Darmstädter Tagblatt 1913


13. Februar 1913

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176. Jahrgang
monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 20 Seiten.

Das wichtigſte vom Tage.

Die Zweite Kammer begann geſtern mit der Be=
ratung
des Hauptvoranſchlags 1913.
Der Kaiſer iſt am Mittwoch vormittag von Karls=
ruhe
wieder in Berlin eingetroffen.
Der Kaiſer hielt in der geſtrigen Sitzung des Deut=
ſchen
Landwirtſchaftsrats einen Vortrag
über landwirtſchaftliche Fragen.
Die Kaiſerin iſt mit dem Brautpaar geſtern abend von
Karlsruhe nach Berlin abgereiſt.
Das engliſche Unterhaus hat die Luftſchiff=
fahrtsbill
in dritter Leſung angenommen.
Das japaniſche Kabinett hat demiſſioniert.
Admiral Yamagato wird Miniſterpräſident werden.

Tageskalender zur Geſchichte der
Befreiungskriege.
13. Februar 1813: Der König von Preußen verfügt die
Mobilmachung aller Feldtruppen in Schleſien und
Pommern.
Aufruf Yorcks zur Errichtung von National= Reiter=
korps
.
Treffen bei Kaliſch (Ruſſiſch=Polen); die Ruſſen be=
ſiegen
die Sachſen und Franzoſen.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 6.

Die braunſchweigiſche Frage.

C Der braunſchweigiſche Staats=
miniſter
Hartwieg hat in der Landesverſamm=
lung
des Herzogtums Braunſchweig die Erklärung ab=
gegeben
, daß an die Verlobung der Prinzeſſin Viktoria Luiſe
mit dem Prinzen Ernſt Auguſt ſich zurzeit politi=
ſche
Folgen nicht anſchließen würden, und daß
es dahinſtehe, wann dies der Fall ſein werde. Der braun=
ſchweigiſche
Staatsminiſter erwarb ſich durch ſolche Feſt=
ſtellungen
ein Verdienſt um die Aufklärung der öffent=
lichen
Meinung, die teilweiſe ſchon begonnen hatte, die
braunſchweigiſche Thronfolge durch die bloße Verlobung
als gelöſt zu betrachten. Ein Berliner Blatt z. B. führt
ganz ernſthaft aus, daß nach der Verlobung zwiſchen den
Häuſern Hohenzollern und Cumberland nicht mehr ein
dem reichsverfaſſungsmäßig gewährleiſteten Frieden un=
ter
Bundesgliedern widerſtreitendes Verhältnis beſtehe,
und daß daher der Bundesratsbeſchluß von 1885 ohne
beſonderen Verzicht des Herzogs von Cumberland auf=
gehoben
werden könne.
Bei aller Anerkennung der das Gemüt berührenden
Seite der Verlobung muß doch gegen eine derartige Auf=
faſſung
um ſo energiſcher Widerſpruch erhoben werden, je
vollſtändiger ſie die politiſche Seite der welfiſchen Frage
außer Acht läßt. In letzterer Beziehung führt die Er=
klärung
des Staatsminiſters Hartwieg auf den Boden
der Tatſachen zurück. Aber auch ſie reicht nicht aus, jeder
Verwirrung des öffentlichen Urteils vorzubeugen. Und
darum ſollte, ſo lange die Amtspreſſe ſchweigt, der
Reichskanzler und Miniſterpräſident auf
dem Wege der parlamentariſchen Inter=
pellation
um die Erteilung der Auskunft gebeten
werden, durch welche ſtaatsrechtlichen und politiſchen
Mittel er anläßlich der Verlobung der Prinzeſſin Vik=
toria
Luiſe die Intereſſen des Reiches und des führenden
Bundesſtaates wahren will. Das Bedürfnis, hierüber
eine erſchöpfende Auskunft zu erhalten, iſt ſchon darin be=
gründet
, daß der Herzog von Cumberland der
Karlsruher Verlobungsfeier fernblieb. Dieſer Um=
ſtand
geſtattet im Zuſammenhang mit jener Andeutung
des Staatsminiſters Hartwieg den Schluß, daß der Her=
zog
an einen Verzicht auf Hannover nicht denkt.
Die Deutſche Tageszeitung behauptet unter Anſpie=
lung
auf die Briefe, die der Herzog von Cumberland am
2. Oktober 1906 an den Kaiſer und an den Reichskanzler
richtete, daß der Herzog für den Prinzen Ernſt Auguſt
den Verzicht auf Hannover angeboten habe, falls dieſem
damit der Weg zur Thronbeſteigung in Braunſchweig
freigemacht würde. Von einem derartigen Angebot ent=
halten
jene in der Norddeutſchen Allgemeinen Zeitung
vom 10. Oktober 1906 veröffentlichten Briefe kein Wort;
ſie bieten lediglich den Verzicht des Herzogs und ſeines
älteſten Sohnes auf den braunſchweigiſchen Thron an,
ſobald Gewißheit beſteht, daß der Regierungsübernahme
meines jüngſten Sohnes keine Hinderniſſe entgegen=
ſtehen
.

Die Bereitwilligkeit des Prinzen Ernſt Auguſt, einen
ſolchen Verzicht auszuſprechen, ſoll durch dieſe tatſächliche
Feſtſtellung nicht angezweifelt werden.
Vor einigen Tagen weilten mehrere welfiſche
Reichstagsabgeordnete und Parteiführer in
Gmunden und erörterten mit dem Herzog die Lage
eingehend. Der Berliner Lokal=Anzeiger meldet aus
Hannover: Die welfiſche Deutſche Volkszeitung wird am
Mittwoch eine Kundgebung des Herzogs von
Cumberland über das Reſultat ſeiner Konferenz
mit den welfiſchen Abgeordneten und Parteiführern, ſo=
wie
über ſeinen zukünftigen Standpunkt gegenüber dem
Deutſchen. Reiche veröffentlichen. In maßgebenden wel=
fiſchen
Kreiſen glaubt man, daß die welfiſche Partei in
Hannover eventuell unter Anlehnung an eine der großen
Reichstagsparteien beſtehen bleiben wird.

DLeutſchete Witzblätter:

* Die Kyffhäuſer=Korreſpondenz ſchreibt: Noch
immer wird geklagt, daß das deutſche Anſehen im Aus=
lande
nicht der auf ihm gebührenden Höhe ſteht, obwohl
Deutſchland doch heute gerechten Anſpruch hat, faſt in
jeder Hinſicht als den übrigen Großſtaaten mindeſtens
ebenbürtig bewertet und demgemäß behandelt zu werden.
Mancherlei trägt daran Schuld. Von den Mächten, mit
denen wir Deutſchen in Wettbewerb ſtehen, haben wir
zuletzt die feſte ſtaatliche Einigung und damit die wich=
tigſte
Vorausſetzung für ſtarkes nationales Selbſtbewußt=
ſein
erlangt. Den berechtigten Nationalſtolz, den nur
die Stärke des machtvollen nationalen Einheitsſtaates ver=
leiht
, haben wir zu lange entbehren müſſen, und zu lange
konnten wir wegen unſerer Uneinigkeit und Zerſplitterung
vom Auslande mißachtet werden, als daß wir ſchon jetzt,
42 Jahre nach des Deutſchen Reiches Begründung, die=
ſelbe
Achtung genießen, deren ſich die anderen großen
Völker von jeher als etwas Selbſtverſtändlichem und nie=
mals
Bezweifelten erfreuen. Um ſo mehr haben wir
darauf zu halten, daß das Deutſchtum allenthalben ebenſo
geſchätzt und gewürdigt werden kann und muß, wie jedes
andere Volkstum. Vor allem iſt mehr Selbſtachtung von=
nöten
. Wie ſollen wir von anderen geachtet werden.
wenn wir uns nicht ſelber ſo hoch wie möglich achten,
wenn wir noch immmer fortfahren, uns durch Mangel
an Stolz, an Ehrfurcht vor dem uns eigenen Nationalen
und Vaterländiſchen bloßzuſtellen?
Am ſchlimmſten ſündigt auf dieſem Gebiete eine
Reihe in Deutſchland erſcheinender Witzblätter. Sie
treiben es ſo, daß ihnen der Ehrenname deutſch abge=
ſprochen
werden muß. Sie ſchänden das Deutſche, ſie
geben alles, was uns zu Selbſtgefühl berechtigt, dem
Gelächter und Geſpött der Fremden preis, beſudeln un=
ſere
Fürſten und Staatsmänner, unſere Offiziere und
Beamten, unſere Geiſtlichen, Lehrer und Richter, unſere
Frauen und Mädchen, unſere Einrichtungen und unſere
beſten Errungenſchaften, um ſo den Feinden unſeres Na=
mens
und unſerer Größe Genugtuung und Schadenfreude
zu ſchaffen. In welchem Maße das gelingt, hat vor
ſieben Jahren einmal ein Pariſer Blatt, der Gil Blas,
bezeugt, als ihm der Münchener Simpliciſſimus durch
ein Bild, das unſeren deutſchen Offizierſtand verächtlich
zu machen ſuchte, höchſtes Wohlgefallen bereitete. Es be=
grüßte
dieſes Bild als Schmähung des deutſchen Heeres
und bemerkte dazu: Das iſt fürwahr gute und nützliche
Arbeit. jenſeits des Rheins. Beſchimpfe getroſt weiter
Deine Offiziere und Vaterlandsfreunde. Ich bin es ge=
wiß
nicht, der Dich daran hindern will. Für meine Ab=
nehmer
ziehe ich das Leſen dieſer Art von Proſa ent=
ſchieden
den wider Frankreich haßſprühenden Verſen eines
Arndt oder eines Körner vor. Vor zwei Jahren
brachte das Pariſer Witzblatt Le Rire in einer Sonder=
nummer
21 Bilder des Simpliciſſimus nebſt dazu ge=
hörigem
Text mit der Bemerkung: Seht, wie dieſe Leute
über ihre Armee denken! Wir danken ihnen für die un=
freiwillige
Mitarbeit in unſerem Kampfe.
Das genannte Münchener Blatt ſteht nicht allein. Es
treibt zwar ſein Gewerbe am ärgſten, deswegen leider
auch am einträglichſten und erntet deshalb den lebhafte=
ſten
Beifall des deutſchfeindlichen Auslandes; aber es
gibt in Deutſchland daneben noch genug andere ſoge=
nannte
Witzblätter, die jenem nachzueifern trachten. Die
Sorte von Witz, die von ſolchen Blättern verzapft wird,
verachtet alle Grenzen, die einem geſitteten Menſchen, und
zumal einem guten Deutſchen, Anſtand und Geſinnung,
Selbſtbewußtſein und Selbſtzucht ziehen. Dieſe Blätter

rechnen mit alledem, was im Menſchen gemein, niedrig
und boshaft iſt, mit dem Hange hämiſcher Naturen, ge=
rade
das, was vornehm und edel, was geweiht und ge=
heiligt
, was ſonſt der unangreifbare Gegenſtand der Ver=
ehrung
und Andacht iſt, in die Goſſe herabzuzerren und
durch den Kot zu ziehen.
Es wurde kürzlich mitgeteilt, daß in der Schweiz der
Simpliciſſimus auf den Bahnhöfen nicht mehr verkauft
werden dürfe. Das hat ſich nicht beſtätigt. Es ſollte aber
nicht erſt eines behördlichen Einſchreitens, nicht eines be=
ſonderen
Verbotes bedürfen, um derartige Blätter wirk=
ſam
zu bekämpfen und, wie es ja ſchon im Auslande ge=
ſchieht
, zu unterdrücken. Das Gewiſſen gegen den ge=
wiſſen
=, ſcham= und vaterlandsloſen Witz ſollte ſo geſchärft
werden, daß dieſer der allgemeinen Verachtung anheim=
fällt
, daß niemand mehr, der auf ſich und ſein Vaterland
hält, Witzblätter anders als nach dem Satze behandelt:
Wer Schmutz angreift, beſudelt ſich. Wer perſönlich von
einem Blatte verunglimpft wird, duldet dieſes nicht in
ſeinem Hauſe. Ebenſowenig ſollte ein Blatt geduldet
werden, das unſer Vaterland geſchäftsmäßig beſchmutzt

Deutſches Reich.

Zur neuen Heeresvorlage. In den
Berliner Neueſten Nachrichten werden ins einzelne
gehende Angaben über die neue Heeresvorlage gemacht.
Dazu bemerkt die Kreuzzeitung: Wir können demgegen=
über
nur wiederholen: Die Vorlage iſt noch nicht ſo weit
fertig geſtellt, daß ſie, wie das genannte Blatt behauptet,
ſchon dem Bundesrat hätte vorgelegt werden können. Wie
wir erfahren, wäre es ſelbſt unter Vorausſetzung einer
Indiskretion überhaupt unmöglich, jetzt ſchon ſo ins ein=
zelne
gehende Mitteilungen über die neue Vorlage zu
machen, wie ſie die Berliner Neueſten Nachrichten geben.
Die Verſchärfung der Spionage=
geſetzgebung
, die Staatsſekretär Dr. Lisco im
Reichstag ankündigte, beruht auf Anträgen der Militär=
verwaltung
, die dieſe im Herbſt 1912 bei der Reichsjuſtiz=
verwaltung
geſtellt hatte. Die Militärverwaltung hat ſich
in dieſen Anträgen für eine ganz außerordentliche Ver=
ſchärfung
des Spionagegeſetzes ausgeſprochen und erklärt,
daß die Neuordnung der Materie durch das neue Straf=
geſetzbuch
zu lange Zeit in Anſpruch nehmen würde. Der
neue Entwurf wird dem Reichstag früheſtens im nächſten
Winter zugehen.
Einführung der neuen Ruhezeiten
für die Eiſenbahner zum 1. Mai d. J. Die
Neuregelung der Dienſt= und Ruhezeiten der Eiſenbahn=
betriebsbeamten
iſt im Reichseiſenbahnamt unter Hinzu=
ziehung
von Vertretern der Bundesſtaaten nach eingehen=
den
Beratungen erfolgt, wobei es ſich um Abänderung
der Beſtimmungen über die Dienſt= und Ruhezeiten der
Betriebsbeamten vom Jahre 1900 handelte. Es wird ge=
plant
, die neuen Dienſterleichterungen und die Verlänge=
rung
der Ruhezeit auf den Bahnen der preußiſch=heſſiſchen
Eiſenbahngemeinſchaft, ſowie auf den Reichsbahnen
für das geſamte Perſonal, nicht nur für die Betriebsbe=
amten
, bereits am 1. Mai einzuführen. Da zur Durch=
führung
der Erleichterungen eine Verſtärkung des Per=
ſonals
und des Materials notwendig iſt, ſo können die
neuen Maßnahmen nur allmählich zur Einführung ge=
langen
, doch ſoll dabei mit tunlichſter Beſchleunigung ver=
fahren
werden. Die weſentlichſte Erleichterung bringen
die für alle Bundesſtaaten gültigen neuen Beſtimmungen
durch die Ausdehnung des Ruhetags von 24 auf 32 Stun=
den
. Die 32ſtündigen Ruhetage ſollen allen Betriebsbe=
amten
mindeſtens zweimal im Monat gewährt werden,
dem Zug= und Stationsperſonal, das regelmäßig Nacht=
dienſt
zu verſehen hat, dreimal. Es ſoll ferner Vorſorge
getroffen werden, daß die Ruhetage möglichſt gleichmäßig
verteilt werden und zu einem Drittel auf Sonn= und
Feiertage fallen.

Ausland.

Oeſterreich=Ungarn.
Einführung einer Tantiemenſteuer.
Der Finanzausſchuß des öſterreichiſchen Abgeord=
netenhauſes
beſchloß eine 10prozentige Tantiemenſteuer
für Mitglieder des Vorſtandes, Aufſichtsrats und Ver=
waltungsrats
von Aktiengeſellſchaften. Die Tantiemen=
ſteuer
entfällt, wenn die Geſamtſumme der von der Ge=
ſellſchaft
ausgezahlten Tantiemen geringer iſt als 5000
Kronen.
Frankreich.
Das Marinebudget. Die Kammer trat in
die Beratung des Marinebudgets ein. Berichterſtatter

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Nummer 37.

Painlevé lobte das Perſonal der Marine als vollſtändig
würdig des Vertrauens des Landes. Der Marineminiſter
Baudin ſchloß ſich dieſen Worten an. Er erklärte, Frank=
reich
ſei entſchloſſen, ſeine Ueberlegenheit im Mittelmeer=
becken
zu behaupten. (Beifall.) Das Marineprogramm
werde ſchon im Jahre 1917, d. h. vier Jahre früher als
vorgeſehen, ausgeführt ſein. Auch an jenem Zeitpunkt
noch werde die franzöſiſche Flotte trotz der Fortſchritte
Italiens und Oeſterreich=Ungarns eine geringe Ueber=
legenheit
gegenüber dieſen beiden Mächten haben, welche
ſie behaupten, eventuell durch eine Veränderung und Ver=
ſtärkung
des Marineprogramms, je nach den parallel=
gehenden
Anſtrengungen der gegneriſchen Marine. Wei=
ter
ſagte der Miniſter, die franzöſiſchen Geſchwader wür=
den
in den nördlichen Gewäſſern wieder erſcheinen, ſo=
bald
die Umſtände es erlaubten. Redner ſchloß, indem er
ſeine lebhaften Sympathien für die ſeemänniſche Be=
völkerung
ausdrückte, die für Frankreichs Zukunft Ruhe
und Frieden ſchaffen helfen würde. Nach einer Blätter=
meldung
wird der beſondere Anleihepoſten für die Aus=
gaben
zur Durchführung des Flottenprogramms von 54
Millionen auf 61960000 Francs erhöht werden.
England.
Der deutſche und engliſche Kriegs=
ſchiffbeſtand
. Im Unterhauſe wurden an die Re=
gierung
zwei Anfragen wegen der Erklärung des Staats=
ſekretärs
v. Tirpitz gerichtet. Der Abg. Alden fragte Sir
Edward Grey, ob er irgend eine Aeußerung zu der Er=
klärung
des Staatsſekretärs v. Tirpitz zu machen hätte,
ob er offiziell oder inoffiziell darüber unterrichtet ſei, und
ob das Verhältnis von 16:10 im engliſchen und deut=
ſchen
Kriegsſchiffbeſtand für beide Flotten als ein be=
friedigendes
Verhältnis angeſehen werde. Ebenſo fragte
der Abg. Byles den erſten Lord der Admiralität Chur=
chill
, welche Bedeutung er der Erklärung des Staatsſekre=
tärs
v. Tirpitz beimeſſe, und ob dieſe Grund zu der Hoff=
nung
gebe, daß das Wettbauen der beiden Mächte nun=
mehr
aufhöre. Da Churchill abweſend war, erwiderte
Parlamentsſekretär Mac Namara, Churchill denke, daß
es beſſer ſei, zu warten, bis die Budgets vorlägen, und
dann bei der Beſprechung des Marinebudgets die Frage
im ganzen zu behandeln. Inzwiſchen wünſche er der
allgemeinen Genugtuung Ausdruck zu geben, die durch
den freundſchaftlichen Ton erweckt worden ſei, der die
jüngſten deutſchen Reden in der Marinefrage charakteri=
ſiert
habe.
Vereinigte Staaten.
Das Marinekomitee des Repräſentan=
tenhauſes
beſchloß mit 14 gegen 7 Stimmen, in das
diesjährige Flottenprogramm zwei Schlachtſchiffe einzu=
ſtellen
. Ferner ſind vorgeſehen ſechs Torpedobootszer=
ſtörer
, vier Unterſeeboote, ein Material= und ein Trans=
portſchiff
.
Japan.
Das Kabinett hatt demiſſioniert. Ad=
miral
Yamagato wird zum Miniſterpräſidenten ernannt
werden. Baron Kato bleibt Miniſter des Aeußern. Die
Unruhen in Tokio am Montag dauerten bis zum frühen
Morgen, wo ſich die Menge mangels weiterer Angriffs=
objekte
und infolge außerordentlicher Kälte zerſtreute.
Das Kabinett trat um 10 Uhr vormittags in den Dienſt=
räumen
des Premierminiſters, die durch ſtarke Wachen
geſichert waren, zu einer Dauerſitzung zuſammen. Der
Rat der Alten wurde zum Nachmittag in den Palaſt be=
rufen
. Die Stadt iſt jetzt ruhig; die Patrouillen ſind
von den Straßen zurückgezogen.
* Internationale Arbeiterſchutzkon=
ferenz
. Der Schweizer Bundesrat lud die Staaten
Europas in einem Rundſchreiben zur Teilnahme an einer
Konferenz im September in Bern ein, die ein neues in=
ternationales
Uebereinkommen betr. den Arbeiterſchutz

feſtſtellen ſoll. Nach dem Muſter der internationalen Kon=
vention
von 1906 über das Verbot der Nachtarbeit der
Frauen und über das Verbot der Verwendung weißen
Phosphors formulierte die internationale Vereinigung
für Arbeiterſchutz Vorſchläge für das Verbot induſtrieller
Nachtarbeit der jugendlichen Arbeiter und für die Feſt=
ſetzung
einer Arbeitsdauer von höchſtens 10 Stunden für
Frauen und jugendliche Arbeiter. Dieſe Vorſchläge ſollen
der Konferenz als Grundlage dienen. Vorgeſehen iſt
zuerſt eine techniſche und diplomatiſche Konferenz.
* New=York 11. Febr. 96½Prozent von 30000
bei den Oſtbahnen beſchäftigten Heizern haben zu=
gunſten
des Streiks geſtimmt. Ihre Vertreter hatten
mit den Vertretern der Eiſenbahnen verhandelt und
ihnen das von ihnen abgefaßte Ultimatum überreicht.
Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, daß es Mehr=
koſten
von mehr als 12 Millionen Dollars verurſachen
würde. Als die Verſammlung aufgehoben wurde, hieß
es, daß die Heizer beabſichtigten, eine ſchriftliche Feſt=
legung
ihrer Lage den Arbeitgebern zu überreichen, aber
nicht ſofort zum Ausſtand aufzufordern.
* Adis Abeba, 11. Febr. Als geſtern nachmittag
auf Befehl des Thronfolgers die Soldaten der
Leibwache Meneliks im Glebbi erſetzt werden
ſollten, brach plötzlich Streit aus, weil der Kommandant
der bisherigen Leibwache, Fitaurari Gabre Marian, der
Menelik ſeit Beginn ſeiner Krankheit bewacht, ſich wei=
gerte
, ſeinen Platz als Kommandeur der Palaſtwache zu
verlaſſen. Der Streit artete in einen richtigen Kampf
aus, der von 6 bis 8 Uhr abends dauerte. Den An=
greifern
gelang es trotz wiederholter heftiger Angriffe
nicht, in den Ghebbi einzudringen. Die Verteidiger kämpf.
ten in erbitterter Weiſe, ohwohl ſie in der Minderzahl
waren. Sie ſetzten ſogar Kcknonen und Maſchinengewehre
in Tätigkeit. Während der Nacht ſorgte man durch Be=
reitſtellung
ſtarker Truppenabteilungen für den Schutz
der Geſandtſchaften. Im Europäerviertel hat ſich kein
Zwiſchenfall ereignet. Der italieniſche Geſchäftsträger
traf Anordnungen, um mehrere italieniſche Familien, die
an einer bedrohten Stelle in der Stadt wohnen, in der
Geſandtſchaft unterzubringen. Heute morgen wurde der
Angriff auf den Ghebbi nicht wiederholt, jedoch umgeben
viele tauſende Soldaten den Palaſt.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 13. Februar.

* Vom Hofe. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
empfingen am Dienstag vormittag 10 Uhr
30 Min. im Neuen Palais den Kammerjunker Dr. jur.
Erwin Frhrn. von Heyl zu Herrnsheim. (Darmſt. Ztg.)
* Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben dem Bankier Karl v. Metzler
in Frankfurt a. M. das Ehrenkreuz des Verdienſtordens
Philipps des Großmütigen verliehen, ferner nachbenannten
Beamten die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen
der ihnen von Sr. Maj. dem Deutſchen Kaiſer verliehenen
Auszeichnungen erteilt für: den Roten Adler=Orden
4. Klaſſe dem Poſtrat Krug in Karlsruhe, den Kronen=
Orden 4. Klaſſe dem Poſtſekretär Jakob Weber in
Heidelberg.
Ernannt wurde der Lehrer Philipp Schmidt
in Eich Kreis Worms, zum Reallehrer an dem
Gymnaſium zu Worms mit Wirkung vom 1. April 1913
an unte: Belaſſung in der Kategorie der Volksſchullehrer.
g. Provinzialausſchuß. Der Provinzialausſchuß be=
ſchäftigte
ſich in ſeiner geſtrigen Sitzung mit dem Geſuch
des LLudwig Kreuz zu Ober=Roden um Ausſtel=
lung
eines Wandergewerbeſcheins für
1913 für den Handel mit Muſik= und Muſchelwaren. Kreuz
iſt im Winter in Ober=Roden wohnhaft und betreibt im
Sommer den Handel im Umherziehen mit einem Wagen,
wobei er ſeine ſechs Kinder mitnimmt. Im vorigen Jahre
wurde ihm der Wandergewerbeſchein von den Inſtanzen
verſagt. Auch für 1913 verſagte das Kreisamt Dieburg
den nachgeſuchten Wandergewerbeſchein. Der Provinzial=
ausſchuß
verwarf die eingelegte Berufung. Es wurde
dem Geſuchſteller anheimgeſtellt, beim Kreisamte Dieburg
eine Reiſelegitimationskarte nachzuſuchen. Die Klagen
des Valentin Fiſcher und des Georg Wenzel in
Offenbach=Bürgel gegen die Stadt Offenbach wegen
Heranziehung zu den Koſten der Fußwegherſtellung auf
der Südſeite der Langſtraße, über die ſchon einmal ver=
handelt
wurde, werden gemeinſam verhandelt. Fiſcher
beſtreitet die Fußwegherſtellung bezahlen zu müſſen, ſo=
weit
es ſich um den Teil handelt, der bekieſt iſt, da er
der Ueberzeugung iſt, daß der Fußſteig nur vorübergehend
ſo breit angelegt wurde, und daß eine Verbreiterung des
Dammes durch den ſtarken Fuhrverkehr bald erforderlich

wird. Wenzel behauptet, daß in der am 30. Juni 1907.
angeforderten Summe von 678,19 Mark auch Fußweg=
herſtellungskoſten
enthalten geweſen ſeien. Durch Vor=
lage
des Eingemeindungsvertrages von Bürgel wurde
geſtern zunächſt feſtgeſtellt, daß die bezüglichen Beſtim=
mungen
über Fußwegherſtellungen im Offenbacher Orts=
bauſtatut
mit der Eingemeindung in Kraft traten. Hier=
nach
können Fußſteigherſtellungskoſten nur zum zweiten
Male angefordert werden, wenn ſeit der erſten Herſtellung
bereits 25 Jahre verfloſſen ſind. Durch Vorlegung der
Urkundenbände wurde weiter feſtgeſtellt, daß die von
Wenzel angeforderten und bezahlten Koſten nur Kanal=
koſten
ſind Nun behauptet Wenzel weiter, daß die Fuß=
ſteige
bereits angelegt und mit Randſteinen eingefaßt
waren, daß alſo der Fußweg als hergeſtellt bezeichnet
werden könne. Der frühere Bürgermeiſter von Bürgel
bekundet, daß Fußwegherſtellungskoſten von Bürgel nie=
mals
erhoben wurden. Da die Anlieger nach dem Orts=
bauſtatut
von Bürgel zur Erſtattung herangezogen wer=
den
konnten, ſo wären die Koſten als bezahlt zu erachten,
auch wenn der Gemeinderat beſchloſſen hätte, die Koſten
nicht zu erheben. Der Vertreter der Stadt Offenbach,
Beigeordneter Weil, beſtreitet aber auf das entſchie=
denſte
, daß die Einfaſſung des Fußweges mit Rand=
ſteinen
eine Herſtellung des Fußweges bedeute. Hierzu
ſei die Stadt geſetzlich bei jeder Straßeneröffnung ver=
pflichtet
. auch wenn die Straße noch nicht bebaut ſei. Das
würde praktiſch bedeuten, daß die Stadt bei neuen Stra=
ßen
überhaupt niemals Fußwegherſtellungskoſten ein=
ziehen
könne. Eine Beſtimmung darüber, was als Her=
ſtellung
anzuſehen ſei, iſt in den Ortsbauſatzungen nich=
enthalten
. Der Provinzialausſchuß beſchließt, die bei=
den
Klagen abzuweiſen, da die Fußwege nicht
als hergeſtellt erachtet wurden.
g. Strafkammer. Der 20jährige Schloſſergeſelle Ru=
dolf
Schreiber aus Offenbach, der ſchon wegen Ein
bruchsdiebſtahls vorbeſtraft iſt, hatte in Offenbach aber=
mals
einen Einbruch in ein Goldwaren=
geſchäft
verübt. Die Beute war nicht bedeutend. Er
wurde geſtern von der hieſigen Strafkammer wegen ſchwe=
ren
Diebſtahls im Rückfalle zu 1 Jahr 9 Monaten
Gefängnis verurteilt. Ein Monat der Unterſuchungs=
haft
wurde ihm in Anrechnung gebracht.
g. Kriegsgericht. Das Gericht der 25. Diviſion be=
ſchäftigte
ſich geſtern mit einer durch Unbeſonnenheit be=
gangenen
ſtrafbaren Handlung eines Kammerunteroffi=
ziers
vom Leibgarde=Regiment Nr. 115 gegenüber einem
Untergebenen. Der Kammerunteroffizier hatte den fünften
Rock eines Gardiſten bis zum Appell nicht herrichten
laſſen, aus welchem Grunde er ihm einen vierten Rodh
gab und dem Gardiſten auftrug, zu ſagen, es ſei der fünfte
Rock. Der Soldat wurde gar nicht gefragt, aber die Auf=
forderung
des Unteroffiziers zur Unwahrheit kam doch
zur Kenntnis der Vorgeſetzten. Ueber dieſes Vergehen
hatte geſtern das Kriegsgericht zu urteilen. Es erkannte
auf die mindeſt zuläſſige Strafe von 1 Tag gelindem
Arreſt. Ein Unteroffizier vom Train=Bataillon Nr. 18
war vom Standgericht wegen Körperverletzung
zu 3 Mark Geldſtrafe eventl. 1 Tag Haft verurteill
worden. Der Angeklagte verfolgte gegen dieſes Urteil
Berufung am Kriegsgericht. Er hatte im September
vorigen Jahres, mit ſeinem Rade die untere Hermann=
ſtraße
entkang fahrend, einen Fuhrmann umgeſtoßen, ſo
daß dieſer mehrere Wochen arbeitsunfähig war. Der Anz
geklagte war mit ungeminderter Schnelligkeit gefahren,
obgleich an der Stelle auf beiden Seiten des Fahrdammes
ein Kohlenwagen ſtand. Er konnte infolgedeſſen auch
nicht ausweichen, als ganz unerwartet der Fuhrmann
hinter ſeinem Wagen hervortrat. Das Gericht ver=
warf
die Berufung als unbegründet.
* Ein Porträt von C. A. Mangold iſt zur Zeit
im Schaufenſter der Bergſtraeßerſchen Hof= Buch=
handlung
, Rheinſtraße 6, ausgeſtellt. Das Bild iſt von
dem verſtorbenen Profeſſor Noack nach Mangolds
Tode gemalt und dem Muſikverein zur Gedächtnisfeier
ſeines ehemaligen Dirigenten am 13. Oktober 1889 ge=
ſchenkt
worden. Mit packender Lebenswahrheit hat der
Künſtler es verſtanden, die Züge des ihm in langjähriger
Freundſchaft verbundenen lieben Kunſtgenoſſen feſtzu=
halten
und damit ſeinerſeits dem teueren Verſtorbenen
ein Gedächtnis weit über das Grab hinaus zu ſichern.
Den Nachkommen Mangolds wie ſeinen Freunden und
Verehrern wird der Anblick des ſchönen Bildes freund=
liche
Erinnerungen wecken an vergangene Zeiten und
Erlebniſſe und damit auch die richtige Stimmung aus=
löſen
, für die Aufnahme des vor 24 Jahren zuletzt hier
gehörten klangreichen und lebe sfriſchen Mangoldſchen
Tonwerkes Frithjof, am 24. Februar.

Aus Richard Wagners letzten
Tagen.
(Zum 30. Todestage, 13. Februar.)

** Richard Wagner hatte ſeinem Volke zum erſten
Male das ſtrahlende Wunder des Parſifal erſtehen laſſen
Ende September 1882 ſuchte er in Venedig Ruhe und Er=
holung
nach dieſer gewaltigen körperlichen und geiſtigen
Anſtrengung. Zu der magiſchen Zauberwelt der Lagunen=
ſtadt
, in der einſt die hell dunkle Sehnſuchtsmelodie von
Triſtan und Iſolde ſich wie ein tönender Nachttraum
zu ihm niedergeſenkt hatte, zog es ihn wieder hin, undſt
umgibt die aus Licht und Dunkel, aus ſtarrer Pracht und
heißem Leben wunderſam gewobene Atmoſphäre dieſer
Stadt, in der einſt der Mann den zweiten Akt des Triſtan
ſchuf, den Greis auch in jener tragiſch weihevollen Stunde,
da ſein Geſtirn im ſtrahlenden Untergange ſich der Ewig=
keit
zuneigt. Wie ein Fürſt, wie der mächtige Herrſcher
eines unbekannten Reiches, erſchien der berühmte Te=
desco
den Venezianern.
Wagner hatte zu Anfang in Venedig unter den hef=
tigen
Krampfanfällen, die ihn ſchon längere Zeit plagten,
häufig zu leiden gehabt. Daher zog ſein Arzt Dr. Keppler
im Januar 1883 einen zweiten Arzt, Dr. Kurz, hinzu, der
ſein Leiden als eine Magenneuralgie diagnoſtizierte, es
als gutartig bezeichnete und ſich durchaus beruhigend aus=
ſprach
. Die verordnete Maſſagekur tat ſo treffliche Wirk=
ung
, daß der berühmte Patient ſich gegen Ende des Mo=
nats
Januar außerordentlich wohl fühlte und zu ſeiner
Gattin ſcherzend ſagte: Wir beide werden wohl niemals
ſterben. Der Meiſter zeigte gerade in dieſen letzten Mo=
naten
eine Milde und Heiterkeit, wie man ſie an ihm nie
vorher bemerkt hatte. Eine große Elaſtizität und Jugend=
lichkeit
durchdrang ſein ganzes Auftreten bis in die letzten
Tage, und überall ſah man die bewegliche und trotz ihrer
Kleinheit imponierende Geſtalt des großen Komponiſten.
Am Nachmittag unternahm er bei gutem Wetter Gondel=
fahrten
, wobei er gewöhnlich ſelbſt die Witterung prüfte,
indem er mit eigentümlicher Geſte die Hände emporhol
und hin und her bewegte, wie um die Beſchaffenheit der
Luft zu prüfen. In den engen Gaſſen Venedigs war er

mit ſeinem großen grauen Hut und grauen Ueberrock bald
eine populäre Perſönlichkeit: man beobachtete ihn in der
Dreherſchen Bierhalle, wo er wohl trotz des Verbotes
ſeines Arztes ein Stück Schweizer Käſe , oder beim
Friſeur, wo er ſich das noch immer jugendlich ſproſſende
Haar ſchneiden ließ. Keine ſehr angenehmen Eindrücke
ſchien ihm die Muſik auf dem Markusplatze zu vermitteln,
und als er einmal etwas aus dem Lohengrin hörte, eilte
er raſch, ſich die Ohren zuhaltend in einen Laden. Beim
Faſching im Februar miſchte er ſich mitten unter das dich=
teſte
Maskengewühl. Man ſah ihm an, daß er, welcher
der gemeinen Geſelligkeit gern den Rücken kehrte, ſich wohl
fühlte unter dieſer jubelnden Schar, gleichſam mit teilnahm
an dem Faſchingsſchwank, der Unmaskierte unter dieſer
vermummten kindiſchen Menge. So kam der plötzliche,
das Ende bringende Anfall eigentlich ganz überraſchend.
Noch am Vorabend des verhängnisvollen 13. Februar war
er im Familienkreiſe mild, ruhig, freundlich, und wollte
ſich gar nicht von den Seinen trennen. Kinderchen, bleibt
doch noch, ſagte er immer wieder. Gegen 11 Uhr ſpielte
er den Schluß des Rheingold die Klage der Rhein=
töchter
mit ihrem Falſch und feig iſt, was dort oben ſich
freut Wie gut, meinte er dabei, daß wir ſchon zeitig
es erkannt haben, daß es traulich und treu nur in der
Tiefe iſt.
An dieſem letzten Abend ſeines Lebens legte er ſich
ſpät zur Ruhe, war aber am 13. Februar ſchon früh auf.
Heut’ muß ich mich in Acht nehmen, ſagte er ahnungs=
voll
zu ſeinem Diener Georg. Nach dem Frühſtück ging ec
auf ſein Zimmer, um an ſeiner Abhandlung Ueber das
Weibliche Menſchlichen zu arbeiten. Als der intime
Freund des Hauſes, Joukofsky, deſſen Aufzeichnungen eine
genaue Schilderung des Sterbetages enthalten, gegen
2 Uhr zum Mittageſſen kam, fand er alles wie gewöhnlich
Man wartete noch auf Wagner, der ſchließlich ſagen ließ
er fühle ſich nicht ganz wohl. Frau Wagner eilte hinauf
und kam mit der Nachricht zurück: Mein Mann hat ſeinen
Krampf, und zwar ein wenig ſtark. Aber es war beſſer,
daß ich ihn allein ließ. Der Meiſter war unterdeſſer
ruhig im Zimmer auf und ab gegangen, um ſeiner Ge=
wohnheit
gemäß die Sätze auszudenken, die er dann nie=
derſchrieb
. Dabei hatte ihn der Anfall überwältigt, bei
dem er ſtets allein gelaſſen zu werden wünſchte. Eine

treue Dienerin hörte jedoch ſein ſich ſteigerndes heftiges
Aufſtoßen und Stöhnen; ſie fand ihn an ſeinem Schreib=
tiſch
ſitzend, wo er den Ausgang, wie ſo oft ruhig abwar=
ten
wollte. Plötzlich zog er heftig die Klingel und rief,
vor Schmerzen kaum zum Sprechen fähig: Meine Frau
und der Doktor! Der Krampf wurde immer ſtärker und
konnte auch durch das Einnehmen eines ſcharfen Medi=
kamentes
nicht unterdrückt werden. Ermattet ließ er ſich
in ſeinem Ankleideraum auf ein kleines Bänkchen nieder.
Währenddeſſen muß wohl in ſeinem Herzen ein Blutgefäß
geſprungen ſein, wodurch der Tod herbeigeführt wurde.
Sein Diener befreite ihn von einigen letzten Kleidungs=
ſtücken
; dabei fiel die ſchöne, ihm von ſeiner Gattin ge=
ſchenkte
Taſchenuhr auf den Teppich. Meine Uhr! rief
er; es waren ſeine letzten Worte. Die Augen ſchloſſen ſich
zum tiefen ewigen Schlummer. Der Diener wollte noch
wahrgenommen haben, daß er zweimal mit den Schultern
aufgezuckt habe. Als Dr. Keppler eintrat, war der Mei=
ſter
tot. Am grauverhangenen Himmel zuckten ſchwüle
Blitze, und der niederſtürzende Regen ſang dem Meiſter
der Töne ein düſter monotones Sterbelied . . .
Raſch flog die Trauernachricht durch die Lande. König
Ludwig von Bayern ſchickte einen Abgeſandten, der die
Leiche auf deutſchen Boden geleiten ſollte. Am 16. Fe=
bruar
, einem ſtrahlendlichten, ſonnenerfüllten Tage, tru=
gen
acht der Getreuen den Sarg die Treppe des Palaſtes
hinab in die ſchwarze Gondel. Fernher erklang Glocken=
geläut
, und ſo glitt der ſchweigende Zug hin durch den
Kanal, wo in Hunderten von Gondeln die Venezianer das
Trauergeleit gaben, bis zum Bahnhof, wo die Deputation
der Stadt Venedig dem großen Toten die letzte Ehre er=
wies
. Eine großartige Trauerfeier erwartete in München
die Leiche am 17. Februar. Die weitere Fahrt geſtaltete
ſich zu einer allgemeinen Trauerfeier des ganzen Landes.
Auf allen Bahnhöfen hatten ſich Verehrer des Meiſters
eingefunden, um ihm den letzten Gruß darzubringen. Die
feierliche Beiſetzung erfolgte am Sonntag, den 18., in
Bayreuth. Der unter Kränzen verſchwindende Sarg ward
nach der Villa Wahnfried geführt, und von dort trugen ihn
Niemann, Hans Richter, Porges, Anton Seidl und einige
andere Jünger nach der Gruft, die an der Gartenmauer,
gegenüber dem Arbeitszimmer Wagners, gegraben war.
Eine einfache Marmorplatte deckt die Grabſtätte.

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Seite 3.

* Auleihe der Provinz Oberheſſen. Wir machen
darauf aufmerkſam, daß die bei Herrn Hofbankier
Ferdinand Sander ſtattfindende Zeichnung auf
Millionen 4%=Anleihe der Provinz
Oberheſſen morgen geſchloſſen wirb.
Darmſtädter Volksbank. In der letzten gemein=
chaftlichen
Sitzung der Verwaltungsorgane der Darm=
ſtädter
Volksbank legte der Vorſtand den Ab=
chluß
der Rechnung für 1912 vor, die einen
Reingewinn von 158 448,80 Mk. aufweiſt. Der am
*. März ſtattfindenden Generalverſammlung ſoll vor=
geſchlagen
werden, wieder ſechs Proz. Dividende
zu verteilen, namhafte Beträge den Reſerven zuzuführen
und durch Abſchreibungen die ſtillen Reſerven zu ver=
ſtärken
.
Fremdſprachliche Vorträge. Der vierte Vor=
trag
findet am Freitag ſtatt. Herr Dr. Smith
wird das engliſche höhere Schulweſen behandeln und
zwar ſowohl die höheren Knaben=, als auch die höheren
Mädchenſchulen. Zahlreiche Lichtbilder werden den Vor=
trag
veranſchaulichen. (Siehe Anzeige.)
* Im Ortsgewerbeverein ſpricht am nächſten
Freitag Herr Rechtsanwalt Geißner über Schadens=
erſatz
=Verpflichtung des Handwerkers
Frauenverein der Johannesgemeinde. Der
Vortrag, den Frau Proſeſſor Kruckenberg=Kreuznach
Dienstag abend im Frauenverein der Johannesgemeinde
über Religiöſe Erziehung im Hauſe hielt, hatte die
Räume des Gemeindehauſes in der Kahlertſtraße dicht
gefüllt und bot den Erſchienenen eine Fülle von An=
egungen
, ſowohl hinſichtlich der Ziele, die durch religiöſe
Erziehung zu erſtreben, wie auch der Mittel, womit dieſe
zu erreichen ſind. Daß die vielen beachtenswerten Ge=
danken
in edler Form wiedergegeben wurden, iſt bei
dieſer Rednerin ſelbſtverſtändlich. Es war, wie der Vor=
itzende
am Schluſſe ſagte, eine Laienpredigt im beſten
Sinne, zu der übrigens auch viele außerhalb der
Johannesgemeinde Wohnende erſchienen waren.
* Orpheum. Die erfolgreiche Revue des Belvedere=
Enſembles: Los auf den Bummel, geht heute,
Donnerstag, zum letzten Male in Szene. Ab=
morgen
, Freitag, tritt vollkommener Repertoire=
Wechſel ein mit einer neuen Revue und vorhergehen=
dem
Bunten Teil. Auf vielfache Wünſche ſind einige
der wirkungsvollſten und beliebteſten Bilder von früher,
ſo z. B. Beim Roſenkavalier, Die Nackttänzerin
Parodie
Der Bakterien=Menſch, ein Opfer der
Hygiene=Ausſtellung uſw., in die neue Spielfolge auf
genommen. (Siehe Anzeige.)
Schlachtungen. Nach dem Monatsberichte des
Fleiſchbeſchauamts ſind während des Monats Januar
im hieſigen Schlachthaus geſchlachtet worden: 14"
Ochſen, 4 Bullen, 276 Kühe, 14 Jungrinder, 986 Kälber,
331 Schweine, 249 Schafe, 3 Ziegen und 35 Pferde.
Beanſtandet wurden: 77 Ochſen, 2 Bullen, 177 Kühe,
Jungrinder, 15 Kälber, 403 Schweine, 32 Schafe und
Pferde. Minderwertig wurde erklärt das Fleiſch
von: 2¾ Ochſen, 1¾ Kühen, 2 Jungrindern, 2 Kälbern
und 5¾ Schweinen. Bedingt tauglich war das
Fleiſch von: 1¾ Ochſen, 2¼ Kühen und 1¼ Schweinen.
Untauglich waren: 1210 Organe, 146 kg Fett und 99 kg
Fleiſch von 719 Tieren.
Auf Trichinen wurden
unterſucht: 2331 im Schlachthaus geſchlachtete Schweine,
ſowie 2536 kg für hieſige Metzger eingeführtes friſches
Fleiſch von 113 Schweinen. Der Nachunter ſuchung
wurden unterzogen: 615 Sendungen eingeführtes Fleiſch,
enthaltend: 13860 kg Rindfleiſch, 2636 kg Schweinefleiſch,
165 kg Kalbfleiſch, 353 kg Hammelfleiſch und 167 kg
Ziegenfleiſch.
Selbſtmord. Ein 56 Jahre alter Gelegen=
heitsarbeiter
von hier, welcher wegen Diebſtahls
feſtgenommen worden iſt, hat ſich in der Arreſtzelle
erhängt.

Pfungſtadt, 12. Febr. Der in voriger Woche er=
ſolgte
Einbruch wurde, wie jetzt weitere polizeiliche
Machforſchungen ergaben, von zwei fremden, ſtellenloſer
und hier durchreiſenden jungen Leuten verübt. Der eine
von den beiden Burſchen war vor kurzem hier als Knecht
bedienſtet und ſteht als früherer Zögling der Beſſerungs=
enſtalt
Aumühle noch unter Aufſicht. Die Einbrecher hat=
en
ein Paar aus der Schuhmacherwerkſtätte mitgenom=
mene
Stiefel auf ihrem Wege von hier nach Griesheim
weggeworfen. Dieſelben wurden auf der hieſigen
Ortspolizei abgeliefert und gaben den erſten Anhaltspunkt
zur Entdeckung der Täter. Die Schuldloſigkeit der bei=
den
von hier im Verdacht ſtehenden Burſchen ergab ſich
alsbald nach ihrer Verhaftuna.
Groß=Gerau, 12. Febr. Die Vaterländiſchen
Feſtſpiele die in der Zeit vom 25. Januar bis 3.
Februar im Gaſthaus zum Adler von dem Kriegerverein

Groß=Gerau gegeben wurden und deren Ueberſchuß für
Kriegsinvaliden und für Wohltätigkeitszwecke beſtimmt
iſt, brachten eine Einnahme von 3
e09 Mark.
Nach Abzug aller Unkoſten verblieben 700 Mark zur Aus=
ſchüttung
.
Mainz, 12. Febr. Zu dem Projekt der neuen
Rheinbrücke Bingen=Rüdesheim beantragte
ein Teil der Mainzer Geſchäftsleute, die neue
Bahnlinieſtatt bei Sarmsheim bei Langenlonsheim
einzuführen. In der Begründung wurde dabei geſagt, daß
hierdurch eine gerade Verbindung zwiſchen Mainz und
dem Hunsrück hergeſtellt werden würde. Die Han=
delskammer
Bingen machte an zuſtändiger Stelle
ſofort Gegenvorſtellungen und verlangte die Beibehaltung
der Linienführung über Sarmsheim. Die Handelskam
mer berief ſich dabei auf die ſeit einer langen Reihe von
Jahren beſtehenden Geſchäftsverbindungen zwiſchen dem
Hunsrück und Bingen.
Gonſenheim, 12. Febr. Das Miniſterium hat nun=
mehr
genehmigt, daß für die Gemeinde Gonſenheim ein
beſoldeter Berufsbürgermeiſter ange=
ſtellt
werde. In der geſtrigen Gemeinderatsſitzung
wurde beſchloſſen, die Stelle ſofort auszuſchreiben, ſo daß
die Beſetzung vom 1. April ab möglich wird.
Gießen. 12. Febr. Das Gießener Säug=
lingsheim
arbeitet ſeit Jahren mit einem Fehl=
betrage
der ſich jetzt auf 5000 Mark ſtellt und in Zu=
kunft
jährlich 2000 Mark betragen wird. Die Stadtver=
ordneten
beſchloſſen, laut G. Anz., in der letzten nicht=
öffentlichen
Sitzung, den Fehlbetrag aus der
Stadtkaſſe zu decken. Der auf dem Gießener
Bahnhof ſtationierte Hilfszug wurde am Samstag
abend zur Probe alarmiert und nach Station Bad= Nau=
heim
gerufen. Dort wurde der Zug von einigen Mit=
gliedern
der Eiſenbahndirektion Frankfurt a. M. erwartet.
Die Herren ließen einige Uebungen im Ein= und Aus=
laden
von Verletzten vornehmen und ſprachen ſich zum
Schluß ſehr lobend über das raſche Eintreffen des Hilfs=
zuges
, ſowie die ſichere und gewandte Ausführung der
Uebungen aus. Der Hilfszug wurde von Eiſenbahn=
direktor
Zimmermann, Regierungsrat Stöbler, ſowie den
Sanitätsräten Dr. Käß und Dr. Zinßer von hier be=
gleitet
.
Bad=Nauheim, 12. Febr. Der junge Mann, der am
Freitag im Frauenwalde einen Selbſtmordver=
ſuch
machte, indem er ſich drei Schüſſe beibrachte, iſt im
Krankenhauſe an den ſchweren Verletzungen geſtorben.
(*) Klein=Linden, 12. Febr. Das einem hieſigen Ge=
ſchäftsmann
geſtohlene Pferd und Fuhrwerk
wurde in Gießen aufgefunden. Ein unzurechnungsfähiger
Arbeiter war der Täter.
* Alsfeld, 12. Febr. Bei dem Bahnbau Alsfeld=
Niederaula ſtürzte bei Grebenau eine
Brücke ein, auf der eine Feldbahn liegt. Durch einen
herabfallenden Kippwagen wurde ein Arbeiter ge=
tötet
und ein anderer verletzt.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 11. Febr. Bei den geſtern
gepflogenen Verhandlungen mit den Vertretern des
Zweckverbandes Groß Berlin hat ſich die
Staatsregierung bereit erklärt, eine Waldfläche von
insgeſamt 4000 Morgen dem Zweckverband als Bauwald
zu übereignen. Der Preis iſt auf 53 Millionen Mark be=
meſſen
; das bedeutet ein Entgegenkommen des Fiskus
gegenüber Groß=Berlin. Das Berliner Tageblatt mel=
det
: Ueber die Verhaftung eines Mitgliedes
einer preußiſchen Offiziersfamilie wird
von beteiligter Seite erklärt, es handle ſich um einen
früheren Marineoffizier, der unter dem Verdachte des Hoch=
verrats
auf Grund von ihm begangener Indiskretionen
verhaftet worden und nach mehreren Tagen ohne Stellung
einer Kaution wieder entlaſſen worden ſei. Von dem
Gange der noch andauernden Unterſuchung hänge es ab,
ob Anklage erhoben werden würde. In der vergangenen
Nacht fuhr ein Automobil, in dem ſich der Schlächter=
meiſter
Brennecke aus Charlottenburg mit ſeiner Frau und
einer befreundeten Dame befanden, zwiſchen Tegel und
Schulzendorf gegen einen Baum. Die drei Inſaſſen wur=
den
herausgeſchleudert und die beiden Frauen ſchwer ver=
letzt
. Brennecke erlitt leichtere Verletzungen.
Nach
Hinterlaſſung einer Schuldenlaſt von über 200000
Mark iſt der Mitinhaber der Bijouteriewaren=Großfirma
Gebr. Blumenkranz, Jakob Blumenkranz aus Schöneberg,
flüchtig gegangen.
Saarbrücken, 11. Febr. Die geſtrige Stadtverordneten=
verſammlung
nahm einen Antrag an, der die kinemato=
graphiſchen
Veranſtaltungen in Zukunft um
das Doppelte beſteuert. Kinematographiſche Vor=

ſtellungen, die als volkserziehlich erkannt ſind, unterliegen
der Steuer nicht.
Hagen (Weſtf.), 11. Febr. Der frühere Bankdirektor
des Märkiſchen Bankvereins, von der Heide wurde
heute wegen Betruges in Verbindung mit Wechſelfälſch=
ung
und Untreue zu 2½ Jahren Gefängnis verurteilt.
Halle a. S., 11. Febr. Sonntag morgen zwiſchen 5
und 6 Uhr wollte ein junger Mann, der 19jährige Knöchel,
nach Beendigung eines Maskenballes in Wörmlitz
bei Halle ein paar Mädchen nach Beeſen heimwärts be=
gleiten
und ſtieg im Uebermut auf einen 14 Meter hohen
Maſt der Ueberlandzentrale. Dabei griff er nach
dem Leitungsdraht und echielt einen elektriſchen Schlag,
daß er ſofort abſtürzte und ſchwer verletzt liegen blieb.
Er wurde in das Eliſabethen=Krankenhaus nach Halle ge=
bracht
, wo er nach kurzer Zeit ſeinen Verletzungen erlag.
Der elektriſche Schlag hatte ihm beide Arme verbrannt.
Kiel, 12. Febr. Bei der Verhaftung des Kös=
liner
Regierungsaſſeſſors Lewicky handelt es ſich nicht
um Spionage, ſondern um regelrechte Erpreſſung, die Le=
wicky
an einem reichen Fabrikanten beging, als er im
vorigen Jahre den Kieler Polizeichef zeitweilig vertrat.
Der Fabrikant hatte nach und nach 140000 Mark geopfert,
um geſchäftlichen Nachteilen zu entgehen, die ihm der
Aſſeſſor auf Grund angeblicher amtlicher Kenntniſſe über
geſchäftliche Vorkommniſſe in Ausſicht geſtellt hatte. Als
Lewicky nach ſeiner Verſetzung nach Köslin nochmals Geld
forderte, zeigte ihn der Fabrikant an. Lewicky hat bereits
ein umfaſſendes Geſtändnis abgelegt.
Toulon, 11. Febr. Bei der Revidierung des Kohlen=
vorrats
an Bord des Dreadnoughts Danton wurden
durch eine Kohlenſtaubexploſion zwei Obermaate
ſchwer verbrannt. Ihr Zuſtand iſt hoffnungslos.
Ein Matroſe wurde leicht verletzt.

Die Beiſetzung des Geheimerats
Wilhelm Haas.

St. Unter einer Teilnahme, wie ſie gleich zahlreich
ſelten einem Manne zuteil wurde, iſt der verſtorbene Ge=
neralanwalt
der Deutſchen Landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſchaften
, Geheimerat Wilhelm Haas, geſtern nach=
mittag
zu Grabe getragen worden. Viele Hunderte folg=
ten
ſeinem Sarge ſchon vom Trauerhauſe aus, und viele
weitere Hunderte ſchloſſen ſich noch am Friedhofstor dem
Leichenkondukt an. Unter anderen erwarteten den Leichen=
zug
auf dem Friedhof die Herren Staatsminiſter
von Ewald Exz., Finanzminiſter Braun Exz., Mi=
niſter
des Innern von Hombergk zu Vach Exz., Ge=
heimerat
Dr. Becker und viele Miniſterialräte, Pro=
vinzialdirektor
Fey, Geheimerat Römheld, Oberbür=
germeiſter
Dr. Gläſſing, Legationsrat Dr. Neid=
hart
, die Präſidenten und Fraktionsvorſtände, ſowie
die Mehrzahl der Abgeordneten der Zweiten Kammer
und deren Beamte, zahlreiche Mitglieder der Landwirt=
ſchaftskammer
, zahlreiche Genoſſenſchafter, auch aus deng
Auslande, viele Bürgermeiſter vom Lande, zahlloſe Lands
wirte und ſonſtige Leidtragende. Dem Sarge voran
ſchritt die Kapelle des Leibgarde=Infanterie=Regiments,
Nr. 115. Dem von 4 Pferden gezogenen Leichenwagen,
in dem der Eichenſarg unter einem Hügel koſtbarſter
Kränze und Blumenarrangements ſchier verſchwand, folg=
ten
die nächſten Angehörigen, die Abgeordneten und
Beamten der Landwirtſchaftskammer und die übrigen
Leidtragenden. Auf dem Wege zur Gruft und an dieſer
ſelbſt war das Gedränge zeitweiſe geradezu lebens=
gefährlich
.
Am offenen Grabe ſpielte die Kapelle den Choral:
Jeſus, meine Zuverſicht‟ Die Trauerandacht hielt Herr
Pfarrer Velte, der dem Verſtorbenen einen ungewöhn=
lich
warmempfundenen Nachruf widmete, der den tiefſten
und nachhaltigſten Eindruck auf die Hörer machte. Seinen
Gedächtnisworten legte der Geiſtliche die Bibelworte zu=
grunde
aus 2. Korinther, 9. Vers, 6: Wer da ſäet im
Segen, der wird ernten im Segen‟. Der Nachruf gipfelte
n unumſchränkter Anerkennung der ungeheuren und
ſegensvollen Arbeit, der der Verſtorbene ſein Lebenswerk
gewidmet, und ſeiner hohen menſchlichen Eigenſchaften,
die in dem echt chriſtlichen Familienſinn zur ſchönſten
Blüte kamen. Die Lebensarbeit Haas’ hat Werke von
unendlichem, nie vergehendem Werte geſchaffen. Er hat
geerntet, weil er im Segen geſäet. Gebet und Segen
ſchloß in üblicher Weiſe die Trauerandacht.
In ſchier endloſer Reihe folgten dann Nachrufe und
Kranzniederlegungen. Es iſt unmöglich, all die Reden
auch nur im Auszuge wiederzugeben, in denen immer
ind immer wieder zum Ausdruck kam eine uneinge=
ſchränkte
und dankbare Anerkennung alles deſſen, was

Feuilleton.
Aus Kunſt, Wiſſenſchaft und Leben.

Eine intereſſante Statiſtik aus dem
Bühnenleben des Spieljahres 1911/12 bietet das
ſoeben bei Oeſterheld u. Ko., Berlin W 15, erſchienene
Regiſter des Deutſchen Bühnen=Spielplans, der mit
Unterſtützung des Deutſchen Bühnenvereins herausgegeben
wird. Das Regiſter zählt nicht weniger als 704 Ortſchaf=
ten
mit 884 Bühnen auf. Wenn ſich dieſe letzteren
auch zur größeren Hälfte nicht als ſtändige erweiſen und
etwa 60 Sommertheater einſchließen, ſo bleiben doch im=
nierhin
noch 330 Bühnen mit ganzjähriger Spielzeit übrig.
Die im Jahre 1911/12 aufgeführten Werke teilt das Re=
giſter
=ach Opern, Operetten, Pantomimen (mit Einſchluß
der Ballette) und Schauſpiele ein. Daß die Schauſpiele
den bei weitem größten Raum beanſpruchen, zeigten be=
reits
die Vorjahre, aber die Oper allein weiſt auf ein
erhebliches Wachstum. Die 210 Werke mit ihren 106 Kom=
poniſten
geben davon ein Bild. Einzelheiten werden in=
tereſſieren
. So hat Gluck entſchieden an Beliebtheit ge=
wonnen
. Von 22 Aufführungen, die ſich auf 5 Werke im
Vorjahre verteilten, iſt er auf 57 geſtiegen. Adams
Poſtillon iſt allerdings geſunken, ſein König für einen
Tag aber von 12 auf 94 gekommen. Aehnlich ſteht es mit
Boieldieu, deſſen Goldenes Kreuz das Manko der
Weißen Dame aufhebt. Andere ältere Komponiſten
bleiben ſich ziemlich gleich. Fidelio z. B. iſt nur um
Aufführungen herabgegangen, Gounods Margarethe‟
von 208 auf 203. Mozart kann noch mit 573, Lortzing
mit 763, Verdi mit 910 und Wagner gar mit 1986
Aufführungen aufwarten. Daß der Lohengrin mit 394
hervorragt, iſt erklärlich, aber auch minder beliebte Werke
wie Rheingold und Götterdämmerung ſind um je 10
etwa geſtiegen. Carmen erlebte 426 Aufführungen. Von
den Neueren iſt an erſter Stelle Richard Strauß zu
nennen. Salome iſt geſunken, Elektra gleichgeblieben,
dagegen der Roſenkavalier von 228 auf 526 geſtiegen.
Bedeutend vorgeſcheitten iſt auch Alfred Kaiſers Stella
maris, Auf gleicher Höhe hält ſich d’Albert. Tief=

land erlebte 309 Aufführungen. Seine neue Oper Die
verſchenkte Frau iſt auf dem Plan erſchienen, um mit
Bittners neuem Bergſee Kienzls Kuhreigen
Maukes Fanfeluche und Neitzels Barbarina um den
Vorzug zu ſtreiten.
* Das Ende der Scottſchen Expedition.
Fridtjof Nanſen erklärte einem Vertreter des Morgen=
bladet
, daß das Unglück Scotts auf den ſchlechten Pro=
viant
zurückzuführen ſei. Ich fürchte, ſagte er, daß die=
ſer
für den übrigen Teil der Expedition dieſelbe Wirkung
haben wird, und glaube nicht, daß ein Schneeſturm die
Urſache des Unterganges der Expedition geweſen iſt. So=
wohl
Scott als ſeine Begleiter ſind unerſchrockene, ſtarke
Männer mit großer Erfahrung in den antarktiſchen Ge=
genden
, daß unter normalen Verhältniſſen ſelbſt der
ſchrecklichſte Schneeſturm ſie nicht überwinden könnte. An=
ders
ſtellt ſich die Sache, falls der Skorbut unter ihnen ge=
wütet
und ihre Kräfte aufgezehrt hat. In dieſem Falle
würde der Schneeſturm ihr Schickſal beſiegelt haben. Nan=
ſen
ſprach am Schluſſe ſeine Bewunderung für Scott als
Südpolforſcher aus; er ſei für dieſen Beruf wie geſchaffen
geweſen. Im engliſchen Unterhauſe fragte
Auſten Chamberlain den Premierminiſter Asquith, ob er
die letzte Botſchaft, die Kapitän Scott an das Vaterland
richtete, geleſen habe, und ob die Regierung wohlwollend
den Appell berückſichtige, den Scott im Intereſſe der Hin=
terbliebenen
jener Männer an das Vaterland gerichtet
habe, die nach ſeinen eigenen Worten bei ihrem Unter=
nehmen
für die Ehre des Vaterlandes ihr Leben opfer=
ten
? Asquith erwiderte bewegt, alle ſtünden augenblick=
lich
unter dem tiefen Eindruck, den die letzte Botſchaft
Scotts hervorgerufen habe. Die Botſchaft ſei in der Ge=
ſchichte
der Entdeckungen eine der ergreifendſten Aeußer=
ungen
eines tapferen, ausdauernden Mannes, der das
tragiſche Ende ſeiner von ſelbſtloſer Tätigkeit erfüllten
Laufbahn vor ſich ſieht. Scotts Appell werde keine tauben
Ohren finden.
CK. Neue Prozeſſe der Erben Donizet=
tis
. Die Erben Donizettis, die erſt vor kurzem in Frank=
reich
einen Prozeß wegen Beteiligung an den Gewinſten

aus den Werken des Meiſters gegen den Verleger Le=
moine
gewonnen haben, bedrohen nun den großen ita=
lieniſchen
Verleger Ricordi mit gerichtlicher Verfolgung.
Sie beſtreiten ihm das Recht, nachdem er ſeit dem Jahre
1885 alle Erträgniſſe aus dem Verkauf der Kompoſitionen
Donizettis und der Aufführungen ſeiner Opern einge=
nommen
hat. Der erſte Prozeß, der jetzt zur Verhandlung
kommt, hat zunächſt nur die Oper Die Favoritin zum
Gegenſtand. Nach der Anklageſchrift ſoll Donizetti die
Oper nicht in einem geſetzlich gültigen Vertrag dem Hauſe
Ricordi überlaſſen haben. Die Summe, die ſie aus den
Erträgniſſen dieſes einen Werkes beanſpruchen, beziffern
die Erben auf 100000 Mark. Nach dieſem Vorſpiel ſoll
bald ein zweiter größerer Prozeß gegen den Verleger Ri=
cordi
folgen, indem behauptet wird, daß die Firma 30
Opern Donizettis von Perſonen erworben habe, die kein
Recht hatten, ſie zu verkaufen. Unter dieſen Werken be=
finden
ſich Die Piraten, Die Königin von Goloonda
Das Liebeselexier, Lucrezia Borgia und Die Tochter
des Regiments
CK. Die reichſten Babys der Welt. Als dem unglück=
lichen
, bei der Titanic=Kataſtrophe zugrunde gegangenen
Colonel Aſtor ein nachgeborener Sprößling im Auguſt
vorigen Jahres als Erbe ſeines Rieſenvermögens er=
ſtand
, nannte man den kleinen John Jakob das reichſte
Baby der Welt, und gewiß beſaß der Säugling bereits
ſo gewaltige Schätze, wie kein anderes gleichalteriges
Kind der Welt. Den Titel des reichſten Babys aber darf
der Aſtor=Sproß wohl nicht in Anſpruch nehmen, denn
das Vermögen, das der 3jährige Vinſon Walſh Maclean
zu erwarten hat, iſt noch viel größer. Der kleine Junge
iſt das einzige Kind in den zwei Multimillionärsfami=
lien
Maclean und Walſh, denen ſeine Eltern angehören
Die Beſitzungen, die ſeine beiden Großväter, der Colonel
Maclean und Mr. T. F. Walſh, erworben haben, reprä=
ſentieren
zuſammen einen Wert von nicht weniger als 320
Millionen Mark. So iſt der kleine Vinſon auch noch rei=
cher
mit irdiſchen Gütern geſegnet, als der 12jährige John
Nicholas Brown, der von ſeinem Vater 20 Millionen
Mark erbte, als er 9 Monate alt war. Zur ſelben Zeit

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Donnersrag, den 15. Ferrnur

ummr
1915.

der Verſchiedene für die Landwirtſchaft und für den ge=
noſſenſchaftlichen
Gedanken getan, und in denen oftmals
das Gelübde der Treue wiederkehrte, von weißhaarigen
MMännern unter Tränen des Schmerzes und der Rührung
abgelegt, im Sinne Haas’ ſein Lebenswerk fortzuſetzen
und zu hüten. Wir konnten von Nachrufen und offiziellen
iKranzniederlegungen folgende verzeichnen: Oekonomierat
Dr. Heidenreich im Namen des Verbandes der
heſſiſchen landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften und
ſeiner Zentralgeſchäftsanſtalten dem Manne, der
in dem genoſſenſchaftlichen Gedanken eine in=
kternationale
Friedens= und Kulturtat vollbracht;
Oekonomierat Schmidt=Guntersblum für die
dortige Genoſſenſchaft, der ſtellvertretende Generalanwalt
des Reichsverbandes, Johannßen=Hannover, im
Namen des Reichsverbandes, Oekonomierat Hahn=
Heßloch für die Landwirtſchaftskammer, Oekonomiera
Walther=Lengfeld für den ehemaligen landwirtſchaft=
lichen
Provinzialverein Starkenburg, Vizepräſident Ko=
erell
=Angenrod für die Zweite Kammer der Stände
Abg. Dr. Oſann für die Nationalliberale Partei, Frhr
v. Störck=Wien für den internationalen Bund land
wirtſchaftlicher Genoſſenſchaften und den Allgemeinen
Verband öſterreichiſcher Genoſſenſchaften, Juſtizrat.
AAlberti=Wiesbaden für den Allgemeinen Verband=
deutſcher
Genoſſenſchaften Schulze=Delitzſch, Oekonomierat
Bartmann=Lüdecke für das preußiſche Landes=
Oekonomie=Kollegium und den Deutſchen Landwirtſchafts=
rat
, Oekonomierat Wieſe=Berlin für die Deutſche
Landwirtſchaftsgeſellſchaft, Stabsarzt Dr. Eckhard für
die Alten Herren des Korps Teutonia (Gießen), Stud.
Küchler für das aktive Korps Teutonia der dem
Verblichenen, der ſtets mit Treue an dem Korps hing, das
Band auf den Sarg legte, Geheimerat Dr. Wagner
ffür die landwirtſchaftliche Verſuchsſtation, Bürgermeiſter
Kohl für die Kreisſtadt Heppenheim, deren Ehrenbür=
ger
der Verſtorbene war, Bürgermeiſter Wenzel
Hainſtadt für die Bürgermeiſter des Kreiſes Offenbach,
Bürgermeiſter Pons=Neu=Iſenburg für dieſe Stadt,
die Haas ebenfalls zu ihrem Ehrenbürger ernannt hatte.
Das Großh. Staatsminiſterium hatte ein
Blumenarrangement mit Widmung ins Trauerhaus ge=
ſandt
.
Von den in der Tat zahlloſen koſtbaren Kränzen und Blu=
menarrangements
, die ohne Nachruf niedergelegt wurden:
erwähnen wir als beſonders bemerkenswert folgende mit
den Widmungen, die den Schleifen aufgedruckt waren:
Landwirtſchaftliche Hauptgenoſſenſchaft, e. G. m. b. H.,
Berlin. Ihrem unvergeßlichen Generalanwalt Pro=
Dem
vinzialgenoſſenſchaftskaſſe für Brandenburg.
erſten Generalanwalt in Dankbarkeit und Treue Der Ver=
band
der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften für die
Provinz Brandenburg. Verband ländlicher Genoſſen=
ſſchaften
Raiffeiſenſcher Organiſation für Brandenburg,
Pommern und beide Mecklenburg zu Berlin. Dem
hochverehrten Generalanwalt der Königsberger Verband.
Ruhe ſanf! Verband wirtſchaftlicher Genoſſenſchaf=
Doch hochverdienten
iten des Ermlandes. Ruhe ſanft!
Generalanwalt Der Verband pfälziſcher landwirtſchaft=
licher
Genoſſenſchaften. Verband der landwirtſchaft=
lichen
Genoſſenſchaften im Königreich Sachſen. Raiff=
eiſen
Ludwigshafen. Raiffeiſen Frankfurt. Raiſf=
eiſen
Nürnberg. Dem treuen Führer in Dankbarkeit
und Verehrung Thüringer Hauptgenoſſenſchaft zum Bezug
fund Vertrieb landwirtſchaftlicher Bedarfsartikel und Er=
zeugniſſe
e. G. m. b. H. zu Erfurt. Dem Geheimeraz
Haas In Dankbarkeit gewidmet von Raiffeiſenſchen Ge=
noſſenſchaftsorganiſationen
der Provinz Weſtpreußen in
Danzig. Landesgenoſſenſchaftskaſſe Stettin Blumen=
kranz
ohne Schleife. Dem hochverdienten Führer und
Förderer des deutſchen landwirtſchaftlichen Genoſſen=
ſchaftsweſens
Verband landwirtſchaftlicher Genoſſenſchaf=
tten
in Thüringen in Erfurt. Direktion der Firma Lanz.
Ruhe ſanft! Seinem hochverdienten Generalanwalt
Der Schleſiſche Raiffeiſenverband. Dem hochverdien=
ten
Geheimerat Haas Kaliſyndikat G. m. b. H. Berlin
Ihrem Generalanwalt in treuem Gedenken Provin=
zial
=Genoſſenſchaftskaſſe für Poſen. Ihrem hochver=
ehrten
Vorſitzenden des Aufſichtsrates Kalibezugsgeſell=
ſchaft
des Reichsverbandes der deutſchen landwirtſchaft=
lichen
Genoſſenſchaften. Dem unermüdlichen Führer
Verband deutſcher Genoſſenſchaften in der Provinz Poſen
Dem großen Führer der deutſchen landw. Genoſſen=
ſchaften
Die genoſſenſchaftlichen Zentralinſtitute Köln.
Dem großen Meiſter und Lehrer der landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften, ſeinem edelſten Freund und Gönner
Der Zentralverband der deutſchen landwirtſchaftlichen
Genoſſenſchaften Böhmens
Verband pommerſcher
landwirtſchaftl. Genoſſenſchaften Molkereiverband der
Provinz Pommern. Dem verdienſtvollen Berater in
ſchweren wirtſchaftlichen Kämpfen Intereſſengemeinſchaft
Märkiſcher Milch=Produzenten, Milchzentrale
Dem
hochverdienten Vorſitzenden des Internationalen Bundes
Die Coöperatieve Centrale Boerenleenbank. Dem hoch=
verehrten
Führer des landwirtſchaftlichen Genoſſenſchafts=
weſens
Allgemeiner Verband landwirtſchaftlicher Ge=
noſſenſchaften
in Oeſterreich.
Seinem hochverdienten
Begründer und Vorſitzenden Der Internationale Bund

der landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaften. Dem hoch=
verehrten
Generalanwalt in unvergeßlichem Gedenken
Vorſtand und Aufſichtsrat der Landwirtſchaftlichen Zen=
tral
=Darlehnskaſſe für Deutſchland. Dem hochgeſchätz=
ten
Führer und Förderer des deutſchen Genoſſenſchafts
weſens Bayeriſcher Landesverband und bayeriſche Zen=
tral
=Darlehnskaſſe München. In Dankbarkeit gewidmet
von der Landwirtſchaftlichen Landes=Zentralkaſſe für
Elſaß=Lothringen zu Straßburg.

Zubiläum des Verſchonerungs=
vereins
Darmſtadt.
g. Darmſtadt, 13. Februar.

Am Freitag kann der Verſchönerungsverein
Darmſtadt auf eine 50jährige unermüdliche
und ſegensreiche Tätigkeit im Intereſſe der
Verſchönerung unſerer Reſidenzſtadt und der Zugänglich=
machung
und Erſchließung der mannigfaltigen Schönhei
ten unſerer herrlichen, von der Natur ſo überaus begün
ſtigten Umgebung zurückblicken. Eine Tätigkeit im Stillen
zwar war es, die in dieſem halben Jahrhundert von einem
Kreiſe begeiſterter Natur= und Heimatfreunde geleiſtet wurde,
aber ſo beſcheiden auch das Wirken war, umſo größer war
der Erfolg. Es ſind fürwahr ganz erſtaunliche Arbeiten,
die von dieſem Verein geſchaffen wurden, unbemerkt faſt
und doch gern geſehen und benutzt von allen wahrhaften
Naturfreunden. Der Oeffentlichkeit unbewußt wirkte hier
ein Verein, dem zum größten Teil das zu verdanken iſt,
was heute von den Fremden beſonders als Annehmlich=
keit
Darmſtadts gerühmt wird, das iſt das angenehme
Bild unſerer mit Baumſchmuck verſehenen Hauptſtraßen
und Plätze, beſonders zur Frühjahrs= und Sommerszeit
Nur wenigen wird es bekannt ſein, daß der Verein aus
eigenen Mitteln viele Straßenzüge mit Baumanpflanz=
ungen
verſehen ließ, ſo wurden u. a. auch in den Jahren
1876 und 1881 die Anpflanzungen in der Rheinſtraße auf
Koſten des Vereins gemacht.
In der fünfzigjährigen Tätigkeit des Vereins wurden
im ganzen 3240 Bäume in den Straßen von Darmſtadt=
Beſſungen und der nächſten Umgebung angepflanzt. Ge
wiß eine ſehr erfreuliche Anzahl, die umſo mehr ins Ge=
wicht
fällt, als ſich die Stadtverwaltung durch dieſes Vor=
gehen
des Vereins auch dazu bewegen ließ, in neu anzu=
legenden
Straßen Anpflanzungen vorzunehmen. Dem
Verein haben wir weiter zu verdanken die prachtvolle
Ahornallee in der Nieder=Ramſtädterſtraße, die Anlagen
auf dem Mathildenplatz, dem Luiſenplatz, hinter der katho=
liſchen
Kirche u. v. a. Weiter ſei noch der Martinspfad
erwähnt, für den der Verein erhebliche Mittel ſogar für
Geländeerwerb opferte. Auf Koſten des Vereins wurden
weiter 19 Tempel, Schutzhütten und Ausſichtsgerüſte auf=
geſtellt
, bezw. unterhalten und 14 Quellen wurden gefaßt
Große Verdienſte hat ſich der Verein beſonders bei der
Herſtellung der Waldfußpfade erworben. Hier
wurde beſonders bei der Neuanlage der Pfade darauf
Bedacht genommen, daß ſie aus dem Bereiche der grö=
ßeren
Straßen und Chauſſeen kamen, damit die Waldluft
nicht durch den Geſtank der Automobile verdorben werde.
Im ganzen wurden 63 400 laufende Meter Fußpfade in=
nerhalb
und 11800 laufende Meter außerhalb der Wal=
dungen
angelegt, alſo insgeſamt 75200 laufende Meter.
Ferner wurden 711 Bänke, darunter 46 Steinſockelbänke
aufgeſtellt. Der Verein errichtete weiter Bankette in
der Pankratiusſtraße bis äußere Ringſtraße, längs der
Faſaneriemauer (Gichtmauer, 2213 laufende Meter), in der
Kaſtanienallee; die Kanzel am Schnampelweg; Ruheplatz
mit feſten Bänken, Bäumen, Strauchwerk, Felsgruppen
bei Dorf Klappach; Anlagen auf der Kraftsruhe uſw. uſw
Alle dieſe Anlagen und Herſtellungen verurſachten ins=
geſamt
einen Koſtenaufwand von 171333,27 Mark. Dieſe
gewaltige Summe ſollte gewiß manchem Anlaß geben
darüber nachzudenken, ob er nicht auch ſich verpflichtet
fühlen ſollte, den Verein durch ſeinen, wenn auch kleinen
Beitrag zu unterſtützen, um auch für die Zukunft die
ſegensreiche Weiterarbeit des Vereins ſicherzuſtellen und zu
erleichtern. Ein Vergleich des Mitglieder=Verzeichniſſes
vom Gründungsjahr und dem von 1912 ergibt, daß der
Verein heute noch lange nicht in dem Maß unterſtützt wird,
wie 1863.
Zu dem bevorſtehenden Jubiläum iſt der Vorſtand
zum erſten Male mit einer größeren Veröffentlichung her=
vorgetreten
und hat einen umfaſſenden und für die Ent=
wickelung
unſerer Stadt äußerſt intereſſanten Bericht im
Druck erſcheinen laſſen, der den Beſuchern der am Sams=
tag
im Gactenſaal des Städtiſchen Saalbaues ſtattfinden=
den
Generalverſammlung überreicht werden wird
Dieſem Bericht entnehmen wir folgendes Vorwort:
Als der Verein gegründet wurde, gedachte man ſeine
Tätigkeit vorzugsweiſe der Stadt ſelbſt und dem Gebiete
zwiſchen der Stadt und den Waldungen zuzuwenden.
Man begann mit den Baumpflanzungen in den Straßen.
Rhein=, Neckar= und Heidelbergerſtraße, die Magdalenen=
ſtraße
und die Promenade längs der Main=Neckarbahn,
ſowie der Luiſenplatz erhielten Linden. Heinrich=, Anna=,
Wilhelminen= und Schloßgartenſtraße erhielten Baum=

reihen von Sophoren. Wilhelm= und Wilhelminenſtraße,
ſowie der Paradeplatz erhielten rot blühende Kaſtanien,
die äußere Ringſtraße eine Allee von Apfelbäumen, die
Nieder=Ramſtädter= und Roßdörferſtraße Ahornbäume.
Auch die Herſtellung der Anlagen und Einfriedigungen
am Mathildenplatz wie eines Teiles des Luiſenplatzes be=
ſorgte
der Verein. Ja ſogar der Straßenübergänge nahm
er ſich an und ließ die Pflaſterung an der Riedeſelſtraße
nach der Holzhofallee ausführen. Er ſtiftete das Wetter=
häuschen
auf dem Luiſenplatz und ſchuf die erhöhten Fuß=
gängerſteige
in der Kaſtanien=Allee des Ludwigswegs
wie längs der Faſaneriemauer und des Elfeicherwegs=
Die Entwickelung der ſtädtiſchen Verwaltung hatte zur
Folge, daß der Verein in der Neuzeit ſeine Tätigkeit mehr
nach außen verlegen konnte. Die ſtädtiſche Anlagendepu=
tation
und die Stadtgärtnerei haben das von dem Ver=
ein
als Pionier innerhalb der Stadt und in ihrer näch=
ſten
Umgebung Geſchaffene zur Unterhaltung und wei=
teren
Ausbildung auf die Stadt übernommen.
Für die erholungsbedürftige Menſchheit iſt der Wald
das wichtigere Gebiet. Er bietet reine Luft wie Schutz
gegen rauhe Winde. In der ſchönen Jahreszeit erfreut
er durch kühlenden Schatten, herrliche Beſtandsbilder,
duftige Blumen, lieblichen Vogelgeſang und prächtige
Ausblicke. Je größer die Anforderungen an die Geiſtes=
und Körperkräfte des Menſchen werden, um ſo mehr
wächſt ſein Bedürfnis nach Erholung. Eine beſſere Er=
holung
, als ſie der Gang hinaus ins Freie bietet, gibt es
nicht. Draußen in der freien Waldesnatur ſprudelt der
nie verſagende Born der Erfriſchung, der Wiederherſtel=
lung
verbrauchter Kräfte, ja ſelbſt des Troſtes für man=
chen
Seelenſchmerz. Wer es einrichten kann, ſollte ſeiner
Geſundheit zu lieb täglich einen Gang machen. Wem dies
nicht möglich iſt, der ſollte es um ſo gründlicher an Sonn=
und Feiertagen tun. Auch der ethiſche Einfluß bleibt
nicht aus. Der Blick in die Schönheit der Schöpfung
bildet den Geſchmack und veredelt das Gemüt. Das Glück
der Familie wird gefördert, da der Ausflug von Vater,
Mutter und Kindern gemeinſam unternommen werden
kann und das Familienoberhaupt dem Wirtshaus ent=
zogen
wird. Gelegenheit zu Mißbrauch des Alkohols,
zu Streit und unnützen Ausgaben wird ausgeſchaltet.
Ein einfacher Imbiß unter ſchattender Eiche mundet beſſer
und iſt zuträglicher, wie ein teures Mahl in dumpfer
Kneipe. Es iſt hiernach eine recht wichtige Aufgabe zu
löſen. Es gilt die Umgebung eines Wohnortes ſo aus
zugeſtalten, daß ſie unwiderſtehlich zum Beſuche lockt, daß
der Gang in die Natur zur Gewohnheit wird. Damit
iſt die Aufgabe des Verſchönerungsvereins gegeben und
ſein für das Volkswohl wichtiges Wirken kann auch nicht
ünterſchätzt werden. Die ſtaubige Landſtraße vermag dem
Erholungsgang nicht zu dienen. Automobile, Wagen,
Reiter und Radfahrer ſind zu meiden. Bei dem raſch
wachſenden Verkehr wird es immer nötiger, beſondere
Fußpfade für den Wanderer anzulegen. Unabhängig und
weit ab von den Straßen ſind ſie zu führen in der Richt=
ung
beliebter Endpunkte. Der Grundeigentümer hat kein
Intereſſe daran, für ſolche Pfade zu ſorgen. Hier muß
die Vereinstätigkeit einſetzen und hier liegt ihre drin=
gendſte
Aufgabe.
Zum Raſten ſind an geeigneten Stellen der Pfade
Ruhebänke aufzuſtellen. Schutzhütten und Tempel in
paſſender Verteilung müſſen bei Regengüſſen Obdach ge=
währen
. Wo eine Quelle entſpringt, iſt ſie gebrauchs
fähig zu faſſen. Alte, beſonders ſchöne Bäume bieten Ges
legenheit zu kleinen Anlagen. Gerüſte auf den Höhen eks
möglichen den labenden Fernblick. Vorzugsweiſe in den
vorſtehenden Richtungen hat der Darmſtädter Verſchöner=
ungsverein
für die Zukunft ſein Arbeitsgebiet zu ſuchen.
Seine Schöpfungen ſind zum Genuſſe für jedermann ohne
Ausnahme beſtimmt. Sie müſſen ſich deshalb auch des
Schutzes von jedermann erfreuen. Unſerer Bevölkerung
darf die Anerkennung nicht verſagt werden, ſaß ſie die
Anlagen des Vereins zu ſchätzen weiß. Nur in ſeltenen
Fällen kommen Beſchädigungen vor. Je größer die Mittel
ſind um ſo reicher werden die Leiſtungen des Vereins
ausfallen. Wer in der Lage iſt, ſollte die Beſtrebungen
des Vereins durch ſeinen Beitritt unterſtützen. Stets
neue Aufgaben tauchen auf. Mit der Ausdehnung der
Unternehmungen wachſen die Koſten ihrer Unterhaltung
Wer dem Verein dankbar iſt für das, was er geſchaffen,
findet jetzt die ſchönſte Gelegenheit, ſich durch Stiftung
einer beſonderen Jubiläumsgabe erkenntlich zu erweiſen.
Wenn dieſe reichlich fließen, würde der Verein zur Er
innerung an ſein 50jähriges Jubiläum gerne ein beſon=
deres
größeres Unternehmen zur Ausführung bringen.
Der Vorſtand beſteht zurzeit aus folgenden Herren:
Wilbrand, Geheimerat, Vorſitzender; Balſer, Oberfinanz=
rat
: Bormet, Rechnungrat; Heinemann, Geh. Forſtrat:
Kullmann. Geh. Forſtrat: Dr. Mangold. Geh. Schulrat:
Stapel, Gartendirektor: Stemmer, Kaufmann und Stadt=
verordneter
; Dr. Walther, Geh. Oberforſtrat.

Deutſcher Reichstag.

* Berlin 12. Febr. Vizepräſident Dr. Paaſche
eroffnet um 1 Uhr 18 Minuten die Sitzung. Auf der
Tagesordnung ſteht zunächſt die erſte Beratung eines von
den Sozialdemokraten eingebrachten Geſetzentwur=
fes
betreffend die
Volksvertretung in den Bundesſtaaten und Elſaß=
Lothringen.
Der Geſetzentwurf will dem Artikel 3 der Reichsver=
faſſung
hinzufügen, daß in jedem Bundesſtaat eine au
Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen
Wahlrechts gewählte Vertretung beſtehen muß, für die alle
über 20 Jahre alten Reichsangehörigen, ohne Geſchlechts=
unterſchied
, das aktive und paſſive Wahlrecht haben
.
Abg. Wels (Soz.): Die Schlechtigkeit des
preußiſchen Wahlſyſtems braucht nicht erſt hier nachge=
wieſen
zu werden. Trotz aller Keulenſchläge auf dieſes
Wahlſyſtem hält die Klaſſe der Junker ſtärker als je an
ihm feſt. Der Kampf um dieſes Wahlſyſtem iſt nichts
weiter geworden, als eine Machtfrage und als ſolche muß
ſie behandelt und gelöſt werden. Die Anſichten über die
Frauenbewegung haben ſich nach und nach geändert, wir
ſehen das auch bei den Parteien, die früher der Heran=
ziehung
der Frauen zur politiſchen Betätiguna direkt
feindlich gegenüberſtanden. Für die acht Millionen
Frauen, die in Deutſchland mitten im Erwerbsleben
ſtehen, iſt es eine ſchreiende Ungerechtigkeit, ſollte man
ſie auch fernerhin vom politiſchen Leben fernhalten. Die
Behauptung, daß eine Aenderung und ſomit eine Aende=
rung
des Wahlrechts vom Bundesrat ausgehen müſſe,
ſteht im Widerſpruch mit den Anſichten unſerer bekannte=
ſten
Staatsrechtslehrer. Die herrſchenden Klaſſen ſetzen
alles daran, um eine Wahlrechtsänderung zu hinter=
treiben
. Die bis heute eingebrachten Wahlrechtsanträge
ſind direkte Ausnahmegeſetze gegen die Sozialdemokratiet
ſie wollen nur das Vorwärtskommen der Sozialdemo=
kratie
hintertreiben. Wenn dem Volk ſeine Rechte vor=

verlor er auch ſeinen Onkel, der ihm weitere 20 Millionen
Mark vererbte. Seine Großmutter, Mrs. John Carter
Brown, die dieſen Enkel über alles liebt, iſt trotzdem in
Sorge über ſein Fortkommen, und ſo hat ſie ſich vor drei
Jahren entſchloſſen, ihm noch bei Lebzeiten von ihrem
Rieſenvermögen 60 Millionen Mark abzutreten, damit der
junge Millionärsſohn ein ſtandesgemäßes Vermögen
hat. Später wird Miſter Brown in den Beſitz noch wei=
terer
zahlreicher Millionen gelangen. Nächſt den ameri=
kaniſchen
Dollarkönigskindern ſind die Babys einiger
engliſcher Ariſtokraten vom Schickſal am meiſten ver=
wöhnt
. Ein Millionenerbe iſt z. B. der Tjährige Sohn
des Earl Fitz William. Sein Vater iſt einer der reichſte=
engliſchen
Peers und beſitzt in England und Irland
115000 Acres, auf denen große Bergwerke liegen. Seine
Einnahmen betragen daher aus ſeinen engliſchen Be=
ſitzungen
jährlich gegen 2 Millionen Mark und aus ſeinen
iriſchen Beſitzungen 1 Million Mark. Die Beſitzungen,
deren Herr der kleine Viscount Milton einmal werden
wird, werden auf einen Wert von etwa 50 Millionen
Mark geſchätzt. Mit ihm wird ſich dereinſt an irdiſchen
Gütern der einjährige Sohn von Lord Howard de Wal=
den
meſſen können; das Einkommen ſeines Vaters iſt auf
10 Mark in der Minute berechnet worden; das Vermögen
ſeiner Mutter, die auch aus einer ſehr reichen Familie
ſtammt, beläuft ſich auf etwa 8 Millionen Mark. So kann
man wohl ſagen, daß der kleine Lord mit einem golde=
nen
Löffel im Munde geboren worden iſt Zu den reich=
ſten
Kindern der Welt gehört auch der 5jährige Sohn und
Erbe des Herzogs von Norfolk, des erſten Herzogs von
England, der 50000 Aeres Grundbeſitz hat und ein un=
geheures
Einkommen jährlich aus ſeinen wertvollen Be=
itzungen
genießt.

* Tabak als Choleraſchutzmittel. Entgegen früheren
Anſchauungen, die in dem Tabakrauch wegen ſeiner bei=
zenden
Wirkung auch ein wirkſames Desinfektionsmittel
erblickten, galt nach neueren Unterſuchungen das Nikotin
durchaus nicht als Antiſeptikum. Nun aber hat Profeſſor
Wenck vom Kaiſerlichen Geſundheitsamte feſtgeſtellt, daß
der Tabak ein ſtarkes Gift gegen Cholerakeime darſtellt.
In Zigarren nämlich, die mit einem 1500000 Cholera=
vibrionen
enthaltenden Waſſertropfen behandelt wurden.
waren innerhalb von 24 Stunden alle Keime getötet
Ebenſo wurde in den während der Hamburger Cholera
Epidemie dort hergeſtellten Zigarren nicht ein einziger
Kommabazillus gefunden. Einen indirekten Beweis für
die Anſicht Wencks liefert auch die Tatſache, daß ſeiner=
zeit
kein Tabakarbeiter in Hamburg an Cholera geſtor=
ben
iſt.
* Der Gaul hat recht. In einem Vortrag, den der
Amerikaner Frank Moß vor kurzem in London hielt, ſprach
er davon, daß die Menſchen wie die Nationen ſich davor
hüten müßten, vorſchnell über andere zu urteilen. Und
zur Erläuterung erzählte er die Geſchichte von einem
Bauernpferd, das außer Rand und Band geriet, als es
zum erſtenmal auf der Landſtraße einem Automobil be=
gegnete
. Mit Hilfe eines vorübergehenden Städters ge=
lang
es dem Bauern, das Tier endlich wieder zu beruhi=
gen
, während der Städter den Kopf ſchüttelte und dem
Pferde einen Klaps gab, indem er ſagte: Du blödes
Vieh! Aber der Bauer ſchüttelte den Kopf: Der Gaul
hat ſchon recht, ſagte er rechtfertigend und nachdenklich
Was würden Sie tun, wenn Ihnen plötzlich auf der
Straße Ihre eigenen Hoſen begegnen, die einhermarſchie=
ren
, ohne daß einer deinſteckt?

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Seife 3.

enthalten werden, kann man ſich nicht wundern, daß eine
ungeheure Erbitterung und gewaltiger Haß in den ent=
rechteten
Volkskreiſen Platz greift. Mögen Sie tun, was
Abg.
Sie wollen, wir gehen unſeren geraden Weg.
Spahn (Zentr.): Wir ſtehen auch heute noch auf dem=
ſelben
Standvunkt, den ſchon mehrmals das Zentrum
hier vertreten hat, daß das, was für das Reicht gilt, auch
den Einzelſtaaten auf die Dauer nicht vorenthalten werden
darf. Wenn auch eine Aenderung des Wahlrechts nötig
fſt, ſo ſind wir doch der Anſicht, daß der Reichstag hierzu
nicht die Initiative ergreifen kann, ſondern dies dem
Bundesrat überlaſſen bleiben muß. Abg. Baſſer=
mann
(natl.): Von unſerem früher hier ſchon gekenn=
eichneten
Standpunkt abzugehen, haben wir keinen An=
laß
und wir lehnen es ab, ein beſtimmtes Wahlrecht den
Bundesſtaaten vorzuſchreiben. Abg. Graf v. Kanitz
konſ.): Der ſozialdemokratiſche Antrag widerſpricht den
Grundlagen der Reichsverfaſſung. Er würde die Sou=
veränität
der Einzelſtaaten und den bundesſtaatlichen
Charakter des Reiches vollſtändig preisgeben. Wir lehnen
es grundſätzlich ab. in eine Erörterung des Antrages ein=
tzutreten
, da der Reichstag dadurch ſeine Zuſtändigkeit
Abg. Kopſch (Fortſchr.
überſchreiten würde.
Volksvt.): Die geſamte Linke ſteht dem Grundgedanken
des Antrags, der ein alter Bekannter iſt, durchaus ſym=
pathiſch
gegenüber. Es iſt längſt ausgeführt worden, daß
das preußiſche Wahlrecht völlig unzureichend iſt. Das
preußiſche Wahlrecht iſt nicht geeignet, eine Volksvertre=
tung
zu ſchaffen, die auch nur einigermaßen die Stimmung
des Volkes revräſentiert; es bedeutet auch eine Ver=
höhnung
des Mittelſtandes. Das Reich muß auf Schaf=
fung
eines liberalen Landtagswahlrechts dringen. Die
Sozialdemokraten verlangen nun auch das Frauenſtimm=
echt
und das Wahlrecht der Jugendlichen als Naturrecht
Ja, wozu denn überhaupt eine Altersgrenze? Wir Fort=
ſchrittsmänner
wollen bei allen Sympathien für die
Frauen ſchritt=, nicht ſprungweiſe vorgehen. (Heiterkeit
Sehr gut.) In dem vorliegenden Gewand wird der An=
rrag
hier niemals eine Mehrheit finden. Uns leitet bei
unſerer Forderung nicht Parteiintereſſe, ſondern das
Wohl des Volkes. Abg. Seyda (Pole): Der Grund=
gedanke
des Antrages iſt uns durchaus ſympathiſch. Be=
züglich
des Wahlrechts für Jugendliche und Frauen iſt
die Anſicht in unſerer Partei geteilt. Zunächſt müßte das
RReichstagswahlrecht entſprechend geändert werden. Im
Prinzip ſtimmen wir dem Antrag zu. Abg. Mertin
(Reichspt.): Die Reichspartei lehnt den vorliegender
Antrag ab, ohne auf die maßloſen Forderungen einzu=
gehen
.
Abg. Burckhardt (Wirtſch. Vgg.): Die
(Chriſtlich=Sozialen haben den Wunſch, auch im Landtac
vertreten zu ſein und wünſchen deshalb das geheime
Wahlrecht. Ich muß aber erwähnen, daß die Liberalen
lals ſie in Preußen die Mehrheit hatten, nicht an eine
Wahlrechtsänderung dachten. Auch die Sozialdemokraten
Lehnen vielfach bei gewerkſchaftlichen Wahlen die geheime
Wahl ab, da nach ihrer Meinung die Menge dazu noch
richt reif iſt. Hätten wir keine Sozialdemokraten, ſo wäre
Das preußiſche Wahlrecht längſt verbeſſert worden. Als
Letzter Redner zur erſten Leſung wird der Abgeordnete
Dr. Herzfeld (Soz.) aufgerufen. Dieſer iſt aber nicht
Em Saal anweſend. (Große Erregung bei den Sozial=
Hemokraten.)
Damit iſt die erſte Leſung erledigt. Es
folgt die zweite Beratung.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.): Die Haltung der
Rechten zu unſerem Antrag iſt ein ſchlagender Beweis
für die Notwendiakeit, dieſes ſchmachvolle Wahlrecht zu
ändern. (Große Unruhe rechts.)
Vizepräſident Dove: Auf Parteien angewendet, iſt
das Wort ſchmachvoll nicht parlamentariſch, aber auf
Zuſtände angewendet, unterliegt ſeine Zulaſſung dem Ur=
ſkeil
des Präſidenten.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.): Die Haltung des
Zentrums iſt unverſtändlich. Es will einer Wahlrechts=
änderung
zuſtimmen, wenn die Regierung die Initiative
ergreift. Dem Hauſe ſteht aber dieſelbe Initiative zu,
wie der Regierung. Die Rechte würde keine Bedenken
haben, in das Wahlrecht Württembergs, Heſſens oder
Bayerns einzugreifen. Hier aber handelt es ſich um das
geliebte Preußen und um Mecklenburg mit den Ochſen=
köpfen
im Wappen. Bei der Wahlrechtsdebatte im Abge=
ordnetenhauſe
hat das Zentrum eine klägliche Rolle ge=
ſpielt
. Es hat Brüderſchaft mit den Konſervativen ge=
macht
und mit ihnen gemeinſam das Volk über den Löf=
fel
barbiert. (Vizepräſident Dove: Dieſe Ausdrücke
können ſich aber nur auf Mitglieder des Hauſes beziehen.
Widerſpruch.) Ich bitte Sie, ſich ſolcher Ausdrücke zu
enthalten.) Im preußiſchen Abgeordnetenhaus und Her=
renhaus
wird fortgeſetzt Sturm gelaufen gegen Reichs=
tag
und Reichstagswahlrecht. Das empfindet die Rechte
nicht als einen Eingriff in das Recht des Reichtags, um=
gekehrt
aber hat ſie Kompetenzbedenken. Die Junker wol=
len
Preußen ſtark machen und das Reich ſchwächen, wir
aber wollen das Junker=Preußen zertrümmern ( Leb=
hafte
Unruhe rechts, Lärm im ganzen Hauſe), um daraus
ein freies Preußen zu ſchaffen. (Glocke des Präſidenten
r. Kaempf: Sie dürfen einer Partei des Hauſes nich=
vorwerfen
, ſie wolle Deutſchland ſchwächen. Lachen bei
den Sozialdemokraten.)
Abg. Sivkovich (Fortſchr
Volkspt.): Mecklenburg ſteht noch immer unter der Ver=
faſſung
von 1755 (Heiterkeit). Wir müſſen Mittel und
Wege ſuchen, um endlich dieſen Zuſtänden ein Ende zu
bereiten. Abg. Dr. Herzfeld (Soz.): Wir werden
im Reichstag die Beſiegten, draußen im Lande aber die
Sieger ſein. Als der Redner in ſehr ausführlicher Weiſe
auf die mecklenburgiſche Verfaſſung eingeht, erſucht der
Präſident Dr. Kaempf den Redner, ſich mehr an die
Sache zu halten.
Nach weiteren kurzen Ausführungen des Abgeord=
neten
Wurm (Soz.) ſchließt die Debatte. Der Geſetz=
entwurf
wird in allen ſeinen Teilen abgelehnt. Eine
dritte Beratung findet nicht ſtatt.
Hierauf wird vertagt. Nächſte Sitzung Donners=
tag
1 Uhr. Tagesordnung: Etat des Reichsjuſtizamts,
der Poſt= und Telegraphenverwaltung und der Reichs=
druckerei
. Schluß ½7 Uhr.

Deutſcher Landwirtſchaftsrat.

* Berlin, 12. Febr. Der Deutſche Landwirt=
ſchaftsrat
ſetzte heute im Herrenhaus von 10¼ Uhr
ab ſeine Beratungen fort. Zu Beginn der Sitzung erſchien
der Kaiſer, empfangen von dem Präſidenten Grafen
Schwerin=Löwitz, dem Reichskanzler, den Miniſtern Dr.
Delbrück, Freiherrn v. Schorlemer=Lieſer und dem Präſi=
denten
v. Wedel=Piesdorf. In Begleitung des Kaiſers
befanden ſich der Generaladjutant v. Pleſſen, der Chef des
Zivilkabinetts v. Valentini und die Flügeladjutanten
Freiherr v. Senden und Freiherr v. Paleske. Graf
Schwerin=Löwitz begrüßte den Kaiſer, indem er
ihm für ſein Erſcheinen dankte, und fuhr dann fort: Wir
dürfen in der wiederholten Anteilnahme an unſeren Be=
ratungen
mit ſtolzer Freude den erneuten Beweis des
warmen vaterländiſchen Intereſſes erblicken, welches Se
Majeſtät an der Entwickelung der deutſchen Landwirtſchaft
nehmen. Mit dem erneuten Gelöbnis treueſter Ergeben=

heit für Eure Majeſtät verbinden den untertänigſten Glück=
wunſch
für die frohe Verlobung der Prinzeſſin= Viktoria
Luiſe mit dem Prinzen Ernſt Auguſt von Cumberland.
Se. Majeſtät der Kaiſer Hurca! Hurra! Hurra! Der Kai
ſer dankte durch Verneigung und nahm auf der Miniſter
bank Platz, neben ihm der Landwirtſchaftsminiſter.
Rittergutsbeſitzer Loſchow aus Petkus ſprach alsdann
über Maßnahmen zur weiteren Produktionsſteigerung der
deutſchen Landwirtſchaft. Hierauf nahm der Kaiſer
ſelbſt das Wort und führte aus: Vor etwa zwei Jahren
habe ich Ihnen bereits mitgeteilt, in welcher Weiſe ich
auf meinem Gute mit dem Anbau von Brotgetreide, Fut=
termitteln
und mit der Steigerung der Viehproduktion
vorgegangen bin. Ich bin nun genötigt, Sie heute mit
einer Reihe von Zahlen zu langweilen. Der Kaiſer verlas
dann eine längere Statiſtik über die Produktion an Futter
mitteln, von Getreide, beſonders Roggen. Er erwähnte
der Roggen ſei in ſeinen Feldern derartig gediehen, daß
die Leute ſich mit Staunen die Roggenähren angeſehen
haben und in Scharen zu ſeiner Scheune geſtrömt ſeien,
um zu erfahren, in welcher Weiſe der Roggen angebaut
wurde. Er habe außerdem auf ſeinem Gute die beſten
Erfolge mit dem Rindvieh gemacht. Es ſei ihm gelungen,
Zebukälber zu züchten, von denen er einige an Hagenbeck
verkauft habe. Letzterer habe ſie zum Teil nach Indien
weiter verkauft. Ich habe bereits vor zwei Jahren ge=
ſagt
und ich kann das heute wiederholen, obwohl ich ja
verhältnismäßig ein kleiner Landwirtſchaftsbeſitzer bin,
daß wir wohl in der Lage ſind, für unſer Vaterland die
erforderlichen Futtermittel. Brotgetreide und Fleiſch ohne
Hilfe des Auslandes zu liefern.
Präſident Graf Schwerin=Löwitz dankte dem
Kaiſer für ſeine Mitteilungen, aus denen hervorgehe,
welches großes Intereſſe der Kaiſer an dem Gedeihen der
deutſchen Landwirtſchaft nehme. Die deutſche Landwirt=
ſchaft
könne den Kaiſer mit Stolz zu ihren Beruſsgenoſſen
zählen.
Der Kaiſer verweilte bis um 1 Uhr im Deutſchen
Landwirtſchaftsrat und verließ dann unter Hochrufen den
Sitzungsſaal. Außer den genannten Miniſtern war auch
Staatsſekretär Dr. Solf anweſend.

Die Verlobung im Kaiſerhauſe.

* Karlsruhe, 11. Febr. Der Kaiſer iſt heute
abend 7.20 Uhr mittels Sonderzuges von hier abge=
reiſt
. Der Großherzog und das Prinzenpaar Max=
von
Baden gaben dem Kaiſer das Geleit zum Bahnhof.
Zur Verabſchiedung waren außerdem erſchienen der kom=
mandierende
General des 14. Armeekorps, v. Hoiningen
genannt Huene, und der preußiſche Geſandte von Eiſen=
decher
. Nach nochmaliger herzlicher Verabſchiedung von
dem Großherzog beſtieg der Kaiſer ſeinen Salonwagen.
Nach den bisherigen Dispoſitionen wird der prinz=
liche
Bräutigam Mittwoch abend mit der kaiſerlichen
Familie dem Kaiſer nach Berlin folgen.
Für die nächſte Zeit wird der Austauſch von Be=
ſuchen
zwiſchen Berlin und Gmunden erwartet.
* Berlin 12. Febr. Die Poſt ſchreibt: Die Mel=
dung
, daß der Vater des Bräntigams der Prinzeſſin
Viktoria Luiſe, der Herzog Ernſt Auguſt von
Cumberland, auf Hannover nicht verzichtet
habe, wird uns an zuſtändiger Stelle be=
ſtätigt
. Der Herzog fühlt ſich durch ein ſeinem Vater
gegebenes feierliches Verſprechen gebunden und hat ſich
nicht bewegen laſſen, jetzt den Verzicht auf Hannover aus=
zuſprechen
. Da infolgedeſſen die Bedingungen, die der
Bundesratsbeſchluß von 1907 vorſchreibt, nicht erfüllt
ſind, ſo wird in der Braunſchweigiſchen
Frage zu Lebzeiten des Herzogs Ernſ
Auguſt keine Aenderung eintreten. Es
wird als ganz ausgeſchloſſen betrachtet, daß irgendein
Bundesſtaat den Antrag ſtellen wird, daß der Bundes=
ratsbeſchluß
von 1907 ſo gemildert wird, daß der Prinz
Ernſt Auguſt Herzog würde, während ſein Vater ſeine
Anſprüche auf Hannover aufrecht erhält. Herzog Johann
Albrecht zu Mecklenburg behält alſo die Regentſchaft
Der Prinz Ernſt Auguſt tritt, wie ſchon gemeldet, als
Offizier in das Ziethen=Huſaren=Regiment ein und wird
dem König von Preußen den Treueid leiſten. Die Hoff=
nung
weiter nationaler Kreiſe, daß durch die Verbindung
der Häuſer Hohenzollern und Welf die welfiſche
Frage ſchon jetzt aus der Welt geſchafft
ſei, hat ſich einſtweilen alſo nicht verwirklicht.
Es iſt kein Friede zwiſchen Welf und Ghibelline ge=
ſchloſſen
, ſondern nur ein Zugang zum Frieden eröffnet
worden.
H.B. Hannover, 12. Febr. Der Herzog von
Cumberland läßt der Welfiſchen deutſchen Volkszei=
ung
heute durch den welfiſchen Reichstagsabgeordneten
Freiherrn von Scheele=Scheelenburg folgende Zeilen zu=
gehen
: Lieber Scheele! Es beglückt mich, Ihnen und den
reuen Hannoveranern, die in ſo erhebender Weiſe an
unſerem tiefſten Schmerze teilgenommen haben, heute die
reudige Botſchaft machen zu können, daß unſer geliebter
Sohn Ernſt Auguſt ſich mit Ihrer Königlichen Hoheit der
Prinzeſſin Viktoria Luiſe, der Tochter Seiner Majeſtät
des deutſchen Kaiſers und Königs von Preußen, verlobt
hat. Wir flehen zu Gott, daß der Bund dieſer deutſchen
Fürſtenkinder, der aus eigenſter Neigung entſprungen iſt
und mit dem Segen der Eltern geſchloſſen, nun gedeihen
möge zum Segen der Verlobten und ihrer beiden Häuſer.

Luftfahrt.

Von der Darmſtädter Fliegerſtation.
Darmſtadt, 12. Febr. Oberleutnant v. Donne=
vert
von der Straßburger Fliegerſtation
der hier einige Tage Station macht, unternahm geſtern
nachmittag einen prachtvollen Rundflug über Darm=
ſtadt
auf ſeiner Rumpler=Taube. Die drei Darm
ſtädter Flieger, die einen Ueberlandflug nach Hei
delberg und Karlsruhe unternahmen, werden erſt heute
oder morgen nach Darmſtadt zurückkehren. Leutn. Rein=
hardt
flog heute mittag nach Heidelberg zurück
und Leutn. Sommer geſtern abend. Leutn. v. Mir=
bach
befindet ſich ebenfalls noch in Heidelberg.
Berlin, 12. Febr. Das in Potsdam ſtationierte
Zeppelin=Paſſagierluftſchiff Hanſa unter=
nahm
geſtern ſeinen hundertſten Aufſtieg und
kreuzte in etwa 800 Meter Höhe in der Nähe der Stadt
Als das Luftſchiff gerade über dem Heiligen=See ſich be=
fand
, brach ein Propeller und ſtürzte in den See. Mit drei
Propellern wurde das Luftſchiff zum Hafen zurückgeführt.
Es mußte im Freien ankern, weil der Wind gegen die
Halle ſtand. Trotz des Defektes machte die Hanſa am
Nachmittag noch eine zweiſtündige Fahrt mit drei Pro=
pellern
. Die Hanſa hat bis heute zirka 14800 Kilometer
Luftweg in 270 Stunden mit 2700 Paſſagieren hinter ſich
* Gotha, 12. Febr. Das Luftſchiff P. 2 iſt heute
früh um 8 Uhr 14 Minuten zur Fahrt nach Köln

aufgeſtiegen. Um 9 Uhr 20 Minuten paſſierte es
Eiſenach!
* Köln 12. Febr. Das Luftſchiff P. 2 iſt um
12.35 Uhr über der Stadt eingetroffen.
* Köln 12. Febr. Das Luftſchiff P. L. 8 das
heute früh um ¾9 Uhr in Gotha zur Weiterfahrt nach
Köln aufgeſtiegen war, iſt um 12¾4 Uhr vor der Luftſchiff=
halle
in Köln gelandet. Die Fahrt ging bei leichten
ſüd nordöſtlichen Winden in großen Höhen über dichtem
Nebel nach dem Kompaß. Außer einigen Bergſpitzen
waren keine Landmarken zu ſehen. Die Durchſchnitts=
geſchwindigkeit
betrug 80 Kilometer pro Stunde.
* Straßburg, 11. Febr. Für den Prinz Hein=
rich
=Flug 1913 haben, ſoweit Elſaß=Lothringen in
Betracht kommt, der Kaiſerliche Statthalter Graf von
Wedel, bezüglich des badiſchen Gebietes Großherzog
Friedrich und bezüglich Heſſens Großherzog
Ernſt Ludwig das Protektorat übernommen.
Das geſamte Unternehmen ſteht belanntlich unter dem
Protektorat des Prinzen Heinrich von Preußen.
* Straßburg, 12. Febr. Am Montag hat in
Straßburg eine Konferenz des Arbeitsausſchuſſes für den
im Juli 1913 beabſichtigten Waſſerflugzeug= Wett=
bewerb
am Bodenſee ſtattgefunden und zwar zu
nächſt mit den Vertretern des Vereins Deutſcher Motor=
fahrzeug
=Induſtrieller (V. D. M. J.). An der Beſprechung
nahm auch Kapitän zur See Leppert teil. Dabei wur=
den
auch die Ausſchreibungen für dieſe Waſſerflugzeug=
konkurrenz
, die vorausſichtlich vom 8. bis 13. Juli ſtatt=
finden
ſoll, feſtgeſetzt. Namhaſte Preiſe im Geſamt=
betrage
von 100000 Mack ſtehen für den Wett=
bewerb
zur Verfügung, davon 70000 Mark zur Dotierung
des Großen Preiſes vom Bodenſee. Die Zuverläſſigkeits=
und Geſchwindigkeitsprüfung erfolgt über eine Strecke
von 200 Kilometer, das iſt eine zweimalige Umrundung
des Bodenſees. Nennenswerte Prämien werden auch
ausgeſetzt ſein für hervorragende einſchlägige Konſtruk=
tions
=Details, zum Beiſpiel für Schwimmerkonſtruktion,
für Anwerf=Vorrichtungen, Aufzugs=Vorrichtungen für das
Fahrgeſtell uſw.
* Etampes 11. Febr. Der Flieger Guillaux
legte auf einem Eindecker mit einem Fluggaſt in 4 Stun=
den
10 Minuten 46 Selunden 410 Kilometer zurück und
ſchlug damit den Weitflugrekord. Die Landung
erfolgte wegen Nebel.

Revolverattentat in Wien.

* Wien 12. Febr. Der bekannte ſozialdemo=
kratiſche
Abgeordnete Schuhmaier wurde
11 Uhr nachts auf dem Nordweſtbahnhof, wo er eben aus
Stockerau eingetroffen war, von einem Mann mit den
Worten: Das iſt meine Rache! ins linke Ohr ge=
ſchoſſen
. Schuhmaier ſtürzte tot zu Boden. Der
Attentäter gab an, 42 Jahr alt, Eiſendreher zu ſein
und Paul Kunſchak zu heißen. Er erklärte, daß er
durch den Terrorismus der ſozialdemokratiſchen Partei
ſeine Stelle verloren habe, dadurch in Not und Elend ge=
raten
ſei und deshalb beſchloſſen habe, ſich an Schuhmaier
als einem Repräſentanten der ſozialdemokratiſchen Par=
tei
zu rächen.
* Wien, 11. Febr. Der Mörder des Abge=
ordneten
Schuhmaier erklärte bei ſeiner Ver=
nehmung
durch die Polizei, er habe vor Jahren den An=
ſtoß
gegeben, daß gegen einige Arbeiter eine ſtrafgericht=
liche
Unterſuchung eingeleitet worden ſei. Infolgedeſſen
ſei er von den Arbeiterorganiſationen
boykottiert worden und es ſei ihm unmöglich ge=
weſen
, dauernde Stellung zu finden. Seit anderthalb
Jahren ſei er arbeitslos und habe deshalb beſchloſſen
ſich an Schuhmaier, dem Führer der Arbeiter, zu rächen
* Wien 12. Febr. Bei ſeiner Vernehmung
auf der Polizei legte der Täter ein volles Geſtändnis
ab. Er habe nach Stockerau fahren wollen, ſei aber in
Kornenburg ausgeſtiegen und ſei dann in den Zug, in
welchem Schuhmajer fuhr, wieder eingeſtiegen. Er ſei
1½ Jahre ſtellenlos, dem Hunger und der Entbehrung
preisgegeben und dies einzig und allein aus dem Grunde
weil er ſich geweigert habe, der ſozialdemokratiſchen Par=
teiorganiſation
beizutreten. Kunſchak erhebt gegen die
Angehörigen der Organiſation die Anklage, ſie hätten
planmäßig in jeder Fabrik, in der er Arbeit und Stellung
gefunden habe, ſeine Entfernung durchgeſetzt und ihr
dann der Not und dem Elend überantwortet. Er ſagte
weiter, daß er die Partei als ſolche treffen wollte, er
habe ſich irgend einen ausgeſucht, und weil er gerade
Schuhmaier am beſten kannte, habe er auf dieſen ge=
ſchoſſen
. Abgeordneter Franz Schuhmaier war Ge=
meinderat
, Landtags= und Reichsratsabgeordneter. Er
gab die ſozialdemokratiſche Volkstribüne heraus.
* Wien, 12. Febr. Die Blätter melden zu der Er=
mordung
des Abgeordneten Schuhmaier, daß bei
Abgabe des Schuſſes der Mörder Kunſchak rief: Das
iſt meine Rache. Als mehrere Bahnbedienſtete und Rei=
Das iſt
ſende den Mörder feſtnehmen wollten, ſaate er:
nicht notwendig, ich ſtelle mich ſchon ſelbſt der Polizei.
Wie nun feſtſteht, iſt der Mörder ein Bruder des chriſtlich=
ſozialen
Landtagsabgeordneten und Gemeinderats Kun=
ſchak
.

Der Balkankrieg.

Vom Kriegsſchauplatze.
Semlin, 12. Febr. In Belgrad eingetroffene
Privat=Telegramme melden, daß die Türken vor
Skutari die Serben und Montenegriner ge=
ſchlagen
haben. Wenigſtens 2000 Serben und Mon=
tenegriner
ſollen tot ſein. Zwei bulgariſche Bataillone
ſeien gefangen genommen worden. König Nikolaus von
Montenegro ſoll geſtern den Kaiſer Nikolaus telegraphiſch
um Hilfe erſucht haben.
* Sofia, 11. Febr. Die bulgariſchen Trup=
pen
zogen ſich fünf bis ſechs Kilometer weit in neue
Stellungen zurück, nachdem bei Tſchataldſcha die
Angriffe der Türken auf der ganzen Linie zurückgeſchla=
gen
worden waren, ausgenommen auf dem äußerſten
rechten Flügel, wo die Truppen dem Kreuzfeuer der tür=
kiſchen
Schiffe im Marmarameer und im Golfe von
Buejuktſchekmedſche ausgeſetzt waren. Die Verluſte der
Bulgaren ſind unbedeutend. Die türkiſchen Verluſte ſollen
groß ſein. Die Zurückverlegung der bulgariſchen Front
bei Tſchataldſcha ſoll angeblich erfolgt ſein, weil die ur=
ſprünglichen
Stellungen nicht das gewünſchte Schußfeld
hatten.
* Paris, 11. Febr. Da Bulgarien ſich weigert, ein
Stadtviertel Adrianopels zum Schutze der
Fremden während der Belagerung für neutral zu er=
klären
oder den Fremden das Verlaſſen der Stadt zu ge=
ſtatten
, beſtand Frankreich neuerlich in dringender Form
darauf, daß ſeinen Staatsangehörigen die Erlaubnis zum
Verlaſſen Adrianopels erteilt wird.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1915.

Nummer v.

Türkiſche Kriegsnachrichten.
* Sofia, 11. Febr. Die Agence Bulgare ſchreibt:
Seit der Wiederaufnahme der Feindſeligkeiten verbreiten
die Türken, getreu ihren traditionellen Praktiken, un=
ausgeſetzt
Nachrichten über großartige Erfolge.
der türkiſchen Truppen, insbeſondere über Landungen
längs der Küſte des Marmara= und des Schwarzen
Meeres. Wenn man die Nachrichten glauben ſollte, ware
die türkiſche Armee auf allen Punkten des thraziſchen
Kriegsſchauplatzes ſiegreich Angeſichts der tendenziöſen
Nachrichten und um ein für allemal den in Konſtanti=
nopel
erfundenen Fabeln ein Ende zu ſetzen, erklärt das
bulgariſche Hauptquartier kategoriſch, daß bis=
her
, mit Ausnahme von Podima und Scharkoej, wo die
Türken mit den bekannten Verluſten zurückgeſchlagen wur=
den
, kein Landungsverſuch unternommen worden iſt. In
der Tſchataldſchalinie iſt es zu keinem bedeutenden
Zuſammenſtoß gekommen. Was die Halbinſel Gallipoli
betrifft, genügt es, zu ſagen, daß die Türken in der Schlacht
von Bulair mehr als 15000 Tote und Verwun=
dete
hatten, um zu verſtehen, wie lächerlich es iſt, von
türkiſchen Erfolgen zu ſprechen. Die Türken können ima=
ginäre
Siege erfinden; das wird an ihrer Lage in dieſem
Kriege nichts ändern. Die europäiſche Oeffentlichkeit wird
ſich nicht täuſchen laſſen.

Rumänien, Bulgarien und die Mächte.
* Wien, 12. Febr. Das Neue Wiener Tagblatt
ſchreibt: Anläßlich des ſchleppenden Ganges der Ver
handlungen zwiſchen Bulgarien und Ru=
mänien
hat ſich Rumänien wiederholt an die Mächte
gewandt, damit dieſe auf ein beſchleunigteres Tempo
der Verhandlungen und die Erfüllung der rumäniſchen
Forderungen in Sofia hinwirkten. Dem Wunſche Rumä=
niens
entſprechend, hat ſpeziell das Wiener Kabi=
nett
, unterſtützt von Deutſchland und Italien,
ſich ſchon wiederholt in Sofia verwendet und wird es auch
weiter an einſchlägigen Bemühungen nicht fehlen laſſen,
die hoffentlich in kürzeſter Zeit zu einer auch im wohlver=
ſtandenen
Intereſſe Bulgariens liegenden Befriedigung
Rumäniens führen werden.
* Paris, 12. Febr. Das Echo de Paris ſchreibt:
Mehrere Mächte, darunter auch Frankreich, ver=
mitteln
gegenwärtig zwiſchen Sofia und
Bukareſt, um das Zuſtandekommen einer freundſchaft=
lichen
Verſtändigung zu beſchleunigen. Die Mächte be=
gnügen
ſich nicht damit, Ratſchläge zur Mäßigung zu er=
teilen
, ſie bemühen ſich auch, eine greifbare Löſung des
Zwiſtes zu finden, und man knüpft an dieſe Initiative
große Hoffnungen. Nach einer durchaus unparteilichen
Anſicht würde es billig erſcheinen, Rumänien eine Grenz=
berichtigung
zu gewähren, durch die Siliſtria ſelbſt, jedoch
nicht deſſen Bannmeile, Bulgarien verbleibt und das ru=
mäniſche
Gebiet um etwa 20 Kilometer über ſeine gegen=
wärtigen
Grenzen hinaus bis zu einem Punkte nördlich
von Kaliakra an das Schwarze Meer ausgedehnt würde.

Letzte Nachrichten.

* Konſtantinopel, 12. Febr. Bei den vor=
ſgeſtrigen
Kämpfen am Kawak bei Bulair ſollen die Tür=
ken
1200 Tote und Verwundete gehabt haben, darunter
einige Offiziere. Die Polizei fährt fort, zahlreiche als
verdächtig geltende griechiſche Staatsangehö=
rige
zu verhaften und ſie auszuweiſen. Reiche Griechen,
Bulgaren und Serben, die ottomaniſche Staatsangehörige
ſind, werden nach Sinope und anderen kleinaſiatiſchen
Städten gebracht. Etwa 100 Perſonen, die ſich in ruſſi=
ſchen
Klöſtern von Galata verborgen hielten, wurden in
dem Augenblick verhaftet, als ſie in Begleitung eines
Kawaſſen des ruſſiſchen Konſulats ein ruſſiſches Schiff
beſtiegen.
* Sofia, 12. Febr. Der geſtrige Tag verlief vor
Tſchataldſcha und Bulair ruhig. Der Feind
unternahm keine Aktion. Die Bulgaren verſchanzten ſich
in ihren Stellungen vor Bulair und 5 Kilometer weſtlich
von der Tſchataldſchalinie. Die Beſchießung von Adria=
nopel
dauerte den ganzen Tag fort mit Unterbrech=
ungen
. Der Feind erwiderte das Feuer aus ſchweren
Geſchützen. Aus Ausſagen von Türken, die in dem Kampf
um das Dorf Oklali in der Gegend von Tſchataldſcha
am 9. Februar gefangen wurden, geht hervor, daß die
Bulgaren, die drei Bataillone ſtark waren, zwei türkiſchen
Regimentern gegenüberſtanden. Die türkiſche Batterie bei
dem Dorfe Izzedin mußte von Infanteriſten gezogen
werden, da die Pferde erſchöpft waren.

Die Revolution in Mexiko.

* Berlin, 11. Febr. Auf der hieſigen mexikaniſcher
Geſandtſchaft iſt eine Depeſche des Auswärtigen Amtes
in Mexiko von heute mittag eingetroffen, die beſagt:
Die Meldung von der Abdankung des Präſi=
denten
Madero iſt falſch. Die Gouverneure der
Staaten halten treu zu der Regierung. Die Regierung
iſt Herrin der Stadt. Die Revolutionäre halten nur eine
Zitadelle der Stadt beſetzt.
* Laredo (Texas), 11. Febr. Hier eingetroffene
Berichte beſtätigen, daß heute vormittag 10 Uhr 15 Min.
in Mexiko ein Straßenkampf ausgebrochen iſt.
Die Bundestruppen eröffneten das Feuer auf die Auf=
ſtändiſchen
. Die Bundestruppen ſind im Beſitz von Ar=
tillerie
und Maſchinengewehren. In der Nähe des Na=
tionaltheaters
wurde auf die Aufſtändiſchen, deren Zahl
4000 beträgt, ein Bombardement eröffnet. Um 11 Uhr
15 Minuten griffen die Bundestruppen das Arſenal unter
Führung von General Blanquet an.
* Mexiko, 11. Febr. Die Lage der Regie=
rung
iſt im weſentlichen unverändert, obgleich fünf
hundert Soldaten des treugebliebenen Generals Blan=
quet
und eine kleine Abteilung von Rurals in der Haupt=
ſtadt
angelangt ſind. Indeſſen dürfte Diaz, wenn es
der Regierung nicht gelingt, die noch zögernden Elemente
dazu zu beſtimmen, ſich ihr anzuſchließen, mit der über=
legenen
Artillerie einem Angriff widerſtehen. Es herrſcht
ausgezeichnete Ordnung. Alle Banken ſind geſchloſſen
ebenſo die Mehrzahl der Läden, die Straßen ſind ver=
laſſen
. Die Straßenbahnen ſtellten den Verkehr ein. Ma=
dero
iſt in den Palaſt zurückgekehrt, wo er mit den Mi=
niſtern
konferierte. Seine Gattin hält ſich in Chapulte=
pek
auf. Madero vertraut darauf, daß die Regierung die
Oberhand gewinnt. Er glaubt, eine genügende Truppen=
zahl
bald mobiliſieren zu können. um Diaz erfolgreich an=
zugreifen
. Die Diplomaten bemühen ſich um die Erlaub=
nis
, aus Ausländern beſtehende Patrouillen zu bilden
zur Bewachung der Fremdenquartiere. 800 Soldaten mit
acht Kanonen ſchützen den Palaſt. Diaz erklärte, er be=
abſichtige
nicht, anzugreifen, er werde die Aktion der
Streitkräfte der Regierung abwarten. Er ſcheint reichlich
Munition und Geld zu beſitzen.
Waſhington, 12. Febr. In einer heute früh
im Weißen Hauſe abgehaltenen Konferenz, an der Präſi=

dent Taft, der Kriegsſekretär, der Marineſekretär und Offi=
ziere
der Armee und Marine teilnahmen, wurde beſchloſ=
ſen
, heute noch drei weitere Schlachtſchiffe
nach der Oſtküſte von Mexiko zu ſenden. Ferner
wird der Befehl gegeben, unverzüglich zwei Truppen=
transportſchiffe
bereitzuſtellen, um zum Schutz der Ameri=
kaner
und der anderen Ausländer Truppen nach Mexiko=
zu
befördern, falls ſich die Lage dort verſchlimmern ſollte.
* Mexiko, 12. Febr. Der geſtrige Straßen=
kampf
endete nach ſieben Stunden augenſcheinlich ohne
entſcheidenden Erfolg. Es wurden Hunderte von Toten
gezählt. Die größten Verluſte rührten von dem Angriff
der Ruraltruppen auf eine Batterie der Aufſtändiſchen
her, die die Angreifer, Menſchen und Pferde, faſt voll=
ſtändig
aufrieb. Unter den Verwundeten befinden ſich
viele Zuſchauer, Knaben und Frauen, die trotz des
Kampfes ſich der Gefahr ausſetzten.

Literariſches.

Magdalis Heimroths Leidensweg, ein neuer,
ebenſo flott wie ſpannend geſchriebener Roman von Adele
Gerhard, nimmt in dem neueſten (6.) Heft der Arena
(Stuttgart, Deutſche Verlagsanſtalt) ſeinen Anfang. Mit
ihm erhält der wiederum vortrefflich ausgewählte und
reiche Inhalt dieſes Heftes eine wirkungsvolle Einleitung.
Die Vielſeitigkeit war von jeher ein beſonderer Vorzug
dieſer ebenſo weitverbreiteten wie beliebten Familien=
Zeitſchrift. Und ſo darf es nicht wundernehmen, wenn
auch in dem vorliegenden Heft ſich in buntem Reigen Bei=
träge
der mannigfachſten Art zu einem ſchönen Ganzen
einen. Auch in dieſem Hefte fehlen nicht die ſtimmungs=
vollen
Gedichte, ſowie mehrere kleinere Erzählungen. Die
Kultur der Gegenwart jene Revue auf den verſchieden=
ſten
Gebieten des Wiſſens und der Betätigung, ſchließt
das im übrigen mit reichem Bilderſchmuck durchſetzte Heft
(Preis 1,25 Mark) ab, das ſolchermaßen wiederum ein
wohlgelungenes Beiſpiel des modernen Zeitſchriften=
weſens
darſtellt.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Berlin, 12. Febr. Der Kaiſer iſt heute vormittag
aus Karlsruhe hier eingetroffen. Er begab ſich ſofort ins
Schloß.
* Berlin, 12. Febr. Die Unterrichtskommiſ=
ſion
des Abgeordnetenhauſes überwies heute
vormittag die Petition zur Erhaltung der deut=
chen
Schriftart mit 12 gegen 6 Stimmen der Re=
gierung
zur Erwägung.
* Straßburg, 12. Febr. Zu der Bewegung im
deutſchen Baugewerbe iſt mitzuteilen, daß der
Arbeitgeberbund für das deutſche Baugewerbe, Landes=
verband
Elſaß=Lothringen, heute die Tarifverträge mit
den Klempnern und Inſtallateuren gekündigt hat.
* Kolmar i. E., 12. Febr. Kurz nach 2 Uhr iſt, von
der Hohkönigsburg kommend, der Regent von
Braunſchweig, Herzog Johann Albrecht zu Meck=
lenbura
mit der Herzogin hier eingetroffen. Nach kur=
zem
Aufenthalt in der Kaſerne des mecklenburgiſchen
Jägerbataillons Nr. 14 fuhr der Regent zum Bezirks=
präſidenten
v. Puttkamer, wo die hohen Herrſchaften ab=
geſtiegen
ſind.
* Eisfeld, 12. Febr. Die Stadt iſt am heutigen 100.
Geburtstage ihres Landsmannes Otto Ludwig feſtlich
geſchmückt, beſonders das Rathaus, das Denkmal Ludwigs
auf dem Schloßplatz und das Geburtshaus des Dichters.
In Anweſenheit zahlreicher Ehrengäſte, darunter des Geh.
Staatsrats Teinks=Meiningen als Vertreter des Herzogs,
des Geh. Hofrats Trinius, des Landrats Götting= Hild=
burghauſen
und des Oberbürgermeiſters Schüler=Meiningen
als Vertreter des Landtages, fand um 11 Uhr vormittags
am Denkmal Ludwigs eine Feſtfeier ſtatt, die durch
Geſang der vereinigten Sängerſchaften Eisfelds eingeleitet
wurde. Bürgermeiſter Claus=Eisfeld hielt eine Anſprache,
in der er Otto Ludwig als den großen Sohn Eisfelds
feierte und deſſen große Liebe zu ſeiner thüringiſchen Hei=
mat
hervorhob. Er legte im Namen der Stadt einen
Kranz am Denkmal nieder, ebenſo faſt ſämtliche Vereine
der Stadt. Mit dem Geſang Wie könnt ich Dein ver=
geſſen
wurde die Feier abgeſchloſſen.
Sorau (Nieder=Lauſitz), 12. Febr. Kommerzienrat
Bahn, Präſident der Handelskammmer für die öſtliche
Nieder=Lauſitz, iſt nach längerem Leiden heute im 76. Le=
bensjahre
geſtorben. Er gehörte von 19031912 als Ver=
treter
des Wahlkreiſes Sorau=Forſt dem Reichstage als
Mitglied der nationalliberalen Partei an.
London, 12 Febr. Die Times meldet aus Jeffren
vom 10. ds. aus arabiſcher Quelle: Die unabhängige
grabiſche Regierung von Tripolitanien
d. h. die Organiſation Baruni Beys in Jeffren, hat die
Feindſeligkeiten gegen die Italiener er=
öffnet
. Der Kaid Said el Naſr iſt in Fezzan mit 4000
wohl ausgerüſteten Leuten aus dem Gebiete von Orfella
angelangt; ferner ſind 2000 Mann aus dem Tuareg=Gebiet
vor Suara und Adgila angekommen. Sie haben erfolg=
reiche
Angriffe auf die Italiener gemacht. Die Italiener
haben Verluſte an Menſchen und Vieh erlitten.
* Charleſtown (Weſtvirginia), 11. Febr. Sieben Berg=
leute
und drei Grubenwächter wurden geſtern abend in
Mocklow bei einem Zuſammenſtoß zwiſchen
Streikenden und den Wächtern getötet, etwa
27 Mann wurden verwundet.
* Oſaka, 12. Febr. Geſtern, am Erinnerungsfeiertage
der Thronbeſteigung Jimmu Tennos, des erſten Kai=
ſers
von Japan und zugleich am Erinnerungstage
der Einführung der Verfaſſung in Japan, fand
eine De mon ſtra t i on
der
Men g
konſtitu=
bei
der Eröffnungsverſammlung des
tionellen Vereins junger Männer ſtatt. Die Polizei löſte
die Verſammlung auf. Hierauf wurde eine neue große
Verſammlung im Nakanoſhima=Park abgehalten, die eben=
falls
von der Polizei aufgelöſt wurde. Die bedeutend ver=
ſtärkte
Menge griff die Bureaus der regierungsfreund=
lichen
Zeitungen an, verſuchte ſie anzuzünden, durcheilte
die Stadt und zerſtörte die Häuſer der regierungsfreund=
lichen
Abgeordneten. Die Polizei rief Verſtärkungen her=
bei
und ging mit blanker Waffe gegen die Menge vor. Die
Unruhen dauerten heute morgen noch an.
* Tokio, 12. Febr. Admiral Yamamoto nahm
den Poſten des Miniſterpräſidenten an.

Johannisthal, 12. Febr. Der Maſchiniſt May
der bei dem Unfall des Luftſchiffes Schütte=Lanz bei
Mahlow am 18. Januar verunglückte, iſt geſtorben.
München, 12. Febr. Die Medizinſtudierenden
Georg Windheim und Wilfred Walling, die eine
Skitour nach Kelchsau machen wollten, werden vermiß
Rom, 12. Febr. In den letzten Tagen liefen Ge=
rüchte
um, wonach die parlamentariſche Kommiſſion, die

eine Unterſuchung über den Bau des Juſtiz=
palaſtes
durchzuführen hat, einer großen Korrup=
tion
auf die Spur gekommen ſei, bei der hochgeſtellte
Perſonen beteiligt ſeien. Dieſe Gerüchte haben jetzt ihre
Beſtätigung gefunden, da zwei Leiter der Baufirma, die
Ingenieure Ricciardi und Borrelli, geſtern nacht verhaf=
tet
worden ſind. Der dritte Bauführer, der Ingenieur
Mannajolo, und ein höherer Beamter des Eiſenbahn=
miniſteriums
, Commendatore Silveſtre, der Träger eines
geheimnisvollen Kontos in den Geſchäftsbüchern der
Firma, ſind flüchtig.
H.B. Genua, 12. Febr. Einer der beſten Poſt= und
Paſſagierdampfer der Navigatione Generale
Italiana, die Regina Margherita,die erſt vor wenigen
Tagen aus den tripolitaniſchen Gewäſſern, wo ſie wäh=
rend
des Krieges Transportdienſte tat, zur Vornahmel
von Reparaturen in den Heimatshafen Genua zurückkehrte,
iſt geſtern abend am Landungsplatz Ponte Guglielmo
innerhalb einer halben Stunde vollſtändig unterge=
gangen
. Sämtliche Mannſchaften und die bei den Re=
paraturarbeiten
beſchäftigten Arbeiter konnten noch raſch
in Sicherheit gebracht werden. Der in der Nähe liegende,
der Geſellſchaft Italia gehörige große Ueberſeedampfer,
Sannio wurde beim Umkippen des ſinkenden Schiffes
ſtark beſchädigt. Die Urſache des Schiffsunterganges iſt
noch unbekannt.
H. B. Brüſſel, 12. Febr. Heute vormittag war der
Generalrat der belgiſchen Sozialdemokraten verſammelt,
um über den Generalſtreik zu beraten. Es wurde
beſchloſſen, am 14. April in den General=Ausſtand zu tre=
ten
, alſo einem Tag vor dem Wiederbeginn der Parla=
mentsverhandlungen
nach den Oſterferien.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

Erfolg überzeugt!
Ich war infolge Ueberarbeitung nervös und körper=
lich
geſchwächt und nahm daher auf Anraten meines
Arztes zur Stärkung Bioſon. In meiner Nervoſität trat
eine weſentliche Beſſerung ein, ich bekam eine geſunde
Geſichtsfarbe und erfreute mich bald eines kräftigen
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Dienstag abend entſchlief nach kurzem Kranken=
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mein lieber Sohn, Bruder, Enkel und
Schwager, der

Telegraphenassistent

Karl Schacht

Um ſtille Teilnahme bittet
im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau C. Schacht Wwe.
Karlſtraße 56.
Darmſtadt, den 12. Februar 1913.

Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr,
vom Trauerhauſe aus, ſtatt. (B3967

Statt beſonderer Anzeige.

Heute früh wurde mein geliebter Mann,
unſer guter Schwiegerſohn, Schwager u. Onkel

Hans Zahn

von langem, ſchwerem Leiden durch einen
ſanften Tod erlöſt.
(3939
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Eise Zahn, geb. Niemann.
Darmſtadt, den 12. Februar 1913.
Die Einäſcherung findet in der Stille zu Offen=
bach
am Main ſtatt.
Beileidsbeſuche dankend abgelehnt.

[ ][  ][ ]

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Der Druck hat ſich weiter verſtärkt und beherrſcht
jetzt das ganze Feſtland. Daher iſt es heute morgen
vielfach nebelig und ruhig. Niederſchläge ſind kaum
och gefallen. Die Morgentemperaturen liegen in Deutſch=
and
etwas über dem Gefrierpunkt. Im Norden und
Mordoſten Europas ſind ſie ſehr tief. Die Nachttempera=
uren
ſind in Heſſen etwas unter Null. Wir werden
aauch morgen noch unter dem Hochruckeinfluß bleiden.
Ausſichten in Heſſen für Donnerstag, den
13. Februar: Meiſt heiter und trocken, tags mild, nachts
Froſt, ruhig, Morgennebel.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. B), Anfang 7½ Uhr, Ende
gegen 11 Uhr: Der Freiſchütz

Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Klavierabend von Télémaque Lambrino um 8 Uhr
im Hotel Zur Traube‟
Verſammlung des Vereins der Hundefreunde von
Darmſtadt und Umgegend im Perkeo
Konzerte: Hotel Heß um 3 und 8 Uhr. Bürgerkeller
um 8 Uhr. Rummelbräu um 8 Uhr.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Exz.
Th. v. Holleben : Kardinal Dr. Franz Kaver Nagl f.
ein ſerbiſches Feldlazarett vor Adrianopel; der bulga=
riſche
General Iwanoff und ſein Stab vor Adrianopel;
Mönch mit Hunden auf dem St. Bernhard.

Verſteigerungskalender.
Freitag, 14. Februar.

Nutzholz Verſteigerung um 8 Uhr in der Turn=
halle
am Woogsplatz.

Nutzholz=Verſteigerung um 2 Uhr im Gräfen=
häuſer
Gemeindewald (Zuſammenkunft auf dem Erz=
häuſer
Weg am Eingang des Waldes).
Kunſthalle am Rheintor, geöffnet Werktags von
114 und Sonntags von 104 Uhr.

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Max Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

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an die Expedition.
(*3980

Kurſe vom 12. Februar 1913.
Mitgeteilt von Hermann Reichenbach.

InProz.
Staatspapiere.
4 Dtſche. Reichsſchatzanw. 99,40
3½ Deutſche Reichsanl. . 88,49
77,50
do.
Preuß. Schatzanweiſg. 100,00
3½ do. Conſols . .
733
5
do.
do.
* Bad. Staatsanleihe . . 99,40
93,00
5½
do.
(6
84,00
do.
2 Bayr. Eiſenbahnanleihe 99,70
o.
3½
87,00
3
77,60
do.
* Hamburger Staatsanl. 98,70
* Heſſ. Staatsanleihe .
do. do. (unk. 1918) 99,50
87,
do.
3½
do.
75,6.
5 Sächſiſche Rente.
78,80
* Württemberger v. 1907 99,70
do. v. 1875 93,95
3½
5 Bulgaren=Tabak=Anl.
Griechen v. 1887 . . 54,80
3¾ Italiener Rente .
97.75
4 ½ Oeſterr. Silberrent: 87,40
do. Goldrente . . . 91,20
do. einheitl. Rente 84,30
3 Portug. unif. Serie I. 63,30
do. unif. Ser. III 66,30
do. Spezial . . . . 9,70
5 Rumänier v. 1903 . . 99,80
v. 1890 . 93,00
do.
do.
v. 1905 . . 87,00
4. Ruſſen v. 1880 . . . . 90,30
3 do. v. 1902 . . . . 90,60
4½ do. v. 1905 . . . . 99,70
4½ Schweden . . . . . .
Serbier amort. v. 1895 81,00
4. Türk. Admin. v. 1903 77,80
4 Türk. unifiz. v. 1903 85,80
Ungar. Goldrente . . . 87,40
4 do. Stagtsrente. . . 84,69

In Proz.
Zſ.
5 Argentinier . . . . . . 101,00
do.
½ Chile Gold=Anleihe.
5 Chineſ. Staatsanleihe.
91,25
do.
½ Japaner . . . . . . . 91,20
5 Innere Mexikaner. . . 91,25
do.
4 Gold=Mexikanerv. 1904 84,00
5 Gold=Mexikaner . . . . 98,40
3 Buenos Aires Provinz 68,50
Aktien inländiſcher
Transportanſtalten.
9 Hamb.=Amerika= Paket=
fahrt
. . . . . . . 150,30
5 Nordd. Lloyd . . . . . 115,70
6½ Südd. Eiſenb.=Beſ. . 128,20
Aktien ausländiſcher
Transportanſtalten.
5 Anatol. Eiſenb. 60½
Einz. Mk. 408 . . 113,25
6 Baltimore und Ohio . 104,90
6 Schantungbahn . . . . 129,50
5½ Luxemb. Prince Henri
) Oeſt. Südbahn (Lomb.) 23,35
6 Pennſylvania R. R. . 123,00
Letzte Induſtrie=
divid
. Aktien.
65,00
3 Brauerei Werger
25 Bad. Anilin= u. Soda=
Fabrik . . . . . . 535,00
14 Chem. Fabrik Gries
.247,00
heim . . .
30 Farbwerke Höchſt . . 629,00
20 Verein chem. Fabriken
Mannheim . . . . 349,8)
10 Cement Heidelberg . . 145,09
30 Chem. Werke Albert 445,0)
14 Holzverkohlung Kon=
tanz
. . . . . . . 323 70
5 Lahmeyer . . . . . . . 124, ).

Letzte
In Proz.
Divid.
½ Schuchert, Nürnberg 145,25
12 Siemens & Halske .216,00
5 Bergmann Electr.
10 Deutſch. Ueberſee Electr. 163,70
25 Gummi Peter . . . . 75,00
0 Kunſtſeide Frankfurt 73,00
30 Adler=Fahrradwerke
Kleyer . .
. . 613,00
10 Maſchinenf. Badenia 180,00
16 Wittener Stahlröhren 198,00
8 Steana Romana Petr. 150,50
15 Zellſtoff Waldhof .. 234,50
12½ Bad. Zucker=Wag=
199,00
häuſel. . .
10 Neue Boden=A. A.=Geſ. 92,80
3 Südd. Immobilien . 60,00
Bergwerks=Aktien.
2 Aumetz=Friede . . . . 175,25
12½ Bochumer Bergb. u.
Gußſt. . . . . . . 215,00
11 Deutſch=Luxemburg.=
Bergb. . . . . . . 161,75
0 Gelſenkirchener . . . . 194,80
9 Harpener . . . . . . . 192,50
18 Phönix Bergb. und
Hüttenbetrieb. . . 260½
O Oberſchl. Eiſen=Ind.=
Caro. . . . . . . . 84,50
6 Laurahütte
. 176,75
10 Kaliwerke Aſchersleben 160,00
Weſteregeln 205,75
7½ South Weſt Africa
Prioritäts=
Obligationen.
½ Südd. Eiſenb.=Geſ. 96,00
4½ Nordd. Lloyd=Obl. 99,30
4 Eliſabethbahn, freie . . 92,50
t Franz=Jofefs=Bahn . . 87,30
3 Prag=Durer . . . . . . 74,20
5 Oeſterr. Staatsbahn
1 Oeſterr. Staatsbahn . 92,70
do.
76,00
Oeſterr. Südb. (Lomb.) 99,23
do.
75,70

In Proz.
8f.
2¾ Oeſt. Südb. (Lomb.) 53,40
76,80
3 Raab=Oedenburg
4 Kronprinz Rudolfbahn 93,20
4 Ruſſ. Südweſt. . . . . 87,30
4½ Moskau=Kaſan . . . 95,90
do
4 Wladichawchas . . . .
4 Rjäſan Koslow . . ..
3 Portugieſ. Eiſenb. . . 74,00
do.
2½ Livorneſer
69,00
3 Salonique=Monaſtir . 62,60
80,50
4 Baadadbahn . . .
4½ Anatoliſche Eiſenb.. 94,30
4 Miſſouri=Paciſic. . .. 70,90
4 Northern=Paciſic . . . 98,90
4 Southern=Pacific . . . 94,00
5 St. Louis und San
Francisco. . . . . 82,30
5 Tehnantepec . . . . . . 98,20
Bank=Aktien.
10 Bank für elektriſche
Untern. Zürich . . 188,60
7 Bergiſch=Märkiſche
.149,70
Bahn . . . .
9½ Berlin. Handelsgeſ. . 168½
6½ Darmſtädter Bank 124,60
2½ Deutſche Bank .
255,75
Deutſche Vereinsbank . 123,50
6 Deutſche Effekt.= und
W.=Bank . . . . . 118,00
10 Diskonto=Kommandit 189,90
8½ Dresdener Bank . . 156,25
9½ Frankf. Hypoth.=B. 215,50
6½ Mitteld. Kreditbank 120,00
7 Nationalb. für Deutſchl. 123,75
7 Pfälziſche Bank . . . . 130,00
5.86 Reichsbank . . . . . 137,70
Rhein. Kreditbank. . . 136,25
2
A. Schaaffhauſen.
* Bankverein . . . . 114,50
7½ Wiener Bankverein . 132,50
Pfandbriefe.
4 Frankf. Hypoth.=Bank
S. 21. . . . . . . 98,00

Zf.
In Proz.
3½ Frankf. Hypoth.=Bank
. . . . 87,00
S. 19 . .
4 Frankf. Hyp.=Kreditv.
97,80
S. 52 . . .
4 Hamb. Hypoth.=Bank . 97,5
31
do
,2
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank 99,3
3½
87,30
do
4 Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
98,60
S. 12, 13, 16 . .
S. 14, 15, 17, 24/26
1823 . . . . .
.. . 98,90
3½ Heſſ. Land.=Hyp.=Bank
S. 1 u. 2, 68 . . . 87,30
S. 35 . . . . . . . . 87,10
S. 911 . .
87,20

4 Meininger Hyp.=Bank 98,00
do.
86,50
4 Rhein. Hypothek.=Bank
(unk. 1921) . 98,00
3½ do. (unk. 1914)
87,00
4 Südd. Bd.=Kr.=Bk.=Pf. 99,00
do.
3½
87,80
Städte=
Obligationen.
4 Darmſtadt . . . .
97,50
do.
3½
Frankfurt. .
99,00
3½
do.
96,00
4 Gießen . . . . . . .
87,7
3½ do.
Heidelberg
97,40
3½
do.
87,70
Karlsruhe
96,70
31
do.
88,10
Magdeburg . . . . . .
3½
do.
Mainz . . . . . . . . 97,50
31
88,40
do
4 Mannheim .
97,30
3½
do.
90,00
4 München . . . .
99,30
3½ Nauheim . . . . . .
4 Nürnberg . . . . . . . 98,30
31
do.
87,60
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Zf.
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3½ Offenbach . . . . . .
4., Wiesbaden . . . . . . 99,00
do.
95,30
1 Worms . . . . . . . . 97,30
do.
88,50
3½
4 Liſſaboner v. 1888
Verzinsliche
Anlehensloſe.
Badiſche . . . Tlr. 100
3½ Cöln=Mindner 100 141,00
3 Holl. Komm. . fl. 100 112,00
3 Madrider . . Fs. 100
4 Meininger Pr.= Pfand=
briefe
. . . . . . . 137,25
4 Oeſterr. 1860er Loſe . 173,90
3 Oldenburger . . . . . . 130,40
2½ Raab=Grazer fl. 150 112,10
Unverzinsliche
Anlehensloſe.
Augsburger . . . . . fl.
Braunſchweiger Tlr. 20 197,40
Freiburger . . . . Fs.15
Mailänder . . . . Fs.45
do. . . . . Fs. 10 84,70
Meininger . . . . . fl. 7
Oeſterreicherv. 1864fl.100
do. v. 1858fl. 100 470,00
Ungar. Staats . . fl. 100
Venediger . . . . Fs. 30
Türkiſche . . . . Fs. 400
Gold, Silber und
Banknoten.
Engl. Sovereigns . .
. 20,43
20 Franks=Stücke . . . 16,26
Amerikaniſche Noten . . . 4,18½
Engliſche Noten . . . . . 20,45
Franzöſiſche Noten. . . . 81,20
Holländiſche Noten. . . . 168,95
80,05
Italieniſche Noten .
Oeſterr.=Ungariſche Noten 84,60
Ruſſiſche Noten . . . .
Schweizer Noten . . . . . 80,75
Reichsbank=Diskonto
Reichsbank=Lombard Zsf. 7

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Köchin
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wollen ſich melden bei
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3960ds)

Zesosegesg99222422

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Mädchen
das ſelbſtändig kochen kann,
auch alle andere Arbeit ver=
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beſitzt. Näh. Annaſtr. 37
(3373a
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für 1. März geſucht. Vor=
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zwiſchen 25 Uhr
*3911)
Heinrichſtraße 23.

Saub. tücht. Mädchen für vor=
mittags
bis nach dem Spülen geſ
Näh. in der Exped.
(*3905

Gut empfohlenes
Hausmädchen
welches nähen, bügeln u. ſervieren
kann und in Herrſchaftshäuſern ge=
dient
hat, zum 1. März geſucht.
Vorzuſtellen 1012 u. 46 Uhr.
3896df) Prinz Chriſtianweg 8.

Tüchtiges Mädchen, welches gut
bürgerlich kochen kann und Haus=
arbeit
übernimmt, zum 1. März
bei hohem Lohn geſucht. Haus=
mädchen
iſt vorhanden. Näheres
in der Expedition.
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geſ., hoh. Lohn, gute Behandlung
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Sauberes Laufmädchen ſofort
geſucht Kiesſtraße 95, part. (*3949
Ein will. Mädchen, 16 J. alt,
geſ., w. etw. Näh. u. Büg. verſt., b. gut.
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811 Uhr u. nachm. 11½ Std=
*3947)
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[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Ferruar 1915.

Seite

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gerf. u. bürg. Köch., beſſ. Haus=
mädch
., Alleinmädch., welche koch.
u. nicht koch. kön., ein 2. Diener, Bei=
köch
. u. Spülmädch. für hier; nach
Frankft. eine Jungfer, 1. u. 2. Hausmädch
Gertr. Hartmann, gewerbsmäßige Stellen-
vermittlerin
, Nied.-Ramstädterstr. 31. (*3946
Fräulein für Haushalt
und Büfett per ſofort geſucht.
Näheres in der Expedition. (3956
Tüchtige Lauffrau mit guten
Empfehlungen für 1½ Stunden
vormittags nahe der Martinſtraße
geſucht. Zu erfr. i. d. Exp. (B3957
Sauberes,
unabhängiges Laufmädchen
über mittag geſucht
*3977
Grafenſtraße 35, I. r.
Suche Köchinnen, Hausm., Allein=
mädchen
, Verkäuferin in erſte feine
Bäckerei für 1. März. Trau Minna
Dingeldein, gewerbsmäßige Stellenvermitt-
Ierin, Eliſabethenſtr. 5, Tel. 531. (*3989
Suche Stütze, Köchinnen, Haus=
u
. Alleinmädch. i. gr. Anz. Johan lette
Weissmantel, gewerbsmäßige Stel=
lenvermittlerin
, Kaſinoſtr. 17. (*3987
(e
Modell
hübſches, jung., blondes Mädchen
zum Malen für Kopf= u. Halbakt
(k. Schulatelier) geſucht. Diskretion.
Off. u. G33 an die Exp. (*3982df

Mäunlich

Bekanntmachung.
Es kann bei der unterzeichneten
Gerichtsſchreiberei ſofort ein
Schreibgehilfe eintreten. Den
Bewerbungen ſind die Zeugniſſe
beizuſchließen, auch iſt der Lebens=
lauf
zu ſchildern.
(3927df
Darmſtadt, den 11. Febr. 1913.
Gerichtsſchreiberei
Großh. Amtsgerichts Darmſtadt I.
Abteil. für freiwillige Gerichtsbarkeit.
Himbeersyrup- und
Spezialitätenfabrik
ſucht rührigen und fleißigen
ſa
vertreter
bei Delikateß= und Kolonialwaren=
geſchäften
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Darmſtadt u. Umgebung. Offert.
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Mainz.
(IV,3924

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längere Zeit Möbel gepackt und
geladen haben, wollen ſich melden.
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Georg Ludwig Kriegk
Rheinstrasse 17.

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und etwas Kaution ſtellen kann,
per ſofort geſucht.
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Darmſtadt.

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rund oder oval .
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(3962
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ſauberer Hausbursche
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Schneider, Hofmetzger, Holzſtr. 9.

Schuljunge
aus gut. Familie, f. einige Stund.
nachmittags geſucht. Näh. Wendel=
ſtadtſtraße
28 (Laden). (*3850md
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aus guter Familie ſuchen
Gebrüder Neu,
3789mdf) Ludwigsplatz.
Friſeurlehrling zu Oſtern geſucht
Franz Gräfe, Pädagogſtr. 6. (3771a
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Peter Stork, Tapeziermeiſter,
Alexanderſtraße 16. (3907a
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Schulbildung iſt eine kaufmänniſche
Lehrſtelle offen
(*3940dsi
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Eliſabethenſtraße 1.
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haarpolſterung
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Roßhaarpolſterung,
1 Staffelei mit Dekoration,
2 Fenſter=Dekorationen.
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neu. Anſtrich, 67 M.; 1 Ruhebett.
mit Decke 45 M.; 1 neuer, eichener
Bücherſchr. 88 M.; 1 klein., nußb.
Büfett 95 M.; 1 kl. Waſchtiſch mit
Marmor 28 M.; 1 klein. Schreibtiſch
28 M., 1 Nußb. pol. Muſchelbett m.
Patent= und Wollmatratze 65 M.;
1 Sopha 23 M. Karlsstr. 41.

s eines Haush.
Weg. Aufgabt werd. alle Möb.
Betten, Weißzeugſchr., Ausziehtiſch,
Herrenzimmertiſch (eich.) uſw. billig
verk. Näh. Kaupſtr. 31, III. (*3985

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Zahngebiſſen u. Bettfedern zahle die=
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15, Laden. Poſtk. gen. (*3687imd

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die Exped. ds. Bl. erb.
(*399e

[ ][  ][ ]

Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Nummer 37.


M


2

DARMSTADT
Spezial-Abteilung für Gardinen, Dekorationen,
Möbelstoffe und Teppiche.


Grossen

Resfe
verkac
in oben genannten Abteilungen
zuausserordentlichbilligenr reisen.
Reste
von Gardinenstoffen, in Tüll, Madras, Mull, Tüll-
Lambregin-Stoffen, Brises-Bises-Stoffen.
Einzelne
Paare Gardhien
engl. Tüll, Crochet, Point Lacet, Schweizer Tüll,
Stores, Bettdecken, Bonne femmes.
Einzelne Garnituren, Etamine u. Tüll.
Einzelne Leinen-Garnituren, Tuch-Garnituren
vorjährige Modell-Dekorationen, Stores etc.
ganz besonders billig.
Sofa-Bezugstoff-Reste
zum Teil ausreichend für ganze Bezüge
kleinere Reste für Stuhl-, Sessel- und Kissenbezüge.
Reste von Dekorationsstoffen
zum Teil ausreichend für Tür- und Fenster-Dekorationen.
Tischdecken, Kissenbezüge etc.
Läuferstoff-Reste
für Zimmer-, Gang- und Treppenläufer, in la Tapestry, Velvet,
Haarbrüssel, Haarvelour, Tournay-Velour.
(3936
Abgabe grösserer Coupons
vorjähriger Muster zu billigen Restpreisen.
Einzelne Vorlagen
in la Tapestry, Ia Axminster, Velour, Haarbrüssel, Tournay-Velour,
Kleinere und grössere Zimmerteppiche
vorjährige Muster, in bekannt la Qualitäten
zu ganz besonders billigen Preisen.
Bitte um Besichtigung meiner Ausstellungs-
Erker Elisabethen- u. Zimmerstrasse.
Die üblichen 3%e Kassa-Skonto gewähre
auch während des Reste-Verkaufs.

Die Fuhrleiſtungen
bei dem Stadtbauamt, ſowie die
Anfuhr des für die ſtädtiſchen
Schulanſtalten ꝛc. benötigten Koh=
len
im Verwaltungsjahr 1913 ſollen
getrennt vergeben werden.
Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Montag, 24. Februar 1913,
vormittags 10 Uhr,
(3958ds
einzureichen.
Darmſtadt, 12. Februar 1913.
Stadtbauamt.
Burbaum.

In unſer Handels=Regiſter, Ab=
teilung
B, wurde heute einge=
tragen
hinſichtlich der Firma:
Holzbau=Syſtem Meltzer,
Geſellſchaft mit beſchränk=
ter
Haftung, Darmſtadt.
Paul Meltzer, Ingenieur in
Darmſtadt, iſt zum Geſchäfts=
(3908
führer beſtellt.
Darmſtadt, 6. Februar 1913.
Großh. Amtsgericht Darmſtadt I.

Bekanntmachung.
Die geſtern in Waſchenbach
abgehaltene
Holz=Verſteigerung
iſt genehmigt.
Die Abfuhrſcheine können vom
17. Februar an abgeholt
(3964
werden.
Ober=Ramſtadt, 11. Febr. 1913.
Großherzogliche Oberförſterei
Ober=Ramſtadt.
Daab.

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verkaufen Woogſtraße 5. (*3963

Stolze-
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teilen
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Märſche, Salon= u. Fantaſieſtücke
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erteilt Unterricht in und außer
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Gärtnerlehraustalt Köstritz
(Thüringen). Höhere Fachschule
für Gärtner. Man verlange f. Söhne,
d. sich d. Gartenbau u. d. Garfenkunst
widmen resp. noch die Berechtigung
zum 1 jähr. freiw. Dienst erlanger
sollen, Prospekt der Lehrlings-
Abteil, von dem Direktor Prof.
Dr. H. Settegast. (IV,3923,133

Aufnahme in die beiden Gymnaſien zu Darmſtadt.
Um eine gleichmäßigere Verteilung der Schüler an die beiden
Gymnaſien herbeizuführen, ſollen die Anmeldungen neu eintreiender
Schüler diesmal an einer Stelle, und zwar bei der Großh. Direktion
des Neuen Gymnaſiums (Lagerhausſtr. 7),
Freitag, den 28. Febrnar von 912 Uhr
unter Vorlage der erforderlichen Zeugniſſe (Geburtsſchein, Impfſchein,
Nachweis über den bisherigen Unterricht), erfolgen. Für die Schüler,
die Oſtern aus der erſten Klaſſe der Gymnaſialvorſchule in die Sexta
aufrücken, iſt dieſe Anmeldung nicht nötig; ihre Eltern erhalten
beſondere Nachricht.
Wenn die Eltern ſchriftliche Anmeldung vorziehen, wird ſie bis
Dienstag, den 25. Februar erbeten.
Die Zuteilung wird nach Eingang aller Meldungen zwiſchen
den beiden Direktionen vereinbart werden.
(3905a
Darmſtadt, den 10. Februar 1913.
Die Großherzoglichen Direktionen
des Ludwig=Georgs=Gymnaſiums des Neuen Gymnaſiums
Dr. Mangold
Dr Forbach.

arbar'd
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DlerkerS Tritat-Handelsschuld
gegr. 1899 Schulstrasse 1
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Das Sommerhalbjahr beginnt am 1. April.
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und erwachsene Damen und Herren.
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Der Unterricht befreit v. d. Besuche der obligator, Fortbildungsschule.
Einzelfächer in Schönschreiben, Buchführung,
Stenographie und Maschinensehreiben.
Anmeldungen erbeten.
Tages- und Abend-Unterricht.
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1. Für Herren: Freitag, 14. Febr., abends 8½ Uhr,
2. Für Damen: Freitag, 14. Febr., abends 8½ Uhr,
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[ ][  ][ ]

39 18.

Donnerstag, 13. Februar.

1913.

Bekanntmachung.

Die freie Innung der Friſeure und Perrückenmacher in den Landgemeinden
des Kreiſes Darmſtadt hat bei uns beantragt, für die Landgemeinden des Kreiſes
Darmſtadt Beſtimmungen zu treffen, daß der Gewerbebetrieb im geſamten Barbier=,
Friſeur= und Perrückenmachergewerbe ſowohl innerhalb wie außerhalb der Betriebs=
ſtätten
am 2. Weihnachts=, Oſter= und Pfingſtfeiertage unterſagt, dieſer Gewerbebetrieb,
ſowie die Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern an dieſen Tagen
jedoch inſoweit geſtgttet werde, als dies zur Vorbereitung der öffentlichen Theaker=
vorſtellungen
und Schauſtellungen erforderlich ſein ſollte.
Gemäß §§ 171, 122 der Ausführungsanweiſung zur Gewerbeordnung vom
20. März 1912 machen wir hiermit öffentlich bekannt, daß wir den Großh. Kreisamts=
gehilfen
Herling zum Kommiſſär zur Herbeiführung und Leitung der Abſtimmung
der beteiligten Gewerbetreibenden beſtellt haben.
Darmſtadt, den 6. Februar 1913
(3695ids
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: Dr. Michel.

Ortsſatzung,

betreffend die Erhebung einer Filialſteuer in der Gemeinde Ober=Ramſtadt.
Auf Grund der Artikel 24 ff. des Geſetzes, die Gemeindeumlagen betreffend,
und des Artikels 15 der Landgemeindeordnung, wird auf Beſchluß des Gemeinderats
und nach Anhör des Bürgermeiſters und Kreisausſchuſſes mit Genehmigung der
Großh. Miniſterien des Innern und der Finanzen für die Gemeinde Ober=Ramſtadt
das Folgende beſtimmt:
§ 1.
Gewerbetreibende, die im Gemeindebezirk Ober=Ramſtadt, ohne in ihm ihren
Wohnſitz oder Hauptbetriebsſitz zu haben, Verkaufsſtellen oder Lager unterhalten,
von denen aus Waren zum Verkaufe abgegeben werden, ſind zur Zahlung der Filial=
ſteuer
verpflichtet.
Die Filialſteuer wird nach nachſtehenden Sätzen erhoben:

M
vom weiteren Umſatz von über 50000 100000 Mk. einſchl. . 1½ ½
100000200000

2½, 7.
Umſatz über 200000 Mk.
Ueberſteigt die nach Abſ. 1 berechnete Steuer nachweislich 15% des Ertrags im
Sinne des Art. 11 Abſ. 3 G. U. G., ſo iſt die Steuer auf Antrag des Pflichtigen auf
dieſen Betrag, keinesfalls auf weniger als 1½ des Umſatzes zu ermäßigen.
Mehrere Filialgeſchäfte werden als ein Ganzes beurteilt.
§ 3.
Für die Steuerveranlagung maßgebend iſt der Umſatz des letzten zur Zeit der
Veranlagung abgelaufenen Geſchäftsjahres. Beſteht der Fillalbetrieb noch nicht ein
Jahr lang, ſo iſt der Umſatz nach den zur Zeit der Veranlagung vorliegenden An=
haltspunkten
zu ſchätzen. Während des Steuerjahrs eintretende Aenderungen ſind erſt
bei der Beſteuerung für das folgende Jahr zu berückſichtigen.
Die Veranlagung der Filialſteuer erfolgt für jedes Steuerjahr im Anſchluß an
die der allgemeinen Geweröſteuer nach dem G. U. G. vom 8. Juli 1911.
§ 5.
Die Betriebsinhaber ſind verpflichtet, auf die an ſie ergehende Aufforderung
der zuſtändigen Steuerveranlagungsbehörde innerhalb einer von dieſer vorzubeſtim=
menden
Friſt von mindeſtens 14 Tagen eine Erklärung über den erzielten Umſatz und
weitere für die Steuerveranlagung erhebliche Tatſachen einzureichen.
In der Aufforderung iſt der Rechtsnachteil anzudrohen, daß nach fruchtloſem
Ablauf der Friſt die entſprechenden Feſtſtellungen ohne weitere Mitwirkung der Be=
teiligten
von Amtswegen feſtgeſtellt würden und daß ihnen, abgeſehen von der etwa
verwirkten Strafe, für das betreffende Steuerjahr eine Einſprache dagegen nicht
zuſtehe.
Im übrigen gelten die Vorſchriften des G. U. G. vom 8. Juli 1911.
7.
Dieſe Ortsſatzung tritt am 1. April 1913 in Kraft.
Ober=Ramſtadt, den 3. Februar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Rückert.
(3900

Bekanntmachung.

In dem Geflügelbeſtand der Hofreite Anuaſtraße Nr. 17 iſt
die Geflügelcholera ausgebrochen.
(3913
Gehöftſperre iſt angeordnet.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gennes.

Lieferung

des Bedarfs an Schuhen für die Stadtarmen (Erwachſene und
Schulkinder) für das Verwaltungsjahr 1913.
Die Lieferung des Bedarfs an Schuhen für die Stadtarmen
(Erwachſene und Schulkinder) für das Verwaltungsjahr 1913 ſoll
im Wege der öfentlichen Verdingung vergeben werden. Die Anzahl
der zu liefernden Schuhe für den genannten Zeitraum iſt auf etwa
25 Paare Männerſchuhe und erwa 400 Paare Kinderſchuhe in ver=
ſchiedenen
Größen veranſchlagt. Die Bedingungen für die An=
fertigung
und Lieferung der Schuhe ſind während der üblichen Ge=
ſchäftsſtunden
im Stadthaus, Zimmer Nr. 21, Probeſchuhe bei der
Verwaltung des Pfründnerhauſes, Frankfurter Straße 35, einzu=
ſehen
. Lieferungsluſtige wollen ihre Angebote, mit entſprechender
Aufſchrift verſehen,
Samstag, den 15. Februar 1913, vormittags zwiſchen
10 und 11 Uhrz.
in den im unteren linken Hausflur des Stadthauſes aufgehängten
Kaſten für Verdingungsangebote einlegen.
(3316a
Darmſtadt, den 1. Februar 19139
Städtiſches Armen= und Fürſorgeamt Darmſtadt.
Krapp.

Elektriſche Lichtanlage.

Die Ausführung der elektriſchen Lichtanlage für das Haus
Fuchsſtraße 19 ſoll vergeben werden.
Die Bedingungen liegen bei dem unterzeichneten Amte, Grafen=
ſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen. Nach auswärts werden dieſe
nicht verſandt.
(3937ds
Angebote ſind bis
Freitag, den 21. Februar 1913, vormittags 10 Uhr,
einzureichen.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
Stadtbauamt: Buxbaum.

Das Bureaugebäude auf dem ehemaligen Gelände des Main=
Neckar=Bahnhofes, an der Feldbergſtraße, zwiſchen Griesheimer=
1 und Dornheimer Weg, in Darmſtadt, ſoll auf Abbruch verkauft
werden. Angebotsunterlagen können gegen porto= und beſtellgeld=
freie
Einſendung von 50 Pfennig, ſoweit der Vorrat reicht, von der
unterzeichneten Dienſtſtelle bezogen werden. Oeffnung der Angebote
am 20. Februar ds. Js., vormittags 10 Uhr, im Bureau der
unterzeichneten Dienſtſtelle früheres Empfangsgebäude der Main=
(IV,3822,63
Neckarbahn nordöſtlicher Flügel.
Großh. Eiſenbahnbauabteilung Darmſtad

Verſteigerungs-Anzeige.

Donnerstag, 13. Februar 1913, nachm. 4 Uhr,
verſteigere ich im Saale Rundeturmſtraße 16 öffentlich zwangs=
weiſe
gegen Barzahlung:
a) beſtimmt: 1 Geige.
b) vorausſichtlich: 3 Büfetts, 1 Pianino, 3 Diwans, 5 Verti=
kos
, 3 Spiegel. 2 Kleider= und 2 Glasſchränke, 2 Schreib=
tiſche
, 2 Fahrräder, 2 Nähmaſchinen, 150 Paar Handſchuhe
(Glacee), 2 Waſchkommoden, 1 Küchenſchrank und 1 An=
richte
6.
e) auf freiwilligen Antrag: 1 Ladentheke mit Marmor=
platte
und Meſſingwage, 1 Hackklotz.
(3926
Darmſtadt, den 12. Februar 1913.
Thüre, Großh. Gerichtsvollzeher,
Bleichſtraße 9.

Brennholz=Verſteigerung Nr. 10.
(Stadtwald.)

Dienstag, den 18. Februar I. Js., vorm. 9 Uhr,
werden in der Turnhalle (Woogsplatz 5) hier aus der Forſtwartei
Städtiſche Tanne (Forſtwart Ahlheim) das in den Diſtrikten:
Unter dem Bahnhof (33, 34), Bürgerſchlag (31), Landwehr (7) ſitzende
Holz mit den laufenden Nummern 1187, ſonie das Dürr= und
Windfallholz aus verſchiedenen Diſtrikten mit den laufenden Num=
mern
19846t verſteigert und zwar:
Kiefern: 275rm Scheiter 8rm Knüppel, 146 rm Reiſigknüppel,
74 rm Stöcke (ſein), 77 rm Stöcke (grob).
Unterſtrichene Nummern kommen nicht zum Ausgebot. Um
(3894ds
vorherige Einſichtnahme wird gebeten.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Darmſtadt.
J. V.: Joſeph, Großh. Forſtaſſeſſor.

Mähbicder Alheien

bei Herrichtung des Gebäudes
Fuchsſtraße Nr. 19 ſollen vergeben
werden.
Die Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 19. Februar 1913,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
reichen
.
(370md
Darmſtadt, 11. Februar 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Schulgeld=Erhebung.

Das Schulgeld für das Großh.
Realgymnaſinm, die Großh.
Liebigs=und die Großh. Ludwigs=
Oberrealſchule, die Vorſchule der
Großh. Gymnaſien, die Vik=
toriaſchule
und das Lehrerinnen=
ſeminar
, die Eleonoren= und
Frauenſchule, ſowie die Mittel=
ſchulen
für das I. Kalender=
vierteljahr
1913 iſt bei Mei=
dung
des Beitreibungsverfahrens
bis Ende lfd. Mts. an den
Werktagen vormittags von 8½ bis
12½ Uhr, hierher zu entrichten.
Darmſtadt, 3. Februar 1913.
Die Stadtkaſſe.
Koch.
(3419a

Konkursverfahren.

Nachſtehender Gerichtsbeſchluß
wird hierdurch zur öffentlichen
Kenntnis gebracht:
Ueber das Vermögen der Ge=
brüder
1. Georg Weber, 2. Lud=
wig
Weber, Inhaber einer Gärt=
nerei
zu Darmſtadt, wird heute,
am 10. Februar 1913, nachmittags
½7 Uhr, das Konkursverfahren
eröffnet, da Gemeinſchuldner An=
trag
auf Eröffnung des Konkurs=
verfahrens
geſtellt und ihre Zah=
lungsunfähigkeit
zugegeben haben.
Der Rechtsanwalt Dr. Brücher
zu Darmſtadt wird zum Konkurs=
verwalter
ernannt.
Konkursforderungen ſind bis zum
6. März 1913 bei dem Gerichte
anzumelden.
Es wird zur Beſchlußfaſſung
über die Beibehaltung des er=
nannten
oder die Wahl eines ande=
ren
Verwalters, ſowie über die
Beſtellung eines Gläubigeraus=
ſchuſſes
und eintretenden Falls
über die in § 132 der Konkurs=
ordnung
bezeichneten Gegenſtände,
ſowie zur Prüfung der angemel=
(3943
deten Forderungen auf
Montag, den 10. März 1913,
nachmittags 4 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerichte,
Neues Gerichtsgebäude am Ma=
thildenplatz
, Zimmer Nr. 219, Ter=
min
anberaumt.
Allen Perſonen, welche eine zur
Konkursmaſſe gehörige Sache in
Beſitz haben oder zur Konkursmaſſe
etwas ſchuldig ſind, wird aufgege=
ben
, nichts an den Gemeinſchuld=
ner
zu verabfolgen oder zu leiſten,
auch die Verpflichtung auferlegt,
von dem Beſitze der Sache und von
den Forderungen, für welche ſie aus
der Sache abgeſonderte Befriedig=
ung
in Anſpruch nehmen, dem Kon=
kursverwalter
bis zum 6. März
1913 Anzeige zu machen.
Der Gerichtsſchreiber
Großherzoglichen Amtsgerichts I
zu Darmſtadt.

ar u. 1 Aushänge=
Spiegelgläſer kaſten für Bilder
(*3948ds
billig zu verkaufen
Lauteſchlägerſtraße 44, 1. Stock.

Bekauntnachung.
(Stadtwald.)

Die Holz=Verſteigerung Nr. 7 vom 11. Februar l. Js. iſt ge=
nehmigt
. Ausgabe der Abfuhrſcheine am 19. d. Mts., Tag der
Ueberweiſung und erſter Abfuhrtag am 20. Februar 1913.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
(3893
Großh. Oberförſterei Darmſtadt.
Kullmann.

Holz-Verſteigerung.

Mittwoch, 19. Februar I. J., vormittags ½10 Uhr,
werden in der Reſtauration zum Einſiedel ſämtliches in der Forſt=
wartei
Einſiedel ſitzende Brennholz (Abtriebe in der Spitalwieſen=
hege
an der Dieburgerſtraße und Teichſchneiſe, in der Hengſtriedlache
an der Hartwieſenſchneiſe in Schröders Säu 12 und Dürr= und
Windfallholz) verſteigert:
Nutzknüppel, rm: 6 Eichen 2,5 m lang; Scheiter, rm:
49 Buchen I. Kl., 98 Buchen II. Kl., 1 Hainbuche, 81 Eichen,
11 Birken, 9 Kiefern, 21 Fichten; Knüppel, rm: 55 Buchen,
6 Hainbuchen, 325 Eichen (hiervon 4rm 2,5 m lange Pfoſten
Nr. 86 und 136 und 16 rm Baumpfähle), 14 Birken, 9 Erlen,
44 Kiefern. 24 Fichten; Knüppel=Reiſig, rm: 68 Eichen;
Reiſig, Wellen: 1100 Buchen. 3450 Eichen=Stammreiſig
in der Spitalwieſenhege; Stöcke, rm: 52 Buchen, 48 Eichen,
10 Kiefern, 2 Fichten.
Die Eichenknüppel ſind meiſt Stammknüppel. Blau unter=
ſtrichene
Nummern werden nicht verſteigert. Auskunft erteilt Forſt=
wart
Lohfink zu Einſiedel, Poſt Darmſtadt.
Darmſtadt, den 11. Februar 1913.
Großherzogliche Oberförſterei Kranichſtein.
van der Hoop.
(3898

Holz=Verſteigerung.

Dienstag, den 18. Februar I. J., vormittags 9 Uhr be=
ginnend
werden in Weiterſtadt in der Deußer’ſchen Wirtſchaft aus
dem Gemeindewald, Diſtrikt Täubcheshöhl und Löſer, verſteigert:
1. 217½ Raummeter Kiefern=Scheiter,
2. 187
Knüppel,
3. 9330
Wellen,

4. 188½
Stöcke.
Das Holz wolle man vorher einſehen. Auskunft erteilt Forſt=
wart
Becker, Weiterſtadt.
Weiterſtadt, 11. Februar 1913.
(3915dfs
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Becker.

Cta
Miumin= u. Stangenyolz=Verſteigerung.

Samstag, den 15. Februar, vormittags 9 Uhr anfangend,
werden im Ober=Ramſtädter Gemeindewald, im Diſtrikt Schorrsberg
191 Fichten=Stämme von 1427 cm mittl. Durchm., 818m Länge
44
Derbſtg. 1012
1016
200
Reisſtg.
35
37
,
an Ort und Stelle verſteigert.
Zuſammenkunft auf der Kreisſtraße Ober=Ramſtadt-Nieder=
Modau am Eingang des Waldes.
Ober=Ramſtadt, 7. Februar 1913.
(3709id
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

Die Lieferuna

von 125 Stück Schulbänken für
die ſtädtiſchen Schulen ſoll ver=
geben
werden.
Die Bedingungen liegen bei dem
unterzeichneten Amte, Grafenſtraße
Nr. 30, Zimmer Nr. 9, offen.
Angebote ſind bis
Mittwoch, 19. Februar 1913,
vormittags 10 Uhr,
bei unterzeichneter Stelle einzu=
reichen
.
(3838md
Darmſtadt, 11. Februar 1913.
Stadtbauamt.
Buxbaum.

Verſteigerungen
und
Tarationen

aller Art übernimmt unter billig=
ſter
Rerechnung
(3378a
F. Kurtz, Auktionator u. Taxator.
Püdagogſtraße 2. Teleph. 1202.

Bekanntmachung.
Donnerstag, 27. März I. Js.,
vormittags 10 Uhr,

ſoll die dem Gärtner Hermann
Geyer II. zu Eberſtadt im Grund=
buch
hieſiger Gemarkung zugeſchrie=
bene
Liegenſchaft:
Flur Nr.
qm
I 268 34¾/10 Wohnhaus
Schloßgaſſe 18,
in unſerem Bureau zwangsweiſe
(K79/12
verſteigert werden.
Falls andere rechtliche Hinder=
niſſe
nicht entgegenſtehen, wird Ge=
nehmigung
der Verſteigerung auch
dann erfolgen, wenn das eingelegte
Meiſtgebot die Schätzung nicht er=
reicht
.
Darmſtadt, 7. Februar 1913.
Großh. Ortsgericht Darmſtadt I.
Müller. (V,3902

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(3925

Sals Rleischmann Nachf.

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Nummer 37.

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Von Hedda v. Schmid.
(Nachdruck verboten.)
9)

Die Gräfin, einen Eklat befürchtend, klopfte nach dem
zweiten Gang bereits an ihr Glas und verkündete den
Gäſten die Verlobung ihrer Enkelin Monika mit dem
kaiſerlichen Kammerjunker Baron Sergius Lansky.
Nein! hätte Nika rufen mögen, tauſendmal Nein,
aber ſie konnte kein Wort hervorbringen, ſie ließ ſich be=
glückwünſchen
, duldete Umarmungen und Küſſe ſah
nicht die erſtaunten und auch mitleidigen Blicke, welche ihr
galten das ganze Zimmer verſchwamm vor ihren
Augen die Tafel mit dem vielen Silber und dem
reichen Blumenſchmuck begann ſich vor ihr zu drehen
plötzlich verlor ſie alle Gewalt über ſich.
Sie ſprang auf, ſtieß mit einem jähen Ruck ihren
Stuhl zurück und enteilte auf ihr Zimmer. Haſtig ver=
ſchloß
ſie die Tür ſie zitterte an allen Gliedern, eine ſo
namenloſe Aufregung hatte ſich ihrer bemächtigt, daß ſie
nicht mehr wußte, was ſie tat.
Früher hatte die Großmutter niemals ihren Willen
gezügelt nun ſollte ſie immer nur gehorchen, kein Wun=
der
, daß ſie ſich offen auflehnte. Sie ließ ſich nicht zwingen,
Sergius Lanskys Gattin zu werden.
Was war es denn, das dieſem fremden Manne, der
ihr Tater hätte ſein können, ſo ſehr an ihr gefiel, daß er

ſie ze Fran beachie Aie daßte hebe Hawſüchen
gegen ihre glühenden Schläfen . . . Richtig ihr Haar
fand er ſo ſchön es mache die Männer verwirrt, hatte
Großmutter geſagt.
Alſo fort mit der gleißenden Pracht, ſie haßte ihr
wundervolles Haar. Mit bebenden Händen ergriff Nika
eine Schere ein paar raſche, ungeſchickte Schnitte, und
die weiche, blonde Mähne lag zu ihren Füßen auf dem
Teppich. Befriedigt ſchüttelte ſie das kurze, knabenhafte
Gelock, das ihr wild in die Stirn fiel, und ſah wie ein
bitterböſer Junge dabei aus.
Das Blut war in ihre Wangen zurückgekehrt und
auch die jähe Reaktion machte ſich nunmehr geltend.
Sich ihrer ganzen Ohnmacht bewußt werdend, ſchluchzte
Nika laut auf. Wie ein verlaſſenes Kind weinte ſie. Sie
hatte ja niemanden, der ihr helfen konnte. Ach, und wie
zornig würde Großmama ſein. Seitdem dieſe unter den
Beſchwerden des Alters litt, war ſie ja ganz anders als
früher geworden.
Nika ſchluchzte verzweifelt, den Kopf in die ſeidenen
Kiſſen ihrer Chaiſelongue vergrabend. Ein Bettelkind
hätte ſie ſein mögen dann brauchte ſie nicht Baronin
Lansky zu werden. Einer das wußte ſie würde ihr
gern beiſtehen: Fabian Heidegg. Aber er war ja nicht
ihr Bruder, und Großmama würde doch ihren Willen
durchſetzen. Sie hörte nicht, wie an der Tür gepocht
wurde, zuerſt leiſe, dann immer heftiger

Aber ſo mach doch auf! rief Käte, Paſtors Aelteſte
ſo höre doch endlich, um Gottes willen Deine Groß=
mutter
iſt erkrankt ein Schlaganfall, komm raſch, Nika:
Vater hat mich nach Dir geſchickt.
Nika fuhr empor: Sie war daran ſchuld, daß die
Großmutter ſterben mußte ſie zweifelte nicht daran, daß
dieſer heftiger Aerger, den ſie ihr verurſacht hatte, der Tod
der alten Frau war. Vor einem Jahre hatte die Gräfin
bereits einen Schlaganfall gehabt und Nika wußte, daß
jede Gemütsbewegung Gift für den alten, gebrechlichen
Körper war. Haſtig ſtieß ſie die Zimmertüre auf. Wo iſt
Großmutter?
Paſtors Käte ſchrie hell auf: Aber, Nika, wie ſiehſt
Du nur aus?
Nein, es war nicht zu ſagen, was heute in Eldenau
alles vor ſich ging; erſt die Verlobung wie ein Blitz aus
heiterem Himmel! dann fällt die Gräfin ohnmächtig
beinahe von ihrem Stuhl, und nun ſteht die Nika da, ver=
weint
, mit ihren verwilderten, abgeſchnittenen Haaren,
wie eine Wahnſinnige anzuſchaun.
Die neunzehnjährige Käte ſchlang ihren Arm um
Nikas Schulter. Erbarme Dich, Kind, ſagte ſie in einem
faſt mütterlichen Ton, warum in aller Welt haſt Du Dir
Dein Haar heruntergeſäbelt? Dein ſchönes, wuuser=
ſchönes
Haar es iſt ja zum Weinen darum.
Nika antwortete nichts. Sie riß ſich von Käte los und

[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Seite 13.

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eilte mit zitternden Knien zu den Gemächern der Groß=
mutter
.
Auf einem Ruhebett in ihrem Arbeitszimmer lag die
Gräfin in vollem Dinerſtaat. Sie ſah aus wie eine Ster=
bende
, ihre Züge waren ſpitz, ihre Augen eingeſunken. Der
Arzt, der ſich auch unter den Gäſten befunden hatte, war
um ſie bemüht. Zu Füßen des Ruhebettes ſtanden der
Paſtor und Sergius Lansky. Nika ſtürzte vor der Reg=
ungsloſen
nieder.
Sie ſchluchzte nicht mehr, ſie hatte das Gefühl, als
ſchöbe ſich ein eiſernes Maſchennetz immer enger um ſie
zuſammen. Sie konnte ihm nicht entrinnen, mußte ſtille
halten, denn es war ihr Schickſal.
Der Blick der Gräfin haftete entſetzt auf dem ent=
ſtellten
Kopf des Mädchens. Zornig glomm es in den
halberloſchenen Augen auf. Monika verfolgte angſtvoll.
jede Veränderung in dem alten, welken, plötzlich noch viel=
mehr
als bisher zuſammengeſchrumpften Geſicht. Die
Gräfin war der Sprache beraubt, aber ihre Augen redeten.
Und Nika begriff, was ſie ihr drohend ſagten. Sie erhob
ſich mit jähem Entſchluß und trat an Lanskys Seite. Er
ergriff ehrerbietig ihre Hand und legte ſie auf ſeinen
Arm. So traten ſie vor die Leidende, die tiefaufſeufzend
ihre Augen ſchloß.
In der Nacht ſtarb die alte Gräfin, ohne das Bewußt=
ſein
wieder erlangt zu haben. Nika ſtrich über die Hand
der Toten und flüſterte kaum hörbar: Ich will ja alles,
alles tun, was Du gewollt haſt.
Eine ſeltſame Starrheit war über ſie gekommen. Pa=
ſtors
und die anderen Nachbarn, die ſich voller Mitleid
ihrer anzunehmen ſuchten, ahnten ja nicht, daß ſie ſich an
dem Tode der Großmutter ſchuld fühlte. Daran hielt ſie
reſt, das wurde zur fixen Idee bei ihr, und nun wollte
je, um zu fühnen, den letzten Wunſch der Verblichenen
rfüllen.

Es wer ſchſerſtntich, des venen in Berire mit
dem Paſtor alles Notwendige, das ein Todesfall im Ge=
folge
hat, anordnete. Er hatte auch ſofort an ſeine in
Petersburg lebende Schweſter, die Witwe eines Admirals,
telegraphiert und ſie gebeten, nach Eldenau zu kommen.
Frau von Borowin war ſehr vornehm, ſehr verwöhnt.
andererſeits aber auch ſehr energiſch, verſtändig und prak=
tiſch
. Die Verlobung ihres Bruders mit Monika Loen,
der reichen Erbin, fand ihren vollen Beifall.
Wenn ſie nur nicht dieſe unmögliche Chevelure hätte,
Serge, ſie iſt ja ſonſt ganz entzückend, Deine kleine Nika,
meinte Frau von Borowin, nachdem das junge Mädchen
ſie wortkarg und ſcheu begrüßt, und ſich dann gleich wie=
der
in ihr Zimmer zurückgezogen hatte.
Mon Dieu, wie kommt man auf den Gedanken, ſich
dermaßen zu verunſtalten, fügte die Admiralin kopf=
ſchüttelnd
hinzu und überlegte dann mit ihrer Jungfer,
wie man am eheſten Nikas Bubenmähne in einen zier=
lichen
, hübſchen Tituskopf verwandeln könne.
Sergius Lansky lächelte zu den Worken ſeiner
Schweſter. Die gute Stephanie ahnte ja nicht, welch ein
unbändiger Feuergeiſt die kleine Nika war.
Er hatte ſie heute morgen um eine Unterredung bitten
laſſen und ihr ſo zartfühlend wie möglich erklärt, daß es
durchaus nicht in ſeiner Abſicht liege, ſie gegen ihren
Willen zu heiraten.
Ihre Großmutter machte mir Hoffnungen, Monika,
ſagte er, da bat ich um Ihre Hand Ihre perſönliche
Einwilligung wollte ich mir allmählich erwerben. Ich
ahnte nichts von dem Gewaltſtreich der Gräfin, unſere
Verlobung ſo aus dem Stegreif zu veckünden. Es traf
mich, mein Wort darauf, vollkommen überraſchend. Ich
verſtehe auch Ihre Gefühle, Monika als allzu Stürm=
iſche
mußte Sie erſchrecken und verletzen. Sie ſind ja noch
ein halbes Kind, aber die zweiundzwanzig Jahre, die ich

vor Ihnen voraus habe, ſind vielleicht gerade eine ſichere
Bürgſchaft dafür, daß ich Sie auf Händen tragen würde,
wenn Sie mir Vertrauen ſchenken wollten. Ich habe
keinen größeren Wunſch als den, Sie glücklich zu machen,
doch befehlen Sie, und unſere Verlobung iſt noch in
dieſem Augenblick gelöſt.
Er ſtand vor ihr wie ein Bittender, die ſchlanke, ele=
gante
Geſtalt ein wenig gebeugt. In ſeinen klugen, regel=
mäßigen
Zügen prägte ſich eine tiefe Bewegung aus.
Sie brauchen mir meine Freiheit gar nicht ſo groß=
mütig
zu ſchenken. Wenn es mein Wunſch wäre, ſo würde
ich ſie mir ſchon ſelber nehmen, aber ich werde Sie
heiraten, Baron, erwiderte Nika trotzig.
Es klang einfach drollig, wie das kleine Mädchen das
ſagte. Obgbleich ſich eben ihrer beider Schickſal entſchied,
und der Zeitpunkt wahrlich ernſt war, konnte Lansky ſich
eines Lächelns nicht erwehren. Es hätte ihn nicht gewun=
dert
, wenn ſie nach dem Vorhergegangenen ihm empört
zugerufen hätte, daß ſie ihn haſſe anſtatt deſſen ver=
kündete
ſie ihm mit einem hochmütigen Zurückwerfen ihres
Knabenkopfes: Ich werde Sie heiraten, Baron!
Nika hielt ihren Kopf dann raſch wieder geſenkt und
verſchränkte die Hände auf dem Rücken. Sie wollte ſeine
Frau werden, weil ſies der ſterbenden Großmutter gelobt
hatte, aber die Hand geben wollte ſie ihm nicht. Doch
ſeine Blicke ruhten auf ihr und zogen die ihrigen magne=
tiſch
an. Widerſtrebend ſchaute ſie auf und in ein paar
gütige, warmleuchtende Augen. So zärtlich, ſo voller Mit=
leid
konnten ſie blicken. Nika kämpfte mit ihren Tränen,
ihre Arme ſanken ſchlaff an ihr nieder ihre ſeeliſche
Spannung löſte ſich endlich ein wenig.
(Fortſetzung folat.)

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 15. Fedruar Ivro.

Naunner &

Petroleum=Monopol.

Gelegentlich des am letzten Sonntag in Mainz
Handelskammer=
abgehaltenen
Heſſiſchen
tages iſt eingehend über die Frage des Petroleum=
monopols
verhandelt worden. Die Großh. Handels=
kammer
Mainz vertrat hierbei einen ablehnenden
Standpunkt, während von den Vertretern der Groß h.
Handelskammer Darmſtadt diejenigen Ge=
ſichtspunkte
hervorgehoben wurden, welche für die Schaf=
fung
des von der Reichsregierung geplanten Monopols
ſprechen. Auf Grund der Vorſchläge der Handelskammer
Darmſtadt kam ſchließlich eine allgemein gehal=
tene
Reſolution zugunſten des Monopols zuſtande.
Die Handelskammer Darmſtadt hat ſich nun=
mehr
vergnlaßt geſehen, ihre in einer Reſolution zuſam=
mengefaßten
Anſichten bezüglich der Petroleummonopol=
frage
mit entſprechender Begründung der zuſtändigen
Reichstagskommiſſion dem Reichsſchatzamt, dem Großh.
Miniſterium des Innern und dem Deutſchen Handelstage
zur Würdigung und Beachtung bei den noch in Ausſicht
ſtehenden Verhandlungen über die Monopolfrage zu
übermitteln. Die Reſolution der Handelskammer
Darmſtadtthat folgenden Wortlaut: Die Handelskammer
Darmſtadt iſt der Anſicht, daß Handel und Gewerbe an ſich
gegen Monopole eingenommen ſein müſſen. Es iſt aber
nach unſerer Ueberzeugung ein Staatsmonopol, welches
ſelbſtverſtändlich der wirkſamſten Kontrolle der Oeffent=
lichkeit
unterſtehen muß, immer noch irgendwelchen rück=
ſichtslos
wirkenden Privatmonopolen vorzuziehen. Mit
letzteren ſind in Deutſchland durchaus keine guten Er=
fahrungen
gemacht worden. Da eine Monopoliſierung

des deutſchen Petroleumhandels durch die Standard Oil
Company droht, ſo iſt dieſem Privatmonopol rechtzeitig
vorzubeugen. Wir ſind der Anſicht, daß zur Durchführung
eines deutſchen Leuchtölmonopols hinreichende Petro=
leumlieferungen
ſeitens der Haupterzeugungsgebiete:
Vereinigte Staaten von Amerika, Rußland, Rumänien,
Oeſterreich=Ungarn und Holländiſch=Indien, zur Ver=
fügung
ſtehen. Weiter ſind wir der Anſicht, daß die
Durchführung eines deutſchen Leuchtölmonopols keine
irgendwie ins Gewicht fallende Preisverteuerung für
Petroleum hervorrufen wird, ſofern der von der Reichs=
regierung
vorgelegte Geſetzentwurf eine entſprechſende
Umgeſtaltung erfährt.
Unſeres Erachtens ſind folgende Umänderungen
nötig:
1. Die durch § 4,4 des Regierungsentwurfs feſtge=
ſetzte
normale Höchſtgrenze des Preiſes, bei deren Ueber=
ſchreitung
die Vertriebsgeſellſchaft weniger als 5 Prozent
Dividende erhält, muß unter 20 Pfg, pro Liter ab Tank=
anlage
herabgeſetzt werden. Unſere Ermittelungen haben
ergeben, daß dieſer Literverkaufspreis ab Tankanlage auf
18 Pfg. feſtgeſetzt werden kann; hierbei iſt ein dem Aus=
gleichsfonds
zufließender Zuſchlag von ½ Pfg. pro Liter
bereits eingerechnet. 2.Weiter darf der Preisausgleichungs=
fonds
, ſoweit derſelbe durch den Zuſchlag von ½ Pfg.
pro Liter entſtanden iſt, auf keinen Fall, wie in § 4,4
Abſ. 2 vorgeſehen iſt, dazu verwendet werden, der Ver=
triebsgeſellſchaft
diejenigen Summen zuzuwenden, welche
erforderlich ſind, um eine Verzinſung von 5 Prozent des
Grundkapitals zu garantieren. 3. Der Preisausgleichungs=
fonds
ſelbſt muß zur Erfüllung ſeines Zweckes von 20
auf 40 Millionen heraufgeſetzt werden. 4. Es liegt kein
Grund vor. Gewinne von 6 bis 8 Prozent oder mehr des=
halb
möglich zu machen, um wie in der Begründung
zu § 3 ausgeführt iſt durch eine ſolche erhebliche Divi=
dende
die Aktien der Vertriebsgeſellſchaft im Publikum
unterbringen zu können. Die Dividende der Aktien iſt
auf 4 Prozent als Minimum feſtgelegt, dürfte aber im
Durchſchnitt 5 Prozent oder darüber betragen. Ein ſol=
ches
Papier wird ſich leicht plazieren und darf nicht mit
übertriebenen Vorrechten zum Nachteil der deutſchen
Leuchtölverbraucher ausgeſtattet werden. 5. Die Beſtim=
mung
des Verkaufspreiſes des Leuchtöls darf nicht ab=
hängig
gemacht werden von dem Beſtreben, den höchſt
zuläſſigen Gewinn zu erzielen, wie dies in der Begrün=
dung
zu § 3 als möglich bezeichnet wird Plötzliche
Preisſteigerungen aus dieſem Grunde erſcheinen unzu=
läſſig
, ganz abgeſehen davon, daß dieſelben bei Aufrecht=
erhalten
dieſer Beſtimmung vorausgeſehen werden und
zu Spekulationseinkäufen Veranlaſſung bieten können.
Die 10 Millionen Namensaktien mit fünffachem
Stimmrecht dürfen nicht privaten Intereſſenten über=
laſſen
werden, da ſolchen kein überwiegender Einfluß auf
die Verwaltung der Vertriebsgeſellſchaft eingeräumt wer=
den
darf. Es iſt vielmehr im Intereſſe einer gedeihlichen
Durchführung des Monopolgedankens nötig, dieſe Aktien
dem Reiche zuzuſprechen. Im übrigen muß aber der
allein richtige Gedanke der Leitung der Vertriebsgeſell=
ſchaft
durch kaufmänniſch geſchulte und im Petroleum=
geſchäft
durchaus erfahrene Kräfte aufrecht erhalten
werden.
III.
Im Intereſſe der Detailliſten ſoll folgendes feſtgelegt
werden: 1. Mindeſtverkaufspreis für Petroleum; 2. ein
beſtimmter feſter Verdienſt von 3 bis 3½ Pf. beim Ver=

kauft 3 Abgabe von 200 Piterfäſſen ab nur an Gewerbe=
treibende
und Induſtrielle (Selbſtverbraucher); 4. Bei=
behaltung
des Tankwagenſyſtems.
IV.
Im Intereſſe der Förderung einer ſtarken einheimi=
ſchen
Raffinations=Induſtrie iſt der Gedanke des Re=
gierungsentwurfs
, es ſolle auf Grund des § 1 auch die
Herſtellung von Mineralölen, die zum Brennen auf Laln=
pen
geeignet ſind (Leuchtöl), ausſchließlich dem Reiche zu=
ſtehen
, durchaus zu verwerfen, denn dieſe Beſtimmung
würde das Raffinieren von allen Rohölen, aus welchen
neben anderen wichtigen Produkten auch Leuchtöl erzeugt
wird, der deutſchen Privatinduſtrie unmöglich machen.
Alles in den deutſchen Raffinerien erzeugte Leuchtöl wäre
an die Vertriebsgeſellſchaft abzuliefern, und umgekehrt
müßre die Vertriebsgeſellſchaft das geſamte, im Inland
hergeſtellte Leuchtöl unter beſtimmten, die Intereſſen des
Reichsfiskus, der Vertriebsgeſellſchaft, der Produzenten
und Konſumenten gleichzeitig wahrenden Bedingungen
üibernehmen.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

C) Klavierabend Telemaque Lambrino.
Der Klavierabend des jungen Virtuoſen Telemaque Lam=
brino
, der heute im Saale der Traube ſtattfindet,
dürfte ſich zu einem Ereignis der muſikaliſchen Saiſon ge=
ſtalten
. Lambrino rechtfertigt nach einſtimmiger Aner=
kennung
wie wenige Künſtler den ihm vorangehenden Ruf,
eine überragende künſtleriſche Perſönlichkeit zu ſein. E
wird heute u. a. zu Gehör bringen Beethovens Sonate
Es-dur, op. 31 Nr. 3, Schumanns Carnaval op. 9, Cho=
pins
Sonate H-moll, op. 58, Etude Gis-moll, Ges-dur.
Berceuſe op. 57, Liſzts Rhapfodie Nr. 6. Es ſei hierdurch
noch einmal auf den hochintereſſanten Abend empfehlend
hingewieſen mit dem Bemerken, daß der Kartenvor=
verkauf
in den Händen der Firma Gg. Thies Nachf.
(Leop. Schutter), Eliſabethenſtraße, liegt.

Kongreſſe und Verbandstage.

4. Verbandstag der Heimarbeiterinnen
Deutſchlands.
Berlin, 11. Febr. Unter außerordentlich zahl=
reicher
Teilnahme ſeiner Mitglieder trat heute der
Gewerkverein der Heimarbeiterinnen
Deutſchlands in den Muſiker=Sälen zu ſeinem
4. Verbandstage zuſammen. Unter den Teil=
nehmern
befanden ſich Vertreter verſchiedener Reichs=
ämter
, ſowie eine Anzahl bürgerlicher Sozialpolitiker.
Den Vorſitz führte Fräulein Margarete Böhm, welche die
Erſchienenen begrüßte. Geheimrat Siewert vom Reichs=
amt
des Innern überbrachte die Grüße des Staatsſekre=
tärs
Dr. Delbrück, worauf Geheimrat Sarrazin vom
Reichsverſicherungsamt eine in warmen Worten ge=
haltene
Begrüßungsanſprache an die Erſchienenen rich=
tete
. Nach der Erſtattung des Geſchäfts= und Kaſſen=
berichts
ſprach Fräulein Dihrenfurt über das Thema
Ausgeſtaltung unſeres Programms‟. Die
Referentin führte aus, man könne mit Befriedigung feſt=
ſtellen
, daß eine Anzahl von Forderungen des bisherigen
Programms bereits ganz oder teilweiſe erfüllt ſei, ſo die
behördliche Liſſtenführung, die Einführung von Lohne

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[ ][  ][ ]

Nummer 37.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Seite 15.

büchern, das Verbot der Mitgabe von Arbeit an Fabrik=
arbeiterinnen
, die Ausdehnung der Gewerbeinſpektion auf
das Hausgewerbe und die reichsgeſetzliche Kranken= und
Hinterbliebenen=Verſicherung, auch einige ſanitäre Schutz=
maßnhmen
. Schwer empfunden wurde der Mangel der
Invalidenverſicherung. Die Referentin fordert Woh=
nungsreform
und Wohnungspflege durch weibliche Be=
amte
, beſſere Durchführung des Kinderſchutzgeſetzes in
der Hausinduſtrie, Fortbildung und Regelung des Ver=
dingungsweſens
; beſonderer Wert wird auf den Ab=
ſchluß
von Tarifverträgen gelegt, da ohne Hebung der
wirtſchaftlichen Lage jede Arbeiterſchutzmaßnahme ſich als
undurchführbar erweiſen müſſe.
Auf die Lohnfrage ging Profeſſor Dr. Ernſt
Franke in einem Vortrage über die Vertretung der
Heimarbeit in Tarifverträgen ein. Er wies darauf hin,
daß die Tarifverträge, die von anderen Gewerkſchaften
abgeſchloſſen ſeien, vorzugsweiſe im Intereſſe der daran
eteiligten Werkſtattarbeiter liegen, vielfach auch geradezu
Beſtimmungen enthielten, die auf Einſchränkung der
Heimarbeit hinzielten. Mit Freuden konſtatierte der Red=
ner
, daß der Gewerkverein der Heimarbeiterinnen zine
große Anzahl von Verträgen abgeſchloſſen habe,½ be=
dauerte
aber, daß in letzter Zeit andere Organiſationen
und Gewerbegerichte die Beteiligung des Gewerkvereins
beim Abſchluß von Tarifverträgen ausgeſchloſſen haben.
Eine Reſolution, die ſich im Sinne der Ausführun=
gen
des Referenten bewegte, wurde einſtimmig ange=
nommen
.
Hieran ſchloß ſich ein Referat von Fräulein Dr. Gae=
bel
(München) über das Thema: Behördliche
Aufträge für Heimarbeiterinnen
Die
Rednerin bedauerte, daß die Reſolution des Reichstages
vom Dezember 1911, welche die beſondere Berückſichtigung
von Heimarbeiter=Organiſationen und die Bevorzugung
von tariffreien Unternehmern bei Vergebung öffentlicher
Lieferungen fordert, noch nicht in größerem Umfange in
die Praxis der deutſchen Verwaltung übergegangen ſei.
Von den größeren Bundesſtaaten habe nur Württemberg
dieſe Tarifvertragsklauſel in ſeine Laſtenhefte aufgenom=
men
. Leider bietet auch dieſe Klauſel, ebenſo wie die
Forderung üblicher oder gerechter Löhne keinen oder
nur ungenügenden Schutz für den unorganiſierten Ar=
beiter
. Die Einſchränkung der Heimarbeit, die vielfach
verlangt wird, iſt für die Männer vielleicht erwünſcht,
entſpricht aber nicht den Bedürfniſſen der erwerbstätigen
Frau und Mutter und iſt deshalb abzulehnen. Die Re=
erentin
legte längere Leitſätze vor, in welchen ſie ihre
Ausführungen zuſammenfaßte. Nach lebhafter Diskuſ=
ſion
wurden dieſe Leitſätze angenommen und die Weiter=
verhandlungen
auf morgen vertagt.

Sport, Spiel und Turnen.

* Pferdeſport. Kronprinz Wilhelm hat das
Protektorat über den Verband Deutſcher Herren=
reiter
, deſſen Präſident Rittmeiſter v. Roſenberg iſt, über=
nommen
.
sr. Nordiſche Spiele in Stockholm. Bei der großen
ſportlichen Veranſtaltung Stockholms gelangte die Welt=
meiſterſchaft
im Damenkunſtlaufen zum Austrag, der auch
die Königliche Familie beiwohnte. Die Berlinerin
Frl. Frenſſen, die das Pflichtlaufen gut abſolviert hatte,
hatte beim Kürlaufen im Stadion das Pech zu ſtürzen,
führte aber ſonſt ihr Programm ausgezeichnet vor. Ganz
beſonders gefiel aber die Verteidigerin des Titels Frl.
v. Meray=Horvath=Budapeſt und ebenſo Frl. Straſilla=
Troppau, doch war die letztere bei den Pflichtübungen un=
glücklich
geweſen, ſodaß ihre Chancen ſehr geſunken
wvaren. Zu gefallen wußten auch die beiden Eng=
länderinnen
Mrs. Johnſon und Mrs. Blackwood. Die
Preisverteilung, die am Abend ſtattfand, ergab den
Sieg von Frl. Meray=Horvath, die ſonach
neuerdings Weltmeiſterin geworden iſt. Den zweiten
Platz belegte Mrs. Johnſon vor Frl. Noren=Stockholm.
Die Paarlaufmeiſterſchaft wurde ebenfalls heiß umſteitten.
Rieſigen Beifall ernteten die Oeſterreicherinnen Frl. Engel=
mann
=Mejſtrick, denen auch die Meiſterſchaft zufiel. Den
weiten Preis erhielten das Ehepaar Jacobſon, das
früher in Berlin wohnte, jetzt aber in Helſingfors domi=
iliert
. Am Dienstag wurden nur das Bandy=Curling und
die Fechtkonkurrenzen gefördert Am Mittwoch findet in
Oeſterſund, wo meterhoher Schnee liegt, das große Ski=
laufen
über 100 Kilometer ſtatt, welches über 100 Teil=
nehmer
an den Start bringt. Die meiſten Konkurrenten
ſind Schweden, doch ſind auch zwölf Norweger, ſowie zwei
Ruſſen und zwei Finnländer gemeldet.
sr. Schwerer Unfall bei einer Motorſchlitten=Prüfung.
Der Kaiſerliche Automobil=Klub von Rußland hielt in St.
Petersburg auf der zugefrorenen Newa einen Wettbe=
werb
für Motorſchlitten ab, an welchem vier
Fahrzeuge teilnahmen. Von dieſen waren drei durch Pro=
peller
getrieben, während der vierte durch zwei in den
Schnee greifende Walzen fortbewegt wurde. Bei der
erſten Prüfung die über 3 Kilometer führte, ereignete ſich

ein ſchwerer Unglücksfall. Zuerſt ſtartete ein Schlitten der
Moskauer Firma Dux, den der Flieger Lebedoff ſteuerte.
Der Propeller lag bei dieſem Schlitten im Gegenſatz zu
den übrigen, vollkommen frei. Der Schlitten bewegte ſich
mit großer Geſchwindigkeit über das Eis, ſtieß aber ſchon
nach kurzer Fahrt mit einem Segelſchlitten zuſammen,
wodurch er zum Halten gebracht wurde. Als der Motor=
ſchlitten
dann von Neuem in Gang gebracht werden ſollte,
wollte hierbei ein auf dem Segelſchlitten befindlich ge=
weſenes
Mitglied des Motor=Jacht=Klubs behilflich ſein.
Beim Anwerfen des Motors glitt er aber aus und wurde
vom Propeller des Motorſchlittens er=
faßt
, in die Luft geſchleudert und ſchwer verletzt. Ein
Arm wurde völlig herausgeriſſen und mehrere Rippen
wurden eingedrückt; der Propeller war in Stücke geflogen.
Der Verletzte wurde alsbald durch ein zur Unglücksſtätte
herbeigeeiltes Automobil zu einem Arzt gebracht, der die
erſte Hilfe leiſtete. Der Wettbewerb wurde trotz dieſes
Unfalles fortgeſetzt. Als Zweiter ſtartete de Leſſeps. Der
von dieſem gemeldete Schlitten hate einen geſchützten Pro=
peller
, iſt ſehr leicht und elegant und kann durch das An=
ſetzen
von Rädern in wenigen Minuten in einen Kraft=
wagen
verwandelt werden. de Leſſeps fuhr die 3 Kilo=
meter
in 3 Minuten 33 Sekunden, was eine Stundenge
ſchwindigkeit von 51 Kilometer ergibt. Der Walzen=
ſchlitten
von Kegres gebrauchte 4 Minuten 21 Sekunden
und der letzte Konkurrent, der einen Schlitten der Auto=
mobil
=Fabrik Ruſſo=Baltique benutzte, 5 Minuten 14½
Sekunden. Bei einem Kilometer=Rennen mit fliegendem
Start fuhr de Leſſeps genau 1 Minute, erreichte alſo eine
Stundengeſchwindigkeit von 60 Kilometer. Der Ruſſo=
Baltique=Schlitten gebrauchte 1 Minute ½ Sekunden und
Kegres 1 Minute 4¾ Sekunden.

Stimmen aus dem Publikum.
Redaktion
Für die Veröffentlichungen unter dieſer Ueberſ
ft überni
*2
ſie bleibt auf
und de
keinerlei Verantwortung:
Abſ. 2 des
Preßgeſetzes in vollem Umfange der Einſender verantwortlich.)

Vom Vorſtand des Richard Wagner-
Vereins geht uns auf das in der geſtrigen Nummer
abgedruckte Eingeſandt die nachſtehende Erwiderung zu:
Der Herr Einſender, der es für gut befunden hat, dem
unter den unhaltbaren Darmſtädter Konzerſtſaalvekhält=
niſſen
an ſich ſchon ſo ſchwer leidenden Richard Wagner=
Verein ſeine Aufgabe in der Oeffentlichkeit noch mehr zu
erſchweren, hätte zweifellos beſſer getan, ſich mit ſeinen
Wünſchen und Beſchwerden an den Vereinsvorſtand zu
wenden, ſtatt die Preſſe dafür in Anſpruch zu nehmen.
So ſehen wir uns genötigt, von folgendem, unterm 14.
November vorigen Jahres an ſämtliche Vereinsmitglieder
erlaſſenen Rundſchreiben der Oeffentlichkeit ebenfalls
Kenntnis zu geben:
Der Saal der Turngemeinde faßt nur 875, die Ga=
lerie
nur 228, zuſammen alſo 1003 Stuhlplätze; einſchließ=
lich
der Stehplätze ſind im ganzen nur 1300 Plätze vor=
handen
. Wir werden ſelbſtverſtändlich nunmehr die
Kartenausgabe für Nichtmitglieder auf ein Minimum be=
chränken
, müſſen aber erwarten, daß alle Vereinsmit=
glieder
, die im Saale keinen Sitzplatz mehr finden, ſich auf
der Galerie Platz ſuchen, deren rechte Seite wir von jetzt
an ausſchließlich für ſie reſervieren werden. Nach polizei=
licher
Vorſchrift, zu deren Befolgung wir ſelbſtverſtändlich
verpflichtet ſind, iſt das Stehen im Saale unterſagt. Eben=
ſo
muß die zur Galerie führende Treppe unter jeder Be=
dingung
frei bleiben. Ferner müſſen ſämtliche Notaus=
gänge
und die Zwiſchengänge ſtets freigehalten und dür=
fen
nicht etwa durch herbeigeholte Stühle verſtellt werden.
Unſere Aufſichtsorgane ſind angewieſen, die Durchführung
dieſer Vorſchriften aufs ſtrengſte zu überwachen.
Der Herr Einſender wird ſelbſt zugeben, daß ſeitens
des Vorſtandes mit dieſen Anordnungen, die er im Ein=
verſtändnis
mit Großh. Polizeiamt Darmſtadt getroffen
hat, das Mögliche getan worden iſt. Sollten trotz des
Verbotes beim letzten Konzerte wirklich die Zugänge im
Saal durch einige herbeigeholte Stühle verſtellt und ver=
ſperrt
worden ſein, ſo werden die betreffenden Angeſtell=
ten
, die dies verſchuldet haben, zur Rechen=
ſchaft
gezogen werden. Im übrigen aber müſſen alle in
dem geſtrigen Eingeſandt gegen den Vereinsvorſtand er=
hobenen
Vorwürfe als völlig haltlos und unbegründet
zurückgewieſen werden. Denn:
1. iſt es nicht wahr, daß der Verein offenbar mehr
Karten ausgibt, als der Saal zu faſſen vermag‟. Der
Richard Wagner=Verein zählt zurzeit 930 Mitglieder. Nach
ſtatiſtiſchen Erhebungen pflegen nahezu 100 Abonnements=
karten
allabendlich unbenutzt zu bleiben. Jedoch ſelbſt an=
genommen
, es ſeien am Montag ausnahmsweiſe ſämt=
liche
930 Mitglieder anweſend geweſen, ſo hätten an
Nichtmitglieder nach polizeilicher Konzeſſion noch
370 Karten abgegeben werden dürfen. Aber nicht einmal
das war der Fall! Nach den vorliegenden Kaſſeabrech=
nungen
ſind nur 317 Karten an Nichtmitglieder verkauft

worden, und zwar 30 Sperrſitze im Saal, 75 numerierte
Balkonkarten und 212 unnumerierte Galeriekarten. ( Ge=
rade
um Ueberfüllung zu vermeiden, war am Montag
von der Ausgabe von Studenten= und Schüleckarten zum
erſtenmal ſeit Beſtehen des Vereins Abſtand genommen
worden.) Hierzu kommen noch die an die Preſſe und an
hieſige Dirigenten und Vorſtandsmitglieder muſikaliſcher
Vereine verſandten Gaſtkarten (im ganzen 30). Freikar=
ten
waren für dies Konzert überhaupt nicht bewilligt wor=
den
. Aus dem Geſagten geht unwiderleglich hervor, daß
am Montag die zuläſſige Zahl von 1300 Beſuchern noch
nicht einmal erreicht worden iſt.
2. Nach der in der Konzertpauſe vorgenommenen
Zählung ſtanden im Saale im Ganzen 32 Perſonen,
von dieſen allerdings einige der Vorſchrift und den An=
weiſungen
der Aufſichtsorgane zuwider in der Nähe
des Eingangs, ſtatt, wie polizeilich vorgeſchrieben, an der
rechten Längsſeite des Saales. Daß aber einzelne Be=
ſucher
den getroffenen Anordnungen Widerſtand ent=
gegenſetzen
, wird ſtets vorkommen, und der Vereinsvor=
ſtand
kann dafür unmöglich verantwortlich gemacht wer=
den
. Dazu kommt, daß eine Anzahl der ſtehenden Per=
ſonen
im Beſitze von Sperrſitzplätzen waren, die ſie aber,
da zu ſpät gekommen, aufzuſuchen ſich genierten.
3. Zum Schluſſe ſeien uns noch zwei Bemerkungen,
verſtattet. Wenn vier Fünftel aller Vereinsmitglieder
am Montag der Mahnung des Vorſtandes entſprochen
und ſich durch Abonnement oder durch den kleinen Zuſchlag
von 1 Mark für dieſen Abend einen feſten Sperrſitzplatz
geſichert hatten, ſo beweiſt dies doch zweifellos, daß, im
Gegenſatz zu den Ausführungen des Herrn Einſenders,
die Sperrſitz=Einrichtung den Wünſchen der Mehrheit
der Mitglieder entſpricht, eine Einrichtung, über die
z. B. im hieſigen Muſikverein Niemand auch nur ein Wort
verliert. Und die Intereſſen der Mitglieder gehen
jedenfalls mehr dahin, mit dieſer kleinen Zubuße ein Kon=
zert
der Meininger überhaupt zu ermoglichen, als
ohne ſie dieſen auserleſenen Kunſtgenuß ganz entbehren
zu müſſen. Denn daß ein ſolcher Abend der Vereinskaſſe
16001700 Mark zu koſten pflegt, müßte doch wohl allge=
mein
bekannt ſein. Ueberdies dürfte der Herr Einſender
wohl kaum einen zweiten muſikaliſchen Verein in Europa
namhaft machen konnen, der ſeinen Mitgliedern für den
Preis von 1,70 Mark (70 Pfg. Vereinsbeitrag und 1 Mark
Zuſchlaa) einen Sperrſitzplatz für ein Eliteorcheſterkonzert
verſchafft!
Und endlich: Warum wird mit den unleugbaren Miß=
ſtänden
des Turnhallenſaales, die, ſolange wir kein Feſt=
haus
beſitzen, nun einmal ertragen werden müſſen,
immer nur das Konto des Richard Wagner= Ver=
eins
belaſtet? Hat der Herr Einſender, um nur einige
Beiſpiele aus den letzten Wochen anzuführen, die Lehrer=
verſammlung
am 2. Januar, in der über 200 Perſonen in
allen Gängen im Saale ſtanden, mitangeſehen oder die
geradezu fürchterliche Enge bei den letzten Karnevalsver=
anſtaltungen
in der Turnhalle beobachtet? Und da wäre
doch wahrlich mehr Anlaß geweſen, die warnende Stimme
zu erheben von dem Unglück, das bei einem derartig
überfüllten Saal bei dem kleinſten außergewöhnlichen
Vorkommnis geſchehen kann als bei einem einfachen
Orcheſterkonzert. Wir haben aber darüber nie ein Ein=
geſandt
zu Geſicht bekommen. Etwas mehr Loyalität
und Unterſtützung in ſeinem Kampfe mit den gegenwär=
tigen
widrigen Verhältniſſen ſollte der Vorſtand des
Richard Wagner=Vereins beim Publikum billigerweiſe
denn doch wohl erwarten dürfen!

Ein rechter Mißſtand iſt das Fehlen einer zuver=
läſſig
gehenden öffentlichen Uhr auf dem Ernſt=Ludwigs=
Platz. Die Uhr auf dem Weißen Turm iſt leider
trotz des ehrwürdigen Ausſehens in dieſer Hinſicht ſo gut
wie wertlos. So ſchlug ſie vor einigen Tagen, wie ich
zufällig bemerkte, um ¾6 Uhr die volle Stunde. Dabei
war es nach der Bahn 10 Minuten bis Ganz. Die Heſ=
ſiſche
Eiſenbahn=Aktiengeſellſchaft, die
wegen ihrer vielen dort zuſammenlaufenden Linien das
meiſte Intereſſe daran hat, würde ſich ein großes Ver=
dienſt
erwerben, wenn ſie an dieſem Knotenpunkt des
Verkehrs eine abſolut richtig gehende elektriſche Uhr, z. B.
auf dem Verkehrshäuschen, anbrächte oder die Uhr auf
dem Weißen Turm entſprechend umgeſtaltete. Die hier=
für
zuſtändige Stelle es iſt ja wohl das Hofmarſchall=
amt
würde wohl kaum etwas dagegen habeg.

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Seite 16.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

Nummer 37.

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M 37.,

Donnerstag, 13. Februar.

1913.

Zweite Kammer der Stände.

46. Sitzung.
St. Darmſtadt, 12. Februar.
Am Regierungstiſche: Staatsminiſter v. Ewald
Exz., Finanzminiſter Braun Exz., Miniſter des Innern
v. Hombergk zu Vach Exz., Geheimerat Dr. Becker,
Miniſterialräte Hölzinger, Dr. Kratz, Geh. Ober=
finanzrat
Dr. Rohde, Legationsrat Dr. Neidhart.
Präſident Köhler eröffnet die Sitzung um 9¼ Uhr.
Auf der Tagesordnung ſteht als einzige Poſition die Re=
gierungsvorlage
,
den Hauptvoranſchlag
der Staats=Einnahmen und=Ausgaben für das Etats=
jahr
1913 betreffend.
Präſident Köhler
ſpricht vor Eintritt in die Tagesordnung dem Finanz=
ausſchuß
Anerkennung und Dank dafür aus, daß er ſo
raſch gearbeitet hat, daß es ſchon heute möglich iſt, den
Hauptvoranſchlag zu beraten. Er macht weiter darauf
aufmerkſam, daß die Zeit zur Beratung im Plenum kurz
bemeſſen iſt, da bis Anfang März die Beratung beendet
ſein muß, um der Erſten Kammer Zeit zu laſſen zu ihrer
Beratung und um eventl. Rückäußerungen zu erledigen.
Bis Mitte März muß die ganze Voranſchlagsberatung
erledigt ſein, wenn man nicht noch in der Karwoche oder
gar in der Oſterwoche tagen will. Die Geſchäftslage iſt
alſo durch das frühe Fallen des Oſterfeſtes durchaus
dringlich. Ich darf auch ſchon aus dieſem Grunde den
Wunſch ausſprechen, daß die Beſoldungsvorlage
tunlichſt aus den Beratungen des Voranſchlags ausge=
ſchaltet
wird. Es kommt ja darüber auch eine beſondere
Vorlage. Bei der Vorberatung der Vorlage im vorigen
Jahre haben wir ja bekanntlich ſo wenig günſtige Er=
fahrungen
gemacht, daß dieſe kaum zu Wiederholung An=
laß
geben. Jedenfalls bitte ich dringend, Einzelheiten
der Beſoldungsvorlage nicht zu berühren, da ſonſt ufer=
loſe
Debatten zu befürchten ſind und die Fertigſtellung
des Hauptvoranſchlags ernſtlich gefährdet wird.
In der Generaldebatte ergreift als erſter Redner
Abg. Dr. Oſann
das Wort, der ſich über die allgemeine wirtſchaftliche Lage
des Landes ungefähr wie folgt verbreitete: Der Voran=
ſchlag
1913 zeigt ein freundliches Geſicht, noch viel freund=
llicher
, als ſeine Vorgänger 1912 und 1911, ein ganz an=
deres
als das trübe, peſſimiſtiſche und verzweifelte Ge=
fſicht
von 1910. Die damals anſcheinend erſchöpften
cheſſiſchen Finanzen, die nach Anſicht der Regierung nur
idurch eine überaus ſtarke Steuererhöhung über Waſſer
gehalten werden konnten, haben ſich erfreulicherweiſe an=
ders
entwickelt, trotzdem die geplante Steuererhöhung
aauf die Hälfte herabgedrückt wurde. Heute können wir für
1910 einen
Ueberſchuß
verzeichnen von 2060079 Mk., für 1911 von 3 906 976 Mk.,
für 1912 von 2 653858 Mk., welch letztere Summe ſich noch

m e
für 1913 hat man einen Ueberſchuß in Ausſicht genommen
von 2071947 Mk. Die Ueberſchüſſe 19101912 ſind
in dem anſehnlichen Reſtefonds geſammelt in einem Be=
ſtand
Ende 1912 von 8620915 Mk. Der Ausgleichs= und
Tilgungsfonds, der nach dem Tilgungsgeſetz vom 17.
Juli 1912 erſtmalig in Erſcheinung tritt, in welchen aber
die Beſtände des alten Ausgleichfonds übergeführt ſind,
weiſt eine ähnliche erfreuliche Geſtaltung auf. Ende 1912
ſteht er auf 5707796 Mk. und Ende 1913, nachdem ihm
nach den Vorſchriften des Tilgungsgeſetzes bereits 2 Mil=
lionen
für die allgemeinen Staatsausgaben entnommen
ſind, auf 7767257 Mk. Und auch hier wird der wirkliche
Abſchluß des Jahres 1912 noch eine erhöhte Einnahme
aus den Eiſenbahnen bringen. Es hat alſo aller Voraus=
ſicht
nach der Ausgleichs= und Tilgungsfonds ſeinen Be=
ſtand
von 8 Millionen bereits im Laufe des Jahres 1913
erreicht. Wodurch dieſe überraſchende Geſtaltung ſeit
1910? Im weſentlichen durch die Ueberſchüſſe der Steuer=
erhöhung
dieſes Jahres, die uns 1910 2 729018 Mk. 1911.
2790707 Mk. brachte und 1912 und 1913 in mindeſtens
gleicher Höhe zu erwarten iſt. Welche neuen Ausgaben
ſtehen dem gegenüber? Hauptſächlich die Koſten der Er=
höhung
der Gehälter der Beamten, Lehrer uſw., die im
Jahre 1912 2 469600 Mk. erforderten, welcher Betrag mit
1708 530 Mk. aus dem Reſtefonds gedeckt wurde. Auch
für die folgenden Jahre ſind erhebliche Beträge für
Beamtenbeſoldungen uſw. vorzuſehen. So wirkte die
Steuererhöhung. Die Füllung des Ausgleichs= und Tilg=
ungsfonds
beſorgen die Eiſenbahneinnahmen; von der
Regierung werden ſie in ihrer Vorlage vom 7. Dezember
1912 auf jährlich etwa 3 Millionen angenommen. Dies iſt
ein allgemeiner Ueberblick über den diesmaligen, ſo gün=
ſtigen
Hauptvoranſchlag. Er folgt dem Bild der wirt=
ſchaftlichen
Entwickelung Deutſchlands und unſeres Lan=
des
. Wir ſind in der
Zeit der Hochkonjunktur,
haben 1912 in der Landwirtſchaft eine befriedigende Ernte
gehabt, die Handelskammern berichten von einer im an=
gemeinen
ſehr günſtigen Beſchäftigung in Induſtrie und
Handel. Offenbach berichtet von einem ſehr günſtigen
Geſchäftsjahr in ſeinem Hauptproduktionszweig, der Her=
ſtellung
feiner Lederwaren, von einem ſehr guten Aus=
landsgeſchäft
, von äußerſter Anſpannung der Produktion
und damit voller Beſchäftigung der Arbeiterſchaft. In
Darmſtadt wird ebenfalls ſeitens der Handelskammer
der wirtſchaftliche Aufſchwung und Hochkonjunktur in
einer Anzahl der bedeutendſten Gewerbezweige konſta=
tiert
. Dabei ſei die wenig günſtige Lage des kaufmänni=
ſchen
Mittelſtandes und des Baugewerbes doch erwähnt,
die eine ganze Reihe mit ihm zuſammenhängender Ge=
ſchäfte
, wie Ziegeleien, Holzhandlungen uſw., in Mitlei=
denſchaft
gezogen hat. Aber im allgemeinen darf dem
Wirtſchaftsjahr 1912 ein günſtiges Zeugnis gegeben wer=
den
. Wir haben in unſeren
Eiſenbahneinnahmen
einen Anhalt für die wirtſchaftliche Lage, und wir ſehen
aus dem Verlauf der Jahre ſeit 1908, dem Jahre des

piößlichen Niederganges, eine ſtarte ſelige Auſwärtsent=
wickelung
: 1907 noch eine Rein einnahme von 2.759311
Mark, 1908 nur eine Einnahme von 9404 Mk., 1909 aber
ſchon eine ſolche von 2574 269 Mk., 1910 von 4330849
Mark, 1911 von 6337742 Mk. Das fortwährende Steigen
der Eiſenbahneinnahmen ſeit 1897 iſt nur in wenigen
Jahren durch ein Sinken unterbrochen, ſo in dem Jahre
1901/02 und 1902/03; im allgemeinen iſt eine ſtete Auf=
wärtsbewegung
zu verzeichnen. Auf dieſe aufſteigende
Kurve kann auch das Jahr 1908 mit ſeinem völligen Ver=
ſagen
einen entſcheidenden Einfluß nicht ausüben, denn
1909 iſt beinahe der Stand von 1907 wieder erreicht. Wir
ichließen aus der Geſtaltung der Eiſenbahneinnahmen,
daß wir im allgemeinen uns auf einer anſteigenden Bahn
wirtſchaftlichen Lebens befinden, und haben auch für die
nächſte Zukunft die Befürchtung von erheblichen, länger
dauernden Rückſchlägen nicht.
Ein weiteres Barometer für unſere wirtſchaftlichen
Verhältniſſe bildet die Entwickelung der
direkten Steuern.
Das Jahr 1912 hat nach den Mitteilungen der Zentral=
ſtelle
für die Landesſtatiſtik vom September 1912 uns an
Einkommenſteuer gebracht 14098 108 Mk., ein Mehr gegen=
über
dem Vorjahr 1911 von 578 986 Mk. Die einzelnen
Provinzen unſeres Landes liefern an Einkommenſteuer:
Starkenburg 6 539 581,29 Mk., Oberheſſen 2596 750,50) Mk.,
Rheinheſſen 4961 776,39 Mk., zuſammen 14098 108,18 Mk.
Die Städte lieferten 1912 folgende Einkommenſteuern:
Mainz 2 299 789 Mk., Darmſtadt 1879 432 Mk., Offenbach
1696 966 Mk. Einen Rückgang gegenüber 1911 hat nur
das Finanzamt Seligenſtadt zu verzeichnen; alle übrigen
Finanzämter weiſen Zunahmen dem Vorjahr gegenüber
auf, am meiſten Offenbach, das 97946 Mk. mehr als 1911
bringt. Von den Städten weiſt Bingen einen Rückgang
im Ertrag von 2331 Mk. gegen 1911 auf; das Mehr von
Offenbach mit 97946 Mk. habe ich eben erwähnt, dann
kommt Mainz mit einem höheren Ergebnis von 54571
Mark, dann Darmſtadt mit 40 500 Mk. Die Vermögens=
ſteuer
iſt für 1912 veranlagt auf 4 458 494 Mk.; dies ent=
ſpricht
einem ſteuerbaren Vermögen in dem ganzen Groß=
herzogtum
von 4693 152000 Mk. Die Vermögensſteuer
hat ſich gegen 1912 geſteigert um 51900 Mk., was einer
Vermögenszunahme von 54 632000 Mk. entſpricht. Die
beiden Provinzen Starkenburg und Oberheſſen hringen
an Vermögensſteuer gegenüber 1912 mehr auf 54566
Mark, während Rheinheſſen, und zwar die Finanzämter
Mainz I und II, eine Abnahme von 2 665,50 Mk. zu ver=
zeichnen
hat. Dies rührt vermutlich daher, daß ein ſeit=
her
als offene Handelsgeſellſchaft betriebenes induſtriel=
les
Unternehmen, deſſen Inhaber außerhalb Heſſens woh=
nen
, in eine Geſellſchaft mit beſchränkter Haftung umge=
wandelt
wurde; darauf kann das darin arbeitende Ver=
mögen
nicht mehr zur Vermögensſteuer in Heſſen heran=
gezogen
werden.
Darmſtadt iſt die reichſte Stadt
des Landes mit einem veranlagten ſteuerbaren Vermögen
von 598 682000 Mk., und zahlt 568 747 Mk. Vermögens=
ſteuer
, dann kommt Mainz mit einem Vermögen von

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Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar
Seite 18.

1913.

Nummer 37.

(5 600 Mak, und zahlt trwodes Mk. Vermögensſtenert
Offenbach zahlt 306 297 Mk. Aus Einkommen= und Ver=
mögensſteuer
, wie ſie für 1912 durch die Hauptveranlagung
feſtgeſetzt ſind, erhält der Staat aus der Provinz Starken=
burg
8 352 271 Mk., aus der Provinz Oberheſſen 3 708 753
Mark und aus der Provinz Rheinheſſen 6 485577 Mk., in
Summa 18 556 601 Mk.
Auch dieſe Entwickelung der direkten Steuern beweiſt
ein ſtetiges Anwachſen und gibt damit eine Gewähr, daß
die Entwickelung nach oben anhält. Die
Stempelſteuern
liefern bei uns einen erheblichen Betrag; ſie ſind 1913 ver=
anſchlagt
auf 4250000 Mk., und es iſt ein Plus gegen
1911 veranſchlagt von 370000 Mk., in welchem Betrage
185000 Mk. enthalten ſind, welche die Novelle zum Stem=
pelgeſetz
vom 17. Juli 1912 neu eingeführt hat. In den
Stempelauflagen gehört Heſſen in Deutſchland mit
zu den höchſt belaſteten Staaten. Die meiſten Stempel=
beträge
nimmt die Juſtizverwaltung ein, ſo im Durch=
ſchnitt
der Jahre 19091911 2 471020 Mk. Dieſe rühren
zum größten Teile aus dem Immobilienverkehr her und
belaſten dieſen in einer ganz außerordentlichen Weiſe.
Gerade bei Grundſtücksverkäufen werden die Stempel als
unerträglich und direkt das Baugeſchäft lähmend bezeich=
net
. Die Erhebungen, welche infolge des Antrages des
Abgeordneten Grünewald von der Regierung in Ausſicht
ſtehen, werden ja hier Aufklärung geben. Ich hege doch
lebhafte Zweifel, ob bei dem daniederliegenden Grund=
ſtücksverkehr
in den Städten bei der ſchlechten Bautätia=
keit
auf Grund des überaus eingeſchränkten Beſitzwechſels
die Stempel in den höher veranſchlagten Beträgen wirk=
lich
einkommen werden. Aus dieſer Sachlage ziehen wir
in der Nationalliberaken Partei zunächſt die Folge, daß
wir auch vom Jahre 1915 an aller Vorausſicht nach mit
einer
Steuererhöhung nicht zu rechnen
haben. Sie wiſſen, daß in dem Finanzplan, den die Re=
gierung
der Beſoldungsvorlage beigegeben hat, von 1915
ab eine Steuererhöhung von 5 Prozent auf die Einkom=
menſteuer
und 5 Pfg. auf 1000 Mark Vermögen mit einem
Ergebniſſe von 863 060 Mk. vorgeſehen iſt. Dieſe Steuer=
erhöhung
hintanzuhalten, gibt unſere Finanzlage allen
Grund. Allein, weiter zu gehen und jetzt ſchon eine
Steuerermäßigung, einen Abbau der Steuererhöh=
ung
von 1910 vorzuſehen, halten wir für nicht an=
gebracht
. Zunächſt müſſen wir doch genau ſehen, wie ſich
das finanzielle Ergebnis der Beſoldungsvorlage geſtaltet
und wie ſich das Bild unſeres Hauptvoranſchlags darſtellt,
wenn die Gehaltserhöhung der Beamten, Lehrer uſw. in
den Voranſchlag hineingearbeitet iſt. Es wird ſich auch
fragen, ob nicht gerade durch den Hinweis des Ausſchuſ=
ſes
der Erſten Kammer auf Abbau der Steuern, worans
auf Vorhandenſein von Mitteln geſchloſſen wird, das
Verlangen geſtellt wird, die Beſoldungen einiger Beam=
tenkategorien
beſſer zu geſtalten die akademiſch gebil=
deten
Lokalbeamten ſind ja gerade wegen der damaligen
Unzulänglichkeit der Mittel von der Regierung in ihren
Bezügen beſchränkt worden, und die Erſte Kammer hat
dieſe Zurückſtellung beſonders bedauert , die Anſtel=
lungsverhältniſſe
der Schreibgehilfen zu ändern, als es
die Regierung im diesjährigen Etat vorſchlägt die
drückendſten Stempel zu ermäßigen. Aber auch die Frage
der Erhöhung des ſteuerfreien Minimums muß dann ge=
löſt
werden, wenn wir an den Abbau der Steuer heran=
treten
. In der Zweiten Kammer iſt von meinem Freunde
Reinhart, aber auch in der Erſten Kammer iſt wiederholt
die Forderung ausgeſprochen worden, die erſten drei Ein=
kommenſteuerklaſſen
, alſo die Pflichtigen bis zu 900 M., oder
doch zunächſt die unterſte und dann im Laufe der Zeit die
beiden anderen unterſten Steuerſtufen, von der Steuer=
pflicht
freizugeben. Ich darf hier einſchalten, daß im
Jahre 1912 in drei unterſten Steuerklaſſen, bis 900 Mark
Einkommen, 144432 Perſonen ſich befinden, die 1037128
Mark Steuern aufbringen. Alle dieſe Fragen werden zu=
tage
treten, wenn die Entſcheidung über den Abbau der
Steuern wirklich akut wird. Ich glaube, wir brauchen
auch darüber Entſcheidung jetzt noch nicht zu faſſen, öb
nach Erreichung des geſetzlichen Höchſtſtandes des Aus=
gleichs
= und Tilgungsfonds mit acht Millionen, den Vor=
ſchlägen
der Erſten Kammer entſprechend der Ueberſchuß
in einem
Steuerregulierung sfonds
angeſammelt werden ſoll. Zunächſt hat der Ausgleichs=
und Tilgungsfonds Ende 1912 einen Beſtand von 5,7 Mil=
lionen
und iſt Ende 1913 auf 7,7 Millionen veranſchlagt;

wahrſcheinlich wird er durch höhere Eiſenbahneinahmen,
als veranſchlagt, Ende 1913 auf 8 Millionen Mk. kommen.
Allein welchen Ueberſchuß und nur der Ueberſchuß über
acht Millionen kann nach dem übereinſtimmenden Beſchluß
der geſetzgebenden Faktoren verwendet werden ſich für
1914 ergeben wird, das braucht heute noch nicht unſere
Sorge zu ſein, ebenſowenig, wie dieſer etwa ſich ergebende
Ueberſchuß verwendet wird. Wie aber geſtalten ſich die
Dinge, wenn etwa das Reich ſeine Hand auf Einnahmen
der Bundesſtaaten legt und dann in dieſen für den ent=
ſtehenden
Ausfall Erſatz geſchaffen werden muß? Im
Reiche ſteht doch eine Heeresvorlage mit einem
Koſtenaufwand von etwa 100120 Mill. in Ausſicht; die
Vorlage wird und muß die Zuſtimmung des
Reichstags finden (Beifall), denn die bürgerlichen
Parteien werdengſich ihrer Pflicht, für die Landesvertei=
digung
und Wehkkraft Deutſchlands einzutreten, nicht ent=
ziehen
. Die Deckungsfrage wird weit ſchwieriger zu löſen
ſein. Durch dieſe finanziellen
Schwierigkeiten im Reiche
können ſehr wohl die Bundesſtaaten, alſo auch wir, in
Mitleidenſchaft gezogen werden. Die Löſung der Beſitz=
ſteuerfrage
im Reich iſt noch nicht gefunden. Neuerdings
wird von einem angeſehenen Politiker, dem früheren
Reichstagspräſidenten Grafen v. Schwerin=Löwitz, der
Vorſchlag gemacht, die bisher den Einzelſtaaten zuflie=
ßende
Stempelſteuer dem Reich zu überlaſſen, dagegen
die Wertzuwachsſteuer den Gemeinden und die Erbſchafts=
ſteuer
den Bundesſtaaten zuzuweiſen. Man rechnet bei
ſolchen Vorſchlägen mit einer neuen Einnahmequelle des
Reiches von 90120 Millionen. Ich will die Frage, ob
die Stempelſteuer eine allgemeine Beſitzſteuer iſt, hier nicht
erörtern. Aber in unſerem, dem heſſiſchen, finanziellen
Intereſſe liegt es, zu wiſſen, welche Stempelſteuern etwa
dem Reiche zugewieſen werden ſollen. Wir in Heſſen neh=
men
aus Stempel, wie ſchon erwähnt, 4 250000 Mark ein.
Würden dieſe uns ganz genommen, wie kann da Erſatz
in der Erbſchaftsſteuer, die uns überwieſen werden ſoll.
gegeben werden?
Noch eine Frage ſei aber hier angeſchloſſen, die das
finanzielle Verhältnis von Reich und
Bundesſtaaten berührt. Wie bekannt, iſt der Satz
von 80 Pfg. auf den Kopf der Bevölkerung als Matriku=
larbeitrag
, alſo Leiſtung der Einzelſtaaten zu dem Reichs=
haushalt
, geſetzlich nicht feſtgelegt worden; wohl aber
durch eine Vereinbarung ſeither eingehalten. Die Friſt
dieſer Vereinbarung läuft bis zum 1. April 1914. Es
würde im Intereſſe der Sicherheit der Etatsaufſtellung in
den Einzelſtaaten von größtem Werte ſein, wenn die Ein=
zelſtaaten
auch fernerhin mit feſten Leiſtungen an das
Reich zu rechnen hätten. Man ſpricht von einer geſetz=
lichen
Feſtlegung der Matrikularbeiträge durch Reichstags=
geſetzgebung
. Mir ſcheint eine ſolche den Grund=
ſätzen
der Reichsverfaſſung zu widerſprechen, denn im
Falle des Mangels an Deckungsmitteln im Reichshaushalt
müſſen die Bundesſtaaten eintreten, und es würde eine
Verfaſſungsänderung nötig werden wollte man hier eine
geſetzliche Begrenzung der Matrikularbeiträge be=
ſtimmen
. Aber gegen eine Normierung derſelben auf
einige Zeit läßt ſich auch vom Standpunkte der Reichsver=
faſſung
nichts ſagen; jedenfalls war eine ſolche ſeit 1909
für die Voranſchläge der Bundesſtaaten ſehr zuträglich.
Dieſe etwaigen Anforderungen des Reiches, die Geſtalt=
ung
der Matrikularbeiträge zu erörtern, war nötig, um
den Vorſchlag des Finanzausſchuſſes der Erſten Kammer,
zu beurteilen. So verlockend der
Gedanke des Steuerabbaues
iſt, und ſo wünſchenswert angeſichts der großen Belaſtung
mit direkten Steuern ein Abbau wäre, ſo können wir ihm
erſt dann näher treten, wenn ſich die finanziellen Anfor=
derungen
in Heſſen ſelbſt geklärt haben, auch die Mehr=
ausgaben
im Reiche feſtſtehen. Die Fortdauer der wirt=
ſchaftlichen
Entwickelung Deutſchlands gibt uns die be=
gründete
Ausſicht, daß die Eiſenbahneinnahmen
ſich aufſteigend entwickeln werden. Aber die Er=
lebniſſe
mit unſeren Finanzen in den letzten Jahren
ich erinnere an den Niedergang unſerer Eiſenbahneinnah=
men
in 1908, an die von der Regierung überaus trübe
geſchilderten Verhältniſſe in 1910 mahnen zur Vorſicht.
Wir wollen keine Hoffnungen gerade bezüglich des Steuer=
erlaſſes
erwecken, wenn wir nicht volle Ausſicht haben,
die Hoffnung auch zu verwirklichen. Wir dürfen aber jetzt
ſchon beſtimmt in Ausſicht nehmen, daß 1915 die Steuer=
erhöhung
unterbleibt, und daß wir die Beamtenbeſolbun=
gen
ohne jede Steuererhöhung durchführen können. Ge=

rade den letzten Punt Beamtenbeſoldung ohne Stener=,
erhöhung werden wir im Intereſſe der ſteuerzahlenden
Bevölkerung, aber auch der Beamten, auf das lebhafteſte
begrüßen. Gerade den letzteren muß daran gelegen ſein,
wenn die Beſoldungserhöhung ohne neue Steuerbelaſt=
ung
durchgeführt wird, Dies unſere Stellung zu dem
Expoſé der Erſten Kammer. Wir ſehen in ihm auch einen
kräftigen Gegenzug gegen die von der Regierung in dem
Beamtenbeſoldungsgeſetz in Ausſicht genommene Steuer=
erhöhung
.

Keine Steuererhöhung,
abbau!

ſagt die Erſte Kammer. Dieſer Gegenzug iſt verſtändlich,
weil die Regierung in ihrem Finanzplan zu der Beſold=
ungsvorlage
vom 7. Dezember 1912 zu wenig Rückſicht
auf die günſtige Entwickelung der Finanzen in den Jah=
ren
1911 und 1912 genommen hat. In dem Deckungsplan
vom 30. März 1912 war der Reſtefonds 1911 auf 5 270000
Mark berechnet und eine Steuererhöhung mit Rückſicht auf
deſſen Erſchöpfung in etwa 1916 in Ausſicht geſtellt. Nach
der neuen Beſoldungsvorlage vom 7. Dezember 1912 be=
trug
aber der Reſtefonds Ende 1911 5967000 Mk., alſo
ſchon für 1911 etwa 700000 Mark mehr, und Ende 1912
ſtellt er ſich nach dem Finanzplan auf 8620000 Mk., in
Wirklichkeit aber noch höher. Dieſe Entwickelung hätte
nach unſerer Anſicht die Regierung von ihrem alten Vor=
ſchlag
, in 1914 ſei eine Steuererhöhung nötig, abbringen
ſollen. Wir können, wenn wir auch der Anſammlung von
Reſervefonds nicht widerſtreben, eine übermäßige An=
ſammlung
von Mitteln zum Nachteil der jetzigen Steuer=
zahler
und zum Vorteil künftiger Steuerzahler nicht bil=
ligen
. Auch kann in einem weiteren Punkt der Erſten
Kammer durchaus beigeſtimmt werden: Die Regierung
ſagt in der neuen Beſoldungsvorlage vom 7. Dezember
1912, daß die Ueberſchüſſe der Jahre 1912 und 1913 ſo hoch
ſeien, daß ein Zurückhalten in den laufenden Ausgaben
ſtattgefunden habe, wie es wohl auf die Dauer nicht gut
weitergeführt werden kann. Demgegenüber möchte auch
meine Partei betont wiſſen, daß wir allerdings von der
Regierung auch weiterhin größte Zurückhaltung
in den Staatsausgaben verlangen; wir erachten
auch die Vereinfachung der Staatsverwaltung noch lange
nicht für abgeſchloſſen und werden bei den Budgetberatun=
gen
auch ſpäterhin unſere ganze Aufmerkſamkeit auf wei=
tere
Vereinfachung der Staatsverwaltung richten. Zudem
haben ſich über die Art der Verwendung des Ueberſchuſſes
über die acht Millionen des Ausgleich=Tilgungsfonds
noch andere Meinungen im Ausſchuß gebildet. Wir hal=
ten
eine weitere Schuldentilgung, als die in dem Geſetz=
vom
17. Juli 1912, nicht für erforderlich.
Unſer Schuldentilgungsgeſetz hat übrigens Anerkenn=
ung
von Kirchhoff erfahren; er ſpricht ſich dahin aus:
Uebrigens ſcheint mir jetzt in Heſſen für die Frage der
Abtragung von Eiſenbahnanleihen der richtige Weg ge=
funden
zu ſein. Nach der daſelbſt im Sommer 1912 ge=
troffenen
geſetzlichen Regelung ſoll die Tilgung nicht durch
Steuererhöhung bewirkt werden, vielmehr die Tilgung
unterbleiben, ſoweit ſie nicht aus den Reineinnahmen der
Eiſenbahnen gedeckt werden kann. Da es ſich bei der Til=
gung
nur um eine Vermögensvermehrung handelt, erachte
ich ihre Sicherung für den Fall, daß die Mittel dafür feh=
len
, für richtig. Dieſer Grundſatz empfiehlt ſich zur Nach=
ahmung
.
Sehr ausführlich verbreitet ſich der Redner dann über
die Eiſenbahnverhältniſſe und die Broſchüre Kirchhoffs.
Er fährt dann fort: Bei Behandlung der Eiſenbahnfragen
darf ich ſchließlich an Herrn Finanzminiſter die Anfrage
richten, wie er ſeine programmatiſche Erklärung vom 17.
Dezember 1912 bezüglich
neuer Bahnen
in die Wirklichkeit umzuformen gedenkt. Er ſagte da: Es=
genügt
auf die Dauer nicht, die Wünſche der Bevölkerung
nach neuen Bahnen nur abzulehnen; vielmehr wird zu
prüfen ſein, ob und inwieweit ihnen nach dem heutigen
Stand der Technik nicht auf einem für die Beteiligten, ein=
ſchließlich
des Staates, weniger koſtſpieligen Wege als
dem des Eiſenbahnbaues, durch elektriſche Bahnen oder
gleisloſe Linien, oder durch Kraftwagenverkehr für Per=
ſonen
und Güter, entſprochen werden kann. Vorausſetz=
ungen
, Art und Umfang ſolcher Hilfen müßten hierbei
aber allgemein durch ein Normativgeſetz, ähnlich wie
für unſere Nebenbahnen, geregelt werden.?
Wir ſehen hier eingehenden Vorſchlägen entgegen
und werden uns freuen, wenn es gelingt, durch nicht ſo
koſtſpielige Verbindungen, wie es die Eiſenbahnen ſind,
Anſchlüſſe insbeſondere ſolcher Orte, die dem Verkehr

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[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

noch nicht erſchloſſen ſind, herzuſtellen. Aber die Regier=
ung
möge dabei von der energiſchen Vertretung unſerer
Intereſſen hinſichtlich der Eiſenbahnen bei dem preußiſchen
Miniſterium nicht abſehen; insbeſondere, wenn es ſich um
oft und dringlich ausgeſprochene Forderungen, wie die
Herſtellung direkten Verkehrs zwiſchen Mainz und dem
Rheingau, oder Linien von größerer Bedeutung, wie die
Verbindung von Reichelsheim nach Fürth i. O. handelt.
Darf ich bei der Erwähnung des Odenwaldes eine Frage
anknüpfen, die einen Teil des Odenwaldes in ſchlimmſter
Weiſe betroffen hat:
Der Zuſammenbruch der Kaſſe in Nieder=
Modau.
Ich frage hier bei der Regierung an, welche Schritte ſie
getan hat, um dort einzugreifen und wie ſie ſich zu der
Notlage dort ſtellt?
Weiter beſpricht Redner das neue Gemeindeſteuer=
geſetz
, die Warenhaus= und Filialſteuer uſw. Er fährt
dann fort: Darf ich zum Schluß noch ein Thema beſpre=
chen
, das den Finanzausſchuß in den letzten Jahren wie=
derholt
beſchäftigt und zu einem gewiſſen Abſchluß in dem
zu Kapitel 6 geſtellten Antrag über den
Domänenakquiſitionsfonds
geführt hat. Der Antrag geht dahin, daß das Vermögen
des Großh. Haus= und Familieneigentums in Staats=
eigentum
übergeführt und hiermit ein verfaſſungsmäßiges
Mitwirkungsrecht der Landſtände bei An= und Verkauf
bei Grundeigentum durch die Staatsverwaltung gewähr=
leiſtet
wird. Meine Partei möchte den Nachdruck auf den
letzten Satz des Antrages legen. Ich darf eine kurze hiſto=
riſche
Darſtellung der Entwickekung des Domänenakqui=
ſitionsfonds
geben: Vor der Verfaſſung gehörte das
öffentliche Vermögen, das heißt dasjenige Vermögen, deſ=
ſen
Einkünfte zur Befriedigung der Staatsbedürfniſſe be=
ſtimmt
war, zum Teil dem Staate (Landesgut), zum
Teil dem Landesherrn (Kammergut). In der Ver=
faſſung
wurde dann beſtimmt, daß 1. ein Drittel der ſämt=
lichen
Domänen von dem Großherzog an den Staat abge=
geben
wurde, um mittels allmählichen Verkaufs zur
Schuldentilgung verwendet zu werden; 2. die übrigen
zwei Drittel ſollten das ſchuldenfreie unveräußerliche
Familieneigentum des Großherzoglichen Hauſes bilden;
3. die Einkünfte dieſes Familiengutes, über welche eine
beſondere Berechnung geführt wird, ſollten im Budget
aufgeführt und zu den Staatsausgaben verwendet wer=
den
; ohne Einwilligung der Stände darf nichts von dem
Familiengut verkauft oder verhypotiziert werden; 4. die
Zivilliſte iſt auf dieſe Einkünfte redigiert. Nach langen
Verhandlungen ſeit der Verfaſſung wurde die Ausſcheid=
ung
des Grundvermögens des Großherzoglichen Hauſes
von dem Staatseigentum beendet. und in dem Landtags=
abſchied
vom 11. Januar 1841 niedergelegt. In Artikel 25
dieſes Landtagsabſchiedes ſind die genauen Beſtimmun=
gen
über das ſchuldenfreie unveräußerliche Familien=
eigentum
des Großherzoglichen Hauſes getroffen und in
der Anlage zu dem Landtagsabſchied die einzelnen Objekte
genau bezeichnet. Es haben ſich aber Schwierigkeiten her=
ausgeſtellt
: ohne ſtändiſche Mitwirkung werden ſeitens
der Regierung Ankäufe vorgenommen, Gebäude werden
aus dem Fonds gebaut, die Reparaturkoſten müſſen aber
aus dem Staatsfonds bezahlt werden. So ſind einige
ſehr opulente Oberförſter= oder Forſtwartswohnungen
aus dem Akquiſitionsfonds gebaut worden, Gelände für
die Weinbaudomänen wird angekauft, der prächtige Bau
des Verwaltungsgebäudes der Weinbaudomänen aus dem
Fonds beſtritten, ohne daß den Ständen irgend welche
Mitwirkung geſetzlich zuſteht. Es iſt ſicher, daß eine der=
artige
unkontrollierte Verwendung der Gelder von den
Ständen nicht angenehm empfunden wird. Die getrennte
Verwaltung von Staatsdomänen und dem Familieneigen=
tum
erfordert höhere Ausgaben. Gerade zur Klarſtellung
dieſer Verhältniſſe wollen wir zunächſt eine authentiſche
Denkſchrift über den Fonds von Großh. Regierung haben:
dann nach Klärung werden wir die Frage weiter prüfen,
ob wir eine Aenderung der jetzigen Verhältniſſe herbeizu=
führen
erſtreben. Das wird in einem Antrag der Natio=
nalliberalen
Fraktion vorher präziſiert werden. Wir ver=
kennen
dabei keineswegs die ſegensreiche Wirkſamkeit des
Domänenakquiſitionsfonds. Wir finden es auch durch=
aus
nötig, daß die Reaierung in der Handhabung des
Fonds eine gewiſſe Freiheit behalten muß. Oft iſt es
nötig, bei eine ſich bietenden Möglichkeit des Ankaufs
alsbald zuzugreifen, damit Gelände nicht in unrichtigen
Beſitz kommt. Uns ſind zahlreiche Fälle bekannt, in wel=
hen
die Regierung in dankenswerter Weiſe durch recht=
zeitige
Ankäufe Perſonen und ganze Gegenden vor großem
Schaden bewahrt hat. Viel Gelände iſt mit ihm erworben
und dann auch Gemeinden wieder zugeführt worden. Es
ſind aber auch Wünſche hervorgetreten, daß
der Staat Gelände nur dann kaufen möge, wenn die be=
treffende
Gemeinde ſelbſt nicht Anſpruch auf den Gelände=
kauf
erhebt und weiter, daß der Staat auch aufgekauftes
Gelände an die Gemeinde weiter veräußere. Auch der
Vorteil wurde erwähnt, daß bei richtigem Eingreifen der
Regierung die Güterſchlächterei aus Heſſen verbannt wer=
den
kann. Dieſe innere Koloniſation iſt geeignet, den für
unſer Land abſolut nötigen kleinen und mittle=
ren
Bauernſtand zu erhalten und in ſeiner
Ausbreitung zu ſtärken. Wir haben aber einen kräftigen
ſeßhaften, tüchtigen Bauernſtand abſolut nötig, um uns
von den Bezügen an Lebensmitteln aus dem Auslande
frei zu machen und zu halten. Wir haben intenſive inne
Koloniſation um ſo mehr nötig, als ſich durch die‟ Feſt=
ſtellungen
bei der Viehzählung vom 1. Dezember 1912 in
Heſſen ein Rückgang, insbeſondere an Rindvieh und an
Schweinen, herausgeſtellt hat, und zwar von 9 bezw. 12,7
Prozent. Ich will nicht näher auf die Frage eingehen,
ſie nur konſtatiert haben. Denn gerade die Verſorgung
unſeres Landes mit Getreide und Vieh aus eigener Kraft
muß die nächſte und vornehmſte Aufgabe unſerer einhei=
miſchen
Landwirte ſein.
Wir haben um ſo mehr auf dieſer Forderung zu be=
ſtehen
, als die Zeiten ernſte ſind und wir unbedingt Für=
ſorge
treffen müſſen, ſollte eine ſchwere Zeit über Deutſch=
land
hereinbrechen. Das Reich ſorgt für die Schlagfertig=
keit
der Nation in Wehr und Waffen, für die wirtſchaft=

liche Unabhängigkeit vom Auslande einzuſtehen, iſt Sache
der deutſchen Landwirte. In dieſen Tagen wendet ſich
der Blick zurück nach der Zeit, als vor 25 Jahren Bis=
marck
ſeine Rede zur Verabſchiedung der damaligen Wehr=
vorlage
hielt und die in den ſtolzen Worten gipfelte:
Wir Deutſcher Ifürchten Gott, ſonſt nichts
in der Welt!
Aehnlich iſt die Weltlage heute wie damals, nur noch
feſter haben ſich Deutſchlands Feinde vereinigt, noch mehr
hat Deutſchlands Emporkommen auf der wirtſchaftlichen
Bahn den Neid der anderen Nationen genährt, und der
Reibungsflächen ſind mehr vorhanden denn je. In ſolch
ernſten Zeiten heißt es, ſich zuſammen zu ſchließen, ver=
eint
einzuſtehen für unſer Volk und opferwillig mitzuhel=
fen
an dem weiteren Ausbau, an dem Emporſtreben und
Blühen des Reiches und damit auch unſeres Landes.
(Lebhafter anhaltender Beifall.)
Abg. Dr. Weber:
(ſchwer verſtändlich). Ich möchte zunächſt an die letzten
Ausführungen des Vorredners anknüpfen und meine
Meinung dahin äußern, daß ein Zuſammenhang beſteht
zwiſchen der trüben äußeren Politik und der inneren po=
litiſchen
Zerriſſenheit unſeres Landes, die dem Auslande
natürlich bekannt iſt. Dieſe innere Unzufriedenheit und
Zerriſſenheit iſt hinwiederum eine Folge der ſchlechten
Finanzlage, des Mangels an Unternehmungsluſt, der der
wirtſchaftlichen Depreſſion von 1908 gefolgt iſt. Um das
zu beſſern, bedarf es vor allem einer kraftvollen inneren
Finanzpolitik. Redner verbreitet ſich dann über die allge=
meine
Lage der Landwirtſchaft, der im Weſentlichen die
gute wirtſchaftliche Entwickelung der Gegenwart zu dan=
ken
iſt. Ein Beweis für die aufgeſtellte Behauptung, daß
eine Kräftigung der Landwirtſchaft ſtets die Vorbeding=
ung
für ein wirtſchaftliches Gedeihen des Landes iſt.
Sehr überzeugend ſpricht ſich darüber der Handelskammer=
bericht
einer großen weſtdeutſchen Stadt aus, den Red=
ner
verlieſt. Auch aus der Jubiläumsſchrift der Dresde=
ner
Bank gibt Redner intereſſante Statiſtiken, und aus
dem Bericht der Landwirtſchaftskammer über die Ent=
wickelung
der heſſiſchen Landwirtſchaft. Er fordert im An=
ſchluß
daran unbedingten Seuchenſchutz und Förderung der
Landwirtſchaft mit allen Mitteln. Der Feldbereinigung
pricht Redner vollſte Anerkennung aus. Sie habe einen
vollen Erfolg gebracht, der auch in der Bevölkerung immer
mehr erkannt und anerkannt wird. Nur bitte er, bei Be=
reinigungen
, wo Wald ꝛc. in Frage kommt, auch forſtliche
Sachverſtandige hinzuzuziehen, beſonders im Odenwald.
In der Förderung der Pferdezucht muß noch mehr ge=
chehen
. Von überall her kommen Wünſche bezüglich Auf=
ſtellung
von Deckhengſten. In der Frage der Schafzucht,
die weſentlich geſteigert werden müßte, hat die Landwirt=
ſchaftskammer
noch große Aufgaben zu erfüllen. Redner
wendet ſich dann finanziellen Fragen zu. Die
Landeshypothekenbank wird für die Landwirtſchaft erſt
dann wieder ſegensreich wirken, wenn der Zinsfuß auf
3½ Prozent herabgeſetzt wird. Zur Frage der Volksver=
ſicherung
bedauert Redner, daß der Anſtoß dazu wieder
von ſozialdemokratiſcher Seite kommt. Der Staat ſolle
die Sache in die Hand nehmen und er brauche keine Be=
denken
zu haben. Wie die Landeshypothekenbank ſich gut
entwickelt habe, werde das auch mit der Volksverſicherung
der Fall ſein. Doch ſolle der Staat ſich nicht mit einer großen
Verſicherungsgeſellſchaft feſtlegen, ſondern ſich lieber die
Hände frei halten. Die Gewährung der Mündelſicherheit
an Banken außerhalb Heſſens, die in ihrem eigenen Lande
keine Mündelſicherheit genießen, iſt zu beanſtanden. Zur
Domänenfrage ſtimmt Redner dem Abg. Dr. Oſann zu.
Die Frage der Zivilliſte iſt leider, aber unabänderlich ſtets
mit der Frage der Beamtenbeſoldung verknüpft, weil
8090 Prozent der Zivilliſte für die Beamtenbeſoldung
der Hofhaltung beſtimmt ſind. Wer eine Löſung dieſer
bedauerlichen Lage wünſcht, findet ſie. Zum Gemeinde=
umlagengeſetz
bittet Redner die Regierung, möglichſt
bald eine Zuſammenſtellung über die Wirkung des Ge=
ſetzes
vorzulegen. Die Doppelbeſteuerung der Landwirt=
ſchaft
, die ſich ergeben hat, müſſe baldigſt beſeitigt werden.
Das Gleiche iſt betreffs der noch beſtehenden Steuerprivi=
legien
, z. B. der Pfarrbeſoldungsgüter ꝛc. zu ſagen. Die Er=
höhung
der Einkommenſteuer bringt auch eine automatiſche
Erhöhung der Kirchenſteuer mit ſich. Im Baufach iſt auch
noch Vereinfachung der Verwaltung zu wünſchen. Was
die Frage der Steuerherabſetzung betrifft, ſo ſollte
man an dieſe Frage doch erſt herantreten, wenn die
Fondsbildungen erledigt ſind, auch die des neuen Steuer=
regulierungsfonds
. Weiter beſpricht Redner (auf der
Tribüne unverſtändlich) Eiſenbahnfragen, Automobilver=
kehr
ꝛc. Er ſchließt: Wer die deutſche Landwirtſchaft
zum Blühen bringt, erſchließt den Jungbrunnen der
Kräftigung des deutſchen Volkes. (Bravo.)
Miniſter des Innern von Hombergk zu Vach Exz.:
Der Herr Abg. Dr. Oſann hat in ſeiner Etatsrede an=
gefragt
, wie ſich die Großh. Regierung gegenüber dem
durch den Zuſammenbruch der Nieder= Mo=
dauer
Sparkaſſe veranlaßten Notſtand ſtellt und wie
ſie ſich eine Hilfsaktion denkt.
Da wir anerkennen, daß die beteiligten Kreiſe ein
hohes Intereſſe daran haben, über den Standpunkt der
Regierung unterrichtet zu ſein, wollen Sie mie geſtatten,
auf dieſe Frage ſchon jetzt, im Einverſtändnis mit Sr.
Exz, dem Herrn Finanzminiſter kurz zu erwidern. Die
Großh. Regierung hat nach der Ausſprache, die zu Folge
der Interpellation des Herrn Abg. Dr. Oſann im Auguſt
vorigen Jahres über die Angelegenheit im Finanzaus=
chuß
der Zweiten Kammer ſtattgefunden hat, die Ver=
handlungen
und insbeſondere die über eine durch die Ge=
noſſenſchaften
ſelbſt zu bringende Hilfe weiter mit Auf=
merkſamkeit
verfolgt.
Die Verhältniſſe der Konkursmaſſe haben ſich in=
zwiſchen
weſentlich geklärt und in Folge der Verſtändig=
ung
mit der Landwirtſchaftlichen Genoſſenſchaftsbank in
erfreulichem Maße gebeſſert. Man iſt in den Kreiſen
der Genoſſenſchaften neuerdings intenſiver der
Frage näher getreten, ob es ihnen nicht in Verbindung
mit dem Hilfskomitee, das ſich in dankenswerter Weiſe
der Sache angenommen hat, aus eigener Kraft
möglich ſein würde, die Verhältniſſe einer Geſundung ent=

gegenzuführen. Die Verhandlungen ſind, wie uns zuver=
läſſig
mitgeteilt wird, einem Abſchluß nahe.
Die Großh. Regierung hegt die zuverſichtliche Hoff=
nung
, daß es den Genoſſenſchaften gelingen wird getreu
dem alten genoſſenſchaftlichen Grundſatz Einigkeit macht
ſtark das ſchwere Unglück, das der Zuſammenbruch der
Nieder=Modauer Kaſſe über ſo viele tüchtige Familien
gebracht hat, nach Möglichkeit zu lindern.
Sie werden damit auch von neuem die alte Kraft
und Stärke des genoſſenſchaftlichen Gedankens beweiſen
und damit weiterarbeiten im Sinne ihres graßen Schöp=
fers
und Förderers, dem wir heute ſchmerzerfüllt die letzte
Ehre zu erweiſen, uns anſchicken.
Abg. Molthan
kann in vielen Fragen den Ausführungen des Abg. Dr.
Oſann zuſtimmen. Vor allem auch in der Anſicht über
die Beſſerung der Finanzlage, wozu beſonders auch die
Reichsfinanzreform beigetragen hat. Die Unglücks=
propheten
haben glücklicherweiſe doch nicht recht behalten.
(Widerſpruch links.) Zu hoffen bleibt, daß ſich endlich
auch die äußere Lage entſpannt. An der Haltung des
Zentrums zu den Militärvorlagen wird ſchon Kritik ge=
übt
, trotzdem man ſie noch gar nicht kennt. (Unruhe.)
Man ſoll ſie doch ruhig erſt abwarten. Das gleiche gilt
von den Deckungsfragen. Die Ueberlaſſung der Erbſchafts=
ſteuer
an die Einzelſtaaten ꝛc. iſt nicht zu befürworten.
Unſere heſſiſche Finanzlage war noch niemals ſo gut wie
heute, ſeit den Tagen da der Finanzminiſter Weber einſt
die bedeutungsvollen Worte ſprach Wic ſchwimmen im
Geld! Unſere Eiſenbahneinnahmen ſind das Barometer
für die auf= und abſteigende allgemeine Lage. Ich bin der
Ueberzeugung, daß die Eiſenbahneinnahmen auch weiter
ſteigen werden, und es war nicht berechtigt, daß ſeinerzeit
vom Regierungstiſche aus ſo trübe Ausſichten eröffnet
wurden. Die Regierung hat ſich zu dem ſeinerzeit einmütig
vom Hauſe geſtellten Antrag, Material zu einer even=
tuellen
Reviſion des Genzeinſchaftsvertrages vorzuberei=
ten
, noch nicht geäußert. Wir ſtehen noch auf dem Stand=
punkt
, daß die Verteilungsziffer heute nicht mehr haltbar,
ſondern veraltet iſt. Auch andere Fragen, beſonders unſer
Nebenbahngeſetz laſſen eine Reviſion des Vertrages für
dringend wünſchenswert erſcheinen. Ich erinnere nur an
die ſchon einmal hier vertretene Bahn Reichelsheim=
Fürth, die nach jahrzehntelangem Bemühen immer noch
nicht ermöglicht werden konnte. Die Frage der Reviſion
iſt aber nicht allein eine finanzielle, ſondern eine grund=
ſätzliche
, die man auch in der Zeit der Hochkonjunktur be=
treiben
kann und muß. Ich bitte alſo wiederholt und
dringend die Regierung, unſerem Antrage näher zu treten.
Mit dem Abg. Dr. Oſann bin ich gleicher Anſicht darüber,
daß unſere Schuldentilgung vorerſt genügt und
einer Erhöhung nicht bedarf. Wir halten an dem
Grundſatz feſt, daß die Schuldentilgung nicht zu
einer Steuererhöhung führen darf. Dafür hat
das Volk kein Verſtändnis, und es war einer der Haupt=
ehler
der Gnauthſchen Schuldentilgungspolitik, daß er
dazu eine erhebliche Steuererhöhung forderte. Die
Schwarzmalerei über unſere finanzielle Lage, die ſo weit
ging, daß ſie ein Sinken unſerer Staatspapiere im Ge=
folge
hatte, war in keiner Weiſe berechtigt. Zur Hebung
unſerer Staatspapiere ſollte man der Frage näher treten,
die Sparkaſſen und Verſicherungsgeſellſchaften geſetzlich zu
zwingen, einen Teil ihrer Reſerven in Heſſiſchen Staats=
papieren
anzulegen. Erfreulich iſt die Steigerung der
Einnahmen aus direkten Steuern. Dr. Oſann hat dar=
aus
auf eine Hebung des allgemeinen Wohlſtandes mit
Recht geſchloſſen. Von der Notwendigkeit eines kräftigen
Bauernſtandes, die Dr. Weber ſo ſehr betonte, ſind wir
überzeugt und haben das auch wiederholt bewieſen. Ich
kann aber den wirtſchaftlichen Aufſchwung nicht zuge=
ſtehen
bei einem mir beſonders naheſtehenden Zweig der
Landwirtſchaft, dem Winzerſtand. Das einzige gute Jahr
1911 konnte nicht alle die Fehlſchläge der vorangegange=
nen
Jahre wettmachen. Das Jahr 1912 ſchon hat wieder
ſehr viel geſchadet. Die denkbar beſten Ausſichten wur=
den
durch den naſſen Sommer upd dann durch die Fröſté
zur ſchweren Enttäuſchung. Man muß den Winzerſtand
bewundern, daß er trotz all der Fehlſchläge unentwegt am
Weinbau feſthält. Die Wohlhabenheit der rheinheſſiſchen
Bevölkerung iſt ſehr geſunken. Wiederholt möchte ich die
Regierung auf die Reblausgefahr hinweiſen und vor
allem um eine mildere Behandlung der Beſtimmungen
bitten, wenigſtens doch in dem Maße, als ſie Preußen
gewährt. Ein unerfreulicher Zuſtand iſt die Anſamm=
lung
der Kapitalkräfte in Einzelhänden (Warenhäuſer),
durch die viele kleinere ſelbſtändige Exiſtenzen aufgeſaugt
werden. Im Intereſſe eines ſteuerlichen Ausgleichs iſt
die Einführung der Warenhaus= und Filialſteuer er=
wünſcht
. Wer ſoll ſchließlich die Steuern aufbringen,
wenn der Mittelſtand verſchwindet. Der Zuſammenſchluß
der Beamten zu Konſumvereinen uſw. iſt zu beanſtanden.
Mit dem Worte Abbau der Steuern wollte die Erſte
Kammer uns wohl den Wind aus den Segeln nehmen.
An die Möglichkeit eines Abbaues glauben wir nicht. Be=
vor
man dieſer Frage näher tritt, iſt wohl zu erörtern, od
man nicht zu dem Grundſatze Preußens kommen könnte,
die Einkommen unter 900 Mark ſteuerfrei zu laſſen. Dand
aber müßte die Herabſetzung des Immobilienſtempels ins
Auge gefaßt werden. Die bisherige Erhöhung der Zivil=
liſte
war nicht ausreichend; doch muß dieſe Frage zurück=
geſtellt
werden bis zur Regelung der Beſoldungsordnung,
von der ſie nun einmal nicht zu trennen iſt. Ich ſtimme
mit Herrn Dr. Oſann auch darin überein, daß trotz der
günſtigen Finanzlage ein ſparſames Wirtſchaften unbe=
dingt
notwendig iſt und daß beſonders die Vereinfach=
ungskommiſſion
ihre Tätigkeit fortſetzen muß, wenn auch
ſchon 200000 Mark geſpart wurden. Die Lage der Schreib=
gehilfen
iſt derart, daß unbedingt etwas geſchehen muß,
wenigſtens im Sinne des Antrages des Finanzausſchuſ=
es
. Die Beſoldungsvorlage habe leider auch neue Här=
ten
gebracht. Die Haltung der Erſten Kammer, die nur
dann die Beſoldungsordnung beraten will, wenn die Re=
organiſation
der Baubehörden vorausgegangen, iſt un=
begreiflich
. Der Unterſchied zwiſchen den Staatsdomänen
und denen des Großherzoglichen Hauſes iſt nur ein fikti=
ver
, ſo daß leicht eine Gleichſtellung erfolgen kann. ( Bei=
fall
.)
Darauf wird die Sitzung geſchloſſen. Nächſte
Sitzung am Donnerstag 9 Uhr.

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Seite 20.

Darmſtädter Tagblatt, Donnerstag, den 13. Februar 1913.

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Donnerstag, den 13. Februar 1913.
120. Abonnem.=Vorſt. B 31.
Der Freiſchütz.
Romantiſche Oper in 3 Aufzügen
von Carl Maria von Weber.
Perſonen:
Ottokar, böhm.
Otto Semper
Fürſt
Kuno, fürſtlicher
Auguſt Kräger
Erbförſter . .
Agathe, ſ. Tochter G. Geyersbach
Aennchen, e. Ver=
. . Kathar. Jüttner
wandte .
Jäger= Karl Jahn
Max,
Kaſpar, burſchen AlfredStephani
Hede Schaub
Erſte
Zweite Braut= Luiſe Sturmfels
jungfer Johan. Kaſten
Dritte
Erika Hartmut
Vierte
L. Schützendorf
Ein Eremit.
Kilian, ein Bauer Carl Bernhardt
Emil Kroczak
Erſter
Zweiter Jäger . Adolf Klotz
Ludwig Indorf
Dritter
Samiel, d. ſchwarze
Guſtav Semler
Jäger

Nach d. 1. u. 2. Aufz. je läng. Pauſe.
Beurlaubt:
Käthe Meißner, Barb. Uttmann.
Gewöhnliche Preiſe:
Proſzeniumsloge 6.10 M., Mittel=
loge
6.10 M., Balkonloge 5.10 M.,
I. Rang 4.60 M., II. Rang: 1.6.
Reihe 2.60 M., 7. u. 8. Reihe 2.05 M.,
Sperrſitz: 1.13. Reihe 4.10 M.,
14.20. Reihe 3.30 M., Parterre:
1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Anf. 7½ U. Ende gegen 11 U.
Kartenvk. v. 9½ 1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Freitag, 14. Febr. 121. Ab.=Bſt.
D 30. Neu einſtudiert: Tai=
fun
. Kl. Preiſe. Anf. 7½ Uhr.
Samstag, 15. Febr. 122. Ab.=Vſt.
31. Auf Allerhöchſten
Befehl: Die fünf Frank=
furter‟
Gewöhnliche Preiſe.
Anfang 7½ Uhr.
Sonntag, 16. Febr. Nachmitt.
2½ Uhr: Zwanzigſte Volksvor=
ſtellung
zu ermäßigten Preiſen.
Charley’s Tante. Vor=
verkauf
bis einſchließlich Samstag,
15. Febr., nur im Verkehrsbüro
(Ernſt=Ludwigsplatz). Verkauf der
noch vorhandenen Karten an der
Tageskaſſe im Hoftheater am Tage
der Vorſtellung, vorm. von 11 Uhr
ab. Abends 7½ Uhr: Außer
Abonnement. Als Nachfeier von
Richard Wagners Todestag. Auf
Allerhöchſten Befehl. Neu
einſtudiert und neu inſzeniert:
Der fliegende Hollän=
der‟
. Der Holländer: Walter
Soomer, vom Kal. Hoftheater in
Dresden, a. G. Gewöhnl. Preiſe.