Darmstädter Tagblatt 1913


18. Februar 1913

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176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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angenommen in Darmſtadt,
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wärts nehmen die Poſtämter u. die Agen= verbunden mit Wohnungs=Anzeiger und der Sonntags=Beilage:
tnren Beſtell. entgegen zu 60 Pfg. monatl.
ſowie von unſeren Agenturen und
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Illuſtriertes Unterhaltungsblatt.
ſchriebenen Tagenwirdnichtübernommen.
kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 16 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Der Bund der Landwirte trat geſtern in den
Räumen des Zirkus Buſch zu ſeiner diesjährigen Ge=
neralverſammlung
zuſammen.
*,
Die Tarifverhandlungen im deutſchen
Schneidergewerbe ſind durch Schiedsſpruch mit
Einverſtändnis beider Parteien beendet worden.
Heute tritt der neue Präſident in Frankreich, Poincaré,
ſeine Präſidentſchaft an.
*
Der Waffenſtillſtand in Mexiko iſt geſtern vor=
mittag
für beendigt erklärt worden. Der Kampf
wurde auf beiden Seiten mit großer Heftigkeit wieder
aufgenommen.
Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
18. Februar 1813: Errichtung von Lützows Schwarzer
Schar.
1814: Schlacht bei Montereau (Frankreich); Sieg
der Franzoſen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Das Fiasko der Mächte und
die hoffnungsfreudige deutſche
Regierung.

** Mit dem Wiederbeginn der Feindſeligkeiten auf
der Balkanhalbinſel ſind nun ſchon vierzehn
Tage verfloſſen, ohne daß auf irgend einem Teile des
Kriegsſchauplatzes eine Entſcheidung gefallen wäre. Mit
der von offiziöſer Seite vorausgeſagten kurzen Dauer
dieſes zweiten Abſchnittes des Krieges ſcheint es alſo
nichts zu ſein, vielmehr ſieht es ganz ſo aus, als ob der
Kampf jetzt erſt recht ſeinen Fortgang nähme. Adrianopel,
deſſen Kapitulation ſchon ſo und ſo oft für die nächſten
Tage angekündigt worden iſt, hält trotz der in ſkrupelloſe=
ſter
Weiſe durchgeführten Beſchießung, zu welcher die Bul=
garen
auch ſerbiſche Hilfe herangezogen haben, tapfer
Stand, und Skutari, um deſſen künftigen Beſitz man ſich
ſchon herumzankt, ohne daß man es hat, fordert unter den
Montenegrinern fortgeſetzt furchtbare Opfer. An die
Tſchataldſchalinie wagen ſich die Bulgaren nicht
heran, ſie haben ihre Haupttätigkeit nach der Marmara=
küſte
verlegt, doch fehlen zuverläſſige Nachrichten über den
Erfolg der dortigen Operationen. Hatte man nämlich
bisher allen Grund, den türkiſchen Kriegsmeldungen we=
nig
Vertrauen zu ſchenken, ſo hat man neuerdings Ver=
anlaſſung
, auch der amtlichen bulgariſchen Berichterſtat=
tung
nicht unbedingt zu glauben. Jedenfalls iſt vorläufig
an das Ende des Krieges kaum zu denken, ſomit haben
auch die Bemühungen der Mächte um die Friedens=
vermittelung
ein Fiasko erlitten.
Dieſes Fiasko iſt um ſo größer, als vor der Wieder=
aufnahme
der Feindſeligkeiten ſowohl bei der Türkei wie
bei den Verbündeten ein entſchiedenes Friedensbedürfnis
beſtand, aber die Tätigkeit der Großmächte war, wie wir
ſchon wiederholt betont haben, zu einſeitig, ſie ſtärkte den
Balkanſtaaten in ihrer Ablehnung jeglicher Zugeſtändniſſe
an die Türkei den Rücken und zwang letztere, alles auf
eine Karte zu ſetzen. Auch während des zweiten Teiles
des Krieges fuhren die Großmächte fort, im Sinne des
Friedens zu wirken, aber der Erfolg iſt bisher ausgeblie=
ben
. Dies wird von offiziöſer deutſcher Seite
beſtätigt, indem zugegeben wird, daß auch aus neuer=
lichen
Mitteilungen türkiſcher Würdenträger für die Mächte
keine Handhabe zu entnehmen geweſen ſei, die es ermög=
licht
hätte, mit Ausſicht auf Erfolg bei den kriegführenden
Regierungen die Niederlegung der Waffen zu befür=
worten
. Die Mächte ſeien aber bereit, jeden geeigneten
Anlaß zu vermittelnden Schritten zu ergreifen‟. Die Ver=
mittelungsaktion
iſt alſo noch um nichts vorgeſchritten.
Trotz des Fiaskos der Mächte verfehlt man an amt=
licher
deutſcher Stelle nicht, weiter hoffnungsvoll in die
Zukunft zu blicken. So hinſichtlich der bulgariſch=
rumäniſchen
Schwierigkeiten, zu deren Löſung die
Mächte ihre ernſtlichen Bemühungen fortſetzen. Ob
dieſe freilich Erfolg verſprechen, wird nicht geſagt.
Auch bezüglich der Abgrenzung Albaniens ſollen
nach offiziöſer Auffaſſung die Bedenken über=
ſchätzt
werden. Daß ſolche aber noch in hohem

Maße vorhanden ſind, wird zugegeben. Zu der Beurtei=
lung
des Erfolges der Miſſion des Prinzen Hohenlohe
nimmt die deutſch=offiziöſe Auslaſſung ebenfalls Stellung,
indem ſie der Anſicht, daß dieſe Entſendung ihren Zweck
verfehlt habe, entgegentritt und glaubt, die politiſche Füh=
lungnahme
zwiſchen den beiden Monarchen werde auf die
Löſung von Einzelheiten der Balkanfragen erleichtert nach=
wirken
.
Wir wollen wünſchen, daß die Hoffnungen der deut=
ſchen
Regierung ſich erfüllen und alle Schwierigkeiten, die
ſich bei der Löſung der Balkanfrage noch zeigen, aus dem
Wege geräumt werden und nicht noch neue Fiaskos der
Mächte zu verzeichnen ſind.

Politiſche Ausblicke.

Von Raymond Poincaré,
Präſidenten der franzöſiſchen Republik.
* Am 18. Februar tritt Raymond Poincaré ſein
Amt als Präſident der franzöſiſchen Republik an. Wir
können einen Aufſatz aus ſeiner Feder vorlegen, in dem
intereſſante Streiflichter ſeine Auffaſſung von dem hohen
Amt erhellen. Seine Ausführungen dürften gerade in
dieſem Augenblick beſondere Aufmerkſamkeit erregen.
Sicher wird noch der Tag kommen, an dem die Po=
litik
zu ihrer eigentlichen Rolle zurückgeführt wird. Sie
wird dann kein Hilfsmittel für Intriganten und durch=
triebene
Leute mehr ſein, ſie wird auf unlautere, hinter=
liſtige
Mandver, auf Beſtechungen, auf die ganze Stra=
tegie
der Hinterhältigkeit und auf alle Schliche verzichten,
um wieder das zu werden, was ſie ſein ſoll: eine mo=
raliſche
Wiſſenſchaft, der vollkommene Ausdruck aller der
verſchiedenen Beziehungen von Intereſſen, Handlungen
und Sitten. An jenem Tage wird ſie das Gewiſſen wie
den Geiſt unter ihre Macht beugen und der menſchlichen
Das
Geſellſchaft die Regeln des Rechtes vorſchreiben.
war im Jahre 1873 die Hoffnung Gambettas. Seitdem
iſt die Politik noch immer kaum eine moraliſche Wiſſen=
ſchaft
geworden, unter deren Macht das Gewiſſen ſich beu=
gen
müßte. Noch ſcheint ſie ſich nicht endgültig von In=
trigen
und Schlichen freigemacht zu haben, wiederholt
iſt ſie ohne Scham der Beſtechung unterlegen, und da
ſie ſich durch unlautere hinterliſtige Manöver hindurch=
ſchlängeln
mußte, konnte ſie ſich bis heute nicht zu der
Höhe einer allgemein anerkannten Lehre erheben. Ge=
wiſſe
Ideen Gambettas, die falſch verſtanden und ent=
ſtellt
wurden, mögen mit dieſem niederdrückenden Schick=
fal
der Politik im Zuſammenhang ſtehen, und der Op=
portunismus
mag in ſeknem Bemühen, ſich von Illuſionen
in der philoſophiſchen Erfaſſung des geſellſchaftlichen Ge=
ſchehens
zu hüten, zur Unſicherheit in den Methoden
und zur Mittelmäßigkeit in der Wahl der Hilsmittel ge=
langt
ſein. Sprach Gambetta es doch öffentlich aus, daß
nur durch verſtändnisvolle Beobachtung gegenwärtiger
und vergangener Geſchehniſſe die Theorie dazu kommen
könne, künftige Tatſachen vernunftgemäß vorauszuſehen:
er berückſichtigte dabei wohl, daß die Geſetze der politiſchen
Erſcheinungen etwas Relatives ſind und ſich aus den
wechſelnden Bedingungen der Zeiten und der Kultur=
zuſtände
ergeben. Aber dieſe Vorſtellung, die die der
poſitiven Philoſophie oder ſogar noch einfacher des ge=
ſunden
Menſchenverſtandes iſt, wurde ſeitdem bis zur
Aufgabe jedes leitenden Prinzips und bis zu der aben=
teuerlichen
Anwendung eines blinden, ohne jeden inneren
Zuſammenhang wirkenden Empirismus herabgedrückt.
Jeder begreift oder vielmehr jeder fühlt, daß dieſer
Niedergang der Politik ein Anfang nationaler Gefahr iſt.
Dieſe Beſorgnis, die alle hegen, drückt ſich in unklaren
oder banalen Formen aus: Das muß aufhören, Etwas
iſt da nicht richtia, So kann es nicht weiter gehen.
Die Männer der Regierung indeſſen die den verſchieden=
artigſten
und auch natürlichen Beſtrebungen nachgehen,
gewöhnen ſich dadurch, mit einem Uebel zu leben, das ſie
beſſer kennen als jeder andere: die Männer der Oppo=
ſition
entſtellen wieder ſeinen Charakter und übertreiben
ſeine Schwere. Wie von einem grell aufzuckenden Blitz
erleuchtet, ſehen manche von Zeit zu Zeit deutlich die zu=
nehmende
Zerſtörung: aber dann beruhigen ſie ſich raſch
wieder in einer abergläubiſchen Zuverſicht zu irgend einer
verborgenen Kraft des Zuſammenhalts, die der Geſell=
ſchaft
innewohnen ſoll: andere wieder meſſen parteiiſch
beſtimmten Perſonen eine Schuld bei, die alle trifft und
für die man in der Tat keinen einzelnen verantwortlich
machen kann; um ihren politiſchen Leidenſchaften zu fröh=
nen
, verdrehen ſie eine Situation, zu deren Herbeiführung
ſie ebenſo viel beigetragen haben wie ihre Gegner, und
als Löſung ſchlagen ſie Formeln und Aeußerlichkeiten vor.
So kommt es, daß nichts aufhört; auf gut Glück geht
es weiter und unmerklich wird mit jſedem Tage
unrichtiger, was da nicht richtig iſt
Seitdem die Verfaſſungen von 1791 und 1793 den
Grundſatz aufgeſtellt haben, daß die Nation die Oberherr=
ſchaft
ausübe und daß dieſe unteilbar, unwandelbar und
unübertragbar ſei, hat dieſes Prinziv mehr als einen Stoß
erlitten. Nacheinander ergriffen verſchiedene Einzelver=
ſonen
die Oberherrſchaft, oder ſie wurde durch Verſamm=
lungen
ausgeübt, die die Gewalt an ſich riſſen. Die Re=
publik
wurde gegründet, um das Volk von den Miß=
bräuchen
der verſönlichen Herrſchaft zu befreien: die freie
Regierung ſollte organiſiert werden, wobei die Demo=
kratie
das Recht hatte, ſich durch Bevollmächtigte vertreten

zu laſſen. Um dieſe Bevollmächtigten nicht in die Ver=
ſuchung
zu bringen, ſich an die Stelle derer zu ſetzen, die
ihnen die Vollmacht verliehen, wurden ihnen einzelne,
beſtimmt umſchriebene Befugniſſe anvertraut. Nach und
nach iſt aber eine belagenswerte Verwirrung in die Aus=
übung
dieſer verſchiedenen Vollmachten eingedrungen.
Jeder Schreiber bildete ſich ein, ein Auftraggeber zu ſein,
jeder Diener hielt ſich für einen Herrn, jeder Abgeordnete
glaubte in ſich das ganze Volk zu verkörpern. So ſind
alle Rollen und Verantwortlichkeiten in ſchrecklicher Un=
ordnung
durcheinander gewirrt, ſo daß jetzt alles im
Staate verkehrt iſt, die ausübende wie die geſetzgebende
und die gerichtliche Macht, und daß ohne den Kongreß
und ohne die Möglichkeit der Reviſion die ſchlechten Ge=
wohnheiten
die wichtigſten Elemente der republikaniſchen
Verfaſſung in ihr Gegenteil verkehren würden.
Nach dem Wortlaut dieſer Verfaſſung ſoll es einen
Präſidenten und Miniſter, d. h. eine Regierung, geben,
ferner eine Kammer und einen Senat, d. h. ein Parla=
ment
. Im Verein mit den Mitgliedern der beiden Kam=
mern
ſollte der Präſident das Recht haben, Geſetze einzu=
führen
, über die bewaffnete Macht zu verfügen, alle Zi=
vil
= und Militärbeamten zu ernennen und bei nationalen
Feierlichkeiten den Vorſitz zu führen (Artikel 3 des Ge=
ſetzes
vom 25./28. Februar 1875). Erlangte er die Zu=
ſtimmung
des Senats, ſo durfte er die Abgeordneten=
kammer
vor dem geſetzlichen Ablauf ihres Mandats auf=
löſen
(Artikel 5). Ihm ſtand das Recht zu, innerhalb der
für die Veröffentlichung feſtgeſetzten Friſt von den Kam=
mern
eine neue Beratung beſchloſſener Geſetze zu fordern
(Artikel 7 des Geſetzes vom 16/18. Juli 1875) Er hatte
über Verträge zu unterhandeln und ſie zu beſtätigen ( Ar=
tikel
8). Von all dieſen Befugniſſen hat er jedoch nur die
letzte unter denen, die ihm Artikel 3 des Februar= Ge=
ſetzes
einräumte faſt unangetaſtet bewahrt: den Vorſitz
bei nationalen Feierlichkeiten.
Neben dem Präſidenten ſollten Miniſter ſtehen, die
vor den Kammern für die allgemeine Politik der Re=
gierung
ſolidariſch haftbar und für ihre perſönlichen
Handlungen verantwortlich wären (Artikel 6 des Februar=
Geſetzes). Wahrlich, wir haben nach 1875 ebenſo wie vor=
her
viele Miniſterien gehabt die Zahl der Regierungen
mag etwas geringer geweſen ſein da muß ich mich
tatfächlich fragen, wie die Miniſter Meiſter in der Re=
gierungskunſt
ſein konnten. Seit der Zeit, in der J.J.
Weiß einmal mit geiſtreicher Detaillierung den Tageslauf
eines Miniſters ſchilderte hat man dieſen hohen Staats=
gejangenen
kaum mehr Muße gegönnt. Dreimal in der
Wochen halten ſie Rat, und natürlich nimmt man an, daß
ſie bei dieſen Ausſprachen die allgemeine Politik und
große öffentliche Intereſſen behandeln. Sie müſſen eine
ſehr hohe Meinung von ihrer Miſſion haben, die ihnen
die Zufälligkeiten der parlamentariſchen Kräfteverteilung
anvertraut haben Sie ſind auch hoch genug geſtelt, um
einen allgemeinen Ueberblick über die Lage zu haben,
und doch wieder der Demokratie nahe genug, um ihre
Stimme zu hören. Man frage den Ofizier, der die Re=
gimentsfahne
trägt, ob er nicht, wenn ſeine Hand den
Fahnenſchaft umfaßt in ſich etwas wie eine Verkörperung
der Maſſe und vervielfachten Mut fühlt! Dieſe Miniſter
wiſſen natürlich, daß ſie die höchſtgeſtellten Dolmetſcher
des Volkswillens ſind: es erſcheint ſelbſtverſtändlich, daß
ſie immer, wenn ſie zuſammenkommen, gemeinſam beraten,
was ihre Vorfahren große Angelegenheiten nannten.
Und daß ſie mit der Treibkraft einer gemeinſamen Idee
die innere und die äußere Aktion der franzöſiſchen Re=
gierung
leiten. So denkt man ſichs. Ach, laßt dieſen
Frrtum jahren! Morgen werden ſie die großen Angs=
legenheiten
beſchäftigen, heute ſind ja noch ſo piel kleine
Dinge zu ordnen! Da iſt der Abgeordnete, der mit der=
Ernennung eines Steuereinnehmers unzufrieden iſt und
heute nachmittag deswegen interpellieren wird; im Laufe
der Debatte können ſich alle möglichen Zwiſchenfälle er=
eignen
, die man vorausſehen muß, und die Tagesord=
nungen
ſind vorzubereiten, die man porlegen will. Ein
anderer Abgeordneter verlangt für einen Schützling den
Poſten eines Gerichtspräſidenten, den ein Senator wieder
für einen anderen Kandidaten wünſcht. Ein ſchwerer
Konflikt: wen ſoll man da zufriedenſtellen? Der, Se=
nator
iſt treu, der Abgeordnete ein unſicherer Kantoniſt.
Man überlegt lange, und ſchließlich trägt, wie es ſich ge=
hört
, der Abgeordnete den Sieg davon. Es ſchlägt 10 Uhr.
½11 Uhr. 11 Uhr. Der Miniſter der auswärtigen An=
gelegenheiten
hat wichtige Nachrichten empfangen, die er
dem Miniſterrat mitzuteilen wünſcht. Der Finanzminiſter
hat große Reſormideen, die eine eingehende Prüſung
verlangen. Was tun? Es iſt ſpät. Der Miniſter des
Innern wird von den Journaliſten erwartet, die Aus=
kunft
von ihm wünſchen. Man muß fort. Und ſchließ=
lich
, weiß denn der Miniſter des Auswärtigen nicht beſſer
als jeder andere, was er zu beſchließen hat? Und iſt
der Finanzminiſter nicht kraft ſeines Amtes in Finanz=
fragen
der kompetenteſte Beurteiler? Iſt’s nicht alſo das
Beſte, ihnen unbedingte Vollmacht zu laſſen? Man kann
ja an einem anderen Tage von der allgemeinen Polftik
ſprechen, und wieder an einem anderen Tage von Frank=
reich
. . .

Deutſches Reich.

Die Durchführung der Krankenver=
ſicherung
. Die Vorarbeiten für die Durchführung des
zweiten Buches der Reichsverſicherungsordnung ſchreiten
andauernd fort, nachdem die Grundzüge für die fünftige
Organiſation der Krankenverſicherung faſt in allen Be=
zirken
feſtgelegt ſind. Es läßt ſich ſchon heute überſehen,

[ ][  ][ ]

daß mit der Einführung der Reichsverſicherungsordnung
auf dem Gebiete der Krankenverſicherung eine erhebliche
Umgeſtaltung des Krankenkaſſenweſens erfolgen wird, da
eine große Anzahl Ortskrankenkaſſen eingehen dürfte und
zentrale Kaſſen an ihre Stelle treten werden. Mit großer
Sicherheit aber iſt anzunehmen, daß die Neuorganiſation
der Krankenverſicherung ein wirkſames Mittel ſein wird,
die Verwaltung der Kaſſe von dem Einfluſſe politiſcher
Bewegungen fernzuhalten.
Die zentralen Tarifverhandlun=
gen
im deutſchen Schneidergewerbe ſind
nach achttägiger Dauer am Sonntag in Dresden durch
Schiedsſpruch beendet worden. Danach wird eine Lohn=
erhöhung
von 57 Prozent feſtgeſetzt, je nach den Orts=
verhältniſſen
. Der Tarif gilt für unbeſtimmte Zeit, kann
jedoch nach dreimonatiger Kündigung aufgehoben werden.
Beide Parteien ſind mit dem Schiedsſpruch einverſtanden.
45 Ortsverwaltungen müſſen noch ihre Zuſtimmung er=
klären
, dieſe iſt jedoch faſt überall ſicher.
Herr von Tirpitz und das Zentrum.
Gleich der Germania ſucht nunmehr auch die Kölniſche
Volkszeitung die Bedeutung des Zuſammenſtoßes des
Zentrums und dem Staatsſekretär von Tirpitz abzu=
ſchwächen
und den Rückzug der Partei zu verhüllen. Das
Blatt ſchreibt:
Für den Außenſtehenden iſt ein ſolcher Zwiſchenfall
an ſich ſchwer begreiflich. Man möchte faſt ein Mißver=
ſtändnis
annehmen, das aus einer an ſich doch gewiß
nicht ſonderlich bedeutſamen Frage, die durch ſachliche Er=
örterung
wohl unſchwer zu klären war, einen hochpoliti=
ſchen
Konfliktsſtoff machte .. Weder dem Reichstag
noch der Regierung könnte es erwünſcht ſein, noch dazu
in dieſem Augenblick, der Welt das Schauſpiel eines Kon=
fliktes
in einer derartigen Frage zu bieten, ganz abge=
ſehen
davon, daß es geradezu als eine moraliſche Unge=
heuerlichkeit
bezeichnet werden müßte, wenn der Reorga=
niſator
unſerer Marine, deſſen große Verdienſte von aller
Welt und in allen Parteien nach Gebühr gewürdigt wer=
den
, über einen Antrag dieſer Art zu Fall käme
Die ſüddeutſche Zentrumspreſſe ſcheint dagegen die
Sache anders aufzufaſſen. Die Augsburger Poſtzeitung
ſchreibt folgendes:
Drohungen verſangen nicht, wenigſtens bei uns nicht.
Wenn die Regierung ſich einbilden ſollte, daß die ſchärfere
Tonart den gordiſchen Knoten löſen wird des Menſchen
Wille iſt ſein Himmelreich! , aber der Reichstag iſt kein
Kaſernenhof, und eine Regierung, die ſich in der gegen=
wärtigen
ſchweren Zeit etwa von Reichstagsauflöſungen
und ähnlichen veralteten und oft genug daneben geratenen
Mitteln etwas verſpricht, verdient nur noch Mitleid.
Reichstagsabgeordneter Schädler f.
Mit dem Abgeordneten Schädler hat das Zentrum eine
ſeiner hervorragendſten Perſönlichkeiten verloren. Schäd=
ler
beſaß in der Reichstagsfraktion, ſowie in der Fraktion
des bayeriſchen Landtages, deren Führer er bis zum vori=
gen
Jahre war, beſonders unter der demokratiſchen An=
hängerſchaft
der Zentrumspartei im Lande außerordent=
lichen
Einfluß. Schädler, der in Oggersheim in der Rhein=
pfalz
geboren war, hat ein Alter von 61 Jahren erreicht.
Dem bayeriſchen Landtag gehörte er 22 Jahre, von 1890
bis 1912, an, dem Reichstag ſeit 1890 bis zu ſeinem jetzt
erfolgten Tode. Hier vertrat er den Wahlkreis Ober=
franken
5, Bamberg.
Die Geſamtausſchußſitzung der Wel=
fenpartei
in Hannover nahm einſtimmig folgende
Entſchließung an: Die deutſch=hannoverſche Partei be=
grüßt
mit aufrichtigem Danke für Gottes gnädige Fügung
die Verlobung des Prinzen Ernſt Auguſt mit der Prin=
zeſſin
Viktoria Luiſe von Preußen als den erſten
Schritt auf dem Wege des Friedens, und ſie erblickt in
der dadurch vollzogenen Annäherung der Fürſtenhäuſer
Welf und Hohenzollern die Möglichkeit der Beendigung
des Bruderzwiſtes zwiſchen den königstreuen Niederſachſen
und dem preußiſchen Volke. Indem die deutſch= hannover=
ſche
Partei weiter eintreten wird für das Recht auf allen
Gebieten des öffentlichen Lebens, erſtrebt ſie, zu einem
wahrhaften, ehrlichen Frieden und Ausgleich der vorhan=
denen
Gegenſätze zu kommen, um der Einigkeit und Größe

unſeres deutſchen Vaterlandes willen. Für dieſe zu kämp=
fen
, iſt dem niederſächſiſchen Volke und dem mit ihm
verbundenen Fürſtenhauſe der Welfen durch ein Jahr=
tauſend
nie verletzte Pflicht geweſen. In ſolchem Kampfe
für das Recht und den Frieden erſchöpft ſich die Aufgabe
der deutſch=hannoverſchen Partei.

Ausland.

Frankreich.
Erhöhung der Wehrmacht. Der erſte Mi=
niſterrat
unter dem Vorſitz Poincarés am Dienstag wird
der allgemeinen Beſprechung der Mittel zur Erhöhung
der Wehrmacht gewidmet ſein. Der Figaro empfiehlt
30monatige Dienſtzeit für alle Waffengattungen. Von
anderer Seite wird die Rückkehr zu der dreijährigen
Dienſtzeit, wenigſtens für die Artillerie und Kavallerie,
empfohlen.
Belgien.
Die Heeresforderungen. Die geheime Kam=
merſitzung
, in der Miniſterpräſident Broqueville ſeine ver=
traulichen
Mitteilungen über die internationale Lage ge=
macht
hat, war nur von kurzer Dauer. Wie verlautet, hat
der Miniſter eine Erklärung verleſen, deren eindrucksvoll=
ſter
Beſtandteil die Bekundung der Tatſache war, daß ver=
ſchiedene
Großmächte, die der Miniſter nicht nannte, der
belgiſchen Regierung den Wunſch ausgedrückt haben, Bel=
gien
möge ſich beſſer in den Stand ſetzen, die ihm durch
ſeine Neutralität auferlegten Pflichten der wirkſamen Ver=
teidigung
ſeiner Landesgrenzen zu erfüllen. Als der Mi=
niſter
geendet hatte, erwiderten ihm die ſozialiſtiſchen Par=
teiführer
, es habe ſich wirklich nicht gelohnt, die Oeffent=
lich
auszuſchließen, denn die Mitteilungen hätten nichts
geſagt, was nicht ſchon zuvor in allen Zeitungen geſtanden.
Darauf wurde die Sitzung öffentlich fortgeſetzt, und der
Miniſterpräſident begann unter häufigen ſtürmiſchen
Unterbrechungen der Oppoſition die Notwendigkeit der
Heeresvermehrung zu begründen.
Rußland.
Vervollkommnung der Landesver=
teidigung
. Die Kriegs= und Marinekommiſſion der
Reichsduma hat eine Geſetzesvorlage betreffend die Be=
willigung
von Krediten für die Ausgeſtaltung der Ar=
tillerie
und die Vervollkommnung der Landesverteidigung
angenommen und gleichzeitig den Wunſch nach einer wei=
teren
Vervollkommnung der Landesverteidigung ausge
ſprochen.
Perſien.
Britiſch=ruſſiſche Unterſtützung. Wie
das Reuterſche Bureau aus Teheran erfährt, haben die bri=
tiſche
und die ruſſiſche Regierung einen gemeinſchaftlichen
Vorſchuß an Perſien im Betrag von 400000 Pfund Ster=
ling
vorbereitet. Die Bedingungen ſtehen noch nicht
eſt.
* Der Fall Eulenburg im preußiſchen
Abgeordnetenhauſe. Im preußiſchen Abgeord=
netenhauſe
kam der Zentrumsabgeordnete Zimmer im
Verlaufe der Beratung des Juſtizetats auf den Fall
Eulenburg zu ſprechen und erklärte, es ſei wünſchenswert,
daß einmal offen geſagt wird, wie die Sache ſteht: Juſtiz=
miniſter
Dr. Beſeler antwortete darauf: Der Eulenburg=
Prozeß mußte im Jahre 1908 vertagt werden, weil der
Angeklagte nicht im Vollbeſitze ſeiner geſundheitlichen
Kräfte war. Der Kranke mußte nach der Charité gebracht
werden und es kam ſchließlich ſo weit, daß er im Bette
liegend vor ſeine Richter gebracht wurde; dabei war ſein
Leben in Gefahr. Da hat das Gericht geſagt, daß es nicht
weiter verhandeln könne und ich weiß nicht, wie es hätte
anders gemacht werden können. Dann iſt der Angeklagte
weiter beobachtet und unterſucht worden, da man doch Ge=
wißheit
über ſeinen Geſundheitszuſtand haben wollte.
Nun wurde noch ein wiſſenſchaftliches Gutachten der me=
diziniſchen
Deputation eingefordert. Dieſes Gutachten
ging dahin, daß es vielleicht nicht ausgeſchloſſen ſei, die
Verhandlung fortzuführen. Daher wurde ein neuer Ter=
min
angeſetzt im Jahre 1909. Dieſer Termin wurde ab=
gehalten
. Der Angeklagte war in einer ſolchen Verfaſſung,

daß er unmöglich der Verhandlung folgen konnte. Auf
das Gutachten der Aerzte hin mußte das Gericht ſich ver=
tagen
. Seitdem iſt jährlich eine Unterſuchung vorgenom=
men
worden über den Geſundheitszuſtand des Angeklag=
ten
. Die ärztlichen Gutachten gehen aber ſtets dahin, daß
der Angeklagte nicht vernehmungsfähig iſt. Die Ent=
ſcheidung
iſt den Gerichten überlaſſen. Selbſtverſtändlich
kann ich die Gerichte nicht beeinfluſſen. Vom Gericht wird
alles mögliche getan, um die Sache zum Abſchluß zu
bringen.

Stadt und Land.

Darmſtadt, 18. Februar.
* Vom Hofe. Am Samstag kamen der Darmſt,
Ztg. zufolge nachmittags um 2 Uhr 26 Min. Prinz.
und Prinzeſſin Hermann zu Stolberg=
Wernigerode hier an und nahmen im Neuen
Palais Wohnung. Am 16. Februar abends 9 Uhr.
41 Min. traf die Gräfin Kuno zu Stolberg=
Roßla hier ein und nahm im Neuen Palais
Wohnung. Zur Abendtafel am 15. und 16. Februar
war Prinz Ernſt zu Stolberg=Roßla zuge=
zogen
. Geſtern nachmittag begab ſich Se. Königl.
Hoheit der Großherzog mit Sr. Hoh. dem Her=o
Johann Albrecht zu Mecklenburg im Auto
nach Mainz zur Beſichtigung des Großh. Palais
und des Muſeums daſelbſt.
* Keine Audienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden am Mittwoch weder Audienzen erteilen,
noch Meldungen und Vorträge entgegennehmen.
Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Forſtwart der Kommunal=
forſtwartei
Kirtorf, Heinrich Schäfer V. zu Kirtorf aus
Anlaß ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand das Allge=
meine
Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für treue Dienſte‟
am Bande des Verdienſtordens Philipps des Groß=
mütigen
verliehen, ferner dem Güterbodenarbeiter in der
Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft Alois Maus
zu Bingen aus Anlaß ſeines am 1. November v. Js.
erfolgten Ausſcheidens aus dem Staatseiſenbahndienſt
das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift Für
treue Arbeit.
* Ernennungen. Im Namen der Großb. Regierung
in der Heſſiſch=Preußiſchen Eiſenbahngemeinſchaft voll=
zogene
Ernennungen und Beförderungen (vom 1. Januar
bis 1. Februar 1913): zum Zugführer der Schaffner
Mill zu Mainz; zum Lokomotivheizer der Hilfsheizer
Hirſchberger zu Worms.
* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 5 enthält:
Bekanntmachung, die Abänderung und Ergänzung=
der
Ordnung für die Unterſuchung der Rheinſchiffe be=
treffend
. 2. Bekanntmachung, die Verleihung der Rechts=
fähigkeit
an die Hilfskaſſe des ärztlichen Landesvereins
für das Großherzogtum Heſſen betreffend. 3. Bekannt=
machung
, die Eckhard=Stiftung betreffend. 4. Bekannt=
machung
, die Rendant=Klipſtein=Stiftung betreffend.
Die Weinernte im Großherzogtum Heſſen im
Jahr 1912. In Rheinheſſen betrug im Jahr 1912)
die im Ertrag ſtehende Weinbaufläche der Darmſt. Ztg.,
zufolge 12584 Hektar. Der Geſamtertrag des ge=
ernteten
Moſtes berechnet ſich nach den Angaben der
Großh. Bürgermeiſtereien zu 410 492 Hektoliter oder auf
ein Hektar zu 32,6 Hektoliter, gegen 30,6 Hektoliter im
Vorjahr und gegen 22,2 Hektoliter im 10 jährigen
Durchſchnitt 1902/11. Einen verhältnismäßig geringen
Herbſt hatten Bingen und Mainz mit ihrer Umgegend
(21 bis 24 Hektoliter pro Hektar), während in den
übrigen Gebieten der Ertrag ungefähr dem Provinz=
durchſchnitt
entſpricht. Trotz der ungünſtigen Witterung
m Spätherbſt hat der Moſt die Qualitätsnote 2,7 er=
halten
(Note 2 gut und 3 mittel). Da ſich auch
die Quantität weit über eine Normalernte (284041 Hekton
liter im 10 jährigen Durchſchnitt) ſtellte, ſo erreichte der
Geldwert des Moſtes faſt die doppelte Höhe des
Durchſchnittswertes der letzten 10 Jahre, nämlich 1950
Millionen Mark und bleibt hinter dem Geldwert des=
Vorjahres mit 23 Millionen Mark nicht ſehr weit
zurück. Die im Ertrag ſtehende Rebfläche lieferte
durchſchnittlich pro Hektar einen Geldrohertrag von
1555 Mk. (gegen 827 Mk. im Durchſchnitt der letzten
10 Jahre). An der Bergſtraße fiel die Weinernte wie
in früheren Jahren wieder gering aus. Die 275 Hektar
große Rebfläche brachte nur einen Moſtertrag von
3268 Hektoliter 11,9 Hektoliter pro Hektar. Der Geld=
wert
berechnet ſich auf 121271 Mk., alſo auf 37,1 Mk.
pro Hektoliter. Der Durchſchnittsgeldrohertrag von
1 Hektar Rebfläche beläuft ſich nur auf 441 Mk. gegen
heinheſſen
555 M
g. Strafkammer. Drei auf Wanderſchaft befindlichs
Arbeiter haben in der Nacht zum 17. und zum 18. Dezem=

Aus der eiſernen Zeit:
Die Lützower.
(Zum 18. Februar.)

** Die Gloriole jugendlicher Kühnheit und feurigen
Ungeſtüms, die von allen Schöpfungen des Krieges ja am
hellſten die Freikorps umleuchtet, hat ſich unter allen
Truppengattungen der großen Befreiungszeit im verklä=
rendſten
Glanze um die Schar der Lützower ge=
ſponnen
. Auf den Flügeln heldenhafter Dichtung, von
den hinreißenden Klängen getragen, die ein großer Meiſter
der Töne, Karl Maria von Weber, erſonnen, ſchwebt
uns dies tapfere Häuflein heute vor als ein Symbol der
Jugend, des heiligen Frühlings der ſich ſelbſt dem
Vaterland zum Opfer darbrachte. Steffens hat in einem
ſchönen Wort die Freikorps mit der Lyrik des Krieges
verglichen, die mit ihrem hellen Gefühlsüberſchwang das
großartige Epos wie es Landwehr und Landſturm
darſtellten, ein wenig verdunkelte. Lützows Freiſchar
mußte erfahren, wie Guſtav Freytag ſich ausdrückt, daß
rauhes Schickſal den Schöpfungen höchſter Begeiſterung
gern feindlich gegenübertritt
Die geniale Improviſation hatte mehr eine ideale
als eine ſtrategiſche Wirkung; ſie entſprach nicht ganz den
hochgeſpannten Erwartungen und hat ſpäter einen Teil
ihrer tüchtigſten Kräfte an andere Kriegskörper abgege=
ben
. Aber dieſe wundervolle Idee der ſchwarzen Schar
der Schar der Rache, die, ähnlich wie die thebaniſche im
Altertum, ſich dem Tod fürs Vaterland weihte, hat das
Große vollbracht, daß ſie die edelſte Jugend auch außerhalb
Preußens unter die Fahnen rief, die Phantaſie zu herr=
lichſten
Entfaltungen entzündete und wie eine Sturm=
chwalbe
dem großen Wirbel der Volkserhebung voran=
flog
. Es iſt kein Zufall, daß hier die Ideologen und
Dichter ihren würdigen Platz fanden, vor allem Theodor
Körner, der ſtrahlendſte Heldenſänger der Befreiung, dann
Jahn, der Poet Friedrich Förſter u. a. Den Fleikorps
galt ja damals die beſondere Verehrung aller Vater=
landsfreunde
. In ſchönſtem Lichte erglänzt das Andenken

an Schills kühne Tat, an die ſchwarze Schar des
Braunſchweiger Herzogs. Die Gründung ſolcher
Korps hatte daher mit einer beſonders günſtigen Stim=
mung
zu rechnen.
So wandte ſich denn, bald nachdem das Freiwilligen=
Manifeſt in weitere Kreiſe gedrungen war, am 9. Februar
der Major Adolf von Lützow, dem ſich der Major
von Petersdorff angeſchloſſen hatte, an den König
mit der Bitte, ein Freikorps errichten zu dürfen. Lützow,
ein Freund und Waffengenoſſe Schills, hatte an deſſen
Aufbruch im Jahre 1809 hervorragenden Anteil genom=
men
. Scharnhorſt ſetzte in ihn wie andere Schwarm=
geiſter
kein ſonderliches Vertrauen; aber er kannte ſo=
gleich
die hohe ſittliche Bedeutung dieſes Gedankens, durch
den es möglich war, die zahlreichen Deutſchen, die zum
Kampfe für die Freiheit entſchloſſen, aber dem Wehrgeſetze
des preußiſchen Staates nicht unterworfen waren, in die
allgemeine Organiſation einzugliedern. An ganz Deutſch=
land
war daher auch der warm=patriotiſche Aufruf
Lützows gerichtet, wie es die am 18. Februar ge=
währte
Erlaubnis forderte, nach der er die Mannſchaften
vorzugsweiſe im Auslande anwerben ſelbſt einkleiden
und remontieren ſollte. Später erhielten noch andere
Offiziere die gleiche Erlaubnis, und zwar der Hauptmann
von Reiche zur Errichtung eines ausländiſchen freiwilli=
gen
Jägerkorps und der Oberſtleutnant von Reuß zur
Aufſtellung eines oder mehrerer Bataillone freiwilliger
Ausländer. Keine dieſer Schöpfungen aber hat auch nur
m entfernteſten jenen Ruhm erreicht, der dem König=
lich
preußiſchen Freikorps wie es amtlich
hieß, den Lützowern, wie es das Volk ſogleich nannte,
von Anfang an zufiel. Der Werbeſtelle der freiwilligen
Jäger gegenüber, an der Schmiedebrücke in Breslau, hatte
Lützow im Gaſthof zum Goldenen Szepter ſein Haupt=
quartier
aufgeſchlagen. Die kriegeriſchen Geſtalten der
beiden Offiziere zogen viele Studenten an; auch die ſchöne
junge Frau Lützows, eine geborene Gräfin Ahlefeldt, die
ſpätere Freundin Immermanns, die ſich voller Begeiſter=
ung
der vaterländiſchen Sache und der Förderung der
Freiſchar widmete, trug viel dazu bei, den Zulauf zu ver=
mehren
. Sie war gleichſam die Muſe dieſer von einem

poetiſchen Duft umfloſſenen Schar. Auch die ſchwarze
Kleidung erhöhte die Stimmung; man ſah darin die
Trauer über die Knechtſchaft, den Geiſt der todesverachten=
den
Rache ausgedrückt. In Wahrheit aber wurde die
ſchwarze Montierung aus einem höchſt nüchternen Grundg
gewählt, weil nur bei dieſer Farbe die Kleidungsſtücke,
velche ſie ſchon haben, durch Färben gebraucht werden
können wie es in dem Immediatbericht der Rüſtungs=
Kommiſſion heißt. In dem Werbegeſchäft unterſtützte den
Major bald der Turnlehrer Friedrich Ludwig Jahn, der
eine große Anzahl ihm blind ergebener junger Männer
nach ſich zog.
Mitten in dieſem kriegeriſch enthuſiaſtiſchen Treiben,
in einem elenden Dachſtübchen des Wirtshauſes,
wo die Lützower hauſten, lag, vom Nerven=
fieber
geſchüttelt und an den Rand des Grabes
gebracht ein unbeachteter Mann voll ſtolzer Hoheit: der
Freiherr vom Stein. Er hatte den Entwurf des
ruſſiſch=preußiſchen Bündniſſes nach Breslau gebracht,
wurde aber vom Hofe noch als von Napoleon Verbannter
ignoriert und nur von den Lützowern aufgenommen. So
gab ſeine Anweſenheit der Schar gleichſam die höhere ge=
ſchichtliche
Weihe; aber die eigentlich heroiſche Verklär=
ung
erhielt ſie durch den Eintritt eines jungen Sachſen,
eines damals ſchon berühmten Dichters: Theodor
Körner. Den Grundton der ganzen Geſinnung der
Schar ſprach er in den herrlichen Worten aus, in denen
er ſeinem Vater ſeinen Entſchluß mitteilte: Zum Opfer=
tode
für die Freiheit und für die Ehre der Nation iſt kei=
ner
zu gut, wohl aber ſind viele zu ſchlecht dazu! Hat mir
Gott wirklich etwas mehr als gewöhnlichen Geiſt einge=
haucht
, der unter deiner Pflege denken lernte, wo iſt der
Augenblick, wo ich ihn mehr geltend machen kann! Eine
große Zeit will große Herzen, und ich fühl’ die Kraft in
mir, eine Klippe ſein zu können in dieſer Völkerbrand=
ung
, ich muß hinaus und dem Wogenſturme die mutige
Bruſt entgegendrücken Hatten die Lützower vorher das
Reiterlied aus dem Wallenſtein angeſtimmt und ſich als
Holks wilde Jagd gefühlt, ſo ſangen ſie nun Körners
Lieder und wurden erſt zu dem, was ſie in der Geſchichte
des deutſchen Geiſtes bedeuten.

[ ][  ][ ]

ber vorigen Jahres in Biebesheim und Walldorf mehrerg
Einbruchsdiebſtähle und Einbruchsverſuche ver=
übt
und hatten ſich deshalb geſtern vor der hieſigen Straf=
kammer
zu verantworten. Angeklagt waren der 20 jäh=
rige
unbeſtrafte Taglöhner Karl Friedrich Wilhelm
Siebel aus Kirchhörde, der 24jährige vorbeſtrafte
Meſſerſchmied Ferdinand Frauenholz aus Berndorf
und der 22jährige Taglöhner Joſeph Ulm aus Glogau.
Unter der Anführung von Frauenholz gingen die drei bei
ihren Einbrüchen ſehr planmäßig vor; während Ulm
Schmiere ſtand, drückten die beiden anderen ein Fenſter
ein, durch das ſie dann Eingang in die Häuſer erhielten.
Es fielen ihnen in zwei Fällen geringwertige Gegenſtände
in die Hände, Zigarren, Poſtkarten, Kleingeld uſw. Das
Gericht ſah zwei Einbruchsdiebſtähle und drei
Einbruchsverſuche als erwieſen an und erkannte
gegen Frauenholz auf 1 Jahr 6 Monate und gegen
Siebel und Ulm auf je 1 Jahr Gefängnis. Von
Der Unterſuchungshaft wurden jedem 6 Wochen angerech=
iet
. Der aus Galizien ſtammende Gelegenheitsarbeiter
Beorg Borat hat am 26. Dezember einen Platin=
diebſtahl
begangen, bei dem er bedeutende Quanti=
räten
dieſes koſtbaren Metalls erbeutete. Da er in der
Kunſtſeidefabrik in Kelſterbach beſchäftigt war, wußte er
nit den Oertlichkeiten genau Beſcheid. Er ſtieg nächtlicher=
veiſe
in das Muſterzimmer ein und entwendete dort 88
Stück Platindüſen im Werte von 836 Mark. Dieſe Platin=
tücke
verſetzte er bei einem Frankfurter Trödler für 500
Mark, der ihm jedoch vorerſt nur 50 Mark Anzahlung gab.
ells B. die Reſtſumme abholen wollte, wurde er feſtge=
mommen
, da der Trödler, der inzwiſchen Verdacht geſchöpft
datte, die Polizei benachrichtigte. Das Gericht verurteilte
den Angeklagten zu 1 Jahr 6 Monaten Gefäng=
ais
, und da er ſich bei ſeiner Feſtnahme einen falſchen
Namen beigelegt hatte, zu 2 Wochen Haft. Außerdem
rkannte das Gericht auf 3 Jahre Ehrverluſt. Der 35 Schreiner Eduard Julius Bechmann jetzt zu
Heldenbergen wohnhaft, hatte ſich wegen Zechbetruges zu
verantworten. Der Angeklagte hatte am 16. September
worigen Jahres in Diedesheim eine Arbeit auszuführen
und begab ſich zu dieſem Zweck von Klein=Steinheim, ſei=
ſem
damaligen Wohnort, nach Diedesheim. Am Abend
mmachte er bei einem dortigen Wirt eine Zeche von 1,08
Mark und verſchwand, ohne zu bezahlen. Er gab an, daß
ür noch Geld hatte, daß er aber von ſeinem Zechkumpan
zum Bier eingeladen war und er deshalb annahm, dieſer
würde die Zeche bezahlen. Dieſer bekundete aber, daß er
ine derartige Abſicht nicht geäußert habe. Da der Ange=
Kagte ſchon wegen ähnlicher Betrügereien erheblich vor=
reſtraft
iſt, ſcheint ſeine Ausrede wenig glaubhaft. Das
Gericht verurteilt ihn unter Zubilligung mildernder Um=
ände
wegen Rückfallsbetruges zu der Mindeſtſtrafe von
rei Monaten Gefängnis.
Vom Großh. Hoftheater. Das Großh. Hoftheater
leibt heute, Dienstag, geſchloſſen. Für Mittwoch iſt ein
mtereſſanter, muſikaliſcher Einakterabend angeſetzt, in
deſſen Rahmen die Erſtaufführung der komiſchen Oper
OOnkel Dazumal von Jaques Dalcroze ſtattfindet. Das
Werk, das Kapellmeiſter Kleiber dirigiert und Oberregiſ=
eur
Valdek ſzeniſch leitet, beſchäftigt Fräulein Jüttner
und die Herren Globerger und Weber. Die Vorſtellung,
ie um 7½ Uhr beginnt, fällt auf den Abonnementsbuch=
fraben
D. Im Anſchluß an dieſe Erſtaufführung gelangt
ſgranz von Suppés Schöne Galathee die hier ſeit vie=
len
Jahren nicht mehr gegeben wurde, in vollkommener
Neueinſtudierung zur Aufführung. Die Hauptpartien
ſind im Beſitze der Damen Kallenſee und Schaub, ſowie
der Herren Globerger und Jürgas. Den Abend beſchließt
Helene Thiele=Leonhardts Ballett Champagnerviſionen
Auch die beiden letztgenannten Werke dirigiert Herr Klei=
her
. Die Neueinſtudierung der Suppèſchen Operette leitet
Herr Valdek. Das Ballett iſt von Frau Thiele=Leonhardt
karrangiert. Für Donnerstag iſt eine Wiederholung von
Thomas Mignon als 124. Abonnementsvorſtellung,
Buchſtabe B 32, angeſetzt. Es gelten die kleinen Preiſe.
* 80. Geburtstag. Heute Dienstag, begeht, wie man
ums mitteilt, Frau Helene Chriſt, Witwe des Großh.
Kofküchenwärters Adam Chriſt, Pankratiusſtraße 71, in
voller Geiſtesfriſche und Rüſtigkeit ihren 80. Geburtstag.
Das Konzert in der Stadtkirche, das vom
Evangeliſchen Kirchengeſangverein unter
Mitwirkung der Chorſchule am Sonntag abend veranſtal=
tt
wurde, hatte eine ſo ſtarke Anziehung ausgeübt, daß
hiele, ohne einen Platz zu finden, wieder umkehren muß=
ten
. Fräulein Lilli Hickler, welche die Violinpartie
des Abends übernommen hatte, begleitete zwei von Ar=
nold
Mendelsſohn komponierte Choral=Paraphraſen für
Frauenchor und hatte dann beſonders in einem Adagio
teligioſo von Vieuxtemps und einem Andante von Cou=
berin
=Kreisler Gelegenheit, ihre hier ſchon längſt geſchätzte
Kunſt von neuem zu zeigen. Der beſeelte Ton, den ſie

ihrer Geige zu entlocken verſteht, deſſen Reinheit auch in
den Höhen im Pianiſſimo nichts einbüßt, hinterließen
einen tiefen Eindruck bei den andächtig lauſchenden Hörern.
Einen ausgezeichneten Orgelvirtuoſen lernten wir in dem
Organiſten der Frankfurter St. Katharinenkirche, Herrn
Karl Breidenſtein, kennen, der den ihm voraus=
gehenden
Ruf als vollberechtigt erwies. Die Choral
variationen über O Gott, du frommer Gott von J. S
Bach und beſonders J. Rheinbergers Paſſacaglia lie=
ßen
in Vortrag und Auffaſſung, in der geſchmackvollen
Wahl der Klangfärbungen und Stärkegrade, ihn als gro=
ßen
Meiſter ſeines Inſtruments erkennen. Der künſtle=
riſche
Vortrag, der den thematiſchen Aufbau für jeden klar
herausarbeitete, das fließende Spiel mit dem auch an
ſchwierigen Stellen ſich unbemerkt vollziehenden Ueber=
gang
von einem Manual zum anderen, ließen die Schwie=
rigkeit
der zu Gehör gebrachten Kompoſitionen nicht ahnen.
An Vokalmuſik wies das Programm die ſchon erwähnten
Frauenchöre und zwei Chorgeſänge von Arnold Men=
delsſohn
auf, ſowie Chorwerke älterer Meiſter, die,
von der Chorſchule und dem Kirchengeſangverein unter
Leitung ihrer Dirigenten vollendet vorgetragen, zu her=
vorragender
Wirkung kamen. Möchte dem hohen Genuß,
den dieſes bei freiem Eintritt gebotene Konzert gewährte,
auch der Ertrag der Kollekte zum Beſten der Darmſtädter
Reformationskirche einigermaßen entſprochen haben!
* Jubiläums=Vereinigung ehemaliger 116er. Am
Sonntag fand eine Sitzung des großen Feſtausſchuſſes
ſtatt, an der auch eine Abordnung des Offizierkorps des
Regiments teilnahm. Nach Mitteilung des erſten Vor=
ſitzenden
, Rechtsanwalt Kaufmann, zählt die Vereinigung
jetzt 46 Vereine mit 9672 Mitgliedern. Der Geſamtvor=
anſchlag
für das Feſt beträgt 25500 Mark. Auf den Auf=
ruf
des Regiments haben ſich ſchon jetzt 550 Veteranen
angemeldet. Der Preis für Uebernachtung einſchließlich
Kaffee iſt auf 1,50 Mark feſtgeſetzt. Bis jetzt ſtehen in
Gießen 73 Quartiere für Offiziere und 1040 für Mann=
ſchaften
, in Wieſeck 150 für Mannſchaften zur Verfügung.
Das Mittageſſen ſoll 1,25 Mark koſten. Es wird be=
ſchloſſen
, daß als letzter Tag für Einſendung der Teil=
nehmerliſten
(für den Druck), Beſtellung der Regiments=
geſchichte
, Einſendung der Quartier= und Eßliſten ſamt
den Geldbeträgen, Beſtellung von Platzkarten für die Zu=
ſchauertribüne
und der Denkmünzen der 15. April zu gel=
ten
habe. Bis zum 1. April ſollen die Vereine ihre
Wünſche bezüglich der Ankunfts= und Abfahrtszeiten et=
waiger
Sonderzüge äußern und die Teilnehmerzahl
melden.
Badener=Verein. Ein genußreicher Abend wurde
den Mitgliedern des Badener=Vereins und ſeinen zahl=
reichen
Gäſten letzten Samstag im gefüllten Mathilden=
höh
=Saal geboten. Zu dem Familienabend war das
ſchöne Geſchlecht zum großen Teil in reizenden Fa=
ſchingsanzügen
erſchienen, wie Schäferinnen, Polinnen,
Griechinnen uſw. In ſeiner Begrüßungsanſprache ge=
dachte
der 1. Vorſitzende, Herr Scheyrer, der kürzlich
vollzogenen Verlobung unſerer Kaiſertochter mit dem
Wunſche, daß die an dieſes freudige Ereignis geknüpften
Hoffnungen in perſönlicher wie politiſcher Beziehung ſich
in vollem Maße erfüllen möchten. Nachdem die Fräulein
S. und O. Stoll die Duette Gruß von Mendelsſohn=
Bartholdy und Am Brünneli von Ruſt mit ihren fri=
ſchen
Stimmen vorgetragen, führte Miſter Stra=
delli
(Herr Th.) ſeinen neueſten Geſangsautomaten vor,
fünf Damen, deren Köpfe die entſprechenden Figuren auf
einer ſpaniſchen Wand vervollſtändigten, während ſie in
beſtem Zuſammenklang die Eigenheiten von Mitgliedern
beſangen. Es folgten einige beifälllig aufgenommene
Vorträge des Herrn Wagner und hierauf der Schwan
Die Brieftaſche von Nüthlein, in Darmſtädter Mundart
von ſechs Vereinsmitgliedern flott unter der ſicheren
Leitung von Fräulein Spamer abgeſpielt. Nachdem noch
Herr Winter einige hübſche Vorträge geſpendet, be=
ſchloſſen
den erſten Teil des Abends die Damen Frl.
S. Stoll und Frl. E. Keil mit einer Darſtellung
des 1. und 3. Streiches von Max und Moritz in köſtlichen
Masken. Sie entfeſſelten Stürme von Heiterkeit. Den
Dank an die Vortragenden ſprach Herr Kübeler aus,
worauf ein munterer Tanz den Abend beſchloß.
Richard Wagner=Verein. Der Arnold Men=
delsſohn
=Abend, den der Richard Wagner=Verein
heute mit der berühmten Altiſtin Tilly Koenen veran=
ſtaltet
, iſt die ſiebente Veranſtaltung, die der Verein den
großen Darmſtädter Komponiſten widmet. Das Pro
gramm weiſt 16 Lieder Mendelsſohns auf, von denen bei
dieſer Gelegenheit eine ganze Reihe öffentlich zum erſten
Male zum Vortrag gelangen. Von bekannten Sachen
ſingt Fräulein Koenen u. a. mehrere der ſchönſten Lieder,
die Mendelsſohn geſchaffen, darunter Portum inveni.
das Eichendorffſche Weihnachtslied Gottfried Schwabs
Unkenlied, Wanderers Nachtlied von Goethe und ſein
Meiſterſtück Aus dem Nachtlied Zarathuſtras deſſen voll=
endete
Wiedergabe durch Fräulein Koenen allein ſchon
einen Beſuch des Konzertes lohnen würde.

* Märchenfeſt beim kleinen König. Ein Märchenfeſt
wird die Wohltätigkeitsveranſtaltung ſein, die auf An=
regung
und unter dem Protektorat Ihrer Königlichen
Hoheit der Großherzogin für Ende Mai d. J. zum Beſten
des Alice=Frauenvereins für Kranken=
pflege
(Landesfrauenverein vom Roten Kreuz)
geplant iſt. Unter Mitwirkung zahlreicher Kinder ſoll es
draußen im Orangerie=Garten in Beſſungen ſtattfinden
Hier wird der Kleine König eine aus Hanns
Pellars Bilderbuch gleichen Namens bekannte
Märchenfigur, die Märchenwelt zu Gaſt laden. Muſikauf=
führungen
, Tänze und Gruppierungen der einzelnen Mär=
chen
ſind vorgeſehen. Buntes Jahrmarktstreiben wird ſich
im weiten Plan des Gartens entfalten. Eine Opern= Auf=
führung
im Freien wird ſich gegen Abend anſchließen.
Das Feſt ſoll ſich auf zwei Nachmittage erſtrecken.
Heſſiſcher Jugendtag. Die Verhandlungen be=
ginnen
am Mittwoch, den 19. Februar, worauf hier
nochmals hingewieſen ſei, pünktlich um 10½ Uhr, mit
einer Anſprache des erſten Vorſitzenden des Heſſiſchen
Landesverbandes Jungdeutſchland Herrn General=
major
Frhrn. v. Heyl, über Zweck und Ziele des
Jungdeutſchlandbundes, der ſich weiteren Anſprachen
der Herren Profeſſor Kiſſinger=Tarmſtadt und
Bürgermeiſter Mueller=Darmſtadt anſchließen. Dann
folgt ein Vortrag des Herrn Lehrer Schorn=Mainz
über Die Eigenart des jugendlichen Seelenlebens und
am Nachmiitag um 3½ Uhr ein Vortrag des Herrn
Pfarrer Müller=Offenbach über Allgemeine Er=
fahrungen
aus der praktiſchen Vereinsarbeit‟ Daran
ſchließen ſich die Beratungen über die Verbandsange=
legenheiten
an. Bei dem allgemeinen Intereſſe, deſſen
ſich die Jungdeutſchlandbewegung auch in Heſſen in den
weiteſten Kreiſen zu erfreuen hat, darf mit Recht eine
ſehr rege Beteiligung an dieſer Tagung aus allen Teilen
unſeres Großherzogtums erwartet werden.
* Der zweite Vortrag über Volksgeſundheitspflege,
den Herr Sanitätsrat Dr. Noellner im Auftrage der
Zentrale für Mutter= und Säußlingsfürſorge in der
hauswirtſchaftlichen Fortbildungsſchule hält, wird näch=
ſten
Mittwoch, abends 8¼ Uhr, in der Turnhalle, Runde=
turmſtraße
9 (Eingang auch Landgraf=Georg=Straße 40),
ſtattfinden. Thema dieſes und des folgenden Vortrages
wvird Säuglingsfürſorge ſein, und zwar Ernährung
des Säuglings. Wir machen darauf aufmerkſam, daß
auch Intereſſentinnen, die nicht die Koch= und Nähkurſe
der Fortbildungsſchule beſuchen, an den Vorträgen teil=
nehmen
können.
* Farbenphotographie. Wir machen auch an dieſer
Stelle darauf aufmerkſam, daß heute Dienstag, abends
3 Uhr, im großen Hörſaal des Phyſikaliſchen Inſtituts
der 2. Vortrag zu Gunſten des Photographiſchen
Inſtitutes der Hochſchule ſtattfindet. Thema:
Ueber Farbenphotographie‟ Näheres in der diesbezüg=
lichen
Anzeige.
Vortrag. Zu dem heute abend im Kaiſerſaale
ſtattfindenden Vortrage des engliſchen homöo=
pathiſchen
Arztes Dr. Hoyle wird uns noch
mitgeteilt, daß dieſer Herr ſeinen erſten Vortrag über
dasſelbe Thema vor kurzem in Berlin und zwar vor
einer außerordentlich großen Verſammlung aus allen
Kreiſen der Bevölkerung gehalten hat. Wenn, wie zu
erwarten iſt, auch hier in Darmſtadt u. a. die neueſten
Ergebniſſe auf dem Gebiete der Serumforſchung und
phyſikaliſchen Chemie in ihrer Beziehung zur Kranken=
behandlung
beſprochen werden ein großes Tatſachen=
material
, das in der Homöopathie ſchon lange nutzbar
gemacht worden ſein ſoll, bevor es wiſſenſchaftlich über=
haupt
einigermaßen bekannt war , ſo dürften die Be=
ucher
des Vortrags auch hier einen recht anregenden
Abend verleben.
Orpheum. Das fortgeſetzte Gaſtſpiel des belieb=
ten
Enſembles vom Dresdener Königl. Belve=
dere
bringt in der neuen Spielfolge eine äußerſt zuge=
kräftige
neue Revue die wieder eine Reihe von tref=
fenden
Schlagern aufweiſt. Die aktuelle Revue Darm=
ſtadt
, das iſt etwas für Dich! von Dr. Richard Hirſch,
enthält auch einige der wirkungsvollſten Nummern der
vorjährigen Revue. Im Vorſpiel Fauſt III. und un=
widereuflich
letzter Teil gibt Mephiſto (Walter Ritter)
dem nach Reformen dürſtenden Schüler (Maria Lee) eine
Commére auf den Weg durch die Revuenwelt, den die
beiden auch alſobald antreten. Im erſten Bild kommt
Käte Funk mit ihrem Spielzeug Moritz alias Rieſen=
Teddybär (Bruno Müller) dem Publikum als allerliebſtes
Baby. Walter Ritter mit ſeiner vorjährigen Glanz=
nummer
, Der Bakterien=Menſch, Alfred Indra mit
ſeinen humorvollen ſächſiſchen Kouplets Der Theater=
habitué
und Auf, in den Kino ernten rieſigen Lach=
erfolg
. Von ungemein reizvoller Wirkung iſt das Schäfer=
Idyll nach Watteau, in dem die Damen Käte Funk,

Feuilleton.

Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.
* Darmſtädter Künſtler. Herr Sandro
Aenges, der ſeit Herbſt als jugendlicher Heldentenor
arn Stadttheater in Barmen wirkt, wurde ſoeben unter
ſehhr günſtigen Bedingungen nach Ablauf ſeiner Barmer
Verpflichtung auf 5 Jahre an das Hoftheater in Karls=
ruhe
engagiert. Fräulein Hertha Neuhaus, eine
junge Darmſtädterin, zurzeit als erſte Sängerin am Stadt=
tbeater
Güſtrow, iſt nach erfolgreichem Probeſingen
auf drei Jahre unter ſehr günſtigen Bedingungen für
das Stadttheater in Bremen verpflichtet worden.
Das Steigen und Fallen der Ope
rette im Spieljahr 1911 191 2. Das bereits
etwähnte Regiſter des deutſchen Bühnenſpielplans
Verlag Oeſterheld u. Co., Berlin W. 15, ſoeben veröffent=
ſicht
, bietet ein hochintereſſantes Bild von Angebot und
ſachfrage im Operettengeſchäft. Da dieſes erſt ſo eigent=
lich
mit der fünfzigſten Aufführung eines Werkes einſetzt,
lwar der Erfolg bei Adolfis Marmorweib zum Beiſpiel,
das bei Abſchluß des Regiſters ſchon 48 Aufführungen
aufweiſen konnte, ſichergeſtellt. Gleiches ließ ſich von
Aſchers Hoheit tanzt Walzer und ſeinem Lockvogel
vie von Berenys Mädel von Montmartre und Eyslers
Frauenfreſſer vorausſagen. Andere Neuheiten. z. B
Lanner=Sterns Alt=Wien Lewins Luſtiger Kakadu
und Gilberts Autoliebchen brachten es zu höheren Zah=
ſert
, hatten aber auch längere Zeit zur Entwicklung, zu=
mal
Die moderne Eva die nach der Uraufführung die
ſtolze Höhe von 657 Vorſtellungen erreichte. Nirgends
gilt das Recht des Neuen vor dem des Aelteren ſo viel
wie auf dem Operettenmarkte. Vor Lehärs Eva z. B
pelche auf 936 ſtieg, ſank Der Graf von Luremburg von
(794 Aufführungen des Vorjahres auf 475 jäh herab. Das
leiche Schickſal teilten eine ganze Reihe von Leidensge=
gefährten
, u. a. Jarnos Förſterchriſtl, Falls Dollar=
prinzeſſin
und Geſchiedene Frau, beſonders ſein
das von 592 auf 48 ſtürzte. Nicht an=
Buppenmädel
ers erging es Eyslers Unſterblichem Lump. Lehärs

Zigeunerliebe‟ Nelſons Miß Dudelſack und Jarnos
Muſikantenmädels mit ſeiner ehemaligen Zahl von
1092, die ſich auf 357 verminderte. Nur Der keuſchen
Suſanne Gilberts und ſeiner Polniſchen Wirtſchaft
konnten die Neulinge nichts anhaben. Offenbachs Schöne
Helena verdankte allerdings ihren neuen Aufſtieg von 82
auf 446 der Reinhardtſchen Regie, indeſſen lebten Sulli=
vans
Mikado Suppés Fatinitza, Zellers Oberſtei=
ger
. Millöckers Gaſparone ohne derartige Nachhilfe zu
friſchem Wachstum auf; der alte Bettelſtudent brachte
es ſogar wieder auf 269 Aufführungen. Alſo ein raſches
Abſpielen des Angebotenen und eine ſtarke Nachfrage
nach Neuem, dabei im Zurückgreifen auf ältere Erfolge,
ſo lautet die Tendenz des Operettenmarktes von 1911/12.
* Polarexpeditionen. Die Vorbereitungen
für eine neue Hilfsexpedition für die Schrö=
der
=Strantz=Expedition ſind am Samstag in
einer Beſprechung in Frankfurt a. M. weſentlich gefördert
worden. Dem Berliner Lokal=Anzeiger zufolge, ſollten
die Beratungen am Montag nachmittag in Berlin, wo in
zwiſchen Geheimrat Hergeſell eingetroffen iſt, fortgeſetzt,
eventuell zu Ende geführt werden. Eine namhafte
Summe für die Zwecke einer neuen Hilfsexpedition, die
unter deutſcher Oberleitung ſtehen, aber mit einem nor=
wegiſchen
Schiff ausgeführt werden ſoll, iſt vom Grafen
Zeppelin geſtiftet worden. Die wiſſenſchaftlichen Mitar=
beiter
der vorzeitig zum Abſchluß gekommenen Filch=
nerſchen
Südpolarexpedition Dr. Barko, Dr
Brennecke, Dr. von Goedel, Dr. Heim, ſowie der erſte
Offizier Lorenzen, der zweite Offizier Mueller und der
Chefingenieur Heineck vom Expeditionsſchiff Deutſch=
land
ſind mit dem am Samstag von Buenos Aires an=
gekommenen
Dampfer Cap Vilano in beſter Geſundheit
nach Hamburg zurückgekehrt. Zum Empfang hatten ſich
Vertreter der Seewarte und der Geographiſchen Geſell=
ſchaft
eingefunden. Es fand eine Zuſammenkunft der
Fahrtteilnehmer ſtatt, der auch Vertreter der Seewarte
und der Geographiſchen Geſellſchaft beiwohnten. Dem
Figaro zufolge, bereitet der Geograph Julius de Payer,
ein Sohn des berühmten öſterreichiſchen Polarforſchers,
der Franzoſe geworden iſt, eine arktiſche Expedi=
tion
vor, deren Ziel das von ſeinem Vater im Jahre

1873 entdeckte Franz=Joſef=Land ſein ſoll. Die franzö=
ſiſche
Regierung habe das Programm de Payers junior
genehmigt und ihm die Ermächtigung erteilt, für ſeinen
Stab einen Schiffsleutnant, einen Schiffsfähnrich, zwel
Kapitäne für lange Fahrt. zwei Militärärzte, einen Mili=
tärflieger
und einen Geologen anzuwerben.
Ein unterirdiſches Wunderwerk der Natur. Unter
die bedeutendſten und wichtigſten unterirdiſchen Höhlen
Europas wird von nun an die Grotte von Remou=
champs
in der Nähe von Spa in Belgien zu rechnen
ſein, denn die Natur hat ſich hier als Baumeiſter und De=
korateur
in ſo großartiger Weiſe betätigt, daß ſie alle
menſchlichen Phantaſien weit in den Schatten ſtellt. Die
Höhle, die erſt vor einiger Zeit entdeckt wurde, iſt nun=
mehr
ſorgfältig erforſcht worden und wird auch der
Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einer der
Entdecker und Erforſcher, E. Rahir, erzählt in der Nature
von dem märchenhaften Palaſt und der geheimnisvollen
unterirdiſchen Welt der Abgründe, Gänge und Flüſſe, die
die Natur ſich da geſchaffen hat. Durch die Anbringung
einer Reihe von Leitern gelang es, in die oberen Gale=
rien
der Höhle einzudringen, die ſich, gleichſam in einem
dritten Stockwerk der Grotte, über 100 Meter weit aus=
dehnen
. Dann wurden die Leitern auf Schiffen über den
unterirdiſchen Fluß transportiert, der dieſes Reich der
Tiefe durchſchneidet; man ſtieg an den ſenkrechten ſteilen
Wänden empor und gelangte durch eine kleine Oeffnung=
plötzlich
in einen Saal von rieſenhaften Verhältniſſen,
hinter dem ſich neue Abgründe und neue Säle öffneten.
Dieſer Hauptraum, den man die Kathedrale ge=
nannt
hat, ein Saal mit ſenkrechten Wänden und flacher
Decke, iſt mehr als 100 Meter lang, 40 Meter breit und
etwa 60 Meter hoch. Eine ſich abzweigende Galerie bildet
den Chor dieſes Domes, während ſich an einer Seite
ein kleinerer, kapellenartiger Raum befindet. Dieſer
grandioſe Prachtraum der Natur iſt mit den herrlichſten
Kriſtalliſationen verſchwenderiſch ausgeſchmückt und ge=
währt
im blitzenden Schimmer des Lichts, in dem viel=
geſtaltigen
Reichtum der Formen einen überwältigenden
Eindruck. Auf einer natürlichen Felsbrücke, der Brücke

[ ][  ][ ]

Frieda Röck und Lea Seidl mitwirken. Beim Roſen=
kavalier
, die treffende Charakteriſtik der verſchiedenen
Theaterbeſucher, erweckt ebenfalls wieder lebhafte Heiter=
keit
. Den Schluß der Revue bildet ein Bild in der Tanz=
Bar mit Tanz= und Geſangs=Darbietungen: Um 12 Uhr
in der Mitte der Nacht, Fifi, Der Schieber, Prinz
Karneval (Trude Troll) und Bärentanz‟ Den erſten
Teil des Programms bildet ein Bunter Teil in dem
Käte Funk, Trude Troll, Alfred Indra, Bruno Müller und
Walter Ritter in ihrem Repertoire auftreten. Käte Funk
trägt einige allerliebſte Liedchen vor, Trude Troll als Tanz=
kobold
mit dem an ihr ſo hoch geſchätzten natürlichem
Charme einige Tanzliedchen. Bruno Müller führt einige
groteske Tänze vor. Schließlich produziert ſich Alfred
Indra wieder als unſchätzbarer Humoriſt. Auch Walter
Ritter, der als Konferenzier fungiert, ſei nicht uner=
wähnt
gelaſſen, er erfreut ebenfalls mit einigen humo=
riſtiſchen
Kouplets. Eingeleitet wird der Bunte Teil
mit einer humoriſtiſchen Duo Szene, in der Maria Lee
gar treffend die ſich ihrer Macht bewußt gewordene junge
Ehegattin darſtellt, während Walter Ritter den zerknirſch=
ten
Ehemann, der zuletzt ſein empörtes Weibchen mit
einem zarten Angebinde verſöhnt, ſpielt.
Bahnamrliche An= und Abfuhr von Stück=
gütern
. Um dem geſchäftstreibenden Publikum und den
Privatleuten die Aufgabe von Fracht= und Eilſtückaut=
ſendungen
zu erleichtern, beſtehen bei der Staatseiſen=
bahnverwaltung
überall da, wo bahnamtliche Rollfuhr=
keute
beſtellt ſind, folgende Einrichtungen: Die täglich
mehrmals den Beſtellbezirk durchfahrenden bahnamtlichen
Rollfuhren nehmen jederzeit Stückgüter zur Ablieferung
bei der Güterabfertigung an. Die vormittags dem Roll=
fuhrunternehmer
abgelieferten Güter werden in der
Hauptſache ſchon bis zum Abend oder in der folgenden
Nacht mit der Eiſenbahn abrollen; die nachmittags über=
gebenen
Güter werden zum Teil auch noch nachts, jeden=
falls
aber am folgenden Tage abgehen. Da nun die
bahnamtlichen Rollfuhrwerke täglich nicht jeden Punkt
ihres Bezirks berühren, iſt dem Publikum die An=
meldung
für die Abholung der Güter durch den Roll=
fuhrmann
möglichſt erleichtert. Sie kann mündlich oder
telephoniſch bei der Güterabfertigung ſelbſt erfolgen.
Beſonders bequem iſt in den großen, weitausgedehnter
Städten die Anmeldung durch eigens zu dieſem Zweck
hergeſtellte Poſtkarten, welche an allen Fahrkarten=, Ge=
päck
=, Güter= und Eilgutabfertigungen, ſowie den Aus=
kunftsbureaus
unentgeltlich dem Publikum abgegeben
werden. Dieſe Karten ſind unfrankiert in den Poſt=
briefkaſten
zu werfen. Die ankomhmenden Güter werden
den Empfängern durch den bahnamtlichen Rollfuhrmann
in der Weiſe zugeſtellt, daß die dem Rollfuhrmann von
der Güterabfertigung übergebenen Eilgüter innerhalb
4 Stunden nach der Uebernahme, die ihm am Vormittag
bis 8 Uhr übergebenen Frachtſtückgüter bis ſpäteſtens
3 Uhr nachmittags und die ihm am Nachmittag bis
3 Uhr übergebenen Frachtſtückgüter noch am gieichen
Tage den Empfängern ausgeliefert werden. Die Ge=
bührenſätze
für die An= und Abfuhr ſind ſowohl aus
dem Gebührentarif, den der Rollfuhrmann bei Aus=
übung
des Rollgeſchäftes ſtets bei ſich zu führen und
auf Verlangen vorzuzeigen hat, als auch bei der Eilgut=
und Güterabfertigung zu erfahren. Aus dem im Adreß=
buch
der Stadt Darmſtadt Seite 47 und 48 veröffent=
lichten
Eiſenbahnbericht (5. Abſchnitt des Anhangs) iſt
weiteres zu erſehen.
* Möbelhandel. Man ſchreibt uns: Dem regulären
Möbelhandel wird ſeit einiger Zeit dadurch ganz
bedeutender Schaden zugefügt, daß durch Zeitungs=
annoncen
Möbelverkäufe zu ſehr billigen Preiſen wegen
Rückgang oder Auflöſung einer Verlobung ange=
boten
werden. Nach Anſicht des hieſigen Detailliſtenver
eins ſollen in den meiſten Fällen den Anzeigen Angaben
zugrunde liegen, die nicht den Tatſachen entſprechen. Ge=
nannter
Verein hat deshalb gegen einen hieſigen Ge
ſchäftsmann durch ſeinen Rechtsbeiſtand, Herrn Dr. Hoff=
mann
II. Klage auf Unterlaſſung geſtellt. In
der Verhandlung vor der Kammer für Handelsſachen
beſtritt der Beklagte allerdings jede Schuld. Er machte
geltend, daß verſchiedene Käufer nach Anzahlungen vom
Verkauf zurückgetreten ſeien und er deshalb in der Lage
ſei, wegen Rückgang beſonders billig zu verkaufen.
Man wird abwarten müſſen, wie das Urteil des Gerichts
den Fall auffaßt. Jedenfalls wird es ſich der De=
tailliſtenverein
angelegen ſein laſſen, auch weiter
hin gegen alle unreellen Auswüchſe gerade auf dem Ge=
biete
des Möbelhandels vorzugehen.
m Selbſttätige Weichenanlage. Vor dem Ver=
kehrshäuschen
wurde vor einigen Tagen eine
ſelbſttätige Weiche in den Gleiskörper eingefügt.
Die Wagen der roten Linie mußten ſeither, bevor ſie die
Halteſtelle vor dem Hauptportal an der Schloßwache er=

reichen konnten, an der Zufahrt zum Marktplatz halten
bis der Schaffner die Weiche mittels Hebels herumgelegt
hatte. Dieſes Halten iſt nun nicht mehr nötig, denn eine
elektriſche ſelbſttätige Vorrichtung beſorgt jetzt das Her=
umlegen
der Weiche. Dieſe iſt durch Kabel mit dem Ober=
leitungsdraht
verbunden worden. Die Einrichtung wirkt
ſo, daß ſich beim Ankommen des Wagens auf dieſer Stelle
die Weiche zur Fahrt nach dem Halteplatz vor dem
Schloſſe ſelbſt herumgelegt, und nach Paſſieren des Wa=
gens
wieder in ihre frühere Lage zurückkehrt.
* Olympia=Theater. Man ſchreibt uns: Das Olym=
pia
=Theater bieten von heute bis inkl. Freitag ein Welt=
ſtadtprogramm
. Der Schatten des Meeres ein nor=
diſcher
Kunſtfilm mit Henny Porten in der Hauptrolle
iſt der Hauptſchlager. Es iſt ein Film von wunderbarer
Naturtreue. Als Einlage läuft das große Werk In den
Krallen‟ Drama aus dem Leben eines Goldſuchers. Ein
Beſuch des Theaters wird einen jeden weit über ſein
Erwarten befriedigen.
* Feuer. Geſiern vormittag 6 Uhr 8 Min. wurde
der Feuerwache gemeldet Feuer Marktplatz 10. In dem
2. Obergeſchoß des Hauſes brannte das Holzwerk des
Treppen=Podeſtes. Von herausgefallenen brennenden
Holzſtücken war auch der Fußoden des darunter liegen=
den
Podeſtes angebrant. Durch Aufſchütten von
Waſſer und Herausnehmen der verbrannten Balken uſw.
fand die Angelegenheit raſche Erledigung. Größerer
Schaden wurde durch das raſche Eingreifen der Feuer=
wache
verhütet. Feuerwache zurück 6 Uhr 33 Min.
Das Feuerwehrkommando meldet noch hinzu: Geſtern
norgen 6 Uhr 8 Min. wurde die Feuerwache nach
Marktplatz 10 gerufen. In dem 2. Obergeſchoß des
Hauſes brannte das Holzwerk des Treppenpodeſtes.
Durch herabgefallene brennende Holzſtücke war auch der
Fußboden des darunter liegenden Podeſtes angebrannt.
Durch Aufſchütten von Waſſer und Herausnehmen der
verbrannten Balken uſw. fand das Feuer raſche Er
ledigung. Größerer Schaden wurde verhütet.

Bensheim, 17. Febr. Man teilt uns mit: Vom
27. dieſes Monats bis zum 10. März finden hier
A ufführ ungen des großen vaterlän=
diſchen
Feſtſpiels Deutſchlands Erwachen
Erhebung und Einigung im Deutſchen Haus=
ſtatt
. Veranſtalter iſt der Kriegerverein. Der Reinertrag
ſoll zur Errichtung eines Denkmals für den ruhmreichen
Führer, weiland Großherzog Ludwig IV verwendet wer=
den
. Das Feſtſpiel läßt Preußen und Deutſchland zu=
nächſt
in ihrer tiefſten Erniedrigung ſchauen: das Vater=
land
liegt zertreten unter dem Fuß des erſten Napoleon,
und all das Elend, das die Zeit der ſchweren Not mit ſich
brachte, das Fürſt und Volk in gleichem Maße nieder=
drückte
, zieht an uns vorüber. Dann bereitet ſich die Zeit
der Erhebung vor, und das Erwachen erfolgt. Aber auch
die goldene Frucht des todesmutigen Ringens ſehen wir
vor uns erſtehen, die Wiederaufrichtung des Deutſchen
Kaiſerreiches, und das Ganze klingt an eine gewaltige
Huldigung, an das geeinte deutſche Vaterland und an
unſeren erhabenen Kaiſer aus. Das Feſtſpiel iſt durch=
ſetzt
von prächtigen, tief ergreifenden und begeiſternden
Bildern, aber auch ein friſcher, wohltuender Humor kommt
zu ſeinem Recht; über dem Ganzen liegt der Glanz, den
Direktor Paul Werning ſeinen Darbietungen zu geben
verſteht. Die handelnden und in den lebenden Bildern
mitwirkenden Perſonen ſind in großer Anzahl längſt Hel=
den
und Lieblinge Preußens und Deutſchlands: Königin
Luiſe, König Friedrich Wilhelm III., unſer alter Kaiſer
Wilhelm. Kaiſer Friedrich III., Blücher, Körner, Bis=
marck
, Moltke, Roon und wie die Herrlichen ſonſt alle
heißen. Und auch der erſte und der dritte Napoleon nebſt
vielen anderen hiſtoriſchen Perſönlichkeiten treten vor
unſere Augen.
Mainz, 17. Febr. Die Frau des Sattlers Antonius
Kriſcher in Amöneburg reinigte am Samstag ihre
Wohnung. Sie ſtellte dabei einen Koffer an einen Schrank,
auf dem eine Flaſche mit Opium ſtand, das von ihrem
Manne als Schlafmittel gebraucht wurde. In einem un
bewachten Augenblick kletterte das vierjährige Söhnchen
auf den Koffer, ergriff die Flaſche, trank von dem Opium
welches das Kind bald in tiefen Schlaf verſenkte. Ein
ſofort herbeigerufener Arzt ſtellte eine Opiumvergiftung
feſt und ließ das Kind in das Rochushoſpital bringen.
Den Spitalärzten gelang es, das Kind auf kurze Zeit zur
Beſinnung zu bringen, doch ſtarb das bedauernswerte
Weſen geſtern morgen. Außer dem ſchweren Verluſt wird
wohl noch eine Anklage wegen fahrläſſiger Tötung die
Folge für die Eltern ſein. Zur Droſchkentkut=
ſcherfalle
wurde in jüngſter Zeit eine Bierwirtſchaft
in der Rochusſtraße. Die Wirtſchaft hat zwei Ein=
gänge
, einen in der Heringsbrunnengaſſe, den anderen

in der Nochusſtraße. Es kam nun öfters vor, daß ſich
junge Leute ſtundenlang von Droſchkenkutſchern ſpazieren
fahren ließen und dann an der betreffenden Wirtſchaft am
Eingang in der Heringsbrunnengaſſe halten ließen. Sie
luden den Kutſcher zu einem Glas Bier ein und betraten
das Lokal, um es, während der Kutſcher den Strang aus=
hängte
, ſofort durch den anderen Ausgang zu verlaſſen.
Gewöhnlich waren es Kutſcher, die mit den Lokalverhält=
niſſen
der Wirtſchaft nicht vertraut waren. Am Samstag
abend machte ein junger Mann von hier dasſelbe Manö=
ver
mit einem Kutſcher. Zufällig befand ſich aber ein Gaſt
in der Wirtſchaft, der den Schwindler kannte. Der Kut=
ſcher
fuhr nach einer angegebenen Wirtſchaft am Markt,
wo er ihn traf und zur Bezahlung zwang.
Worms, 17. Febr. In einer hieſigen Gaſtwirtſchaft
logierte ſich geſtern ein junger Schirmflicker mitz
einer um ſechs Jahre älteren Frau und einem 9jährigen
Mädchen ein, die er als ſeine Frau und ſein Kind ausgab.
Heute früh ſtellte ſich ein Fabrikarbeiter aus Ludwigs=
hafen
hier ein, der nach ſeiner ſeit kurzem verſchwundenen
Frau und ſeinem Töchterchen fahndete. Mit Hilfe der Po=
lizei
wurden die Geſuchten hier ausfindig gemacht, und es
ſtellte ſich alsbald heraus, daß der Schirmflicker, der ſich
einen falſchen Namen beigelegt hatte, von der Staatsan=
waltſchaft
Landau wegen Diebſtahls und von verſchiedenen
anderen Behörden zwecks Strafvollzuges ſteckbrieflich ver=
folgt
wird. Die ungetreue Gattin trat, nachdem ſie von
ihrem betrogenen Mann in der ihr gebührenden Weiſe
behandelt und belehrt worden war, mit ihren Angehö=
rigen
alsdann die Rückreiſe nach ihrer Heimat Ludwigs=
hafen
an.
Guntersblum, 17. Febr. Auf Wohnſtätten aus
früheſter Zeit iſt man hier bei der Ausſchachtung
in der Nähe des mehrere Jahrhunderte alten Julianen=
brunnens
geſtoßen. Man nimmt an, daß es Höhlenwoh=
nungen
aus vorchriſtlicher Zeit ſind.
(*) Gießen, 16. Febr. In der Lumda ertrank auf
dem Heimwege der Arbeiter Kaufmann aus Wieſeck.
Ein brutaler Arbeiter warf in Niederbiel das 5jährige
Kind ſeines Arbeitgebers, der ihn entlaſſen hatte, in
einen tiefen Brunnen. Zum Glück merkte man
rechtzeitig die Tat, ſo daß das arme Kind gerettet werden
konnte
(*) Allendorf a. d. Lahn, 16. Febr. Ein ſchwerer
Unfall ereignete ſich in der hieſigen Volksſchule
während des Unterrichts. Der 12jährige Schüler Hilde=
brandt
hantierte unter dem Tiſch mit einer Schachtel, die
Exploſionsſtoff enthielt. Plötzlich gab es einen furchtbaren
Krach; durch Reibung hatte ſich der Stoff entzündet. Dem
Jungen wurden die vier Finger der linken Hand abge=
riſſen
.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 16. Febr. Geſtern nach=
mittag
ſind der Großherzog und die Großher=
zo
gin von Sachſen hier eingetroffen und haben im
Königlichen Schloß Wohnung genommen. Sie wohnten
der Tauffeierlichkeit bei dem Prinzen und der Prinzeſſin
Auguſt Wilhelm in deren Palais in der Wilhelmſtraße
bei. Der Staatsſekretär des Innern Dr. Delbrück
hat ſich nach Schluß der Beratungen des Etats des
Reichsamts des Innern im Reichstage mit kurzem Ur=
laub
nach Partenkirchen begeben. Der Staatsſekre=
tär
gedenkt die Dienſtgeſchäfte in den erſten Tagen des
März wieder aufzunehmen. Nach längerer Krankheit
iſt Generalmajor z. D Guſtav Becker, einer der älte=
ſten
und eifrigſten deutſchen Vorkämpfer des Automobilis=
mus
, in Weſtend geſtorben. Aus Anlaß der 100 jäh=
rigen
Feier der Befreiungskriege finden
in Berlin und der Mark am 10. März zur Erinnerung des
hiſtoriſchen Ereigniſſes des Aufrufes An mein Volk
in ſämtlichen Schulen und in vielen Kirchen beſondere
Feiern ſtatt. Auf den Schlachtfeldern wird das Gedächt=
nis
der Gefallenen geehrt werden. Die neue Stadt=
flagge
von Berlin iſt beim Einzuge des Brautpaares
Prinz Ernſt Auguſt, Herzog zu Braunſchweig=Lüneburg, und
der Prinzeſſin Viktoria Luiſe zum zweiten Male auf der=
Spitze des Rathausturmes gehißt worden. Oben und
unten iſt je ein wagerechter roter Streifen, auf die Zuge=
hörigkeit
Berlins zur Mark und zur Hanſa deutend; im
weißen Mittelfelde der nach rechts ſchauende ſchwarze
Bär; im oberen roten Streifen die weiße fünftürmige
Mauerkrone. Der myſteriöſe Leichenfund auf
dem Tempelhofer Felde iſt bereits auufgeklärt,
Es ſcheint ſicher, daß der 39 Jahre alte Bierfahrer Ri=
chard
Tietz, als der der Tote rekognosziert wurde, nicht
ermordet worden iſt, ſondern Selbſtmord begangen hat.
Es iſt feſtgeſtellt worden, daß Tietz für ſeine Verhältniſſe
bedeutende Schulden gehabt hat. Er hatte längere Zeit
mit ſeiner Brauerei nicht abgerechnet und ſchuldete dieſer
6000 Mark, die ihm allerdings von der Brauerei geſtundet
worden waren. Außerdem hatte er eine Wechſelſchuld
von 6000 Mark, die geſtern fällia war und für die er das
Geld nicht auftreiben konnte. Außer dieſen 12000 Mark
hatte er noch kleinere Schulden.
Hamburg, 17. Febr. An Bord des Dampfers Eckardt
wurden geſtern morgen fünf in ihrer Kabine ſchlafende
Heizer vollſtändig bewußtlos aufgefunden. Sie=
waren
durch Kohlenoxydgaſe, die dem Ofen entſtrömt
waren, vergiftet worden. Die Schwerkranken wurden, der
Deutſchen Tageszeitung zufolge, nach dem Krankenhaus
gebracht, wo drei von ihnen bereits geſtorben ſind.
Frankfurt a. O., 17. Febr. Die Verhandlung
gegen Sternickel wird, wie bereits mitgeteilt, in
der am 10. oder 11. März beginnenden Schwurgerichts=
periode
ſtaitfinden. Die auf Raubmord, Beihilfe uſw.
lautende Anklageſchrift iſt den Angeklagten, dem Müller=
geſellen
Auguſt Sternickel aus Mſchamma (Kreis Rybnick)
den Arbeitern Willi und Georg Kerſten aus Berlin und
dem Knecht Schliewenz aus Kunitz zugeſtellt worden. Für
die Verhandlung ſind drei Tage in Ausſicht genommen.
Die polizeiliche und gerichtliche Vernehmung Sternickels
wegen des Mordes in Plagwitz und der weiteren Verbre=
chen
dauert fort Am Donnerstag wurde er in verſchie=
denen
Stellungen photographiert. Durch Verſendung der
Bilder ſollen die Nachforſchungen wegen noch unaufge=
klärter
Verbrechen erleichtert werden. Bisher iſt es noch
nicht möglich geweſen, den Aufenthalt Sternickels im
Jahre 1908 zu ermitteln.
Königsberg, 17. Febr. Die Königsberger Kai=
erhoch
=Affäre hat den Präſidenten des Bundes
jüdiſcher Korporationen in Berlin veranlaßt, das Ober=
hofmarſchallamt
telegraphiſch zu befragen, ob vom Ober=
hofmarſchallamt
der Wunſch ausgeſprochen worden ſei, das
Kaiſerhoch nach dem Fackelzuge ſolle nicht von einem Mit=
gliede
einer konfeſſionellen Verbindung, ſondern von
einem Kaiſerdeputierten ausgebracht werden. Wie das
Präſidium des Bundes jüdiſcher Korporationen mitteilt,
iſt folgende telegraphiſche Antwort des Oberhofmarſchalls
Grafen Eulenburg eingegangen: Fragliche Angelegen=
heit
hier völlig unbekannt. (Wir hatten die Richtigkeit

der Titanen, gelangt man von dem Fluß aus zu der
Kathedrale und dann zu einer Flucht von weiteren Sälen,
unter denen zwei beſonders hervorragen. Der weiße
Saal hat an ſeiner Decke und ſeinen Wänden einen
ſolchen Ueberfluß von Stalaktiten und Stalagmiten von
ganz heller Färbung, daß ſie eine ſchneeige und völlig
reine Weiße hervorrufen, die kaum irgendwo anders
ihresgleichen hat. Ebenſo eigenartig iſt ein anderer Saal
aus Schiefer, der über und über mit Tropfſteingebilden
aus Kalkſtein geſchmückt iſt. Von der Decke hängen ſchlanke
Stalaktiten hernieder, während an den Wänden Stalag=
miten
in üppigem Gewirr emporwachſen und der Boden
mit leuchtenden kleinen Kriſtallen bedeckt iſt. Der Raum
iſt nicht nur von hohem wiſſenſchaftlichem Intereſſe, ſon=
dern
ſtrahlt in ſeinem iriſierenden und opaliſierenden
Schimmer auch einen hohen äſthetiſchen Zauber aus. Die
Höhle von Remouchamps wird mit ihren drei Stockwer=
ken
von übereinanderliegenden Galerien dem Publikum
leicht zugänglich ſein; der Beſuch nimmt nur zwei Stun=
den
in Anſpruch. Man durchſchreitet zunächſt die oberen
Galerien und Säle und beſteigt dann, im Innern der Höhle
angelangt, ein Boot zu einer ſtimmungsvollen unter=
irdiſchen
Waſſerfahrt, die an den unteren Gale=
rien
vorbei den ganzen unterirdiſchen, Rubikon ge=
nannten
. Fluß entlang führt. Dieſe halbſtündige Boot=
fahrt
, für die 9 Schiffe und 18 Führer bereit ſtehen, iſt
von wirklich märchenhaftem Reiz. Wenn erſt die not=
wendigen
Arbeiten, die einen bequemeren Beſuch der
Höhle ermöglichen, vollendet ſein werden, wird die Grotte
von Remouchamps jedenfalls eine Sehenswürdigkeit erſten
Ranges darſtellen.
CK. Die Fledermaus im Kampfe gegen die Malaria
Seit Jahren beſchäftigt ſich die Wiſſenſchaft mit dem Pro
blem, die Malaria auszurotten und eine ganze Reihe von
Methoden wurden, teilweiſe mit recht günſtigen Ergeb=
niſſen
, erprobt. Vor allem galt es jene Mücken und Larven,
die als Träger der Malariakeime die Krankheit hervor=
rufen
, zu beſeitigen, und zu dieſem Zwecke empfahl man
die Austrocknung der Sümpfe, die den Mücken als Brut=
plätze
dienen. Mehrfach wurde auch verſucht, die Sumpf=
gegenden
mit Petroleum zu tränken; es bildet ſich dann aus
der Oberfläche eine Petroleumſchicht, die zur Vernichtung

der Mückenlarven führt. Nun hat ein amerikaniſcher Forſcher
De. Campbell, wie in der France médicale ausgeführt
wird, in Texas ein neues Verfahren zur Bekämpfung der
Malaria angewandt, deſſen Ergebniſſe nach den bis=
herigen
Erfahrungen die Erfolge aller anderen Methoden
noch bei weitem übertreffen. Dr. Campbell ließ in der
Malaria=Gegend eine 12 Meter hohe Holz=Pyramide er=
richten
, die auf 4 Holzpfeilern ruht. Die 4 Seiten der
Pyramide wurden durch wagerechte Oeffnungen geteilt,
die in ihrer Art etwa einer halbgeöffneten Jalouſie ähnel=
ten
. Die Pyramide iſt dazu beſtimmt, Fledermäuſen einen
Zufluchtsort zu bieten; nach ihren Dimenſionen iſt ſie im=
ſtande
, etwa 10000 Fledermäuſe aufzunehmen. Im
Inneren ſind Schlupfwinkel und Brutſtätten für die Tiere
eingerichtet. Die ganze Pyramide iſt beweglich, ſodaß ſie
von Zeit zu Zeit an einem anderen Orte aufgeſtellt wer=
den
kann. Der Verſuch brachte überraſchende Reſultate
Seit der Verpflanzung der Fledermäuſe in die Malaria
Gegend iſt die Krankheit aus dieſem vorher völlig ver=
ſeuchtem
Diſtrikte ſo gut wie ganz verſchwunden. Dent
die Fledermäuſe ſind die erbitterten Feinde jener Mücken
die die Malaria übertragen und nur in der Nacht ſchwär=
men
. Es hat ſich gezeigt, daß die Fledermäuſe ungleich
mehr dieſer Inſekten vertilgen, als jede Vogelart. Und
zugleich konnte man feſtſtellen, daß der Feldzug von den
Fledermäuſen gegen die Malaria=Mücken viel gründlicher
geführt wird, als von jenen Fiſchen, die man ſchon mehr=
fach
in Malaria=Sümpfen ausſetzte, um die Larven der
Inſekten zu vertilgen. So wird die vielgeſchmähte
Fledermaus zum Verteidiger der Menſchheit und im
Kampfe um die Beſeitigung der Malaria zum Bundes=
genoſſen
des Arztes.
** Aus der Schule. Ein Schulbube beſchwerte ſich
wiederholt bei ſeinem Vater, daß ihn der Lehrer ſo ſchika=
niere
. Da ging endlich der Vater mit ſeinem Buben zu
dem Lehrer und fragte dieſen, wie es komme, daß er ſei=
nen
Buben fortwährend ſchikaniere. Das iſt ja durch=
aus
nicht der Fall, ich möchte den Knaben nur ſo weit
bringen, daß er mit den anderen fortkommt, namentlich
im Rechnen iſt er ſo ſchwach. Sag’ einmal, Taverl, wie=
viel
iſt 3X3? Sigſt, Vater, jetzt fangt er ſchon wieder
an, ſagte der Bub.

[ ][  ][ ]

der Senſationsmeldung des Berl. Tagblatts von vorn=
herein
bezweifelt.)
Paris, 17. Febr. Bei dem Brande einer Alumi=
niumgießerei
ereignete ſich eine Exploſion, bei
der 13 Feuerwehrleute und Polizeibeamte ſchwer verletzt
wurden.
Marſeille, 17. Febr. Der Dampfer Ville d’Al=
gier
der vorgeſtern abend in Tunis eintreffen ſollte, iſt
ſeit 30 Stunden überfällig. Die Verſpätung wäre
zwar infolge des ſchlechten Wetters erklärlich, doch iſt man
wegen des Schickſals des Dampfers beſorgt, weil es, ob=
wohl
mit funkentelegraphiſchem Apparat ausgerüſtet, bis=
her
keine Nachricht von ſich gegeben hat. An Bord befindet
ſich der Generalreſident von Tunis, Alapetite.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin, 17. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
um 1 Uhr 20 Minuten die Sitzung. Das Andenken
des in der Nacht vom Samstag zu Sonntag in Bamberg
verſtorbenen Abgeordneten Dr. Schädler wird vom
Präſidenten Dr. Kaempf in einem längeren Nachruf, in
dem er den Verſtorbenen als einen treuen, eifrigen Kol=
legen
geſchildert, ſowie durch Erheben von den Sitzen
geehrt. Darauf wird die
Generaldebatte über den Poſtetat
fortgeſetzt. Abg. Zubeil (Soz.): Die Sozialdemo=
kratie
wird den Etat ſo lange ablehnen, ſo lange die
Mehrheit dieſes Hauſes Unſummen für unkulturelle
Zwecke bewilligt. Für die Beamtenwünſche hat der
Staatsſekretär immer ein glattes Nein. Eine feſte Grund=
lage
der Beſchäftigungsart für die höheren Unterbeamten
wäre notwendig, damit bei anderen Beamten, die jetzt
dieſelbe Arbeit zu leiſten haben, keine Unzufriedenheit
entſteht. Den Telegraphen= und Telephonarbeitern, die
fern von ihrer Wohnung ihre Arbeitsſtätte haben und
infolgedeſſen Sonntags nicht nach Hauſe kommen können,
ſollten die geſetzlichen Sonn= und Feiertage bezahlt wer=
den
. Die Telegraphenarbeiter ſollten mit in die Be=
triebskaſſen
aufgenommen oder ſonſt für ſie in Krank=
heitsfällen
von der Verwaltung geſorgt werden. Die
Poſtbauſekretäre wünſchen Gleichſtellung mit den mittleren
Beamten. Die Poſt= und Telephongehilfinnen ſind die
einzige Begmtenklaſſe, die nicht nach einer gewiſſen
Dienſtzeit lebenslänglich angeſtellt werden. Man ſollte
doch nach Ablauf einer angemeſſenen Friſt ihre kündbare
Stellung in eine unkündbare umwandeln, vielleicht mit
der Klauſel, daß im Falle der Verheiratung die Unkünd=
barkeit
in Fortfall kommt. Eine Aufbeſſerung der Mar=
kenverkäuferinnen
iſt dringend nötig. Es trifft nicht zu
daß die Mehrzahl dieſer Damen Witwen ſind und außer
2,70 Mark eine Penſion beziehen. Dem Reichstage ſollte
wieder einmal eine Nachweiſung vorgelegt werden, aus
der man erſehen kann, wie die Unterſtützungen für höhere
und mittlere Beamte verteilt werden. Die Klagen auch
der bürgerlichen Abgeordneten bleiben bei dem Staats=
ſekretär
und ſeinen Stellvertretern unerhört. Die Herren
haben Watte in den Ohren. (Heiterkeit.) Bei den Gra=
tifikationen
werdin die Oberbeamten reichlich bedacht,
während die Arbeitsbienen, die Aſſiſtenten und Unter=
beamten
, dagegen meiſt leer ausgehen. Die Verwaltung
der Krankenkaſſen der Poſtbeamten, die jetzt in den Hän=
den
der Oberpoſtdirektioen liegt, ſollte man den Beamten
ſelber überlaſſen und auch die Unterbeamten hinzuziehen.
Auch bei dieſen Kaſſen ſollte das Prinzip in Anwendung
kommen, daß das Augenmerk auf den Schutz der wirt=
ſchaftlich
Schwachen gerichtet wird. Die ſchikanöſen
Dienſt= und Prüfungsvorſchriften müſſen beſeitigt wer=
den
. Der Unterſtützungsfonds für die Poſtbeamten in
Berlin iſt den Unterbeamten völlig verſchloſſen, dieſer
wird deshalb nicht vollſtändig verwertet. Den Beamten
wurde bei Beſchwerden geantwortet: Gehen Sie zu Zu=
beil
. Ein hoher Beamter fügte noch hinzu: Zubeil
kann uns den Buckel herunterrutſchen. (Heiterkeit.) Ob=
wohl
mein Material noch lange nicht erſchöpft iſt, ſo wer=
den
meine Darlegungen doch hoffentlich dazu beitragen,
daß der Staatsſekretär veranlaßt wird, den unteren und
mittleren Beamten in wirtſchaftlicher Beziehung mehr
Gerechtigkeit zuteil werden zu laſſen. (Beifall bei den So=
zialdemokraten
.) Abg. Kiel (Fortſchr. Vpt.): Die For=
derungen
der Beamten ſind ein Rückſchlag des ganzen
Wirtſchaftsſyſtems. Die Finanzreform hatte die Reichs=
einnahmen
zunächſt vermehrt. Aber die Wirtſchafts=
haltung
wurde dadurch verteuert, und infolgedeſſen kom=
men
die Beamten und Arbeiter mit der Bitte um Auf=
beſſerung
ihrer Gehälter. Wir müſſen die weitere Be=
ſteuerung
des Konſums einſtellen und eine Beſitzſteuer
ſchaffen. Die Anſtellungsverhältniſſe der Bauſekretäre
ſind ungenügend und bedürfen der Verbeſſerung. Nach
meiner Erfahrung und Mitteilung, die mir gemacht
wurde, werden Beamte, wenn ſie auch noch ſo unzufrie=
den
ſind, niemals zu Sozialdemokraten. (Ledebour ruft:
Aus Angſt!) Nein, nicht aus Angſt, ſondern aus Klug=
heit
. Ich hoffe, daß die Reichsregierung den Wünſchen
des Reichstages ſich nicht verſchließen wird. Bei dem
guten Reſultat der Poſtverwaltung hätte das billige
Weltpoſtporto ſchon längſt eingeführt ſein müſſen. Die
meiſten Staaten ſind dazu bereit. Durch eine direkte
Telephonverbindung mit England dürfte die Annäherung
zwiſchen den beiden Völkern wirkſam unterſtützt werden.
Erwünſcht wäre die Wiedereinführung der Zweipfennig=
poſtkarten
. Auch der Herausgabe einer Regierungs= Ju=
biläums
=Marke müßte unbedingt nähergetreten werden;
gerade im gegenwärtigen Augenblick kann ein derartiger
Hinweis auf das 25jährige Regierungsjubiläum Kaiſer
Wilhelms nur wünſchenswert ſein.
Vizepräſident Dr. Paaſche bittet, nicht die ganze
Weltaeſchichte in die Debatte hineinzuziehen.
Abg. Dr. Kuckhoff (Ztr.): Durch dreiſtündige Zu=
beih
=Reden und Simpliciſſimus=Witze kann den Poſt=
beamten
nicht geholfen werden. Die Poſtbeamten weiſen
die Ausführungen ſozialdemokratiſcher Redner, die ſie als
Sklaven hinſtellen, energiſch zurück. Wir ſtehen für alle
Fälle auf dem Standpunkt, daß die heutigen Gehälter
nicht ausreichen. Die Oſtmarkenzulage hätte nicht erſt
eingeführt werden ſollen, dann wäre den Beamten der
SSchmerz ihrer Beſeitigung erſpart geblieben. Die Be=
amten
ſollten ſtolz ſein, daß ſie von dem niederdrückenden
Gefühl befreit werden ſollen, das ſie zu Angehörigen
einer beſtimmten Parteirichtung macht. Staatsſekretär
Krätke: Daß von den Beamten die Oſtmarkenzulage
als Laſt empfunden wurde, davon iſt mir nichts bekannt
rund wird auch mit Ernſt ſicher nicht behauptet. Es wurde
aauch nicht ein einziger Fall vorgetragen, in dem ein Be=
amter
einer beſtimmten Parteirichtung zugeführt wurde
Differenzierungen zwiſchen Militär= und Zivilanwärtern
ſſind bei der Schaffung der Beſoldungsordnung nicht be=
abſichtigt
. Abg. Liz. Mumm (Wirtſch. Vgg.): Das
lebhafte Eintreten der Sozialdemokraten für die Beamten
muß den ganz ſonderbar berühren, der weiß, daß ein
ſſozialdemokratiſcher Abgeordneter in der Budgetkommiſ=
ſion
von den dickwanſtigen Beamten ſprach. Die Kinder=
zulagen
haben einen hohen ethiſchen Wert. Zu empfehlen
iſt eine Erhöhung der Bezüge der Altpenſionäre. Bei der

Feſtſetzung der Unterſtützung und dem Feſtſetzungsver=
fahren
ſollte mehr nach allgemeinen Grundſätzen gehan=
delt
werden. Sehr wünſchenswert wäre eine Erhöhung
der Tagegelder für die Telegraphenarbeiter und Ge=
währung
eines Zehrgeldes für die Sonntage, an denen
ſie nicht ihren Wohnort erreichen können.
Damit ſchließt die Generaldebatte. Vizepräſident
Dr. Paaſche: Bei der Rede des Abg. Dr. Kuckhoff iſt
von einem Mitoliede der Zuruf gemacht worden: Iſt ja
nicht wahr und Schwindelmeier. Ich möchte den Ab=
geordneten
zur Ordnung ruſen. Es meldet ſich niemand.
(Unruhe im Hauſe, dann ſteht der Abg. Haberland auf.)
Das Gehalt des Staatsſekretärs wird bewilligt. Die
Reſolution auf Gleichſtellung der Poſtbeamten in den
Reichslanden mit den Beamten in der Eiſenbahnverwal=
tung
wird angenommen.
Nächſte Sitzung: Dienstag 1 Uhr. Weiterbera=
tung
, kurze Anfragen, Wahlprüfungen. Schluß 6 Uhr
15 Minuten.

Bund der Landwirte

* Berlin, 17. Febr. Die Generalverſamm=
lung
des Bundes der Landwirte wurde heute
mittag im Zirkus Buſch durch den Vorſitzenden Freiherrn
v. Wangenheim eröffnet. Anweſend waren etwa 7000
Perſonen. In ſeiner Eröffnungsanſprache beklagte der
Vorſitzende, daß im Vorjahre aus Anlaß der angeblichen
Fleiſchnot eine Breſche in den landwirtſchaftlichen Zoll=
ſchutz
gelegt worden ſei. Von einer Fleiſchnot könne keine
Rede ſein. Redner ſchloß mit einem begeiſtert aufge=
nommenen
Hoch auf den Kaiſer, die deutſchen Bundes=
fürſten
und die freien Städte. Die Verſammlung ſang:
Heil Dir im Siegerkranz. Es wurde beſchloſſen, an
den Kaiſer ein Huldigungstelegramm abzuſenden.
Berlin, 17. Febr. Die Generalverſamm=
lung
des Bundes der Landwirte ſandte fol=
gendes
Huldigungstelegramm an den Kai
ſer: Die Generalverſammlung des Bundes der Land=
wirte
bringt in unwandelbarer Treue Eurer Majeſtät zu
Allerhöchſtderſelben 25jährigem Regierungsjubiläum ihre
Huldigung dar. Die Landwirtſchaft, von Dank erfüllt für
die gnädige Förderung, die ſie durch Eure Majeſtät er=
fährt
, iſt ſtolz auf die Mitarbeit Eurer Majeſtät in ihrem
Berufe und wird in ernſter Arbeit beſtrebt ſein, die ihr
geſtellte, von Eurer Majeſtät ſelbſt als zutreffend und not=
wendia
anerkannte große Aufgabe zu erfüllen: die
alleinige Sicherſtellung der Ernährung des deutſchen Vol=
kes
aus der deutſchen Scholle, die Stärkung der Nährkraft
und Wehrkraft unſeres Volkes und, der Ermahnung Eurer
Majeſtät entſprechend, ihrer Weſensart gemäß, die Er=
haltung
von Gottesfurcht und Königstreue. Die deut=
ſchen
Landwirte werden, wie bisher, niemals verſagen,
wenn es gilt, einzutreten für Kaiſer und Reich, und ſo
auch in Zukunft beweiſen, daß in ihnen noch der alte Geiſt
der Treue und Opferwilligkeit lebt, welcher vor hundert
Jahren ihre Vorfahren beſeelte.
An die Prinzeſſin
Viktoria Luiſe wurde folgendes Telegramm geſandt:
Unſerer Prinzeſſin und ihrem hohen Verlobten bringen
7000 deutſche Bauern ihre Glück= und Segenswünſche
dar.

Zur Heeresvorlage.

* München, 17. Febr. Die Bayeriſche Staats=
zeitung
bemerkt zu der Aeußerung der Norddeutſchen All=
gemeinen
Zeitung zur Heeresvorlage an leitender
Stelle des Blattes: Die ernſten nachdrücklichen Worte,
mit denen die Norddeutſche Allgemeine Zeitung zur
Wehrfrage Stellung nimmt, ſind dazu angetan, vollem
Verſtändnis in allen jenen Kreiſen zu begegnen, in denen
man die Notwendigkeit der Opfer begreift, die vom Deut=
ſchen
Reiche zu bringen ſind. Es hieße an dem geſunden
Sinn des deutſchen Volkes irre werden, wollte man an=
nehmen
, daß dies Verſtändnis durch Erwägungen partei=
politiſcher
Natur ernſtlich eingeengt werden könnte. Ueber
allem, was noch dazu die teilweiſe recht kurzfriſtigen
Intereſſen der Parteien verlangen mögen, ſteht gebiete=
riſch
die patriotiſche Pflicht. Was dieſe Pflicht erheiſcht,
iſt vom Kaiſer und vom Kanzler mit hinreichender Deut=
lichkeit
geſagt worden. Es wäre tief zu beklagen, wenn
die ſpätere Zeit feſtſtellen müßte, daß die Stimme war=
nender
Sorge, die Kaiſer und Kanzler erhoben, beim deut=
ſchen
Volke ungehört verhallte, weil ihm der Austrag
ſeiner Parteiintereſſen wichtiger dünkte, als die Erfüllung
einer nationalen Notwendigkeit.

Der Balkankrieg.

Zur Lage.
* London, 17. Febr. Die Times ſchreibt: Die an=
dauernde
Entſchloſſenheit der Mächte, die Sache des
Friedens zu fördern, iſt einer der wenigen hoffnungs=
reichen
Züge der allgemeinen Lage. Dieſe Entſchloſſenheit
iſt ſehr deutlich und von der größten Bedeutung. Es wird
allerdings zugegeben, daß die Botſchafter noch kein voll=
ſtändiges
Einverſtändnis über die Zukunft Albaniens er=
reicht
haben. Für uns und, wie wir glauben, für alle ver=
antwortlichen
Staatsmänner und ſelbſtändigen Beobach=
ter
, iſt es einfach undenkbar, daß irgend ein Staat ſich
wegen einer ſo trivialen Frage in einen Krieg ſtürzen
müßte. Wir haben kürzlich mit Freuden den Artikel im
Wiener Fremdenblatt geleſen, der verſichert, daß das, was
noch an Differenzen zwiſchen Oeſterreich=Ungarn und
Rußland übrig bleibe, keinen wirklichen Intereſſenkonflikt
mehr darſtelle. Wir bedauern, daß ein gewiſſer Teil der
öffentlichen Meinung in Rußland, anſtatt dieſe Erklärung
zu begrüßen, die Gelegenheit ergriffen hat, eine noch
aggreſſivere Haltung einzunehmen als zuvor. Heute be=
grüßen
wir mit nicht geringerer Genugtuung als die Er=
klärung
des Fremdenblattes die kluge und offene Erklär=
ung
der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung. Dieſes
Organ weigert ſich entſchieden, die gefliſſentlich verbrei=
tete
Auffaſſung anzunehmen, daß die Miſſion des Prin=
zen
Hohenlohe in Petersburg von Mißerfolg begleitet
geweſen ſei und glaubt im Gegenteil, daß die politiſche
Fühlung zwiſchen den beiden Kaiſern und den beiden be=
nachbarten
Staaten zur Erledigung der Details des Bal=
kanproblems
beitragen werde. Die Norddeutſche Allgem.
Zeitung behauptet nicht, daß die Lage befriedigend ſei;
ſie enthält ſich jeden törichten Optimismus, aber zugleich
ermutigt ſie die ſchüchterne Hoffnung auf den geſunden
Sinn und den guten Glauben Europas.
* Paris, 16. Febr. Hakki Paſcha, der heute
nachmittag von hier nach London abgereiſt iſt, erklärte
einem Redakteur des Temps u. a., er habe keinerlei
amtliche Miſſion. Er ſei von ſeiner Regierung
lediglich zu den türkiſchen Delegierten nach London ent=
ſandt
worden, um ihnen mit ſeiner Erfahrung und Kennt=
nis
der in den Friedensverhandlungen erörterten Fragen
beizuſtehen. Die Verhandlungen ſeien zwar abgebrochen
aber die Sache der Türkei ſei durch die Antwortnote der

franzöſiſchen Regierung den Händen der Großmächte
übergeben worden. Dieſe haben die Note noch nicht be=
antwortet
und die Botſchafter fahren fort, die Lage und
die etwaige Löſung zu prüfen.
Vom Kriegsſchauplatze.
* Sofia, 17. Febr. Die Bulgaren behaupten
ihre Stellungen bei Tſchataldſcha und,Bulair. Die
Konſtantinopeler Meldung von geſtern, nach der ein be=
deutender
Kampf bei Bulair ſtattgefunden haben ſoll, iſt
unrichtig. In Wahrheit wurde nur eine Sanitätsabtei=
lung
, die zur Bergung türkiſcher Gefallener, die noch ſeit
der Schlacht vom 8. Februar vor der bulgariſchen Front
lagen, ausgerückt war, aus der türkiſchen Feſtung beſchof=
ſen
. Die Abteilung zog ſich zurück, worauf das Feuer ein=
geſtellt
wurde.
* Sofia, 16. Febr. Hinſichtlich der Fremden in
Adrianopel iſt beſchloſſen worden, daß den Konſuln
und Ausländern, welche die Stadt verlaſſen wollen, dieſe
Möglichkeit geboten wird, ſobald die Liſte mit den Namen
derjenigen Perſonen überreicht wird, die das Recht dazu
haben ſollen, als Ausländer die Stadt zu verlaſſen.
Rumänien und Bulgarien.
* Sofia, 16. Febr. Wie von zuſtändiger Seite ver=
lautet
, hat Dr. Danew dem rumäniſchen Delegierten
Ghika den bulgariſchen Gegenvorſchlag
überreicht, welcher zwar den rumäniſchen Forderungen
nicht vollſtändig entſpricht, aber doch einigermaßen ent=
gegenkommt
und überdies den Wunſch enthält, die Ver=
handlungen
zu beſchleunigen, die ſomit fortgeſetzt werden
könnten. Die Gegenäußerungen Rumäniens wird jetzt
erwartet. Sollte dieſe wider Erwarten Bulgariens un=
günſtig
lauten, ſo gedenkt die bulgariſche Regierung die
Vermittelung aller Großmächte zur gütlichen Beilegung
der Streitpunkte anzurufen.
Sofia, 17. Febr. Die Geſandten der
Großmächte ſuchen eifrig zwiſchen Bulgarien und
Rumänien zu vermitteln. Alle Ratſchläge ſollen wegen
der beiderſeitigen Unnachgiebigkeit fruchtlos geweſen ſein.
Man müſſe ſich, wie von Diplomaten verſichert wird, dar=
auf
gefaßt machen, daß die Verhandlungen ſpäteſtens am
Mittwoch abgebrochen werden und daß Rumänien nach
Abreiſe der rumäniſchen Geſandtſchaft, das heißt nach
Abbruch der diplomatiſchen Beziehungen, das geforderte
Territorium beſetzt.
Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 17. Febr. Das Amtsblatt
veröffentlicht ein proviſoriſches Geſetz, wodurch die Re=
gierung
ermächtigt wird, am 14. Februar die in den Kaſ=
ſen
des Finanzminiſteriums hier und in den Pro=
vinzen
befindlichen Gelddepots in Form einer Anleihe
zu entnehmen, jedoch werden die Depotinhaber ihre De=
pots
auf Anſuchen ſofort zurückerhalten können.

Die Revolution in Mexiko.

* Waſhington 17. Febr. Madero telegra=
phierte
an Präſident Taft es beſtehe keine Gefahr für
die Angehörigen der Vereinigten Staaten, wenn ſie ſich
auf der Gafhrenzone entfernten. Die Regierung über=
nehme
die Verantwortlichkeit für alle materiellen Schäden,
die den Ausländern erwüchſen. Er bäte Taft, keine Trup=
penlandung
in Mexiko zuzulaſſen, weil ſolche ſchreckliche
Folgen hätte und die Lage noch ernſter geſtalten würde.
Das Kabinett der Vereinigten Staaten trat am Montag
früh zuſammen und telegraphierte als Antwort auf Ma=
deros
Bitte eine Erklärung, welche Politik die Ver=
einigten
Staaten zu verfolgen gedächten. Ihre Politik
bleibe dieſelbe wie in den beiden letzten Jahren. Nach
einem Telegramm des Botſchafters Wilſon in Mexiko
hatte Wilſon am Samstag früh eine Konferenz mit ſeinen
engliſchen, deutſchen und ſpaniſchen Kollegen, um die Lage
zu beſprechen. Das Automobil, das den engliſchen Ge=
andten
abholen ſollte, wurde beſchoſſen und getroffen,
obwohl ein Oberſt und ſechs Soldaten der Bundestruppen
im Automobil ſaſſen.
* Waſhington, 16. Febr. Nach einer bis nack
Mitternacht dauernden Sitzung des Miniſterrats iſt
folgende offizielle Erklärung abgegeben worden: Die bis=
her
erhaltenen Nachrichten bilden keine Grundlage zu
einer Abänderung der Politik der Vereinig=
ten
Staaten, wie ſie ſchon viele Male während der
etzten beiden Jahre angekündigt worden iſt.

Vermiſchtes.

Berufswahl und Handelsgewerbe.
Alljährlich zu Oſtern treten tauſende von jungen Menſchen
beiderlei Geſchlechts nach der Entlaſſung aus der Schule
in das berufliche Leben ein, und gerade jetzt wieder be=
ſchäftigt
die Frage der Berufswahl viele Eltern und Vor=
münder
. Da iſt es wohl angebracht, vor der Entſchei=
dung
einige ſachverſtändige Winke und Ratſchläge anzu=
nehmen
; hängt doch von der Berufswahl oft das ganze
Lebensglück der Kinder und Schutzbefohlenen ab. Der
Kampf um die wirtſchaftliche Sicherſtellung hat heute lei=
der
in faſt allen Berufen eine große Verſchärfung er=
fahren
, ſo daß ſchon aus dieſem Grunde eine überaus vor=
ſichtige
Prüfung der geiſtigen und körperlichen Fähigkeiten
der der Schule entwachſenden jungen Menſchen erfolgen
müßte. Das iſt bisher leider häufig verſäumt worden,
ſo daß das Bedürfnis nach ſachverſtändiger Berufsbera=
tung
im Intereſſe des Einzelnen wie der geſamten deut=
ſchen
Volkswirtſchaft endlich dazu zu führen ſcheint, ein
Zuſammenarbeiten von Eltern, Erziehern, Aerzten. Be=
rufsvereinen
. Jugendpflege=Organiſationen und Regie=
rungsbehörden
in dieſer wichtigen Frage zu veranlaſſen.
Einſtweilen kann allerdings von einem einheitlichen Zu=
ſammenwirken
dieſer Faktoren noch wenig die Rede ſein,
weshalb jeder Einzelne nach beſter Möglichkeit für die
nötige Aufklärung Sorge tragen muß. Der Verein für
Handlungs=Commis von 1858, Hamburg, wendet ſich da=
her
an alle Eltern und Vormünder mit der dringenden
Bitte, ſich wegen Berufsberatung an ſeine Landesge=
ſchäftsſtelle
, Frankfurt a. M., Pariſer Hof, zu wenden,
wenn ſie die Abſicht haben, einen Sohn, eine Tochter
oder ein Mündel dem Handelsgewerbe zuzuführen. Lang=
jährige
reiche Erfahrungen haben erwieſen, daß die jun=
gen
Mädchen im allgemeinen und insbeſondere ſofort nach
der Entlaſſung aus der Schule den Anforderungen des
Handelsgewerbes durchaus nicht gewachſen ſind, daß es
vielmehr in ihrem eigenſten Intereſſe richtiger wäre, wenn
ſie ſich einem der vielen hauswirtſchaftlichen Berufe wid=
men
würden, in denen es heute genügend angeſehene
Stellungen mit auskömmlichen Gehältern und Löhnen
ibt. Der junge Mann aber, der ſich dem kaufmänniſchen.
Berufe zuwenden will, muß unter allen Umſtänden außer
einer feſten körperlichen Geſundbeit eine gute Vorbildung
beſitzen und darüber hinaus mit ſolcher Luſt und Liebe
an den erwählten Beruf herangehen, daß ihm dieſe Eigens

[ ][  ][ ]

ſchaften über alle Enttäuſchungen, die nicht ausbleiben
werden, hinweghelfen können. Gar mancher junge Mann
hätte wohl lieber ein Handwerk erlernt, wenn er früh ge=
nug
über die wirtſchaftliche Lage der Handlungsgehilfen
aufgeklärt worden wäre. Drum prüfe, wer ſich ewig
bindet! ſollte alſo bei der Berufswahl der erſte Grund=
ſatz
ſein.
C. K. Eine Ausſtellung der holländi=
ſſchen
Frau von 1813 und 1913. Eine eigen=
artige
Ausſtellung wird in dieſem April in Amſterdam
unter dem Titel Die Frau 18131913 eröffnet werden.
Die Holländerin ſoll hier in einem lebendigen Kontraſt=
bild
jene großen Veränderungen durchleben, die während
eines Jahrhunderts in der geſamten Lebenskultur ſich
vollzogen haben. Ein Bürgerhaus aus dem Anfang
des 19. Jahrhunderts wird mit allen Einzelheiten genau
im Stile des Jahres 1813 eingerichtet werden; die Küche
enthält nur Geräte, wie ſie damals üblich waren, und es
ſollen in ihr Gerichte nach alten Rezepten bereitet werden,
damit die moderne Frau ſich mit eigener Zunge davon
überzeugen kann, wie die Urgroßmütter kochten. Ein Em=
piregarten
mit einem niedlichen Freundſchaftstempelchen
bildet den Rahmen dieſer retroſpektiven Ausſtellung; Da=
men
in der Mode von 1813 werden das bunte Bild be=
leben
. Als Gegenbild aber wird ein modernes Haus mit
allem Komfort von 1913 eingerichtet; die Küche zeigt all
die Vervollkommnungen des Gerätes, der Koch= und Ein=
legeapparate
, die wir heute beſitzen. Hier wird uns ge
zeigt, wie ſich die Holländerin im Laufe eines Jahrhun=
derts
verändert hat, nicht nur in der Tracht und in der
äußeren Lebenshaltung, ſondern auch in ihrem Bildungs=
ſtreben
, in ihrem Anteil an Literatur, Kunſt und Wiſſen=
ſchaft
.
Feuerverſicherung. Die im Jahre 1821
eröffnete Gothaer Feuerverſicherungsbank
auf Gegenſeitigkeit, deren Geſchäftsbereich ſich
auf das Deutſche Reich, die Deutſchen Schutzgebiete und
die Schweiz erſtreckt, hat mit dem Jahre 1912 das 92. Jahr
ihrer gemeinützigen Tätigkeit vollendet. Am Schluß des
Geſchäftsjahres 1912 belief ſich die Verſicherungsſumme
auf 7261040 700 Mk. (gegen das Vorjahr mehr 185739 200
Mk.). Die Prämieneinnahme betrug im Jahre 1912:
24 249065,70 Mk. (gegen das Vorjahr mehr 460 213,70 Mk.).
Von der Prämieneinnahme wird in jedem Jahre der
jenige Betrag, der nicht zur Bezahlung der Schäden und
Verwaltungskoſten, ſowie für die Prämienreſerve er=
forderlich
iſt, den Verſicherten zurückgewährt. Nach dem
jetzt veröffentlichten Rechnungsabſchluſſe für das Jahr
1912 beträgt dieſer an die Verſicherten zurückfließende
Ueberſchuß 18423 492,20 Mk. oder 74 Prozent der einge=
zahlten
Prämie. Im Durchſchnitt der letzten zehn Jahre
ſind alljährlich 73,50 Prozent der eingezahlten Prämien
als Ueberſchuß an die Verſicherten zuruckerſtattet worden.


Literariſches.

Das Hochzeitsleben der Skorpione ſchil=
dert
der Hallenſer Zoologe F. Marſhall an Hand un=
vergleichlich
ſchöner, zumeiſt von dem bekannten franzöſi=
ſchen
Inſektenforſcher P. H. Fabre ſtammender, photo=
graphiſcher
Natururkunden in den ſoeben erſchienenen
Lieferungen 1214 des reich illuſtrierten Prachtwerks
Die Wunder der Natur (65 Lieferungen zu je
60 Pfg., Deutſches Verlagshaus Bong u. Ko., Berlin
W. 57). In denſelben Lieferungen berichtet u. a. A. Heil=
born
über das Alter der Rieſenſchnecke und bildet dabei
ein mindeſtens 150jähriges Exemplar ab. Ueber ſelbſt=
leuchtende
Fiſche plaudert C. W. Neumann. Raoul H.
Francé ſchildert den merkwürdigen, auf Jamaika heimiſchen
Spitzenborkenbaum deſſen Zweige natürliche Spitzen=
krauſen
liefern. Ein reich illuſtrierter Artikel Theſings
gibt eine treffliche Vorſtellung von der ſogenannten
Mimikcy der Inſekten. Die Gletſcher im Hochgebirge‟
ſchildert Prof. Dr. A. Marcuſe uſf. Auch dieſes Heft zeigt
zur Genüge, daß in Die Wunder der Natur ein Werl
im Erſcheinen begriffen iſt, das allen Freunden der Natur=
wiſſenſchaften
Stunden unendlichen Genuſſes ſchaffer
wird. Wir können deshalb Die Wunder der Natur
beſtens empfehlen.
Apollinaris=Sport=Kalender 1913
Die Aktiengeſellſchaft Apollinaris=Brunnen, vormals
Georg Kreuzberg, Neuenahr (Rheinland), verſendet ſo=
eben
an die Sportwelt und ihren weiteren Bekannten
kreis die diesjährige, vervollſtändigte Ausgabe ihres im
Jahre 1912 erſtmals erſchienenen und allgemein mit gro=
ßem
Beifall aufgenommenen Apollinaris=Sportkalender.
Der Apollinaris=Sportkalender gibt, wie im Vorjahre,
in geſchickter und überſichtlicher Anordnung eine Zuſam=
menſtellung
der ſportlichen und beſonderen und feſtlichen
Veranſtaltungen für das Jahr 1913, welche durch Auf=
nahme
wichtiger ausländiſcher Sport=Termine noch er=
weitert
iſt. Der Apollinaris=Sportkalender wird zweifel=
los
von jedem Sportsmann mit Freuden begrüßt, iſt auch
für weitere Kreiſe von großem Intereſſe und hat ſich nach
fachmänniſchem Urteil als ein äußerſt praktiſches und zu=
verläſſiges
Terminverzeichnis erwieſen.
Neumann, Kritiſche Berliner Bör=
ſentabelle
, 3. Jahrgang 1913, gebunden 3 Mk. Fi=
nanzverlag
Alfred Neumann, G. m. b. H., Berlin W 57.
Der neue Jahrgang dieſer, durch die letzten außergewöhn=
lich
großen Kursſchwankungen, beſonders intereſſanten
Tabelle iſt erſchienen. Angenehm fällt die Ueberſichtlich=
keit
der Anordnung und die Handlichkeit des Formats
auf. Bei dem billigen Preiſe von 3 Mk. dürfte ſich der
Freundeskreis des Buches ſchnell erweitern. Zu beziehen
iſt die Tabelle direkt vom Verlage oder durch alle Buch=
handlungen
.

Herzog Johann Albrecht in der Deutihen
Kolonialgeſellſchaft Abteilung Darmſtadt.

Die Deutſche Kolonialgeſellſchaft veranſtaltete aus
Anlaß der Anweſenheit des Herzogs Johann Al=
brecht
zu Mecklenburg geſtern abend im oberen
Saale der Vereinigten Geſellſchaft einen Bierabend,
dem u. a. auch Staatsminiſter Dr. v. Ewald Exz. bei=
wohnte
. Nach halb 10 Uhr erſchien auch Se. Hoheit der
Herzog Johann Albrecht mit den Herren ſeines Gefolges.
Der Vorſitzende der Abteilung Darmſtadt, Geh. Juſtizrat
Grünewald, hielt eine kurze Begrüßungsanſprache,
in der er der Freude darüber Ausdruck gab, Se. Hoheit
im Kreiſe der Angehörigen der Abteilung Darmſtadt be=
grüßen
zu können. Die Rede ſchloß mit dem Wunſche,
daß der Herzog noch recht lange die Zügel der Deutſchen
Kolonialgeſellſchaft in Händen behalten möge.
Herzog Johann Albrecht erwiderte darauf
mit Worten des Dankes für den ihm bereiteten freund=
lichen
Empfang. Er habe der Einladung mit beſonderer
Freude Folge geleiſtet, weil ſie ihn mit der friſch arbeiten=
den
, kraftvoll aufblühenden Abteilung Darmſtadt bekannt
mache, deren Vorſitzenden er ſchon von den Sitzungen des
Hauptvereins her kenne. Der Herzog wies weiter dar=
auf
hin, daß er bei Gelegenheit ſeiner erſten Rede als
Präſident der Deutſchen Kolonialgeſellſchaft ſich zu dem

Wunſche veranlaßt ſah, daß anſtatt der vielen Tinte, die
unnütz verſchrieben würde, mehr friſches Blut pulſieren
möge. Das ſei heute anders geworden, zum Beſten der
Geſellſchaft. Beſonders im Rheinlande, überhaupt im
Weſten, werde rege praktiſche Arbeit geleiſtet, die er dank=
bar
anerkenne. Mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das
auch in Zukunft ſo bleiben möge, und dem Wunſche für
das fernere Blühen und Gedeihen der Abteilung Darmſtadt
ſchloß der Herzog ſeine Rede mit einem dreifachen Hoch
auf die Abteilung Darmſtadt.
Um 10 Uhr 10 Min. verließ der Herzog den Kommers
und fuhr direkt zur Bahn, um mit dem fahrplanmäßigen
Schnellzug 10 Uhr 25 Min. nach Braunſchweig zurückzu=
reiſen
. Das Großherzogspaar und die Herzo=
gin
hatten ſich vom Palais direkt zur Bahn begeben zur
Verabſchiedung des fürſtlichen Beſuches.
(Wir möchten nicht unterlaſſen zu bemerken, daß die
Vertreter der Preſſe in der Anweiſung der Plätze nicht die
gebührende Berückſichtigung fanden. Das muß um ſo
mehr gerügt werden, als die D. K.=G. bei anderen Ge=
legenheiten
ſehr wohl das Wohlwollen der Preſſe in An=
ſpruch
zu nehmen weiß. Die anweſenden Vertreter der
vier Darmſtädter Blätter haben ſich wegen der unange=
meſſenen
Aufnahme der Vertreter der Preſſe beſchwerde=
führend
an deren berufene Vertretung, den Landesverein
Heſſiſcher Zeitungsredakteure, gewandt. Von eingehen=
der
Berichterſtattung über den Abend mußte aus dieſem
Grunde abgeſehen werden. D. Ref.)
Darmſtadt, 18. Februar.
g. Kaufmannsdeutſch. Auf Veranlaſſung des Darm=
ſtädter
Sprachvereins ſprach geſtern abend im
Fürſtenſaal Herr Karl Lettenbaur über Kauf=
mannsdeutſch
. Der Vorſitzende des Sprachvereins
Profeſſor Dr. A. E. Berger, begrüßte die zahlreich
Erſchienenen und führte aus, daß der Sprachverein ſchon
vor ſünf Jahren beabſichtigte, einen Vortrag über die
Kaufmannsſprache zu veranſtalten. Doch ſei dies durch
mancherlei Umſtände erſt jetzt möglich geworden, und er
glaube, gerade der Umſtand, daß ein Angehöriger des
einheimiſchen Kaufmannsſtandes dieſen Vortrag halte
habe viel für den guten Beſuch beigetragen. Es ergriff
ſodann Herr Karl Lettenbaur das Wort zu ſeinem
Vortrage. Nach Umgrenzung des Begriffs Kaufmann
unterſuchte Redner einleitend die Entſtehung des ſogen.
Kaufmannsdeutſchs. Bis zum Anfang, ja bis zur Mitte
des 14. Jahrhunderts wurden die kaufmänniſchen Briefe
in lateiniſcher Sprache abgefaßt. Allmählich ging man
dann dazu über, die damals ziemlich darniederliegende
deutſche Sprache einzuführen. Durch den unheilvollen
dreißigjährigen Krieg wurden dann nicht nur viele mate=
rielle
Güter, ſondern auch ideelle vernichtet und damit
auch die deutſche Sprache. Durch die in deutſchen Landen
umherziehenden fremden Kriegsſcharen wurde außer=
ordentlich
viel fremdes Sprachgut in die deutſche Sprache
eingeführt. und die ſpäter einſetzende Franzöſelei, der
ſich auch der mitten im Leben ſtehende Kaufmann nicht
entziehen konnte, tat ein übriges, um einen ſchwülſtigen,
mit fremden Sprachbrocken durchſetzten Briefſtil entſtehen
zu laſſen. Der Kaufmann könne ſich heute den Be=
ſtrebungen
auf größere Reinheit der deutſchen Sprache
auch nicht entziehen. Redner erörterte dann kurz die
Bedingungen, die man an ein gutes und reines Deutſch
ſtellen muß. Das Deutſch des Kaufmanns ſoll einfach,
klar und möglichſt kurz gefaßt ſein. Als weitere Be=
dingung
ſei zu ſtellen, daß die Briefe grammatikaliſch
richtig ſind. Beſondere Schwierigkeit macht das Zeit=
wort
; die erſte und zweite Vergangenheitsform werde
ſogar oft von Gebildeten verwechſelt. Redner möchte der
einfachen Form aus Schönheitsgründen den Vorzug
geben. Weiter geißelt Redner die geſuchten oder un=
gewollten
Schachtel=, Stopf= und Treppenſätze. Der
ſchwulſtige Satz ſei erfreulicherweiſe bei dem Kaufmanns=
ſtande
nicht mehr viel im Gebrauch, denn er habe zuerſt
begriffen, daß Geld Zeit iſt. Weiter erörterte der Vor=
tragende
die Umſtellung nach und, die Verwechſelung
von als und wie und den Gebrauch von welcher.
Die heikelſte Frage ſei der Gebrauch des Fremdwortes.
Nur uns Deutſchen ſei es beſchieden, ein Fremdwörter=
buch
zu beſitzen. Die Fremdwörter ganz zu beſeitigen
ſei nicht angängig. Es ſei Aufgabe, unſere Sprache von
den Fremdwörtern zu reinigen und ſie gleichzeitig zu be=
reichern
. Redner gab dann Beiſpiele für Fremdwörter
die nicht gut zu überſetzen ſeien. Zum Schluß empfahl
er dann allen Kaufleuten, fremde Sprachen zu lernen,
denn erſtens ſei dies nicht nur materiell für ihn vorteil=
haft
, auch für die Bereicherung der deutſchen Sprache
und ihre Anwendung ſei die Kenntnis fremder Sprachen
von großem Nutzen. Lebhafter Beifall folgte den oft
durch humoriſtiſche Beiſpiele erläuterten Vortrag. Der
Vorſitzende dankte dem Vortragenden im Namen des
Vereins. Stadtv. Pickert regte u. a. eine Verdeut=
ſchung
des jetzt häufig gebrauchten Wortes Detailliſt
an, für das er das Wort Verſchleißer empfehlen möchte.
Die ſich anſchließende Haupt= Verſamm=
lung
der Mitglieder des Sprachvereins
wurde von Herrn Prof. Dr. Berger mit der Erſtattung
des Jahresberichtes eröffnet. Auf eine Eingabe
an das Reichspoſtamt, die der Deutſche Handelstag ſich
zu eigen machte, daß im Internationalen Telegraphen=
Verzeichnis bei Städten Ungarns die deutſchen Namen
durch magyariſche erſetzt wurden, iſt die Antwort er=
gangen
, daß dieſe Streichung der deutſchen Namen von
der magyariſchen Verwaltung veranlaßt wurde. Es
wurden Anweiſungen erlaſſen, daß Telegramme mit deut=
ſchen
Städtenamen angenommen werden und bei der Ab=
ſendung
von den Beamten durch die magyariſchen Namen
erſetzt werden. Ferner war der Verein in mehrfacher
Weiſe im Intereſſe der Reinigung der deutſchen Sprache
tätig. Der Sprachenausſchuß erledigte vier Anfragen
Den Mitgliedern wurden mehrere Vorträge geboten.
Verſtorben ſind vier Mitglieder, neu eingetreten drei Mit=
glieder
. Der Verein hat jetzt 121 Mitglieder. Ein Bei=
trag
an die Deutſche Dichtergedächtnisſtiftung wurde be
willigt. Ueber den Beſcheid der Reichspoſtverwaltung
entſpann ſich eine angeregte Debatte. Ferner wurde an=
geregt
, daß ſich auch der Sprachverein an dem Empfang
der demnächſt Darmſtadt beſuchenden Deutſch=Amerikaner
beteiligen ſolle. Der Kaſſenbericht, der in Ein=
nahme
427.68 Mk. und in Ausgabe 372.61 Mk. beträgt, ſo
daß ein Vermögen von 55,07 Mk. verbleibt, wurde gutge
heißen.
gs. Von der Rettungswache. Geſtern nachmittag kurz
vor 2 Uhr wurde eine 73 Jahre alte Frau in einem Ge
ſchäft in der Heidelbergerſtraße von einem Schlaganfall
betroffen. Dieſelbe wurde durch die Rettungswache im
Krankenwagen nach dem ſtädt. Krankenhauſe verbracht,
woſelbſt ſie gleich nach der Einlieferung verſtarb. Kurz
nach 7 Uhr abends verunglückte in der Landwehrſtraße ein
Fuhrmann dadurch, daß ihm infolge Scheuwerdens der
Pferde ſein Rollwagen über die Bruſt ging und er
ſchwere innere Verletzungen davontrug. Der Verun=
glückte
wurde mittels Räderbahre von der Rettungswache
in das ſtädt. Krankenhaus verbracht.

Letzte Nachrichten.

(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)
* Berlin, 17. Febr. Heute vormittag begann vor dem
Schwurgericht des Landgerichts Berlin III die Ver=
handlung
gegen den 43jährigen Eiſendreher Paul Stein
aus Borſigwalde=Berlin, der beſchuldigt iſt, im Juni 1912
in der Nähe des Grenzdorfes Arnaville auf franzöſi=
ſchem
Boden ſeine Nichte, die 25jährige Emilie Stein aus
Metz, durch Meſſerſtiche getötet zu haben. Der Angeklagte
gibt die Tat zu, behauptet jedoch, die Nichte auf ausdrück=
liches
Verlangen getötet zu haben, da dieſe wegen Liebes=
kummer
in den Tod gehen wollte. Zu der Verhandlung
ſind zahlreiche Zeugen geladen, darunter der franzöſiſche
Unterſuchungsrichter und der Gerichtsarzt aus Toul.
* Straßburg, 17. Febr. Die Denkſchrift über
die Teuerungsvorlage, die bis zur Verabſchie=
dung
der Beſoldungsgeſetze den Beamten eine Gehaltszu=
lage
garantieren ſoll, iſt von der Regierung fertiggeſtellt.
Die Teuerungszulage wird bei den unteren Beamtenklaſe
ſen 10 Prozent des Gehalts betragen und ſich nach oben
entſprechend verringern. Die höheren Beamtenkategorien,
ſowie die mittleren Beamten mit einem Gehalt von 5000
Mark an aufwärts werden von der vorläufigen Beſſerſtel=
lung
nicht berührt.
* Peſt, 17. Febr. Vor dem hieſigen Strafgericht be=
gann
heute die Verhandlung des Verleumdungs=
prozeſſes
, den Miniſterpräſident Lukacs gegen
den Abgeordneten und früheren Staatsſekretär Zoltan
Deſy angeſtrengt hat, weil dieſer ihn als Panamiſt be=
zeichnet
hatte.

Briefkaſten.

R. P. Die durch Verordnung vom 2. März 1868 über
das Vermögen des Königs Georg von Hannover ( Welfen=
fonds
) verhängte Beſchlagnahme iſt bereits im Jahre 189.
aufgehoben und das Kapital im vollen Betrage von 60
Millionen Mark damals an den derzeitigen Herzog Ernſt
Auguſt von Preußen zur Auszahlung gebracht worden.
(Schluß des redaktionellen Teils.)

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(125ai
Familiennachrichten.

Todes=Anzeige.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen
unſere liebe Mutter, Schwiegermutter, Groß=
(*4428
mutter, Schwägerin und Tante
Frau Marie Stroh
Wagners Wwe., geb. Reinhard
nach mit Geduld getragenem Leiden im Alter
von 76 Jahren zu ſich abzurufen.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 17. Februar 1913.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. ds.
Mts., um ½4 Uhr nachmittags, von der Fried=
hofskapelle
aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die wohltuende Anteilnahme anläßlich
des Hinſcheidens unſerer teuren Entſchlafenen
Frau
n
Marcin Hartmann Wiere
geb. Weber
(4291
ſagen wir Allen herzlichſten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, 15. Februar 1913.

[ ][  ][ ]

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
bei dem Verluſte meiner lieben Frau und meiner
Mutter
(4308
Frau Marie Becker
geb. Hamann
ſagen wir allen Freunden und Bekannten unſeren
innigſten Dank. Insbeſondere danken wir dem
Lokomotivführer=Verein und dem Darmſtädter
Sportklub 1905 für ihre Kranzſpenden, dem Herrn
Pfarrer Dingeldey für ſeine troſtreiche Grabrede
und den Schweſtern der Johannesgemeinde für
ihre liebevolle Pflege.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Becker, Lokomotivführer.
Darmſtadt, den 17. Februar 1913.

Dankſagung.
Für die wohltuenden Beweiſe freundlicher
Anteilnahme beim Heimgange ihres lieben
Hans Zahn
ſagen tiefgefühlten herzlichen Dank.
(4293
Die trauernden Hinterbliebenen.
Darmſtadt, den 18. Februar 1913.

Dankſagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Anteilnahme
bei dem ſchmerzlichen Verluſte meines lieben
Sohnes, unſeres Bruders, Enkels u. Schwagers,
des Herrn Telegraphenaſſiſtenten
Karl Schacht
insbeſondere den Herren Vorgeſetzten des Tele=
graphenamts
, den Herren Kollegen, welche ihn
zur letzten Rube trugen, ſowie für die zahlreichen
Blumenſpenden ſprechen wir unſeren tiefgefühl=
teſten
Dank aus.
(B4301
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
C. Schacht Wwe., Karlſtraße 56.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.
Ueler Nordoſteuropa lagert hoher Druck, dem ein
Tief über der Biscaya gegenüberliegt. Unter dem Ein=
fluß
eines ſeiner Randwirbel iſt heute früh bei uns
Schneefall eingetreten. Bei öſtlichen Winden liegen die
Morgentemperaturen in Deutſchland unter 0 Nieder=
ſchläge
fielen nur vereinzelt. Wir haben morgen auf der
Grenze zwiſchen hohem und tiefem Druck wechſelnde Be=
wölkung
und leichte Niederſchläge zu erwarten.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 18. Febr.:
Wechſelnd bewölkt, leichte Niederſchläge, Temperatur
wenig verändert.

Beſſunger Bücherhalle (Beſſungerſtraße 48). Unent=
geltliche
Verleihung von Büchern an jedermann. Ge=
öffnet
: Dienstag, Donnerstag und Samstag abends
von 7½9 Uhr.

Tageskalender.

Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Arnold Mendelsſohn=Abend von Tilly Koenen
um 8 Uhr in der Turnhalle am Woogsplatz (Richard
Wagner=Verein).
Vortrag von Profeſſor Dr. Limmer um 8 Uhr im phyſi=
kaliſchen
Hörſaal der Techniſchen Hochſchule.
Vortrag mit Lichtbildern von Dr. med. Petri Hoyle um
8 Uhr im Kaiſerſaal
Vortrag von Reallehrer Kahl um 8½ Uhr im Reſtau=
rant
Sitte (Nationalliberaler Verein).
Kräppelkaffee mit Luſtſpielaufführung um 5 Uhr in
der Vereinigten Geſellſchaft.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Die
Verlobung im Kaiſerhauſe: Das Brautpaar auf einem
Spaziergang in Karlsruhe, die Eltern und Schweſtern
des Bräutigams; zum Untergang der Südpolexpedition
des Kapitäns Scott, der verunglückte Kapitän hält eine
Anſprache an ſeine Mannſchaft; Ueberſichtskarte über
den Weg zur Expedition; das Ringen um Adrianopel,

Verſteigerungskalender.

Mittwoch, 19. Februar.
Hofreite=Verſteigerung des Friedrich Ballé und
Jakob Mohr (Dieburgerſtraße 90) um 11 Uhr auf dem
Ortsgericht I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 und 3 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Holzverſteigerung um 9½ Uhr in der Reſtauration
Zum Einſiedel
Faſelochs=Verſteigerung um 11½ Uhr in der
Faſelhofreite zu Ober=Ramſtadt.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftoleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

Blaxchtbschheim Bothanien
in Darmstadt, Elisabethenstrasse 25½.
Das Diakoniſſenheim Bethanien iſt eine Filiale des Bethanien=
Vereins e. V. in Frankfurt a. M.
Es übernimmt die Pflege von Kranken in Privathäuſern
ohne Unterſchied der Religion oder der Konfeſſion.
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Kurſe vom 17. Februar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,20
(7,40
do.
Preuß. Schatzanweiſg. 99,90
3½ do. Conſols . . . 88,20
77,50
do.
do.
4 Bad. Staatsanleihe . . 99,40
92,80
do.
3½
83,75
do.
4 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,90
do.
86,70
3½
do.
4 Hamburger Staatsanl. 98,90
4 Heſſ. Staatsanleihe . . 99, 10
t do. do. (unk. 1918) 99,20
do.
87
3½
do.
75,70
3 Sächſiſche Rente.
(8,80
4 Württemberger v. 1907 99,30
do. v. 1875 93,70
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
4 Griechen v. 1887 . .
Italiener Rente .
4½ Oeſterr. Silberrente 87,10
do. Goldrente . . . 91,10
do. einheitl. Rente 84,
3 Portug. unif. Serie I 63,40
do. unif. Ser. III 66,30
3 do. Spezial . . . 9,70
5 Rumänier v. 1903 . . 99,50
do. v. 1890 . . 92,80
do.
v. 1905 . . 99,50
4 Ruſſen v. 1880 . . . . 89,
do. v. 1902 . . . . 89,60
4½ do. v. 1905 . . . . 99,50
3½ Schweden . . . . .
Serbier amort. v. 1895 80,10
4 Türk. Admin. v. 1903 77,80
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,80
4 Ungar. Goldrente . . . 87,25
4 do. Staatsrente. . . 84,49

InProt.
Zf.
5 Argentinier . . . . . . 100,90
do.
4½ Chile Gold=Anleihe. 92,10
5 Chineſ. Staatsanleihe. 98,30
½
91,90
do.
91,20
Japaner . . . .
5 Innere Mexikaner. . . 90,00
do.
1 Gold=Mexikanerv. 1904 84,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,40
3 Buenos Aires Provinz 68¾
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
jahrt
. . . . . . . 148,50
5 Nordd. Lloyd . . . . . 115,50
3½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 128,20
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 112,25
6 Baltimore und Ohio . 103¾
6 Schantungbahn . . . . 129,
-
6½ Luxemb. Prince Henri
0 Oeſt. Südbahn (Lomb.) 231
5 Pennſylvania R. R. . 122,00
Induſtrie=
Leß
divid. Aktien.
-
3 Brauerei Werger
5 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 533,00
14 Chem. Fabrik Gries=
heim
. . . . . . . 241,00
30 Farbwerke Höchſt . . 624,
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 349,80
10 Cement Heidelberg . . 146,00
30 Chem. Werke Albert 442,00
14 Holzverkohlung Kon=
ſtanz
. . . . . . . 323,00
5 Lahmeyer . . . . . . . 123,00

Letzte
In Proz.
d.
7½ Schuchert, Nürnberg 142,20
12 Siemens & Halske .212½
19,40
5 Beramann Electr.
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 16
78
25 Gummi Peter . . . .
0 Kunſtſeide Frankfurt 76,50
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . . . . . 585,00
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
16 Wittener Stahlröhren
8 Steana Romana Petr. 149,00
15 Zellſtoff Waldhof . . 232,00
2½ Bad. Zucker= Wag=
häuſel
.
.. 199,00

10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 93,00
3 Südd. Immobilien 59,00
Bergwerks=Aktien.
12 Aumetz=Friede . . . . 172,00
12½Bochumer Bergb. u
Gußſt. . . . . . . 210½
11 Deutſch=Luremburg.=
Bergb. . . . . . . 159,50
10 Gelſenkirchener . . . . 192,00
9 Harpener . . . . . . . 190,00
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 254,50
0 Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,00
6 Laurahütte . . . . .
173,50
10 Kaliwerke Aſchersleben
Weſteregeln 202,00
11
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
31 Südd. Eiſenb.=Geſ.
4½ Nordd. Lloyd=Obl.
4 Eliſabethbahn, freie . . 91,90
4 Franz=Jofefs=Bahn . .
3 Prag=Duxer . . . .
74,30
5 Oeſterr. Staatsbahn
-
4 Oeſterr. Staatsbahn .
do.
76,20
5 Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,10
do.
75,60

Zf.
Inprst.
2¾/10 Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,00
3 Raab=Oedenburg .
76,80
4 Kronprinz Rudolfbahn
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 87,50
4½ Moskau=Kaſan . . .
do.
4 Wladichawchas . . . . 86.50
4 Rjäſan Koslow . . .
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,50
4½
do.
24) Livorneſer
68,50
3 Salonique=Monaſtir 62,20
4 Baadadbahn . . . .
80,60
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,10
4 Miſſouri=Paciſic. . . . 70,50
4 Northern=Paciſic . . . 98,50
4 Southern=Pacific . . . 93,90
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 82,20
5 Tehuantepec . . . . . . 97,00
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 188,00
7 Bergiſch=Märkiſche
Bahn . . . . . . . 149,70
9½ Berlin. Handelsgeſ. .167,75
6½ Darmſtädter Bank
24,30
12½ Deutſche Bank . . . 254,50
6 Deutſche Vereinsbank . 123,20
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,30
10 Diskonto=Kommandit 188,80
8½ Dresdener Bank . . 156,00
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,70
6½ Mitteld. Kreditbank 120,40
Nationalb. für Deutſchl. 122,50
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 138,00
7 Rhein. Kreditbank. . . 136,50
A. Schaaffhauſen.
* Bankverein . . . . 114,25
7½ Wiener Bankverein . 132,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,00

Zf.
In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
S. 19 . . . . . . . 86,8)
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
S. 52 . . .
97,50
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,50
31
do.
37,2
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,3
3½
87,30
do.
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Banl
S. 12, 13, 16 . .
98,60
S. 14, 15, 17, 24/26
1823. . . . . . . . . 98,90
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 87,30
S. 35 . . . . . . . . 87,10
S. 911 . . . . . . . 87,20
Meininger Hyp.=Bank 97,60
do.
86,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . . 97,80
3½ do. (unk. 1914) . . 86,80
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,00
do.
3½
87,80
Städte=
Obligationen.
Darmſtadt . . . .
98,
3½
do.
88,4
4 Frankfurt. . . . . . . 98,80
do.
96,00
4 Gießen . . . .
97,50
do.
3½
87,60
Heidelberg . . . . . . 97,10
3½
do.
87,70
Karlsruhe . . .
96,70
3½
do.
38,10
4 Magdeburg. . . . . .
31.
.
4 Mainz . . . . . . . . 97,50
31
do.
88,70
4 Mannheim . . . .
97,30
3½
do.
90,00
München.
99,30
3½ Nauheim . . . . . .
Nürnberg. . . . . . . 98,50
3½ do.
87,60
4 Offenbach . . . .
97,60

Zf.
In Proz.
3½ Offenbach . . . . . .
4 Wiesbaden . . . . . . 98,75
do.
89,00
4 Worms . . . . . . . . 97,30
do.
3½
89,10
4 Liſſaboner v. 1888 . 76,70
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 141,10
3 Holl. Komm. . fl. 100 112,00
3 Madrider . . Fs. 100 73,80
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 138,00
Oeſterr. 1860er Loſe . 177,40
3 Oldenburger . . . . . . 129,20
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,00
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . .
fl. 7 33,50
Braunſchweiger Tlr. 20 198,40
Freiburger . . . . Fs. 15 89,00
Mailänder . . . . Fs.45
do. . . . . Fs. 10 34,00
Meininger . . . . . fl. 7.
Oeſterreicherv. 1864fl. 100
do. v. 1858fl. 100 470,00
Ungar. Staats . . fl. 100 378,40
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400 157,00
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . . . 20,43
20 Franks=Stücke . . . . 16,25
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,44
Franzöſiſche Noten. . . . 81,20
Holländiſche Noten. . . . 168,95
Italieniſche Noten . . . . 79,75
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,60
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,75
Reichsbank=Diskonto.
Reichsbank=Lombard Zsf. 7

[ ][  ][ ]

Stellenrescht

Weiblich

Gewandte selbständige
Everkädferm
welche 12 Jahre in einem Manu=
faktur
= und Damenkonfektionsge=
ſchäft
tätig war, ſucht anderweitig
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Anmeldungen zum Eintritt werden Freitag, den 21. Februar,
35 Uhr, in den betr. Schulgebäuden entgegengenommen. Von
Darmſtädter Schülern ſind die von der Rheinſtraße, Alexanderſtraße
und Dieburgerſtraße ſüdlich wohnenden in der Ludwigs=Oberrealſchule,
die nördlich wohnenden in der Liebigs=Oberrealſchule, von aus=
wärtigen
Schülern die am Bahnhof Darmſtadt=Oſt ankommenden
in der Ludwigs=Oberrealſchule, die im Hauptbahnhof eintreffenden
in der Liebigs=Oberrealſchule anzumelden. Das letzte Schulzeugnis,
der Geburts= und Impfſchein ſind bei der Anmeldung vorzulegen.
Großh. Direktionen der Ludwigs= und Liebigs=Oberrealſchule.
Dr. Dersch.
(3765i)
Dr. Dorfeld.

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Mittwoch, den 2. April, beginnt ein neuer Kurſus. An=
meldungen
von Schülerinnen im Alter von 1530 Jahren werden
Montag und Donnerstag zwiſchen 10 und 12 Uhr (bei vorheriger
Anmeldung jederzeit) von der unterzeichneten Vorſteherin entgegen=
genommen
. Reflektantinnen haben die beſte Ausſicht, lohnende
Stellung durch den Heſſiſchen Fröbel=Verein zu erhalten.
Proſpekte ſind daſelbſt, ſowie im Seminar zu haben. (4124a
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Nunne als
Sonntagsjäger.
Humoristisch. (4292

Als Einlage:
In den Krallen.
Das grosse, spannende
Drama aus dem Leben
eines Goldsuchers.

Hessischer Dagendrdg
Mittwoch, 19. Februar 1913, vorm. 10½ Uhr,
im Städtiſchen Saalbau zu Darmſtadt.
Alle Mitglieder des Bundes Jungdeutſchland,
ſowie alle Freunde und Freundinnen der Jungdeutſch=
landbeſtrebungen
ſind herzlichſt eingeladen.
Um pünktliches Erſcheinen wird gebeten. (4302

Deutscher und Oesterreichischer
Sektion
IN Gegründet
Darmstadt Aibenveren,
1870

Mittwoch, 19. Febr. 1913, abends
8½ Uhr im Fürſtenſaal, Grafenſtraße 20
Monats=Verſammlung
Vortrag des Herrn Apotheker Dr. Th. Tenner: Frühjahrs=
wanderungen
in der Weſt=Schweiz. Eine Herbſtfahrt durch Süd=
Tirol. Mit Vorführung von Lichtbildern.
Die Familienangehörigen der Mitglieder und eingeführte Gäſte
ſind willkommen
4309)
Der Vorstand.


Gdug
des Herrn Dr. med. Petri Hoyle aus London
über
Wesen, Bedeutung und Ausbreitung der
Homöopathie
mit Erläuterungen durch Lichtbilder
(im Auftrage des internationalen Bundes hom. Aerztevereine)
Dienstag, 18. Febr., abends 8 Uhr, im Kaisersaal, Grafenstr. 18.
Eintritt: 1. Platz 1 Mk., Saal und Galerie 50 Pfg. Kartenverkauf
beim Verkehrsverein und bei Müller & Bühle, Elisabethenstr. 5. (IV3843,1
Vorträge zu Gunſten des Photographiſchen Inſtituts
der Großh. Techniſchen Hochſchule
18. Februar 1913, abends pünktlich 8 Uhr, im großen
phyſikaliſchen Hörſaal
(3277a
2. Vortrag: Prof. Dr. Fr. Limmer
Ueber Farbenphotographie‟
Vorverkauf im Bureau des Verkehrsvereins. Num. Platz:
Saal 1.50 M. (Stud.) 1 M., Galerie 0.50 M., Galerie=Stehpl. 0.30 M.
Ludwigshöhe.
Jeden Mittwoch und Samstag
Kur-Konzert.

Eintritt 25 Pfg. 10 Abonnementskarten zu Mk. 1.50
ſind zu haben im Verkehrsbureau und an der Kaſſe.
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(Dnabenanzüge werd. angeſ. in u.
(*4340
außer dem Hauſe
Neue Niederſtr. 17, Htb., Frau Rödder.

[ ][  ][ ]

Cisaleffe
ELINN

Naturwiſſenſchaftlicher Verein
zu Darmſtadt.

Der Vorſitzende, Profeſſor Dr. Liſt, erſtattete in der
letzten Sitzung zunächſt den Jahresbericht. Es fan=
den
7 wiſſenſchaftliche Sitzungen ſtatt, die durchſchnittlich
von 80 Perſonen beſucht waren. An den Vorträgen und
Mitteilungen beteiligten ſich 11 Herren. Die Zahl der
Mitglieder betrug am 1. Januar 1913 398. Nach dem
Kaſſenbericht, den für den verhinderten Rechner Bergrat
Köbrich Profeſſor Liſt erſtattete, betrugen die Einnah=
men
465,05 Mark, die Ausgaben 417,71 Mark, das Ver=
mögen
des Vereins 946,60 Mark. Dem Vorſchlage des
Vorſitzenden, die Gedenktafel für den Nordpolarforſcher
Carl Weyprecht vollſtändig aus den Mitteln des Vereins
zu beſtreiten, wurde zugeſtimmt. Auf Vorſchlag von Pro=
feſſor
Dr. Ihne wurde der ſeitherige Vorſtand einſtimmig
wiedergewählt.
Dr. L. Nick ſprach über Bau und Lebensweiſ
foſſiler und rezenter Reptilien Es gibt
kaum eine Klaſſe des Tierreichs, die ſo einheitlich und in
ſich geſchloſſen daſteht und dabei gleichzeitig derartig man=
nigfache
geſtaltete Formen in ſich ſchließt, als die Reptilien.
Ein Blick auf ihre rezenten Vertreter zeigt dies zur Ge=
nüge
: Eidechſen, Schlangen Schildkröten, Krokodile und
die altertümliche Brückenechſe haben ein ſo verſchiedenes
Ausſehen, daß der Laie ſie kaum zu einer größeren ſyſte=
matiſchen
Einheit zuſammenfaſſen wird, wie etwa die
Ordnungen der Vögel. Das Bild des Reptilienſtammes
wird aber noch verwirrender und bunter, wenn man auch
die ſehr zahlreichen ausgeſtorbenen Ordnungen und Fa=
milien
berückſichtigt. Unter ihnen findet man der äußeren
Geſtalt nach alle Vertreter des Wirbeltierreichs. Da ſtehen
Reptilien, die wie Fiſche ausſehen, neben vogelartigen und
fledermausartige neben känguruhförmigen. Doch ſind ſie
alle dem ganzen Bau nach wohl geſondert von den den
Reptilien am nächſten ſtehenden Klaſſen, den niedriger or=

ganiſierten Amphibien und den höher organiſierten Vögeln
und Säugetieren. Auch das bei den Foſſilen meiſt allein
erhaltene Skelett geſtattet ſelbſt in Bruchſtücken meiſt eine
ſichere Beſtimmung.
Phylogenetiſch abgeleitet werden die Reptilien von
einer ausgeſtorbenen Amphibienfamilie, den Stegocepha=
len
, deren Blütezeit in Carbon und Perm fällt und die in
der Trias ausgeſtorben ſind. Es waren zum Teil recht
anſehnliche Tiere, die meiſt eine kriechende Lebensweiſe
geführt haben dürften, ähnlich wie unſere Landſalaman=
der
; in ſehr vielen Merkmalen ſtehen ſie den Amphibien
bereits näher wie den heutigen Amphibien. Die Rep=
tilien
ſind aber nicht land= oder amphibiſch lebende For=
men
geblieben wie dieſe ihre Vorfahren, ſondern haben
ſich an die allermeiſten Lebensbezirke der Erde anpaſſen
können und müſſen nach unſerer Kenntnis der Foſſilen
in dem Mittelalter der Erde, dem Meſozoikum, geradezu
geherrſcht haben. In den Meeresablagerungen treffen
wir ſtellenweiſe außerordentlich häufig die Ichthyoſaurier.
Eine genauere Betrachtung ihres Skeletts und ein Ver
gleich mit demjenigen der Fiſche zeigt, daß ſie eine ganze
Reihe von Eigentümlichkeiten der letzteren erworben haben
durch den Einfluß der gleichen Umgebung. Offenbar ſind
ſie, wie die typiſchen Fiſche, durch kräftige Schläge der
Schwanzfloſſe, verbunden mit einer Krümmung des Kör=
pers
, geſchwommen, während die paarigen Floſſen vor=
wiegend
Steuer waren. Letztere laſſen die typiſchen Ske=
lettelemente
der Reptilienexremität in den Geundzügen
erkennen, haben aber außerordentlich weitgehende Umbil
dungen aufzuweiſen, Spezialiſationen infolge der beſon=
deren
Lebensweiſe. Bei den geologiſch jüngeren Formen
weiſen beſtimmte Merkmale, die ſich zum Beiſpiel mit
denen der tauchenden Wale vergleichen laſſen, darauf hin,
daß ſie von einem Leben an der Oberfläche des Meeres
dazu übergegangen ſind, auf freier See in größerer Tiefe
zu tauchen. An das Leben im Meere angepaßt waren auch
damals eine große Anzahl krokodilartiger Formen, zum
Beiſpiel der im Bild gezeigte Metriorhynchus. Die heu=
tigen
wenigen Süßwaſſerarten ſind der kümmerliche Reſt
des einſt blühenden Stammes. Küſtentiere waren der
ganzen Körperform nach die Pleſioſaurier. Im Gegenſatz
zu der Fiſchform der Ichthyoſaurier ſind ſie ſehr flach ge
baut und haben einen querovalen Körperquerſchnitt. Der
verhältnismäßig kurze Schwanz bei ſehr kräftig ausgebil=
deten
Ruderfloſſen weiſt darauf hin, daß ſie ſich hauptſäch=
lich
durch Rudern im Waſſer fortbewegten. Das Skelett
der Extremität hat in ſeiner Umformung zur Floſſe in
vielem manche ähnliche Umbildungen erfahren wie bei
den Ichthyoſauriern, die ſich an foſſilem Material ſtufen=
weiſe
verfolgen laſſen. Ein innerer Panzer auf der
Bauchſeite in Geſtalt von Bauchrippen, wie bei dem
prachtvoll erhaltenen Thaumatoſaurus victor dürfte ein
Widerlager beim Ruhen auf dem Lande geweſen ſein
gleichzeitig ein Schutz gegen die Unbill der Brandung. In
manchem gleichen die Pleſioſaurier in der Form den heu=
tigen
Seeſchildkröten. Auch die beiden marin lebenden
Schildkrötenfamilien, die Dermochelyiden und Che=
loniiden
haben Ruderfloſſen als Lokomotionsorgane und
einen flach ovalen Körper. Ein beſonderes Intereſſe be=
anſprucht
Dermochelys wegen ihres Panzers, der von
dem aller übrigen Schildkröten außerordentlich abweicht.
Sein oberflächlich liegendes Knochenmoſaik iſt ein Erſatz
für den tiefliegenden mit dem Innenſkelett verbundenen
Knochenpanzer der übrigen Schildkröten, der, nach der
Auffaſſung des Brüſſeler Palaentologen Dollo, bei den in
der Hochſee lebenden Vorfahren der Lederſchildlröte ver=
loren
ging. Schlangenform, etwa wie die Aale, zeigen
die bis 12 Meter langen Moſaſaurier, nahe Verwandte
der Eidechſen, die die Meere der Kreidezeit bewohnten
Manche weiſen ähnliche Anpaſſungen an das Tauchen auf,
wie die jüngeren Ichthyoſaurier.
Wie im Waſſer, ſo ſind auch auf dem Lande die Rep=
tilien
an alle möglichen Lebensbedingungen angepaßt ge=

weſen. Leider fließt hier die palaeontologiſche Ueberliefe=
rung
viel ſpärlicher, weil die Bedingungen für eine Foſſi=
liſation
ungleich ungünſtiger ſind. Was heute an Land=
reptilien
lebt, Eidechſen, Schlangen, Landſchildkröten, iſt
ärmlich und ſpielt den höher organiſierten Vögeln und
Säugetieren gegenüber eine förmlich untergeordnete
Rolle. Meiſt ſind es an den Boden gebundene, laufende
oder kriechende Formen. Eine kriechende Lebensweiſe re=
ſultier
aus Anpaſſungen an verſchiedene Umgebungen
und hat ſich recht haufig innerhalb einzelner Familien
entwickelt, oft ſogar unter den Angehörigen einer Gattung
ſo daß ſich alle Uebergänge zwiſchen ſchreitenden und
triechenden Formen darin finden, wie bei der mediter=
ranen
Eidechſengattung Chalcides. Ueberhaupt iſt die
Umbildungsfähigkeit innerhalb einzelner Ordnungen
außerordentlich groß, wie zum Beiſpiel bei der der Dino=
ſaurier
, zu der die größten Landwirbeltiere gehören. Hier
finden wir bis elefantengroße Raubtiere die ihre Beute
im Sprung ergriffen haben, wie Megaloſaurus. Daneben
ſtehen die unbeholfenen, rieſenhaften Pflanzenfreſſer oder
Kleintierfreſſer, wie Diplodocus und Brontoſaurus. Ein
im ganzen känguruhartiges Ausſehen haben die Jguano=
donten
; ſie ſind auf zwei Füßen gegangen oder gelaufen,
allerdings ohne ſich dabei, wie die Känguruhs, auch des
Schwanzes zu bedienen; bewieſen iſt dies durch die Fähr=
ten
. Der Gang auf zwei Füßen rief Umbildungen her=
vor
, die überraſchende Aehnlichkeiten mit den ebenfalls
bipeden Vögeln gezeitigt haben, ſowohl in der Form des
Beckens wie in den Laufbeinen. Das genauere morpho=
logiſche
Studium zeigt jedoch deutlich ein Reptilienbecken
bei Jguanodon, das lediglich die Form des Vogelbeckeus
erhielt, weil es weſentlich gleiche Aufgaben wie dieſes zu
erfüllen hatte, ein Fall der Konvergenz, der gleichgerich=
teten
Anpaſſung an gleiche Bedingungen. Wie das Jgu=
anodonbecken
funktionell wieder zu dem Becken der auf den
Füßen gehenden Tiere und damit dem Becken etwa des
Diplodocus, ähnlich weren kann, zeigen Stegoſaurus oder
Triceratops, die abenteuerlich geſtalteten Rieſen mit ihren
koloſſalen Knochenplatten, die wohl einen wirkſamen
Schutz für Angriffe gebildet haben.
Auch die Luft haben ſich die Reptilien erobert. Wir
haben heute kleine Eidechſen, die mit Hilfe von Flug=
häuten
ihren Abſprung von Bäumen herunter beträchtlich
verlängern können. Die foſſilen Flugſaurier aber ſind
aktiv geflogen, die bekannten und häufigen Pterodactylen,
nach Körper und Flügelform in unſtetem Flatterflug wie
die Fledermäuſe, Ramphorhynchus aber und noch mehr
der faſt ſieben Meter klafternde Pteranodon als ausge=
zeichnete
Flieger, wie Möven und Albatroſſe. Daß ſie
auch eine ähnliche Lebensweiſe wie dieſe führten, beweiſt
außer anderem der Umſtand, daß ihre Reſte in land=
ferneren
Meeresablagerungen gefunden werden. Während
die Flugſaurier ein toter Aſt des Reptilienſtammes und
heute ganz erloſchen ſind, ſehen wir in dem Vogelreptil
Archaeopterix eine richtige Zwiſchenform zwiſchen den
beiden Klaſſen, eine Form, die den Ahnen unſerer Vöael
ſehr nahe ſteht.

Graubigelufe
iſt das Merkmal der Bureaux und Fabrik=
ſäle
und den Atmungsorganen in hohem

Maße ſchädlich. Darum neigen ſo viele
Beamte und Arbeiter bei rauhem Wetter
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zu Huſten und Heiſerkeit. Den meiſten ſind
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beten an
Ludwig Schmidt,
Tanzlehrer,=Rundethurmſtr. 2.

[ ][  ][ ]

Dienstag, 18. Februar.

Bekanntmachung.

Gemäß der Vorſchrift des Art. 79 bezw. des Art. 43 letzter Satz der Kreis= und
Provinzial=Ordnung vom 8. Juli 1911 bringen wir hiermit den Auszug der von
Großherzoglicher Oberechnungskammer unverändert abgeſchloſſnen Rechnung der
Provinzialkaſſe der Provinz Starkenburg für 1910 Rj. zur öffentlichen Kenntnis.

Rubrik
Betrag
Einnahme.
2
1. Beiträge der Kreiſe . . . 557 607.
3. Beſondere Abgaben . .
4. Beiträge des Staates zum
Neubau von Kreisſtraßen 32710.
6. Kapitalzinſen
458.35
8. Koſten des öffentlichen Ver=
fahrens

1744.09
,
10. Erſatzpoſten .
5 260.17
17. Neu aufzunehmende Kapi=
talien

76000.
20. Kaſſevorrat aus vorher=
gehenden
Jahren . . . . 30 634.06

Rubrik
Betrag
Ausgabe.
N. 5,
21. Kapitalzinſen . . . .
28 006.12
Beſoldungen
. . 1800.
23
Diäten und Gebühren
3 455.35
24. Botenlohn und Verkündi=
gungskoſten

503.19
25. Für Bureaubedürfniſſe und
Gerätſchaften
3125.01
26. Penſionen und Unterſtüt=
zungen

1924.75
28. Bau und Unterhaltung der
Kreisſtraßen.
451 142.34
29. Uneinbringliche Ausſtände
58.05
30. Zuſchuß in andere Kaſſen 6350.
31. Koſten des öffentlichen Ver=
fahrens
.
865.09
32. Koſten der Naturalverpfle=
aungsſtationen
.
18981.38
33. Für die Provinzialpflege=
anſtalt
.
64 828.25
37. Auszuleihende Kapitalien.
38. ZurückzuzahlendeKapitalien 9 219.72

Summe der Einnahme 704 413.67
Summe der Ausgaben 590 259.25
Abſchluß.
Die Einnahme beträgt .
704 413 67
Die Ausgabe beträgt .
590 259 . 25
Verglichen bleibt Reſt . 114 154 42
und dieſer beſteht:
a) in barem Vorrat
114 133 47
b) in liquidierten Ausſtänden .
20 95
Summe wie oben . 114 154 42 .
Darmſtadt, den 13. Februar 1913.
Der Provinzial=Ausſchuß der Provinz Starkenburg.
Fey.

Bekanntmachung.

Die freie Innung der Friſeure und Perückenmacher in den Landgemeinden
des Kreiſes Darmſtadt hat bei uns beantragt für die Landgemeinden des Kreiſes
Darmſtadt Beſtimmungen zu treffen, daß der Gewerbebetrieb im geſamten Barbier=,
Friſeur= und Verückenmachergewerbe ſowohl innerhalb wie außerhalb der Betriebs=
ſtätten
am 2. Weihnachts=, Oſter= und Pfingſtfeiertage unterſagt, dieſer Gewerbebetrieb,
ſowie die Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern an dieſen Tagen
jedoch inſoweit geſtattet werde, als dies zur Vorbereitung der öffentlichen Theater=
vorſtellungen
und Schauſtellungen erforderlich ſein ſollte.
Gemäß §§ 171, 122 der Ausführungsanweiſung zur Gewerbeordnung vom
20. März 1912 machen wir hiermit öffentlich bekannt, daß wir den Großh. Kreisamts=
gehilfen
Herling zum Kommiſſär zur Herbeiführung und Leitung der Abſtimmung
der beteiligten Gewerbetreibenden beſtellt haben.
Darmſtadt, den 6. Februar 1913
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: Dr. Michel.

Bekanntmachung.

Im Anſchluß an obige Bekanntmachung des Großherzoglichen Kreisamts Darm=
ſtadt
vom 6. Februar l. Js. mache ich hierdurch bekannt, daß die Liſte der beteiligten

Vollſtändigkeit
und Richtigkeit, ſowie Aeußerungen für und gegen den oben mitgeteilten Antrag
ſchriftlich bis zum 28. Februar ds. Js. einſchließlich oder mündlich in der Zeit vom
20. Februar bis 28. Februar l. Js. einſchließlich bei mir abzugeben ſind.
Die Abgabe der mündlichen Aeußerungen kann während des angegebenen Zeit=
raumes
werktäglich von 11 bis 12 Uhr vormittags in den Dienſträumen des Groß=
herzoglichen
Kreisamts, Neckarſtraße 3, 1. Stock, Zimmer Nr. 19, erfolgen.
Ich fordere daher alle Gewerbetreibenden, welche im Bezirke der Landgemeinden
des Kreiſes Darmſtadt das Friſeur= oder Perückenmachergewerbe ausüben, zur Abgabe
ihrer Aeußerungen mit dem Bemerken auf, daß nur ſolche Erklärungen, welche
erkennen laſſen, ob der Erklärende dem oben mitgeteilten Antrag zuſtimmt oder nicht,
gültig ſind und daß nach Ablauf des obigen Zeitpunktes eingehende Aeußerungen
unberückſichtigt bleiben.
Darmſtadt, den 14. Februar 1913.
(4146
Der Kommiſſar: Herling, Kreisamisgehilfe.

Bekanntmachung.

Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für das III. See=
bataillon
(Marine=Infanterie) in Tſingtau (China) findet Oktober 1913 ſtatt; Aus=
reiſe
nach Tſingtau: Januar oder Frühjahr 1914, Heimreiſe Frühjahr 1916 bezw. 1917.
Bedingungen: Mindeſtens 1,65 m groß, kräftig, geſunde Zähne, vor dem 1. Oktober 1894
geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher Entwicklung). In Tſingtau
wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0.50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Die Vierjähria=Freiwilligen erhalten im 4. Dienſtjahre eine tägliche Ortszulage von
1,50 Mark. Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines unterzeich=
neten
, vom Zivilvorſitzenden ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt
auf drei bezw. vier Jahre zu richten an: das Kommando des III. Stamm=
ſeebataillons
, Wilhelmshaven.
Darmſtadt, den 7. Februar 1913.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für die Matroſen=
artillerie
=Abteilung Kiautſchon (Küſtenartillerie) in Tſingtau (China) findet
Oktober 1913 ſtatt; Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1914 bezw. 1915, Heimreiſe Früh=
jahr
1916 bezw. 1917. Bedingungen: Mindeſtens 1,64 m groß, kräftig, geſunde Zähne,
vor dem 1. Oktober 1894 geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körverlicher
Entwicklung). In Tſingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark
Teuerungszulage gewährt. Die Vierjährig=Freiwilligen erhalten im 4. Dienſtjahre
eine tägliche Ortszulage von 1,50 Mark. Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter
Beifügung eines vom unterzeichneten Zivilvoritzenden ausgeſtellten Meldeſcheins
zum freiwilligen Dienſteintritt auf drei bezw. vier Jahre zu richten an: das Kommando
der Stammabteilung der Matroſenartillerie Kiautſchou, Cuxhaven.
Darmſtadt, den 7. Februar 1913.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
(3714a
Dr. Reinhart.

Darmſtadt, 3. Februar 1913.
Betreffend: Die Führung der Rekrutierungsſtammrollen; hier Zu= und Abgänge
Militärpflichtiger.
Der Zivil=Vorſttzende der Großherzoglichen Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Indem ich Sie auf die Beſtimmungen des § 46 Poſ. 13 der Wehr=Ordnung vom
22. November 1888 (Neuabdruck im Reg.=Bl. Nr. 68 von 1901) hinweiſe, nach welcher
von jeder An= und Abmeldung eines Militärpflichtigen zur bezw. von der Stamm=
rolle
infolge Aufenthaltswechſel, behufs Berichtigung der alphabetiſchen und Reſtanten=
Liſten, hierher Mitteilung zu machen iſt, empfehle ich Ihnen, die entſprechenden
Anzeigen bei Anmeldungen unter Vorlage des Loſungsſcheins für jeden Mann
getrennt, alsbald zu erſtatten.
(3715a
Dr. Reinhart, Regierungsrat.

Amtliche Nachrichten des Großh. Polizeiamts Darmſtadt.

Polizeilich eingefangene und zugelaufene Hunde: In polizei=
licher
Verwahrung und Pflege in der Hofreite Beſſungerſtr. Nr. 56 be=
finden
ſich: 1 Foxterrier, 1 Dachshund (zugelaufen). Die Hunde
können von den Eigentümern bei dem 5. Polizei=Revier ausgelöſt
werden. Die Verſteigerung der nicht ausgelöſten Hunde findet dort=
ſelbſt
jeden Werktag, vorm. um 10 Uhr, ſtatt.
(4273

Bekanntmachung.

Die Polizeiverordnung, betr. die Bekämpfung der Schnaken=
plage
, vom 11. März 1911 iſt aufgehoben worden. An ihre Stelle
treten die nachſtehend abgedruckten Vorſchriſten. Nach dieſen ſind
zur Bekämpfung der Schnakenplage hinfort nicht mehr allein die
Grundſtückseigentümer (Vermieter, Verpächter) ſondern falls die
Grundſtücke vermietet oder verpachtet ſind, die Mieter oder
Pächter verpflichtet.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.

Polizeiverordnung.

Auf Grund des Artikel 64 der Kreis= und Provinzialordnung
vom 8. Juli 1911 wird nach Zuſtimmung des Kreisausſchuſſes mit
Genehmigung des Großh. Miniſteriums des Innein vom 29. Januar
1913 zu Nr. M. d. J. II. 464 für den Kreis Darmſtadt verordnet,
was folgt:
Wenn die Gemeindeverwaltungen die Bekämpfung der Schnaken=
plage
beſchließen und vornehmen, ſind die Grundſtückseigentümer
oder, falls die Grundſtücke vermietet oder verpachtet ſind, die Mieter
oder Pächter, ſoweit ſie nicht nachſtehend zu einer unmittelbaren
Mitwirkung herbei berufen ſind, zur Duldung der gemeindepolizei=
lichen
Maßnahmen verpflichtet.
§ 2.
Jeder Verpflichtete hat auf Aufforderung der Ortspolizei=
behörde
in ſeinen Kellern mindeſtens einmal in der dazu geeigneten,
von der Ortspolizeibehörde bezeichneten Zeit und zwar bei Froſt=
wetter
, die überwinterten Schnaken durch Ausbrennen oder, wo dies
nicht angängig iſt, durch Ausräuchern zu vernichten.
3.
Jeder Verpflichtete hat auf Aufforderung der Ortspolizeibehörde
in den von ihr bezeichneten Orts= und Gemarkungsteilen in den
Monaten April bis September einſchließlich mindeſtens einmal
monatlich die auf ſeinem Grundſtück befindlichen Jauchen= und Abort=
aruben
mit einem zur Vernichtung der Schnakenbrut geeigneten
Mittel (Saprol, Petroleum oder dgl.) zu übergießen.
Falls die Verpflichteten ungeachtet der Aufforderung der Orts=
polizeibehörden
die ihnen nach den §§ 2 und 3 obliegenden Maß=
nahmen
nicht ausführen, ſo ſind die Ortspolizeibehörden berechtigt,
das Erforderliche auf Koſten der Säumigen zu veranlaſſen.
§ 5.
Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften der §§ 2 und 3
können nach geeigneter Verwarnung auf Grund des Artikel 64 der
Kreis= und Provinzialordnung vom 8. Juli 1911 mit Geldſtrafe bis
zu 30 Mark beſtraft werden.
§ 6.
Dieſe Verordnung tritt mit dem Tag ihrer Verkündigung in Kraft.
Mit dem gleichen Tage iſt die Polizeiverordnung, betr. die
Bekämpfung der Schnakenplage vom 11. März 1911 aufgehoben.
Darmſtadt, den 6. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
J. V.: Dr. Reinhart.

Deffentliche Aufforderung.

Nach § 2 der Polizeiverordnung des Großh. Kreisamts
Darmſtadt vom 6. Februar 1913 über die Bekämpfung der Schnaken=
plage
haben nicht mehr allein die Grundſtückseigentümer ſondern,
falls die Grundſtücke vermietet oder verpachtet ſind, die Mieter oder
Pächter auf Aufforderung der Ortspolizeibehörde in den Kellern
ihrer Hofreiten mindeſtens einmal in der dazu geigneten Zeit, und
zwar bei Froſtweiter, die überwinternden Schnaken durch Ausbrennen
oder, wo dies nicht angängig iſt, durch Ausräuchern zu vernichten.
Wir fordern daher ſämtliche hieſigen Grundſtückseigen=
tümer
und ſoweit die Grundſtücke vermietet oder verpachtet
ſind, ſämtliche Mieter und Pächter hiermit auf, alsbald und
zwar ſpäteſtens bis zum 1. März das Ausbrennen der Keller
vornehmen zu laſſen.
Das Ausbrennen der Keller geſchieht am beſten mit einer
Spiritusfackel, die man ſich leicht ſelbſt herſtellen kann. Man befeſtige
am Ende einer Stange Lappen, Werg oder einen ähnlichen Stoff,
tränkt dieſen mit Spiritus und zündet ihn an. Vor einem alzu
reichlichen Tränken des Stoffes mit Spiritus wird nachdrücklich
gewarnt, da der Spiritus ſich beim Brennen ausdehnt und dann
leicht brennender Spiritus abtropft, wodurch Unfälle entſtehen können.
Ebenſo iſt es ſtets zu vermeiden, daß in der Nähe des Ausbrennenden
ein Geſäß oder eine Kanne mit Spiritus ſteht, weil die von dem
Spiritus ausgehenden Dämpfe an der offenen Flamme leicht ent=
zündbar
ſind.
Da bei dem Ausbrennen der Keller zur Vermeidung von
Brandfällen große Vorſicht geboten iſt, empfiehlt es ſich, das
Ausbrennen von Feuerwehrleuten vornehmen zu laſſen. Geſuche
um Ueberlaſſung von Feuerwehrleuten für genannten Zweck ſind
entweder an die zuſtändigen Polizeireviere oder direkt an die
ſtändige Feuerwache hinter der Stadtkirche (Telephon Nr. 177
zu richten. Die Koſten für das Ausbrennen (50 Pfennig für
die Stunde einſchl. Fackeln) ſind von den Grundſtückseigentümern,
Mietern oder Pächtern gegen Quittung an die Feuerwache zu zahlen.
Das Abbrennen der Schnaken, die erfahrungsgemäß in dunklen
Ecken und Winkein in großen Haufen zuſammenſitzen, hat in der
Weiſe zu geſchehen, daß man an der höchſten Stelle des Kellers
beginnt und von da aus langſam an den Wänden herunterfährt.
Man darf auf keinen Fall unten anfangen, weil die anſteigende
Wärme die weiter oben ſitzenden Schnaken verſcheucht.
In Kellern, in denen Petroleum, Benzin, Spiritus oder ähn=
liche
feuergefährliche Stoffe lagern, muß das Ausbrennen wegen der
damit verbundenen Feuersgefahr unterlaſſen werden. Solche Keller
ſind auszuräuchern. Das Ausräuchern geſchieht am einfachſten
mittels Schweſels, der auf eine Pfanne einen Tiegel oder einen
Blechtopf zu legen und anzuzünden iſt. Die Kellerluken und =Fenſter
müſſen vorher geſchloſſen werden.
Vom 1. März ds. Js. an werden Polizeibeamte und
Keuerwehrleute kontrollieren, ob die Grundſtückseigentümer,
Mieter oder Pächter ihrer Verpflichtung zum Ausbrennen der
Keller ſämtlich nachgekommen ſind. Im Falle der Unterlaſſung
wird das Ausbrennen der Keller durch Feuerwehrleute auf
Koſten der ſäumigen Grundſtücksbeſitzer, Mieter oder Pächter
ausgeführt werden. Die Genannten haben zu dieſem Zwecke
ihre Keller den Polizeibeamten oder Feuerwehrleuten zugänglich
zu machen. (§ 1, 2 und 4 der genannten Polizeiverordnung)
Zuwiderhandlungen gegen die Vorſchriften der erwähnten
Polizeiverordnung können nach geeigneter Verwarnung mit Geld=
ſtrafe
bis zu 30 Mark beſtraft werden.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
Großherzogliches Polizeiamt Darmſtadt.
Gennes.
(4051dis

En unſer Handels=Regiſter, Ab=
Iteilung 2, wurden folgende
Einträge vollzogen:
Am 3. Februar 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Karl Pfaff & Co., Darm=
ſtadt
.
Die Firma iſt erloſchen.
Am 13. Februur 1913.
Hinſichtlich der Firma:
Friedrich Dahlen, Darm=
ſtadt
.
Die Firma iſt erloſchen.
Am 14. Februar 1913.
Hinſichtlich der Firmen:
1. Gebrüder Sender, Darm=
ſtadt
.
Geſchäft und Firma ſind
auf die Kaufleute Jakob
Sender und Joſeph Sender,
beide in Darmſtadt, als per=
ſönlich
haftende Geſellſchafter
übergegangen. Offene Han=
delsgeſellſchaft
.
Die Geſellſchaft hat am
28. Januar 1913 begonnen.
2. Heinrich Braun, Darm=
tadt
.
Die Prokura der Heinrich
Braun Maurermeiſter Ehe=
frau
, Emma, geborene Heil,
in Darmſtadt, iſt erloſchen.
3. H. Uhde, Darmſtadt.
Geſchäft ſamt Firma ſind
auf Hermann Uhde, Witwe,
Anna Marie, geb. Wagner,
in Darmſtadt, übergegangen.
Rudolf Uhde, Buchdrucker
in Darmſtadt, iſt zum Pro=
kuriſten
beſtellt.
Am 14. Februar 1913.
Neu eingetragen die Firmat
Joſef Wartensleben II.,
Pferdehandlung, Darm=
ſtadt
, und als deren Inha=
ber
: Joſef Wartensleben II.,
Pferdehändler in Darm=
(4284
ſtadt.
Darmſtadt, 14. Februar 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Verſteigerungen
und
Tarationen

aller Art übernimmt unter billig=
(3375a
ſter Rerechnung
F. Kurtz, Auktionator u. Taxator,
Pädagogſtraße 2. Teleph. 1202.

werden poliert u. repariert
(2229a
Möbel Neugaſſe 1.

[ ][  ][ ]

Brennholz=Verſteigerung.

Donnerstag, den 20. u. Freitag, den 21. Februar 1913
jedesmal 9 Uhr vormittags anfangend, werden auf hieſigem Rat=
hauſe
aus hieſigem Gemeindewald, Diſtrikt Klingsacker= und
Malchertanne
ca. 11 Raummeter Buchen=Scheiter,
Knüppel,
Stöcke,
310 Stück
Wellen,
53. Raummeter Kiefern=Scheiter,
659
Knüppel,
183
Stöcke,
5890
Wellen
meiſtbietend verſteigert. Die Forſtwarte Haas und Weingärtner
erteilen Auskunft.
(4205oi
Pfungſtadt, den 11. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt.
Lang.

Autz= und Brennholz=Verſteigerung.

Im Büttelborner Gemeindewald kommen an Ort und
Stelle zur Verſteigerung
Freitag, den 21. Februar 1913:
Scheiter: 3 rm Buchen, 32 rm Birken, 262 rm Kiefern, 18 rm Pappel;
Wellen: 775 Hainbuchen, 2625 Eichen, 10250 Kiefern, 425 Pappel.
Samstag, den 22. Februar 1913:
1,03 fm
5 Eſchen=Stämme, 1447 cm Durchm., 46 m Länge
48
8 Birken
3,33
2738
,
312, 27,83
44 Eichen 2560
,
1419
3 , 4,51
70
(Einfriedigungspfoſten)
7 Kiefern=Stämme, 3140 cm Durchm., 810m Länge 6,58 fm
0,55
813
315
4 Fichten
9 Pappel
2248 46 4,15
78
0,55
14 Fichten=Derbſtg. 89
2 rm Eſchen=Scheiter, 28rm Eichen=Rundſcheiter, 116 rm Eichen=Scheiter.
Zuſammenkunft an beiden Tagen vormittags um 9 Uhr au
der Darmſtädter Chauſſee, am Eingang des Waldes. Sämtliche
Kiefern=Wellen im Bräunshardter Tännchen und in der Hardtanne
beliebe man zuvor einzuſehen, da ſolche in der Mittagspauſe zum
Ausgebot kommen. Stammholzverzeichniſſe ſind unentgeltlich durch
die Bürgermeiſterei zu beziehen.
Büttelborn, 15. Februar 1913
(4286
Großh. Bürgermeiſterei Büttelborn.
Seußfelder.

Holzverſteigerung.

Montag, den 24. Februar I. J., von vorm. 9 Uhr an,
ſollen in der Heberer’ſchen Wirtſchaft in Meſſel aus dem Meſſeler
Gemeindewald Diſtr. I Gemeindswäldchen, Abt. 7, Diſtr. II Hügel=
teile
und III Mittelhecke aus verſchiedenen Abt. verſteigert werden:
A. Nutzholz:
39 Stück Fichtenſtämme V. Kl. 9,02 fm,
Lärchenderbſtange 0,06 fm,
290
Fichtenderbſtangen I. und II. Kl. 11,89 fm,
1rm Eichen=Ründſcheit, 2,5m lang.
B. Brennholz:
Scheiter, rm: 3 Eichen I. Kl., 29 Eichen II. Kl., 1 Erle, 7 Kiefern;
Knüppel, rm: 1 Buche, 42 Eichen, 12 Erlen, 351 Kiefern;
Knüppel, Reiſig, rm: 1 Buche, 11 Eichen, 41 Kiefern;
Reiſig, Wellen: 220 Buchen, 1630 Eichen, 100 Erlen, 3600 Kiefern;
Stöcke, rm: 40 Eichen, 48 Kiefern, grob geſpalten.
Nähere Auskunft erteilt Forſtwart Engel zu Meſſel.
Meſſel, 17. Februar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Meſſel.
Hickler.
(4324

Pappel=Stamm= und Brennholz=
Verſteigerung.

Donnerstag, den 20. I. Mts., von 10 Uhr vorm. ab,
werden am Ortsausgang nach Darmſtadt circa 30,00 fm Pappel=
ſtammholz
, ſowie 26rm Brennholz und 3,7 Hdt. Wellen meiſtbietend
verſteigert.
Es wird bemerkt, daß das Holz direkt an der Kreisſtraße
Darmſtadt-Eſchollbrücken lagert und gut abzufahren iſt.
Zahlungsfriſt bis Martini 1913.
Eſchollbrücken, den 17. Februar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Eſchollbrücken.
Götz.
(4323im

Vergebung von Kohlen.

Die für das Elektrizitätswerk Pfungſtadt pro Rj. 1913 benötigten
Kohlen ſollen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden.
Bedingungen über die Anlieferung der Kohlen liegen auf der
Großh. Bürgermeiſterei Pfungſtadt ab 15. Februar 1913 zur Einſich
auf und ſind für auswärtige Intereſſenten von dort zu
beziehen.
Angebote ſind mit entſprechender Aufſchrift bis zum 27. Februar
1913, vormittags 11½ Uhr, ebendaſelbſt einzureichen. (4259id
Pfungſtadt, den 15. Februar 1913.
Städtiſches Elektrizitätswerk Pfungſtadt.
Laug.

Bekanntmachung.

Mittwoch, den 19. Februar 1913,
vormittags 11½ Uhr,
läßt die Gemeinde Ober=Ramſtadt in der Faſelhofreite dahier, zwei
gutgehaltene zur Zucht untauglich gewordene
Faſelochſen
meiſtbietend öffentlich verſteigern.
Die Gemeinde beabſichtigt wieder
Zjunge, ſprungfähige Faſelochſen(SimmentalerRaſſe
anzukaufen und ſind Offerten innerhalb 8 Tagen an die Großh
Bürgermeiſterei dahier einzuſenden.
Ober=Ramſtadt, den 14. Februar 1913.
Großherzogl. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt
Rückert.
(4200s

Zu verk. 1 eiſ. u. 3 Holzbetſt,
gebr. Schneider=Nähmaſchine,
1 alt. Sofa, einige Stühle u. Bilder
4285) Grafenſtraße 31, 1. Stock

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Kartoffeln Ia, gelbfl. Induſtrie,
Ztr. 2.20 Mark, abzugeben, ferner
1 Fahrrad 28 Mk., 1 Aquarium
mit Springbrunnen zu verkaufen
*4423imd) Mühlſtraße 5, part.

Bekanntmachung.

Freitag, 4. April 1913,
vormittags 10 Uhr,
ſollen die den Gaſtwirt Georg
Martin Junghäns II. Eheleuten
zu Reinheim, im Grundbuch hie=
ſiger
Gemarkung zugeſchriebenen
Immobilien:
Flur Nr. qm
17 17 768 Hofreite Sand=
ſtraße
Nr. 42,
17 18 189 Hofreitegrund u
Wirtſchaftshalle
Riedeſelſtraße,
17 19 213 Wohnhaus u. Hof=
raum
Riedeſel=
ſtraße
53,
17 19¾/10 46 Grabgarten da=
ſelbſt
,
17 20 35¾0 Wohnhaus mit
Hofraum da=
ſelbſt
,
17 20¾/10 22¾/10 Grabgarten da=
ſelbſt
,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
verſteigert werden.
(K15/13
Darmſtadt, 15. Februar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,4266

Der Plan über die Herſtellung
unterirdiſcher Telegraphen=
linien
in Darmſtadt liegt bei dem
Kaiſerlichen Telegraphenamt hier
von heute ab 4 Wochen aus. (4276
Darmſtadt, 17. Februar 1913.
Kaiſerliche Ober=Poſtdirektion.

Bekanntmachung.

Die am 13. ds. Mts. abgehaltene
Holzverſteigerung iſt genehmigt
Die Abfuhrſcheine können vom
20. ds. Mts. an bei den betreffen=
den
Kaſſenſtellen in Empfang ge=
nommen
werden.
Die Ueberweiſung erfolgt am
21. Februar,
(4310
Darmſtadt, 17. Februar 1913.
Großh. Oberförſterei Beſſungen.
V.: Kindhäuſer.
Großherzogl. Forſtaſſeſſor.

Bekanntmachung.

Die am 10. ds. Mts. im Roß=
dörfer
Gemeindewald abgehaltene
Stamm= und Stangenholz=Ver
ſteigerung iſt genehmigt.
Mittwoch, den 19. ds. Mts., iſt
erſter Abfuhrtag.
(4326
Roßdorf, 15. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Roßdorf.
Lorenz.

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Schlachtviehmärkte Darmſtadt

im Schlachtviehhof neben dem ſtädtiſchen Schlachthof. Schweines
märkte: Montags, Mittwochs und Donnerstags. Kälbermärkte:
Montags und Donnerstags. Bei Kälbermärkten iſt der Verkauf
von Großvieh geſtattet. Bahnanſchluß. Modernſte, ſeit 3. Februar
ds. Js. geöffnete Neuanlagen.
(4329a
Nähere Auskunft erteilt die
Schlacht= und Viehhofdirektion.

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131

Editha hatte etwas Sicheres in ihrem Auftreten. In
der Art, wie ſie Reginald anredete, lag ſogar eine Art
Protektion. Guten Tag, Herr von Steenhuſen, wie geht
es Ihnen?
Danke, Baroneß, ausgezeichnet. Und Ihnen? Wie ich
ſehe, ganz vorzüglich. Reginald hob zum zweitenmal
leicht die Rechte zum Mützenrand. Darf ich die Damen
mit meiner Frau bekannt machen, Warinka bitte, die
Baroneſſen Heidegg
Es fügte ſich alles ſo ſelbſtverſtändlich. Die Vergangen=
heit
war ſchon beim erſten Gruß völlig überbrückt. Nur
Erika ſchürzte etwas unmutig ihre Lippen, als ſie neben
Regi im Landauer ſaß. Sie hatte ihm noch nichts ver=
ziehen
. Sie haßte überhaupt die Männer. Wie ein Strich
ſah ſie aus in ihrem ſportmäßigen Koſtüm, die kurzver=
chnittenen
, glanzloſen Haare unter ein Herrenhütchen ge=
borgen
. Kein einziges Härchen kräuſelte ſich um ihre
Schläfen. Alles war glatt, wie geleckt, behauptete Diez.
Und Erika hielt ſich immer kerzengerade. Man fuhr alſo
von der Bahn zu viert durch das herbſtliche Land.
Warinka war einſilbig und verdrießlich. So öde war
alles hier. Aber dann wurde ſie lebhafter, als Editha von
Nizza begann. Wie dunkle und düſter das Moor dalag,
von kleinen Birken an ſeinem Rande begrenzt. Editha
unterbrach ihre Lobrede auf den Süden und ſagte: Es hat
aber doch auch ſeinen Reiz, alte, bekannte Gegenden

auch ſolche, nach denen man in der Ferne keine Sehnſucht
empfundenn hat wiederzuſehen.
Reginald dachte an ſein väterliches Gut. Das wollte
er lieber gar nicht wiederſehen er konnte es ja doch
nicht zurückkaufen. Ganz leiſe ſpürte er bereits den Druck
der Kette. Es iſt ja ein böſes Ding mitunter, der arme
Mann einer reichen Frau zu ſein.
Warinka hatte Kopfweh nach der Eiſenbahnfahrt. O,
daß Molly gerade jetzt krank werden mußte, ſeufzte ſie und
ſchloß halb die Augen.
Eine Freundin? fragte Editha, verbindlich bedauernd.
Ein Kleinod, erwiderte Warinka leidenſchaftlich, meine
Kammerzofe.
Erika lächelte ſpöttiſch mit ihren ſchmalen, farbloſen
Lippen. O wie ſie es Reginald gönnte! . . .
Paß auf, Chriſtel: Regi, mon cheri, wird noch mal
ſeine Kinder warten müſſen, ſagte der Freiherr halb
lachend, halb verärgert verkehrte Welt.
Aber, lieber Matthias.
Es wundert mich, daß Dir Dein lieber Bruder nicht
leid tut, Chriſtel, mein ſtilles Mitgefühl beſitzt er jeden=
fall
. Komm her, liebe Alte, Du biſt doch die Beſte und
Liebſte von der Welt.
Der Freiherr küßte ſeine Gattin beinahe ſo heiß, wie
in den erſten Jahren ſeiner Ehe.
Frau Chriſta erglühte. Aber Matthias wir ſind
doch alte Leute ums Jahr vielleicht Großeltern . . .
Aber ſie ließ ſich doch gern küſſen.
Zu dem Polterabendball auf Heidegg waren Maſſen=
einladungen
verſchickt worden. Das letzte Gaſtbett im

großen Hauſe mit ſeinen zahlreichen Fremdenzimmern
war beſetzt; ſogar in der Spinn= und Webeſtube Logier=
beſuch
untergebracht. Auch Fernerſtehende waren einge=
laden
und ſo kam es, daß der neue Bevollmächtigte
der Baronin Lansky‟, Herr Gaſton von Helmering, ein
großer, blonder Mann in den Dreißigern, ebenfalls zu
den Bevorzugten gehörte. Die Helmerings waren vom
jüngſten Adel, mütterlicherſeits beſaß Gaſton jedoch einen
alten Stammbaum. Vorerſt lebte er allein in dem In=
ſpektorhauſe
auf Eldenau, demnächſt ſollten ſeine Mutter
und eine ältere, unverheiratete Schweſter zu ihm über=
ſiedeln
. Frau von Helmering liebäugelte ſchon par
diſtance mit dem Herrenhauſe doch das öffnete ſeine
Türen einzig und allein der Gutsherrſchaft,
Gaſton Helmering betrachtete ſeine ſtattliche Figur im
Spiegel, er wußte, daß ihn der Geſellſchaftsanzug ſehr
gut kleidete. Heute ſollte er in Heidegg den ganzen Adel
des Kirchſpiels kennen lernen. Er hatte überall, wo es
ihm dienlich erſchienen war, Beſuche gemacht im gan=
zen
durfte er ja mit dem Empfang, der ihm zuteil gewor=
den
, zufrieden ſein , aber die Farben auf ſeinem neuen
Wappen waren doch noch nicht ganz trocken; zudem hing
beſagtes Wappen noch nicht im Ritterſaale der Hauptſtadt
der Provinz. So geringfügig dieſer Umſtand Uneinge=
weihten
erſcheinen mochte für Helmering war er den=
noch
die chineſiſche Mauer, die ihn von dem immatriku=
lierten
Adel trennte. Es war lächerlich, vorgntflutlich
aber es war nun mal ſo. Nun hieß es für Helmering,
ſich um die Aufnahme in die Matrikel bewerben.
Dazu bedurfte er der einflußreichen Protektior am

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beſten war es jedenfalls, er heiratete, wie er es nannte,
in den dickſten Adel hinein‟ Dann würde die Verwandt=
ſchaft
ſeiner Gattin das Nötige beſorgen. Er gab ſeinem
dicken, blonden Schnurrbart, der ſeinen nicht unſchönen
Zügen etwas Unternehmendes verlieh, noch ein paar
Bürſtenſtriche. Dann. fuhr er nach Heidegg.
Editha und Erika fanden es gar nicht ſo übel zu
Hauſe zu ſein Sie fühlten ſich, waren durch ihr Geld
unabhängig jetzt, galten als Partien ſogar, und hatten
jenen ausländiſchen Schick in Toilette und Auftreten, der
in der Provinz meiſt ſehr imponiert.
Editha tanzte nicht mehr es war eine Art von Ko=
ketterie
bei ihr. Weil ſie wußte, daß ſie jugendlich aus=
ſah
, kokettierte ſie mit ihren Jahren. Sie ließ ſich aber
doch von Helmering zu einer Monſtrequadrille auffordern,
Helmering gefiel ihr.
Er war gereift, verſtand zu plaudern, die kraftvolle
Männlichkeit ſeiner Erſcheinung, die Brutalität, die um
ſeine Lippen lag und von dem dichten Schnurrbart nicht
immer ganz verdeckt wurde, wirkten auf Editha. Ihre
matten Augen belebten ſich ſie ſehnte ſich noch immer
danach, ganz Weib zu ſein. Doch ſie war vorſichtig ge=
worden
ſeit jener Epiſode mit Regi Steenhuſen, und ſeit=
dem
ſie in Wien einmal beinahe die Beute eines Hoch=
ſtaplers
geworden war, der es auf ihr Geld abgeſehen
hatte.
Gaſton erzählte ihr von ſeiner Mutter, der geborenen
Komteß Steden. In den Quadrillepauſen plauderten ſie
bald wie alte Bekannte miteinander, und auch ſpäter im
Laufe des Abends ſetzte ſich Helmering immer wieder zu
ihr, die in einer ſyringenfarbenen Seidenrobe, mit der
blendenden Hautfarbe der Blondinen, ganz vorzüglich
ausſah.
Warinka tanzte nicht, weil der Arzt es ihr verboten

hatte. Sie litt heute wieder an Migräne, eine Folge
ihres körperlichen Zuſtandes, über den ſie ſich, im Gegen=
ſatz
zu den meiſten jungen Frauen, die in der gleichen
Lage ſich befinden, ärgerte. Regi mußte ihre üble Laune
ausbaden.
Kurz vor dem Souper führte Regi eine Mazurka an.
Er tanzte womöglich brillanter denn als Einjähriger.
Iſa ſchwebte wie eine Schneeflocke neben ihm dahin.
Da regte ſich in Warinka, die neben Frau Chriſta in
einem weichen Armſeſſel ſaß, der Stolz auf ihren Gatten.
Sie folgte ihm mit verliebten Blicken und ſagte: Iſt er
nicht raviſſant? Nest ce pas? In ſein Mazurkatanzen
habe ich mich eigentlich vergafft, als Papa mich vor einem
Jahre, als ich aus dem Inſtitut in Moskau nach Hauſe
kam, zum erſtenmal auf eine Reunion in unſerem Klub
mitnahm. Nachher fiel ich Papa um den Hals und rief:
Papaſcha, den heirate ich, dieſen entzückenden Steenhuſen
oder keinen! Es war ein coup de foudre. Glauben
Sie auch daran, Chriſta?
Nein, ſagte Frau Chriſta ehrlich und raſch.
Mais vraiment? fragte Warinka erſtaunt.
Die Mazurka war zu Ende. Fabian, der mit ſeiner
Braut getanzt hatte, eilte ins Nebenzimmer. In der Tür
traf er Helmering, der eine offene Depeſche in Händen
hielt. Er hatte einen ſorgenvollen Geſichtsausdruck.
Doch keine unangenehme Nachricht? fragte Fabian.
Doch, Herr von Heidegg mehr noch: eine Trauer=
nachricht
. Mein Prinzipal, Baron Lansky, iſt heute mor=
gen
in Mentone geſtorben . . .
Irma drückte verſtohlen ihres Verlobten Hand. Mor=
gen
um dieſe Stunde war ſie ſeine Frau, dann fuhren ſie
miteinander in die Welt hinaus, auf ein paar Wochen
Onkel Vahlen hatte die Hochzeitsreiſe geſtiftet.
Was haſt Du nur, Fabi, Du biſt ja ſo ſtill? flüſterte
Irma zärtlich.

Fabian preßte krampfhaft ihre Hand. Nichts, mein
Herz!
Aber er ſah nicht die Lichter, die ihm und ſeiner Brauk
zu Ehren heute in Heidegg brannten, nicht das ſtrahlende
Lächeln auf Irmas Zügen er dachte an düſtere Toten=
kerzen
, die fern im Süden einen Sarg umſtanden. Am
Sarge ſaß Monika im Witwenſchleier.
*
*
Die Feſtklänge auf Heidegg waren verhallt, das junge
Ehepaar weg ein feiner Oktoberregen ſprühte herab,
und der Freiherr dachte behaglich: So, nun kommt man
endlich wieder in ſeine alten Falten.
Reginald und ſeine Frau weilten noch auf Heidegg.
Warinka fühlte ſich ſchlecht und jammerte nach Mollys
Pflege. Regi mon cheri machte ihr ſchließlich doch
nichts recht.
Ganz leiſe, um die junge Frau nicht zu wecken, ſchlich
ſich Reginald frühmorgens aus dem Schlafgemach. Es
war bewunderungswürdig, mit welch frauenhafter Zart=
heit
er Warinka pflegte und ihre Launen ertrug. Man
durfte ja nicht mit ihr rechten. Sie war noch ein halbes
Kind in ihrem Weſen und ſah bereits der Mutterſchaft
entgegen. Frau Chriſta fand die Schwägerin unleidlich.
Editha hatte ihrem Vater am Tage nach dem Ball
erklärt, einige Zeit auf Heidegg bleiben zu wollen. Sie
geſtand ſich’s nicht ein, daß die Bekanntſchaft mit Hel=
mering
weſentlich zu dieſem früher flüchtig erwogenen
Entſchluß beigetragen habe. Die Schweſtern hatten in
der letzten Zeit ein bißchen über ihre Mittel gelebt, die
Zinſen hatten nicht ausgereicht, um Toiletten und Reiſen
zu beſtreiten. Nun wollten ſie den Winter über ſparen
in Heidegg. Das Familienleben war ja auch ſo friedlich.
Aus dem Grunde nahm Frau Chriſta die Nachricht, daß
die Stieftöchter dableiben würden, gelaſſen auf.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Sport, Spiel und Turnen.

Der 75. Kreisturntag des Mittelrheinkreiſes
rvurde am 16. Februar in der Turnhalle der Bockenheimer
Turngemeinde abgehalten. Ihm ging am vorhergehen=
den
Tage eine Sitzung des Kreisausſchuſſes, dem der
Geſchäftsführer und Turnausſchuß, ſowie die ſämtlichen
Wauvertreter angehören, voraus. Er bewilligte den
Turnvereinen zu Seelbach, Rheinböllen, Straßebersbach,
Maxheim und Gradbach Unterſtützungen zu ihren Turn=
Ghallebauten und 100 Mark zu dem Denkmal für den ver=
torbenen
Vorſitzenden des Turnausſchuſſes der Deutſchen
Turnerſchaft, Profeſſor Keßler in Stuttgart. Die Rech=
nungsablage
des Kreisgeſchäftsführers Roth=Frankfurt er=
mibt
18 887,33 Mark Einnahme und 15 637,35 Mark Aus=
Fabe, alſo 3249,98 Mark Kaſſebeſtand. Die verſchiedenen
UInterſtützungskaſſen haben einen Beſtand von 9805,58
Mark, das ganze Vermögen beträgt alſo 13 055,56 Mark.
Der Kreisturntag wird von dem 1. Kreisvertreter, Schul=
gat
Schmuck=Darmſtadt, mit herzlichen Worten an
Die Vertreter der Militär= und Zivilbehörden, ſowie an
Die zahlreich erſchienenen Abgeordneten eröffnet. Von
Ehrengäſten waren anweſend die Herren Major Freiherr
won Hügel, Hauptmann von Prittwitz und Leutnant
Müller vom 81. Infanterie=Regiment, Herr Regierungs=
Aſſeſſor Wehr und Herr Stadtrat Dr. Ziehen, ſowie zwei
Herren vom Art.=Regt. Frankfurt. Herzliche Begrüßungs=
worte
ſprachen für die Regierung Regierungs=Aſſeſſor
Wehr, für die Stadt Frankfurt Herr Stadtrat Dr. Ziehen,
ffür den Gau Frankfurt der Gauvertreter, Herr Profeſſor
Wender, für die Bockenheimer Turngemeinde der Vor=
ſſitzende
, Herr Roth. Der Kreisvertreter dankte. Aus den
Begrüßungsworten ſei zu erkennen, daß wir uns eines
guten Anſehens bei allen Behörden zu erfreuen hätten
und auf ihre Unterſtützung rechnen könnten. Der beſte
DDank ſei das Gelöbnis, wie ſeither, ſo auch in aller Zu=
Runft treu zu ſtehen zu Kaiſer und Reich. Darauſhin Gut
Heil! Aus der Beſtandserhebung vom 1. Januar 1913
äſt folgendes zu entnehmen: Die Zahl der Vereine beträgt
*1325 (- 67), die Zahl der Mitglieder 134978 ( 6795),
Darunter ſind 25945 Zöglinge (1417 Jahre alt, 1481).
Turnende Mädchen und Frauen hat der Kreis 5060
N- 86), Schüler 11011 (- 1696), Schülerinnen 2339
( 301). Eigene Turnplätze haben 381 (- 21), eigene
Turnhallen 189 ( 6) Vereine. Der Kreisvertreter ſchließt
imit der Erinnerung an die Zeit vor hundert Jahren und
ldem Wunſche, daß unſere Jugend immer ſo erzogen wer=
iden
möge, daß ſie das verteidigt, was uns unſere Väter
gerſtritten haben. Kreisturnwart Volze beſpricht die für
die Einweihung des Völkerſchlachtdenkmals vorgeſehenen
Eilbotenläufe und bittet die Vereinsvorſitzenden, überall
AAufklärungen über die Fremdenlegion zu geben.
Ein erhebender Augenblick war es, als das Ehren=
rmitglied
des Kreiſes, Otto Schatt=Hanau, dem 1. Kreis=
(vertreter, Schmuck, unter warmer Würdigung ſeiner Ver=
dienſte
in 25jähriger Tätigkeit als Gauvertreter, 2. und=
11. Kreisvertreter den Dank des Vereins ausſprach und
fihm eine künſtleriſch ausgeführte Plakette überreichte. Der
Dank des Kreisvertreters klang in das Verſprechen aus,
fſolange es ihm möglich ſei, ſeine Kräfte der Turnſache
zu widmen. Nach der Wahl der Kampfrichter für das
12. Deutſche Turnfeſt in Leipzig teilt Kreisturnwart Volze
rmit, daß der 9. Kreis ſeinen Sechskampf am Sonntag
rnachmittag, ſeinen Zwölfkampf am Montag und ſein
Kreisturnen am Dienstag morgen hat. Dem Antrag des
Gaues Frankfurt, bei dem Ausſchuß der Deutſchen Tur=
inerſchaft
darauf hinzuwirken, daß bei deutſchen Turnfeſten
auch die Meiſterſchaften in Schleuderball, Barlauf, Trom=
melball
und Waſſerball ausgefochten werden, wird ſtatt=
gegeben
. Der 1. Kreisvertreter macht Mitteilungen über
den Jungdeutſchlandbund und empfiehlt allen Vereinen
iden Einzelanſchluß, damit ſie über die Arbeit in ihm
tunterrichtet ſind und Einſluß darauf gewinnen.
Der Turntag war beſucht von 13 Mitgliedern des
(Geſchäftsführenden und Turnausſchuſſes von 24 Gauver=
tretern
, 20 Gauturnwarten und 377 Abgeordneten von
230 Vereinen.
* Hockey. Das am Sonntag hier zwiſchen den erſten
Mannſchaften des Vereins für Raſenſpiele=Mannheim
und des Fußballklubs Olympia=Darmſtadt ausgetragene
Wettſpiel brachte den Gäſten den überraſchend hohen Sieg
von 9.2 über die Einheimiſchen. Bei letzieren machte ſt
der Mangel an Kombination bemerkbar, während die
Mannheimer ein weit beſſeres und flotteres Spiel liefer=
ten
.
* Fußballſport. Am Sonntag ſtand die 1. Mannſchaft
des J.K Teutonia‟ Weiterſtadt 1911 der
1. Mannſchaft des Sp.=K. Alemannia‟=Gräfenhauſen 1909
dort gegenüber und konnte nach überlegenem Spiel, 5.2
Toren, obwohl Alemannia einen Verbandsſpieler von
Wixhauſen hatte, gewinnen. Am nächſten Sonntag hat
der F.=K. Teutonia die Fußballmannſchaft des Ring=
und Stemmklubs Germania=Bornheim=Frankfurt zu
Gaſt.
sr. Sechſtes Turnier deutſcher Pferde. Der erſte Tag
des vom Reichsverband für deutſches Halbblut veran=
ſtalteten
dreitägigen Wettbewerbs geſtaltete ſich am Sonn=
tag
zu einem vollen Erfolg. Im Sportpalaſt in der Pots=
damer
Straße hatten ſich die pferdeſportlichen Kreiſe Ber=
lins
ein Stelldichein gegeben, und die große Arena war
faſt bis auf den letzten Platz gefüllt. Anweſend waren
u. a. Großherzog von Sachſen=Weimar und Gemahlin,
Herzog Ernſt Günther von Schleswig=Holſtein, Herzog von
Ratibor, Generalſeldmarſchall Freiherr von der Goltz,
Graf E. Henckel, die Oberlandſtallmeiſter Graf Lehndorff
und v. Oettingen, die Landſtallmeiſter Graf Siegfried
Lehndorff und Freiherr von Senden, Generalmajor von
Longchamps=Berier, Oberſtallmeiſter Freiherr v. Reiſchach,
Prinx Taxis, Graf A. Bismarck und Kammerherr v. Re=
kowski
. Von den ſechs Konkurrenzen des Programms
war das Ermunterungs=Jagd=Springen mit 49 Konkur=

ene erſteneretrter e ertetergete
ging Rittmeiſter v. Oeſterley vom Militärreitinſtitut Han=
noper
als Sieger hervor. Das Hochſpringen brachte ſechs
Konkurrenten an den Start. Die Leiſtungen der drei erſt=
plazierten
Pferde waren faſt gleichwertig. Alle drei ſpran=
gen
ein Hindernis von 1,80 Meter Höhe fehlerfrei. In den
erſten Preis mußten ſich Leutn. v. Meſſow (Sächſ. Feld=
artillerie
=Regt. Nr. 28) und Leutn. v. Jagow. (Ulanen=
Regt. Nr. 3) teilen. Die Reſultate waren: Große Mate=
rialsprüfung
: 1. Dr. Erich Kunheims Vaſall (Reiter Ltn.
Eggeling, Ukanen=Regt. 15), 2. Ltn. Frhrn. v. Gagerns
Salongeck (Beſ.), 3. Herrn Alfred Gilka=Bötzows Albion;
28 Konkurrenten. Erwunterungs=Jagdſpringen: 1. Ritt=
meiſter
v. Oeſterleys Pepita (Beſ.), 2. Herrn Rud.
Boehmes Barbara Allan (Beſ.), 3. Ltn. v. Jagows Ber=
ber
(Ltn. Edelmann); 49 Konkurrenten.
Maiden=
Eignungs=Prüfung für Damenpferde: 1. Oberktn. a. D.
Erich Schmidts Püppchen (Frau Nickiſch v. Roſenegk).
2. Herrn W. Huts Hofjäger (Frau v. Funcke), 3. Rittm.
v. Gottbergs Attila Frau v. Gottberg); 7 Konkurrenten.
Hochſpringen: 1. Ltn. K. Meſſows Silveſter. (Beſ.)
und 1. Ltn. v. Jagows Greif (Beſ.); totes Rennen;
3. Lin. Delocks Hubertus I (Beſ.); 6 Konkurrenten.
Dreſſur=Prüfung für Reitpferde im Privatbeſitz: 1. Frau
Dr. Vorchardts Swet Voy, 2. Herrn Huts Arminius,
3. Frau Scherings Hans; 11 Konkurrenten. Mate=
rials
=Prüfung für Wagenpferde: 1. Herrn Karb Schwa=
nitz’
Zweiſpänner Omar=Platin (Fahrer: Herr Heinſius)
und 1. Exz. v. Dirkſens Zweiſpänner Crikie= Störte=
beker
(Fahrer: Herrn v. Simpſon); 2. Dr. Hübners
Zweiſpänner Kurfürſt=Markgraf und 2.½ Bentſchener=
Taterſalls Zweiſpänner Oceana=Acadia; 8 Konkurrenten.
sr. Pferderennen. Auteuil, 16. Febr. Prix d'Ou=
verture
: 1. Mme. Cl. Procureurs Paſſau (Riolfe), 2. Sar=
torys
Perry, 3. Charlotte (Gaudinet). Tot. 37110, Pl. 17,
38, 38:10. Unpl.: Le Muſicien, Silver Cliff, Jakoutsk,
Elektriſee, Boſton III, Hondou. 1½6 Lg.
Prix du
Chene=Capitaine: 1. Monſ. A. Veil Picards Balagan ( Par=
frement
, 2. Le Roumi (G. Mitchell), 3. La Canche ( Lan=
caſter
). Tot. 29110, Pl. 15, 19, 64:10. Unpl.: Laſt Patron,
Verdalle, Pompon du General, Transfuge, Gibelin,
Prix de
Hygie II, Aloes III, Flamma. Hals3 Lg.
Bilancourt; 15000 Francs, Diſtanz 3800 Meter: 1 Monſ.
Broſſaults Patricien (Bourdale), 2. Oiſelette (Thibault),
3. Memnon (Parfrement). Tot. 379110, Pl. 65. 22, 21:10.
Unpl.: Lord Loris, Anderſon, Soulard, Sanſovino,
Fauſtine II, La Sauge (gef.), Sulpice (gef.), Lady Fiſh
(gef.), Grand Duc III (gef.). Loup (gef.), 52 La.
Prix Kerym; 15000 Francs, Diſtanz 3500 Meter: 1. Monſ.
G. Braqueſſacs Canfrane (Powers), 2. Boſton IV (R.
Sauval), 3. Upholſterer (A. Carter). Tot. 431:10, Pl. 52,
17, 16:10. Unpl.: Tribun II (4), Minotaure, Lord
William, African King, Roi Pataud, Clariſſe, Harlowe.
*43 Lg. Prir de Colombelles; 5000 Francs, Diſtanz
3500 Meter: 1. Monſ. J. Lieuxs Beliſaire II (Powers),
2. Make Haſte II (E. Hardy) 3. Le Tremblay (Head).
Tot. 87110, Pl. 27, 27, 31:10. Unpl.: Port au Prince (4),
Montagnard, Le Potache, Libretto II, Frelon II, Savate,
La Villetertre Unipar, La Breche, Caubet, Tauzia,
½6 Lg. Prix Recruit’ II; 5000 Francs, Diſtanz 3100
Meter: 1. Monſ. G. Wattines Hexagon (A. Carter), 2. Ma=
noir
(Berteauy), 3. Ormuzd (R. Sauval). Tot. 58110,
Pl. 21, 25, 27110. Unpl.: Romarin II (4), Rubinat II, Ca=
vero
, Sarbance II, Moxa (gef.), Kildare II. Vacuum
Cleaner, La Gartempe, L’Epave, Satyrgne, Pierre Cor=
neille
4 Lg.-Weile.
Eröffnung der franzöſiſchen Renn=
ſaiſon
. Nach Beendigung der ſüdfranzöſiſchen Hinder=
miskampagne
kehrte der Rennſport wieder nach Paris
zurück wo am Samstag in Auteuil die neue Kampagné
eingeleitet wurde. Wie berichtet wird, herrſchte ſonniges
Wetter und die Bahn zeigte den erwarteten Maſſenbeſuch=
Die beiden Hauptkonkurrenzen endeten mit großen Ueber=
raſchungen
. In dem von 13 Pferden beſtrittenen Prir=
de
Bilancourt kamen nicht weniger als 5 Pferde zu Fall
und der Favorit Memnon konnte nur den dritten Platz
beſetzen. Patricien‟ (Bourdale) gewann ſehr leicht mit
5 Längen gegen Oiſelette. Tot. 379110, Pl. 65, 22 21110.
Im Prix Kerym verſagten Lord William und Clariſſe
Harlowe, die favoriſierten Vertreter des Veil=Picardſchen
Stalles. Der in den Wetten völlig vernachläſſigte Can=
franc
(Powers) ſiegte nach Kampf mit dreiviertel Län=
gen
gegen Boſton, während Upholſterer vier Längen zu=
rück
auf dem driten Platz endete. Tot. 431210, P. 52, 17,
16.10. In den übrigen Konkurrenzen ſiegten Paſau
(37110), Balagan (29310), Beliſaire II (87110) und Hexa=
gon
(58:10).
sr. Deutſcher Sieg bei den Nordiſchen Spielen. Die
Nordiſchen Spiele wurden am Samstag mit Automobil=
Konkurrenzen auf dem Eiſe über 10 Kilometer fortgeſetzt.
Wie aus Stockholm gemeldet wird, gelang es dem bekann=
ten
Opelfahrer Förns, mit einem 70 PS.=Wagen die
ſchnelſte Zeit zu erzielen. Er legte den Km. in 20,4 Sek. zu=
rück
. Sein einziger Klaſſengegner, Prinz Wilhelm von
Schweden, verlor bei einer Probefahrt die Herrſchaft über
ſeinen Wagen, fuhr gegen das Ufer und wurde durch einen
heftigen Anprall herausgeſchleudert. Glücklicherweiſe kam
der Prinz mit leichten Armverletzungen davon. In zwei
anderen Klaſſen ſiegte ein Horde=Wagen in 30,9 reſpektive
351. Sek., und in den beiden Klaſſen der kleinen Wagen
ſiegte die Firma E. E. C. Mathis=Straßburg in 41,7 bezw.
51,2 Sekunden.
sr. Radrennen in Paris. Kramer ſchlägt
Hourlier. Das mit Spannung erwartete Zuſammen=
treffen
der beiden Champions, des Amerikaners F. Kramer
mit dem Franzoſen Hourlier, hatte der Pariſer Winter=
bahn
am Sonntag einen Rieſenbeſuch verſchafft. Nach
den gezeigten Leiſtungen im Training war es ſchwierig,
eine Vorausſage zu treffen, doch hatte Hourlier die meiſten
Anhänger. Er bereiteie jedoch ſeinen Freunden eine Ent=
täuſchung
. Als Kramer im erſten Lauf beim Glockenzei=
chen
zum Spurt einſetzte, mußte Hourlier, der anſcheinend

noch nicht ganz auf der Höhe ſeiner Form iſt, ſch darauf
beſchränken, das Hinterrad des Amerikaners zu halten.
Kramer gewann mit einer Länge. Der zweite Lauf be=
nötigte
drei Starts. Der erſte Ablauf wurde infolge fort=
währender
Stillſtandsverſuche der beiden abgeläutet. Der
nachſte Start gelang; aber Kramer ſtieg vom Rad, weil
ihn das Publikum mit Zeitungen und Programmen be=
warf
. Beim dritten Start ſetzte Kramer an die Spitze
und führte in mäßigem Tempo. Als die Glocke ertönte=
ſpurtete
Hourlier aus zweiter Poſition und hatte im Nu
zwei Längen Vorſprung erreicht. Ausgangs der letzten
Kurve kam Kramer mit großer Schnelligkeit auf und ſchlug
ſeinen Rivalen leicht mit einer halben Länge. Das Publi=
kum
bereitete dem fliegenden Yankee bei ſeiner Ehren=
runde
ſtürmiſche Obationen. In den beiden Dauerren=
nen
über 10 und 40 Kilometer zeigte der amerikaniſche
Weltmeiſter Wiley wieder ein ausgezeichnetes Können.
Er gewann beide Läufe gegen Guignard in 8:08,3 bezw.
32101. Guignard, der bei dem langen Rennen Pedalbruch
erlitt, endete 60 Meter bezw. 4¾ Runden zurück. In dem
Verfolgungsmatch zwiſchen dem Amerikaner Fogler und
dem franzöſiſchen Steher Darragon zeigte ſich, daß letzterer
nicht der geeignete Mann für eine derartige Konkurrenz
iſt. Fogler ſiegte nach acht Runden in 3 Min. 7,6 Sek.
Das Prämienfahren gewann Quaiſſard vor Carapezzi und
dem Auſtralier Schneider.
Sr. Der Fußball=Länderkampf Frankreich- Ber=
gien
, der am Sonntag in Brüſſel zum Austrag kam,
endete mit dem Sieg der Belgier von 3:0. Bei der Pauſe
führte Belgien bereits mit 240.
Der Fußball=Länderkampf England-Irland
kam in Belfaſt zum 32. Male zur Entſcheidung. England
ſiegte mit 210. Von den bislang ſtattgefundenen Länder=
Wettſpielen gewann England nicht weniger als 29, wäh=
rend
drei unentſchieden endeten.

Handel und Verkehr.

* Die Subſkription auf die 4prozentige Anleihe
der Provinz Oberheſſen ergab eine derart außer=
ordentliche
Ueberzeichnung, daß die ſämtlichen angemelde=
ten
Beträge ſehr namhaft reduziert werden mußten.
Deutſche Vereinsbank. Aus dem ſoeben
erſchienenen Geſchäftsbericht, abgeſchloſſen per 31.
Dezember 1912, iſt zu entnehmen, daß nach den üblichen
Dotierungen und beſonderen Rückſtellungen ein Rein=
gewinn
von 2 752 95 Mark gegen 2 126203 Mark im
Vorjahre, erzielt worden iſt. In der am 6. März ds. Js.
ſtattfindenden Generalverſammlung ſoll auf das Aktien=
kapital
von 30 Millionen Mark wieder eine Dividende
von 6 Prozent, wie ſie ſeit Jahren regelmäßig zur Ver=
teilung
gelangt vorgeſchlagen werden und mit Rückſicht
auf die im Jahre 1913 vorzunehmende Erneuerung der
Dividendenbogen ein Betrag von insgeſamt 156 000 Mark
dem zur Beſtreitung zu zahlender Talonſteuer errichteten
Konto überwieſen werden. Hiernach wird ein Gewinn
von rund 413 000 Mark auf neue Rechnung vorgetragen.

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Genſimneng
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(228. Königlich Preußiſchen) Klaſſenlotteris
2. Klaſſe 2. Ziehungstag 15. Februar 1913

Auf jede gerogene Rammer ind zwet gleich doehe Gewimne
gefallen, und zwar je einer auf die Loſe gleicher Nummer
in den beiden Abteilungen 1 und II.

(Rachbnuck verchoten)
(öhn Gewühr u. Stcl. ſ. 3)
In der Vormittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 10000 Mk. 209835
4 Gewinne zu 3000 Mk. 79508 99204
2 Gewinne zu 1000 Mk. 115418
14 Gewinne zu 400 Mk. 97808 97868 122498
126294 142637 197786 213043
34 Gewinne zu 300 Mk. 1139 8544 20215 21168
21698 23920 43488 102169 118439 127101 1273ds
141443 157236 165138 190641 200220 209387
70 Gewinne zu 200 Mk. 8924 14296 15135 23694
27426 3123d 41355 4508 47007 6o7a 5asbr. 65975
62514 63429 86908 89850 69877 103530 112447
119267 124646 125092 127788 141154 147140 151734
153922 165803 182640 187222 206976 211777 213562
214061 21200
In der Nachmittags=Ziehung wurden Gewinne über
96 Mk. gezogen:
2 Gewinne zu 60000 Mk. 216711
Gewinne zu 5000 Mk. 61430 181921
2 Gewinne zu 1000 Mk. 75764
8 Gewinne zu 500 Mk. 4249 53774 90560
209601
10 Gewinne zu 400 Mk. 103025 147597 175612
200240 214587
24 Gewinne zu 300 Mk. 16088 42104 50936
137532 152083 163180 169324
63384 127858
§7 195933
182406 192.
66 Gewinne zu 200 Mk. 2791 4133 4827 8013
2536t 26355 27019 27507 36507 37262 36364
42561 45450 48225 74927 79087 83219 84228
88209 95819 117571 125830 142388 142830 150228
170673 177230 177820 190650 194034 209281
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