Darmstädter Tagblatt 1913


11. Februar 1913

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176. Jahrgang

monatl. 60 Pfg., viertelj. 1.80 Mk., aus=
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28
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kommt jeder Annoncenrabatt in Wegfall.
Organ für die Bekanntmachungen des Großh. Polizeiamts Darmſtadt, der Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes und der andern Behörden.
Das Amtsverkündigungsblatt des Großh. Kreisamts Darmſtadt wird Dienstags, Donnerstags und Samstags nach Bedarf beigefügt.

Die heutige Nummer hat 18 Seiten.

Das Wichtigſte vom Tage.

Die juriſtiſche Fakultät der Univerſität Gießen
ernannte Herrn Frhrn. von Heyl zu Herrnsheim
zum Dr. juris honoris causa.
Das Kaiſerpaar iſt mit der Prinzeſſin Viktoria Luiſe
und dem Prinzen Oskar geſtern vormittag in Karls=
ruhe
eingetroffen.
Einer Meldung aus Venedig zufolge werden Kaiſer
Wilhelm und König Viktor Emanuel dort
am 15. oder 16. Februar zuſammentreffen.
Die Verlobung des Prinzen Ernſt Auguſt
von Cumberland, Herzogs zu Braunſchweig und
Lüneburg, mit Prinzeſſin Viktoria Lniſe, der
Tochter des Kaiſerpaares, wird als beſchloſſene Tat=
ſache
bezeichnet.
Dem Reichstag ſoll, Blättermeldungen zufolge, noch
in dieſer Tagung der Entwurf eines neuen Spio=
nagegeſetzes
zugehen.
Bei der Hundertjahrfeier der Berliner
Univerſität hielt der Kaiſer eine Anſprache
an die Studentenſchaft.
n Mexiko iſt von neuem eine Revolution aus=
gebrochen
. Der Präſident Madero wurde gefangen ge=
nommen
. Der Herr der Lage iſt Dlaz. ein Neſſe des
Expräſidenten.
Letzte Nachrichten ſiehe Seite 7.

Zur inneren Lage.

Bei einer in ſozialer Hinſicht zwar bedeutungs=
bollen
, an ſich aber im Grunde genommen recht unpoliti=
ſchen
Frage iſt es am Freitag im Reichstage zu einer
Atseinanderſetzung der Rechten mit dem Staats=
kretär
Delbrück gekommen, die ſich als ein Spie=
allbild
der augenblicklichen innerpolitiſchen Verhältniſſe
Leeutſchlands darſtellt, und man kann an dieſer Debatte
erneswegs achtlos vorübergehen. Es liegt auf der Hand,
daß die Erklärung, die vor einiger Zeit Staatsſekretär
r. Delbrück in der Budgetkommiſſion des Reichstages
zum Wohnungsgeſetz gegeben hat, in den rechtsſtehenden
Kreiſen Preußens lebhafte Verſtimmung hervorgerufen
hat, die noch immer nachwirkt.
Obwohl Herr Delbrück es ſchon mehrmals zurückge=
weeſen
hat, daß er in eine innere preußiſche Angelegenheit
habe eingreifen wollen, wird an dieſer Darſtellung immer
wreder feſtgehalten, und ein Redner der Rechten erklärte
logar am Freitag, der Standpunkt Delbrücks laufe darauf
irtaus, daß Preußen unter der Aufſicht des Reiches ſtehen
nüſſe. Auch mit der Haltung des Staatsſekretärs auf ſo=
ſſialem
Gebiete, insbeſondere der Bekämpfung der Sozial=
Pennokratie, iſt man mit Herrn Delbrück nicht einverſtan=
ſert
, man verlangt beſondere Maßnahmen, während die
Regierung glaubt, ohne ſolche mit den vorhandenen Ge=
egesmitteln
vollſtändig auskommen und beiſpielsweiſe
uff generelles Verbot des Streikpoſtenſtehens verzichten
u können. Delbrück meinte, daß man der Sozialdemo=
rutie
am beſten den Boden abgraben könne, wenn man
ine gute ſoziale Politik treibe, eine Bemerkung, die einen
wiſchenfall mit der Reichspartei zur Folge hatte.
Der Vorgang zeigt wieder, welche Stimmung gegen=
ibeer
Herrn Delbrück herrſcht, und es fehlt denn auch
ſicht an Leuten, die ſeine Tage für gezählt erachten, ob=
veehl
der Staatsſekretär der augenblicklichen Mehrheit
ſes Reichstages durchaus ſympathiſch iſt. Die Verwal=
ſſumg
des Reichsamtes des Innern war von je ein höchſt
ndankbares Amt, deſſen Inhaber ſtets mit allerlei Strö=
lnungen
zu kämpfen hatten, ganz abgeſehen von der enor=
um
Amtslaſt, die dieſes mehr als umfangreiche Staats=
eirretariat
mit ſich bringt. Dieſem Schickſal ſcheint auch
berr Delbrück nicht entgehen zu ſollen, obwohl gerade er
Aine durchaus gemäßigte Politik vertritt. Von der Rech=
en
ertönte der Wunſch nach einem ſtarken Manne, der
verſtehe, dem Umſturz mit voller Entſchiedenheit ent=
egenzutreten
, und als einen ſolchen könne man Herrn
dellbrück nicht erachten. Der Staatsſekretär wies den
Vorrwurf, daß er vor der Sozialdemokratie eine Ver=
eugung
gemacht habe, zwar entrüſtet zurück, aber man
ſeht wohl in der Annahme nicht fehl, daß die ganze An=
elegenheit
mit der Reichstagsſitzung vom Freitag noch
lunge nicht ihren Abſchluß gefunden hat.

Die Miſſion des Prinzen
Hohenlohe in Petersburg.

* Das Neue Wiener Tagblatt ſtellt feſt, daß in den
Kommentaren der Preſſe des Auslandes über die Miſ=
ſion
des Prinzen Hohenlohe in Petersburg
im allgemeinen die Tendenz überwiegt, der Miſſion
hohe politiſche Bedeutung im Sinne der För=
derung
friedlicher Beſtrebungen zuzuſchreiben.
Dieſer Eindruck, heißt es weiter, welchen die Aeuße=
rungen
verſchiedener Bläter widerſpiegeln, wurde noch
verſtärkt durch den ſo freundſchaftlichen, herzlichen Emp=
fang
, welcher dem Prinzen ſowohl vom ruſſiſchen Hofe,
als auch von den ruſſiſchen Miniſtern bereitet wurde. Dies
wurde auch in der deutſchen und italieniſchen, ſowie teil=
weiſe
in der Pariſer Preſſe entſprechend gewürdigt Daß
es dabei gelegentlich in der Preſſe der Triple=Entente
auch nicht an gehäffigen Aeußerungen ſehlt, kann
nicht allzu ſehr Wunder nehmen; denn ſelbſt in den ernſte=
ſten
Situationen finden ſich Elemente, welche für die
Stimme der Vernunft unzugänglich ſind, und auch dann
ſich nicht überzeugen laſſen wollen, wenn ihre Behauptung
durch deutlich ſprechende Tatſachen entkräftet wird Das
Blatt wendet ſich in erſter Linie an diejenigen Ausländer,
welche aus den Blätterſtimmen Oeſterreich=Ungarns und
ſonſtigen Aeußerungen der öffentlichen Meinung in der
Monarchie um jeden Preis die Auffaſſung heraushören,
bezw. herausleſen, daß die ganze Bevölkerung Oeſterreich=
Ungarns von der Miſſion des Prinzen in erſter Linie und
ausſchließlich die Beſeitigung jener finanziellen und
wirtſchaftlichen Schwierigkeiten erwarte, welche
infolge des Balkankrieges entſtanden, alſo insbe=
ſondere
angeblich mit Beſtimmtheit hoffen, daß die mili=
täriſche
Maßregel, welche die Monarchie zu ihrem Schutz
getroffen hat, jetzt rückgäng ig gemacht wird. Das
Blatt verweiſt darauf. daß auch in anderen Ländern ſolche
wirtſchaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten ſich zei=
gen
, die aber von der Preſſe jener Länder weniger her=
vorgehoben
ſind. Insbeſondere die Entente=Preſſe macht
mit Vorliebe jene Erſcheinungen des öffentlichen Lebens
der Monarchie zum Gegenſtand ihrer Erörterungen,
woraus auf eine tatſächlich nicht vorhandene Schmäche
der Monarchie geſchloſſen werden könnte. Dieſes geſchah
auch bekanntlich bei der Miſſion des Prinzen Hohenlohe.
Jene Ausländer ſagt das Blatt, vergeſſen aber eins:
daß bei aller Erkenntnis der Schwierigkeiten der Wunſch
und das gebieteriſche Bedürfnis, aus dieſer Kriſe mit
Ehren hervorzugehen und eine ſolche Löſung zu finden.
welche den dauernden Ruhezuſtand verbürgt, noch viel
ſtärker ſind, als die ſofortige Beſeitigung, wenn auch die
drückenden wirtſchaftlichen Schwierigkeiten, deren Nach=
teile
in einem Lande, welches über ſo reiche Hilfsquellen,
wie Oeſterreich=Ungarn, verfügt, nach Beendigung der
Kriſe gewiß ohne allzu ſchwere dauernde Benachteiligung
beſeitigt werden können.
Jene Meldungen, welche das Gegenteil der Auf=
faſſung
ausſprechen und die Legende verbreiten, daß die
Monarchie ſich mit allem zufrieden gebe. falls nur die
militäriſche Vorbereitung und die damit verbundenin
Koſten wegfallen, können nur den einen Erfolg haben,
im Auslande ein falſches Bild von unſeren Verhält=
niſſen
zu ſchaffen; ſie verraten allzu dentlich den Wunſch
welcher leider in einem großen Teile der Entente=Preſſe
immer wieder lebendig wird uns als ſo ſchwach hin=
zuſtellen
, als ob wir allen unfreundlichen Abſichten unſerer
Gegner ſchutzlos preisgegeben ſeien. Auf dieſe Art wer=
den
im Auslande Hoffnungen auf Koſten unſeres An=
ſehens
erweckt. Das ſind aber Hoffnungen, die nicht er=
füllt
werden können, weil eben die wirkliche Stim=
mung
in der Bevölkerung und Oeffentlichkeit Oeſter=
reich
=Ungarns tatſöchlich eine viel beſſere iſt als
man glauben möchte. Das Blatt hält es für nützlich,
mit voller Deutlichkeit auf das Verfehlte ſolcher Ver=
ſuche
hinzuweiſen. Denn die Aktionen unſeres Staates,
welche von den beſten Abſichten und den edelſten Motiven
eingegeben ſind. müſſen ihre Wirkung verfehlen, wenn
man ihnen willkürliche Ziele unterſchiebt, die mit der
Würde und der Machtſtellung der Monarchie unverein=
bar
ſind.

Deutſches Reich.

Begegnung des Kaiſers mit dem
König von Italien. Wie in Venedig verlautet,
werden Kaiſer Wilhelm und König Viktor Emanuel am
15. oder 16. Februar in Venedig zuſammentreffen. Der Kai=
ſer
trifft über Ala ein und reiſt von Venedig unmittelbar
nach Korfu. Laut der Venediger Zeitung Adriadico iſt
der 15. Februar als Tag der Zuſammenkunft feſtgeſetzt.
Einbringung eines neuen Spio=
nagegeſetzes
. Zuletzt verlautete, daß beabſichtigt ſei,
von einer Umarbeitung des geltenden Militär= Spionage=
geſetzes
vom 3. Juli 1893 abzuſehen und entſprechende
Abänderungen und Ausgeſtaltungen der Paragraphen des
neuen Strafgeſetzbuches, die auf dieſe Fragen Bezug
haben, vorzunehmen, ſo daß die wünſchenswerte Ver=
ſchärfung
der einſchlägigen Beſtimmungen erſt nach dem
Inkrafttreten des neuen Strafgeſetzbuches, alſo nach ver=
hältnismäßig
langer Zeit, Geltung erlangen könnte. Wie
jetzt mitgeteilt wird, hat ſich auf Grund der zwiſchen

den beteiligten Regierungsſtellen nunmehr abgeſchloſſenen
Erwägungen die Reichsregierung entſchloſſen, einen neuen
Entwurf auszuarbeiten, der eine erhebliche Verſchärfung
der jetzt gültigen Faſſung des Spionagegeſetzes darſtellen
dürfte. Die Vorlage, an deren Ausarbeitung man be=
reits
herangegangen iſt, ſoll möglichſt bald den geſetz=
gebenden
Körperſchaften zugehen und den Reichstag,
wenn irgend möglich, noch in dieſer Tagung beſchäftigen.
Der Reichstag und das Jeſuiten=
geſetz
. Es dürfte nicht ohne Intereſſe zu ſein, feſtzu=
ſtellen
, daß in der letzten Sitzung des Seniorenkonvents
im Namen der Zentrumspartei der Wunſch vorgetragen
wurde, es möchte an einem Schwerinstage vor Beginn
der Oſterferien der Antrag des Zentrums wegen Auf=
hebung
des Jeſuitengeſetzes zur Verhandlung kommen.
Der Erfüllung dieſes Wunſches wurde von keiner Seite
widerſprochen, ſo daß wir vor Beginn der Oſterferien
mit einem Beſchluß des Reichstages zu rechnen haben,
der die Aufhebung des Jeſuitengeſetzes fordert. Für
dieſen Beſchluß treten ein: Das Zentrum mit Polen, El=
ſaß
=Lothringern und Welfen, zuſammen 125 Stimmen,
dazu 110 ſozialdemokratiſche Stimmen, ergibt eine ſichere
Mehrheit von 235 Stimmen. Gegen den Zentrumsantrag
werden 70 konſervative und 48 nationalliberale Stimmen
abgegeben werden, das ergibt eine Minderheit von 118
Stimmen. Wie ſich die 44 fortſchrittlichen Stimmen ent=
ſcheiden
werden, iſt heute mit Beſtimmtheit nicht voraus=
zuſagen
; vielleicht werden ſie ſich teilen. An der Tatſache
einer erheblichen Mehrheit im Reichstage für die Auf=
hebung
des Jeſuitengeſetzes iſt hiernach nicht zu zweifeln.
Zur Verteidigung des Leuchtöl=
monopols
nimmt in ihren Rückblicken nochmals die
Norddeutſche Allgemeine Zeitung das Wort:
In einer längeren Pauſe, welche die Reichstags=
kommiſſion
zur Vorberatung des Leuchtölgeſetzes nach der
erſten Leſung hatte eintreten laſſen, iſt die Verſorgung
einer künftigen Monopolverwaltung für den Fall, daß die
Standard Oil Co, ſich völig vom deutſchen Markt zurück=
ziehen
ſollte wiederum eingehend erörtert worden. Auch
im Reichstag fanden in formloſen Zuſammenkünſten
von Kommiſſionsmitgliedern und anderen Reichstags=
abgeordneten
mehrfach Vorträge von Sachverſtändigen und
Intereſſenten darüber ſtatt. Je länger dieſe Erörterungen
währen, deſto mehr dringt die Ueberzeugung durch, daß
die anfangs vielfach geglaubte Behauptung der Standard
Oil Co von ihrer eigenen Unentbehrlichkeit unbegründet
und nur dazu beſtimmt iſt, Widerſtände gegen ein geſetz=
geberiſches
Vorgehen des Reiches, deſſen Berechtigung an
ſich kaum irgendwo beſtritten wird, hervoxzurufen. Die
Reichsverwaltung iſt nach wie vor völlig ſicher, daß ſie
ſelbſt bei einem vollſtändigen von ihr weder gewünſchten
noch für wahrſcheinlich erachteten Abrücken der Standard
Oil Co. vom deutſchen Markt den heimiſchen Bedarf zu
den bisherigen Preiſen decken kann. Gibt man der Mo=
nopolverwaltung
eine Ausgeſtaltung, die es ihr ermög=
licht
, nach kaufmänniſchen Grundſätzen zu arbeiten. ſo
wird ſie ohne Schwierigkeiten imſtande ſein, die bisheri=
gen
Preiſe auf dem deutſchen Markt aufrechtzuerhalten.
Es käme daher nur darauf an, daß es im weiteren Fort=
gang
der Verhandlungen gelingt. eine Oraaniſations=
form
zu finden, welche die Durchführung des für die deut=
ſche
Volkswirtſchaft ſo überaus wichtigen Planes ermög=
licht
.
Wann kommen die Heeres= und
Steuervorlagen? Ueber den Zeitpunkt der Ein=
bringung
der neuen Heeresvorlage und der neuen Reichs=
ſteuergeſetze
herrſchte bisher noch Unklarheit. Wie die
Tägl. Rundſchau hört, iſt auf eine Anfrage aus Abgeord=
netenkreiſen
im Reichsſchatzamt mitgeteilt worden, daß
die neue Heeresvorlage dem Reichstag erſt in den Oſter=
ferien
zugehen wird und daß die neuen Steuervorlagen
vorausſichtlich nicht vor Mitte April dem Reichstage wer=
den
unterbreitet werden können. Der Nachtragsctat, der
eine Vermehrung der militäriſchen Luftflotte fordern
wird, ſoll im Reichstage bereits Anfang März vorgelegt
werden. Es wurde ferner geſagt, daß Einzel=
heiten
aus den Vorlagen noch nicht mitgeteilt werden
könnten. Sobald die Vorlagen aber den Bundesrat paſ=
ſiert
haben, ſollen ſie halbamtlich veröffentlicht werden.
Die Sondierungsverſuche des Zen=
trums
bei der Sozialdemokratie ſind be=
kanntlich
von der Frankfurter Zeitung behauptet, von den
Münchener Neueſt. Nachrichten, der Mannheimer Volks=
ſtimme
und der Leipziger Volkszeitung beſtätigt, von der
Zentrumspreſſe im Auftrage des Abg. Müller=Fulda be=
ſtritten
worden. Infolgedeſſen warnt jetzt das Mann=
heimer
Sozialiſtenblatt das Zentrum, es im Aerger über
die vorzeitige Veröffentlichung und die hierdurch herbei=
geführte
Durchkreuzung ſeines Planes nicht zu bunt zu
treiben, und ſtellt wiederum mit allem Nachdruck ſol=
gendes
feſt:
Ein hervorragendes Mitglied der Zentrumsfraktion
hat bei Mitgliedern der ſozialdemokratiſchen Fraktion‟

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Seite 2.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Nummer 35.

eine Fühlungnahme verſucht, um zu erfahren, wie ſich die
ſozialdemokratiſche Fraktion zu der Wehrvorlage und im
Falle einer Reichstagsauflöſung während des Wahl=
kampfes
zu ſtellen gedenke, und ob eventuell eine Stim=
mung
für ein gemeinſames Vorgehen vorhanden ſei. Die
Unterhaltung trug einen vertraulichen Charakter, und
darum möchten wir nicht aus Eigenem den Namen des be=
treffenden
Zentrumsabgeordneten, der als Unterhändler
fungierte, direkt nennen oder indirekt erkennen laſſen. Der
Name iſt auch nicht das weſentliche an der Sache; die Tat=
ſache
ſelbſt aber wird kein Dementi umſtürzen können.
Immerhin wäre es gut, wenn Herr Müller=Fulda nicht
zu heftig dementieren ließe.
Die badiſche Regierung und die
preußiſchen Konſervativen. Die Süddeutſche
Reichskorr. bringt aus Karlsruhe eine von amtlicher ba=
diſcher
Seite herrührende Auslaſſung, in der es u. a.
heißt:
Die Zurechtweiſung, die die badiſche Regierung
durch den Mund der Karlsruher Zeitung dem preußiſchen
Abgeordneten v. Kardorff (freikonſ.) wegen ſeiner Ein=
miſchung
in innerbadiſche Angelegenheiten zuteil werden
ließ, wird in der Preſſe der verſchiedenſten Parteien leb=
haft
erörtert. . . . Die halbamtliche Auslaſſung der
Karlsruher Zeitung wird erſt dann richtig bewertet wer=
den
können, wenn man die Vorgeſchichte hinreichend be=
rückſichtigt
. Es hat in Baden das lebhafteſte Befremder
erregt, daß ein Teil der konſervativen beziehungsweiſe
freikonſervativen Preſſe Preußens, und zwar voran die
Kreuzzeitung, die badiſche Regierung ſyſtematiſch ſchon
ſeit Jahren in einer Weiſe angriff, die nicht anders als
tendenziös und überheblich bezeichnet werden muß. Jene
Artikel erſchienen dann ſowohl in den badiſchen Zen=
trumsblättern
, die unter Einfluß des Geiſtlichen Rats
Theodor Wacker ſtehen, wie in dem konſervativen Organe
Süddeutſchlands, der Stuttgarter Deutſchen Reichspoſt,
und trugen ſo nicht wenig zur Verwirrung, ja Vergiftung
des politiſchen Lebens bei. Das Allerſchlimmſte an die=
ſen
Artikeln war der Umſtand, daß ſie ohne Rückſicht auf
die Grundſätze der konſervativen Partei die Staatsautori=
tät
im leidenſchaftlichſten Tone herabzuſetzen verſuchten.
Richtigſtellungen und Zurückweiſungen, wie ſie oft genug
in dem badiſchen Regierungsorgan und auch in der letzten
Landtagsſeſſion durch den betreffenden Miniſter ſelbſt er=
folgten
, wurden von der Kreuzzeitung und ihrer Gefolg=
ſchaft
entweder mit Hohn und Spott überſchüttet oder
ignoriert. Gelegentlich wurde auch einmal eine Auslaſ=
ſung
der Karlsruher Zeitung in ihr Gegenteil verdreht,
und dann auf Grund dieſer objektiven Fälſchung der Ver=
ſuch
gemacht, der badiſchen Regierung von neuem einen
Strick zu drehen. Man kann es nach alledem begreifen,
daß das badiſche Miniſterium ſchließlich zu einer
ſcharfen, halbamtlich gekennzeichneten Kundgebung ſchritt
als nun auch Herr v. Kardorff jene ungerechtfertigten An=
griffe
öffentlich im preußiſchen Abgeordnetenhauſe
wiederholte, und zwar in einer Form, die ſich kaum von
dem gehäſſigen Ton der Kreuzzeitung unterſchied
Alle dieſe für die gedeihliche Entwicklung unſeres Staats
lebens wenig erfreulichen Erörterungen würden unter=
bleiben
können, wenn ſich die Kreuzzeitung und die ihr
naheſtehenden Politiker bemühen würden, die badiſche
Regierungspolitik gerecht, unvoreingenommen und im
Sinne wahrhaft konſervativer Grundſätze, d. h. vor allem
auf der Baſis einer eneraiſchen Wahrung der Staats=
autorität
, zu beurteilen. Wir haben doch wahrlich allen
Anlaß, die ſtaatserhaltenden Kräfte unſeres Volkes zu
ſammeln und zu ſtärken und die Regierungen in ihrer
ſchweren, auf die Stabiliſierung des monarchiſch= natio=
nalen
Staates gerichteten Arbeit zu unterſtützen. Dieſe
Arbeit wird durch Artikel und Reden, wie die der Kreuz=
zeitung
und die des Herr v. Kardorff, zweifellos ge=
hemmt
.

Ausland.

Italien.
Zur Vorbereitung der Handelssper=
träge
. Der Erlaß über die Einſetzung eines Ausſchuſſes
zur Vorbereitung der Erneuerung der Handelsverträge
findet in der Preſſe allgemeinen Beifall. Da die Verträge
Italiens mit Deutſchland, Oeſterreich=Ungarn, Rußland
uſw. am Ende des Jahres 1917 ablaufen werden, ſo war
es Zeit, mit Rückſicht auf die tiefgreifenden wirtſchaftlichen
Umwälzungen, die Italien in den letzten Jahren er=
fahren
hat, die Vorſtudien für ihre Erneuerung zu be=
ginnen
. Der Ausſchuß ſoll den 1887 geſchaffenen, ſeitdem
im einzelnen wiederholt abgeänderten Zolltarif einer um=

faſſenden gründlichen Durchſicht auf Grund der neuen
wirtſchaftlichen Bedürfniſſe unterziehen und die Grundſätze
für die nuen Vertragsverhandlungen feſtſtellen. Der un
ter dem Vorſitz des Handels= und Ackerbauminiſters Nitti
ſtehende Ausſchuß von 41 Mitgliedern unterſcheidet ſich
in ſeiner Zuſammenſetzung erheblich von den früher zu
demſelben Zweck ernannten Ausſchüſſen. Im Herbſt 1899
hat das Miniſterium Pellour ausſchließlich Verwaltungs=
beamte
unter dem Vorſitz des Staatsrats Stringher dazu
berufen; Nitti dagegen gibt neben erprobten Beamten
der wirtſchaftlichen Miniſterien auch den Parlamenta=
riern
, dem Großgewerbe, den Banken, der Landwirtſchaft
und dem Arbeiterſtand eine reichliche Vertretung, ſo daß
das bureaukratiſche Element keinen ausſchlaggebenden
Einfluß haben kann. Dieſer unparteiiſche Geſichtspunkt
des Miniſters, der zum erſtenmal alle an den Handels=
verträgen
intereſſierte Berufsklaſſen zur Vorarbeit her=
anzieht
, wird von allen Blättern ohne Unterſchied rüh=
mend
anerkannt.
Frankreich.
Patriotiſches Feſt. Mehrfach wird in den
Blättern angeregt, daß die Pariſer am 18. Februar, dem
Tage des Amtsantritts Poincarés, zum Zeichen, daß der
neue Präſident der Republik wirklich der Erwählte der
Nation ſei, flaggen mögen. Außerdem wird in ver=
ſchiedenen
nationaliſtiſchen Vereinigungen eifrig dafür
agitiert, das am 18. Februar zu Ehren Poincarés im
Stadthauſe geplante Feſt zu einer großen patriotiſchen
Kundgebung zu geſtalten.
Die neue Kongo=Kamerun=Grenze. Wie
offiziös gemeldet wird, haben die Arbeiten zur Feſtſtel=
lung
der neuen Kongo=Kamerun=Grenze trotz der klima=
tiſchen
Schwierigkeiten und ſonſtigen Gefahren pro=
grammäßig
am 1. Dezember vorigen Jahres begonnen.
Der Leiter der franzöſiſchen Miſſion, der Kolonialverwal=
ter
und frühere Hauptmann Periquet, hat, um vom Oſten
nach dem Gebiet von Ober=Pama zu gelangen, eine bis=
her
unerforſchte Gegend durchquert.
Amerika.
Der Aufſtand in Mexiko. Nach längeren
Straßenkämpfen in Mexiko hat die Regierung teilweiſe
wieder die Oberhand gewonnen. Bis jetzt dürften etwa
150 Mann getötet worden ſein. Auf Seiten der Regie=
rungspartei
fiel General Villar. Präſident Madero be=
fehligte
zeitweiſe perſönlich die ihm ergebenen Truppen
Der größere Teil der Armee ſcheint der Regierung treu
geblieben zu ſein. Die Haltung der Artillerie iſt zweifel
haft. Die Regierung hat wieder von dem National=
palaſt
Beſitz ergriffen. Die Inſurgenten ſetzten Felix
Diaz und den General Bernado Reyes in Freiheit. Spä=
ter
ging die Artillerie und der größte Teil der Truppen
zu Diaz über, der Herr der Situation zu ſein ſcheint.
Diaz iſt ein Neffe des Expräſidenten.

* Berlin, 10. Febr. Der Hauptvorſtand des
Reichs verbandes der deutſchen Preſſe hielt
am 8. und 9. Februar in Berlin eine Sitzung ab, an der
neben den in Berlin anſäſſigen Mitgliedern die auswär=
tigen
beinahe ausnahmslos teilnahmen. Aus dem reich=
haltigen
Arbeitsſtoff, der zu bewältigen war, ſeien
nur einige Gegenſtände herausgeholt. Dem geſchäfts=
führenden
Ausſchuß waren die Satzungsentwürfe der ge=
meinſchaftlich
mit der Verlegerorganiſation zu errichtenden
Schiedsgerichte zur Schlichtung von Streitigkeiten aus
dem Ucheberrecht und dem Dienſtvertrage vorgelegt und
eingehend durchberaten und nach etlichen Aenderungen
angenommen worden. Sie werden noch die nächſte Dele=
giertenverſammlung
beſchäftigen. Zu dem Thema Vor=
bildung
der Journaliſten das bereits auf der vor=
jährigen
Delegiertenverſammlung in München ausgiebig
erörtert worden war, wurde folgende Reſolution be=
ſchloſſen
: Der Hauptvorſtand des Reichsverbandes der
deutſchen Preſſe verweiſt nochmals auf die in der Mün=
chener
Delegiertenverſammlung ausgeſprochene War=

nung vor wilden Inſtituten hin, die ſich mit der Vorbe=
reitung
der Journaliſten befaſſen. Die Geſchäftsſtelle des
Reichsverbandes der deutſchen Preſſe und die Vorſtände
der Landes= und Bezirksverbände ſind bereit, jungen=
Leuten, die ſich dem journaliſtiſchen Beruf zuwenden, mitzt
ſachdienlicher Auskunft zur Verfügung zu ſtehen.

Stadt und Land.
Darmſtadt, 11. Februar.

* Das Großherzogspaar von Sachſen=Weimar trifft,
wie ſchon mitgeteilt, heute nachmittag 4 Uhr 34 Minuten
zum Beſuche am Großherzoglichen Hofe hier ein. Ein
offizieller Empfang am Bahnhof findet nicht ſtatt, da der
Beſuch in der offiziöſen Ankündigung als ein Privat=
beſuch
bezeichnet worden iſt. Der Großherzog von Wei=
mar
hat ſchon ein Jahr nach ſeinem Regierungsantritt.
der am 5. Januar 1901 erfolgt iſt, nämlich am 20. Februar=
1902, ſeinen offiziellen Antrittsbeſuch am hieſigen Hofe
gemacht, kommt alſo jetzt zum zweiten Male nach Darm=
ſtadt
. Großherzog Wilhelm Ernſt, der jetzt im 37. Lebenss
jahre ſteht, iſt ſeit 1910 in zweiter Ehe mit Feodora,
Prinzeſſin von Meiningen (geboren am 29. Mai 1890),
Tochter des Prinzen Friedrich von Meiningen und
Enkelin des Herzogs von Meiningen, vermählt. Aus der
Ehe entſtammen zwei Kinder, eine im März 1911 ge=
borene
Tochter und der im vorigen Jahre geborene Erb=
großherzog
, deſſen Taufe im Oktober vorigen Jahres
in Anweſenheit des Kaiſerpaares unter großen Feierlich=
keiten
ſtattfand. Das Großherzogspaar wird voraus=
ſichtlich
am Donnerstag vormittag wieder abreiſen.
* Keine Andienzen. Se. Königl. Hoheit der Groß=
herzog
werden am Mittwoch, den 12. d. Mts., weder
Audienzen erteilen, noch Meldungen und Vorträge ent=
gegennehmen
.
* In den Ruheſtand verſetzt haben Se. Königl.
Hoheit der Großherzog den Zeichenlehrer am Reals
gymnaſium zu Darmſtadt Emil Bender auf ſein Nach=
ſuchen
, unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen
Dienſte, mit Wirkung vom 1. April 1913 an und ihm
aus dieſem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz 2. Klaſſe
des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen,
* Ernannt wurde der Lehrer Johann Felix Boos
zu Mörlenbach, Kreis Heppenheim, zum Reallehrer an
dem Realgymnaſium zu Mainz unter Belaſſung in der
Kategorie der Volksſchullehrer, ferner die Referendare
Auguſt Daab aus Ober=Ramſtadt, Dr. Alwin Dietz
aus Undenheim und Karl Hanner aus Büdingen zu
Gerichtsaſſeſſoren.
* Uebertragen wurde dem Schulamtsaſpiranten
Wilhelm Grund aus Pfungſtadt, Kreis Darmſtadt,
eine Lehrerſtelle an der Gemeindeſchule zu Hahn, in
demſelben Kreiſe.
* Erledigte Stelle. Die Stelle eines Steuer=
aufſehers
bei Großh. Hauptſteueramt Worms zum
1. April d. Js.
g. Strafkammer. Der 40jährige, vorbeſtrafte Tags
löhner Franz Roth aus Höchſt a. M. hat am 1. Jun
vorigen Jahres der Witwe Wenz in Kelſterbach, wo en
die Räumlichkeiten noch von früher her kannte, da er hier
einmal gearbeitet hatte, eine Geldkaſſette mit 284 Mark
Inhalt geſtohlen. Er verſuchte in Hamburg auf einem
Schiff Beſchäftigung zu erhalten, was ihm aber nicht ge=
lang
, da er keine Papiere hatte. Die Hamburger Polizei
konnte dann den Angeklagten auf Grund des von Darm=
ſtadt
aus erlaſſenen Steckbriefes feſtnehmen. Bisher hatte
er in der Vorunterſuchung ſeine Täterſchaft energiſch in
Abrede geſtellt und mußte darum eine ganze Reihe von
Zeugen geladen werden. In der geſtrigen Verhandlung
bequemte er ſich jedoch nach einigem Zureden, ein umfaſſen
des Geſtändnis abzulegen. Er wurde unter Verſagung
mildernder Umſtände zu 2 Jahren Zuchthaus ver=
urteilt
. Da er ſchließlich geſtändig war, werden ihm drei
Monate der Unterſuchungshaft in Anrechnung gebracht.
Der 26jährige Maurer Adolf Jäger aus Dudenhofen iſt
beſchuldigt, in der Nacht zum 17. September einem Nach=
barn
eine Ente geſtohlen zu haben. Nach der Entdeckung
der Tat fand man bei ihm eine Ente im Topf. Er weigerte
ſich zunächſt, anzugeben, von wem er den Entenbraten
hatte. In der geſtrigen Verhandlung gab er nun an, daß
er die Ente von dem Maurer Georg Kratz habe. Dieſe
Angabe beſtätigte dieſer Zeuge; er will die Ente in Frank=
furt
gekauft haben. Das Gericht erkannte bei dieſem
Sachverhalt auf Freiſprechung.
Vom Großh. Hoftheater. Heute wird auf Aller=
höchſten
Befehl aus Anlaß der Anweſenheit Sr. Königl
Hoheit des Großherzogs von Sachſen=Weimar das erfolg=

Das Projekt der Einführung des Hage=
ſtolzenrechts
in Heſſen=Darmſtadt (1771).

Von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl.
In den 50er, 60er und 70er Jahren des 18. Jahr=
hunderts
befand ſich der heſſiſche Staat, wie allgemein
bekannt iſt, in einer drückenden Finanznot, die erſt dann
wich, als Miniſter von Moſer ſeine großzügigen ökono=
miſchen
Reformen mit eiſerner Energie durchführte. Vor
Moſers Eintritt in das heſſiſche Miniſterium (1772) war
man der Not gegenüber völlig machtlos geweſen. Da=
mit
ſoll nicht geſagt ſein, daß man nicht verſucht hätte,
den Schäden mit allerlei Maßnahmen und Mitteln zu
begegnen. Das Gegenteil iſt der Fall. Man hat alles
Mögliche verſucht. Man iſt ſogar auf Wege der Geld=
beſchaffung
verfallen, die uns Menſchen des zwanzigſten
Jahrhunderts im höchſten Grade merkwürdig vorkom=
men
. Aber es hat nichts helfen wollen, weil die nötige
Klarheit und der feſte Wille bei der Durchführung fehlten
Zu den merkwürdigſten Mitteln, auf die man in der
verzweiſelten Lage verfiel, gehören inſonderheit zwei:
die Einführung des Don gratuit und der Plan der
Einführung des Rechts der Hageſtolze. Z
erſterer kam es tatſächlich. Ich habe in einem Artikel:
Wie die heſſiſchen Pfarrer dem Staat aus ſeiner Finanz=
not
helfen mußten darauf hingewieſen. Es iſt dort darge=
ſtellt
, wie in dem Jahre 1756 der Landrat Schulz, ein frü=
herer
Darmſtädter Bäckermeiſter, das Land bereiſte und die
Pfarrer, die im Lande angeſtellt waren, neben den
Kommunen dazu bewog, zur Abwendung einer dem heſſi=
ſchen
Staat angedrohten Exekution aus ihrem Vermögen
wie auch aus den Kirchenkaſſen auf die Dauer von fünſ
Jahren eine freiwillige Beiſteuer zu zeichnen, die dann
in die Staatskaſſe jährlich eingezogen ward, das ſoge=
nannte
Don gratuit, das dann auch nach Ablauf der fünf
Jahre beſtehen blieb, bis es zur Freude der Pfarrer und
Gemeinden etwa zwanzig Jahre ſpäter abgeſchafft
wurde. Man kann nicht leugnen, daß dies Mittel, dem
Staat allmählich von ſeinen Schulden zu helfen, originel
war.
Ein noch eigenartigeres Mittel ward der heſſiſchen
Regierung im Jahre 1771 empfohlen und auch längere

Zeit darüber beraten, ob man nicht zu ihm greifen
ſolle, die oben erwähnte Einführung des Rechts
der Hageſtolze. Iſt es auch zur Einführung dieſes
Geldbeſchaffungsmittels nicht gekommen, ſo iſt es doch
intereſſant, ſich in die Akten, die hierüber entſtanden ſind,
zu vertiefen.
Der Vater dieſer eigenartigen Idee war wie bei
dem Don gratuit ein Darmſtädter: der hochfürſtliche
Geheime Cancelliſt Georg Chriſtian Schüler.
Ueber die Perſönlichkeit des Mannes ſei mitgeteilt, daß
Schüler ſpäter Geheimer Sekretär ward, und daß von
ſeinen Söhnen uns ſpäter zwei im heſſiſchen Pfarrdienſt
begegnen: Georg Benjamin Wilhelm Schü
ler, der 18021814 Stadtpräzeptor in Darmſtadt und
18141847 Pfarrer in Wixhauſen war, ſowie Ludwig
Reinhard Schüler, der 17991815 als Pädagog=
lehrer
in Darmſtadt und 18151822 als Pfarrer in Tre=
bur
wirkte.
Was unter dem Recht der Hageſtolze zu verſtehen
iſt, weiß jeder, der Julius Wolffs Neckarſteinacher
Roman Das Recht der Hageſtolze kennt. Wer es aber
nicht weiß, wird es aus den Ausführungen, die nun
kommen, deutlich erkennen.
Die Anregung zur Einführung dieſes Rechts in
Heſſen=Darmſtadt gab Schüler in einem vom 16. März
1771 datierten untertänigſten Bericht an den Land=
grafen
Ludwig IX. Er ſchreibt darin, daß dadurch, daß
auf dem letzten Landtag der Adelſtand von Entrichtung
der Collateralgelder gnädigſt befreit worden, der fürſt=
lichen
Dispenſationskaſſe ein großer Teil ihres Einkom=
mens
entgangen ſei. Um dieſen bedauerlichen Verluſt
wieder auszugleichen, macht Schüler folgenden Vorſchlag:
Es iſt im Heſſen=Caſſeliſchen. im Pfälziſchen, im Pader
borniſchen und in mehreren Ländern üblich, daß die Ver=
laſſenſchaft
ſolcher Mannsperſonen, welche ſich nicht ver
heiratet haben, ad pios usus (zu milden Zwecken) ge=
zogen
wird. Da nun dieſer Fall auch hier zu Lande ſich
nicht ſelten ereignet, ſo könnte die hieſige fürſtliche Dis=
venſations
=Caſſe einen beträchtlichen und bey ihren vielen
Ausgaben höchſtnöthigen Zuwachs erhalten, wenn gnä=
digſt
verordnet werden wollte, daß das Vermögen ver=
ſtorbener
Hageſtolze, welches ohnehin lachenden Erben
in die Hände fällt, entweder ganz oder ein proportionir=
licher
Theil, oder wenn in einem vorhandenen Falle viele
und dabey dürftige Erben die Verlaſſenſchaft zu theilen

hätten, etwas ganz weniges, und allenfalls nur 5 von 100
Gulden, an gedachte Caſſe abgegeben werden ſollte.
Der Vorſchlag Schülers dünkte Landgraf LudwigI
der in Geldnot war, nicht uneben. Er ſchrieb auf Schülers
Bericht am 26. März 1771: An das Geheime Raths=
Collegium, es ſoll hierauf ernſtlich reflektiert werden, da=
mit
ein dergleichen Fond zuwachſen könne, und ſoll man
alle diejenige Rechte, welche im Caſſeliſchen exereirt
werden, auch in Meinem (Lande) einführen. Der Ge=
heime
Rat gab am 22. April 1771 die Sache an die Re=
gierung
zu Gießen zum Bericht weiter. Dieſer Bericht
wurde am 10. Juni 1771 erſtattet. Die Gießener Regie=
rung
, die ſich in der Geſchichte des Hageſtolzenrechts um=
geſehen
, auch von der fürſtlichen Kriegs= und Domänen=
kammer
zu Kaſſel ein Gutachten eingeholt hatte, ſpricht
ſich über Schülers Plan folgendermaßen aus:
Das im heiligen Römiſchen Reich längſt verbannte
alte heydniſche Hagenſtoltzenrecht wiederum einzuführen,
zumahlen in einem allſchon verarmten Lande, würde zu
nichts dienen, dann nur: die letzte Quelle, da eine her=
untergekommene
Familie, durch einen Erbſchaftsfall, ſic
manchesmahl wiederum erhohlen kann, um tüchtige
Unterthanen zu bleiben, gantz und gar zu verſtopffen.
Und mag man das Hagenſtoltzenproject entweder nach
politiſchen Gründen überhaupt betrachten, oder
bloß nach cameraliſchen Abſichten inſonderheit he=
hertzigen
, ſo legen ſich doch allemahl dabey die größte
Bedenklichkeiten, ja unwiedertreibliche Schwürigkeiten in
den Weeg. Dann was das erſtere betrifft, ſo iſt wohl
kein anderer vernünftiger Grund, ein ſolches Recht je=
mahlen
einzuführen, geweſen. als die Vermehrung des
menſchlichen Geſchlechts, Erhaltung einer Völkerſchafft und
der Familien, wo nehmlich ſich hieran Mangel ereignet
und dieſer Endzweck erhalten werden können. Hierau
waren die Römer in den erſten Zeiten ihres Staats, und
die Teutſchen bey den häufigen Wanderungen aus dem
Schoße ihres Vatterlandes bedacht, und dahin giengen
der Römer Geſetze, beſonders lex Julia et Papia
Poppaea, und der alten Teutſchen Hagenſtoltzenrecht. Da
aber in Unfrem ehrlichen Heſſenlande die Fort=
pflantzung
und Erhaltung des menſchlichen Geſchlechts
auf einem gantz guten Fuße iſt, um die Ernährung
der Menſchen aber, bey dem täglich und ſtündlich biß zur
fürchterlichſten Ahndung zunehmenden Armuth, in allen
Ständen es ſehr mißlich ausſiehet, ſo dürfte nicht nur das

[ ][  ][ ]

Nummer 35

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Sette 3.

jeiche Luſtſpiel Mein Freund Teddy als 118. Abonne=
mentsvorſtellung
, Buchſt. A 30, wiederholt. Die Titelrolle
ſpielt wieder Kurt Ehrle. Der außerordentliche Erfolg
ses Gaſtſpiels von Frau Joſephine Becker hat die Hof=
Aheaterleitung veranlaßt, die Künſtlerin im Laufe dieſer
Woche wieder für einen Abend zu verpflichten. Es gelangt
aem Mittwoch Schwarz=Reimanns Operette Prima= Bal=
derina
mit der Gaſtin in der Titelrolle als 119. Abonne=
nentsvorſtellung
, Buchſt. D 29, zur Aufführung. Es gel=
den
die kleinen Preiſe. Für Donnerstag iſt eine Wieder=
heolung
von Webers Freiſchütz angeſetzt.
Polizei. Der Großh. Regierungsaſſeſſor Stumpf,
beisher bei Großh. Kreisamt Büdingen beſchäftigt, iſt
heauftragt worden, die Stelle des Polizeiamt=
nanns
bei Großh. Polizeiamt Darmſtadt zu verſehen
und hat geſtern den Dienſt hier angetreten.
Die ſtädtiſche Rechtsausknuftsſtelle, Wald=
ſtraße
6, erteilt Minderbemittelten unentgeltlich Rat und
Uuskunft in Rechtsangelegenheiten. Im Jahre 1912
haben die Rechtsauskunftsſtelle 3788 Ratſuchende (gegen
2465 im Vorjahr) in Anſpruch genommen. Hiervon
waren 2265 Männer und 1523 Frauen. Darunter 1716
Urbeitnehmer, 410 Arbeitgeber, 860 ſonſtige unſelbſtändige
und 802 ſonſtige ſelbſtändige Perſonen. Es wurden
38814 Auskünfte gegen 2471 im Vorjahr erteilt, hiervon
151 ſchriftlich. An Schreiben, Schriftſätzen, Klagen, Ge
lſtuchen und Eingaben an Behörden wurden 760 (gegen
177 im Vorjahr) gefertigt. In der Anfertigung von
Schriftſätzen ſieht die Rechtsauskunftsſtelle eine beſondere
Aufgabe, da mit dem Rat allein den vielfach ſchreib=
ungewandten
Ratſuchenden nicht gedient iſt. In 151
Fällen der verſchiedenſten Art, auch bei Eheſtreitigkeiten,
degen 72 im Vorjahr, fanden Vergleichsverhandlungen
mit faſt durchweg befriedigendem Erfolg ſtatt. Durch die
Bergleichsverhandlungen kamen 1485 Mk. 47 Pfg. (gegen
6B1 Mk. 15 Pfg.) zur Auszahlung. Die Zahl der Rat=
ſuchenden
und der Auskünfte ſind hiernach um mehr als
die Hälfte der des Vorjahres geſtiegen, diejenigen der
Schriftſätze und Vergleichsverhandlungen haben ſich
werdoppelt.
Vorträge über Volksgeſundheitspflege wird
im Auftrag der Zentrale für Säuglingspflege und
Mutterſchutz auch in dieſem Jahre wieder Herr Sanitäts=
mt
Dr. Noellner den Teilnehmerinnen der Abendkurſe
in der hauswirtſchaftlichen Fortbildungs=
ſchule
halten. Es ſind 4 Vorträge vorgeſehen. Dieſe
roerden ſtattfinden Mittwoch, den 12., 19., 26. Februar
umd 5. März, immer um 8 Uhr abends in der Turn=
haalle
, Rundeturmſtraße 9 (Eingang auch Landgraf=
Göeorgſtraße 40). Der Eintritt iſt ſelbſtverſtändlich frei
und auch die Teilnehmerinnen der letzten Fiſchkochkurſe
umd ſonſtige Intereſſentinnen ſind freundlichſt zur Be=
ti
iligung eingeladen.
Vortrag im Gemeindehaus der Johannes=
vemeinde
. Es ſei darauf aufmerkſam gemacht, daß der
arm Dienstag abend im Gemeindehaus der Johannes=
gemeinde
ſtattfindende Vortrag von Frau Profeſſor
Fruckenberg für jedermann gegen Eintrittskarten zu
90 Pfg. zugänglich iſt. Die Mitgieder des Frauen=
vereins
und ihre Angehörigen haben freien Zutritt.
* Verein für Verbreitung von Volksbildung.
An Stelle der im Winterplan des Vereins für
Vierbreitung von Volksbildung für den 13.
umd 20. Februar vorgeſehenen Vorträgen über Erd=
beben
ꝛc. ſpricht Herr Dr. O. Haupt, Kuſtos am
Großh. Landesmuſeum, am 20. Februar in einem Licht=
blldervortrag
über das für alle Kreiſe höchſt beachtens=
werte
Thema: Urſprung, Entwicklung und
ukunft unſerer Erde. Da der für dieſen Vor=
knag
in Ausſicht genommene Muſeumsſaal möglicher=
weiſe
nicht ausreichend iſt, erſucht der Vorſtand die ver=
eherlichen
Teilnehmer um recht frühzeitigen Kartenbezug,
damit nötigenfalls ein größerer Saal gewählt und dies
rochtzeitig bekannt gegeben werden kann. Eintrittskarten
zui den bekannten mäßigen Preiſen ſind am Verkehrs=
biureau
erhältlich ab Mittwoch.
Vortrag Traub. Die Nachfrage nach Karten zu
dim Traubſchen Vortrag am 14. Februar iſt, wie man
ums mitteilt, ſo lebhaft, daß, wer ſich einen guten Platz
zu ſichern wünſcht, gut tun wird, ſich bei A. Berg=
traeßer
(Rheinſtraße 6) baldigſt mit Eintrittskarten zu
verſehen.
* Jungliberaler Verein. Hiermit ſei nochmals auf
de heute abend in der Reſtauration Sitte ſtattfindende
erſammlung, in der Herr Generalſekretär Dr.
Linſe aus Mainz über: Weſen und Wirken
deer Freien Vereinigung heſſiſcher Na=
ti
onalliberaler ſpricht, hingewieſen.

* Zur Konfirmation. Man ſchreibt uns: Bei der
herannahenden Zeit der Konfirmation und
Erſtkommunion möchten wir darauf hinweiſen, daß
der Allgemeine Verein gegen Verarmung
und Bettelei und die ſtädtiſche Armen=
pflege
, an welch’ beide Stellen in jedem Jahre Ge=
ſuche
um Unterſtützung zur Ausrüſtung armer Kinder für
die zu den genannten kirchlichen Handlungen erforderliche
Bekleidung herantreten, über die Grundſätze, nach wel=
chen
dieſe Geſuche zu behandeln ſind. Vereinbarungen ge
troffen haben. Nach dieſen wird die ſtädtiſche Armen=
pflege
Unterſtützungen für ſolche Kinder geben, deren El=
tern
entweder in die Armenpflege aufgenommen ſind
oder ſich zur Aufnahme in dieſe eignen. Der Allgemeine
Verein gegen Verarmung und Bettelei wird ſich auch bei
derartigen Geſuchen von den bei ihm in Uebung befind=
lichen
Grundſätzen leiten laſſen. Es dürfte am Platze ſein,
darauf hinzuweiſen, daß es in erſter Linie Pflicht der
Eltern iſt, rechtzeitig für Mittel zu ſorgen, aus denen die
Anſchaffuna beſtritten werden kann. Iſt doch ſowohl
durch die Pfennigſparkaſſe, wie auch durch die Knaben=
arbeitsanſtalt
, die Kirchenchorſchulen, die Handarbeits=
ſchulen
uſw. vielfach Gelegenheit geboten. Zweck dieſer
Zeilen iſt, hieran Beteiligte darauf nachdrücklichſt auf=
merkſam
zu machen, daß alle derartige Geſuche insbeſon=
dere
darauf geprüft werden, warum die Eltern ihrerſeits
nicht rechtzeitig für Anſammlung der erforderlichen
Mittel geſorgt haben.
Vogelsberger Höhenklub. Das war am Sonntag
wieder eine herrliche Wanderung von Nieder=Ramſtadt
den Diebspfad hinauf über Neutſch auf den Felsberg
und hinab nach Auerbach. Und Stimmung war da=
bei
, fröhlichſte Stimmung von der erſten Stunde an
Kein Wunder, denn der Wettergott hatte den hellſten
Sonnenſchein beſchert. Ueber hundert wackere Klub=
ſchweſtern
und =Brüder haben dieſe Wanderung mitge=
macht
, und alle haben ſie bekannt: Diesmal war’s wie=
der
wunderſchön. Friſch auf zur letzten Wanderfahrt im
März!
Mozart=Verein. Seit jeher zeichnen ſich die Feſte
und beſonders auch die Maskenfeſte des Mozart=Vereins
durch ein gediegenes Arrangement und vornehme Auf=
machung
aus. Auch der am letzten Samstag in ſämt=
lichen
Räumen des Städtiſchen Saalbaues abgehaltene
Maskenball zeigte wieder ein glänzendes, farbenfröhliches
Bild. Namentlich die ſchöne und reiche Dekoration war
auf einen einheitlich künſtleriſchen Ton geſtimmt und bil=
dete
einen äußerſt geſchmackvollen Rahmen zu dem bun=
ten
, lebhaft bewegten Geſamtbild, das der Saal mit den
vielen hundert ſchönen Masken bot. Von der Krone in
der Mitte der Decke herab zogen ſich roſafarbene Roſen=
girlanden
nach allen Seiten der Galerien herab. Dieſe
ſelbſt waren ſehr geſchmackvoll in rot und gold dekoriert
und zeigten in den einzelnen Feldern ringsum die über=
lebensgroßen
Silhouetten faſt ſämtlicher Vorſtandsmit=
glieder
in guter Karikatur=Charakteriſtik, feſtgehalten
von Dekorationsmaler Bauer. An der Stirnſeite der
Bühne gegenüber prangte der aus Engels=Mund geprägte
und ſeitdem unvergeſſene Warn= und Wahlſpruch: Wah=
ret
das Dekorum! Die Bühne ſelbſt war ganz in
Schneeflocken und Roſengirlanden gehüllt und zu Sekt=
grotten
umgebildet. In dieſem lieblich=ſchönen Rah=
men
entwickelte ſich ein harmlos fröhliches Masken=
treiben
, das beſonders die Jugend beiderlei Geſchlechts
auskoſtete bis zur Neige. Das Dekorum wurde gewahrt,
aber es war doch ſchön und das Feſt wird allen Teil=
nehmern
noch lange in Erinnerung bleiben.
-g. Liedertafel. Eine gar luſtige und bunte Mas=
kenſchar
hatte ſich am Samstag noch einmal zu dem von
der Liedertafel veranſtalteten Maskenball in der
Turnhalle am Woogsplatz eingefunden und noch einmal
erſtand das frohe und farbigbunte Maskentreiben, das in
der diesjährigen kurzen Faſchingszeit beſonders intenſiv
ſich geſtaltete. Wie alljährlich bei den Maskenbällen der
Liedertafel war auch in dieſem Jahre ein ſehr geſchmack=
voller
Rahmen für die Veranſtaltung geſchaffen worden
und zwar war diesmal Eine Nacht im Orient der Vor=
wurf
zu dem Maskenfeſt. In dem herrlich dekorierten
großen Saal drängten ſich bis Mitternacht unter den
Klängen zweier unermüdlich wirkenden Muſikkapellen die
bunten Masken in frohem Tanze. Nach der Demaskierung
ging dann eine äußerſt reizvolle Aufführung, betitelt
Tauſend und eine Nacht in Szene. Hoch zu Roß zogen
der Sultan und Scheherezade mit ihrem glanzvollen Ge=
folge
in feierlichem Zuge ein und nachdem die hohen Herr=
ſchaften
auf der mit orientaliſcher Pracht ausgeſtatteten
Bühne Platz genommen hatten, führten ihre Begleiter
Tanzbilder von wunderbarem Reize auf, die durch ein
maleriſches Gruppenbild auf der Bühne einen glänzenden
Abſchluß fanden. Auch ſonſt war für die Unterhaltung

aufs beſte geſorgt; ſo boten eine orientaliſche Sekthöhle
und die anderen Räume der Turnhalle angenehme Ab=
wechslung
für die Tanzmüden.
§ Milchverſorgung und Milchverbrauch in der Stadt
Darmſtadt. Im Jahre 1912 betrug der durchſchnittliche
Tagesverbrauch von Kuh= und Ziegenmilch in der
Stadt Darmſtadt ungefähr 30000 Liter. Außer dieſer
Vollmilch wurden noch täglich durchſchnittlich 70 Liter
Kindermilch und 40 Liter Magermilch in den Verkehr ge=
bracht
. Infolge des erhöhten Milchpreiſes im Jahre 1911
hatte ſich der Milchverbrauch etwas verringert. Im Jahre
1912 iſt der Preis wieder etwas zurückgegangen, was
einen geringeren Mehrverbrauch von Milch zur Folge
hatte. In der Gemarkung Darmſtadt wurden von 53
Produzenten mit insgeſamt 395 Kühen täglich 3250 Liter
Kuhmilch gewonnen. Hiervon ſind täglich 2780 Liter ver=
kauft
und die übrigen 470 Liter von den Produzenten im
eigenen Haushalt verbraucht worden. Von den in Darm=
ſtadt
wohnhaften 140 Ziegenbeſitzern wurden von zuſam=
men
321 Ziegen durchſchnittlich täglich 410 Liter ge=
wonnen
, welche, mit Ausnahme einiger Liter, die ver=
kauft
wurden, im Haushalte der Ziegenbeſitzer verbraucht
werden. Ziegenmilch wird von auswärts nicht einge=
führt
. Ungefähr 26750 Liter Kuhmilch wurden täglich
von auswärts eingeführt. Mit dem Verkauf von Milch in
hieſiger Stadt befaſſen ſich, einſchließlich der auswärts
wohnhaften Milchhändler und hieſigen Produzenten, 231
Perſonen. Hiervon bringen 47 Produzenten, 38 hieſige
und 9 auswärtige, nur die von eigenen Kühen gewonnene
Milch in den Verkehr. Die übrigen 184 Händler kaufen
die Milch von Produzenten ein und verkaufen ſie an die
Konſumenten. Der größte Teil der Milch wird mit der
Eiſenbahn eingeführt (ungefähr 17000 Liter). Etwa 9750
Liter werden durch Fuhrwerke in die Stadt gebracht und
die übrigen 3250 Liter werden in der Gemarkung Darm=
ſtadt
produziert. Seitens der Polizei wird die in der
Stadt feilgehaltene Milch täglich durch zwei beſonders
hierzu beauftragte Beamte kontrolliert. Hierbei wurden
insgeſamt 39389 Vorprüfungen mit dem Laktodenſimeter
vorgenommen und hierbei 301 Proben entnommen. Außer
dieſen Proben ſind noch 42 Stallproben und 15 Kinder=
milchproben
ohne Vorprüfung erhoben worden. Die Ge=
ſamtzahl
aller echobenen Proben Milch beträgt demnach
358. Von den 58 Proben waren zu beanſtanden: wegen
zu geringem Fettgehalt 157, wegen Waſſerzuſatz 21, wegen
zu geringem Fettgehalt und Waſſerzuſatz 19, wegen
Schmutzgehalt 13, zuſammen 210 Proben. Von dieſen 210
Proben waren 194 Liefer= bezw. Uebergangsproben, 12
Stall= und 4 Kindermilchproben. Der niedrigſte Fett=
gehalt
der Lieferproben betrug 0,90 Prozent, der Höchſt=
fettgehalt
4,70 Prozent. Der Höchſtwaſſerzuſatz betrug
39,25 Prozent. der niedrigſte 2,88 Prozent. Der Durch=
ſchnittsfettgehalt
ſämtlicher, Lieferproben betrug 2,80 Pro=
zent
, derjenige der Stallproben 3,37 Prozent und der=
jenige
der Kindermilch 3,48 Prozent. Infolge der Milch=
beanſtandungen
wurden insgeſamt 123 Perſonen, und
zwar 90 Milchproduzenten und 33 Händler, wegen Ver=
gehen
gegen das Nahrungsmittelgeſetz bezw. Uebertretung
der Milchverkaufsordnung zur Anzeige gebracht.
Bis jetzt ſind hiervon beſtraft worden 84, freigeſprochen
7. Bei 4 Anzeigen wurde das Verfahren eingeſtellt und
bei 28 Anzeigen ſteht die Entſcheidung noch aus. Ins=
geſamt
wurden 455 Liter ſtark gewäſſerte Milch konfis=
ziert
.
Kaffeekonzert im Hotel Heß. Morgen Mittwoch
nachmittag findet in den Parterre=Lokalitäten wieder
das Kaffeekonzert ſtatt. Herr Kapellmeiſter
Otto hat mit ſeinem Künſtler=Enſemble ein abwechs=
lungsreiches
Programm zuſammengeſtellt. Unter anderem
wird Andante aus der 5. Sinfonie von Beethoven zum
Vortrag kommen. Der Beſuch der Kaffeekonzerte iſt
beſteng u emyfohlen.
* Olympia=Theater. Wie bisher, ſo bringt auch jetzt
wieder das Olympia=Theater nur Erſtklaſſiges. In ſeinem
Programm vom 11. bis 14. Februar bringt es das große
Drama Feſtungsplan 612 Als humoriſtiſche Schlager
laufen die Films Ein erregter Streit die urgelungene
Komödie Ein Abenteuer in der Eiſenbahn und der be=
liebte
Humoreskendarſteller Max Linder ſtellt in dem
Film Max wird erwiſcht wieder einmal ſein ganzes
Können zur Verfügung. Der Eclair=Wochenbericht bringt
uns im Film herrlich wiedergegeben das Neueſte aus aller
Welt. Als Einlage hat die Direktion den Film Der Eid
des Stefan Huller I. Teil nochmals erworben.
§ Feſtgenommen. Ein 25 Jahre alter Elektrotechniker
aus Gladenow in Oeſterreich, welcher vom Landgericht
Prag wegen Entführung ſteckbrieflich verfolgt wird,
iſt hier feſtgenommen worden.

i: Heſſen ohnehin niemahls eingeführte Hagenſtoltzenrecht
nicht aufzubringen, ſondern wohl eher von denen Poli=
tikern
, wenn die Einwohner in den jetzigen Verhältniſſen
ncht mehr ernähret werden können, ein mit dem Natur=
rocht
zu vereinbarendes Project der Verminderung
dies menſchlichen Geſchlechts ausfindig zu machen ſeyn.
Das andere, nehmlich die cameraliſchen Abſichten
ambelangend, ſo ſind ſolche eben auch nicht beſſer gethan,
diann daß die Dispenſations=Caſſe in beſſere Umſtände
kummen werde, wann das Vermögen der Hagenſtoltzen
binein fließet, daran iſt gar kein Zweifel, indem zwey
nehr als eins, und zehen mehr als fünffe ausmachet. Mit
dargleichen machinaliſchen Rechnungen aber, daß dieſe
rieer jene Verordnung jährlich ſo viel mehr in Caſſam
liefern werde, iſt es nicht genug. Dann daher folgt noch
nocht, daß dieſe Verordnung im gantzen dem gemeinen
Wieſen nicht ſchädlich, ſondern nützlich ſeyn werde. Und
fütserhaupt kann kein Vorſchlag gefährlicher ſeyn als der=
ljemige
, welcher nur den gegenwärtigen vor Augen lie=
gunden
Vortheil berechnet, die große Summe der betrüb=
tem
Folgen auf das gemeine Weſen in der Zukunft aber
nicht mit in Anſchlag bringet. Die Einführung des
Hragenſtoltzenrechts dürfte gewiß betrübte Folgen nach ſich
ziohen, denn wer würde allen ledigen Perſonen, Inlän=
diſſchen
und Ausländern, wohl verdenken, wenn ſie auf
eintmahl mit ihrem Vermögen ſich aus einem ſolchen Land
eu tfernen wollten, wo ein ſo unbilliges, die nächſte
Bluths=Freunde des ihrigen entſetzendes Geſetz gelten
olllte? Dem Unterthan würde dadurch die Nahrung und
derm Fiscus die Abgaben entzogen., die wenige Hagen=
tollze
, ſo ettwan noch im Land zurückbleiben, würden
ſſahlllechte Haushalter werden und die Sachen ſo einrichten,
daß ſie nichts erwerben, auch nichts hinterlaſſen würden,
lalle Induſtrie und das dem Staat ſo nützliche Beſtreben
nuch Reichtum würde ceſſiren ( aufhören) und dagegen
eim diſſolutes, ſchwelgeriſches Leben die Oberhand ge=
wiennen
, und der Hageſtoltz mit dem Ehemann Bettler
verden, und am Ende würde das gantze Land enerviret
entkräftet), das fürſtliche Intereſſe zu Grund gerich=
et
und alle Familien ruiniret werden. Nicht zu geden=
em
, daß, da nach dem letzten Landtags=Abſchied denen
heſſſiſchen Adelichen das Onus der Collateralgelder ab=
emommen
worden, um ſo viel weniger auch das Hagen=
telltzen
=Recht bey ihnen eingeführet werden könte, folg=
lichy
eine ſolche Verordnung einen Proceß zwiſchen Herrn

und Unterthanen ohnvermeidlich veranlaſſen würde.
Nach dieſen Ausführungen wird von der Gießener Regie=
rung
dann noch darauf hingewieſen, daß die obſoleten
Grillen der Römer und alten Teutſchen auf die jetzige
Zeit gar nicht mehr paßten auch dem Recht der Natur
und dem in 1. Corinther 7 feſtgelegten göttlichen Geſetz
widerſprächen, und endlich, daß die Durchführung des
Rechts einfach unmöglich ſei, was an einigen draſtiſchen
Beiſpielen nachgewieſen wird.
Die Gießener Regierung war für Verwerfung des
Planes. Am 25. Juni 1771 ſchloß ſich dieſer Anſicht die
Darmſtädter Regierung, am 12. Juli der Geheime Rat
an. Damit war Schülers Plan gefallen, denn die Reſo=
lution
des Sereniſſimi lautete: ad acta. Trotz dieſes
Ausgangs hielten wir die Sache für beachtenswert, um
von ihr hier zu reden. Sie beleuchtet die finanzielle Lage
des Landes kurz vor Moſers Amtsantritt. Man mußte
immer und immer wieder auf Mittel ſinnen, um aus den
finanziellen Nöten heraus zu kommen. Jeder Vorſchlag,
wenn er auch abenteuerlich ausſah, ward reiflich erwogen.
Es ging dem Staat eben wie einem Menſchen, der zahlen
ſoll und nichts hat und nun nichts unverſucht laſſen will.
um ſich aus ſeiner Notlage zu befreien. Den Weg der
Befreiung fand erſt Miniſter von Moſer. Sein Rezept
war: Reform von Landwirtſchaft und Induſtrie, ökono=
miſche
Reform. Und durch dieſes Medikament iſt
Heſſen=Darmſtadt finanziell geſundet.

Konzerte.

mm. Die dritte Matinee der Kammer=
muſik
=Vereinigung, bei der diesmal außer den
Herren Hofkonzertmeiſter Ernſt Schmidt, Konzert=
meiſter
Schnurrbuſch, Hofmuſiker Gims und
Andrä noch Herr Univerſitätsmuſikdirektor Profeſſor
Dr. Fritz Volbach aus Tübingen am Flügel mitwirkte,
fand am Sonntag, den 9. Februar, im Muſikvereinsſaale
ſtatt. Von den beiden Programmnummern war die erſte
ein Streichquartett (5.) von A. Glazounow. Es be=
ginnt
im Andante=Allegro, dem 1. Satz, mit einer aus=
drucksvollen
Melodie der Viola, der ſich die anderen In=
ſtrumente
imitatoriſch anſchließen. Hohe Vollendung der
Form und Wohlklang zeichnen das ganze Werk, in dem

ſich eine ſehr gründliche Kenntnis aller für den Streich=
quartettſatz
wirkſamen Ausdrucksformen kundgibt, vor
vielen anderen Kompoſitionen dieſer Gattung aus, und
abgeſehen von einer etwas zu ſehr betonten Sentimen=
talität
der Melodien, gehört das Quartett zu den beſten
und wirkſamſten Kammermuſikſtücken. Sein Scherzo und
Adagio erfreuen durch die Klarheit des Aufbaues, und in
dem bewegten Schlußſatz ſteigert ſich die Wirkung des
Ganzen bis an das Ende in wirkungsvollſter Weiſe. Auch
die Ausführung, beſonders in der erſten Violine, war
recht aut und ſtilvoll, und vorübergehende kleine, zu An=
fang
bemerkliche Unreinheiten in den Mittelſtimmen konn=
ten
den Geſamteindruck des wertvollen Werkes nicht we
ſentlich beeinträchtigen. Große Sorgfalt und Fleiß war
offenbar auf die Vorbereitung für das zweite Werk, das
Quintett Opus 36 (D=moll) für Klavier und Streich=
quintett
von Fritz Volbach, angewendet worden, bei
deſſen Ausführung der hier als bedeutender Muſikgelehr=
ter
beſtens bekannte Komponiſt ſelbſt den Klavierpart
übernommen hatte. Eine leidenſchaftliche Grundſtim=
mung
zieht durch alle Sätze des Werkes, das auswärts
ſchon mit vielem Erfolg aufgeführt wurde. Vie verſpre=
chend
beginnt der erſte Satz mit einer kontrapunktiſch ge=
ſchickten
Stimmenverflechtung in breiter Klangentfaltung
der Streichinſtrumente, und Volbachs Können ſcheint ge=
rade
in der gewählten Anwendung ſtrenger Formen ein
ſehr dankbares Feld zu finden. Intereſſante thematiſche
Motive ſind mit reich quellenden Melodien geſchickt ver=
arbeitet
, und ein reicher, zum Teil aber etwas zu ſehr
dominierender Klavierſatz ſtützt das ganze Werk, das auch
hier eine recht warme Aufnahme fand. Am beſten gefiel
uns ſpeziell der erſte leidenſchaftlich bewegte Satz mit
ſeiner fließenden, reichen Melodik, während gegen den
Schluß hin einige trockene Stellen ſich finden. Auffallend
waren uns namentlich die unmotiviert gehäuften ausge=
dehnten
Haltepunkte und Pauſen, zu deren Verwendung
den Komponiſten indes beſondere Abſichten inſpiriert
haben mögen. Einen anregenden Abſchluß erhält das
Quintett durch das letzte Vivace (D=dur). Da die noch
folgende 4. Matinee durch Mitwirkung von Geſang, Flöte
und Klarinette, deren Klangzuſammenſtellung im Muſik=
vereinsſaale
ganz vorzüglich wirkt. einen hervorragenden
Kunſtgenuß verſpricht, ſo darf ein reges Intereſſe für dieſe
letzte Veranſtaltung erwartet werden.

[ ][  ][ ]

Seite 4.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Nummer 35.

§ Sinnlos betrunken. Am Samstag abend mußte
ein Arbeiter aus Griesheim, der vor einem
Hauſe in der Kleinen Bachgaſſe in ſinnlos betrunkenem
Zuſtande lag, durch die Sanitätswache in das Städtiſche
Krankenhaus verbracht werden.

Pfungſtadt, 8. Febr. Heute nacht wurde in eine
alleinſtehende Schuhmacherwerkſtätte der Hauptſtraße
eingebrochen und daraus ein Paar neue Frauenſchuhe
eine größere Partie Schnürriemen, verſchiedene Schuh=
macherwerkzeuge
und eine Geldbörſe mit 2 Mark ent=
wendet
. Außerdem wurde die Türe des neben der Werk=
ſtatt
befindlichen Ladens der Firma Schade und Füll=
grabe
zertrümmert, woraus man ſchließt, daß man es bei
dem Einbruch zuerſt wahrſcheinlich auf die Lebensmittel=
vorräte
und die Ladenkaſſe dieſes Geſchäftes abgeſehen
hatte. Aber die hinter der äußeren Ladentüre befindliche
eiſerne Türe ſetzte dem geplanten Einbruche unüberwind=
liche
Schranken. Der Gendarmerie, die mit einem Polizei=
hund
nach den Einbrechern fahndete, iſt es nicht gelungen,
dieſelben ausfindig zu machen. Doch glaubt man, daß
mehrere hieſige junge Burſchen, die auch verhört wurden
an dem Verbrechen beteiligt ſind.
Mörfelden, 10. Febr. Ueber das Vermögen der
Firma Chemiſche Fabrik und Nährmittelwerke mit be=
ſchränkter
Haftung wurde das Konkursverfahren
eröffnet.
S. Bensheim, 10. Febr. Man ſchreibt uns: Das geſt=
rige
Konzert des Baritoniſten Felix Simſon und
des Pianiſten Hans Pabſt im großen Saale des Deut-
ſchen
Hauſes bedeutete einen vollen künſtleriſchen Erfolg
der beiden jugendlichen Konzertgeber. Here Simſon be=
ſitzt
eine in Höhe und Tiefe gleich klangvolle, gut geſchulte
Stimme. Er iſt ein Schüler von Profeſſor Sander in
Riga und des Hofopernſängers Stephani. Mit Verſtänd=
nis
entledigte ſich Herr Pabſt ſeines nicht leichten Pro=
gramms
. Beſonders die ſchwierig zu gebenden Griegſchen
Kompoſitionen und der Liebestod aus Triſtan und Iſolde
fanden durch ihn geſchmackvollſte Wiedergabe.
Von der Bergſtraße, 10. Febr. Nachdem in den letzten
Tagen ſonniges Wetter eingetreten iſt, ſtehen in günſtigen
Lagen die Mandelbäume bereits in voller
Blüte. Es iſt ſeit Menſchengedenken heuer das erſte
Nal, daß an der Bergſtraße ſchon Anfang Februar die
Mandelbäume ihren herrlichen zartweißen Blütenflor
zeigen.
Rüſſelsheim, 10. Febr. Der auf dem Gebiete der Al=
tertumsforſchung
ſehr rührige Lehrer Sturmfels hat,
wie ſchon in den Jahren 1910 und 1912, auch dieſer Tage
bei Ausſchachtungen zu Neubauten auf dem ſogen. Eiſel
ganz in der Nähe des Ortes, mehrere Wohngruben
aufgedeckt, die den Funden nach der Zeit von 20001500
v. Chr. angehören. Auch dieſe Wohnſtätten liegen wie
die früher aufgedeckten auf einer hochgelegenen Stelle un=
ſerer
Gemarkung, am Hochufer eines der vielen Main=
arme
die in früheſter Zeit dieſe Gegend durchfluteten.
Offenbach, 10. Febr. Zu einer wüſten Meſſer
ſtecherei kam es in der Luiſenſtraße, wobei der Tag=
löhner
Franz Fauſt mehrere erhebliche Stichwunden
am Kopfe davontrug und ſein Bruder Joſeph am rech=
ten
Bein verletzt wurde. Bei der kürzlich vorgenomme=
nen
Arbeitsloſenzählung wurden 416 Perſonen
gezählt, die arbeitslos waren. Im Jahre 1912 waren
es 591, 1911 289 und im Jahre 1909 985.
Neu=Iſenburg, 8. Febr. Einen Unterſchied von
150000 Mark ergab hier eine Ausſchreibung
von Erdarbeiten für die bevorſtehende Kanaliſation. Wäh=
rend
eine hieſige Firma ſich mit 90000 Mark begnügte,
forderte die Frankfurter Konkurcentin 240000 Mark. Auch
bei der Submiſſion einer anderen Arbeit ſchwankten die
Preiſe zwiſchen 9000 und 45000 Mark, alſo ein Unterſchied
von 500 Prozent.
Mainz, 10. Febr. Der 28jährige Hilfsbremſer Dex=
heimer
, in Biſchofsheim wohnhaft, wurde am Sonntag
morgen um 8 Uhr 37 Min. von einem aus Bingen kom=
menden
Eilgüterzuge auf dem hieſigen Güterbahn=
hof
erfaßt und überfahren. Dexheimer wurde 20
Meter weit mitgeſchleift und gräßlich verſtümmelt. Beide
Beine wurden ihm abgefahren, ferner hatte er an
der rechten Kopfſeite eine ſchwere Wunde. Der Tod
war ſofort eingetreten. Auch die rechte Bruſt=
und Beckenſeite waren ſchwer verletzt.
Worms, 10. Febr. Eine angebliche Maria Thoma=
ſon
, die 1892 zu Rheydt geboren ſein will, iſt anfangs
dieſes Monats bei einer Witwe hier als Dienſtmädchen
eingetreten. Freitag früh iſt das Dienſtmädchen unter
Mitnahme ihrer ſämtlichen Sachen ſpurlos ver=

ſchwunden. Man entdeckte, daß zwei Damenmäntel
und ein Kleid im Geſamtwert von etwa 180 Mark ge=
ſtohlen
worden ſind. Nun hat ſich herausgeſtellt, daß
jedenfalls ein größerer Diebſtahl geplant war und das
Mädchen ſich zweifellos nur zum Zweck der Ausführung
eines ſolchen zu der Frau vermietet hatte. Am Dienstag
nachmittag erſchien nämlich ein unbekannter Mann bet=
telnd
in der Wohnung, und abends erſchien derſelbe noch=
mals
mit der Angabe, er ſei von dem Mädchen beſtellt.
Dies war der Frau ſchon verdächtig, und ſie ſchickte den
Mann weg. Nach ſeiner Entfernung erklärte das Mäd=
chen
, daß die Angabe des Mannes nicht zutreffe. Später
trieb ſich derſelbe Menſch wieder in der Nähe des Hauſes
herum und ſoll ſich mit dem Dienſtmädchen am Fenſter
unterhalten haben.
Heidesheim, 10. Febr. Zur Verhaftung des ehe=
maligen
Rechners Bieber von der Spar= und
Darlehenskaſſe in Heidesheim fand dort geſtern
eine außerordentliche Generalverſammlung der
Mitglieder dieſer Kaſſe ſtatt, die ſehr ſtark beſucht war.
Der Verwaltungsrat teilte mit, daß die Schulden, die
Bieber der Kaſſe gegenüber hat, allerdings die Höhe von
6070000 Mark erreichen, durch Häuſer und Hypotheken
jedoch ſo weit gedeckt ſeien, daß für die Mitglieder der
Kaſſe ein Verluſt nicht zu befürchten ſei. Die Verhaftung
hänge mit anderen Dingen zuſammen.
Bad=Nauheim, 10. Febr. Bei Bad=Nauheim fand ein
Forſtbeamter hinter dem Golfplatz in der Nieder=Mörler
Gemarkung einen fremden jungen Mann, der ſich vier
Schußwunden beigebracht hatte, aber noch am Leben
war. Der Schwerverletzte wurde in das Städtiſche Kran=
kenhaus
gebracht. Der junge Mann ſoll ein Ingenieur=
ſchüler
ſein, der ſich das Leben nehmen wollte, weil er
ſein Examen nicht beſtanden hatte.
Ohmes, 10. Febr. Der dreijährige Sohn des Land=
wirts
und Hausſchlächters Robert Hißerich fiel in
den Wurſtkeſſel, aus dem kurz vorher das Wellfleiſch
entfernt worden war. Obwohl ärztliche Hilfe alsbald zur
Stelle war, ſtarb das ſchwer verbrannte Kind nach weni=
gen
Stunden.

Reich und Ausland.

Aus der Reichshauptſtadt, 9. Febr. 35½ Mil=
lionen
Mark hat im letzten Rechnungsjahr die Ber=
liner
Stadtverwaltung für Armenpflege und Ge=
ſundheitsweſen
ausgegeben. Die offene Armenpflege er=
forderte
allein rund 12½ Millionen Mark. Die für Neu=
bauten
, Tilgung von Schulden uſw. ausgegebenen Sum=
men
ſind in dieſen Beträgen nicht mit eingeſchloſſen, Es
iſt alſo ein anſehnlicher Betrag, der auf den Kopf der
Berliner Bevölkerung entfällt. Mehr als 3000 Kon=
fektionsſchneider
beſchloſſen geſtern nachmittag in
einer Verſammlung, am 1. März die Arbeit niederzu=
legen
, wenn nicht eine allgemeine Lohnerhöhung bewil=
ligt
wird. Wie aus Monte=Carlo gemeldet wird, hat
ſich der in der Berliner Lebewelt ſehr bekannte Graf
Günther von Königsmarck in einem Hotel in
Nizza erſchoſſen. Graf Königsmarck ſtammte aus
einer früher reich begüterten Familie; er widmete ſich zu=
nächſt
der militäriſchen Laufbahn und wurde Kavallerie=
offizier
. Als junger Offizier war er bald auf allen Renn=
plätzen
zu finden und lebte auf ſo großem Fuß, daß er
in verhältnismäßig kurzer Zeit ſein väterliches Erbteil
vergeudete und tief in die Schulden geriet. Er war des=
halb
gezwungen, ſeiner militäriſchen Laufbahn zu ent=
agen
. Faſt eineinhalb Jahrzehnte lang führte er ein
Abenteurerleben. In dem bekannten Harmloſenprozeß
ſpielte Graf Königsmarck eine überaus zweifelhafte Rolle.
Bei ſeinen ſehr zweifelhaften Geldmanövern ereilte ihn
vor zwei Jahren das Schickſal; wegen betrügeriſcher
Grundſtücksſchiebereien wurde er in Glogau zu vier
Monaten Gefängnis verurteilt. Graf Königsmarck war
ſechsmal verheiratet und ebenſo oft geſchieden. Das Hei=
raten
war ſeine Spezialität, erkaufte er ſich doch hier=
durch
die Mittel zu ſeinem abenteuerlichen Leben.
Frankfurt a. M., 10. Febr. Unter dem Vorſitz des Hof=
marſchalls
von Breitenbuch hat in Berlin eine gemein=
ſame
Sitzung des Berliner und des Frankfurter Hilfs=
komitees
für die deutſchen Forſcher im
Polareis ſtattgefunden. Vertreten war das Frank=
furter
Komitee durch die Herren Profeſſor Dr. zur Stra=
ßen
=Frankfurt a. M.. Apothekenbeſitzer Szamatolski=
Frankfurt a. M. und Luftſchiffskapitän Glund= Friedrichs=
hafen
. Der Frankfurter Vorſchlag, eine Schiffsexpedition
nach der Nordweſtecke Spitzbergens auszurüſten und von
dort aus Schlittenreiſen vorzunehmen, wurde angenom=
men
. Es iſt beabſichtigt, ſobald die nötigen Mittel flüſſig

ſind, ein Schiff zu chartern oder anzukaufen und Anfang
März die kombinierte Expedition anzutreten.
Frankfurt a. M., 10. Febr. Die Königin Wil=
helmine
von Holland trat heute mittag 12.28 Uhr mit
dem Amſterdamer D=Zug die Rückreiſe nach dem
Haag an. Die Königin wird vorausſichtlich am 26. Fe=
bruar
mit der Prinzeſſin Juliana nach Hohenmark bei
Oberurſel im Taunus zu mehrwöchigem Aufenthalt zu=
rückkehren
.
Landau, 9. Febr. Unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit
beſchäftigte ſich das Kriegsgericht der dritten Baye=
riſchen
Diviſion mit der Affäre des Oberſten und Regi=
mentskommandeurs
Henigſt vom 22. bayeriſchen In=
fanterie
=Regiment, der ſich wegen Körperverletzung und
Beleidigung zu verantworten hatte. Der Angeklagte
wurde beſchuldigt, den Journaliſten Peter Loth in
Zweibrücken auf offener Straße geohrfeigt zu haben. Das
Notiv zu der Handlungsweiſe des Oberſten wird in
Preſſeartikeln geſucht, die ſich mit den angeblich der Reform
bedürftigen Zuſtänden in dem genannten Regiment be=
faßten
. Der Oberſt vermutete auf Grund von Mit=
teilungen
eines Kollegen von Loth in dieſem den Ver=
faſſer
. Als er nun Anfang Januar den Journaliſten auf
der Straße traf. kam er auf ihn zu und verſetzte ihm einen
Schlag ins Geſicht. Als der Geſchlagene wieder zur Be=
ſinnung
kam, war der Oberſt, der ſich in Begleitung ſeiner
Frau befand, bereits außer Geſichtsweite. Loth ſtellte
gegen den Oberſten alsbald Strafantrag wegen Beleidig=
ung
und Körperverletzung. Der Strafantrag wurde durch
Vermittlung des Amtsgerichts Zweibrücken an das zu=
tändige
Kriegsgericht der dritten Bayeriſchen Diviſion
weitergegeben. Da der Antrag ſich gegen einen Oberſten
richtete, ſetzte ſich das Kxiegsgericht aus einem Kriegs=
gerichtsrat
, einem Generalmajor und zwei Oberſten zu=
ſammen
. Der Ausſchluß der Oeffentlichkeit erfolgte wegen
Gefährdung militäriſcher Intereſſen. Der Journaliſt Loth
verweigerte auf die Frage, ob er die Artikel, durch die ſich
der Oberſt beleidigt fühlte, verfaßt habe, jede Auskunft.
Das Kriegsgericht verurteilte den Oberſten zu einer
Geldſtrafe von 50 Mark.
Göttingen, 10. Febe. Ein Autounfall hat ſich
bei Klein=Lafferde im Kreiſe Hildesheim zugetragen. Der
Oberingenieur Kundt der Ueberlandzentrale Ringelheim
kam durch einen proviſoriſch über die Straße geſpannten
Verankerungsdraht zu Tode.
Braunſchweig, 10. Jan. Das Regentenpaar
von Braunſchweig tritt morgen abend eine acht=
tägige
Reiſe nach Süddeutſchland an. Es
fährt zunächſt nach Kolmar i. E. Dort begrüßt der Re=
gent
am Mittwoch ſein Jäger=Regiment. Am Donners=
tag
wird die Reiſe nach Karlsruhe fortgeſetzt, wo die Ho=
heiten
den großherzoglichen Hof beſuchen. Daran ſchließt
ſich am Samstag ein dreitägiger Beſuch des Hofes in
Darmſtadt. Am 18. Februar kehren die Herrſchaften nach
Braunſchweig zurück.
Mailand, 10. Febr. Fünf Studenten verſuchten
geſtern den Monte Disgrazia in den Velt=Niederalpen zu
beſteigen, als ſich Eismaſſen, auf denen ſie ſtanden,
loslöſten und talwärts zu rollen begannen. Der Führer
der Expedition konnte ſich noch rechtzeitig an den Fels=
platten
anklammern und ſo drei Genoſſen retten, die an=
geſeilt
waren. Unglücklicher Weiſe riß ein Strick, an dem
der Student Levis angebunden war. Der junge Mann
ſtürzte in den 1000 Meter tiefen Abgrund. Die Leiche
konnte bisher nicht geborgen werden.
London, 9. Febr. Jeden Tag bringen die Wahl=
weiber
etwas Neues. Geſtern wurden die Tele=
graphendrähte
zwiſchen Coventry und Birmingham durch=
ſchnitten
. Um die Telegraphenſtangen herum waren nur
weibliche Fußſpuren ſichtbar, woraus die Polizei ſchließt,
daß Wahlweiber die Uebeltäter waren. Bei Dumbarton
wurden etwa vierzig Telephondrähte durchſchnitten, und
in der Nähe des Tatortes waren Plakate angeſchlagen,
die das Wahlrecht für Weiber forderten. Auch geſtern
wieder wurden zahlreiche Spiegelſcheiben eingeſchlagen
und der Inhalt von Dutzenden von Briefkäſten durch
Säuren zerſtört oder beſchädigt. Natürlich waren die
Uebeltäter die unverbeſſerlichen Wahlweiber. Drei Pa=
villons
mit Orchideen im Botaniſchen Garten von Kew
ſind in der vergangenen Nacht ſchwer beſchädigt worden.
Dreißig Glasſcheiben wurden eingeſchlagen und die koſt=
baren
Orchideen nach allen Richtungen hin verſtreut.
Großnyi, 9. Febr. Auf der Steigung zwiſchen den
Bahnſtationen Szljeizowskaja und Karabulag riß ein
Güterzug in zwei Teile. Vierzig mit Rohöl ge=
füllte
Keſſelwagen rollten zurück, ſauſten mit furchtbarer
Geſchwindigkeit an der erſtgenannten Station vorbei, und

Feuilleton.

* Prinzen im Gedränge. In den Münchener Neueſt.
Nachrichten leſen wir: Der Sportplatz von Partenkirchen
hat eine Senſation. Dort gibt es täglich zwei kaiſerliche
Hoheiten zu ſehen, Söhne des deutſchen Kronprinzen, die
das Rodeln und das Skilaufen lernen. Sie werden vom
Publikum angeſtaunt wie Weſen aus einer fremden,
höheren Welt. Am Gartenzaun des Hauſes Gibſon, wo
die kleinen Prinzen wohnen, bleiben die Paſſanten ſtehen,
recken die Hälſe, preſſen die Geſichter an die Gitterſtäbe
ergehen ſich in Betrachtungen und Phantaſien, wie es
wohl dort drinnen ausſehen mag in den prinzlichen Ge=
mächern
, was ſie wohl dort treiben, dieſe Auserwählten,
in welcher Weiſe ihr Tagewerk ſich abrollt. Treten ſie
dann, in Begleitung ihrer engliſchen Nurſe und des Ge=
neraloberarztes
der ihnen als Mentor beigegeben iſt,
heraus vors Tor, ſo führt ihr Weg ſie durch eine
Menſchengaſſe; der oder jener ehrfürchtige Untertan zieht
den Hut, einige Damen knixen. Die beiden Hoheiten ſind
winzige ſchlanke Bübchen, in weiße Sweater wie koſtbare
Bündel wohlberpackt; ſie haben überaus feine ernſte Ge=
ſichtel
, noch etwas bleich und angegriffen von der Kinder=
krankheit
, die ſie kürzlich überſtanden. Nach dem Sport=
platz
begeben ſie ſich nicht wie zu einem ausgelaſſenen
Vergnügen, ſondern wie zu einer pflichtgemäßen Unter=
richtsſtunde
. Es liegt ihnen ob, ſich während der Zeit
ihres Kuraufenthaltes dem Sport zu widmen, und nicht
nur dies! Vor allem haben ſie hier auch zu lernen,
wie man die Berührung mit einem zudeing=
lichen
Publikum erträgt. Ein Schwarm neu=
gieriger
Beobachter folgt ihnen auf Schritt und Tritt. An
der Rodelhütte, wo ſich die Wintergäſte ſammeln, geraten
ſie in ein Kreuzfeuer geſtielter Blicke; ein Raunen geht
durch die Menge, daß dies die Prinzen ſind. Kodak= Appa=
rate
werden auf ſie gerichtet wie Maſchinengewehre auf
den anrückenden Feind.
Das Publikum von Partenkirchen iſt ziemlich ge=
miſcht
; wie könnte das auch anders ſein. Es gibt Arbeiter
dort, die die Eisbahn fegen, Ortseinwohner und Ange=
ſtellte
des Sportklubs, muntere Bauernkinder, die ſich nach
der Schule im warmen Winterſonnenſchein tummeln; das
ſind alles freundliche und geſcheite Menſchen von natür=

lichem Taktgefühl. Sie ſind niemandem im Wege und da=
mit
baſta. Nun gibt es aber auch noch das Fremden=
publikum
Fremde aus der näheren und weiteren Um=
gebung
, Fremde, die vorzugsweiſe von Berlin herkommen,
ohne dieſes ihr nordiſches Licht unter den Scheffel zu
ſtellen. Ich weiß nicht, ob ihre Geſinnung königstreuer iſt
als die der beſcheidenen Ortseinwohner, jedenfalls aber
machen ſie aus ihrem Intereſſe für die kaiſerlichen Prin=
zen
ein viel größeres Weſen. Da, wo die Prinzen ſind
da ſind auch ſie. Da gibt es alte Großmamas und junge,
farbenfreudig aufgeputzte Damen aus Berlin WW., die,
das Lorgnon vor den Augen, die beiden Prinzen in
immer engerem Kreiſe umwatſcheln und ſich in einer ein=
gehenden
Kritik über Stoff und Schnitt der weißen Swea=
ter
geräuſchvoll vernehmen laſſen. Andere blinzeln ihnen
vertraulich zu, als ſeien ſie ſchon auf dem Sprunge, mit
dem ganzen kaiſerlichen Hauſe Bekanntſchaft anzuknüpfen
Und wieder andere führen ihre Sprößlinge heran wie zur
Beſichtigung der Seelöwen im Zoologiſchen Garten. Eine
beſonders Ungenierte winkt auch noch ihrem Gatten, zeigt
triumphierend auf die Prinzen und ruft ihm zu: Sind
ſe nicht reizend? Findſte nich auch? Der Gatte aber iſt
Skeptiker und ruft zurück: Wat ſiehſte denn dran? ’s is
doch kei’ Unterſchied mit andere Jungens!
Man iſt im Publikum, im Gedränge geweſen, man
hat ſich wieder einmal geübt, die Menge zu ertragen. Die
kleine Hand unter den Arm der Nurſe geſchoben, darf man
ein Stück weitergehen, nach einem ſtillen Wieſenhang, wo
es keine läſtigen Menſchen, ſondern nichts als reine Luft
und blanke Sonne gibt. Dort werden die Skier ange=
ſchnallt
, und die Uebungen werden fortgeſetzt. Das iſt
ſchön und recht ſo, wenn auch nicht gerade luſtig. Zehn=
mal
purzelt man in den hohen Schnee dies iſt das Hüb-
ſcheſte
daran und zehnmal ſteht man auf mit doppelter
Willenskraft. So ſteigt mit der Zeit etwas Blut in die
ſchmalen Wangen, über die kleinen ernſten Geſichter legt
ſich ein Schein von Eifer und gehaltener Lebensluſt. Der
ärztliche Mentor betreut die koſtbaren Schützlinge mit
peinlicher Sorgfalt, lenkt, ordnet freundlich an und kor=
rigiert
.
C. K. Das Fiasko des Nildammes von Aſſuan. Die
Eröffnung des großen Staudammes von Aſſuan iſt am
23. Dezember 1912 unter glänzenden Feierlichkeiten vor
ſich gegangen. Aber die Enttäuſchung iſt, wie der Zeit-

ſchrift Der Horizont in einem Brief aus Kairo berichtet
wird, nicht ausgeblieben. Nach der Anſicht des genialen
Ingenieurs Sir William Wilcocks iſt der Damm völlig
ungenügend. Er müßte noch einmal von 113 auf 118 Meter
über dem Meeresſpiegel erhöht werden. Da die jetzige
Anlage, deren Riſſe ſchon heute das Waſſer ſtark durch=
ſikern
laſſen, eine zweite Umarbeitung überhaupt nicht
aushalten kann, ſo wird ein neuer Damm von aus=
reichender
Höhe an günſtigerer Stelle errichtet werden
müſſen. Die bisherigen Irrtümer werden Aegypten die
Summe von 50 Millionen Mark koſten, aber wenn
die Idee des Reſervoirs wirklich durchgeführt iſt, wird ſie
jährlich eine Milliarde Kubikmeter Waſſer
mehr geben, und das würde die ungeheuren Koſten ſchon
lohnen.
ml. Die Zone des Schweigens Wie der Matin zu
melden weiß, hat der Züricher Profeſſor Quervain eine
Entdeckung gemacht, deren praktiſche Nutzanwendung von
nicht geringem Intereſſe iſt. Die Sprengungsarbeiten
beim Bau des Jungfrautunnels benötigten die Verwen=
dung
enormer Maſſen Dynamit. Dabei wurde eine merk=
würdige
Erſcheinung unzweideutig feſtgeſtellt: Der Don=
ner
der gewaltigen Exploſion von 25 Tonnen Dynamit
wurde in einem Umkreis von 30 Kilometern ganz deutlich
gehört, dagegen vernahm man in einer anſchließenden konzen=
triſchen
Zone von 14 Kilometern nicht das Geringſte, wäh=
rend
der Knall in einer darüber hinausgehenden Zone
von 50 Kilometern dem Ohr wohl vernehmbar war Die
Zwiſchenzone von 14 Kilometern wurde mit Rückſicht auf
das beobachtete Phänomen die Zone des Schweigens
benannt. Eine Erklärung für die Tatſache iſt noch nicht
gefunden, aber an der Beobachtung ſelbſt iſt abſolut nicht
zu zweifeln, und weitere wiſſenſchaftliche Unterſuchungen
werden zweifellos auch noch zur Entdeckung des da in
Frage kommenden akuſtiſchen Geſetzes führen. Auf Grund
der bisherigen Feſtſtellungen erklärt ſich denn auch der
Fall des öſterreichiſchen Generals Daun, der im ſieben=
jährigen
Kriege den mit Friedrich dem Großen bei Lieg=
nitz
kämpfenden General Laudon ohne Hilfe ließ, und der
ſich ſpäter zur Motivierung dieſer Unterlaſſung darauf
berief, daß er von dem Kanonendonner, den man auf wei=
teren
Entfernungen deutlich vernommen hatte, nichts ge=
hört
hatte.

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Nummer 35.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Seite 5

rannten auf einen anderen Güterzug auf, an deſſen Loko=
motive
die Rohölmengen ſich entzündeten. In dem
Rieſenfeuer kamen zwei Zugbeamte um.

Vom Roten Kreuz.
St. Darmſtadt, 10. Februar.

Im Feſtſaal des Ludwig Georgs=Gymnaſiums
fand geſtern nachmittag unter außergewöhnlich zahlreicher
Beteiligung ein Feſtakt aus Anlaß der Eröffnung des
neuen theoretiſchen Lehrganges für Hel=
ferinnen
ſtatt, die zur Pflege der Verwundeten und
Kranken in den hieſigen Lazaretten oder zum Dienſt bei
einer Verbands= und Erfriſchungsſtelle im Falle eines
Krieges ausgebildet werden. Der heſſiſche Landesverein
vom Roten Kreuz und der Alice=Frauenverein hatten
Einladung zu dem Feſtakt ergehen laſſen, dem auch Ihre
Kgl. Hoheit die Frau Großherzogin beiwohnte.
Der Feſtakt begann mit einem ſtimmungsvollen Geſangs=
vortrag
des unter Leitung der Frau Keil ſtehenden
Frauenchores. Darnach hielt der Vorſitzende des Landes=
vereins
, Generalleutnant Korwan Exz., eine An=
ſprache
an die Helferinnen und Hilfsſchweſtern: Der heſſi=
ſche
Landesverein vom Roten Kreuz widmet ſich vor
nehmlich ſolchen Aufgaben, die Se. Maj, der Kaiſer durch
eine Dienſtvorſchrift der privaten Hilfstätigkeit im Falle
eines Krieges zugewieſen. Zu dieſen Aufgaben gehört
in erſter Linie die Vermehrung der Zahl der Helferinnen
und Hilfsſchweſtern. Der Landesverein fand dabei Unter=
ſtützung
von mehr als einer Seite, der er zu Dank ſich
gern verpflichtet fühlt. Keine aber iſt für Sie ſo wertvoll,
und wirkſam wie die, die Ihnen zuteil wurde von
ſeiten Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin durch
Verleihung einer Dienſttracht für die Hilfsſchweſtern und
Helferinnen. Dieſes Kleid, ſchlicht und einfach, angepaßt
dem Ernſt der Arbeit, die ſeine Trägerinnen leiſten ſollen
iſt gleichwohl ein Ehrenkleid, wie auch der Titel Helfe=
rin
ein Ehrentitel iſt. Die Tracht erleichtert Ihnen den
Verkehr mit den Aerzten. zu deren Unterſtützung Sie be=
rufen
ſind, ſie wird Ihnen zweifellos auch eine Hilfe
ein, wenn Sie im Lazarett Ihre Pflicht erfüllen, denn
ſie ſichert Ihnen achtungsvolles Benehmen der Soldaten,
mit denen Sie zu tun haben; endlich können Sie ſicher
ſein, wo immer Sie ſich zeigen im Kriege, wo man Sie
erkennt als Damen, die ſich der Pflege der Verwundeten
und Kranken widmen, gewinnen Sie alle Herzen, denn
es gibt in einem künftigen Kriege ja kaum eine deutſche
Familie, die nicht einen lieben Angehörigen draußen
im Felde ſtehen hat. Die Gnade der Frau Großherzogin
aber ging noch weiter, ſie hat gewünſcht, Ihnen heute
die Broſche, die zu Ihrer Dienſttracht gehört, zu über=
reichen
und bedeutet damit öffentlich, welchen Wert ſie
der Bereitſtellung freiwilliger weiblicher Pflegekräfte bei=
mißt
und wie hoch ſie Ihre Tätigkeit einſchätzt.
Darnach überreichte Ihre Kgl. Hoheit die Groß=
herzogin
perſönlich den nachbenannten Helferinnen
und Hilfsſchweſtern die ihnen verliehenen Broſchen, die
auf ſchwarzem Grunde das Zeichen des Roten Kreuzes
zeigt: 1. Hilfsſchweſtern: Frl. Hilda Weſtphal,
Frl. Gutenberg, Frl. Hildenbrand. 2. Helferinnen
Frl. Dora Lippert, Frl. Jockel, Frl. Carl, Frl. Jung,
Frau Schrott. Frl. Henſel, Frl. Margarete Schmitt,
Frl. Gerda Weſtphal, Frau Anna Edler, Frau Bergrat
Schmidt. Frau Weyl=Groos, Frl. Schattenberg, Frl. Mar=
garete
Mootz, Frl. Wahrendorf, Frl. v. Heſſert, Frl.
Hainebach, Frl. Fauſtmann, Frl. Ulrich, Frl. Kaibel, Frl.
Kellner, Frl. Paſſet. Frl. Sonne. Frl. Emmy Schmitt,
Frau Hauptmann Wangemann, Frl Marie Nau. Frau
Rechtsanwalt Schmeel, Frl Luiſe Schuff. Frl. Eliſabeth
Schuff, Frl. Langheintz, Frl. Hohenſtein. Frau Dr. Sturm,
Frau Lina Schmidt, Frl. v. Willich. Frl. v. Teichmann,
Frau Filſinger, Frl. Borchardt. Frl. Henkel, Frau Elly
Mangold, Frl. Marie Merck, Frl. Emely Merck, Frl.
Draudt. Frl. Keſting, Frl. Schröder, Frl Berſch, Frl
Machwirth, Frl. Appel. Frau Höhl, Freiin Minna von
Wedekind. Frl. Fink, Frau Wegerle, Frau v. Oheimb
Frl. Neudecker, Frl. Sann, Frl. Wolf, Frl. Linkenheld,
Frau Dr Callmann, Freiin Agnes von Biegeleben. Frl.
Otto, Frl. Hallerſtede, Frl. Dexheimer, Frl. Grete Schmitt,
Frl. Bichmann, Freiin Lena v. Wedekind. Frl Ehrenberg,
Frau Scharmann, Frau Liedtke, Freiin Riedeſel zu Eiſen=
bach
.
Exz. Korwan beglückwünſchte ſodann die Helfe=
rinnen
zu der Auszeichnung und wies darauf hin, daß
die ſinnvolle Zuſammenſtellung der Farben ſchwarz= weiß=
rot
die Trägerinnen immer erfüllen ſoll mit dem ſtolzen
Gefühl, daß ihnen die Ehre zuteil wird. dem Vaterlande
dienen zu dürfen. Und zwar in einem Dienſt, der aleich
wichtig iſt, wie der des Soldaten, der mit der Waffe
im Felde ſteht. Sie werden dann dankbar der Fürſtin
gedenken. aus deren Händen Sie die Broſche empfangen
haben. Wir wollen heute dieſem Gefühl der Dankbarkeit
Ausdruck verleihen, indem wir uns vereinigen in dem
Ruf: Ihre Kgl. Hoheit die Großherzogin hoch! hoch! hoch!
Der Frauenchor ſang hiernach Es brauſt ein Ruf wie
Donnerhall!
Darauf hielt Generalleutnant Korwan Exz. auch
an die Damen eine Anſprache, die ſich heute zur Abſol=
vierung
eines Lehrganges bezw. zur Ausbildung bereit
erklärt haben. Er betonte, daß die Ausbildung unbedingt
eine durchgreifende und gründliche ſein müſſe, daß man=
gelhafte
Ausbildung mehr ſchade als nütze, wovon der
gegenwärtige Balkankrieg mehrfach beredtes Zeugnis ab=
gelegt
. Nach Berichten der vom Zentralkomitee hinaus=
geſandten
Aerzte und Helferinnen fanden ſich in vielen
Lazaretten bereitwilligſt vornehme Damen ein, aber ſie
konnten mangels jeglicher Vorbildung trotz beſten Wil=
lens
nicht helfen. Um Ihre Pflichten erfüllen zu können,
müſſen Sie zunächſt theoretiſche Kenntniſſe erwerben. Da=
zu
dienen die Vorträge, die Herr Leibarzt Dr. Happel
in dankenswerter Weiſe auch in dieſem Jahre wieder
übernommen hat und zu deſſen erſten ich Herrn Leibarzt
Dr. Happel nun bitte, das Wort zu ergreifen.
Herr Leibarzt Dr. Happel hielt ſodann einen etwa
halbſtündigen Vortrag an die neu angemeldeten Helfe=
rinnen
etwa 130 an der Zahl , in dem er zunächſt
auf das Schöne und Hehre hinwies, das der Dienſt fürs
Vaterland und für die Tapferen, die zu ſeinem Schutze
fallen und ſiech werden, für die Damen bedeute und dann
die erſten und Haupterforderniſſe erörterte, die zur Aus
bildung der Helferinnen gehören. Exz. Korwan teilte
im Anſchluß an den Vortrag mit, daß die Vorträge jeden
Montaa. Mittwoch und Freitag um 5 Uhr im gleichen
Saale ſtattfinden, und zwar bis Mittwoch, den 19. März.
an welchem Tage der Schlußvortrag ſtattfindet. Am
1. April beainnen dann im Garniſonlazarett und im
Krankenhaus die vraktiſchen Lehrgänge. Redner erinnerte
daran, daß die Schweſtern im Kriege ſich zu dreimonatiger
Dienſtleiſtung verpflichten, und zwar zur Verwendung im
Heimatgebiet. Weiter ſind die ausgebildeten Helferinnen
und Hilfsſchweſtern verpflichtet, Wiederholungskurſe durch=
zumachen
. Mit einem warmen Appell, zu helfen, damit
recht viele Helferinnen vom heſſiſchen Roten Kreuz ins
Feld geſtellt werden können, ſchloß Redner den eindrucks=
voll
verlaufenen Feſtakt.

Das Mobiliar hatte, was dankbar anerkannt ward
die Firma Darmſtädter Möbelinduſtrie Feidel, in ent=
gegenkommenſter
Weiſe zur Verfügung geſtellt.
Der Landesverband Heſſen des Deutſchen Frauenvereins
vom Roten Kreuz für die Kolonien
ſendet im Laufe dieſes Monats ſeine erſte Schweſter im
Dienſte werktätiger Nächſtenliebe hinaus in die Kolonien.
Schweſter Wera iſt für vier Jahre nach Tſingtau
verpflichtet und hat ſich zunächſt dort im fernen China im
Marinelazarett mit Säuglings= und Kleinkinderpflege zu
befaſſen. Möge ihre verantwortungsvolle Tätigkeit recht
erſprießlich ſein. Aus Swakopmund, wo der Lan=
desverband
durch ſeine Beihilfe den Bau eines neuen
Heimes für den blühenden Kindergarten zu ermöglichen
gedenkt, wird von Herrn Pfarrer Haſenkamp über
eine ſehr ſinnige Weihnachtsfeier berichtet, die unter
Afrikas Sonne nach deutſcher Weiſe von den kleinen Ko=
lonie
=Deutſchen veranſtaltet wurde.
Seit 1. Januar
d. J. hat der Kindergarten in Schweſter Elsbeth
Torff eine neue Leiterin. Vorkämpfer deutſcher Kultur
und Geſittung, wenn ſie fern von der Heimat erkranken,
treu zu pflegen und Jung=Deutſchland in den Kolonien
zu einem kräftigen und geſunden Nachwuchs heranziehen
zu helfen, das iſt die Aufgabe der vom Verein hinausge=
ſandten
Schweſtern.

Frhr. v. Heuls 70. Geburtstag.

** Worms, 10. Febr. Die Feier des 70. Ge=
burtstages
des Freiherrn Heyl zu Herrnsheim vollzog
ſich heute unter einer ſo großen Fülle von Ehrungen und
Sympathiebeweiſen, wie ſie ſelbſt in unſerer feſtefrohen
alten Reichsſtadt wohl kaum ſchon dageweſen ſein dürfte.
Schon am frühen Morgen herrſchte ein reger Verkehr in
der Stadt, die Eiſenbahnzüge brachten eine große Schar
feſtlich gekleideter Bewohner aus der ganzen Umgegend
herbei, indes ſich viele Häuſer mit Fahnen ſchmückten.
Auch an der hohen Front des prächtigen Heylshofs wehten
zwei mächtige Banner in den heſſiſchen Landesfarben den
von allen Seiten Herbeikommenden beim herrlichſten
Frühlingsſonnenſchein den erſten Willkommensgruß zu.
Der Tag begann früh um 8 Uhr in ſtimmungsvollſter
Weiſe durch den Choralgeſang: Die Himmel rühmen
und durch weitere Vorträge des Geſangvereins und des
Inſtrumentalvereins der Firma Cornelius Heyl. Und
dann begann der Anmarſch der zahlreichen Deputationen
und. Einzelgratulanten. Zuerſt erſchien eine 25köpfige
Arbeiterdeputation unter Führung des Lackier=
meiſters
Hofmann, die eine kunſtvoll ausgeführte Adreſſe
überreichte. Eine Abordnung der Beamten der Firma
überbrachte mit ihrer Gratulation ein ſinniges Geburts=
tagsangebinde
. Weiter erſchien eine Deputation der
Landwirte im Kreiſe Worms und Heppenheim, deren
Sprecher, die Abgg. Finger und Beſt, aus jedem Ort und
Kreis Proben des köſtlichen 1911er Weines überbrachten.
Abg. Finger wies darauf hin, daß die verſchiedenen Orte
ihre Produkte in althergebrachter Weiſe als Symbol der
Treue und Verehrung überbrächten, aber auch zugleich
ihrem hochverehrten Reichstagsvertreter für ſeine faſt
40jährige unermüdliche und uneigennützige Tätigkeit im
Intereſſe des engeren Heimatlandes ihren herzlichſten
Dank ausdrücken wollten. Weiter erſchienen Abordnun=
gen
des landwirtſchaftlichen Kränzchens und des Bundes
der Landwirte und zahlreicher anderer Korporationen
und Verbände aus Stadt und Land.
Eine Deputation der Stadt Worms mit
Herrn Oberbürgermeiſter und Kammerpräſident Köhler
überreichte mit herzlichen Dankesworten ihrem Ehren=
bürger
eine künſtleriſch ausgeführte Adreſſe, desgleichen
die Stadt Oppenheim; eine Abordnung der Gemeinde
Herrnsheim überbrachte die Ernennung zum
Ehrenbürger. Weiter erſchien unter Führung des
Abg. Dr. Oſann eine Abordnung des Landesaus=
ſchuſſes
der heſſiſchen Nationalliberalen
Partei, und daran anſchließend viele Wormſer Ver=
eine
mit Ehrungen verſchiedenſter Art. Die Wormſer
Fiſcherkorporation überreichte einen bekränzten
lebenden Rieſenkarpfen. Die Erſte Kammer der
Landſtände hatte ſchon eine telegraphiſche Beglück=
wünſchung
geſandt und im Namen des Präſidiums über=
reichte
ſpäter noch Frhr. Riedeſel zu Eiſenbach
ein prächtiges Blumenarrangement. Im Namen der
heſſiſchen Handelskammern überſandte das Mit=
glied
der Erſten Kammer, Geh. Kommerzienrat Dr. Bam=
berger
, eine warmherzige Begrüßung. Immer wie=
der
folgten neue Abordnungen, und der Zudrang wurde
bald ein ſo großer, daß ſämtliche unteren Räume des
Heylshofes kaum ausreichten.
Der Jubilar, der alle dieſe Hunderte von Gratulan=
ten
im Kreiſe ſeiner Familie empfing, wurde nicht müde
immer von neuem zu danken, ihnen die Hand zu drücken
und in treffenden Worten auf die Anſprachen zu erwidern.
Inzwiſchen waren auch Hunderte von Telegrammen und
Glückwunſchſchreiben von auswärts eingelaufen, ſo vom
Großherzog, vom deutſchen Kronprinzen aus
Danzig, vom König und der Königin von Würt
temberg, von den drei Miniſtern und zahlreichen Kor=
porationen
. Weiter erſchienen dann wieder Abordnungen
des Ernſt Ludwig=Vereins, des Altertumsvereins, des
Deutſchen Sprachvereins, des Wormſer Gymnaſiums, der
Oberrealſchule u. ſ. f., und endlich noch eine Abordnung
der Landesuniverſität =Gießen, deren Sprecher, Geh.
Juſtizrat Prof. Dr. Leiſt, in einer längeren Anſprache
mitteilte, daß die juriſtiſche Fakultät der Univerſität den
c. ernannt habe und
Jubilar zum Dr. jur. h
ihm das Diplom überreichte, eine Ehrung, die auf alle
Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Die Mittagszeit
war längſt vorüber, als die letzten Abordnungen ihre
Glückwünſche zum Ausdruck gebracht hatten. Es waren
denkwürdige Stunden, die hier in den kunſtſinnig und be=
haglich
eingerichteten Feſträumen des Heylshofes ver=
floſſen
, in denen ſich Männer aus allen Kreiſen und Be=
rufsarten
in dem Ausdruck der Liebe und Verehrung für
den Jubilar zuſammenfanden, einmütig alle in der un=
umwundenen
, freimütigen Anerkennung der langjährigen
raſtloſen und erfolgreichen Arbeit für das Wohl der Mit=
bürger
, und ebenſo einmütig alle in dem Wunſche, daß
der Jubilar noch viele Jahre in derſelben geiſtigen Rüſtig=
keit
und Friſche zum Segen ſeiner Vaterſtadt Worms und
ſeines engeren und größeren Vaterlandes weiter wirken
möge.
Aus Anlaß des 70. Geburtstagsfeſtes hat Frhr v. Heyl
mehrere hochherzige Stiftungen gemacht. Zum
Zwecke der Errichtung und Unterhaltung eines Erhol
ungsheims für die Arbeiter der Firma Corne=
lius
Heyl wurde ein Kapital von 200000 Mark geſtiftet
Mit dem Bau dieſes Heims ſoll alsbald begonnen und die
Verwaltung desſelben einer Kommiſſion übertragen wer
den, die aus dem älteſten Mitglied der freiherrlichen Fa
milie, dem zuſtändigen Direktor, dem Kaſſierer der Kran=
kenkaſſe
und vier Arbeitern beſteht. Ein weiteres Kapi=

tal von 100000 Mark wird für die Beamten der Firma
geſtiftet. Da die ſeitherigen Aufwendungen der Firma
für die Beamten in der Form von Lebensverſicherungen,
ſoweit ſolche nicht ſchon beſtehen, in Zukunft nicht mehr
angebracht erſcheinen, ſoll dieſe Summe den Grundſtock
bilden, aus welchem im Falle von Invalidität und Alter
Zuſatzrenten zu den auf Grund des Reichsverſicher=
ungsgeſetzes
für die Angeſtellten gewährten Bezügen ent=
richtet
werden. Der Stadt Worms hat der Jubilar fer=
ner
einen monumentalen Siegfriedbrunnen ge=
ſtiftet
, der in der Nähe des Cornelianums errichtet und
von Profeſſor v. Hildebrand in München ausgeführt wer=
den
ſoll.
In unſerem geſtrigen Artikel iſt übrigens inſofern
ein Irrtum enthalten, als an einer Stelle geſagt iſt, Frhr.
von Heyl ſei aus der Nationalliberalen Partei ausge=
treten
. Es muß richtig heißen, nach ſeinem Austritt aus
der nationalliberalen Fraktion des Reichstages.
Der Partei gehört Frhr. von Heyl nach wie vor an.

Deutſcher Reichstag.

Berlin, 10. Febr. Präſident Dr. Kaempf er=
öffnet
die Sitzung um 2 Uhr 22 Minuten. Erſter Punkt
der Tagesordnung ſind
Wahlprüfungen.
Die Wahl des Abgeordneten Held (Hoſpitant der
Natl.) wird ohne Debatte für gültig erklärt. Ueber die
Wahl des Abgeordneten v. Liebert (Reichspt.) wird
Beweiserhebung beſchloſſen. Es folgen Rechnungs=
ſachen
. Die allgemeine
Rechnung über den Reichshaushaltsetat für das Rech=
nungsjahr
1908
wird ohne Debatte der Rechnungskommiſſion überwieſen;
ebenſo werden mehrere andere Etatsrechnungsſachen ehne
Debatte der Rechnungskommiſſion überwieſen. Hierauf
wird die
zweite Beratung des Etats für die Reichsjuſtizverwaltung
fortgeſetzt. Abg. Dr. Ablaß (Fortſchr. Volkspt.): Wir
müſſen uns dagegen wenden, als ob der deutſche Richter=
ſtand
nicht in der Lage ſei, ſich von der Klaſſenjuſtiz zu
emanzipieren. Viele Fälle der letzten Zeit fordern aber
trotzdem ſchärfſte Kritik heraus. Aus Anlaß der Auf=
ſtellung
einer nackten Frauenfigur in Godesberg iſt in ge=
wiſſen
Kreiſen ein Sturm der Entrüſtung entfeſſelt wor=
den
. Ein Urteil darüber, ob ein Kunſtwerk ſittlich oder
unſittlich iſt, müſſen wir immer noch dem künſtleriſchen
Sachverſtändigen überlaſſen. Ein Zwangsvergleich inner=
halb
des Konkurſes wäre durchaus zu befürworten, da
ſich durch eine derartige Liquidation weſentlich höhere
Werte aus der Maſſe herauswirtſchaften ließen. Der natio=
nalliberalen
Reſolution, betreffend das Vorkaufsrecht,
kann ich mich für meine Perſon anſchließen. Wie die Frei=
laſſung
verbrecheriſcher Irrer zu einer allgemeinen Gefahr
ſich ausgebildet hat, ſo iſt es auch in zivilrechtlicher Hin=
ſicht
ein auf die Dauer unhaltbarer Zuſtand, daß gutgläu=
bige
Geſchäftsleute bei Geſchäftsabſchlüſſen mit Geiſtes=
kranken
, auch wenn ſie als ſolche nicht zu erkennen ſind,
ihrerſeits für den vollen Schaden haftbar gemacht werden
können. Nachdem die Frauen ſich bei den Jugendgerichten
ſo gut bewährt haben, ſollte man ſie auch als Schoffen zu=
laſſen
. Auffällig iſt, daß kein weiterer politiſcher Verein
in das Vereinsregiſter eingetragen iſt, als der Bund der
Landwirte, der Reichsverband gegen die Sozialdemokra
tie und der Verein reichstreuer Männer für Wilmersdorf
und Umgegend. Wie würden ſich die Regiſterrichter wohl
verhalten, wenn es ſich um einen politiſchen Verein der
oppoſitionellen Richtung handelte? (Sehr gut! links.) Da=
gegen
iſt die Eintragung des Aerztevereins abgelehnt wor=
den
. Auch hier laufen wir Gefahr, daß eine Untergrabung
des Anſehens der Juſtiz eintreten kann. Es darf nicht
daran gerüttelt werden, daß vor dem Gericht alle Bürger
gleich ſind, ohne Anſehen der Perſon und der Partei.
(Lebhafter Beifall links.) Staatsſekretär Dr. Lisco:
Die einzelnen Fälle, die der Vorredner über die rechtliche
Stellung den Geiſteskranken gegenüber angeführt hat, wer=
den
wir im Auge behalten und vom Reichsjuſtizamt aus
prüfen. Die Reſolutionen der Reichspartei auf Abänder=
ung
des § 1124 des Bürgerlichen Geſetzbuches und des
§ 57 des Zwangsverſteigerungsgeſetzes, wonach die Ver
fügung über die Miete zugunſten des Hypothekengläu=
bigers
nur wirkſam ſein kann, ſoweit ſie ſich auf das zur
Zeit der Abtretung laufende Kalender=Vierteljahr er=
ſtreckt
, iſt bereits Gegenſtand eingehendſter Prüfung im
Reichsjuſtizamt. Bezüglich der Beſchwerden, die die
Paragraphen 21 und 22 des Bürgerlichen Geſetzbuches an=
gehen
, iſt zu bemerken, daß Vorausſetzung für Erlangung
der Rechtsfähigkeit eines Vereins iſt, daß er nicht wirt=
ſchaftliche
Intereſſen verfolgt. Beim Aerzteverein war dies
vorliegend. Der vom Miniſter des Innern dieſem Ver=
eine
gegenüber eingenommene Standpunkt war vielleicht
falſch, er hatte aber jedenfalls die juriſtiſche Ueberzeugung
hinter ſich. Gegen die Eintragung des Bundes der Land=
virte
iſt von der zuſtändigen Stelle ein Einſpruch nicht
erfolgt, deshalb mußte er eingetragen werden. Mit der
Juſtiz hat das nichts zu tun. Hier kam nur der Miniſter
des Innern in Frage. Abg. v. Trampezynski
(Pole): Das Recht der Freizügigkeit wird durch das Ent=
eignungsgeſetz
beſchränkt. Wir verlangen von der Rechts=
pflege
keine Polenfreundlichkeit, aber vor den Gerichts=
türen
ſoll die Politik Halt machen, damit das Vertrauen
der Bevölkerung in die Rechtspflege nicht weiter leidet.
Abg. Landsberg (Soz.): Den Gedanken, die Prügel=
ſtrafe
einzuführen, müſſen wir ablehnen. Das Vorkaufs=
recht
auf Grundſtücke die unter Subhaſtation ſtehen, erregt
in mancher Hinſicht Bedenken, wir werden aber der dies=
bezüglichen
nationalliberalen Reſolution zuſtimmen. Der
Zentrumsreſolution ſtimmen wir zu. Bei der Entſchädia=
ung
für unſchuldig erlittene Unterſuchungshaft müſſen alle
Härten vermieden werden. Wenn wir von Klaſſenjuſtiz
ſprechen, liegt es uns ſelbſtverſtändlich fern, den Richtern
Rechtsbeugung vorzuwerfen, ſondern daß ſie erfüllt ſind
von den Einflüſſen des Milieus, aus dem ſie ſtammen,
und von dieſen Vorurteilen vermögen ſie ſich nicht frei=
zumachen
. Deshalb ſollte man die Richter nicht aus einem
beſtimmten Bevölkerungskreiſe nehmen. Abg. Wolf
(Ztr.): Der Vorwurf der Klaſſenjuſtiz beruht auf unklaren
Darſtellungen über Gerichtsverhandlungen in der Preſſe.
Unſer Richterſtand kann unter einer derartigen Kritik nicht
leiden. Große Mißſtände haben ſich bei den Geſellſchaften
mit beſchränkter Haftung herausgeſtellt, es ſind hier Ver=
beſſerungen
dringend notwendig.
Weiterberatung Dienstag 1 Uhr. Vorher: Kurze
Anfragen, Abſtimmung über das Fleiſcheinfuhrgeſetz, Re
ſolution zum Geſundheitsamt und Petitionen. Schluß
¾7 Uhr.

[ ][  ][ ]

Seite 6.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Nummer 35.

Verlobung im Kaiſerhauſe!

HB. Karlsruhe. 10. Febr. Prinz Ernſt Auguſt
von Cumberland wird heute vormittag hier ein=
treffen
. Das Kaiſerpaar wird im Großherzoglichen Re=
ſidenzſchloß
als Gaſt der Großherzogin=Witwe abſteigen
Die offiziellen Stellen in Karlsruhe bewahren über die
Reiſe ſtrengſtes Stillſchweigen. Durch die
Anweſenheit des Kaiſers erhalten die Gerüchte neue
Nahrung, denen zufolge eine Ausſöhnung der Häuſer
Hohenzollern und Cumberland durch die Großherzogin=
Mutter von Baden und den Prinzen Max, der mit der
Prinzeſſin von Cumberland verheiratet iſt, vorbereitet
worden ſei und unmittelbar bevorſteht.
HB. Karlsruhe, 10. Febr. Prinz Max von
Baden, der ſich ſeit mehreren Tagen bei dem Herzog
von Cumberland in Gmunden aufhielt, reiſte vorgeſtern
von dort nach München und fuhr geſtern in Begleitung
des Prinzen Ernſt Auguſt nach Karlsruhe. Am
hieſigen Hofe, wo Prinz Ernſt Auguſt eine beliebte Per=
ſönlichkeit
iſt, wußte man von dem bevorſtehenden Er=
eignis
ſeit mehreren Tagen, nämlich ſeit der Rückkehr des
Prinzen von einem Beſuche bei ſeinen Eltern. Der Prinz
der als Kavallerie=Offizier Dienſt tut, hat Urlaub auf un=
beſtimmte
Zeit erhalten. Die Verhandlungen zwiſchen
dem kaiſerlichen Hofe und dem Hofe des Herzogs von
Cumberland währten nahezu 1½ Jahre. Prinz Max
von Baden führte ſie. Die Schwierigkeiten lagen natürlick
in der Rückwirkung der Heirat zwiſchen der Tochter des
Kaiſers und dem Sohne des Herzogs von Cumberland
auf die Frage des ſchwebenden Thronfolgeſtreits. Han=
nover
kommt nicht in Frage, und wenn ſich Prinz Ernſt
Auguſt verpflichtet, die ſonſtigen Bedingungen zu er=
füllen
, ſteht deſſen Anrecht auf den Thron von Braun=
ſchweig
nichts entgegen.
HB. Karlsruhe, 10. Febr. Die Nachricht von dem
Eintreffen des Kaiſerpaares hat hier außer=
ordentliches
Aufſehen erregt und beſonders bei der Eiſen=
bahnverwaltung
nicht geringe Aufregung verurſacht, da
verſchiedene ſchon getroffene Dispoſitionen und erteilte
Urlaube wieder zurückgezogen werden mußten. Die
Eiſenbahn muß ihren ganzen Verwaltungskörper in Be=
wegung
ſetzen, weil einzelne Teile des Fahrplanes eine
nicht unerhebliche Abänderung erfahren mußten, damit
der kaiſerliche Hofzug ohne weiteres die einzelnen Statio=
nen
paſſieren konnte. Das Kaiſerpaar mit der
Prinzeſſin Viktoria Luiſe und dem Prinzen Oskar traf
um 10 Uhr 10 Minuten auf dem Karlsruher Bahnhof
ein, wo das Großherzogspaar und das Prinzen=
paar
Max von Baden nebſt Gefolge zur Begrüßung er=
ſchienen
waren. Prinz Ernſt Auguſt zu Braunſchweig
und Lüneburg, der bereits in Karlsruhe eingetroffen iſt
hatte ſich auf dem Bahnhof nicht eingefunden. Die Be=
grüßung
zwiſchen den Fürſtlichkeiten war eine ſehr herz=
liche
. Nach kurzem Aufenthalt im Fürſtenzimmer des
Bahnhofs fuhren die Fürſtlichkeiten in geſchloſſenen
Wagen nach dem Großherzoglichen Schloß, wo die Groß=
herzogin
=Witwe Luiſe die Majeſtäten begrüßte. Um
1 Uhr fand Hof= und Marſchalltafel ſtatt.
HB. Karlsruhe, 10. Febr. Um 1 Uhr fand im
Großherzoglichen Reſidenzſchloß Familien= Früh=
ſtückstafel
ſtatt, an der das Kaiſerpaar, das Groß=
herzogspaar
, Großherzogin Luiſe, Prinzeſſin Viktoria
Luiſe, Prinz Oskar, Prinz und Prinzeſſin Max von
Baden, ſowie Prinz von Cumberland teilnahmen. Der
Großherzog hielt im Verlauf der Tafel eine Anſprache
deren Wortlaut jedoch nicht bekannt iſt. Wie verlautet,
wird die Verkündigung der Verlobung der Prinzeſſin
Viktoria Luiſe mit dem Prinzen von Cumberland für
die nächſten Tage bevorſtehen. Der Kaiſer wird voraus=
ſichtlich
morgen vormittag auf dem Schloßplatz eine Pa=
rade
der Garniſon abnehmen.
Prinz Ernſt Auguſt, der einzige Sohn des Herzogs
von Cumberland, iſt am 17. November 1887 geboren, ſteht
alſo im 26. Lebensjahre. Er iſt Oberleutnant im Erſten
Schweren Reiterregiment Prinz Karl von Bayern in
München. Prinzeſſin Viktoria Luiſe iſt am 13. September
1892 geboren. Ferner wird die Meldung verbreitet, daß
ſich Prinz Oskar (geb. 1888) mit der Herzogin Olga von
Braunſchweig und Lüneburg (geb. 1884) verloben werde.

Die Hundertjahrfeier der
Berliner Univerſität.

* Berlin, 9. Febr. Nach der Feſtrede des Herrn
Geh. Rats Schäfer bekräftigte der Vorſitzende des ſtuden=
tiſchen
Ausſchuſſes die Verehrung und Begeiſterung der
akademiſchen Jugend für die große Zeit und ihre berühm=
ten
Univerſitätslehrer. Wenn jetzt wieder der Ruf des
Vaterlandes an die Studenten ergehe, ſo werde es ein=
mütig
heißen: Burſchen heraus! Der Chor ſang das
Vaterlandslied von Friedrich Eggers. Dann erhob
die ganze Verſammlung und ſang Arndts Lied: Der
Gott, der Eiſen wachſen ließ‟ Nun betrat der Kaiſer
das Katheder und hielt folgende Anſprache: Kom=
militonen
! Ich möchte am Schluß dieſer erhebenden
Feier Euch noch ein kurzes Begleitwort mitgeben. Ich
habe in der alten Preußenſtadt Königsberg die Oſtpreu=
ßen
darauf hingewieſen, daß der Kern der großen er=
hebenden
Zeit darin zu ſuchen geweſen iſt, daß das preu=
ßiſche
Volk ſeine ſittliche Lebensanſchauung, begründet au=
der
Religion, wiedergefunden hat, begründet auf der Re=
ligion
, die, wie wir wiſſen, das Verhältnis des Menſchen
zu Gott bedeutet, mit anderen Worten, den Glauben an
ſeinen Gott wiedergefunden hat. Das heutige Geſchlecht,
welches in dieſem Jahrhundert lebt, welches leicht dahin
führt, hauptſächlich das, was man ſieht, oder beweiſen
oder mit Händen greifen kann, zu glauben, das dagegen
für Tranſzendentales geringere Fähigkeit zeigt und dem
das Wort Religion Schwierigkeiten bereitet, dieſes Ge=
ſchlecht
bedarf wohl eines Hinweiſes, wie es zu dem alten
Glauben ſeiner Väter kommen kann. Der heutige Tag,
der Tag von Königsberg, und alle die Feſte, die wir im
Laufe des Jahres noch feiern werden in Erinnerung an
die große Zeit der Erhebung des Vaterlandes, gibt uns
dazu die Möglichkeit. Denken wir doch daran, daß kurz
nach dem Hintritt des großen Königs das Preußenvolk
dieſen Glauben verloren hatte. Ausländiſches Weſen
griff um ſich, und als die große Belaſtungspröbe des
Jahres 1806 kam, brachen die Stützen, und ein Zuſam=
menbruch
fand ſtatt, wie ihn die Welt kaum je geſehen
hatte, und der die Herzen verzagen ließ. War das Men=
ſchentat
? Das war Gottesgericht! Und ebenſo hinterher!
Eine Wendung in der Weltgeſchichte! Es iſt ſchon ein
wunderbares Ding um die Wiedergeburt eines Menſchen,
aber die Wiedergeburt einer ganzen Nation, das iſt ſo
gewaltig, daß es wert iſt, im Herzen behalten und nicht
vergeſſen zu werden. Das war auch nicht der Menſchen
Tat, das war Gottes Tat! So erhob ſich, im Glauben

an Gott, ein unterdrücktes, zerſtückeltes Volk ein Wun=
der
, wie es noch nicht dageweſen und warf alles vor
ſich her. Das war auch nicht Tat der Menſchen, das war
Gottes Tat! Nun, Kommilitonen, ich denke, Ihr verſteht
mich ſchon. Wenn wir nur an das Greifbare denken, uns
nur an das Greifbare halten, um glauben zu können, fo
haben wir in den Tatſachen der Vergangenheit, in den
Geſchichtstatſachen, die ſichtbaren Beweiſe für das Walten
Gottes. Wir haben die ſichtbaren Beweiſe, daß er mit
uns war und mit uns iſt. Und aus dieſen Lehren der
Vergangenheit kann ſich auch die geſamte deutſche Jugend
den im Feuer bewährten Schild des Glaubens ſchmieden,
der nie in der Waffenrüſtung eines Deutſchen und Preu=
ßen
fehlen darf! Und mit ſolchen Waffen wollen wir,
unbekümmert um rechts und links, unſeren geraden Weg
gehen; Augen empor, Herzen empor, im Vertrauen zu
Gott! Dann können wir alle des gewaltigen erſten Kanz=
lers
Wort wiederholen: Wir Deutſche fürchten Gott und
ſonſt nichts in der Welt! Und deſſen zum Zeichen wollen
wir auf unſer deutſches Vaterland und unſer geliebtes
Preußen drei Hurras ausbringen. Deutſchland und
Preußen hurra! hurra! hurra
An der Stelle Wir Deutſche fürchten Gott unter=
brach
den Kaiſer laute begeiſterte Zuſtimmung. Ebenſo
wurde am Schluß der Rede ſtudentiſch getrampelt. Der
Rektor brachte das Gelübde unwandelbarer Treue dar
und ſchloß mit einem Hoch auf den Kaiſer und die Kai=
ſerin
, das jubelnden Widerhall fand. An den Feſtakt
ſchloß ſich eine Auffahrt der Studierenden, wobei am
Denkmal Friedrich Wilhelms III. im Luſtgarten ein Kranz
niedergelegt wurde.

Luftfahrt.

* Der Prinz Heinrich=Flug ſoll am Pfingſt=
ſonntag
, den 11. Mat, beginnen. Die erſte Etappe führt
von Wiesbaden nach Kaſſel mit Zwiſchenlandung in
Gießen. Am 12. Mai wird der Flug nach Koblenz fort=
geſetzt
. Der nächſte Tag iſt ein Ruhetag. Am 14. Mai ſoll
die Strecke Koblenz-Karlsruhe durchflogen werden. Der
15. Mai iſt wieder Ruhetag. Am 16. Mai findet zwiſchen
Karlsruhe und Stuttgart eine Aufklärungsübung ſtatt,
nach deren Beendigung in Straßburg gelandet wird.
* Berlin, 10. Febr. Auf dem Flugplatz Johan=
nisthal
beſichtigte Prinz Sigismund von Preußen
das Marineluftſchiff und die Motoranlagen. Wäh=
renddem
flog der Pilot Reichelt mit ſeinem Waſſerflug=
zeug
zwei Runden. Beim Landen geriet er in eine Bo=
denſenkung
. Der Apparat überſchlug ſich und wurde be=
ſchädigt
. Reichelt blieb unverletzt. Geſtern nachmittag
um 5 Uhr ging nahe dem Flugplatz Johannisthal der
Freiballon Münſter vom Münſterſchen Verein für
Luftfahrt nieder. Der 1680 Kubikmeter faſſende Kugel=
ballon
war um 11 Uhr vormittags in Münſter aufgeſtie=
gen
. Bei ziemlich ſtarkem Weſtwinde hatte er die 400
Kilometer lange Strecke in kaum ſechs Stunden zurück=
gelegt
.

Der Balkankrieg.
Vom Kriegsſchauplatz.

* Konſtantinopel, 9. Febr. Die vor=
rückenden
türkiſchen Truppen ſtellten feſt, daß
die Bulgaren Verteidigungserdarbeiten errichtet und
einen Teil des Dorfes Jenidſche niedergebrannt haben.
Die Meldung, daß der Ort Tſchataldſcha niedergebrannt
worden ſei, iſt nicht beſtätigt worden.
* London 9. Febr. Nach einer Meldung des
New=York Herald aus Sofia haben die Bulgaren der
türkiſchen Tſchataldſcha=Armee auf dem Rück=
zugsgefecht
ſchwere Verluſte zugefügt. Der bulgariſche
Rückzug ſei ein taktiſches Manöver, deſſen Effekt ſich
wahrſcheinlich ſchon in den nächſten 24 Stunden zeigen
werde.
* Sofia 9. Febr. Nach hier eingetroffenen, nicht
offiziellen Meldungen unternahm ein türkiſches Regiment
heute einen Ausfall an der Oſtfront von Adria=
nopel
, wurde jedoch zurückgeſchlagen. An der Küſte
des Marmarameeres führten die Türken heute keine Ak=
tionen
durch. Dies wird dahin ausgelegt, daß ſie infolge
des geſtrigen Mißerfolges, die Abſicht, eine Landung durch=
zuführen
, aufgegeben haben.
* Cetinje, 10. Febr. (Aus amtlicher montenegri=
niſcher
Quelle.) Nach dreitägigen erbitterten
Kämpfen, die um die Einnahme von Bardanjolt
geführt wurden, belaufen ſich die Verluſte der Montene=
griner
auf etwa 2500 Tote und Verwundete. Auf Seiten
der Türken ſind etwa 4000 gefallen, die auf dem Schlacht=
felde
liegen. Auf dem Berge Taraboſch bei Brditza wütet
der Kampf ſeit drei Tagen. Obwohl die Truppen gegen
Befeſtigungen zu kämpfen haben, die mit ſtarken Draht=
zäunen
umgeben ſind, rücken ſie doch ſchrittweiſe und
mit Erfolg vor. Mehrere Verſchanzungen wurden ge=
nommen
. Die beiderſeitigen Verluſte ſind empfindlich,
doch ſind die genauen Verluſtziffern mit Rückſicht darauf
daß die erbitterten Kämpfe noch fortdauern, noch nicht
feſtgeſtellt.
Rom 9. Febr. Der geſtern eingetroffene erſte
türkiſche Botſchaftsrat Muktil=Bey erklärte, er komme
ſo gut wie geraden Wegs von Tſchataldſcha. Die
Verbündeten ſeien außer Stande, die Schützenlinie in
Tſchataldſcha und Gallipoli zu durchbrechen. Die bulga=
riſchen
Vorſtöße auf Adrianopel würden ebenfalls un
wirkſam ſein. Die Stadt habe Lebensmittel in Hülle und
Fülle und ihre Feſtungswerke ſeien noch unverſehrt. In
ſpäteſtens einer Woche würden die Türken auf allen
Punkten offenſiv vorgehen.

Proteſte türkiſcher Frauen.
* Konſtantinopel, 9. Febr. Gegen 4000 muſel=
maniſche
Frauen hielten geſtern in der Univerſität eine
Verſammlung ab, in welcher zahlreiche patriotiſch
Anſprachen gehalten wurden. Unter den Rednerin=
nen
befanden ſich auch die Gemahlin des Generals Mah=
mud
Mukhtar Paſchas und Prinzeſſin Miimet. Die Ver=
ſammlung
beſchloß, im Namen der ottomaniſchen Frauen
an die Armee ein Telegramm zu richten, in welchem dieſe
aufgefordert wird, im Kampfe zu verharren und die Ab=
ſcheu
der Frauen der geſamten islamitiſchen Welt über
die von den Verbündeten in Rumelien begangenen
Greueltaten auszudrücken, ſowie an die Gemahlinnen
der Staatsoberhäupter von Europa ein ausführliches
Telegramm zu richten, in welchem gegen die von den
Truppen der Balkanſtaaten begangenen Grauſamkei=
ten
proteſtiert und in rührenden Worten an den
Edelſinn und die Menſchlichkeit der Gemahlinnen der
Staatsoberhäupter appelliert wird, damit den Greueln
ein Ende geſetzt werde.

Der bulgariſch=rumäniſche Streitfall.
* Sofia, 9. Febr. Das Blatt Mir drückt, wenn es
auch die Wahl des Zeitpunktes für die Aufrollung des
bulgariſch=rumäniſchen Streitfalles be=

dauert, ſeine Befriedigung über den Beſchluß aus, die
Londoner Verhandlungen in Sofia fortzuſetzen.
Es gibt der Hoffnung auf eine raſche Erledigung dieſer
Frage Ausdruck, damit dem niederen Verdachte ein Ende
gemacht werde, der aus der rumäniſchen Nation den Ver=
bündeten
eines hundertjährigen Feindes mache, der ſeit
hundert Jahren die Bulgaren, Griechen und Serben
und ebenſo die Rumänen bedrückt habe. Alle beſonnenen
Rumänen, ſagt das Blatt, leiden ſicherlich unter dem Ver=
dacht
und weiſen die Hoffnung zurück, die die Türken auf
ſie gründen, als für ihre Ehre und nationale Würde ver=
letzend
! Die rumäniſch=bulgariſche Freundſchaft datiert
von ſo langer Zeit her, daß man ſicher ſein kann, daß ſie
auch diesmal allen Verſuchen, ſie zu trüben, widerſtehen
wird, und daß jene, die ihre Trübung wünſchen, nicht
nur enttäuſcht, ſondern vielleicht ihre Fehler büßen müſſen.
Denn der geſunde Sinn der Völker und ihr Erhaltungs=
inſtinkt
können nicht verſchwinden, um einer künſtlichen
Politik und falſchen nationalen Beſtrebungen Platz zu
machen.
Neue Friedensverhandlungen.

* Paris, 10. Febr. Nach einer Konſtantinopeler
Meldung des Echo de Paris hat der türkiſche Bot=
chafter
in London bei dem Staatsſekretär des
Aeußern, Sir Edward Grey, vorgeſprochen, um die Ver=
mittelung
der Mächte zur Einſtellung der Feind=
ſeligkeiten
zu erbitten. Grey hat erwidert, daß die
Pforte dieſen Schritt in amtlicher Weiſe machen müſſe.
Konſtantinopel, 9. Febr. Der frühere Groß=
weſir
Hakki Bey hatte heute auf der Pforte Unterred=
ungen
mit dem Großweſir. Wie verlautet, wird er mit
einer Miſſion für offiziöſe Friedenspourparler
mit bulgariſchen Delegierten betraut werden. Er wird
mit ihnen in Bukareſt zuſammentreffen. Unter den bul=
gariſchen
Delegierten würde ſich der bulgariſche Geſandte
in Bukareſt befinden.

Letzte Nachrichten.
* Konſtantinopel, 10. Febr. Seit Samstag
Nacht ſind keine amtlichen Mitteilungen über die krie=
geriſchen
Ereigniſſe erſchienen. Die Blättermeld=
ungen
ſtellen übereinſtimmend feſt, daß die Lage für die
türkiſchen Truppen überall gut ſei. Nach der Beſchießung
der bulgariſchen Stellen bei Silivri zogen ſich die Bul=
garen
in das Innere der Stadt zurück. Dieſelbe wird
jetzt durch die Panzerkorvette Idjlalije beſchoſſen. Rei=
ſende
, die aus den Dardanellen hier angekommen ſind,
berichten, daß die vorgeſtrigen Kämpfe bei Maltepe auf
der Halbinſel Gallipoli ſehr erbittert geweſen ſind. Die
Bulgaren haben Hunderte von Toten und Verwundeten.
Die Türken machten rund 30 Gefangene, ſie hatten nur 2
Tote und etwa 30 Verwundete. Ein Teil der Verwun=
deten
iſt ſchon fortgeſchafft worden. Eine Anzahl Kano=
nen
ſind von den Bulgaren zurückgelaſſen worden. Bei
Tſchataldſcha ſollen 12 Bulgaren gefangen genommen.
worden ſein, die hierher übergeführt wurden.

Die Revolution in Mexiko.

* Meriko, 10. Febr. Nach den letzten Telegram=
men
aus Mexiko halten ſich der Präſident Madero und
die Kabinettsminiſter noch im Nationalpalaſt auf, um den
ſich die blutigſten Kämpfe abſpielen. Unter den Verwun=
deten
befindet ſich auch der Kriegsminiſter General
Gregorio Reye. Zwei Hauptleute und drei Leutnants
wurden im Coaſtquard=Palaſt tödlich verwundet; nach
einer anderen Meldung ſind ſie von den eigenen Soldaten
getötet worden, weil ſie verſuchten, dieſe von der Ver=
einigung
mit den Rebellen abzuhalten. Diaz hat das Ar=
ſenal
erſt nach heftigem Widerſtand eingenommen. Auch
von anderen Orten werden Revolutionsaufſtände ge=
meldet

* New=York, 9. Febr. Nach einer Depeſche aus
Mexiko von 1 Uhr nachmittags beherrſcht Diaz die
Situation, nachdem die Artillerie und die Mehrzahl der
übrigen Truppen zu ihm übergegangen ſind. Diaz und
ſeine Anhänger haben das Arſenal eingenommen. Die
Regierungstruppen leiſteten einige Zeit Widerſtand, dann
gingen die Rurelas und die Polizei zu Diaz über. Ge=
neral
Reye iſt im Kampf gefallen.
* Mexiko 10. Febr. Felix Diaz, der am
Sonntag noch ein zum Tode verurteilter politiſcher Ge=
fangener
war, iſt jetzt tatſächlich der Herrſcher in
Mexiko. Er beſetzte drei bis vier Waffenarſenale und
Pulverfabriken. Madero wurde am Sonntag bis
10 Uhr abends im Nationalpalaſt belagert, den er um
dieſe Zeit mit den Miniſtern verließ, Seine Familie floh
auf die japaniſche Geſandtſchaft. Schon früher wurde in
diplomatiſchen Kreiſen als offene Tatſache erzählt, daß
Madero nicht imſtande ſei, die Ausländer mit den ihm zur
Verfügung ſtehenden Kräften zu ſchützen. Es verlautet,
daß Diaz dem Präſidenten Madero ein Ultimatum
geſtellt habe in der Form, daß er ihn wiſſen ließ, wenn
er ſich nicht ergebe, würde er den Palaſt in die Luft
ſprengen. Die Stadt iſt ruhig, jedoch ſollen in der Sonn=
tagnacht
250 Perſonen getötet und mehrere hundert ver=
wundet
worden ſein. Nach ſpäteren Meldungen iſt Ma=
dero
mit ſeiner Familie auf die Nachricht, daß General
Blanquet, der mit einer Streitmacht angekommen war,
ſich weigere, gegen Diaz zu kämpfen, weſtwärts an die
Küſte zu geflohen. Die Brücken zwiſchen Mexiko und
Toluka ſind verbrannt. Der Sohn des Generals Reye,
Rudolfo Reye, hat aus Schmerz über den Tod ſeines
Vaters Selbſtmord begangen.

Vermiſchtes.

H. Freiwillige Kriegskrankenpflege,
Auf Anordnung des Kaiſerlichen Kommiſſars und Militär=
inſpekteurs
der freiwilligen Krankenpflege, Fürſten zu
Solms=Baruth, findet alljährlich ein Ausbildungskurſus
für die Delegierten der freiwilligen Krankenpflege ſtatt, um
dieſe auf ihre Pflichten für den Kriegsfall vorzubereiten.
Der diesjährige Kurſus wird in den Tagen vom 10. bis
14. d. Mts. in der Kaiſer Wilhelm=Akademie für das mili=
täriſche
Bildungsweſen in Berlin abgehalten. Die Zahl
der Teilnehmer iſt in dieſem Jahre beſonders groß; über
250 Perſonen aus allen Berufsſtänden und Geſellſchafts=
kreiſen
Staatsbeamte. Militärs, Männer der Wiſſen=
ſchaft
, Landleute, Geiſtliche, Kaufleute. Lehrer uſw., Mit=
glieder
des Johanniterordens, der Malteſer und des Roten
Kreuzes die ſich freiwillig in den Dienſt der Kriegs=
krankenpflege
geſtellt haben, ſind aus faſt allen deutſchen
Bundesſtaaten herbeigeeilt, um in ihren Pflichten für den
Kriegsfall unterwieſen zu werden. Auch aus dem Groß=
herzogtum
Heſſen waren zu dieſem Kurſus Teil=
nehmer
erſchienen; die Teilnehmerliſte enthielt u. a. die
Namen der Herren: Fürſt und Graf zu Erbach=Schönberg=
König und Graf zu Stolberg=Roßla=Ortenberg. Vor Be=
ginn
des Kurſus hatte der Fürſt zu Solms die Teilneh=
mer
auf Sonntag abend zu einer geſelligen Vereinigung
in ſein Palais Unter den Linden aebeten. Eingeleitet

[ ][  ][ ]

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Seite 7.

wurde der Kurſus am Montag, 10. d. M., durch zwei Vor=
träge
; Generalarzt Dr. Ranzow: Geſchichtliche Entwickel=
ung
der deutſchen freiwilligen Krankenpflege; Stabsarzt
Dr. Schmidt: Gliederung des Sanitätsdienſtes im Kriege,
Sanitätsausrüſtung des Feldheeres. Demnächſt folgen
weitere Vorträge: Einordnung der freiwilligen Kranken=
pflege
in den ſtaatlichen Kriegsſanitätsdienſt Bekleidung
und Ausrüſtung in der Armee und der freiwilligen Kran=
kenpflege
Krankenunterkunft im Etappengebiet, Kran=
kenzerſtreuung
, Nachſchub von Sanitätsausrüſtung Er=
fahrungen
im Sanitätsdienſte des Etappengebietes im
Kaiſermanöver 1912 Darſtellung der Tätigkeit der frei=
willigen
Krankenpflege im Etappengebiet an einem prak=
tiſchen
Beiſpiel Vorführung von Röntgenbildern mit
Berückſichtigung der Kriegsverhältniſſe. Dazwiſchen finden
Beſichtigungen der Sammlungen der Kaiſer Wilhelm= Aka=
demie
und einer in Tätigkeit befindlichen Feldwäſcherei=
und Desinfektionsanlage im Garniſonlazarett I Berlin
ſtatt. Den Schluß bildet die Vorführung einer Verband=
und Erfriſchungsſtelle im Etappengebiete und einer Kran=
kenſammelſtelle
mit Uebernachtungsraum unter Benutzung
eines planmäßigen Hilfslazarettzuges und eines Hilfs=
lazarettſchiffes
.
Ein Preisausſchreiben. Der deutſche
Abwehrbund gegen die Ausſchreitungen der Abſtinenzbe=
wegung
erläßt ein Preisausſchreiben zur Erlangung eines
Muſterbelehrungsblattes über die vielum=
ſtrittene
Frage: Was Jedermann vom Alko=
hol
wiſſen muß. Bewerber wollen vom Deutſchen
Abwehrbund, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 127/8,
Probeblätter einfordern, aus denen ſie Art, Form und
Umfang der gewünſchten Bearbeitung erſehen werden.
Der Text darf in großer Druckſchrift nur eine Seite eines
Blattes im Format von etwa 21:32 Zentimeter füllen.
In der lapidaren Kürze der einzelnen Theſen, zu denen
die betreffenden Schriftſtellen angegeben ſein müſſen, wird
der beſondere Wert der Arbeit erblickt. Für die beiden
beſten Arbeiten ſind ausgeſetzt 1. Preis 150 Mk., 2. Preis
100 Mk.
Der Deutſchen Geſellſchaft für
Kaufmanns=Erholungsheime ſind in den letz=
ten
Tagen wiederum eine Reihe größerer Stiftungen zu=
gegangen
, u. a. von Guſtav Avelis, Forſt i. L., 5000 Mk.,
Mar Bahr, Landsberg, 5000 Mk., Grünebaum u. Kauf=
mann
. Kottbus, 5000 Mk., Rudolf Kahn. Offenbach,
5000 Mk., Eugen Neubarth, Forſt i. L., 5000 Mk., Schilling
. Brüning, Breslau, 5000 Mk., Kommerzienrat Wirth,
Sprau, 5000 Mk.

Literariſches.

Schulſünden iſt gewiß ein Wort, das für ſehr viele
Menſchen ein Intereſſe hat, ſei es, daß ſie ihrer eigenen
Schulzeit gedenken, ſei es, daß ſie durch ihre Kinder wie=
der
damit in Beziehung gebracht werden. Intereſſieren
wird es darum, zu erfahren, was ein ſo erfahrener und
bewährter Schulmann wie Adolf Mathies zu der An=
gelegenheit
zu ſagen hat. In Nr. 3 der Gartenlaube
nimmt er das Wort zu den Schulſünden in der deutſchen
Literaturbehandlung Seine temperamentvollen Bemerk=
ungen
zu ſeinem Thema werden auf weite Kreiſe Eindruck
machen, zumal ſie von einem Manne herrühren, der für
ſich das Recht in Anſpruch nehmen darf, in der Sache mit=
zuſprechen
.
Der Baumeiſter Monatshefte für Archi=
tektur
und Baupraxis, herausgegeben von Arch. Janſen
und Müller, Berlin. Schriftleiter Arch. Karl Zetzſche,
Berlin. Vierteljährlich 6 Mk., einzelne Hefte (mit etwa
40 Abbildungen und 10 Tafeln) 3 Mk. Verlag von Georg
. W. Callwey, München. Im dritten Heft iſt der ſüd=
deutſchen
Architektur mit zwei Projekten in München und
Stuttgart Raum gegeben, von denen hauptſächlich die
Spielhüte auf dem Hirſchanger in München, entworfen
von Baurat W. Bertſch, wegen des ihr eigenen Stim=
mungsgehaltes
hervorzuheben wäre. Es iſt alſo nicht
nur Reichtum der Quantität, was dieſes Heft auszeichnet,
ſondern auch der Qualität, ſo daß es ſich den früheren
Heften würdig zur Seite ſtellt.
Winter in der Schweiz, Winterſport und
Winterkuren. Zweite Auflage, neu bearbeitet, ergänzt
und erweitert von A. Eichenberger. Mit über 150 Illu=
ſtrationen
, Karten und acht Kunſtbeilagen. 400 Seiten 8½
auf Kunſtdruckpapier Ganzleinenband. Verlag von
Bürgi u. Co. in Zürich. Preis 3 Franken. Von kundiger
Hand revidiert, darf das Werk nicht nur als vollſtändiges
und zuverläſſiges Nachſchlagebuch bezeichnet werden, die
Fülle künſtleriſcher Illuſtrationen zeigen das Schweizer=
land
in der Schönheit des Winterzaubers und in der Viel=
ſeitigkeit
auf dem Gebiet des Winterſports. Das Buch
enthält in der Tat die Quinteſſenz alles für den Winter=
gaſt
und Winterſportler, ſowie für den Naturfreund Wiſ=
ſenswerten
.
Darmſtadt, 11. Februar.
* Vom Großh. Hoftheater. Der geſteigen Aufführung
von Lortzings Zar und Zimmermann wohnte das
Großherzogspaar bei.

Letzte Nachrichten.
(Wolffs telegr. Korreſp.=Bureau.)

* Bremen, 10. Febr. Die Rettungsſtation Stolp-
münde
der deutſchen Geſellſchaft zur Rettung Schiff=
brüchiger
telegraphiert: Am 9. Februar von dem
ſchwediſchen Dampfer Tor geſtrandet öſtlich der Molen
von Stolpmünde mit Getreide von hier nach Kopenhagen
beſtimmt, neun Mann gerettet durch Rettungboot Gene=
Die Rettungsſtation
ralpoſtmeiſter der Oſtſtation.
Horumerſiel der gleichen Geſellſchaft telegraphiert: Am
8. Februar von einem Schleppdampfer, Kapitän Manſſen,
geſtrandet auf Mellumplate, mit zwei Pontons von Hel=
goland
nach Wilhelmshaven beſtimmt, vier gerettet durch
das Rettungsboot Meta Hartmann der Station. Boots=
fahrt
ſechs Stunden.
* Paris, 10. Febr. Eine Anzahl bretoniſcher
Fiſcher hat dem Kolonialminiſter den Plan vorgelegt,
an der Küſte von Mauretanien die Sardinenfiſche=
rei
im großen zu betreiben. Der Miniſter hat den
Fiſchern mitteilen laſſen, daß er ihnen für dieſe Zwecke
alle erforderlichen Erleichterungen gewähren und insbeſon=
dere
die nötigen Baulichkeiten zur Verfügung ſtellen werde.
* London, 10. Febr. Die Telegraphen=
leitungen
zwiſchen Glasgow und London ſind
am Samstag durchgeſchnitten worden. Die Un=
terbrechung
des geſamten Verkehrs zwi=
ſchen
den beiden Handelszentren dauerte mehrere Stun=
den
. Zuerſt hielt man den Sturm für die Urſache der
Zerſtörung, aber die Unterſuchung ergab, daß auch die
unter dem Erdboden liegenden Leitungen nicht arbeiteten.
Die Einſchaltungsapparate, die mit der unterirdiſchen
Telegraphenleitung in Verbindung ſtehen, waren b ös
willig vernichtet und die Luftleitungen mit
Scheren zerſchnitten worden. Es herrſcht kaum ein Zwei=

fel darüber, daß dieſes Zerſtörungswerk von Anhän=
gerinnen
des Frauenſtimmrechts ausge=
führt
worden iſt. Anhängerinnen des Frauenſtimmrechts
zertrümmerten übrigens geſtern auch in mehreren Klub=
häuſern
Londons und am Palaſt des Prinzen Chriſtian
von Schleswig=Holſtein=Sonderburg=Auguſtenburg in
Pallmall die Fenſterſcheiben.

H.B. Wien, 10. Febr. Aus Wiener Hofkreiſen wird
berichtet, daß es mit dem Geſundheitszuſtande
des Thronfolgers Erzherzog Franz Fer
dinand nicht zum Beſten beſtellt ſei. Wie verlautet,
hielt ſich der Erzherzog kürzlich in Dresden auf, um dort
den Rat eines Interniſten einzuholen. Gegenwärtig muß
er ſich auf ſeinem Schloß Koropiſcht auf ärztliche Anord=
nung
einer Liegekur unterziehen. Ein veraltetes Lungen=
leiden
, an dem der Erzherzog als junger Mann laborierte,
hat ſich neuerdings gemeldet, ſo daß der Thronfolger ſich
Schonung auferlegen muß.

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Familiennachrichten.
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Die Geburt ihres Sohnes
Karl Heinz
(*3667
zeigen hocherfreut an
Zahnarzt Ostreicher und Frau,
Eugenie, geb. Haas.
Darmſtadt, den 10. Februar 1913.

Tonntag abend 9 Uhr entſchlief nach langem,
ſchwerem Leiden im faſt vollendeten 77. Le=
(3773
bensjahre mein lieber, guter Vater
Ludwig Meyenberg
Maschinenmeister i. P.
Frankfurt a. M., 10. Februar 1913.
Saalgaſſe 27, III. St.
Herm. Meyenberg.
Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. Febr.,
nachmittags 3½ Uhr, vom Portale des ſtädt.
Friedhofes in Darmſtadt aus, ſtatt.

Dankſagung.
Für die uns bewieſene Teilnahme bei dem
ſchmerzlichen Hinſcheiden unſerer lieben Mutter
ſagen wir auf dieſem Wege unſeren Freunden
und Bekannten unſeren beſten Dank.
Namens der trauernden Hinterbliebenen:
Jacob Breunig,
Rhönring 1.
3770)

Todes=Anzeige.
Verwandten, Freunden und Bekannten zur
Nachricht, daß unſere liebe Schweſter (*3684
Christiane Helferich
am 7. d. M. im Eliſabethenſtift hierſelbſt ſanft
im Herrn entſchlafen iſt.
Für die freundliche, wohltuende Teilnahme
bei der Beerdigung am Sonntag, den 9. Febr.,
herzlichen Dank.
Im Namen der trauernden Geſchwiſter:
Sophie Helferich,
aus Bad-Nauheim.

Dankſagung.

Für die zahlreichen Beweiſe herzlicher Teil=
nahme
bei dem uns ſo ſchwer betroffenen Verluſt
ſagen wir allen Leidtragenden, insbeſondere Herrn
Pfarrer Widmanp für die ſinn= und troſtreichen
Worte am Grabe, unſeren aufrichtigen Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Schäfer,
*3736)
Familie Moll.
Darmſtadt, Duisburg, den 10. Februar 1913.

Danksagung.
Für die vielen Beweiſe herzlicher Teilnahme
anläßlich des Ablebens unſerer lieben, unvergeß=
lichen
Schweſter
(*3740
Atalie Mainzer
ſagen wir unſeren tiefgefühlten Dank.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Geschwister Mainzer.
Darmſtadt, Frankfurt a. M., Bad Homburg.

Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentliche Wetterdienſtſtelle Gießen.

Ganz Europa ſteht unter dem Einfluß eines aus=
gedehnten
ſtarken Hochdruckgebiets. Im hohen Norden
liegen ſtarke Depreſſionen, die oſtwärts wandern. Im
Bereich des hohen Drucks haben wir bei wechſelnder
Bewölkung trockenes Wetter. Die Temperaturen ſind
heute nacht bis unter 0 geſunken. Wir werden morgen
unter dem Einfluß des Hochs ſtehen, ſo daß wir bei
wechſelnder Bewölkung trockenes, ruhiges Wetter zu
erwarten haben.
Ausſichten in Heſſen für Dienstag, den 11. Febr.;
Wechſelnd bewölkt, trocken, Temperatur wenig verändert,
ſtellenweiſe Nachtfroſt.

Tageskalender.

Großh. Hoftheater (Ab. A.), Anfang 7½ Uhr, Ende
10 Uhr: Mein Freund Teddy.
Vorſtellung um 8¼ Uhr im Orpheum.
Vortrag von Frau Profeſſor Kruckenberg um 8 Uhr
im Gemeindehaus der Johannesgemeinde ( Frauen=
verein
).
Vortrag von Dr. Linſe um 8½ Uhr im Reſtaurant
Sitte (Jungliberaler Verein).
Konzerte: Hotel Heß und Bürgerkeller um 8 Uhr.
Olympia=Theater, Rheinſtr. 2, 1. Etage:
Vorſtellungen von 411 Uhr.
Uniontheater (Kunſtlichtſpiele), Rheinſtraße 6.
Bilder vom Tage (Auslage Rheinſtraße 23): Exz.
Th. v. Holleben : Kardinal Dr. Franz Taver Nagl
ein ſerbiſches Feldlazarett vor Adrianopel; der bulga=
riſche
General Iwanoff und ſein Stab vor Adrianopel;
Mönch mit Hunden auf dem St. Bernhard.

Verſteigerungskalender.
Mittwoch, 12. Februar.

Hofreite=Verſteigerung des Georg Brück ( Lich=
tenbergſtraße
72) um 10 Uhr auf dem Ortsgericht I.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 11 und 3 Uhr
Rundeturmſtraße 16.
Mobiliar= uſw. Verſteigerung um 3 Uhr in
der Ludwigshalle‟.
Holzverſteigerung um 8½ Uhr in der Brücherſchen
Wirtſchaft zu Arheilgen.

Patentſchriften=Auslegeſtelle in der Gewerbe=
Bibliothek, Neckarſtr. 3. Zeit der Benutzung: an allen
Wochentagen von 1012½ u. 35½ Uhr (Samstag=
Mittag ausgenommen).

Druck und Verlag: L. C. Wittich’ſche Hofbuchdruckerei.
Verantwortlich für den politiſchen Teil, für Feuilleton,
Reich und Ausland: Dr. Otto Waldaeſtel; für den übrigen
redaktionellen Teil und Letzte Nachrichten: Mar Streeſe;
für den Inſeratenteil, Inſeratbeilagen und Mitteilungen
aus dem Geſchäftsleben: Hans Heitz, ſämtlich in Darmſtadt.
Für den redaktionellen Teil beſtimmte Mitteilungen ſind
an die Redaktion des Tagblatts zu adreſſieren. Etwaige
Honorarforderungen ſind beizufügen; nachträgliche werden
nicht berückſichtigt. Unverlangte Manuſkripte werden nicht
zurückgeſandt.

[ ][  ][ ]

Seite 8.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913

Nummer 35.

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Nummer 35.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

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Seite 10.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Nummer 35.

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Verschönerungs-Verein.
Einladung.
Freitag, den 14. Februar 1913, abends 8 Uhr,
findet im Herrſchaftsſaal des Saalbaus
die Feier des50jähr. Beſtehensdes Verſchönerungsvereins
und zugleich die diesjährige
General=Versammlung
ſtatt.
Tagesordnung:
1. Vortrag des Vorſitzenden, Herrn Geheimerat Wilbrand,
über: 50 Jahre Arbeit des Verſchönerungsvereins.
2. Vortrag des Herrn Geh. Oberforſtrat Dr. Walther über:
Unſere Wälder.
(365soi
3. Beratung des Voranſchlags für 1913, Rechnungsablage uſw.

3755)

Turngemeinde Darmſtadt.

Das Riegenturnen findet in
dieſer Woche am Mittwoch und
Samstag abends von 910 Uhr
ſtatt.
Samstag nach dem Turnen
Mannſchaftskneipe.
Die Vorturnerſchaft.

Im Ortsgewerbeverein ſpricht am nächſten Freitag
Herr Rechtsanwalt Geissner über: Schadens=
erſatz
=Verpflichtung des Handwerkers.
(3717

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Leitung: Wilhelm Schmitt, Direktor der Akademie für Tonkunst.
Programm: 1. Bizet: L'Arlésienne erste Orchester-
Suite. 2. Vaccaj: Arie mit Orchesterbegleitung. 3. Grieg: Zwei
elegische Melodien für Streichorchester. 4. Fünf Lieder mit
Klavier von Brahms u. Schumann. 5. Tschaikowsky: Capriccio
Italien für grosses Orchester.
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1.5. Reihe 2.80 M., 6.8. Reihe
2.25 M., I. Galerie 1.25 M.,
II. Galerie 0.65 M.
Anfang 7½ Uhr. Ende 10 Uhr.
Kartenvk. v. 9½1½ u. v. 6½ U. an.
Vorverkauf für die Vorſtellungen:
Mittwoch, 12. Febr. 119. Ab.=Vſt.
D 29. Prima=Ballerina.
Barbarina . Joſefine Becker= Ger=
der
, a. G. Kleine Preiſe. An=
fang
7½ Uhr.
Donnerstag, 13. Febr. 120. Ab.=
Vorſtell. B 31. Der Frei=
ſchütz
. Gew. Pr. Anf. 7½ Uh
Freitaa, 14. Febr. 121. Ab.=Bſt.
D 30. Neu einſtudiert: Tai=
fun
. Kl. Preiſe. Anf. 7½ Uhr.
Aus dem Spielplan.
Samstag, 15. Febr. 122. Ab.=Vſt.
C 31. Auf Allerhöchſten Befehl:
Die fünf Frankfurter.
Gew. Preiſe. Anfana 7½ Uhr.

3 . Z. ZZZ

Einlage:

Eid

Der

Huller

Stefan

des

I. Tei

(3702

[ ][  ][ ]

Bekanntmachung.

Die freie Innung der Friſeure und Perrückenmacher in den Landgemeinden
des Kreiſes Darmſtadt hat bei uns beantragt, für die Landgemeinden des Kreiſes
Darmſtadt Beſtimmungen zu treffen, daß der Gewerbebetrieb im geſamten Barbier=,
Friſeur= und Verrückenmachergewerbe ſowohl innerhalb wie außerhalb der Betriebs=
ſtätten
am 2. Weihnachts=, Oſter= und Pfingſtfeiertage unterſagt, dieſer Gewerbebetrieb,
ſowie die Beſchäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern an dieſen Tagen
jedoch inſoweit geſtattet werde, als dies zur Vorbereitung der öffentlichen Theater=
vorſtellungen
und Schauſtellungen erforderlich ſein ſollte.
Gemäß §§ 171, 122 der Ausführungsanweiſung zur Gewerbeordnung vom
20. März 1912 machen wir hiermit öffentlich bekannt, daß wir den Großh. Kreisamts=
gehilfen
Herling zum Kommiſſär zur Herbeiführung und Leitung der Abſtimmung
der beteiligten Gewerbetreibenden beſtellt haben.
Darmſtadt, den 6. Februar 1913
(3695ids
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
In Vertr.: Dr. Michel.

Bekauntmachung.

Am 31. März oder 1. April 1913 beginnt an der Aliceſchule in Darmſtadt ein
neuer einjähriger Kurſus zur Ausbildung von Handarbeitslehrerinnen.
Meldungen ſind bis zum 1. März 1913 bei dem Vorſtand der Aliceſchule in
Darmſtadt einzureichen unter Anſchluß:
1. eines ſelbſtverfaßten Lebenslaufs,
2. des letzten Schulzeugniſſes,
3. eines Geburtsſcheines,
4. eines Zeugniſſes über die ſeitherige Tätigkeit,
5. eines amtlichen Führungszeugniſſes,
6. eines kreisärztlichen Geſundheitszeugniſſes.
Darmſtadt, den 5. Februar 1913.
(3694
Großherzogliche Kreisſchulkommiſſion Darmſtadt.
Fey.

Bekanntmachung.

Dienstag, den 11. ds. Mts., findet von vormittags 9 Uhr bis nachmittags
3 Uhr Scharfſchießen der Infanterie auf dem Truppenübungsplatz ſtatt. Der Platz
wird während der angegebenen Zeit abgeſperrt. Die Abſperrung erſtreckt ſich bis
zum Landgraben.
Darmſtadt, am 6. Februar 1913.
Großherzogliches Kreisamt Darmſtadt.
(3552si
J. V:. Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für das III. See=
bataillon
(Marine=Infanterie) in Tſingtau (China) findet Oktober 1913 ſtatt; Aus=
reiſe
nach Tſingtau: Januar oder Frühjahr 1914, Heimreiſe Frühjahr 1916 bezw. 1917.

Bedingungen: Mindeſtens 15 m groß, kräſig, geſunde Zähne vor dem 1. Otiober 194
geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körperlicher Entwicklung). In Tſingtau
wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Die Vierjährig=Freiwilligen erhalten im 4. Dienſtjahre eine tägliche Ortszulage von
1.50 Mark. Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter Beifügung eines unterzeich=
neten
, vom Zivilvorſitzenden ausgeſtellten Meldeſcheins zum freiwilligen Dienſteintritt
auf drei bezw. vier Jahre zu richten an: das Kommando des III. Stamm=
ſeebataillons
, Wilhelmshaven.
Darmſtadt, den 7. Februar 1913.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart.

Bekanntmachung.

Die Einſtellung von Drei= und Vierjährig=Freiwilligen für die Matroſen=
artillerie
=Abteilung Kiautſchou (Küſtenartillerie) in Tſingtau (China) findet
Oktober 1913 ſtatt; Ausreiſe nach Tſingtau: Januar 1914 bezw. 1915, Heimreiſe Früh=
jahr
1916 bezw. 1917. Bedingungen: Mindeſtens 1,64 m groß, kräftig, geſunde Zähne,
vor dem 1. Otober 194 geboren (jüngere Leute nur bei beſonders guter körverlicher
Entwicklung). In Tſingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark
Teuerungszulage gewährt. Die Vierjährig=Freiwilligen erhalten im 4. Dienſtjahre
eine tägliche Ortszulage von 1,50 Mark. Meldungen mit genauer Adreſſe ſind unter
Beifügung eines vom unterzeichneten Zivilvorſitzenden ausgeſtellten Meldeſcheins
zum freiwilligen Dienſteintritt auf drei bezw. vier Jahre zu richten an: das Kommando=
der
Stammabteilung der Matroſenartillerie Kiautſchou, Cuxhaven.
Darmſtadt, den 7. Februar 1913.
Der Zivil=Vorſitzende der Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt.
Dr. Reinhart.
(3714a

Darmſtadt, 5. Februar 1913.
Betreffend: Die Führung der Rekrutierungsſtammrollen; hier Zu= und Abgänge
Militärpflichtiger.
Der Zivil=Vorſitzende der Großherzoglichen Erſatz=Kommiſſion Darmſtadt

an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Indem ich Sie auf die Beſtimmungen des § 46 Poſ. 13 der Wehr=Ordnung vom
22. November 1888 (Neuabdruck im Reg.=Bl. Nr. 68 von 1901) hinweiſe, nach welcher
von jeder An= und Abmeldung eines Militärpflichtigen zur bezw. von der Stamm=
rolle
infolge Aufenthaltswechſel, behufs Berichtigung der alphabetiſchen und Reſtanten=
Liſten, hierher Mitteilung zu machen iſt, empfehle ich Ihnen, die entſprechenden
Anzeigen bei Anmeldungen unter Vorlage des Loſungsſcheins für jeden Mann
getrennt, alsbald zu erſtatten.
Dr. Reinhart, Regierungsrat.
(3715a
Die bei Berechnung der Lieſerungen für die Arme zu Grund zu legenden Durch=
ſchnittsmarktpreiſe
im Kreiſe Darmſtadt haben im Monat Januar 1913 für Hafer 23 Mk.,
für Heu 8 Mk., für Stroh 5 Mk. pro 100 Kilo betragen.
(3708

Abgabe von Waſſer für Neubauten.

Die Anmeldungen zum Waſſerbezug für Neubauten erfolgen
vielfach ſo ſpät, daß beim Beginn der Bauarbeiten der Anſchluß an
die Leitung nicht hergeſtellt iſt. Da die Abgabe von Wäſſer aus
dem nächſtliegenden Straßenhydranten für den Unternehmer mit
Umſtänden und Koſten verbunden iſt, wird des öfteren verſucht, ent=
gegen
der Beſtimmung des § 7 der Waſſerbezugsſatzungen, Waſſer
aus einem Nachbargrundſtück zu entnehmen.
Einem Antrag auf Einführung der Waſſerleitung in Neu=
bauten
kann nur dann rechtzeitig entſprochen werden, wenn dieſer
bei der Waſſerwerksverwaltung frühzeitig vor Beginn der Bau=
arbeiten
geſteilt worden iſt. Es empfiehlt ſich gleichzeitig mit der
Abgabe des Baugeſuchs an die Baupolizei auch den Antrag auf
Waſſerzuführung bei der Waſſerwerksverwaltung einzureichen.
Darmſtadt, den 3. Februar 1913.
Der Oberbürgermeiſter
(3238ii
J. V.: Ekert.

Einzichung von Erbbegräbnisplätzen.

Die auf dem Friedhof an der Nieder=Ramſtädterſtraße ge=
regenen
Erbbegräbnisplätze:
Abt. I, Buchſt. E, Nr. 77 (Schneider Heinrich Port Ehefrau),
II. 78 (Oberſchulratſekretär Gg. Schüßler),
werden von den Verpflichteten ſeit Jahren nicht unterhalten und
ſollen daher eingezogen werden. Wer Anſprüche auf die Plätze zu
haben glaubt, wird aufgefordert, ſich darüber auf dem Bureau für
Friedhofsangelegenheiten (Marktplatz8, Rathaus) auszuweiſen. Sind
ſolche Anſprüche nicht innerhalb dreier Monate, vom Tage des erſt=
maligen
Erſcheinens dieſer Bekanntmachung an gerechnet, geltend
gemacht worden, ſo werden die Plätze eingezogen und weiter vergeben
werden.
(2711a
Darmſtadt, den 23. Januar 1913.
Der Oberbürgermeiſter.
J. V.: Müller.

Aufgebot.

Der Werkführer Friedrich Müller zu Darmſtadt, als Pfleger
der abweſenden Eliſabeth Wallenſtein, hat mit vormundſchaftsgericht=
licher
Genehmigung beantragt, die verſchollene Eliſabeth Wallenſtein,
geb. Habermehl, geboren zu Darmſtadt am 2. November 1845, aus=
gewandert
etwa anfangs der ſechziger Jahre nach Amerika, zuletzt
wohnhaft in Darmſtadt, für tot zu erklären. Vorſorglich mit Wir=
tung
für das im Inland befindliche Vermögen.
Die bezeichnete Verſchollene wird aufgefordert, ſich ſpäteſtens
in dem auf
Dienstag, den 28. Oktober 1913, vormittags 8½ Uhr,
vor dem unterzeichneten Gerſcht, Zimmer Nr. 209, anberaumten Auf=
gebotstermin
zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung er=
fülgen
wird.
An alle, welche Auskunft über Leben oder Tod der Verſcholle=
nen
zu erteilen vermögen, ergeht die Aufforderung, ſpäteſtens im
Aufgebotstermine dem Gericht Anzeige zu machen.
(3706
Darmſtadt, den 3. Februar 1913.
Großherzogliches Amtsgericht I.
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ſowie Reparaturen und Reinigungen werden fach=
gemäß
ſauber ausgeführt. Voranſchläge koſtenlog.

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Nr. 18, während der Dienſtſtunden
zur Einſicht offen, woſelbſt auch
die Angebote bis Samstag, den
15. Februar, einzureichen ſind.
Darmſtadt, 7. Februar 1913.
Stadtgärtnerei.
((3600si
Stapel.

Bekanntmachung.

In unſer Handelsregiſter A.
wurde heute eingetragen:
Firma: Margarete Weber in
Ober=Ramſtadt, Inhaber Georg
Weber III., gütergetrennte Ehe=
frau
Margarete, geb. Schwinn, in
Ober=Ramſtadt. Prokuriſt Georg
Weber III. daſelbſt. Angegebener
Geſchäftszweig: Bürſten=, Holz=,
Kurz., Korb., Seiler= und Spiel=
(3752
warenhandlung.
Darmſtadt, 3. Februar 1913.
Großherzoglich Heſſiſches
Amtsgericht II.

Dünger=Verkauf.

Beim unterzeichneten Regiment
findet am
Donnerstag, den 13 ds. Mts.,
vormittags 9½ Uhr,
der Verkauf von ungefähr achtzig
(3756im
Haufen
Matratzenſtreu
öffentlich meiſtbietend ſtatt.
Garde=Dragoner=Regiment
Nr. 23.

Verſteigerungen
und
Tarationen

aller Art übernimmt unter billig=
(3373a
ſter Berechnung
F. Kurtz, Auktionator u. Taxator,
Pädagogſtraße 2. Teleph. 1202.
Guterhalt. Kinderſportwägel=
(*3695
chen zu verkaufen.
Liebfrauenſtraße 91, II. rechts.
Seine Arbeit tut Giotil beim
Kochen der Wäſche, indem die
enorme Waſch= und Bleichkraft
(VII3741
des Giotils die
schmutzige
Wäſche reinigt und bleicht, ohne
daß wie früher ein Anſeiſen, Rei=
ben
und Raſenbleiche nötig wäre.
Nur mit Giotil ½ Stunde kochen,
dann ausſpülen und die Wäſche
iſt ſchneweißz. Per ½, Paket30 Pfg.
Fabrikanten Hanauer Seifenfabrik
J. Gioth, G. m. b. H. Niederlagen:
Carl Steinhäuser, Germania=
Drogerie, Carl Dreste, Karl=
ſtraße
81.

Die Lieferung von Betriebs= und Werkſtätten=Materialien
pro 1912/14 für unſere Bahnen ſoll auf dem Submiſſionswege ver=
geben
werden. Angebote mit der Aufſchrift
Submiſſion auf Betriebs= u.
Werkſtätten=Materialien

ſind bis ſpäteſtens am 1. März cr., vormittags 10 Uhr, an unſer
Maſchinen techniſches Büro hier einzureichen, bei welchem auch die
Lieferungsbedingungen eingeſehen, reſp. gegen portofreie Einſendung
von 80 Pfennig bezogen werden können.
Darmſtadt, im Februar 1913.
3737im
Süddeutſche Eiſenbahn=Geſellſchaft.

Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 12. Februar 1913, vormittags

11 Uhr und, wenn nötig, nachmittags 3 Uhr,
werden im Pfandlokale Rundeturmſtraße 16 (Reſtauration zur
Roſenhöhe) in Darmſtadt
verſchiedene Möbel als Büfetts, Schreibtiſche, Kleiderſchränke,
Waſchkommoden, Vertikos, 1 Ruhebett, Diwans, Bücher=
ſchränke
, Trumeauxſpiegel, Nähtiſchchen, 1 Pianino, 1 Jalouſie=
ſchrank
, 1 Warenſchrank. 1 Konſolſchrank, ferner 1 Näh=
maſchine
, 80 Bände Klaſſiker, 1 Fahrrad, Ladenregale,
ferner 1 große Partie Schuhwaren, als Kinderſtiefel,
Herren= und Damenſtiefel, Fußballſchuhe, Tennisſchuhe,
Reitſtiefel und 418 Portemonnaies
durch den Unterzeichneten zwangsweiſe verſteigert.
Die Verſteigerung der fettgedruckten Sachen findet ſicher
ſtatt.
(3760
Berbert, Großh. Gerichtsvollzieher
in Darmſtadt, Georgenſtr. 11, II.

Holzverſteigerung.
Montag, den 17. Februar I. J., vorm. 10 Uhr,

werden im Zeilharder Gemeindewald, Diſtrikt Mark, verſteigert.
Stämme:
7 Eichen 9,21 fm, 199 Eſchen 60,12 fm, 1 Hainbuche
0,27 fm, 4 Fichten 1,57 fm, Derbſtangen 59 Eſchen 3,84 fm.
Brennholz:
Scheiter: rm 45 Eichen, 1 Eſche, 3 Kiefern.
Fichten 1900
Knüppel: 20 65
verſchiedene Wellen.
Stöcke
24
6 Fichten.
24
Das Stammholz kommt zuerſt zum Ausgebot. Die Zuſammen=
kunft
iſt bei Gaſtwirt Heberer, Station Meſſel.
(II,3725
Zeilhard, den 8. Februar 1913.
Großherzogliche Bürgermeiſterei.
Kühn.

Sfa
Sinmim= u. Slungenholf=Verſteigerung.

Samstag, den 15. Februar, vormittags 9 Uhr anfangend,
werden im Ober=Ramſtädter Gemeindewald, im Diſtrikt Schorrsberg
191 Fichten=Stämme von 1427 cm mittl. Durchm., 818m Länge
1016
Derbſtg. 1012
2
37
Reisſtg. 35
an Ort und Stelle verſteigert.
Zuſammenkunft auf der Kreisſtraße Ober=Ramſtadt-Nieder=
Modau am Eingang des Waldes.
(3709id
Ober=Ramſtadt, 7. Februar 1913.
Großh. Bürgermeiſterei Ober=Ramſtadt.
Rückert.

[ ][  ][ ]

Seite 12.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Nummer 35.

Verſteigerungs-Anzeige.
Mittwoch, den 12. Februar 1913,
nachmittags 3 Uhr,

verſteigere ich im Verſteigerungslokale Zur Ludwigshalle ( Ober=
gaſſe
) zwangsweiſe gegen Barzahlung:
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2 Schreibtiſche, 1 Vertiko, 1 Diwan, 1 Ladentheke, 2 Geſtelle,
1 Tafel= und 1 Dezimalwaage mit Gewichten, 1 Kontroll=
Regiſterkaſſe, 1 Kaſſenſchrank, 2 Fahrräder, 1 Handwagen,
1 Badewanne mit Ofen, 2 Bilder, 1 Regulator, 1 Kommode
1 Sekretär, 1 Weißzeugſchrank, 1 Pianino, 1 Büfett, 1 Spiegel=
ſchrank
, 1 Ausziehtiſch, 1 Spelſezimmer, beſtehend in: Büfett,
Kredenz, Ausziehtiſch mit 6 Lederſtühlen und Diwan; ferner
eine Partie Schuhwaren u. a.m.
Die fettgedruckten Sachen kommen vorausſichtlich beſtimmt
(3761
zur Verſteigerung.
Darmſtadt, den 10. Februar 1913.
Kapp,
Gerichtsvollzieher in Darmſtadt

Darmstädter
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Leiter: Emil Held und Hieron. Schneider
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(3463a

Oberrealſchule zu Darmſtadt.
Anmeldungen zum Eintritt werden Freitag, den 21. Februar,
35 Uhr, in den betr. Schulgebäuden entgegengenommen. Von
Darmſtädter Schülern ſind die von der Rheinſtraße, Alexanderſtraße
und Dieburgerſtraße ſüdlich wohnenden in der Ludwigs=Oberrealſchule,
die nördlich wohnenden in der Liebigs=Oberrealſchule, von aus=
wärtigen
Schülern die am Bahnhof Darmſtadt=Oſt ankommenden
in der Ludwigs=Oberrealſchule, die im Hauptbahnhof eintreffenden
in der Liebigs=Oberrealſchule anzumelden. Das letzte Schulzeugnis,
der Geburts= und Impfſchein ſind bei der Anmeldung vorzulegen.
Großh. Direktionen der Ludwigs= und Liebigs=Oberrealſchule.
Dr. Dersch.
(3765ii)
Dr. Dorfeld.

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fungsergebniſſe
durch den Vorſteher. Anmeldungen werden täglich
zwiſchen 12 und 1 Uhr und nachmittags zwiſchen 3 und 5 Uhr
entgegengenommen.
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büfett
, 1 großer Reſtaurationsherd mit Schlangenleitung, 1 Geſchirr=
Wärmeofen, div. Gaslüſter, dreiarmig und Lyras, 1 Billard=Lampe,
1 Wäſcheſchrank, 1 Küchenanrichte, 1 Anrichte=Tiſch, 1 Küchenſchrank,
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[ ][  ][ ]

Nummer 35.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Seite 13.

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Haus Heidegg.
Von Hedda v. Schmid.
(Nachdruck verboten.)
7)

Der Freiherr hatte dreinwettern wollen, aber ſeine
Frau hatte ihn unter Tränen gebeten, den Dingen ihren
Lauf zu laſſen. Editha verbohrte ſich immer mehr und
mehr in ihren Kummer, und Erika betrachtete die Stief=
mutter
beinahe als eine Mörderin. Ein verhärmter Zug
lag in Frau Chriſtas noch immer hübſchem Geſicht.
Der Frühling kam, aber Edithas Zuſtand beſſerte ſich
nicht. Sie beſaß nicht die Energie, ſich aus ihrem Trüb=
ſinn
herauszureißen. Erika durfte Reginalds Namen
nicht vor ihr nennen. Es ging auf keinen Fall ſo weiter,
und Frau Chriſta regte den Plan an, Editha und Erika
auf Reiſen zu ſchicken.
Es fügte ſich auch alles ſehr raſch und glücklich: die
Gräfin Suhr ging bald nach Oſtern mit Nika und Fräu=
lein
Elvira nach Wiesbaden und erklärte ſich, obgleich ſie
und der Freiherr einander nach wie vor der Grenzſchenke
wegen feindlich gegenüberſtanden, bereit, die Schweſtern
unter ihre Flügel zu nehmen. In Wiesbaden wollte die
Gräfin Verwandte ihres erſten Gatten treffen, Lanskys,
die in der Krim Beſitz hatten.
Frau Chriſta fühlte ſich wie von einer unerträglichen
Laſt befreit, als die Stieftöchter endlich fort waren. Nun
lag ein glücklicher Sommer vor ihr. Haus Heidegg wachte
wie aus einem langen Schlaf auf, ſeine Wände hallten
von frohem Lachen wider, und die Linden am Ordens=
brunnen
ſpendeten gar reichlichen Schatten für die Spiele
der drei Jüngſten.

Mke
bian rauchte nun ſchon abends mit de
Zigarette auf dem Balkon. Im Oktober ſollte er als Ein
jähriger in das kleine Grenzneſt nach Ruſſiſch=Polen
gehen. Klaus ſaß in der Dämmerſtunde gern am Kla=
vier
im Wohnzimmer der Mutter, die in der Sofaecke dem
Spiele ihres Sohnes lauſchte, der ihr geiſtig am nächſten
ſtand. Bei ihr waren alle Talente zu ſchönen Künſten in
Mutterfreuden und Mutterſorgen untergegangen, aber ſie
hatte ſich doch, trotz aller Hausfraulichkeit, viel Kunſtver=
ſtändnis
bewahrt.
Diez, der wilde, der die Schule Dummerjungenſtreiche
halber hatte verlaſſen müſſen, ſtreifte durch Feld und
Flur. Er wollte ſeine Freiheit noch voll genießen, bevor
er in die ſtramme, militäriſche Zucht einer Kriegsſchule
kam.
Die folgenden Jahre zogen ohne ſonderliche Stürme
für Haus Heidegg vorüber. Allerdings einen Todesfall
hatten ſie zu verzeichnen: Erbtante Lisbeth war von ihrem
langwierigen Leiden erlöſt worden und hatte Editha und
Erika unerwartet das Vierfache der Summe, auf welche
die Nichten geechnet hatten, hinterlaſſen.
Danach teilte Editha ihrem Vater in einem wenig
töchterlichen Briefe mit, daß ſie und ihre Schweſter ſich
entſchloſſen hätten, von ihren Jahreszinſen dauernd im
Auslande zu lebeg.
Sie hätten belleits Fräulein Elvira, deren Obhut Nika
entwachſen war, Als Geſellſchaftsdame ſich verpflichtet.
Kein einziges Worl des Dankes enthielt das Schreiben,
und dem Freiherrn ſatte der jahrelange Aufenthalt ſeiner
Töchter im Ausland) doch ſo manches ſchwere Geldopfer

teſtet Feau eirſe hauie hrem Gaten ſield ungerchet,
den beiden gegenüber nur ja nicht zu knauſern. In Hei=
degg
ſchien die Sonne noch einmal ſo hell, ſeitdem die
ſauertöpfiſchen, zänkiſchen Baroneſſen es nicht mehr mit
ihrer Gegenwart beglückten.
Auch ein Glücksfall war eingetreten: der Freiherr
hatte ſeinen Prozeß wegen der Schänke glänzend gewon=
nen
. Die Gräfin Suhr ſpie Feuer. Durch alle Inſtanzen
hatte ſie die Sache geſchleift, bis an den Senat in Peters=
burg
war ſie gegangen, aber es hatte ihr nichts geholfen.
Sie mußte die ſämtlichen Gerichtskoſten tragen und ſaß
nun empört in Eldenau.
Monika hatte jetzt ſchlimme Tage mit ihr, weil ihr
niemand etwas recht machen konnte. Das zunehmende
Alter war der größte Widerſacher der Gräfin. Gegen
den wehrte ſie ſich mit zuſammengebiſſenen Zähnen.
Aber das Alter ließ ſich nicht bannen, es zerrte an ihr
und quälte ſie in langen, ſchlafloſen Nächten, wenn körper=
liche
Schmerzen ſie nicht ruhen ließen und die ferne Ju=
gend
wie ein verlorenes Paradies vor ihrer lebhaften
Erinnerung ſtand. Die alte Gräfin wollte ihr Haus be=
ſtellen
.
Nur auf alle Fälle, wie ſie ſich ſelber zum Troſt ſagte,
denn ſo raſch ließ ſie ſich doch nicht kleinkriegen. Sie
war aufs höchſte erzürnt über ihren getreuen Nachbarn,
den Freiherrn Matthias, und gab daher den früher er=
wogenen
Gedanken auf, ihn zu Nikas Vormund zu be=
ſtellen
. Die Angelegenheit ließ ſich überhaupt viel ein=
facher
ordnen.
Der fünfundſiebzigſte Geburtstag der Gräfin, der
Ende April war und diesmal in die Oſterferien fiel, ſollte

[ ][  ][ ]

Seite 14.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

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auf Eldenau feſtlich begangen werden. Aber die Hei=
degger
würden keine Einladung erhalten. Es war klein=
lich
gehandelt und die Gräfin wußte ungefähr, was der
Freiherr dazu ſagen würde ſie kannte ſeine unge=
ſchminkte
Ausdrucksweiſe.
Die alte Närrin, würde er ſagen. Mochte er doch!
Aergern würde es ihn trotzdem, nicht eingeladen zu wer=
den
als nächſter Grenznachbar.
Der Frühling kam. Ganz leiſe und zögern ſchlich er
ins Land wie es in jener nordiſchen Gegend immer der
Fall iſt.
Die Landſtraße war mit Schneewaſſer überſchwemmt,
bis es eifrig gurgelnd in die tiefen Gräben abfloß. Im
Grunde dieſer Gräben erblickte man alsbald die dicken,
dunkelgrünen Stengel der Kuhblumen. Froſchkonzerte
erfüllten die Lüfte.
Monika Loen ſchritt um Sonnenuntergang durch den
Frühlingswald. Das vorjährige Laub raſchelte unter
ihren Füßen; ab und zu bückte ſie ſich nach einem Leber=
blümchen
. Monika war hochaufgeſchoſſen und noch immer
von großer Schlankheit.
Sie trug ein dunkelblaues Lodenkleid, den Rock hoch=
geknöpft
, ſo daß die Füße in den Schnürſtiefelchen ſichtbar
waren. Ueber ihrer Schulter hing eine kleine Jagdflinte.
Nika war nun wirklich auf dem beſten Wege dazu, eine
kleine Schönheit zu werden. Das Hübſcheſte an ihr war
jedenfalls ihr blondes, ſtarkes Haar, das in faſt zu großer
Fülle ihr ſchmales Geſicht umrahmte. Die alte Gräfin
war ſehr ſtolz auf das Haar ihrer Enkelin.
Tag, Nika!.
Sie wandte ſich raſch um beim Klang der wohlbe=
kannten
Stimme. Fabian, Du biſt’s? rief ſie erfreut.

Fabian ſprang mit einem gewaltigen Satz über den
breiten Grenzgraben, der Eldenauer und Heidegger Ge=
biet
trennte.
Nika hatte im ſtillen gehofft, den alten Kameraden
hier zu finden. Sie wußte, daß Fabian in dieſen Oſter=
ferien
in Heidegg weilte, und ſie kannte das Jagdrevier,
auf dem er zu dieſer Jahreszeit allabendlich zu treffen
war. Fabian hatte ſein Jahr abgedient, ohne Schulden
zu machen, war Reſerveoffizier geworden und lernte nun
die Landwirtſchaft bei einem angeſehenen Oekonomen der
Propinz.
Ich wollte Dir einen guten Tag ſagen, Fabi, wenn
ſich Eldenau und Heidegg auch jetzt als feindliche Häuſer
betrachten mich kümmern Großmamas verlorene Pro=
zeſſe
nicht. Großmama hat mir ſtreng verboten, nach Hei=
degg
zu reiten, aber das hindert mich ja nicht, auf Dich
im Grenzwald zu warten.
Monika lachte und blickte Fabian vergnügt und un=
ſchuldig
an. Weißt Du, ich habe ſolche Sehnſucht nach
Euch Heideggern wie warm iſt’s bei Euch, wie luſtig
und wie lieb iſt Eure Mutter!
Fabian ſchaute ſie entzückt an am liebſten hätte er
ſie in ſeine Arme geriſſen. Durch die neißen, ſchlanken
Stämme der jungen Birken ſchimmerte glutrot der Son=
nenuntergang
.
Nur ein paar Jahre noch, dann bringe ich Dich Mut=
ter
Chriſtel als Tochter, dachte Fabiaſt. Die Kehle war
ihm wie zugeſchnürt, er ſuchte nach Worten, doch er fürch=
tete
, Nika zu viel von dem Ungeſtümt ſeines Herzens zu
verraten.
Ja, und Großmtma wird imrer ſchwieriger, plau=
derte
Nika weiter, froh, endlich iſmand zu haben, dem

ſie ihr Herz ausſchütten konnte. Bald darf ich kaum ihr
von der Seite gehen, und immer muß ich gehorchen. Und
nach zwei Monaten werde ich ſchon achtzehn. Früher
konnte ich treiben und machen, was ich wollte. Aber ſeit
einiger Zeit iſt Großmama ſehr merkwürdig und ſpricht
viel vom Sterben.
Alte Leute ſprechen meiſt vom Tode das iſt nun
mal ſo, darüber ſollteſt Du Dich nicht grämen, warf Fa=
bian
ein.
Ja, aber Großmama hat doch nur mich auf der Welt.
Sie ſagt immer, ſie ſei einſam, trotz der vielen Freunde
und Bekannten, die ſie beſitzt. Und dann kommt es wie
eine Furcht vor der Einſamkeit über ſie, dann diktiert ſie
mir Einladebriefe. Morgen ſind bei uns wieder alle
Fremdenzimmer beſetzt heute kommt ein Neffe von
Großmama, Sergius Lansky. Er hat eine Beſitzung bei
Jalta in der Krim. Es ſoll wundervoll dort ſein, ſagt
Großmama. Ich kenne Lansky ſchon von Wiesbaden
her.
Iſt er jung? fragte Fabian in aufflammender Eifer=
ſucht
.
Bewahre ich weiß es übrigens nicht, ich habe ihn
nie genau angeſehen. Großmama ſagt, er ſei ſehr klug.
Ich habe Sergius eingeladen, um mein Haus zu beſtellen,
erklärte ſie geſtern abend feierlich. Ich glaube, ſie will ihr
Teſtament machen. Sie weiß, daß ich traurig werde,
wenn ich davon höre ach, ich durchſchaue Großmame
damit ich ihr nur ja nicht widerſpreche, redet, ſie von
ihrem Tode. Es iſt nicht nett von ihr, aber ſie iſt alt,
und ich habe ſie trotzdem ſehr lieb, ich habe ja auch nur ſie.
Und ich? dachte Fabian, aber er ſprach es nicht aus.
(Fortſetzung folgt.)

[ ][  ][ ]

Nummer 35.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Seite 15.

beweist die hervorragende
ualität der
SOriMA.CIGARETTE

Sport, Spiel und Turnen.
Gauturntag des Main=Rhein=Gaues.

C) Unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme der
Vertreter der Turnvereine des Main=Rheingaues
fand am Sonntag nachmittagin der Turnhalle der Turn=
gemeinde
Beſſungen der Gauturntag ſtatt, auf dem
eine reichhaltige Tagesordnuſg ihre Erledigung fand
Gauvertreter Roth=GroßBerau begrüßte in herz=
lichen
Worten die zahlreich erſchienenen Turngenoſſen
und machte die Mitteilung, daß wieder verſchiedene Gau=
vereine
ihr 25jähriges Gründingsjubiläum feiern und
wünſcht, daß ſich die Vereine n der Durchführung der
Feiern eine Beſchränkung auflegn ſollen. Der Vertreter
von Klingenberg überbringt din Gau die Einladung
zum goldenen Jubiläum des drtigen Turnvereins am
7. und 8. Jnni und bittet um zahreichen Beſuch. Wegen
der im Herbſt erforderlichen landhirtſchaftlichen Arbeiten
wurde die Abhaltung eines Tunwartkurſes für die
Wintermonate beſchloſſen. In der Gauaufgenom=
men
wurden die Turnvereine Götzenhain und
Wallerſtädten, ebenſo der Turnverein Bens=
heim
. Den Turnvereinen Alsbag und Dietzenbach
wurde eine 2jährige Karenzzeit für hen Eintritt in den
Gau auferlegt.
Nach dem nunmehr erſtatteten Gſſchäftsbericht
zählte der Main=Rheingau Ende des Fahres 1912 64
Turnvereine mit 6381 ſteuerzahlenden Mitgliedern und
8014 Perſonen über 14 Jahren. J3 Gauausſchuß=
ſitzungen
uſw. wurden die Geſchäfte Gaues erledigt
und zahlreiche Turnwartübungen und Vorturnerſtunden
abgehalten. Der Main=Rheingau bilde in feſtes Gefüge,
in dem Zucht und Ordnung den Leitſten bilden. Mit
beſonderer Genugtuung verweiſt der Gavertreter Roth
noch auf das Jubiläumsgaufeſt in Eberſtad Als Dankes=
zeichen
für das lebhafte Intereſſe Sr. Könil. Hoheit des
Großherzogs an dieſem Turnfeſt brachte deGauvertreter
ein dreifaches Gut Heil aus, das in der kerſammlung
freudigen Widerhall fand. Gauturnwart Hoffer=
bert
ſprach dem Gauvertreter Dank und merkennung
für ſeine vortreffliche Tätigkeit aus. Bei de Beſprech=
ung
des Geſchäftsberichts beklagt ſich der Verttter Gries=
heims
über die Entziehung eines Spielplatzes an der
Weſtecke des Truppenübungsplatzes durch die ſomman=
dantur
, und erſucht, die Sache durch den Garusſchuß
zu regeln. Zwei verdienten treuen Turngenoſſi, dem
Ehrenmitglied des Gauausſchuſſes, Ehrentenwart
Maurer=Darmſtadt, und Turner Bratenſeier=
Sprendlingen, wurden für 25jährige Gauzugehrigkeit
die Glückwünſche ausgeſprochen und dieſelben miteinem
dreifachen Gut Heil geehrt. Gauturnwart Hofrbert
berichtete eingehend über den Turnbetrieb in den Zau=
vereinen
, insbeſondere über Zöglingsturnen unddas
Frauen= und Mädchenturnen. Beſonders hob er ſen
Wert der Turnwartübungen hervor, die für das Ptz=
turnen
unerläßlich ſeien. Nach dem Kaſſenberitzt
des Gaugeſchäftsführers Dieter betragen die Einnd=
Di,
men 2503,31 Mark, die Ausgaben 2251,63 Mark.
Vereinsvermögen beträgt 751,55 Mark. Es wir
dem Geſchäftsführer mit Dankesworten Entlaſtung er
teilt. Die Gaubeiträge werden wie in ſeitheriger Weiſe
feſtgeſetzt. Die nachfolgenden, von dem Gauausſchuß
geſtellten Anträge finden nach längerer Beratung An=
nahme
: Alle Geräteübungen beim Turnen der Frauen=
abteilungen
bei Gaufeſten ſollen in Wegfall kommen und
an deren Stelle Muſterriegen mit den gleichen Beding=
ungen
wie bei den Männerriegen treten; ferner das ver=
ſuchsweiſe
eingeführte Zöglingswetturnen im Gau ſoll
jährlich im Oktober anſchließend an die Turnwartübun=
gen
ſtattfinden; zugelaſſen ſind nur Zöglinge unter 18
Jahren. Weiter ſollen beim volkstümlichen Gauwetturnen
im Frühjahr keine Wettſpiele mehr ſtattfinden, dafür ſind
am Nachmittag Mannſchaftskämpfe, bei denen Kranz und
Ehrentafel verliehen werden, auszufechten. Der Beitrag
wird von 50 Pfg. auf 1 Mk. erhöht. Ein beſonderer
Spieltag mit Wettſpielen findet im Frühjahr ſtatt, wo=
bei
ebenfalls Kranz und Ehrentafel verliehen werden.
Die Gauſpiele finden im Jahre 1913 auf dem Exerzier=
platz
in Darmſtadt ſtatt.
Als Ort für die Gauturnfahrt 1913 wurde
Goddelau gewählt. Die Wahl des Feſtortes für das
Gaufeſt 1914 fiel auf Nieder=Ramſtadt. Nachdem
noch der Gauvertreter Roth und Gauturnwart Hofferbert
über das Programm des Deutſchen Turnfeſtes
in Leipzig und die Einweihung des Völkerſchlachtdenk=
mals
in Leipzig berichtet hatten und eine rege Teilnahme
175) im Gau feſtſtellten, ſprach der Gauvertreter dem
Turnverein Eberſtadt für die ſchöne Durchführung des
Jubiläumsturnfeſtes und dem Turnverein Nieder= Ram=
tadt
für den Damenſtafettenlauf vom Bismarckturm zum
Feſtplatz Worte des Dankes und der Anerkennung aus.
Er ſchloß den ſchön und ſachlich verlaufenen Turntag mit
einem dreifachen Gut Heil.
* Fußball. Darmſtädter Sportklub 1905.
Am Sonntag kam das erſte Kreisſpiel zwiſchen dem
Darmſtädter Sportklub 1905 und der Metzer Fußballver=
einigung
in Metz zum Austrag. Das Spiel endete mit
210 zugunſten des letzteren. Die zweite Mannſchaft ver=
lor
4:3 gegen die gleiche des F.=K. Bensheim, während die

vierte Mannſchaft gegen die dritte von Bensheim unent=
ſchieden
4:4 ſpielte.
F.=K. Teutonia=Weiterſtadt. Am Sonntag
ſtand der F.=K. Teutonia=Weiterſtadt mit ſeiner erſten
Mannſchaft der Turnerriege Erfelden dort gegenüber
und konnte nach überlegenem Spiel mit 14:0 Toren ge=
winnen
. (Halbzeit 10:0).
* Pferdeſport. Preisreiten zu Frank=
furt
a. M. Am Samstag und Sonntag ging im Hippo=
drom
das erſte Preisreiten des Rennklubs
in dieſem Jahre in Szene. Die Frankfurter Geſellſchaft,
an ihrer Spitze Prinz und Prinzeſſin Friedrich Karl von
Heſſen, war faſt vollzählig erſchienen. Am Sonntag war
auch Prinz Joachim von Preußen im Auto=
mobil
aus Straßburg hier eingetroffen. Er wohnte in der
Fürſtenloge ebenfalls den Vorführungen bei. Die ein=
zelnen
Reſultate waren: Samstag: Reitpferd=
Qualitätsprüfung: Abteil. A: Pferde bis 1,62
Meter Stockmaß einſchl., Abteil. B: Pferde über 1,62
Meter Stockmaß. 1. Frau Gerta diHengeliére, 6j. ſchwbr.
W. Gelſe. 2. Rittm. Willmer, 5j. br. W. Betyar (Beſ.).
3. Major v. Eicke (Huſ. 7), 6j. ſchw. St. Handliche (Beſ.).
4. Prinz Friedrich Karl von Heſſen, 5j. dbr. St. Surpriſe
(Rittm. Graf Weſtphalen), 5. Lt. Linkenbach (Ul. 14), 7j.
dbr. St. Queen (Beſ.). 6. Oblt. Bender (Art. 30), 6j.
F.=W. Heinerle (Beſ.). 7. Lt. v. Moſch (Ul. 14), Little
Abteilung B. 1. Oblt. Paraquin
Dorrit (Beſ.).
(1. Chev.), 7j. br. W. Pandur (Beſ.). 1. Rittm. Frhr.
v. Stein, Herkul Queen (Beſ.). 2. Oblt. Siebenbürger
(Ul. 14), 7j. ſchwbr. St. Queen Anne (Beſ.). 3. Oblt. A.
dHengeliére (2. Chev.), 7j. br. St. Chackwing (Beſ.).
3. Oblt! Jobſt (Drag. 25), br. W. Farmer (Beſ.). 4. Rittm.
Neuß (3. Chev.), 6j. Sch.=W. Swatopluk (Beſ.). 5. Prinz
Friedrich Karl von Heſſen, 5j. Sch.=St. Virginia (Rittm.
Graf Weſtphalen). 6. Lt. Frhr. v. Berckheim (Drag. 20),
7j. F.=St. Baby (Oblt. Graf Yrſch=Pienzenau). 6. Oblt.
Rich. v. Hartlieb (8. Chev.), 4j. dbr. St. Lady Hamil=
ton
(Beſ.).
Chargenpferd=Springkonkurrenz (Kl. A).
Lt. v. Arnim (Ul. 17), Noergler (Beſ.). 2. Oblt. v. Hütz
(Drag. 26), 8j. Sch.=St. Lady Dorothy (Beſ.), 3. Lt.
v. Iſſendorf (Drag. 24), a. br. St. Erika (Beſ.), 4. Oblt.
Hagemann (Huſ. 9), 8j. dbr. W. Kautz (Beſ.), 5. Lt. Krieg
(Ul. 19), a. F.=W. Knoerzer (Beſ.). 6. Lt. v. Werner (Drag.
24), 7j. br. W. Ganges (Beſ.), 6. Lt. Graf Adelmann
(Ul. 20), 6j. br. W. Merkur (Beſ.), 7 Oblt. Frhr. v. Könitz
(1. Schw. R.), 7j. ſchw. W. Ewald (Lt. Frhr. v. Bonnet).
Damen=Reitkonkurrenz. 1. Oberſtlt. Hugo
Huſ. 9), a. F.=W. Radetzki (Frl. Hugo). 2. Oblt. Sieben=
bürger
(Ul. 14), 7j. ſchwbr. St. Queen Anne (Frau J.
Boege). 3. Frau Gerta d’Hengeliere, 6j. ſchwbr. W.
Gelſe (Beſ.). 4. Otto Mauritz, 6j. F.=St. Vicky (Frau
Mauritz). 5. Dr. Alex Meyer, 8j. br. St. Silly Girl (Frl.
Nore Müller). 6. Rittm. Willmer (Reitſchule München)
5j. br. W. Betyar. 7. Lt. Fremerey (Drag. 7), 6j. br. St.
Miß Flory. 8. Lt. Graf v. Holck (Drag. 9), 7j. br. W.
Dynaſt (Frl. V. v. Mumm). 9. Oblt. A. d’Hengeliere
(2. Chev.), 7j. br. St. Chackwing (Frau Eliſab. dHenge=
liére
=Dacqué). 10. Rittm. Boege (UI. 14), 7j. hbr. St. Silly
Sally (Frau J. Boege). 11. Rittm. v. Flotow (Ul. 13),
a. F.=St. Senta (Frau Seiffert). 12. Rittm. v. Stedman
(Adj. 21. K.=B.), 7j. F.=W. Quintus (Frau v. Stedman).
Erm unterungs=Reitkonkurrenz. 1. Lt.
Graf v. Holck (Drag. 9), 7j. br. W. Dynaſt. 2. Rittm.
Frhr. v. Stein (Huſ. 7), 5j. F.=W. Herkul Queen. 3. Oblt.
Siebenbürgen (Ul. 14), 7j. ſchwbr. St. Queen Anne. 4. Lt.
v. Knobloch (Ul. 12), 6j. Sch.=W. Prinz. 5. Lt. v. Haugk,
Commender. Konkurrenz=Hochſpringen.
Otto Koch, a. Rotſch.=W. Nevermind (Beſ.) 1.90 Meter.
2. Paul Heil, 6j. Sch.=W. Grey Lad (Beſ.) 1,90 Meter.
. Otto Koch, a. br. W. Bravo (Beſ.) 1,80 Meter, 3. Rittm.
v Günther (Adj. 42. Kav.=Brig.), 8j. ſchwbr. W. Harald
Beſ.). 3. Oblt. Deichler (Chilen. Kav.), 7j. F.=W. Chile
Beſ.). 3. Oblt. Janes (Chil. Kav.), Agra (Lt. v. Wuh=
liſch
, 5. Huſ.).
Sonntag: Maiden=Springkonkurrenz
Klaſſe A). 1. Major Cnopf (2. Chev.), 7j. F.=St. Kilkeny
(Oblt. Giulini). 2. Oblt. v. Gorriſſen (Drag. 23), 7j. br.
St. May (Beſ.). 3. Oblt. v. Mandelsloh (Drag. 4), 6j. br.
St. Hoffnung (Beſ.). 3. Lt. Prieger (1. bayer. Ul.), 8j.
F.=W. Iriſh Tom (Beſ.)., 5. Lt. Frhr. v. Gemmingen
Ul. 20), Precioſa (Beſ.), 5. Lt. Schmidt (UI. 6), 6j. br.
W. Bimbo (Beſ.), 5. L. W. v. Gans, 7j. br. W. Bally=
nona
(Beſ.). 5. Otto Koch, 7j. F.=W. King (Paul Heil).
5. Rittm. Bürklin (Drag. 20), 6j. br. St. Semper vera
Beſ.), 5. Oblt. R. v. Hartlieb (8. Chev.), 7j. hbr. W.
ertram (Beſ.), 11. Lt. Poppenhuſen (Huſ. 9), 7j. ſchwbr.
t. Schimmel (Beſ.). 11. Lt. Frhr. v. Marſchall (Drag.
7j. F.=W. Bobby (Beſ.). Reitpferd=Quali
tsprüfung (Staatspreiſe). 1. Rittm. v. Oeſterley
(eitſchule Hannover), 6j. ſchw. St. Pepita (Beſ.).
2. Zittm. Dekkert (Ul. 14), 6j. Sch.=W. Erlkönig (Beſ.).
3. blt. Bürkner (Jäg. 2), 5j. Sch.=W. Amethyſt (Beſ.).
3. A Lootſe (Ul. 7), 4j. br. St. Mia (Lt. Krauſe),
5. Rm. Lauffer (Drag. 26), 5j. ſchw. W. Irrtum (Oblt.
Jobſ 6. Oblt. Hoeckner (Art. 63), 7j. dbr. St. Appel=
ſchnuſ
Beſ.). 6. Major v. Eicke (Huſ. 7), 6j. ſchw. St.
Handhe (Beſ.). Damen=Springkonkurren z
(KlaſſKg). Ehrenpreis, gegeben von Herrn General= Kon=
ſul
Ka von Weinberg der Siegerin; weitere Ehren=
preiſe
. 1 Rittm. v. Günther (Adj. 42. Kav.=Brig.), 7j.
F.=W. Pewood (Frau v. Günther). 2. K. Müller, a. ſchw.
St. Wuſſt (Frl. H. E. Müller). 2. L. W. von Gans,
j. br. Wallymone (Frau Willmer). 4. Oberſtlt. Hugo
Huſ. 9), Sſchwbr. W. Lord Roberts (Frl. Hugo). 4. Otto
Mauritz, 8ſchwbr. St. Lola (Frau Mauritz). 6. Hch. An=
dreae
, 6j. W. Cyrano (Frl. Nore Müller). 7. Rittm.
Boege (Ul.)), 7j. hbr. St. Silly Sally (Frau J. Boege).
Kavallrie=Reitkonkurrenz. Ehrenpreis
des Prinz=Renten Ludwig von Bayern. 1. Lt. von
Wuthenau (Kc. 7), 7j. br. W. Normanne (Beſ.). 2. Oblt.
Jobſt (Drag.)), 7j. br. W. Ottmar (Beſ.). 3. Oblt. von
Sigriz (2. Chw, a. F.=St. Eirene (Beſ.). 4. Oblt. Bürk=
ner
(Jäg. 2), br. St. Uarda (Beſ.). 5. Lt. Heldbek
(Drag. 25), 8j. . St. Lotte (Beſ.). Kaiſerpreis=
Springkonhrrenz (Klaſſe B). Ehrenpreis des
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Wellgunde. 3. Rm. v. Günther (Adj. 42. Kav.=Brig.),
a. ſchwbr. W. Carletrel. 4. Lt. Joachim Frhr. v. Gem=
mingen
(Drag. 26)a ſchw. St. Precioſa. 5. Oblt. von
Gorriſſen (Drag. 237j. br. St. May. 6. Lt. Graf R. von
Schaesberg (Drag. N a. br. W. Krieger. 7. Lt. v. Har=
bou
(Drag. 20), a. W. Grundherr. 8. Oblt. d. R. P.

Heil, a. ſchwbr. St. Hofjungfer. 9. Oblt. Baſſermann
(Kür. 8), 7j. Rotſch.=W. Hoppur. 10. Lt. v. Knobloch
(Ul. 12), 6j. Sch.=W. Prinz.
* Radſport. Die Rad=Weltmeiſterſchaften
1913 in Deutſchland. Die Union Cyeliſte Internatio=
nale
hielt ihren Frühjahrs=Kongreß in Paris ab, bei dem
Deutſchland durch die Herren Strohbach=Dresden, Düber
und Martin=Leipzig vom Verband Deutſcher Radrenn=
bahnen
, ſowie Böckling=Eſſen und Sewig=Hannover vom
Deutſchen Radfahrer=Bund vertreten war. Von beſon=
derem
Intereſſe für Deutſchland war die Frage der dies=
jährigen
Rad=Weltmeiſterſchaften, für die
Deutſchland und Dänemark als Bewerber auftraten . Bei
der Abſtimmung fiel die Entſcheidung zu Gunſten
Deutſchlands, dem die Weltmeiſterſchaften mit 42
Stimmen gegen 22 für Dänemark übertragen wurden.
Die Amateur=Weltmeiſterſchaften werden am 24. Auguſt
im neuen deutſchen Stadion zu Berlin=Grunewald aus=
getragen
, während die Berufsfahrer=Weltmeiſterſchaften
im Laufe der darauffolgenden Woche in Leipzig oder in
Breslau entſchieden werden ſollen. Der mit den Welt=
meiſterſchaften
verbundene Kongreß der Union Cyeliſte
Internationale findet am 23. Auguſt in Berlin ſtatt. Der
von Frankreich aus eingereichte Antrag, die Amateur=
Weltmeiſterſchaften aufzuheben und nur eine Meiſterſchaft
zu veranſtalten, an der ſowohl Berufsfahrer wie Ama=
teure
teilnehmen können, wurde mit überwältigender
Mehrheit abgelehnt. Bei der Vorſtandswahl wurde das
alte Bureau wiedergewählt. An Stelle des verſtorbenen
erſten Vorſitzenden des Verbandes Deutſcher Radrenn=
bahnen
Hontſchka=Breslau wurde der nunmehrige Vor=
itzende
Strohbach=Dresden zum Vizepräſidenten der
Union Cyeliſte Internationale gewählt
*Hockey. Nach langer Pauſe hatte die Hockeyab=
teilung
des F.=K. Olympia=Darmſtadt am Sonn=
tag
wieder ein Wettſpiel, und zwar in Worms, wo die
Darmſtädter in überlegenem Spiele mit 511 den Sieg über
die Hockeyabteilung des Fußball= und Lawn=Tennisklubs
Worms erringen konnten. Am nächſten Sonntag ſpielt
die ſiegreiche Mannſchaft hier gegen den Verein für Raſen=
ſpiele
=Mannheim.
Die Berliner Hockeyſpiele um die Ver=
bandsmeiſterſchaft
ſtanden am Sonntag im Zeichen der
Entſcheidungskämpfe. Der Berliner Sportklub gewann
nach überlegenem Spiel mit 4:3 gegen den Sportklub
Charlottenburg. Das Spiel muß jedoch wiederholt wer=
den
, da der Schiedsrichter ſeiner Aufgabe nicht gewachſen
war und auch in der erſten Spielzeit acht Minuten zu
wenig ſpielen ließ. Der Berliner Sportklub übernahm
bald nach Beginn durch zwei kurz hintereinander geſchoſ=
ene
Bälle die Führung. Bei einem Durchbruch holte
Charlottenburg in der 24. Minute ein Tor auf, das der
Berliner Sportklub durch ein weiteres Tor bis zur Pauſe
wieder ausglich. In der zweiten Spielhälfte wurde Char=
lottenburg
beſſer und der ſehr gute Torwächter ließ nur
noch einen Ball die Linie paſſieren. Durch ein zweifel=
haftes
Tor und einen guten erfolgreichen Schuß erhöhte
Charlottenburg den Stand auf 4:3. Der Berliner Ball=
ſpielklub
beſiegte den Tennis= und Hockeyklub Friedenau
überlegen 9:0 (1:0).
sr. Skilauf=Konkurrenzen um die Meiſterſchaft des
Deutſchen Skiverbandes. Die Wettläufe um die Deutſche
Meiſterſchaft fanden in Oberhof in Thüringen bei ſchlech=
en
Schnee= und Witterungsverhältniſſen ſtatt. Die Be=
ſchickung
der Meiſterſchaften war außerordentlich ſtark.
Seniorendauerlauf über 15 Kilometer (18 Teilnehmer):
1. Bergendahl=Kriſtiania 1 Stunde 23 Min. 55 Sek.,
2. Lellefno=Kriſtiania 1:26:30, 3. O. Schmidt=Dresden
1.27142. Juniorenlauf über 11 Kilometer (11 Teilnehmer):
Roßbach=Sonneberg 1225:29. Hindernislauf über zwei
Kilometer (12 Teilnehmer): 1. Staurheim=Kriſtiania, 2.
Villing=Freiberg. Offizierslauf über 11 Kilometer (12
Teilnehmer): 1. Leutn. Wilfer (3. Feldartillerie=Regiment
München) 1:26:31, 2. Leutn. v. d. Planitz (21. Ulanen=
Regiment) 1226:43, 3. Leutn. Schruger (18. Inf.=Regt.)
1:36:21. Militärlanglauf über 11 Kilometer (9 Teilneh=
mer
): 1. 10. Jägerbataillon Goslar, 2. Inf.=Regt. Nr. 142
Mülhauſen i. Elſ., 3. Inf.=Regt. Nr. 171 Kolmar i. Elſ.;
Gewinner des Schweden=Pokals iſt das 10. Jägerbatail=
lon
Goslar. Seniorenſprunglauf (30 Teilnehmer): 1.
Bergendahl=Kriſtiania (28,5 Meter), 2. Sraader=München
(25 Meter), 3. Knudſen=Mühlbach in Oeſterreich (23 Me=
ter
). Den Damenpreis der Herzogin von Sachſen=Koburg=
Gotha für den ſchönſten Sprung gewann Bergendahl.
Juniorenſprunglauf (20 Teilnehmer): 1. Paul Weigel=
Lauſcha, 2. Rauſch=Oberau. Beide wurden zu Senioren
Die Preisverteilung fand durch den
ernannt.
Herzog und die Herzogin von Sachſen=Koburg=Gotha
ſtatt.
sr. Nordiſche Spiele in Stockholm. Die Eisbahn in
dem Stadion befindet ſich in leidlicher Verfaſſung. In
den Schnelläufen ſtellten ſich nicht weniger als 16 Be=
werber
dem Starter. Oskar Mathieſen errang im Fünf=
hundertmeterlaufen
in 45,4 Sekunden einen knappen Sieg
von Saeterhaug in 46,3 Sek. Auch die übrigen Teilneh=
mer
endeten dicht auf. Ohlſen wurde Dritter mit 47,3
Sekunden und Wickſtröm Vierter in 47,4 Sek. Das Fünf=
tauſendmeterlaufen
ſah überraſchenderweiſe den Ruſſen
Ippolitoff als Sieger in 8 Minuten 58 Sek. vor Mathie=
ſen
, der 9:04.9 gebrauchte. Ohlſen endete als Dritter in
9.23,5 vom Strömſten in 9:24 und Naidenoff in 9227,1.
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[ ][  ]

Seite 18.

Darmſtädter Tagblatt, Dienstag, den 11. Februar 1913.

Nummer 35.

ClGARETTE

Heſſiſcher Handelskammertag.

Der 27. Heſſiſſche Handelskammertag
wurde am Samstag in Mainz im Stadthaus abgehalten.
Sämtliche Handelskammern des Großherzogtums waren
vertreten. Der Vorſitzende Geheimer Kommerzienrat Dr.
Bamberger gedachte zunächſt des verſtorbenen Kommer=
zienrats
Fertſch=Friedberg, zu deſſen Angedenken ſich die
Anweſenden von ihren Sitzen erhoben; er begrüßte als=
dann
die erſchienenen Gäſte, die Herren Miniſterialrat
Hölzinger=Darmſtadt, Geheimerat Süffert, Re=
gierungsrat
Pfeiffer den Vertreter der Provinzial=
direktion
Rheinheſſen Regierungsrat Schön, den Ver=
treter
der Stadt Mainz Bürgermeiſter Kuhn. Miniſte=
rialrat
Hölzinger und Bürgermeiſter Kuhn wün=
ſchen
den Verhandlungen beſten Erfolg. Syndikus Mees=
mann
von der Mainzer Handelskammer erſtattete Bericht
über den Verkehr mit Leuchtöl. Es wurde fol=
gende
von der Mainzer Handelskammer vorgeſchlagene
Reſolution angenommen: Der Heſſiſche Handels=
kammertag
iſt grundſätzlich der Schaffung von Staats=
monopolen
, ſofern nicht zwingende öffentliche Intereſſen
vorliegen, abgeneigt. Er erblickt indeſſen in der Entwick=
lung
, die der Petroleumvertrieb unter der Herrſchaft der
Standard Oil Company angenommen hat, eine Gefahr,
der vom Reich entgegengetreten werden ſollte. Der vor=
liegende
Geſetzentwurf kann dann als Grundlage eines
geſetzgeberiſchen Vorgehens angeſehen werden, wenn die
Vorausſetzung als erfüllt zu erachten iſt, daß der Ver=
triebsgeſellſchaft
die Möglichkeit in eigener Deckung zu
mäßigen Preiſen gegeben iſt, was der Handelskammertag
angeſichts der widerſtreitenden Angaben der Sachverſtän=
digen
ſelbſt nicht nachprüfen kann. Im einzelnen bedarf
der Geſetzentwurf in bezug auf eine Reihe von Punkten
der Abänderung, auch hinſichtlich einer angemeſſenen Be=
rückſichtigung
der Intereſſen des Kleinhandels. Ueber
die Konkurrenzklauſel im Handelsge=
werbe
reſerierte Dr. Stahl von der Handelskammer
Friedberg. Es wurde der folgende Teil der Reſolu=
tion
der Kommiſſion des Deutſchen Handelstages an=
genommen
: Die Kommiſſion erklärt, daß die gegenwär=
tigen
geſetzlichen Beſtimmungen über die Konkurrenz=
klauſel
im Handelsgewerbe nicht allein ausreichen, ſon=
dern
auch den Intereſſen aller Beteiligten am beſten Rech=
nung
tragen. Die Verſchiedenartigkeit der geſchäftlichen
Verhältniſſe in den einzelnen Zweigen und Betrieben
von Handel und Induſtrie läßt es unmöglich erſcheinen,
Normen aufzuſtellen, die erhebliche berechtigte Intereſſen
nicht verletzen. Daher ſollte es nach wie vor lediglich dem
richterlichen Urteile überlaſſen bleiben, Konkurrenzklauſeln
inſoweit für unverbindlich zu erklären, als ſie nach Zeit,

Ort und Gegenſtand die Grenzen überſchreiten, durch die
eine unbillige Erſchwerung des Fortkommens der Hand=
lungsgehilfen
ausgeſchloſſen wird.
Ueber Arbeitszeit der Arbeiterinnen
berichtete die Handelskammer Worms. Es wurde hierzu
folgende Reſolution angenommen: Dem Arbeit=
geber
ſoll geſtattet ſein, in beſonders dringenden Fällen für
die Dauer von drei Tagen ſofort Ueberarbeit leiſten zu
laſſen unter der Bedingung, daß er gleich am erſten Tage
der zuſtändigen Verwaltungsbehörde davon Kenntnis
gibt und die Erlaubnis nachträglich einholt. Es ſoll un=
zuläſſig
ſein, daß die Behörde die Erlaubnis von Ueber=
arbeit
von der Zahlung eines höheren Lohnes abhängig
macht. Für Gewerbezweige, in denen an einzelnen
Tagen ein vermehrtes Arbeitsbedürfnis auftritt, ſollen
auf höchſtens 50 Tage im Kalenderjahre Ausnahmen von
den Beſtimmungen des § 137, Abſ. 1, 2, 4, mit der Maß=
gabe
zugelaſſen werden können, daß die tägliche Arbeits=
zeit
12 Stunden, an Samstagen und Vorabenden von
Feſttagen 8 Stunden nicht überſchreitet und die zu gewäh=
rende
ununterbrochene Ruhezeit nicht weniger als zehn
Stunden beträgt. In der ununterbrochenen Ruhezeit
müſſen die Stunden zwiſchen 10 Uhr abends und 5 Uhr
morgens liegen. Die Wahl der Ausnahmetage ſoll dem
Arbeitgeber freiſtehen. Gewerbetreibende, die Arbeiterin=
nen
über 16 Jähre auf Grund ſolcher Beſtimmungen über
die geſetzlich feſtgeſetzte Zeit hinaus beſchäftigen, ſollen
dies nicht vorher anzuzeigen brauchen; ſie ſollen ver=
pflichtet
ſein, an einer in die Augen fallenden Stelle der
Werkſtätte eine Tafel auszuhändigen, auf der jeder Tag,
an dem Ueberarbeit ſtattfindet, vor Beginn der Ueber=
arbeit
eingetragen iſt. In Eingaben an den Bundesrat
und den Reichstag ſoll beantragt werden, daß eine ſolche
Regelung durch den Bundesrat oder, falls dieſer nicht
dazu befugt ſei, durch Geſetz vorgenommen werde.
Ueber Verkehr mit Nahrungs= und Ge=
nußmitteln
berichtete Dr. Human=Darmſtadt.
Folgende Reſolution wurde angenommen: Bei
Verfolgung von Uebertretungen der Beſtimmungen über
den Verkehr mit Nahrungs= und Genußmitteln ſoll die
Polizei verpflichtet ſein, vor Abgabe der Akten an die
Staatsanwaltſchaft gewerbliche Sachverſtändige oder die
zur Vertretung von Induſtrie und Handel berufene Kör=
perſchaft
anzuhören. Weiter wurde folgende von der
Darmſtädter Handelskammer vorgeſchlagene Reſolution
angenommen: Die Regelung der Feſtſetzungen über
Lebensmittel im Verordnungswege iſt zu verwerfen. Es
iſt beim Kaiſerlichen Geſundheitsamt eine Zentralſtelle
für das Deutſche Reich einzurichten, welche folgende Auf=
gaben
hat: a) Einheitliche Methoden der Unterſuchung
von Nahrungs= und Genußmitteln für alle diejenigen
Fälle feſtzuſetzen, in welchen die Unterſuchung nach ver=
ſchiedenen
Methoden möglich iſt, die verſchiedenen Metho=
den
aber verſchiedene Reſultate ergeben können. b) Feſt=
ſetzungen
für die Normen der Beurteilung der einzelnen
Nahrungs= und Genußmittel zu treffen. Das Recht der
freien Beweiswürdigung der Gerichte wird durch die Feſt=
ſetzungen
und Gutachten der Zentralſtelle nicht berührt.
c) Auf Erſuchen der Gerichte über Fragen, welche die Her=
ſtellung
und Beſchaffenheit von Nahrungs= und Genuß=
mitteln
betreffen, Obergutachten zu erſtatten, ſofern in
dem gerichtlichen Verfahren voneinander abweichende
Gutachten mehrerer Sachverſtändiger vorliegen. Auch auf
Erfordern von Handelskammern ſind Gutachten zu erſtat=
ten
. Die von der Zentralſtelle getroffenen Feſtſetzungen
ſind einer neuen Durchſicht zu unterwerfen, wenn ein
hierauf gerichteter Antrag von Handlskammern
geſtellt wird. Die Feſtſetzungen der Zentralſtelle
ſind zu veröffentlichen; ebenſo die ihnen zu Grunde
liegenden Beratungen, zum mindeſten in Auszügen,
welche alle bei der Beratung geltend gemachten Gründe
und Gegengründe wiedergeben. Die Geſchäftsordnung
für die Zentralſtelle ſtellt der Bundesrat auf. Sie muß
die Beſtimmung enthalten, daß bei allen Beratungen min=
deſtens
die Hälfte der Beratenden aus ſolchen Mitgliedern
der Zentralſtelle beſtehen muß, welche Gewerbetreibende
der Nahrungsmittelinduſtrie ſind.
Ueber Fortbildungsſchulpflicht für Mäd=
chen
berichtete Dr. Zeidler von der Handelskammer Gießen.
Es wurde folgender Antrag von Mainz angenommen:
Der Heſſiſche Handelskammertag anerkennt, daß eine
beſſere Fortbildung der weiblichen Jugend im allgemei=
nen
Intereſſe und bezüglich der kaufmänniſchen weiblichen
Angeſtellten auch im Berufsintereſſe wünſchenswert iſt.
Die Einführung eines Fortbildungsſchulzwanges könnte
jedoch nur unter genauer Berückſichtigung der Bedürfniſſ=

von Handel und Induſtrie und unter Verülcſichtigung der
Verhältniſſe der Nachbarſtaaten erfolgen. Der Handels=
kammertag
empfiehlt die im Referate enthaltenen Geſichts=
punkte
eingehender Würdigung. Zu einer beſtimmten
Stellungnahme iſt der Handelskammertag erſt in der Lage,
wenn die Vorſchläge der Regierung vorliegen.
Schutz der Arbeitswilligen war der letzte
Punkt der Tagesordnung. Referent Dr. Kratz von der
Handelskammer Offenbach. Der Referent ſchlug namens
der Offenbacher Handelskammer eine Reſolution vor, in
der ſeine Ausführungen niedergelegt ſind und die ſich
gegen das geſetzliche Verbot des Streikpoſtenſtehens aus=
ſpricht
. Nachdem ſich Syndikus Meesmann an der De=
batte
beteiligt, wurde die Offenbacher Reſolution ange=
nommen
. Zum Vorort des Heſſiſchen Handels=
kammertages
wurde wieder Mainz beſtimmt. Kommer=
zienrat
Heichelheim ſprach dem Vorſtzenden für die vor=
zügliche
Leitung der Geſchäfte herzlichen Dank aus. Der
Vorſitzende dankte für das entgegengebrachte Vertrauen
und ſchloß nach 7½ ſtündiger Dauer die Sitzung. Es fand
hierauf im Kaſino Hof zum Gutenberg ein gemein=
ſchaftliches
Feſteſſen ſtatt.

Kunſtnotizen.
Ueber Werke, Künſtler und künſtleriſche Veranſtaltungen ꝛc., deren im Nach=
ſtehenden
Erwähnung geſchieht, behält ſich die Redaktion ihr Urteil vor.

C Klavierabend Télémaque Lambrino.
Für den am 13. d. M. im Saale Zur Traube ſtattfinden=
den
Klavierabend des jungen Virtuoſen Télémaque
Lambrino macht ſich nunmehr ein außergewöhnliches In=
tereſſe
bemerkbar; ein Beweis daß der einzigartige Künſt=
ler
es verſtanden hat, auch hier ſich in die Herzen der
Hörer hineinzuſpielen, wieer überall Begeiſterung aus=
gelöſt
hat. Lambrino wir in ſeinem hieſigen Konzert
Beethoven, Schumann, Chpin und Liſzt ſpielen.
Télémaque Lambrinobringt, ſo ſchreibt Dr. Walter
Niemann, für Schumann das Entſcheidende, bringt alles
das mit, was vor wenien Jahren noch kaum jemand
von dieſem innerlich gläzend entwickelten Künſtler er=
warten
durfte. Nun die ienſchliche und künſtleriſche Reifer
da iſt, haben wir in Latbrino einen Pianiſten gewonnen,
der nicht um des Spieles willen ſpielt, ſondern jedes ge=
ſpielte
Stück ſich innerch zu eigen gemacht, bis in jede
Note hinen durchlebt und durchfühlt hat. Lambrinos
Art neigt heute eher um Nachdenkſamen und Verſonne=
nen
. Eine weiſe Oekromie der Kräfte, eine beinahe abſo=
lute
Beherrſchung feies ſtarken und geſunden Tempera=
ments
weiß, von eier hohen Intelligenz getragen, das
Kunſiwerk in ganz inziger Weiſe aufzubauen, zu glie=
dern
und im einznen zu zeichnen. Dieſer muſikaliſche
Zeichner, der mitzinem, aber klarem Stift das innerſtel
Leben der gerade? Schumanns wunderſam phantaſtiſcher
Polyphonie ſo lſagenden Mittel= und Nebenſtimmen
an die Oberfläe heraufholt, weiß nichts von jener Ge=
fühlsſchwere
ineutſchen Sinn, die ſo gefährlich eng an
Sentimentalitésrenzt. Dafür iſt er ein zu geſunder und
durchaus mänscher Spieler, der ſich das Koſtbarſte in
Ton und Wei bewahrt hat, das ein Künſtler beſitzen
kann: Naivet: Um ſo organiſcher iſt ſein Spiel von
innen herauserwachſen, und um ſo feſſelnder ſtimmt da=
mit
die reick und ſeine Ausbildung der meiſt ſo vernach=
läſſigten
Melſarben, der mitlieren und ſchwächeren
Stärkegradedes Klaviers zuſammen. Dieſes reizvolle
Helldunkel eſtimmt geradezu ſein Schumannſpiel, das
damit ſofe in die richtige Sphäre des Intimen gerückt
wird.

Handel und Verkehr.

oſtſcheckverkehr Im Reichspoſtgebiet iſt die
Zahl e Kontoinhaber im Poſtſcheckverkehr Ende Januar
1913 1f 76 490 geſtiegen. (Zugang im Monat Januar
1287 Auf dieſen Poſtſcheckkonten wurden im Januar ge=
buch
1480 Millionen Mark Gutſchriften und 1489 Mil=
lion
Mark Laſtſchriften. Das Geſamtguthaben der
Kobinhaber betrug im Januar durchſchnittlich 169 Mil=
lirn
Mark. Im Verkehr der Reichspoſtſcheckämter mit
d. Poſtſparkaſſenamt in Wien, der Poſtſparkaſſe in
dapeſt, der luxemburgiſchen und belgiſchen Poſtverwal-
ig
, ſowie den ſchweizeriſchen Poſtſcheckbureaus wurden
9 Millionen Mark umgeſetzt und zwar auf 3240 Ueber=
kagungen
in der Richtung nach und auf 14300 Ueber=
ragungen
in der Richtung aus dem Auslande.

Muss es immer Fleisch sin?

Diese Frage sollte sich jede Hausfrau vorlegen, wenn ihr für das frische Fleisch fast unschwingliche Preise abgefordert werden. Fleisch kauft
man hauptsächlich seines guten Geschmackes wegen, denn eigentlichen Nährwert bieten auch and Nahrungsmittel in Hülle und Fülle. Es gibt ein aus-
gezeichnetes
Mittel, Gemüse, Hülsenfrüchte, Reis u. a. mit dem angenehmen Geschmack des Fleiscs zu versehen: es ist Liebig’s Fleisch-Extrakt. Mit Hilfe
von Liebig vereinigt man die Vorzüge der Gemüsekost mit denen der Fleischkost. Machen Sieeshalb noch heute einen Versuch mit
(VII,3697

Liebig’s Fleisch-ktrakt

tole Katten
27
pro Tag zur Strecke gebracht großartig iſt der E
folg
bin die Katten ſos 30 Katten in kurzer Zeit tot findet
bei meinen Lunden großen Anklang ꝛc., ſo und ähnlich heißt es immer in den
länzenden Zeugniſſen über Es
geſchnappt. wo keine Katte mehr in die
Falle, geht, wo Giſtbrocken nich
rangerührt werden, da wird das von den
ſchädlichen Ragetieren mit wahrem Heißzhunger gefreſſene, für Hanstiere und Geſlüge
abſolut unſchädliche
geſchnappr.
ſtaunend wiren. Kur echt in plombierten
Packungen a50 Pf.
h8. und 8. m. man laſſe ſich nichts anderes aufreden.
wo nicht zu haben, weiſen wir Bezugsquellen nach. Jedem Intereſſnten ſenden
wir auf Winſch eine 32 Zeien ſtarte Broſchüre Die Katenplage und ihre wirſam
Bekämpfung= umſonſt und portofrei, wilh. Anhalt G. m. b. H., Oſtſebad Kolherg.
Es hat geschnappt

In Darmſtadt zu haben in der Drogerie von Gebrüder Vierheller.

6
Blffe leien!
Ich empf. mich bei all. vorkommen=
den
Weißbinder= u. Lackiererarb.,
mache dauerhafte Arbeit bei billig=
er
Berechnung.
(*3662
Wilh. Dick, Ludwigshöhſtr. 78.

Sichte e Zörde . Ziie
werden billig u. dauerhaft gefloch=
ten
, Korbreparat. prompt ausge=
führt
Korb= und Stuhlflechterei
von Ludwig Schmidt, Runde=
turmſtraße
2. Arbeit wird ab=
geholt
. Poſtkarte genügt. (*3731

von
Schneipen Bäum=
Anlegen u. Unterhaltu;
von Gärten
prompt u. billigſt. Poſtk. gegt.
Jos. Bschirrer Landftts=
gär
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Moosbergſtraße 94. 3680

Zahrräder und Nähmolnen,
½ alle Fabrikate, repariechnell,
(*3710
gut und billig.
Chr. Debus, Meckiker,
Nieder=Ramſtädterſtr. 571el. 1737.
Luftſchläuche u. Deäntel in
allen Preislagen ſtets crätig.

Eigene Raſen= u Teppich=
klopfanlagen
, ſon Gepäck=
(*3683
beförderung billigf
Blitz-Rzler,
Tel. 1906 Schuchare 11 Tel. 1906.

werden pert u. repariert
(3733a
Möbel Neugaſt

Derienige Herr
mit dem ſchwarzen Schnurrbärichen, der uns auf der
Rückfahrt hierher im geſtrigen Abendzuge ſo angenehm
unterhielt und u. A. erzählte, daß er ſich ſeit Jahren mit
Erdal für ein paar Pfennige monatlich ſein Schuhwerk
weich und elegant erhalte, hat auf meine Töchter Julchen,
Jetichen, Lieschen und Linchen lieſen Eindruck gemacht
und wird, wenn noch hier, um Beſuch gebeten bei
Eusebius Schlaumaier, Villa Töchterſegen. (II,3726

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*3692)

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