Darmstädter Tagblatt 1913


19. März 1913

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176. Jahrgang
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Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 30 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die kaiſerliche Familie trifft am 2. April zu
mehrtägigem Aufenthalt in Homburg ein.
Wie verlautet, ſoll ſich das Plenum des Bundesrats
heute, Mittwoch, mit den neuen Heeres= und
Steuervorlagen beſchäftigen.
Der franzöſiſche Senat nahm geſtern bei Be=
ratung
der Wahlreform einen Zuſatzantrag, den die
Regierung unter Stellung der Vertrauens=
frage
zurückwies mit einer Mehrheit von
43 Stimmen an. Das Miniſterium wird in=
folgedeſſen
demiſſionieren.
Der Prinz von Wales iſt geſtern vormittag, von
London kommend, in Köln eingetroffen. Er reiſt von
dort nach Düſſeldorf, Koblenz und Heidelberg.
Von maßgebender Seite wird erklärt, die Großmächte
ſind in allen Fragen einig und haben die Balkan=
ſtaaten
aufgefordert, die Vermittelung der Mächte
ohne Einſchränkung anzunehmen und die Feindſelig=
keiten
einzuſtellen.
An der norwegiſchen und engliſchen Küſte wütete am
Montag ein ſtarker Sturm. Der Stettiner Dampfer
Perugia iſt an der norwegiſchen Küſte geſun=
ken
. Die ganze Beſatzung von dreißig Mann iſt
anſcheinend umgekommen.

Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
19. März 1813: Errichtung des Zentral=Verwaltungsrates,
an deſſen Spitze Stein tritt.
Marſchall Davouſt läßt die Dresdener Elbbrücke ſpren=
gen
und verläßt die Stadt.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 5 und 6.

Die Deckungsfrage,
die Konſervativen und Fürſt
Bismarck.

O Der konſervative Parteitag hat in einer
Entſchließung erklärt, daß er feſtſtehe auf den bundes=
ſtaatlichen
Grundlagen des Reiches‟. Daß dieſe
Erklärung in bezug auf die Deckung der Heeresvorlage
abgegeben wurde, geht aus der Parteitagsrede des Grafen
Weſtarp, vor allem aber aus der Kreuzztg. hervor. Das
konſervative Hauptorgan nennt es in ſeiner Ausgabe vom
16. d. M. ein durch die Sache in keiner Weiſe bedingtes
Opfer, wenn die Deckung der Wehrvorlage zur Gelegenheit
würde, die Finanzhoheit der Bundesſtaaten und damit
den föderativen Charakter des Reiches anzutaſten. Aus
dieſem Grundſatz hat die Kreuzztg, die praktiſchen Fol=
gerungen
ſchon im voraus durch die Art gezogen, wie ſie
am 9. d. M. den Gedanken erörterte, auch zum Zwecke der
Deckung der fortlaufenden Ausgaben der Heeresvorlage
den Beſitz zu beſteuern. Sie griff damals auf den von kon=
ſervativer
Seite ſtammenden Vorſchlag zurück, eine
dauernde Beſitzſteuer ſollte in der Weiſe aufgebracht wer=
den
, daß der Bundesrat den einzelnen Bun=
desſtaaten
nach irgend einem ja leicht auffind=
barem
(?) Maßſtabe die Quoten an der notwendigen Ge=
ſamtſumme
zuweiſt und es den Bundesſtaaten überlaſſen
bleibt, ſelbſt eine Form der Beſteuerung zu finden. Ihre
Zuſtimmung zu dieſem Vorſchlage faßte die Kreuzztg. in
folgenden Sätzen zuſammen:
Man kann ſehr wohl überlegen, ob es nicht im beſt=
verſtandenen
Reichsintereſſe liegt, wenn in dieſem Falle
dem föderativen Charakter des Reiches ausgiebig Rechnung
getragen wird. Wenn die verbündeten Regierungen der
Ueberzeugung ſind daß außer der einmaligen noch eine
fortlaufende Beſitzſteuer unbedingt erforderlich iſt, ſo wer=
den
ſie ja weniger ihre Aufgabe darin ſehen können, eine
beſtimmte Steuerreform gegen den Willen großer natio=
naler
Parteien und einzelner Bundesſtaaten dem ganzen
Reiche aufzuzwingen, als darin, die gewünſchte Summe
überhaupt vom Beſitz zu erhalten.
Damit entfernt ſich die Kreuzztg. von dem grundſätz=
lichen
Standpunkte, den Fürſt Bismarck in der Frage
der eigenen Einnahmen des Reiches einge=
nommen
hat. In der Reichstagsſitzung vom 1. Mai 1872
hat er hierüber geäußert:
Ich halte die eigenen Einnahmen des Reiches für in
ſo hohem Grade wichtig, daß ich nicht glaube, daß ein ſei=
ner
Verantwortung ſich bewußter und von dem richtigen
Intereſſe für den Beſtand und die Fortentwickelung des
Reiches beſeelter Kanzler jemals ſeine Zuſtimmung dazu
geben wird, daß die eigenen Einnahmen des Reiches ohne
hinlänglichen Erſatz vermindert werden. Die Anweiſung
auf andere Steuern iſt problematiſch, die Anweiſung auf
Matrikularbeiträge kann ich nicht annehmen. Wenn von
ſeiten ſolcher Elemente, die ich als zentriſugale bezeichnen
möchte, die Hinweiſung auf die Matrikularbeiträge bereit=

willig entgegengenommen wird, als Erſatz für die eigene
Reichsſteuer ſo kann ich mir das ſehr leicht erklären, indem
aus einem Reiche, welches nur auf Matrikularbeiträge be=
gründet
wäre, in Fällen, die ich nicht vorausſehen und nicht
erleben mag, die Freizügigkeit außerordentlich erleichtert
wird. Man würde ſeine Sachen beim Auszuge ſehr bald
mitnehmen können.
In denſelben Zuſammenhang gehört die nachſtehende
Aeußerung Bismarcks aus dem Jahre 1874, die Poſchinger
in ſeinem Buche Bismarck als Volkswirt berichtet:
Wenn es gälte, dem Deutſchen Reiche eine mäch=
tige
, unerſchütterliche finanzielle Grund=
lage
zu geben, welche demſelben eine dominierende
Stellung verleiht und es in organiſche Verbindung
bringt mit allen öffentlichen Intereſſen in Staat. Provinz,
Kreis und Gemeinde, dann würde ich dabet ſein, dann
würde ich mir noch einmal etwas zumuten. Das wäre
eine große und würdige Aufgabe, die mich reizen könnte.
Fürſt Bismarck hielt es eben, wie er in der Reichstags=
rede
vom 2. Mai 1879 ſich ausdrückte, für unerwünſcht, daß
das Reich ein läſtiger Koſtgänger bei den
Einzelſtaaten ſei. Und auch in der Reichstagsrede
vom 26. März 1886 hat er es als nichtnützlich bezeich=
net
, wenn das Reich auf die Unterſtützung der Einzel=
ſtaaten
, auf deren Matrikularbeiträge irgendwie angewie=
ſen
iſt. Dieſe Auffaſſung des Reichsbaumeiſters darf bei
der Regelung der Deckungsfrage nicht vergeſſen werden.
Gilt doch für die Reichsfinanzen in beſonders hohem Maße
das Bismarckſche Wort, daß das Reich kein Anbau an
das Gebäude der Einzelſtaaten, ſondern daß es die um=
faſſende
Wölbung iſt, unter der die einzelnen Staaten in
ihrer Geſamtheit wohnen, und die zu pflegen die Aufgabe
aller iſt.

Licht und Schatten bei der
Arbeiterverſicherung.

* Zu dieſer in letzter Zeit auch im Reichstage ſo leb=
haft
erörterten Frage nimmt in ſehr bemerkenswerter
Weiſe einer der hervorragendſten Sachverſtändigen auf die=
ſem
Gebiete, Prof. Dr. Stier=Somlo, Köln, im Zen=
tralblatt
der Reichsverſicherung Stellung, indem er erklärt:
Gegenwärtig werden täglich bei den drei Verſicherungs=
zweigen
zwei Millionen Mark für Entſchädigungen aufge=
wendet
. Die Vermögensbeſtände betragen ſchon 2,5 Mil=
liarden
Mark. Prof. Stier=Somlo iſt der Meinung, daß ſo
einfach, wie dies vielfach geſchieht, die ſtets erneuten und
durch einwandfreie Unterlagen unterſtützten Klagen derer,
die eine Ueberlaſtung mindeſtens befürchten, nicht abzutun
ſeien. Eine Ueberlaſtung der Induſtrie und der Unter=
nehmer
ſei wohl noch nicht eingetreten, es ſei aber nicht
ausgeſchloſſen, daß ſie bald eintreten wird, wenn in der=
ſelben
Weiſe wie in der letzten Zeit mit unſerer ſozial=
politiſchen
Geſetzgebung fortgefahren wird. Beſonders die
Angeſtelltenverſicherung ſei bei aller Anerkennung ihres.
guten Grundgedankens eine ſehr ſtarke und nicht unbedenk=
liche
Belaſtung gerade des mittleren Unternehmers. Wenn
auch den hohen finanziellen Anforderungen große ideelle
Vorteile gegenüberſtehen, die zahlenmäßig ſchwer darzu=
ſtellen
ſind, ſo gebe es doch auch eine Grenze in der Pro=
duktivität
des Unternehmens, von der wir bei der ſozial=
politiſchen
weiteren Belaſtung nicht allzuweit entfernt
ſeien. Man dürfe nicht vergeſſen, daß es im Deutſchen
Reiche, ungeachtet von wirtſchaftlichen Kriſen, im ganzen
genommen ſeit Errichtung des Reiches immer gut gegangen
iſt, und daß wir ſtets in der Aufwärtsbewegung waren
Man rechne immer mit guten Zeiten, nicht mit denen gro=
ßen
Umſchwungs, bei denen wir auch einmal auf die
Schattenſeiten des Daſeins gedrängt werden könnten, man
rechne tatſächlich nicht mit Krieg, Aufruhr und innerer Er=
ſchlaffung
, trotz des bedenklichen Rückganges unſeres
Geburtenüberſchuſſes. Viele Sozialpolitiker dächten
aucht nicht recht daran, daß infolge der ſtarken
Bevölkerungszunahme der Nahrungsſpielraum inner=
halb
Deutſchlands immer enger und deshalb die
wirtſchaftliche Behauptung und Selbſtdurchſetzung
immer ſchwieriger wird. Endlich verdiene auch
unſere ſteigende Steuerbelaſtung eine größere Berück=
ſichtigung
. Die Laſten der Reichsverſicherung dürften nicht
für ſich betrachtet werden, man müſſe auch feſtſtellen, was
dem Unternehmer an Abgaben für das Gemeinweſen über=
haupt
zugemutet wird. Die geldlichen Folgen der ſegens=
reichen
Arbeiterſchutzgeſetze im Deutſchen Reiche zu Un=
gunſten
der Arbeitgeber müßten auch in Rechnung geſtellt
werden. Einer Verminderung der für die wirtſchaftlich
ſchwächeren Schichten des Volkes eingeführten Wohltaten
ſolle nicht im mindeſten das Wort geredet werden. Gerade
aber um das Erreichte nicht zu gefährden, müſſe man wün=

ſchen, daß zunächſt einmal mit der Verfolgung weiterer
Wünſche und Anſprüche innegehalten wird, bis ſich der
gegenwärtige Rechtszuſtand eingebürgert hat und ſich alle
Kreiſe, beſonders die wirtſchaftlich dadurch belaſteten, ihm
angepaßt haben. Mit erweiterten Leiſtungen ſollte ſo lange
zurückgehalten werden, bis dazu auch die wirtſchaftlichen
Vorausſetzungen vorhanden ſind. Es gebe keine größere
Gefahr für die Sozialpolitik, als die Ueberſpannung der
Forderungen.

Deutſches Reich.

Die Heeresvorlage. Heute Mittwoch ſoll,
wie verlautet, das Plenum des Bundesrats zuſammen=
treten
, um über die neuen Heeres= und Steuervorlagen
Beſchluß zu faſſen. Während man wohl bald zu einer Er=
ledigung
der Militärvorlagen kommen dürfte, ſcheinen nach
dem Berliner Lokal=Anzeiger die Verhandlungen über die
neuen Finanzgeſetze ſich noch etwas hinziehen zu ſollen,
da es noch nicht möglich war, die ausſchlaggebenden einzel=
ſtaatlichen
Finanzverwaltungen unter einen Hut zu brin=
gen
. Es ſei mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Vor=
ſchlag
wegen der Uebernahme der Stempelabgaben auf das
Reich doch noch als Bundesratsbeſchluß dem Reichstag
zugehe. Die Vorſchläge zur Reſtdeckung werden ſich viel=
leicht
nach einer ganz anderen Richtung bewegen, als bis=
her
meiſt angenommen wurde. Wie der Hanſabund mit=
teilt
, kommen nach zuverläſſigen Mitteilungen Kohlen=
ſteuern
, Dividendenſteuern und Kotierungsabgaben nicht
in Frage.
Wahlen in der Reichsverſicherung.
-
Die neue Reichsverſicherungsordnung ſichert, wie bekannt,
den Arbeitgebern in den Krankenkaſſen größere Rechte als
bisher bei der Wahl des Vorſitzenden wie bei der An=
ſtellung
der Kaſſenbeamten. Zurzeit wird in der Arbeit=
geberſchaft
darauf hingewirkt, daß ſich nunmehr wiederum
die Arbeitgeber in größerem Umfange an den Wahlen zu
den Organen der Kaſſen beteiligen, um dieſe neuen Rechte
auch in der Praxis in Wirkſamkeit zu ſetzen. Es wird
hervorgehoben, daß die Beteiligung an den Wahlen für
die Arbeitgeber um ſo bedeutſamer iſt, weil dieſe maß=
gebend
ſind für die Beſtellung der Verſicherungsvertreter
bei den Verſicherungsbehörden (Verſicherungsamt, Ober=
verſicherungsamt
und Reichsverſicherungsamt). Weiter
wird zurzeit Stimmung dafür gemacht, daß bei den Wah=
len
zu den Verſicherungsbehörden die Arbeitgeber und die
nichtſozialdemokratiſchen Verſicherten zuſammengehen.
Das Zentrum und die Deckungsfrage.
Auf dem in Gelſenkirchen abgehaltenen Märkiſchen Zen=
trumsparteitage
verbreitete ſich der Abg. Trimborn über
die neue Wehrvorlage und erklärte, laut der Kölniſchen
Volkszeitung, daß zur Deckung der laufenden Ausgaben
keine neuen Steuern auf den Maſſenkonſum gelegt werden
dürften. Die Regierungen müßten es vermeiden, durch
Aufrollung der Frage der Steuer auf das Erbe der Witwen
und Kinder den Streit unter den bürgerlichen Parteien
wieder zu entfachen. Für die Bewilligung der einmaligen
Vermögensabgabe würden ſich die Parteien wahrſcheinlich
ſchnell zuſammenfinden.
Neue landesgeſetzliche und Bundes=
ratsbeſtimmungen
zum Hausarbeits=
geſetz
. Seitens der Bundesſtaaten, in deren Bereich
Fachausſchüſſe auf Grund des Hausarbeitsgeſetzes vom
20. Dezember 1911 errichtet werden ſollten, werden zurzeit
Geſetzentwürfe vorbereitet, die ſich mit der näheren Ein=
richtung
der Fachausſchüſſe befaſſen. Dieſe landesgeſetz=
liche
Regelung der Sache ſoll tunlichſt bis zum Inkrafttreten
der Fachausſchüſſe für die Hausarbeit erfolgt ſein, ſo daß
alſo mit der Vorlegung entſprechender Entwürfe in den
Landtagen in der nächſten Zeit gerechnet werden kann.
Seitens des Bundesrats werden ferner demnächſt Beſtim=
mungen
ergehen, die ſich auf die Einrichtung der Fachaus=
ſchüſſe
für Hausarbeit beziehen, in denen die Orte feſt=
geſetzt
ſind, die für die Einrichtung der Fachausſchüſſe ge=
wählt
ſind. Dem Bundesrat liegt bereits eine ganze
Reihe von beſtimmten Vorſchlägen vor, in denen Zentral=
punkte
für die verſchiedenen Arten der Hausarbeit als Orte
für die zu errichtenden Fachausſchüſſe bezeichnet werden.
U. a. ſind Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg,
München, Bielefeld, München=Gladbach, Stuttgart, Nürn=
berg
=Fürth, Königsberg i. Pr., Krefeld, Erfurt uſw. in
Vorſchlag gebracht worden. Weiter hat der Bundesrat Be=
ſtimmungen
gemäß § 34 des Hausarbeitsgeſetzes, betreffend
die Errichtung und die Zuſammenſetzung der Fachaus=
ſchüſſe
, ſowie über das Verfahren zu erlaſſen. Ein Ent=
wurf
der von ihm zu erlaſſenden Beſtimmungen iſt bereits

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Seite 2

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1915

Nummer 66.

ausgearbeitet, ſo daß eine Erledigung der Angelegenheit
durch den Bundesrat in nächſter Zeit ſtattfinden dürfte.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Verſtändigung mit der Oppoſition in
Ungarn. Die Blätter beſprechen den Beſuch des füh=
renden
Oppoſitionsmannes Zoltan Deſy bei dem Grafen
Khuen=Hedervary, dem Präſidenten der Regierungspar=
tei
, und knüpfen hieran die Hoffnung an eine Verſtändi=
gung
mit der Oppoſition, damit der gegenwärtige anor=
male
Zuſtand beſeitigt wird. Man verhehlt ſich jedoch
nicht, daß eine ſolche Verſtändigung beträchtlichen Schwie=
rigkeiten
begegnen werde, obwohl das Anſehen Heder=
varys
bei allen Parteien ſeiner Aktion große Bedeutung
verleihe.
Frankreich.
Die Wahlreform. Bei der Beratung der Wahl=
reform
im Senat äußerte Jeanneney, der als Berichterſtat=
ter
der Kommiſſion fungiert, die Anſicht, die Minorität
hätte nur ein einziges Recht, nämlich dasjenige, für ihre
Ideen Propaganda zu machen. Er fügte ausdrücklich hin=
zu
, die Kommiſſion würde niemals den von der Kammer
vorgeſchlagenen Modus einer Minderheitsvertretung an=
nehmen
. Als der Berichterſtatter ſagte, man habe für die
Annahme des Geſetzes unter Umſtänden agitiert, die einer
Gefahr von außen analog wären, machte Miniſterpräſident
Briand eine Gebärde des Proteſtes. Der Berichterſtatter
ſchloß: Der Senat wird das Verfahren der Wahlquotienten
ablehnen. Die Linke applaudierte lebhaft. Darauf wurde
die Sitzung aufgehoben.
Kredit für die nationale Verteidigung.
Die Budgetkommiſſion der Kammer billigte den Bericht
über den Geſetzentwurf betr. die Aufnahme eines Kredits
von 420 Millionen für die nationale Verteidigung und be=
ſchloß
, daß alljährlich die Finanzkommiſſionen der Kam=
mer
und des Senats je eine Unterkommiſſion von fünf
Mitgliedern ernennen ſollen, die über die Verwendung der
für die Nationalverteidigung angeforderten Kredite eine
ſtändige Kontrolle zu üben haben.
England.
Das engliſche Militärflugweſen. Das
Memorandum des Kriegsminiſters Oberſt Seely zum Mi=
litäretat
teilt über das Flugweſen folgendes mit: Vier
Fluggeſchwader mit 128 ausgebildeten Fliegern ſind auf=
geſtellt
. Für das Etatsjahr 1913/14 werden von den ins=
geſamt
acht Geſchwadern, die als die zum auswärtigen
Dienſt verfügbare Macht empfohlen ſind, ein fünftes und
ſechſtes Geſchwader gebildet. Das Memorandum behan=
delt
dann die Schwierigkeit, eine genügende Zahl von
Aeroplanen und geübten Aviatikern zu erlangen. Die Er=
fahrung
, die man bei dem Aeroplan=Wettbewerb im letzten
Auguſt im praktiſchen Gebrauch der Maſchinen und durch
die Unterſuchungen einer Kommiſſion gewonnen habe, habe
die Auswahl der Maſchinen für die Zukunft ſehr erleichtert.
Die größte Schwierigkeit beſtehe noch immer darin, Aero=
plane
britiſchen Fabrikats zu beſchaffen. Es würden jedoch
Schritte getan, dem abzuhelfen. Der Etat ſieht die Ver=
mehrung
des Fliegerkorps auf über 1000 reguläre Offi=
ziere
und Mannſchaften außer dem Stab der Fliegerſchule
und denjenigen vor, die man auf der Baſis einer Spezial=
Reſerveformation zu gewinnen hofft. Auch die Zahl der
Flugzeuge ſoll erheblich vermehrt werden, Für den ge=

ſamten Flugetat werden 501 000 Pfund Sterling gefordert.
Die bereits gemeldete Summe von 234000 Pfund Sterling
ſtellte nur die Koſten für die Flugzeuge dar, was erſt aus
dem jetzt veröffentlichten Memorandum klar hervorgeht.
Vereinigte Staaten.
Außerordentliche Tagung des Kon=
greſſes
. Präſident Wilſon hat durch eine Proklamation
den Kongreß zu einer außerordentlichen Tagung auf den
7. April einberufen.
Japan.
Japaniſch=chineſiſche Annäherung. In
Gegenwart des Generalgouverneurs und des japaniſchen
Konſuls fand in Mukden die Gründung einer Abteilung
der japaniſch=chineſiſchen Vereinigung ſtatt, die eine poli=
tiſche
Annäherung Japans und Chinas anſtrebt. Bei einer
Umfrage der chineſiſchen Regierung, ob ein Bündnis mit
Amerika oder Japan für China vorteilhafter ſei, ſprachen
ſich die Generalgouverneure der Mandſchurei für ein
Bündnis mit Japan aus.

* München, 17. März. Den Mittagsblättern zu=
folge
kam zwiſchen dem bayeriſchen Staate und
den Lech=Elektrizitätswerken in Augs=
burg
ein Vertrag zuſtande, nach welchem den Lech= Elek=
trizitätswerken
die Elektrizit ätsverſorgung des
größten Teiles von Schwaben und eines Teiles von Ober=
bayern
übertragen wird.
* London, 18. März. Der Prinz von Wa=
les
beſucht, bevor er ſich nach Stuttgart begibt, zunächſt
Köln, Düſſeldorf, Koblenz und Heidelberg. Unter ſeinem
Gefolge befindet ſich der Profeſſor Dr. Fiedler von der
Univerſität Oxford.
* Ein päpſtlicher Jubiläums=Erlaß.
Der Oſſervatore Romano veröffentlicht einen apoſtoliſchen
Brief, durch den die Feier des Jubiläums des der Kirche
durch Kaiſer Konſtantin gegebenen Friedens feſtgeſetzt
wird. Der apoſtoliſche Brief feiert zunächſt das große und
glückliche Ereignis, durch das vor ſechzehn Jahrhunderten
der Kirche der Friede gegeben wurde, fordert die Katholi=
ken
vor allem zu mildtätigen Werken auf, ermahnt ſie, die
Gebete zu Gott, der Jungfrau, allen Heiligen und beſon=
ders
zu den Apoſteln zu verdoppeln und ordnet die Feier
eines Jubelfeſtes an. Dann heißt es wörtlich weiter: Alle
in Rom wohnenden oder nach Rom kommenden Gläu=
bigen
, die vom Weißen Sonntag an bis zum Feſte der un=
befleckten
Empfängnis zweimal die Kirchen St. Johann
im Lateran, St. Peter und St. Paul beſuchen und dort
für das Gedeihen und die Erhöhung der Kirche und des
Heiligen Stuhles, die Ausrottung der Ketzerei, die Be=
kehrung
aller Sünder, die Eintracht unter den chriſtlichen
Fürſten, den Frieden und die Einigung unter allen chriſt=
ichen
Völkern beten, einmal beichten und nach ihrem Ver=
mögen
Almoſen ſpenden, ſollen aus Anlaß des Jubiläums
vollſtändigen Ablaß erhalten; auch denjenigen, die nicht
nach Rom kommen können, wird vollſtändiger Ablaß ge=
währt
werden, wenn ſie ſechsmal die Kirchen ihres Lan=
des
beſuchen, die von den Biſchöfen beſtimmt werden, und
die anderen Werke der Frömmigkeit vollſtändig erfüllen.
Dieſer vollſtändige Ablaß kann auch für die Seelen im
Fegefeuer durch Fürbitte gewährt werden. Des weiteren
trifft der apoſtoliſche Brief beſondere Beſtimmungen, da=
mit
auf See fahrende Reiſende, Mitglieder des Regular=
klerus
, Gefangene und Kranke den gleichen Ablaß erhalten
können.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 19. März.

* Vom Hofe. Die Großherzogin empfina am
Montag vormittag 11 Uhr 45 Minuten im Neuen
Palais Frau Staatsminiſter Rothe Exzellenz und
hierauf Freiin von Follenius. (Darmſt. Ztg.)

* Großh. Regierungsblatt. Die Beilage Nr. 4
vom 18. März, hat folgenden Inhalt: 1. Dienſtnach=
richten
. 2. Promotionen an der Großh. Landesuniverſität
im Jahre 1912. 3. Charaktererteilungen. 4. Verſetzungen
in den Ruheſtand.
g. Strafkammer. Wegen umfangreichen Kre=
ditbetrugs
hatte ſich geſtern vor der hieſigen Straf=
kammer
der 55jährige Kaufmann Leonhard Lulay aus
Heppenheim an der Bergſtraße zu verantworten. Der An=
geklagte
iſt erſt Anfang 1909 nach Verbüßung einer Ge=
fängnisſtrafe
von 1 Jahr und 6 Monaten, die er wegen
gleicher Vergehen erhielt, aus dem Gefängnis entlaſſen
worden. Nach ſeiner Angabe gelang es ihm nicht, eine
Stellung als Kommis zu erhalten, weshalb er einen klei=
nen
Hauſierhandel betrieb. Einen offenen Laden beſaß
er nicht. Während der Jahre 1911 und 1912 beſtellte er
bei Firmen, deren Adreſſen er aus Fachzeitungen feſt=
ſtellte
, Waren, die ihm auch meiſt ohne weiteres auf Kredit
verabfolgt wurden. Einige Firmen waren vorſichtiger
und ſandten die Waren per Nachnahme, die der Angeklagte
nicht einlöſte, da ihm dazu die Mittel fehlten. Im ganzen
ſind ihm 14 Fälle des vollendeten Betrugs, bei denen
er die Firmen um 500600 Mark ſchädigte, und außerdem
noch 13 Fälle des verſuchten Betrugs zur Laſt gelegt. Zu
der Verhandlung war eine ſehr große Anzahl Zeugen
geladen, die zum großen Teil das gleiche bekunden. Sie
lieferten zwei= oder dreimal Waren, ohne Auskunft ein
zuholen, einmal, weil es ſich ſtets um geringe Werte (30
bis 60 Mark) handelte und dann, weil der Angeklagte den
Anſchein erweckte, als ob die betreffenden Waren ſchon
bei ihm beſtellt ſeien. Als bei der dritten Beſtellung noch
keine Bezahlung der erſten Sendung erfolgt war, wurde
Zahlung verlangt oder mitgeteilt, daß weitere Lieferun=
gen
nur unter Nachnahme erfolgen könnten. In allen Fäl=
len
ließ dann der Angeklagte nichts von ſich hören. Er
beſtreitet in der geſtrigen Verhandlung entſchieden, die
Abſicht gehabt zu haben, die Firmen zu ſchädigen. Er
habe eine größere Erbſchaft von ſeiner Tante zu erwarten,
und hiervon hätte er ſeine Schulden bezahlt. Das Gericht
zieht die Notlage des Angeklagten mildernd in Betracht
und verurteilte ihn zu 1 Jahr Gefängnis, worauf
ihm noch 5 Monate der Unterſuchungshaft angerechnet
wurden. Außerdem erkannte es auf einen dreijährigen
Verluſt der bürgerlichen Ehrenrechte.
* Von der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemein=
ſchaft
. Im Namen der Großh. Regierung vollzogene
Ernennungen und Beförderungen (1. Februar bis
1. März 1913): zu Lokomotivführern die Lokomotivheizer
Kornmann zu Worms, Mayer zu Ober=Roden,
Rech, Jacob II. zu Alzey, Ruppel zu Groß=Gerau
und Schuhmacher zu Darmſtadt; zu Lokomotiv=
heizern
die Hilfsheizer Anſorge zu Mainz, Sauer=
wein
zu Frankfurt a. M. und Weitzel zu Biſchofs=
heim
; zum Weichenſteller 1. Klaſſe der Weichenſteller
Roß zu Darmſtadt und zum Weichenſteller der Aus=
helfer
Göbel zu Mainz.
* Heſſiſcher Sparkaſſenverband. Der von uns und
anderen Zeitungen veröffentlichte Bericht über den
letzten Verbandstag ſoll, wie uns geſchrieben wird, in
allen weſentlichen Punkten unzutreffend ſein. Die Be=
ſtimmungen
des preußiſchen Sparkaſſengeſetzes über die
Anlage in Wertpapieren wurden nicht als nachahmens=
oder
erſtrebenswert erachtet, ſondern im Gegenteil durch=
aus
ablehnend behandelt, wie ſich überhaupt die Ver=
ſammlung
gegen jeden geſetzlichen Zwang oder ſonſtigen
Eingriff in das den öffentlichen Sparkaſſen zuſtehende
Selbſtverwaltungsrecht ausgeſprochen hat. Ganz falſch iſt
die Angabe, daß die Sparkaſſen in bezug auf den Re=
ervefonds
nicht überall den geſetzlichen Vorſchriften ent=
prechen
würden, was bei keiner einzigen heſſiſchen Spar=
aſſe
zutrifft und auch bei dem von der Regierung wirk=
ſam
ausgeübten Aufſichtsrecht und Prüfung der Rechnun=
gen
durch die Oberrechnungskammer ganz ausgeſchloſſen
iſt. Zur Beratung ſtand lediglich die Frage, in welcher
Höhe die Bereithaltung flüſſiger Mittel und leicht flüſſig
zu machender Werte, wozu in erſter Linie Staats= und
Reichsanleihen gehören, für die Sparkaſſen wünſchens=
wert
ſei. Da einige kleine Sparkaſſen in der Anſchaffung
ſolcher Werte etwas zurückſtehen, wurde beſchloſſen, daß

David Livingſtone.
Zum 100jährigen Geburtstag des Miſſionars und Afrika=
reiſenden
. 1813 19. März 1913.
Von Dr. Lipſius.
Nachdruck verboten.)

Leider ſteht noch immer ein großer Teil namentlich
der gebildeten Chriſten den Beſtrebungen der äußeren
Miſſion, die ſich auf den Befehl Jeſu (Matth. 28, 19)
ſtützt, teils indifferent, teils direkt ablehnend gegenüber
Das geringe Intereſſe an der Chriſtianiſierung fremder
Völker, dem man in den meiſten Kreiſen begegnet, wird
einmal begründet mit dem wenig Verſtändnis für den
Wert der chriſtlichen Religion verratenden Einwande,
man ſolle doch ruhig jeden nach ſeiner Faſſon wie der
alte Fritz meinte, ſelig werden laſſen, das andere Mal
durch den Hinweis auf die geringen Fortſchritte der Hei=
denbekehrung
, die in gar keinem Verhaltnis zu dem Auf=
wande
an koſtbarer Zeit, mühevoller Arbeit, Geſundheit
und Geldmitteln ſtünden. All den Einwänden liegt ein
Hauptirrtum zugrunde, bewußt oder unbewußt: ſie halten
die Miſſionsbeſtrebungen lediglich für eine religiöſe, die
Kirche intereſſierende Angelegenheit, und überſehen da=
bei
, daß es ſich hier zugleich um eine eminent kulturelle
Frage handelt, die alle ohne Unterſchied, die Kulturnatio=
nen
in erſter Linie, angeht. Unſere Miſſionare ſind, ab=
geſehen
von ihrem Prediger= und Lehramt, Kulturträger
im beſten Wortſinne, ſei es, daß ſie der Sklaverei ent=
gegentreten
, ſei es, daß ſie jenen tiefſtehenden Nationen
in der Einrichtung geſunder und behaglicher Wohnſtätten,
im rationellen Ackerbau und der Viehzucht, in der Pflege
gemeinnütziger Anſtalten uſw. an die Hand gehen, ſei es,
daß ſie ihnen durch ihr eigenes Vorbild den hohen Segen
eines geordneten Haus= und Familienweſens vor Augen
ſtellen und ſie für eine wahrhaft ſittliche Lebensführung
zu begeiſtern ſuchen. Gerade die hervorragendſten Kultur=
pioniere
in fremden Weltteilen waren urſprünglich und
eigentlich Miſſionare.
Das gilt auch von David Livingſtone, deſſen
Verdienſte um die Afrikaforſchung grundlegend geweſen
ſind für alle ſpäteren gleichen und ähnlichen Beſtrebun=
gen
. Sein Leben und ſein Wirken fallen zuſammen, ſo=
fern
erſteres ganz im Dienſte ſeiner Forſchungs= und
Miſſionsarbeit ſtand. Freilich wurde auch ihm, wie ſo
vielen großen Männern, nicht an der Wiege geſungen,
wie ſein Lebensſchifflein dereinſt ſegeln und wo es lan=
den
ſollte. Geboren am 19. März 1813 in Blantyre bei
Glasgow (Schottland), trat er zunächſt in eine Baum=
wollſpinnerei
ein. Aber wie ſeinem Volke, war auch ihm
ein ernſter religiöſer Sinn angeboren. Daher trieb er
ſchon frühzeitig nebenbei theologiſche Studien und ver=
nachläſſigte
auch die Medizin nicht, denn es bildete ſich

je länger, je beſtimmter bei ihm die Ueberzeugung aus,
daß er ſeinen Lebensberuf nur als Miſſionar im fernen
Heidenlande werden erfüllen können. Und dazu gehörer
außer theologiſchen auch tüchtige mediziniſche Kenntniſſe.
So innerlich und äußerlich vorbereitet, trat er in den
Dienſt der Londoner Miſſionsgeſellſchaft, die ihn im
Jahre 1840 als Miſſionar nach Kapland ſandte. Hier in
Südafrika war Livingſtones eigentliches Arbeitsgebiet.
Es kann in dieſer Skizze nicht unſere Aufgabe ſein, dem
unermüdlichen Reiſenden auf ſeinen zahlloſen Kreuz= und
Querzügen in Südafrika bis nordwärts ins Gebiet der
zentralafrikaniſchen großen Seen, in dem man die ſagen=
haften
Nilquellen vermutete, zu folgen. Wir können ſie
nur in großen, allgemeinen Zügen ſkizzieren. Nachdem
Livingſtone von ſeiner Miſſionsſtation im Betſchuanen=
land
die ungeheure Wüſte Kalahari bis zum Ngamiſee
durchſtreift hatte (1849), gelang es ihm, auf einer neuen
Reiſe den Oberlauf des in den Indiſchen Ozean münden=
den
Sambeſi zu erreichen (1851) und ganz Südafrika
weſtwärts bis Loanda am Atlantiſchen Ozean zu durch=
reiſen
(1853 bis 1856). Das bedeutſamſte Reſultat die=
ſer
mit ungewöhnlichen Strapazen aller Art verknüpften
Reiſe in Gebieten, die vorher kaum eines Weißen Fuß
betreten hatte, war die Entdeckung der großartigen
Waſſerfälle des Sambeſi, die er zu Ehren der britiſchen
Königin Viktoriafälle nannte (1855). Dieſe wichtige Ent=
deckung
lenkte auch die Aufmerkſamkeit der engliſchen Re=
gierung
auf den kühnen, erfolgreichen Forſcher. Nach
kurzem Aufenthalte in der Heimat trat er im Jahre 1858,
und zwar in Gemeinſchaft mit ſeinem Bruder Charles
und fünf anderen Europäern, im Auftrage der Regier=
ung
eine weitere Forſchungsreiſe ins Innere Afrikas an.
Sie führte ihn von der Mündung des Sambeſi den Schire,
einen linken Nebenfluß desſelben, der dem Nyaſſa=See
entſtrömt, aufwärts bis zu dieſem gewaltigen Seebecken,
das er am 16. September 1859 entdeckte. Nun folgte aber=
mals
ein vorübergehender Aufenthalt in der Heimat
deſſen Zweck neben Stärkung und Erholung die Ausrüſt=
ung
zu weiteren Forſchungsreiſen war. Dämmerte doch
bereits in dem unerſchrockenen Reiſenden die leiſe Ahn=
ung
, daß in dem von ihm ſo erfolgreich durchſtreiften Ge=
biete
die ſo lange vergeblich geſuchten Nilquellen zu fin=
den
ſeien und ihm vielleicht die Löſung eines Jahr=
tauſende
alten Rätſels gelingen könnte (caput Nili
quaerere‟, d. h. das Haupt, die Quelle des Nils ſuchen
war ſchon bei den Alten eine ſprichwörtliche Redens=
art
für die Ausführung von etwas Unmöglichem). Ueber
Bombay landete er (1866) in Sanſibar, zog den in den
Atlantiſchen Ozean mündenden Rovouma aufwärts, um=
ging
das Südufer des Nyaſſa=Sees, erreichte den Tan=
ganjika
=See (1867) und entdeckte dann, ſich nordweſtwärts
wendend, den Lualaba, den weſtlichen Hauptquellfluß
des gewaltigen Kongoſtromes. Dieſen, den Lualaba, ver=
folgte
er ſtromaufwürts und entdeckte ſo den Maexo=See

und den Bangweolo=See (1868). Von hier zog er wie=
der
nordwärts zum Tanganjika nach Udſchidſchi.
Von dieſer Zeit an (1869) blieb der kühne Forſcher
verſchollen, und ganz Europa, die geſamte Kulturwelt,
bangte um deſſen Schickſal. Da war es der hochherzige
Beſitzer des New=York Herald, J. G. Bennett, der den
Afrikareiſenden H. M. Stanley (eigentlich hieß dieſer
Rowland, kam ins Armenhaus, wurde Schiffsjunge und
ſpäter von einem reichen Kaufmann namens Stanley
adoptiert) beauftragte, den ſeit faſt 2 Jahren verſchollenen
Livingſtone aufzuſuchen. Im Januar 1871 langte Stanley
in Sanſibar an, von wo er mit etwa 200 Mann zum Tan=
ganjika
aufbrach. In Udſchidſchi traf er dann am 10. No=
vember
den berühmten Forſcher krank und in großer Be
drängnis an. Beide machten dann gemeinſam verſchie=
dene
Reiſen nach dem Nordende des Sees, bis Unian=
jembe
, worauf Stanley nach Europa zurückkehrte (März
1872). Die Reiſe, die gegen 200000 Mark gekoſtet hatte,
beſchrieb er ausführlich in dem Werke: Wie ich Living=
ſtone
fand, das das größte Aufſehen erregte. Dieſer
aber, Livingſtone, begab ſich dann um das Südende des
Tanganjika=Sees nach dem Bangweolo=See, in deſſen
Zuflüſſen er die Nilquellen vermutete. Hier, bei Tſchi=
tambo
, erlag der mutige Forſcher der heimtückiſchen Dyſen=
terie
am 1. Mai 1873, 60 Jahre alt. Unterdeſſen war
auf Stanleys Anregung eine neue Expedition unter Ca=
meron
aufgebrochen, um Livingſtone neue Hilfsmittel zu=
zuführen
. In Tabora, öſtlich vom Tanganjika, traf dieſe
Expedition am 4. Auguſt (1873) mit der Leiche Living=
ſtones
zuſammen, die von deſſen treuen Dienern unter
ungeheuren Beſchwerden nach der Oſtküſte gebracht wurde.
Von hier wurde ſie nach England übergeführt und unter
großer Feierlichkeit in der Weſtminſterabtei in London,
der Ruhmeshalle aller bedeutenden Engländer, beigeſetzt.
An der Stätte ſeines Todes wurde ihm ſpäter ein Obe=
lisk
errichtet, während ſein Name in der Miſſionsſtation
Livingſtonia am Südoſtufer des Nyaſſa=Sees, im Living=
ſtonegebirge
in Deutſch=Oſtafrika am Nordoſtende des ge=
nannten
Sees u. a. m. weiterlebt.
Livingſtones Verdienſte gehören der Geſchichte an.
Indem er zuerſt im Jahre 1849 den Ngama=See erreichte,
und das weite Gebiet des Sambeſi, ſowie um die Seen
Nyaſſa, Tanganjika, Moero und Bangweolo durchforſchte,
bahnte er den in ſeine Fußſtapfen tretenden Forſchern
die Pfade und muß als einer der erſten und erfolgreich=
ſten
gelten, die das damals unglaublich ſcheinende Wag=
nis
unternahmen, nicht nur Licht über den dunkeln Erd=
teil
zu verbreiten, d. h. unſere Kenniniſſe über ihn zu
bereichern, ſondern auch Licht in denſelben hineinzutra=
gen
nämlich das helle Licht der Ziviliſation und Ge=
ſittung
, das in der Lehre Jeſu am meiſten und ſieghafte=
ſten
ſtrahlt.

[ ][  ][ ]

Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Seite 3.

in Zukunft Sparkaſſen bis zu 10 Millionen Mark Ein=
lagen
mindeſtens 10 Prozent und größere Sparkaſſen
entſprechend mehr, im Maximum mindeſtens 15 Prozen=
ihres
jährlichen Einlagenzuwachſes in Staats= und
Reichsanleihen anlegen ſollen und daß die Sparkaſſen
ſich in dieſer Beziehung freiwillig der Kontrolle des Ver=
bandes
unterwerfen. Dieſer Beſchluß unterliegt jetzt der
Zuſtimmung der einzelnen Sparkaſſenvorſtände.
* Künſtlerfeſt. Man ſchreibt uns: Die Vor=
bereitungen
zu dem Künſtlerfeſt, das die Mitglieder des
Großh. Hoftheaters am 5. April im Saalbau, wie alljähr=
lich
, zum Beſten der Wohlfahrtseinrichtungen der Deut=
ſchen
Bühnen=Genoſſenſchaften veranſtalten, werden mit
großem Eifer betrieben; es verſpricht eines der glänzendſten
zu werden. Zur perſönlichen Leitung des Konzert
Teiles hat ſich kein geringerer als der Generalmuſik=
direktor
Fritz Steinbach=Köln bereit finden laſſen.
Der Kirchengeſangverein der Paulusgemeinde
veranſtaltet ſeine diesjährige Paſſionsfeier am Karfreitag
in der Pauluskirche. Die hierbei gebotenen Geſangſtücke
ſind ſämtlich Werke unſeres einheimiſchen Tonkünſtlers
Profeſſor Arnold Mendelsſohn. Außer dem Neuen
Judaslied, einem Duett mit Chor, und der Choral=
paraphraſe
für Frauenchor, Orgel und Streichinſtrumente
über den Choral: O Lamm Gottes unſchuldig kommen
ur Aufführung zwei Geſänge für Sopran= und Altſolo:
So hoch der Himmel über der Erde iſt und der
42. Pſalm, und endlich die beiden größeren Werke für
Chor, Orgel und Orcheſter: Das Leiden des Herrn
und Auferſtehung letzteres mit Altſolo. Es wird alſo
die Feier zugleich eine kirchen=muſikaliſche Arnold
Mendelsſohn=Veranſtaltung werden und ſchon aus
dieſem Grund weitere Kreiſe intereſſſeren. Als Soliſten
wurden gewonnen Frl. Kleiß=Darmſtadt (Sopran), Frau
Heckelmann=Darmſtadt (Mezzoſopran) und Frau Dr.
Bernoulli=Stuttgart (Alt). Die Orgelbegleitung hat Herr
Organiſt Keil gütigſt übernommen. Der Eintritt iſt frei
gegen Löſung eines Programms für 20 Pfg. Die
vorderen Reihen der Südempore bleiben bis 4½ Uhr
gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte für die inaktiven
Mitglieder des Chors reſerviert.
* Muſikverein. Der Verkauf der Eintrittskarten
für die Aufführung der Bachſchen Matthäus=
Paſſion am Karfreitag und für deren Hauptprobe
am Gründonnerstag erfolgt wie immer in der Berg=
ſtraeßerſchen
Hofbuchhandlung bis Donnerstag ein=
ſchließlich
und in der Einhorn=Apotheke gegenüber der
Stadtkirche gleichfalls von jetzt bis Donnerstag und dort
außerdem am ganzen Karfreitag. Die Angaben der
Plakate und Anzeigen werden hierdurch berichtigt.
Kaufmänniſche Fortbildungsſchule für Mädchen.
Man ſchreibt uns: Am Montag ſchloß die Lehranſtalt
Kaufmänniſche Fortbildungsſchule für Mädchen ihe
Schuljahr mit einer öffentlichen Prüfung ab. Geprüft
wurde in der Buchführung, in der Wechſellehre, im Fran=
zöſiſchen
und im Engliſchen. Von einer Prüfung in der
Stenographie ſah man ab, da die aufgelegten Hefte ja
davon Zeugnis ablegten, wie darin gearbeitet worden iſt.
Zuerſt prüfte die Leiterin der Schule, Fräulein Ruths
die Schülerinnen in der Buchführung, Wechſellehre und
Korreſpondenz. An zahlreichen praktiſchen Beiſpielen
konnten dieſe ihr Wiſſen darin zeigen. Die gegebenen Ant=
worten
bewieſen, daß die Schülerinnen mit dieſen Stoffen
gut vertraut gemacht worden waren. Darauf wurde im
Franzöſiſchen und Engliſchen geprüft. Auch hier bewieſen
die präziſen Antworten, daß die Lehrerin und die Schüle=
rinnen
mit großem Fleiße gearbeitet hatten. Die Lei=
ſtungen
darin ſind um ſo mehr zu bewundern, als manche
Schulerin beim Eintritt in die Anſtalt noch gar kein Fran=
zöſiſch
und Engliſch gelernt hatte. Jetzt aber, am Schluſſe
desSchuljahres, waren ſie ganz gut imſtande, in einem begrenz=
ten
Rahmen ſich mündlich und ſchriftlich verſtändlich aus=
zudrücken
für Lehrende und Lernende ein ehrendes
Zeugnis. Auch die zahlreichen Hefte, die aus den verſchie=
denen
Unterrichtszweigen aufgelegt waren, beweiſen den
außerordentlichen Fleiß, den beide Teile an den Tag ge=
legt
haben. Von den Schülerinnen haben 7 bereits Stel=
lung
, und zwar haben ſie die verſchiedenartigſte Verwen=
dung
auf den Bureaus gefunden. Die an Oſtern 1912 ab=
gegangenen
Schülerinnen ſind alle unter ſehr günſtigen
Verhältniſſen angekommen. Anmeldungen neu eintreten=
der
Schülerinnen ſind ſchon erfolgt.
Der Velozipedklub Darmſtadt hielt im Kaiſerſaal
ſeine Generalverſammlung ab, die außerordentlich zahl=
reich
beſucht war. Es wurde mitgeteilt, daß die Mit=
gliederzahl
des Klubs auf 212 angewachſen iſt. Der
Rennbetrieb ſoll am 5. Mai mit einem großen Rennen
auf der Bahn an der Heidelberger Straße eröffnet werden.
Den wichtigſten Punkt der Tagesordnung bildete die
Vorſtandswahl. Der langjährige Vorſitzende des
Klubs, Herr Ulrich, der wegen Wegzugs nach Mann=
heim
ausſcheidet, wurde zum Ehrenmitglied ernannt.
Zum 1. Vorſitzenden wurde der bisherige 2. Vorſitzende,
Herr Karl Bau er, zum 2. Vorſitzenden Herr Hofſchau=
ſpieler
Schneider gewählt. Im übrigen waren die
Verhandlungen interner Natur.

* Zu der Exploſion in der Mädchenmittelſchule. Die
bei der Exploſion ſchwerverletzte Schülerin Anna Käm=
merer
iſt am Montag abend im Krankenhaus ver=
ſtorben
.
* Hundeausſtellung. Man ſchreibt uns verſpätet:
Bei der am 16. und 17. März in Frankfurt abgehaltenen
Hundeausſtellung, zu der nahezu 1000 Hunde gemelde
waren, hatte der Verein der Hundefreunde von Darm=
ſtadt
und Umgegend einen vollen Erfolg. Sämtlich=
von
den Mitgliedern ausgeſtellte Hunde erhielten Aus=
zeichnungen
und zwar: Ph. Oeſtreicher=Darmſtadt
für Bernhardiner zwei I. Preiſe und 2 Ehrenpreiſe,
Rechtsanwalt Rohde für Airedale=Terrier einen I,
einen II. und einen III. Preis, Ph. Schnell für
Dobermannpinſcher einen I. und einen II. Preis, Wilh.
Faiſt für Zwergpinſcher einen I. und einen II. Preis,
Karl Feldmann=Crumſtadt für Dobermannpinſcher
zwei I., einen II., einen III. und einen IV. Preis, Wilh.
Klippel=Griesheim für Dobermannpinſcher einen II.
einen IV. und einen Reſerve=Preis, Fr. Will=Grube
Meſſel für Pudel einen II. und einen III. Preis, Wilh.
Gerbig II.=Worfelden für Foxterrier einen Reſerve=
Preis und Peter Kraft=Hof Gräfenbruch für Jagd=
hunde
drei I., zwei II. und zwei Ehrenpreiſe.
* Das Reſidenztheater am weißen Turm bringt für
zwei Tage, da Freitag geſchloſſen, einen für Darmſtadt
neuen Monopolfilm, das zweite Bild der Treumann=
Larſen=Serie: Abenteuer der Lady Glane nach dem
gleichnamigen Roman. Ab Samstag kommt eine neue
Aufnahme des Kinowerkes Der fremde Vogel mit Aſta
Nielſen zur Vorführung. (S. Anz.)

Hanſa=Bund.

Am Montag abend hat die ordentliche Mitglieder=
verſammlung
der Bezirksgruppe Darmſtadt des
Hanſa=Bundes mit daran anſchließenden Sitzungen des
Geſamtausſchuſſes, ſowie des geſchäftsführenden Aus=
ſchuſſes
ſtattgefunden. Es wurde der Jahresbericht er
ſtattet, aus welchem hervorgeht, daß dem Geſamtausſchuſ
zurzeit 66 und dem geſchäftsführenden Ausſchuß 25 Mit=
glieder
aus den verſchiedenſten Erwerbskreiſen angehören.
Das ſtatutengemäß ausſcheidende Drittel der Mitglieder
des Geſamtausſchuſſes, ſowie des geſchäftsführenden Aus=
ſchuſſes
wurde wiedergewählt. Dem geſchäftsführenden
Ausſchuß wurde Kaufmann Ludwig Joſeph, i. F. Lud=
wig
Joſeph, hinzugewählt. Das gegenwärtige Präſidium,
beſtehend aus den Vorſitzenden Bankdirektor C. Parcus
Geh. Kommerzienrat Dr. L. Merck und Obermeiſter Karl
Lautz, ſowie aus den ſtellvertretenden Vorſitzenden Emil
Schenck, Fritz Becker und Hans Tölcke, wurde wiedergewählt
Im Jahre 1912 haben 2 Sitzungen des Geſamtausſchuſſes, ſo=
wie
3 Sitzungen der vereinigten Ausſchüſſe für Handwerk
und Kleinhandel und 3 Sitzungen des Angeſtellten= Aus=
ſchuſſes
ſtattgefunden. Dem von ſeiten der Verſammlung
geäußerten Wunſch, es möchten zu den Sitzungen der letz=
teren
Ausſchüſſe neben dem Präſidium auch die Mitglie=
der
des geſchäftsführenden Ausſchuſſes zwecks fortwähren=
der
Information eingeladen werden, wurde ſtattgegeben.
Im abgelaufenen Jahre haben eine größere Anzahl von
Hanſa=Bund=Sitzungen, beſonders Zentralausſchuß= Sitz=
ungen
für die Geſamtintereſſen des Handwerks, des Ein=
zelhandels
der Angeſtellten, ſowie der Geſchäftsführer, der
Ortsgruppenvorſtände und Vertrauensmänner in Berlin
ſtattgefunden. Beſonders vertreten war die Bezirksgruppe
Darmſtadt auf der Tagung des Geſamtausſchuſſes am 12.
Juni 1912 durch Handelskammerſyndikus Dr. Human und
Konrad Wilhelm, Prokuriſt der Firma Ernſt Weis, ſowie
gelegentlich der Hanſa=Woche im November und beſon=
ders
auf dem allgemeinen zweiten Deutſchen Hanſatag
am 17. November 1912 durch den Vorſitzenden, Bankdirek=
tor
C. Parcus, Fabrikant Richard Drews in Eberſtadt und
Handelskammerſyndikus Dr. Human.
Im Jahre 1912 hat ſich die Bezirksgruppe Darmſtadt
eingehend mit der Frage der Fleiſchteuerung beſchäftigt
Eine endgültige Löſung dieſer Frage konnte jedoch leider
noch nicht erzielt werden. In dem Ausſchuß für Hand=
werk
und Kleinhandel ſind die Fragen des Borgunweſens,
der kaufmänniſchen Buchführung und des mittelſtändiſchen
Kreditweſens ſehr ausführlich unter Zuziehung der Darm
ſtädter Innungen und ſonſtigen gewerblichen und kauf=
männiſchen
Vereinigungen behandelt worden. Die ſchwer=
wiegenden
Fragen des Borgunweſens, ſowie einer ge
eigneten kaufmänniſchen Buchführung für den Mittelſtand
erſcheinen der Löſung nahe. Bezüglich des Ausbaues des
mittelſtändiſchen Kreditweſens ſind noch weitere Beratun=
gen
in Ausſicht genommen. Der Angeſtellten=Ausſchuß
hat neben anderen wichtigen Beratungsgegenſtänden die
Frage der Gewährung von Sommerurlaub an Angeſtellte
in mehreren Sitzungen erörtert. Es wurde in der Ver=
ſammlung
auf Grund der Ermittelungen und Vorſchläge
dieſes Ausſchuſſes beſchloſſen, von ſeiten des Hanſa= Bun=
des
ein Schreiben mit zu unterzeichnen, welches den Fir=
men
des Bezirks mit der Bitte zugehen ſoll, es möchten
den Angeſtellten regelmäßige Erholungsurlaube gewährt

werden. Weiter wurde beſchloſſen, der Zentrale des
Hanſa=Bundes eine Anzahl von Fabrikanten vorzuſchla=
gen
, welche geeignet erſcheinen, in den neu gegründeten
Induſtrierat des Hanſa=Bundes in Berlin einzutreten.
Von der Tatſache daß das Präſidium des Hanſa=Bundes
in Berlin beſchloſſen hat, die offizielle Zeitſchrift Hanſa=
Bund vom 1. April d. J. ab in noch weiter verbeſſerter
Ausſtattung monatlich einmal herauszugeben und den
mehr als 200000 Einzelmitgliedern völlig koſtenlos zuzu=
ſtellen
, wurde mit Befriedigung Kenntnis genommen. Am
Schluſſe der ſehr anregenden Verſammlung wurden noch
Mißſtände im Submiſſionsweſen beſprochen, mit deren
möglichſter Abſtellung die Zentrale in Berlin, welche ge=
rade
in dieſer Frage außerordentlich umfangreiche Arbeiten
geleiſtet hat, betraut werden ſoll.

Die Freiwillige Feuerwehr Darmſtadt

hielt in der Reſtauration Zur Roſenhöhe eine außer=
ordentliche
Hauptverſammlung ab, die von der Mann=
ſchaft
zahlreich beſucht war. Nach Erledigung innerer An=
gelegenheiten
des Korps hielt der Kommandant, Brand=
direktor
L. Fiſcher, einen hochintereſſanten Vortrag
über die Entwickelung des Feuerlöſchweſens in Deutſch=
land
und insbeſondere in Heſſen. Der Redner betonte:
der Kampf gegen Schadenfeuer und deſſen verheerende
Wirkungen iſt ſo alt als die Ziviliſation. Mit der Gründ=
ung
bleibender Wohnſtätten vermehrte ſich auch die
Feuersgefahr. Die erſten Spuren eines Feuerlöſchdienſtes
finden ſich bei den Römern zur Zeit des Kaiſers Auguſtus,
wo einer Abteilung Soldaten der Löſchdienſt übertra=
gen
wurde, wobei es aber an allen Löſcheinrichtungen
gemangelt habe. Der Hauptgegenſtand des Löſchweſens
war die Feuerſpritze, die ſich aus der primitiven Hand=
ſpritze
zur heutigen Autoſaug= und Druckſpritze entwickelt
hat. Eingehend ſchilderte der Redner die vorzeitlichen
primitiven Löſchgeräte und deren umſtändlichen Trans=
port
zur Brandſtelle, ſo daß oft das Haus abgebrannk
war, ehe Hilfe erſchien. Mit der Vermehrung und Ver=
größerung
der Städte ging auch die Verbeſſerung des
Feuerſchutzes Hand in Hand und veranlaßte den Erlaß
von Feuerlöſchordnungen und die Bildung geſchulter
Feuerwehren im Deutſchen Reiche. Zurzeit beſtehen im
Reiche 17745 freiwillige und 5660 Pflichtfeuerwehren mit
zuſammen 1 271 191 Mannſchaften (995711 freiwillige und
75 480 Pflichtfeuerwehrleute). Zu ihrer Verfügung ſtehen
377 Dampf=, Gas= und Motorſpritzen, 28 788 Spritzen mit
und 16714 Spritzen ohne Saugwerk, zuſammen 45872
Stück. Unglücksfälle ſind von 19031908 vorgekommen
14832, wofür 2323000 Mark Entſchädigung gezahlt wur=
den
. Berufsfeuerwehren beſtehen zurzeit im Deutſchen
Reiche 70. Unerläßlich für eine Feuerwehr iſt der Feuer=
melde
= und Alarmierungsdienſt, den der Redner eingehend
ſchilderte und unſere ſtädtiſchen Einrichtungen als muſter=
gültig
bezeichnete. Ebenſo eingehend behandelte er die
zum Feuerſchutz notwendigen anderen Löſchgeräte, mit
deren gründlicher Inſtandhaltung die Schlagfertigkeit der
Feuerwehr beſonders erhöht werde.
Hochintereſſante Streiflichter warf der Redner auf die
früheren Löſchvorrichtungen in Darmſtadt und die
Bildung der freiwilligen Feuerwehr durch die Initiative
der Turngemeinde Darmſtadt und deren Entwickelung auf
ihren jetzigen Stand. Das Kommando und der Vorſtand
der Feuerwehr haben ſich ſtets bemüht, die Löſcheinricht=
ungen
der Stadt zeitgemäß, auch unter Berückſichtigung
der Koſten, zu geſtalten. Großer Dank für die ſtete Bereit=
willigkeit
und Unterſtützung dieſer Beſtrebung gebühre
in erſter Linie Großh. Polizeiamt und der Stadtver
waltung für die ſtete Bereitwilligkeit bei Bewilligung der
Anſchaffungskoſten. Mit dem Gelöbnis, die freiwillig
übernommenen Pflichten zum Schutze der Stadt vor
Feuersgefahr, zur Ehre des Berufs auch weiter zu er=
füllen
, ſchloß Kommandant Fiſcher ſeine hochintereſſan=
ten
Ausführungen, die bei der Mannſchaft reichen Beifall
fanden.
Brandmeiſter Vogel ſprach Herrn Branddirektor
L. Fiſcher den Dank der Feuerwehr Darmſtadt aus
und widmete ihm ein dreifaches Gut Wehr. Nachdem
noch auf die Frühjahrsübungen hingewieſen und um
pünktliches Antreten erſucht wurde, ſchloß die Verſamm=
lung
um 11 Uhr.

* Wixhauſen, 18. März. Man ſchreibt uns: Die am
Sonntag abgehaltene, von Herrn Beigeordneten Peter
Frey geleitete öffentliche Verſammlung nahm einen wür=
digen
Verlauf. Herr Peter Stiedenrot gab in ſeiner ein=
ſtündigen
Rede den Jahresbericht des Verkehrsausſchuſſes
und wies nochmals auf die berechtigten Wünſche hin.
Aus dem Jahresbericht iſt zu erſehen, daß eine ſehr rege
Tätigkeit entfaltet wurde. In der Diskuſſion wurde noch
auf verſchiedene Mißſtände hingewieſen, welche nächſtens
zur Beratung kommen. Als zweiter Redner erhielt Herr
Georg Volz das Wort, er beſpricht die Debatte im heſſi=
ſchen
Landtag, wendet ſich gegen die Ausführungen des
Herrn Finanzminiſters Dr. Braun und begründet dann

Feuilleton.

P. Medaillen=Ausſtellung in München. Der allge=
meine
künſtleriſche Aufſchwung der letzten Jahrzehnte iſt
auch ſolchen Kunſtzweigen zugute gekommen, deren Aus=
übung
in Zeiten mangelnden Zuſammenhangs zwiſchen
Kunſt und Leben zu Unrecht vernachläſſigt wurde. Die
Miniaturmalerei iſt wohl endgültig tot, dagegen gibt die
alte Majolika=Kunſt wieder kräftige Lebenszeichen von ſich,
auch mit der Gobeline=Kunſt hat man wieder erfolgreiche
Verſuche gemacht. Neuerdings haben ſich unſere Plaſtiker
auch wieder der Medaillen=Kunſt zugewendet, die früher
meiſt von den Goldſchmieden ausgeübt wurde und in
Deutſchland ſo tüchtige Vertreter hatte, wie den Augs=
burger
Hans Schwarz, den Nürnberger Ludwig Krug,
ferner Friedrich Hagenauer und Peter Flötner. In der
gegenwärtig im Münchener Kunſtverein ſtattfindenden
Medaillen=Ausſtellung machen wir die Bekanntſchaft von
etwa zwanzig modernen Vertretern dieſer Kleinkunſt, unter
denen ſich manche befinden, die den Vergleich mit den
beſten alten Medailleuren nicht zu ſcheuen brauchen.
Eines nur iſt nicht recht erſichtlich, warum die meiſten
dieſer modernen Medailleure ſo gerne archaiſierende For=
men
bevorzugen und ihren Arbeiten auch äußerlich ein
antikes Gepräge geben wollen. Dieſen verſchönernden
Schmuck der Abglättung und Patinierung ſollten ſie der
Arbeit der Zeit überlaſſen. Von den Künſtlern, welche
eigene Gedanken haben und ihren Medaillen ein modernes
Gepräge zu geben wiſſen, ohne doch die verhältnismäßig
engen formalen Grenzen, die dieſer plaſtiſchen Feinſchmecker=
kunſt
gezogen ſind, zu überſchreiten, iſt vor allem Jan
Wyſocki zu nennen, der ſich von den alten Formen wohl
am ſelbſtändigſten zu emanzipieren gewußt hat. Auch
Adolf Seiler hat das Weſentliche der Aufgabe erfaßt. Seine
Porträt=Medaillen vereinigen in ſelten glücklicher Weiſe

lebendige Charakteriſtik und jene monumentalen Elemente,
die mit der Vorſtellung ſolcher für die Dauer beſtimmten,
dem Gedächtnis und der Erinnerung dienenden Kunſt=
werke
unzertrennlich ſind. Prächtige Stücke des gleichen
Künſtlers ſind auch der tanzende Faun die Fauns=
maske
und der Fahnenträger‟ Das Neckiſch=Geniale
und Feierlich=Repräſentative beherrſcht Adolf Seiler in
gleicher Weiſe. Vortrefflich iſt eine Medaille des Prinz=
Regenten Luitpold von Bernhard Bleeker. Auch Hans
Schwegerle iſt mit ausgezeichneten Arbeiten vertreten
Das Publikum beginnt bereits auf die feinen Reize der
Medaillenkunſt wieder aufmerkſam zu werden. Die Kunſt=
kritik
könnte ſehr viel mithelfen zur Wiederbelebung die=
ſer
edlen Kunſt, wenn ſie die Medaillen auf den Ausſtel=
lungen
nicht immer nur mit ein paar allgemeinen Worten
flüchtig abtun wollte. Für die Größe eines Kunſtwerkes
iſt doch nicht ſein Umfang maßgebend.
C) Arabesken der neuen Mode. Das Wort Cham=
forts
, daß man die Eleganz nicht ſo an Schnitt und Art
der Tracht, als an dem Drum und Dran der Toilette er=
kenne
, behauptet heute mehr denn je ſeine Geltung. Die
Arabesken der Mode, die in pikantem Gewirr die großen
Grundlinien umſpielen, wollen vor allem beachtet ſein,
wenn die Nüancen des neuen Stils zum rechten Ausdruck
kommen ſollen. Geben doch dieſe kleinen Dinge dem Gan=
zen
erſt den rechten Ton und die moderne Note. In un
ſerem Zeitalter iſt es ja nicht verwunderlich, daß neben
dem typiſch weiblichen Grundton, den die Mode in der
Hervorhebung von Taille und Hüften anſchlägt, ein männ=
licher
Unterton mitſpielt, der in Einzelheiten des Koſtüms
hervortritt. So tragen die Damen beim Promenaden=
koſtüm
jetzt direkte Herrenweſten mit Taſchen, und es
iſt eine ebenſo pikante wie neuartige Geſte der Dame,
wenn ſie mit der Hand in die Weſtentaſche fährt. Zu die
ſer Weſte und dem Schneiderkleid werden weiße Derby=

Handſchuhe getragen mit groben, ſchwarzen Nähten,
die etwas an den Jockei erinnern, und Gamaſchen aus
Antilopenleder oder ſchwarzem Lackleder mit Hornknöpfen
Die Form der Schuhe iſt immer noch amerikaniſch, leicht
eckig, wenn auch die plumpe Breite aufgegeben iſt. Gelbe
und braune Schuhe, die eine zeitlang ſtreng verpönt
waren, tauchen wieder auf; die Schuhe mit braunen
Spitzen, die man ſchon im Winter ſah, waren die Vor=
läufer
dieſer neuen Mode. Das Oberleder muß beim
modernen Fuß verſchieden ſein; es erſcheint häufig ge=
ſtreift
in Gelb und Weiß oder Grau und Weiß. Strumpf=
bänder
, die man durch hygieniſche Strumpfhalter erſetzt
hatte, kämpfen wieder um ihr altes Recht in der Frauen=
kleidung
. Man ſieht entzückende Bänder in feiner Sticke=
rei
, mit niedlichen Roſen geſchmückt und prächtigen Schnal=
len
geziert. Ueberhaupt kontraſtiert die Unterwäſche in
ihrer zarten und duftigen Feinheit mit der etwas derberen
Art des Promenadenkoſtüms in dem die Dame das Männ=
liche
betont. Das Sportmäßige akzentuieren auch ge=
ſtrickte
Sachen, die mehr denn je modern ſind. Man
trägt geſtrickte Shawls und geſtrickte Jacken in möglichſt
lebhaften Farben, und die gleiche Handarbeit iſt in Hand=
taſchen
, ja auch in Lampenſchirmen und Kiſſen beliebt.
Zu den mondänen Neuheiten gehören Flacons aus Por=
zellan
, die offen ſind und mit getrockneten, ſtark duftenden
Blumenblättern gefüllt werden. Das Riechbüchschen iſt
in einer Stoffhülle verborgen, die aber dünn genug iſt,
um das Durchdringen des Duftes zu geſtatten. Die Vor=
liebe
für Porzellan, und zwar beſonders für Meißener,
äußert ſich auch in den neueſten Schirmgriffen, die ſehr
lang ſind, aus mit Gold gefaßtem Porzellan hergeſtellt
werden und nur den einen Fehler haben, ſehr zerbrechlich
zu ſein. Das Hauskleid, bei dem der bisher beliebte
Seidenmouſſelin durch Tüll erſetzt wird und Spitzen die
Hauptgarnierung bilden, ſoll mit dem Raum, in dem es
getragen wird, harmonieren. Die Dame wird alſo die

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Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 66.

folgende Reſolution, welche debattelos am Schluſſe
der Verſammlung Annahme fand: Die heute vom Ver=
kehrsausſchuß
Wixhauſen einberufene öffentliche Ver=
ſammlung
erklärt ſich mit deſſen Arbeiten einverſtanden
und ſpricht ihr Bedauern darüber aus, daß anläßlich der
Debatte im heſſiſchen Landtag zur Eingabe des Verkehrs=
Verbandes der Strecke Frankfurt a. M.Darmſtadt der
Herr Finanzminiſter Dr. Braun in ſeiner Antwort durch=
blicken
ließ, daß den Landorten nur wenig Bedeutung
beigemeſſen wird. Da unſer Ort in ſteter Entwicklung
ſteht, werden wir nach wie vor unſere Wünſche an den
zuſtändigen Stellen vorbringen.
Heppenheim, 18. März. Anfang des Jahres 1912
hatten bei der Bezirksſparkaſſe 11154 Perſonen
Einlagen auf Sparkaſſenbücher im Geſamtbetrag von
11010329 M. Der bare Kaſſenbeſtand betrug 100 441 M.
Verzinslich angelegt ſind 11123313 M. Der Reſerve=
fonds
beträgt 654014 M. 17798 M. wurden kommunalen
und wohltätigen Zwecken überwieſen. Die Verwaltung
der Kaſſe erforderte eine Summe von 17370 M.
-h- Von der Bergſtraße, 18. März. Am Sonntag
wurde bei einem Vortrag des Herrn Pfarrers Werner=
Frankfurt a. M. in der Ortsgruppe Auerbach des Deut=
chen
Flottenvereins Herrn Oberſtleutnant
Mootz in Auerbach durch Herrn Admiral Weſtphal das
Ehrenwart=Abzeichen nebſt Diplom des Flottenvereins
überreicht. Bickenbach erhält mit dem 1. April
einen Gendarm in Station. In Hähnlein
verſtarb am Sonntag nach langem Leiden Herr Bürger=
meiſter
Jakob Rechel. Herr Rechel war viele Jahre
Bürgermeiſter und Mitglied des Kreistages des Kreiſes
Bensheim.
Nauheim, 18. März. Auf dem bekannten in hieſiger
Gemarkung befindlichen großen Gräberfeld vorchriſtlicher
Zeit werden ſeit mehreren Wochen wieder Grabungen
größeren Umfanges von fachmänniſcher Seite vor=
genommen
. Wie wir hören, ſind wieder Brandgräber
und auch ſog. Hockergräber mit den üblichen Beigaben zu=
tage
gefördert worden. Auch römiſche Münzen wurden
gefunden aus der Regierungszeit des Kaiſers Tiberius,
der 14 bis 37 n. Chr. regierte. Nauheim iſt bereits als
Fundort ſehr alter Ueberreſte aus älteſter Zeit in vielen
Muſeen und hiſtoriſchen Sammlungen reich vertreten.
Henſenſtamm, 18. März. Bei dem geſtrigen Gewitter
ſchlug der Blitz in die Scheuer des Landwirts
Franz Bald, die völlig eingeäſchert wurde. Sämt=
liche
Futtervorräte ſind verbrannt, der Schaden iſt jedoch
durch Verſicherungen gedeckt.
Mainz, 18. März. In der geſtrigen Sitzung der
Stadtverordneten wurden die Anträge des
Finanzausſchuſſes und des Oberbürgermeiſters über die
Behandlung der für die Schuldentilgung der
Stadt aufzubringenden Beträge in den ſtädtiſchen Rech=
nungen
gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ange=
nommen
. Durch die neue Buchung werden im Jahre
240000 Mark erſpart, das ſtädtiſche Budget wird überſicht=
licher
und klarer. Der Aenderung der Preiſe für Gas und
Elektrizität wurde einſtimmig zugeſtimmt. Die Schutz=
mannſchaft
, die zurzeit 152 Mann beträgt, wird um 15
Perſonen vermehrt. Zur Beteiligung der Stadt an der
Sonderausſtellung ſtädtebaulicher Einheitspläne auf der
Internationalen Baufach=Ausſtellung in Leipzig wurden
750 Mark bewilligt. Der 79jährige Drehermeiſter A.
Schad, dem das Haus Zum Stein in der Weintor=
ſtraße
gehört, wollte geſtern abend an einem Schornſtein
auf dem Dache etwas nachſehen und ſtürzte dabei 20 Meter
hinab auf die Straße. Schad blieb tot auf dem Platze
liegen.
Worms, 18. März. Nachdem das Skelett eines
Menſſchen beim Umgraben eines Ackers neben der
Schachſchen Mühle gefunden wurde, ſind von maßgeben=
der
Seite weitere Nachgrabungen an derſelben Stelle und
deren Umgebung veranlaßt worden. Hierbei fand man
ein weiteres menſchliches Skelett, das, wie
das erſte, kaum 40 Zentimeter unter der Erdoberfläche,
und zwar in nächſter Nähe in umgekehrter Richtung lag.
Nach Feſtſtellung der Sachverſtändigen handelt es ſich um
die Leichen eines Mannes und einer Frauensperſon, die
vor etwa einem halben Jahrhundert an dieſer Stelle ver=
graben
worden ſind. Sonſtige Gegenſtände, wie Reſte
von Kleidungsſtücken oder dergl., wurden bei den Ske=
letten
nicht gefunden. Näheres konnte vorläufig noch nicht
feſtgeſtellt werden.
Nackenheim, 18. März. Eines der größten
Rheinſchiffe läßt ſich zurzeit der Schiffsbeſitzer
Anſpach von hier erbauen. Das Schiff wird das reſpek=
table
Gewicht von 70000 Zentner tragen
Heidesheim, 18. März. Der Rechner Bieber
wurde am 10. Februar wegen Urkundenfälſchung
und Betrugs verhaftet. Seine Vergehen reichen bis
in das Jahr 1907 zurück. Damals kam er nach Mainz,
verlangte von einem Freund, dem Tapezier W. in der
Rheinallee, eine Bürgſchaft von 100 bis 200 Mark und
bemerkte dabei, wahrſcheinlich habe er das Geld gar nicht
nötig, da er ſehr bald Eingänge erwarte. W. unterſchrieb
einen Blankoſchein, den Bieber an ſich nahm. Er füllte ihn

dann auf 10000 Mark aus und übergab ihn der Sparkaſſe
in Heidesheim ins Depot. Bieber erzählte nach mehreren
Tagen bei zufälligem Zuſammentreffen dem Freunde, er
hätte des Scheines nicht bedurft und dieſen deshalb zer=
riſſen
. Von 1906 bis 1909 war die Kaſſe in Heidesheim
von Bieber um 65000 Mark geſchädigt worden. Als die
Schwindeleien alle herauskamen, wurde Bieber verhaftet
Geſtern hatte er ſich vor der Strafkammer Mainz zu ver=
antworten
. Der Staatsanwalt beantragte gegen den An=
geklagten
drei Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte
Bieber nach kurzer Beratung wegen Fälſchung des Schuld=
ſcheins
und Betrugs und wegen Betrugs bezüglich der
Fälſchung der Scheinhypotheken, ferner wegen Untreue
er hat außerdem ſeiner Tante 450 Mark unterſchlagen
zu zwei Jahren Gefängnis.
Homberg a. d. Ohm. 18. März. Dem heſſiſchen Dich=
ter
Ludwig Maar ſoll in ſeiner Vaterſtadt, Homberg
an der Ohm, ein Denkmal geſetzt werden.
(*) Hirzenhain, 18. März. Einbrecher welche
hieſige Wirtſchaften plünderten, konnten verhaftet und
ns Provinzialgefängnis nach Gießen verbracht werden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 17. März. Wie aus Gmun=
den
gemeldet wird, iſt für den Aufenthalt des Herzogs=
paares
von Cumberland am deutſchen
Kaiſerhof nach den bisherigen Anordnungen nur ein
Tag, nämlich der 27. März, vorgeſehen. Das Herzogspaar
fährt über Nürnberg und Leipzig, wo ein kurzer Aufenthalt
genommen wird, da der Herzog wegen ſeines nervöſen
Leidens weite Strecken nicht gut ohne Unterbrechung rei=
ſen
kann. In Begleitung des Herzogspaares reiſt auch die
Tochter, Prinzeſſin Olga. An der Hochzeit des Prinzen
Ernſt Auguſt und der Prinzeſſin Luiſe werden alle Mit=
glieder
des herzoglichen Hauſes teilnehmen. Nach den
neueſten Meldungen ſoll das jungvermählte Paar ſeine
Flitterwochen in Gmunden verleben. Mit dem Beſuch
des Kaiſers in Gmunden wird in Gmundener Hofkreiſen
im Juli gerechnet. Die Modeausſtellung am
Zoo wurde geſtern nachmitag im Beiſein eines zahl=
reichen
Publikums mit Orcheſtermuſik und Reden feierlich
eröffnet. Den Grundſtock der intereſſanten Veranſtaltung
bildet die Ausſtellung der hieſigen Damenmäntel= Schnei=
derinnung
und des Vereins der Berliner Schneidermeiſter
ür Damen=Konfektion. Hier ſind nicht nur fertige Klei=
dungsſtücke
, iſt nicht Paradegarderobe im gewöhnlichen
Sinne des Wortes ausgeſtellt, ſondern man findet eine
ganze Reihe fertiger und halbfertiger Lehrlingsarbeiten
unter namentlicher Benennung der heranwachſenden Mei=
ſter
der Zukunft. Daneben ſind natürlich all die großen
Firmen von Berlin, Wien, Paris uſw. mit prachtvollen
Koſtüm=Ausſtellungen vertreten. Der Innungsvorſitzende
Heinrich Mägler konnte in ſeiner Eröffnungsanſprache mit
Stolz und Genugtuung auf den ſchönen Erfolg hinweiſen,
den dieſe Ausſtellung bedeutet. Der Morgenpoſt zufolge
hat es nach den neueſten Feſtſtellungen den Anſchein, daß
die Hennigsdorfer Automobilverbrecher
nicht einen Raubmord geplant hatten, ſondern daß es ſich
um einen Racheakt gehandelt habe. Bei einer Ruder=
partie
des akademiſchen Vereins Hütte kenterte durch
den hohen Wellengang ein Boot zwiſchen Pfaueninſel und
Kladow. Hierbei ertrank der Diplom=Ingenieur Laatz.
Fiſcher ſuchten geſtern die Leiche, bisher aber vergeblich.
Eine Liebestragödie mit ſeltenem Ab=
ſchluß
erregte in der Nacht auf Sonntag an der Kott=
buſer
Brücke großes Aufſehen. Gegen 11½ Uhr gingen
ein junger Mann und ein Mädchen, beide ſchluchzend und
leidenſchaftlich aufeinander einſprechend, am Maybachufer
auf und ab. Ein Schutzmann beobachtete ſie, fand aber
keine Veranlaſſung, etwas zu unternehmen. Plötzlich um=
ſchlangen
ſich die beiden auf der Kottbuſer Brücke und
ſtürzten ſich über das Geländer hinweg in den Landwehr=
kanal
. Jetzt machte der Beamte eiligſt den Rettungskahn
los. Es gelang ihm bald, das Mädchen am Arm zu faſſen
und in den Kahn zu ziehen. Der junge Mann war unter=
gegangen
und nicht mehr zu ſehen. Während der Schutz=
mann
mit der Beſinnungsloſen nach dem Ufer ruderte,
neigte ſich plötzlich der Kahn und ſank auf die Seite. Jetzt
ſah er, daß der junge Mann an die Oberfläche gekommen
war und ſich an den Kahn angeklammert hatte. Der Schutz=
mann
brachte beide ans Land. Während er das Mädchen.
das noch immer beſinnungslos war, ausbootete, ergriff
der Mann, bevor er ihn noch nach Namen und Wohnung
fragen konnte, die Flucht. In großen Sätzen ſtieg
er die Böſchung empor, lief davon und entkam. Das
Mädchen wurde nach einer benachbarten Gaſtwirtſchaft
gebracht, wo man ihm die erſte Hilfe angedeihen ließ. Es
kam erſt wieder zu ſich, nachdem es mit einem Wagen dem
Krankenhaus in Buckow zugeführt worden war.
Wiesbaden, 18. März. Die Kaiſerfeſtſpiele
werden bekanntlich hier auch in dieſem Jahre ſtattfinden.
Mit Rückſicht auf die für den Mai geplanten Hochzeits=
feierlichkeiten
in unſerem Kaiſerhaus werden die diesjäh=
rigen
Feſtaufführungen bereits Anfang Mai beginnen und
nur fünf Vorſtellungen, vom 4. bis 8. Mai, umfaſſen.

Weimar, 18. März. Die Pläne zu einem Erwei=
terungsbau
am hieſigen Großherzoglichen
Reſidenzſchloß, mit welchem dem dringenden Man=
gel
an geeigneten Wohnräumen für die Großherzogliche
Familie abgeholfen werden ſoll, haben die Genehmigung
des Großherzogs gefunden. Die ſüdliche offene Hofſeite
ſoll durch einen Verbindungsbau geſchloſſen werden, der
ſich den ruhigen Formen des alten Schloſſes in würdiger
Weiſe einfügt. Die an der Südfront neu zu gewinnenden
Zimmer werden in unmittelbarer Verbindung mit den
Wohnräumen des öſtlichen Flügels ſtehen. Die Pläne für
den Bau hat, wie ſchon mitgeteilt, Prof. Max Littmann
in München entworfen. Bereits in den erſten Wochen des
kommenden Aprils ſoll mit den Arbeiten begonnen
werden.
Dresden, 17. März. Juſtizrat Dr. Körner ein
vielbeſchäftigter Rechtsanwalt Dresdens, iſt vor einiger
Zeit nach Lindau am Bodenſee gereiſt und nach Zurück=
laſſung
ſeines Gepäcks im Hotel dort verſchwunden.
Körner war zuletzt etwas ſchwermütig. Er wurde ſeiner=
zeit
vom König von Sachſen nach Italien geſchickt, um
das Verhältnis der geſchiedenen Kronprinzeſſin Luiſe, die
damals noch nicht mit Toſelli vermählt war, neu zu
regeln. Irgendwelche geſchäftliche Schwierigkeiten kom=
men
bei dem Verſchwinden Körners nicht in Frage. Es
wird vielmehr angenommen, daß ein Unfall oder ein Ver=
brechen
vorliegt.
Siegen, 17. März. Hier wurde der Agent Wilhelm
Lück unter dem Verdachte verhaftet, als Werber
für die franzöſiſche Fremdenlegion tätig
geweſen zu ſein. Lück hatte, nachdem er ſeiner Militär=
pflicht
in der deutſchen Armee genügt hatte, ſich ſelbſt von
der franzöſiſchen Fremdenlegion anwerben laſſen und fünſ
Jahre bei dieſer geſtanden. Nach ſeiner Rückkehr nach hier
betrieb er lange Jahre kein Geſchäft, nachdem ſein Lan=
desproduktengeſchäft
, in das er eingeheiratet hatte, in
Konkurs geraten war. Doch hatte er immer über Mittel
zu verfügen. Auch ſeine häufigen Reiſen nach Paris wa=
ren
unerklärlich. Er ſcheint im Solde der franzöſiſchen
Regierung geſtanden zu haben, wie dies aus den bei ihm
beſchlagnahmten Briefſchaften hervorgeht.
Braunſchweig, 18. März. Der Erdarbeiter Albert
Meyer aus Ingeleben, der am Himmelfahrtstage 1912
die betagten Altenteiler=Eheleute Eimecke in Ingeleben
erſchlug und beraubte, wurde heute morgen 7½ Uhr hin=
gerichtet
.
Kuxhaven, 18. März. Heute nacht ſtrandete bei
ſtarkem Südweſtſturm auf dem Großen Vogelſang eine
große Tjalk. Die Beſatzung iſt vermutlich ertrunken.
Der Name des Fahrzeuges iſt unbekannt.
Wildbad, 18. März. Der langjährige Profeſſor der
Rechte in Tübingen, v. Thudichum, iſt an Lungen=
entzündung
im Alter von 81 Jahren geſtorben.
Thudichum war am 18. November 1831 in Büdin=
gen
geboren und beſuchte die UniverſitätGießen, woſelbſt er
ſich im Jahre 1852 habilitierte. 1862 ging er nach Tübin=
gen
. Seit 1901 lebte er im Ruheſtand. Die Zahl ſeinen
Schriften, die meiſtens rechtsgeſchichtlicher Art ſind, iſt be=
deutend
. U. a. ſchrieb er eine Rechtsgeſchichte der Wetterau
Weitere Schriften ſind: Bismarcks parlamentariſche
Kämpfe und Siege, Geſchichte des deutſchen Privatrechts,
Ueber Femgerichte und Inquiſition, Ueber kirchliche Fäl=
ſchungen
, Die wahren Lehren Jeſu, Gegen Orden und
Klöſter ꝛc.
Wien, 18. März. Kurz vor Mitternacht brach in der
Prein bei Reichenau ein großer Waldbrand aus,
der gegenwärtig mit ungeſchwächter Kraft fortwütet und
immer größere Dimenſionen annimmt. Aus Wiener=
Neuſtadt wurde Militär entſandt.
Brüſſel, 17. März. In Antwerpen zerſtörte heute
nacht eine Feuersbrunſt eine große Zuckerraffinerie
und verurſachte einen Schaden von annähernd einer Mil=
lion
. Nach mehreren Stunden gelang es, das Feuer in
dem gefährdeten Viertel auf ſeinen Herd zu beſchränken.
London, 17. März. Der Londoner Polizei iſt in die=
ſen
Tagen ein guter Fund geglückt. Sie hat nämlich ein
Zweigarſenal der Wahlweibervereinig=
ung
entdeckt, das in dem Atelier einer Porträtmalerin
untergebracht war. Die Arſenalhüterin ſelbſt namens
Olive Hocken hatte verſucht, die Baulichkeiten des Golf=
platzes
zu Roehampton in Brand zu ſtecken. Als die Brand=
ſtifterin
ſich hierbei entdeckt ſah, ergriff ſie die Flucht, ließ
jedoch eine Handtaſche zurück, die eine vollſtändige Samm=
lung
gefährlicher Suffragettenwerkzeuge enthielt nebſt
einer Adreſſe der Eigentümerin. So kam man der Ver=
brecherin
und ihrem Arſenale auf die Spur. Das große
Arſenal ſelbſt enthielt Flaſchen, die mit Säuren und atzen=
den
Flüſſigkeiten gefüllt waren, wie ſie die Wahlweibeg
zur Vernichtung von Briefſchaften in den Poſtſäcken ver=
wenden
. Drahtſcheren, große Mengen von Zündſtoffen,
Werkzeuge aller möglichen Handwerke, und von den Ver=
brecherinnen
eigens konſtruierte Zerſtörungsgeräte, als da
ſind zuſammenlegbare Stöcke, an die oben ein Stein ge=
bunden
wird, ſo daß ſelbſt gewöhnlich nicht erreichbare
Fenſterſcheiben eingeſchlagen werden können, fanden ſich

Farben nach dem Grundton ihres Salons oder Boudoirs
auswählen, und wenn ſie die letzte Fineſſe der Mode be=
folgen
will, dann wird ſie auch den Stil der Möbel feſt=
halten
, zu einem Empire=Salon alſo ein Empire=Kleid
und zu einem Rokoko=Boudoir eine Toilette mit Weſpen=
taille
und ausladenden Rockdrapierungen anlegen.
* Höflichkeit auf Briefen. Beim Adreſſieren (es gibt
kein deutſches Wort dafür) von Briefen muß man die Höf=
lichkeit
gegen den, an welchen man ſchreibt, oder kurz ge=
ſagt
, gegen den Adreſſaten, nicht außer Acht laſſen. Dazu
gehört in erſter Linie, daß man deſſen Namen richtig
ſchreibt. Nichts macht einen unangenehmeren Ein=
druck
, als wenn man einen Brief empfängt, auf deſſen
Adreſſe der Name falſch geſchrieben iſt. Es bekundet dies
von vornherein einen Mangel an Intereſſe, um nicht zu
ſagen, eine Rückſichtsloſigkeit. Denn wenn ich an jemand
ſchreibe, muß ich mich vorher der kleinen Mühe unter=
ziehen
, mich über ſeinen Namen genau zu unterrichten.
Auch Titel darf man auf Adreſſen nicht fortlaſſen.
Wer ſelbſt kein Gewicht auf Titel legt nicht ſelten ſind
dies Leute, die ſelbſt keinen beſitzen , hat noch nicht das
Recht, ihn einem anderen vorzuenthalten. Denn ſeine ab=
weichende
perſönliche Anſicht darf man, wenn man höflich
ſein will, anderen Leuten nicht aufdrängen, und das Fort=
laſſen
von Titeln auf Adreſſen wird als eine direkte Un
höflichkeit empfunden. Das Prädikat Wohlgeboren wird
von gebildeten Leuten heutzutage als eine Degradation
angeſehen. Wer ſich des Prädikats Hochwohlgeboren‟
nicht bedienen will, laſſe es ganz fort, was niemand als
eine Ungehörigkeit empfinden wird. Das ganz veraltete
Prädikat Wohlgeboren aber hat gegenüber dem jetzt
allgemein gebräuchlichen Hochwohlgeboren nur noch die
Bedeutung einer unterſcheidenden Abſtufung, denn weni=
ger
als Wohlgeboren kann niemand ſein. Beſſer iſt es
ſchon, der Abſender enthält ſich jeder Einſchätzung und
Unterſcheidung des Standes des Adreſſaten durch
Hinzufügung ſolcher Prädikate.

* Der Prinz von Wales‟ Es iſt ſchon früher dar=
auf
hingewieſen worden, daß die Bezeichnung des eng=
liſchen
Thronfolgers als Prinz von Wales nicht richtig
iſt, ſondern auf eine falſche Ueberſetzung des engliſchen
Wortes prince zurückzuführen iſt, dem das deutſche Wort
Fürſt entſpricht. Der Gothaiſche Hofkalender bezeichnet
ihn deshalb auch richtig als Fürſt von Wales. In
Deutſchland iſt nun aber einmal die ungenaue Be=
zeichnung
Prinz von Wales geläufig und gebräuchlich ge=
worden
und dabei wird es denn auch bleiben.
** Mrs. Wilſon als Malerin. Die Ausſtellung der
Gemälde von Mrs. Woodrow Wilſon, die in dieſen Tagen
in den Räumen der Künſtlergenoſſenſchaft von Philadel=
phia
ſtattfindet, erregt lebhaftes Aufſehen, nicht nur deshalb,
weil Mrs. Wilſon ſich hier als Malerin zeigt, ſondern vor
allem, weil ſich unter den 26 Landſchaften Werke von aus=
gezeichneter
maleriſcher Qualität befinden. Es war bis=
her
nur wenigen Freunden der Familie Wilſon bekannt,
daß die Gattin des neuen Präſidenten eine ſehr tüchtige
und begabte Zeichnerin und Künſtlerin iſt; die trauliche
Landvilla in Princeton, die die Familie jetzt verlaſſen
mußte, und die mit ihrer hübſchen Giebelarchitektur einen
ſo anheimelnden Eindruck macht, iſt ſeinerzeit auch von
Frau Wilſon entworfen worden, und ſie hat alle Pläne
gezeichnet. Die jetzt in Philadelphia ausgeſtellten Land=
ſchaftsbilder
ſollen auch in New=York und Waſhington
ausgeſtellt werden; ſie ſind verkäuflich und der Ertrag iſt
von Frau Wilſon der Knabenſchule von Rome in Georgia
zugedacht.
* Ein Geier im Stubenofen. Aus Innsbruck wird fol=
gende
Geſchichte erzählt: Als die Frau des Zillerbrucker=
bauers
zu Bruck im Zillertal den Stufenofen anheizen
wollte, bemerkte ſie im Ofen ein friſches Ei, das ihr beſon=
ders
wegen ſeiner Größe auffiel, und im nächſten Augen=
blick
merkte ſie, daß dieſe Beſcherung von einem Habicht=
weibchen
herrührte, das auf ganz ungewöhnliche Weiſe iu

den verſchloſſenen Ofen geraten war. Der Habicht, ein
großes Exemplar von einem Hühnerhabicht (kurzweg Geier
genannt), wurde dann von den Hausleuten, die die
Bäuerin ſofort alarmiert hatte, im Ofen gefangen geſetzt,
was nicht ohne ſtarke Kratzwunden abging. Der hungrige
Räuber hatte eine Henne verfolgt, die in ihrer Angſt auf
das Hausdach geflogen und dort in den Kamin geflüchet
war. Das Habichtweibchen aber, das die Beute nicht fah=
ren
laſſen wollte, ſetzte ihr hart nach und verfolgte ſie
durch den Kamin. Dort ſetzte es ſich ſelbſt gefangen und
legte ein Ei ab. Das Habichtmännchen hatte bald daräuf
den Aufenthalt des Weibchens entdeckt; es flog mit Geſchrei
um das Haus und in der Nähe des Kamins herum, aber
das Weibchen hatte nicht ſo viel Schlauheit, ſich wieder auf
dem gleichen Wege zu entfernen, auf dem es gekommen
war. Der gefährliche Hühnermarder ſitzt jetzt im Bauern=
haus
in Gefangenſchaft.
* Ein Zug ſeit ſieben Tagen eingeſchneit. Seit ſieben
Tagen iſt auf der Strecke Bergen-Chriſtiania in der Nähe
des Ortes Naningskid ein Zug im Schnee förmlich ver=
graben
. Es gelang, den Inſaſſen des Zuges Lebensmittel
zuzuführen. Unter den Fahrgäſten befindet ſich auch ein
untröſtliches junges Mädchen, das jetzt ein ganzes Jahr
mit ihrer Hochzeit warten muß. Sie wollte ſich in Bergen,
mit einem Seeoffizier verheiraten, der jetzt eine Weltreiſe
angetreten hat.
* Eine mißglückte Standrede. An einem Gymnaſium
in Würzburg erbat jüngſt ein Ordinarius gegen ſeine un=
botmäßigen
Primaner die Intervention des Rektors.
Dieſer erſchien auch mit dem Klaſſenchef zur Unterrichts=
ſtunde
und hub an: Ich komme mit einem großen Ekel
in die Klaſſe . . .
Die hoffnungsvollen Jünglinge
haben ſich nicht einmal die Mühe gegeben, ein hämiſches
Grinſen zu verhehlen.

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Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

eite 5.

dort vor. Ferner gab es eine große Anzahl falſcher
Autonummern und ähnlicher Dinge mehr, die eine Flucht
begünſtigen ſollten.
Kalkutta, 17. März. Auf dem Hauptpoſtamt explo=
dierten
mit furchtbarer Gewalt mehrere Briefe, die mit
Exploſivſtoffen gefüllt und an die Herausgeber
einiger Zeitungen gerichtet waren. Mehrere Brieffortierer
wurden verletzt, einer tödlich.

Sturm und Unfälle.

* Berlin, 18. März. Im Hamburger Hafen, in
der Elbemündung und auf der Nordſee wütete geſtern ein
orkanartiger Südweſtſturm mit Regenböen. Der
Schiffsverkehr ſtockte. Zahlreiche Schiffsunfälle werden
gemeldet. Im Schwarzwald und in den Vogeſen trat
geſtern ein Wetterſturz ein. Die Temperatur fiel auf
fünf Grad unter Null. Bis in die Täler hinab fiel Schnee.
Der Sturm richtete ſtarken Schaden in den Waldungen
und an den Telegraphenleitungen an.
* Ulm, 18. März. Eine große Verkehrsſtörung
hatte der Schneefall in der vergangenen Nacht in Neu=
Ulm verurſacht. In der Nähe der Löwen=Brauerei waren
durch den Schneedruck Telephondrähte geriſſen, die auf
irgend eine Starkſtromleitung zu liegen kamen. Als des
morgens 6 Uhr Arbeiter ſich auf ihre Arbeitsſtätte be=
gaben
, kamen mehrere Perſonen den herabhängenden
Drähten zu nahe und erlitten ſo ſtarke elektriſche
Schläge, daß ſie zu Boden ſtürzten und ſich nicht mehr
erheben konnten. Da von den Umſtehenden niemand
wagte, die Verunglückten anzufaſſen, mußten ſie längere
Zeit auf dem Boden liegen bleiben. Die Dunkelheit er=
ſchwerte
die Rettungsarbeiten.
* Geislingen, 18. März. In Waldhauſen geriet
infolge Blitzſchlages heute nachmittag das Oekono=
mieanweſen
des größten Grundbeſitzers der Gemeinde
Waldhauſen, Oekonom Thierer, in Brand, der die um=
fangreiche
Oekonomie in Aſche legte. Mit verbrannt ſind
400 Schafe und ſämtliche Fruchtvorräte. Der Schaden iſt
ſehr bedeutend.
* Hamburg, 18. März. Ein orkanartiger
Sturm brachte in der vergangenen Nacht den Bagger
Goedhardt II. bei der Einfahrt in die neue Schleuſe bei
Brunsbüttel zum Kentern. Die an Bord befindlichen
Perſonen, drei Männer, eine Frau und ein Kind, ertran=
ken
. Im Kaiſer Wilhelm=Kanal ſank der Schlepper
Vulkan. Die Mannſchaft wurde gerettet. Die Zahl der
im Hamburger Hafen und auf der Elbe untergegangenen
Schuten und Leichter ſchwankt zwiſchen 60 und 80.
H.B. Brunnsbüttelkoog, 18. März. Bei dem
Sturm während der letzten Nacht iſt der zwiſchen Molen
arbeitende Bagger Gödhars II geſunken. Fünf Per=
ſonen
, darunter der Kapitän mit Frau und zwei Kindern,
ſind ertrunken. Die Leichen konnten noch nicht geborgen
werden. Bei dem Zementwerk Saturn ſanken vier be=
ladene
Schuten. Die Beſatzung konnte gerettet werden.
Ein Schiffer erlitt bei den Rettungsarbeiten einen Arm=
bruch
.
* Hamburg, 18. März. Durch den orkanarti=
gen
Sturm in der letzten Nacht wurde großer Schaden
angerichtet. Verſchiedene Ewer, Leichter und Kohlenkut=
ter
wurden voll Waſſer geſchlagen und ſind untergegangen.
Im Hafen wurde ein großer Dampfer und ein Segelſchiff
von den Vertäuungen losgeriſſen, wobei der Segler gegen
ein Dock von Blohm & Voß getrieben und=beſchädigt
wurde.
* Winſen, 18. März. Ein heftiger Sturm
entwurzelte heute Nacht neben dem Rathaus eine Linde.
Bei dem Fall zerſtörte ſie die elektriſche Haupt=
leitung
, ſo daß Winſen ohne Licht und Kraft iſt. Die
Störung dauert vorausſichtlich bis heute abend an.
* Emden 17. März. An der Nordſeeküſte herrſcht
ſeit einigen Tagen ein furchtbarer Sturm, der heute
mittag ſeinen Höhepunkt erreicht zu haben ſchien. Hier iſt
bereits ein Haus eingeſtürzt: Ziegel wurden von den
Dächern heruntergeriſſen und Fenſterſcheiben zertrümmert,
ſo daß das Paſſieren der Straßen lebensgefährlich iſt. In
Norden ſoll auch eine Mühle eingeſtürzt ſein.
H.B. London, 18. März. An der engliſchen Küſte
wütet ein ſtarker Sturm. Die See geht ſo hoch, daß
die regelmäßigen Poſtdampfer nur mit großen Unterbrech=
ungen
und Verzögerungen verkehren können.
H. B. Chriſtiania, 18. März. Die Annahme hat
ſich beſtätigt, daß der Stettiner Dampfer Peru=
gia
der mit einer Eiſenerzladung von Norwich nach
Rotterdam beſtimmt war, an der norwegiſchen Küſte in
der Nähe von Drontheim untergegangen iſt. Der
Dampfer war in einen Schneeſturm geraten und an der
Küſte geſcheitert. Die geſamte, aus 30 Mann beſtehende
Beſatzung iſt anſcheinend umgekommen. An der
Küſte von Namdal fand man zahlreiche Trümmer von
dem untergegangenen Dampfer. Auch einige Leichen ſind
bereits an Land geſchwemmt worden. Der deutſche
Dampfer Hans Fiſcher aus Roſtock, der mit einer
Zuckerladung von Danzig nach Greenock beſtimmt war, hat
in einem orkanartigen Sturm Havarie erlitten
und mußte Chriſtignia als Nothafen anlaufen. Von ſeiner
Beſatzung ſind zwei Mann erſchlagen und drei ſchwer
verletzt worden.

Luftfahrt.

Konſtantinopel, 18. März. Der Deutſch=
Argentinier Scherff legte heute in hundert Minuten
220 Kilometer auf einem erſten erfolgreichen Erkund=
ungsflug
mit einem Beobachtungsoffizier über der
Stellung des Feindes außerhalb der Tſchataldſchalinie
zurück. Der Flieger erreichte auf ſeinem Mars= Doppel=
decker
eine Höhe von 2000 Metern. Er landete glatt bei
vollſtändiger Dunkelheit.

Vermiſchtes.

Odenwälder Volkstrachten. Freunde
und Wanderer des Odenwaldes machen wir auf eine ſo=
eben
im Kunſtverlage J. Ehrhard und Comp. in Bens=
heim
erſchienene neue Serie Odenwälder
Trachtenkarten aufmerkſam. Die reizenden Karten
ſind nach Original=Aufnahmen in 14farbiger Photochromie
hergeſtellt und übertreffen in der Tat alles bisher an
Trachtenkarten Gebotene. Reizende, allerliebſte Idyllen
aus dem Odenwald, herrliche Motive des Odenwälder
Bauernhauſes in Verbindung mit der leider im Ausſter=
ben
begriffenen Odenwälder Volkstracht wirken zuſammer
zu einem anmutigen Farbenſpiel. Die natürliche Auf=
faſſung
und treffliche Wiedergabe verleiht dieſen Kunſt=
werkchen
ſo darf man die Karten mit Recht nennen, einen
ganz beſonderen Reiz. Ohne Zweifel iſt auch dieſe neue
Serie der ſchönſte und wirkungsvollſte Beitrag zur Heb=
ung
der Volkstracht im Odenwald. Die Karten ſind in

allen Papiergeſchäften zu haben. (Preis der Serie 15
Stück 1,50 Mack.)
C.K. Ein neues Foſſilienlager in Ka=
nada
. Die von dem Naturhiſtoriſchen Muſeum in New=
York ausgerüſtete Expedition, die die neuentdeckten gro=
ßen
Foſſitienlager am roten Daimfluſſe in der kanadi=
ſchen
Provinz Alberta durchforſchen ſollte, hat ihre
erſte Campagne mit ungewöhnlich reichen Ergebniſſen
abgeſchloſſen, und es zeigt ſich immer deutlicher, daß jenes
Foſſilienlager am Darmfluſſe an Umfang und Bedeutung
ſogar die berühmten Foſſilienlager von Wyoming über=
trifft
. Die von B. Brown geleitete erſte Expedition hat
mehr als zwei Eiſenbahnwagenladungen foſſiler Tier=
reſte
geſammelt. Zu den wertvollſten Stücken wird man
ein vollſtändiges Skelett des Saurolophus rechnen, die=
ſes
Rieſen unter den Dinoſauriern; das Skelett hat eine
Länge von etwa 10 Metern und iſt noch beſonders wert=
voll
durch den Umſtand, daß in der Mitte des Tierkörpers
die Haut noch erhalten iſt. Auch ein Schädel des gehörn=
ten
Dinoſauriers, des Monoclonius, und ein faſt
vollſtändiges Skelett des vogelartigen Ornithomimus
wurden gefunden. Einer der wichtigſten der Funde aber
bleibt das gewaltige Steißbein des Ankyloſaurus, mit
deſſen Hilfe es möglich ſein wird, das Skelett dieſes rieſi=
gen
vorweltlichen Tieres zu rekonſtruieren. Eine Reihe
von Knochenteilen ſcheinen Tieren angehört zu haben, die
bisher der Forſchung noch vollſtändig unbekannt geblie=
ben
waren. Im kommenden Frühjahr wird eine zweite
Expedition nach Kanada aufbrechen, um die Durchſorfch=
ung
dieſer neuen bedeutungsvollen Foſſilienfelder fort=
zuführen
.

Literariſches.

Der Baumeiſter, Monatshefte für Architektur
und Baupraxis. Herausgegeben von Arch. Janſen und
Müller, Berlin. Schriftleiter: Arch. Karl Zetzſche, Berlin.
Vierteljährlich 6 Mk., einzelne Hefte (mit zirka 40 Abbild=
ungen
und 10 Tafeln) 3 Mk. Verlag von Georg D. W.
Callwey, München. Das fünfte Heft des 11. Jahrganges
des Baumeiſter trägt ein durchaus volkswirtſchaftliches
Gepräge und greift infolge ſeines gerade in der jetzigen
Zeit hochaktuellen Inhaltes in Intereſſenſphären über,
die außerhalb des engeren Kreiſes der Architekten und
Ingenieure liegen. Der Hauptartikel, Die Wohn=
ungsfrage
von Königl. Baurat Dr.=Ing. Albert
Weiß, der ebenſo ausführlich wie ſachlich und gründlich
dieſes noch immer der Löſung harrende Problem behan=
delt
, verdient nicht nur die höchſte Beachtung der Bau=
künſtler
und Techniker, ſondern vor allem auch der Natio=
nalökonomen
und Sozialpolitiker. Im engen inneren
Zuſammenhange mit dieſem Leitartikel ſtehen die übri=
gen
Publikationen des Heftes, denen eine große Anzahl
Abbildungen und Tafeln beigegeben ſind.
Im Fenien=Verlage zu Leipzig gelangt ſoeben zur
Ausgabe die erſte Serie der Fenien=Bücher, einer
zwangloſen Folge von Werken älterer und neuerer Auto=
ren
, Neudrucke vergeſſener oder weniger bekannter inter=
eſſanter
Bücher der Weltliteratur. Die Tenien=Bücher
wollen als eine Ergänzung bereits beſtehender billiger
Bücher gelten und bezwecken, dem Bücherfreund für wenit
Aufwendung in gefälliger Form nur hervorragende lite=
rariſche
Gaben zu bieten. Die erſten zwölf Bände ent=
halten
: 1. Dr. Hanns Holzſchuher: Schiller, Goethe und
die Tenien (mit einem Titelkupfer von Fr. Bolt aus dem
Jahre 1796). 2. Briefe eines ehrlichen Mannes bey einem
wiederholten Aufenthalt in Weimar (Deutſchland 1800).
3. Hans von Wolzogen: Kunſt und Kirche. Ein offener
Brief an Houſton Stew. Chamberlain. 4. Immanue
Kant: Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und
Erhabenen. 5. Profeſſor Dr. Wolfgang Golther: Parſival
und der Gral in deutſcher Sage des Mittelalters und der
Neuzeit. 6. Dr. Heinrich Spiero: Berlin. 7. Hermann
von Petersdorff: Der Hof der Königin Luiſe (mit 24 Bild=
beigaben
). 8. Wilhelm Arminius: Der Dolch der Ladu
Arundel. 9. Georg Hirſchfeld: Das Wunder von Ober=
purzelsheim
. Das Recht auf den Tod. Zwei Novellen
10. Maurice de Guerin: Der Centauer. 11. Georg von
der Gabelentz: Der Ring. Novelle. 12. Hugo Salus: Die
Hochzeitsnacht. Die ſchwarze Fahne. Zwei Novellen.
Der Preis beträgt für jedes Bändchen 50 Pfg.

Der Balkankrieg.

Die Mächte und der Balkanbund.
* London, 17. März. Wie das Reuterſche Bureau
erfährt, ſoll in den nächſten Tagen die endgültige Feſt=
ſetzung
der Antwort der Mächte auf die Note der
verbündeten Balkanſtaaten erfolgen, worauf
man die nötigen Inſtruktionen nach den Hauptſtädten der
Balkanſtaaten telegraphieren wird. Nach den Vorſchlä=
gen
, welche die Botſchafter ihren Regierungen unterbreitet
haben, und auf die in einigen Fällen ſchon die Zuſtim=
mung
eingegangen iſt, werden die Mächte in ihrer Note
die Mediation zwiſchen den Kriegführenden annehmen
und den verbündeten Balkanſtaaten ihren Dank dafür aus=
ſprechen
, daß ſie dem vorgeſchlagenen Wege zugeſtimmt
haben. Die Mächte werden ferner eine Anzahl Empfeh=
lungen
machen, die ſich aus der Antwort der verbünde=
ten
Balkanſtaaten ergeben. Sie werden vorſchlagen, daß
die Grenzlinie Enos=Midia anſtelle der von den Verbün=
deten
vorgeſchlagenen Grenzlinie Rodoſto-Midia geſetzt
wird, wobei das ganze Gebiet weſtlich der Linie Enos=
Midia mit Ausnahme von Albanien den Verbündeten
zufallen ſoll. Weiterhin werden die Mächte erklären, daß
ſie den Gedanken einer Kriegsentſchädigung
nicht in Erwägung ziehen können; hingegen wollen ſie zu=
geben
, daß Vertreter der Verbündeten und der Türkei in
Paris an den Sitzungen der Finanzmiſſion teilnehmen,
die ſich neben anderen Dingen auch mit dem von den Ver=
bündeten
zu übernehmenden Teile der türkiſchen Schuld
befaſſen wird. Hinſichtlich der Aegäiſchen Inſeln und
Albanien wird den Verbündeten mitgeteilt, daß ſich dieſe
Fragen in den Händen der Mächte befinden.
Griechenland und Serbien.
Belgrad, 18. März. Der griechiſche Prinz
Nikolaus und ſeine Gattin Prinzeſſin Helene werden
morgen nachmittag auf ihrer Reiſe nach Wien hier ein=
treffen
und bis zum Abend Gaſt des Königs Peter ſein
Die zwiſchen Griechenland und Serbien ange=
knüpften
Verhandlungen ſollen während des Beſuches zu
einem engeren Bund beider Staaten zum Abſchluß
gebracht werden.
Von der griechiſchen Armee.
* Rom, 17. März. Die Agenzia Stefani meldet:
Die Nachricht von der Beſetzung Valonas durch die
Griechen iſt amtlich noch nicht beſtätigt. Für jeden
Fall habe jedoch die italieniſche Regierung ihre Vertreter
im Auslande drahtlich mit geeigneten Inſtruktionen ver=
ſehen
.

* Athen, 18. März. Die griechiſche Armee
beſetzte geſtern nach erbittertem Kampfe Kliſſura. Die
Türken leiſteten heftigen Widerſtand und mußten vor der
Wucht des griechiſchen Angriffs ihre Stellungen räumen.
Sie flohen in der Richtung auf Berat. Die Verluſte der
Türken ſind ſehr bedeutend. Die Griechen hatten 13 Tote
und 14 Verwundete.
Aus Adrianopel.
* Konſtantinopel, 18. März. Sabah, erhielt
geſtern ein Funkentelegramm von ſeinem Korreſpondenten
aus Adrianopel, wonach die Geſundheit und die
Moral der Beſatzung vortrefflich und der Vorrat an
Lebensmitteln und Munition genügend ſei. Die Stadt
könne ſich noch mehrere Monate halten.
Darmſtadt, 19. März.
Frühlings=Feſtſpiele des Großh. Hoftheaters. Für
die Aufführung von Triſtan und Iſolde, mit welcher
unter der muſikaliſchen Leitung von Artur Nickiſch
am 30. März die Frühlings=Feſtſpiele eröffnet werden
gibt ſich das lebhafteſte Intereſſe kund. In Alfred v. Bary
und Cecilie Rüſche=Endorf ſind zwei der berufenſten In=
terpreten
Wagnerſcher Geſtalten zur Verkörperung der
Hauptrollen gewonnen worden. Direktor Rainer
Simons, der die ſzeniſche Leitung dieſer Vorſtellung
innehat, trift dieſer Tage hier ein, um die Leitung der
Proben zu übernehmen. Das Vorbezugsrecht bleibt den
Abonnenten bis einſchließlich Freitag, den 21. März, ge=
wahrt
. Später bei der Hoftheater=Hauptkaſſe einlaufende
Kartenbeſtellungen von Abonnenten können keine Berück=
ſichtigung
finden. Die Ausgabe der von den Abonnenten
beſtellten Karten erfolgt am Dienstag, den 25. und am
Mittwoch, den 26. März, nachmittags zwiſchen 3 und 5 Uhr
an der Tageskaſſe des Hoftheaters. Von den Abonnenten
wird eine Vorverkaufsgebühr nicht eingehoben. Der all=
gemeine
Vorverkauf für den Triſtan=Abend beginnt am
Dienstag, den 25. März, vormittags an der Hoftheater=
Tageskaſſe und im Verkehrsbureau (Ernſt=Ludwigsplatz).
Vom Großh. Hoftheater. Heute beginnt der Vor=
verkauf
für die Vorſtellungen nach Oſtern: Arda mit
Gertrud Geyersbach zum erſten Male in der Titelrolle
unter muſikaliſcher Leitung von Paul Ottenheimer;
Der Bettelſtudent in neuer Einſtudierung. Der Vorver=
kauf
für die Volksvorſtellung zu ermäßigten Preiſen Die
Anna=Liſe findet im Verkehrsbureau ſtatt. Am Karfrei=
tag
und Oſterſonntag bleiben die Verkaufsſtellen ge=
ſchloſſen
.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 18. März. Die Nordd. Allg. Ztg. ſchreibt:
Nach dem Erſcheinen eines in mehrere deutſche Zeitungen
übergegangenen Artikels über Mißhandlungen
die deutſchen Reichsangehörigen an der
Riviera widerfahren ſein ſollen, erkundigte ſich der kai=
ſerliche
Konſul in Nizza eingehend in den deutſchen Kreiſen
der Riviera. Es ſollte feſtgeſtellt werden, ob über die in
dem Artikel enthaltenen Angaben etwas bekannt ſei, na=
mentlich
, ob ſich ermitteln laſſe, daß Deutſche in Nizza oder
an der Riviera ſchlecht oder überhaupt anders als Ange=
hörige
anderer Länder behandelt worden ſeien. Das Er=
gebnis
fiel verneinend aus. Nirgends war etwas über
derartige Vorfälle feſtzuſtellen, und von keiner Seite war
ſeit einer Reihe von Jahren über eine ſchlechte Behand=
lung
oder gar über Tätlichkeiten geklagt worden.
* München, 18. März. Auf den warmen Sonnenſchein
der letzten Tage iſt in der letzten Nacht ein Tempera=
turſturz
erfolgt. Das Wetter iſt naßkalt und es herrſcht
Schneetreiben. Aus dem Gebirge wird andauern=
der
Schneefall gemeldet.
* Hamburg, 18. März. Der Kaſſierer, der am
Sonntag in Hagenbecks Tierpark in Stellingen von einem
Löwen ſchwer verwundet worden iſt, iſt geſtorben.
* Bremerhaven, 18. März. Heute morgen 10 Uhr
wurde der deutſche Ewer Gebrüder aus Ham=
burg
mit einer Havarie ohne Mannſchaft eingeſchleppt und
im alten Hafen verſtaut. Das Schickſal der Beſatzung
iſt unbekannt.
* Wien, 18. März. Heute vormittag wurde an dem
Hauſe in der Bräunerſtraße, wo Hebbel jahrelang
wohnte, eine Gedenktafel enthüllt. Vizebürger=
meiſter
Porzer hielt eine Anſprache, in der er beſonders
auf die Beziehungen Wiens zu den Nibelungen hinwies.
* Wien, 18. März. Die Meldung von dem großen
Waldbrand in der Prein bei Reichenau iſt dahin
einzuſchränken, daß ein ausgedehnter Holzſchlag nieder=
gebrannt
iſt, wodurch der Waldbeſtand gefährdet iſt. Der
angrenzende Jungwald iſt ebenfalls vom Feuer ergriffen
worden. Es gelang der Feuerwehr und dem Militär, um
4 Uhr morgens den Brand zu lokaliſieren.
* Paris, 18. März. Im weiteren Verlauf der Debatte
im Senat über die Wahlreform wurde ein Zu=
ſatzantrag
Weytral, welcher von Briand im Namen
der Regierung unter Stellung der Vertrauens=
frage
zurückgewieſen wurde, mit 171 gegen 128 Stim=
men
angenommen. Das Miniſterium wird heute ſeine
Demiſſion geben.
* Brüſſel, 18. März. Der Rat der Interparla
mentariſchen Union iſt heute zu einer Sitzung zu=
ſammengetreten
. 22 Delegierte waren anweſend. Ar
Stelle des verſtorbenen belgiſchen Staatsminiſters Ber=
ngert
wurde Lord Weardale=England zum Vorſitzenden
gewählt. Es wurde beſchloſſen, die nächſtjährige Konfe=
renz
am 3. September im Haag abzuhalten.
* Saloniki, 18. März. Zu Ehren des eingetroffenen
Chefs der deutſchen Mittelmeerdiviſion, des Konter=
admirals
Trummler, und der Offiziere des Pan=
zerkreuzers
Goeben veranſtaltete die deutſche Kolo=
nie
im deutſchen Klubhauſe einen Feſtabend, dem der
Konſul Walter präſidierte. Ferner wohnten bei der Kom=
mandant
und die Offiziere des öſterreichiſchen Panzerkreu=
zers
Maria Thereſia und die öſterreichiſch=ungariſche Ko=
lonie
. Konteradmiral Trummler und der Kommandant
des Panzerkreuzers Goeben Kapitän Philipp, werden
heute vom König Georg in Audienz empfangen werden.

H.B. Berlin, 18. März. Juwelen im Werte
von 125000 Mark ſind einem Gaunertrio in
die Hände gefallen, das geſtern eine vornehme Ruſſin, die
gerade wenige Stunden vorher aus Nizza in Berlin ein=
getroffen
war, ins Garn gelockt hatte. Die Gauner, zwei
Männer, von denen ſich der eine als Leutnant von Stier=
ſtett
, und der andere als Artur von Wettersheim vorſtellte,
ſowie ein junges Mädchen im Alter von 19 Jahren, ver=
anlaßten
die Ruſſin, ihre Taſche, in der ſich die Juwelen
befanden, beim Beſuch eines Kino=Theaters, ihnen anzu=
vertrauen
und verſchwanden damit.
Berlin, 18. März. Heute früh entſtand auf dem
Grundſtück Reinickendorf 46, in dem ſich u. a. eine Auto=
lagerhaus
=Geſellſchaft und eine Werkſtatt der Cudell=

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 66.

Motoren=Geſellſchaft befindet, Großfeuer. 25 Auto=
mobile
ſollen durch Feuer zerſtört worden ſein.
H. B. Berlin, 18. März. Wie aus Kopenhagen tele=
graphiert
wird, berichtet das däniſche Regierungsblatt,
Kaiſer Wilhelm, der Zar und König Georc
von England würden in dieſem Sommer nach Fre=
densborg
kommen und dort zuſammentreffen. Sie
ſollen gleichzeitig im Schloß von Fredensborg Wohnung
nehmen.
H. B. München, 18. März. Wie die München= Augs=
burger
Abendzeitung meldet, hat der Kriegsminiſter Frhr.
b. Kreß den Wunſch geäußert, von ſeinem Poſten als
Kriegsminiſter enthoben und zum kommandierenden
General des 1. Armeekorps ernannt zu werden. Für den
Poſten des Kriegsminiſters ſei der jetzige Kommandeur
der 6. bayeriſchen Diviſion, Generalleutnant v. Tylander
auserſehen. Der Kriegsminiſter v. Kreß ſei geſtern vom
Prinz=Regenten zum Vortrag empfangen worden, was
vermutlich mit dieſer Perſonalveränderung im Zuſammen=
hang
ſtehe.
Gotha, 18. März. In ganz Thüringen herrſchte
heute ein mehrſtündiges Schneetreiben.
H. B. Paris, 18. März. Miniſterpräſident Briand
hielt es für angemeſſen, ſeine geſtern im Senat angekün=
digte
Rede auf die heutige Sitzung zu verſchieben. Dieſe
24 Stunden ſollen benutzt werden, um eine die dro=
hende
Miniſterkriſe verhindernde Abſtimmung
vorzubereiten. Briand verſicherte, den Blättern zufolge,
in den Wandelgängen, daß ihm perſönlich der Rücktritt in
die Reihen der Parlamentarier nicht den mindeſten
Schmerz verurſachen würde, aber in der nächſten Um=
gebung
des Miniſterpräſidenten wird ſeiner augenblick=
lichen
Verſtimmung nicht allzu große Bedeutung beigelegt
Die Frage ſpitzt ſich dahin zu, ob die Rückverweiſung der
Verhältniswahlvorlage an die Kommiſſion eine Spaltung
im Senat zur Folge haben werde. Man appelliert einſt=
weilen
an den Patriotismus Clémenceaus, um zu ver=
hindern
, in dieſe kritiſchen Tage durch eine Miniſter=
kriſe
neue Verwirrung hinein zu tragen.
Petersburg, 18. März. Im Sipowstcki=Gefängnis
in Kiew meuterten die Gefangenen, die vergebens
hofften, bei der Amneſtie die Freiheit wieder zu erhalten.
Sie erbrachen die Schränke, in denen die Revolver und
die Patronen verwahrt werden und ſchoſſen auf die
Wärter. Es wurden zwei Wärter und zwei Gefangene
erſchoſſen. Schließlich ergaben ſich die Meuterer.

Briefkaſten.

G. Sp. Die von Ihnen berührte Beſtimmung ent=
hält
Art. 4 des Einkommenſteuergeſetzes. Der Artikel hat
folgenden Wortlaut: Angehörige anderer deutſcher Staa=
ten
ſowohl als Reichsausländer, welche im Großherzogtum
wohnen, werden, im Falle ſie nicht daſelbſt eine mit Er=
werb
verbundene Beſchäftigung ausüben oder ausgeübt
haben, erſt alsdann zur Einkommenſteuer gezogen, wenn
ſie bereits ein Jahr im Großherzogtum gewohnt haben.
J. F. 10. Die Ehe iſt unterſagt zwiſchen Verwandten
in grader Linie. Sie ſind jedoch mit Ihrer Braut in
der Seitenlinie verwandt, daher ſteht der Eheſchließung
kein rechtliches Hindernis entgegen.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Die Depreſſion, die geſtern über England lag, iſt
oſtwärts gewandert und liegt heute über Südſkandi=
navien
. Ein über uns hinwegziehendes Randtief brachte
Mitteldeutſchland geſtern nachmittag Gewitter. Leichte
Niederſchläge fielen in ganz Deutſchſand. Infolge nord=
weſtlicher
Luftſtrömungen iſt die Temperatur bei uns
geſunken. Von Weſten her dringt ein neues Tief vor=
Wir haben desgalb vorübergehend Abnahme der Be=
wölkung
, ſpäter wieder Trübung und Regenfälle zu
erwarten.
Ausſichten für Mittwoch, den 19. März: Wolkig,
Regenfälle, milder, Südweſtwinde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

Bestbewährte
gesunde
und
magen-
darmkranke

indermehl

Krankenkosf

Nahrung für:
sowie
schwächliche,
in der Eatwicklung
zurückgebliebene
. Kinder.

Dampfernachrichten.

Hamburg=Amerika=Linie. Mitgeteilt von dem
Vertreter Adolph Rady in Darmſtadt, Zimmerſtraße 1.
Nordamerika: Pennſylvania 14. März 2 Uhr abends
von New=York direkt nach Hamburg. Wittekind
13. März 2 Uhr morgens von Portland. Abeſſinia‟
von Philadelphia und Newport News kommend,
15. März 10 Uhr 30 Min. abends in Hamburg.
Amerika 15. März 1 Uhr nachm. von New=York über
Cherbourg und Southampton nach Hamburg. Graf
Walderſee von Philadelphia und New=York kommend,
17. März 6 Uhr 45 Min. morgens auf der Elbe. Ham=
burg
von Genua und New=York, 16. März 5 Uhr
30 Min. nachm. von Neapel. Inkum 15. März 12 Uhr
mittags von Baltimore nach Hamburg. Kaiſerin
Auguſte Victoria 15. März 10 Uhr 15 Min. abends in
New=York. Lingfield von Baltimore kommend
15. Marz abends in Hamburg. Naneric, von Balti=
more
kommend, 15. März abends in Hamburg. Pal=
lanza
15. März 6 Uhr 45 Min. morgens in Phila=
delphia
. Weſtindien, Mexiko: Calabria nach Ha=
vana
und Mexiko, 14. März 5 Uhr nachm. von Ant=
werpen
. Dania von Mexiko und Havana kommend,
15. März 3 Uhr morgens von Antwerpen. Kron=
prinzeſſin
Cecilie heimkehrend, 14. März in Veracruz.
Spreewald von Mexiko und Havana kommend,
14. März 10 Uhr 30 Min. abends in Hamburg. Weſt=
phalia
14. März von Pto. Mexico. Verſchiedene
Fahrten: Victoria Luiſe‟, 9. Weſtindienfahrt, 14 März
in Havana. Cleveland, zweite Weltreiſe, 15. März in
Hongkong. Windhuk von Afrika kommend, 14. März
6 Uhr abends in Hamburg.

SHusehel-
erregende
Neuhelt!
Alleinverkauf für Darmstadt

In Herren-Konfektion habe ich einen
Artikel neu aufgenommen, der das Voll-
kommenste
darstellt, was die Herren-
sohneiderei
kennt. Es handelt sich um
Erzeugnisse, die ganz ausserhalb des
Rahmene der Gesamtkonfektion stehen
und jeder erstklassigen Mass-
arbeit
nicht nur glelchwertig sind,
sondern sie in Sitz, Ausführung und
Verarbeitung noch übertreffen.

M. Ansbach
6705
Hoflleferant
Einziges Spezialgeschäft erstklassiger
Herren-Garderobe am Platze
Ernst-Ludwigsplatz I. Telephon 2200.

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In Deutschland auf Flaschen gefüllt.
Beste Scktmarke.

CARL WIEL
Weinkellerei
Königl. und Großherzogl Hoflieferant
Ernst-Ludwigstraße 7. (6585imd

18. März 1915
Die Geburt eines JUNGEN
zeigen an
Emi 1 Jacobi und Frau
Elisabeth, geb. Pilz.
Darmstadt
Karlstrasse 54.
(6766

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſere treue Mutter, Schwiegermutter, Groß=
mutter
und Tante
(6754
Margarethe Bott Witwe
geb. Selpel
nach langem, ſchwerem Leiden aus dieſem Leben
abzurufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Karl Bott.
Darmſtadt, Holzſtr. 15, den 18. März 1913.
Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags
3 Uhr, vom ſtädtiſchen Krankenhauſe aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen,
unſer innigſtgeliebtes, herzensgutes Kind
Gretel
nach langem, ſchwerem, in Geduld getragenem
Leiden im Alter von 8 Jahren zu ſich zu
nehmen.
(*7454
In tiefer Trauer:
Daniel Scherer u. Frau.
Darmſtadt, den 18. März 1913.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. März,
nachmittags 3 Uhr, vom Portale des Fried=
hofes
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Infolge eines Unfalles während des Unter=
richts
iſt geſtern abend um 10 Uhr nach kurzem,
aber ſehr ſchwerem Leiden unſere liebe, gute
Tochter, meine innigſtgeliebte Schweſter
Anna Elisabeth Kämmerer
im Alter von 12 Jahren, verſehen mit der
heiligen Oelung, ſanft in dem Herrn ent=
ſchlafen
.
(6742
Die tieſtrauernd Hinterbliebenen:
Karl Kämmerer,
Eliſabeth Kämmerer, geb. Frick,
Karl Kämmerer.
Darmſtadt, den 18. März 1913.
Die Beerdigung findet am Donnerstag nach=
mittag
um 2 Uhr, vom ſtädtiſchen Spital
aus, ſtatt.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen
meinen guten Sohn, unſeren lieben Bruder
Herrn Friedrich Wurm
nach langem Leiden im 26. Lebensjahre zu ſich
zu rufen.
(*7564
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Georg Wurm Witwe
und Kinder.
Darmſtadt, den 17. März 1913.
Die Beerdigung findet Donnerstag, 20. März,
nachmitags 3 Uhr, vom Eliſabethenſtift aus,
ſtatt. Einſegnung ½ Stunde vorher.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher
Teilnahme bei dem Hinſcheiden meiner
lieben Frau und unſerer guten Mutter
ſagen wir Allen unſeren innigen Dank.
Heinrich Weber u. Kinder.

Darmſtadt, 17. März 1913.

(*7435

Beſſunger Bücherhalle (Beſſungerſtraße 48). Unent=
geltliche
Verleihung von Büchern an jedermann. Ge=
öffnet
: Dienstag, Donnerstag und Samstag abends
von 7½9 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

GEonG A.JASMATZ1 A. G. DRESDEN
Grössre deufsche Tigareffenfabrik

VI,6728

[ ][  ][ ]

Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Seite 7.

Iierren und Damen.

Touristen-Anzüge
gute Loden-Qualitäten . . . .
Touristen-Anzüge
aus feinen gemusterten Stoffen
Touristen-Kostüme
aus guten leichten Loden . .
aus guten
Loden-Mäntel
leichten im-
prägnierten

Loden-Capes Loden

Mk. 2234
Mk. 3660
Mk. 2860
Mk. 1840

Mk.

1236

Gamaschen-Rucksäcke=Hüte
IIlv Schwab
Ludwigsplatz
Ecke Schulstrasse.

(6753

Gemüſe-Nüdeln

(Gries=Nudeln)
per Pfund 30 Pfg.
Eier=Nudeln
Schwäb. Eier=Rudeln
per Pfund 40 und 55 Pfg.
per Pfund 80 Pfg.
Bruch=Makkaroni
Makkaroni in Stangen
per Pfund 26 Pfg.
per Pfund 32, 40 u. 50 Pfg.
Dampf-Aepfel
per Pfund 40 Pfg.
Aprikoſen, kaliforn.
Pfirſiche, kaliforn.
per Pfund 70 und 80 Pfg.
per Pfund 60 Pfg.
Miſchobſt, per Pfund 40, 50 und 60 Pfg.
Küchen-Saehl
loſe gewogen, per Pfund 18, 20 und 22 Pfg.
Phönix=Mehl
5 Pfd.=Säckchen 1.05, 10 Pfd.=Säckchen 2.00
Schmalz, garantiert rein, per Pfd. 70 Pfg.
empfehlen
Paul März
Landwehrstrasse 19½.

Pankratiusstrasse 26.

Friſche Eier
10 Stück 58 Pfg., 25 Stück Mk. 1.45.
Friſche große Siedeier
10 Stück 68 Pfg., 25 Stück Mk. 1.70.
Extra große Siedeier
45
10 Stück 78 Pfg., 25 Stück Mk. 1.95.
Allerfeinſte friſcheſte Landeier
10 Stück 88 Pfg., 25 Stück Mk. 2.20.
(*7491
empfiehlt
J. Vetter, Wenckstr. 60.

Herren=Ring mit gr. Brillant,
la Qualität, 1½ Karat, 500 Mk.,
ungefaßte Brillanten u. 1 Perle,
1½ Karat,
gold. Armband, 5 Brillanten.
110 Mk.,
Damen=Ring, 10 Brillanten in
Platina, 150 Mk.,
gold. Damen=Uhr (Ankerwerk)
30 Mk.
gold. Herren=Uhr (Union= Glas=
hütte
) 55 Mk.,
gold. Herren=Ring mit echtem
Rubin, 2 Brillanten, 110 Mk.,
Platina=Kollier mit Brillanten
160 Mk.,
gold. Herren u= Damen=Ringe
von 530 Mk.
Eisadem Bender
Juwelen=Handlung
Viktoriaſtraße 50, III.
Altes Gold wird zu
höchſten Preiſen in Zahlung ge=
nommen
.
(6781

Für die Festtage
heute frisch eingetroffen:
Waggon allerfeinster süßer Spanischer
Orangen, zum größten Teil Blut-Orangen

Spanische Orangen
Stück 4 Pfg., Dutzend 45 Pfg.

55

, 70
,
80
,
90
3

10
100 10

Blut-Orangen
Stück 6 Pfg., Dutzend 70 Pfgr
, 7
80

8
90

110
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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 66.

Bekanntmachung.

Die nachſtehenden Beſtimmungen über die Desinfek=
tion
bei anſteckenden Krankheiten bringen wir erneut zur
allgemeinen Kenntnis.
Anträge auf Wohnungsdesinfeſtion, desgleichen auf
Abholen zu desinfizierender Gegenſtände ſind an das zu=
ſtändige
Polizeirevier zu richten nicht an das Kranken=
haus
.
Darmſtadt, den 12. März 1913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Polizeiverordnung
für die Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt.
die Ausführung von Desinfektionen bei anſteckenden
Krankheiten betrefſend.
Vom 13. April 1906
Zum Schutze gegen die Uebertragung anſteckender
Krankheiten wird auf Grund des Artikels 56, Abſatz 1,
Ziffer 3 des Geſetzes, betreffend die Städteordnung für
das Großherzogtum Heſſen, vom 13. Juni 1874, nach An=
hörung
der Stadtverordnetenverſammlung der Haupt= und
Reſidenzſtadt Darmſtadt mit Genehmigung des Großher=
zoglichen
Miniſteriums des Innern vom 2. April 1906 zu
Nr. M. d. J. II 8422 unter Aufhebung der Polizeiverord=
nung
für die Stadt Darmſtadt, betreffend den Transport
zu desinfizierender Gegenſtände, vom 28. Auguſt 1892
für den Gemeindebezirk Darmſtadt verordnet:
§ 1. Die Ausführung der amtlich angeordneten Des=
infektionen
von Gegenſtänden und Räumen bei anſtecken=
den
Krankheiten, ſowie die Verbringung von mit An=
ſteckungsſtoffen
behafteten Gegenſtänden nach der ſtädtiſchen
Desinfektionsanſtalt und deren Rückverbringung nach voll=
zogener
Desinfetion darf nur unter Zuziehung und Leit=
ung
der für dieſen Zweck ausgebildeten und beſtellten
Desinfektionsbeamten, und zwar die Hin= und Rückver=
bringung
nur in den hierfür ausſchließlich beſtimmten
Wagen erfolgen.
nicht
Zuwiderhandlungen werden, ſoweit
§ 2.
ſchwerere Strafe verwirkt iſt, auf Antrag Großh. Polizei=
amts
Darmſtadt mit Geldſtrafe bis zu 30 Mark beſtraft.
§ 3. Dieſe Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver=
kündigung
in Kraft.
Darmſtadt, den 13. April 1906.
Großherzpgliches Polizeiamt Darmſtadt.

II.

Desinfektions=Ordnung
für die Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt.

Vom 30. Juni 1906.
Zur Ermöglichung einer ſachgemäßen Ausführung
der bei anſteckenden Krankheiten notwendig werdenden
Unſchädlichmachung der Anſteckungsſtoffe (Desinfektion)
ſind für den Gemeindebezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt
Darmſtadr im Einvernehmen mit dem Großh. Kreis=
geſundheitsamt
Darmſtadt und dem Ortsgeſundheitsrat
der Stadt Darmſtadt die nachſtehenden Einrichtungen ge=
troffen
.
§ 1. Die Anordnung und Ueberwachung der bei an=
ſteckenden
Krankheiten notwendig werdenden Desinfektio=
nen
(Unſchädlichmachung der Anſteckungsſtoffe) liegt im
Gemeindebezirk der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
dem Großh. Polizeiamt ob, welchem das Großh. Kreis=
geſundheitsamt
Darmſtadt beratend zur Seite ſteht.
§ 2. Für den Gemeindebezirk Darmſtadt ſind vom
Großh. Polizeiamt im Einvernehmen mit dem Großh.
Kreisgeſundheitsamt Darmſtadt mehrere für dieſen Dienſt
in dem Hygieniſchen Inſtitut der Großh. Landesuniver=
ſität
Gießen auf öffentliche Koſten ausgebildete Desinfek=
tionsbeamte
beſtellt, denen es obliegt,
1. die amtlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen
zur Ausführung zu bringen und
2. auf freiwilligen Antrag von Beteiligten Desinfek=
tionen
vorzunehmen.
§ 3. Die Desinfektionsbeamten ſind dem Großh. Po=
lizeiamt
dienſtlich unterſtellt und haben deſſen dienſtlichen
Weiſungen Folge zu leiſten.
§ 4. Der Dienſt der Desinfektionsbeamten iſt in der
Weiſe geregelt, daß einer derſelben als Oberdesinfektor
den geſamten Desinfektionsdienſt leitet und jeweils einen
der anderen Desinfektionsbeamten als Gehilfen zuzieht
Die letzteren üben ihren Dienſt unter der Leitung des
Oberdesinfektors aus und haben deſſen dienſtlichen
Weiſungen Folge zu leiſten.

§ 5. Das Amt des Oberdesinfektors iſt einem Schutz=
mann
als ſtändigem Geſundheitspolizeibeamten über=
tragen
.
Die Desinfektionsgehilfen ſind vom Großh. Polizei=
amt
durch Dienſtvertrag widerruflich angeſtellt und auf
gewiſſenhafte Dienſtleiſtung eidlich verpflichtet. Sie er=
halten
für ihre Dienſtleiſtungen Vergütung aus der Po=
lizeikaſſe
.
§ 6. Die zur Ausführung der Desinfektionen notwen=
digen
Hilfsmittel (Dienſtkleidung, Gerätſchaften, Mate=
rialien
) werden auf Koſten der Polizeikaſſe beſchafft,
§ 7. Bei Ausführung der Desinfektionen haben die
Desinfektionsbeamten nach den in dem Hygieniſchen In=
ſtitut
der Großh. Landesuniverſität Gießen gelehrten
wiſſenſchaftlichen Grundſätzen zu verfahren. Im Zweifel
haben ſie die Entſcheidung des Großh. Kreisgeſundheits=
amts
einzuholen. Etwaige Anordnungen desſelben haben
ſie zu befolgen.
§ 8. Die Desinfektion der Gegenſtände durch heißen
Waſſerdampf erfolgt in der mit dem ſtädtiſchen Kranken=
haus
verbundenen Desinfektionsanſtalt, welche für dieſen
Zweck vorbehaltlich der Beſtimmungen der Bekanntmach=
ung
der Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt vom 25. April
1894?) zur allgemeinen Benutzung geſtellt iſt.
§ 9. Die Verbringung der zu desinfizierenden Gegen=
ſtände
nach der Desinfektionsanſtalt und deren Rückver=
bringung
nach vollzogener Desinfektion darf bei Meidung
der Beſtrafung (Polizeiverordnung vom 13. April 1906
nur unter Zuziehung und Leitung eines Desinfektions=
boamten
und nur in den hierfür ausſchließlich beſtimmten
Desinfektions=Handwagen erfolgen, von denen der eine
nur zur Beförderung der zu desinfizierenden Gegen=
ſtände
nach der Desinfektionsanſtalt, der andere nur zur
Rückbeförderung der desinfizierten Gegenſtände von der
Desinfektionsanſtalt verwendet wird.
§ 10. Zur teilweiſen Deckung der durch die vor=
ſtehend
beſchriebenen Einrichtungen erwachſenden Koſten
wird für jede unter Mitwirkung von Desinfektionsbeam=
ten
erfolgte Desinfektion von dem Haushaltungsvorſtand
eine Gebühr erhoben.
Dieſelbe beträgt (einſchließlich der Vergütung für die
verwendeten Materialien)
bei Desinfektionen von einem oder zwei Räumen
4 Mark,
bei Desinfektionen von mehr als zwei Räumen für
jeden weiteren Raum 2 Mark mehr.
Zahlungspflichtige mit einem Jahreseinkommen von
9001500 Mark haben nur die Hälfte dieſer Gebühr und
ſolche mit einem Jahreseinkommen unter 900 Mark keine
Gebühr zu entrichten
Die Gebühr wird im Einzelfalle vom Großh. Polizei=
amt
feſtgeſtellt und angefordert. Die Desinfektionsbeamten
dürfen weder Zahlungen noch Geſchenke oder Trinkgelder
annehmen.
Hat eine Desinfektion von Gegenſtänden in der ſtädti=
ſchen
Desinfektionsanſtalt ſtattgefunden, ſo ſind hierfür die
tarifmäßigen Gebühren zu entrichten.)
§ 11. Wer die Mitwirkung der Desinfektionsbeamten
in Anſpruch nehmen will, wolle ſich direkt oder durch
Vermittelung eines Polizeireviers an das Großh
Polizeiamt wenden. Im Intereſſe einer ordnungsmäßi=
gen
Durchführung des Desinfektionsdienſtes ſind die
Desinfektionsbeamten angewieſen, direkt an ſie ergehende
Beſtellungen unberückſichtigt zu laſſen.
§ 12. Beſchwerden ſind, ſoweit nicht die ſtädtiſche
Krankenhausdirektion oder die Großh. Bürgermeiſterei
Darmſtadt zuſtändig iſt (vergl. Bekanntmachung der
Großh. Bürgermeiſterei Darmſtadt vom 25. April 1894
§ 6), an das Großh. Polizeiamt zu richten
Darmſtadt, den 30. Juni 1906.
Großherzogliches Polizziamt Darmſtadt.

*) Siehe die nachſtehende Bekanntmachung der Großh.
Bürgermeiſterei der Haupt= und Reſidenzſtadt Darmſtadt
vom 13. November 1906.

Bekanntmachung.
die Benutzung der ſtädtiſchen Desinfektionsanſtalt
betreffend.

Zufolge Beſchluſſes der Stadtverordnetenverſamm=
lung
vom 2. Nov. 1905 und mit Genehmigung Großh
Miniſteriums des Innern vom 2. April 1906 zu Nr. M. d.
J. 8422 bringen wir im Anſchluß an vorſtehende Bekannt=
machung
Großh. Polizeiamtes vom Heutigen hiermit zur
öffentlichen Kenntnis, daß die Entrichtung der Gebühren
für Benutzung der ſtädtiſchen Desinfektionsanſtalt von
jetzt ab nach folgenden Grundſätzen zu erfolgen hat:

Zahlungspflichtige mit einem Jahreseinkommen
von 9001500 Mark haben nur die Hälfte dieſer Ge=
bühren
und ſolche mit einem Jahreseinkommen unter
900 Mark keine Gebühren zu entrichten.
Die Beträge ſind bei Empfangnahme der des=
infizierten
Gegenſtände an den Krankenhauskaſſier zu
bezahlen.
Die zurzeit gültigen Beſtimmungen für die Be=
nutzung
der ſtädtiſchen Desinfektionsanſtalt und der
Tarif vom 25. April 1894 ſind nachſtehend zum Ab=
druck
gebracht.
a) Beſtimmungen:
§ 1. Die mit dem ſtädtiſchen Krankenhaus verbundene
Desinfektionsanſtalt iſt gegen die Entrichtung der tarif=
mäßigen
Gebühren zur öffentlichen Benutzung geſtellt.
§ 2. Die Desinfektion erfolgt in einem beſonderen
Apparate durch Dampf. Zur Desinfektion in der Anſtalt
eignen ſich daher nur ſolche Gegenſtände, welche eine
Dampfeinwirkung von 100 Grad Celſius vertragen
können, wie Kleidungsſtücke, Weißzeug, Bettwerk uſw.
Dagegen iſt die Desinfektion von Gegenſtänden aus Holz,
Pelz, Leder, Gummi und Filz und von Gegenſtänden, an
welchen Fett oder Talg ſich befinden, ausgeſchloſſen.
§ 3. Für die Verpackung der infizierten Gegenſtände,
ſowie für den Transport nach und von der ſtädtiſchen Des=
infektionsanſtalt
ſind die Vorſchriften der einſchlägigen
Polizeiverordnung maßgebend.
§ 4. Die Beſtellungen für die Abholung werden von
den Polizeirevieren entgegengenommen.
Das für die Beſtellungen vorgeſchriebene Formular,
ſowie Formulare für die unten erwähnten Verzeichniſſe
ſind auf den Polizeirevieren koſtenfrei erhältlich.
§ 5. Bei der Abholung iſt dem betreffenden Bedien=
ſteten
ein Verzeichnis der mitgegebenen Gegenſtände ein=
zuhändigen
. Das fragliche Verzeichnis, nach welchem auch
die Ablieferung erfolgt, iſt hinſichtlich ſeiner Richtigkeit
von dem Eigentümer ſowohl, wie von dem Bedienſteten
unterſchriftlich anzuerkennen.
Für Gegenſtände, welche ohne Verzeichnis eingeliefert
werden, hafett die Anſtalt nur nach Maßgabe des von ihr
ſelbſt einſeitig aufgeſtellten Verzeichniſſes
§ 6. Beſchwerden, inſoweit ſie die Desinfektion be=
treffen
, ſind dem Krankenhausverwalter vorzutragen, wel=
cher
, ſofern er nicht zur Erledigung befugt iſt, die Ent=
ſchließung
der Krankenhausdirektion einzuholen hat.
Gegen die Entſcheidung der letzteren iſt Berufung an die
Großh. Bürgermeiſterei zuläſſig.
§ 7. Obgleich zahlreiche Verſuche ergeben haben, daß
eine Beſchädigung der Gegenſtände durch die Desinfektion
nicht erfolgt, ſo wird dennoch eine Garantie hierfür ſeitens
der Anſtalt nicht übernommen.
b) Tarif.

a) Transportgebühren.
1. Für Benutzung der ſtädtiſchen Wagen
zu dem Transport nach oder von der
Desinfektionsanſtalt für jede Fahrt
Mk. 50 Pfg.
2. Für die Dienſtleiſtungen des Trans=
porteurs
bis zu einem Zeitaufwand
von 2 Stunden für Abholung und
Rückverbringung der Gegenſtände zuſ. 2
Für jede weitere Stunde Zeitaufwand 50
b) Desinfektionsgebühren.
Für Desinfektion:
1. einer vollſtändigen Ladung des Appa=
rates
oder deſſen Raumes
2. einer halben Ladung des Apparates
50
3. eines Deckbettes
. ., 1
,
4. einer ganzen Matratze .
,
, 90
5. eines Matratzenteiles . . . . . . 30
6. eines Federkiſſens
. 30
7. eines Kopfkeils (klein wie groß) : . 30
8. eines kompletten Anzugs
1
9. eines Rocks, eines Paar Hoſen oder
einer Weſte
30
,
10. eines großen Sacks Wäſche
I
11. eines mittelgroßen Sacks Wäſche . .
70
12. eines kleinen Sacks Wäſche . . . .
50
13. eines Zimmerteppichs . . . . . . 3
14. eines Sofateppichs
1 50
15. eines kleinen Teppichs, einer Bettvor=
lage
uſw. . .
50
16. aller übrigen Gegenſtände, wie
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Holz-Verſteigerung.

Donnerstag, 27. März I. J., werden verſteigert aus Diſtr. I
(Eichen, Rindenteil 31 und Buchenhügel 47): Scheiter, rm: 140 Buchen,
60 Eichen dabei Werkholz ; Knüppel, rm: 311 Buchen
35 Hainbuchen, 102 Eichen; Knüppelreiſig, rm: 86 Buchen und
Hainbuchen, 40 Eichen; Reiſig: 3750 Buchen=Wellen; Stöcke, rm:
72 Buchen, 16 Eichen. Zuſammenkunft morgens 9 Uhr auf Kreuzung
Thomashüttenſchneiſe und Koſakenſchneiſe. Aus Abt. 47 werden ver=
ſteigert
die Nrn. 14581477.
Meſſeler Forſthaus, 17. März 1913.

Großherzogliche Oberförſterei Meſſel.
Schlag.
(6664

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sowie in allen einschlägigen Handarbeiten.

Unterrichtsstunden von 912 Uhr vormittags.
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M. Trümpert.
B4278)

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[ ][  ][ ]

Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Seite 11.

Amtliche Nachrichten des Großherzoglichen Kreisamts Darmſtadt.
Bekanntmachung.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß der Plan für die
Einlegung einer Gleisſchleife der elektriſchen Bahn Darmſtadt
an der Halteſtelle Hirſchköpfe in der Zeit von Donnerstag, den
20. März bis Samstag, den 29. März d. Js. einſchließlich auf
dem Stadthauſe (Rheinſtraße) dahier zu jedermanns Einſicht offen
liegt und daß Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Aus=
ſchluſſes
während der Offenlegungsfriſt ebenda vorzubringen ſind.
Darmitadt, den 18. März 1913.
(6769md
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
I. V.: Dr. Reinhart.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizetamts Darmſtadt.

Gefunden: 1 große ſilb. Nadel mit 2 Amethyſten und mit
einer Widmung verſeyen. 1 altes Fahrrad. 1 Zwanzigmarkſchein.
Trauring ohne Zeichen. 1 gold. Ring mit frei gefaßtem rotem
Stein. 1 grauer Samtgürtel. Eine Anzahl Schlüſſel. 4 mittelgroße
Schlüſſel an einer Kette. 1 ſilbernes Kollier mit 3 blauen Steinen.
2 mittelgroße Schlüſſel an einer Kette. 1 braunes Portemonnaie mit
einigen Pfennigen. 1 Portemonnaie mit einigem Inhalt. 1 kleines
Perlenportemonnaie mit gelbem Bügel. 1 kleines braunes Porte=
monnaie
mit einigen Pfennigen und Knöpfen. 1 ſilbernes Ketten=
armband
. 1 Ordensſchnalle, blau, mit vergoldetem Kreuz mit Auf=
ſchrift
.
Wagenleine. 1 Zwicker. 1 goldene Damenuhr mit
ſilberner Kette.
(6672
Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Boxer. Die Hunde können von den Eigentümern bei
dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt werden. Die Verſteigerung der nicht
ausgelöſten Hunde findet dortſelbſt jeden Werktag, vormittags um
10 Uhr, ſtatt.

Bekanntmachung,

betreffend Gefährdung der Verkehrsſicherheit auf der Straße
durch Radfahrer.
Es ſind in letzter Zeit mehrfach Klagen darüber geführt worden,
daß die Verkehrsſicherheit in den Straßen durch das Verhalten der
Radfahrer beeinträchtigt werde. Abgeſehen von dem zu ſchnellen
Fahren und dem Fahren ohne Laterne nach Einbruch der Dunkelheit
ſowie unrichtigem Ausweichen und Ueberholen wurde oftmals
bemerkt, daß auf den Fahrrädern größere Gegenſtände mitgeführt
werden, welche entweder dem Fahrer den freien Ausblick benehmen
oder ihn nötigen, die eine Hand ſtändig zum Feſthalten des Gegen=
ſtandes
zu verwenden. Wenn auch geubte Fahrer im allgemeinen
ihr Rad mit einer Hand zu lenken vermögen, ſo kann an verkehrs=
reichen
Punkten im Innern der Stadt auch der geübteſte Fahrer in
Lagen kommen, in welchen er zum Lenken des Fahrrades beider
Hände bedarf. Iſt ihm in ſolchen Fällen der Gebrauch der einen
Hand durch Feſthalten des Gegenſtandes benommen, ſo iſt ein
Unglücksfall meiſt unvermeidlich. Dies kann ſowohl für den Rad=
fahrer
, als auch für das Publikum um ſo gefährlicher werden, je
größer und ſchwerer die mitgeführten Gegenſtände ſind; auch kann es
für den Radfahrer ſtrafrechtliche Verfolgung wegen fahrläſſiger
Körperverletzung oder Tötung, ſowie bedeutende zivilrechtliche
Schadenserſatzpflichten zur Folge haben.
Wir ſehen uns demgemäß veranlaßt, erneut auf genaucs
Einhalten der für den Radfahrverkehr beſteheuden Vorſchriften,
insbeſondere auch in der Hinſicht hinzuweiſen, daß jeder Radfahrer
die gehörige Vorſicht beim Leiten ſeines Fahrrades beachtet.
Dieſe würde derjenige außer Acht laſſen, der in verkehrsreichen
Straßen größere Gegenſtände, die den freien Ausblick oder den Ge=
brauch
beider Hände zum Lenken des Fahrrades verhindern, auf dem
Rade mit ſich führt.
Unſere Beamten ſind zu ſcharfer Beaufſichtigung des Rad=
fahrverkehrs
und energiſchem Einſchreiten bei Zuwiderhandlungen
angewieſen.
(6685md
Darmſtadt, den 15. März 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Bekanntmachung,
die Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen, hier Ausnahmetage
betreffend.

Als Ausnahmetage im Sinne des § 139d Ziffer 3 der Reichs=
gewerbeordnung
(Ueberbeſchäftigung von Gehilfen ꝛc., ſowie im Sinne
des § 139e Abſatz 2 Ziffer 2 der Reichsgewerbeordnung ( Verlänge=
rung
der Feierabendſtunde für offene Verkaufsſtellen bis 10 Uhr
abends) werden hiermit beſtimmt:
die zwei letzten Werktage vor Oſtern.
Hiernach dürfen am 20. und 22. März lfd. Js. ſämtliche offene
Verkaufsſtellen in hieſiger Stadt bis 10 Uhr abends für den geſchäft=
lichen
Verkehr geöffnet ſein. An den gleichen Tagen finden die
Beſtimmungen über die Mindeſtruhezeit und Mittagspauſen der
Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsſtellen keine
Anwendung.
(6686md
Darmſtadt, den 17. März 1913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Verſteigerung von Marktſtandplätzen des
N
Darmſtädter Wochenmarkts.

Die ſtändigen Marktſtandplätze auf dem Markt= und Schiller=
platz
, ſowie auf dem Gelände am Schloßgraben zwiſchen Alexander
ſtraße und Schillerplatz werden auf Grund eines neuen Belegungs=
plans
unter den in den Verſteigerungsterminen bekannt gegeben
werdenden Bedingungen für die Dauer eines Jahres öffentlich meiſt=
bietend
verſteigert.
Die Verſteigerung findet Mittwoch, den 26. und Freitag,
den 28. März ds. Js., jedesmal vormittags 9 Uhr, in der
Turnhalle am Woogsplatz ſtatt.
Es kommen Plätze von 3½ bis 8 qm zum Ausgebot, und zwar
1. am 26. März die Plätze zum Verkauf von Blumen und
Gemüſe (Nr. 1162 des Plans),
2. am 28. März die übrigen Plätze zum Verkauf von Ge
müſe, Obſt, Wild und Geflügel, Zucker= und Backwaren,
Fleiſchwaren, Fiſchen, Samen; außerdem 2 Plätze für Kaffee=
(6784md
buden.
Der Plan über die Einteilung der Plätze wird in dem Ver=
ſteigerungslokal
aufgelegt und kann auch ſchon vorher bei dem ſtädti=
ſchen
Marktmeiſter (Rathaus) am Mittwoch, den 19. und Donners=
kag
, den 20. März, nachmittags von 25 Uhr, eingeſehen werden.
Auch ſind daſelbſt Pläne für 30 Pfg. das Stück erhältlich.
Darmſtadt, den 17. März 1913
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Schmitt.

Verſteigerungs-Anzeige.
Donnerstag, den 20. März 1913,

verſteigere ich im Saale der Ludwigshalle, Obergaſſe dahier, öffent=
lich
meiſtbietend folgende Pfänder
1. eine größere Partie Samen (verſchiedene Sorten),
2. 1 Roßhaarzupfmaſchine, 1 Ballen Drell, 2 Deckbetten und
(6774
4 Kiſſen, ſowie Möbel aller Art.
Wedel, Großh. Gerichtsvollzieher,
Bleichſtraße 28, I.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
A, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 5. März 1913.
Hinſichtlich der Firma:
H. Buchhammer, Darm=
ſtadt
.
Geſchäft ſamt Firma ſind au
Sattler Auguſt Kahmann in Darm=
ſtadt
übergegangen.
Auguſt Kahmann, Sattler, Ehe=
frau
Chriſtiane, geb. Buchhammer
in Darmſtadt, iſt zur Prokuriſtin
beſtellt.
Am 6. März 1913.
Neu eingetragen die Firma:
Betten=Spezial=Haus Mo=
ritz
Buchdahl, Zweignie=
derlaſſung
in Darmſtadt;
Hauptniederlaſſung in Mainz
unter der Firma: Mainzer
Bettenhaus Moritz Buch=
dahl
.
Inhaber Moritz Buchdahl, Kauf=
(6708
mann in Mainz.
Darmſtadt, 15. März 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.
(Stadtwald.)

Die Holz=Verſteigerung Nr. 13
vom 17. März l. Js. iſt genehmigt.
Ausgabe der Abfuhrſcheine am
27. ds. Mts. Tag der Ueberweiſung
und erſter Abfuhrtag am 28. März
(6670
fd. Js.
Darmſtadt, 17. März 1913.
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Am 26. März, vormittags

10 Uhr, werden in der Halle der
Güter=Abfertigung Darmſtadt Hpt.
die herrenlos lagernden Güter
öffentlich gegen Barzahlung ver=
ſteigert
.
(IV,6722,67
Intereſſenten ſeien hierdurch auf
die Verſteigerung aufmerkſam ge=
macht
.
Die Güter=Abfertigung.

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Betr. . Das Einhalten der Tauben zur Saatzeit.

Ich beſtimme hiermit, daß die Tauben vom 15. I. Mts. bis
zum 15. k. Mts. eingeſperrt gehalten werden müſſen.
Zuwiderhandlungen werden nach Art. 39 Ziffer 2 des Feld=
ſtrafgeſetzes
mit Geldſtrafen bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu
einer Woche beſtraft.
Mit Rückſicht auf die großen Schäden, die von den Tauben
zur Saatzeit angerichtet zu werden pflegen, muß eine genaue Be=
obachtung
der Vorſchrift im landwirtſchaftlichen Intereſſe verlangt
werden.
Eine ſtrenge Ueberwachung der Durchführung dieſer Anordnung
iſt daher veranlaßt worden.
Auf die Militärbrieftauben der Mitglieder des hieſigen Brief=
taubenklubs
findet vorſtehendes nur in ſoweit Anwendung, als dies
das Reichsgeſetz vom 28. Mai 1894, den Schutz der Brieftauben
betreffend, zuläßt.
Darmſtadt, den 13. März 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Jgeger.
(6635im

Zuchtviehmärkte in Darmſtadt.

Wegen Ausbruchs der Maul= uud Klauenſeuche in Stal=
lungen
innerhalb der Gemarkung Darmſtadt hat Großh. Kreisamt
die Abhaltung der hieſigen Zuchtviehmärkte bis auf weiteres
verboten.
(6724
Darmſtadt, den 15. März 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
I. V.: Ekert.

Koſtender Planierung, Chauſſierung u. Goſſenpflaſterung
in neuen Straßen zu Laſten der Straßenanlieger.

Die Stadtverordneten=Verſammlung hat am 19. Dezember v. J.
beſchloſſen, für die Berechnung der oben erwähnten, von den Straßen=
anliegern
nach Art. 21 der allgemeinen Bauordnung und §
des Ortsbauſtatuts zu tragenden Koſten die nachſtehenden Einheits=
preiſe
bis auf weiteres zu Grunde zu legen:
(5711smm
a) für einen qm Planierung
0,50 Mk.
b) Goſſenpflaſterung . 7,00
Chauſſierung
3,40
Darmſtadt, den 5. März 1913.
Der Obberürgermeiſter.
J. V.: Ekert

Nutzholz=Verſteigerung Nr. 14.
(Stadtwald.)

Freitag, den 28. März I. J., vormittags ½9 Uhr,
ſollen im Saale der hieſigen Turngemeinde (Woogsplatz 5) aus
den Abteilungen 24 (Vorderwieſenſchlag), 27 (An der wilden Sau),
28 (Steckertswieſenſchlag) und verſchiedenen Abteilungen der Forſt=
wartei
Beſſunger Laubwald (Förſter Lehr, Klappacherſtraße 84 hier),
147,76 fm Nutzholz verſteigert werden, und zwar:

Eichen
=Stämme I. Kl. 3 Stück 3,74 fm
II. 5 7,11
,,
III. 17 15,19

6 45,08
IV.
,
,
, - 21,44
57
V
I.
59 14,07
Eſchen
IV
2 0,97
2
2,15
,
V. 69 = 12,28
D
Buchen
1 1,10
, 1,84

III.
0,75
Hainbuchen
2 0,59
, 1,80
VI. S
1 0,44
Ulmen
Mi.
2 0,46
Lärchen
, 0,86
III.
1 0,64
2,96

Fichten
V.
57 = 8,27
Eſchen=Derbſtangen I. 88 4,71
Buchen
I. 11 0,72
Lärchen
I. 3 0,38
II. 15 0,21
Fichten

Sämtliches Holz iſt an gut fahrbare Wege gerückt. Unter=
trichene
Nummern kommen nicht zur Verſteigerung. Nummerver=
zeichniſſe
ſind bei dem oben genannten Förſter zu haben.
In der Forſtwartei Beſſunger Laubwald finden weitere
Verſteigerungen nicht mehr ſtatt.
Darmſtadt, den 12. März 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt
Kullmann.
(6680mm

Autzholz=Verſteigerung Nr. 15.
Stadtwald.)

Samstag, 29. März 1. J., vormittags ½9 Uhr,
ſollen im Saale der hieſigen Turngemeinde (Woogsplatz 5) aus
den Abteilungen 7 (Spitz am Zaun), 13 (Saufang, 2 und 3 ( Hinter=
becke
), 55 (Kahleberge), ſowie aus verſchiedenen Abteilungen der Forſt=
wartei
Heiligkreuz (Forſtwart Hofmann) 231,64 im Nutzholz
verſteigert werden, und zwar:

Eichen
=Stämme I. Kl. 3 Stück 6,12 fm.
II. 16 21,83
III. 30 27,44)
,
22 72,41

. 92 = 36,51
II.
0,33
5
Buchen
II.
3,24
III.
4,61
V. 5 3,25
Hainbuchen

1,49

, 0,81
V. . 21
4,22

Elsbeer
1 0,35
0,11
,
VI
Birken
0,77
V
. 16 0,73
Lärchen

, 5,24
Fichten
1,37
1
11 19,82
,
III.
14
17,83
Buchen=Derbſtangen I. Kl. 20 Stück 1,24 fm
Lärchen
0,80
,
Fichten
197 1,46
=Reisſtangen II.
0,08

Sämtliches Holz iſt an gut fahrbare Wege gerückt. Unter=
ſtrichene
Nummern werden nicht verſteigert. Stammholzverzeichniſſe
ſind bei dem oben genannten Forſtwart zu haben.
(6673mm
In der Forſtwartei Heiligkrenz finden weitere Verſteige=
rungen
nicht mehr ſtatt.
Darmſtadt, den 15. März 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

[ ][  ][ ]

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Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

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[ ][  ][ ]

Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Seite 13.

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Das Stärkſte.
Roman von Fritz Gantzer.
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7)

Scheu ſchlich er durch die Straßen. Zweimal ſtand
er vor dem Brunsſchen Hauſe am Markt und ſuchte die
lange Front nach einem erleuchteten Fenſter ab. Wie ihn
fror, und was für einen wahnſinnig grimmenden Hunger
er empfand! Und alle, die hinter den dunklen Mauern
jetzt wohl ſchon ſchliefen, waren ſatt und durften ſich auf
weichen Pfühl betten. Er mußte im Freien nächtigen,
vielleicht kaum im dürftigen Schutze einer kahlen Hecke.
Dieſes Hunger= und Elendsleben! Wie er es manch=
mal
haßte, ohne doch die Kraft zu beſitzen, ſich davon frei=
zumachen
. Es hielt ihn wie mit eiſernen Klammern in
ſeinem Bann und ließ ihn nicht mehr los. Das Vagan=
tenleben
war ihm zu etwas Unentbehrlichem geworden.
Lieber ſterben als es aufgeben. Es nur etwas erträg=
licher
geſtalten. Und das würde ſchon möglich ſein. Wo=
zu
war denn die Signe auf der Welt? . . .
Stephan Franck, der verkommene Taſchenſpieler, der
heute nicht einmal mehr den elenden grünen Karren von
damals beſaß, der keinen Heller ſein eigen nannte, ſchlief
in dieſer Nacht wirklich hinter einer kahlen Hecke. Der
kalte Märzwind jagte ihm einen Froſtſchauer um den an=
deren
über den zitternden Leib. Nur die wundgelaufenen
Füße brannten wie das helle Feuer. Drei lange Tage
hatten ihn unterwegs geſehen, von dem fernen Orte an,
wo er ſeinem Weibe heimlich auf und davon gegangen
war. Mochte das ſelbſt ſehen, wie es ſich durch die Welt
ſchlug! Er hatte der Not und des Hungers allein über=
genug
, ohne auch noch für einen Miteſſer und darum ein
ſo überaus läſtiges Anhängſel Sorge zu tragen.
Gedanken wunderlichſter, verworrenſter Art zogen

e undh
als ihm endlich weit nach Mitternacht der mitleidige Gott
des Schlafes ein leiſes Lächeln erbarmender Liebe ſchenkte
und ſeine Augen mit warmer Hand überſchattete, wan=
derte
das wild durcheinander geworfene Grübeln den
krauſen Weg zum Traumlande und peinigte den Schlafen=
den
mit wüſten Vorſtellungen.
Schon lange vor Sonnenaufgang lag Signe mit
wachen Augen. Da war nun der bedeutſame Tag, der
einen Abſchluß und einen Anfang bedeutete. Die Kind=
heit
ſtarb heute. Und ihr letzter Atemzug ſtreifte die keu=
ſche
Stirn einer neuen Zeit. Sie kam ganz gewiß. In
reinen, weißen Gewändern und mit Augen, in denen ein
glückliches, warmes Lächeln ſchlummerte. Und Signe er=
ſchauerte
vor ihrem Kommen in heiliger Scheu und
atemloſem Warten.
Es wurde ein heller Tag, einer mit vieler Sonne und
warmer Luft, die nach Frühling duftete und durch die es
wie ein Singen ging, das aus den Kehlen heimkehrender
Wandervögel zu kommen ſchien. . . . St. Sebaldus’ ehr=
würdiger
Turm ſtand wie von purpurnem Golde über=
ſchüttet
. Und alle Menſchen hatten frohe, helle Geſichter.
Und nun erſt die Geſichter im Hauſe des Herrn To=
bias
Bruns!
Frau Barbara war die Güte in Perſon. Mein liebes
Kind! ſagte ſie warm, als Signe, das Geſicht mit feier=
lichem
Ernſt geſchmückt, zum Gutenmorgengruß kam.
Mein liebes, gutes Kind! Und ſie küßte Signe auf Augen
und Stirn.
Meine liebe Mutter! Aus heiligen Seelentiefen ge=
boren
, kam das Wort, ganze Hingabe und Innigkeit, ganz
ungeſchmälerter Glaube: Du biſt meine leibliche Mutter.
Und ich hänge an Dir mit allen Faſern meines jungen
Lebens.
Ja, ſie hatten recht getan, die einen ſchmerzenden Miß

Pfendaung. Du biſt unfer
leibliches Kind nicht! dieſem Tag fernzuhalten.
Tobias Bruns lächelte ſie an ernſt, aber doch gütig.
Und dann ſchob er ihr ein Sparkaſſenbuch über den Tiſch
und ſagte: Der Grundſtock zu dem, was wohl einmal nötig
ſein wird. Er meinte ihre Ausſteuer. Die erſte Ein=
zahlung
lautete über fünfhundert Mark.
Oh, dieſe Summe! ſtockte ſie nach ihrem Dank in
einiger Befangenheit heraus und blätterte ſcheu in dem
Buch.
Herr Tobias begann gerade, etwas von Zins und
Zinſeszins zu erzählen, als die Brüder erſchienen. Ger=
hard
gab ſich etwas kühl und ſteif, bot ihr knapp die
Hand und hatte ein flüchtiges Guten Morgen, Signe!
Sie ſah ihn nur obenhin an, wenngleich ſie freundlich =
chelte
. Das Helle, Volle in ihren Augen galt Henning.
Er brachte einen friſch im Garten gepflückten Strauß
leuchtender Tazetten und dunkelblauer Szillas, küßte und
ſagte leiſe und zärtlich: Meine liebe, kleine Schweſter!
Da entglitt Signes Hand das Sparkaſſenbuch. Es
fiel unbeachtet zur Erde. Mit beiden Armen umſchlang
ſie Hennings Nacken und flüſterte dicht vor ſeinem Ohr:
Du lieber, guter Bruder! Ich hab’ Dich ſo lieb, Henning!
Gerhard empfand etwas wie Neid und bückte ſich in
verlegener Haſt nach dem Buche. Als er es aufgenommen
hatte und wieder hochgerichtet neben ihnen ſtand, wr die
flüchtige Aufwallung dahin. Aber Signe, ſagte er lachend,
wie kann man! Deine Freude an Blumen ſchiebt reelle
Wert achtlos beiſeite.
Signe nahm ihm das Buch aus der Hand. Du irrſt,
Gerhard, ſagte ſie beſtimmt. Ich bin doch die Tochter
eines Kaufmanns.
Durch Gerhards Sinn fuhr ein hartes Nein, das ſich
ſchon zu dem Wege nach Zunge und Lippen rüſtete und
das dieſen Weg ſicher begonnen und zu Ende geführt

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 60.

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ſchneller Haſt überlegenden Bedenkens Zaum und Zügel
angelegt und es hart zurückgeriſſen. So blieb es un=
geſprochen
und breitete während des ganzen Tages über
ſein Inneres etwas, das einem leiſen Schatten glich.
Mit dem Lauf der Stunden wuchs die Zahl der Ein=
drücke
, die Signe empfing. Und jeder neue dieſer Ein=
drücke
überwog den voraufgegangenen an Tiefe und Un=
vergeßlichkeit
. Seinen Höhepunkt erreichte der Tag in der
Konfirmationsfeier ſelbſt. St. Sebaldus' Raum deuchte
ſie höher, lichter, ſeine Bögen ſchienen ihr weitſpannender,
gewaltiger denn je. Und das Orgelrauſchen von der Em=
pore
her kam ihr vorwie ein einziges Getön jubilierender
Engel, Ein Wort prägte ſich ihr ein, als hätten es
Feuerfinger in ihre Seele geſchrieben. Nicht das, das ihr
gegolten, das der Geiſtliche ihr geſagt. Nein. Das war
wohl auch ſchön, wie ein guter Wegweiſer für ihr ganzes
Leben. Aber wie etwas Erſchütterndes, das Innere auf=
rüttelnd
, war jenes andere Wort, das ihrer Nachbarin
zur Rechten gegolten, der kleinen blaſſen Waiſe: Vater
und Mutter verlaſſen mich, aber der Herr nimmt mich
auf.
Signe konnte nicht anders: als ſie auf ihren Platz
zurückgekehrt war, taſtete ſie nach der Hand der leiſe Wei=
nenden
, preßte ſie und fühlte etwas Heißes in ihre Augen
ſteigen.
Daheim hing ſie dem Worte weiter nach. Es war
wie etwas, das zum Feſthalten zwang. Und immer wie=
der
dachte ſie: Wie unſagbar traurig muß es ſein, wenn
man von Vater und Mutter verlaſſen iſt!
Sie hatte ſich vorgenommen, mit Frau Barbara dar=
über
zu ſprechen, ſich etwas ſagen zu laſſen, das ſie wieder
freimachen würde von dem auf ihr laſtenden Drucke. Aber
das, was der Tag noch brachte, die Feier im Hauſe und
die damit verbundene Unruhe und helläugige Haſt, hin=
derte
daran.
Es war keine laute und große Feier. Die Brunsſche

Sippe war da: zwei Vettern des Herrn Tobias Bruns
mit ihren Familien und drei alte Tanten der Frau Bar=
bara
. Sie hatten alle Geſchenke gebracht, nützliche und über=
flüſſige
. Am eigentümlichſten, aber auch am überflüſſig=
ſten
, war Tante Mathilde Heſſelfings Geſchenk: ein grauer
Papagei, der Tantchen ſchrie und Sünde. Was
Signe bedeuten ſollte. Die richtige Ausſprache des
Wortes hatte er trotz aller Bemühungen Tante Mathil=
des
nicht erlernt. Da man von Mathilde Heſſelfing merk=
würdige
Ueberraſchungen gewöhnt war, wunderte ſich
kaum einer über den grauen Vogel. Aber ſein kreiſchen=
des
Geſchrei erregte Mißfallen, und Herr Tobias hatte ſich
ſchon vorgenommen, den widerlichen Exoten bei nächſter
Gelegenheit aus dem Hauſe zu bringen.
Dann waren die Nachbarn zur Rechten und zur Lin=
ken
da, der Herr Oberpfarrer fehlte auch nicht, und daß
Herr Kröger zugegen war, braucht kaum erwähnt zu
werden.
Er ſtand gerade im Begriff, eine kleine Rede zu hal=
ten
, in welcher er die einzige, nun erwachſene Tochter
des Hauſes zu feiern gedachte, hatte eben an ſein Glas
geklopft und ſich mit einiger Schwerfälligkeit erhoben, als
Herr Tobias Bruns abgerufen wurde.
Einer der jungen Leute, die unten in einem Raum
neben dem Kontor ihre Feſttafel hatten, war in das Zim=
mer
getreten und hatte dem Chef ein paar Worte ins Ohr
geflüſtert.
Iſt das ſo ungbänderlich nötig? Gerade heut? fragte
Herr Tobias laut zurück.
Der Mann läßt ſich nicht abweiſen, Herr Bruns. Er
behauptet, ein dringendes Anliegen zu haben.
Schön! Ich komme ſofort.
Herr Tobias Bruns ſuchte in allen Winkeln ſeiner
Erinnerung, als er dem Fremden gegenüberſtand. Ir=
gendwo
, vor langer Zeit, hatte er dies Geſicht ſchon ein=
mal
geſehen. Er fand ſich nicht zurecht und fragte nach
dem Begehr des Fremden.

ich lomne der Sige wegen neiter Sehter
Da ſprang die Erinnerung jach aus dem Schlaf, ſo
jach, daß Herr Tobias vor heller Beſtürzung einen Schritt
zurücktrat und ſich verfärbte.
Ebenſo ſchnell faßte er ſich. Und kalt und abweiſend
entgegnete er: Sie haben kein Recht mehr, Signe Tochter
zu nennen.
Oho! Der Blick des andern funkelte auf und nahm
einen drohenden Ausdruck an. Ein Recht immer. Signe
iſt mein Kind.
Geweſen! betonte Herr Tobias energiſch, während
ſein Blick an dem verſchoſſenen und nur notdürftig ge=
flickten
Rock des Vaganten hinauf und hinab ging. Ich
habe Sie damals angemeſſen entſchädigt.
Mit erbärmlichen fünfhundert Mark, ſtieß Frank
giftig heraus.
Sie ſollten nicht vergeſſen, daß Sie der Fordernde
waren, erinnerte der Kaufmann ruhig, und daß Sie die
Abfindung als eine endgültige anerkannten. Was wollen
Sie alſo noch? Er durchquerte das Zimmer mit haſtigen
Schritten und ſchien zu warten, daß ſich Frank entfernen
möchte.
Aber der ging keineswegs. Er pflanzte ſich vielmehr
nur noch gewichtiger auf und ſagte:
Es iſt ſchon ſo, wie Sie da erzählen. Ich weiß ſehr
genau. Das hindert jedoch nicht, mein Kind heute zu
ſehen und ihm einen Gruß von ſeiner Mutter zu bringen.
Das werde ich nicht erlauben, erklärte Herr Tobias
beſtimmt.
Und weshalb nicht? Stephan Franks Augen nahmen
den Ausdruck eines gereizten Tieres an. Er trat unwill=
kürlich
einen Schritt vor.
Werden Sie nicht unverſchämt, Mann! warnte Herr
Tobias. Ich ſage Ihnen: Signe zu ſehen, iſt eine Un=
möglichkeit
.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Seite 15.

Die Wahrheit über die Geiſha.

** Japan iſt für uns das Land der Geiſhas; wir
haben ſie in tragiſchen Opern und in Operetten lieben
und ſterben ſehen; die Romantik und Poeſie des alten
Nippon iſt für uns in ihnen verkörpert. Aber die Vor=
ſtellung
, die wir von dieſen leichten, luſtigen Seelchen be=
ſitzen
, iſt nur ſehr vage; wir ſehen in ihnen gefällige
Dienerinnen der Liebe, und doch ſind ſie mehr, ſind ein
Stück uralter japaniſcher Kultur, ſind echte Künſtlerinnen.
Die Wahrheit über die Geiſha, die Aubrey Lanſton in
Ladys Realm verkündet, iſt eine Ehrenrettung dieſes
Standes, der erlauchte Ahnen und berühmte Vertreterin=
nen
beſitzt. Der Beruf der Geiſha kann auf eine tauſend=
jährige
Vergangenheit zurückblicken und ſpielt in der Ge=
ſchichte
Japans eine Rolle. Die erſte Geiſha, von der
die Chroniken erzählen, war Tamabucri, die die Ge=
liebte
des Kaiſers Uda (888897) wurde; wenige Jahre
ſpäter erfanden zwei Teehausmädchen von Kyoto einen
berühmten, noch heute üblichen Tanz, den ſie ſelbſt mit
Trommel, Flöte und Zymbeln begleiteten. Die eigent=
lichen
Vorgängerinnen der modernen Geiſha ſind die
Schirabiyoſchi der Heian=Epoche, die weißgekleideten
Schönen mit dem Männerhut und dem weißen Schwert,
die die Blüte und den Adel aller Weiblichkeit darſtellten.
Sie haben die klaſſiſchen Tänze erfunden, haben der Muſik
Japans ihre ſchwebend koketten Rhythmen verliehen,
haben der Dichtung und bildenden Kunſt neue Motive
zugeführt; ſie ſind die Heldinnen der klaſſiſchen Liebes=
geſchichten
der japaniſchen Literatur. Später freilich ſank
der Stand der Geiſha tief herab, und im Jahre 1822 ſtieß
ſie ein kaiſerlicher Erlaß auf die unterſte Stufe der Geſell=
ſchaft
herunter; die Erziehung von Mädchen in Muſik und
Tanz wurde verboten und alle Schmach auf dieſe armen
Geſchöpfe gehäuft. Doch die Tradition des japaniſchen
Volkes, das von der Geiſha nicht laſſen kann, war ſtärker,
als der Befehl des Kaiſers, und noch heute gibt es
Geiſhas, die, wie in den alten Tagen, ihres Namens
würdig ſind, denn Geiſha heißt eine gebildete Perſon

und in ihrer vollndeten künſteriſchen Ausbildung be=
ruht
der höchſte Reiz und Zauber dieſer Mädchen. Wenn
ſich heute Eltern entſchließen, ein Töchterchen um ſeines
eigenen Wohles willen zur Geiſha auszubilden, dann
geben ſie es, wie ehedem, in die Geiſhaſchule, erhalten
eine Summe von 1050 Yen oder 20100 Mark, und die
Aufſicht über das Kind geht dann bis zum Austritt aus
der Schule an dieſe über. Die Kleine empfängt nun eine
körperlich wie geiſtig gleich umfaſſende Erziehung. Sie
muß in der japaniſchen Literatur ſehr bewandert ſein
und alles kennen, von den älteſten Liedern bis zum
modernſten Feuilleton. Die Tänze werden ihr mit jenen
durch eine lange Tradition überlieferten Nüancen ein=
geübt
, wie ſie ſich nur noch in den Geiſhaſchulen erhal=
ten
haben und eine längſt entſchwundene Grazie der
Körperbewegung widerſpiegeln. Da die japaniſche Muſil
nicht ſchriftlich fixiert iſt, muß die Geiſha ein erſtaunliches
Gedächtnis haben, wenn ſie alle Geſänge und Begleitun=
gen
zu ihren Tänzen behalten ſoll. Sie muß eine Vir=
tuoſin
auf der japaniſchen Zither und anderen Inſtrumen=
ten
ſein; ſie lernt die ſchwierige, den höchſten Geſchmach
erfordernde Feinheit des Arrangierens von Blumen und
die ſehr umſtändlichen Handlungen bei dem altehrwür=
digen
Teezeremoniell. Entfaltet ſie ſich in dieſer ſtrengen
Schule zu jener vollkommenen Harmonie, die das Ideal
der Geiſha iſt, dann iſt ihr Glück gemacht, und ſie wird
berühmt, berühmter als mancher große Staatsmann und
Künſtler. Ueberallhin wird ſie eingeladen zur Verſchö=
nerung
der Feſte, und man muß ſich Wochen vorher einen
Abend ſichern, wenn ſie die Geſellſchaft durch ihr Spiel
und ihren Tanz unterhalten ſoll. Dieſe Ariſtokratinnen
des Geiſhaſtandes verdienen jährlich viele Tauſende; das
Einkommen der bekannteſten wird auf mehr als 20000
Mark geſchätzt. Die erſte Geiſha Japans, die zugleich
für die ſchönſte Frau des Reiches gilt, iſt gegen=
wärtig
Manryo San, d. h. Fräulein Zahlloſe Drachen.
Sie iſt erſt 17 Jahre alt und ſchon der verwöhnte Lieb=
ling
der Geſellſchaft. Dem Europäer dürfte ihre Erſchein=
ung
weniger gefallen, denn ſie verkörpert das Schönheits=
ideal
der japaniſchen Raſſe in ausgeprägteſter Weiſe,

während die weniger vornehmer Geiſhaß viel weniger
raſſenrein ſind und daher beſſer gefallen dürften. Eine
andere berühmte Geiſha iſt Fräulein Friedvoller See‟,
eine Dichterin von nicht gewöhnlicher Begabung, die ihre
zarten Lieder ſelbſt zur Samiſen begleitet. Wenn eine
ſolche erſtklaſſige Geiſha, von ihrem Zitherträger be=
gleitet
, mit ihrer unnachahmlichen Anmut und Würde
in einer Geſellſchaft erſcheint, dann glaubt man wohl, eine
Fürſtin trete herein, und trotz des ſtrengen Verbotes
haben ſchon hohe Beamte und Millionäre ſolche Mädchen
geheiratet. Die Geiſha iſt heute die letzte Trägerin jener
wundervollen alten Geſchmacksbildung, die wie ein Klang
aus ſchönerer Zeit im modernen Japan noch leiſe fort=
lebt
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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

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[ ][  ][ ]

Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Luftfahrt.

sr. Eine aufregende Ballon=Zielfahrt
wurde am Sonntag von Bitterfeld aus vom Bitterfelder
Verein für Luftfahrt veranſtaltet, zu der zehn Ballons
gemeldet hatten. Infolge der außerordentlich ſtürmiſchen
Witterung war bereits gegen Morgen die Füllung von

zwei Ballons mißglückt, die mit Hilfe der Reißbahn ent=
leert
werden mußten, weil die Hilfsmannſchaften die Bal=
lons
gegen den Sturm nicht mehr hatten halten können.
Als der Sturm am Morgen etwas nachließ, gelang es, die
übrigen Ballons zu füllen und von 9 Uhr ab zunächſt die
Ballons Fiedler unter Führung von Dr. Erich Korn,
Elbe unter Führung des Herrn Gebauer und König
Friedrich Auguſt unter Führung des Herrn Wulzo ab=
zulaſſen
, wenn auch unter erheblichem Gasverluſt. Als
dann bei dem Ballon Bitterfeld unter Führung von
Oberleutnant Ricke durch den wieder ſtärker einſetzenden
Sturm das Ballonnetz zerriſſen wurde, und dem Start der
übrigen Ballon trotz der aufregenden Tätigkeit der Hilfs=
mannſchaften
, die häufig hoch in die Luft geriſſen wur=
den
, zu große Schwierigkeiten entſtanden, entſchloß ſich
die Fahrtleitung, den Abbruch der Wettfahrten anzuord=
nen
. Die drei zuerſt geſtarteten Ballons waren mit
Schnellzugsgeſchwindigkeit dem 240 Kilometer von Bitter=
feld
entfernten Ziele beim Bahnhof Gollmütz, in der Nähe
von Schwerin an der Warthe, entgegen geeilt. Die Füh=
rer
hatten bei der herrſchenden Windgeſchwindigkeit von
80 Kilometern in der Stunde natürlich große Schwierig=
keiten
, die Landung rechtzeitig durchzuführen und wurden
ſämtlich noch weit über das Ziel hinausgetrieben. Am
nächſten dem Ziele landete Dr. Korn, der das Ziel zunächſt
überflogen hatte, aber dann noch etwa 50 Kilometer weit
getrieben wurde. Im übrigen erfolgten die Landungen
glatt.

Sport, Spiel und Turnen.

sr. Die Automobil=Zuverläſſigkeitsfahrt Rund durch
Frankreich für kleine Wagen, die am 1. März begonnen
hatte, fand jetzt in Verſailles ihren Abſchluß. Von 29 ge=
ſtarteten
Wagen erreichten 17 das Ziel, davon 10 ohne
Strafpunkte. Es ſind dies ein Aries, zwei Corre la Li=
corne
, zwei Anaſagaſti, ein Metallurgique, ein Barre, ein
Majola, ein Pierron und ein Upuick. Mit zwei Strafpunk=
ten
erreichte das Ziel ein Alcyon, mit drei Strafpunkten
je ein Hurtu und ein Boſier, mit vier Strafpunkten je ein
Aries, Corre la Licorne, ein S. C. A. P. und ein Pierron.
Es gelang ſomit keiner kompletten Mannſchaft von je drei
Wagen, die ganze Fahrt ohne Strafpunkte zu beenden.
Spezialpreiſe erhielten ferner noch: Corre la Licorne eine
Plakette der Stadt Nizza für die beſtplazierte Mannſchaft,
Anaſagaſti eine Plakette des Automobilklub von Nizza als
Schönheitspreis und Majola eine Plakette des Automo=
bilklubs
von Nizza, die für den ſchwächſten Wagen aus=
geſetzt
war, der die Fahrt beendete.
* Lawn=Tennis. Das Internationale Lawu=
Tennis=Turnier in Nizza konnte jetzt zum Ab=
ſchluß
gebracht werden. Im Herren=Einzelſpiel ſiegte in
der vierten Runde F. W. Rahe über H. William 6.0, 6:0.
Er traf dann in der Vorſchlußrunde auf Larſen, den er
5:7, 6:4, 63 ſchlug. Für die Schlußrunde qualifizierte ſich

ferner Decugis, der in der Vorſchlußrunde Robert be=
zwang
. In der Schlußrunde ſiegte Decugis nach interef=
ſantem
Kampfe über Rahe mit 719, 622, 6:3, 3:6, 633.
Im Damen=Einzelſpiel trafen in der Schlußrunde Frl.
von Krohn und Miß Colſton zuſammen, nachdem Frl. von
Krohn in der Vorſchlußrunde Miß Stuart 6.2, 6:0 geſchla=
gen
hatte. Die deutſche Spielerin konnte auch die Schluß=
unde
leicht mit 6:3, 611 gewinnen. Im Herren= Doppel=
ſpiel
ſiegte in der Vorſchlußrunde Rahe=H. Kleinſchroth
über Decugis=Graf Salm 6:4, 6.2, Robert=Larſen über
Salzmann=Stoddart 6:4, 2:6, 6:3. Die Schlußrunde konn=
ten
dann Rahe=H. Kleinſchroth gegen Robert=Larſen mit
2:6, 6:0 631, 622 gewinnen. Im gemiſchten Doppelſpiel
unterlag das deutſche Paar Gräfin von der Schulenburg=
Rahe gegen Miß Ryan=Graf Salm in der Vorſchluß=
runde
; letztere konnten auch in der Schlußrunde das fran=
zöſiſche
Ehepaar Decugis 7.5, 6:3 abfertigen.

Stimmen aus dem Publikum.
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſchrift übernimmt die Redaktion
keinerlei Verantwortung; für ſie bleibt auf Grund des § 21 Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Nationalliberale und Fortſchrittler.
Zu dem Eingeſandt in Ihrer Samstagsnummer bitte
ch, mir folgende Feſtſtellungen zu geſtatten: 1. Bei der
Landtagswahl in 1911 kam es zu keiner Einigung für
Darmſtadt, obwohl die Fortſchrittliche Volkspartei den
Nationalliberalen für die Ueberlaſſung des dritten Darm=
ſtädter
Mandats das zweite Gießener Mandat überlaſſen
wollte. Die Einigung kam auch dann nicht zuſtande, nach=
dem
ich, deſſen Kandidatur von nationalliberaler Seite
als unannehmbar bezeichnet worden war, erklärt hatte,
zugunſten eines anderen Fortſchrittlers zurücktreten zu
wollen. 2. Das Eintreten der Nationalliberalen für mich
in der Stichwahl habe ich gerne anerkannt. Dabei
darf aber wohl nicht überſehen werden, daß hierbei der
Grundſatz vom kleineren Uebel in Betracht gekommen
iſt, um nicht die noch unangenehmere ſozialdemokratiſche
Kandidatur ſiegen zu laſſen. An ein ſtärkeres Anwachſen des
Einigungsgedankens auf nationalliberaler Seite konnte
ch unter den obwaltenden Umſtänden nicht gut glauben.
3. Die Wahlparole der Fortſchrittlichen Volkspartei bei
der Reichstagsſtichwahl iſt lediglich aus der dama=
ligen
Geſamtlage zu beurteilen. Angeſichts der Vor=
gänge
in Bingen=Alzey hätte keine Stichwahlparole
einerlei, wie ſie förmuliert und auch agitatoriſch unter=
ſtützt
worden wäre einen anderen Erfolg erzielt.
Hochachtungsvoll.
K. Henrich.
Erſtreckt ſich die polizeiliche Reviſion der Bäckereien
und Metzgereien auch auf die Arbeitskleider der Geſellen
und Lehrlinge? Kann die Polizei nicht auch einwirken
auf größere Reinlichkeit der Bäckereibedienſteten, welche
das Brot austragen?

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Seite 22.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. Marz 1915.

Nummer 60.

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ſchicht
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Nummer 66.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nachrichten des Standesamts Darmſtadt I.

Geöffnet an Wochentagen von 9 12 Uhr vorm. und
B 5 Uhr nachmittags. Samstags nachmittags nur für
dringende Fälle und Sterbefallsanzeigen.
Geborene. Am 9. März: dem Bäckermeiſter Ludwig
Kaffenberger, wohnhaft in Roßdorf, Kreis Darmſtadt,
ein S. Heinrich, hier Dieburger Straße 21. Am 10.: dem
Briefträger Karl Hoth, Müllerſtraße 9, eine T. Marie.
Am 12.: dem Tapezier Ludwig Traum, Eckhardtſtr. 3,
eine T. Fernande Anna. Dem Eiſenhobler Karl Bei=
mert
, Dornheimer Weg 19, eine T. Auguſte. Am 17.: dem
Kutſcher Johannes Liſtmann, Eliſabethenſtraße 46, eine
T. Anna Maria Eliſabeth. Am 15.: dem Ziegler Karl
Theodor Fein, Fuhrmannſtraße 7, eine T. Berta Elſa,
Dem Steinmetz Gg. Konrad Rinn, Bismarckſtraße 68
eine T. Thea Chriſtiana Friedrike. Am 16.: dem Bier=
brauer
Joh. Leibl, Lichtenbergſtraße 23, eine T. Maria
Anna. Am 15.: dem Steinmetz Peter Schmidt, Ballon=
platz
3, eine T. Elſa. Am 16.: dem Taglöhner Martin
Weber, Langegaſſe 29, eine T. Anna Marig Luiſe.
Aufgebotene. Am 12. März: Schreiner Matthäus
Müller, Eliſabethenſtraße 35, mit Suſanna Mohr,
ebenda. Schloſſer Jakob Boller II., Feldbergſtraße 75
mit Emma Jung in Gambach. Am 13.: Großh. Regie
rungsbauführer Joh. Georg Chriſt. Beyer, Grüner
eg 17, mit Martha Luiſe Emma Spieß in Friedberg.
Am 14.: Vizefeldwebel Guſtav Birkenſtock, Griesheim=
Uebungsplatz, mit Köchin Barbara Lauth, Annaſtr. 30.
Kontoriſt Andreas Philipp Jalob Henne hier mit Kath.
Steinmetz in Malchen. Bahnmeiſter Georg Axt in
Gladbeck mit Chriſtina Zimmermann, Mollerſtraße 17.
Kaufmann Karl Jakob Berckmann in Frankfurt a. M.
mit Elſa Schönberger, Ireneſtraße 11. Bäcker Georg
Friedrich Henkelmann, Heinheimerſtraße 55, mit Eliſa=
bethe
Reiß in Eberſtadt. Bäcker Heinrich Frutig, Ar=
heilger
Straße 37, mit Erneſtine Koch in Höchſtenbach.
Am 15.: Eiſendreher Matthäus Stork in Frankfurt a. M.
mit Katharina Krämer hier. Elektromonteur Georg
Wenz hier mit Eliſabetha Rockenbach in Wöllſtein.
Am 17.: Gärtner Wilhelm Praetorius in Bürſinal
(Waadtland) mit Zimmermädchen Emma Eliſa Hochuli
in Genf. Lehrer Heinrich Roth in Pfungſtadt mit Anna
Fichter in Friedrichsthal. Hausburſche Georg Philipp
Michael Kaffenberger, Liebfrauenſtraße 67, mit Lauf=
mädchen
Auguſte Goll, Große Kaplaneigaſſe 11.
Eheſchließungen. Am 15. März: Städtiſcher Ingenieur
Wilhelm Holzapfel in Straßburg i. E. mit Alice Wolfſ
hier. Spengler Jakob Funk hier mit Johanna Blum
in Wiesbaden. Buchdrucker Maximilian Bolkart mit
Frieda Teichmöller, beide hier. Volksſchullehrer Lud=
wig
Egly in Raunheim mit Eliſab. Katharina Adam
in Ueberau. Chirurg. Inſtrumentenmacher Th. Kilian
mit Roſa Schaller, geb. Schultheis, beide hier.
Geſtorbene. Am 13. März: Schülerin Marg. Keil,
13 Jahre, ev., T. des Gaſtwirts, Gervinusſtraße 41. Wil=
helmine
Friederike Jordan geb. Peters, 39 Jahre, ev.,
Ehefrau des Werkmeiſters, Blumenthalſtraße 45. Rech=
nungsrat
Auguſt Ernſtberger, 52 Jahre, ev., Soder=
ſtraße
6½. Am 14.: Marie Kaffenbergep geb. Rapp, 39
Jahre, ev., Ehefrau des Bäckermeiſters in Roßdorf,
hier Dieburger Straße 21. Am 13.: Dienſtbote Roſa
Maria Braun, 20 Jahre, kathol., ledig, Heinheimerſtr. 21.
Karl Eberhardt, ohne Beruf, 73 Jahre, ev., Frankenſtein=
ſtraße
52. Am 14.: Taglöhner Jakob Heß, 72 Jahre, ev.,
von Ober=Ramſtadt, hier Grafenſtraße 9. Am 13.: Stein=
metz
Wilhelm Rieſeck, 40 Jahre, ev., von Braunshardt,
hier Grafenſtraße 9. Am 14.: Emma Kritzler geb. Dil=
they
, 74 Jahre, ev., Witwe des Landgerichtsrats, Bis=
marckſtraße
9. Schreiner Balthaſar Bardonner, 35 J.,
ev., von Reichelsheim, hier Erbacher Straße 25. Privatier
Heinrich Daniel Kolb, 51. Jahre, ev., Eliſabethenſtr. 19.
Am 15.: Eliſab. Weber geb. Gruber, 53 Jahre, kath.,
Ehefrau des Zieglers, Dieburger Straße 78. Kaufmanns=
lehrling
Wilhelm Ernſt Friedrich Schick, 17 Jahre, ev.
S. des Inſtallateurs, Landgraf=Georg=Straße 64. Adolf
Geßner, 1 Jahr, freireligiös, S. des Straßenreinigers,
Große Bachgaſſe 14. Am 16.: Schreinermeiſter Johann
Peter Seibert, 59 Jahre, ev., Feldbergſtraße 30. Am 15.:
Kindergärtnerin Dorothea Diefenbach, 57 Jahre, ev.,

von Eberſtadt, Kreis Darmſtadt, hier Erbacherſtraße 25.
Am 16.: Friedrich Schäfer, 4 Mon., ev., S. des Inſtal=
lateurs
, Langegaſſe 14. Am 15.: Eliſabeth Hirſch geb.
Fröhlich, 55 Jahre, ev., Ehefrau des Zimmermanns, Kl
Bachgaſſe 3. Am 16.: Geh. Baurat Profeſſor an der Tech=
niſchen
Hochſchule a. D. Eduard Schmitt, 70 Jahre, kath.,
Frankfurter Straße 11. Dienſtmann Jakob Joſt, 40 J.,
kathol., Grafenſtraße 33. Am 17.: Schülerin Margarethe
* Drevermann, 8 Jahre, ev., Arheilger Straße 7. Gärtner
Peter Hanſel, 73 Jahre, ev., Grafenſtraße 9.

Gottesdienſtliche Anzeigen.

Evangeliſche Gemeinden.
Gründonnerstag, den 20. März 1913
Hoſkirche: Vorm. um 10 Uhr: Beichte für die heil.
Kommunion am Gründonnerstag abend und Karfreitag
vormittag. Abends um 6 Uhr: Feier des heiligen
Abendmahls.
Stadtkapelle: Abends um 6 Uhr: Pfarrer D. Dr.
Diehl.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. um 10 Uhr:
Heil. Abendmahl für Familien mit vorangehender Beichte.
Johannesgemeinde: Abends um 8 Uhr: Abendmahls=
gottesdienſt
. Pfarrer Marx.
Martinskirche: Abends um 8 Uhr: Pfarrer Veller,
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. Anmeldung
von ½8 Uhr an in der Sakriſtei,
Eliſabethenſtiſt: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt.
Pfarrer Hickel. Nachm. um 3 Uhr: Paſſionsgottes=
dienſt
; daran anſchließend: Beichte.
Beſſunger Kirche (Betrusgemeinde): Abends um 8 Uhr:
Abendmahlsgottdienſt. Pfarrer Wagner.
Paulnskirche: Abends um 6 Uhr: Abendmahlsgottes=
dienſt
mit Einzelkelch. Anmeldung von ½6 Uhr an.
Pfarrer Rückert.
Karfreitag, den 21. März
Hoſkirche: Vorm. um 9 Uhr: Feier des heil. Abend=
mahls
. Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottesdienſt. Nach=
mittags
um 3 Uhr: 8. Paſſionsandacht.
Stadtkirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Vogel.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereitung. Kollekte für
die Reformationskirche. Vormittags um 11½ Uhr:
Kindergottesdienſt. Pfarrer D. Dr. Diehl. Nachm.
um 4 Uhr: Pfarrer Kleberger. Gottesdienſt mit Abend
mahlsfeier. Kollekte für die Reformationskirche.
Stadtkapelle: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Beringer.
Kollekte für die Reformationskirche. Vormittags um
11¼ Uhr: Kindergottesdienſt. Pfarrer Vogel.
Militärgemeinde (Stadtkirche): Vorm. 8½ Uhr.
Johanneskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Marx.
Hl. Abendmahl mit Vorbereitung. Nachmittags um
5 Uhr:
Abendmahlsgottesdienſt mit Vorbereitung.
Pfarrer Dingeldey. Vormittags um 11½ Uhr: Kinder=
gottesdienſt
. Pfarrer Marx.
Martinskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer D. Waitz.
Feier des hl. Abendmahls mit Vorbereituna. Anmel=
dung
von ½10 Uhr an in der Sakriſtei. Nachm. um
2 Uhr: Kindergottesdienſt für den Oſt bezirk. Pfarrer
Widmann. Abends um ½6 Uhr: Liturgiſche Feier
unter Mitwirkung des Kirchengeſangvereins. Pfarrer
Widmann. Kollekte für die Chorſchule. Um 8 Uhr:
Pfarraſſiſtent Lautenſchläger. Feier des heil. Abend=
mahls
mit Vorbereitung. Anmeldung von ½8 Uhr an
in der Sakriſtei. Nachmittags um 4 Uhr: Bibelſtunde
im Martinsſtift. Pfarrer Veller.
Pfründnerhaus: Vorm. um 10 Uhr: Pfarraſſiſtent
Lautenſchäger.
Eliſabethenſtift: Vorm. um 10 Uhr: Hauptgottes=
dienſt
mit Abendmahl. Pfarrer Lenz. Vorm. um
11¾ Uhr: Kindergottesdienſt. Nachmittags um 3 Uhr:
Paſſionsgottesdienſt.
Beſſunger Kirche (Petrusgemeinde): Kollekte für die
Chorſchule. Vorm. um 10 Uhr: Feier des heil. Abend=
mahls
mit Beichte. Anmeldung von ½10 Uhr ab. Pfarrer
Wagner. Nachm. um 2 Uhr: Kindergottesdienſt.
Pfarraſſiſtent Lic. Adolph. Abends um 5 Uhr:
Liturgiſche Feier. Pfarraſſiſtent Lic. Adolph.
Pauluskirche: Vorm. um 10 Uhr: Pfarrer Rückert.
Feier des hl. Abendmahls. Anmeldung von ½10 Uhr
an. Nachm. um 4½ Uhr: Geiſtliche Muſikaufführung.

Karſamstag, den 22. Märs
Hofkirche: Abends um 6 Uhr: 9. Paſſionsandacht.
Johanneskirche: Nachm. um 2½ Uhr: Vorbereitung
zum hl. Abendmahl. Pfarrer Marx.
Eliſabethenſtift: Nachm. um 3 Uhr: Paſſionsandacht
daran anſchließend: Beichte.
Katholiſche Gemeinden
Gründonnerstag, den 20. März 1913
St. Ludwigskirche: Mittwoch, den 19. März, nachmit=
tags
um 4 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Abends
um 8 Uhr: Predigt und Paſſionsandacht, nach Beendi=
gung
der Predigt Gelegenheit zur heil. Beichte.
Donnerstag, vorm. von ½6 Uhr an: Gelegenheit
zur heil. Beichte. Von 6 Uhr an: Jede halbe Stunde
Austeilung der heil. Kommunion. Um 9 Uhr: Hoch=
amt
. Nach dem Hochamt Ausſetzung des allerheiligſten
Sakramentes. Abends um 8 Uhr: Predigt und Paſ=
ſionsandacht
.
Kapelle der Warmherzigen Schweſtern: Donnerstag, vorm.
um ½ 7 Uhr: heil. Meſſe.
St. Eliſabethenkirche: Mittwoch, den 19. März, nach=
mittags
von 4 Uhr an und abends um 8 Uhr: Gelegen=
heit
zur heil. Beichte.
Donnerstag, vorm. von 6 Uhr an: Gelegenheit zur
heil. Beichte. Um ½7, 7 und 8 Uhr: Austeilung der
hl. Kommunion. Um 8 Uhr: Hochamt. Bis 5 Uhr
ſtille Anbetung. Um 5 Uhr: Leidensandacht.
St. Martinsſapelle zu Beſſungen: Mittwoch, den
19. März, nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr:
Gelegenheit zur heil. Beichte.
Donnerstag, vormittags um 6 Uhr: Gelegenheit zur
zur heil. Beichte. Um 7 Uhr: hl. Kommunion. Um
8 Uhr: Amt mit Austeilung der hl. Kommunion.
Nachmittags um 6 Uhr: Leidensandacht. Während
des Tages ſtille Anbetung des Allerheiligſten.
Kirche zu Eberſtadt: Mittwoch, den 19. März, nachm.
um 5 Uhr: Beichtgelegenheit.
Donnerstag, vormittags um 7¼ Uhr: Hochamt mit
Austeilung der heil. Kommunion. Während des ganzen
Tages iſt Anbetung des Allerheiligſten.
Abends um
5 Uhr: Gemeinſame Andacht.
Karfreitag, den 21. März
Kollekte für den Paläſtina=Verein
St. Ludwigskirche: Vorm. um 7 Uhr: Ausſetzung des
lerheiligſten Sakramentes. Um 9 Uhr
Lateiniſche
Paſſion nach Johannes; Enthüllung und Verehrung des
hl. Kreuzes; Missa praesanctificatorum. Nachm. um
6 Uhr: Predigt und Paſſionsandacht, wobei die ſieben
letzten Worte Jeſu nach Heinrich Fidelis Müller geſungen
werden.
St. Eliſabethenkirche: Vorm. 7 Uhr: Stille Anbetung.
Um 8 Uhr: Verſtörte Meſſe mit Predigt des Herrn
Kaplan Wilhelm. Um 5 Uhr: Leidensandacht.
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Kollekte für das hl.
Grab in Jeruſalem. Vormittags um 8 Uhr: Leidens=
zeremonien
. Nachm. um 6 Uhr: Leidensandacht.
Während des Tages ſtille Anbetung des Allerheiligſten.
Kirche zu Eberſtadt: Vorm. um 8 Uhr: Zeremonien,
Enthüllung des Kreuzes und Vortrag der Leidensge=
ſchichte
in deutſcher Ueberſetzung durch den Kirchenchor.
Nach der Entblößung der Altäre Anbetung des Aller=
heiligſten
. Nachm. um 5 Uhr: Karfreitagspredigt und
Andacht.
Karſamstag, den 22. März
St. Ludwigskirche: Kollekte für das heil. Grab in
Jeruſalem. Vorm. um 8 Uhr: Weihe des Feuers, der
Oſterkerze und des Taufwaſſers; darauf feierliches Vigil=
amt
. Um ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
St. Eliſabethenkirche: Vorm. um 7 Uhr: Beginn der
Weihen. Um 8 Uhr: Amt. , Nachm. von 3 Uhr an
Beichtgelegenheit (fremder Beichtvater).
St. Martinskapelle zu Beſſungen: Kollekte für das hl.
Land. Vorm. um 7 Uhr: Heil. Weihen. Um 8 Uhr:
Auferſtehungsamt.
Kirche zu Eberſtadt: Vorm. um 7½ Uhr: Weihe des
Feuers, der Oſterkerze und des Waſſers. Gegen 9 Uhr:
Hochamt; nach demſelben Austeilung des Weihwaſſers.

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Seite 26.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 66.

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Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

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3½ do. Conſols . . . 86,20
75,50
3 do. do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 96,20
91,60
do.
3½
82,00
do.
3
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 98,40
84,70
do.
3½
76,20
do.
4 Hamburger Staatsanl. 97,90
4 Heſſ. Staatsanleihe 96,70
4 do. do. (unk. 1918) 96,10
99,50
do.
3½
73,50
do.
76,60
3 Sächſiſche Rente
4 Württemberger v. 1907 97,49
do. v. 1875 94,00
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887 . . 55,00
3¾ Italiener Rente
4½ Oeſterr. Silberrente 86,40
4 do. Goldrente . . . 89,8.)
do. einheitl. Rente . 83,50
3 Portug. unif. Serie I 62,50
3 do. unif. Ser. III 65,50
3 do. Spezial . . . . 9,50
5 Rumänier v. 1903 . . 99,50
4 do. v. 1890 . . 90,30
4 do. v. 1905 . . 86,00
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,00
4., do. v. 1902 . . . . 89,3.
do. v. 1905 . . . . 99,70
3½ Schweden . . . . . . 90,30
4 Serbier amort. v. 1895 79,80
4 Türk. Admin. v. 1903 77,30
4 Türk. uniſiz. v. 1903 85,99
4 Ungar. Goldrente . . . 85,70
4 do. Staatsrente. . . 81,50

In Prot.
Zſ.
5 Argentinier . . . . . . 99,90
83,50
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,10
5 Chineſ. Staatsanleihe. 99,50
92,70
4½
do.
4½ Japaner . . . . . . . 91,00
5 Innere Mexikaner . . . 90,20
59,00
3
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 83,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 97,00
3 Buenos Aires Provinz 67,50
Aktien inländiſher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 150,30
5 Nordd. Lloyd . . . . . 119,00
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 127,20
Aktien ausländiſher
Transvortanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60%
Einz. Mk. 408 . . 113,30
6 Baltimore und Ohio . 99½
6 Schantungbahn . . . . 125,00
6½ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 23,60
6 Pennſylvania R. R. . 118,30
Letzte Induſtrie=
Aktien.
Divid.
64,00
3 Brauerei Werger
25 Bad. Anilin= u. Soda=
. . . 525,50
Fabrik .
14 Chem. Fabrik Gries=
.242,10
heim .
30 Farbwerke Höhſt . . 619,50
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 350,00
10 Cement Heidelberg . . 143,25
30 Chem. Werke Albert 440,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 330,50
5 Lahmeyer. . . . . . . 123,50

S
Letzte
Divid
8 Schuchert, Nürnberg 139,90
12 Siemens & Halske .208,60
5 Beramann Electr. .
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 160,50
0 Gummi Peter . . . . 72,50
0 Kunſtſeide Frankfurt 63,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . . 563,50
10 Maſchinenf. Badenia 176,00
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 148,50
15 Zellſtoff Waldhof . . 233,00
12½ Bad. Zucker=Wag=
196,30
häuſel. . .
O Neue Boden=A. A.=Beſ.
3 Südd. Immobilien 57,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumet=Friede
172,00
14 Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . .
.211,50
11 Deutſch=Luxemburg.
Bergb. . . . . . . 158,00
10 Gelſenkirchener . . . . 190,00
9 Harpener . . . . . . . 188,00
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 254,00
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 81,20
Laurahütte . . .
173,00
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 206,00
11
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
3½ Südd. Eiſenb.=Gef. 81,60
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 91,25
Franz=Jofefs=Bahn . .
73,40
3 Prag=Duxer . . . .
5 Oeſterr. Staatsbahn . 102,00
4 Oeſterr. Staatsbahn . 90,20
74,80
do.
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 97,50
do.

Zf.

2¾ Oeſt. Sübb. (Lomb.) 52,60
3 Raab=Oedenburg .
77,00
4 Kronprinz Rudolfbahn 91,80
4 Ruſſ. Südweſt. . . . .
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,00
4
do.
4 Wladichawchas . . . . 86,30
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,80
87,00
do.
68,40
2¼/ Livorneſer
3 Salonique=Monaſtir . 62,00
4 Baadadbahn . . . . . . 80,50
4½ Anatoliſche Eifenb.. 93,80
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 70,00
4 Northern=Paciſic . . . 97,25
4 Southern=Pacifie .
93,00
5 St. Louis und San
Franeisco. . . . . 80,70
5 Tehuantepec . . . . .
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich .
½ Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 151,00
9½ Berlin. Handelsgeſ. .166,60
6½ Darmſtädter Bank . 122,00
12½ Deutſche Bank . . . 254,30
6 Deutſche Vereinsbank . 116,10
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,25
10 Diskonto=Kommandit 189,00
Dresdener Bank . 153,89
9½ Frankf. Hypoth.=B. 216,00
6½ Mitteld. Kreditbank 120,60
7 Nationalb. für Deutſchl. 120,00
7 Pfälziſche Bank. . . . 130,0C
5.86 Reichsbank . . . . 134,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 135,90
7½ A. Schaaffhauſen.
Bankverein . . . . 113,50
7½ Wiener Bankverein . 134,10
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,00

Sehe,
Zf.
3½ Frankf. Hypoth.=Bant
86,60
S. 19 . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . . . . .
97,20
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,06
3½
do.
86,50
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,00
3½
86,40
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 12, 13, 16 . .
98,40
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . .
98,55
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 86,40
S. 35 . . . . . . . . 86,20
S. 911 . . . . . . . 86,30
4 Meininger Hyp.=Bank 97,40
3½
do.
86,30
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,70
3½ do. (unk. 1914) . . 86,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 98,50
do.
3½
87,50
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . . .
97,00
3½ do.
4 Frankfurt. . . . . . . 98,70
3½
do.
95,20
4. Gießen . . . . . .
3½
do.
4 Heidelberg . . . . . . 95,30
3½
do.
Karlsruhe . . . . . . 96,50
31
do.
88,00
-
4 Magdeburg. . . . . .
3½
do.
4 Mainz . . . . . . . . 96,30
3½
do.
Mannheim . . . . . . 95,60
3½
do.
89,75
München . . .
99,30
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 96,20
30
do.
4 Offenbach . . . . . . .

3f.
In Proz.
3½ Offenbach . . . . .
4 Wiesbaden . . . . . . 97,75
3½
88,00
do.
Worms . . . . . . . . 97,00
3½
88,50
do.
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
4 Badiſche . . . Tlr. 100 176,00
3½ Cöln=Mindner 100 138,50
3 Holl. Komm. . fl. 100 108,00
3 Madrider Fs. 100 73,10
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 136,70
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 175,00
3 Oldenburger . . . . . . 129,30
Raab=Grazer fl. 150
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
-
Augsburger . . . . . fl. 7
Braunſchweiger Tlr. 20 196,00
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs. 45
do. . . . . Fs. 10 33,800
Meininger . . . . . fl. 7 34,60
Oeſterreicher v. 1864fl. 100
do. v. 1858 fl. 100 473,00
Ungar. Staats . . ſl. 100 378,50
Venediger . . . . Fs. 30 52,00
Türkiſche . . . . Fs. 400 155,60
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20 Franks=Stücke . . . . 16,30
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Engliſche Noten . . . . 20,46
Franzöſiſche Noten. . . . 81,10
Holländiſche Noten. . . . 168,45
Italieniſche Noten . .
72,60
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,40
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,70
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zöf. 2

[ ][  ][ ]

Seite 28.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 66.

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(*7489

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[ ][  ]

Seite 30.

Darmſtädter Tagblatt, Mittwoch, den 19. März 1913.

Nummer 66.

Handel und Verkehr.

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27. 1. 13. E. 18503. 21c. 543 721. Iſoliernippel. Daniel
Schmitz und Luiſe Schmitz, geb. Dörr, Gießen. 12. 2. 13.
Sch. 47144. 34i. 544 048. Ausziehbare Bücherſtütze. Fa.
Jakob Maul, Zell (Odenw.) 18. 2. 13. M. 45 271. 54 b.
1543 609. Briefkuvert. Friedrich Guſtav Robert Heinze,
Offenbach a. M., Biebererſtraße 19. 3. 2. 13. H. 59 405.
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und dergleichen aus Ton. Tonwerk Weſthofen, G. m. b. H.,
Bechtheim, Kr. Worms. 17. 2. 13. T. 15 469. P a=
tent
=Anmeldungen. 45f. 52 445. Formierklam=
imer
. Viktor Kirſch, Biſchofsheim bei Mainz. 29. 8. 12.
Nach dem Geſchäftsbericht der Georg A. Jas=
Zigaretten=
matzi
=Aktiengeſellſchaft,
fabrik, Dresden, über das Geſchäftsjahr 1912 war
das Ergebnis des abgelaufenen Geſchäftsjahres ein über=
aus
günſtiges; nach Rückſtellung für zweifelhafte Debi=
toren
uſw. und Abſchreibungen auf Gebäude, Maſchinen
uſw. verbleibt ein Reingewinn von 2757075,56 Mark.
Nach Ueberweiſung von 5 Prozent (137853,78 Mark) an
den geſetzlichen Reſervefonds verbleiben 2 619 221,78 Mark.
Dieſe, zuzüglich des Gewinnvortrages aus 1911 von
527308,63 Mark, ergeben einen verteilbaren Reingewinn
von 3 146 530,41 Mark. Es wird vorgeſchlagen, denſelben
zur Zahlung einer Dividende von 5 Prozent auf die Vor=
zugsaktien
300000 Mark und von 4 Prozent auf die
Stammaktien 320000 Mark zu verwenden, weitere
21 Prozent als Superdividende auf die Stammaktien
1680000 Mark zu verteilen und den Reſt von
846 530,41 Mark auf neue Rechnung vorzutragen.

Landwirtſchaftliches.

Getreide=Wochenbericht
der Preisberichtſtelle des Deutſchen Landwirtſchaftsrates
vom 4. bis 17. März.
Die Erhebung der Preisberichtſtelle über die Vorräte
der Landwirte am 1. März zeigt für alle Getreidearten
weſentlich größere Zahlen als in früheren Jahren. Es
kommt das daher, daß wegen der ſpäten Ernte und der
verzögerten Beſtellung weniger Getreide als ſonſt im
Herbſt ausgedroſchen wurde und daß ein großer Teil ſich
als nicht marktfähig erwies. Nach der erwähnten Berech=
nung
befanden ſich von Weizen noch 28,4 Prozent der
Ernte in erſter Hand gegen 20,2 im Vorjahre, von Rog=
gen
29,4 gegen 22,0, von Hafer 41,5 gegen 31,1 und von
Gerſte 27,1 gegen 15,5 Prozent i. V. Bei Beurteilung
dieſer Zahlen iſt allerdings zu beachten, daß ein erheb=
licher
Prozentſatz wegen geringer Beſchaffenheit nicht
wird auf den Markt gebracht werden können. Die Vor=

räte der amerikaniſchen Farmer ſind zwar auch umfang=
reicher
als gleichzeitig im Vorjahre, aber nicht ſo groß,
wie von privater Seite angenommen wurde. Hinzu kam,
daß ſich das Fachblatt Cincinnati Price Current diesmal
weniger günſtig über den Felderſtand ausſprach. Von
Argentinien lagen weniger günſtige Erdruſch=Ergebniſſe
vor, doch wurden gleichzeitig ſehr geringe Verſchiffungen
gemeldet. Der amtliche Bericht für Ungarn konſtatiert für
Weizen einen Minderanbau von 20 Proz., für Roggen
einen ſolchen von 10 Proz. Mit einer erheblichen Ein=
ſchränkung
der Anbaufläche wird diesmal auch in den
Balkanländern gerechnet werden müſſen. Die Weizen=
preiſe
haben in den letzten 14 Tagen nur unweſentlich ge=
ſchwankt
. Eine leichte Ermäßigung der ausländiſchen
Forderungen blieb angeſichts der beſtehenden Disparität
ohne Eindruck. Das inländiſche Angebot hat infolge der
beginnenden Feldbeſtellung zuletzt merklich nachgelaſſen,
und für die nur mäßig offerierten guten Qualitäten zeigt
ſich zum Verſand nach dem Rhein und nach Frankreich
fortgeſetzt gute Verwendung. Mai=Lieferung zeigt mit
208,25 Mark ungefähr den gleichen Beſtand wie vor zwei
Wochen. Trotzdem auch für Roggen eine Abnahme des
Angebots feſtzuſtellen iſt und ein großer Teil der ſchwim=
menden
Ladungen nach der Küſte abgelenkt wird, behielt
dieſer Artikel matte Haltung, da weitere Exportabſchlüſſe
nur zu ſtark gedrückten Preiſen möglich ſind und die Müh=
len
ihre Anſchaffungen mit Rückſicht auf den hohen Geld=
ſtand
nach Möglichkeit einſchränken. Lieferung mußte ſich
infolgedeſſen um zirka 4 Mark niedriger ſtellen. Für
Braugerſte war die Stimmung etwas freundlicher, da
Händler und vereinzelt auch Verbraucher die gegenwärtige
Preislage zu Erwerbungen ausnutzen. Ausländiſche Fut=
tergerſte
iſt vernachläſſigt; es wird allgemein viel inlän=
diſches
Material verfüttert. Für Hafer beſteht wenig
Unternehmungsluſt. Der Abzug beſſerer Qualitäten zum
Export vermag den Markt nicht ſonderlich zu entlaſten. Es
ſtellten ſich die Preiſe für inländiſches Getreide am letzten
Markttage in Mark pro 1000 Kilogramm wie folgt:

Roggen
Hafer
Weizen
11
159½
198
Königsberg
159½ ( ½) 175 (*3
206 (1
Danzig. . .
5
154
154 (5 )
Stettin . . . 188 (
153 (8
2
155
Poſen . . . . 185 (1
(3
158 (
) 154
Breslau . . . 190 (
161 (2½) 193 (5
. 196 (
Berlin .
3
176 (5
159
Magdeburg! . 190
(3
180 (3
Halle . . . . 195(
3
180 (3
1
(4-
Leipzig 1 . . 19
-
158 (3 ) 155 (5
Roſtock
184 (5
7
170 (4
Hamburg . . 202
(5
180 (*3
. 208 (
Düſſeldorf .
(21
71
190
-
½
Frankfurt a. M. 20
-
(2½) 185
Mannheim. . 215 (*2½) 1
-
3
178
177
München
218
Weltmarktpreiſe: Weizen:: Berlin Mai 208,25 (0,25),
Liverpool Mai 162,85 (1,15), Chicago Mai 136,35
5,05), Roggen: Berlin Mai 169,25 (3,75), Hafer:
Berlin Mai 163,75 (6,50), Futtergerſte fr. Hamburg
unverzollt, ſchwim. 136 ( 1), Mais: La Plata ſchwim.
115 ( 1,50), Mixed März 106 (3) Mk.

Groß=Gerau, 17. März. Der Verlauf des
letzten Ferkelmarktes war für die Verkäufer äußerſt

günſtig. Die Nachfrage überſtieg bei weitem das Ange=
bot
. Daher waren die aufgetriebenen 585 Tiere binnen
kurzer Zeit bis auf das letzte Stück verkauft und nur zu
erhöhten Preiſen erhältlich. Bezahlt wurden für Ferkel
17 bis 26 Mark, für Springer 29 bis 31 Mark und für Ein=
leger
37 bis 55 Mark pro Stück. Infolge der Oſterfeier=
tage
wird der nächſte Ferkelmarkt am Dienstag, den
25. d. M., abgehalten.
H. Frankfurt a. M., 17. März. ( Frucht=
marktbericht
.) Der Wochenmarkt hatte nur einen
ruhigen Verkehr; dabei waren Landweizen und Land=
roggen
reichlich offeriert. Der Konſum iſt andauernd ſehr
zurückhaltend und kauft nur beſſere Qualitäten, während
das große Angebot minderer Ware ſelbſt zu ermäßigten
Preiſen wenig Abſatz findet. Gerſte, Hafer und Mais
blieben ohne Veränderung und ruhig. Futtermittel und
Mehl im Preiſe ſtetig. Der Mannheimer Ge=
treidemarkt
zeigte ſchwächere Tendenz bei geringer
Kaufluſt. An der Berliner Produktenbörſe
war Getreide matter auf das fruchtbare Wetter und große
Abgaben der Kommiſſionshäuſer, angeblich für die Pro=
vinz
. Außerdem waren die ausländiſchen Forderungen
etwas herabgeſetzt. Nur Maiweizen auf Deckungen be=
hauptet
. Hafer ebenfalls rückgängig; das Angebot iſt be=
deutend
, die Zufuhren wachſen, hingegen bleiben der Kon=
ſum
und die Händler zurückhaltend. Nach den letzten
Kabelberichten von den amerikaniſchen Getreide=
börſen
(New=York und Chicago) war Weizen nach
zeitweiſer Feſtigkeit ſchließlich in williger Haltung auf
günſtige Ernteberichte aus Kanſas und die enttäuſchende
Exportnachfrage. Mais anfangs nachgebend auf Abgabe
von Lokoware und Verkäufe der Firma Armour, dann
wieder beſſer auf die umfangreichen Verſchiffungen von
den Seeplätzen. Die ſichtbaren Weizenvorräte ſind dort
in dieſer Woche von 66,14 Millionen Buſhels auf 65,61
Millionen Buſhels zurückgegangen, hingegen die Mais=
vorräte
von 20,06 Millionen Buſhels auf 21,19 Millionen
Buſhels geſtiegen.
Hier ſtellen ſich die Preiſe bei 100 Kilo wie folgt;
Weizen, hieſiger und Wetterauer, 20,6520,75, Nord=
deutſcher
20,7521, Kurheſſiſcher 20,6520,80, Ruſſiſcher
23,7524,50, Kanſas 2424,25, Rumäniſcher 23,7524,50,
Redwinter 23,5024, Manitoba 23,5024, La Plata 23,25
bis 23,75, Walla Walla 24,2524,75; Roggen, hieſiger
17,7517,85, Bayeriſcher (Pfälzer) 17,8017,90, Ruſſi=
ſcher
, Amerikaniſcher Rumäniſcher ; Gerſte,
Pfälzer 18,2518,50, hieſige und Wetterauer 1818,25,
Riedgerſte 18,2518,50, Ungariſche , Fränkiſche 18,10
bis 18,35; Hafer, hieſiger 17,5018,50, Bayeriſcher 17,75
bis 18,50, Ruſſiſcher 18,5020,50, Amerikaniſcher Ru=
mäniſcher
18,5020,50; Mais mixed 1515,25, Ruſſi=
ſcher
15,2515,50, Donaumais 15,2515,50, Rumäniſcher
15,2515,50, La Plata 1515,25, weißer Mais 15,20 bis
15,40, Weizenſchalen 10,5010,75, Weizenkleine 10,50 bis
10,75, Roggenkleie 10,5010,75, Futtermehl 1416, Bier=
treber
, getrocknet, 13,7514, Futtergerſte 16,2516,50;
Weizenmehl, hieſiges (Baſis ab Mannheim) Nr. 0: 30,50
bis 31, feinere Marken 31,2531,50, Nr. 1: 3030,25, fei=
nere
Marken 30,5030,75, Nr. 2: 29,5029,75, feinere
Marken 3030,25, Nr. 3: 2727,25, feinere Marken 27,50
bis 27,75, Nr. 4: 2424,25, feinere Marken 24,5024,75;
Roggenmehl, hieſiges, Nr. 0: 2727,25, Nr. 1: 24,7525,
Nr. 2: 21,7522.

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