Zimmer Nr. 107, be=
(8612
ſtimmt.
Darmſtadt, 8. April 1913.
Großherzogliches Amtsgericht II.

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:

Landwirtſchaftliche Ge=
noſſenſchaftsbank
, Darm=
ſtadt
.
Direktor Kommerzienrat Karl
Ihrig, Geheimer Regierungsrat
Karl Bichmann, Direktor Ludwig
Strecker, Oekonomierat Dr. Auguſt
Heidenreich ſind aus dem Vor=
ſtand
ausgeſchieden.
(8633
Darmſtadt, 9. April 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.

In unſerem Handelsregiſter A.
wurde heute bei der Firma Phi=
lipp
Jacoby II. in=Ober= Ram=
ſtadt
folgendes eingetragen: Die
Firma iſt übergegangen auf Anna,
geborene Emich, in Güter ge=
trennte
Ehefrau von Philipp
Jacoby II, in Ober=Ramſtadt.
Die Uebernahme der in dem Ge=
ſchäfte
begründeten Verbindlich=
keiten
iſt bei deſſen Erwerb durch
Ph. Jacoby II. Ehefrau aus=
geſchloſſen
worden. Dem Philipp
Jacoby II. in Ober=Ramſtadt iſt
(8611
Prokura erteilt.
Darmſtadt, 7. April 1913
Großherzogliches Amtsgericht II.

Leghühner 1912er
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Suppenhühner, Hähne, Tauben,
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Darmſtr. 33a, II.

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abzugeben Stiftſtr. 52, p. (8650fs
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aus meiner vielpräm. Spezialz.
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habe abzugeben, St. 40 Pfg.
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Ruthsſtraße 24 (Laden).

*
Bunger=Verkauf.

Samstag, den 12. April, von
950 Uhr vormittags ab
wird auf dem hinteren Hofe der
alten Kavallerie=Kaſerne in Darm=
ſtadt
die Matratzenſtreu einer
Eskadron öffentlich meiſtbietend
(8541df
verſteigert.
Garde=Dragoner=Regiment
(1. Großh. Heſſ.) Nr. 23.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913

Nummer 84.

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Darmſtadt, den 10. April 1913.
Kapp, Gerichtsvollzieher in Darmſtadt.

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Das Stärkſte.
Roman von Fritz Gantzer.
(Nachdruck verboten).
25)

Erſt nach geraumer Zeit fand Frau Barbaca ruhige,
achliche Worte, mit denen ſie, obſchon ſie im voraus von
der Nutzloſigkeit ihrer Bemühungen überzeugt war, einen
letzten Verſuch machte, Signe umzuſtimmen. Sie ſchlug
hr als andere Löſung des Konflikts dieſes und jenes vor.
Aber Signe lehnte alles ab.
Verachtet mich als eine Undankbare, laßt mir keinen
Funken Eures Erinnerns, tut, was ihr wollt. Nur laßt
mich fort.
Das kam immer von neuem, dies Flehen. Es blieb,
wie ein Leitmotiv ſtändig wiederkehrt. . .
Signe war längſt in ihrem Zimmer. Erſchöpft, ihre
Seele voll wilder, ſich überſtürzender Empfindungen, lag
ſie auf dem Bett und ſtarrte mit trockenen, heißen Augen
ins Leere. . .
Ich wiederhole es Dir, ſie bleibt, betonte Herr To=
bias
nachdrücklich, als ſeine Gattin zum andern Male den
Verſuch gemacht hatte, bei ihm Verſtändnis für Signes
Vorhaben zu erwecken. Ich gebe zu ihrem wahnſinnigen
Vorhaben meine Einwilligung auf keinen Fall. Er ſchlug
mit der platten Hand auf die Armlehne ſeines Schreib=
ſeſſels
aus braungebeiztem Eichenholz und fuhr fort:
Sage ihr das. . . Und ich will ſie nicht eher ſehen, als
bis ſie zur Vernunft gekommen iſt.
O. Gott, Tobias, Du denkſt nicht an das Geſetz des

Herzens, das die Bande des Bluts ſchreibt. Es iſt un=
erbittlich
und fordert ſeine Erfüllung mit unabänderlicher
Konſequenz. Du ſprachſt vor Tagen erſt von ſeinen
Meiſtern, die es habe. Wo ſind ſie? Nenne mir einen
einzigen. Du ſiehſt es heute unbeſtritten in ſeinem Herr=
ſchaftsrecht
.
Ich werde ſein Herr ſein, Barbara, ſagte Herr To=
bias
darauf nur mit eiſiger Ruhe. Mein Wort gilt:
Signe bleibt!
Und wenn ſie uns nun heimlich verließe? warf Frau
Barbara forſchend ein.
Das wird ſie nicht wagen, entgegnete er überzeugt.
Und wenn doch, ſo würde ſie damit nur beweiſen, daß ſie
unſerer ganzen Liebe und Treue, die wir an ſie wandten,
nicht wert geweſen. Und danach gäbe es für ſie ſelbſt eine
reuige Rückkehr nicht mehr.
Das blieb ſein letztes Wort.
Und Signe wußte es bereits. Mit ſteinerner Ruhe
hatte ſie Frau Barbaras Bericht entgegengenommen.
Nun ſtehſt Du vor der letzten Wahl, ſagte ſie ſchließlich.
Und zu allem harten: Du darfſt nicht füge ich noch einmal
die innige Bitte: Bleib, bleib bei uns.
Signe ſchüttelte den Kopf und ſagte ganz weh und mit
verlöſchender Stimme: Ich kann nicht. Laßt mich fort! . .
Stundenlang, bis gegen den Abend hin, hockte ſie,
gpathiſch wie abweſend vor ſich hinſtarrend, auf einem
Stuhl, der in ihrem Zimmer in einer dunklen Ecke ſtand.
Als die Sonne mit flammendem Lohen untergegangen
war, machte ſich ein ſtürmiſcher Abendwind auf die Reiſe
und fuhr klagend um das Haus. Signe glaubte ein ſehn=

ſuchtsſchweres Rufen herauszuhören und taſtete ſich=mit
heimlichem Grauſen zum Fenſter hin. Sollte ſie wirklich
ohne Abſchied fort? Zwang ihr Tobias Bruns den Bruch
wahrhaftig auf?
Sie lauſchte mit verhaltenem Atem und laut pochendem
Herzen in die Stille des Hauſes hinein und fühlte, wie
ihr langſam das Waſſer eines unſäglichen Jammers in
die Augen ſtieg. Ihm gab ſie ſich lange hin, während das
Wehen draußen an Stärke zunahm und die Dunkelheit
wuchs. Sie wuchs wie etwas Unabwendbares, Natur=
geſetzen
folgend, die unverrückbar in Ewigkeiten ihren Ur=
ſprung
haben.
So war auch das Geſetz, unter deſſen Zwang ſie ſtard.
Unter einem unaufhebbaren Zwange. . .
Ganz ſtill und leiſe ging die Tür hinter ihr. Sie
wandte ſich haſtig zurück und erblickte Frau Barbara.
Thom Lührs ſteht draußen, ſagte ſie mit vibrierender
Stimme, er möchte mit Dir reden.
Sie nickte und folgte mechaniſch und wußte: die Ent=
ſcheidung
iſt da.
Thom Lührs’ Geſtalt hob ſich nur noch ungewiß um=
riſſen
von dem dunklen Hintergrund der Flurwand ab.
Signe mußte erſt ſuchen, ehe ſie ihn fand.
in Abend, Fräulein Signe! ſagte er haſtiz. Ich komm=
Ihres . . . ich meine, der Mann, der bei mir iſt. Er iſt
nicht mehr zu bändigen. Er ſchreit und weint und lacht
in einem Atem und gebärdet ſich wie ein Wahnſinniger.
Ich wußte mir nicht mehr zu helfen. Kommen Sie mit,
er ruft ſeit einer Viertelſtunde ohne Aufhören Ihren Na=
men
. Und nach einem verlegenen Rücken an der Mütze

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(IV,5652)

und einem ſcheuen Seitenblick auf Frau Barbara: Nicht
wahr, Sie erlauben es doch, Frau Bruns?
Die Gefragte ſtand regungslos gegen den Türpfoſten
gelehnt, entgegnete kein Wort und ſah, wie Signe als
etwas rein Selbſtverſtändliches den Hut aufſetzte und den
Mantel anzog. . .
Nun war ſie fertig; mit ſchlaff am Körper herabhän=
genden
Armen ſtand ſie vor Frau Barbara. . . Gehen Sie
nur immer vorauf, Herr Lührs, ich . .
Ja, ja. Und er ſtelzte ſchwerfällig die Treppe hinab.
.. Signe! Ein leiſes Schreien war’s, ein wundes
Stöhnen. . . Sie fragte nicht: Kommſt du wieder? Denn
ſie wußte: Sie kommt nicht wieder. O Gott, meine Signe!
Mutter! Sie war ihr zu Füßen geſunken und wim=
merte
, ſchlang die Arme um die Knie der zitternden Frau
und preßte das Geſicht in ihr Kleid. . . Mutter! klang es
erſtickt.
Es war, als knirſche ſie mit den Zähnen. Sekunden=
lang
lag ſie ſo. Und dann fühlte ſie zwei Hände auf ihrem
Scheitel. Lange endlich ein Niederbeugen zu ihr. Zwei
Arme hoben ſie hoch und zogen ſie dicht, feſt an einen an=
deren
Körver. Und ein Lippenpaar küßte ſie auf Stirn,
Augen und Mund. Und dazwiſchen das Stammeln eines
einzigen Wortes.
Signe!
Meine liebe Mutter! . . . O Gott, ich ſterbe vor Weh.
Ein langſames Löſen. Ein letztes Wort hüben und
drüben.
... Gottes Engel ſeien Dein Geleit! . .
. . . Verzeih, vergib! . .
Signe fühlte ein gewiſſes Umſchließen ihrer Rechten.
In halber Bewußtloſigkeit krampften ſich ihre Finger nach
dem Löſen der Hand um ein kleines Päckchen. Sie ſtand
ſchon allein. . . Im Halbdunkel taumelte ſie die Treppe
hinab, erreichte mit Mühe die Tür und trat auf die Straße.
. . Und nun lag das Haus des Herrn Tobias Bruns
am Markt zu Hattinghauſen ſchon weit hinter ihr. .
Knappe zwei Stunden ſpäter riß Henning die Tür zur

Gaſtſtube im Güldenen Ring auf und trat keuchend über
die Schwelle.
Thom Lührs fuhr aus ſeiner warmen Ofenecke hoch,
und Kaſpar Bömken, der mit vielem Geräuſch Gläſer
ſpülte, ſchrie leiſe auf. . . Bei meiner Seel’ . . . ſon
Schreck! . . .
Wo iſt Signe? ſtieß Henning heraus, als er, nach
Atem ringend, ſeine Blicke durch den Raum geſandt hatte.
Herr Lührs . . . Bömken, wo iſt meine Schweſter?
Thom Lührs ſchlurrte ein Stück in das Zimmer
hinein. . . Ja, ich denk’, längſt daheim, Herr Bruns? Und
Bömken, ſich die Hände an der blauen Schürze abtrocknend:
Natürlich, längſt daheim. Vor einer halben, über einer
halben, beinahe ganzen Stunde ſchon, Herr Br . . .
Nein, nein! Sie iſt nicht zu Hauſe. .
Er lehnte ſich gegen einen Tiſch und ſtarrte Lührs an.
Aber ſo reden Sie doch, Lührs: Wo iſt . .
Der Alte hob beteuernd die Hand: Ich weiß es nicht
Und Bömke echote nach: Ich weiß es nicht! Bei meiner
Seel’, ich weiß es nicht.
Hennings nächſter Gedanke war: Sofort nach dem
Bahnhof!
Ohne Gruß ſtürmte er davon. Die Tür ließ er weit
offen ſtehen.
Bömken folgte und ging bis zur Einfahrt, dem wild
Dahinſtürmenden nachſehend. Seine Gedanken rannen
eine Weile kreuz und quer durcheinander. Dann kam einer
zur Geltung. Und dem verlieh er Ausdruck, als er wieder
zu ſeinem Herrn in die Gaſtſtube trat. Er ſetzte beide
Arme in die Seite und ſagte mit grimmig verzerrtem Ge=
ſicht
und wutblaſender Stimme: Da hab’n wir den Salat
Herr Lührs. . . Na, ſo ein verdammtichter Kerl. . . So
ein verfl . . . Poppenſpäler! . .
*
Der öde Warteſaal einer kleinen Bahnſtation Han=
novers
im blaſſen Morgendunſt des naßkalten Oktober=
morgens
. An den ſchlechtgeſäuberten Tiſchen kein Menſch.
Nur in der Ecke neben dem ungeheizien eiſernen Ofen auf

einer Bank zwei Stille, Uebernächtigte: Signe und ihr
Vater. .
Stephan Frank trug nicht mehr die Lumpen, die ihm
noch geſtern von ſeinem Landſtreicherleben her auf dem
Leibe geſeſſen. Thom Lührs war gleich zu allererſt nach
dem Boden gegangen und hatte für ihn etwas Sauberes
und Heiles aus der alten Kleiderkiſte herausgeſucht. Ganz
adrett ſah der alte Landſtraßenveteran jetzt aus, und es
war wenigſtens vermieden, daß Signe ſich des Zerlumpten
ſchämen mußte.
Der Aufenthalt im Güldenen Ring war nur kurz ge=
weſen
. Als Signe ſich notdürftig zur äußeren Ruhe ge=
zwungen
, hatte ſie es vermocht, das kleine von Frau Bax=
bara
erhaltene Päckchen auf ſeinen Inhalt hin zu unter=
ſuchen
. Ein Zettelchen war ihr entgegengeflattert, wenige
Worte enthaltend: Suche deine Mutter in der Nähe Kölns,
Sie wollte dorthin zu einer Verwandten. Anliegendes für
die Reiſe und die Zeit einer etwaigen Not. Barbara
Bruns.
Fünfhundert Mark in Banknoten.
O dieſe Gute! Sorgend und helfend auch noch mit
zertretenem, blutendem Herzen.
Alſo Köln das Ziel zunächſt.
Sie hatte mit ihrem Vater Rat halten wollen, aber
einſehen müſſen, daß das nicht möglich war. Er hatte ſich
unwiſſend wie ein Kind gezeigt und damit ſtoiſche Gleich=
gültigkeit
verbunden. Bömken hat ihm heimlich Schnaps
gegeben, hatte Lührs ihr zugeraunt. Sehen Sie zu, daß
Sie ihn möglichſt ſchnell abſchieben. Das mit dem Schreien
vorhin war ein Deliriumanfall.
Barmherziger Gott! Auch das noch! Und um dieſes
Säufers willen der Bruch mit dem Alten und Guten. . .
Aber die Mutter! Ja, die Mutter! Nur erſt bei ihr! . ..
Hattinghauſen-Lübeck-Hamburg. Und nun die kleine
hannoverſche Stadt, wo es den dreiſtündigen Aufenthalt
bis zum Anſchluß nach Köln gab.
(Fortſetzung folgt.)

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3 84.

Freitag, 11. Aprit.

1913.

Der Nieder=Modauer Bank=
krach
vor der Strafkammer.

Vierter Verhandlungstag.
g. In der Verhandlung gegen Adam und Genoſſen
wurde geſtern mit der Vernehmung des Angeklagten
Heinrich Beck
fortgefahren. Beck erklärt den Umſtand, daß 1909 auch
Sonntags gearbeitet worden ſei, um der Genoſſenſchafts=
bank
Sonderſicherheit zu geben in Form von Zeſſionen
und Uebereignung von Hypotheken, für Kreditüberſchrei=
tungen
, wie es von der Genoſſenſchaftsbank verlangt
wurde, damit, daß er ſonſt keine Zeit dafür hatte. Ende
Mai 1910 habe er die Bilanz für 1909 aufgeſtellt, und da=
bei
konnte er ſehen, daß ein Verluſt von mehreren tauſend
Mark beſtand. Wie er ſpäter erfuhr, habe die veröffentlichte
Bilanz mit einem Gewinn von 780 Mark abgeſchloſſen.
Ueber die Anwerbung neuer Mitglieder in den Jahren
1908 und 1909 erklärt er, daß in den Reviſionsberichten
wiederholt bemängelt worden war, daß erhebliche Kredite
auch an Nichtmitglieder gegeben worden ſeien. Dies ſei
ſtatutwidrig. Um dieſe Umſtände zu beſeitigen, habe er
ein Schreiben an die Kontokorrentſchuldner, die nicht Mit=
glieder
waren, gerichtet, in dem ſie aufgefordert wurden,
entweder ihre Schulden zu bezahlen, oder Mitglieder der
Kaſſe zu werden. Er ſei ſich klar geworden, daß dieſe Mit=
glieder
ebenfalls an dem Riſiko des Vereins teilnahmen,
aber damals habe auch nochniemand geahnt, daß
der Verein größere Verluſte erleiden würde.
Wenn ihn jemand nach dem Stand der Kaſſe gefragt
haben ſollte, ſo habe er ſeines Erinnerns im beſten Glau=
ben
, daß die Kaſſe ſaniert worden ſei, nachdem Vorſtand
und Aufſichtsrat jenen großen Verluſt von 275000 Mark

übernommen hatten, geſagt, daß für die Kaſſeeine
Gefahr nicht vorhanden ſei. Von Handwerkern,
beſonders in Ober=Ramſtadt, ſei öfters das Verlangen an
ihn geſtellt, ihnen auch Aufträge für Arbeiten an Häuſern
zu übertragen. Darauf ſei ihnen geantwortet worden,
erſt kommen unſere Mitglieder. Gefragt, warum an neu=
geworbene
Mitglieder größere Kredite gegeben ſind, an=
ſtatt
die hohen, teuren Bankſchulden des Vereins zu zah=
len
, ſagte Beck, daß dieſe Schulden durch die Hypotheken
und Kaufſchillinge vollauf gedeckt ſeien. Auf die Span=
nung
zwiſchen dem Zinsfuß, den die Kaſſe bei der Genoſ=
ſenſchaftsbank
bezahlen mußte, und dem, den ſie von den
Schuldnern erhielt, hingewieſen, wodurch große Verluſte
entſtanden ſeien, meinte er, daß man ſich darüber
keine Gedanken gemacht habe. Beck hat in dem
Protokoll der gemeinſamen Vorſtands= und Aufſichtsrats=
ſitzung
vom 19. Juli 1908 verſchiedenes geändert; wie er
angibt, nach Angaben von Ihrig. Beck gibt noch auf Vor=
halt
zu, daß er wiederholt an die Genoſſenſchaftsbank
geſchrieben habe wenn dem Verein nicht mehr Kredit
gegeben werde, ſei der Ruin der Kaſſe unvermeidlich. Da
dies im Widerſpruch mit der Erklärung ſteht, es habe nie=
mand
geahnt, daß der Verein zuſammenbrechen könnte, er=
klärt
Beck, dies ſei nur eine fachmänniſche Bezeichnung
geweſen. Auf die Frage des Sachverſtändigen Regie=
rungsrat
Baſtian antwortet Beck, daß ſich niemand im
Verein klar darüber geweſen ſei, welcher Art die ganzen
Wechſeltransaktionen waren. Er habe keinerlei Schritte
getan, Grundlagen für die Buchung der Wechſel zu er=
halten
, weil Ihrig mit den Recherchen betraut war. Das
Vertrauen zu Ihrig habe er nie verloren.
Sodann kommt die Vernehmung des Angeklagten
Kommerzienrat Ihrig.
Er war von 1883 bis 1899 Vorſtandsmitglied des Ver=
bandes
der Heſſiſchen Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaf=

As ſoihes hat er die Auſabe, die Zutereſen der
Genoſſenſchaften zu vertreten. 1899 iſt er aus dem Ver=
bande
ausgeſchieden, und er wurde zum Direktor der Ge=
noſſenſchaftsbank
gewählt. Als ſolcher hat er in erſter
Linie die Intereſſen der Bank zu wahren gehabt; ſelbſt=
verſtändlich
auch die Intereſſen der angeſchloſſenen Aktio=
näre
der Genoſſenſchaften. Er führte die Vorſtandsge=
ſchäfte
mit zwei Mitgliedern, er hatte die allgemeine Ver=
waltung
und Leitung der Bank. Mit der Verwaltung der
Depots und der Kaſſenverwaltung habe er nichts zu tun
gehabt. Er kam ſodann auf ſeine Beziehungen zu Nieder=
Modau zu ſprechen. Nieder=Modau ſei ihm ſchon als
Geſchäftsführer des Verbandes bekannt geworden und er
habe damals ſchon erfahren, daß dort ſehr mißliche Zu=
ſtände
herrſchen. Die damaligen Reviſionsberichte ſtell=
ten
feſt, daß die Rechnungsführung des Rechners, des
Vaters Adams, recht mangelhaft ſei. Der Verband habe
ſtets darauf hingewieſen, daß mit allen Mitteln darauf
hingearbeitet werden ſolle, daß die Verhältniſſe beſſer
würden. Es war damals ſchon die Ueberzeugung vor=
handen
geweſen, daß erſt andere Verhältniſſe eintreten
könnten, wenn die Geſchäfte des Vereins auf einen richti=
gen
Vereinsbezirk zurückgeführt würden. Nach den Raiff=
eiſenſchen
Grundſätzen müſſen den Genoſſenſchaften ein
beſtimmter Bezirk zugewieſen werden, der grundſätzlich
nicht weiter als das Kirchſpiel oder die Gemeinde gefaßt
werden ſolle, damit ſich die Genoſſenſchafter noch als
Nachbarn anſprechen könnten. Die Geſchäfte dürfen auch
nur mit Mitgliedern gemacht werden, damit jedes Mit=
glied
die Geſchäfte des Vereins überſehen kann. Der Nie=
der
=Modauer Verein wurde 1874 gegründet und da da=
mals
nur wenige Genoſſenſchaften beſtanden, habe ſich der
Geſchäftsverkehr der Nieder=Modauer Kaſſe über die Pro=
vinz
Starkenburg, ja über das Großherzogtum
Heſſenerſtreckt. Es wurde damals geſagt, daß man
möglichſt in jedem Orte eine Genoſſenſchaft gründen ſolle,
und daß der Nieder=Modauer Verein ſeine Engagements
in den Ortſchaften, in denen Genoſſenſchaften beſtehen, an
dieſe Genoſſenſchaften abtreten ſolle. Man hoffte, damit
den Verein auf das richtige Maß zurückzuführen. Dies
war aber nicht der Fall, im Gegenteil, diejeni=
gen
, die von der Genoſſenſchaft ihres
Ortes mit Kreditbegehren abgewieſen wur=
den
, gingen an den Nieder=Modauer Ver=
ein
, wo ſie auch einen Kredit eingeräumt bekamen.
Anfangs 1905 ſei Nieder=Modau an die Genoſſen=
ſchaftsbank
mit größeren Anforderungen herangetreten,
denen die Bank nachkommen mußte, da zu erwägen war,
daß durch das Vorgehen des Verbandes die Kaſſe in dieſe
Lage gekommen ſei durch die vielen neuen Genoſſenſchafts=
gründungen
, wodurch der Nieder=Modauer Kaſſe viele
Gelder gekündigt wurden und ſie die einzelnen Ausſtände
nicht ſofort einziehen konnte. Die Genoſſenſchaftsbank
machte die Hergabe der Summen aber von der Bedingung

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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Freitag, den 11. April 1913.

abhängig, daß Realkredite nicht mehr an Perſonen außer=
halb
des Bezirks gegeben werden und daß die Kaſſe die
ſogenannte Ausſchließlichkeitserklärung, das heißt, die
Kaſſe ſollte ausſchließlich nur mit der Genoſſenſchaftsbank
verkehren, unterſchrieb. Im Laufe des Jahres 1905 wurde
dann bekannt, daß die Kaſſe ſich doch Geld durch Wechſel=
ausgabe
von anderen Bankinſtituten beſchafft habe. Er ſei
von 1871 bis 1883 in der Bank von Süddeutſchland be=
ſchäftigt
geweſen, und von dieſer Zeit habe er noch in
Verbindung mit dieſer Bank geſtanden. Dieſe Bank habe
ihn darauf aufmerkſam gemacht, daß Wechſel von Nieder=
Modau im Umlauf ſeien, die bei ihr diskontiert wurden.
Daraufhin habe er Nachforſchungen angeſtellt, und es habe
ſich ergeben, daß ſich Nieder=Modau von der Heſſiſchen
Bank gegen Hinterlegung von Sicherheiten Geld durch
Wechſel verſchafft habe. Er habe daraufhin der Bank er=
klärt
: Wenn die Bank Geſchäfte mit Nieder=Modau machen
will, dann ſolle ſie es ganz machen, halb und halb geht
nicht an. Nach längeren Verhandlungen habe ſich dann
dieſe Bank bereit erklärt, die Wechſel, die von Adam, Jſaak
und Pallmann unterſchrieben waren, herauszugeben und
gleichzeitig die hinterlegten Depots unter gemeinſamer
Verrechnung von darunter befindlichen Wechſeln und De=
pots
Adams. Ihrig ſtellt feſt, daß er gegen dieſen Be=
ſchluß
der Bank nichts machen konnte. Er mußte das
Engagement ſo annehmen, wie es beſchloſſen wurde. Die
Sicherheiten Adams hätte er nicht geprüft; ſo viel er noch
wiſſe, betrugen die Sicherheiten mehr als die Wechſel=
ſummen
. Die Adamſchen Wechſel ſeien zunächſt bei der
Genoſſenſchaftsbank auf das Konto Adams geſetzt; ſpäter
zedierte Adam die Sicherheiten an den Nieder=Modauer
Verein, und daraufhin wurde auch die Wechſelſchuld des
Adam auf das Konto Nieder=Modau umgeſchrieben. Das
mag ſeines Erinnerns auf Anregung der Genoſſenſchafts=
bank
geſchehen ſein, da ſie Adam ſatzungsgemäß keinen
Kredit gewähren durfte, ſondern nur vorübergehend zur
geſchäftlichen Abwickelung. Die Heſſenbank erklärte ſich
bei der Abgabe der Wechſel bereit, das Giro dafür zu
übernehmen. Auch mit Wolfsthal wurde in Verhandlung
getreten wegen Ablöſung von 75000 Mark Wechſel. Er
erhielt den Auftrag hierzu von Nieder=Modau. Auf ſeine
Nachforſchungen nach den Grundlagen dieſes Wechſelge=
ſchäfts
ſagte ihm Adam, das wären Geſchäfte mit Pall=
mann
, dem man Kredit gegeben habe, das käme aber nicht
mehr vor.
Im Jahre 1908 erfuhr Ihrig dann, daß die Verab=
redung
mit der Genoſſenſchaftsbank von Nieder=Modau
abermals gebrochen worden ſei und daß wiederum Wechſel
herausgegeben worden ſeien. Die Frankfurter Gewerbe=
bank
und auch andere Banken fragten an, in welchen Ver=
hältniſſen
ſich Nieder=Modau befinde. Er habe der Frank=
furter
Gewerbebank geantwortet, der Nieder=Modauer
Spar= und Kreditverein habe bei anderen Banken keinen
Kredit in Anſpruch zu nehmen. Es wurden daraufhin
auf ſeine Veranlaſſung durch Verbandsreviſoren Nachfor=
ſchungen
angeſtellt, ob die Wechſel in den Büchern Nieder=
Modaus enthalten ſind. Es wurde gefunden, daß die
Wechſel in den Büchern nicht erſchienen ſind. Die Wechſel
der Gewerbebank wurden dann von der Genoſſenſchafts=
bank
mit Regreßanſpruch gekauft, um einen Beweis gegen
die Kaſſe in Händen zu haben. Daraufhin ſei er dann an
die Kaſſe herangetreten mit der Aufforderung: Entweder
ihr entlaßt den Adam und Roßmann, oder die Genoſſen=
ſchaftsbank
bricht die Beziehungen mit Nieder=Modau ab.
An eine Fälſchung der Unterſchrift durch Adam hat ſelbſt=
verſtändlich
niemand gedacht. Der Vorſitzende fragt den
Angeklagten, ob er nicht den Gedanken gehabt habe, daß

es ſchon eine Untreue des Rechners Adam war, daß er
weſentliche Belaſtungen des Vereins vornahm, ohne
irgend eine Buchung. Ihrig meint, daran habe er damals
nicht gedacht; er habe darin nur einen Verſtoß
gegen die Ausſchließlichkeitserklärung er=
blickt
. Er könne ſich unmöglich um die Verhältniſſe der
600 heſſiſchen Genoſſenſchaften kümmern; das ſei lediglich
Sache des Reviſionsverbandes. Durch ſein Eingreifen
ei damals der Konkurs des Vereins verhütet worden. Die
Wechſelverbindlichkeiten Iſaaks und Pallmanns mit der
Unterſchrift des Nieder=Modauer Vereins über 170000
Mark ſeien in einer gemeinſamen Konferenz am 8. Juli
1909 geregelt worden. Die Summen wurden gegen Wech=
ſel
von der Landwirtſchaftlichen Kreditbank in Frankfurt
am Main abgelöſt und dadurch Nieder=Modau vollſtändig
von dieſer Verpflichtung befreit. Er habe ſpäter noch=
mals
mit Pallmann Rückſprache genommen, und bei dieſer
Unterredung habe er Pallmann energiſche Vorhalte ge=
macht
. Er habe dann auch zwei Blankoakzepte herausge=
geben
, und P. und Jſaak unterſchrieben dann auch eine
Erklärung, daß ſie keine Blankoakzepte in den Verkehr
bringen würden.
Jſaak erklärte dieſe Unterſchrift damit, daß ihm ſein
Vertreter ſagte, wenn er von Blankoakzepten noch nichts
gewußt habe und auch nichts wiſſe, könne er erſt recht
unterſchreiben.
Ihrig geht dann auf das Arrange=
ment
zwiſchen Kreditbank und Genoſſenſchaftsbank näher
ein. Jſaak ſei damals mit mehreren Vorſchlägen an ihn
herangetreten, er habe ihn aber immer wieder abgewieſen,
Da trat Jſaak nochmals heran; er habe aus der Bilanz
erſehen, daß die Bank für 300000 Mark Bayern habe, durch
die große Verluſte entſtanden ſeien. Es biete ſich hier eine
gute Gelegenheit, die Bayern zu einem guten Preis los=
zuwerden
. Jſaak habe vorgeſchlagen, die Genoſſenſchafts=
bank
ſolle gegen einen Wechſel der Kreditbank über 500000
Mark für 300000 Mark Bayern geben, 130000 Mark an
Wolfsthal für Wechſel Iſaaks, 15000 Mark als Kredit=
oder
Riſikoprämie und 55000 Mark für Delkredere des
Vereins Nieder=Modau. Urſprünglich habe Jſaak die Be=
dingung
geſtellt, die Kreditbank ſolle nur 240000 Mark
Bayern und er die anderen 60000 Mark erhalten, damit er
auf dieſe Weiſe zu ſeinem Gelde kommen könne. Die Ver=
handlungen
ſeien dann zwiſchen den Banken direkt geführt
worden. Die Erklärung über das Konto für Nieder= Mo=
dau
dem Unterſuchungsrichter gegenüber, mit dieſem
Konto wollte Jſaak vielleicht ſein Gewiſſen entlaſten, er=
klärt
Ihrig, er habe dies nur als Möglichkeit hingeſtellt;
damals habe er nicht daran gedacht. Seines Erinnerns
ſei die Summe für eventuelle Verluſte Nieder=Modaus
aus der Wechſelverpflichtung der 170000 Mark beſtimmt
geweſen. Da dieſer Wechſel von der Kreditbank eingelöſt
wurde, ſei das Konto erledigt geweſen. Zunächſt habe die
Kreditbank Anſpruch darauf erhoben, dann die V.=V.=G.,
da ſie die Engagements Jſaaks übernommen hatte. Beide
verzichteten dann darauf, und er, Ihrig, habe dann bei
Bekanntwerden des hohen Verluſtes den Augenblick für
gekommen erachtet, dieſen Fonds dem Nieder=Modauer
Verein zur Verfügung zu ſtellen unter der Bedingung, daß
der Verluſt bereits übernommen iſt. Als er Beck gefragt
habe, wie es möglich war, daß ein derartiger Verluſt ent=
ſtehen
konnte, antwortete ihm Beck, Vorſtand und Auf=
ſichtsrat
haben beſchloſſen, die dubioſen Forderungen in
die ſonſtigen Forderungen einzuſtellen. Er habe ihm dar=
auf
geſagt, das dürfen Sie doch nicht tun; worauf Beck er=
widerte
, das habe ihm ein Reviſor ſo geſagt.
Ihrig habe darauf dem Beck geſagt, das ſei eine ſehr
gefährliche Sache, die er da gemacht habe. Die Bilanz

vom 20. November 1909 habe er, Ihrig, in der General=
verſammlung
vorgetragen; es ſei auch mitgeteilt worden,
daß ein Verluſt entſtanden ſei, der vom Vorſtand und
Aufſichtsrat übernommen worden ſei. Einzelheiten ſeien
eines Erinnerns auch mitgeteilt worden. Nachdem be=
chloſſen
war, die 275000 Mark dem Vorſtand und Auf=
ſichtsrat
aufzuerlegen, ſei auch beſchloſſen worden, Ab=
ſchreibungen
vorzunehmen. Wie dies geſchehen ſollte,
könne er ſich nicht mehr erinnern. Am 5. Februar 1910
ei der Beamte Neff von dem Pfälziſchen Genoſſen=
ſchaftsverband
eingetreten, und zwar auf Veranlaſſung
des Reviſors Müller, da Beck zu befreundet mit den Vor=
tandsmitgliedern
ſei. Er ſolle genau überwachen, daß
auch die eingehenden Gelder ordnungsgemäß verwendet
werden. Außerdem wurde noch eine Kommiſſion gebildet.
Inzwiſchen war die von Beck gefälſchte Bilanz vorgelegt
worden, die mit einem Verluſt von 22700 Mark abſchloß.
Damals wurde dann der Wunſch ausgeſprochen, daß die
Bilanz, insbeſondere die Zinsrückſtände, einer nochmali=
gen
Nachprüfung unterworfen werden. Da hat ſich dann
herausgeſtellt, daß für 1909 noch ein Verluſt von 40000
Mark beſtand, insgeſamt 520000 Mark. Zunächſt weigerte
ſich Vorſtand und Aufſichtsrat, auch dieſen Verluſt zu
übernehmen; ſpäter taten ſie dies doch. Ihm, Ihrig, ſei
damals von verſchiedenen Seiten mitgeteilt worden, daß
verſchiedene Mitglieder des Vorſtandes und Aufſichtsrats
begannen, ihr Vermögen beiſeite zu ſchaffen. Er ſei des=
halb
dazu geſchritten, die Schuldanerkenntnis durch Son=
derſicherheiten
ſicher zu ſtellen. Auf Grund einer Verein=
barung
mit dem Finanzminiſterium habe dieſes die Fi=
nanzämter
angewieſen, das Vermögen und das Einkom=
men
der auf Grund der Vorlage des Mitgliederverzeich=
niſſes
angegebenen Perſonen ſummariſch anzugeben. Das
verſteuerte Vermögen wurde auf 400000 Mark angegeben.
Die Bilanz zeigte darauf einen Gewinn von 780
Mark, und es wurde auch eine Dividende ausgezahlt.
Er habe bei der Auszahlung der Dividenden nichts gefun=
den
, denn es war ja nicht anzunehmen, daß neue Verluſte
entſtehen könnten. Die Verluſte von 400000 Mark, die
noch in 1910 ſich herausſtellten, kamen daher, daß von den=
enigen
, die die Bilanz prüften, verſichert wurde, daß
keine Außenſtände mehr vorhanden wären, die nicht ge=
nügend
geſichert ſeien. Es ſtellte ſich heraus, daß für ſolche
große Konten, wie das Konto Adam und Roßmann, über=
haupt
keine Sicherheiten vorhanden waren.
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